Nr. 182. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pranumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Belt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- BeitungsPreisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 3 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonelgeile oder deren Raum 40 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 25 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 fg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die preußischen Landtagswahlen. Sonntag, den 6. August 1905. eigentlich nur in einem Drittel der Wahlkreise haben wir unsere Wählerzahl aufgebracht, das heißt, es haben in nur einem Drittel der Wahlkreise ungefähr der fünfte Teil der Abstimmenden des ganzen Staates das offene Bekenntnis zur Sozialdemokratie abgelegt und damit Die jüngst von uns mitgeteilten Hauptzahlen aus der Statistit offen Protest erhoben gegen das Geldsadswahlrecht, das die Masse der letzten Landtagswahlen zeigten, welchen großen Erfolg die erst des arbeitenden Voltes von jeder Vertretung im Parlament ausmalige planmäßige Beteiligung der Sozialdemokratie an diesen schließt. Die Wahlbeteiligung hat sich damit als eine wirksame Wahlen trotz aller Schwierigkeiten gebracht hat. Berücksichtigt man Waffe gegen diese blutige Verhöhnung des Volkes erwiesen. Sie neben der öffentlichen Stimmabgabe noch die Schwierigkeit der hat weiten Streisen erst enthüllt, wie rechtlos sie sind. Diese Waffe Organisation dieser Wahlen für uns, denen der amtliche Apparat wird noch kräftiger geschwungen werden und im Kampfe wird sie nicht nur nicht zur Verfügung steht, sondern sogar entgegenarbeitet, geschärft werden zu noch stärkerer Wirkung. so ist die Zahl von 314 000 Stimmen und die Tatsache, daß nur die konservative Partei einige Stimmen mehr, alle anderen Parteien aber erheblich weniger aufgebracht haben, politisch sehr wertboll. Will man indes das Wahlergebnis nach jeder Richtung würdigen, dann reichen die Gesamtzahlen nicht aus; man muß auf die Einzelheiten zurückgehen. Viel können wir da jedoch leider auch nicht geben. Je mehr man fich in diese preußische amtliche Statistik bertieft, um so blödsinniger erscheint sie. Da sind übrigens nichts 9 Politifche Ueberficht. Berlin, den 5. August. Der Mittler der Internationale. neues bei der preußischen Statistit nicht wissenschaftliche, ja nicht dem Wilhelm Liebknecht von uns gegangen. Fünf Jahre ist es her, Am 7. August ist nun auch ein Jahrfünft dahin gegangen, feiteinmal politische, sondern bloße Polizei Interessen maßgebend. seitdem das Proletariat der Welt in stolzer und mutiger Trauer ihn Bom Standpunkt des politischen Partei- Interesses ist doch sicher die au Grabe trug, in jener gewaltigen Totenfeier des revolutionären erfte Frage: Wie verteilen sich unsere Stimmen auf die einzelnen Lebens, die allen, die an ihr teilnahmen, ein unvergeßliches Er Wahlkreise, welche Aussichten haben wir in diesem oder jenem eignis ward. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. allein schon die Hinaussendung von neuen erheblichen Verstärkungen." Schließlich meint das Blatt, daß auch mit der Möglichkeit eines Feldzuges gegen die bambos gerechnet werden müsse, zumal dem Häuptling Nee hale für den im Januar 1904 unternommenen Ueberfall der Station Amutoni eine exemplarische Bestrafung" zuteil werden müsse. Dabei könne es leicht zu Streitigkeiten auch mit den übrigen Ovambos tommen. Jedenfalls liege ein Ovambofeldzug, vielleicht in Gemeinschaft mit Portugal, dauernd im Bereich sehr naher Möglichkeiten. Die sensationelle Meldung des Blattes findet auffallenderweise in den offiziösen Blättern fein Dementi. Nur das Scherlblatt behauptet, von„ maßgebender Stelle" erfahren zu haben, daß eine Absicht, 5000 Mann Verstärkungen nach Südwestafrika zu senden, nicht bestehe. Richtig sei allerdings, daß Ende August ein stärkerer Transport von etwa 800 Mann nach dem Schutzgebiet abgehen werde, doch seien dies die ,, üblichen Dieſe letzte Behauptung, daß die 800 Mann mur den Ersatz Ergänzungen für Abgänge während der letzten vier Monate". für die Verluste während der letzten vier Monate bildeten, ist entschieden unrichtig, da ja in jedem Monat Ersatzkolonnen bereits abgegangen sind. Die zirka 800"( es sind in Wirklichkeit zirka 900 Mann) stellen zweifellos ebenso eine Wahlkreise? Solche Fragen interessieren jedoch die amtliche Statistit Gerade in diesen Tagen wird die Erinnerung an unseren Freund außerordentliche Verstärkung dar, wie die 280 Mann, die an nicht im geringsten. Die auf der dritten Seite abgedruckte Tabelle und Führer besonders lebhaft. Seit das zusammenbrechende Ruß- 29. Juli bereits abgegangen sind. Innerhalb eines Monats konnten wir erst nach mehrstündiger mühsamer Arbeit zusammen- land alle internationalen Verhältnisse der kapitalistischen Staaten in werden unsere südwestafrikanischen Truppen also Verstärkungen stellen und wir müßten diese Arbeit je nach der Anzahl der Parteien ein wirr und wild gärendes Chaos gewandelt hat, seit die von annähernd 1200 Mann erhalten! bervielfältigen, wenn wir für jeden dieser Kreise auch die auf andere herrschenden Klassen gieriger als jemals zuvor mit dem Gedanken Dabei erscheint uns das Scherlsche Dementi noch keinesBarteien gefallenen Stimmen feststellen wollten, und die Arbeit müßte eines Weltkrieges spielen, der aus der ängstlichen Ungewißheit wegs überzeugend. Das Scherlblatt fügt zu dem vorsichtigerabermals wiederholt werden, wollten wir die Wahlbeteiligung für herausführen soll, erscheint Wilhelm Liebknecht in unmittelbar weise hinzu:" Von Verstärkungen ist vorläufig keine Rede." jeden Wahlkreis feststellen. Die Statistit ist nämlich nicht nach Wahl wirkender Kraft als der Mann, der ein Bürger jener anderen Welt Vielleicht also schon in 8 Tagen! freifen, sondern nach Verwaltungsbezirken aufgestellt, und die find in unserer zertlüfteten Stultur war jener Welt der Humanität, in bunter Reihe ohne Rücksicht auf ihre Zusammengehörigkeit zu Wahltreifen nacheinander geordnet. Die erwähnten Vergleichungen tönnen wir daher nur in einzelnen Fällen ausführen. der Freiheit, des Bölferfriedens, der Erlösung von Druck und Elend, der die Sprachen der Völker meisterte, indem er die eine Weltsprache des Sozialismus tündete. Angesichts dieser ganzen Lage gewinnt die Forderung der Köln. 3tg.", sofort den Reichstag einzuberufen, besondere Bedeutung. Sollte vielleicht das Zentrumsblatt ebenfalls von der Absendung der 5000 Mann etwas läuten gehört haben? Ein wichtiger Fattor für die Beurteilung des Wahlergebnisses Liebknecht war nicht nur in der leidenschaftlichen Anschaumg Sollte seine Forderung, die sogar bei der Kreuz- 8tg." Unterist die Zahl der Wahlmänner, die einer Partei zugefallen sind. sondern mit seiner ganzen Persönlichkeit, reicher und fruchtbarer als stüßung findet, am Ende gar von einer ganz anderen Stelle Darüber schweigt die Statistik vollständig. Es ist zwar eine Ueber- irgend ein anderer, der Träger und Mittler der Internationale, jener inspiriert worden sein? Ganz einerlei aber, ob der Ruf des ficht vorhanden, aus der man die Zahl der einem gewählten Ab- wahrhaften Weltpolitik, die in der Einheit des Proletariats aller Zentrumsblattes nur der Furcht vor den Zentrumswählern geordneten zugefallenen Wahlmännerstimmen ersehen kann, auch die, Länder allen Völkern Frieden und Freiheit erkämpft und verbürgt; entspringt oder eine perfid abgefartete parlamentarische Inwelche ihren Gegenkandidaten zugefallen sind, soweit sie an zweiter jener schaffenden, offenen und flaren Weltpolitik, die nicht die feigen trigue darstellt: die sofortige Einberufung des Reichstages Stelle stehen; was an dritter und weiterer Stelle steht, ist in und anmaßenden Intriguen der Diplomatie, den listigen Schacher ist unbedingt erforderlich, damit die Vertreter der arbeitenden einen Topf geworfen und nicht nach Parteien geschieden. Die nicht der kapitalistischen Ausbeuter, die elenden Heucheleien der nationalen Selasse, die die Kosten des unerhörten Kolonialabenteuers zu zur Wahl gegangenen Wahlmänner existieren für die Statistik über- Sezer und auch nicht die stumpfe und ängstliche Gedankenlosigkeit tragen hat, mit der Regierung und ihren Handlangern haupt nicht. Soweit nach dieser Uebersicht die Zahl unserer Wahl der Philister kennt und nugt, sondern die nur wirkt mit der hellen ungesäumt Abrechnung halten können! männerftimmen festzustellen war, haben wir sie in der letzten Spalte Wahrheit und der wissenschaftlichen Einsicht. Für Liebknecht, der Berlin, 5. August. Nach den letzten Nachrichten ist nunmehr be der Tabelle aufgeführt. Mehr zu geben ist uns nicht möglich. mit inniger Liebe an seinem deutschen Vaterlande hing, war eben stimmt festgestellt, daß Hendrit witboi mit starten Kräften Bu der Tabelle find noch einige erläuternde Bemerkungen zu deshalb auch die ganze Erde die Heimat seiner Stulturarbeit, wie am sa che ib, einem zwischen dem Hudup und dem Keitsub nach machen. Es gibt in ganz Preußen 256 Wahlkreise. In 122 davon die Masse, nicht der Einzelne, für ihn Schöpfer aller Kultur war. dem Leberfluß führenden Revier, sizt. find sozialdemokratische Stimmen abgegeben worden. Darunter be So verkörperte Liebknecht in seiner Person die Weltpolitit des ist im Begriff, seine Truppen hierzu zu versammeln. Die AusGeneralleutnant b. Trotha gedenkt ihn dort anzugreifen und finden sich jedoch 36 Streise, in denen unsere Stimmenzahl unter 100 Broletariats und darum vermissen wir seine raftlose und versöhnende führung dieser Truppenverschiebung wird mit Rücksicht auf die blieb. Das find offenbar Kreise, in denen von einer organisierten Tätigkeit gerade heute, wo die Weltpolitik der Barbarei drohend weiten Entfernungen erst in der zweiten Hälfte des Wahlbeteiligung keine Rede ist. Wir haben sie in dieser Tabelle und verwirrend auf Raub und Blut sinnt. Sein Name war das August beendigt sein. Auch die unbedingt erforderliche deswegen auch nicht aufgeführt. Die Ungleichheit der Wahlkreise haben wir schon in unserer Programm der Internationale, feine Person die eindringlichste De Auffüllung der Magazine wird erhebliche Beit bee früheren Notiz erwähnt, indem wir die Zahl der auf einen Abgeord- schaften bei der Entfesselung des deutsch- französischen Strieges, die am 28. Juli überfiel eine fleinere Hottentotten- Bande die von monstration für den Völkerfrieden. Der Mann, der die Machen- anspruchen. Morenga wird durch schwächere Sträfte beobachtet werden. neten entfallenden Urwähler verglichen. Vergleicht man die Zahl Benedetti- Legende aufgedeckt, anfangs gegen gegen den Widerstand der Einwohner, so ist die Ungleichheit noch viel ärger. Der fleinste und баз sechs Mann besegte Station Gainaichos, 25 Kilometer nördlich geifernde Leugnen Wahlkreis ist Rendsburg mit 37 515 Einwohnern( nach der Volks- die zynischen Geständnisse der Täter selbst, Liebknecht wäre nach dem nahen Horntanz ab. Auf deutscher Seite wurden ein aller, zulegt gestützt durch Berseba. Nach einstündigem Gefecht zog der Feind unter Verlusten zählung von 1900); dagegen hat der Wahlkreis Hattingen Gelsen- der rechte Warner und Führer in den tückischen Bettelungen Reiter schwer, drei Reiter leicht verwundet. firchen Bochum- Witten Dortmund Hörde 970 940 Einwohner. unserer Tage. D 0 Weitere 5000 Mann für Südwestafrika. Nach Aussage eines Ueberläufers betrugen die feindlichen Verlufte in dem Gefechte am Gamtoap am 14. Juni 25 Tote, drei Schwerverwundete, in dem Gefechte bei Narus am 17. Juni 18 Tote und zwei Schwerverwundete. Die Telegraphenlinie KeetmanshoopSedlmayr ist am 26. Juli auf einem Ritt von Sandfontein nach Warmbad ist nunmehr fertiggestellt. Generaloberarzt Dr. Theodor Ramansdrift gefallen.50 Deutfches Reich. Dieser Kreis hat zwar drei Abgeordnete, während Rendsburg nur Aber die Hunderttausend, die zu seinem Grabe gingen, und die einen hat, trotzdem bleibt die Ungleichheit noch enorm. Es gibt sieben Millionen, die im Geist vor fünf Jahren ihm das legte Geleit gaben, Wahlfreise, in denen auf einen Abgeordneten 200 000 und mehr Einwohner hüten sein Erbe treulich tief eingedent der Lehre des aufrechten kommen. Diese sind: Berlin 3( 374 475), Berlin 4( 207 951), Teltow- Mannes, fein lähmendes Gefühl für die Gefahr zu dulden, zu Beeskow( 344 253), Stadt Stettin( 210 702), Tarnowig- Beuthen tämpfen und zu wagen! ( 304 223), Hattingen- Hörde( 323 647), Essen- Ruhrort( 264 259). Dagegen gibt es 37 Wahltreise, in denen auf einen Abgeordneten weniger als 50 000 bis herunter zu 33 390 fommen. Dieser am meisten begünstigte Kreis ist Hohenzollern. Hier betrug die Wahl- Es hat den Anschein, als ob ein neuer gewaltiger beteiligung 10,81 Prozent, das heißt, es wählten 1404 Urwähler Truppennachschub nach Südwestafrika beabsichtigt sei. Die Zentrum und Berggeset. Unsere Feststellung, daß die am Streik 2 Abgeordnete. In Berlin 3 betrug die Wahlbeteiligung 41,36 Pro- Deutsche Zeitung" erfährt von gewöhnlich gut unterrichteter beteiligten und formell abgekehrten Arbeiter bei den ersten Ausschußzent, es wählten hier 74 286 Urwähler auch 2 Abgeordnete. Diese Seite", daß in den nächsten Wochen nicht weniger als wahlen nicht wahlberechtigt find, stürzt die„ Märkische Volkszeitung" Bahl barf jedoch nicht verglichen werden mit den Parteistimmen in 5000 Mann nach Südwestafrika geschickt werden sollten. Ein die übrigens nur die der gesamten Zentrumspreſſe zugehende der Tabelle, da viele Wähler mehr als eine Stimme abzugeben Transport von 800 Mann und 72 Offizieren und Beamten heit in die andere. Zentrumsforrespondenz nachzudruden scheint aus einer Werlegen hatten. werde bereits im Lager zu Münster zusammengestellt und Gestern schlug man als Abhilfe das ungefeßliche Entgegenam 20. August abgehen. Das Blatt fährt dann fort: kommen" der Unternehmer vor. Nachdem wir auf die gesetzliche Unmöglichkeit aufmerksam gemacht, hat das Zentrumsblatt über Nacht seine Meinung geändert und behauptet mun, unsere Auffassung von dem Sinne des Gesezes sei falsch: Gültige Stimmen wurden in Berlin 3 im ganzen 146 351 ab gegeben. Davon erhielten wir laut Tabelle 53538. Unseren 1100 Wahlmännern standen 1311 freisinnige und 192 andere gegenüber. In Berlin 4 standen unseren 530 Wahlmännern 931 freifinnige und 5 andere gegenüber; die Gesamtzahl der abgegebenen gültigen Stimmen betrug bei einer Wahlbeteiligung von 38,07 Proz. 75 439, wovon auf unsere Kandidaten 30 311 entfielen. In Berlin 2 betrug die Wahlbeteiligung 43,5 Proz., die Gesamtzahl der ab= gegebenen gültigen Stimmen 73 923, davon 29 793 sozialbemokratische mit 487 Wahlmännern; freisinnige Wahlmännerstimmen wurden 909 abgegeben und eine andere. In Berlin 1 betrug die Wahlbeteiligung 82,36 Proz., die Gesamtzahl der abgegebenen gültigen Stimmen 49 300, babon 8468 sozialdemokratische. Unfere etwa 200 Wahlmänner gingen nicht zur Wahl, für die Statistit, obwohl gewählt, existieren sie nicht. Weiteres Eindringen in die Einzelheiten, das bei der Polizeistatistit einen unverhältnismäßigen Zeitaufwand erfordert, muß für später vorbehalten bleiben. Als politische Demonstration betrachtet, ist der Erfolg unserer Wahlbeteiligung nicht zu verkennen. In weniger als der Hälfte, ia Die Verstärkung unserer Truppen von 15 000 auf 20 000 Mann ist sicherlich der Klarste Beweis dafür, daß man an maßgebender Stelle weit entfernt davon ist, die Kolonie als im Frieden befindlich zu betrachten. Unter diesen Umständen wird es allerdings wahrscheinlich, daß die gegenwärtige Phase des Krieges doch nicht so bald zu Ende geht, wie es an sich wünschenswert wäre und vor kurzem auch noch angenommen werden konnte; und lohnt es sich auch nicht, über eine baldige Hinaussendung des Herrn v. Lindequist weiter zu debattieren. Ueberdies liegt die Annahme nahe, daß Herr v. Lindequist seine Friedensarbeit selber erst beginnen möchte, wenn das Land wirklich pazifiziert ist. " Ein Teil der Verstärkungen dürfte dazu bestimmt sein, den Wiederbezug der Farmen im Hererogebiet durch Abgabe von Wachmannschaften und vermehrte Patrouillenritte zu ermöglichen. Auch dürfte eine verstärkte Besetzung der englischen Grenze im Diten und Süden, sowie eine Abschließung des Walfischbaigebietes ins Auge gefaßt werden, um ein hinüberwechseln der Rebellen zu verhindern. Daß die britische Grenzpolizei nicht in der Lage war, die Hottentotten zu internieren, wie dies im Norden mit den am Ngamisee festgesetzten Herero unter Samuel geschehen ist, macht eine dichtere Besetzung der Grenze erforderlich und rechtfertigt " Nach den von uns eingezogenen authentischen Informationen ist bei der Beratung der Bergarbeitergesetz- Novelle ausdrücklich feft gestellt worden, daß die Teilnahme am Streit nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses angesehen werden fann, sondern daß dazu der Eintritt in ein neues Arbeitsverhältnis erforderlich ist. Vielleicht wird uns der„ Vortvärts" entgegnen, daß von dieser Abmachung nichts im Gesetz steht und daß diese mithin ohne jede Bedeutung für die Arbeiter sei. Auf diesen eventuellen Einwand erwidern wir schon jetzt, daß bei der Interpretation eines Gesetzes nicht allein der Wortlaut der gesetzlichen Bestimmungen, sondern auch die näheren Umstände bei dem Zustandekommen des in Frage kommenden Gesetzes von großer Bedeutung sind, da nur nach diesen die äußerst wichtige Frage entschieden werden kann: Wie wollte der Gesetzgeber den Sinn dieser oder jener Bestimmung aufgefaßt wissen"?" Die Zentrumsforrespondenz hätte sich die Einziehung ,, authentischer Informationen" ruhig ersparen können. Denn im Herrenhause hat der Minister Möller, wie allgemein bekannt, ausdrücklich auf die Anfrü�e, was„mtmüerbrochene" ArbeitSdaucr bedeute, die Teilnahme am Streik, fallZ die formelle Abkehr erfolgt ist, als„Unterbrechung" im Sinne des Gesetzes festgestellt. Uebrigens hat der„Vorwärts" damals sofort auf diese absurdeste Wirkung der„Reform" hingewiesen.. Der Fall beweist, dag die Zentrumsschreiber entweder keine Ahnung von den, Inhalt des Gesetzes und den Umständen, unter denen es zustande gekommen ist, haben oder wissentlich die christlichen Arbeiter zu täuschen versuchen.— Fiirst-iwisiten. Das; die Begegnung zwischen dem deutschen und russische» Zaren aus deutschen Wunsch hin erfolgt ist, darüber ist kein Zweifel, und das leugnende Geschwätz unserer Offiziösen bestärkt nur diese Auffassung. Neuerdings hat nian von Wien aus als absolut sicher den hessischen Großherzog als den Vermittler entdeckt. Das wird nun- mehr offiziell dementiert. Das ganze Gerede ist völlig überflüssig. Mt der Sicherheit eines Naturgesetzes kann mau feststellen, daß seit dem Jahre 1888 Fürstenbesuche, bei denen Wilhelm II. beteiligt ist, auf seine Initiative erfolgt sind. Dieser Sachverhalt entspricht auch durchaus der Auffassung, die unsere Byzantiner über die treibende Kraft haben, die das regierende Deutschland unausgesetzt ausübt.— Wie der Reichsvcrband„arbeitet". Man schreibt uns ans dem Fürther WahlreiS: Gelegentlich des„Dankes", den der Reichsverband von der Vorstandschaft dcS„Vereins der deutschfreisinnigen Partei Fürth" erhielt, rühmte der Reichsverband noch besonders die Quantität einer geleisteten Arbeit. Es dürste deshalb ivohl nicht uninteressant ein, auch etwas über die Qualität der Leistungen reichsverbändlerischer Kommis zu erfahren. Den Wert ihrer Sudelschriften, die unter 13 verschiedenen Titeln verteilt wurden, scheinen die ReichSverbändler selbst nicht be« sonders hoch einzuschätzen. In Orten, wo sie die Sozialdemokraten fest eingewurzelt wußten, wie in der Stadt Fürth, wurde auch nicht eines dieser Flugblätter verteilt. In anderen Orten wurden sie wieder auf Kinderwagen durch die Straßen transportiert und dabei in jeden, Haus Serien dieser Bekehrungsschriften abgeladen. Die Flugschriften, welche noch an den letzten Tagen vor der Wahl zur Verteilung kamen, wurden mit einem roten Zettel beklebt worauf stand:„Barbeck seinen Wählern." Was an dummen, und verlogenem Zeug je über die Sozial- demokratie zusammengeschimpft wurde, fand se,ne Zusammenfassung in den Schriften. Mit demselben„Material" sind auch die An- gestellten des Reichsverbnndes ausgerüstet. Eine Broschüre, welche Aeußermigen sozialdemokratischer Redner aller Zeiten und aller Zungen und ebenso Zeitungsausschnitte auS den, Zusammenhang ge- rissen, abdruckt, dient den Agitatoren deS Reichsverbandes zum Leit- faden. Einige vorgedruckte Redewendungen zinn Auswendiglernen bringen dam, den ReichSverbändler,, die„Gewandtheit" und„Ge- schicklichkeit" bei, für die ihnen der Freisinn dankt. Daß auch anders über die Handlangerdienste geurteilt wurde. wissen die Beteiligten selbst am besten. Als der Agitator gegen Be- zahlung, Herr E r n, e r, in der Erlanger Versammlung unserem Genossen Bebel in so unflätiger Weise entgegentrat, war die Miß- billigung unter den zahlreich erschienenen Gegnern zu vernehmen. Ermer hatte mehrmals zynisch von„dem Bebel" geredet, der eben alle Augen an seine Lippen gefesselt und alle Ge- inüter mit sortgerissen hatte, daß die Gegner selbst sahen, ein solches Entgegentreten erhöhe nur die Chancen der Sozialdemokratte. Wenige Tage darauf war auch Ermer aus dem Wahlkreise verschwunden. Angeblich soll er den Auftrag erhalten haben, im Essener Wahlkreise seine Fehler wieder gut zu machen. Noch unverblümter gab sich Herr K o m o l l als axont xrovo- cateur. In einer Versammlung vor dem Wahltage erging er sich in äußerst scharfen Worten und zog zur Bekräftigung dieser aus der Tasche einen Revolver, welchen er den Versammelten sehen ließ. Damit war die Geduld derselben erschöpft und die versammelten hätten Herrn Komoll sicher ihre Bauernfäuste spüren lassen, wenn er nicht von demsozialdcmokratischen Einberufer und dem sozialdemokratischen Redner davor beschützt worden wäre. Die politischen Freunde diese« Revolverhelden, jungliberale Studenten, ersuchten die Sozial« deinokraten um ihren Schutz für Komoll und erklärten ausdrücklich, daß sie sein Gebahrcn mißbilligten und eS ihnen sehr ungelegen käme. Ein liberales Blatt in Erlangen sprach auch offen seine Un- Zufriedenheit über diese„wenig geschickte Tätigkeit" auS. Alle übrigen Blätter des Wahlkreises schwiegen sich allerdings aus. Es ist auch recht bezeichnend, daß man bis jetzt noch in keinem bürgerlichen Blatte des Wahlkreises etwas von dem Dank an den Reichsverband gelesen hat. Anscheinend schänit man sich selbst nach- träglich über diese Art Wahlhülfe. sÄuch die„Freie Deutsche Presse", hat dies Ruhmesblatt unter« schlagen. Red.)_• Die Stützen des KöllerkiirseS. Der Landrat Becherer zu HaderSlebcn bekundete zeugen- eidlich in dem mehrerwähntcn Kieler Preßprozeß. daß dem Amts« vor ft eher Winter von Adlcröflügel 2000 M. von der Kreditbank in Schcrrcbek für die Zeugenaussage deS Greifen bereitgestellt worden feien. Vorstand der genannten Bank waren damals der P a st o r I a c o b s e n und Hotelbesitzer Lassen. Die Unterredung, in welcher der AmtSvorsteher dies den, Landrat mit« teilte, fand am 13. Februar 1002 statt. Also am 13. Februar erfuhr der Landrat laut eigener beeidigter Aussage, daß der Pastor Jacobsen als damaliger Bankdirektor 2000 M. zur Verfügung stellte, um mit diesen, Gelbe einen Zeugen gegen Tin, mer- mann anzukaufen. Er erfuhr ferner, daß der damalige Amts- Vorsteher, der als Vertrauensmann der Regierung Borsitzender des AufsichSratS genannter Bank war, kein Bedenken trug, das Geld für den angegebenen Zweck in Empfang zu nehmen und zu vcrwenden l Der Landrat ging zwar, laut femcr Zeugenaussage, auf diese„Dummheit" nicht ein. Es wäre aber wohl angebracht gewesen, daß er, nachdem er solches erfahren hatte, sich von den beiden Staats stützen los- gesagt hätte. Aber trotzdem blieb der Amtsvorsteher nach wie vor in Amt und Würden. Ja, als er später auf Grund anderer„Unregelmäßigkeiten", die an den Tag kamen, sein Amt niederlegen mußte, da wurde noch zu seinen Ehren ein AbschiedLfest gefeiert, bei lvelchem der Laudrat eS sich nicht nehmen ließ, die Festrede für den Scheidenden zu haltenl Aehnlich den, Pastor Jacobsen gegenüber! Trotzdem er so gravierende Tatsachen über diesen er« fahren hatte(Pastor Jacobsen nennt den Vorgang selbst in seiner Zeugenaussage in, vorgedachten Prozeß„Vcrlciliing zum Meineide"), erhob er dennoch keine Widerrede gegen die Aufstellung deS Pastors zun, Kandidaten für die Ersatzwahl zum Reichstage, die a», 3. März, also drei Wochen später, stattfand. Vielmehr ivnrde geradezu fieberhaft für dieKandidatur Jacobsen gearbeitet, hauplsächlich durch AmtSrichterHahn in Sonderburg und Landgerichtsrat Schwarz in Flensburg. Aber auch der Landrat Bcchercr gab Jacobsen seine Stimme! Nur die dänische Stimmemnehrhett verhütete Iacobsens Wahl! Derselbe Pastor Jacobsen aber, den Landrat Becherer für würdig zum Reichstags-Abgcordnctcn hielt, hat inzwischen bekanntlich die Behauptung, cr habe die Zeugenbestechimg versucht, als Unwahrheit zuriickaewietcn und umgekehrt de» AmtSvorsteher von Winter und als dessen Auftraggeber auch den Laudrat Becherer selbst des Versuchs der Bcrleituiig zum Meineid bezichtigt! Die demokratischen BolkSpartriler Baden« leistet» sich, so schreibt man uns auS Baden, den Luxu», mit einem besonderen Wahl- aufruf z urLandtags wähl hervorzutreten. Sie verabschieden sich darin von ihren biSherigeir schwarzen Bundesgenossen und motivieren den Eintritt in die uationallibccale Front. Dieweil im letzten Landtag die badischen Nationalliberalen„ehrlich für die Erringung des BolksrechteS(direkte Wahl) ihre Kraft eingesetzt, wieder ntghr als früher die liberalen Grundsätze betonten und liberale Forderungen in den Vordergrund stellten", ist jetzt der Freundschafts- bund geschlossen worden gegen das in der Budgetrechtsfrage ver- räterischeZ Zeittrum, das„alle rückständigen Forderungen in der Volkswirtschaft im ganzen Reiche unterstützt, die Herrschaft der Kirche über die Schule, die Unterdrückung der freien Wissenschaft erstrebt und eine ernste Gefahr für das deutsche Kultur- und Geistes- leben bedeutet".-- So ivnrde der taktische Dreimännerbund— nationalliberale. freisinnige und demokrattsche Kontingente— ohne Aufgeben der Grundsätze geschlossen, und als der vierte im Bunde steht auch der nattonalsoziale Landsknecht schon im Lager. Ob für den kon- servativen Frankttreur auch noch ein Waffeiibelcgen im Lager der Blockierenden vorgesehen ist, darüber schweigt die Reklame. Da- gegen empfängt die Sozialdemokratie einen Trutzbrief, der also lautet: «Wir find uns wohl bewußt, daß sie(die Sozialdemokratie) mit uns für die Rechte des BolkeS einttitt und jedem Angriff auf die politische und geistige Freiheit energischen Widerstand entgegensetzt. Wir vergessen aber auch nicht, daß sie unter Betonung ihres Charakters als einer Klassenpartei Forde- rimgen aufstellt und häufig auch eine Kampfesweise sich zu eigen macht, die wir verurteilen müssen. Da sie überdies jedes Zusammengehen mit einer bürgerlichen Partei schroff ablehnt, so sind wir es uns selbst schuldig, auch gegen sie den Kampf aufzunehmen. Wenn daraus da oder dort die Reaktion Vorteil ziehen sMe, so wird uns die Verantwortlichkeit nicht treffen." So brüllt Löwe Demokrat und will damit die Tatsache übertönen, daß bei der Reichstagswahl 1903 in, ganzen badischen Lande keine 6000 Stimmen auf die volköpnrteilichipi Kandidaturen fielen. Und doch mußte dieses Kriegsrufes eine Erwähnung geschehen, wird er wohl das Schwanenlied der badischen Demokratie, der einst so stolzen, bedeuten. ES war einmal, vor alten Zeiten I Was kostet de» Staat ein Lehrer»rtt was ein Geistlicher? Aus Stuttgart schreibt man u»S: Der württembergische „StaatSanzeigcr" machte vor einigen Wochen einen recht vermiglücktei, Versuch, die„Begehrlichkeit" der Volksschullehrer zu dämpfen, indem er auf die Aufwendungen verwies, die dem Staat aus der Heran- bildung der Volksschnllehrer erwachsen. Gegen diese Stimmiings- mache nimnit nun der Vorstand des württembergischen Volksschnllehrer- Vereins in einer Erklärung Stellung, und belegt seinen Protest durch eine interessante Gegenüberstellung der „Gestehungskosten" des Staates für Angehörige verschiedener Berufe, die sich auf amtliche Berechnungen stützt. Danach kostet ein Schüler der höheren Schulen dem Staat 12 Jahre lang( je 88 M.— 1056 M.; als Studierender der Universität kommt er dem Staat auf vier- oder fünfmal 687 M.— 2748 M. bczw. 3435 M. zu stehen: macht zusammen 3304 bezw. 4491 M. Geht er aber ms niedere theologische Seminar, so verursacht er dem Staat einen jährlichen Aufwand von 1000 M. Ein fertiger Pfarrer hat demnach für den Staat Gestehungskosten von etwa 5000 M. Der Volks schüler aber, der als Lehrer herangebildet wird, kostet den Staat sieben Jahre lang je 12 M,, zwei Jahre in der Präparandenanstalt je 203 M. und drei Jahre im Seminar je 512 M., in zwölf Jahren also zu- sammen 2036 M. Das Verhältnis der staatlichen Aufwendungen ist also gerade ein umgekehrtes wie die Bedeutung des Amtes. Freilich ist daS Mißverhältnis noch greller, wem, man lediglich betrachtet, welche Kosten der Staat für die Ausbildung der be- sitzenden Klassen aufwendet, und welche für die Kinder der breiten Masse des werktätigen Volkes. Der Volksschüler kostet den Staat ganze 84 Mark; für den Schüler der höheren Schulen wendet derselbe Staat aus den Staatsgeldern, die vom Aermsten gleich dem Reichsten auf« gebracht werden müssen, 1066 Mark aufl Daß dieses Miß- Verhältnis nicht nur in Württemberg, sondern in allen deutschen Bundesstaaten besteht, ist eine bekannte Tatsache, Unruhen in Dcntsch-Ostafrika. Die„Nordd. Allg. Ztg." meldet:„Nach einen, Telegramm deS Kaiserlichen Gouverneurs von Dentsch-Ostafrika sind unter den Eingeborenen der Motu mbiberge nördlich von Kilwa Unruhen ausgebrochen, deren Veranlassung noch nicht völlig geklärt ist. In dein an der Küste gelegenen Orte Ssamanga sind verschiedene Jnderhäiffer von den Eingeborenen verbrannt worden. Zur Unterdrückung der Unruhen, deren lokaler Charakter von dem Gouverneur betont wird, sind die beiden Kom- pagnien aus Lind, und Dnr-eS-Salaam nach Kilwa beordert." Nach Südwestafrika und Kamerun nun also auch Deutsch- Ostafrila>-_ Chronik der MajcstätSiclcidignngcn. Die Heidelberger Ferien« strafkammer verurteilte den Schreiner Rimeroth aus Petkum wegen Majestätsbeleidigung zu drei Monaten Gefängnis. Der Verurteilte hatte am Biertftch über die Kaiserreden gesprochen!— Hueland. Zum norwegisch-schwedischen Konflikt. Ueber das neue schwedische Ministerium äußert sich die norwegische Presse im allgemeinen mit einer gewissen kühlen Zurück- Haltung, Man ist der Meinung, daß eine Verschliininernng der Lage nicht herbeigeführt wird und sieht darin, daß den, Ministerium so liberale Männer wie S t a a f und B i e s e r t angehören, eine gewisse Garantie gegen herausfordernde Maßnahmen. Im übrigen würde es wohl auch für die schwedische Regierung geradezu unmöglich sein. »ach der norwegischen Volksabstimmung, die sich ja ohne Zweifel für die Unionsauflösung erklären wird, noch auf wirklich unannehmbaren und Norwegen demütigenden Bedingungen zu beharren. Ist es doch der Wunsch des schwedischen Reichstages, daß das norwegische Volk selbst entscheide, und so muß doch Schweden unbedingt dann auch die Entscheidung, wie sie ausfällt, respcklicren. Die schwedische sozialdemokratische Zeitung„Arbctet", die in Malmö erscheint, richtet einen dringenden Appell an die norwegischen Arbeiter, das Verlangen nach Schleifung der Grenzfestungen zu unterstützen. Di« Erhaltung der Festungen werde immer nur Veranlassung zu neuen Rüstungen in?!orlocgen sowohl wie in Schweden geben, ihre Schleifung aber zur Erhaltung dauernden Friedens beitragen. „Arbetet" macht ferner den Borschlag, Norwegen solle alö Gegen- forderung einen stark bindenden SchiedSgerichtS-Ver« trag verlangen. Dies und die Schleifung der Grenzfestungen sollten die sozialdemokratischen Parteien beider Länder zu ihren, gemeinsamen Programm mache n. „Auch»vir Dänen", schreibt unser Kopenhagen er Bruder- organ hierzu,„meinen, daß die schwedische Bedingung. Schleifung der norwegische» Grenzfestungen sowie die Festsetzung einer»eutralcn Zone, welche Schweden verhindert, Grenzfestungen zu errichten. ebenso sehr im Interesse Norwegen» wie Schweden» liegt und der Friedenssache wie dem AntlmIlitariSinnS im ganzen Norden zun, Vorteil gereicht."— Oesterreich-Nngar». Verstaatlichung österreichischer Privatbohnen. Die österreichische Regierung trifft, wie telographisch aus Wien gemeldet wird, Vor- bereitungen zur Verstaatlichung verschiedener Pridat-Eisenbahncn. Sie hat an die Kaiser Ferdinand Nordbahn, die Oestcreichisch-Un- garische Staatsbahng-.'sellschaft, die österreichische Nordwcstvnhn, die Süd-Nocddeutschc Verbindungsbahn und die Eisenbahn Dirn-ASpang Erlasse gerichtet, worin dieselben zunächst zur Ernennung von Ge- sellschaftSvcrtretern für im Herbst durchzuführende, auf die Ber- staatlichung hinzielende Verhandlungen aufgefordert werden, Frankreich. Nationalistische Drohungen. Der nationalistische Deputierte G u y o t d e Villeneuve kündigt an, daß er nach dem Wiederzusammcntreten der Kammer über die Reaktivierung des Generals Peigne interpellieren und die Veröffentlichung der An- gebereizettel wieder aufnehmen werde. Er habe, wie er in einem an den„Eclair" gerichteten Schreiben sagt, diese Ver- öffentlichung unterbrochen, weil der Ministerpräsident Rouvier ver- sprochen habe, die Beruhigung der Gemüter herbeiführen zu wollen. Heute müsse er feststellen, daß dieser Versuch vollständig gescheitert sei. Der„Eclair" bringt bereits in seiner heutigen Nummer angebliche Enthüllungen, durch die beiviesen werden soll, daß General Peigne im vorigen Jahre einen sozialistischen Journalisten in Schutz genommen habe, der die Offiziere des 25. Dragoner-RegimentS beleidigt habe; insbesondere habe General Peigne einem Unteroffizier eine Be- förderung in Aussicht gestellt, damit er gegen die Dragoneroffiziere aussage.— Dänemark. Abreise des Kaisers und Ordenssegen. Es ist leicht erklärlich. daß der Empfang des deutschen Reichsoberhauptes in Dänemark nicht von irgend welcher Volksbegeisterung getragen war und daß selbst die dänischen Hurrapatrioten sich ebenfalls nicht zu besonders lebhaften Ovationen veranlaßt fühlten, obgleich diese Sorte von Meiischen ja im allgemeinen nicht gerade wählerisch mit ihren Hurra- rufen umzugehen pflegt. Die schmählichen Verfolgungen der nord- schleSwigschen Volksgenossen konnten natürlich auch in dieser Hinsicht ihre Wirkung nicht' verfehlen und mutzten es jedem mit einem einigermaßen anständigen Rest wahrer Vaterlandsliebe ausgestatteten Dänen als Pflicht erscheinen lassen, mindestens sparsam mit seiner Kaiserhuldigung zn sein. Zuguterletzt erwarb sich der' Kaiser aber doch den Beifall der Zuschauer. Er kam nämlich, um am Mittwoch seine Frühstücksgäste an Bord der„Hohenzollern" zu empfangen, zu spät angefahren und zwar mit dem dänischen König und den drei jüngsten Kindern des Prinzen Waldemar und der Prinzessin Maria, die zehnjährige Margarete auf des Kaisers Knie reitend. „Das war ein zu fein berechneter Schachzug. als daß Kopen- Hägens eitel schaulustige Damen und Herren zu widerstehen ver- mochten", schreibt„Social-Demokraten".«Bisher waren die Hurra- rufe für die deutsche Majestät, die Wahrheit zu sagen, sowohl recht dünne wie kühl gewesen. Tatsächlich rief nur die Straßenjugend in dem Glauben, daß es sich um einen Possen handelte. Mit den Kindern in seinem Wagen und der kleinen dänisch-ftanzösischen Prin« zessin auf dem Knie sicherte sich der Kaiser aber ein einigermaßen anständiges Abschiedshurra." Beim Frühstück ergoß sich dann der Ordenssegen, sowohl auf die deutschen„Erbfeinde" in Form des Danebrogkreuzes, wie auf die Dänen in Form des Roten AdlerS. Ministerpräsident Ehristenscn erhielt das Großkreuz, der Minister deS Aeußern Raben den Roten Adler I. Klasse, andere wurden mit der U. Klasse bedacht, aber ein paar Leutnants mutzten sich mit der HI. Klasse begnügen.—„Wir wollen diskret sein und ihre Namen nicht nennen", bemerkt „Social-Demokraten".„Man denke sich, mit dem Adler HL Klasse herumlaufen zu müssen! Hier in Dänemark erhalten Tiere dritter Klasse nicht einmal Zutritt zur Tierschau."— England. Die Arbeitslosen-Borlagr.. London. 3. August. Infolge des außerparlamentarischen Drucke? auf die Regierung beschloß Mr. Balfour, die amenbierte Arbeitslosen-Vorlage in wenigen Tagen vom Parlamente annehmen zu lassen. Diese Vorlage ist zwar eine Abschwächung der früher eingebrachten, immerhin hält sie im Prinzip die Verantwortlichkeit des Staates für die Arbeitslosigkeit aufrecht. Die Vorlage hat aber jetzt nur einen provisorischen Charakter. Denn eS soll gleichzeittg eine Kommission eingesetzt werden, um die jetzt geltenden Arbeits- losen-Gesetze und deren Wirksamkeit zu untersuchen. Bekanntlich stammen die jetzige�prbeitSlosen-Gesetze aus dem Jahre 1834 mid beruhen auf den ErMbnissen einer Untersuchungskommisston auS dem Jahre 1832. Balfour meint, die Einführung eines neuen PrinrtpS verlange eine genaue Untersuchung der herrschenden Zustände. Ueber die Zusammensetzung der Kommission konnte er noch nichts Genaues angeben.—_ Militärische Erziehung. London, 2. August.(Eig. Ber.) Die unsichere Weltlage wftd gegenwärtig von Armeereformern dazu benutzt, die Engländer mit dem Gedanken der allgemeinen Wehrpflicht vertraut zu machen. Hervorragend in dieser Propaganda ist Lord Robert«, der vor wenigen Tagen den Mut hatte, in einer Rede imMberhause zu er» klären, daß trotz aller Reformen, die in den letztek�wei Jahren be» sprochen und unternommen wurden, die britische Armee jetzt ebenso unfertig sei. wie am Vorabend des südaftikamschen Kriege». Durch diese Erklärung hat er sich zwar in einen Gegensatz zu. der Regie- rung gestellt, aber er hat die öffentliche Meinung aufgestört. Gestern sprach er vor einer Versammlung der Londoner Handelskammer über ReichSvcrteidigilng. Er schlug vorläufig keine drasttschen Reformen vor. nur hielt er die Einführung einer militärischen Jugenderziehung für absolut notwendig. Der Geoankengang seiner Rede läßt darauf schließen, daß Roberts nichts weiter verlangt als ein» Miliz nach schweizerischem Muster.— Amerika. Ein Friedenstoast Roosevelts. Oysterbay, 5. August.(W. T. B.) Während des Gabel- frühstücks auf der Dacht Mayflower brachte Präsident Roosevelt folgenden Toast aus: Ich bringe einen Toast auS, auf den kewe Antwort erfolgt, und welchen ich Sie ersuche, stillschweigend und stehend anzuhören. Ich trinke auf die Wohlfahrt und die Prosperttät der beiden Souveräne und der beiden großen Nationen, deren Ver- tretcr sich auf diesem Schiffe begegnen. Ich hoffe aufrichtigst und eS ist mein Gebet, daß im Interesse nicht nur dieser beiden großen Mächte, sondern im Interesse der gesamten Menschheit, ein ge* echter, dauernder Friede zwischen ihnen bald abgeschlossen wird. Vom Panaum-Kanal. Nach Panama blicken die Amerikaner mit einem großen Mißbehagen; der Kanalbau will keine rechten Fort- schritte machen. Die Panamakanalftage wird noch eine große polt- tische Bedeutung gewinnen, meint„HarperS Weekly". Roosevelt und die republikanische Partei würden es zu verantworten haben, wenn sie für die übernommene Ausgabe nicht alles tun, wa» in ihren Gräften steht. Gegenwärtig sieht es nicht sehr hoffnungsvoll aus. «Wir erleben'» nimmer I" schreibt die„New Dorker VoltSzeitung", und rechnet ans, daß e« nach dem bisherigen Verlauf der Dinge noch 200 Jahre dauern könnte, bis der Kanal fertig ist. Opttmisten rechnen auf 10—12 Jahre. Noch ist die Frage nicht entschieden. ob ein Niveau- oder ein Schlensenkanal gebaut werven soll. Die Wasser«, Ernährung«- und WohnungSvcrhältnisse sind schauderhaft, wenigsten« für die einige Ansprüche erhebenden amerikanischen Arbeiter. Man stellt Amerikaner an als Leiter von Abteilungen westindischer Neger und südchinesischer Kulis, aber selten halten die Weißen lange auS. 12 000 Mann sind gegenwärtig an der Arbeit und zwölf Dampfbagger. Die Kommission hofft bi» Ende deS JahrcS 125 Danipfbagger in Tätigkeit zu setzen. Es wird Haupt- flichlicö darüber geklagt, daß zuviel BureankratiSmuS herrsche und alle schnellen Fortschritte hindere. Viele tüchtige Männer. ihre Fähigkeiten dem Unternehmet widmen wollten, seien dadurch ab» geschreckt worden. Daß unter dem Deckmantel sparsamer Ver- ivaUung allerlei Korruption besteht, gilt ebenfalls als sich»»* Tabelle zum Leitartikel. «,*ÜL5.?5Urbeu sozialdemokratische Stimmen abgegeben in folgenden Wahllreisen: Provinz Ostpreuße«. I. Kl. II. KI. m- Königsberg-Fischhausen Tilsit Niederung.. Elbing-Marienburg 19 1 1. Kreis 2. Kreis 3. Kreis 4. Kreis Proviuz Westpreußen. .... 1 Stadt Berlin. .... 2 71 .... 28 847 .... 162 3 045 .... 30 1 047 Provinz Westfalen. Minden-Lübbecke.' I Herford-Halle-Bielefeld Dortmund-Hörde-] Witten-Gelsenkirchen-} Hattingen-Bochum| Hägen-Schwelm.. Provinz Rheinland Duisburg-Oberhausen-> Mülheim-Ruhrort-Essen f' Düsseldorf...... Elberfeld-Bannen.... Mettmann...... Lennep-Remscheid-Solingen Mülheim a. Rhein... Stadt Köln...... Köln Land...... 22 235 26 443 — 15 6 143 71 1 100 9 356 26 17 38 27 Randow-Greifenhagen Stadt Stetttn... Kolberg-KöSlin... Stadt Breslau.. Ohlau-Brieg.... Reichenbach-Waldenburg Schweidnitz-Striegau. Bunzlau-Löwenberg.. Goldberg-Haynau-Liegnitz Jauer-Landeshut... Lauban-Görlitz.... Provinz Pommer» ... 2 ... 5 ... 2 Proviuz Schlesien. ... 4 Jerichow I, II.. Kalbe-Afchersleben.... Wanzleben....... Stadt Magdeburg.... Wolmirstedt-NeuhaldenZleben. OscherSleben-Halberstadt.. Liebenwerda-Torgau.... Delitzsch-Bitterfeld.... Halle-Saalkreis..... Ouerfurt-Merseburg.... Weißenfels-Zeitz..... Nordhausen....... Mühlhausen....... Erfurt......... Provinz Sachsen. ... 2 Flensburg... Schleswig... Husum-Eiderstedt. Plön...... Kiel-Neumünster., Rendsburg... Steinburg... Wandsbeck- Stormarn Pinneberg... Altona..... Lauenburg... 4 134 6 169 13 4 2 1 23 26 18 48 251 46 2 .....— 41 ..... 7 67 7 ..... 2 29 .....— 8 ..... 1 19 Provinz Schleswig-Holstein. .....— 14 2 1 14 6 11 13 36 1 61 Stadt Hannover. fannover-Springe inden..... Hameln.... Hildesheim-Peine. Göttingen-Minden Celle-Bergdorf.. Lüneburg.... Harburg.... Lehe-Geestemünde. Provinz Hannover. ... 14 70 2 1 34 257 77 200 23 342 13 79 1 370 — 19 181 60 Provinz Hessen-Nassau. Stadt Kassel.. Kassel-Witzenhausen.....— Eschwege-Schmalkaldcn....— Hanau.......... 4 Wiesbaden-Höchst......— Stadt Wiesbaden......— Landkreis Frankfurt.....— Stadt Frankfurt...... 13 Provinz Brandenburg Prenzlau-Angerinünde.... Ruppin-Templin...... Ober- und Nieder-Barnim.. Teltow-BeeSkow...... Jllterbog-Luckenwalde.... Westhavelland mit Brandenburg und Zauch-Belzig.... Stadt Potsdam...... Spandau-Osthavelland.... Landsberg........ LebuL-Stadt Frankfurt.... SchwiebuS-Krossen..... Guben-Sorau-Forst...... Kalau-KottbuS-Spremberg... 2 4 58 13 23 61 6 567 354 8 395 28 928 50 331 29264 368 4 790 1871 1070 1863 6 801 612 5 231 537 1811 349 1066 6183 7994 356 1 164 854 341 973 100 3184 675 1126 1292 7 950 319 826 109 545 2 689 561 1992 325 504 846 1501 106 152 520 7 968 183 1291 2 312 2 254 6006 258 4 613 434 4 734 165 415 114 210 214 2147 955 797 180 199 1416 570 343 568 4 290 Wahl« Männerstimmen 34 1 090— 487 1100 530 163 127 83 139 24 18 145 96 206 141 84 —— 103- Die russische Revolution. Die öffentliche Meinung in Rußland ist gegenwärtig erregter und zugleich ungewiffer, denn je zuvor. Alles ist im Flust. alles gärt, man fürchtet und hofft— aber die Revolution marschiert! Die in Petersburg herrschenden Stimmungen spiegelt das folgende Privat-Telegramm unseres dortigen Korrespondenten: Petersburg, 5. August.(Privat-Depesche dxs„Vorwärts".) Man erwartet für nächsten Tonnabend, dem Geburtstag des Thronfolgers, die feierliche Einberufung der„Volksvertretung". Minister, Großfürsten und einige ausgewählte Beamten ver- sammeln sich jetzt fast täglich beim Zaren in Peterhof und beraten die Einzelheiten des Projekte». Die Meinung» daß gründliche Reformen nötig find, ist im Ministerrat auch durch Reaktionäre wie Graf Jgnatiew vertreten. Aber es ist immer noch mehr als zweifelhaft, ob«ine solche Tendenz die Oberhand gewinnen kann. Inzwischen wird die Reaktion täglich brutaler. Der Presse wird die Möglichkeit genommen, wichtige Ercignisie zu regi- strieren, vom Diskutieren nicht zu sprechen. Berhaftuugen find häufig, besonder» unter den Ar» bei';?«- Dt» Mitgliedep M Sr«st«>».S»ngresseS 1 stehen in Gefahr, verhaftet zu werden» und es wird behauptet, der Plan bestehe: vor den Wahlen gegen alle Führer der Reformbewegung Prozesse einzuleiten» zu dem Zweck» sie vom Anteil an den Wahlen auszuschließen. Es steht«och einmal eine Krise bevor. »«» Eine neue Semstwo-Bersammlung findet nach der„Voss. Ztg." am 24. August statt. Verhandlungs- gegenständ ist die Vorbereitung für die Volksvertretungswahlen nach dem bevorstehenden Wahlgesetz. Die Semstwo sowohl wie der rechte Flügel des„Sojus Sojusow" beabsichtigen die Wahlen zu unterstützen. Die Finanzen und der Friede. Petersburg, 2. August.(„Ruff. Korresp.") Es liegt kein Grund vor, anzunehmen, daß die Neigung, den Krieg fortzusetzen, jetzt hier größer ist als zu der Zeit, da die Entsendung Wittes beschlossen lvorden ist. An dieser Tatsache ändern auch nichts Aeußerungen, die Witte in Paris gemacht hat und die dahin lauten, daß seine Hoffnungen auf den Frieden gering seien. Sie werden zutreffend gedeutet als Versuche, und zwar ungeschickte Versuche, die Japaner einzuschüchtern. Vorläufig hält man hier an der Ueberzeugung fest, daß Fragen der Laudabtretung und der Abgrenzung der Einfluß- spbären den Frieden schwerlich zum Scheitern bringen werden: große Schwierigkeiten macht hingegen die Frage der Kriegsentschädigung bei der wachsenden finanziellen Notlage der hiesigen Regierung. Gelingt es nicht, die finanziellen Fragen zu lösen, so bedeutet die Fortsetzung des Krieges zugleich die Aussicht auf eine Katastrophe der Staatsfinanzen. Auch der Staatsbankrott hat hier einflußreiche Parteigänger, die darauf hinweisen, daß alsdann die Regierung als wirkungS- volles Mittel gegen die Revolution, und vor allem zur Be- ruhigung des Bauernstandes, Stcuerniederschläge und Steuer- erleichlerungen in'großeni Umfange würde eintreten lassen können. Eindrucksvoller ist aber bisher immer noch in den allerhöchsten Kreisen der Hinweis gewesen, daß eine Untergrabung des russischen Kredits im Auslande das Zarenreich zunächst der Möglichkeit berauben würde, seine Flotte und fein Heer wieder schlagfähig zu machen— hierfür sei das Geld und die Fabriken des Westeiis unentbehrlich— und damit würde die internationale Stellung Rußlands schwer geschädigt werden.. Die Partei, die im Innern die Herrschaft der Polizeifaust an- strebt und die befürwortet, daß Rußland sich ganz auf sich selbst zurückziehen und sich völlig vom„faulen Westen" abwenden sollte, ist zwar klein, aber mächtig z sie hat ihre Vertreter nicht in den verant- ivortlichen Regierungs-, wohl aber in den Hofkreisen. Immerhin erscheint ihr Sieg, der zugleich die Fortsetzung des Krieges bedeuten wurde, ausgeschlossen, so lange die Hoffnung besteht, daß Witte zu gleich den Frieden und die Ueberwindung der finanziellen Schwierig' reiten in den Vereinigten Staaten erlangt. ' Hungersnot. Aus verschiedenen Gegenden Rußlands, den Gouvernements Twer, Pcnsa, Wladimir usw., die alle der Schwarz-Erde-Zone an- gehören, welche gewöhnlich die anderen Gouvernements mit Brot versorgt, kommen äußerst beunruhigende Gerüchte über drohende Hungersnot. In einem offenen Schreiben weist der bekannte Graf Bobrinsky auf die bevorstehende Notlage hin. Er sagt:„Alle Schrecken früherer Jahre der Mißernte werden in unserem Gedächtnis Ivieder lebendig. Jetzt tritt die Hungersnot gleichzeitig in ver- schiedenen Lireifen auf. und die Notlage wird natürlich dadurch noch viel bedenklicher, daß die Volkskräfte schon ohnehin durch den Krieg und die inneren Wirren überanstrengt sind. Ein Erfolg ist nur bei gemeinsamer Arbeit von Regierung und Gesellschaft zu erwarten. Aber wer kann noch auf die Bureaukratie, die auf allen Gebieten Schiffbruch erlitten hat. Hoffnungen setzen? Die Gesellschaft muh jetzt in diesem schrecklichen Moment mit doppelter Energie kämpfen. um die Hindernisse zu überwinden, die diese Regierung in den Weg legt." '.» Die Pässe für Rußland. Dem„B. T." wird näheres über die englisch-russische Pahaffäre mitgeteilt: Der wegen juridischer und legaler Differenzen wiederholt unter- brochene Prozeß gegen BrailSford und Maculloch wegen Beschaffung englischer Pässe für russische Revolutionäre endigte, wie schon be- richtet, mit der Verurteilung der Angeklagten zu je 2000 M., die sofort hinterlegt wurden. Das Urteil wurde durch den obersten englischen Richter, den Lordchcf der Justiz, gefällt. In der Be- grundung heißt es: Seit Jahrhunderten habe es kein Präzedenz gegeben. Auch dieser Fall sei ganz einzigartig, es stehe fest, daß die Angeklagten bona kicke, aber gedankenlos gehandelt haben. Die ursprüngliche Anklage auf geheime Umtriebe und Verschwörung gegen das britische Auswärtige Amt werde durch den Gang des Prozesses widerlegt. Andererseits aber hätten die Angeklagten den staatlichen und öffentlichen Frieden gestört, deshalb sei eine hohe Geldstrafe angebracht. Beide Angeklagten, die bekannte und angeschene Personen sind und durch die Elite der englischen Advokatur vertreten waren, er- klärten ihr tiefes Bedauern über die Täuschung(?), deren Opfer sie geworden seien._ Der Krieg in Oftasien. London, 5. August.„Daily Telegraph" wirb aus New Jork gemeldet: Nachdem Minister Witte durch Baron von Rosen dem Präsidenten Roosevelt vorgestellt und von diesem in herzlicher Weise begrüßt worden war, überreichte er dem Präsidenten ein eigen- händigeS Schreiben des Kaisers von Rußland, welche« die genauen Ansichten des Kaisers über die entscheidenden Umstände enthalt, auf Grund deren er die FriedenSbedingungen beurteilen und ihre An- nehmbarkeit prüfen werde. Dieser Schritt des Kaisers, den er als Zeichen seiner fteundschaftlichen Gesinnung für den Präsidenten, dessen Initiative die Friedenskonferenz zu danken sei, getan hat, beeinträchtigt in keiner Weise die Vollmachten Wittes. Gleichzeitig versicherte Witte den Präsidenten der freundschaftlichen Gefühle, die daö russische Volk für das amerikanische hege. Wladiwostok, 4. August.(Meldung der Telegr. sich ein Agentur'.) In der H o s ch k e w i t s �.... zapanischeS Beobachtungsgeschwader, daS aus einem Kreuzer und vier Torpedobooten besteht. Freigabt der Politischen Gefangenen ans Gachalin. Washington» 5. August. Bon zuverlässiger Seite«er- lautet, die Japaner hätten den polittscheii Gefangenen, die sie in der Strasabtcilung a»f der Insel Sachalin gefunden hätten, erlaubt, wenn sie ti wünschen sollten, nach anderen Ländern aus- zuwandern. Deutsche Waffenlieferungen für Rußland. Wir haben schon verschiedentlich darauf hingewiesen, wie eigen- artig die deutsche Regierung ihre Pflicht der Sientralität auffaßt. Während Graf B ü l o w beim Ausbruch des Boerenkrlege» bekanntlich verkündete, daß dem Oranjefteiheit von der Firma Krupp Geschütze geliefert wurden, die bereits vor Ausbruch des Kriege« bestellt und zum Teil bereits bezahlt waren, duldet eS während des ostasiatischen Krieges mit Seelenruhe, daß deutsch« Firmen Rußland Waffen und Kriegsmaterial liefern, die erst nach Ausbruch des Krieges in Auftrag gegeben worden sind. So liefert die Kruppsche Gcrmanialverft munter weiter Torpedoboote für Rußland. Der Versuch der Lübecker DeHörden, diese alS „Lustjachten" deklarierten Kri<>�''"hrzeuge anzuhalten, ist auf Ler« anlaffung der deutschen Regiemng sogar vereitelt worden. Und ebenso munter liefert die Deutsche Munitions- und Waffenfabrik, die vormalige Firma Löwe, trotz unserer wiederholten An« nagelung Unmassen von Maschinengewehren an Rußland. Wie uns mitgeteilt wird, wird jetzt am 9.— 13. Hundert dieser Maschinengewehre gearbeitet, 800 Maschinengewehre sind bereits über die russische Grenze gewandert und zum guten Teile wahr- scheinlich bereits bei der mandschurischen Armee angelangt! Ueberflüssig zu bemerken, daß die Waffenfirma bei den Liefe« rungen ein brillantes Geschäft macht. Ein Maschinengewehr kostet 12 000 M.. für 1300 Maschinengewehre erhält sie also 15 600 000 M. Den Arbeitern kommt dies flotte Geschäft freilich nicht zugute, sondern den Herren Mionären, die im letzten Jahre denn auch 18 Proz. Dividende einstreichen konnten. Auch ein klarer Fingerzeig dafür, warum man die Beseitigung des Völkermordes für eine törichte Utopie erklärt. Uebrigens teilt uns ein früherer Arbeiter der Deuffchen Waffen- und Munitionsfabrik unter Bestättgung der obigen Angaben mit, daß auch die Firma M i x u. G e n e st in Berlin für Rußland eilige Lieferungen anfertige, die offenbar für russische Kriegsschiffe bestimmt seien. ES handle sich um T e l e p h o n z e n t r a l e n. die eS dem Kapitän des Schiffes ermöglichten, auf telephonischem Wege seine Kommandos zu erteilen. So senden deutsche Firmen Unmengen von Kriegsmaterial nach Rußland. Graf Bülow aber, der es so eilig hatte, die Boeren- lieferunge» zu inhibieren, drückt bei den Russenlieferungen beide Augen zu! Er ist eben auch im Punktes der Neutralität kein „Konsequenzenmacher"._ Hus Induftrie und Handel. Neues Riesen-Elektrizitatpwerk. Nach einer Meldung der „Köln. Volksztg." aus Dortmund wird in der dortigen städtischen Verwaltung der Berkauf des städtischen Elektrizitätswerkes an die Gruppe S t i n n e s- Thyssen erwogen. Zwar liegt von dem Rhei- nisch-Westfälischen Elektrizitätswerk, in welchem die HH. Stinnes und Thyssen den entscheidenden Einfluß haben, ein Gebot noch nicht vor; man ist aber der Ansicht, daß die Stadt Dortmund in ihrem eigenen Interesse dem Verkauf zustimmen müsse. Das Dortmunder Elektrizitätswerk werde, wenn die Stadt ablehnend sich verhalten sollte, zwar lebensfähig sein; aber eS fei isoliert und seine AuS- dehnung nach allen Richtungen hin unterbunden. Zudem fei Dort- mund nicht in der Lage, den Strom so billig herzustellen. Das ge- waltige neue Unternehmen, welches schon nach einigen Jahren mit einem Kapital von mehr als 100 Mil» lionen Mark arbeiten wird, soll daS rheinisch-westfälische Großgewerbegebiet umfassen. Von den zwei Harlptstühpunkten Essen und Dortmund soll daS ganze Gebiet großgewerblicher Werke, Straßenbahnen, Häfen, Städte und Ortschaften mit Elektrizität für Kraft- und Lichtzwecke versorgt werden. Der bereits in Angriff genommene Bau einer großen Kraftstation seitens des Rheinisch. Westfälischen Elektrizitätswerkes in Castrop, aus welchem auch der Strom für die Straßenbahn Castrop— Rauxel— Henrichenburg bezogen werden soll, unterbleibt vorläufig, da noch das Ergebnis der Verhandlungen mit Dortmund abgewartet werden soll. Die Ver- waltung des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerles schloß kürz. lich auch die Stromlieferung für die Hafenanlage in Ruhrort mit dem Fiskus ab und tätigte auch einen Vertrag wegen Stromlieferung mit dem Kreise Hörde; sie steht ferner mit dem Landkreise Dortmund wegen Abgabe von Kraft für Straßenbahnbetrieb und Lichtzwecke in Unterhandlungen. Hinsichtlich der Kostenfrage erklärte die Direktion des städtischen Elektrizitätswerkes, daß die Gruppe Stinnes- Thyssen allerdings 11 Millionen Marl für das mit 6,7 Millionen zu Buche stehende städtische Werk biete und außerdem der Stadt 8 Prozent von der jährlichen Roheinnahme zahlen werde, was rund 130 000 Mark aus- mache. Die Angelegenheit ruht vorläufig; erst im September wollen die Stadtvertreter zu der Sache Stellung nehmen, die von der Re« gierungsbehörde allem Anscheine nach unterstützt wird. Die günstige Lage deS RuhrkohlemnarkteS hat nach dem Situationßbcricht der Fachzeitung„Glückauf" auch im Juli fort» gedauert, doch trat gegen Ende des Monats eine gewisse Abschwächung ein. indem der Absatz der Förderung nicht ganz zu folgen vermochte, so daß Feierschichten ebenso wenig zu vermeiden waren, wie sich die Lagerung einzelner Mengen umgehen ließ. Doch entsprang die Abschwächung des Absatzes mehr der Natur des SommergeschafteS, als daß sie in einem eigentlichen Nachlassen deS Abrufes seitens der Industrie ihren Grund gehabt hätte. Dieser war vielmehr im all- gemeinen befriedigend und wurde von den Inventuren nur in ge- ringem Umfange beeinflußt. Der günstige Wasserstand deS Rheins, der erst in den letzten Tagen deS Monats nachließ, gestattete die ganze BerichtSzcit hindurch einen lebhaften Schiffsversand. Sowohk in Gas- als auch in GaSflannnenkohlen wies der Absatz einen kleinen Rückgang auf, ist aber noch recht zufriedenstellend zu nennen; in einzelnen Horten war d»r Begehr vorübergehend sogar recht leb- Haft. Der Absatz in Fettkohlen hat sich im Juli gegen den Vormonat verschlechtert. Absatzverlegenheiten bestanden namentlich in groben Nüssen und Stückkohlen. Auch in Kokskohlen hat der Bedarf nach- gelassen. In Etz- und Magerkohlen war der Absatz im allgemeinen befriedigend. In Feinkohlen konnte der Bedarf sogar nicht einmal ganz gedeckt werden. Der KokSversand im Juli war im ganzen befriedigend, wennschon er mit rund 740 000 Tonnen nur die ab- folute Höhe deS Versandes im Vormonat erreichte, welcher einige Arbeitstage weniger gehabt hatte. Folgen des Pariser Zuckerkrachs. Allem Anschein nach ist die Lage des Warenhauses PrintempS durch den Zusammenbruch Jalu- zotS stärker bedroht, ol» anfänglich angenommen wurde. DaS Warenhaus PrintempS, welches einer Atttengesellschast unter der Firma Jaluzot u. Tie. gehört, hatte Herrn Jaluzot auf 22 000 Aktien über 10 Millionen Frank vorgestreckt. Man befürchtet, daß diese Aktien zwangsweise verkauft werden müssen, und daß dadurch die Lage des PrintempS schwer erschüttert werden könnte. Die An- gestellten deS PrintempS sind gegen Jaluzot sehr erbittert und wollen«ine Versammlung einberufen, um ihn zu zwingen, seine Stellung als Direktor des Warenhauses aufzugeben. 6ewerkrchaftlichee. Heuchelei. Von der konservativen bis zur linksliberalen Presse, von der regierungsoffiziösen bis zur gewöhnlichsten Klatschpresse fallen alle bürgerlichen Blätter jetzt über die von einem selbst- herrlichen Unternehmertum brutal aufs Pflaster geworfenen Färber und Weber im Vogtland und in Thüringen her. Die Unternehmerorganisation, welche jede Unterhandlung mit der Organisation der Arbeiter schlankweg ablehnte, hat nach dieser Presse kein Wässerchen getrübt: die Arbeiter aber, welche im eigenen Interesse einer solchen Ausschaltung ihrer Organisation nicht zustimmen können, sollen durch diesen Akt der Notwehr eine Machtprobe ver» anstaltet haben! DaS ganze bürgerliche Preßgelichter stellt eib als s e l b st v e r st ä n d l ich hin. daß die Arbeiter sich ihrer Organisation nicht bedienen dürfen; die Gegenforderung, daß die Unternehmer alS einzelne mit den Arbeitern verhandeln möchten, erhebt kein Blatt l Das„Teile und herrsche" des Unternehmertums scheint in den Augen der bürgerlichen Presse offenbar ein Grundsatz von höchster Moral und Ethik» daS»Einer fflr alle, alle für eines" der Arbeiter aber eine verbrecherische, die Schranken mensch- licher Gesittung niederreißende. kulturvernichtende Denk- weise. Natürlich scheint das nur so. In Wirklichkeit wissen die Soldschreiber des Kapitalismus genau, daß die Arbeiter dasselbe Recht haben, sich zu organisieren und sich durch die Organisation vertreten zu lassen, wie die Unternehmer. Wenn sie sich geben, als wäre es selbstverständlich, daß die Kapitalisten organisiert auftreten, und tun, als empfänden sie das Festhalten der Arbeiter an ihrer Organisation wirklich als eine Provokation, so ist das nichts weiter als eine elende Heuchelei. Die Herren wissen nur, daß das Unternehmertum als Klasse in der Tat instinktiv so empfindet. Nun geben sie sich, als empfänden sie, die doch auch nur ausgebeutete Proletarier der Feder sind, selbst wie das Unternehmertum. Füchse, die dem Raben das Fleisch abschmeicheln! Seelin un«t Clmgegend. Achtung! Kleber. Die Sperre über die Firma Scheidgen- Charlottenburg, Holtzeudorffstr. 20, wird hiermit aufgehoben, nachdem der Unter- nchmer sich schriftlich verpflichtet hat, die ini Tarif mit der Innung festgelegten Preise zu bezahlen, mit dem Vermerk, daß etwa ab- geschlossene Sonderverträge keine Gültigkeit haben. Zugleich hat sich der Unternehmer verpflichtet, bei Bedarf von Kräften sich in erster Linie an den Arbeitsnachweis zu wenden. Die Achtzehner-Kom Mission. Die neue Tarifvorlage für die Rohrleger ist in ihren Hauptpunkten Nunmehr auch von der Versammlung der Arbeitgeber ange- n o m m e n worden. Nur über einige redaktionelle Aenderungen wurde, ähnlich wie in der Arbcitnehmer-Versammlung, noch eine nähere Verständigung der beiderseitigen Kommisstonen gewünscht. Diese untergeordneten Tifferenzpunkte dürften jedoch einen ernst- lichen Konflikt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zur Folge haben, Die Arbeiter der Reinickendorfer Messingwerke nahmen jüngst in einer Betriebsversammlung Stellung zu der Mastregelung einer An- zahl Kollegen, die von den Meistern entlassen worden waren, weil sie an einer früheren Versammlung teilgenommen hatten. Der Firma ist es nämlich höchst unangenehm, wenn der Metallarbeiter- Verband Betriebsversammlungen einberuft, woselbst die zahlreichen Miststände in dem Werke, sowie die schlechte Entlohnung und Be- Handlung der Arbeiter kritisch besprochen werden. Um die Arbeiter nach berühmte» Mustern möglichst an den Betrieb zu fesseln, verspricht die Finna ihren Leuten für treue Dienste eine Prämie, und zwar nach Ivjähriger ununterbrochener Tätigkeit in derHöhevonLS M., steigend nach 15 Jahren aus 50 M., nach 20 Jahren auf 100 M. und nach 25 Jahren auf 150 M. Prämienjubilare sind allerdings nicht viele in dem Betriebe anzutreffen. Von den wegen Ausübung ihres Koalitionsrechtes ent- lassenen Arbeitern waren mehrere zirka 3—0 Jahre bei der Finna beschäftigt. Die Finna spart jetzt also auf diese einfache Art die bald fällig gewesenen Köderprämien. Nach einer scharfen Kritik des Verhaltens der Firma durch den Verbandsvertreter H a n d t k e wurde sich die Versammlung schlüssig, zunächst für eine ausreichende Stärkung der Organisationsverhältnisse unter den Arbeitern des Werkes zu sorgen und dann zu geeigneter Zeit über weitere Mast- nahmen der Finna gegenüber zu beschliesten. Der Streik in der chemischen Fabrik zu Erkner ist nach vier- wöchentlicher Dauer am Sonnabend mit einem erfreulichen Erfolg für die Arbeiter beendet worden. Da alle Versuche, den völlig lahm- gelegten Betrieb wieder flott zu machen, an der Solidarität der Arbeiter gescheitert waren, so sah sich die Direktion wohl oder übel genötigt, den Wünschen der Streikenden Rechnung zu tragen. Zwar vermochte es die Firma nicht über sich zu gewinnen, den Vertreter des Fabrik-, Land- und Hülfsarbeiter-Verbandes offiziell anzuerkennen, jedoch schien die Firma einzusehen, dah durch Hinzuziehung des Organisationsvertreters zu sogenannten inoffi- ziellen Besprechungen erst die Grundlage zu einer Verständigung zu schaffen möglich war. Infolge solcher Verhandlungen erklärte sich die Direktion denn auch am Freitag bereit, d�ie Forde- rungen der Arbeiter zu bewilligen. Sämtliche Ar- beiter, soweit sie noch am Orte sind, werden wieder eingestellt. Mast- regelungen dürfen nicht stattfinden. Die Lohnzulage beträgt für alle Arbeiter 4 bis 6 Pf. pro Stunde, sodast jetzt ein Mindest- lohn von 30 Pf. gezahlt wird gegen 24 Pf. vor dcni Streik. Anstatt der früheren 14tägigen Lohnzahlung ist jetzt die 8tägige Lohnzahlung eingeführt worden; auch mutz jeder Arbeiter bis zum Feierabend im Besitze seines Lohnes sein, während man vorher die Leute nach Belieben auf ihre paar Groschen Ivarten ließ. Zudem hat sich die Firma verpflichtet, den aus der letzten Lohnperiodc vor dem Streik zurückbehaltenen Betrag von 17,50 M. an alle in Betracht kommen- den Arbeiter nachzuzahlen. Auch ist das unleidige Prozentewesen abgeschafft. ES herrschte in dem Betriebe bisher nämlich die Un- sitte, den Arbeitern einen Prozentsatz ihres Lohnes in Form einer sogenannten Jahresgratifikation zu„schenken". Wer nun vor dem Auszahlungstermin ging oder entlassen wurde, bekam natürlich nichts; genau so wie es in der Anwendung aller derartigen Köder- mittel gehandhabt wird. Bis zum Tage des Streiks sollen jetzt die den Arbeitern zustehenden Prozente ausgezahlt werden� und dann kommen sie gänzlich in Fortfall. Nach diesem Ergebnis der Ver- Handlungen wurde die Arbeit von einem Teil der Arbeiter am Sonnabend wieder aufgenommen, der Rest tritt am Mon- tag wieder ein. Wahrscheinlich dürfte es sich die Firma zum zweiten Male sehr reiflich überlegen, ihre Arbeiter in ähnlicher Weise in einen Streik zu treiben. Deutsches Kelch. Die Metallarbeiter-Aussperrung in Breslau unterbleibt. Ein Privattelegramm von dort meldet uns, dast zwischen der Maschinenbauanstalt Breslau und den Drehern eine für letztere erfolgreiche Einigung stattgefunden hat.— Die Aussperrung war für den 9. August geplant. Zum Kampf im rheinisch-westfälischen Baugewerbe. E s se n, 4. August.(Eig. Ber.) Warum die General- Versammlung des Arbeitgeberbundes den Bor- schlag der Einigungskommission nicht ange- nommen hat, wurde in der gestrigen Sitzung der Sozialen Kommission mitgeteilt. Die Sache verhielt sich so: Die Herren Architekt Fritz und Verbandsdirektor S ch m i e d e h a u s, die den Beschluß der Einigungskommission vertreten sollten, waren nicht er- schienen, weil sie„im Lande h e r u m r e i st e n, um Arbeits- willige an zuwerbe n." Mit diesem Bestreben sollen beide Herren aber wenig Glück gehabt haben. Den Interessen des Bundes wäre es dienlicher gewesen, wenn die Herren nach Witten gezogen wären. Geht der Bund bei dem sich nun entspinnenden Kampfe in die Brüche, was als ganz sicher gilt, können sich seine Mitglieder bei den Herren Fritz und Schmiedehaus dafür bedanken. * ES erweckt hier allgemeine Verwunderung, daß die Soziale Kommission nach Entgegennahme des Berichts von Dr. Wiedfeldt sich über die Frage erregt haben soll, ob eine Aussperrung der Ar- beiter' oder eine Arbeitsniederlegung der Arbeiter stattgefunden hat und auf die Beantwortung dieser Frage ihre Tätigkeit beschränkte. Wir meinen, die Beantwortung dieser Frage ist höchst gleichgültig. Die Soziale Kommission hat nach dem ihr vom Stadtverordneten- kollegium gewordenen speziellen Auftrag zu entscheiden, ob und.oelch� Maßnahmen nach dem notorisch stattgefundenen Tarifbruch des Ar- beitgeberverbandes zu treffen sind, falls die städtischen Arbeiten infolge dieses Vertragsbruches einen Verzug erleiden sollten. Nach den Berichten der Bauräte hat dieser Verzug stattgefunden und die Ursachx dieser Verzögerung der Arbeiten ist unstreitig der Kontrakt- bruch der Arbeitgeber. Ein Teil der Arbeiter hat doch die i.cit niedergelegt wegen dieses Kontraktbruches. Wir erinnern daran, daß der Antrag des Herrn Dr. Bell in der Stadtvcrordneten-Sitzung dahin lautete; Die Soziale Kommission wird beauftragt, schleunigst zusammenzutreten, zu versuchen, eine Einigung herbeizuführen und falls das nicht möglich, schleunigst einer sofort einzuberufenden Stadtverordnetcn-Vcrsammlung Anträge zu unterbreiten; 1. die städtischen Bauten in eigener Regie ausführen zu lassen und in welcher Weise; 2. Unterstützung der ausgesperrten Arbeiter. Die Tatsache, daß die Arbeitgeber den Kontrakt gebrochen, besteht heute wie damals; die Tatsache steht fest, daß städtische Bauten empfindlich geschädigt sind und ferner ist an der Tatsache micht zu rütteln, daß die Arbeiter die Arbeit niederlegten eben wegen des Kontraktbruches der Arbeitgeber. Auf was wartet nun eigentlich die Soziale Kommission? Nach den letzten Berichten erscheint es nicht unmöglich, daß durch gewisse Verschiebungen schließlich befunden wird, daß die Arbeiter an allem schuld sein sollen. Die Soziale Kommission hat selbst die geringen Erwartungen, die an ihre Tätig- keit geknüpft wurden, nicht erfüllt. Essen a. d. Ruhr, 5. August. sPrivattelegramm des„Vorwärts".) Die hiesigen Bauarbeiter-Organisationen richteten an sämtliche hiesigen Bauunternehmer ein Schreiben, in dem die Herren auf- gefordert werden, sich bis kommenden Montag mittag 12 Uhr darüber zu entscheiden, ob sie die erhöhten Stundenlöhne söö Pf. für Maurer und Zimmerer und 45 Pf. für Bauhülfsarbeiter) zahlen wollen. Erfolgt keine oder eine ablehnende Antwort, so soll in den Streik eingetreten werden. Die Arbeiter sollen jedoch die Parole der Führer abwarten._ Aus dem sächsisch-thüringische» Aussperrungsgebiet. Am Freitag ist nun auch den Arbeitern und Arbeiterinnen in den Webereien gekündigt worden; die Aussperrung derselben soll am 19. August eintreten. Allmählich ist man in der Lage, die Situation zu übersehen. In Greiz sind gegen 1000 Färbereiarbeiter und-Arbeiterinnen ausgesperrt. Färberei und Textilindustrie beherrschen den ganzen Ort. Organisiert waren bei Beginn der Aussperrung nur ein paar hundert Personen, so daß alle übrigen nicht unterstützungsberechtigt sind, wenn sie nun auch dem Verband der Textilarbeiter beigetreten sind. In einer Versammlung am Freitag wurde betont, daß die nicht unterstützten Ausgesperrten sich an die Stadt- und Ge- meindeverwaltungen wenden werden, um Existenz- mittel zu fordern. Bei der Aussperrung der Weber würden in Greiz in 23 Be- trieben 4000 Personen in Frage kommen, von denen ungefähr 2000 organisiert sind. In vollem Umfange wird aber weder in Greiz noch in anderen Orten etwas aus der Aussperrung werden. Freitag vormittag schon ließen die Unternehmer bekannt machen, daß sie für diejenigen„Arbeitswilligen" die Betriebe offen halten werden, die sich gewissen Bedingungen unterwerfen. Es handelt sich also nur um einen Schlag gegen die Organisation, für den der Färberstreik den dürftigen Vorwand hergeben muß. In Gera läßt sich genau noch gar nicht feststellen, wie groß die Zahl der Ausgesperrten ist. Nach den Angaben der Unternehmer an die bürgerlichen Blätter sind es 1700 Mann. Nachkontrollieren läßt sich die Angabe nicht, da nur ein Bruchteil der Ausgesperrten dem Textilarbeiterverband angehört. Die Leute, die nicht auch unter- stützungsberechtigt sind, melden sich vielfach im Bureau des Textil- arbeiterverbandes nicht. Die Ausgesperrten kommen aus sechs Be- trieben. In der riesigen Färberei von Hirsch waren allein über 1000 Personen beschäftigt. Von der Aussperrung der Textilarbeiter würden in Gera und den Vororten etwa 8000— 9000 Arbeiter und Arbeiterinnen be- troffen werden, die in einigen zwanzig Betrieben arbeiten. Organi- siert ist auch hiervon nur der kleinere Teil. Eine wesentlich« Zu- nähme der Mitglieder des Textilarbeiterverbandes wird auch hier die erste unmittelbare Folge der Aussperrung sein. In Netzschkau werden am Sonnabend in der Streichgarnfärberei gegen 100 Personen ausgesperrt. Zwei kleinere Färbereien lassen weiterarbeiten. Der größere Teil der Ausgesperrten ist organisiert. Von der Aussperrung in den Textilbetrieben würden 2000 Personen in 13 Fabriken betroffen werden. Davon sind 30 Proz. organisiert. Mylau ist der ausgeprägteste Fabrikort, den man sich denken kann. Es gibt dort nichts als Fabriken und schlechte Proletarier- behausungen. In zwei Färbereien und Appreturanstalten sind 300 Personen ausgesperrt; davon ist der größte Teil im Textil- arbeiterverband unterstützungsberechtigt. Wenn eS zur allgemeinen Aussperrung kommt, werden aus zehn Fabriken noch über 2000 Menschen auf die Straße geworfen werden. Rcichenbach ist nach Plauen der bedeutendste Jndustrie-Ort im Vogtlande. Der Kampf nimmt dementsprechend größeren Umfang an. Schon sind aus drei Betrieben mindestens 1000 Arbeiter aus- gesperrt. Eine Anzahl Arbeiter streiken, weil ihnen zugemutet wurde, Streikarbeit zu machen. Sonnabend sollten in drei weiteren Streichgarnfärbcreien 700 Personen ausgesperrt werden. Von einer allgemeinen Aussperrung würden in 60—70 Betrieben gegen 6000 Arbeiter und Arbeiterinnen in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Ankündigung von der in 14 Tagen bevorstehenden Ent- lassung hat bei den Arbeitermasscn durchaus keinen Schrecken her- vorgerufen. Es mutz bei ihnen förmlich gebremst werden, um sie davon abzuhalten, die Fabriken sofort zum Stillstand zu bringen. So viel steht absolut fest, daß die Kündigung am Freitag keinesfalls die Wirkung hat, daß in Glauchau und Meerane von den Färbereiarbeitern die Arbeit aufgenommen wird. Die Verantwortung für die Katastrophe, wie die Aussperrung in den bürgerlichen' Blättern bezeichnet wird, haben die Unternehmer zu« tragen. Ob sie sich dessen bewußt werden? Freitagabend wurden Ver- trcter der erzgebirgischen und vogtländischen Färber nach Meerane berufen, weil die Unternehmer abermals Verhandlungen angeboten haben. Ueber das Resultat derselben läßt sich nichts voraussagen. Huslsnck. Streik und Lohudewcguug schwedischer Buchbinder. In Göteborg und in Stockholm finden zurzeit Lohnbewegungen der Buchbinder statt. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Firmen Otto S t e e n- b ä ck und Meyer u. Köster in Göteborg sind bereits in den Streik getreten. Es wird vor Zuzug nach beiden Städten gewarnt. Die Baumwollwcber in Lancashire haben sich einstimmig dafür ausgesprochen, an, 19. August in den Ausstand zu treten, falls nicht die Löhne um 5 Proz. erhöht werden. Der Ausschuß des Verbandes der Baumwollspinncreibesitzer beschlost, den ganzen Banmwollhandel aufzufordern, sich zusaumieiizuschlieste» und die Forderungen der Baumwollarbeiter abzuweisen. Versammlungen. Ter Deutsche Buchbindervcrbanb(Zahlstelle Berlin) setzte am Donnerstag, oen 3. August, seine neulich vertagte ordent- liche Generalversammlung fovt. Ter Bericht vom paritätischen Arbeftsnachweis lag schriftlich vor. Im zweiten Quartal waren 459 männliche und 507 weibliche Arbeitslose eingeschrieben. Von den im Quartal angebotenen 297 Stellen für männliche Kollegen wurden 241 besetzt, von den angebotenen 688 Stelleu für weibliche Kollegen wurden 392 besetzt. Außerdem wurden Aushülfen verlangt und besetzt 144 männliche, ferner verlangt 36 weibliche Aushülfen und vermittelt 32. Die Versammlung nahm einen Antrag Jahn an, den Arbeitsvermittler zu verpflichten, in seiner Statistik vom 1. August ab bei jeder vermittelten Stellung möglichst genau an- zugeben, auf wieviel Tage beziehungsweise Wochen die Stelle seitens des Arbeitgebers angeboten würde.— Der Antragsteller meinte, es würde sich herausstellen, daß der paritätische ArbeitsnachweiZ von den Arbeitgebern fast nur für aushülfsweise bezw. vorüb'i- gehende Stellungen in Anspruch genommen werde, womit sein Zweck allerdings nicht erfüllt würde.— Schmidt gab den Bericht t w Bibliothekskommission. Dieselbe hatte im zweiten Quartal eine Ge- samteinnahme von 166,65 M. Ausgegeben wurden für Neu- anschaffungen und Einbände 52,60 M., so daß«in Bestand von 114,05 M. verblieb. Bücher waren am Schlüsse des ersten Quartals 1233 vorhanden, hinzu kamen 16, so daß die Bibliothek jetzt 12541 Bände umfaßt. In Anspruch genommen wurde sie im Quartal 47S mal von männlichen, 248 mal von weiblichen Kollegen.— Es waren mehrere Ersatzwahlen für die Ortsvcrwaltung erforderlich. Ge» wählt wurden: als zweiter Schriftführer Herzog, alS Beisitzer Klappenbach und Pech.— Als Revisoren wurden Albert Hoffmann und Kregel gewählt, als Hülfskassierer Mo» rawsili, Lätzer und Fischer. Außerdem wurden ver» schiedene Vertrauenspersonen und Kommissionsmitglieder für die verschiedenen Branchen, die diese vorschlugen, bestätigt.— Hinsichtlich des Berichtes der Rechtsschutzkommission wurde auf die Ver- öffentlichung in der„Buchbinder-Zeitung" verwiesen. Hanke alS Mitglied der Kommission rügte noch, daß verschiedene Mitglieder selbständig klagen, anstatt sich rechtzeitig an die Rechtsschutz» kommission zu wenden und so Fehlgängen vorzubeugen. Redner hob die übergroße Anzahl von Strafmandaten aus Anlaß des Luxuspapierarbeiter-Streiks hervor und betonte die agitatorische Be- deutung dieses polizeilich-staatsanwaltlichen Vorgehens.— Die Versammlung beschloß auf Antrag der Rechtsschutzkommission, wegen der umfangreichen und mit Unkosten verknüpften verflossenen Tätig» keit der Kommission eine einmalige Entschädigung von 50 M. zu bewilligen, sowie in Zukunft Sitzungsgelder von 50 Pf. pro Mft» glied zu gewähren.— Nach der Neuwahl setzt sich die Rechtsschutz- kommission wieder aus Bergmann, Lcmser, Baesler, Hanke und Scholz zusammen.— Den Bericht über die Tätig- keit der Gewerkschastskommission während der letzten zwei Jahre erstattete Brückner.— In der Diskussion verurteilte Klar. daß das Berliner Atbeitersekretai/iat im Gegensatz zu anderen Arbeitersekretariaten dem Genossen August Müller, als er Material für sein bekanntes Buch suchte und sich auch nach Berlin wandte, nicht einmal Antwort gegeben habe, noch viel weniger die Sekretariatsberichte zusandte. Falsch findet Redner die Art, wie das Sekretariat erhalten wird. Die Beiträge der Gewerkschaften reichten bei weitem nicht aus. So müßten Ueberschüsse aus anderen, der Allgemeinheit gewidmeten Einnahmen herhalten. Das dürfte nicht sein. Die Beiträge der Gewerkschaften zur Kommission müßten vielmehr so erhöht werden, daß das Sekretariat davon existieren tonne. Weiter kritisierte Klar die geringe Berücksichtigung der vom Buchbinderverband ausgehenden Bewegungen im Sekretariatsbericht. — Verschiedene andere Kollegen sprachen im selben Sinne. Jahn stellt und begründet den Antrag, nunmehr statt drei sechs Delegierte in die Gewerkschaftskommission zu entsenden, darunter zwei weib- liche. Der Antrag wird angenommen.— Brückner gab in seinem Schlußwort einige Aufklärungen und betonte, daß eine Aenderung in der Finanzierung der Gewerkschaftskommission sowieso werde eintreten müssen, da ja nach den Beschlüssen des Kölner Ete» wcrkschaftskongrcsses die Ergebnisse allgemeiner Sammlungen an die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands abzuliefern seien.— Auf Antrag Klar wurde beschlossen, daß alljährlich der Bericht über die Tätigkeit der Gewerkschäftskommission zu erstatten sei, und zwar immer nach dem Erscheinen des schriftlichen Berichts. In die Gewerkschaftskommission delegiert wurden die Kolleginnen Koszielnsak und Schreihardt und die Kollege» Brückner, Schade, Klar und Hanke. Der Berein zur Wahrung der Interessen der Maurer hielt am Dienstag in Dräsels Saal eine Generalversammlung ab. Kauf» mann gab die Kassenabrechnung vom zweiten Quartal. Em» genommen wurden 14 469,50 M.. ausgegeben 9134,87 M., bleibt est» Ueberschuß von 5335,13 M. Unter Hinzurechnung de? Bestandes vom vorigen Quartal ergibt sich ein Kassenbestand von 70 035,95 M. — Als Revisoren wurden B u t s ch k e und Schwand gewählt.— Auf Antrag des Ausschusses wurden drei Mitglieder ausgeschlossen, zwei, weil sie fortgesetzt Ueberstunden gemacht hatten, und einer, weil er sich bei einer Bausperre unsolidarisch verhalten hat.— Eine längere Debatte zeitigte der folgende Punkt der Tagesordnung:„Ist es notwendig, daß K 6 des Reglements geändert wird?" Derselbe bestimmt, daß den Mitgliedern, wenn sie durch eine von den Bau- arbeitern verhängte Sperre in Mitleidenschaft gezogen werden, nach dem dritten Tage eine Unterstützung von 4 M. pro Tag gewährt wird.— Anläßlich des Streiks der Fahrstuhlarbeiter ist die Frage aufgetaucht, ob die Unterstützung nicht schon vom ersten oder wenigstens vom zweiten Tage an einzutteten hat. Dem Antrage de« Vorstandes gemäß beschloß die Versammlung, daß es bei der bis« herigen Besttmmung bleibt. Zum Streik der Kürschner nahm die Versammlung Stellung durch Annahme einer Resolution. Die Resolutton erkennt die For- derungen der Kürschner als berechtigt an und sichert den Streikenden volle Sympathie sowie finanzielle Unterstützung zu.— Durch Annahme eines Antrages billigte die Versammlung die Ueberweisung von 1000 M. seitens des Vorstandes an die streikenden Kürschner. die bereits erfolgt ist und bewilligte zu demselben Zweck weiter« 1000 M. Außerdem wurde der Vorstand ermächtigt, den Kürschnern je nach der Lage ihrer Verhältnisse noch weiter beizustehen. Verband der Schneider und Schneiderinnen. Eine gut besucht« Mitgliederversammlung tagte in den„Arminhallen". Ueber das Thema:„Welche Lehren und Nutzanwendungen haben wir au? der diesjährigen Frühjahrsbewegung in der Herrenmatzschneiderei zu ziehen?" referierte Käming. Redner, welcher die einzelnen Etappen der Bewegung noch einmal Revue passieren ließ, aus Anlaß der Vorgänge in den einzelnen Filialen auch kritisch einsetzte, kam am Schluß seiner Ausführungen zu dem Resümee, daß diese Be» wegung gezeigt hat, wo noch Lücken und Mängel in der Organisation der Schneider vorhanden seien, die auszufüllen Aufgabe der Zukunft sei. An das Referat knüpfte sich eine lebhafte Diskussion, in welcher die von dem Referenten am Schluß aufgestellten Leitsätze gutgeheißen und ihre Propagierung und praktische Durchführung im Interesse der Weiterentwickelung der Organisation als notwendig bezeichnet wurde. Hierauf gab der Kassierer K o t s ch die Abrechnung vom zweiten Quartal 1905. Es betrugen die Einnahmen der Zentral- lasse inkl. eines Bestandes von 33,23 M. vom vorigen Quartal 12 041,53 M., die Ausgaben betrugen 12 032,63 M. Unter letzteren befinden sich: an die Haupttasse abgeliefert 7950 M., Reise-Unter- stützung 37,55 M., Krankcnunterstützung 1129,46 M., Prozente am Ort zurückbehalten 2915,62 M. Die Lokattasse hatte inkl. eines Be» standes von 9994,72 M. vom ersten Quartal eine Einnahme von 16 145,52 M. zu verzeic�en, es betrugen die Ausgaben 6340,59 M.. bleibt ein Bestand für das nächste Quartal von 6840,59 M.— Ein Antrag, für die jetzt durch die Post teuerer gewordene Beförderung der„Fachzeitung" eine Gebühr von 10 Pf. pro Monat zu erheben, wurde nicht aus prinzipiellen Gründen, sondern wegen der in AuS- ficht stehenden Erhebung von Ertrabeiträgen für die tzaupttasse vorläufig abgelehnt. Als letzten Punkt verhandelte die Versammlung über den Antrag der Filiale Kiel, betreffend die Einberufung eines außerordentlichen Verbandstages aus Anlaß der FrühjahrSbewegung. Auch dieser Antrag wurde, nachdem sich Ritter namens der OrtS- Verwaltung und außerdem Käming dagegen gewandt, einstimmig abgelehnt. Letzte INfachncbtcn und Depefeben« Bon den Schergen des Zaren zum Tobe verurteilt. Moskau, 5. August.(W. T. B.) Der Mörder des Moskauer Stadthauptmanns Grafen Schuwalow, Kulikowsky, wurde heute vom Kriegsgericht zum Tode durch Erhängen verurteilt. verantw. Redakteuri Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: TK.Gftcke,. Berlin, Druck u..Verlag: PorwärtsBuKdr.u.Berlagsanstalt Paul.Si.nller.LcCo., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u.NnterhaltnngStlatt Nr. 182. 22. Jahrgang. 1. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Hus der Partei. Die Generalversammlung des Wahlvereins für den Reichstagswahlkreis Königsberg N.M. findet Sonntag, den 20. d. M., mittags 1 Uhr, in Küstrin statt. Die Tagesordnung enthält: 1. Bericht des Vorstandes und Kassierers. 2. Beschlußfassung über den Siz des Vereins. 3. Neuwahl des Gesamtvorstandes. 4. Der Parteitag in Jena. Referent Stadtverordneter Borgmann. 5. Provinzialkonferenz, Delegiertenwahl. Der Verein unterhält zwölf Zahlstellen mit annähernd 300 Mitgliedern. Jede Zahlstelle hat das Recht zwei Delegierte zur General bersammlung zu entfenden. Der Vorstand. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Sonntag, 6. August 1905. Genosse Thiele zum Weitertagen auf, da die Polizei in solchen Sizungen nichts zu sagen habe. Thiele erhielt dann einen Prozeß wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz; Schöffen- und Landgericht würdigten die Bemühungen der Polizei und berurteilten mehrere Genossen zu Strafen. Thiele hatte vom Schöffengericht Einen weiteren Reinfall, so berichtet man uns unterm 4. August, nicht weniger als sieben Wochen Gefängnis erhalten; die erlebte die Hallesche Polizei heute vor der Strafkammer. Im Verfolgung ruhte dann wegen seiner Immunitat als Abgeordneter. Jahre 1902, als der Abgeordnete Genosse Redakteur Thiele noch Inzwischen hat sich das Kammergericht mit der Sache beschäftigt Vorsitzender des Geiverkschaftskartells war, verspürte die Polizei das und die Freisprechung der übrigen Genossen verfügt, da die Polizei Bedürfnis, auch die Kartellsigungen überwachen zu lassen. Bald da nichts zu sagen hatte, indem es sich nicht um Versammlungen, wurden die Frauen ausgewiesen, bald sollte nicht über 12 Uhr nachts sondern um Sizungen handelte. Ober- Polizei- Jufpektor Weydehinaus getagt werden, und so war der Polizei dies und jenes nicht mann sagte, Thiele habe mit der Polizei„ Komödie spielen" wollen. recht. Als es schließlich zur Auflösung von Sizungen fam, forderte| Die Komödie endete mit Thieles Freisprechung. 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Tagesordnung: Bericht des gehörigen mehr und mehr verkümmern aus Mangel an guter Nahrung? Vorstandes, Kassenbericht, Neuwahl der Revisorinnen, VereinsNein und tausendmal nein! Verlangt auch Ihr mit Euren angelegenheiten, Verschiedenes. Erscheinen aller Mitglieder EhrenMännern, mit den Genossen, daß die Ursachen dieser enormen sache. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Teuerung beseitigt werden. Frauen und Mädchen- Bildungsverein Pankow. Die Vers Verlangt von der Regierung, daß die Vieh- und Fleischeinfuhr- sammlung für August fällt aus und dafür findet Donnerstag, den verbote und Einfuhrbeschränkungen aufgehoben werden, die auf Kosten 10. August, ein Familienausflug nach Tegel statt. Abfahrt des Zuges des Volkes einer kleinen Minderheit Reichtümer in den Schoß werfen. straße um 1 Uhr an der Berlinerstraße. Für Nachzügler bis um von Schönholz nachmittags 2 Uhr. Treffpunkt für Kaiser FriedrichDie Not und Entbehrungen werden nie geahnte Dimensionen 5 Uhr im Restaurant Klippenstein am See. Es wird um zahlreiche annehmen, wenn im nächsten Jahr der im Reichstage 1902 durch- Beteiligung der Mitglieder gebeten, Gäste sehr erwünscht. gepeitschte Bolltarif mit seinen hohen Vieh- und Fleischzöllen in Kraft fritt. Arbeitslosigkeit, Not, Strankheit wird er im grausen Gefolge haben. Der Vorstand. Treptow- Baumschulenweg. Das vom hiesigen Frauenbildungsvereine veranstaltete gesellige Beisammensein nebst Kinderfest, das Wer empfindet es schmerzlicher, als die proletarische Hausfrau und Mutter, als die Arbeiterin, deren geringes Wirtschaftsgeld, versammlungen, die am Dienstag abend in Berlin und Umgegend Eine große Anzahl von Männern und Frauen war in dem Darum, Ihr Frauen und Mütter, kommt zahlreich in die Volks- Donnerstag, den 3. d. M., bei Preuß, Treptow, stattfand, nahm einen äußerst günstigen Verlauf. deren schmaler Verdienst nicht ausreicht, um für die Familie Fleisch abgehalten werden. Jede, die fehlt, vergeht sich gegen das Wohl Gartenlofale vereint, und ungefähr 160 tinder waren versammelt, auf den Mittagstisch zu bringen. Der schwer arbeitende Mann braucht, um bei Kräften zu bleiben, des Volkes, gegen das Leben ihrer Angehörigen.für deren Belustigung hinreichend gesorgt war. Abgeordneter Zubeil hielt eine Ansprache an die Kinder, die nicht gute Nahrung. Troz größter Sparsamkeit kommt jedoch Fleischen Die weiblichen Vertrauenspersonen Berlins und Umgegend. verfehlt haben wird, einen tiefen Eindruck auf die jungen Gemüter Schöneberg. Noch einmal den Mitgliedern des Vereins für zu machen. Aber doch, wer den Ekel überwunden hat, für den ist auch Frauen und Mädchen von Schöneberg und Umgegend zur Kenntnis, Der Gesangverein Liedesfreundschaft" trug durch seine Ges mit schmalem Geldbeutel die Möglichkeit vorhanden, ein daß die Versammlung Montag, den 7. Auguſt, ausfällt. Die Mit- fangsvorträge zur Verschönerung des Festes bei. Stüd Fleisch zu erwerben.„ Minderwertiges" zwar, doch glieder werden ersucht, sich rege am Stiftungsfeste zu beteiligen, Wir richten an die Frauen, die am Donnerstag unsere Gäste nicht gesundheitsschädliches gibt es auf der Freibant. Das große welches Sonnabend, den 12. August, in Obsts Festsälen, Meininger- waren, die Bitte, auch unsere Vereinsversammlungen, die Mittwochs Stück aber schrumpft im Kochtopf zusammen, weil es aufgeschwemmt, straße 8, stattfindet.( Siehe Inserat in der heutigen Sonntags- nach dem 15. eines jeden Monats stattfinden, zu besuchen. wasserhaltig war. Dann steht der proletarischen Frau auch noch zu nummer des Vorwärts".) Der Vorstand. billigen Preisen das mit Finnen und anderen Parasiten durchsetzte Fleisch zur Verfügung, welches in der magistratlichen Dampflüche für den Proletariermagen unschädlich gemacht worden ist. Mehr und mehr steigert sich der Verbrauch von Pferdefleisch, dessen Loblied in vielen Bourgeoiskreisen gesungen wird, die sich aber hüten, selbst welches zu verspeisen. Z nobs ராயல், Reinickendorf- Oft. Dienstag, den 8. August, abends 8% Uhr, hält der Bildungsverein für Frauen und Mädchen seine Sigung ab. Vortrag von Frau Otto." Der Vorstand. Unsere Mitglieder aber bitten wir, die Frauen ihrer Bekannt= fchaft zum Besuche unserer Vereinsversammlungen resp. zum Ein tritt in den Verein zu bewegen und so das Gedeihen desselben zu fördern. Wir machen darauf aufmerksam, daß die nächste Versammlung Borsigwalde. Der Frauen- und Mädchen- Bildungsverein von Mittwoch, den 16. d. M., bei Christ, Ernststraße, stattfindet. Borsigwalde und Umgegend hält Mittwoch, den 9. August 1905, Herr Dr. Hermann Wehl hält einen Vortrag über„ Die menschabends 8% Uhr im Lokale von Schmidt, Tegel, Schlieperstraße 64, liche Ernährung". Der Vorstand. WARENHAUS HERMANN TIETZ ama Montag Dienstag salih Mittwoch ore beds 30er Ja 0% sh QuintGlasov Weingläser geschliffen Madeiragläser Rheinweingläser kristall Leipzigerstrasse 46-50. Krausenstrasse 44-49. Vorzugs- Preise podobo. Porzellan Soweit der Vorrat reicht. Emaille 20 Pt. 3d sig Terrinen 100 Ragoutschüssel 60 Pf. Wannen ovale, 50 cm lang blau, statt 2.00 135 15 Pt. Saucièren 55 Pf. Eimer 28 cm, blau 70 Pf. grau 65 PL 25 Pt. Bratenplatten oval 65, 95 Pf. 175 200 Bowlengläser kristall 28 Pf. Gemüseschüsseln rund 250 Rot- u. Rheinweingläser kristall ff. graviert 35 Pf. Teller tief und flach Bowlengläser kristall ff. graviert 145 Pf. Sektgläser ff. kristall Römer Römer Römer kristall 38 Pf. 30 32 45 75 Dessertteller 12 Pt. Compotièren rund, ff. dekoriert 48 PL. Kaffeekannen 55, 75 Pf. 85 Pf. 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Rundteil. Weißensee: Vereinshans, Charlottenburgerstr. 150. Tempelhof: Wilhelmsgarten, Berlinerstr. 9. Wilmersdorf: Volksgarten, Berlinerstr. 40. Charlottenburg: Volkshaus, Rofinenfie. 3. Rixdorf: Gröpler, Bergstr. 141. Schöneberg: Obfts Festfäle, meiningerstr. 8. = Peters Gesellschaftshaus, Eisenerit. 34: Johannisthal: Senftleben. Germania- Säle, chanffeeftr. 103. Steglitz: Shellhase, Ahornstrake. Swinemünder Gesellschaftsh., mündet. 42. Nowawes: Smidts Festfäle, withelmstr. 3. Brauerei Königstadt, önhauser Allee 9/11. Adlershof: Gesellschaftshaus Bayer. Lichtenberg: Schwarzer Adler Crank: Köpenick: Ringeltanbe( Stadt- Theater). ( Gebr. Arnhold), Tages- Ordnung: Zur Beachtung! Stralauer Viertel. Zur Beachtung! Sonnabend, den 12. Auguft, wird Stralauer Allee 31b bei Döring eine neue Zahlstelle eröffnet; bortselbst werden Sonnabends von 8-10 Uhr Beiträge kaſſiert. Montag, den 7. August, abends 8% Uhr: Bezirks- Versammlungen. Die Süden u. Südosten: im artifen of, Admiralftr. 180 Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen M. H. Baege über Entstehung und Abstammung des Menschen". 2. Diskussion. 3. Berbands. Angelegenheiten und Verschiedenes. Richtmitglieder und Frauen haben freien Zutritt. Osten I, Osten II u. Nordosten: bei Mann, Strauk bergerftr. 3. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genoffen P. Litfin über Die Lage der arbeitenden Selassen und die Sozialreform". 2. Distuffion. 3. Wahl des pintsleiters, Schriftführers und von zwei Bettragſammlern.& BerBezirk Friedrichsberg: be wildner, Friedrich 11. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genoffen Joseph Treu über Das Ber brechen als Produkt der gesellschaftlichen Verhältniffe". 2. Distuffion. 3. Wahl eines Bezirksleiters. 4. Berbandsangelegenheiten und Berschiedenes. Kollegen Es ist dringend Pflicht, daß Ihr die Versamm lungen beffer besucht als bisher; bringt auch Eure Frauen mit. Branche der Jalousien- Arbeiter. Dienstag, den 8. August, abends pünktlich 8%, Uhr: bei Ladewig, Alte Jakobftr. 83: Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bericht über die lehten Tarifverhandlungen. 2. Der Streit bei Bock. staller und andere Differenzen. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen jedes Kollegen notwendig. In dieser Versammlung werden die neuen Kontrollfarten ausgegeben. Dieselben erhalten nur Mitglieder des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes, welche der Branche angehören. Rur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches ist eine Karte erhältlich. Gegen die Fleischnot und die Fleischverteuerung. Musikinstrumenten- Arbeiter. Die Bahlstelle befindet sich bei Krause, Adalbertstr. 59. Dortselbst ist auch das Verkehrslokal. 89/20 Die Branchenkommission. Top Drechsler. Referenten die Genoffen: Dr. Borchardt, Davidsohn, Diesner, 20 A. Fülle, Grunwald, Hildebrandt, Ad. Hoffmann, Paul John, Kaliski, Kiesel, Kotzke, Küter, Ledebour, Manasse, Donnerstag, den 10. August 1905, abends 8%, Uhr, Molkenbuhr, Fritz Mündner, Rob. Schmidt, Schubert, Ströbel, Dr. Südekum, Wermuth, Wermuth, Dr. Weyl, Dr. Weyl, Wiesenthal, Em. Wurm, Zubeil. Parteigenossen und Genofsinnen! Agitiert für zahlreichen Besuch der Versammlungen! Sorgt dafür, daß diefelben sich zu einem wuchtigen Protest gestalten. Die Vertrauenslente Berlins und der Vororte. 209/ 8* im Königstadt- Kasino, Holzmarktstr. 72: Versammlung Zages Drbnung: 1. Die Verhältnisse in unserer Branche und wie führen wir eine Befferung derselben herbei. 2. Diskussion. 3. Verbands- Angelegenheiten. Das Erscheinen sämtlicher Kollegen ist notwendig, damit auch unsere Lage gehoben wird. Die Kommission. 1626leniow Achtung! Bautischler. Achtung! Verband der Sattler. General- Versammlung Hygienische Donnerstag, den 10. August, in Englischen Garten, Ortsverwaltung Berlin. 1982 der Sterbe- und Kranken- Unter- m. Donnerstag, den 10. August, abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20: Allgem. Mitglieder- Versammlung. Zages Ordnung: stützungskasse No. 55 am Dienstag, den 15. August 1905, abends 8 Uhr, im Schützenhause, Linienstraße 5. Zages Ordnung: Bedarfsartikel. Neueft. Katalog Branchen- Verfammlung & mpf. viel. Aerzte u. Prof. grat.ut. fr. H. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW., Friedrichstr. 91/92.* Zahn- Klinik. 75008 Preise beliebige Teil. zahlung. Invaliden21. 1. Bericht der Revisoren über den Olga Jacobson, straße 145. 2. Verschiedenes. 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Genoffen M. H. Bäge über:" Die Stand der Kranken- Unterstützungskaffe. Entstehung des Weltalls und der Erde." 3. Diskussion. 4. Berschiedenes. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet 157/5 Achtung! Der Vorstand. Achtung! Sonnabend, den 19. August, in der„, Neuen Welt", Hasenheide 108-114: Großes Sommerfest, berbunden mit oberbayrischem Gartenfeft. Doppel- Konzert, ausgeführt von der 40 Mann starten Haustapelle, sowie der bayerischen Bauernkapelle. Oberbayerische Bedienung. Extra Spezialitäten- Vorstellung. Großes Peuerwerk. Fackel- Polonaise, wozu jedes Kind eine Stoclaterne gratis erhält. Bon 8 Uhr ab im Riesenfaale: Großer Ball. Daran teilnehmende Herren zahlen 50 Pfennige nach. Die Kaffeeküche steht den Damen von 3 Uhr ab zur Verfügung. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Entree 25 Pfennig. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Programm gratis. Das Vergnügungs- Komitee. Marmor- Arbeiter! Sonntag, den 6. August, im Englischen Garten: Mitglieder Versammlung. 172/18 Tages Drdnung: 1. Beschlußfaffung über die Lohnfrage. 2. Diskussion. Es ist Pflicht sämtlicher Kollegen zu erscheinen. Der Vorstand. ( Auf Antrag der Revisoren.) Das grüne Buch legitimiert. Um zahlreiches Erscheinen wird Slegante Anzüge Tages- Ordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, zu erscheinen. Der Bezirksletter. Fachverein der Musikinstrumenten- Arbeiter. Montag, den 7. Auguft, abends 81% Uhr, in Graumanns Festsälen, Naunynstraße 27: in regt papiretiges Grigemen with Elegante Paletots Werkstattdelegierten- Versammlung gebeten. 4775 großes Der Vorstand. Jackett- Anzüge u. Paletots bon 7,50, 24732* Tages Drdnung: !! Von 36 Mk. an!! rook- Anzüge 18. u. b. M. 1. Bortrag über:" Arbeitsordnungen und Arbeitsnachweise." Hefere Herrenanzug, obne Ronan, in Zuch u. Stammgarn b. 30 M.( Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) 2. Diskussion. kurrenz, neueste Muster, nur an. Maßanfertigung. 3. Werkstatt- Angelegenheiten. retnto. Stoffe, feinste Zutaten. 2 AnFrack- und Gesellschafts- NB. Die Mitglieder der Arbeitsnachweis- Kommiffion müffen proben. Für guten Sig betam goldene Anzüge werden verliehen. in dieser Versammlung anwesend sein. Die Mitglieder haben Medaille. Ludwig Engel, Brena Wilh. Seide, Berlin so., Sorge zu tragen, daß jede Fabrik vertreten ift. lauerstraße 23 II( Alexanderplat). Gegründet 1892. Großes Zuchlager. 20 Dresdenerstr. 20, Ecke Granienplatz. Raucht Vineta No. 8 beste 2 Pf.- Zigarette! Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Arbeitsnachweis Zimmer 34, Amt IV, 3353. 3861L* Kellers Festsäle, Koppenstr. 29. Sonnabend, den 9. September 1905: 23. Stiftungsfest= des Fachvereins der Musikinstrumenten- Arbeiter Berlins und Umgegend. Großes Programm! Borstellung von Horst's Norddeutschen Humoristen und Quartett- Sängern. Mitwirkung des Sängerkreises der Musikinstrumenten. Arbeiter". ( Dirigent Richard Lange.) Nach der Vorstellung: Großer Ball. Billett 30 Pf. Programm frei. Anfang 8 Uhr. Billetts find im Arbeitsnachweis, Reft. Strüger, Naunynstr. 78, und in den Bahlstellen bei Schwarzer, Frankfurter Allee 99, Beyer, Schönhauser Allee 33, und trusemart, Rigdorf, Jägerstr. 67, zu haben. Der Vorstand. 280/14 Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der deutschen Drechsler and deren Berufsgenossen.( E. H. 86, Hamburg.) Mitglieder- Versammlungen finden statt: Engel- Ufer 15, Saal Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher Amt IV, 9679. Bezirk A: am Montag, ben 7. August, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshauſe, Donnerstag, 10. August, abends 8 Uhr, im großen Saale der Germania- Säle, Chanffeeftr. 103: Bezirk B: am Montag, den 7. August, abends 8%, Uhr, im Restaurant„ Zur Gütte", General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Staffenbericht für das zweite Duartal. Bericht der Revisoren. 2. Ergänzungswahlen zur Drtsverwaltung Dhne Mitgliedsbuch fein Butritt. Bahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Staligerftr. 30-31. Bezirk C: am Montag, den 7. August, abends 8%, Uhr, bei Schulz, Alte Jakob. ftraße 18/19. B Tages Drdnung: 1. Bericht über die am 9. Juli stattgefundene Generalversammlung. 2. Kaffenbericht vom 2. Duartal 1905. 3. Berschiedenes. 292/8 Die Bablftellen, in denen an jedem Sonnabend abend von 8-10 Uhr neue Mitglieder( bis 45 Jahre) auf genommen werden, befinden sich Naunynftr. 78 bei Krüger; Kl. Andreasstr. 15 bei Wollbrandt; Reichens 121/8 bergerstr. 29 bei Schmidt; Stalikerstr. 69 bei Grakmann; Boffenerstr. 45 bei Stäbler; Alte Jakobftr. 18/19 bei Schulz. Die Ortsverwaltungen. st. 182. W.?chg� 3. Keiisgt ikes LgWUts" Kttlilttt NllldslllM° � � Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 5. August 1905. Ein agrarisches Steucridcal. '-llelchSfinanznot.— Reichserbschaftssteuer und Junkertum.— Agrarische Steuerpläne.— Die.Kreuz-Zeiwng' und die Tabaksteuer.— Ein seltsames Rechenkunststück.— Rückwirkung der Stcueranspannung aus den Tabak- Verbrauch. Die drohende Pleite der Reichsfinanzwirtschaft zwingt die Regierung, nach neuen Steuerquellen zu suchen. Leicht ließen sich an den enorm angeschwollenen Heeres-, Marine- und Kolonial- ausgaben bedeutende Summen sparen, so daß durch einige kräftige Abstriche bei diesen Etatsposten das Reichsbudget schnell ins Gleich- gewicht gebracht werden könnte; aber für derartige Maßnahmen ist weder die Regierung, noch die Mehrheit des Reichstags zu haben. Sie sind zu weit in den Strudel der Welt- und Flottenpolitik geraten, als daß sie jetzt ohne weiteres zurück könnten. Ohne Rück- ficht auf die Reichsfinanzen brütet man tm Kriegs- wie im Marine- Ministerium voll vaterländischen Wetteifers neue Heeres- und Flotten- Vermehrungspläne aus, die, wenn sie auch nur teilweise zur Aus- führung gelangen sollen, neue gewaltige Geldmittel erfordern. Gewiß ist zwar, daß, wenn im März nächsten Jahres der neue Zolltarif in Kraft tritt, die Zölle einen ansehn- lichen Mehrertrag abwerfen werden— gerechnet wird auf eine ungefähr Mprozcntige Erhöhung der Zollcrträge, also auf eine jährliche Mehreinnahme von 170—180 Millionen Mark— aber schon heute ist absolut sicher, daß dieser Mehrertrag auch nicht ent- fernt dazu ausreichen wird, die voraussichtliche Steigerung der Reichs- ausgaben zu decken. Es müssen neue Steuerquellen erschlofien werden. Vor einigen Monaten meldete ein rheinisches Blatt, daß Herr v. Stengel, der ans Bayern herübergeholte neue Reichsschatzsekretär, in seiner Ver- lcgenheit auf das alte Projekt einer Reichserbschaftssteucr zurück- zugreifen und jnese so auszugestalten gedenke, daß sie dem Reiche einen jährlichen Steuerertrag von 100 Millionen Mark liefere. Bisher sind, soweit bekannt geworden ist, vom Reichs- schatzsekretär Schritte in dieser Richtung nicht unternommen. Wie verlautet, ist Preußens Finanzlicht, Freiherr v. Rheinbaben, als Verehrer des großen mobilen und noch mehr des immobilen Kapitals, gegen das Projekt, und findet in dieser Stellungnahme die bereit- willige Unterstützung verschiedener agrarischer Kollegen. Außerdem aber stößt der Plan sowohl in den großindustriellen und kommerziellen Kreisen, als bei den Agrarkonservativen auf stärkste Mißbilligung— natürlich, denn diese Steuer trifft fast ausschließlich die Begüterten. Zudem befürchtet man in jenen Kreisen, daß in Anbetracht der eigenartigen Steuerverhältnisse zwischen dem Reiche und den Einzelstaaten die Reichserbschaftssteuer früher oder später ihre Ergänzung durch eine Reichs- Vermögenssteuer finden könnte. Besonders wenig gefällt dieses Steuerprojekt den Konservativen. Ihnen ist jede Erbschaftssteuer höchst unsympathisch, vor allem aber die ReichS-Erbschastssteuer. Sie haben wirtschaftlich kein Interesse daran, die Steuersphäre des Reichstages gegenüber jener der Land- tage, in denen meist sie den Ton angeben, zu erweitern und den Ausbau des Systems der direkten Steuern zu begünstigen stehen sie sich doch bei der Erhöhung der Zölle und der Verbrauchsabgaben weit besser, denn erstens kommt von diesen auf sie ein weit kleinerer Anteil, und zweitens haben sie von den Zollerhöhungen auf land- wirtschaftliche Produkte insofern, als dadurch deren Preise auf dem Inlandsmarkt steigen, obendrein einen baren Vorteil. Auch fürchten sie, daß die Rcichserbschastssteuer die Kontrollierung der von ihnen gezahlten Einkommensteuer erleichtert und ferner bei der Vererbung des ländlichen Großgrundbesitzes die Erbschaftsabgabe, wie es sich gebührt, statt nach irgend einem fiktiven ErtragSwert nach dem wirklichen Verlaufswert bemessen werden könnte. Und das alte, durch die preußische Tradition dem Junkertum eingeräumte Privi- legium der gesetzlichen wie ungesetzlichen Stenerhinterziehung möchten sich die Edelsten der Nation mcht nehmen lassen. Dieses Privilegium gehört nach ihrer Auffassung zu ihren unveräußerlichen Menschen- rechten. Die Herren vom Adel und Besitz sind zwar zur Bewilligung jeder Heeresverstärkung bereit, jedoch die dadurch entstehenden Lasten zu tragen, verspüren sie in ihrem vaterländischen Herzen nicht die geringste Neigung. So weit'.reicht ihr Patriotismus nicht. Die Ausgaben für die Betätigung ihrer vaterländischen Gesinnung über- lassen sie, uneigennützig wie sie sind, den unbemittelten Volksschichten. Deshalb preist in letzter Zeit ihre Presse, vorerst meist noch in halb« versteckter Form, die Borteile einer Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer. Sie soll die Mitteln liefern für die ge- planten Heeresverstärklingen und Flottenbauten und zugleich die projektierte Reichs-Erbschaftssteuer abwehren. Einen hübschen Beitrag in dieser Richtung leistete sich dieser Tage die„Kreuz-Ztg." Mit komischer Entrüstung beklagt sie, daß bereits jetzt die Interessenten der Tabakindustrie gegen die Er- höhung der Tabaksteuer„tnobil* gemacht werden, obgleich man noch gar nicht wisse, wie diese Erhöhung gedacht sei— wahrscheinlich soll nach der Meinung des ehrsamen Organs für König, Baterland und Zollwucher die Gcgcnagitation erst einsetzen, wenn sie die Annahme im Reichstage nicht mehr zu hindern vermag— und leistet sich dann folgende schöne Empfehlung ihres Steuerideals: „Der Tabaksteuer wird allgemein vorgeworfen, daß sie, wie jede Verbrauchsabgabe, die wirtschaftlich Schwachen schwerer treffe als die Stärkeren, also Leute schädige, die man schützen solle, und daß sie so der von Herrn v. Stengel ausgegebenen Parole„Schonung der Schwachen" widerspreche. Das Zentrum wird dabei daran erinnert, daß es einer Resolution im Reichstage zur Annahme verholfen habe, nach der Gegenstände des Massenverbrauches nicht belastet werden sollten, und daß eS also, wenn es konsequent bleiben wolle, nicht für eine Erhöhung der Tabaksteuer eintreten dürfe. Daß die Tabaksteuer einen Massenverbrauch trifft, ist richtig. Wenn man aber dem Reiche die notwendigen Mittel zur Bestreitung seiner Ausgaben im Wege der indirekten Be- steuerung, und auf diese ist das Reich bis jetzt verfasstnigs- mäßig noch angewiesen, zuführen will, mutz die Besteuerung von Massenverbrauchsartikeln ins Auge gefaßt werden, weil sie allein die erheblichen Erträge liefern kann, die erforderlich sind zur Ordnung der Reichsfinanzen. Und so lange diese zur Steuer heranzuziehenden Verbrauchsartikel nicht zu den zum Lebens- unterhalt notwendigen Gegenständen gehören, sondern lediglich Genußmittel sind, braucht man aus Rücksicht auf die wirtschaftlich Schwachen von ihrer Besteuerung nicht abzusehen. Und daß der Tabak lediglich ein Genußmittel ist und in keiner Weise zu den notwendigen Lebensbedürfnissen wie Brot, Gemüse, Obst, Fleisch usw. gehört, ist doch unzweifelhaft richtig. Selbst wenn infolge erhöhter Tabaksteuer der Tabakverbrauch eingeschränkt werden müßte, würde darin keine Schädigung der Lebenshaltung für den liegen, der sich dieser Einschränkung unterziehen müßte." In seinem Eifer merkt das Blatt gar nicht, welch scharfes Urteil eS mit dieser Auslastung über die bisherige konservative Zoll- und Steuerpolitik fällt. Es begründet sein Eintreten für die Tabaksteuer- erhöhung damit, daß der Tabak nicht, wie Brot, Gemüse, Obst, Fleisch und so weiter, zu den« n o t lv e n d i g st e n" Lebensbedürfnissen der„wirtschaftlich Schwachen" gehört, seine Verteuerung also keine Schädigung ihrer Lebenshaltung bedeutet. Damit gibt das Blatt selbst zu, was eS bislang sophistisch wegzuleugnen suchte, daß die agrarische Zollpolitik auf eine Schädigung der Lebenshaltung der wärmeren Volksschichten hinausläuft. Nebenbei ist die hier beliebte Unterscheidung zwischen Genußmitteln und notwendigen Lebensmitteln völlig haltlos. Gehört auch der Tabak vielleicht nicht in gleichem Maße zu den notwendigen Lebensmitteln, wie Brot und Fleisch, so ist doch das Rauchen für Millionen zu einem wirklichen Bedürfnis geworden, und der Entzug oder die Einschränkung der Befriedigung dieses Bedürfnisses ist für sie tatsächlich gleichbedeutend mit einer Herabdrückung ihrer Lebenshaltung. „Aber," meint das Blatt,„es braucht kein Raucher infolge einer geringen Verteuerung des Tabaks, die ja durch die Steuer- erhöhung wohl eintreten muh, seinen täglichen Konsum an Tabak und Zigarren zu verringern, wenn er dafür nicht mehr wie bisher ausgeben will. Da er ja für dasselbe Geld die gleiche Quantität Tabak und Zigarren weiter wird kaufen können, wenn er sich mit einer etiväs geringeren Qualität begnügen will. Gerade weil die billige Zigarre, die von der minder wohl- habenden Bevölkerung geraucht wird, den Hauptbestand- teil des Konsums ausmacht, kann man sicher darauf rechnen, daß der Zigarrenfabrikant auch nach der Erhöhung der Steuern Mittel und Wege finden wird, die billigen Zigarren nach wie vor zum gleichen Preise wie jetzt und in einer ebenso rauchbaren Qualität wie seither zu liefern. Die Wirtschaft- lich Schivachen werden sicherlich die Steuer- erhöhung am wenig st en zu fühlen bekommen...." Ein kurioser Widerspruch. Erst spricht die„Kreuz-Zeitung" von einem„Massenverbrauch" und gibt zu, daß die billige Zigarre, die von der minder wohlhabenden Bevölkerung geraucht wird, den Hauptbestandteil des Konsums ausmacht, die sogenannten unteren Volksschichten also die Hauptkonsumenten sind, und einige Zeilen weiter behauptet sie, die wirtschaftlich Schwachen würden sicherlich die Steuererhöhung am wenigsten fühlen. Eine größere Verdrehung der Tatsachen ist kaum möglich. Für den Großgrundbesitzer, der vielleicht täglich ein halbes Dutzend Zigarre» zum Preise von 20 oder 25 Pfennig pro Stück raucht, macht es sicherlich wenig aus, wenn er künftig das Stück einen Pfennig teurer bezahlt— diese Erhöhung beträgt für ihn nur 4 oder 5 Proz.; für den Arbeiter aber, der 4- oder 5-Pfennig-Ziaarren raucht, macht es meist recht viel aus, ob er für sein Rauchbedürfnis täglich einige Pfennige mehr opfern muß. Für ihn bedeutet eine Preiserhöhung um 1 Pfennig pro Stück einen Zuschlag von 20 oder 25 Proz. zu seiner bisherigen Ausgabe. Ebenso leicht findet sich die„Kreuz-Ztg." mit der Tatsache ab, daß eine wesentliche Verteuerung des Tabaks eine Abnahme des Konsums, also einen Rückgang der Tabakindustrie und damit die Entlassung von zahlreichen Arbeitskräften zur Folge haben muß. Sie stellt folgende Rechnung auf: „Die Annahme, daß sich infolge einer Erhöhung der Tabak- steuer eine merkliche Verringerung des Konsums einstelle, ist nicht richtig. Zeitweise kann solche Verringerung wohl eintreten. Allein sie wird keinesfalls bedeutend und nicht nachhaltig sein, zumal wenn die Preissteigerung des Fabrikats infolge der Besteuerung nur eine so geringe sein wird, wie sie die Steuererhöhung rechtfertigen wird. Wenn der jetzt 85 Mark für 100 Kilo- gramm betragende Zoll zum Beispiel aus 116 Mark, also um 30 Mark erhöht werden sollte, betrüge die Steuererhöhnng für 1 Kilogramm 30 Pf., und da 150 Zigarren mittlerer Größe auf 1 Kilogramm gehen, für 15 Zigarren 3 Pf. Der Fabrikant würde also 1000 Stück der billigsten Sorte, die er jetzt vielleicht mit 25 M. bis 30 M. dem Detaillisten liefert, mfolge des Zoll- auffchlageS von 1,80 und von 10 Proz. des Zollaufschlages als Vergütung für Zinsvcrlust 27 M. bis 32 M. für das Tausend be- rechnen müssen. Und wenn die Detaillisten nur diese Preis- steigerung von 2 M. für das Tausend beim Einzelverkauf wieder einbringen wollen, würden sie nur 2/ia Pf. für jede Zigarre mehr nehmen dürfen. Die Rechnung stimmt nicht. Erstens ergeben niöht 100 Kilo- ramm Rohtabak auch 100 Kilogramm Zigarren, zweitens schlägt er Detaillist nicht nur den Zoll auf, sondern legt beim Verkauf ein- fach seinen Einkaufspreis zugrunde, d. h. nimmt auch vom Zoll seinen„Verdienst", und drittens wird sich die Regierung, wenn eS tatsächlich zu einer Hinauffetzung der Tabaksteuer kommt, keines- wegS mit einer Erhöhung von 85 auf 116 M., um 35 Proz., be- gnügen; denn die dadurch gewonnenen Mittel würden nicht mehr bedeuten als ein Tropfen auf einen heißen Stein. In den letzten Jahren haben Tabaksteuer und Tabakzoll zu den Reichssteuern jährlich 60— 69 Millionen Mark geliefert: eS würden also durch die Erhöhung die Reichseinnahmcn bestenfalls um 24 oder 25 Millionen gesteigert. So billig tut es leider unsere väterliche Regierung nicht. Dafür kann sie noch nicht ein einziges leistungsfähiges Panzerschiff bauen lassen. Außerdem kommt aber in Betracht, daß jede stärkere Erhöhung des Zolles und der Preise eine Abnahme des Konsums zur Folge hat, also voraussichtlich sich der Mehrertrag beträchtlich unter 24 Millionen Mar! stellen würde. Die„Kreuz-Ztg." bestreitet das zwar, doch die Erfahrung beweist das Gegenteil ihrer Behauptung. In den Ländern, wo die Tabakszölle und die Tabakspreise am niedrigsten sind, ist auch der Konsum am größten; so stellt sich zum Beispiel der Verbrauch an Rohtabak in Holland ungefähr aus 3,4, in Belgien auf 2,4 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung, in Deutschland nur auf 1,6 Kilogramm. Und noch niedrigere Ziffern finden wir in den Ländem mit Tabaksmonopol und in Groß- britannien mit seiner hohen Steuer. In Frankreich beträgt z. B. der Konsum pro Kopf nur etwas über 1 Kilogramm, in Italien 0.6 Kilogramm, in England 0.8 Kilogramm. P»t. s)artei-)Znge!egenkeiten. Zur Lokalliste. In Niederschönhausen findet am Sonntag und Montag, den 6. und 7. August ein Erntefest statt(arrangiert von den vereinigten Schönhauser Gastwirten). Wir machen die Arbeiter- schaft daraus aufmerksam, folgende Lokale streng zu meiden: L i e d e m i t, Eingang an der Kirche und Waldstraße; Thiels GescllschaftshauS; D o n a t, Schloß Schönhausen. Wir ersuchen die Arbeiterschaft, die Lokalliste streng zu beachten. Die Lokalkommission. berliner|Vachrichtcn» TaS Projekt der Fortführung der Hochbahn nach dem Spittel- markt wird gegenwärtig umgearbeitet, da für diese Erweiterungs- strecke eine neue Linienführung beabsichtigt wird. Nach dem neuen Projekt wird die Bahn von der Votzstraße aus die Mohrenstraße nur bis zum Gendarmcnmarkt verfolgen; hier schwenkt sie von der Südseite des Platzes in die Markgrafenstraßc ein, wobei sie zu- gleich, oberhalb liegend, den Tunnel der städtischerseits geplanten Unterpflasterbahn„Nord-Süd" kreuzen wird. Von der Markgrafen- straße soll dann die Bahn in die Taubenstraße eingeführt werden. Von der Taubenstraße führt die Bahn nach dem Hausvogteiplatz, woselbst sie die nach dem Südosten der Stadt geplante städtische Unterpflasterbahn kreuzen würde, um dann in die Niedcrwallstvaße einzuschwenken. Diese bietet für einen Bahnbau keinen günstigen Boden; ihre Breite, knapp zehn Meter, gestattet aber eben noch tfa Verlegunz des acht Meter breiten Tunnels. Nur am Spittelmarkt, wo die Straße nicht einmal dies Brcitcnmaß besitzt, würde das Projekt scheitern wenn nicht begründete Aussicht vorhanden wäre, wenigstens an oieser Stelle die Niederwallstraße etwas zu ver- breitern. Das dem Kommerzienrat Vogel-Dresden und dem Kauf. mann Trctropp gehörige Haus Niederwallstraße 23 wird zu dem BeHufe etwas beschnitten werden muffen, entweder im Wege steter Vereinbarung oder im Wege der Enteignung. Es würde dann in der Baufluchtlinie der übrigen Häuser der Niederwallstraße liegen und dem Tunnelbau keinerlei Hindernis mehr bieten. Im September hofft die Gesellschaft das neue Projekt den städtischen und staatlichen Behörden vorlegen zu können. Eine ungewöhnlich starke Hitze herrschte am gestrigen Tage. Lähmend wirkte die hohe Temperatur auf Menschen und Tiere. In der Mittagsstunde wies das Thermometer nicht weniger als 43 Grad Celsius in der Sonne, im Schatten 33 Grad Celsius auf. In den Abendstunden hatte sich eine ungemein schwüle Temperatur, deren Höhepunkt gegen Vz8 Uhr 32 Grad Celsius betrug, über Berlin hinweggebreitet. Natürlich stellten sich die Folgen der Hitze- erscheinungen bald ein. Eine ganze Reihe von Pferden wurde in den Mittagsstunden vom Hitzschlag betroffen. Die Allgemeine Berliner Omnibus-Gesellschaft sah sich gezwungen, zum Schutze ihres Pferde- bestandes alle nur erdenklichen Vorsichtsmaßregeln anzuwenden. Der Andrang zu den Badeanstalten war im Laufe des gestrigen Tages, besonders am Abend ein ganz gewaltiger. Die Bürgersteige in der Hitze ausreichend zu sprengen, werden jetzt die Hausbesitzer gebeten. Der Aufenthalt in den Straßen würde dadurch in den heißen Wochen erträglicher gemacht. Die städtische Straßenreinigung hat alle Reservewagen bereit gestellt und läßt jetzt die Straßendämme nach Möglichkeit vier-, sechs-, ja achtmal besp.rengen. Trotzdem sind die Dämme unter der Einwirkung der Sonne schnell wieder trocken, strömen Hitze aus und machen den Aufenthalt zu einem recht ungemütlichen. Würden auch die meist im Schatten liegenden Bürgersteige tagsüber ausreichend besprengt, dann würde die Hitze nicht so empfunden werden, die Wärme nicht so schnell in die Häuser eindringen und der Staubentwickclung vor- gebeugt. Es ist mit Rücksicht auf die Beschwerden schon erwogen worden, eine Verordnung zu erlassen, wonach die Hausbesitzer zur Besprengung der Bürgersteige während der heißen Jahreszeit ver- pflichtet werden. Man hat bisher von dem Erlaß einer solchen Verordnung abgesehen, weil man hofft, daß eine Bitte, wie sie hier ausgesprochen wird, dieselbe Wirkung haben wird und daß es der Polizei nicht erst bedarf. Wir kennen unsere Hausagrarier besser. Auf diese übt eine Bitte keine Wirkung aus. Im Interesse des öffentlichen Wohles der Bevölkerung liegt es, wenn die Hausbesitzer behördlich an- gehalten werden, und zwar möglichst bald, ihren Pflichten nachzu- kommen. Kinderarbeit bei der Paketfahrt. Unter dieser Spitzmarke teilten wir kürzlich mit, daß ein zehnjähriger Knabe zum Abliefern von Paketen benutzt worden sei. Die Berliner Paketsahrtgesellschaft bestritt in einer Zuschrift, daß dieser Fall auf sie zuträfe. Heute wird uns der Abschnitt vorgelegt, der dem Empfänger des Pakete? ausgehändigt worden ist. Daraus ergibt sich, daß es sich nicht um die Berliner Paketsahrtgesellschaft handelt, sondern um die„Erste Berlin« C h a r l o t t e n b u r g- Spandauer Paket- beförderung". Nun hat diese das Wort. Die Verhaftung eines gefährlichen Warenschwiiidlerö, der noch 40JahreZuchthaus zu verbüßen hat, ist gestern der Berliner Kriminalpolizei gelungen. Es handelt sich um einen aus Komotau gebürtigen Techniker Eduard Czapek, der die Geschäftswelt von Deutschland und Oesterreich um viele Tausende geschädigt hat. Schon vor längerer Zeit wurde vor diesem Schwindler gewarnt. Er be- stellte auf großartig ausgestatteten Geschäftsbriefbogen in Schreib« Maschinenschrift alle möglichen Waren, von literarischen Objekten an bis zu Automobilen hin und— erhielt sie auch. Zuletzt nannte er sich H. E. Waldhausen aus Frankfurt a./O., unter welcher Adresse er auch große Posten von allen erdenklichen Waren erhielt.' Außer Frankfurt a./Oder gab er noch Berlin bl. 4 als feine angebliche Adresse an. Der mit der Bearbeitung der Sache betraute Kriminalkommissar sah nun auf den Briefbogen des angeblichen W. das Wort„Fabrikanlagen" und schloß hieraus, daß eS sich um einen Oesterreicher handele. Weitere Schluß- folgerungen ergaben, daß hier nur der aus der Irrenanstalt entsprungene imd von zahlreichen Staatsanwällen des In- und Aus» landes gesuchte Techniker Eduard Czapek in Betracht komme, � der auch noch, wie Eingang? erwähnt, 40 Jahre Zuchthaus zu verbüßen hat. Der angebliche Waldhausen ließ in letzter Zeit seine Postsachen nach einem von ihm unter demselben Namen gemieteten Zimmer in der Jnvalidenstraße bringen, was die Kriminalpolizei nach langen Recherchen ermittelte. Kriminalschutzleute legten sich daher auf die Lauer und faßten gestern den„Herrn Waldhausen" bei feiner Heimkehr ab. Er versuchte gar nicht zu leugnen, sondern gab ohne weiteres zu, der gesuchte Waldhausen bezw. Czapek zu sein. Auf die Frage, wie er denn eigentlich auf seine unzähligen Betrügereien verfallen sei, erwiderte er, eS geschehe zur„Ausgleichung von Schulden", die er so lange kontrahieren werde, bis ihm die Mensch« heit das Geld, das diese ihm für„seine Erfindungen" schulde, be- zahlt habe. Weiter war aus ihm nicht? herauszubringrn. Eine große Menge der verschiedensten Waren wurde in Frankfurt und Berlin beschlagnahmt und wollen sich geschädigte Geschäftsführer an daS Berliner Polizeipräsidium wenden. Uebcr eine wilde Jagd wird uns vom Viehhof berichtet. Ein Schlächter Seidel, der in Untersuchungshaft sitzt, wurde auf An- ordnung der Staatsanwaltschaft von zwei Kriminalbeamten nmst dem Viehhof gebracht, um bei der Ermittelung eines Helfershelfers mitzuwirken. Seidel hatte sich, wie er später einräumte, zu diesem� Dienste bereit erklärt, weil er, mit den Verhältnissen und Ein» richtungen des Viehhofes wohlbekannt, eine Gelegenheit zur Flucht' zu finden hoffte. Nachdem nun die Beamten bereits den größten Teil der Anstalt mit ihm abgesucht hatten, setzte der leichtfüßige� Mann plötzlich über die Schweinebuchtcn, einen Eisenbahnwagen und� mehrere Zäune hinweg und rannte nach dcr� Ausladestelle zu.l Während ein großer Teil der anwesenden Schlächter die Beamten � bei der Verfolgung unterstützte, sahen andere der Flucht des Ver-' brecherS ruhig und lachend zu. Seidel entkam vom Viehhof und floh in rasendem Laufe nach Lichtenberg zu. Einem Schutzmann, der ihm unterwegs mit gezogenem Säbel entgegentrat, entging er durch einen Steinwurf. Erst in Lichtenberg holten die Kriminal- beamten den Flüchtigen ein und nahmen ihn wieder fest. Bon, Baugerüst abgestürzt. Auf dem Mittelgrundstiick der Firma Hcrtzog in der Brcitestraße ist gestern der 30jährige Gerüstarbeiter August Mann, Grunewaldstr. 100 schwer verunglückt. M. war beim Abbrechen eines dort aufgestellten Baugerüstes beschäftigt, rutschte während der Arbeit von einem Brett ab und stürzte von der Höhe der zweiten Etage in die Tiefe hinab. Mit gebrochenen Unter- schenkeln wurde der verunglückte Arbeiter vom Platze getragen. Daß Sparsamkeit auch teuer werden kann, erfuhr der Arbeiter Otto Boldt, der aus Jüterbog hierher kam. um Beschäftigung zu suchen. Um kein Geld für ein Nachtlager in der Herberge ausgeben zu müssen, wollte er die Nacht auf dem Bellealliance-Platz zubringen. Auf einer Bank schlief er dort so gut, daß er gar nicht merkte, wie ihm das große Paket mit seiner ganzen Habe aus den Armen weg- genommen wurde. Zu seinem Glück sah aber ein anderer Mann, daß ein Fledderer sich an ihn heranschlich und ihn erleichterte. Dieser verfolgte den Dieb, einen der Kriminalpolizei bekannten 20 Jahre alten Hausdiener Wilhelm Schulz aus Posen, und nahm ihn fest.— Ein anderer Fledderer, ein 41 Jahre alter, wegen BettelnS schon 40mal und außerdem auch wegen Eigentumsvergehens bestrafter „Arbeiter" Paul Bcrgcmann, wurde im Nordhafen auf dieselbe Weise festgenommen, nachdem er einem Schlafenden Portemonnaie und Uhr abgenommen und mit seinem Schein sein Gepäck auf dem Stettiner Bahnhof abgehoben hatte. Der Bestohlcne ist aber in diesem Falle nicht bekannt. Der Gepäckschein lautet auf den Namen Karl Röseler. Straßenunfälle. Die im 70. Lebensjahre stehende Witwe Berta RieW, Mulackstr. 38, wollte gestern nachmittag in der Gipsstraße den Fahrdamm überschreiten, sie wurde hierbei von einem Radfahrer umgefahren und zu Boden gerissen. Das Vorderrad ging der Greisin über den Hals hinweg, sodaß der Wirbel gebrochen wurde. Die Verunglückte wurde nach einem Krankenhause gebracht; an ihrem Aufksmwen Wird gezweifelt.■— Als der KierMpU K. gestern werden. Gerichts- Zeitung. ist in Ingolstadt entgleist. Der Lokomotivführer und der Heizer wurden getötet, 5 Mitglieder des Personals und 11 Reisende verlegt. Die meisten Verlegungen find gering. Die Leiche eines unbekannten Mannes wurde vorgestern im den Fahrdamm an der Ecke der Gollnow und Bandwehrstraße über die Hige der letzten Tage sehr trocken gewordene Bau- und Brenn- 1 wurde sie erst das Borgefallene gewahr. Sie war, als sie ihren schreiten wollte, geriet er unter eine vorbeifahrende Equipage, deren Holz schlug haushohe Flammen empor und machte der freiwilligen Mann, der noch in knieender Stellung mit gesenktem Kopfe regungsRäder ihm über die Brust hinweggingen. Der Bierfahrer blieb Friedrichshagener Ortsfeuerwehr die Nacht hindurch angestrengte los verharrte, leblos vorfand, der Verzweiflung nahe. einen Augenblid besinnungslos liegen, erholte sich jedoch bald wieder. Arbeit. Gegen das glühende Feuermeer mußte mit zwei Sprizen Wieder ein schweres Eisenbahnunglüd. Der Kölner Schnellzug, Wie ein hinzugerufener Arzt feststellte, hatte D. nur Haut- und Hydrantenschläuchen vorgegangen werden, um die gefährdeten der Freitag abend 11 Uhr 20 Minuten in München eintreffen sollte, abschürfungen erlitten und konnte sich ohne fremde Hülfe nach seiner Nebenhäuser zu schützen. Wohnung begeben. Ein weiterer Straßenunfall ereignete sich gestern nachmittag vor dem Hause Turmstraße 76. Der Waldstraße 28 wohnende Reisende Genfice fuhr auf einem Zweirade die Turmstraße entlang, als ihm ein Lastwagen entgegentam, der quer über den Damm bog. Genfice wollte dem Fuhrwerie ausweichen, Ein Erzeß vor dem Polizeipräsidium lag einer Anklage wegen Stadtwald bei Heidelberg, mit Laub bedeckt, aufgefunden. Die bog, ohne die Fahrgeschwindigkeit zu mindern, links hinüber und Widerstandes gegen die Staatsgewalt, Bedrohung und groben Un- Reiche war bereits start verwest. Wertgegenstände sind bei der geriet zwischen die Straßenbahnschienen. Der Radler beachtete fuges zugrunde, welche sich gegen die Arbeiter Paul Müller Reiche nicht gefunden worden. Höchstwahrscheinlich liegt ein Raubnicht, daß ihm der Motorwagen Nr. 1289 der Straßenbahnlinie 12 und Albert Witt richtete. Beide Angeklagte, die aus der mord vor. entgegenfam, er fuhr gegen die Vorderplattform des Kraftwagens Untersuchungshaft vorgeführt wurden, sind vielfach vorbestraft. Am Schadenfeuer. Freitag nacht ist die große Riemendreherei von und wurde zur Seite geschleudert. Der Reisende erlitt einen schweren 7. Juli b. J. gegen Abend entstand in der Alexanderstraße vor dem Friedrich Winkelmann- Barmen total niedergebrannt. 3 wei Schädelbruch und mußte nach dem Krankenhause Moabit gebracht Polizeipräsidium zwischen mehreren Berfonen eine Schlägerei. Der Feuerwehrleute wurden schwer verletzt. Der Schaden, der vor dem Präsidium auf Bosten stehende Schuhmann Zander wollte fich auf 200 000 Mark beläuft, ist durch Versicherung gedeckt. die Streitenden trennen und ging auf diese zu. Der Angeklagte Ein schwerer wolfenbrudhartiger Regen mit schwerem HagelMüller fam ihm jedoch entgegen und schlug ihm in das Gesicht. Müller wurde festgenommen und sollte dem Beamten zu der Wache schlag ging am Sonabend abend gegen 7 Uhr über München im Präsidium folgen. Der Angeklagte weigerte sich auf das hart- nieder. An Bäumen, Gärten, Fenstern und Dächern wurde erheb nädigste, so daß sein Transport nur mit Hülfe eines zweiten Schutz- licher Schaden angerichtet. Die Schlossen erreichten teilweise mannes unter großen Schwierigkeiten gelang. Auf der Polizeiwache Walnußgröße, wurde er einstweilen in einer Belle untergebracht. Hier demolierte Die Geisha- und Freudenhäuser in Matsuyama( Japan) haben der Angeklagte in seiner Wut das Zellenfenster. Inzwischen war sich, wie der japanisch- deutschen Wochenschrift„ Ostasien" geschrieben auch der Angeklagte Witt auf der Polizeiwache erschienen, um seinem wird, eines überaus lebhaften Besuches durch die russischen GeFreunde zu helfen. Witt wurde ebenfalls festgenommen und sollte in fangenen zu erfreuen. Im Gegensatz hierzu befinden sich die Bolizeigewahrsam bleiben. Er wurde vifitiert und dann abgeführt. Geishas und Freudenmädchen von Shizuoka, welche ihrer patrioAls man den Angeklagten Müller aus der Zelle herausholen wollte, tischen Gesinnung dadurch Ausdruck zu verleihen suchen, daß sie es fand ihn der betreffende Schuhmann mit gezüdtem Messer kampf- unter ihrer Würde halten, ihre Zärtlichkeit an einen Ruffen zu verzwischen dem Beamten und dem Inhaftierten, der schließlich nur Gefangener um ihre Gunst bemüht:„ Nach dem Friedensschlusse bereit in der Zellentür stehen. Es tam zu einem wütenden Kampfe schwenden. Ihre gewöhnliche Rede lautet, sobald sich ein russischer burch das Einschreiten mehrerer Schuhleute gebändigt werden konnte. ist noch Beit genug zum Lieben und Küssen". Die russischen Bor Gericht behauptete der Angeklagte Müller, er habe nur in der Berber müssen bann, nachdem sie eingesehen, daß alle Liebesmüh Notwehr gehandelt, da mehrere Schuhleute sofort auf ihn ein- vergebens, mit langer Nase abziehen und ihr Heil von neuem bergeschlagen hätten. Die Beamten bekundeten, daß sich Müller auf fuchen. der Polizeiwache wie ein Wilder benommen hatte. Der Gerichtshof erkannte gegen Müller auf ein Jahr Gefängnis und 3 Wochen Haft, gegen Witt auf 3 Wochen Gefängnis und Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins 3 Wochen Saft. Die beiden Haftstrafen wurden auf die er- Bersammlung im Lokale von Wille, Brunnenstr. 188. Lages. und Umgegend. Heute Sonntag, den 6. August, nachmittags 22 Uhr: littene Untersuchungshaft angerechnet. ordnung: 1. Vortrag des Schriftstellers Dito Krille über: Die Arbeiter und die Kunst. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste will tommen. Dresdenerstr. 45, Vortrag über: Ertrinken, Ersticken, verschiedene Formen Arbeiter: Samariterkolonne. Montagabend 9 Uhr: 1. Abteilung, der Bewußtlosigkeit. Nachher praktische Uebungen. Gäste willkommen. Neue Teilnehmer tönnen jederzeit eintreten. Einschreibegeld 25 Pf. Monatsbeitrag 25 Pf. Bibliothet steht zur Verfügung. Selbstmord eines jungen Mediziners. Gestern nacht vergiftete sich der Mediziner Dr. Borchert im physiologischen Institut der Universität in seinem Arbeitsraum in der Dorotheenstraße mit einer Sublimatlösung. Er war bereits tot, als man ihn auffand. Der Grund zu dem Selbstmorde ist in den neuen Bestimmungen über die Zulassung zur Privatdozentur zu erblicken, die bedeutende Grschwerungen gegenüber der bisherigen Braris darstellen. Diese neuen Bestimmungen gelangten in der lebten Sibung der medizinischen Fakultät der Berliner Universität zum ersten Male zur Anwendung. Da sich Dr. Borchert dadurch in der Hoffnung getäuscht fah, zur Privatdozentur zugelassen zu werden, machte der junge hoffnungsvolle Gelehrte in der Verzweiflung seinem Leben durch Vergiften ein Ende. Bon einem entfehlichen Unglücksfall ist gestern abend die 56 Jahre alte Witwe Wilhelmine H., Ritterstraße wohnhaft, betroffen worden. Bor einiger Zeit stieß sich Frau H. den Stiel einer Bratpfanne in den Unterleib und mußte fich deshalb einer schwierigen Operation unterziehen, nach welcher die Heilung anscheinend eingetreten war. Gestern abend passierte nun die Witwe die Rosenthalerstraße, als fie plötzlich zusammenbrach. Man brachte die Verunglückte nach dem Flur des Grundstückes Nr. 19 und dort stellte es sich dann heraus, daß die bei der Operation zugenähte Wunde wieder aufgebrochen war, wodurch die ganzen Eingeweide aus dem Unterleib heraus gedrungen waren. In hoffnungslosem Zustande wurde die Unglüc liche in einem Krantenwagen nach der Charité gebracht. Bon einem Eisenbahnzug überfahren und getötet wurde gestern früh der 52 Jahre alte Eisenbahnwächter August Laßmann aus der Fennstr. 31. Laßmann hatte Nachtdienst auf dem Bahnhof Putlizstraße. Von dort ging er gestern morgen auf dem Heimwege fura nach 4 Uhr über die Gleise des Nordringes nach dem Bahnhof Wedding zu. An der Ueberführung der Hamburger Bahn wich er einem Zuge, der vom Wedding fam, aus und übersah dabei den von der Butlißstraße heranfahrenden Zug Nr. 8953. Dieser erfaßte ihn, riß ihn zu Boden und brachte ihm einen doppelten Bruch des rechten Beines und tödliche Kopfverlegungen bei. Der Verunglückte, der einen vorschriftswidrigen Weg benutzte und daher die Schuld selbst trägt, verschieb auf der Stelle. Ein Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Die Leiche wurde beschlagnahmt. drople Straßensperrung. Die Neue Jakobstraße von der Köpenider bis zur Dresdenerstraße wird behufs Umpflasterung vom 7. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Briefkaften der Redaktion. 2. 150. 1. Sehr gern, Mittwochabend 7 Uhr in der Redaktion. 2. Zwischendeck bis New York 125-140 M. Bahnfahrt nach San Francisto noch etwa 300. Dauer der ganzen Reife etwa 12-20 Tage, je nach Dampfer. 3. Mannigfache Methoden. Näheres darüber mündlich. K. K. Ja. 1001. Nein.- A. O. Ja. Juriftifcher Ceil. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends von 7 bis 9½ 1hr statt. Geöffnet: abends 7 Uhr. A. R. 1. Beschwerde wäre aussichtslos. 2. Nein. Sie hätten den Weg 6. S. Morgen. Infolge unvorsichtigen Umgehens mit Schußwaffen ist am Vermißt wird seit dem 26. Juni ds. s. der Buchhalter Hans Neuendorf bei Spandau ein blühendes Menschenleben vernichtet 4. April d. J. auf dem Gute des Majors von Bredow zu NiederBoll, am 1. Oktober 1873 zu Nicolsschmiede( Kr. Stargard) geworden. Während der mittäglichen Bause war der Schweizer Adam boren, Bärwaldstraße 12 bei ben Eltern wohnhaft gewefen. 8o ablig mit einem anderen Arbeitsgenossen in den Garten des hat am genannten Tage wie gewöhnlich die Wohnung um 9 Uhr Oberschweizerhauses gegangen, wo mehrere Schweizer mit einem morgens verlassen und ist seit dieser Zeit nicht wieder zurückgekehrt. Tesching nach Spaken schossen. Nach Abgabe mehrerer Schüsse lud In einem zurückgelassenen Schreiben hat Zoll die Absicht aus der Besizer des Teschings vor den Augen des Wahlig letteres noch gesprochen, fich das Leben nehmen zu wollen. Zweddienliche An einmal, indem er dabei sagte:" Das ist meine lebte Stugel". Dann gaben werden in jedem Polizeibureau und bei der Kriminalpolizei aber stellte er das Tesching, ohne den Schuß abgegeben zu haben, in 3u Nr. 5308 VI 50 05 entgegen genommen. den Hausflur, da er plöglich abgerufen wurde. Obwohl er nun den Wahlig direkt ermahnt hatte, vorsichtig zu sein und nicht zu schießen, ergriff dieser das Tesching und sagte: Jezt werde ich mal nach der Stalltür zielen". Er hatte aber faum das Gewehr erhoben und eine fleine Wendung mit dem Körper gemacht, als der Schuß losging und das Projektil dem 18 jährigen Schweizer Hermann Behling in den Rüden drang. Schreiend lief Behling, dem das Blut aus dem Mund stürzte, auf seine Genossen zu. Ghe er sie aber erreichte, brach er zusammen. Man brachte ihn sofort in das Krankenhaus, er starb der Veröffentlichung und Beschwerde beschreiten sollen. jedoch gegen Abend, da der Schuß die Aorta getroffen hatte und hat die Frau den Vertrag mitabgeschlossen, so ist sie auch an ihn gebunden. 2. B. 1. u. 3. Das ist möglich. 2. Das Amtsgericht ist zuständig. badurch eine Verblutung eingetreten war. Wahlig erhielt darauf sirdorf 26. 1. u. 2. Nein. Sind Sie im Zweifel, wem die Miete zu 5. S. 3.§§ 188 und 231 bes eine Anklage, den Tod des Behling durch Fahrlässigkeit verursacht zahlen ist, so hinterlegen Sie dieselbe. zu haben und mußte sich gestern vor der 3. Ferienstraflammer des in den öffentlichen Bibliotheken ausliegenden Strafgesetzbuchs enthalten die Landgerichtes II verantworten. Der Gerichtshof erkannte auf die einschlägigen Vorschriften. Hund 40. 1. Ja, zwei Hunde haben Sie zu Strafe von zwei Monaten Gefängnis, da bei dem versteuern. 2. Ja. 3. Nein. 4. u. 5. Auf Reklamation fönnen Sie vielleicht traurigen Borfall besonders unglückliche Bustände zusammengewirkt ein Halbjahr sparen, falls Sie die Abmeldung besorgen. Die Hundesteuerhätten. Wäre z. B. das Geschoß nur ein Viertel Boll weiter nach ordnung Ihrer Gemeinde können Sie auf dem Magistratsbureau einsehen. 2. W. 22. Die Beschwerde in Krantentassen- Streitigkeiten entscheidet links in den Körper eingedrungen, so hätte es nur eine geringe in erster Instanz die Gewerbedeputation, Swalauerstr. 1-3. An diese Fleischberlegung verursacht. wollen Sie fich wenden. In welchem Falle Ihre Frau verpflichtet ist, das di Strankenhaus aufzusuchen und die ferneren Einzelheiten, ergibt der Wort laut des Kassenstatuts. C. S. 1. Soweit eine Nachlässigkeit auf Ihrer oder Ihrer Frau Seite vorliegt, sind Sie erjakpflichtig. Das Gericht würde voraussichtlich die Frage, ob solches Verschulden vorliegt, anerkennen. Benn Sie einem wildfremden Menschen durch Mangel an Aufsicht die Gelegenheit geben, Ihnen anvertraute Sachen zu stehlen, so liegt in dem Mangel an Nebel. Gewiß aufficht ein zum erfolg eine Beleidigu es ratsam ist, von diesem Recht Gebrauch zu machen, Gerichtstoften und tönnen Sie mit Aussicht auf Beleidigungsflage erheben. Db Beit aufzuwenden, um im letzten Grunde sich gerichtlich bestätigen zu laffen, daß Sie sich über den Mangel an Taft und sozialem Gefühl des Anderen geärgert haben, muß Ihnen überlassen bleiben. berständliche Ausdrud ist eine Bezeichnung für geschlechtliche Hingabe. Statratte. Wenn mindestens 200 Marken geklebt sind, so steht den Hinterbliebenen( in erster Reihe der Witwe, eventuell den noch nicht 15 Jahr alten ehelichen Stindern) das Recht auf zurückerstattung der Hälfte der Feuerbericht. Die Feuerwehr wurde gestern nicht weniger als achtmal infolge niedergedrückten Rauches alarmiert. In der Brunnen straße 90, Greifswalderstraße 27, Blumenstraße 67, Barochialstr. 39, Kaiser Wilhelmstraße 19, Neuen Königstraße 23 und anderen Stellen waren die Häufer mit Rauch angefüllt, der infolge der drückenden Hiße nicht abziehen wollte. Die Hausbewohner nahmen an, daß es im Hause brenne und alarmierten die Feuerwehr, die nach Feststellung der Ursache wieder abrückte. Gestern früh um 6 Uhr brannten in ter Gollnowstraße 27 im Keller Honigfuchen, Schwefel, Kisten, der Fußboden und andere Immobilien. Teer war am Laufiberplab 4 und ein Schornstein in der Wilsnaderstraße 21 in Brand geraten, 25 Pfennig- Sonntag im Zoologischen Garten. Am ersten Sonn. tag im Monat beträgt der Eintrittspreis 25 Pfennig pro Person, ohne Unterschied des Alters. Am Nachmittage fonzertieren im Part von 4 Uhr ab drei Militärkapellen in Uniform. Schöneberg. Vorort- Nachrichten. Auf der Stadtbahn verunglückt ist gestern früh der 58 Jahre alte Portier Hermann Bahr aus der Geisbergstr. 31 zu Schöne berg. Er wollte nach Hause fahren und stieg um 1½ ühr irrtümlich bereits auf dem Bahnhof Börse aus. Als er seinen Irrtum bemertte und wieder einsteigen wollte, hatte sich der Zug schon wieder in Bewegung gefegt. Bahr geriet zwischen Trittbrett und Bordschwelle und wurde mit einem Oberschenkelbruch in ein Krankenhaus gebracht. Weißensee. Im Feldpfuhl ertrunken ist gestern der 19jährige Handwerker Karl Mainzer, der mit mehreren Arbeitskollegen nach Weißensee gefahren war. Auf dem Wege schloß M. sich dann einigen Bekannten an, welche ebenfalls aus Berlin gekommen waren und für ihren Fuhrwerksbefizer Futter holen wollten. In einem an der Feldtmannstraße belegenen Pfuhl beschlossen die jungen Leute zu baben. M. geriet in eine befonders tiefe Stelle und versant vor den Augen feiner Kollegen. Trog eifrigen Suchens ist es noch nicht gelungen seine Leiche zu finden. Nieder- Schöneweide. Wer ist die Tote? Noch nicht festgestellt ist die Persönlichkeit eines jungen Mädchens, das in Nieder- Schönetveide auf offener Straße Syfol trant und auf der Stelle starb. Die Selbstmörderin, die den befferen Kreisen angehört zu haben scheint, ist etwa 23 Jahre alt und mittelgroß. Sie hat dunkelblondes Haar und blaue Augen und trug ein schwarzes Jadett, eine schwarzweiß gestreifte Taille, einen grautarierten Rod, weißgestreifte Strümpfe, Ladstiefel, einen weißen Strohhut mit Lederband, ein blauweiß geftreiftes Taschentuch mit dem Zeichen M. und mit Berlen eingefaßte Ohrringe. Adlershof. Vermischtes. 700 bis 800 Arbeiter arbeitslos. In Oberlangenbielau wurde Sonnabend früh ein Teil des Dierigschen Etablissements ein Raub der Flammen. Die Hänge( Trockenraum), die Bleicherei, ein Teil der Mangelei, die Warenlagerei, die Nauherei, die Stüdfärberei und die Stärkerei wurden vernichtet. 700 bis 800 Arbeiter werden dadurch mindestens zeitweilig arbeitslos fein. Der Materialschaden ist bedeutend. Viel Ware ist verbrannt. Ein Glück ist es, daß insbesondere die Weberei vom Feuer verschont geblieben ist, ebenso die Rot- und Blaufärberei usw. Durch Einführung von Nachtschichten soll versucht werden, die Arbeiter nach Möglichkeit zu beschäftigen. Mit welcher Dreiftigkeit die russischen Mädchenhändler arbeiten, zeigt nachstehender Bericht des jüdischen( U. O. B. B.) 3weigkomitees in Hamburg an das hiesige Deutsche Nationalfomitee zur Be fämpfung des Mädchenhandels: Ein Schuhmacher in der Zottiewer Gaffe in Lemberg hat eine 18jährige Tochter namens Chane, die eine bekannte Schönheit ist. Diese verheiratete fich fürzlich mit einem Manne, der ihr große Geschenke an Schmud usw. machte. Einige Wochen nach der Hochzeit eröffnete ihr der Mann, daß fie nach Südamerika gehen wollen, wo er ein Geschäft betreibe. Sie, Chane, solle Möbel auf Abzahlung kaufen, die er dann vor der Abreise weiter verkaufen wolle. Die Frau, die nach galizischem Brauche nicht standesamtlich, sondern nur rituell getraut ist, weigerte fich, beides zu tun und holte sich bei ihrem Vater Rat, der, den wahren Charakter des Mannes erkennend, sein Kind wieder zu sich nehmen wollte. Der„ Ehemann" trat ihm jedoch mit der Waffe in der Hand entgegen. Chane entfloh nun und suchte im Hause des Vaters Schuh. Darauf erschien eine bewaffnete Bande in dem Hause des Schuhmachers, um die junge Frau gewaltsam wieder zurückzuholen, jedoch wurde dies glüdlicherweise durch das Eingreifen der Bolizei vereitelt. Vier der gewalttätigen Burschen, Elias und Jsat Lezka, Jakob Krün und Srul Rosenfeld, wurden verhaftet. Die Vier haben nach den gegen die Zuhälter gerichteten Unruhen in Warschau ihre Stadt verlassen. Bon seiner Ehefrau erschossen wurde auf offener Straße in Weingarten, wie der„ Schwäb. Mert." berichtet, der 28 Jahre alte Maurer Josef Dettinger. Dettinger, dem die Kugel den Kopf durchbohrte, war sofort tot. Seine Frau, deren erster Mann sich erhängt hat, wurde in Haft genommen. C. W. 100. 1 Der Ihnen nicht ganz M. R. 100. Klebemarken zu, falls dem Verstorbenen eine Invalidenrente nicht gewährt war. Das in den öffentlichen Bibliotheken ausliegende Arbeiterrecht( Seite Sie Eine Beschwerde wäre nuplos. 605 Nr. 95b und Seite 501) führt die genaueren Vorschriften an. tönnen nähen so lange Sie wollen, müssen aber das Geräusch( durch eine Potemkin. Sie haben Gummiplatte oder Gummipfropfen) dämpfen. Lehnen Sie Alimente( an den Vormund) in vollem Umfange zu zahlen. die Unterzeichnung ab, so machen Sie sich etwa 100 M. unnüße Gerichts. Beranlassung zu einer Strafanzeige liegt um so weniger vor, E. 2. 18. fosten. als eventuell Sie als Mitschuldiger zu bestrafen wären. Moabit. Von den von Ihnen genannten Personen ist nur die Mutter des Mannes pflichtteilsberechtigt. Errichten Sie ein wechselseitiges Testament nach Art des S. 238 Nr. 56 des Anhangs zum„ Arbeiterrecht" aufgeführten. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus und enthält außer den Beispielen für ein Testament auch die Anleitung für die Errichtung eines . 2. 79. 1. Ja. 2. Innerhalb drei felchen( S. 238, 92, 94 bis 96). Tagen müßte die Klage beim Gericht eingereicht sein. 3. Jeder von beiden ist berechtigt; es ist geratener, daß der Ehemann die Klage anstellt. 4. Ge richtskosten einer Instanz etwa 20 bis 40 m. 5. Das steht bei Ihnen. 6. und 7. Beispiel und Anleitung zu einer Beleidigungsklage finden Sie 5. 600 bes in den öffentlichen Bibliotheken ausliegenden Arbeiterrechts". M. K. 55. 1. Nein. 2. Ja. Sie können nur auf Bahlung gegen 8. 23. 100. Eine Klage Abnahme flagen und dann pfänden laffen. auf Aufhebung des Vertrages und auf Schadensersaz iſt aussichtsvoll, wenn Sie die von Ihnen vorgetragenen Behauptungen( Abrede beim Mieten und 100 2. S. 1. Sie müssen das Kind bis zu Feuchtigkeit) beweisen. einer Entlassung in der Schule belaffen. Dispens fann Ihnen nur von der Schulbehörde und der dieser vorgesetzten Behörde erteilt werden. 2. Nein: Der Vertrag ist einzuhalten. Franz O. Wieviel Marken Ihr Bater geklebt haben muß, hängt davon ab, wann er geboren ist. Eine Tabelle finden Sie S. 499 des in den öffentlichen Bibliotheken ausliegenden „ Arbeiterrechts". Witterungsübersicht vom 5. August 1905, morgens 8 Uhr. 756 760 S Better Stationen 24 Haparanda 763 S 18 Petersburg 763 N23 3 halb bd. 5 bedeckt 3 wollen! 24 Scilly Wetter Temp. n. E. 2wollen 18 1 molten! 16 16 754 N 744 S 5 wolfig 3'bebedt 14 3wolfen! 16 Ein Kleinbahn- Jbyll, das alle Erfindungen der Wikblätter übertrifft, weiß die Voltsstimme" aus Lothringen zu berichten. Stationen Zwischen der Station Püttlingen und Mondorf wurden die Passagiere durch ein andauerndes Rütteln und Stoßen der Wagen in der Surve aufgeschredt. Dann hielt die Bahn plößlich auf freiem Felde. Swinembe. 756 SSB Was war passiert? War der Zug entgleist? Nein. Das Bersonal Bamburg 756 S auf der Lokomotive war fich in die Haare geraten, bearbeitete sich Berlin auf der Lokomotive gegenseitig unter Toben und Schimpfen mit Frantj.a.m. 760 S 3 bedeckt 19 Aberdeen Einen Selbstmordverfuch im Adlershofer Amtsgefängnis machte Büffen und Stößen. Die Passagiere mußten den Rest des Weges München 4 moltig 21 Baris 758 SS 756 S 1 wolfen! 25 der wegen Obdachlosigkeit eingelieferte Maurer Ferchmian bis zur Station zu Fuß zurücklegen. Als der Zug endlich puffend Bien aus Neu- Lübbenau. Kaum befand er sich allein in der Belle, als und fauchend in die Station einfuhr, nahmen die beiden Kampfhähne Wetter- Prognofe für Sonntag, den 6. August 1905. er fich mit einem Taschenmesser den Kehlkopf durchschnitt. In auf dem festen Boden vor dem Bahnhof das Boren wieder auf und Kühler, zeitweise heiter, aber veränderlich bei ziemlich frischen westlichen schwerverletztem Zustande wurde F. dem Briger Kreiskrankenhauſe trattierten sich von neuem, bis das Blut floß. Sprachlos schauten Winben, etwas Regen und Gewitternneigung. Berliner Betterbureau. augeführt. die Passagiere dem ungewöhnlichen Schauspiel zu. 0,42 Meter, bei Während des Gebetes vom Blit erschlagen wurde in Tupus bei Wasserstand am 4. Auguft. Elbe bei Aufsig Friedrichshagen. Dresden 1,71 Meter, bei Magdeburg+0,83 Meter. Meter, bei Breslau Ein gewaltiges Schadenfeuer entstand Sonnabend auf dem Pilsen der Grundbefizer Franz Halit. Er kniete während eines Dder bei Ratibor Straußfurt Kohlenplay von Rahn und dem danebenliegenden Zimmerplatz von heftigen Gewitters mitten in der Stube nieder und betete. Ein Ober- Begel+4,64 Meter, bei Breslau Unter- Begel Karl Schubert in der Wilhelmstr. 40. Die Kontore und Arbeits- Bliz schlug in das Haus, tötete den Mann, betäubte seine Frau und Frankfurt+ 1,19 Meter. Beichsel bei Brahemünde+ 2,52 Meter. speicher brannten mit ihrem Inhalt vollständig nieder. Das burch verlöschte das Licht. Als die Gattin zu fich tam und Licht machte, artbe bei Bofen+0,34 Weter. Berantw. Redakteur: Baul Büttner, Berlin. Für den Inferatenteil verantw.. Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlaa: Vorwärts Buddruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW # Meter. 1 Unstrut bei 1,60 Meter, bei Allen Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß unsere liebe Tochter und meine unvergeßliche Frau Emma Eichner geb. Baier im Alter von 22 Jahren an Folgen der Entbindung gestorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittag 4 Uhr, bon der Leichenhalle des Emmaus Kirchhofs aus ftatt. Die trauernden Hinterbliebenen. Gustav Baier nebst Frau. Hermann Eichner. Nach langer Krankheit starb am 4. August der Senior unserer Genossenschaft, unser langjähriges Mitglied und Kollege, der Tischler Paul Riedel im noch nicht vollendeten 51.Lebens. jahre. 528b Wir bertteren in ihm einen treuen Freund und Mitarbeiter, den wir schmerzlich vermissen, und dessen Andenken wir hoch in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 8. August, nach mittags 4 Uhr, vom Krankenhause Friedrichshain aus, nach bem Pius Kirchhof in HohenSchönhausen statt. Möbelfabrik Ostend. Tischler- Verein zu Berlin E. H. No. 89. Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß der Tischler Paul Riedel am 4. Auguft gestorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 8. August, nachmittags 4 Uhr, vom Krankenhause Friedrichshain aus, nach dem Pius Kirchhof in HohenSchönhausen statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 199/1 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Begräbnis meiner lieben unvergeßlichen Frau Olga fage ich hiermit meinen besten Dank. Besonders auch ihren Mitarbeiterinnen der Firma Heinrich Bock fowie meinen Chefs und Kollegen in Firma Kemniz u. Uhlich. Berlin, 4. August 1905. 5045 Willy Hauff. Bon der Reise zurückgekehrt Dr. P. Freund, Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, C., Rosenthalerstr. 42. 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Kasperle- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Fackelpolonäse. Gr. Feuerwerk. Gr. Ball. Herren, die am Zanze teilnehmen, zahlen 50 Bf. nach. Die Kinder erhalten eine Stodlaterne gratis. Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert im großen Saale statt. Die Kaffeeküche ist von 3 Uhr an geöffnet. Das Komitee. Anfang 4 Uhr. Entree 25 Pf. Schöneberg. Verein für Frauen n. Mädchen Schönebergs u. Umgegend. Meiningerstr. 8. Sonnabend, den 12. August 1905: in Obst's Festsälen, Martin Lutherstr. 51. 5tes Stiftungsfest. Konzert. Xheater. X Tanz. X Große Kinderüberraschungen. Festrede, gehalten vom Stadtverordneten R. Küter. Anfang präzise 9 Uhr. [ 292/9] Programm 30 Pf. Herren, welche am Zanz teilnehmen, zahlen 30 Bf. nach. Deutsche Metallarbeiter- Gewerkschaft 09 Verwaltungsstelle Berlin. Bureau und Arbeitsnachweis Rosenthalerstraße 57. Sonnabend, den 12. August 1905, in den Gesamträumen des Bernhard Rose- Theaters, Badstraße 58: Großes Sommer- Fest berbunden mit Konzert, Theater und Spezialitäten- Verstellung. Berlins und Umgegend. Sonntag, den 6. August 1905: 14. Sänger- Fest In den am herrlichen Müggelsee mit angrenzendem Wald gelegenen Lokalen ,, Müggelschlößchen" u. ,, Strandschloß" Friedrichshagen. * 200 Gesangvereine[ 3 Musik- Kapellen Sänger- Festzug Chor- Gesänge Gesangsleitung: Bundes- Dirigent Herr Richard Blobel. Großes Brillant- Feuerwerk." IL TANZ. Herren, welche daran teilnehmen, Die Kaffeeklichen sind bis 6 Uhr In beiden Lokalen: Billetts vorher 20 Pf. zahlen 50 Pf. Anfang früh 8 Uhr. abends geöffnet. Billetts an der Kasse 30 Pt. Fahrverbindung: Eisenbahn: Schlesischer Bahnhof- Friedrichshagen. Extrazüge während des ganzen Tages. Dampfergesellschaft ,, Stern, ab Jannowitzbrücke u. Schles. Tor. Fahrpreis 35 Pf. Kinder frei. Billetts sind in den mit Plakaten versehenen Handlungen zu haben; außerdem bei J. 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