Nr. 177. BNmnemcntS'BeiHnsnngen: BtonnimcntS• Preis pränumeranda t «irrtrljvhrl. 8,30 Mr., monaU, 1,10 Mk.. wichenMch 28 Pfg. frei WS Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag«- nummer mit illustrierter Sonntags« Vellage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung»- PretZIiste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland 8 Marl pro Monat. SS. Jahrg. Die InrerflonS'Gebaip betrügt für die sechsgespaltene«olonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaftliche BcreinS- und SersammlungS-Anzeigen 25 Pfg. „Kleine ZZnreigen", da» erste(sett- gedruckte) Wort 10 Pfg. jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Eon», und FesUagen bi» 8 Uhr vormittags geSfsiict. CriMit tSaiiife ufiu msotia». Vevlinev VolKsvlsckk. Telegramm-Adresse: „5»,I»»t0SllM StlUv" ZentvaXorgnn der fozialdemokrati f eben Partei Deutfcblands. Redaktion: SRI. 68» Lindenstraese 69. shernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 1* August 1905. Expedition: SRI. 68» Llndcnatraaae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1084. Zur Lage in Rußland. Ein Petersburger Korrespondent schreibt unS ilVer die Stimmungen und Hoffnungen, welche die letzten Ereignisse, besonders der Moskauer Semstwokongreß in den liberalen und deiuokratischen Kreisen Rußlands ausgelöst hat: Das politische Leben in Rußland entwickelt sich rapid und sein Mittelpunkt ist jetzt nicht Petersburg, sondern Moskau. In Petersburg überwiegt das Bureaukratentum alle anderen Elemente. Zwar beginnt die Arbeiterbevölkerung auch hier, ihrer Rechte bewußt zu werden, und Advokaten, Ingenieure und Schriftsteller verrichten mancherlei eifrige politische Arbeit. Doch spürt man in Petersburg immer die schwüle Atmosphäre des Beamtentums und dagegen kann sich die Bolksbegeisterung nur mit Mühe durchringen. Unter Trepows Gewaltherrschaft ist es sehr schwer, politische Versammlungen abzuhalten, weswegen man jetzt angefangen hat, seine Zuflucht nach Finnland zu nehmen. Aber Opferwilligkeit gibt es in Petersburg genug und heroischen Sinn l In M 0 s k a u ist es anders. Da ist man vom Hofe entfemt, und der Einfluß der Regierung und des Beamtenwesens kann sich weniger geltend machen. Die Arbeiterbevölkerung in und um Moskau ist größer und vielleicht noch freiheitlicher gesinnt als in Petersburg. Die überwiegende Mehrheit der Großindustriellen und des Adels sind Konstitutionalisten und, obgleich die alten Moskauer Ueber- lieferungen etwas von ihrer Macht über das Kleinbürgertum noch erhalten haben, machen sich auch bei dieser Schicht die Einflüsse der neuen Epoche bemerkbar. Wohl lauern die reaktionären Kräfte auf die Stunde, wo sie sich gegen die neuen Bewegungen stürzen können, aber täglich verstärkt sich in dieser Stadt der Drang nach Freiheit. Ein wunderbares Schicksal wird es sein, wenn Moskau, welches in alten Tagen der Mittelpunkt von allem, was orientalisch, war, jetzt gegenüber Petersburg die Rolle des westlichen Fortschritts spielen sollte. Dahin aber entwickeln sich die Verhältnisse mit Schnelligkeit. Auf das politische Leben in den liberalen Kreisen Moskaus hatten die S e m st w 0 k 0 n g r e ff e sehr furchtbar gewirkt, nicht zum mindesten dadurch, daß sie den allgemeinen Rechtssinn gestärkt haben. Die Tatsache, daß trotz des amtlichen Verbots und trotz aller Drohungen einige hunderte der einflußreichsten Leute des Landes sich doch versammeln konnten, um brennende Reformfragen zu diS« kmieren, bedeutet zugleich ein Zeichen der moralischen Schwäche der Regierung und eine Mahnung an alle diejenigen, welche unter Beamtenwillkür leiden, ihre Rechte ohne Furcht zu bchaupteit. Der letzte große Semstwokongreß wurde wiederholt verboten und die Mitglieder mit strengen Maßnahmen bedroht. Alle Gouverneure in den Semstwogouvcrnements erhielten Befehl, die in ihren Gouvernements befindlichen Mitglieder vor der Abreise nach Moskau zu warnen. da der Kongreß in keinem Falle zugelassen werden würde. Soweit gingen die Drohungen, daß die Semstwoleute daran zu glauben begannen, eS werde wirklich Geivalt gegen sie in Anwendung ge- bracht. Sie wählten einen anderen Versammlungsort für den Fall, daß sie auseinandergetrieben werden sollten. In den letzten Tagen vor dem Kongreß aber schienen die Aussichten günstiger zu werden; die Machthaber waren unter sich nicht einig, der Generalgouverneur erklärte, er hätte persönlich gar nichts gegen die Zusammenkunft der Kongreßmitglieder, aber.die Befehle aus Petersburg wären sehr genau und müßten erfüllt werden". Der Gouverneur von Moskau aber erklärte, die Regierung habe gehört, daß die Semstwoleute eine revolutionäre Regierung ernennen wollten und ein solcher Versuch, so warnte er, würde strengstens bestraft werden. Da nun die Semstwoleute gar nichts dieser Art planten, so erwarteten sie ruhig, was geschehen würde. Und das, was geschah, war für russische Verhältnisse sehr er» staunlich. Ein großer Saal im Hause des F ü r st e n D 0 l g 0 r u ck 0 w war bis auf den letzten Platz mit Gutsbesitzern und Vertretern aus den Städten gefüllt. An einem grünen Tisch saß der Vorstand und Herr Golowin, der Vorsitzende des Moskauer Semstwobureaus hielt eine Rede, in welcher er seine Vorverhandlungen mit der Polizei- bchörde darlegte. Gleich darauf erschien ein dicker Mensch in der Uniform eines PolizeikommissarS, mit ihm einige untergeordnete Polizeibeamte. Der Kommissar laS feine Instruktionen vor, bat um Erlaubnis, ein Protokoll über seinen Besuch aufzunehmen, forderte eine Liste der Anwesenden und erklärte schließlich die Versammlung — für geschlossen. Er ging fort, kam nochmals zurück, laS fein Protokoll vor und, nachdem er die Liste der Anwesenden erhalten hatte, entfernte er sich und kam nicht mehr zurück. Graf Heiden, der Vorsitzende deS Kongresses, hatte ihm rundweg erklärt, daß die Polizei kein Recht hätte, sich in eine Privatversainmlung hinein- zumischen und daß die Versammlung gar nicht geneigt wäre, auf einen solchen Befehl hin ihre Tätigkeit einzustellen. Nach diesem Vorgang tagte der Kongreß drei Tage lang. Die Regierung war sehr ärgerlich über diesen Gang der Dinge und wollte irgendwie ihre Macht zeigen. Sie hat ihre Wut an der Preffe, welche immer in ihrer Macht steht, ausgelassen. Es tourde der Presse ver- boten, irgend etwas über den Kongreß zu veröffentlichen. Bei der zweiten Sitzung des Kongresses, als Petrunke witsch das Schreckenswort Revolution ausgesprochen hatte, überfiel die Polizei noch einmal die Angst vor der Einsetzung einer revolutionären Regierung und eine ganze Nacht hindurch stand eine Kavallerieschwadron und die Hälfte eines Infanterie- bataillonS in der Nähe deS Hauses Dolgorukow. In verhüllter Form ist dann gleichwohl ziemlich viel von dem Inhalt der DiS- Missionen in die Presse gelangt. Aus der Arbeit des Kongresses sind zwei BeschMsse hervorzu- heben. Erstens die Empfehlung des passiven Wider» st a n d e s gegen gesetzwidrige Befehle der Beamten. Nach dem Er- folg? seines eigenen energischen Beharrens war der Konareß leicht I geneigt, an die allgemeine Anwendbarkeit dieses Verhaltens zu l glauben. Ob eine solche Politik überall durchführbar und erfolgreich sein könnte, ist fteilidb sehr zu bezweifeln. Immerhin mag die Emp- fehlung deS Kongresses einigen Aengstlichen Kraft geben. Ganz interessant war die Debatte über diese Frage. Ein Vorschlag empfahl passiven Widerstand gegen Willkür»auf Grund deS Ge- setzes". Aber in Rußland ist selbst daS Gesetz die Tür zur Willkür, sagte KuSmin Karawajew. Und das meinte dann auch der ganze Kongreß, so daß am Ende der Vorschlag deS SohneS eines früheren JustiznnnisterS, daß Widerstand.auf Grund der natürlichen mensch- lichen Rechte" geleistet werden solle, einstimmig angenommen wurde. Der zweite wichtige Beschluß, ein Beschluß, welcher die ganze weitere Semstwobewegung bestimmen soll, ging dahin, alle Versuche, auf die Regierung einzuwirken, aufzugeben, sich an das Volk zu wenden und von jetzt ab mit dem Volke zu- s a m m e n z u st e h e n. Die meisten der Kongreßleute gehörten dem Adel an und einige waren Mitglieder.der alten und berühmten Familien". Daß diese Adelsversammlung das allgemeine Wahlrecht fordert und«mit dem Volke" zusmnmengehen will. geschah nicht ohne schwere Ueberwindung, denn viele sahen darin eine Ankündigung der Revolution. Petrunkewitsch, ein alter Kämpfer ftir liberal-demokratische Institutionen, erklärte, Rußland sei mitten revolutionärem Zustande, man könne diese Bewegung nicht tu hindern und alles, was die Semstwoleute tun könnten, wäre, die Revolution vielleicht zu einer etwas friedlicheren zu machen I Viele von den Semstwoleuten. welche an ein Znsammengehen mit den Bewegungen der breiten Volksschichten gar nicht gewöhnt sind, ftagen sich nun, ob es wirklich einmal so weit kommen wird, daß man zu den Waffen greifen muß. Viele sind entschieden gegen alle Gewalt und erheben ihre Stimme gegen einen Zusammenschluß mit den Gruppen, welche auf irgend eine Weise die Gewalt zu billigen scheinen. Die anderen�aber. und sie bilden wohl die Mehrheit, rechnen mit der Möglichkeit, daß die Entlvickelung der Ereignisse dazu führen kann, daß.auch Semstwoleute" gezwungen werden, sich gegen die Gewalt der Regierung mit Gewalt zu ver- teidigen. Gegenivärtig sind sie nur sür passiven Widerstand, aber sie sind auf alle Möglichkeiten gefaßt. Es ist eine mächtige Gärung, welche alle Kreise der Intelligenz und des Volkes durchdringt und wer weiß, in welcher Art und in welchem Tempo sich diese Dinge entwickeln werden? DaS ist aber sicher: DaS russische Volk wird sich in dieser ungestümen Zeit seiner jugendlichen Kraft bewußt und sieht durch gewaltige Kämpfe und furchtbare Opfer einer großen Zu- kunft der Befreiung entgegen I poUtttcke CUbciTicbt» Berlin, den 31. Juli. Deutrcb-cngUfcbe Bezicbungen. London, 29. Juli.(Gig.©et.) Die Freunde deS Weltfriedens werden gut tun, die englisch-deutschen Beziehungen sorgfältig zu beobachten. Noch ist die Lage nicht verzweifelt, aber sie kann es werden, wenn nicht irgend eine Besserung eintritt. DaS Mßtraucn zwischen den beiden Ländern vergiftet sowohl ihre politischen wie wirtschaftlichen Beziehungen. Nicht einmal in der Zeit des Krüger-Telegramms waren die Beziehungen so unfteundlich wie jetzt. Der Argwohn bricht bei jeder Gelegenheit auS. Wir berichteten neulich über den Kampf zwischen dem Londoner Grafschaftsrat und einer nord- englischen Firma um die Londoner Elektrizitätszufuhr. Diese lokale Angelegenheit wurde zu einer politischen Frage durch die Nachricht, daß hinter der nordenglischen Firma die Berliner Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft stände. Ebenso wurde aus dem deutschen Erwerb walliser Kohlenfelder eine Staatsaktion gemacht. Jetzt hat die Nachricht von der bevorstehenden Kreuzfahrt der britischen Kanalflotte nach der Ostsee eine gewisse Aufregung in Deutschland hervorgerufen, obwohl doch die deutsche Flotte unter Prinz Heinrich vor zwei Jahren in den irischen Gewässern manövrierte und Admiral Köster vor einem Jahre in PortSmouth empfangen wurde. Dies sind Symptome einer ernsten Spannung. Die bessere englische Presse behandelt diese Dinge mit großer Zurück- Haltung. Auch das Kaiser- Zusammentreffen in Björkö wurde von ihr wenig kommentiert. Allein diese Zurückhaltung kommt nicht davon, daß sie diese Ereignisse geringschätzte, sondern weil sie den Ernst der Lag« empfindet. Das Friedenswerk der Arbeiterklasse. Auf einer Londoner Konferenz der Vertreter jener britischen Organisationen, die auf dem internationalen sozialistischen Kongreß zu Amsterdam im Jahre 1994 vertreten waren: der sozial- demokratischen Föderation, der unabhängigen Arbeiterpartei, der Fabian-Gesellschaft, deS Arbeiter- Repräsentativkomitees, der Gas- arbeiter-Union und der Dockarbeiter-Union wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: .Diese Versammlung der Delegierten der brittschen Organisa- tionen, die auf dem Amsterdamer sozialistischen Kongreß vertreten waren, bemerkten mit tiefem Bedauern die wachsende Animosität zwischm den herrschenden Klassen Großbritanniens und Deutschlands und erklärten im Namen der von ihnen vertretenen Organisationen, indem sie an die ähnliche Verstimmung zwischen Großbritannien und Frankreich vor fünf Jahren erinnert, die nun durch ein kordialeS Einverständnis ersetzt ist: 1. daß keine feindschaftlichen Gefühle irgend welcher Art auf der Seite der englischen Arbeiterklasse gegen die deutsche Nation noch gegen das deutsche Volk bestehen, sondern daß sie im Gegenteil wünschen, dieselben Beziehungen mit Deutschland zu erlangen, welche glücklich mit Frankreich hergestellt worden sind; 2. daß sie selbst ihr äußerstes dazu tun will, im Vereinigten Königreich, wie im ganzen britischen Reich jegliche existierende Feind- schaft zwischen den Regierungen und den kapitalistischen Klassen niederzuhalten und jede Konfliktsursache zu vermeiden; 3. daß sie sich bemühen werden, ihre Regierung zu veranlassen, die Zwistigkeiten zwischen den beiden Nationen auf geeigneter Basis zu regeln; 4. daß sie appellieren an ihre deutschen Kameraden, beständig und nachdrücklich mit ihnen daran zu arbeiten, die chauvinistischen und jingoistischen Gefühle auf beiden Seiten der Nordsee zu unter- drücken und ein allgemeines Zusammenwirken beider Völler zu ge« meinsamem Nutzen herzustellen." Der Bankrott der südwestafrikanischen Kriegsführung. Unser südwestafrikanischer Generalissimus ist mit den „Windhuker Nachrichten" in Konflikt geraten. Das Blättchen hatte es gewagt, an den Maßnahmen des Oberstkommandierenden Kritik zu üben. Schon vor einiger Zeit war es genötigt ge- Wesen, bittere Klage über die Ausrottungsstrateaie Trothas zu erheben. Man kann das Windhuker Blatt, das die Interessen der Farmer und Händler vertritt, wirklich nicht bezichttgen, daß es für die Eingeborenen Partei ergreife. Allein die Ankündigung Trothas, daß er die Hereros bis zur Ausrottung zu vernichten gedenke, hatte begreiflicherweise auch die Ansiedler und Händler, die sonst den Hereros nicht genug Schandtaten nachsagen konnten, in begreifliche Erregung versetzt. Denn woher sollten sie später ihre Arbeiter und Ausbeuwngsobjekte nehmen, wenn die Hereros völlig ausgerottet würden. Später erhob das Blatt dann vielfache Klagen darüber, daß die Farmer, die wiederum nach ihren Besitzungen zurückgekehrt seien, nicht genügend gegen die Ueberfälle der hungernd im Lande herum- streifenden versprengten Hererobanden geschützt würden. Diese Kritik bereitete dem Oberstkommandierenden und Gouverneurs- stellvertreter solchen Aerger, daß er folgenden Ukas erließ. „Telegramm aus KcetmanShoop, den 12.(5. 05. Da die„Windhuker Nachrichten" für das ihr von feiten der Militärbehörde erwiesene Entgegenkommen lediglich durch abfällige Kritiken quittiert und jeder Aeußerung des Mißvergnügens bereitwilligst Aufnahme gewährt, bestimme ich, daß dem Blatte von jetzt ab keinerlei Nachrichten, Berichte oder Artikel behördlicherseits mehr zuzugehen haben. Trotha." Dieser Erlaß verrät eine ganz wundersame Auffassung von den Pflichten eines Generalgouverneurs gegenüber der Oeffentlichkeit. Man sollte meinen, gerade in einer so prekären Lage, tvie die ist, in der sich unsere famose Kolonie zurzeit befindet, hätte der Gouverneur alle Ursache, die Oeffentlichkeit über alle Ereignisse und Porkomnmisse so rasch und gründlich als nur irgend möglich zu unterrichten. Und das kann doch am besten durch Benutzung der Presse geschehen. Dem Herrn v. Trotha scheint es aber ganz gleichgültig zu sein, ob die Farmer ihren Betrieb wieder aufnehmen können oder nicht. Er scheint die ganze Kolonie für eine große Kaserne, einen riesigen Militärübungsplatz zu halten, auf dem die Zivilisten nur eine Art unangenehmer Manöverbummler sind. Seine Pflicht der Oeffentlichkeit gegenüber betrachtet er als G e- fälligkeiten. Will das Windhuker Blatt weiterhin Nachrichten erlangen, so hat es sich jeder Krittk zu enthalten und vor allen Dingen auch alle Beschwerden seiner Leser über das Verfahren des großen Generalissimus dem Papierkorb zu überantworten! Interessant ist es nun, was das Windhuker Blatt dem Herrn General erwidert: Der UkaS deckt sich mit dem, was schon früher einmal von derselben Stelle aus geplant war, e« stimmt auch mit dem über- ein, was ein höherer General st absoffizier vom Haupt- quartier der Schriftleitung gegenüber geäußert:„Wenn Sie uns unbequem werden, dann schütteln wir Sie ab"; es deckt sich ferner mit den Berichten deutscher Blätter des Inhalts, daß den nach Deutschland zurückkehrenden Offizieren verboten ist, über dir hiesige politische und dir Kriegslage an die Presse Mitteilungen zu machen. Im Januar dieses JahreS wurden die„Nachrichten" mit Zensur bedroht, weil sie Notizen brachten, die dem Truppen- kominando nicht behagten. Da nun auf Grund deS ReichS-Preß- gesetzeö unter den bestehenden Verhältnissen hierzulande eine Zensur nicht geübt werden kann, so blieb unS der Atem erhalten. Jetzt tritt die Maxime des Generalstäblers, das Abschütteln, in Kraft. Weiter teilen die„Windh. Nachr," mit. daß auch die Swakopmunder„Dtsch. Südwestafr. Ztg." vom General v. Trotha ähnlich behandelt wurde, und bemerkt dann zu den Vorwürfen des Generals: «Abfällige Kritik I— Sollen wir vielleicht Beifall rufen, wenn die am Waterberg vertriebenen, zum größten Teil im Jenseits gewähnten HereroS wieder auferstehen, nach Windhnk und anderen Orten zurückfluten, hier morden, dort rauben und Leben und Eigentum aufs neue be« drohen? Sollen wir in die Knie sinken und mit erhobenen Händen Dank stammeln für den bankrotten Zustand, in dem sich das Land als eine Folge de» im Kriege mit den HereroS am Waterberg befolgten Satzes befindet:„Wir sind nicht gekommen, den Ansiedlern ihr Vieh zu holen, sondern um den Feind zu schlagen!" Oder sollen wir Lobhymnen anstimmen, wo der Mann in der Straße sowie die Intelligenz der Gesellschaft sich in vernichtend- Kritiken ergeht? Rein." Das sind ja reizende Enthüllungen. Die zurückkehrenden Offiziere dürfen der Oeffentlichkeit keine Mitteilungen über die Lage in Südwestafrika machen. Warum? Sicher, weil die Lage eine trostlose ist! Das sagt ja auch das Swakopmunder Blatt, das daüber klagt. daß die Trothasche Vernichtungsstrategie sich nicht bewährt habe, daß die Geflüchteten und verhungert Geglaubten sich wieder nach Westen ergössen und nun blutige Rache nehmen für die er- littcnen Drangsale und ihre in den Hungertod getriebenen Brüder. Diese Kritik kommt freilich etwas zu spät: nicht jetzt, wo die Trothasche Strategie Bankrott gemacht hat, hülte man Anklage erheben, sondern bei ihrem Beginn auf diese notwendigen Folgen derselben hinweisen müssen! Der Zustand des Landes ist also ein„bankrotter", die Aus- sichten auf Wiederherstellung des Friedens sind schlechter denn je l Es müssen noch weitere Hunderte von Millionen geopfert werden, bis es Herrn v. Trotha wirklich gelungen ist, die südwestafrikanische Sandwüste in einen völligen Friedhof zu verwandeln! Einem solch' sinnlosen, bankrotten Treiben gegenüber gibt es nur eins: den sofortigen radikalen Brnch mit Trothas Äriegsführnng, an dessen Stelle der Versuch treten muß, die Eingeborenen im Süden sowohl wie im Norden durch Ge- Währung eines Gencralpardons und Bewilligung gerechter Fricdcnsbedingnngen zum Niederlegen der Waffen zu be- wegen!—_ Genosse Bollmar sendet uns ans Soiensaß folgende Zuschrift: .Ich lese soeben Ihren Artikel„Eine nette Fälschung" samt seinem mich angehenden Schlußsatz in Nr. 173 des„Vorwärts". Wenn die Dinge in der Tat so lägen, wie sie dort dargestellt sind, so würden Sie mit Ihrem Urteil ganz recht haben. Aber das ist keineswegs der Fall. Die Sache verhält sich einfach so: In mehreren Zuschriften ans Norddeutschland wurde ich auf die besprochenen Auslassungen der„Täglichen Rundschau" aufmerksam gemacht. Der darin angegriffene Artikel der„Münchencr Post" ivar mir damals noch nicht.zu Gesicht gekommen, und so konnte ich nicht wissen, was Wahres an der Sache war. Dagegen wußte ich, daß die Behauptung der„T. R.", ein solcher Artikel sei von m i r geschrieben worden— diesen zur Beurteilung der Frage ausschlaggebenden Um st and hat der „Vorwärts" leider ganz übersehen— einfach er- logen war. Dies sofort festzustellen war nicht nur mein persön- liches Recht, sondern erschien mir zugleich auch für die Beurteilung des ganzen Verfahrens der„T. R." von Wert. Deshalb ant- wortete ich dem Blatte, mich ausschließlich auf die kurze Mit- teilung beschränkend, daß die behauptete Verbindung meiner Person mit einem derartigen Artikel eine freie Erfindung der„Täglichen Rundschau" sei. Weiter kein Wort— von irgendeiner materiellen Stellungnahme keine Rede. Wenn die„T. R."— was ich von hier aus nicht feststellen kann, aber nach Ihrer Ausführung notwendig annehmen muß— den gegenteiligen Anschein zu erwecken gesucht haben sollte, so könnte dies nur durch eine neue Fälschung geschehen sein. Ich denke, daß die Angelegenheit damit genügend geklärt sein dürfte." ES ist nicht richtig, daß wir in unserer Notiz in Nr. 173 irgend etwas Wesentliches übersehen haben, wie Vollmar meint. Wir haben dort selbst gesagt, daß jedenfalls eine Aeußerung der„T. R." den Anlaß �u dem Vollmarschen Telegramm gegeben habe. Daß Vollmar völlig sinnlos darauf lostelegraphieren würde, haben wir natürlich nicht angenommen. Wir möchten zur völligen Aufhellung der An- aelcgenheit die Worte der„T. R." hier mitteilen, die den Anlaß für das Telegramm gaben: „Die Marokko-Angelegenheit mit ihrer vorübergehend dringlich gewesenen Kriegsgefahr gibt dem Führer der bayerischen Sozial- demokraten Anlaß, den Heldentod für Kaiser und Reich, den der Soldat auf dem Felde der Ehre stirbt, mit dem Tod des— Schweines zu vergleichen, das unter dem Beil des Schlächters endet. Selbstverständlich preist er das Los des Schweines höher als das des VaterlandSkämpfcrs, weil das Schwein„sein Schicksal wenigstens nicht vorher kennt" usw. Als Genosse Vollmar von dieser doppelten Fälschung der „T. iH."— einmal und hauptsächlich war der Inhalt des Artikels gefälscht, sodann war Vollmar als Verfasser bezeichnet, obschon der Artikel ausdrücklich mit den Initialen des wirklichen Verfassers ge- zeichnet ivar— Kenntnis erhielt, entsandte er das Telegramm, in dem er die behauptete Verbindung mit einem derartigen Artikel als freie Erfindung bezeichnete. Die„Tägl. Rundsch." erklärte darauf, daß Vollmar„in einem an uns gerichteten Telegramm einen Zu- sammenhang zwischen seiner Person und dem bekannten Artikel der „Münch. Post" in Abrede stellte." Hieraus mußten wir entnehmen, daß Vollmar sich auch mit dem Inhalt des Artikels nicht ein- verstanden erklärt habe. Jetzt erfahren wir. daß dies nicht die Absicht Vollmars war. da er den Artikel der„Münch. Post" bei Ab- sendung des Telegramms überhaupt noch nicht gekannt hat. Wenn wir also gefragt haben, warrm sich Vollmar von dem Artikel ausdrücklich lossage, so hat sich diese Frage nun erledigt. Das war aber nicht das Wesentliche in unseren Benierkungen. Viel- mehr richteten unsere Bemerkungen sich gegen den unseres Erachtens durchaus unnötig eiligen Versuch, das gegnerische Blatt tele- graphisch aufzuklären, während diese Aufklärung durch Benutzung des eigenen Parteiblattes vollauf Möglich war. Wir haben auch keinen Anlaß, unsere Ansicht hierüber deswegen zu ändern, weil Vollmar, wie nun klar ist, nicht eine sachliche Lossagung von einem Artikel deS Parteiblattes an ein gegnerisches Blatt mitgeteilt, sondern lediglich es als Erfindung bezeichnet hat, daß er der Verfasser eines derartigen Artikels sei. Die Uebereile Vollmars ist sogar noch größer, als zuerst angenommen, werden konnte. Er kannte den Artikel selbst noch gar nicht, erbielt Zuschriften, die ihn auf die Behauptungen der „T. R." aufmerksam machten, und flugs sandte er das Berichtigungs- telegramm an die„T. R." Wir meinen, daß man in solchem Falle zunächst einmal den umstrittenen Artikel sich ansieht, und daß man dann im eigenen Parteiorgan das, was man für nötig hält, der Oeffentlichkeit übermittelt. Damit vermeidet man alle die Unznträg- lichkeiten, wie sie gerade der vorliegende Fall herbeigeführt hat. Genosse Rudolf K r a f f t- Starnberg teilt uns mit, daß er sich gern als Verfasser des Artikels bekenne. Er bemerkt weiter: „Auf die Schwindelmanöver, mit denen der Entrüstungs- rummel gegen den Artikel inszeniert wurde, brauche ich nicht näher einzugehen, da der„Vorwärts" die dabei angewandten Fälscher- kunstsiiicke in Nr. 173 und 174 entlarvt hat. Nachdem ich mich als Verfasser bekannt habe, möchte ich noch hinzufügen, daß es nichts Dümmeres geben kann, als mir, der ich seit zehn Jahren ununterbrochen für die Hebung der materiellen, rechtlichen und sozialen Lage deS Soldaten ein- trete, Beschimpfung der Soldatenehre vorzuwerfen. Wie haben sich denn die Blätter, die jetzt so heftig gegen meinen Artikel maulen, zu meinem Kampf um Soldatenehre und Soldaten- Wohlfahrt gestellt? Entweder schwiegen sie mich tot oder sie bewarfen mich mit Schmutz, weil ihnen mein Eintreten für die Soldaten und meine scharfe Kritik der Mißhandlungen, des Militär- Strafgesetzbuches, der Disziplinarstrafordnung ae. nicht patzten. Gar manchem, der in den jetzt für die Soldatenehre so sehr besorgten Zeitungen die Soldatenmißhandlungen, also die gemein st en und feig st en Attacken gegen die Soldatenehre, zu beschönigen suchte, habe ich derb auf die Finger geklopft. Auch ein Freund der„Tägl. Runds ch.", der General- leutnant v. Bog u Slawski, befindet sich darunter I" Zentrum und Sozialdemokratie. Unter der Ueberschrift„Am Wendepunkt" bringt heute das führende Organ der Zentrumspartei. der. B a y e r. K u r.", eine Art bon Programm für den zukünftigen Kampf des bayerischen Zentrums gegen die Sozialdemo- k r a t i e. Nach einleitenden Worten über den Wahlsieg des Zentrums heißt es u. a.: „So weist die heuttge Parteikonstellation im bayerischen Land- tage bereits deutlich auf die EntWickelung hin, die die politischen Verhältnisse in unserem Vaterlande nehmen werden. Auf der einen Seite eine große christlich-konservative Mehrheit, auf der anderen Seite die noch in der Minderheit befindliche, aber Wohl zu beachtende Sozialdemokratte, vorläufig noch unterstützt durch den linksstehenden Liberalismus(?). Bayern scheint das typische Land�werden zu sollen, in dem der längst vorausgesagte, von den Liberalen allerdings als Illusion verspottete gewaltige Entscheidungskampf der christlich- konservativen Welt- anschauung mit der Sozialdemokratie reale Form an- nehmen wird. Die prinzipielle Stellungnahme des Zenttums wird sich in diesem Kampfe nicht ändern. Das Pro- granim wird nach wie vor das gleiche bleiben, wie in religiöser. wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht auch die Taktik der Partei nicht wesentlich zu ändern sein wird. Mit dem Unterschied vielleicht, daß unser Bestreben noch mehr darauf gerichtet sein muß, alles, was konservativen und christlichen Geist atmet, an uns zu ziehen. Nur der Gegner wird ein anderer sein: an Stelle des Liberalismus wird der zwar wirtschaftlich ungeratene und unfolgsame, aber geistig mit seinem Vater doch eng verbündete Sohn treten. Der Kampf mit diesem wird kein leichter werden. Die Sozial- demokratie hat bisher mit ehrlicheren Waffen gekämpft, als der Liberalismus, wird es vielleicht auch in Zukunft tun. Aber ihr steht der große Fanatismus einer Klassenpartei zur Verfügung. Der Zentrumspartei sind darum die Wege klar vorgezeichnet: die Organisation muß noch weiter ausgebildet und bis auf das kleinste Dorf hinaus ausgedehnt werden. Nur gleich gut disziplinierte, gleich gut organisierte Massen werden den Kampf mit der Sozialdemokratie erfolgreich aufnehmen können. Darum auf zu neuer, stischer Arbeit!" Da das Zentrum in Bayern die ganze parlamentarische Macht in der Hand hat, so kann es gerade dort einmal beweisen, was es kann! Es mag zeigen, daß sein Christentum nicht schallendes Wort ist, sondern Wahrheit im Leben werden soll, daß kapitalistische Ausbeutung jeder Art unvereinbar ist mit der Devise, unter der das Zenttum kämpft. Die Sozialdemokratte ist allerdings eine Klassenpartei, nämlich die Partei der durch Kapitalsgewalt Ausgebeuteten und Bedrückten d. h. der übergroßen Zahl der Bevölkerung. Und wen�r das Zentrum diese Ausbeutung schützt und mehrt, so mutz es freilicb sehr eifrig disziplinieren und organisieren und sein Kampf— dafür wird die Aufklärungsarbeit der Sozial- demokratie sorgen— wird kein leichter sein!— Preußische Schneid in Württemberg. Während die Militärkommandos in Ostelbien den dortigen Groß grundbesitzern„Ernte-Urlauber" nach Bedarf als billige und willige Arbeitskräfte zur Verfügung stellen, glaubt der kürzlich von Preußen nach U l m versetzte Kommandeur der zweiten württem- bergischcn Division in Ulm in bezug auf die Ernte-Urlauber andere Seiten aufziehen zu sollen. In Württemberg, wo der Kleinbetrieb in der Landwirtschaft vorherrscht, wo vielfach der Sohn den Eltern bei der Ernte-Arbeit, die sie allein nicht leisten können, helfen muß, soll deren wirtschaftliche Existenz nicht schweren Schaden nehmen, sind die Ernte-Urlaube nicht nur berechtigt, sondern durchaus notwendig. Umso peinlicher überrascht eine in der Vor- woche erlassene Verfügung des neuen Ulmer Divisionskommandeur, General v. L i n s i n g e n, welche die Kompagniechefs beauftragt,«eine ganz wesentliche Beschränkung der Urlaubstage eintreten zu lassen", und insbesondere auch„die Ernte-Urlaube bei der zweijährigen Dienstzeit für nicht mehr angängig" erklärt. Ebenso lägen„Beurlaubungen von Reservisten. wenn auch nur für kürzeste Zeit, nicht in dienstlichem Interesse". Wie die„Ulm. Ztg.", der dieser Ukas auf den Tisch geflogen ist, weiter mitteilt, hat der schneidige General sich am letzten Sonnabend höchstselbst auf dem Ulmer Bahnhof eingefunden, die Zahl der aus- steigenden Reservisten konttolliert, sofort eine schriftliche Nachweisung über Zahl und Gründe der erteilten Urlaube verlangt und den Regimentskommandeuren einen Rüffel erteilt, weil nach seiner Meinung nur der zehnte Teil der Urlaube gerechtfertigt war. Am Schlüsse der dem versammelten Kriegsvolk erteilten Belehrung meinte die Exzellenz: „Sollte der Grund des Verfehlens gegen meinen Befehl darin liegen, daß die Hauptleute etwa bei Befolgung meines Befehls Furcht haben, in der Zeitung zu erscheinen oder gar im Landtag gebracht zu werden, so müßte ich sie wegen dieser Schwäche eines Besseren belehren; i ch mache mir jedenfalls nichts daraus." Im württembergischen Landtag hat der Kriegsminister wiederholt die ausgedehnte Erteilung von Ernte-Urlauben zugesichert. Der preußische General stellt sich durch seine übel angebrachte „Schneid" also in direkten Gegensatz zur württembergischen Regierung. Die preußischen Generale verstehen es, sich in Württem- berg populär zu machen! Wenn das Korn aus dem Felde, das Heu ans den Wiesen auch verfault, wenn auch im Geschäft der Reservisten alles außer Rand und Band geht, weil ihnen der ge- forderte Urlaub verwehrt wird und sie nicht nach dem Rechten sehen können— das geniert den Herrn General v. Linsingen wenig. Die „militärische Unterordnung" ist die Hauptsache. Mag darüber alles andere zugrunde gehen!— Klassenkampf im Steuerwrsen. Aus Hessen wird uns geschrieben: Der hessische Landtag hat jüngst eine Reform der Gemeinde st euer beschlossen, die sich im wesentlichen in der Richtung eines Regierungsentwurfes bewegt. Zwischen der staat- lichen und kommunalen Steuererhebung in Hessen besteht seit dem Jahre 189g ein Unterschied. Während bis zu diesem Jahre Staat und Gemeinde außer der Einkommensteuer noch Grund-, Gewerbe- und Kapitalsteuer erhoben, wurden für den Staat die drei letzteren Stcuerarten beseitigt und an ihre Stelle eine einheitliche Ver- mögcnssteuer eingeführt, so daß der Staat nur Einkommen- und Vermögenssteuer kennt, die Gemeinde hingegen auch ferner noch Grund- und Gewerbesteuer erhebt. Das neue Gemeindesteuer- Gesetz räumt mit diesem Dualismus in der Steuererhebung des Landes auch nicht auf, sondern läßt für die Gemeinden die Grund- und Gewerbesteuer neben der Einkommen- und Kapitalsteuer bestehen. Insofern bedeutet jedoch das neue Steuergcsetz einen Fortschritt, als Grund-, Gewerbe- und Kapitalrentenstcuer nicht mehr, wie bisher, nach einem vor vielen Jahrzehnten festgesetzten „Ertrag s"schcma berechnet werden, sondern fortan nach dem „gemeinen W e r t" des Grundbesitzes, nach der Höhe deS im Gewerbe arbeitenden Betriebskapitals und nach der Summe des sonstigen mobilen Vermögens bemessen wird. Der hessische Staat. der allen Besitz, ob in Boden, Gebäuden, Betriebskapital oder Wert- papieren bestehend in gleichem Maße zur Vermögenssteuer her- anzieht, will aber den Gemeinden die Möglichkeit offen lassen, die verschiedenen Vermögensarten verschieden scharf zu fassen. In Wirklichkeit ist also auch die neue Gemeindesteuer, weil sie den gemeinen Wert zugrunde legt, eine Vermögenssteuer. Während aber der hessische Staat eine Netto- Vermögenssteuer erhebt, in- dem er den Schuldenabzug gestattet, ist die neue Gewerbe-, Grund- und Kapitalsteuer der Gemeinden eine Brutto-Vcr- mögcnssteuer, weil ein Abzug der Schulden nicht g e st a t t e t wird. Der hessische Landwirt oder Gewerbetreibende, der beispielsweise 50 099 M. in seinem Anwesen oder Betriebe hat, von dem 40 000 M. einem anderen gehören, wird ebensohoch ver- steuert, wie sein Nachbar, der mit 50 000 M. eigenem Kapital wirtschaftet, also fünfmal so viel Vermögen besitzt als der elftere. Zudem erhebt die Gemeinde bon den Schulden doppelt Steuer. Da auch der Kapitalist, der seine Kapitalien ausleiht, für die aus- geliehenen Gelder Steuern bezahlen mutz, so hat die Gemeinde oftmals gleichsam ein Interesse daran, wenn die Gemeindemitglieder stark verschuldet wären, denn einmal würde sie Steuer erheben vom Vermögen und einmal von den Schulden. Unsere Genossen traten energisch für den Schuldenabzug ein, da bei einer Gesamtverschuldung des Vermögens in Hessen von nur 13— 14 Proz. des Nettovermögens im allgemeinen eine genügende Grundlage für die kommunale Besteuerung bilde. Bei einigen einzigartig gelagerten Fällen könne man Ausnahmebestimmungen treffen, um zu verhindern, daß durch„kaufmännische" Schiebungen die Gemeinde zu kurz käme. Wenn der Schuldenabzug nicht ge- stattet werde, so würde die große Masse der verschuldeten kleinen Bauern und Gewerbetreibenden schwer belastet werden. Aber Zentrum, Nationalliberale und Antisemiten, die berufenen Vertreter des Mittelstandes, stimmten für diese Belastung des Kleinhandwerkers und Bauernstandes! Bei diesen Parteien werden sich Handwerker, Kleinkaufleute und Bauern zu bedanken haben, wenn sie zugunsten der wirtschaftlich starken und unverschuldeten Besitzer schwerer mit Steuern belastet werden, als sie tragen können. Die Regierung versuchte mit statistischen Zahlen und prak- tischen Beispielen zu beweisen, daß in einzelnen Gemeinden, falls nur das Nettovermögen besteuert würde, eine so hohe Ein- kommen besteuerung eintreten müsse, daß davon am schwersten die ganz vermögenslosen Zensiten der untersten Steuerklassen ge- troffen würden. Demgegenüber verlangten die Sozialdemokraten, die Progression der Ein kommen st euer für große und größte Einkommen zu verschärfen, denn der Höchst- satz von 5 Proz. für die größten Einkommen sei viel zu niedrig; da ein Aufsteigen auf den doppelten Satz für Leute, die jährlich eine Million Mark und mehr Einnahmen haben, keineswegs zu viel wäre; außerdem müßte die kommunale Grundbesitz-, Betriebs- kapital- und reine Kapitalsteuer progressiv gestaltet werden. Eine Ab- gäbe von 1,50 M. pro 1000 M. Grundvermögen oder Betriebskapital ist für den kleinen Bauer oder Handwerker ein hoher Satz, für den Großgrundbesitzer, Großindustriellen oder großen Kaufherrn, der sein Vermögen nach Hunderttausenden und Millionen mißt, ist dieser Satz dagegen entschieden zu niedrig. Ein nach Besitzstufen steigender Satz ist eine Forderung ausgleichender Gerechtigkeit. Aber den Kapitalisten schärfer zur Steuer heranzuziehen wagt man in Hessen so wenig, wie in anderen deutschen Vaterländern, weil man fürchtet, derselbe würde dann trotz seines Patriotismus den Staub der Vaterstadt bon den Pantoffeln schütteln und nach steuerlich freieren Gefilden pilgern. Um eine Flucht der Rentner zu verhindern, wird das reine Kapitalvermögen nur mit der Hälfte zur Steuer herangezogen, während Grund- und Bc- triebskapital ganz versteuert wird. Im weiteren werden dem Rentner noch einige Vergünstigungen eingeräumt. Dem Zentrum ging diese Rentnerschonung noch nicht weit genug. Diese„Mittelstandsfrcunde" erklärten sich bereit, das Kapital- vermögen von der kommunalen Besteuerung freizuhalten, wenigstens aber den Kapitalrentnern den Schuldenabzug zu bewilligen, den die schwarzen Herren den Bauern und Gewerbetreibenden versagen zu müssen glaubten. Und alles dies, um den mobilen Rentner abzuhalten, nach Preußen zu entweichen. Einen Erfolg hatte das Zentrum zu verzeichnen, daß es mit 19 gegen 21 Stimmen eine Heranziehung der Konsum- genossenschaften mit„offenen Läden" zur Gewerbe- st e u e r durchsetzte. Da der Begriff„offener Laden" juristisch durch- aus nicht klar ist, so erklärte sich die Regierung bereit, im Wege der Verordnung festzustellen, welche Konsumvereine getroffen werden sollen. Den Ultramontanen war es nur darum zu tun. die blühenden st ä d t i s ch e n Konsumvereine, die sogenannten „sozialdemokratische n", zu treffen, während es ausdrücklich feststellte, daß ländliche Genossenschaften nicht besteuert werden sollten. Trotzdem nun den Konsumgenossenschaften durch das Ge- nossenschaftsgesetz nur gestattet ist, an Mitglieder zu verkaufen, sie also den Gewerbetreibenden gegenüber benachteiligt sind, trotzdem die Arbeiter der Konsumgenossenschaften nicht zur Gewerbe- gerichtswahl zugelassen werden, weil eine Konsumgenossenschaft kein Gewerbebetrieb sei, trotzdem sollen die Genossenschaften Gewerbe st euer bezahlen. Und warum? Weil sie den Mittel- ständlern ein Dorn im Auge sind. Eine recht begrüßenswerte Steuer bringt das neue Gemeinde- steuer-Gesctz, nämlich die Wcrtzuwachssteucr. Als erster Staat geht Hessen hiermit in Deutschland voran. Nur hat diese Steuer den Nachteil, daß sie nicht obligatorisch ist, sondern es den Ge- meinden überlassen bleibt, sie einzuführen. Auch ist nur eine Bc- steuerung des unverdienten Wertzuwachses bis zu 2 0 Prozent gestattet, während unsere Genossen 33 Prozent beantragt hatten. 20 Prozent ist natürlich viel zu gering, da es sich doch hier um einen Wertzuwachs des Baugeländes handelt, der nicht aus der Arbeit seines Besitzers herrührt, sondern der das Produkt der von der Gesamtheit geleisteten Kulturarbeit ist. Aus dem Gesetz heben wir folgendes hervor: Die Wertzuwachssteuer darf in allen Fällen des Besitzwechsels erhoben werden mit Ausnahme der un- mittelbar auf Erbfall beruhenden Eigentumsübergänge. Als Wert, den das Grundstück bei dem früheren Eigentumswechsel hatte, gilt der Preis, zu dem der Veräußerer oder sein Erblasser das Grundstück erworben hatte. Diese Wertfeststellung gilt jedoch nur für die Zukunft. Die vor Inkrafttreten der Steuer stattgehabten Besitzwechselfälle sollen nicht mehr zum Ausgangspunkt der Wert- zuwachsbestimmung gemacht werden. Statt dessen soll der bei dem Inkrafttreten der Steuer zu konstatierende Kaufwert des Grund- stückes eintreten, der durch die Veranlagungskommission zur Grund- steuer festzustellen ist. Die Steuer ist also nicht rückwirkend, was zu bedauern ist. Wenn es auch wegen der praktischen Feststellungs- schwierigkeiten nicht angängig erscheint, auf unbestimmte Zeit zurück- zugehen, so ließe sich doch mindestens für alle Ankäufe innerhalb der letzten 20 Jahre sehr wohl der seinerzeit erzielte Preis fest- stellen. Bei der Feststellung des zu versteuernden Wertzuwachses sollen auf den Antrag des Steuerpflichtigen folgende Abzüge gemacht werden dürfen: 1. Inzwischen gemachte Aufwendungen für die Be- bauung des Grundstückes, Umbauten, Herstellungen, Unterhaltung; 2. geleistete Beiträge zum Straßen- und Kanalbau; 3. bei un- bebauten Grundstücken pro Jahr 4 Prozent Zinsen des Ausgangs- wertes, wobei jedoch etwaige Einnahmen aus dem Grundstück ab- zuziehen sind; 4. Wertzuwachs, der aus etwa entdeckten Boden- schätzen: Erzen, Kohlen, Quellen stammt; 5. bei Grundstücken, die feinerzeit in der Zwangsversteigerung erworben wurden, der nach. weisliche Betrag einer ausgefallenen Forderung. Ein Wert- zuwachs von weniger als 10 Prozent des früheren Wertes bleibt steuerfrei. Für die Zahlung der Zuwachssteuer haftet der Ver- käufer, nur im Falle sie von diesem nicht eingetrieben werden kann, ist der Erwerber zahlungspflichtig. Der neue deutsch-bulgarische Handelsvertrag ist gestern hier durch die deutschen und bulgarischen Delegierten paragraphiert worden. Mit den anderen beiden größeren slawischen Balkanstaaten, Rumänien und Serbien, hat Deutschland bereits den Tarifvertrag erneuert, während es zur Türkei in einem MeistbcgünstigungsverhälwiS steht. Der neue Vertrag mit Bulgarien ist insofern von nicht zu unter- schätzender Bedeutung, als in den letzten Jahren sich der Handel des deutschen Zollgebiets mit Bulgarien mächtig gehoben hat. Bulgarien ist im Jahr 1904 an der deutschen Einfuhr mit 13,7 Millionen Mark, chn der deutschen Ausfuhr mit 11,6 Millionen Mark beteiligt ge- wefen.— Unter dem Verdacht der Spionage wurde in Osternothafen bei Swinemiinde durch die Militärbehörde der Angestellte einer Berliner photographischen Fabrik(Oesterreicher von Nationalität), welcher vom Leuchtturm aus photographische Aufnahmeil des FeftungsgeländeS machte, verhaftet und dem Amtsgericht in Swinemünde über« Wielen.— UcVer den Kameruner Zwischenfall Dringt die„Nordd. Mg. Ztg." folgende amtliche Erklärung: „Nach einer jetzt eingegangenen ersten amtlichen Mel- d u n g aus Kamerun über den Vorfall an der deutsch- französischen Grenze im Südosten des Schutzgebietes ist die deutsche Faktorei in Missum-Missum von Senegalesen widerrechtlich aufgehoben und beraubt worden. Der Chef des Grenzdistriktes, Hauptmann Scheunemann, der sich zurzeit in dem südlichen Teile seines Bezirkes aufhält, wurde bei dem Einmarsch in Missum-Missum beschossen. Bei der Ab- wehr wurden von seinen Leuten fünf Angreifer getötet und vier zu Gefangenen gemacht. Der Gouverneur von Kamerun hat nach Eintreffen der Nach- richt den Kommandeur der kaiserlichen Schutztruppe, Oberst Müller, zur Einlegung eines Protestes und zur Regelung der An- gelegenheit nach Gabun, dem Sitze des französischen Gouverneurs, entsandt. Gleichzeitig hat er sich mit dem Generalgouverneur des Congo franeais in Brazzaville in Verbindung gesetzt. Dieser schlug die baldige Entsendung einer Grenzkommission an Ort und Stelle bor. Der Gouverneur von Kamerun hat sich mit diesem Borschlage einverstanden erklärt, um weiteren Grenzstreitigkeiten vorzubeugen." Die französische offiziöse Darstellung stellte den Vorgang be- kanntlich ganz anders dar. Man wird also das Ergebnis der weiteren Untersuchung abwarten müssen.— Ueber das gewalttätige Vorgehen der Händler in Kamerun schreibt die„Köln. Ztg.": „Es sind in der letzten Zeit allerlei Gerüchte über örtliche Unruhen im Jem-Gebiet nach Deutschland gedrungen. Auch ging durch die Zeitungen der Brief des jungen Kaufmanns, eines An- gestellten der Firnia Wörmann, der auf seiner Faktorei im Jem- Gebiet von den Eingeborenen gefangen genommen, dann aber später nach schweren Mitzhandlungen von Eingeborenen zu einer Militärstation zurückgebracht wurde. Derartige beunruhigende Nachrichten über Angriffe der Eingeborenen gegen europäische oder auch farbige Händler pflegen meist ans dem Süden des Schutzgebietes zu kommen, und wir möchten annehmen, daß die solchen Nachrichten zugrunde liegenden tatsächlichen Vorgänge zurückzuführen sind auf den scharfen Wettbewerb, den sich im Süden die Kaufleute der Batanga-Küste untereinander oder gegen die Gesellschaft Südkamerun machen. Es handelt sich immer um Versuche, möglichst viel Kautschuk aus dem Lande herauszuholen, und um die Sucht, bei dem Vor- dringen in kautschukreiche, an sich noch gar nicht oder u n- genügend befriedete Gebiete sich gegenseitig den Rang abzulaufen. In diesem Kampfe aber lassen sich erfahrungsgemätz europäische und schwarze Händler grosie Uebergriffe gegen die Eingeborenen zuschulden kommen und, wenn die Verwaltung beim Ausbrechen von Unruhen unter den Eingeborenen und Angriffen auf Händler, Karawanen und Faktoreien, der Sache auf den Grund geht, ge- winnt sie sehr oft die Ueberzeugung, daß das Vorgehen der Eingeborenen als Vergeltung gegen die von der anderen Seite geschehenen Uebergriffe auf- zufassen ist. Auch in dem Falle des jungen Wörmannschen Faktoristen scheint die Sache deshalb so zu liegen, weil.die Eingeborenen diesen Neuling, der wohl kaum an Uebergriffen gegen sie beteiligt war, nicht ermordeten, sondern zu einer Station zurückbrachten. Ein besonderer Uebelstand bei dem Kautschukhandel in den weniger erforschten Gegenden Kameruns ist, daß die Händlerkarawanen nicht außerhalb, sondern innerhalb der Dörfer nächtigen. Die Eingeborenen werden dadurch in ihren Hütten gestört, und Uebergriffe gegen das Eigen- tum der Neger und gegen ihre Weiber sind gar nicht zu vermeide», weil der führende Europäer, auch wenn er Ausschreitungen der- hindern wollte, über seine in den Hütten umherliegenden Leute keine genügende Aufsicht führen kann. In Deutsch-Ostafrika hat man schon seit Jahren diesem Uebelstand durch scharfe Ver- ordnung über den Karawanenverkehr und durch Errichtung von Karawanenrasthäusern außerhalb der Dörfer abgeholfen. Auch der Vertreter der Verwaltung am Ngoko in Kamerun hat vor einiger Zeit beim Gouvernement beantragt, daß das Nächtigen in Dörfern verboten werden möchte." Hier wird also zugegeben, daß die bisherigen Unruhen in Kamerun durch die Gewalttätig ketten und Räubereien der Händler selbst provoziert worden find! Kommt es auch hier zu einem größeren Aufstand, so werden die deutschen Steuerzahler für die Unverschämtheit der Kolonialfreibeuter un« gezählte Millionen blechen müssen I Welch ein Segen der Kolonial- Politik I— Hueland. DaS norwegische Volk soll gchärt werden, das ist insofern entschieden, als das Storthing am Freitag einstimmig mit den im Spezialkomitee beschlossenen Aenderungen den RegierungS- Vorschlag angenommen hat, wonach am 13. August von mittags 1 Uhr ab jeder Wahlberechtigte in ganz Norwegen seine Stimme darüber abgeben soll, ob er mit der stattgefundenen Auflösung der Union einverstanden ist oder nicht. Daß das Volk aber auch über die zukünftige Staatsform gehört werde, das ist leider noch immer eine Forderung, über die nicht e»t- schieden ist. Egede Nissen machte in der geheimen Storthings- sitzung, die die Volksabstimmung beschlossen hat, den Vorschlag, daß das Volk zugleich über die zweite Frage: Wünschen Sie, daß Norwegens zukünftige Staatsverfassung eine demokratische Republik sein soll", abstimme. Unser Parteigenosse E r i k s e n erklärte hierzu:„Als Mitglied des SpezialkomiteeS habe ich die von Egede Nissen berührte Frage an- geregt. Ich habe inzwischen gefunden, daß es augenblicklich nicht das Richtigste wäre, darauf einzugehen. Aber ich bin in dem Grundgedanken mit Nissens Antrag einverstanden, daß wenn eine bindende Entscheidung über die zukünftige Staatsform des Reiches getroffen wird, dem Volke Gelegenheit gegeben werden soll, seine Meinung kundzugeben. Und ich meine, daß ich durch mein Verhalten im Komitee mir das Recht ge- sichert habe> solche Anträge zu stellen, wenn der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. Diese meine Begründung dafür, daß ich gegen Nissens Antrag stimme, wird auch von den übrigen Mitgliedern der sozialdemokratischen StorthingSgruppe anerkannt." Egede Nissens Vorschlag wurde dann mit allen gegen die Stimme des Antragstellers abgelehnt. Im Spezialkomitee hatte E r i k s e n erklärt, daß er bei der außergewöhnlichen politischen Stellung, in die das Land durch die Ereignisse der letzten Zeit gekommen ist, eine Neutvahl des Storthings für notwendig erachte. Indem die konstitutionelle Königsmacht außer Tätigkeit getreten sei, sei die Macht wieder dem Volke zugefallen, und darum müsse dem Volke Gelegenheit gegeben werden, seinen Willen auszusprechen. Da jedoch der Gedanke, jetzt das Storthing neu zu wählen, keinerlei Zu- stimmung bei den übrigen Komitcemitgliedern gefunden habe, wolle er einen solchen Antrag nicht stellen, sondern sich dem Antrage auf Volksabstiimnung über die Unionsauflösung anschließen. Er könne das aber nur unter der ausdrücklichen Voraus- setzung, daß, soweit das dem König Oskar gemachte Angebot ab- gelehnt werde oder fortfalle, nicht versucht werde irgend we-'lche bindende Ab m ach ui:g über Norwegens zu- künftige StaatSform zu treffen, ohne daß die Wnhler in der einen oder anderen Weife Gelegen- h.?it erhalten, sich darüber zu äußern.— Diesen 1 Einwendungen Eriksens schloffen sich drei Komiteemitglieder in der Weise an, daß sie die Entscheidung über die Staatsform von Neu- wählen abhängig gemacht wissen wollten, sokern nicht Rücksichten auf die Sicherheit des Staates eine so schnelle Entscheidung notwendig machen würden, daß ein Appell an die Wähler unmöglich werde. Zu Eriksens Haltung gegenüber dem Antrage NissenS bemerkt „Social-Demokraten" unter anderem: Mit der alten Erfahrung über die Treulosigkeit der Bürgerparteien gegen das Recht der Demokratie hierzulande sind Egede Nissens Bedenken durchaus begründet. Wir wollen jedoch glauben, daß Eriksen in dem engen Kreis des SpezialkomiteeS bei der Konferenz mit dem Regierungschef hinreichenden Grund für sein Vertrauen darauf, daß das Volk über sein eigen Schicksal entscheiden soll, gefunden hat. Und das umsoknehr, als er im Spezialkomitee direkt den Beifall der Herren Kastberg, Hougen und Bryggesaa(die oben erwähnten drei) gefunden hat. Des weiteren auch deswegen, weil die Regierung und das Storthing durch ihr Schweigen in der Storthingssitzung von gestern abend indirekt Eriksens Voraussetzungen billigten. Dieses Schweigen war auch insofern für Dr. Eriksen sprechend, als es auch die frühere Konferenz des SpezialkomiteeS und der Rc- gierung zum Hintergrunde hatte. Im übrigen ergibt sich diese Auffassung daraus, daß Eriksen seine unbedingte Ueberein- stimmung mit dem Grundgedanken in Egede Nissens Antrag aussprach. Die Stellung muß nun also die sein, daß das Volk, und nur das Volk, entscheiden soll, ob das kommende Norwegen Republik oder Königreich sein soll.— , Oesterreich-Ungarn. Die Arbeiter nnd die ungarische Krise. Die ungarischen Genossen scheinen jetzt mit aller Energie in den Kampf der ungarischen Opposition gegen die Krone eingreifen zu wollen. Sie beginnen eine Bewegung ins Leben zu rufen, durch die dem ungarischen Volke, das jetzt vom politischen Leben infolge des traurigen ungarischen Wahlrechts so gut wie ausgeschlossen ist, die fundamentalsten politischen Rechte erkämpft werden sollen. Wie wir mitteilten, erklärte ja dieser Tage ein Minister, daß ihm die Forderung des all- gemeinen Wahlrechts durchaus berechtigt und schließlich das einzige Mittel zu sein scheine, um dem Konflikt ein Ende zu machen. Diese Auffassung bezeichnete der Minister allerdings nur als seine individuelle, sozusagen private Ueber- zeugung. Andererseits ist es aber fraglich, ob die Rechte der Arbeiter in Kossuth und seinen Leuten ehrlichere und energischere Freunde finden werden. Angesichts dieser Situation ist es für die ungarischen Genoffen jedenfalls das richtigste, ihre Forderungen selbst mit allem Nachdruck zur Geltung zu bringen und das Volk zur Erkämpfung des allge- meinen Wahlrechts aufzurufen. Ein Anfang dazu ist gestern in Budapest gemacht worden. Das„B. T." meldet: Zehntausend sozialdemokratische Arbeiter hielten eine Volks- V e r s a m m l u n g ab, die zugunsten des allgemeinen Wahlrechts demonstrierte. Die Koalition wurde scharf an- gegriffen, und die Versammlung beschloß, sie aufzufordern, die Armeeforderungen, deren Erfüllung jetzt aussichtslos sei, fallen zu lassen und die Durchführung des allgemeinen Wahl- rechts zu bewerk st elligen, da sonst die Arbeiter- schaft die Koalition bekämpfen werde.— Italien. Die Eiscnbahnvorlage. Rom, 30. Juli. Die Deputiertenkammer setzte die erste Beratung der Vorlage fort betreffend die Zahlungen des Staates an die Eisenbahngesellschaften, deren Betriebe verstaatlicht sind. Schatzminister Larcano und Ministerpräsident Fortis verteidigten in beifällig aufgenommenen Reden die Vorlage. Fortis hob hervor, daß die mehrtägige Beratung die Angelegenheit sehr geklärt habe und daß die umstrittenen Betrüge verhältnismäßig gering seien. Die Regierung verlange ein Vertrauensvotum, sei aber enisprechend dem Vorschlage ihrer Freunde auf verschiedenen Seiten des Hauses zu einer versöhnlichen Haltung bereit. Gianturco beantragte hierauf folgende Tagesordnung: Die Kammer spricht dem Ministerium ihr Vertrauen aus und ersucht dasselbe, die Frage der Zahlungen an die Mittelmeer-, Ad ria tische und Sizilianische Eisen bahn gesell schaft nochmals in Erwägung zu ziehen, dabei die in der Debatte vorgebrachten Gesichtspunkte zu berücksichtigen und für die Zahlung der nicht umstrittenen Beträge zu sorgen. Fortis erklärte sich mit dieser Tagesordnung einverstanden. Der erste, das Ver- trauensvotum enthaltende Teil wurde in namentlicher Abstimmung mit 268 gegen 112 Stimmen angenommen, der zweite in einfacher Abstimmung durch Erheben von den Sitzen. Sodann vertagte sich die Kammer auf unbestimmte Zeit. Rom, 31. Juli. sPrivatdepesche des„Vorwärts".) Der „ A v a n t i" veröffentlicht heute über den Ausgang der Parlaments- Verhandlungen über die Eiscnbahnvorlage einen Leitartikel mit der Ucberschrift„Die Flucht des Ministeriums". Er begrüßt den Rückzug der Regierung als Sieg der sozialdemokratischen Partei, deren Obstruktion unbezwinglich gewesen sei, weil sie von der gesamten öffentlichen Meinung unterstützt worden sei. Der „Avanti" halt das Ministerium für erschüttert. Ein heftiger Angriff der„Tribuna" gegen das Kabinett wird sehr kommentiert.— Lebhafter Zwischenfall in der italienischen Kammer. Rom, den 29. Juli. sEig. Wer.) Am Ende der gestrigen Sitzung kam es im Parlament zu einer heftigen Szene. Der kouservativ-klerikale Ab- geordnete S a ntini beantragte, heute, am Todestage Humberts I., einen Kranz an der Gruft niederzulegen, als Ehrfurchtsbezeugung „der ganzen Kammer"; bei dielen Worten fiel ihm Genosse Montemartini in die Rede:„der ganzen Kammer nicht". Es entsteht darauf ein großer Lärm! die bürgerlichen Abgeordneten protestieren gegen die äußerste Linke, auf deren Bänken die Sozia- listen und die Republikaner sich erheben und mit ihrem:„Nein, nicht der ganzen Kammer I" den Protest übertönen. Als der Präsident Maccora, der sich mit Mühe Gehör schafft, auch von einer„einmütigen Trauerkundgebnng" spricht, wird die Unruhe größer. Die Konservativen und Liberalen rufen:„ES lebe der König I" die Sozialisten und Republikaner antloorten:„Es lebe die Republik I" Unter dem furchtbarsten Lärm wird endlich um 8 Uhr 20 Min. die Sitzung aufgehoben.— Einen Einblick ins Schlaraffenleben des offiziellen Italiens ge- währt uns der„Avanti", indem er mitteilt, daß vom 1. bis 28. Juki vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten 40 135 Gratis- billetts für die Fahrt auf den staatlichen Eisenbahnen gewährt worden sind. Auf die Art reisen die wohlhabenden Leute, die Ver- bindunaen haben, umsonst und das arme Pack zahlt die unerhört hohen Tarife. Und dann loundert man sich, wenn die Jahres- abschlüsse ergeben, daß„eine Herabsetzung der Tarife noch nicht durchführbar" ist. Wenn alle Reisenden bezahlten, ginge es Der Achtstundentag in englische» RegienmgSwerkstättcn. London, 29. Juli. jEig. Ber.) Wie die„Labonr Gazette" bc- richtet, hatten 43 000 Arbeiter in Staatswerkstätten im Jahre 1904 den Achtstundentag. Die Verkürzung der Arbeitszeit hat weder die Kosten erhöht noch die Produktion vermindert. Ebenso ist die Lohn« höhe der Arbeiter, die gleiche geblieben.— Sir Antony Mac Donncll. London, 28. Juli.(Eig. Ber.) Wir berichteten neulich, daß de» irische Untersekretär Mac Donnell von seinem Amte zurückgetreten ist. Wie die„Preß Association" heute aus Dublin telegraphiert, ist Mac Donnell entschlossen, im Amte zu verbleiben.— Serbien. Die neue Skupschtina. Belgrad, 31. Juli. Nach den gestrigen Nachwahlen wird die Skupschtina aus 80 Selbständig-Radikalen, 55 Gemäßigt-Ravikalen, 14 Nationalisten, 3 Liberalen, 4 Fortschrittlern, 2 Sozialisten und 1 Bauernparteiler bestehen.— Asien. Zur Entwickclung des Kapitalismus in Japan. Wie daS Organ der japanischen Sozialisten„Chokugen"(er- scheint im 2. Jahrgang jeden Sonntag in Tokio) mitteilt, werden die großen Spinnereien Miye, Ctoati und Nagoga binnen kurzem eine Betriebsgesellschaft bilden; die erste Firma übernimmt die beiden anderen. Ebenso vereinigen sich zwei Firmen für elektrisches Licht nnd drei Brauereien. Die letzteren werden als eine Gesellschaft mit einem Kapital von 5 000 000 Jen ihre Geschäfte machen.— Auch das Eisenbahnwesen entwickelt sich mit rapider Schnelligkeit. Im letzten Jahre waren in Japan 4495 Meilen(englisch) unter Betrieb und 1290 Meilen waren im Bau begriffen. Von diesen 5705 Meilen waren 3608 Privatbahnen und der Nest Regierungs- bahnen.—_ Auf den Philippinen wird ein Telegraphen- und Telephon- verkehr eingerichtet. Die Regierungskommission hat mit einer Firma in San Francisco die Kontrakte für sofortige Ausführung dieser Neuerung abgeschlossen.— Die russische Revolution. Kriegsgericht. Odessa, 30. Juli. Das Kriegsgericht, welches über die auf- ständischen Matrosen des„Georg Pobjedonoszew" aburteilen wird, tritt Montag, den 7. August, in Sewastopol zusammen. Die Gefangenen befinden sich auf dem Schiffe„Pruth". Und immer wieder— Kommissionen! Petersburg, 30. Juli.(„Laffan"-Meldung.) Der Zar ernannte eine Kommission zur Untersuchung der Ursachen der Demoralisation unter den Seestreitkräften in der Ostsee und im Schwarzen Meere. Admiral B i r i l e w, der neue Marineminister, wird den Vorsitz in der Kommission führen, die in Kronstadt, Libau und Sewastopol Erhebungen anstellen wird. Die Kommission wird sich u. a. beschäftigen mit der Frage der Disziplin im Offizierkorps und den Lebensverhältnissen der Mannschaft. Hochmut und Dementiereifer. Petersburg, 30. Juli.(Meldung der„Petersburger Telegraphen- Agentur".) Auf ein Telegramm, in welchem die Geistlichkeit eines Bezirks des Orenburger Kreises im Namen der 33000 Köpfe zählenden Bevölkerung den Kaiser gebeten hatte, keinen schimpf- lichen Frieden zu schließen, machte der Kaiser den Vermerk: Das russische Volk kann sich auf mich verlassen; niemals werde ich einen schimpflichen oder des großen Rußlands unwürdigen Frieden schließen. Zum Stadthauptmann von Moskau ist der bisherige Gehülfe des Stabschefs des Gcnoanneriekorps Generalmajor von Medem ernannt worden. Petersburg, 30. Juli. Die„Petersburger Telegraphenagentur" meldet: In der vergangenen Woche brachten ausländische Blätter eine Reihe von Meldungen über Unordnungen und Insubordination in der russischen Armee. Es wurde sogar gemeldet, daß ganze Truppenteile desertiert wären. Zur Kategorie dieser Meldungen gehört auch das einem Wiener Blatt aus Petersburg zugegangene Gerücht von einem blutigen Zusammenstoß zwischen dem litauischen Leibgarde-Regiment und Kosaken in Warschau. Wir können ver- sichern, daß diese Sensationsmeldungen aus der Luft gegriffen sind. Unruhen. Warschau, 31. Juli. Gestern nachmittag hatten sich Sozialisten in dem Walde bei Royominsk versammelt. Die Ortspolizei unter- richtete die Behörde, welche sofort eine Schwadron Dragoner ent- sandte. Dort eingetroffen, griffen die Dragoner die Sozialisten mit blanker Waffe an. Dabei wurden vier Arbeiter getötet und zwei schwer verletzt. In L o d z verbot der Truppenoberkommandant Schuttleworth das weitere Erscheinen der Zeitung„Goniec" auf unbestimmte Zeit. Die Metallfabrik in Zawierce wurde geschlossen. » Aus Riga meldet die„Königsberger Hartungsche Zeitung": Baron Bistram auf Nescheneeken wurde gestern von auf- rührerischen Bauern erschossen. Die Aufrührer plünderten die Güter. Aus Grobin sind Dragoner abgesandt worden. Der Krieg in Ostasien. Neuer japanischer Sieg auf Sachalin. Tokio, 30. Juli. Amtliche Meldung. Die Sachalinarmee be- richtet: Die selbständigen Ltavallcriestreitkräfte, die am Nachmittag des 27. Juli in Luikow einrückten, zogen sich infolge schwerer Un- ruhen, welche in der Stadt herrschten, in der darauffolgenden Nacht wieder zurück. Der linke Flügel der Armee begann am 23. Juli um 3 Uhr früh gegen Luikow vorzugehen, um es in seine Gewalt zu bringen. Die Vorhut und die Kavallerie zogen, nachdem sie den Feind auf der Nordseite von Luikow angegriffen hatten, in die Stadt ein, wo es zu Straßenkämpfen kam. Um 8 Uhr vormittags war Luikow vollständig eingenommen. Der rechte Flügel der japanischen Sachalinarmee hielt sich nach Besiegung der russischen Streitkräfte bei WedernikowSki hart auf den Fersen des Feindes, dessen Hauptmacht seit der Nacht zum 28. Juli in Unordnung nach Süden floh. Die zur Verfolgung abgesandten japanischen Truppen stießen am 28. Juli 8 Kilometer südlich von Luikow auf russische Infanterie in einer Stärke von 800 Mann, von denen 20» getötet und schließlich 590 Mann gefangen genommen wurden. Der Feind, der unserem rechten Flügel seit dem 27. Juli gegenüberstand, be- stand aus 3000 Mann Infanterie und acht Geschützen, während die feindlichen Truppen, welche dem japanischen linken Flügel gegen- überstanden, aus 2000 Mann Infanterie und vier Kanonen bc- standen. Scharmützel in ber Mandschurei. Petersburg, 31. Juli.(Meldung der„Petersburger Tele- graphen-Agentur".) General Linewitsch meldet unter dem 29. Juli: Die Armee hält die Gegend von Heilungtschöng besetzt. Am 24. Juli hatte eine Armeeabteilung, die auf das Dcfilee von Vangooulin vorgegangen war, als sie sich Ehrdagou in östlicher Richtung näherte, ein Gefecht mit Chunchuscn. Unsere Abteilung besetzte daS Dorf nach einem Feuergefecht. Am 26. Juli rückte das Dctachement weiter vor, wobei es sich beständig im Feucrgefecht mit den auf das Dorf Malougoou sich zurückziehenden japanischen Vorposten befand. Die westlich des Dorfes gelegenen Hügel waren vom Gegner besetzt. Nach Beschießung der in mehreren Reihen an- gelegten japanischen Schützengräben gingen unsere Truppen zum Angriff über und erstürmten gegen 6 Uhr abends die japanische Stellung. Die Japaner zogen sich unter beträchtlichen Verlusten zurück. Das Dctachement trat nach Erfüllung seiner Aufgabe den Rückmarsch au. ' FaMH politisches Programm->." . �5? y'**'®0*. �uli.(„Laffan"-Meldung.> Der japanische Viinisterpräsident Graf Katsura äußerte sich in einer Unterredung mit einem Vertreter von„Colliers Magazine" fol- gendermaßen:„Japans Streben richtet sich ausschließlich cmf die Erhaltung seiner nationalen Unabhängigkeit. ES hegt keinen Wunsch nach territorialer Vergrößerung oder einer diktatorischen Oberherrschaft. Rußland muß indes politisch wie auch auf anderem Gebiete die Kosten des Krieges tragen Unsere Politik in Ostasien ist mit der Englands und Amerikas identisch. Wir wollen zu unserem eigenen Besten und zum Besten der Welt mit allen Nationen zusammenwirken, um China und Korea die Segnungen der modernen Ent Wickelung aufzuzwingen. China und Korea sind in den Händen einer korrupten unwissenden Beamtenschaft, die wir so schnell wie möglich durch Erziehung bessern werden, wenn es geht durch Ueberredung, wenn es nötig ist. durch Zwang. Japan hat schließlich der Welt noch mitzuteilen, daß es bereit ist und immer bereit sein wird, mit jeder Nation zu kämpfen die versucht, die Linie zu überschreiten, welche wir als die Grenze unserer nationalen Sicher- hejt betrachte n.",_„, GewcrkfcbaftUcbeö. Berlin und Gmgegend- Lohnbewegung der Rollkutscher und SpcditlonSarbeiter. Die Rollkutscher, Begleiter, Bodenarbciter und Stallcute der Berliner Speditionsbetriebe beschlossen am Sonntag einmütig den Eintritt m eine allgemeine Lohnbewegung. Bisher waren die Löhne dieser Arbeiter sehr verschiedenartig und blieben in der letzten Zeit schon bedeutend hinter den Löhnen der Bau- und Arbeitskutscher, vor allem aber der Müll- uno Mehlkutscher zurück. Während es den letzteren nach und nach gelungen war, ihren Lohn auf 28, 28, 30 bis 36 und 37 Mk. pro Woche zu erhöhen, mußten sich die Roll- kutscher usw. immer nur mit einem Wochenlohn von IS bis 24, im günstigsten Falle Lö Mk. begnügen. Dabei ist die Arbeitszeit so gut wie gar nicht geregelt; sie beträgt 12 bis 16 Stunden, ist also fast unbegrenzt. Als ganz besonders verbesserungsbedürftig sind die Löhne der bei der Berliner Paketfahrtgesellschaft s Starke u. Co) be° schäftigten Kutscher, Schaffner und Bodenarbeiter zu bezeichnen. Bei dieser Firma erhalten Rollkutscher einen Anfangslohn von 80 Mk. pro Monat, welcher sich nach etwa Sjähriger Tätigkeit auf 95. Mk. erhöht. Also nach Sjähriger Tätigkeit 22 50 Mk. pro Woche bei täglich 16stündiger Arbeitszeit. Die Paketkutscher erhalten einen Anfangslohn von 75 Mk. und die Schaffner einen solchen von 65 bis 70 Mk. pro Monat. Die letzteren haben bei diesem erbärmlichen Lohn noch 400 Mk. Kaution zu stellen, womit sie der Firma für etwa abhanden gekommene Sachen hasten. Unter diesen Umständen sahen sich die Spcditionskutscher usw. jetzt veranlaßt, auf eine Verbesserung ihrer Lohn, und Arbeits- Verhältnisse zu dringen, zumal die Organisation unter ihnen seit der letzten Lohnbewegung im Jahre 1900 ganz erhebliche Fortschritte gemacht hat. Gegenwärtig gehören mindestens 75 Proz. von ihnen dem Handels- und Transportarbeiter-Verband an. Vor einigen Wochen wurde bereits eine Lohnkommission gc- wählt, welche die den Unternehmern zu unterbreitenden Forderungen ausarbeitete. Am Sonntag wurden die aufgestellten Forderungen von einer im Gewerkschaftshause abgehaltenen, ungewöhnlich stark be- suchten Versammlung nach einem Referat des Bevollmächtigten Werner einmütig genehmigt. Sie lauten in ihren Hauptpunkten: Der Anfangslohn beträgt für alle Kategorien 30 Mk. und nach halb- jährcger Beschäftigung 33 Mk. pro Woche. Die Arbeitszeit ist eine -lOstündige exkl. Pausen und währt für Kutscher und Begleiter von >7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends mit dreistündigen Pausen, für WodenarbeNer von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends m,t zweistün- digen Pausen und für die Stalleute von 6 Uhr morgqns bis S Uhr abends mit fünfstündiger Gesamtpause. Die Lohnzahlung soll Freitags erfolgen; zudem soll die Woche nicht mehr wie bisher zu 7, sondern, wie in anderen ArbeitSzweigen üblich, nur zu 6 Arbeits- tagen gerechnet Werden. Das Pferdeputzen darf des Sonntags nicht über 2 Stunden dauern, auch sollen die Kutscher keine Stallwachen mehr machen. Für Bodenarbeiter wird für Sonntags- und lieber- stundenarbeit 60 Pf. pro Stunde gefordert. Außerdem wird ver- langt die Bezahlung in allen den Fällen, die in tj 616 des Bürger- lichen Gesetzbuchs vorgesehen sind, und zwar bei einer Beschäfti- gungsdauer von Vi Jahr gleich 1 Woche, von 1 Fahr gleich 2 Wochen und von über 1 Jahr gleich 4 Wochen. Auch auf eine bessere Be- Handlung soll Gewicht gelegt werden. Ferner wird«in jährlicher Erholungsurlaub gefordert für Leute mit mindestens 1— 3jähriger BeichäftigungSdauer von 1 Woche und über 3 Jahren von 10 Tagen. Differenzen sollen der Erledigung durch eine paritätische Schlich- tungSkommission unterliegen. Den Spediteuren wird dringend nahe- gelegt, darauf zu achten, daß die Kundschaft ihre Güter stets vor 7 Uhr abends zur Abholung bereit zu halten hat. Vorstehende Forderungen wünschen die Arbeiter in einen, Tarif von zlveijähriger Vertragsdauer festgelegt zu sehen. Beschlossen wurde, die Forderungen den Arbeitgebern 7Spedi- teurverein und den diesem nicht angehörigen Einzelspediteuren) sofort zuzustellen und bis spätestens zum 15. August Antwort zu erbitten. Sollten die Arbeitgeber eine Bewilligung rcsp. VerHand- lung ablehnen, so wird eine spätere Versammlung über weitere Maßnahmen Beschluß fassen. Für alle Fälle sind sämtliche Vor- arbeiten zu einem ernsten Lohnkampf auf das sorgfältigste getroffen worden. Der Streik der Lcitergerüstbauer bei der Firma Gutsche- Friedenau dauert unverändert fort. Eine Einigung ist infolge des schroff ablehnenden Verhaltens der Firma noch nicht erfolgt. Leider hat sich eine Kolonne der Firma Altmann-Charlottenburg bereit erklärt, für die Firma Gutsche Streikarbeit zu verrichten. Samtliche Leitcrgerüstbauer werden deshalb nochmals dringend auf den Streik aufmerksam gemacht und gleichzeitig aufgefordert, unter allen Um- ständen ihnen angebotene Streikarbeit zu verweigern. Veutlcdes Reick). Zur Bewegung der Färberei-Arbeiter. Am Freitag fanden auf Ersuchen der Färbereibesitzer von Glauchau und Meerane in Glauchau Verhandlungen statt. Diese führten jedoch zu keinem Resultat. Die Färberkonvention, so nennt sich der sächsisch- thüringische Färberring, machte den Ausständigen so geringe Zu- gestänimisse, daß letztere darauf nicht eingehen konnten. Täglich 40 Pf. mehr wollen sie bloß zahlen. Das macht also eine Ver- mehrung des Jahreseinkommens dieser Arbeiter von, man höre und staune, 31,20 M. Die Arbeiter bezeichneten dieses„Zugeständnis" als Hohn auf ihre Forderung. Am Sonnabend stich 10 Uhr fand, wie schon telegraphisch gemeldet, in Meerane eine Versammlung der Ausständigen statt, welche entscheiden sollte, ob der Streit beendet oder fortgesetzt werden sollte. Nachdem die Mitglieder der Kmn- Mission über die Verhandlung Bericht erstattet hatten, wurde folgende Resolution mit 460 gegen 9 Stimmen angenommen: „Die heutige Versammlung der Färberei- und Appretur- arbeiter und-Arbeiterinnen beschlieht, sich mit den gemachten Vor- schlügen nicht einverstanden zu erklären. Die Versammlung beschließt, nochmals die Unternehmer zu ersuchen, mit der Lohn. kommission und den Vertretern des TextLarbeiter-Verbandes in Verhandlung zu treten." Die Fortsetzung des Streiks ist somit beschlossen. Nachdem dieser Beschluß erfolgt war, nahm der Stadtrat Dr. Lange aus Meerane das Wort, um den Arbeitern die Folgen dieses Beschlusses klar zu machen. Er hatte dabei doppeltes Malheur. Er erklärte, er habe den Forderungen der Arbeiter von Anfang an sympathisch gegen- übergestanden und habe sich gefreut, daß es den Arbeitern der Garn- särbcreien möglich war, auf dem Wege friedlicher Verhandlungen zu einem Vergleich zu kommen. Auch jetzt habe er mit Einsetzung seines Amtes auf die Arbeitgeber einzuwirken versucht.„Ich habe aber,"- führte er wörtlich ckuS,„die Einsicht geivonnen, daß der Tarif, so wie er jetzt ist, für sie nicht annehmbar ist."(Stürmisches, lang. anhaltendes Bravo und Händeklatschen.) Die Arbeiter hatten den Herrn falsch verstanden. Sie meinten, in ihm einen Vertreter ihrer Forderungen gefunden zu haben. Der Herr Stadtrat„ver- besserte" jedoch sehr bald diese gute Meinung, indem er erklärte: „Sie haben mich falsch verstanden. Ihr Tarif ist für d i e A r b e i t- geber unannehmbar. Ihre Forderungen sind unerfüllbar!" Ter Stadtrat hielt anschließend an diese Behauptungen den Arbeitern die Schrecken der auf alle Fälle eintretenden allgemeinen Aussperrung vor Augen und versuchte, alle Folgen auf die Ausständigen abzuwälzen. Die Versammlung schenkte ihm zwar geduldig Gehör, hielt aber die gefaßten Beschlüsse aufrecht. Sollte es die Arbeitgeber-Organisation wegen der äußerst ge- ringen Forderungen der Färberei-Arbeiter w i r k l i ch zu einer Aus- sperrung kommen lassen, dann muß die gesamte Arbeiterschaft Deutsch, lands geschlossen hinter den Ausgesperrten stehen. Die Textilbarone sind eine mächtige Gruppe der Kapitalsherrschaft. Gelingt es der deutschen Arbeiterklasse, diese vom Kapital inszenierte Machtprobe abzuschlagen, dann werden sich die deutschen Textilprotzen hüten, der- gleichen wieder zu wagen. Ein Telegramm meldet noch: Gera, 31. Juli. In den Orten, die zum sächsisch-thüringischen Färbereibesitzer gehören, wurden heute wegen der bekannten Lohn- streitigkeitcn etioa 12 000 Arbeiter ausgesperrt. Ter sächsisch- thüringische Färbereiverband wird seine Arbeiter nicht aussperren, sondern ihnen für kommenden Freitag kündigen. Es werden alsdann 30 OOO Mann brotlos sein. Achtung, Klavierarveiter und Tischler! Der Streik in der Pianinofabrik von Brettschneider in Leipzig dauert unverändert fort. Bekanntlich legten die dort Beschäftigten sämtlich die Arbeit nieder, weil die Akkordpreise der Umbaumacher um 54 Prozent re- d u z i e r t werden sollten. Von den Streikenden, die fast alle Familienväter sind, waren viele über 10, ja 20 und sogar 30 Jahre in dem Betriebe beschäftigt gewesen. Nun versucht die Firma Brett- schneider durch Inserate iu den bürgerlichen Blättern verschiedener Orte Arbeitslvillige heranzulocken. Wir bitten die Kollegen allerorts, ein wachsames Auge auf solche Machinationen zn richten, damit jeder Zuzug von der Firma Brettschneider in Leipzig ferngehalten wird. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck g e- beten! Zum Streik der Hamburger Bauschlosscr. Der Streik, der nun- mehr schon zehn Wochen andauert, nimmt einen für die Ausständigen günstigen Verlauf. Noch vor kurzem beschloß die Versammlung der Jnnungsmeistcr, weder auf die Verkürzung der Arbeitszeit auf neun Stunden(bisher zehn Stunden) noch auf die geforderten Lohnsätze einzugehen. In der vorigen Woche traten die größeren Finnen- inhaber an die Lohnkommission heran und schlössen mit dieser eine Vereinbarung, wonach der Nennst nndentag ab 1. April 1906 und die Lohnerhöhung sofort in Kraft tritt. Fallengelassen wurde die Verkürzung der Arbeitszeit an Sonnabenden auf Slh Stunden. Die hierdurch isolierten Jnnungsmeistcr haben sich in- zwischen zu einer besseren Einsicht betehrt; in einer gestern statt- gehabten Versammlung der Innungen wurde den mit obengenannten Arbeitgebern getroffenen Abmachungen: mit großer Mehrheit zu- gestimmt._ Maurcrstreik an der Saalvnrg. Ein Privattelegram in meldet uns: Homburg v. d. Höhe, 31. Juli. An den kaiserlichen Bauten zur Wiederherstellung der Saalburg bei Hombug v. d. Höhe haben die Maurer wegen Lohndifferenzcn die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten._ statt- Zentral- Die VauarbeitcrauSsperrnug im giuhrgebiet. Essen, 30. Juli.(Eig. Ber.) In einer gestern abend gefundeuen außerordentliche» Generalversammlung des I Verbandes der Maurer wurde Bericht über den Stand der Aus- perruug im Lohngcbiete Essen-Rüttenscheid gegeben. AtiS diesem Bericht ging hervor, daß die Zehner-Kommission der Arbeiter nicht das Recht habe, bindende Beschlüsse mit den Unternehmern zn sasscn. Alles, was von der Einigungskommission verhandelt werde, müsse den einzelnen Organisationen zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Von Unternehmerseite sei der Vorschlag gemacht worden, am Oktober er. einen Pfennig Lohnerhöhung, am I.Januar 1906 einen' weiteren Pfennig und am 1. April n. I. noch einen weiteren Pfennig Erhöhung eintreten zu lassen. Kollege Gäbhardt vom christlichen Verbände habe dann, ohne die übrigen Arbeiter- Vertreter zu bestagen, den Unternehmern erklärt, die Arbeiter seien bereit, bedingungslos die Arbeit wieder aufzunehmen, wenn am 1. September d. I. 54 und am 1. Januar ILOg 55 Pf. Lohn pro Stunde gezahlt werde. Gäbhardt, der schon vorher Stimmung dafür 'emacht, daß man sich nicht allzu sehr auf die vorher beschiossenen Forderungen versteifen solle, sei dann, obschon ans taktischen Gründen vereinbart worden sei, über die EinigungSverhandlungen strengstes Stillschweigen zu bewahren, in die Versammlung der Christ- lichen gegangen und habe dort den von ihm gemachten Vorschlag als von Bömelbnrg, dem Zentralvorsttzendcn der Maurer, stammend bezeichnet. Der Arbeitgeberbnnd habe sich nun am Montag mit der fstage zu beschäftigen, ob er am 1. September 54 und am 1. Januar 55 Pf. bei zehnstündiger Arbeitszeit zahlen wolle. Am Dienstag werde man dann Stellung zu dem gefaßten Beschlüsse zu nehmen haben. Der Berichterstatter Kollege' Lübbering war der Ansicht, 55 Pfg. würde der niedrigste Satz sein, zu dem die Arbeit wieder aufgenommen werde.(Lebhafter Beifall.)— Des weiteren wurde mitgeteilt, daß bis Donnerstag, den 27. Juli, insgesamt 3728,30 M. an Unterstützungen nötig gewesen seien. Die Zahl der (eiernde» belaufe sich nur noch auf 252, darunter seien 103 ver- eiratete Kollegen mit 239 Kindern. Die Zahl der Streik- b r e ch e r belaufe sich auf 65, davon entfallen auf Essen 4. Alten- essen 6, Rotthausen 25 und Borbeck 30. Nachdem man sich scharf über den Vertrauensbruch des Kollegen Gäbhardt ausgesprochen hatte, wurde beschlossen, den verheirateten streikenden Kollegen eine Mietsentschädigung zu bewilligen. Diese soll 2,50 M. wöchentlich betragen und soll den Kollegen, die mindestens vier Wochen im Streik stehen, von der dritten Woche an gewährt werden. Mir einem kräftigen Appell an die Kollegen, einmütig zu sein und in der Be- wegung auszuharren, fand die Versanimlung dann ihr Ende, nach- dem noch beschlossen war, an die christliche Organisation heranzu- treten und diese zu ersuchen, demnächst eine gemeinsame Versamm- lung einzuberufen. HusUnck. Die Streikbewegung im Becken von Longwy. In der nordöstlichen Ecke von Frankreich, an der belgisch- luxemburgisch-deutschen Grenze, befindet sich wohl da? größte Industriegebiet Frankreichs soweit wenigstens, als die Eisen-Metall- industrie in Frage kommt. Hier befinden sich die ertragreichsten Erzgruben Frankreichs; und da auch Kohle hier gewonnen wird, so hat sich in jener Gegend eine große Industrie entwickeln können. Aehnlich wie im rheinisch-weftfälischen Kohlengcbiete reihen sich Kohlenschächte, Hochofen, Eisen- und Stahlwerke und Fabriken aneinander. Die Besitzer dieser Werke, zum Teil Träger eudaler Namen, sind Mitglieder des belgifch-französtsch-deutschen Stahl-»nd EisentrustS.� Das international- organisierte Kapital hat Tausende italienischer Arbeiter nach dieser Gegend gezogen, um sie gegen die eigenen Landsleute auszuspielen und die Löhne herabzudrücken. So lange diese Ausländer gegen billiges Geld arbeiteten, blieben sie unbehelligt, das Gewissen der Patnoten wurde durch den Gedanken, daß die Italiener die Lebens- Haltung der Franzosen herabdriickten, nicht beschwert. Da kam Dr. C a v a l a z z i i» das Gebiet, der, wie mitgeteilt, vor einigen Tagen ausgewiesen wurde. Was hatte Cavalazzi ver- brochen? Er war gesandt worden von der Italienischen Humanstär«» Gesellschaft zu Mailand. Es ist das eine Vereinigung, gebildet aus Männern aller Parteien, die den Zweck verfolgt, die armen italieni- scheu Äuswauderer zu schützen und ihnen in ihrer Bedrängnis beizu- stehen, sie aber auch aufzuklären, damit sie ihren Arbeiterbriidern anderer Nationen nicht in den Rücken fallen. Cavalazzi hat seine Aufgabe wohl erfaßt und auf das beste durchgeführt. In der Zeit seines DortseiuS hielt er gegen 300 Versammlungen ab; eS gelang ihm, seine italienischen Landslente über das Verwerfliche ihres Tuns, die Löhne herabzudriicken, aufzuklären und sie der Organisation der französischen Arbeiter zuzuführen. DaS wirkt im höchsten Grade versöhnend; ein französischer Polizeikommissar mußte in seinem Be- richt zugestehen, daß, seit Cavalazzi im Gebiete sei, die größte Ein- tracht zwischen den französischen und italienischen Arbeitern herrsche, währenddem es früher vielfach zu blutigen Exzessen gekommen sei. Es ist auch unwahr, daß Cavalazzi in den Versammlungen die Propaganda der Tat gepredigt habe. Cavalazzi ist kein Anarchist,- sondern ein sehr gemäßigter Sozialist von der Richtung Turati; er hat in den Versammlungen sich* sogar vielfach gegen Anarchisten lvenden müssen. Nachdem die Arbeiter untereinander einig, wendet sich ihr Zorn naturgemäß gegen ihre Ansbenter, und die Empörung der Arbeiter ist angesichts der ungeheuren Bedrückung durchaus verständlich. Nicht allein, daß die Löhne kolossal herabgedrückt worden sind(seit 1902 um 20 Proz.), auch sonst werden die Arbeiter von den Unternehmern in jeder möglichen Weise bedrückt und betrogen. Die Arbeiter ver- langen eine Erhöhung der Löhne nach dem Tarif von 1902. Außer- dem fordern sie, daß die mit Erz beladencn Wagen unter der Kon- trolle eines der ihre» gewogen werden, da sie sonst immer übervorteilt lverden. Die Unternehmer haben ein vollständig feudalherrliches System eingeführt: Die Arbeiter müssen in den von den Unter- nehmern erbauten Fabritkasernen wohnen und ihre Bedürfnisse in den Magazinen der Fabriken decken. Dieser Hörigkeit wünschen die Arbeiter zu entfliehen: sie fordern deswegen vierzehiitägige Zahltage, damit sie ihre Einkaufe anderswo mochen können, sie verlangen außerdem die Aufhebung des Wohnzwanges in den Fabrikhäusern. Trotz dieser bescheidenen Forderungen machen die Unternehmer, vor allem der Baron D r e u x, der Generaldirektor der dortigen Werke, wie üblich, die Hetzer»nd Wühler für den Streik, der zu einem„politischen" gestempelt wird, verantwortlich. Der Präfekt hat dem Drängen der Scharfmacher nachgegeben und Cavalazzi aus- gewiesen(Cavalazzi ist nunmehr auch aus Belgien ausgewiesen) und die Regierung hat auf Verlangen der Bürgermeister der dortigen Ort- schaften, von denen einige zugleich Direktoren usw. von Fabriken sind, große Massen Militär in das Streikgebiet geworfen. 13 der Streikenden sind dieser Tage verhaftet und auch schon zn je einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Die reaktionäre Presse hetzt in der unglaublichsten Weise gegen die Streikenden und sucht die Regierung zu immer neuen Gewaltmaßnahmen zu drängen. Auf der anderen Seite ist die sozialistische Partei im Interesse der Arbeiter tätig. Im Streik- gebiete befinden sich der sozialistische Abgeordnete Lassalle, Deputierter für den Ardennenkreis; die Abgeordneten Jauros, Senibat, Ronanet und Meslier sind am Sonnabend vom Minister des Innern, Herrn Etienne, empfangen worden. Der Minister per- sprach, eine genaue Untersuchung vorzunehmen und behielt sich be- züglich Cavalazzi den definitiven Entscheid vor. Im übrigen ver- sprach er neutrale Haltung, aber die„Ordnung" müsse aufrecht er- halten werden. Wie eS heißt, sind in den letzten Tagen Unter- Handlungen mit einem Teil der Arbeiter in Fluß gekommen. Versammlungen. Genosse Cohen ersucht uns um Aufnahme folgender Zeilen: „In der Nr. 176 des„Vorwärts" ist ein Bericht über die Mechauilerversamnilung vorn 26. Juli enthalten. Dieser Bericht zwingt mich, das Ersuchen an Sie zu richten, folgende Berichtigung auszunehmen. 1. Zur Maifeier. Es ist ein Irrtum, von der Abstimmimg über die Resolution Leber zu sprechen, weil über diese Resolution über- Haupt nicht abgestimmt ist. Eine Abstimmung hat es nur über die von der Kommission vorgeschlagene Resolution gegeben. Mit An- nähme der von der Kommission vorgescylagenen Resolution erübrigte sich eine Abstimmung sowohl über die Resolution Leber als auch über die sonst noch eingebrachten Resolutionen. Sodann ist der Referent Gutsche auch im Irrtum, locnn er die große Minorität gegen die zur Abstimmung gekommene Resolution damit zu erklären sucht, daß ein großer Teil der Delegierten i regen des Schlußpassus(Tadels- Votum) gegen die Resolution stimmte. Das kann nicht stimmen, weil die Resolution absatzweise zur Abstimmung gekommen ist und bei jedem Absatz eine bedeutende Minorität vorhanden war. Also auch bei den Absähen, die ausschließlich von der Arbeitsruhe handeln. Daß die Mehrheit der Delegierten auf dem Standpunkt Leb er s stand, ist nicht mehr als eine Vermutung von Gutsche. 2. Zu dem Bierboykott in Köln bedarf der Bericht ebenfalls der Klarstellung. Der„Vorwärts" schreibt infolge eines Druckfehlers: Zum Schluß wiederholte Cohen zum soundsovielten Male den anarchistisch erfundenen und lokalistisch immer wieder aufgewärmten Schwindel vom angeblichen Kölner Boykottbruch.— Ta muß es richtig heißen: widerlegte auf Anfrage zum soundsovielten Male usw." Eingegangene DrueWelrntten. Eduard Gröf, A e r z t e und Krankenkassen.(Frcmksurta.M., Union-Drnckerei, G. in. b. Ö.) Kollektion Lorenz. Der Rhein in 15 Tagen.(Freiburg i. Br. und Leipzig. Fr. Paul Lorenz.) Aerwaltnngsbericht der vereinigten OrlSkrankenkasse i n D a r m st a d t für das Jahr 1904.(Darmstadt, Joh. Com. Herbertsche Hosbuchdruckerei(Fr. Herbert).... Bericht des GewerkschastSkartellS Düsseldorf für das Jahr 1904... Else Zonnenbera, Wie eS am Waterberg zugwg. Wilhelm Süsserott, Verlagsbuchhandlung, Berlin...._ Berliner Buchgewerbesaal, Pflegschaft de? Deutschen Buchgewerbe. Vereins. Geschäslsbericht für 1904. GeschästSstelle Friedrichstr. 239. Sekretär E. Baumeister._ Gerechtigkeit. Ein altes Wort an die moderne Christenheit von Hermann Kutter, Pfarrer am Neumünster in Zürich. 182 Seiten. Preis 2 M. Berlin 1905. Hermann Walther, Verlagsbuchhandlung, G. m. b. H., Kommandantenftr. 14.' St. PaczkowSkY, Dr. med. Die Hämorrhoiden und,' ihre Heilung.(Leipzig, Ed. Demme.) Letzte JNfacbricbtcn und Depefcben. Steigerung der Kohlenprrise. Berlin, 31. Juli.(Privatdepeschc des„Vorwärts".)' Wie aus sicherer Quelle verlautet, fordert das Kohlensyndikat ab 1. August 5 Proz. höhere Preise. Zur Begründung der Preiserhöhung wird ein im Frühjahr bevorstehender Streik.(?)j im Ruhr- und Saarrcvier vorgeschoben.___ Ablehnung der LohnerhShnng. Witten a. R., 31. Juli.(W. T. B.) Die heute hier'tagende Versammlung des rheinisch-westfälischen Arbeitgeberverbandes für das Baugewerbe, die über die in Essen gefaßten Beschlüsse der Eini. gungskommission entscheiden sollte, beschloß einstimmig, blz zum 1. April 1906 keine Lohnerhöhungen zu bewilligen, gab aber ein- stimmig ihrer Geneigtheit Ausdruck, nach Maßgabe der örk ichen Verhältnisse hinsichtlich einer Lohnerhöhung für das Jahr 190(6 ab 1. April die Verhandlungen fortzusetzen._, NerMtw. Redakteure Paul Biittneist Berlin. Inseratenteil beravtlv.: ZH.Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u.Berlagscmstalt Paul Singer LcCo., Berlin LW. Hierzu 2 Beilagen u.ynterhaltungsblatt Nr. 177. 22. 1. ßicilM des.FsmUs" KerllM UsIlisM Dienstag, t. August MS. Ruq der Partei. Der Arvriter-BildungSvcrein„Eintracht" in Zürich veröffentlicht soeben in Form einer Broschüre von 35 Seiten seinen Jahresbericht für 1904, der wieder von der vielseitigen gemeinnützigen Tätigkeit dieser nun 94 Jahre bestehenden Organisation zeugt. Der Verein zählt 763 Mitglieder. 1199 zugereiste Genoffen haben die Reise- Unterstützung in natura sGratisessen in der Speisegenossenfchaft) in Anspruch genommen. Die Gesamteinnahmen des Verein« betrugen 80 505 Fr., die Ausgaben 79 446 Fr., der Ueberschich 1059 Fr. An Lesestoff liegen 57 Zeitungen und 18 verschiedene Werke auf, die Bibliothek zählt 1232 Bände. Borträge fanden 14, Diskussions- abcnde 19 statt. Endgültiges Resultat aus den letzten Wahlen in Amerika. Nach langwierigen und sorgfältigen Zusammenstellungen gibt jetzt das „National Executive Commiltee" der sozialistischen Partei in den Vereinigten Staaten das endgültige Resultat dc§ Parteivotums vom November 1904 bekannt. Die letzte Bekanntmachung, die im Februar d. I. herausgegeben wurde, war nicht ganz korrekt. Die genaue Stimmenzahl ist 409 230. Nun hat aber die andere Richtung, die Sozialistische Arbeiterpartei, noch 34 172 Stimmen erhalten, so daß eine Gesamtzahl von 443 402 Stimmen sich ergibt. Klus Industrie und ktandel. Rußlands Kredit. Die Nachricht, daß die russische Negierung versuche, die deutsche Bankftnanz zur Aufnahme einer neuen Anleihe zu bewegen, und von der Firma Mendelssohn m Co. bereits in dieser Richtung Vorbereitungen getroffen würden, fordert auch einzelne jener Handels- und Bankblätter zu einen, Protest gegen die Unter- bringnng russischer Anleihen in Deutschland heraus, die sonst der Finanz nicht gerne Schwierigkeiten in den Weg legen. Die Fort- schritte der Revolution in Rußland fangen anscheinend an, selbst in jenen Kreisen ernstliche Bedenken zu wecken. So schreibt z. B. der „Deutsche Oekonomist" in einem Artikel über die Politik und Kredit- bcdürftigkeit Rußlands: „Wohin man blickt, treten einem Gründe zur Vorsicht in der frage der Gewährung abermaligen Kredits an Rußland entgegen. s ist die Vernulwng laut geworden, daß die Besprechung deö Herrn v. Witte mit den maßgebenden deutschen Staatsmännern wieder zum Abschluß einer russischen Anleihe in Deutschland sichren könne, wie im vorigen Jahre aus Anlaß des Besuches des Herrn v. Witte in Norderney und des Abschlusses des Handelsvertrages. Die An- Näherung des garen an den deutschen Kaiser könne bestimmt sein, dieses Moment zu verstärken. Es wäre geradezu unheilvoll, wenn sich etwas davon bestätigen sollte.... Wir sind wahrlich nicht in der Lage, die russische Freundschaft— um diese handelt es sich noch gar nicht einmal— mit Darlehen, mit Hunderten von Millionen bezahlen zu müssen. Das mag den Franzosen überlassen bleiben. Diese sind des Halte? an einer anderen kontinentalen Großmacht bedürftig; wir um so weniger, seit Rußlands Stern so im Sinken ist. Frankreich mag sich genötigt sehen, um seine 9 bis 11 Milliarden-Forderung an Rußland vor dem Konkurs zu beivahren, neue 2 bis 3 Milliarden zu leihen Notabene nur für den Fall des Friedensschlusses. Deutschland ist glücklicherweise hierbei im Hintertreffen; wir haben nur 2 bis 3 Milliarden russischer Anleihen. Und schon daS ist zu viel, einem Lande gegenüber, das in so ficht- barem Verfall ist und dessen Finanzverwaltung durch jede neue Zinsenlast erschwert wird. Von der Regierung halten wir uns sest überzeugt, daß sie ihren Einfluß aus die Haute Finance nicht an- spannen wird, um dem heutigen Rußland zu einer Anleihe zu ver- helfen.' Der Equitable-Tkandal, über den wir wieberholt berichteten, führt zu immer seltsameren, daS Treiben der Leiter dieses Unter- nehmens bloßstellenden Entdeckungen. Wie dem„Berl. Börsen« Courier' aus New Fork geschrieben wird, wurde in den Büchern der Mercantile Trust Co., einer Tochtergesellschaft der Equitable, ein Posten von 685 000 Dollar als„Darlehen an die Equitable" ge- bucht gefunden. Dieser Posten hatte im Laufe der letzten Jahre verschiedene Veränderungen erfahren; bald sank er unter 400000 Dollar, mitunter stieg er über 700 000 Dollar, Dr. Deining, der Präsident der Gesellschaft, sagte dem Staatsversicherung«- kommissar, dieser Posten sei vier b,s fünf Jahre lang durch die Bücher geschleppt worden. Expräsident Alexander und Exkomptroller Jordan seien als verantwortlich dafür aufgeführt worden, doch habe man stets die Equitable als wirkliche Schuldnerin angesehen. Das Merkwürdige an der Sache ist, daß in den Büchern der Equitable von einem solchen Posten auch nicht die geringste Spur zu finden ist. Um das Mysteriöse der ganzen Angelegenheit noch zu steigen,, wird jetzt bekannt, daß der Riesenposten nunmehr auch au« den Büchern der Trust Co. verschwunden ist, da derselben von ,un- bekannter Seite' eine entsprechende Barsumme zur Verfügung ge- stellt wurde. Zweifellos handelt eS sich um irgend eine.elastische' Transaktion, um wer weiß welche illegalen Transaktionen zu ver- hüllen. Zur Lage de« EiscnmarkteS in den Bereinigten Staate» von Amerika. Nach den Angaben der amerikanischen Roheisenproduzenten ist die Produktion der KokS und Hartkohle feuerden Hochöfen von 1 964 000 Tonnen im Mai. der bisher erreichten höchsten Monat«- ziffer, auf 1 793 000 Tonnen im Juni zurückgegangen. Für den Ausfall ist größtenteils die Mnderproduktion der den Gtahlgesell« schasten gehörigen Hochöfen verantwortlich, denn letztere haben 136 000 Tonnen weniger geliefert, während die den freien Markt versorgenden Oese,, nur um 35 000 Tonnen weniger produziert haben als im Mai. Trotzdem haben sich die marltfähigen Vorräte während de« Juni um 70 000 Tonnen vermehrt, nachdem sie bereits im Mai eine Zunahme um 63 500 und im April eine solche von 17 400 Tonnen erfahren hatten. Nach den letzten Berichten vom amerikanischen Elsenmarkt soll die Nachftage wieder im Steigen begriffen sein. DaS mag sein— aber wie lange wird diese? Steigen anhalten? ES läßt sich nun einmal nicht wegleugnen, daß die Leistungsfähigkeit weit mehr ge« wachsen ist als der Bedarf._ Soziales. B»m Berliner KaufmannSgtticht. Nichts als krauses Zeug, erklärte das Gericht in seinem Urteil. sei es, loa« der Vertreter der Firma I„, i e l a u. Frei gegen die Klage eines Reisenden vorbrachte, der mit 250 M. Monatsgehalt und 2 Proz. Provision angestellt worden war. aber weder für April „och für Mai und Juni etwas erhalten hatte. Viele Male hatte er vergeblich um Reisekasse ersucht, schließlich jedoch sich anderweitig Geld verschaffen müssen, um von der Schweiz nach Hause reisen zu können. Der Kläger verlangte im ganzen 1153,95 M. Er war jedoch verhindert, seine Klage persönlich zu vertreten und sein Be- vollmächtigter konnte nur die Forderung von 923.95 M. als zweifellos berechtigt nachweisen. Da« Gericht fällte ein Teilurteil, wonach die Beklagte diese Summe zu zahlen hat. lieber den Rest soll m emem neuen Termin verhandelt werden. Au, Sonntag vor Pfingsten morgens eine halbe, mittags eme viertel Stunde zu spät gekommen zu sein, da» waren die Sünden, weswegen eine Verkäuferin aus dem Putzgeschäft von Haas« entlaffen woxdcn war, nachdem sie am 1. Juni ihre Kündigung erhalten hatte. Sje war allerdings schon vorher einige Male zwei bis drei Minuten zu spät gekommen und, wie eine Zeugin be», eckte, stand die Klägerin auch nicht mit den anderen Angestellten morgens vor dem Geschäft auf der Straße und wartete, bis geöffnet wurde. An jenem Sonntag hatte sie sich entschuldigt, ihre Mutter war krank, sie hatte nach der Apotheke gehen müssen. Aber der Chef hatte ihr vordem schon gesagt, daß, wenn sie wieder zu spät käme, er sie ohne Rücksicht auf die Kündigungsfrist sofort entlassen werde.— Das Gericht kam jedoch zu der Ueberzeugung, daß kein hin- reichender Grund zu plötzlicher Entlassung im Sinne des ß 72 des Handelsgesetzbuchs vor- handen gewesen sei, und verurteilte den Beklagten zur Zahlung deS verlangten Monatsgehalts von 80 M. Daß der Kläger wirklich krank und arbeitsunfähig gewesen, wollte die Inhaberin von Karl Kellers Festsälen in der Köpcnicker- straße nicht glauben. Darum hatte sie den Buchhalter, der 18 M. Wochenlohn und Kost erhielt und dafür, Ivie er selbst angab, von morgens 9 bis abends 11 und 12 Uhr tätig war, plötzlich entlassen, obgleich er sich sofort entschuldigt hatte. Emen Arzt hatte er aller- dings nicht konsultiert, aber Schwiegermutter und Ehefrau bezeugten vor Gericht, sein Fuß sei so stark angeschivollen gewesen, daß er unmöglich zur Arbeit kommen konnte. Der Kläger verlangte für GehaltS- und Kostcntschädigung 299,70 M. Nach langem Zureden erklärte sich die Beklagte zu einem vom Vorsitzenden vorgeschlagenen Vergleich bereit, wonach sie dem Kläger 150 M. zu zahlen hat und sich verpflichtet, ihn mit einer Kündigungsfrist von einem Monat wieder einzustellen._ Die Bürgschaft, die nicht verpflichtet.„Achtet nicht der Ver- sprechen des„stillen Teilhabers", wenn er kein Kaufmann ist." Diesen Rat muß man allen Arbeitern und sonstigen Angestellten geben, wie folgendes Ncchtsgeschichtchen beweist. Herr Wilhelm Mier, Unternehmer für Reklamebeleuchtung, bedurfte der finanziellen Hülfe seines Bruders, der in Arten, bei Merseburg eine Gast- Wirtschaft betreibt. Der Bruder Hugo kam, gab 8000 Mark, wurde„stiller Teilhaber", verschwand wieder und schenkte in Artern weiter sein Bier aus. Inzwischen hatte Herr Hugo aber auch den in, Betriebe als gewerblichen Arbeiter beschäftigten Elektrotechniker K., der für sein Gehalt fürchtete, mit den Worten beruhigt, er möge nur seine» Posten ausfüllen und im Bettiebe bleiben, Verzögerungen der Gehaltszahlung lvürden nicht mehr vorkommen, denn jetzt sei ja er, Hugo Mier aus Artern, in das Ge- schäft eingetreten. Dieser Bürgschaft entsann sich der Elektro- techniker, als es mit den, Unternehnieu schließlich doch schief gegangen war und er rückständiges Gehalt in Höhe von 225 Dt. nicht erhalten konnte. Er erstritt beim Gewerbe- g e r i ch t zwar gegen Wilhelm Mier, den Firmenin haber, ein rechts- .kräftiges Urteil auf Zahlung der übrigens an sich unbestrittenen Summe. Das konnte ihm verflucht wenig nutzen, sintemalen bei W. Mier kein Geld war. Hugo Mier aus Artern wurde auch verklagt: erstens als GeschäftSteilhaber, zweitens als Bürge. DaS Gelverbegericht wies aber die Klage gegen Hugo Mier ab und führte aus: Wenn eine offene Handelsgesell- schaft von den Brüdern Mier begründet worden wäre, dann würde ja Hugo Mier ohne weiteres für das Gehalt mit seinem Vermögen hasten. ES handcle sich aber nur um ein Kommanditverhältnis, um eine stille Teilhaberschaft Hugo MierS an dem Geschäft deS Bruders. Der Kommanditist hafte höchstens mit dem Einlage- kapital, und das sei ja— alle. Bleibe nur noch die Bürgschaft, jene mündliche Zusicherung, daß Kläger sein Gehalt stets bekommen werde.» Eine solch« mündliche Erklärung bürge indessen nur dann, wenn sie von einem Kaufmann ausgehe. DaS sei hier nicht der Fall, denn die Beweiserhebung habe ergeben, daß H. Mier lediglich Gastwirt sei und daneben keinen Handel betreibe. Seine mündliche Bürgschaft sei darum nicht rechts wirksam. Aus dem Gesagten folgte die Abweisung der Klage gegen Hugo Mier.— Der Erlaß der Arbeitsordnung in Fabriken. Von Herrn Gold- stein, dem Inhaber einer Fabrik„konfektionierter Weißwaren", ver- langte die Maschinennäherin S. durch Klage beim Berliner Gewerbe- geeicht für 14 Tage 40 Mark Lohnentschädigung wegen unberechtigter plötzlicher Entlassung. Fräulein S. war Akkordarbeiterin. Wegen der Inventur sollte sie nebst anderen Arbeiterinnen eines Mittags eine Stunde länger füber die Mittagszeit hinaus) fortbleiben. Sie und eine Anzahl anderer Angestellten kehrten denselben Nach- mittag nicht mehr in den Betrieb zurück. Es wurden Strafen verhängt. Klägerin sollte eine Mark einbüßen. Sie behauptet nun, sie sei entlassen worden, weil sie es sich nicht gefallen lassen wollte. Sie meinte, daß sie und die nicht in die Fabrik zurückgekehrten Kolleginnen sich gesagt hätten, der weite Weg von Hause lohne sich nicht mehr. Die Kammer I unter dem Vorsitz des Gewerberichters Dr. Neumann war sich darüber einig, daß eS keine so große, die Entlassung rechtfertigende Sünde wäre. wenn eine Akkord« arbeiterin, die nach Tisch eine Stunde länger wegbleiben müsse, dann den ganzen Nachmittag wegbleibe.— Nun ab et machte Beklagter den Einwand, daß„ach der Arbeitsordnung, welche auShanae und die behördlich genehmigt sei, die Akkord- arbeiterinnen bei ihm nur eine eintägige Kündigungsfrist hätten. Der Gerichtshof mußte jetzt darauf eingehen. Der Aushang wurde zum neuen Termin herbeigeschafft. Die Bestimmung findet sich darin, er trägt aber keine Unterschrift des Geschäftsinhabers. Die Kammer stellte sich auf den Standpunkt, daß der nicht unterzeichnete bedruckte Zettel immer noch nicht beweiskräftig den gesetz- mäßigen Erlaß einer Gewerbeordnung dartue. Nach der Gewerbe- ordnung erfolge zwar in Fabriken, in welchen in der Regel mindestens 20 Arbeiter befchäfttgt werden(was hier der Fall ist), der Erlaß der Arbeitsordnung durch Aushang, und der wäre in derartigen Betrieben bindend auch für den Arbeiter, der nicht auf die Arbeitsordnung verwiesen sei, sie nicht unterschrieben und kein Exemplar erhalten habe. Gleichzeitig iverde aber bestimmt, daß die Arbeitsordnung den Zeitpunkt, mit welchem sie in Wirksamkeit treten solle, angeben und von dem- jenigen, welcher sie erlasse, umer Angabe de« Datum« unter- zeichnet sein müsse. ES müsse deshalb erst Beweis erhoben Iverden darüber, ob Beklagter die Arbeitsordnung selber, da« Original, unterschrieben habe. Erst nach dieser Feststellung könnte sie als erlassen gelten. Erfolge die Feststellung, dann habe Klägerin allerdings nur auf einen Tag Anspruch.— Zum Zwecke jener Belveiserhebung mußte ein neuer Termin anberaumt werden. Die Steuerlasten in Pominrrn. Von den 72 pommerschen Städten sind 11 zu verzeichnen, in«velchen mehr als 200 Proz. Zu- schlüge zu der staatlich veranlagten Einkommensteuer al» Kommunalsteuer erhoben werden. An der Spitze steht, wie die„Kommunale Praxis' berichtet. Kallie« mit 425 Proz. Es folgen Falkeilberg mit 280 Proz., Polzin mit 250 und Plathe init 240 Proz. Belgard und Trcptolv a. Reaa erheben je 225, Bublitz, Drainburg und Raugard je 220 Proz. In Wollin«Verden 216 und in RummelSburg 210 Prozent erhoben. Mit 200 Proz. sind 10 Städte, nämlich Altdamm, Bärwalde, Bütow, Körlin, Kösttn, Neustettin, Regenwalde, Schlawe, Stolp und Zanow zu verzeichnen. 100—200 Proz. werden in 47 Städten erhoben. Unter 100 Proz. zahlen Bahn<96). Treptow a. T. <95) und Gollnow(76 Proz.). Am glücklichsten sind die Bewohner von Usedom dran. Hier werden außer der Hundesteuer weder direkte noch indirekte Kommunalsteucrn erhoben. Die KreiSsteuern «Verden in Usedom auch aus der Käiiiniereikaffs gezahlt. Gerichts-Leitung. Ein Spielernest wurde am 0. April d. I. in dem belebtesten Teil der Straße Unter den Linden von der Kriminalpolizei auS- gehoben. In dem Restaurant„Lindcnquclle", welche» sich in der Nähe deS Paffage-ThcaterS befindet, trafen alle Abend eine Anzahl Personen zusammen, die an einem Tischchen in einer verschwiegenen Ecke der Göttin Fortuna huldigte»«. Gespielt wurde nur »g o l d e p e E e ch s und«l u st i g e S i e b e n', und zwar um verhältnismäßig kleine Einsätze. Trotzdem erreichten die Berge von Silbcrgeld, die sich neben jedein Spieler, insbesondere aber vor dem Bankhalter, auftürmten, zuweilen eine ziemliche Höhe. Einige der Spieler verloren mitunter an einem Abend bis zu hundert Mark. Die Spieler selbst bestanden zmn größten Teil aus Kellnern, jungen Kaufleutcn und Handiverkern, die fast sämtlich auch zugleich Stammgäste aus der Rennbahn waren. Die hier gemachten Ge- Winne wurden deS Abends wieder als Fonds zur„goldenen Sechs' benutzt, andererseits versuchte derjenige, der am Turf einen Miß- erfolg hatte, die Scharte beim Kartenspiel wieder auszuwetzen. Mehrere besonders erheblich hereingefallene Spieler hatten nicht? eiliger zu tun, als anonyme Karten an die Kriminalpolizei zu richten. durch welche Mitteilung von dem„Jeuchen" in der„Lindenquelle' gemacht wurde. Am Abend des 9. April d. I. gegen 11 Uhr erschien in dem Restaurant noch ein Gast, der sich ein Glas Bier bestellte und sich anscheinend gar nicht um das Treiben der Spieler kümmerte. Allmählich schien das Interesse des GasteS doch wach geworden zu sein. Er trat an den Spieltisch heran, wo man ihm bereitwilligst Platz machte und ihn zum Mitspielen einlud. Der Betreffende nahm die freundliche Einladung nicht an, sondern zog eine allerdings auch geldstückähnliche Münze heraus und legitimierte sich als Kriminalbeamter. Zum Schrecken der Spieler lud sie der Kriminalschutzmann Dröscher nunmehr seinerseits ein, ihm die Namen mitzuteilen. Die meisten Spieler ergriffen sofort daS Hasenpanier und verließen mit größter Schnelligkeit die gastliche Stätte der„Lindenquelle". Der Bankhalter, ein Kellner Eduard Rohrbach, schob dem Beamten resigniert einen Haufen Silbergeld zu:„Na, hier haben Sie den ganzen Kram.' ES wurde festgestellt, daß R. monatelang in der.Lindenquelle" ver- kehrte und fast immer die Bank gehalten hatte. Gegen ihn wurde deshalb eine Anklage wegen gewerbsmäßigen Glücksspiels erhoben. Für die Inhaberin der„Lindenquelle", Frau Rittmeister, geb. Sell, hatte das„Jeuchen" ebenfalls unangenehme Folgen. Wegen Duldens von Glücksspielen war die„Lindenwirtin" gestern bor der 10. Fericnstrafkammer des Landgerichts l. angeklagt. Mit ihr mußte sich der Kellner Rohrbach wegen gewerbsmäßigen Glücks- spiels verantworten. Frau Rittmeister bestritt, Kenntnis davon gehabt zu haben, daß in ihrem Lokal Hasardspiele gespielt worden sind, da sie das ganze Restaurant vom Büfett aus nicht überblicken konnte. Durch die Bekundung deS Kriminalschutzmanns Dröscher wurde indessen festgestellt, daß die Angeklagte Kenntnis von dem strafbaren Treiben in ihrem Lokal hatte. Der Staatsanwalt be- antragte gegen die beiden Angeschuldigten je einen Monat Gefängnis und 150 M. Geld st rase. Der Gerichtshof sah die ganze Sache etwa« milder an und beließ es dem Antrage des Rechtsanwalts Solomon gemäß noch einmal bei Geld- strafen. Das Urteil lautete deshalb gegen Frau Rittmeister auf 3 0 M. Geldstrafe, gegen Rohrback auf 5 0 M. Geld- st rase event. 10 Tage Gefängnis. Ein geiverbsmäßiger Ringnepper stand gestern in der Person des Gürtlers Franz Friede unter der Anklage des Rück« fallbctruges vor dem Strafrichter. Am 14. Juni d. I. nachmittags kam der Schiffer Brandt auf dem Lehrter Bahnhof an. Er wollte seinen Bruder besuchen, der mit seinem Kahn am Nordhafen lag. Auf dem Wege dorthin wurde er in der Jnvalidenstraße von einein sauber gekleideten jungen Mann angesprochen, der ihn fragte, ob nicht ein Leihhaus oder ein Goldwarenhändler sich in der Nähe befinde, bei welchem er einen wertvollen Brillantring versetzen könne. Der junge Mann wurde sehr gesprächig und erzählte, sein Vater«väre Eisenbahnbeamter und liege jetzt schwer krank. Um Geld für eine kostspielige Kur zu erlangen, habe sich sein Vater schweren Herzens entschlossen, ein altes Familienerbftück, einen wertvollen Brillantring zu verkaufen. Bei diesen Worten holte der junge Mann einen Ring mit einem erbsengroßen Brillanten aus der Tasche und ließ ihn recht verführerisch in der Sonne blitzen. Der Besitzer des Ringes wurde hierbei von einem anderen Manne angesprochen, der sich als Goldarbeiter vorstellte und große» Interesse für den Brillantring zeigte. Schließlich sah er sich ver- anlaßt, 40 M. für den Ring zu bieten, wobei er erklärte, der Wert sei allerdings ein höherer, die Fassung müsse indessen erst verändert werden, weil sie nicht mehr modern sei. In der Meinung, ein gutes Geschäft machen zu können, bot Brandt nunmehr ebenfalls mit. Als man schließlich auf 55 M. angelangt war, erklärte der ..Goldarbeiter", nicht mehr mitbieten zu können, da er nicht so viel Geld bei sich habe. Der Schiffer erstand schließlich den Ring für 55 M. und glaubte noch, ein sehr gutes Geschäft gemacht zu haben. Als er den Ring bald darauf einem Goldwarenhändler zum Kauf anbot, bekam B. einen nicht gelinden Schrecken, als ihm dieser er« klärte, der Ring sei eine gut ausgeführte Imitation, wie man sie für ein paar Mark überall kaufen könne. Jetzt erst erkannte Brandt, daß er zwei Gaunern in die Hände gefallen war. Er gab auf der Polizeiwache eine genaue Personalbeschreibung der beiden Personen, durch welche es gelang, den jetzigen Angeklagten als einen der Ringnepper zu ermitteln. Sein Komplice, der als„fach- verständiger Goldarbeiter' fungiert hatte, konnte bis heute noch nicht ermittelt werden.— Vor Gericht war Friede geständig. Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr sechs Monate Ge- f ä n g n i s. Der Gerichtshof ging jedoch erheblich über den Antrag des Staatsanwalts hinaus, da es sich um einen gewerbsmäßigen Ringnepper handle, der überaus raffiniert vorgegangen war. Das Urteil lautete deshalb auf zwei Jahre Zuchthaus, drei Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Eingegangene Druchfcbriften. Von der„Neuen Zeit-(Stuttgart, Paul Singer) ist soeden da» 44. Hest des 23. Lahrganges erschienen. Au» dem Inhalt des Heste» heben wir hervor: Friedrich Engels. Von Franz Mehring.— Persönliche Er- wnerungen an Friedrich Engel«. Bon Paul Lasargue.— Gewcrkschasten und„sozialistischer Geist". Don H. Sttöbel.— Der sechste«nternanonale Textilarbeiterkongretz in Mailand. Von A. Baudert.— Moderne Hanseaten. Von Rudols Wissel.— Die ArbeitSoerhälwifle in der Schweiz. Von Dr. I. Hertz Hcrisau.(Schluh.) Die„Neue Zelt" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch. Handlungen, Posianstalicn und Kolporteure zum Preise von 8,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Ouarlal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Bs. Probenummern stehen jederzeit zur Versügung. Der„Süddeutsche Posttllon-, Nr. tö, ist soeben erschienen und zeichnet fich In seinen sarbenprächtlgen künstlerischen Bildern hervorragend aus. Fürst Bülow als Schutzmann mit der gepanzerten Faust verwehrt dem FriedenSengel Janrd» an der preutzisch-deutschen ReichSgrenze den Eintritt nach Deutschland, indem er sctue belannten Tiradei» widergibt. Das Schlutzbild zeig! uns Zar Nikolaus mit seinem Thronerben im Arme, aus den Wogen der Revolution hin- und herschwankend. Das Siegesdenkmal ür Rußland verkündet„Sieg" aus der Vorderseite; aus der Hinteren Seite edoch vcrllopst der Japaner dem Russen tüchtig den Pelz.„Das Leben ist chwer, namentlich wenn mer Mch weiß, was mer eioenllich arbeiten soll" llusineri einen„Auch Arbeitslosen", vor vollem Tisch. Der textliche Teil bietet«ine Menge ausgezeichnete Beiträge, so da» Leitgedtcht„Aussperrung", „Die Revolution", Briese aus Sachsen, AuS dem Tagcbuche eines Abderiten, Was in der Welt vorgeht, Der begnadigte Hänge-Karl, Sie fw.mcn's nicht begreifen. Eine kleine Erzählung bietet besondere Abwechslung, lieber den Ruhstrat-Prozen finden wir einige sehr gute Beiträge in Prosa und Poesie. Die Nummer kostet„»rr 10 Ps. und ist vom Verlag M. Ernst, München, sowie bei allen Parteibuchhandlungen zu haben. Charles H. HaweS, Im äußersten Osten. Von Korea über Wladiwostok nach der Insel Sachalin.(Berlin, Karl SieaiSmnud.) i Gustav Küpper, Der BesähigungSnachweiS im Hand- werk.(Golba, F. E. P e r t h e S.) Alfred H. Fried, 4.nnuairs äs In Vis Intsrnatio- n a 1 o.(Monaco, Institut Jnteriiatioiial de la Paix.) Deklaration der zionistisch. sozialistischen Arbeiter» Partei. Aus dem Jüdischen übersetzt. Herausgegeben von der Arbeits- gruppe der zloniliisch-sozialisttschen Arbeiterpartei. IS Seite» Milr den Inhalt der Inserate üderuinimt die Redaktion dem Vnblitnm gegenüber keinerlei Beranttvortnng. HKeater. Dienstag, den 1. August. Ansang VI, Uhr: Neues Operntheater. Die Fleder- maus. Ansang S Uhr: Kleines. Nachtasyl. Zentral. Die Geisha. Schiller«. sWallner-Thealer.) Alessandro Stradella. Schiller'S.(Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Geschlossen. Westen. Die Liebesschule. Lustspielhaus. Der Herr Substitut. Der dankbare Julien. Thalia. Amor in New Dort. Earl Weist. Lehmanns Abenteuer. Belle-Alliance. Ben Ali Bcy. Apollo. Ein Abend in einem amerika- Nischen Tingel-Tangcl.— Am Hochzeitsabcnd.— Spezialitäten. Metropol. Die Herren von Maxim. Herrnfeld. Die MeyerhainS. Berliner Prater-Theater. Dorn's Rcsi. Ans. 7 Uhr. Stadt< Theater Moabit. Mutter Gräbert. Reichshallen. Stettiner Sänger. llrania. Taubenstraste 48/49. Die deutsche Nordseeküste. Jnbalidenstraste S7/VÄ. Stern- warte. Täglich geössnet von 7 bis 11 Uhr. ler. Anfang(Kroll.)?■/, Uhr. Die Fledcrmans. Mittwoch: Gastsv. Luise HSfer: Carmen. Donnerst.: Gastsp. Aenny Hindermann: La Traviata. Freit.: Gastspiel Luise Höfer; Carmen. Sonnab., neu einstud.: La Boheme. Kleines Theater Schissbauerdamm Nr. 4a— S. Ansang 8 Uhr. NaeKtasAl. Mittwoch; Nachtasyl. Donnerstag: Die Neuvermählten. Familienidyll. Freitag, Sonnabend, Sonntag: Nachtasyl. Sustspielhaus. Zum ersten Male: Der Herr Zitlistiwt. Hieraus zum ersten Male: Der dankbare IttUen. _ Ansang 8 Uhr. Passage-Theater. Ansang der Abendvorstcll. 8 Uhr, nachm. Sonnt. 3, Wochent. 5 Uhr. nadame duDion! Exprätendentin der Sahara. Fernande Robertine; ""r„Sit gonb". 14 sensationelle Nummern. Neueingesührt: Numerierte Plätre. Metropol-Theater Wicdcpanftrcten von Henry Bender Josef Giampietro Fritzi Massary. Zum SOS. Male: rr Große Ansstattungsposse mit Gesang und Ballett in 5 Bildern. Rauchen gestattet. Anf. 8 Uhr. Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee Nr. 148. Täglich: Konzert, Spezialitäten. MM" Die gröhte Sensation Berlins: Die Todesfahrt''"M"' von der Radsahr-Comp. Raclax. Groster Tanz. Kasfeetüche. «nf. 4 Uhr. Entree 30. Sperrsitz 50 Pf. H. Noacks Theater. Direktion: Roh. Dill. Brunncnstr. 16. Täglich(bei schönem Wetter im Garten, bei schlcdit. Wetter im Saal): Koittöd, Theater, Spezialitäten. ftltt-litc Volksstück mit Gesang aus KljriUB. dem Berl. Leben v.Müller. Ansang: Sonnt. 5, Wochent. 6 Uhr. Entree 30 Ps.«all. ßaron JMuchl Neue Welt Urania Tauben- str. 48/49. i 8 Uhr: iste. Sternwarte str. 57/62. Friedrichstr. 165. Uflll 1 1 Togos Be- HH|J I! such bei Admiralj "" Roschdjestwensky im| —— Hospital zu Kioto! Neu! Elitekapelle JeroIina".| Lebende Photographien! Setoeizer-fiarten. Am KSnigstor. Am Friedrichshain. Täglich: Theater und Volksbelnstigangcn. Jeden Abend 10 Uhr: Der Fluch des Goldes. Volksstück mit Gesang in 3 Abteilungen. Jeden Mittwoch: Kinderfest mit Gratisverlosung. Scliiller- Schlllor-Theater 0.(Wallner-Theatcr). Morwitz-Oper. Dienstag, abends 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Böte!. Aclessaadro Stradella. Rom. Oper in 3 Akt. v. Fr. v. Flotow. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die verkanfte Braut. D o n» e r s t a g, a b e n d S 8 U h r: Gastspiel Heinrich Bötel. Der Troubadour. Tlieater. Schiller-Tlieatcr N.(Friedr.-Wilh. Th.) Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Sonnabend: Geschlossen. Sonntag, abends 8 Uhr: Einmaliges Gastspiel der Marwitz- Oper und Heinrich Bötels: Der Posiiiion van Longjumeau. Billettverkauf täglich. Im Garten täglich: Großes Militür-Konzert. Gebrüder üerrnfeld- Theater. Direktion: Anton u. Donat Herrnseld. Heule Dienstag den 1. fiupt abends 8 Uhr: Wiedereröffnung (14. Berliner Spielsaison). Zum ISO« Male: Komödie in 3?lflcii v.A.u.D. Herrnseld mit den Autoren in den Hauptrollen. Vor der Vorstellung ur.l n" e.o der Pausen: Proiuenaileii-Koiizert im Garten. Kasseiierössnung 7 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr(Theaterkasse) sowie bei A. Wertheim und Jnoalidendank. Heute: Debüts der neuen August-Spezialitäte». Die amerihan. Burlesk- Kompagnie mit ihr. Alt: Em Alitud in einem amerilmu. Tingel-Tangel Dazu HglZhZöitZgdöNli p. Linoke. OOLOCISCHER GARTEN Täglich nachmittags 5 Uhr: Militärs Doppel-Konzert Eintrittspreis 1 M.; aß 6 Uhr 50 Ps. Kinder unter 10 Jahren die Hälste. ksichshslllsn. Bon nun an wieder täglich: Sänger. =-2 c- a" ||«|a Ostbahn-Park. Am Kiistrinerplatz, RQdcrsdorierstr.Tt. Hermann Imbs. TUgllch: Gr. Konzert, Theater und Kpezialitäten- Uorstellnng. wochentags: Entree 15 Ps., wosür ein Glas Bier verabreicht wird, also kein Entree. llorltzplatx. Täglich im grasten schattigen G: Streich-I�on�ert. K-icarclo jVluiieT. Bei ungünstigem Wetter im Saal. □ □ Q Ürbeiter-Sängerbund Berlins und Umgegend. Sonntag, den 6. August 1905: 14. Sänger-Pest in den am herrlichen Müggelsee mit angrenzendem Wald gelegenen Lokalen„Müggelschlößchen" u.„Strandschloß" s? Priedrichshagen. � 200 Gesangvereine 1 3 Musik-Kapellen| Sänger-Festzug i Chor-Gesänge Gesangsleitung: Bundes-Dirigent Herr ftichard Slobel. «• Großes BrillantsPeuerwerk.® e In beiden f Herren, welche daran teilnehmen, Lokalen; zahlen 50 PI. nach. Billetts vorder 20 PI. Anfang früh 8 Uhr. Die KaffcekMchcn sind Ms O Uhr abends gcUffnot. Billetts an der Kasse 30 PI. rahruarhinHlinn■ LampfergeseUsohaft„Stern" ab Jannowitzbrüclce u. Schles. Tor. Fahrpreis 35 Pf. Kinder frei. rdfirVclUIIIUUliy■ Eisenbahn; Sohlesischer Bahnhof— Friedrichshagen. Extrazüge während des ganzen Tages. Billetts sind in den mit Plakaten versehenen Handlungen zu haben: außerdem bei I. Meyer, Urbanstr. 131; H. Barle), Brunnenstr. 95- A. Seikrit, Bergmannstr. 104; H. Naetebusch, Graudenzerstr. 4; G. Schönthal, Andreasstraße 57; M. Sinnecker, Kixdorf, Fuldastr. 59.— Für Vereine nur bei H. Naetebusch, Graudenzerstr. 4. 16/14» ZW □ Üax Kliems Sommer-Theater Hasenhelde 13—15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Taglich; Gr. Konzert, Theater und SpezialitätensVorstellung. Jeden Donnerstag: Llite-�sg. Fernsprecher IV. 8891. KIox Kllcm. Landsberger Allee 70/70, direkt an der Ningbahnslation. Ob schön! ffnilliijl Ob Regen I im herrlichen Garten oder Saal: Donnert und Vorstellung. Boll ständig neues Programm, das«rüfite und beste Berlins. 40 Senslitilnls-Nnmmern. Entree Wochentags 20 Pf., Sonntays 30 Ps. Jeder Erwachsene hat ein Kind unter 10 Jahren frei, ältere zahlen halben Eintrittspreis. Diez' Seelerrasse, Rüderstr. O. Jeden Sonntag, Dienstag u. Freitag: Großes Bllltttr-Konzert. Noch nie dagewesen) SisWÄläBr mit seinem konkurrenzlosen Feuer-FIaiumeu-Todes- llindcrnlssprnng. Um 6'/, und 10 Uhr: Auftreten der weltberühmten Turmseil- künstler„Tlie Ulepclts". Brlllant-Lanil-D. Wasser-Feuerwerk. Erstkl. Spezialitäten. Theater u. Ball. IM?- Wochentags 10 Ps. AARA Victoria-Brauerei I.litzosvstr. 111/112. Täglich: Horst's Sänger.| Zlnsang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Dienstag, Donnerstag, Sonn- abend, Sonntag: Tuus. GwwwwwwwwwwwwwwwwwS Prater-Theater Kastanien-Allee 7—9. Täglich: Dorn's Resi. Lebensbild in 3 Akten. Neue Dekorationen und Kostüme. ?veil Levlon mit seinen vier Bären. Ansang 4 Uhr. Eintritt 30 Ps. Numerierter Platz 50 Ps. Prieärlcdsderz. Frankfarter- Fernsprecher Nr. 8. Chaussee 5. Dwismg- Führmann-Walde-Sänger. Auf vielseitigen Wunsch wiederholt: srietlrichsbei'g auf Ulalzen. == Stürmischer Lachcrfolg.> Nach der Vorstellung: Famlllen-Krttnzchcn. i 38712 Gebr. Arnhold. Sozialilemokratiselier Verein im S.BeFüßer Wahlkreise. Unser treues Mitglied, derTöpser Triedried LUdeke I. Abteilung ist am 28. Juli verschieden. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Fried- hoses, Friedrichssclde, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Borstand. BösaiissiiRose-Mes Gesundbrunnen, Badstrahe 58. Heute vollständig neues Programm. Miß Bella Pield die schwarze Nachtigall. Mizzi Force, Kostümsoubrette. The Beiroits, Exzentrik-Akt. The Berlins, la perche trapez. Sevilla u. Piccolo, Bomben- u. Granaten-Akt. Rhaues, Sprungschlcuderbrett-Akt. Mlle. Sire, Handsilhouetten, u. v. a. m. Außerdem: Hie Ijoreley;. Preise der Plätze wie gewöhnlich. . Otto Pritzkows. lilin-l Hünzstr. 16. Ufeu»?»»»» Ifen ? Mne-Mno-Mni!?| frei in der Luft fliegende ? Türkin? Anatom. Rätsel. Med. Wunder, d Neu renoviert! Neu renoviert![ Carl Weiß-Theater. Gr. Franksurterstr. 132. Kelsmanns Abenteuer auf dem ruff.-jap. Kriegsschauplatz. Ans. 8 Uhr. Morgen dieselbe Vorstell. «onnabend: Im Hanse der Sünde. Im Soininergarten: Vollständig neues SPczialitäten-Programm. Ansang 4 Uhr. Entree 25 Pf. Mitt- woch: Großes KindersteudensefL Schwarz' Sommer-Theater Lichtenberg, Dorfstr. 25,26. Täglich- Konzert. Große SpeziaiitätePYorsteliiing. | Das großartige Juli-Programm. Anfang 5 Uhr. Jeden Mittwoch:.Elite-Tag. M Elyslum � Landsberger Allee 46/41. Heute sowie täglich: 38872' Harvnrger Sänger sowie Famttienfafseefochen. Anfang 7 Uhr. Entree frei. KnSrsss-Vsrten Andrcasstr.»6. Empsehle der geehrten Nachbarschast, Freunden und Vereinen meine Lokali- täten zu Versammlungen und Fest- lichkeiten. Fremdenzimmer mit guten Betten, Garten, Kegelbahn. Best. gepflegte Biere, guter Mittags- tisch von«D Ps. an. Kalte und warme Speisen in bekannter Güte. Jeden Sonntag DWp- Tan-"ME bei freiem Entritt. 35012* Es ladet ergeben st ein Frans Herkowskl. Was macht der kleine Gräber??? Eyctaenerstr. 13. 'lUMSlS-P8Mg°.M *9033 ups utpUdütffl Cafe Ttseher Oranien- Straße 144 am Moritzplatz. 38382* Kaffee 10 u. 15 Ps., Tee, Schokolade, verschiedene Biere. 6 Nouhusen- Billards, Stunde 40 und 60 Pfennig. In- und ausländische ZeiNingen. .Juliane Fischer OraulcnstraUc 144. Berliner Rllk-Trio. Felix Scheuer u Sbiliigiintr. I. ??? Karon jVluckl Ttsue WqM. Eine Hungerkur bei Brechdurchfall, wie sie die Kinder erleiden müssen, wenn sie nur Tee oder Eiwcisiivasser bekommen, kann nicht günstig auf die Krankheit einwirken und macht das Kind nur noch schwächer. Rationeller ist eine Abkochung von Kufekcs Kindcrmehl in Wasser, welche dem Kinde nicht nur die nötige Flüssigkeits- menge, sondern in derselben auch eine leicht verdauliche Nahrung zuführt, die den Krankheitsstoffen einen schlechten Nährboden darbietet, dadurch die Gärungsvorgänge im Darmkanal unterdrückt und so direkt heilend wirkt. Dagegen bieten die Eiweihflocken des Eiwcisiwasscrs den Bakterien gerade einen guten Nährboden dar und können so die Krankheitserscheinung eher steigern; außerdem werden sie von dem erkrankten Darmkanal schlecht aufgenommen und unverändert im Stuhlgang ai-sgq'chieden. Ir. 177. 22. Jahrgang. cillige des.Fomiirls" Kerlim KldsM Dienstag, 1. Anguß MS. partei-)Znge!egenkeiten. Zur Lokalliste. Folgende Lokale sind noch frei ge- Wieden: Kaulsdorf. Hamanns Gesellschaftshaus. Jnh.: Mq Stephan. M a h l s d o r f, Wernecke. Bernau, O. Wagner, Kaierstr. 81. Schönow, Otto Schulz. Folgende Lokale sind gesperrt: Kaulsdorf, Gathof von Götze. Stralau, Ww. Schonert. Berlin SO., Tachenburg, Vor dem Schlesischen Tor. Die Lokalkommission. berliner J�acbmbten. Baut mehr Gemeindeschulhänser. In der letzten Nummer des vom Magistrat herausgegebenen .sZemeindeblatt" macht die Schuldeputation bekannt, datz sie schon wider Räume zu mieten wünscht, in denen sie eine Genwinde- schile unterbringen lvill. Die Mietskaserne, die zu diesem Zweck hegegeben werden soll, muh in der Nähe des Ringbahnhofs Shönhauser Allee liegen, etwa in der Gegend der Strgardersträhe oder noch über die Ringbahn hinaus. Die Umgebung des Ringbahnhofs Schönhauser Allee ist schon jest so reichlich mit Metsschulen gesegnet, wie kaum ein anderer Sadtteil. Zwei befinden sich in der Raumerstrahe, zivei in der Sargarderstrahe und zwei in der Schönhauser Allee auherhalb der Rngbahn. Das sind auf einem ganz eng begrenzten Gebiet schon sechs Metsschulen, zu denen nun noch eine siebente kommen soll. Dah sie not- wndig sind, wird kein Mensch bezweifeln. Im Gegenteil: die ncdliche Hälfte der Schönhauser Vorstadt ist bereits so stark be- vckert, dah sie getrost noch ein paar Schulen mehr brauchen könnte. D eS aber richtig war, an die Erbauung neuer Ge- meindeschulhäuser dort erst so spät heranzugehen, dh nun einstweilen eine Mietsschule nach der anderen aufgemacht Wrden muh, das will uns denn doch sehr zweifelhast erscheinen. Die bauliche Erschliehung des Stadtteils auherhalb des Ring- bqnhofs Schönhauser Allee datiert nicht erst von gestern und vor- getern. Sie wurde vor einem halben Jahrzehnt begonnen, und die Vrverhandlungen reichen noch viel Wetter zurück. Dem Magistrat koute schon sehr lange bekannt sein, dah hier in absehbarer Zeit siö ein starkes Schulbedürfnis geltend machen müsse. Der nördliche Til der Schönhauser Borstadt bietet uns jetzt dasselbe Schauspiel, dck wir früher im Viehhofsviertel gehabt haben. Auch dort kcn man mit der Vermehrung der Schulhäuser weit hinter der Bau- täigkeit und dem Bevölkerungszuzug hergehinkt, und das Viehhofs- virtel hat noch heute unter einer sehr fühlbaren Schul- n>t zu leiden. Der Magistrat hat steilich mehrfach, offiziös und offiziell, die Eilärung hinausgesandt, dah es doch nicht so leicht sei, das Schul- beürfnis vorauszusehen. Wiederholt ist darauf hingewiesen worden. dcz in Berlin die Bevölkerung stark fluktuiere, so dah manchmal in crem Stadtteil ganz plötzlich ein lebhaftes Bedürfnis nach Schulen astrete, während es in einem anderen Stadtteil ebenso unerwartet nchlasse. Für Stadtteile, wie das Viehhofsviertel es war und jetzt >v!der die nördliche Schönhauser Vorstadt eS ist, kann diese Ent- schldigung nicht gelten. Jedes Kind weih, dah allemal da, wo der Bu neuer Wohnhäuser geplant oder in Angriff genommen wird, beb auch auf Zuzug von Bewohnern zu rechnen ist. Da find die Kirche nerbauer doch viel geschwinder be der Hand. Die Samariterkirche im Viehhofsviertel und auch die Gchsemanekirche nahe dem Ringbahnhof Schönhauser Allee wurden bebe auf freiem Felde errichtet, und erst nachher wurden sie mit Ähnhäusern umbaut, aus denen übrigens noch heute kaum jemand dise Kirchen besucht. An die Schulen, die doch wohl notwendiger al Kirchen sind, wird viel später gedacht. Erst lätzt man Wohn- huser entstehen und dann stellt man Schulhäuser unter sie. Und bi sie fertig werden, pfercht man die Kinder in Mietsschulen ein. Berlin hat jetzt 277 Gemeindeschulen, und davon sind nun nicht wniger als 33 in gemieteten Häusern untergebracht. So weit ist eS breite gekommen I Von 4803 Klassenzimmern, die in Benutzung sind. bänden sich 615 in diesen Häusern, die zum Teil als Mietskasernen boenklichster Sorte bezeichnet werden müssen. Die fliegenden Kissen hat man vermindert und fast beseitigt, aber dafür werden d e Mietsschulen ins Mahlofe vermehrt. Soll das er Fortschritt, eine Befferung sein? Wenn im Herbst die Bürger Berlins zu den Stadtver- o dnetenwahlen schreiten, wird ihnen die Freisinnsclique in Ftgblättern und Versammlungsreden und Zeitungsartikeln vor- erählen, wie der Freisinn in der Berliner Kommunalverwaltung so GoheS und Vortreffliches leiste. Trotz aller Schulnot I Die Eheschließungen waren in Berlin in der ersten Hälfte von Ivb wieder noch zahlreicher als in demselben Zeitraum des v eigen Jahres. In den ersten sechs Monaten wurden diesmal 1tS71 Ehen geschlossen, während das erste Halbjahr von 1904 nur 990 Eheschliehungen gebracht hatte. Das Mehr beläust sich auf zimlich 6 Proz. Dagegen ist die Bevölkerungszahl Berlins heute ui nur 21/, Proz. höher als vor einem Jahre. Der Mitgliederbestand der OrtS-, FabrikS- und JnnungS- Kankenkassen Berlins hat zum Juli hin wieder die Berminde- rmg erfahren, die ziemlich alle Jahre um diese Zeit eintritt. Bis Shfang Juni 1905 war der Bestand auf 672 051 Mitglieder gestiegen, zr Anfang Juli aber stellte er sich auf nur 663 536. Die Ver- Hinderung beträgt 8515 Mitglieder. Hiervon entfallen allein 6612 aif die weiblichen Mitglieder, deren Zahl schon seit April im Rück- gng war und besonders vom Juni zum Juli von 236 738 auf 20 126 sank. Die Zahl der männlichen Mitglieder verminderte sich vm Juni zum Juli um nur 1903, von 435 313 auf 433 410. Schutzleute in der Frauen- Bedürfnisanstalt! Einen ungewöhn- lihen Besuch bekam am Montag die Frauen- Bedürfnisanstalt, die dr Magistrat auf dem Molken markt aufgestellt hat. Nach- iittags gegen 4 Uhr sah die Wärterin zu ihrem nicht geringen Ährecken zwei behelmte Schutzleute eintreten, die sofort auf das Kvsett lossteuerten. Was wollten sie hier? I Suchten sie einen der Velen Mörder, die in Berlin unentdeckt umherlaufen? Oder— bitten sie selber es so dringend nötig. dah sie nicht mehr bis zur richsten Männer-Bediirfinsanstalt gelangen konnten? Schon machte >er eine sich zurecht und wollte sich niederlassen. Pflichtgemäh wies >ie Wärterin beide darauf hin, datz daS eine Bedürfnisanstalt nicht ür Männer, sondern für Frauen sei.„Machen Sie die Tür zu I' ierrschte man sie an.„Bkachen Sie zu, oder ich zeige Sie an I* Oer Frau blieb dann nichts anderes übrig, als die beiden gewähren U lassen und abzuwarten, bis sie gehen würden. Inzwischen ammelten sich auf dem Molkemnarkt vor der Bedürfnisanstalt eine Ncnge Leute an, die den Auftritt beobachtet hatten und nun gleich- alls sehen wollten, wie die Sacke sich entwickeln werde. Augen- eugen, von denen uns der Vorfall mitgeteilt worden ist, haben die lnstcht ausgesprochen, datz beide Schutzleute— im Zustande einer gewissen Verwirrung gehandelt haben. Das kann mindestens bei >em einen stimmen. Denn als sie wieder herauskamen, hatte dieser ine vergessen, seinen Säbel mitzunehmen, de« er drinnen abgetan 1 hatte. Er trottete davon, ohne den Verlust zu merken. Die Wärterin fand nachher die Waffe auf dem Klosett und händigte sie idem auf dem Molkenmarkt diensttuenden Schntzmannsposten aus. Das Versammlungswrscn in Berlin erreicht in den Sommer- monaten seinen niedrigsten Stand. In den Monaten Juni, Juli, August 1904 wurden 354, 246 bezw. 299 öffentliche Versammlungen angemeldet: im Juni dieses Jahres waren es 279. Die meisten Versammlungen haben im Oktober 1904 stattgefunden, und zwar 514. Dann folgen die Monate November 1904 und März 1905 mit je 506 Versammlungen. Von diesen Versammlungen wurde nur ein Teil polizeilich überwacht. So hatten von den 506 im März statt- gefundenen Versammlungen 139 polizeiliche Ueberwachung, von den 449 im Mai abgehaltenen erfreuten sich 195 dieser überflüssigen Matzregel. Auch an aufgelösten Versammlungen hat es nicht ge- fehlt. Es wurden aufgelöst im Oktober 1904 6, im November 5 und im März 1905 5 Versammlungen. Von den von Juni 1904 bis Juni 1905 stattgefundenen 4940 öffent- lichen Versammlungen sind 1813 polizeilich überivacht worden. Mit der Ueberwachung werden in der Regel zwei Beamte beauftragt; das hindert indessen nicht, daß bei grötzeren Arbeiterversammlungen noch ein grötzeres Aufgebot von Behelmten vor dem Versammlungs- lokale postiert ist, gar nicht zu reden von der Schar Kriminal- beamten, die sich bei solchen Anlässen einfinden. Wir greifen wohl nicht zu hoch, wenn wir sagen, datz für die Ueberwachung von Ver- sammlungen ungefähr 4000 Beamte im vergangenen Jahre tätig waren. Diese 4000 Beamte hätten in der Tat zu nützlicherer Tätigkeit Verwendung finden können, es sei nur an die Morde, deren Täter noch gefunden werden sollen, an die vielen Ucberfälle erinnert. 3000 öffentliche Versammlungen konnten in Berlin stattfinden, ohne datz die Polizei dabei war, die Welt stände sicher auch noch, wenn die 1813 Versammlungen ohne die 4000 Polizeibeamten getagt hätten. Selbst innerhalb Deutschlands, in einer Reihe süddeutscher Staaten, kommt man ohne diese UeberwachnngSmatzregel aus, doch im Polizeistaat Preutzen bleibt sie ein notwendiges Requisit der bureau- kratischen Bevormundung und Knebelung des Volkes. Dir Opfer des Bootsimfalls gelandet. Zu dem folgenschweren Bootsnnglück ans der Oberspree bei Nieder-Schöneweide wird uns ge- meldet, datz es jetzt gelungen ist, sämtliche vier Leichen der bei dem Unfall Ertrunkenen zu bergen. Der Polizeisäbcl hat wieder einmal am Sonntag morgen um 2'/g Uhr seine Rolle gespielt. Am Oranienburger Tor lärmte ein Mann derart, datz der Schutzmann Dalle ihn nach vorheriger War- nung auf die Polizeiwache bringen wollte. Jetzt mischten sich Passanten ein und der Beamte erhielt unerwartet einen schweren Hieb über den linken Arm. Auf ein Notzeichen trafen mehrere andere Polizeibeamte ein, die mit der Waffe in der Hand„die Ordnung wieder herstellten". Die meisten der beteiligten Ruhestörer entzogen sich durch die Flucht der Festnahme: der Anstifter aber wurde abgeführt. Auf dem Wege zur Wache wurde er wegen seiner Widersetzlichkeit gefesselt. Auf der Wache des 6. Polizeireviers in der Johannisstratze ergab sich wider alles Erwarten, datz der Urheber des Aufstandes ein— Kirchenbeamter ist. Von wem der Schutzmann Dalle den Schlag erhalten hat, konnte noch nicht ermittelt werden. Der Beamte mutzte sich krank melden.» In der Kreissäge. Die linke Hand eingebützt hat bei einem Betriebsunfall der Bruder des Besitzers der hiesigen Holzschneiderei von Strehmel, Blumenstratze 30. Als St. gestern nachmittag an der Kreissäge ein Brett durchschneiden wollte, rutschte ihm dieses aus und er geriet mit dem linken Arm in die Kreissäße hinein. Die linke Hand wurde dem Unglücklichen dabei vollständig abgesägt. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde St. von der Unfallstation am Grünen Weg nach dem Krankenhause am Friedrichshain ge- bracht. Eine auftegende Szene spielte sich abends bei Abgang des nach Dresden fahrenden Personenzuges auf dem Anhalter Bahn- Hofe ab. Ein Arbeiter hatte die Abfahrtszeit versäumt; trotzdem bestieg er den Zug, der sich schon in Bewegung gesetzt hatte. Er hatte bereits auf dem Trittbrett festen Futz gefatzt, aber es gelang ihm nicht, die Coupötür zu öffnen. Zwei Bahnbeamte, die das Gefahrvolle der Situation sofort übersahen, eilten dem Zuge nack und sprangen auf den Zug. Während nun der eine den in Lebens gefahr schwebenden Arbeiter mit Mühe festhielt, stieg der andere in ein Coupe und gab durch die Notbremse das Signa! zum Halten. Ans diese Weise kam der Zug zum Stehen, und ein Unfall konnte verhütet werden. Der Arbeiter wurde sistiert und nach Feststellung seiner Persönlichkeit wieder entlassen; er befand sich im Besitze einer gültigen Fahrkarte nach Dresden. Sperrung der Schönholzer Heide. Den Bewohnern de» Nordens der Stadt und der nördlichen Vororte ist eine unliebsame Ueber- raschung zuteil geworden. Seit dem gestrigen Sonntag steht am Eingang zur Schönholzer Heide ein Schild niit der Aufschrift: „D-is Betreten dieses for st fiskalischen Bau- geländesi st Unbefugtenverboten. Worchu. Comp." DaS forstfiskalische Baugelände ist der gesamte Schönholzer Wald, von dem der Landwirtschaftsminister seinerzeit sagte, man wolle diese Lunge der Stadt Berlin nicht nehmen. Nur Straßen- züge sollen durch den Wald gelegt werden, das Gelände aber mit dem Waldbestand verkauft werden. Den Baumbestand werde dann jeder Käufer um die zu errichtenden Landhäuser stehen lassen, und so würden geordnete Zustände in der Schönholzer Heide Platz greifen.— In den vergangenen zwei Jahren ist nun aber gerade das Gegenteil eingetreten, die Zustände in dem Wald wurden immer schlechter. Es mag in erster Linie daran liegen, datz sich nur wenig Käufer finden, denn das Gelände ist ziemlich teuer, und besonders der neue grohe Güterbahnhof Schönholz wird die Ver- anlassung dazu sein, datz man dort keine Landhäuser errichtet. Während in anderen Orten verlangt wird, datz die Stratzenzüge wenigstens provisorisch so hergestellt werden, datz sich niemand Hals und Beine brechen kann, geschah in der Schönholzer Heide absolut nichts. Den dringenden Ausforderungen der Polizei. wenigstens die durch das Herausnehmen der Bäume entstandenen Löcher zuzuschütten, wurde nicht entsprochen. Nun, wo die Polizei- behörden energisch vorgehen wollen, wird von der sfirma Worch u. Comp, der Wald einfach als gesperrt bezeichnet. Die in Betracht kommenden Vorortsgemeinden sind der Ueberzeugung, datz die Firma Worch u. Comp, hier eigenmächtig gehandelt hat und der Minister das Verbot unverzüglich aufheben wird. Geschieht es nicht, so ist noch die Möglichkeit vorhanden, die Einzäunung des ganzen Bau- geländeS zu verlangen, deren Kosten die Firma Worch u. Comp. dann zu tragen hätte. Frrnsprrch- Automaten in GcrichtSgebäuden. Die Berliner Handelskammer hatte sich auf Ersuchen von Interessenten bereit er- klärt, für die Aufstellung von Fernsprech-Automaten in den Gebäuden der Landgerichte I und II zu Berlin die seitens der Post erforderte Garantie einer jährlichen Mindesteinnahme von je 200 M. zu über- nehmen. Die Aufstellung wird nunmehr erfolgen. Die Ober-Post- direktion hat nun bei der Haudelskanimer angeregt, in gleicher Weise auch die Ausstellung eines Fernsprech-Automaten im Kriminal- gerichtSgcbäudends vom Dache her schnarchende Laute vernahm, als ob oben jema. d schlafe. Später vernahm sie Tritte auf dem Dach. Bevor abei die Sache aufgeklärt werden konnte, hörten der Wirt und die Gä te eines im Vorderhause belegenen Gasthauses ein starkes Geräusch vrm Hofe her. daS durch das Aufschlagen einer Last auf das Asphallpflaster entstanden zu sein schien. Beim Nachsehen ergab sich, datz W.ber bei dem Versuch, auf den Boden zu kommen, vom Dach abgestürzt war. Mit völlig zerschmetterten Gliedern war er tot liegen geblieben. Um sich die Feuermelbeprämie»u verdienen, hat ein junger Kaufmann einen echten Dummenjungenstreich begangen. Am Sonn- tag mittag war der Kaufmann G. in der Raupachstratze 16, Ecke narktstratze, mit dem Kochen von Leim auf einem Gaskocher "(t. Plötzlich rief er auS:„Jetzt werde ick mir nen Dahler ", warf den Leimtopf um, lief zum nächsten Feuermelder ierte die Wehr. Diese forschte aber nach der Entstehung und dabei kam der Schwindel an den Tag, und statt der 3 M, «m es nun eine Strafe wegen Sachbeschädigung, groben Unfugs uftv. Wtte reiche Ernte hielt ein Sonntagsdieb in einem Goldwaren- geschäst Köpcnickerstr. 163. Während der uiwerhciratete Inhaber ausgegangen war, benutzte der Einbrecher die Gelegenheit, um zwischen 8 und 12 Uhr die vom Hausflur in den Laden führende Tür mit einem Stemmeisen zu erbrechen. In dem Geschäft wurden alle Behälter durchsucht und von den, Vorrat das beste ausgewählt. Dem Geschäftsmann, der seinen Verlust auf 3S00 M. beziffert, fehlen 80 goldene Damenuhren, 13 goldene Herrenuhren, zwei Uhrketten von Gold und 18 Doublöketten, zwei Dutzend goldene Ringe und verschiedene Medaillons. Der Dieb ging so vorsichtig zu Werk, dast niemand etwas gemerkt hat. Feuerbericht. Eine ganze Reihe Marmiernngcn hatte die Wehr in der Zwischenzeit zu verzeichnen. Nach der Stromstr. 31 wurde sie gerufen, weil dort in einer Wohnung Feuer ausgekommen war. Möbel, Decken und Kleidungsstücke wurden in der Hauptsache be- schädigt.— Zwei Preßkohlenbrände mußten dann in der Großen Frankftlrterstr. 43 und auf dem Anhalter Güterbahnhof unterdrückt werden.— An der Spandauer Brücke 11 ging allerlei Verpackungs- Material in Flammen auf.— Nachmittags erfolgte Alarm nach der Kleinen Kurstr. 11/12. Schwefel brannte dort.— In der Licgnitzer- straße 40 und in der Linienstraße 133 hatte die Wehr weiter zwei Schornsteinbrände zu beobachten, während in der Reinickendorfer- straße 64 o Lumpen eingeäschert wurden.— Die übrigen Feuev Meldungen waren auf„blinden Lärm" zurückzuführen. In den Nachten vom 3. bis 12. August ist der Stern- ? ch n n p p e n s ch w a r m der P e r s e l den zu erwarten, deren Ausstrahlungspunkt im Sternbild des Perseus gelegen ist. Der Arbeiter-Säiigervund hält am Sonntag, den 6. August, sein 14. Sängerfest in den am herrlichen Müggelsee belegenen Lokalen „Müggelschlößchen" und„Strandschloß" in' Friedrichshagen ab. Der Bund, der sich in der klassenbewußten Arbeiterschaft durch seine Aufführungen große Beliebtheit und Anerkennung errungen hat, zählt jetzt 6000 Mitglieder. Am kommenden Sonntag wird er vor seinen Gästen neue Proben seiner Sangeskunst ablegen. Möge diesem Sängerfest günstiges Wetter beschieden sein. Radrennen zu Zehlendorf. Das Stundenrennen, das von dem Engländer Tommy Hall, dem Dresdener Kurt Rosenlöcher und dem Kölner Peter Günther am Sonntag bestritten wurde, war leider reich an U n f ä l l e n. In dem 13. Kilometer kam es, als Günther an Rosenlöcher in der steilen Kurve vorbeigehen wollte, durch gegenseitiges Anfahren zu einem Massensturz. Motoren und Fahrer überschlugen sich und fielen von oben herab. Zum Glück kamen sowohl Fahrer wie Schrittmacher ohne wesentliche Verletzungen davon. Endergebnisse: Hauptfahren. 3000 Meter. 30, 20, 10 Mark. 1. Kurz- meier, 2. Theile, 3. Fr. Hoffmann. Stundenrennen. 2000, 1000, 600 Mark. 1. Tommy Hall 60 716 Kilometer, 2. K. Rosenlöcher 2400 Meter, 3. Peter Günther, 37'/z Runden zurück. Vorgabefahren. 2000 Meter. 26, 16, 10 Mark. 1. Theile (Mal), 2._ Kurzmeier(Mal), 3. Fr. Hoffmann(40 Meter Vorgabe). Prämienfahren. 3000 Dieter. 26, 16, 10 Diark, außer- dem dem Ersten bei jedem Kilometer 10 Mark. 1. Theile, 2. Kurz- meier, 3. Jähnel. Beide Prämien fielen an Theile. Das Passage-Theater eröffnete am Sonnabend eine neue Spiel- saison. Trotz der Hundstagshitze war das Haus ausverkauft. Unsere modernen Varibts wetteifern in dem Bestreben, sich durch besondere Zugstücke die Gunst des Publikums zu erwerben. So hatte auch die Direktion des Passage-TheaterS mit großem Aplomb das Auf- treten der Madame du Dion angekündigt. Es waren aber nur Aeußerlichkeiten, die darauf hinzudeuten vermochten, daß diese Dame die„Kaiserin der Sahara" vorstellen sollte. Zwei kräftig gebaute Neger trugen die mit Brillanten übersäte Tänzerin und Sängerin in einer Sänfte über die Bühne. Ihre Leistungen gingen nicht über die einer oft gehörten Chansonette hinaus. Dagegen verdiente sich Fernande Robertine in dem Mimodrama:„Die Hand" durch ihr belebtes Mienenspiel erhebliche Anerkennung. Auch eines bestimmten sozialen Zuges ehrliche dieses Stück nicht.' Zu erwähnen sind noch zwei akrobatische Tänzerinnen Smeralda und Scintza. Wahre Lach- salven aber entfesselten die vier OtinoS, die einen Stierkampf paro- vierten. Daß das Auge durch prächtige Kostüme zu seinem Rechte kam, bedarf bei der Aufnierksamkeit, die die Leitungen unserer Variätös auf die Ausstattung legen, keiner besonderen Erlvähnung. Der Sternenhimmel im August. Die westliche Hälfte des Himmels zeigt nur wenige hervorragende Sterne. Im Nordtvesten prangt der Große Bär oder Wagen, unser bekanntestes Stern- bild, im Westen steht hoch am Himmel der rötlich funkelnde A r k t u r, ein Stern erster Größe, der zum Sternbild B o o t e s ge- hört. Die östlich und südöstlich von ihm sichtbaren Sterne zweiter Größe gehören den Sternbildern Krone, Schlange, Herkules und O p h i u ch u s an. Tief im Südwesten stehen die beiden Stern- bilder Waage mit zwei Sternen zweiter Größe, und Skorpion, ebenfalls mit zweien zweiter und einem erster Größe strahlend, dem rötlichen Antares, der jedoch wegen seines tiefen Standes nicht voll zur Geltung kommt. Dasselbe ist mit dem Planeten MarS der Fall. Die östliche Himmelshälste zeigt einen größeren Reichtum an funkelnden Sternen. Von Süden aus wird sie in nordnordöstlicher Richtung vom zarten Lichtschimmer der Milchstraße durchzogen, in welcher von Süden nach Norden fortschreitend die Stern- vilder Schütze, Adler, Schwan, Cassiopeja, Perseus, Fuhrmann gesunde» werden: im Schützen ragt nur ein Stern zweiter Größe hervor, sehr hell funkeln dagegen der Ä t a i r(1. Gr.) rm Adler und der hochstehende D e n e b(2. Gr.) im S ch lo a n; Cassiopeja ist an der W-fönnige» Anordnung ihrer Sterne kenntlich, Perseuö hat zwei helle Sterne zweiter Größe, von denen der eine, der veränderliche Algol, außerhalb der Milchstraße, an ihrem Ostrande steht; ebenfalls außerhalb, an ihrem Westrande, steht noch weiter nördlich C a p e l l a(1. Gr.) vom Fuhrmann. Nordwestlich vom Atair, westlich vom Dencb funkelt gerade über unserem Haupte der gegenwärtig hellste Fixstern unseres Himmels, die Wega(1. Gr.) vom Sternbild der Leier. Nördlich von ihr erblickt man den zum Kleinen Bär oder Wagen gehörigen Polarstern(2. Gr.) Südöstlich von Atair steht ein Sternbild, das keine auffallenden Sterne besitzt, der S t e i n b o ck; in ihn? steht gegenwärtig der durch sein Ringsysteni merkwürdige Planet Saturn, der in bleifarbenem Schimmer die ganze Nacht hindurch zu sehen ist. Hoch im Osten stehen die Sternbilder P e g a s u s, kenntlich an einem großen Sterndreieck zweiter Größe, weiter nördlich die langgestreckte Andromeda, deren drei Sterne zweiter Größe östlich von der Cassiopeja zu finden sind.« und tief im Nord- osten der Widder mit einem Sterne zweiter und dritter Größe. Nördlich von ihm befindet sich der S t i e r noch unter dem Horizont; in ihm steht der glänzende Planet Jupiter, der erst gegen Mitter- nacht aufgeht, gegen Ende des Monats schon um 10 Uhr, und dann die ganze Nacht am Himmel prangt. Die Sonne, welche am 1. August die Mittagshöhe 66° 30' hat, sinkt bis auf 46° 10' am 31. August herunter; ihr Aufgang in dieser Zeit rückt von'/zO Uhr auf'LO Uhr früh, ihr Untergang von 8 Uhr auf 7 Uhr abends, die Tagesdauer verringert sich also von lbi/2 Stunden auf 133/4 Stunden. Am 30. August tritt eine Sonnen- finsternis ein, die in Berlin als partielle sichtbar sein wird. Sie beginnt um 1 Uhr 0 Minuten mittag? und ist um 3 Uhr 23 Minuten beendet. Ihr Höhepunkt ist um V43 Uhr; die Sonne erscheint alsdann als eine Sichel, die noch nicht die Hälfte der ganzen Scheibe beträgt. Der Mond ist am 1. August N e n n> 0 n d, am 7. E r st e s Viertel, am 16. Vollmond. An diesem Tage findet früh- morgens eine partielle M 0 n d f i n st e r u i s statt, die um 3 Ilhr 38 Minuten beginnt und um 6 Uhr 43 Minuten beendet ist. Nur der erste Teil ist ist Berlin sichtbar, da der Mond schon um 4 Uhr 65 Minuten untergeht. Verdunkelt ivird nur etwa der süir der Mondscheibe. Am 23. August ist Letztes Mond und am 30. wieder Neumond; an diesem Tage strel schatten über die Erde hiiiiveg und ruft dadurch die ob Sonnenfinsternis hervor._ BßantoT SMlffteur; Paus Büttne?. Bkrlju. Vorort- l�admckten. Schöneberg. Durchgcgaiigcil sind gestern vor dem Hause Bahnstr. 7 die Pferde des Geschäftswagens von Janischewski, Erfurlcrstr. 12, und rasten führerlos die steile Bahnstraße hinunter. An der Ecke der Kolonnen- straße wurde der Rentier Matthäus Petersen aus Wilmersdorf umgerissen und das Fuhrwerk ging über P. hinweg. Glücklicherweise kan? der Verunglückte mit äußeren Verletzungen davon; er er- erhielt in der Hcrbertstraße die erste Hülfe. In wildem Galopp eilten die scheuen Tiere über'den Kaiser Wilhelmplatz hinweg die Hauptstraße hinunter. Entsetzt eilten die zahlreichen Passanten auf die rettenden Vürgersteige. Trotzdem der Wagen bei der tollen Jagd inzwischen die beiden Hinterräder verloren hatte, rasten die die Tiere unentwegt weiter bis an die Straßenbahnhaltestelle vor der Schloßbrauerei, wo eine ganze Anzahl von Müttern niit ihren Kindern auf die Straßenbahn harrte. Sie standen auf dem Fahr- dämm und schienen die herannahende Gefahr nicht zu bemerken. Zweifellos wäre ein furchtbares Unglück passiert, wenn sich nicht im letzten Augenblick der Schutzmann Nr. 160 den rasenden Tieren mutig entgegengeworfen und die Pferde zum Stehen gebracht hätte. Rummclsburg. Der sozialdemokratische Wahlverein für den Bezirk Rnmmelsburg hielt am 26. Juli seine Generalversammlung ab. in welcher Ge- nosse Schubert einen niit reichhaltigem statistischen Material aus- gestatteten beifällig aufgenommenen Vortrag über„VolksbildungS- stätten in Deutschland und Preußen" hielt. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken des ver- storbenx» Genossen Hermann Schultz durch Erheben von den Plätzen. Nach dem vom Genoffen Berger gegebenen Vorstandsbericht fanden in, 2. Quartal insgesamt sieben Vorstandssitzungcn und eine öffent- liche Versamnilung statt. In Berücksichtigung der heißen Jahreszeit und des mangelhaften Versammlungsbesuches hat der Vorstand keine MonatSversaminlungen einberufen. Die im April dieses JahreS in, Ortsteil Boxhagen neugebildctcn Bezirke(7 und 8) entwickeln sich durch die Regsamkeit der dort tätigen Genossen sehr gut. Genosse Bttterhoff gab den Kassenbericht vom 2. Quartal d. I. Derselbe er- weist' eine Gesamteinnahme von 4163,67 M., eine Gesamtausgabe von 364,26 M.(darunter 100 M. an den Ortsvertrauensniann ab- geführt), Bestand 300,32 M. Der Mitgliederzuwachs beläuft sich auf 23, Gesamtzahl der Mitglieder 664. Die vom 1. April mit Lichten- berg gemeinsam eingeführte ZeitungSspedition hat sich gut bewährt. Der vorher meist 40—80 M. betragende Ueberschuß hat sich auf rund 300 M. per Monat erhöht. Darauf gab Genosse Nollstadt eine eingehende Darstellung der mit den Inhabern des Schonertschen Lokal„Neuseeland" an, Rnmmelsburger See ent- standenen Differenzen. Danach war bei allen größeren Ver- gnügungen die Kellnerfrage Gegenstand ständiger Reibungen. Auch die Behandlung, die den Kellnern als auch den Parteigenossen von der Inhaberin und deren Geschäftsführer zuteil wurde, war eine derartige, daß man allgemein die Uebcrzengung gewann, den organisierten Kellnern die Arbeit und den Parteigenossen die organisierten Kellner zu verleiden. Verhandlungen über diese Sache mit der Lokalinhaberin führten zu keinem Ergebnis, befestigten viel- rtiehr die oben gefaßte Meinung über diese Gastwirtsfamilie. Genosse Nollstadt legte daher der Versammlung den Antrag des Vorstandes vor, über das Lokal der Witwe Schonert(„Neu-Seelaud") die Sperre zu verhängen. Die Berliner Lokalkommission hat inzwischen dem Antrage der Rummelsburger Genossen zugestimmt und das Lokal gesperrt. Zu Delegierten für die KreiSkonserenz wurden die Genossen Berger, Nollstadt, Rosenkranz, Barkel, Neuber und Höhne gewühlt. Mahlsdorf. In einer gutbcsuchte» Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvercins, Bezirk Friedrichsfelde, Zahlstelle Mahlsdorf, wurde nach einleitendem Vortrage des Vertrauensmannes, Genossen P i n s e l e r, beschlossen, die Zahlstelle zu einem selbständigen Wahlverein auszu- bauen. Der Vorstand setzt sich zusammen aus den Genossen Weiß, 1. Vorsitzender. W e h l i g, 2. Vorsitzender, Hanne, Schriftführer, Schmidt, Kassierer. Der Mutterverein Friedrichsfelde hat dem neuen Verein als Grundstock 76 M. bar und 20 Bände der Bibliothek überwiesen. Genosse Pinseler ermahnte die Genossen, recht eifrig für die Vergrößerung des neuen Vereins tätig zu fein. Kaulsdorf. Nach jahrelangem Kampfe um ein Versammlungslokal ist es jetzt gelungen, Hamanns Gesellschaftshaus an der Chaussee, Inhaber Stephan, zur Versammlung zu bekommen. Infolgedessen fand am Sonntag die erste Volksversammlung statt. Genosse Schubert- Berlin hielt einen wirkungsvollen, beifällig aufgenommenen Vortrag über„Die Bildungsstätten in Preußen". In der Diskussion wurden einige örtliche Verhältnisse zur Sprache gebracht. Die Lokal- komnnssion forderte die Versammelten aus, von jetzt an das Lokal von Götze zu meiden, um durch guten Besuch bei Hamann uns das Versammlungslokal zu erhalten. Vermiscktes. zirkulierte eines dieser 40 Sitzplätze aufweisenden MonstreS in den Straßen. Fünf verschiedene Modelle wird die Gesellschaft aus«cm Ausland beziehen, um sich über die zweckmäßigste Form klar zu werden. Die Automobile werden dann in Rom selbst gebaut von einer dieser Tage ins Leben getretenen Aktiengesellschaft. DaS gelbe Fieber. New Orleans, 30. Juli. Gestern starbe, an gelbem Fieber 7 Personen und 29 neue Erkrankungsfälle warer. zu verzeichnen. Mit einer Ausnahme sind die Gestorbenen Jtalicier oder Oesterreicher., Eine Stadt in Flammen. Aus Biidapest wird gemeldet: In Kirchdrauf(Szepes-Varalja) ist gestern ein Feuer ausgebrockn, durch das fast die ganze Stadt, etwa 300 Häuser samt den Nebn- gebäuden, eingeäschert wurde. Sechs Personen sind verbrannt, zhl- reiche verwundet. In der Nachbargcmeinde Kolbach sind injilge Blitzschlags 36 Häuser niedergebrannt. Auf den amerikanischen Eisenbahnen ist die Zahl der Unälle regelmäßig eine sehr große. Ein jüngst erschienener Bericht der Eisenbahnkommission für die Vereinigten Staaten für das rste Vierteljahr von 1905 gibt 1787 Zusammenstöße und 1321 Int- gleisungen an; 284 der ersteren und 177 der letzteren betrfen Passagierzüge. Die Zahl der Opfer beträgt für das eine Vietel- jähr 15 306, darunter 900 Getötete. Diese Zahl verteilt sich auf Unfälle aller Art im Betriebe. Das Leben der Angestellten ist tets in großer Gefahr; sie bilden die weit überwiegende Mehrzahl der genannten Zahlen. Dieser Bericht bildet nicht etwa eine Ausna.me von der Regel; die Anzahl der Getöteten war im vorhergehmen Vierteljahr nur um 42 geringer. Achtung, Vereine! Aufnahme in den Anfang August zur&r» öffentlichung gelangenden Vereinskalender finden nur söche Vereine, die bis zum 4. August darum nachsuchen. Zentralverband der Handlungsgchülfen und-(Uehülstmeu Deutschlands. Bezirk Nixdorf. Dienstag abend 9 Uhr: Versammlungbci ***"-***• sraun.»..-.., Berliner Marktpreise.(Ermlltelt vom Futtcrgerste, gute Sorte, 1 Doppelzentner 15,80 (14,30), geringe 14,20(13,60). Haser, gute Sorte 15.40(14,50). geringe 14,40(13,60). frei Wagen stroh 5,32(4,50). Heu, neu, 6,60(4,90). Polizei- Präsidtm.) (15,10), mittel 5.00 16,40(15,50), Uttel und ab Bahn. Scht- Erbsen, gelbe, mm Koche» 40,00(30,00)." Speisebohnen, Meitze 50,00(30,00), Lisen 60,00(30,00), Kartofseln 10,00(6,00). Rindfleisch, von der Keule, 1 Ülo- gramm 1,80(1,40), Rindfleisch, Bauchflcisch 1,50(1,20), Schweinefleisch 1,80 (1,40), Kalbfleisch 2,20(1,20), Hammelfleisch 1,80(1,40), Butter 2,80(!20). Eier(60 Stück) 4,40(3,00). Karpscn, 1 Kg. 2,20(1,40), Aale 3,00(:60), Zander 3,50(1,40), Hechte 2,80(1,40), Barsche 2,00(1,00), Schleie 3,00 (1,20), Bleie 1,60(0,80), Krebse(60 Stück) 20,00(3,00). LSItteriingStiberflch» vom 31. Juli 11)05, moraens 8 Ilhr Vom Blitz erschlagen wurde bei einem schweren Gewitter, das Ende voriger Woche durch das Havelland zog, auf dem Rittergute Ribbeck die 50jährige Wirtschaftsmamsell Bertha Rhode. Sie war gerade am Kochherd mit der Zubereitung des Abendbrotes beschäftigt, als ein Blitz durch den Schornstein kam, sie an der linken Kopfseite traf und sofort tötete. Der Blitz verletzte außerdem ein Küchen- mädchen am Arm und versengte die Betten in der Mägdestube, Wolkcnbruch. Der Ort Bischhausen im Kreise Eschwege steht infolge Wolkenbrnchs in Ueberschwemmungsgefahr. Die Ernte ist vollständig vernichtet; die Werra ist aus ihren Ufern getreten und hat aus Holz- und Trümmertcilen einen Damm angeschwemmt, mit dessen Sprengung das Militär beschäftigt ist. Ein Pionier- bataillon ist zur Hülfeleistung requiriert. Zu den Pilzvergiftungen in Einsiedel(Sachsen) wird aus Chemnitz gemeldet: Von der scchsköpfigen Familie Lindner in Ein- siedel, die an Pilzvergiftung schwer erkrankt war, ist jetzt nur noch der Vater am Leben. Erst starben die Frau und zwei Kinder und am Freitag die beiden anderen Kinder. Der Vater ist außer Gefahr. Die Pilze(Steinpilze) wirren nicht an sich giftig, sie waren aber ungeputzt längere Zeit liegen gelassen ivorden und dadurch verdorben.— In Halsbrücke bei Freiberg erkrankten am Donnerstag nach dem Genuß eines Pilzgerichts der Bergarbeiter Böhm und seine Frau so schwer, daß der Mann verstarb. Budapest, 31. Juli. Bei den Rettungsarbeiten des Kirchdraufer Brandes, dem, wie jetzt feststeht, 280 Häuser mit Nebengebäuden sowie die Synagoge zum Oprer gefallen sind, verbrannten 6 Per- soncn. Drei Personen trugen lebensgefährliche Verletzungen davon. Die Flammen schlugen auf den Nachbarort Kolbach über, wo 50 Häuser niederbrannten. Bei einem schweren Gewitter, so wird aus New Dork ge- meldet, welches über den von 250 000 Personen besuchten Ver- gnügungsort Coney Island niederging, find 6 Personen vom Blitz erschlagen und mehr als 40 verletzt worden. Automobile für den Vorortverkehr. Aus Rom wird uns ge- schrieben: Die römische Tram- und Omnibusgescllschaft beabsichtigt, r den Verkehr mit den Castelli Romani, den Villcnstädtchcn in der ähc Roms, die der vom Agro Romano umgürteten Stadt gleichsam Vororte Lienen, große Automobile einzuführen. Dieser Tage Ml vergntw.! Th. Gllttkt. Berlin. Lruck u. Perlag; Psiwärtt sBitchdru&iei u. BerlagsgnMlt Paul Singer& Co., Berlin SW, ßHcfhaftcn der Kedahtfon. 3urirtlrcbcr Cell. DI« luristlslh- Sprechstiiilde fl»d-t täglich mit Ausnahme de« eonnaded» von?-/, bis»>/, Uhr statt. Geöffnet- abend? 7 Nbr. I. O. 34. Ihre Nichtaufnahme in die Wählerliste entspricht den gwtz- lichen Vorschriften, die in dem über ganz Berlin vor zwei Wochen �r- breiteten Flugblatt zuhcffciib wiedergegeben sind. Aus welchem(vrride Sie außerhalb Berlins sich befanden, verschlägt nichts; nur wenn Sie Iren Berliner Aufenthalt nicht ausgegeben hätten(z. B. eine Familie hatten, die in Berlin weiter wohnte) hätte eine Reklamation Aussicht auf Erfolg-- S. B. Auf Grund einer sog. amerikanischen Auktion können Sie«cht klagen. Sie stellt sich rechtlich als unklagbares Spiel(§ 762 B. G.-B.)»der als unklagbarcr Scherzvcrkaus(§ 118 B. G.-B) dar.— H. P. Die Qlge hat Aussicht aus Erfolg. Zuständig sür die Klage ist das AmtSgerichi in dessen Bezirk der Gegner wohnt. Die Klage ist, wiewohl eS sich um:ine Fcriensachc handelt, schon jetzt anzustellen. Je srüher sie angestellt lird, desto srüher ist der Termin. Der Erfolg der Klage hängt davon ab, ordie Slrbcit brauchbar war. Es empfiehlt sich in Ihrem Falle, einen Llnwallmit der Vertretung zu betrauen. Die juristische Sprechstunde steht jeem Abonnenten ohne besondere Einladung offen.— R. O. 99. An. — 1617. 1. Falls das Kasscnstatut nicht abweichende Vorschriften entölt. ist beides zu zahlen 2. Ihr Vater hätte 780, Ihre Mutter 907 Malen zum mindesten auizuweisen, salls sie am 1. Januar 1891 versicherugS« pflichtig waren. Die näheren Borschristen sinden Sie Seite 498— 502deS in den öffentlichen Bibliotheken auSliegendcn. ArbeiterrechtS".— Zta ts- angehörigkeit, Kaiser III und andere. Ein nichtprentzischer Deucher ist aus seinen Antrag in den preußischen ItaatSverband auszunehmen, illS er sich in Preutzen niedcrlätzt. Der Antrag ist in Berlin an den Pohei- Präsidenten zu richten. ES genügt ein'Antrag etwa folgenden WortlatS: „Ich bin mecklenburgischer Staatsangehöriger und habe mich auSweiSlichdcr anliegenden polizeilichen Anmeldung seit dem... in Berlin niedergelffen. Anliegend überreiche ich meine Geburtsurkunde sowie meine Militärpaiere und beantrage, mich in den prcutzischen Staatsverband auszunehirn." Haben Sie einen mecklenburgischen Staatsangehörigkeitsausweis, so säen Sie diesen bei. Haben Sie solchen nicht, so warten Sie ab, ob die Sei» bringung eine» solchen versangt wird, Ist daS der Fall, so wendenSte sich, wenn«ie Schweriner sind an das Ministerium de? Jnneri zu Schwerin, wenn Sic Strelitzcr sind an die Landesregierung zu Ncu-Stelltz mit einem Antrage um Ausstellung des Staatsangehörigkeitsauswfes. Welche Behörden in den anderen deutschen Vaterländern zur AuSsteUng eines Staatsangehörigkeitsausweises zuständig sind, ersehen Sie aus Seie 2, 3 des den,.Arbeiterrecht" bcigesügtcn Führers. Das Buch liegt inden öffentlichen Bibliotheken aus.- B. 199. Bringen Sie den Vorfallzur staatsanwaltlichen Anzeige, so kann Ihr Nachbar wegen Betruges, aber uch Sie können wegen Taubendiebstahls bestraft werden. Dasselbe Resultat Inn eintreten, wenn Sie das Kausgeld einklagen.— E. W.. Ripdorf. Ja. — Vermietung. Eine Klage aus Zahlung hätte nur dann Aussicht aus Erfolg, wenn«ie den Nachweis führen, datz der Vermieter Entgelige- nomnien hat. Sie sind jederzeit berechttgt, die Benutzung der Wohnräune zu untersagen und, salls solche Benutzung dennoch stattfindet, aus Räuumg und Entschädigung zu klagen. Bei der jetzigen Sachlage könnte aberdas Gericht annehmen, der Vermieter habe annehmen dürfen, Sie seien mit der geschehenen unentgeltlichen Benutzung einvcrstwdcn. — W. I. Ja.— W. S.»6. Ihnen gegenüber ist die Krankenkasse und der Hundesitzcr, letzterer auch über den von der Kasse zu zahlenden Betrag hinaus sur den vollen Schaden verantwo:Ilch. Was die Kasse Ihnen zahlt, holt sie sich vom Hundebesitzer wiede.— M. K. 1877. Sind durch Urteil oder Vergleich vor einem'Amtsgcrick die Kosten einem Teste auscrlegt, so hat der andere Teil, wenn seine Aus» sorderung zur Kostenerstattung sruchtloS bleibt, Kostensestsetzungsantrag icirn Gericht zu stellen. Ein Beispiel sür solchen Antrag finden Sie S 598 Nr. 78 des in den öffentlichen Bibliotheken auslicgenden„Arbeiterrecht?.— L.®. Ja, wenn nicht der Wortlaut des Sterbckasscnstatuts oder der Pltze dem widerspricht.— R. I. 34. 1. und 2. Ja. Aus Antrag beläs die Anncndirektton in der Regel der Witwe den Betrag. Entsagt die Btwe nicht innerhalb 6 Wochen der Erbschast, so erbt sie auch die Schifcen. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Fimiff.a.M München Wie» s s c 5 = 5 a« 760 WSW 761'�23 762 W 764® 764 NW 764 1 Still Setter alb bd. ialb bd. 4n>olkcnl 2wolkenl 2heiter — heiter H& Stationen Lll S;£ »=■ c 3 8« )aparanda 750 S "efei'8burgi754 W Scilly Abcrdeen Paris 764 SSO 757 SW 764 N > Wetter »s - tu 2 bedeckt 1 halb bd. 1 wolkig 2 heiter 4 wolkig 13 16 17 13 3 vletter-Prognote für Dienstag, den 1. August 1903. Ein wenig kühler, vielfach heiter, jedoch unbeständig mit leichtm Regu» schauern und frischen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. jRJafierstand am 29. Juli. Elbe bei Aussig— 0,39 Meter,>et Dresden— 1,69 Meter, bei Magdeburg 4- 0.84 Meter.— U n st r u t>et Straußsurt-ff 1,50 Meter.— O d e r bei Ratibor-s- 0,81 Meter, bei Bresau Obcr.Pcgel-ff 4,80 Meter, bei Breslau Unter-Pcgcl— 1,38 Meter, bei Franksurt-!- 1,35 Meter.— Weichsel bei Brahcmünde-ff 2,60 Meer. — Warthe bei Posen-ff 0,26 Meter— c tz c bei Usch-s- 0,86 Meer. Moabiter S. Wiclefstr. 24 u. Emdenerstr. 41. JedWienstag, Mittwoch u. Freitag die berühmten Ilvktiuailii» Norlilj. Ssoger. Dir. Er. Esnlber. Heute: lZr. Eröttnungs- Vorstsilung. Entree 30 Pf. Borzugskarten Gültigkeit. Nach jeder Vorstellung: Tanz. Ullieoslr. empfiehlt sewe Säle. 3431)� Jeden Sonntag: EalL iinige Sonnabende sind DleBeleidigungcn gegen Frau Berta Hosmann, Wienerstr. 1—6, nehmen wir zurück. Hermann Biickel nebst Frau. 379B Zurückgekehrt! Dr. H.WeyB Straße 67. Maurer, üetonai Maurer. Mittwoch, den S. August 190?, abends 8'/s Uhr, bei Dräsels, Neue Fricdrichstrasie 35: (Zeuerai-VersaiAMiung des Nmiils j»r Währung der Ziitercsse» der Mliurer Kerliiis». wg. Bureau: Hirtenstrasie 20.— Telephon: Amt VII, Nr. 4339. TageZ-Ordnung: 1. Abrechnung des Kassierers vom 2. Quartal 1903, Bericht der Revisoren, sowie Wahl von 2 Revisoren. 2. Anträge des Ausschusses. 3. Ist es notwendig, daß der§ 6 im Reglement geändert wird? 4. Vercinsangelcqenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert,-b» 130/3 Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Der Vorstand. US. Die BillettS zur Urania-Vorstcllunz können im Bureau und in den Zahlstellen in Empfang genommen werden. Danfsaguug. Zillen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie den Meistern und Kollegen der Firma Karl Leim und Gebr. Ludewig, dem Deutschen Metall- arbeiter-Verbande, den Vereinen „Waldesgrün" und.Lustig" für ihre Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Sohnes Ernst meinen herzlichsten Dank. 373b Im Hamen der llinterbliebenen: Witwe KoIIe. MnlisWNg. Für all die zahlreichen Beweise des Mitgefühls und der Wertschätzung meiner verunglückten treuen Lebens- gesährtin sage meinen innigsten Dank. Aisted Schwahn, 38862 Grete, Willy._ ttr Mir Tertvaltnngsstclle Berlin. Haupt-Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3673. ZlrbcitSnachlvciS: Zimmer 34. Amt IV, 3353. Mittwoch, den S. August, abends 8'/, Uhr: Versammlung der vrahtarbeiter im Geworkschaftshause, Engcl-ttfer Nr. IS(Saal 7). TageS-Ordnung: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Berbandsangclegeuhciten. — Zahlreicher Besuch wird erwartet. Achtnng! BiBlB5otBiek. Achtung! Unseren Mitgliedern zur Kenntnis, dah wegen Vornahme von Inventur keine Bibliotheksbücher mehr auSgcgrbe» werden. Die Mitglieder, welche noch im Besitz von Bibliotheksbüchern sind, werden ersucht, dieselben so schnell wie möglich abzuliefern. 121/5_ Die Ortsverwnltung. ir Mittwoch, den 2. August, abends 81/, Uhr, im„Gewerkschaftshanse", Engel-Ufer 15: Ifersairaiuiung der fünf filialctl Berlins. TageS-Ordnung: 1. Bericht von, Gewerkschaftskongreß und internationalen Textil- aricitrrkongrcß. Referent: Kollege Ütarl Hübsch. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 205/4 Zahlreichen Besuch erwarten_ Die Vorstlindc. CharBotteuburg! Mril-Wii der in Deitti. Zahlstelle Charlottcnbnrg. Dienstag, den 1. August, abendS 81/, Uhr. in, VolkShanS, Nosinenstr. S(grosicr Saal): General-Bersammlnug. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Leopold Kinzel über:„Ursache und Ziel der modernen Arbeiterbewegung". 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom 2. Quartal. 4. Bericht aus der Vertretersitzung. 5. Verschiedenes. CKf Mitgliedsbuch wird abgestempelt.~%Sül 147/3 In Anbetracht der außergewöhnlich wichtigen Tagesordnung ist das Er- scheinen aller Kollegen erforderlich._ Ter Borstand. Bierverlag, gutgehendes altes Geschäft, in be- deutender Industriestadt Nieder- schlrsicus, ist preiswert zu ver- kaufen. Für Parteigenosse», die über einiges Kapital verfüge», besonders geeignet. Gest. Offerten«utcr Z. 5 an die Exped. d. BlatteS. s277b» Das fite Brot w 50 PI. Backware: 6 Stück 10 Pfennig in Albreclits Bäckereien: Wrangclstr. 135, Krautftrasic 19, Jkalltcusteiustr. 28, Lansiherstr. 2, Markthalle Pücklerftr., Stand 222/23, Markthalle Andreasstr., Stand 16/18, Zentrale: Boxhagenerstr. 13. Bruch-Pollmann empfiehlt sein Lager in Srneiibandageii, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensors sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. |tS£' Eigene Werkstatt. Liejer. f. Orts- u. 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Sektion cler Gips- uncl �ementbrancke. Mittwoch, den S. August ISNS, abends 8Vs Uhr: Mitglieder- Versammlung der drei Gruppen: Rllbjtzpuher, RllbihspunnerundItMtntlettr. Die Versammlung der Rabiiiputier und Rabiüträger findet im Gewerkschaftshanse, Engel-User 15(Saal 3) statt. Die Versammlung der RabiHsPanner ist im Lokale von Jannaschk, Jnselstratze 10. Die Versammlung der Gruppe der Zementierer findet bei Wllke, Brunnenstrabe 188, statt. Tagesordnung: MS erster Punkt in allen drei Bersamm- lungen:„Die Aufgaben der Mitglieder der Sektion der Gips- und Zementbranche und deren jeiiige agitatorische Tätigkeit auf den Baustellen und in der Organisation". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Versammlung der Zementierer soll noch darüber entscheiden, ob die Gruppenversammlung wieder am Sonntage staitsinden soll. Ebenfalls wird über die Anträge der Spanner aus Aenderung des Regulativs zum Arbeits- Nachweis diskutiert. Um zahlreiche Beteiligung der Mitglieder an den Versammlungen ersuchen 147/10*__ Die GruPPeuvorstände. Verband der Sehneider n. Sehneiderinnen Filiale Berlin. Mittwoch, den L. August 1905, abends 8'/, Nhr, in den„Armin- hallen«, Kommandantenstr. 20: �TitglieÄe�- Versammlung» ' TageS-Ordnung: 164/1 1. Welche Lehren und Nutzanwendungen haben wir aus der diesjährigen ZtzrnhjahrSbewegnng in der Herrcumasischueiderei zu zipheu?* Referent: Kollege K. ii in i n g.— 2. Abrechnung vom II. Quartal 1905.— 3. Antrag der Ortsverwaltung aus Erhebung ewer Gebühr sür ZeitungSzustellung von lO Ps. pro Monat.— 4. Stellungnahme zum Antrag Kiel betreffs Abhaltung eines auberordentlichen Verbandstages. Tie Mitglieder aller Branchen und Bezirke werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. IMe OrtSTcrwaltung. A°w»°> 6tui$bran(l)e! Morgen, Mittwoch, de» 2. August, abendS S'/a Nhr: Kranche» Uersammlimg der Stuisarbeiter und-Arbeiterinnen iu den„Arminhallen", Komuiandauteustr. 20. Tages. Ordnung: i. Unser Zeniralarbeitsnachweis. R°f°r-nt: Kollege E. Kloth. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten, Verschiedenes. Das vollzählige Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen erwartet 24/12 Ber Ycrtranensinann. AMkMllrkter-Uml« Kerli». Donnerstag, d. 3. August, abdS. 8'/, Ilhr, im„Gewerkschatts- hause", Engel-llfer 15: General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht deS Vorstandes. 2. Bericht des Kassierers und der Revisoren. 3. Neuwahl deS Vorstandes und der Revisoren. 4. Verschiedenes. Da eventuell wichtige Beschlüsse gesasjt werden, ist eS Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen. 53/0 Der Borstand. I. A.: F. Pieschel, Vors., Gartenstr. 51. Sozialdemokratischer Wahlverein für den Bezirk Wilhelmsruh u. Umgegend. Dienstag, de» 1. August, abends'/,9 Uhr, bei Eicbcrmann, Kronprtnzeusir. 15: Mltalkckr- Vertammhmg» TageS-Ordnung: 222/13 Beratung deS neuen Organisationsstatuts der Partei. Mittluoch, de» 2. August 1905, abends'/-O Uhr, bei Eange, Schönholz 11: B6F~ Kombinierte Versammlung."TpQ - Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiches Erscheinen dringend erforderlich._ Der Borstand. fordern Sie beim Einkauf ausdrücklich vUniscUen ZlspiiZn-AaMäll früher Atther-Kaittalmlt und Sie werden überzeugt sein, dah derselbe entschieden am besten schineckt. 38811, Nur echt, wenn jedes Stück den Zettel enthält mit Ausschrlsl: „pnifiljct Kap!tilii-K«iil«hek" —— gesetzlich geschützt 75 653—— Alleinverkauf: C. Höcker, Berlin, GrDner Weg 112.| Wer mit seinem dicken Kautabak nicht znjricdcn ist, versuche„ F�PltäN jvlellems" in Stangen. W» wm Sdittwoeh, den 2. August, abends 8'/- Uhr: l Rosentbaler Vorstadt I bei WUke, Brunnenstrafte 88. Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstattkontrolltommission. 2. Werk» stattangelegenheiten. 3. VerbandSangelcgenheitcn und Verschiedenes. II Wittmaun, Obmann, Pappel-Allee 133a. Qm* ÜRpftrfllltltrt l Hosenthaler Torstadt und ♦ Schönhauser Vorstadt find von jetzt ab zur besseren Durchführung der Agitation und Er- lediguug von Werkstattangelegenheite« geteilt. 8LllÖIÜUlU8öl* Vorstadt: bei Wernau, Schwedterstr. 23/24. Tagesordnung: 1. Bericht der Wcrkstattkontrollkommission. 2. Werk» statt- und Verbandsangelegenheiten. Uedding und Lesundbrunven: �M*äeÄT�' Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Verbands- und Werkstatt- angelcgenheiten. 3. Verschiedenes. Die Kollegen der Firma Gebr. Raabe, Usedomstratze, sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen. Die Bezirksverfammlung findet vom August ab auch bei Milbrod, Müllerswaße 7, statt. Moabit: e°i Wogel, PutUtzstr. 10. Tagesordnung: 1. Bericht der Vertrauensmänner. 2. Verbands- und Werkstatt-Angelegcnheiten. 3. Verschiedenes. Westen und Süd-Westen: bei nahei. B-rgm«»«�.»-?. Tagesordnung: 1. Bericht der Wcrkstatt-Kontrolltommission. 2. Bericht der Werkstatt-Vertrauensleute. 3. Verschiedenes. Süden: bei Glleslng, Wassertorstr. 68. Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstatt-Kontrollkommission. 2. Ver- bands- und Wcrlstatt-AngelegenHeiten. 3. Verschiedenes. Es sind folgende Werkstcllen dazu ewgeladen: Krell«. Röder, Boeckhstr. 25: Försterling, Urbanstr. 102: Morgenstern, Plan-User 32a: Stritzke, Köpnickerstr. 56: Hecht, Wassertorstr. 27. Diejenigen Kollegen, welche in Nixdorf arbeiten und der Zahlstelle Berlin angehören, sind verpflichtet, einen Vertrauensmann zu entsenden. Der Obmann. Südosten: 6« MUSS, Monteuffclftr. 95. Tagesordnung: 1. Bericht über die Tättgkett der Kommission. 2. Werk- statt-Angelegcnheiten. 3. Verschiedenes. Nordosten: bei Hann, Straufibergerstr. 8. flcfpil I flctPll II* 6ei Dltfln(GesellschaftShauS.Ostend"), UblCU I, Usivll II. Memelerstraste 67. Tagesordnung: 1. Bericht der Obleute. 2. Werlstattangelegenhelten. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Im Gewerkschaftöhaufe, Saal T: Kreiilhe der Mußkillstrililieilicistilbeiitr. Tagesordnung: 1. Die stattgefundenen Differenzen im verfloffenen Monat. 2. Bericht der Kommission. 3. Verdandsangelegenhetten und Ver- schicdencS. Jede Fabrik muh vertreten(ein. Die Branchcnkonuulsslon. — Möbelpolierer— für Osten 1 für Südosten bei Kuhat, Blumenftraße 38| bei Tzschacksch, Naunhnstr. 6 für Norden bei Haaß, Brunnenstraffe 96. Jede Werkstatt hat die Pflicht,»ertreten zu sein t Sranehe der Stellmaeher bei PfeiTer, Rosenthalerstrafte 67. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Vertrauens- lcule. 3. Verschiedenes. Müll- üi FaWMler sowie ModeUMIer bei Wiesenthal, Ackerstr. 123, früher Diele. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. VerbandSangelegen- Heiken. 3. Verschiedenes. Drechsln- nnii TreMWMerbmche. OSten: bei Kransc,«oppenstrafte 41. g9,15 NOrden: bei Bergmann, Brunnenstr. 79. Südosten und Westen: bei Stramm, Ritterstrafte ISS. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommisston. 2. Werkstattdifferenzen. 3. VerbandS-Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. SUdevrahitieimiaeher bei Eadowig, Alte Jakobstr. 83. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission vom 2. Quartal. L. Verbands- angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Utklmiilltt-, Kim- und Ilcilliilißlirlicitcr abends 7 llhr, bei Bonmik, Köpcnickcrstr. 31. Bezirk Friedrichsberg: M%"ÄiiSrie61� Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Werkstattangelegenhelten. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Besondere Einladungen erfolgen diesmal nicht, jede Werkstatt muff trotzdem vertreten sein. JraneUe der Korbtnaeher. Donnerstag, de» 3. August, abends 8'/. Nhr: Vertrauettsmäittier- Versaiumlimg bei Brause, Koppcnstr. 41. Tagesordnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. Verschiedenes. Jede Werkstatt muff vertreten sein. Der Obmann. SPREE- 1 HAVEL Dampfer I'TI�J DÄHPFSCHIFFFflHRT- �""V GESELLSCHAFT l.'WI.M Hi-l Täglich aufecr Sonnabend und Sonntag: sr-MerfaKrten mit Musik nacb„Woltersdorfer Schloß". OroOe Spielplatze, licrrllchcr Hochwald. Gute bQrgerliehe KUche. 37392* Ailahrt nachmittags S1/, Uhr vom Brandenburger User, Jannowitzbrücke, gegenüber Bcivedere. ttT Hin- n. Rückfahrt O.SO Pf.. Kinder 0,83 Pf.-WR Fahrscheinverkaus aus dem Dampfer„Wollersdors". Partei-Tpeditlonen: »enlln Zweiter ValiHceela: Hermann Werner, Miitenwalder« sttatze 30, v Part.— Helttee Vralilhi-el»: St. Fritz, Prtnzcnstr. 31, Hos rechts pari.—"Vlei-te? HVahlkrel» Robert W e n g« l S, Frankfurter Allee 79.— SO.: Paul Böhm, Lausitzcrplatz 14/1S (Laden), riinkter HVoklhnel«,: Leo Zucht, Keibelftraße 42 (Laden).— SechHtci» �Vahlhnel»(Moabit): Karl Anders, Salzwcdelerftr. S, im Laden.— HVeddlnpr und Oraaleal»ae«ei- Voestadt: Karl Weiße, Wiefenstraße 41/42.— Konen- thalcr Vorstadt, Ocsnndbrannen: Hermann Raschle, Rügenerstr. 24, vorn Part. link».— ScbOnhanser Vorstadt; Karl M ars, Kastanien. Allee 95/93.— �.It-«llenlche: Reinhold Schulz, Nudowerstr. 72.— Cbarlottenbnrx: Gustav Sch a rn b« r g, Sescnheimcrstr. 1, Ecke Gocthcstraße, vorn I.— Ocatsch- Wilmersdorf: W. Nickel, Brandcnburgischestr. Iii), III r.— Qlchteaberg), ZFrledrlebsfelde, Wlllieliasberx, Boxhagen, Stralau, und Kamniclsburs: Otto Seilet, O. 112, Kronprinzenstr. SV, I. — Ordnan: H. Bluhme, Biktoriastr. 2.— Blxdorf; M. einrich, Prinz Handjerystraße 7, im Laden.— Schninrgcn- orf: Gustav K a m i n s k y, Eunostraße 2.— SchUneberg: Wilhelm B ä u m l e r, Martin Lutherstr. 51, im Laden.— Ober- SchUneweido: Otto M ü n z« r, Deulstraße 4, II.— Bfleder- ScbOnewcide; Bonakolvsky, Hasselwerderstr. 16.- Johannis- tbal: A. Gammisch, Bisniarckstr. 7.— �.dlersbof: P. Schmidt, Bis» marckstr. 32, 1.— HUulgs-Wnsterbausen: Körle, Berlinerstr. 19. — Köpenick: Friedrich W o i ck, Grünste. 29.— Friedenau- Steglitz: H. Beins««, Schloßstraße 116, Gartenhaus I, in Sieglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. 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Die Stelle de» hiesigen Redakteurs ist beseht. 3885L für die Flliale BaVMeN lichst baldigen Slntrltt. Oberteil mit GehallSaniprüchen und Angaben über die bisherige Tätigkeit sind bis 15. August zu richten an Emil Kramer, Barmen, Rodigerstr. 115. 201/5« Tüchtige, selbständiges Arbeiten gewohnte Geld- schrankschloster werden verlangt bei BereinL 21..®,, ite Geldschrankfabriken srenzlauer Allee ll4. I�ehrlinge, welche die Kunstschlosserei erlernen wollen, können sich melden bei Vereinigte Üeldeohrankiahrillen A.• 6., Prenzlauer Alle- 3t. 201/4« ..... Achtung 1 Achtung! SchlWeraiaier. Lackierer, VeiWer. Der Streik der Schildermaler und verwandten Berufe besteht nach wie vor und ist'Arbeit nur durch den Arbeitsnachweis der Schildermaler, Alte Jakobstr. 83 bei L a d« w i g, anzunehmen. 290/3*__ Die Streikleitung. Wir geben gegenwärtig nur diejenigen gesperrten Firmen be- könnt, die Werkstätten im Hause haben. Damit sind gleichzeitig sämt- liehe Werkstätten derjenigen HauS- industriellen gesperrt, die für diese Fabrikanten arbeiten. Gebr. Breslauer, Niederwallstr. 21. W. Engel u. Co., Spittelmarkt 8/10. Höhr, Kommandantenstr. 58. A. Wols, Poststr. 7. S. Wols, Burgstr. 29. aeob u. Bräutigam, Markgrasenstr. 58. B. Manheimer, Oberwallstraße 7. Bär u. Salomon, HauSvogteiplatz 12. D. Lewin, HauSvogteiplatz 13. Werk- statt: Niederwallstr. 15. EiSner u. MeiSl, Kurstr. 15. Joka u. Co., Kurstr. 32. St. Maaßen, Ecke Oranienplatz. Mayer u. Co., Kommandanlenstraße Nr. 76/78. Hermann Engel, Landsbergerstr. 87. GeiSler u. Cramer, Grünstr. 16. Wilh. Neinicke, Neue Friedrichstr. 9/10. Freistadt u. Co., Orauienburgerstr. 2. Goldstein u. Sohn, Alexanderstr. 22. Wagner u. Co., Jnselslr. 11. I. Landsberger, Niederwallstr. 10. Salbach, Unter den Linden 67. Sttller, Kronenstr. 53. Heruby, Nachsg. Naumann, Jerusa- lemerswaße 26. Alle Anfragen betreff» deS Streiks find an unser gemein- sameö Streikbureau, Mendels- sohnstraste S, zu richten. 102/17» vor Vorstand des Deutsehen Kürschnor-Verbandes (Zahlstelle Berlin). Der Vorstand des Verbandes der Kürschner Berlins _ und Umgegend._ Jalousie-Arbei Bock- Streik. Die Kollegen der Firma staller besinden sich im Zuzug ist feriizuhalteu. Da bei mehreren Firmen noi Differenzen bestehen, bitten wir, fv aus den Bauten te. die blaue ge- stempelte Arbeits- Kontrollkarte zeigen zu lassen, nur diese ist gültig. Anderssarbige Karten sind zu ver- »lichten. 83/8* Dtnseto:«!'! Der Bau Ziiumerman» In Rix- dors, Knesebeckstr. 64, ist gesperrt, da sich die Firma Karl und Emil Schneider weigert, den bisher ge- zahlten Tarif einzuhalten._ ZKsler, Lsskisrsr, �itstreiehsr. Die Kllchenmöbel- Fabrik von Meyer n. Hauff in derRungestraße (Malermeister Lehmisdel) ist wegen Lohndissereuzeil gesperrt. 125/7 Blc Ortsvcrwaltnng dcrVcrclnlgnng der Haler.