Ur. 184. HbonncmentS'Redin�ungen: «donnemcntS> Preis pränumerando z «ierteljährl. S30 SXL, tnonntl. 1,10 SRt, «vächenllich 28 Pfg. frei ins Hau». Einzelne Nummer« Pfg. Sonntags« nummer mit illustrierter Sonntags« Vellage»Die Neue Welt" 10 Psg. Post- «bonnement: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post. Zeitung«. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland » Mark pro Monat. SÄ. Jahrg. Die Inlcrtions-Gcbüftr beträgt für die sechSgespaltene Kolonel. zcile oder deren Raun, 40 Psg,, für politische und gewerlschastliche Dereins- und Versammlungs-Anzeigen 2S Psg. „Kleliu Hnztigtn", das erste(fett« gedruckte) Wort 10 Pfg,, jedes weitere Bort S Pfg. Worte über 15 Buchslaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittag! in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und gcsltageu bi! 8 Uhr vormittags geüssnet, CrfditlBt täaiid) auBcr tnonlaw, Devltnev Volktsblskk» Pelegramm. Adresse: ..5»>z>lltw»likäl Utk»»". �entralorgan cler roztalcUmokratircben Partei Dcutfchlands. Die Hansa gegen das Wahlrecht! Die hansarepublikanischen Vorkämpfer der politischen Entrechtung der breiten Massen haben nunmehr in Lübeck ihren ersten ab« schließenden Erfolg erreicht. Während in Hamburg der Wahlrechts� umsturz noch nicht vollendet ist. hat in L ü b e ck die Bürgerschaft am Montag jene Vorlage angenommen, die mit geradezu grotesker Offenheit ein für allemal die politische Entwaffnung des Proletariats vornimmt. Das lübische Wahlrecht war neuerdings zwar an einen Zensus von 1200 M. geknüpft, sonst aber ein gleiches Wahlrecht. Zwar hatte bisher die Sozialdemokratie in Lübeck noch keine Abgeordneten auf Grund dieses Wahlrechtes durchgebracht, aber bei den letzten Wahlen stellte es sich doch heraus, daß in einzelnen Bezirken unsere Genossen den Bürgerlichen hart auf den Leib rückten. Man fürchtete für die Zukunft, und so wurde dann die gesetz- geberische Weisheit solange angestrengt, bis die Kommission der Bürgerschaft das monströseste Erzeugnis der Wahl- entrechtung zustande brachte— eine brutale Demonstration der von den Besitzenden monopolisierten Herrschaft, die aber auch zu- gleich auf die allereinfachste Weise das Problem löst: für alle Ewigkeit zwar wenigstens die besser gestellten Elemente des Pro- letariats wählen zu lassen, ihnen aber niemals irgend welchen ent- scheidenden Einfluß zu ermöglichen. Das System des kontin- gentierten Wahlrechts, d. h. die gesetzliche Znmessung einer kleinen unbedeutenden Höchstzahl von Vertreten! an die breiten Massen ist hier in Lübeck zum erstenmal in aller Klarheit und Schärfe zur Durchführung gelangt. Nach den Kommissionsbeschlüssen wurde zunächst das Wahlrechts- alter von 21 auf 25 Jahre erhöht. Es wurden zwei Wählerklassen eingerichtet. Die Wähler der untersten Klasse, die weniger als 2500 M. aber mehr als 1200 M. versteuern, sollten proportional 30 Vertreter wählen können. In der privilegierten Klasse sollten hie Bürger mit einem Einkommen von mehr als 2500 M. nach relativer Mehrheitswahl 00 Vertreter wählen dürfen. Die Wähler der Hochklasse sollten aber auch in der Proletenklasse noch einmal proportionell wahlberechtigt sein. Diese Kommissionsbeschlüsse vereinigten also so ziemlich alle Methoden eines auf den Besitz zugeschnittenen Scheinwahlrechtes: Klassenteilung, Zensus, Doppelwahl.. Nach Telegrammen, die über die gestrige Sitzung der Bürger- schast in Lübeck vorliegen, hat man diese KommissionSbcschlüsse nicht vollständig angenommen. Man hat zwar die Heraufsetzung des WahlalterS vom 21. aufS 25. Lebensjahr gebilligt, �aber den Zensus von 1200 Mark für die untere Klasse abgelehnt. Sonach dürfen in der Klasse der Besitzlosen alle Bürger wählen, die weniger als 2000 Mark an Einkommen haben, und zwar 16 Abgeordnete, dagegen können die Wähler des Besitzes mit mehr als 2000 Mark Ein- kommen 105 Abgeordnete ernennen. Ueber die Einzelheiten der Verhandlung liegt uns noch kein Bericht vor. Das kontingentterte Wahlrecht, das hiermit in Lübeck zur Ein- führung gelangt, schafft nicht nur Wähler verschiedener Klassen, sondern Gesetzgeber verschiedenen Ranges. Es ist die Absicht und die Wirkung dieser Reform, daß die Vertreter der Besitz- losen niemals mehr als 15 Sitze einnehmen können, während die Vertrauenspersonen der Besitzenden mit 105 die ungeheure Mehrheit haben. Es bleibt danach ausgeschlossen und soll ausgeschlossen sein, daß diese 15 Abgeordneten jemals einen entscheidenden Einfluß auf die Gesetzgebung erhalten. Nach der lübischen Ver« fassung gehört auch zur bloßen Einbringung von Anträgen die Unterstützung durch mindestens zehn Mitglieder. Sollte nran für die Wahlen der unteren Klaffe auch das Proportionalshstem, wie es die Kommission vorschlug, beibehalten haben, so kann man ver- muten, daß ein Teil der fiinfzehn zugebilligten Abgeordneten aus der allgemeinen Klaffe noch niittelständlerischen Charakters fein werden, so daß die Arbeiterschaft auch im günstigstene Fall eS nicht auf zehn Mitglieder bringen wird. Ist dies der Fall, so tritt der Charakter der Klasienscheidung innerhalb der Gesetzgeber selbst noch umso schärfer hervor; sie können nicht einmal Anträge stellen. Mit anderen Worten: es gibt künftig in der lübischen Bürger- schast eine große Mehrheit der Abgeordneten, die eigentliche Gesetz- geber sind, und eine verschwindende Minderheit, die materiell niemals Gesetzgeber werden kann, sondern nur beratende Stimme hat. Damit wird aber dem Geiste nach, wenn auch der Buchstabe sich preffen laffen mag. der Grundsatz der lübischen Ver- fassung, und zbxir jeder Verfassung, aufgehoben, daß die gesetzgebende Körperschaft aus gleichberechtigten Ab- geordneten bestehen muß. Diese Klasscnschcidung hat notwendig Pen Erfolg und sie ist ja auch nur deshalb erfolgt, daß eben die Kategorie von Abgeordneten, welche die breite Masse vertreten, für alle Zeit von der tatsächlichen Gesetzgebung ausgeschlossen und nur als beratende Minderheit geduldet werden. Das Reichsgericht hat vor einigen Jahren die lübische Streikverordnung als reichsgesetz- widrig aufgehoben. Es wäre wünschenswert, daß auch dieses lübische Bürgerrechtsgesetz hinsichtlich seiner VerfassungSmäßigkeit gerichtlich nachgeprüft würde. Darüber kann kein Zweifel sein, daß materiell es mit den Grundsätzen, nicht nur der lübischen, sondern jeder Verfassung nicht zu vereinbaren ist, daß man durch Gesetz von vornherein und mit voller klarer Absicht einen von be- stimmten Kategorien der Wähler gewählten Abgeordneten— durch Beschränkung auf eine kleine, unbedeutende Zahl— zur Einflußlosig. keit verurteilt. Wir haben in den verschiedensten Einzelstaaten die Scheidung der W ä h l e r in Klassen, die Scheidung der Ad» geordneten aber in zweierlei Arten, von denen die einen »uemals wirkliche Gesetzgeber werden können, ist schlechterdings un- vereinbar mit den elementarsten Grundsätzen jeden VerfassungSstagteS. J Freilich widerspricht jede Klasseneinteilung der Wähler im Erfolg, «streng genommen, dem Gleichheitsprinzip der Abgeordneten in der gesetzgebenden Körperschaft selbst, aber die Aufhebung dieses Grundsatzes tritt nirgends so schroff und klar zutage, wie bei diesem lübischen Musterwahlsystem. Und noch in einer anderen Hinsicht führt das lübische Wahl» recht zu Konsequenzen, in denen sich die grundsätzlichen Fiktionen der bürgerlichen Gesellschaft überhaupt aufheben. Die bürgerliche Gesellschaft beruht auf der ideologischen Voraussetzung, daß jeder Mensch die Möglichkeit haben soll, ohne Privileg jede denkbare Stufe des Wohlstandes durch»Fleiß und Talent" zu erreichen. Die bürgerliche Gesellschaft in einem Verfassungsstaate erkennt ferner als ersten Grundsatz an, daß es das vornehmste Recht, aber auch die heiligste Pflicht ist aller Staatsbürger, an der politischen Gestaltung des Staatswesens teilzunehmen. Will es die bürgerlich-kapitalistische Theorie nun— als Garantie und Kaution für rechten Gebrauch—, daß nur diejenigen politischen Einfluß haben sollen, die eS durch „Fleiß und Talent" dazu gebracht haben, ein höheres Einkommen versteuern zu können, so folgt daraus mit unentrinnbarer Logik, daß, gerade nach den Lieblingsdogmen der kapitalistischen Gesell- schaft, jeder Bürger, nicht nur aus„groben" materiellen Rücksichten, sondern zu allererst aus dem idealen Streben, an dem politischen Ge- schick de? Vaterlandes aktiv teilnehmen zu können, danach trachtenmuß, durch Vermehrung des Einkommens alle die bürgerlichen Vollrechte zu erreichen, die nur den Begüterten zustehen. Wenn mithin das Proletariat in Lübeck künftig mit gesteigerter Energie danach streben wird, ein Einkommen zu erreichen, das ihm den Vollbesitz der bürgerlichen Rechte gewährt, so klage man sie ja nicht der„un- crsättlichen materiellen Begehrlichkeit" an, sondern beglückwünsche vielmehr sich und sie dazu, daß sie so getreu nur den kapitalistisch- bürgerlichen Lehren folgen, die auf der einen Seite das staatS- bürgerliche Recht als die höchste Pflicht des Bürgers verkünden und auf der anderen Seite die Würdigkeit der Ausübung dieses Rechtes von einem gewissen Einkommen abhängig machen wollen. Jede Wahlentrechtung nach Grundsätzen des Besitzes ist ein Ansporn mehr für das Proletariat, durch„Fleiß und Talent" zu einem höheren Einkommen zu gelangen. Gewährt aber die bürgerliche Gesellschaft und die bürgerliche Ordnung diese Möglichkeit nicht, nun, so ist da? ein Grund mehr und dazu das idealste Motiv: diese ganze bürgerliche Ordnung sobald wie möglich aus den Angeln zu heben. So ist die Konsequenz der bürgerlichen Wahlcntrechtung der Masse nach den eigenen Grundsätzen des Bürgertums die radikale Revolutionierung der gesamten Gesellschaft. Freilich wir wissen wohl, daß die bürgerliche Gesellschaft gar nicht daran denkt, ihre eigenen Grundsätze zu befolgen. Sie denkt nicht daran, eS jedem zu ermöglichen, durch„Fleiß und Talent" zur erhöhten Steuerleistung und damit zum Vollbesitz der bürgere lichen Rechte zu gelangen. Die„Republiken" der freien Hansastädte gehen mit dem Beispiele voran, feudale Besitzmajorate zu schaffen, an die auch das politische Recht geknüpft ist. nicht anders wie an eine mecklenburgische GutSherrfchaft. ES kommt gar nicht auf Fleiß und es komnit gar nicht aus Talent an. Jeder Trottel, der von Geburt vermögend, ist zum Gesetzgeber berufen. jeder Gauner, der sein Vermögen durch Zuchthausverbrechen erworben hat. ist nach verbüßter Strafe und Wiedereintritt der Ehren- rechte befähigt, Gesetzgeber erster Klaffe zu sein, jeder Wucherer, der die Notlage der Mitmenschen ausplündert, kann in der privilegierten Klasse seinen Einfluß geltend machen. Das ganze Staatswesen ist nichts als ein JntereffenauSschuß einer besitzenden Minderheit. �Die breite Masse aber, deren Arbeit der Minderheit doch erst die Möglichkeit erhöhter Steuerleistung schafft, wird in dieses moderne politische Ghetto eingesperrt, dessen Mauern sie niemals übersteigen soll. Das kontingentierte Wahlrecht für das Proletariat ist die politische Spiegelung des wirtschaftlichen Verhältnisses, das auch Lohn- und Lebensverhältnisse für die Massen kontingentiert und ihnen niemals gestattet, die engsten Schranken zu überwinden. In Lübeck hat man eine Art ehernes Lohngesetz der Politik für die Massen beschlossen: die politische Macht des Proletariats soll sich niemals über ein gewisses Maß erheben können. Kein Naturgesetz, wie hier klar zu Tage tritt, sondern ein frecher Willkür. akt der Besitzenden, welche die Gesetzgebung benutzen, um sich ihre Herrschast zu garantieren und die politische Betätigung derer, die gerade wegen ihrer Besitzlosigkeit eher ein gesteigertes politisches Recht haben sollten, schamlos verhöhnen, indem ihnen zwar ge- stattet wird, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen und auch Ab- geordnete zu wählen, sie aber für alle Zeit verhindert, daß sie durch die Zahl ihrer Abgeordneten jemals gesetzgeberisch ins Gewicht fallen. Der Feldzug, den die Hansastädte gegen die politischen Rechte des Proletariats eingeleitet haben, ist in Wahrheit der moralische Zusammenbruch des verfassungsmäßigen Staatswesens, und es ist kein Unterschied, ob die feudale Herrschaft ausgäbt wird von einem ostelbischcn Gutsbesitzer oder einem HauSagrarier, dessen Herr- schaftsrecht in dem Maße steigt, wie eS ihm gelingt, seine Mieter zu steigern. Die bürgerliche Gesellschaft verzichtet mit solchen Gewalt- akten auf die moralischen Grundsätze, mit denen sie ihre Herrschaft ideell begründet. Sie kennt keinen anderen Grundsatz mehr als die Gewalt und legitimiert damit auch jedes Mittel, das der Herr- schaft solcher Gewalt ein Ende bereitet. politiscke deberliebt. Berlin, den 3. August. DaS Dementi der Truppenverftärkuiigen für Südwestafrika findet recht wenig Glauben, sonder- barerweise gerade in den rechts st ehenden Blättern. So bemertt beispielsweise die„Deutsche Tageszeituv"« daß die Erklärung der„National-Zeitung"„ein Dementi eigentlich nicht sei". Sie fügt dann noch hinzu,„wozu überhaupt dementiere», was sich doch als nötig herausstellen wird". Die „Magdcburgifche Zeitung" behauptet, daß dem Truppen- transport am 20. August noch zwei weitere Transporte am 30. August und 14. September folgen tvürde. Offenbar handelt es sich also dabei noch um Nachschübe über die 800 Mann hinaus, die ja bereits von den freiwilligen Offiziösen zugegeben worden sind! Die freisinnige Presse benimmt sich diesen Truppen- Verstärkungen gegenüber hoch st seltsam. Sie ist durch die Erklärungen des„Tag" und der„National-Zeitung" vollständig befriedigt und gibt sich den Anschein, als ob die Verstärkung der südwestafrikanischen Truppen um 1200 Mann in einem einzigen Monat ganz in der Ordnung wäre und sich durchaus in dem Rahmen der Bewilligungen des Reichstages hielte. In Wirklichkeit ist aber vom Reichstage nur ein alle zwei Monate stattfindender Truppennachschub von 230 Mann bewilligt worden. Selbst also, wenn es wahr wäre, daß die abgesandten Truppen nur die in vier Monaten entstandenen Lücken ausfüllen sollten, würden 700 Mann mehr abgehen, als vom Reichstag be- willigt worden sind I Die liberale Presse steckt aber den Kopf absichtlich in den Sand, um nicht ebenfalls in den Ruf nach Einberufung des Reichstages einstimmen zu müssen. Es wäre den liberalen Herren unangenehm, ihre Zustimmung zu Maß- nahmen offen geben zu müssen, deren Verantwortung sie viel lieber der Regierung selbst überließen I Eigentlich ist es nur die„Kölnische Volkszeitung" die mit Entschiedenheit Protest gegen die Budgetvcrstöße erhoben hat und für eine schleunige Einberufung des Reichstages eintritt. Die„Germania" begnügt sich mit einigen recht nichts- sagenden kritischen Bemerkungen. Diese Haltung der bürger- lichen Presse kann natürlich die Regierung nur in ihren Absichten, noch weitere größere Verstärkungen nach Südwest- afrika zu schicken, bestärkenl Sie hat ja jetzt gesehen, daß ihr die bürgerlichen Parteien nicht allzu viel Opposition machen werden. Es scheint wirk- lich beinahe so, als ob der ganze Preßlärm von der Regierung künstlich inszeniert worden wäre, um die öffentliche Stimmung ein wenig zu sondieren, bevor sie mit ihren Projekten heraus- rückt. Daß sie ganz gefahrlos 3000 Mann Verstärkung ab- schicken kann, hat die bisherige Behandlung der Südwestafrika- Frage hinlänglich bewiesen, und die Regierung wird auch nicht mehr allzu lange mit der Ausführung ihres Projektes zögern! Wir unsererseits können nur mit allem Nachdruck unsere Forderungen wiederholen, daß auch trotz der halb offiziösen Dementis der Reichstag sofort zusammenberufen iverde. Sollte gleichwohl die Einberufung nicht erfolgen, so werden die Vertreter der sozialdemokratischen Partei im Herbst umso gründlicher mit der Regierung und den bürgerlichen Parteien abrechnen l_ Freiheit der Wissenschaft. Ein Beitrag zur akademischen Lehrsreiheit. Man schreibt unS: Der vor wenigen Tagen erfolgte Selbstmord eines jungen Physiologen hat nichk nur in der wissenschaftlichen Welt, sondern auch im großen Publikum großes Aussehen erregt. Der Tatbestand ist kurz folgender: Ein junger Mediziner, der fern von ausübender Praxis sich der reinen theoretischen Forschung widmete, bittet die niedizinische Fakultät der Universität Berlin um seine Zulassung zur Privatdozentur d. h. zur akademischen Lehrtätigkeit, er wird ab- gewiesen und greift aus Verzweiflung zum Gift. Bisher war es auch an der Berliner medizinischen Fakultät wie auch anderswo— wenigstens offiziell— Brauch, die Zulassung zur Lehrtätigkeit allein von den wissenschaftlichen Oualitäten deS Bewerbers abhängig zu machen. Seine Arbeiten wurden einem ordentlichen Professor, in dessen Lehrfach sie gehörten, zur Prüfung übergeben, nur auf dessen Referat hin erfolgte die Abstimmung der Fakultät öffentlich, wobei nur einfache Majorität entschied. Man sah sich nun veranlaßt, durch Neinliche Chikanen, wie z. B. die Forderung, daß der Bewerber die Doktorwürde an einer preußischen Universität erlangt haben mußte, den Meldungen ein Hemmnis ent- gegenzusetzen. Zwar konnte der Minister, der nachher diese Befugnis der Fakultät übertrug, diese Forderung fallen lassen, jedenfalls war dadurch schon eine Erschwerung geschaffen. Dies schien aber nicht genügt zu haben, denn es wurden neue Bestimnnmgen erlassen, die neben den wissenschaftlichen Oualitäten noch die Bediirfnisftage einer neuen Dozentur in Betracht zogen. Außerdem findet die Abstimmung fortan geheim statt und zur Zulassung ist Dreivicrtel-Majorität er- forderlich. Natürlich wird von jetzt an die Zulassung zur Dozentur völlig von dem guten Willen der ordentlichen Professoren abhängig. Ist ein Bewerber wissenschaftlich noch so hervorragend, paßt er aber nur über einem Viertel der Fakultät nicht, so wird er eben abgelehnt, denn absolutes Bcdürstns an Dozenten ist heute ebensowenig an der Berliner medizinischen Fakultät, wie eS— bei derselben Zahl von Dozenten— voraussichtlich in zehn Jahren sein wird. Als diese nenen Bestimmungen erlassen wurden bei dem verstorbenen Physiologen sollen sie zum ersten Male in Kraft getreten sein— hieß es: es muß dem Dozentenüberfluß gesteuert werden, eS gibt eine Anzahl von Dozenten, die wissenschaftlich weniger hervorragend sind. und den Titel dazu benutzen, um daraus für ihre Praxis pekuniären Vorteil zu ziehen. Gewiß mag eS auch unter den Dozenten der Berliner medizinischen Fakultät auch solche geben, pe werden aber sicherlich in so geringer Zahl sein, daß man ihretwegen nicht solche Bestimmungen zu erlassen braucht. UeberdieS stand eS ja der Falultät frei, ihre Anforderungen so hoch zu schrauben, als sie eS eben wollte und eine sorgfältige Auslese unter den Bewerbern auch unter den alten Bestimmungen zu treffen, und wenn solch ein Bewerber denn wirklich einmal durch eine vielleicht zu große Betonung seines Titels größere pekuniäre Vorteile in der Praxis erzielen sollte, dann hat er eS ja durch seine Befähigung verdient. ES wäre also auch ohne Kautschukparagraphen gegangen. In Wirklichkeit jedoch wird ein Teil von Bewerbern, der mehr gute Beziehungen zu den Ordinarien als hervorragende wissen- schaftliche Leistungen aufzuweisen hat, auch jetzt zur Dozentur zu gelassen werden und nur den aufftrebenden Außenseitern, die nicht vielleicht einem Korps angehörten oder gar Juden sind, der Weg erschwert. Man glaubt und hört nämlich vielfach, daß durch diese neuen Bestimmungen den jüdischen Aerzten die Zulassung zur aka demischeu Lehrtätigkeit erschwert werden soll; es sollen in einem Teil der Ordinarien zu vielJuden unter den Privatdozenten sein— und wenn man die Verhältnisse an den hiesigen köipglichen Instituten näher kennt, so wird nian die Möglichkeit, ja die Wahrscheinlichkeit einer solchen Auffassung nicht von der Hand weisen können. Ganz abgesehen davon, daß kein Jude in den letzten Jahren ordentlicher Professor in Preußen geworden ist, findet man z. B. an den Berliner königlichen Kliniken und Instituten nur vereinzelte jüdische Assistenten, und diese wieder nur bei einzelnen Professoren, die wegen ihrer VorurteilSlosigleit in dieser Beziehung ebenso bekannt wie selten sind. ES erweckt nun— und gerade hier besonders— den Anschein, als ob das System des Herrn Justizministers auch auf die bisher noch relativ vorurteilslose medizinische Fakultät übertragen werden soll. Jedenfalls zeigte der jüngste Fall eine verzweifelte Aehnlichkeit mit den Schönstedtschen Prinzipien. Herr B. war Physiologe, d. h. er stand der ausübenden ärztlichen Tätigkeit fern und daß er nicht die wissenschaftliche Befähigung zum Dozenten gehabt hat, kann man auch nicht gut annehmen, da er, wie wir hörten, Herrn Geh. Rat Professor Fritsch, der längere Zeit auf Reisen war, ver- treten haben soll, und während dieser Zeit auch mit Erlaubnis der Fakultät Vorlesungen abhielt. Im übrigen geht aus der Entfchei- dung der Fakultät nicht hervor, ob die wissenschaftliche Qualität deS Herrn B. in Betracht gezogen wurde. Da bleibt eben die Bedürfnis- frage, und die vermag natürlich nur die hohe Fakultät zu entscheiden, es ist ja möglich, daß das Bedürfnis, das bis vor kurzem noch be- stand und dem Verstorbenen vertretungsweise die voma legendi (die Erlaubnis zu Vorlesungen) erteilen ließ, plötzlich verschwunden ist. Jedenfalls fällt es einem Unbefangenen und Eingeweihten schwer, daran zu glauben. Daß die preußische Reaktion auch in wiffenschastliche Kreise eingedrungen ist, das weiß heute jedermann, der Fall AronS steht auch heute noch unvergessen da als abschreckendes Beispiel preußischen Rückschrittes, sollte der Fall Borchcrt ein neues Wahrzeichen preußischer Intoleranz sein? Es mehren sich die Zeichen, daß auch in den führenden medizinischen Kreisen Beschränktheit der Anschauungen immer mehr einzieht und die Wissenschaft und Forschung nicht als freier Kampfplatz aller Forscher, sondern nur der priviligierten angesehen wird. Recht charakteristisch ist dafür daS Wort, das einem hiesigen Privatdozenten in einer wissenschaftlichen Diskussion der Berliner medizinischen Gesellschaft entschlüpfte. Er meinte nämlich, daß eS nicht angängig sei, daß zwei königliche wissenschaftliche Institute zwei verschiedene wissenschaftliche Ansichten öffentlich zum Ausdruck brächten. ES gibt eben nur eine Wissenschaft und zwar die königlich preußische. So geschehen im 20. Jahrhundert.— Oeutrcbcs Rcfcb. Mache zwecks Reklame. Ein scharfes Urteil über die„Edelsten der Nation" fällt Karl von Wartenberg in dem August-Heft der Monatsschrift„Der Türmer". Wartenberg, der bekannte Militär- schriftsteller(er schrieb früher als Freiherr v. Guhlen), der wegen seiner kritischen Neigungen kürzlich gemaßreglt worden ist, bespricht dort den famosen Plan des Fürsten Hcnckell von DonnerSmarck, einen Millionenfonds für verarmte Offiziere zu schaffen, und erörtert dann die Ursachen, die einen solchen Plan überhaupt auftauchen lassen konnten. Dieser„Anschlag gegen das deutsche Offizierkorps", so meint er, war nur möglich, weil daS Ansehen des deutschen Offiziers in der Oeffentlichkeit aufs heftigste erschüttert sei. Der Offizier von heute ist nicht mehr der vornehme zurückhaltende Kavalier, der er unter der Regierung Wilhelms I. gewesen ist. Während er früher die Öffentlichkeit aufs peinlichste gemieden habe, suche er sie jetzt allzu häufig krampfhaft auf, hasche nach Reklame, nach Bedeutung. So komme es, daß man heute die Offiziere zählen könne, die noch keine Verbindung mit der Scherlpresse usw. hätten, deren Konterfei die „Woche" noch nicht geschmückt habe. Woher kommt aber diese neue, den vornehmen altpreußischen Geist vernichtende Tendenz? Sie hätte nie entstehen können, wenn nicht der verstorbene Feldmarschall Graf Waldersee ein werhängnis- volles Beispiel gegeben hätte. Von maßlosem Ehrgeiz gequält, wollte Waldersee der Oeffentlichkeit beweisen, daß er wie kein anderer be- rufen sei, in daS vom Fürsten Bismarck verlassene Palais in der Wilhelmstraße einzuziehen und das Steuer des Reichsschiffs zu er- greifen. Kein Mittel, das ihm hierbei behülflich sein, durch das er die Oeffentlichkeit auf sich hinweisen konnte, erschien ihm zu gering. „Mache zwecks Reklame war sein Triumphzug durch Deutschland, bevor er sich zur Uebernahme des Oberbefehls über das 1900 in China gebildete Koalitionsheer in einem italienischen Hafen ein- schiffte; Mache zwecks Reklame die ungewöhnlichen Ehrungen, die ihm bei seiner Rückkehr für nicht vollführte KricgStatcn zuteil wurden; Mache zwecks Reklame der glänzende Bericht über seine Leitung der Koalitionsarmee, den er nach der Darstellung deS Ver- treters der„Frankfurter Zeitung" noch an Ort und Stelle den europäischen Zeitungskorrespondenten aufdrängen wollte; Mache zwecks Reklame die Attachierung eines besonderen Reporters des „Berliner Lokal-AnzeigerS" an seine Person während der ganzen Dauer seiner Abwesenheit seiner Heimat, der täglich über sein Er- gehen nach Berlin zu telegraphieren hatte; Mache zwecks Reklame endlich das Bemühen darum, daß er von dem Augenblick seiner Ernennung zum Höchstkommandierenden bis zu der Stunde, in welcher ihm in seiner Wohnung zu Hannover von lieber Land die China-Denkmünze an die Brust geheftet wurde; auch nicht einen Schritt tat, der nicht von Photographen für deutsche Zeitungen und Wochenschriften festgehalten wurde. In allen nur möglichen Situationen sahen wir damals den seltsamen preußischen General abgebildet, nur nicht in der bedenklichsten. In jener nicht, in welcher er sich aus dem, von einer ebenfalls reklamebedürftigen Firma ge. stifteten, in Brand geratenen Asbesthause durchs Fenster rettete und beinahe zur komischen Figur wurde." Der arme Waldersee l Er ist tot und kann nicht mehr klagen. So wird er jetzt als Thpus nach allen Regeln der Kunst verdroschen, eine Uebung am toten Modell, da die Versuche am lebenden Modell allzu heikel scchincn. Kein Zweifel, daß zu der Lebendigkeit. mit der der tote Weltmarschall geschildert wird, daS unmittelbare Leben von heute die Farbe geliefert hat. In Waldcrsee sollen die Charakterfiguren, die noch in Wirksamkeit sind, getroffen werden. Die Kritik dieses reichsverdrossenen Offiziers läßt an unserem herrlichen Heer nicht viel übrig. Und weil sie durchaus die Wahrheit sagt, mag man den zweifelhaften Kultus der guten altpreutzischen Zeit auf sich beruhen lassen.— Die Geheimnisse der Köllerei. Zu der Meineidsaffäre der Köllerei veröffentlicht Pastor a. D. Jaeobsen in einem Flensburger Blatte folgende Erklärung: In Nr. 180 der„SchleSwigschen Grenzpost' von gestem heißt eS unter Hadersleben wie folgt: „In dem„Flensburger Annoncenblatt" hat der frühere Pastor Jaeobsen eine Erklärung veröffentlicht, in welcher er behauptet, im Juli 1903 durch einen Brief an den Landrat Becherer über die ihm, Jaeobsen. durch v. Winter angeblich gemachte Zumutung, unter Anerbieten von 2990 M. einen Mann zu einer bestimmten Aussage zu veranlassen, sich beschivert zu haben. Wir sind er- mächtigt zu erklären, daß eine solche Beschwerde weder beim Krris> auSschuß hier noch beim Landratöamt noch beim Landrat direkt ein gegangen ist. Auch von der Tatsache, daß Jaeobsen v. Winter bei der Staatsanwaltschaft denunziert hatte, hat der Landrat erst durch die Erklärung im„Flensburger Annoncenblatt" Kenntnis erhalten." Dem Herrn Landrat ist demnach offenbar der Empfang und der Inhalt meines damaligen Schreibens total aus dem Gedächtnis entschwunden! Den geschehenen Empfang hoffe ich demnächst nachweisen zu können, den wortgetreuen Inhalt meines damaligen Briefes, der im Konzept vorliegt, gebe ich hiermit bekannt. Das Schreiben lautet: „Scherrebek, den 12. Juli 1903. Herm Landrat Becherer Wohlgeboren Hadersleben. Folgendes Erlebnis aus den, Frühjahr 1992 will ich Ihnen nicht vorenthalten. Der kommissarische Amtsvorsteher v. Winter. dem sehr daran gelegen war, festzustellen, daß P. Timmermann in Scherrebek Optant sei, ließ mir durch eine Zwischen- Person sagen: Der Schuhmacher Greißen in Blanker ist um die ftagliche Zeit in Dänemark gewesen, derselbe muß veranlaßt werden auszusagen, daß er Peter Timmermann damals in Däne- mark gesehen und daß Timmermann sich damals längere Zeit in Dänemark aufgehalten hat. Diese Aussage muß er evcntl. eidlich erhärten, einerlei, ob er die Sache nun genau erinnert oder nicht. Ich stelle für diese eidliche Aussage 1990 M. zur Verfügung event. wenn nötig 2009 M. Ich habe diese Zumutung damals mit Entrüstung als Ver- leitung zum Meineid zurückgewiesen und mir nach diesem Erleb- „is mein Urteil über die DenkungSart des Herrn v. Winter ge- bildet. Weiteres hinzuzufügen dürfte überflüssig sein; eidliche Aus- sage steht zur Verfügung. I. Jaeobsen, Pastor." Nach Absenkung deS Briefes sprach ich am folgenden Tage mit mehreren Freunden, unter andern auch mit dem Rechtsanwalt Ritter über die Sache und legte ihnen den Wortlaut obigen Schreibens an den Landrat Becherer vor. Auf deren Rat sandte ich zwei Tage darauf zur Vervollständigung meines ersten Briefes folgendes Schreiben an den Landrat Becherer: „Scherrebek, den 14. Juli 1993. An den königlichen Landrat Herrn Becherer Hadersleben. In Ergänzung meines Schreibens vom 12. d. M. betreffend denKonun.-AmtSvorsteher V.Winter bemerke ich, daß die Zwischen- Person der jetzige Hotelbesitzer W. Lassen in Scherrebek war. I. Jaeobsen, Pastor." Hat der Herr Landrat vielleicht auch dieses zweite Schreiben nicht erhalten!? Ich bin bereit den genauen Wortlaut und die Absendung dieser beiden Briefe eidlich zu erhärten bezw. durch Zeugen erhärten zu lassen. Ob der Herr Landrat wohl im stände sein wird, den Empfang uuter Eid abzuleugnen?! Was zweitens die fernere Behauptung deS Landrats betrifft, daß er erst durch die Erklärung im„Flensburger Annoncenblatt" von dem Ermittelungsverfahren gegen v. Winter Kenntnis er- halten haben will, so erscheint das ebenso wunderbar und ganz uuglaublich. Meine Anzeige an die königliche Staatsanwalt- fchaft ist datiert vom 18. Juli 1993. Die Nachricht, daß das Verfahren eingestellt wurde, ist datiert vom 28. August 1993. Meine Beschwerde darüber bei der Oberstaatsanwaltschaft ist datiert vom 3. September 1903. Daß das Verfahren wieder aufgenommen sei gegen v. Winter, ist durch Schreiben des Ersten Staatsanwalts in Flensburg unter dem 23. September 1903 mitgeteilt. Am 12. Ok- tober 1903 ist dann die endliche Einstellung des Verfahrens mir mit- geteilt worden. Es hat also ein ausgedehntes und langwieriges Ermittelungsverfahren durch die königliche Staatsanwalt- schaft gegen einen dem königlichen Landrat Becherer un- mittelbar unterstellten Berwaltungsbeamten stattgefunden, ohne daß der Herr Landrat daS Geringste davon erfahren hat! Erst jetzt, über zwei Jahre später, will er durch den Artikel im„Flensburger Annoncenblatt" Kenntnis davon erhalten haben I? Wunderbar — h ö ch st wunderbar—! Flensburg, den 4. August 1995. I. Jaeobsen, stüher Pastor in Scherrebek. Wenn der Herr Landrat Becherer jetzt noch immer nicht eine Beleidigungsklage gegen den Pastor Jaeobsen erhebt, muß er wirklich ein sehr schlechtes Gewissen haben I Es wäre dann freilich die Frage aufzuwerfen, ob die vor- gesetzte Behörde deS moralisch so schwerhörigen Landrats dieselbe Unempfindlichkeit an den Tag legen würde!— Der Gemeindevorstand ermißt. Jena,?. August.'(Eig. Ber.) Im Großherzogtum Sachsen-Weimar hat wieder einmal eine Periode der kuriosesten Versammlungsverbote eingesetzt; unbekümmert um das Urteil der öffentlichen Meinung und die Kritik der Presse werden politische(sozialdemokratische) und gewerkschaftliche Versammlungen in rascher Aufeinanderfolge verboten. Noch beschäftigt daS Tiefenorter Verbot aufs lebhafteste alle poli- tischen Kreise und schon wieder hat die Reaktion in einem anderen Landstädtchen eine wunderbare Blüte getrieben; eS ist Berga an der Elster, das hinter Tiefenort nicht zurückstehen will. Merkwürdiger- weise wird in dem am Orte erscheinenden Blatte, der„Bergaer Zeitung", von der lokalen Begebenheit kein Wort mitgeteilt, so sehr zeigen sich die meisten Blätter des Großherzogtums geneigt, russischen Zuständen den Boden zu bereiten. Die in Gera erscheinende„Reußische Tribüne" berichtet: Der Gemeindevorstand von Berga a. E. hat eine anberaumte öffentliche Versammlung, üi welcher der S i t ua t i o n S. b e r i cht über die Aussperrung in der Textilbranche gegeben werden sollte, nicht erlaubt. Er schreibt: „Nach dem Dafürhalten deS Unterzeichneten liegt gegenwärtig keine Veranlassung vor, über die Aussperrung zu sprechen, da eine Aussperrung zurzeit noch nicht erfolgt ist. Berga a. Elster, den 4. August 1905. Der Gemeindevorstand: Fritzsche." ES ist nur gut, bemerkt dazu das genannte Blatt, daß in diesen ernsten Zeiten einzelne Bürgermeister für etwas Humor sorgen. Das bürgerliche„Jenaer Volksblatt" äußert sich wie folgt: Allerdings, das Verbot des Bürgermeisters Fritzsche von Berga, der zugleich„Volksvertreter"(Landtagsabgcordneter) ist, dürfte wie kaum ein anderes geeignet sein, einen unbändigen Heiterkeits- auSbruch, überall wo eS bekannt wird, zu erregen. Aber es hat auch, wie jedes Versammlungsverbot, eine ernste Seite, und das ist: Ver- lctzung der VersanunlungSfreiheit, worauf wir immer wieder hin- zuweisen gezwungen sind. Wie lange noch soll das in dieser beschämenden Weise so fort gehen? Ueberlegen wir unS diese Frage richtig, so müssen wir ant. Worten: Bis der Reichstag das Vereins- und Versammlungsrecht für daS ganze Deutsche Reich einheitlich geregelt hat, denn vom weimarischen Landtag est nichts, aber auch gar nichts zu erwarten.— Alö Schutztruppe der Reaktion bekennt sich jetzt ohne Scham die „Deutsche Turnerschaft", die zurzeit in Königsberg tagt. In ihrem„Geschäfts- und Jahresbericht" leistet sie sich folgende Denunziation gegen die Arbeiter-Turnerschaft. 1„Von allen Versuchen, das Turnen mit fremden Dingen zn verquicken, sind am ernstesten diejenigen zu nehmen, die unser deutsches Turnen zur Domäne der Sozialdemo« kratie und der Vaterlandslosigkeit machen möchten,— die im Arbeiter-Turnerbund vereinigten roten Gesellen, die von früh bis spät ihr Gift und ihre auf Unzufriedenheit, Neid und Haß gerichtete Verhetzung loslassen, um das arbeitende Volk uns abtrünnig zu machen. Fehlt ihnen auch bis jetzt jeder nennenswerte Erfolg, so gilt e3 doch, treu, furchtlos und wachsam zu sein. Vor allem gilt eS, unser Turnen immer mehr mit jenem frischen, fröhlichen und treu deutschen Geiste zu erfiillen, mit jenem Gefühl der Kraft und Leistungsfähigkeit der einzelnen, vor denen die sozialistische Gleichmacherei und die Unter« drückung der persönlichen Freiheit, sich durch bessere Leistungen ein besseres Los zu schaffen, in Nichts versinkt!" Diese blöde Anpöbelung der Arbeiter-Turnerschaft liefert mir den überzeugenden Beweis dafür, wie notwendig es für die Turner der Arbeiterklasse ist. den Bourgois-Turnvereinen mit ihrem öden Hurrapatriotismus und ihrem ohnmächtigen Keifen gegen die idealen Bestrebungen des Proletariats verächtlich den Rücken zu kehren.— Wie Trotha Krieg führte! Ueber die Opfer der Flucht der Hereros in die Omaheke hat ein zwölftägigcr Patrouillenritt, den Oberleuttmnt Graf Schweinitz in die Omaheke unternahm, interessante Auffchlüsse gegeben. Von der Wasserstelle Ondowou(29 Kilometer nordöstlich Otjosondjou) an fand er auf der etwa 150 Kilometer langen Strecke, die er dem Laufe des Otjosondjou-Omuramba folgte, einen aus- getretenen Fußpfad, der offenbar den Weg bezeichnete, den große Scharen flüchtender Hereros im August oder Sep- tember vorigen Jahres genommen hatten. Tausende gefallenen Viehes, namentlich Großvieh, zahlreiche Gerippe von Menschen und Pferden bleichten an der Sonne und bezeichneten mit entsetzlicher Deutlichkeit, daß der Zug des Todes diesen Weg gegangen war. Besonders in den dichteren Gebüschstellen am Wege, wo die durstenden Tiere Schutz vor den Sonnenstrahlen gesucht hatten, lagen die Kadaver zu Hunderten dicht neben- und übereinander. An vielen Stellen hatten die mit dem Dursttode Ringenden mit fiebernder Hand 15 bis 20 Meter tiefe Löcher auf- gewühlt, um Wasser zu graben— vergeblich! HülsloS verfielen Mensch und Tier den entsetzlichen Qualen des Durstes. Unter den Umgekommenen befanden sich auch Tausende von Weibern und Kindern l Und trotz dieser entsetzlichen Art der Kriegsführung ist der Herero-Aufftand noch keineswegs unterdrückt, wie die zahlreichen neuerlichen Ueberfälle umherschweifender Hererobanden beweisen. Wieviele der Hereros überhaupt noch im Felde stehen, weiß kein Mensch. Denn von den auf 80 990 Köpfe geschätzten Hereros sind nur 1490 Männer im Kampfe gefallen: Ergeben haben sich bis Ende Mai 1853 Männer und 6187 Frauen und Kinder. Danach können. auch wenn Zehntausende verschmachtet sind, noch immer Zehn- tausende übrig geblieben sein, die den Kampf verzweifelt fortführen! Bemerkenswert ist übrigens auch die ungeheuere Sterblichkeit der gefangenen Hereros. In Swakopmund allein starben vom 16. Januar bis zum 19. Mai 490 Hereros, darunter auffallend viele Männer. Die Engländer hätten also alle Ursache, uns die derzeitigen deutschen Angriffe gegen ihr System der Konzentrattonslager mit Zinsen zurückzugeben!—_ Hänge-PeterS über Südafrika. In einem Vortrag in Hannover verbreitete sich Peters über die Zukunft Südafrikas. Seine Ausführungen, die sich auf die Eindrücke seiner kürzlichen Südafrikarcise stützen, sind teilweise recht interessant. So ist folgende Stelle über die künftige Ent- Wickelung Südafrikas bemerkenswert: „Die gegenwärtige wirtschaftliche EntWickelung Rhodesiens zeige, was der moderne Kapitalismus in der Kolonialpolitik zu leisten vermöge. In Gegenden, die noch für Livingstone und andere die äußerste Wildnis bedeuteten, findet man heute schon moderne Städte, zu denen man auf luxuriösen Eisenbahnen gelangt. Die landwirtschaftliche Bedeutung des Lande? sei allerdings nur gering, wie denn überhaupt, von einigen Ausnahmen abgesehen, ganz Südafrika für den Acker» bau dauernd unmöglich sei. Damit falle aber auch der Traum von den„Vereinigten Staaten Südafrikas" zu Boden. Südafrika ist vielmehr in zunehmendem Maße ausgesprochenes Minen, land geworden; Minen aber beherbergen eine fluktuierende Be» völkerung. Auf den Börsen hat Rhodesia speziell zurzeit eine sehr schlechte Reputation; es sind viele zweifelhafte Unter» nehmungen dort gegründet, und viele Leute haben ihr Geld ber» loren. Neuerdings wendet man sich mehr dem privaten Klein» betrieb zu, und dieser rentiert sich besser. Mit seinem Reichtum an Diamanten, Gold, Silber. Kupfer, Zinn, Eisen, Kohlen. Petroleum usw. wird Südafrika nach Peters Meinung auf Jahr- hunderte hinaus eine große Bedeutung für den Weltmarkt be- sitzen. Daß es freilich auch dauernd ein Land für Weiße sein wird, glaubt Peters jetzt weniger als je. Die Erfolge der sogenannten äthiopischen Bewegung sind geradezu frappierend. Ihre Vorkämpfer, meist Geistliche der abessinischen Kirche, entfalten unter der Parole„D er schwarze Erdteil für die Schwarzen!" eine rücksichtslose Agitation auf den Kanzeln und in Zeitungen, welch letztere in der Zulusprache erscheinen." Danach wären also auch die Tage der deutschen Herrschaft in Südwestafrika gezählt? Den ganzen Charakter des Hänge-Peters offenbart folgende Schilderung: Was die Behandlung der Schwarzen und ihre Heranziehung zur Arbeit betrifft, so schilderte Peters als s e h ü erfolgreich die von den Engländern befolgte Methode. Als Beispiel führt er an, wie er sich Träger für seine Expedition verschafft hat. Er wendet sich an den Eingeborenenkommilsionär; dieser läßt dann den Negern sogenannte„Erlaubnisscheine" aushändigen, durch welche ihnen„gestattet" wird, die gewünschten Dienste zu verrichten; die betreffenden Neger werden, ohne lange um ihren Willen gefragt zu werden, herbeigeführt, ein„Kontrakt" wird ihnen vorgelegt und dabei erklärt: wenn ihr den brecht, dann kommt ihr ein oder zwei Jahre ins Zuchthaus— und die Sache ist erledigt. Gut» willig läßt sich kein Neger zur Arbeit herbei. Aber jene Methode bedeutet beileibe keinen Arbeitszwang, es wird den Schwarzen ja nur die„Erlaubnis" zum Arbeiten erteilt. Daß dieses unter britischer Flagge geübte Verfahren von Sklaverei nicht allzuweit entfernt ist, läßt Redner ironisch durchblicken. Offenbar schwebt dem Gemütsmenschen ein ähnliches System auch für die deutschen Kolonien vor!— Hualand. Frankreich. Eine Krise der Pariser Arbeitsbörse. Paris, 4. August.(Eig. Ber.) Die unerfreulichen Zustände auf der Pariser Arbeitsbörse scheinen einem ernsten Konflikt zwischen den diese Anstalt beherrschenden antt« parlamentarischen Gewerkschaften und den öffentlichen Gewalten, Regierung und Gemeinde zuzutteiben. Auf der Arbeitsbörse sind allerlei, das Ansehen des organisierten Proletariats nicht eben fördernde Dinge vorgekommen, die der reaktionären Presse den Vor- wand lieferten, im Namen der„Ordnung und Moral" die Schließung des JnstittitS oder zumindest die Aufhebung der Selbstverwaltung zu fordern. Um die von den Unternehmern gewünschte Maßregel zu verhüten, arbeitete die radikalsozialistische und sozialistische Mehr- heit des Gemeinderats ein Statut aus. das die Zulassung mibe» fugtet Personen in die Räume der Arbeitsbörse verhinderte und für die Wahl der Verwaltungskommission das Proportionalsystem ein» führt. Der Seinepräfekt erklärte den Entwurf, der die Autonomie im Der Krieg in Ostasien. Die Friedensverhandlungen. Zweihundert organisierte Maurer sind in Stettin in den Ausstand getreten. Die Brückenarbeiter des kaiserlichen Reviers Rominten find nach der Provinzpresse in einen Streit getreten. Die Streitenden haben versucht, auch die Arbeitswilligen zum Streit zu bewegen. Darauf wurde telephonisch Polizei beordert, die fünf der„ RädelsDarauf wurde telephonisch Polizei beordert, die fünf der„ Rädelsführer" aus dem kaiserlichen Baureviere hinausbeförderte. " ganzen bestehen läßt, für unannehmbar, aber auch die in der Arbeitsbörse| sandte soll Ende September genaue Instruktionen von Berlin erbereinigten Gewerkschaften wiesen das neue Reglement gerade wegen warten, um die Verhandlungen aufzunehmen. Für einen ReziprozitätsVerlegung ihrer Autonomie pure zurück. Den Antiparlamentariern vertrag mit Deutschland ist wenig Neigung im Kongreß vorhanden. der Arbeitertonföderation" erscheint die proportionale Vertretung Auch mit der allgemeinen Zollpolitik wird sich der Kongreß beals eine Gefährdung ihres Einflusses, da die unzähligen fleinen Geschäftigen, ferner mit der Eisenbahnfrage, die Regelung der Fracht werkschaften, von denen viele nur ein Scheindasein führen, die Leitung raten im zwischenstaatlichen Verkehr betreffend. Es muß vom der Anstalt an die großen Vereinigungen abgeben müßten, die der Kongreß entschieden werden, ob der Panamatanal ein Schleusen„ direkten Aktion" keineswegs so blindlings ergeben sind. Man kann oder Niveaukanal werden soll, was einen großen Unterschied in den aber der Gemeinde ihre Forderung, auch ein gewisses Aufsichtsrecht Rosten bedeutet. Mit China muß ein neuer Vertrag abgeschlossen Der Streit der Textilarbeiter bei der Firma Deuß u. Detter in über die Verwaltung der Arbeitsbörse auszuüben, schon darum nicht werden über die Einwanderungsfrage. Schiefbahn bei Krefeld dauert schon zirka 11 Wochen und ist berargen, weil die Kosten der gewerkschaftlichen Arbeitsvermittelung noch kein Ende abzusehen. Dbgleich die Firma den Betrieb nur durch eine kommunale Subvention bestritten werden, und weil es notdürftig aufrechterhalten kann, von vielleicht 1200 Stühlen sind sich herausgestellt hat, daß die jetzige Verwaltungskommission bes 100 in Betrieb, dieselben werden von Angestellten, Werkmeistern und trächtliche Summen an antiparlamentarische Föderationen" abgegeben Lehrlingen bedient, denkt sie an fein Nachgeben. Die christliche hat, die fich gar nicht mit Arbeitsvermittelung beschäftigen. Die Tertilarbeiter- Drganisation, welche allein bei dem Streit in Betracht borgestrige Versammlung auf der Arbeitsbörse, die über das vom Petersburg, 7. August.( Laffan- Meldung.) Ein chiffriertes fommt, hat schon eine große Anzahl Weberfamilien veranlaßt, den Gemeinderat beschlossene Statut beriet, war selbst eine deutliche Telegramm, das der Zar gestern an Witte sandte, ist, wie in Hof- Ort zu verlassen und sich anderweitig anzusiedeln. Das Städtchen Illustration zu den Beschwerden, die aus der Mitte großer Gewert freisen erklärt wird, als eine endgültige Feststellung der Schiefbahn, dessen wirtschaftliche Existenz sich hauptsächlich auf den schaften gegen das jetzige Regime erhoben werden. Es waren Tatsache zu betrachten, daß es Linewitsch gelungen ist, großen Betrieb der genannten Firma stüßte, geht einer boll290 Organisationen durch, je 5 Mitglieder vertreten, also den 8aren zu überreden, sich vollständig auf ihn ständigen Berarmung entgegen. In einer allgemeinen Bürger1400 Personen anwesend ein zur Verhandlung einer ad- zu verlassen. In militärischen Kreisen ist man der An- Versammlung wurde eine Resolution angenommen, in der es heißt: ministrativen Frage nicht eben besonders geeigneter Körper. Mit sicht, daß die gegenwärtigen Verhandlungen in Portsmouth Die Versammlung richtet an den Bürgermeister die Bitte, bei der Afflamation wurde beschlossen, den Kampf der Arbeiterschaft, der sich fruchtlos verlaufen werden. Linewitsch hat mit den Be Regierung Schritte zu unternehmen, damit die Schädigung Schief auch in Zukunft nach den Umständen richten soll, jedem hauptungen von seiner Ueberlegenheit sogar die Bureaukratie bahns, die bis jetzt schon schreckliche Formen angenommen hat, Reglement zum Troz fortzusetzen. Die Versammlung er- erobert, und man ist in amtlichen Streisen deshalb in bezug auf durch ihr geeignet erscheinende Maßnahmen für die Zukunft verflärte, es sei die Pflicht und das Interesse der Arbeiterschaft, an der die Friedensverhandlungen nicht mehr so optimistisch gestimmt wie mieden wird." Wahl der Verwaltungstommission nicht teil- vorher. Die Führer der Christlichen lehnen jede Verantwortung ab und zunehmen. Bei der Gegenprobe erhoben sich nur wenige Hände London, 8. August.( Bureau Laffan.) Sofort bei Beginn erklären, den Kampf eventuell bis zur vollständigen Erschöpfung gegen diesen Beschluß. Was wird nun geschehen? Wenn die Gewerk der Friedensverhandlungen werden, wie" Standard" aus weiterführen zu wollen. Ob diese Leute, welche den Klassenkampf schaften ihre Abstinenzpolitik wirklich durchführen, so wird der Re- Portsmouth( New Hampshire) meldet, die japanischen selbst verurteilen, nicht begreifen, daß in einem solchen Streit ein gierung faum etwas anderes übrig bleiben, als die Arbeitsbörse zu Bevollmächtigten den Russen gleichzeitig zwei verschiedene Stück Klassenkampf enthalten ist? fchließen. Die Folge davon wird sein, daß die Arbeitsvermittelung Programme mit Friedensbedingungen überreichen. Die Bedingungen nun bollends in die Hände der Unternehmerverbände geraten wird, des ersten Programms werden gemäßigter Art sein und für die sie ohnehin schon zum guten Teile nach der Aufhebung der den Fall sofortiger Annahme angeboten. Das zweite Proprivaten Institute an sich gezogen haben. Wenn die Schwäche der gramm enthält schwerere Bedingungen, auf denen Japan bestehen Gewerkschaften schon die von ihnen so hizig betriebene Agitation würde, falls der Krieg fortgesezt werden sollte. gegen die private Arbeitsvermittelung den Unternehmern zum Nußen hat ausschlagen lassen, so wird die Schließung der Arbeitsbörse den Feinden der Arbeiterschaft weitere Vorteile bringen, die ihnen toieder zu entreißen jedenfalls nicht leicht fallen wird. Ein Mittel gibt es allerdings dagegen, die Errichtung einer fommunalen Arbeitsbermittelung. Aber ob eine Politik, die nur diesen Ausweg freiläßt, eine gute gewertschaftliche Politit ist, bleibt dahin gestellt. Italien. Sozialdemokratie und Freimauerei. Schon vor längerer Zeit war von der Urabstimmung die Rede, die seitens des italienischen Parteivorstandes angeregt war über die beiden Fragen: 1. Kompromittiert ein Genosse, der Freimaurer ist, seine politische und soziale Unabhängigkeit? 2. Sollen Sozialisten, die Freimaurer sind, aus der Partei ausgeschlossen werden? Jezt liegt nun das Resultat der Urabstimmung vor. Auf die erste Frage wurde 1007 mal mit" Ja" und 152 mal mit„ Mein" geantwortet; auf die zweite Frage 9163" Ja" und 1175 Mein". Das Referendum ist leider in überaus geringem Umfange von den italienischen Genossen beachtet worden. Haben doch von den 1095 Gruppen der Partei nur 774 es für nötig erachtet, Antworten einzusenden, sodaß von den 37 921 Mitgliedern der italienischen Partei bloß 11 773 das Wort zu der Frage ergriffen haben. Allerdings scheint aus dem Resultat hervorzugehen, daß bei größerer Beteiligung der Effekt ein noch freimaurerfeindlicherer gewesen wäre. England. " Gewerkschaftliches. Berlin und amgegend. Die vogtländischen und thüringischen Textilarbeiter wollen die an gebliche Friedensliebe der Herren Unternehmer auf die Probe stellen. Da diese vorgeben, nur mit Vertretern der Organisation nicht verhandeln zu wollen, sollen die Arbeiterausschüsse sich zu Verhandlungen bereit erklären. Man darf gespannt sein auf die Antwort der Unternehmer. -O Husland. Aus Longwy wird gemeldet: Mit den Grubenarbeitern der Becken von Godbrauze und Hussigny ist eine endgültige Verständigung erzielt worden. Man glaubt, daß es zu einer Einigung zwischen den Arbeitern und Direktoren zweier weiterer Gruben kommt. Das Blatt der italienischen Syndikalisten. Die Hoch- und Untergrundbahn- Gesellschaft als Arbeitgeber. Bereits vor einiger Zeit berichteten wir über die unwürdigen Lohnund Arbeitsbedingungen, unter denen die Handwerker und Hülfs arbeiter in den Reparaturwerkstätten der Hoch- und UntergrundbahnGesellschaft begetieren müssen. Infolge der damaligen großen UnRom, den 7. August.( Eig. Ber.) zufriedenheit der Arbeiter mit den dortigen Verhältnissen stellte die Unter dem Datum des 30. Juli ist das" Sindacato Direktion eine nach Altersgrenzen abgestufte Lohnzulage in Aussicht. Jezt zeigt es sich jedoch, wie die Direktion ihre frühere Busage operaio" erschienen, jene von sozialistischen Gewerkschaftlern aufgefaßt hat. Aus der ohnerhöhung ist nämlich eine provo- herausgegebene Wochenzeitung, deren Veröffentlichung wir bereits zierende Lohnreduktion geworden. Ein Anschlag in den angezeigt hatten. Die erste Nummer gibt in einem bier Spalten langes Artikel Werkstätten besagt: Kolonnenführer und Vorschlosser erhalten bon jetzt ab einen Anfangslohn von 45 Pf. pro Stunde das Programm des Blattes. Die Redaktion erklärt sich gegen das ( bisher waren es 50 Pf.), steigend bei zehnjähriger Tätigkeit bis apolitische Nurgewerkschaftlertum; nicht apolitische Organisationen gelte auf 53 Pf. Für alle übrigen Handwerker beträgt der Anfangs- es zu schaffen, sondern solche, die mit ihren eigenen Kräften ihre lohn 40 Pf., steigend um jährlich 1 Pf. bis zum Höchstsaße eigene Politik treiben. Diese Politik der Gewerkschaft werde die die Heute republikanische, von 50 Pf. nach 10 Jahren( früher wurden 40 bis 45 Pf. Anfangs- oberflächlichen Parteiunterschiede, und sozialistische Arbeiter trennen, zum Vers lohn gezahlt mit Zulagen von 1 bis 5 Pf.). Hülfsarbeiter sollen anarchistische und Da jede Funktion sich 33 Pf. erhalten, bis sie nach 10 Jahren den fürstlichen Höchstlohn schwinden bringen. ihr Organ so könne der Tag nicht fern sein, an dem von 38 Pf. erreichen( früher bekamen sie 35 Pf. mit 1 bis 2 f. schafft, Bulage). Hülfsarbeiter, die bei Handwerkern als Helfer tätig sind, die Arbeitskammern eigene Arbeiterkandidaten aufstellen würden. bekommen 2 Pf. Zuschlag, bis sie nach 10 Jahren 40 Pf. verdienen. Unter der direkten Kontrolle der Organisationen würde auch die Die Werkstättenarbeiter der Station Zoologischer Garten erhalten Aftion im Parlament und in den Stadtverwaltungen zur direkten 2 Pf. Buschlag; bei Entgleisungen, Zusammenstößen und dergleichen Aktion( sic!) werden. Im Gegensatz zur anarchistischen Gewalttaktit doppelten Lohn und bei Schneearbeiten 2 Pf. mehr.( Früher betrug wird energisch auf die allmähliche Bildung der technischen Fähigder Zuschlag 3 Pf. und bei Schneearbeiten 5 Pf.) Wahrscheinlich feiten im Broletariat hingewiesen, von denen die Uebernahme der hat die Direktion geglaubt, ihren" Arbeitern diese Lohnreduktion sozialen Gestion durch die Arbeiterklasse abhängt. gemächlich bieten zu können, weil sich unter den Leuten tatsächlich Der Gedanke, daß die doktrinären Unterschiede zwischen ans einige Würger" befinden, die 96, 98, ja jogar 101 Stunden archistischen, republikanischen und sozialistischen Arbeitern un in der Woche gearbeitet haben, also durch unerhörte wesentlich seien, kehrt in einer anderen Rubrik des Blattes Ueberstundenschieberei ihren Wochenlohn trotz der schlechten wieder, die für die Diskussion gewerkschaftlicher Fragen durch Arbeiter Stundenlöhne auf eine beträchtliche Höhe brachten. Da mag sich dieser drei Parteien eröffnet ist. Uuter den Mitarbeitern der ersten die Direktion gesagt haben: Wenn diese Leute so lange arbeiten, Nummer befinden sich übrigens nur Sozialisten. Autentische Ardann können es die anderen auch; wenn sie aber durch die lange beiter haben bis jetzt nur wenig Raum in dem Blatt gefunden, Arbeit so und soviel verdienen, so können wir ihnen den Stunden- ebensowenig wie die praktischen Träger der Organisation. lohn getrost kürzen, denn sie verdienen auch so noch genug. Das Man wird weitere Nummern abwarten müssen, um ein flares ist die Folge des unsinnigen Ueberstundenmachens derjenigen törichten Bild der syndikalistischen Richtung zu gewinnen und zu erkennen, Arbeiter, die sich von Meistern und Direktoren ihren Mitarbeitern ob sie eine leberwindung der Partei durch die sozialistische Gewerkgegenüber für gewöhnlich so gerne als Musterknaben preisen lassen. schaft oder eine Ueberwindung des Sozialismus durch die Arbeiter Am Montag nahm eine vom Metallarbeiterverbande einberufene politit anstrebt. Versammlung der Werkstättenarbeiter zu dieser Lohnreduktion Stellung mit dem Resultate, daß erstmals der Arbeiterausschuß 15 Wochen mit einer Niederlage geendet. 21 Tote und 450 Verletzte Der Streit der Fuhrleute in Chicago hat nach einer Dauer von In einer Antwort auf die Ansprache des Königs fagte der beauftragt wurde, die Direktion zur Zurücknahme der Maßregel zu fielen als Opfer in den Straßenkämpfen. Die Gewerkschaft der französische Botschafter, die Worte des Königs würden veranlassen. Fuhrleute verlor 300 000 Dollar. Die Arbeitgeber berechnen ihre auf alle Franzosen tiefen Eindruck machen, aber feine Ueberraschung Zur Lohnbewegung der Rollfutscher und Speditionsarbeiter ist Verluste auf 2 000 000 Dollar. verursachen in Anbetracht der langbekannten Gefühle des Königs gegen die französische Nation und des vorherrschenden Einflusses, au berichten, daß sich der Spediteurverein jegt bereit erklärt 175 000 Dollar Kosten. Am 6. April begann der Streit mit den der König bei der Herbeiführung der englisch- französischen An- hat, außer mit der Lohnkommission auch mit den Organisations- 17 Mann, er gewann einen so gewaltigen Umfang, daß einmal näherung ausgeübt habe und der niemals vergessen werden sollte. arbeiter- Werband zu verhandeln. Der Verbandsleitung ist ein dies- 5121 Streiter gezählt. Es handelte sich zuerst um einen Sympathies vertretern Schumann und Werner vom Handels- und Transport- 30 000 am Streit waren, und zuletzt, Ende Juli, wurden noch Der Botschafter widmete seinen Trinkspruch dem König und der bezügliches Schreiben zugegangen. Es wird darin ausgedrückt, daß streit und später hauptsächlich um die Anerkennung der Union, föniglichen Familie. Admiral Caillard dankte dem König im Namen der Flotte wenn die Arbeitnehmer der Meinung feien, daß durch die Hinzufür seine Wünsche. Eine herzliche Aufnahme sei den Franzosen ziehung der Organisationsvertreter zu den Verhandlungen der Weg wie sie der Zusammenfunft in Brest ihr Gepräge gaben, bezeichneten wenden sei. Gleichzeitig sind die gesamten beiderseitigen Kommissionssicher gewesen. Dieselben warmen Bande herzlicher Sympathie, zur gegenseitigen Verständigung eher geebnet werden könne, gegen die Teilnahme, der beiden genannten Vertreter nichts mehr einzuauch das Zusammentreffen mit der Kanalflotte. Nichts werde jemals die liebgewordene Erinnerung an die Zusammenkünfte der mitglieder zum heutigen Mittwoch zu einer gemeinsamen Verenglischen und französischen Flotte aus dem Gedächtnisse aus- handlung nach dem Bureau des Spediteurvereins eingeladen worden. Der französische Flottenbesuch in England. Cowes, 8. August. Gestern abend waren Admiral Caillard und die höheren französischen Offiziere zu einem von dem König an Bord der königlichen Jacht veranstalteten Diner geladen, an dem auch die königliche Familie und der französische Botschafter teils nahmen. Der König gab in seinem Trinkspruch der Freude Ausdruck, Admiral Caillard und dessen schöne Flotte empfangen zu können, und erinnerte an die freundschaftliche Aufnahme, die der englischen Flotte in Brest zuteil geworden sei. Der König schloß mit den Worten: Ich hoffe, Ihr Besuch in den englischen Gewässern wird einen deutlichen Beweis geben von dem zwischen unseren beiden Ländern bestehenden guten Einvernehmen. Ich bin überzeugt, daß sein hauptsächlichster Vorteil die Aufrechterhaltung des Friedens zwischen uns sein wird. Es ist zu hoffen, daß die guten Beziehungen, die zwischen den beiden so engen Nachbarn bestehen, noch verstärkt werden. Ich trinke auf die Gesundheit des Präsidenten der Republik; zugleichen wünsche ich der französischen Flotte eine glückliche Entwickelung. Löschen. Afien. " Deutfches Reich. Gegen Fleischnot und Fleischverteuerung. Der ehrfame Spießbürger, den es ärgert, daß er seine Fleisch mahlzeit teurer bezahlen muß wie sonst, flagt, murrt und räjonniert wohl über die teure Beit", sein Groll wendet sich vielleicht nuo gegen den Schlächter, den er als den allein Schuldigen an der Fleisch teuerung ansieht, im übrigen aber hofft er geduldiger kann es ja aushalten auf die Wiederkehr besserer Zeiten. Die Antwort der Meeraner Textilarbeiter auf die Herausforderung der Unternehmer. Der Sozialismus in Japan fängt an, die Oeffentlichkeit in um so höherem Grade zu beschäftigen, als die Verfolgungswut der Meerane, 8. August.( Eig. Ber.) Die Antwort der Arbeiter Der politisch geschulte Arbeiter gibt sich dieser Hoffnung nicht Behörden gegen die japanischen Sozialisten zunimmt. Sind unsere auf die von den Unternehmern für den 19. August angedrohte hin. Die durch die Teuerung eines unentbehrlichen Lebensmittels Genossen drüben zurzeit also verdonnert, sich ruhiger zu verhalten, Generalaussperrung ist erfolgt. Sie lautet klar und präzise: verursachte Not drückt ihn schwer, er kann die zu ungewöhnlicher als es ihnen lieb ist, so dürfen doch wenigstens die japanischen Nein! Wir wollen nicht, daß unsere Brüder in den Färbereien sich Höhe hinaufgestiegenen Fleischpreise nicht zahlen, er muß deshalb Aristokraten und sonstigen Sozialistenfeinde sich vernehmen lassen, von neuem in das Willkürjoch begeben. Wir wollen den Sieg! So den Genuß des Fleisches aufs äußerste einschränken, ja ganz darauf und das genügt zum Glüd einstweilen, um das Thema„ Sozialis- lautete die Antwort, welche die Meeraner Textilarbeiterschaft am verzichten oder das minderwertige Fleisch der Freibank auf seinen mus" nicht verschwinden zu lassen. Montag den Schlotjunkern erteilte. Drei große Versammlungen, Tisch bringen. Der politisch geschulte Arbeiter weiß, daß die gegen Kürzlich sprach Marquis Jto über Sozialismus" felbst die lange vor Eröffnung wegen Ueberfüllung abgesperrt werden wärtige Fleischteuerung nicht verschuldet ist durch den Schlächter, verständlich in sozialistenfeindlichem Sinne. Auch Baron Kiyoura, mußten, protestierten auf das entschiedenste dagegen, daß man ihnen bei dem er seine farge Fleischportion einkauft, er weiß auch, daß der Minister des Handels und Ackerbaus, behandelte in einer Rede, zutraut, sich durch die Unternehmer einschüchtern zu lassen, um es nicht unabwendbare Ereignisse sind, welche die Fleischnot' verdie er vor zirka 2 Monaten hielt, den Sozialismus". Desgleichen eventuell ihre Genossen zu bewegen, die Arbeit zu den bisherigen ursacht haben, sondern daß die allein Schuldigen an de herrschenden Dr. Kuwada, Mitglied des Oberhauses, der vor seinen hohen Hungerlöhnen wieder aufzunehmen. Nach den Referaten der Ge- Fleischnot die nimmersatten Agrarier sind und die Regierung, die Standesgenossen über das erwähnte aktuelle Thema referierte. So noffen Reichelt- Chemnik, Lüttich und Sachse- Leipzig den agrarischen Interessen zu Liebe nicht nur hohe Vieh- und sieht sich denn sogar der„ Nippon", das reaktionärste Organ Japans, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:" Die heutige Fleischzölle durchgefeßt, sondern auch die Vieh- und Fleischzufuhr gezwungen, einzugestehen, daß der Einfluß des Sozialismus in Versammlung erblickt in der für den 19. Auguſt angedrohten Aus- aus dem Auslande unter hinfälligen Gründen verboten oder beJapan nicht mehr mit Stillschweigen übergangen werden kann! sperrung eine Machtprobe des Unternehmertums. Die anwesenden schränkt hat. Es sind das sehr erfreuliche Anzeichen für die Zukunft. Arbeiter der mechanischen Webereien erwarten, daß die streifenden Gegen einen Notstand, der solche Ursachen hat, hilft weder Die Bevölkerungsziffer Chinas. Die viel umstrittene Zahl der Färbereiarbeiter trotzdem im Kampfe aushalten, bis alle ihre For- Klagen noch Murren, und die Hoffnung auf bessere Zeiten ist verBevölkerung Chinas ist in dem neuerschienenen Berichte über das berungen bewilligt find." Diese Antwort werden die Scharfmacher fehlt. Da gilt es vielmehr, die Urheber des Notstandes, die WolfsJahr 1904 von den kaiserlichen Zollämtern auf 432 Millionen an- des sächsisch- thüringischen Industrievereins sicher nicht erwartet ausbeuter, die wucherischen Aussauger der Volkskraft vor den gegeben. Wie verhältnismäßig wenig diese ungeheure Maffe der haben. Sie trauen der Arbeiterschaft allzuwenig Opferfreudigkeit Richterstuhl der Oeffentlichkeit zu fordern und von der Regierung, Chinesen von einer Welt außer China erfährt, zeigt die Tatsache, zu. Sie glaubten, der Ausfall des Crimmitschauer Streits sei ein die den Brot- und Fleischwucher der Agrarier begünstigt, Maßnahmen daß in den Vertragshäfen, wo die Weißen verkehren, nur 7 Millionen anhaltender Schrecken für die Textilarbeiter; deshalb vertagten sie zu verlangen, die den Interessen der breiten Schichten des Volkes ihren großen Schlag von einem Termin zum andern und hofften, Rechnung tragen. Chinesen leben. in dieser Zeit Arbeitswillige genug zu bekommen. Bis heute haben In den 26 Versammlungen, welche die sozialdemokratischen fie feinen einzigen gefunden. Vertrauensleute gestern abend in Berlin und den Vororten einDie Extrasession des Kongresses. Präsident Roosevelt hat den 25 Pf. täglich mehr fordern die Färbereiarbeiter von Meerane berufen hatten, erhob die Arbeiterschaft, die ja wie keine andere Kongreß zu einer außerordentlichen Sigung einberufen, die am und Glauchau. 28000 Arbeiter bekommen des ha I Bevölkerungsklasse unter der drückenden Fleischnot zu leiden hat, 11. November ihren Anfang nehmen wird. Eine Menge Arbeiten die Hungerpeitsche. Mehr brauchts nicht, um die Herr- ihre Stimme, um die wahren Ursachen der Teuerung und Not harren der Erledigung, unter welchen die Neuregelung der Handels- lichkeit unserer göttlichen Weltordnung darzulegen. Weil 1150 Ar- öffentlich zu besprechen und ihre auf Abhülfe des Notstandes gebeziehungen zu Deutschland ein besonderes Interesse in Anspruch beiter mit ihren elenden 13,50 M. Wochenlohn nicht mehr leben richteten Forderungen an die Regierung zu stellen. nimmt. Der gegenwärtig bestehende Meistbegünstigungsvertrag soll und die ihnen auferlegten Lasten des Reiches, des Staates und der schon mit Ende November aufhören, anstatt erst am 1. März 1906, Gemeinde nicht tragen können, werden 28 000 fleißige Arbeiter auf wenn Deutschlands neue Handelsverträge in Straft treten. Einer die Straße geworfen und mit ihren Familien der Not und Sorge Nachricht aus Washington zufolge wird dieser Angelegenheit unter preisgegeben. Wahrhaftig, das ist eine derbe Lektion für das den Diplomaten viel Aufmerksamkeit gewidmet. Der deutsche Ge- deutsche Proletariat. Möge es der 19. August gerüftet finden. Amerika. b Wie immer, wenn es galt, zu wichtigen Fragen Stellung zu nehmen, so waren auch gestern die Berliner Arbeiter der Einladung zu den Versammlungen in großer Zahl gefolgt. Die geräumigsten Säle waren schon lange vor Beginn der Versammlungen vollständig gefüllt, Verhältnismäßig start waren auch die Frauen vertreten. Eie, Me 1« als Vertvalterwnen des kümmerlichen Arbeiterhaushalts die Teuerungspreise eines wichtigen Nahrungsmittels ganz be sonders drückend empfinden, hatten nicht versäumt, hier ihre Stimmen mit in die Wagschale zu werfen, wo eS galt, ein Volksurteil zu fällen über die wucherischen Fleischvertcuercr. Wohin man sich wandte, um den Gesprächen zuzuhören, welche an den Tischen der Versammlungslokale geführt wurden, da fand man, datz die Ursache, welche die Taufende von Männern und Frauen hier zusammengeführt hatte, den Gegenstand der Unter Haltung bildete. Die unerschwinglichen Fleischpreise und ihre drückenden Folgen im Haushalt der Arbeiterfamilie war das Ge sprächsthema, das man nach allen Seiten hin erörterte. Aber nicht resignierte Klagen über schlechte Zeiten waren es, was man hier zu hören bekam, sondern lebhafter Unwille und gerechte Entrüstung über die unersättlichen Agrarier, die, geschützt und gestützt durch die staatliche Gewalt, nur bestrebt sind, die eigenen Taschen zu füllen, mag auch das Volk die drückendste Not leiden. Die Gedanken, welche die Massen beseelten und die in ihren Gesprächen zum Ausdruck kamen, beherrschten natürlich auch die Vorträge der Referenten. Durch unanfechtbare Tatsachen und Zahlen wurde von den Rednern der Beweis geführt, dah wir unter einer Fleischnot und Fleischteuerung nicht etwa deshalb leiden, weil es an Schlachtvieh fehlt. Ausländische Viehzüchter würden genug liefern, um die Fleischpreise auf einer erträglichen Höhe zu er- halten. Aber da kommen die heimischen Viehzüchter unter junkerlicher Führung, die behaupten, das vom Auslande eingeführte Vieh sei verseucht, oder doch mindestens seuchenverdächtig, das vom Auslande gelieferte Fleisch sei gesundheitsgefährlich, die Einführung von Vieh und Fleisch aus dem Auslande müsse verboten werden. Und die Regierungen, wie immer, bereit, die Wünsche der agrarischen Junker zu erfüllen, sperren dem ausländischen Vieh und Fleisch die deutschen Grenzen oder erschweren doch„aus sanitären Gründen" die Emfuhr. So kommen die Agrarier in die Lage, ihre Produkte zu Wucherpreisen loszuschlagen, und das arbeitende Volk ist es, welches die Wucherpreise zahlen und schließlich, da sie für die meisten Arbeiter nicht mehr zu erschwingen sind, auf den Genuß eines notwendigen Nahrungsmittels verzichten mutz, oder sich höchstens ab und zu als Leckerbissen leisten darf, was ein Bestandteil der täglichen Nahrung sein sollte.— Die Erörterung des vor- liegenden Themas gab den Rednern auch Gelegenheit zu zeigen, daß die Fleischverteuerung nur ein einzelnes Glied in der Kette ist, mit der unsere unersättlichen Junker den Volkskörper umklammern, um ihm Kraft und Mark auszusaugen. Sie werden diese Kette, die sie unter Mithülfe der Mehrheit der bürgerlichen Parteien und der Regierung in Gestalt des Zolltarifs geschmiedet haben, anziehen, um den Arbeitern auch das wenige noch aus den Taschen zu holen. was ihnen der ausbeutende Unternehmer von ihrem Arbeitserträge gelassen hat.— So zeigt auch die Erscheinung der Fleischteuerung wieder, daß der Arbeiter doppelt ausgebeutet wird, als Produzent vom Unternehmer, als Konsument vom agrarischen Brot- und Fleisch- Wucherer. Der politisch geschulte Arbeiter weiß wohl, daß die Ausbeutung vus Bewuchcrung. unter der seine Klasse zu leiden hat, ihr Ende erst mit dem Ende der bürgerlichen Wirtschaftsordnung findet, er weiß aber auch, daß seine Lage schon in der gegenwärtigen Gesell- Schaft etwas gemildert werden kann, wenn die Regierungen es als ihre Pflicht empfinden, nicht ausschließlich den Wünschen der Herr- schendcn, sondern vor allem dem Wohle der arbeitenden Klasse, als der Mehrheit der Bevölkerung, Rechnung zu tragen. Wie die Arbeiter Berlins über die gegenwärtige Fleischteuerung denken und was sie zur Beseitigung derselben von den Regierungen fordern, das ist in einer Resolution ausgedrückt, die in allen Ver- fajymlungen einstimmig angenommen wurde. Sie lautet: Die gegenwärtige Fleischteuerung ist eine notwendige Folge der im Interesse der Agrarier ergriffenen Maßregeln. der Vieh- und Fleischzölle, sowie der von den Landes- rc gierungen erlassenen Vieh- und Fleischeinsuhrverbote und Eiitfuhrbeschränkungcn. Die Einfuhrverbote und Einfuhr- beschränkungen, die angeblich im Interesse der öffentlichen Gesundheit erlassen sein sollen, haben nur die Wirkung, daß sie eine maßlose Steigerung der Vieh- und Fleischpreise herbeiführen und eine winzige Minderheit der Bevölkerung bereichern. Eine erhebliche Verschärfung des gegenwärtigen Not- standes wird noch eintreten, wenn der im Dezember 1902 von den Agrariern und deren Hörigen im Reichstage unter Bruch der Geschäftsordnung durchpeitschte Zolltarif mit den hohen Vieh- und Fleischzöllen, sowie den geivaltia ge- steigerten Viehfutterzöllen in ftrast tritt. Durch die hohen Vichfutterzölle wird die Viehhaltung erschwert und werden wettere Preissteigerungen eintreten, wenn nicht eine größere Einfuhr freigegeben wird. Durch die Fleischteuerung treten gewaltige Schädigungen der ärmeren Volkskreise und namentlich der Arbeiterklasse ein. Die Lebenshaltung der Arbeiter wird herabgedriickt und werden dadurch die Arbeiter in ihrer Leistungsfähigkeit und ihrem Erwerbe geschädigt. Die Fleischteuerung führt ferner dazu, daß der Genuß von minderwertigem Fleisch gesteigert und dadurch die Gesundheit deS Volkes untergraben wird. Die Versammlung protestiert gegen die Aufrecht- erhaltung der Maßregeln, die schwere wirtschaftliche, kulturelle und gesundheitliche Schädigungen der Arbeiter- klassc herbeiführen. Die Versammlung fordert, baß eine unbeschränkte Ein- fuhr von ausländischem Schlachtvieh nach den Orten frei- gegeben wird, wo durch ausreichende Kontrolle deS Schlachtviehes und durch gute Fleischbeschau Sicherheit gegen Ein- schleppung von Viehseuchen und ansteckenden Krankheiten gegeben ist. Ucber den Verlauf der einzelnen Versammlungen, an denen sehr viele Frauen teilnahmen, sich auch an der Diskussion beteiligten, lassen wir nun die einzelnen Berichte folgen; Im ersten Wahlkreis referierte in der auch von Frauen gut besuchten Versammlung in den Industrie. Fe st sälcn Genosse Davidsohn. In packen- den Worten schilderte der Referent die Ursachen der sehr erheblichen Aleischteuerung, den riesigen Einfluß der Agrarier auf die Re- gicrung und das volksfeindliche Verhalten der preußisch-deutschen Junkcrregierung.„Auf zum Kampf gegen Junker und Junker. regierung durch straffe Organisation," so schlost der Referent seine durch vielfachen Beifall unterbrochenen Ausführungen. Im zweiten Kreise hörten gegen 3000 Personen in der Bockbrauerer ein Referat VeS Genossen S t r ö b e l. Redner legte eingehend die Ursache der gegenwärtigen Fleischnot dar, charakterisierte das Wesen der in. direkten Steuern und die Wirkung dieses Steuersystems auf die arbeitende Bevölkerung und zeigte an der Hand des neuen Zoll- tarifs, welche Aussichten das Proletariat zu erwarten hat. Dieser Kampf ist in eminentestem Sinne ein Klassenkampf. Er schloß mit einem warmen Appell an die Anwesenden, sich politisch und ge- werffchaftlich zu organisieren, um geschlossen gegen die Erhöhung der Lebensmittelpreise Front zu machen. In der Diskussion wendet stch Genossin Baader besonders an die zahlreich anwesenden Frauen mit der Aufforderung, sich ebenfalls zu organisieren, um mit den Männern Schulter an Schulter den Kampf aufzunehmen Hegen die politische Entrechtung. Dritter Wahlkreis.. Im g'koßen Saale von Buggenhagen aflt Moritzplatz, welcher samt Galerien bis auf den letzten Platz gefüllt war, referiert« der Genosse Abg. Molkenbuhr recht wirkungsvoll unter dem leb- haften Beifall der Anwesenden. In der Diskussion sprachen Keslinke, Wilhelmi, Wiederholz, der als Gegner unter Angriffen auf unsere Taktik ein gemeinsames Vorgehen aller Parteien der Linken in solchen Fragen allgemeinen Interesses empfahl. Wiederholz wurde von Genossen Molkenbuhr widerlegt und dann die Resolution einstimmig angenommen. Vierter Kreis. Für den S ü d o st e n war Sanssouci, Kottbuserfiraße, das Versammlungslokal. Hunderte fanden keinen Einlaß mehr. Hier war es Genosse Fritz Zu b eil, der in l�stündiger Rede die Agrarierfreundlichkcit der Regierung geißelte und nachwies, daß die von ihr betriebene LiebeSgabenpolitik dahin geführt habe, daß Hunderttausende von Arbeitern mit ihren Familien auf das zu ihrer Ernährung so notwendige Fleisch ganz oder teilweise verzichten müssen. In der Versammlung bei Keller, Koppcnstraße, referierte Reichstagsabgeordneter Adolf Hoffmann. Der Besuch der Ver sammlung betrug durch Freigabe der Galerie 3300 Personen. Das Lokal wurde abgesperrt. TaS Referat wurde öfter und auch zum Schluß mit lebhaftem Beifall begleitet. In Boekers Festsälen, Weberstraße 17, sprach Genosse Waldeck M a n a s s e in sehr gut besuchter Versammlung. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Im E ltzf i u m Ivar die Versammlung von ca. 1500 Personen besucht. Bereits �9 Uhr erfolgte polizeiliche Absperrung; zirka 500 Personen begehrten vergebens noch Einlaß. Der Referent. Genosse F. Kotzke, geißelte unter großem Beifall der Ver- sammelten die maßlose Begehrlichkeit der Agrarier. Zahlreich waren die Frauen vertreten. Am Schluß der Versammlung wurde für die Russen eine Tellersammlung beschlossen. Im ftinften Wahlkreise referierte Genosse Robert Schmidt in den Musikersälen vor einer zahlreich erschienenen Menge. In beinahe cinstündiger Rede zeigte er, aus welchen Ursachen die heutige Kalamität herzuleiten sei. Er beleuchtet, wie alle Maßnahmen der Regierung nur dazu geeignet seien, die notwendigsten Nahrungsmittel in erheblicher Weise dem konsumierenden Publikum zu verteuern. Nur dem Drängen einer einzelnen Interessengruppe, dem Agrariertum, sei es zu verdanken, daß die Regierung trotz der Notschreie des arbeitenden Volkes keinerlei Maßnahmen treffe, die Grenzsperre, die Ursache des Viehmangels, aufzuheben. Gelte eS doch, dem verhätschelten Liebling, dem Großgrundbesitzertum, die ohnehin schon vollen Taschen auf Kosten der arbeitenden Klasse zu füllen. Unheilvoll sei der Einfluß, den das Junkertum seit Jahrzehnten auf die Oeffent- lichkeit ausübe. Dieses reaktionäre Bollwerk der Regierung sei einzig und allein bestrebt, die winzigen Rechte des Volkes zu unter- graben. Zusammenzuhalten im Kampfe gegen das Junkertum, geeint und verbunden, müsse unsere Aufgabe sein. Und wenn wir auch heute den Einfluß des Junkertums nicht brechen können, so haben wir doch keinen Anlaß, nachzulassen im Kampfe gegen daS Ausbeutertum, gegen alle Feinde deS Volkes. Nach kurzer DiS- kussion wurde die Resolution einstimmig angenommen. Sechster Wahlkreis. Der Abgeordnete des Kreises, Genosse Ledebour, hielt im Moabiter GesellschaftShauS das einschlägige Referat. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt; wie in allen Versammlungen, stellten auch hier die Frauen ein großes Kontingent der Ver- fammlungSteilnehmer. An der Diskussion beteiligte sich Frau Flüssig in zustimmendem Sinne. Die Versammlung in den Germaniasälen, Chaussee- straße, war von zirka 2000 Personen besucht. Kurz nach S Uhr erfolgte Absperrung, viele Hunderte fanden keinen Einlaß. Genosse K a l i s k i geißelte die Fleischwucherpolitik, die von unseren Agrariern im trauten Bunde unserer ReichSrcgierung an den Massen der arbeitenden Bevölkerung verübt wird und brandmarkte die Beschimpfungen der Arbeiterfrauen durch die„Deutsche Tages- zeitung". Von zirka 2000 Personen war der Swinemünder Salon besucht, wo Genosse Dr. Wehl in scharfen Zügen die Ursachen der Fleischverteuerung hervorhob. Er wies an der Hand von genauem Material nach, daß die Ilcischerzeugung im Gegensatz zur Einwohnerzahl Deutschlands nicht im Einklang steht, sondern wir unbedingt durch einen starken Protest die Beseitigung der Grenzsperre oerlangen müssen. Tie Folge der Verteuerung sei Verschlechterung der Lebensmittel, die wiederum Lirankheit, Siech. tum. Kindersterblichkeit, Invalidität im Gefolge hat. Zur DiS- kussion meldete sich Genossin Matsche, die an die Frauen in erster Linie appellierte und sie ersuchte, sich den wirtschaftlichen sowie politischen Organisationen anzuschließen. In der Schönhauser Vorstadt referierte Genosse Wiesenthal in der Brauerei Königstadt. Die Versammlung war von etwa 2500 Personen besucht. Um 9 Uhr erfolgte Absperrung. Daö Referat wurde fortwährend von Zustimmungskundgebungen unter- brochen. Niederbarnim. In Lichtenberg ivar die Versammlung von zirka 1200 Per- sonen besucht. Genosse Kiesel referierte unter großem Beifall. In der Diskussion empfahl ein Schlächtermeister den Zusammen- schluß der Konsumenten zu Genossenschaften. In Weißcnsee sprach Genosse Albrccht F ü l l e im V e r e i n 8. Haus vor 800 Personen, darunter viele Frauen. Die Raubpolitik der Junkerstppe unter dem Patronat PodbiclSkiS scharf verurteilend. zerpflückte Redner das agrarische Gerede von dem verseuchten aus- ländischen und dem braven nationalen Schwein und zeigte dann weiter, wie das schon jetzt von der Ausbeutersippe m,t Peitschen gezüchtigte arbeitende Voll nach Inkrafttreten des neuen ZolltarifeS mit Skorpionen gezüchtigt werde. Sein Appell zum rastlosen Kampfe gegen die Zollwucherer und die mit ihnen verbündete Re- gierung fand begeisterte Zustimmung bei den Versammelten. Teltow-BeeSkow-Lharlottenburg. Eine überfüllte Versammlung tagte im VolkShau» zu Char- l-ttenbnrg, um das Referat des Genossen Wurm anzuhören. Gegen 15*051 v..* fh'irrrnfrfipr Än- 1300 Personen waren anwesend und votierten unter stürmischer Zu stimmung für die vorgelegte Resolution. In SchSneberg war der Obstsche Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Zahlreich waren die Frauen vertreten. Genosse Max G r u n w a l d entledigte sich hier unter Beifallskundgebungen seiner Aufgabe der Brandmarkung der heutigen politischen und Wirtschast- lichen Situation. In der Diskussion richtete Frau Bäumler eine Mahnung an die anwesenden Frauen, den Männern in ihrem Kampfe zur Seit« zu stehen und dafür zu sorgen, daß in jeder Familie nur der„Vorwärts" gelesen werde. Rizdorf. Das Versammlungslokal bei Gröpler war Kopf an Kopf von Versammlungsbesuchern gefüllt und noch immer strömten neue Zuhörer hinzu, vergeblich einen Platz suchend. Besonders stark waren auch die Frauen vertreten. Die Ausführungen des Referenten, Genossen Schubert, fanden lebhaften Beifall. Die Resolution wurde einstimmig angenommen, h In Wilmersdorf war die Versammlung von 400 Personen besucht. Besonders stark waren die Frauen vertreten.~ r WWW. Referent Nach kurzer Diskussion wurde die war Genosse P a g e l S. Resolution angenommen. Tempelhof. Im WilhelmSgarten referierte Genosse Dr. Borchardt in einer von zirka 350 Personen besuchten Ver- sammlung. Im Sinne des Referats bewegte sich die Diskussion, an der sich einige Genoffen beteiligten. Versammlungen. Zentralverbanb der Töpfer. Am Freitag fand eine außerordent» liche Generalversammlung statt, welche über die Beschlüsse des Ver- bandStageS diskutierte. Die Delegierten hatten schon in einer früheren Versammlung Bericht erstattet. Mehrere Redner übten Kritik an den Beschlüssen de» Verbandstages, andere, die demselben als Delegierte beigewohnt hatten, rechtfertigten die Beschlüsse. Die hauptsächlichsten Einwendungen der Kritiker des Verbandstages sind in einer Resolution enthalten, welche, wie der Vorsitzende Sorg konstatierte, bei Anwesenheit von etwa 200 Mitgliedern gegen zirka 30 Stimmen angenommen wurde. Die Resolution besagt: Die Ver- sammlung protestiert gegen folgende Beschlüsse des Verbandstages in München: 1. Gegen die Resolution Drunscl, den Arbeitsnachweis betreffend, 2. gegen die Erhöhung der Beiträge auf 65 Pf. sowie gegen die Einführung der Erwerbsloscnmarke von 15 Pf., 3. gegen die Anstellung der Gauleiter durch den Zentralvorstand. Ein von Kemmnitz gestellter Antrag, den Arbeitsnachweis auf- zuHeben und den Lokalfonds fallen zu lassen, wurde zur nächsten Generalversammlung zurückgestellt und soll vorher in den Bezirks. Versammlungen diskutiert werden.— Hinsichtlich der Arbeitsnachweisfrage teilte John mit. datz der Jnnungsvorstand an die Ge- Werbedeputation ein Schreiben gerichtet hat, worin er sagt, daß die Innung bereit sei, der Errichtung eines paritätischen Arbeits- Nachweises zuzustimmen unter der Voraussetzung, daß das Um- schauen gestattet, den Arbeitern die freie Wahl der Arbeitgeber und den Arbeitgebern die freie Wahl der Arbeiter ermöglicht werde. An Stelle des zurücktretenden zweiten Kassierers Huhn wurde Grünberg gewählt. Schließlich kamen noch die bevorstehenden Tarifbcratungen zur Sprache. Der Tarif läuft am 1. Januar ab, falls er am 1. Oktober gekündigt wird. Aenderungen des Tarifs werden als notwendig erachtet, und falls hierüber nicht vor dem I. Oktober eine Ver- ständigung mit den Arbeitgebern erzielt wird, müßte der Tarif ge- kündigt werden. Die Arbeitgeber haben bereits eine Kommission für die Tarifberatung eingesetzt. Dies soll nun auch seitens der Arbeiter geschehen. Die Versammlung vertagte diese Angelegenheit jedoch' und beschloß, daß zunächst in den Bezirksvcrsammlungen über die Forderungen beraten wird, welche bei den Tarifverhand- lungcn erhoben werden sollen. Verband städtischer Arbeiter. Die Generalversammlung der Filiale Groß-Berlin fand am 2. August bei Trösel statt. Orts- sekretär E. D i t t m e r erstattete den Geschäftsbericht für das 2. Quartal 1903. Dasselbe kann als das beste seit dem Bestehen der Filiale bezeichnet werden. Den 1218 Neuaufnahmen stehen 691 Aus- tritte gegenüber, so daß die Filiale am 1. Juli 5074 Mitglieder zählt«. Die Gasarbeiter-Bewcgung hat auch auf die Vororte über- gegriffen. So ist z. B. die Lohnbewegung in Rixdorf eingeleitet und kann unter Umständen zu einem Streik der Rixdorfer GaSarbeiter führen, wenn die Verhandlungen scheitern sollten.— Dank dem energischen Auftreten der Wasserwerksarbeiter in FriedrichShageu wurde die Maßregelung des Vertrauensmannes M e w e S rück- gängig gemacht. Die Genossen Dr. W e y l und Singer griffen gleickfalls vermittelnd ein. Zwei weitere Mahregelungen in der englischen Gasanstalt Maritndorf endeten gleichfalls mit Wiederein- stellung der Betreffenden, als seitens der Organisation die Arbeits- nnstellung in Aussicht genommen wurde. Der Kampfsonds für den Ackü- und Ncunstundentag der GaSarbeiter ist mit über Zweidrittel- Majorität beschlossen, so daß auch hier im Spätherbst oder Frühjahr die Forderung kategorisch gestellt werden soll, wenn bis dahin die Stadt Berlin nicht Veranlassung nimmt, den zirka 12 deutschen Städten nachzuSifcrn, welche bereits den Achtstundentag eingeführt haben.— Das Sekretariat des Verbandes, Alte Jakobstr. 145, wurde im verflossenen Quartal ziemlich stark in Anspruch genommen. Es wurden 52 Vorträge in den Sekttonen gehalten, davon 29 von den OrtSbeamten. Hierzu kommen 63 Sitzungen, 8 Vorstands. sitzungcn und diverse Kassen-Abende.— Der Kassierer Hoffmann gab alsdann den Kassenbericht. Einnahmen und Ausgaben balan- zieren mit 17 334,36 M., wovon ein Bestand für das 3. Quartal 5625,81 M. bleibt.— In den Filialvorstand wurde Prenzlow, als Revisor Buch gewählt.— Hierauf erstattete der Filialvorsitzendc F i e b i g Bericht über den Gewerkschaftskongreß in Köln, woran ich wegen der vorgerückten Zeit nur eine kurze Diskussion knüpfte. Es soll darüber noch in den einzelnen Sektionen weiter diskutiert werden. Mit einem Hoch auf den Verband schloß der Vorsitzende Mehr die Versammlung. Letzte JVachnchtcn und Depefeben. London. 8. August.(W. T. B.) Unterhaus. Im Verlauf der Beratung der AppropriationSbill griff Asquith(Lib.) das Ministerium an und erklärte, die Regierung besitze nicht mehr das Vertrauen deS Landes. Die britischen Kolonien und daS Ausland seien sich klar darüber, daß die Regierung kein Ansehen genieße und keine Macht habe. Premierminister Bakfour erwiderte, die Re- gierung besitze daS Vertrauen der Mehrheit des Hauses, und solange sie dieses Vertrauen besitze, könne man ihr billigerweise nicht vor- werfen, daß es ihr an genügendem Ansehen fehle, um die auS- wärtigen Angelegenheiten und die Angelegenheiten der Kolonien zu verwalten.(Beifall bei den Ministeriellen.) Hinsichtlich der Mög- lichkeit, daß ein liberales Ministerium ins Amt kommen könne, er- klärte Baffour. es bestände geradezu Furcht in den europäischen StaaatSkanzleien und in den Kolonien bezüglich der Möglichkeit eines Regierungswechsels. Er hoffe, diese Furcht möge sich ge- gcbencnfallS als grundlos erweisen, wenn auch eine liberale Ver- waltung möglicherweise nicht zum Ruhm und zur Festigung der Stellung Englands beitragen würde. Die zweite Lesung der AppropriationSbill ist mit 197 gegen 87 Stimmen angenommen worden. London, 8. August.(W. T. B.) Oberhaus. Das Oberhaus hat die dritte Lesung der Fremdenbill angenommen. Aufstand in Portngiestsch-Westafrika. Köln» 8. August.) Üod{p lange ein Arberter um Lohn für eine» Fremden arbeitet, bekommt er nicht, was ihm zukommt.(Lebhafte Zu- stimmung.) WaS auch dieser Kongreß beschließt, er kann auf unsere Mitimrkuiig rechnen. Wir sind auch gern bereit, unseren Teil an den Kosten des internatioiialen Sekretariats zu wagen, denn wir wollen dauernd mit Euch Hand in Hand gehen.(Stürmischer Beifall.) Auf dem Kongreß vertreten sind: England mit 43 Delegierten und 577 500 organisierten Arbeitern. Amerika mit 2 Delegierten und 350 000 Organisierten. Deutschland mit 9 Delegierten und 540 000 Bergarbeitem (davon 130 000 im„Verband"). Belgien mit 28 Delegierten und 134 000. Frankreich mit 7 Delegierten und 160 000 Bergarbeitern. Für die diesmal nicht verwetene österreichische Union der Bergarbeiter hat der Vorsitzende E b e r t ein Begrüßungstelegramm gesandt. Hierauf konstituiert der Kongreß sich, seine Abteilungen und Kommissionen und vertagt die Weiterberatung auf Dienstag 10 Uhr. Huö der partei Ueber die Maifeier verhandelte vor einigen Tagen eine Mit- gliederversammlung beS ersten hamburgischen Wahlkreises. Die Meinungen waren sehr geteilt. Wir greifen aus der Diskussion zwei charakteristische Darlegungen�herauS. Stalten sagte nach dem Bericht des„Hamburger Echo": Die Erörterung der Maifeierstage ist besonders heikel. Für mich speziell noch deshalb, weil ich bereits einmal im Jahre 1897 auf dem Partejtzage in Hamburg die Beseitigung der Arbeitsruhe befür- wartet habe. Die Voraussetzungen, von denen ich damals ausging, sind heute ja glücklichertoeise nicht mehr vorhanden. Die Arbeitsruhe, die damals zurzeit der wirtschaftlichen Depression direkt ab- genommen hatte, ist heute erfreulicherweise bereits sehr viel weiter ausgedehnt. Aber legen wir einmal die Hand aufs Herz: Zufrieden kann niemand mit den Ergebnissen sein. Wenn wir auch in Hamburg und der unmittel- baren Umgebung, wie in den Großstädten überhaupt, die Beteiligung an der Arbeitsruhe haben besser werden sehen, in weiten Gebieten ist noch gar nichts davon zu spüren. Selbst hier hat es schwere Kämpfe gelostet. Erst sperrte das hiesige Untemehmertum 10 Tage aus, dann weniger und heute sind die meisten Unternehmer schon so erzogen, daß sie trotz aller Beschlüsse unter sich die Arbeiter höchstens einen Tag länger feiern lassen. Aber für absolute Arbeits« ruhe könnte niemaiid die Verantwortung übernehmen. Wir können die Sache nicht übers Knie brechen, wie Hübner will. Die Haltung der Gewerkschaftsführer ist darum gar nicht so unverständlich, und schon Meier wies auf den Ausspruch Äringmanns hin, welcher Konfliktsstoff in der Forderung der Arbeitsruhe den Unternehmern häufig so gelegen geboten ist. Ich habe mich manchmal sehr bedrückt ge- fühlt, wenn ich die geringe Beteiligung beobachtete. Die Gewerkschafts- bewegung hat erzieherisch Großes geleistet. Sie hat die Arbeiter gewöhnt, nicht nur dem Gefühl zu folgen, sondern auch auSsichtS- lose Kämpfe rechtzeitig abzubrechen, und in der Maifeierfrage wäre ein Rückzug keine Schande. Was war denn der ursprüngliche Zweck de? Pariser Beschlusses von 1839? Es sollte nur ein einmaliger Appell an die herrschenden Klassen gerichtet werden. Die Wieder- holung war nur der Wunsch nach Verstärkung der, das erste Mal so unbefriedigenden Ergebnisse. Ich wünsche nichts sehnlicher, als Ein- heitlichkeit in der Maifeierfrage. Gruenwaldt: Die Demonstration am 1. Mai kann gar nicht anders gestaltet werden, als durch die Arbeitsruhe. Wer glaubt denn daran, daß nach Beseitigung der Arbeitsruhe vielleicht die Abendversammlungen noch nennenswerten Besuch haben würden? Zum so und so dielten Male die gleiche Rede zu hören, bekommt man schließlich niemand mehr in die Ver- sammlungen. Und welcher agitatorische Wert liegt allein schon in der alljährlichen Diskussion über die Arbeitsruhe in den kleinen Versammlungen auf Arbeitsplätzen usw. Gewiß können wir nicht mit dem Kopfe durch die Wand rennen, aber die Arbeits- ruhe ganz aufgeben, heißt die Maifeier überhaupt abschaffen.(Sehr richtig l) Wenn die Bremser in den Gewerkschaften sich die Sache ehrlich überlegen würden, müßten sie das auch ohne weiteres ein- gestehen. Aber ein großer Teil von diesen kümmert sich überhaupt nicht um die öffentlichen Angelegenheiten im Parteileben. Er habe in Köln viele sogenannte Gewerkschaftsgrößen aus Hamburg zum erstenmal gesehen. Hier in Hamburg höre und sehe man nichts von ihnen. Auch er hoffe, daß der Parteitag die Ausrechterhaltung der ArbettSruhe beschließen werde. Die Diskussion wurde vertagt.. Für den dritten schleswig-holsteinischen ReichStagSwahlkreiS hat die KreiSkonfercnz die Schaffung eines Zentralvereins beschlossen, der am 1. Januar 1906 seine Tätigkeit beginnen wird. Zm Wanöfelder Kreise fand am Sonntag zum erstenmal eine öffentliche Kreiskonferenz statt, während sich die Genoffen stüher mit privaten Zusammenkünften begnügen mußten. Es wurde ein zwar langsamer, aber stetiger Fortschritt in der Organisation konstatiert. Die Einnahmen des Kreises betrugen 536 M. Die Verhandlungen drehten sich in der Hauptsache um die Ausgestaltung der Organi« sation und die Pflege der Agitatton. Zum Organisationsstatut beantragen die Genoffen des elften sächsischen Wahlkreises, daß die Wahlkreise nur zur Abführung von 10 Proz. ihrer Einnahmen an den Parteivorstand verpflichtet werden sollen und daß die RcichStagSstaktton auf dem Parteitage nur durch eine Delegatton vertreten sein soll. Die Genossen des Wahlkreises Hanau wünschen den Beittag der Wahlkreise auf 15 Proz. festgesetzt zu sehen. Die Reichstaas- fraktion soll zwar in ihrer Vertrewng auf dem Parteitage nicht be- schränkt werden, aber eS soll ihren Mitgliedern, soweit sie nicht Delegierte von Wahlkreisen sind, nur beratende, nicht beschließende Stimme zustehen. Die Kreiskonferenz für Hanau nahm zum Parteitage noch folgende Anträge an: 1. Den Parteivorstand zu beauftragen, baldmöglichst ein Flug- blatt für die geivcrkschaftlich organisierten Arbeiter Deutschlands herauszugeben, in welchem auf die Tätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion für die Forderungen der Gewerkschaften hingewiesen wird. 2. Den Partcivorstand zu beauftragen, sobald der Entwurf zur Abänderung des Krankcnversicherunas- Gesetzes erscheint, eine plan- mäßige allgemeine Agitation in dieser Sache zu veranlassen. Soziales. Berliner Kanfmannsgericht. Patente Patentanwälte. Zwei kaufmännische Bureauangestellte klagten gegen das Patentanwaltsbureau der Firma Karl Pieper wegen vorzeitiger Entlassung infolge Nichteinhaltung der gesetzlichen Kllndigungsstist und des daraus erwachsenden Schadensersatz- anspruches. Der Vertreter beS Beklagten bestritt nun vor allem die Zuständigkeit des Kaufmannsgerichts und brachte zur Begründung seiner Ansicht ein geradezu chaotisches Knäuel von Einwänden vor, dessen Prüfung und Klärung das Gericht stundenlang beschäftigte. So stellte er in Abrede, daß die Kläger irgend eine kaufmännische Arbeit verrichtet hätten; sie seien vielmehr einfach als Schreiber tätig gewesen. Als solche seien sie auch ohne Kündigung g§gm«in Monatsgehalt von ISO M. engagiert worden. ®le hätten nur nach Diktat, allerdings auch fremdsprachig, zu schreiben gehabt», jedoch durchaus nicht immer für die Firma Pieper,_ sondern meistens für Herrn Pieper als Privatperson, wie auch für zwei andere mit Herrn Pieper lose associierten Patentanwälte ebenfalls als Privatpersonen, wenn auch alle diese Arbeiten auf dem gemeinsamen Bureau ausgeführt worden seien. Der Verteeter des Beklagten, gleichfalls ein mit Herrn Pieper verbundener Patentanwalt, suchte es nun so dar- zustellen, als hätten die Kläger alle schriftlichen Arbeiten mit kauf- männischem Anstrich für die Privatperson Pieper resp. die beiden AssociSs angefertigt, dagegen alle Schriftsätze, Kopien oder Diktate kaufmännischen Charakters für die F i r m a Pieper. Ueberdies bestritt er den kaufmännischen Charakter der Firma überhaupt und suchte dies an einer Reihe von Beispielen aus der Geschästspraxis der Firma Pieper nachzuweisen. So seien dort nur ganz ausnahms- weise Kommissionen für Patente übernommen worden; es wurde auch keine Provision berechnet, sondern es handelte sich meistens um reine Gefälligkeitsdienste gegen Erfinder oder Industrielle usw. Durch die Beweisaufnahme wurde demgegenüber festgestellt, daß die Kläger auf einige Annoncen hin als kaufmännisch ge- bildete Stenographen mit Sprachkenntnissen engagiert worden waren. Aus den Kopierbüchern und Korrespondenzen ge- wann das Gericht aber auch die Ueberzeugung, daß die Kläger wirklich kaufmännische Arbeiten und nicht gewöhnliche Schreiber- dienste verrichtet haben. Was nun den bestrittenen kaufmännischen Charakter der Firma anbelange, so ergebe sich derselbe schon aus dem Umstände, daß sie als Firma gerichtlich eingetragen sei. und dann aber auch, daß ihr Inhaber tatsächlich Kommissionsgeschäfte gemacht habe. AuS diesen Gründen erklärte sich das Gericht für zuständig und verurteilte auch die Firma zur Zahlung von insgesamt 4S0 M. Schadenersatz an den einen Kläger. Wegen des zweiten Klägers soll noch in eine erneute Prüfung des materiellen Klageanspruchs sowie in eine weitere Beweisaufnahme über gegen- seittge Vorwürfe eingetreten werden. Ausgesperrte Kürschner als Kläger vor dem Berliner Gewerbegericht. Herr Georg Salbach zu Berlin als Mitglied des Arbeitgeber- rings der Kürschner machte nach dessen bekannten BeschMlß ebenfalls von dem Mittel der Aussperrung Gebrauch. Es wurde den Ar- beitern und Arbeiterinnen der Revers vorgelegt, durch den sie sich verpflichten sollten, aus der Organisation auszutreten bezw. keiner anzugehören, widrigenfalls sie binnen 14 Tagen entlassen würden. CS erfolgte dann auch die Entlassung, weil die Arbeiter und Ar- beiterinnen ihre Organisation nicht verraten wollten.— Die Entlassenen sind nun der Meinung, daß sie Ansprüche haben aus dem eigenartigen„Lohnguthaben"-System, welches die Firma Salbach zur Fesselung ihrer Arbeiter und Arbeiterinnen eingeführt hat. De» Arbeitern sind seit dem 1. Februar(wie schon im Vorjahres 2 M. wöchentlich und den Arbeiterinnen ist 1 M. wöchentlich als Lohnteil „gutgeschrieben" worden, mit der Maßgabe, daß dies Geld erst am !, Februar nächsten Jahres ausgezahlt werden soll, und zwar nur dann, wenn sie bis dahin nicht die Arbeit bei der Firma aufgeben und keinen höheren Lohn innerhalb des Jahres fordern. Im andern Falle sollte das Geld verloren sein.— Die Beträge, die sich so bis zur Aussperrung angesammelt haben, will Herr Salbach nicht aus- zahlen, obwohl nicht seine Arbeiter und Arbeiterinnen, sondern er das Verhältnis gelöst hat. 17 Arbeiter und Arbeiterinnen waren in der gestrigen Sitzung der Kammer 2 des Berliner Gewerbezerichls als Kläger gegen Salbach erschienen bezw. durch Dittmann ver- treten, um die Beträge— bei den Männern etwa je 50 M., bei den Damen etwa je 25 M.— einzufordern.— Hier trat gleich die Rücksichtslosigkeit des Herrn Salbach in die Erscheinung. Es hatte schon ein Termin stattgefunden, die Kläger und Klägerinnen sowie ihr Vertreter erschienen also schon zum zweitenmal vor dem Ge- Werbegericht: gleichwohl erhob er jetzt— kurz vor dem zweiten Termin— den Einwand, daß er der Kürschner-Jnnung angehöre und daS Gewerbegericht nicht zuständig sei.— Der Vorsitzende le Viseur wie der gesamte Gerichtshof fand es sehr eigentümlich, die Leute zweimal vor dem Gericht erscheinen zu lassen und erst mit dem Einwände hervorzutreten, wo das zweite Erscheinen nicht ver- hindert werden konnte, statt den Einwand von vornherein zu er- heben. Dies Verhalten der Firma gerade jetzt, wo es sich um Forderungen anläßlich einer Aussperrung handelt, erscheint um so merkwürdiger, als nach einer Auskufnt des Vertreters des Herrn Salbach die Firmeninhaber seit 28 Jahren der Innung angehören, Herr Salbach sich aber mehr als einmal ruhig vor dem Gewerbe- gericht hat berklagen lassen. Da der Jnnungs-Obermeister die JnnungSzugehörigkeit bc- scheinigt hatte, so blieb dem Gerichtshof nichts weiter übrig, als die Klagesachen gegen Salbach dem Jnnungs-Schiedsgericht zu über- weisen._ Die Lage der Kellner auf den Rheindampfern. Den gewaltigen Fremdenverkehr auf dem Rhein vermitteln hchlptsächlich die Boote der„Kölnischen und Düsseldorfer Gesellschaft", die in Köln ihren Sitz hat. Die gesamte Flotte besteht aus mehr als dreißig großen Dampfern, unter denen sich nach der Angabe der Reisebücher die größten, schnellsten und schönsten Flußdampfer in Europa befinden. Alle Schiffe haben Speise-, Rauch-, Damen- und Ruhesalons, und die meisten sind mit elektrischem Licht und allen nur möglichen Bequemlichkeiten versehen. Die Weine auf den Schiffen sind von großer Reinheit, die Speisen von vorzüglicher Güte— kurz: so eine Fahrt auf einem Rheindampfer gehört auch nach der gastronomischen Seite zu dem„genuß"-reichsten, was der vielbesungene deutsche Rhein bietet. Ein ganzes Heer von Küchen- personal und Kellnern wird auf den Dampfern mitgeführt, jedes Schiff ist an einen besonderen Restauratcur verpachtet, der aber im Grund doch nur ein Untergebener der Gesellschaft ist. Die Gesell- fchaft selber befindet sich in den Händen der rheinischen Hochfinanz, ein Zeichen, wie lukrativ der Betrieb ist. Der glänzenden Außenseite aber widerspricht in der schlimmsten Art die Lage des Personals, das alle diese Annehmlichkeiten ver- mittelt. Was dieser Tage in einer in Köln abgehaltenen Volks- Versammlung, die das Gewerkschaftskartell veranstaltete, an die Oeffentlichkeit gekommen ist, muß als geradezu entsetzenerregend bezeichnet werden. Die Schlafräume der Kellner sind haarsträubend. Fünf bis zwanzig Personen schlafen in einem einzigen Raum, der nur zwei bis drei Kubikmeter Luftraum pro Person bietet. Um das Reinhalten und Ordnen der Räume kümmern sich die Restaurateure meist gar nicht, und so ist es kein Wunder, daß die meisten Schiffe in den Schlafräumen durch Ungeziefer verseucht sind. Kein Wunder, daß die Schiffe Brutstätten von Krankheiten sind. Die Ueberbleibsel des Essens werden für die Kellner zusammengehackt, sodaß es den Leuten manchmal übel wird. Die j�ellner müssen für das zer- brochene oder abhanden gekommene Restaura- tionsgeschirr aus ihrer Tasche aufkommen; sie müssen den Personen, die das Reinigen der Gläser, Messer usw. besorgen, monatlich 3 M. pro Kellner zahlen. Sie selbst er- halten nur einen Monatslohn von 12 bis 25 M., nur auf einem Dampfer 40 M. Dabei müssen sie die Salons, Rauchzimmer, Aborte und Pissoirs besorgen und sind verpflichtet, vor- geschriebene braune Anzüge zu tragen, die sie mit 39.50 M. s e l b st bezahlen müssen. Die Bundesratsverordnung betreffend Ar- beitszeit wird als nicht vorhanden betrachtet. Die Direktion führt über die Entlassungen eine schwarze Liste, in die aber nicht nur unlautere Elemente, sondern auch zu Unrecht denunzierte sowie freimütige Leute ohne gehört zu werden hineinkommen, um für alle Zeiten von der Arbeit auf den Rheindampfern ausgeschlossen zu werden. Auf eine Eingabe der rheinischen Ortsverwaltungen des Ver- bandes deutscher Gast Wirts gehülfen(Düffel. dorf, Köln, Bonn. Koblenz. Mainz und Mann- heim) an die Direktion antwortete diese zuerst gar nicht, auf eine zweite Eingabe vom 23. Juni antwortete die Direkiion am 27. Juli ablehnend. Sie stellte sich im wesentlichen auf den Velgen.,Herr.im.Kgule".Slgndp.unkt. Die Folge war. doß jiK der Verband nunmehr an die Oeffentlichkeit wandte. Diese sprach ihr Urteil in einer einmütig beschlossenen Resolution aus, die die Forderungen der Kellner mit Recht als äußerst bescheiden bezeichnet und die Ausbeutung der Angestellten auf den Rheindampfern ent- schieden verurteilt._ Amerikanische Löhne und Profite. Nach dem Spezialzensus für den Staat Michigan für 1904 betrug der Durchschnittslohn der Lohnarbeiter in den Fabriken des Staates 464 Dollar— 1972 M. Im Jahre 1900 betrug der Durchschnitts- lohn nur 404,6 Dollar. Es hat also eine erhebliche Steigerung stattgefunden, obwohl sich die Zahl der beschäftigten Frauen und Kinder stärker vermehrte als die Zahl der erwachsenen männlichen Arbeiter. Die Gesamtzahl der beschäftigten Arbeiter wird mit 175 229 an- gegeben, der Wert der Produktion mit 429 039 778 Dollar, wovon nach Abzug der Löhne, Gehälter und Unkosten 58 208 980 Dollar als Gewinn verblieben bei einem Kapital von 337 894 102 Dollar, also eine sehr reichliche Verzinsung. Hiid Induftne und Handel. Keine Baumwollnot i Obgleich der letzte Schätzungsbericht des Washingtoner Ackerbau- amteS den voraussichtlichen Ernte-Ertrag der amerikanischen Baum- Wollkultur nur mit 74,9 Prozent— beinahe 17 Prozent schlechter als im vorigen Jahre— beziffert, wird dennoch von amerikanischen Fachleuten bestritten, daß im nächsten Jahre mit einer Baumwollnot oder auch nur mit einer ernstlichen Baumwollknappheit gerechnet werden müsse. Die offizielle Schätzungsziffer wird als zu niedrig bezeichnet und außerdem betont, daß, selbst wenn die Ernte nur 10 Millionen Ballen(gegen 13 230 000 Ballen im vorigen Jahre) liefern sollte, dieser Ertrag in Anbetracht der vorhandenen großen Vorräte aus dem letzten Jahre völlig ausreichen würde. Die amerikanische Finanzzeitschrift„Financial Chronicle" hat in verschiedenen Teilen der Baumwolldistrikte Erhebungen anstellen lassen und berechnet daraufhin einen voraussichtlichen Ernte-Ertrag von 10 290 000 Ballen: ein Ertrag, der nach ihrer Ansicht durchaus genügt, denn der Konsum wird von ihr folgendermaßen ver- anschlagt: Ballen von je 500 engl. Pfund netto. 1904—05 1905—06 Welt-Sichtvorrat zu Beginn des Jahres 1 199 198 3 276 198 Neues Angebot für das Jahr— Ver. Staaten.......... 13 230 000 10 290 000 Indien............. 2 960 000 3 000 000 Aegypten............ 1 187 000 1 276 000 Brasilien:c........... 210 000 254 000 Total............ 17 587 000 14 820 000 18 786 198 18 096 198 Total-Angebot für das Jahr.. Welt-Vcrbrauch— Europa............. 8 840 000 9 040 000 Ver. Staaten.......... 4 300 000 4 400 000 Indien............. 1 350 000 1 400 000 Kanada tc............ 1 000 000 1 000 000 Total-Verbrauch........ 15 490 000 15 840 000 Ueberschuß zu Schluß des Jahres... 3 276 198 2 256 198 Danach wird selbst dann eine Banmwollknappheit nicht eintreten, wenn die diesjährige Ernte nur 10 Millionen Ballen ergeben sollte, denn der große Ueberrest aus der vorjährigen Ernte gleicht den die diesjährige Ernte übersteigenden Mehrbedarf reichlich aus und läßt noch einen Vorrat für das Rechnungsjahr 1906/07 übrig. Mitteldeutsche Kreditbank. Während die Berliner Großbanken in den letzten Jahren durchweg ihr Aktienkapital beträchtlich vermehrt haben, schien der Mitteldeutschen Kreditbank zu Frankfurt ihr 18S9 auf 45 Millionen erhöhtes Aktienkapital für ihren Geschäftsbetrieb völlig zu genügen. Jetzt zeigt sie jedoch offiziell an, daß auch sie eine Vermehrung ihres Grundkapitals beabsichtigt. In der gestrigen Sitzung des AufsichtSrates der Mitteldeutschen Kreditbank wurde be- schloffen, mit Rücksicht auf die Ausdehnung der Geschäfte einer auf den 31. August d. I. einzuberufenden außerordentlichen General- Versammlung die Erhöhung des Aktienkapitals um 9 000 000 M. vor- zuschlagen. Die neuen Aktien sollen den bisherigen Aktionären zu den von der Generalversammmlung festzusetzenden Bedingungen zum Bezüge angeboten werden. Eine der seltsamsten Gründunge», die vielleicht je in Deutsch- land das Licht der Welt erblickt hat, ist die Deutsche GaS-Selbst- zünder-Aktiengesellschaft, Berlin. Zunächst wurde die Gesellschaft als G. m. b. H. begründet, nachdem aber eine Reihe wertloser Patente angekauft worden waren, wurde sie von den Machern in eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 3,2 Millionen Mark umgewandelt und hierbei die wertlosen Patente mit der hübschen Summe von 2 787 000 M. in Ansatz gebracht. Die Aktien wußte man mit Geschick bei kleinen Kapitalisten unterzubringen, die größtenteils ihr Geld völlig verloren, denn die schönen Patente stellten sich als wertlos heraus, die Gesellschaft geriet in immer tiefere Verluste, und schließlich ließ sich ein Mitglied des Aufsichts- rats, der Vorsitzende Rechtsanwalt Dr. R. Loewy, auch noch Unter- schlagungen zuschulden kommen. So ist denn die Gesellschaft dahin gelangt, daß sie heute überhaupt nichts mehr besitzt, selbst ihr Kontorinventar ist ihr für rückständige Salärverpflichtungen ab- gepfändet worden— nur die alten Patente sind noch immer vor- Händen; leider nur will niemand etwas für sie geben. In dieser Notlage hat in einer außerordentlichen General- Versammlung gestern die Gesellschaft ihre Liquidation beschlossen; ein kurioser Beschluß, denn in Wirklichkeit ist nichts zum Liquidieren vorhanden— öd und leer ist die Stätte. Zum Pariser Zuckerkrach. Der Großspekulant. Warenhaus- besitzer und klerikale Abgeordnete Jaluzot entpuppt sich immermehr als einer jener faulen Geschäftspolitiker, denen die Frömmigkeit und der Patriotismus nur als Deckmantel für ihre unsauberen Praktiken dienen. Wie aus Paris gemeldet wird, hat der Justizminister Chaumiö seine Urlaubsreise unterbrochen, um Klarheit darüber zu gewinnen, ob sich ftir ein gerichtliches Einschreiten in der Angelegen- heit Jaluzot die notwendigen Poraussetzungen finden ließen. Heute veröffentlicht der Deputterte Rouanet die Anschuldigung gegen Jaluzot, daß kurz bevor die DarlehnS-Zurückzahlungen an die kleinen Sparer eingestellt wurden, Beträge inHöhe von mehreren hunderttausend Frank an Freunde und Ver« wandte Jaluzots bei den Schaltern zur AuS- zahlung gelangten. In diesem Vorgange erblickt Rouanet einen genügenden Anlaß zur straftechtlichen Behandlung der An« gelegenheit. Jaluzot hat einem Verfteter deS„TempS" gegenüber em- geräumt, der Kasse des Hauses für Vorschüsse in der Höhe von an- nähernd 14 Millionen verpflichtet zu sein. Als Sicherheit bezeichnete er seinen Aktienbesitz im Nennwert von 12>/z Millionen, französische Warrants für 240 000 Sack Zucker, fremde Warrants in Höhe von gegen 300 000 Fr. und verschiedene Börsenwerte. Die Spargelder flössen nach Aussage Jaluzots in die gemeinsame Kasse des „Printemps" und wurden als Vorschlüsse, Darlehn usw. angelegt. Zur Sanierung des„Printemps" soll, wie der„Börsen-Courier" zu nielden weiß, daS Aktienkapital von 35 auf 14 Millionen Frank reduziert werden. Sodann sollen 11 Millionen Frank neue Prioritäts« obligationen ausgegeben werden, für welche ein Bankkonsortium die Garantie übernehmen würde. Aus dem neuen Kapital von 11 Millionen Frairk wird für den„Printemps" ein Betriebsfonds gebildet, der dazu dient, die Sparkasseneinlagen zurückzuzahlen. Kus der frauenbewegung, Köpenick. Mittwoch, den 9. d. Mts., findet im Lokale von Moll die Mitaliederverfammlung des Frauen« und Mädchenbildungsverems statt. Herr Dr. Bruno Borchardt wird einen Vorftag über die Drehung und Bewegung der Erde halten. Mitglieder werden in der Versammlung aufgenommen. Gäste sind willkommen. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Sitzung haben Mittwoch: Bund der sozialdemokratischen Lese- und DiskntterklnbS. „Demosthenes" jeden Mittwoch(mit Ausnahme des zweiten) bei Dornbusch, Prinz Eugcnsw. 8.—„Moabit" jeden Mittwoch(mit Ausnahme des zweiten) bei Bachstein, Salzwcdclerstr�I8.—„Emil Rosenow" jeden Mittwoch(mit Ausnahm« des zweiten) bei«chwarz, Dalldorscrslr. 5.—„Süd-Ost" jeden Mittwoch(mit Ausnahme des zweiten) bei Tolksdors, Görlitzerftr. 59.— „Eintracht" jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat bei Hamann, Stralauer Allee 17s. Sozialdemokratischer Agitationsverein für den Wahlkreis Bromberg Stadt und Land. Jeden ersten Mittwoch im Monat bei Ostrowski, Schillingstr. 24. Arbeiter-Raucherdund Berlins und Umgegend. Aenderunzen im Vereinskalender sind zu richten an Albert Liebetrau, Putbuserstr. 15 IV. „Varinas", Jänicke, Gubenerstr. 7.—„Qualmbrüder", Wolfs, Rummelsburg, Kantftr. 14.—.Waldesgrün", Kunze, Forsterstr. 36.—„Sieben roocht", Adlershos, Reichert, Bismarckstr. 34.— �.Siedlefs", Wienert, Weihensee, Sedanstr. 60a.—„Rosenblüte", Zobel, straßmannsw. 4.—„Gemütlich- kcit II SO.", Kurth, Wrangelstraße 105.—„Fidele Brüder", Losse, Friedrichsseide, Luisenstraße 20.—„Glühlicht U", Prose, Marstr. 13c.— „Die Dampfenden", Schick, Manteuffclstr 74.„Intelligenz", Bosold, Manteussel- strage 66.—„Fliederdust", Böhm, Zorndorserstraße 9.—„Kein Ton", Spanholz, Prenzlauer Allee 232.—„Fliederdust II", Stein, Samariter- und Schreinerstraßen- Ecke.—„Weichsclblalt", Zeidlcr, Franlsurter Allee 176. —„Kornblume", Sasse, Plan-User, Ecke Am Urban.—„Alt- Schöneberg", Kerstan, Schöneberg, Sedanstr. 52.—„Sumatra", Beier, Lübbener» strage 11.—„Collegia", Bergner, Reichenbergerstr. 157.—„Fidele Raucher", Krüger, Rixdors, Rcüterstr. 15.—„Sumatra SO.", Krone, Liegnitzerstr. 13. —„Konsequent", Becker. Köpnickerstr. 191.—„Gerade aus", Maatzen, Woldenbergerstr. 14.—„Bruderbund", Kolms, Grünauerslr. 9.—„Veilchen- dust". Behrcnd, Schwartzkopfsswaße 8.—„Pseisendeckel", Marth, Fruchtstraße 69.—„Vorwärts", Hahn, Adalbertstraße 4.—„Blauer Ring", Eharlottenburg, Grente,«chillcrstraße 38/39.—„Regalita", Leonhardt, Koloniestraße 147.—„Ringelwolke", Müller, Bredow- straße 11.—„Alpenrose", Wendt, Reinickendorf, Justusstraße 55.— „FroheS Leben", Laue, Adlershos, Bismarckstraße 10.—„Immer blau", Reinickendorf, Kluge, Bcrlinerstr. 128.—„Raucherlust", Adlershof, Böhkert, Bismarckstr. 24.—„Blütendust", Fedtke, Cothcniusstr. 8.—„Morgenrot", Schmidt, Blumenstr. 43.—„Lustige Sieben", Lconhardt, Rixdors, Prinz Handjerhstr. 69.—„Rosenblatt", Schmidt, Pallisadenstr. 66.—„Lebensblüte", Niest, Koppensw. 17.—„Berliner Luft", Ullrich, Schwedenftr. 2.— Arbeiter-Radfahrerbund„Solidarität". Gau 9(Prov. Brandenburg). Anfragen und Zuschriften sind zu richten an den Gauvorsitzenden Karl Fischer, Waldstraßc 8. Berlin,„Berliner Arbeiter-Radsahrerverein", Abteilung HI jeden 1. und 3. im Märkischen Hos, Admiralstr. 18c; Abtellung IV jeden 1. und 3. bei Merkowski, Andreasstr. 26: Abteilung VII jeden 1. und 3. bei Cranz, Köslinerstr. 8; Abteilung VIII jeden 1. und 3. bei Fischer, Waldstr. 8.— Bergholz bei Potsdam,„Condor" nach dem 1. bei Schulz.— Alt-Landsberg,„Stern" nach dem 1. und 15. bei Jordan, Berlinerstraße.— Brandenburg a. H.,„Männer-Radfahrverein" nach dem 1. im Voltsgarten.— Köpenick,„Vorwärts" nach dem 3. und 22. bei Helling, Schönerlinderstr. 5.— Frankfurt n. O., A.-R.-V. nach dem 1. und 15. im Vorwärts, Breitestraße.— Friedrichsberg,.„Glück aus" im Kronprinzen- garten(Gürsch).— Friedrichshagen,„Wanderer" nach dem 1. und 15 bei Conrad, Friedrichstr. 137.— Fürstenwalde,„Solidarität" nach dem 1. und 15. im Schloßkeller.— Niederlehme,„Frisch aus" nach dem 1. und 15. in Jägers- ruh.— Nowawes-Neucndorf, A.-R.-V. jeden dritten Mittwoch im Volks- garten.— Potsdam,„Hoffnung" nach dem 1. im Viktoriagarten, Alte Luisenstr. 32.— Rudow,„Blitz" nach dem 1. und 15. bei Reime, Benda- straße.— Schöneberg, A.-R.-V. nach dem 1. und 15. bei Obst, Meinmger» straße 8.— Strausberg,„Frisch aus" im Bürgergarten.— Velten, A.-R.-V. nach dem 1. bei Paris, Louisenslraße 17.— Weißensee, A.-R.-V. nach dem 1. und 15. König-Chaussce.— Wilhelmsruh,„Frohes Ziel" jeden 2. Mittwoch bei Schneider, Hauptstraße.— Wilmersdorf,„Vorwärts" bei«elke. Branden- burgischestr. 100. �. Arbeiter-Radfahrerbund„Freiheit". GcschästSstelle bei F. Lier, Weinstr. 3, I.„Frohes Ziel", jeden Mittwoch nach dem 1. und 15. bei Meißner, Stromstr. 36.—„Panther", Rixdors, Dietrich, Laubestr. 7.— .Oberspree" in Nieder- schöneweide beim Radler-Franz, Grünauerstr. 5. Arbettrr-Tnrnerbuud. Ntittwoch und Sonnabend: Turnverein „Fichte", GeschästSstelle Berlin O. 17, Koppenstr. 24 IT, abends von 8 bis 10 Uhr: 1. Männer-Abt. Friedenstr. 37. 3. Männer-Wt. Bocckhstr. 17/20. 2. LehrlingS-Abt. Skalitzerstr. 55/56. 4. Lehrlings-Abt. Sicmensstr. 20(Moabit). 5. LehrlingS-Abt. Ackerstr. 67. 6. Lehrlings-Abt. Reichenbergerstraße 131/132. 8. Lehrlings-Slbteilung Höchstestraße 36/37. 9. Lehrlings-Abteilung Müller- straße 158(Wedding). 10. Lehrlings-Abt. Petersburgerstr. 4. 11. Lehrlings- Abteilung Fürbringcrstr. 33. 12. LehrlingS-Abteilung Eberswalderstr. 10.— „Freie Turnerschast Rixdorf-Britz". 2. Männer-Abtciluna 8>/,— IG/, Uhr, bei Bethge Nächst., Britz, Chausseestr. 39.— Arbeiter-Turnverein zu Adlershos. Männer- und LehrlingS-Abteilung turnt Mittwoch- und Sonnabendabend 8'/,— 10'/, Uhr, Damen-Abteilung turnt Freitag- abend Off,— 10'/, Uhr, Wöllsteins Luftgatten. Gäste willkommen.— „Freie Turnerschast Stralau- Rummelsburg". Turnhalle in Boxhagen: Männner-Abt. 8—10, Lehrlings-Abt. 8—10.— Turmverein„Jahn" in Treptow-Baumschulenweg. 8'/,— 10-/, in der Turnhalle Kiesholzstraße 274: Männer- und LehrlingS-Abteilung.— Arbeiter-Turnverem„Froh und Frei", Groß-Lichterseldc(Damen-Abteilung), bei A. Reiser, Chausseestr. 104. Arbeiter-Schwimmerbund. Auskunft erteilt E. Gerstmann, Rixdors, Bergstr, 59. ,VorwättS"-Rixdorf, Stolzenburgsche Badeanstalt, Canner Chaussee,— ,VorwSrtS".Westen, Volksbadeanstalt, Dennewitzstr. 24a.— „Freie Schwimmerschast Charlottenburg", Männer und Frauen, im Kochsee, Sophie Charlottcnstraße.—„Freie Schwimmerschast Köpenick", städt. Bade- anstatt, Gartenstraße. Gesellige Vereine.„Nymplraca alba", Verein für Aquatten- und Terrattenkunde, jeden Mittwoch nach dem 1. und 15. deS Monats im Eberl- Bräu, Jerusalemerstr. 8.— Thcaterverein„Fidele Geister 1901" im Felsenkeller, Luisen-User 17.— Gesangverein„Gcsundbrunner Liederkranz", bei Koch, Biesenthalerstr, 16.— Mundharmonika- und Mandolinenverein „Symphonie", Restaurant Storchnest, Müllerstr. 161.— Tambourvcrein „Wirbel", bei Martin, Jostystr. 8.— Berein ehemaliger Schüler der 60. Gemeindeschule im Fürst Blücher, Bclle-Allianceplatz 12,— Guitar- Zither-Klub, Skalitzerstr, 22.— Lotterieverein„Fidel" alle 14 Tage Solms- und Barutherstraßen-Ecke.— Lottettcvcrein„Gute Hoffnung", jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat bei Schmökel, Mattenburgerstr. 49.— Orchester. verein„Wedding", Güsseld, Müllerstr. 11. Deutscher Arbeitcr-Abstinentenbund, Ortsgruppe Berlin. Versammlung jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27c.___ Berliner Marktpreise.(Ermittelt vom Polizei- Prästdwm.) Roggen, gute Sötte 14,90(14,88). mittel 14.86(14,84), gettnge 14,82 (14,80). Ab Bahn. Futtergerste. gute Sorte 15,80(15,10), mittel 15,00 (14,30), gettnge 14,20(13,60). Haser, gute Sorte 16,40(15,60), mittel 15,50(14,70). gettnge 14,60(13,80). Frei Wagen und ab Bahn. Richt- stroh 0,00(0,00). Heu, neu. 0,00(0,00). Erbsen, gelbe, zum Kochen 1 Dz, 40,00(30,00). Speisebohnen, weiße 50,00(30,00), Linsen 60,00(30,00), Kartoffeln 9,00(5,00). Rindfleisch, von der Keule, 1 Kilo- gramm 1,80(1,40), Rindfleisch. Bauchfleisch 1,50(1,20), Schweinefleisch 1,80 (1,40), Kalbfleisch 2,20(1.20). Hammelfleisch 1,80(1,40), Butter 2.80(2.20). Eier(60 Stück) 4,40(3,00). Karpsen. 1 Kg. 2,40(1,40), Aale 3,00(1,60), Zander 3,60(1,40), Hechte 3,00(1,40), Barsche 2,40(1,00), Schleie 3,00 (1,20), Bleie 1,60(0,80), Krebse(60 Stück) 20,00(3,00). WitternngSüberstcht vom 8. August IttOS, morgen»« Uhr. Stationen Lg SL L- c c »=■ Swinemd«, Hamburg Berlin Franff.a.M München Wien £ 3 m« 764 W 764 ISO 765 1@ 764 S 767 S 766 NW Wetter i-t« S? M 3j 1 wolkig Scheiter 1 wolkenl 2 halb bd. 2 wolkenl 3 wolkig Stationen § »= 17 15 16 18 13 16 Haparanda Petersburg Scilly Aberdeen Pari» SS 763 N 761 SO 762 W 759 W 763 SSW Wetter wolkenl 1 wolkig 1 wolkig 1 heiter 1 wollig es« c«- t* H& 17 22 14 13 16 «etter-Proguos« für Mittwoch, den S. August 1S«S.� Nachts etwas wärmer, am Tage ein wenig kühler, vielsach wolkig mit leichten Rcgensällen und schwachen üdwesllichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserstand am 6. August. Elbe bei Ausfig— 0.25 Meter, bei Dresden— 1,b6 Meter, bei Magdeburg+ 0,81 Meter.— litt st tut bei Straußsurt+ 1,05 Meter.— Oder bei Äatibor-s- 0,69 Meter, bei Breslau Ober-Pegel-s- 4,60 Meter, bei Breslau Unter-Pegel— 1,68 Meter, bei Franlsurt ff- 1,11 Meter.— Weichsel bei Brahcmünde ff- 2,42 Mete — Warthe bei Post» 0,28 Meter.— N e tz e bei Ujch+ 0,80 Mete Briefkaften der Redaktion. lagen zutreffen, nicht zu beantworten. 2. Sie können jeglichen Beruf er-| lekten zwei Jahre. Wegen Unterlassens des Klebens für die frühere Zelt greifen; das hat auf die Unfallrente keinen Einfluß. F., Bayern. ist die Arbeitgeberin eventuell schadenersatzpflichtig. O. K. 17. Weder R. 10. Fürsorgestellen für Säuglinge: Blumen Militärpapiere, Geburtsurkunde und Verehelichungszeugnis Ihrer Heimats- Erpressung noch Betrug liegt vor. Sie haben Anspruch auf einen ans Straße 78, Elfafferstr. 27, Arminiusplat( Markthallengebäude), Luisenufer 35. gemeinde. A. P. 1. Militärpapiere und Geburtsurkunden sowie, falls gemessenen Preis, der sich kaum auf mehr als angeboten belaufen dürfte. Sprechzeit überall 2-3 Uhr.( Ausschneiden, aufbewahren!) die Braut minderjährig ist, Einwilligung des Baters. 2. Ratsam ist es, A. St. Da bereits im Jahre 1890 Ihr Anspruch rechtskräftig festW. B. Nächster Jahrmarkt in Berlin: 16. bis 19. Auguft in der mindestens vier Wochen vorher anzumelden. 3. Die Weiterversicherung ist gefekt ist, würden Sie im Klagewege nichts erwirken, vielleicht würde eine Gneisenaustraße und Nebenstraßen; Budenaufbau 15. Auguft. Von der für die Frau, falls sie erwerbsunfähig wird oder als Krante Aufnahme in Eingabe an die Direktion etwas nüßen, wenn Sie die früher nicht bebeabsichtigten Verlegung hat das Polizeipräsidium Abstand genommen. einer Heilanstalt findet, vorteilhafter. 3. 100. Rühren Ihre Schulden rechnete Dienstzeit jest nachweisen. H. A. 5. Sie haben das Gesuch Karl 1000. Milch untersucht Ihnen gegen entsprechende Bezahlung jeder aus der Zeit vor Ihrer Heirat her, so haftet Ihr Mann für diese Schulden um Naturalisation an den Regierungspräsidenten zu richten. Auf ErChemiker. Gerichtlicher Chemiker ist Dr. Bein, Königgrägerstr. 43. nicht. P. H. Verein zur Fürsorge armer Wöchnerinnen. Bors. Fr. Prediger zulassen. Auf Abschlagszahlungen braucht sich der Gläubiger nicht ein- fordern haben Sie ein Staatsangehörigkeitsattest Ihrer bayerischen Behörde E. B. K. 5. An fich ist der Vormund zur Be- beizubringen. Die zuständigen Behörden sind S. 2-4 des dem Arbeiter Hoßbach, Kurfürstenstr. 56.- Paris. Im Louvre. Japan. Nein. stimmung berechtigt. Vielleicht hilft eine Vorstellung beim Amts- recht" beigefügten Führers aufgeführt. Das Buch liegt in den öffentlichen 874. Nein. gericht; es müßten aber triftige Gründe angegeben werden. Bibliotheken aus. J. M. 100. Geringe körperliche Fehler, Gustav Spr. Die Betreffende soll an den Magistrat, Abteilung für welche die Tauglichkeit zum Dienen nicht ausschließen. A. Ja. Invalidenversicherung, Kölnischer Park, den Antrag richten, die Arbeitgeberin zum Nachtleben anzuhalten. Nachgeklebt werden kann nur für die Juriftifcher Ceil. M. M. 1. Ob Ihre Unfallrente zutreffend festgesetzt ist, ist ohne Einsicht in die Papiere und Darlegung, ob die in den Bescheiden angeführten UnterFür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 9. August. Anfang 72 Uhr: Neues königl. Operntheater. Die Bohème. Anfang 8 Uhr: Leffing. Ein Volksfeind. Kleines. Des Pastors Riete. Zentral. Die Geisha. Urania 8 Uhr: Taubenstr. 48/49. Die Insel Rügen, Sternwarte Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Morwik- Oper. Mittwoch, abends 8 Uhr: Popul. Opernzyklus bei halb. Preisen: Die Afrikanerin. Invaliden- Gr. Oper in 5 Aften v. G. Meyerbeer. str. 57/62. Donnerstag, abends8Uhr: Letztes Gastspiel Heinrich Bötel. Der Postillion von Lonjumeau. CASTAN'S PANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Neu!! Der Matrose Schiller O.( Wallner Theater.) Matuschenko 0. Die Afrikanerin. • Schiller N.( Friedrich Wilhelm. städtisches Theater). Geschlossen. Luftspielhaus. Der Herr Substitut. Der dankbare Julien. Thalia. Amor in New York. Carl Weiß. Lehmanns Abenteuer. Belle Alliance. Ben Ali Bey. Apollo. Ein Abend in einem amerika. nischen Tingel- Tangel. Hochzeitsabend. Spezialitäten. Am Metropol. Die Herren von Magim. Serrnfeld. Die Meyerhains. Berliner Prater Theater. Dorns Refi. Anf. 42 Uhr. Stadt Theater Moabit. Mutter Gräbert. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Die Insel Rügen. Juvalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Neues kgl. Opern- Theater. Anfang( Kroll.) 72 Uhr. Die Bohème. Oper in 4 Aften von G. Puccini. Donnerstag: Gastsp. Théa Dorré und Aenny Hindermann: Der Troubadour. Freitag: Gastspiel Théa Dorré: Carmen. Kleines Theater Anfang 8 Uhr. Des Pastors Rieke. Donnerstag: Angele. vom Regiment. Freitag: Nachtasyl. - Abschied Sonnabend, Sonntag: Angele. Abschied vom Regiment. Lustspielhaus. Täglich 8 Uhr: Der Herr Subftitut. Der dankbare Julien. Passage- Theater. Anfang der Abendborstell. 8 Uhr, nachm. Sonnt. 3, Wochent. 5 Uhr. Madame du Dion! Fernande Robertine in dem Mimo Die Hand", druma 118 14 sensationelle Nummern. Neu eingeführt: Numerierte Plätze. Metropol- Theater Bender x Giampietro Massary Frid Frid. Zum 276. Male: vom Panzer ,, Knjäs Potemkin", der Pope Gapon! Maxim Gorki! Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Lezte Aufführung: Lehmanns Abenteuer auf dem ruff.- jap. Kriegsschauplatz. Anfang 8 Uhr. Morgen zum erstenmal: Novität! Im Daufe der Sünde, Dienstag bis infl. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag, abends 8 Uhr: Gastspiel der Morwit Oper und Heinrich Bötels: Der Troubadour. Große Dper in 4 Aften von G. Verdi. Im Garten tägl.: Gr. Militär- Konzert. Max Kliems Sommer- Theater Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Spezialitäten- Vorstellung. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Fernsprecher IV. 8891. Max Kliem. Diez Spezialitäten- Theater. Diez' Seeterrasse, Lichtenberg Landsberger Allee 76/79, direkt an der Ringbahnstation. Ob schön! Täglich Ob Regen! im herrlichen Garten oder Saal: Konzert und Vorstellung. oder: Der schwarze Tropfen. Schauspiel in 4 Atten oon M. Braun. Vollständig neues Programm, Im Sommergarten: Gr. Stinder- bas größten beste feft. Ontel Belle( Mar Brückner) leitet die Spiele. Aufsteigen eines Berlins. Ballon taptiv. Dazu das Riefen- 40 Sensations- Nummern. Entree Bochentags 20 Bf., Sonntags August Programm. Anfang 5 Uhr. 30 Pf. Jeder Erwachsene hat ein Sind unter 10 Jahren frei, ältere zahlen halben Eintrittspreis. Röderstr. 6. Jeden Sonntag, Dienstag u. Freitag: Großes Militär- Konzert. Noch nie dagewesen! Auftreten des phänomenalen iterarers OOLOGISCHER CARTEN Täglich nachmittags ab 5 Uhr: MilitärDoppel- Konzert Eintrittspreis 1 M.; ab 6 Uhr 50 ẞf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Täglich( bei schönem Wetter im Garten, bei schlecht. Wetter im Saal): Konzert, Theater, Spezialitäten. Ehrlos. Bollsstud mit Gesang aus dem Berl. Leben v. Müler. Anfang: Sonnt. 5, Wochent. 6 Uhr. Entree 30 Bf. Ball. Prater- Theater Kastanien- Allee 7-9. Hente: Alfred Schneider Dorn's Resi. mit seinem konkurrenzlosen Feuer- Flammen- TodesHindernissprung. Um 6 und 10 Uhr: Auftreten der weltberühmten TurmseilBrillant- Land- u. Wasser- Feuerwerk. künstler ,, The Liepelts". Erstfl. Spezialitäten, Theater Lebensbild in 3 Aften. Neue Dekorationen und Kostüme. Fred Seylon mit seinen vier Bären. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Platz 50 Pf. u. Ball. Bochentags 10 Bf. Fröbels Allerlei- Theater Gebrüder Herrnfeld- Hasenheide Neue Welt Arnold Scholz. 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Direktion: Wilhelm Reimer. Jeden Montag, Donnerstag, Sonntag: Hoffmanns Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Todes- Anzeige. Am 6. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Maler Emil Jungniek Bollinerstr. 21. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Bions- Kirchhofes in Nieder- Schönhausen aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 248/13 Der Vorstand. Verband der Buch- und Steindruckerei- Hülfsarbeiter u. Arbeiterinnen Deutschlands. Zahlstelle II Berlin. Am 6. August verstarb nach schwerem Leiden unser Mitglied Otto Lukas im bollendeten 31. Lebensjahre. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am 9. August, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause Friedrichsfelde, Luisenstr. 21, aus statt. 36/10 Um rege Beteiligung bittet Die Ortsverwaltung Berlin II. Am Sonntag, den 6. August, berschied nach längeren Leiden unser Kollege und Mitarbeiter Otto Lukas im 31. Lebensjahre. Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittag 4 Uhr vom Trauerhause Friedrichsfelde, Luisenstr. 21, 573b aus statt. Ein ehrendes Andenken wird ihm stets bewahren Das Personal der ,, National- Ztg." Deutscher Holzarbeiter- Verband. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Stockarbeiter Norddeutsche Sänger. Adolf Martin Den verehrlichen Rauchern unserer bekannten Promenaden- Konzert im Garten Schweizer- Garten. Fellow- Zigaretten 00000000 Am Königstor. Am Friedrichshain. Heute: Bernhard Rose- Theater Kinder- Freudenfeft. Gesundbrunnen, Badstraße 58. Heute Mittwoch, den 9. August 1905: Große Extra- Benefiz- Vorstellung für den beliebten Somifer Paul Coradini. Das vollständig neue August- Spezia litäten- Programm sowie präs. 8 Uhr: Die Loreley. Nach der Vorstellung: Gr. Benefiz- Ball. Preise der Plätze: Orchesterplatz 75 Pf., Sperrfizz 60 u. 50 Pf., Entree 30 f. Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Täglich im großen schattigen Garten: Streich- Konzert. Ricardo Munez. 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August, nach mittags 12 Uhr, von der Leichenhalle der Charité aus nach dem Charité- Kirchhofe statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. 90/2 Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Rohrleger Wilhelm Scholz am 6. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 9. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Johannis- Kirchhofes in Blößensee aus statt. Rege Beteiligung erwartet 121/10 Die Ortsverwaltung. Von der Reise zurück 23/8 Dr. Eduard Flatow, Gr. Frankfurterstr. 53. Ich bin von der Reise zurückgekehrt. 23/9 PrinzenGertrud Rewald, str. 68. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für 21/10 Haut- und Harnleiden. Bertreter für Berfin umb Bororte: R. Nürnberg, Berlin NW. 52, Spenerstr. 20. 10-2, 6-7. Sonntags 10-12, 2-4 Deutscher Holzarbeiter- Verband. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Drechsler. Verwaltungsstelle Berlin. Fernsprecher Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34, Amt IV, 3353. Donnerstag, den 10. August 1905, abends 8% Uhr, Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. im Königstadt- Kasino, Holzmarktstr. 72: Versammlung Tages- Ordnung: 1. Die Verhältnisse in unserer Branche und wie führen wir eine Beffe rung derselben herbei. 2. Diskussion. 3. Verbands- Angelegenheiten. Das Erscheinen sämtlicher Kollegen ist notwendig, damit auch unsere Lage gehoben wird. Die Kommission. Achtung! Bautischler. Achtung! Donnerstag, den 10. Angust, im Englischen Garten, Alleganderstr. 27c: Branchen- Verfammlung Tages- Ordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, zu erscheinen. Der Bezirksleiter. Neue Berliner Genossenschafts- Bäckerei Eingetragene Genossenschaft m. b. 5. Reinickendorf- Oft Wilkestr. 62. Sonnabend, den 26. Auguft, findet im Kontor der Bäckerei eine Außerordentliche Donnerstag, 10. Auguſt, abends 8½ Uhr, im großen Saale der Germania- Säle, Chauffeeftr. 103: General- Versammlung General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht für das zweite Quartal. Bericht der Revisoren. 2. Ergänzungswahlen zur Ortsverwaltung. Ohne Mitgliedsbuch fein Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet 121/11 Die Ortsverwaltung. Vereinigung der Maler, Lackierer, Anstreicher. Bureau: Engel- fer 15, Zimmer 36. Telephon: Aunt IV, 9720. An die Bauhandwerker! Donnerstag, den 10. Auguſt 1905, abends 8½ Uhr, im Gewerkschaftshauſe, Engel- 11fer 15: Mitglieder- Versammlung. Für die in der Treppengeländerbranche beschäftigten Arbeiter find graue Berechtigungskarten herausgegeben. Da häufig, versucht wird, Sie getroffenen Vereinbarungen zu durchbrechen, ersuchen wir die in Frage tommenden Bauhandwerker, überall die Vorzeigung der Karten zu verlangen. Die Branchenkommission des Holzarbeiter Verbandes. Donnerstag, den 10. August, abends 8%, Uhr: Außerordentl. Branchen- Versammlung der Stellmacher 90/1 im Rosenthaler Hof, Rosenthalerstraße 11/12. Zages Drdnung: 1. Stellungnahme zur Konferenz der Stellmacher Deutschlands. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Die Kommiffion. Verband der Hafenarbeiter u. verw. Berufsg. Deutschlands. Mitgliedschaft Berlin II. Bretterträger und Brettschneider. Tagesordnung: Vereinsaugelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Regen Besuch erwartet Zentralverband der Handels-, Transport- u. Verkehrsarbeiter Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin L Achtung! Mitglieder aus allen Branchen! Ordentliche General- Versammlung Morgen Donnerstag, den 10. Auguft, abends 8½½ hr: bei Buggenhagen, Moritplay. Tages Ordnung: 1. Mitteilungen. 2. Berichte: a) Staffenbericht; b) Arbeitsnachweisbericht. 3. Eventuelle eingegangene Anträge. 4. Bericht der Neuner fommission. 5. Fortsetzung der Diskussion über die Berichterstattung der 4. Haupt- Generalversammlung in Frankfurt a. M. 6. Berichterstattung vom Kölner Gewerkschaftskongreß. Bei der äußerst wichtigen Tagesordnung ist ein zahlreicher Besuch er Sonntag, den 13. August 1905, pünktlich vormittags 10%, Uhr, forderlich. Mitgliedsbuch ist mitzubringen und am Eingang zur Versamm im Königstadt- Kasino, Holzmarktstr. 72: lung vorzuzeigen. Wer mit seinen Beiträgen über 10 Wochen im Nest ist, hat feinen Zutritt. 71/1 Die Ortsverwaltung. General- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Abrechnung vom 2. Duartal 1905. 2. Jahresbericht des Borstandes. 3. Neuwahl des gesamten Vorstandes sowie der Revisoren. 4. Berbands. angelegenheiten und Berschiedenes. Der Vorstand. Jedes Wort: 5 Pfennig. Das erste fettgedruckte Wort 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Steppdecken billigst Febril Große Frankfurterstraße 9, parterre.+ 37* Teppiche mitfarbenfehlern Fabrik niederlage Große Frankfurterstraße 9, +87 parterre. 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Verschiedenes. 127/16 Anträge müssen bis zum 19. Auguft 1905 eingereicht sein. Der Vorstand. Robert Engel. Heinrich Oberreicher. 36402* Sofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. olle. Reste! Mocquettes. Plüsch Satteltaschen. Muster b.näher.Angabe franko. Berlin, Emil Lefèvre, Brannstr. 158. Kleber! Charlottenburg, Rosinenstr. 3: Donneretag, den 10. August, abends 8 Uhr, im Volkshaus, Versammlung. Tages Drdnung: 1. Die heutigen Zustände im Kleberberuf. 2. Distuffion. Alle im Westen arbeitenden Kollegen feien auf diese Bersammlung hingewiesen. Die Kollegen der Firmen Randow, Meyer, Scheidgen, Haase, Gronau, Baut, Kaufmann, Seifert, Zander, Würdig werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. Die Verbandsleitung. 179/2 Der Tod verschont feine Wanze bei Anwendung von Reichels verstärktem Wanzenfluid. Sicherstes Spezialmittel der Welt! Bernichtet jede Brut vollständig. 50 Pf., 1., 2., 3.- Liter 5.-. 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Verlag: Vorwärts Buchbruderei i Berlagsanstalt Baul Singer& Co.. Berlin SWA b,. 184. W.?chW., g. Ktllilge des Jorioürt$(< Kerliker WlllgltlM.».ch. A-p? lM- parteigenossen! Heute Mittwoch ist 2ah!abeuö in Berlin und den Vororten! Die Eisenbahnkatastrophe bei Spremberg. Die erschütternde Kunde von dem furchtbaren Eisenbahnunglück, das sich am Montag nachmittag in der Nähe von Spremberg er- eignet hat, gelangte erst in später Nachtstunde nach Berlin. In- zwischen hat sich der Oeffentlichkeit eine wachsende Erregung be- »nächtigt, die durch das merkwürdige Schweigen der Eisenbahn- Verwaltung über die Ursach« und den Umfang der Katastrophe hervorgerufen und erhöht wird. Nach mehr als 24 Stunden liegt noch keine vollständige anitliche Feststellung der Zahl der Opfer vor. Hier wiederholt sich das Spiel der Bureaukratie, das bei ähnlichen traurigen Anlässen mit Recht zu leidenschaftlichen Anklagen gegen bureaukratische Rücksichtslosigkeit geführt hat. Nach privaten Meldungen wurden bei dem Zusammenstob der beiden Schnellzüge 18 Personen getötet, 6 schwer verletzt. Die entsetzliche Katastrophe, die die gesamte Bevölkerung mit Trauer und Grauen erfüllt, scheint demnach im Eisenbahnministerium als eine.innere Verwaltungsangelegenheit" betrachtet zu werden. Die preußische Verwaltungskunst offenbart sich durch Schweigen. Die Berliner Direktionsstellen erklären, daß nach einer Verfügung des Ministers in diesem Falle nur die„zuständige" DirektionS- stelle Halle Auskunft geben darf. Jnr Eisenbahnministerium wird erklärt, man wisse dort selbst nichts. Man hege nur Vermutungen! Doch die Kritik erstarre. Der Minister hat zwei Kommissare an die IlnglückSstätte gesandt, um Bericht über das Unglück zu erhalten. Man will die Aufklärung über die Ursache der Katastrophe offensichtlich verzögern, man wird sie aber nicht unter- drücken können. Die Schuld der für das Unglück Berantwort- lichen wird durch dieses Verfahren nicht geringer, es enthält im Gegenteil vielleicht schon das Eingeständnis der Schuld selbst. So wird berichtet, daß wahrscheinlich ein Stationsbeamter in Spremberg den Zusammenstoß ver- schuldete, da er dem Berliner Zug Ausfahrt gab, bevor der Görlitzer Zug eingelaufen war. Möglich, daß dieser Beamte diesen Fehler, der die silrchterlichen Folgen nach sich zog, begangen hat. doch die volle Verantwortung für diese Katastrophe trägt die Eisenbahnverwaltung, sie trifft die Schuld, gegen sie muß die Anklage erhoben werden. Eine der verkehr»- reichsten Strecken, auf der zahlreiche Schnellzüge mit einem diffizilen Fahrplan verkehren, wurde eingleisig betrieben. Dieses schwere Eisenbahnunglück ist das Ergebnis de« fiskalischen und kapitalistischen System», da» die Eisenbahnverwaltung beherrscht. In erschreckender Weise haben sich seit langer Zeit die Eisenbahn- Unfälle gemehrt. ES waren nicht unabwendbare Katastrophen, die Massen von Menschenleben und Gesundheit vernichtet haben. Die Eisenbahnverwalwng ist von den nacktesten kapitalistischen Maximen durchtränkt. Der GleiSauSbau, der auch auf der Unglücks- strecke eine schreiende Notwendigkeit war, wird bis zur letzten Betriebömöglichkeit verzögert. Nur einen zwingenden Grund zum Ausbau kennt die Verwaltung: die Gefähr- dung der Rentabilität. Der Kapitalismus, hier vertreten durch die Eisenbahnverwalwng, wird zum Verkehrshindernis, zur öffentlichen Gefahr. Die meisten Eisenbahnunfälle werden auf den mangelhaften Streckenausbau, auf mangelnde» Personal und dessen Ueberbürdung zurückgeführt werden müssen. Die armen Beamten, die al» Sündenböcke in die Wüste gejagt zu werden pflegen, find wahrhaftig nicht die Schuldigen. ES werden folgende Einzelheiten über da« Unglück gemeldet: Der fahrplanmäßig um S Uhr 20 Minuten nachnnttagS vom Görlitzer Bahnhof abgelaffene Schnellzug Nr. 113 war ziemlich stark besetzt und namentlich zahlreich waren die Fahr- gäste der ersten und zweiten Wagenklasse. Um 5 Uhr 89 Minuten traf der Zug in Spremberg ein. woselbst er dem Nachzug zu dem Schnellzug Nr. 112, Richtung Berlin, begegnen mußte Der Nachzug war in den letzten Tagen, so auch gestern mäßig besetzt, hatte aber trotzdem eine geringe Verspätung erlitten. Nun hätte der Schnellzug 113 in Spremberg da» Eintteffen des Gegenzuge» erwarten müssen, weil die Strecke bis Görlitz nur eingleisig ist. Durch ein Versehen, wie behauptet wird, seitens des StattonSvor- stehers erhielt der Schnellzug Ausfahrt und befand sich bei erhöhter Fahr« geschwindigkeit, 1900 Meter hinter der Station, in der Nähe der Bahn- Wärterbude 7, als der fehlende Nachzug auf dem Gleise heran- gebraust kam. Unglücklicherweise beschreibt die Bahnstrecke an jener Stelle eine starke Kurve, so daß das Lokomotivpersonal die drohende Gefahr erst zu erkennen vermochte, als die beiden Züge auf eine Entfernung von kaum 150 Metern sich der Stelle genähert hatten. Mit unheimlicher Geschwindigkeit sausten die Schnellzüge auf« emander. Ein donnerähnlicheö Krachen erfüllte die Luft, bann folgte ein Augenblick Totenstille. In der nächsten Minute ertönte da» Schreien der Verwundeten, die unter den Trümmern der TrainS begraben waren. Die beiden Lokomotiven hatten sich buchstäblich in einander ge« bohrt, waren von dem Bahndamm hinuntergestürzt und bildeten eme einzige unentwirrbare Trümmermasse. Die nachfolgenden Gepäck« wagen waren zersplittert, die Achsen derselben waren teils zerbrochen. teils wie Blei verbogen. Der erste Personenwagen zweiter Klasse deS von Berlin kommenden Schnellzuges hatte sich auf die Trümmer de« Gepäckwagen» geschoben, der zweite Personenwagen erster und zweiter Klasse war in den Vorwagen buchstäblich hineingeschoben. so daß die Insassen bei beiden Waggons zum größten Teil zermalmt waren. Die nachfolgenden Wagen zeigten weniger starke Be- schädigungen. Diejenigen der dritten Klasse wurden durch den Zu« sammenstoß lveniger berührt. Bei dem Zuge 112 waren die ersten drei Wagen zertrümmert worden, jedoch befanden sich in diesen nur zwei Fahrgäste, die mit Knochenbrüchen davonkamen. Der Bahnwärter der Bude 7 gab sofort Drahtnachricht von der Katastrophe nach Spremberg und KottbuS, von welch letzterem Ort sofort der Rettnngszug abgelasien wurde. Die RettuugSarbeiten gestalteten sich außerordentlich schwierig. Eisen« und Holzsplitter hatten sich derartig ineinander geschoben, daß die Toten und Verwundeten mit Aexten aus den Trümmern herausgehauen werden mußten. Bis Dienstag morgen gegen 7 Uhr waren 17 Tote und 14 Schwerverwundete geborgen. Die zahlreichen Leichtverletzten begaben sich zum größten Teil zu Fuß nach Spremberg. wo ihnen Notverbände an« gelegt � wurden. Für die Schwerverwundeten wurde an der nglücksstelle ein Verbandplatz angelegt und vier Aerzte hatten reichlich zu tun, ihnen die erste Hülfe angedeihen zu lassen. Von dem Maschinenpersonal dürften drei Mann getötet worden sein. Bis heute morgen konnte nur der Zugführer und Heizer von dem Schnellzuge 113 bepcett werden. Der Zugführer, der in JohaiiuiS- thal wohnt, verheiratet und Vater von fünf unmündigen Kindern sein soll, war tot. Der Bremser wurde am ganzen Körper verbrannt, aber noch lebend nach KottbuS geschafft. Das Personal der Maschine 112 liegt noch unter den Trümmern. »* Ein Lugenzeuge des Zusammenstoßes, der selbst unverletzt ge- blieben ist, schildert der.Deutschen Tageszeitung" die Katastrophe wie folgt: Unser Rachzug Hirschberg-Berlin. der genau wie der überfüllte Vorzug mit der Geschwindigkeit der Fahrplauaugabe dem Vorzuge zu folgen hatte, verließ nach kurzem Aufenthalt die Statton Weiß i<~s»atte die Herne Station Schleid« Palstert. Der Zvo hatte glücklicherweise von Beginn seiner Fahrt an wenig Reisende, da so viel als möglich der Vorzug bereits mitgenommen hatte. Durch diesen Umstand sind die Verluste in diesem Zuge gering geblieben. Der Zug Hirschberg-Berlin dagegen scheint ziemlich stark besetzt gewesen zu sein, so daß auf ihn ziemlich bedeutende Verluste entfallen. Kurz hinter Schleife in die große Kurve zwischen Schleid« und Spremberg einbiegend, welche mitten im Walde liegend dem Maschinenführer nur eine beschränkte Aussicht gestattet, gab es auf einmal in unserem Wagen einen kurzen gewaltigen Ruck, der mich und meine einzige Reisegefährtin von den Sitzen, unsere Koffer und Taschen aus ihren Lagen schleuderte; unser Wagen sprang wie ein lviderwillig galoppierendes Pferd unter scharfem Stoßen und Schleudern noch kurze Zeit hin und her. Da— noch ein kurzer, scharfer Stoß, begleitet von einem furchtbaren Schlagen, Brechen, Splittern, Klingen und Springen-- stand auf einmal unser Wagen etwas aufgebäumt und etwas auf die rechte Seite geneigt still. Es verging wohl eine Minute, ehe es mir gelang, eine der festeingeklemmten Türen durch Fußtritt zu öffnen und mir und meiner Begleiterin einen Weg ins Freie zu bahnen. Unser Wagen stand halb über den Schienen, halb mit den rechten Hinterrädern in dem KieS der Böschung des zirka einen Meter hohen Dammes eingewühlt. Vor uns, rechts und links, bot sich uns ein nie ge- glaubtes, grauenhaftes Bild der Verwüstung dar. Kurz rechts vor uns lag die Maschine 44ö des Gegenzuges, geführt von dem braven MaschinenführerKrug auSKottbus. der voraussichtlich seine tteue Pflicht- erfüllung angesichts des Todes mit dem Leben bezahlen wird. Die Maschine war umgeworfen, ttef eingewühlt; ihrem Kessel ent- strömte heißer Dampf und Waffer mit brausendem Geräusch, zu- nächst jede andere Stimme übertönend und die rechte Zugseite in Dampf hüllend. Auf den Trümmern seiner Maschine fanden wir den genannten Führer reguugSloS liegen mit blutübersttömten und gebrochenen Gliedern. Nach langer Zeit und unter unsäglicher Mühe gelang es uns, den Schwerverletzten auf einer inzwischen heraus- geholten Schlafdecke, welche langsam und unter großen Schmerzen unter seinem gebrochenen Körper hindurch gezogen wurde, auf die ziemlich ebene Fläche der Seitenwand des umgestürzten Tenders zu heben und ihm auf Kleidungsstücken eine leidlich bequeme Lage herzustellen, ihn durch Zudecken mit Tüchern und übergehaltencn Regenschirmen vor dem herabrieselnden Regen zu schützeü. Später ist er unter ärztlicher Leitung aus seiner zirka 2,S0 Meter über dem Damm befindlichen Lage heruntergeholt worden. Link» davon, auf der anderen Seite des Zuges, lag unter Trümmern von Maschinen, Packwagen und allen nur denkbaren Trümmersplittern, auf dem umgestürzten Verdeck eines Packwagens und zwischen diesem und Maschinenteilen fest eingekeilt, anscheinend der Maschinenführer deS einen Zuges, dem ersten Anscheine nach nur wenig verletzt, aber so fest von den Trümmern umsponnen, daß er kein Glied rühren konnte, und bat um Hülfe. Mittels der Kohlenschaufel der einen Maschine wurde zunächst der vor ihm liegende schwere Schornstein dieser Maschine sowie ein Borwärmer unter« graben, um sie beiseite schieben zu können, und nun konnte an das ntergraben und Befreien des Verletzten herangegangen werden, was auch dem Personal mittel« des Windehebers der Maschine nach kurzer Zeit gelang, so daß auch dieser doch immerhin stark Verletzte in ebene Lage unter den Bäumen niedergelegt werden konnte. Noch grauenhafter aber sah es in den zusammengefahrenen Wagen der beiden Züge au». Die beiden Packwagen und die dahmter laufenden beiden Personenwagen waren glatt in« einander geschoben und geworfen worden. Der eine Wogen 2. Klasse war ziemlich in halber bis viertel Höhe in wage- rechter Richtung abgeschnitten worden, aus ihm hing wie eine leb« lose Puppe der Leichnam einer dem Anschein nach noch jungen hell« blonden Frau, welche mit dem Oberkörper fest eingekeilt war, während der ganze Unterkörper über den Wagenrand hinaus in der Lust schwebte; eine Zeitlang war noch das leise Wiminern eine« Kindes zu hören. Ueber diesen Wagen hinweg, hoch in der Luft, ca. 4 Meter über dem Damm schwebend, stand der zertrümmerte Wagen 2. Klasse des Gegenzuges, aus dem das Weinen eines Kinde« herabtönte, dem aber vorläufig keine Hülfe gebracht werden konnte Im übrigen in diesen beiden Wagen das Schweigen des Todes I Die Opfer. Private Meldungen geben folgende Liste der Opfer: Getötet wurden: Oberstleutnant a. D. Wilhelm ChretiuS aus Berlin. AugSburger» straße 24; Justizrat Rockau aus Görlitz mit Frau und Sohn; Arzt Dr. Albert Nectzke au« Landeshut und Frau; Graf Heinrich PelaS von Plauen aus Jänkendorf(Oberlausitz). Sohn des Prinzen Heinrich XXVI. von Reuß j. L. Herr Grünina aus Görlitz, 60 Jahre alt; eine noch unbekannte 50jährige Dame; ein unbekannter Knabe von etwa 10 Jahren; Lokomotivführer Seidel au« KottbuS; Heizer Walter aus KottbuS; Hülfsschaffner Noack au» KottbuS. Schwer verletzt: Hildegard Rockau au« Görlitz(deren Eltern getötet wurden). Lokomotivführer Krug aus KottbuS; Heizer Fröse au« KottbuS; Schaffner Hager aus KottbuS; Packmeister Schefter aus Hirschberg. Die Namen der weiteren Opfer der Katastrophe sind noch nicht festgestellt. Als Sündenbock ist der Stationsasfistent Rollfuß vom Dienst suspendiert worden.__ Berliner JVaebriebten. Ei» Opfer des Königsberger HochverratSprozesseS, Genosse P ä tz e l. hat gestern im SttafgefängniS zu Tegel seine ihm zudiktierte dreimonatige Strafe angetreten. Dieser Prozeß bildet ein denkwürdiges Blatt in der Geschichte der preußischen Justiz. Die Einleitung des Strafverfahrens charakterisiert sich lediglich als eine Krönung der Schcrgendienste, die die preußische Regierung dem russischen Absolutismus seit Jahren geleistet hat. Au» der Ver- sendung der in Deutschland unbeanstandeten russischen revoluttonären Schriften versuchte die Königsberger Anklagebehörde Hochverrat und Majestätsbeleidigung zu konstruieren. Rußland zuliebe wurde eine Haupt« und Staatsaktton eingeleitet, die auf gänzlich ungesetzlichen Grundlagen ruhte. Haussuchungen, Ver- Haftungen wurden verfügt, viele Monate Untersuchung«- Haft verhängt und eine geheime Voruntersuchung gefiihrt, durch die unsere heutige Rechtssicherheit grell beleuchtet, aber auch die preußische Justiz hcilloS kompromittiert wurde. � In der Verhandlung brach die so mühsam aufgebaut« Anklage schmählich zusammen. ES ergab sich. daß trotz aller Uebersetzungskunststückchen russischer Konsuln und justiz- ministerieller Bedienten in Wirklichkeit gar kein rechtlicher Boden vorhanden war. Die Angeklagten mußten von der Anklage wegen Hochverrats und MajestätSbeleidignng freigesprochen werden. Dagegen fand daS Gericht in der Taffache des Schriftenversandes da« Merkmal einer geheimen Verbindung. Insbesondere soll sich Pätzel dieses .Verbrechens' dadurch schuldig gemacht haben, daß er russische Schriften als Schuhwaren deklariert hatte. Das.Geheim- bündlerische" dieses Frevels bestand darin, daß für Pätzel diese .Schuhwaren" vollständiges Geheimnis waren. Er wußte gar nicht, daß andere Personen auf den seinen Namen tragenden, aber nicht von ihm ausgefüllten Frachtbriefen„Schuhwaren" deklarierten. Das mußte gerochen werden. Pätzel erhiell für diesen Spaß drei Monate Gefängnis, die er nun abzubüßen sich angeschickt hat. Hoffen wir. daß Genosse Pätzel die Zeit überstehen möge, ohne Schaden an seiner Gesundheit zu nehmen I Freie Turner und sozialdemokratische Gleichmacher. Der Mut, im heißen Kampf gegen die vaterlandslose Rotte der Sozial- dcmokraten sich lächerlich zu machen, war von jeher bei keinem der bürgerlichen Blätter so stark entwickelt, wie bei der„P o st", deren Redakteure einst ihr Arbeitgeber Stumm als Esel gekennzeichnet hat. Die neueste Leistung dieses unentwegten Scharfmacher. Blättchens ist ein wütendes Geschimpfe auf die sozialdemo- kratischen Turner, auf den argen Mißbrauch, den die Sozialdemokratie mit der Turnerei treibe. Den Anlaß zu diesem Wutausbruch bildet der Geschäfts- und Jahresbericht der.Deutschen T u r n e r s ch a f t", die gegen» wärtig in Königsberg tagt. Der Bericht, den der Ausschuß- Vorsitzende Dr. Götz-Leipzig erstattete, weist auf Parteibestrebungen hin, die im letzten Jahr in der deutschen Turnerschaft hervorgetreten seien. Besonder» ernst seien die Bestrebungen derjenigen_ zu nehmen, die die deutsche Turnerei zur„Domäne der Sozial- demokratie und der Vaterlandslosigkeit" machen wollen, die„roten Gesellen" vom Arbeiter-Turnerbund, die.von früh bis spät ihr Gift und ihre auf Unzufriedenheit, Neid und Haß ge- richtete Verhetzung loslassen", um der deutschen Turnerschaft daS arbeitende Volk abtrünnig zu machen. Dieses Gezeter wird natürlich von der.Post" mit Verständnis- innigem Behagen weitergegeben. Aus eigenem fügt daS Blatt hinzu, e« sei skandalös, wie von Sozialdemokraten w turnerischen Vereinigungen für ihre Turnvereine agitiert werde, deren Zwecke „in erster Linie sozialdemokratische" seien. Umgekehrt wird ein Schuh draus! Unsere? Wissens sind die„sozialdemokratischen" Turnvereine erst entstanden, weil in den anderen Turnvcreinigungen jedem Turner, der«ine politisch und wirtschaftlich freiere An- schauung hatte. daS Verbleiben auf die Dauer unmöglich wurde. Die„Deutsche Turnerschaft" mag ja allmählich angefangen haben, es als sehr unbequem zu empfinden, daß die.roten Gesellen" ihr immer mehr die turnenden Arbeiter abspenstig machen. Aber das Gebelle, das jetzt darüber sich erhebt, wird die Arbeiter-Turnvereine in ihrem Vorrücken nicht aufhalten; e«„beweist nur, daß sie reiten". Drollig ist, was über den freien Geist der Turnerer im Gegensatz zur sozialdemokratischen Gleich- m a ch e r e i in dem Bericht gesagt und von der„Post" in noch pointterterer Fassung wiedergegeben wird. Selbstverständlich wohnt die„Freiheit" nur bei den Hurraschreiern der Deutschen Turner. schaft. Echt turnerischer Geist, so steht's zu lesen in der„Post", strebe dahin, der Kraft und Leistungsfähigkeit des einzelnen freie Bahn für die völlige EntWickelung der körperlichen Tüchtigkeit zu schaffen. Diese» Geistes schlimmste Feindin sei die Sozial- demokratie. Die sozialdemokratische Gleichmacherei und Unter- drückung der persönlichen Freiheit widerstrebe dem, daß der einzelne sich durch bessere Leistungen aus der Masse emporhebe. Na, gewiß doch! Wir können der„Post" das Geheimnis ver- raten, baß schon jetzt in den Arbeiter-Turnvereinen es bei Strafe sofortigen Ausschlusses jedem Turner verboten ist, besser als sein Nebenmann zu turnen. Ja, ja, diese sozialdemokratischen Gleich- macher i 300 M. Belohnung. 300 M. Belohnung hat soeben der Ober» Postdirektor Vorbeck für die Ermittelung der Diebe von Fernsprech- draht ausgesetzt. Diese Beraubungen wollen in der Umgebung Berlin» kein Ende nehmen. Zuletzt ist in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend, den 5.— 6. August, wieder ein solcher Diebstahl an der Prenzlauer Chaussee ausgeführt worden. Zwischen den Kilo- metersteinen 6,5 und 6,7, sowie zwischen den Stangen 59—61 sind die Drähte von nicht weniger als 9 Fernsprech-VerbindungSleitungen und 2 Anschlußleitungen durchschnitten und gestohlen worden. Der Draht hat eine Stärke von 3, 2 und 1,5 Millimeter. DaS Gewicht des 3 Millimeter starken Drahtes beträgt 20, das des Drahtes zu 2 Millimeter 15 und daS des Drahtes zu 1,5 Millimeter 4,5 Kilo- gramm. Der Gesamtwert des Drahtes wird auf 72 M. berechnet. Mit der Einführung böhmischer Milch in Berlin soll, im Hinblick auf den nach dem Ende der Schulferien regelmäßig steigenden Milchkonsum Groß-Berlins, bereits Ende August begonnen werden, während die Massenzufuhr dänischer Milch erst im Oltober ein- setzen soll. Berlin und die Schullasten der Bororte. DaS Ober- Ver- waltungSgericht hat bekanntlich das Urteil des Bezirksausschusses zu Potsdam, nach dem Berlin verurteilt wurde, an Weitzensee einen dauernden Schullastenbeitrag zu zahlen, bestätigt. Jetzt liegt nun die eingehende Urteilsbegründung des Ober-VerwaltungsgerichteS vor. die von allgemeinem Interesse ist. ES heißt da unter anderem: „Daß die Steuerzahler von Weißensee überbürdet sind, er» kennt die Beklagte(Berlin) an: sie bestreitet aber, daß die Ueber- bürdung durch die Schulverhältnisse hervorgerufen sei. Dieser Einwand ist verfehlt. Der Bezirksausschuß hat überzeugend dar- getan, daß die an sich schon jetzt zu hohe Belastung durch die Mehr- aufwendung für die Schule noch gesteigert werde, und, zwar im er- heblichen Umfange. Bei den besonderen Verhältnissen in Weißen- see muß in der Tat eine Vermehrung der Lasten um etwa 6 von Hundert als erheblich bezeichnet werden." Weiter lautet die Urteilsbegründung: „Im Vordergründe steht der Angriff der Berufung, die Steigerung des Booenwertes, welchen die Nähe Berlins verursache, sei nicht oder nicht genügend berücksichtigt worden. Demgegcn- über ist jedoch zunächst darauf hinzuweisen, daß eine etwaige Wertsteigerung deS Bodens an sich noch leinen der Gemeinde als solcher zugewachsenen Vorteil darstellt. Die Steigerung kommt den einzelnen Besitzern zugute." Weiter wird dann noch zu der Angabe Berlins, die Selbst* kosten für Kranke beliefen sich auf höhere Beträge, als Weißensee für seine Kranke an Berlin zahlt, erwidert, daß hier besondere Ver- träge vorlägen, und die Abrechnung schon geschehen sei. Ein Vor» teil im Sinne des§ 53 deS Kommunalabgaben-GesetzeS könne hier nicht anerkannt werden. Julius Stiude, der Verfasser der„Familie Buchholz', ist gestern in Olsberg bei Kassel gestorben. Vermißt wird der 17 jährige KaufmannSsohn Fritz Greschow, Mirbachstt. 69 bei den Eltern wohnhaft. Am 26. Juli, nachmittags 3 Uhr, fuhr derselbe mit einem Fahrrad(Marke Lyra, Richard Ladewig, Prenzlau) nach Karlshorst. Von dort au« schrieb er noch eine Postkarte, seitdem fehlt jede Spur. Bekleidet war derselbe mit einem schtvarzen Kammgarnanzug und Schnürstiefeln. Er ist 1,54 Meter groß, seine Gesichtsfarbe blaß, Körperbau sehr schwächlich. Wenn kein Unglücksfall vorliegt, ist nicht auSgeschlpssen, daß derselbe in schlechte Gesellschaft geraten ist und sich mit Klavierspielen durch- zuschlagen sucht. Restaurateure möchten besonders auf so einen jungen Klavierspieler achten. Personen, die über den Verbleib genaue Angaben machen können, wollen sich bei der Kriminalpolizei, Polizei- Präsidium, Zimnjer 86, oder bei den Eltern melden. Wer ist der Tote? Ueber die Persönlichkeit deZ vierten Opfers der Bootskatastrophe bei Niederschöneweide, des Zapfers Scholz, schwebt zur Zeit noch geheimnisvolles Dunkel. Die Polizeibehörde zweifelt daran, daß die seinerzeit gelandete Leiche tatsächlich die� jenige des Zapfers Scholz ist. Irgendwelche Legitimationspapiere waren bei dem Toten nicht zu finden. Bekannte oder Verwandte haben die Leiche noch nicht rekoipiosziert. Gestern ist der Tote als „unbekannt" in Köpenick auf städtische Kosten beerdigt worden. Im Hcdwigskrankenhause gestorben ist der 82jährige Tischler Brandes, der bei einem Brande in der Mulackstratze sich schwere Brandwunden zugezogen hatte. Bei der Arbeit schwer verletzt wurde gestern das Dienstmädchen Marie K., das bei der Familie Behrend, Ansbachcrstr. 5, tätig war. Das Mädchen war mit dem Putzen der Fenster beschäftigt und be fand sich dabei auf einer Leiter. Während der Arbeit stürzte es von der Leiter herab und brach sich beide Arme. Die Schwerverletzte wurde nach dem Krankenhause Westend gebracht. Tödlicher Bauimfall. Auf dem Neubau Müllerstr. 178 hat sich gestern abend gegen Ve6 Uhr ein schweres Bauunglück ereignet. Der 36 Jahre alte Maurer Friedrich, der auf dem Neubau Müllerstr. 178 tätig war, stürzte während der Arbeit von der dritten Etage hinab in die Tiefe. Mit zerschmetterten Gliedern blieb er dort liegen. Der Tod trat auf der Stelle ein. Die Leiche des Verunglückten wurde nach dem Schauhause gebracht. Ein Messerheld. Zu schweren Folgen haben Streitigkeiten ge- führt, die zwischen dem Verwalter Barchart des Hauses Petristr. 12 und dem Schneider Strichian geherrscht hatten. Infolge der- schiedencr Vorkommnisse standen die beiden auf dem Kriegsfuße. Alz sie gestern abend in der Wohnung des Schneiders zusammentrafen, gerieten sie wieder hart aneinander. Im Laufe des Streites zog der Verwalter plötzlich das Messer und stach auf Strichian ein. Ge- troffen stürzte der Gestochene zusammen. Er hatte 7— 8 Stiche in die Brust erhalten. Schwerverletzt wurde St. nach der Rettungswache in der Ziegelstraße gebracht. An seinem Aufkommen wird ge- zweifelt. Der Verwalter ist gleich nach der Tat durch Polizeibeamte festgenommen worden. Strichian steht im 39. Lebensjahre und be- sitzt eine zahlreiche Familie. Ein schwerer Automobilunfall hat sich gestern abend in der Linienstraße zugetragen. Die 69 Jahre alte Karoline Hentzsch, Linienstr. 149, wollte kurz nach 8 Uhr den Fahrdamm der Linien- straße an der Ecke der Artilleriestratze überschreiten und geriet dabei in die Gefahr, von einer Equipage überfahren zu werden. Beim Ausweichen kam die Greisin vor ein Automobil, wurde von diesem umgerissen und überfahren. Mit einem schweren Schenkelbruch wurde die Verunglückte nach dem Krankenhause Moabit gebracht, wo sich ihr Zustand bedenklich verschlimmert hat. Wegen Revolverschießerei und Messerstecherei nach einem Erntefest sind die Italiener Paschetto und Petrelli verhastet und in daS Untersuchungsgefängnis gebracht worden. Wegen Betruges und betrügerischen Bankcrotts wird der 63 Jahre alte Eierhändler Moses Riemer aus der Mulackstr. 39 steckbrieflich verfolgt. Riemer, der mit seiner Familie ans Galizien hierher kam, betrieb sein Geschäft gemeinsam mit seinem 28 Jahre alten Sohn und wohnte seit 12 Jahren in der Mulackstraße. Seit dem 25. Juli ist er verschwunden. Acht Tage später wurde sein Sohn auf offener Straße verhaftet. Bei ihm fand man noch 4000 M. Das Geschäft ivurde geschlossen, über das Vermögen der Inhaber der Konkurs eröffnet. Aus Verzweiflung sprang gestern abend die 22 Jahre alte aus Lebus gebürtige Else Buchholz in der Nähe des Schlüterstegs in die Spree. Schiffer retteten sie und brachten sie in ein Kranken- hauS. Die Lebensmüde gab an, sie sei auswärts Büfettdame ge- wesen und vor einiger Zeit nach Berlin gekommen, um hier Be- schäftigung zu suchen. Seitdem habe sie sich als Kellnerin ernährt, jetzt aber sei sie ohne Stellung, Geld und Wohnung. Not und Verzweiflung hätten sie ins Wasser getrieben. Eine aufregende Szene spielte sich vorgestern abend um 9 Uhr am Maybachufcr ab. In der Nähe der Hobrechtbrücke kletterten mehrere Jungen auf das Holzgeländer, um zu turnen. Hierbei fiel der zwölf Jahre alte Sohn Georg des Strumpfwirkers Krehn aus der Skalitzerstraße in den Landwehrkanal. Als zwei Schiffer. die auf das Hülfegeschrei seinpr Spielkameraden herbeieilten, ihn herausholten, war er schon bewußtlos. Auf der Rettungswache am Görlitzer Bahnhofe gelang es den Aerzten erst nach zweistündigen Bemühungen, den Knaben in das Leben zurückzurufen. Er wurde darauf von seiner Mutter nach der Wohnung gebracht. Wegen versuchte» Totschlages wurde ein Tischler Martin Britt festgenommen. Britl behauptet, daß ein Agent Rupcrtus ihn um eine Kaution beschwindelt habe und stellte ihn in Treptow-Baum- schulenweg, zur Rede. Als er das verlangte Geld nicht zurückerhielt, feuerte er sechs Revolverschüsse auf ihn ab und verletzte ihn schwer. Der Verwundete wurde in ein Krankenhaus gebracht, Britt wurde mittag der Staatsanwaltschaft vorgeführt. der Feuerbericht. Dienstag früh wurde die Wehr nach Siemcnsstr. 20 gerufen, wo Teer in Brand geraten war.— Kleidungsstücke und Decken gingen dann in der Hussitenstr. 30 in Flammen auf, während in der Reichenbergerstr. 184 Kisten auf dem Hofe Feuer gefangen hatten.— Ein Kellerbrand mußte weiter in der Langestr. 89 unterdrückt werden; Lumpen und allerlei Gerümpel wurde eingeäschert.— In der Ruppinerstr. 37 und in der Pappel- Allee 24 kamen dann noch zwei Zimmerbrände aus, bei denen im wesentlichen Möbel, Gardinen und Wäschestücke beschädigt wurden. — Zu dem Großfeuer auf der Trabrennbahn Westend erfahren wir noch, daß jetzt als Entstehungsursache des Brandes böswillige Brandstiftung angenommen wird. Rennstallbesitzer Geiger, der den Verlust von fünf Pferden zu beklagen hat, hat denn auch 1000 M. Belohnung ausgesetzt für die Ermittelung des mutmaßlichen Brand- stifters. Man rechnet mit einem Racheakt, der von einem früheren Angestellten ausgeführt ist. Bis jetzt konnte aber noch nichts Sicheres festgestellt werden. Vorort- I�acdridneu. Schöneberg. Das Opfer einer Personenvcrwechselung will die 19 jährige Margarete K. sein, welche gestern unter der Anklage des Diebstahls in drei Fällen vor dem Schöffengericht II stand. Die bisher völlig unbescholtene Angeklagte ist die Tochter einer angesehenen Schöne- berger Familie. Sie wurde bei ihren Einkäufen mit einer in dem- selben Hause wohnhaften Frau N. näher bekannt und verkehrte auch in deren Wohnung. Frau N. bemerkte zu ihrem größten Verdruß. daß ihr fortgesetzt Geldbeträge abhanden kamen. Einmal verschwand auf rätselhafte Weise ein Portemonnaie mit zehn Mark aus ihrer Wohnung, ein anderes Mal vermißte sie aus der Laden- lasse einen größeren Betrag. Nach Lage der Sache konnte es sich nur um eine Hausdiebin handeln. Frau N. wendete deshalb den alten Trick mit mehreren gezeichneten Geldstücken an. Als sie eines Tages auf kurze Zeit im Keller zu tun hatte, hörte sie über sich das Klappern von Geldstücken. Im Laden befand sich nur die An- geklagte in deren Besitz mehrere der gezeichneten Geldstücke vor- gefunden wurden. Die Diebin mußte deshalb den Diebstahl ohne weiteres einräumen und wiederholte ihr Geständnis auch vor Gericht.— In den zwei anderen Fällen der Anklage wird die Angeklagte beschuldigt, einem Kinde, welches von seiner Mutter mit einem Zwanzigniarkstück zum Einholen geschickt ivorden war, zehn Mark ans dem Portemonnaie entwendet zu haben. Nach dem dritten Anklagefall wird ihr ein Ladendiebstahl bei dem Goldwarenhändler Kirschke zur Last gelegt, bei dem sie einen goldenen Kettenring in geschickter Weise entwendet hatte. Diese beiden Diebstähle bestritt die Angeklagte auf das energischste und behauptete das Opfer einer Personenverwechsclung geworden zu sein bezw. eine Doppelgängerin zu haben. Durch den Rechtsauwalt Chodziesner war die Ladung einer im Untersuchungsgefängnis befindlichen Frauensperson veranlaßt worden, die tatsächlich große Aehnlichkeit mit der Angeklagten besaß. Die Bestohlenen rekognoszierten indessen die Angeschuldigte auf das bestimmteste als die Diebin. Mit Rücksicht auf die bisherige Unbescholtenheit der K. erkannte daS Schöffengericht auf nur zwei Wochen Ge- f ä n g n i S. Nixdorf. Durch die Rücksichtslosigkeit eines Fuhrwcrksbcsitzers schwer ver- letzt wurde gestern nachmittag das dreijährige Söhnchen Robert des Gärtners Mayer, Elsenstr. 85 aus Rixdorf. Das Kind spielte vor dem Hause auf dem Fahrdamm, als der Fuhrwerksbesitzer August K. aus der Pintschstr. 9 zu Berlin mit einem Geschäftsfuhrwerk in vollem Galopp durch die Straße gefahren kam. Bevor der Kleine sich retten konnte, lag er bereits unter den Rädern des Wagens. Mit schweren Verletzungen im Gesicht und einem Bruch des linken Armes mußte der Knabe nach dem Krankenhause gebracht werden. „Bei einem Wirte wundermild..." Ein Maler F. aus Berlin kehrte, auf einer Bierreise begriffen, bei einem Gastwirt in der Hermannstraße in Rixdorf ein. Da der Gast nicht mehr ganz nüchtern war und ruhestörenden Lärm verübte, forderte ihn der Wirt zum Verlassen seines Lokals auf und warf den Angeheiterten, als er der Aufforderung nicht gleich Folge leistete, mit derartiger Wucht zur Tür hinaus, daß F. eine schwere Gehirnerschütterung erlitt und für sein Leben gefürchtet wird. Spandan. Ein grelles Streiflicht auf die Zustände in den hiesigen„Muster- Werkstätten" wirft der Selbstmord einer 56 jährigen Frau, die lange Jahre bereits in der Munitionsfabrik als Aufseherin beschäftigt ist. Die Frau war seit Monaten bereits krank und erwerbsunfähig, die Krankenkasse sollte in Kürze ihre statutenmäßige Unterstützung einstellen. Die Aussicht, dann hülflos und verlassen Nahrungssorgen preisgegeben zu sein, trieb die Arbeitsveteranin zur Verzweiflung und zum— Strick!— Bei dem üppigen Verdienst, den die Ar- beiter und niederen Angestellten in den Staatsbetrieben beziehen, und bei den Löhnen, die besonders den weiblichen Arbeiterinnen gezahlt werden, lassen sich eben keine Ersparnisse machen, die den siechen Arbeiter vor Hunger und Entbehrungen wirksam schützen könnten.— Die Renovierung des durch Blitzschlag zerstörten Proviantamtsgebäudes ist im vollsten Gange; der unter dem Ver- dachte der. Beiseiteschaffung von Futtervorräten lgelegentlich der Auf- räumungsarbeiten) verhaftete Feldwebel befindet sich noch immer in Untersuchungshaft.— Durch Selbstentzündung geriet am Montag auf der Havel ein mit 3000 Zentner beladener Kohlenkahn in Brand. Mannschaften der freiwilligen Feuerwehr gelang es jedoch, nach angestrengter Arbeit die Glut zu löschen. Diebrennenden Kohlen wurden ausgeladen und der übrige Teil isoliert.— Der Stadtverordnete und Obermeister der Geschützgießerei Herr Feller ist im Alter von 64 Jahren nach schwerem Leiden gestorben. Die Geschichte eines Deserteurs beschäftigt gegenwärtig das Kommandanturgericht in Spandau. Bei der dritten Kompagnie des Garde-Fußartillerieregiments in Spandau diente seit dem Herbst v. Js. der Kanonier Cordts aus Pommern. Cordts war im Privatleben Techniker, besaß eine gute Bildung und sprach geläufig englisch und französisch. Am 24. April ds. Js.. dem zweiten Oster- feiertage, nahm Cordts auf einen Tag Urlaub nach Berlin, von dem er nicht wieder zu seiner Truppe zurück- kehrte. Wie durch Ermittelungen festgestellt wurde, hatte er in Berlin sich reichlich mit Geldmitteln versehen und sich dann ins Ausland geflüchtet. Er wurde nun als fahnenflüchtig steck- brieflich verfolgt. Vor kurzem schrieb Cordts von London aus an die Kommandantur in Spandau, daß er zur Fahnenflucht g e- nötigt gewesen sei. Er habe das Marschieren nicht ertragen können. Nach jedem Exerzieren habe er rheumatische Schmerzen im linken Bein verspürt, die schließlich so schlimm wurden, daß er un- ausgesetzt lahmte und sein linkes Bein nur noch habe nachschleppen können. Er habe sich nun wiederholt krank gemeldet, sei aber von dem dien st habenden Arzt der Verstellung und Simulation beschuldigt und jedesmal gesund geschrieben worden. Nieder- Schöneweide. Bon den Eltern des Fräulein Berg, deren freiwilligen Tod wir gestern meldeten, wird uns mitgeteilt, daß sie in keiner Weise ihrer Tochter Vorhaltungen gemacht hätten, die sie veranlassen konnten, sich das Leben zu nehmen. Ueber leichtsinnigen Lebenswandel der Tochter zu klagen, hätte keine Ursache vorgelegen. Pankow. Zur Pankower Bettugsaffäre. Wir haben eingehend darüber berichtet, daß bei der Verlegung des Pankower Kanalisations- Druckrohres, die Nord- und Reinickendorfer Bahn entlang, arge Ver- fehlungen vorgekommen waren, welche zu einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft und zur Beschlagnahmung einer Kaution von 30 000 M. führten, die der Unternehmer bei der Gemeinde Pankow hinterlegt hatte.— Am Montag wurden nun Abwässer durch das Druckrohr nach dem Mühlenbecker Rieselgut gedrückt. Hierbei sind nunVorkomn, nisse zu verzeichnen, die einzig inihrer Art da st ehe n. DaS Rohr ist auf 10 Atmosphären geprüft und als man gestern mit nur 2 Atmosphären die Abwässer durchleitete, riß zwischen Schildow un'd Mühlenbeck der Erdboden über dem Rohre auf und eine Ueberschwemmung trat ein. Der Schaden wurde sofort beseitigt. Doch Montag abend, als man mit 5 Atmosphären die Abwässer wieder durchleitete, erhielt die Eisenbahnverwaltung sofort wieder von den Mühlenbecker Beamten Nachricht von einem zweiten W a s s e r a u s b r u ch. In der Nähe der dortigen Ziegelei, direkt an den Bahngleisen, drang das Wasser durch und überschwemmte ein Gelände von über 200 Metern. Das Wasser drang bis dicht an die Gleise und bedrohte so den Bahnverkehr. Der gegen Vs 10 Uhr in Reinickendorf ein- treffende Zug mußte vorsichtig die Stelle passieren. Ueber Nacht wurde gearbeitet, so daß gestern morgen keine Gefahr mehr vor- Händen war. Der zweite Wasserausbruch soll auf das Nach- geben eines Verbind ungspuffers, der wahrscheinlich nicht gut verbleit war. zurückzuführen sein. Eine strenge Untersuchung ist eingeleitet. Welche Folgen die Vorkommnisse zeitigen werden, läßt sich noch nicht absehen. Vollen Druck hat das Rohr noch nicht aushalten brauchen, doch werden jetzt genaue Prüfungen notwendig sein, weil das Druckrohr eben den Bahndamm entlang läuft und ernste Unfälle, besonders die Gefährdung der Eisenbahnzüge, nach Lage der Dinge nicht ausgeschlossen erscheinen. Adlershof. Die Adlershofer K-nfliktsfeuerwehr. Ein neuer Feuerwehrstreit ist bei der Freiwilligen Feuerwehr in Adlershof ausgebrochen, nach- dem erst vor wenigen Tagen der monatclange Kampf um den Ober- führer beendet wurde. Seit der Nichtbestätigung des Herrn Lutze war die Wehr ohne Oberführer, jetzt ist sie vollständig führerlos, denn auch der stellvertretende Oberführer Geiger hat in der Vor- standSsitzung der Wehr am Montag sein Amt niedergelegt. Seine Haltung in dem Feuerwehrstreit fand die Mißbilligung emeS Teils der Feuerwehrmannschaften. In der letzten Vorstandssitzung der Wehr erklärte nun das Mitglied Gräber, eine größere Anzahl von Feuerwehrleuten hätten sich verpflichtet, bei der nächsten Uebung dem stellvertretenden Oberführer Geiger den Gehorsam zu verweigern. Herr Geiger sah � sich durch diese Erklärung veranlaßt, sein Amt niederzulegen. Für Donnerstag dieser Woche ist nun eine außer- ordentliche Generalversammlung der Wehr einberufen worden, bte einen neuen Oberführer und seinen Stellvertreter zu wählen hat. Steglitz. Eine Rabcniuuttcr. Am Sonntag wurde hier die 22jährigt: unverehelichte Else Tornow aus der Bahnstr. 6 von der Kriminal- Polizei unter dem Verdachte, ihr drei Wochen altes Kind dem Hungertode preisgegeben zu haben, verhaftet. Die T. versah außer dem Hause Aufwartestellen und kam in letzter Zeit erst in den späten Nachmittagsstunden zurück, nachdem sie schon in aller Frühe weggegangen war. In ihrer Abwesenheit überließ sie das Kind sich selbst, so daß es ohne Nahrung war. Am Sonn- abend starb es nun plötzlich. Die Sache kam zur Kenntnis der Polizei, die dann die Leiche beschlagnahmte und die unmenschliche Mutter, wie eingangs erwähnt, verhaftete. Marienfelde. Die Schiller-Stifttmg für Marienfelde, welche aus privaten Geld- sammlungcn hervorgegangen ist und aus deren Zinsen jährlich an Schillers Todestag an fleißige Schüler Schillers Werke verteilt werden sollen, ist von der Marieufelder Gemeindevertretung angenommen worden. Die erste Prämienverteilung findet bereits im nächsten Jahre statt._ Gerichts-Zeitung. Ein internationaler Hochstapler mußte sich gestern in der Person des Artisten Adalbert Wcrkner vor dem Strafrichter verant- Worten. Der Angeklagte ist vielfach wegen Betruges vorbestraft, zuletzt wurde er in Wien mit drei Jahren schweren Kerker bestrast. Nach Vcrbüßung dieser Strafe verschiffte sich W. die Uniform eines Honvedleutnants und verübte unter dem Namen„von Berkas" in Budapest zahlreiche Betrügereien. Als ihm in Budapest der Boden zu heiß wurde und ihm die dortige Polizeibehörde auf den Fersen war, kam der Angeklagte nach Breslau. Hier verübte er unter dem Namen eines„ungarischen Staatsingenieurs von Mytank" ebenfalls mehrere Hochstapeleien. Schließlich unternahm der Angeklagte eine kleine„Kunstrcise" nach Berlin. In einem Pensionat in der Mar- burgerstraße zu Charlottenburg erschien eines Tages im Februar dieses Jahres ein elegant gekleideter Herr, der, nach seinem ge- brochenen Deutsch zu urteilen, ein Ausländer zu sein schien. Er nannte sich„von Berkai", Leutnant eines Honvcdregiments und erzählte, er fei zu Studienzwecken nach Deutschland gekommen, da er später die Jngenieurkarriere in Oesterreich einschlagen wolle. Der Angeklagte, denn dieser war der angebliche„Leutnant von Berkai", begann nun in ziemlich raffinierter Weise mehrere Kredit- schwindeleien zu inszenieren. Er setzte sich telephonisch mit ver- fchiedenen größeren Geschäften in Verbindung und bat um eine Aus- Wahlsendung verschiedener Waren. Die betreffenden Geschäftsleute beeilten sich natürlich dem vornehmen Kunden mit dem Hausdiener oder einer Verkäuferin eine Musterkollektion der gewünschten Waren zu übersenden. Der Angeklagte wählte sich die wertvollsten Gegen- stände aus und gab dann den Auftrag, ihm die Rechnung zu über- senden. Mit einer gewissen Leichtfertigkeit, die viele Geschäftsleute im Kreditgebcn ausüben, wenn der Besteller einen Titel oder einen hochtönenden Namen besitzt, beeilten sich auch die Lieferanten des „Herrn von Berkai" nicht allzusehr mit der Uebersendung der quittierten Rechnung. Dem Angeklagten gelang es deshalb, mehrere Firmen mit teils ziemlich erheblichen Beträgen hineinzulegen. Ein Juwelier D. war eines Tages höchlichst erfreut, alsein österreichischer Offizier sein Geschäft betrat und um Uebersendung einer Aus- Wahlsendung von Brillantringen und Brachen bat. D. beeilte sich, noch im Laufe des Nachmittags dem Verlangen des„vornehmen" Kunden nachzukommen. Der Angeklagte wählte sich vier Brillant- ringe„zur engeren Wahl" aus und bat den Ueberbringer der Juwelen, ihm die Rechnung erst dann zu übersenden, wenn er end» gültig gewählt habe. Der etwas unvorsichtige Geschäftsmann über» gab auch die vier Brillantringe im Gesamtwerte von 2400 M., nur auf den hochtönenden Namen hin, dem Angenagten, der nichts Eiligeres zu tun hatte, als die Ringe für 700 M. zu versetzen und obendrein auch noch die Pfandscheine zu verkaufen, sodaß dem Betrogenen jede Möglichkeit genommen ist, wieder zu feinem Eigentum zu gelangen. In gleichartiger Weise erschwindelte sich der Angeklagte eine goldene Uhr im Werte von 180 M. und eine wertvolle Stand- uhr. Von einem Herrenkonfektionsgeschäft gelang es dem Angc» klagten, sich eine vollständige Leibwäscheausstatwng und mehrere Dutzend Glacehandschuhe zu erschwindeln. Als schließlich einige Lieferanten mißtrauisch wurden und die Polizei benachrichtigten, war der raffinierte Hochstapler bereits unter Hinterlassung einer größeren Schuld in dem Pensionat flüchtig geworden. Es gelang jedoch noch, ihn in Hamburg festzunehmen. In seinem Besitz be- fand sich schon eine Schiffskarte nach London.— Vor Gericht legte der Angeklagte ein Geständnis ab. Da es nicht festgestellt werden konnte, ob W. bereits in Teutschland mehrere Male wegen Betruges vorbestraft ist, konnten die strafverschärfendcn Bestimmungen des Rückfallparagraphen nicht in Anwendung kommen. Mit Rücksicht auf die Gcmeingefährlichkeit deS Angeklagten erkannte der Gerichtshof auf zwei Jahre neun Monate Gefängnis. Vermischtes. In den Tod geradelt ist der Bergmann Gustav Schnier in Asseln (Westfalen). Er Hatte seine Schicht auf der Zeche„Scharnhorst" beendigt und fuhr auf seinem Rade im schnellsten Tempo nach Hause, da er am Nachmittag noch Roggen einfahren wollte. Den Kopf vorgebeugt, die Brust auf die Lenkstange gedrückt, achtete er nicht deS Wegs und rannte mit voller Wucht gegen einen Bierwagen, die lauten Zurufe des Kutschers überhörend. Ter Unglückliche war alsbald eine Leiche. Er hinterläßt eine Frau mit mehreren unver- sorgten Kindern. Kleptomanie im britischen Unterhause. Ein mysteriöses Ver- schwinden von Seife, Bürsten und Hüten wurde seit einiger Zeit im Unterhause mit Verwunderung und Erstaunen bemerkt. Vor 2 oder 3 Wochen wurde der erste Fall wahrgenommen. Aus der Rocktasche eines Gesetzgebers guckten 6 Stück Seife ganz gemütlich und beut- lich hervor. Diese Seife gehörte dem Unterhause. Seitdem hat dieses Stehlgelüst zugenommen. Ein Parlamentsmitglied eignete sich, natürlich in momentaner Geistesabwesenheit, ein paar Haar- bürsten an; ein anderer Gesetzgeber annektierte, selbstverständlich wieder in geistiger Abwesenheit, ein Scheckbuch, das einem anderen gehörte. Während der letzten Woche litten besonders Hüte, von denen eine Anzahl in geheimnisvoller Weise verschwand. Einige Parlamentsmitglieder versehen sich nun mit Mützen, die die Stelle von Hüten einnehmen sollen, falls letztere-Undere Eigentümer ge- funden haben. Sie laufen dann nicht Gefahr, nachts barhäuptig nach Hause gehen zu müssen. Ein blutiger Zusammenstoß ereignete sich Montag abend in Misburg bei Hannover, wo in den Zementfabriken polnische und kroatische Arbeiter beschäftigt werden. In einer Wirtschaft wurden zwei Kroaten von Polen angegriffen. Der Kampf setzte sich auf der Straße fort. Ein Kroate verletzte mit einem Stilet zwei polnische Arbeiter so, daß sie bald darauf steeSen. Ferner wurden zwei Arbeiter schwer und zwei leicht verletzt. Automobilunfall. Gestern mittag überstürzte sich hier bei der Fahrt über den Wolfratshausener Berg ein Automobil, das von seinem Besitzer, Geheimen Medizinalrat Professor Dr. Bumm-Berlin, gelenkt wurde. Geheimrat Bumm erlitt anscheinend schwere Ver- letzungen. Sein Neffe sowie der Chauffeur blieben unverletzt. Brückeueinsturz. Hannover, 8. August. Bei dem Bau einer Eisenbahnbrücke im benachbarten Hainholz stürzte ein Teil der Mauer, welche gestern aufgeführt worden war, wahrscheinlich infolge Erschütterung durch darüberfahrende Züge ein und verschüttete sieben Arbeiter. Drei wurden schwer verletzt, die vier anderen leichter. Lsmtw. Redakteur: Paul Büttner. Berlin, gut den LnserÄenteil verantw.: Ttz. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» vuchdruckerei u. VerlogSanstalt jgaul Swger& Co., Berlill SYt,