Nr. 171. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis prănumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Post- Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 8 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 40 Big, für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Versammlungs- Anzeigen 5 Pfg. Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Väterchen bei Wilhelm II. Dienstag, den 25. Juli 1905. # Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Rußland zu beeinflussen. Und zugleich würde eine deutsch besiegt wird, trifft dieser Schlag auch den deutschen Kaiser." Jaurès russische Annäherung eine Demonstration gegen die französisch- wendet sich dann zu der äußeren Politik und glaubt, es werde da englische Entente bedeuten; Rückwirkungen einer solchen An- alles beim alten bleiben. Rußland werde fortfahren, sich gleichAm Freitag der letzten Woche kam die Kunde, daß eine Zu- näherung auf die französisch- russische Allianz wären unvermeidlich. zeitig mit Frankreich und Deutschland gut zu stellen. fammenkunft des deutschen Kaisers mit dem Zaren in den finnischen Wenn aber die französische Demokratie das Bündnis mit dem blutKüstengewässern stattfinden werde. Die amtlichen Stellen in Berlin triefenden Barismus verfemt und abschütteln will, so weisen es Clémenceau sagt in der Aurore":" Witte wär äußer erklärten, nichts von dem Plan zu wissen, und Herr v. Witte, der alle freiheitlichen Schichten des deutschen Voltes aufs stande, über die Kaiserbegegnung eine vernünftige Auskunft zu ers aufsteilen. Das bringt eine bedauerliche Dunkelheit in russische Friedensunterhändler, war erstaunt, als ihn in Paris die allerschärfste zurück, daß Deutschland dem Ruß seine Unterredung mit Roubier. Die Fahrt des„ PolarMitteilung erreichte; er erklärte, daß bei seiner Abreise aus Peters- Iand des garentums noch intimer angetettet wird sterns" ist eine schlechte Vorbereitung für die guten Dienste, um die burg diese Absicht noch nicht bestanden habe. Mittlerweile ist die als schon bisher. Das deutsche Volk haßt und verachtet den zu derselben Stunde Witte unsere Regierung ersucht. Wir erweisen Zusammenkunft Tatsache geworden. Und das Merkwürdige russischen Barismus, es verweigert jede Annäherung an die bar- Rußland sicher einen Dienst, wenn wir es zum Friedensschluß ist, daß in diesem Falle das plögliche Ereignis anscheinend nicht barische Blutherrschaft! drängen; aber Rußland irrt, wenn es glaubt, daß wir ihm die auf einen plötzlichen Entschluß des deutschen Kaisers zurückzuführen Mittel zum Frieden liefern werden, wenn wir damit ein russischist, sondern auf einen seit längerer Zeit, aber mit der größten deutsches Bündnis gegen Frankreich unterstützen würden." Heimlichkeit vorbereiteten Plan des garen. Gewiß war es fein geringes Unternehmen des Baren, aus der luftdichten Gefangenschaft, der er in Peterhof unterliegt, eine kurze Frist zu entrinnen. Er hat das Wagnis vollbracht. Er verließ am Sonntagvormittag Peterhof und traf bei der Insel Björkö, wenige Meilen von Kronstadt entfernt, den deutschen Kaiser. Welch wiedersehen! As die beiden Herrscher sich zuletzt fahen, da entsandte der deutsche Kaiser von seinem Schiffe aus an die russische Küste das berühmte drahtlose Telegramm: Der Admiral des Atlantischen Ozeans grüßt den Admiral des Stillen Ozeans! Mittlerweile hat der Admiral des Stillen Ozeans nicht nur jeden Einfluß auf diesem Dzean, fondern feine ganze Marine verloren. Der Entschluß, jetzt als Besiegter in Ostasien und in äußerster Bedrohung durch den Aufstand im eigenen Reiche mit dem deutschen Kaiser zusammenzutreffen, dürfte ihm nicht leicht geworden sein. Weiß man doch auch, daß wenigstens in früheren Jahren das persönliche Verhältnis zwischen den beiden Herrschern keineswegs ein besonders freundliches gewesen ist. Gleichwohl kann man verstehen, daß es für den Zaren in der verzweifelten Situation, die ihm über den Kopf wächst, tröstlich sein mag, den Berufsgenossen des Nachbarlandes zu sehen und vielleicht einige Stärkung zu gewinnen. Hat doch auch Nikolaus über den Drben Pour le mérite, welcher dem japanischen Eroberer von Bort Arthur telegraphisch angewiesen wurde, nicht vergessen, daß der deutsche Kaiser, da zuerst die stolze russische Flotte schweren Verlust deutsche Kaiser, da zuerst die stolze russische Flotte schweren Verlust erlitt, ihm das Trostwort sandte: Russische Trauer ist deutsche Trauer! In der Presse aller europäischen Staaten hat diese Zusammen kunft die mannigfachsten Vermutungen erregt. Man ergeht sich in den verschiedensten Kombinationen: Was will der Zar vom Kaiser? Welche Ratschläge wird der Kaiser dem Zaren erteilen? Handelt es sich um den Friedensschluß? Handelt es sich allgemein um die Ge staltung der russisch- deutschen Beziehungen? " Meldungen von der Zusammenkunft. Petersburg, 23. Juli. Der Kaiser ist heute nach Finnland abgereist. Die Solidarität der Throne. Zur Erinnerung an das, was die Herrscher Preußens und Seite sich zu sagen und zu bieten haben, sei an einige historische Deutschlands auf der einen und des russischen Reiches auf der anderen Borgänge erinnert. Agentur".) Der Kaiser hat gestern vormittag um 11 Uhr Peterhof Petersburg, 24. Juli.( Meldung der Petersburger Telegraphen verlassen. Im Gefolge befinden sich außer dem Hofminister Baron Fredericsz, Hofmarschall Graf von Benedendorff, der Marineminister, sowie der Kommandeur der Gardeequipage Nilow und der frühere Sah sich in Preußen der Absolutismus durch freiKommandant des Kreuzers Nowit" und des Panzers Sewastopol" Heitliche Voltsbewegungen bedrängt, so tamen reaktionäre Kapitän I. Ranges Essen. Ratschläge aus Petersburg. So war es 1851. Jm ändert und ist um 9 Uhr vor Björkö gegenüber von Stronstadt ein- Ministerpräsidenten der Konterrevolutian von Manteuffel zum Björkö, 24. Juli. Der deutsche Kaiser hat die Reiferoute ge- Ottober 1851 ernannte Bar Nikolaus I. den damaligen preußischen getroffen. Ritter des Alexander Newski- Drdens in Anbetracht seiner„ beBjörkö, 24. Juli.( Amtliche Meldung.) Nachdem gestern abend der Kaiser von Rußland mit den Herren der Umgebung zur Abend- ständigen Anstrengungen zur Befestigung der gesetzlichen Ordming tafel auf der Hohenzollern" anwesend war, hat heute der Kaiser in Preußen". Schon im Januar des genannten Jahres hatte der Frühstück und Mittag auf dem„ Polarstern" eingenommen. preußische Gesandte in Petersburg an den preußischen Ministerpräsidenten schreiben dürfen:„ Der Bar würde es allerdings gern gesehen haben, wenn im November 1848 beim Einrü den des Generals von Wrangel in Berlin bie Revolution in der Wurzel unterdrückt worden wäre. Der Bar ist ferner der Ansicht, daß es noch andere Momente gegeben " Petersburg, 24. Juli. Der deutsche Kaiser und Kaiser Nikolaus trafen sich gestern nachmittag auf See in den Schären bei Björkö. Abends fand auf dem„ Polarstern" ein Galadiner statt. Heute abend trifft Kaiser Nikolaus wieder in Peterhof ein. Do Russische Reaktionshoffnungen. Aus Petersburg wird dem L.-A." telegraphiert: Die Begegnung babe, wo man teine schlechte Konstitution hätte zu geben des Baren mit Kaiser Wilhelm in den Finnischen Schären wird in brauchen." Und furz vor der Verleihung des Drdens schrieb derallen maßgebenden Streifen lebhaft erörtert. Der Bar ist zwar nur selbe Petersburger Gesandte, Herr von Rochow, an den Ministervon seinem Bruder und einer kleinen Suite begleitet, aber niemand präsidenten:" Der Bar rechnet mit Zuversicht darauf, daß das königverkennt hier angesichts der furchtbar schwierigen politischen Lage liche Ministerium unter Hochdero Führung den Kammern gegenüber Rußlands die historische Bedeutung dieser Zusammen mit aller Entschlossenheit die Rechte der Krone verteidigen funft. Man betont, daß Rußland fich der traditionellen deutschen und die konservativen Grundsäge zur Geltung bringen laffen werde." Freundschaft auch während des russisch- japanischen Krieges zu er- Ferner verfügte zur selben Zeit Bar Nikolaus nach Berlin:" Für freuen hatte, und schöpft neue Zuversicht für eine baldige Besserung die bevorstehende Not im westlichen Deutschland muß Nat geschaffen der inneren und äußeren Verhältnisse des Reiches aus dieser vor werden. Aufstände züchtigt man scharf, die Verführer der Boltsklasse aller Welt bekundeten Anhänglichkeit des deutschen Kaisers. laffe man schonungslos bluten, Nachsicht gegen sie ist Grausamkeit Das waren die russischen Einmischungen, als in Preußen das Volk gegen das Volf. Unliebsame Kammern schicke man nach Hause." die konservativen Grundsäge" ein wenig bedrohte! Frankreich und Rußland. 9 mit " Paris, 28. Juli. In einem Artikel des Temps" über die Unterredung Wittes mit Rouvier heißt es: Die russische Es wäre unbillig, dem deutschen Kaiser zuzumuten, daß er dem Regierung ist der Ansicht, daß die Allianz mit Frank Baren den Ratschlag liberaler Reformen und der Einführung einer reich ihr die Verpflichtung auferlege, das französische Kabinett über Wie aber Preußen Deutschland den garen ernsthaften Berfassung in Rußland erteilen soll. Wenn der deutsche ihre Anschauungen in betreff der bevorstehenden Friedens Jahre in London erschienenen Dokumente aus dem Nachlaß beriet, das zeigen die interessanten, anfangs der 90er Kaiser auch nicht verkennen wird, daß weitgehendes persönliches unterhandlungen zu unterrichten. Auch die finanziellen Jahre in London erschienenen Dokumente aus Regiment sich mit einer Stonstitution, wie sie in Deutschland besteht, Seiten dieser Frage sowohl für die nähere als auch für die weitere der Berrüttung feines Reiches nach dem türkischen Kriege und dem des Grafen Loris Melitoff. Als Alexander II. infolge abfinden kann, so kann man gleichwohl nicht annehmen, daß er auch Bukunft wurden erörtert. Im übrigen ist die Uebereinstimmung Berliner Kongreß von 1878 auf Anraten Melifoffs daran dachte, nur für sein eigenes Land ein begeisterter Vertreter konstitutioneller zwischen beiden Regierungen, die unversehrte Aufrechterhaltung des Rußland den Schein einer Verfassung zu geben, holte er auch den Einrichtungen sein muß. Rußland gilt aber der preußisch- deutschen Bündnisses betreffend, festgestellt. Dasselbe wurde als ebenso Ratschlag Wilhelms 1. ein. Dieser warnte in einem Hand. Politit seit jeher als diejenige Macht in Europa, die das Vordringen wünschenswert wie je anerkannt, da es den Einklang schreiben an Alexander I. vor den Klippen, die bei der liberaler und demokratischer Bewegungen auch in den anderen Ländern der russischen und französischen Politik auf den verschiedenen Gebieten Berleihung einer Stonstitution au vermeiden notwendig ist. zurückzudrängen vermag. Der Herrscher, dessen Kanzler das böse Wort sichern folle, wo sich die beiden Staaten gegenseitig diplomatischen Wilhelm I. sprach sich ebenso interessant wie offen dahin aus, daß von den Schnorrern und Verschwörern" sprach, wird gewiß nicht zu Beistand leisten können. Konzessionen an die Schnorrer und Verschwörer" raten. es in dieser Hinsicht der Vermeidung der Klippen dem preußischen Welche Ratschläge immer der deutsche Kaiser für die inneren versuchen es so darzustellen, als ob man in einflußreichen russischen er hinzu,„ tros dieser Umschiffung ist es für die preußische Ne Paris, 24. Juli. Petersburger Korrespondenten Pariser Blätter Rönig beffer gelungen sei, wie dem deutschen Kaiser. Aber," setzte Zustände Rußlands erteilen mag, man darf nicht annehmen, daß Streisen die Zusammenkunft der Monarchen nicht gerne fehe. Man die Ratschläge irgend einer Persönlichkeit auf den wirklichen Verlauf erblicke in derselben ein Gegenstüd zu dem plöglichen gierung nicht leicht, mit den Schwierigkeiten des parlamentarischen der russischen Ereignisse einen irgendwie bedeutsamen Einfluß üben Raiserbefuche in Tanger. Selbst in hohen Streisen kenne Regims zu kämpfen". Und so rät der kaiserliche Ontel fönnen. Diese Ereigniffe werden durch andere Kräfte bestimmt und man die Tragweite der Entrevue nicht. Freunde dem garischen Neffen, daß er dem Umschiffen der wenn der Barismus fich selbst nicht zu helfen vermag, so fann ihm 28ittes erklären, daß dieser bei seiner Abreise von der Absicht des Klippen noch vorsichtiger sein soll, als man es in Preußen Witte wünscht den Frieden unter gewesen ist. Alexander solle vermeiden: 1. allgemeines Wahlrecht; auch die freundnachbarliche Beratung nichts nüßen. Immerhin muß Baren teine Kenntnis hatte. und aber das Zusammentreffen des deutschen Kaisers mit dem Baren die bisher mit der zahreicher bedeutender Persönlichkeiten Peterburgs, Haupt. Dagegen befürwortete Wilhelm I.: 1. einen Benfus; 2. dreiannehmbaren Bedingungen seine Ansicht deckte fich 2. jährliches Budget; 3. Sivilliste und 4. Parlamentarismus überAnnahme erweden, als bestehe die Absicht, in die inneren welche befürchten, daß die Unterredung des Baren in Franreich jähriges Budget mit der Rechtskräftigkeit des verflossenen Budget im russischen Verhältnisse einzugreifen und den Barismus zu wegen der jüngsten Maroffo- Affaire einen schlechten Einstützen in einer Beit, wo die russische Freiheitsbewegung in heroischem brud machen könnte und ebenso in London, während Falle die repräsentative Körperschaft ein neues Budget verweigern Vormarsch ist und wo alle freiheitlichen Kreise Deutschlands Rußland gerade nach dem Friedensschlusse mit Frankreich und Eng- sollte; 3. die Beibehaltung der Domänen als kaiserliches Private und ganz Europas mit der russischen Fretheitsbewegung leben. Diese land das beste Einvernehmen pflegen müßte. eigentum; 4. teine unbeschränkte Preß- und Lehrfreiheit; 5. Zwei mißtrauische Annahme kann auch dadurch nicht beseitigt werden, daß Jaurès schreibt, wie dem" B. T." telegraphiert wird, in Ser lammersystem. der oberste verantwortliche Beamte des Deutschen Reiches Fürst Humanité":" Es ist eine schwere Verantwortung, die Bilo to oft und aufs intensiveste betont hat, daß der Deutsche fich Staiser Wilhelm übernimmt, indem er mit dem Baren an Bord in die Angelegenheiten anderer Staaten in teiner Weise einmischen der Etoile Polaire" zusammentrifft. Die ganze Welt wird denken, dürfe. Weiß man doch nicht, ob diese Forderung der Nichteinmischung seinen Nat über die innere wie die äußere Politik zu erbitten. Man daß der verängstigte Nikolaus II. an seinen Nachbar appelliert, um sich nur gegen diejenigen richtete, die zugunsten der russischen weiß oder glaubt, daß der schwache Geist des Zaren nicht dem Freiheit eintreten oder auch gegen diejenigen, welche, wie man von stärkeren oder doch stürmischeren Geiste des Kaisers widerstehen kann, dem deutschen Kaiser vermuten muß, für den Bestand der und die ganze Menschheit wird die Entschlüsse Nikolaus II. auf die russischen Reaktion fich verwenden. Die deutsche Ratschläge Wilhelms II. zurückführen. Wollte der Kaiser den Baren Arbeiterklasse vermag darum den Vorgang in Björkö mur ermutigen, in der absolutistischen Tradition zu verharren, so hieße mit größtem Mißtrauen zu betrachten. Sie erachtet jede das, sich der ganzen europäischen Bewegung ent Annäherung des Repräsentanten Deutschlands an das zaristische gegenstellen. Selbst Deutschland hat, obgleich es ein PolizeiRußland als eine Demonstration für den Zarismus und gegen die staat geblieben ist, auf dem Wege zur Freiheit fortschreiten müssen. Bei der letzten Reichstagswahl im neunten Jedenfalls, selbst wenn der Kaiser dem Zaren feine Ratschläge über russische Freiheitsbewegung. Die Zusammenkunft dieser beiden die innere Politit Rußlands geben sollte, wird doch niemand glauben, hannoverschen Wahlkreise( Hameln, Ersagwahl für den verHerrscher kann nur auf reattionäres Unheil deuten! daß er es nicht getan habe. Man fennt ihn für impulsiv, und es ist storbenen Abg. Walbrecht) hatte der Wahlborsteher Diese Deutung ist auch unvermeidlich, sofern nicht die inneren allzu natürlich, daß der Bar selbst ihn um feine Meinung bitten wird. Stille in Latwehren ein ihm übergebenes Wah Itu bert russischen Angelegenheiten, sondern auswärtige Verhält. Die Folgen fönnen ernst sein, denn wenn der Bar nach seiner Rück- geöffnet, den darin enthaltenen Stimmzettel für nisse in Betracht kommen. Wir haben wiederholt auf die Un- fehr den Wünschen der Nation Widerstand leistet, wenn er den Willen den sozialdemokratischen Kandidaten Brey her. ficherheit aller auswärtigen Beziehungen gewiesen und der über- ber liberalen lassen berkennt, oder sie zu überlisten versucht, so wird ausgenommen und dem Wähler einen Stimmraschende Besuch Wilhelms II. bei dem Zaren ist nur ein neues, bas freiheitdurstende Rußland nicht nur gegen ihn sondern gegen zettel für den Kandidaten des Bundes der Land. feinen Ratgeber Wilhelm II. kämpfen. Wenn der Barismus für besonders auffälliges Beichen dieser unsicher eine Weile siegt, so ist Wilhelm II. in den Augen des russischen wirte in die Hand gedrückt mit der energischen Aufheiten und Schwankungen aller auswärtigen Beziehungen Wolfes und der zivilisierten Nationen mitschuldig an allen Grau- forderung, diesen zu wählen. Der protestierende der Großmächte. Die Kaiserzusammenkunft von Björkö erscheint famkeiten mit denen die despotische Bureaukratie sich für ihre Wähler ging aufs neue in die Wahlzelle" und stedte einen als ein Bersuch, die Friedensverhandlungen günstig für lange Schreckenszeit rächen wird. Wenn dagegen der Barismus anderen sozialdemokratischen Stimmzettel in das Kuvert, das " Seit den Tagen der heiligen Allianz dauert diese Solidarität des monarchischen Absolutismus. Man kann verstehen, daß der Bus fammenbruch des Barismus auch die anderen Monarchenkollegen nicht ungerührt läßt. Politische Ueberlicht. Berlin, den 24. Jult.. Schuh des Wahlrechts! " Der Wahlvorsteher scheinbar ordnungsgemäß in die„ Urne" ihre Aussage dazu beitragen könnte, daß Finnemann gefaßt würde. Gegen die Simultanschule in Hessen legte. Einige Tage später gab ein anderes Mitglied des Unter diesen Umständen, die, wenn sie auch nicht die Beamten ernst will das Zentrum Sturm laufen. Das führende ultramontane Wahlvorstandes, Bollmeier Karstorf, dem Wähler unter aller- lich beschuldigten, doch mindestens die einzige Belastungszeugin als Organ in Hessen, das„ Mainzer Journal", verlangt im Hinblick auf hand beleidigenden Ausfällen zu verstehen, daß er deſſen leichtfertige Schwätzerin erscheinen ließen, haben die Dänen alles ver- den Zentrumsfieg in Bayern, daß auch die heſſiſche ultramontane sucht, die Finnemann- Sache wieder vor Gericht zu bringen. Es wurde Landtagsfraftion den Kampf um die Konfessionsschule energischer sozialdemokratische Abstimmung erspäht habe, also Strafanzeige wegen Falscheides erstattet, um die Wiederaufnahme führen solle:„ Das katholische Volk verlangt mehr als Eisenbahnen das gesetzlich garantierte Wahlgeheimnis doch verlegt war. des Verfahrens anzubahnen, Finnemann junior fehrte nach Deutsch- und Steuern. Wie sagt doch unser alter Windhorst? Das Feld, Die Sache wurde nunmehr der Staatsanwaltschaft land zurück, um sich strafbar zu machen und so einen neuen Rechts- auf dem der Kulturkampf ausgefochten wird, ist in Hannover angezeigt. Diese aber antwortete: spruch zu erlangen. In dieser Abficht ging er nach Kiel und denun- die Schule." Das Voltsschulwesen im Großherzogtum Hessen Ich sehe mich nicht veranlaßt, die öffentliche Klage zu zierte sich selbst wegen unerlaubter Rückkehr. Er bekam jedoch ist durch das Schulgesetz vom Jahre 1874 auf simultaner erheben. In dem Verhalten des Wahlvorstehers Stille, wie es in einen Strafprozeß, sondern wurde einfach ab Grundlage geordnet. Das Journal" verlangt nun seine 1874 dem Schreiben des August Möller( Name des Wählers) dargestellt geschoben. Die dänischen Abgeordneten schnitten darauf die verlorene Konfessionsschule wieder, jene Schule, unter der Preußen ist, ist eine strafbare Handlung nicht zu erblicken. Nach§ 107 Sache parlamentarisch an, Hanssen im Landtag, Jessen im groß und mächtig geworden ist." Das Blatt ruft:„ Man mache des Strafgesetzbuches ist strafbar, wer einen Deutschen durch Reichstag. Auch das half nichts. bei der nächsten Wahl den Anfang damit und setze die Sache in der Gewalt oder durch Bedrohung mit einer strafbaren Handlung verIm Jahre 1904 veröffentlichte nun der Abg. Hanssen in den Kammer fort." Die nächsten Wahlen sind die Landtagshindert, in Ausübung seiner staatsbürgerlichen Rechte zu wählen Südjütischen Jahrbüchern", die in Nordschleswig in dänischer wahlen, welche in diesem Herbst ausgefochten werden, sie werden oder zu stimmen. Dieses Vergehens hat sich Stille nach dem Sprache erscheinen, eine kritische Beleuchtung des Falles. Im An- also vom Zentrum unter der Parole:„ leritalisierung der Schreiben des August Möller nicht schuldig gemacht. Nach§ 108 schluß an diesen Aufsatz ließ sich auch ein Haderslebener Korre- Volksschule" bestritten, denn um die Schule völlig unter die des Str.-G.-B. wird bestraft, wer in einer öffentlichen Angelegen- spondent in der sozialdemokratischen Schleswig- Holsteinischen Volksheit mit der Sammlung von Wahl- und Stimmzetteln oder Zeichen Beitung", welche die Angelegenheit lebhaft verfolgt hatte, über die geistliche Botmäßigkeit zu bringen, stellt das„ Journal" drei Forderungen auf. Zunächst heißt es:" Der Religionsunterricht kann nicht oder mit der Führung der Beurkundungsverhandlung beauftragt, Sache hören. Diese beiden Artikel gaben Anlaß zu Strafanträgen. im Auftrage des Staates erteilt werden. Die Prüfungen darin ein unrichtiges Ergebnis der Wahlhandlung vorfäßlich Der Prozeß, zu dem nicht nur Zeugen aus Nordschleswig, sondern nimmt der Bischof oder dessen Vertreter allein und selbherbeiführt oder das Ergebnis verfälscht. Auch das liegt nach auch solche aus Dänemark geladen sind, wird in seinem Verlauf vor- ständig ab; hier ist der Regierungsvertreter ausder Erklärung des August Möller nicht vor, da Möller, trotz aussichtlich ein scharfes Bild der Verhältnisse in Nordschleswig geben zuschalten." Im weiteren wird die Errichtung konfessioneller der Versuche Stilles, ihn umzustimmen, doch seinen ursprüng- und, wie er anscheinend das Echo einer parlamentarischen Kund- Lehrerseminarien verlangt und als dritte Forderung die kon lichen Wahlzettel abgegeben hat. Ein unrichtiges Ergebnis der gebung ist, so wird sein Ausgang höchst wahrscheinlich wieder ein fessionelle Schulaufsicht, die am besten von GeistWahlhandlung ist also nicht herbeigeführt. Der Versuch des in Echo in den Parlamenten erwecken. lichen ausgeübt werde. § 108 des Strafgesetzbuches bezeichneten Vergehens ist nicht ftrafbar. Es liegt daher auf seiten Stilles eine strafbare Handlung nicht vor. In dem Verhalten des Vollmeiers Karstorf kann höchstens eine Beleidigung des August Möller erblickt werden. Wegen dieser Beleidigung kann nur auf Antrag Möllers eingeschritten werden. Die Erhebung der öffentlichen Klage wegen der dem August Möller zugefügten Beleidigung würde übrigens nicht im öffentlichen Interesse liegen. " * Deutfches Reich. = Zur Rehabilitierung" des Hänge- Peters bemerkt die Frankf. 3tg.", nachdem sie die Urteilsgründe des Disziplinarhofs abgedruckt: ,, Und dieser Herrenmensch, der die Schwarzen als sein persönliches Eigentum behandelt, mit dem er nach Belieben umgehen zu fönnen meint, der durch seine Schand taten den deutschen Namen so schwer kompro: mittiert hat, erhält wieder die Berechtigung, den Titel „ Reichskommissar a. D." zu führen. Diese, wenn auch nur teilweise Begnadigung ist so be fremdlich, daß im Reichstage ganz sicherlich die Frage gestellt werden wird, wie sie über= haupt hat erfolgen können. Hält man es etwa in der Kolonialverwaltung gar für möglich, Herrn Peters wieder im Reichsdienste zu beschäftigen und in die Lage zu versezen, seine Kultur- und Moralanschauungen aufs neue zu be= tätigen?" Wenn die hannoversche Staatsanwaltschaft die beTreffenden gesetzlichen Bestimmungen wirklich richtig interpretiert hätte, wäre das Wahlrecht in der Tat völlig ohne Schutz. Die Frankf. 3tg." äußert indes Zweifel an der Richtigkeit der staatsanwaltlichen Auslegung der beiden Paragraphen. Und das sehr mit Recht. Denn ohne Zweifel hat der Wahlvorsteher den Versuch gemacht, durch Gewalt die freiwillige Stimmabgabe zu verhindern. Oder sollte erst dann Anwendung von Gewalt vorliegen, wenn der Wahlvorsteher dem Wähler einen Revolver vorgehalten hätte?! Das kriegsgerichtliche Urteil gegen die beiden Hamburger Daß das Vorgehen des Wahlvorstehers erfolglos blieb, Landwehrleute Strauer und Krogmann hat wohl so ziemlich ist ohne Belang, da nach§ 107 schon der Versuch strafbar allgemeines Kopfschütteln erregt. Die militärfrommen Blätter iſt. Auch§ 108 hätte zur Anwendung gelangen müssen. haben nun inzwischen ausfindig gemacht, daß die beiden LandwehrDenn nach einer Reichsgerichts- Entscheidung ist die vorsätz- leute zu Erzessen neigen und vielfach vorbestraft seien. Demliche Herbeiführung eines unrichtigen Ergebnisses der Wahl gegenüber fönnen wir mitteilen, daß es sich hier um eine sehr liche Herbeiführung eines unrichtigen Ergebnisses der Wahl- durchsichtige Mache handelt, denn die beiden unglücklichen handlung" bereits in dem Augenblid voll. Menschen haben so unwesentliche Vorstrafen erlitten, daß der Verzogen, in welchem die die Gesetzwidrigkeit in sich fassende treter der Anklage, der sonst grau in grau malte, sie nicht als straf Handlung ausgeführt wurde, also hier in dem Augen- erschwerend für die Begründung seines exorbitant hohen Strafblick, wo der Wahlvorsteher das Wahlkuvert öffnete maßes heranzuziehen vermochte. und den Stimmzettel herausnahm; der Feststellung des Ergebnisses durch den Wahlvorstand bedarf es feineswegs. Die Aften über den Fall schamloser Wahlfälschung dürfen deshalb noch keineswegs als geschlossen betrachtet werden! Die Zwangspolitik in Nordschleswig vor dem Kieler Landgericht. Ein Prozeß von politischer Bedeutung hat am Montag vor der Ferienstraffammer des Landgerichts Kiel seinen Anfang genommen. Es handelt sich um den einen von zwei Prozessen, die auf Strafantrag des Landrates im Kreise Hadersleben und eines dortigen Amtsvorstehers gegen den Redakteur der Schleswig- Holsteinischen Volks- 3eitung" Jvers und gegen den dänischen Landtagsabgeordneten H. P. Hanssen angestrengt worden sind. Die Verhandlung gegen den in Apenrade wohnenden Abgeordneten Hanssen wird in einiger Zeit in Flensburg erfolgen, falls nicht die Stieler Verhandlung so ausläuft, daß der Flensburger Staatsanwalt bon seinem Prozeß absieht. Der in Kiel angeflagte Redakteur vers ist beschuldigt, durch einen Artikel in der Schleswig- Holsteinischen Bolts- Zeitung" den Landrat Becherer und den Amtsvorsteher Valentiner beleidigt zu haben. " Ein überaus glimpfliches Militärgerichts- Urteil. Ueber ein befremdendes Urteil des Kriegsgerichts der fünften Division in Frankfurt a. D. entnehmen wir folgende Darstellung der" Frankfurter Oder- Zeitung": Ge= Man wird also damit rechnen dürfen, daß das hessische Zentrum, dem die ultramontanen Erfolge in Bayern den Kamm schwellen machen, den Kampf um die Schule mit Macht aufnehmen wird. Die bereits auf dem hessischen Katholikentag in Bensheim im Jahre 1897 angenommene Resolution soll nun verwirklicht werden. In ihr wurde verlangt: Die Beseitigung der gemeinsamen Schule, da sie nimmer ihre Aufgabe einer religiösen Erziehung der Kinder erfüllen kann. Wir verlangen nicht minder die Wiederherstellung konfessioneller Lehrerseminarien, die Zulassung der Orden zur Lehrtätigteit, fowie endlich die Wiederherstellung und Gewährleistung des katholischen Charakters derjenigen höheren Lehranstalten, welchen derselbe stiftungsgemäß zukommt." Unsere hessischen Genossen nehmen den von den Ultramontanen hingeworfenen Handschuh auf und beantworten bei der kommenden Landtagswahl den ultramontanen Ruf nach Beseitigung der Simultanschule mit der Parole: Reinliche Scheidung von Schule und Kirche! Ueberfall einer Proviantkolonne in Südwestafrika. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Beim Ueberfall einer Karre durch Hottentotten zwischen Karibaem und Gaibes am 17. Juli 1905 sind gefallen: Gefreiter Karl Bartholomae, geboren am 28. 8. 82 zu lacht, Stopfschuß; Gefreiter Anton 2 in 3. geboren am 6. 5. 83 zu Gbenweiler, Kopfschuß; Reiter Baul Mannsperger, geboren am 16. 5. 83 zu Eleebronn, Bruſt- und Bauchschuß; Reiter Eugen Wersinger, geboren am 16. 12. 76 zu Hagenbach, Kopf- und Schulterschuß. Reiher Johann Klein, geboren am 7. 8. 80 zu Rundelshausen, hat sich am 19. Juli 1905 in Windhut aus Unvorsichtigkeit mit einem Revolver durch die linke Hand geschossen. Ein weiteres Windhuker Telegramm meldet: Reiter Friedrich Pähler, geboren am 6. 5. 82 zu Steele, ist am 17. Juni bei Narus gefallen, Kopfschuß. Ausland. Einen Tritt soll der Feldwebel Bernhard Bastian von der 12. Kompagnie Inf.- Regts. Nr. 52 dem Musketier Gustav B. im Zum norwegisch- schwedischen Unionskonflikt. Juni gegeben haben, daß P. einen Bruch davontrug. B. hatte sich deshalb wegen Soldatenmißhandlung zu verantworten. Selbstverständlich wird von unseren norwegischen Parteigenossen meldet hatte P. den Vorfall nicht, sondern als er vor berlangt, daß wenigstens dann, wenn das Thronangebot an die Schmerzen nicht mehr weiter konnte und im Kranken- Bernadotte endgültig abgelehnt ist, eine tonstituierende forb nach dem Lazarett gebracht werden mußte, rückte er auf fünftige Staatsform Norwegens bestimmen soll. Aber eigentümlich nationalversammlung einberufen werde, die über die zuvieles Bureden mit der Sprache heraus, erst dadurch kam die Mißhandlung ans Tageslicht. ist es, daß in Kristiania kein einziges Blatt außer Der Angeklagte " Social- Demokraten" dieses Verlangen äußert, obgleich bestritt die ihm zur Last gelegte Straftat. Ein Feldwebel, der während des Vorganges ganz nahe auf einer Bank man doch eigentlich schon jetzt, nachdem über sechs Wochen vergangen find, ohne daß Oskar II. sich zu dem Stellenangebot geäußert hat, gesessen hatte, will nichts wahrgenommen das Recht und die Pflicht hätte, zu der Frage Stellung zu nehmen. haben, trotzdem das Schimpfen des Angeklagten bis in den Keller gehört wurde. Der vernommene Militärarzt Dagegen stimmen außer den sozialdemokratischen viele bürgerals Sachverständiger hielt es wohl für möglich, daß der iche Provinzblätter mit der Forderung auf Einberufung einer Nationalversammlung überein. Es scheint, daß das HauptBruchansak von dem Fußtritt herrühren könnte. Er glaubt aber, daß nach ein paar Jahren die Stelle wieder verstädtische Bürgertum seine demokratische Gesinnung, die doch zu heilen dürfte. Dem Angeklagten, hinter dem eine tadellose einer republikanischen Staatsreform führen müßte, zu verleugnen Dienstzeit liegt, wurde entgegen den Antrage von sechs Wochen für notwendig erachtet. Morgenbladet" behauptet z. B., die Frage ob Königtum oder Republik sei gar nicht aktuell; nach dem nur 12 Tage gelinder Arrest auferlegt." Grundgeses sei Norwegen ein Königreich; der Thron sei ledig, aber nicht abgeschafft. Nun ist aber nach dem Wirisamteit gefekt". Also nicht nur der König Storthingsbeschluß vom 7. Juni das„ Königtum außer als solcher, sondern das Königtum überhaupt, und daraus folgt selbstverständlich, daß Norwegen trok seiner moralischen Verfassungsbestimmungen wenigstens vorläufig Republik ist, und darüber entschieden werden muß, ob ein Königtum überhaupt wieder in Wirksamkeit" treten soll. Soldaten als Erntearbeiter. " " Ueber die Hauptpunkte des auszuarbeitenden Gutachtens hat Es handelt sich bei der Sache um einen Aft aus dem Gebiete der nordschleswigschen Zwangspolitik, und zwar speziell um die Frage der Optanten sowie der Ausweisungen. Am 28. Januar 1902 Dies Urteil verstehe, wer kann. Das Kriegsgericht muß doch wurde der Hofbefizer T. Finnemann, der 6 Jahre Gemeinde- den Angaben des Mißhandelten Glauben geschenkt haben, sonst wäre vorsteher und Kreistagsabgeordneter und 20 Jahre Schulvorsteher es ja überhaupt nicht zum Schuldspruch gegen den Bastian gelangt. gewesen war, und den man jetzt für einen Nichtpreußen erklärte, Für einen Fußtritt in den Bauch, der einen Bruch hervorrief, von Amtswegen gezwungen, Deutschland zu verlassen. Bierzehn Tage zwölf Tage gelinden Arrestes das ist eine ganz unbegreifliche später wurde sein Sohn N. Finnemann mit vierzehntägiger Frist Sühne! ausgewiesen, weil sein Vater ein dänischer Staatsangehöriger und er somit fein Reichsdeutscher sei. Der Vater C. Finnemann griff zu dem einzig möglichen Mittel, mit dem in solchen Fällen ein NichtEine Zeitungskorrespondenz meldet:„ Eine außerordentlich große Dem schwedischen Reichstag fällt es offenbar äußerst deutscher eine gerichtliche Entscheidung erzwingen kann, er kehrte Nachfrage nach militärischen Erntearbeitern herrscht augenblicklich ohne Erlaubnis über die Grenze zurück. Daraufhin wurde er ver- allgemein. Die sogenannten„ Ernte- Urlauber", die vom Regiment schwer, zu irgend welchen auch nur vorläufigen Beschlüssen zur haftet und dann, wie es sein Wunsch war, wegen der Straftat der während der Erntezeit zur Unterstützung der Landwirte auf be- ösung des Unionskonfliktes zu kommen. Die geheimen Verhandunerlaubten Rückkehr angeklagt. In diesem Prozeß erkannte das stimmte Beit Ferien erhalten, hatten schon furz nach der ent- lungen haben noch immer kein Ende genommen, obgleich die zweite Oberlandesgericht in Kiel als höchste Instanz, daß der sprechenden Bekanntgabe sämtlich Anstellung erhalten. Zahlreiche Kammer ihre Sihungen schon bis in die Nacht ausdehnt. Die LangAusweisungsbefehl ungültig sei, weil aus den festgestellten Tat- Landwirte mußten schließlich von Regiment zu Regiment laufen, um wierigkeit der Verhandlungen beweist, welche Uneinigkeit und Versachen hervorgehe, daß C. Finnemanns Option für Dänemark nicht sich Arbeitsunterstützung für die Ernte zu verschaffen. Die stärkste wirrung noch immer in Schweden über die allgemeine Lage herrscht rechtsgültig gewesen sei, und daß er somit ein Inländer sei, den man Nachfrage herrscht naturgemäß bei den Infanterie- Regimentern." und wie wenig das Land geeignet ist, dem einmütigen Willen des nicht hätte ausweisen dürfen. Eine Option, d. h. die Erklärung Wir haben schon früher erklärt, daß wir es für absolut unnorwegischen Volkes Troß zu bieten. eines Nordschleswigers, daß er nicht Preuße sondern Däne sein wolle, zulässig halten, die Soldaten landwirtschaftlichen Unterwerde nach der bestehenden Rechtsprechung erst dann gültig, wenn nehmern als Erntearbeiter zur Verfügung zu stellen. Sofern es 1. eine Optionserklärung vorliegt und dieser 2. ein längerer Aufent fich um Familienangehörige handelt, läßt sich eine Erntehalt im Auslande mit der Absicht dauernder Niederlassung gefolgt urlaub rechtfertigen; zu Saisonarbeiten für die Agravier sind die sei. C. Finnemann hatte in dem Prozeß bewiesen, daß er zwar Soldaten auf keinen Fall da! Das innige Verhältnis zwischen der optiert habe, dann aber nur 3-4 Tage, also nicht genügend lange wegischen und schwedischen Arbeiterschaft ist von neuem in Dänemark gewesen sei, und daß er sich kurz nach der Option zum Ausdruck gekommen in folgendem Telegramm, das der gegenfogar zu der preußischen Aushebung gestellt wärtig tagende norwegische Gewerkschaftskongres habe. Diese Tatsachen waren es, die das Oberlandesgericht in Effen, 23. Juli.( Eig. Ber.) Hier, in Holsterhausen, in Werden, in dem Parteisekretär Widman in Stockholm sandte: Stiel zur Freisprechung veranlaßten. Solange der Prozeß des Vaters Kupferdreh, in Stoppenberg und in Borbed fanden heute große Versammelt zum Kongreß, bezeugen die organisierten Arbeiter währte, hatte man die Sache des Sohnes ruhen lassen. Nun aber äußerst zahlreich besuchte Volksversammlungen Norwegens ihre Liebe zur Gerechtigkeit, zur Freiheit und zum ging man gegen den Sohn vor, und trotzdem das höchste Ge- zwecks Stellungnahme zu der am 19. September stattfindenden Frieden und bringen den schwedischen Klaſſengenossen für ihren richt den Bater als Deutschen anerkannt hatte, teistasseriaswaby statt in Solſterhausen fra de großen Ginjal in ber Sache der Gerechtigkeit und des Friedens war beim Ausgang dieses Verfahrens das Oberlandesgericht gebakteur Leimpeters von der Bergarbeiter- Zeitung", in Werden ihren innigsten Dank dar." nötigt auf Grund der festgestellten Tatsachen", an denen das Reichstagsabgeordneter Otto Hue, in Kupferdreh und in StoppenRevisionsgericht ja nicht rühren kann, zu erkennen, daß N. Finne- berg Reichstagskandidat Wilhelm Gewehr- Elberfeld. In der Borbecker mann Däne sei, weil sein Vater C. Finnemann Däne sei. Also das Versammlung wurde nach einem zweistündigen Vortrage des gleiche Gericht, das den Vater als Deutschen anerkannt hatte, war Reichstagsabgeordneten Hermann Sachse folgende Resolution einnun gezwungen, den Sohn für einen Dänen zu erklären, weil ein stimmig angenommen: untergeordnetes Gericht„ tasächlich festgestellt hatte", daß der Vater doch Däne sei. In dem Prozeß gegen Finnemann. Sohn hatten ein Gendarm und eine Frau aus Esbjerg in Jütland bekundet, daß Finnemann Bater längere Zeit in Dänemark sich aufgehalten habe. War das richtig, so wäre C. Finnemann in der Tat Däne gewesen. Nun wurde aber dem Gendarmen schon vor dem Landgericht nachgewiesen, daß er um die Zeit, wo er gesehen haben wollte, daß C. Finnemann wegen Aufenhalts in Dänemark längere Zeit auf seinem nordschleswischen Hofe gefehlt habe, noch gar nicht in jener Gegend Gendarm gewesen sei. Das Urteil, Finnemann sei Däne, stüßte sich demnach allein auf die Aussagen der erwähnten Frau Bodil Hansen aus Esbjerg, die eine schwankende aber immerhin für Finnemann ungünstige Aussage gemacht hatte. Seitdem ist nun aber bekannt geworden, daß diese Zeugin Hansen erzählt hat, sie habe für ihre Aussage 20 mt. in bar erhalten und der Landrat habe ihr zusammen mit dem Amtsvorsteher Valentiner eine Belohnung von 2000 Mt. in Aussicht gestellt, wenn Zur Reichstagserfahwahl in Effen. die Zweite Kammer endlich am Mittwoch ihre Abstimmungen geschlossen und auch die Erste Kammer soll zu diesem Punkt vorgeschritten sein. " nor= Die türkische Bombe. Konstantinopel, 24. Juli.( Meldung des Wiener f. t. Telegr.Korrefp.- Bureaus.) Nach türkischer Angabe ist man dem Urheber des Die heutige zahlreich besuchte Volksversammlung im Lokale Bombenanschlages vom vorigen Freitag auf der Spur. Gestern des Herrn Roth erklärt sich mit den Ausführungen des Reichstags- wurden alle Toten und alle unkenntlichen Leichenrefte begraben. Abgeordneten Sachse einverstanden. Die Versammlung erblickt in Ein Schwerverletzter hat ausgesagt, daß furz vor der Explosion ein den Kandidaten der Zentrumspartei, der Nationalen und Christlichsozialen Partei eine Vertretung der Interessen der herrschenden und be- unbekannter Mann einen Korb auf einen Wagen stellte und fich Einige Minuten später erfolgte die Explosion. fizenden Klassen, wohingegen die Versammlung als den einzigen Ver- dann entfernte. treter der Arbeiterinteressen den Kandidaten der sozialdemokratischen Türkischerseits glaubt man bereits Beweise oder Anzeichen dafür Täter ein Bulgare gewesen sei, Partei anerkennt. Die Versammlung verurteilt die Politik der zu haben, daß der Täter Herrschenden Klassen ganz entschieden. Insbesondere verurteilt welcher Zeit hatte, sich zu flüchten. Immerhin ist diese die Versammlung die arbeiterverräterische Haltung des Zentrums Angabe vorläufig mit Vorsicht Vorsicht aufzunehmen. Die Nachbei der Berggesegnovelle und verspricht, bei der kommenden Reichs- forschungen werden in der ganzen Stadt und der Umgebung tagserfazwahl dieser Partei hierauf die wohlverdiente Quittung fortgesetzt und mit größtem Eifer gepflogen. 8ahlreiche Verzu erteilen. Die Versammlung verpflichtet sich, für die Wahl des Es wurden Bulgaren, Arbeiterkandidaten Wilhelm Gewehr mit aller Kraft und Ent- 5aftungen wurden vorgenommen. schiedenheit bis zum 19. September einzutreten. Armenier sowie Angehörige anderer Nationen, ebenso zahlreiche Die gleiche Resolution wurde in der Versammlung in Kupfer- Mohammedaner in Haft genommen. Im Yildiz tagt ununterbrochen, dreh angenommen. auch während der Nacht, die Untersuchungskommission. Es werden chemische Analysen verschiedener Explosionsreste vorgenommen. Die Militärische sowie die politische Ueverwachnng des Iildiz ist bedeutend verstärkt worden. Die Morgenblätter teilen mit, daß nach den amtlichen Fest- stellungen die Zahl der bei dem Bombenattentat Getöteten 24, die der Verwundeten 78 beträgt.— Der„Franks. Ztg." wird ans Konstantinopel vom 24. Juli telegraphiert: Nach Angabe der türkischen Geheimpolizei sollen zwei italienische Anarchisten Djavi und Recelni seit einiger Zeit sich in Llonstantinopel verborgen halten. Vermißr wird auch seit dem 21. d. M. ein angeblich aus Nürnberg zugereister Deutscher namens Hans Heller, der in der Pension Müller wohnte. Heller wohnte hinter dem Kavalleriekordon der Selamlik- Feier bei. Eine Erlaubnis bei dem deutschen Konsulat, die das Recht gibt, im inneren Kordon dem Selamlik bei- zuwohnen, hatte Heller nicht nachgesucht. Anzeigen weisen darauf hin, daß Heller von der türkischen Polizei verhaftet wurde. Wie zuverlässig verlautet, wurde es erwiesen, daß ein mit einem Strohhut bekleidetes Individuum zwei Mimten vor der Explosion einen Korb an der Stelle, wo die Explosion stattfand, hinstellte. In diesem Korbe befand sich eine Höllenmaschine. Das Individuum ist getötet oder verschwunden.(„Frankfurter Zeitung".) Belgien. König und Volk. Belgien steht zurzeit im Zeichen der Nationalfeste; zu der 75- Zährigen Jubelfeier der Unabhängigkeit Belgiens kommt ein monarchi- sches Jubiläum. Es sind nämlich jetzt 40 Jahre her, seit Leopold II. an der Regierung ist. Gelegentlich der Feierlichkeiten, die aus diesem Anlaß in Brüssel stattfinden, hat Leopold eine Rede gehalten, in welcher er Propaganda für seine Lieblingsidee, nämlich die B e- festigung von Antwerpen, machte. Er sagte, daß es neben den Reden vor allem des Handelns bedürfe.„Wenn die Männer von 1830 nicht gehandelt hätten, so stünden wir wohl alle jetzt nicht hier." Er kam sodann aus den Gesetzentwurf bezüglich Antwerpens zu sprechen und meinte, seit dem Projekt betreffend den Bau der belgischen Eisenbahnen von 1834 habe kein so bedeutendes Gesetz dem Parlamente vorgelegen. Diese Agitationsredc wird dem Leopold im Volke sehr übel genommen. Man ist in Belgien nicht gewöhnt, daß der Monarch aus seiner Reserve heraustritt und man verwahrt sich aufs schärfste gegen diese Versuche, ein absolutistisches Regime ein- zuführen. In dem streng konstitutionellen Belgien macht das Par- lamcnt die Gesetze und dem König bleibt nur deren Ausführung vor- behalten. Im übrigen erhält das Projekt der Befestigung von Antwerpen immer mehr Gegner. Die Sozialdemokratie, hinter der die große Masse des Volkes steht, ist selbstverständlich entschiedener Gegner dieses Planes- in den Reihen der Demokraten und Liberalen findet sich kaum ein Anhänger und selbst unter den Klerikalen be- reitet sich ein Sturm gegen die kostspieligen königlichen Marotten vor. Es ist also noch sehr die Frage, ob die Regierung in die Lage kommen wird, dem alten König seinen Wunsch in Erfüllung zu bringen.— � Niederlande. Gemeindcratswahlcn. Bei den Stichwahlen für die Gemeinderäte hat unsere Partei in einigen Orten sehr schöne Erfolge errungen. In Amsterdam ist Donnerstag im IH. Kreise nach sehr scharfem Wahlkampfe Genosse Loopuit gewählt mit 3434 Stimmen gegen 3392 Stimmen, die aus den Liberalen Van Nierop, welcher durch alle bürgerlichen Parteien unterstützt wurde, entfielen. Der Sieg ist um so ehrenvoller, weil dieser Herr Van Nierop eine der liberalen Parteigrößen ist, Mitglied der Ersten Kammer, und außerdem schon 26 Jahre Gemeinderat war. Der III. Kreis hat damit die härteste Probe überstanden. Genosse Loopuit ist der dritte Sozialdemokrat, der in den Amsterdamer Gemeinderat seinen Einzug hält. Ebenso vielbcdeutend ist ein Sieg unserer Rorterdamer Genossen. In dieser großen Hafenstadt ist infolge des jämmerlichen Wahlgesetzes die Wählerzahl verhältnisniäßig die beschränkteste des ganzen Landes. Nur sehr wenige Arbeiter besitzen daS Wnhlreckt. Trotzdem gelang es im I. Kreise, Genossen Spiekmann mit 2078 Stinimeii durchzubringcn. Der zweite sozialdemokratische Kandidat Hennans bekam 1496 Stimmen. Im II. Kreise unterlug Genosse HelSdingen, bekam aber 1618 Stimmen, während der Liberale mit 1801 Stimmen gewählt wurde. Genosse Spiekmann ist der erste Sozialdemokrat im Rottcrdamer Gemeinderat. Gelingt es uns morgen, im Haag Genossen Terhnan, der in aussichtsvoller Stichwahl steht, durchzubringen, so ist die Sozialdemo- kratie in allen holländischen Großstädten im Gemeinderat vertreten. In der fünftgrößten Stadt, in Groningen, ist die Vertretung am stärksten, dort sitzen fünf Sozialdeniokraten im Gemeinderat, der 33 Mitglieder zählt. Bei diesen Wahlen sind in Groningen zwei neue sozialdemokratische Sitze erobert worden. In der an siebenter Stelle folgenden Stadt, Arnheim, haben wir drei Sitze, in Haarlem einen. Ferner in Dordrecht zwei, in Lceuwarden einen(jetzt erobert). Schöne Siege erzielten unsere Genossen in den beiden industriellen Gemeinden Enschede und Lonneker. In der ersten drangen zwei, in der zweiten drei Sozialdemokraten in den Gemeinderat ein. In den größere» Orten haben wir bei diesen Wahlen im ganzen 16 Sitze erobert, und 2 verloren, einen in Winschoten und einen in Zutphen. Der römisch-katholische Priester Dr. Van den Brink, der im vorigen Jahre zur Sozialdemokratie übergetreten ist und tüchtige propagandistische Tätigkeit entwickelt, ist in seiner Heimatstadt Breda, wo alle Bannflüche der Kirche über ihn ergangen sind, in die Stich- wähl gekommen. In Breda wohnen fast nur Katholiken. Auf 25 000 Katholiken kommen etwa 2000 Protestanten und Juden. Van den Brink erhielt 350 von 780 Stimmen. Italien. Die zweijährige Dienstzeit in Italien? Wie der„M e s s a g g e r o" meldet, ist der KriegSminister mit der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs über die zweijährige Dienst- zeit beschäftigt. Heute beträgt die Dienstzeit je nach der Waffen- gattung 3 bis 5 Jahre, aber ein Teil der Diensttauglichen ist mit Rücksicht auf die Familienverhältnisse dienstfrei.— Spanien. Der Allgemeine Arbciterbund hat vor einiger Zeit in Madrid seinen 8. Kongreß abgehalten.„La Rcvista Socialijta" bringt über die Verhandlungen einen Bericht, dem wir das Folgende entnehmen: In zäher unaufhörlicher Arbeit, so heißt es im Vorstandsbcricht, hat es der Bund endlich soweit gebracht, die Intelligentesten des Proletariats in Stadt und Land zusammenzufassen, sodaß der Bund heute bereits eine respektable Macht bildet. Der Beweis sei gc- liefert, daß die beharrliche Aufklärungsarbeit, die nie rastende Agitation der Sozialisten auch in Spanien nicht vergebens sei. Der 1. Kongreß, der im Jahre 1888 stattfand, vereinigte nur 27 Sek- tionen mit 3355 Mitgliedern; auf dem 2. Kongreß im Jahre 1890 waren 36 Sektionen mit 3896 Mitgliedern vertreten; der 6. Kongreß 1899 sah immer erst 65 Sektionen mit 15 264 Mitgliedern ver- einigt, 1902 aber(7. Kongreß) umfaßte der Bund bereits 226 Sek- tionen mit 32 778 Mitgliedern; auf dem 8. diesjährigen Kongreß endlich waren 400 Sektionen mit 60 000 Mitgliedern vertreten. An diesen Zahlen läßt sich ein, wenn auch langsamer, so doch steter Fortschritt nachweisen. Der Kongreß hat eine Reihe wichtiger Bc- schlösse angenommen; so fordert er u. a. eine Rcforni der Unfall- gesetze; Beaufsichtigung der Arbeiter-Schutzgesetze durch unabhängige Beamte; Schaffung einer aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu- sammengcsetztcn Korporation, die den Minimallohn und die Maximal- Arbeitszeit für die einzelnen Berufe festzusetzen hat; Anerkennung und freie Ausübung des Vcrcinigungs- und Versammlungsrechts; Erweiterung der Schutzgesetze für die Heimarbeiter und sofortige nachdrückliche Intervention der Regierung in der Lösung der Land- arbeiterfrage in Andalusien,— England. Das Kabinett will nicht zurücktreten. In der Montagssitzung des Unterhauses gab das Kabinett die Erklärung ab, daß es nicht zurückzutreten beabsichtige. Das Haus war schon bei Beginn der heutigen Sitzung in allen Teilen dicht besetzt. Premierminister Balfour gab eine Er- klärung über die Absichten der Regierung bezüglich der Abstimmung vom 20. d. Mts. ab. Er besprach eingehend verschiedene Fälle, in denen frühere Kabinette geschlagen worden und nicht zurückgetreten waren, und betonte, die einzige gegen die Regierung gerichtete Ab- stimmung, die notwendig zu deren Rücktritt führen müsse, sei die An- nähme eines Tadels Votums. Die gegenwärtige Regierung besitze das Vertrauen der Mehrheit des Hauses, und es sei keine Ursache zur Auflösung des Parlaments oder zum Rücktritt der Regierung vor- handen. Es würde von großem Uebel sein, wenn das Verbleiben im Amte von solchen Abstimmungen wie die vom 20. Juli abhängig gemacht würde. Er hoffe, daß eine Regierung, die in sich selbst geeinigt ist und das Vertrauen des Hauses besitzt, niemals ihren Posten lediglich infolge einer solchen Abstimnrnng werde verlassen dürfen. Schwede». Ein Wahlsieg der Chauvinisten. Bei der Ergänzungswahl zur Zweiten Kammer, die am Freitag im zweiten Wahlkreis Stockholms stattfand, wurde Professor Karl Warburg mit 1189 gegen 1045 Stinimen, die auf Dr. Kjellberg fielen, gewählt. Beide Kandidaten gehören der Liberalen Wählervereinigung an; bei der voraus- gegangenen Probewahl hatte Kjellberg mit 347 Stimmen gegen Warburg, der nur 124 erhielt, ge legt. Dieser, der, obgleich es dem Statut der Vereinigung widerspricht, dann doch kandidierte, erklärte in seiner Programmrede, daß er Genugtuung für Schweden von Norwegen verlange und daß das Storthing Schweden um seine Zustimmung zur Unionsanflösung ersuchen solle, somit gleichsam anerkennen solle, daß jene Beschlüsse ungesetzlich wären. Mit AuSnahnie von„Social-Temokraten" und„DagenS Npheter", die für Kjcllbcrgs Kandidatur eintraten, wurde Warburg von der gesamten Tagespresse Stockholms unterstützt. Uebrigens hat der Gewählte von irgend welchen Kriegsplänen gegen Norwegen bestimmt Abstand genommen.— Serbien. Skupschtina-Wahlen Bei den Wahlen zur Skupschtina erhielten am Sonntag von 29 Städtemandatcn die selbständigen Radikalen acht, die Gemäßigt- radikalen vier, die Nationalisten drei, die Sozialisten zwei und die Fortschrittspartei eins. In elf Städten sind nochmalige Wahlen erforderlich. Nach den sonstigen bisher eingelangten Wahlresultatcn erhielten die Selbständigradikalen 47, die Gemäßigtradikalcn 22, die Nationalisten 7, die Sozialisten 2 Mandate. 67 Wahlresultate stehe» noch aus.—__ Die russische Revolution. Die wirtschaftliche Krise. Petersburg, 24. Juli.(,.Laffan"-Meldung.) Die pessimistische Stimmung in der russischen Geschäftswelt wird immer stärker und macht sich durch das Umsichgreifen der Ungewißheit und des Mi ßtrauens im ganzen Lande ständig schärfer fühlbar. Reisende, die über Wien von Odessa zurückgekehrt sind, fanden, daß überall die Leute türkisches und rumänisches, sowie überhaupt Bargeld aller Länder annehmen, aber kein russisches Papiergeld. Die Vertreter der leitenden russischen Banken halten Beratungen ab, um festzustellen, ob es möglich ist, noch weiter Geld auf die in den Hafen- und Eisenbahnspeichern lagernden Waren vorzuschießen. Die Verluste der Banken und der Versicherungsgesellschaften bei den Bränden in Odessa und den Plünderungen in den Provinzen machen eine sofortige Entscheidung dieser Frage nötig. Das Finanz- Ministerium bemüht sich, die Banken zu überreden, von der Verweigerung derartiger Vorschüsse Abstand zu nehmen, da dadurch Hunderte von Millionen Rubel dem allgemeinen Umlauf entzogen werden würden. Die Banken sind jedoch wegen des drohenden Wicderauöbruchs des Eiscnbahucrstreits und von Baucrnumnhen nicht geneigt, dem Finanzministerium Gehör zu schenken. Unsichere Situation. Petersburg, 23. Juli. In dem eine Stunde von hier gelegenen Seekurort Sestrorezk versuchten gester» gegen 500 Arbeiter eine Kundgebung zu veranstalten, lieferten jedoch auf die erste Auf- forderung der Landpolizei eine rote und zwei schlvarze Flaggen, die sie mit sich führten, ohne Widerstand zu leisten aus und gingen auseinander. Im Theater desselben Ortes entstand gestern abend eine große Panik, als jemand das Verlangen stellte, daß für die Opfer des 22. Januar eine Seelenmesse gelesen werden solle und infolgedessen ein Polizeiaufgebot in den Saal drang. Das Publikum, unter ihm auch Kinder, floh in wilder Angst, die noch durch das Erscheinen von Infanterie gesteigert wurde, ins Freie, da das Gerücht ging, daß die Truppen Befehl hätten, sofort zu feuern. In Petersburg selbst wurde die Ruhe bis in die späte Nacht- stunde nicht gestört, doch sind auch für heute umfassende Sicherheits- niaßnahmen getroffen. Rischnij-Nowgorod, 24. Juli.r- th a l 3224 Stimmen, Kirsch ke 2716 Stimmen, Weitzel 2635 Stimmen, Ramsbro.ck 1767 Stimmen. Die ersten drei sind gewählt. Die Ortsverwaltung. Maler und Anstreicher i Bei Malermeister Schmiedel, Küchen- Möbelfabrik von Meyer u. Hanff in der Rungestraße, haben die Kollegen wegen Lohndiffcrenzen die Arbeit niedergelegt. Die Werk- statt ist gesperrt. Die Ortsvcrwaltung der Vereinigung der Maler. Zum Streik in der chemischen Fabrik z» Erkner. Auf Anregung sozialdemokratischer Gemeindevcrtreter hin versuchte der Amtsvorsteher in den letzten Tagen bei der Berliner Hauptdirektion des Werkes zugunsten der Streikenden zu vermitteln. Eine Einigung wurde je» doch durch die Werksleitung zu Erkner vereitelt. Die Haupt» direktion, wohl in der Annahme, daß den Streikenden bald die Mittel ausgehen müßten, wies dann auch die Deputation der Aus» ständigen an den Direktor nach Erkner. Dieser stellt sich jedoch nach wie vor auf den Standpunkt des selbstherrlichen Fabrikpaschas. Er fordert zunächst bedingungslose Wiederaufnahme der Arbeit und will erst dann gnädigst„prüfen", ob die Wünsche der Arbeiter überhaupt eine Berechtigung haben. Weiter verlangt er den Austritt„seiner" fämtlichen Arbeiter aus dem Verbände der Fabrik-, Land- und Hül- arbeiter. Ja, der Herr ist sogar dreist genug, den Streikenden bereits 10—20 Jahre in der Fabrik tätig waren und sich gewisse?:.rechte Ott Me sogenannte Fabrik-PenflonSkasse erworben haben, zuzumuten, sie sollen sich wieder als Neueingestellte betrachten, also damit ihrer Rechte an die Kasse verlustig gehen. Drastischer konnte den Arbeitern gar nicht der Unwert der vielgeriihmten„Wohlfahrtseinrichtungen" demonstriert werden. Man ködert den Arbeiter unter Hinweis auf solche Wohlfahrtseinrichtungen, die angeblich nur der edelsten Für- sorge des Unternehmers fiir die Arbeiter entsprossen seien; sobald aber der Arbeiter wider den Stachel lockt, das heitzt mittels Streiks bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen durchzusetzen sucht, sperrt man ihm den ohnehin nur sehr fragwürdigen Genuß dieser Wohlfahrts- einrichtuugen.— Natürlich haben es die Arbeiter abgelehnt. unter solchen„Bedingungen" die Arbeit wieder aufzunehmen. Der Betrieb ruht nach wie vor vollständig. Eine größere Zahl der Streikenden hat den Ort bereits verlassen und sich anderwärts Beschäftigung gesucht. Streikbrecher sind nicht vorhanden. Die Ausständigen hoffen umsomehr auf Erfolg, als die Direktion schon Konventionalstrafe zahlen muß, weil sie ihren Verpflichtungen den Abnehmern gegenüber nicht nachkommen kann. Die Einwohnerschaft belveist den Streikenden ihre volle Sympathie. In der Gemeinde- Vertretung ist nach dem schroff ablehnenden Verhalteu der Direktion jetzt ein dringlicher Antrag eingebracht worden, den Streikenden aus Geineindemitteln SOv M. zur Unterstützung zu bewilligen. Jeden falls wird bei der Besprechung dieses Antrages das Gebaren der Fabrikleitung gegen die bisher so elend bezahlten Arbeiter einer gründlichen Kritik unterzogen werden. Deurkckies Reich. Die königliche Bergwcrksvcrwaltung als„Stteikhctzer". Hannover, 23. Juli.