Ur. 193. Bbonnemenfs-Bedingungcn: Abonnements- Preis pränumerando: »ierteljährl. Z.ZV Mt. monall. l,I0 Ml., wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg. Post. Abonnement: l.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post, ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn Zi Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. SÄ. Jahrg. Die Inlertlons'Gcbüljr beträgt für die sechsgespaltcne Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerlschasMche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 26 Psg. „Kleine Hnzcigen", daS erste(fett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 16 Buchslaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expeditionabgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis 8 Uhr vormittags geSsfnet. CrMbtlul töglitb außer Blontagi. Devliner VolksblÄkk. Telegramm- Adresse: „SozIaldetDOkrat Berlin". Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfchlands. Redaktion: 8W. 68, Lindenetraese 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. I Sonnabend, den 19. Angnst 1905. Sxpedition: SRI. 68, Lindenetraese 69. Fsernsprecher: Anit IV, Nr. 1984. Die Grubenherreu ernten die Frucht des Streiks. Man schreibt uns: Der Meldung des„Vorwärts", das Kohlensyndikat be- absichtige eine Preiserhöhung, ist prompt ein Dementi gefolgt. Die Syndikatsherren beschlossen„nur" die Verteuerung der Briketts um 60 Pf. pro Tonne, sonst haben sie die alten „Richtpreise" bestehen lassen. Sie haben gut dementieren, denn in der Form, wie dem„Vorwärts" die Meldung zuging, ist sie nicht aufrecht zu erhalten. Hätte der Berichterstatter des„Vorwärts" in seinem Telegramme mitgeteilt, es seien im Kohlenhandel, der vornehmlich durch das„Kohlen- k o n t o r" für die Syndikatszechen besorgt wird, Preis- erhöhungen erfolgt, so wollten wir gesehen haben, ob auch denigegenüber ein Dementi losgelassen worden wäre. Wurde auch die Preiserhöhung durch den vom Syndikat dirigierten Handel bestritten, dann mußten die Zechenherrcn auch erklären, wie sie in den letzten Monaten zu den viel höheren Werksüberschüssen gekommen sind, ohne dementsprechend die Förderung erhöht zu haben. Für die Frage nach den Leuten, die sich nach einem Streik, der die Kohlenvorräte räumte, sehnten, ist entscheidend die Antwort, welche uns die nun vorliegenden Geschäfts- abschlüsse für das zweite Quartal 1905 geben. Danüt die Streikernte der Kohlenmagnaten recht sinnenfällig in Er- scheinung tritt, Ivollen wir, soweit es die sehr vorsichtig ab- gefaßten Geschäftsberichte zulassen, auch die Betriebsüber- schüsse für das zweite Quartal 1901 mit angeben. Es stellt sich folgender„Segen des Bergbaues" für die notleidenden Aktionäre und Kuxeninhaber heraus: Ueberschuß Ueberschuß Name des Werkes II. Quartal 1904 II. Quartal 19l)S M. M. „Pärtingsiezen"..... 78 534 100 791 „Siebenplaneten".... 46069 172228 „Schürbank"...... 35 000 72 182 „Königin Elisabeth"... 362 896 416 783 „König Wilhelm".... 384 401 697 095 „Königsborn"..... 326 379 406 993 „Herkules"...... 349 272 401721 „Graf Schwerin".... 154 886 230 511 „Lothringen"...... 42 698 507 785 „Ewald"....... 649 961 1224 120 „Eintracht"......— 121219 „Deimelsberg"..... 97 629 124 612 „Graf Bismarck".... 1035595 1 167559 „Gottessegen"..... 54 880 108 048 „Hibernia"...... 2 320165 2 956 356 „Harpen"....... 3 085 100 4 128 000 Herr Laudtagsabgeordneter Hilbck erklärte in der Generalversammlung der Gewerkschaft„Blankenburg" an der Ruhr, durch den Streik sei der Gesellschaft„kein namhafter Schaden" erwachsen, weil die 5500 Tonnen betragenden 5kohlenvorräte„zu lohnenden Preisen geräumt" werden konnten, so daß der Ueberschuß selbst in den Streikmonatcn höher war, wie in der gleichen Zeit dcS streiklosen Vorjahres! Die Gewerkschaft gedenke daher diesjährig 150000 M. Ausbeute zahlen zu können, gegen 125 000 M. im streiklosen Vorjahre!! I Was für Beweise verlangt man noch mehr, um klar zu stellen, welche Seite der Kämpfenden den Streik wünschen konnte, weil er ihr Nutzen versprach? I Unsere Liste der Ueberschüsse ist natürlich nicht voll- ständig, einmal weil eine Reihe der größten und besten Zechen im Hüttenbesitz ist, �deshalb keine Vierteljahrsabrechnung ver- öffentlicht; dann aber auch, weil viele Werke so vorsichtig publizieren, daß man keine Vergleiche ziehen kann. Es gibt auch Zechen, die schlechter abschnitten, aber sieht man genauer zu, so handelt es sich um außergewöhnliche Ausgaben für Jteubauten, Feldcrwerb und Schuldentilgung. Aus manchen Abrechnungen gewinnt man den Eindruck, als ob die Auf- steller geflissentlich gerade nach dem Streik bedeutende Aus- gaben machten für Werksverbesserungen, um die enorm g e- stiegenen Gewinne zu ver st ecken! Wir haben aber eben eine so erhebliche Zahl von Ruhrzechen, von den kleinsten bis zu den größten, namhaft geniacht, daß unsere Tabelle einen sicheren Schluß zuläßt auf die Ernte der Zechenherren nach dem Streik. Man könnte einwenden, die höheren Gewinne seien die Folge erhöhter Förderung. Doch ist dies Durchaus nicht der Fall, die Gewinne pro Tonne sind gestiegen! So hatte„Gottes- fegen" im 2. Quartal 1904 eine Förderung von 33 556 Tonnen, im 2. Quartal 1905 förderte die Zeche W091 Tonnen, d. h. 4535 mehr, gleich 14 Proz. Der Ueberschuß stieg aber von 54 880 auf 108 648 Mark, also um fast 100 Proz.! Berechnen wir den Gelvinn pro Tonne, so hatte„Ewald" im 2. Quartal 1904 einen Ueberschuß von 2,76 Mark pro Tonne, im 2. Quartal 1905 aber 3,30 Mark.„Graf Schwerin" erhöhte seine Förderung nur um knapp 6000 Tonnen, den Ueber- schuß aber um 75000 Mark!„Siebenplaneten" förderte 18 Proz. inehr, erzielte aber einen fast vierfach stärkeren Ueberschuß.» Wir fragen: Woher kommen denn diese riesig gesteigerten Ueberschüsse, wenn nach der Versicherung des Syndikats keine Preisschraubungcn im Anschluß an den Streik vorgenommen sind?! Die letzgenannten Werke sind keine Hüttenzechen, müssen daher ihre Förderung dem Syndikat zum Verkauf zur Verfügung stellen und können ihre höheren Ueberschüsse nur durch Vermittelung des Syndikats erlaugt haben. Da aber offiziell von einer Kohlen- und Koakspreiserhöhung nichts be- kanut gemacht wurde, sogar die Absicht der Preiserhöhung lebhaft bestritten worden ist, so beweisen die trotzdem enorm gestiegenen Ueberschiisie pro Tonne, daß die öffentlichen Preis- fcstsetzungen des Syndikats absolut nicht maßgebend sind für die eigentlich den Käufern abgeknöpften Preise! Wir stoßen da wieder auf ein Syndikatsgeheimnis, welches die vielen und stets stärker werdenden Klagen der Verbraucher über hohe Brennstoffpreise veranlaßt, ohne daß die Regierung Veranlassung nimmt, einmal gründlich den Schleier von dem Treiben der Kohlenverteurer zu lüften. Man denke: das Syndikat macht bekannt, es ließe die alten Preise bestehen, spielt sich während und nach dem Streik auch noch auf als der fürsorgliche Preis- regulator, der den Händlern verbietet, die Kohlenknappheit durch Preisschraubungen auszunutzen. Dasselbe Syndikat ist aber auch der Verkäufer der Zechenproduktiou, und nun stellt sich heraus, daß die Syndikatszechcn nach dem Streik ihre Ueberschüsse pro Tonne außerordentlich erhöht haben I O h n e Preiserhöhung war das nicht möglich, dennoch sollen keine Preiserhöhungen vorgekommen sein, und dreist bestreitet die Syndikatspresse gegenüber dem„Vorwärts" sogar die Absicht einer Preiserhöhung! Wann wird das Volk aus den Klauen der Kohlenwucherei erlöst werden? Darüber kommt man nun nicht mehr hinweg: Die öffentlichen Preisnotierunge» des Syndikats sind absolut wert- los für die Beurteilung der wirklichen Kostenpreisc! Und ferner liegt nun sonnenklar zutage, wem der große Streik klingenden Gewinn brachte und wer deshalb ein finanzielles Interesse an der Arbeitseinstellung haben mußte. Den Berg- leuten ist keine Lohnerhöhung bewilligt worden. Dafür schwellen die Ueberschüsse an und das Unternehmertum schafft schmunzelnd die Streikernte in seine Scheuern.— politiscbe(lebersicbt. Berlin, den 18. August. Die„Köln. Volkszeitung" und die Fleischnot. Wie immer, wenn das Interesse der ärmeren Volksschichten mit dem der katholischen Großgrundbesitzer und Bauern kollidiert, schlägt sich auch jetzt gegenüber dem Verlangen der Volksmasse nach einer Oeffnung der Grenzen für die fremde Vieheinfuhr die Zentrums- presse auf die Seite der Agrarier. Die Zentrumsblätter, deren In- halt hauptsächlich für die Bauernschaft berechnet ist, höhnen und spotten, wie wir erst dieser Tage an den Auslassungen der„Rhein. Volksstimme" nachgewiesen haben, noch ärger über die Fleischnot, als die Organe des Landbündlertums; ihnen sind selbst die heutigen hohen Viehpreise noch nicht hoch genug. Aus leicht zu verstehenden Gründen stimmen die in industrielleu Großstädten erscheinenden Zentrumsblätter einen weniger provozierenden Ton an. Sie suchen zu beschwichtigen, klagen über die hohen Fleischpreise und die Dürre dos vorigen Jahres, welche die jetzigen Viehpreissteigerungen her- vorgerufen hätte; aber so weit geht ihre erheuchelte Sorge um das Wohl der ärmeren Klassen nicht, daß sie sich zur Forderung einer weiteren Oeffnung der Grenzen, sei es auch nur einer zeit- weiligen Oeffnung für bestimmte Gegenden, aufzuschwingen vermöchten, im Gegenteil erniahnen sie die Arbeiter im Stile des Herrn v. Podbielski, sich geduldig aufs Abwarten zu verlegen, indem sie nach der Methode der Junkerpresse durch allerlei Zahlenschwindcleien zu beweisen suchen, daß von einer Fleischnot oder einer nicht ausreichenden Viehproduktion absolut keine Rede sein könne. Selbst die„Köln. Volkszeitung" greift jetzt zu diesem Mittel. Sie veröffentlicht in ihrer gestrigen Morgen- ausgäbe einen Artikel, in welchem sie sich folgendes Zahlenkunststück leistet: „In der Zeit vom 10. Januar 1873 bis 1. Dezember 1904 hat sich die Bevölkerung des Deutschen Reiches von 41,5 auf 59,3 Millionen, das ist um 43 Proz. vermehrt, der Bestand an Schweinen dagegen von 7,1 auf 18,9 Millionen. das ist um 166 Proz., mithin fast viermal so stark wie die Einwohnerzahl I Auf je 1000 Einwohner kamen am 1. Dezember vorigen Jahres 320 Schweine, gegen 170 am 10. Januar 1873. In diesen Zahlen kommt aber, wie die„D. Tagesztg." hervorhebt, noch gar nicht die weitere, jedem Kenner der deutschen Viehzucht bekannte Tatsache zur Geltung: daß heute aus einem bei der Zählung gegebenen Bestände von je 1000 Stück Schweinen gut die doppelte Fleischmenge innerhalb Jahresfrist an den Schlachtmarkt gelangt, wie vor 30 Jahren. Denn damals war das reguläre Alter für die Schlachtreife der Tiere Jahre, während inzwischen durch die weitverbreitete Zucht auf Frühreife und Schnellwüchsigkeit das Schlachtalter der Schweine bis auf i Jahr herabgemindert ist, so daß also das Verhältnis der Schlachtungen zum gesinnten Bestand an Schweinen ein viel günstigeres ist als früher. Jedenfalls zeigt das rasche Wachstum der deutschen Schweinezucht, daß die Deckung des deutschen Schlachtviehbedarss durch die eigene Viehzucht nicht aus- geschlossen ist und daß es daher ein volkswirtschaftlich vollauf berechtigter Gedanke ist, die deutsche Viehzucht durch wirksame Maßnahmen zur Verhütung von Seuchengefahren vor einer Be- einträchtigung ihrer Entwickelung zu schützen." In ihrer eigenartigen Genügsamkeit beschränkt sich die„Köln. Volksztg." auf die bloße Mitteilung der Zahlen des Schweine- bestandes; die Zahlen sür die übrigen Vieharten vergißt sie mitzuteilen— natürlich ohne jede unehrliche Absicht; sie hat nur bei dein Abdruck des Artikels nicht daran gedacht, daß die Menschen nicht nur Schweinefleisch, sondern auch Rind- und Hammelfleisch essen. Der Rinder- und Schafbestand hat aber seit 1873 beträchtlich abgenommen. Es kamen nämlich auf je 1000 Einwohner: Rinder Schafe 1873.... 384 609 dagegen 1900.... 336 172 Wenn also die Zahl der Schweine sich beträchtlich vermehrt hat. so hat andererseits die Zahl der Rinder und Schafe ganz bedeutend abgenommen. Die Zunahme auf der einen Seite wird durch die Abnahme auf der anderen Seite völlig ausgeglichen. Die natür- liche Folge dieser Verschiebung, die seit 1873 eine fast stetige Steigerung der Rinder- und Hammelpreise bewirkt hat, war aber, daß die Nachfrage nach Schweinen umsomehr steigen mußte, wenn nicht ein großer Teil der Bevölkerung auf seine frühere Fleisch- nahrung verzichten wollte. Allerdings viel ehrlicher als bei den Klerikalen steht es auch bei manchen liberalen Blättern um die Fürsorge für das Volkswohl nicht, denn der Ruf nach Oeffnung der Grenzen reduziert sich bei ihnen immer mehr auf die Forderung, daß das Schweineeinfuhr- kontingent für Oberschlesien um 2500 Stück pro Woche erhöht wird. Mit solcher Maßregel wäre nur den Oberschlesiern ge- Holsen. Andere Gegenden des Deutschen Reiches leiden aber nicht »linder unter der jetzigen Fleischteuerung. Das ganze heutige Grenzsperrsystem muß beseitigt und außerdem das Fleischbeschaugesetz vom Juni 1900 gründlich revidiert werden._ Die Marokko-Anleihe. Die von einigen deutschen Bankhäusern unter Führung der Firma Mendelssohn mit dem Sultan von Marokko abgeschlossene Anleihe entpuppt sich als ein finanziell recht unbeträchtliches Ge- schüft. Die Summe, derer, wie es heißt, der Sultan für Privatzwccke bedarf, beträgt nur 10 Millionen Mark, die sofort nach der Be- endigung der Marokko-Konferenz ausgezahlt werden sollen. Das Objekt der Anleihe ist also verhältnismäßig gering; aber dennoch hat der Abschluß der Anleihe eine weitreichende Bedeutung. Der Sultan hat nämlich, wie verlautet, für diese Anleihe den Banken einen Teil seiner Privatgrundstückc am Hafen von Tanger, in günstiger Lage, verpfändet, und wenn vorläufig auch diese Grund- stücke im Besitze des Sultans bleiben, so erlangen doch deutsche Banken auf sie ein bestimmtes Anrecht, das vielleicht später zum völligen Uebergang der betreffenden Gelände in deutsches Eigentum führt.— Auch in unseren sogenannten maßgebenden Kreisen scheint man ick der Anleihe etwas mehr zu sehen als einen kleinen fürst- lichen Privatpump; denn weshalb fuhr sonst Herr Mendelssohn kürzlich eiligst nach Norderney, um dort mit dem Reichskanzler zu konferieren? Die offensichtliche Betonung des privaten Charakters der Anleihe bestätigt diese Folgerung eher, als daß sie sie widerlegt. Wie die„Voss. Ztg." berichtet, soll die französische Negierung einige Tage vor dem Abschluß der Anleihe benachrichtigt worden sein. Sie vermag einem derartigen Pumpgeschäft nicht zu wehren, ebensowenig wie die deutsche Regierung hiueinzusprechen hat, wenn französische oder englische Bankiers einem afrikanischen oder asiatischen Despoten Geld pumpen; aber unter den jetzigen Ver- Hältnissen, vor dem Zusammentritt der Marokko-Konferenz, wird das Anleihegeschäft kaum dazu beitragen, das geaenseitige Vertrauen zu fördern._ Die Budget-Mogelei. Die freisinnige Presse steckt noch immer krampfhaft den Kopf in den Sand, um die Budget-Mogeleien der„Nordd. Allg. Ztg." Nicht kritisieren zu müssen. Sie will jetzt endlich ihre Ruhe haben und die Ferien ihrer Abgeordneten nicht durch eine Einberufung des Reichstags gestört wissen. Auch die Zentrumspresse scheut sich in dieser sommerlichen Zeit vor geistigen Anstrengungen und vermag sich deshalb noch immer nicht zu einer selbständigen Kritik der Budgetbruchbeschönigung aufzuschwingen, aber sie unterschlägt ihren Lesern doch wenigstens nicht völlig die Kritik des„Vorwärts". So schreibt die„Germania": Er versteift sich besonders darauf, daß nach dem Wortlaute der Erläuterungsspalten zum Etat nur alle zwei Monate 2 50 Mann als Ergänzung nach Südwestafrika geschickt werden dürften, während schon in den ersten acht Monaten 1200 Mann mehr abgeschickt worden seien, als danach erlaubt wäre. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat bekanntlich behauptet, die in den Erläuterungen angeführten Zahlen seien Durchschnittszahlen und schlössen zeitweise Verschiebungen innerhalb des JahreS nicht aus. Der„Vorwärts" wirft der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" weiter vor, daß sie bei ihrer Berechnung des Söllbestandes und des Abganges allerlei Mogeleien vorgenommen habe, um das budgetwidrige Verfahren zu ver- tuschen. Unseres ErachtenS kann es nicht schaden, wenn die „Nordd. Allg. Z t g." auf derartige Vorwürfe klipp und klar antwortet, und zwar rasch. Das lange Zögern kann nur den Verdacht erwecken, daß etwas nicht in Ordnung sei und es große Mühe mache, eine plausible Er« klärung zu geben. Die Behauptung des„Vorwärts", daß die im Etat vorgesehenen Mannschaften und Gelder nicht aus- reichen würden, erscheint nach dem bisherigen Verlaufe der Dinge nicht unbegründet zu sein, aber das hat mit der b u d g etr e ch tl ich e n Frage nichts zu tun, sondern führt zu der Frage, ob wir den kostspieligen Kampf um die Sandwüste überhaupt fortsetzen sollen. Wenn die bewilligten Mittel nicht reichen, so wird ja. wie die„Nordd. Allg. Ztg." feier- lich erklärt hat, der Reichskanzler den Reichstag rechtzeitig um weitere Bewilligungen ersuchen. Die„Germania" muß also die Berechtigung unserer Aus- führungen widerstrebend anerkennen. Sie fleht deshalb die Nord- deutsche Offiziöse an, sich doch ihrer Verlegenheit anzunehmen. Dem Blatt ist aber auch heute abend noch nichts Plausibles eingefallen, es schweigt noch immer! Eine Entdeckung aus Eigenem gibt freilich die„Germania" zum besten, sie ist aber auch danach. Sie meint, wenn auch füi das Jahr 1905 die Bewilligungen des Reichstages überschritten werden würden, wie es ja allerdings den Anschein habe. so habe daS mit dem Budgetrecht mchts zu tun. Der Reichskanzler werde weitere Mittel rechtzeitig vom Reichstage fordern. Dieser törichten Ausrede sind wir schon gestern entgegengetreten. Der Reichstag hat die beiden Nachtragsetats bewilligt für das ganze Finanzjahr, sie sollen bis zum April 1906 reichen. Und die Regierung hatte sich verpflichtet, daS Geld so zu v e r- wenden— für eine Truppe von 13 400 Mann, die durch die zwei- monatlichen Nachschübe in dieser Stärke erhalten werden sollte— daß es reichte. Wenn sie nun mehr Truppen— bis jetzt schon 1200 Mann mehr— abschiebt und dadurch größere Ausgaben verschuldet, so ist das unbedingt ein Verstoß gegen das Budgetrecht. Sie hätte eben dem Reichstag rechtzeitig die veränderte Lage vorlegen und von ihm die angeblich notwendige größere Wer- stärkung erbitte» müssen! Hoffentlich begreift das nunmehr die „Germania" I— Zentrumsdemagogen und Zeutrumsdiplomaten. Just an demselben Tage, wo die B e r l i n e r Zentrumspresse, an der Spitze das führende Organ der Partei, die.Germania", ihre schwächliche Scheinopposition gegen die Regierung einstellte, wo die„Germania" erklärte, daß Fürst Bülow durch die Erklärung der„Nordd. Allg. Ztg."„durchaus gerechtfertigt" fei, stieß die ultramontane Provinzpresse noch einmal mit vollen Backen in die demagogische Reklametrompete. Die„SB est f. V o l k s- Z e i t u n g" und der„Bahr. Kurier" veröffentlichten am Donnerstag folgende Zuschrift eine« Berliner Reichstags- Abgeordneten: „Das energische(!) Auftreten der ZentrumSpresse wird nun doch den gewünschten Erfolg haben; nach Informationen aus guter Quelle soll nun der Reichstag Ende A u g u st oder Slnfang September zusammenberufen werden, um wegen der Frage der Truppenverstärkung f ü r Südwestafrika gehört zu werden. Der Reichskanzler war in erster Linie bemüht, diese Einberufung herbeizuführen, indem er die staatsrechtlichen Grundlagen für den neuen Truppentransport untersuchen ließ. Das Ergebnis dieser Aufstellung ist, daß in der Tat Verstärkungen abgesendet wurden, die der Reichstag nicht genehmigt hat. Nun wird aber dieses eigenmächtige Vorgehen dadurch noch interessanter, daß w e d e r der R e i ch S l a n z l e r, noch der Staatssekretär des Auswärtigen Anites, nnch der R e i ch ö s ch a tz s e k r e t ä r, noch der Kolonialdirektor etlvas hiervon wußten; sie befinden sich allesaint in II r- l a u b und haben er st aus der Presse Kenntnis erhalten. So unglaublich diese Mitteilung, die zuerst ein Münchener Blatt bringt, auch klingt, sie ist v o l l st ä n d i g zutreffend! Aber gerade hierin liegt das denkbar schlechteste Symptom! Man muß sich nun fragen: Wer hat diesen Schritt unternommen? Ist cS der Portier oder der Ä a n z l e i d i e n e r im Kolonial- amt gewesen? Nein, ein G e h e i m r a t, von dem bekannt ist. daß er ebenso hochnäsig über den Reichstag urteilt, wie er u n- fähig für seine Stellung ist. Was wir schon ftüher andeuteten, muß endlich durchgeführt werden.'inr Kolonialamt muß einmal eine gründ- liche Säuberung vorgenommen werden, damit dort auch Beamte arbeiten, die mit der erforderlichen Sachkenntnis die absolut erforderliche Achtung vor den Rechten der Volks- Vertretung mitbringen. Natürlich ist der Reichskanzler ob dieses Schrittes nicht sehr erbaut; er hat seinem Unwillen sogar sehr deutlich Ausdruck gegeben. Unseres Erachtens ist es ganz selbstverständlich, daß die schuldigen Beamten vor den Disziplinar- gerichtshof kommen; sie haben ihre Befugnisse verletzt und ihre Machtsphäre überschritten! Hier muß einmal ein Exempel statuiert>v erden, dann er st ivird Besserung ein- treten! Wenn der Disziplinargerichtshof auf Dienstentlassung ohne Pension erkennt, wird ein heilsamer Schrecken alle autokratischen Gelüste in der Beamtenwelt vertreiben. Wir geben unserer Genugtuung darüber Ausdruck, daß der Reichskanzler die er- forderlichen Schritte unternimmt, um die V e r f a f s u n g s- Verletzung zu beseitigen! Was der Reichstag und i n S- besondere das Zentrum tun werden, brauchen wir hier nicht näher darzulegen; man kann dieS ruhig abwarten." Weder„Germania" noch„Märk. Volksztg" haben von diesem Erguß Notiz genommen! Sie haben im Gegenteil erklärt, daß ja nun alles in der Ordnung sei. Der bramarbasierende Artikel lvar ja nur für die Zentrnmswähler in der Provinz bestimmt, denen wieder einmal höllisch imponiert werden sollte. Der Fall zeigt an einem klassischen Beispiele, wie in der Provinz, wo die Zentrums« Wähler sitzen, die grobkörnigste Demagogie getrieben wird, während die Berliner ZentrumSpresse diplomatisch genug ist, die gewohnten Umfülle nicht durch allzu schroffen Stimmungswechsel zu er- schweren.—_ An die Schuljugend in Rnssisch-Polen.� LiebeKinderl Ich weiß, unter Euren Eltern und Vormündern hoffen ver- schiedene, Euer Widerstand könne gebrochen werden und Ihr müßtet aufs neue die russischen Schulen besuchen. Ich weiß, daß so be- deutende Persönlichkeiten wie Graf Adam Krasinski, der Führer der Versöhnungspartei, und Erzbischof Popiel sich durch Ermahnungen und wirksamere Mittel als Ermahnungen bestrebt haben. Euch zum Aufgeben EureS Entschlusses zu zwingen. Seid jedoch versichert, daß die meisten und besten unter Euren Eltern und Vorgesetzten in vollem Sinne mit Euch gehen, voller Trauer würden sie sehen, wenn Euer Willen gebrochen würde, wie der Willen der Erwachsenen allzu oft, sowohl in Polen als in Rußland. gebrochen worden ist. Nilter den polnischen Männern, die Euch mit ihren besten Wünschen begleiten, haben sich einige an nndb gewandt, einen Fremden, dessen Name Euch jedoch bekannt ist, sie baten mich, Euch ein aufmunterndes Wort zu sagen, Euch anzurufen, Euer Vorgehen nicht z» bereuen und vor allem auszuhalten. Ohne eine solche Auf- forderung von polnischer Seite könnte sich meine Zuschrift an Euch ausnehmen wie eine unberufene Einmischung in Angelegenheiten, die nur Eure Landesbrüder und Landömänmnnen angehen: Jetzt wird niemand sie so ausfassen, ausgenommen diejenigen, deren Urteil weder für Euch,»och für mich ins Gewicht fällt. Ihr dürft nicht glaube», daß die zivilisierte Welt, die seit vierzig Jahre» dem Schicksale Eures Vaterlandes gleichgültig gegenüberstond. zurzeit mit Gleichgültigkeit die vereinzelten und verzweifelten Befreiungsversuche verfolgt, die im Königreiche Polen stattfinden. Glaubt mir. die geistige Elite in allen freien Ländern verfolgt mit Spannung den Lauf oer Ereignisse, und die jungen Wesen. Mädchen wie Knaben, die zuerst und mutigst der Zwangshcrrschaft der russischen Regierung ick dem Unterrichlssysteni der polnischen Schulen getrotzt haben, werden weder in Europa noch in Amerika in Vergessenheit geraten. Ihr habt die Axt an die Wurzel des großen Ucbcls gelegt. Ihr Kinder habt die Erwachsenen durch dieses Beispiel beschämt. Die zivilisierten Völker, die Eure Initiative bewundern und die Festigkeit, die Ihr jetzt so lange bewiesen, ver- liercn Euch nicht auS dem Gesicht, wünschen Euch mit Hundert- taufenden von Stimmen Glück und Sieg. •) Georg Brandes, der bekannte dänische bürgerlich-radikale Schriftsteller, hat diesen Aufruf an die polnische Jugend gerichtet. Der Verfasser hat den Wunsch ausgesprochen, daß der Brief in deutscher Sprache durch den„Vorwärts" verbreitet werden möge. Red. d.„Vorw." veutkcdes Reich. Liuellen für die„Norddeutsche Allgeinciue Zeitung". Wir machen daS regierende Dementicrblatt auf folgende Blätter aufmerksam, die sich ausführlich und sehr verdächtig mit dem Thema des englischen Onkels und des deutschen Neffen beschäftigen:„Augsburger Abend- zeitung",„Neue Bayerische LandeSzeitung" und mehrere daraus schöpfende Organe, wie die„Berliner Neuesten Nachrichten". Ferner gestatten wir UNS die Unschuld aus der Wilhclmstraße über die folgende Acußerung der„Kieler Zeitung" zu informieren, die in der Form einer scheinbaren Polemik gegen unser Kieler Parteiblatt die Tatsache der Mobilmachung bestätigt: „Die„Schlesw.-Holst. Volks-Ztg." fühlt sich berufen, den „Vorwärts" gegen die gestern an dieser Stelle wiedergegcbene Zurechtweisung, welche die„Nordd. Allg. Ztg." ihm zuteil werden ließ, in Schutz zu nehmen. Die„Schlesw.-Holst. Volks-Ztg." will nämlich ganz bestimmt wissen, daß„die deutsche Flotte in einem gewissen Momente kriegsbereit gewesen ist. Die„Schlesw.- Holst. Volts-Ztg." hat's gesagt, also ist es wahr.„Tie bürgerliche Presse war natürlich im großen und ganzen zu feige, von unseren Mitteilungen Kenntnis zu nehmen," bemerkt stolz und siegeS- bewußt daS sozialdemokratische Blatt. Ob es wohl an der Feig- heit gelegeil hat? Man kann sich ja auch vorstellen, daß es große vaterländische Interessen gibt, die ein guter Bürger— mag er Zeitungsschreiber sein oder nicht— bei seinem Verhalten in Bc- tracht zieht. Uebrigcns war die„Schlesw.-Holst. Volks-Ztg." mangelhaft unterrichtet, die deutsche Flotte ist nicht in einem gewissen Moment, sondern stets kriegsbereit. Wenn wegen der regelmäßigen Jahrcsreparaturen eine Lücke in dieser Bereitschaft eintritt, so ist es selbstverständlich, daß man in ernsten Zeiten sich bemüht, diese Zeitlücke so kurz wie möglich zu machen. Das also war des Pudels Kern." ES gab also„ernste Zeiten", die zur sofortigen„Kriegsbereit- schaft" der Flotte führten! Warum? Weswegen? Wozu? Man sollte endlich Rede stehen! DaS deutsche Volk ist kein Spielzeug!— Zur Fleischteueriing. München,' 17. August(Eig. Ber.). DaS Kollegium der Gemeindebevollmächtigten in München hat am Donnertag, wie schon telegraphisch berichtet, einstimmig be- schloffen, den Magistrat zu ersuchen, aufs neue bei der Staats- regicrung vorstellig zu werden, um Maßnahmen gegen die Herr- schenke Fleischteuerung zu treffen, itcsbesondere erstens eine Oeffnung der Grenzen für Schweine gegenüber Italien zu erreichen und zweitens den Einfluß Bayerns im Bundesrat dahin geltend zu machen, daß während der Dauer der Fleischteuerung die Vieh- und Fleischzölle außer Hebung gesetzt werden. Dieser Beschluß ist ja sehr hübsch, aber zur Minderung der un- verschämt Holjen Fleischpreise wird er kaum beitragen. Denn wie die Verhältnisse nun einmal liegen, ist nicht anzunelMen. daß die in die Agrarier anscheinend ganz verliebten Regierungen die Grenzen öffnen und die Vieh- und Flcifchzölle auch nur vorübergehend auf- heben. Diese Meinung kam auch in der Diskussion wiederholt zum Ausdruck, und unser Genosse Birk Hai deshalb das richtige getroffen, wenn er bemerkte, wenn man zugunsten der konsumierenden Bevölke- rung etlvas erreichen wolle, müsse man ganz andere Töne reden. Etwas komisch wirkte die Entrüstung eines liberalen Gemeinde- bevollmächtigten und durchgefallenen ReickMagSkaitdidaten, der er- klärte, er niüffe sich der Kritik Birks„fast anschließen". Der gute Mann hat wahrscheinlich ganz vergessen, daß die agrarische Zoll- Politik, über die er sich mit Recht entrüsret, von seiner eigenen Partei unterstützt wurde. Die Art, wie der Liberalismus aus purer Angst um seine Mjandate selbst für die höchsten Agrarzölle eingetreten ist, hat die Regierung in ihrem Verhalten nur unterstützen müssen. Wenn man freilich die Liberalen in den großstädtischen Rathäusern rede hört, dann vernimmt man von diesen Dingen nichiS. Wenn die Münchener Gemeindeverwaltung der Fleischteueriing steuern will, wird sie noch andere Mittel ergreifen müssen. Wir fordern deshalb die Errichtung einer Gemeindeschlächterei und städtischer Fleischverkaufsstellen, wo das Fleisch zum Selbstkosten- preis und jedenfalls, zu erschwingbarcn Preisen abgegeben wird. Auch müßten Maßregeln zur Beseitigung des Zwischenhandels mit Vieh getroffen werden, der gang zweifellos mich an der Fleischteue- rung mitschuldig ist. Wer das sind eben Maßnahmen, die schon etwas nach dem sozialdemokratischen Zukunftsstaat schmecken und deshalb sind die bürgerlichen Gemcindevertrcter aus sehr durch- sichtigen Gründen nicht zu bewegen, ihre Zustimmung dazu zu geben. �" In Nürnberg fand am Mittwochabend eine massenhaft besuchte Volksversammlung statt, die sich mit der gegenwärtigen Fleisch- teuerling befaßte. Nach einem Referate des Genossen Segiy, der den ganzen Fleischwucher überzeugend darlegte und die unquali- fizierbare Verhöhnung der Arbeiterklasse, die sich der preußische Landwirischaftsminister leisten zu dürfen glaubte, in der schärfsten Weise geißelte, wurde einstimmig eine Resolution angenommen, die Ihr wißt, daß Ihr einen starken Eindruck aus die Schuljugend der freien Staaten gemacht habt. Der schöne, wenn auch kindliche Brief, den Euch die Schulkinder in der Schweiz geschickt haben, hat Euch dessen versichert. Aber erwachsene Männer und Frauen empfinden für Eure kühne Handlungsweise nicht geringere Sympathie als die Kinder, die nur noch ahnen, ivas das Leben bedeutet. Ihr selbst seid jung an Jahren, aber das Unglück Eures Vater- landeö hat Euch schneller gereift als andere Kinder Eures Sllters, und als Ihr die Tyrannei wanken saht, wolltet Ihr mit Euren zarten Händen der klbscheulichkeit den ersten Stoß m den Abgrund versetzen. Ehre sei Euch dafür! Ihr habr aus Euren besten und sichersten Instinkten gehandelt. aus Begeisterung für daS unzweiselhafteste Menschenrecht, die Muttersprache sprechen und lesen zu können, aus Begeisterung für die Sprache, worin unsterbliche Werke geschrieben sind, voll begeisterter Liebe für Euer Volk. Euer Land und dessen Geschichte, jedoch be- sonders für dessen Zukunft. In einem Wort: Ihr habt aus Begeisterung gehandelt, ohne Rücksicht auf die näheren oder ferneren Folgen Eurer Handlung, auf die Strafen, die Euch bedrohten und erwarteten. Kaltblütigen und besonders feindlichen Beobachtern erschien Euer Vorgehen als ein WahnsinnLauSbruch, und verständige Berechnung lag gewiß nicht darin; aber es gibt einen heroischen Wahnsinn, der wertvoller und wirksamer ist als die Vernunft, wenn die Vernunft feige ist. Freunde Eurer Sache und Eures Volkes haben sich gegenüber Eurer Tat de« Kinderkrcuzzuges im Mittelalter erinnert. Jedoch bietet nur der kindliche Enthusiasmus einen Gleichhcitspunkt. Sonst ist die llnähnlichkeit auffallend. Jene Kinder wurden von Mönchen Eeführt. Ihr habt de» Erzbischof gegen Euch. Die Tat jener inder war nutzlos und ihr Ziel phantastisch. Eure Tat bringt Nutzen, sie ist eine Huldigung de§ Rechtes, ein Protest gegen die Unterdrückung. Sie hat einen Speer in das Lager des Feindes geworfen, die Erwachsenen müssen Euch helfen, ihn zurückzuholen. Sie ist eine leuchtende Fahne mit dem lveißen Adler, ist hoch über Polen gehißt, sichtbar in allen Ländern. Euren Landsleuten kann nicht zugestanden werden, diese Fahne bei einer Kapitulation wieder fallen zn lassen. Und Eure Handlung ist nützlich, und Euer Ziel ist eine Wirklichkeit; polnische Sprache in russisch Polen von allen Lippen erklingend, die Sprache Mickiewicz's, als Königin auf den Thron der Universität zn Warschau gesetzt, in allen Schulen, und damit jenes höchste geistige Gut, Freiheit für alle Slltersklassen und Ge- sellsckiaftsklassen begründet und gesichert. Für die vielen, die in der Ferne die Krise deS russischen Reiches in Ostasien und in Europa verfolgt haben, drängten sich heftige Ein- drücke von weitreichenden Ereignissen: Die Kämpfe zu Laitde und zu Wasser, immer gleich viele Niederlagen, Belagerungen, FestungS- krieg, Vorpostenzusammenstoß. entsetzliche Schlachten auf offeiiem Felde, Generale, die fielen oder sich ergaben, Admirale, die ertranken die Fleischtcucrung als eine Folge der'im Interesse der Agrarier unternommenen Maßregeln erklärt, auf die Folgen der dadurch herabgedrückten Lebenshaltung des Volkes verweist und zum Schluß die unbeschränkte Einfuhr von ausländischem Schlachtvieh nach oen- jenigcn Orten fordert, wo durch ausreichende Kontrolle und gute Fleischbeschau Sicherheit gegen Einschleppung von Viehseuchen und ansteckenden Krankheiten gegeben ist. Freisinnige Slfrika-Nasiancr. Daö amtliche Organ der Frei« sinnigen Volkspartei entrüstet sich zwar über die parlamentarischen Afrika-Nassauer deö Herrn Woermann, hat aber nicht verhindern können, daß auch ein freisinniger Volksparteiler an der Korruptions» fahrt teilnimmt: eS ist dies der Dr. Goller. Also alle bürger« lichen Parteien!_ Flottenforderungen und Rcichstags-Auflösung. Der Vorschlag des Aufsichtsrates des Stettiner„Vulkan", an der Elbe eine Filiale anzulegen, um Kriegsschiffe von 16 000 Tonnen »nd mehr Deplacement bauen zu können, stößt bei einem Teile der Aktionäre nach wie vor auf Widerspruch. Vielleicht deshalb, um von der Regierung erst noch bestimmtere Zusicherungen von Vauanfträgen zu erhalten. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat denn auch bereits diesem Wunsche insosern Rechnung getragen, daß sie die Anlegung der Filiale für b e r e ch t i g t er- klärte. Weiter mochte das offiziöse Blatt nicht gehen. Dafür bringt heute die„ N a t i o n a l- Z e i t u n a", die gelegentlich ebenfalls offiziös bedient wird und kürzlich bei der Ankündigung einer Südwestafrika- Verstärknng um 5000 Mann das erste Dementi losließ, in auffälligem Satz eine jedenfalls an die Aktionäre gerichtete Auslassung. In derselben heißt es: „Wenn sich auch eingestandenermaßen Deutschland einer erheblichen Vergrößerung seiner Linienschiffs- und wohl auch Panzerkrenzer-DeplacementS in Zukmift nicht mehr wird entziehen können, so ist doch darauf hinzuweisen, daß der Ausdruck„ b e- sondere N o r d s e e f l o t t e" bisher noch nie an offizieller Stelle gefallen ist und daß nach einer uns gewordenen Mitteilung von zuverlässig unterrichteter Seite auch die Not- wcndigkeit der Schaffung einer besonderen Nordseeflotte bis auf weiteres nicht eintreten dürfte.... Daß tr o tz d em jeder, der mit offenen Augen die Entlvicke« lung des Schiffbaues verfolgt und sich mit den Fahrwasserverhält« nissen der Oder beschäftigt hat, den Standpunkt des Direktoriums und Aufsichtsrates des„Vulkan" über die zwingende Notwendigkeit dct Errichtung einer Schiffbau-Filiale au der Elbe teilen muß, erscheint unS keine Frage." DaS heißt also: Die Regierung denktI„biS auf weiteres" nicht daran, einen Teil der neuzubauenden 17 000-To»s-Panzerschiffe „Nordscegeschwader" zu taufen. Aber eine„erhebliche" Flotten« Vermehrung durch den Neubau solcher Linienschiffe und ähnlich großer Panzerkreuzer sieht bestimmt bevor! Deshalb ist es eine„zwingende Notwendigkeit", daß der„Vulkan" seine Filiale an der Elbe errichtet. Die Dividendenschlucker werden dabei auf ihre Kosten kommen! Mit dieser halboffiziösen Ankündigung einer größeren Flotten- Vorlage steht möglicherweise eine Notiz in Verbindung, in der sich die„Deutsche Tagesztg." mit der Möglichkeit einer Reichstags- auflösung im Herbst beschäftigt. Das Blatt erklärt, daß die R e i ch s f i n a n z r e s o r m die denkbar schlechteste Wahlparole sei. „Sollte eine Auflösung des Reichstags wirklich erfolgen, so würde sie nach menschlicher Voraussicht durch ganz andere Fragen und Forderungen veranlaßt werden." Sollte darin die Anspielung aus die Flottenfoldcruugen und eine Hurrawahl nach dem Muster von 1887 enthalten sein? Nur daß diesmal statt der Franzosen die Engländer als Popanz figurieren würden?— Wird Trotha gehen? Die Stimmen, die die Abberufung Trothas empfehlen, mehren sich. Sp erklärt die„ M ü n ch e n e r Allg. Z t g.", die bekannt- lich zuzeiten Beziehungen zur Wilhelmstraßc hat, daß Trotha sich seinen Aufgaben in Südwestafrika nicht gewachsen gezeigt habe. Es sei eine üble Sache, wenn ein Mann in seiner verantwortungsvollen Stelle mit allen Menschen in„Krach" gerate und noch obendrein an seiner vorgesetzten Behörde in der Heimat Kritik übe. DaS Blatt fährt dann fort: „Selbst wenn nervöse Indispositionen anzunehmen wären, die bei den Strapazen und der schweren Verantwortung den Fehlgriff des Generals vom menschlichen Standpunkt ent- schuldbar erscheinen ließen, so bleibt doch die Sache selbst auch militärisch bedenklich. Ueberdies wird man bei uns wohl nirgends für das Verfahren eines Generals Verständnis finden, der v f f e n t l i ch befiehlt, auf Frauen und Kinder zu schießen, und dann vertraulich seinen Soldaten aus« einandersetzt, daß es nicht so gemeint sei. Der f ö r in- liche Befehl eines deutschen Generals ist für seine Truppen a b s o s u t bindend, und waS er seinen Untergebenen gegenüber nicht verantworten kann und infolgedessen von ihnen nicht ausgeführt sehen will, daS darf er unter keinen Umständen— und auch nicht zum Schein— befehlen. oder gefangen genommen wurden.« Dann im Innern: Tötung von Fürsten, Miniftern, Gouverneuren, Polizeibeamten, hohen und niederen, ungeheuere Streiks, die Metzeleien in Petersburg, Tomsk. KurSk, Sjitomir, Baku, Lodz. Warschau, Odessa, Nischni Nowgorod; Bauernaufstände und Arbeiteraufstand, Meuterei in der Flotte und Unruhe ini Heere, eine blutige Anarchie im stoßweisen Fortschreiten und vcrabschcuungSwiirdige Zurückführungen des alten Zustandes. dieS alles hat jetzt innerhalb des zweiten Jahres die lesenden Massen so betäubt, geblendet und verwirrt, daß sie den Maßstab für alles Wesentliche in diesen Taten und Schrecken verloren haben, ob- gleich vieles Schreckliche nur von vorübergehender Bedeutung ist. So viel ist sicher, bleibende Bedeutung hat der Aufruhr der polnischen Schuljugend gegen die russische Schule. Ich kenne alles, was gegen Euch eingewendet wird: Daß der Unwille gegen den Schulunterricht, der ursprünglich ein Ausschlag der Begeisterung war, sich auf Grund der Faulheit und der Lust zum Müßiggange erhält. Daß russischer Unterricht immer besser sei als kein Unterricht. Schließlich, daß Ihr jetzt gerade im Geiste der russischen Regierung handelt, denn was wünscht die Regierung niehr als eine polnische Jugend, die durch Unwissenheit untüchtig für's Leben wird! Aber diese Einwände machen mir keinen Eindruck. Natürlich gibt es unter Euch solche, denen der Bruch mit der Schule einen Vorwand zum Müßiggang und zum Laster des Müßigganges bietet. Aber sie werden und müssen Ausnahmen sein. Ihr anderen müßt mit äußersten Kräften Kenntnisse sammeln, wenn auch auf heim- lichen Wegen, wenn Ihr auch Eure Bücher verbergen müßt. Selbst- versländlich wäre nichts schlimmer, als eine unwissende und auf Grund ihrer Unwissenheit ohnmächtige polnische Jugend. Wissen bildet nicht nur die allgemeine Macht, es bildet für Euch die Ueber« macht über Euere Feinde, die schärfste Waffe, die beste Wehr, die Quelle zu geistigem und ökonomischem Reichtum. Euer Streben geht ja auch nur darauf hinaus, daß Euch die Zuführung der not« wendigen Kenntnisse in der Muttersprache gesichert wird. Und jetzt habt Ihr es den erwachsenen Männern und Frauen Polens zur großen Ehrensache gemacht, nicht zu rasten, bis sie Euch das erste, große, allgemein menschliche Gut erkämpft haben, den Gebrauch der Sprache, der die politische Freiheit zur Folge haben wird. Im allgemeinen lautet eine gesunde politische Regel, daß man Kinder nicht in die Bresche stellt. Doch. Ihr habt Euch selbst in die Bresche gestellt, und das ist groß. In Polen hat es sich ge« zeigt, daß die zuletzt Geborenen, die anfjfdie längste historische Er« fabrung zurückblicken, wie kurz ihre persönliche Ersahrung auch ist— daß diese Jüngsten in Wirklichkeit die Acltesten sind. Ein Hauch vom Rillte vergangener Helden und Heldinnen ist über Eure Häupter gezogen und hat Euch mitgerissen. Ein Volk, desien Kinder so weit vorgeschritten, wie Ihr eS seid. hat notgedrungen die Zukunft für sich. Eine Sprache, die so hoch geliebt wird, wie die polnische Sprache von Euch geliebt wvÄ .. r®'.6 BefehlSberhaltnisse in Südwestafrika scheinen «so in zeder Bezrehung recht unerfreulich zu werden. Man rann deshalb den Wunsch verstehen, dast Herr v. L i n d e q u i st recht bald in der Lage sein möge, die Verwaltung des Schutzgebietes zu übernehmen." Der„Reichsbote" meldet, daß Bülow sich nach Wilhelmshaven zum Bortrag beim Kaiser begeben habe, wobei auch die südwest. afrikanische Frage zur Erörterung kommen dürfte. Diese Frage erheische in der Tat schnelles Eingreifen. Es sei geboten Trotha abzuberufen und einen Mann nach Südwcstafrika zu ent- senden, der das Misttrauen der Eingeborenen besiege und sie durch wohlwollende Mastnahmen zur Kapitulation veranlasse. Es scheint danach nicht unwahrscheinlich, dast man Trotha zur „freiwilligen" Rückkehr bewegen ivird. Dast aber eine Aenderung des südwestafrikanischen Systems bevorstehe, erscheint angesichts der budgetwidrigen neuen Truppenverstärkiingen recht unlvahr- s ch e r n l i ch.—_ GljroMt! der Fälschungen. Kein Tag ohne die blödesten Fälschungen sozialdemokratischer Aeusterungen! „Die„Tägliche Rundschau", die sich noch kaum von dem Ruhm ihrer patriotischen Schweinefälschung erholt hat. hat heute wieder etwas entdeckt. Genosse Bernstein habe nämlich danach in den „Sozialistischen Monatsheften"„empfohlen": „Man paßt sich, um recht viel Stimmen zu erlangen, mich oder überhaupt der Disposition eines grösteren Kreise« rückständiger Wähler an und vertuscht oder verleugnet sein sozialistisches Programm." Die„T. R." bemerkt dazu: «Wenn andere Parteien nach dieser Anweisung verführen, würden die sozialdemokratischen Kritiker„nicht Worte genug der Zunge finden". � Selbst aber handelt die Sozialdemokratie theo- resisch und praktisch nach diesem Rezept mit einer llnbefangenheit, die einer besseren Sache würdig wäre. Auch das gehört zur Ethik des ZukunftsstaateS." Die„Freie Deutsche Presse", die keine Fälschung vorüber lästt, ohne sie schleunigst siir den Sozialistenspiegel aufzukleben, über- nimmt� natürlich auch den Schwindel, dessen Urheber aber diesmal nicht die kulturkämpferische„Tägliche Rundschau", sondern ihr Gegen- füstler, eine„Zentrumskorrespondenz" ist, die ihrerseits zu dem Zitat bemerkt: „Nette Charaktere, diese„ollen" ehrlichen Agitatoren der Sozialdemokratie, denen es in der Agitation auf eine Portion „Vertuschen und Verleugnen" des eigenen Programms nicht an- konimt I Wenn Bernstein auch weiter hervorhebt, von den Partei- kongresseit sei diese Taktik der Abschwächung und des Bertuschens offiziell gerügt worden, so tut dies der Wirklichkeit keinen Abbruch. Die Hauptsache war jedenfalls doch auch der Partei, dast man die Stimmen hatte I Ist es so früher mit der Agitation in der Sozial- demokratie gehalten worden, so ist es auch heute noch nicht attderS. Wo die sozialdemokratischen Agitatoren ihrer Sache sicher sind, da. wird dreist die rote Fahne hoch gehalten: wo es sich aber um den' Gimpelfang handelt, verbirgt man sie sorgsam in der Tasche des Wolfspelzes, in dem sich dann der Agitator.genosse" zeigt. Nun weih man aber, mit Ivie grostcm Recht die Sozialdemokratie auf die„drei Millionen" stolz sein kann, die eingestandenermasten durch eine günstige, rein äusterliche Wahlparole und eine Politik des „Vertuschcns und Berlengnens" gewonnen worden sind!" Was aber hat Bernstein wirklich geschrieben? Man lese: „Die Anpassung sbci den Wahlen) geht in verschiedener Form vor sich. Einmal— und das ist die unanstöstigere, allgemeine, aber darum doch auch folgenreiche Form— pastt man sich an die Tages- situation an und führt den Kampf in erster Linie unter dem Banner von radikalen politischen?c. Forderungen, die dieser ent- sprechen, ohne deshalb die sozialissischen Grundsätze und Ziele zu verleugnen. Die zweite ist, man pastt sich, um recht viel Stimmen zu erlangen, auch, oder überhaupt, der Disposition eines grösteren Kreises rückständiger Wähler an und vertuscht oder verleugnet sein sozialistisches Programm. tlcbrr letzteres sind in der deutschen Sozialdemokratie so ziem lich von der Zeit an, seitdem sie besteht, Klagen geführt worden. Ehedem in viel stärkerem Ataße, als heute, und auch mit viel größerem Rechte. Da die Wählerschaft in bezug auf den Klassen- charakter bunter zusamniengesetzt, die Arbeiter in ihrer Masse weniger klassenbewustt, die Agitatoren weniger durchgebildet ivaren, mustte es letzteren überaus nahe liegen, die Absichten und Ziele ihrer Partei durch Abschwächung und Vertuschung den rück ständigen Wählern mundgerecht zu niachen. Wo solches zur stenntniS der Parteikongressc kam,«st cS stets anfS schärfste gerügt «vvrden; aber nachgelassen hat eS erst in dem Maße, wie die soziale EntWickelung das Arbeitcrelement immer stärker anwachsen ließ und das politische Selbstgefühl der Arbeiter sich ent sprechend hob." Aus diesem Hinweis mif eine von der Partei bekämpfte und in immer steigenderem Mahe verschwindende Erscheinung, machen die edlen Fälscher eine Empfehlung, die Zentrumskorrespondenz noch mit einiger Vorsicht unter Anwendung des jesuitischen Vor behaltS, die„T. R." mit voller Verlogenheit. Wenn wir nicht die Fälscherknnststiicke der bürgerlichen Presse anprangern, so werden wir morgen diese Anklage in der Form wiedergegeben finden: Der„Vorwärts" empfiehlt Fälschungen!— besitzt notgedrungen eine mächtige AusdehnungSkraft. ES zeigt sich ja auch, dast ihr Gebiet, trotz der UuterdrückungSversuche zweier Grostmächte, von Tag zu Tag mit reibender Eile zunimmt. Ihr habt gefühlt, dast eS daS heiligste Recht ist. eine Mutter- spräche zu gebrauchen, in seiner Muttersprache unterrichtet zu «Verden, die Vergangenheit und Gegenwart seines Bater- landes in Vergangenheit und Gegcnivart kennen zu lernen. Ihr habt das Verbrecherische eines Regierungssystems begriffen, daS bei Euch als Vergehen behandelt, was eS als Tugend bei seiuen eigenen Bürgern preist, die Liebe zum Baterlaude und dessen Sprache. Ihr habt eingesehen, dast die sprachliche Unigestaltung der Schule die Umgestaltung aller Verhältnisse von Grund aus bedeutet. Und so habt Ihr-Eure Einsicht, Euren Willen bestimmen lassen und habt Euren Willen uiizwcideutig au den Tag gelegt. Die Russen haben diesen Eueren Willen nicht brechen können. Mögen es die Polen noch weniger! Antwortet den Aelteren, die es versuchen: Unser Rechtssinn«st stärker und feiner, als der Euere! Seiuen« Wesen nach ist das Kind schwach und weich. Ist es störrisch, so währt in der Regel sein Widerstand kurz, und wcnn es trotzt, geschieht es zumeist aus bösem Willen, weil es auf irgend ein schädliches oder zerstreuendes Vergnügen, wozu es Lust hat. nicht verzichten will. Man hat nie zuvor in der Weltgeschichte gesehen, dast Kinder sich gegen ihre Lehrer, ja gegen die Obrigkeit in Kraft einer Idee aufgelehnt haben, einer sittlichen oder einer politischen. Einer polirischen. Denn die polnische Schuljugend hat nicht nur Nationalgefühl und Rechtssinn bewiesen, sie hat auch �politisches Feingefühl an den Tag gelegt. Sie hat begriffen, dast jetzt der Augenblick gekommen, jetzt oder nie! Sie hat gesehen, dast, wenn Russisch-Polen sich jetzt nicht befreien kann, da die Niederlagen über daS Zarentnm niederhagelten und es in Europa erschüttert, in Asien geschlagen ist. sich Polen aufs neue für ein Jahrhundert in Trauer kleiden' und Asche ans sein Haupt streuen kann. Aber es wird nicht geschehen. Jetzt, gerade jetzt ist der grohe Augenblick gekommen. Jetzt krähen alle Hähne. Bald singen alle Lerchen. Jetzt flainmen alle Herzen, worin nur ein Funken vom heiligen Feuer der FreiheitS- siebe lebt. Die Freiheitssonne selbst steht nur noch blutrot am Horizont. Aber bald wird sie steigen, leuchtend und golden über alle die unterdrückten Völkerschafte» in dem großen russischen Land. Ihr, die Jugend Polens, habt daran geglaubt! Euer Glauben, wie Euer Wille macht Euch Ehre. Das Polen lebe, daS in Euch wiedergeboren wird! Die Freiheit lebe, deren Grundlagen Ihr erreichen«verdet! Und möge die Begeisterung, die Ihr ni Eurer frühesten Jugend empfandet, sich rein und ungeschivächt in Euren, Sinne erhalten, so daß Ihr sie kommenden Geschlechtern mitteilt l Georg Brandes. Spionageangst. � Auö W i'l h e l m s h a v e n wird uns berichtet: Die unter Spionagoverdacht cherhasteten Engländei.. die inzwischen wieder freigelassen siüd, ivaren am Sonnabend in ihrem Segelboot hier eingetroffen. Am Montag kreuzte ihr Boot in s o auffälliger(?) Weise auf der Jahde,. daß deswegen eine Meldung der Küstennxiche an das Stationskommando erging, welches darauf die Einbringung des fremden Bootes vcranlaßte. Da die drei Insassen sich durch keinerlei Papiere auszuweisen vermochten, wurde ihr Boot vorläufig angehalten. Gleichzeitig erfolgte beim deutschen Generalkonsul tu London eine telegraphische Anfrage über die Richtigkeit der von den Fremden gemachten Angaben. Zwei von ihnen, Herbert und Harold K l u g h, sind Lehrer de�r Mathematik an der technischen Hochschule in London. Der dritte, der sich B e r n a r d D e a k i n s nannte, ist nach Angabe de» Generalkonsuls in London unbekannt, behauptete aber. Tee- pflanzerinJndienzu sein. Da die gründliche Durchsuchung des Bootes nichts Verdächtiges ergab, mußt« die Frei- lassung erfolgen. Die Schiild an dem unsreiwilligen Aufenthalt haben sich die Fremden selbst zuzuschreiben, da sie, ohne Legiti- mation bei sich zu führen, in auffälliger Weise in die Gebiete eines fremden Kriegshafens kreuzten. Bisher spottete man immer über französische Spionagefurcht I— Der ostafrikanische Kolonialkrieg ist da! Das offiziöse Depeschenburcau meldet: Berlin, 18. August. Nach einem soeben eingegangenen Telegramm des Gouverneurs von D e n t s ch- O st- afrika hat sich die Lage in, Schutzgebiet verschlimmert. In den M a t u m b i b e r g c n, wo die örtlichen Unruhen rasch unterdrückt werden konnten, ist kein neuer Zwischenfall eingetreten. Dagegen herrscht neuerdings Unsicherheit in den Bezirken von D o n d a und L i w a l e. Nach Kilwa sind E i n g c b o r e n e n b c r i ch t e gelangt, wonach Bischof Spies, Bruder Gabriel Sonntag, Bruder Andreas Scholzen, Schwester Felicitas Hiltner und Schwester Cordula Ebert ans einer Reise zwischen Kilwa und Liwale ermordet worden sind. Der Bischof war durch das Bezirksamt Kilwa zurückgerufen und mehrmals ersucht worden, die Reise aufzugeben, hatte aber erklärt, auf eigene Vcrant- w o r t u n g reisen zu wollen. Der Gonverneur hat die so- fortigc Verstärkung seiner Machtmittel beantragt! Wieviel Millionen uns das neue Kolonialabentcner kosten wird?! Kuslanä. Italien. Metzelei auf Sizilien. Unser römischer Korrespondent meldet uns: In Granmichele iProvinz Catania) kam es zu einem furcht- baren Zusammenstoß mit der bewaffneten Macht, bei dem zehn Per- sonen getötet und zweihundert, darunter Frauen und Kinder, ver- mundet wurden. Jede annehmbare Erklärung der Ursachen dieses Massakers fehlt. Der Parteivorstand schickte den Abgeordneten Todeschini nach Granmichele, um eine Enquete über das furchtbare Vorkommnis zu veranstalten. Granmichele ist eine Stadt von 150 000 Eimvohncrn, die vom Weinbau, Töpferei und Arbeit in Steinbrüchen lebt. Seltsam ist cS, daß das„Wolffsche Bureau" über das entsetzliche Vorkommnis keinerlei Nachricht übermittelte. Wahrscheinlich hat die italienische Regierung wieder einmal die Nachrichtensperre verhängt I— Die„Verfassung" des Zaren. Für diesen Sonnabend wird abermals die Veröffentlichung der .Verfassniig" angekündigt. Das„Bureau Laffan" bringt folgende Einzelheiten dieser Spott- geburt: Da« kaiserliche Manifest über die Einberufung einer Volks Vertretung wird am morgigen Sonnabend gleichzeitig in Peters> bürg und Moskau veröffentlicht werden. Es verkündet die Ein berilfung einer beratende» Nationalversammlung von 520 Mit- gliedern, von denen das europäische Rußland 412, die Stadt Petersburg 6 und Moskau 4 Mitglieder entsendet. In Petersburg ist das Stimmrecht a>» den Besitz von Gruudeigentum«nit einem Reinertrage von mindestens 1320 Rubel geknüpft. Für andere Städte ist dieser Betrag stufenweise niedriger festgesetzt. Frauen. die Grundeigentum besitze», können ihre Wahlstimine durch männ« liche Vertreter abgeben. Die Bauer» entsenden Wahlmänner aus ihren Gemeinden zur Stimmabgabe bei den Wahlen zur National Versammlung. Man kann schon glauben, daß diese Verhöhnung des russischen Volkes von Pobjedonoszcw stammt. Die ganze„Volksvertretung" bat nur„beratenden" Charakter! Und das Wahlrecht ist an einen Zensus gebunden, der zuin Beispiel in Petersburg nur für Haus- besitzer mit einem Reinertrag von 1320 Rubeln, also nur für die allerreichsten Hausagrarier erschwinglich ist. Es ist klar, daß diese Reform auch den zahmsten� Liberalen nicht befriedigen kann, und daß diese Einlösung des zarischen„Ver- sprcchcnS" daS Ende aller Hoffnungen auf Väterchen, die allgemeine bis zum Ziele fortschreitende Revosiltion bedeutet! Der russische„Kurier" bringt noch folgende vorläufig unkon- trollierbarc, zum Teil ablveichende Einzelheiten, die an sich gleich- gültig sind, aber als Material wiedergegeben werden mögen: „Die„Gossudarstwennaja-Duma" erscheint neben dem biS- herigen Reichsrat wie die obere und untere Kammer beim Parla- mentSregime. Zur Tätigkeit der„Gossudarstwennaja-Duma" gehört die„gesetzgebende Initiative", das Recht, alle Minister zu befragen, alle Kredite, darunter auch solche zu Militärzwecken, zu „prüfen" usw. Die„Gossudarstwennaja-Duma" soll Bestimmungen für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Innern Rußlands treffen(also eine Art parlamentarische Kosakenherde!). Der Zutritt zur „Gossudarstwennaja Duina" ist allen(?) Klassen der Be- völkerung gestattet. Die Wahlen werden von den Gutsbesitzern, Städtern, Bauern und Kosaken gesondert erfolgen. Ein Abgeordneter kommt auf je 250 000 bezw. 350 000 Ein- wohner. Städtische Wähler können alle Personen, ohne Unterschied der Nationalität(?) fein, die ein gewisses Vermögen besitzen und eine gewisse Mietssteuer zahlen; sie wählen einen Abgeordneten auf je 100 000 Einwohner. Bedeutende Städte jedoch, die unter 100 000 Einwohner haben, wählen ebenfalls je einen Abgeordneten. Die Bauern und Kosaken wählen für jedes Gouvernement und Gebiet je einen Abgeordneten. Speziell für die Bauern ist ein drei- stufiges Wahlsysiem vorgesehen worden. Die Gesamtzahl der Mit- glicder der Gossudarstwennaja-Duma wird mehr als 500 sein, darunter etwa 90 Vertreter der Bauern. Die Bewegung in Finnland. HelsingforS, 17. August. Der Senat schlug vor, in diesem Jahre einen außerordentlichen Landtag einzuberufen zur Beratung des Wahlrechts und anderer Fragen. * ♦ Ausstand in Russisch-Polen. In Warschau sind am Freitag die Arbeiter in größerem Umfang in Streik getreten. Bauernkrieg in den Ostseeprovinze«. Man schreibt uns aus Mitau, den 16. August: Die Ereignisse in Kurland spitzen sich immer mehr zu. In der Umgegend von Mitau herrscht jetzt ein Generalstreik der Land- arbeiter. Die letteschen Bauern find bis an die Zähne bewaffnet, gehen in Scharen umher, zerstören die Höfe der Gutsbesitzer, be- rauben die Kassen und verbrennen die Kanzleien der ländlichen Bauernämter. In der Nähe von Annenburg ist dieser Tage zwischen Kosaken und Bauern eine wahre Schlacht geliefert worden, wobei die Kosaken schließlich entflohen. Man erwartet von Tag zu Tag die Deklaration! des Kriegs- zustandcs. dessen Vorboten sich schon blicken lassen. Heute erließ der Gonverneur eine Bekanntmachung, wonach in Kurland statt- findende sin ruhen in Zukunft den Militärgerichtshöfen unterliegen sollen. Außerdem ist vom Gouverneur eine Reihe von„obligatorischen Verfügungen" erlassen worden, u. a. eine charakteristische„Verfügung Über Fahrräder". Dieselbe hat folgenden Inhalt: Alle Per- sonen, die keine polizeiliche Erlaubnis zur Benutzung eines Velozipeds besitzen, müssen ihre Fahrräder an die Polizei zur Aufbetvahrung abliefern. Falls dieses nicht binnen einiger Wochen geschieht, werden dieFahrräder von der Polizei konfisziert und in das Eigentum d«S Staates übergeben. Diese Verfügung ist augenscheinlich aus„politischen" Gründen erfolgt. Zwecks ungestörten AbhaltenS geheimer Massenversammlungen von Arbeitern im Walde oder im Felde außer der Stadt wurden Patronillcn organisiert, oestehend auö Radfahrern, die der Ver- sammlung das' eventuelle Eintreffen von Polizei oder Militär schnellstens signalisieren sollten. Künftig dürfen also nur„anständige Bürger" Rad fahren, die sich zu solchen Diensten nicht hingeben werden. Von der Friedenskonferenz. Portsmouth(New Hampshire), 17. August.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Von der Friedenskonifcrenz sind noch die Artikel 10, 11 und 12 z u b e r a t e n. Artikel 10 betrifft die Uebergabe der in f r e>n d e n Häfen i n> t« r n i e r t e n russischen Kriegsschiffe, 11 die Beschränkung d e r russischen Seestreitkräfte in O st a s i e n und 13 die F i s ch c r e i r c ch t e I a p a n s an der russischen Küste von Wladi- wostok bis zum Behringsmeer. In den beiden Hauptdisferenzpnnkten dürfte es zu folgendem Kompromiß kommen: Rußland über- trägt Japan die Souzeränetät über Sachalin, und Japan verpflichtet sich, die Insel weder zu befestigen noch zu mili- tärischen und strategischen Zwecken zu benutzen und den Russen dort dieselben Fischerei- und.Handelsrechte einzuräumen, wie den Ja- panern selbst. Japan dürste auf eine Kriegsentschädigung verzichten und sich statt dessen mit dcnl Einkünften be- anügen, die sich aus der siebergabe der Pachtungen auf der Liautung- Halbinsel mit Port Arthur, der chinesischen Ostbahn und der SB e r- g ü t u n g für die Verpflegung von 100000 k r i e g s» gefangenen Russe» in Japan ergeben. Portsmouth, 18. August. Sämtliche russische Bevollmächtigte und Delegierte bei der Friedenskonferenz versammelten sich gestern um Mitternacht bei Minister Witte. Dies war die erste Sitzung seit Beginn der Konferenz, an der sämtliche Vertreter Rußlands teil- nahmen. Da die vorläufige Beratung der Friedensbedingungen im wesentlichen beendet ist, wurde wahrscheinlich ein Bericht darüber entworfen und nach Peterhof übermittelt? Es verlautet, die Ansichten der einzelnen russischen Delegierten weichen voneinander ab. Einige befürworten die Abtretung Sachalins, andere treten für die Zahlung einer Entschädigung ein für den Fall, daß ein Kompromiß angeboten wird. Niemand wünscht aber, daß in beiden Punkten nachgegeben werde. Die einzige Grundlage für den hier herrschenden Pessimismus ist die Tatsache, daß gestern kein Fortschritt gemacht worden ist. Einer der Bevollmächtigten hat erklärt, der Artikel 10, der sich auf die internierten Kriegsschiffe bezieht, ist nur deshalb zurückgestellt worden, weil beide Teile die Zurückstellung in Anbetracht der Tat- fache vorzogen, daß die streitigen Hauptpunkte der Konferenz noch bevorstehen. Ein Wink mit dem Zaunpfahl. London, 18. August.„Daily Telegraph" meldet aus Tokio vom 17. d. M.: In einer am Sonntag vom Marschall Oyama und allenseinen Generälen beim Kaiser eingegangenen Denk- schrift wird gesagt, daß die japanischen Truppen angst lich darauf warten, den entscheidenden Schlag gegen den Feind zu führen; sie befürworten energisch schärfere Friedensbedingungen. Soziales. Erfolge einer ernsthaften WohnuugSaufficht. Man schreibt uns: „Die Stadt Fürth i. B. hat, nachdem eine von ihr veranstaltete allgemeine Wohnnngsaufsicht eine Reihe von Mißständen zutage förderte und namentlich ungeeignete Abortverhältnisse und feuchte Wohnungen, borschriftsividrige Beschaffenheit der Schlafgängerräuine und zu große Wohndichtigkeit in den von den Arbeitern bevölkerten Stadtteile» ergab, eine ständige Wobnungskontrolle eingeführt, wo- bei die Beseitigung der gröberen Mängel«nittelö entsprechender, gleich an Ort und Stelle getroffener Maßnahmen der WohnungS- lnspektion veranlaßt wird. Diese Einrichtung besteht erst seit Jahresfrist, hat aber bereits gute Folgen gezeitigt. So ist es gelungen, die besonders in der Altstadt sehr mißlichen Abort» Verhältnisse wesentlich zu verbessern, indem die Wohnung»« inspektion die betreffenden Anlagen besichtigte und Maßnahmen vor« schlug, denen von de» Hausbesitzer», obwohl häufig bauliche Ber« änderungen mit zum Teil erheblichem Kostenauflvande nötig waren, willig»achgekominen wurde. Man rechnet, daß nach Verlauf zlveier Jahre die Abortverhältnisse in der ganzen Altstadt eine den gesund- heitlichen Verhältnissen entsprechende Verbesserung erfahren haben werden. Auch bezüglich der feuchten Wohnungen ist eine merkliche Ver- besserung erzielt worden, besonders da, wo die Feuchtigkeit als Folge der Ueberfllllung und des Mangels an Luft und Licht austritt. Durch die von der Wohnniigsinspeltion angeordnete gründliche Er- Neuerung der Wände, Beschaffung geeigneter Licht- und Luftzufuhr und Verminderung der Belvohnerzahl«vurde der feuchte Zustand be- seitigt.«vährend in den verbesferungsunfähigen Wohnungen das Wohnen und Schlafen untersagt ivurde. Schwere Mißstände hatte die Erhebung im Schlafgängerwesen ergeben. Von 1898 Schlafgängerräumen waren 560 ohne eigenen Eingang, 131 mußten wegen' Feuchtigkeit und«nangelhafter Be- lenchtnug beanstandet werden, in 202 Räumen betrug der LuftknbuS unter 10 Kubikmeter, währe«, d in 351 der Mindeftluftraum nur um eine Kleinigkeit überschritten wurde. Bei 60 Prozent aller mit Schlafgäiigern besetzten Wohnungen reichten die den Familien- Mitgliedern zur Verfügung stehenden Betten nicht aus. Zur Be« feitigimg dieser Mißstände wurde angeordnet, daß der WohnungS- inhaber die Aufnahme von Schlafgängern beim Einwohneramt anzuzeigen hat; auf die täglichen Anmeldungen erfolgt so« fort die Kontrolle durch die Wohnungsinspektion, die als- bald die Beseitigung etwaiger Mißstände anordnet. In der gleichen Weise werden die Faniilienlvohnungen einer ständigen Kontrolle imterstellt, da sich gezeigt hat, daß besonders die kleinen Wohnmigeu überfüllt ivaren,«veil bielfach noch Räume in Aftermiete vergeben wurden, obwohl die vorhandenen Zimmer nicht einmal für die Familienniitglicder ausreichten. Diese Ueberftillmv wird jetzt durch die Wohnungsinspektion verhindert." 6el)r schön I Mer, was geschieht mit den Leuten, denen dadurch oaS Wohnen verteuert wird, ohne dah ihr Einkommen sich hebt? Wohnungsbau durch die Gemeinde ist die unembehrliche Erochuuna der Wohnungskontrolle. Zur Frage der Parteivcrtretung vor den Gewerbegerichte» beschloß eine Konferenz der Arbeitervertreter der Gewerbegerichte Badens: „Die heutige Konferenz ist der Ansicht, daß unter„geschäfts- maßiger" Vertretung die Vertretung durch Arbeitersekretäre, Gewerk- schaftsbeamte usw. nicht zu verstehen sei, weil bei Schaffung des Gewerbegerichtsgesctzes an diese Kategorie von Beamten nicht ge- dacht war. Bei Ortsabivesenden, Minderjährigen, Gebrechlichen usw. ist eine Vertretung absolut notwendig. Es ist eine Aenderung des Gesetzes in diesem Punkt zu erstreben und wird vom Gewerbe- gerichtstag in Würzburg erwartet, daß die erforderlichen Schritte hierzu eingeleitet werden." Ferner beschloß die Konferenz zur Frage des A r b e i t s n a ch. weises: „Die am 13. August 1öl)ö in Karlsruhe tagende Konferenz der Arbeitnehmerbeisitzer bei den Gewerbegerichten Badens spricht in Ansehung der bei der gewerbsmäßigen Stellenvermittelung zutage tretenden Mißstände die Ueberzeugung aus, daß ein Eingreifen auf dem Wege der Gesetzgebung zur Notwendigkeit geworden ist. Die Konferenz richtet an die Gewerbegerichte die Aufforderung. Stellung zu der Frage zu nehmen und entsprechende Gutachten auszuarbeiten. Die Teilnehmer an der heutigen Konferenz verpflichten sich, darauf hinzuwirken, daß in den von den Gewerbegerichten abzugebenden Gutachten das Prinzip vertreten wird, daß die Zu- lassung der gewerbsmäßigen Stellenvermittelung von dem Vor- handensein eines Bedürfnisses abhängig gemacht und das Be- dürstns überall dort verneint wird. wo öffentliche Arbeitsnachweise vorhanden sind. Es soll in dem Gutachten der Gewerhegerichte auch die Notwr�tgkeit der Errichtung öffentlicher Arbeitsnachweise auf paritätischer Grundlage betont und an Staat und Kommunen die Aufforderung zur Unterstützung solcher Institutionen gerichtet werden." Kassenzwang. Das Kaufhaus Max Mannheim hier, Frankfurter Allee, ver- schickt an seine Heimarbeiter folgende Mitteilung: Berlin, den 10. August 1905. Am 14. d. M. werden Sie von mir von der bisher zuständigen kaufmännischen Krankenkasse abgemeldet und ersuche ich Sie, wenn Sie der Arbeit aus meinem Hause nicht verlustig gehen wollen, mir bis zu dem genannten Tage den Nachweis zu erbringen, daß Sie Mitglied einer Orts- oder Hülfskrankenkasse sind. Wir halten dieses Verfahren für eine Verletzung des§ 80 des Krankenversicherungsgesetzes. Dieser bestimmt: Den Arbeitgebern ist untersagt, die Anwendung der Be- stimnmngen dieses Gesetzes zun, Nachteile der Versicherten durch Verträge(mittels Reglements oder besonderer Uebereinkunft) aus- zuschließen oder zu beschränken. Vertragsbestimmungen, welche diesem Verbote zuwiderlaufen, haben keine rechtliche Wirkung." Solche Abreden sind überdies nach§ 82 strafbar. Darüber, welcher Kasse ein Arbeiter anzugehören hat, steht dem Unternehmer kein Bestimmungsrecht zu. Der Versicherungspflichtige ist nur ver- pflichtet, einer den, Gesetze genügenden Kasse anzugehören. Versichert er sich nicht ausreichend bei einer freien Kasse, dann gehört er von gesetzeSwegen einer Zwangskasse an. Welche das ist, darüber bestimmen Kasscnstatuten beziehungs- weise behördliche Anordnungen im Rahmen der gesetzlichen Vor- schriften. Niemals darf der Unternehmer den: Arbeiter vorschreiben, wo er seiner gesetzlichen Versicherungspflicht genügen soll. Die Anordnung des Kaufhauses M. Mannheim stellt also ein nach§ 80 verbotenes Reglement dar.' Die rechtliche Unwirksamkeit hat aller- dings nicht viel Bedeutung; sie kann nur für den Fall einer Ent- lassung ohne Einhaltung der Kündigungsfrist aus diesem Grunde Bedeutung erlangen. Dagegen bleibt die strafbare Handlung unter allen Umständen._ Gewcrhlcbaftlicbcö. Berlin und Clmgcgcnd. Achtung! Die Differenzen im Betriebe des Konsum- Vereins des Siemens-Schuckert-Werkes in Char- lottenburg sind beigelegt. Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter. Verwaltungsstelle Charlottenburg. Eine Vertrauensmänner- Versammlung der Droschkenführer Berlins und Umgegend, zu der 120 Fuhrhöfe ihre Vertreter abgeordnet hatten, fand in der Nacht zum Freitag in den Armin- hallen, Kommandantenstraße, statt, um zu dem vom reichsstatistischen Amt übersandten Frageboge», mit bezug auf die Arbeitszeit im Droschkenfuhrgewerbe Stellung zu nehmen. In der sehr regen Dis- kussion traten alle Redner für eine Maximal-Ruhezeit von 12 Stunden innerhalb 24 Stilnden ein und erklärten, nur nach Einführung dieser Ruhezeit sei es möglich, ein menschenwürdiges Dasein als Droschkenkutscher zu führen. Gegenwärtig werde 14, 16, ja häufig geinig 24 bis 36 Stunden ununterbrochen gefahren. Diese unmäßige Ausdehnung des FahrenS bilde auch eine stete Gefahr für alle Fuhriverke, Fußgänger usw., der unbedingt Ein- halt geboten werden müsse. Im Unfallschiedsgericht seien in einer Reihe von Fällen 360, ja sogar 365 Arbeitstage im Jahre im Droschken- fuhrbetriebe festgestellt worden; da sei es nicht zu verwundern, wenn die Unfälle im Straßenverkehr sich immer mehr häuften. Die Ver- sammelten erklären sich einstimmig für diese Ruhezeit. Ferner ver- langen die Kutscher injedemMonateineununterbrochene 36 st ü n d i g e Ruhezeit an einem Wochentage sder Frage- bogen weise freilich keine Rubrik dafür auf). Sie begründen dieses damit, nicht nur um ihre Sachen in Ordnung halten zu können, lue!, die Ruhezeit gefordert, sondern um sich auch einmal ihrer Fan iie widmen zu können: die Kinder lernten kaum ihren Vater kennen. Es sei vorgekommen, daß erstere die Mutter gefragt hätten, was ist das für ein fremder Mann? Die Kinder hätten immer schon geschlafen, wenn ihr Vater nach Hause gekommen sei." Bei der Abstimmung erklärte sich die Versammlung einstimmig für diese Forderung. Ferner erklärten sich die Versammelten einmütig für die Einführung eines freien Sonnlags, d.h.„einen Sonntag um den anderen frei" und zwar derart, daß. wie es im neuen Droschken-Polizeireglement vorgesehen,„an den Sonntagen, welche auf einen Tag mit ungerader Zahl fallen, die Droschken mit im- gerader Zahl, und an den Sonntagen, welche auf einen Tag mit grrader Zahl fallen, die Droschken mit geraden Nummern gänzlich außer Betrieb bleiben." Die Bereinigung der Flieseuleger beschäftigte sich am Donners- tag mit der gegenwäriigen Situation der Tarifvcrhandlungen. B u t t l i tz legte dar, daß die Kommission sich an das Gewerbe- gericht gewandt und um Einberufung von Arbeitgebern und Arbeiter» zu einer gemeinsamen Beratung ersucht habe. Es sei aber vorläufig ein ablehnender Bescheid erfolgt. Die Kommission habe sich darauf in einem Schreiben an die bisherigen vertragschließenden Firmen gewandt und unter begründeter Darlegung der Ursachen die Kündigung des Vertrages ausgesprochen. Weiter lvird in dem Schreiben darum ersucht, eine gemeinsame Sitzung der Vertreter beider Kontrahenten einzuberufen, wo die Wünsche der Arbeiter erörtert werden sollen. Die hauptsächlichsten Forderungen bestehen in einer Erhöhung des Stundenlohnes. So sollen in der Zeit vom September 1905 bis September 1906 für die Fliesenleger bei 8'/� stündiger Arbeitszeit 85 Pf. die Stunde, für die Hülfsarbeiter bei 9 stündiger Arbeitszeit 55 Pf.,»ud vom September 1906 bis dahin 1907 90 resp. 60 Pf. bezahlt werden. Daß dieser Lohn nicht zu hoch ist. beweise der Umstand, daß er von einigen größeren Firme» schon jetzt gezahlt wird. In der darauf folgenden lebhaften Diskussion wurden die Aus- führungen des Referenten bestätigt und ergänzt. Großen Unwillen rief die Mitteilung hervor, daß die Firma R o s e n f e ld den Ver- such unternommen habe, mit ihren Angestellten einen besonderen Vertrag abzuschließen. Mehrere bei dieser Firma beschäftigte Fliesen- leger wußten von einer solchen Absicht nichts, erklärten aber über- zeugend. daß sie unter keinen Umständen einen derartigen Verrat üben würden. Bon anderer Seite lvurde weiter darauf hingewiesen, daß es jetzt von einigen Firmen beliebt wird, in größerer Zahl durch Ueberstunden die vorhandenen Arbeiten fertig zu stellen, damit dann beim Ablauf des Vertrages im September den Forderungen ablehnend begegnet werden kann. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich, am Sonnabend die Forderung einzureichen, um bei Nichtanerkennung am Montag die Arbeit ruhen zu lassen. Dem- gegenüber betonten Buttlitz, Holzwart, Kliemann u. a., daß man wie bisher mit Ruhe und Besonnenheit die Lohnbewegung führen wolle. Nicht aus Furcht vor einer Niederlage— dazu sei die Organisation zu stark— sondern in der festen Absicht, zu zeigen, daß die Arbeiter ehrlich bestrebt waren, eine Einigimg herbei- zuführen, ivolle man bis zum kommenden Sonnrag auf die noch ausstehenden Antworten warten. Sollte dies bis dahin nicht geschehen sein, so wird die Kommission die Arbeit- geber s e l b st zu einer Sitzung laden. Ergibt auch diese kein befriedigendes Resultat, dann wird seitens des Vorstandes der Weg beschritten werden, der zur Anerkennung der Forderungen führen muß. Mit einem Appell an die Anwesenden, die Ueberstundeuarbeit zu vermeiden, schloß die gut verlaufene Versammlung. veutklbes Reich. Hafenarbeiterstrcik. In Bremen sind über 200 in Stauerei- betrieben beschäftigte Arbeiter in den Streik getreten, weil eine Einigung über ihre geringen Forderungen mit den Unternehmern nicht zu erzielen war. Die Arbeiter fordern statt 43 Pf. Pf. Stundenlohn für Arbeit auf dem Wasser und auf dem Lande; ge- boten wurden ihnen 45 Pf. pro Stunde aus dem Wasser. Die Arbeiter erklärten sich zufrieden mit 46 Pf. pro Stunde auf dem Wasser und 43 Pf. pro Stunde auf dem Lande, wo für die betreffen- den Arbeiten seit 1388 nur 40 Pf. pro Stunde bezahlt wird. Hin- sichtlich der Sonntagsarbeit, Ueberarbeit und Stücklohnarbeit wird ebenfalls teils ein winziger Aufschlag, teils fest umrissene Be- stimmungen im Tarif gefordert. Es besteht die Möglichkeit, daß der Streik noch größere Dimensionen annimmt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Eine» Tarifentwurf haben die Glock,engießer Nürn- b e r g s den Unternehmern vorgelegt. Die Hauptforderungen sind die 57stündige Arbeitszeit pro Woche,' Festsetzung von Minimallöhnen und 15prozentige Lohnerhöhung. Die Holzarbeiter in Köln, Mülheim a. Rhein und Kalk haben den Unternehmern einen neuen Lohn- und Akkordtarif unterbreitet. Die„Christlichen" haben sich der Bewegung nicht angeschlossen. Zu- zug ist streng fernzuhalten. Bu»l»nd. Die Tapezierergchiilfen in Meran sind in den Ausstand getreten. Zuzug ist fernzuhalten. Achtung, Hntmacher. Die Kollegen in Brede(Dänemark), Fabrikant Daverkosen, befinden sich im Streik. Da Daverkosen nach Deutschland gereist ist, um Arbeitswillige zu suchen, ist es geboten, dem Herrn, wenn er irgendwo auffaucht, die richtige Antwort zu geben. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Versammlungen. Ueber„Weltpolitische Abenteuer der Reichsregierung" sprach Reichstagsabgcordneter GenosseL ed eb o u r in einer Volksversamm- lung des 6. Kreises, welche am Dienstag bei Hensel, Jnvalidenstr. 1a, stattfand. Der Referent kennzeichnete die Politik der Reichsregiernng, der die Sozialdemokratie me zustimmen werde. Die Politik der Eroberung fremder Völker und Länder, die Politik der gepanzerten Faust führe notwendig zur Verhetzung und zu Katastrophen. Redner schilderte eingehend das Treiben der Kriegsinteressenten und die Kolonialpolitik der Regierung. Unsere Industrie habe von der Welt- und Kolonialpolitik keinen Vorteil. Es ist eine Politik der Abenteuer. Die Bureaukratie hat in Afrika ein Zeichen ihrer Unfähigkeit gegeben. Als der Redner den Hereroaufstand schilderte und die jüngst veröffentlichten Erlaffe des Generals v. Trotha verlas, schallte bei dem Satze, der sich auf die Behandlung der Weiber und Kinder bezieht, ein elementarer Entrüstungsschrei durch den Saal:„Und das schreibt ein deutscher General!" „Pfui!"„Nieder mit ihm I" Der Erlaß an die Soldaten bedeute keine Abschwächung. Diesen Erlaß hat die Reichsregierung gekannt. Die Polemik mit den„Windhuker Nachrichten" bestätigt das. Als die sozialdemokratisckie Fraktion im Reichstage die Abberufung Trothas forderte, schwiegen oder beschönigten die bürgerlichen Parteien diese Zustände, was sie bei sozialdemokratischen Forderungen immer tun, und gaben damit ein erschreckendes Zeichen ihrer Deka- denz. Die Vorkommnisse in Südwestasrika sind die unausbleiblichen Folgen der Konquistadorenpolitik, die die Reichsregierung treibt. Alle Völker, die diese Politik trieben, sind daran zugrunde gegangen. Auf unsere Politiker aber trifft das Wort Napoleons über die Bour- bonen zu:„Sie haben nichts gelernt und alles vergesse it.*(Stürmische Zustimmung.) Während Rußland für seine Eroberungspolitik und sein Schandregiment die verdiente Strafe erhält, zettelte Fürst Bülow im Marokkorummel eine Politik der Brüskierung an. Der Reichskanzler habe in unverantwortlicher Weise den Kaiser irregeführt aus Unkenntnis der Machtverhältnisse in der Welt, die in unglaublicher Weise in der Reichspolitik zutage tritt. Deutschland habe durch seine China-Abenteuer den ostasiatischen Krieg mitverschuldet. Heute noch steht eine Brigade in der chinesischen Provinz Tschili. Bei deg Siegen der Japaner niuß auch das Selbst- bewußtsein der Chinesen steigen und die Möglichkeit von Konflikten ist immer vorhanden. Die Regierung spielt mit dem Glück des deutschen Volkes. Die Abschiebung von neuen Truppen nach Afrika ohne Budgetrecht zeigt, daß die Konstitution ein Zerrbild werden kann, wenn der Reichstag nicht sofort einberufen wird. Wir wollen keine Regierung nach russischem Muster. Des Volkes Wille ist das höchste Gesetz. Hätten wir ein Bürgertum, das seine Aufgaben erfüNe, so wäre Bülow Herrn Delcasso nachgegangen. Unterlassen es die bürgerlichen Parteien, die Einberufung des Reichstages zu verlangen, so lvird bald das gesamte Volk zur Erkenntnis kommen, daß es irre geführt lvird. Uns„vaterlandslosen Gesellen" liegt des Volkes Wohl und Wehe am Herzen. Die Sozialdemokratie wird unerschrocken kämpfen, bis sie zur Herrschaft gelangen und das Wort verwirklichen lvird: Friede auf Erden und den Völkern ein Wohlgefallen.(Stürmischer Beifall.) In der Diskussion forderte die Genossin M a t s ch k e die Frauen zuni Eintritt in den Verein der Frauen und Mädchen und zum Abonnement der„Gleichheit" aus. Nach einen, kräftigen Schlußwort de§ Vorsitzenden fand die sehr stark besuchte Ver- sammlung in einem dreifachen brausenden Hoch auf die Sozial- demokratie ihr Ende. Tic fünf Berliner Filialen des Deutschen Textilarbeitcr-Ber- bandes hielten am Mittwoch im Gewerkschaftshaus eine gemeinsame Versammlung ab, um die Berichte vom Gewerkschaftskongreß und vom internationalen Tcxtilarbeitcr-Kongreß entgegen zu nehmen. Karl H üb s ch referierte zunächst über den Gewerkschaftskongreß, indem er eine Uebersicht der wichtigsten Verhandlungen und Beschlüsse gab. Er billigt die erfolgte Regelung des Nntcrstützungswescns in bezug auf die allgemeine Unterstützung von Streiks in einzelnen Be- rufen. Den Beschlutz habe er frohen Herzens mit gefaßt. Bezüglich des G e n e r a l st r e i k s ist er der Auffassung, wie sie in der be» züglichen Resolution des Gewerkschaftskongresses zum Ausdruck kommt. Er begründete diesen Standpunkt näher. Bei Behandlung der Frage der Maiseier griff Redner auf die Verhältnisse bei den Textilarbeitern zurück. Trotz eifrigster Agitation für die Feier durch Arbeitsruhe sei es bei ihnen zu keiner wirksamen Demonstration am 1. Mai gekommen. Im Gegenteil sei nur vereinzelt durch volle Arbeitsruhe in der Textilindustrie gefeiert worden. Die Macht- Verhältnisse verhinderten hier die einheitliche Feier. Wollte man aber die Maifeier durch Kampf durchdrücken, dann müßte man das ganze Jahr nur zu diesem einen Zweck rüsten. So neige er zu der Resolution R. S ch m i d t. Es mühte eine einheitliche Demon- stration ermöglicht'werden, die auch wirklich als Demonstration in die Erscheinung trete. Das könnte durch viele überfüllte Versamm- lungen am Abend geschehen. So lange die bestehenden Maifeier- beschlüffe aufrecht erhalten würden, sei natürlich mit aller Kraft für volle Arbettsruhe zu wirken. Anschließend an dieses Referat erstattete Hübsch gleich den Bericht vom internationalen Textilarbeiterkongreß in Mailand. Wenn an der Tätigkeit des internationalen Sekretärs, eines Eng- länders, scharfe Kritik geübt worden sei, so wäre ja allerdings richttg, daß wenig geleistet sei. Redner meine aber, die Schuld sei doch nicht so ausschließlich dem Sekretär beizumessen. Mit nur ein paar Tausend Mark, wie sie ihm für drei Jahre zur Verfügung standen, lasse sich eben speziell von einem internatio n�a l e n Funk- tionär wenig ausrichten. Er meine, daß, wenn das Sekretariat kl» Deutschland wäre und nicht mehr Geld einliefe, beim nächsten inter- nationalen Kongreß dem deutschen Sekretär dieselben Vorwürfe gemacht würden. Eine internationale Verbindung könne eben nur dann zufriedenstellend arbeiten, wenn jede der beteiligten Nationen gut organisiert sei und fleißig materiell beitrage. Diese Lehre sei auch aus dem diesjährigen internationalen Kongreß zu ziehen. Als erfreulich hob Redner hervor, daß alle Nationen einig waren darin, daß die Verkürzung der Arbeitszeit zu erstreben sei, mit dem Ziel des Achtstundentages. Auch die große Mehrheit der Engländer habe sich dafür erklärt. In der Debatte nahm der Artikel des„Anarchist" über Legien, Gewerkschaftskongreß und Bierboykott einigen Raum ein, nach- dem P r i l l w i tz die Angelegenheit zur Sprache gebracht und an den Referenten eine Anfrage gerichtet hatte. Hübsch klärte die Versammlung darüber auf, daß der angegriffene Beschluß der Kölner Arbeitervertreter keine Durchbrechung des Boykotts, sondern ledig- lich eine veränderte Boykottaktik darstelle, getragen von der Absicht, den Boykott durch Nichtboykottierung der Lokale, sondern durch bloße Boykottierung des Bieres wirksamer zu gestalten. Man habe die seinerzeit in Berlin geübte Taktik übernommen. Wenn Legien etwa seine Meinung dazu sagte, so sei das sein gutes Recht. Die Rücksicht auf die Delegierten zum Kongreß sei aber bei dem Beschluß, wenn überhaupt, in allerletzter Linie in Betracht ge- kommen.— Einige Redner erklärten darauf jenen Boykottbeschluß für durchaus richtig und sachgemäß, während andere, die die Sach- gcmäßheit ebenfalls anerkannten, es doch bedenklich fanden, daß der Beschluß gerade vor dem Gewerkschaftskongreß zustande kam.— L e tz i n bemerkte hinsichtlich der Maifeier, daß es nicht so sehr schlecht damit stehe. Die Straßen hätten fast ein sonntägliches Aussehen am 1. Mai. N e u m a n n rühmte die elfte Maifeier. Wenn es schlechter geworden wäre, dann läge es am Rückwärts- blasen. Rössel sprach besonders zum internationalen Textilarbeiter- kongretz. Auch er ist der Meinung, daß man keine Ursache hätte, auf die Engländer zu schelten, weil nichts geschehen sei. Die Deut- schen müßten sich ebenfalls mehr um die internationalen Beziehungen kümmern und nicht erst kurz vor dem Kongreß, der alle drei Jahre stattfinde. Sonst sehe man wieder über sie hinweg wie diesmal, wo von sieben Referaten nicht eines Deutschland zugefallen sei.— Gemäß einer Anregung des Redners beschloß die Versammlung, daß die internationalen Beziehungen in der nächsten kombinierten Versammlung der Filialen nock einmal gründlicher durchberaten werden sollten. Weitere Beschlüsse wurden zu den Kongreßberichten nicht gefaßt. Man erledigte dann noch einige Verbandsangelegen- heiten. Der Verband der Hafenarbeiter(Mitgliedschaft Berlinll für Bretterträger und Brettsch neider) hielt am Sonn« tag im Königstadt-Kasino eine Generalversammlung ab. Der Kassierer M o r a w k a gab zunächst die Abrechnung für das zweite Quartal. Einschließlich eines Bestandes von 978,51 M. betrug die Einnahme 2580,91 M., die Ausgabe dagegen 1834,72 M., so daß am 13. Juli, dem Tag der Revision, ein Bestand von 745,19 M. verblieb. Die Mitgliederzahl stieg im zweiten Quartal von 451 auf 546. Dem Kassierer wurde Decharge erteilt.— Den Jahresbericht erstattete M o r a w k a ebenfalls. Zu Beginn des Geschäftsjahres hatte die Mitgliedschaft Berlin II 357 Mitglieder, so daß nach der letzten Feststellung vom 13. Juli dieses Jahres das Geschäftsjahr einen Zuwachs von 189 Mitgliedern brachte, in der Hauptlache ein Ersolg der Be- wegung.— Zu einem alten Bestände von 1258,63 M. kam eine Einnahme von 5052,09 M.— 6310,77 M. Dem stand eine Gesamt- ausgäbe von 5564,53 M. gegenüber.— Daß der Bestand von 746,19 M. um 512,49 M. zurückbleibt hinter dem Bestand am Schlüsse des vorigen Geschäftsjahres, trotz aller gebrachten Opfer, findet seine Erklärung in der verflossenen Be- wegung. Die großen Hoffnungen, mit denen man in die Bewegung eintrat, erfüllten sich nicht. Infolge des Verhaltens eines Teils der Kollegen mußte der Streik aufgehoben werden. Die Errungenschaften im Lohnverhältnis sind gleich Null. Die Arbeitszeit von 9 Stunden ist zum größten Teil durchgeführt. Es gibt aber immer noch Kollegen, die da glauben, länger als 9 Stunden arbeiten zu müssen.— Die Maifeier verlief großarttg, aber zeitigte eine Menge Entlassungen und Aussperrungen, wöbet besonders die Plätze von Sauerland, Franke Söhne und Schwarz u. Bollmann beteiligt waten. Alle Plätze sind dadurch minderwertig geworden. Redner zieht daraus den Schluß, daß in bezug auf die Maifeier in Zukunft eine andre Stellung werde eingenommen werden müssen, um derartiges zu verhindern. Im übrigen möge durch kräftige Agitation der Mut zu neuen Taten, der nach dem Ausgang der Be- wegung einschlief, wieder entflammt werden. In den Vorstand gewählt wurden K a r n a l erster Vorsitzender; M ar o w k a erster Kassierer; B u ck m a n n erster Schriftführer; Otto zweiter Vorsitzender; Kube zweiter Kassierer; Riebe zweiter Schriftführer. Als Revisoren wurden Tischler, Watter und E r d m a n n, als Kontrolleure Schmidt und P e p e r gewählt. Nach lebhafter Diskussion wurden vier Mitglieder wegen un- solidarischen Verhaltens zur Zeit der Bewegung auf ein Jahr aus dem Verband ausgeschlossen, während drei andere Mitglieder mit einer Rüge davonkamen. Nach einem früheren Beschluß wird zur Deckung der Unkosten der Bewegung ein Extrabeitrag von 50 Pf. pro Woche erhoben. Eine Anzahl Mitglieder kommen dem nicht nach. Um ins reine zu kommen, schlägt der Vorstand vor. zu beschließen, daß jedes Mitglied bis zum Jahresschlüsse so viel 50 Pfennig- Marken geklebt haben muß, daß einschließlich der von ihm geleisteten Extrabeiträge an- läßlich der Aussperrung la 2 M.) 10 M. herauskommen. Die Ver- sammlung nahm diesen Antrag an. Letzte INfachnchtcn und Dcpcfcbcn« Tie Sicherheit in Marokko. Tanger, 18. August.(W. T. B.) An der Küste von Tanger wurden zwei Franzosen auf einem Spaziergange etwa zwei Kilometer von der Stadt entfernt von Mitgliedern des Stammes Andjera, die mit Gewehren bewaffnet waren, angegriffer. und ihrer ganzen Habe beraubt. Verantw. Siedakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u.Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen, Nr. 193. 22. 1. KilM des JitiDiirts" Kerl« WsM Zollkllbevd, 19. August IM. )Zus äer Partei. Der„VorwärtS"-Stolz. Mit dieser Uekerschrift versehen teilt die„Königsberger Volks- zeitung" die telegraphische Meldung unseres Mitarbeiters aus Kristiania über seine Unterredung mit dem norwegischen Minister des Aeußeru mit und fügt folgende Bemerkungen an: Bisher war eS eine Eigentümlichkeit der bürgerlichen Bedienten- presse, um Unterredungen mit Ministern oder sonstigen„hoch- gestellten" Persönlichkeiten zu betteln und das inhaltsleere Ge- schwätz, das dabei zutage gefördert wird, in marktschreierischer Weise in die Welt hinaus zu telegraphieren. Wir möchten dringend wünschen, daß dergleichen in unserer Parteipresse keinen Eingang findet. Wenn sich der„Vorwärts" aber gar noch mit dem Lob des Ministers brüstet, so wissen wir wirklich nicht, wodurch sich diese Handlung von ähnlichen Reklamemätzchen der Scherlblätter unterscheidet. Nur ein bedenkliches Verkeimen ihrer Aufgabe, ihrer Stellung und ihrer Würde kann die Redaktion unseres Zentral- organs zu einein solchen Schritt veranlaßt haben. Die Redaktion unseres Königsberger Parteiblattes ist ei»em bedauerlichen Mißverständnisse zum Opfer gefallen. Es handelt sich gar nicht darum, für den„Vorwärts" Reklame zu machen, sondern darum, zu zeigen, daß das verständige norwegiiche Volk auch einen verständigen Minister des Aeußern hat, der die Urteile der sozial- demokratischen Presse objektiv würdigt und sich nicht scheut, das offen auszusprechen. Unser Königsberger Parteiblatt wird sich unterdes auch überzeugt haben, daß auch der Vertreter unseres Kopenhagener Parteiblattes dasselbe Verbrechen begangen hat wie der Vertreter des„Vorwärts", und daß auch unser Kopenhagener Parteiblatt sich Nicht scheut, das mitzuteilen. Ucbrigens kommt diese Kritik mindestens ein Jahr zu spät. Um diese Zeit im vorigen Jahre veröffentlichten wir bereits einen ganzen Artikel, worin eine Regierung ihr Programm offiziell darlegte. Es war das damals eben ans Ruder gelangte Ministerium Watson des australischen Bundes, das wir um diese Darlegung ersucht hatten. Wir haben darüber so wenig Stolz empfunden oder geäußert, wie über die Aeußerungen des norwegischen Ministers, wir halten es nur für politisch nicht unbeachtlich, was die leitenden Personen eines freien Landes über wichtige Fragen der Politik ihres Landes zu sagen haben, so wie etwa sicher selbst die„Königsberger Volks- zeitung" die Ansichten von Parteiführern über aktuelle Fragen für wichtig genug halten würde, um sie ihren Lesern mitzuteilen. Gegen ein solches Verfahren sind keine begründeten Einwendungen zu machen. Wogegen berechtigte Einwendungen zu erheben sind ist nur das Verfahren gewisser bürgerlicher Blätter, sich in Ministerbureaus mit Ansichten befruchten zu laffen und diese dann der Welt als ihre eigenen vorzutragen._ Geschäftliche Borurteilslosigkeit. Die„Ostsee-Zeitung" veröffentlicht ein angeblich hektographierteS Schreiben, dessen Absender der Genosse Appel in Stettin sein soll und das diesen Wortlaut hat: „Hochehrwürdiger Herr Pastor! Verzeihen güsigst, wenn ich mich heute als Unbekannter an Euer Hochwürden wende und Euer Hoch- würden mit nachstehender Bitte belästige in der Hoffnung, nicht zurück- gewiesen zu werden. Es handelt sich für mich darum, die Namen der Kinder, welche zu Michaelis in Euer Hochwürden Ge- meinde konfirmiert werden, zu erfahren. Vielleicht hat Euer Hochwürden die Güte und läßt mir die Namen durch einen Knaben oder Mädchen aufschreiben und durch beiligendes Kuvert zustellen oder Euer Hochwürden ist so gütig und gibt mir eine Adresse an, durch welche ich die Namen der sämtlichen Konfirmanden in Euer Hochwürden Gemeinde immer erfahren kann. Daß ich die Namen der Konfirmanden erfahre, hat für mich den Zweck, um denselben ineine Offerte schicken zu können. Ich habe lner am Platze ein größeres Schuhwarengeschäst, fiihre reelle, gute Schuhe und Stiefel bei billigster Preisberechnung und möchte die Ltonfirmanden resp. deren Eltern bei dieser Gelegenheit auf mein Geschäft besonders aufmerksam machen. Indem ich Euer Hochwürden für die große Gefälligkeit im voraus meinen besten Dank sage, gebe ich mich der angenehmen Hoffnung hin, keine Fehlbitte getan zu haben und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung Albert Appel." In unserem Stettiner Parteiblatte haben wir noch keine An- gabeir in dieser Allgelegenheit gefunden. Wenn es richtig ist, daß der Absender unser Parteigenosse Appel ist, so würden wir allerdings in seinem Verfahren einen Grad geschäftlicher Vorurteilslosigkeit sehen, der vielleicht für den Geschäftsmann zur Betreibung seines Geschäfts, für den sozialdemokratischen Vertrauensmann aber nicht angemessen erscheint. Ein Geschäftsmann, der solcher geschäftlicher Methoden zu bedürfen glaubt, sollte darauf verzichten, im Partei- leben in den Bordergrund zu treten. Zum Parteitage. Zum Parteitage haben in den letzten Tagen wieder verschiedene Parteiversammlungcn Stellung genommen. Hauptsächlich bildete das Organisationsstatut den Gegenstand der Verhandlungen. Da- neben wurde auch über den Generalstreik und die Tagesordnung verhandelt. In der Generalversammlung des Wahlkreises Frank- fnrt-Lebus wurde der Wunsch nach Behandlung der weltpolitischen Vorgänge auf dem Parteitage sowie der Wunsch nach Bestellung eines Korreferenten aus den Reihen der Gewerkschaften bei Be- Handlung des Generalstreiks ausgesprochen, ohne daß hierzu Be- schlösse gefaßt wurden..„ In der Generalversammlung des Wahlkreises Guben wurden Abändcrungsanträge zum Statut beschlossen, die sich auf die Ver- trauenspersonen und auf die Aufstellung der Reichstags-Kandidaten beziehen. Im zweiten hamburgischen Kreise wurden Ab- ändcrungLanträge zum Statut beschlossen, wonach nur der Vorstand der RcichstagS-Fraktion und nur ein Mitglied der Kontrollkom- Mission zum Parteitage zuzulassen sind. In Frankfurt a. M. beschloß die Versammlung, die Be- Handlung der äußeren Politik durch den Parteitag zu beantragen und der Fraktion den Auftrag zur Einbringung eines Gesetz- cntwurfes auf Einführung einer zehnstündigen Arbeitszeit und Ein- schränkung der Sonntagsarbeit für tzandclshülfs-, Transport- und Vcrkehrsarbeiter zu erteilen. Ueber das Organisationsstatut soll eine spätere Versammlung beraten. z Im sozialdemokratischen Verein in Elberfeld wurde be- schlössen, daß nur der Vorstand der Reichstags-Fraktion zum Partei- tage zuzulassen sei. Dann wurden zu den 88 22— 25 die bremischen Beschlüsse akzeptiert und schließlich noch folgende Anträge be- schlössen: 1. Der Parteitag möge den Parteivorstand beauftragen, in Fragen, die in politischen und gewerkschaftlichen Verhältnissen be- ruhen, mit der Generalkommission der Gewerkschaften zusammen zu arbeiten. 2. Der Parteitag erkennt an, daß der politische Massenstreik in Ländern mit derart hochentwickelter Industrie, wo die Produktion vornehmlich in der Großindustrie beruht, in gemeinschaftlicher Aktion der Partei und Gewerkschaften unter bestimmten Verhält- nissen als Angriff- oder Abwehrkampfmittel mit Erfolg angewendet werden kann. In Anbetracht des Umstandes, daß erst bei bestimmt ein- tretenden Maßnahmen die Möglichkeit vorliegt, zu beurteilen, ob diese geeignet sind, derartige Anregung auf die Massen auszuüben, daß-ein Erfolg angenommen werden muh, wird die Festlegung für bestimmte Fälle dieses Kampfmittel abgelehnt. Die Diskussion über die Massenstreiks erachtet der Parteitag für geboten und zwar schon deshalb, weil durch dieselbe die Massen mit der eventuellen Anwendung dieses Kampfmittels vertraut werden und im gegebenen Augenblick der Erfolg um so sicherer erscheint. Der sozialdemokratische Verein in Barmen stimmte dem EntWurfe zum Statut ohne Abänderungen zu. Im sozialdemokratischen Verein in Harburg wurde folgende Resolution angenommen: „Die Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Vereins für Harburg und Umgegend begrüßt es freudigst, daß der politische Massenstreik auf die Tagesordnung des diesjährigen Parteitages in Jena gesetzt ist. Die Versammlung ist der Ueberzeugung, daß das kämpfende Proletariat die Pflicht hat, alle Mittel und Wege, die zu seiner Befreiung führen können, zu prüfen und sie in gegebenen Situationen zu verwerten." Die Organisation der Stadt O f f c n b a ch a. M. hat be- schlössen: Der Parteivorstand soll die Jugendorganisation fördern und eine Monatszeitung für Jugendliche herausgeben; der im Organisationsentwurf vorgesehene direkte Verkehr des Partei- Vorstandes(Berichte, Geldabführung) soll dort, wo Bezirks- bezw. Landesorganisationen bestehen, wegfallen und durch Ver- Mittelung der Leitungen dieser Organisationen geführt werden; nicht 25 Proz., sondern bloß 20 Proz. der K r e i s c i n n a h m e n sollen in die Partcikasse fließen; ferner: die Vorlage will bei Ausschlußanträgen den Ausschluß in Kraft treten lassen, falls der Parteigenosse auf die schiedsgerichtliche Verhandlung ver- zichtet oder keine Schiedsrichter ernennt. Hierzu wird beantragt: der Betreffende gilt als ausgeschlossen,„wenn die Parteiversamm- lung den Ausschluß beschlossen hat". Endlich: Wieder- aufnahmen sollen nur dann vor den Parteitag kommen, wenn gegen die Wiederaufnahme Protest erhoben wird. Der Jugendorganisations-Beschluß wurde mit knapper Mehr- heit gefaßt, die übrigen mit großer Mehrheit. Offenbach ist einer der wenigen Orte, wo eine Jugendorganisation besteht, aber auch hier erstreckt sie sich nur über einen winzigen Kreis Personen. Durch Urabstimmung wurde zum erstenmal die Delegierteuwahl zum Parteitag in der Kreisorganisation O f f e n b a ch- D i e b u r g vollzogen. ES bestehen 88 Ortsvereine verschiedenster Größe mit zusammen rund 4000 Mitgliedern. Die Abstimmung erfolgte geheim in geschlossenen Mitglieder-Versammluugen, für deren Anberaumung acht Tage Spielraum gelassen war. Vorher hatten die Ortsvereine Kandidaten vorzuschlagen, sieben Vorschläge wurden gemacht. Einfache Majorität war festgesetzt, um Stichwahlen auszuschließen, von denen man unangenehme Begleiterscheinungen in der Agitation für bestimmte Personen befürchtete, auch erscbieu die rasche Wieder- holung der Wahl bei der großen Zahl der Ortsvereine als zu un- bequem. 0 Ortsvereine, darunter zwei recht rührige, haben das Wahlresultat nicht rechtzeitig eingesandt, in den' verbleibenden 2g Ortsvereinen machten 1510 Mitglieder— rund 38 Prozent der Gesamtzahl aller organisierten Genossen von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Gewählt wurden Ulrich- Offenbach mit 1405, R in k- Urberach mit 741 Stimmen, also Rink nur mit einfacher Mehrheit. Der dritte Kandidat erhielt 402, der vierte 128 Stimmen, die anderen drei 84 bis 74; 11 Stimmen zer- splitterten und waren ungültig. Voraussichtlich hätte die bisher übliche Wahl durch die Kreistagsdelegierten dasselbe Resultat er- geben, die direkte Wahl bewirkte aber eine Steigerung des Besuches der Versammlung, in denen die Wahlen vollzogen wurde. Man wird also an der neuen Einrichtung festhalten, von der man sich für die Zukunft noch günstigere Wirkungen verspricht. Aus der Redaktion der„Mecklenburgischen Bolkszcitung" tritt am 1. Oktober der Genosse H e n ck aus, da er das Ann eines Arbeiter- sekretärS für Mecklenburg übernimmt. Hu9 Industrie und Kandel. Schwcincmangel und Schwcincprcise. Für achtzehn deutsche Großstädte, für die an bestimmten Markt- tagen der Jahre 1904 und 1905 die Zufuhr von Schweinen auf den Viehmärktcn vergleichbar festgestellt werden konnte, ergibt sich von Mitte Juli bis Mitte August eine so erhebliche Abnahme des Auftriebs, daß dadurch der Mangel an Schweinen schlagend bewiesen wird. An den fünf Markttagen, die auf den 19. und 20. Juli sowie auf den 2., 9. und 10. August fallen, wurden an sämtlichen Märkten insgesamt 101 572 Schweine zugeführt gegen 217 093 an den entsprechenden Markttagen deS Vorjahres. Obwohl die Bevölkerung zugenommen hat und der Fleischbedarf infolge der günstigeren Einkommensverhältnisse in diesem Jahre gewachsen ist, ging das Angebot gerade in den Schlachttieren, die für die Er- nährung der minderbemittelten Bevölkerung am meisten in Frage kommen, auffallend zurück. Schon ein gleiches Angebot lvie im Vorjahre würde zu einem Flcischmangel führen müssen; wie viel mehr muß ein solcher bei einem starken absoluten Rückgang deS Auftriebs eintreten. An den einzelnen Markttagen gestaltete sich die Zufuhr wie folgt: Es wurden Schweine aufgetrieben(das Datum in Klammern gibt den Markttag für 1904 an): 1904 1905 Im Jahre 1905 weniger 19.(20.) Juli.... 39 413 29 762 9 001 20.(27.)„.... 38919 32359 0600 2.(3.) August... 46 705 30 000 15 099 9.(10.)„... 40 010 34 281 11736 10.(17.)„... 47 040 36 174 12 400 Eine Steigerung des Auftriebes zeigen nur wenige Städte und zwar Chemnitz, Leipzig und Magdeburg. An den fünf Markttagen 1905 wurden zugeführt in: Chemnitz 7862 Schweine gegen 0630 im Vor- jähr; Leipzig 0930 gegen 0307 und Magdeburg 3807 gegen 3045. Dabei entfällt das Mehr gegenüber dem Vorjahre hauptsächlich auf die Markttage im Juli, so daß also auch in diesen Städten im Au gu st das Angebot sich ungünstiger st eilte. Die schärfsten Abnahmen gegenüber dem Vorjahr weisen Berlin, Breslau, Hamburg, Dortmund, Essen und München auf. Für diese Plätze ergeben sich für die fünf Markttage folgende Antriebsziffern: 1904 1985 Berlin..... 40 334 41 000 Breslau..... 9 399 0 085 Hamburg.... 32 484 5 709 Dortmund.... 10012 7072 Essen...... 12 842 9 504 München.... 20 441 11888 Die anderen neun Städte zeigen zwar auch ausschließlich ge« ringere Auftriebsziffern als 1904, doch ist der Rückgang im einzelnen Fall nicht so erheblich. Zusammen lvurden in diesen neun Städten, nämlich in Dresden, Hannover, Elberfeld, Düsseldorf, Köln, Frank- furt a. M., Mannheim, Stuttgart und Nürnberg, an den fünf Markt- tagen des laufenden Jahres 00 213 Stück Schweine aufgetrieben gegen 09 043 im Vorjahre. Diese Verschiebung von Angebot und Nachfrage hat die Preise seit dem Vorjahr durch- schnittlich um weit mehr als 30 Proz. in die Höhe getrieben. Die niedrigsten Preise im Vorjahr hatte Magdeburg. In diesem Jahre sind die Magdeburger Notierungen unter den 18 Städten ebenfalls noch die niedrigsten. Es betrug nämlich der Preis pro 60 Kilogramm Lebendgewicht(mit Tara) in Mark am 19. resp. 20. Juli 2. resp. 3. August 10. resp. 17. August 1904.. 41—61 42—64 42—64 1906.. 64—07 60-08 68-71 Die höchsten Notterungen hatte im Vorjahre Mannheim. Auch dieses Jahr zeigt Mannheim mit die höchsten Preise. Es betrug hier der Preis pro 60 Kilogramm Lebendgewicht(mit Tara): 19. resp. 20. Juli 2. resp. 3. August 10. resp. 17. August 1904.. 66-00 68-00 53-00 1905.. 03-70 72-74 72—74 Die Höchstpreise gehen aber in einzelnen Städten noch über das Niveau in Mannheim hinaus: bis auf 70 M. in Breslau und Chemnitz, bis 78 M. in Dresden und München. Eine neue innere Anleihe der russischen Regierung. Da die Zarenregierung sich gezwungen sieht, neue Geldmittel heranzuschaffen, die französischen und deutschen Bankkonsortien, welche die früheren russischen Anleihen untergebracht haben, sich aber weigern, unter den jetzigen Berhättnissen eine neue Anleihe zn übernehmen, so versucht es die russische Regierung zunächst mit einer Art innerer Zwangs- anleihe. Wie aus Petersburg gemeldet wird, ermächtigt ein Ukas des Zaren den Finanzminister zur Ausgabe einer neuen, mit 5 Proz. verzinslichen Anleihe von 200 Millionen Rubel. Die Anleihe soll für immer von der Kapitalsteucr befreit sein. Die Tilgung der neuen Anleihe soll zum Nominalbetrage innerhalb 48 Jahren derart erfolgen, daß jährlich 0,63 Proz. des gesamten Nominalbettages der Anleihe zuzüglich 5 Proz. des Betrages aller bereits amortisierten Obligationen zurückgezogen werden. Die Auslosungen finden im November, und zwar zum erstenmal im November 1906, statt. Die gezogenen Obligationen sind vom 14. März des nächsten Jahres ab zahlbar. Die Vermehrung der Auslosung und der jährlichen Zurück- ziehung sowie Rückkauf und Konversion sind bis zum 14. März 1917 ausgeschlossen. Die Begebung der Anleihe wird durch Vermittelung der Russischen Reichsbank, der Kommerzialbank, der Wolga-Kama-Bank, der Peters- bnrger Internationalen Bank, der Petersburger Diskontobank, der Russischen Bank für auswärtigen Handel, der Kommerzialbank in Moskau und der Russisch-Chinesischen Bank erfolgen. Sicherlich ver« sagte manche dieser Banken gerne den von ihr begehrten Dienst; aber sie ist, wenn nicht direkt, so doch indirekt gezwungen, bei der Ausgabe mitzuwirken. Die Ausnutzung der Niagara-Waffcrfälle zu industriellen Zwecken schreitet stetig fort, so sehr auch die Beeinttächtigung dieses Natur- Wunders von vielen Seiten beklagt wird. Auf der amerikanischen Seite befinden sich gegenwärtig drei Kraftanlagen, die zusammen 160 000 Pserdekräfte erzeugen. Auf der kanadischen Seite bringen drei Anlagen 286 000 Pferdekräfte hervor; dazu kommen zwei An« lagen am Welland-Kanal mit 20 000, so daß insgesamt 400 000 Pferdekräfte dieser großen Kraftquelle entnommen werden. Damit ist man jedoch noch nicht zufrieden. Die Leistung der kanadischen Anlagen soll um 120 000 Pserdekräfte gesteigert werden, und ebenso sollen die Anlagen am Welland-Kanal in Zukunft das Doppelte leisten, so daß nach Ausführung dieser Pläne die Gesamtkraft 000 000 Pferdestärken bettagen wird. Ein Drittel davon soll über weite Entfernungen geleitet und anderswo dienstbar gemacht werden. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 20. August, von«. 8'/, Uhr, im Bürgersaale des Rathauses, Eingang Königstr. 15—18: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung— Um 103/4 Uhr vormittags in der Schul-Aula, Kleine Franksurtcrstt. 6: Versammlung. Vortrag des Herrn E. Vogtherr- Stettin:„Feuerbachs Wesen des Christentums".— Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Allgemeine Kranken- und Stervetasse der Metallarbeiter. Filiale Berlin III. Mitgliederversammlung am Sonnabend, den 19. August, abends 8'/, Uhr, bei Kaiser, Reichenbergerstr. 157. Teures Fleisch— billip Seefische! Bester Flelschcrsatz, schmackhaft und durch hohen Xührgchalt sich auszeichnend! Täo-lich Sendungen Icbcndfrischer, ständig unter Eis gehaltener Seerische in eigenen KUhlsvaggone. Großer Schellfisch mit Kopf pr. 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Berliner Pratcr-Theater. Dorn's Rcsi. Passage. Naäams äu vion. Fernande Nobertinc. Spezialitäten. Reichshalle». Stettiner Sänger. llranin. Tanbenstrasje Zht/lU. Die deutsche Nordseeküstc. Jupalideustraste HTHi'Z. Stcrn- ivane. Täglich geössnet von 7 bis ll Uhr. Heues Iiieuter. Anfang 7>/, Uhr. Lln§Lmmernsellt8trsM. Sonntag, Montag: Ein SoiulilernnchtstrKttltt. Kleines Theater. Anfang 8 Uhr. Angele. Vorher: Abschied vorn Regiment. Sonntag: Salome Montag: Angele.— Abschied vom Regiment. Ansang(Kroll.) Tl, Uhr. nie 31 olii'uic. Oper in i Akten von G. Puccini. Sonntag: Der Zigeunerbaeon. Montag: Gnftsti. Aonny Hindermann: La Traviata. £nstspielhaiis. Täglich 8-/, Uhr: Der Ken Slidliiiilt. Der dankbare Julien. Residenz-Theater. Direhtions Riebard Hlexandcr. Zum 100. Male: Eine Kiiihiciiülililhi. Schwank in li Akten von Henri Ksroul und Albert Barre. Sonntag und solgcnde Tage: llochreitsnaedt. Auf. 8 Uhr. Line Die Sensation Berlins ist: 10 Uhr: Ein Abend in einem amerikan. Tinge!- Tange!, «ulSgesiihrt von der berühmten ameri- kaniseben Burlesk-Kompagnie. D-zu Hochzeitsabend p, 6L?nn0ke und die August-Spezialitäten. Setoeizer-fiarlen. Am Königstor. Am Friodrichshain. WV Heute: W-U-M. Fesizng.— Ballcrnkomödie. Gaukler-Borstcllung.— Falkclzng. k�est-VaZl. Jubel und Trubel auf der Dorswiese. Allerlei Belustigungen. Ansang 5 Uhr. Entree 30 Ps. Sommcrkartcn haben Gültigkeit. lli'iima Ii; 8 Uhr: Tauben- str. 48/49. le. Sternwarte ,nva,lden str. 57/62. I CASTANS ANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Minister Witte,! Baron Komura,! die japanisch-nissischen FrieJensunterhändler. Präsident Rooseveltül 'IIIIHIillHI— I— HiM OOIOCISCHER CARTEN Heute 5 Uhr nachmittags; Gastspiel der Kapelle des Leib- Grenadier-Roglnienls Mo. 8 (1. Brandenburg.) König Friedrich Wilhelm III. aus Frankfurt a. 0, Kgl. Mnfikdir. Willibald Lebede. Trianon-Thealer. Heute und folgende Tage: Die Kotbrfieke. Slnsang 8 Uhr Metropol-Theater Bender x Giampietro Massary x Friri Frid. x Zum Ä80. Mole: !Ti Ii Große Ausstattungsposse mit Gesang und Ballett in 5 Bildern. Rauchen gestattet. Anf. 8 Uhr. Passage-Theatsr.' Anfang der Abendvorstell. 8 Uhr, nachm. Somit. 3, Wochent. 5 Uhr. Hiidai»« duDion!| Fernande Robertine I Jif Sa«d". 14 sensationelle Nummern.[ Neu eingeführt: Numerierte Plätze.» Carl Weiß-Theater. Gr. Frauksilrterstr. 132. Täglich 8 Uhr: Im Hause der Sünde. Km Sommergarten neues August- Programm. Theater und Konzert. Ansang 5 Uhr. 4. Tag abends 10 Uhr: Ningkanipf-Match-Konknrrenz. W. Hoacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. SoRimerlest der Wagenbauer (Bezirk X). Konzert, Theater, Speziaülen. Ansang 5 Uhr. Entree 30 Ps. Ball. Kafseeküche 3-6 Uhr. Proheis Allerlei-Theater Schünhauscr Allee Nr. 148. Konzert, Theater, Spezialitäten. IGT- Die Sensation llerlins.-MWi Todesfahpt im Höllenkessel v. d. Radsahr-Eomp. Gros. Raoing. «R-avoi- W!xtr»-1'wn« k Ans. 4 Uhr. Entrce 30, Sperrsitz 50 Ps. WAyiiilta Mr. Sonnabend, d. 2. Sept., abds. EUHr: Wicder-Gröffiiung: Gastspiel Adelt Philipp r IMtUHlUKK-7 „Aber Herr Herzog!' Heitere Bilder mit Gesang aus dem Leben d. Deutsch-Amerikaner in 4 Abt. von Ad. Philipp. ELYSi Kommandantcnstr. 3 4. il/ Vollständig neu renoviert, tl/ Auftreten v. 36 erstklassigen int/rn. Spezialitäten. Geöffnet von 10 Uhr früh bis 12 Uhr nachts. »••O«»«« Scliiller-Theater. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). Morwitz-Oper. Letzte Dpernwochc. Sonnabend, abends 8 Uhr: Popul. Opernzhklus bei halb. Preisen. I>«r Frelschäta!. Romantische Oper in vier Alten von Earl Maria v. Weber. Sonntag, nach m. 8 U h r bei halben Preisen: Vvi- 4H'alTei>!,vliiiilvil. Sonntag, a b e n d s 8 U h r: lli»«lii»v. Montag, abends 8 Uhr Vorletzte Vorilellung. Popul. OpernzykluS bei halb. Preisen. Gastspiel»ans Pokorny. 01« verleernFt« Itrant. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag, abends 8 Uhr: Gastspiel der Morwitz-Oper u. letztes Gastspiel Heinrich Botel. Martha oder der Markt zu Richmond. Romantische Oper von F. v. Flotow. Im Garten täglich: Grolle» Tlililür-Konzert. f?eue freie Volksbühne. Morwitz-Oper(Schiller-Theater 0.). Hente Sonnabend, den 19. Aagnst, abends 8 Uhr: Der frcitchütz. Romantische Oper von Carl Maria v. Weber. Eintrittskarten für Mitglieder a 90 Pf., für Gäste a 1,10 M Logenplätze) sind bei den tParkett-Fauteuil, 1. Parkett und Theater zu haben. Dez» Vorstand. I. A. Ordnern im 150/12 Nelnrlch Nelt, Bremerstr. 59 v. II. Sonntag, den 20. August 1905: Großes vuyrischesUolKsfest (Kellersest nach Münchener Art). W|r Doppel-Konzert der bayrischen Banerntapelle(Dir. Itaron Hnebl) und der 40 Mann starken Hauskapelle(Dir.«ertbold Bothc). Um IS Uhr vormittags: am Riksen-Krat-Apparat„Fucnttus" Ititcit m 3 Zchmiiikii Die Speisen hiervon werden sofort serviert. Untre« SS Pf. Entree SS Pf. Üax Mm Sommer-Theater Hasenheide 13—15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Iggliolt!(Zr. Konzert, Theater und SpezialitätensVorstellung. Jeden Donnerstag: S!ite>7ag. Fernsprecher IV. 8891. Max KHem. I Diez' Spezialitäten-Theater Landsberger Ob schön! Ob Regen I oder Saat: im herrlichen Garten Konzert und Vorstellung. Bollständig»eneS Programm, das grösite""d dsste Berlins. 4!) Seusations-Nnmmern. Eniree Wochentag? 20 Ps., Sonntags 30 Ps. Jeder Erwachsene hat ein Kind unter 10 Jahren frei, ältere zahlen halben Eintrittspreis. .Mlee 76/70, direkt an der Ringbahnstation. Vom 10.— ZI. Augnst: Oastsplel der weltberühmten Mite. Marguerlte mit ihrer groBartig dressierten Liwengruppe, ohne Konkurrenz. U. a. Fencr- u. Fluni nientnnz im Löwenkäfig. Original Hedwig Döring, beliebte Soubrette. Original Otto Bayer, Humorist. Der aktuelle Ourt Ellen, Humorist. Oetmar— Marguerite, brill. Tanzduett. DM- Ohne jede Konkurrenz!"WH Die drei Regalls! Kraftakt in der Schmiede. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badslratzc 58. Heute; Sommerfest. Morgen: Die Regimentstochter. Auherdem: William Diecb. Mkiiflchrt u. Kodtssprmig durch den Garten. Anf. 4 Uhr. Im Saale:«r. 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Täglich: Stettiner Sänger. •• zr v ca. S'-S 5-» C Reichshallen- Restaurant. Täglich: Gr. Militär-K.nzert. Bei schönem Wetter im Garten. Vietoria-Sranerei liützon-str. 111/11%. p« Täglich: tfjst�Horst's. Sänger.> Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr.* Dienstag, Donnerstag, Sonn- g abend, Sonntag: Tanz:. t 1 FW .Otto Pritzkows, Berliner BUnzHtr. 10. Neu! Miß Salamanda, Neu! die berühmte Feuerkünstlerin, zum erstenmal in Berlin. Ur rbimnnri jüdasrikanischer( Wir. Udllliunu, Zauberkünstler.» IHne-ltno-Bni???? Ostbahn-Park. Am KQstrinerplatz, RDdersdorferstr.TI. Hermann Imbs. TUglich: Gr. Konzert, Tlseoter und Speztolitäten- NorsteUuug. Wochentags: Entrce 15 Ps., wofür ein Glas Bier verabreicht wird, also kein Gutice. Borltzplatz. T l! g t t ch im grosten schattigen Garten: Streicd-I�on�ert. Kicarcio jVlunez. Bei ungünstigem Wetter im Saal. I�atban QXand 129 Skalitzerstr. 129. 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Die Berliner Parteigenossen verlieren im Genossen Plan- einen überzeugungstreuen Kämpfer, der in jeder Situation, in der sich die Partei befand, unentwegt für die hohen Ideale des Sozialismus sein Bestes gab. In der schweren Zeit des Sozialistengesetzes war es loliann Ptair, der allen Verfolgungen zum Trotz die rote Fahne vorantrug. Lange Jahre dem Vertrauensmannskörper an- gehörend, diente er mit seinem Rat unserer Sache und war auf dem Gebiete der Organisation und Agitation nn- ermüdlich. Die Berliner Parteigenossen werden seiner ehrend gedenken. Die Vertrauenspersonen Berlins u. Umgegend. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle der Freireligiösen Gemeinde, Pappel- Allee, aus statt. 8li!isIlIeiiil>Iil'stiÄ!i.MIvei'eiii! fDr den Tode«-Anzeige. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß am Donnerstagabend unser langjähriger KampscSgenossc Johann Pfarr Plötzlich verstorben ist. In Genosten Pfarr verliert unser Wahlkreis einen Mann, der stets kampscs- und opserbercit aus der Schanze stand. Als einer der ältesten Genossen unseres Kreise» war Pfarr schon seit 1874 gewerk- schastlich und politisch tätig. In der'schwersten Zeit, die unsere Partei durchlebte, während de? Sozialistengesetzes, stand Psarr in den vordersten Reihen der Kämpfer, keine Gesahr scheuend; auch später, nach dem Fall de» Schandgesetzes, bis in die neueste Zeit wirkte Psarr ununterbrochen sür unsere Sache, er ging ganz in der Partei aus. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Der Vorstand und die BcrtraucnSpersonen des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle der Freireligiösen Gemeinde, Pappcl-Allce, aus statt. Älrai-Mtöml iler Maurer DeMUs."S"" Sektion der Putzer. Unseren sowie den Mitgliedern des Gesangvereins der Putzer hier- mit zur Nachricht, daß unser lang- jähriges treues Mitglied »sokatm Pfarr am Donnerstag, den 17. August, plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- I tag. den 20. August, nachmittag» 1 4 Uhr von der Leichenhalle des I sreircligiösen Friedhofes in der i Pappel-Allee aus statt. I Um recht zahlreiche Betelligung I bittet Tic örtliche Verwaltung. I. A.: H. Neumann. Am Donnerstag früh 1'/, Uhr I entschlief sanstnach kurzem schweren «Leiden im 41. Lebensjahre mein I lieber guter Mann, Schwager, j Bruder und Onkel, der Destillateur �uxust Wolter. Um stille Teilnahme bittet im Namen der übrigen Familien- Mitglieder Lauline Wolter geb. Stegemann. Beerdigung Sonntag, 20. Aug., | nachmittags 31/, Uhr. von der I Leichenhalle des alten Luisen- iKirchhoscs, Bergmannstraße, aus. Slm 17. August verschied nach langem Leiden meine liebe Frau �Ibertine LcKute. Die Beerdigung findet am 20. August, nachmittags 2 Uhr, aus dem Emmnus-Kirchhos statt. 4018L Kobert Sichulz. Dr. Simmel, Speztnlarzt sür 21/10« Haut» and llurnleiden. 10—2,5—7. Sonntags 10—12, 2—4, Sozialilemokrat. M\mm f.ü.Berl.Reic!istagsvsliH| (SUd-Oat). Mitgliedern hiermit Den Mitguevern viermit zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Maurer Wilhelm Wessel Eisenbahnstr. 19(Stadtbezirk 108) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- tag nachmittag um 3 Uhr von der Leichenhalle dcZ EmmauS- Kirch- Hösts aus statt. Um zahlrcicheBeteiligung ersucht 244/12 Ter Vorstand. Zentral-ferliaiiil der Maurer Deiitsctilanils. Zu-cievcreln Berlin. Slm Montag verstarb unser Mitglied Wilhelm Wessel im Alter von vierzig Jahren an Magenleiden. 147/15 Ehre seinem Andenken! DieBeerdigung findet am Sonn- tag, den 20. d. M., nachmittag» 3 Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS- Kirchhofes in Rixdorf, Herinannftraße aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Tic Berbandsleitnng. Stukkateure. Am 16. d. M., nachmittags I 4 Uhr, verschied nach langem I Siechtum unser Kollege Robert KmvÄlski Im 71. Lebensjahre. Er nahm als ältestes Mitglied der Organisation bis ins hohe Alter regen Anteil an dem Fort- schritt der gesamten Arbeiter- bewegung; hals, soweit es seine Kräfte erlaubten, dieselbe fördern und unterstützen und kann daher allen Kollegen als ein Pflicht- bewußter, aufgeklärter Arbeiter zum Vorbild dienen. Wir werden ihm ein blci- bendes Andenken bewahren! Die BcstattungSseier mit Gc- sang und Grabrede findet durch die Organisation am Sonntag. den 20. August. vormittags 10 Uhr, aus dem BcgräbniSplatz der Frcircligiöscn Gemeinde, Pappel-Allee 15/17, statt. Eine zahlreiche Teilnahme zur letzten Ehrung unseres Veteranen wird erwartet. Die Beerdigung des Kollegen A. Mathias findet gleichfalls am Sonntag, den 20. d. M., nachmittag» >/z4 Uhr, vom Leichenschauhause, Hannoverschestr. 6 aus nach dem HeilandS-Friedhos in der Jungsern- Heide am Plötzcnsee statt. 180/15 Die Ortsvcrwaltung Berlin des Zentralverbandes der Stukkateure Deutschlands. ISozialdeDiokratisciierWalihereinl Bezirk Pankow. TodeS-Anzcigc. Am 15. d. MI», verstarb nach! schwerem Leiden durch Unsall unser langjähriges Mitglied, der j Gerber Emil Miillep. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 20. d. Mts., nachmittag» 2 Uhr, von der Leichcnballe der neuen Pankower Kirchhos» in Schön- Hansen ans statt. Die Mitglieder werden ersucht, sich zahlreich an dem letzten Geleit| zu beteiligen. Der BezirkSkassierer A. Lawö, Gottschalkstr. 26. Unserm werten Sport- genossen yuswv Sckenberg zu seinem 30. Wiegenfeste ein dreimalige?»Frisch aus" l Gewidmet von seinen Glaubensgenossen anS dem Arb.-Rnds.-Perein Wcißensce. 802b Verband der Sattler! Orisverwaltung Berlin. Xnolirnf. Den Kollegen zur Nachricht,� daß unser langjähriges Mitglied Max Haßmann (beschästigt bei TiPpelSkirch) am Sonntag, den 13. August, im Krankcnhause am Urban vcr- starben ist, 157/8 Ehre seinem Andenke» l Die Ortsverwaliung. Maurer— Zimmerer! Zeichenkursu». Theoretische Ausbildung z. Polier rclp. Unternehmer. Meldungen täglich. 805d C. Karra«. Maurermeister. KW. Beusselstr. 71 II. Eine Mark Köchenll.Teilzahlunglicfti'e Eleu.teptpHeFreii-llodßii Bestellung n. Maß, tadellose AuSsührnng in eigener WerketeU. Spezlalteschlft(ir fjrrrfH-jfklfiiiiiutj. Kein Waren-Kredlthaus. 3. Knrzberg, An d. JannewItzkrOeke 1, I. g Bahnhos Janiiowitzbrücke.| Icbtr Mcitcr, Handwerker Jeder Tollte zur Hrbclt die Scderhose Ilcrkulc* tragen. Allein-Verkauf. Sehr starke? Leder in Praktischen grauen u. braunen Swcisen. auch einsarbig. Am Bund anS einem Stück gearbeitet Sehr feste Kavp- nähte.- Haltbarste Pilot- Taschen. Große FVckcn umsonst. Di- Hose bei Entnahme von I /I rm»_ 6 Stück 26 Mk.| TC Ml. 50 Manchester-Hose Marke Gam- brinu», Zwirnkette... 5 M. 50 Gefüttert. 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August, vormittags 10 Uhr, tm Bolkshanö» Gbarlottenbnrg, Rosizlenstr. 3(großer Saal):_ Versammlung. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag der Genossin Frl. Ida /lltmann über i „Vereinzelung«der Vereinigung— waS bringt den Mensche» vorwärts?" 2, Diskusswn. 3. Bericht der Schlichtungskommission über den Streik bei F. Gutschc-Friedenau. 4. Verschiedenes. Einen wirklich zahlreichen Besuch erwartet 71/2_ Die Tcktionsleitung. m s mim Zweigverein Berlin, Sektion I.(Brauer.) »»»"" GeechättssUllo: Berlin C. 54, Llnienstr. 19, I. Tsuntag, den 540. Anglist 1905, nachmittags S'/d Uhr: V eremsver fammlung im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer Nr. 15(Saal 1). TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Maurenbrecher über: Maxim Gorki. 2. Abrechnung vom zweiten Quartal 1905. 3. Abrechmmg vom Sommerfest. 41/S 4. BereinSangelegenheiten. 5. Verschiedene».__ Ter Vorstand. VerM der Mascliinislen und Heizer sowie Bemfsoenossen Deutschlands. (Verwaltungsstelle Berlin n. Umgegend.) Sonntag, den XO. d. IT., nachmittag« 4 Uhr, ■ bei Voigt, RUitcr.tr. 75: i Imiiio m 16. Ji TageS-Ordnung: 1. Diskussion. 2. Wahl cineS Schriftführers. 3. Wie stellt sich dio Zahlstelle Berlin zu dem Flugblatt betr. Bruch det» VIcrbohkotrS in Köln._ 139/1_ DI« Ortsverwaliung. Vcrrvaltnng.ntellc Rorlln. Haupt-Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. _ Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. Den Spaiidauer Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, daß die Bezirks- Versammlnitg nikl)t am Sonnabend, den 19. August, sondern am Dlttllltrstllg. dt« 3l. Ang«st, stattfindet. 121/20_ Ple Ort.vcrwaltnng. IWöbelpoller er! y Die Kollegen werden hiermit aufgefordert. � nur den paritätischen FacharbeitsuachweiS, Gormnnnstr. 13, zu benutzen und alle anderen Arbeitsnachweise zu meiden. Gleichzeitig mache ich die Kollegen auf den Beschluß der OrtSverwaltuug aufmerksam, welcher lautet: Diejenigen Kollegen. welche sich von unseren frühereu Arbeitsnachweisen Stellen per« Mitteln lassen, gehen ihrer Rechte auf Uutsrstiitzung verlustig. Die Kollegen Ernst SpiZka und Paul Dier werden aufgefordert. die noch restiercnden Dampferbilletts abzurechnen. 90/16_ Per Obmann. Kleber! Vom Montag, den 22, August, tritt für die nächsten 14 Tage die rote Marke in Kraft und must sich dieselbe im 6. Felde der Karte befinden. Jeder zu tarifmäßigen Preisen arbeitende Kleber muh im Besitze der so bezeichneten Kontrollkarte sein. Die Ausgabe der Marken erfolgt Sonntag, den 29. August,»on 9—12 vormittags in folgenden Lokalen: Kriigcr, Lychenerstr. 8, Pade, Kunkelftr. S. Stepfan, Wicnerftr. 31, Pankow, Perlcbergerstr. 31, Rickert, Stein- inetzstraße 35: ferner Soimabcnd iind Sonntag bei Merker, Berg- strafte 10, Naik, Charlottenbnrg. Goetheftr. 28/29, sowie wochentags von 7—9 vormittags im Arbeitsnachweis, Nückerstr. 9. 179/8 Die BervandSleitung der Tapezierer, Engel-Ufer 15, Zimmer 35.— Tel.: IV, 9720. machen wir deS Sonntags hin? Nach Pichelswerder alten preurnl! GrfiOtcr Tanz.aal!* zum w. Zapel Hut-Fabrik, Skalitzerstr. 13). = Größtes Spezial-fieschält= für Seiden- und Filz-Hfite. IM- Lager In Schirmen nnd mutzen."96(3344" Conrad tack Deutschlands bedeutendste Schuhwaren-Fabriken BURG b. Mgdbg. f Der zielbewußten Fabrikations- Methode unserer Werke entsprechend, erreichen unsere bekannten billigen Preislagen den höchsten Grad der Solidität u. bequemen PaB- form, womit der Weltruf unserer Firma begründet ist. •***«•«***** AMs-Scbuhe und-Stiefel-»SE™ Verkaufshäuser in Isrlin und Umgegend; C.. Rosen thalerstraße 14. C., Splttelmarkt 15. W., Potsdamerstraße 50. W., Schillstraße 16. 5., Oranienstraße 65. SW., Friedrichstraße 240-241. NW., Beosselstraße 29. NW., Tarmstraße 41. NW., Wilsnackerstraße 22. 0., Andreasstraße 50. 0., Gr. Frankfurterstraße 139. N., Danzlgerstraße I. N., Müllerstraße 3. N., Reinickendorferstraße 14. Charlottenbnrg: Wilmcrsdorferstraße 122—123. Bixdorf: Bergstraße 30—31. Potsdam: Brandenburgersfraßc 54. 1S00 Arbeiter und Beamte. ca. 1000 Spezialmaschinen neuester Konstruktion. Jedes Wort: 10 Ptg. Wartt nilt mehr IS Buehstaben zählen deppelt. Pfennig. üdis erste tettgeäruckti mt fCIeine Anzeigen. Verkäufe. Steppdecken billigst Febril Große granksurterstraße 9, parterre. f-Z?» Teppiche mitFarbensehlern Fabrik» Niederlage Große Frankfurterstraße S, parterre.__+37» Teppiche!(fehlerhafte) in allen Größen für die Hülste veS im Tcppichlager Brünn, Markt 4, Bai Wertes Haikescher inhof Börse. 231,19' Gardinenhaus Große Frankfurter- straße 9, parterre. f3T Hrrübcr, Teilzahlungen. 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Rewicke, Neue Friedrichsir. 9/10. Frcistadt u. Co., Oranienburgerstr. 2. Goldslein u. Sohn, Alcxanderstr. 22. Wagner u. Co., Jnselstr. 11. I. Landsberger,'Niederwallstr. 10 Sawach, Unter den Linden 67. Stiller, Kroncnstr. 58. Heruby, Nachsg. Naumann, Jerusa» lcmerstraße 26. Rosenihal u. Jacobsobn, Taubenstr. 23. Leonhardt, Pappel-Allee 3/4. Alle Anfragen betreffs deö Streiks find an unser gemein- samcs Sireikburcau, Mendels- sohnftraftc S, zu richte». 102/17* vse Vorstand des Deutschen Kürschner-Verbandes (Zahlstelle Berlin). Der Vorstand des Verbandes der Kürschner Berlins und Umgegend. Achtung! Achtung! lieber de» Betrieb des Konsum- Vereins Siemens u. Schnckert» Charlottrnburg, haben die unterzeichneten Organl- sattonen die Sperre oerhängt. Sie richten die Bitte an alle organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen, diese zu beachten und jeglichen Zuzug fern- zuhalten. 71/3 Zentralverhand der Handels-, Transport- u. Verkehrsarb. Deutsch). Zentralverhand der Fleischer Deutschlands. Berantw. Llcdakteur: Paul Büttner, Berlin. Mr den Linseratenteil verantw.: Th. Glecke. Berlil«. Druck n.«erlag: fCsuZävtS Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul SinL-r& Co.. Berlin SW. Nr. 193. 22. Jahrgang. 2. WIM des Joriniirts" Sttlinet pIMIitt Sonnabend, w.Augnst 1905. Vierte elsaß-lothnugische Gelverkslhastskonferenz. Mülhausen. Am Montag wird die Debatte über das neue Vereins- Und Versa nimlungsgesetz fortgesetzt. Schulenburg- Straßburg betont, daß die einzelnen Zahl- stellen nicht als selbständige Vereine angesehen werden können und folglich nicht unter das elsaß-Iothringische Vereinsgesetz fallen. W i ck y- Mülhausen ist der Ansicht, daß die Statuten dahin- gehend geändert werden müssen, daß der Zentralvorstand die Vor- stände der einzelnen Zahlstellen bestätigt. Heisch- Strnßburg: Durch eine Resolution müssen wir den Gewerkschaften eine bestimmte Direktive geben. Dieselben werden auf die heutigen Verhandlungen verwiesen, und jedenfalls muß ver- hindert werden, daß die Zentralverbände voreilige Schritte unter- nehmen und durch etwaige Auflösung der Zahlstellen ein einheitliches Vorgehen vereiteln. K u b e- Berlin: Es erübrigt sich wohl, einen definitiven Be- schlutz zu fassen, jedenfalls können wir es bei der heutigen Aus- spräche lasten. Die Leiter der rcichsländischen Gewerkschaftsbewegung sind ja zugegen und werden ihre Maßnahmen in diesem Sinne treffen können. Warten wir ruhig ab, ob und wie die Behörden an uns herantreten. Es sprechen noch verschiedene Redner, worauf folgende Resolution zur Annahme gelangt: Die Gewerkschastskonferenz ist der Ansicht, daß die Zahlstellen der in Altdeutschland zentralisierten Gewerkschaften nicht unter das elsaß-lothringische Vereinsgesetz fallen, da dieselben keine selb- ständigen Vereine sind. Das Gewerkschaftskartell Mülhausen wünscht, daß für Mülhausen und Umgegend ein Arbeitersekretariat errichtet wird, — Nach kurzer Begründung durch Wicky schließt sich die Konferenz diesem Wunsche an, dem auch der Vertreter der Generalkommission zustimmt. Ein Antrag der Handlungsgehülfen Straßburgs ersucht, in Zu- kunft bei allen Lohnforderungen die Forderung der Lohnauszahlung auf Donnerstag oder Freitag mit aufzunehmen. Die Konferenz er- klärt sich in dieser Angelegenheit als nicht kompetent und stellt die Berücksichtigung dieser Forderung den einzelnen Gewerkschaften anHeim._ Berliner]Ntecbncbten. Johann Pfarr. Ueber das furchtbare Geschick, das unseren alten Partei- genossen Johann Pfarr betroffen hat, ist ein Teil unserer Leser gestern bereits kurz unterrichtet worden. Donnerstag abend stürzte Pfarr sich in geistiger Umnachtung aus dem obersten Treppenfenster seiner im Hause Lynarstr. 13 belegenen Wohnung. Hier betrieb er, nachdem er voriges Jahr sein altes Lokal in der Putlitzstraffe verkauft hatte, wiederum eine Gastwirtschaft. Schon vor Monaten traten die Spuren>des Gehirnleidens hervor, das unseren Parteigenossen nunmehr zum gewaltsamen Abschluß seines Lebens getrieben hat; auf- fällige Verwirrtheit und tiefe Melancholie waren die Kenn- zeichen, die im Umgang mit ihm sich der Beobachtung seiner zahlreichen Freunde aufdrängten. Vor einigen Wochen trat die Krankheit so besorgniserregend zutage, daß seine Angehörigen ihn in eine Heilanstalt schaffen mußten; er ging am 11. August nach Eberswalde in ein Sanatorium, kehrte aber von dort bereits nach zwei Tagen in seine Wohnung zurück. Die Krankheit verschlimmerte sich inzwischen und trat am Donners- tag so explosiv hervor, daß für seine Unterbringung in ein Krankenhaus von neuem Sorge getroffen werden mußte. Am nächsten Tage sollte das Erforderliche geschehen. Pfarr hielt sich am Abend in seiner Wohnung und seinem Lokale auf; ungesehen entfernte er sich in der zwölften Stunde, schritt die Treppen hinauf und stürzte sich von der vierten Etage aus dem Fenster auf den Hos hinab. Er war sofort tot. Unser Genosse ist am 20. Mai 1849 im Posenschen ge- boren. Er lernte das Maurerhandwerk, kam zu Beginn der siebziger Jahre nach Berlin und trat hier 1874 in die Partei sowie in die Gewerkschaftsbewegung ein. Mit Eifer nahm der stille, als Redner nur selten hervortretende Genosse an den Arbeiten der Partei Anteil; und als die zwölf Jahre des Sozialistengesetzes hereinbrachen, da zählte er im sechsten Reichstags-Wahlkreise zu denen, die ohne Furcht, mit sinniger Ueberlegung sich den schwierigen Aufgaben der Organisatton und der Schriftenverbreitung widmeten. Nach dem endlichen Fall des Gesetzes, als die Partei sich eine neue Organisation gab, wurde Pfarr 1891 zum Vertrauensmann gewählt; dies Amt bekleidete er bis 1897 und daraufhin von 1898 ab noch fernere zwei Jahre. Der Parteitag in Mainz betraute Pfarr mit dem Ehrenamt eines Kontrolleurs, welches er mehrere Jahre hindurch bis zu seinem Tode versah. Wer den tüchtigen, besonnenen Mann gekannt hat, wird ihn liebgewonnen haben, und mit uns wird die Partei weit über Berlin hinaus es beklagen, daß ein tragisches Geschick den tapferen Kämpfer der Partei und seiner Fainilic jählings entrissen hat. Unser Pfarr hinterläßt eine Witwe, die an seiner Seite selber der Partei manchen vortrefflichen Dienst geleistet hat, sowie einen Sohn und zwei Töchter, die sämtlich erwachsen sind. Die Beerdigung findet Sonntag, nachmittags 4 Uhr. von der Leichenhalle des freireligiösen Friedhofes, Pappel- Allee, aus statt._ „Fortschritte" im Berliner Gemeindeschulwesen sind nicht immer Fortschritte zum Besseren, sondern leider manchmal eine Verschlechterung deS bisherigen Zustande?. Eine Ver- schlechterung, die ernsteste Beachtung verdient und auf die wir hier- mit die Auftnerksamkeit unserer Leser lenken müssen, ist die in diesem Sommer eingetretene Verminderung derer st en Klassen. Als im Jahre 1902 das Achtklassenstistem endlich eingeführt wurde, blieb die Zahl der ersten Klassen, die nun den achten JahreS- kursus darstellten, zunächst noch recht weit hinter dem Bedürfnis zurück. Hiergegen ließ sich einstweilen nicht viel sagen, man befand sich eben damals noch im UcbergangSstadium. Allmählich nahm aber die Zahl dieser Klaffen zu, und im Winter 1904/05 waren wir glücklich so weit gekommen, daß nur noch wenig Schulen ohne erste Klasse waren. Im Winter 1902/03 gab es erst 259 erste Klassen, im Winter 1903/04 waren 270 vorhanden und im Winter 1904/05 wurden bereits 287 gezählt. Angesichts dieser Zahlen konnte man sagen, daß die äußere Durchführung des Achtklassensystems unerwartet rasch vor sich gegangen war. viel rascher, als mancher es zu hoffen gewagt hatte. Selbstverständlich hatten nicht alle ersten Klassen nun gleich starke Besetzung. In manchen war die Besetzung sogar auffallend gering— geringer jedenfalls, als es an Berliner Gcmeindeschulen bisher für zulässig gegolten hatte. Tic betreffenden Rektoren hatten trotzdem darauf hingewirkt, daß ihre Schulen eine erste Klasse bekamen. und das Ivar recht. Ist doch auch bei den Vorschulen der höheren Lehranstalten noch nie ein Mensch auf die Idee verfallen, leine«As Masse deshalb eingehen zu lassen, weil ihre Schillerzahl unter 30, 25 oder 20 blieb. Im allgemeinen ist in den Vorschulen die Frequenz viel höher als 30, manchmal bis doppelt so hoch. Wer es ist auch schon vorgekommen, daß gelegentlich nicht mal das Dutzend voll wurde und trotzdem die Klasse nicht aufgelöst wurde. Wir möchten auch das Geschrei nicht hören, das sich in den Kreisen der Bemittelten erhöbe, wenn sie plötzlich gezwungen werden sollten, ihre Kinder einer anderen Vorschule zuzuführen, weil Magistratus sparen will. Das Geschrei wäre berechtigt ssofern man Vorschulen über- Haupt dulden will), aber ebenso berechtigt ist der Wunsch un- bemittelter Eltern, daß auf den Gemeindeschulen die Kinder, die für die erste Klasse reif werden, nicht mit der zweiten Klasse zu- sammen weiter unterrichtet oder nach einer fremden Schule mit erster Klasse umgeschult werden, weil ihre Schule keine eigene erste Klasse hat. Man weih, daß der im Rathaus waltende Freisinn im Prinzip n i ch t für solche Gleichheit von Gemeindeschulen und höherer Lehranstalt schwärmt. Es war daher kein Wunder, daß in der Stadtverordn et en- Versammlung sich baldigst eine Stimme erhob, die gegen die hier begangene Verletzung des bisher hochgehaltenen Ungleichheitsprinzips protestierte und für die Ge- meindeschule eine Um- und Rückkehr zu dem früheren Zustand forderte. Wer konnte das sonst sein als Herr Wallach? Wenn der Freisinn ganz besonders krämerhaft sein will dann wird immer dieser Tapfere vorgeschickt, der den Mut hat, sich bloßzustellen. Im letzten Winter, im Februar, brachte der Freisinn in der Stadtver- ordneten-Versammlung seine Beschwerden über die geringe Frequenz er st er Klassen zu Gehör. Herr Cassel hielt sich schamhaft mehr im Hintergrunde und bemäntelte seinen Verdruß durch eine Klage über die angebliche UnHaltbarkeit des Achtklassen- systcms, die durch diese geringen Frequenzen dargetan werde. Herr Wallach aber nahm kein Blatt vor den Mund, sondern schimpfte kräftig über den Luxus, der mit der Einrichtung erster Klassen getrieben werde, obwohl sie lange nicht voll hriieben. Der Magistrat hat rasch Order pariert. Stadtschulrat Gersten- berg, der„Chef" unseres Gemeindeschulwesens, ist Erwählter und Beauftragter der Cassel, Wallach und Konsorten. Er wagte damals ein paar Einwendungen, aber hinterher hat er begriffen, was er zu tun hatte. Was er getan hat, ist bereits in diesem Sommer zu sehen. Im Winter gab es an 273 Schulen 287 erste Klassen, jetzt finden wir an 277 Schulennur noch 27 2 erste Klassen. Dabei sind noch viele Schulen Knaben- und Mädchenschule zu- sammen. d. h. sie haben ja eine voll ausgebaute Knaben- und Mädchenabteilung oder vielmehr sie sollten sie haben, denn mitunter fehlt eben noch die zum vollen Ausbau erforderliche erste Klasse. Hätten alle Schulen bezw. Abteilungen ihre erste Klasse, so müßte die Gesamtzahl der ersten Klassen weit über die Gesamtzahl der Schulen hinausgehen. Im Winter ging sie bereits ein wenig darüber hinaus, in diesem Sommer ist sie wieder zurückgesunken. Dafür findet man aber jetzt auch nicht mehr so oft wie früher jene skandalös niedrigen Frequenzen. Der Frevel, daß man bis 20 hinabging, ist nicht wieder begangen worden. Aber auch Frequenzen unter 30 sind jetzt seltener geworden. Mehrfach haben Schulen ihre ersten Klassen wieder einziehen müssen. Die Kinder, die für die erste Klasse reif wurden, sind teils umgeschult, teils in der vereinigten„Klasse I und II" belassen worden. 1 So sehen die„Fortschritte" aus, die der Berliner Rathaus- freisinn unseren Gemeindeschulen beschert, wenn er sparen will. Die Bevölkerungskreise, die für ihre Kinder auf die Gcmeindeschule an- gewiesen sind, werden gut daran tun. im Herbst bei den Stadt- v er ar dn e te n- W a hl e n an ihrem Teile zu einer weiteren Schwächung des Freisinns beizutragen, damit im Rathause seinem gemeingefährlichen Treiben noch wirksamer als bisher begegnet werden kann._ Kann ein Ausländer zezwnngen werden, gegen seinen Willen in Deutschland z» bleiben? Hiesige Blätter melden: Der Marokkaner, der auf besonderen Wunsch des Kaisers nach Potsdam gekommen ist, um dort zum Schellenbaumträger für das erste Garde-Regiment zu Fuß ausgebildet zu werden, kann sich, wie der„Kons." erfährt, nur schwer in die dortigen Verhältnisse einleben. Er gehört einer alt- angesessenen Familie des Landes an und nur aus diesem Grunde wurde er auch dazu ausersehen, neben dem Kaiser einherzugehen, als dieser in Tanger einritt. Er war gewohnt, nur in seidenen Ge- wändern zu gehen, die er auch nach Potsdam mitgebracht hat und dort noch trägt. Die Uniform will er so, wie sie ist, nicht anziehen, sie soll mit Seide gefüttert werden. Er ist gewohnt, täglich 24—30 Zigaretten zu rauchen, wozu eine tägliche Löhnung von 23 Pf. allerdings nicht gut ausreicht. An, allerwenigsten sagt ihm aber das Essen zu. In seinem Lande nährt er sich von Geflügel und Reis, dessen Schlachtung er nach dortigem Ritus selbst überwacht. Die deutsche Sprache lernt er nur sehr schwer; er versteht bis jetzt nur einige Worte— gerade die Kommandoworte hat er noch nicht gelernt. Er schien geglaubt zu haben, daß ein Schellenbaumträger eine ganz besonders bevorzugte Stellung bei den preußischen Soldaten einnimmt. Sein zweites Wort ist: „Ich will Kaiser sprechen". Diesen Wunsch kann man ihm schon aus dem Grunde nicht erfüllen, weil der Kaiser ja nicht immer in Potsdam ist. Wir können uns lebhaft vorstellen, daß eS dem Marokkaner beim deutschen Militär nicht behagt, und wenn Deutschland Anspruch da- rauf macht, ein Kulturstaat zu sein, so sollte die Militärbehörde dein Unglücklichen bedeuten, daß für ihn gesetzlich nichts im Wege steht, wieder in seine Heimat zurückzukehren. Sklaverei und Leib- eigenschaft sind ja wohl in Deutschland aufgehoben, und davon, daß Fürsten sich gegenseitig Soldaten zum Geschenk machen, hat man seit den Zeiten Friedrich Wilhelms I. unseres Wissens auch nichts mehr vernommen. Wo femer in Betracht kommt, daß die deutsche Polizei so viele Ausländer gegen ihren Willen aus dem Bereich der deutschen Grenzpfähle verjagt, sollte es ja wohl möglich sein, einem Mann, der, sei eZ durch welche Umstände immer, von einem mit Unwillen getragenen Geschick betroffen worden ist, den Weg in die Heimat freizumachen. Uns wundert sehr, daß die liberalen Blätter, die im scherzhaften Tone diese Angelegenheit behandeln, sich nicht den Emst' der An- gelegenheit vor Augen geführt haben. Im Winterfahrplan des Vorortverkehrs sind folgende Aende- rungen vorgesehen: S p a n d a u-.Charlottenburg-Schlesischer Bahnhof werden zwei neue Züge eingelegt werden, um die bisherige, größere Zugpause im Interesse des Berlin- Spandauer Verkehrs zu teilen; sie werden von Spandau um 3'° und 3� nachmittags abgehen. Auf der W e r n e u ch e n e r Streck- soll ein neuer Schiilerzug eingerichtet werden, der um 710 vormittags in Berlin eintrifft; nachmittags konnten die Schnldr zur Rückfahrt den von Berlin 3� nachmittags abgehenden Zug benutzen, mußten also fast zwei Stunden warten, dieser Zug wird daher um 53 Minuten früher gelegt werden. Der „Theaterzug" Berlin-Werneuchen(Nr. 699) wird von hier 10 Minuten später abfahren und trotzdem wie bisher in Werneuchen und Wriezen eintreffen. Zwei neue Arbeiterznge werden auf der Strecke Berlin- Velten eingelegt Ivcrden: ab Berlin 5� früh, ab Velten 7� abends.' Auch auf der R a u.e n e r Vorort- strecke soll für die Einlcgung eines Abendznges gesorgt werden, der die Bewohner rechtzeitig zu den in Berlin abends V/z Uhr beginnenden Theatern, Konzerten, Vorträgen sc. befördert, derselbe wird um 6.45 von Spandau abfahren und um 7,05 abends auf dem hiesigen Lehrter Bahnhof eintreffen. Nach W a n n s e e wird in den Wintermonaten (1. Dezember bis Ende April k. J.) wiederum ein Nachtzug zur Be- förderung gelangen, der 1.45 von Berlin abgeht und 2.21 nachts in Wannsee eintrifft. Vis 11 Uhr abends wird auf der Wannfcebahn der 20-Minntcu-Verkchr durchgeführt werden, es sind daher die Züge 810 und 817 bis Wannsce ausgedehnt worden. Auf der Z o s s e n e r Borortstrecke hat der Verkehr so zugenommen, daß die Direktion sich entschlossen hat, vier neu« Züge emzulegev. „Fortsetzung folgt."„Polizeiliche Bekanntmachungen, in Fort» setzungen veröffentlicht, sind rechtsungültig" hat dieser Tage daS Kammergericht entschieden. In dem zwischen Bernau und EberS» Wälde belegenen Städtchen Biesenthal haben sich in den letzten Jahren zahlreiche Berliner niedergelassen. Der Magistrat hat diesen Ansiedlern zuliebe die vom Bahnhof in die Stadt führende Chaussee in eine nach Berliner Muster mit Mittelpromenade und Rasen- streifen ausgestattete Bahnhofstraße umgewandelt. Ueber die Reinigung dieser Straße mit ihren Anlagen entspann sich bald ein Streit zwischen der Biesenthaler Stadtverwaltung und den an- liegenden, meist aus Berlin zugezogenen Villenbesitzern, von denen die städtische Behörde die Kosten der Straßenreinigung mit der Be- gründung verlangte, daß die Unterhaltungs- und Reinigungspflicht der Straßen auch diese Verpflichtung in sich schließe. Ein in Berlin ansässiger Villenbesitzer ließ sich absichtlich in Strafe nehmen. In den unteren Instanzen verurteilt, wendete er sich an das Kammer- gericht, das den Prozeß in die Vorinstanz zurückverwies, woraus nach umfangreicher Beweisaufnahme eine erneute Verurteilung deS hartnäckigen Berliners erfolgte. Die zum zweiten Male eingelegte Revision hatte vor dem Kammergericht den Erfolg, daß dieses jetzt als fünfte Instanz auf Freisprechung erkannte und die Kosten der Staatskasse auferlegte. Rechtsanwalt Dr. Flatau, als Anwalt des betreffenden Villenbesitzers, hatte das Rechtsmittel auf den seltsamen Revisionsgrund gestützt, daß die Biesenthaler Polizeiverordnung nacheinander in vier Nummern der amtlichen Biesenthaler Zeitung. also in Fortsetzungen, publiziert worden war. so daß die ersten Ab- drucke der Polizeiverordnung der vom Gesetz vorgeschriebenen Unter- schrift der Behörde, welche die Verordnung erlassen hatte, entbehrten. In der Tat hat das Kcnnmcrgericht diese, in kleineren Orten übrigens nicht seltene Art der Veröffentlichung als nicht dem Gesetz entsprechend erachtet und die Verordnung für ungültig erklärt. Die Biesenthaler Stadtverwaltung hat jetzt die betreffende Verordnung noch einmal im Zusammenhang abgedruckt. Es erscheint jedoch fraglich, ob der Magistrat in Biesenthal damit sein Ziel gegenüber den Villenbesitzern erreichen wird, da die erste Verordnung mangels ordnungsmäßiger Veröffentlichung als gar nicht existierend anzu» sehen ist, so daß es einer nochmaligen Beschlußfassung durch den inzwischen anders zusammengesetzten Magistrat bedurft hätte. Umgestaltung des Berliner Fernsprechnetzes. Das Berliner Fernsprechnetz geht einer vollständigen Umgestaltung entgegen. Die Vermittelungsanstalten wurden bisher von Fall zu Fall umgebaut und dabei wurde das neueste System angewandt. Bei den schnellen Fortschritten der Technik konnte es nicht ausbleiben, daß die Stadt- fernsprechämter nach den verschiedensten Systemen eingerichtet sind. Eine vollständig einheitliche Betriebsweise ist so nicht möglich. DaS Reichspostamt hat jetzt angeordnet, daß sämtliche Zlemter nach ein und demselben System umgebaut werden. Die Aemter 6 und 7 sind bereits in der Ausführung und sollen im Frühjahr dem Betriebe übergeben werden. Nach demselben System lvird dann auch daS Amt Berlin— Charlottenburg umgebaut, obgleich dieses erst vor zwei Jahren neu eingerichtet worden ist. Sämtliche Aemter werden aus ein Fassungsvermögen von 20 000 Teilnehmern berechnet. Es ist anzunehmen, daß Berlin bei der Vollendung des Umbaues 90 000 Sprechstellen haben wird. Für den ferneren Zuwachs bleibt dann noch Raum für 30 000 bis 50 000 Teilnehmer. Wenn der Umbau durchgeführt sein wird, kann eine einheitliche Betriebsweise im ge- samten Berliner Fernsprechverkehr eingeführt werden. Der Ruf des Amtes erfolgt dann allgemein nur noch durch Abnehmen des Fernhörers, während die Teilnehmer durch das Amt gerufen werden. Keine Oberleitung am Brandenburger Tor und dem Königs- Platz. Vor längerer Zeit hatte die„Große Berliner" an die Krone den Antrag gestellt, für die Königgrätzerstraße von der Voßstraße bis Brandenburger Tor, die Sommersrraße, Königsplatz, Bismarck- straße statt des Unterleitungsbetriebes Oberleitung einführen zu dürfen. Wie das„Verl. Tgbl." hört, ist dieser Antrag ab- gelehnt worden. Die Einführung der Oberleitung an dieser Stelle ist daher für die nächste Zeit nicht zu erwarten._ Für Droschkenkutscher. Der Polizeipräsident macht bekannt: Unter Bezugnahme auf den§ 54 der Droschkenordnnng vom 16. Fe- bruar 1905 wird hierdurch bekannt gemacht, daß die Droschkenkutscher vom 1. September d. I. ab mit der neuesten im August dieses Jahres veranlaßten Ausgabe des amtlichen DroschkenwegemesserS versehen sein müssen. Dieser ist vom 18. August d. I. ab in der Verlagsbuchhandlung von I. Straube, Neuenburgerstr. 15, sowie im Buchhandel zu beziehen. Der Name der Kirche. Der MagistratS-Berichterstatter schreibt: „Gustav Adolf- Gedächtnis« Kirche" soll nach einem Beschluß des Gemeinde-Kirchenrats von Heilig Kreuz die neue Kirche der Tochter« gemeinde am Urban nunmehr heißen. Diese Kirche sollte anfänglich den Namen.Schleiermacher"-Kirche erhalten. Der Name wurde aber vom Oberkirchenrat beanstandet, weil Schleiermacher der nach- reformatorischen Zeit angehört und Kirchen nur nach Männern der reformatorischen oder aus der vorreformatorischen Zeit benannt werden sollen.— DaS stimmt wohl nicht. Wie könnten wir sonst eine Kaiser Wilhelms-Gedächtniskirche und ähnliche Institute mit langem Namen haben? Zur Ueverfüllung der Krankenhäufer. Eine Frau Schilling aus der Elsaßstraße 13 zu Weißenfee hatte ein% Jahre altes Mädchen Marta Sch. in Pflege. Das Kind erkrankte an Krämpfen und Brechdurchfall. Heute morgen wollte es die Pflegemutter, die von einer anderen Frau begleitet wurde, nach der Charite bringen. was sie schon früher hätte tun sollen. Als sie gegen 7 Uhr dort ankam, fand sie keinen Platz frei. Die Station ist so dicht belegt, daß es auch nicht möglich war, durch Einschicbung eines Bettes an irgend einer Stelle ausnahmsweise Platz zu schaffen. Weil der Zustand des Kindes äußerst bedenklich war, erkundigte sich der dienst- tuende Arzt sofort durch den Fernsprecher nach einen, Platz in einer anderen Anstalt und erfuhr, daß im Kaiser und Kaiserin Friedrich» Kinderkrankenhause in der Rcinickendorferstraße die Aufnahme er- folgen könne. Cr empfahl den beiden Frauen, mit der Kleinen schleunigst dorthin zu fahren. Die Frauen machten sich aus den Weg, aber schon in der Karlstraße starb das Kind auf ihren Armen. Zu der Untersuchung wegen des MordanschlagrS auf die Pfand- leiherin Witwe Krause aus der Wilhelmstratze wird mitgeteilt, daß der verhaftete Kutscher Gustav Hellinundt auch jetzt noch leugnet. bei der Tat irgendlvie beteiligt zu sein. Er vermag das schivcre Be- lastungsmaterial, das die Ermittelungen bereits zutage gefördert haben, so wenig zu entkräften, daß er ohne Zlveisel in UntersuchungS- Haft genommen werden wird. Ein schwerer Straßenunfall, bei welchem zwei Personen vcc- letzt wurden, ereignete sich Donnerstag mittag vor«:m Hause Große Franksurterstraße 50. Der Grüner Weg 119 wohnende 63 jährige Arbeiter Wilhelm Etting überschritt an der Ecke der Markussttaße den Fahrdamm und wurde von den, Dreiradfahrer Ludwig KnobelS- dorf. Dragonerstrahe 43 wohnhaft, angerannt. Der Arbeiter stürzte zu Boden und über ihn hinweg fiel Knobelsdorf. In demselben Augenblick passierte der Straßcichahnlvagen 1027 der Linie 22 (Richtung Rixdorf) die Unfallstelle. Der Motorführer hatte natür- lich den Unfall nicht bemerken können, da sich dieser noch in der Marlusstratze abspielte und beide Personen bei dem Zusammen» stoße auf das Gleis in der Großen Franfkfurterstraße hinüber- geschleudert waren. Der Fahrer gab sofort Gegenstrom und e» ge» lang ihm, wenigstens zu vermeiden, daß die beiden Leute nicht unter die Räder des Wagens gerieten. Sie wurden aber von dem Schutzrahmen zur Seite geschleudert und hierbei erlitt Etting schwere innere Verletzungen, Knobelsdorf eine klaffende Wunde über dem rechten Auge. Der Arbeiter wurde nach den, Krankenhauso Friedrichshain gebracht, während der Radler die erste Hüffe auf der Unsallssation erhielt. Zeugen gisucht._ Die Metallarveiter, welche am lt. Mai, vor- Wittags 6y» Uhr, Bei der Firma Hauptuer, Luisenstr. 63, Streikposten gestanden haben, werden dringend ersucht, in einer wichtigen An- gelegenheit ihre Adresse bei Schubert, Fehrbellinerstr. 24, 3 Treppen, abzugeben. Besonders wird der Arbeiter, der bei der Berhaftung mit nach der Wache in der Albrechtstraße gefolgt ist. um Nennung seines Namens gebeten. Ein gefährlicher Fabrikbrand kam Freitag früh gegen 5 Uhr in der E i s e n b a h n st r. 6 zum Ausbruch. Das Feuer wütete in einem langgestreckten Arbeitssaale der Schraubenmntterfabrik von S. R i e h m u. S ö h n e im rechten Seiteuflügel. Durch die mit Oel und Fett getränkten Putzlappen wurde die Ausdehnung des Brandes wesentlich begünstigt und in kurzer Zeit bildete der Fabrik- saal mit dem leichten Dache ein Fenermeer. Da das mit zahlreichen Mietern bewohnte Hinterhaus von Muskauerstr. 9 hart an das brennende Fabrikgebäude heranreicht und die Flammen von dem kaum l'/z lstock hohen Fabrikgebäude am Nachbarhause emporschlugen, so war dieses in großer Gefahr. Es wurde denn auch von dem zuerst eintreffenden Löschzuge sofort„Mittelfeuer" nachgemeldet, worauf außer der gesamten zweiten Kompagnie noch die Löschzüge 11, 17 lind 18 herbeieilten. Obgleich nun mit mehreren Rohren eingegriffen wurde, konnte doch das brennende Dach nicht mehr gehalten werden, dagegen wurde das Nachbargrundstück erfolgreich geschützt. Allerdings sind große Flächen von Putz infolge der starken Hitze abgebröckelt. Der verursachte Schaden ist betrachtlich, weil in dem brennenden Räume nicht nur alle Transmissionen zerstört, sondern auch die aufgestellten Maschinen stark beschädigt wurden, lieber die Entstehungsursache deS Feuers ist nichts ermittelt. In schwerkrankem Zustande aufgefunden wurde am 14. August auf einer Promenadenbank in der Danzigerstraße vor Nummer 39 ein dem Arbciterstande angehörender zirka 69 bis 79 Jahre alter unbekannter Mann, welcher aus dem Wege nach dem Krankcnhause verstarb ohne daß seine Persönlichkeit festgestellt werden konnte. Der Unbekannte war zirka 1,66 Meter groß, von schmächtiger Statur, trug graues Kopfhaar, ebensolchen langen Vollbart und war bekleidet mit schwarzem weichen Filzhut, brauiicm Wintcrüberzieher, dunklem Anzüge sowie schwarzen Schnürstiefeln. Alle diejenigen, welche über diese Person Angaben machen können, iverden gebeten, dies der Kriminalpolizei, woselbst auch die Photographie der Leiche zu besichtigen ist, Zimmer 326. oder bei einem Polizeirevier zu Nr. 6198 IV. 41 95 mitzuteilen. Feuevbericht. In den letzten 24 Stunden hatte die Wehr mehrere Feuer zu unterdrücken. Ueber den gefährlichen Fabrikbrand in der Eisenbahnstraßc 6 berichten wir ausführlich an anderer Stelle. Freitag vormittag erfolgte Alarm nach der Elsasser- straße 76; ein Posten Fett war dort in Brand geraten.— Gardinen lind Decken gingen dann in der Oranienstraße 97 in einer Wohnung in Flammen auf, während in der Warschauerstraße 69 Holzwolle in einem Kesselhausc Feiler gefangen.— Längere Zeit gab es in der �tralsunderstraße 43 zu tun, wo ein Keller in größerer Aus- idehnung brannte.— In der Brandenburgstraße 23 mutzte dann noch ein Feuer abgelöscht werden, das den Fußboden und die Balken- anlage ergriffen hatte.— Die übrigen Alarmierungen waren auf ».blinden Lärm" zurückzuführen Theater. Neues königl. Opern-Theater(Kroll). Heute(Sonnabend) geht„Die Boheme" zum 6. Male in Szene, morgen(Sonntag) neu einstudiert„Der Zigeunerbaron" in folgender Besetzung der Hanplpnrticn. Barinkay: Oskar Braun, Saffi: Rosa Günther, Czipra; Marg. Licban-Groß, Zsupan: Hans Erwin, Arsena: Frida Michels, Mirabella: Karolinc Pahren, Ottokar: HanS Mirsalis, Homonay: Paul Rehkopf, Carnero: Emil Pahren. Leiter der Ausführung: Paul Rehkopf, musikalische Leitung: Dr. Ernst Kunloald, Ballett arrangiert von der Ballettmeisterin Marie Förster. — Im Trianon-Theater wird die Erstaufführung des vier- aktigen Lustspiels„Das Ende der Liebe" von Bracco für den 1. Sept. vorbereitet.— Die EröffmmgSvorstellung dechB udapester Possen-Theaters, Linienstraße 132, findet am l. September statt. Das Programm der Bndapcster besteht aus Einaktern im jüdisch-dentschen Jargon; im zweiten Teile der Programmabteilung werden Spezialitäten auftreten. Der Borverkauf der Billetts be- ginnt bereits am 24. d. MtS. an der Theaterkasse, Linienstr. 132. Ter neue Sportpark Steglitz geht seiner Vollendung entgegen. und die neue, 699 Rhetcr lange, allen Anforderungen der Neuzeit entsprechende Zement- Nennbahn wird am Dienstag, den 22. August, fertiggestellt sein, so daß sie Ende der kommenden Woche den Rennfahrern zum Training freigegeben werden kann. Die Er- Öffnung der Bahn soll durch ein zweitägiges Meeting mn Sonntag, den 3. und 19. September, stattfinden, mrd zwar werden dem Publi- kum sowohl Flieger- als Tauerrennen geboten lverden; die Aus- fchreibung der Rennen erfolgt in den nächsten Tagen. Die neue Bahn dürfte mit ihren großen, komfortabel eingerichteten Tribünen, dem umfangreichen und breiten Sattclplatz und Stehplatz und den sich in Höhe der Kurven anschließenden, terrassenförmig erhöhten Stehtribünew, von denen man überall den Verlauf der Rennen bestens verfolgen kann, mindestens 26— 39 999 Zuschauern Platz gewähren. Die Fertigstellung des neuen Sportparks wird von allen Sportsfrcunden jedenfalls mit großcx Freude begrüßt Iverden. Vorort- l�admebten. Charlottenburg. Diebstahl im Polizeipräsidium. Seit einiger Zeit ist die Ab- teilung III des hiesigen Polizeipräsidiums, die sich besonders mit Jagdschcinsachcn befaßt, in MietSräumen des Hauses Rosinen- straße 12a untergebracht, da es in dem Hauptgebäude an Raum mangelt. Die für Jagdscheine eingegangenen Gelder bewahrt der betreffende Sekretär in einer Zigarrenkiste in dem Schubkasten seines Schreibtisches auf. Während einer kurzen Abwesenheit des Sekretärs wurde nun ein H u n d e r t m a r k, ch e i n von diesem Gelbe entwendet, ohne daß es bisher gelang, irgend welche Spur des Diebes zu finden. Nur dem Umstände, daß die Gelder täglich abgeführt werden müssen und sich infolgedessen selten große Beträge in der Kasse befinden, ist es zuzuschreiben, daß dem Diebe nicht mehr in die Hände gefallen ist. Rixdorf. EinrS Mordversuchs überführt: Zu den zahllosen schweren Einbruchsdiebstählen, welche dem vor einigen Tagen hier fest- genommenen„Arbeiter" Eichert aus der Weserstratze 179 bisher nachgewiesen werden konnten, ist jetzt ein noch bei weitem schwereres Verbrechen, nämlich ein Mordversuch, hinzugekommen. Wie sich unsere Leser noch erinnern werden, wurde am Nachmittag des 4. August der 32jährige. Schneider Paul Stengert aus der Britzer- straße 33 in Berlin in einer Schonung zwischen Grünau und Schmöckwitz von einem Fahrraddicb, dessen Verfolgung St. auf Wunsch des Bcstohlenen, Chausscearbeiters Lücke ans Schcnkendorf, aufgenommen hatte, durch einen Revolvcrschuß schwer verletzt. Stengert befindet sich noch heute in ärztlicher Behandlung, da die in der linken Schulter sitzende Kugel bisher nicht entfernt werden konnte. Ter Revolverheld entkam damals, muhte aber das ge- stohlene Rad zurücklassen. Als Stengert nun dieser Tage in den Zeitungen die Berichte von der Festnahme des Eichert las, begab er sich nach dem Rixdorfcr Amisgcrichtsgefängnis und bat, ihm Eickert vorzustellen. Zu seiner Neberraschuug erkannte Herr St. in dem Einbrecher auf den ersten Blick den Revolverhelden wieder. Die letzten Zweisel an der Identität des E. mit dem Grünauer Per- brechen schwanden aber, als die Kriminalpolizei den marine- Ltranttv. blauen Jackettanzug, braUstkll Schlapbhui Und Krückstock herbei- schaffte, welche Eichert an jenem Tage getragen hatte. Den Re volver, mit welcbem E. den St. verwundete, hatte er einem in der Laubestraßc in Rixdorf wohnhastcn Buchdruckereifaktor entwendet. Potsdau«. Eine eigenartige Maßregelung vo» Bauarbeiteru ist hier bei dem Unternehmer Sauft erfolgt. Infolge der plötzlichen Eni- lassung mehrerer Hülfsarbeitcr trat ihre Nichtanmeldung zur Krankenkasse zutage. Ein Strafmandat war die Folge. Sofort wurde aber auch der Arbeiter H. Krakau, Delegierter zur Generalversammlung der hiesigen Allgemeinen Orts- Krankenkasse, entlassen. K. war ebenfalls nicht bei der Krankenkasse angemeldet worden. Er erhielt nun sonderbarer- weise vom Vorstand der Kasse ohne weiteres dit Mitteilung, daß sein Mandat erloschen seil Infolge dieser offenkundigen doppelten Maßregelung erklärten sich die Kollegen der Entlassenen mit diesen solidarisch und setzten bis zur Regelung dieser Angelegen- heit, die ein eigentümliches Licht auf die Praktiken gewisser Unter- nehmer und des bekannten Vorstandes der Allgemeinen Orts- Krankenkasse wirft, die Arbeit aus. Nach dem Aufhören der 14 Hülfsarbeitcr erhielten auch die auf dem Bau beschäftigten 11 Maurer ihre Entlassung. „Tie Agrarier und die Fleischnot" lautete das Thema, über das der Genosse Redakteur Paul John- Berlin in einer von 469 Per- sonen besuchten B o l k s v e r s a m m lu n g sprach, die am Mitt- Wochabend im„Viktoriagarten" stattfand. Der Referent legte in seinem l'/bstündige». Vortrage klar und scharf die Gründe für die jetzige Fleischteuerung dar und bewies an der Hand eines reichen Zahlenmaterials die ungeheuerliche Preissteigerung für Vieh und Fleisch. Die Mitschuld an der agrarischen Bcutepolitik trägt auch der sogenannte Mittelstand, der durch seine Wahlgefolgschaft den Konservativen zum Siege verhilft.— Nach dem mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrage schlug der Versammlungsleiter, Genosse S t o o f, eine Resolution, die der seinerzeit in Berlin gefaßten entspricht, mit folgendem, die Potsdamer Verhältnisse betreffenden Zusatz vor:„Tie Versammlung protestiert gegen diese das Fleisch vcr- teuernden Mahregeln auch noch besonders deshalb, weil die in Potsdam noch bestehende Schlachtsteuer eine Extrasteuer darstellt. durch die schon jetzt die hiesigen Fleischpreise um zirka 29 Proz. höher sind, als z. B. die Berliner Fleischpreise. Die Versammlung fordert deshalb die Aufhebung der städtischen Schlachtsteuer nicht erst vom Jahre 1919, sondern schon vom nächsten Jahre ab."— Genosse S t o o f kennzeichnete die Haltung der bürgerlichen Wähler, die über Fleischwucher klagen, dennoch aber dem für Zollwuchcr un- entwegt eintretenden Abgeordneten Pauli zum Mandat verholfen haben.— Die vorgeschlagene Resolution wurde einstimmig ange- nommen. Gericdts-Leitung. Tie traurige Geschichte einer Verlassenen kam gestern in einer Verhandlung vor dem Schöffengericht ll zur Sprache. Wegen Be- drohung und Beleidigung war der Kaufmann und N a t u r h e i l. kundige Otto Lös er angeklagt. Im Jahre 1993 lernte der Angeschuldigte die Tochter eines ehrsamen Handwerkers, des Maurers K. kennen. Er ging mit ihr ein Verhältnis ein und stellte sie seinen Verwandten als seine Braut vor. Wie Fräulein K. behauptet, sei es eines Tages, nachdem sie der Angeklagte vorher gehörig mit Bier, Liqueuren und Rotwein traktiert hatte, zu intimerem Verkehr gekommen. Als sie ihrem Bräutigam eines Tages mitteilte, daß jener Verkehr nicht ohne Folgen geblieben sei, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, worauf sich L. mit den Worten:„Adieu, mein Fräulein" entfernt habe. Sie teilte ihrer Mutter das Geschehene mit, die dem Angeklagten Vorwürfe über die Verführung ihrer Tochter machte. Löser versprach auch, die Ehe mit dem Mädchen einzugehen. Tatsächlich kümmerte er sich nicht um seine Braut, sondern begann mit einem anderen Mädchen, das er später heiratete, ein neues Verhältnis. Fräulein K. wurde schließlich von ihren Eltern verstoßen und versuchte sich durch eine Stellung als Dienstmädchen zu ernähren. Infolge ihres Zustandcs muhte sie auch bald diese Stellimg aufgeben. Sie schrieb an ihren Verführer mehrere Briefe, in welchen sie fragte, was nun aus ihr werden solle. Die Bedauernswerte trug sich schon mit Selbstniordgcdanken, als ihr die Idee kam, sich mit den Verwandten ihres Bräutigams in Ver- bindung zu setzen. Sie fuhr zu zwei in Lankwitz wohnhaften Brüdern des Angeschuldigten und stellte diesen ihre traurige Lage vor. Sie wurde von den Verwandten auch freundlichst aufgenommen. Eines Tages im Juli d. I. erschien der Angcllagte mit seiner neuen Braut bei seinen Brüdern in Lankwitz. Zufällig sah er durch ein Fenster vom Vorgarten aus seine frühere verlassene Braut in der Wohnung. Er klingelte trotzdem an der Wohnungstür. um etwas abzugeben. In demselben Moment trat die Verlassene auf ihn zu und fragte ihn, was aus ihr werden solle. Als Antwort hob der Angeklagte den Stock in die Höhe und sagte zu ihr:„Belästigen Sie mich nicht, onst schlage ich Ihnen den Schädel ein". Fräulein K. rief daraufhin der neuen Braut ihres Verführers die Worte zu:„Eine Unglückliche warnt sie, Ihnen wird es genau so gehen wie mir, denken Sie dann an mich". Der Angeklagte hob nochmals den Stock in die Höhe und drohte ihr den Schädel einzuschlagen.— Auf Grund dieses Vorfalls erstattete Fräulein K. gegen Löscr Strafantrag. Vor Gericht be- 'tritt der Angeklagte, jene Aeußerungen getan zu haben und ließ durch Rechtsanwalt Bahn einen Entlastungsbeweis antreten._ Die Augenzeugen des Vorfalls bekundeten dagegen, daß L. tatsächlich jene Drohungen ausgestoßen habe. Der Staatsanivalt beantragte zwei Wochen Gefängnis. Der Gerichtshof führte aus, daß es nicht Sa che des Gerichts sei, das Verhalten des Angeklagten gegenüber seiner früheren Br au t von der moralischen Seite zu beleuchten. Mit Rück- ficht auf seine bisherige Unbescholtenheit sei eine Geldstrafe von 2 9 M. ev. vier Tage Gefängnis eine angemessene Sühne. Die Zurückhaltung des Gerichts in seinem moralischen Urteil gegenüber diesem Ehrcnmanne wirkt um so merkwürdiger, als in politischen Prozessen gegen sozialdemokratische Redakteure und streikende Ar- beiter die Herren Richter häufig sehr überflüssigerweise und nicht selten in beleidigender Form in der Urteilsverkündung ihrer königlich preußischen Klassemnoral präzisen Ausdruck geben. Durch jugendlichen Uebermut.ist ein schwerer Unglücksfall her- beigeführt worden, der gestern die dritte Ferienstrafkammer des Land- gerichts I beschäftigte. Wegen schwerer Körperverletzung mußte sich der 16jährige Schulknabe Karl Schüller verantworten. Der jugendliche Angeklagte wohnte bei einer Verwandten, bei welcher das 16jährige Dienstmädchen Marie Paucka in Stellung war. Zwischen dem Angeklagten und der P. kam csT häufig zu kleinen harmlosen Plänkeleien und Kindereien, die immer zu einer allge- meinen Versöhnung führten. Am 16. Jamiar d. I. war die P. da- mit beschäftigt, einen Hasen zu spicken. In dieser Beschäftigung wurde sie fortwährend durch den jugendlichen Angeklagten gestört. der sie auf alle möglichen Arten zu necken versuchte. Als er schließlich die Spicknadel ergriff, um selbst den Hasen zu spicken, erhielt er von der P. ein? leichte Ohrfeige. Aergerlich hierüber, ergriff der jugendliche Angeklagte die Spicknadel und schleuderte sie nach dem Gesicht des Dienstmädchens. In demselben Moment ertönte ein gellender Schrei, die Spicknadel ragte aufrecht aus dem rechten Auge der P. heraus. Das Auge lief sofort aus, nachdem sich die Be- dauernswerte im rasenden Schmerz die spitze Spicknadel herausgerissen hatte. Die Verletzte wurde sofort nach der Augenklinik geschafft, wo ihr der Rest des Augapfels entfernt wurde. Zurzeit muß sie ein Glasauge tragen. Der Staatsanwalt beantragte Wege» schlverer Körperverletzung einen Monat Gefängnis. Ter Gerichtshof hielt dem Angeklagten die jugendliche Unüberlegt- heit zugute und erkannte auf zwei Wach e n G e s ä n g n i s. Vermiscktes. Erdbeben in Leipzig. Ei» Erdbeben, daS sich in einem oder mehreren kräftigen Stößen in der Zeit zwischen 4 Uhr 29 Minuten und 4 Uhr 26 Minuten Donnerstag morgen bemerkbar machte, ist, wie das„L. T." berichtet, in Leipzig und den Vororten konstatiert worden. Tie Mehrzahl der aus dem Schlaf Gewecklen stand unter dem Eindruck, daß ein schwerer Lastwagen auf der Straße fuhr, unter dessen Wucht die Fenster zitterten und die Häuser bebten. Andere hatten die Eni- pfindung, daß hart an das Bett gestoßen worden oder daß im tiefer liegenden Stockwerk eine dunipfe Explosion erfolgt sei. In mehreren Wahnmigeii klirrten ganz vernehmlich Gläser auf den Büfetts und Tassen in den Küchenschränken, ans Bücherregalen fielen Bücher um, auf Schreibtischen klappten Briestaschen und aufgestapelte Ma- nuskripte auseinander. Dort, wo man sich dessen bewußt wurde, daß es sich um ein Erdbeben handele, standen die Menschen ans und machten Licht. In ganzen Etagen- reiben wurde es so lebendig. An den Fenstern erschienen die aus dem Schlaf Geschreckten mir verstörten Gesichtern und mehr oder weniger unvollkommener Nachtgclvandung. Hier und da eilten auch die Leute auf die Straße, nm zu sehen, ob ein Unglück geschehen, ein Einsturz erfolgt sei. Erst allmählich trat wieder Beruhigung ein. Es sollen Kohlenhnnfen hier und da zusammengerutscht sein— eigentliche Unglücksfälle sind bisher nicht gemeldet worden. Leider konnte die für Leipzig recht seltene Erscheinung wissenschaftlich nicht beobachtet Iverden. Der Assistent, der in der königlichen Geologischen Landes- anstalt das Seismomcter beobachtet, ist verreist, der Apparat selbst aber erwies sich für die ungewöhnliche Schwankung als zu schwach. Ein Erdbeben in Persien würde er mit größter Genauigkeit registriert haben, für eins in Leipzig aber war er nicht eingerichtet. Er verlor bei der Erschütterung zwei Stifte, gerade die� beiden Schreibstifte, und so konnte er im Uebermaße der Erschütterung überhaupt nichts registrieren.— Gleichzeitig wird aus Göttingen gemeldet, daß die Apparate des geophysikalischen Instituts gestern ein neues starkes Fernbeben von etwa zehn Minuten Dauer ver- zeichneten. Die Stärke der Erdschwingungen übertraf alle früher registrierten und verlief spiralförmig von Süden nach Norden. Die Entfernung des Erdbebens ist noch unbekannt. Das Automobil. Die„Jugend" besingt die Münchener Auto» mobilwoche im folgenden Schüttelreimen: Schon seh' ich fern die UnHeilstätte winken, Wo die Vehikel um die Wette stinken, Wo Huhn und Gans sie an zu hetzen fangen, Daß an dem Rad nur so die Fetzen hangen. Ich seh' die unglücksel'gen Schinderkarren, Wie in den Staub sie Greis' und Kinder scharren. Doch weh dem Autler, den der Rappel peinigt, Daß er den Weg von Birk' und Pappel reinigt, Bis er in seines Karrens Trümmern kauert Und dort mit resigniertem Kümmern trauert? Beim Spiel erschossen. In Gieboldehausen schoß der sieben» jährige Sohn des Chausseearbeiters Wustefeld seine zweijährige Schwester mit einem Revolver durch die Brust. Die Kinder waren von den Eltern allein zu Hanse gelassen worden. Nachbarsleute hörten den Schuß und fanden die arme Kleine im Blute schwimmend. Zwei Touristen veniiizliickt. Infolge Sturze? von Eisblöcken am Montblanc wurden zwei deutsche Touristen, Frisch aus Heilbronn und Müller ans Baden, die in Genf Wohnung genommen hatten, getötet. Die Leiche Frischs ist bereits gefunden worden. W-z- 0,65 Meter.__ Redakteur: Pauf Büttner. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u7 Perlag? Vorwärts vuchdrnckerei Berlagsanstalt Paul Smger 8t Co,, Berlin S» ßnefhaften cler Redahtton. H. 9JI. Post 87. Schwer zu beantworten, weil die Bewegung in den Ansängen steckt. Näheres vielleicht durch Frau Wcstphal, Wilmersdorf, Uhiandstr. 42. Vielleicht auch mit Vorsicht durch den„Bund Berliner Grund- befihee", Geschäftsstelle Burgstr. Id.— Auch Sekretariat der Geiverlschasts- kommission,(ingcl-Uscr 16.— R. lttlt. 1. Acrztc wie auch Spezial- ärztc empfehlen wir nicht, so wenig wie Juristen und Akademiker anderer Art. 2. lieber Klinik lesen Sie das Erforderliche selbst nach im Berliner Adresibuch, Teil ll, S. 143.— M. 3. Auguststr. 14— IC, Sprechzeit: Mittwoch, Sonnabend, Sonntag 3—4 Uhr. Näheres an Ort und Stelle.— �winglistr. Nt. Mit„t".— M. Z. I. Wenden Sie sich an das ureau der Schnciderorganisation. Köpnickcrsw. 32.— H. B. 24. Ant» wort durch das Bureau der Organisation der Holzarbeiter, Engel-Uscr 15, hier. M. T. 12. 1. Im Kursbuch nachlesen. Liegt in jedem Postamt aus. Ohne die Landessprache recht schwer. 3. Zur Orientierung lesen Sie in dem Lexikon einer Lescballe oder Bibliothek die Artikel„Dänemark", „Skandinavien" usw. nach. Selbständigkeit gehört nicht nur zum Reisen, sondern viel mehr noch zum Leben.— Gprec. 58. 1. Ja. Zwei Einjährige. 2. Geficitcnkilöpse. Das übrige ist kindliches Märchenwerk.— Kaiser Friedrich. Können wir nicht scststellcn. Vielleicht finden Sic eine passende'Adresse unter„Münzwejcn". Berliner Adreßbuch, zweiter Band, Teil IV, Seite 236. Höherer Wert übrigens ganz ausgeschlossen. Furiftircher Ceü. Sie jiirlstisckie Sprechstunde findet täglich niit Zlusnahme des Sounabeuds von?>/, bis lt>/, Ilhr statt. Geöffnet! abendS 7 Uhr. X. K. Sosern die Statuten nicht andere Vorschriften enthalten. gelten Sie mit Recht als ausgeschlossen und wäre eine Beschwerde zwecklos. — K. 2. 999. Nach fünf Jahren kann abermals Leistung des Offen- barungscldcS begehrt werden.— A. M. III. Ist nichts anderes ver- cinbart. so beträgt die Kündignngssrist bei Darlehen über 300 Mark drei Monate. Es kann also am 15.«cptember zum 15. Dezember, nicht nur um OuarialSschluß, gekündigt werden.— R. K.. Elding. t. und 2. Ja. -er Bescheid entspricht den gesetzlichen Vorschriften.— Z. Bö. 40. Sie könnten aus Ersatz des Verauslagten klagen. Hat das Kind direkt geklagt, so ist an dieses(dessen Vormund) zu zahlen.— Siedschlag. Ja.— W. SP. 100. Eine Unfallrente, die mehr als 15 Proz. beträgt, darf nicht kapitalisiert(durch eine einmalige Abfindung) ausgezahlt werden.— G.®. 25. 1. Die Herrschaft kann den Arzt bestimmen. 2. Nein. 3. Für Kur-»nd Pficgctostcn kann der aus die Krankheitszeit fallende Lohn gegen- gerechnet werden.— F. X. Der Antrag aus Invalidenrente ist an den Magistrat, Abteilung für Invalidenversicherung, Arn Köllnischen Park, zurichten. Berliner Sltarktpreise.(Ermittelt vom Polizei-Präsidinm.) Weizen, gute Sorte. 1 Dz. 17.«>(16,96), mittel 16,32(16,88), geringe 16,84 (16,89). Roggen, gute Sorte 14,95(l4,3I), mittel 14,37(14,83), ge» ringe 14,79(14,75). Ab Bahn. Futtergerste, gute Sorte 15,49(14,69), mittel 14,50(13,80), geringe 13,70(13,00). Haser, gute Sorte 16,50 (l5,60), mittel 15,50(14,60), geringe 14,50(13,60). Frei Wagen und ab Bahn. Richtstroh 1 Dz. 0,00(0,00). Heu, neu, 0,00 10,00). Erbsen, gelbe, zum Koche» 40,00(30,00). Spcisebohncu. wcisic 50,00(30.00), Linsen 60.00(30,00), Kartoffel» 8,00(4,00). Rindfleisch, von der Keule, 1 Kilo. gramm l,80(1,40), Rindfleisch, Bauchflcisch 1,50(1,20), Schweinefleisch 1,80 (j ,40), Kalbfleisch 2,20(1,20), Hammelfleisch 1,80(1,40), Butter 2,80(2,20), Eier(60 Stück) 4,40(3,00). Karpfen, 1 Kg. 2,40(1,40), Aale 3,00(1,50), Zander 3,50(1,40), Hechte 3,00(1,40), Barsche 2,40(1,00), Schleie 3,00 (1,40), Bleie 1,60(0,80), Krebse(60 Stück) 20,00(3,00). eSitternugSiiderNckit Horn 18. August 1905, morgeuv 8 Ilhr. Stationen S S g>— 767 .= c a? Welter Swinemd« Hamburg Berlin Frauks.a.M.�765 O München Wie» SO 765 NO 766 SO 765 SO >764' Still 3 wolkenl 3 halb bd. 2 heiter 2 wölken! 2 bedeckt — bedeckt dsK s? H& Stattonen £ 6 ü 2 Sa a 5 e>~ .= H Haparanda 764 Petersburg! 761 Scilly Aberdeen Parts NO NW 753 ZW 752 SSW 76-1 S Wetter 4 wölken! 2 wolkig 4 wolkig 3 bedeckt 1 heiter S5 --Ä » u g? H3t 12 13 16 13 16 BSetter.Prvgnoie für Sonnabend, de» 19. August 1995. Etwas wärmer, trocken und ziemlich heiter bei mätzigen südlichen Winden. Berliner Wellerbureau. Wasserstand am 17. August. Elbe bei Aussig+ 0,03 Meter, bei Dresden— 1,30 Meter, bei Magdeburg+ 1,50 Meter.— N n st r u t bei Strautzsurt+ 1,00 Meier,— Oder bei Ratibor 0,69 Meter, bei Breslau Obcrpcgcl+ 4,56 Meter, bei Breslau Nntcrpegcl— 1,82 Meter, bei Franksurt-f 1,08 Meter.— Weichsel bei Brahemüude 4- 2,24 Meter.— Warthe bei Posen ff- 0,04 Meter.— Netze bei Usch