Nr. 194. RbonnemcntS'Bedtngnnsen: Abonnements- Preis pränumerando i «ierleljährl. 3,30 Ml, monolL 1,10 Ml. WSch entlich 26 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer B Pfg, Sonntag«. nummer mit illustrierter Sonntag«. Beilage.Die Neue Weif 10 Pfg, Post- «bonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung«. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn i Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. SS. Jahrg. CildKlBt äaUdi außer tQootaat. Vevlinev VolkcsblÄkk. Die TnlertlonS'GebflDr beträgt für die fechSgefpaliene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und VersammlungS-Anzeigen 25 Pfg. „Kleine Hnzeigen", das erste(fett« gedruckte) Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bi« 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: „Soiiallleioolirat Berlin". Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte« Deutfchtands. Redahtion: 8Rl. 68, Lindenstrasee 69, Fernsprecher: Nmt IT, Nr. 1983. Kugeln für die Reichsduma. Am 19. August 1995 hat der Zar dem russischen Reiche eine Verfassung gegeben! Rußland rückt in die Reihe der Verfassungs staatcn ein! Ein weltgeschichtliches Dokument ist veröffentlicht I So liest man in bürgerlichen Blättern als Einleitung zu den langen Urkunden über die Einberufung einer Reichsduma. Weltgeschichtlich sind diese Dokumente allerdings insofern, als fie den Anfang vom Ende bedeuten! Wer noch etwa wähnte, die Selbstherrschaft lasse sich Konzessionen abtrotzen, der ist für immer von diesem Wahn geheilt. Auch der wasserdünnste Liberale findet in diesem Ukas keinen Schimmer einer Verfassung. Der Zar hat in Wahrheit am 19, August 1995 die Revolution erklärt. Er hat die Verfassimg verweigert. Er hat befohlen, Ruß- land aus der Reihe der modernen Staaten für immer und alle Zu- kuuft zu streichen. Er hat die Verfassungsfordcrungen des ganzen russischen Volkes durch ein niederträchtiges Schelmenstück, in dem jedes Wort ein boshafter Witz einer hämischen und sich noch immer allgewaltig fühlenden Bureaukratie ist, verhöhnt. Dieser vermeintliche Verfassungsentwurf ist ein toller Zarenspaß, eine blutige Verhöhnung Rußlands. Die Kugel ist für die Selbstherrschaft immer das erste und letzte Wort. Ließ der Zar bisher auf Wehrlose, auf Weiber und Kinder schießen, so sendet er jetzt seinem teuren Volk der Russen diese symbolischen Wahlkugeln für die Reichsduma. Und die Revolution wird den frechen Hohn austiehmen: Kugeln für diese Duma I Wer die nachfolgend im Wortlaut wiedergegebenen Manifeste sorgfältig durchliest, der wird glauben, daß die Urheber dieser Schrift« stücke nicht nur die Verfassungswünsche des eigenen Volkes parodieren wollten, sondern auch eine Karikatur auf die Verfassungen deutscher Einzelstaaten leisten wollte»! in der Tat wird durch manche der bos« Haft witzigen Einzelheiten auch das System der reichsdeutschen Reaktion (Preußen, Sachsen. Hamburg, Lübeck usw.) mit getroffen: In dem Zerrbild können wir unsere eigene Schande besonders deutlich und empfindlich erkennen. Fragt man nach Sinn und Zweck dieser Manifeste, so gibt es nur eine Deutung: Betrügen, täuschen, verwirren läßt sich kein Russe durch diesen Akt zarischer Gnade und pfäffisch-bureaukratischen UebermutS. Was wollte man also? Die Aufklärung gibt das folgende, dem„Verfassungsukas" auf dem Fuße folgende Tele- % gramm: Petersburg, 19. August. Die Blätter melden aus Moskau: Der' neue Gencralgouverneur Durnowo richtete beim Empfang der Semstwovertreter an diese eine Ansprache, in welcher er darauf hinwies, daß er viele Fingerzeige, welche die Semstwos in ihren Sitzungen auf Grund des Reskripts vom 3. März gegeben hätten, in seinem Entlvurf für die Reichsduma berücksichtigt und ihm zugrunde gelegt habe. Mit Veröffentlichung des Manifestes ani 19, August seien alle«11 erwähnten Reskript enthaltenen Ver« sprechungen als erfüllt zu betrachten. Die den ScmstwoS durch dnS Reskript gewährten Rechte verlören nach der Veröffentlichung des Manifestes ihre Kraft. Durnowo fügt hinzu, von nun ab körnte er tu Moskau keinerlei Privatkonfcrenz des Semstwokongreffes mehr gestatten, da die Staatsrcformfrage als erledigt zu be- trachten sei. Das ist der Zweck der infamen Poffe: Die neue„Verfassung" soll die bisherigen Rechte deS nissischen VolkcS noch mehr einschränken, sie will vor allem die allzu radikal gewordene Bewegung der Sclbstvcrwaltnngsz- Körperschaften, der ScmstwoS beseitigen, die ja neuerdings das Recht erhalten hatten, daß nun durch die„Verfassung" wieder beseitigt wird, die Staats- grundsetze zu erörtern. Die„Verfassung" bedeutet nichts als die Unterdrückung der schon cxistirendcn Keimzellen eines aus eigenem Recht erwirkten verfassungsmäßigen Lebens; sie ist ein Gesetz gegen die SemstwoS, deren gefährliche Tätigkeit durch die Schaffung eines lächerlichen Zarenpopanz ausgerottet werden soll I So geht die„Verfassung" nicht vorwärts, sondern drängt rück- wärts l— So öde die Lektüre des Zarenmanifestes ist, sie ist doch nicht wertlos. Mit welch ausgemachter Tücke werden doch in diesem Meisterwerk eines gaunerhaften, unbelehrsamen Zarismus die erst ganz annehmbar scheinenden Bestimmungen in sich aufgehoben I Der Zar gibt eine Verfassung— aber die Selbstherrschaft bleibt unerschüttert. Die Verfassung gilt für das ganze Reich— aber Finnland, Polen, der Kaukasus, die Nomaden und„fremden Untertanen" (Juden?) sind ausgenommen. Die Verfassung will die Solidarität des Zaren mit dem Volke befestigen— aber sie gewährt dem Volke kein einziges der staatS- bürgerlichen Grundrechte. Die Verfassung schafft eine Volksvertretung— aber darüber Wird als entscheidende erste Kammer der Reichsrat gesetzt, die aus den Kreaturen des Zaren besteht. Die Volksvertretung soll an der Gesetzgebung teilnehmen— aber sie hat nur beratende Stimme, und kann nichts beschließen. Das Parlament darf alles vor fein Forum ziehen— aber es darf keine Gesetzentwürfe anregen, keine Anträge stellen, welche die „Grundlagen der.Staatsordnung" verletzen, d. h. welche eine Ver- faffung erstreben. Eine Verfassung, welche gesetzlich festlegt, daß keine Verfassung erlaubt sei I Ein Parlament, das nur das Recht hat. kein Parlament fein zu dürfen! Die Volksvertreter sind immun— aber sie sind haftbar für alle Amtsüberschreitungen. Die Mitglieder haben Rede- und Meinungsfreiheit— aber sie werden schon bestraft, wenn sie etwa Rede- und Meinungsfreiheit für das Volk fordern; denn das wäre eine Verletzung der Staats- grundsätze. Die Sitzungen sind öffentlich— aber der Präsident kann die Oeffentlichkeit ausschließen, wenn ein Minister es wünscht. Die Presse ist zugelassen— aber der Präsident kann sie ausschließen. Die Volksvertreter sind für fünf Jahre gewählt— aber sie können nicht nur willkürlich ausgeschlossen werden, sondern gehen sogar ihres Mandats verlustig, wenn ihr Besitz unter den Zensus sinkt. Die Duma hat alle Gesetzentwürfe der Regierung zu prüfen— aber wenn die Beratung dem Zaren zu lange dauert, so entzieht er einfach dem Parlament die Beratung. Das Parlament muß bestehen— aber Väterchen kann es nach Belieben auflösen und braucht in die Auflösungs-Ordcr nur das Datum hineinzusctzen, wann er die Neuwahlen wünscht: Nach einem Jahrhundert etwa. In dieser Weise geht das Spiel endlos fort. Und wer darf wählen? Die Städte können insgesamt nur 28 Vertreter entsenden— ein gewaltiger Rückschritt gegenüber den heutigen Semstwos. Die Wahl ist indirekt, geht über eine Wahl- Versammlung und ist mit dem Kugel„geheimnis" behaftet. Das ganze Proletariat, das ganze Kleinbürgertum, die fast allgemein mittellose Intelligenz ist ausgeschlossen. Ein ungeheurer Zensus ist Bedingung. Man muß Hausbesitzer sein, mit hohem Ertrag: die Bordcllwirte werden wählen können, wie das freilich auch in deutschen Hansastädten Uebung ist. Das ist das historische Ereignis: Eine Verfassung, welche jede Verfassung unmöglich machen soll! Ein Parlament, das von der Willkür des Zaren und des Strafrichters abhängig, keinerlei Macht und Einfluß hat. Wahlen, bei denen niemand wählen kann! Dermaßen ist das Manifest des 19. August ein schamloser Gassenhauer des Zarismus und ein Sturmlied der Revolution, die kein Zögern mehr kennt!- » �» Der„Verfassungs- Ukas". Petersburg, 19. August. Ein an den Senat gerichteter Nkas vom heutigen Tage ordnet die Veröffentlichung eines kaiser- lichcn Manifestes sowie von Bestimmungen betreffend die Schaffung einer Reichsduma an und verfügt zugleich mit Rücksicht darauf, dasi alle Fragen, welche sich auf die Vervollkommnung des Rcgierungs- fystems beziehen, der Duma vorgelegt werden müssen, die Aufhebung des dieselbe Frage behandelnden Ukas vom 3. März 1995. »* Die unerschütterliche Selbstherrschaft. Das Manifest des Zaren. Petersburg, 19. August. Der Kaiser hat folgendes Mani- fest erlassen: Das russische Reich ist gebildet und gefestigt durch die un- erschütterlichc Solidarität des Kaisers mit dem Volke und des Volkes mit dem Kaiser. Eintracht und Einigkeit des Kaisers und des Volkes sind die große moralische Kraft, die Rußland im Laufe der Jahrhunderte geschaffen und es in allen Unglücksfällen und gegen alle Angriffe beschützt hat und so bis zum heutigen Tage ein Unter- Pfand der Einigkeit, der Unabhängigkeit, der Integrität, des ma- teriellen Wohlstandes und der geistigen EntWickelung für Gegenwart und Zukunft bildet. Durch unser Manifest vom 26. Februar 1993 haben ivir alle getreuen Söhne des Vaterlandes zu innigem Zusammenhalten auf- gerufen, um die Organisation des Staates dadurch zu vervollkommnen, daß wir das innere Leben auf eine solide Grundlage stellten. So- dann haben wir uns bemüht, die durch öffentliche Wahl geschaffenen Einrichtungen mit den bestehenden Regieriingsbehörden in Einklang zu bringen und die zwischen ihnen bestehende Nichtübereinstimmung zn beseitigen, die auf den normalen Gang des Staatslebens in so verhängnisvoller Weise zurückwirkte. Die selbstherrlichen Kaiser, unsere Vorfahren, hatten beständig an dieses Ziel gedacht. Die Zeit ist nunmehr gekommen, ihren guten Absichten nachzugehen und die Abgeordneten des ganzen russischen Reiches einzuberufen, welche an der beständigen und tätigen Ausarbeitung der Gesetze teilnehmen sollen. Zu diesem Zwecke wird den höheren staatlichen Behörden eine besondere beratende Körperschaft zur Seite gestellt werden, welche die Aufgabe hat. die Gesetzes- Vorschläge vorläufig auszuarbeiten und zu beraten und das Staats- budgct zu prüfen. Aus diesem Grunde haben wir für gut befunden. unter Wahrung des GrundgeseNeS betreffend die selbstherrliche Ge- walt, eine Reichsduma einzusetzen und das Reglement für die Wahlen zu dieser Duma zu genehmigen, indem wir die Gültig- keit dieser Gesetze über das ganze Reich ausdehnten, mit einigen Ausnahmen, welche für einzelne Gegenden, für die außergewöhnliche Verhältnisse in Frage kommen, notwendig erschienen. Was die Teilnahme der Abgeordneten des GroßhcrzogtumS Finnland an den Arbeiten des Gossudarstwcnnaja-Duma für die Fragen anbetrifft, die das Kaiserreich im allgemeinen und jenes Landes im besonderen betreffen, werden wir besondere Maßnahmen anordnen. Zu gleicher Zeit haben wir dem Minister des Innern befohlen, uns sofort das Wahlreglement zu den Wahlen für die Gossudarstwennaja-Duma vorzulegen, so daß die Abgeordneten der 50 Gouvernements und der Militärprovinz am Don sich spätestens Mitte Januar 1996 versammeln können. Wir behalten uns vor, dafür zu sorgen, daß die Organisation der Gossudarstwennaja-Duma verpMommnet we.rde, und tveny m Lgufc ihres Bestehens sich die Sxpedilion: 801. 68, Luidenatraeae 69. Fernsprecher: Sluit IT, Nr. 1984. Notwendigkeit zeigen sollte, Abänderungen vorzunehmen, wie sie den Anforderungen der Zeit und dem Wohle des Reiches entsprechen, so werden wir nicht verfehlen, zu gegebener Zeit die nötigen An- Weisungen zu erteilen. Wir hegen die Ueberzeugung, daß die Gewählten, die durch das Vertrauen des ganzen Volkes dazu berufen sind, an den gesetz- geberischen Arbeiten der Regierung teilzunehmen, sich vor ganz Ruß- land des kaiserlichen Vertrauens würdig zeigen werden, durch das sie zur Mitarbeit an diesem großen Werke eingeladen worden sind, und daß sie in vollkommenem Einvernehmen mit den anderen Jnsti- tutionen und Behörden des Kaiserreiches, die durch uns eingerichtet sind, in nutzbringender Weise und mit Eifer an unseren Arbeiten zum Wohle Rußlands unserer gemeinsamen Mutter, zur Stärkung der Einigkeit, Sicherheit und Größe des Kaiserreiches, sowie zur Beruhigung und zum Gedeihen des Volkes teilnehmen werden. Wir rufen den Segen des Herrn auf die Arbeiten der von uns geschaffenen Einrichtung herab und vertrauen unerschütterlich auf die Gnade Gottes und auf die Unfehlbarkeit der hohen gc- schichtlichen Bestimmungen, die durch die göttliche Vorsehung unserem teueren Baterlande vorbehalten sind. Wir hoffen zuversichtlich, daß mit des allmächtigen Gottes Hülfe und durch die vereinten An- strengungen aller seiner Söhne Rußland siegreich aus den schweren Prüfungen hervorgehen wird, die es gegenwärtig durchzumachen hat, und daß es als Macht in der Größe und dem Ruhme seiner taufend- jährigen Geschichte würdig neu erstehen wird. Gegeben Peterhof, 19. August, im Jahre des Herrn 1995 und dem elften Jahre unserer Regierung. Die Staatsduma. � Die Hauptpunkte des Gesetzes über die Einführung der Gossudarstwennaja-Duma, gleichbedeutend mit Staatsduma, sind folgende: Artikel 1. Die Gossudarstwennaja-Duma wird eingesetzt, um in vorläufiger Beratung Gesetzentwürfe durchzuarbeiten, die gemäß den bestehenden Grundgesetzen durch den Reichsrat gehen und der Bestätigung durch den Kaiser unterworfen sind. Artikel 2. Die Gossudarstwennaja-Duma setzt sich aus Mit- gliedern der Bevölkerung des Kaiserreiches zusammen, die gemäß der Sondervorschrift für die Wahlen zur Duma nach den darin ent- haltenen Bestimmungen auf einen Zettraum von 5 Jahren gewählt werden. Artikel 3. Durch kaiserlichen llkas kann die Duma vor Ablauf ihrer fünfjährigen Amtszeit aufgelöst werden; durch denselben UkaS muß auch der Zeitpunkt für die Abhaltung der neuen Wahlen fest- gesetzt werden. Artikel 4. Die Dauer der jährlichen Sitzungsperioden, sowie die Dauer der Ferien werden durch kaiserlichen Ukas festgesetzt. Artikel 5. Die Duma arbeitet im Plenum und in Abteilungen. Artikel 6. Die Duma muß mindestens 4 und darf höchstens 3 Abteilungen enthalten. Jede Abteilung muß aus mindestens 29 Mitgliedern zusammengesetzt sein. Die genaue Zahl ihrer Ab« teilungen und deren Mitglieder setzt die Duma selbst fest. Artikel 7. Um den Beschlüssen der Duma Gesetzeskraft zu ver- leihen, ist es unumgänglich nötig, daß bei im Plenum abgehaltenen Sitzungen ein Drittel, bei solchen, die in, Abteilungen abgehalten werden, die Hälfte aller Mitglieder anwesend ist. Artikel 8. Die durch den Unterhalt der Duma erwachsenden Ausgaben werden aus dcni Staatsschatze gedeckt. Artikel 9. Der Präsident und der Vizepräsident der Duma werden durch diese aus der Zahl ihrer Mitglieder für die Dauer eines Jahres gewählt. Nach Ablauf dieses Zeitraumes können die» selben Personen wiedergewählt werden. Der Präsident erfüllt seine Pflichten bis zur Wahl eines neuen Präsidenten, ausgenommen in dem in Artikel 3 vorgesehenen Falle. Der für das letzte Jahr der Amtsdauer der Duma gewählte Präsident erfüllt seine Pflichten bis zum Ablauf des Lustrums(Jahrfünft). Artikel 19. Der Präsident der Duma hat dem Kaiser seine Bs- richte über die Arbeiten der Duma zu überreichen. Artikel 11. Die Abtcilungspräsidenten werden von jeder Ab« teilung aus der Zahl ihrer Mitglieder auf ein Jahr gewählt. Artikel 12. Fragen allgemeiner Art, die die Geschäftsführung der Duma betreffen, werden in einer besonderen Kommission be- raten, die aus dem Vizepräsidenten der Duma, den Abteilungs- Präsidenten, dem Sekretär und Vizesekretär der Duma unter dem Vorsitz des Präsidenten der Duma zusammengesetzt ist. Artikel 13. Bei der Uebernahme ihrer Obliegenheiten leisten die Mitglieder der Duma einen feierlichen Eid nach der borge- schricbenen Formel. Artikel 14. Die Mitglieder der Duma besitzen unumschränkte Mcinnngs- und Redefreiheit in allen ihrer Machtvollkommenheit unterworfenen Fragen. Artikel 15. Die Mitglieder der Duma können ihre Freiheit nur durch richterlichen Beschluß einbüßen und können wegen Schulden nicht verhastet werden. Artikel 16. Die Mitglieder der Duma können ihr Amt nieder- legen, indem sie diesen Beschluß dem Präsidenten der Duma schriftlich mitteilen. Artikel 17. Jedes Mitglied der Duma geht seines Amtes in folgenden Fällen verlustig: 1. bei Verlust der bürgerlichen Rechte; 2. bei Eintritt in den aktiven Militärdienst oder in ein Staats- amt, mit dem eine feste Besoldung verbunden ist; 3. bei Verlust des Zensus, der das Recht zur Teilnahme an der Wahl gibt. Artikel 18. Ebenso verliert ein Mitglied der Duma sein Mandat in den Fällen, die in dem Wahlreglement zur Duma angeführt sind« Artikel 19. Ein Mitglied der Duma wird zeitweilig von den Sitzungen ausgeschlossen, wenn es vor Gericht gebracht ist wegen Vergehen, die im Wahlreglement angeführt sind oder wegen anderer Verfehlungen, die die Ausschließung von seinem Posten zur Folge haben, ebenso, wenn er insolvent erklärt ist, bis zur Aufhellung der Art der Insolvenz. Artikel 29. Die Mitglieder der Duma sind verantivortl?chi für Bergehen, die begangen wurden wahrend otzcp in BexhMuno Mt der ZlnSiibung ihres Amtes als Mitglieder in derselben Weise und auf derselben Grundlage wie die Mitglieder des Staatsrates. Artikel LI. Die Feststellung des Mandatsvcrlustes für ein Mit- glied der Duma sowie seine zeitweise Ausschlies-ung von den Sitzungen hängen von dem Senat ab. Artikel 2L. Fragen, die dem Artikel 21 nicht entsprechen, werden durch den Präsidenten der Duma dem Senat unterbreitet und in der ersten Senatöabteilung durch einfache Stimmenmehrheit entschieden. Artikel 23. Die Mitglieder der Duma erhalten aus dem Staatsschatz täglich 10 Rubel während der Dauer der Sitzungen, außerdem zweimal jährlich als Reisekosten von ihrem Wohnsitz nach Petersburg und zurück die Summe von 5 jiopeken Pro Werst. Artikel 24. Minister und Rcssortchefs können nicht Mitglieder der Duma werden, doch ist es ihnen gestattet, den Sitzungen beizu- wohnen und in Angelegenheiten, die ihre Dienstzweige betreffen, Aufklärungen entweder persönlich oder durch andere Beamte abzu- geben. Artikel 25. Wenn die im Plenum tagende Duma oder eine Abteilung derselben es für nötig erachtet, von den Ministern oder Ressortchefs Aufklärungen zu verlangen, so sind diese verpflichtet, über die verlangten Punkte Erklärungen abzugeben. Artikel 26— 32 umfassen die Bestimmungen über die Kanzlei und das Sekretariat der Duma. Artikel 33. Der Machtvollkommenheit der Duma werden unterstellt: 1. Alle Fragen, die sich auf die Bstrlage nener Gesetze, sowie die Abänderung, Erweiterung, zeitweise Aufhebung oder gänzliche Abschaffung von bestehenden Gesetzen bezichen. Ferner die Einsetzung, Einschränkung oder Abschaffung von Behörden mit ihren Budgets. 2. Tie Budgets der Ministerien und ihrer Ressorts, das Budget des Kaiserrrick>es, sowie jede Art von Zahlungsanweisungen, die durch ihre Budgets nicht vorgesehen sind. 3. Ter Bericht des Kontrollressorts über die Durchführung dcö Staatsbudgets. 4. Alle Fragen, die Veränhcrung eines Teiles der Staats- einkünfte, welcher Art sie auch sein mögen» betreffe». 5. Staatsgüter. 6. Bau von Eisenbahnen durch den Staat. 7. Gründung von Aktiengesellschaften für den Fall, daß die Gründer den Ausschluß irgend eines der zur Zeit bestehenden Gesetze verlangen. S. Fragen, die durch kaiserliche Spezialerlasse der Duma vor- gelegt werden. Artikel 34. Die Duma hat das Recht, zu veranlassen und aus- zugeben Gesetzentwürfe, betreffend Abschaffung oder Umänderung 'der bestehenden oder Ausgabe neuer Gesetze. Diese Gesetzentwürfe dürfen aber nicht die Grund- lagen der Staatsordnung verletzen, die durch die bestehenden StaatSgrnndgcsetze festgelegt sind. Artikel 33. Die Duma hat das Recht, sich an die Minister und Ehefs der verschiedenen Ressorts zu wenden, um Auskünfte und Erläuterungen zu fordern über Amtshandlungen von Beamten, von denen die Duma glaubt, dajj sie die bestehenden Gesetze verletzt haben. Artikel 36. Angelegenheiten, die bestimmt sind, von der Duma beraten zu werden, werden ihr von den Ministern, den Chefs der verschiedenen Ressorts und dem Staatssekretär unterbreitet. Artikel 37. Die Vorlagen werden zuerst von den einzelnen Abteilungen und dann in einer Plenarsitzung beraten, Artikel 38. In den Plenarsitzungen entscheidet der Präsident der Duma, in den Sitzungen der einzelnen Abteilungen entscheiden ihre Vorstände, ob dieselben öffentlich oder geheim gehalten sein sollen. Artikel 35). Der Präsident der Duma hat das Recht, ein Mitglied der Duma, das die Ordnung stört oder die dem Gesetz schuldige Achtung verletzt, zu unterbrechen; der Präsident hebt die Sitzung für eine Zeit auf oder schlicht sie, Artikel 46. In dem Fall, daß ein Mitglied der Dnma die Ge- schäftsordnung verletzt, kann es von der Sitzung entfernt oder vorübergehend von der Duma ausgeschlossen werden. Dieses Mitglied der Duma wird von der Duma entfernt durch einen Sektionsbcfchluh oder in der Plenarsitzung; von der Sitzung für eine gewisse Zeit wird das Mitglied durch einen Beschluh in der Plenarsitzung aus- geschlossen. Artikel 41. Bon solchen Sitzungen der Duma und der Ab- tcilungen ist die Oeffcntlichkeit ausgeschlossen. Artikel 42. Der Präsident der Duma hat das Recht» den Mit« gliedern der Presse. aber nicht mehr als einem Vertreter eines Blatte?, zu erlauben, den gemeinsamen Sitzungen beizuwohnen, ausgenommen, wenn dieselben bei geschlossenen Türen stattfinden. Artikel 43. Der Ausschluß der Oeffcntlichkeit wird von der Plenarvcrsammlung oder dem Präsidenten der Duma angeordnet. ES steht dem letzteren das Recht zu, die Oeffcntlichkeit in der Plcnar- sitznng in dem Falle auszuschließen, daß der Minister, dessen Macht- befugnis die besprochene Angelegenheit nntcrstellt ist, erklärt, daß diese Angelegenheit ein Staatsgeheimnis in sich schließt. Artikel 44. Die Rechenschaftsberichte aller Plenarsitzungen der Duma tverden durch vereidigte Stenographen versaht und können mit Genehmigung des Präsidenten in den Zeitungen veröffentlicht werden. Ausgenommen sind diejenigen von Sitzungen, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattgefunden haben. Artikel 43. Die Rechenschaftsberichte der Sitzungen, die unter Ausschluß der Oeffcntlichkeit stattgefunden haben, können ganz oder teilweise veröffentlicht tverden. Hierzu ist die Erlaubnis des Präsidenten der Duma erforderlich, wenn die Sitzung unter Ausschluh der Oeffentlichkeit auf seine Anordnung stattfand, oder die des Ministers oder Ressortchefs, auf dessen Antrag die Sitzung unter Aus- schluh der Oeffentlichkeit stattfand, Artikel 46. Ein Minister oder Rcssortchef kann eine von ihm der Duma unterbreitete Angelegenheit zu jeder Zeit während ihrer Beratung zurückziehen. Zur Beratung stehende Angelegenheiten, welche aus der Initiative der Dnma hervorgegangen sind, können von Ministern oder Ressortchefö nur zurückgezogen werden, wenn die Duma in einer Plenarsitzung dem zugestimmt hat. Artikel 47. Als Beschluß der Duma ist die von der Mehrheit der Mitglieder in einer Plenarsitzung kundgegebene Meinung anzu- sehen. In solchem Beschluß muß in bestimmter Form die Zu- stimmung oder die Nichtzustimmung der Duma zu der ihr zuge- gangenen Vorlage ausgedrückt werden. Abänderungen, welche von der Duma an einer Vorlage borgenommen worden sind, müssen in deutlicher Weise angeführt sein. Artikel 48. Gesetzesvorlagen, welche von der Duma beraten worden sind, werden mit dem Beschlüsse derselben dem Reichsrat eingereicht und nach der Beratung durch diesen mit beiden Eni- scheidungen dem Kaiser unterbreitet, mit Ausnahme des in Art. 46 angeführten Falles. Artikel 49. Gesetzesvorlagen, welche mit Zwcidrittel-Mchrheit in Plenarsitzungen der Duma und des Reichsrats abgelehnt worden sind, gehen an den zuständigen Minister zurück, um einer ergänzenden Beratung unterzogen und sodann von neuem unter Zustimmung des Kaisers zur legislativen Beschlußfassung gestellt zu werden. Artikel 56. Sollte der Reichsrat einem Beschlüsse der Dnma nicht zustimmen können, so kann die in Frage stehende Angelegenheit vermöge einer Entscheidung einer Plenarsitzung des Reichsrates einer besonderen Kommisston unterbreitet werden, die sich aus der gleichen Zahl von Mitgliedern der Duma und des Reichsrates zu- sammensetzt. Diese Mitglieder werden in Plenarsitzungen der beiden Körpersck'asten gewählt. Die Kommission, die unter dem Vorsitze des Präsidenten des Reichsrats oder dcS Präsidenten einer der Ab- teilungen des Reichsrats tagt, hat den Zweck, eine Nebereinstimmnng zwischen der Ansickst des Reichsrats und dein Beschlüsse der Duma zu erzielen. Artikel 51, Das von der Kommission ausgearbeiteke W- kommen wird zunächst einer Plenarsitzung der Dnma, dann einer Plenarsitzung des Reichsrats unterbreitet. Wenn eine Einigung nicht erreicht werden kann, würde die Angelegenheit wieder einer Plenarsitzung des ReichsratS unterbreitet werden. Artikel 52, In dem Fall, daß eine Dumasitzung nicht ab- gehalten werden kann, weil eine ausreichende Zahl von Mitgliedern nicht zugegen ist, wird die Beratung der zur Diskussion gestellten Angelegenheit auf eine nächste Sitzung verschoben, welche spätestens nach zwei Wochen stattfinden muß. Wenn nach Ablauf dieses Ter- minS die Angelegenheit wegen ungenügender Anzahl der anwesenden Dumamitglievcr abermals nicht erörtert werden kann, ist der Mi- nister dazu berechtigt, die Angelegenheit dem Rcichsrat zu unter- breiten, ohne daß ein Dumabcschluh notwendig ist. Artikel 53. Wenn der Kaiser findet» daß die Erörterung der der Dnma unterbreitete» Angelegenheit zu langsam vor sich geht, hat der Rcichsrat einen äußersten Zeitpunkt zu bestimmen, bis zu den» der Beschluß der Duma formuliert sein »inß. Wenn die Duma bis zu dem bestimmten Zeitpunkt ihren Be- schluß nicht mitgeteilt hat, kann der Reichsrat die Angelegenheit bc- raten, ohne daß ein Dumabcschluß vorliegen muß. Artikel 54. Anträge auf Abänderung eines geltenden Gesetzes oder neue Gcsetzesvorlagen müssen von den Mitgliedern der Duma dem Präsidenten der Duma schriftlich überreicht werden. Den An« trägen müssen Vorschläge bezüglich der Hauptpunkte der Abänderung oder der neuen Vorlage mit näheren Ausführungen beigefügt sein. Wenn ein solcher Antrag von mindestens 36 Mitgliedern unter- zeichnet ist. stellt der Präsident ihn in der zuständigen Sektion zur Beratung. Artikel 55. Der Tag, an welchem solche Anträge zur Beratung stehen, wird den interessierten Ministern oder Ressortchefs mitgeteilt. Dieselben erhalten eine Abschrift des Antrages mit allen Anlagen spätestens einen Monat vor der Beratung. Artikel 56. Wenn ein Minister oder Ressortchef in Uebcrein- stimmung mit der Duma die Abschaffung, Abänderung oder Ver- öffentlichung eines Gesetzes für nötig hält, übernimmt er es, die gesetzgeberisch« Erledigung der Angelegenheit in die Wege zu leiten. Artikel 57. Wenn ein Minister anderer Ansicht ist die Sektion der Duma und dann auch die Plenarversammlung derselben, sedoch mit Zweidrittel-Mehrheit, dem Antrag zustimmt, so muß die Ange- legcnhcit durch den Präsidenten der Duma dem ReichSrat zugestellt werden, welcher sie dem Kaiser vorlegt. Falls dieser anordnet, daß die Angelegenheit auf gesetzgeberischem Wege erledigt werden soll, wird der zuständige Minister oder Ressortchef mit der endgültigen Ausarbeitung der Vorlage beauftragt. Artikel 53. Eine Interpellation, die auf einer Mitteilung oder Ausführung von Tatsachen beruht, nach denen die Minister oder Ressortchefs oder die ihnen unterstellten Behörden die bestehenden Gesetze verletzt zu haben scheinen, muß durch die Mitglieder der Duma ihrem Präsidenten vorgelegt werden. Es muß darin angegeben sein, welches Gesetz und in welcher Beziehung dieses verletzt zu sein scheine. Wenn diese Interpellation durch mindestens 86 Mitglieder unter» zeichnet ist, so legt sie der Präsident zur Beratung in Pleno vor. Artikel 59. Wenn die Interpellation von der Duma mit Stimmenmehrheit angenommen wird, so wird sie dem betreffenden Minister oder Ressortchef mitgeteilt. Artikel 66. Tie Minister oder Ressortchefö haben spätestens einen Monat nach Mitteilung der Interpellation der Duma ihre Er- klärungen oder Ausführungen vorzulegen oder mitzuteilen, aus wel- chcm Grunde Ausführungen oder Aiitteilungcn unmöglich sind. Artikel 61, Wenn die Mehrheit der Duma, zwei Drittel der Plenarsitzungsstärke, durch die Mitteilung dcS Ministers oder Ressort, chcfs nicht befriedigt ist. so ist die Angelegenheit durch den Staatsrat Seiner Majestät dem Kaiser vorznlegen. Artikel 62. Einzelheiten der inneren Organisation der Duma werden durch diese selbst bestimint. Artikel 63. Die in Frage kommende innere Organisatlon wird durch die leitende Senatsbehörde zur öffentlichen Kenntnis gebracht werten. �• Das Wahlrecht des Zaren. Das Reglement für die Wahlen zur Reichsduma enthält folgende allgemeine Bestimmungen:� Die Wahlen zur Reichsduma finden statt: Erstens in den Provinzen und Territorien, zweltens in folgenden Städten: Petersburg. Moskau, Baku. Astrachan, Warschau, Wilna, Woronesch, Jekaterinoslaw, Jrkutsk, Kasan, Kiew. Kischinew, Kursk. Lodz, Nishny-Nowgorod, Odessa, Orcl, Riga, Rostow am Don, Samara, Saratow, Taschkent, Tiflis, Tula, Charkow und Jaroslaw. In Polen, Sibirien, Kaukasien, Turkestan und einigen Provinzen werden die Wahlen auf Grund von besonderen Reglements stattfinden. Die Anzahl der Dumamitglieder für jedes Gouverne- ment, jede Provinz und jede Stadt ist in einer besonderen Tabelle verzeichnet. Die Gesamtzahl beträgt 412 Mitglieder, von denen 28 durch die Städte gewählt werden. Die Wahl der Dumamitglieder in den Provinzen und Territorien wird von einer Provinzial-Wählervcrsammlung vollzogen, welche zusammengesetzt ist aus: Erstens den�Grund- eigentümern der betreffenden Bezirke, zweitens den städtischen Wählern, drittens den Bevollmächtigten der Amtsbezirke und Stanizen. Die Gesamtzahl der Wähler in jeder Provinz ist in einer besonderen Tabelle verzeichnet, die Wählervcrsamm- liingen zählen IKll Mitglieder in den beiden Hauptstädten, 80 Mitglieder in den übrigen vorher erwähnten Städten. Vom Wahlrecht ausgeschlossen sind Frauen und die Männer unter 25 Jahren, die Zöglinge der militärischen Unterrichtsanstalten, aktive Angehörige des Heeres und der Marine, ebenso sind Nomaden und fremde Untertanen vom Wahlrecht ausgeschlossen. Personen, welche wegen Konkurs- vergehen oder Desertion verurteilt worden sind, nehmen an den Wahlen nicht teil, ebenso die Gouverneure, Vizegouvcr- ncure und Polizeipräfektcn mit ihren Beigeordneten in den Orten, in welchen sie ihr Amt ausüben. Väter können das Recht zu wählen an ihre Söhne abtreten, welche das Recht haben, an den Wählerversammlungen der Grundbesitzer der Bezirke teilzunehmen. Die Minenunternehmcr sind der Anzahl nach in einer be- sonderen Tabelle verzeichnet, ebenso die Inhaber industrieller Etablissements im Werte von miitdestens 15 000 Rubel, und die Mitglieder des Klerus, welche in den betreffenden Bezirken Kirchenländereien innehaben. An den städtischen Wählcrvcr- sammlnngen nehmen teil: Die Personen, welche städtische Immobilien im Werte von 1500 Rubel besitzen, sowie die In- dustricllen der ersten Kategorie. In den am Anfang des Reglements erwähnten Städten nehmen an den Wählerversammlungen teil: Tie Besitzer städtischer Immobilien im Werte von mindestens 3000 Rubel in den beiden Hauptstädten und 1500 Rubel in den anderen Städten, die Industriellen der ersten Kategorie, Personen, welche Stenern auf Mietshäuser der zehnten Kategorie in jedem Bezirk zahlen. Niemand darf mehr als eine Stimme abgeben. Die Wahlen finden statt unter der allgemeinen Aufsicht des Ministers des Innern, der Gouverneure und Polizeipräfekten. Bei den Wahlen in den vorstehend er- wähnten Städten wird in scdem Wahlkreis eine Kommission gebildet, die aus einem Präsidenten und zwei Mitgliedern be- steht, und die durch den Bürgermeister unter den das Wahl- re'cht besitzenden Personen ausgewählt wird. Die Wahl finde? vermittelst geheimer Abstimmung durch Kugeln statt. Die übrigen städtischen und die ländlichen Wahlkreise wählen gleichfalls in geheimer Abstimmung durch Kugeln eine durch besondere Tabelle festgesetzte Anzahl von Mitgliedern in die Duma. Zu Mitgliedern der Duma können nur Personen, die ihr Einverständnis dazu erklären, gewählt werden. Zivil- beamte dürfen eine Wahl nur dann cmnehmen, wenn sie auf ihr Amt verzichten. Man darf sich als Kandidat für die Duma nur in einem Wahlversammlungsorte, gleichgültig ob Stadt oder Land, aufstellen lassen. Zu Mitgliedern der Duma können ferner nur Personen gewählt werden, die der russischen Sprache mächtig sind. poUtileKe dcbcrflcbt. Berlin, den 19. August. Der Aufstand in Dcutsch-Ostafrika. Der optimistischen Meldung, daß die in Dcutsch-Ostafrika ausgebrochenen Unruhen harmloser Natur seien, ist gestern die Hiobspost gefolgt, daß im Hinterland des Bezirks K i l w a ein ernster Aufstand ausgebrochen sei, als dessen erste Opfer fünf Angehörige der katholischen Mission gefallen sind. Dieser neue Aufstand wird als so ernst aufgefaßt, daß der Gouver- ncur um sofortige Verstärkung seiner Macht- mittel gebeten hat. Welcher Art diese Verstärkungen sein werden, darüber weiß, wie gewöhnlich, die„Nordd. Allg. Ztg." noch nichts zu sagen. Dagegen behauptet das Scherl- Blatt, daß Neuformationen einstweilen noch nicht in Aus» ficht genommen seien. Dagegen hätten die in der Nähe von Ostafrika befindlichen Kriegsfahrzeuge den Befehl erhalten, ihren Kurs nach dem Aufruhrgebiete zu richten. Sollten diese Streitkräfte nicht ausreichen, so werde in erster Linie ein Scebataillon nach Ostafrika eingeschifft werden. Der kleine Kreuzer„B u s s a r d", dessen Mannschaften bereits bei den Kämpfen in den Matumbibergen mit- gewirkt haben, werde in erster Linie alle verfügbaren Mannschaften zur Verfügung stellen. Ueber die Kämpfe in den Matumbibergen, die sich ebenfalls im Bezirk Kilwa, unweit des nördlichen Teils der Küste dieses Bezirks, befinden, wird aus London gemeldet: Der Eingeborenenaufstand in den Matumbibergen begann einer Depesche aus Sansibar zufolge mit Angriffen räuberi« scher Stäinme auf die Küstendörfer. Die indischen Händler konnten entfliehen, die Häuser aber wurden geplündert und mehrere Araber sowie ein Deutscher getötet. Major Johannes operiert in zwei Kolonnen von Kilwa und Tohoro ans gegen die Rebellen und hat bereits drei von den Rädelsführer«hänge»lassen. Die Depesche verzeichnet ferner ein unbestätigtes Gerücht, wonach 17 sudanesische Soldaten und zwei deutsche Offiziere gefallen wären. Die„Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet es als nicht aus- geschlossen, daß der Aufruhr im Dondelande und bei Liwale durch flüchtige Matumbileute angeschürt worden sei. Doch scheint diese Annahme nicht ganz wahrscheinlich zu sein, da das neue Aufstandsgebiet mehrere hundert Kilometer vom Matumbigebiet entfernt liegt. Wahrscheinlicher ist es, daß es sich um allgemeinere Erhebungen handelt, teilt das offiziöse Blatt doch gleichzeitig mit, daß auch die evangelische Mission in Mancromango im Bezirk Dar-es-Salaam (im Norden des Bezirks Kilwa) um Hülfe gebeten habe, die ihr auch durch Absendung von Polizeimannschaften berests zu- teil geworden sei. Es scheint sich danach um eine ansgebreitetere Gärung der Eingeborenen zu handeln, die leicht noch an anderen Punkten der ausgedehnten Kolonie aufflammen und der Unter- drückung ungeahnte Schwierigkeiten bereiten kann. An Zünd- stoff dürfte es nicht fehlen. Die weißen Händler haben es auch hier verstanden, sich zum Teil äußerst verhaßt zu machen. Dies beweist die Meldung der„Deutsch-Ostafrikani- schen Zeitung" von» 29. April d. I., die über die Ein- lieferung dreier weißer Händler berichtete, die hunnenmäßig geraubt und bei ihren Beutezügen siebenundvierzig Eingeborene hatten über die Klinge springen lassen l Und nicht nur die Händler, sondern auch die als Hand- werker und Bahnarbeiter importierten Südeuropäer, nament- lich Griechen, haben ihr Teil zur Erbitterung der Eingeborenen beigetragen. Las man doch letzthin ebenfalls in der„Deutsch- O st afrikanischen Zeitung": „Anderseits aber mußte das infolge des Bahnbaues herein- strömende s ü d eur o p äi s ch e Proletariat, heruntergekommen und mittellos, nur zu sehr geeignet sein, aus Not die notivendige strenge Scheidewand zwischen Schwarz und Weiß zu verwischen oder aber, was noch schlimmer ist, die weiße Farbe in den Augen der Eingeborenen verächt- lichzu machen... Sieht man die fortwährenden Exzesse, welche meist von wenig bemittelten Leuten begangen werben, so möchte man im Interesse unseres„Prestige" das Gouvernement doch bitten, mal in die Akten des Gerichts Einsicht zu nehmen, das Bezirksamt bitten, mal die Vorgänge in der Stadt von diesem Standpunkte aus zu betrachten. Wir glauben, daß die Behörde Veranlassung finden wird, auf Grund der dadurch erworbenen Kennwisse bessernde Bestimmungen eintreten zu lassen." Was an Aufreizung durch die weißen Händler und die südeuropäischen Proletarier noch fehlte, das wurde durch die Araber und Inder nachgeholt. Die Zeitschrist„Die deutschen Kolonien" führte in ihren letzten Nummern durch die Feder eines Landeskenners bittere Klagen über das Auftreten der arabischen und indischen Händler, die die Ein- geborenen besonders ausbeuteten und gleichzeitig gegen die Weißen aufhetzten. Dabei genössen diese Elemente noch die höchste Gunst der Verwaltung und fungierten als eine Art von Hülfsbeamtenl Ueber die spezifischen Ursachen des Aufstandes in Kilwa ist bei dem Studium der amtlichen Denkschriften nichts zu ermitteln. Ans der letzten dieser Denkschriften geht hervor, daß im Jahre 1904 gerade dieser Distrikt noch keinerlei Missionsniederlassungen zählte. Die Zahl der Weißen in diesem Bezirk, der 114000 schwarze Bewohner zählte, war überhaupt sehr gering, sie betrug nur 42. darunter zwölf Regierungsbeamte, fünf Schutztruppler und elf Kaufleute und Händler. Dagegen betrug die Zahl der Araber im Distrikt 439, die der Inder 291. Eine ziemlich ausreichende Erklärung für die Empörung der Eingeborenen liefert freilich schon das Prügelsystem der Ver- waltung, das im Bezirk Kilwa nicht weniger als 434 mal in Anwendung kam. Im ganzen Lande wurde im Jahre 1904 nicht weniger als 4783 mal die Prügelstrafe in Anwendung gebracht! Trotzdem hätte im Bezirk Kilwa vielleicht der letzte Anlaß zur Erhebung gefehlt, wenn nicht die katholischen Missionare trotz der Warnung des Gouvernements ihre Reise nach dem unruhigen Hinterland angetreten hätten> Sie haben ihre Unbesonnenheit ja schwer genug gefucht, aber das macht die Tatsache nicht ungeschehen, datz durch den aufdringlichen Ueoereifer namentlich der katholischen Missionare auch hier wieder einmal eine koloniale Katastrophe heraufbeschworen worden ist. die dem deutschen Volke Millionen kostet! Berlin, IS. August. Ein Detachement von S. M. S.„Bussard" unter Oberleutnant Paasche hatte am 18. August bei Lubongwe unweit Wi ü a m m w i l i ein Gefecht mit den Auf- ständischen. Der Feind wurde zurückgeschlagen und floh nach Süden. Agrarische Schweinerei. Die Agrarier greifen zu dem Zweck, die Forderung einer Oeff- mmg der Grenzen für die Vieheinfuhr aus den Nachbarstaaten als völlig unberechtigt hinstellen zu können, zu den unsaubersten Mitteln. In der letzten Donnerstagsnummer veröffentlichten wir einen Aus- zug au» einem höhnischen Artikel der ultramontanen„Rheinischen Volksstimme', in welchem diese unter Bezugnahme auf eine Preis- Enquete des schlesischen Bauernvereins den Nachweis zu führen suchte, das; die Bauern von den hohen Fleischpreiscn keinen Nutzen haben, sondern der Profit von den Schlächtern und Viehhändlern eingesteckt wird. Wir erklärten schon damals auf Grund einer kurzen Verglcichung der Preisangaben der von der Leitung des schlesischen Bauernvereins aufgestellten Tabelle, daß diese total wertlos sei, da in ihr jegliche näheren Angaben über die Art und Qualität des zum Berkauf stehenden Viehes fehlten. Wie sich jetzt herausstellt, hat man jedoch nicht nur. um den Nachweis der Unrichtigkeit zu erschweren, auf jede solche Spezifikation wohlweislich verzichtet, sondern die Preisangaben für die einzelnen Ortschaften beruhen auch zum Teil auf bloszer Erfindung. So schreibt z. B. die Neuroder Fleischerinnung: In Nr. 388' der„Schlesischen Volkszeitung" vom 14. d. M. wird in Sachen der Fleischnot über das Resultat einer Umfrage des Borstandes des Schlesischen Bauernvercins berichtet. Dort heißt es unter anderm:„Im Kreise Neurode werden für Kälber Sl) bis SV Pf. pro Pfund Lebendgewicht und für Schweine 70 Pf. pro Pfund Schlachtgewicht gezahlt. Angebot und Nachfrage gleichen sich aus. Händler bringen schweres Vieh aus Breslau zu annehmbaren Preisen." Diese Angaben sind sämtlich durchaus un- wahr. Für Kälber müssen die hiesigen Fleischer 38 bis 42 Pf. pro Pfund Lebendgewicht und für Schweine 75 bis 78 Pf- pro Pfund Schlachtgewicht bezahlen. Es ist sehr viel Nachfrage, aber absolut kein Angebot in brauchbarer Ware vorhanden. Es ist aber selbst zu den von uns an- gegebenen Preisen nur sehr wenig und nur in sehr minder- werttger Ware zu bekommen, so daß die meisten hiesigen Fleischer seit etwa Jahresfrist ihren Bedarf an Schweinen und Kälbern hundert Kilometer weit und darüber herholen müssen. Wenn die Berichte aus den anderen Kreisen Schlesiens ebenso tendenziös ent stellt sind, wiederBericht aus unserem Kreise, dann darf man sich nicht wundern, wenn amtlich dieFleisch- not be st ritten wird. Neurode, den 18. August 1005. Namens der Fleischerinnung Anton Haussen, Obermeister. Auch die Breslauer Fleischerinnung bestreitet die Richtigkeit der Preistabelle des schlesischen Bauernvereins und beruft sich' für Breslau auf die offiziellen Notierungen des dortigen ViehmarkteS. .Zu dem Preise, den der Bauernverein angegeben hat," erklärt sie, .ist nicht einmal die allergeringste Ware auf dem BreSlauer Viehmarkt zu haben." Junge Schweine würden jetzt schon unreif geschlachtet und zwar von 80 Pfund Lebendgewicht an. Die Provinz Schlesien sei mit Schlachtvieh aus- verkauft. Die Landwirte wüßten, daß die Viehhändler und Fleischer jeden geforderten Preis zahlen müßten. Sogar magere Mutter- fchweine würden bereits zum Schlachten verlauft. Dcutrcbce Reich. Eine Bitte um Zuwendungen. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt in Sperrdruck folgende Notiz: Seine Majestät der Kaiser und König bitten, anläßlich der im Winter bevorstehenden Feier der silbernen Hochzeit des Kaiser paareS von der Darbietung irgendwelcher persönlicher Geschenke freundlichst abzusehen. Dagegen werden eS Ihre Majestäten mit Freuden und Genugtuung begrüßen, wenn Private, Vereine und sonstige Körperschaften das Familienfest im Kaiscrhause alS Anlaß benutzen wollen, um Zuwendungen und Stiftungen zu nationalen, wohltätigen und sonstigen gemeinnützigen Zwecken zn machen. Der positive Teil dieser Bekanntmachung hebt die Wirkung des negativen Teiles auf. Der Verzicht auf persönliche Geschenke wird der Bitte um gemeinnützige Zuwendungen vorausgeschickt. Der 10-Millionen-Fonds, den Henckel von DonnerSmarck zu der Erhaltung der Lebensfreude im Offizierkorps sammelt und ähnliche Kollekten gehören natürlich unter die öffentlichen Zuwendungen. Auch die Mirbachsche Kirchenmosaik-Sammlung gehört unter diese Kategorie. Der Betrieb Mirbachs und DonnerLmarks wird nun mächtig blühen!—_ Onkel und Neffe. Der Geheimrat Paasche. der zweite Vizepräsident des Reichs- tages, hat sich nach Dentsch-Ostaftika eingeschifft, und wir erfahren. daß er durch„den Herrn Reichskanzler mit ausgezeichneten Empfehlungen" allsgestattet worden sei. Dieser industrielle Professor, der sich um den Kurs der Zuckeraktien so hohe Verdienste erworben hat, genießt also, von seiner Heiligkeit ganz abgesehen, daS ganze Vertrauen des Reichskanzlers. Und dieser Vertraute deS Reichskanzlers erklärte in Kreuznach am 4. Januar 1005, wie wir heute noch einmal feststellen wollen— nach einem genauen Stenogramm und in lieber- einstimmung mit den sofortigen Niederschriften anderer Versammlungsbesucher— das Folgende: „Ich kann Ihnen versichern, daß wir in den letzten Wochen einer großen Gefahr kriegerischer Berwickelungen mit England näher waren, als eS sich viele träumen ließen. Gottlob gelang es unserer Diplomatie, die Gefahr geschickt, wenn auch mit Schwierigkeiten, zu beseitigen." Vielleicht war Herr Paasche allzu voll des heiligen Flotten- geisteS, als er dies Ungeheuerliche offen ausplauderte. Die „N. A. Z." zog damals jedenfalls nicht mit Lüge und Schwindel gegen die Enthüllung los. Ein Ohrenzeuge der Versammlung, der den Satz sofort nieder- schrieb, teilt uns die Wendung in der folgenden Form mit: Er(Paasche) sei ja auch nur ein gewöhnlicher Parlamentarier, aber er könne öfters hinter die Coulisien schauen; deshalb könne er versichern, daß wir noch kurz vor Weihnachten einer großen Ge- fahr kriegerischer Verwickelungen mit England näher waren, als sich viele träumen ließen. Als Herr Paasche merkte, was er angerichtet, versuchte er dann eine Ableugnung in der Form, daß er einem Leipziger Ansfrager erklärte, er habe gewiffe angebliche Aeußerungen nicht gemacht—, und dann dementierte er Worte, die in den? stenographischen Zeitungs- bericht gar nicht enthalten waren. Bestraft aber für die Paaschesche Enthüllung wurde der— Berichterstatter des Kreuznacher Lokalblattes, weil er sich als allzu wahrheitsliebend bewährt hatte; der Mann war für einen von Paasche vertretenen Wahlkreis nicht brauchbar, er wurde entlassen. An jenem Konflikt selbst zweifelt heute kein Mensch mehr. Aber die Ursachen? ES ist Zeit, daß daS Volk dem Spiel mit dem Feuer ein Ende bereitet I_ Zentrum und Fleifchnot. Der agrarische Standpunkt, den die „Köln. Volksztg." gegenüber der Flcischtcuerung einnimmt, findet, wie unS aus Köln geschrieben wird, auch in der dortigen katholischen Bevölkerung vielfach entschiedene Verurteilung. Der Obermeister der Kölner Schweinemetzger-Jnnung, ein„durch und durch" ultra- montaner Mann, ist in die sozialdemokratische Protcstversammlung gegangen, um sich auf den nämlichen Standpunkt zu stellen, wie die sozialdemokratischen Redner, und andere Jnnungsmitglieder haben das Zentrum direkt angegriffen. Auch hat die Kölner Wirte- Innung, in ihrer großen Mehrzahl Zentrumslertie, Stellung zur Fleischtcucrung genommen und Abhülfe gefordert. Jetzt hat eine Anzahl von Kölner Zentrums-Stadtverordnetcn den Antrag gestellt: „Die Stadtverordneten-Versammlung ersucht den Herrn Ober- bürgcrmeister, eine Eingabe an die zuständige Staatsbehörde zu richten, worin diese gebeten wird, die zur Hebung und eventuellen Einschränkung der bestehenden Flcischteucrung erforderlichen Maß- regeln zu ergreifen, namentlich die Oeffnung der Grenzen für Schlachtvieh unter Wahrung der notwendigen sanitären Rücksichten in Erwägung zu ziehen."— Der Antrag wird auf die Tagesordnung der nächsten Stadt- verordnetensttzung gestellt werden. Es wird sich dann zeigen, wie sich die Gesmntfraktion des Kölner Rathauszcntrums zu diesem Antrage ihrer Mitglieder und zu den Anträgen der sozialdcmokratischsn .Volksversammlungen sowie einzelnen Körperschaften stellt. Die dcvorstchcndcn Kölner Stadtverordnetenwahlen werden wohl einigen Einfluß auf den Gang der Dinge haben, zumal da die Kölner Metzgermeister und Wirte in der zweiten Wählerklasse den Ausschlag zwischen„Liberalen" und„Zentrum" geben können.— Chronik der Fälschungen. Zur Kennzeichnung unseres„maß- gebenden" Regierungsblattes, der„Nordd. Allg. Ztg.", sei festgestellt, daß es noch in seiner Sonntagsnummer die gestern von uns fest- gestellte Fälschung übernimmt, die an den Aeußerungen Bernsteins über die„Anpassung" vorgenommen worden sind. Keines der anderen Blätter, welche die Fälschung übernommen, denkt daran, die Beschuldigung zurückzunehmen. Moral der bürgerlichen Presse!— Die„Freie Deutsche Presse" findet noch immer kein Wort der Verteidigung für ihre beispiellos klägliche Haltung in Sachen der Vndgetverlctzung. Dafür leistet sich das Blatt das abgetakelte Mätzchen, über unsere Verrohung des Tones zu greinen und ans unserem Artikel ein paar drastische Ausdrücke herauszuklauben, die zwar grob gewesen sein mögen, aber gerade deshalb den Nagel auf den Kopf trafen. Mag doch das Blatt gefälligst vor der eigenen Tür fegen! Es ist noch nicht allzu lange her, daß die freisinnige „Bresl. Ztg." dem„Vorwärts" folgende Liebenswürdigkeiten widmete: Gemeinheit, Roheit. Gefühl des Ekels und der Verachtung, gewissenlose und schmutzige Weise, schändet die gesamte Journalistik, moralische Lumpen, schmutzige Hunde, Gesindel, schuldige Halunken. Solchen freisinnigen Schimpsvirtuosen gegenüber sind wir doch die reinen Stümper!— Ein Preßprozeß von prinzipieller Bedeutung wurde am Mitt- woch vor der Strafkammer in Frankfurt a. M. verhandelt. Am 11. Juni vorigen Jahres war gegen den Redakteur der Frankfurter „Volksstimme", Genossen Quint, wegen Beleidigung des Rektors der Volksschule in Bergen, Leutner, verhandelt und der Beklagte zu 250 M. Geldstrafe verurteilt worden. Dern Rektor war im April vorigen Jahres ein kleines Gießkännchcn im Werte von 1ch0 M. abhanden gekommen, und der Missetäter sollte ein 8jähriger Schüler der Volksschule sein. Er wurde von dem Rektor gerufen und von diesem in ein strenges Verhör genommen. Dort hat der Knabe zuerst geleugnet, dann aber auf mehrfaches Zureden zugestanden, das Kännchen genommen zu haben. Dieses Geständnis will er aber nur aus Angst gemacht haben, weil der Rektor mit dem Gendarm ge- droht habe� der ihn inS Loch stecken sollte, und weil der Rektor immer mit dem Stock vor ihm gestanden habe. Für sein Leugnen soll ihn der Rektor derb gezüchtigt haben. Tie hochnotpeinliche Untersuchung der an sich belanglosen Angelegenheit nahm fast den ganzen Vor- mittag in Anspruch. Nach Aussage der Mutter war der Junge infolge der mehrfachen Verhöre furchtbar erregt; sie muhte mit ihm zum Arzt gehen, weil er infolge der Schläge erkrankte. Diese Er» rcgung ist menschlich sehr begreiflich, wenn man hört, daß der Rektor einen Gendarm in die Schule holen ließ und ihn veranlahte, bei den Eltern des Kindes Haussuchung nach dem Gießkännchcn zu halten. Nachmittag schickte er den Jungen heim zu seiner Mutter, sich von ihr 1,80 M. für das Kännchen geben zu lassen.„Der Junge mußte doch eine Strafe haben," sagte der Rektor rechtfertigend vor Gericht. Als der arme kleine Kerl das Geld nicht brachte, crbarinke sich der Klassenlehrer seiner und gab ihm das Geld aus seiner Tasche. Diese Tatsachen waren zu einem Artikel verarbeitet worden, der Quint eine Klage und Verurteilung einbrachte, da nach dem Urteil des Gerichts der Wahrheitsbeweis für die aufgestellten Behauptungen nicht gelungen war. Nach Ansicht des Gerichts hatte der Rektor korrekt gehandelt. Am Tage nach jener Verhandlung brachte nun die„Volksstimme" einen Bericht über die Verhandlung, in dem sie auch den größten Teil des inkriminierten Artikels wieder zum Ab druck brachte, und zwar einzelne Stellen, die das Gericht als be sonders beleidigend bezeichnete, in gesperrter Schrift. Rektor Leutner fühlte sich durch diesen Bericht wieder beleidigt und strengte aufs neue Klage an, diesmal gegen Genossen ReichStags-Äbgeordneten Schmidt, der die betreffende Zeitungsnummcr verantwortlich gezeichnet hatte. Schmidt erklärte, es habe nicht die Absicht vorgelegen, von neuem zu beleidigen. Der Artikel sei nur noch einmal zum Abdruck gekommen, um ein objektives Bild von der Verhandlung zu geben, und um zu zeigen, was alles vom Gericht für beleidigend angesehen werde. Der Staatsanwalt bestritt das. Er war der Anficht, daß die Absicht zu beleidigen erst recht vorlag, das gehe schon ans den gesperrten Stellen in dem Artikel hervor. Für die neue Beleidigung beantragte er 2 Monate Gefängnis. Der Per- teidiger Schmidts vertrat den Standpunkt, daß nach einer Reichs- gerichlscntschcidung der Wiederabdruck eines inkriminierten, in öffent- licher Verhandlung vorgelesenen Artikels straflos sei. Im übrigen sei durch die Beweisaufnahme auch der Wahrheitsbeweis geglückt, und müsse schon deshalb Freisprechung erfolgen. Der Gerichtshof kam jedoch zu einem verurteilenden Erkenntnis wegen Beleidigung. Die Wiederholung einer Beleidigung ist dann strafbar, hieß es in der Urteilsbegründung, wenn zum Ausdruck kommt, daß der Wieder« holende dabei auch seine eigene Meinung geltend machen will. Das letztere hielt der Gerichtshof für erwiesen, und es geht auch daraus hervor, daß die beleidigenden Aeußerungen beim Wiederabdruck in gesperrter Schrift wiedergegeben seien. Von Wahrung berechtigter Interessen könne keine Rede sein und auch den Wahrheitsbeweis hält das Gericht nicht für erbracht. Mit Rücksicht daraus, daß un- mittelbar vor dem Abdruck des Artikels die Unrichtigkeit des ersten Artikels festgestellt worden war, müßte die Strafe eine empfindliche sein, und der Gerichtshof erkannte auf 500 M. Geldstrafe.— Gegen dieses Urteil ist bereits Revision eingelegt.— Deutschtum ist Freiheit. Die Rettung t»es preußischen Staates vor dem polnischen Um- stürz wird gegenwärtig, so schreibt man uns, von oberschlcsischen Staatsanwälten und Polizisten wieder mit besonderem Eifer be- trieben. Vor kurzem wurde der jugendliche Schuhmachergeselle Johann W Y c i s t aus Zabrze verhaftet, weil er angeblich durch HMlunge», Mchs eine LüMißung gewisser LsudeMile l'ftftt preußischen Staate bezweckten, Hochverrat begangen haben soll. In der Tat hat der Rcichsanivalt die Untersuchung wegen Hoch- Verrats eröffnet und WhciSk wurde nach Leipzig überführt. Der gefährliche Schuster soll den armen preußischen Staat aber noch in anderer Weise gefährdet haben, nämlich dadurch, daß er eine Verbindung gründete und leitete, deren Dasein, Zweck und Verfassung vor der StaatSrcgierung geheim gehalten werden sollte und die be» zweckte, Maßregeln der Verwaltung und die Vollziehung von Ge- setzen durch ungesetzliche Mittel zu verhindern(Geheimbündelei, 128, 120 ReichS-StrafgcsetzbuchS). Wegen Teilnahme an diesem Gehcimbund sind WhciSk als Leiter und 23 jugendliche Personen. Lehrlinge und Arbeiter, darunter auch drei junge Mädchen, als Mitglieder unter Anklage gestellt und wird die Verhandlung des Prozesses demnächst vor dem Landgericht in Glciwitz stattfinden. Als Gehcimbund ficht die Anklagebehördc einen polnischen Verein„Eleusis" an, dessen Mitglieder die Abstinenz vom Alkohol- und Tabakgenuh und vom Geschlechtsverkehr alS eigentlichen Ver- einszweck angeben, während Polizeirat Mädler„festgestellt" haben will, daß der wirkliche Zweck der Verbindung der Unterricht der Mitglieder in der polnischem Sprache, Geschichte und Literatur, Pflege des allpolnischen Gedankens und Erörterung der Wieder» Herstellung des polnischen Reiches sei. Der Verein soll auch aus- ländischc Reimer gehört und die Gedenktage polnischer Aufstände gefeiert haben. Nach der Anklage haben alle diese Scheußlichkeiten da?„Staats- wohl gefährdet", indem sie in der oberschlestschcn Bevölkerung natio« nale Gegensätze schnfen(I), einen Teil der Bevölkerung der„Hin- neigung zum deutschen Vaterlande" und des Gefühls der Zugehörig- keit zu demselben beraubten und mit Untertanen fremder Staaten zu einem Sondcrstaate zu vereinigten suchten. Eine große Anzahl bei Haussuchungen beschlagnahmter Briefe und Schriften, sowie die angeblich sehr belastenden Aussagen von LI Zeugen sollen die Anklage stützen. In der Verhandlung des letzten großen Gehcimbundsprozesses waren polnische Geschichten vorgelesen und Lieder gesungen worden. Man mutzte die harmlosen jungen Leute freisprechen. Hat sich die oberschlesische Polizei und Staatsanwaltschaft in jmem Prozesse noch nicht genug mit Ruhm bedeckt, gelüstet es ihr nach neuen„Siegen"? Die Angeklagten werden sich unter allen Umständen auf daS Gnesener Wort berufen können, daß Deutschtum Kultur, Freiheik für jeden, in Religion sowohl wie in Gesinnung und B e- t ä t i g u n g, bedeute.—_ Gerechtigkeit muff sein und sollte die Welt dabei zugrunde gehen. AuS Halle berichtet man Uns unterm 13. August: Die schönsten Prozesse gibt eS zweifelsohne in sinserer Stadt der inannigfaltigen Justiz. Am 15. Juni hatte die 17 jährige Dienst« magd Marie Seifert, ein braves und gutes Mädchen, bei ihrer Herrschaft den Dienst quittiert- Sie wagte sich aus Furcht vor den anscheinlich sehr einsichtslosen Eltern nicht nach Hanse und wanderte abends von Hans zu Haus, um in Kellern und dergleichen Ge« mächern für die Nacht einen Unterschlupf zu finden. In der Nacht zum 29. Juni fand der Hausbesitzer Tohauscn die Unglückliche in einer Ecke tauemd in seinem Hause vor. Anstatt die einsichtslosen Eltern zu belehren und das Mädchen zu schützen, machte man dem bedauernswerten Geschöpf einen Prozeß wegen Hausfrieden»- b r u ch S.„weil eS in da« befriedete Besitztum eines anderen wider» rechtlich eingedrungen sei." Darf man sich da wundern, wenn solche« Mädchen auf Abwege gerät? Der Amtsrichter wwldcrte sich Wohl. wie es möglich ivar, daß das Mädchen 14 Nächte in Kellern k. zubringen konnte. DaS Mädchen wurde aber, da Strafe einmal sein muß, mit einem Verweise bestraft, und dem Gesetz war damit Genugtuung verschafft.—_ Südwestnfrikanische Verluste. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am 1. März 1905 auf Patrouille bei Koes vermißt und in demselben Monat tot auf« gefunden: Unteroffizier Richard Linde, geboren am 9. 2. 70 zu Greifswald, Gefreiter Dietrich Voßmeyer, geboren am 30. 11. 79 zu Bremen; Reiter Hermann Dräger, geboren am 21. 5. 83 zu Strosewohauland. Ferner: Reiter Gustav Chlupka, geboren an, 28. 5. 83 zu Pmsken am 12. August 1905 im Patrouilleiigefecht bei O k a n d u n östlich Liewenberg schlver verwundet; Schuß linken Unter- schenkel. Ein ferneres Telegramm meldet: Sergeant William Stolzenhain, geboren am 4. 9. 77 zu Schleswig, am 17. August dieses Jahres im Lazarett GobabiS an Blinddarm- und Bauchfell« entzündung gestorben; Reiter August Cramer, geboren am 2. 4. 82 zu Leina, am 17. August d. I. beim Gcwehrreinigen durch Unvorsichtigkeit eines Kameraden durch einen Schuß in den Unter- leib schiver verwundet und des abends im Lazarett Windhuk gestorben.— Hueland. Italien. Protest gegen das Blutbad von Sanmichelr. Mailand, 19. August. Eine stark besuchte Versammlung der organisierten Arbeiter lehnte gestern abend nach langer, sehr er- regier Diskussion einen Antrag auf Erklärung deS Generalstreiks zum Protest gegen die Vorfälle in Sanmichele auf Sizilien ab und beschloß hingegen, am Sonntag nachmittag ein Massenmeeting auf dem Domplatz und einen Umzug durch die Stadt zu veranstalten. In unserer gestrigen Notiz war die Einwohnerzahl von Sanmichele infolge eines Druckfehlers auf 150 000 angegeben, sie beträgt indes nur 15 000.- England. Der englische Arbeitsmarkt. London, 18. August. Nach der„Labour Gazette" von gestern war die Arbeitsgelegenheit im Monat Juli dieselbe wie im vorher- gegangenen Monat. Die berichtenden Gewerkschaften hatten 5,2 Proz. Arbeitslose, gegen 8,1 im Juli 1904. Die Metall-, Wollen- und Baumwollenindnstrien zeigeir eine Befferung.— Im Berichtsmonat waren 18 Streiks im Gange, die 13 155 Arbeiter betrafen; davon wurden erledigt 16 Streiks mit 8467 Arbeitern; 8 endigten zugunsten der Arbeitnehmer. 5 zugunsten der Arbeitgeber. 5 endigten durch einen Vergleich.— An Lohnänderungen waren 183 300 Arbeiter beteiligt, davon erhielten 137 300 eme Lohn- aufbefferung. Das Reinergebnis ist eine Lohnzunahme von 4600 Pfund Sterling die Woche. Die Aufbesserung betraf zum größten Teile die Textilarbeiter; die Herabsetzung betraf die Bergleute. Türkei. Konstantinopel, 19. August.(Meldung des„Wiener k. k. Telegr.» Korrefp.-Bureaus".) Marschall Feizi Pascha meldet telegraphisch neue Erfolge im Aemen. Marschall Schakir Pascha rieb ungefähr dreitausend Aufständische auf und nahm das Fort und die Festung Beit-el-Djahili auf dem steilabfallenden Gamlanberge ein. Angesichts der durch diese Nieder- läge hervorgerufenen Bestürzung baten die Einwohner von zirka 20 Dörfern um Gnade. Amerika. Zu», Kampf gegen die Trusts. Man Hai schon oft davon ge- hört, daß die Regierung gegen die Trusts mobil gemacht habe und den übermächtigen Trustgjewalten mit großer Energie entgegen- getreten sei. Es wurde» immer nur Scheingefechte ausgeführt; man fetzte Kommissionen ein, deren Untersuchungen kein Ende nehmen wollten; man erhob auch Anklagen, aber die Trusts ließen sich nicht einschüchtern und ihre Macht wurde immer größer. Dagegen chat daS Volt von Chicago einmal Ernst gen, acht und versucht, das Privat- imiiopöl auf die Straßenbahnen auszuheben, aber der.Tieg ist nicht To leicht zu ekringen, wie es mancher sich gedacht hat. Der Gedanke 'der Ueberführung öffentlicher Betriebe und Institutionen in den Gemeinbesitz hat zahlreiche Anhänger in vielen Städten, aber das Pribatmonopol widersetzt sich solchen Bestrebungen überall auf das Heftigste. Bürgermeister Dünne von Chicago, der ganz auf Seite der Bürger steht, die den Münizipalbetrieb der Straßenbahnen wünschen, hielt vor kurzem in einem demokratischen Klub in Boston eine große Rede. Er erklärte, daß es einen erbitterten Kampf gegen ein Häuf- lein Kapitalisten kostet, um den Volkswillen auszuführen. Vor zwei Jahren schon waren die Privilegien der Hauptlinien der Straßen- bahnen von Chicago erloschen. Ter Trust suchte mit allen Mitteln eine Erneuerung zu bekommen, aber als die Sache im Jahre 1002 dem Volke zur Entscheidung vorgelegt wurde, da stimmten 142 000 gegen 27 000 Bürger dafür, daß das Privatmonopol aufhören solle. Das genügte aber nicht, um die Macht des Trusts zu brechen. Dieser setzte die Gerichte und die Legislatur in Bewegung und ge- wann durch Bestechungen neue Frist. Da erwählten die Bürger'im letzten Frühjahr mit 25 000 Stimmen Majorität den Bürgermeister Dünne unter der ausdrücklichen Verpflichtung, sofort die Muni- zipalisierung der Straßenbahnen einzuleiten und zum Ueberfluß wurden im Jahre vorher 155 000 Stimmen für eine Staatsbill ab- gegeben, nach welcher jede Stadt berechtigt war, ihre eigenen Straßenbahnen einzurichten und zu betreiben. Nichte alles nich Straßenbahnen einzurichten und zu betreiben. Nützte alles nichts, noch herrscht das Privatmonopoll Durch Lug und Trug, Bestechung und Schwindel, durch die Hülfe der Presse und der Advokaten I— Ter letzte Plan, des Bürgermeisters besteht darin, Einrichtung und Betrieb der Straßenbahnen einem Syndikat zu übergeben, welches sich verpflichtet, die Bahnen nach einer bestimmten Zeit und gegen Entschädigung der Stadt zu überlassen. So hartnäckig verteidigt ein Trust seine Privilegien!— Die Friedettsanssichteu. sind noch immer schwankende. Doch scheint es, als ob trotz alledem die Optimisten Recht behalten sollten. Zwar schickt der Zar noch immer Telegramme an L i n e w i t s ch, die kriegerischen Geist zu atmen scheinen, zwar setzt Japan seine Kriegsrüstungcn noch mit aller Energie fort, allein diese papierenen und realen Aktionen und Demonstrationen können auch ebensogut als Mittel betrachtet werden, um vom Gegner möglichst weitgehende Zugeständnisse zu erlangen, ohne daß die ernstliche Absicht besteht, die Verhandlungen schließlich doch noch scheitern zu lassen. Tie heutigen Meldungen lauten: Portsmouth, 19. August. tMeldung des Reuterschen Bureaus.) Wie es heißt, hat Präsident Roosevelt Baron Rosen er- sucht, unverweilt nach Oysterbay zu kommen, da er ihm ein Tele- gramm von äusierst vertraulichem Inhalt mitzuteilen habe. London, 19. August.„Daily Telegraph" meldet aus Tokio unter dem 17. August: Die Aussichten auf Frieden sind vortrefflich. Die Bankiers sind nunmehr geneigt, die festeren, normalen Beziehungen zu ihren Kunden wieder aufzunehmen. Der Fondsmarkt steigt beständig. Eine außerordentliche Session des Parlaments wird in kurzer Zeit ein- berufen werden. London, 19. August.„Daily Telegraph" meldet aus Niutschwang unter dem 13. August: Die japanische Armee schafft auf dem Land ivege und auf den Flüssen Vorräte in außerordentlich großen Mengen heran. Die Regenfälle werden jetzt seltener.. New Aork, 19. August. Die„New Jork Times" melden aus Portsmouth(New Hampshire): Die japanischen Friedensbevoll- mächtigtcn sandten gestern abend eine Kabaldepesche nach Tokio, in der sie anrieten, den Russen Zugeständnisse zu machen. Tokio, 18. August.(Laffan-Meldung.) In einer Versamm- lung von Parlamentariern, Rechtsanwälten und Kaufleuten wurde eine Resolution angenommen, welche die Regierung auffordert, Rußland schwerere Friedens- b e d i n g u n g e n zu stellen. In Tokio herrscht allgemein die An- sicht, der Friede sei gesichert. An der Effektenbörse steigen die Kurse. 1' Petersburg, 18. August.(Laffan-Meldung.) Der Zar hat an General L i n e w i t f ch ein Telegramm gesandt, worin er ihm seine herzliche Würdigung seiner Dienste und seines Patriotismus ausspricht und ihn gleichzeitig anweist, auf alle Möglich- leiten vorbereitet z» sein. Ferner hat der Zar die Generale Renncnkampf und Mischtschenko zu Korpskommmrdeuren er- nannt. Im Auswärtigen Amt beginnt man bereits, Rußland für den Fall zu verteidigen, daß die Friedensverhandlungen abgebrochen loerden._ Soziales. Gegen den Fleischmucher protestierten fünf Volksversammlungen in L e i p z i g. eine in Braunschweig, eine in K a s s e l und fünf in Magdeburg._ Des Arbeiters Ehre. Das Gcwervegericht Schöneberg bei Berlin hat ein Urteil gefällt, das sich durch eine merkwürdige Einschätzung der Ehre eines Arheiters und seiner Ehefrau auszeichnet. Ein Arbeiter hatte ohne Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist seine Stellung bei dem Maler Max Müller in Schönebcrg aufgegeben, verlangte aber trotzdem die Bezahlung der vierzehn Tage auf Grund von§ 124 Nr. 2 der Gewerbe-Ordnung. Er hehauptet, der Unternehmer habe seine(des Klägers) Ehefrau in seiner Wohnung umarmt, geküßt und sie zum Ehebruch zu verleiten gesucht. Das Gcwerbegericht hat die Klage mit folgender Begründung abgewiesen: G r ü n d e. Selbst wenn— wa§ Beklagter bestreitet,— die Szene zwischen dem Beklagten und der Ehefrau des Klägers sich in der vom letzteren geschilderten Weise abgespielt haben sollte, bietet sie doch keinen der im§ 124 der Reichsgewcrbeordmmg dem Arbeiter gegebenen Gründe zum sofortigen Verlassen der Arbeit. Die Nmarmniig und der Kuß könne» als grobe Beleidigung nicht angesehen werden. Zu einer Un- fittlichkeit ist es nicht gekouimc», sonder» nur bei einem schwachen Versuch geblieben. Diese Begründung des KlagcbcgchrenS ist also gegenstandslos. Nun ist aber der Beklagte bereit, seine Behauptung, daß die klägerischen Angaben nicht der Wahrheit entsprächen, eidlich zu er- härten. Da die Ehefrau des Klägers einmal als solche und zweitens aus dem Umstände, daß sie am Ausgange der Streitsache zweifellos ganz erheblich interessiert ist, nicht zum Eide zugelassen werden kann, auch weitere Zeugen nicht vorhanden sind, so müßte dem Beklagten der Eid auferlegt werden. Da er diesen zu leisten bereit ist, er- scheint die Sache spruchreif. Mangels der vom Kläger angegebenen Voraussetzung zum Auf- geben der Arbeit war aber ein Grund des Klägers hierzu nicht vorhanden. Sein Anspruch konnte daher keine Berücksichtigung finden. Die Kosten regeln sich nach§ 91 der Zlvtlprozeßordmmg und ? 52 des Gewerbegerichtsgefetzes. gez. Hehl. Der Herr Gerichtsvorsitzende würde vermutlich einem Manne, der seine Ehefrau umarmte, küßte und zum Ehebruch zu verleiten suchte, eine Forderung auf Pistolen zugehen lassen. So sehr die bürgerliche Gesellschaft dxn Ehebruch auch toleriert, so schwer be- leidmt fühlt sich jeder einzelne Angehörige der bürgerlichen Gesell- schaft, der in solchem Falle der leidende Teil ist; für den Arbeiter soll aber darin keine grobe Beleidigung liegen? Angemessene Mittagsruhe für Kaufleute. Unter Hinweis auf die jüngst mitgeteilten Beschlüsse des Zentralverbandes deutscher Kaufleute und Gewerbetreibender er- halten wir von einem hiesigen Geschäftsinhaber eine ausführliche Zuschrift über die Wichtigkeit einer ausreichenden Mittagspause für die Angestellten. Der Einsender weist darauf hin, daß nicht nur Gründe der Menschlichkeit, sondern ausreichende praktische Gründe, nicht zum wenigsten das Interesse des Geschäftsinhabers selber dafür sprechen, den Angestellten eine ausreichende Mittagspause zu ge- währen. Der Einsender selbst hat auf Grund seiner Erfahrungen den bei ihm Angestellten die früher l3/4 Stunden betragende Mittagspause auf 2'/4 Stunden verlängert. Diese Einrichtung besteht bei ihm nun seit über Jahr und Tag und er versichert, daß er davon nur Vorteil gehabt hat. Es wird trotz der auf diese Weise um eine halbe Stunde verkürzten Dauer der effektiven Arbeitszeit mehr und zuverlässiger gearbeitet als früher. Der Einsender rät allen seinen Kollegen, eine Probe zu machen. Wohnnngsvcrhältnisse. In der vom statistischen Amte der Stadt Essen herausgegebenen Bearbeitung der.Wohnnngserhebung vom 1. Dezember 1900 finden sich einige Tabellen, die für die Wohnungszustände äußerst charak- teristisch sind. Unter sorgfältiger Berücksichtigung der Verhältnisse in den einzelnen Familien und der Wohndichte sind die Wohnungen klassifiziert in übervölkerte, ungenügende, knappe. genügende und reichliche, dabei noch nach der Räumezahl einschließlich der Küche geschieden. In einer weiteren Tabelle sind die Personenzahlcn auf- geführt, die in übervölkerten, ungenügenden usw. Wohnungen wohnen. Um erkennen zu können, wie sehr die größeren Wohnungen gegen- über den kleinen im Vorteil sind, haben wir die Tahellen in unten- stehender Weise kombiniert. Dabei bezieht sich das Fettgedruckte auf die Personen, die in den darüber gestellten Zahlen für die Wohnungen Hausen. Unter 1000 Wohnungen sind Von je IRK) Personen wohnen Wohnungen über-»nge-. ge- reich- übcr- mit völkcrt nügcnd nügend lich hanpt 1 Wohnraum 83,5 110,2 806,3—— 1000 218,8 183,8 597,4—— 1000 2 Wohnräumen 87,3 97,3 777,0—— 1000 169,6 149,1 671,5—— 1000 3„ 40,9 70,3 446,9 441,9— 1000 83,2 116,1 519,2 281,5— 1000 4„ 26,8 64,6 190,9 702,3 15,4 1000 62,1 117,0 270,9 547,3 2,7 1000 5„ 4,4 82,5 209,7 662,1 91,3 1000 13,5 73,3 323,3 561,0 28,9 1000 k— 11,8 92,6 208,8 686,8 1000 — 34,2 174,1 284,8 506,9 1000 7„—— 64,9 251,3 683,8 1000 -— 137,0 351,7 511,3 1000 8„—— 16,2 143,7 840,1 1000 —— 37,8 261,4 700,8 1000 9,——— 1 16,7 883,3 1000 ——— 231,2 768,8 1000 10 und mehr Wohnr.———— 1000,0 1000 --—- 1000,0 1000 Zusammen 52,2 72,4 501,2 286,4 87,8 1000 91,5 109,0 456,0 242,4 101,0 1000 18 361 oder genau die Hälfte aller Essener Wohnungen ge- währten nur knapp zureichende Räumlichkeiten und bloß 10 491 gleich 29 Proz. oder ein gutes Viertel waren genügend. Nur 3218 oder 9 Proz. aller Wohnungen boten ein reichliches Ausmaß dar. 2651 Wohnungen(7 Proz.) sind bei den mäßig gestellten Raum- ansprüchen als ungenügend und 1913(5 Proz.) als übervölkert an- zusehen.„Im ganzen sind also 4564 Wohnungen in Essen wegen zu starker Wohndichtigkeit als kulturwidrig zu bezeichnen." Dieses Ergebnis stimmt ührigcns recht gut mit der nach anderer Methode erzielten Berechnung, wonach 4529 Wohnungen als ungenügend oder noch schlechter zu bezeichnen waren, weil sie jedem ihrer Bewohner weniger als 0,35 Wohnraum gewähren. Reich- liche Wohnverhältnisse stellen sich niemals in Kleinwohnungen, sehr spärlich in vierräumigen und dann parallel der Wohnungsgröße in steigendem Maße ein. Die sechs- und siebenräumigen Wohnungen gewähren zu y3, die acht- und neun- räumigen zu mehr als Vs und die zchnräumigen ausnahmslos reich- liche Wohngelegenheit. Es gibt zwar auch eine ganze Reihe sechs- bis achträumiger Wohnungen, die knapp, sogar sechSräumige, die ungenügend und fiinfräumige, die übervölkert sind, die ärgste Wohn- dichte ist jedoch in den Kleinwohnungen anzutreffen. Von den 26 249 ein-, zwei- und dreiräumigen Wohnungen find 1736— 6,7 Proz. übervölkert, 2273=- 8,6 Proz. ungenügend, 10 861— 64,1 Proz. knapp und nur 5324— 20,6 Proz. genügend. Unter diesen letzteren befanden sich nur 543— 10,2 Proz. aus zwei, 4781— 89,8 Proz. aus drei Räumen bestehende. Je größer die Wohnungen sind, desto geringer wird der Prozentsatz der übervölkerten, der ungenügenden und der knappen Wohnungen, wovon man sich beim Durchmustern der Zahlenreihen leicht überzeugen kann. Noch krasser treten die mangelhaften Wohnungsverhälwisse zu- tage, wenn man auf die Bewohnerzahlcn der Wohnungen eingeht, indem man sie gleichfalls nach diesen fiinf Arten der Wohndichte verteilt. Das zeigen die fetten Zahlen unserer Tabelle. Natürlich haben die Wohnungen mit der stärksten Wohndichte, also die über- völkerten, und dann die ungenügenden Wohnungen verhältnismäßig mehr Bewohner, als ihnen nach ihrer Anzahl zufallen sollte. Von den 178 406 Personen leben 81 340— 46 Proz. in knappen Wohnungs- Verhältnissen, 19 451— 11 Proz. in ungenügenden und 16 338— 9 Proz. in übervölkerten Wohnungen. Nur ein Drittel der Be- völkerung wohnt genügend<24 Proz.) oder reichlich(10 Proz.) Natürlich finden sich hauptsächlich in den kleinen Wohnungen die Personen übervölkert eingepfercht und ungenügend oder knapp wohnend. Von den vorhandenen 36 634 Wohnungen sind 26 249— 72 Proz. Kleinwohnungen, es wohnen in ihnen 114 245-=- 64 Proz aller Einwohner. 1 786= 6,7 Proz. übervölkert 14 606= 12,8 Proz. 2 278— 8,6„ ungenügend 15 249— 13,3, 16 861— 64,1„ knapp 67 938= 59,5„ 5 324= 20,6„ genügend 16 452= 14,4„ 20 249= 100,0 Proz. 114 245= 100,0 Proz. Das wirkliche Wohnungsclend tritt also viel deutlicher in der zweiten Reihe zutage; während noch 20,6 Prozent der Kleinwohnungen genügend sind, wohnen nur 14,4 Prozent der Kleinwohmmgs-Be- völkerung in ihnen genügend.(Unter Kleinwohnungen sind die mit höchstens drei Räumen verstanden.) Aber auch gegen die Gesanit- bevölkerung tritt natürlich noch eine Verschlechte» nng des Wohnens der Kleinwohnnngs-Bevölkerung ein, denn es»vohuten von je 100. von je 100 Personen Personen der Kleinivohnnngs- überhaupt Bevölkerung übervölkert..... 9,2 12,8 ungenügend..... 10,9 13,3 knapp....... 45,6 59,5 genügend...... 24,2 14,4 reichlich...... 10,1 0,0 100,0 100,0 Doch es genügt schon, als Hauptergebnis zu merken, daß ein Achtel sämtlicher Essener Wohnungen eine zu starke Wohndichte auf- weisen, daß dies hanptj�chlich die Kleinwohnungen mit ein, zwei, drei und auch vier Wohnräumen sind, daß fast zwei Drittel der Essener Bevölkerung selbst bei milder Auffassung des Raumbedürfnisses in nicht genügenden Wohnverhältnissen lebt und daß ein Fünftel aller Essener in übermäßig besetzten Wohnungen haust. DaS ist amtlich festgestellt. Und einer so wohnenden Bevölkerung verargt man es, wenn sie ihre Verhältnisse durch eine Lohnbewegung mäßig zu verbessern strebt!_ F. W. Versammlungen. Die Gcneralverslnnmlnng deS FachvcreinS der Musikinstrnmcnten« arbeiter nahm die Abrechnung vom zweiten Quartal entgegen. Einer Einnahme von 4234,81 M. steht eine Ausgabe von 2770,05 M. gegenüber, mithin bleibt ein Bestand für das dritte Quartal von 1464,76 M. In den Vorstand wurden neu rcsp. wiedergewählt: H a f f n e r, erster Vorsitzender; Kadelbach, erster Schriftführer; K l e i n e r t, ziveiter Schriftführer; Bergmann, zweiter Kassierer; Drabnick, Beisitzender; Fischer, Bibliothekar; Wagner, Revisor. K a m e n z als Kartelldelegierter erstattete seinen Bericht. Dem Kartell angeschlossen sind 23 Gewerkschaften. Im Berichts« jähre 1904 ist eine Gesamteinnahme von 26 961,15 M. und eine Ausgabe von 26 173,33 M. zu verzeichnen gewesen. Eine Reihe von Gewerkschaften haben sich nicht nur örtlich organisiert, sondern auch zentralisiert. Mehrere Gewerkschaften haben mit Streiks und Sperren zu kämpfen gehabt, die teils mit, teils ohne Erfolg endigten. An der Streikunterstützung haben die Musikinstrumentenmacher den größten Anteil gehabt. Der Kartelldelegierte wird vom Vorstand gewählt. Neu aufgenommen wurden im zweiten Quartal 75 Mit« glieder. In die Arbeitsvermittelungskommission wurden gewählt: Dietrich, Eichelbaum, Haus, Sallmann, Schröder, Steffen, Tegler. Tomsen, Wiedebach. Wiesener und Will.— Unter Vereinsangelegenheiten teilte der Vorsitzende mit, daß K a m e n z wegen Ausbringens des Hochs in der Mai- Versammlung zu 30 M. Geldstrafe vom Gerichl verurteilt wurde. Wegen Beleidigung d. F.„Matzen" wurde Kl ein er t zu 6 M. Strafe verurteilt."K ö ß l i n g, der mit Streikbrechern ein Renkonter gehabt, wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen obige Urteile wird Berufung eingelegt. Der Verband der Fabrik-, Land- und Hülfsarbciter(Zahlstelle Berlin) hielt am Sonntag im„Engl. Garten" seine ordentliche Generalversammlung ab. Im Vorstandsbericht gab der Bevollmäch- tigte Bruns eine zahlenmäßige Uebersicht über die erfreuliche EntWickelung der Zahlstelle. Seit ihrer Gründung war der Mitgliederbestand jahrelang ein für Berliner Verhältnisse kaum nennenswerter; er schwankte meistens zwischen 200 bis 300. Ange- fichts der großen Masse von ungelernten Arbeitern, die in den vielen Berliner Fabriken als Unorganisierte tätig sind, konnte von einem auch nur einigermaßen merkbaren Einfluß der Organisation lange Zeit gar keine Rede sein. Erst während der letzten beiden Jahre trat eine Wendung zum Besseren ein. Durch rastlose Agitation in den verschiedensten Betrieben, vornehmlich Gummi-, Anilin-, Seifen- und chemischen Fabriken, gelang es nach und nach, immer mehr un- gelernte Arbeiter und Arbeiterinnen von der Notwendigkeit der Organisation zu überzeugen, so daß der Zahlstelle am Schlüsse deS verflossenen Halbjahres 2344 Mitglieder angehörten, ungerechnet derjenigen, die jetzt aus früher selbständigen Zahlstellen mehrerer Berliner Vororte in corpore nach Berlin übergetreten sind. Die Mitgliederzahl ist auch in ständigem Steigen begriffen. An Lohn» bewegungen und Differenzen war die Organisation in 13 Fällen beteiligt; in fünf Fabriken kam es zu Streiks, die alle mit mehr oder minder gutem Erfolg endeten. Durch die Anstellung deS Kassierers Rühle zum zweiten besoldeten Beamten der Zahlstelle hofft der Vorstand, die Agitation künftig noch intensiver betreiben zu können. Ein hesonderes Augenmerk soll auf die Seifenfabriken gerichtet werden, woselbst die Arbeiter vielfach noch zu Jammer- löhnen von 26 Pf. pro Stunde arbeiten müssen und Arbeiterinnen gar nur 7 bis 8 M. pro Woche erhalten.— Der Kassenbericht ergab eine Bilanzierung von Einnahmen und Ausgaben der Hauptkasse in der Summe von 12 452,70 M. und der Lokalkasse von 4840,21 M. An Streikunterstützung wurden gezahlt 4102,96 M., dazu aus Lokal« Mitteln 538,50 M.; die Ausgaben für Rechtsschutz betrugen 756,92 M. und für Gcmatzregeltenunterstützung 417,95 M. Einwendungen gegen die Tätigkeit des Vorstandes wurden nicht erhoben. Die Ver- sammlung beschloß sodann nach kurzer Debatte einstimmig, 10 M i t- glieder wegen Beteiligung als Spalier st änder bei der Cecilienfeier aus der Organisation aus, zufchließen. Ferner wurde beschlossen, die Gencralversamm» lungen von jetzt ab wieder vierteljährlich abzuhalten. letzte JVadmcbten und Depefcben, Demonstration für die Republik Norwegen. Kristiania, 19. August.(Privattelcgramm deS„Bor- warts".) Der sozialdemokratische Parteivorstand veranstaltet morgen eine Bolksversammlung zur Diskussion über Republik und Königtum. Die Resolution verlangt, daß diese Frage durch eine Volksabstimmung entschieden, eine konstitnierende Ber- fammlnng einberufen, dieBcrnadottescheKandidatur schnellerledigt und von der Nnionsabwickclnng unabhängig abgemacht werde. Die Resolution protestiert gegen jede Verhandlung der Thron» frage mit ausländischen Fürsten und Diplomaten, bevor daS Voik gehört. Sie behauptet das Recht, jeder Ordnung dieser Frage Widerstand zu leisten, falls das Selbstbestimmnngsrecht des Volkes verweigert wird. Die Resolution wird später auch in anderen Orten beraten werden. Truppensendungen für Ostafrika.< Köln, 10. August.(W. T. B.) Der„Kölnischen Ztg." wird aus V e r l i n von heute telegraphiert: Aus Anlaß des Aufflwüdes in Ostafrika ist die Entsendung von 150 Mann Marinc-Jnfanteria und mehreren Maschinengewehren beschlossen worden. Außerdem begeben sich der kleine Kreuzer„Seeadler" und ein aus Ostasien kommender Kreuzer nach Ostafrika. Diese Entsendung entspricht den Anträgen, welche der Gouverneur Graf Götzen gestellt hat. Bon den Friedensverhandlungen. Oysterbay, 19. August.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die russischen Friedensdelegicrten in Portsmouth werden heute abend oder morgen hier eintreffen, um auf eine direkte Aufforderung des Präsidenten Roosevelt hin mit diesem eine Besprechung zu haben. Diese Aufforderung erfolgte gestern abend, nachdem der Präsident eine Besprechung mit Kaneko gehabt hatte. Während die Einzelheiten über den Inhalt dieser Mitteilungen nicht bekannt sind, weiß man, daß der Präsident die größten Anstrengungen macht, die Dele» gierten zu einem für beide kriegführenden Parteien befriedigenden ilebereinkommen zu bringen und einen schließlichen Bruch zu ver« hiildem. Portsmouth, 19. August.(Meldung des„Reuterschen Bureaus.') Baron Rosen ist in Begleitung Kudaschews nach Magnolia ab- gereist; etlvas später Witte ebendahin.— Es gilt als sicher, daß Präsident Roosevelt sich sowohl nach Petersburg als auch nach Tokio gewandt habe, man möge einen versöhnlichen Geist zeigen und nicht zugeben, daß die Friedenskonferenz ohne Erfolg auseinander« gehe. Man glaubt ferner, daß die Uebergabe Sachalins zustande kommen werde, andererseits herrscht die Meinung vor, daß wenn Japan den Anspruch auf eine Kriegsentschädigung nicht fallen läßt, ein ilebereinkommen nicht erzielt werden wird; die Entscheidung liegt also in Tokio. PortSmouth, 19. August.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Barvon v. Rosen ist nicht wie gemeldet, nach Magnolia gefahren, sondern hat unterwegs den Zug gewechselt und sich nach Qslerbay begeben; er speist heute abend bei Roosevelt. Die Reise wird als Anzeichen dafür angesehen, daß Präsident Roosevelt be« müht ist, einen Abbruch der Friedensverhandlungen vorzubeugen. Verantw, AedaktMiz Pauk Bvftaek« Berlin. Jvftratsnteff veriMv..:Th, Mcki* Sstilül. S&iä u. Skflog: PacMcts BiMr. u�Perlagsanstgli Paul Singer(&ZL., Berlig L\V. Hierzu �Beilagen u, vnteMltungKUg« Nr. 191. 22. Jahrgang. 1. Sfilngt i>cs.Imilck" Scrlinrt lilMtait Sonntag, 29. August 19YS. Die Wohlfahrtseinrichtungen der Arbeitgeber. Ein wie geringer Wert den Wohlfahrtseinrichtungen bei- zumessen ist, deren die Unternehmer sich nicht genug rühmen können, ja, wie im Grunde genommen dieser ganze Wohl- fahrtshumbug für die Arbeitgeber nur ein Mittel ist, sich selbst auf Kosten der Arbeiter zu bereichern, die. Arbeiter dagegen zu entrechten und zu knebeln, ist von sozialdemokratischer Seite wiederholt nachgewiesen worden. Nunmehr hat auch der Verein für Sozialpolitik, eine Gründung bürgerlicher Nationalökonomen unter Führung des Geheimrats Schmoller, der sich auf seiner diesjährigen Generalversammlung mit der Frage des Arbeitsverhältnisses in den privaten Riesenbetrieben beschäftigen wird, durch Veröffentlichung einer interessanten Arbeit den Beweis dafür erbracht, wie berechtigt die sozial- demokratische Kritik ist. Die Herren Adolf Günther und Rens Prsvot, Schüler von Lujo Brentano, die die Wohl- fahrtsemrichtungen der Arbeitgeber in Deutschland bezw. Frankreich schildern*), fällen ein geradezu vernichtendes Urteil darüber. Günther faßt das Ergebnis seiner Untersuchungen dahin zusammen, daß infolge der Wohlfahrtseinrichtungen ein großer Teil der deutschen Arbeiterschaft unter einem eisernen Zwange in ein bestinimtes Arbeits- Verhältnis eintritt, in diesem ausharrt, unfähig, durch Auf- suchung besserer Arbeitsgelegenheit, durch Betonung des Ver- tragscharakters seines Arbeitsverhältnisses, durch Koalition seine Lage von sich aus zu verbessern, daß er durch lange Kündigungsfristen oder deren gänzliches Fehlen gebunden ist, während sich der Arbeitgeber die kurzen bewahrt, daß über einen beträchtlichen Teil seines Lohnes in einer Weise verfügt wird, die seinen Wünschen nicht entspricht, daß das Dienst- Verhältnis auch in das außerdienstliche Leben des Arbeiters tiefe Schatten wirft, daß vor allem sein politisches Recht davon berührt wird. Und in Uebereinstimmung mit ihm kommt Prsvöt für Frankreich zu dem Resultat, daß in der Praxis die Wohlfahrtsbestrebungen bisweilen eine Form annehmen, die nur darauf angelegt sein kann, die dem Arbeiter vom Gesetzgeber in unzweideutiger Weise mehrfach zugesprochene Freiheit zu schmälern. Günther, dessen Arbeit uns, da sie sich auf die deutschen VerhAtniffe bezieht, am meisten interessiert, gibt zunächst eine kurze Darstellung des Rechtes der Arbeiter. Rechtlich ist der Arbeiter in Deutschland heute frei, insofern als für niemanden eine andere rechtliche Pflicht zu arbeiten besteht als die im freien Vertrag übernommene und zu anderen als Vertrags- müßigen Bedingungen. Aber wie sieht es in Wirklichkeit aus? So lange es noch keine Arbeiterbewegung gab, so lange ins- besondere Organisationen der Arbeiter zur Wahrnehmung ihrer Interessen noch unerheblich waren, hatte die Großindustrie ein aus- gesprochenes Interesse am freien Arbeitsvertrag, denn daran, daß der Arbeiter von seinem Rechte, bei Festsetzung der Arbeits- bedingungen mitzureden, wirksam Gebrauch machen könnte, war damals noch nicht zu denken. Der freie Arbeitsvertrag bedeutete für die Großindustrie die einseitige Festsetzung der Arbeitsbedingungen durch den Arbeitgeber. Mit dem Augenblick aber, wo die'Arbeiterbewegung so erstarkt war, daß die Arbeiter von ihren Rechten Gebrauch zu machen suchten, da tauchten unter den Arbeitgebern Bestrebungen auf, unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit ihre Arbeiter an sich zu fesseln, sie zu Hörigen zu machen, nicht aus Liebe zu den Arbeitern, sondern in wohlverstandenem eigenen Interesse, um sich gegen Fehlen oder Verteuerung der benötigten Arbeitskräfte sicher zu stellen. Wir haben es hier nicht mit den von öffentlichen Korporationen, mitunter auch von Privaten ins Leben gerufenen Wohlfahrtseinrichtungen von rein karitativem Gepräge zu tun, sondern mit den Wohlfahrtseinrichtungen der Arbeitgeber, die an die große Dürftigkeit der Familien der Arbeiter anknüpfen und den Arbeiter in Wirklichkeit rechtlos machen. Als Mittel hierzu dient in erster Linie die Errichtung von Mietswohnungen für Arbeiter. Diese Ver- quickung des Wohnverhältniffes mit dem Arbeitsverhältnis bedeutet unter Umständen geradezu den Ruin für den Arbeiter. Dem scheinbaren Vorteil einer billigeren, vielleicht auch ge- sundcren Wohnung steht auf der anderen Seite der weit größere Nachteil der Gebundenheit gegenüber, denn in den weitaus mefften Fällen geht der Arbeiter dadurch seiner Freizügigkeit verlustig. Die Kündigungsfrist, die wesentlichste Bedingung, auf die es hier ankommt, ist entweder völlig ins Ermessen des Arbeitgebers gestellt, oder nnt Erlöschen des Dienstverhältnisses muß die Wohnung geränmt werden, nur selten begegnen»vir eine Trennung von Arbeits- und Wohnungs- Verhältnis. Welche Schwierigkeiten sich daraus fiir den Arbeiter ergeben, ist leicht ersichtlich. Aber nicht genug damit, daß die Arbeiter, die sich ün Genuß dieser„Wohltat" befinden, dadurch dem Unternehmer tributpflichtig werden, herrscht auch die Tendenz vor, die Söhne der Mieter zur Arbeit im gleichen Betriebe zu veranlassen; die Fortdauer des Dienstverhältnisses des Vaters wird von der Bereitwilligkeit des Sohnes abhängig gemacht, gleichfalls in ein Dienstverhältnis einzutreten. So heißt es z. B. in den Mietsvcrträgen der Harpener Bergbau- Aktiengesellschaft und der Rheinischen Anthracit-Kohlcnwerke: „§ 4. Der Mieter übernimmt für sich und seine bei ihm »vohnendcn, dem Bergmannsstande angehörigen Söhne die Ver- pflichtung, während der Dauer des Mietsvertrages(ein Viertel- jähr) auf der Zeche„Preußen I" für den daselbst üblichen Schicht- lohn oder Gedingsatz zu arbeiten. Er verzichtet also ftir sich und erwähnte Söhne ausdrücklich auf das Recht, während dieser Periode die Arbeit zu kündigen und die Abkehr zu fordern.— Sollte Mieter diesen Verpflichtungen nicht nachkommen, oder er selbst, oder einer seiner dem Bergmannsstande angehörenden Söhne willkürlich drei oder»nehr aufeinanderfolgende Schichten von der Arbeit ausbleiben, so ist die Vermieterin berechtigt, den Mietsvertrag aufzuheben und die Wohnung sofort räumen zu lassen, unbeschadet aller Ansprüche, insbesondere auf den Mietszins bis zum Ablauf der Kündigungsfrist für diesen Mietsvertrag." Denselben Ziveck, sich die Arbeiter tributpflichtig zu inachen, verfolgen die Arbeitgeber mit dein Mittel der Gewährung von Darlehen zum Zwecke des Kaufs oder Baues eines Wohnhauses. Der Arbeiter kann das Arbeitsverhältnis nicht *) Die Wohlfahrtseinrichtuugcn der Arbeitgeber in Deutschland und Frankreich. Von Adolf Günther und Renö Prövöt. Leipzig, Duncker u. Hurnblot 1905. �ösen, wenn anders er nicht sein Hans versteigern lassen will. Das Haus, der„eigene Besitz" hängt ihin wie ein Bleigewicht an den Füßen, er ist an die Scholle gefesselt. Die von Arbeitgebern für ihre Angestellten errichteten Unter st ützungskassen— teils Zuschußkassen zu den gesetzlichen Krankenkassen, teils besondere Pcnsionskassen, teils Witwen- und Waisenkassen— bürden den Arbeitern gewöhn- lich beträchtliche Opfer auf, ohne daß ihnen die Garantie ge geben ist, auch wirklich in den Genuß der Wohltat zu ge- langen. Sehr oft sieht sich der Arbeiter gezwungen, den Betrieb zu verlassen, sei es, daß anderswo weit günstigere Arbeitsbedingungen bestehen, sei es, daß sich für ihn keine Arbeit mehr im Betriebe findet, oder daß Differenzen mit dem Arbeitgeber entstehen. Er hat eine Reihe von Jahren sich meist sehr beträchtliche Lohnabzüge gefallen lassen müssen, in vielen Fällen jedoch erfolgt keine Rückzahlung der Bei träge, mit dem Ausscheiden eines Mitgliedes aus den Diensten der Firma erlöschen alle Ansprüche desselben und seiner Hmterbliebenen an die Pensionskasse. Andere Kassen zahlen bei ordnungsmäßigem Ausscheiden aus dem Dienst die geleisteten Beiträge ohne Zinsen zurück, wieder andere einen Teil der Beiträge, ein großer Prozentsatz ge »vährt den infolge Kündigung der Firma ausscheidendeu Mit- gliedern die Möglichkeit, Mitglieder der Kasse zu bleiben, falls sie die eigenen und die Arbeitgeberbeiträge weiter be zahlen. Natürlich sind die Arbeiter dazu nicht in der Lage, sie können unmöglich eine dreifache Belastung ertragen, sich selbständig bei der Versicherungsanstalt fortversichern, sowie ihre eigenen und die Arbeitgeberbeiträge bezahlen. Noch schlimmer wird es, wenn der Arbeiter anderswo neue Beiträge in eine Pensionskasse zahlen muß, er verzichtet dann auf die alten Ansprüche und muß, vielleicht hoch bejahrt, von neuem anfangen. Und dieser Fall ist Regel, denn der Arbeiter muß, um leben zu können, ein neues Dienstverhältnis eingehen. So ist denn die Möglichkeit der Aufrechterhaltung der Ansprüche durch Zahlung auch der Werksbeiträge in der Praxis völlig »vertlos, diese„Vergünstigung" bedeutet genau dasselbe, als »venu der Arbeiter seine Rechte verliert, ohne die Beiträge er stattet zu bekommen. Bei anderen Formen der Wohlfahrtseinrichtungen, den Prämien, den Lohnzusätzen und der Gewinn beteiligung, haben wir es lediglich mit Modifikationen des Lohnsystems zu tun, die im wesentlichen den Zweck haben, die Leistung des Arbeiters zu steigern und ihn während längerer Zeit im Arbeitsverhältnisse festzuhalten. Die Lohnzusätze sind entweder Gratifikationen, deren Gewährung durchaus vom Willen des Arbeitgebers bezw. unterer Beamten abhängig ist, oder auch es handelt sich um Lohnzusätze für schlechte Zeiten auf Kosten des in guten Zeiten erzielten Lohnes. So heißt es z. B. in der Stummschen Arbeitsordnung:„Komint eine im Akkord arbeitende größere Arbeiterabteilung in einem Monate mit einem ungewöhnlich hohen Lohn heraus, so bleibt es vorbehalten, den einen mit der betreffenden Abteilung zu vereinbarenden Prozentsatz übersteigenden Betrag als Reserve fonds anzusammeln, der bei schlechtem Herauskommen der Abteilung in den folgenden Monaten zurückvergütet wird." Nun werden aber aus diesem Reservefonds nicht die Löhne einzelner Arbeiter persönlich ergänzt,' sondern die betreffende Kolonne erhält die Aufbesserung im ganzen Wenn z. B. eine Kolonne im Januar Lohnüberschuß hatte, so wurde der Neberschuß einbehalten; kam dann im März ein Lohnausfall, so erhielt die Kolonne denselben aus dem Ueberschußfonds gedeckt. Es konnten aber aus dieser Kolonne Anfang Februar einige Leute in eine andere Kolonne versetzt worden sein. Diese hatten dann ihren Ueberschuß umsonst abgegeben, denn die März-Aufbesserung kam ihnen nicht zugute, sondern ihren Ersatzinännern. Wenn jemand ganz aus dem Werke ausschied, so hatte er natürlich auch seinen Ueberschuß ganz verloren. Die Arbeiter»verden also durch diese Art von Wohlfahrtseinrichtung getäuscht, vielfach sogar direkt betrogen. Das gleiche gilt von dem Prämiensystem. Gewöhnlich handelt es sich dabei um eine Verschmelzung von Dienstalters- und Produktionsprämie. Die Prämie ist einer- seits an eine bestimmte Mehrleistung, andererseits an das Ausharren im Dienste während einer bestimmten Zeit gebunden. Der Arbeiter tvird also zu einer bestimmten, oft sehr erheblichen Mehrleistung veranlaßt, ohne daß er die Sicherheit hat, hierfür auch ein entsprechendes höheres Entgelt zu erlangen. Mit Recht bemerkt der württembergische Gewcrbe-Jnspektor:„Die Geivährung von Prämien an die Arbeiter ist eine Wohlfahrtseinrichtung sehr zweifelhafter Natur.... Für die große Masse der Arbeiter ist das Pränlienwescn nur schädlich, weil die Erlangung von Prämien von einer Reihe von Faktoren abhängig ist, die dem Einflüsse des Arbeiters entzogen sind." Auch die Gelvinn- beteiligung, die auf den ersten Blick ctivas Bestechendes hat, ist ein zlvcischneidiges Schwert. Zunächst geht der Ein- führung der Gelvinnbeteiligung vielfach eine Lohnherabsctzung voraus, so daß also der in Form der Gewinnbeteiligung be- zahlte Lohn tatsächlich nur einen Teil des Gcsamtlohnes bildet. Aber der Arbeiter, der vor der Rechnungslegung und der Verteilung aus dem Dienste ausscheidet, geht seines An- spruchcs verlustig. In einer ganzen Reihe von Arbeits- Ordnungen findet sich die ausdrückliche Bestimmung, daß,»ver mit Arbeitseinstellung droht, wer andere dazu zu verleiten sucht, wer streikt,»ver sich Verstöße gegen die Fabrikordnung zuschulden kommen läßt u. dergl., dadurch jeden Anspruch auf Tantieme verliert. Also nicht nur, daß die Garantie eines Mehreinkommens gegenüber der Mehrleistung bei den Prämien, den Lohnzusätzen und der Gewinnbeteiligung meistens nicht gegeben ist. bieten auch diese scheinbaren Wohlfahrtseinrichtungen in der Hand von Arbeitgebern ein Mittel, die Arbeiter sich tributpflichtig zu niachen und sie durch Hunger zum Verzicht auf ihre gesetzlich gewährleisteten Rechte zu zwingen. Fügen»vir schließlich noch hinzu, daß auch bei der letzten der von Günther besprochenen„Wohlfahrtseinrichtung", den K o n s u m a n st a l t e n, die Arbeiter häusig genug geprellt »verden, insofern als diejenigen, die im Laufe eines Geschäfts- jahres die Arbeit verlassen und dainit aus dcin Konsumverein ausscheiden, auf jeden Anspruch auf Dividende für das be- treffende Geschäftsjah» verzichten müssen, so dürfte der Betvcis erbracht sein, daß tatsächlich der ganze Wohlfahrtsschtvindel nichts ist als eine Jrrcfiihrung und Verhöhnung der Arbeiter. Die Arbeitgeber geraten, ohne daß sie eS sich ctivas kosten lassen, in den billigen Ruf, ihren Arbeitern Wohltaten zu er- weisen, sie lassen sich als Wohltäter feiern und dabei wissen sie sehr wohl, daß die Sache sich umgekehrt verhält und daß im Grunde genommen nicht die Arbeiter, sondern sie selbst die Enlpfänger der Wohltaten sind. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 19. August 1903. Deutsch-ainerikanischcr Handelsvertrag. Der Neziprozitätslongretz in Chicago.— Preußisch- amerikanischer Handelsvertrag von 1823.— Begrenzte Meistbegünstigung.— Wertzifseru des deutsch-amerikanischen Handelsverkehrs.— Ein deutsch-amerikanischer Reziprozitntsvcrtrag.— Zollkriegsaussichten. In Chicago ist vor einigen Tagen ein von ungefähr 200 land« wirtschaftlichen, industriellen und kommerziellen Vereinigungen be- schickter„Reziprozitätskongreß" zusammengetreten. Seit der Jnkraft- setzung des Dingley-TarifS im Jahre 1897 ist es nicht nur einem großen Teil der amerikanischen Farmer und Pflanzer, sondern auch manchen Händlern und auf den Export angeiviesenen Industriellen immer klarer geworden, daß dieser Tarif, indem er andere Länder zu Gegenmaßregeln herausforderte, den Export der amerikanischen Landwirtschaft und bestimmte Industriezweige schtver schädigt. Jene Kreise verlangen deshalb— eine Forderung, die vom Kongreß akzeptiert worden ist—, daß das Dingley-Gesetz revidiert und neben dem General- ein Minimaltarif zum Zlvecke der Abschließung von sogenannten Reziprozitäts(Gegen- seitigkeitsj-Verträgen aufgestellt tvird. Alle fremden Staaten, die zur Eingehung solcher Verträge bereit sind, sollen, falls sie eirt- sprechende Gegenleistungen bieten, die Vorteile dieses Minimaltarifes eingeräumt erhalten. Eine Hauptrolle in den Diskussionen des Kongresses spielte der deutsch-amerikanische Handelsverkehr und die für Deutschland wie für die nordamerikanische Union sich ergebende Notlvendigkeit, zu einer Neuregelung ihres bisherigen Vertragsverhältnisses zu gelangen. Das Abkommen, das zlvischen beiden Ländern im Jahre 1909 auf Grund des Dingley- Gesetzes geschlossen»vorden ist. fällt nämlich im nächsten Jahre nach Inkrafttreten der neuen Tarifverträge, denn dieses Abkommen räumt der nordameri- konischen Union alle Vorteile der im Jahre 1391/94 mit den Vertrags- staaten Oesterreich, Italien, Rußland, Belgien, Serbien, Rumänien und der Schlveiz abgeschlossenen Vertragstarise ein; es tvürden also mit dem 1. März 1900, falls vorher keine Neuordnung der deutsch- amerikanischen Handelsverhältnisse erfolgt, die Vereinigten Staaten beträchtliche Vorrechte vor diesen sieben Ländern erlangen und da in den Verträgen dieser Staaten zugleich die Meistbegünssigungsklausel Aufnahme gefunden hat, so tvürden demnach die genannten Länder wieder ihrerseits einen Anspruch auf die der nordamerikanischen Union zugebilligten Vergünstigungen erhalten. Für beide Staate», Deutschland wie die Union, besteht also der Zlvang, sich über einen neuen Handelsvertrag, sei es nun ein Tarif-, Reziprozitäts- oder Meistbegünstiguirgsvertrag, zu verständigen. Doch auch ohnehin erscheint es als ein Vorteil, lvenn das bisherige Ver« ttagsverhältnis, das die verschiedenartigsten Deutungen zuläßt, durch ein genauer präzisiertes ersetzt wird. Tatsächlich ist der bis jetzt gültige, durch verschiedene spätere Spczialabkommen ergänzte Ver- trag gar nicht zwischen dem Deutschen Reich und den Vereinigten Staaten geschlossen»vorden. Er stammt aus dem Jahre 1828, und ist damals zwischen dem preußischen Ge« schäftsttäger in Washington und dem Staatssekretär Henry Clay als Vertteter ihrer Regierungen vereinbart»vorden. Nachdem dann das Deutsche Reich entstanden war,»vurde er still- schweigend auch auf die übrigen deutschen Bundesstaaten ausgedehnt: eine beiderseitige Zulassung, die, nach der Ansicht hervorragender deutscher Rechtslehrer keine Nechtsverbindlichkeit begründet, denn das Reich ist ein anderes Rechtssubjekt als Preußen und nicht ipso juro in dessen Recht sukzediert. Demgegenüber hat zwar wiederholt Bismarck den Standpunkt vertreten, daß der preußisch-amerikanische Vertrag für das Reich verbindlich sei, und im Jahre 1885 hat der Bundesrat sogar durch einen Beschluß diese Verbindlichkeit offen anerkannt. Aber der Beschluß ist von amerikanischer Seite, da man vorher weder die amerikanische Regierung gefragt, noch ihre Zustimmung eingeholt hatte, nie als für sie gültig angesehen worden. Noch 1894 hat der Staatssekretär Gresham ausgeführt, die Bestimmungen des Vertrages hätten nur Geltung in bezug auf Preußen, nicht gegenüber den.anderen Teile»» des Deutschen Reiches". Jedenfalls beruht also unser handelspolitisches Verhältnis zu den Vereinigten Staaten auf einer recht unsicheren staatsrechtlichen Grundlage. Doch ist diese Rechtsfrage nicht die Hauptsache; wichtiger ist, daß die Bestimmungen des Vertrages unpräzise uud vieldeutig sind. In Betracht kommen speziell die beiden Artikel 5 und 9, die folgende Fassung haben: „Art. 5. Auf den Eingang der Erzeugiüsse des Bodens oder des Kunstfleißes des Königreichs Preußen in den Vereinigten Staaten und auf den Eingang der Erzeugnisse des Bodens oder Knnstfleißes der Vereinigten Staaten in das Königreich Preußen sollen weder andere noch höhere Abgaben gelegt»verde», als die- jenigen, Ivelche auf dieselben Artikel gelegt sind oder gelegt»verden möchten, wenn sie Erzeugnisse des Bodens oder des Kunstfleißes irgend eines anderen fremden Landes sind. Art. 9. Wenn von einem der vertragschließenden Teile in der Folge anderen Staaten irgend eine besondere Begiinstigung deS Handels oder der Schiffahrt zugestanden werden sollte, so soll diese Begünstigung sofort auch dem anderen Teile mit zugute kommen, der sie, wenn sie ohne Gegeirleistung zu» gestandenist, ebeir falls ohire eine solche, lvenn s i e aber an die Bedingung einer Vergeltung geknüpft ist, gegen Bewilligung derselben Ver- g e l t u n g genießen lv i r d." Von dcntschen Staatsmännern und Wirtschaftspolitikern ist früher vielfach auf Grund dieser Artikel die Behauphmg aufgestellt »vorden, zlvischen Deutschland und den Vereinigten Staaten bestände ein reines MeistbcgünstigungsverhältniS. Diese Auffassung ist, wie der Artikel 9 deutlich zeigt, irrig. Es kann nur von einer be« dingten und begrenzten Meistbegünstigung ge- spräche n werden, denn die volle Meistbegünstigung ist hier an die Bedingung der Einräumung besonderer Gegenleistungen in jedem einzelnen Falle geknüpft. Rämnt einer der beiden Vertragschließenden einem dritten Staate irgendwelche Handels-, Schiffahrts- oder Zoll- begünstigungen ein, so braucht er sie nur dann auch seinem Kon» trahenten zu bewilligen,»venn er sie dem dritten Staate ohne Gegenlei stung gewährt hat oder lvenn ihm sein Kontrahent dieselbe Gegcnlei st llng bietet, wie sie ihm der dritte Staat zugestanden hat. Wenn also zum Beispiel die Union»nit dem Staate Mexiko einen besonderen Zollvertrag schließt, in dem sie diesem spezielle Zollermäßigungen gewährt, so hat Preußen bezw. Deutschland nur dann auf diese Zollermäßigungen Anspruch, lvenn Mexiko sie umsonst, ohne Gcgenkonzesstonen erhalt; erkauft es dagcgcy diese Ermäßigungen durch irgend»velche Gegen- leistnugen, dann muh auch Preußen, tvcnn eS auf die Zoll- redukti'onen Anspruch macht, solche Gegenlcistungen gewähren, oder tvcnn es nicht dieselben zu bieten vermag, dann andere gleich« lvertige. Was aber in solchem Fall die Umon als gleichlvertige« Ersatz betrachten will, steht in ihrem Belieben. Solche Bestimmung schließt von vornherein gegenseitige Ueber« vorteilungsversuche in sich, und kaum hatte denn auch in den Ver» einigten Staaten gegen Ende des vorigen Jahrhunderts die Schutz- zollströinung die Oberhand erlangt, als sich bereits Zlvisligkeiten einstellten-, 1891 mußte die Zollfreiheit des deutschen Zuckers vo« der Union durch die Gewährung der Zollvergünstigungen aus land- Ivirtschastliche Produkte, die durch den Tarifvertrag von 1891 Oester- reich zugebilligt worden waren, erkaust lverden, und 1990 gab Deutschland den Bereinigten Staaten dafür, dah sie auch uns jene geringen Zollvergünstigungen gewährten, die sie durch besonderes Abkommen 1898 Frankreich zugestanden hatten, den übrigen Teil des deutschen Vertragstarifs, Die Union erlangte also das Anrecht auf samt- liche Vergünstigungen der 1891/94 abgeschlossenen sogenannten Caprrvlschen Handelsverträge. Zu untersuchen, ob Deutschland oder die Union aus jenem Ab- kommen den größeren Vorteil gezogen hat— eine Betrachtung, in der sich die Vertreter der Schutzzollsystems mit Vorliebe gefallen— hat heute, nachdem wir vor dem Ende jener Vereinbarungen stehen, keinen sonderlichen Zweck mehr, und überdies fällt natürlich das Ergebnis � je nachdem, unter welchem Gesichtspunkt man die Vereinbarungen betrachtet, ob vom freihändlerischen, vom gemäßigt- oder extrem- schutzzöllnerischen Standpunkt, sehr verschieden aus. Betont muß jedoch werden, daß, wenn auch ein Teil der nach den Vereinigten Staaten exportierenden deutschen Industrien durch die neuere amerikanische Zollgesetzgebung entschieden geschädigt worden ist, doch von einer Unterbindung des deutschen Exports nach den Vereinigten Staaten, wie die Vertreter des Schutz- zöllnertums behaupten, nicht die Rede sein kann. Von 1898 bis 1904, also in den sechs Jahren, die seit der Inkraftsetzung des Dingley- Tarifes verstrichen sind, hat immerhin laut der amerikanischen Ausweise der deutsche Export nach der Union um 4O Millionen Dollar(zirka 179 Millionen Marl), laut der deutschen Reichsstatistik um 169 Millionen Mark zugenommen; während die Ausfuhr der Vereinigten Staaten nach Deutschland sich im gleichen Zeitraum nur von 877 auf 944 Millionen Mark erhöhte; doch muß beim Vergleich dieser Ziffern in Betracht gezogen werden, daß in den beiden guten amerikanischen Enitejahren 1999 und 1991 das deutsche Zollgebiet für 1921 und 1942 Millionen Mark Erzeugnisse aus der Union aufgenommen hat. Nach den Wertsummen gemessen, bleibt allerdings die deutsche Ausfuhr in die Vereinigten Staaten hinter deren Ausfuhr in das deutsche Zollgebiet beträchtlich zurück. Deutschland exportierte zum Beispiel in 1994 nach der Union nur für 495 Millionen Mark(laut der amerikanischen Statistik für 199 Millionen Dollar); dagegen erhielt Deutsch- land für 944 Millionen Mark<212 Millionen Dollar) amerikanische Waren. Jndeß gibt der Vergleich der bloßen Ziffern kein richtiges Bild; denn die Ausfuhr Deutschlands nach der Union besteht zu 83 Proz. in Jndustrieartikeln, der Export der Union in das deutsche Zollgebiet aber nur zu 6 Proz. Zumeist führen die Bereinigten Staaten nach Deutschland landwirtschaftliche Nahrung«- mittel(Getreide und Obst), besonders aber Rohstoffe für industrielle ? wecke aus, die Deutschland absolut nicht entbehren kann. So efanden sich z. B. 1994 unter den nach Deutschland versandten Er- zeugnissen allem für 338 Millionen Mark Rohbaumwolle, für acht Millionen Mark Baumwollabfälle, für 129 Millionen Mark Kupfer, 27 Millionen Mark Bau- und Nutzholz«. Beide Staaten haben deshalb ein entschiedenes Interesse daran, zum Abschluß eines neuen Vertrages zu gelangen; in den Vereinigten Staaten allerdings zumeist die Farmer und Pflanzer, in Deutschland die Exportindustrie. Die deutschen Agrarier würden am liebsten sehen, wenn die amerikanischen Bodenprodukte möglichst ganz vom deutschen Markt verschwänden und zu diesem Zweck ein frisch-fröhlicher Zollkrieg provoziert würde. Die Aussicht auf Abschluß eines Tarif- Vertrages, der die beiderseitigen Zollsätze für längere Zeit in der Weise bindet, wie es m den mit Rußland, Italien, Belgien usw. abgeschlossenen Verträgen geschieht, ist allerdings außerordentlich gering. Derartige Verträge ist bisher Amerika über- Haupt nicht eingegangen. Selbst die ganzen und halben anicri- konischen Freihändler wollen von einer Festlegung der Zölle auf lange Zeit nichts wissen, da sie dadurch an der Benutzung gllustiger Gelegenheiten zu Tarifrevisionen verhindert werden. Wohl aber bietet sich trotz des Widerstandes der amerikanischen Hochschutzzöllner Aussicht auf Abschluß eines sogenannten Reziprozitälsverlrages, in welchem jede Seite der anderen als Gegenleistung für deren Zollnachlässe bestimmte Zollermäßigungen oder sonstige Handels- vorteile einräumt. Wenn allerdings die Vertreter des deutschen SchutzzöllnertumS verlangen, daß der nordamerikamschen Union höchstenfalls der neue deutsche Vertragstarif eingeräumt werden dürfe, d. h. nur jene Vergiinstigungen, die Rußland, Oesterreich, Italien erlangt haben und auch diese nur dann, wenn die Ver- einigten Staaten für deutsche Textilprodukte und Lederwaren größere Zollreduktioncn gewähren, so heißt das von vornherein jede Verständigung auszuschließen. Denn der neue deutsche Vertragstarif bietet der Union gegenüber dem jetzigen Zustand fast gar keine Borteile, nur Nachteile. Die Zölle einer Reihe der wichtigsten amerikanischen Ausfuhrartikel z. B. Weizen, Mais, frisches Obst, Nutzholz, Talg, Oele, zubereitetes Fleisch, Maschinen usw. werden durch ihn bedeutend erhöht, teilweise bis zu 199 Proz. Wer annimmt, daß die UankeeS derartige Zoll« erhöhuugcn ruhig in Kauf nehmen und ohne irgend welche Gegen- konzessionen erlangt zu haben, Deutschland obendrein noch bedeutende Zollermäßigungen zugestehen, kennt den Charakter Uncle Sams recht schlecht. So fassen die Uankees die Rcciprozität nicht auf. Sollen uns die Vereinigten Staaten Zollreduktionen einräunien, so müssen ihnen Gcgenkonzcsstonen gemacht werden, und hierfür bieten sich, selbst wenn die deutsche Regierung die Getreide- Mindestzölle als unantastbar betrachtet, Wege genug: zunächst die Aufhebung der Bestimmungen, die das Ver- bot der Einsuhr amerikanischer zubereiteter Fleischwaren teils ganz verbieten, teils ein- schränken, ferner eine Er Mäßigung des Schmalz-, Obst-, Mais- und Petroleum zolle s. Das deutsche ' Volk würde sicherlich gegen eine solche Zollermäßigung nichts ein- zuwenden haben; vor allem nichts gegen die Wiederzulassung amerikanischer Wurst- und anderer Fleischwaren. Die Aufrechterhaltimg der Forderung, die Vereinigten Staaten müßten gegen die Gewährung des neuen deutschen Vertragstarifes ihre bisherigen Zollsätze wesentlich reduzieren, heißt nichts anderes, als den Zollkrieg heraufbeschwören, der den Agrariern zwar recht schön in ihre Zollwucherpolitik passen Ivürde, auch � einen: Teil der industriellen Schntzzöllner, der aber die deutsche Arbeiterschaft schwer schädigen würde, denn auf die aus Amerika importierten Roh- stoffe(Baumtvolle, Kupfer, Kalk, Harz zc.) würden, da die deutsche Industrie diese Erzeugnisse nicht entbehren kann, keine Zölle gelegt werden, Wohl aber würden sofort für die ans den Vereinigten Staaten importierten Nahrungsmittel höhere Zollsähe in Kraft treten; das heißt also, dem Arbeiter Ivürden diese Lebens- mittel noch mehr verteuert>v erden. Und diese Ver- tenerung wäre nicht die alleinige Schädigung, die für ihn der Zoll- krieg im Gefolge hätte. Ganz zweifellos würden die Vankees auf die in die Vereinigten Staaten eingeführten deutschen Industrie- artikel Kampfzölle legen und zugleich die Vergünstigungen, deren sich heute die deutsche Schiffahrt in den amerikanischen Häfen erfreut, fallen lassen, vielleicht diese sogar durch Einführung spezieller Tonnengeld- Aufschläge ersetzen. Die unausbleibliche Folge solcher Maßregln wäre eine beträchtliche Zunahme der Arbertslosigkeit in den für Amerika arbeitenden Industriezweigen und im deutschen Schiffahrts-Gewerbe. Die deutsche Arbeiterschaft hat jeden- falls nicht das geringste Interesse daran, daß wegen der Aufrecht- erhaltung der deutschen Fleischeinfuhrverbote und der erhöhten Joll- sätze des neuen Vertragstarifes ein Zollkrieg mit den Vereinigten Staaten provoziert wird. v Tat. Hus der Partei. Zum Parteitage. Die Adresse des Lokalkomitecs ist: Hermann Leber, Jena, Marienstraße 2«. Zum Organisntionsstatut wurden im sozialdemokratischen Per- ein in B r a u n s ch w e i g eine Anzahl Abänderungsanträgc bc- schlössen, deren wichtigste sind: § 8. Die sozialdemokratischen Vereine schließen sich zu Bezirks- verbänden und Landcsorganisationen zusammc», denen die Ver- Mittelung zwischen den sie bildenden Vereinen und dem Partei- vorstand obliegt, und denen der Partcivorstand einen Teil seiner Geschäfte mit deren Zustimmung übertragen kann. Auch kann den Bczirksvcrbändcn das Recht eingeräumt werden, die Aufstellung der Rcichstagskandidatcn in ihren Kreisen zu bestätigen. Die Satzungen der Bezirksverbände dürfen mit dem Organisationsstatut der Ge- samtpartci nicht in Widerspruch stehen. Die Vorstände der Bezirks- verbände haben ihre Wahl, die Satzungen und deren Aen�rungen dem Parteivorstande unverzüglich mitzuteilen, ihm auch alljährlich bis zum 15. Juli gemäß§ 13 Absatz 1 Bericht zu erstatten. Z 13. Die Vorstände der sozialdemokratischen Vereine bczw. die Vertraucnspcrsoncn haben dem Vorstande ihres Bezirksvcrbandcs alljährlich bis zum 1. Juni Bericht zu erstatten. Der Bericht muh enthalten: Angaben über Art und Ilmfang der entfalteten Agi- tation, die Zahl der im Wahlkreise organisierten Parteigenossen, die Summe der gesamten Einnahmen, die Art der Verwendung der dem Wahlkreise verbliebenen Gelder. Soweit kein Bezirksvcrband vorhanden ist, ist der Bericht unmittelbar an den Parteivorstand zu richten. 8 15. Zusatz zu Ziffer 1. Alle Wahlkreise, welche mindestens 299 Mitglieder besitzen und welche ihren Pflichten gegenüber der Hauptparteikasse nachkommen, müssen auf dem Parteitage durch einen Delegierten vertreten sein. Sind Mittel nicht vorhanden, so trägt die Hauptkasse die Delcgationskostcn. Die Reichstags-Fraktion soll nur Delegierte nach dem Partei- tage senden dürfen. Im sozialdemokratischen Verein in Kattowitz(O.-S.) wurde nach einem Referate des Genossen BruhnS über den Parteitag in Jena folgende Resolution zum 1. Punkte der Tagesordnung des Parteitages beschlossen: „Die Kattowitzer Parteigenossen bedauern das Scheitern der angestrebten Wiedervereinigung der polnisch- sozialdemokratischen Partei(?. R S.) mit der sozialdemokratischeil Partei Deutschlands deshalb,>veil nur eine solche Vereinigung der beiden Organisationen die Mittel schaffen kann, welche zu einer starken, planvollen Agitation in: oberschlesischen Jndustriebezirke und zur sicheren Gewinnung des polnischen Proletariats für d:e Sozialdemokratie erforderlich sind. Die Kattowitzer Genossen können aber dem deutschen Partei- vorstände eine Schuld an dem Scheitern der Verhandlungen nicht beimessen." Als Reichstagskandidat für den Wahlkreis Hirschberg in Schlesien wurde durch einstimmigen Beschluß der Itreiskonferenz Genosse Robert Albert, Redakteur der Breslauer„Volkswacht", auf- gestellt. Bei der letzten Wahl kandidierte dort Feldmann(Doppel- kandidatur). Im Wahlkreise Jiitcrbog-Luckenwalde flieg die Zahl der Lokal- vereine von 11 auf 16 im letzten Geschäftsjahre und die Gesamtzahl der Mitglieder von 1483 aus 1975. Die gesamte Jahrescinnahme betrug 1563 M. Außerdem zahlte Luckenwalde allein 259 M. an den Parteivorstand, 259 M. an die Agitationskommission, 599 M. zum Wahlfonds und 299 M. für die russischen Parteigenossen. Für die Bergarbeiter wurden aus Luckenwalde 6999 M. geleistet. Ter sozialdemokratische Verein München nahm am Freitag in einer außerordentlichen Generalversammlung Stellung zum Partei- tag. Es wurde beschlossen, zum Organisationsstatut eine Reihe von Abänderungsanträgcn zu stellen. Während die vom letzten Partei- tag eingesetzte Kommission vorschlägt, daß sich die sozialdemo- kratischen Vereine immer über ganze Rcichstags-Wahlkreise er- strecken sollen, beantragen die Münchcner Genossen:„In jeden: Orte, in dem usw., soll ein sozialdemokratischer Verein gegründet werden. In Orten, die in mehrere Reichstags-Wahlkreise geteilt sind, kann, wenn die Verhältnisse es erfordern, ein eigener sozial- demokratischer Verein gebildet werden." Bezüglich der Beiträge wird verlaugt, daß die Festsetzung der Mitglicderbciträgc durch den allgemeinen Parteitag erfolgen soll. Ferner sollen nicht 25, sondern nur 19 Proz. der Einnahmen aus dem Einhcitsbeitrag— und zwar nur aus dem Beitrag, nicht auch aus den Eintrittsgeldern— in die Zentralkasse fließen. Die Landcsorganisationen und die sozial- demokratischen Vereine sollen berechtigt sein, Zuschläge zum Ein- heitsbeitrag zu beschließen und zu erheben. Weitere Aenderungsvorschläge beziehen sich auf die Vertrauens- Personen. Nur dort, wo aus gesetzlichen Gründen sozialdemokratische Vereine nicht gegründet lverden können, st>llen Vcrtrauenspersonen gewählt werden. In allen übrigen Landesteilen sollen die Bor- sitzenden der sozialdemokratischen Vereine die Funktionen übernehmen, die der Kommissionsentwurf den Vertrauenspersonen zugedacht hat. Die Vorsitzenden sollen ihre Berichte zunächst den Landesvorständen erstatten, die sie systematisch zusammengestellt dem Parteivorstand einzusenden haben.— Zum Abschnitt Parteitag wird die Streichung des 8 9 Abs. 2 Ziff. 2(„Die Mitglieder der Reichstags- fraktion") des jetzigen Statuts gefordert.— Die Bestimmungen über den Ausschluß aus der Partei wollen die Münchcner Genossen so gefaßt wissen, daß zur Einberufung eines Schiedsgerichts ein Be- schluß der Organisation erforderlich ist, der der Antragsteller an- gehört. Die Auslrahl der Beisitzer soll auf die Parteigenossen des Landesverbandes beschränkt werden, dem der Wohnort des An- geschuldigten angehört. Ten Vorsitzenden soll der Landesvorstand bezeichnen.— Weiter wurde beschlossen, es sei auf die Tages. ordnung des Parteitages zu setzen: Der gegenwärtige Stand der Sozialpolitik in Deutschland. Zu.Äsxlegierten für den Parteitag wurden gewählt die Genossen Franz'«chmitt, Knieriem und P i ck e l m a n n._ Hue Industrie und Handel Die oberschlesische Steinkohlen- und Erzprodnktion hat im ersten Quartal dieses Jahres nicht unbeträchtlich zugenommen, obgleich sich gleichzeitig die Zahl der im Bergwerksbetrieb beschäftigten Ar- beitcr verringert hat. Nach der Statistik des Oberschlesischen Berg- und Hüttenmännischen Vereins wurden, wie der„Voss. Ztg." aus Kattowitz gemeldet wird, im ersten Quartal 1995 in Oberschlesicn auf den Steinkohlen- und Erzgruben 7 247 561 Tonnen Erz und Kohlen gegen 6 868 536 Tonnen im vorangegangene� Quartal pro- duziert. Der Geldwert betrug 57 699 799 M. gegen 55 287611 M. Die Eisen- und Stahlindustrie produzierte 413 892 Tonnen im Werte von 36 713 969 M., die Zinkindustrie und die Industrie der Nebenprodukte 86 239 Tonnen im Werte von 25 641352 M., die Kokszündcr- und Brikettfabrikcn 385 869 Tonnen im Werte von 4 496 543 M. Die Anzahl der Arbeiter ermäßigte sich dagegen von 143 177 aus 143 943. Bcrgwerksverleihung. Das Oberbergamt in Dortmund hat. wie dem„Berk. Tagebl." geschrieben wird, nunmehr dem A. Schaaff- hausenschen Bankverein und der Dresdner Bank das Eigentum der Bergwerke„Anneliese VII" und„Anneliese VIII" in den Ge- meinden Stadt Ahlen, Alt-Ahlen und Heessen, Kreis Beckum(Reg.- Bez. Münster) mit einem Felde von 2 188 997 bczw. 2 188 999 Quadratmeter zur Gewinnung der in diesen Feldern vorkommenden Steinkohlen auf Grund der Mutungcn vom 1. Dezember bczw. 1. November 1994 verliehen. Oesterreichs Ernte. Wie offiziell aus Wien gemeldet wird, hat der in den letzten Tagen gefallene Regen die Dürre teilweise be- hoben. Die im Frühjahr gehegten Hoffnungen bezüglich der Ge- treide-Erntc erfüllen sich wegen der Dürre im allgemeinen nicht. Die Weizen-Emtc ist besser als die Roggcn-Ernte. Im allgemeinen ist die Ernte mittelmäßig. Die Zuckerrübe weist eine befriedigende Gewichtszunahme auf. Tic Anwendung der Elektrizität in Japan. Am 29. Juli 1991 kam die erste Schiffsladung von Dampfturbinen von San Franziska ' in Japan an, iÄiejbt„Ahe WaMieet Siimmarh" und vier Wochen später leisteten sie schon ihre Arbeit für die Shigai elektrische Straßenbahn in Tokio. Bald folgten neue Bestellungen und heute ist die Anwendung der Elektrizität ziemlich ausgedehnt in japanischen Städten sowohl für Beleuchtungs- als für andere Zwecke. Osaka, eine Stadt von 899 999 Einwohnern, wird von der Osaka Electric Light Co. mit Elektrizität versorgt. Diese Gesellschaft arbeitet mit einem Kapital von 2 499 999 Aen. Eine der größten Gesellschaften ist die Tokio Straßcubahngesellschaft, die über ein Kapital von 15 Millionen Den verfügt. Bei Neuanlagen werden amerikanische Firmen bevorzugt; wenige Maschinen oder Apparate werden von Engländern und Deutschen gekauft. 6ewerKscKaftlid)es. Ein neuer Scharfmachervcrband soll in Teutschland ins Leben gerufen werden. Vor kurzem ist ein „Aufruf an alle Berufsgenossen der Jnstalla, tionsbranchc(Gas-, Wasser-, Elektrizitäts-, KanalisationS- und Hcizungsfach usw.), insbesondere an alle selbständigen Jnstalla- teure, Klempner, Kupferschmiede, Schlosser usw." erschienen, in welchem zur Gründung eines großen Deutschen Verbandes selb- ständiger Installateure unter Anschluß bezüglicher Innungen, Ver« eine und linterverbände aufgefordert wird. Einem Mitarbeiter der„Breslauer Volkswacht" ist der„ver- traulich" gehaltene Ausruf zu Gesicht gekommen. Es heißt u. a. in demselben: Die Gehlllfcnfrage nimmt, wie besonders die letzten Essener Vorgänge zeigen, eine Form an, die den entschiedensten Widerspruch hervorruft. Kontraktbrüchige Bergleute werden von der Regierung als liebe Kinder behandelt, Arbeitgeber aber, die ihren Leuten ordnungsmäßig kündigen und entlassen, weil deren sozialistische(!) Organisation eine gedeihliche Wcitcrarbeit unmöglich mache, werden als schnöde Kontraktbrccher bezeichnet. Solche Bezeichnungen müssen sichunsereKollegeninEssen von ihrem Oberbürgermeister gefallen lassen. Nicht genug damit, fordert dieser Herr noch 29 999 Mark aus dem Stadtsäckel zurUnter st ützungunlenksamer Arbeiter! Kollegen I Hat man uns deshalb mit den Gesellcn-AuSschüssen beglückt? Jeder anständige Arbeitgeber weiß einen anständigen und tüchtigen Arbeiter zu schätzen, er bezahlt ihn gut(!) und gern. Jeder Arbeitgeber aber lvciß auch, welche Plage, welche Scherereien und welche Verluste ihm untüchtige, unbotmäßige und un- fleißige Arbeiter verursachen. Sich vor solchen Elementen in den gesetzlich gestatteten Grenzen zu schützen, dagegen tüchtigen Leuten den Weg zu ebnen, wird nicht die geringste Aufgabe des neuen Verbandes sein. Die Tätigkeit unseres neuen Verbandes wird deshalb eine energische sein. Mit Halbheiten kommen wir nicht weiter, der allzu Bescheidene(!) wird zurückgedrängt! Ein derbes Wort am rechten Ort wird uns weiter helfen, als viele zahme Reso- lutioncn. Beseelt von diesem Gedanken, ist eine größere Anzahl bekannter Kollegen zusammengetreten, um eine neue, kraftvolle Organisation zu schaffen! Die formelle Gründung hat im Herbst dieses Jahres zu erfolgen. Um einen Grundstock für die ersten Auslagen zu schaffen, ist die Ausgabe von Anteilscheinen a 29 M. vorgesehen. Dann folgen die Unterschriften des provisorischen Komitees: Ferdinand B ä u m l- Nürnberg, I. Derlin- Hamburg, C. Frick- Friedbcrg i. H., Gülich-Köln, Ehr. Hölcke-Kassel, K. Knips-Fulda, K r a s s c l t- Berlin S\V. 46, Ed. Leister- Kassel, P. Paulmann- Peine, C. Schürer jr.- Greitz, C. Zarambera- Chemnitz- Kappel. Die Sprache des Aufrufes verrät, weß GeistcL Kinder die Herren Gründer sind. Der ganze Zweck der Gründung ist, gegen die„unlenksamen" Arbeiter mobil zu machen. Die Arbeiter der genannten Branchen werden gut tun, ein wachsames Auge zu haben und besonders in den mittleren und kleineren Städten für Stärkung ihrer gewerkschaftlichen Organisationen Sorge zu tragen, denn eine ziemliche Anzahl Krauter sind diesem Unternehmen schon beigetreten. Die Herren versichern, daß die Tätigkeit des neuen Verbandes eine energische sein wird. Mögen die Arbeiter diese Spicßcr-Scharfmacher bei einem eventuellen Lohnkampfc nicht im unklaren darüber lassen, daß sie deren terroristische Gelüste ebenfalls auf das energischste zurückzuweisen imstande sind.__ Ter„Allgemeine Schudkvngrcsi für alle in und an der Schiffahrt und im Schiffsbau beschäftigten Ar- b e i t e r" soll, um allen interessierten Verbänden die Möglichkeit der Teilnahme zu gewähren, im März oder April 1996 in Berlin stattfinden. Berlin und tlmgegend. Der Zuzug von Posamentierern nach Berlin ist streng fern- zuhalten. Achtung, Former! In der Metallgießerei von Hoppe(Inhaber Bering und Holle), Alte Jakobstr. 67, legten sämtliche Former und Gicßereiarbeiter wegen zu geringen Verdienstes die Arbeit nieder. Eine Verständigung seitens des Verbandes hatte nicht den ge- wünschten Erfolg. Von der Tarifbewegung der Marmorarbciter. Eine Versamm- lung der Marmorarbeiter, die Freitag im„Englischen Garten" tagte, nahm den Bericht der Tarifkommission über die Vcrhand- lungcn mit den Untcrnchmcrvertretcrn entgegen. In der letzten gemeinsamen Sitzung haben die Unternehmer einen Gegentarif bei- gebracht. Dieser enthält für die Akkordarbeiter unter den Stein- metzen nur' ganz unerhebliche Zugeständnisse, während für die Schleifer eigentlich nur die alten Sätze wieder aufgestellt sind. Die Lohnarbeiter, sowohl Schleifer als Steinmetzen, sollen pro Stunde 2(4i Pfennig mehr erhalten. Der Referent der Unternehmer er- klärte zugleich, daß von der neunstündigen Arbeitszeit vorläufig nicht abgegangen werden könne.— Die Kommission der Arbeiter ist der Meinung, daß noch das Einigungsamt anzurufen sei.— Es entspann sich eine lebhafte Debatte, die mit dem Beschluß endete, daß die Kommission auf Grundlage der aufgestellten Forderungen weiter verhandeln und das Einigungsamt anrufen soll. H a n s ch k e teilte mit, daß in Zukunft die regelmäßige Zustellung des„Steinarbeiter" durch die Post erfolgen soll, was die genaue Führung einer Postlistc erfordert. Die Kollegen sind deshalb ver- pflichtet, an H a n s ch k e, K o l o n i e st r. 129 in Berlin, ihre genauen Adressen zu übermitteln, wobei die Oktober-Umzüge zu berücksichtigen sind. Es wurde beschlossen, daß die Platzvertreter verpflichtet sind, die Adressen an Hanschke einzusenden. Die Hutmacher der Firma Rosenberg u. Hoffmann befinden sich in: Streik, Verlangt wird eine Lohnzulagc von 5—19 Pf. pro Dutzend. Die Forderung ist um so gerechtfertigter, als andere Fabrikanten 39—59 Proz, pro Dutzend mehr zahlen als die er- wähnte Firma. Die Arbeiter suchten mit Herrn Hoffmann zu ver- handeln. Da der Herr aber erklärte, sich aus nichts einzulassen, reichten sämtliche Arbeiter ihre Kündigung ein, die auch ordnungS- gemäß innegehalten wurde. Daraufhin versandte die Firma an lämtliche Hutfabrikanten folgendes Schreiben: „Wir sehen uns hierdurch veranlaßt. Ihnen die ergebene Mit« teilung zu machen, daß wir uns genötigt gesehen haben, unsere sämtlichen Arbeiter am Sonnabend zu entlasien. Trotzdem ein Teil derselben fast das ganze Jahr bei uns beschäftigt ist und reichlich verdiente, haben sie, der Aufhetzung eines Arbeiters folgend, an uns Mehrforderungen gestellt, die wir nicht bewilligen konnten, wenn wir überhaupt noch die Herren in unserer Fabrik bleiben und noch etwa« verdienen wollten. Wir glauben, es liegt im Interesse aller Fabri- kanten, die von uns entlassenen Arbeiter nicht emzustellen.�wenn wir uns schützen lvollem gegen frivol heraufbeschworene Beunruhigungen der Branche seitens der Arbeiter." Die Behauptung, daß die Firma die Arbeiter entlassen hätte. entspricht in keiner Weise den Tatsachen. Im übrigen enthält das Schreibe» die alte abgedroschene Behauptung, nicht mehr Herr ha Hause zu sein, wenn die— übrigens sehr geringfügigen Fyrhe- rungcn der Arbeiter nnch Lohnerhöhung bewilligt würden, Hoffentlich zeigen die Arbeiter durch ihr solidarisches Verhakten. oaff Herr Rosenberg mit der Organisation der Arbeiter, rechnen muß und zwingen ihn, die berechtigten Forderungen anzuerkennen. Die Konditoren haben einen neuen Lohntarif für alle Branchen deS Fabrik- und Bactgeschciftes ausgearbeitet. Eine gut besuchte Mitgliederversammlung hat am l7. August denselben gutgeheißen. Zur beginnenden Saison soll eine lebhafte Agitation entfaltet werden, um den Arbeitgebern den Tarif vorlegen zu können. Der Ausdehnung der Akkordarbeit soll entschieden entgegengetreten Werden, auch das Kolonnensystem soll energisch bekämpft werden. Die auf Kohlcnplätzen beschäftigten Arbeiter nahmen am 13. August Stellung zu den aufgestellten Forderungen, die sich auf die Lohnfrage und die Regelung der Arbeitszeit bezichen. Der Referent Rein legte dar, daß die durchschnittliche Arbeitszeit 11 Stunden betrage, aber sehr wohl auf 10 Stunden verkürzt werden könne, wenn die Kohlenarbeiter die Erfahrungen anderer Arbeiter behemigen und treue Mitglieder des Verbandes der Handels- und Transportarbeiter werden. Bisher seien in L4 Be- trieben, in denen ständig 354 Arbeiter und 103 Kutscher beschäftigt sind, nur 128 Arbeiter und 25 Kutscher organisiert. Eine besondere Tabelle zeigt, daß auf den Plätzen von Kupfer u. Co., Koch usw. die Kollegen am zahlreichsten organisiert sind. Nach der ausgedehnten Debatte gelangte eine Resolution zur Annahme, in welcher sich die Anwesenden mit den Forderungen einverstanden erklären. Eine größere Zahl der Kohlenarbeiter traten dem Verbände bei. Deurkdu» Reich. Friedensschluß im Miinchener Baugewerbe. Von Freitag 3 Uhr nachmittags bis Sonnabend früh 6 Uhr fand vor dem Münchener öicwerbcgcricht eine erneute Einigungsverhandlung zwischen ign drei Organisationen der Bau arbeiter und des UnternehmcrverbandcS in fast löstündiger Ver Handlung statt. Die äußerst lebhaft geführten Debatten führten zu einer glatten Niederlage des Unternehmertums.— Die Arbeitgeber, die am Tage vorher noch den Standpunkt ein- nahmen, überhaupt nicht mehr verhandeln zu können, wurden plötzlich völlig mürbe. Sie schlössen mit den Arbeitern einen Tarif vertrag ab, der bis zum LI. März 1003 Gültigkeit hat. Die wichtigsten Einzelbestimmungen lauten: 1. Die Maurer erhalten für die Stunde einen Durchschnitts- lohn von 52 Pf. und 47 Pf. im Minimum. 2. Die Zimmerer im Durchschnitt 49 Pf., im Minimum 47 Pf. 3. Die Bauhülfsarbeiter im Durchschnitt 38 Pf., im Minimum 86 Pf. 4. Am 1. April 1906 Erhöhung des Stundenlohnes für Maurer und Bauhülfsarbeiter um 1 Pf. 5. Von 1907 ab für die gleichen Kategorien Erhöhung um 2 Pf. 6. Für die Zimmerer vom 1. April 1906 ab Erhöhung um 2 Pf.; vom 1. April 1907 ab nochmals um 2 Pf. 7. Der Tarif tritt in Kraft mit Mittwoch, 23. August 1995; an dem gleichen Tage erfolgt die Aufnahme der Arbeit. 8. Maßregelungen irgend welcher Art sind aus- geschlossen. Das Hamburger GcwerkschaftSkartell hat sich mit dem von Altona-Ottensen vereinigt. Vom 1. Oktober 1905 ab führt es den Namen Gcwerkschaftskartcll von Hamburg-Altona, daS Arbeiter sckrctariat erhält mit dem gleichen Datum den Namen: Arbeiter sckretariat von Hamburg-Altona. Die Verwaltung der städtischen Gaswerke in Hamburg lehnte ne Forderung der Arbeiter auf Einführung der achtstündigen Arbeitsschicht sowie Lohnerhöhung ab. Die Erregung unter den Gasarbcitern über den ablehnenden Bescheid ist groß. Arbeits- einstcllung erscheint unvermeidlich. Die Mannheimer Bordarbeiter sind in eine Lohnbewegung ein- getreten. Sie haben den Arbeitgebern einen Tarifcntwurf ein- gereicht. Derselbe bezieht sich auf die Lohnfrage, Ueberstundenarbcit und Arbeitszeit. Bis zum 25. August erwarten die Hafenarbeiter die Antwort der Arbeitgeber. Zum Streik der Maurer und Zimmerer in Langenbielau. Die Situation ist, trotzdem der Streik schon fast ein Vierteljahr dauert, unverändert. Die Berliner„arbeitswilligen" Maurer haben Langenbielau verlassen müssen, da sie den Ansprüchen der Meister nicht genügten. An Anklagen fehlt es den Streikenden nicht. So hatten sich in der letzten Schöffcngerichtssitzung allein drei Maurer als Streiksünder zu vcrantwortcu. Die Anklagen wurden natürlich im öffentlichen Interesse erhoben. Ein Maurer soll einen Arbeits- willigen durch* das Wort„Kühnnuß" beleidigt haben. In der Ver- Handlung wird festgestellt, daß der Angeklagte und der Kläger seit ihrer Jugend befreundet sind und daß der Angeklagte seit seiner Kindheit den Beinamen„Kühnnuß" hat. Resultat der VerHand- lung: Freisprechung. Ein zweiter Maurer soll einen Polier beleidigt und einen Maurcrlehrling bedroht haben. Die Bc- leidigung gibt der Maurer zu, aber die Bedrohung bestreitet er. Der Lehrling sagt aus, daß er nicht geglaubt habe, daß der Maurer schlagen würde. Urteil: Drei Wochen Gefängnis wegen Bedrohung und fünf Tage Gefängnis wegen Bc- leidigung. Der dritte Maurer sollte wieder einen„arbeits- willigen" Maurer beleidigt haben. Die Verhandlung ergab die Hinfälligkeit der Anklage. Urteil: Freisprechung. Ein Arbeitswilliger drohte, einen Streikenden mit einem Ziegel zu werfen; ein anderer spuckte vor der Frau eines Streikenden aus und sagte:„Pfui!" Da Strafantrag gestellt ist, so sind wir neu- gierig, was die lieben Arbeitswilligen auf die Jacke kriegen werden. In dem Streik der Dachdecker, Installateure und Klempner in Köln haben ausgedehnte Einigungsvcrhandlungcn vor dem Gc- Werbegericht stattgefunden, die am Sonnabend fortgesetzt wurden. Bekanntlich hatten die„Christlichen" sich zunächst nicht nur an dem Ausstand nicht beteiligt, sondern auch unter Umgehung der freien Gewerkschaften auf eigene Faust mit den Unternchmerorgani- sationen verhandelt. Jetzt ist die Unverfrorenheit der christlichen Streikbrecherorganisation in ihrer ganzen Größe offenbar geworden; denn es hat sich ergeben, daß die„Christlichen" einen einzigen Dachdecker und nur acht bis zehn organisierte Installateure und Klempner haben. Dabei hatten die „Christlichen" verlangt, daß ihnen der den Arbeitgebern eingereichte Lohntarif zuerst zur Begutachtung unterbreitet werde, obwohl sie nur etwa den hundertsten Teil der Ausständigen stellten. Als ihrem unbegründeten Begehren nicht entsprochen wurde, schrieben sie der Unternehmerorganisation, sie seien mit dem Tarif des Deutschen Metallarbciterverbandes nicht einverstanden. Später sahen sie sich wider Willen gezwungen, sich dem Streik anzuschließen. Die Drahtzieher der Eschwciler Drahtfabriken A.-G. haben sämtlich die Arbeit niedergelegt, weil mehrere ihrer Mitarhciter wegen Zugehörigkeit zu dem christlichen Nietall- arbeiterverband entlassen wurden. Die Unternehmer des Aachen-Eschweiler Jndustriegehiets maßregeln die braven„Christ- lichen" genau so, wie anderwärts die bösen Sozialdemokraten ge« maßregelt werden. Dieser Tage hat der Betriebsführer eines anderen rheinischen Großbetriebs den christlich Organisierten erklärt: „Ihr seid gerade so gut Sozialdemokraten wie die anderen; Ihr seid nur feiger als diese." So dankt das Unternehmertum den „Christlichen" die zersplitternde Tätigkeit ihrer Sondcrgewerkschaften. 6erlcht9-Zcitun<|. Wegen Vergehens gegen die Z§ 17, 18 und 20 deS PreßgesetzeS stand gestern unser verantwortlicher Redakteur, Genosse Büttner, vor der zweiten Strafkammer de* Landaerichts I. In Ar. 102 des „Vorwärts" vom 3. Mai wgr unter der Usberschrift„Der Königs- berger Prozeß vor dem Reichsgericht" ein Artikel erschienen, der in kurzen Zügen die Revisionsgründe der Verteidigung und der Staats- anwaltschaft mitteilte. Büttner bestritt, sich im Sinne der Anklage schuldig gemacht zu haben, da er selbst keige Kenntnis der Revisions- schrift gehabt, sondern lediglich die Einsendung einer Gerichts- korrcspondcnz abgedruckt habe. Nach Vsplesung des umfangreichen Aktcnmatcrials beantragte der Staatsanwalt eine Geldstrafe von 50 Sil. Nach kurzer Beratung erkannte das Gericht auf eine Geld- strafe von 20 M. Ein Gehlseiiprvzcfi beschäftigte gestern das Schöffengericht zu Charlotteuvurg. Wegen Belxidigum des Privatdetektivs Ea-parh- Roth-Rosfi war der Schrift st eller Joachim Gehlsen an- geklagt. In der von G. herausgegebenen Zeiff'chrift„Die Laterne" erschien im Frühjahr d- Ii-«in Artikel, in welchem das Vorleben des Privatdetektivs Caspary-Roth-Rpfsi einer scharfen Kritik unter- zogen und schwere Anschuldigungen gegen den Genannten erhoben wurden. Tee Jnhalr des Artikels wandte sich in schärfster Weise gegen das Treiben gewisser Privatdetektivs, die sich vielfach in geradezu gemeingefährlicher Weist gegen die Interessen ihrer Vertrauens- seligen Auftraggeber vergingen. Insbesondere wurde dem Kläger Caspary-Roth-Roffi vorgeworfen, das; er nicht immer mit den saubersten Waffen kämpfe. Er scheue sich z. B. nicht, vielfach die- jcnige Partei in Ehescheitzungssachen zum Siege zu führen, die ihn am besten bezahle.— Der Angeklagte will durch Rechtsanwalt Jüngst einen vollen Wahrheitsbeweis über die von ihm aufge- stellten Vehauptuugen führen und hat deshalb emeu umfanareichen Zeugenapparat ausgeboten. In der gestrigen Verhandlung waren mehrere der Hanptzeugeu nicht erschienen. Da Herr �Gehlsen er- klärte, auf keinen der Zeugen verzichten zu können, wurde die Ver- Handlung, zugleich auch auf Wunsch des Klägers, bis zum Oktober vertagt. Wir werden über den Ausgang des Prozesses berichten, Ein Strafprozeß ans dem Jahre 1992, der damals grpßcs Auf- sehen erregte, wurde gestern in einer Verhandlung vor der 3. Ferien- strafkammer wieder teilweise aufgerollt. Ijnter der Anklage des Vandendiiebstahls, der Kuppelei und des wiederholten Vergehen- gegen den Paragraphen. 175 St.-G.-B. warcw im Jahre 1902 der inzwischen geisteskrank gewordene Kaufmann Karl M o f ch o 1 1, der Schauspieler und Sänger Gustav Haupt und die Stickerin Mathilde W a h l e-L e d e r e r vor der'straf- kammer angeklagt gewesen. Das Urteil lautete seinerzeit gegen Moscholl auf 1% Jahre, geacn Haupt auf 1)4«> ff h r und gegen die Wahle auf 3MonateGefängnis. Die letztgenanute hatte in dem Hause M!ohrenstras;c 21 und später in der Kronenstraße ein Kuppelquartier eingerichtet, in welchem Moscholl und zwjff „männliche Prostituierte", mit Männern, deren BekaUilffchatt sie auf der Straße machten, unerlaubten Verkehr pflogen. Be»� dieser Gelegenheit verschwanden dann an- den Taschen der Betresfen�en Brieftasche und Portemonnaies. Ans Furcht vor etwaigen Unan- nehmlichteiten ivagten viele nicht, eine Anzeige zu erstatten. Die Besucher, die sich zum Teil aus bessersituierten und hochstehenden Persönlichkeiten zusammensetzten, wurden um Beträge„gefleddert", die vielfach mehrere tausend Mark betrugen. Schließlich wurde diesem gemeingefährlichen Treiben durch die Kriminalpolizei ein Ende bereitet.— Der Angeklagte Haupt hatte schon damals jede Schuld in Abrede gestellt. Er wurde beschuldigt, einem gewissen Chamoschinsky eine wertvolle goldene Uhr und einem Herrn, der sich fälschlich„Dr. Sommer" nannte, einen Betrag von mehreren hundert Mark entwendet zu haben. Haupt stammte aus einer hochange- schencn Familie; srin Vater war Rittergutsbesitzer und Landes- ältester. Er selbst ivar im Jahre 1892 in Oldenburg Hofschauspieler. später lvar er am Hvfthcatcr in Weimar sowie an mehreren anderen größeren Bühnen Deutschlands tätig. Durch einen grenzenlosen Leichtsinn geriet er immer tiefer, bis er schließlich mit Moscholl be- kannt wurde, der ihm Handlnngen, die nach§ 175 strafbar sind, als neue Einnahmequelle in Vorschlag brachte.— Gegen das Erteil der Strafkammer legte Haupt Revision ein. die indessen verworfen wurde. Er mußte deshalb seine Strafe in Plötzense« antreten. Aus dem Gefängnis heraus beteuerte H. scinc Unschuld bezüglich des Falles „Dr. Sommer" und ließ schließlich durch die Rechtsantvültc Dr. S ch w i n d t und Arndt den Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens stellen. Er behauptete, in der fraglichen Nacht mit einem Kanfinann A. in Genf in einem Berliner Hotel zusammcngewesen zu sein, so daß er den Diebstahl an den„Dr. Sonuncr" gar nicht vollführt haben könne. Dem Wiederaufnahmeantrag wurde nun- mehr nach mehrmaliger Ablehnung Folge gegeben. Jener Kaufmann A. weigerte sich aber ans guten Gründen, die sichere Schweiz zu berlassen und als Zeuge zu crscheiiicii. Ihm wurde deshalb auf Ver- anlassung der Staatsanwaltschaft die Photographie des Haupt zweck- Rckognition übersandt. Zugleich wurde er in Genf als Zeuge ver- nommen und sagte unter seinem Eide aus, daß er lA.) in der fraglichen Nacht mit H. zusammen gewesen war.— Die Strafkammer hob deshalb bezüglich des Falles„Dr. Sommer" das erste Urteil auf und erkannte auf Freisprechung. Vermischtes. Russische Offiziere im Felde. Der Journalist de Pröbignand, der in Ostasien einem Teile des FeldzugeS beigewohnt hat, weiß von dem Treiben der russischen Offiziere in der„ P e t i t e R ö p u b l i q u e" merkwürdige Geschichten zu erzählen:„Auf dem Wege nach Charbin hatte ich eines der oberen Betten in einem Conpö zweiter Klasse. Eines Abends begannen zwei meiner Reisegefährten, ein Oberst, den man Papaschka sVäterchenj�iannte, und ein Unterleutnant, die beide stark bezecht waren. Karten zu spielen. DaS dauerte stunden- lang, und ich schlief darüber ein. Plötzlich wurde ich durch einen Hefligen Lärm aufgeweckt. Unter mir schrie der Unterleutuant dem Obersten die unglaublichste» Beschimpfungen ins Gesicht, nannte ihn einen Betrüger und feuerte, um seinen Vorwürfen den nötigen Nachdruck zu geben, die sechs Kugeln seines Revolvers a u f i h n a b. Da daS„Schicksal bekanntlich über die Trunkenbolde wacht", traf keine der Kugeln das Ziel. Die beiden Widersacher legten sich dann schlafen, und ich dachte lange über die Folgen nach, die diese Sache für den jungen Unterleutnant haben müßte. Man stelle sich nun mein Erstaunen vor, als ich am nächsten Morgen sah. wie sich die beiden nach russischer Weise auf den Mund küßten, und lvie der Ober st den Leutnant an sein Herz drückte. Die beiden Säufer vergossen zusammen bittere Träne» über das„kleine Mißverständnis" dcrverflossenen Nacht und schworen ein« ander keincnGrolldafürzu behalten.— In Jrkutsk wohnte ich in einem der bekannten geschlossenen Häuser einem ebenso erbaulichen Schauspiele bei. Meine Reisegefährten machten dort mit mehreren Kameraden einen solchen Lärm, daß zwei Gendarmen, die von dem Besitzer herbeigeholt worden waren, einschreiten und sie zur Ruhe ermahnen zu müssen glaubten. Da kamen sie aber schlecht an. denn kaum hatten sie respektvoll um Ruhe gebeten, als einer der Offiziere eine peremptorische Antwort fand. Wie der bekannte Marineoffizier des.Fürst Potemkin", zog er seinen Revolver und streckte alle beide tot auf der Schwelle nieder. Der Wirt, der dazu kam, und die Frauenzimmer wurden windelweich geprügelt, und zwar bei den Klängen der Mar- seillaise. Natürlich begrub man die beiden Gendarmen, Familien- Väter, in aller Stille, und die Helden dieses nächtlichen Abenteuers wurden nicht belästigt. Wie hätte man auch wagen können, an Offizieren aus Petersburg, an Freunden vom Großfürsten, sich zu vergreifen! Auch ein solcher Offizier ans Petersburg, vielleicht ein Verwandter des Großfürsten, denn er war von dem Fürsten Nadziwill begleitet, lvar jener junge Unterleiitnant. der am Büfett des Bahnhofes von C h a r bi n beim Diner ein junges Mädchen in ungehörig st er Weise belästigte und auf die Pro- teste ihres Verlobten erst, ohne zu treffen, auf ihn schoß und dann mit dem Säbel auf ihn loShieb. Als Ihn dann der den Bahnhof kommandicrendc Oberst zum Herausgehen aufforderte. weigerte sich der Held, indem er seinen Namen und Stellung nannte, worauf der Oberst. lieber abzog, um sich keinen Unannehmlichkeiten auszusetzen.— MS Gegenstück folgendes: In Li au saug plauderte ich mit einem Obersten, als ein Chinese kam und klagte, ein russischer Soldat habe ihn geschlagen. Dieser Soldat ergriff, als der Oberst hinzu- kam, die Flucht, wurde aber von zwei Gendarmen angehalten und fortgeführt. Der Oberst setzte seine Unterhaltung mit mir foyt. Am nächsten Tage fragte ich den Obersten luieviel Tage Gefängnis der arme Teufel erhalten hätte.„A, der?" erwiderte der Oberst, neben- bei bemerkt ein Trunkenbold, mit der ruhigsten Miene der Welt,„er ist heute Morgen erschossen worden." Die diebische Feuerwehr. Vor dem Schöffengericht zu Stollberg im sächsischen Erzgebirge hatten sich 14 Mitglieder der städtischen Feuerwehr zu Thalheim i. E. wegen Diebstahls zu verantworten. Die diebischen Feuerwehrleute waren am 25. Mai d. I. mit dem Löschen eines im Hause des HaudelsmanueS Laukner in Thalheim entstandenen Brandes beschäftigt. Dabei mausten die Herreu von der Feuerwehr aber nach allen Regeln der Kunst, indem sie aus der Niederlage des vom Brande Betroffenen Kleidungsstücke aller Art, Tücher, Mützen und andere Sachen stahlen. Auch ein Faß Wein verschwand während der Löscharboiten. doch ist man über den Wer- bleib des Rotspons noch nicht im Klaren. Man weiß nicht, ob er auch gemaust ist oder ob er dazu gedient hat, den Durst der „Löscher" zu stillen. Sämtliche angeklagte 14 Feuerwehrleute wurden schuldig befuiiden und zu Gefängnisstrafen von einem Monat fünf Tagen bis hernnter zu zehn Tagen verurteilt. Ueber eine» schweren Anschlag gegen einen Eisenbahnzug berichtet der„Mylow. Anz.": Bei Wärterbude 50 der Strecke Schoppinitz— MySlvwitz ist versucht worden, die E i s e n b a h u b r ü ck o in die L u f t z u sprengen, indem von verbrecherischer Hand im Mauer- werk des Pfeilers eine D y n a in i t p a t r o n e zur Entzündung ge- bracht wurde, und zwar gerade zu der Zeit, als ein Eisenbahnzug die Stelle passierte. Der angerichtete Schaden ist nicht erheblich. weil die Patrone nicht tief genug in das Mauerwerk eingebohrt war und demgemäß die Wirkung der Sprengung nicht voll zur Geltung kam. Von den Tätern, die wahrscheinlich in ihrem Treiben gestört wurden, ist bisher nichts ermittelt worden. Merkwürdiges Juristendeutsch serviert eine llrteilsausfertigung des Schöffengerichts l. Abteilung 146. Der Droschkenführer Völkel, gegen den ein Verfahren wegen Fahrpolizei-Kontravention geschwebt hatte, war der Empfänger des Dokuments. Es wird darin wörtlich gesagt:„Da nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme nicht tatsäch- lich festgestellt ist, daß der Angeklagte am 10. Februar 1905 morgen« gegen sl/4 Uhr an die von ihm geführte Motordroschke 4135 während der Fahrt in der neuen Königstraße die Motordroschke 0980 mittels einer Kette angekoppelt gehabt hat, die Achsen vielmehr schadhast geworden worden, und deshalb auch§ 30 der V e r- Ordnung vom 10. April 1901 angekoppelt Iv erden konnte, ist der Angeklagte der Uebertretung der s§ 9 und 183: deö Straßenordnttiig schuldig und deshalb kostenlos gemäß 8 499 der Slrafprozeßordnnng freizusprechen." Tatsächlich konnte der dem Angeklagten günstige 8 36 der Verordnung vom 10. April 1901 nicht„ungekoppelt", sondern„angewendet" werden und der An- geklagte wurde in Wirklichkeit für nicht schuldig und nicht für schuldig erklärt. Ein»erhängnisvollcr Bienenstich. Auf einer Ausfahrt wurde der Mühleubesitzer Bruno Weinhold in Taubeuheim von einer Biene in das linke Ohr gestochen. Weinhold war nach Verlauf von zehn Minuten eine Leiche. Nach Aussage des Arzte» war das Bienengift in das Herz gedrungen und hatte einen Herzschlag herbeigeführt. Spibelarbcit oder Polizeiphantasie. Die Bankfirmen Jakob Schiff und Guggenheim in New-Iork sollen gestern morgen gleichartige Höllenmaschinen zugesandt erhalten haben. Die an Schiff geschickte Höllenmaschine trug die Inschrift„Edward VII". Sie lvar mit Patronen imd Pulver gefüllt. Polizeiinspektor Murray erklärt, die Maschine sei deutscher Konstruktion. Der Poststempel der Sendung ist nicht z» erkennen, anscheinend ist sie in New Jork aufgegeben. Ein Angestellter Guggenheims tauchte die Maschine vorsichtig in Wasser, wobei eine Eyplosion von Gasen entstand. Die Beweg- gründe des Attentatsversuches sind unbekamit, ,nan vermutet, daß der Anschlag mit den Konferenzen der jüdischen Bankiers mit Witte in Zusammenhang zu bringen ist. Wegen Untreue im Amte und Veruntreuung von 7042 M. wurde vom Kriegsgericht der vierten Division in W ü r z b u r g der 27 jährige Zeugleutnant Konrad Hertel zu eineinhalb Jahren Ge« fängnis und Entfernung aus dein Heere verurteilt. Vom Betrüge wurde er freigesprochen. Von einer Familicntragödie, die sich in Oschatz zugetragen hat, berichtet das„Oschatzer Tageblatt". Es erhängte sich daselbst Sonnabend mittag die Frau des Schlossers Rauschenbach in Ge- meinschaft mit ihrem etwa 20jährigen Geliebten, einem hiesigen Kellner. Die drei Kinder des Ehepaares Rauschenbach wurden durch Revolverschüsse und Messerstiche schwer verletzt aufgefunden. fswei der Kinder sind bereits gestorben, das dritte liegt in hoffnungs« osem Zustande im Krankenhause danieder. Eingegangene Druckfclrnftcn. Miniatur-Bibliothek. Heft 200/204 und 050/654: Praktische Pilz. kiindc von H. Blücher. Hcst 350/354: Praktische Vogelkunde von Oskar M. RIsch. Heft 250/254- Praklische Pflanzenkunde von H. Blücher.(Leipzig, Verlag für Kunst und Wissenschaft. Albert Otto Paul.) Dr. Eduard Locwrnthal, Die Weltgeschichte für Jedermann. Zweite verbesserte und vermehrte Auflage.(Berlin, Hugo Muskalla). Preis 50 Pfennige. Protokoll der Verhandlungen der 16. Generalversammlung de» Zentralverbandes der Zimmerer. Hamburg 1905. Verlag von Fr. Schräder. Die richtige BlutmischNng als Grundbedingung gesunder Nerven. Von Max v. Hagen.(0,75.) 26. Ausl. Verlag von Edmund Dcmme, Leipzig. Die Fettleibigkeit, Ursachen, Verhütung und Heilung. Von Dr. Strueh(0,30). Verlag von Edmund Demme, Leipzig. «vltterungSübersicht von, IS. August 1905, morgens 8 Uhr. Staltonen Swincinde. tambnrg erlin Franks.a.M. München Wien E 3 «-s SSO W Ä SW 758 756 759 761 764 764, Still Wetter 4 bedeckt 4Ncgen 2 bedeckt 4bedcckt 2lvoirtg — heiter esg; L? öC& Stationen Haparanda Petersburg Scilly Äberdee» Pari» s« » s s A 763 S 766) Still 763 W 742 SSW 764 WNW Wetter et« Ä'il 8i 5, wolkcnl wölken! 4 wolkig Äwolkig 3Rcgen 14 13: 16 12 15 Wetter-Prognote für Sonntag, den 80. August 1905. Etwas kühler, zeitweise heiter, aber sehr veränderlich mit Regenschauem und irischen westlichen Winden. Berliner Wette rbureau. Wasserstand am 18. August. Elbe bei Aussig— 0,09 Meter, bei Dresden— 1,39 Meter, bei Magdeburg+ 1,40 Meter.— U n st r u t bei Straußsurt 4- 1,00 Meter.— Oder bei Ratibor-s- 0,67 Meter, bei Breslau Obcrpcgel-f 4,52 Meter, bei Breslau Untcrpegel— 1,81 Meter, bei Franksnrt-f 1,04 Meter.— Weichsel bei Brahemünde + 2,24 Meter.— N c tz c bei Usch+ 0,65 Meter. ßnefhaften der Redafttfott. Boby. Wir haben Jbncn bereits am 11. August geantwortet. Haben Sie die Antwort nicht gelesen? Unsere Mahnung, bei Anfragen über Fortbildung»- Wesen die Vorbildung anzugeben, haben Sic auch in Ihrer neuen An» frage rmbcachtet gelassen. Zu den„Kauslnännischen Fortbildungsschulen der Korporation der Kausmannschalt von Berlin" werden Sie als Tischler schwerlich Zutritt erhalten. Blohc Buchführung wird in den beiden Hand« werlerschulen der Stadt gelehrt, in der Tischlerschule nicht.— Sternwarte» Ja.— Schorle-Morle. Nein. „Gelbe" Gewerkschaft. Besten Dank. Soll Lertveudnnü kwdeo. Beltfedern u. Bellen Bettledern, das Pfund 0,50 bis 6,00 Mark, ▲ � n ti j-a j n n Mnit- Elsen-Bettstellen von 5,00 Mark an. Daunen,„„ 2,50„ 10,00„ OdlCIOCrta Kinder-Bettstellen n 7,50 n„ Betten, der Stand 12,00 bis 110,00 Mark. ftfatlißtlfiff 12 TFcke Heinrichs-Plat?� Polster-Betten„ 6,50„„ Steppdecken(Seiden-Satin von 5,75 Mark an). iir 1 i t A ni!<* Polster-Matratzen„ 8,75„ Inlette, Bettwäsche, Schlafdecken. MiSuttSCnStr. �9(am WintGriGldt-rlatz). Kinderwagen, Sportwagen billig. Bevor Sie Kinder- o. 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Druck u. BnIaL! BattowV OMruSerei u. B-rlogsanstolt Kaul Tinau& Co.. ffiwlin SW. Nr. 194. 22. Jahrgang. 2. Vkilligt des Dmirls" Kerlim KM'M Sonntag, 29. August 1905. In der Quittung in Nr. 183 des„Vorwärts" vom S.Auguft d. I. über Eingänge für die Opfer des russischeu Befreiungskampses ist infolge eines ischreibsehlers die quittierte Summe auf 20 280,42 M, angegeben. Es mutz hcitzen 10 280,42 M., mithin im ganzen nicht 40 753,47 M. sondern 30 753,47 M. Berlin, den 18. August 1905. Wilhelm Eberhardt. *# ** Für die Opfer des russischen Besreiungskampses gingen weiter ein: Leipzig,„Leipziger Volkszcitung" 3. Rate 100,-, desgl. 4. Rate 150.—. desgl. 5. Rate 200,—. Breslau, gesammelt durch die Redaktion der„Volks- wacht" 6. Rate 150,—, desgl. 7. Rate 170.-, desgl. 8. Rate 180,—. desgl. 9. Rate 120,—. Brandenburg a.§., durch die„Brandend. Ztg." 1. Rate 100,—.' Cassel, im„Volksblatt" eingegangen 200,—. Hamburg, in der Expedition des„Hamburger Echo" eingegangen 1. Rate 3000,—. Offen« dach a. M., in der Expedition des„Ofscnb. Abendblatt" eingegangen 1. Rate 240,—. Stuttgart, gesammelt in der Erpedition der„Schwäb. Tagwacht" 500,—. Berlin, Sammlung der Wahlkreise: 2. Kreis, gesammelt aus Listen: 15 312 Werkstätte Wols, Waldemarstr. 12 6.25; 15 327 6,60; 15 331 6,80; 15 335 4,80; 15 348 1,50; 15 349 1,90; 15 375 19,75; 15 381 Tischlerei Faul. Hagelsbergerstratze 10,30; 15 328 9,65; 15 506 19,90; 15 552 2,80; 15 556 6,70; 15 558 Engl. Gasanstalt Gitschinerstratze 8,65; 15 562 Buchdruckerei Beruh. Paul 7,55; 15 564 6,30; 15 566 Ullstein u. Co., Zeitungsabt. 23,—; 15 567 Tischlerei Wolff, Waldemarswatze 15,50; 13 577 1,40; 15 578 12,55: 15 579 5,25; 15 615 3,25; 15 616 4,10; 15 619 3,15; 15 623 4,45; 15101 Militäreffeklensabrik Wunderlich Nachsg. 3,55; 15102 desgl. 10,15; 15,112 8,25; 15 158 Firma(Solz u. Brautmann 14,65; 15 166 Werkstatt Gregoleit 10,—; 15 187 11,25; 15 788 15,10; 15 901 26,75; 15 902 11,80; 15 905 7,60; 15 109 3. Rate, Werkzeugbau Gocrz 23,30; 15 432 Tischlerei Kimbel u. Friedrichsen 9,50; 15130 10,30; 15 124 5,40; 15 136 8,80; 15157 9,85; 15182 10,15; 15,751 6,70; 15 753 13,35; 15 766 Geschotzabt. Deutsche Telephonwerke 18,55; 15 772 Bau Bodinstr. Maurer 9,25; 15 774 Tischlerei Peschlow, Köpnickerstratze 150 8,30; 15 776 13,15; 15 779 8,45; 15 782 Bau Boddinstratze Maurer 11,40; 15 783 desgleichen 10,95; 15 826 2,—; 15 828 Werkzeugbau deutsche Telephonwerke 28,—; 13 207 15,25; 15 208 22,55; 15 213 8,70: 15 214 15,85: 15 215 6,05: 13 007 8,80; 15 009 4.—; 15 014 6,05:15 016 4,40; 15 019 8,10; 15 024 9,85; 15 030 31,65; 15 031 Bautischlerci Wcitz, Schoneberg 14,55; 15 033 8,20; 15 037 2,35; 15 038 3,45: 15 043 10,20; 15 044 5 85; 15 045 9,70; 15 046 12,55; 15 047 4,50; 15 049 6,25; 15 050 8,70; 15 060 5,90; 15 061 20,—; 15 076 7.-; 15 077 10,10; 15 078 13,60; 15 086 6,25; 15 251 3,—; 15 253 10,35; 15 254 5,25; 15 255 2,—; 15 256 2,—; 15 258 6,30; 15 259 7,05; 15 260 5,—; 15363 3,10; 15 265 7,90; 15 267 Tischlerei Saucrwein, Bellealliancestr. 84 10,60; 15 268 Gietzerei Hartmann 5.—; 15 269 3,50; 15271 9,75; 15 272 2,85; 15 273 1,50; 15 276 1,10; 15 277 2,75; 15 279 1,15; 15 280 2,60; 15 281 24,95; 15 282 1,70; 15 283 Arbeiter d. Feuerschen Betriebes Ächöneberg 23,30; 15 284 5,85; 15 287 15,—; 15290 9,83; 13504 17,75; 15 505 2,20; 15 507 3,-; 15 510 1,20; 15 513 17,85; 15 515 2,60; 13 518 4,60; 15 523 3,40; 15 533 3,45; 15 534 3,50; 15 538 3,75; 15 541 8,30; 15 542 7,10; 15 543 Bautischlerci Hagelmnnn, Hasenheidc 119 4,40; 15 546 2,35; 15 547 3,55; 15557 6.75; 15 560 3,50; 13 561 1,10; 15 565 7.—; 15 568 1,35; 15 572 2,80; 15 573 6,30; 15 583 11,05; 15 584 2,70; 15 588 13,20: 15 589 1,50: 15 590 4,60: 15 592 6,60: 15 594, Tezctt-Gittcrwerk, HallcschcS User 35, 27,45; 15 596 1,60; 15 597 1,50; 15 606 10,55; 15 608 6,90; 15 609 5,50; 15 612 2,60; 15 613 2,50; 15 617 5,80; 15 620 2,80; 15 621 13,25; 15 622 8,35; 15 626 3,40; 15 627, Firma Neye, Brandcndurgslratze, 5,—; 15 411 11,—; 15 415 4,80; 15 417 5,35; 15 421 6,90; 15 422 10,15; 15 425 6,10; 15 428 3,—; 15 429 4,20; 15 434 4,95; 13 436 7,67; 15 441 5,-; 15 443 6,35; 15 445 18,25; 15 446 5,60; 15 453 8,90; 15 458, Fabrik Müller, Blücherstr. 32, 2. Rate 9,60; 13 911 11,45; Sa.: 1392,02. 3. Kreis: 200,—(darunter: Liste 14102 17,45; 14 103 12,60; 14 104 9,70; 14 105, von den Arbeitern der Fa. R. Krüger, Michaclkirchstratze 41 1,20; 14 136, Tischlerei Stnvcnow, 1. Rate 11,45; 14 182, desgl., 3. Rate 10,15; 14146, Tischlerei Kümmel, Franksurter Allee 43,20; 14 670 19,50. 4. Kreis(Ost): 750,—(darunter: Bau der Kirche am Urban 14,—; Tischlerei Gronau, mit Ausschlutz von 2 Polen 6,10; I. C. Psass, Saal 4, 11,25; Bau Mariendorser Weg, Arbeiter und Maurer 17,—; Gasapparatsabrik von Julius Pintsch, Listen 11 706—20 u. 2 selbstgemachten 126,75; Metalllvarensabrik Hartiuamt 6,25; Möbelfabrik Groschkus, Listen 1 1 661—68 45,85;«katklub Union, Fricdrichsscldcrstr. 37 5,—; Ladeutischlerci Schönherr 7,25; Tischlerei Lennig u. Jatzky Saal I/III u. Maschineuarbeiter 10,65; Wertstatt Friedrich, Fruchtstr. 30. Abt. E. W. K. W. O. P. Stöhnko 24,50). T e l t o w- C b a r l o t t e n b u r g, Z e n t r a l« W a h l v e r e i n, aus Listen und Einzelbeiträge: Zossen auf Listen 43,05; Tcmpclhos, M. Th aus Listen 100,—; Grotz-Becrcn aus Listen 6,20; Grünau aus Listen 36,55; Rixdors aus Listen 321,35; Ober-Schöncwcide, Papicrrohren-Fabrik K. W. O. 13,40, desgl. 15,80, Mikanit-Fabrik K. W. O. 16,50, desgl. 11,35, Draht- sabrik 51. W. O. 6,85, Slocksabrik E. Roer 5,—, Tischlerei Bay, Rixdors 5,80, desgl. 6,93, Bau Leipzigcrstr. Nr. 10 8,35, Bcamtcu-Wohnungsverein Maurer u. Arbeiter Rixdors 12,70, desgl. 8,70, Tischlerei Bormanu, Grünauerstr. 19 10,65, Werkzeugbau C. P. Goerz 15,35, desgl. Dreherei 25,25, desgl. Vcrsuchsabteilung 11,—, desgl. Abt. Stiege 9,50, desgl. Abt. Kuttler 9,85, Buchbinderei H. S. Hermann 8,35. Werkstatt Metzer 6,60, Daimler, Marieufelde, Abt. 11 7,50, Abt. 9 11,75, Abt. 6 21,80, Firma Dischleit u. Co. 19,55, Buchdruckerei Liebheit u. Thicssen 18,70, Kollegen der Fa. Schätzer u. Hauschner 20,10, Deutsche Telephonwerke, Abt. Pufch 17,35, Hülssarbeiter d. Kaiscrbrauerci 3,95, in Sa. 650,—. Schoneberg aus Listen 80,95, Tischlerei Stavcuow, 2. Rate 12,50, Tischlerei H. Rcddemaun, Schöne- berg, autzer etlichen 17,25, Maurer vom Palentamt 15,75, Buchdruckerei Langcnscheidt 14,90, in«a. 141,35. Kctschendors auf Listen 39,60. Marien- dors aus Listen 100,—. Charlottcnburg aus Listen 420,60, Kolleginnen und Kollegen d. Fa. Mix u. Genest, Charlottenburger Werk 27,—, Siemens- Schuckert, Abt. 85 16,—, Bau Suarczstr.'53, Glasenapp 3,80, Bau Technische Hochschule 12,80, Bau Gabe, autzer 3 6,75, Bautischlerei A. Seiler, Charlottenburg 8,80, Bau Bosnau-Knauer, Dönhoffplatz 4,25, Sa. 500,—; insgesamt sa. 1616,75. Berlin, diverse: Von den Arbeitern der Gietzerei-Abt. v. Georg Grauert 17,60. Sammelliste in der Bautischlerei Knoll u. Bittner, 2. Rate 7,—. Arbeiter der Möbelsabrik Stein, Memclerstr. 13 4,10. Ueberschutz der Dampscrpartic des Personals der Firma E. Raschig, Engcl-User le. 22,75. Amerikan. Auktion Kinderfest Franks. Allee 138 d. Richter 5,63. Bon den Druckerci-Hülssarb. d.„Borw." Abt. Rotationssaal 10,—. Amerik. Auktion Lotterieverein„Eintracht" Landpartie 3,80. Von d. Tapezierern der Firma O. Schöll 9,50. Von d. Setzcrlehrlingen der Buchdruckerei Büxenstcin 4,—. Vertrauensleute d. Mechaniker d. C. Schmidt 22,30. Uebersch. einer Kremser- Partie d. Pokcrklubs„Lustige Sieben wird nicht gespielt" 6,65. Gesammelt von d. Rohrern d. Firma Bcermann 5,80. Von den Arbeitern d. Tischlerei Faul, Mouumcntenstr., 3. Rate 17,05. Arbeiter d. Schlosserei A. L. Bcnickc, Chausseestr. 80a. 4,35. Von d. Hülssarb. d. Werlabteil, d.„Vorwärts" 5,—. Ueberschutz von der Dampserpartie der Firma Schcrler 10,—. Gesammelt von den Dachdeckern der Firma Horn u. Hummel 3,50. Von den Kollegen der Firma Zelder u. Platen 22,50. Vom Rauchklub „Die Dampfenden" 6,—. Pianosabrik Siebert, N., 2. Rate 7,50. Vom Spar. u. Kreditverein„Solidaria", durch Krause 30,—, Rauchklub „Rvscnblütc 2,—. V. Hausdienerpersonal A. Jandorf u. Co., Brunnen- slratze 7,35. W. E. England 51,—. Amerik. Aukt. aus der Herrenpartie der Tischlerei Hinrichs. Rittcrstr. 11 4,70. Hüljsarbeiter der„Woche" 9,80. Gesellen der Tischlcreigenosscnschast„Viktoria". Bierprozente 5,60. Buch« druckereihülssarbeiter im„Vorwärts", Werlabt. 5,—. Von den Tischlern der Firma Dippclt u. Rotte, 3. Rate 10,90. N. B. 7,75. Uebersch. v. Kranz» spende B. P. 1,80. V. d. Kollegen der Möbelsabr. Gurisch, Frankfurter« stratze 16, 3. Rate 9,25. Tapeziererwerkstatt v. Flatow u. Priemer 10,—. V. d. Kollegen der Tischlerei v. Bröcker, Rüdersdorjerstr. 26 15,—. Vom 520. Bezirk, Auslösung der Kranzkatze 12,75. Durch Cäsar 3,05. V. d. Arb. der Möbelsabr. v. Wollmar u. Hanke, Boxhagcnerstratze 14,—. Sonstige Eingänge: Coburg, durch P. B. 14,—. Flensburg, durch E. E., 2. Rate 100,—. Rixdors, Metallarbeiter bei Flatow, 2. Rate 4,40, desgl., 3. Rate 3,40. Hannover, 5 hanuov. Wahlkreis, sozialdcmokr. Wahlverein 500,—. Rendsburg, v. Gcwertschastskartell 53,15. Gotha, durch F. Sp. 109,40. Niederzwönitz, durch C. G. K. 11,48. M.-Glad- bach. vom Wahlverein 10,—. Leipzig, 12. u. 13. sächs. Reichstags- Wahlkreis 5000,—. Pankow, Arbeiter der Firma Lüdtke, 1. Rate 25,40. Pcterswaldau, v. Wahlvcrein 20,—. Düsseldorf, durch P. B. 100,—. Duisburg, v. d. Parteigenossen des Wahlkreises Duisburg- Mülheim 376,70. Trier, sozialdemokr. Volksverein, 2. Rate 15,—. Spandau, aus Listen ges. v. sozialdemokr. Wahlverein 100,—. Bunzlau, Stcinmetzwerkplatz Zeidler u. Wimme 15,65. Bochum, gesammelt in Bergarbeitcrkrrisen, übersandt durch P. Horn 5000,—. Dessau, von Anhalt I 100,—. Torgclow, gesammelt von O. I. 73,55. Bremen, v. d. Parteigenossen 800,—. Gera(Rcutz), vom sozialdemokr. Verein Reutz j. L. 100,—. Soldin, ges. auf einer Liste, über- sandt durch d. Vertr. W. Pr. 8,50. Stendal. Gewerkschastskartell 15,—. Hennigsdorf a. H., gesammelt durch den Wahlverein 45,—. Erfurt, durch H. R. in zwei Räten 250,—. Luckenwalde, v. sozialdem. Wahlverein 200,—. Lüneburg, vom sozialdemokr. Verein für den 16. hannov. Wahlkreis 50,—. Gelscnkirchen, Zahlst, l des deutsch. Bergarbeiterverb. 50,—. Ebcrswalde, F. St. 20,—. Kiel, Zahlstelle der Stcmarbciter 20,—. Spandau, Uebersch. v. d. Kremserpartie der Töpfer 12,30. Görlitz, durch E. Gr. 90,—. Elbing, sozialistische Arbeiterinnen ihren Brüdern im Zarenreiche, 1. Rate 20,—. Weimar, sozialdemokr. Volksverein, 1. Rate 25,—. München, I. M. 10,—. M.-Gladbach, ges. v. Wahlvercin 64,50. Schöneberg, Wagenbauer 10,—. Essenberg, von den organisierten Küfern 15,—. Schleswig, im 3. schlesw.- holst. Wahlkreise gesammelt 363,05. Wiesbaden 2,—. Stettin, aus Sammellisten des Wahlkreises Randow-Greisenhagen 381.40, in der Expedition des Stcttincr„Volksboten" eingegangen 94,20. Sa. 475,60. Schöneberg, Stammtisch Halloren kl ub bei Rode, Hauptstratze 2,70. Darmstadt, sozial- demokr. Parteiorganisation 125,—. Helmstedt, sozialdemokr. Wahlverein, 2. Rate 45,—. Ronsdors, Filiale des deutschen Textilarbeiterverbandes 10,—. Frankfurt a. M., von der Arbciterschast Franks., 1. Rate 1000,—. Halcnsee, A. B. 11,90. Bielefeld, v. d. Genossen v. B. u. Umg. 800,—. Franksurt a. O., v. Wahlverein, 1. Rate 100,—. Elberseld-Barmcn, Frei- denker 9,—. Königsberg i. Pr., sozialdcmokr. Verein, 1. Rate 186,95. Bremen, von den Parteigenossen 500,—. Flensburg, 2. schleswig-holst. Wahlkr. sozialdcmokr. Verein, 3. Rate 100,—. Tilsit, Sammlung des sozialdemokr. Vereins 100.—. Cöthen, 2. anhaltischen Wahlkreis, Bez. Cöthcn 33,—. Döbeln, von den Porzellanarbeitern 5,30. lliathenow, sozialdemokr. Wahlverein für R. u Unig. 100,—. Neustadt(Oberschl.), durch Sammlung unter Partei- genossen 17,40, durch Versammlungsbeschlutz 10,—, Sa. 27,40. Nürnberg, vom Gewerkschastskartell 41,—. Ronsdors, vom Montagsklub 10,—. Wald» hos bei Mannheim, sozialdemokr. Verein 20,—. Göttingen, 81. B. 20,—. PotSdam-Spandau-Osthavelland, Kreiswahlverein 400,—. Statzsurt, Wahlkreis Calbe-Aschcrslebcn, 1. Rate 100,—. Olvenstedt, Extratanz bei Stiele- bock 13,01, amerik. Auktion—,79, Sa. 13,80. Otzcnbach a. M., v. Reichstags- Wahlkreis Otzenbach-Dieburg 200,—. Hcidingsseld. vom sozialdemokr. Verein 25,—. Augsburg, Filiale der Töpfer 6,—. Bunzlau-Lüben, sozial- demokr. Wahlvcrein 35,—. Summa 27 771,88 M. Bereits quittiert 30 753,47 M. Im ganzen 58 525,35 At. Verlin, den 18. August 1905. 81. G erisch, LIndenstr. 69. £oden Kleidung fioden-pelerinen 8 £oden-j(avetocks if-riÄ-, 8«- 7» Men-ZoWM 2 eo Men-Jterren-jlnzüge 18 m. fioden-Knaben-jlnzilge K.'WÄa», 2� Loden-ZiingliM-AnÄM?k-;'fc;'7-; Sük. £0d61l"$(dt6 Itir Heise und Jagd,. 5.—, 3.—, 3.10, 1 Mk. 90 Setlllfleinen- Joppen ferHehnenndt-l- Feiten, 6.50, 4 Mk. Sitisegttutigs-Jltizüge. aer Sohn SPEZIAL-HAUS GRÖSSTEN MASSSTABES Chausseestrajie 24a/25 11 8rüehenstrape 11 Gr. 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Anfang VI, Uhr: l0»ernhauS. Rienzi. Ans. 7 Uhr. Montag: Carmen. Schauspielhaus. Die Journalisten. Montag: Prinz Friedrich von Reue» königl. Operntheater. Der Zigeunerbaron. Montag: La Traviata. Neues. Ein SommernachtStraum. Montag: Dieselbe Vorstellung. Zentral. Die Geisha. Nachmittags 3 Uhr und Montag K Uhr: Dieselbe Vorstellung. Ansang S Uhr: Gchtller O. iWallner- Theater.) Undine. Nachmittag» 3 Uhr: Der Waffen- schmted. Montag: Die verlauste Braut. Schiller X.(Friedrich Wilhelm- städtische» Theater). Martha. Montag: Geschlossen. Lessing. Eiga. Nachm. S'/. Uhr: Rosenmontag. Montag: Die Weber. NIetneS. Salome. Montag: Abschied vom Regiment. — Angele. Luftsptelhaus. Der Herr Substitut. Der dankbare Julien.(Ansang 8',. Uhr.) Montag: Diesclbc Vorstellung. Thalia. Amor in New Dort. Nachm. 3 Uhr: Geld und Glück. Montag: Amor in New Hork. Residenz. Eine HochzcitSnacht. Montag: Dieselbe Vorstellung. Earl Weiss. Im Hause der Sünde. Montag: Dieselbe Vorstellung. Belle-lNIliauce. Ben Ali Bcy. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apolto. Ein Abend in einem amcrika- Nischen Tingel-Tangel.— Am Hochzeitsabend.— Svczialiläten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Metropol. Die Herren von Maxim. Montag: Dieselbe Vorstellung. Trianon. Die Notbrücke. Montag: Dieselbe Vorstellung. Herrnfeld. Die MegerhainS. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wintergarten. Lore Füller. Spc- ztalitäten. Berliner Prater-Xheater. Dorn'S Rest. Passage. Madame du Dien. Fernande Robertine. Spezialitäten. Reichßhallen. Stcttiner Sänger. Urania. Tniibenstraste s8/llt». Die deutsche Nordseeküste. Montag: Tierleben in der Wildnis. Jnvaltdeiistrasse S7/v!!. Stern. warte. Täglich geössnet von 7 bis 1l Uhr. IIi'Siii» Iii Tierleben 8 ühr: Montag; in der Tauben. 8tr. 48/49. ilsle. Wildnis. Sternwarte Invaliden- str. 57/62. Neues Theater. Ansang V/, Uhr. Sin Scmmemaehtstraum. Montag und folgende Tage: Ein Sommernttchtstraum. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Salome. Montag: Angele.— Abschied vom Regiment. Dienttag: Ole Neuvermählten. Abschied vom Regiment. Mittwoch: Salome Donnerstag: Angele. Abschied vom Regiment.___ HegeslgLOpern-tater. Ansang(Kroll.) VI, Uhr. Der ZUrcnncrbaron. Operette in 3 Akten v. I. Strauß. Montag: Gastsp. Aenny Hindermann: La Trsvlata. Dienstag: Ole Bohöme. ) CASTAN S ANOPTICUM. Friedrichstr. 165. 1 Minister Wüte, 1 ! Baron Komura,! die japanisch-russischen Friedensunterhändler. Präsident RooseTeltül Trianon-Theater. Heute und folgende Tage: öle Mrficke. Anfang 8 Uhr. Metropol-Theater Bender x Giampietro Massary x Frid Frid. Zum 887. Male: immiilw Große Ausstattungsposse mit Gesang und Ballott in 5 Bildern. Bauchen gestattet. Anf. 8 ühr. £nstspielhans. Täglich S'/, Uhr: Per Herr Siibflitut. Der dankbare Julien. Ganz Berlin spricht von: 4« Ihr Ein Abknd in etnem antrnltnti. Tingei- Tangei. »oeiuöiisabgnd p, �nnck, und das gr. Augnst-Spezialttäten. Programm. Rdte-Mel. Dirchtlon: Richard Htexander. Heute und folgende Tage. abends 8 Uhr: Eint Hschskitsimiht. Schwank in 3 Akten von Henri KSroul _ und Albext Barre. kehriiSerNemlielck- l'keater. Zum 119. Male: Komödie in 3 Akten mit den Autoren Anton und Donat in den Hauptrollen. Ansang 8 Uhr. Vorverkauf 11-2 Uhr. Bor der Vorstellung und während der Pausen: Promenadeii-Roiizert im Garten. Passage-Theater. Ansang der Abendvorstell. 8 Uhr, «achm. Sonnt. 3, Wochent. 5 Uhr. lkl«d«unc duDion! Fernande Robertine tsr"r gnnb". 14 seusationelle Nummern. Neu eingeführt: Numerierte Rlütee. I V»WWWW»MMMMM»MMWW»W>' Varl Veili-siieater. Gr. Franksurterstr. 132. Täglich 8 Uhr: Im Hause der Sunde. Gr. ScnsationSkomödie v. M. Braun. Im Sommergarten neues August- Programm. Ansang» Uhr. 4. Tag Ringkampf-Match-Koiikurreuz. Der Ztingiamps beginnt um 10 Uhr. ES ringen t.Oehnelder gegen Brieger. 2. Hein gegen Naajokat. 3. Schwarz gegen Krieohldorff. 4. Dirk van de Born gegen Rlmer._ Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger. 15�53 Scliiller-Tlieater. Schiller-Theater M.(Friedr.-Wilh. Th.) Bohfller-TheaterO.(Wallner-Theater). Morwitz-Oper. Sehte OPermvochc. Sonntag, nach in. 3 U h r bei halben Preisen: Dvr 44'»lTOii->c>i»izc!«l. Komische Oper von A. Lortzing. Sonntag, abends 8 Uhr: ilndln«. Romantische Oper von A. Lortzing. Montag, abends 8 Uhr Vorletzte Vorstellung. Popul. Opcrnzyklus bei halb. Preisen. Gastspiel Hans Rokorny. Die verkaufte Braut. DienStag, abends 8 Uhr: Letzte Opern-Vorstellung. Popul. Opernzyklus bei halb. Preisen. Die Amkancrin. Sonntag, abends 8 Uhr: Gastspiel der Morwitz-Oper u. letztes Gastspiel Heinrich Bötel. tdartha oder der Markt zu Richmond. Romantische Oper von F. v. Flotow. Montag: Geschlossen. DienStag: Geschlossen. Vietoria-Branerei LUtzowatr. 111/118. »» Täglich: ■i U f Horst' s Sänger. Ansmig 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Dienstag, Donnerstag, Sonn- � abend, Soimtag: Van«. •8»88888888888888888 ELYSIUM. Kommandanlenstr. 3-4. iv Vollständig neu renoviert. ZanberkünsUer. Mne-Mno-Bnl»???> Dealsei!- InriD. Hr. onnabend, d. 2. Sept., abds. 8 Uhr: Wicdcr-Grösfiiinig! Gastspiel Adolt Philipp lÄT PRUMIKHK' Aber Herr Herzog' Heitere Bilder mit Gesang aus dem Leben d. Deutsch-Amerikancr in 4 Abt. von Ad. Philipp. OZlhshn-Psrli. Am Klistrinerplatz, RDdersdorferstr.?]. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Spezmlitäte«- Uorstellnng. Wochentags: Entrce 12 Pf., wosür ein GtaS Bier verabreicht wird, also kein Entrec. Schwarzer Friedrichsberg; Stadtbahnstation Frankf. Allee. Udler Gebr. Frankfurter Chanssee 5 (früher IL«). Amltold. Fernspr, Friedrichsberg No. 8. August, im herrlichen Lindenparfc: Spezialitäten- Vorstellung. Sonntag, den S« Großes KOnstler- Konzert.«■ Donnerstag, den 24. Angnst: dr. Sxtra-Wilitär-Konsert der Stendaler Kusaren. Im Königssaal: UM" großer Salt."WW 4 Uhr. ;nner-Chors. Eröffaungs- Programm. Loie Futter die berühmte Pbantasietänzerin, Louise Blot Pariser Sängerin. 4 Luckens amerik. Gymnastiker. Sisters Gasch Akrobatinnen. „In Japan" Ballettdivertissement. Bedlni und Artur amerikanisoho Excentrios. Edith Helene amerik. Sängerin. Die Trombettas italien. Duett. Paul Spadoni Kraft-Jongleur. Tina Clementa Pferd- und Hundedressur. Die mysteriösen Husaren. Der Biograph.-WWW Doritzplatz. Täglich im groste» schattigen Garten» Streich-t�on2ert. tKicai'äo jVluneL. Bei ungünstigem Wetter tm Saal. PröbetZ Äliertet-Theater Schönhauser Allee Sir. 148. Konzert, Theater, Spezialitäten. tiirolJer Extra-Tomz Z Ans. 4 Uhr. Entrce 30, Sperrfitz 50 Pf. Dienstag, 22. Aug.:l August- Programm, u. a.: William Dieck mit seiner Höllenfahrt und Todessprung. Im Saale: Or. Ball. Ans. 4 Uhr. Enttee 30 Ps. Reserv. Platz 50 Ps. _ Sperrfitz 75 Pf._ Sanssouci Kotlbuserstr. 4a. Slat. der Hochbahn. Direft.: Wilhelm Reimer. Jcd. Montag, Donnerstag, und Sonntag im glänzend renov. u. elettt. beleuchtete» Etablissement: Hoffmanns Norddeutsche Sänger. Nach der Vorstellung: ARM- Tanz. HWj kkul Befrvsri' Sommer-Theater Uohtendorg, vortstr. 2SIZK. Täglich: Konzert. Mi SpezialitätenvorstelluDg. Das großart. August-Programm. Anfang 5 Uhr. Jeden Mittwoch: Elite-Tag. K. F. örtiif ttnl Ii lirli Gummelsburg, f�cue prinz Hlbertftr. 21 Von Bahnstation„Rummelsburg- Ost" erreichbar In drei Minuten. Heute sowie jede» Sonntag: Großes Promenaden-Konzert IW Entree frei!-MU Ausgeführt von der HauSkapellc im herrlichen Naturgarlen, prachtvoll am See gelegen. Im neuerbauten Pariser Frei-Tanz. Mp- Am«onntag finden wieder die io beliebten Kindel?» l<'i*eaden-Fe>to statt. Prima Weißbier(Akt.-Br. L?.ndr6), ff. Lagerbier, Echt Kulmbacher (Angermanns Bräu). Gute Küche! Kafteeküchc!(Kaffee Ltt. 60 Ps.) Vorzügliche Kegelbahn! Um recht �------- 38352* K. t zahlreichen Besuch bittet W'. Dlerheeg, Gastwirt. Hö8tgllsggt„NkllktKi'ug" Bahnstation Wilhelmshagen. Herrlich an der Obcrsprce gelegen. 2000 Meter Wassersront. Für Bereine, Fabrilen w. großartig zu Dampfer- resp. Landpartien geeignet. Große Säle, Spielplätze, Kaffccküche k. Direkter Weg nad) den Müggclbergen, Gutgepflegtc Bierc, billiger Mittagstisch. Wilhelm Müller, Nr. 194. 22. Jahrgang. ä. KnlW des Jmiiirts" Kerlim AMM Sonntag, 29. August MZ. 3us der frauenbewe�ung. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Am Sonn tag, den 17. September, nachmittags 4 Uhr, veranstaltet der Verein eme Uraniavorstellung. Billetts zu derselben sind in folgenden Zahl- stellen zu haben: Frau Kühnemann, Willdenowstr. 12; Frau Matschke, Wolgasterstr. 8; Frau Steinkopf. Schwedterstr. 34; Frau Seeger, Kolbergerstr. 3; Fran Franke, GotzkowSkystr. 13; Frau Kulicke, Prinzenstr. 102; Frau Zeiske, Manteuffelstr. 8; Frau Klotzsch, Koppenstr. 81. Am 11. September: Vortrag des Schriftstellers Max Grund- Wald über:„Das Studium der Nationalökonomie und die Frauen". Schöncverg. Der Verein für Frauen und Mädchen von Schöne- Bergs und Umgegend feierte Sonnabend, den 12. August, in Obsts Festfälen sein fünftes Stiftungsfest. Wohl an 300 Personen füllten den Saal. Das Fest nahm einen äusserst günstigen Verlauf. Konzert, Theater und Vorträge trugen viel zur Verschönerung des Festes bei. Mit grossem Beifall wurde die Festrede aufgenommen, die Stadtverordneter Külcr hielt. Heiteres Beisammensein und fröh- licher Tanz beendete die schöne Feier. Frauen und Mädchen, die dem Verein beitreten wollen, bitten wir, sich bei Frau Bäumler, Martin Lutherstr. öl, aufnehmen zu lassen. Den Mitglieder des Vereins zur Kenntnis, dass Montag, den 10. September, abends S'/s. Uhr, in Weimanns Klubhaus. Hauptstr. ö— 6. die Generalversammlung stattfindet. Erscheinen aller Mitglieder Ehrensache. Der Vorstand. Lichtenberg. Den Mitgliedern des Vereins für Frauen und Mädchen von Lichtenberg zur Kenntnis, dass die Versarnmlung am Montag, den 21. August, ausfällt. Der Vorstand. " Treptow-Bauuischulcnweg. Mittwoch, den 16. August, hielt im hiesigen Frauenbildungsvereine Herr Dr. Hermann Wey! einen Vor- trag über„Die menschliche Ernährung". An den Vortrag, der seines lehrreichen Inhaltes wegen das regste Interesse der Anwesenden weckte, knüpfte sich eine ziemlich lebhafte Diskussion. Die Ver- sammlung war gut besucht. Britz. Ain Donnerstag, den 17. August, fand die Versammlung des Frauen- und Mädchenvcreins, welche gut besucht war, statt. Herr Eichler hielt einen Vortrag über:„Die Erziehung nach dem fchülpflichtigen Alter", welcher mit regem Beifall aufgenommen wurde. Dem Vortrage folgte eine eiftige Diskussion. Die nächste Bereinsversammlung findet, Donnerstag, den 21. September, statt. Vierte elsaß-lothringislhe GeioerKschastsKonftreni. Mülhausen. In der Schlutzsitzung wird zunächst als Vorort und Sitz der Zentralkonnnission Strahburg gewählt. Als Ort der nächsten Konferenz wird Colmar bestimmt. lieber den letzten Punkt der Tagesordnung:„Die kommu- nalen Arbeitsnachweise und ihre Bedeutung für die elsass-lothringischen Gewerkschaften" referiert B r ö h l- Strassburg. Referent unterbreitet im Anschluß an fein Referat folgende Resolution zur Annahme: „In Erwägung, dass die kommunalen Arbeitsnachweise in Elsaß- Lothringen sich immer mehr ausbreiten und ausgebaut werden, und somit in der gewerblichen Arbeitsvermittelung unseres Landes an erster Stelle stehen, während die gewerkschaftlichen Nachweise sich in verschwindender Minorität ohne jede wirtschaftliche Bedeutung be- finden, in weiterer Erwägung, daß damit einem Beschluß des Frank- furter Gewerkschaftskongresses vom Jahre 1809 entsprochen wird, der besagt, dass überall da, wo kommunale Arbeitsnachweise errichtet werden, die organisierte Arbeiterschaft ihren berechtigten Einfluß geltend zu machen hat, ohne daß die einzelne Gewerkschaft verpflichtet werden kann, den etiva bestehenden, gut funktionierenden Fach- arbeitsnachweis ohne besonderen Grund aufzuheben, jedoch diesen möglichst mit dem städtischen Arbeitsamt in Verbindung zu bringen, beschließt die IV. clsass-lothringische Gewerkschaftskonferenz: 1. Die örtlichen Gewcrkschaftskartelle resp. Gewerkschaften haben dieser Frage ihre ganze Aufmerksamkeit zuzuwenden, wie auch darauf zu dringen, daß der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter- schaft eine Vertretung in den einzelnen Aufsichtskommissionen ge- währt und somit der nötige Einfluß gesichert wird; 2. Die Vorstände der Gewerkschaften sind verpflichtet, bei Aus- bruch von Streiks an die Arbeitsnachweisstclle am Orte, sowie an die Zentral-Arbeitsnachweisstelle in Strassburg sofort Mitteilung zu machen; 3. Anstrcbung eines einheitlichen Streikparagraphen, dahin- gehend, daß bei Ausbruch von Streiks und Aussperrungen die Ver- Mittelung für den betreffenden Betrieb zu ruhen hat; 4. die Gewerkschaftskonferenz beauftragt die Vertreter der organisierten Arbeiter in den kommunalen Arbeitsnachweisstellen, bei der Landeszentrale der elsass-lothringischen Arbeitsnachweisstelle bezw. dem Ministerium für Elsass-Lothringcn den Antrag zu stellen. zu den alljährlichen Konferenzen der Verwalter der Arbeitsnachweisstellen eine Vertretung der örtlichen Kartelle zuzulassen, ferner 5. die Landesregierung zu ersuchen, in Zukunft mehr Mittel für die Arbeitsnachweisstellen im Etat zur Verfügung zu stellen, damit den nach auswärts vermittelten Arbeitslosen unentgeltliche Reisevergütung gewährt wird. H e i s ch- Strassburg: Die kommunalen Arbeitsnachweise sind bei ihrer gegenwärtigen Konstitution den Interessen der Arbeiterschaft nicht förderlich, insbesondere wegen des Streikparagraphen. Jeden- falls ist der Errichtung selbständiger gewerkschaftlicher Arbeitsnachweise näher zu treten. E m m e l- Mülhausen ergeht sich in längeren Ausführungen über die Bedeutung der kommunalen Arbeitsnachweise. Für Handel und Industrie werden unverhältnismässig höhere Ausgaben auf- gewandt, als für diese gemeinnützigen Einrichtungen, die im ver- flossenen Jahre vom Lande einen Zuschuss von kaum 7000 M. er- hielten. Es sprechen noch verschiedene Redner zu dieser Sache, worauf die Resolution Bröhl mit geringen Veränderungen angenommen wird. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Der Vorsitzende Bär schließt die Konferenz um S'ch Uhr. An der Konferenz nahmen am ersten Tage 25 Delegierte und 23 Gäste und am zweiten Tage 20 Delegierte und 11 Gäste teil. Mocken-Spielplan der Berliner Cbeater. Opernhaus. Sonntag: Rienzi.(Ans. 7 Uhr.) Montag: Carmen. Dienstag: Die lustigen Weiber von Windsor. Mittwoch: Cavalleria msticana. Coppelia. Donnerstag: Lohengrin. tAns. 7 Uhr.) Freitag: Die weisse Dame. Sonnabend: Hansel und Gretel. Slavische Brautwerbung. Sonn- tag: Don Juan. Montag: Die Hugonottcn. Schauspielhaus. Sonntag: Die Journalisten. Montag: Prinz Friedrich von Homburg. Dienstag: Wallenstcins Lager. Die Piccolomini. Mittwoch: Wallensteins Tod. Donnerstag: Im stillen Gässchcn. Freitag: Wie die Mtcn sungen. Sonnabend: Ein kritischer Tag. Sonntag: Prinz Friedrich von Homburg. Montag: Iphigenie auf TauriS. NeucS Köutgl. Operntheatcr. Sonntag: Der Zigeunerbaron. Montag: La Traviata. Dienstag: Die Boheme. Mittwoch: Die lustigen Weiber von Windsor. Donnerstag: Die� Fledermaus. Freitag: Die Boheme. Sonnabend: Der Wasserträger. Sonntag: Der Zigcunerbaron. Montag: Die Bohöme. Schiller-Theatcr O.(Wallncr-Theater.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Waffenschmied. Abends: Undine. Montag: Die verlauste Braut. Dienstag: Die Afrikanerin. Mittwoch bis Freitag: Geschlossen. Sonn- abend: Ein Wintermärchcn. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Jugend. Abends: Ein Wintermärchen. Montag: Die Logenbrüder. Schillcr-Theatcr kV.(Fricdrich-WilhclmstädllscheS Theater.) Sonn- tag: Gastspiel Bötcl. Martha. Montag und Dienstag: Geschlossen. Mttwoch: Die Zauberflöte. Donnerstag: Gastspiel Bötet. Der Postillion von Lonjumeau. Freitag: Die verlauste Braut. Sonnabend: Die Arfrikanerin. Somitagnachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. Abends: Der Trompeter von Sälkingen. Montag: Unbestimmt. Lustspielhaus, sonntag und folgende Tage: Der Herr Substitut. Der dankbare Julien. Restdeuz-Theater. Sonntag und folgende Tage: Eine HochzeitSnacht. Lessing< Theater. Sonntag nachmittag 2ll, Uhr: Rosenmontag. Abends: Elga. Montag: Die Weber. Dienstag: Traumulus. Mittwoch: Elga. Donnerstag: Rosenmontag. Freitag: Elga. Sonnabend: Ein Poilsseind. Sonntag nachmittag 2>/z Uhr: Die versunkene Glocke. Abends: Elga. Montag: Die Weber. Kleines Theater. Sonntag: Salome. Montag: Angele. Wschied vom Regiment. Dienstag: Die Neuvermählten. Abschied vom Regiment. Mittwoch; Salome. Donnerstag: Angele. Abschied vom Regiment. Freitag: Die Neuvermählten. Abschied vom Regiment. Sonnabend: Nachtasyl. Sonntag: Nachtasyl Montag: Angele. Abschied vom Regiment. Neues Theater. Sonntag und folgende Tage: Ein Sommernachts- träum. Trianon-Theater. Sonntag und folgende Tage: Die Notbrücke. Zentral- Theater. Sonntag und folgende Tage: Die Geisha. An beiden Sonntagen, nachm. 3 Uhr: Die Geisha. Thalia-Theater. Sonntag bis Freitag: Amor in New Jork. Sonn- abend, Sonnlag und Montag: Bis früh um sünse. Belle- Alliance- Theater. Sonntag und folgende Tage: Ben Mi Bcy. Carl Weist- Theater. Täglich: Im Hause der Sünde. Reichshallen- Theater. Sonntag und folgende Tage: Stettiner Sänger. Wintergarten. Loön Füller. Spezialitäten. Apollo- Theater. Allabendlich: Am Hochzeilsabend. Ein Abend in einem amerikanischen Tingel-Tangel. Spezialitäten. Metropol- Theater. Allabendlich: Die Herren von Maxim. Passage- Theater. Allabendlich: Madame du Dion. Fernande Robertine. Spezialitäten. Gebr. Herrtlfeld- Theater. Sonntag und folgende Tage: Die Meherhains. Urania-Theater. Taubcnstrasse 48/49. Die deutsche Nordseekiiste. Montag und Donnerstag: Tierlcben in der Wildnis. Mittwoch und Sonn- abend: Bon der Zugspitze zum Watzmann. Ansang 8 Uhr.— Invaliden« strasse 57—62. Sternwarte., Berein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins und Umgegend. Heute Sonntag, den 20. August: Besichtigung der indischen Abteilung des Museums für Völkerkunde unter fachmännischer Führung. Treffpunkt:°/«2 Uhr, Königgrätzerstrasse, Ecke Prinz Wibrecht- strasse. Oesfcntliche Bibliothek und Lesehalle z»«»entgeltlicher Be- »utmng für jedermann, SW., Alcxandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 5>/z— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung auS. Eingegangene DrucKfikdriften. „Der Arbcitsmarkt", Halbmonatsschrift der Zentralstelle sür Arbeits. martt-Berichtc. Die als Organ des„Verbandes deutscher Arbeitsnachweise" erscheinende Zeitschrist enthält in Nr. 22 des 8. Jahrganges unter ander,«: Rundschau über die Lage des ArbcitSmarktes.— Abkommen zur Be- kümpsung des Mädchenhandels.— Saisonstatistik der Ortskrankenkasse Strassburg i. E.— Kohlenausschlüsse Deutschlands. Bergbausreihcit und Bcsitzverhältnisse. Kohlcnsclder im Privatbesitz und in Händen des Fiskus.— Bautätigkeit im Ruhrkohlcngcbiet. Bevölkerungszunahme und Knappheit an kleineu Wohnungen. Bauarbeitcraussperrung und Aussichte» für die nächste Baupcriode. Aerzte. Krankenkassen«nd Leipziger Verband. Von Dr. Fritz Kirschstcin. Preis 1 M. 64 Seiten Oktav. Berlin 1905. Hermann Walther, Verlagsbuchhandlung, G. m. b. H. Oskar Michel, Vorwärts zu�ChristuS! Fort mit Paulus I Deutsche Religion. 424 Seiten. Verlag H.«ecmann Nachflg., Leipzig. Ausgabe» des„Bundes". 81, nie de Carouge, Goneve, La Constitution et notie Programme. I. Partie: L ordre politiquo. Letzte Nachrichten Nr. 242. lieber Barrikadenbau, mit Plänen und Zeichnungen. C. Schmidt. Die Aufgaben und die Tätigkeit der deutschen Invaliden- versichcrungs-Anstaltcn in der Arbeiterwohnungssrage. 217 Seiten. Verlag Paul Neubner, Cöln a. Rh. „Mutterschutz". Zeitschrist zur Reform der sexuellen Ethik. Heraus- gegeben von Dr. phil. Helene Stöckcr, Berlin-Wilmersdorf. Preis: halb- jährlich(6 Hcste) 3 M.; Einzelheit 60 Ps. Frankfurt a. M. I. D. Sauer- länders Verlag. Dr. phil. Franz Müller, Der russisch-japanische Krieg.(Berlin, Hermann Walther.) Leopold Katscher, Weibliche Geheimbündelei.(Julius Eichenberg, Siena und Berlin.) Graf Adalbert Stcrnberg. Politische Federzeichnungen.(Berlin, Hermann Walther.) 3. Jahresbericht des ArbcitersckrctariatS Dortmund-Hörde nebst Jahresbericht des Gcwcrkschaftskartells Dortmund und Anhang: Der Bcrgarbeitcrstreik, die Streikprozesfe und der§ 153 der Gewerbeordnung. Geschästsjahr 1901. 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Zuzug fernzuhalten!"WkZ 0er Vorstand der Filiale Berlin. Achtting, Klllvitrlrrbtittr! Die Kollegen der Piano- Fabrik »nott-scliiield«? in I-elpzlg befinden sich im Streik, 89/4* Zuzug ist fernzuhalten. Tie Ortsverwaltung. «si-ßiirsteniiiaclier! Die Bürstcufabrik Schächter ist gesperrt. Die Drlsrerwaltung.* Lermtw. Bedükteur: Paul Büttnrr. Berlin. Lür den Lnieratenteil veravtw.:TH. Glocke, Berlin. Dnick u. Verlag: Borwärtt Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin LM Nr. 194. 22. Jahrgang. 4» JJfjljljjf partel-Hngclegenbciten. Kreiskonferenz Niederbarnim. Heute Sonntag, den 20. August, nachmittags 2 Uhr, j.iidet in Rummclsburg im Cafe Bellevue" eine Konferenz des Kreises Niederbarnim statt. Tages-Ordnung: 1. Der bevorstehende Parteitag in Jena und seine Aufgaben. Referent Genosse Stadthagen. 2. Diskussion und Beratung der eingegangenen Anträge. 3. Wahl der Delegierten zum Parteitage. 4. Kreisangelegenheiten. I. A.: Der Kreis-Vertrauensmann. G. Freiwaldt- Pankow. Zur Lokalliste. In Wannsee steht nur das Restaurant „Bayrischer Hof", Glienickerstr. 10, der Arbeiterschaft zur Ver- fugung. Alle anderen sind gesperrt. Am Sonntag. 3. September, findet in der„P h i l h a r m o n i e", Bernburgerstr. 22/23, ein von der„Vereinigung Berliner Männerchöre"(Leitung: Herr Blaufus) veranstaltetes Vokal- und Jnstrumental-Konzert unter Mitwirkung des Haberland scheu gemischten Chores(Chormeister: Herr Wantzleben) statt. Be- teiligt hieran ist auch der Gesangverein„ L y r a n i a". Es wird versucht, in Arbeiterkreisen Billetts umzusetzen. Da das Lokal g e- sperrt ist, so weise man Billetts für diese Veranstaltung zurück. Die Lokalkommission. berliner I�acbmbtm Was du nicht willst... � Marokkaner, der ini ersten Garderegiment zu Fuß in Potsdam zum Schellenbaumträger ausgebildet werden soll, erfreut sich immer noch nicht der heißersehnten Freiheit seines heißen Landes. Wenigstens weiß keine Zeitung zu be- richten, daß diesem Ausländer von der Militärbehörde— Vorgesetzte kann er als Nichtdeutscher beini Militär ja wohl nicht haben zu verstehen gegeben worden ist, daß kein Mensch imstande ist, ihn in der unbehaglichen Rolle, die man ihm zu- gedacht hat, festzuhalten. Mag der von Sklaverei und Leib- eigenschaft handelnde Paragraph des Strafgesetzbuches auch gar nicht einmal auf den Fall des Marokkaners zutreffen, so ist doch nicht abzusehen, ob diejenigen, die ihn etwa wider seinen Willen jetzt in Potsdam ans Militär zu fesseln suchen, sich nicht unversehens in den Maschen des von der Freiheits- beraubung handelnden Gesetzesparagraphen verstricken könnten. Ferner wäre zu bedenken, zu welchen unangenehmen Konse- quenzen es führte, wenn der Marokkaner, seiner unbehaglichen Lage vollends überdrüssig, mit einem höheren Militär iip Streit geriete und sich gar tätlich an ihm vergriffe. Nach den harten Militärgesetzen könnte der Mann nicht bestraft werden, da er doch kein Militär ist. Alle diese Erwägungen sollten für die Militärbehörde maßgebend sein, dem Afrikaner klar zu machen, daß er frei ist, in seiner Eigenschaft als Schellenbaumträgerlehrling etwa zur Kategorie der Gewerbegehülfen zählt und ver- meintliche Schadenersatzansprüche vor dem Gewerbe» g e r i ch t zu Potsdam oder dem dortigen Amtsgericht geltend machen kann. Wenn das Ausland wagte, einen Deutschen scheel anzu- sehen, dann setzte es bisher Kriegsschiffe. Selbstverständlich so- weit es sich nicht um das ehrfurchtsvoll geliebte Rußland, son- dern um Länder handelte, von denen mit mathematischer Ge- wißheit feststand, daß Deutschland ihnen an Kriegsstärke mächtig überlegen war. Nun stelle sich jemand vor, daß vor einigen Monaten der Sultan von Marokko auf den Einfall gekommen wäre, einen Mann aus der Umgebung des Kaisers als Schellen- baumträger zu verlangen. Unser Mann in Potsdam soll aus einer altangcsessencn, also Wohl auch angesehenen, be- güterten Familie des Landes stammen. Darauf deutet auch die Meldung hin, daß er gleich dem Cherubin in seidenen Ge- wändern zu gehen gewohnt war, daß Geflügel und dazu noch rituell geschlachtetes seine Tafel zierte und der Rauch von dreißig Zigaretten täglich sein Antlitz bräunte. Ein marokka- nischer Arbeitsmann wird sich diesen Luxus schwerlich leisten können. Er stand vielleicht im Ansehen eines Regierungs- assessors oder Oberleutnants. Wir wollen auf den Gedanken uns gar nicht einmal ver- steifen, daß jemand aus dem militärischen Gefolge des deutschen Kaisers auf Wunsch des Sultans in Marrakesch Schellenbaumträgeraspirant geworden wäre. Dieser Schritt hätte große Ueberwindung gekostet, ein starkes Stück Christen- mut, und da selbstverständlich nur von freiwilliger Ueber- nähme der erwähnten ehrenvollen Stellung hätte die Rede sein können, so wäre nur ein von unentwegter Monarchcntrcue und unentwegter Christendemut zugleich stark beseeltes Gemüt, also ein H o f p r e d i g e r in Betracht gekommen. Der Christenglaube hilft über manches Ungemach und gewiß auch über das eines mit 28 Pfennig besoldeten marokka- nischen Schellenbaumträgers hinweg, aber angenehm wäre die Lage unseres Hofpredigers nicht gewesen, auch dann nicht, wenn er in Seide gekleidet und in der Menage, was uns un- denkbar scheint, mit rituell geschlachtetem Geflügel genährt worden wäre. Dernjours perdrix hat nach alter Erfahrung auch seine Unannehmlichkeiten, und gar erst in Marokko.� Man höre, was z. B. Friedrich von Hcllwaldt in seinem bekannten Buch„Die Erde und ihre Völker" über den Ratio- nalcharakter der Marokkaner schreibt: „Diebstahl, Lug und Betrug, namentlich einer Tribe gegen die andere, sind zwar häufig genug, indes wird dies kaum als sündhaft betrachtet. Lügen ist überhaupt den Arabern und Berbern so eigen, daß es wohl kaum ein Individuum gibt, das die Wahrheit spricht. Und professionsmätzige Lüge hat wohl immer Diebstahl und Betrug im Gefolge. Das Faustrecht, der Raub und Mord sind in all den Teilen des- Landes, die nicht von der Armee des Sultans erreicht werden können, an der Tagesordnung, und niemand findet »twas Außerordentliches darin." Nun stelle man sich vor, daß in diese Gesellschaft ein von der Wahrheit des orthodoxen Glaubensbekenntnisses über- zeugter Hofprediger hineingeraten wäre: man male sich ferner die Situation aus, wenn die sittliche Verdorbenheit seiner Umgebung dem würdigen Manne gar einen Harem auf- zudrängen versucht hätte! Wäre es nicht begreiflich gewesen, wenn bei aller Christen- demut der Geistliche sich nach den Fleischtöpfeu, dem positiv- Werslen Krakehl seiner Heimat zurückgesehnt hätte? Und Ks Jormiiits" wären internationale Komplikationen aus diesem Anlaß nicht sehr wohl möglich gewesen? Wie lautet ein gutes deutsches Sprichwort?„Was du nicht willst, das man dir tu', das füg' auch keinem andern zu." Man übergebe also das Amt des Schellenbaumträgers wieder einem Sohne der Mark und lasse den Marokkaner friedlich in seine heimatlichen Gefilde ziehen. Anderenfalls könnte er nach dem bekannten Beispiel des einen israelitischen Schülers, von dem die ganze Klasse sich das Mauscheln angewöhnte, auf seine christliche Umgebung gar noch einen sittenverdcrbenden Einfluß ausüben. Wirkungen des FleischwnchcrS. Vor den Fleischläden der Berliner Freibank, die das auf dem Schlachthofe beanstandete Fleisch kranken Schlacht- Viehes als„minderwertig" und„bedingt tauglich" zu billigerem Preise feil hält, ist noch alles beim alten geblieben. Noch immer finden sich lange vor Eröffnung der Läden H u n- derte von Personen ein und harren auf dem Bürger- steig Stunden hindurch geduldig aus, un: nur ja rechtzeitig heranzukommen und ihr bißchen Fleisch kaufen zu dürfen. Denn stets wird in kurzer Zeit der vom Schlachthof angelieferte Fleischvorrat ausverkauft, so daß regelmäßig die Letzten der Harrenden mit leerem Korbe nach Hause zurückkehren müssen. Wenn uns unsere Beobachtung nicht täuscht, so hat der Kundenkreis der Freibank sich in den letzten Wochen sogar noch vermehrt. Immer größer wird, so will es uns scheinen, die Schar derjenigen, die sich am frühen Morgen vor den Verkaufs- stellen samnieln und in dichtein Gedränge auf den Beginn des Fleischverkaufs warten. Schon längst werden die Frei- bankverkaussstellcn nicht mal mehr täglich geöffnet. Da das Fleisch, sobald es vom Schlachthof ankommt, in zwei bis drei Stunden vollständig verkauft wird, so muß dann die Bude zugemacht werden, bis ein neuer Schlachttag neue Ware bringt. In normalen Zeiten kam es bei der Freibank nicht selten vor, daß übriggebliebene Fleischvorräte vernichtet werden mußten, weil der Tierarzt, der diese Reste vorschriftsgemäß einer nochmaligen Besichtigung unterzog, gegen den Verkauf Einspruch erhob. In diesem Jahre hat die Freibank das schon lange nicht mehr nötig gehabt. Reste gibt's nicht— Reste gäbe es wahrscheinlich selbst dann nicht, wenn der Schlachthof das doppelte Quantum liefern könnte. Die„D e u t s ch c T a g e s z e i t u n g", das Agrarierblatt für Nahrungsmittelwuchcr, für Verteuerung von Brot, Fleisch, Milch usw., treibt seit einiger Zeit den albernen Sport, möglichst jede im„Vorwärts" veröffentlichte Schilderung irgendwelchen Großstadtelends ihren Lesern aus der Provinz vorzulegen, um graulich zu machen vor dein gehaßten Berlin, das elend bezahlten und menschenunwürdig behandelten Landarbeitern Ostelbiens noch als ein halbes Eldorado er- scheint. Wir wundern uns, daß bisher über den Andrang zur Freibank noch keine Zeile in der„Deutschen Tageszeitung" zu lesen war. Das wäre doch eine prächtige Gelegenheit, den Lesern der Provinz wieder einmal zu zeigen, an welchem „Treck"(im Jargon des Junkertums zu reden) die Arbeiter- bevölkerung in Berlin sich satt essen muß. Wir vermuten aber, daß diese Erscheinung großstädtischer Not, eine Wir- kung der hundertmal weggelogenen Fleischnot, dem Agrarier- blatt denn doch nicht recht in seinen Kram paßt. Man kann billigerweise nicht verlangen, daß das Organ für Fleisch- Wucher schließlich selber zuni Ankläger wider den Fleischwucher Wird._ Größenwahn eines HanSbcsitzcr?. Die Frage, ob ein Hauswirt verlangen darf, daß der Briefträger die Seiten- oder Hintertreppe benutze, um den Mietern il?re Postiachen zu überbringen, ist wieder einmal in Charlottenburg akut geworden. Dort hat der Eigentümer eines„hochherrschaftlichen" HauieS sich für berechtigt gehalten, dem Briefträger die Benutzung des vorderen„herrschaftlichen" Aufganges zu verbieten und zu bestimmen, daß Post- und andere Boten den durch den Keller führenden Nebeneingang und die in den Seiten- flügeln befindlichen„bequemen und hellen Treppen" zu benutzen hätten. Die Postboten weigerten sich bald und erklärten, sie hätten von dem Postvorstehcr die Weisung erhalten,„unbedingt" die Vorder- treppe zu benutzen. Wenn dies nicht gestattet werde, würde über das Hails die Sperre für die P o st b e st e l I u n g verhängt und die Mieter müßten dann selbst für die Abholung ihrer Post- fachen Sorge tragen. Auf eine Beschwerde des Hauswirtes wurde aus mehrere Gerichtsurteile verwiesen, die das Verlangen des Postbeamten rechtfertigen. Der Syndikus der Berliner Hausbesitzer- vereine, Rechtsanwalt Baron, tritt dieser Auffassung bei und rät dem betrestenden Hauswirt, die Vordertreppe den Postboten frei- zugeben: der Vermieter könne Ivohl die Vordertreppen durch Ver- trag für gewisse Personen(Dienstboten ze.) sperren, nicht aber siir Bcainte, welche im öffentlichen Dienst die Mieter auf- suchen; geschehe das letztere dennoch, so sei die Behörde zur Ver- hängung der„Postsperre" berechtigt. Vom Botanischen Garten in Dahlem. Eine Neuerung anerkennenS- werter Art hat die Direktion des Botanischen Gartens in Dahlem dadurch geschaffen, daß sie ein Heftchen für 10 Pf. herausgibt, worin für die botanischen Gattungen und Arten die deutschen Namen angegeben sind. Wünschenswert wäre jetzt ein Führer durch den Garten. Zwar sind für einzelne Abteilungen Leitfaden vorhanden. aber diese kosten zusammen bereits etwa 4 M., während ein Gesamtkatalog erst in einigen Jahren fertiggestellt werden kann. Ein so umfassendes Werk ist ebenso wie die Spezialkataloge gewiß sehr nützlich, doch hat es für den Gelehrten, für den Botaniker von Fach, entschieden mehr Wert als für den Laien, der nach einer kurzen, möglichst gemeinverständlichen Beschreibung des Gartens verlangt. Vielleicht"läßt sich schon jetzt eine solche zu mäßigem Preise herstellen. Eine Dienstwohnung für den Oberbürgermeister, wie sie— einem Gerücht zufolge— auf dem jetzt der Stadtcjemeinde als Vermächtnis zugefallenen Grundstück Bellevuestraße 2 geschaffen iverden soll, wäre für Berlin kein ganz neuer Gedanke. In der Mohrcnstraße steht noch heute ein stattliches Haus, in dem einmal ein Berliner Ober- bürgerineister eine Dicustivohiiuug innegehabt hat. Als in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts das Grundstück Mohrcnstr. 41 von den verstorbenen Kausleuten Gebrüder Fuhrmann der Stadt- gemeinde als VennächMiS hinterlassen worden war. wurde hier ein großer Neubau aufgeführt, der teils als vermietbares Wohnhaus teils als Kommunalschulhaus dienen sollte. Im Hintergebäude wurde die neue 16. Kommunalschule untergebracht, die sich noch gegenwärtig darin befindet. Im Vordergebäude aber wurde aus den herrschaftlichen Wohnungen diejenige des ersten Stockwerks ausgewählt und dem Oberbürgermeister als Dienstwohnung überwiesen. Dieser Zustand wurde später wieder aufgehoben, iveil man zu der Ansicht gelangte, daß es sich nicht empfehle, dem Obcrbürgcrincister eine feste Dienst- Wohnung zu geben. Auch bei Erbauung des neuen Rathauses an der Königstraße war anfangs beabsichtigt worden, eine Dienst- ivohnung für den Oberbürgermeister einzufügen, doch wurde von diesem Plan Abstand genonuucn. Die Erhebung von Chmisscegcld für Kraftfahrzeuge aus den Krcischausseen des Kreises Teltow lritt mit dem 1. Oktober in Kraft. Personenautomobile mit Gummireifen haben, wenn sie bis zu vier Sonntilg, 29. August 1995. Sitzplätzen aufweisen, 10 Pf., bei mehr als vier Plätzen 20 Pf. zu entrichten: bei Automobilen ohne Gummiradreifen erhöhen sich die Sätze aus 15 und 30 Pf. Die gleichen Sätze gelten für Lasten- automobile, je nachdem sie beladen oder leer sind. Von Motor- fahrrädern soll, obwohl sie in: Sinne des kaiserlichen Erlasses vom 6. Juni 1904 auch zu den Lfraftwagen gehören, vorläufig kein Chausseegeld erhoben werden. Befreit vom Chausseegeld find Kraft- wagen, welche den Hofhaltungen des königlichen und deS fürstlich hohenzollernschen Hauses, dem preußischen Staate oder dem Deutschen Reiche gehören oder für deren Rechnung betrieben werden. Die Standesämter weisen mit Rücksicht stuf die vielen Ehe- schließuugen, die alljährlich im September und Oktober stattzufinden pflegen, darauf hin, daß vielfach die Ansicht herrscht, das Aufgebot müsse der Eheschließung unmittelbar vorangehen. DaS Aufgebot wird deshalb oft so spät beantragt, daß die Frist bis zu dem beabsichtigten Eheschließnngstage zu knapp bemessen ist, wodurch nicht selten Schwierigkeiten für die Verlobten entstehen. Es wird deshalb darauf aufmerksam gemacht, daß das Aufgebot bis zu sechs Monaten vor dem Eheschließungstage beantragt werden kann; und daß das Aufgebot möglichst früh zu beantragen ist. Polizeilich verboten wurden für den Stratzenhandel die neuesten Rummern einiger Witzblätter schmutzigen Charakters. Die Polizei» bchörde hat auf den Vertrieb derartiger Schriften in letzter Zeit ein besonders wachsames Auge. Es vergeht kaum eine Woche, wo nicht eine oder die andere der zahlreichen Zeitschriften dieser Art der Be- schlagnahme oder zumindest dem Ausschluß vom Sttaßenhandel ver- fallen. Die Jnnehaltung solcher Verbote wird scharf überwacht und erst in den letzten Tagen erhielten verschiedene Zeitungshändler Strafmandate, weil sie ein vom Straßenhandel ausgeschlossenes Blatt dessenungeachtet vertrieben hatten.— Wir haben für diese Sorte Literatur gewiß keine Sympathie übrig. Aber daS Vorgehen der Polizei bedeutet nur Reklame für diese Zeitschristen. Zum Berliner Milchkricg.„Halbmilch, wie sie vom Berliner Milchhandel zu Vollmilchpreisen verkauft wird, führen wir mcht". Diesen Satz hatte die„Zentrale fiir Milchverwertung" zu Berlm, ein Ring von Milchproduzenten, welcher seit Jahren die Milchhändler bekämpft, fett in einem Zirkulare abgedruckt, das sie an die Berliner Hausfrauen versandte. Weiter war darin noch gesagt, daß sich jeder selbst einen Liter Halbmilch zu 14 Pf. aus einem halben Liter Boll- milch zu 10 und einem halben Liter Magermilch zu 4 Pf. herstellen könnte, dafür also nicht 20 Pf. zu zahlen brauchte.� Die Berliner Milchhändler wurden somit als Mi l ch m i s ch e r hingestellt. Der Milchhändler B. fühlte sich dadurch geschädigt und klagte auS§ 1 des Wettbewerbgesetzes gegen die Zentrale auf Unterlassung dieser Anpreisung. Sache der Zentrale war es nun, zu beweisen, daß ihre Behauptung auf Tatsachen beruhe. Sie ließ deshalb Tausende von Michproben im IlntersuchungZamte der Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg untersuchen und feststellen, daß bei zrrka 80 Proz. ein geringerer Fettgehalt als bei ihrer Vollmilch vor- handen war. Dagegen führte die Beklagie aus, daß diese Probe« größtenteils von verdächtigen Händlern entnommen seien. Land- geeicht und Kammcrgericht Berlin erkannten nach Klageantrag und verurteilten die Zentrale zur Unterlassung solcher Anpreisungen. DaS Zirkular„Vom Berliner Milchhandel" besage, daß all-Händler minderlvertig verkauften, dies sei aber nicht bewiesen. Nach Fest- stellungen des Polizeipräsidiums hätten nur(I> 29— 31 Proz. aller 1900 Berliner Milchhändler gefälschte Milch verkauft, vom Kläger aber sei dies nicht nachgewiesen. Die Beklagte hatte gegen dieses Urteil Revision beim Reichsgericht eingelegt und erzielte eine Aushebung des Urteils unter Zurückverweisung der Sache an das Kammergericht, da noch einige Beweisanträge gestellt, diese aber abgelehnt worden waren. Folgende Listen für die Opfer des russischen Befreiungskampfes sind verloren gegangen: Nr. 4133(leer), Nr. 4174(6 M. gezeichnet). Es wird gebeten, diese Listen bei Wilhelm Knick, Wollinerstr. 36, abzugeben. Wie daS Volk wohnt. Aufregende Szenen spielten sich, wie eine Korrespondenz meldet, seit einigen Tagen in dem Hause Bahnstr. 1ö in Schvneberg ab. Dortwohnt imKeller des linken Seitenflügels der Kohlen- arbeiter Barfknecht mit seiner Familie. Die Wohnung besteht auS einem kleinen Zimmer und einer Kammer. Die beiden enge», niedrigen und obendrein noch dunklen Räume beherbergen nicht weniger als acht Personen, Mann und Frau sowie fünf Kinder im Alter von vier Monaten bis zu sieben Jahren und die Großmutter. Die Zu- stände, die in der Wohnung allmählich Platz griffen, waren geradezu entsetzlich. Um die Kinder, deren Gesundheit in der dumpfigen Kammer arg litt, vor dem Schlimmsten zu bewahren, sah sich schließlich die Polizeibehörde veranlaßt, einzuschreiten. ES erschienen mehrere Beamte, die die fünf Kinder abholen und in dem Kinderheim „ZionShülfe" in der Rubensstraße unterbringen Ivollten. Als die Schutzleute Frau B. den Zweck ihres Besuches mitteilten, sträubte sie sich energisch dagegen, ihre Kinder wegzugeben. Die alte Groß« mutier fiel in Ohnmacht, als sie vernahm, um was eS sich handelte. Schließlich aber gab Frau B. insoweit nach, als sie nur das jüngste Kind zurückbehalten wollten. Nach langem Parlamentieren entschloß sich Frau B.. mit allen fünf Kindern in Begleitung der Beamten»ach der„ZionShülfe" zu fahren. Dort aber wurde der Säugling nicht aufgenommen, da er noch keine sechs Monate alt ist. Die Mutter wurde nun von den anderen vier Kindern getrennt und mit dem Säugling wieder nach dem Keller ge- bracht. Später erschienen nochmals Polizeibeamte, die den Säugling holen wollten, um ihm nach einem Säuglingsheim zu bringen. Die Miltter lvar nicht anwesend, kam aber in demselben Augenblick zurück, als die Beamten das Kind aus dem Wagen herausnehmen wollten. Sie bat und flehte, ihr doch wenigstens das Kleinste zu lassen. ES gelang den Beamten jedoch, die Mutter zu überreden, selbst mit nach dem Säuglingsheim zu fahren. Frau B. tat dies zwar, weigerte sich aber in dem Heim, sich von dem Kinde zu lreuncii. Man wandte sich an den Waisenrat, und die Mutter er« hielt später den Bescheid, daß sie ihren Säugling vorläufig zurück« erhalte. Frau B. erklärte, sich das Leben zu nehmen, falls man ihr das letzte Kind fortnehmen würde. Revolvcrfchüssc auf seine Ehefrau und sein Kind gab Freitag nachmittag der Tischler Hugo Ristau, Luisen-llfer 61, anscheinend im Zustande geistiger Umnachtung ab. Die Frau erhielt nur einen Streisschuß aus der rechten Brustseite. Der Mann, der offenbar die Absicht gehabt hatte, seine Frau zu töten, brachte sich nach der Tat einen Schuß in den Mund bei und war sofort tot. Ristau hatte vor etwa einem Jahre seine Stellung augeblich infolge des TischlerauSftaudeS verloren. Da er seitdein keine ständige Arbeit mehr finden koiuitc, wohl infolge seines zu Exzentrizitäten geneigten Wesens, scheint sich unter dein Druck seiner Lage, in der er sich mit seiner Frau und drei Kindern sah, und die ihn an die Unterstützung durch seine Verwandten wies, die Geistes« krankheit bei ihm entwickelt zu haben. Er verschaffte sich heimlich einen Revolver. Gestern kurz nach 6 Uhr abends kam er wieder auf die Arbeitsnot zu sprechen. Die Zusammenhanglosigkeit seiner Worte erschreckte seine Frau. In, Augenblick, als sie sich erhob, schoß er eine Kugel auf sie ab. Mit lautem Angstschrei tief die Getroffene die Treppe hinunter. Schon in: nächste» Augenblick kam ihr kaut iveincnd der kleine Sohn nachgelaufen. Ihn hatte der Vater mit einer Kugel am Kopfe verwinioet. MS jetzt eine Hausbewohnerin die Korridortür der Ristauschen Wohnung aufschlug, zog der Ehe» niann von innenher die Tür gewaltsam ins Schloß und schoß sich eine Kugel in den Mund. Seine beiden ältesten Kinder ließ er un- verfehrt. In» VerfolginigSwahn gab gestern abend der Büfettier Karl Pospich vor dem Hause Weiubergsweg 15 ohne Veranlassung aus einein Revolver einen Schuß ab und richtete die Waffe dann gegen btn �erveieilenden Schutzmann Boas, der aver entschlossen auf ihn losging und ihm die Waffe entriß. Er brachte Pospich zur Wache. wo man rhu wegen gemeingefährlichen Verfolgungswahns vom Kreis- arzt untersuchen ließ. In dem Revolver befanden sich zwei Hülsen und vier scharfe Patronen. Außerdem fand man bei Pospich noch 12 scharfe Patronen. Ein peinlicher Vorfall spielte sich gestern auf der Hochbahn ab. Abends um 0 Uhr wurde im Zuge ein iWann ohnmächtig. Am Bahnhof Möckernbriicle machten die Passagiere einen Beamten auf den Zwischenfall aufnicrksam, doch dieser erklärte, daß er keine Zeit habe, sich mit dem Erkrankten zu befassen. Damit der Unbekannte bequemer befördert werde, wollten die Fahrgäste ihn in den Wagen zweiter Klasse bringen, doch litt der Beamte dies isicht, weil er in dem Falle, daß der Kranke den Wagen verunreinige, für die Kosten aufkommen müsse. Den Fahrgästen blieb nun nichts übrig als allem Samariterdienste zu leisten; man holte eine Droschke herbei und schaffte den Mann in die Unfallstation. Kein Beamter rührte hierbei einen Finger. Nach einer Weile kam der Erkrankte wieder zu sich. Wenn bei enisteren Unfällen die Beamten ebenso ratlos sind, dann können die Fahrgäste der Hochbahn sich gratulieren. Tie Leiche eines neugeborenci« Kindes männlichen Geschlechtes. in einem Pappkarton, Zeitung- und Packpapier verpackt, wurde am IS. August 1S0S vormittags gegen 7Vi Uhr auf dem mchebauten Terrain in der Holsteinischenstraße, zwischen der Schloß- und Schöne- bergerstraße in Steglitz, aufgefunden. Der Pappkarton ist gelb braun gemustert und hat anscheinend zur Aufnahme von Damen- schuhen gedient. Auf dem hellbraunen Packpapier befindet sich der mit Tinte geschriebene Vermerk„100 Löwenbrecker m. 3 Füßen Bei der Leiche befanden sich ferner: Berliner Tageblatt Nr. 217 v. 20. 4. 0S, Handelszeitung zum Berliner Tageblatt Nr. 217 v. 29. 4. 05, Berliner Morgenpost v. 4. 6. 0S, 6. Beilage. Das Kind ist vollständig entwickelt, scheint lebensfähig gewesen zu sein und die Geburt erst in den letzten Tagen stattgefunden zu haben. Sachdien- liche Mitteilungen nimmt jedes Polizeirevier schriftlich oder mündlich und die Kriminalpolizei, Polizeipräsidium. Zimmer 334 zu Nr. 6165 IV. 46. 05, entgegen. Der Mordanschlag auf die Witwe Krause beschäftigt jetzt den Untersuchungsrichter. Ihm lvurde nunmehr der Kutscher Gustav Hellmundt unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft vorgeführt. Der blutbefleckte Anzug und der Patenthannner Hellmundts wurden beschlagnahmt und von der Kriminalpolizei dem Strahn, annschen Institut zur Untersuchung übergeben. Diese soll feststellen, wie alt die Blutflecke und ob sie durch Spritzen oder auf andere Weise an die Kleidungsstücke und den Hammer gekommen sind. 907 Kilo Wurst beschlagnahmt. Von einem Geschäftsmann in der Zentralmarkthalle ist ein Posten von 257 Kilo Salaniischlackwurst zur polizeilichen Untersuchung eingeliefert worden, der als verdorben erkannt und der Abdeckerei zur Vernichtung überwiesen wurde. Bei einen, anderen Geschästsmanne lvurde ein weiterer Posten von 650 Kilo Salamiwurst wegen Fäulnis beanstandet und ebenfalls zur Vernichtung gebracht. Die Lieferanten der Wurst werden natürlich ihrer Bestrafung nicht entgehen. Die Kalesche des„Knhendoktors" ist jetzt von, Hofe der „Schwarzen Laus", wo sie mehr als 20 Jahre gestanden hat. end fernt und verkauft worden. Die„Schwarze Laus" ist ein sehr altes Hans, wenige Schritte von der Getraudten-Brllcke entfernt. Der Besitzer, ein studierter Herr und großer Tierfreund, ist seit längerer f;eit nach außerhalb verzogen. Früher hielt er sich in dem Hause 3 Katzen und außerdem 2 Schimmel, mit denen er spazieren fuhr. Als vor Jahren der eine Schimmel plötzlich verendete, gab er diese Fahrten auf. die Kalesche lvurde auf den Hof und der Schlitten auf den Hausflur unter den Treppenabsatz gestellt, wo er noch heute steht. Der überlebende Schimmel erhielt das Gnadenbrot und ging erst im vorigen Jahre ein. In der Kalesche auf dem Hofe hat so mancher Obdachlose übernachtet und oft noch von dem Besitzer ein Geldgeschenk dazu erhalten. Feuerbericht. In der Nacht zum Sonnabend kam in der Koppen- straße 35 ein Pretzkohlenbrand aus, dessen Ablöschung längere Zeit m Anspruch nahm.— Decken und Möbel gingen dann in der Ruppinerstr. 27 in Flammen auf, während in der Ebertystr. 25 Säcke, Lunchen k. in einem Badezimmer Feuer gefangen hatten.— Auf dem Hofe des HauseS Rofenthalerstr. 51 brannte nachts ein mit Dung bcladener Wagen.— Die übrigen Alarmiernngcn, die noch aus der Reinickendorferstr. 40, Ackerstr. 41 und aus der Arndtstr. 40 einliefen, waren auf ganz geringfügige Anlässe zurückzuführen. Der Berliner Zoologische Garten besitzt seit kurzem ein Paar U r s o n s. die in einem Außenkäfig des alten Hauses gegenüber den, neuen Bärenzwinger untergebracht sind. Diese eigentümlichen, nordamerikanischen Baumstachelschweine, welche in den Abendstunden auf den Aesten ihres Geheges nmherklettern, besitzen eine ganz raffinierte Waffe. Nähert sich ihnen ein Feind, so sträuben sie alle Stacheln und sehen es darauf ab, daß der Gegner in die Gegend ihres unteren Rückenabschnitts kommt, dann folgt ein rascher Schlag mit dem bewehrten Schwänze nach oben, und der Angreifer sucht, gespickt mit den äußerst lose sitzenden Stacheln, das Weite. Die neuesten Erwerbungen des Berliner AquariiunS brachten in erster Reihe den Abteilungen der Reptilien und Fische Wünschens- werte und wichtige Ergänzungen. Das hinterste Glashaus rechter- seits in der Schlangengalerie, bisher bewohnt von großen Exemplaren aus der Familie der Aarane, hat nun auch zwei Ler- treter der für Mittel- und Südamerika im hohen Grade charakteristi« scheu Familie der Leguana, welche dort allerwärts in nahezu einem halben hundert Gattungen zu finden ist, aufgenommen! es sind echte Leguane oder Kamm-Eidechsen, welche, wie schon der Name anzeigt, einen vom Nacken an längs des Rückgrats bis zur Schtvanzspitze verlaufenden Stachelkamm, außerdem aber auch am Vorderteil des großen hängenden Kehlsacks einen Zahnkamm besitzen und durch ihr Aussehen und ihre Größe, denn sie sind über einen Meter lang, be- künden, daß sie sich im Falle der Not mächtig zu verteidigen wissen. Dicht daneben ist ein anderer stattlicher Saurier Südamerikas, dessen weißes Fleisch dort ebenso geschätzt wird, wie das des LeguanS, einquartiert worden, nämlich ein braunschwarzer. gelb- quer- gebändelter Teju. Treptow. Sternwarte. In Vertretung von Herrn Direktor Archenhold, welcher zur Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis nach Burgos(Spanien) abgereist ist, spricht Herr Dozent Jens Lützen am Sonntag, den 20. August, nachmittags 5 Uhr. auf der Treptow-Sternwarte über:„Die Sonne" unter Vorführung zahl- reicher Lichtbilder und um 7 Uhr:„Doppelsterne und Sternhaufen". Am Montagabend g Uhr über:„lieber den Mond". Mit dem großen Fernrohr werden am Tage Sonnenflecken, abends Saturn und Mond gezeigt.__ Vorort- JVacbricbtem öi»iOOCf. Die Gasarveitcr der Stadt Rixdorf waren am Freitag, den IS. August, bei Thiel. Bergstraße 151, versammelt, um zu der Ver- schleppungstaktik der Verwaltung gegenüber den Forderungen der Gasarbeiter Stellung zu nehmen. Die aufgestellten Forderungen, es handelt sich um Verbcssernng der Löhne sänirlicher Kategöricn, gelangten an, 31. Juli zur Verhandlung im Arbciterausschuß. Die Forderungen wurden auch seitens des Vertreters der Verwaltung als berechtigte anerkannt. Man durfte annehmen, daß die Verhandlungen, die schon monatelang währten, endlich einen be- friedigenden Abschluß finden würden. Höheren Orts scheint man aber inzwischen anderer Meinung geworden zu sein und glaubt durch die alt- Verschleppungstaktik die Sache hinzuziehen, um später vielleicht zu erklären, man behalte sich eine wohlwollende Prüfung der Forderungen vor. Daß dabei nichts herauskommt, «ermltw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. klar, der die Verhältnisse kennt. Die Entscheidung ruht in der Gasdeputation, Bei der hochgradigen Erregung die sich der gesamten Arbeiterschaft bemächtigt hat, wäre es erste Pflicht der Verwaltung gewesen, eine Sitzung der Deputation so bald als möglich einzuberufen. Drei Wochen sind bald vergangen und noch immer warten die Arbeiter vergeblich. Die Sitzung der Deputation, die ursprünglich an, 12. August stattfinden sollte, wurde immer weiter hinausgeschoben, zuletzt bis Anfang September, da einige Mitglieder der Deputation eine Vergnügungsreise unternommen haben. Die Versammlung kritisierte scharf das Verhalten der Verwaltung. Polenske seitens der Filialleitung und Bürger vom Hauptvorstande des Verbandes der Gemeindearbeiter sprachen sich dahin aus, daß die Zeit des Vcrhandelns endlich einmal ein Ende nehmen müsse. Es sei unbedingt notwendig, so bald als möglich eine Entscheidung herbeizuführen. Die Situation sei in jeder Weise günstig, die Organisation umfasse über 90 Proz. aller in Betracht kommenden Arbeiter. Der anwesende Genosse Stadt- verordneter G r o g er führte aus, daß der jetzige Augenblick bedingt ausgcnützr werden müsse. Geschehe dies nicht, dann können die Arbeiter vielleicht jahrelang vergeblich auf eine Verbesserung warten. Nachstehende Resolution, welche dem Magistrat eine Frist bis zum 24. August stellt, gelangte einstimmig zur Annahme: „Die heute, am 16. August, bei Thiel, Bergstraße 151, ver- sammelten GaSarbeiter Rixdorfs wenden sich auf das schärfste gegen die geplante Hinausschiebung der Beratung ihrer Forderungen durch die Gasdeputation. Sie erblicken in dieser Verschleppung eine indirekte Ablehnung ihrer Forderungen. Die Arbeirer haben durch die nun schon über vier Monate währenden Verhandlungen gezeigt, daß sie gewillt ivaren, einen Konflikt zu vermeiden. Sie bedauern, in der Stellungnahme der Verwaltung den gleichen Willen zu vernnsicn und lehnen die Ver- antwortung für alle hieraus entstehenden Folgen ab. Die Versammelten ersuchen den wohllöblichen Magistrat bis spätestens Donnerstag, den 24. August, mittags 12 llhr, um Beantwortung der eingereichten Forderungen. Sie erbitten die Ant- wort an das Bureau des Verbandes der städtischen Arbeiter, Berlin, Alte Jakobstr. 145, gelangen zu lassen. Sollte bis zum genannten Datum keine Antwort erfolgen, würden die Versammelten dies als eine Ablehnung ihrer Forde- rungen betrachten und die Koi, setz, lenzen zu ziehen haben." Fällt die Antwort des Magistrats negativ aus, so scheint der Streik unvermeidlich. Seht die Wählerlisten ein! Die Parteigenossen werden noch- mals darauf ausinerksam gemacht, daß die Wählerlisten zur Stadt- verordneten-Wahl in der Zeit vom 15. August bis 1. September wochentäglich von 9—3 llhr, an den Sonntagen von 10—12 Uhr im Rathaus öffentlich auSliegen. Niemand versäume die Listen einzusehen I Wer nicht in der Liste steht, ist nicht wähl- berechtigt! Großes Aufsehen erregt in Rixdorf die durch die Kriminalpolizei gestern erfolgte Verhaftung der früheren Hebamme Haufe, Berg- straße 67 wohnhaft, und einer Anzahl junger BürgerStöchtcr. Frau H. wird beschuldigt, an den letzteren Maiiipülationen vorgenommen zu haben, um die Folgen des Geschlechtsverkehrs zu beseitigen. Sie soll diese Handlungen durchaus gewerbsmäßig und schon längere Zeit betrieben haben. Bemerkenswert ist der Umstand, daß sämtliche Mädchen durch eine Kartenlegerin, die sie behufs„Entschleierung der Zukunft" aufgesucht hatten, an die H. verwiesen worden sind: die „Wahrsagerin wunderbar" hat der erstercn somit fortgesetzt„Schlepper- dienste" geleistet. Achtung, Parteigenossen Rixdorfs! Die geplante Herrenpartie nach Ketschendorf(Fürsienwalde) findet am 27. August, auch bei»n- günstiger Witterung, statt. Sammelpunkt: Morgens pünktlich 6 Uhr Bahnhof Rixdorf, Bergstraße. Abfahrt von, Schlesischcn Bahnhof pünktlich 7 Uhr. Da wir wahrscheinlich Fahrpreisermäßigung er- halten, ist es notwendig, daß die Parteigenossen pünktlich am Bahn- Hof sind. Die Bezirksführer werden ersucht, ihre BczirkSgenosscn auf diese Anzeige aufmerksam zu machen. Spandau. Einen glänzenden Reinfall haben einige besonders eifrige Ordnungsstützen in dem Nachbardorfe Falkenhagen erlitten. In F bestand ein Männerturnverein, dem auch eine Anzahl organisierter Arbeiter angehörte». Bis zum Jahre 1903 bestand unter den Mitgliedern volle Eintracht, bis— die Reichstagswahl kam! Einige unserer Parteigenossen, die auch Mitglieder des Turn- Vereins waren, taten während der Wahlagitation ihre Pflicht und Schuldigkeit, indem sie, zum großen Aergcr der Dorfpatriotcn, sozialdemokratische Flugschriften im Dorfe verbreiteten. Das gefiel nun aber den OrdnungSrcttern nicht, sie suchten die b Ü r g e r- l i ch e n Mitglieder des Turnvereins(Handwerksmeister, Besitzer- söhne w.) dahin zu beeinflussen, die„Sozis" ans dem Verein auszuschließen und so den brüchig gewordenen Patriotismus in Fallenhagen wieder zu leimen. Es sollte also ein großes„Reinemachen" vor sich gehen. Zu ihrem Schreck mußten aber die Staatsretter erfahren, daß die erdrückende Mehrheit des Vereins bereits dermaßen„verseucht" war, daß alle derartigen Anträge glatt zu Falle gebracht wurden. Das Wchschreien der Patrioten war groß, zumal die Neuwahl des Vorstandes das Resultat gezeitigt hatte, daß die Arbeiter nunmehr auch den V o r st a n d des Turnvereins fast völlig beherr schten. Nun griffen unsere OrdnnngSfanatiker zum Staatsstreich. Obwohl der neue, rechtmäßig gewählte Vorstand die Turngeräte wie üblich in Verschluß gebracht hatte, erbrache» einige bürgerliche Mit- glieder einfach— wider Sitte, Ordnung und Gesetz— die Geräte- lammer, ließen an derselben ein neues Schloß anbringen, nahmen die Geräte in Benutzung, erbrachen auch das Vcreinsspind und steckten sich hinter den damaligen Lokalwirt, der die Arbeiter an der Besitznahme der Turngeräte einfach verhinderte. So glaubten durch einen dreisten Handstreich die Herren Patrioten das ganze Vereins- vermögen im Werte von etwa 1000 bis 1500 M. de», rechtmäßigen Vereinsvorstand entzogen und an sich gebracht zu haben. Doch die Arbeitermitglieder und der Vorstand des Vereins hatten für diese OrdnungSschcrze kein Verständnis, sondern strengten durch den Rechtsaiuvalt Dr. Karl Liebknecht die gerichtliche gegen die braven OrdnungSretter auf Herausgabe des widerrechtlich hinterzogencn VercinSverniögenS an. Der Erfolg blieb nicht ans. Das Landgericht ll Berlin hat jetzt die Beklagten zur Herausgabe des Vereinsvermögens verurteilt! Auch die Gutachten und Auskünfte des WintSvorstehers Kopp haben das Gericht zu keinem anderen Urteil bringen können. Inzwischen hat der Gerichtsvollzieher bereits die Turngeräte den betrübten Lohgerbern abgenommen. Die ordnungswidrigen Ordnungs- lämpfer sind ordnungsgemäß zur Ordnung gebracht worden. Potsdam. Mit einem vollen Erfolge der Streikenden ist der A u s st a n d in der hiesigen Metallwarenfabrik von Schlösser gestern beendet worden. Die Fabrikleitung hat die schriftliche Zusage auf sofortige Einführung der schon früher vereinbarten Verkürzung der Arbeits- zeit auf S'k Stunden ohne Lohnkürzung gegeben. Maßregelungen )ürfen nicht vorgenommen werden. DaZ solidarische Verhalten der Arbeiterschaft in dieser Bewegung, auch der unorganisierten Arbeiter, verdient volle Anerkennung. Ein Teil der Streikenden war bereits eit 20—30 Jahren in der Fabrik beschäftigt. Diese Tatsache bclvcist wohl am besten die Berechtigung des AusstandeS. Daß sich das hiesige„Jntelligenzblatt" bei dieser Gelegenheit wieder mal als ge- chworene Feindin der Wahrheit gezeigt hat, indem eS von„sozia- listischen Hetzern" usw. phantasiert, sei nur nebenbei bemerkt. Lichtenberg. Tic Frauen im„Segment"! Genosse Kiesel sprach am 20. Juni sozialdemokratischen Wuhlvcrcin Lichtenberg über„Schiller als Freiheitsdichterl" Für die lbenigen erschienenen Frauen richkete Seil Vorstand ein, /Segment" her, indem etwa 3 Dieter entfernt von der Sitzgelegenheit der Männer eine Reihe Tische quer durch den Saal gestellt wurden. Erst hinter diesen Tischen war dann für die Frauen Sitzgelegenheit geschaffen. Eine„Vereinigung" mit den Männern oder eine Teilnahme an den Verhandlungen war nach Meinung des Vorstandes ausgeschlossen! anders urteilte der über- wachende Beamte. Entweder die drei Frauen verlassen den Saal oder— auch die Männer dürfen nicht erfahren, lvas Schiller dem Proletariat bedeutet.— Auf eine Beschwerde des Vorstandes hat nun der Verwalter des augenblicklich noch verwaisten Piederbarnimer Landratsamtes, Rcgierungsassessor Graf Roedern, folgende Antwort erteilt, die in der Generalversammlung am 15. d. M. zur Verlesung kam: „Auf die Beschwerde vom 28. Juni d. Js. gereicht Ihnen zum Bescheide, daß das Verlangen des überwachenden Polizeibeamten. Gendarmen Dzielack, am 20. Juni d. Js. die anwesenden Frauen aus dem Versammlungsraum des sozialdemokratischen Wahlvereius Lichtenberg bei Arnold„zum schwarzen Adler" in Friedrichsberg zu entfernen, gerechtfertigt war. Zu Versammlungen und Sitzungen politischer Vereine dürfen Frauenspersonen nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen nur dann zugelassen werden, wenn sie nicht als eigentliche Teilnehme- rinnen, sondern lediglich als Zuschauerinnen zugegen sind. Dies ist nur dann der Fall, wenn ihr Platz von dem eigentlichen Ver- sammlmigslokal räumlich getrennt ist, derart, daß ffie sich in ab- gesonderten Nebenräumen, Tribünen oder Logen befinden. Zu der Versammlung vom 20. Juni d. Js. war eine solche Trennung nicht durchgeführt. Die erschienenen Frauen befanden sich mit den Teil- nehmern der Versammlung in ein und demselben Vereinszimmer. Eine räumliche Trennung durch eine Reihe von Tischen im Ver- sammlungsraume selbst kann zur Herstellung eines getrennten Raumes nicht als ausreichend angesehen werden." In der Besprechung dieser Antwort zeigte Genosse Grauer, daß die„Scgment"-Verordnnng ein Verlegenheitsprodukt des ver- storbencn Ministers Hammerstein, gewesen ist. Als nachgewiesen' wurde, daß die Großgrnndbcsitzcrdamen den Zirkusversammlungcw des Bundes der Landwirte ungestört beiwohnen, wurde zur Ver- deckung der Privilegicnpraxis das„Segment" geschaffen. � Tck Hammerstein gestorben, soll ihm nun wahrscheinlich diese Verfügung folgen. Die Versammlung beschloß, diese Beschwerde mit allen Rechts- Mitteln durchzuführen. Weihcnsce. Einen furchtbaren Tod fand Freitag nachmittag der drei Jahrs alte Franz Ka tz, dessen Eltern in Weißensee, Fricdrichstr. 17, wohnen. Der Kleine war mit einer älteren Schwester in einem Geschäft der LanghauSstraße gewesen; beide Kinder überschritten den Fahrdamm, wiewohl sie einen Straßenbahnwagen Nr. 2304 der Linie 60 heran- nahen sahen. Das Mädchen wollte im letzten Augenblick umkehren, dabei kam der kleine Franz Katz zu Fall. Er blieb auf dem Gleise liegen, während sich die Schwester noch nach dein Vürgersteige hin- über zu retten vermochte. Obwohl der Motorführer sofort die Ge- fahr erkannte und Gegenstrom gegeben hatte, konnte er nicht ver- hindern, daß das Kind unter den Vorderperron und mit dem ganzen Körper unter den Schutzrahmc» zu liegen kam. Der Wagen wurde vom Straßenbahnpersonal mit Hülfe von Passanten angehoben, doch war der Knabe/dessen Brustkasten zermalmt war, bereits tot. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Neue clckttische Vorortbahnen. Mit dem Bau der elektrischen Bahn von Köpenick nach Kiekemal- Mah'lsdorf scheint man in den beteiligten Kreisen schon sicher zu rechnen. Die Er- öffmmg der Bahn soll bestimmt am 15. Mai 1906 stattfinden. Auch die Verhandlungen zwischen der Gemeinde� Velten und der Verwaltung der Großen Berliner Straßenbahn über die Anlage einer elektrischen Bahn für den Güiertrausport auf der Strecke Tegel— Velten werden rege gefördert. Gegeutvärttg finden statistische Erhebungen statt, ivie groß, nach Tonnenzahl, die Güter-: beförderung von Velten nach Berlin jährlich bezw. im täglichen Durchschnitt ist. Die einzelnen in Betracht kommenden Fabrikanten und Großindustriellen erhalten Fragebogen zugesandt, in denen sie ihren jährliche» resp. täglichen Frachtumsatz für die in Betracht kommende Strecke angeben sollen. Lriefkasten cler Redaktion. ■jfuriftkfcher Cell. Tie juristische Sprechstunde flildet täglich mit ZluSnuhme des Sviuiadeud» von?>/, bis»>/, Mir statt. tSeöfsuct: abcudS 7 Ubr. 100. Rixdorf. Wenn es sich, um Schneiderei handelt, ja.— I. M. 1. Zur Zahlung der Steuern sind(&ic verpflichtet, weil Sie auS der Kirche' nicht ausgetreten sind.— I. B. 24. Eine zuverlässige Auskunstsstclle säri Auswanderer besteht in Berlin, Schellingstr. 4, Sic ist am 1. April 19021 aus ReichSmittclii errichtet worden und erteilt kostenlos mündliche oder schrisilichc Auskunft über jedes Land der Erde. Die Auskunst erstreckt sich insbesondere aus Preis und Anbausähigkcit des Bodens, Arbeitsgelegenheit, Arbeitslöhne, Preise der Lebensbedürfnisse, Klima, Gcsundheiisverhältnisse, BevötkcrungSzusamniensctzung, günstigste Zeit zur Auswanderung usw. Wenden Sie sich dorthin.— Hermann®l. 100. 1. sie sind im Recht, nur dürfen Sic die Kosten wider Willen des Wirtes nicht abziehen, sondern müssen sie einllagcn. 2. Ja.— Lotte R. 1. Ohne Einsicht in die Statuten oder Stawtenabschrist nicht zn beantivorten. 2 Das können Sie halten wie Sie wollen.— Th. 50. Der von Ihnen beschriebene Unfall gibt nach dem Gesetz Ihnen kein Recht, den Rentcnwcg einseitig auszuheben. Sie könnten nur aus Reparatur der Decke und Unterlassen künftiger Störungen klagen.— G. R. 2. 1. und 2. Die zuständigen Armenkommissionen haben über den Grund der Hülssbcdürstigkelt und die Höhe und Dauer der Unterstützungen zu bestimmen. Zuständig sind die Kommissionen des jeweiligen Wohnsitzes. 3. Ja.— X. fl. R. 1. Die Forderung der Kranken- lasse ist berechtigt. 2. Die Gerichtskoslen verjähren in vier Jahren. 3. Notarieller Vertrag(siehe den dem Arbeiterrecht beigefügten Führer S. 225 Nr. 22. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken auS. 4. Die Tante ist im Recht.— F. F. 1000. Bitte zu wiederholen. — G. 50. Sic hätten nicht das Recht, vom Verlrage zurückzutreten, können aber aus Gewährung deS Vereinbarten und aus Schadenersatz klagen. - A. K. 01. 1. und 2. Nein.-«. Zllslcben. Ja.—-m. P. 1000. Sie würden im Falle einer Klage zur Zahlung verurteilt werden.— E. St.§§ 126— 132a, insbesondere§ 128, der Rcichs-Gewerbe-Ordnnng („Arbciterrecht" S. 293—315) enthalten die gesetzlichen Vorschriften über LehrlingSverhältnisse.— H. R. Reichenbach, Schles. Das demokratische Selbstverwaltungsrecht fordert, daß die Mehrheit der Mitglieder ihren Vor- sitzenden wählt. Ob der betreffende Genosse sich zum Vorstandspoflcn eignet, richtet sich nach der Ucbcrzcugliilg der Vercinsmitgliedcr, ob er der Sache dienliche Arbeiten zu leisten vermag. Darüber ein Urteil abzugeben müssen wir entschieden ablehnen.— M. W. 00. Die Ehefrau hastet nicht für die Schulden ihres Mannes.— 91. 100. Besagt Ihr Vertrag nichts Gegenteiliges, so sind Sic zur Reinigung der Haustür nicht verpflichtet. Zu einer Klage aus Reinigung vermögen wir nicht zu raten.— Argus. Eni- scheidend ist zunächst der Wortlaut des Statuts. Besagt das nichts Gegen- tciiiges, so ist zu antworten: 1. Nein. 2. Nein. 3. Ja. Eine Kasse ist nicht finanzieller Zwecke halber, sondern zur Hebung der Gesundheit der Mitglieder da. Ein Kasscnbcamter hat sich lediglich um das Statut und die Beschlüsse der zuständigen Organe(Vorstand und Generalversammlung) zu kümmern. Besondere Finessen hcrausslichcn oder konstruieren, um zu ver- meintlichen suianzielle» Gunsten der Kasse Leidende abzuschieben, ist eng bureaukratisch, aber weder sozial noch demokratisch.— P. S. Steglitz. Wenn die 14 Tage eine verhältnismässig nicht erhebliche Zeit ausmachen: Ja. Es kann der dringende Wunsch nur wiederholt werden, allgemeinen Anfragen eine detaillierte Schilderung des speziellen Falles vorauszuschicken. Fcncr. Sic sind in vollem llmsange schadenersatzpflichtig.— A. F. W. 1.— 3. Ihrer Mutter steht voller Schadenersatzanspruch zu. 4. Der Anspruch verjährt in 3 Jahren.(3. 122, 132 des dem„Arbcitcrrccht" beigefügten Führers, ZK 833, 844, 852 B. G.-B. Die Bücher liegen in den öffentlichen Bibliotheken aus).— H. L. Rixdorf. Seit dem 1. Oktober 1893 besteht die zweijährige Dicnstpsticht sür alle Waffengattungen der Armee mit AuS- nähme der Kavallerie und reitenden Fcldartillerie.— N. L. 50. Auj Grund des gegen die ArbeitSstlibcnbcsitzcrin erlassenen Urteils können Sie wiederholt pfänden. Liegt die Sachlage jo, daß Sic annehmen, dag die Arbeiisstubenbesitzettn von vornherein im Vcrttaucii ans ihre Unpsändbarkett daraus ausgeht, Arbeiterin»«»»in ihren Lohn zu prellen, so ist das straj- barer Betrug. Slrasanzeige ist au die Staalsanwaltschast zu richten.— ist für jeden■ im sozialdemokratischen Wuhlvcrcin Lichtenberg über__________ Jnieratenlefl veraittw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstall Paul Singer& Co.. Berlin SW Neue Welt. "Ä�6 Arnold Scholz. Sonntag, den 20. August 1903 GroSes UapGes Volhsfest Fleischnot gihfs ja gar niclit! Beweit dafDr ist, dafi heute die Md it 60 PteoDig von den am Rieten• Bratapparat „Lucullus" ungeteilt gebratenen serviert wird. Anfang dos Röstens 10 Uhr vormittags. - Von IS bis 2 Uhr-- ßroßeTischtnusik Nachmittags 4 Uhr: Doppel Konzertf der Banernkapelle, vir. Baron Muckl, und der Hanskapcile, vir. Borth. Botho. Im großen Festsaale: Familien- Ball. Bedienung durch lOO bayritohe Mad'l im Nationalkostüm. Entree 25 Pf. Morgen, Montag, 21. August: Als erste lleberraseliiuig! Braten am Biosen-Gratapparat „Lueullus". gM- Dan RUnten beginnt um O I hr vormittags. Portionen ä 60 Pfennige werden sofort verabreicht. f. Wiel »erltneefttoffe 9. Sonntag: Freikonzcrt. Im Saale: Ciroßor Ball. Großer, schattiger Garten.—• Familien fönne» Kaffee fachen 1 Um zahlreichen Besuch bittet S28b' IVllholin Moaok. �HiRmbr» Wallner-THeaterstraHe l5.* sH£" Großer Ball Gr. Orchester. Entree infl.Tanz Serreu 50 Ps., Damen 25 Ps. Anfang sonn- tags 5 Uhr, Dienstags 9 Uhr. _ A. Zameltat. Zentral-Festsäle 180 Oranienstr. 180 Sanntag, den 20. August:* Eröffnung der Minttrsailou. Bann jeden Senntag:«Ll...kr«oi>f«NerBreI5I/iZZ,,,?,'K� Empfehle den geehrten Vereinen und Gesellschaften meine neu« erbauten Pracht-Säle 100, 500, 1000, 1500 Personen fassend, mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattet, wie clcltrische« Licht, Zentral- Heizung, zu allen Festlichkeiten, Hochzeiten unter kulantesten Bc- dingungen. VereinSzlmmer und Kegelbahnen sind noch einige Tage zu vergeben. Auch sind noch Sonnabende im November, Dezember er. und Januar, Februar und März 1906 srei. Bestellungen zur Abhaltung von Fesllichkeltm usw. werden jetzt schon entgegengenommen beim Besitzer 8991L» O. Cranz, Badstr. 12. Annen- straBc IO. Euisenstädtisches Klubhaus, Caa|-Tpe z. Festlichkeiten. LandrsschcS Weißbier, Lagerbier. *�8 Bekannt vorzügliche Küche. VereinSzlmmer sre j Sehwantes Testsäle Mittenwalderstr. 15. Zwischen Mittenwalderstr. 15. Bliicher- und Gneiseuauftrafte. Empfehle meine Grnßcii... kltincii Älc Ncreiiisiiiiiiiier zu Versammlungen und Festlichkeiten._�»»». Auch Sonnabends und Sonntags"W 88522* Srnst Röftieh- Gerton- Restaurant GeseiisciSafts-saai. „Im Krug zum grünen Kranze" Mittelpunkt der Srde. 6ber-Schöneu>eide Station Sadowa und Nioder-SohSnewoide. StraBonbahn: Oberichtneweide-Küpenick, Haltestelle KaiserstraSo. Herrlich am Wald und Wasser gelegen, dm geehrtm Vereinen und Gesellschaslm bei Partien und AuSjlüaen bestens empfohlen. 3983L* Station Sadowa und Nieder- Schönewcide. X Drei verdeckte Kegel- bahnen. X Ausspannung. X Kaffecküche. Hrnat IlStIlcb. Grvvte» Kanfhana des Kordcnz für 39961.*{ Herren- und Knaben-Bekleidung Einseguungs-lnzuge > in großer Auswahl zu sehr billigen, testen Preisen. � Moritz Groß, Kastanien-Allee 42.| Wer sich auf dies— Inserat bezieht, erhält 8 Pro». Rabatt. M Zwelgvcrcln Berlin n. Umgegend. DimStag, den 22. August 1905, abends 8'/, Uhr, im Gewcrlschaftshause (Saal 7), Engel-Ufer IS: Vk Baudeptttierten-Versaminlung.« Tage?-Ordnung: 1. Das Baudcputiertenwesen und seine Einwirkung ans die Arbeits- Verhältnisse. 43/3 2. Diskussion. 3. Interne Angelegenheiten. Kollegen! Bauarbeiter! _ Der Zweigvereins-Vorstand. Achtung! KurSChtld*« Achtung! Dienstag, 22. August, vorm. 9'/3 Uhr, im Alten Schüheuhause, Linienstr. S: V« US« 111 Uli« 11 K der streikenden Arbeiter«.Arbeiterinnen. Donnerstag, 24. August, abds. 8 Uhr, im Alten Schiitzenhanse, Linienstr. 5: Oeffentliche Versammlung aller in der Kürschner-Kranche beschästigten Arbeiter und Arbeiterinnen. TagcS-Ordnung in beiden Versammlungen: l. Die Antwort des Arbeitgeber-Verbandes und tvelche Stellung nehmen wir dazu? Referent Kollege Regge. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen der Kollegen und Kolleginnen ersuchen Der Borstand des deutschen Kürschner-BerbandeS.(Zahlstelle Berlin.) Der Borstand des Bcrbandes der Kürschner Berlins und Umgegend. Uni der Uistrninteii-iir. Montag, den 21. August, abends 8'/., Uhr, in Graumanns Festsälen, Naunynsträsie 27: 142/1 Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Schriftstellers Herrn A. Stern über.Der Darwinismus als Grundlage einer freien Weltauffassung". 2. Diskussion. 3. Vereins- angelegenheiten._ SV Gäste, auch Frauen, willkommen.-Mg Sonnabend, den 9. September 199», in Kellers FcstsUIon, Koppenstraste Nr. 20: 23. Stiftungs-Test des Fachvereins der Musikinstrumenten-Arbeiter Berlins u.Umg. - GroBcn Programm. Verstellung von Borats florddcutrchen Bumoristen und Quartetträngcm X feftred* X Mitwirhung des Sänger- Kreises der ffluRbinftrumenten-Hrbetter(Dirigent: R. Laage). Anfang 8'/, Uhr. Programm frei. Billett 30 Pf. Billetts sind in den Zahlstellen bc! Krllger, Naunynstr. 78, Schwarzer, Franksurter Allee 99, Beyer, Schönhauser Allee 33, und Krusemark, Nixdorf, Jägcrstr. 69, zu haben. 142/1 Der Vorstand. + Jttätiner-Vortrag+ Montag, b. 21., ab. 8'/, llhr: Gr. Frankfurterstr. 39, Stranstb. Pl., Donnerstag. 24. Aug., Alexanderftr. 27c, Engl,«arten: �teursstliente erklärt an gr. Lichtbildern v. Direktor Ornndinann, Kur- u. Heil- anstalten Köpcnickerftr. 72, 1—2, 6—8. Kopcmikusftr. 29, 4—5. Karlshorst, Rödelstr. 8, 8—9. Vortrag ist sür Männer sehr wichtig. Eintritt nebst Brosch. 20 Ps._ Berliner Naturheilv.„Reform-. befindet sich nach wie vor H Chaussee-Straße 54 l. anter liOltang des Inhabers. VOD M. 29,50 u. M. 36,—. » Kinderwagen Andreasitr. 23, Brunsenatr. 95 Beusselstr.G?, Lelpzlgeratr. 54-55 T.rkauf Def(n fabrikg.biuden. 1000 Bark iahte Jedem, der mir In Uelnhnnnr Berlin ein grSeseree iiclonnnog in der, Branche ale du meinige nachweist.' ■■ Katalog gmu« Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter tVUnria Woller sagen wir hiermit allen Verwandtm, Freunden und Bekannten unseren herzlichsten Dank. Insbesondere dm Kollegen der Firma F. ASHclm. 40312) L Woller nebst Kindern. Von ckor Heise zurück Dr. Benno MQlIerbeim 4038L Rosenthalerstr. 43. ferlu M« Richter, Soeben eraebien; 3tes Csuf.nd Die Harnleiden ihre Selohren, Verhütung und Beitlllgung von Dr. med. Sohaper. Preis 1 Mark. Dr. Simmel, Spezialarzt sür 21/10« Hanl- and Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonniagl 10—12, 2—4. Todes-Anzeige. Allen Verwandten, Frcundm I und Bekannten die traurige Nach- rtcht, daß mein lieber Mann, unser guter Bater, Bruder, Onkel ■\ und Schwiegervater i Johann Pfarr I um Donnerstag, dm 17. August, verschieden ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. d. Mts�, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Friedhofes der Frei- religiösen Gemeinde, Pappel-Allee, aus statt. Dies zeigen ticsbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Mand der Freien Gast- und" Schankwirte DeiitsehlaDils. Ortsverwaltnng Berlin. Todes-Anzeige. Dm Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege Johann Piair plötzlich verstorben ist. _®tc Beerdigung findet am Sonntag, de» 20. d. M., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des sreircligsösen Friedhofes, Pappel- Allee, aus statt. 69/16 Um recht zahlreiche Beteiligung bittet Die üetliohe Verwaltung. I. A.: 0. Fischer. SozialdemokratiseberWaMyereln fUr den 6. Berliner Reichstags-WaiM. Xnrhrnf! Am 13. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Hobler Friedricli Womit und wurde derselbe am Mittwoch aus dem Himmelfahrts- Kirchhof in Niederschönhausen beerdigt. Ehre seinem Andenken k Der Borstand. SozialdemDkratisehJahlverein für den yerlinerReiehstapahH. Todes-Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Genosse Lodert Kowalski, Stukkateur, im 71. Lebensjahr verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Vormittag um 10 Uhr aus dem BegräbntSpIatz der Freireligiösm Gemeinde, Pappel-Allee fejlTj Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz« llcher Teilnahme bei der Beerdigung meiner geliebten teurm Gattin tage ich allen vetetligten meinen nef- gesühltm Dank. 8885 Louis Wchlcnzlg nebst Sohn. Danksagung. Für die zahkrelchm vewttse herz» sicher Teilnahme und reichm Kranz- spenden bei der Beerdigimg meine» lieben ManneS, unseres Bater«, de» GlasschletserS 40282 Josef Wascheck sagen wir unseren herzlichen Dank. Ol« trauernden Hlnterbllebmes. Jda Wascheck XÄ. Von der Beiee zurück Dr. J. Hirsehfeld 4032V Orts-Krankenkasse der Schneider. SehoeideriDiieii und verwandten Gewerbe zu Bertw. Die sür da» Jabr 1905 gewählten Vertreter der OrtS-Krankenkasse der Schneider, Schneiderinnen und ver» wandten Gewerbe zu Berkin werden zu der am 8235 Montag, den 28. Angnst 1995, abends 8»/, Uhr. im Neuen Klubhaus. Komma»- dantenftr. 79 stattfindenden aafierordentUeben General-Versammlung hiermit eingeladen. Soges. Ordnung: 1. Statutenänderung. a) Wiederherstellung de»§ 89 in der früheren am 26. Januar 1904 genehmigten Fassung unter Streichung de» 5. Absätze». b) Abänderung der§§ 50, 69, M dahin, daß bei Einladungen zu Wahl-u. Generawersammlungen Säulenanschlag und Zeitung». Publikationen m Wegfall kommt und nur schrlstliche Einladungen ergehe». c) 3118 die Im§ 56, vorletzten und letzten Passus bezeichnetenBIätter, .Vorwärt«-,.Morgenpost- und „Berliner Lokal-Slnzeiger- zu benennen. 2. Untcrbreltung des dem Vorstande von 33 Vertretern der Kasse über» wlcsencn ZlntrageS. 3. Verschiedene». Her Vorstand. Fritz Kunze, Otkar Broda, Schristjühr«. Borsitzeadel. Parteigenossen Dienstag, den 22. August, abends 8 Uhr: W?" Partei- Versammlungen. i. Ii. 3 Wahlkreis: Dräsels Feststle,»«t intiridiiir. 35. Wahlkreis: HojMtt-Dall, K°senheidr 52/33. (General-Versammlung des Wahlvereins.) III. Wahlkreis: Arininholle«. zo. IV. Wahlkreis: Keller, s-Mn-Ar-ßr 29. V. Wahlkreis:©cftllfrfittflsliaus Kttluicr UnjiKer Kaiser Milhelm-Straße 18m. (General-Versammlung des Wahlvereins.) VI. Wahlkreis: Gcrmoniii-S'iilt, 103. (General-Vers ammlung des Wahlvereins.) Tages- Ordnung: 1. Der Parteitag in Jena. 2. Stellung von Anträgen zu demselben. 3. Wahl von Delegierten. IM« Vertranensleute. NB. Im n., V. und VI. Wahlkreise, in denen General-SZersammlungen der Wahlvereine statt- finden, legitimiert zum Eintritt das Mitgliedsbuch._ 209/9* Kleber. Mittwoch, den 23. August, abends 8 Uhr. bei Augusttn, Oranienstr. 103: WW- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Die jetzigen Zustände im Klcberbcruf. Referent: It. Selirvtlei'. L. Bericht der Baukonirolle. Rejerent: Ileekii»»!,.. 3. Diskussion. 179/9 Pflicht eines jeden Klebers ist es, zu erscheinen. Die BerbandSleitung. Veutselle �e1sllsrdejter-�e«erlt8elisft Ilerlln. Sureau unÄ sZrbeitsnaclivoeis KosentlialerstralZe 57. Achtung! Sichtung! Wegen der am Mittwoch, den LZ. August, im stattfindenden GeffentMen Kartellversammlnng, in der Dp. R. Fpiedeberg über: Weltanschauung und Taktik des Proletariats spricht, findet die zum selben Tage anberaumte Lenerslverssmmlung erst acht Tage später, also am den ZO. August, abends 8 Uhr, im„ItoNenthaler Hof". Nosenthalerstrafic 11/13, statt; BV wir bitten, dies zu beachten."T&li Am Tonntag, den 17. Teptember,»ormittags 10 Uhr, in der UIp»i>l», Taubenslr. 48/19: SoncknpoptteUung: Tierleben in der Wildnis. Billetts a 60 Ps. sind bei den betannlcu Kollegen erhältlich. 280/15 DI« OrtHverwaltang. Äcbtu«5! Sauhülfsarbeiter der Firma H. Raebel. Montag, den 31. August 1905, abends 8 Uhr, in den Industrie- Tfestsnlc», Beuthstr. 19/SO:_____ W�' Verfanitnlung aller bei der Firma H. Raebel, Bangeschäst G. m. b. H. be- schäftigten Hülfsarbcitcr und Träger. Tages-Ordnung: 43/2 1. Das Arbeilssystem bei obiger Firma und Siiilohnung und Stellung der Bauhälfsarbeiter dazu. 2. Verschiedenes. .ZW- Kollege» l Die Arbeitsverhältnisse zwinge» uns zu ernsthaftem.Handeln, deshalb erscheint alle tu der Bersammlung. Der Elnbcriifep. Slegante Anzüge Slegante Paletots Empfehle mein grotzes Lager: tsokett-lnriigo u. palotot» von 7,S0, 9.-. 12,—, 15,-. 18.-. 2t.--c. lioolc- u. Ledrooti-hnrilgs b. IS U. an, in Tuch u. Kammgarn v. SV 51. an.— MaSanfertigung. 24732* Frack- und Gesellachatts- Anzüge werden verliehen. Wilh. Seide, Bcrun so., 20 Dresdenerstr 20, Ecke Oranienplatz Uslar. Ansfreieher und alle im Berufe tätigen IPerfonen! Donnerstag, 24. August, abends 8 Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstrahe SS: Versammlung:. Tages-Ordnung: Tarifverlängerung oder Kündigung des Tarifs? Kollege», wir erwarten, bah Ihr vollzählig erscheint k g42b D«p Gehtilfen-AnsschaB. I. A.: Wilhelm Wendel, Altgehülfe. Ntukkatenre! Montag, den 21. August, abends pünktlich S'/a Uhr, bei Franke, Sebastian-Straße Nr. 39: Mitglieder» Versammlung: der Filiale Berlin. Der politische JWassenstreiU. :s. 4. Verschiedenes. Ref.: Klara Zetkin. Tages-Ordnung: 1. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. 4. Verschiedenes. Rauchen vor und während des ersten Tagesordnungs-Punktes nicht gestattet. Gäste haben Zntritt. Zahlreichen Besuch erwartet________ /180J16]_ Die Ortsverwaltung. Achtung! Gewerkschaften!�"-,! Mittwoch, den 83. August, abends S1/. Ihr. Im Palast-Theater(Feen-Palast), J Burgslrafie, Ecke St. Wolsgangstratze: drojZe iissentlieke Versammlung aller im Gknierkschafts-Kartell für Kerliu und Umgegend veremigten Gemerkschasten. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über: tiVeltausebauuug und Taktik des deutschen Proletariats. Referent Genosse Dr. H. Frlcdcberg. 2. Diskussion. 292/18 Kein Mitglied der freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften dars fehlen! Gäste haben Zutritt. Dep Ansschnss. (Zweigverein Berlin.) Fpeltag, 35. Angast, abends S'/a I hr. Im Gewepkschartsbanse, Engel-User 15(Saal I): D andepntierten Uersammlung. Wir machen die Baudeputiertcn, soweit dieselben in der am 21. Juli ds. Js. stattgesundenen Bau- deputierten-Ver-sammlung nicht erschienen waren, daraus aufmerksam, dag fast einstimmig der Beschluß gefaßt wurde, zur besseren Konwolle des Baudeputierten-Systems eine Kontrollkarte einzuführen. Jeder Baudeputierte erhält in dieser Versammlung unter Vorlegung der Deputierten-Liste eine dleSbezüg- lichc Kontrollkarte mit einem Stempel versehen,— worin die weitere Thätigkeit und der Versammlungsbesuch des Baudcputierten quittiert wird,— ausgehändigt. 147/16* Dausi besonders verweisen wir darauf, das« auf Bauten, wo noch kein Deputierter vorbanden Ist, die Kollegen bis znm Vcrsammlnngstage hierzu Stellung nehmen.— Alles Nähere in der Versammlung. Wir erwarten, daß in dieser Versammlung.jeder Bau vertreten sein wird.— Verbands- bnch legitimiert. Die Verbandsleltnng. I. A.: Emil Thöns. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) 90/18 �Crcppcngclandcr-ßrancbc I Montag, den 21. August, abends 8'/4 Uhr, im„Königftadt-Kaiino", Holzmarktstr. 72: Versammlunfi aller in Treppengkläuderfabrikkn btsdiästigten Arbkiter als Tischler, Stellmacher, Drechsler, Bildhauer, Maschinen- arbeiter uslv. TageS-Ordnung: 1. Die Arbeitsvermittelung in unserer Branche. 2. Diskussion. 3. Bericht der Kommission. 4. Verschiedenes. Kollegen! Wir ersuchen Euch alle, in dieser wichtigen Versammlung zu erscheinen._ Die Kommission. Donnerstag, den 24. August, abends 8'/, Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c: Versainmiung für die Küchenmöbel-Branche. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Elnbernfer. I-Il. E. H. Rr. 2 Hamburg.— verlliche Verwaltung Rixdorf. Dienstag, 33. Angüst, abends 8',. Uhr, bei Gellcrt, Stcinmctzstr. 113: Mtglieckei'- VerfatnmUmg. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Wahl eines Revisors. 3. Kasscn- angelcgenheitcn. 259/12_,_ Der Vorstand. Mtiing! Bauhandwerker. Miungi Für die in der W/17 litschäft. Arbkitkr sind graue Verech- tignngskarten heraus- gegeben.— Da häusig die getroffenen Vereinbarungen durchbrochen werden, bitten wir die in Frage kommenden Bauhandwerkcr, überall die Vorzeigung der Karten zu verlangen. Die Branchenkommission des Holzarbeiter-Berbandes. Tttsipkitgetäilhetbriinih� Charlottenburg. Sozialdemokratischer Wahlverein. Dienstag, den 22. August, abends 8>/, Uhr, im Volkshause, Rofincnstr. 3; Mitglieder- V ersaiiinilniig. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des ReichStags-Abgeordneten Genossen Jrib Znbcil über „Stadtverordnetenwablen". 2. Diskussion. 3. Antrag des Vor» standes aus Ausschluß eines Mitgliedes. 4. Vereinsangelegenheiten. DM» Der wichtigen Dages-Ordnung halber ist es Psticht-MM _ VM- eines jeden Mitgliedes, zu erscheinen. 250/16 Sehoneberg. Sozialdemokratischer Wahlverein. Dienstag, den 33. August, abends 8'/, Uhr, im Dbst'schen Saale. Meiningerstraste 8; V ersammlung:. Tages-Ordnung: 1. Das Organisations-Statut der Partei. Referent: Hennaiui Silberschmidt. 2. Diskussion. 3. Der Parteitag in Jena. 4. Wahl der Delegierten zur G eneral-Versammlung des Kreises. 5. Bereiiis-Angclcgenheitcn. Zu recht zahlreichem und pünktlichem Besuch ladet ein 15/14_ Der Vorstand. tral- r Bureau: Waßmannstr. 32a. Montag, den 21. August, abends st'/z Uhr, in den Residrnz-Sälen, Landsbergerstrastc 31: kombinierte Versammlung. Tages-Ordnung: 1, Was muß der Arbeiter von der Krankenversicherung wissen? Referent Genosse Brückner. 169/20 2. Diskusfion. 3. Verschiedenes. Dl« Ortsverwaltnng. lßerantw. Redaktkur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verauttv.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdrucker» u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SM