Nr. 175. Abonnements- Bedingungen: abonnements Preis pränumerando Bierteljährl. 8,30 t., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Belt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Post- Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Erideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 40 Pfg. für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 25 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebructe) Bort 10 Pfg., jebes weitere Bort 5 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr bormittags geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. neu Sonnabend, den 29. Juli 1905. " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Soldatenquälers Auferstehung. ans wollten auf Vorstellungen hin nicht einsehen, daß ihren russische Staatsangehörige irgend welche Handlungen zu unterKinderschuh. Kindern das Tummeln in freier Luft dienlicher sei als solche nehmen geneigt sein können, die sich gegen das Deutsche Reich und Arbeit. Vielfach wurde die Einhaltung der gesetzlichen Be- seine Verfassung richten. Für die russischen Revolutionäre ist Den wichtigsten Teil der diesjährigen Jahresstimmungen von den Unternehmern zugesagt, aber nicht ein- immerhin das Deutsche Reich mit seinem allgemeinen Wahlberichte der sächsischen Fabritinspektion gehalten. Gelegentlich der Mehrzahl der wiederholten Re- recht eher ein Vorbild als ein Feind, gegen welchen es wäre, Mittel der Gewalt vorzubereiten und bilden die Mitteilungen der neu angestellten weiblichen visionen machte sich der große Uebelstand bemerkbar, daß nötig Aufsichtsbeamten über die Einhaltung und die Kinder vom Arbeitgeber zum Lügen anzuwenden. Es handelt sich also in dem Verlangen der Scharf Handhabung des neuen Kinderschutzgesetzes. Neben den gehalten werden". Die Beamtin des Dresdener Bezirks hat macherpresse nicht darum, Deutschland gegen Konfpirationen im AusBetrieben, die ausschließlich Frauen beschäftigen, sind den Fabrit 24 2ehrer in ländlichen Ortschaften besucht, um lande zu sichern, sondern nur darum, die eigenen Staatsinspektorinnen diejenigen schulpflichtigen Rinder anvertraut von ihnen Angaben über vorhandene Mißstände zu gewinnen. angehörigen dem Staatsanwalt und dem Gefängnis zu überliefern. worden, die der Ausbeutung in der Hausindustrie überliefert Die Lehrer bewegten sich aber nur in allgemeinen Klagen Diese deutschen Patrioten sind ebenso von internationaler Freundfind. Die neuen Beamtinnen wurden vor eine ziemlich über Stinderausbeutung, berweigerten aber die Be- schaft erfüllt für den russischen Barismus wie von glühendstem Haß schwierige Aufgabe gestellt. Denn die gewerbstätigen Kinder, 3eichnung bestimmter Fälle unter dem Hin- befeelt gegen die Angehörigen des eigenen Volkes. Sie wünschen so die ihrer Aufsicht unterstellt sind, müssen in den zahlreichen weise auf die Unzuträglichkeiten, die ihnen sehr die Aufrechterhaltung der russischen Barbarei, daß sie zu diesem Zweck selbst deutsche Reichsangehörige an russische Galgen geknüpft hausindustriellen Betrieben aufgesucht werden; dazu tommt, dann in der Gemeinde erwüchsen. daß Revisionen durch weibliche Beamte selbst Leider lassen die übrigen Inspektorinnen die Entschieden- wünschen! waren, denn den bisher in Sachsen probeweise an- heit in der Beurteilung der Kinderausbeutung vermissen, die gestellten weiblichen Vertrauenspersonen stand nicht die wir bei der Beamtin des Chemnizer Bezirks beobachten können; Etwas über ein Jahr ist es her, daß über den Beutnant Befugnis zu, Betriebe selbständig zu kontrollieren. Tatsächlich ja der Zwickauer Bericht ist sogar zum Teil eine Verteidigung find, wie aus den Berichten hervorgeht, die Inspektorinnen der schrankenlosen Kinderarbeit, und die Beamtin des Dresdener aupt vom Kriegsgericht in Im wegen 59 Fällen fortgefenter vielfach bei Revisionen auf Hindernisse gestoßen. Die Be- Bezirks hält es für nötig, in ihren sonst sehr dürftigen Bericht vorsätzlicher Mißhandlungen während der Ausübung des Dienstes, amtin des Chemnitzer Bezirks berichtet, daß ihr Besuch auf haltlose Redereien darüber aufzunehmen, daß durch die ein- wegen neun Bergehen der Beleidigung, wegen sechs Vergehen der eine Reihe ,, Arbeitgeber" belustigend oder berärgernd geschränkte Kinderarbeit eine Zunahme der Sachbeschädigungen vorschriftswidrigen Behandlung, wegen zwei Vergehen der Angewirkt hat. Mehrfach waren Unternehmer selbst nach ein- und grober Unfug aller Art zu beobachten sei. Die Zwidauer maßung der Strafgewalt und wegen eines weiteren Vergehens der bringlichen Vorstellungen und Vorzeigung der Legitimation nicht Beamtin läßt nach berühmtem Muster besonders die Eltern Anstiftung eines Untergebenen zu einer mit Strafe bedrohten Handzu bewegen, die Beamtin einzulassen, bis die Hülfe der Polizei in aufmarschieren, die den Verdienst der Kinder nicht entbehren lung, die milde Strafe von neun Monaten Festung ber Anspruch genommen wurde. Der größte Teil soll jedoch Entgegen- fönnen. Dabet aber enthüllt sie ein Elendsbild aus dem hängt wurde. Nach fiebenmonatlichem fröhlichen Festungsleben auf dem Asperg wurde dem Leutnant der Rest der Strafe tommen gezeigt haben. Die bei Revisionen befragten Leben der Hausgewerbetreibenden. Es heißt: Arbeiterinnen waren befangen und mißtrauisch, weil sie mit Für diese( die Hausgewerbetreibenden der Korbwaren nachgesehen. Aber ihn wieder in der Armee zu verwenden, der Mission der Inspektorin nicht vertraut waren. Die größten industrie) ist die Durchführung der Bestimmung des Kinderschuß- trug man in Württemberg Schen; er wurde mit schlichtem Abschied Schwierigkeiten waren aber bei den kleinen Hausindustriellen gesetzes von weitgehender Bedeutung, da gerade die Korbflechter bei entlassen. Es stand zu erwarten, daß er die Zahl der Weinreisenden, der niedrigen Bezahlung der Arbeit die Kosten des Lebensunterhalts Versicherungsagenten usw., die sich ja zum Teil aus verkrachten zu überwinden, die oft nur mit den eigenen Kindern arbeiteten. taum würden bestreiten können. So gibt es finderreiche Korb- Offizieren rekrutiert, um ein schätzbares Mitglied vermehren werde. Es zeigte sich hier, daß die meisten Hausgewerbeflechterfamilien, deren einzige Stube als Wohn-, Aber die Vorsehung hatte es anders mit ihm beschloffen. Die treibenden noch keine Ahnung von den neuen Arbeits- und Kochraum benutzt wird. Die Möbel be- Gnade des preußischen Kriegsministeriums leuchtete ihm, wie Kinderschuhgesehen und von den Befugnissen der standen aus einem Tisch, zwei Schemeln für Vater und Mutter folgendes von der Ulmer 8tg." veröffentlichte Aftenstück zeigt: Dame hatten, die sich ihnen als Beamtin der Gewerbe-( die Kinder hockten bei ihrer Arbeit auf der Diele), einer DfenInspektion vorstellte. Aber auch viele Gemeinde- bant und einer Wiege, in der das jüngste Kind lag. Sobald die behörden offenbarten eine rührende Unkenntnis Kinder dazu fähig sind, also schon vor ihrem zehnten Jahre, müssen sie den Eltern bei der Arbeit des neuen Gesezes. Sehr häufig waren Arbeitskarten helfen.... für Betriebe ausgestellt worden, die überhaupt keine Kinder beschäftigen dürfen. Punkt aus: " Politifche Uebersicht. Berlin, den 28. Jult. Vaterlandslos und ehrlos! Hernösand, an Bord S. M. Jacht„ Hohenzollern", den 18. Juli 1905. Haupt, fgl. Württemb. Leutnant a. D., zulegt im Gren.Reg. König Karl"( 5. Württ.), Nr. 123, in der Preuß. Armee mit Patent vom 7. Februar 1900 als Leutnant d. R. des Rhein. Train- Bat. angestellt und vom 1. Aug. 1905 ab auf 1 Jahr zur Dienstleistung bei diesem Bataillon kommandiert; während dieser Dienstleistung ist sein Batent als vom 16. Febr. 1900 datiert anzusehen. So ist der wadere Leutnant nun vollständig rehabilitiert. Die Refruten Preußens sollen die erzieherische Tätigkeit eines Leutnants zu verspüren bekommen, der sich in Württemberg unmöglich gemacht hat. Was Württemberg verschmäht, Preußen nimmt es mit offenen Armen auf! Der preußische Kriegsminister v. Ginem hat hoch und heilig beteuert, er werde alle Maßnahmen treffen, um die Soldatenquälereien aus der Armee zu beseitigen. Und jetzt nimmt er einen Offizier in die preußische Armee auf, der fortgesezt vorfäßliche Mißhandlungen betrieben hat und den man deshalb in einem anderen Bundesstaate als ungeeignet abgelehnt hat! Der lippesche Thronfolgeftreit. den Gegnern der Das Elend vieler Hausindustriellen ist dadurch an einem Ueber ihre Revisionstätigkeit in Betrieben mit getverb- Falle aufs neue illustriert. Es ist aber offenbar weit eher licher Kinderarbeit berichten die Beamtinnen in besonderen die Kinderarbeit gewesen, die diesen Erwerbszweig so herunterAbschnitten. Aus dem Bauzener Bezirk wird gemeldet, daß gebracht hat, als daß diese Schilderung ein Beweis gegen die der Bestimmung des Kinderschutzgesetzes, wonach fremde Kinder Notwendigkeit des Kinderschußes wäre. Die Berichterstattung über 12 Jahre außerhalb der Schulferien nicht über drei der sächsischen Fabrikinspektoorinnen über den Kinderschutz aber Stunden täglich beschäftigt werden dürfen, nur sehr wider- hat deutlich gezeigt, daß der größte Teil der neuen sächsischen willig und häufig erst nach vielen unzufriedenen Aeußerungen Beamtinnen ihre Aufgabe nicht voll erfaßt haben und von Folge geleistet worden ist. Die nach§ 11 des Gesezes bor- ihnen nicht viel für die Durchführung des Kinderschutzes ergeschriebenen Arbeitskarten waren zumeist überhaupt nicht wartet werden kann. vorhanden. Die Beamtin des Bauzener Bezirks will nachteilige gesundheitliche Folgen der Kinderarbeit nicht bemerft haben, sie fügt aber hinzu: Freilich darf aber auch nicht verschwiegen werden, daß in einer nicht unbeträchtlichen Anzahl von Werkstätten, die in dumpfen und niedrigen Stuben aufgeschlagen worden Es hatte sich gezeigt, daß die Schimpfereien der Scharfmacher sind, blaffe und elend aussehende Kinder gegen die sozialbemokratischen Geldsammlungen angetroffen wurden." Im Gebiete der Chemniter für die Opfer der russischen Revolution wirkungslos Der Prozeß Hoffmann tontra Neumann, dessen Hintergrund der Streishauptmannschaft haben die Unternehmer offen erklärt, sie und aussichtslos bleiben mußten. Offiziös wurde in der„ Köln. famose lippesche Thronfolgeftreit bildete, ist gestern mit der Bera seien der Meinung gewesen, der Beachtung( oder vielmehr Beitung", wie wir mitteilten, dargelegt, daß es bei der Lage der urteilung des Angeklagten zu Ende gegangen. Neumann wurde der Nichtbeachtung) des Kinderschutzgesetzes würde keine besondere Gesetzgebung unmöglich fei, gegen die Sozialdemokratie ein- fechsfachen Beleidigung seines Widersachers schuldig befunden und zu Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die Chemnizer zuschreiten. Beamtin läßt sich sodann wie folgt über diesen Bielmehr verlangt sie nunmehr, die Gefeßgebung müffe beschuldigt und ist den Beweis für seine Anschuldigungen schließlich Die Scharfmacherei hat sich dabei nicht beruhigt. bierzehn Tagen Gefängnis und zu 550 W. Geldstrafe verurteilt. Er hatte Hoffmann des Landesverrates" aus materiellen Interessen geändert werden, daß ihr Haß gegen die deutsche schuldig geblieben. Es ist ja festgestellt worden, daß „ Die größten Schwierigkeiten bei der Durchführung des Ge Sozialdemokratie und die russische Revolution Befriedigung Hoffmann, der Bizepräsident des lippeschen Landtages, feges liegen mit darin, daß man sich allgemein zu sehr auf die finde. Die Deutsche Tageszeitung" hat erklärt: man mit Kinderarbeit verlassen und daran gewöhnt hat. Biele Arbeitgeber Biesterfelder Linie, bie zurzeit zeigen nicht einmal den guten Willen, die Kinder unter Beachtung follte meinen, daß nach dem höchst bedauerlichen Schlage, den die bie Stegentschaft des Ländchens repräsentiert, in sehr intimer der gefehlichen Bestimmungen zu beschäftigen, mögen die Vorteile Politische Strafrechtspflege in Königsberg durch daß er mit dem juristischen Sachwalter einer zweckmäßigen Aenderung ihrer bisherigen Arbeitsteilung eigene Versäumnis fich geholt hat, das Auswärtige Amt einige Wer- Weise liiert war, daß der rivalisierenden Schaumburgischen Linie, nicht einsehen und erklären hartnädig, daß gerade bei ihrem anlassung gehabt hätte, ben Ursachen dieses für das Ansehen unserer Burgischen Kammerherrn Kekulé von Strabonis feit geraumem eifrig dem Schaume Erwerbszweige, bezw. in ihren Werkstätten das Kinderschutz- Rechtspflege höchst bedauerlichen Mißerfolges nachzugehen und die gesetz undurchführbar fei.... Sier läßt sich nun die vom§ 102 des Strafgesetzbuchs geforderte Voraussetzung der Gegen fabrikant und einflußreiche Lokalpolitiker, behauptete, er habe das alles Gegen- fonspirierte. Aber wenn Herr Hoffmann, der vielvermögende StärkeFrage aufwerfen: Muß ein Erwerb, bernur auf feitigkeit schleunigst zu beschaffen. Es ist nebenbei interessant, baß als Hüter des Rechtes und der vaterländischen Interessen getan, so hat Rinberarbeit begründet ist, gefügt und gebas tonfervative Blatt ausdrücklich zugesteht, daß die Königsberger ihm das Gegenteil nicht nachgewiesen werden können. Andererseits halten werden, wenn er bei brei bezw. bierstündiger Arbeitszeit der Kinder angeblich nicht Strafrechtspflege aus politischen Gründen in Bewegung gesetzt sei. Die Forderung des Blattes wird nun bereits von zahl- mußte Herrn Neumann zugute gehalten werden, daß auch er die bestehen tann?..." Andererseits wird aber auch aus dem Chemnizer reichen Scharfmacherblättern übernommen. So schreiben die am gleichen idealen" Beweggründe für sich in Anspruch nehmen konnte und daß er nach dem Wortlaut der eigenartigen Diesseits". Bezirke berichtet, daß einige Arbeitgeber, die früher mehrere burger Nachrichten": Wir können uns dieser Auffassung nur anschließen und er- Depesche annehmen mußte, Hoffmann laffe fich als Werkzeug Kinder beschäftigten, alle entlassen und einen warten, demnächst darüber zu hören, daß entsprechende Verhand- diesseitiger", b. h. Berliner Einflüffe gebrauchen. Wenn Herr Neubarüber er nur und Neus Arbeiter dafür eingestellt haben, und sie seien lungen mit Rußland eingeleitet sind. Es handelt sich bei der Ver- mann gleichwohl zu bierzehn Tagen Gefängnis verurteilt wurde, so mit der Aenderung zufrieden gewesen. Andere Unternehmer hinderung bez. Bestrafung der offenen Unterstützung der russischen mag er fich für seine patriotischen" Wallungen übel belohnt sehen haben zugegeben, daß die Kinder bei drei- und Revolutionäre durch deutsche Staatsangehörige nicht bloß darum, die sozialdemokratische Presse, die daran gewöhnt ist, für ihr vierstündiger Arbeitszeit, biel eifriger und eine feindliche Handlung gegen Rußland zu inhibieren, sondern Vertreten ganz anderer Interessen mit ganz anderen Strafen aus. arbettsfreudiger feien, und behaupten, daß einige bor allen Dingen barum, zu vereiteln, daß die Sozialdemokratie gezeichnet zu werden, bermag für sein winziges Märtyrertum nicht Kinder in drei Stunden dasselbe leisten wie ihren Zweck erreicht, den sie bekanntlich in der Rückwirkung ihrer allzuviel Bewunderung aufzubringen. Revolutionsmache auf den durch ihre Agitation leider nur schon borher bei fünfstündiger Arbeitszeit." Beklagt Der Prozeß bot überhaupt für die breite Deffentlichkeit herzlich zu fehr unterwühlten Boden der Gefeßmäßigkeit in Deutschland wird von derselben Beamtin, daß die Tätigkeit der erblidt. Es handelt sich also nur um deutsches Interesse ersten wenig Interesse. Der ganze Thronfolgeftreit, aus dem der Prozeß Laufburschen bei Botenfuhrleuten, die oft Ranges, welches gebietet, die Gegenseitigkeit mit Rußland und erwuchs, hätte kaum mehr als ein paar satirische Glossen über die zu schwerer Arbeit benutt werden, der damit die Möglichkeit herzustellen, gegen die Sozialdemokratie hinlänglich bekannte und täglich durch weit drastischere Borkomm Kontrolle durch die Eigenart ihrer Tätigkeit ganz entzogen einzuschreiten." nisse illustrierte politische Rückständigkeit und byzantinische Arm feien. In einer Strumpfwirferet des Chemnizer Bezirtes wurden fünf Kinder im Alter von 6-8 Jahren, mit Umwenden und Legen von Strümpfen beschäftigt betroffen, Sie arbeiteten brei bis viermal in der Woche von 1 bis abends 8 Uhr und erhielten für die 6% stündige Arbeitszeit zwei Pfennige Tagelohn. Die Eltern dieser Kinder " Es ist der Gipfel der ehrlosen Vaterlandslosigkeit, den die konseligkeit unser deutschen Berhältnisse verdient, wenn nicht die Nomintener fervative Reaktion mit dieser Forderung erreicht. Die Unmöglichkeit, Depesche wiederum das impulsive Temperament und die selbstbewußte gegen deutsche Reichsangehörige vorzugehen, liegt bekanntlich darin, Energie Wilhelm II. gegenüber seinen minder mächtigen Bettern bewiesen daß die russische Gesetzgebung nicht die Gegenseitigkeit garantiert. hätte. Das Kaiser- Telegramm nahm in der mindestens strittigen Frage Nun hat Deutschland selbstverständlich nicht das allergeringste der Regentschaftsnachfolge in schroffer Form Partei, Partei für einen Interesse an dieser Gegenfteit, weil es ausgeschlossen ist, daß dem Kaiser verschwägerten Thronprätendenten. Kein Wunder, daß Man befürchtet, die bie Anhänger der Biesterfelder, argwöhnten, daß allerlei Berliner| Tatbestand mitgeteilt, den der„ Vorwärts" vermißt. Natürlich be- I worden. Es herrschte eine tropische Hitze. Einflüsse geltend gemacht würden, um die Ansprüche der von ihnen steht die Fälschung von Anfang an darin, daß die gesamte Dar- Soldaten hatten zu wenig Nahrung aufgenommen, und infolgedessen als angestammt" betrachteten Linie zu benachteiligen. Das Be- legung des Münchener Artikels über die Rechtlosigkeit des Volkes war ihre Widerstandskraft geschwächt. Die hiesige Bresse verlangt kanntwerden der seltsamen„ Diesseits"-Depesche schien diesen Argwohn und des Reichstages in den größten Fragen der Politik unterschlagen Aufklärung von unterrichteter Stelle. zur Gewißheit zu machen. Denn daß der Hauptverfechter der Schaum- worden war. Zum Beweise, daß es nicht gefälscht habe, wiederholt das Blatt heute dieselbe Fälschung. bleiben tein Mensch seine komische Wichtigtuerei mehr ernst nehmen wird. " Dann sagt die„ Tägl. Rundschau": burgischen Erbfolgeaufprüche, Herr Kekulé von Stradonitz, unter dem Ein Scharwerksjunge als Majestätsbeleidiger. Wörtchen, Diesfeits" etwas anderes verstanden wissen wollte, Am 26. Juli stand der Scharwerker Hermann Tollkühn aus als, in der Wilhelmstraße", konnte nach dem Kaiser" Diesen Erguß, von dem der„ Vort."( in Nr. 173, 2. Seite, Bigelshöfen vor der Königsberger Straffammer, um sich telegramm nicht leicht jemand annehmen. Dieser Argwohn, daß 1. Beile) schrieb, daß er„ eher zu milde" zu nennen sei, haben wegen Majestätsbeleidigung zu verantworten. Der Angeklagte Herr Kekulé nicht im Namen seiner sehr beiläufigen Person, sondern wir als eine neue sozialdemokratische Beschimpfung des Heeres, selbst sowie der Staatsanwalt beantragten Ausschluß der im Auftrage eines Gewichtigeren depeschiert habe, ist ja nun durch die an Gemeinheit alles Bisherige übertrifft", bezeichnet." Deffentlichkeit. Der Gerichtshof lehnte aber die Anträge ab. Die feine ganze eidliche Aussage zerstreut worden. Herr Kekulé hat die indem sie sagt, der„ Vorwärts" habe„ diesen Erguß", nämlich den anderen Scharwerkern auf dem Felde zusammen gearbeitet habe. Da " Rundschau" unternimmt den neuen Betrug ihrer Leser, Der Angeklagte war geständig und erzählte, daß er mit mehreren eigenartige Form„ diesseits" nur angewendet, um fünf Pfennige von ihm zitierten Pasius, in dem die schnöde Behandlung der Sol- habe einer erzählt, daß die deutsche Kaiſerin die Treppe HerunterGebühren zu sparen beileibe nicht, um seiner" Information" daten mit der Behandlung des Schlachtviehes in Vergleich gesetzt ist, gefallen sei und sich dabei einen Fuß verletzt habe. Er habe darauf den täuschenden Schein der höheren Inspiration zu verleihen. eher zu milde" befunden. Das Blatt versucht durch genauen das gesagt, was ihm zur Last gelegt werde. Dabei habe er sich aber nichts Inwieweit er durch diese Unvorsichtigkeit auf die weltbewegenden Hinweis auf Seite und Zeile, wo das Wort„ cher zu milde" Böses gedacht, sondern die Worte seien ihm nur so in scherzhafter Aktionen des lippeschen Landtages eingewirkt hat, mag dahin gestellt bei uns gestanden hat, den Anschein besonderer Sorgfältigkeit Weise entfahren. Der Staatsanwalt wollte die Freveltat mit jedenfalls wird er aber das erreicht haben, daß fünftig milde" in feiner Weise zu dem von der„ Rundschau" zitierten Baffus aber nur" auf zwei Wochen Gefängnis. Die Strafe, so hieß und Ehrbarkeit zu erwecken. In Wahrheit ist das Wort„ eher zu zwei Monaten Gefängnis gefühnt wissen. Der Gerichtshof erkannte lippeſchen Sulzeffionstrieges a ausgesprochen worden, was ganz unnötig gewesen wäre, da der es in der Urteilsbegründung, sei deshalb so milde" bemessen, Lippeschen Sutzeffionskrieges als geschlossen gelten. Die Entscheidung geschrieben: Damit tönnen die Atten über diese denkwürdige Epiſode des Artikel so deutlich und scharf gesprochen hat wie möglich. Wir haben weil der Angeklagte bei Begehung der Tat noch nicht ganz das strafmündige Alter gehabt und auch ein reumütiges Gedarüber, ob ein Biesterfelder oder ein Schaumburger die Krone des ständnis abgelegt habe. Alsdann erklärte der Vorsitzende, daß bei Fürstentümchens zu tragen für würdig befunden wird, soll bauernd guter Führung die Möglichkeit für seine Begnadigung nicht allerdings erst noch fallen. Das Reichsgericht wird den wichtigen ausgeschlossen sei. Entscheid zu fällen haben, ob die selige Modeste von Unruh von adeliger und ehelicher Abkunft war oder nicht. War ihr Vater in der Tat ein Sproß illegitimer Zärtlichkeit, so dürften die Tage der Regentschaft des derzeitigen Regenten, des Grafen Leopold, ge= zählt sein. Das lippesche Volt muß dann zusehen, wie es seine ,, Vaterlandsliebe" zugunsten des Schaumburgers revidiert. Sein beschränkter Untertanenverstand muß sich schlecht und recht damit abfinden, daß zwar seinerzeit der Vater des Grafen Leopold trotz des plebejisch roten Blutes seiner Ahnfrau der Regentschaft und der Thronfolge für würdig erklärt wurde, nicht aber Graf Leopold selbst. tages in Demut ersterben" läßt! Eine Friedensrede. unternommen wird. " " Die Tägliche Rundschau" erhebt besonderen Anspruch auf nationale Gesinnung". Sie würde den Anspruch als Der schweizerische Bundesrat hat mit anerkennenswerter berechtigt erwiesen haben, wenn nationale Gesinnung sich nach der Promptheit die Protokolle und Beschlüsse der im Mai in Befähigung zu Lug und Trug bemessen würde! Bern abgehaltenen internationalen ArbeiterschutzKonferenz, die 120 Druckseiten umfassen, veröffentlicht und so weiteren Streisen Gelegenheit gegeben, auch eine Rede im Wortlaut kennen zu lernen, die in der Schlußsigung der Konferenz der englische Delegierte Gunynghame, Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern, gehalten hat. Herr Cunynghame richtete seine Rede an den Präsidenten der Konferenz, den schweizerischen Bundesrat Deucher und er führte u. a. aus: " Potemkin " Säbeln andere und hieben auch Die Der Artikel der Münch. Post" ist eher zu milde zu nennen. Hätten die Schmähblätter, die über den Artikel herfallen, sich der Pflicht nicht entzogen, ihn vollständig kennen zu lernen, so würden sie gefunden haben, daß der Verfasser die bürger- Aus der Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten. Wieder hat in lichen Parteien sogar außerordentlich, wie uns Danzig ein Prozeß ein recht bezeichnendes Licht auf die Danziger scheint übermäßig hoch einschätzt. Der Verfasser Polizeipraris geworfen, dem sicherlich ein gerichtliches Verfahren erklärt in verschiedenen Wendungen, daß der deutsche Reich gegen die beteiligten Schuhleute folgen dürfte. Vor einigen Tagen tag, wenn er mitzubestimmen hätte, nimmermehr zulassen würde, wurde vor der Straffammer ein Prozeß erledigt", der schon einige daß das Volk wegen Marokko in den Krieg geschickt und hin- Wochen vorher stundenlang das Schöffengericht beschäftigt hatte. geschlachtet wird. Weil der Verfasser den bürgerlichen Parteien Vier Angeklagte mußten damals auf die Anklagebank, die sich des Reichstages das Lob spendet, daß sie das Wohl des Volkes kaum jemals vorher gesehen hatten. Verschiedene„ Straftaten" gegenüber den Künsten der Diplomatie zur Geltung bringen wurden ihnen zur Last gelegt. So sollte der Maschinenbauer Arndt würden, weil er der Volksvertretung das Recht der Bestimmung den Maler Bories in der Silvesternacht in einem Schanklokal über die Kriegserklärung zuspricht darum Näuber und Mörder!" mißhandelt haben. Der Maler Vories war aber wieder angeklagt, Vielleicht mögen ihm auch Gewissensbedenken darüber aufsteigen, gewiße Barteien des Reichstages zu günstig einzuschäzen scheint ihres Amtes" tätlich angegriffen zu haben. Dann waren rig Gher zu milde" haben wir den Artikel bezeichnet, weil er zwei Schuhleute in der rechtmäßigen Ausübung daß ja auch die würdigere Schaumburgische Linie ihren Stamm- wir haben also auch in diesem Falle etwas total anderes gesagt als zwei unserer Genossen angeklagt, weil sie in dem Lokal, wo man Bories noch baum durch Mischung mit dem minder lauteren Blute der Biesterfelder berunreinigt hat- der Schaumburger Graf Wilhelm. N." hier den Sinn der Worte richtig mitgeteilt, so wäre haben sollten. das, was die„ Rundschau" unterstellt. Allerdings, hätte die mißhandelt hatte, gemeinschaftlichen Hausfriedensbruch begangen ( 1748-1777) bergaß sich nämlich soweit, eine Biesterfelderin zu zugleich ihre erste Fälschung offenbar geworden. Ihre Leser hätten der 13 Zeugen waren geladen. Bezeichnend war ehelichen aber das hilft nun einmal nichts. schroffe Gegensatz in den Aussagen der bürgerlichen erkannt, daß die Sozialdemokratie nicht den Heldentod für Kaiser Zengen und der Schuyleute. Es stand fest, daß der Arndt Ein unsägliches Possenspiel, dieser Thronfolgeftreit der beiden und Reich" herabgezogen, vielmehr gegen diejenigen sich erhoben den mißhandelt hatte. hatte. Dann aber wurde bon lippischen Linien! Aber gleichwohl nur ein kleines Bildchen aus hat, welche das Volk und die Volksvertretung von der Ent- den bürgerlichen Zeugen auf auf das das bestimmtefte bekundet, unserem glorreichen Zeitalter deutschen Bürgerstolzes, das Berliner scheidung über das, was das Wohl des Vaterlandes erfordert, daß man Schuhleute in das Lokal geholt hat Magistratsadressen gebiert und den Präsidenten des deutschen Reichs- bes Strieges zu überliefern, der wider Wissen und Willen der Nation gezogen haben. Sie sind dann gleich auf die Gäste eingedrungen. hochmütig ausschließen und sich vermessen, die Nation dem Blutbad daß diese im Lokale ohne jeden Grund sofort blank Auf den Maler Bories schlugen sie mit dem Säbel fo ein, daß er zu Boden fiel. Sie hieben auch weiter auf ihn ein, als er wehrlos dalag. Dann fam noch ein Nachtwächter und schlug mit seinem Krückstock auf den am Boden liegenden und aus Wunden blutenden Maler ein, indem er ausrief: Ich haue dem Sozialdemokraten mit dem Knüppel über, daß Ein erbärmlicher Streich wird in dem Mittagsblatt der er berreckt. Alsdann verfolgten die Schuyleute mit, ge Berliner Zeitung" vollführt. Das Blatt veröffentlicht eine schwungenen Rorrespondenz aus Odessa, in der die gemeinste Be- selbst auf Frauen ein, die sich bereits in wilder Flucht vor den und Gäste schimpfung der tapferen Männer des vorgenommen wird. Ein Journalist in Odessa will gesehen haben, erhaltenen schweren Säbelverlegungen etwa vier Wochen im " Feinden" zu retten suchten. Der Maler Bories hat wegen der daß am 29. Juni einige Studenten und Studentinnen auf einem Serankenhaus gelegen. Nachher brachte man ihn noch auf die AnBoote zum Potemkin" gefahren und auf das Schiff gestiegen seien. flagebant, weil er die Schuyleute in der rechtmäßigen(?) Jezt erkenne er, der Journalist, in der Leiche eines Mädchens, die Ausübung ihres Amtes" tätlich angegriffen haben sollte. Die Schußleute an das Land geschwemmt wurde, eine jener Studentinnen wieder, aber famen wegen des schweren Verbrechens im Amte, dessen sie sich doch In Ihrer Heimat, wo die Berge in ihrer Umhüllung von Weise vergewaltigt worden wäre. und es sei festgestellt, daß dieses Mädchen in schimpflichster zweifellos schuldig gemacht hatten, nicht auf die Anklagebant. Einer unserer ewigem Schnee wie Engel dastehen, atmet man die den sinnigen Kombination eines anonymen Journalisten wird von der halten und sich in ärztliche Behandlung begeben müssen. Auf Grund einer solchen un- Genossen hat bei dem„ Gefecht" ebenfalls eine Handwunde erEngländern so teure Freiheitsluft. Den Engländern, habe ich vertierten Mannschaft des Kriegsschiffes" und dergleichen gesprochen. beiden wegen Hausfriedensbruchs angeklagten Genossen behauptetent, gesagt und hätte ebenso gut sagen können: den Deutschen, den Wenn in Odessa wirklich solche Gerüchte verbreitet sind, so darf man und Zeugen bestätigten es, daß fie in das Lokal gekommen seien Franzosen und jeglichem Bolte, das für die Freiheit gekämpft, mit größter Gewißheit behaupten, daß es sich um eine elende Polizei- und nach dem Anblick des blutenden Bories vom Wirt die Feſtfür dieselbe Opfer gebracht, die den unseren gleichkommen, ja sie mache handelt, durch welche die Matrofen des„ Potemkin" ver- ftellung der Täter verlangt haben. Dem ist man aber nicht selbst übertreffen. In der Schweiz wird nicht nur die Liebe zur Freiheit, sondern geneigt gemacht werden sollen, die Flüchtenden an die russische Re- so daß von einem Hausfriedensbruch gar keine Rede sein kann. Das leumdet werden sollen oder durch welche gar ausländische Staaten nach gekommen, wohl aber hat man ihnen Getränke verabfolgt, auch die Liebe zum Frieden, zum Fortschritt und zu edlem Menschen- gierung auszuliefern. tum gehegt. Einem derartig schmachvollen Bubenstück Auftreten der Schutzleute wurde von den Zeugen, sowohl von Gästen wie Unsere Regierung hat zwar geglaubt, ms die Vollmacht die Korrespondenz durch Unachtsamkeit in das Blatt gelangt ist. der Schußlente standen demgegenüber im schreiendsten Widerspruch. Sie leistet das genannte Berliner Blatt Hülfe. Wir zweifeln nicht, daß von Straßenpassanten, als ganz standalös bezeichnet. Die Aussagen zur Unterzeichnung eines Vertrages nicht erteilen zu sollen, aber Aber auch die Fahrlässigkeit in einer Angelegenheit von so großer behaupteten, niemand mit dem Säbel berührt zu haben. Sie haben ich muß bezeugen, daß sie die Gesinnungen teilt, die diese Kon- Tragweite ist überaus schlimm. Wir erwarten zuversichtlich, daß angenommen, daß die daß die Gäste im Lokal eine ferenz beseelten und daß deren Ziele auch die unserigen sind. Man hat in letzter Beit viel von einer gütlichen Berbeseitigen bemüht ist. das Blatt das durch seinen Korrespondenten angerichtete Unheil zu haltung" einnahmen, und deshalb haben sie auf alle Fälle- den Säbel gezogen. ständigung gesprochen und hat recht getan! Meine Herren, Der eine Schutzmann behauptete, daß ihn Bories ins habe. Gesicht geschlagen Beide Schußleute wozu der Krieg? Wozu die Beleidigungen, Vorbestritten, unsere Genossen und würfe und Injurien, die erhigte Gemüter nur geschlagen fliehende Es wird uns aus dem Wahlkreise noch geschrieben: Es ist ganz Frauen angegriffen zu haben. Der eine Schutzmann mußte zu geneigt sind, in der Presse und ich muß gestehen erstaunlich, welche Zähigkeit sich die bürgerliche Breffe angeeignet zugeben, daß er schon wegen Körperverletzung im Aunte vorbestraft ist. in der englischen Presse und manchmal auch in der Presse anderer hat, Tatsachen, die ihr unwillkommen sind, immer wieder Vor der Vereidigung wurden die beiden Polizisten vom Vorsitzenden Länder, einander zuzuschleudern? falsch darzustellen. Von Berichtigungen der falschen Nach eindringlich verwarnt; sie blieben jedoch bei ihren Ausunserem Lande verurteilen diese groben Zeitungsartikel, die ruhm- Nachricht aber zu wiederholtem Male. Der Ausfall der Reichstags- der eine unserer Genossen den ganzen Krawall auf dem Gewissen Glauben Sie mir, Gerr Braftbobur bennünftig, entrichten nimmt dieſe Preſſe keine Notiz, bringt dafür bie falsche fragen. Der öffentliche entläger beam all, reiche Länder Europas beschimpfen und Haß und Neid, statt nachwahl im Fürther Wahlkreise ist den bürgerlichen Parteien und habe, weil er die Schläger des Bories ermitteln wollte!! Gegen Freundschaft und gegenseitige Achtung fäen möchten. Konferenzen, wie die gegenwärtige, beweisen, daß es möglich ihrer Presse unerwünscht gekommen. Sie hatten sich von vornherein Arndt beantragte er 30 Mart Geldstrafe, gegen Bories darauf versessen, daß die sozialdemokratische Stimmenzahl zurückgegangen tatsächlich ist, verschiedener Meinung und doch Freunde zu sein, von seinem sein müsse und als das nicht der Fall war, wurde es doch so hin- auf die Beamten wegen eines tätlichen Angriffes" en Angriffes" Nächsten die beste Meinung zu haben, statt ihm böse Absichten gestellt. Trotz den jetzt amtlich vorliegenden Wählerzahlen haben den einen angeblichen Hausfriedensbrecher beantragte er ebenfalls vierzehn Tage Gefängnis. Gegen zuzuschreiben, edle Gesinnung zu pflanzen, statt sich in Egoismus es einige Blätter tatsächlich fertig gebracht, der Sozialdemokratie 14 Tage und gegen den anderen gar vier Wochen Gefäng verschanzen. Ich erinnere mich der Worte in Schillers„ Wilhelm Tell": nicht nur auch den kleinsten Zuwachs abzusprechen, sondern ihr dirett nis. Das Urteil lautete gegen Arndt- 6 Mart Geldstrafe, weil einen Rückgang an Stimmen anzudichten. Wer ist der Mann, der hier um Hülfe ruft?" und wie edel ist Beitung" druckt wieder eine Notiz der" Frankfurter Beitung" ab, weil er der Ansicht ist, daß er die Beamten nicht angegriffen habe. So Die Freifinnige er noch ohne Vorstrafe sei. Bories sprach der Gerichtshof frei, derselbe diesem Rufe gefolgt! Heute sind es die Arbeiter Europas, die um Hülfe rufen, und nach welcher der Sozialdemokratie„ die magere Zunahme von nicht hatte das Gericht also den eidlichen Aussagen des Schuhmanns von der Schweiz aus wird die Stimme ertönen, die ihnen die Be- ganz hundert Stimmen" verbleibt und daß bei einem Zuwachs von nicht geglaubt. Die beiden Genossen wurden von der Anklage 1593 Stimmen gegenüber der Hauptwahl von 1903. Wir haben wegen Hausfriedensbruchs freigesprochen. Gegen sämtliche Urteile friedigung ihrer Wünsche verspricht. unter Anführung von Zahlen diese falschen Darstellungen schon legte der Staatsanwalt unglücklicherweise noch Berufung ein. Er Möge doch die Bewegung, die sich die Besserstellung der berichtigt, das nochmals zu tun, würde die gegnerische Presse auch wollte, daß die beiden Schuhleute noch einmal- schwören arbeitenden Klassen zum Ziele gesetzt hat, fortfahren, sich aus nicht wahrheitsliebender machen. Sie will eben den so unbequemen sollten; doch es kam nicht dazu. Wieder waren zur Verhandlung zudehnen, bis zu dem Tage, wo die zivilisierten Nationen, weit Zuwachs der Sozialdemokratie hinwegignoriert wissen. Röstlich ist vor der Berufungsinstanz 14 Zeugen geladen, doch noch vor der entfernt, sich mit mörderischen Waffen zu bekämpfen, nur dafür es dabei, wie sie dem freisinnigen Kandidaten zu möglichst günstiger Verhandlung erklärte der Staatsanwalt, daß er die Berufung ringen werden, dem internationalen Brudersinne zur Herrschaft zu Stimmentwickelung verhilft. Den auf den freisinnigen Kandidaten gegen Arndt und Bories zurückziehe!! Es sollte aber doch noch gegen verhelfen. gefallenen Stimmen werden die der bürgerlichen Parteien bei der die beiden„ Hausfriedensbrecher" verhandelt werden. Doch kaum Den Wunsch des englischen Regierungsvertreters auf Hauptwahl 1903, mit Ausnahme vom Zentrum, gegenübergestellt und hatte die Verhandlung begonnen, taum hatten zwei Zeugen weiteren Fortschritt und den endlichen Sieg der inter- ihm so eine Zunahme von rund 1500 Stimmen" gutgeschrieben. Jeder eine nochmalige Schilderung der Szenen gegeben, als sich in die Wahlgeschäfte Eingeweihte, aber auch jeder Uneingeweihte, der Staatsanwalt abermals erhob und erklärte nationalen Arbeiterbewegung nehmen wir gern entgegen. daß er der das Wahlergebnis in die Hand nimmt, weiß, daß von Zentrums- auch die Berufung gegen die beiden letzten Angeklagten zurückziehe!!! Aus dem vorliegenden Protokoll ist auch ersichtlich, wie stimmen ein gut Teil auf den Freisinnskandidaten entfallen ist. Gaben da er einsehe, daß sich die Anklage gegen sie nicht aufrechterhalten Regierungsrat Scherrer- St. Gallen fonstatierte, daß die öfter- fich doch Zentrumsleute als Agitatoren für den Freifinn am Wahl- lasse. So endete diese neueste Danziger Bolizeiaffäre. Den Anreichische Regierung wegen der Frage des Verbotes des tag ber und dankte doch das Freisinnsblatt des Wahlgeklagten sind trotz der Freisprechung erhebliche Kosten entstanden. das Wort und bekreises selbst den Zentrumswählern unter Anerkennung Jetzt aber hat der Staatsanwalt abermals giftigen Phosphors zur Zündholzfabrikation die Einladung ihrer Unterstüßung. Trotz aller Kunststücke konnte der Rückgang fonders die Pflicht gegen die wirklichen Uebeltäter einJapans wünschte, der schweizerische Bundesrat sie aber ab- bürgerlicher Stimmen gegen die Stichwahl vor zwei Jahren nicht zuschreiten, damit dem Bublifum nicht noch einmal von den Schutzlehnte, weil er sich nur auf die europäischen Staaten be- wegjongliert werden, dafür muß dann die ungünstige Wahlzeit Leuten folche Szenen bereitet werden. schränken wollte. Das war ein Fehler und es hat denn auch herhalten. jezt der schweizer Bundesrat zu der in Aussicht genommenen diplomatischen Konferenz, welche Arbeiterschutzverträge abschließen soll, die japanische Regierung eingeladen. Deutfches Reich. Die„ Rundschau" der Fälschung. Die Tägliche Rundschau" erklärt bei ihrer Schweine- Fälschung zu verbleiben und fügt der bisherigen Leistung ein neues Gaunerstück hinzu. " " Fürth- Erlangen. # Wie die bürgerliche Presse an ihren falschen Nachrichten über die Sozialdemokratie haften bleibt, zeigt, daß sie immer wieder behauptet, die Sozialdemokraten hätten bei der Landtagswahl im Fürther Wahlkreise den Bauernbündlern die drei Abgeordneten als Angebot gemacht, wenn die Bündler sich bei der Reichstagswahl der Stimme enthalten. Diese Behauptung wurde schon mehrmals zurückgewiesen, die bürgerlichen Parteien und ihre Bresse sind auch nicht imstande, den Nachweis ihrer Behauptungen zu bringen, dennoch werden sie wiederholt. Hitschläge bei Egerzieren. Wir haben den Vorwurf erhoben, daß sie den Tatbestand unterAus Frankfurt a. M. wird vom Freitag gemeldet: schlagen habe, und nun behauptet sie, sie habe nicht unterschlagen, Mehrere Soldaten des 81. Infanterieregiments erlitten gestern sondern der Vorwärts" habe sie leichtfertig verunglimpft. Zum bei einer Pionierübung in Goldstein Higschläge. 8tvei von Beweise ihrer Unschuld tischt sie ihren Lesern nochmals auf, was sie schon ihnen wurden schwer trant in das Garnisonlazarett Bockenheim früher aufgetischt hatte, nämlich eben den sinnlos aus dem Zusammen- geschafft. Viele mußten mit der Eisenbahn zurück in die Garnison hang gerissenen Absatz der„ Münch. Post". Damit soll der Leser fahren. Abends wurden drei weitere Schwerkrante ins der Rundschau" betrogen werden, als habe sein Blatt den wahren Lazarett eingeliefert. Im ganzen sind etwa 100 Mann schlapp gc= " drohende Deutsche Kolonialschneidigkeit. Einen deutsch- französischen Zwischenfall im Kameruner Hinter land schildert der" Temps" folgendermaßen: In Missum- Missum hat die französische Ngoto- SanghaGesellschaft eine Faktorei eingerichtet und unter den Schutz einer Abteilung Senegalschützen gestellt, welche von einem eingeborenen Unteroffizier kommandiert wurde. Ob Missum bleibt zum Missum wirklich in französischem Gebiet liegt, mindesten unentschieden, weil eine genauere Abgrenzung nicht erfolgt ist und die Angaben der Karten sich widersprechen. Nachdem die französischen Senegalschützen sich in Missum Missum etabliert hatten, näherte sich ein deutsches Detachement unter dem Befehl des Leutnants Schönmann dem französischen Posten. Der schwarze Unteroffizier tam ihm allein entgegen, Schönmann befahl ihm, sich von Missum- Missum zurückzuziehen, worauf der französische Unteroffizier antwortete, er handele nach den ihm gewordenen Anweisungen und werde abwarten, welche Be fehle ihm die französische Verwaltung geben werde. Der Leutnant Schönmann hatte iu diesem Augenblick den Eindruck, als ob der Unteroffizier eine Bclvcgung ausführte, um von seiner Waffe Gebrauch zu macheu. Der Leutnant kam zuvor und schofi den Unteroffizier nieder. Auf das Geräusch dcS Schusses liefen die übrigen Senegalschützen hinzu. Das deutsche Detachement empfing sie, obwohl, sie die Gewehre über der Schulter hängen hatten mit einer Salve und tötete vier, während mehrere andere schwer verwundet lvurden. Erst al-Z der Verwalter der französischen Faktorei erschien und den deutschen Offizier über die Grcuzverhältnisse aufklärte, zogen sich die Deutschen zurück. Die deutschen und französischen Ne- gierungen haben daraufhin eine besondere Mission zur Abgrenzung bestellt." Der deutsche Leutnant entwickelte also nach dieser offiziösen französischen Darstellung eine S ch n e i d i g k e i t, die leicht recht verhängnisvoll hätte werden können, wenn die Opfer dieses ..Miszverständnisses" nicht schwarze Soldaten gewesen wären. Welchen Grad von Schneid mag man da erst den Eingeborenenstämmen gegenüber entwickeln!— Fälschungen ohne Ende! Kein Tag ohne eine wüste Geschichte von der Sozialdemokratie und ihrer Niederträchtigkeiten. In freisinnigen Blättern findet sich jetzt die folgende wilde Phantastik: „Berlin, 24. Juli. Zwar drückt sich der„Vorwärts" so gut es geht in Angelegenheit der bayerischen Wahlvorgänge wie die Katze um de» heitzcn Brei um die Tatsache herum, das; sich die bayerischen Sozialdemokraten um den Gewinn eines einzigen Landtagsmandats von; Zentrum haben als Vorspann benutzen lassen, aber das Zentral- organ der„Unentwegten" unterschlägt mit seinen Verlegcnheits- Phrasen von prinzipieller Notwendigkeit des klerikal-sozialdemo- kratischen Bündnisses die wahre Stimmung, wie sie überall in der Partei, und namentlich ini Zentrum, Berlin und Vororte, in allen Versammlungen zutage tritt. Das Verhalten der bayerischen Ge- nossen wird in fast allen Versammlungen auf das schärfste kritisiert und als„Verrat" bezeichnet am„Volke", und namentlich die Ge- uossen v. Bollmar und Müller, welche als bayerische Landtags- abgeordnete die Rufer im Streit gegen den Liberalismus waren, werden in einer Weise beschimpft und verhöhnt, welche erkennen läßt, daß es noch eine Nachkritik in Jena geben wird, die an Schärfe nichts zu wünschen übrig läßt. In einem Berliner Versammlungslokal, wo das Gruppenbild der sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten aus- hängt, haben empörte Genossen das Gesicht des Abgeordneten v. Vollmar mit Tinte vollständig unkenntlich gemacht und an einer anderen Stelle haben die Hände der Genossen dem Bilde desselben Abgeordneten einen Nagel durch die Stirn geschlagen. Das Geschrei der leitenden sozialdemokratischen Blätter Bayerns, namentlich der Vollmarschen„Münchner Post", gegen die liberalen„Wahlrechts- diebe" usw. findet in Rtittel- und Norddeutschland kein Verständnis. Was aber die Entrüstung im Lager der zentralen„aufgeklärten" Ge- nossen bis aufs äusterste gesteigert hat, das ist die Tatsache, dost die bayerischen Genossen, um zugunsten des Klerikalsmus ihr Wahl- recht ausüben zu können, sich massenhaft bereit fanden, den Eid auf die Verfassung zu leisten, der in Bayern gefordert wird. Man ist der Meinung, das; der Fahneneid schon eine Gewissens- Vergewaltigung sei, dafi aber der Eid auf die Verfassung eines Staatswesens, das nmzustürzen Zweck und Ziel des Sozialismus ist, der„Würde" der Partei nicht eutsVricht nnd Wahlcnthaltnng zum bayerischen Landtage das einzig Richtige gewesen wäre. Das haben seinerzeit allerdings Bebel sowohl wie Liebknecht schon 1837 empfohlen, aber Herr v. Vollmar tut, was er will mit seiner roten Herde— die bayerischen Lämmlein beherrscht er mit seiner Clique. Und der riesige Erfolg— ein Mandat mehr; die Sozialdemokratie hat ihre Mandate von 11 auf 12 vermehrt zum Nutzen des Zentrums. Der Sieg ist ihnen zu gönnen." Es bedarf für jedermann, der nur irgend etwas aus der Ge- schichte der Sozialdemokratie und von den gegenwärtigen Dingen weis;, nicht erst der Erklärung, das; in der famosen Notiz alles, aber auch alles, vom ersten bis zum letzten Wort, üppig erfundener Unsinn ist. Aber die liberalen Blätter drucken den Blödsinn behaglich nach, mir finden ihn im„Fränkischen Courier" und in der„Augsb. Abendztg." Und die edle„Freie Deutsche Presse" druckt das Zeug nach und leitet es ein mit den Worten: „Für die Stimmung gegen Herrn v. Vollmar im besonderen und gegen die bayerischen„Genossen" im allgemeinen, die in manchen sozialdemokratischen Kreisen herrscht, ist folgende Mitteilung des„Fränk. Kur." bezeichnend, die zugleich ein Schlaglicht auf den feinen Ton und die Bildung in der Sozialdemokratie wirft, von der sozialdemokratische Blätter mit Hinweis auf die„verlotterte'und verkommene Bourgeoisie" immer so viel Aufhebens machen." Die„Freie Deutsche Presse" ist gewifi nicht verlottert und vcr- kommen, beweist fiedoch ihre politische und sittliche Kraft durch tägliche Verbreitung des groteLktestcn LügenunsinnS über ihre Gegner I— /Zustand. Die BolkSalistimmung der Norweger. Unter allen Bedingungen, die der schwedische Reichstag zur Auflösung der Union gestellt hat, ist die einer Volksabstimmung oder ein ncugewähltcS Storthing nochmals über die Frage entscheiden zu lassen, diejenige, gegen die das norwegische Volk am allerwenigsten einzuwenden hat. Die norwegische Regierung hat sich auch bereits für eine Volksabstimmung entschieden und das Spezialkomitce des StorthingS hat am Donnerstagabend über den Vorschlag der Regierung beraten. In einem Privattelegramm, das wir gestern erhielten. wird die Erwartung ausgesprochen, daß das Storthing wahrscheinlich gegen etwa 10 Stimmen von der Linkenpartei den Vorschlag annehmen werde. Man sieht, daß die Regierung schnell zu Werke geht, um eine Ordnung des Verhältnisses zu Schweden herbeizuführen. Nur in einem anderen Punkte, der gewiß ebenso notwendig zu erledigen wäre, in dex Frage der künstigen Regierungsform Norwegens, unternimmt sie nichts. was der demokratischen Verfassung des Landes entspräche.„Social-Demokraten" verlangt, und der Gedanke liegt ja auch nahe genug, daß gleichzeitig eine Abstimmung über die StaatLform vor- genommen werde. ES ist sonderbar, wie innerhalb des norwegischen Bürgertums nach den Ereignissen vom 7. Juni die republikanischen Tendenzen plötzlich einem starken Glauben an die monarchische Staatsform ge- wichen sind und wie man nun den Glauben zu verbreiten sucht, die Mehrheit des Volkes sei tatsächlich monarchisch gesinnt. Selbst Fritjof Nansen hat das dieser Tage einem dänischen Blatte gegenüber erklärt und sich selbst als absoluten Anhänger der Monarchie bekannt. Man könnte, meint er, theoretisch für die Republik schwärmen, aber in der Praxis müßten sich die Norweger an das Königtum halten. Sie könnten allerdings nicht in Europa nach einem Prinzen herumsuchen und so könnte der Fall eintreten, daß die republikanische Slaatsform gewählt werden müsse. Wie uns ei» späteres Telegramm aus Kristiania meldet, hat das Spezialkomitce des StorthingS einstimmig be- schlössen, dem Storthing den Regierungsvorschlag zur Volks- abftimmung über die Unionsfrage zur Annahme zu empfehlen. Es ist selbstverständlich, daß die Volksvertretung dementsprechend be- schließen wird, und als ebenso selbstverständlich kann man voraus- sagen, daß das norwegische Volk sich mit der UniouSauflösung ein- verstanden erklären wird. Uebrigens ist es bemerkenswert, daß Schweden an Norwegen Das Verlangen nach einer solchen Volksabstimmung gestellt hat, das aristokratisch-plutokratisch regierte Schweden, das der großen Masse seines Volkes trotz jahrzehntelanger Kämpfe, trotz der Volksreichstage und Generalstreikversuche immer noch daS allgemeine Wahlrecht vorenthält; Schweden, dessen Reichs- tag aus zwei Kammern besteht, die sich in Reaktionsmache über- bieten, jetzt plötzlich das vielfach mißachtete und mit Hochmut be- handelte Nachbarvolk für reif erachtet, über eine so wichtige staatS« rechtliche Frage, wie die Lösung der 90 Jahre alten Union, u n- mittelbar, in der meist demokratischen Form, die es gibt, zu entscheiden. Die schwedische Arbeiterschaft wird sich daran jedenfalls ein Beispiel nehnien und mit um so größerem Eifer nach politischer Gleichberechtigung trachten. Ueber die 100 Millionen-Anleihe Schwedens, die eventuell zu einem Krieg gegen Norwegen dienen soll und in den Beschlüsse» des Reichstages die stärkste Konzcssion an die Mords- Patrioten bildet, ist, wie' ein Telegramm aus Stockholm meldet, bereits ein Uebereinkommcn, teils mit der schwedischen Reichsbank, teils mit einem Konsortium ausländischer Banken, der- treten durch Stockholms Handelsbank, abgeschlossen worden. Die Summe soll dem Reichsschuldenkontor in einem Jahre, vom 1. August an gerechnet, zur Verftigung stehen. Es ist wohl bei der klugen Haltung und dem Entgegenkommen, das die norwegische Regierung auch jetzt wieder hinsichtlich des Verlangens Schwedens nach einer Volksabstimmung gezeigt hat, mit Sicherheit zu hoffen, daß diese 100 Millionen Schwedens ebensowenig wie die 40 Millionen, die Norwegen beim Ausbruch des Konflikts aufgenommen hat, zu dem gedachten Zweck Verwendung finden werden. Die Niederlage König Leopold S II. Brüssel, 27. Juli.(Eig. Oer.) König Leopold hat soeben in der Abgeordnetenkammer die schwerste Niederlage erlitten, die einen konstitutionellen König treffen kann, der die Grenze seiner Befugnisse überschritt. Man weiß, mit welcher Leidenschaftlichkeit Leopold, der Koburger, seinen militaristischen Neigungen folgt, wie sehr er aus dem kleinen Staate, dessen neutrale Existenz durch internationale Verträge gesichert ist, eine Kriegsmacht zu machen bestrebt ist. Nachdem es ihm mißlungeai war, den allgemeinen Militärdienst<20 Monate Kasernendienst vom 10. Lebensjahre an) einzuführen, hat er vor einigen Monaten durch den Chef des Kabinetts einen Gesetzentwurf einbringen lassen, welcher eine Umgestaltung des Hafens von Antwerpen vermittelst gewalriger Befestignngswerke beabsichtigt. Dieser Gesetzentwurf geht darauf anS, die Befcsligungswerke von Antwerpen, die jetzt schon die Entwickclung dieser Stadt hindern, bis in die Linke der vor- geschobenen Forts z» erweitern. Er will in einem dreimal weiteren Umkreise als bisher die Stadt befestigen und ferner eine neue Linie von Forts, die weiter vorgeschoben sind, bauen, dazu ein ungeheueres verschanztes Lager, in das sich die belgischen Truppen im Falle einer feindlichen Invasion zurückzieheil können. Dieser Plan, dessen Kosten auf 103 Millionen angeschlagen werden, der aber jedenfalls, wenn man ihn durchführen würde, das Doppelte kosten dürfte, erscheint auch darum als heller Wahnsinn, weil nicht weniger als hunderttausend Mann nötig wären, um die geplanten riesigen Verteidigungswerke z» besetzen. Man kann sich denken, welche» lebhaften Widerspruch die An- kündigung dieses Projektes fand. Die ganze sozialdemokratische Partei erklärte sich sofort energisch gegen das Projekt. Die große Mehrheit der liberalen Abgeordneten folgte unserem Beispiel. Dazu kam, daß in der katholischen Partei die zahlreichen ländlichen Elemente jeder Vermehrung der Militärlasten feindlich sind und sich deshalb gleichfalls gegen die Regierung wendete». Auch in den katholischen Blättern und Versammlungen wurde der Plan und seine Begründung entschieden zurückgewiesen. Da faßte Leopold Ü. den Entschluß, einen großen Schlag zu vollführen. Am vorigen Freitag, mitten im großen patriotischen Feste zur Feier des 7öjährigen Jubiläums der belgischen Unabhängig- keit, ergriff Leopold II. gegenüber den versammelten Deputationen des Landes das Wort zu einer lebhaften Ansprache, in welcher er seinen Plan vertrat und erklärte, es sei nötig, ohne Verzug ihn in die Tat umzusetzen. Dieser königliche Theater st reich erregte die größte Ueberraschung. Er hatte zur Folge, daß wohl einige Abgeordnete und einige Blätter ihren Widerstand aufgaben, aber die große Mehrheit der Oppositionellen ließ sich nicht über- tölpeln und wendete sich in der offenherzigen Sprache, die in Belgien auch den, König gegenüber geübt wird, dagegen, daß der König sich in Dinge einmische, die ihn nichts angehen, und daß er seine Rolle als konstitutioneller Souverän besser innehalten solle. An diesem Mittwoch sollte das Projekt von der Kammer beraten werden. H c l l e p n t t e, ein fanatischer Katholik, machte sogleich den Vorschlag, den Regiernngsentwurf vollständig zu ver- tagen. Im Namen der Regierung widersetzte sich Minister Smet de Nayaer mit Entschiedenheit, aber er mußte bald erkennen, daß das Spiel verloren war und daß eine Koalition der Sozial- demokratcn, Liberalen und Katholiken bereit war, das Ministerium, wenn es auf dem Plan beharrte, zum Sturz zu bringen. Da trat W o e st e, der Führer der Rechten, als Retter des Ministeriums auf. Er schlug vor, das Projekt nicht völlig zu vertagen, sondern auf die Zeit nach den ParlamentSfericn zu verschieben. Man darf nicht vergessen, daß erst vor drei Wochen die Regierung einen solchen Vorschlag zurückgewiesen hatte, indem sie erklärte, daß er eine unmögliche Zumutung enthalte. Jetzt, um nicht völlig gestürzt zu werden, erklärte sich die Regierung für den Vorschlag Woeste, und dieser wurde von der Kammer einstimmig angenommen. Es ist unmöglich, diesen Vorgang nicht als eine blutige Nieder- läge der Regierung anzusehen. Es ist wahrscheinlich, daß Smet de Nayaer seine Entlassnng einreichen wird. Aber der eigentlich Besiegte ist König Leopold, welcher vor wenigen Tagen seinen Willen der Nation auferlegen wollte, und welcher durch eine grausame Ironie sich in demselben Augenblick von der Volksvertretung vollständig desavouiert sieht, da alle Konservativen, alle Noyalistcn ihm Verherrlichungen darbringen, die nun verzweifelt einem feier- lichen Trauerfest gleichen!—_ Oesterreich-Ungarn. Russische Spitzel in Ungarn. Die Fangarme des zaristischen Spitzelsystems umfassen, wie schon längst bekannt, so ziemlich die ganze Kulturwelt; namentlich sind russische Spitzel in Ungarnsin letzter Zeit wieder ungemein tätig. Unzählige Massen von Russen fliehen gegenwärtig dem schrecklichen Schauplatz der zanstischen Blutherrschast. Die ans Sndrußland kommenden Flüchtlinge benutzen vielfach den Wasserweg über Budapest als den günstigsten und billigsten. Selbstverständlich handelt es sich da vielfach um Flüchtlinge, die an der hochgehenden politischen Bewegung sich beteiligt haben und nun, weil die Polizei auf sie fahndet, daS Land verlassen müssen. Die russische Regierung weiß sehr wohl, daß solche Flüchtlinge, wenn sie das Knutenreich. in dem jede Regung eines freien Gedankens erstickt wird, hinter sich haben, sich gerne gehen lassen und häufig sehr vertrauensselig und mitteilsam sind. An diese drängen sich nun die russischen Spitzel als angebliche Leidensgefährten heran und versuchen von ihnen zu erfahren, welche Pläne die russischen Revolutionäre haben, ferner die Adressen ihrer Verwandten und Freunde usw. Das, was sie erfahren, berichten sie dann an die russische Polizeibehörde, die sich dann auf die in Rußland gebliebenen Opfer wirst. Ueber derartige Fälle berichtet die letzte Nummer unseres Budapester Parteiorgans, die„Volksstimme". Dort sind einige als russisch- jüdische Flüchtlinge verkappte Individuen, die sich in der oben- genannten Weise an politische Flüchtlinge heranmachten, als Polizei- spitzet entlarvt und mit einer gehörigen Tracht Prügel bedacht ivorden. Sodann wurden sie der Budapester Polizei als russische Spitzel angezeigt und mußten das Land verlassen. Eine Wahlrcform als Mittel gegen die ungarische Krise? Aus B u d a p e st wird vom 27. Juli gemeldet: Der Mini st er des Innern Kristoffy empfing heute eine Abordnung des sozialdemokratischen Partei» Verbandes und erklärte, er würdige sehr die Bestrebungen der Arbeiterschaft, ihr Los zu verbessern, und halte die Forderung des allgemeinen, geheinren Stinimrechts als eines Mittels, um ihre gesellschaftliche Lage zu verbessern, für durchaus berechtigt. Die Berücksichtigung weiterer Schichten bei der Wahlrechtsreform sei eine Vorbedingung, um wirtschaftliche und soziale Reformen unter Mitwirkung der vorwiegend beteiligten Kreise durchzuführen; gleich- zeitig würde eine solche Wahlrechtsreform die Folge haben, daß die unfruchtbaren staatsrechtlichen Kämpfe ein Ende nähmen. Der Minister fügt hinzu, er müsse betonen, daß er nicht als M i n i st e r spreche, da er als Mitglied des außerhalb der Parteien stehenden Kabinetts nicht die Macht besitze, diese Idee im Parlament zu verwirklichen. Niederlande. Gemeinbewahlen. In Haag wurde der Sozialdemokrat Ter Laon mit 2042 Stimmen in den Gemeinderat gewählt, gegen 1769 Stimmen, die auf seinen klerikalen Gegner fielen, der von einem Teil der Liberalen unterstützt wurde. Ter Laon ist der erste Sozialdemokrat im Haager Rat. Nach einem Wahlkampf, der an Schmutz seitens der Ultramon- tauen wohl daS Erreichbare bot, ist unser Genosse Van den Brink, der sozialdemokratische katholische Priester, in Breda mit 411 Stimmen seinem ultramontanen Gegner unterlegen. Selbst die Bischöfe mischten sich in den Wahlkanipf. Sein Gegner erhielt 484 Stimmen. In Snmllingerland und Veendam wurden noch je ein Sozial- demokrat gewählt.— England. Unterhaus. Bei der Beratung der Gesetzesvorlage, welche eine Ausgabe von 5 835 000 Pfund Sterling für Marinc-Bautcn ge- nehmigt, gab Zivillord der Admiralität Lee Auskunft über den Fortschritt der verschiedenen Arbeiten. Er führte aus, die Admiralität habe beschlossen, die Arbeiten in Rosyth energisch zu fördern und den weiteren Ausbau der Werft in Chatham nicht sort- zusetzen. Der letztere Plan würde eine Ausgabe von 4zh Millionen Pfund Sterling nötig gemacht haben, und die Admiralität ist der Ansicht, daß die vorgeschlagenen Erweiterungsbauten wenigstens für den Augenblick nicht nötig seien. Der Entschluß der Admiralität sei nicht das Resultat einer bloßen Meinungsänderung, sondern einer Acndcrung der Ilmstände. Die neue Politik der Regierung, un» brauchbare Schiffe aus der Flotte zu entfernen, sei die Ursache, daß jetzt mehr Dockanlagen zur Verfügung ständen. Umfangreichere Dockanlagcn würden aber an der Ostküste, entweder in Rosyth oder in Chatham, nicht aber an beiden Orten, gebraucht, und nach Ansicht der Admiralität sei es ratsam, die Erweiterungsbauten lieber in Rosyth als in Chatham vorzunehmen. Lee fährt fort: Die Admiralität hat sich auf den einstimmigen Rat der Marinesachverständigen dafür entschieden, daß Rosyth größere strategische und wirtschaftliche Vorteile biete als Chatham, sie wünscht sich über diese strategischen Vorteile nicht auszulassen, glaubt aber, daß sie jedem einleuchten. Namentlich hinsichtlich der Zngänglichkeit zur Zeit von Ebbe und Flut gewährt Rosyth gegen- über Chatham großen Vorteil. Die Admiralität richtet ihre Be- mühungen darauf, daß Rosyth alles erhält, was als das beste für moderne Anlagen anerkannt ist, nnd daß sie sich die Erfahrungen anderer Mächte zunutze macht. Das Ergebnis dieser Bemühungen sind sehr ausführliche Pläne für eine Flottenbasis. Die Admiralität beabsichtigt jedoch vor der Hand nicht, eine Flottcnbasis in so großem Umfange zu schaffen, sondern nur das für die nächste Zukunft Not- wendige. Sollte die Admiralität später den Wunsch haben, die An- lagen auszudehnen, so ist sie dazu in der Lage. Die augenblicklich in Aussicht genommenen Anlagen enthalten ein umfangreiches Bassin und ein großes Trockendock zur Ausführung von Reparaturen. Asien. Der Lohnarbeiter in Japan. In einem Artikel im„Boston Transkript" erzählt der Japaner Suzuki, der gegenwärtig eine diplomatische Mission in den Vereinigten Staaten zu erfüllen hat, von den Arbeitervcrhält- nissen in seiner Heimat. Jun Suzuki spricht als Sachverständiger, denn er wird als der Begründer der Gewerkschaftsbewegung in Japan betrachtet. Diese Bewegung wurde von der Regierung selbst eingeleitet, nachdem eine genaue Untersuchung über die Art und Weise der Arbeiterorganisationen in Europa, ganz besonders aber in England, vorausgegangen war. Die Japaner richteten nun diese Gewerkschaften nach einer eigenen Auffassung ein. „Vor zehn Jahren", sagt Suzuki, fing Japan erst an, Maschinen. d. h. die inodernen Maschinen einzuführen. Das arbeitende Volk in Japan ist nicht nur arm, sondern auch unwissend, und ivir brauchten die Gewerkschaften als Erziehungs- und Bildungö- institutionen. Die ersten Vereinigungen bildeten die Eisenarbeitcr, die Buchdrucker und die Zimmerleute. Diese drei Arten galten uns damals mit Bezug auf die neuen Maschinen als die wichtigsten. Die Regierung kümmerte sich angelegentlich um die Ein- führung von Neuerungen und ließ die Arbeiter darin unter- weisen. wie vorteilhaft und nutzbringend die Maschinenarbeit sei. Es kam uns darauf an. unsere Produktion zu vermehren und zu verbessern und der Arbeiter brauchte die Maschine nicht als Konkurrenten zu fürchten. Im Gegenteil, die Arbeiter forderten bald sehr energisch die Einführung von inodernen Maschinen I So» bald die Arbeiter ihre Macht als Union erkannten, hatte»»vir auch mit dem großen Problem der Streiks zu tun. Aber bei unseren Streiks handelte es sich bisher nicht rmr höhere Löhne oder kürzere Arbeitszeit. Die Arbeiter streiken, wenn eine Fabrik sich weigert, Maschinen anzuschaffen oder wenn alte und schlechte Maschinen zur Anwendung gelangen, so daß die Arbeit erschwert wird; sie streiken, wenn sie mit dem Werksiihrer unzufrieden sind oder wenn sie ihn für unfähig halten. Die Arbeiter- führer sind meist Leute, die in Europa auf Kosten der Regierung studiert haben; sie steigen nicht wie in Europa oder Amerika aus den Reihen der Arbeiter selbst empor. Die Löhne sind sehr, sehr niedrig; sie sind zu niedrig, denn nur für die bescheidenste Nahrung und Notdurft des Lebens reichen sie aus und nichts bleibt dem Arbeiter übrig. Dennoch ist die Masse sehr geduldig, und es fanden bis jetzt keine Streiks statt zur Verbesserung dieser Verhältnisse. Das liegt zum Teil daran, daß die Arbeiter der Sorge um die Zukunft enthoben sind und sich bei Unglücksfällen an ihren Arbeitgeber um Hülfe wenden können. Unter unserem patriarchalischem System hat der Arbeit- geber die Pflicht, für seine Arbeiter zu sorgen. Anstatt Lohn- erhöhungen zu geben, sammelt der Arbeitgeber einen Fonds an. indem er jährlich einen Prozentsatz des Profites zum Besten der Arbeiter zurücklegt. Während einer Krankheit und in hohem Alter. bei Unglücksfällen in der Familie und bei Arbeitsunfähigkeit über- Haupt ivird der Arbeiter aus einem solchen Fonds unterstützt. Das ist natürlich ein sehr mangelhaftes System, aber die Leute waren bisher damit zufrieden. Die Gewerkschaften machen große Fortschritte. In den Städten wie auf dem Lande, überall, wo es industrielle Anlagen gibt, bildet sich eine Union unter den Arbeitern. Man hat häufig Gewerbe- schulen damit verbunden, die sich großer Beliebtheit erstellen. Die gefährlichsten und die Ordnung am meisten störenden Elemente, die wir gegenwärtig in Japan haben, sind der Sozialismus und— was wir Christentum nennen. In beiden Fällen haben wir es mit etwas anderem zu tun, als was man in Europa darunter versteht. Das arbeitende Volk wird ruhelos, es fühlt, daß es nicht glücklich ist; der einzelne wird veranlaßt, sich zu viel Wichtigkeit bei- zumessen gegenüber dem Staat, und das scheinen uns die Einflüsse des Christentums zu sein.— Unser Sozialismus, der mit rapider Geschwindigkeit Verbreitung gewinnt, ist nichts weiter als eine be- stimmte Form der Erregung und Unzufriedenheit in den Volks- Massen; es fehlt das Verständnis für einen wissenschaftlichen Gehalt darin."—. Die Angaben SuzuüS w Vezkehung ans die Streiks erfahren eine Einschränkung durch eine Notiz in dem Hauptorgan der japa- nischen Sozialisten,„Ehokugen", vom 18. Juni, welche lautet: „Langsam nur lernen die japanischen Arbeiter, wie sie den Kapitalisten in organisierten Massen entgegenzutreten haben, un, Zugeständnisse zu erlangen. Umso mehr freut uns ein Sieg, den kürzlich 7000 Kohlengräber in Port Moj» gewannen. Nach einem Streik von zwei Tagen wurde ihnen eine Lohnerhöhung von 10 Proz. bewilligt." Daß das Christentum hier als Erreger der Unzufriedenheit denunziert wird, loird die Vertreter unseres offiziellen Christentum«, da« die Volksmassen zur Geduld und Anspruchslosigkeit zu erziehen versucht, einigermaßen in Erstaunen versetzen. Was den japanischen Sozialismus anlangt, so wird er wohl bald genug infolge der kapitalistischen Entwilkelungstendenzeii und durch die Bc ruchtung mit den Theorien deS europäischen Sozialismus jenen Wissenschaft- lichen und Weltaiischautlngsgehalt empfangen, den Suzuki zurzeit noch vermißt.—_ Amerika. PrSsidenten-gnsammenkunft. Präsident Samuel Gompers und Vizepräsident Duncan von der amerikanischen Arbeiter-Föderation halten al» Vertreter der organisierten Arbeiter eine Konferenz mit dem Präsidenten Noosevelt in Ohster Bay, wo Roosevelt seinen Eommeranfenthalt genommen hat. Die Vertreter der Arbeiter wurden mit größter Zuvorkommenheit empfangen und die Angelegen- heit, welche sie zimi Präsidenten führte, eingehend besprochen. ES handelte sich hauptsächlich um die Chinesenfrage. Gomper» erklärte, daß die Arbeiter beunruhigt seien wegen der jüngst erlassenen Order an die Hafenbehörden, den Chinesen gegenüber nicht zu scharf vor» zugehen. Roosevelt versuchte, alle Bedenken zu zerstreuen und be- kannte sich selbst als Gegner einer unbeschränkten Einwanderung der Chinesen. Die Arbeiter sollten unbesorgt sein, man würde ihre Forderungen berücksichtigen; es handele sich nur darum, daß chinesische Studenten, Reisende und Kaufleute, die in Geschäften kommen, nicht drangsaliert werden. Roosevelt ersuchte Gompers. in fünf oder sechs Monaten noch einmal in dieser An- fclcgenhcit zu ihm zu kommen, da man alSdaim Material zur Ver- llgung haben könne, um zu sehen, ob die neue Verordnung schädlich gewirkt habe. Eine andere Angelegenheit, die besprochen wurde, betraf die häufigen Gesetzesverletzungen bei Regierungsarbeiten. DaS Gesetz hat den achtstündigen Arbeitstag bestimmt, aber eS ist offenbar schwer, diese Bestimmung durchzuführen, besonders bei Arbeiten, die vom KriegLdcpartement angeordnet werden. Diesen Klagen gegen- über verhielt sich Noosevelt sehr zugeknöpft und verlangte umständliche Beweise, erklärte aber im allgemeinen, daß die Arbeiter auch in diesem Falle seine Sympathie besäßen. Samuel Gompers war von dem Verlaufe der Konferenz außer- ordentlich bestiedigt. So ein kleines Paradestückchen hebt Gompers Bedeutung als Arbeiterführer und läßt zugleich feine persönliche Wichtigkeit dem Präsidenten Noosevelt gegenüber hervortreten, der mit Gompers Einfluß in der American Fedcration of Labor rechnen muß. In die politische Wagschale geworfen, würden die Stimmen der organisierten Arbeiter ohne weiteres ausschlaggebend sein. Wenn sie eine Partei im Kongreß hätten, die ihre Interessen vertritt, so brauchten sie sich nicht zu beunruhigen und mit zweifelhaften Versprechungen zu be- gniigen.!_ Die russische Revolution. Behördliche Judenhetze. Petersburg, 28. Juli. Antisemitische Unruhen haben bei Lischinew in BiscokanoSka stattgefunden, bei denen drei Juden und zwei Christen getötet wurden. Viele Personen sind verletzt. » Wie aus Odessa über Wien telegraphiert wird, hat dort eine Gruppe Bürger an alle Konsuln einen Warnbrief ge- schrieben, daß seit längerer Zeit verschärfte Agitation für einen Aufstand gegen die Juden bei Arbeitern und Soldaten von großem Erfolg begleitet war. Als Datum für die Erhebung ist in den geheim verteilten Proklamattonen Freitag nacht festgestellt. Der Warnbrief führt aus, daß bestimmt angenommen werden kann, daß Soldaten sich an die Spitze der Unruhestifter stellen und ihnen gewiß nicht Einhalt tun werden. Man deutet an, daß die Behörden vollständig informiert sind. Da nun die Bürger außerstande find, selbst ihr und ihrer Mitbürger Leben zu verteidigen, bitten sie die Konsuln, bei den lokalen Behörden Vorstellungen zu erheben; denn sicher sei, daß der Angriff der Menge und der Soldaten nicht auf die Juden beschränkt bleiben wird, daß vielmehr alle Einwohner von Odessa, einheimische und fremde, in Mitleidenschaft gezogen werden. Verfolgung der Semstwomäuner.Z Petersburg» 28. Juli. Außer bei dem Vorfitzenden des letzten SemftwokongrcsseS G o l o v i n ist auch bei dem Sekretär des Kongresses Pollner eine Haussuchung vorgenomiiien worden, bei der ivichtige Dokumente, u.a. die Liste der Mitglieder des Kongresses und das Protokoll des letzten Kongresses beschlagnahmt wurden._ 5000 Petersburger Arbeiter streiken. Petersburg, 28. Juli. Die Fabrik von Saniannikow. welche 5000 Arbeiter beschafttgt, mußte wegen AuSstandeS sämtlicher Arbeiter den Betrieb einstellen. Der Streik erfolgte infolge der jüngsten Entlassung einiger Arbeiter, welche in einen Ausschuß ge- wählt sind, der zur Beratung wirtschaftlicher Reformen einberufen ist. Streik in Warschau. Warschau, 28. Juli.(L.-«.) Seit drei Wochen streiken 4500 Arbeiter der hiesigen englischen Spinnerei. Sie umstellten jetzt, um 32 neue Forderungen bei der Fabrikverwaltung durch- zusetzen, alle Fabrikräume und versperrten jeden gutritt. Der Warschauer Gouvetneuer entsandte e,ne Jnfanterteabteilung. Die Arbeiter verließen ihre Posten, doch forderten sie andauernd die Annahme ihrer Forderung. Die Berwaller der Fabrik traten zu einer Beratung zusammen: die Siwation ist gefährlich.— Tausend Kanalisationsarbeiter find im«usstand.— In Dom« b r o w a mißhandelten Arbeiter einer Hutfabrik den Direktor. Sie fordern die anderen Arbeiter deö Reviers auf. mit ihnen zu streiken. ZeitungSverbot. Der Minister des Innern B u l y g i n hat die Herausgabe der Zeitmig.Rvwosti" auf die Dauer von zwei Monate» verboten. Der Krieg in Ostasien. Russische Maßnahmen in Wladiwostok. Petersburg, 28. Juli.(Meldung der„Petersburger Tele- araphen-Agentur'.) Nach einem Telegramm auS Wladiwostok hat der dortige Höchstkommandicrende in Anbetracht der militärischen Lage angeordnet, daß dem Kommandanten der Festung alle in der Festung befindlichen Land- und Seestreitkräfte unterstellt werden, darunter auch ein von den Kreuzern gelandetes Detachemcnt. Der Hafenkommandant wird dem Kommandanten der Festung unmittel- bar beigeordnet und letzterer wird alle auf da» Marineresiort be- züglichen Anordnungen durch Vermittelung de» Hafenkommandanten ergehen laffeo- Die Besetzung Sachalins. Tokio, 28. Juli. Amtliche Mitteilung. Die japanische Sachalin- armce meldet, daß eine unserer Abteilungen am 24. d. MtS. um 1 Uhr MchmitkagS den Feind in der Nähe von Aleoba 1 zurücktrieb und die Linie von Polowinka bis Alcova 2 besetzte. In jener Gegend war der Feind 1 Bataillon Infanterie, einige Freiwillige und 8 Feldgeschütze stark; er floh in der Richtung auf Lonikow zu. Noch vor diesem Treffen war eine andere Abteilung Unter dem Schutz von TorpedobootSzcrstörern nach der Landungsbrücke von AlexandrowSk, die die Rüsten zu verbrennen suchten, geschickt worden. ES gelang dieser Abteilung, die noch unverbrannte Brücke zu nehmen und verschiedene Angriffe des Feinde? abzuschlagen. Ebenso wurde Mugati von unS besetzt und die Russen unter Mit- Wirkung oben genannter Schiffe vertrieben. Um 3 Uhr nachmittags besetzte eine unserer Abteilungen Alcova 3, während eine andere auf AlexandrowSk marschierte. Es gelang letzterer Truppe, die Russen zu schlagen und die Stadt AlexandrowSk um 7 Uhr 15 Minuten zu besetzen. Der Feind behauptete sich in einem Werk östlich und auf den Höhen im Nordosten der Stadt. Bei Tagesanbruch am 25. gingen wir wieder zum Angriff vor und trieben den Feind bis nach Novo Michaelowskoy. An demselben Tage fiel Dane in unsere Hände und zwar ebenso wie AlexandrowSk unverbrannt. Wir machten 200 Gefangene. Angebliche japanische FriedenSbedingnilgen. New Kork, 27, Juli.(„Lassan-Meldung.") Ueber die japanischen FriedenSbedingungcn ist nach einer Washingtoner Meldung der „World" in amtlichen amerikanischen Kreisen bekannt, daß Japan eine Milliarde Dollars Kriegsentschädigung, die Abtretung der Liaotong-Eisenbahn. Sachalins, Port Arthurs und CharbinS, die An- crkennung des vorherrschenden Einflusses Japans in Korea und die Rückgabe der Mandschurei an China verlangen werde. Hiiö der partei. Genosse KantSky teilt uns mit, daß er sich auf einer Ferien- reife befindet, auf der ihm das Material fehlt, um auf die gegen ihn gerichteten Arttkel„Unmögliche Diskussion" und„Ein Haufen Unrichtigkeiten" zu erwidern; er behalte sich die Erwiderung bis nach seiner Rückkehr vor. Genosse Christoph Blumhardt, der bisher den Wahlkreis Göppingen im württeinbergischen Landtage vertrat, hat m der letzten WahlkreiSkonferenz erklärt, das Mandat für die nächste Wahl- Periode nicht mehr übernehmen zu können. Infolgedessen wurde die Kandidatur dem RcichStags-Abgeordneten des Kreises, Genossen Dr. Lindemann, übertragen. Für den Entschluß Blum- Hardts waren in erster Linie private Verhältnisse maßgebend; seine vielfache Inanspruchnahme ließ ihm die Last deS Mandats auf die Dauer zu drückend erscheinen. Die bürgerliche Presse, die von einem. HinauSgraulen" Blumhardts faselt, saugt sich diese Nachricht auS den schmutzigen Fingern. Seinem geistigen Entwickelunasgange entsprechend(er war bekanntlich bis vor wenigen Jahren Pfarrer) hat Blumhardt allerdings in manchen politischen Fragen der Auffassung der Masse der Genossen entgegengesetzte An- schauungen vertreten. Aber da er es nie darauf anlegte, Proselyten für diese privaten Meinungen zu machen. war umsoweniger Veranlassung, darüber sein warmes, echt fozia- listisches Empfinden zu übersehen, seinen ehrlichen Willen, dem Sozialismus zu dienen, als er mit solchen Abweichungen völlig allein stand. polfeeUld,»». Gerichtlfchco uto. Noch eine Haussuchung fand in den Räumen der Breslauer . VolkSwacht" und in der Wohnung des Redakteurs L ö b e am Donnerstag früh um 8 Uhr statt. Die Polizei sucht immer noch nach den in der„VolkSwacht" veröffentlichten Briefen, die zwei Zentrumsabgeordnete an den Chefredakteur der„Neisier Zeitung" gesandt haben und in denen sie sich über die Kardinalsfurcht der übrigen Zentrumsabgcordnete» beschweren. Da die Briefe dort nicht hingelegt waren, loo die Polizei sie finden kann, zog sie unverrichteter Sache ab._ Versammlungen. Der Holzarieiter-Berband(Zahlstelle Berlin) hielt am Donners« tag in Kellers großem Saal feine ordentliche General-Ver- sammlung ab. Nach dem Bericht deS Rendanten Micke gehörten der Zahlstelle am Schluffe des 2. Ouartal» 13 492 Mit- glieder an. darunter 52 weibliche. DaS sind 1712 mehr wie im 1. Quartal' 15S2 Mitglieder sind durch den Uebertritt der Möbel« Polierer und der Kistcnmacher gewonnen Ivorden. Die Einnahmen und Ausgaben der Houptkasie bilanzieren in der Summe von 85 995,21 M.; diejenigen der Lokalkasse mit 233 119,43 M. Aus der Hauptkasse wurden an Unterstützungen insgesamt 39 113,80 Mark gezahlt. Die Lokallasse verausgabte für Streiks, Gemäß- regelte, Arbeitslose usw. die Summe von 105 137,81 M., wovon der Hauptanteil auf den Modelltischlerstreik entfiel, dessen Kosten lediglich auS Lokalmitteln bestritten iverden mußten, da der Hauptvorstand die Sanktionierung abgelehnt hatte. Am Orte verblieb an, Quartals- schluß ein Kassenvestand von 99 540,14 M. Hierauf gab Glocke den Vorstandsbericht. Es ist auch im verflossenen Ouartal rege für die Organisation gearbeitet worden; davon legt die Abhaltung von im ganzen 127 Versammlungen und Sitzungen größeren und kleineren Charakters beredtes Zeugnis ab. Außerdem hielt die Konttoll- kommission, die gegenwärtig 360 Mitglieder zählt, noch 172 geschäst- liche und 1157 Werkstattsitzungen ab. Eingeladen dazu waren 2357 Werkstätten, von denen 1616 der Einladung Folge leisteten. In letzteren waren 22 431 Holzarbeiter beschäftigt, 16141 davon ge- horten dem Holzarbeiter- Verbände und 1604 anderen Organi« sationen an. Glocke ging besonders auf den völlig negativ verlaufenen Mopelltischlerstteik ein und crmahnte die Anwesenden ernstlich, ihre Lehren aus dem Verlauf dieses Streikes zu ziehen. Hier habe es sich zur Evidenz gezeigt, welche unliebsamen Folgen entstehen, wenn eine Branche die leweuige Geschäftslage einer Industrie nicht richtig zu beurteilen vermöge und obendrein auch nur ungenügend orga- nisiert sei, so daß die Streikarbeit in Massen auswärt« hergestellt werden könne. Gewöhnlich würden aber im ersten Feuereifer alle kühleren Bettachtungen und Ermahnungen der Leitung in den Wind geschlagen, ja sogar als nur von bloßen Kasienrückstchten diktiertes absichtliches„Bremsen" ausgelegt. In Zukunft möge man also etwa? vorsichtiger verfahren. Diesen Ausführiliigen wurde auch in der Diskussion zugestimmt. Ueber den Verbands-Arbcilsnachlvcis berichtete Klinger, daß 1915 Stellenangebote eingingen und davon 1402 Stellen besetzt wurden. Am Schlüsse deS Quartals waren nur 44 Arbeitslose vorhanden. G ü t h bemerkte dann, daß der paritättsche Arbeitsnachweis in der Gormannsttaße sich während der kurzen Zeit seines Bestehen» recht erfreulich entwickelt habe und aller Wahrscheinlichkeit nach eine noch bedeutend größere Ausdehnung ver- spreche. Auf dem paritätischen Arbeitsnachweis werden die Tischler, Maschinenarbeiter, Möbelpolierer, Einsetzer. Modellttschler, Drechsler und Stellmacher vermittett.'Für die übrigen Branchen erfolgt die ArbettSvermittelung im GewerlschastShause.— Rechtsschutz wurde für 35 Prozesse bewilligt, davon waren 38 gewerbliche Klagen und 27 Strafsachen.— Au» der Bibliothek wurden 2732 Bücher ent« liehen. M a a ß als Obmann der Schlichtungskommission berichtete so« dann, daß der Kommission eine ganze Reihe von Differenzfällen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern zur Prüfung vorgelegen haben, die dort aber meistens ihre gütliche Erledigung finden konnten. rerner berichtete Maaß über die vorgekommenen Lohn- ewegungen. Außer dem Modelltischlerstteik mußte auch der am 24. Januar begonnene Lbwehrstreik in der S t o ck f a b r i k Gembickh(28 Kollegen) bedingungslos aufgehoben werden. Der Bettieb war voll mit Stteikbrcchern besetzt. Von den Streikenden kam keiner wieder in de» Betrieb hinein. Die Mehrzahl der Stteikenden war noch längere Zeit arbeitslos. Die Lohnbewegung der Stellmacher in der Luxuswagenbranche hatte einen besseren Erfolg. Die Kollegen erreichten die Einführung der 53 ständigen Arbeitszeit, eine Erhöhung der Grundpreise des Tarifes und Extrabezahlung der Nebenarbeiten. Die Nebenarbeiten wurden bisher für den Grund- preis mitgemacht. Die Erhöhung der Akkordpreise beträgt 10 bis 30 Prozent. An dieser Lohnbewegung nahmen 118 Kollegen teil, wovon 101 dem Verband angehörten. Nur in einer Werkstatt mit 26 Mann kam eS zum Stteik, während die übrigen acht Werkstätten ohne Stteik be- willigten. Die Parkettbodenleger hatten einen bart- näckigen Kampf gegen die auswärtigen Firmen zu führen, welche Arbeiten in Berlin billig annehmen und dann ihre Bodenleger nach Berlin senden, die dann die Arbeiten zu einem ganz geringen Preise ausführen sollen. So war es notwendig, die Bauten der Firma Klein i«. Licbermann aus Breslau zu sperren. Nach einigen Tagen Stteik wurde dann der Berliner Tarif untcrschriftlich anerkannt. Die Bauten der Hannoverschen Parkettftlßbodenfabrik mußten mehrere Wochen gesperrt werden. Die Fabrik bewilligte zwar, aber sie sandte unorgainsierte Bodenleger nach Berlin, die die Arbeit doch billiger ausführen sollten. In solchen Fällen begnügt man sich nicht mit der Sperre, sondern die Organisation verhandelt mit den Bauherren und verlangt, daß der gesperrten Firma die Aufträge entzogen und einer anderen tarifttcuen Firma überttagen werden. Das ge- schah auch diesmal wieder. Die Arbeiten wurden der Berliner Firma Kampmeyer übertragen und zu Berliner Preisen ausgeführt. Der Bodenlegerzwischcnmcister Muhs aus Hannover hatte auch mehrere Bauten in Berlin übernommen, die ebenfalls gesperrt werden mußten. Auch Herr MuhS mußte sich trotz hartnäckigen Sträubens bereit erklären, den Berliner Tarif anzuerkennen. Ohne die Bausperrcn der Bodenleger und die BranchenstreikS wurden 24 Werkstattstteik» geführt. 8 Angriffstreiks mit! 101 Kollegen (31 im Verbände) waren erfolgreich, 3 Angriffstteiks mit 18 Kollegen gingen verloren.. Bon den Abwehrstreiks gingen 2 mit 84 Kollegen verloren, während 11 Abwehrstreiks mit 209 Kollegen Erfolg hatte». Abwehrstreiks wurden 13, Angriffstteiks 11 geführt. WerkstattstreikS insgesamt wurden 24 geführt, wovon 19 mit 310 Kollegen Erfolg hatten und 6 mit 52 Kollegen verloren gingen. Werstattdifferenzen ohne Streik brachen in 14 Werkstätten mit 327 Kollegen auS. Zweimal handelte es sich um Abzüge und zwölfmal um Forderungen. Insgesamt waren 33 Werkstattdifferenze» mit 689 Kollegen zu ver- zeichnen. Hierbei sind jedoch die zahlreichen Differenzen, die ohne Stteik durch die Schlichtungskommission geregelt wurden, nicht mit eingerechnet. An den Branchcnlohnhewegungen und Werkstattkämpfen nahmen insgesamt 1472 Kollegen aus 83 Betrieben teil. Für 859 Kollegen in 59 Betrieben waren die Kämpfe erfolgreich, 6 Stteiks mit 29 Werlstättcn und 613 Kollegen gingen verloren. Die Zahl der an den verlorenen Streiks beteiligten Kollegen ist durch den Modelltischlerstteik eine so große geworden. Es erfolgten sodann die Ersatzivahlen. Gewählt wurden als: 2. Bevollmächtigter Leopold, 2. Kassierer König. 1. Schriftführer D ö h rrn g, 2. Schriftführer Dahlke. Obmann der SchlichwngSkon, Mission Maaß, Bibliothekar K l i n g e r, Beisitzer E x n e r und als Revisor OSkar Schmidt.— Beschloffen iourde, den vom Modelltischlerstreik noch übrig gebliebenen Unbeschäftigten noch eine wöchentliche Exttaimterstützung zu zahlen, und zwar für Verheiratete in der Höhe von 15 M. und für Ledige von 8 M. pro Woche.— Schließlich wurde ein Antrag auf Entschädigung der Ob- leute der Vertrauensmäimerversammlung zur Erledigung überwiesen. Letzte JVachnchten und Depcfchen. Einigungsverhandlungen zwischen den Arbeitern und Unternehmern der Glauchau-Meeraner Färbereien. Glauchan. 28. Juli.(W. T. B.) Di«.Glauchauer Zeitung" meldet: Heute nachmittag fand hier eine Versammlung von Färbereibcsitzern und Abgeordneten der Arbeitnehmer statt, an welcher auch Vertreter des Sächsisch-Thüringischen WcbcrciverbandeS teilnahmen. ES wurde den Arbeitern ein Mindestlohn vor- geschlagen. Ueber den Vorschlag soll morgen vormittag seitens der Arbeiter Beschluß gefaßt und die Entscheidung bis mittags 12 Uhr den Fabrikanten mitgeteilt werden. Im Falle der Annahme er- folgt die Wiederaufnahme der Arbeit am Montag, anderenfalls die Aussperrung. ES wurde den Arbeitern durch die anwesenden Vertreter deS Sächsisch-Thüringischen WebereiverbandeS mitgeteilt, daß im WeigerungSfallauchderSächsisch-Thürin- gische Webereiverband genötigt wäre, die Aus- sperrung vorzunehmen, von welcher dann etwa 30 000 Ar- beiter betroffen werden würden. Die EiuiguilgSvrrhandlungci» im Baugewerbe. Essen. 28. Juli.>Tb.El«cke. Berlin. Druck u.Vulao! Borwätt» vttchdr u. Pcrlags-intt.Paul Sinaer Sc Co� Berlin L V. Hierzu»veilagr». Nr. 175. 22. Iahrgaug. 1. WIM des Jormiitte" Kerlim WUlott SounOend, 29. Juli 1905. Der Lippesche Thronfolgestreit vor Gericht. Zu dem gestrigen Bericht sei noch die Rede des Verteidigers nachgetragen: Justizrat Dr. W a l l a ch I.- Esten a. R.: Er bedauere, daß sowohl der Vertreter des Privatklägers selbst den Streit auf das persönliche Gebiet geführt und die Rechtslage so wenig gewürdigt habe. Der Presse stehe wohl kein größeres Recht zu als jedem Privat- manne, sie habe aber zum mindesten dasselbe Recht wie jeder Staatsbürger. Der Angeklagte handelte in voller Wahrnehmung berechtigter Interessen, wenn er als lippescher Staats- bürger und als Parteigänger des Biesterfelder Regentenhauses in der damaligen Zeit der Wahlbewegung Partei nahm. Der Privat- klüger war sein politischer Gegner: er stellte sich wiederum zur Wahl. Er hatte daher das Recht, seine Wahl und damit den Privat- kläger selbst zu bekämpfen. In diese Zeit der aufgeregten Wahl« bewegung fiel die Depesche, die dem Angeklagten als Gefahr für die Jnteresten des lippeschen Regentenhauses und des lippeschen Landes erschien. Dieselbe Auffassung hatte Minister Gevekot und der Landtagsabgeordnete Pastor Streiß. Der Herr Vertreter des Privatllägers habe ja dem Angeklagten dafür den guten Mauden konzediert. Es sei auf die Presse hingewiesen worden; er erinnere daran, daß selbst Blätter wie die.Post", der .Hannoversche Kurier" und die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" einer ähnlichen Ansicht Ausdruck gegeben haben. Die Wendung m dem Telegramm.Als besondere Gefahr wird diesseits angesehen" konnte und muhte zu der Annahme führen, die Depesche sei in amtlichem Auftrage geschrieben. Der Angeklagte konnte zu der Auffassung kommen, eine solche Depesche, an den Vizepräsidenten des lippeschen Land- tages gesandt, sei eine Gefährdung der Landesinteresscn und des Re- gentenhauseS, es sei eine Eidesverletzung, die Annahme der Depesche zeuge von antickippeschcr Gesinnung und grenze an Hochverrat. Wenn der Angeklagte dieser Ansicht war, so durfte, ja so konnte er als Vertreter einer großen Parteizeitung dieser seiner Ansicht Aus- druck geben. Der Angeklagte handelte dabei in voller Wahrnehmung berechtigter Interessen. Er durste diese Interessen wahrnehmen als lippescher Staatsbürger, als Redakteur, als Zeitungsbesitzer und als lippescher Parteimann. Wenn der Angeklagte seine Behauptungen für wahr gehalten habe, dann könne er nicht bestraft werden, es sei denn, daß aus der Form und aus den Umständen die Absicht der Beleidigung hervorgeht. Er, Verteidiger, müsse eS auch als unbegründet zurückweisen, daß der Angeklagte unehrenhaft gehandelt habe, als er vor dem Richter eine Unwahrheit sagte. Der An« geklagte konnte und durfte seinen Gewährsmann nicht preis« geben, er wollte andererseits nicht in Zwangshaft wegen Zeugnisverweigerung genommen werden; deshalb griff er zu einer Notlüge. Niemand sei berechtigt, ihm daraus einen Vorwurf zu machen. Hätte der Richter den Angeklagten vereidigen wollen, dann hätte letzterer eben den Eid verweigert und wäre verhaftet worden. Nachdem Herr Stärke den AngeNagten von der Geheimhaltung entbunden hatte, sagte der Angeklagte bei seiner zweiten Vernehmung:.Ich habe die Depesche weder von einem Beamten, noch durch Bestechung, sondern von Stärke erhalten. Nun hat Herr Dr. Kdkulö von Stradonitz erklärt, er habe die Depesche nur als Privatmann gesandt. Ich zweifle nicht einen Augen« blick, daß Herr Dr. Kekulä von Stradonitz diese Auffassung hat, denn er hat ja seine Aussage beschworen; ich behaupte aber, Herr Dr. Kekuls befindet sich in einem bedauerlichen Irrtum. Wäre Herr Dr. von Kekulö als Schaumburg-Lippescher Kammerherr nicht Rechtsbeistand in dem schwebenden Rechtsstreit, der geglaubt habe, er werde in dieser Streit- angelcgenheit ftir das Recht bis zu seinem letzten Atemzuge kämpfen, dann könnte man es ja vielleicht glauben, er handelte als Privatmann, aber wenn man die vorerwähnten Zeitungen und außer« dem die Tatsache in Erwägung ziehe, daß Herr Dr. Kekule zwei Tage vor Absendung der Depesche mit dem schaumburg- bückeburgischen Minister, Freiherrn v. Feilitzsch in Berlin konferiert habe, dann könne man unmöglich glauben: Dr. Kekule habe als bloßer Privatmann gehandelt. Dr. Kekule hält uns für so naiv, so etwa fährt der Verteidiger fort, wir sollen eS glauben: er habe das Wort:„diesseits" angewendet, um b Pf. zu sparen, er habe ursprünglich geschrieben:.von mir". Ich habe bereits gestern Herrn Dr. Kekule gesagt: er hätte, anstatt„von mir", schreiben können:«sehe an". Ein Mann wie Dr. Kekuls mußte sich sagen: das Wort:.diesseits" kan« nicht so aufgefaßt werden, daß damit der Ansicht eines Privatmannes Ausdruck gegeben würde.„Als besondere Gefahr wird„diesseits" angesehen, wenn Ersuchen an den Bundesrat beschloffen wird, höchstes Gericht durch Reichsgcsetz mit der Entscheidung zu betrauen," so lautete die Depesche. Von wem wurde es als Gefahr angesehen? Doch nur von Bückeburg. Eine solche Depesche schreibt kein Privatmann. Die Depesche ist aber auch an keinen Privatmann gegangen, sondern an den Vize- Präsidenten des lippeschen Landtages und zwar in dem Augenblick, als der lippesche Landtag vor der Entscheidung über die Vorlage 78 stand. Es darf dabei nicht außer acht gelassen werden, daß der Empfänger der Depesche seit Jahren mit Herrn Dr. Kekule in der lippeschen Thronfolge-Streitsache konspiriert und wenige Tage vorher bei Herrn Kekule angefragt hat, ob eS wahr sei, daß die lippesche Regierung in Berlin ein Preßbureau unterhalte. Der Herr Privat- kläger sagte: Der Herr Minister habe sich für die von ihm zum Reichskanzler unternommene Reise rächen wollen. Hat der Herr Privatkläger nicht bedacht, welch schweren Vorwurf er damit gegen den höchsten Beamten seines Landes erhoben hat? Der Angeklagte hatte das Recht, seiner Auffassung, wie geschehen, über die Depesche Ausdruck zu geben. Diese Auffaffung wurde von einem großen Teil des lippeschen Volkes geteilt. Der Angeklagte ist daher wegen der inkriminierten Aeußerungen betreffs der Dicsseitsdepesche frei- zusprechen, da auch aus der Form und den Umständen nicht die Absicht zu beleidigen hervorgeht. Die anderen inkriminierten Aeußerungen sind mit Rücksicht auf die„Verteidigungsschrift" des Privatklägers zu kompensieren, sie sind im übrigen auch in Wahr- nehmung berechtigter Interessen geschehen. £lus Industrie und Handel. Die Zusammenlegung kleiner Grundstücke zu größeren, die an« fänglich nur in der Berliner Innenstadt beobachtet worden war, ist allmählich auch in den äußeren Stadtteilen eine nicht mehr ganz seltene Erscheinung geworden. Der letzte Jahresbericht der städtischen Feuersozietät berichtet über den Abgang von 40 Grund- - stücken, die aus der Grundstücksliste gestrichen werden mußten, weil > sie mit Nachbargrundstücken vereinigt toorden waren. Daran war i die Altstadt sStandesamtSbezirk I), in der im vorhergehenden Jahre . noch 7 bisher selbständige Grundstücke weggefallen waren, jetzt nur noch mit 2 Grundstücken dieser Art beteiligt. Die Frieorichstadt hatte diesmal einen Abgang von 8 Grundstücken. Einen Abgang von 8 Grundstücken weist aber auch die ältere k Luisenstadt(nebst Neu-Cölln) auf, und im Spandauer Viertel schieden 7 Grundstücke aus. Ferner ist selbst das Stralauer Viertel schon mit 6 Grundstücken beteiligt, die Oranienburger Vorstadt mit 3 Grund« stücken, die Rosenthaler Vorstadt mit 2 Grundstücken. Auf die übrigen Standesamtsbezirke, die den äußersten Rand des Stadtgebietes bilden, entfällt nur je 1 Grundstück. In den letzten fünf Jahren sind 183 Grundstücke durch Bereinigung mit Nachbargrundstücken ausgeschieden. Davon lagen allein in der Altstadt 50 Grundstücke und in der Friedrichstadt 41, sodaß im Jahrfünft 1889/1904 diese beiden Stadtteile allein mit der Hälfte beteiligt waren. Der deutsche Außenhandel in Baumwolle und Baumwollwaren hat in der ersten Hälfte des laufenden Jahres zwar nicht die Gewichtsziffern erreicht wie im ersten Halbjahr 1904, doch kann er deshalb keineswegs als ungünstig bezeichnet werden, besonders nicht, wenn man die Rückwirkung der Preistreibereien an den ameri- kanischen Baumwollbörsen mit in Betracht zieht. Die Einfuhr betrug in den ersten sechs Monaten dieses Jahres zwar nur 2 614 686 Doppel- zentner gegen 2 716 433 Doppelzentner im gleichen Zeitraum des Vor- jahres, aber dieser Ausfall ist hauptsächlich durch den Minder- import von Rohbaumwolle verschuldet, da die deutschen Spinnereien in der Erwartung, daß die Hausse an den amerikanischen Börsen zusammenbrechen wird, vorläufig noch mit dem Einkauf von Baum- wolle zurückhalten. Eine Abnahme der Baumwollverarbeitung und des Absatzes von Garnen und Geweben darf daraus nicht gefolgert werden; im Gegenteil, die Ausfuhr von Baumwollgarnen und Baumwollwaren nach dem Auslande hat eine beträchtliche Steige- rung erfahren. Nach einer Zusammenstellung der„Köln. Ztg." ergeben sich nämlich für die Ein- und Ausfuhr folgende Gewichts- Ziffern: 1905 1904 1903 Doppelzentner Rohbaumwolle(einschließlich Abfälle und Watte).. 2 481 800 2 567 549 2 546 847 Baumwollgarne..... 98 887 112 312 100 105 Baumwollwaren..... 33 999 35 572 83 867 Zusammen 2 614 686 2 715 433 2 680 819 Die der deutschen Industrie zum Verbrauch zur Verfügung stehende Menge Rohbaumwolle(Einfuhrüberschuß) berechnet sich für den an- gegebenen Zeitraum auf 2 123 124 Doppelzentner gegenüber 2 193 304 Doppelzentner und 2 207 084 Doppelzentner in den beiden Vorjahren. Bei der Ausfuhr ist die Zunahme der Baumwollwaren-AuSfuhr ein besonders erfreuliches Zeichen. Es wurden in der ersten Jahres- Hälfte ausgeführt: Rohbaumwolle(einschließlich Abfälle und Watte).. Baumwollgarne..... Baumwollwaren..... 1905 1904 1903 Doppelzentner 358 676 56 871 235 145 374 245 48 077 224 360 839 763 61 853 228 369 Zusammen 650 692 646 682 629 985 Stellt man bei der wichtigsten Ausfuhrgruppe, den Baumwollwaren, Einfuhr und Ausfuhr gegenüber, so ergibt sich ein Ausfuhrüberschuß von 291 146 Doppelzentner im laufenden Jahre gegenüber 188 792 Doppelzentner und 194 502 Doppelzentner in den beiden Vorjahren. Zur Lage des ArbeitSmarkteö in England und Frankreich. Die Besserung der wirtschaftlichen Lage, die sich seit Anfang des laufenden Jahres in fast allen wichtigeren Jndustneländern zeigt, hat im Juni weitere Fortschritte gemacht. In England fiel die Arbeitslosenziffer von 5,9 Proz. im Juni 1904 auf 5,2 Proz. im laufenden Jahre. Im Vorjahre war sie im Juni um 1,4 Proz. gestiegen. Besonders gut ist die Metall- und Maschinenindustrie beschäftigt, die Zahl der Arbeitslosen fiel fast in allen Zweigen deS Eisen- gewerbeS; die Arbeiter konnten in mehreren Bezirken, wie in Cleveland, mit Steigerungen des Wochenlohnes den Monat ab- schließen. Im Schiffbau war die Beschäftigung flott. In der Textilindustrie ist die Beschäftigung ebenfalls befriedigend; der Markt ist zwar nicht sehr belebt, doch sind die Fabrikanten im Web- stoffgewerbe reichlich mit Aufträgen versehen und halten fast durchweg den vollen Betrieb aufrecht. Die Spinner nahmen zuin Teil Austräge nur zu längeren Lieferfristen an. da ihre Fabriken voll beschäftigt waren. Nicht ganz so lebhaft wie in England, aber immerhin be- friedigend war die Beschäftigung in F r a n k r e i ch. Im Kohlenbergbau war die Förderung der Jahreszeit entsprechend ziemlich matt; nur imLoire- Becken herrschte lebhaftere Tätigkeit. Dagegen war da« Eisengewerbe flottbeschäftigt. Besonders gut sind die Fahrrad- und Automobil-Fabriken mit Aufträgen versehen. Recht rege war im Juni auch die Bautätigkeit. Der Geschäftsgang im Textilgewerbe war gegen Mai wenig der- ändert. Bei den Baumwollfabrikanten liefen zahlreiche Bestellungen ein, so daß die Fabriken auf längere Zeit hinaus gut beschäftigt sind. Die Betriebe der Streichgarnspinnerei haben gut zu tun; da- gegen ist in der Fabrikation von Wollgarnen eine Ermattung ein» getreten. Bei den Lyoner Seidenfabrikanten gingen im Juni die lusträge reichlich ein._ GcwerkrchaftUcbcö. „Post"-Esclei. Die Beurteilung der Arbeiterbewegung geschieht in der Redaktion der„Post" nach einem bestimmten Schema, so wie etwa die„briefliche Behandlung" bei den Heilmittel- schwindlern. Kommt den„Post"-Redakteuren irgend ein Stück Arbeiterbewegung zur Beurteilung unter ihre Finger, so schlagen sie einfach die ihnen vom seligen Stumm hinterlassene Tabelle nach und flugs sind sie mit ihrem Urteil fertig. Nach berühmter Eisenbartmanier macht man dann die sozial Blinden gehen und die politisch Lahmen wieder sehen! Obenan steht in den Tabellen der„Post"-Politikpsuscher offenbar: Arbeiterbewegung— Werk der Verhetzung. Ob sich die Arbeiterschaft polittsch, ob sie sich gewerkschaftlich betätigt, eine andere Erklärung dafür als die Tätigkeit von„Agitatoren und Hetzern" vermag sich die„Post" nicht zu denken.— Hinter dem Stichwort Streik aber heißt es: Werk der Sozialdemokratie. Es hat noch keinen Streik gegeben, den die„Post" nicht am letzten Ende auf diese zurückgeführt hätte. Man konnte einigermaßen neugierig sein, wie sich unter diesen Umständen das Blatt zu dem Streik der indifferenten „königlichen" Bergleute in Barsinghausen verhalten würde, der gerade durch das Eingreifen des Bergarbeiter-Verbandes sein Ende gefunden hat. Wir hätten uns diese Neugierde sparen können: Die„Post" läßt von den Stummschen Ueberliefe- rungcn nicht; nur verwertet sie dieselben so plump, daß der selige Stumm sich im Grabe andauernd um seine Achse drehen muß. Hoch originell ist die Beweisführung dafür, daß auch in diesem Falle die Verhetzung von außen in das Bergrevier von Barsinghausen getragen sein muß. Die Leute forderten nämlich auch Beseitigung der U e b e r s ch i ch t e n. Bei einer Saisonkohle nun, wie der Deisterkohle, sagt die„Post", ließe sich ohne Ueberschichten gar nicht auskommen, wenn Produktton und Absatz im Gleichgewicht gehalten werden sollen. Des- wegen könnten die Bergleute selbst zu solchen Forderungen gar nicht gekommen sein.— Merkwürdige Kohle, diese Deisterkohle, die offenbar einige Aehnlichkeit mit frischem Spargel oder lebenden Blumen haben muß, sodaß sie erst kurz vor dem Konsum gebrochen werden muß. Vielleicht aber sind die Bergleute des Barsinghausener Reviers doch etwas besser über die Natur der Kohle unterrichtet, als die Herren in der Redaktion der„Post", vielleicht wissen sie auch ohne Verhetzung von außen, daß man Kohlen aufzubewahren und deswegen die Produktion sehr wpyl auch ohne Ueberschichten dem Konsum anzupassen vermag.' Hoch originell aber ist wirklich der Reinfall der„Post"- Esel bei der Art, wie sie sich die Beendigung des Streiks plausibel zu machen versuchen. Bekanntlich fand kurz vor Beendigung des Streikes unter anderem auch eine Ver- sammlung der Bergleute im Zechenhause statt. Diese Tat- fache muß der„Post" als Erklärung für die schnelle Be- endigung des Streiks dienen. Sie schreibt: „ES war eine sehr vernünftige Maßnahme der Werksleitung, bei der entscheidenden Bergarbeiterversammlung den Einfluß der fremden Agitatoren und Hetzer auszuschließen. Das hat seine guten Früchte getragen. Der Friede ist wieder zustande gekommen und die Bergarveiter haben sich anscheinend davon überzeugt, daß es ihren Interessen nicht dienlich ist, sich von fremden Agitatoren ins Schlepptau nehmen zu lassen, denn eine öffentliche Versammlung inr Restaurant„Klosterstollen" unter der Leitung des Sekretärs des Bergarbeiter-Verbandes, welche nach der entscheidenden Versammlung im.Zechensaale" stattfand, war äußerst schwach besucht und eine zweite, 2 Stunden später anberaumte mußte ganz ausfallen." Man sieht, das Rezept ist sehr einfach: Ist der Streik das Werk der Verhetzung fremder Agitatoren, so trenne man die Verführten von diesen und der Streik ist beendet l Schade nur, daß sich die Sache in Wirklichkeit um- gekehrt zugetragen hat. Die von der Bergbehörde in- szenierte Komödie einer Versammlung war von nur'zirka 320 Bergleuten(bei einer Belegschaft von zirka 1900) besucht. Die Abstimmung daselbst ergab die Ablehnung der Arbeits- aufnähme mit überwältigender Majorität! Die Fortsetzung des Streiks, der schließlich unter großen Opfern nur noch günsttgen Falles hätte versumpfen können, erschien den herbei- gerufenen Führern des Bergarbeiter-Verbandes jedoch taktisch nicht ratsam, und eine nach der Versammlung im Zechenhause abgehaltene selbständige Versammlung der Streikenden beschloß nach Befürwortung des Bergarbeitcrverbands-Sekretärs Hufe- mann einsttmmig die Wiederaufnahme der Arbeit am Donnerstag früh. Wenn daher die„Post" weiter sagt, es sei kein Wunder, „daß die Sozialdemokratie und die mit ihr an einem Strange ziehende demokrattsche Presse wenig davon erbaut ist. daß der gesunde Sinn der Bergarbeiter endlich über die agitatorische Verhetzung von auswärts den Sieg davon getragen hat", so ist sie, wie man sieht, in jeder Beziehung auf dem Holzwege. Der gesunde Sinn der Bergleute hat mit der Beendigung des Streiks wenig zu tun. Dieses war ein taktisches Meisterstück der„auswärttgen Agitatoren". Deswegen ist auch kein Anlaß für Arbeiterfreunde» über den Ausgang dieser Bewegung wenig erbaut zu sein. Der Streik ist eine Niederlage der unorganisierten Arbeiter, aber ein Erfolg des Organisations- gedankens, der unter diesen Leuten jetzt nicht mehr aus- gerottet zu werden vermag. Berlin und tlmg«g-end. Arbeitsniederlegung wegen nlangelnder Schutzvorrichtungen. Auf dem Neubau in der Mantcuffelstraße 60 verlangten die Maurer wiederholt, daß die llnfallverhütungsvorschriften mehr Beachtung finden möchten. Der Polier gab als Entschuldigung an, es mangele an Rüstzeug. Der Bau war bereits bis zur 2. Etage fertiggestellt, aber nirgends waren Schutzdächer vorhanden. Es ist lediglich einem glücklichen Ungefähr zuzuschreiben, daß bis dato trotz mchrmakigcn Herabfallens von Materialien niemand verletzt wurde. Am 20. Juli verlangte die P o l i z e i die Anbringung von Schutzdächern, die dann auch, aber nur in der unzureichendsten Weise, angebracht wurden. Am Donnerstag verlangte der Kontrolleur der Berussgenossen- schaft energisch Abhülfe; auch fühlte sich der Baudeputicrte ver- pflichtet, den Kontrolleur auf die bestehenden Mängel aufmerksam zu machen, was den beiden Policren nicht verschwiegen blieb. Ob- gleich im Laufe der Woche Maurer neu eingestellt waren, ent- ließ man nun gestern plötzlich 8 Maurer, darunter den Bau- deputierten und diejenigen, welche für Abhülfe der bestehenden Mißstände eingetreten waren. Die Wiedercinstellung von 3 der Entlassenen wurde vom Polier im Beisein der Organisations- Vertreter rundweg abgelehnt. Darauf legten sämtliche auf dem Bau beschäftigte Maurer, außer 6, die mit den bestehenden Ver- Hältnissen zufrieden sind, die Arbeit nieder. Sie verzichteten darauf, auf einem derartigen Bau weiter zu arbeiten und erwarten von jedem organisierten Maurer, daß er den Bau meide, bis auch dort geordnete Zustände geschaffen sind. Die allgemeine Lohnbewegung der Fahrstuhlarveiter ist beendet. In der am Donnerstag abgehaltenen Versammlung der Fahrstuhl- arbeiter wurde die Situation folgendermaßen �dargestellt: Die Firmen mit Motorfahrstühlen haben mit Ausnahme von dreien die Forderungen der Arbeiter anerkannt. Die drei Firmen, welche nicht bewilligt haben, kommen aber zurzeit für die Bewegung nicht m Betracht, weil sie fast gar keine Arbeiter beschäftigen. Die kleinen Firmen mit Fahrstühlen anderer Systeme haben bisher schon höhere Löhne gezahlt. Etiva 700 Fahrstuhlarbeiter sind zu den durch Ver- träge festgehaltenen Forderungen beschäftigt. Der Erfolg der Be- wegung kann als ein durchaus befnedigender angesehen werden, um- somehr, als dies die erste allgemeine Lohnbewegung ist, welch« die noch junge Branche der Fahrstuhlarbeiter geführt hat. Was jetzt noch nicht erreicht Igerden konnte, wird zu einer anderen Zeit sicher nachgeholt werden. Ein zweite? Mal werden die Unternehmer eine solche Bewegung nicht an sich herantreten lassen, sondem eine Vereinbarung m,t den Arbeitern abschließen.— Aus diesen Gründen beschloß die Versammlung, die allgemeine Bewegung als beendet zu erklären, und hinfort bei allen Firmen, welche die Forderungen nicht innehalten, nur durch Bausperren vorzugehen. Ferner beschloß die Versammlung, bei der Firma Rietsch zu einer Zeit, wo sie alle ihre Fahrstühle in Betneb hat, aufs neue die Forderungen zu stellen und dafür einzutreten. Oeutkches Reich. Den Breslauer Metallarbeitern ist eine Aussperrung an- gedroht. In einer Erklärung an die bürgerliche Presse teilen die Unternehmer folgendes mit: „Die Hartnäckigkeit, mit der die Organisatton der Arbeitnehmer immer und iminer wieder bestrebt ist, Lohntarife behufs Verein- baning von Minimalsätzen, Akkordgarantten, Herbeiführung der neunstündigen Arbeitszeit, sowie tarifliche Bindung überhaupt, zu erzielen, zwingt die Arbeitgeber, energisch Stellung gegen diese Bestrebungen zu nehmen, da Handel und Industrie durch die fort- währenden für diese Zwecke in Szene gesetzten partiellen Streiks beunruhigt und in ihrer gedeihlichen EntWickelung gehemmt werden. Aber nicht nur die Arbeitgeber, auch die Arbeitnehmer sind die Geschädigten. Besserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse können nicht durch Zwang und Tarif erreicht werden, das kann nur erzielt werden durch Steigerung der Leistungsfähigkeit industrieller Unter- uehnuingen, für welche eben auch die Leistungen der Arbeitnehmer einen bedeutenden Faktor darstellen.— Zurückgehende Werke, Werke, die keinen Absatz haben, die nicht Hervorragendes leisten, können nichts verdienen, können also auch nicht die Löhne aufbessern. Trotz der in Erscheinung getretenen weitgehenden Bereitwillig- keit der Arbeitgeber, den Wünschen der Arbeitnehmer entgegen- zukommen, soweit dies möglich ist, trotzdem laufend Lohnerhöhungen, bessere Bezahlung der Ueberstunden, Verkürzung der Arbeitszeit in den hiesigen Betrieben vorgenommen lvorden sind, haben es die Organisationen doch vorgezogen, durch Verhängung von Streiks bei einzelnen Fabriken, welche dmch die Ausiofuvg hierzu bestimmt Man will also feine Ordnung der gewerblichen Verhältnisse in der Metallindustrie. Die Anarchie der Lohn- und Arbeitsbedingungen soll erhalten bleiben, damit die Herren in skrupellosester Weise die Ausbeutung der Arbeiterschaft und die Schmugtonkurrenz unter einander betreiben können. Daß damit der Boden für eine gedeihliche Entwickelung der Industrie gegeben wäre, ist eine bewußt ausgesprochene Unwahrheit; nicht auf das Gedeihen der Gesamtheit, aufs eigene Gedeihen kommt's den Herren an! oder " wurden, Anerkennung von Tarifforderungen erzwingen zu wollen. I zu rechnen. Zwar befinden sich, nach den Versicherungen offiziöser| Arbeiter verlangten darauf für die leberstunde 30 Proz. Lohnzuschlag. So wie jeder Drud Gegendruck erzeugt, so führte auch hier die Un- Blätter, verschiedene sozialpolitische Vorlagen seit längerer Zeit Da dies nicht angestanden wurde, verließen sie, wie immer, erträglichkeit dieser Zustände zu einem Zusammenschluß aller hiesigen in dem Stadium der Vorbereitung, und angeblich soll das Material um 6 Uhr die Fabrik. Das wurde am ersten Tag durch eine Betriebe zweds gemeinsamen Vorgehens und um zu verhindern, für sie sehr eifrig zusammengetragen werden; aber keine dieser Strafe von 50 Pfennig geahndet. Wer am nächsten Tage um daß durch die jetzt beliebte Taktik der Organisationen die wirtschaftlich Vorlagen wird voraussichtlich früh genug fertig werden, um noch 6 Uhr ging, wurde ausgesperrt. So erging es zwei Arbeitern, Schwächeren durch langsames Verbluten nachgiebig gemacht werden. in nächster Tagung an den Reichstag zu gelangen. Nur allein für Schüße und Kaiser. Kaiser durfte dann aber wieder arbeiten, weil Die Beratungen zeitigten den Beschluß, daß bei sämtlichen hiesigen die Novelle, die zur Einschränkung der Selbstverwaltung der Orts- er sich bereit fand, ohne Zuschlag die Ueberstunde zu machen. Firmen der vorbezeichneten Industrien alle organisierten und der freien Hülfskrankenkassen bestimmt ist, besteht die Mög- Das veranlaßte Schüße, ihn beim Treffen auf der Straße zu Metall, Eisen- und Revolver- Dreher bom Diens- lichkeit, noch zur Verhandlung zu gelangen; denn sie ist nach den glossieren. Als Kaiser aus einer Kneipe kam, in die Schüße hineintag, den 1. August cr., ab ausgesperrt werden, falls Begriffen der sogenannten maßgebenden Kreise die nötigste und gehen wollte, packte dieser ihn bei der Brust und sagte: Albert, nicht die bei den einzelnen hiesigen Betrieben in Ausstand getretenen dringendste. Die Berl. Pol. Nachr." wissen darüber folgendes zu bleib man drin, mit Dir habe ich noch zu reden." Auf einen Zuruf Metall-, Eisen- und Revolver- Dreher am Montag, den 31. Juli cr., die berichten: aus dem Lokal ließ Schüße ihn los. Dieser Vorgang trug Schüße " Das einschneidendste und wichtigste Werk in dieser Richtung die Anklage wegen Bergehens gegen den Arbeit wieder aufgenommen haben. Bleibt diese Maßnahme ohne § 153 der Erfolg, so schließen sämtliche bezeichneten Firmen am Mittwoch, den bildet wohl die Witwen- und Waisenversicherung der Arbeiter. Das Gewerbe- Ordnung ein, wonach mit Gefängnis bestraft 9. August cr., abends, ihre Betriebswerkstätten." neue Bolltarifgefeß, das in seinen hauptsächlichsten Bestimmungen wird, ter andere durch Anwendung förperlichen Zwanges, am 1. März 1906 in Kraft tritt, hat vorgesehen, daß die Mehr- durch Drohungen usw. bestimmt zu bestimmen einnahmen aus verschiedenen landwirtschaftlichen Zöllen für eine versucht, an Verabredungen gemäß§ 152 teilzunehmen oder ihnen Witwen- und Waisenversicherung der Arbeiter verwendet werden Folge zu leisten, d. h. an Verabredungen zum Behufe der Erund hat als Endtermin für die Regelung der Angelegenheit das langung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen. Jahr 1910 angenommen. Da mit der Vorbereitung für den Gesez- Das Landgericht Potsdam als Berufungsinstanz verurteilte Sch. entwurf über einen so wichtigen neuen staatlichen Versicherungs- zu drei Tagen Gefängnis, indem es für„ festgestellt" erachtete, daß zweig nicht früh genug begonnen werden kann, hat das Reichsamt Sch. durch das Anpacken Kaisers und durch die Worte:" Ich habe des Innern schon vor längerer Zeit zunächst die Gutachten der noch mit Dir zu reden!" den Kaiser mit Schlägen bedroht habe, Einzelregierungen eingeholt. Nach Sichtung und Aufarbeitung des um ihn zur Unterlassung der Ueberstundenarbeit ohne Zuschlag zu beso gesammelten Materials werden die Grundzüge für die neue Ver- wegen. Die übrigen Voraussetzungen des§ 153 feien auch gegeben. Angeklagter legte Revision ein, die von den Rechtsanwälten ficherung ausgearbeitet und dann an die Ausgestaltung zu einem Man dürfte sich schwerlich Dr. Heinemann und Roth begründet wurde. Es wurde die Gefeßentwurf herangegangen werden. irren, wenn man annimmt, daß diese Arbeiten noch soviel Zeit in Vorentscheidung von verschiedenen Gesichtspunkten aus angefochten. Anspruch nehmen werden, daß auf die Vorlegung dieses Wenn der Vorderrichter für festgestellt erachte, daß Sch. den K. mit Entwurfs in der nächsten Tagung nicht zu Schlägen bedroht habe, um in der fraglichen Richtung auf ihn einzuwirken, dann liege darin der Tatbestand eines ötigungsrechnen ist. Auch das große Werk der Vereinheitlichung der Versicherungs- versuches und es hätte§ 240 des Strafgesetzbuches Anwendung organisation, die ja nach den Erklärungen des zuständigen Re- zu finden. Durch seine Nichtanwendung könne sich gierungsvertreters im Reichstage noch immer geplant wird, dür fie ngetlagter beschwert fühlen, weil er Geldstrafe zu= faum schon in so naher Zeit zur Verhandlung lasie, was bei§ 153 der Gewerbe- Ordnung ausreif sein. Daß an einer allgemeinen Umgestaltung des Kranten- geschlossen sei.( An sich ist§ 240 Str.-G.-B. die schwerere Schon deshalb müsse die Vorentscheidung versicherungsgesetzes, wobei auch die Ausdehnung der Kranken- Bestimmung.) Auch hätte das Landgericht prüfen versicherung auf die Landwirtschaft in Betracht kommt, eine geraume aufgehoben werden. Beit gearbeitet wird, und daß hier sehr reife Vorarbeiten für einen müssen, ob nicht bloß eine tätliche Beleidigung vorliege, Obschon dieses in welchem Falle auch Geldstrafe zulässig wäre. Was nun die Gefeßentwurf vorliegen, ist gleichfalls bekannt. Versicherungsgesek bisher zwei sehr durchgreifende Novellen er- Feststellungen des Gerichts im einzelnen angehe, so sei zu bemerken, fahren hat, ist es noch auf den verschiedensten Gebieten änderungs- daß es sich ja gar nicht um eine Verabredung der Arbeiter zur bedürftig. Ob jedoch die allgemeine geschäftliche Lage der gefeß- Einstellung der Arbeit handele, sondern nur um einen Ungehorsam gebenden Körperschaften die Einbringung einer Vorlage schon in gegen eine Anordnung der Fabrikleitung, dem schließlich Entlassung folgte. Allerdings sei für die Ueberstunde ein Zuschlag gefordert naher Zeit zulassen wird, bleibt abzuwarten. Auch auf dem Arbeiterschutzgebiete sind Vorarbeiten für neue worden. Es frage sich aber, ob die Arbeiter sich dadurch nicht bloß Entwürfe geleistet. Es ist in dieser Beziehung nur an den Gesetz vor den ihnen zugemuteten Ueberstunden schüßen wollten, ob den bertrags entwurf betreffend die Regelung der Heimarbeit der Bigarren- nicht bloß ihre Absicht gewesen sei, arbeiter zu erinnern, der bereits dem preußischen Staatsministerium mäßigen Zustand des Sechsuhr Feierabends sich zu erDas Landgericht hätte deshalb prüfen müssen, ob Wenige Tage nach dieser Entlassung mußten sich zwei Bau-| borgelegen hat. Daß schließlich Gesezentwürfe über die Rechts- halten. arbeiter wegen Streifterrorismus vor den Breslauer Gerichten fähigkeit der Berufsvereine sowie über den Schutz der Bauhand- die Fabrikordnung gestattete, willkürlich die Arbeitszeit bei verantworten. Zu ihnen hatte ein treuer Streitbrecher gesagt: werker recht weit vorbereitet sind, ist auch sicher. Es ist demgemäß Aufrechterhaltung des gewöhnlichen Lohns zu verlängern. Wäre die Arbeiter mur Seht Ihr, ich habe Arbeit, was nüßt Euch Euer Verband, ich gewiß möglich, daß in der nächsten Tagung sozialpolitische das nicht der Fall, dann seien sch.... auf den Verband!" Sie nannten ihn deshalb„ Lump" und Gefeßentwürfe an den Reichstag kommen werden, welche dies jedoch bestrebt gewesen, einen vertragsmäßigen Zustand zu erhalten Bagabund" und kündigten ihm an, daß man ihn schwebend raus sein werden, hängt, wie gesagt, auch von außerhalb der sozial- und der Betriebsleiter hätte in diesem Falle vertragswidrig gehandelt. Von der Anwendung des§ 153 der Gewerbebringen" werde. Das Urteil für diese Bedrohung lautete auf politischen Materie liegenden Momenten ab." Ordnung könnte dann gar keine Rede sein, weil die Verabredung zur 5 und 7 Tage Gefängnis. Es fiel so milde" aus, weil Erlangung günstiger Arbeitsbedingungen" fehlte. die Streifenden gereizt worden waren. § 153 der Gewerbe- Ordnung und der Nötigungsparagraph des Das Kammergericht gab denn auch der Revision statt, hob die Eine Arbeiteraussperrung der Fahrradfabrit Vorentscheidung auf und verwies die Sache nochmal an das Land190 g tollere Strafgesetzbuches. Brandenburgia" zu Brandenburg a. H. zeitigte einen in imehrfacher gericht." Sowohl die legten Ausführungen der Beziehung intereffanten Strafprozeß wegen Vergehens gegen den Revision über die Anwendbarkeit des§ 153 der § 153 der Gewerbe- Ordnung, der jetzt das Kammergericht als Gewerbe- Ordnung an sich, als auch die über die Revisionsinstanz beschäftigt hat. Der Direktor der Fahrradfabrik eventuelle Anwendung des Nötigungsparagraphen verkündete eines Tages, daß bis auf weiteres statt bis 6 Uhr abends, follen bei der neuen Verhandlung berüdsichtigt dem üblichen Arbeitsschluß, bis 7 Uhr gearbeitet werden solle. Die werden. Ein Breslauer Terrorist" freigelassen. In weiten Arbeiterfreifen dürfte jener Breslauer Terroristenprozeß in Erinnerung sein, in welchem der Zimmermann Gönsch wegen Bedrohung Arbeitswilliger zu 3 Monaten, wegen eines Steinwurfs gegen den Kontoristen seines Meisters zu 6 Monaten, zusammen zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Göns ch bestritt von Anfang an seine Schuld, erreichte auch die Aufhebung des Urteils durchs Reichsgericht. In der neuen Verhandlung verurteilte die Breslauer Straffammer den Gönsch jedoch zu derselben Strafe und nichts schütte ihn mehr vor dem Gefängnis. Er hatte bereits 3 Monat Gefängnis abgesessen, als ein anderer, wegen Gewalttätigkeiten vorbestrafter Zimmermann in der Kneipe erzählte:" Der brummt auch unschuldig, den Stein habe ich geworfen." Die Sache kam zu Ohren der Angehörigen des Gönsch und seines Verteidigers, der unverzüglich die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragte. Niemand hatte nämlich das Werfen von seiten des Gönsch gesehen, nur aus seinem Verhalten hatten die Arbeitswilligen geschlossen, daß er der Täter sei und das Gericht war auf Grund dieser Aussagen zur Verurteilung gekommen. Es lehnte auch die Wiederaufnahme des Verfahrens ab. Darauf wandte sich der Verteidiger beschwerdeführend an das Oberlandesgericht, welches die sofortige Entlassung Gönsch aus dem Gefängnis anordnete und die Wiederaufnahme des Verfahrens verfügte, das gweifellos die Unschuld des Gönsch zu Tage fördern wird. Soziales. Die eingerostete Sozialreform.in Wie in den letzten Reichstagsfessionen ich auch in der kommenDen Tagung auf einen merklichen Fortschritt der Sozialreform nicht Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, den 29. Juli. Anfang 72 Uhr: Neues Operntheater. La Traviata. Anfang 8 Uhr: Zentral. Die Geisha. Schiller 0.( Wallner Theater.) Der Freischüß. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Hofgunst. Weften. Der Soubrettenjäger. Luftspielhaus. Khriz- Pyriz. Urania Tauben8 Uhr: str. 48/49. Die deutsche Nordseeküste. Sternwarte Invalidenstr. 57/62. CASTAN'S PANOP ANOPTICUM. Neu !! Friedrichstr. 165. Admiral Togos Besuch bei Admiral Roschdjestwensky im Hospital zu Kioto! Carl Weiß. Lehmanns Abenteuer. Neu! Elitekapelle„ Berolina". Belle- Alliance. Ben Ali Bey. Apollo. Ein Abend in einem amerikanischen Tingel- Tangel. Hochzeitsabend. Am Spezialitäten. Metropol. Die Herren von Marim. Berliner Prater- Theater. Zwischen Himmel und Erde. Anf. 7 Uhr. Stadt Theater Moabit. Mutter Gräbert. Reichshallen. Gastspiel Dstar Junghähnel Urania. Taubenstraße 48/49. Die deutsche Nordseeküste. Invalidenstraße 57/62. Stern Lebende Photographien! Apollo- Theater. Stürmisches ununterbrochenes Lachen! Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Sonnabend, abends 8 Uhr: Hofgunst. 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Wer nicht in der Wählerliste steht, darf nicht wählen. Die Wählerlisten liegen nur noch heute, Sonnabend, in der Zeit von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 3 Uhr und Sonntag von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 1 Uhr im städtischen Wahlbureau, Poststr. 16, 2 Treppen, Zimmer 57, zu jedermanns Einsicht öffentlich aus. Wahlberechtigt Sonnabend, 29. Juli 1905. schäftigte sich der Magistrat in seiner lezten Sißung. Es wurde derartige Selbsttäuschung verrät einen erheblichen Mangel an wirtbeschlossen, die Errichtung einer solchen Anstalt für 1000 Betten in fchaftlicher und sozialpolitischer Einsicht. Unter verständigen Leuten Aussicht zu nehmen. Zunächst soll in Buch eine solche Anstalt, wird heute über die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit des Achtuhrdie für 500 Betten berechnet ist und auf 1000 Betten erweitert schlusses nicht mehr diskutiert. Wünschenswert wäre seine schleunige werden kann, errichtet werden. Der Stadtverordneten- Bersammlung und allgemeine Durchführung für alle kaufmännischen Betriebe. soll eine besondere Vorlage hierüber zugehen. Buch wird dann in Geschäfte, die angeblich durch die Einführung des Achtuhrschlusses zwei Jrrenanstalten, zwei Heimstätten, einem Krankenhause, einer ruiniert werden, waren nie eristenzberechtigt und verdienen es, zu Bentrale der Rieselgutsverwaltung mit dem Dorfe rund 7500 Be- grunde zu gehen. wohner umfassen und Anlagen besitzen, die ihresgleichen suchen. Ueber den diesjährigen Ferienverkehr sind bereits einige Zahlen Der Sturm auf die Freibank dauert fort und scheint eher noch mitgeteilt worden, die aber nur auf Schäßung beruhten. Jetzt liegt eine Steigerung als eine Abschwächung erfahren zu sollen. Vor die amtliche Statistik vor, welche ein interessantes Bild über der Verkaufsstelle in der Görligerstraße haben am Freitag in den den Gesamtverkehr in den Tagen vom 6. bis 15. b. M. gibt. Das Morgenstunden viele Hunderte von Personen stundenlang auf der nach sind auf den zehn Berliner Fernbahnhöfen in den Straße ausgeharrt, bis sie herankamen. Vom langen Barten und zehn Tagen 332 088 Personen mit den Fernzügen aus Berlin Stehen wurde schließlich mehreren Frauen unwohl. Andere retteten befördert worden; an Gepäckstücken wurden für dieselben absich mit beschädigter Kleidung aus dem Gedränge. Die Freibant gefertigt 135 757, davon entfielen die meisten auf den 7. und 8. Juli ist jeder selbständige Einwohner, der Preuße und 24 Jahre wird zwar betrieben von der Schlachtviehversicherung der Berliner( 25 970 bezw. 19 490). Zur Bewältigung dieses außerordentlich alt ist, wenn er seit mindestens einem Jahre in Berlin wohnt Viehkommissionäre, sie ist aber genau genommen ein Unternehmen starken Reiseverkehrs mußten außer den fahrplanmäßigen Zügen und im letzten Jahre keine Unterstüßung aus öffentlichen der Stadt Berlin, die den Betrieb den Viehkommissionären über 60 Sonderzüge, 310 Vorzüge und 146 Nachzüge, zusammen Mitteln erhalten hat und wenn er mindestens zur zweiten wiejen hat. Da hätte unseres Erachtens der Magistrat die 516 außeretatsmäßige 8üge abgelassen werden; am Steuerstufe( 660 bis 900 m.) eingeschätzt ist und die Steuern Pflicht, sich ein bißchen mehr um die Sache zu kümmern und die stärksten besetzt war der 8. Juli, an welchem 13 Sonderzüge und -sofern er über 900 M. eingeschäzt ist bezahlt hat. Der bie ja in solchen Fällen gleich derber zuzugreifen liebt. Auch über Aufrechterhaltung der Ordnung" nicht der Polizei zu überlassen, 97 Vor- und Nachzüge befördert wurden. Unterstützung aus öffentlichen Mitteln gleichgeachtet den Ton, in dem das Personal der Freibant- Verkaufsstellen mit Verschwunden ist der 48jährige Lederarbeiter Franz Hirst aus wird die eigene Krankenhausbehandlung oder die Ver- dem Publikum umspringt, wird geklagt. Freilich braucht da niemand der Fontane- Promenade 8. Er hatte seine Fabrikarbeit verloren und pflegung Angehöriger im Krankenhause, für deren Unterhalt zu fürchten, daß er sich durch unfreundlichkeiten die Kundschaft verwurde er aber auf spätere Zeit vertröstet. Er ließ seine Papiere bei glaubte in einer anderen Fabrik wieder anfangen zu können. Hier der Betreffende zu sorgen hat. Selbständig ist jeder, der einen scheucht. Die Wartenden sind froh, wenn man ihnen überhaupt ber mittellosen Ehefrau zurück und entfernte fich. Die Frau fürchtet, eigenen Haushalt oder die selbständige Verfügung über einen etwas verkauft. Raum hat. Chambregarnisten sind wahlEine städtische Zentralmeldestelle für in den Krankenhäusern frei- daß er sich ein Leid angetan habe. berechtigt, Schlafburschen nicht. stehende Betten soll nach einem Beschluß, den der Magistrat am Zeugen des Straßenbahnunfalles, der sich am 23. Mai, nach Wahlberechtigt ist aber nur, wer in der Wählerliste steht. Freitag gefaßt hat, endlich eingerichtet und zum 1. Januar 1906 in mittags zwischen 3-4 Uhr, in der Kochstraße, Ecke Charlottenstraße, Betrieb genommen werden. Diese Neuerung entspricht den Grund- ereignete, werden ersucht, ihre Adressen Herrn Rosenthal, Belforter Deshalb darf kein Parteigenosse, fein Arbeiter versäumen, fäßen und Forderungen, die unsere Parteigenossen im Stadt- straße 5, zu übermitteln. die Wählerliste einzusehen. Wer die Voraussetzungen der parlament wiederholt vorgetragen haben; aber der Magistrat hat Wählbarkeit erfüllt und trotzdem nicht in die Wählerliste ein- wohl seinen Beschluß nicht gerade aus dem Grunde gefaßt, weil er getragen ist, der erhebe sofort Einwendungen gegen die uns entgegenkommen will. Richtigkeit der Wählerliste. Spätere Einwendungen bleiben unberücksichtigt. Wer die Liste nachsieht, nehme die letzte Steuerquittung mit. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste. Unterzeichnete Kommission hat auf Antrag des Wahlvereins Stralau- Rummelsburg den Beschluß gefaßt, über das Lokal der Ww. Schonert, Stralau, wegen wiederholter Differenzen die Sperre zu verhängen. Die Arbeiterschaft wird ersucht, dasselbe streug zu meiden. Die Lokalkommission. Berliner Nachrichten. Die Berliner Walderholungsstätten vom Roten Kreuz stehen nun in ihrem sechsten Betriebsjahr. Was sie im fünften Jahr geleistet haben, das zeigt der Geschäftsbericht für 1904, der uns jekt vorliegt. Der Gedanke, in der Umgebung von Großstädten Erholungsstätten zu errichten, in denen Erholungsbedürftige sich tagüber in freier Luft aufhalten könnten, wurde 1899 auf dem Tuberkulosetongreß in Berlin vorgetragen. Man versprach sich hiervon Gewinn, besonders für Lungenleidende, und dachte sich diese Erholungsstätten als ein weiteres Mittel im Kampf gegen die Tuber tulose. Im Sommer 1900 begann das Berliner Unternehmen mit einer ersten Erholungsstätte, die den Patienten 12 011 Verpflegungstage gewährte. Im Sommer 1904 bestanden sechs Erholungsstätten, und die Zahl der Verpflegungstage, die sie gewährten, belief sich auf 132 963. In den vier Erholungsstätten für Erwachsene wurden diesmal 2552 verschiedene Patienten verpflegt. Davon waren 2208 von 110 Kassen entsandt worden, die übrigen größtenteils von den Armenverwaltungen Berlins und Charlottenburgs. Die zwei Erholungsstätten für Kinder hatten 1371 verschiedene Kinder zu verpflegen. Außerdem wurde auch in den Erholungsstätten für Frauen noch eine Anzahl Kinder mit untergebracht, meist sogenannte Besuchskinder, die in Begleitung der Mütter famen und Aufnahme fanden.( Den Erholungsstätten für Kinder denken wir noch eine ausführliche Betrachtung zu widmen.) Man muß dem Bericht darin recht geben, daß die Erholungsstätten in dem Kreis der hiesigen Wohlfahrtseinrichtungen bereits ein unentbehrliches Glied geworden sind." Die ärztlichen Berichte über die einzelnen Erholungsstätten lassen erkennen, daß für viele Patienten der Aufenthalt da draußen nicht ohne Nuzen gewesen ist. Bu bedauern ist nur, daß solche Aufgaben noch immer nicht als Pflicht der Gesamtheit angesehen, sondern in üblicher Manier dem guten Willen gemeinnüßiger und wohltätiger Vereine überlassen werden, denen höchstens mal von einer Kommune ein Buschuß gezahlt wird. Der Kampf gegen die Tuberkulose muß ja, wenn er wirklich durchgreifende Erfolge bringen soll, mit noch ganz anderen Waffen geführt werden; die Proletarierkrankheit, wie die Schwindsucht mit Recht genannt wird, läßt sich nicht ausrotten durch nur hygienische Maßregeln. Aber selbst das kleine Mittel, das die Walderholungsstätten sind, kann nur in geringen Dosen verabreicht werden, weil Staat und Kommune untätig zuschauen. Der Mangel an Geld ist und bleibt der wundeste Punkt in dem Betrieb der Erholungsstätten. Trotz aller Beschränkung nur auf das Notwendigste kann das Berliner Unternehmen aus den Pflegegeldern die Kosten des Betriebes nicht decken. Im letzten Jahr wurden von den vier Erholungsstätten für Erwachsene rund 66 000 M. ausgegeben. Eingenommen wurden von Selbstzahlern rund 7000 M., von Krankenkassen annähernd 39 000 M, mithin blieb ein Fehlbetrag von reichlich 20 000 m. zu decken. Die zwei Erholungsstätten für Kinder gaben über 37 000 Mark aus. Sie nahmen ein von Selbstzahlern über 6000 M., von der Armendirektion Berlin über 18 000 M., von anderen Behörden, von Krankenkassen und Vereinen sowie aus diversen Spenden rund 3000 M., der Fehlbetrag stellte sich also hier auf rund 10 000 m. Alle sechs Erholungsstätten zusammen hatten aus ihrem Betrieb cinen Fehlbetrag von 30 000 M. Diese Summe wäre nun aus den Einnahmen des Hauptkontos zu decken. Aber dessen gefamte Einnahmen beliefen sich auf noch nicht 28 000 m.( etwa 10 000 M. von der Stadt Berlin, der Stadt Charlottenburg und der Landesversicherungsanstalt, alles übrige aus milden Spenden, Wohltätigkeitsmatineen usw.), und der nach Abzug der eigenen Ausgaben hier verbleibende Ueberschuß beträgt noch nicht 20 000 m., fodaß 10 000 m. des Fehlbetrages vorläufig ungedeckt bleiben und in das folgende Jahr mit hinübergenommen werden müssen. Wir machen diese Rechnung auf, um gleichzeitig zu zeigen, daß anter den obwaltenden Verhältnissen die Erholungsstätten für den Beitrag, den die Patienten bezw. für sie die Krankenkassen zahlen, feineswegs mehr bieten tönnten", wie das einzelne der Patienten glauben. In diesem Punkte halten wir den Betrieb der Erholungsstätten für einwandsfrei. Klagen über einiges andere, die uns berechtigt schienen, haben wir im vorigen Sommer veröffentlicht. Sie betrafen besonders den sehr wenig liebenswürdigen Ton, in dem die aufsichtführende Schwester einer Erholungsstätte mit den Patienten zu verkehren pflegte. Doch scheint ja auch darin inzwischen eine Besserung eingetreten zu sein. Mit der Errichtung eines neuen Krankenhauses für mittellose Brustfrante nach einem Antrage der Krankenhaus- Deputation bes Bei einem Zusammenstoß zwischen Fahrrad und Tagameter droschke wurde der Xylograph Ernst Heilmann aus der Oranienstraße 72 gestern morgen schwer verletzt. An der Ecke der Schumannund Luisenstraße rannte er auf seinem Rade mit der Droschke zufammen und wurde umgeworfen. Wegen seiner bedeutenden Ber legungen am Kopf und rechten Arm mußte er in die nahe belegene Charité gebracht werden. Hoffentlich glaubt aber der Magistrat nicht, daß durch diese Einrichtung einer eigenen Weldestelle nun schon die Krankenhausnot aus der Welt geschafft sei. Vier Personen bei einer Kahnfahrt ertrunken. Einen überaus traurigen Ausgang hat eine Mondscheinfahrt gehabt, die in der Vor dem Spiegel erschossen hat sich gestern morgen um 9 Uhr Nacht zum Freitag von vier Männern auf der Oberspree unter eine junge Frau von 22 Jahren. Die junge, nicht unschöne Frau nommen worden war. Die in dem Restaurant„ Hasseltverder" bei war in dem Hause Invalidenstr. 6, wo sie seit zwei Monaten ein Niederschönetveide angestellten Oberkellner August 3 a cher, Kellner Zimmer vom Wirt abgemietet hatte, als Fräulein gemeldet und beAlfred Bettmann und Otto Debes sowie der Zapfer Josef trieb die Schneiderei. Wie sich nun herausstellt, ist sie die Ehefrau Scholz waren gegen 12 Uhr, nachdem das Restaurant geschlossen eines Kupferschmiedes in München und heißt Olga Gerbel geborene worden, in Begleitung des Besizers, Herrn Hempel, in einem Kahn Phreiner. Als blutjunges Mädchen schon schloß sie die Ehe, trennte von der Insel Hasselwerder nach Wilhelminenhof gefahren, wo die sich von dem Manne aber vor 14, Jahren. Aus ihrer Wohnung fünf Personen wohnen, um sich dort zur Ruhe zu begeben. Da das drang um die genannte Zeit der Knall eines Schusses, und als Wetter so herrlich war, beschlossen die vier Angestellten, noch eine Nachbarsleute eintraten, lag die junge Frau angekleidet vor dem Mondscheinpartie zu unternehmen. Sie fuhren wieder in der Spiegel auf dem Fußboden in den letzten Zügen. Sie hatte sich in Richtung nach Hasselwerder. Das Boot tam dabei zum die rechte Schläfe getroffen und konnte von einem Arzt nicht mehr Kentern und sämtliche Insassen fanden hierbei den Tod durch gerettet werden. Die Wohnung wurde polizeilich geschlossen. Ertrinken. Das gefenterte Fahrzeug wurde gestern morgen in der Nähe des Restaurants Hasselwerder ans Ufer getrieben. Die Ertrunkenen sind außer dem Zapfer sämtlich Familienväter. Bis her ist nur die Leiche des Kellners Zacher gefunden worden. Im Strafgefängnis Plößensee verunglückt ist gestern nachmittag der Gefangene S., der an der Kreissäge in der Tischlerei und Zimmerei beschäftigt wurde. Bei dem Sägen sprang ein Stück Holz Ein unheimlicher Gast. Gestern mittag erschien in dem Restaurant ab und traf den S. so schwer an den Unterleib, daß er besinnungsPanoramastr. 1 der Kaufmann Klippel aus Brandenburg a. H., der los liegen blieb. Wegen der Erheblichkeit des Falles wurde S. nicht sich gegenwärtig geschäftlich in Berlin aufhält, und ließ sich etwas im Anstaltslazarett untergebracht, sondern nach dem Krankenhause zu frühstücken geben. Er zog dann sein Messer aus der Tasche Mabit übergeführt. heraus, weßte es fortwährend am Tisch und am Teller, um es Tödlich verlaufen ist der Fall, den der fünf Jahre alte Sohn scharf zu machen, begab sich mit dem offenen Messer nach der Frizz des Polizeibeamten Muds aus der Grünthalerstr. 35 dieser Restaurationstüche und schnitt sich vor den Augen des entsetzten Tage erlitt. Während seine Mutter auf dem Boden Wäsche aufPersonals, ohne ein Wort zu sagen, den Hals durch. Blutüberströmt hängte, stürzte das Kind infolge eines Schwindelanfalles aus dem brach K. dann zusammen. Er wurde zunächst nach der Unfall- Bodenfenster heraus. Es wurde nach dem Kaiser Friedrich Kinderstation X in der Keibelstraße und von dort nach dem Krankenhause frankenhause gebracht und ist dort den Verlegungen erlegen. am Friedrichshain gebracht, wo man an seinem Aufkommen zweifelt. Die Schießaffäre in der Jungfernheide, bei der, wie wir berichteten, der Schüler Michael Sommer, Beusselstr. 33, schwer verwundet wurde, hat sich als eine Teschingschießerei von Schultnaben herausgestellt. Nach den Angaben einer Budenbesitzerin bei der Polizei haben mehrere Knaben am Ufer des Spandauer Schiffahrtstanals Unfug mit einem Tesching getrieben. Die anliegenden Schiffer warnten die jungen Burschen wiederholt. Da fiel plötzlich ein Schuß und getroffen stürzte der Schüler Sommer nieder. Sein Zustand ist bedenklich. Aus Furcht vor gänzlicher Erblindung hat sich der 57 Jahre alte Invalide, frühere Zigarrenmacher Hermann Wiese aus der Görligerstr. 50 das Leben genommen. Er wohnte im dritten Stock des Seitenflügels bei einer Nichte, deren Ehemann Schriftsetzer ist. Er wurde gut gehalten. Infolge eines langjährigen Augenleidens war seine Sehkraft ziemlich geschwunden und W. fürchtete eine völlige Erblindung. Während sich die Nichte in Grünau auf Sommerwohnung befand, deren Mann aber die Wohnung auf furze Beit verlassen hatte, stürzte sich Wiese aus einem Fenster auf den of hinab. Mit zerschmetterten Gliedern blieb er tot liegen. Tödlich verunglückt ist in seinem Beruf der 43 Jahre alte Biers fahrer Friedrich Knuth aus der Ramlerstr. 24. Auf dem Hofe einer Brauerei in der Brunnenstr. 140 glitt er beim Verladen der Fässer aus, fiel vom Wagen herunter, mit dem Kopf auf ein Faß und zog sich einen Schädelbruch zu. Daran ist er im LazarusKrankenhause gestorben. Für die Kinderspiele am Sonntag hat der Turnverein Fichte folgendes Programm aufgestellt: Die Kinder versammeln fich früh 8 Uhr. Für den Südosten ist der Sammelplatz an der Freiarchenbrücke am Schlesischen Busch, der Spielplatz in Treptow. Für den Nordosten ist der Sammelplak vor dem Landsberger Tor am Kriegerdenkmal, der Spielplatz im Friedrichshain. Für den Norden ist der Sammelplatz an den Bahnhöfen Schönhauser Allee und Gesundbrunnen, der Spielplak Sportplab Behmstraße. Für Nordwesten ist Sammelplatz Bahnhof Beusselstraße, Spielplas der Turnplatz am Habsburger Ufer. Von 9½ bis 10 Uhr ist Frühstückspause; um 11% Uhr sind die Spiele zu Ende, worauf die Kinder nach den Sammelpläßen zurüdgeführt werden. Die Eltern werden dringend gebeten, ihre Töchter ungeschnürt, ohne Korsett, zum Spielen zu schicken. Feuerbericht. Freitag vormittag wurde die Wehr nach der Strausenstraße 56 gerufen, wo in dem Hotel„ Grüner Baum" ein Kleiner Brand entstanden war. Der 17. Löschzug beseitigte die Gefahr. Möbel und Kleidungsstücke gingen dann in der Köpenickerstraße 46 in einem Schlafzimmer in Flammen auf, während in der Michaelfirchstraße 24 Hölzer in einem Keller Feuer gefangen hatten. Weiter gab es in der Frankfurter Allee 129 zu tun; Risten brannten dort in einem Geschäftsraum. Die übrigen Alarmierungen, die in der Zwischenzeit noch aus der Christburgerstraße 15, Liebigstraße 32 und noch aus einigen anderen Drten einliefen, waren durchweg auf ganz unbedeutende Anlässe zurückzuführen. " Zur Fortführung der Hochbahn nach dem Spittelmarkt haben Im Wissenschaftlichen Theater der Urania wird am Sonntag, wir bereits gemeldet, daß die Gesellschaft sich jetzt bereit erklärt Dienstag, Freitag und Sonnabend der Vortrag Die deutsche Nordhat, die Erweiterungslinie auch unter die Tauben anstatt seeküste" gehalten werden. Am Montag und Donnerstag finden Mohrenstraße zu legen, wiewohl die Weiterführung des Tunnels Wiederholungen des Vortrags" Tierleben in der Wildnis" statt und vom Hausvogteiplak durch die Niederwallstraße wegen der am Mittwoch gelangt noch einmal der Vortrag„ Die Insel Rügen" geringen Breite der letzteren einige Schwierigkeiten bietet. Am zur Darstellung. Spittelmarkt ist die Straße nicht viel über 10 Meter breit, von Theater. Lustspielhaus. Im Anschluß an die Mitteilung. denen der Tunnelbau allein 8 Meter für sich beansprucht; zwischen daß die Vorstellungen des Lustspielhauses vom 1. August ab erst den Fundamenten der Häuser und den Tunnelwänden bleibt dem- um 8% Uhr beginnen, teilt die Direktion mit, daß bei Premieren nach nur ein schmaler Raum übrig, in den die Gas- und Wasser- der bisher übliche 8 Uhr- Anfang bestehen bleibt. In den rohre verlegt werden müssen. Zum Straßendurchbruch, der zirka Reichshallen erzielt Oskar Junghähnels Gastspiel allabendlich 7 Millionen Mark kostet, will die Gesellschaft bekanntlich nur eine ein ausverkauftes Haus. Am Montag, den 31. Juli, tritt Ostar million beitragen, während der Magistrat 3 Millionen verlangt; Junghähnel zum letztenmal auf, und am Dienstag, den 1. August, an eine Einigung auf dieser Grundlage ist kaum zu denken, zumal kehren die Stettiner Sänger von ihrer Ferienreise zurück. Das die Gesellschaft zum Bau ihres Tunnels einer Straße gar nicht Parodie Theater des Direktors Busse, welches sich zirka bedarf. Freilich würde die erstgeplante Trace durch die Mohren- 10 Jahre am Morigplatz befand und zu seinem Personal erstklassige straße eine fast schnurgerade Linie darstellen und schon um des neuen Kräfte zählte und während der letzten vier Jahre in allen größeren Verbindungsweges, der zur Entlastung der Leipziger Straße Städten Deutschlands gastierte, wird während des ganzen nächsten dringend notwendig erscheint, der Führung durch die Taubenstraße Winters hier in verschiedenen größeren Etablissements seine luftigen vorzuziehen sein. Dazu kommt, daß die Stadtgemeinde sich im Vorstellungen geben. Vertrage doch das Recht der Uebernahme der Bahn nach 20 oder 25 Jahren vorbehält, also im eigenen Interesse handelt, wenn sie unnötige Krümmungen der Bahn möglichst vermeidet. Der neue Vorschlag dürfte vielleicht dazu beitragen, daß die Hochbahnverlängerung, um welche man jetzt seit acht Jahren streitet, in absehbarer Zeit ausgeführt wird. Ob mit dem Tunnelbau zugleich die längst ersehnte Verbreiterung der Niederwallstraße verbunden werden wird, erscheint fraglich, da diese wohl nahezu ebensoviel Sosten beanspruchen dürfte, wie die Anlage einer Barallelstraße. Lichtenberg. Vorort- Nachrichten. Vertreter in den Verbandsausschuß, der die Geschäfte des zwischen Die Gemeindevertretung delegierte in ihrer legten Sizung vier den Gemeinden Lichtenberg und Borhagen- Rummelsburg gegründeten wedverbandes- aus Anlaß der gemeinsamen Kanalisation wahrzunehmen hat. Die Vertreter der britten Wählerklasse wurden Kleinhändler und Sozialreform. Einige Mittelstandsherren ber- von den Herren der Majorität ausgeschaltet. Diese Tatsache dürfte anstalteten am Donnerstag eine ,, Protestfundgebung" gegen den Achtuhr- auch denen die Augen öffnen, die immer noch nicht glauben wollen, Ladenschluß und den in Berlin angewandten Wahlmodus zu seiner daß die sonst so feindlichen Brüder in dem Bestreben unter sich" Einführung. Die vom Großkapital arg bedrängten Kleinhändler bleiben zu wollen doch recht ,, einig" sind. scheinen noch immer zu glauben, daß sie aus ihrem hoffnungslosen Gewählt wurden neben dem Gemeindevorsteher zwei VorstandsRingen siegreich hervorgehen könnten, wenn sie von der wahrlich mitglieder und zwei Gemeindevertreter, alle Vertreter des„ bebescheidenen Einschränkung der Verkaufszeit befreit würden. Eine festigten Besizes"! Stmi stellvertretenden Borsitz enden des Gewervegerichtes und des KaufmauuSgerichtes wurde an Stelle des Herrn Glaschke der neu eingestellte juristische Hlllfsarbeiter, Gerichtsasiessor Dr. Artern, der zum 1. September von Posen hierher übersiedelt, gewählt. Zum Berbandstage der Gewerbegerichte in Würzburg schlägt der Gemeindevorstand vor, einen der Vorsitzenden und den Protokoll! führer zu entsenden; die Gcwerbegerichts-Beisitzer der Arbeiter be antragten Entsendung eines Arbeitgeber- und eines Arbeitnehmer! Beisitzers eventuell Bewilligung der Mittel für Delegierung von vier Personen. Auch hier lehnte die Majorität die Anträge der Vertreter der dritten Klasse einfach ohne Diskussion ab. Die Pension für einen 70 Jahre alten Schuldiener nach achtzehn jähriger Gemeindedienstzeit wurde auf 600 M. pro Jahr festgesetzt. Eine Unterstützung für einen nach 30jähriger Dienstzeit ausscheidenden Nachtwächter wurde vom Gemeindevorstande beantragt in Höhe von 438 M. pro Jahr. Betont wurde, daß den Nacht- Wächtern ein Rechtsanspruch auf Pension usw. nicht zustehe. In An- betracht der Dienste, die die Wächter gegen ein Trinkgeld in der Hauptsache den Grundbesitzern leisten müssen. wurde von bürgerlicher Seite beantragt, die Summe auf 500 M. zu erhöhen." Unsere Genossen nahmen Gelegenheit, die Anstellungsverhältnisse der Nachtwächter im allgemeinen und deren Rechtsansprüche als Beamte zu besprechen und den Gemeindevorstand zu ersuchen, durch eine Vorlage an die Gemeindevertretung auch diese Beamtenkategorie sicher zu stellen. Die laufende Unterstützung im vorliegenden Falle wurde auf Antrag unserer Genossen auf 600 M. erhöht. Die Abgabe elektrischer Kraft bezw. Licht aus dem Gemeinde- Werke für den Bahnhof Weißensee wurde beschlossen, unter Ab- änderung des LieferungsvertragcS, besten Dauer auf 20 Jahre aus- gedehnt werden soll. In den Besitz des KanalisationS-ZwcckverbandeS der Gemeinden Lichtenberg und Boxhagen-Rummelsburg übergegangen ist nach einer Meldung des hiesigen Ortsblattes das 2770 Morgen umfassende Rittergut Tasdorf bei Rüdersdorf. Der Preis des Ritter- gutes mit allem dazu gehörigen lebenden und toten Inventar, der Gebäude sowie der diesjährigen Ernte ist auf eine Million und zweihundcrttausend Mark festgesetzt. Der Zweckverband wird nach Erlangung der KorperationSrechte auch die Rechte des„Gutsherrn" und die„Patronats"rechte ans- üben.— Aus dem Gemeindedienst scheidet der Rcgierungsbaumeister Schütte aus. Bei seinem Uebertritt in den Dienst der Dresdner Bank in Berlin, deren neugeschaffene Bauabteilung der bisherige Gemeindcbaumeister neben der Stellung als Geschäftsführer der Berliner Bodengesellschast übernimmt, können die führenden Geister des Ortes nicht unterlassen, ihrer Genugtuung Ausdruck zu geben, daß nun endlich die Möglichkeit gegeben scheint, die Baulichkeiten der Gemeinde im altgewohnten Kasernen- oder Kastenstil aufgeführt zu sehen. Tegel. Ein gewaltiges Unmetter ging Donnerstagabend in der achten Stunde über die nördlichen Vororte nieder. Sturm und Regen ver- «inigten sich und fügten den Landwirten großen Schaden zu. In der Gegend von Tegel, Tcgelort, Heiligensee fand ein wolkenbrnch- artiger Regen statt, durch welchen die Straßenzüge zum größten Teile unter Wasser gesetzt wurden. Durch den Sturm, der dem Gewitter vorausging, wurden zahlreiche Bäume entwurzelt. Bei Schulzendorf ritz ein Wirbelwind die Fachwerkwand einer Scheune ein, die fast bis zum Rande gefüllt war und deren Inhalt durch i>en Sturm herausgerissen und zerstreut tvurde. Am Hermsdorfer Wege schlug ein Blitzstrahl in einen Baum und spaltete diesen mitten auseinander. Auch in der Gegend von Oranienburg scheint das Unwetter sehr gewütet zu haben; auch dort hat der Blitz ver- schiedentlich Schaden verursacht. So wird uns mitgeteilt, daß in der Richtung nach Zehlendorf bei Oranienburg ein gewaltiger Feuerschein sichtbar war. f Den Z 175 des Strafgesetzbuches zunutze hatte sich der Diener Friedrich A l b r e ch t. Gcrichtd-Zeitung. Eine große Anzahl Gerichtsverhandlungen gegen gewerbsmäßige Taschendiebe, die anläßlich der Einzugsfeierlichkciten bei der Krön- prinzen-Hochzeit eine„Kunstreise" nach Berlin unternommen hatten, finden fast alltäglich in dem Moabiter Kriminalgerichtsgebäude statt. Die siebente Ferienstrafkammer, unter Vorsitz des Landgerichts- direktorS K a n z o w, verhandelte gestern gegen einen alten Taschen- dieb, den Requisiteur KarlSchrinkmann aus Hannover, wegen Diebstahls im strafschärfenden Rückfalle. Der aus der Haft vorgeführte Angeklagte ist bereits zweimal mit je drei Jahren Zuchthaus wegen Taschendiebstahls vorbestraft. Nach seiner Eni- lassung aus dem Zuchthause führte er sich längere Zeit gut. Erst anläßlich der EinzugSfeicrlichkeiten in Berlin erwachte in ihm die alte diebische Neigung. Die Hoffnung auf ein guteS„Geschäft" in den menschenüberfülltcn Straßen Berlins veranlaßte den alten Taschendieb, von Hannover eine Extra- fahrt nach Berlin zu unternehmen. Hier wurde er am 3. Juni vormittags llnter den Linden, zwischen dem Denkmal Friedrichs des Großen und dem Palais des Kaisers Wilhelm l., von den Kriminal- schutzleuten Büttner und Schmöcker beobachtet, wie er sich an ver- fchicdene Damen herandrängte und in geschicktester Weise seine Hand in die vordere Kleidertasche versenkte, ohne jedoch etwas zu erbeuten. Der ehemalige Beruf des Angeklagten als Artist und„Schlangen- mensch" kam ihm hierbei sehr zu gute. Schließlich gelang es ihm, einer Dame, ohne daß diese etwas bemerkte, ein braunledernes Klappportemonnaie aus der vorderen Tasche herauszuziehen. In demselben Moment faßten die beiden Kriminalbeamten zu. Im Besitze des Diebes wurde noch ein zweites Portemonnaie mit 6 M. gestinden.— Vor der Strafkammer war der Angeklagte ge- ständig. Staatsanwaltschaftsassessor v. Bonin beantragte mit Rücksicht auf die Gemeingeführlichteit des AngeNagten eine Zuchthaus- strafe von fünf Jahren. Der Gerichtshof erkannte auf drei Jahre Zuchthaus und Nebenstrafen.— Zwei russische Taschendiebinnen ivurden von den- selben Beamten der Taschendiebskontrolle abgefaßt. Die un- verehelichte Antonia MichalSka und die Franziska Ukaczewska aus Mlosczawek in Rußland waren ebenfalls auf einer Kunstreise nach Berlin gekomnien. Da sie noch An- fängerinnen waren. hatten sie das Pech. am 6. Juni vor den« Zeughause sich den Kriminalschutzmann Schmucker als Opfer auSzucrsehen. Der Beamte ließ es sich ruhig gefallen, daß die eine der Diebinnen ihre Hand in seine rechte Hosen- tasche versenkte. Der Beamte beobachtete die beiden Diebinnen weiter, bis sie einer Dame ein Portemonnaie geschickt auS der Kleidertasche herausholten. Als sie dann vor dem Kommandantur- gebäude„Kippe" machm, d. h. das Portemonnaie entleeren wollten. wurden sie festgenommen. In ihren, Besitz wurde eine wertvolle goldene Herrenuhr gefunden, deren Eigentiimer bis heute noch nicht ermittelt werden konnte. In den Taschen der Diebinnen fand man Nickelgeld, in ihren Strümpfen das Silbergeld und unter dem Korsett auf dem bloßen Körper noch zwei Goldstücke.— Das Schöffengericht I sah die Handlungen der Angeklagten mit Rücksicht aus ihre bisherige Unbescholtenheit etwas milder an und erkannte unter ernsten Verwarnungen nur auf drei bezw. acht Wochen Gefängnis. Ein Uh rendieb wurde ebenfalls an dem Kreuzungspunkte der Friedrichstraße und Unter den Linden von den, Kriminal» schutzmann Büttner abgefaßt. Der Beamte beobachtete, wie ein Mann sich an verschiedene Passanten herandrängte und schließlich einem derselben mit unglaublicher Fixigkeit die Uhr aus der Tasche herauszog und damit im Gedränge verschwinden wollte. Der Dieb wurde festgenommen und der Polizeiwache zugeführt. Hier wurde er als der bereits vorbestrafte Arbeiter Hugo Seydler er- kannt. AuS dem Untersuchungsgefängnis vorgeführt, mußte sich S. vor der 7. Siraflammer wegen Rückjalldiebstahls verantworten. Der Gerichtshof erkannte über den Antrag des Staatsanwalts hinaus auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis. zu machen versucht ,. der gestern wegen versuchter Erpressung vor der zweiten Ferienstraflammer des Landgerichts I stand. Im Oktober des Jahres 1900 unternahm der in Berlin wohnhaste Rentier Hugo Stuttmeister eine kleine Spritzfahrt nach Hamburg. Hier lernte er den damals stellungslosen Angeklagten kennen. Er iiberredcte den noch jugendlichen A., mit ihm zu kommen, worauf dieser auch einging. Der Angeklagte, der bis dahin so gut wie gar keine Kenntnis von dem Vorhandensein gewisser Neigungen hotte, ließ sich infolge einer versprochenen höheren Summe auch verleiten, auf die Ansuchen des reichen Rentiers einzugehen. Der strafbare Verkehr dauerte längere Zeit an. Als sich der Angeklagte später in Not befand, schrieb er an seinen„Freund" einen Brief, in welchem er um eine kleine Unterstützung bat. Da St. wohl seine Hamburger Bekanntschast längst vergessen hatte, antwortete er auf den Brief des Angeklagten nicht. Dieser richtete noch weitere Briefe an Stuttmeister, die nunmehr den Gegenstand der vorliegenden An- klage wegen Erpressung bildeten. In den Briefen bedrohte der An- geschuldigte Herrn St. mit einer Anzeige wegen Vergehens gegen § 175 des Strafgesetzbuches.— In der Verhandlung vor der Straf- kammer zog es Stuttmeister vor, nicht zu erscheinen. Der Gerichts- Hof hob hervor, daß gegen derartige Erpresser wie den Angeklagten besonders scharf vorgegangen werden müsse. Etwas milder scheine die ganze Sachlage indessen dadurch, daß der Angeschuldigte selbst der durch de» Rentier St. Verführte sei. Das Urteil des Gerichts- hofeS lautete auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis sowie drei Jahre Ehrverlust. Gegen den aus gewissen Gründen nicht erschienenen Rentier Stuttmeister verhängte das Gericht die höchst zulässige Ordnungsstrafe von 300 Mark eventuell sechs Wochen Haft. Ein entsetzlicher Straßennnfall, welcher durch das unsinnige Fahren eines Kutschers entstanden ist, beschäftigte gestern die neunte Strafkammer des Landgerichts I. Wegen fahrlässiger Tötung war der Bierkutscher Heinrich Bern angeklagt.— Am 4. April dieses Jahres, gegen 2 Uhr nachmittags, fuhr der Angeklagte mit einem Bierwagen der Firma Gabriel u. Jäger die Gerichtstraße ent- lang, und zwar in überaus schnellem Tempo. Als er in die Nähe der Kreuzung mit der Reinickcndorferstratze an- gelangt war, achtete er nicht darauf, daß eine Greisin, die fünfundsiebzigjährige Witwe Jütmann. im Begriff war. den Straßcndamm zu passieren. Er fuhr unbekümmert um die alte Frau drauf los, die infolge ihres hohen Alters nicht schnell genug ausweichen konnte. Die Greisin wurde von dem Fuhrwerk gefaßt und zu Boden geworfen. Beide Räder des schwer beladenen Bierwagens gingen über die Unglückliche hinweg, die blutüberströmt am Boden liegen blieb. Der Angeklagte sah sich nur flüchtig um, hieb dann auf die Pferde ein, um sich durch die Flucht seiner Fest- ftellung zu entziehen. Einem Radfahrer gelang es, den Angeklagten zu verfolgen und seine Feststellung zu veranlaffcn. Die über- fahrene Greisin hatte einen schweren Becken- und Oberschenkel- bruch erlitten und starb bald nach Uebcrführung in ein Kranken- Haus. Der Staatsanwalt hielt, mit Rücksicht auf die schweren Folgen der gröblichen Fahrlässigkeit des Angeklagten eine G e- f ä n g n i S st r a f e von sechs Monaten als eine angemessene Sühne. Rechtsanwalt Appelrath bat, mit Rücksicht auf die bis- herige Unbescholtenhcit des Angeklagten, auf eine erheblich mildere Strafe zu erkennen. Der Gerichtshof führte aus, daß das Publikum egen das unsinnige Fahren vieler Kutscher, welches die schwersten Infälle zur Folge habe, auf das energischste geschützt werden müsse. Trotz der bisherigen Unbescholtenheit dcS Angeklagten lautete des- halb das Urteil auf drei Monate Gefängnis. Der großartige Fäkalien-SpiritnS-Schwindcl kam gestern vor dem Reichsgericht zur Sprache. Durch Urteil des Landgerichts Dresden vom 29. April ist der Privatmann Gotthelf Dornig wegen Betruges zu zwei Jahren Gefängnis und 1500 M. Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte eine angebliche Erfindung, aus mensch- lichen Fäkalien Spiritus herzustellen, zun, Patent angemeldet, eine Gesellschaft zur Ausbeutung der„Erfindung" gegründet und bereits 163 000 M. für Geschäftsanteile eingenommen, als das Patentamt eine nochmalige Nachprüfung der Erfindung ver anlaßte. Es stellte sich dann heraus, daß Dornig überhaupt keinen Spiritus aus jenem anmutigen Grundstoffe herstellen konnte, daß er vielmehr vorher heimlich in die Masse Spiritus gegossen hatte und daß nicht mehr Spiritus herauskam, als er hineingctan hatte.— In seiner Revision beschwerte sich der Angeklagte darüber, daß nicht eine nochmalige Prüfung seines Verfahrens durch andere Sachverständige erfolgt sei. Da aber die Auswahl der Sach- verständigen in das Ermessen des Gerichts gestellt ist, so lag ein Revisionsgrund nicht vor und das Reichsgericht erkannte auf Ver- w e r f u n g der Revision. Venmlcbres. Unvorsichtiges Umgehen mit Waffen. Dresden, 28. Juli. AuS Unachffamkeit erschoß bei Schießübungen im Königsbrücker Forst der Wattenhändler Meyer den Zigarcttenfabrikanten Schuchardt. Duisburg, 28. Juli. Im benachbarten Neumühl stürzte heute nachmittag ein Anbau der Gasanstalt zusammen. Dabei wurden drei Personen getötet und mehrere verletzt. Ein junger Löwe brach in der gestrigen Eröffnungsvorstellung in Essen aus der Charlesichen Menageric aus und rannte im über- füllten Zuschauerräume umher. Es entstand eine große Panik, einige Personen wurden verletzt. Das Tier ist wieder eingefangen. Das dänische Schulschiff„Georg Stage", das vor kurzer Zeit in der sog. Holländertiefe bei Kopenhagen von dem englischen Dampfer „Ancona" angerannt wurde und sank, wobei 22 Schiffsjungen er- tranken, ist nunmehr nach langen Bemühungen gehoben worden. Man fand im Wrack noch eine Leiche; die Leichen der übrigen Vermißten werden wohl kaum mehr aufzufinden sein. In der Kajüte des Kapitäns fand man u. a. das Schiffsbuch, dessen Schrift noch vollkommen leserlich war. Die begonnenen Aus- besserungen des Schiffswracks werden gegen zwei Monate bean- spruchen, worauf der„Georg Stage" abermals als Schulschiff bemannt und hinausgescndet werden soll. Gegen den Kapitän der „Ancona", Mitchcl, der in den Seeverhören als allein schuldig be- fundcn wurde, ist von den dänischen Behörden die Rechtsverfolgung eingeleitet worden; doch wird der Urteilespruch noch etwas auf sich warten lassen. Der Zugzusammenstoß auf dem Hall-Road-Bahnhof an der Lancanshire- und Uorkshire-Linic wurde, wie aus London gemeldet wird, dadurch herbeigeführt, daß der elektrische Exprehzug. der mit einer Geschwindigkeit von 40 bis 50 Mdixir die Stunde fuhr, in- folge falscher Weichenstellung auf einen leeren, auf einem Neben- gleise stehenden Zug auffuhr. Der erste Wagen des ExpreßzugeS. in dem 25 Passagiere saßen, wutde gänzlich zertrümmert. 20 Per» sonen waren sofort tot, der Rest wurde verwundet unter den Trümmern begraben. Die Linie, auf der sich der Unfall ereignete, war die erste, die für den elektrischen Fernverkehr in England eröffnet worden war. Ein WohnungSmieterslreik ist in Warschau ausgebrochen: Die Mieter verlangen eine allgemeine Herabsetzung des Mietzinses und sind dort, wo die Hausbesitzer sich weigern, ihrem Wunsche stattzugeben, zu Gewalttätigkeiten geschritten. So. steckten beispiels. weise die Mieter eines Hauses an der Leopoldinastraße die HauS- besitzerin in einen Sack und warfen sie auf die Straße. Die Mieter eines HauseS der Krochmalnastraße zogen dem Hausverwalter einen Sack über den Kopf, zerrten ihn vom dritten Stockwerk aus über die Treppe in den Hof und warfen ihn auf einen Misthaufen. In einem Haufe an der Wroniastraße wurde der Hausverwalter gleich- falls in einen Sack gesteckt und in einem Karren auf die Straße gebracht, wo er schrecklich mißhandelt wurde. Wenn ein Haus. besitzer oder Hausverwalter den Forderungen der Mieter nachgab, wurde er in d.cn Hof gelestet, wo er, auf 5er ErSe liegend, eine bereits früher ausgefertigte Verpflichtung betreffs Ermäßigung der Miete unterzeichnen mußte. Dann veranstalteten die liebenS- würdigen Mieter eine Geldsammlung, um den wundermilden Wirt zu bewirten und ihm in der Zeitung eine„Dankannonce" zu ver- öffentlichen. Ein besonders korpulenter Hausbesitzer und seine nicht minder korpulente Gattin wurden in einen Sack getan, auf einen Karren geworfen und dann so lange auf dem holprigen Pflaster hin- und hergefahren, bis sie halbtot auf alle Wünsche der Mieter eingingen._ Achtung, Vereine! Aufnahme in den Anfang August zur Ver- öffentlichung gelangenden Vereinskalender finden nur solche Vereine, die bis zum 4. August darum nachsuchen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 30. Juli, vorm. S'l, Uhr, im Bürgersaale des Rathauses, Eingang Königstr. 15—18: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung.— Um lOff. Uhr vormittags in der Schul-Aula, Kleine Franksurtersw. 6: Vortrag des Herrn Pros. Dr. Albert Gehrle: „Aberglaube und Mystik." Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. Berlin, Filiale 6. Sonnabend, 29. Juli, bei Wiesenthal, Ackerftr. 123: Mit- glicderversamullung._ ßrkfhaften der Rcdahtiött- Kleinstädter. Jngenieurdiplom: höhere Lehranstalt und dann Pokh« technikum.(Mittweida ist nur Technikum.) Doktortitcl haben nicht alle Aerzte; zu haben braucht ihn keiner.— Borries. Nein.— Königstreue. In einer der nächsten Stummem. -JurikWcher Cell. »Ie jnrtstls«e Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme de« Sonnabend» von 7'h bis»>/,»hr statt. Geöffnet: abend« 7 Ubr. D. Rixdorf. Der Sachverhalt mu{i4em etwas anderer fein als Sie ihn schildern. Sonst enthielte der Brics des Rechtsanwalts eine Erpressung. Wiederholen Sie deshalb Ihre Frage schriftlich oder in der Sprechstunde unter Ergänzung des Sachverhalts durch Uebermlttelung des vollen Wort- lauts des Vertrages und des Anwaltsbriescs.— M» T. 137. Keineswegs ist ein Mädchen gezwungen, den Bater ihres KindcS zu heiraten. Alimente usw. hat der Vater trotzdem zu zahlen; das Mädchen kann heiraten, wen sie will.— A. B. Der Antrag aus Rückerstattung ist schristlich oder mündlich an den Magistrat, Abteilung für Jnvalidenvcrfichemng, Köllnischer Park, zu richten. Ew Beispiel sür solchen Antrag finden Sie S. 605 Nr. S5b des in den öffentlichen Bibliotheken ausliegendcn„Arbeiterrechts". — Zwei Streitende 70. 1. Sie können aus dem Patentamt(Louisen- strage) die Patcntliste einsehen. 2. Die junge Frau ist durchaus im Recht. Da? Verlangen des Mannes und der Schwiegermutter ist kleinlich und un- berechtigt. 3. Nein.— M. B. 10. 1. Die Sachen kann er zurückholen oder aus ihre Rückgabe klagen. Gegen die Frau kann aus Herstellung des ehelichen Lebens gellagt werden. 2. Der Betrieb eines Gewerbes ist jeder- mann ohne weitere Konzession gestattet. In welche» Fällen Abweichungen von dieser Regel statlsindm, ersehen Sie aus der Gcwcrbe-Ordnung.— — Ich. II. 1. Ein Anspruch aus Schadenersatz steht Ihnen nach dem klaren Wortlaut des Z 3 Absatz 4 nur dann zu, wenn Sie beweisen, daß der Wirt(erste Wirt) Ihnen arglistig Mängel verschwiegen hat. Der jetzige Wirt hat Ihnen nicht vermietet, kann Ihnen also auch bei der Miewng nichts araltstig verschwiegen haben. Ihm gegenüber stehen Ihnen Rechte aus Schadenersatz nicht zu. 2. Siessind zur Ausrechnung gegen Miete usw. nicht berechtigt. 3. Unpsändbar sind die vom Gerichtsvollzieher und aus Be- schwcrdc vom Amtsgericht für unentbehrlich erachteten Gegenstände. Welche das sind, ist von Fall zu Fall zu entscheiden.— Michel 0. Eine Klage aus Schadenersatz hat wenig Aussicht auf Erfolg.— O. 100. L. Können Sie beweisen, daß vereinbart ist. Sic beide spielen gemeinsam, so hätte eine Klage Aussicht aus Erfolg. Ist aber lediglich ein Geschenkversprechen ab« gegeben, so wäre die Klage aussichtslos. Nach Ihrer Darstellung scheint der letzte Fall vorzuliegen.— Grenzstreit. Ja, das Katasteramt sungiert bei Grenzstreitigkeiten nicht als Richter, sondern als Sachverständiger über Tatsachen. DaS Gericht kann aus Grund des vorliegenden Materials zu einem anderen Schluß als da? Kataster- amt kommen.— St. F. IL. 1. Gehört der Witwe. 2. Ja. — F. P. 32. 1. Sic könnten lediglich aus Zahlung(und eventuell aus Exmisfio») beim Anitsgertcht klagen. 2. Die Frau soll sich an einen Arzt wenden, zu dem sie Zutrauen hat. 3. Wer anmeldet, kann das überflüssige Exemplar behalten.— Schöneberg 1905. Ob bestimmte Paragraphen der von Ihnen gemeinten, aber nicht genannten Kasse dem Wortlaut deS K.-B.-G. entsprechen, wollen Sie selbst durch Einsicht in daS K.-V.-G., das in jeder öffentlichen Bibliothek ausliegt, scststellcn. Ob die Kasse bestimmte, von Ihnen erwähnte Vorschriften erlassen kann, hängt davon ab, ob sie dem § 75 des K.-V.-G. entspricht, ob sie«IS Zuschußkasse oder wie sonst konstruiert ist. Im Interesse der Fragesteller selbst kann nur dringend die Bitte wieder- holt werden, allgemeine Fragen zu unterlassen und den Rechtssall dar« zustellen, über den der Fragesteller Auskunst haben wA.— E. 90. Nein. ~ Unendlic""' Fenster 29. ich häufig haben wir die dringende Mahnung ausgesprochen, kein Schriftstück zu unter- schreiben, dessenJnbaltmanntchtgen au geprüft und von dem man Abschrist nicht erhalten hat. Die mündliche Zusicherung ist außerordentlich schwer zu beweisen. In Ihrem Falle ist es nicht unmöglich, aber sehr unwahrscheinlich, daß im Klagesalle Ihr llstarm siegen würde.— 80. 8. 27. Die Vcrlobunaszeichen(Ringe, Photo. graphien u. dergl.) sind bei der Aushebung der Verlobung zurückzugeben. —<£. 40. 7., O. K. 33. Ja.— K. F. 207. Falls nicht der blandes. bcamtc daraus verzichtet: ja.— Schlafstelle. 1. und 2.: Nein.— P. C2. Ja, falls nicht etwa ein Schcwvertrag vorliegt.— K. L9. Eine Klage— zuständig wäre das Gcwcrvegericht— hätte wenig ZluSsicht aus Erfolg.— M. ff. 35. 1. und 2.: Nein, aber Ihr Gewerbe haben Sie(bei der Verwaltung der direkten Steuern) anzumelden. 3. Ja.— P. P. 31. Ob «sie mit Aussicht aus Ersolg reklamieren können, hängt davon ab, ob Ihr Einkommen tatsächlich 1800 M. nicht erreicht. Die Nachbesteummg sür die drei letzten Jahre ist nach S 80 des Einkommensteuer-Gesetzes zulässig. — 100 W. B. 1. Ja. 2. biS 4. Städtisches Gesinde ist in Preußen nicht krankeuversichcrungspstichttg. Im Falle der Erkrankung hat die Herrschält die erforderliche Verpflegung und ärztliche Behandlung bis zur�Dauer von sechs Wochen, jedoch nicht über die Beendigung des Dienstverhältnisses hin- aus. zu gewähren. Die Verpflegung und ärztliche Behandlung kann durch Ausnahme de« Gesindes in eine Krankenanstalt gewährt werden. Die Kosten können aus die sür die Zeit der Erkrankung geschuldete Vergü!m:g(also höchstens aus einen Scchswochcnlohn) angerechnet werden.— H.(9. Wenn die Firma nicht ohne weitere» die Acnderung vornimmt oder Schadenersatz leistet, so können Sie beim Amtsgericht klagen. Der Erfolg der Klage hängt von dem Gutachten des gerichtlichen Sachverständigen im wesentlichen ab. Wie dies auSsällt, ist völlig ungewiß.— O. Nein. — S. 00. Soweit ersichtlich, ist die Firma im Recht. Sie hat das Geld nur an Sch. und nur in der Art zu zahlen, wie sie eS mit Sch. vereinbart hat. Sollte sie diesen Vereinbarungen entgegenhandeln, so steht Sch. daS Recht aus Klage beim Gewerbcgericht zu. Sein etwaiger Vertreter zur Bersolgung seiner Ansprüche müßte schriftlich oder zu gerichtlichem oder notariellem Protokoll bevollmächtigt werden.— E. T. 1. Der Ausenthalt in einer Erziehungsanstalt kann bis zum vollendeten 21. Lebens- jähre dauern. 2. Solches Recht hat der Vormund nicht.—W sundheit erheblich schadigen oder ein- arglistige Verschweigung erheb- licher Mängel vorliegt. Dieser von Ihnen zu führende Beweis ist schwierig. Wetter-Prognose für Sonnabend, den 29. Juli 1905. Ziemlich warm, viclsach heiter, aber veränderlich bei meist schwachen nördlichen Winden, etwas Regen und Gewillcnieigung. Berliner Wetterbureau. Verantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für Un Inseratenteil veravtw.: Ty. Glocke, Berlin. Druck». Berlag: Vorwärt» Buckdruckerei u. Blllo2SanjlsIt"Pauk Singer& Co., Berlin SW am Schmöckwitz Gasthaus zur Palme ebbinfee. ( Endstation der ,, Stern"-Dampfer.) Hermann Peter. Telephon: Grünau No. 39. Empfehle mein allbekanntes, herrlich am Wald und Wasser belegenes Lokal den geehrten Vereinen und Gesellschaften zu Ausflügen. Ausspannung und Dampferstege, Regelbahnen, große Kaffeeküche. Säle, Hallen, großer schattiger Garten, 2000 Personen fassend. Restaurant Waldschänke Station Stolpe a. d. Nordbahn steht der Arbeiterschaft zur Verfügung. 2926* H. Jädicke. GOTT GRUSS Ein herrliches Fleckchen Erde! DIE KUNST Heideschlößchen Hohenbinde Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis: Bimmer 34. Amt IV, 3353. lischen Sonntag, 30. d. M., vormittags 10 Uhr, im„ Englischen Garten", Meganderstr. 27c: Versammlung Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Nadler Jeder Arbeiter, Ernst Kolle Jeder Handwerker am aller in der Metall- und Eisen- Industrie beschäftigten Sonntag, den 30. Juli, nach Hobler, Bohrer, Stoßer und Fräser. nstars: Tages- Ordnung: 19801190 1. Berichterstattung vom Berbandstag. Referent: Kollege Mag Gienke. 2. Distuffion. 3. Neuwahl des Branchenvertreters. 4. Berschiedenes. Die Wichtigkeit der Tages- Ordnung erfordert, daß jeder einzelne Zum Gutenberg". Stadtbahnstation* Kollege in dieser Bersammlung anwesend ist. Erkner. Achtung! Achtung! 121/3 Von Ertner 30 Minuten herrlichster Waldweg. Romantisch am Walde, inmitten grünender Wiesen und Sonntag, den 30. d. M., vorm. 9%, Uhr, im Gewerkschaftshause, direkt an der Spree gelegen. Vorzügliche Küche. Union- und SchultheißBiere. Vereine, Gesellschaften sowie alle Kollegen und Bekannte lade ich zu zahlreichem Besuche freundlichst ein. Albert Lehmann.no Wo? machen wir des Sonntags hin? Nach Pichelswerder aum alten Freund! Größter Tanzsaal! Sonntag, den 30. Juli: A Dampfer- Extrafahrt A Engel- Ufer 15( Saal V): Konferenz I. aller Werkzeugmacher aus den Spezialwerkstätten für Schnitte und Stanzen. Lages Ordnung: Unsere Lohn- und Arbeitsbedingungen. Es ist Pflicht aller Kollegen aus Spezialbetrieben Berlins und Umgegend, in dieser Konferenz zu erscheinen. Achtung! Bibliothek. Achtung! nach Hankels- Ablage. Abfahrt in Berlin 2, Uhr an der Inventur teine Bibliothetsbücher mehr ausgegeben werden. Stralauerbrüde, Ecke Waisenbrücke. Einfache Fahrt 50 Pf. L. Kahnt. Partei- Speditionen: Unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daß wegen Vornahme von Die Mitglieder, welche noch im Besiz von Bibliotheksbüchern find, werden ersucht, dieselben so schnell wie möglich abzuliefern. Die Bibliothek befindet sich im Verbandsbureau, EngelUfer 15 I, und ist täglich während der Bureaustunden Berlin Zweiter Wahlkreis: Hermann Werner, Mittenwalder Straße 30, v. part. Dritter Wahlkreis: St. Frik, Prinzenstr. 31, von 9-1 Uhr vormittags und von 4-7 Uhr nachmittags geöffnet; Sonn Vierter Wahlkreis O.: Robert engels, Dienstags und Freitags außerdem bon 7-9 Uhr abends. Hof rechts part. Frankfurter Allee 79. SO.: Paul Böhm, Laufiperplatz 14/15 abend nachmittags und Montag nachmittags ist die Bibliothek ge( Laden). Fünfter Wahlkreis: Leo 8ucht, Keibelstraße 42 schlossen. Die Ortsverwaltung. ( Laden). Sechster Wahlkreis( Moabit): Karl Anders, RosenSalzwedelerstr. 8, im Laden.- Wedding und Oranienburger Deutscher Holzarbeiter Verband Möbelpolierer Vorstadt: Karl Weiße, Wiesenstraße 41/42. thaler Vorstadt, Gesundbrunnen: Hermann Raschte, Rügenerstr. 24, vorn part. links. Schönhauser Vorstadt: Starl Mars, Kastanien Allee 95/96.- Alt- Glienicke: Reinhold Schulz, Rudowerstr. 72. Charlottenburg: Gustav Garnberg, 1 SO Mittwoch, den 2. August, abends 82 Uhr Bezirks- Vertrauensmänner- Versammlungen für Often bei Rubat, Blumenstraße 38 für Südosten bei Tzschacksch, Naunynstraße 6 für Norden bei Ma a B, Brunnenstraße 96. Jede Werkstatt hat die Pflicht, vertreten zu sein. Der Obmann. Zentralverband der Handels-, Transport- Verkehrsarbeiter Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin I. Sesenheimerstr. 1, Ede Goethestraße, vorn I. Deutsch- Wilmersdorf: W. Nidel, Brandenburgischestr. 110, III r. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg, Boxhagen, Stralau, und Rummelsburg: Otto Seitel, O. 112, Stronprinzenstr. 50, I. Grünau: H. Bluhme, Viktoriastr. 2. Rixdorf: M. Heinrich, Prinz Handjerhstraße 7, im Laden. Schmargendorf: Guftab Kaminsky, Cunostraße 2. Schöneberg: 89/13 Wilhelm Bä u mler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. OberSchöneweide: Otto Münzer, Deulstraße 4, II. NiederSchöneweide: Bonatowsky, Hasselwerderstr. 1 d.- Johannisthal: A. Gammisch, Bismarcftr. 7.- Adlershof: P. Schmidt, Bismardstr. 32, I.- Königs- Wusterhausen: Körle, Berlinerstr. 19. Köpenick: Friedrich Woid, Grünstr. 29. FriedenauSteglitz: H. Bernfee, Schloßstraße 115, Gartenhaus I, in Steglit. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstraße 8, und Fr. Schellhase, Ahornstraße 15 a. Mariendorf: Hermann Reichardt, Chausseestraße 16.- Baumschulenweg: Stod, Ernststr. 2, II. Treptow: R. Voigt, Elsenstr. 37, born III I. Neu- Weißensee: W. Reste, Sedanstr. 53, part. Reinickendorf- West: Emil Neuhoff, Eichbornstr. 54. Reinickendorf- Ost, Wilhelmsruh und Schönholz: P. Gursch, Provinzstraße 108. Tegel, Borsigwalde, Dalldorf und Waidmannslust: Paul Kienast, Borsigwalde, Schubartstr. 43. Pankow- Niederschönhausen: G. Freiwaldt, Floraftr. 66. Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankels Ablage: Alfons Gräz, Eichwalde, Kronprinzenftr. 82, I. Nowawes: Wilhelm Jappe, FriedrichStraße 1. Spandau: öppen, Jagowstr. 9. 1 Außerdem ist sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen Werte dort zu haben. Auch werden Inserate für den Vorwärts" entgegengenommen. Bitte ausschneiden. Achtung! Achtung! N Rollkutscher, Begleiter n. Bodenarbeiter aus allen Speditionsbetrieben Berlins! Sonntag, den 30. Juli, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( großer Saal): Oeffentliche Versammlung. Tages Drdnung: am 25. b. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Markus Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. Rege Beteiligung erwartet 121/12 Die Ortsverwaltung. S Arbeiter- Raucherbund Berlins und Umgegend. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Ehefrau des Mitgliedes Blümel aus Klub Alter Berliner" am 27. d. M. verstorben iſt. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. 5. Mts., nachmittags 22 Uhr, von der Leichenhalle des Kreuz Kirchhofes in Mariendorf aus statt. 292/3 $ follte zur Arbeit die Lederhose Herkules tragen. Allein- Berkauf. Sehr starkes Leder in praktischen grauen u. braunen Streifen, auch einfarbig. Am Bund aus einem Stud gearbeitet. Sehr feste Kappnähte. Haltbarste Pilot- Taschen. Große Flicken umsonst. 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Für die herzlichen Beweise inniger Teilnahme an dem Ableben meiner geliebten Frau 38722 Marie Prestel spreche ich hiermit allen Teilnehmern meinen herzlichsten Dank aus. Charlottenburg, den 27. Juli 1905. August Prestel nebst Kindern und Geschwistern. Achtung! Achtung! Kartonbranche. En gros. Export. En detail. Chauffeestr.24a/ 25.Brückenstr.11. Gr. Frankfurterstr. 20. Das 25. Haupt- Breisbuch 1905 wird fostenlos und portofrei zugesandt. Bei Bestellung von Hosen ist die Bundweite und die Schrittlänge, bei Jacketts und Kitteln die Brustweite 36152* anzugeben. Versand von 20 M. an franco. Nachdruck verboten! Vereinigung der Maler, Lackierer, Anstreicher. Bei der Verlosung auf dem Sommerfest find acht Gegenstände auf die Nummern 55, 94, 136, 162, 184, 221, 228 und 315 nicht abgeholt. Die Gegenstände können gegen Vorzeigung des Roses in unserem Die Zahlstelle der Karton: Burau, Engel- Ufer 15, abgeholt werden. arbeiter befindet sich von heute ab in der Restauration bon Lehmann, 125/6 Die Ortsverwaltung. Barnimstr. 13. 24/11 Dr. Simmel, Str. 41, Die Ortsverwaltung. Eckdeftillation mit Vereins- und Billardzimmer, Prinzen15/ 11* Spezialarzt für Hant- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. stellern und anschließender Wohnung Eine Mark zu 2316* Görlitzer Ufer 13. Köpenick. 1. Bericht der Lohnkommission und Beratung eines den Unternehmern zur Annahme vorzulegenden Lohntarif- Entwurfes. 2. Diskussion und Be schlußfaffung. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Geschäftliches. 68/19 Echten alten Kottbuser Bei der außerordentlich wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Korn zu haben bei Aug. in obengenannter Branche beschäftigten Kollegen, in dieser Bersammlung be- Tauchert, Gastwirt, Müggelstimmt und pünktlich zu erscheinen. 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