Ztr. 173. flbonnements-ßedingan�n: Aiomiements- Preis pränumerando i «ierteijährl. 3,30 MI., Mona«. 1,10 Ml, wöchentlich 28 P-g. frei inS Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags, Beilage„Die Neue Welt" 10 Pjg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 8 Mark, für das übrige Ausland 3 Mar! pro Monat. 22. Jahrg. ' Die InlertiotiS'GebüIjr deträgt sür die sechsgespaltene Kolonelo zcile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VcrsainmlungS-Anzeigcn 25 Psg. „Kleine Hnzetgcn", das erste(fett- gedruckte) Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtage» bis 8 Uhr dorunttags gcöjsnet. CridKlnt taaiiä außer lüontaai. Vevlinev Volksblatte Telegramm-Adresse: „Soalalttelnoßrat Berlin". Zcntralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfchlande. Redaktion: 8RI. 68, Lindcnstraesc 69. Kernsprechcr: Amt KV, Nr. 1983. Expedition: 8Rl. 68» �.indenstrasse 69. Fserilsprechor: Amt TV, Nr. 1984. Die Niederlage der Regierung. London, 22. Juli. Seit dem 15. Mai 1903— seit der Eröffnung der zoll politischen Agitation durch Mr. Chamberlain— befindet sich das englische Parlament in einem Zustande unheilbarer Schwäche. Die konservative Partei, die bei den Hauptwahlen 1900 gesiegt und deshalb die Leitung der Staatsgeschäfte übernommen hatte, wurde durch den Gedanken einer Tarif reform bis ins Innerste erschüttert. Die Umgestaltung der Regierung, das Ausscheiden einiger ihrer Mitglieder und ihre Ersetzung durch jüngere Kräfte, hat die Schwäche nicht beseitigt. Ihre Lebenskrast war erschöpft und doch konnte sie nicht ins Jenseits befördert werden. Vorerst blieb sie bis zu Anfang des Jahres 1904, um dem Publikum zu ge- statten, sich mit dem Gedanken eines britischen Zoll' Vereins vertraut zu machen, um dann in jvoller Kenntnis der auszukämpfenden Fragen in den Wahlkampf einzutreten. Zu Anfang des Jahres 1904 war alles auf eine Parlaments- auflösung vorbereitet. Aber im Februar jenes Jahres brach der japanisch-rnssische Krieg aus und die ganze weltpolitische Lage wurde unsicher. Angesichts dieser Unsicherheit beschloff die Regierung, die Parlamentsauflösung zu verschieben. Die konservative Partei, die über eine bedeutende Mehrheit ver- fügte, billigte die Ansicht der Regierung, umsomehr als England als Bundesgenosse Japans an dem ausgebrochenen Kriege beteiligt wurde. Es war also ein Ereignis in der äußeren Politik, das die Parlamentsauflösung verzögerte. Die Lage der Regierung war also die: im Innern war sie vollständig erschöpft und hätte in normalen Zeiten zurück- treten müssen, aber die äußere Ungewißheit bestimmte die Partei, die Leiche nicht begraben zu lassen. Für die Gesetz- gebung hatte dies ganz unerquickliche Folgen. Reformpläne wurden' eingebracht und zurückgezogen. Gesetzesvorlaqen wurden lange diskutiert und in den ersten Be ratungsstufen angenommen, aber dann erstickt. Es sei hier nur erinnert an die vielen Armeereformvorschläge, an die Gewerkschaftsvorlage, an die Arbeitslosenbill, an die Beschlüsse über das Frauenwahlrecht, an den Plan einer Neueinteilung der Wahlkreise— aus allen diesen legislativen Maßnahmen ist nichts geworden. Es war oft peinlich, die Debatten an- zuhören oder zu lesen; es fehlte ihnen jeder Ernst; man sah, es war die reinste Spiegelfechterei. Und wenn auch diese ver- sagte, beantragte die liberale Partei ein Mißtrauensvotum gegen die Identifikation der Regierung mit den Plänen Ehamberlains und die Leiche wurde tagelang gepeitscht. Zu- weilen schien es, als ob auch das englische Unterhaus in einen Scheinparlamentarismus verfallen wäre. Die konservative Partei wollte Zeit gewinnen und erst dann die Macht an die Liberalen überlassen, wenn die Weltlage geklärt ist. Allein ein wirkliches Parlament läßt sich doch nicht de- gradieren. Die Nachwahlen fielen fast regelmäßig zu un- gunsten der Regierung aus; die zollpolitischen Differenzen zwischen Chamberlain und Balfonr traten schärfer hervor; die Radikalen, die Iren und einige Arbeiterabgeordnete wurden der Spiegelfechterei müde; die Rebellion innerhalb der konservativen Partei wurde lauter, und die Anzeichen mehrten sich, daß die parlamentarische Mehrheit versagen tvird. Der Premierminister und konservative Führer, Mr. Balfour, der ein sehr tüchtiger Kopf ist, machte große Anstrengungen, die Partei zusammenzuhalten, aber die ein- mal entschwundene Lebenskraft der Regierung konnte er nicht ersetzen. Die Niederlage wurde unvermeidlich und sie kam in der Nacht vom 20. zum 21. Juli bei der Beratung des irischen Etats. Die Regierung blieb in einer Minderheit von vier Stimmen. Die Iren sind in den letzten zwölf Monaten mit der Regierung sehr unzufrieden geworden. Die Schuld liegt nicht so viel an Balfour lvie an der Schwäche der konservativen Partei. Im Jahre 1902, beim Abschluß des südafrikanischen Krieges, wurde in Irland eine Politik der Versöhnung ein- geleitet. Zum Statthalter(Vizekönig) von Irland wurde Lord Dudley ernannt, der den Iren gewogen war und ihnen versprach, ihr Land nach irischen Ideen regieren zu wollen. Der erste Sekretär war Mr. Wyndham, ebenfalls ein Freund der Iren, und sein Kollege war Sir Antony Mac Donnell, ein katholischer Ire und Honieruler. Letzterer ist auch ein großer Kenner der Grund- und Bochen- frage in Indien und in Irland. Ebenso sollte Irland eine katholische Universität erhalten. Im Jahre 1903 brachte Mr. Wyndham die irische Landbill ein, die im ganzen Großen die irische Landfrage zur Zufriedenheit Irlands löste. Als aber die konservative Partei geschwächt und die Regierung immer mehr von einzelnen Abgeordneten abhängig wurde, setzten es die irischen Gutsbesitzer bei der Regierung durch, daß Wyndham und Mac Donnell ihre Vosten ver- lassen mußten, da diese im Verdacht staildeu, die Interessen der irischen Pächter auf Kosten der Grundherren fördern zu wollen. Dann vereitelten sie die Versuche, den Iren eine katholische Universität zu geben. Die Iren beklagen sich ferner, daß die Verwaltung des Bodengesetzes vom Jahre 1903 nur die Grundherren berücksichtige. Um diese An- gelegenheit eingehend im Parlamente diskutieren zu können, beantragte Mr. John Redniond, der Führer der Iren, die Herab- setzung der Ausgaben für die irische Landkommission um 100 Pfund Sterling- Die Diskussion dqnerte bis nach Mitter- nacht und sollte mit einer Abstimmung über den Antrag Redmonds abschließen. Eine Annahme dieses Antrages kam einem Tadelsvotum gleich. Dessen waren sich alle Abgeordnete bewußt. Dennoch wurde der Antrag mit 202 gegen 198 Stimmen angenommen. Die Regierung war geschlagen und Mr. Balfour wurde von Sir Henry Campbell-Bannerman, dein Führer der Libe- ralen, aufgefordert, die verfassungsmäßigen Konsequenzen zu ziehen. Mr. Balfour erbat sich einige Tage Bedenkzeit. Scheinbar ist die Niederlage nicht sehr bedenklich, denn sie war der Abwesenheit einer großen Zahl von konservativen Ab- geordneten geschuldet. Allein zwei Tage vor der Niederlage hatte Balfour eine Besprechung mit seinen Parteigenossen und ersuchte sie, die Regierung eifrig zu unterstützen. Das Ver- sagen bei der Abstimmung über den Antrag Redmonds kann deshalb so ausgelegt werden, daß die Regierung das Ver- trauen ihrer Anhänger verloren habe. Es ist müßig, über das Resultat dieser Niederlage zu spekulieren. Denn ehe diese Zeilen veröffentlicht sind, dürfte die Antwort Valfours bekannt sein. Hier sei nur soviel bemerkt, daß so- wohl im Lande wie im Parlamente eine Mehrheit für eine sofortige Parlamentsauflösung vorhanden ist. In der konser- vativen Partei sind es die Anhänger Ehamberlains, die einen Rücktritt der Regierung wünschen. Sie glauben, daß die Liberalen bald abwirtschaften und dem Lande die Ueber- zeugung beibringen werden, daß nur die Politik Ehamberlains imstande sei, eine stabile Regierung zu schaffen. Sie hoffen, daß die liberale Partei, von den Iren und Arbeitern be- drängt, nur allgemeine Unzufriedenheit erzeugen könne, und daß nachher das Land froh sein werde, den versprochenen Fleischtöpfen Ehamberlains nachzulaufen. Wie aus dem Bericht über die gestrigen Parlaments- sitznngen in der gestrigen Nummer ersichtlich war, hat das Kabinett seine Entlassung nicht genommen. Es ist ihm offenbar gelungen, die Differenzen innerhalb der konservativen Partei noch einmal zu überbrücken. Trotzdem ist es bei der oben gekennzeichneten politischen Situation sehr fraglich, ob das Kabinett sich noch lange wird am Ruder halten können. politiscke CUbersidn. Berlin, den 25. Juli. Björkö. Dcr Zar ist von der Zusammenkunft bei Björkö in die Peter- hofer Gefangenschaft zurückgekehrt. Der deutsche Kaiser hat seine Fahrt durch die Ostsee fortgesetzt. Durch die Presse aber ergießt sich ein ungeheurer Schwall von Mutmaßungen und Kombinationen über die Bedeutung und Tragweite der Zusammenkunft, die so überraschend kam und die doch, wie jetzt deutlich wird, seit langem vorbereitet war. Wir haben unsere Auffassung über die Znsainmenkilnst deZ Repräsentanten des Deutschen Reiches mit dem Vertreter des russisch- sibirischen Absolutismus ausgesprochen. ES ist bei den besonderen Uniständen, unter denen sich die Zusammenkunft zutrug, unmöglich zu verkennen, daß sich eine deutsch-russische Annäherung vollzieht. Diese Annäherung geschieht aber im Widerspruch zu den An- schamlngen dcr weitesten Kreise deS deutschen Volkes, wie auch im Widerspruch zu den liberalen und demokratischen Bewegungen Rußlands. Wir wünschen nicht an das Reich deS Zarismus gekoppelt zu werden, dem dcr Fluch deS deutschen Volkes gilt wie deS russischen Volkes. Wir wünschen aber auch nicht, in den Fragen der auswärtigen Politik mit Rußland noch enger verbunden zu werden. Wir wünschen nicht, daß der verhängnisvolle Fehler der deutschen Politik von 1805 sich irgendwie wiederhole, daß Deutsch- land sich an Rußland Rückhalt sucht, an demselben Rußland, dessen barbarische Tendenzen auf die inneren Zustände Preußen- Deutschlands drücken. Wir wünschen nicht, eine Annäherung an Rußland durch die Vertiefung des Gegensatzes zu Frankreich uild insbesondere zu England zu erkaufe». Wir fordern eine aus- wärtige Politik, die nicht lediglich durch weltpolitische Rivalitäten der Kapitalistenklasse bestimmt ist, sondern eine auswärtige Politik der Kultur und des Friedens. Nicht nach Rußland weist das Verlangen deS deutschen Volkes, sondern n a ch Frankreich uud England. Noch eine andere Tatsache wird durch die Zusammenkunft von Björkö in grelle Beleuchtung gerückt. In den unendlich mannig- faltigen Vermutungen über den Sinn der Zusammenkunft drückt sich der ungeheuerliche Zustand aus, daß alle europäischen Nationen ununterrichtet sind, welchen Weg sie gehen sollen. Die Nationen haben nicht die Wahl ihres Geschickes. Ganze Völkerschicksale erscheinen abhängig von dem Willen und den Anschauungen Einzelner. Dem Ermessen, den Neigungen und den Fähigkeiten Einzelner werden die größten Fragen der Menschheit überliefert. Irren sie sich, die Völker müssen es büßen. Der Vorgang von Björkö zeigt in klassischer Eindnnglichkeit, wie die europäischen Nationen in ihren auswärtigen Beziehungen nicht Herren in ihrem HauS sind. Die Völker werden zu einem lächerlichen Ratespiel verurteilt, um zu mutniaßen, Ivas Monarchen befinden. Mehr als auf irgend einem anderen Gebiete ist hier das R e ch t u n d die Pflicht zur S e l b st b e st i in m u n g dcr Völker ausgeschaltet!— " Presse-Wirrwarr. Die russische Presse mißt nach einer Meldung des„B. T." dcr Begegnung der beiden Kaiser politische Bedeutung bei» sie deutet die Möglichkeit eines abermaligen Zusammengehens von Deutschland, Frankreich und Rußland an und gibt die Möglichkeit eines Einflusses des Ereignisses auf die bevor- stehenden F r i e d c n s v e r h a n d lu n g e n zu. Die„Nowoje Wremja" schreibt:„Kaiser Wilhelm liebt es, durch persönliche Be- suche den Boden für politische Aktionen vorzubereiten und seinen Diplomaten den Ton vorzuschreiben." Die„Birshewija Wjedomosti" erinnern un das Zusauimcngehen Deutschlands, Frankreichs und Rußlands in der ostasiatischen Politik und heben hervor, daß, wenn das Resultat der Begegnung ein Uebereinkommen mit Deutschland sein werde, das keinerlei Beunruhigung in Europa hervorrufen dürfte, weil dadurch die Garantien des Friedens höchstens ver- größert würden. Nach einem Telegramm der„Voss. Ztg." jedoch sind die Artikel der russischen Blätter sehr kühl, sogar feindlich. Die französische Presse ist voll Mißtrauen. Die„Agence Havas" läßt sich aus Petersburg halbamtlich melden, daß die Kaiserktegegnung nicht vom Zaren, sondern vom Kaiser Wilhelm angeregt wurde. Dem„Matin"' wird aus Petersburg telegraphiert:„Man betrachtet hier den Schritt Wilhelms II. als zwecklos, sofern dem Kaiser daran ge- legen hätte, Frankreich nicht unangenehm zu tverdcn. Er erklärt sich nur als Kundgebung einer Politik, die es darauf angelegt hat, alle Kombinationen zum Scheitern zu bringen, die Rußland an Japan und folglich an England annähern könnten." I au res schreibt:„Wenn der Zar einwilligt, dem Rufe des Kaisers zu folgen, und sich herbeiläßt, England dadurch zu beunruhigen und zu ver- letzen, geht er gleichzeitig eine Art Bün>dnismit Deutsch- land ein. Unsere Diplomaten und Politiker, die mit der Mög- lichkcit, d'er Wahrscheinlichkeit eines deutsch-russischen«Ju- Vernehmens nicht gerechnet haben, haben das phantastischste Ge- dankengebäude im Leeren aufgebaut." Clemenceau erklärt sehr deutlich:„ES wäre gut, in Peterhof wissen zu lassen, daß die Fahrt des„Polarsterns" bei unS gerechtes Mißtrauen erweckt hat und daß es nicht genügt, Rouvier in einer Privat- unterredung zu beruhigen, um dem Lande, das morgen vielleicht Rouvier nicht mehr kennen wird, seine früheren guten Gesinnungen wiederzugeben. Wir sind eine Demokratie. Unsere Regierung kann nichts tun ohne die Zustimmung deS Landes, und unsere Diplomatie hat uns so schwer betrogen, daß wir das Recht haben, unser Per- trauen künftig nur gegen gute Sicherheit zu gewähren."«» Passiver Widerstand. Aus Wie» wird uns vom 23. Juli geschrieben: Der berühmte„passive Widerstand" der ungarischen Gemeinden und Munizipien fängt allmählich an, recht aktiv zu werden. Im Wesen handelt eS sich bei diesem alten Kampfmittel des Magharen- tuins gegenüber Wien um die Mitwirkung der Gemeinden bei der Stenereintreibung und Aushebung der Rekruten. Daß Steuern nicht exekutiv eingetrieben werden und die normalen Rekrutenaushebungen zu unterbleiben haben, wenn die Ein- treibllng durch ein Gesetz nicht gestattet ist, hat aller- dings mit dem sogenannten passiven Widerstande nichts zu tun: das ist die Folge der Verfügung, welche die Zulässigkeit dcr Steuererhebung an die Bewilligung im Finanzgesctz, und die der Aushebung von Rekruten an die Feststellung der Höhe des RekrutenkontingeutS und an die Bewilligung, dieses Kontingent auszuheben, ausdrücklich knüpft. Auch ist dies keine Besonderheit der ungarischen Verfassung; daS gesetzliche Verhältnis ist in Oesterreich nicht anders. Nur daß eben in Oesterreich, wenn daS Parlament versagt, die§ 14- Verordnung aushilft, wogegen in Ungarn eben eine Lücke entsteht, die man in dem beliebten Küchenlatein den Ex-Lex-Zustand nennt. Freilich fehlt mit dem Mangel des Finanzgesetzes nicht bloß die Ermächtigung, Steuern einzuziehen, sondern auch die, Ausgaben zu leisten, aber sie erweisen sich als sachliche Notwendigkeiten, welche die Erfüllung dcr Verpflichtungen des Staates unter allen Umständen erheischen, stärker als die Fiktionen des parlamentarischen Budgetrechtes. Wenn also auch ohne gesetzlich festgestelltes Bildget und ohne gesetz- liche Ermächtigung alle Ausgaben weiter geleistet werden, so sind in dem Ex-Lex-Zustand Steuern nie eingehoben, Soldaten nicht assentiert worden; weder in der budgetlosen Zeit unter Banffy im Jahre 1899, noch in dem ein volles Jahr währenden außergesetzlichen Zustand im Jahre 1992, dcr drei Regierungen(Szell, Khuen, TiSza) umfaßte. Was aber bisher unbestritten war, ist erstens die Uebernahme freiwillig ge» leisteter Steuern(so daß nur die exekutive Eintreibung unterbleiben mußte); zweitens, was aus ihrer Natur entspringt, die Leistung der indirekten Steuern und Gebühren, und drittens die Assentierung frei- willig sich meldender Rekruten. DaS alles zu verhindern, ist nun der eingestandene Zweck der Bewegung, die unter dem Namen der passive Widerstand jetzt organisiert wird. Die autonomen Behörden, also die Gemeinden und Munizipien(die eine Art selbständige Kreis- Vertretung darstellen) haben feierlich beschlossen, ihre Mitwirkung dabei zu vcrlveigern. Zwar die Uebernahme der Steuerzahlung/n können sie nicht ablehnen(denn zum Schlüsse müssen die Aeniier dem Publikum die Dienste leisten, zu denen sie berufen sind), aber sie weigern sich, die Steuem an die Staatskasse abzuführen, be- halteil die Gelder vielmehr in ihrem eigenen Depot. Auch lassen sich die einzelnen Beamten den Abzug ihrer Steuern nicht mehr gefallen, bestehen vielmehr auf unverkürzte Auszahlung ihres Ge« Haltes. Mit dcr Verweigerung dcr indirekten Steuern geht es natürlich schwerer, aber eS ist bereits vorgekommen, daß verschiedene Eingaben statt der vorgeschriebenen Steuergesetzgebühr den Vermerk trugen: wegen des Ex-Lex-Zustand es wäre keine Taxe gezahlt! Beeden„freiwilligen" Assentierungen(Rekrutenaushcbungen) sind die Beschlüsse noch nicht wirksam geworden. Es scheint sich noch nirgendwo jemand gemeldet zu haben, der bei Habsburg Dienste nehmen will. Daß die Beschlüsse an sich ungesetzlich sind, ist nebenbei natürlich ganz unerheblich. Sie widersprechen den Gesetzen über die autonome Verwaltung, wonach die Gemeinden verpflichtet sind, die über- nommenen Steuern abzuführen, und worin ihr Kontrollrecht über- Haupt darauf reduziert ivird, der Regierung gegen eine von ihr er- lassene Verfügung Vorstellungen machen zu könnem Die Berufung aber auf den bekannten, in der einzigen Fejcrvarh-Sitzung gefaßten „Befchluf;" des Abgeordnetenhauses, welcher die Regierung Fejervarh als verfassungswidrig erklärte und ihr jede Regierungstätigkeit„ver- bot", ist ganz hinfällig; ein isolierter Beschluß des Abgeordnetenhauses ist zur Abänderung positiven Rechtes ganz unvermögend und als RechtSguelle unzureichend. U-berhaupt ist das Verhältnis zwischen Parlament und Regierung eine Macht-, keine Rechtsfrage. Aber darauf kommt es eben an, ob die Regierung des Trabantengenerals die Macht haß diesem Widerstand Einhalt zu tun. Baron Fejervarh versuchte es zuerst mit einem Erlaß an die Munizipien, worin er ihnen in ungemein pathetischer Weise das„Unverminstige" ihres Tuns darlegte, und als sich die Pester Gemeinde den Ermahnungen nicht geneigt zeigte, ließ er durch den Minister des Innern den betreffenden Beschluß annullieren. Aber der amtierende Vizcbürgermeister hat bereits erklärt, daß er die Annullierung nicht anerkenne, und so steht die Regierung vor der peinlichen Alternative, entweder zum Gelächter aller Zuschauer zurückzuweichen, oder mit der Hauptstadt de§ Landes einen bösen Konflikt auszufechten. Gesetzmäßig steht ihr sogar das Recht der Absetzung der widerspenstigen Gemeindebcamten zu— obwohl diese erwählt, nicht ernannt werden—, aber zu solchen Gewaltmitteln kann sich eine Regierung nicht versteigen, die in, Lande nicht den geringsten Halt besitzt, jeder Autorität entbehrt und überhaupt darauf wartet, entlassen zu werden. Wie wirksam aber jene Waffe in der Praxis ist, zeigt die Tatsache, daß in der Zeit vom 1. bis 20. Juli in den hauptstädtischen Kassen an Steuern nur 74 509 Kronen ein- gezahlt wurden, während die Steucreingänge in der gleichen Zeit des vorigen Jahres die Summe von 829 215 Kronen erreicht hatten. Da die Steuern von der Gemeinde nicht abgeführt werden, ziehen die Steuerpflichtigen schon aus Mißtrauen gegen die Ehrlichkeit der städtischen Beamten es vor, die Steuerzahlungen ganz zu unter- lasten. Und welche Bedeutung es in einem Land wie Ungarn hat. wo man Steuern traditionell lieber schuldig bleibt, als sie zahlt, daß nun niemand gezwungen ist. seinen Verpflichtungen gegenüber dem Staate nachzukommen, zeigt wieder die Tatsache, daß der letzte einjährige Ex-Lex-Zustand(jetzt währt er vpm 1. Januar an) dem Staate etwa 43 Millionen Kronen uneinbringliche Steuerrückstände beschert hat. Die Folgen der ewigen Krisen laufen auf eine Ver- Wüstung des gesamten Staatsorganismus hinaus. . veutsckeo Reich. Mouarchenfahrtcn. Die„Germania" nimmt an, daß die Kaiserzusammenkunft iu Björkö von Bedeutung ist. leitet aber ihre Betrachtung über die Zusanunenkunft mit einem allgemeinen Urteil über Monarchenfahrten ein, daS wert ist, festgehalten zu werden. Sie sagt nicht übel: „Monarchenbegegnungen sind in den letzten anderthalb Jahrzehnten etwas so„alltägliches" geworden, daß man es längst verlernt hat, ihnen eine mehr als ephemere Bedeutung beizulegen. Als„epochemachende Ereignisse" werden sie nur in dem Äugenblicke gefeiert, in dem sie stattfinden: wenige Wochen später sind sie so gut wie vergessen. Hätten sie maßgebenden Einfluß auf den Gang der Politik, so müßte ganz Europa längst ein einzig Boll von Brüdern sei», während wir doch überall das Gegenteil sehen. Man ist allmählich sogar zu der Ansicht gekommen, daß eigentlich n u r die Monarchenbegegnungen eine größere politische Bedeutung hätte», die nicht stattfänden, und das scheint uns gar nicht so weit von der Wahrheit zu fallen." Das ist nicht so„ehrerbietig" gesprochen, wie eS die patriotische ZentrumSpresse sonst von anderen fordert I— Ueber den Plötzensecprozeß hat auch der Nervenarzt Dr. P l a c z e k- Berlin in der„Berliner klinischen Wochenschrift" sich ausgesprochen. Aus seinen treffenden Bemerkungen über einige Vorgänge des Prozesses und seinen Reformanregungen heben wir nachstehend einiges hervor: „Geradezu kläglich erwies sich die Stellung des Arztes vor Gericht gelegentlich eines Vorkommnisses, das der bekannte Ge- werbehygieniker Professor S. erlebte. Dieser mußte es sich gefallen lassen, daß die königliche Staatsanwaltschaft ihn in breitester Oeffent- lichkeit über seine Gutachterqualität befragte oder, besser gesagt, inquirierte. Ein solches Jnquisitorium hielt der Gerichtshof für zulässig, und dabei hat jeder Gerichtshof das Recht der freien Be- Weiswürdigung, kann also ein ärztliches Gutachten bewerten, wie es ihm beliebt. Sollte die königliche Staatsanwaltschaft, der doch jeder Jnformationswcg zu Gebote steht, wirklich keinen anderen Zeitpunkt zur Information für geeignet gehalten haben, als den Augenblick des persönlichen Eingreifens des Sachverständigen? Ahnte die königliche Staatsanwaltschaft nicht, wie peinlich eS für einen feinfühligen Arzt, der vom Gesetz gezwungen wird,„un- parteiisch und nach bestem Wissen und Gewissen" sein Gutachten zu erstatten, sein muß, nun seine Verdienste einem allverehrten Publikum vorzuführen? Daß schließlich ein anderer Sachverständiger in öffentlicher Sitzung über die Gutachterqualitäten des erstgenannten aussagen mutzte, war nur eine Seltsamkeit mehr in diesem an Seltsamkeiten reichen Prozeß. Zu den Seltsamkeiten mutz ich auch die neuartige Erfahrung rechnen, daß ich den mir anerzogenen Leitsatz umrevidieren mußte, ein Arzt wisse stets die Untersuchung eines Kranken so einzurichten, daß sie ihm nicht schade. Hier mußte ich aus dem Munde eines von mir hochgeschätzten Fachkollegen die Aeußerung vernehmen, die Untersuchung des Gefangenen G. durch uns vier Sachverständige müsse diesem schaden. Daß hierin ein offenkundiges Mißtrauens- votuni über die ärztlichen Qualitäten von vier Mitsachvcrständigen ausgesprochen wurde, empfand dieser Sachverständige wohl erst nach- träglich, als er das erklärliche Erstaunen auf unseren Gesichtern gewahrte. Allerdings behauptete er später, er hÄte gesagt,„im gegebenen Moment". Mit diesem Passus wäre allerdings der Sinn wesentlich verändert. Da wir alle aber diese Einschränkung nicht gehört haben, da auch das Stenogramm die Worte nicht ent- hielt, da endlich der Gerichtshof die notwendige Folgerung daraus zog, die persönliche Untersuchung des Gefangenen G. uns dauernd zu verwehren, bleibt der Satz bestehen, es wisse ein Fachmann nicht stets die Schädigung des Patienten bei der Untersuchung zu vermeiden. Was ich jetzt hier ausspreche, hat ein anderer Sachverständiger, Dr. M., schon im Verlaufe des Prozesses in der„Med. Ref." getan. Qogleich der fragliche Artikel den Prozeß gar nicht berührte, nur die vorerwähnte Aeußerung kritisierte, wurde der Verfasser für befangen erklärt und entlassen. Es mag sein, daß Dr. M. die Ver- öffcntlichung besser nach Schluß des Prozesses hätte bringen sollen. Deshalb aber einem hochgeschätzten Arzte derartige Vorwürfe zu machen, wie es der Erste Staatsanwalt beliebte, geht doch nicht an. Nicht verwunderlich war eS daher, daß die Verteidigung nunmehr in gleicher Weise gegen die vom Gericht geladenen Sachverständigen vorging, deren Gutachterqualitäten bezweifelte und sie als be- angen hinstellte. Jedenfalls waren es wieder Aerzte, die zur Ziel- cheibe für die streitenden Parteien sich hergeben muhten. Wenn endlich der ersterwähnte Sachverständige noch die Frage ventilierte, ob ein im Gefängnis befindlicher geisteskranker Ver- brecher dort verbleiben oder in die Irrenanstalt kommen solle, so glaube ich in der Anschauung nicht fehlzugehen, daß Nervenärzte das nicht erst diskutieren sollen. Ein Geisteskranker ist nicht mehr Objekt des Strafvollzuges, gehört also nicht in ein Gefängnis, in dW. unmöglich Behandlung und Gefängnisordnung vereinbar find. Was der Stellung eines Teils der ärztlichen Sachverständigen ein ganz anderes Gepräge in diesem Prozeß verlieh, war die seit- samc Erfahrung, daß ihnen nicht wie sonst die Möglichkeit gegeben wurde, das Fundament des von ihnen geforderten Gutachtens zu festigen. Wohl ist es richtig, daß schon zu Beginn der Verhandlung der Vorsitzende uns eröffnete, wir sollten aus dem Gang der Ver- Handlung das zur Erstattung des Gutachtens wünschenswerte Material gewinnen. Daß aber auch hier den Sachverständigen aus- reichend Gelegenheit gegeben worden wäre, sich hinreichend zu in- formieren, dürfte wohl keiner von uns nervenärztlichcn Sach- verständigen empfunden haben. Ein sehr erfreuliches Ergebnis hat der Prozeß allerdings gc- zeitigt, nämlich die Uebereinftimmung der pspchiatrischen Gutachter. Bekanntlich versteht das große Publikum absolut nicht, woher in psychiatrischen Dingen Mcinungsdivergcnzcn kommen, ja kommen m ü s s e n. Das große Publikum weiß ja nicht, daß Mutter Natur keine scharfe Grenze zwischen geistiger Gesundheit und geistiger Krankheit gezogen hat, weiß weiter nicht, daß das Gesetz uns nur diese Alternative läßt und es uns anheimgibt, wie wir uns mit der Masse der Zwischenformcn abfinden wollen. Daß hier die Ueber- einstimmung der Gutachter so erfreulich war— Mcdizinalrat König. Oberarzt Mönkemöller, Dr. Placzek stimmten vollinhaltlich überein, Medizinalrat Leppmann differierte nur wenig— lag vornehmlich an der Einfachheit und Klarheit der bisher zur Beurteilung gebotenen Fälle. Ein Gewinn wird zweifellos aus diesem Prozeß erwachsen, nämlich die Ueberzeugung, daß der Gefängnisarzt, wenn anders er seine Obliegenheiten mit der wünschenswerten Gründlichkeit er- füllen soll, nicht mit Arbeit überlastet werden darf. Einer solchen Zahl von Gefangenen, wie sie die Plötzcnseer Gefängnisärzte täglich zu untersuchen haben, kann auch der arbcitskröstigste und arbcits- willigste Arzt nicht mit der wünschenswerten Gründ- lichkeit gerecht werden. Am allerwenigsten kann so das Desiderat der Psychiater auch nur annähernd erfüllt werden, daß jeder Gefangene bei seinem Eintritt auf seinen psychiatrischen Status geprüft werde, damit alarmierende psychische Symptome rechtzeitig gewürdigt werden. Ter Gefängnisarzt in so verantwortlicher Stellung soll auch nicht so kärglich besoldet werden, um seine Existenz durch die freie ärztliche Praxis erweitern zu' müssen. Der Gefängnisarzt soll aber auch unabhängig in seinem ärztlichen Handel» sein und über gründliche psychiatrische Kenntnisse verfügen. Erst dann wird er seiner Aufgabe voll gerecht werden können. Was in diesem Prozesse als Mangel offenbar wurde, erscheint mir nur als Teilerscheinung der Mängel, welche die, kaum begonnen, schon stecken gebliebene Reform der gerichtlichen Medizin zur not- wendigen Folge hat. Nur an wenigen unserer mit Recht ge- priesenen Universitäten wird die gerichtliche Medizin von einem Manne gelehrt, der durch Ausbildung und wissenschaftliche Leistungen die volle Gewähr seiner Sachkunde bietet. Meist lehrt sie ein pathologischer Anatom oder ein Chirurg oder gar ein Psychiater im Nebenfach, obgleich die gerichtliche Medizin ein Sondergebiet für sich bildet. Ja, vereinzelt ist das Fach gar nicht vertreten, llnd doch müssen seine Vertreter, muß auch der gewöhnliche Arzt forensisch entscheidend tätig sein, durch sein Urteil Menschenschicksale ent- scheidend beeinflussen. Deshalb radikale Reform! Erst dann werden die scharfen, leider zu berechtigten Angriffe aufhören, wie sie von autoritativer ärztlicher Seite gehäuft erfolgen, für die aber nicht die Angegriffenen verantwortlich sind, sondern die Mängel des der- zeitigen Systems."— Amtliches Wahlergebnis für Oberbarnim. Bei der am 21. Juli stattgehabten Reichstagsstichwahl für den Wahlkreis 5 Oberbarnim wurden insgesamt 16 339 gültige Stinimen abgegeben. Hiervon ent- fielen auf Professor Pauli-Eberswalde(deutsche Reichspartei) 8733, auf den Stadtverordneten Bernhard BrunS-Berlin(Soz.) 7592 Stimmen. Pauli ist sonnt gewählt.— Zur Begnadigung des Hängc-PeterS wird der„Weser-Ztg." ge- schrieben, daß sich einflußreiche Persönlichkeiten, auch Damen der Hofgesellschaft, für die Rehabilitienmg des mit Schimpf und Schande aus seinem Amte gejagten ehemaligen Reichskommissars verwendet hätten. Bezeichnend für unsere Kolonialmoral ist eS. daß sich außer der „Franks. Ztg." nicht ein einziges bedeutenderes bürgerliches Blatt un- verblümt über den Vorgang ausgesprochen hat!— Opfer des Militarismus. Unter dem 25. Juli berichtet man uns au? Halle: Von seinem Kameraden erschossen wurde am 14. Juni auf dem Truppenübungsplatz in Altcugrabow der Kürassier Dehne vom Seydlitzregiment Nr. 7 in Halberstadt. Als Täter stand vordem Kriegsgericht der 8. Division der Kürassier Valentin Schkodatczik von demselben Regiment, der wegen un- vorsichtigen Waffengebrauchs augeklagt war. Ter Angeklagte ist bereits 29 Jahre alt, verheiratet, Vater zweier Kinder und als unsicherer HcereSpflichtiger eingezogen worden. Er gilt als beschränkt. Aus den Akten wurde ver- lesen, der Angeklagte ist vorbestraft— weil er in der Jnstruktionsstunde einmal die Zunge Hera usgc st eckt hat, obwohl Stillsitzen befohlen worden war. Nach einem Schützengefecht Ivar er bei dem Kommando:„Stopfen, sichern, entladen!" mit dem kleinen Finger dem Abzug zu nahe gekommen und hatte seinen Vordermann mit einer Platzpatrone aus einem Karabiner in den Rücken geschossen. Der Angeklagte erhielt zwei Monate Gefängnis. — Tat'es wirklich so not, einem beschränkten, ungeschickten Manne den Karabiner in die Hand zu geben?— Endlich ein Dementi. Die„Nordd. Allg. Ztg." nimmt endlich das Wort zu den bereits vor acht Tagen in den„Münchn. N. N." veröffentlichten Mitteilungen über grobe Disziplinverstöße auf dem Kreuzer„Frauenlob". Das offiziöse Blatt erklärt, daß Ausschreitungen nur insofern vor- gekommen seien, daß in der Nacht vom 4./5. Juni einige kleinere Gegenstände des Schiffsinventars über Bord geworfen und einige andere beschädigt worden seien. Großer materieller Schaden sei dadurch nicht entstanden. Sonstige Disziplinwidrigkeiten„von Be- lang" seien an Bord des Kreuzers nicht vorgekommen. Um Wiederholungen solcher Vorkommnisse vorzubeugen, sei„Frauenlob" während der Kieler Woche nach der Neustädtcr Bucht strafvcrlegt worden. Bei der Anwesenheit des Kaisers sei das Schiff nicht mehr im Hafen gewesen, so daß auch die Geschichte von dem angeblichen Hissen eines schmutzigen Lappens unrichtig sei. Es läge auch kein Grund für die Annahme vor, daß die Strenge des Kommandanten die Ursache der Sachbeschädigung gewesen sei. Die Versetzung des Kommandanten sei ferner bereits vor diesen Vorkommnissen beschlossen gewesen und bedeute keinerlei Maßregelung oder Zurücksetzung. Zur Frage der allgemcrnen Disziplin in der Marine erklärt schließlich das offiziöse Blatt: „Der Behauptung, daß die ManneSzucht in unserer Marine in beklagenswerter Weise abnehme, muß mit aller Entschiedenheit ent- gegengetreten werde». Daß Ausschreitungen einzelner vorkommen, ist nicht zu vermeiden; aus ihnen läßt sich kein Schluß ziehen auf den Geist des Ganzen. Schwerere Insubordinationen sind überdies speziell bei der aktiven Schlachtflotte, zu welcher auch der Kreuzer„Frauenlob" gehört, neuerdings nicht öfter vorgekommen, als in früheren Jahren. Die Strafstatistik beweist eher eine Ab- wie eine Zunahme gerichtlicher Untersuchungen, und sicher eine Abnahme der verhängten schweren Strafen." Von einer„beklagenswerten Ilbnahme" der Disziplin ist in der sozialdemokratischen Presse auch gar nicht die Rede gewesen. Sie hat nur anläßlich verschiedener neuerlicher Vorkommnisse gegenüber dem heuchlerischen Getue etlicher Bourgeoisblätter betont, daß es auch in der deutschen Marine im Punkte der Disziplin nicht besser und nicht schlechter bestellt sei, als in den Marinen anderer Nationen. Jeder Kenner der Verhältnisse weiß aber, daß die Marineinannschaften infolge der Eigenartigkeit ihrer Dienstverhältnisse viel vorsichtiger behandelt werden müssen, als die Landtruppen. Schon die gegen sie verhängten Strafen wegen Vergehens gegen die Disziplin beweisen, daß man bei ihnen einen ganz anderen, viel mildsren und ver» nünftigeren Maßstab anlegt.— Tie Wahl in Fürth-Erlangen. Es wird uns aus dem Wahlkreis geschrieben: Ueber ihren Sieg im Fürthcr Reichstags-Wahlkreis haben auch die bürgerlichen Parteien, welche gemeinschaftlich einen Kandidaten unterstützten, keine sonderliche Freude. Zeigte ihnen der Ausfall der Wahl doch, daß die Sozialdemokratie stetig von Wahl zu Wahl zunimmt. Die bürgerlichen Blätter suchen nun den ihnen unan- genehmen Fortschritt der soziolistischen Stimmenzahl zu verleugnen und schreibe� mit Beharrlichkeit gegen besseres Wissen die Zu- nähme der Stimmen der Wahlhülfe durch Zcntrumswählcr zu. Von unserem Parteiblatt im Wahlkreise wurde dieser Annahme von vornherein jede Berechtigung entzogen durch eingehende Wür- digung der abgegebenen Wahlstimmen. Die bürgerlichen Zeitungen ignorieren in der bekannten Art aber diese Feststellungen. Sie führen besonders zwei räumlich beisammenlicgende Orte als Be- weis für Zentrumswahlhülfe an. In diesen zwei Orten erhielten wir allerdings 64 Stimmen mehr als bei der Stichwahl vor zwei Jahren und zweifellos sind diese Stimmen auch von Zentrums- Wählern. Jedoch sind sie mehr als Protest gegen die unglaubliche Beschimpfung der Wähler durch die bürgerlichen Agitawren an- zusehen. Am Abend vor der Wahl wurde eine sozialdemolratische Wählerversammlung in einem dieser beiden Orte abgehalten, in der sich auch ein ganzer Trupp jungliberaler Agitatoren und der Kommis des Rcichsverbandcs gegen die Sozialdemokratie, K o in o l l, einfand. Namentlich dieser Herr leistete sich das größte im Beschimpfen der Zcntrumswählcr. Provozierend und drohend steckte er während seiner Ausführungen einen Revolver aus seiner hinteren Hosentasche in eine Brusttasche. Er empörte die Ver- sammelten in der Weise, daß die ganze Autorität des sozialdcmokra- tischen Leiters und des sozialdemokratischen Referenten der Ver- sammlung aufgeboten werden mutzte, um ihn vor Tätlichkeiten zu schützen. Diesen Ungezogenheiten des reichsverbändlerischen Agitators ist die Abgabe von Zentrumsstimmen für die �Sozial- demokratie zuzuschreiben. Ein liberales Blatt, die„Fränkischen Nachrichten", erkennen das auch an und schreiben: „Begünstigt wurde hier(in den fraglichen zwei Orten) daS schwarzrote Kartell durch einen Fehler unsererseits dadurch, daß dort in letzter Stunde ein mit den Verhältnissen Unbekannter wenig geschickt manövcrierte." Dos Gros der bürgerlichen Blätter und allen voran das Frcisinnsorgan im Fürther Wahlkreise lassen die Tatsachen aber vollständig unerwähnt. Außerdem erhielt die Sozialdcniokratie in neun anderen Wahl- orten, wo Zcntrumsstimmen abgegeben wurden, diesmal 107 Stimmen mehr als bei der Stichwahl, welche schließlich vom Zentrum herrührend bezeichnet werden können, wenn man von einem Zu- wachs auS der Partei heraus vollständig abschen will. Diesen 11 Orten stehen 27 gegenüber, in welchen bei der letzten Wahl zwar auch Stimmen für das Zentrum abgegeben wurden, wo sich diesesmal aber das Zentrum der Stimmabgabe enthielt, wenn es nicht für den Frcisinnskandidaten gestimmt hat. Daß das vorgekommen ist, dafür ist der Marktflecken Schnaittach ein beredtes Zeugnis. In Schnaittach wurden bei der letzten Haupt- Wahl vor zwei Jahren für den Freisinn 44, die Nationalliberalcn 26, das Zentrum 128 und die Sozialdemokratie 127 Stimmen ab- gegeben. Bei der diesmaligen Wahl erhielt der freisinnige Kan- didat 162 Stimmen gegen 115 bei der letzten Stichwahl; muß also gegenüber dieser 47 und gegenüber der Hauptwahl mindestens 93 Stimmen vom Zentrum erhalten haben. Den bürgerlichen Parteien steht es also bei solcher Unter» stützung schlecht an, der Sozialdemokratie eine Unterstützung durch das Zentrum vorzuhalten. Wie lächerlich es dabei ist, eine evcn- tuelle Zuführung von 171 Stimmen bei einem Stimmenzuwachs der Sozialdemokratie von 1593 gegenüber der Hauptwahl als be- sonders schwerwiegende Unterstützung hinzustellen, kann jeder Leser selbst beurteilen. «» « Ein Telegramm der lldq.-Korrespondcnz meldet vom 25. Juli aus Fürth: Die Sozialdemokraten werden die Wahl Barbecks in Fürth-Erlangen neuerdings anfechten; sie behaupten, daß die gleichen Unregelmäßigkeiten stattgefunden haben, deretwegcn das Mandat kassiert wurde._ Russische Gäste in Tsingta». Die„Allgem. Schlächter-Ztg." veröffentlicht den Brief eines ihrer Abonnenten in Tsingtan. In demselben heißt eS: „... da liegen hier im Hafen einige russische Kriegs- schiffe, die sich vor den Japanern geflüchtet haben; die russischen Soldaten sind schlimmer wie die Chinesen: sie betrinken sich und paddeln sich dann nnt den Chinesen im Schmutz hemm— ein trauriger Anblick! Hoffent- l i ch verlassen u n S die Russen bald, das wäre für die ganze Kolonie nur ein Vorteil."— Hueland. Die deutsch-döllische Marineverbrüderung und der Hurrapatriotismus- Wenn in Dänemark der Militarismus noch immer einen ziemlich starken Einfluß hat, so ist doS wcfenilich dem Umstände zuzuschreiben, daß man in Deutschland einen Nachbarn sieht, dem nicht recht zu tränen ist. Um so mehr mußte es auffallen, daß die dänischen Hurra- Patrioten nun plötzlich diese LandeSgcfahr vergessen haben und ruhig zusehen, wie die deutschen Kriegsschiffe die skandinavischen Gewässer nach allen Richtungen durchkreuzen, ja, daß sie begeistert mit ein- stimmen in den großen Vcrbriiderungsrummcl, den deutsche und dänische Marinebefehlshober und Mannschaften in den letzten Tagen in Kopenhagen gefeiert haben, gleich als wäre für die Dänen der alte gefährliche Erbfeind plötzlich zum liebsten Busenfreund geworden. Von allen bürgerlichen Blättern äußert nur doS„ K r i st a l i g t D a g b l a d", ein Organ für eine Art von Christentum verbunden mit Militarismus und Kapitalismus, seine schweren Bedenken gegen den überaus liebenswürdigen Empfang der deutschen Kriegsschiffe. Es schreibt: „Die deutschen Offiziere haben hier gute Gelegenheit, sich durch eigene Anschauung von deni Zustand der dänischen Flotte und der dänischen Reede zu überzeugen. Die deutschen Offiziere würden— wohl zu merken: vom deutschen Standpunkte aus gesprochen— geradezu ihre Pflicht als wachsame Offiziere im Dienst ihres Landes versäumen, wenn sie nicht derartige Aufklärungen heimbrächten. Darum gebrauchen sie fleißig die Ferngläser und Photograp Hierapparate: darum haben sie unter Leitung helsingörscher Lotsen genau den richtigen Kurs vom Norden nach Kopenhagen aufnotiert."— Das Blatt spricht dann ziemlich un- verhohlen den Verdacht aus. daß die Reise von den deutschen Schiffen tatsächlich zu Spionierzwecken ausgenutzt werde und kommt zu dem Schluß, daß mit den dänischen„Liliputen von Krieg?- schiffen" nichts gegen die deutsche Riesenflotte auszurichten sei und ein Bruchteil der anwesenden deutschen Schiffe der ganzen dänischen Schlachtflotte in einem Augenblick den Garaus niachen könnte. Die letzte Hoffnung setzt das Blatt auf die Festung Kopen- Hägens. Es läßt sich aber sehr leicht nachweisen, daß� auch diese nicht im geringsten einer Großmachtsflotte gewachsen ist, und ein Sachkundiger des früheren Marincminijters Jöhnke hat das auch bereits im letzten Winter nachgewiesen. „ S o c i a l- D e nr o k r a t e n'" bemerkt zu dem VervrüdeningS- rummel unter anderem: „International ist alle? und sind alle in unseren Tagen: König?- familien, das Kriegswesen und das Kapital sowohl wie die Arbeiter- bewegung, der Verkehr und die Wissenschaft. Konservative und Liberale können nicht länger ein Patent auf das Nationa�efühl in Anspruch nehmen, noch mtt einer Spur von Recht die Sozialdemo- kratie ihre» Internationalismus wegen ausschelten. Sie stnd ja in diesen Tagen selbst international ohne Ende. Aber der Königs- und Kriegs-Jiiternationalismus, den wir in diesen Tagen aujkominen fe�ett, ist nichts als eine SanTalut des guten und grohen inter- nationalen Gedankens. Es ist die Internationale des Unrechts, der Unterdrückung und Ausbeutung. Der Internationalismus, der die Sozialdemokratie trägt und von dem sie getragen wird, >st dagegen der des Friedens, der Freiheit und der Gerechtigkeit. Nimmt die dänisch. deutsche Militärbriiderschaft dieser Tage den alten festungspatriotischen Phrasen den letzten Lebensrest, so macht sie sich nützlich. Dadurch wird immer weiteren Kreisen der Weg zum Verständnis der erhabenen, zu- gleich nationalen und internationalen Idee der Sozialdemokratie gc- bahnt."— Zum norwegisch-schwcdischcn Konflikt. Nach einer Meldung aus Stockholm v o in 25. I u l i ist der Spezialausschust des schwedischen Reichstags jetzt endlich mit seinen Vorschlägen fertig geivorden. In seinem Bericht, der, wie es heistt, auf einstimmigen Beschluß des' Ausschusses abgefaßt worden ist, wird dem Reichstag empfohlen, zu erklären, daß der RegierungS- entwurf nicht in der vorliegenden Form an- genommen werden könne. Der Reichstag soll fernerer- klären, daß er nichts dagegen einzuwenden habe, die Verhandlungen über die Auflösung der Union aufzunehmen, wenn ein neu- gewähltes Storthing den Antrag auf Aufhebung der Reichsakte und Auflösung der Union stelle oder wenn es von Norwegens Seite verlangt werde, nachdem sich das norwegische Volk durch V o I k s a b st i m m u n g für die Auflösung der Union ausgesprochen habe. Es werden dann noch viererlei Forderungen als Bedingung der Unionsauflösung gestellt. Zuerst die. daß ein neutrales Gebiet zwischen beiden Reichen geschaffen werde, wo die Festungswerke ge- schleift werden sollen � und keine neue errichtet werden dürfen; zweitens wird eine Festlegung der Wcidcgcrechtigkeit für die Renn- tiere der schwedischen Lappländer in: nördlichen Norwegen verlangt, drittens eine Sicherung des Transitverkehrs gegen rmbillige Erschwerungen, und schließlich wird verlangt, daß die Rechtsstellung Schwedens gegenüber dem Ausland klar gestellt werde,„so daß namentlich die vollst än d i g e Fr eih eit Schwedens vo.n einer Verantwortlichkeit für Norwegen gegenüber anderen Staaten unzweifelhaft wird".— Diese letzte Forderung, die ja etwas Selbstverständliches in sich schließt und hier so kling:, als ob ein guter Vater sich von einem ungeratenen Kinde lossagt, ist offenbar auf eine von Norwegen inißachtenden Leuten gepflegte Absicht zurückzuführen, wonach die Norweger, wenn sie nun nicht mehr der weisen Leitung der schwedischen Politik des Aeußeren unterstehen, in dieser Hinsicht leicht Dunuichciten machen könnten.— Der Ausschuß hat dann auch insofern dem Verlangen der Kriegshetzer Rechnung getragen, als er die Aufnahme einer Anleihe von 100 Millionen empfiehlt,.die durch Reichstagsbeschluß für Veranstaltungen ver- fügbar gemacht werden können, welche die Verhältnisse etwa er- forderlich machen". Der Bericht des Ausschusses schließt mit folgender Phrase, die stark an das erinnert, was man feit Ausbruch des Konflikts so oft in der schwedischen„vaterländischen" Presse gelesen hat und ebenso inhaltslos ist:„Mit Kraft und Bestiinmt- heit mutz alles, was die Rücksicht auf die Wohlfahrt und Würde Schwedens fordert, als Bedingung für die Aufhebung der Reichs- akte durch Schweden und für Anerkennung Norwegens gefordert und festgehalten werden." Am selben Tage, als der Bericht�dcS Ausschusses erschienen ist, hat das schwedische Ministerium seine Entlassung ein- gereichtl—_ Serbien. Die Skupschtina-Wahlen. Belgrad, 25. Juli. Amtlicher Meldung zufolge hatten die Wahlen zur Skupschtina folgendes Ergebnis: 73 selbständige Radikale lRegierungspartei), 50 gemäßigte Radikale, 14 Nationalisten und Liberale, 4 Fortschrittler, 2 Sozialisten, 1 Bauernparteiler. Am nächsten Sonntag finden in 11 Städten die nachträglichen Wahlen kür die neue am 7. August zu eröffnende Skupschtina statt.— Asien. Die holländische Kolonialschlächterei eröffnet. Bei Parö-Pare auf Celebes fühlte der Kapitän der hölländischen Truppen sich dadurch bedroht, daß sich die Eingeborenen mit Gewehren bewaffnet zeigten. Auch hatte man beobachtet, daß die Bonier Befestigungen auf den umliegenden Hügeln errichtet hatten. Dänin: vertrieb man mit Hülfe der Artillerie des im Hafen liegenden kleinen Kreuzers „Assaban" die Eingeborenen von den Hügeln, wobei diese 30 Tote liegen ließen. Als das Gefecht im Gange war, wollte eine Truppe von 400 Boniern das Biwack angreifen, das sie verlassen wähnte. Von dieser Truppe blieben 100 auf dem„Schlachtfelde". Das ist der Anfang der Boni-Expedition. Der Fürst von Boni weigerte sich, das holländische Ultimatum anzunehmen. Darauf ist der erste Teil der Expeditionstrichpen bei Oedjong Patiro gelandet und marschiert nach Wotampene, das nicht weit von dem Hauptort Boni liegt. Die ExPeditionStrichPcn werden ungefähr 400 Mann stark fein. Die russische Revolution. Zum Heldentode Okrzrjas. ES wird uns geschrieben: Seit 20 Jahren wurde in Warschau kein gerichtliches Todes- urteil vollstreckt. An: 28. Januar 1886 wurden die Mitglieder der ersten polnischen sozialistischen Organisation, die Genossen Kunicki, BardowSii, Offowski und PietrusinSki in der Warschauer Zitadelle durch den Strang ermordet. In der vorangegangenen Justiz- komödie, die unter dem Namen„Prozeß der Partei Proletaryat" bekannt ist, hatte der Staatsanwalt ausgerufen: Ihr habt Wurzeln gesäet, die wir auch mit Zähne» nicht mehr ausreißen tverdcn. Der Scherge hat Recht behalten. Nach 20 Jahren des unerbitt- lichen. opfervollcn Kampfes ist die polnische Arbeiterbewegung zu einer gewaltigen Macht geworden. Am Freitag wurde nun der neunzehnjährige Okrzeja ermordet. Okrzeja war Mitglied der revolutionären Kampfabteilung l„ockckeik:I sxislroivo-bojowjc P. P. S.) der polnischen sozialistischen Partei. Am 26. März hatte Okrzeja eine Bombe in die Polizeiwache in der Vorstadt Praga geworfen, um den Januarhenker, den Ober- Polizeimeister Nolken herbeizulocken. Auf den herbeieilenden Rollen wurde sofort ein Bombenatlentat ausgeführt, das mit der schweren Verwundung und der Flucht Nolkens aus Warschau endete. Der zweite Bombenwerfer konnte sich rechtzeitig entfernen. Am Tage des Prozesses haben die Genossen versucht, Okrzeja loszuschlagen, was leider mißlang. Zwei Genossen, die mit Bomben in der Hand auf der Straße waren, wurden verhaftet. Als der Generalgouverneur Makshmowicz das Todesurteil gegen den ILjährigen bestätigte, wurde ihm nahegelegt, die kaiserliche Gnade anzurufen.„Ich will keine zarische Gnade"— erwiderte Okrzeja—„mit meinen: Tode werde ich unserer Sache mehr dienen. als durch ungeschickte Agitation." Die Exekution selbst schildert der Korrespondent der bürgerlich- demokratischen„Newa Neforma" in folgender Weise: Wa r sch au, 2t. Juli. Die zarische Antwort auf da« telegraphische Gnadengesuch der Mutter— ist gar nicht eingetroffen.... Man erwartete sie die ganze Nacht.... Umsonst. Um halb sechs Uhr früh wurde an die Zelle von Okrzeja angeklopft— mit der Aufforderung zum Galgen. Er war ruhig, ernst, beherrschte sich vollständig, imponierte selbst den Schergen. Langsam trat er heraus, Gendarmen voran. Hinter ihm eine Abteilung Infanterie. Pünktlich um 6 Uhr stand der Zug an dem hinteren Hos der Zitadelle. Hier, am Ort der Exekution, warten unter dem Galgen der katholische Gefängnisgeistliche, eine Gruppe von Beamten, die Delegierten der Gendarmerie und— ich weiß nicht mit welchem Recht— der Pope. Nach kurzer Unterredung mit dem Geistlichen unter vier Augen— Okrzeja beichtet nicht— segnete ihn der Geistliche, als er zur Rüstung schritt, mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes. Im Nu schritt der Henker mit maskiertem Gesicht mit zwei Helfern heran. Tödliche Stille trat ein. Man hörte das Knastern der Bretter unter den schweren Schritten der Henker. Da überströmten die Sonnenstrahlen die Grabesszene mit Licht.... Einen Augenblick laug hörte man nur das Zwitschern der Spatzen, das plötzlich durch die feste, vernehmbare Stimme des Opfers vom Galgen unterbrochen wurde: „Hoch der Sozialismus! Nieder mit dem Zarat!" Das waren die letzten Worte des zun: Tode entschlossenen 10 jährigen Stefan Okrzeja. Aber wenn auch der Trommelwirbel erschallte, wenn auch der Kopf am Strange hing— in dem Augenblicke, als die Helfer das Opfer an den Beinen zogen— riß der Strang.... Sie können nicht einmal hängen.... So hat sich die Re- gierung verrannt selbst in dem einzigen Handlverk, in dem sie sich auszeichnete. Rasch wurde der„Fehler" ausgebessert... Diesmal gelang es... Alles war in Ordnung. Die Gewalt feierte den Pyrrhussieg über die Idee, die um so freier sich ausbreiten und in den Massen reifen wird. Okrzeja fürchtete den Tod nicht. Denkwürdig sind seine Worte, als man den schwer Verwundeten verhörte. Da sagte er:„Mein Name, Herkunft, Stand haben init meiner Tat nichts GcmeinsanieS Ich habe die Tat mit vollem Bewußtsein und im starken Glanben an den Sieg unserer Sache vollführt. Weder die Katorga noch der Tod schrecken mich." Bei der Exekution war keiner seiner Angehörigen zugegen. Selbst seinen Rechtsanwalt, dessen Anlvesenheit Okrzeja geivüuscht hatle, hatman nicht benachrichtigt, ebensowenig die Eltern, selbst die Mutter nicht, die den Zaren telegraphisch um Gnade gebeten hatte und 48 Stunden laug in Qualen und Schinerzen der Antwort harrte. Erst heute, 13 Stunden nach der Vollstreckung, um 7 Uhr abends soll sie jemand aus der Partei privatim benachrichtigt haben. Die Worte wollten ihm aus der Kehle nicht heraus. Denn sie sprach noch vom Sohne als von einem Lebenden, sie wartete noch immer auf die Antwort auf das Telegramm. Schließlich sagte man es ihr. Die einfache Frau, wie von einer Vorahnung geleitet, stets schwarz gekleidet ging, enrug den Schlag in spartanischer Weise. Nur zwei große Tränen, die an den Wangen herabgleiteten, zeugten'von dem großen Seelenschmcrz... Und die Leiche werden sie nicht herausgeben...— Da schwieg sie für einen Augenblick, dann fügte sie hinzu: Wie janunert es mich, daß ich mich entgegen seinem Wunsch an die Gnade des Kaisers gewandt babe. Die Gnade konnte nicht kommen— die Hand TrcpowS ließ das Telegramm nicht zu, dieselbe Hand, die dem Generalgonvernour Maksyinowicz, dem furchtsamen Kavalier, befahl, das Urteil zu be stätigcn und eigenhändig dazuzuschreiben, daß die von: Kriegs gericht hervorgehobenen mildernden Umstände keine Berücksichtigung verdienen. Das Kriegsgericht erhielt„für sein weiches Herz" einen längeren Tadelsukas. Das Urteil des Kriegsgerichts lautete auf Tod durch den Strang, endete aber unter Berücksichtigung der mildernden Umstände mit dem Antrage, die Strafe um zwe: Stufen herabzumildern, d. h. auf 20 Jahre Zwangsarbeit.... Ein Aufruf der sozialdemokratischen Arbeiter. Der„Voss. Ztg." wird folgender Aufruf übermittelt, der in Petersburg in 10 000 Exemplaren verteilt wurde und an die Adresse der liberalen Scmstwolcute gerichtet ist: Bürgerl Vertreter der Semstwo und der Städte I Wir werden Euch nicht reden von der schrecklichen Lage unseres Vaterlandes, nicht von der großen Verantwortung, die auf allen ehrenhaften Bürgern liegt— das muß Euch alles klar scinl Wir wollen Euch lediglich im Angesichte des ganzen Volkes sagen, worin wir die Rettung Rußlands erblicken. Wir wollen Euch mit unserem Aufruf lediglich aufrütteln, vor dem ganzen Volke klare und wohlerwogene Forderungen zu stellen und aus den Weg entschlossenen Handelns einzulenken. Die Vernichtung der russischen Flotte und die darauf folgenden Schreckenstage von Lodz, Warschau und Odessa haben vor Euch die Frage der Zukunft Rußlands in unab weisbar dringlicher Form aufgerollt. Wie habt Ihr nun die Frage gelöst? Die Konstitutionalisten der Semstwo, d. h. die Gegner der Autokratie, verbanden sich auf der Versammlung zu Moskau mit den Slavophilen, d. h. mit Anhängern der Autokratie, und sie sind zusammen zum Zaren gegangen, um sich über die Burcaukratie zu beklagen. In Euerer Adresse gebt Ihr dem Zaren die Hoff nung, der jetzige unsinnige, ziellose, verbrecherische und schimpfliche Krieg könne in einen Volkskrieg umgewandelt werden, und Euer Wortführer, Fürst Trubctzkoi. sagte in seiner Rede zu Peterhos, das Volk glaube an den Zaren und wolle seine Rogicrungsgewalt festigen. Wir protestieren ganz energisch gegen diesen Miß- brauch des Namens Volk! Wir Arbeiter gemeinsam mit dem ganzen selbstbewußten Volk kämpfen nicht nur gegen da» Tschinownittum, sondern gegen die zarisch-burcaukratische Auto- knttie. W i r fordern nicht die Festigung der Rechte des Zaren, sondern die Verkündung der Rechte des Volks. Bürgerl Wo Hunderttausende und Millionen für ein besseres Dasein kämpfen, wo alle finsteren und blinden Kräfte vereint sind zur Unterjochung des Volkes, da können einige wenige, in den Mauern des Zarenhofcs gesprochene, scheinheilige Worte nicht helfen. Was geschah nach dem 6. Juni? Von den Januartagen in Peters. bürg sind wir zu den Junitagen in Odessa, vom„verstärkten Schutz" zum Kriegszustande, von hundert zu tausend Toten, von der Polizei- Willkür zur Diktatur gekommen und von den Schrecken des Kampfes von Tsuschima schreiten wir zu weiterem Unglück bei Charbin! Was nun weiter? Zur selben Zeit, da dos Blut der Arbeiter ver- gössen wird, arbeitet die zarische Regierung ein Wahlgesetz für die bemittelten Klassen aus. Das geschieht in der Hoffnung auf Euere Hülfe, Ihr Bürger der Semstwo und der Städte, um die Selb st Herrschaft zu stärken und um den Krieg der Tschinowniki in einen Volkskrieg zu verwandeln! Wir Arbeiter vermögen mit diesem dummdreisten Hirngespinst der Regierung nichts anzufangen. Die S t a a t s d u m a ist nicht für, sondern gcgcn uns bestimmt. Vor dem Proletariat und vor den armen Klassen ist sie wie durch eine Steinmauer geschützt durch den hohen VernlögenS-Zensus. Aber auch den Vertretern des Landes und Kapitals räumt die Duma nur das bedauernswerte Los des fünften Rades am Wagen ein, das die allmächtige Bureaukratie nur so lange mitschleift, wie es ihr gefällt. Die Teilnahme an den Wahlen heißt darum nichts anderes als Anerkennung der Macht der zarischen Regierung, heißt feige Beraubung des Volkes um sein Wahlrecht, heißt offen ins Lager der zarischcn Regierung übergehen. Wir Arbeiter verkünden feierlich, daß wir jeden als einen Feind des Volkes kennzeichnen werden, der an der schimpflichen Komödie der Wahlen in die Duma teilnehmen wird. Bürger! Vertreter der Semstwo und der Städte! Die Forde- rungen, die auf die Fahne aller Feinde der Selbstherrschaft ge- schrieben sein müssen, lauten: sofortige Beendigung des Krieges und Einberufung biner konstituieren- den Versammlung. Wir Arbeiter dulden keinerlei Wahl- zensoS, sei es nach Klassen, Vermögen, Bildung, Nationalität öder Wohnort, und zwar weil jeder Zensus in erster Linie sich gegen unS richtet. Me Bürger, die das zwanzigste Lebensjahr vollendet haben, ohne Unterschied des Geschlechts müssen vollberechtigt sein. Wir dulden keine Stufenwahl, weil solche die Möglichkeit des Stimmen- kauss gibt. Wir fordern direkte Wahlen. Wir dulden keine öffent- liche Wahl, weil diese die BewegungSfrelheit der abhängigen Klaff«« behindert. Wir fordern geheime Wahlen. Die Wahlen für die konstituierende Versammlung können gerechterweise nur dann vor sich gehen, lvenn alle wegen politischer Vergehen ein- gekerkerte Personen in Freiheit gesetzt werden, bei verbürgter Preß-, Versammlungs-, Vereins- und Ansstands- freihcit. Doch solche Rechte kann kein kaiserliches Versprechen. Hein kaiserlicher Befehl geben. Sie können lediglich mit bewaffneter Hand durch die Bürger selbst erlämpst werden. Wir Arbeiter sind über- zeugt, daß lediglich eine Miliz, d. h. die bewaffnete Bürgerschaft, in der Lage sein wird, alle Versuche der Reaktion, in die alte Bahn einzulenken, siegreich zurückzuschlagen. Nur eine Volkswehr wird in der Lage fem, all die Ueberfällc durch die Soldaten, Polizei und „schwarze Horden" abzuschlagen. Es ist daher Pflicht der Semstwo- und der Städteverwaltungen, sofort eine Volkswehr zu bildm. Jeder, der es wünscht, hat auf Kosten der Gesellschaft Waffen zu bekommen. Die Waffen hält jeder einzelne bei sich zu Hause. Die Ausbildung hat durch besonders gewählte Personen zu geschehen. Wir Arbeiter aber werden die ersten sein, die zu den Waffen greisen. Die zarische Regierung wird freiwillig weder eine Miliz noch eine konstituierende Versammlung zulassen, denn das hieße für den Zaren, seinen Herrscherrcchten zu entsagen. Darum, Ihr Semstwo- und Städtevertreter, gilt es, den Weg des Kampfes betreten; wenn Ihr unsere Forderimgen annehmt, heißt das, alle Verbindungen mit der Regierung abbrechen und ihr den Krieg erklären. Nachdem Ihr aber die demokratische Losung zu der Euren gemacht habt, seid Ihr verpflichtet, so zu handeln, wie wir es von Euch hiermit fordern. Unsere Aufgabe ist der bewaffnete Aufstand! Wir wollen das alte System mit der Wurzel ausrotten. Nun sagt uns, mit wem Ihr gehen wollt? Mi� dem Zaren oder gegen ihn? Bedenkt aber bei Eurem Entschluß, Bürger, daß heute jeder, der nicht f ü r das Volk einsteht, ein Feind des Volkes ist. gez.: St. Petersburger Gruppe der russischen sozialdemokratischen Partei. Die Kosaken im Aufruhr. Aus NowotscherkaSk wird über Petersburg gemeldet: I» sechs Donschc» Kosnkcnregiincutcrn, deren Mobilisation soeben beendet ist, herrscht großer Aufruhr. Sie uieigcrn sich, Polizeidienste im Innern des Reiches zu leisten, was sie als eine des Soldaten«»würdige Schmach hinstellen. Eines jener Regimenter, das in voller Kriegsausrüstung und in vollem Bestände zusammengetreten war, sandte dem Kosaken-Attawan ein Telegramm, worin Offiziere wie Mannschaften de» Dienst im Inner» deS Reiches ablehnen, dagegen sich bereit erklären, ihr Leben im Kriege im fernen Osten jederzeit in die Schanz« zu schlagen. Das Telegramm wurde sofort dem K r i e g s m i>: i st e r übersandt, der den Befehl erteilte, die Ruhe im Regiment unverzüglich wiederherzustellen. Ruftland in Geldnöten. Aus dem letzten Ausweis der russischen Staatsbank ist erficht- lich, daß Rußland sich schon in allernächster Zeit neue Geldquellen verschaffen muß, um peinlichen Zwischenfällen vorzubeugen. So betrug am 14. Juni 1904 der Kasjenbcstand 281.4 Millionen Rubel und am 14. Juni 1905 nur noch 89,5 Millionen Rubel. Es ist klar, daß dieses Geld bei den jetzigen Monatsansgaben von über 100 Millionen Rubel und dem hohen Wert des im Umlauf sich be- findlichen Papiergeldes von ganz geringer Bedeutung ist. Infolge- dessen findet jetzt zwischen dem Finanznnnister Kokowzew und den hervorragenden Vertreicrn der Bankwelt Rußlands und des Aus- landes ein lebhafter Meinungsaustausch statt, um das für Rußland so nötige Geld zu beschaffen. Unruhen. Warschan, 25. Juli. In G r o d z i s k o sind ernste Arbeiter- unruhcn ausgebrochen. Militär ist deshalb nach dort abgegangen. Tiflis, 25. Juli. Der Polizeiwachtmcistcr Kowalew wurde heute ftüh auf der Straße durch eine gegen ihn geschleuderte Bombe schwer vcrletzr. Zwei an dem Ueberfall beteiligte Personen wurden verhaftet. Warschau, 25. Juli. In der hiesigen Zitadelle sind neuerdings fünf Deserteure standrechtlich erschossen worden. * Nach Meldnngen des„L.-A." ist in Warschau am Montag ein Geheimagent durch Messerstiche getötet worden. Fast gleichzeitig fielen in Loszyze ein Schutzmann, in Kalisz ein Polizist und in Sosnowice ein Detektiv Attentaten zum Opfer. Nach einer Meldung aus Lodz wurde in einem Hause an der Kamiennastraße eine Bombenfabrik entdeckt. Außer rohem Material zu deren Hcrstelluog fm:d man vier Kisten mit Proklamationen an das Lodzer Militär und eine Liste von einigen zwanzig Führern der Lodzer Sozialisten und Anarchisten. Die In- Haber der Wohnung sowie die auf der Liste verzeichueten Personen wurden verhaftet. Kongrestverbot. Warschau, 25. Juli. Trotz Intervention hochgestellter Persönlich- leiten hält der Generalgouverneur das Verbot der Abhaltung deS nach hier einberufenen landwirtschaftlichen Kongresses aufrecht. Hus der Partei. Die Affäre Kautskh kontra„Vorwärts". Unser B o ch u m e r Parteiblatt nimmt ebenfalls zu dem Zwischen- fall Stellung, ist jedoch anderer Meinung darüber als die „Schwäbische Tagwacht"; eS schreibt nämlich: „In der„Neuen Zeit" veröffentlicht Genosse Kautskh eine Artikelserie unter der Ueberschrist„Die Folgen des japani- scheu Sieges und die Sozialdemokratie". Darin be« schäftigt er sich auch mit den:„Vorwärts" als Zentralorgan bezw. dessen Haltung in austauchenden taktischen Fragen. Die Besprechung, die der„Vorwärts" dem Buche der Genossin RolandkHolst über den politischen Masjenstreik widmete, veranlaßt den Genossen Kautskh zu einer scharfen Polemik gegen den„Vorwärts", die aber leider die Grenzen der Sachlichkeit überschreitet und e i n e:: T o n a n s ch I ä g t, der sich in d e r w i s s e n s ch a f t- lichen Revue der deutschen Sozialdemokratie durchaus nicht breit machen darf. Wenn in unserer TageSpresse die einzelnen Wendungen beim AuStrag von Meiumigs. Verschiedenheiten nicht innner auf die Wagschale gelegt werden, so ist das bei der Eile, mit der die Tagesblätter hergestellt werden, wenn auch nicht zu entschuldigen, so doch zu begreifen. Aber in der „Neuen Zeit" können und müssen Ausfälle verletzender Natur ver- mieden werden...." Nachdem dann das Bochnmer„Volksblntt" ein längeres Zitat ans Kantskys Artikel gebracht hat, fährt eS fort: „Der„Vorwärts" hat bisher stets jede Auseinandersetzung mit Parteigenossen oder Parteiorganen sachlich, unter Vermeidung alles persönlich Verletzenden geführt. Aber man darf sich nicht wundern, wenn der„Vorwärts" auf die Augriffe � a u t 8 k y s in verdienter W e i's e a n t w o r t'e t.. Das„VylkSblatt" gibt nun den Schluß des„VorwärtS"-ArtikelS gegen K a u t S k y wieder und sagt: „Diese Antwort ist scharf, aber sie ist provoziert. Wir sagen uns. die Interessen der Partei werden nicht gewahrt, wenn Fragen der Taktik in einer solchen Weise, wie es die„Neue Zeit" beliebt, ausgetragen werden. Wenn ein Genosse, und sei eS auch im Zentral- organ, in einer taktischen Frage eine Meinung vertritt, mit der er aNein steht oder in der Minderheit bleibt, so ist er doch noch kein unfähiger Mensch mit kosakischen> Anschauungen, sondern immer noch ein Genosse, der mit den anderen das Beste der Partei will und dafür kämpft. Es ist in der letzten Zelt ja in einem Teil unserer Parteipresse üblich geworden, in ziemlich untergeordneten Fragen gegen den„vorwärts" in einer Weise zu Polemisieren, daß mau glauben könnte, es liege System iu diesen Angriffen. Ueber t)!« Haltung des„Vorwärts" zu reden, danlber zu urteilen, ob er' seine Stellung als Zentralorgan ausfüllt oder diese Stellung ver- kennt, ist Zeit auf dem Parteitag. Wenn dennoch Meinungs- Verschiedenheiten ausgetragen werden sollen, so mag es in einer Form geschehen, wie eS sich gehört. Die gegnerische Presse greift mit großem Gaudium die Aus- einandersetzungen zwischen KautSky und dem„Vorwärts" auf und stellt sie in abgehackter Weise ihren Lesern als eine Katzbalgerei, ein Präludium zu Jena dar. Wir fragen durchaus nichts danach, was unsere Gegner über uns denken, aber wir haben nicht nötig, sie zu unterhalten in der Weise, wie es durch zwei führende Organe unserer Partei geschieht, von denen der„Vorwärts", wir betonen das nochmals, der provozierte Teil ist. Damit imponieren wir dem Gegner nicht. Die„Sächs. Arbeiterztg." kündigt eine sachliche Stellungnahme an und sagt vorläufig nur: „Sehr höflich ist nun allerdings Genosse Kautsky nicht gewesen. Daß er aber eine„unmögliche" Form gewählt habe, ist schwer ein- zusehen. Es ist eine sachliche Kritik der Vorwärtsartikel, die freilich mit derben Ausdrücken nicht spart. Von persönlichen Jnvcktiven aber ist nichts darin und deshalb tut der„Vorwärts" unrecht, sich überempfindlich zu zeigen. Scharfe Kritik mutz sich jedes Parteiblatt gefallen lassen." « Die Dortmunder„Arbeiterztg." schneidet ein Stück aus der Affäre zwecks besonderer Betrachtung aus und schreibt: „Auf die Materie der Polemik selbst werden wir noch zurück- kommen; heute schon aber möchten wir ausdrücklich konstatieren, daß die Zustände in unserem Zentralorgan unleidlich zu werden an- fangen. Wir sagen das ohne jede persönliche Animosität gegen die rechts oder auf der�saber gar nicht goldenen I) Mittellinie stehenden Mitglieder der„Vorwärts"-Nedaktion, die wir als tüchtige Journalisten und gute Parteigenossen Wohl zu schätzen wissen; aber es geht einfach auf die Dauer nicht, daß der„Vorwärts" redaktionell eine Richtung vertritt, die von drei wichtigen Mitgliedern seiner Redaktion nicht nur nicht geteilt, sondern im Jntereffe der Partei öffentlich bekämpft wird. Da muß endlich einmal Wandel geschaffen werden— so oder so. Das Zentralorgan der Partei mutz einheitlich und konsequent geleitet sein; die"Differenzen innerhalb seiner Redaktion lähmen die Schlagkraft des Blattes und der Partei selbst. Solange der„Vorwärts" Zentral organ der Partei ist und ihr führendes Blatt sein soll, hat die Gesamtpartei die Pflicht, dafür zu sorgen, datz er zielbewußt, ohne Seitensprünge die alte prinzipiell- revolutionäre Taktik der Partei vertritt." In dieser Beziehung sind sich übrigen? rechts und links die Dortmunder„Arbeiterztg." und sdas„Dessauer Volksblatt", bis zu einem gewissen Grade einig. Unser Dessauer Parteiblatt meint: „In der„L. V." ist immer für eine homogene(gleichartige) Redaktion gesorgt ivorden. Im„Vorwärts" ward darauf weniger Gewicht gelegt. Schön sind die Folgen davon aber nicht. Eine Zeitung braucht unbedingt eine e�i nT) e i t l i ch e Redaktion." Die Elbcrfelder„Freie Presse" berichtet von der, E n t- h ü I l u n g" eines bürgerlichen Telegraphen-BurcauS. Dasselbe be- hauptet: „Drei der sieben Redakteure werden von den übrigen vier nicht mehr in die Beschlüsse der Redaktion eingeweiht und sind, wenn sie die Erklärungen der Redaktion zu wichtigen parteiinternen Fragen im„Vorwärts" abgedruckt lesen, nachher zu Gegenerklärungen ge- nötigt." Davon ist nur richtig, daß zurzeit sieben Redakteure den „Vorwärts" Herstellen. Das dürfte einer der Herren ausgezählt haben, die für acht Groschen den„Vorwärts"-Eingang so sorg- sältig überwachen. Das übrige ist eine Kombination und dazu eine falsche!_ 6cwcrhrchaftlichc9. Bci-lCn und Clmgcgcnd. An die Arbeiterschaft Berlins und der Vororte! Von 2400 in Betracht kommenden Geschäften haben 960, welche 810 Gehülfcn beschäftigen, die Forderungen der Friseurgehülfen an- erkannt. Die Forderungen sind so minimal, daß eine Ablehnung derselben sowie daS energische Auftreten deS JnnnngSvorstandeS gegen dieselben unverständlich bleibt. Der Vorstand der Innung versucht auch nach wie vor, seine Mitglieder zum Zurückziehen der einmal gegebenen Unterschrift zu bewegen. BiS jetzt allerdings mit wenig Erfolg. Wo gütliches Zureden nicht Hilst, werden Geldstrafen bis zu 20 M. festgesetzt und es folgt Ausschluß anS der Innung. ES braucht wohl nicht besonders betont zu werden, daß diese Strafen und Ausschließungen nicht zu Recht bestehen. Da man andererseits unter Hinweis auf die Zugehörigkeit zur Partei den Glauben zu erwecken versucht, daß man arbeiter- freundlich sei und aus diesem Grunde heraus schon die Forderungen bewilligt habe, ist es für die Arbeiter oft dringend notwendig, sich nicht täuschen zu lassen. Nur dort, wo die Erkennungszeichen vor- handen sind und die Kontrollkarten sichtbar am Spiegel stecken, sind die Forderungen der Gehülfen bewilligt. Achtet darauf, daß diese vorhanden. Nur so ist Gewähr gegeben, nicht von ArbeitSlvilligen bedient zu werden. Hoch die Solidarität! Die Lohnkommission der Friseurgehülfen. Eine Zahlstelle ohne Verwaltung nannten wir in unserer Sonntagsnummer die Filiale I deS Verbandes der Lederarbeiter (Weißgerber, Färber), die in ihrer letzten Versammlung den Beschluß gefaßt hatte, daß sämtliche Funktionäre ihre Aemter niederlegen. Hierzu teilt uns der Verbandsvorsitzende Mahler mit, datz die für den Beschluß angegebenen Motive vollkommen unbegründet sind. Was insbesondere die Zurückweisung von Artikeln fürs Verbands- blatt betrifft, so sei dieselbe erfolgt, weil persönliche Beleidigungen darin enthalten waren. Dieses Verfahren habe auch die Preß- komnüssion gebilligt. Deutsdies Reich. Saarabie» II. Ueber den Streik der„königlichen Bergleute" schreibt man uns noch: Hannover, 25. Juli. Die gewählte Kommission war am Freitagabend um 8 Uhr be- stellt. Borher aber hatte der Berghauptmann Detten(nicht Welten, wie es in einem früheren Bericht heißt) die KnappschaftSältesten und die Vertrauensmänner— d. i. der Arbeiterausschuß— zusammen- berufen und hinter verschlossenen Türen mit diesen verhandelt. Dann empfing er die aus 16 Personen bestehende gewählte Kommission im Beisein der Steiger und sonstigen Beamten I Dieser sagte er, daß die Aeltesten und Vertrauensmänner keinen Grund zum Streiken vor- gebracht hätten. Hier am Deister würden gute Löhne gezahlt! Dabei ergibt die amtliche Zusammenstellung, daß im OberbergamtS- bezirke KlauSthal für die Kohlenbergleute die aller« schlechte st en Löhne in ganz Deutschland gezahlt werden, schlechter als in O b e r s ch l e s i e n. schlechter als im Mansfeldschen Bezirk und bedeutend schlechter — daS will gewiß etwas sagen— als in Saaradicn! Trotzdem ist kein Grund zum Streiken dall Einem Hauer sind, wie in der Streikversammlung vorgebracht, 2,60 M- Strafe auferlegt, weil er. wa? er entschieden bestreitet, be- trunken gewesen sein soll, und ferner 1,50 M.— also 4 M. im Monat — Strafe vom Lohne abgezogen, weil er sich weigerte, an einem Sonntage Ueberschicht zu machen I DaS ist der Musterbetrieb in Saarabien lll Sozialer Staat 1 1 Furchtbar wurden der Bevölkerung die Zustände im Bergbetriebe Augen geführt. An demselben Sonntage, an dem die drei Versammlungen tagten, begrub man eine» Maschinellärbciter, der im Betriebe des königlichen Bergwerkes verunglückt und an den Folgen des Unfalls kurz darauf gestorben ist. Ergreifend war der Leichenzug, mehrere hundert Bergleute gaben ihrem Kameraden das letzte Geleit, auch der Bergrat und Bcrginspektor waren im Zuge. Sie gaben einem Arbeiter das Geleit, der auf dem Schlachtfelde der StaatSarbeit sein Leben verloren,— die Kameraden dieses Verunglückten müssen streiken um ein menschenwürdiges Dasein I— Zuletzt mag noch erwähnt sein, datz daS in Barsinghausen er- scheinende Lokalblatt, die„Deister und Leinezeitung", bis zum Somitag auch noch nicht ein Sterbenswörtchen über den Streik, nicht einmal dessen Tatsache berichtet hat. Dabei ist der Streik das be- deutendste Ereignis, was in Barsinghausen seit Menschengedenken zu verzeichnen ist. DaS spricht Bände I So weit reicht also der Ein- fluß des Bergfiskus, daß er die öffentliche Meinung macht und eine Presse kommandiert. Nun erst kann man die entsetzliche Lage der königlichen Bergleute und deren Abhängigkeit in allen Dimensionen ermessen. DaS sind echt s a a r a b i s ch e Zustände. Die in den Versammlungen am Sonnlag gewählte bezw. be- stätigte Kommission lvar am Montag bei der Bergverwaltung vor« stellig geworden und hatte eine dreistündige Verhandlung. Alle Forderungen, die auf den Lohn Bezug haben, wurde» von vornherein abgelehnt. Der Bergrat meinte, die Behandlung der Arbeiter könne eine so schlechte als behauptet gar nicht sein, denn sonst müßten die Beamten die reinen Untiere geworden sein. Die Strafen seien nicht so schlimm; eS könne sich ja im übrigen jeder be- schweren. Die beantragte Regelung der Seilfahrt ließe sich bewerkstelligen. eS könnte dann die Maschine zehn Minuten später in Betrieb genommen werden. DaS lvaren keine Zugeständnisse, mit denen sich die Arbeiter zufriedengeben konnten. Im Gegenteil. Die Bergwerksdirektion hat»och neuen Zündstoff zusammengetragen und die Erbitterung der Streikenden noch ge- steigert. Am vorigen Freitag sagte man der Kommission, sie hätte keinen Austrag, sei also gar nicht berechtigt, im Namen der Berg- arbeiter zu sprechen. Deshalb wurde der Kommission in den Ver- sammlungen am Sonntag der Auftrag ausdrücklich gegeben. Nun hatte die Direktion bekannt gemacht, wer am Montag nicht wieder anfahre, solle sich als gekündigt betrachten. Um 10 Uhr vormittags am Montag erschien nun die Kommission in Gemeinschaft mit den Aeltesten und dem Arbeiter- auSschuß. Der Bergrat sah sich die Kommissionsmitglieder an und sofort wurden'von ihm zehn Mann zurück- gewiesen; er erklärte, diese zehn Mann gehören zur Frühschicht, sie seien nicht angefahren und deshalb entlassen! Mit Leute», die abgekehrt seien, könne und wolle er nicht unterhandeln! Also mit Maßregelung der Vertrauensmänner antwortet hier der soziale Staat ebenso wie das private Scharfmachcrtum I Um die Arbeiter dem Einfluß des Bergarbeiter-Verbandes zu ent- ziehen, findet nun am Mittwoch im Z e ch e n s a a l eine Versamm- lung statt, zu der„Fremde" keinen Zutritt haben. ES wird sich dann zeigen, ob es dem Bergrat gelingt, die Streikenden ohne Zugeständnisse zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. Zu diesem Zweck ist die Versammlung nur einberufen, da bereits bekanntgemacht ist, wenn diese Versammlung die Aufhebung nicht beschließt, sollen ain Donnerstag die Streikenden definitiv entlassen werde nl Eine nette Arbeiter- freundlichkeit des Staates! RusUind. Der Streik der Baseler Straßenbahner ist durch die Nachgiebig- keit der Kantonsregierung beendet. Nicht ohne Einfluß auf die Ent- schlüsse der Regierung dürste das energische Eintreten der übrigen Staatsarbeiter ftir die Straßenbahner gewesen sein. So verweigerten die Straßenarbeiter, die Reinigung der Schienen vorzunehmen, weil dieS sonst von den: Strcckenwärierpersonal besorgt worden war. Die Arbeiter der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke ergriffen ebenfalls für die Streikenden Partei und ein Generalstreik sämtlicher StaatSarbeiter war zu befürchten. Daher wohl das kluge Nach« geben der Regierung. Die Arbeiter der elektrischen Zentrale in Belgrad sind gestern in den Ausstand getreten; sie fordern Lohnerhöhung für die Nacht- stunden. Der Stratzenbahnverkehr ist eingestellt. 8o2iak9. Vom Berliner KaufmannSgericht. Daß das Wort„Trine" keine so erhebliche Ehrverletzung ent- hält, um der Klägerin hinreichenden Grund zum plötzlichen Ver- lassen ihrer Stellung zu geben, hat die zweite Kammer des KaustnannsgerichtcS am Montag in einem Urteil ausgesprochen, durch daS eine Kontoristin, die im Exportgeschäft von Schlawe tätig gewesen war, mit ihrer Klage auf GehaltSenrschädigung abgewiesen wurde. Der Vertreter der beklagten Firma hatte ausgeführt, daß der Geschäftsführer, der jenes Wort gebrauchte. Mecklenburger fei und«Z in dem in diesem Lande üblichen Sinne, als soviel wie „nachlässiges Mädchen", aufgefaßt wissen wollte. Diese Auffassung scheint sich auch das Gericht zu eigen gemacht zu haben, im Gegen- satz zu der in Berlin üblichen, wonach das Wort bekanntlich von Prostituierten gebraucht wird. Es kenn allerdings in Betracht, daß der Geschäftsführer das Wort zurückgenommen hatte, wenngleich er nach Aussage der Klägerin sich nicht verpflichten wollte, eS in Zukunft nicht mehr zu gebrauchen. Außerdem wurde die Klage. Abweisung damit begründet, daß die Klägerin nicht den im§ 71 Absatz 4 bei Handelsgesetzbuches vorgeschriebenen Weg einge- schlagen, also nicht den Schutz des Prinzipals an- gerufen hatte. Nach den Aussagen der Klägerin soll freilich gesagt worden sein, datz alle, die sich beschweren.„ranSsliegen" würden, und außerdem soll der Geschäftsführer Redensarten wie: „Halten Sie die Schnauze" usw. gebraucht haben. „ES wird hinter«nserem Rücken gegen uns gearbeitet: der Verein wird sehr angefeindet," erklärte der Vertreter deS B e r- liner WareneinkaufS-VereinS. Er suchte dadurch die plötzliche Entlassung cineS auf drei Jahre angcstelli gewesenen Expedienten zu rechtfertigen, der aus Gchaltsentschädigung klagte. Der Kläger soll nämlich auch neben anderen Verfehlungen die be- gangen haben, daß er der in einem Rundschreiben an alle Expedienten ergangenen Order, einen anderen entlassenen An- gestellten aus den Geschä�tslokalen hinauSzuweisen, nur zum Schein Folge geleistet habe.— Es kam in diesem Falle, nachdem der Vorsitzende dem Vertreter der Beklagten klar gemacht hatte, daß doch nur daS allerwenigste von dem, was er gegen den Kläger vor- gebracht habe, vielleicht alz Entlassungsgrund angeschen werden könnte, zu einem Vergleich, wonach die Firma dem Kläger 211,56 M. zu zahlen hat._ Lohnforderung und Schadenersatzanspruch wegen unbefugter plötzlicher Arbeitsniederlegung. Gegen die Gesellschaft„Graphia" (verbundene Provinzzeitungen) zu Berlin klagte die Auswärterin B. bei» Berliner Gewerbcgericht aus Zahlung von 10.83 M. rückständigen Lohn einschließlich Fahrgeld. Der Vertreter der Gesellschaft, Herr Sommerfeld, machte Gegenansprüche geltend, weil die Klägerin ohne Auskündigung die Stelle ausgegeben hatte. Außer. dem wollte er einen Kuchen mit verrechnen, den eine Frau Wolf, die Hausdame eines früheren Mitgliedes der Gesellschaft, dessen Wohn- räume neben dem Bureau der Gesellschaft liegen, der Klägerin überlassen hatte. Er wurde vom Vorsitzenden Dr. Schotten darüber belehrt, datz die Privatangelcgenhcit der Frau Wolf hier ganz außer Betracht bleiben müsse. Schließlich normierte der Vertreter der Beklagten seinen Gegenanspruch auf 6 M. Schadenersatz, weil er infolge des plötzlichen Wegbleibens der Klägerin soviel mehr an Reinigungsgeld für die Bureaus habe ausgeben müssen bcziehungS- weise werde ausgeben müssen. Die Frau Wolf sei eingesprungen und wolle entsprechend liquidieren. Frau Wolf bekundete als Zeugin, daß sie für Biireaurcinigumz an zwei Tagen von der Ge- scllschaft„Graphia" 6 M. beanspruche und die Gesellschaft deswegen A> SerllckM bereit sei, lvKM sie da» Geld nicht Wjielte.» Detz Gerichtshof verurteilte die Beklagte„Graphia" zur Zahlung des vollen rückständigen Lohnes und des Fahrgeldes an die Klägerin, und verurteilte auf die Widerklage der Gesellschaft die Klägerin zur Zahlung von 2 M. Schadenersatz. Mit dem darüber hinaus- gehenden Anspruch wurde die Widcrklägerin abgewiesen. Eine Auf- rcchnung von Schadenersatzsorderungcn gegen den Lohnanspruch der Klägerin sei nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ausgeschlossen, so daß der Lohn nebst eingeschlossenem Fahrgeld der Klägerin zu- gesprochen werden müsse. Was nun den Schadenersatzanspruch der Beklagten und Widerklägerin angehe, so sei ja aus der plötzlichen Arbeitsniederlegung trotz der Kündigungsfrist ein Schaden ent- standen, aber nicht in der geltend gemachten Höhe nachgewiesen. Da die Klägerin monatlich nur 20 M. erhielt und dafür noch in der Wirtschaft der Frau Wolf mitarbeiten mußte— neben der Bureaureinigung—, so sei unmöglich airzunchmen, datz Frau Wolf für ihre Reinigung des Bureaus pro Tag 3 M. beanspruchen könnte. Wenn man den Schaden mit 1 M. pro Tag, also auf 2 M. für die beiden Tage berechne, dann wäre es reichlich bemessen. 6mcht9-Zeitung. Lohnstreitigkciten mit seiner Vcrläufcrin hatten dem Bäcker» meister Paul Heinz eine Anklage wegen Körperverletzung ein- gebracht. Er wurde vom Schöffengericht wegen dieses Vergehens zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Zugleich wurde der Verletzten eine Buße von 30 Mark zuerkannt. Bei dem Angeklagten war eine Frau Marie Gralich als Verkäuferin in Stellung gewesen. Am 14. März erkrankte sie und mußte sich in ein Krankenhaus be- geben. Nach ihrer Entlassung auS diesem begab sie sich in den Laden des H. zurück, um ihre zurückgelassenen Sachen zu holen und ihr rückständiges Gehalt einzufordern. Das Letztere wurde ihr jedoch von dem Angettagten verweigert, weil er glaubte. Gegen- sorderimgen geltend machen zu können. Zwischen beiden kam es infolgedessen zu erregten Auseinandersetzungen. Als Frau G. schließlich erklärte, sie würde sich ihr Recht anderwärts suchen, packte sie H. bei der Brust, öffnete die Ladentür und warf sie ans die Straße hinaus, so daß sie rücklings hinstürzte, mit dem Hinterkopf auf das Steinpflaster aufschlug und sich schwere Ver- letzungen zuzog.— Der Angeklagte legte gegen das schöffengericht- liche Urteil Berufung ein. die nunmehr vor der sechsten Strafkammer zur Verhandlung kam. In der Berufungsinstanz behauptete H., er habe die Frau G. nur am Ann hinausgeführt; daß sie die Treppen- stufen hinuntergestürzt sei, habe er nicht verschuldet. Die Berufungs- Strafkammer bezeichnete die Handlungsweise des Angeklagten als eine erhebliche, hielt eS ihm jedoch zugute, daß er ebenfalls von der G. gereizt worden war. Unter Aufhebung des ersten Urteils erkannte die Strafkammer auf hundert Mark Geld st rase. Als einen geriebenen Schwindler bezeichnete der Staatsanwalt den Invaliden Wilhelm Dank, welcher gestern unter der Anttage des Rückfallbetruges, der schweren Urkundenfälschung und des Diebstahls in drei Fällen vor der zweiten Ferienstrafkammer des Landgerichts I stand. Der 31 jährige Angeklagte ist bereits mehrfach ivegen Betruges, Unterschlagung und Diebstahls vorbestraft; er ist seit längerer Zeit verheiratet.— Im Frühjahr dieses Jahres erslbien bei der Zigarrenhändlerin Flüge in der Schönhauser Allee ein Herr, der sich als Oberpostassistent vorstellte. Er war bald mit Fräulein F. in ein Gespräch verwickelt, woraus sich eine nähere Be- kanntschoft entwickelte. Der Herr„Oberpostassistcnt" war bald täg» licher Gast bei der F.. die keinen Anstoß nahm, ihm alle Waren auf Kredit zu geben, zumal ihr versichert wurde, er werde alles bezahlen, wenn er am Ultimo sein Gehalt bekäme. � Der Angeklagte, denn dieser war der angebliche„Oberpostassistent", entnahm mehrere Kisten Zigarren, die er für seinen Vater, der Gutsbesitzer bei Küstrin sei, zu einem Geburtstagsgeschenk verwenden wolle. AIS die Schuld auf 36 M. angelaufen war, wurde Fräulein F. etwas mißtrauisch. Als sie mit einer Rechnung nach der Wohnung des Herrn Oberpostassistenten schickte, mußte sie die Entdeckung machen, daß die Adresse eine fingierte war. Als der Angeklagte wieder in ihrem Geschäfte erschien, machte sie ihm des- halb Vorhaltungen. Mit ziemlicher Dreistigkeit erzählte der An- geklagte, er habe seine Wohnung gewechselt und wohne jetzt in der Karlstratze. In dem Gespräch zeigte D. plötzlich großes Interesse für die Handschrift des Fräulein F. Er holte einen Bogen Papier hervor und bat sie, doch einmal ihren Namen darauf zu schreiben. Sie tat dies auch arglos. Nicht wenig erstaunt war sie deshalb, als ihr später eine mit ihrer Unterschrist versehene quittierte Rechnung vorgelegt wurde. Der Angeklagte hatte in geschickter Weise über den Namen deS Fräulein F. den Vermerk„Betrag er- halten" und eine spezifizierte Rechnung gesetzt.— Neben dieser Straftat hat der Angeklagte noch mehrere raffinierte Diebstahle verübt. Er sprach u. a. in der Jnvalidenstraße eine Näherin B. an und ging mit ihr in ein Restaurant. Er stellte sich dem Mädchen als Dr. Woyster aus der Charits vor. I» den, Nestmirant verstand es der Angeklagte, ihm in geschickter Weise das Portemonnaie ab- zulocken. Alls der Straße trat er in eine Bedürfiiisanstalt, um dann durch den anderen Ausgang zu verschwinden. Das Mädchen war indessen schlauer. Sie lief ihm nach und verlangte ihr Portemonnaie zurück und ließ den Angettagten fest- stellen. Einer anderen jungen Dame entwendete er in deren Wohnung eine goldene Uhr nebst Kette im Werte von 127 M. Die Uhr versetzte er für 10 M. und verkaufte auch noch den Pfand- schein, so daß der Bestohlenen jede Möglichkeit genommen war, wieder zu ihrem Eigentum zu gelangen. Der dritte Diebstahlsfall liegt ganz gleichartig.— Vor Gericht war der Angeklagte teilweise geständig. Nach alter Verbrechertaktik leugnete er nur diejenigen Punkte der Anklage, für welche er die schwerste Strafe zu gewärtigen hatte. Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht auf das ziemlich raffinierte Vorgehen deS Angeklagten eine Zuchthaus st rase von vier Jahren. 300 M. Geldstrafe und dre, Jahre Ehr- Verlust. Der Gerichtshof erkannte diesem Antrage gemäß auf vier Jahre Zuchthaus.__ Letzte jVachnchten und Depefcben. Die Lage im Barsinghausener Strcikgebiet. Hannover, 25. Juli.(Privatdepesche des..Vorwärts".) Zum Bergarbeiterstreik sind die Leiter des christlichen Ver- bandes heute ungerufen eingetroffen um im Trüben zu fischen. Eine stark besuchte Versammlung in Wennigsen beschloß, an den Forderungen unverbrüchlich festzuhalten und dies in der Versammlung im Zechenhause dem Bergrat gegenüber zu vertreten und gegen die Wiederaufnahme der Arbeit zu stimmen und zu agitieren, falls nicht bewilligt wird. Pari», 23. Juli.(W. T. B.) Ministerpräsident Rouvier empfing hente den ruffischen Friedcnsbevollmächtigten Witte und hatte mit ihm eine längere Unterredung. London, 25. Juli.(W. T. B.) Ter Vizekönig von Indien telegraphiert, der Monsun hat spät begonnen, doch ist neuerdings eingetretener Regen allgemein ausreichend und gut verteilt. ES besteht gegenwärtig kein Grund zu Besovgnissen. Portland(Oregon). 25. Juli.(W. T. B.) Biindesicnator Mitchell wurde zu tausend Dollar Geldstrafe und sechs Monaten Gefängnis verurteilt, weil er sein« Stellung als Senator dazu miß- braucht hatte, die Geschäfte seiner Advokatur zu fördern New Orleans, 25. Juli.(W. T. B.) Seit dem Ausbruch de» gelben Fiebers sind fünfzig Krankheitsfälle vorgekommen, von denen acht tödlich verliefen. Viele der Erkrankten sind genesen. Gegen» wärtia befinden sich nur noch fünfzehn in ärztlicher Behandlung. New York, 25. Juli.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".)) Es verlautet, dreizehn Dampferlinicn hätten vereinbart, datz der ZwischcndeckSpveis von New Jork nach einem Mittelmcerhafen mindestens 26 Dollar betrager. soll. vor Augen geführt. An demselben Sonntage, an dem' die drei scllschaft„Graphia" 6 M. beanspruche und die Gesellschaft deswegen mindestens 26 Dollar betrager. soll. Verantw.Red.: Paul Büttner, Berlin. Lnserateverantw.(mit Ausnahme der.NeueWctt'-Bjilagc): Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Vcrlagsanst.Paul Singer& Co., Berlin LI?. Hierzu 2 Beilagen u.Ilnterhaltungsdl Nr. l72. 22. Iahrgaug. 1. Ktilaze des Jranöttf fftlintt SolMlitl Mi»«». 26. IM M Arbeitn.ZiiWttdmd 6ftli«s n. Wgegcnd. 1. Vorsitzender: Julius Meyer, Berlin, Urbanstr. 131. 1. Kassierer: u g u st S e i k r i t, Berlin, Bergmann� strasie 101 IV. Alle Aenderungen im Vereinskalender sind zu richten Ml: Max Sinnecker, Rixdorj, Fuldastr. SS, vorn II. Sitzung haben Montag: »Esmeralda", Berlin, A ersten, Elbingerstr. 15. »Frisch aus I", Friedrichsberg, Friedrich, Franksurler Allee 198. »Harmonie Damenchor", Berlin, Bütwer, Stargarderstr. 58. »Norddeutsche Schleife", Berlin, Schuhmacher, Skalitzerst. 126. »Solidarität", Berlin, Voigts Rittersäle, Ritterstr. 75. »Tonblüte", Berlin, Gütig, Skalitzcrstr. 83. »Treu und Fest", Berlin, Klaffe, Gubenerstr. 6. »Weddhrger Harmonie", Berlin, Milbrodt, Müllerstr. 7. »Zimmerer", Friedrichsberg, Tschinke, Kronprinzenstr. 15. Sitzung haben Dienstag: »Alpenglocke", Berlin, Bocker, Weberstr. 17. .Bummelsdorser", Luckenwalde, Gerhard, Haag 5. »Dornrose", Berlin, Baumgartcn, Grüner Weg 59. „Echo I", Berlin, Ucberholz, Linicnstr. 13. „Edelweiß I", Berlin, Lippke, Melchiorstr. 15. »Einig", Berlin, Lietz, Markusstr. 18. „Einiglest III", Rummelsburg, Valentin, Neue Prinz Albertstr. 44. »Flora", Pankow, Dreßler, Florastr. 35. „Freie Feldblume", Berlin, Fröhlich, Muskauerstr. 1. „Freie«änger", I. Knorr in Zernsdorf. »Freier Sänger-Chor", Alt-Glienicke, Witte, Köpcnicker- straße 33. »Freya I gem. Chor", Berlin, Pfeffer, Roscnthalerftr. 57. »Freiheit II gem. Chor", Adlershos, Lau, BiSmarckstr. 10. »Freiheitsklänge", Berlin, Engel, Seydelstr. 30. »Frohsinn I", Rummelsburg, Thons, Goethe, und Kant- straße-Ecke. »Frohsinn II", Adlershos, Töpfer, Hclbigstraße. »Frisch voran", Berlin, Wils, Schulstr. 74. „Gastwirtsgehülscn", Berlin, Großer, Dircksenstr. 3S. „Georgina", Berlin, Grünauer Garten, Grünauerftr. 14. „Gefundbrunncr Harmonie", Berlin, Neuendors, Butt- mannstr. 15. »Harmonie Ost", Berlin, Neuser, Heidenseldstr. 17. „Konkordias Zukunft", Berlin, Becker, Reichenbergersst. III. „Lerche", Berlin, Schütz, Stargarderstr. 3. »Liedesluft III", Platkow-Gusow, übt Berlin bei Zühlsdorf, Krautstr. 6. „Linde I", Berlin, Klubhaus, Kopenhagcnerstr. 74. „Maibund", Nowawes, Hiemke, Wallstr. 55. »Maler", Berlin, Mcrkowski, Andreasstr. 26. „Maurer", Wilmersdorf, Ritter, Psalzburgerftr. 66. „Myrtenblättcr", Berlin, Spaet, Georgenlirchstr. 65. ,Nord-Ost", Berlin, Konrad, Zorndorserstr. 6. »Ober-Schönewcider Liedertafel", Ober-Tchöneweide, Kauf hold, Wilhelminenhosstr. 18. „Olympia", Berlin, Zimmermann, Grüner Weg 29. „Rosenrot", Berlin, Werth, Schwedenstr. 13. „Rosalia", Berlin, Plaehn, Königsbergcrstr. 34. „Rote Nelke", Berlin, Rosien, Nuppinerstr. 41. „Sängerlust", Werder, Koch, Fischerftraße. „Schneeglöckchen", Potsdam, Glaser, Kaiser Wilhelmstr. 38. „Schneider", Berlin, Markgrafenkasino, Markgrasenstr. 83. „Sorgensrei", Berlin, Märkischer Hos, Admiralftr. 18c. „Vorwärts II", Berlin, Dietrich, Brunnenstr. 41. „Vorwärts IV", Rathenow, Thie, Jägerstr. 25. „Vorwärts VIII", Marwitz, Schurbaum. „Vorwärts IX", Charloltenburg, Wernicke, Bismarckstr. 34. „Walküre", Berlin, Wichmann, Prenzlauer Llllee 224. „Zukunft I", Steglitz, Schellhase, Ahornstr. Iba. Sitzung haben Mittwoch: „Allegro", Berlin. Wctzel, Wrangelftr. 136. Britz", Britz, Kloß, Chausseestr. 69/70. Bruderherz", Berlin, Schweiger, Prinz Eugenstr. 17. Deutsche Eiche I", Berlin, Zimmermann, Grüner Weg 29. Enterbten", Berlin, Ertelt, Graunstr. 16. Freie Sänger", Charlottenburg, Volkshaus. Rosinenstr. 3. „Frisch aus III", Bornim, Krüger, Parkstr. 5. „Frohsinn III", Zehdenick, Schlegel, Moltkesstaße. „Geselligkeit", Charloltenburg, Wernicke, BiSmarckstr. 34. „Geselligkeit", Hennigsdorf, Brose, Chausseestraße. Gleichheit", Berlin, Szymczak, Chorinerstr. 50a. Heimatklänge", Köpenick, Maicr, Roscnstr. 101. Hoffnung", Dahme, Kaiscrgarlen, Grünstr. 15. Hoffnung II", Spandau, Böhle, Ncnmcisterstr. S. „Lied", Berlin, Kirschkowsky, Wienerstr. 54. „Licderlust 1865", Berlin, Wollschläger, Adalbertstr. 21. Liedertafel", Senzig, Otto Kühne, Senzig. Lustige Sänger". Berlin, UHIig, Schliemannstr. 33. Maiblume", Luckenwalde, Helan, Friedrichstr. 29. Mniengruß", Friedrichshagen, Conrad, Iriedrichstr. 137. Maiengruß", Charlottenburg, Bartsch, sefenheimerstr. 11. „Sangestreue", Brandenburg, Herberge, Wollcnweberstr. 3. Scnesclder", Berlin, Gicske, Landsbergersst. 89. Schneeglöckchen I", Rixdors, Köpke, Karlsgartenstraße. Vorwärts I", Berlin, Benoit, Lausitzer Platz 3. Vorwärts III", Friedrichsseide, Haberland, Wilhelmstr. 38. „Wacht auf I", Berlin, Danzigerstr. 71. Zimmerer", Berlin, Mielentz, Dircksenstr. 50. Zündholz", Berlin, Aficl, Prinzcn-Allce 33. Zukunft III", Nieder- Schönhausen, Settekorn, Linden- straße 1. Sitzung haben Donnerstag: Alpenrose", Berlin, Kunze, Forstcrstr. 36. Arion Ii", Rummclsburg, Leppin, Fischerstr. 6. Bccherklang", Berlin, Kicnaft, Warschauerstt. 26. „Bruderbund", Friedrichsberg, Pritzel, Kronprinzenstr. 49. „Deutsche Eiche II", Brandenburg, Winkel, Hauptstraße. „Echo", Zehlendors, Mickley, Potsdamerstr. 25. Einigkeit I", Groß-Lichterselde, Richter, Chausseestr. 104. Eintracht III", Pankow, Neumann, Heynstr. 4. Fackel", Berlin, Pietsch, Lübbencrstr. 1. Fichte", Berlin, Mariannensäle, A/ariannen-Uier 3. Freie Liedertafel", Berlin, KönigSsölc, Neue Königstr. 26. LFreie Sänger", Trebbin, Wolf, Bahnhosstraße. '„Freiheit Gruß", Berlin, Herzer, Aiiklamerfst. 29. I„Freiheit Ost", Berlin, Wasewitz, Straßmannftr. 41. i„Frisch voran", Berlin, Sachse, Lindowerstr. 26. „Freiheit IV", Bernau, Lah, Hujsitenstraße. „Freiheit West", Berlin, Goßmann, Kreuzbergstr. 48. „Gerechtigkeit", Berlin, Lehmann, Bülowstr. 59. „Glasarbeiter", Köpenick, Zeidler, Müggelheimerstr. 23. „Hoffnung III", Friedrichsberg, Köhn, Friedrich Karlstr. 34. „Kornblume", Berlin, Kienitz, Gr. Franksurterstr. 133. „Kreuzberger Harmonie", Berlin, Raabe, Fichtestr. 29. „Kürschner", Berlin, Feind, Weinstt. 11. „Lied hoch", Berlin, Sängcrheim, Veterancnstr. 18. „Liederiust II", Berlin, Volkmann, Beusselstr. 32. „Liedcrsreunde", Johannisthal, Senstlebcn, Friedrichstr. 43. „Liedcrkranz", Brandenburg. Menger, Bergstraße. „Liedcssreiheit II", Strausherg, Schulz, Wriczenerstr. 10. „Liedeslust", Fürstenwalde, Schön, Küstrinerstr. 9. „Lyra", Charlottenburg, Bartsch, Scesenheimcrstr. 11. „Morgengrauen", Berlin, Hummel, Sophienstr. 5. „Morgenrot", Köpenick, Helling, Schönerlinderstr. 5. „Nordwacht", Berlin, Fahrow, Ravcnsstr. 6. .Rote Nelke I". Schöneberg, Krüger, Vorbcrgstr. 9. „Rote Rose", Berlin,«tenzcl, Exerzierstr. 20. sängerkranz", Berlin, Koczorowski, Schillingstr. 36. Sangcslust III", Tcmpclhof, Müller, Berlinerstr. 41/42. .Schuhmacher", Berlin, Rübsam. Andreasstr. 32. „Süd-Ost I", Berlin, Stephan, Wienerstr. 31. Steinnelke", Berlin, Schumann, Buttmannstr. 13. Unverzagt", Berlin, Bachstein, Salzwedelerstr. 16. St. Urban", Berlin, Braun, Oranicustr. 36. Vineta", Berlin, Ertelt, Graunstr. 16. .Vorwärts", Nauen, Schützenhaus, Chausseestr. 36. „Wach aus", Berlin, Hilaenscld, Bcrgstr. 61. „Wach aus", Franz. Buchholz, Kähne, Berlinerstr. 39. ,.Waldchor", Borsigwalde, Reuter, Ernst- u. Räuschstr.-Ecke. „Waldesrauschen", Karlshorst.Sahrowski, Treskow-Allee66. „WUHelmsberg- Hohen- Schönhausen", Wilhelmsberg, Krause, Berlinerstr. 66. „Zaget nicht", Steglitz, Kramer, Marksteinstr. 1. „Zukunst II", Velten, Grunow, Wilhelmstr. 19. Sitzung haben Freitag: „Alpenglühen", Berlin, Küßner, Hasenheide 89. „Berliner Männcr-Chor 1905", Berlin, Andreas-Festsäle, Andreasstr. 21. „Bleibt treu", Berlin, Bergemann, Waldemarstr. 38. „Borax", Berlin, Tzschacksch, Raunynstr. 6. „Brandenburger", Brandenburg, Äenger, Bergstraße. „Buchbinder-Männerchor", Berlin, Lippke, Melchiorstr. 15. „Diamant", Berlin, Stramm, Ritterstr. 123. „Einigkeit II", Reinickendorf, Bethwell, Wittestraße. Eintracht II, Ebersivalde, Mühle, Eichwerderstraße. Eintracht, Nieder-Schöneweide, Poseidon, Hasselwerderstr. 4. Erster Mai", Berlin, Sauer, Schönhauser Allee 134. .Flötcrscher", Berlin, Böhm, Zorndorserstr. 9. Freie Sänger", Weißensee, Koburg, Lehdcrstraße. Freie Sänger", Oranienburg, Gewerkschastshaus, Mühlen- straße 15. „Freiheit Moabit", Berlin, Kohn, Rostockerstr. 2. „Freiheit Nord", Berlin, Matzkowsky, Liebenwalderstr. 16. „Frcuudschast II", Berlin, Zimmer, Lortzingstr. 32. „Freundschast lH", Berlin, Hamann, Stralauer Allee 17o. „Freie Sänger", Fredersdorf, Bresicke, Petcrshagen. „Froh Hoffnung", Berlin, Schilling, Kyffhäuserstr. 16. „Frohsinn I", Rummelsburg, Thöns, Goethe- und Kant» straßen-Ecke. „Gemütlichkeit", Berlin, Kube, Alte Jakobstr. 38. „Handels- und Transportarbeiter", Berlin, Nmmmm, Stallschreiberstr. 29. „Hochstein", Berlin, Hiepel, Britzerstr. 22. .Hoffnung I", Brandenburg, Vettcrmann, WilhelmSdörler« straße. .Kaiserschcr", Berlin, Wernau, Schwedtcrstr. 23/24. „Kupserschmiedc", Berlin, Feind, Weinstr. 11. „Lerche Sang", Berlin, Berger, Graunstr. 41. „Liedessrciheit I", Berlin, Merkowsli, Andreasstr. 26. „Liedesjreundschast", Baumschulenwcg, Christ, Ernststraße. „Liedesjust H", Potsdam, Viktoriagarten, Alle Luisenjtr. 32. „Lorbeerkranz", Berlin, Späth, Weinstr. 28. „Lorelcy", Berlin, Schellbach, Schulstr. 66. „Maibund", Dalldorf, Mühle, Rcinickendorserstr. 4. „Maicntraum", Berlin, Kutscher, Urbanstr. 87. „Maiglöckchen I", Berlin, Sachse, Lindowerstr. 26. „Maiglöckchen II", Köpenick. Dörnbrack, Müggelheimerstr. 36. „Melodia I", Rixdors, Gellert, Steinmetzstr. 113. „Möbelpolierer", Berlin, Richet, Koppenstr. 65. „Morgenrot I", Ruminelsburg, Setzcpsandt, Goethestr. 9. „Morgenrot III", Friedenau, Thiel, Rheinstr. 14. „Neue Zeit", Berlin, Abendroth, Badstr. 42/43. „Nord", Berlin, Alsinann, Jnvalidenstr. 146. „Nordwest", Berlin, Vetter, Bredowstr. 11. „Oranienburger Vorstadt", Berlin, Dietrich, Brunnenstr. 41. „Osten", Berlin, Plöger, Rigaerstr. 127. „Porzellanarbeiter", Berlin, Wollschläger, Adalbertstr. 2u „Putzer", Berlin, Großer, Dircksenstr. 39. „Rirdorfer Männerchor", Rixdors, Schmidt, Bergstr. 137. „Sangerkreis", Ncu-Wcißensee, Neuendors, Friedrichstr. 6. „Sängeroereinigung Südost". Berlin, Waldemarstr. 75. „Solidarität II", Potsdam, Glaser, Kaiser Wilhelmstr 38. „Texttlia", Berlin, Doberahn, Michaelkirchstr. 2Sa. „Typographia", Berlin, Arminhallen, Kommandantenstr. 20. „Vereinte SangcSbrüder", Berlin, Brüschle, Putlitzstr. 10. „Veritas", Berlin, Eysers Klubhaus, Dunckerstr. 88. „Waldkapelle 1862", Berlin, Ladewig, Alte Jakobstr. LS, „Weiße Rose", Reinickendors, Schiller, Provmzstr. 79. Sitzung haben Sonnabend: „Eintracht", Teltow, Dertz, Zehlcndorserstraße. „Freie Sänger". Zossen, Rüffer, Barutherstraße. „Gcmütsichkeit II", Mühlcnbeck, Gusthos zur Sonne. „Glück zu". Berlin, Löhrig, Pankstr. 32 ä. „Immergrün", Tegel, Kittkc, Berlinerstr. 15. „Liedertascl", Senzig, Otto Kühne, Senzig. „Luckenwalde gem. Chor", Luckenwalde, Gerhardt, Haag d. „Ouartett-Berein 1897", Berlin, Muskauerstr. 1. „Sängerlust", Luckenwalde, Schulze, Beelitzerstr. 34. „Vorwärts VI", Rummelsburg, Schulz, Goethestr. 11. Die Zwangspolitik in Nordschleswig vor dem Kieler Landgericht. Kiel, 24. Juli. -Der Inkriminierte Artikel, welcher nach Erledigung der Formalicn verlesen wird, hat folgenden Wortlaut: „Hadersleben, 12. Januar. Qptantenmache. Der Landtags-Abgeordnete H. P. Hanssen-Apenrade bespricht im letzten Halbjahrsheftc der„Südjütischen Fahrbücher" in einer Abhandlung über die Köller-Politik auch die Optantenmache bei uns. Auch der Fall Finnemann-Taarning wird erwähni, und zwar in einer Weise, daß der Landrat Bechever und der Amts- Vorsteher Valentiner sich gan? gewiß nicht die Sache hinter de» Spiegel stecken werden. Nachdem Herr Haussen nämlich die Sache des älteren Finnemann dargestellt hat, kommt er auf die Anklage gegen den jüngeren, Sohn des älteren, zu sprechen. Um diesen ausweisen zu können, mußte der Vater, trotz seines freisprechenden Urteils höchster Instanz, doch als Optant gestempelt werden. Damit dieses erreicht werden konnte, hat die Verlvaltnug Wege eingeschlagen, die einfach zum Wände in die Höhe klettern sino: Erstens hat bei der ersten Verhandlung der Gendarmericwacht- mcister Stcgmann unter Eid ausgesagt, daß er Neujahr 1867 in Christiansfeld angestellt war und daß er wußte, daß C. Finne- mann an diesem Zeitpunkte mehrere Wochen in Dänemark ge- Wesen sei. In zweiter Instanz lvurde dem Stegmann nach- gewiesen, daß er erst im Oktober 1867 in Christiansfeld an- gestellt gewesen sei, worauf er verwirrt erklärte, er habe sich ge- irrt. Ferner wurde eine ältere Frau als Zeugin vernommen, die in Esbjerg wohnhaft ist. Sie sagte unter Eid aus, Finne- mann sei ein halbes Jahr in Dänemark gewesen. In einem späteren Verhör schwindet das halbe Jahr ein auf vier Wochen. Später hat sie vier zuverlässigen Leuten gegenüber erklärt, daß sie, vom Amtsvorsteher Valentiner aufgefordert, vor der Gerichts- Verhandlung eine Zusammenkunft mit dem Amtsvorsteher, dem Gendarm Stegmann und dem Landrat Bechcrcr auf dem Land- ratsamt Hierselbst gehabt habe. Bei dieser Gelegenheit habe sie 20 Mark kontant erhalten. Weiter seien ihrem Sohne und ihr selbst eine Belohnung von 2000 M. in Aussicht gestellt worden, falls ihre Aussage zur Verurteilung Finnemanns beitragen könnte. In Wirklichkeit könne sie sich an nichts erinnern, alles sei aber im voraus aufgeschrieben worden. Soweit Herr Haussen. Das Gericht verurteilt auf die Aussage dieser Zeugin den Finne- mann. Kurze Zeit nachher waren bei de, � Vater und Sohn, über die Grenze transportiert. Kommentar ist eigentlich überflüssig." Der Angeklagte, wegen Preßvergehen vorbestraft, er- klärt, er habe den Artikel nicht geschrieben, aber er verantworte ihn, denn er sei von seiner Richtigkeit überzeugt. Er stütze sich bei seiner Ueberzeugung auf die Affär-e Winter von Adlersflügel, die ganz ähnlich lag, und in der er selbst auch verfolgt gewesen. Der Flens- burger Prozeß in dieser Sache habe unglaubliche Dinge an den Tag gebracht und zair Amtsniederlegung Winters geführt. Darauf sei der Prozeß gegen ihn eingestellt worden. Da er unter diesen Um- ständen geglaubt habe, daß in N o r d- S ch l es w i g alles möglich sei, habe er kein Bedenken getragen, die Hanssenschen Enthüllungen wiederzugeben, zumal er dadurch hoffte, Klarheit in die Fiimemannsche Angelegenheit zu bringen. Daß er den Landrat und den Amtsvorsteher durch die einfache Wiedergabe des Haussen- scheu Artikels beleidige, habe er nicht angenommen. Auch sei ihm nicht bekannt gewesen, daß der Hanssensche Artikel am Schlüsse seiner Ausführungen die Möglichkeit, daß die Frau BodiX Hansen sich irre, zugegeben habe. Als Zeuge erscheint zunächst Amts- Vorsteher Valentiner. Darauf aufmerksam gemacht, daß er Aussagen, die ihn selbst betreffen, verweigern könne, bekundet er, er habe mit der Witwe Bodil Hansen überhaupt nicht verhandelt. Deren Sohn Jensen habe ihm in der Eisenbahn erzählt, daß seine Mutter, die in Esbjerg wohne, über die Finnemannsche Sache wichtige Aussagen machen könne. Das sei geschehen, nachdem Finne- mann sen. freigesprochen worden. Als der Prozeß des jungen Finnemann bevorstand, rief er den Jensen und ersuchte ihn, seine Mutter, die in Esbjerg wohnte, herbeizuholen. Tics sei geschehen und der Landrat habe die Frau vernommen. Er sei nicht zugegen gewesen. Die Zeugin Hansen habe er erst im Finnemminschen Gc- xichisterznin zum ersten Wale gesehen, Der Verteidiger beantragt, die Entscheidungen des Ober- Landesgerichts in den beiden Finnemannschen Prozessen zu ver- lesen. Der Antrag wird vom Gericht abgelehnt. Ter nächste Zeuge ist Landrat B e ch e r e r. Amtsvorsteher Aalentiner habe ihm mitgeteilt, daß Weichensteller Jensen und seine Mutter genaue Auskunft über den Aufenthalt Finnemanns sen. in Dänemark geben könnten. Er habe den Jensen veranlaßt, seine Mutter kommen zu lassen und habe die Frau in Gegenwart des Gendarmen und ihres Sohnes verhört. Er habe der Frau gleich gesagt, worum es sich handele, und daß sie ihre Aussagen werde beschwören müssen. Nachdem er die Aussagen protokolliert, habe er der Frau aus eigener Tasche zehn Mark Zehrgeld gegeben. Ter Vorsitzende macht darauf aufmerksam, daß in früheren Aussagen von zwanzig Mark die Rede gewesen. Landrat Becherer: Das war ein Irrtum. 10 M. hat Herr Valentincr dem Jensen für die Reise nach Esbjerg gegeben. Auf Befragen bekundet Zeuge weiter, die Frau habe ausgesagt, sie erinnere sich jener Zeit, die für den Prozeß des älteren Finne- mann in Betracht komme, sehr genau. Ihr Mmin habe damals die Sache mit ihr besprochen, und an verschiedenen Sonntagen sei die Frau des Finnemann, über die Grenze zu ihrem Mann, der jenseits wohnte, kutschiert. Finnemann sei mindestens zwei Monate in Dänemark gewesen. Daß die Frau für ihre Aussagen etwas bc- kommen sollte, habe er ihr nie gesagt. Er habe gelacht, als er von den 2000 M. zum erstenmal durch die Landtagsrede des Abg. Haussen vernommen. Wo solle er eine so große Summe hernehmen? Die 10 M., die er der Frau gegeben, setzen sich aus Billett- und Zehr- kosten zusammen. Als ihm später Bedenken ge- kommen, habe er sich das Geld, das er aus cigenicr Tasche aus- gelegt hatte, wieder gegen Quittung aus der Staatskasse zurückgeben lassen. Vert.: Hat Frau Hansen nicht erst von acht Monaten ge- sprachen, die sich Finnemann in Dänemark aufgehalten habe? Zeuge B e ch e r e r: Das ist möglich. Ich habe gehört, daß die Frau ihre Aussagen später sehr eingeschränkt habe. Der Fall Winter von Adlersflllgcl. Auf Befragen des Verteidigers erzählt Zeuge Landrat B e ch c r e r die Affäre Winter. Ii: dem Optantenprozcß Timmer- mann, für den er sich sehr interessierte, sei er in Scherrebek gewesen und bei dem Amtsvorstehcr Winter abgestiegen. Dieser habe ihm mitgeteilt, die Vorsteher der Kreditbank, Pastor Jacobsen und Hotelier Lassen, hätten ihm 2000 M. zur Verfügung gestellt, für den Fall, daß ein Zeuge eine bestimmte Aussage gegen Timmcr- mann, abgeben wolle. Denn wenn Timmermann aus Scherrebek un� Preußen heraus müsse, fliege die dänische Sparkasse auf. Er. Zeuge B e ch e r e r, habe sich auf diese Dummheit nicht eingelassen. Vert.: Haben Sie nicht den Pastor Jacobsen wegen dieser unerhörten Zumutung zur Rede gestellt? Zeuge verneint die Frage; er habe dazu keine Ver- anlassung gehabt. Es folgt Zeuge Weichensteller Jensen- Hadcrsleben, Sohn der Frau Bodil Hansen. Zeuge macht über die Aussagen seiner Mutter vor dem Landrat Aussagen� die sich mit denen Becherers decken. Seine Mutter habe zwanzig Mark bekommen. Der Landrat ruft dazwischen: Zehn Mark. Zeuge(fortfahrend):-- daß seine Mutter noch mehr Geld bekommen sollte, davon sei keine Rede gewesen. Die klassische Zeugin der Fiiiimnniu,-Prozesse. Zeugin Witwe Bodil Hansen, 68 Jahre alt, vermittelst deS Dolmetschers vernommen: Sie sei einmal beim Landrat Bcchcrer gelvcseir. Sie habe ein Telegramm bekommen, daß sie zu ihrem Sohne in Hadcrsleben kommen sollte; ihr Sohn sei nicht persönlich bei ihr gewesen. Auf Einrede ihres Sohnes er- innert sich Zeugin, daß dieser bei ihr gewesen. Sie habe dem Land- rat Becherer von ihrem verstorbenen Mann erzähl,, aber über Finnemann selb st nicht gesprochen. Auf Befragen gibt die Zeugin wieder zu, auch von Finnemann gesprochen zu haben, sie habe aber nicht gewußt, weshalb sie zum Landrat gerufen worden sei. Was die Dauer von Finnemanns Aufenthalt in Dänemark anlange, so wisse sie nur, daß dieser dort gewesen sei. Sie meint, ausgesagt zu haben, daß dieser in Dänemark gewesen, vielleicht ein halbes Jahr, vielleicht weniger. Und das sei wahr. An Geld habe sie von dem Landrat bloß als Erstattung für die Reisekosten 10 M. erhalten- Weilers Versprechungen feien ihr nicht gemacht worden. Sie habe von anderen Leuten von 2000 M., die ihr ver» sprachen worden, erzählen hören, sie selbst habe nichts Der, artiges herumgetragen. Der Landrat habe sie nicht aufgefordert. die reine Wahrheit zu sagen, da sie später schwören müsse. Daß sie keine Geldversprechungen von dem Landrat erhalten, will sie bc- schwören. Auf weiteres Befragen kann, die Zeugin nur sagen, daß Finnemann kurze Zeit weggewesen, wie lange, wisse s i e n i ch t. Zeuge Farbenhändler Raben: Die Witwe Hansen habe ihm erzählt, ihr Sohn solle 2000 M. bekommen, wenn er oder sie solche Aussagen machen würden, daß Finnemann seine Sache verlieren werde. Das sei in seinem Hause in Esbjerg passiert. Die Frau Hansen habe zuerst mit seiner Frau über den Fall Finnemann gesprochen, er habe sich dafür interessiert und Frau Hansen dann auch danach gefragt, worauf sie von den ihrem Sohne versprochenen 2000 M. erzählt habe. Frau Hansen erklärt alles für nicht wahr. Zeuge Raben bleibt auf das bestimmteste bei seinen Aus- sagen. Zeugin Frau Raben macht über die Erzählungen der Frau Hansen dieselben Aussagen wie ihr Mann; wer Frau Hansen die 2000 M. versprochen, habe diese nicht gesagt. Zeuge Kaufmann Frees aus Hadersleben: Er kenne den alten Finnemann sehr gut, schätze ihn außerordentlich als Ehren- mann und habe sich deshalb für seine Sache interessiert. Dagegen sei ihm der Zeuge Jensen unvorteilhaft bekannt. Er sei zusammen mit einem anderen z-uverlässigen Mann nach Esbjerg gereist und sei dort in dem Hause Rabens im Nebenzimmer mit seinem Begleiter Zeuge eines Gesprächs gewesen, in dem Frau Hansen erzählte, ihr Sohn solle 2000 Mark haben, wenn sie für Finnemann ungünstig aussage. Vert.: Weshalb hat der Zeuge ausgesagt, Jensen sei ihm als unvorteilhaft bekannt? Wodurch ist ihm Jensen un- vorteilhaft bekannt geworden? Dar Staatsanwalt beanstandet die Frage. Das Gericht beschließt: die Frage wird als nicht zur Sache gehörig ab- ge l e h n t. Zeuge Finnemann. (Er ist bekanntlich aus Preußen ausgewiesen, aber von der Verteidigung geladen und erscheint jetzt, nachdem er vergebens auf dem Gerichtskorridor aufgerufen worden, durch eine Seitentür im Gcrichtssaal.) Zeuge Hofbesitzer Finnemann: Er ist mit Frees Zeuge des Gesprächs in der Rabenschen Wohnung ge» wesen. Frau Hansen habe erzählt, AmtsvorsteherValen- tiner sei in der Wohnung ihres Sohnes gewesen und habe ihm Geld versprochen. Auf die Frage des Verteidigers, wie es sich mit seinem OptionS- Prozeß verhalte, bekundet Zeuge: Er habe die Wiederaufnahme seines Verfahren? durchsetzen wollen und sei nach Kiel zurückgekommen, um sich strafbar zu machen. Er habe sich selbst hier bei der Obcrstaatsanwaltschaft in Kiel denunziert. Der Erste Staatsanwalt macht Einwendungen. Vert.: Ich halte diese Feststellungen deshalb für wichtig, weil daraus hervorgeht, daß der Abg. Haussen bloß deshalb die zur Anklage stehenden Vorgänge veröffentlicht hat, um die Sache Finne- manns wieder aufzurollen. Der Staatsanwalt beanstandet die Beeidigung Finne- manns, da er sowie die Zeugen Raben aus Esbjerg und der Kauf- mann Frees aus Hadcrsleben eventuell als Anstifter deS Abg. Haussen angeschen werden könnten. Der Verteidiger beantragt Gerichtsbeschluß. Das Gericht beschließt, den Zeugen zu beeidigen. Zeuge Kaufmann Wartho aus Hadersleben ist ebenfalls da- bei gewesen, als die Zeugin Hansen bei Rabens erzählt hat, man habe ihr Geld geboten. Sie hätten sich zu dreien in dem Nebenzimmer nur durch eine Portiere von der Hansen getrennt befunden. Frau Hansen habe sehr viel Unzusammenhängendes gesprochen. Die Frau habe auf ihn den Eindruck einer Geistes- schwachen gemacht. Eine genaue Wiedergabc alles dessen, was da gesagt wurde, sei unmöglich. Frees und Finnemann hätten da? ganze Gespräch aufgeschrieben, er nur den Anfang. Nachher hätten alle drei die Notizen verglichen. Sicher weiß er, daß Frau Hansen gesagt habe. 2000 M. seien in Aussicht gestellt. Er habe empfunden, daß die Frau ihrerseits Finnemann für einen ganz gefährlichen Kerl gehalten und wirklich geglaubt habe, es sei ein gutes Werk, sich hie 2000 M, zij Sez.diene», Die GermanisaiöKn der Kreditbank. Pastor Jacobsen, früher in Schcrrcbek, jetzt in Flensburg: Er weiß, daß im Frühjahr IS02 der Direktor Lassen vom Amtsvorftehcr v. Winter einen Auftrag erhalten habe für ihn, den er«sicher gern ausführen würde". Sein Gegner und Todfeind Timmermann solle zum Optanten gemacht werden. Jacobsen möchte zu dem Zweck den Greissen veranlassen, die dazu nötige Aussage zu machen. Er solle ihm nur sagen, es ständen schließlich 1I10(> und 2 0 00 M. zur Verfügung. Zeuge hat das Lassen gegenüber als eine Verleitung zum Meineid abgelehnt und Lassen vor der Sache gewarnt. Auf die Frage, woher die 2000 M. kämen, sagte Lassen, die hätte er vom L a n d r a t in Hadersleben. Landrat B e ch e r e r bleibt bei seiner Erklärung, man habe ihm gesagt, die Kreditbank habe die 2000 M. zur Verfügung gestellt, um den Konkurrenten von der dänischen Sparbank zu ver- Nichten. Jacobsen habe sich ja sonst in der Sache bemüht. Jacobscn erklärt, das, was er getan habe, sei nur eine Erkundigung bei einem gewissen Schlicht gewesen. Landrat B e ch e r e r erklärt, Jacobsen habe auch noch ein anderes derartiges Schreiben an ihn gerichtet. Keinesfalls habe v. Winter einen Auftrag von ihm gehabt, Geld zu bieten und er hatte auch gar kein Geld. Direktor a. D. Lassen, früher in Scherrebek, bekundet, daß v. Winter den Schuhmacher Greissen im Februar �1002 dazu veranlassen wollte, Timmermann unmöglich zu machen, v. Winter sei zu ihm gekommen und sagte:„Finnemann ist ausgewiesen, Timmermann soll hinterher. Jacobsen ist der größte Feind von Timmermann, er muß die Sache machen. Der Landrat stellt 2000 M. zur Verfügun g." Als ich das Jacobsen erzählte, wollte er nicht. Ich brachte den Bescheid an Winter zurück. Da sagte der Amtsvorsteher:«Ganz egal, Greissen soll nur schwören!" Nis K j ä r. Kastrateur in Scherrebek, berichtet, daß er zu- gegen war, als Schuhmacher Greissen zum Amtsvorsteher geholt wurde. Als er zurückgekommen sei. habe er erzählt, daß er in Gegenwart des Landrats b. Winter v. Adlers- flügel 2000 M. angeboten erhalten habe. Der dänische König soll raus. Schuhmacher Greissen aus Ostergasse bei Scherrebek er- zählt, daß er vom Amtsdiener geholt worden sei. Da wäre der Landrat bei v. Winter gewesen. Der Landrat fragte ihn nach Timmermann, er müsse doch Bescheid wissen.«Ich konnte aber nichts erinnern." Man redete ihm dann zu, er sollte nichts ver- schweigen, wenn er Timmermann etwas schuldig sei, sollte er das wieder kriegen. Die Herren wollten besonders wissen, ob Timmer- mann längere Zeit in der dänischen Stadt Ribe gewesen sei. Er habe darauf gesagt, das wisse er nicht. Er sollte auch für Belohnung nach Dänemark reisen, um eine Frau Jessen in Diana- lund auszufragen. Er sei dagewesen und habe nichts erfahren. Man habe ihm nur die Reise bezahlt. Es war ihm gesagt worden, er könnte vielleicht 2000 M. daber verdienen, wenn, wie man sich ausdrückte,„wir den dänischen König raus- kriegen können". Vors.: Wer soll das gesagt haben? Greissen: Das hat Herr v. Winter gesagt. Der Landrat, hat er gesagt, will mich für meine Verluste schadlos halten, die ich erleide, wenn ich gegen Timmcrmann aussage. Ich war Timmermann ja Geld schuldig./ Landrat B e ch e r e r wird vorgerufen. Vors.: War es dieser Herr, der dabei war? Greissen: Wenn das der Landrat Becherer ist, so ist er es. Landrat B e ch e r e r: Ich habe zu dem Manne nur gesagt, wenn ihm auch das Geld gekündigt werde, müsse er die Wahrheit sagen. Dem Mann habe ich nichts versprochen, ich habe ja keine Quellen dafür. Vors.: Ein Landrat hat doch noch andere Quellen. Nicht einmal aus der Kreissparkasse. L a n d r a t: Ja gewiß, aber die wollte und konnte ich hier nicht benutzen. Eine Unterhaltung, wie Greissen sie schildert, ist gewesen, aber ich habe nichts gesagt. Er verwechselt die Sache vielleicht damit, daß v. Winter ihm einmal gesagt hat; Wenn Sic dahin(nach Ribe) fahren, so ist das nicht umsonst. Ich selbst verfüge über keine Gelder dazu, konnte damals auch nicht einmal Geld aus der Kreissparkasse für ihn leihen, da ich damals noch nicht Vorsitzender war. Ich hatte den Eindruck, daß aus der Sache nichts werden würde und legte deshalb, als ich nach Hause kam, die Akten weg. Rechtsanwalt Spiegel: Sie haben aber doch der Frau Hansen 20 M. gegeben, die Sie erstattet bekamen, da war doch ein Fond da. L a n d r a t: Ja, das Geld, aus dem ich das entnehme, hatte ich vom Oberpräsidenten im Jahre 1002 erhalten. Es waren im ganzen 320 M. Ich konnte sie für Unterstützungen und für kleinere politische Zwecke verwenden, aber 2000 M., das ging nicht an, die konnte ich nicht schaffen, das Geld habe ich ja selbst nicht. Nunmehr wird der Sohn der Bodil Hansen, Jensen, von einem Beisitzer gefragt, ob es leicht war, seine Mutter zur Aussage zu bringen. Jensen selbst sagt, er habe, als er nach der Finnemann- Sache fragte, gleich Antwort bekommen. Er habe auch keine großen Anstrengungen nötig gehabt, um die Mutter zur Reise nach Haders- leben zu bewegen. Sie wollte nämlich gerne herüber und da kam die Sache gerade recht, so konnte sie billig nach tzadcrsleben kommen. Vert.: Sind Sie vorbestraft?(Die Antwort geht verloren, weil der Landrat vortritt.) Landrat: Damals war Frau Hansen so klar und wirklich ein guter Zeuge. Wäre sie w i e heute gewesen, so hätte ich ihre Aussagen nicht geschätzt und ihnen keine Folge gegeben. Staatsanw.: Daß diese Frau, die in dänischer Umgebung wohnt, freiwillig.nach Hadcrsleben gegangen ist, erregt zunächst Staunen, es soll aber die Folge davon gewesen sein, daß Finnemann als Führer der Dänen mit seiner Agitation trotz AbmahnenS schuld sei, daß so viele Dänen ausgewiesen wurden. Finncmann Vater habe allezeit scharf gearbeitet; sagte man ihm, er reize damit zu Ausweisungen, so habe er den Standpunkt vertreten, daß die Aus- Weisungen der Optanten die ängstlichen Leute und damit die Hemm- nisse der Bewegung fortschaffen. Ob die Frau auch so denkt, weiß ich nicht, ich halte eS aber für möglich. Anwalt: Finncmann hat den Zustand nur bedauert, nicht aber erwünscht. L a n d r a t: Jawohl, er hat es gewünscht. Anwalt: Wissbn Sie das von ihm selber? Landrat: Nein! Nunmehr wird die Beweisaufnahme geschlossen und es be- ginnen die Plaidoyers. Hua Induftrie und ftandel. Deutschlands Außenhandel hat sich in der ersten Hälfte de? lausenden Jahres recht günstig gestaltet. Die Gesamteinfuhr be- trug vom Januar bis Juni 257 7!« 146 Doppelzentner, das heißt 29 675 332 Doppelzentner mehr als im gleichen Zeitraum des vorigen Jahres, die GefamtanSfnhr 135 469 790 Doppel- zentner— also 571 743 Doppelzentner weniger als im vorigen Jahre. Dieser Rückgang des Gewichts der Ausfuhr hat jedoch keine wesentliche Bedeutung, denn dem Werte nach hat die Ausfuhr ebenfall« zugenommen, und zwar um die beträchtliche Smumj von 110,8 Millionen Mark. Sie stellt sich nämlich ans 2644' Millionen Mark, die Einfuhr auf 3375 Millionen Mark(150 Millionen Mark mehr als im ersten Halbjahr 1904), so daß der Gesamt-Außenhandel Deutschlands im ersten Halbjahr 1905 den der ersten Hälfte des Vorjahres nm 261 Millionen Mark übersteigt. Der Riickgang der Gcwichtsziffer des Exvorts ist auf die vernnnderte Ausfuhr von Vrennmaterialien icjvlge des Bcrgarbeiterstreils zurückzuführen. Das Rhc'misch- westfälische Kohlensyndikat hielt vorgestern in Essen seine Zechenbesitzcrversannnlmig ab, in welcher der Vorstand über die Geschäftslage berichtete. Nach seinen Nachweisungen betrug im Juni der Absatz 4 605 345 Tonnen, gegen den Voranschlag niehr 248 008 Tonnen, also gegen die veranschlagten 77 Proz. 81,33 Proz. der Beteiligung. Gegen Mai 1905 beträgt das Mehr 2,99 Proz., gegen Juni 1904 9,18 Proz. Die Förderung betrug im Juni 1905 arbeitstäglich 240 283 Tonnen, gegen Mai 1905 arbeitstäglich weniger 0,04 Proz., gegen Juni 1904 arbeitstäglich mehr 7,74 Proz. Der Versand an Kohlen, Koks und Briketts im Juni belief sich arbeitstäglich ans 220 963 Tonnen, gegen Mai mehr 2,44 Proz., gegen Juni 1904 mehr 8,71 Proz. Der Absatz im 2. Quartal betrug nur 79,77 Proz. der Beteiligung. Wie der Vor- sitzende ausführte, haben sich im Juli bereits die Einwirkungen deS Sommers geltend gemacht; man hoffe jedoch, im 2. Halbjahr ein günstigeres Ergebnis zu erzielen. Eine Preiserhöhung für Kohlen wurde nicht beliebt, nur für schwere Briketts wurde in der Beiratssitzung der Preis um 40 Pf. pro Tonne hinaufgesetzt. Dann brachte, wie die„Rhein.-Westf. Ztg." meldet, der Vorsitzende Kirdorf die in der letzten Zeit mehrfach in der Presse er- schienenen Auslassungen über die Stellung des Fiskus zum Kohlen- syndikat in der Hibernia-Angelegenheit zur Sprache. Er erklärte, das Syndikat sei an. diesen Erörterungen unbeteiligt. Wenn etwa die Prcßerörterungen wegen der Regelung der Hibernia-Angelegen- hcit und des etwaigen Beitritts der fiskalischen Gruben zum Syndikat dem Wunsche des Fiskus entspringen sollten, dann glauben der Vorstand und der Aufsichtsrat, daß in den mit Genehmigung der Zechenbesitzer- Versammlung vom 16. Sep- tember 1904 dem Handelsminister gemachten, von diesem aber abgelehnten Anerbieten, in eine Verhandlung über die Veitrittsfrage einzutreten, der Weg hierzu gegeben sei, da das Kohlensyndikat seine Bereitwilligkeit noch jetzt aufrecht erhalte. Mit anderen Worte»: die Syndikatsleitung fühlt sich nicht bewogen, mit dem Handels- Ministerium Unterhandlungen über die Verstaatlichung der Hibernia zu beginnen; Ivenn der Handelsminister Verhandlungen wünscht, mag er sich an den Vorsitzenden des Syndikats wenden. Die englische Handclswclt und die deutsche Schiffahrt. Klagen der englischen Handelswclt über die Erstarkung der deutschen Industrie, speziell der deutschen Eisen- und Stahlindustrie, und die Verdrängung des englischen Exportes durch den deutschen auf dem Weltmarkt sind nichts Seltenes. Wer die englische kapitalistische Presse verfolgt, stößt seit einem Jahrzehnt fast täglich in dem einen oder anderen Blatt auf derartige Acußerungen. Neuerdings gesellen sich jedoch zu diesen Klagen noch allerlei Befürchtnngen über die steigende Bedeutung der deutschen Handelsflotte; besonders über die Zunahme des Reisendenverkehrs auf'den deutschen Schiffslinien. Zu Dieser Gattung von Artikeln gehört eine vor einigen Tagen lm„Standard" unter dem Titel„England auf dem atlantischen Ozean" erschienene Betrachtung, welche die Frage auf- wirst, ob England ans dem Gebiet der Schiffahrt noch die erste Rolle spielt. Wahr ist es, heißt es in dem Artikel, daß Englands Handelsflotte der Schiffszahl nach bei weitem die deutsche Flotte übertrifft, doch ist die Befürchtung nicht abzuweisen, daß England bei einem Vergleich mit Deutschland in der Qualität verliert, was es in der Quantität getoinnt. Gerade in der Qualität bleiben die Schiffe der größten englischen Gesellschaft leider zurück, wenn man sie mit Deutschlands erster Handelsflotte, der Hambnrg-Anwrika-Linit, ver- gleicht. Zu Ende des letzten Jahres hatte diese Gesellschaft Schiffe von im ganzen 635 030 Registertonnen im Betrieb, und solche von 88 930 Tonnen im Bau, insgesamt 149 Dampfer mit 732 930 Re- gistertonnen. Hinsichtlich der Tonnage ist Englands erste Flotte die der British Jndia Company mit 445 696 Tonnen am Jahresende, wovon 23 100 Tonnen auf Dampfer im Bau entfallen. Allerdings verkehrt diese englische Gesellschaft nur mit dem fernen Osten, während die Hamburg- Amerika- Linie Schiffe in rillen Gelvässer» hat; doch selbst wenn wir die transatlantischen Dampfer vom Ge- samtbcstande der deutschen Reederei in Abzug bringe», bleibt dieser Mitbewerber doch immer noch an der Spitze bor jeder englischen Reederei. Es gibt keine Gesellschaft unter englischer Flagge, die mit der deutschen in der Anzahl der von ihr befahrenen Seewege ver- glichen werden kaim. Es erscheint angängig, die P. und O. (Poninsular ancl Oriental St. N. Co.) heranzuziehen, die nicht' nur mit dem ferne» Osten, sondern auch mit Australien einen Dienst unterhält. Die Tonnage dieser Gesellschaft war Ende 1904 326 310 groß, davon entfallen 42 000 Tonnen ans fünf im Bau begriffene Schiffe. Im transatlantischen Verkehr besitzt die White Star Linie die größte Flotte unter britisckier Flagge mit 31 Schiffen von 377 801 Register- tonnen. Allein diese Keselllchaft muß bei einem Bergleiche beiseite gelassen werden, denn sie ist nicht in rein englische!» Besitz, sondern bildet einen wesentlichen Bestandteil de? Morgan-Trnsts, und ihre Flotte besteht zu einem beträchtlichen Teile ans riesigen Fahrzeugen, die sich mehr durch Größe als durch Schnelligkeit oder ausgesuchte Ausstattung auszeichnen. Gerade diese Vorzüge aber gelten heutzutage viel im transatlantischen Verkehr. Die erste. Linie des Atlantischen Ozeans, das Roß, auf das die Regierung alles nationale Geld setzt, ist die Cnnard-Linie. Sie begann das gegenwärtige Jahr mit einer Flotte von 251 244 Tonnen und 24 Dampfern, wovon drei mit 81 000 Tonnen in Van waren. Allerdings ivird diese Gesellschaft im Laufe der Zeit ihre gewaltigen Turbinenschiffe zum Betrieb bereit haben, aber wir haben keinen Grund zu glauben, daß während dessen die leitenden deutschen Gesellschaften ans ihren Lorbeeren ausruhen werden.... Auch der Norddeutsche Lloyd habe eine Ozean-Dampferflotte von über'/z Million Negistertonne», und diese enthalte Schnell- dampfer wie' den„Kaiser Wilhelm II,", den„Kronprinz Wilhelm" und den„Kaiser Wilhelm der Große". England habe keine Dampfer, die die Schnelligkeit dieser Schiffe erreichen oder die Pracht ihrer Aus» stattung übertreffen. )Zus der frauenbewegung, Britz. Am Donnerstag fand die Versammlung des Frauen- und Mädchenvereins statt. Es wurde eine Vorlesung gehalten aus Heines Werken. Eine Diskussion fand nicht statt. Zwischen den Arbeiterinnen in den Znrdinenftschercicn zu Tonarnenez in Frankreich und den Unternehmern ist es zu Differenzen gekommen, die sich leicht zu großen Konflikten aus- wachsen können. In Douarnewez, an der Westküste Frankreichs ge- legen, sind in der Gardinenindustrie zirka 1200 Frauen beschäftigt. Tie Arbeit dieser Frauen besteht in folgendem: Sobald die Fischer mit ihrem Fang ans der �>ee zurückkehren, beginnt die Arbeit der Frauen; sie trennen den kleinen Fischen den Kopf ab und nehmen sie ans; hierauf wcrdci. die Fische in Oel gesotten und in die Blech- dosen gelegt. Die grauen müssen in steter ArbeitSbcreitschast sein, in der Nacht wie am Tage müssen sie unter Umständen die Arbeit beginnen, sobald eben die Fischer heimkehren. Früher wurde diese Arbeit nach Stück bezahlt; ftir je 1000 bearbeitete Fisch gab es so und so viel. Dabei sind die Arbeiterinnen von den Unternehmern auf das gröblichste betrogen worden, da den Frauen jede Möglichkeit der Kontrolle fehlte. Der Verdienst war ein ganz erbärmlicher; in den besten Jahren kamen die Frauen im Verdienst nicht höher denn 200 Frank(160 M.) im Jahre; in den letzten Jahren haben die Arbeiterinnen zwischen 80 und 150 Frank pro Jahr verdient. Anfang dieses Jahres gelang es nun endlich, die Frauen in eine Organisation zu vereinigen, und es wurde mit den Unternehmern ein Tarif vereinbart, wonach ein fester St» n de n l o h n bezahlt wurde; die Arbeiterinner, erhielten je nach ihrer Geschicklichkeit 10, 45, beziehentlich 20 Cent pro Stunde. Also immer noch ein Hungpr- lohn. Die Wartezeit wird nie bezahlt, sondern lediglich die wirk- liche Arbeitszeit. Diese gewiß minimalen Löhne waren einem Teil der Unternehmer immer noch zu hoch und diese versuchten nun, eine sogenannt» gelbe Gewerkschaft(Streikbrecherorganisation) ins Leben zu rufen. Hierbei mußte den Unternehmern die Kirche i helfen. Die Sardinenarbeiterinnen sind, wie alle Arbeiterinnen der Bretagne, fromme Katholikinnen. Die Pfarrer verboten ihnen, st» der„roten" Gewerkschaft zu verbleibien und gingen soweit, ihnen diS heiligen Sakramente zu verweigern. So konnte es nicht anäbleibenv daß ein Großteil der Arbeiterinnen ans der Gewerkschaft austrat, und xrun glaubten die Unternehmer die Zeit für gekommen, wieder zu dein alten Arbeits- und Ausbeutungssystem zurixckzutlehren. Die Gewerkschaft brachte die Angelegenheit vor den Friedensrichter- Dieser aber entschied dahin, daß der Kontrakt(der von den Unter- nehmern unterzeichnet worden war) keinerlei gesetzliche Gültigkeit habe; im übrigen behauptete er, daß die Arbeiterinnen die Opfer politischer Verhetzung seien. Bor einigen Tagen haben nun die Ar, beiterinnen eine große Demonstration veranstaltet, an die sich eine Abstimmung anschloß, wodurch die Arbeiterinnen entscheiden wollten, für welches Arbvitssystem die Mehrzahl von ihnen stimmen werde- Von den 1200 Arbeiterinnen beteiligten sich zirka 1000 an der Ab- stimmung; das Resultat war, daß sich für den Stundenlohn 359 entschieden, während nur 21 für die Bezahlung pro Stück sich er» klärten. Die Abstimmung war eine vollkommen geheime gewesen. Bezeichnend für die geistige Rückständigkeit der Bevölkerung in jener Gegend ist das Folgende: Die Arbeiterinnen hatten von ihrem Hungerlohn 16 Frank gesammelt und dafür eine mächtige Kerze g«- käust. Diese weihten sie der heiligen Jungfrau von Lourdes mit der Bitte, diese möge bei Gott dahin wirken, daß das Resultat der Abstimmung ein dem Stundenlohn günstiges sein möge. Tvm gegen- über hatten die Angestellten, Werksührer usw. der Unternehmer eine Wallfahrt nach Lokronan unternommen und in ihren Gebeten für die Bezahlung pro Mill plädiert. So ist gegenwärtig die Situation. Die sozialistischen Blätter fordern die Regierung auf, zugunsten der Arbeiterinnen zu intervenieren. Eine Frauendepntation im englischen. Parlament Vergangene Woche fand in einer großen Londoner Konzerthalle eine Versammlung von Frauen Arbeitsloser statt. Es wurden zwei Deputationen gewählt, die eine sollte beim Premierminister B a l« f o u r vorsprechen, di" andere wurde von KcirHardie, Camp, bel Banner man und John Redmond empfangen. Balfour weigerte sich, die Deputation zu empfangen, erklärte sich aber bereit,„hinter dem Stuhl des Präsidenten"(des Unterhauses), eine Petition aus den Händen der Frauen entgegenzunehmen. Tis Situation schien dem Herrn Premierminister nicht ganz angenehm zu sein. Als er die Petition entgegennahm, versicherte er den Fraubn. daß er alles tun werde, das Gesetz betreffend die Arbeits- losenversicherung baldmöglichst durchzubringen; er wisse wohl, tote viel Not es gäbe. Hier unterbrach ihn Frau Taylor, indem sch sagte:«Ich glaube nicht, das« Sie es wisien, Herr! Niemand weiH das, der nicht mitten nnter den Armen gelebt hat." Mittlerwech» wurde auch die andere Deputation von den oben genannten Poll« tikern empfangen. Dort spchlten sich bei den Berichten der Frau«! über ihre Lage die ergreifendsten Szenen ab; alle verlangten nur, daß man ihren Männern Arbeit gebe. Sozialdemokratischer Lese- und Dtskiitierklnb„DemofthencS". Mittwoch abend'Iß Uhr bei Hermann Dornbusch, Prinz Euacnstr. 8: Vor- trag des Genossen Hiebe!:.Bedeutung der Syndikate und Trusts für die Arbeiterfchast." Gäste willkommen. Berband der Friseurgehülfe« Deutschlands. Zweig. verein B e r I i n n. V o r o r t e. Donnerstag, den 27. Juli, abends 10 Uhr, Rosenthalcrstr. 39: Kombinierte Generalversammlung. Nur Mit» glieder haben ZuWitt. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiche Beteiligung er- wartet Der Vorstand. L i e r e. Lese- und Diskuticrklub Moabit. Mittwoch abends 8'/, Uhr bei Bach stein, Salzwedclerstr. 16. Vortrag. Da wichtige Vereinssach cn aus der Tagesordnung stehen, ist das Erscheinen aller Mitglieder geboten. Gäste er- wünscht..„ Zcntral-Kranken- und Begräbniskasse der Sattler und Berufs» genossen Deutschlands„Hotsnung" E. H. 64 zu Berlin. Verwaltungsstelle Berlin. Sonnabend, den 29. Jull, abends 9 Uhr, im Lokal von Weihnacht, Grünstr. 21: Ouartalsversammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom zweiten Quartal 1905. 2. Wahl des Gesamtvorstandes. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet Der Vorstand. ßrfefbarten der Redahtfon. A. M. 99. 1. UnS noch nicht näher bekannt. 2. Steht ebenfalls noch nicht ganz sicher scst. In Bewach� kommen: Pinnow, Oranienburg, Ebers» waidc, wohl auch Liebemvalde, Hohensaathen und andere Ortschasten. 3. Antwort im juristischen Teil. 4. Der betreffende Drucksachenbericht des Abgeordnetenhauses trägt die Nummern 594 und 595. Er handelt von der „Herstellung eines Großschiffahrtsweges Berlin- Stettin"(Wasserstraße Berlin-Hohensaathen). Erhältlich durch jede größere Buchhandlung. Auch können Sie sich um Auskunst an das Ministerium für öffentliche Arbeiten (v. Budde) wenden.— 987. Nein.— A. H. Ja.— 444. 1. Ja. 2, Nein. JuHftifchtr Ceti. Di« juristisch« Sl>r«chft»»de findet täglich mit SluSuahm« des«»»»abeuds vo»?>/, bis»'/, Uhr statt. Geöffnet: abends 7 Ilbr. S. G., Schroda. Das Verfahren entspricht den gesetzlichen Vorschristen. Berufung ist nicht zulässig, weil solche gegen Kausmannsgerichtsurteile nur dann zulässig ist, wenn das Sweitobjekt 300 M. übersteigt.— H. B. 21. Leider ist gegen die Auswcisnng nichts mehr zu machen, weil die Frist seit sechs Wochen abgelaufen ist. Der Aufenthalt(ohne Wohnung) sowie Be- schästigung in Berlin und Vororten steht dem Betroffenen frei.— 1999. Täglich r L v. \ Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Dienstag, Donnerstag, Sonn- I abend, Sonntag: Tanz. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstratze 58. Große Extpa-Benefiz-tetelliiDg «5Är' Heinrieh Richter. Die Regimeutstochter. Vaudcville m. Ges. in 2 Akt. v. Richter. Gastspiel des Herrn Arhir Winkler vom Thalia-Theater, sowie der Gdilslom Magdalena. Im Saale: Ball. Ansang 4'/, Uhr. Sehmeizer-fiarten. Am Kifnigstor. Am Fricdrlchahain. Kliidtr-Fkj! Theater g. WM» UolksbelustlMgen«. Kall. 5 Uhr: Oratisvariosnng mit Hauptgewinnen. st, 10 Uhr: Faokelpolenäse. 10 Uhr:„Der Fluch de« Goldes". I» Vorbereitung: „Arbeit scltündct nicht". Fröbels Ällerlei-Thealer Schönhauser Allee Nr. 148. Ob schön! Täglich: Ob Regen' Konzert, Theater, Spezialitäten. 1» Attraltionen 1. Ranges 15. filse ans den Aniorsillen. Bolls st. m. Ges. in 3 Akt. v. F. Werner. Extra-Tauz. Kafseekiiche. Ans. 4 Uhr. Entree 30, Sperrsitz 50 Ps. ksivksksHvn. Gastspiel d. berühmten Oslrar mit seiner vorzüglichen Herren- Gesellschaft Ans. 8 Uhr, Sonn!. 7 Uhr. Dienstag, 1. Aug.: Wiederbeginn der Soireen der Stettiner Sänger. Sehiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). Morwitz-Oper. Mittwoch, abends 8Uhr bei halben Preisen: Der Trompeter»on Säkkingen. DonnerStag,abendS8Uhr: Die verkaufte Braut. Freitag, abends 8 U h r: Gastspiel Heinrich BBtel. Oer Postillen von Theater. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Hofgnnst. Lustspiel in 4 Zluszügen von Thilo o. Trotha. DonnerStag,adendS8Nhr: Hofgonst, Freitag, abends 8 Uhr: Hpfgnnst. Im Garten tägl.: Gr. MIHtilr-Konzert. Utax Ktiems Sommer-Theater Hasenheide 13—15. Artistische Leitung: Paul Kübila. ISgüeb: Qr. Konzert, Theater»nd SpezialitätenaVorsteltung. Jeden Donnerstag: Fernsprecher IV. 8891. LMe-7sg. Max Kliem. liandsberger Allee 70/79, direkt an der Ringbahnstafton. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unseres lieben, unvergeßlichen SohneS, Bru- ders Schwagers und Onkels fsill? Richard Metzkow sagen wir unseren herzlichsten Dank. Familie Hermann Metzkoiv, _ Holzmarltstr. 48. Ort-Kafino Frankfurter Allee 106. (NXs» lür Bereine, Bersamm- SNUäv lungen usw. sind zu vergeben 37612" Karl Pirnau. Inventur« Ausverkauf! zurückgesetzter prima Sofagröße m. 1 0.50 Zimmergröße.. 22.50 Salongröße« 37.50 Saalgröße.. 65.00 Hochelegante Gardinen, Stores, Reftbestande 1—6 Fenster. Steppdecken FaÄ Tisch-, Diwan-, Schlaf- und Reisedecken. LOufer- und Möbelstoffe kommen, so weit der Vorrat reicht, zu enorm billigen Preise» zum Ausverkauf. 16/6 Teipli-Engm-Ite Spandauerstr.fiyi I. und II. Etage. UU Ul* IW Kein Laden."WM Zwischen Kaiser Wilhelm u. Btschosstr. SozialdeiDokrat. WahlvereiD Wilmersdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse, der Schuhmacher Wilhelm Noch im Alter von 37 Jahren im Lichtcrsetder Kreis- Krankenhanse am Sonntag an der Proletarier- krankheit verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 203/11 Dor Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin, Todem Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schleifer Erosl Knhrlnski am 22. d. M. gestorben ist. Ghre seinein Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 26. Juli, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Markus- Gemeinde- Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Orteverwaltung. Todez- Anzeige. Nach langem, schwerem Leiden verstarb am Freitag, den 2t. Juli, mittags 12'L Uhr, mein lieber Mann, der Metalldreher .August Rinder im 53. Lebensjahre. 2406 Dies zeigen tiesbetrübt an Witwe Ringer nebst Kindern. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS» Kirchhofes in Nixdorf, Hermann- stratze, aus statt, Berlin, den 2«. Juli 1005. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Begräbnisse meines lieben Mannes sage hiermit alle« meinen herzlichsten Dank. 38512) Die trauernde Witwe Heetba Ornben. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme beider Beerdigung unserer Mutter sage« allen Freunden und Bekannten, be- sonders demätauchklub„FideleBrüder", Frsedrichsselde, unseren besten Dank. Wilhelm und Paul Hanne. 36402' Sofastoffe Rietenauswahl aller Qualitäten. Wolle- Dnataf Mooquette*. Plüsch-���� Satteltaschen. hfusterb. näher. Angab e franko. Emil Lefövre, SÄ. 158. Lieben Sie Ihre Wäsche? Wollen Sie Ihre Wäsche dauerhast, gut und blendend weiß erhalten? Dann perwende» Sie Alleiniger Fabrikant A. GFUbllZ, POlSdUIH. Virtreter für Berlin und Bcrorte: st. Niirubsrg, sterlln NW.(i, eptnetör. Ad Zentral-Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- u. Zementbranche. Donnerstag, den 27. Juli 1905, abends 8V2 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15 (groger Saal): General- Versammlung. Tages-Ordnung: I. Endgültige Beschlußfassung über die be! der Vertragsverhandlniig zu stellenden For- derungen. 2. Abrechnung vom 2. O-uartal pro 1905. 3. Abrechnung des Bergnügnngs- Komitees vom 3. Stiftungsfest. 4. Verschiedenes. Die wichtige Tages-Ordnung erfordert das Erscheinen sämtlicher Mitglieder. _ Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. 147/8» Idci» Vorstand. W Fahrstuhl-Arbeiter I Tonnerstag, den Ä7. Juli, abends« Uhr, in den Jltdustrie-Jestsälen, Benthstr. IS: Sektions-Versammlung. Tages-Ordnung: 2. Verschiedenes. 1. Der Stand der Betveguug und unsere weitere Stellungnahme. 34/16» Dr. Simmel, Prinren- Str. 41, Spezinlarzt jilt 15/11» llant- und Harnleiden. 10—2,5— 7. Sonntags 10—12, 2—4. Donnerstag, den 27. Juli 1905, abends S'/a Uhr, bei Keller, Koppenstrahe 29: General-Versammlung. Tages-Ordnung: i. Kassenbericht vom zweiten Quartal. 2.' Bericht des Vorstandes, der Arbeitsvermittler, des Obmannes der Schlichtnngskommission, der Werkstattkontrollkommisfion und des Bibliothekars. 3. Der Jahresbericht der GeWerk- schaftskommission. 4. Ersatzwahlen zur Ortsverwaltung. s. Anträge, Berbandöangelegenheiteu. gV Nur Eintritt mit Mitgliedsbuch!"WS Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Lg/11 Die Ortsvcrwaltung. Zentralverhand �Schmiede. Zahlstelle Berlin. Bureau: Stralauerstr. 48. Telephon: Amt I, 7779. Mittwoch, den 3«. d. M.. abcndS S'l, Uhr. in den„Germania- Prachtsälcn«. Chausseestr. 19»: Allztmme Mitglieder- Uersaiiimluiis. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom II. Quartal 1905. 2. Berichte sämtlicher Körper. schalten. 3. Neuwahl sämtlicher liörpcrschaftcn: a) Ortsocrlvallung, b) Beschwerdekommission, c) Delegierte zur Gewerkschastskommission, Maschinen„Hocke- weher", alleiniger Fabrikant E. Bell- mann, Gollnowstraste 26, nahe der Landsbcrgerstraste. 667K» Gaskochcrhans! Zweilochgas- kochcrl3,00. DreilochgaSkocher I Gas- bratösen! 6,00. Gasbügelapparat I Gasplätteisen I spottbillig i Pcttoleum- löchert zweiflammig 2,00. Wohlauer, Wallnertheaterstraste 32.(Beleuch- ttmgshaus I) 69211'» Sofas, neue, spottbillig, Graudcnzer- straste 2, Tapezierer. st39' Metallbettcn, 2 hochelegante, 110,00, Ritterstrastc 112 II. 19/13' Nähmaschinen sämtlicher Systeme vergüte noch bis 10,00, wer Teil- zahlnng Nähinaschine kaust oder»ach- weist. Woche 1,00. Postkarte. Brauser, Zorndorserstr, 50.-s40- Baumaterialieu, neue und ge- brauchte wie: Kantholz, Bretter, Latte», Leisten, Türen, Fenster, Dach- pappe, Linoleum, in grbstter Auswahl billigst Kottbuserdamm 22. 1542b» Kräuletn verkauft Kleiderschranks Vertiko 40,00, Bettstellen, Trumeaus, Plüschsosa 45,00, Satongarnitnr 90,00, Stühle, Stores 3,00, Tisch 6,00, Ver> schicdenes. 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I. wird sür das Arbeitersekrctariat Gelsenkirchen ein zweiter«ekretär gesucht. Anfangs- gehalt 1920 Mark. Derselbe mutz vorwiegend sozial- politische Arbeiten aus dem Gebiete der Arbcitcrversichcrung, Arbeiter- schutzes usw. auSsühren und AuSkuust erteile». Verlangt wird rednerische Befähigung. gcwerlschastlichcErfahrung und Kenntnis derArbeitergeschgcbung. Bewerber wollen einen«chrisisatz über die Ausgaben der Arbeiter- sclretariate aus dem Gebiete der sozialen Gesetzgebung an untenstehende Adresse bis zum 10. August einsenden. Gewünscht wird auch Angabe, bei weicher Gewerkschaft organisiert und Dauer der Mitglicdschast. 29'. 120* InCPnh ptzf,«elscnhlrchen, JUoc|lll rult) FUrstinnenstr. 54. Für jede Stadt eine in Arbeiter- kreisen eingeführte Person mit wenig Kapital sür hohen und sicheren Verdienst gesucht. Offerten unter l.. E. 3906 an Rudolf Mosse, Leipzig, erbeten. 20/3* Graveur-Kthlilfkn, Vn°"! und Datumräder stelle sosort ein. Event, gebe auch Arbeit außer dem Hause. Erbitte Preiöoffcrte I 203b» B. Maar, Gravieranstalt, A s ch e r S l e b c n. Wir geben gegenwärtig nur die- jenigen gesperrten Firme» bc- kannt, die Werkstätten tm Hause haben. Damit sind gleichzeitig sämtliche Werkstätten derjenigen HanS- industriellen gesperrt, die sür diese Fabrikanten arbeiten. Gebr. BrcSlaucr, Niedcrwallstt. 2t. W. Engel u. Co., Spitlciinarkt 8/10. Höhr. Kommandantenstr. 58. «l. Wols, Poftstr. 7. H. Wolf, Burgstr. 29. Jacob u. Bräutigam, Markgrascnstr. 58. V. Manheimer, Oberwallstraste 7. Bär u. Salomon, HauSvogteipIatz 12. D. Lewin, Hausoogteiplatz 13. Werk- stzßtt: Niederwallstr. 15. Eisncr u. Mcisi, Kurstr. 15. Joka u. Co., Knrstr. 32. R. Maasten, Ecke Oranienplatz. Mayer u. Co., Kommandantenftraste Nr. 76/78. Hermann Engel, Landsbergerstr. 87. Geisler u. Cramer, Grünstr. 16. Wilh. Rcinicke, Neue Friedrichs». 9/10. Freistadt u. Co., Oranienburgerstr. 2. Goldstein u. Sohn, Alexandcrstr. 22. Wagner u. Co., Jnsclstr. 11. I. Landsberger, Niederwallstr. 10. Alle Anfrage» betreffs des Streiks und an nnser gemein- snmes Streikbnreau. Mendels- sohnstraste 0, zu richten. 102/17* Oer Vorstand des lleutsobsn Kürsohnep. Verbandes (Zahlstelle öerlin). Oer Verstand des Verbandes der Kürschner Berlins und Umgegend.__ Achtung! Achtung! Schiltlernialer, Lackierer, Yergolder, Buchstaben- Kkmjner! Der Streik der Schildermaler und verwandten Berufe besteht nach wie vor und ist Arbeit nur durch den Arbeitsnachweis der Schildermaler, Alte Jakobstt. 83 bei L a d e w i g, anzunehmen. 290/3» Die Streikleitung. Jalousie-Arbeiter. Die Kollegen der Firma Bock» staller befinden sich im Streik. Zuzug ist fernzuhalten. Da bei mehreren Firmen noch Differenzen bestehen, bitten wir, sich aus den Bauten?c. die blaue ge» stempelte Arbeits- Konttyllkarte zeigen zu lassen, nur diese ist güllig. VlndcrSsarbige Karten sind zu vcr- nichicn._ 83)8* Achtung, Kiamernrbtiter! Die Kollegen der Piano- Fabrik Brcttscliucldcr in lielpzlg befinden sich im Streik. 89/4» Zuzug ist sernzuhalte». Die OrtSverwaltnng. Znnakme-Stellen für„kleine Hnzdgen", Osten: Weltgeld, Frankfurter Allee 79. Gustav Bogel, Koppenstr. 83. H. Ramm, Gr. Franksurterstr. 91. Xor dosten: L. Zucht, Keibetstr. 42. I. Reut, Barnimstr. 42. Vörden: t. Raschle, Rügen erste. 24. arl Mars. Kastanien-Allee 95/86 E. Stolücnburg, Wiescnstr. 41/42. L. Dechand, Ruheplatzstr. 24. H. Bogel, Demminerstr. 32. A. Tictz, Jnvalidenstr. 124. iKordwestea: Karl Anders, Salzwedelerftr. 8. Südwesten: H. Werner, Mittenwalderstr. 30. H. Schröder, Kreuzbcrgstr. 15. piüdeu: St. Friti, Prinzcnstr. 31. F. Gutschmidt, Kottbuser Danu» 8. Südosten: Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/16. P. Horsch, Engel-User 15. vüarlottenkurg: G. Scharnberg, Sesenheimerstr. t, Friedrichsberg: O. Seikel, Kronprinzenstr. 50. BixdorF: M. Heinrich, Prinz Handjerystr. 7. Conrad, Hcrmannstr. 50. iSehSneherg: Wilh.Bäumler, MartwLutherstr.51. �Veivensee: W. Reske, Sedanstr. 53. Jul. Schillert, König-Chaustee 39». Belnieheiidorf: P. Gursch, Prooinzstt. 108. Smger& Co., Berlin SM ib. 172. 22. 2. WIM ira Jwiirts" Kerl« KcksM Mmch. 26. Iiili 1905. Parteigenossen, seht clie AähierlUten zur Stadtverordnetenwahl ein! partei-Hngclcgenbciten. Zur Lokalliste. Spandau er Schiffahrtskanal. Das Lokal„Zum Lindenbaum" von Julius Wagen« steht der Arbeiterschaft zur Verfügung. Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis. S ü d w e st. In Rücksicht auf die zu Dienstag einberufene Gewerlschaftsverfammlung findet die Viertelsversammlung des Wahlvereins für Südwest heute Mittwoch, den 26. Juli, abends S'/s Uhr, bei Habel, Bergmann- ftraste ö/7, statt. Genosse A. Bernstein spricht über:„Volks- krankheiten.' Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Sechster Wahlkreis. Am Dienstag, den 22. August, findet die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Anträge zum Partei- tage sind statutengemäß einzureichen. berliner l�acbmbtm Die Berliner Heimstätten-Misere ist jetzt wieder auf ihrem Höhepunkte angelangt. Längst wieder sind in allen Heimstätten, über die die Stadt Berlin verfügt, ständig alle Plätze besetzt, längst wieder wird den Auf- nahmesuchenden überall eine Wartezeit auferlegt. Am 22. Juli waren in der Blankenburger Heimstätte für genesende Frauen und fiir Wöchnerinnen bereits 103 Personen borgemeldet, sodaß die Wartezeit nun schon auf 39 Tage bemessen werden mutz. Die Heimstätte Heinersdorf für genesende Männer hatte 77 Vormeldungen und die Wartezeit beträgt jetzt 22 Tage. In den Heimstätten Blankenfelde und Malchow für brustkranke Frauen wurden zusammen 13S vorgemeldete Personen gezählt; wer sich jetzt noch meldet, hat 24 Tage zu warten. Am schlimmsten lagen die Verhältnisse, wie immer und seit langem, in der Heimstätte Gütergotz für brustkranke Männer, die im Winter wie im Sommer ständig gefüllt ist und selbst im Dezember und Januar keinen Aufnahmesuchenden ohne Wartezeit aufnehmen kann. Am 22. Juli war dort die Zahl der Wartenden auf 202 gestiegen, und wer nun noch kommt, hat sich 78 Tage zu gedulden. 78 Tage, das reicht bis in den Oktober hinein. Könnte man heute die neue Heimstätte für brustkranke Männer eröffnen, die in Buch noch inimer »ihrer Vollendung entgegengeht", so blieben selbst dann noch über 60 Personen, denen eine Wartezeit zugemutet werden mutzte; denn die Bucher Heimstätte ist auf 160 Betten eingerichtet. Im Augenblick läßt sich natürlich gegen diese Kalamität nichts tun; denn niemand vermag Heimstätten fix und fertig aus dem Boden zu stampfen. Aber das kann nicht oft genug konstatiert werden, daß sich jetzt die Unterla.ssungssünden rächen, die trotz aller Mahnungen und Warnungen der Sozialdemokraten die freisinnige Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung vor Jahren sich hat zuschulden kommen lassen. Erst streitet man dreist ab, daß ein Bedürfnis vorhanden sei, und lätzt weiter alles gehen, wie eS gehen will. Wenn dann zuletzt das Be- dürfnis nicht länger weggeleugnet werden kann nnd endlich Abhülfe geschaffen werden mutz, beginnen die Berttöstnngen auf das, was kommen soll. Mag inzwischen der Notstand ins Matzlose wachsen— ei, es soll ja anders werde», die Pläne sind ja schon genehmigt, ihre Ausführung ist schon im Gange, wir sind auher Schuld an dem gegenwärtigen Notstand. So treiben's die Freisinnigen, wenn über Mangel an Gemeindeschulhäusern geklagt wird, so suchen sie zu beschwichtigen, wenn der Mangel an Kraukenhäusern und Irren- anstalten sich inuner ärger fühlbar»nacht, so speisen sie die Mahner ab, wenn der Mangel an Heimstätten unerträglich geworden ist. Heimstätten hat ja von Rechts wegen überhaupt niemand zu fordern, wie der Oberbürgermeister Kirschner einmal in der Stadt- verordneten-Versammlung unter dem Beifall seiner freisinnigen Austraggeber auseinandergesetzt hat. Heimstätten zu schaffen, war ja nur ein Akt des„Wohlwollens". Ueber die Krankenhäuser hat Herr Kirschner ganz ähnliche, des Freisinns würdige Grundsätze entwickelt. Von Rechts wegen brauche, so meinte er, die Stadt nur soviel Krankenhäuser bereit zu halten, datz„die Armen" Aufnahme finden könnten. Für die Unterbringung der Äassenkranken habe nicht s i e zu sorgen. Solche Anschauungen und Aeutzerungen finden in gewöhnlichen Zeiten Zustimmung und Beifall bei allen Freisinnigen. Aber wenn Stadtverordneten-Wahlen kommen, dann zieht»nan es drüben vor. sich über solche Dinge lieber nicht so offen auszu- sprechen. Wir werden tS wahrscheinlich auch diesmal in der Agitation zu den Stadtverordneten-Wahlen wieder erleben, datz der Freisinn sich plötzlich höchst arbeiterfreund- lich stellt, wenigstens vor den Wählern der dritten Abteilung. Aus den Krankenpflege- Anstalten mutz leider recht oft über Mängel und Mißstände berichtet werden. Bald klagen die Kranken über die Behandlung, die ihnen dort zuteil wird, bald wieder klagt das Pflegepersonal über die Lohn- und Arbeits- b e d i n g u n g e n. die eS sich bieten lassen imltz. Jetzt ist an der Reihe die königliche Klinik, bei deren Personal sich in letzter Zeit eine starke Unzufriedenheit bemerkbar gemacht hat. Für Freitag waren die Augestellten dieser angeblichen Musteranstalt zu einer Versammlung nach den Johannis-Fest- sälen(Johannisstr. 21) eingeladen worden, um gemeinsam die traurigen Zustände zu besprechen, unter denen dort daS Personal zu leiden hat. DaS Referat des Vertrauens- mannes Heinze vom Gemeindearbeiter« Verbände sowie die ergänzenden Ausführungen der Diskussionsredner zeigten, datz die königliche Klinik mit die schlechtesten Lohnverhältnisse unter allen Krankenpflege- Anstalten von Berlin und Umgegend hat. Das AnfangSgehalt beträgt für Pfleger 26 M., für Pflegerinnen 15 M. Bon der Kost wurde behauptet, datz sie unzureichend und auch in anderer Beziehung manchmal nicht zweifelsohne sei. Zweites Früh- stück gebe es gar nicht und Abendbrot nur an zwei Abenden in der Woche, so datz die Angestellten gezwungen seien, von ihrem geringen Gehalt noch Zusatznahrung zu kaufen. Der Beköstigung reiht sich würdig die Behandlung an. Von einem Frl. v. Seidlitz und einer Fr. Maxar, die im WirtschastSbetriebe der Anstalt zu kommandieren haben, wurde ein keineswegs schmeichelhaftes Konterfei entworfen. Diese Damen verkehren mit Angestellten der königlichen Klinik per„Ihr" und„Euch", natürlich einseitig, ohne datz das Personal in gleicher Weise antworten darf. Vom Personal wird vielmehr erwartet, daß eS mindestens das Frl. v. Seidlitz als ein „gnädiges" tituliert, wiewohl bisher niemand etwas Gnädiges an der Dame gefunden haben will. Aus den»nancherlei anderen Be- fchwerden, die noch vorgebracht wurden, fei erwähnt, datz Schlaf- räume des Personals zum Teil durch Gestank beeinträchtigt werden, der von den Grundstücken unter den Fenstern ausgeht. Merkwürdig ist ferner. datz die Pfleger dieser Krankenpflege- Anstalt auch bei «igener ErkrgMng Gel genug dqrgn sind. Es werden Kranken- j kassenabzüge gemacht, aber ein Einfluß auf die Verwendung der > Gelder steht ihnen nicht zu. Wer krank wird, hat sich an Ort und Stelle behandeln zu lassen, basta l Auch die Pflicht zur Erteilung eines Zeugnisses soll nicht in jedem Falle erfüllt worden sein. Eine Pflegerin klagte, datz sie bei ihrer Entlassung kein Zeugnis erhalten habe und ohne ein solches keine andere Stelle finden könne. Das Mittel zur Beseitigung der im Krankenpflegewesen herrschenden Mißstände zeigte der Referent, der die Versammelten ermahnte, sich zu organisieren. Auf denselben Weg verweist auch eine von der Versammlung angenoinmene Resolution. Bei Absperrung der Wasserzufuhr haben jetzt die städtischen Wasserwerke eine bemerkenswerte Neuerung eingeführt. Wenn in Zukunft ein in den Straßen liegendes Hauptrohr abgesperrt werden soll, so wird dies bei den Hauswirten oder Verwaltern gemeldet. Gleichzeitig heftet ein Arbeiter noch an der Innenseite der Haustür einen weißen Zettel an, auf welchem folgende„Anzeige" steht: „Heute wird die Wasserlieferung auf etwa.... Stunden eingestellt werden. Der Wasserzufluh tritt ohne vorherige Anzeige wieder ein. Es wird daher empfohlen, auf die Zapfhähne zu achten beziehungs- weise dieselben geschlossen zu halten. Nähere Auskunft auf der Arbeitsstelle.... Sttatze Nr... Direktton der städtischen Wasser- werke." Wegen der Pensionierung des Stadtkämmerers Maaß zum 1. Oktober d. I. ist der Berliner Stadtverordneten-Versammlnng eine Magistratsvorlage zugegangen. Gleichzeitig ersucht der Magistrat die Stadtverordneten-Versammlung seinem Beschlutz, dem aus dem Amt scheidenden Manne den Titel eines Stadtältesten von Berlin zu verleihen, beizutreten. Druckfchler-Berichtigung. In der gestrigen Nummer ist in dem Artikel„Armut und Tod" zu lesen:„datz namentlich die Ergebnisse f ü r 1885(nicht: seit 1883) als zu hoch angesehen werden müssen". Protest gegen die Eingemeindung des Tegeler Sees in Berlin. Die Gemeindevertretung von Tegel hat sich am Montag mit dem Plane der Stadt Berlin, den Tegeler See einzugemeinden, in ge- heimer Sitzung beschäftigt. Vorher gab jedoch der Amts- und Ge- meindevorsteher Weigert in öffentlicher Sitzung eine Erklärung über den prinzipiellen Standpunkt der Genreindeverwaltung ab. Tegel werde mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gegen eine Eingemeindung des Tegeler Sees protestieren. Als die erste Nachricht von dem Projette der Stadt Berlin durch die Zeitungen ging, so führte der AintS- Vorsteher weiter aus, habe er die Sache als einen schlechten Witz aufgefatzt. Der Tegeler See stehe absolut in keinen» Zusammen- hange mit dem Gelände der Stadt Berlin, und man sollte es auch nicht für möglich halten, datz die Stadt versucht, ihn zu einem Berliner Gewässer zu machen. Mit demselben Rechte könnte Tegel dann den Krcuzberg von Berlin fordern.— Sollte Berlin aber tvirttich ernstlich mit dem EingemeindungS- gedanken umgehen, so sei nur eine Erklärung möglich. und diese bestände darin, datz der Magistrat der Gemeinde Tegel die Vorteile, welche ihr aus dem Tegeler See mit der Aus- führung des Berlin-Stettiner Kanals erwachsen würden, nehmen will. Diesen Gedanken aber dürste man kaum hegen, denn ein derartiges Handeln sei einer großen Stadt nicht würdig. Die Aufsichtsbehörden würden auch nicht zugeben können, daß Gemeinden. ivelche zufällig an dem Berlin-Stetttner Kanal liegen, die daraus erwachsenden beträchtlichen Borteile zugunsten einer Großstadt ge- nommen werden.— Sodann wurde in die geheime Beratung ein- getteten. Das Ergebnis der Verhandlungen war, datz die Gemeinde- Vertretung den Standpunkt des Aintsvorstehers zu dem ihrigen machte nnd entschieden gegen Berlin vorgehen will. Soldatenschindcr. Wegen Mißhandlung eines Untergebenen wurde der Unteroffizier Tau von der 9. Komgagnie deS Königin Augusta-Regiments in Untersuchungshaft genommen. Dieser Fall hängt mit dem kürzlich gemeldeten Versuch des Füsiliers Jasper. sich zu erschietzei», zlisammen. I. befindet sich noch vernehmungS- unfähig im Lazarett. Eine Vernehmung der ganze»» Korporalschaft führte zu der Inhaftnahme des Unteroffiziers, der von der Unter- offizierschule kam und dem Regiment seit dem Jahre 1901 an- gehört.— Eine zweite Untersuchung, die sich arlf den von Kameraden vereitelten Selbstmordversuch des Grenadiers M a n n h von der 7 Kompagnie des genannten Regiments bezog, hat nichts Be- stimmtes ergeben. Eine erschütternde Fomilienszeue hat sich in der vergangene,» Nacht in der Admiralstratze abgespielt. Die 53 jährige Frau des Schlossers M.. Admiralstr. 26, die sich ebenso wie die übrigen Familienmitglieder zu Bett begeben hatte, wurde auf dem Lager plötzlich vom Wahnsinn befallen. Die Irre sprang aus dem Bett heraus»ind raste, alles zerstörend und wild schreiend in der Wohnung umher. Vergeblich versuchte der verzweiselte Ehemann, die Tob- süchtige zu beruhigen. Laut weinend standen die erschrockenen fünf, zum Teil noch uirerwachsenen Kinder in dem Schlafzimm«. Doch es war alles vergeblich; die Irre erkannte ihre Kino« nicht»nehr und tobte weiter. Man mutzte die Kleinen vor der Kranken retten. Erst nachdc»n niehrere Schutzleute herbeigerufen waren, gelang es, die Rasende zu bändigen. Frau M. wurde zunächst nach den, 43. Polizeirevier in der Kottbuserstratze und von dort mittels Krankenwagens nach der Charitö gebracht. Das rätselhafte Verschwinde» des Handlungsgehülfen Hermann Franke, Templincrstr. 13, der seit drei Wochen vermißt wird, ist bisher unaufgeklärt. Der Verschwundene war seit mehr als zehn Jahren in dem Ledcrgeschäft von Gebrüder Lefs in der Klosterstratze tätig. Er hat sich in seiner Stellung keinerlei Unregelniätzigkeiten zuschulden komineu lassen, seine Chefs geben ihm vielmehr das Zeugnis eines fleitzigcn, pünktlichen und zuverlässigen Menschen. Da F. in geordneten Verhältnissen lebte und ganz allein stand und absolut keine Anhaltspunkte bekannt sind, die ihn zu einer plötzlichen Abreise hätten veranlassen können, glaubt man, datz ihn» ein Unglück zugestoßen iei._ Der Pikkolo. Seit dem Inkrafttreten der BundesratS-Verordnung zum Schutz« der Kellner, Köche usw. werden die gastwirtschaftlichen Unternehmer- verbände nicht müde, auf das bißchen Arbeitcrschutz zu schimpfen und dessen Beseitigung oder doch Verschlechterung zu fordern. Noch ganz kürzlich beschlossen der„Bul»d deutscher Gastwirt«" und der„Deutsche Gastwirteverband" auf ihren Generalversammlungen, abermals eine Petition an die Regierung, in welcher u. a. auch die Aufhebung derjenigen Bestimmung gefordert wird, wonach Lehr- linge und jugendliche Arbeiter unter 16 Jahren in Gastwirtschaften nicht nach 10 Uhr abends und nicht vor 6 Uhr früh beschäftigt werden dürfen. Die Herreu Gastwirte behaupten, datz sie durch diese Be- stimmung verhindert wäuen, den Lehrlingen das Metier beizu- bringen, denn das Geschäft ginge vielfach erst nach 10 Uhr abends an. Und der„Berliner Eafeticrverein" fügt gar die fürchterliche Drohung hinzu, in Zukunft Pikkolos überhaupt nicht mehr auszu- bilden, so daß es später an tüchtigem Nachwuchs fehlen werde. An all dies wurden wir jetzt durch den Meineidsprozetz Meyer erinnert. Meyer ist jetzt 21 Jahre: er Ware also ein kaum fünfzehnjähriger Junge, noch cm halbes Kind, als er im Olden- burger Kasino tätig war. Dort hat er die Nächte hindurch serviert, W EiMick in BeMtnisse hkiMUM» ditz selbst gliMN Kenten häufig nicht ungefährlich sind. Er kam aus ärmlichen Verhältnissen, und hier sah er nun Menschen, bei denen das Gold gar keine Rolle spielte, die Silberstücken ihm verächtlich nachwarfen. Er sah zu, wie die Stützen des Staates, Staatsanwälte und Minister, sich bei schäumendem Sekt in den lauschigen Nischen bei„P o k e r" und „Lustige Sieben" bis in den grauenden Morgen amüsierten. Im Verhältnis zu seiner Tätigkeit und z»» seinem Alter verdient er viel Geld. Von den Herren, die er bedient, und die einer sozial höher stehenden Gesellschaftsschicht angehören, sieht und lernt er nichts Gutes. An ihrem Beispiel kai»n er sich nicht emporrichten. Was soll aus einem solchen jungen Manne werden? Nun ist dem jungen Meyer von allen seinen Angehörigen und seinen Prinzipalen das denkbar beste Leumundszeugnis ausgestellt »vorden. Hätte man sich wundern dürfen, wenn Meyer auf schlechte Bahn gelenkt wäre, ist es nicht vielmehr geradezu ein Wunder, datz er ein braver anständiger Mensch geblieben ist? Hier war es der Spielteufel, in anderen gastwirtschaftlichen Betrieben sind es Leidenschaften anderer Art, die auf den angehenden Kellner demoralisierend wirken müssen. In den Nacht-Cafes ui»d den Weinstuben unserer Großstädte, dort, wo unsere goldene Jugend sich in lauschigen Separees„auslebt" und der Wein in Strömen fließt, da erhält das noch kindliche Gemüt des eben aus dem Eltern- hause kommenden Jungen die ersten tiefgehendsten Eindrücke, die sür seine ganze Zukunft verderblich sind.— Man braucht gewiß kein Tugendbold und Moralprediger zu sein, aber man wird dennoch zugeben müssen datz jugendliche Leute in eine solche Umgebung nicht hineingehören, selbst auf die Gefahr hin, datz es den Herren Gast- Wirten an„Nachwuchs" fehlte, datz wir uns also später einmal ohne die Jünger des Ganymed behelfen müßten. Selbstverständlich eine alberne Uebertreibung der Gastwirte. Die oben erwähnte Bundesrats-Vcrordnung vom 23. Januar 1902 bringt deshalb auch nur das allermindeste an Schutz, was für das sittliche Gedeihen auch der jugendlichen Kellner gefordert werden mutz. Es ist deswegen geradezu frivol, wenn von den Gastwirten die Aufhebung dieser Bestimmung gefordert wird, damit ihnen wieder die unbeschränkte Ausbeutungsfreiheit der jugendlichen Arbeitskräfte zugebilligt wird. Ein amerikanischer Schwindel in Berlin. Ein Mann, der sich zu geschäftlichen Zwecken in der Kanonierstratze 42 ein Kontor gemietet hätte und angeblich im Kaiserhof wohnte, erließ unter dem Namen Joseph von Fällen, W. 8, Kanonierstratze 42, II, als Vertreter der„Philadelphia Record Gran»mophon Cvmpaiüe Generaloffice, 75 State Street", in Provinzblättern große Ankündigungen dahin, daß er auf jedes zehnte Schreiben ein Grammophon»nit 12 Platten umsonst liefern werde. Darauf meldeten sich zahlreiche Leute. F. a>»twortete nicht jedem zehnten, sondern allen Schreibern, datz sie der zehnte seien, verlangte für Fracht und Ver- Packung je 5 M. und stellte noch die Bedingung, daß die Grammophongesellschaft empfohlen werde. Nun liefen viele Geld- sendungei» ein, die v. F. annahm. Einige Tage später war er nicht anwesend und wollte, da die Wirtin das Geld nicht erhielt, dies auf der Post selbst abheben. Er wurde»»»angels genügenden Ausweises zurückgewiesen. Nun wurde ihm die Sache unheimlich; er entfemte sich ilnter Mitnahme zweier Pakete, die später von einem Straßen- reiniger in der Mittelstratze gefunden wurden und die Antworten auf die aus der Provinz einlaufenden Schreiben enthielten. Seit- dem ist er verschwunden. Briefe und Geld kommt fortgesetzt für ihn ai», mutz aber an die Absender zurückgehen. Sudmissiousblüten ans Berlin. Bei den, Neubau des Kriminal- gerichtes in Mvabit wurden folgende Gebote abgegeben: Auf Türen vou der Firma Olm 69 069 M. und von der Firma Vollmar 45 663 M.; die Differenz Beträgt sonach 23 406 M. Die Firma Lüdtke verlangte für Los II(5 Dickten) 67 903 M. und die Firma Vollmar bot 50 145 M., das helfet 17 768 M. weniger. Für Decken verlangte die Firma Dewitz 35 950 M. und die Firma M. H. Wegner nur ein Drittel dieser Summe, nämlich 13 122 5" weniger. Bei dem Bau der Schule in der wurden auf Eingangstüren folgende Angebote Mittag 4645 M.. Gebrüder Faul 1680 M. oder Und diese Differenzen sind bei Lieferungen zu genaue Kalkulation möglich ist. Die Gefahr einer Schiffahrtsunterbrechung auf Spree und Havel scheint für dieses Jahr beseitigt zu sein. Der Wasserstand der beiden Flüsse hat sich in den letzten Tagen wieder bedeutend ge- hoben und da von den oberen Läufen noch Wuchs gemeldet wird. so wird der Wasserstand sich in den nächsten Tagen noch über Normal gestalten. Die Havel hat in ihren» oberen Laufe soviel Wasser, datz zum Zwecke der Stromverschärfung die zurzeit wuchernden Wasserpflanzen abgemäht werden. Die Einschränkungen für größere Fahrzeuge, welche sür mehrere Havelschleusen gettoffe» waren, sind wieder aufgehoben Ivorden. Die ausgedehnte» bahnfiskalifchcn Terrain? am Kottbufer Damm sollen dem Vernehmen nach zun» Preise von 140 000 Mark pro Morgen in den Besitz der Nationalbank für Deutschland über» gegangen sein, welche diese auf der Ostseite deS Kottbufer DammS belegenen Ländereien parzellieren und der Bebauung erschließen wird. Gegenwärtig befinden sich dortselbst Nutzholz- und Brenn» materialien-Handlungen, doch sollen die»nit deren Inhaber ge« schlossenen Pachtverträge bereits gekündigt sein. Der Eisenbahn- fiskus hat die Ländereien vor etwa 50 Jahren zum Preise von 10 000 Mark erworben, um dort einen Bahnhof für die damals projektiert gewesene oberschlesische Bahnlinie anzulegen. Bon Knaben abgefaßt wurde ein etwa 20 mal bestrafter Mensch, der Hospitalit Ludwig Diekmann aus RummelSburg. Eine spielende Kinderschar war in der Abendstunde aus den Boden deS Hause» Skalitzerstr. 94a gekommen und gewahrte dort hinter einem Balken versteckt einen unbekannten Mann. Trotz des Schreckens, der die Knaben befiel, hatten sie Geistesgegenwart genug, um die zum HauSboden führende TÜr sofort zu schließen. Herbeieilende Männer stellten fest, datz die einzelnen Verschlüge erbrochen und geplündert waren. Sie bemächtigten sich des Mannes und überlieferten ihn der Polizei. Großfeuer kam am Dienstagnachmittag um 6V, Uhr in der Lindenstr. 19 in der Fabrik von Schäffer u. Walcker aus noch nicht ermittelter Ursache zum Ausbruch. Die Arbeiter hatten eben die Werkstätten verlassen, als die Gefahr bemerkt wurde. Es brannte auf dem zweiten Hofe der rechte Seitenflügel, gegenüber der Dreherei, die vor einigen Monaten ausgebrannt ist. Die Flammen hatten in der Schleiferei, wo das Feuer ausgekommen sein soll, an dem nnt Oel getränkten Fußboden und Inventar reiche Nahrung gefunden und sich der darüberliegenden Lackiererei mitgeteilt. AIS die von einen» Mädchen alarmierte Feuerwehr erschien, war der Hof »nitsamt den Werkstätten schon total verqualmt. Die Feuerwehr griff mit fünf Schlauchleitungen an. Um an den Brandherd zu ge- langen, wurden Steckleitern benutzt, über die dann die Feuermänner durch die Fenster in die Werkstätten einstiegen. ES gelang innerhalb einer Stunde den Brand zu löschen, ohne datz das ,n verschlossenen Behältern dort aufbewahrte Benzin zur Explosion kam. Der Schaden ließ sich gestern abend nicht mehr ermitteln. Eine längere Betriebs- störmig soll nicht stattfinden.' Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern abend 6 Uhr vor dem Hause Große Frankfnrterstratze Nr. 110. Ein 30 Jahre alter Arbeiter wollte noch kurz vor einem heransausendei» Stratzcnbahii- wagen der Linie 66 das Gleis überschreiten, glitt aber aiK und 7. oder 22 828 M. Greifswalderstratze abgegeben: Firma 2965 M. weniger. verzeichnen, deren Wvjte zu Boden. Trotzdem der Führer sofort Gegenstrom gab, konnte er den schweren Wagen nicht auf der Stelle zum Stehen bringen, sodah der Mann kurz vor den Rädern eingeklemmt wurde. Vergebens suchte das Publikum deir schweren Wagen zu heben. Erst der herbeigerufenen Feuerwehr gelang es. den Verunglückten zu be freien, der auf dem Mannschaftswagen nach dem Krankenhause Friedrichshain gebracht wurde. Einen tiitlichen Absturz von der Straßenbahn erlitt das vier» jährige Töchterchen Käthe der Schuhmacher Bülowschen Eheleute aus der Gräfestraste 8.- Das Kind befand sich besuchsweise bei den Grobeltern, den Schuhmachersleuten Bülow in der Anklamerstraße 33. Die Großmutter hatte am Sonntag mit dem Enkelkind einen Ausflug unternomnien und kehrte erst um ä>/z Uhr abends mit der Strasjeir bahn zurück. An der Ecke der Brunnen- und Anklamerstrabe wollten beide aussteigen. In dem Gedränge, das; an Sonntagen ans fast allen Straßenbahnen herrscht, und bei der bekannten Rücksichtö lostgkeit des Publikum» kam das Kind zu Fall und schlug mit dem Hinterkopf auf das Pflaster. Die Großmutter trug es bewußtlos in ihre Wohnung, wo am Montag morgen um 10 Uhr der Tod eintrat. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Ein ungetreuer KonipaguicschrciSer, der Gefreite HüllgiS von der 2. Kompagnie der Angustaer, wurde vom Kriegsgericht der 2. Garde» änfanterie-Diviston zu zwei Monaten Festung, Degradation und ersetzung in die zweite Klasse des SoldatcnstandcS verurteilt. Bei mehreren Grenadieren wurde von Angehörigen brieflich angefragt, ob Gelbsendungen bei ihnen angelangt seien. Da dies nicht der Fall, wurde dem Feldwebel Meldung gemacht. Dadurch kam eine Untersuchung zustande mit dem Ergebnis, daß H. 123 M., die mit der Post für Soldaten eingegangen waren, unterschlagen hatte. I» seiner Droschke gestorben ist gestellt niorgen zu früher Stimde der 50 Jahre alte Droschkenführer W. N i e s b a n d au» der Oppelnerstr. 13. Er befand sich die Nacht hindurch mit seinem Ge» fährt im Betrieb und hielt inorgens um 5'/« Uhr an der Ecke der Wiener- und Grünauerstraße auf dem Halteplatze. Die Spitzen- droschke wurde gerade besetzt, und Niesband, der sich in semen Wagen zurückgezogen hatte, sollte an die erste Stelle rücken. Als ein anderer Fahrer ihn wecken wollte, gab N. kein Lebenszeichen von sich. Er ivurde in seiner Droschke nach der Rettungswache Görlitzer Bahnhof gebracht, wo ein Arzt nur de» bereits eingetretenen Tod feststellen konnte. Durch ein herabstürzendes Fenster schwer verletzt wurde gestern gegen Mittag der Löjährige Schneider Max B e r k o w i tz ans der Kronenstr. 22. Als er ans einem Geschäftsgänge das Haus Ritter- straße 76 passierte, fiel plötzlich eine große Fensterscheibe aus der Höhe des vierten Stockes herunter und traf ihn, so daß er nieder- stürzte. Er erlitt dabei schwere Verletzungen an den Armen und wurde sofort nach der Unfallstation XIV. in der Alexandrinenstraße geschafft. Von hur ans mußte er später nach dem Krankenhause am Urban befördert werden. Die Fensterscheibe war erst morgens geputzt worden. Fenerbericht. Die Feuerwehr hat jetzt verhältnismäßig wenig zu tun. In der letzten Nacht wurde sie nur zweimal nach der Lünebnrgerstr. 3 und Kürassierstr. 10a. gerufen, wo Gardinen, Wäsche, Stroh u. a. brannten. Außerdem wurde die Wehr nur noch nach der Kleinen Jägerstr. 3/4 gerufen, sodaß nach den Anstrengungen der letzten Tage die Mannschaften sich ausruhen konnten. Am 146. BeobachtmigSabend des„Vereins von Freunden der Treptow- Sternwarte" Mittwoch, den 20. Juli, abends 8>/z Uhr, spricht im Hörsaal der Treptow- Sternwarte Herr Dr. Jaekel' über: „Die EntwickelungSgeschichte der Erde". Der Vortragende wird die Hauptperioden der Erdgeschichte,— Gaszustand, Verdichtung, Abkühlung, Mondbildung. Entstehung des organischen Lebens, wie auch: Phasen stärkerer Abkühlung(Eiszeiten), Zukunft der Erde, behandeln. Mit dem großen Fernrohr wird von 9% bis 12 Uhr Sternhaufen im Herkules beobachtet. Ferner gelangen noch einige Geschenke sür das Museum der Treptow- Sternwarte zur Vorlage. Gäste haben Zutritt._ Vorort- f�admehten. Schöneberg. Eine äußerst zahlreich besuchte Bersammlung der Arbeiter und Handwerker sämtlicher englischen Gasan st alten Berlins und Umgegend beschäftigte sich am Montag mit der Entlassung zweier Vertrauensleute auf den Gaswerken Mariendorf. Die Ent- laffung der Arbeiter Prenzlow und Stark ist auf Grund elender Angeberei erfolgt. Eine Aenßerung, die nach keiner Richtung be- wiesen ist, soll mit Entlassung gebüßt werden i außerdem sollen die beiden„gewühlt" haben. Der Reserent Dittmer geißelte das von der Direktion beliebte Verfahren. Dasselbe stände in schreiendem Widerspruch zu den mündlichen und schriftlichen Versprechungen der Direktion, das Koalitionsrecht nicht anzutasten. In scharfen Worten wurde das Spitzeltum verurteilt, das von leitenden Personen groß- gezogen worden ist. Die Versammlung„ahm schließlich ein- stimmig folgende Resolution an: „Die heute am 24. Juli 1005 bei Obst, Schöneberg, zahlreich versammelten Arbeiter, Handwerker und Angestellten sämtlicher englischen GaSan st alten Berlins und Unigegend erblicken in der Entlassung der Kollegen Prenzlow und Stark eine Maßregelung. Aus dem Verlauf der bisherigen Verhandlungen hat sich gezeigt, daß die schriftlichen und mündlichen Versicherungen der Direktion, das Koalitionsrecht zu respektieren, nicht innegehalten werden. Daher verpflichten sich alle Anwesenden, nicht abzulassen, bis die Entlassenen wieder eingestellt werden und das Koalitionsrecht in den Betrieben der I. C. G.-A. voll anerkannt wird. Um aber zu bekunden, daß alle Wege der Verständigmia seitens der Arbeiter versucht werden, beauftragen die Versaminelten die Obmänner der Arbeiterausschüsse resp. die VerttanenSleute, noch ein- mal bei der Direttion wegen der Wiedereinstellung vorstellig zu werden. Sollte auch dieser Versuch scheitern, so wird die Ortsverwaltung beauftragt, unverzüglich weitere Maßnahmen zu treffen." Hierauf wurden zur Bildung einer Kommission sechs Kollegen aus den Werken Schöneberg, Mariendorf und Gitschinerstraße ge- wählt, die nochmals bei der Direktion vorstellig werden sollen. In Betracht kommen etwa 1200 Kollegen, die sich außer den zuletzt genannten ans die Werke Holzmarktstraße, Oberspree, Weißen- see und die Ammoniakwerke Nieder-Schöneweide verteilen. Ein Austausch von Gebietsteilen Schöncbergs mit solchen von Charlottenburg ist ein seit einiger Zeit bestehender Wunsch der städtischen Behörden Schönebergs. Zu Schöneberg gehört ein voll- ständig von Charlottenburger Gebiet eingeschlossenes, etwa 11.4 Hektar großes Gelände, das zwischen dem Schloßgarten und der Spree in der Nähe des Kochsces an der Stelle liegt, wo die Ringbahn von der Hamburger Bahn abzweigt und teils aus fiskalischem Eisenbahngelände, teils aus Wiesen besteht. Es wird „un beabsichtigt, dieses Gelände nach Charlottenbnrg umzuaemeinden, wogegen die Stadt Charlottenburg sich bereit erklären soll, einige für Schöneberg willkommene Grenzreaulierungen an der Augs- burger-, Passauer- und Geisbergstraße, sowie an der Ecke der Motz- und Kurfürstenstraße vorzunehmen, wo die Charlottcnburg-Schönc- berger Gemarlungsgrenze mitten durch das betreffende Eckhaus Hindurchgeht. Außerdem sollen Grenzregulierungen am Nollendorf- platz vorgevommen werden. Weihensee. DaS Sonn» erfest, welches die hiesigen Genossen am vergangenen Sonntag abhielten, hatte einen guten Verlauf. Zum erstenmal gelang es uns, in geschlossenem Zuge durch den ganzen Ort, soweit die Hauptstraßen in Betracht kommen, in das Festlokal einzumarschieren. Sämtliche Gewerkschaften und Arbeitervereine be- teiliaten sich mit Fahnen und Emblemen daran. Drei Musikchöre sorgten für die nötige Marschmusik, unterstützt von de» Gesäugen der einzelnen Gesangvereine. Die den Festzug bewachenden Polizei beamten waren zum Nichtstun verurteilt, den» alle notwendige Obacht in bezog auf Ordnung und Verkehrsstörung regelten die freiwilligen Ordner, denen gern Gehör geschcnki und Folge geleistet wurde. So kam eS. daß die Gendarmen Gewehr bei Fuß den Zug betrachteten und dann mit der„Elektrischen" wieder vorauffuhren. Die Spießbürger saßen in ihren Kneipc oder beobachteten ans der Straße den imposanten Festzug, den sie selbst auf 4000 Beteiligte schätzten. DaS Wahlrn, recht, welches die Vereinigte Bürgerpartei bei der Gemeindevertreterwahl im vorigen Jahre ausübte, hat nun wenigstens in etwas seine Sühne gefunden. In der zweiten Wählerabteilung spielen, wie wohl überall, die Vollmachten(Papierstnnmen) eine Hauptrolle. Die reaktionäre Landgemcindeordnung läßt es z». daß Besitzer von Ländereien und Grundstücken, die außerhalb der Ge- meiude wohnen, ein Stimmrecht zur Gemeindevertretung haben, und diese erteilen irgend einem Eingesessenen die Vollmacht, die Stimme ab- zugeben. Eine solche Stimmenabgabe unterliegt jedoch der Stempel- stenerpflicht und zwar je 1,50 M. Hierorts hatte» nun die Ver- einigten Bürgerparteiler sich mit einer ganzen Anzahl solcher Voll- machten versehen und gaben sie, ohne den gesetzmäßigen Stempel, an den Wahlvorsteher ab, der diese am Schluß des Wahlakte» zur Anszählmig bringen sollte. Als dann die Bereinigte Bürgerpartei sah, daß sie auch ohne die Papierstimmen den Sieg über die sozial- demokratischen Kandidaten davontrug, zogen sie die der Stempel- stenerpflicht unterliegenden Papierstimmen zurück. Und das wieder- holte sich, da am gleichen Tage eine Ersatz- und ErgänzunaS- wähl stattfand. Gegen dieses Manöver protestierten unsere Genosse» in der Gemeindevertretung und forderten den Amtsvorsteher, der auch als Wahlvorsteher fungierte, auf, gegen diese Aesctzesverletzung die Untersuchung einzuleiten. Nach wiederholtem Anfragen kam endlich der mündliche Bescheid, die Vollmachten seien unter Borbehalt der Zurücknahme abgegeben, somit liege eine Stempelsteiurhinterziehuiig nicht vor. Genosse Schmutz als Wähler der zweiten Abteilung wandte sich nun mit einer Beschwerde direkt an das königl. Hauptsteueramt, und erhielt in einem Schreiben vom 28. Juni 1005 folgenden Bescheid: „Ans das an den Herrn Provinzialsteuerdirektor Hierselbst ge- richtete Schreiben vom 12. Juli v. I., welches un» zur Wciter- verfolgnng der Sache abgegeben, erlmdern wir Ihnen, daß Ihrer Anzeige Folge gegeben und unter Nacherhebung der Stempel eine Bestrafung der verschriebenen Stempelschuldner dem Gesetze gemäß stattgefunden hat, soweit sie noch zu ermitteln waren." Nach den eingezogenen Erkundigungen sind die beiden Wahl« Vorsteher und der zur Stimmenabgabe berechtigte Eingesessene mit je 9 M. in Strafe genommen worden. Die Ermittelungen sind daher nicht bedeutend gewesen und ist auch Genosse Schmutz von der Steuerbehörde niemals vernommen worden. Friedrichsfelde. Zu dem kürzlich gemeldeten Fall betreffs Unterbringung einer Schwerkranken in ein Krankenhaus können wir»och melden, daß die bedauernswerte Frau verschont blieb, nochmals von einem Kranken- Hause zum anderen gefahren zu werden, denn sie ist im hiesigen Armenhause gestorben. Wie ans zuverlässiger Quelle bekannt wird, wäre es wohl möglich gewesen, die Frau im Rummelsburger Krankenhause unterzubringen, doch scheint die Betreffende der Krankenhansverwaltung nicht„fair" gewesen zu sei». Es erfolgte also die Losung: Alles besetzt! Die ganze Angelegenheit bedarf noch weiterer Aufklärung. Besonders wird auf den früheren Be- gleiter der Frau, einen Topfflechter, gefahndet. Wilmersdorf. Ein Maffendicbstahl von Jnvaliditäts-Quittungskarten ist auf dem Neubau zu Wilmersdorf Kurfürstendamm 179 ausgeführt worden. Die Ouittungskarten. 28 an der Zahl, welche den ans dem Bau beschäftigten Bauarbeitern und Maurern gehörten, waren in dem Raum der sogenannte» Baubude, welche dem Baulcitenden, Polier F. Schmidt, zum Ausenthalt dient, aufbewahrt. Die Diebe sind in der Nacht in die Baubude, die ebenso wie der Neubau un» bewacht war, eingebrochen und haben nicht bloß die Jnvaliditäts karten, sondern auch dem Polier gehörige Kleidungsstücke gestohlen. Auch haben sie sich an dem in diesem Räume untergebrachten Bier, Schnaps und Zigarren gütlich getan. Von den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur. Ts wäre nicht nur in» Interesse der Bauarbeiter, sondern auch im allgemeinen Interesse sehr wünschenswert, wenn die Diebe, die offenbar mit diesen gestohlenen Karten viele Gaunereien verüben wollen und manchen ehrlichen Namen schänden können, recht bald ermittelt würden. Bestohlc» wurde in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend der in der Mchlitzstraße 0 wohnende Zimmerer Karl Ullrich. Dem Spitzbuben fielen 300 Mk. bares Geld in die Hände. Einen Anzug, den er schon eingepackt hatte, ließ er liegen. Spatidau. Ein seltenes Schauspiel bot sich den erstaunten Philistern hiesiger Stadt am Sonntag, als die Arbeiter-Turn-, Gesang- und Radfahr» vereine des ganzen Wahlkreises PotSdam-Osthavelland in überaus stattlicher Anzahl ihren— zun, erstenmal von der Polizeibehörde genehmigten— öffentlichen Aufzug veranstalteten. Den Reigen er- öffnete unsere„leichte Kavallerie" in einer Anzahl von etwa 400, es folgten die„MnSkel-Athleten" in ihrer kleidsamen Tracht, unter ihnen die Damenabteilimg des Veltener Turnvereins, allgemeines freudiges Auffehen erregend. Den Zug beschlossen die„Lungen-Athleten" (Sänger), deren Zahl auch etwa 400 betragen mochte. Drei Musik- kapellen lind acht Banner besorgten das übrige, um den Neid der ehrbaren Spießer, die bisher das Recht zu öffentlichen Auszügen als ihr Privilegium bettachtet hatten, zu erwecken. Die Zahl der Zu- schauer zählte nach vielen Tausenden. Die Polizei hielt sich in respektvoller Entfernung, sie war auch absolut überflüssig, denn die eigenen Zugordner sorgten schon dafür, daß alles glatt von statten ging. Erstochen aiifgrfimde» ivurde Montag früh in der Schützenstraße der Arbeiter Lüdicke. Ein Messerstich hatte das linke Auge verletzt und war bis ins Gehirn gedrungen. Offenbar war eine Streittgkeit vorangegangen. Im Garnisonlazarett, in das Lüdicke gebracht wurde, konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Ober-Schöneweide. Einem längst cinpftmdenen Uedelstande ist jetzt Abhülfe geworden. Eine Bckaiintmachnng des Amtsvorftchers besagt, daß ans Anlaß einer Beschwerde die Lokalinhaber an der Obcrspree der Dampf- schiffahrtSgejellschaft„Stern" gegenüber die Verpflichtiing eingegangen sind, den Fahrgästen stets ungehinderten Zu- und Durch- gang zu den Schiffen freizuhalten. Hoffentlich soll damit auch gesagt sein, daß die Fahrgäste— wenn sie Sonntags die in Frage kommenden Orte erreichen wollen— nicht mehr gezwungen werden, das manchmal recht hohe Eintrittsgeld in den betr. Restaurattons- garten, in dem die Dampferstation liegt, bezahlen zu müssen.— Der Landratamtsverwalter hat die noch inimer sür den Fahr- verkehr gesperrte Treskowbrücke besichtigt und steht zu hoffen, daß dem leidigen Zustande baldigst ein Ende bereitet wird. Friedrichshagen. Der Unglücksfall in FricdrichShagen, woselbst, wie bereits ge- meldet, in dem Hanse Rahnsdorferstr. 2 die beiden drei resp. vier Jahre alten Töchter des Handschuhmachers Mische aus dem Fenster stürzten, ist glücklicher verlaufen, als eS nach der ersten Meldung den Anschein hatte. Das ältere Mädchen hat»nr eine Verstauchung beider Fußgelenke, das jüngere Hautabschürfungen ani Kinl, und an den Knien erlitten. Beide Kinder befinden sich außer Lebens- gefahr. Ii» der Generalversammlung des Arbeiterbildungsvereins gab der Borsitzende den Jahresbericht. Es haben stattgefmiden zwölf MonatSversammlungen; außerdem 15 Vorstandssitzniiaen. Die Zahl der Mitglieder hat sich um 123 vermehrt. Die Kasse ergab einen Barbestand von 59.03 M. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt. Die Vereinsbibliotbek verausgabte im letzte» Jahre 294 Bücher Der Bestand der Bibliothek ist um 64 Bände vermehrt worfle* Hiervon wurden 54 angekauft. 10 Bände wurden als GchchoK� überwiesen. Die Vorstandswahl ergab folgendes Resultat: 1. Vorsitzender K a r o s s a t; 2. Vorsitzender Korsika; Kassierer A I b e r i Schulze; 1. Schriftführer K ö r b e r; 2. Schriftführer P o r n r tz;! Beisitzer wurden R ü h l und Bögge; Revisoren Max Grau, W e r k m a n n und Hinze: Mitglieder der Bibliothekskommission:' Art n r Sonnenburg, Lemke und B o r ch a r d. Aufgenommen wurden K neue Mitglieder. Ein Anttag deS Vorstandes, den Namen des Vereins in„Sozialdemokratischer Wahlverein für Friedrichs Hägen und Umgegend" umzuwandeln, wurde nach kurzer Erörterung mit großer Mehrheit angenommen. Die nächste Versammlung de» sozialdemokrattschen Wahlvereins findet Sonnabend, 19. August, im Bereinslolal statt. Reinickendorf-West. Der Gcmeindevertreter Genosse Ohl berichtete in der letzte» Wahlvereinsversammlung über Gemeindeangelegenheiten. Mit dem rapiden Anwachsen der Gemeinde hätten sich die AmtSgeschäfte der» maßen gehäuft, daß mit Zustimmung unserer Genossen die An» stellung eines Juristen mit einem AnfangSgehalt von 5090 M. als besoldeter Schöffe beschlossen wurde. Zur Schillerfeier wurde den Schülern der oberen Klassen ein Gedenttmch überwiesen. Ein Antrag de» Paul GerhardtstiftS zwecks Steuerfreiheit eines Grundstücks auf Reinickendorfer Gebiet wurde abgelehnt, daftir aber genanntem Institut 150 M. als Beihülfe gewährt. Zugestimmt wurde ferner einem Antrage, einen Landkomplex von 181 Morgen zum Preise von 160 000 Mark zu erwerben, um durch Ausschaltung der Privatspekulation dieses Terrain der Ge» meinde zu erhalten. Nachdem erst jüngst das Schulhaus in der Auguste Viktoria-Allee fertig geworden, ist bereits ein weiterer Schnlhausbau notwendig, und wurde dafür die Summe von 205000 Mark bewilligt. Dagegen wurde da» Realgymnasium von unserer Seite abgelehnt. Ein größerer Betrag wurde für Lungenheilstätten bereit gestellt. Einem Antrage, die Burcauzeit der Gcineindebeamten auf 7 Stunden zu verkürzen, wurde von unserer Seite mit Erfolg ein Antrag ans Fcrieunrlaiib der Gemeinde-Arbeiter gegenübergestellt. An der äußerst regen Diskussion beteiligten sich die Genossen Glamann, Teivs, Monkowski, Wolff und andere. Hierbei wurden verschiedene Mißstände der Kritik unterzogen, auf deren Abstellung die Genossen in der Gemeindevertretung hingewiesen wurden. Genosse Schilling ergänzte noch in einigen Punkten den Bericht des Referenten.— Unter Verschiedenem wurde zur Ueber- wachuna der sanitären Verhältnisse, welche hier im Westen teilweise jeder Beschreibung spotten, eine Gesundheitskommission von fünf Personen gewählt. Weiter wurde beschloffen, am Sonntag, den 13. August, bei Otto, Berlinerstraße, das diesjährige Sommerfest für den Wahlverein zu feiern und ein Komitee mit den Vorarbeiten hctraut. Rowawes- Neuendorf. „Aommunalpolitii" lautete das Thema, das Stadtverordneter Wollermann-Schöneberg in der in Neuendorf stattgehabten öffenk» lichen Wahlvercinsversammlung behandelte. Redner legte in an- schaulicher Weise die Forderungen dar, die die Sozialdemokratie an die Gemeinden stellt, und zeigte an treffenden Beispielen, wie wenig die heutige Zusammensetzung der Gemeindevertretungen geeignet ist, die sozialen Bedürfnisse der Einwohner zu erfüllen. Wenn es auch bei dem jetzigen Wahlrecht unwahrscheinlich sei, daß wir in den preußischen Gemeindevertretungen die Majorität in absehbarer Zeit erringen, so sei es der Sozialdemokratie doch schon heute möglich, einen bedeutenden Einfluß in den Gemeinde» Vertretungen auszuüben, wenn die Arbeiterschaft ihrer Pflicht nach» komme und sich zahlreich an den Gemeindevertreterwahlen be» teilige.— Nach einer kurzen Diskussion, in der u. a. Genosse Gruhl erklärte, daß der WahlvercinSvorstand beschlossen habe, fortlaufend Versammlungen in Neuendors abzuhalten und die An, wesenden ermahnte, für zahlreichen Besuch derselben zu agitieren. wurde die Versammlung geschlossen. Vermilckres. Ein neues, schweres Eisenbahn-Unglück wird aus Waiden» bürg in Schlesien gemeldet: Im Kilometer 320,35 der Strecke Ruhbank-Wittgendorf wurde am 23. Juli d. I. nachts 11 Uhr auf dem Ueberwegc von Gießmaunsdorf nach Hartmannsdorf ein von ersterem Orte kommendes Fuhrwerk mir zehn Personen von einer von Wittgendors nach Ruhbank leer fahrenden Maschine erfaßt, wobei drei Personen schwer und sieben leicht verletzt worden sind. Die Schwerverletzten wurden alsbald in das Krankenhaus nach Landshut gebracht. Die Schuld an dem Unfall trifft den Schranken, Wärter, welcher die Schranken nicht geschlossen hatte. Brennende Petroleumqucllen. Aus New Jork wird unterm 25. Juli gemeldet, daß ein ungeheurer Brand in der Nähe der Stadt A u st i n, im Staate Texas, wütet, und zwar in dem Ge, biet, wo sich die Petrolemnquellen und die großen Pcttolenm- reservoirs befinden. Die Quellen sowie die Reservoirs stehen in Flammen. Ein Flächenranm von über zwei Quadratkilometern! bildet ein Flammenmeer. Der angcrichtiete Schaden ist noch nicht vollständig zu übersehen. Man weiß aber bereits, daß 3 000 000 Fässer Petroleum vernichtet sind. Zwanzig Personen sind in den flammen umgekommen. Fünfzig Personen erlitten gefährliche Brandwunden. Ein weiteres Telegramm besagt: London, 25. Juli. Wie aus Houston wird, schlug der Blitz in 11 große Oeltanks, die Zwölf Personen sind verbrannt und Hunderte Hütten zerstört sind. Das gelbe Fieber. New Orleans. 24. Juli Wie mnt. lich bekannt gegeben wird, sind hier am gelben Fieber 17 Personen erkrankt und S gestorben._ (Texas) gemeldet dann ausbrannten. obdachlos, da die (14.29). geringe 14.19(13.49). 15,49(14,59), geringe 14,49(13. Hase, i.69). Berliner Marttpreise.(Ermittelt vom Polizei. Präsidium.) Fnttergerste, gute Sorte, 1 Doppelzentner 15,89(15,99), mittel 14,90 ser, gute Sorte 16,49(16,59), mittel ■_ P frei Wagen und ad Bahn. Erbsen, cibc. zum Kochen 49,99(39,99). Spcisebohnen. iveitze 59,09(30,00), Linse» 60,90(30,09), Kariusiel» 11,00(6,99) Rindfleisch, von der Keule, 1 Kilo» gramm 1,89(1.49). Rindfleisch, Bauchfleisch 1,59(1.29), Schweinefleisch 1,80 (1,39), Kalbfleisch 2,20(1,20), Hammelfleisch 1,80(1,40), Butter 2,80(2,20). Eier(60 Stück) 4,00(3,00). Karpfen. 1 Kg. 2,00(1,40), Aale.......' Zander, 1 Kg. 8,50(1,40), 3,00(1,20), Bleie 1,60(0,80), sechie 2,80(1,40), Barsche 2,00(1,00), Krebse(60 Stück) 20,00(3,00.) r 2,80(2,20), : 3,00(1,60), ,00), Schleie BSttiernngSüberflcht vom LS. Juki ISVS, morgens« Uh«. Stationen 5 Weiler Swinemde. Hamburg Berlin Frankj.a.M. München Wie» WNW 761 NW 760 NW 764 N 764 NW 757 NW 3 Regen 3 bedeckt 4 bedeckt 3 bedeckt 3 bedeckt 3hcttcr rfES i» H& Stationen i§ it T taparanda�760 SO etcrsburg 755 O Scllly Aberdeen Pari» 765 W 759 WNW 765 NO Setter »K c« tzä HS. 2 halb 65. 1 bedeckt 2 Nebel 2wolkig Iwoikenl 20 IS 17 16 1« «Vetter-Prognoie für Mittwoch, den S«. Jnli 1iM)S. Etwas wärmer, zunächst ausklarend bei mäßigen südwestlichen Winden: später wieder zunehmende Bewölkung und leichter Regen. Berliner Wellerbureau. Waflerstand am 24. Juli. Elbe bei Aussig— 0,24 Meter, bei Dresden— 1,63 Meter, bei Magdeburg 4- 0,91 Meter.— Unstrut bei Strausilurt 4- 1,15 Meter.— Oder bei Ratibor 4- 0,04 Meter, bei Breslau Ober-Pegel 4- 4,78 Meter, bei Breslau Untcr-Pegel— 1,48 Meter, bei Franksuri 4- 1,41 Meier.— Weichsel bei Brahcmünde 4- 2,43 Meter. ' a r t h e bei Posen— 0,14 Meter.— N e tz e bei Usch 4- 0,65 Meter. «erwttw. Redakteur: Baut Büttner. Beilw. Siit de» Inseratenteil verantw.: Tb. Glscke. Berlin. Druck u.«erlag:PorwSu» lvuSdrulkerei u. Perlagkanstalt Kau! Zmser& Co.. Berlft, S3M