Nr. 186. Abonnements- Bedingungen: 0 Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 3 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum 40 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Bort 10 Pfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr bormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: ..Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 11. August 1905. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Lage und Schutz gewerblicher Arbeiter endlich geschieht, auch auf die Gefahr hin, daß dadurch die inlän-| Katholische Bole wiſſe, daß ſeine Religion geehrt wird von mir, in Preußen. I. und daß er bei der Ausübung derselben in keiner Weise gestört werden wird, daß er aber Ehrfurcht und Achtung vor anderen Konfessionen zu bewahren hat, ebenso wie wir vor der seinen." Dann fuhr der Kaiser fort: " Für jeden, sei er polnisch oder deutsch, der aber katholisch ist, möchte ich noch eines erwähnen: Als bei meinem letzten Besuch im Vatikan der greife Leo XIII. von mir Abschied nahm, da faßte er mich mit beiden Händen und trotzdem ich Protestant bin gab er mir seinen Segen mit folgendem Versprechen: Ich gelobe und verspreche Euerer Majestät im Namen aller Katholiken, die Ihre Untertanen find, sämtlicher Stämme und jedes Standes, daß fie stets treue Untertanen des Deutschen Kaisers und Königs von Preußen sein werden. An Ihnen, meine Herren vom Kapitel, wird es sein, das hohe Wort des großen priesterlichen Greises zur Wirklichkeit zu machen, auf daß derselbe nicht dereinst nach seinem Tode wortbrüchig werde dem Deutschen Kaiser gegenüber." dischen Lammfelle künftighin auf dem Markte etwas teurer werden. I In den Bleiweißfabriken ist nach den Angaben der meisten Berichterstatter in den letzten Jahren die Zahl der Bleivergiftungen Das Bild, das der amtliche Jahresbericht der preußischen Ge- etwas geringer gewesen. Indes sind diese Angaben mit Vorsicht terbeaufsichtsbeamten für das Jahr 1904 von der wirtschaftlichen aufzunehmen, da, wie der Bericht aus Hildesheim sehr richtig her. Lage der gewerblichen Arbeiter, von dem Zustande des Arbeiter- borhebt, der schädliche Einfluß des Bleies sich auch bei manchen schußes, von den Unfällen und den Gesundheitsschädigungen, von nicht als Bleierkrankung bezeichnete Krankheitsfällen geltend gemacht denen die Arbeiter betroffen wurden, gibt, und von den Maßnahmen, haben dürfte". In einigen Betrieben hat sich zudem die kleinere die seitens der Behörden dagegen ergriffen wurden, unterscheidet Anzahl der Erkrankungen als eine Folge von Produktionseinschrän sich wenig von dem der letzten Jahre. Wohl hat die Arbeitslosigkeit tungen herausgestellt. Ueberwunden ist daher die Vergiftungsgefahr etwas abgenommen, aber an einigen Orten, z. B. den Bezirken bei der Bleiweißfabrikation noch lange nicht. Aber es kann nicht Koblenz und Arnsberg, haben die Löhne durch Einschränkung ver- geleugnet werden, daß die Schutzbestimmungen einschränkend schiedener Betriebe empfindliche Kürzungen erfahren, ebenso infolge wirken. Daher ist es nur zweckmäßig, daß durch Bundesratsder Dürre im Sommer in Schlesien. Demgegenüber waren Lohn- bekanntmachung vom 26. Mai 1903 die für Bleiweißfabriken eraufbesserungen nur Ausnahmen. Zeigten sich so die Löhne gegen lassenen Schutzbestimmungen auch auf Fabriken zur Herstellung das Vorjahr ziemlich gleich, so war die Lage vieler Arbeiter doch anderer Bleiprodukte als Bleifarben ausgedehnt wurde. Es ist nun dadurch verschlechtert, daß die Preise der Hauptlebensmittel, interessant zu erfahren, in welcher Weise die Aufsichtsbehörden die Mit dieser Erinnerung bekräftigt Wilhelm II. Anschauungen über namentlich der Kartoffeln, Gemüse und des Fleisches gegen das betreffenden Unternehmer zur Beobachtung dieser Bestimmungen die Rolle des Papstes in der Welt, wie sie bisher selbst der radikalste Borjahr allgemein teurer waren, so daß die Ernährung dürftig und zu veranlassen suchten und welchen Erfolg sie dabei hatten. Der Ultramontanismus nicht erhoben hat. Der Kaiser schreibt dem Papst vielfach ungenügend war, und man fich über Erscheinungen, wie Bericht aus Potsdam sagt darüber:„ Sie( die Unternehmer) wurden eine so absolute Herrschaft über die Katholiken aller Länder zu, daß die durchschnittliche Lebensdauer der Textilarbeiter im Bezirk burch ein gedrucktes Anschreiben darauf aufmerksam gemacht, daß er ihm sogar das Recht einräumt, über die politischen und Münster von 37,8 Jahren nicht wundern kann. Auch die Mieten sie mit dem Teil ihres Betriebes, der der Herstellung von Aescher- nationalen Gesinnungen der Staatsbürger selbstherrlich zu verder Wohnungen wurden an vielen Orten erhöht trotz ihres oft sehr und Glasurmassen dient, unter die Bestimmungen der genannten fügen; ja, seine persönliche Meinung über die politische, nationale und schlechten Zustandes. In schlechtem Zustande befanden sich namentlich Bekanntmachung fallen, und daß sie daher die danach erforderlichen soziale Stellung soll derart maßgeblich sein, daß sie sogar nach sei enm immer noch die Schlafstellen der Saisonarbeiter, wie aus den Be- Vorkehrungen zu treffen hätten. Der wirtschaftliche Verein der Tode den Wert eines unverbrüchlichen Zwangsgebots haben soll. zirken Magdeburg, Merseburg, Minden und Hannover berichtet wird; Ofenfabrikanten, dem fast alle im Bezirk in Betracht kommenden Des feligen Papstes Privatmeinungen über politische Fragen ebenso ungenügend war die Unterkunftsweise der Ziegler in den Firmen angehören, fühlte sich veranlaßt, über diese Aufforderung Deutschlands soll sogar dann noch für die Katholiken bindend sein, Bezirken Schleswig, Kassel, Wiesbaden und Köln. Nach diesen bei dem Regierungspräsidenten Beschwerde zu führen. Nachdem wenn längst etwa ein polnisch begeisterter Papst im Vatikan haust. In Wirklichkeit hat die deutsche Staatsgewalt bisher den Berichten werden noch viele Kinder und Frauen in Ziegeleien in diese abgewiesen war, hat der Gewerbeinspektor mit ihnen zuganz unzulässiger Weise beschäftigt, und die Arbeiter selbst in Un- sammen noch einige Ofenfabriken besichtigt und in einer Vereins- stärksten Widerspruch erhoben und den heftigsten Kampf geführt kenntnis über die schlimmen Folgen der Ueberanstrengung des find- fibung die Mitglieder über die ihnen aus den neuen Bestimmungen gegen solche Rolle des Papstes und sie fonnte nicht anders handeln. lichen und weiblichen Körpers gelassen, so daß sie die Mitarbeit der erwachsenden Verpflichtungen aufgeklärt. Wie wenig trop fort- Man denke nur, Papst Leo hätte etwa dem französischen Präsidenten ersteren als gelegentliche Hülfeleistung ausgeben und so ihre Aus- gesetter Ermahnungen immer noch auf den Schutz der Arbeiter das Wort gegeben, daß die deutschen Statholiten immer zum Beuter selbst vor Bestrafung schüßen. gegen Bleibergiftung geachtet wird, haben die Revisionen der Ofen- katholischen Frankreich halten würden, wer möchte es wagen, einen fabriken wieder gezeigt. In mehreren Fabriken wurden die deutschen Katholiken zu raten, dieses Papstwort für alle Zeit als Arbeiter in dem Raume, in dem die Bleiglafur auf die Kacheln bindendes Versprechen einzulösen! Es wäre in Wahrheit die Auflösung aller nationalen Selbstaufgetragen wird und diese abgezogen werden, zum Mittagessen versammelt angetroffen. Der Arbeitstisch mit Bleiglasur durch ständigkeit, wenn die Katholiken aller Länder sich gebunden fühlten, tränkt, diente als Eẞtisch. In einem Betriebe wurden die Mahl- auch in weltlichen Fragen dem„ Worte" des Papstes zu folgen. zeiten sogar im Aescherraum eingenommen." Aehnliches teilen die Die deutschen Katholiken besonders haben aus einem wichtigen Berichte aus Danzig und Breslau mit. Auch die Aufklärung der Anlasse ausdrücklich diesen Einfluß des Papstes durch Wort und Tat Arbeiter über die ihnen drohende Gesundheitsschädigung, zu der die bestritten. Man weiß, daß 1887, bein Kampfe um das Septennat, Unternehmer verpflichtet sind, muß ganz ungenügend sein, denn Leo XIII. in die Zentrumspolitik eingriff und die Partei aus sonst würden sich die Arbeiter eine so grobe Nichtberücksichtigung ihrer Kirchenpolitischen Rücksichten für die Militärvorlage gewinnen Gesundheit einfach nicht gefallen lassen. Welche Bemühungen und wollte. Bismarck zuerst im Abgeordnetenhause diese welches Entgegenkommen aber, um die Herren Unternehmer zur Meinungsäußerung andeutete, erklärte die Germania" schroff: Die Gesundheitsschädigungen der Arbeiter sind in Beachtung von gesetzlichen Bestimmungen zu veranlassen und welche Die veralteten und so oft schon gebrauchten Mittelchen, den Betrieben, in denen sie früher festgestellt wurden, im wesent- Rücksichtslosigkeit gegenüber der ärgsten Gesundheitsgefährdung der n dieser politischen und finanziellen Frage uns mit dem Papste zu lichen gleich geblieben, auch wo zur Verminderung derselben Schutz- Arbeiter trotzdem! Von einem Antrage auf Bestrafung der pflicht drohen, lassen uns vollständig kalt." Und als die Andeutung sich bestimmungen erlassen wurden und wo die Vermeidung nicht schwierig vergessenen Arbeitgeber sagt der Bericht jedoch nichts. denn doch als Tatsache herausstellte, stellte sich das Zentrum einwäre. Die gegen die gefährlichen Erkrankungen der ThomasschlackenUeber das Vorkommen von Bleierkrankungen in Bleipräparate mütig auf den Standpunkt, daß die Politik unabhängig sei vom müller und Arbeiter erlassenen Schutzbestimmungen erweisen sich benutzenden Gewerben sind in Frankfurt a. M. eingehende Er- Papste. Windthorst bewies gerade aus der Kundgebung des Papstes als unzureichend. Schreibt doch der Berichterstatter für den Bezirk mittelungen angestellt worden, über die der Bericht näheres mit-( auf dem Parteitag des rheinischen Zentrums), daß der Papst den Düsseldorf selbst:" In den Gesundheitsverhältnissen der Arbeiter teilt und die zu der Feststellung führten, daß im Jahre 1903 von sehr wichtigen Grundsatz ausgesprochen habe, daß in Fragen weltder Thomasschlackenmühlen ist leider, wie die nachstehende Uebersicht den bei 60 982 Rassenmitgliedern in Frankfurt vorgekommenen zirka licher Natur die Zentrumsfraktion wie jeder Katholik völlig frei und zeigt, eine durchgreifende Besserung noch nicht zu verzeichnen." Nach 53 000 Erkrankungen auf 100 Maler, Weißbinder und Lackierer 11,6, nach ihrer Ueberzeugung urteilen und stimmen kann, und daß der dieser Uebersicht war das Resultat bei 3 Betrieben: auf 100 Schriftgießer und Schriftseter 2,6 und auf 100 Spengler hl. Water in diese weltlichen Dinge sich nicht mische". Gesamtzahl Erkrankungen Todesfälle und Installateure 1,7 Fälle von Bleierkrankung tamen. Die Erder Atmungs tranfungsgefahr an Bleibergiftung ist also bei Malern wesentlich Lungenhöher als bei allen anderen Betrieben, auch als bei den Arbeitern Fälle Tage schwindsucht der Akkumulatorenfabriken. Viel Druckerschwärze ist in dem Bericht für 1904 auf die Besprechung eines neu empfohlenen Schutzmittels gegen Bleivergiftung verwendet. Nicht weniger als 8 Be richte lassen sich ausführlich über diese sogenannte Atremeinseife aus, alle es mehr oder weniger entschieden ablehnend. Daß von einer allgemeinen Einführung derselben, da kaum ein geringer Nußen zu erwarten, nicht die Rede sein kann, kann sich jeder selbst sagen. Auch das Trucksystem ist in Ziegeleien noch sehr üblich. Aus den Berichten vieler Aufsichtsbeamten geht herbor, daß hier noch immer in ganz unverantwortlicher Weise durch raffinierte Unternehmer und Zwischenmeister die Arbeiter zum Schaden ihres Geldbeutels und ihrer Gesundheit verleitet werden, einen großen Teil ihres Verdienstes dem Arbeitgeber wieder für geliefertes Bier und Branntwein zu lassen. Teilt doch der Bericht aus dem Bezirk Magdeburg mit, daß Ziegelarbeiter vom Zwischenmeister oder dessen Frau verleitet wurden, in einer Woche 50 bis 90 Flaschen Bier zu entnehmen, die dem Meister je 18 Bf. fosten, während er sie dem Arbeiter mit 20 Pf. verrechnet, also dabei noch einen hübschen Profit einstreicht. der Durchnittl. beschäftigte Ertran- Kranken Arbeiter fungen tage organe an 1. 1902 88 54 816 20 309 1 1904 88 79 626 44 248 6 2. 1902 95 109 1273 37 526 1 1904 112 155 1892 42 359 2 3. 1902 1904 85 90 67 965 81 848 22 45 252 590 1 3 Wir haben schon früher darauf hingewiesen, daß eine wirksame Verhinderung beim Vermahlen und Verpacken und damit eine Verhütung dieser schlimmen Lungenleiden nur durch naffes Vermahlen der Schlacke erzielt werden kann, wodurch den Herren Agrariern dieses Düngemittel freilich etwas verteuert würde.- Jm Bezirk Trier mußte einem Arzte, der einem Thomasschladenwerke bescheinigt hatte, daß die tödlich verlaufenen Lungenentzündungen von zwei in diesem Werke beschäftigt gewesenen Schlackenmüllern in keinem Zufammenhange mit der Beschäftigung in diesen Betrieben ständen, die Ermächtigung zur Ausstellung von Gesundheitsbescheinigungen amtlich entzogen werden, ein Beweis, wie gerechtfertigt das Mißtrauen der Arbeiter gegen manche Fabritärzte ist. Politifche Ueberlicht. Berlin, den 10. August. Deutschtum. Als " Der deutsche Kaiser äußert jezt so sehr die entgegengesetzte Auffassung, daß er sogar dem Papste die Macht zuschreibt, die polnischen Statholiken zur deutschen Polenpolitik zu zwingen. Es scheint uns, daß diesen kaiserlichen Appell konsequent durchdacht damit der Papst mit einer Art Uebersouveränetät auch über die weltlichen, ja selbst über protestantische Souveräne ausgestattet wird. Und noch eine zweite Wendung in der Rede Wilhelm II. ist merkwürdig. Er schloß nämlich: ,, Deutschtum heißt Kultur, Freiheit für jeden, in Religion fowohl wie in Gesinnung und Betätigung." So faßten allerdings unsere Klassiker das Wesen des Deutschtums auf. Damit aber wird zugleich von der bisherigen Regierungspolitik anerkannt, daß sie durchaus undeutsch, antinational gewesen ist. Denn sie unterdrückte auf alle Weise, auf allen Gebieten die Freiheit der Gesinnung und die Freiheit der Betätigung. Und vollends in der Provinz Posen, wo die Polen nicht einmal das unmittelbare Naturrrecht ihrer Muttersprache, auch nicht das verfassungsmäßige In Gnesen hat Wilhelm II. eine seltsame Rede gehalten; im Recht der Ansiedelung haben. Und wo hat das Proletariat, die Sozialgrößten Teil der Auflage ist sie gestern bereits mitgeteilt worden. demokratie, die Wissenschaft die Freiheit der Gesinnung und BeDie Rede bezweckt in erster Linie, das vom Zentrum in seinem tätigung? Die Regierungspolitik, wie sie bisher war, kannte nur Kampf gegen den Hakatismus klug bevorzugte Argument zu zer Polizei, Unterdrückung, Ausnahmerecht! Wenn die kaiserliche stören, daß die Germanisierung in der Provinz Bosen zugleich Definition des Deutschtums richtig ist, dann hatte die Regierung Auf Grund der§§ 120e und 139 a G. O. hat der Bundesrat Protestantisierung wäre. Wilhelm II. verwandte die stärksten Mittel, schon deshalb kein Recht andere zu germanisieren, weil sie erst am 28. Januar 1899 für Einrichtungen und Betriebe von Roßhaar- um diese Behauptung zu widerlegen. Wir müssen bekennen, daß ihm selbst sich hätte germanisieren müssen. Soll das nun radikal anders spinnereien, Haar- und Borstenzurichtereien, Bürsten- und Binsel- der Nachweis, wie sehr jener Verdacht unbegründet ist, auch gelungen werden?... machereien Vorschriften zur Verhütung von Anstedung mit Milz- ist. Freilich ist es sonderbar, daß es solchen Nachweises überhaupt brandbazillen erlassen. Seitdem sind in den genannten Betrieben bedurfte; denn kein Mensch zweifelt daran, daß niemand in unserer Posen, 10. Auguft.( Telegramm.) Der Kaiser hat sich zum die Milzbranderkrankungen zwar nicht ganz erloschen, haben aber Regierung daran denkt, der katholischen Kirche zu Leibe zu rücken, Chef des Regiments Jäger zu Pferde Nr. 1 unter Verleihung des wesentlich abgenommen. Im Jahre 1904 tamen in folchen Be- die sich ja gerade in der Maste scheinbarer Unabhängigkeit oder gar Allerhöchsten Namenszuges ernannt! trieben im ganzen 4 Milzbranderkrankungen vor, von denen eine gelegentlicher Opposition als die zuverlässigste Stüße der heutigen tödlich verlief. Dagegen kommen seitdem noch ebenso zahlreiche Reaktion bewährt. " Die Eisenbahnverwaltung auf der Anklagebank. Von technisch sachverständiger Seite wird uns geschrieben: Es hat aber den Anschein, als ob manche meiner polnischen Was so mancher Fachmann vorausgesehen hat, das ist traurige Untertanen immer noch nicht im flaren darüber sind, ob sie Schutz Wahrheit geworden und die Eisenbahnunfall- Chronik ist um ein und Recht unter dem Hohenzollernbanner finden, und eine leicht betrübendes Ereignis reicher! Es hat sich sofort eine Kommission angeregte Phantasie mit der Pflege geschichtlicher Erinnerungen an die Unfallstelle begeben. Natürlich wird man auch einen Sündenfann manches begeisterte Gemüt zu falschen Schlüssen führen. Wie bock finden. Ein falsches oder übersehenes Signal usiv., turz etwas damals, so auch heute möchte ich wiederholen, daß ein jeder wird sich schon auftreiben lassen, um das Publikum von neuem qu Fälle von Milzbranderkrankungen in Gerbereien und Fellhandlungen Der Kaiser appelliert sogar mit dem verpfändeten Worte des bor, so im letzten Jahre in Gerbereien 19, von denen 4 tödlich berseligen Bapstes; er erzählte: liefen und in Fellhandlungen 5 Erkrankungen. Niemand wird bestreiten wollen, daß die Gerbereiarbeiter denselben Schutz verdienen wie die Roßhaarspinner usw., aber obgleich das Erkrankungsberhältnis auch in den vorhergehenden Jahren ein ähnliches war, ist bisher noch keine Ausdehnung der Schutzbestimmungen auf die Gerbereien erfolgt. Es muß dringend verlangt werden, daß das beschwichtigen. Wie alle derartigen Katastrophen, so ist auch das Unglück von Spremberg naturgemäß eine Verdichtung von ein- zelnen unglücklichen Momenten. Etwas muß aber hierbei sofort jedem Laien ins Auge fallen: Die beiden Schnellzüge sind gegeneinander gefahren, also auf dem- selben Gleise auf freier Strecke; das heißt, die Strecke ist ein- gleisig! Eine derartige Anlage mag zur Zeit der„stillen Pauline" recht vorteilhaft gewesen sein. Wie läßt sich eine solche Streck- aber heut noch rechtfertigen in einer Zeit des Schnellverkehrs! Das ist der schwere Vorwurf, den wir unserer Eisenbahnverwaltung machen müssen! Denn dieses Moment ist die eigentliche Beran- lassung zu der furchtbaren Katastrophe gewesen. Und leider steht diese Unglückslinie nicht vereinzelt da, sie hat eine würdige Ge- fährtin in der Strecke Berlin Anhalter Bahnhof-Elsterwerda- Dresden. Der Berliner ahnt gar nicht, was ihm für Gefahren drohen, wenn er einen Ausflug in die sächsische Schweiz macht. Selbstverständlich ist der sächsische Teil dieser Linie von Dresden bis Elsterwerda zweigleisig, der preußische— eingleisig. Fragen wir uns: Wie war es aber möglich, derartige Kata- strophen bisher zu vermeiden, so ist die einzige Antwort: durch äußerste Anspannung und Pflichttreue der subalternen Be- amten, des Lokomotivpersonals, der Strecken- und Stations- beamten! Der Laie hat keine Ahnung, welche Gefahren ein derartig eingleisiger Betrieb auf einer Strecke mit sich bringt, die zwei Städte wie Berlin und Dresden verbindet; also ungleich wichtiger als Berlin-Görlitz ist. Ein Bild gewinnt man davon, wenn man sich vergegenwärtigt, was für Züge auf dieser Linie fahren. Güter- züge, schnelllaufende Güterzüge, Personenzüge und Schnellzüge mit 80 Kilometer Durchschnittsgeschwindigkeit pro Stunde, ®«A-vCiu, V w 0 UiAi» aS. Cr. Ä sei ein schnellfahrcnder Güterzug, D— Güterzug, C= Personenzug, D— Schnellzug, E--- Schnellzug. Die Pfeile geben augenblickliche Stellung und Richtung der Züge an. Da nun samt- liche Züge auf einem Schienenstrang laufen, so kann Schnellzug D nur dann passieren, wenn A, B, C und E sich auf den Stationen auf sogenannten Ausgleichgleisen befinden. In Wirklichkeit vollzieht sich dieser Vorgang aber nicht so glatt wie auf dem Papier. Soll z. B. Schnellzug v ungehindert passieren, so muß C in Ukro auf der Ausweichung stehen, A hat B in Ukro ebenfalls überholt und steht in Golssen auf Ausweichung, und Schnellzug E hat Dobrilugk erreicht und läßt D dort an sich vorbeifahren. Glückt es nun einem einzigen dieser Züge infolge Verspätung nicht, seine festgesetzte Kreuzung resp. Ueberholung zu erreichen, so ist eine Konfusion auf der ganzen Strecke unver- m e i d l i ch. Folge: Stundenlanges Umherliegen der Güterzüge auf der Strecke, Ncbermüdung des Personals sind damit Gefahr! Man frage einen Bahnwärter über die Gefahren eines solchen Betriebes. Die Antwort wird sein: Ein Signal übersehen, und der Trümmerhaufen ist fertig. Ein Beispiel ist Spremberg! Erreicht nun der Zug A Golssen nicht mehr vor Eintreffen von D in Ukro, sodaß beide Züge auf freier Strecke zusammenstoßen würden, so muß A ebenfalls in Ukro stehen bleiben. Von diesem Vorgang müssen sämtliche Stationen telegraphisch, Lokomotivführer von v und C schriftlich durch Anhalten der Züge, und die Bahn- Wärter durch Signale auf der Maschine in Kenntnis gesetzt werden. Eine einzige Unterlassung oder Uebersehen kann die fürchterlichsten Folgen haben. Bei Ausübung dieser Vorschriften riskiert zum Beispiel der Lokomotivführer und Heizer sein Leben, denn um nicht noch selber Verspätung zu bekommen, geht der Mann an der dahinrasenden Maschine entlang und steckt vorn das Signal auf und zieht es nachher ebenso ein. Bestimmung ist: Signal beim Halten aufstecken! Tut er dies, so wird er wegen Ver- spätung bestraft oder führt Unglücksfälle herbei; tut er es während der Fahrt, so riskiert er sein Leben! Jeder Unbefangene muh sich nun fragen: Wie ist ein derartiger, unseres Landes unwürdiger Zustand nur denkbar? Wie war es möglich, daß der Altenbekener Tunnel einstürzen konnte, ohne daß die leitenden Behörden rechtzeitig Kunde davon erhielten! Der Tunneleinsturz von Altenbeken, die Katastrophe von Spremberg sind nicht Verschulden eines einzelnen, sondern Schuld daran ist unser'System, unsere Verwaltung! Vollständig freizusprechen sind hierbei die höheren technischen Beamten! Wie hoch kommt ein solcher aber? Höchstens bis zum Beirat. Ueber�hnen aber schwebt der I u r i st, und an der Spitze steht der ehemalige Offizier! Derartige Herren aber, mit ihrem von Sachkenntnis nicht getrübten Blick, zu überzeugen, ist ein s ch w« r e s Stück Arbeit für den technischen Beamten! BerdammenswerteS Bureaukratcntnm trägt die Schuld an dem Unglück von Spremberg, deswegen haben Bürger und Eisenbahner ihr Leben lassen müssen! Vergleicht man übrigens die Linien Bcrlin-Sprcmberg, Berlin- Elsterwerda mit anderen zweigleisigen� so fällt npth folgendes auf: Strecken wie Berlin-Posen, Berlin-O st Preußen usw. sind zweigleisig, also Linien, die ungleich weniger frequentiert sind! Sie haben aber für unseren Staat einen Vorzug! Sie kommen für Truppentransporte in Betracht! Der Bürger kommt aber erst an z w e i t e r Stelle in einem Militärstaat wie Preußen. Nicht umsonst ist Herr Budde ehemaliger Offizier; sonst wären ihm der- artige Mißstände vielleicht doch schon einmal aufgefallen. Es wird Sache des Volkes selber sein, für seine Sicherheit auf unseren Eisenbahnen Sorge zu tragen! «• Dcutfcbeö Reich. Ucber die Truppennachschiibe für Südwestafrika wird der„Rh.-Westf. Ztg." geschrieben: „Zur Ergänzung und Verstärkung der Schutztruppe sollen folgende Transporte am 17. August auf dem Truppenübungsplatz Münster zusammentreten: 16. und 17. Transportkompagnie, die ausschließlich Ergänzungsmannschaften für die Feldregimenter in sich aufnehmen. Die Zusammensetzung dieser Mannschaften nach Waffengattungen wird etwa zu zwei Dritteln aus Infanteristen, zu einem Drittel aus Kavalleristen erfolgen. Außerdem werden diesem Transport noch SOO Pferde beigegeben, die zur Auffüllung der Bestände der Feldregimenter bestimmt sind. Der Transport tritt am 31. August init dem Dampfer „Eduard Woermann" von Hamburg aus die Ausreise an. Sein Ziel ist Swakopmund. Der zweite Transport, die 13. und 19. Transportkompagnie, benutzt den Dampfer„Alexandra Woermann" zur Ausreise. Abreisezeit und Reiseziel sind die gleichen wie beim ersten Transport. Die Verteilung der Mann- schaften auf die 17. und 18. Transportkompagnie wird in der Weise erfolgen, daß die 17. Transportkompagnie die für die Maschinengewehr- und Feldartillerie-Abteilungen, die 13. Transport- kompagnie dagegen diejenigen für die Eisenbahnbaukompagnie, stir die Feld- und Funkentelegraphen- Abteilungen bestimmten Mannschaften in sich aufnimmt. Im ganzen gelangen zur Aussendung: 42 Offiziere, 12 Sanitätsoffiziere, IV Veterinäre, 6 Feldlazarett-Renda nten, 645 Mann, 30 Krankenpfleger und zwei Zahlmeister- aspiranten, also zusammen mit 44 Mann Begleitpersonal 791 Mann und 500 Pferde.— Daß diesem Transport später noch weitere VcrstärtungSmannschaften, insonderheit die allmonat- lichen Ergänzungsmannschaften folgen werden, ist vorauszusehen. Inwieweit aber diese„Verstärkungen" oder „Ergänzungen" den üblichen Rahmen überschreiten werden, steht zurzeit noch nicht fest und wird wohl ganz vom eintretenden Bedarf und den entsprechenden Forderungen des Generals v. Trotha abhängen." Wie man sieht, verzichtet die„Rh.-Westf. Ztg." darauf, überhaupt noch einen Unterschied zwischen„Ergänzungen" und„Verstärkungen" zu machen! DaS ist ja auch das bequemste. Demgegenüber muß aber immer wieder festgestellt werden, daß der Reichstag nur„Ergänzungen" von 250 Mann fiir je 2 Monate bewilligt hat, daß also die 4200 Mann, die innerhalb des letzten Monats ab- gegangen sind resp. abgehen werden, höchstens zum k l e i n st e n Teil„Ergänzungen" darstellen, zum größten Teil dagegen Verstärkungen! Die Tatsache der gröblichsten Verletzung des Budgetrechtes ist also nicht zu leugnen. Unsere Kolonialschwärmer halten eS aber auch, wie die„Rh.-Westf. Ztg." beweist, gar nicht mehr der Mühe wert, diese Tatsache zu bestreiten. Sie betrachten das Budgetrecht als eine gleichgültige Form, die von der Regierung nach Belieben mit Füßen getreten werden darf. Sie stellen mit aller Gelassenheit in Aussicht, daß auch künftig der„übliche Rahmen" der Truppennachschübe ganz nach den Wünschen desHerrn von Trotha über- schritten werden würde! Und das ist der eigentliche Kern der ganzen Frage. Wollen es wirklich die bürgerlichen Parteien noch länger mitansehen, daß immer neue Truppen nach Südwestafrika geschickt werden, daß immer neue Hunderte von Millionen vergeudet werden, ohne daß man dem Reichstage Rechenschaft ablegt? Die bisherige schwächliche Haltung selbst des Zentrums und des Freisinns kann allerdings der Regierung nicht den nötigen Respekt abnötigen, den Reichstag zu einer sofortigen Tagung einzu- berufen!—_ Die sozialpolitischen Anschauungen des Dortmunder OberbergamteS. Nach den Bestimmungen des Unfallbersicherungsgesetzes haben die Bergbehörden die Aufgabe, bei Unfällen Unter- suchungen über die Vorgänge vorzunehmen, die den Unfall veranlaßten. Bei der großen Unfallziffer im Bergwerks- betriebe ist es erklärlich, daß die Bergrevierbeamten mit Unfall- Untersuchungen sehr stark in Anspruch genommen sind. Die Tätigkeit der Bergbehörden auf diesem Gebiet wird man aber als eine sehr wichtige erachten müssen, weil sie den Beamten am ehesten Unregelmäßigkeiten im Betriebe und Mängel der Betriebseinrichtungen zur Kenntnis bringen kann. Die unparteiische Untersuchung durch eine Behörde ist auch um deswillen schon für den Verletzten von großem Wert, weil die Betriebsunternehmer sicherlich sehr oft bemüht sind, ihre Verfehlungen zu vertuschen.— Um so unverständlicher muß es erscheinen, wenn vor einiger Zeit das Oberbergamt zu Dortmund an die Knappschafts- Berufsgenossenschaft der Sektton H zu Bochum das Verlangen stellte, man möge das Oberbergamt von den vielen Unfall- Untersuchungen entlasten und Einschrän- kungen der Untersuchungen veranlassen. Sicherlich würde das sonderbare Verlangen der Bergwerks- behörde auf ein sehr verständnisvolles Entgegenkommen seitens der Berufsgenossenschaft rechnen können, wenn nicht die Be- amten der Berufsgenossenschaft dem Oberbergamt mit Recht entgegenhalten mußten, daß sie an dem bisherigen Zustande nichts ändern könnten, da die Bergbehörde zur Unfallunter- suchung gesetzlich verpflichtet ist. Durchaus zutreffend bemerkte sogar die Berufsgenossenschaft, eine mehr oder weniger generelle Abstandnahme von den Untersuchungen, wie sie das königliche Oberbergamt wünsche, erscheine unttinlich, sie würde weder dem Reichsversichenmgsamt, noch der Berufsgenossenschaft und den Verletzten gegenüber zu verantworten sein. Man muß sich erstaunt fragen, ob nicht einer preußischen Behörde, insbesondere einer Behörde wie dem Oberbergamt zu Dortmund, die ihre spezielle Tättgkeit regelnden gesetzlichen Bestimmungen bekannt sein sollten, und was soll man von einer solchen Behörde halten, wenn sie erst von der Berufs- genossenschaft Aufklärung über ihre durch Gesetz ihr über- tragencn Verpflichtungen bekommen muß. Noch unverständlicher und bezeichnend für den sozialpolittschen Geist, der im Oberbergamt zu Dortmund vorhanden sein muß, ist das Ver- langen an und für sich. Man sollte meinen, daß einer Be- Hörde, welche die Aufgabe zu erfüllen hat, für Sicherheit und Ordnung im Bergiverksbetriebe zu sorgen, sehr darum zu tun wäre, jeden Unfall kennen zu lernen und Erhebungen und Nachforschilligcn über Ursachen der Unglücksfälle anzustellen, denn die beste Kontrolle kann gerade im Anschluß an Betriebs- Unfälle erfolgen. Dabei muß berücksichttgt werden, daß heute schon vielfach bei den Unfalluntersuchungen von den Berg- revierbeamten zu Protokoll gegeben wird, eS verlohnte s i ch nicht, die Unfallstelle in Augenschein zu nehmen, da die Betriebsverhältnisse sich vollständig geändert haben. Berücksichtigt man die Anschauung, die in dem Verlangen des Oberbergamtes zum Ausdruck kommt, so darf man wohl annehmen, daß sehr oft, die Untersuchungen auch da unter- bleiben, wo sie eigentlich trotz der veränderten Betriebs- Verhältnisse notwendig gewesen wären. Nach dieser Probe seines sozialpolitischen Könnens kann man>vohl verstehen, wenn die Bergarbeiter mehr als Mißtrauen gegen das Ober- bergamt zu Dortmund zum Ausdruck bringen. Eine Behörde, die ihre Aufgaben auf sozialpolittschem Gebiete so— preußisch auffaßt, wie hier das Oberbergamt zu Dortmund, gibt am deutlichsten selbst die Erklärung, was von dieser Stelle aus bei Leitung der Untersuchungen über die Zustände in Bergwerksbetricbcn nach dem großen Streik ermittelt werden konnte. Gegenüber diesen Tatsachen darf wohl mit Recht betont werden, wie dringend notwendig die Beihülfe der Arbeiter bei der Grubenkontrolle ist; denn ein treffenderes Beispiel der Unfähigkeit, seine Aufgabe auf diesem Gebiete zu erfüllen, konnte das Oberbergamt zu Dortmund nicht geben.—_ Em Dokument von Deutschlands Ruhm und Ehr. Ein alter, arbeitsunfähiger Schlosscrmeistcr ans Marggrabowa fOstpreußen) hat den Krieg im Jahre 1370/71 mitgemacht und in sechs Schlachten gekämpft. Jetzt nach 35 jähriger, mühsamer Arbeit ist er völlig hinfällig und lebt in gedrückten Verhältnissen. Deshalb bat er die Regierung um eine V e t e r a n e n b e i h ü l f e. Zu diesem Zweck ließ er sich vom Arzt untersuchen und sandte neben anderen Papieren folgendes ärztliche Attest an daS Landratsamt zu Marggrabowa: Dr. med. Oskar Schloß, praktischer Arzt. Der Schlossermeister K... L... aus Marggrabowa will den Antrag auf Gewährung einer Veteranenbeihülfe stellen, weil er infolge von Sehschwäche und großerSchm erzen in den Beinen seinen Beruf nicht mehr so ausüben könne und da- durch gänzlich arbeitsunfähig geworden sei. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit Reparaturen an Nähmaschinen und Fahrrädern; dazu gehöre bei der Feinheit der Arbeit ein gutes Auge, das habe er aber in letzter Zeit so gut wie ganz verloren. Außerdem könne er in der Werkstätte nicht lange stehen, weil ihm die Unterschenkel anschwellen und dann stark schmerzen. Die Untersuchung ergab: Die Sehschärfe auf beiden Augen beträgt nicht ein Drittel der normalen. L... hat bis dahin eine Brille getragen, in welcher er aber in letzter Zeit so wenig sehen konnte, als mit bloßem Auge. Zum Zweck der Verschreibung einer neuen Brille kam K. L. am 2. Juni zu mir. Die Untersuchung der Augen aber ergab eine Abnahme der Schärfe, welche durch einGlaS wohl kaum reguliert werden kann. Die Bindehäute der Augen sind stark gerötet, entzündet; die Angen selbst voll Tränen. DaS sind Folgen eines chronischen Bindehautkatarrhs und dieser wieder Folge des Berufes. Die Augen sind dadurch, daß L... selbst stets an der heißen Esse und in, Rauch gearbeitet hat, im Laufe der Zeit chronisch katarrhalisch erkrankt und schlecht geworden. Zu diesem Leiden, das L... an und für sich schon arbeitsunfähig macht, treten noch gewaltige Krampfadern dazu, welche in erheblichem Matze stark geschlängelt und prall gefüllt an beiden Unterschenkeln vorhanden sind. Auch diese sind Folgen des Berufes. Denn Krampfadern entwickeln sich hauptsächlich bei solchen Personen, welche stehend den ganzen Tag zu arbeiten haben. Im vorliegenden Falle liegt die Gefahr vor, daß eine Krampfader bei schwerer Arbeit und langcrem Stehen platzt, wodurch eine lebensgefährliche Blutung veranlaßt werden könnte. Die geringe Arbeitsfähigkeit, die demnach Herrn K. L. verbleibt, dürfte bei dem hohen Alter kaum in An- rechnung gebracht werden können und begutachte ich deswegen«ach bestem Wissen und Gewissen, daß der Schlossermeister K. L. dauernd gänzlich erwerbsunfähig ist und Anspruch zu erhebco um Gewährung der Veteranenbeihülfe berechtigt ist. Lyck, den 6. Juni 1905. Der alte Schlossermeister glaubte nun auf Gmnd dieses Attestes eine Beihülfe zu erhalten, doch er wurde bitter enttäuscht. DaS "Landratsamt sandte ihm nach sechs Wochen folgendes denkwürdige Dokument: g.Jhrran2905/03. Marggrabowa. den 21. Juli 1905. Ihr protokollarisches Gesuch vom 8. Juni um Gewährung der Veteranenbeihülfe muß ich als unbegründet zurückweisen, da Sie noch�licht als dauernd gänzlich erwerbsunfähig betrachtet werden könnM. Das von Ihnen eingereichte Attest ist dem Herrn Kreisarzt h i e«z ur gutachtlichen Aeußerung vorgelegt und hat derselbe erklärt. Sie wären aus Grund der in demselben geschilderten Leiden noch nicht dauernd gänzlich erwerbsunfähig. Die Militär- papiere liegen bei. Braemer. An den Schlossermeister Herrn K. L... Das ist der Dank des„Vaterlandes". Der alte Schlossermeister mag nur so lange stehen bleiben an der heißen Esse, bis ihm eine Krampfader Platzt und er stirbt. Ist er Mitglied des Kriegervereins, dann kann er sicher sein, daß man ihm dann ein„ehrendes Andenken" bewahren wird. Der alte Mann ist noch lange nicht Patriot genug. Sieht er denn nicht ein, daß das Deutsche Reich, für das er sich aufgeopfert hat, kein Geld zur Linderung seiner Not hat? Als treuer Patriot muß er ohne Murren hungern und im Elend umkommen, denn es müssen doch in Deutschland Knegsschiffe erbaut, Weltpolitik getrieben. Denkmäler errichtet und Feste gefeiert werden. Das kostet so unendlich viel Geld, daß für so einen alten Veteran wirklich nichts übrig bleibt. Warum ist er auch alt und arbeitsunfähig geworden? Jetzt nützt er ja„seinem Vaterlande" nichts mehr! Aber eS beliebt ihm ja, so rücksichtslos gegen das Vaterland zu sein und länger zu leben und noch Ansprüche zu stellen. Das grenzt stark an Vater- landSl osigkeit.—_ Gegen den Befähigungsnachweis. In den Verhandlungen des Handwerks- und Gewerbekammertagesin Köln wurde auf Antrag des Abgeordneten Mallewitz-Stettin in namentlicher und nach Kammern vorgenommener Abstimmung mit 46 gegen 25 Stimmen beschlossen: Der Kammertag lehnt den Be- fähigungs nachweiS für sämtliche Handwerks- z'weige als unter den heutigen Verhältnisse nun- erreichbar ab. Darauf Ivurde mit allen gegen eine Stimme einem Antrag der Gewerbekammer Hamburg ünd der Hand- werkskammmer Darmstadt zugestimmt, in dem die. Hoffnung ausgesprochen wird, es möge die von der Regierung in Aussicht gestellte Gesetzesvorlage betreffend den Befähigungs na ch w ei S , m B a u g e w e r b e m ö g l i ch st b a l d eine» ausreichenden Schutz für diese Gewerbe bringen. Ferner wurde ein weiterer Ausbau der Gesetzgebung dahin dringend erforderlich er- achtet, daß der Meistertitel mit größeren Vorrechte« ausgestattet werde._ ZentrumSstütze und Lehrlingsbildner. Der Schlossermeister Anton Schmidt in Offenburg, Kirchen- licht und ZentrumSstütze. verklagte jüngst den Vater seines Lehrlings K. auf Schadenersatz oder Elfüllnug des Lchrvcrtrages. Der Lehr- ling war davongelaufen, weil er von dem ehrsamen Meister fort- gesetzt gemißhanoelt worden war. Ein Gummischlauch bildete daS heilige Instrument zur Erhaltung der guten alten Handwerkssitt« dem 17 Jahre alten Lehrling. Den letzten Anlaß zur Flucht des Lehrlings bildete der Umstand, daß er am 29. Juni, dem katholischen Feiertage, den ganzen Tag arbeiten sollte, während Meister und Gesellen feierten. Weil der junge Mann an dem Feiertage nicht weiter arbeiten wollte, wurde er wieder mit dem Gummi- schlauche bedroht und deshalb lief er schließlich davon. Der Vater des Lehrlings machte in der Verhandlung unter anderem geltend, daß der Lehrling bei dreijähriger Lehrzeit l'/z Jahre mit Arbeiten beschäftigt wurde, die mit der Erlernung des Handwerks in keinem Zusammenhang standen. Darauf hatte der Meister die Erwiderung, daß man dem Jungen noch im letzten Jahre beibringen könne, was er zur Ausübung des Berufs brauche! Der Meister wurde mit seiner Klage angewiesen. Der junge Mann lernt nun in einer Maschinenfabrik sein Handwerk.— Einen kindischen Angriff richtet die„Freis. Ztg." gegen den «Vorwärts". Den Vorwurf nämlich, die Freisinnige Volköpartei durch„krasse Unwahrheiten"„verdächtigt" zu haben. Dies Ver- brechen soll der„Vorwärts" durch folgende Auslassung begangen haben: „Die freisinnige Presse benimmt sich diesen Truppen- Verstärkungen gegenüber höchst seltsam. Sie ist durch die Erklärungen des„Tag" und der„National-Zeitung" voll- ständig befriedigt und gibt sich den Anschein, als ob die Verstärkung der slldwestafrikanischen Truppen um 1200 Mann in einem einzigen Monat ganz in der Ordnung wäre und sich durchaus in dem Rahmen der Bewilligungen des Reichstages hielte. In Wirklichkeit ist aber vom Reichs' tage nur ein alle zwei Monate stattfindender Truppem Nachschub von 250 Mann bewilligt worden. Selbst also, wenn es wahr wäre, daß die abgesandten Truppen nur die in vier Monaten entstandenen Lücken ausfüllen sollten, würden 700 Mann mehr abgehen, als vom Reichstag bewilligt worden sind I D i e l i b e- rale Presse st eckt aber den Kopf absichtlich in den Sand, um nicht ebenfalls in den Ruf nach Einberufung des Reichstages einstimmen zu müssen. Es wäre den liberalen Herren unangenehm, ihre Zustimmung zu Maßnahmen offen geben zu müssen, deren Verantwortung sie viel lieber der Regiening selbst überließen l Wir sind trotz der sittlichen Entrüstung der„Freis. Ztg." nicht in der Lage, unsere Vorwürfe zurücknehmen zu können. Die frei- sinnige Presse hat in der Tat eine überaus flaue Haltung eingenommen. Da?„Verl. Tagebl.", das ja doch wohl auch der freisinnigen Presse zuzurechnen ist, hat fast jeden Tag beteuert, daß die Budget Verletzung der Regierung eine ganz harmlose Sache sei. Die Ab sendung von 5000 Mann Verstärkungen sei ganz unwahr scheinlich, so hieß es bereits in der Abendausgabe vom 5, August. In der Abendausgabe vom 7. August wurde erklärt, daß trotz der neuerlichen Meldungen der„Magdeb, Ztg." die beabsichtigten Nach- schiibe durchaus keine Verletzung des Budgetrechts bedeuteten. In der Morgenausgabe vom 8. August hieß es weiter, daß es mit den angeblichen Verstärkungen für Südwestafrika„ganz und gar nichts sei". Nur für die bereits abgegangenen 300 Mann müsse die Regierung allerdings um Indemnität nachsuchen. Daß diese Indemnität aber sofort nachgesucht werden müsse, davon war keine Rede. Allerdings sprach auch das„B. T." von der Einberufung de? Reichstages, aber doch recht beiläufig, wie über- Haupt in dem Blatt die ganze Südwestafrikafrage— und es handelte sich doch, wie selbst die„Köln. Volksztg." hervorhob, im wesentlichen um die Frage, ob derKrieg überhaupt noch in der bisherigen Form fortgesetzt werden solle— höchst pomadig beurteilt wurde. Und auch die„V o s s. Z t g.". die doch ein volksparteiliches Blatt ist und zudem einen beträchlich größeren Leserkreis besitzt als die„Freist Ztg.". schenkte der Frage der Einberufung des Reichstages so gut wie keine Beachtung. Sie begnügte sich damit, am 5. August von den angeblich geplanten Ver- srärkungcn für Südwestafrika und den„Dementis" kurz referierend Notiz zu nehmen, ohne selbst irgendwie Stellung zu nehmen. Auch die Budgetfrage und die Einberufung des Reichstages waren für sie Hekuba. Aber auch die„Freis. Ztg." selbst ließ bei ihrer ganzen Be- Handlung der Südweslafrikasrage die nötige Energie vermissen. Sie schloß sich zwar der Forderung der sofortigen Einberufung des Reichstags an und setzte hinter die freiwillig-offiziösen Dementis des„Tag" und der„National-Ztg." ein Fragezeichen— sogar unter Zitierung des„Vorwärts"—, allein sie verschwendete an die ganze Affäre auch nicht ein Zehntel jener Verve, mit der sie jetzt ilber- flüssigerweise den„Vorwärts" attackiert. Aber selbst wenn das nicht der Fall gewesen wäre— seit wann ist denn daS Blatt des Herrn Müller-Sagan d i e freisinnige Presse? Statt uns törichterweise an- zurempeln, sollte das Blatt seine überschüssige Energie dazu ver- wenden, freisinnige Blätter wie die„Voss. Ztg." und das„Berliner Tageblatt" gegen die aberwitzige Südwestafrikapolitik scharf zu machen I— Die Fleischnot nimmt auch in B a y e r n immer unheimlichere Dimensionen an. Aus allen größeren Städten kommen Nachrichten, daß meist nicht einmal die Halste des gewöhnlichen Bedarfs an Schweinen geschlachtet werden kann. In Nürnberg haben die Metzgenneister vom Mittwoch ab den Preis für das Schweinefleisch von 80 aus 00 Pst pro Pfund erhöht, aus anderen Orten werden ähnliche Preissteigerungen gemeldet. Die arbeitende Bevölkerung wird dadurch schwer getroffen und wird bald ganz auf Fleischnahrung verzichten müssen. Der Konsum von Pferdefleisch steigt rapid, in manchen Orten hat sich bereits der Verbrauch von Hunde- fleisch eingebürgert, der sonst in Bayern gänzlich unbekannt war. Die Regierung steht der allgemeinen Notlage vollkommen gleich- gültig gegenüber und weigert sich nach wie vor hartnäckig, die Grenze für ausländische Schlachtschweine, sei es auch nur für ein bestimmtes Quantum, zu öffnen. Die Agrarier schwingen die Veiffche und diktieren die Preise.— Hueland. Oesterreich-Ungar». Für das allgemeine Wahlrecht wollen— so meldet eine Depesche aus Budapest— die ungarischen Sozialdemokraten in der nächsten Zeit folgende Demonstrationen entfalten: Sie lassen eine Million Plakate drucken, die nichts weiter enthalten als folgende Worte: „So lange man uns nicht das allgemeine Wahlrecht bewilligt. gibt's keme Ruhe in Ungarn!"— Sämtliche Plakate sollen zur selben Stunde in allen Straßen und an den Hauptorten Ungarns angeschlagen werden,— Italien. Der Papst gegen die Sklaverei. verr Coccozo der Vorsitzende der„Antisklaverei-Liga". wurde nach seiner Rückkehr aus den Vereinigten Staaten und Kanada ver- gangene Woche vom Papst empfangen. Coccozo berichtete über die Resultate seiner Reise, die der Aufgabe galt, die amerikanischen Bischöfe fur� die Jdee� zu gewinnen, in Mittel-Afrika Orte zu rchen Freiheit des Menschen lusicherung moralischer und für Eßwaren. In Bilbao warfen Bettler mit Steinen nach der Equipage des Bischofs, weil er ihnen kein Almosen gab.— England. Tie Manöver der englischen Miliz haben letzten Montag in der Gegend von Salisbury begonnen, Sie werden geleitet vom General Hamilton, der dem Mandschurei-Kriege als Attache bei der japani- schen Armee beigewohnt hat.— Das Wichtigste aber ist, daß den Manövern zum erstenmal ein französischer Offizier beiwohnt, um im Auftrage seiner Regierung die Leistungsfähigkeit der Miliz zu studieren.—_ i""- zu gewinnen, in Mittel-Asrira iurre zu gründen, in denen die Achtung der persönlichen Freiheit des Menschen eine Statte stmxl— Coccozo hat die Zusicherung moralischer und materieller Hülfe erhalten, sodaß er hofft, es könnten in naher Zukunft in Asnka lo~orfer errichtet werden, deren jedes dem Schutze eines amerikanlschen oder kanadischen Sprengels unterstehen soll. Es sind sogar bereits Namen für die Niederlassungen vorge- sehen, z. B,: Llberte, New£)ork, Quebec, Minnesota, Montreal usw.— Der Papst hat einen Kunstgegenstand im Werte von 10 000 Lire gespendet, der unter den Wohltätern der Liga verlost wer- den sollt Glückliche Neger II—_ Spanien. Die Hungersnot. Aus Sevilla wird gemeldet: Der N o t st a n d auf dem Lande wird immer größer: Tausende von Arbeitern leben aus Mangel an Brot nur vom Genuß von Wurzeln. In Utrera plünderten Hungernde die Bäckereien und andere BerkauMden Huö der Partei. • Im zweiten Hambnrgischcn Wahlkreise beschäftigten sich die Parteigenossen mit dem Parteitage. In der Diskussion über die Maifeier traten nur zwei Redner gegen die Arbeitsruhe auf, während die übrigen für die Arbcitsruhe eintraten. Danach wurde über daS Organisationsstatut verhandelt, die Versammlung jedoch vertagt, nachdem folgender Antrag Elm vorgelesen worden war: „Der Parteirag anerkennt ausdrücklich das Recht der GeWerk- schaften, durch von ihnen dazu bestimmte Vertreter gemeinsam mit den Vertretern der Partei resp. der Fraktion in allen die Intet essen der Gewerkschaften wie der Partei in gleichem Maße bt rührenden Fragen zusammenzuwirken und diesbezügliche Resolu tionen für den Parteitag und den Gewerkschaftskongreß, sowie Gesetzesvorschläge usw. für den Reichstag vorzubereiten und zu beschließen. Die praktische Durchführung dieses Beschlusses wird dem Parteivorstand und der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands überwiesen." Personalien aus der Parteiprcsse. Genosse Stückle n, bisher an der„Altenburger Volkszeitung", tritt am 1. Oktober in die Redaktion der„Arbeiterzeitung" in Dortmund ein. Der dortige Redakteur, Genosse Hönisch, tritt an Stelle des Genossen I ä ck h m die„Leipziger Volkszeitung" ein. Totcnliste der Partei. In Zittau starb im Mter von 75 Jahren der Parteigenosse Karl Münch, der in früheren Jahren viele Per- trauensstellungen in der Partei eingenommen hat. Er war so mit der Parteibewegung in seiner Heimat Zittau verwachsen und zugleich eine Art Original, so daß kein fremder Parteigenoffe nach Zittau gekommen ist, ohne nicht auch Karl Münch kennen zu lernen. Ob- wohl früher Gasthofsbesitzer, war er doch Vegetarier, Antialkoholiker und Tabakgegner und vertrat diese Ansichten oft in recht drastischer Weise. Viele Genossen auch außerhalb Zittaus werden sich des Ver- storbenen gern erinnern._ Die Revolution in Rußland. Polnische Gärung. Warschau, 10. August. Heute sind 3 Polizisten und ein Kellner durch Rcvolverschüsse schwer verletzt worden. Der unbekannte Täter ist entflohen. Warschau, 10. August. Der Chef der mechanischen Abteilung der Weichscl-Eisenbnhn, Meier, wurde heute nachmittag überfallen und getötet. Der Täter ist entkommen. Die Vorgange des 22. Juli. Wir erhalten folgenden Bericht: Die Halbjahrsfeier der schrecklichen Januartage, wo die russische Regierung sich mit dem Blute friedlicher Petersburger Arbeiter besudelt hat. ist nicht ohne Blutvergießen vorübergegangen. So- wohl die Führer der revolutionären Bewegung als auch die Arbeiter selbst beschlossen, den 22. Juli ganz ruhig zu begehen und nur durch allgemeinen Stillstand der Arbeit. Seelenmessen und friedliche Meetings das Andenken der Opfer des 22. Januar zu ehren. In Petersburg und einigen anderen Städten verlief der 22. Juli tatsächlich verhältnismäßig ruhig, obgleich überall die strengsten Maßnahmen zur Aufrechtcrhaltung der Ordnung getroffen waren. Auf dem Preobraschenskaja-Friedhofc, wo viele Opfer der Januar- tage beerdigt sind, war viel Militär und Polizei aufgestellt. Viele Fabriken und Betriebe feierten, in vielen Kirchen wurden Toten- messen gelesen, an einigen Stellen fanden Meetings statt, auf denen Reden zur Erinnerung an die Opfer der grausamen russischen Re- gierung gehalten wurden. Einen mehr demonstrativen Charakter trug dieser Tag in Ssestrowzk. in der Nähe von Petersburg. Dort feierte das riesige Waffenwerk. Am Morgen um 11 Uhr ver- sammelten sich über 1000 Arbeiter in der Kirche, wo eine Toten- messe zelebriert wurde. Beim Verlassen der Kirche entfalteten die Arbeiter zwei Fahnen: eine rote mit der Aufschrift:„Proletarier aller Länder vereinigt Euch" und eine schwarze mit der Aufschrift: „Ewiges Andenken den Kämpfern für die Freiheit" und bewegten sich unter Absingung eines Trauermarsches und der Marseillaise die Duskowski-Chaussee entlang. Vor der Kirche und während des Zuges wurden Reden gehalten. Dann ging es zum Kurhause, wo die Administration ersucht wurde, die Musik schweigen zu lassen und den für den Abend angesagten Ball auf einen anderen Tag zu verlegen. Hernach zerstreuten sich die Arbeiter friedlich. Gegen Abend erschien ein Bataillon vor dem Kurhause und der Ball sollte unter militärischer Bewachung dennoch stattfinden. Um 9 Uhr näherten sich die Arbeiter mit einer schwarzen Fahne dem Kurhausc, wo eine Panik ausbrach. Aus der Menge traten Redner hervor, welche die Bedeutung des Tages erklärten und das Publikum auf- forderten, die Musik und den Ball zu unterbrechen. Auf der Bühne im Garten erschien einer der Künstler und erklärte im Namen seiner Kollegen, daß sie sich am Programm des Abends nicht beteiligen würden. Donnernder Applaus folgte dieser Erklärung. Die Mehr- zahl des Publikums äußerte sich für den Schluß der Vergnügungen. Im allgemeinen verlief auch hier der Tag ruhig. Erst ein paar Tage nachher wurden 00 Arbeiter verhaftet. In Kostroma feierten alle Druckereien des OrteL mit Aus- nähme der Kronsthpographie. Am Abend veranstalteten die Arbeiter außerhalb der Stadt ein Meeting, auf dem Reden gehalten wurden. Man konnte während der Reden Arbeiter heftig schluchzen hören. Zu ernsten Zusammenstößen mit der Polizei ist eS nicht gekommen.__ Der Krieg in Ostasien. Von der Friedenskonferenz. Portsmouth(New Hampshire) 10. August.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Im Verlaufe verschiedener Privatgespräch" hat Witte geäußert, daß er der Zahlung einer Kriegs-- entschädigung. energischen Widerstand entgegen- setze. Berichte auS lapamschen Kreisen besagen aber, daß auch die mildesten Bedingungen eine Entschädigung für die ungefähren Kriegskosten Japans enthielten, welche auf 600 bis 800 Millionen Dol l a r geschätzt werden. Dies zeigt den weiten, wenn nicht unüberbrückbaren Unterschied zwischen den Parteien. Es ist jedoch möglich, daß Rußland sich zu einer Kompensation verstehen würde, zum Beispiel dafür, daß die Japaner aus den Besitz Sachalins verzichten würden, dessen Besitz ihnen die Herrschaft über die gesamte sibirische Küste sichern würde. Paris. 10. August. Ter„M a t i n" meldet: Dem Portsmouiher Korrespondenten des Blattes erklärte der japanische Deputierte Matsumoto, Vertrauensmann von Komura, daß letzterer nicht weniger als 2M> Milliarden Kriegskosten fordern werde; ohnehin habe Komura heftig gegen die öffentliche Meinung in Jgpan anzukämpfen, welche das Doppelte verlange; solltest die 2V2 Milliarden nicht bewilligt und die bedingungslose Abtretung bev Insel Sachalin verweigert werden, so würde die Konferenz als beendigt anzusehen sein und Marschall Oyama aufs neue die Offensive beginnen.— Die japanischen Delegierten verweigerten gestern die Zulassung deS russischen Rechtsgelehrten Prof. v. Martens zu den offiziellem Sitzungen, weil es vorher vereinbart worden sei, daß nur zwei Russen und zwei Japaner als Sekretäre an den Sitzungen teil» nehmen sollen. Japanische Flottcnd em onstrationen. Tokio, 10. August. Vizeadmiral K a t a 0 k a meldet, daß er ein Geschwader nach Kamtschatka und ein anderes nach O ch 0 t s k gesandt habe. Beide Geschwader seien jetzt mit der Ausführung ihrer Operationen beschäftigt. Hebung des Kreuzers„Warjag". Tokio, 9. August. Laut Mitteilung des Marinedepartements ist der am 18. Februar 1904 auf der Reede von Tschemulpo gesunkene russische Kreuzer„Warjag" am Dienstag nach- mittag wieder flott gemacht worden. Die Mitteilung wurde hier angesichts der Schwierigkeit der Flottmachung mit großer Freude aufgenommen. Unruhen in China. London. 10. August.„Daily Mail" meldet aus Schanghai; Ein Telegramm aus Kaisen gfu in der Provinz Honan be- richtet, daß die dort stehenden kaiserlich chinesischen Truppen ge- meutert und sich dem christenfeindlichen Pöbel angeschlossen haben-, Die Meuterer, deren Zahl auf 2000 geschätzt wird, haben Suit» schianghsien genommen. Die Regierung in Peking sendet Truppeg gegen sie aus._______ Die Flmdmhrltutt Strauer mid Krogumn vor dem Oberlmegsgerichi. Altona, 10. August 1905. Heute morgen hat vor dem Oberkriegsgericht des IX. Armee« korps die Berufungsverhandlung gegen die beiden Landwehrleuts WilhelmStrauer und ErnstKrogmann begonnen. Allge« meines Aussehen erregte das Urteil, welches das Kriegsgericht der 13. Division Anfang vorigen Monats gegen die Angeklagten, denen eine Reihe militärischer Vergehen und Verbrechen, darunter wieder- holte Gehorsamsverweigerung, Beleidigung, tätlicher Angriff gegen Vorgesetzte, Gefaiigenenbefreiung und Meuterei, zur Last gelegt worden waren, gefällt hatte. Fast die gesamte deutsche Presse beschäftigte sich eingehend mit dem Richterspruche. Er lautete gegen Strauer auf sieben Jahre drei Monate, gegen Krogmann auf sechs Jahr« zwei Wochen Gefängnis. Ueber beide wurde außerdem noch die Ehrenstrafe der Entfernung aus dem Heere ausgesprochen. In der Trunkenheit hatten sich die Landwehrleute zu den so außer« ordentlich verhängiiisvollen Ausschreitungen hinreißen lassen. Sie wollen nicht gewußt haben, daß sie während der Begehung der Tat« lichkeiten im militärischen Dienstverhältnis gestanden haben. Im Monat Mai waren sie gemeinsam zu einer lltägigeu Uebung bei dem 9. Schleswig-Holsteinischen Pionier- Bataillon in Harburg ein- berufen worden. Am 29. Mai war dieselbe beendet. Straucher und Krogmann hatten sich während der Uebung kleine disziplinarisch« Vergehen zuschulden komnien lassen und dafür eine Arreststtafe er« halten. Während nun die Kameraden am Schlußtage auf dem Kasernenhofe entlassen wurden, erhielten die Angeklagten den Be« fehl, zur Verbüßung ihrer Strafe anzutreten. Sie leisteten dieser 'Aufforderung jedoch keine Folge, sondern gingen in die Kasernen- kantine und gaben sich dort dem Alkoholgenuß in starkem Maße hin. Vergeblich befahl ihnen dort wiederholt ein Unteroffizier, ihm zu folgen. Schließlich kamen die beiden dem Befehle nach. Da sich da» Arrestlokal in Altona befindet, mußten die Landwehrleute nach dem Bahnhofe in Harburg geführt werden. Auf dem Marsche dorthin nahmen sie den begleitenden Vorgesetzten gegenüber eine widersetz« liche Halwng ein und erklärten, sie seien jetzt keine Sol« baten mehr, nachdem die Uebung beendet. Am Bahnhofe angelangt, entflohen sie ihren Transporteuren, wurden jedoch bald wieder festgenommeil. Auch während der Eisenbahnfahrt nach Altona versuchten die Arrestanten aus dem dahineilenden Zuge herauszuspriiige». In Hamburg sollten sie in einer Droschke nach dem Altonaer Bahnhofe gebracht werden. Die Tobenden zerschlugen jedoch die Scheiben des Wagens und entwichen zum zweiten Male. Nach kurzer Verfolgung wurden sie wieder eingefangen. Als man einen nochmaligen Fluchtversuch befürchtete, wurde die Droschke durch berittene Schutzleute eskortiert. Beim Besteigen de» nach Altona fahrenden Zuges ließen sich die Rasenden zu neuen Widersetzlichkeiten hinreißen. Kaum hatte der Zug den Bahnhof verlassen, so sprang Krogmann auS dem Wagen- abteil heraus und versuchte zu entkommen. Einer der TranS» porteure, der ihm nachgesprungen war, ergriff den Flllchttng zum dritten Male. Von diesem Augenblick an ging der Transport ver» hältnismähig ruhig von statten. Bor das Kriegsgericht der 13. Division gestellt, behaupteten die Angeklagten, daß sie sich der Tragweite ihrer Handlungen k e i n e S« wegs bewußt gewesen seien, da sie der festen Meinung waren, nicht mehr im militärischen Verhältnis gestanden zu haben. Außerdem seien sie beide total bettunken gewesen. Die Beweisaufnahme gestaltetes sich jedoch sehr un« günstig für die Landwehrlcute. Der Verrreter der Anklage, der darauf hinwies, daß im vorliegenden Falle eine besonders strenge Sttafe am Plage sei, beanttagte gegen Sttauer eine Gefängnisstrafe von 12 Jahren 7 Monaten, gegen Krogmann eine solche von 19 Jahren 3 Monaten. DaS Gericht erkannte wie oben erwähnt. Sofort machten beide Angeklagte von dem Rechte der Berufung Gebrauch. Aber auch der Gerichtsherr hat gegen daS Urteil Berufung eingelegt. Um 10 Uhr eröffnete der Borfitzende, Oberstleutnant v. Schlüter. die Verhandlungen. Als Leiter fungiert OberkriegSgerichtSrat Otto. Die Anklage vertritt OberkriegSgerichtSrat Wolf, während die Ver- teidigung in den Händen des Rechtsanwalts Schenk liegt. Nachdem die erschienenen Zeugen auf die Bedeutung des Eides hingewiesen worden sind, beginnt der Verhandlungsführer mit der Verlesung de» Protokolls der Sitzung vor dem Divisionsgericht. Er erwähnt dabei. daß die Angeklagten das erste Urteil in vollem Umfange an« g e f 0 ch t e n haben und zwar mit der Begründung, daß sie während der Begehung der Tat unzurechnungsfähig gewesen seien und daß sie sich alS Zivilisten und nicht als Soldaten gefühlt hätten. Außerdem fochten sie die Höhe des Strafmaßes an. Der Gericht»- Herr dagegen verlangt in seiner Berufungsbegründung eine schärfere Sttafe für die Angeklagten. DaS Urteil erster Instanz hält er für zu gering. Die Verlesung des Protokolls nimmt längere Zeit in Anspruch. Nach Beendigung erfolgt zunächst die Vernehmung der beiden Angeklagten. Als erster wird Strauer aufgerufen. Er ist von Beruf Hafenarbeiter, steht im 27. Lebensjahre und unverheiratet. Die erlitttne Untersuchungshaft hat sich in seinem bekümmerten Gesichte ausgeprägt. Nachdem er über seine Personalien Auskunft gegeben, bekundet er über die Borgänge, deren einzelne Punkte ihm nicht mehr ganz in der Erinnerung sind. Er sagt aus. daß er und sein Kamerad sehr betrunken gewesen sei. Den Befehl anzutreteii, habe er nicht richtig verstanden. Auf die Frage, ob er gewußt habe, daß er Gefangener gewesen sei. ant- wartet der Angeklagte bejahend. Beim Transport sei er unterwegs verschiedene Male ausgetreten und habe jedesmal Schnaps gettunken. Auf die Frage, ob Strauer aus der Droschke gesprungen sei, ant- wartet er:„Jawohl, ich wollte meinen Kameraden festhalten". Auf die Frage des Verteidigers, wie groß das Quantum sei, daS St. getrunken, gibt der Angeklagte an, daß er vier Mark für Schnaps ausgegeben habe. Er und Krogmann hätten eine große Literflasche gehabt. Er, St., habe anderen spendiert und diese ihm auch. Verteidiger: Hat der Gefreite Johnsen schon in Harburg mit Ihnen Schnap» getrunken? Angeklagter: Jawohl! Angeklagter Krogmann, ein Sandschiffer, 25 Jahre alt und t>!rheiratet, hatte die Flasche Schnaps bei sich gesteckt, dieselbe unter- Wegs verloren, jedoch schnell wieder aufgehoben. Auch er will total betrunken gewesen sein und gar nicht gewußt haben, daß er Soldat war. Es wird sodann in die Beweisaufnahme eingetreten Verteidiger stellt die Frage, ob der Angeklagte früher am Delirium gelitten und bereits früher einmal einen Selbstmord- versuch unternommen habe. Der Angeklagte bestätigt dies und be kündet, daß er einst im Delirium polizeilich festgenommen worden sei und auf der Polizei die Fenster entzwei geschlagen habe. Als erster Zeuge wird der Sergeant Bade, der mit dem Angeklagten auf dem Kasernenhofe und in der Kantine zusammen� getroffen, vernommen. Er bekundet, daß er die Landwehrleute in der Kantine vergnügt angetroffen habe. Der Zeuge unterhielt sich dann mit dem Kantinenwirt und die Angeklagten prosteten ihm jetzt zu. Der Kantmenwirt Lehmann, der darüber vernommen wird, tviebiel Bier und Schnaps die Angeklagten in der Kantine getrunken, vermag dies nicht anzugeben, da er keine genauen Beobachtungen gemacht hat. Sergeant Bade gibt auf Befragen an, daß die Laudwehrleute beim Einkleiden betrunken gewesen seien, Als Hauptbelastungszeuge tritt der Transporteur Sergeant Seiffert auf. Zunächst wiederholt er, wie in der ersten Ver- Handlung die Vorgänge, tis wir bereits zu Beginn des Berichtes ausführlich erwähnt haben. Auf die Frage des Verteidigers, ob die Angeklagten schwer betrunken gewesen seien, bezeugte Seiffert, sie seien beide angeheitert gewesen. Nach Aeußcrungen. welche die Angeklagten auf dem Transport fallen ließen, habe er angenommen, daß sie nicht total betrunken gewesen sein konnten. Der Ver- teidiger stellt die Frage, ob die Soldaten in Reih und Glied gestanden hätten, worauf der Zeuge bekundet, sie hätten zum Abmarsch bereit ge st an den. Hierauf frägt der Ver- teidiger den Sergeanten, ob er gesehen habe, daß Krogmann eine Flasche habe fallen lassen und dann wieder aufgehoben habe. Zeuge hat nichts davon bemerkt. Angeklagter K r o gm a n n:„Der Zeuge hätte sehen müssen. daß die Flasche zur Erde fiel und dann wieder aufgehoben und eingesteckt wurde." Der Zeuge bleibt bei seiner verneinenden Aus- sage. Die Frage des Verteidigers, ob der Sergeant die Angeklagten darauf aufmerksam gemacht habe, daß sie Arrestanten seien, bejaht der Zeuge. Es wird sodann der Zeuge Gefreite Johnsen, welcher Transportbegleiter war, vernommen. Er gibt, nachdem er die Vor- gänge bei dem Transport erzählt hat, zu, Schnaps getrunken zu haben. Hierauf folgen eine Reihe von Zeugen, die nichts Wesentliches bekunden können. Der Reservist Eulenschläger, der gleichfalls als Arrestant mittransportiert worden war, bezeugt ebenfalls, daß Strauer betrunken war. Der Ewerführer Har, der über Strauer befragt wird, sagt aus, daß der Angeklagte nur wenig vertrage» könne. Sobald er aber etwas getrunken habe, sei er sehr aufgeregt. Er habe Strauer schon oft betrunken gesehen. Der Verh andlungsführer befragt hierauf den Schneider- M e i st e r G e h r i cke, ob Strauer ein solides Leben führe. Der Zeuge bejaht dies und setzt hinzu, daß der Angeklagte im allgemeinen ein gutmütiger Mensch sei; er könne jedoch nichts vertragen. Die weiteren Zeugen, die Ewerführer K e s l e r und P o r ch e n sowie der Tischler Männe, beschreiben Strauer als ordent- lichen, zuvorkommenden Menschen. Die S ch w e st e r des Angeklagten Strauer, die ebenfalls vernommen wird, hat ihren Bruder niemals angeheitert gesehen. Die Mutter des Angeklagten Krogmann bekundet, daß ihr Sohn unzurechnungsfähig sei, sobald er einmal Schnaps getrunken habe. Im übrigen sei er ein ruhiger Mensch. Er habe schon früher einmal in der Raserei versucht, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Schon mehrere Male mußte er nach dem Zkrankenhause gebracht werden. Halte er einmal einen Anfall, so wußte er später nichts mehr davon. Hierauf wird Dr. Faßbender als Sachverständiger vernommen. Er sagt aus, daß der Angeklagte Krogmann im August v. I. in vollständig betrunkenem Zustande von zwei Schutz- leuten und drei Wärtern gefesselt werden mußte, da er stets mit dem Schädel gegen die Wand rennen wollte. Nach diesem Anfalle tvar der Angeklagte sehr deprimiert. Es lvar Ivohl nicht Delirium, sondern Tobsucht. Mit der Vernehmung des Sachverständigen ist die' Beweis- aufnähme geschlossen. Von der Vernehmung einiger nicht in Be- tracht kommender Zeugen wird Abstand genommen.� Nach einer Pause ergreift der Vertreter der Anklage, Ober-Kriegsgerichtsrat Wolf, das Wort zu einem längeren Plaidoyer. Cr führte aus: Der Streitfall hat viel Staub aufgewirbelt. Nicht nur die Presse hat sich mit der Angelegenheit beschäftigt, sondern auch in öffentlichen Volksversammlungen ist sie zur Sprache gekommen. In jedem Truppenteil kommen Gehorsams- »Verweigerungen vor. Es ist ja nicht ein so schweres Urteil gefällt lvorden, um die Soldaten abzuschrecken. Denn soweit ist es mit der Disziplin in unserem Heere und in der deutschen Marine denn doch noch nicht gekommen. Die Straftat des K r o g m a n n sehe ich für milder an, da er das Werkzeug des Angeklagten Strauer war. Meine Herren, ich bitte Sie, den h 151 des Militärstrafgesetzbuches in Anwendung zu bringen, denn sonst würde unsere Disziplin voll- ständig untergraben werden. Die Angeklagten sind zu bestrafen. Eine Freisprechung ist nicht angebracht. Ich beantrage daher, der Berufimg der Augeklagten teilweise stattzugeben und gegen den Angeklagten Strauer wegen einer fortgesetzten Gehorsamsverweigerung, Selbst- befreiung und Widersetzung ans eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren sechs Monaten, gegen den Angeklagten Krogmann wegen Mder- setzung, Selbstbefreiung, Gehorsamsverweigerung vor versammelter Mannschaft und Achtungsverletzung auf eine Gefängnisstrafe von einem Jahr sechs Monaten zu erkenne». Einen Mona: der erlittenen Untersuchungshaft beantrage ich als verbüßt zu erachten. In beredten Worten trat hierauf Rechtsanwalt Schenk für seine beiden Klienten ein. Er legte dar, in welcher Situation sich die Arrestanten bei Begehung der Ausschreitungen besimden hatten, und hob die Trunkenheit als besonders strafmildernd hervor. Ein halbes Jahr Gefängnis sei für die schon ohnehin Schwergeprüften Strafe genug. Die beiden Angeklagten baten tränenden Auges um milde Strafe. Das Gericht ging in seinem Urteil noch beträchtlich unter das von dem Vertreter der Anklage beantragte Strafmaß herab. Nach längerer Beratung verkündete der Verhandlungsführer den Richter- spruch. Er lautet: Auf die Berufung der Angeklagten wird das Urteil erster Instanz aufgehoben. Der Angeklagte D trau er wird wegen Widersetzung und einer einheitlich fortgesetzten Handlungsweise der Achwngs- Verletzung, Selbstbefreiung und Bedrohung zu einem Jahre einem Monat Gefängnis und wegen Gehorsamsverweigerung zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Das Strafmaß wird auf ein Jahr zwei Monate Gefängnis zusammengezogen und ein Monat dunch die erlittene Untersuckmngshaft als verbüßt erachtet. Der Angeklagte Krogmann wird wegen Widersetzung und wegen der fortgesetzten Handlung der Achtungsvcrletzung. Selbst- befreiung, Gehorsamsverweigerung und Bedrohung zu einem Jahre einem Monat Gefängnis verurteilt. Ein Monat der erlittenen Unter- suchungshaft ist als verbüßt zu erachten. In der Urteilsbegründung zog das Gericht alS strafschärfend in Betracht, daß sich die beiden Angeklagten fortwährend auf dem Transport äußerst renitent benommen hatten, trotzdem sie von den Transporteuren aufgefordert worden lvaren, sich ruhig und anständig zu benehmen. Das Gericht nahm es als selbstverständlich an. daß sich die Laudwehrleute im militärischen Verhältnis befunden hatten. Sie waren wohl an- g e h e i t e r t. doch sei keinesfalls erwiesen, daß sie sinnlos betrunken gewesen seien. Für die Tragweite ihrer Handlungen waren beide Angeklagte somit verantwortlich zu machen. GelverKscKaftUcKes. Berlin und Clmgcgend. Mit dem Kürschnerstreik beschäftigte sich am Mittiooch eine stark besuchte öffentliche Versammlung der Kürschner. Der Referent R e g g e sowie eine Reihe anderer Redner schilderten die Situation der Bewegung als eine durchaus günstige. Die Führung des Kampfes werde dadurch erheblich erleichtert, daß viele Kollegen außerhalb in Arbeit getreten sind. Fortgesetzt gingen»och Nach fragen nach Arbeitskräften ein. Man erwarte deshalb von allen ledigen Kollegen, daß sie Berlin verlassen, damit der Streik nur noch von den Verheirateten geführt werde. Es müsse immer wieder betont werden, daß die Unternehmer nichts anderes wollen, als die Organisation der Arbeiter vernichten. An der Einigkeit der Kollegen und Kolleginnen werde diese Absicht jedoch scheitern.— Unter anderem erwähnte Regge. daß die Polizei, wie immer, sich den Arbeitgebern mit größter Bereitwilligkeit zur Verfügung stelle, um gegen die Streikposten einzuschreiten. Wenn ein Arbeitgeber, der nur einen Gehülfen oder eine Mamsell beschäftigt, um polizeilichen Schutz ersucht, dann werde ihm sogleich ein Schutzmannsposlen vor die Tür gestellt. Da im preußischen Staate alle Bürger gleich berechtigt seien, auch hinsichtlich des polizeilichen Schutzes, so werde die Streikleitung das Polizeipräsidium in aller Form ersuchen, Schutzleute zur Verfügung zu stellen, welche die Streikposten vor etwaigen Belästigungen durch Unternehmer und Arbeitswillige schützen. Wie das Polizeipräsidium ein derartiges Gesuch aufnehmen werde, darüber sei wohl niemand im Zweifel, es sei aber gut, wenn einmal festgestellt werde, wie es mit der Gleichberechtigung von Unternehmern und streikenden Arbeitern aussieht. Die Versammlung endete mit der einstimmigen Annahme einer Resolution. Dieselbe sagt: Da der Arbeitgeberverband ablehnte, vor dem Einigungsamt zu verhandeln, so ist damit wieder bewiesen, daß die Arbeitgeber nicht wagen, ihre Stellung gegenüber den Forderungen der Arbeiter öffentlich zu rechtfertigen und der Arbeit- geberverband die Absicht hat, die Arbeiter zur Preisgabe ihrer Organisation zu zlvingen. Die Versammlung beschließt deshalb, den Kampf bis aufs äußerste fortzusetzen, sie fordert alle un- verheirateten Kollegen auf, unverzüglich Berlin zu verlassen und vor Weihnachten nicht wieder zurückzukehren. Die Friseurgehülfrn von Köpenick und Umgegend haben be- schlössen, in eine Lohnbewegung zu treten. Die Forderungen sind den Arbeitgebern unterbreitet und ist denselben zur Beantwortung eine Frist bis zum 20. August gewährt. Die Forderungen decken sich mit denen der Berliner Gehülfen. Die Bewegung erstreckt sich auf Köpenick, Adlershof, Friedrichshagen und Umgegend. Die Ge- 'chäfte, deren Inhaber die Forderungen bewilligt haben, werden durch Plakate kenntlich gemacht und den dort beschäftigten Gehülfen wird eine diesbezügliche Kontrollkarte ausgehändigt. Da der größte Teil der Arbeitgeber in den genannten Orten fast ausschließlich der Innung angehört, wird eS interessant sein zu sehen, ob dieselben sich ebenso ablehnend verhalten, wie ihre Berliner Kollegen. Neue Tarifverträge mit Lohnerhöhungen hat der Z e n t r a l- verband der Zimmerer(Gau Brandenburg) in letzter Zeit wieder für eine Anzahl Ortschaften mit den Bauunternehmern ab- zeschlossen. So wurde in Arns w ald e der Lohn von 32 auf Z4 Pf. pro Stunde erhöht mit entsprechenden Zuschlägen für Ueber- tunden, Nacht- und Sonntagsarbeit. Die Arbeitszeit bleibt aller- dings noch Ilst/., stündig; der Vertrag läuft bis 1906. In F o r st kam es nach fünfwöchentlichem erfolgreichen Streik zu einer münd- lichen Vereinbarung, laut deren für dieses Jahr der Lohn von 34 auf 36 Pf. und im nächsten Jahre auf 38 Pf. erhöht wird. Die Arbeitszeit bleibt 10 stiindig. In L e h n i n wurde laut Vertrag bis 1907 eine Lohnerhöhung von 33 auf 40 Pf. erreicht; die Arbeitszeit bleibt lOsiiindig. In R e p p e n. der einzigen Stadt des Gaues, wo noch ein Lohn von nur Pf. gezahlt wurde, sieht der einjährige Ver- trag eine Lohnerhöhung auf 30 Pf. vor; die Arbeitszeit bleibt lOstnndig. In Bruch mühle stieg der Lohn infolge mündlicher Vereinbarung von 45 auf 60 Pf. bei bestehender lOstündiger Arbeits« zeit. In Schwedt und Umgegend bestanden bisher Klassenlöhne von 32 bis 35 Pf. Durch einjährigen Vertrag erhöhen sich die- selben einheitlich auf 38 Pf. bei bestehender lOstündiger Arbeitszeit. In Vellen kam es zu einjährigem Vertrage bei bleibender lOstündiger Arbeitszeil und einer Lohnerhöhung von 45 auf 50 Pf. In Templin wurde durch mündliche Verein« barung der Lohn von 35 auf 37�/, Pf. erhöht bei bleibender lOstündiger Arbeitszeit. In Wriezen stiegen die bisherigen Klassenlöhne von 35 bis 38 Pf. ebenfalls infolge mündlicher Ver- einbarung auf 40 Pf.; die lOstündige Arbeitszeit bleibt. In Trebbin betrug die Erhöhung der Klassenlöhne von 37 bis 40 Pf. laut einjährigem Vertrag durchschnittlich 5 Pf. bei bleibender lOstündiger Arbeitszeit. In Neu-Ruppin zeittaten die Verhandlungen das Ergebnis, daß für das nächste Jahr eine Lohn- erhöhung von 40 auf 43 Pf. bei bleibender lOstündiger Arbeits- zeit in Kraft tritt. In Frankfurt a. O. kam es zum Streik, der aber nach 10 wöchentlicher Dauer mit negativem Er- gebnis abgebrochen wurde. Jetzt haben sich die Unternehmer jedoch durch den"Druck der Verhältnisse von selbst zur Zahlung erhöhter Löhne von 44 bis 45 Pf. bequemen müssen. Bemerkt sei, daß in Frankfurt während des Streiks eine Anzahl russischer Flüchtlinge aus Lodz leider als Arbeitswillige tätig waren. Jetzt werden diese Leute in ähnlicher Weise im Mecklenburgischen verwandt. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.)! Achtung! Kleber! Die Firma L. Gronau, Marburgerstraße 3, ist gespe r r t. In Betracht kommen vorläufig folgende Bauten: Friedenau, Kaiser- Allee 102, Rcmbrandtstraße 17. Ferner die Bauten der Firma Otto, und zwar: Christianiastraße 114, Schönhauser Allee 131, Carmen Sylvastraße 157/158. DeutMtes Reick). Die bekannte Kölner Boykott-Affaire will trotz der>von uns ge- brachten Widerlegung der Vorwürfe gegen die Generalkommission und die Mitglieder des Gewerkschaftskongresses nicht zur Ruhe kommen. Neuerdings wird wieder ein Flugblatt verbreitet, das die von uns gegebene Darstellung anzweifelt. Es wird in demselben auf Ver- öffentlichungen von anarchistischer Seite und in der„Einigkeit" ver- wiesen, Veröffentlichungen, die nicht immer der Wahrheit entsprechen. obgleich wir natürlich nicht behaupten wollen, daß den Ver- breitern derselben die Unrichtigkeit des Behaupteten bekannt fei. Was die Darstellung des„Vorwärts" anbelangt, so rührt sie von einer Seite her, die nach Lage der Sache wohl unterrichtet sein muß. Bei den Gewährsmännern der„Einigkeit" scheint das nicht immer der Fall zu sein. Genosse Schräder vom Vorstande des Zimmerer-Verbandes, der sich längere Zeit auf einer Agitationstour befand, ersucht uns in bezug auf eine Veröffentlichung der Nr. 29 der„Einigkeit", die ihm erst später zu Gesicht kam, um Aufnahme einer Zuschrift, in der es heißt: „In der„Einigkeit" befindet sich unter andern auch ein Arttkel mit der Ueberschrift:„Warum hat der Bierboykott in Rheinland- Westfalen so schmälich geendet?" In dem Artikel wird der Bericht einer Sitzung des Gewerkschaftskartells vom 3. Juli in Düffeldorf wieder gegeben. Danach sagt ein Herr Schneider, Mitglied der Düsseldorfer Boykottkommission: „Schräder vom Vorstand des Zimmcrerverbandes habe in einem Schreiben an die Zentral-Boykottkommission strikte die Aufhebung des Boykotts verlangt." Das von Herrn Schneider Gesagte ist frei erfunden. Ich Ha5< in Sachen des Bierboykotts auch noch nicht einmal die Feder an- gesetzt, viel weniger einen solchen Brief an die Zentral-Boykott- kommission gerichtet. Fr. Schräder, Vorsitzender des Zentralverbandes der Zimmerer Deutschlands, zurzeit in Essen a. d. R. Die Aussperrung der Düsseldorfer Holzarbeiter dauert fort. Da außerhalb Düsseldorfs entgegenstehende Gerüchte verbreitet werden, sei ausdrücklich darauf hingewiesen, damit Zuzug ferngehalten werden kann. Dem Streik der Dachdecker und Klempner in Köln haben sich am Mittwoch auch die„christlich" Organisierten angeschlossen. Sie hatten zunächst mit den Unternehmern über die streikenden Mitglieder des deutschen Dachdeckerverbandes hinweg einen Tarif zu machen ge- sucht. Als die sich in der erdrückenden Mehrzahl befindenden Mit- glieder der freien Gewerkschaft sich durch diese„Gefahr" nicht irre machen ließen, fielen die Verhandlungen der Christlichen ins Wasser. Einen schönen Erfolg errangen die fteien Gewerkschaften in K u l m b a ch bei der Wahl zum dortigen Gewerbegericht. Auf ihre Liste fielen 463 Stimmen, während die Liste der von dem gesamten bürgerlichen Parteimischmasch gehätschelten und unter dem Feld- geschrei„Gegen die Sozialdemokraten" geführten unorganisierten Arbeiter es auf ganze 63 Stimmen brachte. Da die Wahi nach dem Verhältnissystem stattfand, ist den Unorganisierten ein Beisitzer zuzu- sprechen. Die lieben Arbeitswilligen. In der Neupertschen Pianofortefabrik in Bamberg war vor einiger Zeit ein Streik ausgebrochen, bei dem der Schreiner Karl Metzger als Streikbrecher austrat. Als er eines Tages mit anderen Arbeitswilligen zur Arbeitsstätte ging, rief ihm der Streikende Joseph Sandner zu:„Pfui, schäm' Dich I" Der brave Mann ging zum Kadi und verklagte den Sandner, anderen Leuten gegenüber schwur er, daß es diesmal den„Roten" eingetränkt würde. Es wurde ein hochnotpeinliches Verfahren auf Grund des § 153 der Gewerbe- Ordnung eingeleitet, das Gericht nahm aber nur einfache Beleidigung an und verurteilte den Angeklagten zu 10 M. Geldstrafe._ Soziales. Die Zentralkommission für Bauarbciterschutz hat an den Bundes- rat eine Petition gerichtet, in der sie unter Hinweis auf das mehr- fache amtliche Anerkenntnis der Notwendigkeit einer Reform des Bauarbeiterschutzcs und auf den Gesetzentwurf der sozialdemokratischen ReichstagSiraktion von 1903 eine Reihe von Vorschlägen und Wünschen zu dem Thema geltend macht. Die Petttton enthält ein reichhaltiges Material zur Beurteilung der Frage, das von den amtlichen Stellen nicht wird übersehen werden dürfen. Allein 28 Tafeln und Tabellen sind dem Aktenstücke beigegeben, die von der fleißigen und sorg- fältigen Durcharbeitung des Materials durch die Kommission Zeug- nis ablegen. Geschlossene Gesellschaft oder öffentliche Tanzlustbarkeit eines Arbeitervreeins. Der Gastwirt Engel, bei dem der Arbchterwrnverein zu Tönning ein Vereinsvergnügen abgehalten hatte, war wegen Nicht- einholung einer polizeilichen Erlaubnis zu einer öffentlichen Tanz- lustbarkeit angeklagt worden. Das Landgericht als Berufungsinstanz erachtete jedoch das Vergnügen als das einer geschlossenen Gesell- schaft und sprach den Angeklagten frei. Das Kammergericht verwarf am 9. August die Revision der Staatsanwaltschaft mit folgender Be, gründung: Das Landgericht habe den Begriff der geschlossenen Ge- sellschaft nicht verkannt, wenn es eine solche angenommen habe auf Grund der tatsächlichen Feststellung, daß von Mitgliedern Eintritts- karten nur an solche NichtMitglieder ausgegeben worden seien, die als Gäste eingeführt werden sollten, und daß nur infolge eines Ver- sehens ein NichtMitglied eine Karte zuviel erhielt und sie einem anderen Nichtmitgliede weiter gab. Versammlungen. Der Zentralverband der Bureanangestellten hielt am 4. d. M. eine Mitgliederversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand ein Referat über:„Die christlichen Gewerkschaften auf der Jagd nach dem Bureauangestellten". Aus dem vom Kassierer gegebenen Kassen- bericht ging hervor, daß im 2. Quartal 1905 die Einnahmen 847,15 M., die Ausgaben 799,07 M. betrugen, so daß ein Ueberschuß von 48,08 M. verbleibt. Unter Verschiedenem rügte der Delegierte zur Gewerkschaftskommission verschiedene Mißstände, die sich in der Handhabung deö Arbeitsnachweises herausgestellt haben. Unter anderem erwähnt er, daß verschiedene Krankenkassen in letzter Zeit den Arbeitsnachweis ignoriert haben, obgleich eS sich um qualifizierte Kräfte, Maschinenschreiber, als Bureauvorsteher tätig gewesene Kollegen u. dergl. handelte. So suchte z. B. kürzlich die Allgemeine Ortskrankenkasse Berlin zwei Maschinenschreiberinnen, angeblich konnte sie keine finden, so daß sie sich an ein Schreibmaschinengeschäft wandte. Der Arbeitsnachweis der zuständigen Gewerkschaft scheint für den Vorstand dieser Kasse, der sich zu zwei Drittel aus geWerk- schaftlich organisierten Arbeitern zusammensetzt, nicht vorhanden zu sein. Die Versammlung mißbilligte dieses Verfahren; es sollen noch weitere Maßnahmen in dieser Angelegenheit getroffen werden. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.)) Eingegangene DrucKfdmtten. Von der„Neuen Gesellschaft«, Sozialistische Wochenschrift, Lierausaeber: Dr. Heinrich Braun und Lllh Braun(Verlag: Berlin IV. 35. Preis für das Einzelheit 16 Pf., pro Monat 46 Pf, pro Vierteljahr 1,20 M.) ist soeben da? 19. Heft erschienen. Jahresbericht der Arbeiter-Bildungsschule Berlin über die Tätigkeit vom 1 Slpnl 1904 bis 31. März 1965. 12 Seilen. C. JaniSzewski, Elisabeth-User 2._ Letzte Nachrichten und Depelchen. Die Offenbacher Stadtverordneten für Aufhebung der Grenzsperre. Offenbach a. M., 10. August/(Privatdepesche des„Vorwärts".), Die Stadtverordneten beschlossen die Aufhebung des Oktrois auf Fleisch und Vieh und einen Antrag an die Regierung, im Bundes- rat die Aufhebung der Grenzsperre zu erwirken. Sprembcrg, 10. August.(W. T. B.) Wie der„Sprembeger Anzeiger" meldet, ist der der Schuld an dem Eisenbahnunglück be- züchtigte Bahnassistent Stulljuß auf Anordnung des Untcrsuchungs- richters heute abend verhaftet worden. London. 10. August.'(W. T. B.) Im Unterhause wurde die dritte Lesung der Appropriationsbill angenommen. Im Oberhause erklärte Lord Lansdowne auf eine� an ihn gerichtete Anfrage, daß die Mächte beabsichtigen, einmütig Schritte zu tun, um sich das Einverständnis der Pforte zu oen am 8. Mai vorgelegten Forderungen zu sichern. Das Haus stimmte m allen Lesungen über die Appropriationsbill und Marlncviu ab. Die Vertagung des Parlaments findet morgen um 10 Uhr 30 Minuten vormittags statt. New Orleans. 10. August.(W. T. BJ.�stcrn sind 63 neue Erkrankungen am gelben Fieber und 7 Todesfälle festgestellt worden. Alle Läden sind geschlossen, da der Bürgermeister eine allgemeine Desinfektion angeordnet hat. Bundesarzte uberwachen die Aus- führung der sanitären Maßnahmen._ Kerantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: DK. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: PorwörtsBuchdr,u. Verlagsanstalt Paul Singer&>> Abonnements- und Monats- Garderoben.<< Jeder Käufer 1 elegante eines Anzugs erhält vom Eröffnungstage ab bis zum 25. August couleurte englische Weste Gratis! Beachten Sie meine Schaufenster! Von der Reise zurück. 224/7 Dr. Freudenstein, Elsasserstraße 26. Die weltbekannte Bettfedern- fabrik GuftabLuftig, Berlins., Prinzenstraße 46, versendet gegen Nachnahme garant.neue Bettfedern d. Pfd. 55 Bf., hinesische Halbdaunen d. Pfd. M.1,25, beffere Halbdaunen d. Bid. M. 1,75, borzügliche Daunen d. Pfd. M. 2,85. Von diesen Daunen genügen 3 bis 4 Pfund zum großen Oberbett. Berpadung frei. Breist. u. Proben gratis. Biele Anerkennungsschr. 3813L* Ein Riesenposten Mocket plüsch 130 Cmtr. 4,65 pro Meter, breit, à haltbarster buntfarbiger Möbelstoff. Reste spottbillig! Proben franko. M Teppichhaus Emil Lefèvre, Berlin Str. 158. , Oranienstr. zum Aussuchen Mein Geschäft war bisher 26 Jahre Boyenstraße 44. Für streng reell bekannt! Posit! Böhmisches Brauhaus. 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