Nr. 209. Erscheint täglich außer Montags. Prets pränumerando: Bierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Pfg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags: Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Belt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DefterreichUngarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Poft Beitungs- Preisliste für 1892 unter Nr. 6652. " Vorwärts 9. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder beren Staum 40 Pfg., für Bereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 fg Inferate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr Nachmittags in ber Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr Abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr Bormittags geöffnet. Sernsprech- Anschlus Amt 1, Nr. 4 186. Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Quittung. Jm Monat August gingen bei dem Unterzeichneten ein: a) Freiwillige Beiträge: arbeiter 8,60. # Mittwoch, den 7. September 1892. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. b) Für Maifestzeichen: Ludwigshafen 110,-. Randow- Greifenhagen 75,-. Merse burg 27,-. Siebenter fächsischer Wahlkreis 60, Ruppin 5,-. Offenbach 100,-. Dresden 16,20. Berlin W., den 5. September 1892. NeuFür den Parteivorstand A. Bebel, Groß- Görschenstr. 22a. leben 5,65). A. B. 150,-.. S. 50,-. Arnstadt, Hand- Unzufriedenheit, der Parteihaß, miserabler monarchischer Schuhmacher- Stiftungsfest 3,20. Münden H. A. 5, Berlin, Geist, und die noch so mächtige Kirche- Alles vereinigte Geburtstagsfeier Alexandrinenstraße 23 2,50. Der Pastor sich zu einem Sturmlauf gegen die Republik. Ein General von Venedig sammelte in der Patzenhofer Tonne bei einer Geburtstagsfeier 1,65. Mufifertusch nach dem Begräbniß( Boulanger) führte den Angriff, seinen Federbusch schwingend. Dr. 2. A., Berlin 20,-. Flensburg 25,- Wandsbeck 5,- 6. G. M. 5,-. Mehrere Schuhmacher aus der Jäger- und Frankreich stimmte an der Wahlurne für die Ordnung, ( A. H. 200,-, von G. u. Sch. 36,10) 236,10. 3m Paradiese ge- ftraße 4,20. Treptow, Hasenclever" 3,-. Gesammelt in der für die Vernunft, für den Frieden. Heute, unter der be Hörde, Rothe Schreiner", 3,-. Münden in Pagenhofer Tonne 1,30. Berlin VI, Rosenthaler Vorstadt 169,20. wegten Oberfläche des politischen Lebens, breitet die Partei Hann. 20,- Rheine i. M. 5,-. Berlin, Kreuz- Solo, Stat Cl., der Ordnung, der Vernunft, des Friedens sich mehr und Ueberschuß amer. Auktion 5,70. Fürstenwalde 20,-. Forst i. d. L. mehr aus, dringt mehr und mehr in die Tiefe. 100,-. Stettin, Nähmaschine" 4,-. Hamburg, vom Bau Die uns anklagen, wir träumten von Krieg und Era. b. n. Koppel und Alsterweg, 20,-. Hamburg. Ges.- Club oberungen, oder die unseren Anklägern glauben, mögen doch Frohsein 1872", 100,-. Karlsruhe, J. u. B., Ueberschuß vom uur einen Augenblick nachdenken. Unsere Armee von heute wahren Jakob, 5,50. Lindenau u. Umgegend, von den c) Für Reimer's Kinder: Rürschnern 5, Mülhausen i. Elsaß, J. R., Metall- Leipzig, Bom gemischten Chor" 3,15. Berlin, B. u. G., ist das Volk in Waffen, die bewaffnete Nation. Wer sieht Hamburg Hohenfelde, Maurer vom Bau Malerwerkstatt 9,-. Birna 6,30. Gorbit b. Dresden 4,30. die Wirkungen der Revolution in unseren Sitten, welche wir Lübeckerstr. 20, Berlin, Möbelfabrik M. B., Friedrichstr. 8, Mombach 5,-. Leipzig, Genoffen des Südbezirks 24,70. Erfurt, durchgemacht haben? Früher entgingen die Familien der Klassen, 10,- Bremerhafen, Amerik. Auktion„ Colosseum" 1,50. Ham- Th. Tribune, Tabatspinner Nordhausens 5,27. Bon S. 1,50. welche die Politik und die Angelegenheiten des Landes leiten, burg- Altona, Uebersch. v. III. Bundes- Sängerfest durch H. 500,-. Bremen, Gesangverein Fortschritt" 3,60. Dresden 5,- Frauen- der militärischen Dienstpflicht. Sie hatten wohl die Qual des Bromberg, zurückg. Darlehen v. 3. 30,-. Berlin, von den verein Rostock 5,-. Berlin, Kremferpartie Rauchklub Bruder- patriotischen Gefühls, aber nicht die unmittelbare und Brauern 50,-. Conradsthal, Hochzeitsf. Weißstein i. Schl. bund 2,50. brennende Qual des Elterngefühls. Und wenn alle Väter 2,55. Potsdam 50,-. Offenbach a. M. 25,-. Darmstadt( alte d) Für Peus' Kinder: Schuld) 100,-. Lahr 5,-. Crimmitschau 55,31( darunter: bei Bon 6 Drechslern und 1 Tischler 7,-. Mehrere Schuh- und alle Mütter Frankreichs zu einem nothwendigen Kriege entschlossen sind, ist der Gedanke, daß nicht ein Sohn einer gold. Hochz. d. B. G. 2,50, Göpner's Restaurant 1,50, v.macher aus der Jägerstraße 3,50 beim Appell fehlt, ehe das Feuer eröffnet wird- ist dieser f. d. Fr. beim 101- Spiel i. Pleifethal 0,63, G. V. Neukirchen b. Poppe 0,68). Gedanke nicht geeignet, die Kriegsluft zu dämpfen, falls Australien, Rol. Vittoria" 2 Gen. 30,-. Berlin IV( Often) 600,-( darunter: Maurer im Osten 1,25, eine solche bestünde? 4 Alten 24,-, Bierprozente Belling Hirsche 5,-, Maurer Diese nationale Armee, in der so viel Arbeit und so Nürnbergerstr. 14 13,45. Stat- Rlub Treff" 6,30. Ueberschuß viel Tugenden vereinigt sind, sie ist ruhig, sie ist bescheiden einer Bilderverloofung beim Stiftungsfest der Bauarbeiter 3,40. in der Nation. Sie ist nicht in eine Rafte eingerahmt, in Schulz, Ostbahnpart 3,-). Gottbus 50,-. Hannover d. M. der man für das Kriegsgeschäft geboren wird; sie ist nicht 500, Wald( Rheinl.) 20,- Arbeiter von Radebeul und Umvon einem erblichen Oberhaupt von Gottes Gnaden be gegend 13,50. Lese- und Diskutirverein Vorwärts", Baußen 50, fehligt. Was sage ich, blos nicht befehligt? Sie ist nicht Cottbus, Stammtisch Neustädterftr. 333 7,-. Cottbus, Wachtmeister- Ueberschuß vom Waldfest 3,- Weimar 3, im Besitz eines einzelnen Menschen. Bei uns ist keiner, der Mülhausen i. E., Rothe Hochzeit 5,37. Frankfurt a. M. von Jetzt, wo der deutsche Militarismus die durch den einem Rekruten sagen fann: Du bist mein, Du gehörst den Auspuhern der Herb'schen Schuhfabrit 20,-. Lechhaufen, Krieg von 1870/71, oder sagen wir es gerade heraus: die mir mit Leib und Seele; Deine Seele ist in die meinige amerikanische Auktion bei St. 2,47. Dresden, rothe durch die Annexion von Elsaß Lothringen geschaffene Lage übergegangen; beschäftige Dich nicht mit Deiner Seele; fie Kindtaufe Moscingkystraße 1,-. Stendal 25,-. Pforz zu einem letzten und entscheidenden Ansturm auf den Wohl geht Dich nichts mehr an, und wenn ich Dir befehle, auf heim, Von den Genossen im Thal" 10,- Stuttgart, stand, die Freiheit und die Gesittung des deutschen Deinen Vater zu schießen, dann wirst Du schießen!" " Aus Schwaben" 100,-. Cöpenick, 19. Geburtstag Ich Boltes ausnuten will, jetzt ist der geeignetste Zeitpunkt," Diese nationale Armee kann einzig von der Nation hab' mich ergeben" 1,50. Hainichen 10,-. Süden uns die Frage vorzulegen: ist es denn wirklich wahr, was in Bewegung gesetzt werden. Bei uns ist keiner, der sagen scheid, Ueberschuß des verregneten Waldfestes 7,46. Erkrath, unser Militarismus, um den Nachweis seiner Existenz- kann, daß sein Wille das oberste Gesetz sei; Reiner, der Rothe Jungens 5,-. Osnabrück, vom Gewerkschaftsfeft 50,- Berlin 99,13( darunter Personal der Genossenschafts- berechtigung zu erbringen, bald offen behauptet, bald ver- eines schönen Morgens, ohne sich vorher mit irgend Jemand Sutfabrit 75,- Arbeiter an Holzbearbeitungsmaschinen 5,65. schleiert andeutet, nämlich daß Frankreich" den Krieg will? berathen zu haben, das Zeichen zum Krieg geben tönnte. Arbeiter in der Papierbranche 10,50. Mitgl. B.-V. Friedrichs- In einer zeitgemäßen Schrift eines Belgiers: La France Wißt Jhr nicht, Ihr Ausländer, daß es bei uns gar nicht berg 5,- Rendant der Ortstaffe 3,-). Berlin, fieben V. veut- elle la guerre avec l'Allemagne? Will Frant- leicht ist, eine Kriegserklärung zu machen, daß es hierfür Westen und Südwesten 264,-. Berlin, fünf V., Sangesbrüder Winzens 26,- Sangerhausen, drei Statspieler 11,10. Dort reich den Krieg mit Deutschland?) finden eine vorgeschriebene Methode giebt und daß diese sehr verSo erfahrt es denn: Wir sind eine mund, Botschafter- Hotel 6,20. Kirchberg, gesammelt auf einer wir das Thema von der französischen Kriegsluft" recht widelt ist? Wir haben einen Präsidenten, einen Hochzeit und für Manschetten 6,-. Staaden, die wilde gut behandelt. Unter Anderem theilt der Verfasser nach- Republit. einen Senat, eine Abgeordnetenkammer, Jago 7, Bremen, Heiterkeit Zentralhalle 100,- Berlin, ſtehenden Brief eines berühmten französischen Gelehrten und Ministerrath, einen Senat, eine III. Wahlkreis 400,-. Berlin, die rothen Buchbinder 5,-. Politikers mit: und es bedarf des Zusammenwirkens und der Uebers Wurzen 12,-( darunter von Zigarrenarbeitern 4,-). Schöningen,-Hat nicht Frankreich den Beweis geliefert, daß einstimmung aller dieser Gewalten, um eine Kriegserklärung An der Goldquelle 4,50. Dresden 5,-. Annen 8,15. Dresden 5,-. Annen 8,15. Berlin es keine Abenteuerpolitik will? Die Republif trat in ihr zu verfassen. A. E. 3,-. II. Berliner Wahlkreis 500,- Mannheim 25, zwanzigstes Jahr ein ein fritisches Alter für die Re66,75, Schönhauser Vorstadt 50,- Westerland, durch Schulz gierungen dieses beweglichen Landes. Sie hatte viele Fehler 20,60. Hamburg, Budilerüberschuß, Bau an der R.- Straße 20,- begangen; und die alten und die neuen Parteien, die vielerli IV. Berliner Wahlkreis, Südost 497,20( darunter H. B. 7,-, Dachdecker 3,-, Bau Leipzigerstraße 48 6,-, Auktion bei Senfts*) Brüssel, P. Weissenbruch, 45 Rue de Poinçon. Feuilleton. Macbrua verboten.) Die Waffen nieder! [ 13 Will Frankreich den Krieg? -# " Wir Franzosen können uns gar nicht vorstellen, daß es dem Herrn Präsidenten der Republik einfällt, der Augenblick des Kriegs sei gekommen, daß er diesen Gedanken dem Ministerrath mittheilt, und daß dieser Ministerrath den Kammern dann die Frage vorlegt. " tane Bewußtseinstausch gewährt worden wäre, sondern ein in der Predigt?" ,, Nein, ich war im Sacré- coeur, wo verwirrter, geblendeter Halbtraum, ein zugleich frohes und meine Töchter eine Retraite machen." Die nächste peinliches, verlegenes und feierliches Gefühl, ein vollständiges Probe zu unserer Wohlthätigkeitsvorstellung ist Dienstag Stillftehen der Gedanken in den ohnehin unwissenden und um zwölf Uhr, lieber Baron, seien Sie ja pünktlich." altersschwachen armen Köpfen. Das einzige Wirkliche und Die Kaiserin hat wieder superb ausgesehen." Haft Faßbare an der Sache mochte den guten Alten nur die Du bemerkt, Lori, wie der Erzherzog Ludwig Viktor immer Aussicht auf das rothseidene Beutelchen mit den dreißig zu der Götter- Fanny herüberschielte?" Madame, j'ai Silberstücken sein, welches jedem von Allerhöchster Hand l'honneur de vous présenter mes hommages." Ah, umgehängt wird und auf den Korb voll Speisen, welchen c'est vous, marquis... charmée." I wish you good man ihnen auf die Heimfahrt mitgiebt. morning, Lord Chesterfield. ,, Oh, how are you? Awfully fine woman, your Empress."" Haben Sie schon eine Loge gesichert für die Vorstellung der Adelina Batti? „ Die Ein ganz wunderbarer aufgehender Stern... Nachricht von der Verlobung des Ferdi Drontheim mit der Banfierstochter soll sich also doch bestätigen- es ist ein Standal!" Und so schwirrte es hin und her. Ein unbefangener Horcher hätte diesen Gesprachen wohl fanm angemerkt, daß sie der Nachstimmung einer eben verrichteten Demuthsandacht entsprangen. Eine Lebensgeschichte von Bertha von Suttner. Die Tafel wurde hinausgetragen, die eigentliche Die ganze Zeremonie war schnell zu Ende und gleich Effettszene des Stückes( was die Franzosen ,, le clou de la barauf leerte fich der Saal. Zuerst zog sich der Hof zurück; pièce" nennen) die Fußwaschung begann. Freilich hierauf entfernten sich alle anderen Mitbetheiligten, und zu nur eine Scheinwaschung, wie das Mahl nur ein Scheinmahl gleich auch das Publikum von Estrade und Galerie. gewesen. Auf dem Boden knieend, streifte der Kaiser mit" Schön war's, schön war's!" flüsterte Rosa mit einem einem Tuch über die Füße der Greise hinweg, nachdem der tiefen Athemzug. ihm assistierende Priester aus einer Kanne scheinbar Wasser Ich antwortete nichts. Eigentlich hatte le teine Пrdarüber gegossen, und so rutschte er vom ersten bis zum sache, die Verwirrung und Gedankenarmuth der Festgreise zwölften Pfründner, während die Kaiserin die man sonst zu bemitleiden, war mir doch selber das Verständniß der nur so majestätisch hochaufgerichtet zu sehen bekommt in eben stattgehabten Feier ein ziemlich verschwommenes, und derselben bemüthig en Stellung, in welcher sie ihre gewohnte hatte ich nur noch den einen Gedanken im Sinn:„ Wird er Anmuth übrigens nicht verließ, die gleiche Prozedur an den uns am Ausgang erwarten zwölf Pfründnerinnen vornahm. Die begleitende Musit, Doch wir gelangten nicht so schnell zum Ausgang, als ober, wenn man will, den erklärenden Chor, bildete das ich gewollt hätte. Zuerst hieß es noch, mit fast sämmt gleichzeitig vom Hofburgpfarrer vorgelesene Evangelium des lichen Estradezuschauern, welche gleichzeitig mit uns ihre Tages. Pläge verließen, Hände schütteln und ein paar Phrasen Gern hätte ich auf einige Augenblicke mitempfinden tauschen. Man blieb da im Stiegenhause in einer großen mögen, was in dem Geiste dieser Alten vorging, während Gruppe stehen und es gab einen förmlichen Morgenraout. Kaum waren wir hinausgetreten, so stand Tilling vor fie so dasaßen, in der seltsamen Tracht, von einer Grüß Dich, Tini."-Bonjour, Martha." Ah, Sie mir. Er verneigte sich. glänzenden Menge angegafft, den Landesvater, die Landes- auch da, Gräfin?" Bist Du für den Ostersonntag schon mutter Ihre Majestäten zu ihren Füßen... Wahr vergeben?" Guten Tag, Durchlaucht, vergessen Sie scheinlich wäre es gar keine flare Empfindung gewesen, die nicht, daß wir Sie Montag Abend zu einer kleinen Tanzerei ich da nachgefühlt hätte, wenn mir der gewünschte momen- erwarten."- Warst Du gestern bei den Dominikanern Endlich traten wir vor das Thor hinaus, wo unsere Wagen warteten und eine Menge Bolt versammelt war. Diese Leute wollten wenigstens diejenigen sehen, welche so glücklich waren, den Allerhöchsten Hof gesehen zu haben; sie konnten dann ihrerseits als diejenigen, welche die Gesehenhabenden gesehen hatten, wieder minder Bevorzugten sich sehen lassen. Ich muß Ihnen noch danken, Gräfin Dokky, für den herrlichen Kranz." Jch reichte ihm die Hand- aber konnte kein Wort sprechen. »Unser ganze? Leben spielt sich in vollster Oesientlich- keit ab, und wir haben daher nicht einmal das Mittel, geheime Pläne zu fassen und zu hegen. Wir haben keine Verträge zu verbergen, in deren Geheimnis; nur Wenig« eingeweiht sind— wie jenen Vertrag, den der König von Italien nicht zeigen will und nicht zeigen kann. „Im Vergleich mit unserer RednerbühneZ und unserer Presse ist der Hanswurst*) verschwiegen wie das Grab. Vo» unserer Seite ist keine Ueberraschung zu befürchten. Es giebt auf der ganzen Erde kein Land, dem ein Angriffs- krieg so schwer wäre, wie unserem Frankreich. Das ist so offenbar, daß Europa schließlich doch ge- zwungen sein wird, unsere Kriegswuth neben unsere„Fri- volität* und„Leichtfertigkeit" zu den überwundenen und lächerlich gewordenen Verleumdungen zu legen." Dies der Brief. Der Verfasser— einer der namhaf- testen Lehrer an der Pariser Umversität, Professor Lavisse — veröffentlichte ihn dieses Jahr im„Figaro" mit der aus- gesprochenen Absicht, den in Deutschland systematisch ge- nährten Glauben zu widerlegen,„Frankreich", das heißt »die französische Nation", brenne, vor Gier, behufs Rück- eroberung von Elsaß-Lothringen einen Krieg mit Deutsch- land beim ersten besten Anlaß vom Zaun zu brechen. Wir wollen hier nicht auf die Elsaß-Lothringische Frage eingehen— dazu haben wir an anderem Ort bessere Gelegenheit— indeß selbst zugegeben, daß die Masse der Franzosen den Verlust der„zwei Provinzen" noch nicht verschmerzt hat, so wird Jeder, der den Brief Lavisse's mit Aufmerksamkeit durchliest, doch zugestehenHmüssen, daß gegen die Thatsachen, welche er enthält, ebensowenig wie gegen die Argumentation sich etwas einwenden läßt. Frankreich ist auf dem Wege, sich zu einem demokratischen Freistaate zu entwickeln; ist es heute von diesem Ziele auch noch weit entfernt, so ist es doch Thatsache, daß der Geist der Demo- kratie auch in der französischen Armee schon an Boden ge- wonnen hat. Gewiß ist es von der jetzigen französischen Armee so wenig richtig, dieselbe als das„Volk in Waffen" zu bezeichnen, als es eine lächerliche Uebertreibung ist, die- selbe Phrase aus die deutsche Armee anzuwenden. Auf keinen Fall— darin hat Professor L wisse ganz recht— hat eine einzelne Person in der französischen Armee den Einfluß wie dies bei den Armeen der monarchischen Staaten der Fall ist, und ebenso ist der Einfluß der Offizierskaste auf die Regie- rung des Landes in der französischen Armee nicht so maßgebend wie in den übrigen Armeen der europäischen Großstaaten. Ter demokratische Charakter des französischen Staats und der französischen Armee bildet eine Garantie des Friedens. Dazu kommt noch ein anderes Moment. In Frankreich ist im Durchschnitt die Lebenshaltung eine höhere als in Deutschland, das Volk lebt besser, ist mehr an Komfort, d. h. die Vortheile der Kultur gewöhnt, als in Deutschland— daS ist allen unseren Soldaten während des letzten Krieges ausgefallen. Nun liegt es aber in der Natur der Menschen und der Dinge, daß ein Volk, je höher seine Knlturbedürfnisse sind, desto weniger Freude am Krieg haben kann. Es ist dies von Buckle in seiner »Geschichte der Zivilisation" glänzend, mit zwingender Logik und einem erdrückenden Aufmarsch von Thatsachen nach- gewiesen worden. Kriegslust und die Achtung von kriegerischen Eigenschaften stehen im umgekehrten Verhältniß zum Knlturniveau. Was man»kriegerische Eigenschaften" nennt— Kampflust,„Schneidigkeit" im Draufgehen, Verachtung der Gefahr— ist bei den meisten Thierarten in weit höherem Maße vorhanden als bei den Menschen, und im höchsten Maß bei denjenigen Menschen, welche der Thierhett am nächsten sind. Für einen Menschen, der an ein menschenwürdiges Leben gewöhnt ist und geistige Be- dürsuisse hat, ist der Militärdienst mit seinem mechanischen, nicht blos geistlosen sondern geisttödtenden Drill und mit dem Aufenthalt in der Kaserne, dieser Bastille des Körpers und des GeisteL, eine weit schlimmere Folter, ein weit größeres Opfer als für Jemand, der in noch weit kultur- widrigeren oder wenigstens von der Kultur weit weniger »beleckten" Verhältnissen herangewachsen ist, als der Militärdienst sie ihm bietet. In Deutschland ist die Zahl *) Der HanZwurst'— Pollichrnelle— der französischen Bühne ist geschwätzig wie eine Elster und indiskret wie ein Backfisch. »Das Geheimnib des Hanswursts"— I« sparst du Polichinelle — ist ein Geheiminst, das von allen Straßendächern verkündet wird. Unser Wagen war vorgefahren; wir mußten einsteigen, und Rosa drängte mich vorwärts; Tilling führte die Hand an die Mütze und wollte zurücktreten. Da machte ich eine heftige Anstrengung und sagte mit einer Stimme, die mir selber ganz fremd klang: „Sonntag zwischen zwei und drei werde ich zu Hause sein." Er verneigte sich stumm, und wir stiegen ein. »Du mußt Dich erkältet haben, Martha," bemerkte meine Schwester, als wir davonfuhren;„Deine Aufforderung klang furchtbar heiser. Und warum hast Du mir diesen schwermüthigen Stabsoffizier nicht vorgestellt? Ich habe noch selten ein weniger aufheiterndes Gesicht gesehen." ** Am bestimmten Tage und zur bestimmten Stunde ließ sich Tilling bei mir anmelden. Vorher hatte ich in die rothen Hefte folgende Eintragung gemacht: »Ich ahne, daß der heutige Tag über mein Schicksal entscheiden wird. Mir ist so feierlich und bang, so süß er- wartungsvoll zu Muthe. Diese Stimmung muß ich in diesen Blättern firiren, damit, wem; ich einst nach langen Jahren darin blättere, ich mir recht lebhaft die Stunde in's Gedächtniß zurückrufen könne, welcher ich jetzt so be- wegt entgegensehe. Vielleicht kommt.es ganz anders, als ich denke— vielleicht auch genau so.... jedenfalls wird es mich einst interessiren, zu sehen, wie weit Voraussicht imd Wirklichkeit sich deckten.---- Der Erwartete liebt mich— das bewies mir sein am Sterbelager der Mutter geschriebener Brief; er ist wiedergeliebt— das muß ihm das Röslein im Todtenkranz verrathen haben... Und nun kommen wir zusammen— ohne Zeugen— im Innersten bewegt— er trostbedürftig— ich vom Wunsche zu trösten durchdrungen: ich glaube, es wird gar nicht viel Worte geben... Thränen in unserer beider Augen, zitternd vereinte Hände— und wir werden uns verstanden haben... Zwei liebende, zwei glückliche Menschen— ernsthaft, weihevoll, leidenschaftlich, andächtig glücklich— während in der Gesellschaft die Sache gleichgiltig und trocken etwa so verkündet wird:»Wissen Sie schon? die Martha Dotzky hat sich mit Tilling verlobt— eine Derer, die in der Kaserne mehr Komfort und bessere Nah- rung finden als bei sich„zu Haus" eine sehr große, wäh- rend sie in Frankreich vergleichungsweise gering ist. Thatsache ist es— und Jeder, der in Frank- reich sich unter dem Volke bewegt, kann sich leicht davon überzeugen, daß die Abneigung gegen den Kriegs- dienst in Frankreich allgemein ist und daß in allen Klassen der Gesellschaft die militärische Dienstpflicht als eine überall schwere, drückende Last empfunden wird. Kein Zweifel, die Chauvinisten sind in Frankreich noch nicht ausgestorben, sie sind jedoch gewiß rncht zahlreicher als in Deutschland, und gewiß weit weniger einflußreich. Jedenfalls haben die Befürworter der neuen großen Militärvorlage kein Recht, sich aus die Kriegslust der Frau- zosen zu berufen. Freilich, ob Recht, ob Unrecht, das ist gleichgiltig für Leute, die in der Politik nur Macht- und Jnteressenfragen kennen. In der Angst der Bourgeoisie vor dem Proletariat haben sie einen starken Bundes- genossen, und erst wenn der Sozialismus den Klassenkampf beendigt und die Klassenherrschaft gebrochen hat, wird das Wohl des Volkes in Wirklichkeit oberstes Gesetz sein und auf den Trümmern des Kapitalismus und Militarismus der Völkerfriede erblühen. Vottttfcho Aeverstrvk. Berlin, den 6. September. Das Mokochspiel. Mit dem Vexiren ist's noch immer nicht zu Ende. Ende dieses oder Anfang des nächsten Monats— sagt Herr Pindter— soll die Wahr- heit über die neue Militarvorlage gesagt werden. Also noch einen Monat lang wird fortgelogen. Und nachher vermulhlich auch noch; denn die Wahrheit ist für den Moloch und seine Priester tödtliches Gift.— Laut einem Telegramm aus Budapest ist heute in dem „Pcster Lloyd" ein Brief aus Berlin erschienen, der sich über die dränende Militärvorlage wie folgt ausspricht: „Die Angelegenheit werde schon seit Jahr und Tag in den zuständigen militärischen und politischen Kreisen verhandelt. Da nach genauen Berechnungen der Dreibund über un- gefähr ei'ne Million Soldaten weniger ver- fügt als Frankreich und Rußland zusammen, so muß sich das Deutsche Reich, yhne Rücksicht darauf, daß es treuer Freunde gewiß ist, und daß keine unmittel- baren Kriegsgefahren drohen, militärisch so stark machen, als es nur irgend kann; und daraus rechtfertigen sich weiter die vorbereitenden Arbeiten, die seit ahr und Tag ohne Schwankungen in mannigfachen praktischen ersuchen und erneuten Berathungen auf ein bestimmtes Ziel hin durchgehalten worden sind. Aus der Aufzählung der Hauptzwecke, die verfolgt werden, ergiebt sich schon ein wesentlicher Theil des Inhaltes der Vorlage. Die Zweck« sind: 1. Vermehrung der ausgebildeten Truppen; 2. Ver- jüngung der Feldarmee; 3. Befestigung der Wehrkraft, ins- besondere durch neue Kadres. Was die Regierung nun fordert, wird zum Theil unter der Schätzung bleiben, die vor 2 Jahren General Vogel von Falckensteiu anstellte, im Ganzen aber ungefähr an 30 Millionen Mark heranreichen. Neue Kadres sind bestimmt, die Mannschaften, die nur zum Arbeiterdienst ausgehoben werden, die sogenannten Nonvaleurs, zu vereinigen und im Kriege besondere Funktionen zu übernehmen. Die Einrichtung bezweckt vor aklern, die volldieuenden Mannschaften von allen Verrichtungen zu entlasten, die mit der kriegsmäßigen Ausbildung nichts zu thun haben, und so die ausschließliche Verwendung der abgekürzten Dienstzeit aus die militärische Er- ziehung zu ermöglichen. So der„Pest« Lloyd". Wir haben es hier mit einem Schatten zu thun, den die von dem Reptil der „Norddeutschen" angekündigte„wahrheitsgetreue Denkschrift" vor sich her wirft. Neu in der Mittheilung ist die muthige Enthüllung des Ziels. Der Dreibund hat eine Million Soldaten zu wenig. Das bankrotte Italien und das ziemlich ebenso bankrotte Oesterreich, können die Million natürlich nicht stellen. Bleibt Deutsch- land, das noch nicht ganz so arg auf dem Hund ist, und daher die fehlende Million stellen muß. Eine Million Soldaten mehr? Das ist nicht gelogen. Und gut, daß wir es wisse». Was über die K o st e n gesagt wird, ist weniger glaubwürdig. Das„zum Theil unter der Vogel von Falckenstein'schen Schätzung",»im Ganzen aber ungefähr an 80 Millionen" ist eine höchst verdächtige Wendung und miserable Partie."... Es ist zwei Uhr und fünf Minuten— jetzt kann er jeden Augenblick eintreten— Die Glocke... dieses Herzklopfen, dieses Zittern, ich fühle, daß--" So weit war ich gekommen. Die letzte Zeile ist mit beinahe unleserlicheu Buchstaben gekritzelt, ein Zeichen, daß „dieses Herzklopsen, dieses Zittern" keine bloße rhetorische Figur war. Voraussicht und Wirklichkeit deckten sich nicht. Tilling verhielt sich während seines halbstündigen Besuches ganz zurückhaltend und kalt. Er bat mich um Verzeihung für die Kühnheit, welche er gehabt, an mich zu schreiben; ich möge dieses Beiseitesetzen der Etikette der Unzurechnungsfähigkeit zu gute halten, welche einen Menschen in so schmerzlichen Augenblicken befallen kann. Dann erzählte er mir noch einiges von den letzten Tagen ilild aus dem Leben seiner Mutter; aber von dem, was ich erwartet hatte— kein Wort. Und so wurde auch ich immer zurückhaltender und kälter. Als er sich zum Gehen erhob, machte ich keinen Versuch, ihn zu halten und forderte ihn auch nicht auf, wiederzukommen. Und als er draußen war, stürzte ich wieder zn den noch offen liegenden rothen Heften hin und schrieb den unterbrochenen Satz weiter: „Ich fühle, daß— alles ans ist... daß ich mich schmählich getäuscht habe, daß er mich nicht liebt und jetzt auch glauben wird, daß er mir ebenso gleichgiltig ist, wie ich ihm. Beinahe abstoßend habe ich mich benommen. Ich fühle— er kommt nie wieder. Und doch enthält die Welt keinen zweiten Menschen für mich! so gut so edel, so geistvoll ist keiner mehr— und so lieb wie i ch Dich gehabt hätte, Friedrich, so lieb hat Dich keine Andere, Deine Prinzessin— zu der Du zurückgekehrt zn sein scheinst — schon gewiß nicht. Mein Sohn Rudolf, Du sollst mein Trost und mein Halt fein. Fortan will ich von Frauen- liebe nichts mehr wissen; nur die Mutterliebe soll mir Herz und Leben ausfüllen... Wenn es mir gelingt, einen solchen Mann aus Dir zu bilden, wie jener einer ist— wenn ich einst von Dir so beweint werde, Rudolf, wie riecht entschieden nach mehr. Doch da? ist nebensächlich. Die Hauptsache ist: Eine Million Soldaten mehr! Deutsches Volk hast Du verstanden? Eine Million Soldaten mehr!— Staatsanwalt Nomen macht Schule. Das Depefchenbureau»Herold" berichtet aus Breslau, 6. Sept.: Der Redakteur der sozialistischen»Voltswacht", Thiel, hatte fich vor der Ferien-Strafkanimer wegen Preßvergehens heute zu verantworten. Bor der Vernehmung der Entlastungs- zeugen verwarnte Landgerichtsdireklor Schmidt dieselben folgendermaßen: Es ist mir bekannt, daß die sozialistisch« Parteileitung ihren Mitgliedern empfohlen hat, überall da, wo Sozialisten als Angeklagte vor Gericht stehen, Meineide zu schwören, um die Angeklagten zu entlasten. Der Ver- theidiger des Angeklagten protestirte energisch gegen diese Be- haupt'ung. Ein Gleiches lhut auch die heutige Nummer der „Volksmacht". Sie schließt ihren Artikel:»Landgerichts- direktor Schmidt wird demnächst Gelegenheit haben, den Wahr- heitsbeweis für seine Behauptung anzutreten." Nachdem über diese infame Verleumdung uns«« Partei sich nachgerade alle anständigen Leute und Blätter in tadelnder Weise geäußert haben, verlohnt es sich für uns wohl kaum mehr der Mühe, den albernen Schwätzereieu des Herrn Landgerichtsdirektors eine größere Aufmerksam- keit zu schenken. Was unsere Partei auf diese Wieder- auswarmung der alten Lüge zu erwidern hat, das werden unsere Breslau« Genossen in gebührender Weise besorgen. Von der Braustener. Die„München« Neuesten Nachrichten(Nr. 406 vom 6. d. Mts.) melden:»Ein preußischer Steuerkontrolleur besucht gegenwärtig die bayerischen Malzaufschlägereien und erhebt bei diesen wie direkt bei den größeren Brau-Etabliffements Informationen über die Erhebungsweise und die Wirkung des bayerischen Malzaufschlages. Man bringt diese Informationsreise mit der etwaigen Absicht in Verbindung, auch für dre norddeutsche Biersteuer-Gemein- schaft das bayerische Mal�ansfchlags- System in Anwendung zu bringen." D« 100 Millionen der Militärvorlage bekommt man durch V«thenerung noth- wendiger Lebensmittel. Steuerzahler, seid aus der Hut!— „Frivol".„Eine Frivolität" nennt es die„Kreuz- Zeitung", daß ein rheinifches Blatt angesichts der Cholera« gefahr das Aufgeben der großen Manöver„fordert". Das Blatt hätte wohl in Ehrfurcht ersterbend d'rum betteln sollen? Sehr lieb ab« wäre uns, wenn die„Kreuz-Zeitung" einmal darlegen wollte, worin die„Frivolität" eines solchen Verlangens bestehen soll. Jedenfalls sind wir so„frivol", dasselbe für durchaus berechtigt, das Gezeter der„Kreuz- Zeitung" hingegen für höchst»frivol" zu erklären. Es ist ebenso„frivol", wie weiland d« Versuch Pindtu's in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", den Hitzschlag und die Todesmärsche d« Soldaten als Theile eines spartanischen Erziehungs- Systems hinzustellen. Gewiß, der Soldat soll nicht verzärtelt werden— andere Menschen auch nicht—, aber Leben und Gesundheit ohne Nothwendigkeit aufs Spiel setzen, das ist„frivol". Ist das Vaterland angegriffen, gut, dann gilt es btos den Einen Zweck: den Feind zu überwinden, Leben und Ge- sundheil zählen nicht; allein im Frieden, beim Exerzieren, od« im bloßen Scheinkrieg, um nicht zu sagen Theaterkrieg, sind Leben und Gesundheit jedes Soldaten ebenso heilig, wie die eines jeden anderen Menschen, und wer bei solchen Gelegenheiten das Leben und die Gesundheit der Soldaten nicht heilig hält, für dessen Handlungsweise ist der Aus- druck»Frivolität" sogar noch viel zu mild.— Daß den brutalen Kamaschenknöpsen der»Kreuz- Zeitung" ein kleiner Dämpfer aufgesetzt ist, zeigt die nach- stehende Notiz. Kaisernrnnöver und Cholera. Offiziös meldet die „Norddeutsche Allgemeine Zeilung"(Nr. 415 vom 6. Sep- tember), daß der A u s s a l l der Kaisermanöver beim 8. und 16. Armeekorps beschloffen worden sei. Unter den jetzigen Verhältnissen, während eine furchtbare Seuche Deutschland bedroht, ist die einzig wirksame Maßregel der Ausfall aller Manöver, da die Aufhäufung großer Menschen- massen eines der besten Hilfsmittel zur Verbreitung der Cholera ist. Treffend schreibt Dr. Sigl im»Bayerischen Vaterland"(Nr. 202 vom 6. d. M.); „Haben vielleicht unsere Medizinalbehörden hier den jener seine Mutter beweint, so werde ich mein Ziel«reicht haben." Eigentlich eine thörichte Einrichtung, das Tagebuch- schreiben. Diese stets wechselnden, zerfließenden und neu erstehenden Wünsche, Vorsätze und Anschauungen, welche den Laus des Seelenlebens bilden, durch aufgeschriebene Worte verewigen zu wollen, das ist ein verfehltes Beginnen und bringt dem älteren nachlesenden Ich die immerhin be- schämende Erkenutniß der eigenen Veränderlichkeit. Hier standen nun ans demselben Blatte und unter demselben Datum zwei so grundverschiedene Stimmungen verzeichnet: uerst die zuversichtlichste Hoffnung— daneben die voll- tändigste Entsagung und die nächsten Blätter sollten doch wieder ganz' Neues berichten... Ter Ostermontag war vom herrlichsten Frühlings- wetter begünstigt und die an diesem Tage hergekommener- maßen stattfindende Praterfahrt— eine Art Vorfeier des großen Ersten- Mai-Korso, fiel besonders glänzend ans. Ich weiß noch, wie dieser Glanz, diese Fest- und Lenzwonne, die mich da umgab, mit der Traurigkeit kon- trastirte, welche mein Gemüth erfüllte. Und doch— ich hätte meine Traurigkeit nicht hergeben wollen— nicht wieder so heiteren, dabei aber leeren Herzens sein, wie vor etwa zwei Monaten, als ich Tilling noch nicht kannte. Denn wenn meine Liebe auch allem Anschein nach eine unglückliche war, so war es doch Liebe— das heißt eine Steigerung der Lebensintensität: dieses warme, zärtliche Gefühl, welches mein Herz schwellte, so oft das theure Bild mir vor das innere Auge trat— ich hätte es nimmer missen mögen. Daß ich den Gegenstand meiner Träume hier im Prater, mitten im Gewühle weiblicher Fröhlichkeit zu Geficht be- kommen würde, erwartete ich nicht. Und doch: als ich ein- mal zerstreut die Blicke nach der Reitallee schweifen ließ, sah ich von weitem, die Allee in uns«« Richtung herab« galoppircnd, einen Offizier, in welchem ich sogleich— ob- schlm mein kurzsichtiges Auge ihn nur undeutlich ausnahm — Tcllmg erkannte. (Fortsetzung folgt). M uth nicht z« iin«m offenen Hinweis auf die furchtbare Verantwortung, welche die Militärbehörden sich aufladen? Es handelt sich hier«m Gesundheit und um Leben Taufen- d e r, blühender Söhne unseres Volkes, um Leute, die nicht freiwillig, sondern gezwungen, theilweise sogar Weib und Kind verlassen müssen, um jene„Hebungen" mitzumachen, und denen gegenüber darum v i e l e r n st e r die Pflicht besteht zu gewissenhaftester Prüfung, ob ihre Bersanmilungen jetzt nicht «in« große Gefahr für die Wohlfahrt des Volkes und unsere Wehrkraft selbst sind. Wir sind übrigens fest überzeugt, daß wenn einer der obersten MilitSröbersten im Manöver Bauchzwicken und sonst noch etwas bekäme, es mit den Manövern bald zu Ende wäre, weshalb etwas Bauchzwicken«, sehr am Platz wäre."— Wie steht es mit den Manövern des 13. Armeekorps (Württemberg) und des 14.(Baden)? Dieselben Gründe, die in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" für den Ausfall der Kaifermanöver beim 8.(Rheinprovinz) und 16. Armeekorps(Reichslande) geltend gemacht werden, sind auch hier beweiskräftig. Trotzdem zögert man. Die„National- Zeitung"(Nr. SIL vom 6. d. M.) erhält aus Stuttgart folgende Drahtmeldung:„Der(national- liberale)„Schwäbische Merkur" giebt unter ausführlicher Begründung den Behörden anHeim, mit Rücksicht auf die Choleragefahr den Verzicht auf die Zkaisermanöver in Württemberg zu erwägen."— Abzahlungsgeschäfte. Bekanntlich soll dem sterbenden Handwerk u. a. auch ourch eine Regelung der Abzahlungs- gcschaste geHolsen werden. Die offiziösen„Berliner Poli- tischen Nachrichten" schreiben:„Der Nutzen, den Abzahlungs- geschäste, vornehmlich in einzelnen Zweigen gebracht haben, wird in Regierungskreisen nicht verkannt. Es handelt sich nur darum, die Auswüchse auf diesem Gebiete zu beschneiden, wobei allerdings nicht blos die Frage der Klausel über den Eigenthumsvorbehalt in den �cihkontrakten in Betracht kommen dürfte. Es werden vielmehr sowohl zivilrechtliche wie strafrechtliche, wie schließlich gewerbepolizeiliche Gesichts- punkte Berücksichtigung erheischen. Die ganze Angelegenheit ist übrigens nunmehr einer so langen Erörterung an den maßgebenden Stellen unterzogen worden, daß man wohl der Ueberzeugnng sein kann, daß sie nach allen Seiten ge- prüft worden ist. Schon im Jahre 1389 wurden die einzelnen Landesregierungen um Gutachten angegangen. Die Ergebnisie dieser Untersuchung wurden im Reichsamte des Innern zusammengestellt. Es wurde sodann im Reichs- justizamte auf Grund dieses Materials ein Gesetzentwurf ausgearbeitet und dieser wiederum den verschiedensten kommissarischen Berathungen unterzogen, welche bereits im Winter von 1891 auf 1892 begonnen haben." Was für ein gräulicher reaktionär-bureaukratischer Wechselbalg, der Niemanden freut und Niemand nützt, wohl hier geheckt werden wird! «Tas Duell einer christliche» StaatSeinrichtung". An unseren Sonnabends-Leitartikcl knüpft die„Kölnische Volkszeitung", indem sie sich mit der in demselben ent- haltenen Kennzeichnung des Zweikanipfs-Unfugs einverstanden erklärt, die Bemerkung: „Daß die katholische Kirche den Zweikampf aufS Strengste und unter schweren Kirchenstrafen verbietet, ist bekannt, aber wir müßten unS sehr irren, wenn nicht auch von protestantisch- kirchlicher Seite oft entschiedener Widerspruch gegen die Dul- dung und Pflege dieses Unfugs erhoben worden wäre, aller- dings schwerlich mit jener Allgemeinheit und grundsätzlichen Bestimmtheit, wie eS innerhalb der katholischen Kirche als selbstverständlich gilt." Wir haben, ivie auch die„Kölnische Volkszeitung" selbst erwähnt, die Fälle der beiden Grafen Kerssen brock hervorgehoben und dazu bemerkt, daß in der Duellfrage die katholische Kirche immer noch mehr Mnth bekundet, den christlichen Standpunkt zu wahren, als die protestantische. Bei beiden aber ist die Bekämpfung eine mehr oder weniger platonische. Aber würden die Priester beider Kirchen bei anderen Uebelständen, die so gegen Gesetz, Kirche und Moral verstoßen wie das Duell, und die Tag für Tag mehr um sich greisen, bei denen aber die„unteren" Klassen in Be- kracht kämen, sich auch damit begnügen, nur alle paar Jahre einmal einen kleinen Stoßseufzer von sich zu geben? »fclc kleinste, und dazu noch gesetzliche Streikfordernng giebt den Blättern aller kirchlichen Richtungen tausendmal mehr Anlaß zu hundertfältigen Ausfällen und Entrüftnngs-Aus- brüchen, als jemals gegen den tausendfältigen Duellunsng «hoben worden sind.— � Geschäft bleibt Geschäft. Graf Caprivi hat durch sttnen Domestiken Pindter dem Mainzer Katholikentag freundliche Grüße gesendet und ihm ei» treffliches Fleiß- Zeugniß ausgestellt. Das konservativ-klerikale Bündiuß ist siir die Regierung eine Nothwendigkeit, will anders sie ibre Pläne verwirklichen. Natürlich wäscht ein« Hand die andere, die Ultramontanen wissen von altersher das Ge- werbe des Schacherns aus dem Grunde zu betreiben und o?. darauf, für ihre Mithilfe beim großen Werke der Reaktion klerikale Sonderzugeständnisse einzutauschen. Keine andere bürgerliche Partei hat es verstanden, diesen Handels- iweig zu solcher Kunst auszubilden, dank der Meisterschaft der alten Exzellenz Windthorft, dessen getreue Nachahmer und Nachbeter der„Generalstabschef des Herrgotts" Graf Ballestrem, Lieber, Schalscha sind, naturlich ohne sein beschick, seinen Geist und seinen Witz. Die Politik der Bourgeoisparleien ist ein Handelsartikel. Dies er- >"vt und offen ausgesprochen zu haben, ist ein Verdienst des Zentrums. Jetzt liest mau in der„Kölnischen Bolkszeitung'(Nr. 492 vom 6. September), die mit Recht sich über das indianische Wulhgehenl der über den Mainzer Artikel der„Norddeutschen" entrüsteten liberalen P«ff- luftig macht: «Es sind realpolitisch« Erwägungen, welche die «Norddeutsche Allgemeine Zeitung" angesichts der Mainzer �alholiken-Versammlung anstellt. Solche Erwägungen sind in a>esem Blatte oft angestellt worden, auch zu einer Zeit, als dessen weißes Papier noch einem Staalsmanne zur Verfügung Nnnd, in welchem unser Nationalliberalisinus noch immer den Inbegriff aller Ctaalsweixheil erblickt. Wenn Fürst Bismarck voch am Ruder wäre, so würde er vielleicht gegenüber dem Jeiilrum vianchmal die unfreundliche Seite hernuslehren, aber «chnen würde doch auch er mit der Fraktion, welche der einzige ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht ist. Ganz sicher aber würde ihm der Natioualliberaliömus nichi w'poniren. Was wollte er mit dem Bischen National- uderalismus im Reichstag machen, das alle Aussicht hat, noch wuner weniger zu werde»? Trotz all' der edeln und schönen Cigenschaste», welche die Nationallibcralen an sich zu entdecken wcht müde werden, würde die entscheidend« Frage für den oürsten Bismarck doch immer lauten:„Was kannst du biete nii"' Ich gebe, damit du giebst, ist der Fünftekfaft bärger- licher StaatSweisheit, und das Urtheil der„Kölnische» Volkszeitung" trifft deshalb ins Schwarze. Beiläufig, da die Losung lautet: Nichts umsonst! was mögen wohl der Kölner Sperling und seine Hintermänner der prinzipienfest„Kölnischen Volkszeitung" geboten haben, damit sie innig vereint mit der„Kölnischen Zeitung" die Heldenthaten des Sperling todtschwieg?„Was kannst du arnier Teufel bieten?"— Herr von Schelling im Lichte der bürgerlichen Demokratie. Die„Frankfurter Zeitung" hat, als der Graf Botho zu Eulenburg 1892 ins Ministerium berufen wurde, diesem ersten Vollstrecker des Sozialisten- aesetzes das Zeugniß ausgestellt, er sei„ein Edelmann im besten Sinne des Worts". Was Wunder, wenn sie heute in einer Berliner Korrespondenz(Nr. 250 vom 6. September) dem preußischen In st iz mini st er v. Schelling die muntersten Komplimente schneidet! Die Nachrichten- Hausirer, die sich aus den Hintertreppen der Ministerien und Reichsämter drängen, verbreiten das Gerücht, Schelling werde von seinem Amte zurücktreten. Flugs deklamirt die „Frankfurter Zeitung": „Die liberale Partei hat gar keine Veranlassung, sich für den Minister von Schelling zu erwärmen. Aber eine Aner- kennung ist sie ihm schuldig: er ist bei seiner konservativen Grundflimmung und bei seiner kontemplativ unthätigen Charakleranlage ein goldechter Ehrenmann, dem eine Ungerech- keit ein Gräuel ist. Tendenzprozesse, wie sie der Graf Lippe in Scene gesetzt hat, und wie sie Herr von Friedberg mitunter hat gewähren lassen, wären unter ihm unmöglich gewesen. Er hat liberale Richter befördert, nicht weil er an ihrem Libera- lismus Freude gehabt hätte, sondern weil er es für gerecht hielt, sie nach ihrem Verdienst zu befördern. Er hat jüdische Richter in höhere Stellen befördert, nicht weil er ein Freund der Juden ist, weil das Gesetz nicht will, daß zwischen Christen und Juden ein Unterschied gemacht wird. So hätte er sich auch nie dazu hergegeben, die antisemitische Hetze zu be- günstigen." Es ist nicht unsere Sache, uns über die privaten Ver- Hältnisse des Herrn von Schelling, den die„Frailksurterin" in Heller Begeisterung einen politischen Ehrenmann nennt, auszulassen, wir versagen es uns, über den unseres Wissens bis heute noch nicht entschiedenen Prozeß Schelling-Stern- berg ein Wort zu verlieren, wir wollen auch nicht die Frage aufmcrsen, weshalb der preußische Justizminister seine Klage gegen den Ahlwardt zurückgenommen hat. Für das Frautsnrter Blatt genügt es, dem Herrn v. Schelling ein Loblied zu dichten deshalb, weil unter ihm keine Tendenz- Prozesse wie unter Graf Lippe oder Friedberg in Szene gesetzt lvorden seien, was, wenn es der Wahrheit entspricht, doch nur die verdammte Pflicht und Schuldigkeit eines zum Wächter der Rechtspflege bestellten Be- amten ist. Jndeß hat die„Frankfurter Zeitung" vielleicht entdeckt, daß die Ziffer der politischen Prozesse in Preußen sich erheblich vermindert hat seit dem Amts- antritt des Herrn v. Schelling? Ist ihr die Gedenktafel: Unter'm neuen Kurs, die unser Partei- Sekretariat periodisch im„Vorwärts" veröffentlicht, unbekannt geblieben, trotzdem sie recht lehrreich ist auch und vor Allem für den ersten deutschen Bundesstaat, für Preußen? Hat die„Franks. Zeitung" vergessen, daß Magdeburg in der Provinz Sachsen liegt unh daß dort der Prozeß P s u s sich abgespielt hat? Weiß sie nicht, daß der wegen eines angeblichen politischen Vergehens in Untersnchungs- Haft genommene PeuS nicht an das Lager seiner sterbenden Gattin eilen durfte, daß der Staatsanwalt der durch fressenden Gram tiefgebeugten hochschwangeren Frau Pöus, die flehentlich darum bat, man möge ihren Mann in ihrer schweren Stunde bei ihr weilen lassen, mit amtlicher Trockenheit sei» Nein entgegensetzte, weil ihr Mann„voraussichtlich eine sehr hohe Strafe" zu er- ivarten habe? Erging es nicht ähnlich unserem in den Staßfnrter Mcineidsprozeß verwickelten Genossen Frits che? In der That, politische und Preßprozesse sind so wohlfeil wie Brombeeren auch unter der Verwaltung des Herrn von Schelling, Prozesse allerdings, die sich in erster Reihe richten gegen die Arbeiterklasse, gegen die S o z i a l- demokratie. Aber die„Frankfurter Zeitung" legt einen Hauptton darauf, daß daS Bürgerthum ungeschoren blieb, während Lippe, das Urbild des Rechtsbrechers, die bürgerliche Oppo- sition verfolgte, daß Herr von Schelling der liberalen Bourgeoisie Zugeständniffe gemacht und das Geldjudenthum nicht vor den Kopf gestoßen hat. Es handelt sich um innere Fragen der bürgerlichen Klassen, um den Streit um den Antheil an der Macht im Staat. Aber der Jnstizminister, der die vcrfassungs- mäßigen Einrichtungen(Unabhängigkeit der Richter, Gleich- heit der Glaubensbekenntnisse) nicht verletzt, thnt immer doch nur das, woraus er eingeschworen, wozu er verpflichtet ist. Wenn Herr von Schelling die„antisemitische Hetze" nicht begünstigt hat, so kann der Antisemitismus" zum mindesten triumphiren darüber, daß unter Herrn von Schelling der Prozeß Buschhoff möglich gewesen ist, trotzdem Untersuchungsrichter und Staatsanwalt von der Unschuld des Angeklagten von vornherein überzeugt waren. Jener kleinen, aber mächtigen Partei, die auch mit dem Antifemltismus krebst, weil er in ihre Pläne so vor- trefflich paßt, ist es gelungen, den Xantener Streithandel vor die Geschworenen zu bringen. Ein Justizminister, der anstatt thatkräftig Nein! zu sagen, und gegebenen Falls lieber ein zielsichrer Staatsmann ohne Portefeuille, als Minister zu sein, dem Drängen jener dunklen Mächte nach- giebt und in Cleve sein Düppel findet, verdient eher alles Andere als das ihm in der„Frankfurter Ztg." so reichlich zugemessene Lob. Jcdennoch die Zeiten ändern sich, und die„Frankfurler Zeitung' des Jahres 1892 lobt Schelling, wie sie vor dreißig Jahren Lippe bekämpft hat.— Richter hinter den Nationalliberale» herlaufend. In einer Notiz über die Halle-Hersorder Wahl sagt die „Freisinnige Zeitung": „Wir haben diesen ganzen Wahlkampf nur als Marsch. Übung und Manöver für die L a n d t a g s w a h l im Jahr 1893 angesehen.— Wir wissen, daß der Wahlkreis nur zu erobern ist bei dem engen Zusammengehen zwischen Freisinnigen und Nationalliberalen." Dieses Buhlen um die Gunst der Nationalliberalen wird von der„Norddeutschen" gebührend verhöhnt. Jeden- falls beweist es, daß die Deutschfreisinnigen von ihren sonst so glänzend geschilderten Wahlanssichten in Wahrheit eine sehr geringe Meinung haben.— Antisklaverei-Lotteri«. In der„Kölnischen Zeitung" (Nr. 708 vom 5. d. M.) liest man:„Eick Berliner Blatt hat die Nachricht verbreitet, daß sich vor einiger Zeit die Ausführilngskommission des Antisklaverei-Komitees an den Minister des Innern mit der Bitte um Genehmigung zur Abhaltung einer zweiten Lotterie gewendet habe und ab- schlägig bcschieden worden sei. Diese Mittheilung ist, wie uns mitgetheilt wird, vollständig grundlos. Ein solcher Antrag ist weder mündlich noch schriftlich von der Kom- Mission gestellt worden, konnte daher auch nicht abgelehnt werden." Da diese Ableugnung offenbar von den kolonial- abenteuerlichen Lotterieleuten ausgeht, ist sie mit gebührmder Vorsicht aufzunehmen. Wir kennen unsere Pappenheimer.— Der Erlast König Krupp II. Jüngst(Nr. 205 vom 2. d. M.) haben wir mitgetheilt, daß der Krupp seinen Unterthanen die Jahre lang verbotene Lektüre der zwei in Essen erscheinenden Zentrumsblätter gnädigst wieder gestattet hat. Die Unverschämtheit, mit der die Kanonen-Majestät elementare staatsbürgerliche Rechte illusorisch macht, tritt sinnenfällig in dem Erlaß zu Tage, der die Zurücknahme der Zeitungssperre kundgiebt. Krupp II. thnt nämlich der „Essener Volkszeitung" und dem„Rheinisch- Westfälischen Volksfreund" folgendes kund und zu wissen(siehe„Germania" Nr. 203 vom 6. September): „Die Haltung Ihrer Zeitung seit«inigen Jahren, ins- besondere aber die würdige, von freundlicher Gesinnung zeugende Berichterstattung anläßlich der Enthüllung des seinem verewigten Vater von den Werksangehörigen gestifteten Denk- mals hat meinen Chef, Herrn Geheimen Kommerzienrath F. A. Krupp, veranlaßt, mich zu ermächtigen, von den seiner Zeil durch die Verhältnisse aufgedrungenen Bestimmungen meines Zirkulars vom 15. März 1387 Umgang zu nehmen und die Vorkommnisse in aufgeregter politischer Zeit der Vergessenheit zu überliefern. Es gereicht mir zur Freude, in Ueberein- stimniuug mit den Absichten meines Herrn Chef Ihnen diese Mittheilung machen zu können. Hochachtungsvoll Friede. Krupp. Das Direktorium, x. pa. Schmidt. Gußmann." Die ultramontanen Blätter haben sich offenbar redlich bemüht, die Schatten der königlichen Ungnade zu verscheuchen und sie verdienen deshalb diesen schmählichen Ukas, der ihnen ihre Unterthänigkeit im Lapidarstil be- scheinigt. Während der schamlose Uebermuth der kapitali- stischen Gewaltherren nur allzu oft Gesetz und Recht mit Füßen tritt, ohne daß dem verletzten Recht Sühne wird, wird jede Regung der Arbeiterklasse polizeilich gehemmt und bewacht. Den Essener Arbeitern aber, soweit sie heute noch im Banne der Zentrumspartei stehen, wird die knechtische Unter- werfung der ultramontanen Organe, wie sie amtlich durch den Kruppischen Erlaß beurkundet ist, die Augen öffnen über die Arbeiterfreundlichkeit der Partei„für Wahrheit und Recht".- Der tapfere Oberbürgermeister. Dem Hamburger „Echo" wird ans Wandsbeck geschrieben:„Unser Ober- bnrgermeistcr Rauch hat sich immer noch nicht eingefunden. Der „Wandsbecker Bote" versucht eine Rechtfertigung deS„Stadtvaters", indem er schreibt:„Herrn Oberbürgermeister Rauch ist auf sein Erbieten, mit Rücksicht auf den AuÄruch der Cholera seinen Urlaub zu unterbrechen, vom Magistrat s. Z. erwidert worden, daß derselbe seine Rückkehr gegenwärtig nicht für nothwendig erachte." Das„Erbieten" des Herrn Oberbürgermeisters, nach der bedrohten Stadt zurückkehren zu ivollen, ist wirklich gut. Was würde man zu einem Truppensührer sagen, der seinen Truppen, die sich im Kämpft befinden, erst das„Erbieten" stellt,„mit RMficht auf den Kampf zu ihnen zurückkehren zu wollen." Mit vollem Recht würde man einen» solchen F— ührer antworten: „Bleibe wo Du bist!" Wo Rauch ist, ist Feuer, sagt das Sprichwort. Wir wissen jetzt, daß Rauch nicht da tst, wo die Cholera wüthet.— „Praktisch." Die Aufgabe der sozialistischen Kommunen in Frankreich ist gewiß keine leichte. Allein die Genossen sind sich der Schwierigkeiten auch voll bewußt. Sie haben begriffen, daß der Sozialismus jetzt eine Probe zu bestehen hat; sie wissen, daß wenn sie Thor- heiten machen, die Sache des Proletariats schwer darunter leiden wird; und sie sind entschlossen, die Gemeinden so zu verwalten, daß die noch nicht für den Sozialismus ge- ivonnenen Massen des Volks sagen müssen: die Sozialisten sorgen für die Gemeinden und für das Volk besser, als die Herren Kapitalisten. Und Thatsache ist: die Verwaltung der sozialistischen Gemeinden weist schon jetzt gegen früher bedeutende Fortschritte auf. Ein Mitarbeiter des Pariser „Figaro", Möns. Huret, der schon verschiedene objektive Artikel über Arbeiterangelegenheiten veröffentlicht hat, suchte neulich, um sich zu orientiren, eine Zusammenkunft mit unserem Genossen G a r r e t t e, dem Weber und Bürger- meister von R o u b a i r, und befragte denselben um sein„Programm". Garrette hatte nichts zu ver- schweigen, und theilte Herrn Huret das unseren Lesern be- kannte„praktische Programm" der sozialistischen Gemeinde- Verwaltungen mit. Und siehe da, Herr Huret und die Leser des„Figaro" sind ganz erstaunt über die„praktischen" Sozialisten! Einen ebenso großen Triumph hat die sozialistische Kommune von Marseilles zu verzeichnen. Die dortige Gaskompagitie war nicht blos mit einem Theil der Ein- wohncr, sondern auch mit ihren Arbeitern in Konflikt ge- rathcn, und ganz unerträgliche Zustände hatten sich heraus- gebildet. Da kam den Leitern der Kompagnie ein leuchtender Gedanke. Sie— die Herren Geldprotzen in Nöthen— wandten sich an den sozialistischen Bürgermeister von Marseilles und baten ihn um seine Vermittelung. Der sozialistische Maire sammelte feurige Kohlen auf die Häupter der Männer, die ihn und seilte Genoffen schon so unzählige Mal ver- unglimpft hatten, und— binnen 24 Stunden war eine für beide Theile befriedigende Lösung herbeigeführt. Natürlich schweigt die Bourgeoispressc diese Thatsache lodt. Daß die Sozialisten nicht„theilen", nicht das tausendjährige Reich verkünden, nicht im Handumdrehen den„sozialen Zukunfts- staat" herbcihexcn wollen, sondern hübsch praktisch arbeiten, nnd durch das Beispiel Propaganda machen, das ist den Herren Bourgeois freilich sehr unbequem. Und nun vergleiche man mit diesen sozialistischen Gemeinde- verwaltiingen die kapitalistischen, z. B. die urkapitalistische der freien Stadt Hamburg!— Für den Inhalt der Inserate über. nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Egyptische Ausstellung. Unmittelbar an der Stadtbahn- Station Zoologischer Garten. Zentralverband deutscher Maurer u. Zahlstelle Berlin H. Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: E 382/12 Permanent geöffnet v. Morgens 10 Uhr bis Abends 11 Uhr. Mittwoch, den 7. Sept., Abends 8, Uhr, im Lokale Infeldr. 10 r Arabisches Original- Café mit seinen egyptischen Musikern und National- Tänzerinnen( Almées). Orientalische Bazare. Anfertigung und Verkauf egyptischer und syrischer Handwerkserzeugnisse. Suaheli- und Fellachendorf- Beduinenlager, Landwirth- 1. Bericht über den ersten Verbandstag zu Raffel. 2. Distuffion. schaftliche Anlagen, Maschinen u. Geräthe Ober- Egyptens. 3. Wahl des Ausschusses. 4. Ergänzungswahl der örtlichen Verwaltung. 5. Gewerkschaftliches. Das Erscheinen aller Mitglieder ist nothwendig. Einzug Mekka- Karawane in um Die örtliche Verwaltung. Gäfte haben Zutritt. 5 und 8 Uhr. Von 3% Uhr ab: Grosses Konzert. Entree 50 Pf., Loge 3 Mk., I. Tribüne 1,50 Mk., II. Tribüne 1 Mk. E Mittwoch, den 7. September. In der grossen Arena: Täglich Vorfähren der ganzen K Kaire un Opernhaus. Tanuhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg. Schauspielhaus. Faust von Goethe. Der Tragödie erster Theil. Der Lebemann. Brutches Cheater. Bring Briedric Th. Keller's Hofjäger, von Homburg. Kroll's Theater. Der Waffenschmied. Berliner Theater. Nora. Bellealliance- Theater. Die schöne Melufine. Residenz- Theater. Denise. Hasenhaide, Bergmann- StraßenGake. Heute, Mittwoch, den 7. September 1892: Sackhüpfen, Gratisverloosung 2c. Gr. Ernte- Fest mit ländlichem Fettzuge, Hahnenschlagen, Großes Militär- Konzert. Jm großen Saale: Achtung! Vergolder. Achtung! Umstände halber tann unsere öffentliche Versammlung, welche am 5. Sept. einberufen war, erst am Donnerstag, den 8. Sept., stattfinden. Oeffentliche Versammlung Friedrich- Wilhelmäädt. Cheater. Marionetten- Cheater- Borsten. Je BALL. sämmtl. in unserem Gewerbe beſchäft. Arbeiter u. Arbeiterinnen Bettelstudent. Volksbeluftigungen. Abends: Großer Fackelzug und bengalische Beleuchtung. Thomas- Theater. Hanne Nüte un Anfang 4 Uhr. Entree 15 Pf., vorher 10 Pf.( Kinderbillets 15 Pf.) be lütte Bubel. Oftenb- Theater. Die Jüdin. Adolph Ernst- Theater. Die wilde Madonna. Apollo Theater. Borstellung. SpezialitätenTheater der Reichshallen. Spezialitäten- Borstellung. Adolph Ernst- Theater. Zum 2. Male: Die wilde Madonna. Gesangspoffe in 3 Aften von L. Treptow. Couplets von G. Görss. Musik von G. Steffens. Mit neuen Kostümen und Dekorationen aus dem Atelier des Herrn Lütkemeyer in Coburg. In Scene gefeht von Adolph Ernst. Anfang 7%, Uhr. Morgen: Dieselbe Borstellung. 69/46 Gesetzlich geschüßt. MAR A. Froelich. Achtung! Genossen und Kollegen! Ueberzeugung macht wahr! am Donnerstag, den 8. September, Abends 8 Uhr, Nim Lokale des Herrn Scheffer, Inselstraße Nr. 10. Zages Drdnung: = 1. Vortrag des Herrn Jal. Apelt über: Emanzipations- Bestrebungen der arbeitenden Klasse". 2. Diskussion. 3. Wahl zweier Beisiger zum Gewerbe461/6 2934L gericht. 4. Verschiedenes. Die Agitations- Kommission. J. A.: Richert, Blumenftr. 33. Endlich sind wir dahin gekommen, die gesundheitswidrigen Röhren bei der Bierverzapfung beseitigen zu können und direkt vom Fak u zapfen. 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Ferner ersuchen wir alle Parteigenoffen dahin zu wirken, daß bei allen Geschäfts Leuten, wo sie ihre Gelder unterbringen, sie darauf achten, daß dortselbst eines unserer Parteiorgane ausliegt. Bestellungen nimmt Genosse Beyer, Leibnizstraße 7, entgegen. 498/19 Im Auftrage der Lokal- Kommission; A. Röttcher, Wilmersdorferstr. 65. Schöneberg. Große öffentliche 498/18 Volks- Versammlung für Schöneberg am Donnerstag, den 8. September, Abends 8%, Uhr, im Lokale des Herrn Ramm, Schöneberg, Hauptstraße Nr. 81. Tages Ordnung: 1 1. Vortrag über:" Die Gewerbegerichte und deren Bedeutung für die Arbeiter. 2. Die Uebelstände in unserem hiesigen Schiedsgericht, Diskussion. Referent: Gen. Baumeister Kessler. 8. Verschiedenes. Sämmtliche Arbeiter Schönebergs sind zu dieser Versammlung eingeladen. 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Regierungsbezirk Lüneburg: in den Städten Uelzen und Burgdorf, sowie 6 Orten der Kreise Dannenberg. Bleckede. Harburg(Land) 10 Erkr., 2 Todesfälle. ..Regierungsbezirk Hildesheim: in einem Ort oes Kreises Marienburg I verdächtiger Todessall. Regierungsdezirk Schleswig: in den Städten Kiel und Ratzeburg, sowie in 17 Orten der Kreise Pinneberg. Stormarn. Steinburg, Eiderstädt und Kiel(Land) 22 Erkrank., « Todesfälle. Regierungsbezirk Magdeburg: in Magdeburg Und Aken 2 Erkr., 1 Todesfall. Regierungsbezirk Hannover: Stadt Hannover 1 Erkr. , Regierungsbezirk Koblenz: Stadt Koblenz 2 Er «anklinge», 2 Todesfälle. Regierungsbezirk Potsdam: in Zehdenick, Witten- berge und Rathenow je 1 Todesfall und in 3 Orten des Kreises Perleberg je 1 Erkr. Berlin: in den letzten Tagen 2 Erkrankungen, 2 Todes- lalle. Groß Herzogthum Mecklenburg- Schwerin: Ludwigslust 1 Todessall. Großherzogthum Mecklenburg-Etrelitz: in -Viesenberg 1 Erkrankung, in Schönberg 1 Todesfall. . Bremen: Bisher d Erkrankungen sicher festgestellt, davon todtlich verlaufen. Dem Kaiserlichen Gesundheitsamt vom d September. Mittags, gemeldete Cholera-Erkr kungs. und Todesfälle: v. bis an- Staat und B ezirk. Hamburg. Preußen: Stade. Lüneburg. Schleswig. Btagdeburg Ort. Hamburg. Datum: 2./g. LSI S./S. 24S.S2S i 4./9. 3791501 3 679. 158 674 264 Krautsand. Neuhof. Wilhemsburg. Altona. Magdeburg. _. Bereinzelte Erkrankungen(einschließlich der nachttäglich ge meldeten): -r«ierung»bezirk Stade: in 4 Orten der Kreise « Edingen und Stade 4 Erkrankungen, 1 Todesfall. . R egierungsbezirk Lüneburg: Stadt Burgdorf, je o bn Kreise Harburg. Bleckede und Winsen insgesammt £ Erkrankunge», 2 Todesfälle. „ Regierungsbezirk Schleswig: in den Städten mendsburg, Ratzeburg. Schleswig, Segeberg, Tönning, sowie in Orte» der Kreist Schleswig, Pinneberg, Steinburg und Lauew 9p Erkrankungen. 8 Todesfälle. o n3'sierungsbezirk Koblenz: in Stadt Koblenz 2 erkrankungen. . Im.Hamburger Fremdenblatt" vom 6. E e p- m b e r liest man über die Hamburger Zustände: 20 iir � dem Friedhof in Ohlsdorf wurden seit dem 19. oder Rugust, dies waren wir nicht im Stande, genau festzustellen. ««8 Leiche« beerdigt, denn an einem von den beiden erst- genannten Tagen wurde für ein» Leiche die Nummer 8772 auszugeben und gestern in den ersten Bormittagsstunden wurde die -aummer 14 000 für eine Leiche ausgegeben. Heute um dieselbe Zeit gestern hatten die Nummern der Leichen schon 14 530 über- oi•* n. Da hier die Nummern fortlausend gegeben werden, ganz gleich welcher Gegend die Leichen kommen, so ist zu kon- uantiren, daß seit gestern Vormittag bis heute um dieselbe Zeit k r SSO Leiche« in Ohlsdorf bestattet wurden, und man sich erstaunt fragen, wie stimmen diese Zahlen mit der �fatistjk überein, die von Seiten der Medizinalbehörde gegeben Om-x dieser großen Zahl Leichen, die in dieser Zeit in Amsdorf bestattet wurden, muß man noch berücksichtigen, daß .°ch viele Leichen auf den verschiedenen anderen Kirchhöfen zur °tzten Ruhe bestattet wurden. bie K h- Hamburger amtliche Statistik ist allerdings für �..Hamburg, 6. September. Von Sonnabend Mitternacht an Sonntag sind 501 Erkrankungen und 158 Todesfälle , Ehokexa gemeldet. Dazu treten bis heute Mittag 108 Er- ankungen und 34 Todesfälle. Gestern wurden 492 an der «iA» B erstorbene beerdigt. Im Allgemeinen hat die Cholera cht abgenommen: sie hat sich aber jetzt zumeist auf die Vor- hlie»"vorfen. Es erkranken und sterben vorwiegend Frauen aus otn festeren Ständen". .Hamburg, ö. September. Den Behauptungen inländischer ausländischer Blätter gegenüber, daß das Auftreten der Cholera in Hamburg von dem Hamburger Senat und den Be- Hörden geflissentlich verheimlicht worden sei..koustatirt" der „Hamburgische Korrespondent' aus erster Quelle, daß„die Ham- burger Medizinalbehörde am 22. August sofort nach dem Ab- schluß der bakteriologischen Untersuchung über den ersten Cholerafall das Reichs-Gesundheitsamt benachrichtigt und alle erforderlichen Maßregeln ergriffen habe'. Auf dieses offiziöse Mätzchen fällt Niemand hinein. Die Lotterwirthschaft u n d S ch l am p e rei, die Krämerpolitik des Ham- burger Geldsack-Regiments sind gerichtet. Hamburg, 6. September. Bis jetzt ist noch keine Abnahme der Cholera zu verzeichnen. Bon Sonntag Mitternacht bis Montag Mitternacht ereigneten sich 674 Neu- erkrankungen und 264 Todesfälle. In beiden Krankenhäusern be- finden sich 2600 Kranke. Außerdem sind die vorhandenen Cholera- barackeu überfüllt. Im„Hamburger Echo' liest man: sowohl ans den amtlichen Erkrankungs- und Sterbefallsziffern, als auch aus den Transport- ziffern läßt sich, die Nachmeldungen bei den ersteren in Betracht gezogen, allenfalls eine mäßig« Abnahme der Epidemie folgern. Es geht aber mit dem Rückgange durchaus nicht so rapide, wie man erwartete, im Gegentheil dürfte ein Rückschlag zum Schlechteren zu befürchten fein, sofern nicht alle Borsichts- und Vorbeugungsmaßregeln beachtet werden. Nach den Mittheilungen des Medizrnal-Jnspektorats sind bisher insgesammt 6124 Er- kranknngen und 2676 Todesfälle zur Anmeldung gelangt. Die Ziffern sind, wie schon mehrfach erwähnt, nicht vollständig, da sie sich durch Nachmeldungen fort und fort erhöhen. Eine» un- gesähren Begriff von der Zahl der Opfer, welche die Cholera erforderte, kann man sich bei Betrachtung der Begräbnißziffern verschaffen. Die Zahl der vom 1. Januar bis 1. September 1892 in Hamburg und zwar speziell auf dem Friedhof zu Ohlsdorf beerdigten Leichen übersteigt längst die Ziffer der im Jahre 1891 bis zum 31. Dezember daselbst stattgefuudenen Beerdigungen. Es wurden im Jahre 1891 bis Ende Dezember 12 500 Leichen bestattet, während bereits vorgestern die laufende Nummer 13 500 betrug. Es sind also schon jetzt in 8 Monaten allein auf dem Ohlsdorfer Friedhof 1000 Leichen mehr beerdigt worden, als sonst in 12 Monaten. Nehmen wir an, daß diese 1000 Leichen die natür- liche Steigerung infolge Zunahme der Bevölkerung bilden, so muß man immerhin annehmen, daß die in normalen Zeiten erst am 31. Dezember eintretende Sterblichkeitsziffer schon jetzt erreicht ist, obgleich noch 4 Monate bis zu letzterwähntem Termin fehle». Da die normale Sterblichkeit in Hamburg für den Monat etwa 1000 Fälle beträgt, so ergiebt sich, daß die etwa 4000 Sterbe- fälle, um welche die Normalziffer jetzt schon überschritten ist, auf die Cholera zurückzuführen sind. Darnach dürfte die Zahl derOpfer der Cholera bis jetzt auf rund 4909 zu veranschlagen sein. f« m b u r g, 6. September.(Voss. Ztg.) Offiziell werden en 6. September gemeldet 674 Erkrankte und 264 Tobte, davon wirklich den gestrigen Tag betreffend 153 bezw. 40. Insgesammt sind bisher gemeldet 6798 Erkrankungen und 2940 Sterbefälle.(Nach einer der„Voss. Ztg.' von einem anderen Berichterstatter zugehenden Meldung soll nach den Ohls- dorfer Kirchhoflisten die Gesammtzadl der bisherigen Cholera- Todesfälle in Hamburg die Höhe von 6200 erreichen. Hamburg, 6. September. Altona meldet heute 10 Erkrankungen und 8 Todesfälle. Es ist eine allgemeine Abnahme der Epidemie, besonders am Hafen wie in Hamburg selbst zu verzeichnen. Die erste freiwillige Z ei ch- nung für die vom Nothstand Betroffenen hat 200 000 M. ergeben.(Voss. Ztg.) Unterbringung der durch die Cholera ver- waisten Kinder in Ha m b u r g. Das Waisenhaus- Kollegium hat sich von der Ober-Schulbehörd« die beiden am Schulweg belegenen Volksschulhäuser überweisen lassen, um in denselben durch die Cholera verwaiste Kinder unterzubringen. Angestellte des Waisenhauses wohnen dort unter den Kindern, Lehrer und Lehrerinnen der Volksschulen haben während des Tages die Beaufsichtigung der Kinder übernommen; die Be- speisnng wird vom Waiseuhause beschafft. Am Sonnabend, den 3. d. M., ist die erste Abtheilung von Kindern diesem Waisen- Asyl zugeführt. Weitere Zuweisungen werden erwartet und er- folgen durch Vermittelung der Polizeibehörde. Wegen der ans Helgoland angeordneten Quarantäne- maßregeln gegen die von Hamburg und Cuxhaven eintreffenden Schiffe sind die P o st d a m p f s ch i f f f a h r l e n zwischen Cur- h a v e n bezw. H a m b nr g und Helgoland eingestellt worden. Tie Postverbindung mit Helgoland wird nunmehr durch Postdampfschifffahrten von Wilhelmshaven bezw. Gee st e münde aus unterhalten. Die Dampfer fahren von Wilhelmshaven am Sonntag, Montag, Dienstag und Sonnabend um 8,30 Vorm., von Geestemünde am Mittwoch, Donnerstag und Freitag um 9,0 Vorm. ab und«essen in Helgo- land um 12,30 bezw. 1,0 Nachm. ein. Die Rückfahrt von Helgoland findet täglich Nachmittags statt; die Dampfer fahren am Sonntag, Montag, Freitag und Sonnabend nach Wilhelmshaven, am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag nach G e e st e m ü n d e. Ueber die Cholera im Kreise Stormarn kann da? „Wandsb. Etadtbl.' folgende authentische Zahlen bringen: Schiff bek 5 Erkrankungen(außerdem 9 an Brechdurchfall), Poppeir büttel 2 Erkrankungen, 3 Sterbcfälle; Rethwischfeld 1 Erkan kung, 1 Sterbefall; Grabau 1 Erkrankung, 1 Sterbefall; Havig- Horst 1 Erkrankung, 1 Sterbesall; Langelohe 1 Erkrankung; Hummelsbüttel 3 Erkrankungen; Bramfeld 1 Erkrankung: Ahrens bürg 1 Erkrankung; Sasel 4 Erkrankungen, S Sterbefälle; Stein- bek 1 Erkrankung; Tremsbüttel 1. Erkrankung; Wulssdorf 1 Er- krankung, 1 Sterbesall. Bremen. 5. September. Die Medizinalkommisston macht bekannt, daß seit gestern Mittag eine einzige choleraverdächtige Erkrankung, jedoch kein Todesfall, vorgekommen sei, und fügt die ausdrückliche Bemerkung hinzu, daß auch nach der Auf- fassung des Geheimraths Professor Dr. Koch kein Grund zu der Annahme vorliege, daß die Seuche bei den günstigen Wohnnngs- und Wasserverhältnissen Bremens größeren Umfang annehmen werde. Bremerhaven, 6. September. Der Verkehr mit Helgo- land ist eingestellt; die Postdampferlinie geht jetzt nur noch über Wilhelmshaven. Lübeck, 5. September. Gestern fand hier ein Erkrankung?- fall an Cholera statt, in Ratzeburg ein Todessall und in Nien- dorf an der Ostsee mehrere Erkrankungen. Lübeck, 5. September. Heute Nachmittag kamen hier zwei weitere choleraverdächtige Erkrankungen vor, bisher sind also insgesammt acht Erkrankungen erfolgt, von denen eine tödtlich verlief.— Die beiden im Ostseebade Niendorf an der Cholera er- krankten Personen sind heute Nachmittag gestorben. Breslau, 5. September. Die Oder-Schifffahrtsgesellschaften haben den Gütertransport von Haniburg aus eingestellt. Die Bahnverwaltung giebt keine Gesellschafts-Fahrkarten mehr au?. Vom Harze, 4. Septenibcr. Aus dem Harze ist jetzt der erste Cholerafall zu melden. Nach amtlicher Mittheilung starb in Zellerfeld«in aus Hamburg zurückgekehrter Bergmann an asiatischer Cholera. Einzelne bis jetzt aus anderen Harzorten j gemeldete verdächttge Erkrankungen haben sich als Brechdurchfälle herausgestellt.(„Franks. Ztg.') Aus Grund der von dem Ober-Präsidenten ertheilten Er« mächtigung wird der Vieh- und Krammarkt mBernau am 12. und 13. d. M. aufgehoben. Magdeburg. In der Zeit vom 3. d. M. Nachmittags 5Vi Uhr bis zum 5. Vormittags 9 Uhr sind nach Mittheilung des Statistischen Amts in der altstädter Krankenanstalt außer zwei choleraverdächtigen Personen(einem Schiffskapitän und einem Bootsmann vom Dampfer.Deutschland') zwei Cholerairanke, von denen der eine(ein Schiffsjunge) an der asiatischen, der ander(ein Arbeiter) an der einheimischen Cholera erkrankt ist, aufgenommen worden. In den übrigen Krankenhäusern sind cholerakranke oder choleraverdächtige Personen nicht zu verzeichnen gewesen. Eterbesälle haben sich in der gmannten Zeit nicht ereignet. Nachträglich wird bekannt, daß die asiatische Cholera fünf Opfer aus dem Kreise Niederbarnim gefordert hat, und zwar hat das von Schiffern stark bevölkerte, 730 Einwohner zählende Dorf Zerpenschleuse drei Männer und eine Frau, die auf der Schifffahrt von Hamburg nach Berlin begriffen waren. während der Fahrt infolge Cholera- Erkrankung durch den Tod verloren. Ferner ist der in dem 420 Einwohner zählenden Dorfe Friedrichsthal bei Oranienburg, wo ebenfalls viele Schifferfamilien wohnen, ortsangehörige Schiffseigner Friedrich Erxleben ebenfalls auf der Fahrt von Hamburg nach Berlin an asiatischer Cholera verstorben. Köln, 6. September.(„Kölnische Volkszeitung'.) Am vergangenen Sonnabend wurde von einem Schleppkahn ein choleraverdüchtiger Schiffsknecht nach dem Hilfskrankenhause ge- bracht.— Das Polizeipräsidium hat die Löschung der Güter des choleraverdächtigen Dampfers Jason hierselbst, welch« mittelst Rheinschiffen hierher gebracht werden sollten, untersagt.— Im Hilfskrankenhause fanden gestern und heute wieder mehrere Per- sonen Aufnahme, welche jedoch nur an leichtem Brechdurchfall litten. Verdächtige Fälle liegen, wie mitgethellt wird, bisher nicht vor. Hannover, 5. September. Eine Verordnung des Regie- rnngspräsidenten verbietet die Einfuhr von frischem Obst, Blumen, frischen und geräucherten Fischen, Austern, Hummern und Krebsen aus Hamburg, Altona und anderen von der Cholera infizirten Orten. Peine(Hannover), 6. September. Daß ein« ganze Stadt sich der Cholerafurcht wegen von jeglichem Verkehr abschließt, sollte man kaum für möglich halten, ist aber Thatsache. Diese Stadt ist Peine. Ein Geschäftsmann aus dem benachbarten Wolfenbüttel, der am Freitag eine Reise nach Peine unternahm, berichtet dem„Wolfenb. Kreisbl.' darüber folgendes:„Ich fuhr mit dem Nachmittags 2,55 Uhr von Braunschweig abgehenden Magdeburger Schnellzug nach Peine, wo ich mit noch sieben oder acht Passagieren ausstieg. Aus dem Bahnhofe fiel uns sofort die allgemeine Oede auf. Ein Beamter wies uns unter ent- sprechender Handbewegung nach der Thür zum Durchgange des Bahnhofgcbäudes. Wir folgten erwartungsvoll feinem Rathe und wurden an der bezeichneten Stelle von einem Polizisten in Empfang genommen, der sich ausführlich nach unserer Herkunft und anderem erkundigte, um uns schließlich unter Ausdrücken des Bedauerns mitzutheilen, daß wir den Bahnhof nicht verlassen dürften. Vergeblich waren all« dagegen gerichteten Vorstellungen und die Betheuerung, daß Niemand von uns auch nur die ge- ringste Ahnung von Cholera und Kommabazillus habe, vergeblich bat ein aus Württemberg kommender Geschäftsreisender, man möge ihn doch nur nach dem Walzwerk gehen lassen, wobei er ja gar nicht durch die Stadt brauche; es wurde nichts daraus, und unS blieb nichts weiter übrig, als auf dem Bahnhose den Abgang der nächsten Züge abzuwarten und über die Weisheit hoher Behörden nachzudenken, die vielleicht gar die wohllöblich« Absicht gehabt haben, uns vor Ansteckung durch etwaige cholera- verdächtige Peiner Einwohner zu schützen. Offen bleibt bisher die Frage: Wer trägt den Schaden, der uns durch Zeit- und Geldverlust mit dieser Fahrt entstanden ist? Die Eisenbahn- behörde, ivelche Billets nach einem Orte verkauft, zu dem Nie- mand Zutritt hat, oder die Stadtverwaltung von Peine?' Köln, 5. Septeniber. Ein heute Abend aus Hamburg hier eingetroffener Reisender wurde als choleraverdächtig dem Hilfs- Krankenhause übergeben, der betreffende Eisenbahnwagen wurde sofort desinfizirt. Köln, 6. September. Die„Kölnische Zeitung' meldet auS Saarlouis: Soeben wurde» die Kaisermanöver abbestellt. In Trier wurden wegen der Choleragefahr die Parade und das Korpsmanöver abgesagt. Aus Luckenwalde wird unS unterm 6. September geschrieben: Unter stark choleraverdächtigen Erscheinungen verstarb hier am Sonnabend ein Mann, dessen Leiche sofort nach der Leichenhalle aus dem Friedhofe gebracht worden ist. Nach An- ficht der Aerzte liegt zwar keine astatische Cholera vor, dennoch wurde die Wohnung des Verstorbenen gründlich desinfizirt. Der Magistrat erläßt heute eine Aufforderung: Kräftige Männer, welche bereit sind gegen gute Bezahlung im Nothfalle als Krankentransporteure oder Desinfektoren thätig zu fein, sollen sich im Magistratsbureau melden. Karlsruhe. 5. September. Nach einer Meldung der .Badischen Landeszeitnng' ist in Rappenau, Amt Sinsheim, eine einheimische Frau unter choleraähnlichen Erscheinungen er- krankt und gestorben. Di« bakteriologische Untersuchung der Verstorbenen sei noch nicht beendet. Die daselbst zugereisten Hamburaer seien dagegen für vollkommen gesund erklärt worden. Auch der anstatt des ausfallenden vierten deutschen Mechaniker- tages in München angesetzte international« Schraubentag (Konferenz behufs Einführung einheitlicher Schraubengewinde) sinket»ach einer Mittheilung der Physikalisch-technischen Reichs- anstalt zu Charlottenburg wegen der Choleragefahr nicht statt. Bern, 6. September. Der Bundesrath hat wegen der Choleragefahr ein Verbot der Einfuhr von Hadern, alten Klei- dern, gebrauchtem Bettzeug sowie von Leib- und Bettwäsche auS Deutschland und Belgien erlassen. Ausgenommen ist nur das Gepäck der Reisenden. Kopenhagen. 6. September. Die DampsschiffSverbindung mit Schweden ist gestern wieder in beschränktem Umfange auf- genommen worden, auch die Dampffähre zwischen Helstngör und Heisingborg wird wieder täglich eine Fahrt hin und zurück machen. Jeder Reisende nach Schweden hat jetzt eine vier Stunden vor seiner Abreise in Dänemark ausgefertigte Be- scheinigung darüber beizubringen, daß er sich 48 Stunden in Dänemark aufgehalten hat. Inhaber solcher Bescheinigungen werden von hier nach Malmö direkt befördert. In Helstngör weigert sich die Polizei, diese Bescheinigungen auszufertigen. Kopenhagen, 6. September. In der heuttgen Sitzung des Gemeinderathes erstattete der Magisttat Bericht über die zur Bekämpfuiig einer eventuellen Cholera-Epidemie bereits ge- ttoffenen Maßregeln. Der Magistrat theilte mit, daß die hiesigen ospitäler außer einer Anzahl Zelte mit 350 Betten für etwaige holerakranke ausgerüstet seien, das Trinkivasser in der Stadt sei vorzüglich, der Gesundheitszustand ein sehr guter. Die Sterblichkeit sei hier gegenivärtig geringer, als sie seit vielen Jahren gewesen sei. Fredericia, 6. September.. Zur Abfperrung der schles:| Gladbach und Kempen der Parteigenosse J. H. Frankens wigschen Grenze sind von hier 3 Offiziere und 86 Mann und aus München- Gladbach gewählt. aus Odense 50 Mann Infanterie abgegangen. Kapitän Nielsen Dom 12, Bataillon wird das Kommando führen. Rotterdam, 5. September. Ein Kind des am Freitag an der Cholera nostras verstorbenen Mannes ist in den Baracken derselben Krankheit erlegen; ein anderes Kind ist schwer erkrankt. Heute wurde eine an Cholera erkrankte Frau nach den Baracken gebracht. In Groningen ist heute ein Mann an der asiatischen Cholera erkrankt. M Aufruf an die nichtsozialistiyen Arbeiter Berlins! Auf Grund des schon am 1. April 1892 in Kraft getretenen Gefehes über die Errichtung von Gewerbegerichten und Die Landtagswahlen in Renk i. 2. finden am 13. Sep- Ginigungsämtern soll demnächst auch für Berlin ein solches Getember statt. Unsere Parteigenoffen haben ihre Vorbereitungen richt erstehen. In wenigen Wochen werden die Berliner Arbeiter vollendet und sehen dem Ausgange der Wahl mit begründeter an die Wahlurne gerufen, um ihre Stimme denjenigen ArbeiterHoffnung auf Sieg entgegen. vertretern zu geben, von welchen sie erwarten, daß sie in gewerblichen Streitigkeiten unparteiische, gerechte Richter sein Agitation. Reichstags Abgeordneter v. Bo II mar be- werden. ginnt am 13. September auf Einladung des württembergischen Mit den politischen Grundsägen irgend einer Partei haben Rotterdam, 6. September. Hier wurden gestern drei Landesvorstandes der Sozialdemokratie eine Agitationstour durch diese Wahlen nichts gemein. Die Berliner Sozialdemokraten Erkrankungen und 2 Todesfälle, in Groningen 1 Erkrankung an Württemberg. versuchen aber, die Gewerbegerichte ganz in ihre Hände zu beder Cholera gemeldet. tommen, was ihnen auch gelingen wird, wenn die nichtAmsterdam, 6. September. Gestern Abend ist in Dort- Für den Wahlkreis Halberstadt Oschersleben- sozialistischen Arbeiter ihre Pflicht verfäumen. Befindet sich das recht ein Arbeiter an der Cholera gestorben, in Papendrecht ist Wernigerode wird nächsten Sonntag, den 11. September, von Gewerbegericht aber ausschließlich in sozialistischen Händen, dann die Frau eines von Antwerpen gekommenen Schiffers an Cholera Bormittags 11 Uhr ab, eine Parteiversammlung im wird es auch agitatorisch von diesen ausgebeutet. Die Gewerbeerkrankt. Odeum zu Halberstadt abgehalten. Die Tagesordnung gerichte müssen einen durchaus unpolitischen Charakter tragen, Haag, 6. September. Das amtliche Blatt veröffentlicht lautet: Bericht der Vertrauensleute, Bericht des Agitations benn ihre Aufgabe ist einzig und allein die, in gewerblichen eine tönigliche Verordnung vom 4. d. M., worin außerordent fomitees und Wahl desselben, Bericht der Zeitungstommiffion Streitigkeiten Recht zu sprechen. Die Sozialdemokraten haben liche Maßregeln gegen die Einschleppung der Cholera angeordnet und Wahl derselben, Stellungnahme zum Parteitag und Wahl leider schon zu oft bewiesen, daß sie die politischen Fragen von der Delegirten, Anträge und Verschiedenes. den gewerblichen nicht immer zu trennen vermögen; die geBrüssel, 6. September. Der Vergnügungszug zwischen werblichen Streitigkeiten müssen aber, sollen sie gerechte BeBrüffel und Paris ist eingestellt. urtheilung finden, auch einzig vom gewerblichen Standpunkt betrachtet werden. werden. Brüssel, 6. September. Aus ganz Belgien wird eine Besserung des Gesundheitszustandes und eine Abnahme der Cholera gemeldet. Hier sind zur Zeit 2 Erfrankte, welche sich außer Gefahr befinden. In Brügge ist der einzige Krante als geheilt entlassen. Plymouth, 6. September. Hier ist ein Cholera- Todesfall an Bord der Elbe" vorgekommen, welche aus Hamburg angekommen ist. Paris, 6. September. Die„ choleraartige" Epidemie dauert hier unverändert fort. Wie die Morgenblätter berichten, sind hier gestern 15 Todesfälle vorgekommen. Paris, 6. September. Nach der gestern veröffentlichten Statistik des Gesundheitsrathes sind seit dem Beginn der hier herrschenden Epidemie 305 Personen an derselben gestorben, davon am 4. September 14 in Paris und 5 in der Bannmeile. Havre, 6. Sept. Gestern sind hier 41 Erkrankungen und 9 Todesfälle vorgekommen. Der Minister des Innern ist hier eingetroffen und hat die Hospitäler und die übrigen KrankenHeilanstalten besichtigt. * Amtsseitig unbekannt." Die Sozialdemokraten enig3 in Sachsen ersuchten den Stadtrath um Bewilligung eines Zuschusses von 15 M. zur Lassalle- Feier, nachdem der Das Gewerbegericht in Berlin foll aus 420 Beisigern beTurnverein zu seinem Gauturnfeste von der Stadt 150 m. stehen, wovon wir 210 Arbeiter Kandidaten zu wählen haben. Unterstützung erhalten hatte. Ein ehrsamer Stadtrath zu Penig Die Wahl ist eine geheime und direkte und geschieht mittelst lehnte das Gesuch der Sozialdemokraten natürlich ab, u. A. mit Stimmzettel. Wieviel Kandidaten in jedem Bezirk zu wählen der Begründung, als in dem Gesuche ja nicht einmal angegeben find, wird durch den Magistrat und auch durch uns noch bekannt ist, wer der Mann ist, zu dessen Andenken die Gedächtniß gemacht werden. feier veranstaltet werden foll". Da die Sozialdemokratie gern bereit ist, dem Mangel positiver Kenntnisse auch bei den höheren Gesellschaftstlassen abzuhelfen, so wird demnächst Reichstags Abgeordneter Schmidt- Burgstädt in Penig einen Vortrag über das Thema halten: Wer ist Bassalle? $ Kommunales. Wahlberechtigt ist jeder Arbeiter, welcher das 25. Lebensjahr vollendet, mindestens seit einem Jahre in Berlin beschäftigt ist oder wohnt, und dessen Name in der Wählerliste steht. Die Eintragung in die Wählerliste geschieht jedoch nur auf Antrag des Wahlberechtigten unter Borzeigung eines vom Arbeitgeber oder der Polizeibehörde ausgestellten Zeugnisses, durch welches bestätigt wird, daß der Wähler seit mindestens einem Jahre in Berlin in Arbeit steht oder wohnt. Sobald die Wahllisten durch den Magistrat ausgelegt worden sind, was durch Säulenanschlag bekannt gemacht wird, darf kein Wahlberechtigter die Eintragung seines Namens in die Wählerliste versäumen. Nichtsozialistische Arbeiter Berlins! Thut in dieser wichtigen Frage voll und ganz Eure Pflicht. Die vereinigten Ausschüsse tönnen. Paris, 6. September. Nach amtlichen Berichten find in Luneville bei einer Zivilbevölkerung von 7000 und einer Militärbevölkerung von 4000 Menschen 55 Typhus- und 44 Ruhrfranke im Hospital. Zeitungsnachrichten sprechen auch vom Ausbruch der Ruhr bei den Genietruppen in Nancy. Tagesordnung für die Situng der StadtverordnetenParis, 6. September. Die Cholera ist im langfamen Bersammlung am Donnerstag, den 8. September Abnehmen begriffen. Der Schiffsverkehr zwischen Havre und d. J., Nachmittags 5 Uhr. Zehn Naturalisationsgesuche. Caen ist wieder eröffnet. Vorlage betr. die Verleihung des 2. und 5. städtischen der Berliner Ortsvereine der Hirsch- Duncker'schen Deutschen Marseille, 6. Sept. Das israelitische Auswanderungs. Stipendiums. Vorschläge des Ausschusses für die Wahlen von Gewerkvereine. Komitee von Paris benachrichtigte das Marseiller Komitee, es sei unbefoldeten Gemeindebeamten. Borlage, betr. die erfolgte Die freundliche Redaktion der Bolts- Zeitung" wünscht", angesichts der durch die gesundheitliche Lage entstandenen Bauabnahme des Erweiterungsbaues der Waschanstalt und des daß dieser Aufruf in den nicht sozialistischen Arbeiterkreisen volle Schwierigkeiten bis auf Weiteres unmöglich, Transporte jüdischer Neubaues des Hühnerhauses auf dem Grundstücke der Irren Würdigung finden möge, dann werde der Erfolg nicht ausbleiben Auswanderer aus Rußland aufzunehmen. Der Gesundheits- anstalt in Dalldorf. Desgl., betr. den Eintritt eines Stadtrath ersuchte den Präfetten, zu veranlassen, daß die Regierung verordneten in das Plenum der Armendirektion zur Vertretung Nun, die Klassenbewußte Berliner Arbeiterschaft wird dafür die französischen Konsuln in den Häfen des Schwarzen leeres der Abtheilung für die Waiſenverwaltung. Desgl., betr. die forgen, daß dieser Wunsch des Kapitalistenblattes ein frommer anweise, die Dampfer- Gesellschaften davon zu benachrichtigen, daß Berechnung des Dienstalters bei Anstellung von Gemeinde- und den gewerkvereinlichen Handlangern des freisinnigen Ausfeine israelitischen Auswanderer aus Rußland fernerhin in Schullehrerinnen an höheren Mädchenschulen. Desgl., betr. beuterthums der wohlverdiente Spott bleibt. Marseille ausgefchifft werden dürfen. Gleichzeitig beschloß der die Anerkennung der 5. höheren Bürgerschule als vollGesundheitsrath, Herkünste aus der Nordsee unter Quarantäne berechtigte Anstalt. Desgl., betr. die Festseßung des Ge- Der Polizeipräsident ist, der Kreuz- Beitung" zufolge, vom zu stellen. balts für die erledigte Stelle des ersten Bürgermeisters Minister des Innern aufgefordert worden, sich baldmöglichst und die Stelle eines befoldeten Stadtrathes. Desgl., betr. die darüber zu äußern, ob und in welchem Maße die hiesigen Abänderung einiger Bestimmungen des Fleischschau- Regulativs. Bäder mit ihren Preisen für Backwaare dem bedeutenden Desgl., betr. die Beantwortung der bei Prüfung des Jahres- Sinken der Getreidepreise feit vorigen Jahre Rechnung getragen abschlusses über die Verwaltung der Markthallen pro 1890/91 haben und ob eventuell eine bezügliche Einwirkung auf dem in den gestellten Anfragen. Desgl., betr. die bei dem Administrations 88 73 und 74 der Reichs- Gewerbe- Ordnung vorgesehenen Wege fonds der Sparkasse 2c. pro 1. April 1891/92 vorgekommenen fich empfiehlt. Die angeführten Paragraphen lauten: ber Martthalle XIII in der Wörtherstraße 45. Desgl., betr. durch die Ortspolizeibehörde angehalten werden, die Preise und Etatsüberschreitungen. Etatsüberschreitungen. Desgl., betr. die erfolgte Bauabnahme§ 78. Die Bäcker und die Verkäufer von Backwaaren können den Stand und Fortgang der Kanalisations- Arbeiten im Viertel- das Gewicht ihrer verschiedenen Backwaaren für gewiffe von der jahr April- Juni d. J. Desgl., betr. den Geschäftsbetrieb der Behörde zu bestimmende Zeiträume durch einen von Außen sichtSparkasse in demselben Vierteljahr. Desgl., betr. die Beant- baren Anschlag am Verkaufslokale zur Kenntniß des Publikums wortung der bei Prüfung des Jahresabschlusses der Hauptfaffe zu bringen. Dieser Anschlag ist tostenfrei mit dem polizeilichen der städtischen Werte über die Kaffenverwaltung für 1. April Stempel zu versehen und täglich während der Verkaufszeit an1890/91 gestellten Anfragen. Desgl., betreffend die Serabzuhängen. sehung der von der Berliner Pferdeeisenbahn- Aftien- Gesellschaft§ 74. Wo der Verkauf von Backwaaren nur nach den von J. Leftmann u. Co. zu Charlottenburg für 1891 an die Stadt den Bäckern und Verkäufern an ihren Verkaufslokalen ange gemeinde Berlin zu entrichtenden Abgabe. Desgl., betr. das schlagenen Preisen erlaubt ist, fann die Ortspolizeibehörde die Resfript des Herrn Oberpräsidenten in Bezug auf die Einführung Bäcker und Verkäufer zugleich anhalten, im Verkaufslokale eine der neugewählten Stadtverordneten. Desgl., betr. die Neu- Waage mit den erforderlichen geaichten Gewichten aufzustellen pflasterung der verlängerten Nazarethkirchstraße zwischen Zuriner- und die Benugung berfelben zum Nachwiegen der verkauften und Malplaquetstraße, sowie der letzteren Straße zwischen Naza- Backwaaren zu geftatten. rethkirch- und Schulstraße. Desgl., betr. die Erstattung der Wir halten die Anfrage des Ministers für überflüssig, da einem Armenarzte durch einen Almofenempfänger verursachten wir auch ohne die von demselben berührten Voraussetzungen Prozeßkosten. Desgl., betr. die erfolgte zuerkennung von Breifen es für geboten halten, die Bestimmungen der§§ 73 und 74 der aus der städtischen Stiftung zu Preisaufgaben für Studirende Reichsgewerbe- Ordnung in Anwendung zu bringen. der hiesigen Universität. Desgl., betr. die im Vierteljahr AprilRom, 6. September. Acht unter Cholerasymptomen Erfrankte sind bis gestern Abend im Hospital eingeliefert; sechs früher Erkrankte wurden als geheilt entlassen; drei find gestorben. Capri, 5. September. Eine von Hamburg angekommene Familie, welche von der Cholera befallen wurde, mußte isolirt werden, Betten und Wäsche wurden verbrannt. Die Frau starb an der Cholera. Die Hamburger Bourgeois fliehen in wahnwiziger Angst und verseuchen ganz Europa. werden. Das Wiener rumänische Generalfonfulat erklärt in der Politischen Korrespondenz", daß bisher in Rumänien fein Cholerafall vorgekommen sei. Das eventuelle Auftreten der Cholera in Rumänien würde sofort amtlich bekannt gegeben Lissabon, 6. September. Mehrere SchiffslabungsEmpfänger haben gegen das Eintrittsverbot von Ladung und Baffagieren, die aus infizirten Häfen kommen, Protest erhoben. Natürlich, der Profit ist in Gefahr. Konstantinopel, 5. September. Die per Eisenbahn in der Türkei ankommenden Reisenden werden auf den Stationen Mustafa Pascha beziv. Bileftfche einer ärztlichen Untersuchung unterzogen; ihr Gepäck wird desinfizirt. Petersburg, 6. September. Die Zahl der Cholera- Erfrantungen hat hier weder zu- noch abgenommen, sie hält sich auf derselben Höhe wie bisher. Parteinachrichten. den Juni d. J. durch die städtischen Gasanstalten gespeisten Flammen. leber die vorgesteige Sigung der Königlichen SnuitätsDesgl., betr. die erfolgte Bauabnahme der neuen Turnhalle kommiffion werden folgende Mittheilungen veröffentlicht: Die in der Wallstr. 48/49. Desgl., betr. die Errichtung von Be- Sigung fand im Konferenzfaale der 1. Abtheilung des PolizeiWie dem Reuter'schen Bureau" aus Montreal( Kanada) dürfnißanstalten nach dem System Beetz. Desgl., betr. das präsidiums unter Vorsitz des Ober- Regierungsraths Friedheim gemeldet wird, hat die Sanitätsfommission in Quebec die Lan- Projekt zur Herstellung eines Kanals für die Heizung und statt. Es war eine Anzahl höherer Verwaltungsbeamter und bung von Auswanderern in der Provinz Quebec, sowie die Ein- Beleuchtung der Anstalt für Epileptische bei Biesdorf. von Medizinalbeamten versammelt. Zur Tagesordnung standen fuhr von Waaren aus den von der Cholera infizirten Häfen Desgleichen, betreffend Antauf des Grund besonders die Fragen des Krankentransportes und der Desinfek untersagt. Die tanadischen Dampfergesellschaften weigern fich stücks Manteuffelstr. 7 behufs Schaffung eines zweiten Bugangs tion. Es wurde in Aussicht genommen, für den Fall des Ausinfolge deffen, Auswanderer aus den Häfen des europäischen der auf dem Grundstück Wrangelstr. 183 neu zu errichtenden bruches einer Cholera- Epidemie in der Reichenberger- und in Gemeinde- Doppelschule. Festlandes zu befördern. Desgl., betr. die im Vierteljahr April- der Danzigerstraße Transportdepots zu errichten, von wo aus New York, 6. September. Im Laufe des gestrigen Juni d. J. an die Leitungen der Berliner Elektrizitätswerke dann Wagen und Mannschaften requirirt werden können für den Abends find an Bord der„ Normannia" noch drei Cholerafälle außerhalb des Vertragsgebiets angeschlossenen Grundstücke. Transport der Kranken, für die Desinfektion und für den Transport vorgekommen, von denen einer bei einem Matrosen tödtlich ver- Desgl., betr. das Projeft zur Terrain- Wasserleitung für die An- der Leichen. Die Organisation beider Depots übernahm BrandDesgl., betr. die Errichtung direktor Stude. Von den neuen durch hohe Kontraventionallief. An Bord der Rugia" tamen ebenfalls drei Fälle vor; auch ftalt für Epileptische bei Biesdorf. hier starb einer der Erkrankten. Die Letzteren gehören den bereits eines Gebäudes auf dem zwischen der Schleuse und dem kleinen strafen gesicherten Berträge mit den drei Unternehmern des früher von Cholera ergriffenen Familien an und waren seit An- Gerinne am Mühlendamme fich bildenden Vorsprunge. Desgl., Krankentransportes nahm die Kommission mit Befriedigung kunft des Schiffes von den übrigen Passagieren getrennt. Unter betr. die in der Zeit vom 1. April bis Ende dieses Jahres auf Kenntniß. Man wurde sich ferner nochmals darüber schlüssig, den auf der Hoffmannsinsel an Band gesezten Baffagieren ist Grund von Entschädigungsbeschlüssen des königl. Polizeipräsidiums die unentgeltliche Abgabe von Desinfektionsmitteln nicht einzu ein neuer Cholerafall vorgekommen. Ein am Sonnabend in oder auf Grund richterlicher Entscheidungen gezahlten Beträge. führen, um der unnüßen Vergeudung dieser Mittel nicht Thür das Hospital auf der Insel Swinburne gebrachtes Kind ist ge- Desgl., betr. die Bestellung einer Ackerfläche auf dem Terrain der und Thor zu öffnen.(?) Von einzelnen Bezirks- SanitätsFrrenanstalt Herzberge bei Lichtenberg mit Winterroggen. Desgl., fommissionen lagen bereits praktische Anregungen vor. storben. Auf betr. den Jahresabschluß der Stadthauptkasse für 1. April 1891/ 92.- Grund derartiger Anregungen beschloß die Kommiffion, alle Desgl., betr. das zwischen den Stadtgemeinden Berlin und Charlotten- Bäcker und Badivaarenhändler der Stadt zu veranlassen, das burg zu treffende Abkommen. Desgl., betr. die Bewilligung Berühren der ausliegenden Backwaaren in einem Anschlag zu von Rosten für bauliche Unterhaltungsarbeiten auf dem Kranten verbieten und dieses Verbot energisch durchzuführen. In Beranhaus- Grundstücke am Urban. Desgl., betr. den Finalabschluß laffung einer weiteren Anregung beschäftigte sich die Kommission des Zentral Viehmarktes, des Zentral- Schlachthofes, der Fleisch auch mit der Wafferfrage. Der Magistrat soll ersucht werden, die schau auf dem Schlachthof und der Fleischschau für das von bakteriologische Untersuchung des Waffers an den Filterwerken Die bekanntlich sehr begriffsstugige„ Germania" be außerhalb eingeführte frische Fleisch pro 1. April 1891/92. täglich vorzunehmen und die Ergebnisse dieser Untersuchungen trachtet unsere gestrige Bemerkung über die vom Bischof Desgl., betr. Die Stizze zum Neubau einer Gemeindeschule auf alle brei Tage bekannt zu geben. Der Beschluß der Saffner geleitete Wallfahrt nach dem Rochusberge bei Bingen dem Grundstücke Kastanien: Allee 81.11 Rechnungen. Be städtischen Schuldeputation, in den Schulen nur gefochtes Waffer natürlich als Berhöhnung einer religiösen Kundgebung. Die richterstattung, betr. die Wahl von 2 Erfaßmännern für die Ge- verabreichen zu lassen, wurde gut geheißen. Man sprach endlich Notiz bewiese, daß der sozialdemokratische Grundsatz, die Religion bäudesteuer- Veranlagungskommission. Desgl., betr. 2 Natura- noch über die Verhältnisse am Nordhafen und am Lehrter Außenfei Brivatsache, leere Phrase wäre. Ein religiöser Brauch, un- lisationsgesuche. Vorlage, betr. die Verleihung des Ehren- Bahnhof, speziell über die Kontrolle der Schiffer, Viehtreiber vernünftig angewandt, hat aber mit Religion gar nichts zu bürgerrechts. Desgl., betr. die Neuwahl eines Bürgerbeputirten u. bergl. Die Sanitätsbehörde hat sich in dieser Beziehung bethun, und unter dieser Voraussetzung feinen Anspruch auf für die Deputation zur Verwaltung des Gesinde- Belohnungs- reits mit den maßgebenden Faktoren, speziell mit der Königlichen Schonung, wenn aus der Anwendung dieses Brauches eine wirk- und Unterstützungsfonds und eines Mitgliedes für die Gebäude- Eisenbahn- Direktion verständigt, und die getroffenen Maßnahmen liche Gefahr für die Gesammtheit entstehen kann. Ein solcher Steuer- Veranlagungs- Kommiffion. Drei Unterstützungsfachen. fanden die Zustimmung der Kommission. Den der Kommission Fall liegt vor, wenn die Geistlichen in Zeiten einer Epidemie vorgelegten Berichten zufolge ist der Gesundheitszustand Berlins Menschenansammlungen herbeiführen, die bekanntermaßen der 3. 3. in feiner Weise besorgnißerregend. Erkrankungen an Verbreitung solcher Krankheiten am förderlichsten find. asiatischer Cholera sind insgesammt 6 vorgekommen, darunter 4 Richtigfte wäre gewesen, wenn die Polizei, um der Cholera Gamit tödtlichem Ausgang. Seit Sonntag früh ist ein neuer Fall bie unbestreitbar vorliegende Möglichkeit der Verbrei nicht gemeldet. Auch die Erkrankungen an Brechdurchfall nehmen tung abzuschneiden, die Abhaltung der Prozession verboten ab. 3 erkrankten daran an den einzelnen Tagen seit dem hätte. Anderwärts hat sie Bersammlungen der Cholera halber Die Hilfsmannen der Freifinnigen, die Hirsch- Duncker- 30. August 24, 24, 25, 22, 22, 12 und gestern 12. inhibirt, und Niemand nahm ihr das übel. Auch die Katholiken schen Gewerkvereinler, rühren sich, um Herrn Eugen Richter brüben am Rhein würden die Nüglichkeit des Verbotes begriffen und ähnlichen Arbeiterfreunden" den Spaß zu bereiten, daß ihm Erkrankungen an der asiatischen Cholera find hier auch haben, denn die Cholera hat vor denjenigen, die noch an den die Gewerbegerichte als Domäne ergebenst zugeeignet werden. von vorgestern zu gestern nicht fonstatirt worden. In den bis heiligen Rochus glauben, nicht mehr Respekt, als vor denen, Die vereinigten Ausschüffe" beschloffen am 4. September ein- Mittag gemeldeten 15 neuen verdächtigen Fällen handelt es sich welche Ueberfinnliches überhaupt nicht anerkennen. stimmig( die Bolts- Zeitung" bringt das Wörtchen einstimmig" nach vorläufiger Feststellung um Brechdurchfall und ähnliche gesperrt, so daß man annehmen muß, man habe eine solche Krankheiten. Der Kaufmann Karpen aus Hamburg befindet sich Delegirtentwahlen zum Berliner Parteitage. Auf der Mannesthat" felber nicht erwartet) besagte Ausschüsse be- noch im Moabiter Krankenhaufe, dürfte aber bald entlassen am Sonntag in Krefeld stattgehabten Parteiverfammlung wurde fchloffen also, die gesammte nichtsozialistische Presse zu ersuchen, werden. Schlimmer sieht es auch heute noch mit dem Kommis als Delegirter für die Kreise Krefeld, München- Inachfolgenden Aufruf zu veröffentlichen: Rappel aus. Eine aus Hamburg zugereifte dort längere Zeit in Das Tokales. Dienst gewesene Köchin Voltz. bei der die Diagnose ans Brech- durchsall lautete, die man aber vorsichtshalber, eben weil sie ans Hamburg lam, längere Zeit beobachtete, ist gestern als vollständig gesund aus dem Moabit« Krankenhause wieder entlassen worden. Keine Cholerafurcht kennt Herr Stadtrath a. D. Häsel in Charlottenburg. Als Fatalist huldigt er folgendem Grundsatz, den er im.Neuen Intel!.- Blatt" veröffentlicht:.Grundsatz in Gefahren, wie z. B. jetzt bei der Cholera. Warum beunruhigt sich die Menschheit und verkümmert sich dadurch ihre Lebenszeit! Wie und wann wir sterbe» sollen, stand längst fest, noch ehe wir das Licht dieser Welt erblickten. Die berühmtesten Aerzle vcr- mögen sich selbst nicht zu helfen, sobald sie das ihnen von Gott gesetzte Ziel erreicht haben. Wer mit mir diese meine feste Ueberzeugung theilt, wird allen Schickungen des Höchsten init großer Seelenruhe entgegensehen. Charloltenburg. am 3. Sep- tember 1892. Häsel, Stadtralh a. D., Bismarckstraße Nr. 3 zu Charlotten bürg." Für eine Sanitätskommission, bemerkt hierzu die.Post" sarkastisch, dürste Herr Häsel nicht die geeignete Krast sein. Die Gemeindevertretung von Schönebcrg hat sich ver- S angine Woche nun ebenfalls mit der Cholera beschäftigt. Auf er Tagesordnung stand die Berathung über die zeitweilige Einsetzung einer Sanitätskomniission. Ter sozialistische Gemeinde- Vertreter Schmidt verlangte die Einsetzung einer b e st ä n d i g e n Kommission, wie sie durch eine Eiinvohnerzahl von 38 000 bedingt werde und bedauerte, daß erst die Choleragefahr die.Majoritäts- Herren" habe zwingen müssen, an die sanitären Verhältnisse Schönebergs zu denlen. Zu einer beständigen Kommission ae- hörten dann auch selbstverständlich beständige sanitäre Em- richtungcn, namentlich eine Sanitätswache, Kranken-Transport- wage» mit unentgeltlicher Benutzung, und dann in erster Linie ein Krankenhaus überhaupt. Es«folgte auch die Wahl einer Eanitätskommission. Unter den Gewahlten befindet sich auch Genosse Schmidt. Am nächsten Tage schon hielt die Kommission ihre erste Sitzung ad, zu welcher sieben Aerzte hinzugezogen wurden. Es wurde beschlossen, eine Baracke für 30 Betten mit den dazu gehörenden Nebenränmen auf Gemeindeterrain als- b a l d zu erbauen. Die Aufrage Schmidt's, ob 30 Betten Sur alle Eventualitäten genügen würden, wurde von den Merzten mit.Ja" beantwortet. Um ganz sicher zu gehen, be- antragte Schnndt, daß mit dem Bau sofort begonnen werden solle, zumal einer der anwesenden Aerzte erklärte, daß sich die Choleragefahr für Berlin in 8—8 Tagen entscheiden müsse. Dieser Antrag wurde angenommen, so daß der Bau der Baracken schleunigst in Angrrff genommen werden wird. In Schöneberg ist bisher in sanitärer Beziehung wenig oder gar Nichts gethan worden. Die„Majoritätsherren" und »Millionenbauern" haben ganz ausschließlich ihren Terrain- inleressen gelebt, und erst die Choleragefahr hat sie in unan- genehmer Weise daran erinnert, daß sie den Ort nicht allein be- wohnen. Es war die höchste Zeit, daß für die.Paupers" etwas gethan wurde und so kommt Schöneberg zu einer Cholerabaracke. Die Wohnunasverhältnisse in den Schöneberger MiethSkasernen stehen denen rn Berlin nicht nur Nichts nach, sie übertreffen die- selben sogar noch. Die Millionerbauern sehen natürlich mit Ver- achtung auf die«ingewanderten.Paupers" herab, diese armen Teufel müssen froh sein, daß man sie überhaupt im Orte duldet. Ter reiche Terrainspekulant haust in seiner herrschaftlich ein- gerichteten Villa, der Arbeiter kann zusehen, wie er sich in seiner Miethskaserne zurecht findet. Es ist für die ärmere Be- völkerung ein Glück, daß ein paar Sozialdemokraten fn der Gemeindevertretung sitzen und dort etwas„Leben w die Bude" bringen. Bisher waren die Protzbauer« hübsch verträglich unter sich, sie haben sich weder die Zeit noch die Mühe genommen, sich um das zu bekümmern, was der ärineren Bevölkerung noth that. Jetzt ist dafür Sorge getragen, daß sie sich wenigstens mit den.Pauper»" deschüstigen müsse», so wenig gern st« dies auch thun mögen. Der Bau der Cholerabaracke stände sicher noch in weitem Felde, ivenn nicht energisch auf die sofortige Inangriffnahme gedrängt worden wäre. Und so steht es mit anHeren Sachen ebenfalls. Die Majorität ist nur dann aus ihrer Ruhe zu bringen, wenn einige„Hechte im Karpsen- teich" unausgesetzt mit Verbesierungs-Borschlägen kommen und nicht eher aushören, ihre Anträge zu stellen, bis dieselben trotz alledem ernsthaft diskutirt werden. Da Jeder einsehen muß, daß die Anträge lediglich der zwingenden Nolhwendigkeit entspringen, kann sich selbst der enragirtefte Millionenbauer der Annahme dersetben nicht widersetzen. Dies« Verbesserungen in den Ge- meindeverhällnissen würden unterbleiben, wenn sich die Sozial- demokralen an den Gemeindewahlen nicht betheiligen wollten. Diejenigen, welche meinen, das Nichtbetheiligen sei das Richlige, sind also schlecht berathen gewesen. I � Zum Eiseubahntvesen. Jemand: In der„Kreuz» Zeitung" fragt .Ueber unliebsame Druckfehler in den Zeitungen wird manch- Wal lebhaste Beschwerde geführt, obgleich jeder Kundige weiß, wie leicht sie sich einschleichen. Ans Eisenbahnbillets sollten sie sich aber vermeiden lasfen. Gestern yatte ich 2 Grunewald-Fahr- fchtine in der Hand, auf denen deutlich zu lesen war, daß ihre Giltigkeit sich bis zum 81. Dezember Id93 erstrecke. Oder ist das kein Druckfehler, sondern gelten wirklich solche Fahrschein« auch Un nächsten Jahre noch?" Cs ist kein Truckschler. Die Karten der Stadtbahn haben stets bis zum Ende des solgenden Jahres Giltigkeit— eine sehr praktische und vernünftige Einrichtung, die allgemein eingeführt werden sollte. Ueberhaupt wäre es gut, wenn die deutschen Eisenbahn-Verwaltungen sich die. auch in anderen Beziehungen aus der Höhe der Zeit stehende Stadtbahn zum Muster nähmen Bei dieser Gelegenheit möchten wir den deutschen Eisenbahn Ministern den Rath geben, doch ja mit ihren obersten Beamten die Chikagoer Ausstellung zu besuchen. In Amerika werden sie binnen 48 Stunden schon begriffen haben, wie weit zurückgeblieben und wie zopshaft unser deutsches Eisenbahnwesen noch ist. Ter Bau der nencn Badstraftenbriicke, an welcher in Berbindung mit der Verlegung der Slettiner Bahn mit Eiser ge- arbeitet wird, da dieselbe bereits zum 1. Oktober dem Straßen- verkehr übergeben werden soll, ist von dem Eisenbahnfiskus den Herren Noöl und Schällmann zur Aussührung übenragen worden. Befremden muß es unbedingt, daß bei einem solchen Bau die Maurerarbeiten in Akkord ausgeführt werden. Das ist C!» Hasten und Jagen von Morgens früh bis Abends spät, daß einem für die Solidität der Arbeit bange» muß. Das Verarbeite» von tausend Mauersteinen wird mit 8,S0 M. entlohnt. Einen nicht minder befremdenden Eindruck machen die Chamolteschläger. Mit dem Zerkleinern der Chamottesteine sind neben Männern auch Frauen und Mädchen beschäftigl. Für das Kubikmeter zer- «opster Steine giebt es das fürstliche Honorar von I Mark. Die Steinträger erhalten, sofern wir recht unterrichtet sind, für tausend Steine inkl. Kalktragen 3,50 M. Akkordarbeit und weib- "che Arbeitskräste auf staatlichen Bauten, wie muß es da erst auf Privalbauten, bei den bekannten.Banunternehmern" aus- lehen i Bon jeher hat der Berliner auf sekue HeimathSstadt wie man so zu sagen pflegt,„nichts kommen lasten". In recht orolliger Weise äußert sich dieser Lokalpatriotismus in dem «rührer", der vor 65 Jahren unter dem Titel„Der Berliner Nachweiser zu allen hiesigen Sehens- und Merkwürvigkeiten" er- '<7,*n-„Der Fremde", so heißt es darin,„denke ja nicht, er }n?ss« hier inner- und außerhalb der Stadt im Sande wate». � ist wahr, Berlin ist von einer Fläche umgeben; aber dies ist "och lange keine solche Fläche wie die bei Naumburg, Lützen und *klpzig. Wir haben 15 Minuten von der Stadt Anhöhen, wie v>e Templower Berge und den Kreuzberg, sowie die Windmühlen- t�rge, von denn, man die Stadt übersehen kann. Freilich, in der Stadt sieht man von diesen Bergen nichts, denn es I sind keine böhmischen oder Schweizerb«ge, aber die oben ge-' nannte sächsische Gegend kann sich ja nicht einmal solcher Anhöhen rühmen. Was den Sand anbetrifft, so sieht man, wenn die Aecker bestellt sind, sehr wenig davon; die Landleute haben des Berliner Düngers gemia und sind, z. B. unsere Templower und Schöneberger Bauern, fleißiger als anderwärts(!). Staub giebts reilich in Berlin genug, aber wo ist der nicht, wenn der Wind weht? Außerdem ist der Berliner Staub der Lunge nicht schäd- lich." Bezugs des Straßenpflasters sagt der Führer:„Mancher Fremde hat schon über uns« Pflaster geklagt, aber sehr mit Un- recht! Es giebt tausende von Städten, welche alle kleiner sind als Berlin, und wo doch das Pflaster nicht so gut ist, trotzdem die Kosten der Pflasterung dort geringer wären. Und wird es bei uns nicht täglich wieder durch das viele Fahren verdorben, während an kleinen Orten kaum einige Wagen hörbar werden?" „Seit 1303 haben wir große Straßenlaternen mit Reverberen, feit dem 19. November 1326 ist sogar der Anfang mit Gas- beleuchtung gemacht worden; allerdings wird die Unterhaltung aller Laterne« jährlich die große Summe von 40 000 Thaler kosten!" Eine Anzahl Mitglieder deS Tambourvereins„Froh- ?rei" übten am 1. September, Abends gegen 9 Uhr, in der rjasenhaide auf der Chaussee hinter Kcller's Hosjäger. Plötzlich am ein Trupp Soldaten auf die Uebenden zu— Kürassire»nd i-rauz«— und versperrten denselben den Weg. Nach einigen fleden und Gegenreden zogen die Soldaten wie auf Verabredung blank und schlugen mit den Säbeln und Seitengewehren auf die Ueberraschten ein. Diesen blieb, falls sie nicht zu Boden ge- 'chlagen sein wollten, nichts Anderes übrig, als schleunigst den Rückzug anzutreten. Die Soldaten zogen hierauf lachend ihres Weges. Die Vereinsmitglieder beschlossen, den Vorfall aus der Kasernenwache zu melden. Hier wies man sie kurz ab. Man wandte sich hierauf an einen Schutzmann, der sich bereitwilligst zur Verfügung stellte. Es wurde der Rückweg nach Kell«'s Hof- jig« angetreten, und es gelang auch, einen der Soldaten, der sich bei der Heldenthat am meisten hervorgethan hatte, in dem Augen- blicke anzuhalten, als er im„Auestellungsparl" verschwinden wollte. Als d« Schutzmann energisch auf die Nennung des Namens drang, gab der Soldat nach vielen Ausreden an, er heiße Ernst Aukamm, Kürassier der 3. Schwadron. Der Schutz- mann notirte den Namen, und damit war die Sache vorläufig abgemacht. Ob es ein Nachspiel geben wird, wird wohl Niemand erfahre», das Militärgcrichts-Vcrfahren spielt sich ja hinter ver- schlossenen Thüren ad. Damit aber der Vorfall nicht ganz der Oeffentlichkeit entgeht, schildern wir ihn vorstehend so. wie er stch zugetragen hat. Eine russische Eiersendung im Werthe von 10000 M. macht der Sanilätspolizei viel zu schaffen. Im Hinblick ans die Choleragefahr ist die Sendung angehalten worden und es ist daS Verlangen gestellt, daß das Verpackungsstroh verbrannt, die Eier selbst aber behufs Desinfektion abgewaschen werden sollen. Mit der ersten Forderung will der Empfänger unter Umständen noch einverstanden sein, es erivächst nun aber eine gewisse Schwierig- keit aus dem Umstände, daß man nicht recht weiß, wo man die Verbrennung der immerhin nicht unbedeutenden Strohmengen vornehmen soll. Mit der zweiten Beoingung will sich aber der Empfänger der Schwierigkeit der verlangten Manipulation wegen durchaus nicht einverstanden erklären und hat die Entscheidung des Ministeriums aiigerufen. In einer am Montag im Restaurant Mosolf statt gehabten zahlreich besuchten Versammlung von Bewohnern der Louisenstadt wurde einsliinmig beschlossen, die bisher in Thätig keit gewesenen sogenannten„Halb- Sanilätswachen" in der Brandenburgstr. 16 und in der Luckaucrstr. 16 von jetzt ab als „Vollivacheu" mit Tag- und Nachtdienst weiter bestehen zu lassen, so daß bis auf Weiteres zu jcd« Zeit dort ärztliche Hikse zu er- langen ist. In AdlerShof veranstaltete der dortige Arbeiter-Bildnngs- Verein am Sonntag eine Feier zum Andenken an unseren Vor kämpf« Ferdinand Laffaue, deren Verlauf ein würdiger zu nennen war, und bewiesen. die Genoffen durch die Feier, daß sie, allen Chikanen zum Trotz, ihre einmal entfaltete Thätigkeit nicht ruhen lassen wollten. War die Fei« diesmal auch keine so imposante, wie die im Vorjahre, wo ein großes Lokal zur Ver- sügung stand, so erreichte sie doch vollkommen den Zweck. Das festlich und geschmackvoll dekorirle Lokal, welches etwa 300 Per- souen faßt, war vollkommen gcsülll; es waren die Arrangeyienls so glücklich getroffen, daß sie allseitig befriedigten und kann das Fest als ein wohlgelungene» bezeichnet werden, welches zu einem engeren Zusammenschluß viel beigetragen haben dürfte. Unterschlagung in der Deutschen Bank. Neuerdings ist in der Kuponskasse der Teutschen Bank wieder eine Unter- schlagung«ntdeckl ivorden. Es handelt sich um einen Fehlbetrag von 14 000 Franks KouponS 5 prozentig« italienischer Rente, welche einen ungefähren Werth von 1000 M. darstellen. Die Ermittelungen zur Feststellung des Thäters sind bis jetzt ohne Erfolg geblieben. Ein neuer Mord und Selbstmord setzt die Gemüther in Aufregung. In seiner in dem Hause Blncherstr. 57, 4 Treppen hoch belegenen Wohnung hat gestern Morgen 7 Uhr der Klempner Theodor Deischel in Abwesenheit seiner Frau zuerst seinem sieben jährigen Sohn eine Kugel in den Kopf gejagt und dann stch selbst erschossen. Als man infolge der Schüsse von allen Seiten hinzu- eilte, fand man den Knaben noch lebend vor und brachte ih» mittelst Droschke nach dem Krankcnhause am Urban, von wo er nach Anlegung eines Verbandes wieder von der Mutter mit- genommen wurde. Dagegen konnte der sofort gerufene Arzt Dr. Mayen nur den bereits eingetretenen Tod des Vaters fest- stellen. Die Ehefrau ist der Ansicht, daß ihr Mann, der seit Jahren an einer Kopskrankheit gelitten, in einem solchen Anfalle die unselige Blutthat begangen haben müsse. Desinfektionsmittel. Die Firma Dr. Cahn und Frank. Landsbergerstr. 45, ersucht uns angesichts der drohenden Cholera gesahr bekannt zu geben, daß sie lüglich von 8 bis 9 Uhr Des- inseklionsmittel an Unbemittelte gratis verabfolgen wird. Berliner Asylverein flir Obdachlose. Im verflossenen Monat August 1892 nächtigten im Männer-Asyl 9283 Personen, davon badeten 3563 Personen, im Frauen-Asyl 1304 Person««, davon badeten 112 Personen. Polizeibericht. Am 5. d. M. wurden vier Personen in ihren Wohnungen«hängt vorgefunden, und zwar ein Arbeiter in der Mittenwaiderstraße, ein Modelltischler in der Rheinsberger- ftraße, eine Musiklehrerin in der Wilsnackerstraße und ein p«n- sionirter Bahnwärter in der Fennstraße.— Vor dem Hause Reichenbergerstr. 45/46 wurde Nachmittags ein djähriger Knabe durch einen Geschäftswagen überfahren und erlitt einen Bruch des Oberschenkels, so daß seine Uebersührung nach dem Kranken- Hause am Urban erforderlich wurde.— Im Hause Andreasstr. 76 fiel ein Mädchen von der in einen Geschäftskeller führenden Treppe, schlug dabei mit dem Arm in die Glasscheibe der EingangSthür und erlitt eine fo schwere Verletzung des Ellenbogengelenks, daß es nach dem Krankenhaufe am Friedrichs Hain gebracht werden mußte.— In ähnlich« Weise verunglückte eine 77jährige Almosenempfängerin, indem sie im Haufe Forster- ftraße 43 von der Treppe fiel und einen Bruch des Ellenbogen- und des Handgelenks erlitt. Sie wurde nach dem Krankcnhause am Urban gebracht.— Abends fiel ein Kutsch« vor dem Hause Fruchtstr. 37 von dem von ihm geführten Arbeitswagen, wurde überfahren und erlitt anscheinend bedeutende inn«e Verletzungen. — Auf dem Platze an der Fischerbrücke fand eine Schlägerei statt, wobei ein Schiffer eine schwere Verletzung am Kopfe erlitt, so daß er nach der Charit« gebracht werden mußte.— Er- krankungen an asiatischer Cholera sind bisher nicht weit« ge- ineldet ivorden.— Im Lause des Tages fanden drei kleinere Brände statt. Eine ganze Bande jugendlicher Taschendiebe trieb im Mai und Juni d. I. in der Gegend des Kottbuser Dammes und der Hasenhaide ihr Wesen. Fünf Mitglied« dieser Bande, die von einem noch nicht strafmündigen Jungen zusammengebracht war und befehligt wurde, standen gestern in den Personen der 13 und 14 jährigen Burschen Albert Karloff, Emil Kleist, Gustav Roß, Alfred Mühle und August Kleist unter der Anklage des Bandendiebstahls vor der I. Strafkammer des Land» gerichts I. Die Burschen haben mit einer geradezu erstaunlichen Fixigkeit„gearbeitet" und bei der Plünderung fremder Taschen eine große Geschicklichkeit bekundet. Einer Frau, welche mit einer größ«en Summe an Arbeitslohn in der Tasche der Auf- fahrt eines Brautwagens zugesehen hatte, war im Hand- umdrehen das Portemonnaie aus der Tasche gezogen, eine andere Frau, welche 70 Mark bei sich trug, hatte kaum die Straße betreten, als ein Mitglied der Bande stch an sie herandrängte und ihr äußerst geschickt ihre Schätze abnahm. Am 19. Juni wurden zwei von ihnen in der Hasenhaide abgefaßt, und sie verriethen auch die übrigen Mit- schuldigen. Die Angeklagten waren in 20 Fällen des Diebstahls geständig. K a r l o f s und Mühle wurden z« je eine m Jahr, Emil Kleist und Roß zu je sechs Monaten und Auaust Kleist zu vier Monaten Gesängniß ver- urtheilt. Antisemiten unter sich. Bor der zweiten Strafkammer hiesigen Landgerichts I wurde gestern wieder einer jener Fälle verhandelt, in welchen Rachsucht eine Anklage wegen Majestätsbeleidigung verursacht hatte, und zwar standen sich als Denunziant und als Angeklagt« zwei antisemitische Gesinnungsgenossen gegenüber. Der Angeklagte war der Schneider D i e ni ke, welcher weiteren Kreisen dadurch bekanntgeworden ist, daß er zu den unschuldig Vernrtheilten gehört und 4 Jahre Ge- fängniß unschuldig verbüßt haben will. Ein Theil dieser Straf« ist auch später im Wiederaufnahmeverfahren getilgt worden. Sein Gegner ist der Schlossermeister Paul Haas«, ein Redner der antisemitischen Volkspartei, welcher mir Diemke vollständig verfeindet ist und mehrere gerichtliche Händel mit demselben aus- gesochten hat. Nach der von Haas« ausgehenden Denunziation soll Diemke eines Tages Unter den Linden demselben mitgeteilt haben, daß er in Sachen seiner unzutreffenden Verurtheilung ein Gesuch an den Kais« zu richten beabsichtige. Er soll daran eine den Kaiser schwer beleidigende Bemerkung geknüpft haben, die sich auf den Fall bezog, wenn das Gesuch keinen Erfolg haben sollte. Diemke erklärte diese ganze Geschichte für einen Racheakt �aase's, dieser ab« verblieb bei seiner Beschuldigung. Der taatsanivnlt beantragte neun Monat« Gesängniß, der Gerichtshof erkannte ab« auf Freisprechung, da« das einzige belastende Zeugniß des dem Angellagten verfeindeten Haas« doch nicht für ausreichend erachtete. Rnö eitel Wichtigthnerei hat sich d« Tapezir« Otto Arndt ein« Anklage wegen unbesugter Ausübung eines Amtes zugezogen, die gestern vor der zweiten F«ienstraskamm« des Landgerichts I gegen ihn verhandelt wurde. In einer Aprilnacht befand sich der Angeklagte in einem Cafö in der Alexanderstraße. Als mehrere Gäste mit einem Kellner wegen der Zeche in Streit gcriethen, sprang der Angeklagte dazwischen und die Partei des Kellners nehmend, rief er in wichtigem Tone den Gästen zu: „Sie wollen wohl betrügen, ich bin Kriminalbeamter, ich kann Sie mit zur Wache nehmen!" Die so Angeredeten trauten dem angeblichen Beamten nicht, sie drehten den Spieß um und brachten ihn zur Wache. Arndt soll seine Handlungsweise, die der Ge- richtshof mehr als einen unüberlegten Scherz betrachtete, mit ein« Geldstrafe von 30 M. büßen. Sozwlo Uelkevstlhk. Achtung! Maschinisten und Heizer Deutschlands sowie deren Vereine! Die in Berlin Sonntag, den 18. September d. I. in Schult- heiß Brauerxiausschauk, Neue Jakobstr. 23—24, behufs Gründung eines deutschen Verbandes stattfindende Telegirten-Bcrsammluug der deutschen V«eine der Maschinisten und Heiz« wird wegen der in einzelnen Städten bestehenden Choleragesahr bis auf Weiteres hiermit»«tagt. I. A.: K. Kirschnick, Anklamerstr. 25. Alle arbeitersreundlichen Blätter, welche den früheren Aufruf brachten, werden um Abdruck des Vorstehenden gebeten. Der Zuzug von Sattlern«ach Bukarest ist fernzuhalten, da dort ein Streik in Aussicht steht/. Dem Vernehmen nach soll bereits von einer Seite der Versuch gemacht worden sein, Sattler dorthin zu locken, die, wenn sie ankommen, event. arbeils- und hilflos dastehen würden. Der Vorstand des Verbandes der Sattler, Tapezirer und verwandten B e r u f s g e n o s s e n. Die Tapezirer PrestbnrgS gingen nach der Errichtung eines Fachvereins sofort aas Werk, die Verkürzung d« Arbeits- zeit durchzusehen. Man hielt gut zusammen und errang dadurch »ach wenigen Tagen die zehnstündige Arbeitszeit. Seit dem I. Mai ist das in Preßburg die vierte Branche, in welcher an Stelle der früher 11- und 12stündigen Arbeitszeit der Zehn- stundcntag eingeführt ivorden ist. Opankeumacher sind— wie zur Erläuterung der gestrigen Notiz aus A g r a»i bemerkt sein mag— Arbeiter, welche die Fußbekleidung der serbischen und k r o a t i s che« Bauernbevölkerung anfertigen. Die Anordnung einer prenßischen Eisenbahn- Ver» waltung: .Königl. Eisenbahndirektion Rechtsrh. Köln. An sämmtliche Haupt- und Nebenwerkstätten! Trotz wiederholter Aufforderung ist der Verdienst der Arbeil« derselbe geblieben, vereinzelt noch gestiegen. Wir verordnen hiermit nochmals, den Verdienst den Zeit- Verhältnissen gemäß(!) zu reduziren(!!) und werden� bei der nächsten Rechmingsrevision in Betracht ziehen, in wiefern hi«von Gebranch gemacht ist.(Name)." «fuhr in der.Frankfurter Zeitung" gebührende scharfe Ver- urtheiluna. Wenn das Blatt aber meint,„die Bureaukratie im Staalsbahnsystem offenbare sich eben bei dies« Gelegenheit wieder in einer Weise, die vielleicht mit dazu beitrage, ihre Beseitigung anzubahnen", so scheint uns selbst diese halbe Hoffnung immer noch sehr kühn, denn die Bureaukratie ist nur die Dienerin des Militärstaats, der für Soldaten, Schießmaterial und ähnliche Kulturzwecke so viel Geld gebraucht, daß für derartig ordinäre Angelegenheiten des Zivils, wie es z. B. gute Arbeitslöhne sind, selbstverständlich kein Geld übrig sein kann, sondern hierin viel- mehr noch gespart werden muß. dem Versammlungen. " grün", Krautstr. 6( Restaurant). V T Bergnügungsverein Durch Nacht Humoristischer Verein Pipifar, bei Krösche, Fichteftraße Nr. 29. Tambourverein Vorwärts bei Rober, Hermann- und Wanzlickstraßen- Ecke( Rirdorf.) BergnügungsBerein International 2 bei Bape( fr. Knebel) Badstr. 58. Wer gnügungs- Verein limbim" bei Brodlow, Bülowstr. 65. am nospe, Abends 9 Uhr, im Reſtaurant Wahlstatt, Belle- Allianceftraße. Gefang-, Turn- und gesellige Vereine. Mittwody. Gesangverein bet nebelin. Abends 8 bis 10% Uhr, Langestraße 108 Reftaurant Kayfer, Staligerstr. 22. Männer- Gefangverein Waldtapelle 2, Abends 9 Uhr, abend 9-11 Uhr Abends bet Lade, Beughofftr. 8. Turnverein Hoffnung, Abends 9 Uhr, im Restaurant Schröder, Mane teuffelstr. 9. Straftturnverein Jugendtraft, jeden Mittwoch und Sonnbrunnen. Die 2. Männer- Abtheilung turnt heute von 8-10% 1hr Abends Turnverein Gesund in der Turnhalle, Freienwalderstraße 39. Kraftturnverein Berolina, Abends& Uhr Uebungsstunde bei Faustmann, Reichenbergerstr. 73a. Theater- und Bergnügungs- Berein Humanitas Abends 9% Uhr bei Reed, Lothringerfir. 94. Sommer, Grünfte ge zahlreichen Besuchs durch Karton Arbeiter berechtigt sei, den Gefelliger Bergnügungsverein Regta, Abends 9 Uhr, im teftaurant mit man Nach Humoristischer Verein Arminia, Dresdener Garten, Dresdenerfiraße 45. Kreuzfidel, bet Gumlich, ReichenbergerRauchklub Statflub Treff, Abends 8% Uhr, bet Dtto Babel, Frankfurter Allee 90. Bühnenverband Othello Abends 9 Uhr, Restaurant Lothringer Depeschen: ( Wolff's Telegraphen- Bureau.) Sagan, 6. Sept. Amtliches Wahlresultat der am 2. d. M. stattgehabten Reichstags- Ersagwahl. Abgegeben wurden ins gesammt 16 088 Stimmen, davon entfielen auf Buchdruckerei befizer Dr. Hermann Müller in Glogau( freif.) 8620 und auf Rittergutsbefizer v. Klizing zu Bauche( fonf.) 7468 Stimmen; ersterer ist mithin gewählt. ( Depeschen des Bureau Herold.) Elf Gouvernements erbaten bereits wieder zur Aussaat und zu Köln, 6. September. Die R.- 3tg." meldet aus Petersburg: Berpflegungszwecken 13 Millionen Rubel; vorläufig wurden fünf Millionen gezahlt mit dem Bemerken, daß mehr von dem Verpflegungsfapital jetzt nicht flüssig zu machen sei. Streits größerer Gewerkschaften, welche fämmtlich zu Ungunften Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend.( Sw der Arbeiter verliefen, bewiesen aber, daß dieses Kampfmittel nicht schriften find zu richten an Mar Gent, Berlin N, Belforterfir. 26, 1 r.) Mittwody: Rauchflub Hellblau bei Flick, Simeonftr. 23. Rauchflub Im Fachverein der Tapezirer hielt am 28. Auguft mehr genüge und deshalb an dessen Stelle ein anderes treten tierne Pfeife, bet hoffmann, Triftfiraße 1. Theater Beretn Genoffe Roland einen Vortrag über müsse. Die Hutmacher hätten dies eingesehen, indem sie die Proletariat bet kühn, Naunynstr. 38. Maximilian Theater- Berein JugendRobespierre". Der Redner führte ungefähr Folgendes Arbeiter- Kontrollmarte einführten; andere Gewerkschaften wären Traft 2 bei Werner, Heimfir. 2. Touristentlub Nachtfalter, bei Burmann, Frantfurter Allee 56. Stattlub Buschelgrün, bet Fürstenau, aus: Es giebt faum einen zweiten Fall in der Geschichte, in ihnen gefolgt. Der Redner wünschte, daß dieser Frage in 3u- Reichenberger- und Manteuffelstraßen- Ede. Bollack Klub 2ustige welchem die Urtheile der Geschichtsschreiber über eine historische funft mehr Gewicht beigelegt werden möge, als bis jetzt geschehen Brüder, bei Bucwald, Manteuffetfir. 46. Bergnügungs- Verein Persönlichkeit so verschieden lauten, als über Maximilian fei. Die Distuffion war eine sehr lebhafte. Einige Redner er: Fridolin, bei Wolff, Brunnenstr. 35a.- Bergnügungsverein WaldesRobespierre. Die meiſten Historiker machen sich die Sache leicht. flärten sich gegen, die meisten aber für Einführung der Kontroll- um 2icht, bei Gründel, Dresdenerfir. 116. Sie verurtheilen Robespierre ohne sich in tiefere Untersuchungen marke im Großbetrieb unserer Branche. einzulassen. Will man sich ein selbständiges Urtheil über diesen Mann bilden, so muß man die verschiedenen Geschichtswerke und Papierfabrikation beschäftigten Personen tagte Eine Versammlung der in der Buch, Leder, KartonEritisch mit einander vergleichen und vor Allem den Triebfedern 31. August, um zu den Gewerbegerichts- Wahlen Stellung zu feiner Handlungen gewiffenhaft nachspüren, wobei in erster Linie nehmen. Herr B. Joft erörterte als Referent zunächst die die Zeitverhältniffe zu berücksichtigen sind, unter welchen Robes gefeßlich festgelegten Befugniffe der Gewerbegerichte. Dann er: pierre lebte. Derselbe, ein Schüler Rousseau's, tonftruirte fich fäuterte er den Wahlmodus und besprach die Thätigkeit, welche in feinem Kopfe eine neue Welt, nicht realer, sondern idealistischer die Streit- Kontrollkommission bezüglich der in Aussicht stehenden Natur. Um diese imaginäre Welt zur wirklichen zu machen, Wahlen der Arbeiter- Beisitzer entfaltet hat. Nach dem Referat mußte nach Nobespierre's Meinung das Laster ausgerottet und die Zugend an seine Stelle gefeßt werden. Diesen Gedankeu suchte Tagesordnung als zweiter Punkt stand, mußte erst, obwohl die Nominirung der Kandidaten auf der er in tonfequenter Weise durchzuführen. Uebrigens war es nicht Tagesordnung als zweiter Punkt stand, darüber diskutirt die Mißwirthschaft der Bourbonen allein, welche die Revolution werden, ob die Versammlung in Berücksichtigung des wenig hervorrief. Denn die französische Monarchie regierte nicht auf diese entfallenden Kandidaten aufzustellen. Diese Debatte besser und nicht schlechter als die übrigen damaligen Regierungen wurde durch einen von verschiedenen Kartonarbeitern unterstraße 149.- ibele Brüder, bei 5. Mrofe, Lachmannftr. 5.- Touristendes Kontinents, im Gegentheil, sie war in manchen Dingen stüßten Antrag, einer Branchenversammlung die Kandidaten verein Fret Weg", Abend 9 Uhr bei Reeß, Michaelskirchfar. St fogar freifinniger als diese. Das Volt war aber von dem Bewußtsein durchdrungen, daß es die höchste Zeit sei, mit dem aufstellung zu überlassen, hervorgerufen. Dagegen wurde geltend Rauchklub 2 af falle, Abends, bet 2od, Friedrichsbergerfir. 11. Rauchtlub Roochloch, Abends 9 Uhr, bei Kierstein, Admiralstr. 33. Feudalsystem zu brechen, der Grundlage des damaligen Staats- gemacht, daß alle Branchen zu der Versammlung eingeladen Rothe Nette, bet Steuer, Weinfir. 22.- Humoristischer Rauch= wefens. Nach dem die Monarchie abgeschafft war, sollte die Wahl fiel auf folgende Herren: B. Jost, P. Schneider, oh, and seien und dann beschlossen, sechs Kandidaten zu ernennen. Die tlub, Abends 9 Uhr, bei A. Niemann, Görligerftr. 42.- Rauchttub Sans: Rauchtlub Ohne 3wang, Abends 9 Uhr, bet Republit, welche von innen und außen bedroht war, um jeden. Tilgner( Buchbinder), Bäßler( Albumarbeiter), Bökert Schlüter, Kleine Markusfir. 10. Späth, Weinstr. 28. Rauchklub Grüne Quaft e, Abends 9 Uhr, bet Preis gerettet werden. Dies führte die republikanische( Lederarbeiter), und Greifenberg( Kartonarbeiter). Herr Ahmer, Gräfeftr. 82. Rauchklub Vultan, Abends 9 Uhr bei Regierung zu den Gewaltmaßregeln, welche зи Rauchklub Goldene Quaste", Abends 9 Uhr Rauchtlub gutgesinnter Freunde, Abends Namen„ die Schreckensperiode" bezeichnet. Jo ft berichtete hierauf über die Thätigkeit der Streit Kontroll- bei Muß, Jofiyfir. 8. 8 Uhr bei Neumann, Höchftestr. 28. Rauchklub Schmotes- Werte, dem der Redner die verschiedenen Parteien des Ronvents commission während des letzten Jahres. Dazu äußerten Wasser- und Inselstraßen- Ede beim Restaurateur Sperling Abends& Uhr. sich die Herren Greifenberg und und ihren Sturz geschildert, kam er auf den 9. Thermidor zu beschwerte sich, Bezug nehmend auf den von Jost berührten Sumoristische Pfeifenbrüber jeden Mittwoch Abend 9 Uhr, KlofterRiese. Legterer Rauch flub Borwärts GD.", jeden Mittwoch Waldemarstr. 74 bet George. fprechen, an dem Robespierre gestürzt wurde und die Kontreftraße 83, bei Genoffen W. Salzwedel. revolution den Sieg davon trug. Reicher Beifall lohnte den derfelben gegenüber Arbeitervereinigungen. Seitens des FachBoykott der Unionsbrauerei, über das Verhalten der Leitung Referenten. In der Diskussion sprachen die Kollegen Feber vereins der Buchbinder sei im Frühjahr ersucht worden, den straße 101. und Krofad. Ersterer erklärte fich im Großen und Ganzen Garten und Saal der erwähnten Brauerei zu einem Sommerfest mit den Ausführungen Roland's einverstanden, nur fäme er ( Feder) zu einem anderen Resultat, wenn der Referent Robespierre mit der Begründung zurückgewiefen, die Direktion müsse erst bezu bekommen. Dreimal hätte man die Delegirten des Vereins für einen Staatsmann und Volksfreund erkläre; derfelbe habe durchaus nicht für das hungernde Bolt gesorgt. Beim Punkt fragt werden. Dann wäre der schriftliche Bescheid gekommen, an Vereins Angelegenheiten richtete Rollege Friedmeier Ronzerttagen könnte das Lokal überhaupt nicht vergeben werden. einen Appell an alle Diejenigen, die ihr Darlehn noch Trotzdem habe an dem Tage, an welchem das Sommerfest der Buchnicht zurückgezahlt haben, dieselben auffordernd, dasselbe binder stattfand und der ein solcher Konzerttag war, die Tischlerbald möglichst zu thun. Kollege Eiferbed frug an, ob schon innung die Unionsbrauerei zur Verfügung gehabt. Riefe erklärte im 2. Wahltreise Sagan- Sprottau des Regierungsbezirkes Liegnig bald möglichst zu thun. Kollege Eiserbeck frug an, ob schon es für nicht richtig, daß der„ Vorwärts" seiner Beit ein hierauf ein Lohntarif ausgearbeitet sei. Der Vorsitzende erwiderte, das man seinerzeit davon Abstand genommen habe. Kollege Feder bezügliches Eingefandt nicht aufgenommen habe, und forderte den führte hierauf aus, daß von zwei besseren Geschäften, welche anwesenden Berichterstatter auf, seine Darlegungen im VerMöbel für ein Theater liefern, das eine Geschäft 3,50 M. Ar- sammlungsbericht zu bringen.( Das Eingesandt war unferer Er beitslohm bezahlt, während die Gehilfen nur 2,50 M. für das- innerung nach bereits für den Druck bestimmt, als die Unionsfelbe Stück in dem andern Geschäft bekommen. Es wäre nun über dieselbe wieder aufgehoben wurde. Unter solchen Umständen brauerei sich den Anforderungen fügte und deshalb der Boykott endlich an der Zeit, daß durch eine rege Agitation solche Miß hielten wir es für schicklich, von der Veröffentlichung des Einstände beseitigt würden. Kollege Friedmeier erklärte hierauf, daß die Uneinigkeit der Berliner Kollegen schuld gesandts abzusehen. Die Verwaltung der Unionsbrauerei wird hierauf, daß die Uneinigkeit der Berliner Kollegen schuld die Arbeiterorganisationen fünftig sicherlich auf gleichem Fuße fei, daß nichts unternommen werden könne; um solche Mißstände mit den übrigen Gesellschaften behandeln. Red. d.„ Vorw.") zu beseitigen, müffe eine starke Organisation vorhanden sein. Kollege Feder erwiderte hierauf, daß bei Werfftellenangelegen- Kranken- und Sterbe- Unterstützungskaffe der Berliner Hausheiten doch die Organisationsfrage nicht immer hervorgehoben diener. Kaffenlokal Neue Friedrichstr. 44, bei Röllig, Sigung jeden Mittwoch werden sollte, durch die Deffentlichkeit tönne man ebenso gut bend 8% Uhr. einen Druck auf die Prinzipale ausüben. Kollege Moßtopf( Ortsverwaltung Berlin 4). Bersammlung am Mittwoch, den 7. September, Zentral- Kranken- und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer dagegen meinte: Wenn wir in eine Lohnbewegung eintreten Abends 8% Uhr, Kommandantenftr. 20( Arminhallen). Berichterstattung der wollen, fo müffen wir einheitlich organisirt sein. Wenn ferner Delegirten über die Generalversammlung. die Streit- Kontrollkommission tommt und fragt: Wie viele Schweinit, Torgau und Liebenwerda. Versammlung heute Mittwoch, Sozialdemokratischer agitationsverein für die Kreise Wittenberg, Zapezirergehilfen seid Ihr und wie viele sind davon organifirt? ben 7. September, Abends 8% Uhr, bei Lehmann, Neue Grünftr. 14. und wenn sie hierauf erfährt, daß von 2500 Gehilfen faum Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin. Mittwoch, 150 organisirt sind, so wird es heißen: Dann geht erst hin und ben 7. September, Abends 8½ Uhr, Versammlung mit Damen in den Armin hallen, Kommandantenstr. 20. agitirt, daß mindestens zwei Drittel der Organisation angehören. Blub der Wanderfreunde. Mittwoch, den 7. b. M., Monatssitzung im Kollege Martiel andererseits wunderte sich, daß sogar vom Klublokal, Neue Promenade 8. Arbeiter- Bildungsschule. Borftande die Organisationsfrage immer wieder in den Border- Schule, Sagelsbergerstr. 43: Unterricht in Geschichte( neu); Süd- Ost Mittwoch, Abends 8-10% Uhr: Güb. grund gedrängt würde. Ichule, Reichenbergerfir. 133: Unterricht in Deutsch( oberes), Mathematit; Oft Schule, Markusstraße 31: Unterricht in Deutsch( mittel); NordEine öffentliche Versammlung der Filzschuharbeiter Schule, müderfiraße 179 a: Unterricht in Deutsch( oberes); Rechnen. In und Berufsgenossen verhandelte kürzlich über die Fragen: Ge- allen Lehrfächern, mit Ausnahme der Buchführung, fönnen noch Schüler und werkschaftsbewegung und Sozialdemokratie, und: 28ie stellen sich Schülerinnen, auch jetzt im Laufe des Semesters, eintreten. Lese- und Diskutirklubs. Mittwody. Wereinte raft Abend die Filzschuharbeiter zu den Gewerbegerichts- Wahlen? Referent 8 ubr, bei klein, Schönleinstraße 6. Johann Jacoby, bet Otto über ersteren Punkt war Genosse Otto Thierbach. Derfelbe jeben Monats, Abends 8% Uhr, bet Bechlin, Hornftr. 9. Thierbach, Schwedterfir. 44. Heine, jeden Mittwoch vor dem 1. und 15. Gesund ging von der Gewerkschaftsbewegung des 15. und 16. Jahr brunnen, Abends 8% uhr, bei Haferland, Bellermannftr. 87.- Gleich hunderts aus, zeigte, daß z. B. die Schmiedegesellen in Nürnberg beit, abends 8% Uhr bet Stramm, Ritterstraße 123. Emanzipation, fich damals schon vereinigten, um von ihren Meistern eine beffere bends 8½ Uhr, bet Wagner, Alte Schüßenstr. 6. Heine, Rirdorf, Abends 8 Uhr, bei Beiler, Kenesebeck- und Herrmannstraßen- Ece. Nord, Roft zu erlangen, kam dann auf die jeßigen Fabrikeinrichtungen jeden Mittwoch 8% Uhr, bei Bernh. Raabe, luppiner- und Schönholzerstraßenzu sprechen und führte Klar vor Augen, wie die Kinder- Ece.- Dtto Reimer jeden Mittwoch bei A. Brosch, Wilhelmshavner- A. A., Naunynstraße. Mit Ihrem Naturalisationsgesuch ausbeutung in der Glasindustrie und Textilindustrie hauptsächlich ftraße 23. haben Sie sich an die Polizei zu wenden. Ihre anderen Ausin Desterreich und Sachfen eine geradezu nngebeure ift. An im Bereinstalender sind zu richten an Friedrich Korfum, Manteuffelstr. 70. Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umggegend. Alle Aenderungen führungen werden bei passender Gelegenheit Verwendung finden. der Distuffion betheiligten sich die Kollegen Opib, Rohler, Arbeiter- Sänger- Bund Berlins und Umgegend. Mittwody. Uebungs P., Porsche. Das Papier ist nur auf einer Seite zu beSchmaling Referent. Derfelbe legte ftunde Abends 9 Uhr, Aufnahme von Mitgliedern. in Liedesfreiheit, schreiben, was Ihnen und Anderen hiermit zum 999. Mal in daß es kein Pattiren mit den straße 22-28, Bohow's Braueret. Blumenstraße 38, bet Hente. Freya,( Gem. Chor), Alte Schönhauser: Erinnerung gebracht wird. seinem Schlußwort dar, silaritas, Sochstraße 32 a, bei gegnerischen Parteien sein kann, wenn man von der heutigen wilte. Deutsche Eich e, Blumenstraße 46, bet Went. Echo 1 Tambourverein Froh Frei. Kann in dem redaktionellen Gesellschaft nimmt, was man irgend bekommen kann, sondern, Pantow, Schulzefir. 27.- serce, Bernauerstr. 72, Restaurant zum Zeit Theil nicht Aufnahme finden. Gesangverein der Steinmeyen, Johannisstr. 20, bei Müller. daß es dabei nur Pflicht eines Jeden ist, den Indifferenten vor Männer- Gesangverein der Kürschner, D. V. D. Vr. Berlin, Neue B. C. Trachenberg liegt im Regierungsbezirk Breslau, Augen zuführen, daß das Wenige, was uns gegeben und dabei Friedrichstraße 44, bei Röllig. Steinnette, Röslinerstraße 17, bei Kreis Militsch. noch beschnitten wird, uns nicht bestimmen darf, Abstand zu Glifabethstr. 30.- a nb in sand 1, Mariannenftr. 31-32, bei Doberstein. Wendt. Lyra 1, Raupachstr. 6, bei Stachel. Euphonia, bet Hermann, A. F., Köln a. Rh. In der Angelegenheit wiffen wir nehmen von der Verwirklichung der sozialdemokratischen Forde- Schneeglödchen 2, Potsdam, Brandenburger Kommunikation 16, bei ebenfalls keinen Rath, rungen nach ihrem ganzen Umfange. Hierauf gab Kollege Glafer. Unverdrossen, Abends 8% Uhr, bei Sachs, Lindowerstr. 26. lebersetzung 13. Auf Deutsch:" Ich zähle nur die heiteren Flöter'scher Gesangverein, Koppenstraße 43c, bei Lorenz. Lange die einleitenden Ausführungen über die Gewerbegerichte. Rütt, Friedenau im Kurhaus. Vorwärts 5, Friedrichshagen, Rundtheil. bei Nachdem sich Kollege Opis gegen diefelben ausgesprochen hatte, erche. Freundest reue( Gemischter Thor), Grenadierftr. 33, bei SeeA. B. 100. Es kommt auf die Form an. wurde gegen zwei Stimmen beschlossen, sich an den Wahlen zu feldt. Lorbeertrans, Lichtenbergerstr. 21 bei Heise. Südost, 1. G. S. 100. Nach erfolgter Kündigung müssen Sie die betheiligen, und man wählte als Kandidaten den Kollegen Karl Röpniderstr. 191, Restaurant. Soffnung 1, Friedrichsberg, Friedrich Wohnung während des ganzen Tages besichtigen laffen. Es Rothe Nelte, Schöneberg, Golz 2ange. Im weiteren Verlaufe der Versammlung wurden die Straße 43 Freiheit, Moa b'it, Kronenbrauerei, genügt aber natürlich, daß Sie während Ihrer oder Ihrer Frau Einrichtungen verschiedener Fabriken kritisirt und diese als wahre alt- Moabit 47-49. Steinfeger Sängerchor, Kastanien Abwesenheit den Schlüssel dem Wirth oder einem Hausbewohner Choleraherde geschildert. Man betont babei, daß hier die Allee 28 bei Maiwald. Offenbacher Sängertrans, Oranien übergeben. Sie brauchen die Wohnung nicht selbst zu zeigen. Der überwachende traße 11 bet Feind. straße 153, bet Göße. Gefangverein der Kupferschmiede, Wein Bolizei unbedingt einschreiten müsse. Bergißmein nicht, Schulstraße 29, St. Fr. 6. Machen Sie vor der Eheschließung beim Lieutenant notirte sich darauf die Adressen von sieben Fabriken. Bedding Kasino." Concordia" Dieffenbachstraße 68 bet Amtsgericht I, Neue Friedrichstr. 13, einen Ehekontrakt, in welchem Bekannt wurde noch gemacht, daß die Bücherausgabe am Sonn- Holb. Arbeiter Gefangverein Brig", Briz, Werderstraße Sie Ihrer Braut deren Eingebrachtes vorbehalten. Deutscher Männerfang", Belforterstraße 15, bet tag Bormittag 10-12 Uhr bei Wernau, Rosenstr. 30, stattfindet. Schneider. Gefangverein& otosblume, Kleine Kurstraße 10 bei Kanzow. W. K. 129. Der von einem 17 jährigen Mädchen ohne Wissen Gefangverein Frethettstlänge, Stallschreiberstr. 29 zum Eichenen des Baters geschlossene Kaufvertrag ist weder für das Mädchen Männer- Gefangverein 2tbertee 1, Wrangelstraße 84 bei üürich. noch für den Vater rechtlich bindend. stebertafel, Grüner Weg 29 bet Säger.- Gefangverein orbeerkranz 2, unverzagt Langefir. 65 bei Tempel. Gesangverein Deutsche X. 2000. Wenn der Strafantrag bei der StaatsanwaltDranienstraße 190 bet atfch. Gefangverein Siebeslu ft in Fürstenwalde schaft rechtzeitig gestellt, aber mangels öffentlichen Interesses bet Haupt, Müncheberger Chauffee. Sängerchor der Maler, alte abgewiesen worden ist, so kann auch nach mehr als drei atobftraße 83. Felsenfest( Gemischter Chor), Pantstraße 32 b bei Monaten noch die Privatklage wegen Beleidigung angestrengt Herzog. Frethetts Gruß, Schönhauser Allee 46 bet Buffe. Gesangverein offnung 3", Brandenburg a.. bet Weidner. und der getft". Karlstraße 84, bei Schulze. bet Siegeler. bet Schöneberg. Der Verein deutscher Schuhmacher hielt am 29. Auguft Stab. in der Gipsstr. 3 eine gutbesuchte Wanderversammlung ab, in welcher Herr Völkel über die zur Zeit brennendste Frage der Gewerkschaften referirte. Der Referent beleuchtete in seinem Vortrage die Thätigkeit der Gewerkschaften. Das beste Rampfmittel derfelben wäre bis jetzt immer der Streit gewefen; die letzten Berlag des ,, Borwärts" Berliner Boltsblatt Berlin SW., Beuthstraße 2. Soeben erschien: Heft 25 ber Reden und Schriften Ferd. Lassalle's ( Vollständig in ca. 50 Seften à 20 Pf.) Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen, Zeitungsspediteure und Rolporteure entgegen. 1 " Rheinländischer Tunnel. Genannt: ,, Die fidele Nagelkifte". Berlin N., Elsasserstrasse No. 73, neben dem königl. Leihamt. Neu! Das Gäusespiel. Neu! Für 15 Pf. ein Glas Bier u. eine Gans. im Genua, 6. Sept. Der Ausstand der Kohlenlader ist beendet. Die Händler haben die Lohnerhöhung und die übrigen Forderungen zugestanden. Belgrad, 5. Sept. Die bebufs Feststellung des Standes der Finanzen eingesetzte Kommission fonstatirte, daß das vorige Rabinet eine schwebende Schuld von 30 000 000 hinterließ. Belgrad, 5. Sept. An dem geftrigen radikalen Parteitage in Alerinat nahmen 3000 Personen Theil. Vorher hatte eine sechsstündige Vorkonferenz stattgefunden, in der erbitterte Vorwürfe gegen Basics und andere Minister erhoben wurden. Pasics appellirte an die Einigkeit der Partei, da sonst die radikale eine einmüthige Resolution angenommen, welche die heutige ReBartei in ihrer ganzen Existenz bedroht sei. Schließlich wurde gierung für unparlamentarisch erklärt. Briefkaffen der Redaktion. H. B. Wiederholen Sie Ihre Anfrage. Oberndorf a. N. Derartige Billets hat es nie gegeben. G. W.. Oranienstraße. Ihre Vorschläge sollen bei Gelegenheit verwendet werden. Stunden." werden. Dr. Hoesch, homöopath. 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