Nr. 189. Abonnements- Bedingungen: S bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Stolonel. zeile oder deren Raum 40 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Flottendemonstrationen. Dienstag, den 15. August 1905. zu zwingen, sondern um es zu einer Beschränkung seines Ausdehnungsdranges zu veranlassen. Würde sich Deutschland damit begnügen, die erste Militärmacht mb. London, 12. Aug.( Eig. Ber.) Der Umschwung, der sich im politischen Leben der letzten Jahre Europas zu sein und den Engländern die Seebeherrschung zu lassen, so Der Umschwung, der sich im politischen Leben der letzten Jahre wäre ein friedliches, allgemeines Abkommen zwischen den beiden Mächten vollzogen hat, zeigt sich auch in den Mitteln, mit denen die Mächte untereinander und gegeneinander demonstrieren. Die früheren Be- ganz gut möglich. Ebenso wie es zu keinem Kriege in Ostasien gekommen wäre, wenn Rußland nicht nach der Beherrschung des Stillen Ozeans gegnungen der Monarchen und Diplomaten in Kurplägen, Jagd- gestrebt hätte. Nur dieses Streben hat die zarische Regierung in schlössern und Hauptstädten treten zurück vor Yachtfahrten, Besuchen einen Gegensatz zu Japan gebracht und schließlich zu einem der in Hafenplätzen und Begegnungen von Flotten. Der Zauber des schicksalsreichsten Kriege. Denn Japan ist Inselstaat und infolge in Hafenplätzen und Begegnungen von Flotten. Der Zauber des Meeres nimmt die Gemüter gefangen. Irgend eine überseeische seines wachsenden Industrielebens auf einen freien, unbedrohten Kolonie erscheint wertvoll genug, um ihr ohne Maß und ohne Rech- Seeverkehr angewiesen. Um wieviel mehr ist dies bei England der nung europäisches Gut und Blut zu opfern. Die Nationen streben Fall. Dieses könnte faum zwei Monate ohne die Seeherrschaft nach Seemacht, nach Seeherrschaft, als ob der Neichtum und das leben, und sein Reich hört im selben Momente auf zu existieren, als Wohlergehen der Völker nicht im heimatlichen Boden, nicht im regen die britische Flotte geschlagen oder auch nur bedroht ist. Seßen wir Schaffen der Hände und Gehirne der arbeitenden Klassen, nicht in an Stelle von Japan- England, an Stelle des japanischen Meeres einer wissenschaftlichen Organisation der Produktivkräfte und des innern Marktes, sondern im Wasser zu finden wären. die Nordsee, an Stelle einer russischen Mandschurei und eines russischen Koreas Deutschland und die unter deutscher Oberherrdiese Barallele ernst nach und wir werden den deutsch- englischen schaft stehende skandinavische Halbinsel, ja, denken wir über Gegensatz und die Flottendemonstrationen verstehen. Wärme, * Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Militär wird Euch zu Hülfe kommen und wird, wie Mäuse, das ganze Bollackentum aušrotten. Es spucke jeder wahre Russe auf das trepierte Polen! Jesus Christus, unser Heiland, wird uns helfen, uns gegen die verhurten Ksendzy( polnische Geistliche) zu erhalten. Ein Pollack, ein Jud und ein Hund sind eines Glaubens zu jeder Stund, so sagten unsere Väter im Cholmschen Bezirk, und diese Worte sollt Ihr niemals vergessen. Amen." uns unwikürlich an den kräftigen Stil unseres tscherkessischen Grafen Beim Uebersetzen dieses wunderbaren Dokumentes haben wir aus Klein- Tschirne erinnert. Aus jeder Beile des Cholmschen Aufrufes spricht eine merkwürdige Seelenverwandtschaft mit unserem gräflichen Tscherkessen. Wir wollen auch die Gelegenheit benutzen, diesen Mann, der in Deutschland so sehr überdrüssig geworden ist, schen Kloster eröffnet: er fönnte seinem feelenverwandten Popen als auf eine glänzende Laufbahn hinzuweisen, die sich ihm im Cholmträftiger, echtbiblischer Stilist große Dienste leisten. " * * Revolutionäre Agitation im Heere. Man schreibt uns: Die Tätigkeit der Rigaschen Revolutionäre im Heere äußerte sich in der Verbreitung verschiedener revolutionären Schriften unter den Soldaten und Offizieren der Garnison, in der BerIn den Gewässern des englischen Kanals zwischen Cowes und Portsmouth demonstrieren seit dem legten Montag das französische Nordgeschwader und die britische Kanalflotte. Südengland bietet seinen französischen Gästen ein Willkommen, das an Herzlichkeit und Treue gar nicht übertroffen werden könnte. Ein Fest folgt dem Der Gegensatz ist ernst genug, aber er muß nicht notwendiger- anstaltung propagandistischer Gruppen- und Agitationsversammandern, die Trinksprüche der Bürgermeister, Admirale, Gesandten weise zu einer gewaltsamen Lösung führen. Um bei unserer lungen. Verbreitet wurden folgende Ausgaben: Flugblatt, In der Kaserne" und Prinzen gewinnen mit ihrer Wiederholung an Freundschaft und Parallele zu bleiben: Hätte Rußland ſich mit der militärischen Be- Nr. 1 und 2,„ An die Soldaten",„ Weshalb rebellieren die Arbeiter?", es ist etwas mehr als ein Einverständnis. Die beiden herrschung der Mandschurei begnügt und auf eine umfassende Völker verbrüdern sich; sie wollen alle Mißverständnisse, alle Spuren Flottenpolitik verzichtet, so wäre es zu feinem Striege gekommen. An die Offiziere", zwei Proklamationen an die nach dem Kriegsschauplatz abgesandten Truppen,„ Soldatisches Gedenkblatt", alter Feindschaft auf ewig verwischen. Der französische Admiral Dann hätte es Korea an Japan überlassen können. Die Freund Schauplatz begrüßt ehrfurchtsvoll das Nelson- Denkmal, die englischen Matrosenschaft mit Japan wäre den Russen viel billiger zu stehen gekommen 40 Mann, 8 Pferde"( übliche Aufschrift auf den Güterals die Feindschaft gegen Japan. Ebenso wird Deutschland viel wagen der russischen Eisenbahnen), Bum blutigen Kampf um gehen Arm in arm mit den Seeleuten Frankreichs. Franzosen besuchen englische Kriegsschiffe und Arsenale;- alles wird ihnen billiger wegkommen, wenn es freundschaftlich mit England lebt. Freiheit und Recht" an die Mannschaften der Flotte aus Anlaß der gezeigt. Die Straßen von Portsmouth find bedeckt mit französischen Diese Freundschaft kann indes nur dann eine aufrichtige und Ereignisse auf„ Senjäs Potemkin". gezeigt. Die Straßen von Portsmouth find bedeckt mit französischen dauernde sein, wenn Deutschland seinen Flottenetat einschränkt. mationen in jedem Regiment verbreitet. Inschriften und Farben. Und der Chorus der Menschenmassen ruft: Vive la France! Vive l'Angleterre! Manche denken an den ewigen vernehmens zu sein. Kommt ein solches Einvernehmen nicht zu Dies scheint die Grundbedingung eines englisch- deutschen Eins Frieden, andere an Waffenbrüderschaft. stande, so wird England auf jede deutsche Schiffseinheit mit zwei London feierte sein französisch- englisches Fest am Donnerstag. Einheiten antworten, und wahrscheinlich wird der Gegensatz dazu Die Straßen, die vom Strand nach der City führen, sind mit benutzt werden, die allgemeine Wehrpflicht einzuführen. französischen und englischen Fahnen überaus reichlich und dennoch geschmackvoll verziert. Fleet Street, Cannon Street, Queen Victoria der Weg nach der Guildhalle sind in einen langen, farbenprächtigen Triumphbogen verwandelt. Ein langer Bug von Wagen und Kutschen führt die französischen Offiziere nach der Street * * Die Revolution in Rußland. Die Kosaken hausen. Zu Ehren des Geburtstages des Thronfolgers haben die Kosaken Guildhalle, um da von den Vertretern der inneren Stadt wieder ein furchtbares Blutbad angerichtet. Wir erhalten folgendes Privattelegramm: Bialystok, 14. August.( Privattelegramm des„ Vorw.".) Die Revolutionäre kündigten für Sonnabend, dem Geburtstag des Barewitsch, größere Demonstrationen an. Das Militär besetzte die Straßen. Abends tötete eine im Stadtzentrum aufs Militär geworfene Bombe drei Soldaten und verwundete ein Mädchen. Das Militär schoß hierauf und tötete 40, verwundete 70 Personen. Die Bestrafung von Meuterern. Die Flugschriften wurden in einer Anzahl von 300-500 Prokla die sich wöchentlich versammelten. In den Gruppen wurde der In den propagandistischen Gruppen waren bis 50 Mitglieder, gegenwärtige Zustand des Landes erläutert, das sozialistische Programm popularisiert, die Rolle des Heeres im jezigen Moment hervorgehoben und über die wichtigeren Momente der Geschichte der europäischen Revolutionen Vorlesungen abgehalten. Vor dem Abmarsch ins Feldlager wurde eine Versammlung veranstaltet, auf welcher eine Resolution gegen die Herrschende Ordnung angenommen wurde. Außer der illegalen Literatur verbreitete man auch legale Schriften, hauptsächlich die Ausgaben des Verlages Danskaja Rjetsch", später auch die von„ Molot"( Hammer),„ Buretiestnit" ( Sturmvogel) und andere. Auch werden jetzt in jedem Regiment einige radikale Zeitungen abonniert. eines Soldaten unwürdig ist." Bewirtet zu werden. Die Menschenmassen, zum großen Teile junge Geschäftsleute, Bankbeamte, Buchhalter und Verkäuferinnen, begrüßen die vorbeifahrenden Gäste. Bei der Einfahrt in die City sieht man zwei Baldachine in französischen Farben. Das Wetter ist Das Wachsen der allgemeinen revolutionären Bewegung im prachtvoll. Die Fassaden der Häuser tragen französische Grüße und Lande übt eine starke Wirkung auf die Kaserne aus. Diefe be Sprüche: Vive l'Entente Cordiale! Vive Loubet! Revenez nous günstigten stark die Januar- Tage. Bald nachdem wurden nach allen voir! Die Kirchenglocken läuten; die Böller der City- Artillerie Fabriken Schutzpatrouillen entsandt, die sich ungefähr wöchentlich abdonnern. Die Begrüßung ist sehr enthusiastisch. Vor vier, fünf löften. Hier bot sich den Soldaten die Gelegenheit, die ArbeiterJahren wären solche Szenen nicht möglich gewesen. Die meisten masse nahe zu beobachten, mit ihren Nöten und Bestrebungen be Engländer waren voll Verachtung gegen Frankreich. Es war nicht Sewastopol, 12. August. In dem Prozesse gegen 43 Ma- tannt zu werden und mit ihnen Freundschaft zu schließen. Der einmal Haß, sondern einfach Geringschäßung. Dies war die Stim trofen des Lehrschiffes Pruth" wurden 15 Angeklagte frei- letzte Umstand hatte den bekannten Befehl des Obersten des mung der herrschenden Klasse, der Presse, und deshalb auch der gesprochen, 4 zum Tode durch Erschießen, 3 zu fristloser 113. Malojaroslawschen Regiments zur Folge, in welchem es hieß, Massen. Wie ungemein leicht läßt sich dieses Volt in den Staats- Bwangsarbeit und die übrigen zu leichteren Strafen verurteilt. daß eine Bruderschaft mit einem Arbeiter des hohen Standes zügeln leiten. Aber auch die Wagenlenter sind sehr gewandt. Sie Das Kriegsmarinegericht beschloß, Fürsprache einzulegen, daß verstehen die Natur ihrer Zugkräfte bis ins innerste. Der englische die Todesstrafe durch fristlose Zwangsarbeit und letztere für Den von den Fabriken zurückgekehrten Patrouillen wurde es Patriotismus ist deshalb so wirkungsvoll, weil er die politische Frei- zwei Angeklagte durch zehnjährige Zwangsarbeit ersetzt werde. augenscheinlich klar, daß die Nebellen" der innere Feind" heit zur Grundlage hat. Und so lange diese Grundlage nicht erunterdrückte Arbeiter sind, welche zur Eroberung ihres Rechtes auf schüttert wird, denkt der Engländer nicht an eine Auflehnung. Nicht eine menschliche Eristenz, zur Freiheit und zur Vernichtung der den heimatlichen Boden liebt der Brite, sondern seine Rasse liebt er, Sklaverei streben. Jedes Wort fiel auf einen fruchtbaren Boden und die ihm als die Trägerin der politischen Freiheit erscheint. Seine VorTiflis, 14. August.( Meldung der Petersburger Tele- wirkte auf die Soldaten um so stärker, da sie selbst von dem väter haben in England für Freiheit gekämpft, seine Brüder in graphen- Agentur".) Die Polizei hat in einem hiesigen Gasthof Safernenbrud, der jetzt noch verstärkten Disziplin und jeder Art Amerita, in Australien. Es ist der liberale Imperialismus, der ein Verschwörungsquartier entdeckt und die Anwesenden ver- Willtür furchtbar leiden. Flugblätter wurden mit großem Interesse diese Rasse beherrscht. Diesen versteht sie am besten. Es ist das haftet. Bei den Verschworenen wurden ein Gruppenbild(??) gelesen. Ungeachtet der häufigen Verbote versteckten die Soldaten idealisierte wirtschaftlich- politische Bedürfnis der englischen Bourgeoisie, der Mitglieder der Konferenz über die Einführung der Proklamationen, um sie später zu lesen; in vielen Kompagnien Semstwos im Raukasus und die Porträts des Statthalters werden die Flugblätter von Hand zu Hand gegeben. das ganz England beherrscht. und des Polizeichefs Schirinkin sowie ein von der Kampf- Jm Monat April sollten von jeder Kompagnie 25 Mann nach Die Kanalflotte, die jetzt 11 Schlachtschiffen, organisation und der Partei der Sozialrevolutionäre unter dem Kriegsschauplatz entfandt werden, wobei die Gemeinen wie 9 Kreuzern und 24 Torpedojägern besteht, geht in wenigen Tagen zeichnetes Todesurteil Schirinkins gefunden. Im Ofen lagen üblich Lose ziehen sollten, wen das Geschick bestimmte, nach dem von Portsmouth nach der Ostsee, um da ihre Herbst- sieben große und mittlere Bomben des sogenannten makedo- fernen Asien zu ziehen. In einigen Brigaden wurde nun, um die manöver abzuhalten. Aus der freundschaftlichen Umarmung mit nischen Typs, von denen zwei geladen waren, ferner Revolution im Heere auszurotten, beschlossen, das Losen durch dem französischen Geschwader zur ernsten Berufsarbeit durch die Dynamit usw.( Sieht sehr nach Spizeln aus.) * Spitelmache? Ebenso wie eine trepierte Stub nicht aufstehen kann, so wird nimmermehr das polnische Königreich auferstehen und über uns Gewalt bringen. Nordsee nach dem baltischen Meer. Es wäre die reinste Heuchelei, den offiziellen Versicherungen nachplappern zu wollen und diese Die Reform" der Glaubensfreiheit. Flotten- Demonstration als Beweise des Bölkerfriedens aufzufassen. Wie die russische Geistlichkeit den Utas des Zaren über Aber es ist auch nicht nötig, ins Gegenteil zu verfallen und in dieser Glaubens und Gewissensfreiheit ins Leben führt, Demonstration einen feindlichen Att gegen Deutschland zu erblicken. zeigt ein Aufruf der orthodoxen Mönchsgemeinde des Klosters Die Kreuzfahrt der Kanalflotte ist eine Mahnung an Deutschland, Cholm, Gouv. Lublin), den wir mitteilen können. Es heißt darin: daß es noch ein Europa gibt, eine Mahnung, daß die Nieder" Gelobt sei Jesus Christus! Kennt Ihr, russische Männer, werfung Rußlands noch nicht die Oberherrschaft Deutschlands in das alte polnische Sprichwort:„ Ein Heiliger bleibt heilig, und Europa bedeutet. Die Kreuzfahrt der Kanalflotte ist nicht ein Pollack bleibt immer ein Hund?" eine Antwort auf die Kaiser Zusammenkunft in Björkö, sondern auf den Versuch der deutschen Diplomatie, Frankreich eine Politik zu diftieren. Eines der unmittelbaren politischen Ergebnisse des japanisch- russischen Krieges besteht darin, daß Deutschland die erste Militärmacht Europas geworden ist. Es ist nur natürlich, daß die deutsche Regierung die neue Lage der Dinge sofort ausnußen wollte, um eine Politik einzuleiten, die ihr die neue Stellung gewährt. Andererseits hat der japanisch- russische Krieg aber auch zum Ergebnis gehabt, daß England auf Jahre hinaus von der russischen Gefahr in Asien befreit wurde, wodurch die britische Regierung die Möglichkeit hat, ihre ganze Aufmerksamkeit Deutschland zuzuwenden. Keineswegs aber, um es zu einem Kriegel Die Japaner haben den katholischen Glauben angenommen und ziehen nach Czenstochau, Buße zu tun; alle Russen wollen sie niedermeheln und jenseits des Bug verjagen Ein Fluch allen denen hier und in Ewigkeit, die den polnischen Glauben annehmen werden! Ausgerottet foll ihre Nachkommenschaft werden! Ihr Hab und Gut soll untergehen! Ihr habt das Recht, alle Pollacken jenseits der Weichsel in das ehemalige Polen zu verjagen; sollen sie dort die blinden Masuren aufheben. direkte Aushebung zu ersetzen. Die Soldaten erhoben dagegen Protest, und man mußte nachgeben. Die Revolutionäre beschlossen, vor der Absendung der Soldaten eine verstärkte Agitation zu unternehmen, es sollte im Walde eine große Versammlung veranstaltet werden. Die Behörden, die wahrscheinlich das gewittert hatten, schlossen alle in den Kasernen ein und ließen niemand weder ein noch aus. Es graute kaum der Morgen, als die Truppen plöglich zum Abmarsch geweckt wurden. Die Erbitterung im Heere löste sich unterwegs in einer Disziplinarberweigerung aus. Unweit Moskau wurden sechs Soldaten standrechtlich hingerichtet. Man hört oft solche Wendungen, wie:„ Ach, wenn alle so wie ich oder Du gesinnt wären, wäre es ganz anders".... Und bei der immer breiter werdenden Unzufriedenheit wird das Hindernis der terroristischen Kasernendisziplin, die heute noch die offene Auflehnung in weiterem Umfang verhindert, überwunden werden. Die rebolutionäre Stimmung in der Kaserne wird immer heftiger. Die Leitung geht mit immer schrofferen Maßnahmen vor, was wiederum neue Erbitterung hervorruft. So z. B. werden seit einiger Zeit die Flinten eingeschlossen. Es wurden die Soldaten in der Agitation auf dieses Mißtrauen zu ihnen den treuen Beschüßern des - hingewiesen. Wenn aber die Pollacken gegen unseren Staiser aufstehen werden, so haltet Euch fest an Eurer Geistlichkeit, das russische Thrones" Es fei noch einiges aus der letzten Prollamation wieder- gegeben, die im Heere große Verbreitung fand: Soldaten! Die Bauern stehen auf, die Arbeiter kämpfen auf Barrikaden. Im ganzen Lande knattert das Gewehr. Das Volk kämpft gegen die zarische Regierung. Lange hat es gelitten, nun ist seine Geduld dahin.... Die Ssamodershawige sSelbstherrschung) hat das Volk ausgebeutet, ihre besten Söhne in den Kerkern verfaulen lassen; sie hat die Polen, Finnen. Armenier und Juden niedermetzeln lassen. Im avautouristischen Krieg gegen Japan hat sie Hunderttausende Bauern und Arbeiter im fernen Asien umkommen lassen. Das Heer wurde elenden Feiglingen von Generalen und schuftigen Diebesbeamten an- vertraut. Die Flotte ist untergegangen.... Und wie sieht es im Lande aus? Bauern werden zum Tode gepeitscht, Arbeiter niedergeknallt, Jünglinge am'Galgen erhängt, Kinder nieder- gemetzelt. Das ganze Wirtschaftsleben des Landes ist ruiniert. Ueberall Leichen, Blut und Tränen.... Und das Volk ist aufgestanden. Es hat gesagt: genug der Leiden I Nieder mit der Ssamodershalvije I Eine Volksregierung, ge- recht und ehrlich, wollen wir I Nieder mit dem Krieg! Von diebischen Beamten wird er geführt. W i r brauchen keine Kriege. Und das Volk kämpft ftir seine Freiheit. Und der Tag des Sieges ist nah.,.. An Euch, Soldaten, ist jetzt die Reihe! Ans wessen Seite werdet Ihr Euch stellen? Seid Ihr mit dem Volke, oder gegen das Volk? Seid Ihr denn nicht selbst Kinder des Volkes? Sind es denn nicht Euere Eltern, Frauen und Ge- schwister, auf die man Euch schießen heißt? Oder leidet Ihr denn nicht selbst genug? Nein, Ihr seid m i t dem Volke und zusammen mit ihm werdet Ihr kämpfen". politiscke CkbciTicbt. Berlin, den 14. August. Fort mit Trotha! Zwei Erlasse des Generalleutnants v. Trotha, die bisher noch nicht bekannt geworden sind, obwohl sie fast ein Jahr zurückliegen, veröffentlicht die Zeitschrift „Die deutschen Kolonie n". Bekannt ist, daß an- fangs dieses Jahres v. Trotha jenen Erlaß veröffentlichte, durch den auf die Köpfe der hervorragendsten Hotten tottenführor Preise gesetzt wurden. Wie die ge- nannte Zeitschrift nunmehr mitteilt, ist dieser Erlaß keines Wegs der er st e dieser Art, vielmehr wurde bereits am 21. Oktober 1904 eine ähnliche Aufforderung zur E r m o r d u n g der Häupter des Herero-Aufstandes von Trotha erlassen. Dieser Erlaß lautete folgendermaßen: „Osombo-Wiudombe, den 2. Oktober 1904. Ich, der große General der deutschen Soldaten, sende diesen Brief an das Volk der Herero. Herero sind nicht mehr deutsche Untertanen.(Der gute General vergißt, daß sie es völkerrechtlich nicht waren.) Sie haben gemordet, gestohlen, haben verwundeten Soldaten Ohren und Nase und andere Körperteile abgeschnitten und wollen jetzt aus Feigheit nicht mehr kämpfen. Ich sage dem Volke: Jeder, der einen der Kapitäne an einer meiner Stationen als Gefangenen abliefert, erhält M. 1000; wer Samuel Ma herero bringt, 0000 M. Das Volk der Herero muß jeder das Land verlassen. Wenn das Volk dies nicht tut, so werde ich es mit dem groot Rohr dazu zwingen. Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero, mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen. Ich nehme keine Weiber und keine Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volke zurück oder lasse auf sie schießen. Das sind meine Worte an das Volk der Herero. Der große General des mächtigen Kaisers v. Trotha." v. Trotha. Dieser Erlaß, an dessen Authentizität bei dem Charakter Ler Zeitschrift„Die deutschen Kolonien" nicht der mindeste Zweifel bestehen kann, ist noch viel ungeheuerlicher, als der gegen die Hottentotteickapitäne gerichtete. Kündigt Trotha doch offen an, daß er die Hereros aus dem Lande zu jagen beabsichtige. Jeder innerhalb der deutschen Grenzen betroffene Herero werde erschossen werden, einerlei ob er Waffen trage oder nicht! Ebenso kündigt der Erlaß an, daß er, Trotha, keine Weiber und Kinder mehr zu Gefangenen machen werde, sondern auf sie schießen lassen werde. Man kann es dem Her- Bor rnssische» Richtern. Rede des Genossen M. S. Gurewitsch vor dem Wilnaer Gerichtshof. (Schluß.) Bald nach Beginn der Aufklärungperiode tauchten die ersten Anfänge der Arbeiterbewegung auf; das war natürlich noch keine Arbeiterbewegung im modernen Sinne dieses Wortes. Es gab keine Massenagitation, keine Agitationsliteratur, kein bestimmtes Pro- gramm, keinen politischen Kampf; eS handelte sich vorläufig nur um eine kleine Zahl von Arbeitern, denen man eine allseitige Eni- Wickelung zu geben bemüht war. In einer solchen Gruppe von Ar- beiterinnen sollte ich mich mit Naturwissenschaft befassen. Diese Tätigkeit blieb besonders in meinem Gedächtnis haften, da mir hier der Zauber der moralischen Persönlichkeit des nach Befreiung seines geistigen Ichs strebenden Proletariers klar vor Augen trat. Nach löstündiger schwerer Arbeit eilten meine Schülerinnen, 16- und 17- jährige Mädchen, nachdem sie kaum einige Minuten zu Hause ge- Wesen waren, zu dem Unterricht. Mit welcher angestrengten Aus- merksamkeit, mit welcher Gier fingen sie jedes Wort auf und be- strebten sich, mit dem Geist in die Mysterien des Weltbaus einzu- dringen. Doch welche moralischen Qualen mußten sie außer dieser übermenschlichen physischen Anstregung ertragen! Von feiten ihrer Familienangehörigen wurden sie mit Schimpfworten, sogar Schlägen überhäuft. Man warf ihnen empörende Beleidigungen ins Gesicht, da die beschränkten Kleinbürger jener Zeit sich dieses Abweichen von der„normalen" Lebensweise und das häufige späte Nachhause- kommen in keiner anderen Weise erklären konnten, als mii den einzigen ihrem Gesichrskreis zugänglichen Gründen. Diese Leute, meine Herren Richter, waren ja politisch unzu- verlässig: vom Standpunkt der russischen Gesetzgebung waren es ja schädliche untaugliche Elemente! Ich verlor später diesen Kreis einige Jahre lang aus dem Auge und hörte nur, daß einige von ihnen ihre Kräfte der freiheitlichen Bewegung des Proletariats ge- widmet hätten. Und nun nach einiger Zeit führte mich das Schicksal zufällig mit einer von ihnen, einer selten edlen Persönlichkeit, die sich die Liebe und Achtung äller ihr Nahestehenden erworben hatte, wieder zusammen. Aber wissen Sie, unter welchen Umständen ich sie wiedersah? Ich fand sie bereits auf dem Sterbebett! Eine lang- andauernde Kerkerhaft, unter sehr ungünstigen Bedingungen, eine tiefe moralische Erschütterung— der Tod eines ihr nahestehenden Menschen infolge der nicht rechtzeitigen Hülfeleistung durch den Gefängnisarzt— hatten dies« hervorragende Persönlichkeit im LS. Lebensjahr? dahingerafft. Ihr Tod machte auf mich einen er- schütteruden Eindruck. Ich fragte mich, müssen denn nicht alle, denen ihr Andenken teuer ist, denen die Gründe ihres Unterganges klar sind, müssen sie denn nicht alle angesichts dieses frühzeitigen Grabe? schwören, Räch? zu üben, nicht im Sinne der Beseitigung dieses ßvct jenes j'ureaukratcn, sondern r Sin"-- Mitwirkens ausgeßer der Zeitschrift, Dr. E. Th. Förster, nachfühlen, wenn er erklärt:„Als ich diesen Brief gelesen hatte, saß ich eine Weile stqrr vor Entsetzen". In der Tat dürfte dieser Erlaß das Entsetzlichste sein, was auf dem Gebiete der kolonialen Kriegsführung jemals geleistet worden ist, denn Trotha würde sich ja selbst zum Lügner gemacht haben, wenn er diese. An- kündigung nicht ausgeführt hätte. Das furchtbare Leichen- fcld der Omahcke, wo die Gebeine von Tausenden von Kindern und Frauen der Hcreros in der Sonne bleichen, beweist, daß Trotha seinen Erlaß ausgeführt hat! Ferner veröffentlicht Dr. Förster folgenden Tages- b e f e h l an die Truppen; „Dieser Erlaß ist bei den Appells den Truppen mitzuteilen, mit dem Hinzufügen, daß auch der Truppe, die einen Kapitän fängt, die entsprechende Belohnung zuteil wird, und das Schietzen auf Weiber und Kinder so zu verstehen ist, daß über sie hinweggeschossen wird, um sie zum Laufen zu zwingen. Ich nehme mit Bestimmtheit an, daß dieser Erlaß dazu fübren wird, keine männlichen 0!e- fangeneu mehr zu machen, aber nicht zu Greueltaten gegen Weiber und Kinder ausartet. Diese werden schon fortlausen, wenn zweimal über sie hinweggeschossen wird. Tie Truppe wird sich des guten Rufes der deutschen Soldaten bewußt bleiben. Das Kommando. gez. b. Trotha, Generalleutnant." Auch hieraus ist ersichtlich, wie bitter ernst Trotha es mit der Ausrottung der Hcreros innerhalb der deutschen Grenzen genommen hat. Er rechnet mit Bestimmtheit daraus, daß künftig keine männlichen Gefangenen mehr gemacht werden.„Greueltaten" gegen Weiber nnd Kinder sollen nicht vollführt werden, man soll einfach über sie hinweg schießen, dann werden sie schon laufen, lausen, sofern sie nicht doch das Blei eines schlechten Schützen getroffen hat, bis sie in der wafferlosen Sandwüste Omahekes zusammenbrechen nnd im Fieberdurst verschmachten. Wir müssen bekennen, daß einer solchen schauerlichen ErbarmimgSlosigkeit der Kriegsführimg gegenüber alle von den Hereros und Hottentotten verübten Untaten zn einer Bagatelle zusammenschrumpfen! Wir sind der festen Ueberzcugung, daß dies Gefühl auch in den weitesten bürgerlichen Kreisen Deutsch- lands vorherrscht. Wir können es uns nicht anders vorstellen, daß nach der Veröffentlickmng solcher Dokumente der General- leutnant v. Trotha unmöglich ist. Namentlich das Z e n- t r u m wird nunmehr mit erneuter Energie auf der sofortigen Einberufung des Reichstages bestehen nnd die sofortige Zurück- berufnng des südwestafrikanischen Generalisfimns fordern müssen! Die Losung„Fort mit Trotha" ertönt immer lauter in Südwestafrika selbst, v. Trotha hat, wie erinnerlich, den „Windhuker Nachrichten" keine Meldungen mehr zugehen lassen, weil das Blatt ihm zu kritisch war. Auch die Sitzungen des„Beirats" der Zivilverwaltung sollten nicht mehr dort veröffentlicht werden. Dieser Konflikt zwischen Militärregierung und Zivil- Verwaltung hat, wie die„Deutsch-Südwestafrikanische Zeitung" meldet, dazu geführt, daß der Beirat sein Amt nieder- gelegt hat. Die ganze Zivilbevölkerung Südwestafrikas scheint sich gegen das Regiment aufzulehnen. Vielleicht versucht es Herr v. Trotha einmal auch mit Schußprämien, um die Unbot- mäßigen zur Strecke zu bringen.— Vorbereitung für die kommende Flottenvorlage. Wir haben schon in unserer Sonntagsnummer unter Handel und Industrie auf die Bemühungen des AufsichtSrateS des Stettiner„Vulkan" hingewiesen, die Aktionäre für eine Zweigniederlassung deZ„Vulkan" an der Nordsee geneigt zu machen. In der Sonntagmnnmer mehrerer Berliner Blätter veröffentlicht der Vorstand und der AufsichtZrat des„Vulkan" einen langen Auf- ruf an die Aktionäre, in dem für diese Vergrößerung und teilweise Verlegung des„Vulkan" in der lebhaftesten Weise Stimmung gemacht wird. Unter den Argumenten, die für die Notwendigkeit der Er- richtung einer Filiale an der Elbe geltend gemacht werden, spielen die Hinweise auf den Bau riesiger Panzerschiffe, wie sie in Stettin bei den dortigen Wasserverhältnissen nicht mehr gebaut werden könnten, eine große Rolle. Es wird darauf hingewiesen. zum schnelleren Zerfall deZ schändlichen Regimes, das solche Schrecken in seinem Gefolge hat?— So verlief mein Leben in der Provinz, wohin ich während der Sommerferien reiste; die Winter hingegen verbrachte ich in der Residenz. In Petersburg stieg unterdessen die Welle der Reaktion immer höher und höher: im Jahre 1889 erschien das Gesetz über die Landschaftshauptleute, im Jahre 1890 wurde die Selbständigkeit der SemstwoS, im Jahre 1892 die der städtischen Selbstverwaltung der- nichtet. Mit einem Wort, jedes Jahr brachte irgend eine neue Ueberraschung. Zeitweilig schien es, als müsse die? nun das Ende sein, als könne es nicht mehr ärger werden, als könne man nicht weiter gehen; doch die Tatsachen" erwiesen das Lächerliche solcher Illusionen. DaS Komitee für Volksbildung, die Freie Oekonomische Gesellschaft wurde aufgelöst usw. usw. Inmitten dieses reaktionären Bacchanals gab es jedoch einen Trost: dort uni/i in den Tiefen wurden neue Kräfte lebendig und es war klar, daß diese neu ent- stehenden Kräfte früher oder später den immer mehr um sich greifenden reaktionären Strom endlich eindämmen würden. So führten mich, meine Herren Richter, sowohl meine theoreti- scheu Anschauungen als meine individuellen Erlebnisse zu der Heber- zeugung, daß es die Pflicht jedes denkenden und fühlenden Bürgers sei, nicht nur unparteiischer Zuschauer des vor ihm sich abspielenden großen historischen Dramas zu sein, sondern aktiv an der freihcit- lichen Bewegung des Proletariats mitzuarbeiten welche allein in der Lage ist, Glück und Freiheit in unser vielgeprüftes Land zu tragen. Nun will ich nur noch in einigen Worten andeuten, was mich weranlaßte, mich gerade an den„Allgemeinen Jüdischen Arbeiter- bund" anzuschließen, und warum für mich, als Mitglied der jüdi- scheu Intelligenz, die Tätigkeit des„Bundes" ihren besonderen Wert hatte. Ich will mich hier nicht mit der theoretischen Seite dieser Frage aufhalten— ob dem jüdischen Proletariat eine besondere Organisation notwendig sei usw.— sondern will sie bloß von der psychologischen Seite erörtern. Die sozialdemokratische Bewegung in ihrem Ganzen hat trotz ihres scheinbar engen Klassenstand- Punktes eine ungeheure Bedeutung für das kulturell-cthische Leben der ganzen Nation: sie erhöht ihr Ansehen, sie ist zuweilen der einzige Retter der nationalen Ehre. Wer hat zum Beispiel in Deutschland am energischsten gegen die schändliche GermanisierungS- Politik der deutschen Regierung gegenüber den Polen protestiert?— Das war die deutsche Sozialdemokratie. Wer enthüllt in allen Ländern die Greuel der Kolonialwolitik? Tie internationale Sozialdemokratie. Wem fällt die Hauptrolle in der Verteidigung der Freiheit der Kunst(lex Heinz«) zu? Wieder einmal der deutschen Sozialdemokratie. Wer hat endlich als erste die Stimme des Protestes in Sachen der Solotowa*) erhoben? Die Arbeiterschaft von Tichoretzk. •) Solotowa wurde vor drei Jahren von einem Untersuchungs- richter, sowie von einer Anzahl von Polizeibeamten vergewaltigt, worauf sie sich im Polizeirevier vergiftete. daß schon in der Auffichtsratssitzung vom 31. Mai d. I. der Direktor Zinim ermann erklärt habe, daß Deutschland in ganz kurzer Zeit vor die ernste Frage gestellt werde, Schiffe von 16 000 Tonnen Deplaeement und mehr zu bauen und eine besondere Nordseeflotte zu bilden. Solche Schiffe könnten aber auf dem Stettiner„Vulkan" nicht mehr gebaut werden. Der Direktor F l o h r wies ebenfalls schon damals darauf hin, daß die Schiffswerften an immer größere Aufgaben herantreten müßten, das bewiesen die Au-- fragen, die sowohl seitens der größeren Reedereien, wie auch von den Marinebehörden bei dem Vorstand des„Vulkan" ein- gegangenseien. Es müßtendeShalb Mittel und Wege ergriffen werden, die den Vulkan in den Stand setzten, Schiffe jeder Größe zu bauen und den Wettbewerb mit den ersten europäischen und amerikanischen Werften andauernd aufnehmen zu können. Diese Erklärungen enthalten ja nichts, was dem aufmerksamen Beobachter der Marinepropaganda verborgen geblieben wäre. Es ist ja schon in dem bekannten Nautieusjahrbuch, das mindestens als halb offiziös zu betrachten ist, ganz offen aus- gesprochen worden, daß die n ä ch st e n deutschen Linien- schiffe mindestens 17 000 Tonnen Deplaeement besitzen müßten gegenüber den jetzigen von 13 200 Tonnen. Daß sich aber der Stettiner Vulkan unter.allen Umständen auf den Bau dieser Schiffe einrichten zu müssen glaubt, beweist, daß die Zahl dieser Linienschiffbauten eine beträchtlich größere sein wird, als sie in dem Flottengesetz von 1900 vor- gesehen ist. Denn außer dem Stettiner„Vulkan" kämen ja auch die kaiserliche Werft und die G e r m a n i a w e r f t in Kiel in erster Linie in Betracht. Wenn es auch nicht offen ausgesprochen wird, so ist doch sicher die bestimmte Aussicht auf Kriegsschiff- bauten, und zwar Linienschiffbauten der erwähnten Klasse, die den„Vulkan" zu einer so gewaltigen Vergrößerung seines Betriebes und einer so kostspieligen Neuanlage veranlaßt. Schon aus dieser geschäftlichen Aktion ist zu entnehmen, welche ge« waltigen Mehrforderungen die neue Marinevorlage bringen wird!— • Deutfebes Reich. ,Mreliz-Zeitungs"-Lugr�. In ihrem Sträuben gegen die Forde« rung einer Aufhebung der Vieheinfuhrverbote und-Beschränkungen greift die agrarische Presse zu den perfidesten Lügen. So erzählt z. B. die„Kreuz-Zeitung" in ihrer letzten Sonntagsirummer ihrem Lescpublikum folgendes Märchen: „Freilich haben die Sozialdemokraten ihre Agitation erheblich modifizieren müssen. S r e konnten nicht nr e h r wie früher behaupten, die deutschen Grenzen seien überhaupt gegen die Vieheins nhr gesperrt, denn da? war doch gar zu dreist gelogen gegenüber der Einfuhrstatistik, die etwa 80