Mr. 197. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 3 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel. zeile oder deren Raum 40 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Bereinsund Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Duma und die Polizei. Donnerstag, den 24. August 1905. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. fie führt; er geruhte" den Vorstehern des Voltes Gehör zu geben, Die zweite Etappe ist eine Ergänzung der ersten. Nehmen er hat dabei aber vergessen, daß sein" Volt ihn selbst seinen wir an, daß, ungeachtet der Polizeiaufsicht über die Wahlen, sich „ Alleinherrscher" nicht mehr hören will und daß nicht durch trotzdem in die Duma einige Liberale oder schrecklich zu denken Petersburg, 21. Auguft. höfische Ansprachen, sondern durch erbitterten Kampf die proletarische Ein Jahr des Krieges und unerhörter Niederlagen. Hundert- Bewegung sich freie Bahnen schafft. Dem Leben Rußlands diktiert und die Duma ist vor dem Eindringen solcher Elemente gut genug sogar Radikale einschmuggeln. Es ist dies alles vorgesehen, tausende Gefallener auf den Feldern der Mandschurei, tausende in jetzt der Wille des Volkes neue Geseze, Armeen des Volkes er- geschüßt. Auf Grund der Instruktionen der zarischen Verfassung Gefangenschaft im fernen Asien, unter strenger Aufsicht eines raft- heben sich zum Kampf. Für die breitesten Schichten des russischen kann ein Mitglied der Duma zu jeder Zeit ohne weiteres dem losen, starken Feindes. Die Flotte zerstreut und zertrümmert von Volkes ist der Zar seit dem 9.( 22.) Januar tot, und nimmermehr Gericht ausgeliefert werden, Fremdlingen aus dem Lande der aufgehenden Sonne.... Ein wird er auferstehen! Und wieviel phrasenreicher Manifeste er noch weiteres die Möglichkeit, an den Sibungen der Duma teilzunehmen. und dadurch verliert es bis auf Jahr blutiger Anarchie; überall ein Niedermebeln von Männern, aus seinem Carskoje selo, wo er lebendig begraben liegt, seinem" Herrscht dabei noch der Belagerungszustand, so ist dieses um so Frauen und Kindern; auf den Straßen blutige Leichen von Wolfe verkünden sollte, es wird niemand mehr der trügerischen leichter. Es gibt aber auch schärfere Mittel, einen unbeugsamen Arbeitern, Studenten, von Juden, Polen, Deutschen und Russen Stimme des gewesenen Baren Gehör leisten. Und wenn er Deputierten unschädlich zu machen. Er kann zu jeder Zeit einem in Groß-, in Klein-, in Weißrußland.... Bombenerplosionen, allen Bettlern des Landes goldene Gewänder, den Hungrigen höheren Staatsgericht übergeben werden für Handlungen, die Revolverschüsse, Straßenschlachten und Barrikadenkämpfe, Bestialis Brot, den Gefangenen Freiheit versprechen würde, niemand er als Abgeordneter begangen haben soll. Bei einiger Unterstübung täten der zügellosen Soldateska, Ueberfälle auf Unbewaffnete, wird ihm je mehr trauen! Aus seinen Händen Juden- und Armeniermezeleien, Massakres der russischen In- unschuldiges Menschenblut darauf?!- wird das Volk weder Gnaden für administrative Angelegenheiten wird das um so leichter, und wer sieht nicht des Ersten Departements des Senats oder der Abteilung desselben telligenz.... Greueltaten der schwarzen Bande der Hooligans, noch Opfer annehmen. Von einer Regierung, die nichts ist als es ist selbstverständlich, daß diese völlige Abhängigkeit der Deputierten Aufstände der Bauern, der russischen, zu Tode gehungerten Raub und Vergewaltigung, wird ein Volt seine heiligsten Güter der von der Regierung ihr eine Auswahl von Vertretern im voraus Bauern. Heeresmeutereien, unaufhörliche verzweifelte Massen- Menschengleichheit und Freiheit nicht annehmen. Das Volk se I b st sichert, deren„ tief" monarchistische und hoch" patriotische Gefühle streits der Arbeiter.... Belagerungszustand, Todesurteile der hat seine Jahrtausende alten Ketten der Sklaverei zerrissen und sowie völlige Loyalität keinem Zweifel unterliegen werden, Galgen für Revolutionäre, das Standrecht für das Militär - ganze durch keinerlei Manifeste wird es sich von neuem in sie einschmieden einem Worte, ein Kollegium stets und in allem mit der Regierung Legionen der intelligenten Arbeiterschaft, die Blüte der russischen lassen. Jugend, hinter denen die eisernen Türen der Gefängnisse wer zufriedener und einverstandener Hurra- Vertreter. weiß auf wie lange!- ins Schloß fallen.... Der Hunger, der im Innern im Herzen Rußlands seinen ständigen Sit aufgeschlagen hat; der Hunger, der in den Residenzen, wo die Fabriken schweigen, die Maschinen stille stehen, einzig und allein unbeschränkt schweigen, die Maschinen stille stehen, einzig und allein unbeschränkt herrscht; grausame Epidemien, die ihren immer engeren Todesring um die ausgehungerte, ermattete Bevölkerung ziehen... zu erkennen. mit in der Person von von nun an finden wir dieselbe Polizei im Bunde mit der Elite des echt russischen Agrariertums und den Industriellen in der Eigenschaft von Vertretern des russischen Volkes! Wahrlich, ein großer Fortschritt auf dem Wege der russischen Konterrevolution! Und wie elend und kindisch naib ist die unsinnige Lüge, durch welche die Regierung die stürmischen Wellen des Voltsaufstandes stehende Duma vorstellen: keine Debatten, fein Streit, feine OppoGin rührendes Bild wird diese, einzig in der Geschichte dazähmen will! Wie durchsichtig alle die gefünftelten Feigenblätter fition, feine Stritit! Eine freudig wichernde Herde, die nur Laute sind, mit Hülfe derer die Regierung die Mängel ihrer Spottgeburt ber begeisterten Zustimmung von sich geben kann; völlige Ginigung von einer elenden Polizeiverfassung zu bedecken sucht. In allen des Thrones mit seinem„ geliebten" Volke Punkten des Erlasses über die Duma sehen wir nichts als alte, Polizeispikeln, ehemaligen Henkern, heißpatriotischen Großkapitalisten längst erprobte Polizeikniffe und Spizelkunststücke. Einem geübten und Vorstehern der triumphierenden schwarzen Bande". Bis jetzt Die Folgen einer jahrhundertelangen& üge sind vor unseren Auge ist es nicht schwer, in diesem so prunkhaft verkündeten„ all- haben wir die Polizei friedliche Bürger auf den Straßen nieder= Augen deutlich an den Tag getreten: ein rechtloses, unwissendes, durch die Habgier eines ruchlosen Tschinownitentums ausgebeutetes ruffischen Parlament" eine Schlinge für jede politische Un- mezeln oder Verbrechergesindel zu Massakres organisieren gesehen, Band, stellt Rußland jetzt ein Bild dar, welches den indifferentesten zuverlässigkeit, eine neue Maßnahme zur Ausrottung der Revolution Zuschauer erschüttern muß.... Die Geschichte nimmt selbst Rache! Sehen wir uns aber näher die Kniffe und Finten dieser polizeiSie rächt an den Kindern die Sünden ihrer Väter, fie fordert lichen Boltsvertretung an, die dazu bestimmt ist, ein Ende der vielSühneopfer, für Verbrechen, die Jahrhunderte gedauert, in den Abgrund treibt sie alle die, die in sich nicht Kraft genug zur Wieder- föpfigen revolutionären Hyder zu machen. geburt gefunden, die sich den Reihen der Kämpfer für die heilige Sache der Freiheit nicht angeschlossen haben... ein Sühneopfer aus zuverlässigen" Elementen der Bevölkerung anvertraut, verlangt das Geschick!"... Die Weltgeschichte hält ihr großes Weltgericht, aber nicht am legendarischen jüngsten Tage". Sie richtet durch ihre Schöpfungskraft, unter dem Donner der Kriegskanonade werden neue Menschen geboren, in der Stille reifen neue Formen des gesellschaftlichen Lebens, feuerfließende Lavaströme, die das ganze Land mit dem Flammenrot der Revolution beleuchtet, werden allmählich zu Kristall.... Zur Wirklichkeit sind die Strophen des russischen genialen Boltsdichters Puschkin geworden, die er vor einem Dreiviertel- Jahrhundert der Freiheit gesungen und dafür nicht wenig gelitten hat: Freiheit! Ich grüße dich, leuchtender Stern! Als du, ein Fünkchen noch, weit ach! und fern Hoch an dem Himmel einsam geglüht, Da sang ich dir schon mein begeistertes Lied. Und als du in deiner Begeisterung Feuer In einer stürmischen Winternacht Das alte scheußliche Ungeheuer Zu Schutt und zu Spott, und zu Schande gemacht, Da hab ich, weil du, wie das Leben, mir teuer, Von Feinden der Heimat verhöhnt und verlacht, Mein heißes Herzblut dir dargebracht. Der Troß der Tyrannen Die Macht der Bedrücker er war borbei! sie war entzwei! - ich sag es zu Spott und zu Schand. Sie fnebelten grausam das ganze Land Und wurden Und deiner Söhne Heldenmut, Ich war so glücklich, ihn zu seh'n! Sie gaben hin ihr edles Blut Für ihres Landes Aufersteh'n. Sie leisteten alle den heiligen Eid. Sie hielten fest ihr stolzes Wort. Es tue Euch um die Teuern nicht leid, In den Herzen der Besten leben sie fort! Ja, diese Helden bedt tein Grab! Sie leben! Und laut vom Galgen herab Verkünden sie in stolzer Pracht: Vorbei ist die Tyrannenmacht!*) -Die Schöpfer dieser Duma wußten nur zu gut, mit wem sie zu tun haben, als sie beschlossen, ein ganzes Heer polizeilicher Reaktionsbanditen um den Thron zusammenzuscharen. Es wurden Maßregeln bestimmt nicht nur gegen den fast gänzlich ausgeschlossenen Liberalismus, sondern auch gegen allzu großen Eifer der„ treuuntertänigen" Hooligans. In richtiger Voraussetzung, daß die Opposition- angenommen, daß sie überhaupt vorhanden sein wird niemals zwei Drittel der Gesamtzahl der Stimmen erreichen wird, wurde von vornherein jede mindere Stimmenzahl als nicht beschlußfähig erklärt. Und dies nicht nur in Beratungen über Gefeßentwürfe und dergleichen, sondern auch in Fällen, wo es sich handelt, verbrecherische Minister dem Gericht zu übergeben. Auch dann entscheiden nur zwei Drittel der Gesamtzahl der Stimmen! Die eigentliche Repräsentation ist selbstverständlich nur durchreichen Landwirten, Kaufleuten, Fabrikanten, Beamten und dem eingeschüchterten, niedergedrückten Bauernstand. Dem Agrariertum ist ein gewaltiger Vorzug vor der städtischen Bevölkerung gegeben; hinter dem Gitter der Wahlurne sind Millionen Proletarier geblieben, auch die besißlose Intelligenz, die politisch unzuverlässigen städtischen Handwerksmassen, kleine Handelsleute und deren Angestellte, alle diese sind aus dem politischen Leben des Landes ausgeschlossen. Der erste Fang der„ Unzuverlässigen" beginnt bei den Wahlen felbst. Wie bekannt, sind die Wahlen unter Aufsicht des Ministers des Innern, der Gouverneure und der örtlichen Polizeichefs gestellt. Das eine bloß- sprechen können die Herren Mitglieder In den Dorfgemeinden werden die Gouverneure durch die Semstije der Duma nach Herzenswunsch, wieviel ihnen nur beliebt ist, Natschalniki vertreten; in den Städten die Polizeichefs durch aber selbstverständlich nur in einem wohlwollenden", höchst„ anniedere Polizeibeamte. Dieses System der Aufsicht" ist um so mehr ständigen" Tone.... In seiner Rede darf niemand die bestehende verhängnisvoll für die Wahlen, da die Bauern ihrem Semsti Ordnung der Dinge angreifen und nicht minder auf eine etwaige Natschalnik gegenüber völlig rechtlos sind und von ihm nach seinem Notwendigkeit der Umänderung des Systems der Volksvertretung eigenen Ermessen auf disziplinarischem Wege bestraft werden hinweisen, ebensowenig dem Geldsack oder Polizeibüttel allzu nahe können. Und da in Rußland eine persönliche Unverleglichkeit über- treten.... Aber auch mit allen diesen Maßregeln höchster Vorsicht haupt nicht existiert, kann die Ortspolizei, unter deren Aufsicht" begnügte man sich nicht. Man sagte sich: die Deputierten können die städtischen Wahlen gestellt sind, zu jeder Zeit Briefe unter- ja in ihren Reden große Geheimnisse der Staatsdiebereien, oder schlagen, nach eigenem Gutachten jeden ihr unbequemen Bürger ins Die abenteuerliche Raubwirtschaft des asiatischen Feldzuges, oder Gefängnis werfen, ja ihn sogar auf administrativem Wege( ohne so manches andere aus den Geheimnissen der verräterischen Gerichtsverhandlung) in die Verbannung schleppen lassen. Und sollte der gegenwärtig fast über das ganze Land verhängte Kriegszustand bis dahin nicht aufgehoben werden, so steht es ihr frei, nach ihrem Gutachten schwere Strafen aufzuerlegen, ja sogar das Standrecht herrschen zu lassen. " Politik", die im Innern des Landes betrieben wird, entdecken; man fann auch schließlich niemals gesichert sein, ob nicht irgend ein tollkühner Deputierter, dem die Regierungs- Subsidien nicht ausreichen, nicht eines schönen Tages alles offen heraussagt, was er auf der Leber hat, und dabei noch seine Mitschuldigen entlarbt.. Die Spekulation der Regierung ist klar: es ist immer schwerer, Es kommt ja durchaus nicht allzu selten vor, daß Diebe( einfache die Revolution im Lande niederzuschlagen; dem Polizeidepartement Diebe meinen wir, nicht gewisse fünftige Deputierte der Duma) wird es immer schwerer, alle so eng verschlungenen Fäden der und Einbrecher ihre Helfer und Teilnehmer der Polizei ausliefern, geheimen Organisationen zu lösen. Und es bleibt ihr die Hoff- sobald die Beute nicht mehrlich" genug verteilt wird... nung, daß, von den Wahlen angelockt, das Edelwild der Revolution Mit großer staatsfluger Sorgfalt ist daher ein Schleier des voraussichtlich seine geheimen Schlupfwinkel verlassen und hoch auf Schweigens gewebt worden, mit welchem die zarische Duma bei den Bergen des gesellschaftlichen Kampfes sich zeigen werde. Und Bedarf bedeckt werden wird. Auf Verlangen irgend eines einsie hält ihre Schlingen zum Fange bereit.... Dieselbe Regierung, zigen Ministers oder auf Befehl des Vorsitzenden bloß die die polizeilichen Verfassungsbestimmungen ausgearbeitet, hat wird jede Oeffentlichkeit aus dem Tempel des allrussischen Par gewiß auch gleichzeitig fürsorglich neue Galgen für Revolutionäre laments" verjagt; die Präventivgensur, die auf dem Gebiete des von Polizeihentern anfertigen lassen. Andererseits ist es auch flar, russischen Druckwesens wütet, wird ihrerseits die Politik des Totdaß die Wahlen den gewissen russischen Kwas"-Patrioten, den schweigens glänzend vervollkommnen. Aus dem Heiligtum der ,, wirklich zuverlässigen", einzig und einzig und allein echten russischen Duma wird demgemäß kein freies Wort, kein freiheitlicher Gedanke Wie merkwürdig aber manchmal die Ironie des Lebens ist! Patrioten, reichliche Gelegenheit geben werden, ihre berüchtigte in die Oeffentlichkeit dringen, die Herzen derjenigen, die noch Herzen haben, erwärmen und ihren Mut aufleben, die inquisitorische Gleichzeitig mit diesem tragischen Abschluß einer großen Geschichts- Treue au Thron und Vaterland hell aufleuchten zu lassen.... Reuige Liberale werden vom Polizeirevier an den Wahlurnen Benfur wird Sorge tragen, dieses unmöglich zu machen. epoche entwickelt sich eine lächerliche Komödie, in welcher ein allerdings mit einer gewissen Vorsicht, aber Wir wollen nur noch refümieren. Die erste Reinigung von Diebischer Feigling sich Mühe gibt, eine ganze Nation zu betrügen, angestellt werden, durch elende, papierne" Erlasse" diejenigen gewaltigen welt- augleich mit einer großen Erkenntlichkeit, dagegen wird sie den unzuverlässigen Elementen geschieht auf den Wahlen selbst. Und Zahl historischen Kräfte irreführen will, die das Geschick der Menschheit was"-Patrioten, voller Vertrauen, wie jetzt den Hooligans, ein dies wird der Regierung durchaus nicht schwer fallen, die Baht bestimmen. Das vom Baren am 19. August verkündete Manifest großes Feld der Tätigkeit frei überlassen.... Berüchtigte Henker der Wähler wird nicht groß sein. Die Gouvernements- Versamm der sogenannten„ Boltsvertretung" ist einem gefälschten Wechsel werden ihr, immerhin unsicheres Handwerk mit dem zuverlässigeren lungen geben im ganzen 5868 Mann; 42,7 Proz. fallen auf die täuschend ähnlich; und dadurch will die bankrotte despotische Re- eines Volts" vertreters eintauschen. Anständige Diäten, die Mög- elende Bauernschaft, 34,1 Proz. auf Landbefizer, 23,1 Proz. gierung das Debet ihrer blutigen endlosen Verbrechen deden. Sie lichkeit eines großen Zufluffes Bestechungs- und Pauschaliengelder, städtische Einwohner und 0 Broz. auf die Arbeiterklasse, auf handelt genau so, wie seit jeher alle verschuldeten Spekulanten und in gewissen Fällen eine gefällige Unterstüßung" bon seiten der das Kleinbürgertum und die besiglose Intelligenz. Die zweite Reinigung geschieht in der Duma selbst, denn Börsenschwindler Handeln. Eine tatsächlich nicht eristierende Regierung und eine für die gewesenen Henter, denen es in ständiger Regierung verkündet mit großer Parade eine ganze Staatsaktion. Befürchtung der Volksrache nicht gut zu Mute sein mußte, verhältnis- es wird dort nur eine Sprache, und zwar die des echten KwasDer in die Enge gejagte Bar gewährt seinen zahllosen siegreichen mäßig ruhigere" Beschäftigung, dies alles wird wohl ausreichen, Patriotismus und der bedingungslosen tiefen Loyalität zu führen Feinden seine"" allerhöchste Gnade". Erichentt" aller- so manchen Schergen zum Berufswechsel zu veranlassen. Dies ist gestattet sein. gnädigst" eine Verfassung seinem Volfe, das einen Heldenkampf um die erste Etappe in den Bestrebungen der Regierung, die Revolution zu vernichten und einen allein echten" russischen Patriotismus im Die Strophen verherrlichen den Dekabristenaufstand 24. Dea. 1825. Lande einzubürgern, " Und endlich kann immer die Duma rechtzeitig überhaupt geschlossen werden. Eine neue Reaktion, und der Terrorismus wid wieder auflcben als Schuhmittel gegen Schwindle und Teuge nichtse der Volksvertretung. Und wer weiß, ob nicht Europa einem solchen„verfassungsmäßigen Rechtsstaat" neue Anleihen reichlich ge- währen wird?... Es bleibt uns nur noch eine Frage: wird es Nikolaus dem Letzten gelingen, das Rad der Geschichte unizudrehen und die Frei- heitsbewcgung„seines" Landes durch diese jämmerliche Spottgeburt einer elenden Polizeiverfassung zu hemmen? Nein! Wir zweifeln nicht daran, daß der Tag nicht mehr fern ist, wo der eherne Schritt der Geschichte sein ganzes despoti- sches Regime siegreich zertreten, zerstreuen, in Nichts verwandeln wird!... Fleischschwelgerei und Fleischwncher. Die konservative Presse erfindet, um die Tatsache zu verhüllen, daß die deutsche Landwirtschaft den Fleischbedarf der deutschen Be- völkerung nicht zu decken vermag, die seltsamsten Gründe für die jetzige Fleischnot. Neuerdings hat sie, nachdem ihr schon vor einiger Zeit die„Kreuz-Zeitung" die Richtung gezeigt hattd, eine allgemeine „Fleischschwelgerei", einen Ueberkousum des deutschen Volkes an Fleisch entdeckt, indem sie auf eine kürzlich vom„Reichs-Anzeiger" veröffentlichte Berechnung des deutschen Fleischverbrauchs in der Zeit vom 1. Juli vorigen Jahres bis 30. Juni laufenden Jahres hinweist. An und für sich ist diese Berechnung so wertlos, daß es sich kaum verlohnt, sie zu kritisieren; da aber die agrarische Presse sie als Trumpf ausspielt, sind wir gezwungen, die seltsame Rechnerei näher zu beleuchten. Nach der Schlachtvieh- und Fleischbeschau-Statistik sind in dem vorhin genannten Zeitrauni S84 461 Ochsen, 477 994 Bullen, 1 607 931 Kühe,■ 867 457 Jungrinder, 4 514 643 Kälber. 14 960 401 Schweine, 2 313 872 Schafe und 441 787 Ziegen geschlachtet worden. Für diese einzelnen Viehgattungen nimmt nun der„Reichs-Anzeiger" die durchschnittlichen Gewichtsziffern an, die 1900, als es sich um Einführung des Fleischbeschau- Gesetzes handelte, vom Deutschen Landwirtschaftsrat in einer Denkschrift als Normal- Schlachtgewichte angegeben worden sind, und berechnet daraufhin, daß im Jahre 1904/1905 aus gewerblichen Schlachtungen 2 536 602 395 Kilogramm Fleisch der deutschen Bevölkerung zur Verfügung gestellt worden seien. Dazu kämen noch die sogenannten Hausschlachtungen, die nach der letzten Viehzählung vom 1. Dezember 1904 sich für das Jahr 1904 auf 81 860 Kälber, 89 361 Rinder, 628 271 Schafe, 5 933 124 Schweine und 734 151 Ziegen erstreckt hätten. Daraus ergäben sich weitere 582 354 895 Kilo- gramm Fleisch, zu denen ferner noch eine Mehreinfuhr von Fleisch und Fett von 134 493 800 Kilogramm hinzukäme, so daß der ganze Verbrauch sich auf 3 253 451 090 Kilogramm belaufe, d. h. bei einer Einwohnerzahl von rund 60 Millionen auf 50,4 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung. Diese Berechnung ist es, die von der agrarischen Presse als „wissenschaftliche" Leistung qualifiziert und als Trumpf ausgespielt wird. Tatsächlich zeugt die Leistung von einer derartigen Sacki- Verständigkeit, daß man auf den Gedanken kommen könnte, unser Landwirtschaftsminister hätte sich das Rechenexempel im Schweiße seines Angesichts abgequält. Erstens kann das Jahr 1904/05 überhaupt nicht als normales Schlachtjahr gelten, denn im Herbst und Winter vorigen Jahres er- reichte infolge der Futternot die Zahl der Schlachtungen eine außer- gewöhnliche Höhe, während andererseits, wenn auch die Vorboten der Fleischnot schon Ende April dieses Jahres hervortraten, doch die eigentliche Fleischteuerung erst im Juni einsetzte. Der vom„Reichs- Anzeiger" für seine Berechnung ausgewählte Jahreszeitraunr ist also ein besonders günstiger. Um das zu beweisen,- genügt es, einfach die Schlachtziffern des zweiten Halbjahres 1904 denen des ersten Halbjahres 1905 gegenüberzustellen. So wurden z. B. ün zweiten Halbjahre 1904: 298 542 Ochsen, 466 295 Jungrinder. 7 908 721 Schweine und 1378 060 Schafe geschlachtet gegen 285 919 Ochsen, 401 162 Jungrinder, 7 051 680 Schlveine und 935 812 Schafe im ersten Halbjahr 1905. Zweitens ist das vom Deutschen LandwirtschaftSrat angegebene Durchschnittsgewicht keineswegs einwandsfrei. Es ist die betreffende Denkschrift 1900 zu dem besonderen Zweck fabriziert worden, nach- zuweisen, daß eine Zufuhr von fremdem Fleisch nach Deutschland nicht erforderlich ist, und bedarf es danach keines Beweises, daß die Gewichtsziffern nicht zu niedrig angesetzt sind. Außerdem aber hat der Rechenvirtuose des„Reichs-Anzeigers". obgleich jeder weiß, daß die. im Haushalt geschlachteten Tiere häufig, vielleicht darf man sogar sagen meist hinter dem Gewicht der Marktware zurück- bleiben, doch für die Hausschlachtungen dieselben Durchschnittsgewichtsziffern bei seiner Berechnung an- genommen. Drittens verwechselt der Rechenkünstler in seiner Sachverständigkeit das Schlachtgewicht mit dem reinen Fleischgelvicht. Unter Schlachtgewicht versteht man daö Gewicht, das sich nach Abzug des Kopfes, der Haut, der Füße sowie der Organe der Brust-, Bauch- und Beckenhöhle ergibt; da- gegen gehören die in den Tierhälften befindlichen Knochen mit zum Schlachtgewicht. Bekanntlich sind aber die Knochen, wie auch die Gelehrten des„Reichs- Anzeigers" wissen dürften, nicht eßbar; sie müssen also, wenn das reine Fleischgewicht ermittelt werden soll, abgezogen werden. Viertens berechnet der„Reichs-Anzeiger" Wohl die Mehreinfuhr von Fleisch und Fett, nicht aber die Ausfuhr von zubereiteten Fleisch- und Wurstwarcn, von Fleischkonserven usw. Auch diese Aus- fuhr muß von der obigen Aufstellung abgezogen werden. Diese Feststellungen genügen, um die Rechnung als im höchsten Maße tendenziös zu erweisen. Soll der wirkliche Fleischverbrauch ermittelt werden, müssen mindestens 25 Prozent von der Rechnung des„ReichSanzeigers" gekürzt werden. Ungefähr 40 Kilo- gramm pro Kopf der Bevölkerung kann annähernd stimmen. Auch der Deutsche Landwirtschaftsrat, der sicherlich keinen Grund hatte, den Verbrauch zu niedrig zu berechnen, gelangte 1900— allerdings ohne Berücksichtigung des Ziegenfleisches— nur zue inem Konsum von 38,8 Kilogramm pro Kopf. Und auch dieser Verbrauch bezieht sich natürlich nicht auf reines Fleisch— zu ihm gehören auch Fett, Schmalz und Talg sowie die übrigen aus Fleisch hergestellten Nahrungsmittel: Fleischkonserven, Fleischbrühen, Fleischsaucen usw. Aber selbst, wenn die Berechnung richtig wäre, würde sie sicherlich nicht das Vorhandensein einer„Fleischschwelgerei" beweisen. 100 Pfund Fleisch pro Kopf der Bevölkerung, also ungefähr V« Pfund pro Tag smit Einschluß von Schmalz, Talg, Fleischbrühe».) ist sicher nicht übermäßig, besonders wenn man in Betracht zieht, daß in den sogenannten besseren Kreisen, und zwar gerade in den Kreisen der Großgrundbesitzer das Vier-, Fünf- und Sechsfache konsumiert wird, und dementsprechend sich das auf die ärmeren Volksschichten entfallende Viertel beträchtlich vermindert und zumAchtel wird. Zudem kommt für die Frage, wie die jetzige Fleischnot zu be- seittgen und ihre Wiederkehr zu verhindern ist, gar nicht in Betracht, wieviel im letzten Jahre konsumiert worden ist. Es handelt sich darum, die Fleischteuerung zu beseitigen, die immer schwerer auf dem Haushalt des Arbeiters lastet. Selbst wenn die Arbeiterfamilie von vier, fünf oder sechs Köpfen ungleich bescheidener ist, als der „Reichsanzeiger" herausrechnet, wenn sie sich mit einem halben Pfund Fleisch zum Mittagessen und einem viertel Pfund Wurst oder Fleisch zum Frühstück und Abendessen begnügt, kommt doch eine Mehrbelastung des Haushalts von einer Mark pro Woche heraus. Deshalb die Grenzen auf! Was durch eine freie, nicht dem Prositinteresse der Agrarier dienende Einftihr erreicht werden k>jnn, beweist England, dessen Viehproduktton noch weit weniger als die deutsche den einheimischen Markt zu versorgen vermag— in den letzten Jahren bezog England ungefähr 60 Proz. seines Fleischbedarfs aus dem Ausland— das aber trotzdem weit niedrigere Preise hat als Deutschland. Im Durchschnitt der letzten Monate kostete z. B. auf dem Zentralfleisch- markt in London sdie Preise in den Läden sind etwas höher) bestes schottisches Rindfleisch 54—57 Pf. pro engl. Pfund, Fleisch von amerikanischen, in England geschlachteten Rindern 43— 52 Pf., amerikanisches gekühltes Rindfleisch vom Vorderviertel 26—30 Pf., bestes gefrorenes australisches Rindfleisch 25—27 Pf.; serner bestes schotttsches Hammelfleisch 61—65 Pf., bestes englisches Hammelfleisch 57—60 Pf., bestes Schweinefleisch 46—50 Pf. Nun hat allerdings das englische Pfund nur 453 Gramm; es müssen also zu den Rind- und Schweinefleischpreisen noch 3— 5 Pf., zu den Hammelfleischpreisen noch 6 Pfennig hinzugerechnet werden, aber immerhin stellen sich auch dann die Londoner Preise noch ganz be- trächtlich niedriger als die Marktpreise in den deutschen Großstädten. Und doch hat auch England seine Einfuhrkontrolle, sogar eine sehr strenge. Allerdings verfolgt sie ausschließlich den Zweck, den englischen Käufer davor zu bewahren, daß er Fleisch von krankem Vieh erhält, nicht, wie der deutsche Seuchenschutz den Zweck, unter allerlei Vorwänden dem einheimischen Viehzüchter die fremde Konkurrenz vom Leibe zu halten. Zu denselben Preisen könnte der deutsche Arbeiter auch feinen Fleischbedarf decken, wenn die Grenzabsperrungen und Zölle fielen; die Einfuhrverhältnisse stellen sich sogar teilweise noch günsttger für Deutschland als für England. Was der Arbeiter mehr bezahlen mutz, bezahlt er zugunsten der Agrarier, derselben Menschenspezies, die ihm jede Verbesserung seiner Lebenslage verwehrt. poUtileKe Qcbcvficbt, Berlin, den 23. August. Deutsche Söldner gegen den inneren russischen Feind. Wir brachten kürzlich die Nachricht, daß in Königsberg eine Gesindevermieterin ehemalige Offiziere, Unteroffiziere, Jäger usw. für einen baltischen Baron suche. Eine Notiz der„Ostpreußischen Zeitting" bewies deutlich, daß der Baron nur Soldknechte suche, die auf die Aufftändischen in Rußland schießen sollen. Wenige Tage darauf hat auch die„Ostprcußische Zeitung" offen zugegeben, daß die balttschen Barone durch förmlich organisierte berittene Schubtruppen ihr Eigentum verteidigen lassen werden. Jetzt sind wir in der Lage die für Deutschland sehr unrühm- liche Mitteilung machen zu müssen, daß der Gesindevermieterin die Söldner in hellen Haufen zugeströmt sind, so daß der eine Baron noch eine Auslese unter den Leuten hat vornehmen können. Es sind in Königsberg für den baltischen Grafen OrlmuSki 75 Mann angeworben und auch vor einigen Tagen bereits nach Rußland abgereist. Der Baron Heydecker hat 100 Per- sonen engagiert, die in diesen Tagen abgehen sollen. Schon hier hat man jeden mit einem Revolver und Pattonen versehen. Dort erhält jeder noch ein Gewehr, einen Säbel und ein Pferd. Nur ehemalige Soldaten hat man angenommen; auch einige ehemalige Offiziere befinden sich darunter. Als Lohn erhalten die Leute 50 M. pro Monat, ferner freie Kleidung und fteie Station. Für je 15 Mann ist ein Führer vorgesehen, der 10 M. mehr pro Monat erhält. Selbst Familienväter haben sich anwerben lassen. Man macht viel Wesens davon und preist es als Zeichen des Patriotismus, daß sich für Südwestaftika zahlreiche Freiwillige melden. Was will diese Erscheinung besagen, wenn man diese deutsche Kulturtatsache sich vergegenwärtigt, daß sogar„Freiwillige" herbeiströmen, um im Solde russischer Junker wehrlose Menschen niederzuknallen I In welche furchtbaren Zustände, in welche Wirkungen der militaristischen Erziehung, in welch soziales, intellektuelles und moralisches Elend leuchten die Erfolge der Königsberger Gesinde- Vermieterin I_ Das Konzil zu StrasiVurg. Straßburg, 22. August. Heute hatte der Katholikentag einen großen Tag, denn neben der geschlossenen und der öffentlichen Versammlung und den Ausschußsitzungen war der„Volksverein für das katholische Deutschland" in Gestalt seiner General- Versammlung vertteten, die in der großen Festhalle stattfand. Der „Volksverein" bildet die eigentliche Organisatton des Zentrums. Die offiziellen Zentrumsvereine, die sehr oft einen Ueberfluß an Mitgliedermangel aufweisen, die leiten nur die polittsche Betätigung und sind meist in den Städten, nicht aber auf dem platten Lande zu finden. Der„Volksverein" aber ist die Vereinigung der unter klerikaler Fuchtel stehenden Bauern, die oft gar nicht wissen, wie sie die Pfarrer in den Verein gebracht haben, die auch gar nichts zu sagen, aber sehr wohl zu bezahlen haben,— die Stütze des geistigen Einflusses des Zenttums auf breite Volksmassen. Ein Kommerzienrat, wie er ini Buche steht, Herr Brandts- München- Gladbach, der Leiter des Vereins, eröffnete die Generalversammlung, die von Bauern sehr zahlreich besucht war, mit einer nicht über das Gewöhnliche hinausgehenden Begrüßungsrede. Ihm folgte Abgeordneter Dr. V o n d e r s ch e e r- Straßburg, der Landesvertreter für Elsaß, der viel Worte verlor, um mitzuteilen, daß der Verein in Elsaß-Lothrtngen 33 000 Mitglieder zählt. Das freilich teilte der Redner nicht mit, daß die„Mitglieder" sich zum großen Teil ihrer Mitgliedschaft nicht bewußt sind, da sie als solche bereits aufgeführt werden, wenn sie, dem Drängen des Geistlichen folgend, einmal eine Karte zu 1 M. für eine Ver- sammlung lösen.- Der Generaldirettor Dr. Pieper- München-Gladbach erstattete dann seinen Jahresbericht in ruhiger, monotoner Sprache, sodaß der anfänglichen Unruhe nunmehr die Ruhe der Ermüdung folgte. Herr Dr. Pieper ist keine unsympathische Erscheinung. Er weiß zuzugeben, daß die Ausbreitung der Sozialdemokratie nicht gehindert worden ist, die seiner Ansicht nach durch eine christliche Gewerkschaftsorganisation abgelöst werden kann. Der Volksverein hat nach seinen Mitteilungen 400000 Mitglieder(Zuwachs von 70000) und hat 7'/, Millionen Schriften ausgegeben. Wenn auch manches Zehntausend der Mitglieder nur auf dem Papier steht, so muß doch dieser Bericht eine Mahnung an unsere Partei- genossen sein. Mit einem größeren Aufwand von Phrasen sprach dann Abg. Fahrenbach- Freiburg i. Br. davon, die katholische» Arbeiter vor dem Abfall an die Sozialdewo- kratte zu schützen, und sang das Lied vom Ausgleich der Interessengegensätze. Den größten Erfolg bei den: Bauern- Publikum hatte der Abg. G r ö b e r- Heilbronn. der mit d"» banalsten Witzen hantierte. Recht weitschweifig war n der 1 Abb« Tilly- Metz und Abg. T r i m b o r n- Köln w ihre» Ansprachen, die aber sehr günstigen Eindruck machten. Fast zu gleicher Zeit tagte der Katholikentag in seiner zweiten geschlossenen Versammlung, in der zuerst Dank- telegramme des Kaisers und des Statt- Halters für Elsaß-Lothringen verlesen wurden. Dann wurden einige Anträge ohne interessantere Zwischenfälle er- ledigt. Hervorzuheben ist die Verhandlung über den Anttag, der den Ausbau der katholischen Arbeitervereine will. Der Berichterstatter Abg. Herold- Loevelinkloe teilte mit, daß er im Ausschuß nach lebhafter Diskussion ein- st immig angenommen wurde. Dann ergriff Arbeiter- sekretär Richter- Berlin das Wort, um die Fortschritte des „Verbandes katholischer Arbeitervereine" zu rühmen, deren Verbandsorgan in einer Auflage von 86 000 erscheint und damit den„Vorwärts" schlage I Man denke sich! Das Blatt eines über ganz Deutschland sich erstteckenden Vereins hat eine Auflage, die so groß ist wie die des Berliner sozial- demokrattschen Blattes! Damit renommiert der Mann! Da- bei ist die Auflage deS„Vorwärts" doch noch erheblich größer! Die dumme Renommage ist also gar nicht mal berechttgt. Man denke auch an die Verbreitung der Gewerkschaftsblätter, die Auflagen von mehr als 200 000 erreichen. Nach ihm empfahl noch Pfarrer G e i b e l- Wiesbaden ein Zusammen- gehen mit den protestanttschen Vereinen! Drei Vorttäge wurden in der zweiten öffentlichen Ver- sammlung gehalten, die heute nachmittag von 5 bis 8 Uhr in der Festhalle stattfand. Zuerst sprach der„Präfett von Südwestaftika", P. N a ch t w e y, über die katholischen Missionen. Der Pater ist der rechte Missionar, dem man trotz der äußeren Ruhe den fanattschen Glaubenseifer anmertt. Er erinnert daher, namentlich aber in seiner Redeweise, sehr an den Heils- armisten. Denn er hat nichts Gewinnendes, nichts Eigenes, nichts Selbständiges— beinahe auswendig gelernt klingt sein Vortrag, der immerhin über die Ausbreitung der katholischen Mission gut informiert. Ganz anders der zweite Redner, der Abg. de Witt- Köln, von dem man sich sehr gut vorstellen könnte— wenn man ihn sieht, meinen wir— daß er etwa konservativ wäre. In seinem Auftteten und seiner Rede ganz der Oberst a. D., der manches gelesen hat, furchtbar viel zittert— Kant, Leibnitz, Tertulian, Hilarius, Athanasius, Leo XHL, Bismarck usw.—, mit Vorliebe die Motte„logisch und konsequent" braucht,„geistvolle" Wortspiele verbricht, ernst die Augenbrauen hochzieht, wenn er von„Wissenschast" redet und ironisch Einwendungen der Gegner wiedergibt. Der Mann redete über die„ T o l e r a n z f r a g e" in dem bekannten Sinne des Zenftunis. Er erntete wie alle Redner reichen Beifall. Die bisher bedeutendste, marttgste und selbständigste Erscheinung des Katholikentages war der dritte Redner, ?. A u r a ch e r, der— zum erstenmal auf einem Katholikentage geschah das— die„ F r a u e n f r a g e" er- örterte. Daß das Zentrum die Frage zu behandeln ge- zwangen ist, beweist ihre Macht. Aber keinen besseren Referenten konnte es entdecken, als diesen Kapuzinermönch mit dem dunklen, ernsten, zuweilen fast bitteren Gesicht, das ein großer wallender brauner Batt umrahmt. In seiner kunstvollen Rede vermochte er es, hie Frage so zu behandeln, wie die Zentrumspolittk es erfordert: den unvermeidlichen Be- dürfnissen entgegenzukonnnen und die alten Vorurteile durch Umgehen der gefährlichen Klippe aufrechtzuerhalten. Es chottette nur anfangs, daß der well- und weibfremde Mönch von der Hälfte des Geschlechtes sprach, die„nicht die schlechtere" sei; später konnte er mit ruhiger Sicherheit von den Ehebedürfnissen der jungen Damen im heiteren Sinne sprechen und für Leute seines Schlages sonst heikle Fragen be- rühren. Er gab die Berechtigung der Frauen- bewegung zu, aus sozialen und wirtschaftlichen Gründen, betonte aber, daß sie unter katholischer Leitung stehen müsse. Der stürmische Beifall, den ihm die Versammlung spendete, entsprang dem Empfinden, daß eine schwiettge Frage ge- löst sei. Offiziöse Budgetverdunkelunge«. Die Diskussion über die Budgetverletzung der Regierung ver- anlatzte bekanntlich den Fürsten B ü l o w, einige seiner Leute mit der Aufgabe zu betrauen, in der„Nordd. Allg. Ztg." den Nachweis zu führen, daß ttotz der Nachschübe von 2200 Mann, die bis Ende August nach Südwestaftika abgegangen waren, während nach der Begründung des Nachttagsetats während dieses Zeitraums nur 1000 Mann abgehen dursten, keinerlei Budgetverletzung eingetteten sei. Denn erstlich sei das für das Etatsjahr 1905 bewilligte Geld noch nicht völlig verpulvert und zweitens sei trotz des Nachschubs von 2200 Mann der Sollbestand der Südweftaftika-Truppe nicht überschritten. Diesen überraschenden Darlegungen gegenüber bot die gesamte bürgerliche Presse ein Bild völliger Rat- l o s i g k e i t. Kein Mensch traute es sich zu, die Begründung der Offiziösen nachzuprüfen. Und kein Parlamentarier griff der be- mitleidenswett hülflosen Presse unter die Arme. Es war einzig die sozialdemokratische Presse, die das Bülowsche Elaborat unter die Lupe nahm und dessen dreiste Taschen- spielereien nachwies. Darauf vergingen dann wieder eine Reihe von Tagen, bis die„Nordd. Allg. Ztg." sich soweit gesammelt hatte, um den Versuch zu machen, der vernichtenden sozialdemo- krattschen Kritik eine ihre Darlegungen rechtfettigende Antikritik entgegenzusetzen. Und nun wiederholte sich das klägliche Schauspiel noch einmal. Kein bürgerliches Blatt und kein bürgerlicher Parka- mentarier wagte sich an eine Nachprüfung des erneuten offiziösen Schwindels heran. Die bürgerlichen Parteien haben sich damit ein Armutszeugnis ohne gleichen ausgestellt. Sie haben mit ihrem früheren Zetern über die Budgetverletzung und ihrer jetzigen Unfähigkeit jeglicher Krittk bewiesen, daß sie für die Forde- rungen der Regierung gestimmt haben, ohne s i ch im ge- ring st en darüber klar zu sein, was sie denn eigentlich bewilligten! Einer solchen Sorte von VoUS- vertretem gegenüber hat natürlich eine Regierung leichtes Spiel. Einen Entschuldigungsgrund kann freilich die bürgerliche Preffe für sich geltend machen, den nämlich, daß der.Südwestaftika-Etat so unübersichtlich und unklar abgefaßt ist, daß sein Studium einige Schwierigkeiten bereitet. Die Regierung hat ihrerseits natür- lich keinen Grund, ihre Vorlagen nicht in der verworrenen und un« durchsichtigen Weise abzufassen, wie das geschieht. Im Trüben läßt sich ja am besten fischen I Aber das Parlament, das doch wissen soll, wosür es stimmt, hätte um so triftigere Veranlassung, von der Regierung künftig eine klare, unzweideutige RechnungS- ablegung zu verlangen, damit die Herren Abgeordneten später nicht der Blamage ausgesetzt sind, zu erklären, nur eine geheimrätliche Intelligenz finde sich in den Jrrgängen eines solchen Etats zurecht. Im übrigen müssen wir aber doch nochmals betonen, daß trotz- alledem eine Nachprüfung der offiziösen Rechenkunststückchen bei einigem«uten willen doch möglich war. ES fehlte eken tat gute Wille, man wollte sich bemogeln lassen, um die Wähler täuschen zu können I Die neue Erklärung der„Nordd. Allg. Ztg." legt das Haupt- gewicht auf den Nachweis, daß die S o l I st ä r k e der Südwest- afrika-Truppe in der Tat für den Beginn des Jahres 14004 Mann betragen habe. Sie wachse dann im Laufe des Jahres um 6 X 125, also 750 Mann, so daß sie am Ende des Jahres auf 14 754 Mann angewachsen sei. �ie Soll stärke sei nicht zu verwechseln mit der Ist stärke. Diese habe nach Ausweis des 3. Nachtrngsetats für 1904 allerdings nur 13 400 Mann betragen. Die Soll stärke aber be- trage nach dem Etat für 1905 und dem Nachtragsetat für 1905, durch welche Etats ja die Mittel für diese Truppenzahl gefordert wurden— und die Sollstärke sei gerade„diejenige Kopfzahl, für welche die genehmigten Etats die Mittel für Besoldung zc. zur Verfügung stellen"— 1. alte Schutztruppe..... 609 Mann 2. erstmalige Verstärkungen... 7 346„ 3. zurückbehaltene Mannschaften. 443„ 4. neue Verstärkungen..... 5 606 Zusammen.. 14 004 Mann Zu dieser Sollstärke kämen dann noch für je zwei Monate 125 Mann, bis Ende des Jahres also 750 Mann mehr. Es handle sich bei den Nachschüben eben nicht nur um einen Ersatz für Ab- g ä n g e, sondern um eine wie oben angegebene Verstärkung, würden im Nachtragsetat für 1905 durch besondere Mittel für diese Mannschaften gefordert. Gegen diese Darstellung ist zunächst einzuwenden, daß im dritten Nachtragsetat für 1904, der dem Reichstage am 18. März 1905 zu- ging, also später als der Etat für 1905 und gleichzeitig mit dem Nachtragsetat für 1905, die Nachschübe von je 250 Mann für zwei Monate ausdrücklich als„Ergänzung", als „Ersatz der Abgänge durch Krankheit und Tod" bezeichnet wurden I Bon einer Verstärkung über die Zahl der vorhandenen Truppen hinaus war keine Rede! Diese Erläuterung widersprach demnach dem Etat für 1905, der doch dem Reichstag früher zugegangen war! Entweder also kannte sich der Verfasser dieser Erläuterung im Etat für 1905 selbst nicht aus, oder es war auf eine Täuschung de? Parlaments abgesehen, das die Truppennachschübe denn auch nm im Sinne von Ergänzungen auffaßte! Aber nicht nur hier begegnen wir der Täuschung. Auch die neue Darlegung der„Nordd. Allgemeinen Zeitung" übe? die Sollstärke ist unrichtig und auf die Täuschung berechnet! Das offiziöse Blatt erklärt. Soll stärke sei die Stärke, die sich aus den Bewilligungen der dafür vorgesehenen Mittel ergebe. Wenn das richtig ist, so betrug die S o l l stärke für Anfang des CtatsjahreS 1905 nicht 14 004 Köpfe, sondern 14 429 Köpfe, da ja auch im Etat für„Eingezogene Reservisten, Land- Wehrleute sc." in Kopfttärke von 425 Mann die Mittel für Be- soldung zc. ausgeworfen sind. Der wirkliche Sollbestand beträgt also Ende des Etatsjahres 14 429-j- 6 X 125— 15 179 Köpfe. Da nun die„Nordd. Allg. Ztg." den derzeitigen Jstbestand auf 13 906 Köpfe beziffert, hätte die Regierung danach das Recht,»och«eitere 1273 Mann nach Südwestafcika zu schicken, eine Zahl, die durch die noch entstehenden Abgänge entsprechend vergrößert werden würde I Und angesichts dieser Situation redet das offiziöse Blatt noch davon, daß ja noch nicht alle Mittel für das Etatsjahr 1905 ver- braucht seien. Das wäre ja auch noch schöner, sind doch erst 5 von den 12 Monaten diese« Jahres verflossen I Daß eine ganz gewaltige Etatsüberschreitung entstehen muh, liegt für jeden, der rechnen kann, auf der platten Hand I Die„Nordd. Allg. Ztg." mag sich also drehen und winden wie sie will, sie redet die Tatsache nicht aus der Welt, daß die Volks- Vertretung durch allerhand Tascheuspieler-Kunststückchen gröblichst ge- täuscht worden ist. Während das Parlament der festen Ueberzeugung war, daß während des Etatsjahres 1905 nur 1500 Mann Nachschübe erforderlich wären, wird ihm jetzt von der„Nordd. Allg. Ztg." klar- gemacht, daß ein Nachschub von— vorläufig, ohne Berücksichtigung weiterer Abgänge— 3098 Mann(nämlich von April bis August ab- gegangen 1825, dazu die zur Erreichung der Sollstärke noch nötigen 1273 Mann) gerade ausreicht, um die Soll stärke zu erreichen! Man wird zugeben, eine gröbere Täuschung ist kaum möglich. Diese Täuschung ist hervorgerufen worden einmal durch die Un- Übersichtlichkeit der Forderungen des Etats für 1905, dann aber Haupt- sächlich durch die nunmehr als unrichtig bezeichnete Erläuterung zu dem 3. Nachtragsetat für 1904. Der Reichstag wird also künftig eine absolut klare und eindeutige Aufstellung des Etats verlangen müssen, um vor ähnlichen unangenehmen Ueberraschuugen gesichert zu sein l— * K* Deutfehee Reich. A«sdehnung des Aufstandes in Dentsch-Ostafrika. Ein amtliches Telegramm nieldet: Der Kommandant S. M. S.„Bussard" meldet unter dem 22. August: Oberleutnant zur See P a a s ch e hat den Angriff der Kitchi-Lente auf sein Lager ani 19. und 20. August erfolgreich zurückgeschlagen. Er meldet, daß alles wohl ist und er nordwestlich nach K o w o n i weiter vorgeht. Am 23. August trifft voraussichtlich eine Abteilung der Schutz- truppe in N y a m b w i k i ein. Der Aufstand hat sich südlich von Kilwa bis zum Mbenknrn-Flutz an der Grenze des Lindi- Bezirks ausgebreitet. Diese Nachricht beweist, daß der Aufstand in dem Matumbi-Gebiete noch keineswegs gebrochen ist; sind doch die Eingeborenen neuerdings zum Angriff über- gegangen! Ferner hat sich der Aufstand bis zur Grenze von Lindi ausgedehnt. Wahrscheinlich wird er also aus den Bezirk Lindi überspringen!—_ Noch nicht genug Kolonialkrieg! In der„Zeitschrist für Kolonialpolitik" fordert ein Kurt Schwabe die Entwaffnung der Ovambo. Er schreibt: „Die Zahl der Ovambo auf deutschem Gebiet wird ver- schieden, von 80 000 bis zu 120 000 Seelen angegeben, die Zahl der Krieger von 15 000 b i s 25 000, wovon mindestens 3000 b i s 4000 mit Hinterladern Bewaffnete, doch ist es möglich, daß diese Zahl noch zu gering angesetzt ist. Dr. Schinz, einer der wenigen und besten Kenner der Ovambo, sagt schon im Jahre 1891, daß die Büchse den nationalen Waffen bereits starke Konkurrenz gemacht habe, und daß es nur noch weniger Jahre bedürfen werde, um den Bogen bei den Ovambo so selten zu machen wie bei den Herero, bei denen er bereits zum Kinderspielzeug geworden war. Endlich sei noch bemerkt, daß die größeren Dörfer der Ovambo durch weit über mannshohe Baumpalisaden, die in mehreren Reihen hintereinander stehen und in die Schießscharten geschnitten find, sowie durch Erdwälle und Dornbuschverhaue geschützt sind, o daß ein Angriff auf dieselben ohne die Mitwirkung von Artillerie, wenn überhaupt, dann nur unter übergroßen Ver- lusten von Erfolg gekrönt sein würde. Man wird also gut tun, da» Pulver trocken zu halten und sich jeder Apentuglstgt zu, versehen, vis pacem pars bellum!" Das ist's, was wir auch hier beherzigen müssen, denn die Lösung der Ovambofrage läßt nur ein R e- sultat zu: ein entwaffnetes und sich der deutschen Herrschast beugendes Volk!"— Vielleicht macht der Aufstand in Ostafrika einen dicken Strich durch all die schönen Pläne für Südwestafrika 1— Die steigende Fleischnot in Obcrschlcsicn hat die Bürgermeister einer Anzahl oberschlcsischer Städte dazu bestimmt, sich nochmals an den Reichskanzler mit dem Ersuchen zu wenden, die beschränkte Zahl der Schweine(1360 Stück), die allwöchentlich aus Rußland in Ober- schlesien eingeführt werden dürfen, zu erhöhen. In der Eingabe heißt eS: „Die preußische Viehzentrale hat die Hebung der Fleischnot durch Zusendung von Schweinen in unseren Jndustriebezirk zwar versucht, indem sie übernahm, die an und für sich schon zu geringe Zahl von 700 Schweinen wöchentlich einzuführen; dieser Versuch ist aber als mißlungen anzusehen, denn in der Zeit vom 16. Juli bis 14. August konnten insgesamt nur 1937 Schweine geliefert werden, die nur ein Durchschnittsgewicht von 210 bis 220 Pfund hatten und vielfach(bis zn einem Vietel) tuberkulös, wässerig und minderwertig ivaren." Die Fleischnot und Fleischteuerung dauert nunmehr schon seit drei Monaten an. Unsere erste Eingabe an den Herrn Land- wirtschaftsmiuister ist schon am 5. Juni d. I. abgesandt, und bis heute ist flir die Interessen der Konsumenten, insbesondere der minderbemittelten, noch fast nichts geschehen. Eine weitere Verzögerung ist nicht mehr zu ertragen. Denn die Unzuftiedenheit in der Bevölkerung ist schön auf das äußerste gestiegen. Der Genuß von Fleisch in unserem Jndustriebezirk ist besonders in unserer Arbeiterschaft um 30 bis 85 Proz. gesunken, da dieselbe nicht mehr im stände ist, die hohen Fleischpreise zu erschwingen.... Bei der schweren Arbeit, die hier zu leisten ist, ist diese Unterernährung höchst bedenklich und gibt zu großer Gefahr in volkswirtschaftlicher Beziehung Anlaß. Alle Mittel werden versucht, um Abhülfe zu schaffen. Die Ar- beiter einer Grubenverwaltung beziehen zum Beispiel bereits die Fleischabfalle aus Konservenfabriken, eine unseres Erachtens menschenunwürdige Nahrung, um ihren Familien überhaupt den Fleischgenuß zu ermöglichen. Einer Musterredaktion darf sich die offiziöse„Norddeutsche Allg. Ztg." rühmen. Bringt es das Blatt doch fertig, iwseiner heutigen Abendausgabe die Anschuldigung der„Bresl. Ztg.", der„Vorwärts" habe die bekannte Liste von Schmähwörtern gefälscht, ihren Lesern mitzuteilen, obgleich der„Vorwärts" von heute früh diese unwahre Behauptung bereits zurückgewiesen hatte. Ob eS wohl wieder der Berufung auf den§ 11 des Preßgesetzes bedürfen wird. um das so trefflich redigierte offiziöse Blatt zur Beachtung unserer Entgegnung zu nötigen?— An den Fiirther Freisinnssicg will die„Deutsche Freie Presse" offenbar nicht gern erinnert sein. Unser Hinweis, das freisinnige Blatt brauche sich über das Essener nationalsoziale Katzenspiel nicht sittlich aufzuregen, ihr Barbeck habe eS noch schlimmer getrieben, veranlaßt da? Organ Eugen Richters mit dem großen Rohr loszu- donnern. Barbeck habe sich immer offen und ehrlich zur Freisinnigen Volkspartei bekannt, und wir hätten die Stirn, ihn„einer gleichen weideutigkeit zu verdächtigen, wie sie in dem Briefwechsel zwischen aumann-Katz und Niemeper-Jacobs in Essen zutage getreten ist. Danach hat es fast den Anschein, als ob jetzt in der Redaktion des„Vorwärts" ein Hysteriker Stadthagenscher Fasson sein Unwesen triebe." Daß sich Barveck als Anhänger der freisinnigen Volksparteiler sinnierte und trotzdem mit Unterstützung des„Rcichsverbandes" in seinen Wahlreden seinem bunten Gefolge je nach Bedarf alles versprach, daß er sich auch agrarisch und mittelständerisch berauschte, macht eben den Skandal noch größer. Die dokumentarische Quittung über diesen freisinnigen Wahlschwindel liegt ja in der berühmten Danksagung der Fürther Freisinnigen an den Reichsverband, die so schimpflich rst, daß die„Deutsche Freie Presse" sie bis zur Stunde unterschlagen hat!— Wegen HemttenS 45 Tage Haft! Aus München meldet uns ein Telegramm/: Wegen Verehelichung ohne dienstliche Bewilligung hatte sich heute der Leutnant im Schweren Reiterregiment Graf Edgar Wolffskecl, geb. 1875, vor dem Kriegsgericht der 1. Division zu verantworten. Wegen Gefährdung der militärischen Disziplin und zur Wahrung militärischer Interessen fand die Ver- Handlung bis zur Verlesung des Urteils unter voll- ständigem Ausschluß der Ocffeutlichkcit, einschließlich der Presse statt. Graf Wolffskeel benützte seinen Urlaub im Sommer 1903, um sich am 30. Juni in England mit der Schauspielerin Tomhak, der bekannten früheren Tänzerin an der Münchener Hofbühne und nachmaligen Schauspielerin in Berlin Marietta Olly ohne d i e n st I i ch e Bewilligung trauen zu lassen. Der Angeklagte wurde mit Rücksicht auf seine Jugend, und unter Würdigung seiner Angabe, er habe völlig unter dem Einfluß s einer Frau gestanden und unter großer körperlicher und geistiger Depression gelitten, zu 45 Tagen Festungshaft verurteilt. Ein in jeder Hinsicht denkwürdiges Kulturbild I 1. Was hat es mit militärischen Interessen zu tun, daß ein Leutnant sich wegen Nichteinholung des HciratskonscnseS zu ver- antworten hat? 2. Was ist das für ein Kriegsheld, der sich weinerlich auf den Einfluß seiner Frau und die seelische Depression beruft! 3. Interessant ist aber vor allem die vergleichsweise Höhe der Strafe. Während die schwersten Mißhandlungen mit ein paar Tagen Mittel- arrest abgemacht werden, muß hier ein Offizier wegen Verstoßes gegen die wahrhaft mittelalterliche Beeinträchtignug der persönlichen Freiheit, die der Heiratskonsens bedeutet, auf 45 Tage in Haft. Um wie viel billiger wäre der Leutnant und Graf davongekommen, wenn er seine seelische Depression statt an seiner Frau an seinen Rekruten ausgelassen hätte I— Dresden. 22. August.(Eig. Bcr.) Eine verunglückte Polizei- Aktion in der Montignoso-Affäre bedeutet ein Urteil des sächsischen Ober-.Verwaltungsgerichts. Bekanntlich hatte die Dresdener Polizeidireltion im November 1904 den hiesigen Post- kartenhändlcrn das Aushängen von Bildern und Karten der Gräfin Montignoso bei Androhung einer Geldstrafe von 50 M. oder 5 Tagen Hast verboten. Begründet wurde das Aushängeverbot, das sofort Rechtskraft er- langte, damit, daß das Aushängen der Montignoso-Bilder in letzter Zeit einen provozierenden Charakter angenommen und öffentlich Acrgernis und Anstoß erregt habe. Der hiergegen von den Händlern eingelegte Rekurs wurde von der Kreishauptinannfchaft verworfen und das Polizeiverbot, allerdings aus anderen Gründen, aufrecht- erhalten. Die Kreishauptmannschaft bezeichnete nämlich das Gebaren der Rekurrenten als Majestätsbeleidigung und veranlasste sogar die Polizeibehörde, bei der Staatsanwaltschaft die nötigen Schritte zu tun, damit gegen die Händler— es kamen 101 in Frage— wegen Vergehens gegen 8 Ü5 des Strafgesetzbuchs vorgegangen werde. Die Staatsanwaltschaft lehnte ein Einschreiten jedoch ob, da der Tatbestand der Majcstätsbcleidigung weder in objektiver noch in subjektiver Be- ziehung gegeben sei. Die von den Händlern erhobene Anfcchtungs- klage- hat vollen Erfolg gehabt, das Ober-Verwaltungsgericht hat das Polizeiverbot als haltlos und die Gründe der KreiS» hauptmannschaft al» nicht stichhaltig bezeichnet.— Ein General über Soldatenmis, Handlungen.„Er hielt es nämlich für eine Schande, daß Leute, die mit Pferden und Hundcn zu tun haben, diesen Tieren mehr durch Sorgfalt, Ge- Wohnung ,'''d Pflege, als durch Peitschen und Halseisen Wildheit, Zo n und.Widerspenstigkeit benehmen, daß hingegen die Befehls- haber über Menschen deren Besserung nicht vornehmlich durch Liebe und Sanftmut zu bewirken suchen, sondern härter und ge» waltsamcr mit ihnen verfahren als Gärtner mit wilden Feigen-, Birn- und Oelbäumen, die sie durch sorgfältige Wartung in zahme und fruchtbare Bäume umwandeln." Plutarch, Lebensbeschreibungen, über Ouintus Fabius MaximuS Cunctator. Ouintus Fabius Maximus Cunctator war einer der hervor- ragendsten römischen Feldherren, der sein Vaterland gegen die Karthager unter Hannibal mit Erfolg verteidigte.— Eine Ordmingsstütze. Aus München wird uns geschrieben: Gelegentlich einer Revision bei der 2. Münchener Schreiner- (Meister-) Produktiv-Genossenschaft wurden Unterschlagungen in der vorläufig festgestellten Höhe von 4000 M. entdeckt. Der Geschäfts- führer Paul Roßberg, eine Ordnungssäule erster Güte, bezog 170 M. Monatsgehalt und zirka 1200 M. jährlich Tantieme. Ver- schiedene Liebeleien sollen den Ordnungsmann, der selbst stark ver- heiratet ist, auf die schiefe Ebene gebracht haben.— Deutschtum in Freiheit. Man schreibt uns aus München: Gelegentlich der im September v. I. in der Nähe von Freising ab- gehaltenen Manöver nahm der Divisionskommandeur Prinz Rupprecht von Bayern im Gasthof„Zum bayrischen Hof" in Freising Absteigequartier. Der deshalb vor dem Hotel aufgestellte Doppelposten gab dem Arbeiter Josef M e s s e r e r in Freising Ver- anlassung mehrfache auf die Geburt und Charaktereigenschaften des Prinzen bezügliche Aeutzcrungen zu machen. Als sich Messerer mit dem Taglöhner Jakob Schmiedinger überwarf, denunzierte ihn dieser nach zwei Monaten bei der Polizei. Mesferer erhielt für seine unbedachten Aeußerungen vom Landgericht München II 6 W o ch e n Gefängnis.— HueUncL Frankreich. Eine Bewegung unter de» Postbeamten. Die gewerkschaftliche Bewegung der französischen Post-, Telegraphen- und Telephon- angestellten macht, wie man uns aus Paris berichtet, große Fort- schritte. In der letzten Zeit ist eine Agitation in Fluß gekommen, die sich gegen die skandalöse Ueberbürdung der Angestellten richtet. Das Personal der französischen Post ist schon in gelvöhnlichen Zeiten viel zu gering und das Publikum wie die Beamten sind dadurch in Mitleidenschast gezogen. Im Sommer aber sind die Zustände be- sonders arg. Da nämlich für die zahlreichen Badeorte und Sommer« frischen Arbeitskräfte benöttgt werden, zieht man diese einfach aus den Städten und die Zurückgebliebenen haben dann eine Arbeitslast zu bewältigen, die umso größer ist, als gerade die Badesaison eine sehr bedeutende Vergrößerung des Verkehrs mit sich bringt. Auch werden den Aemtern gänzlich untaugliche Hülfskräfte zugeteilt, z. B. den Telegraphenanstalten Leute, die mit dem Morsescheu Apparat gar nicht umzugehen verstehen. Der Unterstaatssekretär B ö r a r d, der Chef des Post- und Telegraphenwesens, hat zuerst versucht, dem Mangel an Arbeitskräften dadurch entgegenzuwirken, daß er die Amtsärzte aufforderte, mit Krankheitszeugnissen spar- samer zu sein. Dieses brutale und rücksichtslose Vorgehen hat eine allgemeine Erbitterung in der ganzen Beamtenschaft hervor- gerufen. In der vorigen Woche fand in der Pariser Arbeitsbörse eine von 3000 Beamten besuchte Versammlung statt, an der auch der nichtsozialistische Verband offiziell teilnahm. Es wurde be- schlössen, künftig einig vorzugehen und eine Bewegung zur Be« seitigung der Uebelstände im ganze» Lande in Gang zu bringen. Es sprachen Vertreter aller Beamtenkategorien, auch Beamtinnen. Die Versammlung hat jedenfalls schon den Erfolg gehabt, daß mit den Postbeamten in einem anderen Tone gesprochen wird. Herr Börard gibt jetzt zu, daß er zu wenig Beamte habe, und der radikale Handelsmimster D u b i e f hat einer Deputation fest zu« gesagt, daß er vom Parlament eine Erhöhung des Post- und Telegraphenbudgets zum Zwecke der Vermehrung der Beamtenschast fordern werde.— Türkei. Kleinasiatisch« Unruhen. Wie die„Frankfurter Zeitung" aus Konstantinopel meldet, wächst infolge der zahlreichen Verhaftungen, die die türkische Polizei unter den Armeniern wegen der Bomben- sunde in Sinyrna vornimmt, die Erregung der dortigen musel- manischen Bevölkerung gegen die Ärmeiner. Mehrere Konsuln fremder Mächte suchten bei ihren Botschaftern in Konstanttnvpel um die Entsendung von Kriegsschiffen nach Smyrna nach, dq größere Ausschreitungen befürchtet werden.— Die Friedenskonferenz scheint nun doch weitertagen Und zu einem Ergebnis führen zu sollen. Es scheint— was wir ja als sehr möglich be- zeichnet haben— daß Japan seine Forderungen ermäßigen wird, worauf dann auch Rußland Zugeständnisse machen dürfte. So soll Japan bereit sein, auf die Auslieserung der in neutralen Häfen befindlichen Kriegsschiffe zu verzichten. Wie sehr sich Roosevelt bemüht, auch den Zaren zur Nachgiebigkeit zu veranlassen, beweist, daß der Zar heute den amerikanischen Botschafter in Petersburg empfangen hat. Die Nachrichten lauten: PortSmouth(New Hampshire), 23. August.(Meldung deS Reuterschen Bureaus.) In gut unterrichteten Kreisen hält man eS für a u s g e s ch l o s s e n, daß die Konfereuzverhaudlungen heute endgültig abgebrochen werden. Man weiß, daß Präsident RooseveltS Vorschlag einerseits Japans Forderung nach eine ni Ersatz seiner Kriegsausgaben gerecht wird, andererseits aber auch Rußland instand setzt, der Welt gegenüber zu erklären, daß eS weder einen Fuß breit Landes abgetreten, noch eine Kopeke Kriegsentschädigung bezahlt hat, kurzum, daß der Vorschlag des Präsidenten in Anregung brachte, daß Rußland Sachalin ganz oder zum Teil zurückkaufen solle und zwar für eine Summe, deren Höhe, salls sich die beiden kriegführenden Mächte darüber nicht einigen können, durch eine später zu bestimmende Art Schiedsspruch festgesetzt werden soll. Der Kaufpreis und die Summen, die Japan von China für die Abtretung der chinesischen Ost- bahn und von Rußland für den Unterhalt der rufst« schen Gefangenen erhalten soll, würden den ge- samten KriegSko st en Japans gleichkommen. Dieser Vorschlag läuft in seiner Anwendung darauf hinaus, baß Japan in Bezug auf Artikel 5 und Rußland in Bezug auf Artikel 9 nachgibt. London, 23. August.„Daily Chronic! e" meldet aus Port»- mouth(Neiv Hampshire) unterm 22. August: Wenn die Friedensbevollmächtigten morgen früh den zurzeit getroffenen Festsetzungen entsprechend zusammentreten, wird diese Sitzung voraussichtlich sehr kurz, sein. Wie verlautet, beabsichtigt die K o n f e r e n z sich bis z u n, 25. A u g u st zu vertagen. An diesem Tage wollen die Bevollmächtigten zusammentreten, um sich entweder in bestimmter Weise zu einigen oder ihre Nichtübereinstimmung zu bekunden. Paris, 23. August. Den,„New U o r k Herald" zufolge ist für die heutige Sitzung der Friedenskonferenz in Portsmouth ein von japanischer Seite ausgehender Vorschlag zu erwarten, nach ivclchem die Ost chinesische Bahn unter die Kontrolle einer großen internationalen Gesellschaft ge- langen soll. In der Leitung dieser Gesellschaft würden Japan, China, Deutschland. England, Frankreich, die Vereinigten Staaten von Amerika und auch Rußland vertreten sein, vorausgesetzt, daß e« die von Japan gestellten Bedingungen annimmt. PortSmouth, 23. August.(Meldung des„Reuterschen Bureaus'.) Dem Bernehmen nach wird Baron Komura in der heutigen Sitzung der Friedenskonferenz dem KompromißvorfchkoA des Präsidenten Roosevelt zustimme.:. Portsmouth, 23. August. Die Japaner erklärten in der Heutigen Morgensitzung, daß sie auf die Uebergabe der russWen Schiffe in den neutralen Häfen verzichten, ebenso auf die Be- schränkung der russischen Seemacht im äußersten Orient, dagegen bleibt der Wunsch auf Abtret ungSachalins und Zahlung einer angemessenen Kriegsentschädigung be- st e h e n. Der wirkliche Grund der Vertagung soll der gewesen sein, Witte Zeit zu lassen, um von Rußland endgültige Instruktionen zu erhalten. Die Aussichten auf den Frieden sind seit den letzten 24 Stunden erheblich gestiegen. Der Generalstreik in Rnssisch-Polen. Der allgemeine Ausstand, der am vorigen Freitag als Protest gegen die Frauen- und Kindermetzelei in Bialystock, in Warschau erfolgte, setzt sich als revolutionäre Demonstration gegen die Kosaken- Duma fort. Am Freitag war, wie uns aus Warschau geschrieben wird, die Arbeitsruhe vollkommen. Die Aufrufe der polnischen„National- demokraten", die mit den Worten:„Nieder mit dem allgemeinen Streik" schloffen— blieben gänzlich erfolglos. Auch jetzt scheint die Arbeitseinstellung radikal zu sein. Der Eisenbahnverkehr stockt! Es liegen uns folgende offizielle Telegramme vor: Warschau, 22. August. Der heutige Tag ist unblutig verlaufen. Einige Versuche zu Kundgebungen wurden vereitelt. In Lodz ist der Ausstand allgemein. In Pabianice fand eine große Kundgebung statt, ohne daß es zu einem Zusammenstoß kam. Die Tagesblätter sind nicht erschienen. Warschau, 23. August. Hier fand heute ein blutiger Zusammen- stoß zwischen ausständigen Arbeitern und dem zum Dienst kom- mandierten Eiscnbahn-Bataillon statt.— Die Warschau-Wiener Bahn ist noch in Betrieb. Kattowitz, 23. August. Wie die Eisenbahndirektion Kattowitz mitteilt, ersucht die Betriebsdirektion der Warschau-Wiencr Bahn, der österreichischen und preußischen Anschlußbahn wegen des aufge- hobenen Güter- und Personenverkehrs Güter für die Jwangorod- bahn nicht abzunehmen. Die Verwaltung dieser Bahn lehnt jedo Annahme von Gütern ab. Die verfassungsmäßige Schreckensherrschaft. Moskau, 23. August. 21 Offiziere, die sich in„nn- gebührlicher" Weise über den kaiserlichen Beschluß betreffend die Reichsdnma unterhalten haben, wurden verhaftet. Petersburg, 23. August. Gestern abend hat in Riga eine große Versammlung von Inden stattgefunden. Dreißig Teil- nehmer wurden verhaftet. In den Straßen von Moskau und Lodz fanden gestern abend Krawalle anläßlich der Veröffent- lichung des kaiserlichen Manifestes statt. Held und Dichter. Rom, 23. August. Maxim Gorki sandte dem„Avanti" einen Brief bezüglich seiner angeblichen Reise nach der Schweiz und nach Italien. Gorki erklärt in dem Briefe, er habe niemals Moskau ver- lassen, wo er bleiben werde, um bis zum letzten Blutstropfen für die Errettung des russischen Volkes zu kämpfen. )Ziis der Partei. Parteitagsberichte. Wir beginnen in dieser Nummer mit dem Abdruck der Berichte des Parteivorstandes und der Reichstagsfraition fiir den Parteitag in Jena. Der Satz ist so augeordnet, daß die Berichte zusammen- gefaltet und in Heftform aufbewahrt werden können. In Beziehung au seine Unterredung mit dem norwegischen Minister des Acußern schreibt uns unser Mitarbeiter aus Göteborg vom 21. August: In der Sonnabcndnummer des„Vorwärts" lese ich soeben, daß unser Königsberger Parteiorgan wegen meiner Unterredung mit dem Staatsrat Lövland davon schreibt, daß ich nach Art der bürgerlichen Bedientenpresse den Minister angebettelt habe. Nur mich kann dieser Vorwurf treffen, da ich ohne Auftrag der„Vorwärts"-Nedaktion diesen Schritt getan habe. Mit„Social-Demokratens" Redaktion, dem Parteivorsitzenden Hornsrud, Redakteur Punterwold und dem Sekretär Tokerud(die Redakteure Klingen und Vidnes waren zurzeit nicht in Kristianiaj habe ich allerdings vorher darüber gesprochen und sie waren durchaus damit einverstanden, ernumtcrten mich sogar noch dazu. Wir haben denn auch keineswegs den Minister um eine Unterredung augebettelt, sondern einfach gefragt, ob er zu sprechen sei, und uns der Formen bedient, wie sie unter anständigen Leuten allgemein üblich sind. Wir wurden ohne alle Förmlichkeit empfangen und nahmen wie der Minister Platz in den bequemen Lehnstühlen am großen Tisch. Es schien anfangs, als wolle uns Lövland im allge- meinen seine Ansicht über die gegenwärtige Lage vortragen, da griff jedoch mein Kollege Audreaseu mit der Frage nach den Bemühungen um einen dänischen Prinzen ein und dann antwortete der Minister sowohl hierauf wie später auf die Fragen, die ich an ihn stellte, in der Weise, wie bereits»ritgeteilt worden ist. Lövland ist übrigens kein„Hochwohlgeborener", sondern gewissermaßen ein Selfmademan. Urspriinglich Schullehrer und Kircheusänger auf dem Lande, hat er sich durch eisernen Fleiß und jedenfalls auch unter Benutzung der Mittel, die der norwegische Staat ernsthaft strebenden Leuten viel- leicht in reicherem Maße als irgend ein anderer Staat und ohne Ansehen ihrer Herkunft und Parteiauschauungen zur Verfügung stellt, die Kenntnisse und die Fähigkeiten erworben, die seine jetzige Stellung erfordern. Es ist in der Regel verfehlt, nach den traurigen polisischen Verhältnissen Preußen- Deutschlands über das abzuurteilen, was in demokratischen Ländern der Sozialdemokratie taktisch richtig und zulässig erscheint. Das kam mir wieder recht zum Bewußtsein, als Andreasen und ich in Begleitung von Hornsrud am Abstimmungs- tage nach dem Gebäude gingen, wo die Auszählung der Stimmen und die Prüfung der Verfallsanmeldungen vorgenommen wurde. Wir trafen unterwegs den in Dänemark geborenen, aber seit seinem zwanzigsten Lebensjahre in Norwegen ansässigen Genossen I e p p e s e n, einer der Parteigenossen, die sich das größte Verdienst um die Gründung der norwegischen Arbeiterpartei erworben haben. Er wechselte einige Worte mit dem Genossen Andreasen über die Lage in Dänemark und sagte unter anderm:„Früher glaubte ich auch einmal, daß Ihr in Dänemark eine Art Schweinehunde wäret (�noale svinepeW), aber nun habe ich doch eingesehen, daß Eure Taktik die richtige für die Verhältnisse Eures Landes ist." Man pflegt in den skandinavischen Ländern in allen Kreisen der Bevölkerung etwas kräftige Ausdrücke zu gebrauchen. Mö-sekdie Wiedergabe dieser Worte dahin wirken, daß man nicht als Schweine- Hund angesehen wird, wenn mau in einem demokratischen Lande etwas unternimmt, was in Preußen den Parteigenossen unmöglich erscheint._ T. V. Aus den Organisationen. Der sechste schleswig-holsteinische Reichstags- Wahlkreis zählt 4S85 Vereinsmitglieder und 353 zahlende Genossen, die nicht Mitglied werden können. Außerdem zahlen� 663 Frauen freiwillige Betträge. Der siebente schleswig-holsteinische Kreis hat 3843 aktive Genossen. Der Stand der Parteipresie sowie der verbreitetsten Parteischristen zeigte sich im siebenten Kreis wie folgt:„Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung" 9761 Abon nenten(8932),„Neue Zeit" 41(48),„Wahrer Jacob" 2423(2747), „Süddeutscher Postillon" 162(244),„Gleichheit 707(2). Die ein- geklammerten Ziffern bedeuten die Zahl der Abonnenten im Vor- jähre. Die Mitgliederzahl des sozialdemokratischen Vereins für R e u ß j. L. beträgt jetzt 2040. Das Parteiblatt„ R e u ß i s ch e Tribüne" hatte im verflossenen Gesckäflsjahre eine Einnahme von 64 446 M. und eine Ausgabe von 61 609 M. Die„ B e r g i s ch e A r b e i t e r st i m m e" hat jetzt, wie in der Kreisversammlung des Kreises Solingen mitgeteilt wurde, 7000 Abonnenten. Sie wird vom 1. Oktober ab ans einer Rotationsmaschine hergestellt werden und täglich mindestens acht Seiten stark erscheinen._ Hub Industrie und Kandel. Die Aktiengesellschaft fiir Montanindustrie gedenkt ihr Aktien- kapital zu vergrößern. Sie beruft eine außerordentliche General- Versammlung ein, die über Erhöhung des Grundkapitals um 2 200 000 M. auf 8 600 000 M beschließen soll. Die Begebung der jungen Aktien erfolgt an ein Konsortium zum Kurse von 116 Proz. mit der Maßgabe, daß 2 100 000 M. Aktien den Aktionären zum Kurse von 118 Proz. zum Bezüge angeboten werden(auf 3 alte 1 neue). Die Kapitalserhöhung wird durch Erweiterung des Ge- schäftskreises beziehungsweise durch Vorbereitung neuer Geschäfte begründet. Minenschwindcl. Unter diesem Titel bringt der„Ratgeber auf dem Kapitalmarkt" einen Artikel, in welchem er mitteilt, daß die Firma Weltner, Dunn u. Wisner, Berlin, Jägerstraße 63, welche die famosen Eureka-Oil-Shares in Deutschland unterzubringen versuchte, jetzt wiederum durch massenhaft an das deutsche Publikum versandte Flugblätter Abnehmer und zwar diesmal gleich sür drei ebenso werllose amerikanische Miuenshares zu bekommen trachtet. Mit den verlockendsten, nur fiir das uaiveste Publikum bestimmten Rede- Wendungen werden von der Firma die Shares der„Murchi Gold Mines Consolidated", der„Black Oak Gold Mines Consolidated" und der„Empire Gold Mines Ltd." als„glänzende Anlage" an- gepriesen. Jeder Pfennig, den man für die als so glänzend be- zeichneten Shares opfert, ist verloren. Deutsche Baumwollspinnerei. Wenngleich nicht nur die Baum- wollweibereien, sondern auch die-Spinnereien in den letzten Jahren vielfach über die schlechte Geschäftslage klagten, hat doch der Spinnerei- betrieb in dieser Zeit eine beträchtliche Ausdehnung erfahren: ein Beweis dafür, daß in den Klagen viele Uebertreibungen gewesen sein müssen. Nach einem jüngst von der Bremer Baumwollbörse herausgegebenen Verzeichnis betrug im Deutschen Reich die Zahl der der Verbrauch Baumwollspindeln von Baumwolle 1887... 6 064 792 1 006 983 Ballen 1892... 6 036 493 1232 864. 1393... 7 883 714 1 580 896„ 1906... 8 832 016 1 716 369„ Auf die hauptsächlichsten Textilgebiete verteilt sich die Spindel- zahl im Jahre 1906 folgendermaßen: Nheinland-Westfalen 2 223 684, Königreich Sachsen(einschließlich 628 026 Vigognespindeln) 1 949 313, Bayern 1678 084, Elsaß 1511686, Württemberg 706 686, Baden 468 784, Hannover 211 740, Schlesien 109 320, Provinz Sachsen 41 600, Oldenburg 20 000. Von den großen Spinnereibezirken hat sich in den letzten Jahren Rheinland-Westfalen am meisten entwickelt, dessen Spindelzahl von 721 630 im Jahre 1887 auf 2 223 584 im Jahre 1906 gestiegen ist._ GewerkrchaftUchee. Berlin und llmgegend. Achtung! Schäftearbciter und-Arbeiterinnen. Die Kollegen und Kolleginnen der Schäftefabrik von Gebr. Simon, Kochstr. löa, sind in den Ausstand getreten. Zuzug ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltuug. Mit einem Streik der Rollkutscher und Speditionsarbeiter scheint die Berliner Bahuverwaltung als einer gegebenen Tatsache zu rechnen. Schon jetzt wird bei den Bahnarbeitern Umstage nach Leuten gehalten, die mit Pferden umzugehen verständen. Auch weist man die Bahnarbeiter auf den ausgedehnten polizeilichen Schutz hin, der ihnen im Falle des Streiks zu teil werden würde. Man gibt den Leuten zu verstehen, daß man eine möglichst große Zahl der sich freiwillig zum eventuellen Streikbrecherdienst Meldenden erwartet. Diese Zumutung wird jetzt in den Kreisen der Bahnarbeiter lebhaft besprochen. Soviel dürfte schon jetzt feststehen: Wenn die Bahnarbeiter durch den bekannten sanften Druck von oben wirk- lich zu Streikbrechern gepreßt werden sollten, so dürften weder die Bahnverwaltung, noch die Herren Spediteure besondere Freude an dieser Art Zwangsfahrerei erleben. Eine derartige Arbeit läßt sich eben nur gewissenhaft von Leuten erledigen, die auch mit voller Berufsfreudigkeit tätig sind. � Sollten es die Spediteure trotz alledem zum Streik kommen lassen, so dürften auch die gut organi- sierten Hausdiener und Packer die Streikenden durch Verweigerung von Streikarbeit in weitgehendster Weise moralisch unterstützen. veutkckes Reich. Zum Kampf im Essener Baugewerbe. Die Einigungsverhandlungen, die am Mittwoch- nachnnttag 3'/z Uhr im Rathause zu Essen begannen, sind um 3'/� Uhr abgebrochen worden; sie sollen jedoch um 9 Uhr wieder fortgesetzt werden. Die Sitzung wird voraussichtlich bis spät in die Nacht dauern. Nach der vorherrschenden Stimmung scheint leider Ivenig Aussicht auf Einigung vorhanden. Schwarze Listen. Das Unternehmertum schreit fortwährend über den Terrorismus der Arbeiterorganisationen, wenn dieselben alle ihnen zustehenden gesetzlichen Mittel zur Verbesserung ihrer Lebens- läge in Anspruch nehmen; selbst aber scheut es sich nicht, die geheime Feme in Gestalt der schwarzen Lifte gegen die Arbeiter in Anwendung zu bringen. Unser Bremer Parteiblatt ist in der Lage, ein dies- bezügliches Schriftstück zu veröffentlichen. Es lautet: Verein Bremischer Baugewcrksmeistcr. Abt.: Tischlermeister. Bremen, den 18. August 1902. An die Mitglieder des Vereins Brem. Baugcwerksmcistcr Abt.: Tischlermeister. Laut Mitteilung des Hcmelinger Baugewerksmeister- Vereins ist bei den Tischlermeistern Hemelingens infolge einer nicht bewilligten Lohnerhöhung der jüngeren Gesellen ein Streik aus- gebrochen und bitten wir Sie, keine der unten auf- geführten Gesellen einzustellen und sofern dieses bereits geschehen sein sollte, dieselben sofort wieder zu entlassen. (Folgen die Namen der streikenden Gesellen.) Hochachtungsvoll Verein �em. Baugewerksmeister Abt.: Tischlermeister. I. A.: W. Kühne, Sekretär. Hoffentlich beweisen die Arbeiter den Herren Scharfmachern, daß an der Solidarität der Arbeiter auch dieses Mittel ver- sagen muß. Die in der Fischindustrie beschäftigten Arbeiter in Schlutup sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Wie notwendig eine Ver- besserung der Lage dieser Arbeiterkategorie ist, zeigen die gewiß be- scheidenen Forderungen: Es sollen gezahlt werden 30 Pf. Stunden- lohn und 36 Pf. Lohn für Ueberstunden an die Arbeiter: 22 Pf. Stundenlohn und 27 Pf. Lohn fiir Ueberstunden an die Arbeiterinnen. Die Arbeitszeit soll im Sommer— vom 1. Mai bis 1. Oktober— eine zehnstündige sein mit einer l'/zstündigen Mittagspause, jedoch ohne Vesperpause. Vom t. Oktober bis I.Mai soll eine einstündige Mittagspause und eine halbstündige Vesperpause gewährt werden. Inkrafttreten soll dieser Tarif am i. September d. I.— Die Antwort der Unternehmer lautete ablehnend. Sie enthält unter anderem folgende, den Herrenstandpunkt der Unternehmervereinigung charakteri- sierende Sätze:„Wir wollen vorweg gleich bemerken, daß wir in Zukunft solche Briefe, die außer der Unterschrift von Arbeitern oder Arbeiterinnen auS unseren Betrieben noch diejenige von uns ganz fernstehenden Leuten tragen, nicht mehr beantworten werden." Eine Versammlung der Arbeiter beschloß, den Vorstand' des Fabrikarbeiter« Verbandes(Zahlstelle Schlutup) und die Kommission zu beauftragen, sich nochmals an die Fischhalle zu wenden und derselben abermals obige Forderungen zu unterbreiten. Wenn bis zum 24. August keine befriedigende Antwort erteilt ist, wird die Arbeit zum 1. September eingestellt. In Speyer hat am Sonntag die Wahl der Generalversamm- lungs-Vertreter zur Orts-Krankenkasse stattgefunden. Diese Wahl ist insofern bemerkenswert, als sich die„christlichen" Gewerkschaften mit aller Energie an der Wahl beteiligten. Aber der Liebe Müh' war umsonst. Mit 746 Stimmen siegte die Liste der freien Gewerkschaften über die der„christlichen", die 373 Stimmen auf« brachten. Die Holzarbeiter in Wunsiedel sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Die Gehülfen haben folgende Forderungen gestellt: 1. Abschaffung von Kost und Logis. 2. Einführung der Ivstündigen Arbeitszeit. 3. Ueberstunden sollen möglichst vermieden werden, in unabweisbaren Fällen soflen pro Stunde 10 Pf. als Lohnzuschlag gewährt werden. 4. Ein Ausgleich der Löhne soll nach Maßgabe der örtlichen Verhältnisse geschaffen werden. 1300 Werftarbeiter in Flensburg haben die Arbeit auf der Werft wieder aufgenommen. Rusland. Aus der italienischen Arbeiterwelt. Rom, den 19. August.(Eig. Ber.) Die starke Streikbewegung dauert fort, aber sie bestätigt die in allen Ländern gemachte Erfahrung, daß die lange dauernden Streiks selten für die Arbeiter gut ausgehen. So hat der Streik der Gasarbeiter von Florenz nach 30tägiger Dauer mit der vollständigen Niederlage der Arbeiter ge- endet, von denen mehrere arbeitslos bleiben, um den Streikbrechern den Platz zu lassen. Auch der Streik der Werftarbeiter von Muggrano ist gestern nach 50tägiger Dauer aufgehoben worden, ohne daß die Arbeiter anderes erlangt hätten, als die Versicherung, daß alle 1500 Streitenden wieder eingestellt werden. Dagegen dauert der Ausstand der S e i d e n a r b e i t e r inn e n in Jezi jetzt seit 39 Tagen fort; am 16. hat die Arbeitskammer des Ortes ein Referendum unter den Streikenden angesagt, an dem von zirka 1000 Ausständigen 822 teilnahmen. 447 von diesen beschlossen, im Streik zu verharren, die übrigen 375 rieten zur Wiederaufnahme der Arbeit. In Gampierdarena haben die Arbeiter der Salpeterraffinerie nach kurzem Kampfe einen Sieg errungen, ebenso die Maurer in Manduria, 300 Stein Hauer in R o m. Die Aussperrung der 1500 Metallarveiter der Frrma Rotto in P r a ist aufgehoben worden. nachdem die Arbeiter sich bereit erklärt haben, vorläufig das ProdultionSminimum. das zur Grundlage des festen Tagclohnes dient, zu erhöhen. Die Firma hat aus'ihren Büchern bewiesen, daß sie von dieser Erhöhung nur absehen könnte, wenn sie sich an den von Odero und der Terni geführten Eisentrust anschlösse. An neuen Streiks sind zu erwähnen der der Seiden» Weberinnen in Grottamare, die die Herabsetzung des Ar« beitstages von 11 auf 10 Stunden und die Erhöhung des Lohnes von 0,76 auf- 1 Lire fordern; der Streik der Bäcker in F a e n z a fiir Abschaffung der Nachtarbeit und der der F l a s ch e n a r b e i t e r inLivorno. Ein Landarbeiter st rerk steht in der Provinz F o g g i a bevor. In C a st e l l i n a bei L i v o r n o haben die Unternehmer 260 Arbeiter eines Alabasterb.rucheS ausgesperrt. Der Streik der Textilarbeiter von Gent dauert bereits die neunte Woche und noch ist ein Ende nicht abzusehen. Die Unternehmer be- harren nach wie vor auf ihrem ablehnenden Standpunkte; sie wollen die geringe Forderung der Arbeiter, die bekanntlich in der Herab- setzung der Arbeitszeit um drei Stunden die Woche(eine halbe Stunde pro Tag) besteht, nicht bewilligen. Letzte]Vachrichten und Depefchen» Japanische Aufträge. Essen, 23. August.(B. H.) Dem hiesigen„Generalanzeiger'' zufolge erhielt die Firma Krupp gestern einen Auftrag von der japanischen Regierung auf schleunigste Lieferung von Panzerplatten und Geschützen für die japanische Flotte im Gesamtbetrage von 46 Millionen. In allen Betriebswerken wird Tag und Nacht ge» arbeitet._ Braunschweig, 23. August.(W. T. B.) Ein Berliner überfuhr heute nachmittag mit seinem Automobil einen Knaben. Dieser starb bald darauf infolge der erlittenen Verletzungen. Den Chauffeur soll keine Schuld treffen._ Folgen einer„schneidigen" Attacke! Darmstadt, 23. August.(B. H.) Nach hier eingelaufenen Mel« düngen hat gestern nachnnttag auf dem Truppenübungsplatz Senne bei Paderborn ein bayrisches Ulanenregiment das hessische Dragoner- regiment Nr. 23 in einer scharfen Attacke überritten, so daß eine große Anzahl Mannschaften und auch der Kommandeur des hessischen Regiments gestürzt und zum größeren Teil verletzt worden sind. Eine große Verwirrung wurde angerichtet. Einzelheiten fehlen noch._ Vom Katholikentag. Straßburg i. Elf., 23. August.(W. T. B.) Der heutigen dritten öffentlichen Versammlung des Katholikentages wohnten mißer den Bischöfen Fritzen, Benzler und Weihbischof Zorn von Bulach auch der päpstliche Nunttus in München, Monsignore Caputo und die Bischöfe von Speyer und Luxemburg bei. Sie wurden beim Er- scheinen stürmisch begrüßt. Der Nuntius richtete eine Ansprache an die Versammlung, iiii der er die Organisation und Tätigkeit der deutschen Katholiken als Vorbild für die Katholiken der gesamten Welt bezeichnete. Er erteilte zum Schlüsse den apostolischen Segen- In der Versammlung sprach unter anderen Rcichstagsabgeordneter Roercn über den Kmnpf gegen die Unsfttlichkeit, Die Friedensverhandlungen. Portsmouth(New Hampshire), 23. August.(W. T. B.) Die Friedenskonferenz tagte heute bis 12'/. Uhr mittags. Am Nachmittag wurden die Verhandlungen wieder aufqenommen. Portsmouth(New Hampshire). 23. August.(Meldung des Reuterschen Bureaus). Offiziell wird erklärt, in der heutigen Vor- mittagssitzung seien Meinungsverschiedenheiten bezüglich des Wort- lauts des Protokolls entstanden. Es wurde dann beschlossen, das Protokoll im Ganzen zu verlesen und über die strittigen Punkte in der Konferenz zu entscheiden. Diese Arbeit war noch nicht vollendet, als die Mittagspause eintrat. Die Nachmittagssitzung begann um 2V2 Uhr. Portsmouth(New Hampshire), 23. August.(W. T. B.) Die Nachmittagssitzung der Friedenskonferenz dauerte Stunden, Sodann wurden die Beratungen bis Sonnabend vertagt. Portsmouth. 23. August.(W. T. B.) Der offizielle Bericht über die heutige Beratung der Friedenskonferenz besagt, daß die Protokolle in gebührender Form unterzeichnet worden sind. Verantw. Vedakteuri Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verant)»..: Th. Glocke, Berlin. Aruck u.Verlag: Vorwärts Buchhr.u.Verlagsanjtalt Paul Singer L:Co.. Berlin 2W. Hierzu 3 Beilagen u. UnterhaltungSblatt Nr. 197. 22. 1. Wage des Lmiick" Kerlim WsdlM , 24. Die Parteiversammlttttgen, die am Dienstag stattfanden, erfreuten sich durchweg eines guten Besuches. Diese erfreuliche Tatsache beweist, welches Interesse die Parteigenossen Berlins den inneren Parteifragen zuwenden. Die Verhandlungen in den einzelnen Versammlungen drehten sich Haupt- sächlich um die Organisationsfrage. Die Vertretung auf dem Partei- tage müsse auf einer gerechteren Grundlage als bisher erfolgen. Anträge des I., Hl. und VI. Kreises verlangen eine Delegation der Fraktion auf dem Parteitage. Der zweite Kreis hingegen beantragt, daß die Abgeordneten nur beratende Stimme haben sollen. Mit Ausnahme des vierten Wahlkreises wurde von sämtlichen Kreisen beantragt, den„Vorwärts" als Lokalorgan der Berliner Partei- genossen zu verlangen. Allgemein wurde gewünscht, die Tages- ordnung des Parteitages so zeitig zu veröffentlichen, dast besondere hierauf bezügliche Wünsche einzelner Kreise noch Berücksichtigung finden können. Außer der Organisationsfrage waren es die Punkte Maifeier und politischer Massenstreik, die in einzelnen Versammlungen längere Erörterungen hervorriefen. Nachdem wir gestem bereits einen kurzen Vorbericht gegeben haben, lassen wir nunmehr die ausführlichen Berichte folgen: Im ersten Wahlkreis referierte Genosse O p p e l. Er beschränkte sich in der Hauptsache auf die Erläuterung des neuen Organisations- entwurfs und die Begründung der Anträge der Berliner Ver- trauensleute. Zunächst begründete er den Antrag, den Punkt„Die Wandlungen der Weltpolitik und die Stellung der Sozialdemokratie" auf die Tagesordnung des Parteitages zu setzen. Ferner empfahl er den A b sa tz 4 de s§ 3 zu streichen. Zu§ 7 soll eine Jnter- pretation gegeben werden, die dahin geht, daß Genossen eines dicht besetzten Kreises sich einem schwächeren anschließen dürfen. Weiter soll dem§ lS Absatz 1 hinzugefügt werden: Zur Teilnahme am Parteitag sind berechtigt: die Delegierten der Partei aus den ein- zelnen Reichstagswahlkreisen mit der Einschränkung,„daß auf bis IlllX) organisierte Mitglieder je zwei Delegierte und auf je weitere 3000 ein weiterer Delegierter zu entsenden sind." Der Absatz 2 soll vollständig gestrichen werden. Jedes Mitglied der Fraktion könne sich von seinem Wahlkreis delegieren lassen, aber ein Vorrecht dürfe ihm nicht verbleiben. Zu 8 lb soll einem Antrage noch hinzu- kommen:„Zirka acht Tage vor dem Stattfinden des Parteitags hat sich der Parteivorstand gemeinsam mit der Kontrollkommission ent- gültig über die Festsetzung der provisorischen Tagesordnung schlüssig zu werden." Damit soll erreicht werden, daß die Wünsche der Kreise in bezug auf die Tagesordnung des Parteitages noch berücksichtigt werden. Die 88 28 und 29, welche vom Zentralorgan der Partei handeln, sollen fortfallen und ersetzt werden durch Einfügung folgen- den Absatzes: Publikationen des Parteivorstandcs.„Die Bekannt- machungen des Parteivorstandes sind den offiziellen Parteiorganen zuzustellen, und sind diese verpflichtet, sie wortgetreu an hervor- ragender Stelle des redaktionellen Teils zu veröffentlichen." Weiter empfahl O p p e l der Versammlung, sich gleichfalls dahin zu ent- scheiden, daß die Paragraphen vom Schiedsgericht und Ausschluß an letzter Stelle des Statuts Aufnahme finden. Im weiteren Ver- lauf seines Referates beleuchtete der Redner die Wichtigkeit der einzelnen Tagesordnungspunkte. In der Diskussion begründete Dr. B r o h zunächst einen von ihm eingebrachten Antrag folgenden Wortlautes:„Der erste Wahlkreis wolle beim Parteitag beantragen, daß der Parteitag Abhülfe schafft gegen das Verhalten der„Leip- ziger Volkszeitung", durch das die Partei fortgesetzt geschädigt wird." B r o h führte aus, daß der Antrag besonders interessieren müsse, da der„Vorwärts" am meisten angegriffen sei. Jedes Wort, das der„Vorwärts" schreibe, gelte bei den Genossen als bare Münze, die „Leipziger Volkszeitung" greife ihn aber in der gehässigsten Weise an, wie es kaum die Gegner tun. In ausführlichen Erörterungen kam Broh auf die Kaiserinselaffäre, den Plötzenseeprozetz, die Südekum-Notiz und den Artikel der„Leipz. Volksztg.":.»Seht hier das Trauerspiel der kalten Bosheit" zu sprechen, daß ihn der Vor- sitzende zur Kürze mahnte. Es seien nur persönliche Angriffe von Mehring und Jaeckh, erklärte Broh, deshalb dürfe man diese Leute nicht in leitenden Stellungen lassen. Auch die Vergangenheit Mehrings und Jaeckhs zog Broh heran. Man könne ja Mehring eine Pension lassen, wie es eine republikanische Regierung mit einem abgesetzten General tue. Als Privatgenosse könne er schreiben was er wolle. Die Ausführungen Brohs fanden keine Zustimmung. D i e ß l e r fordert die Versammlung auf, den Antrag abzulehnen, da die Sache durch den Bericht des Parteivorstandes erledigt würde. B o h n sprach für die Anträge der Vertrauensleute und wandte sich dann gegen Broh. Man dürfe nicht soweit gehen, eine Zensur aus- üben zu wollen. Die Entgleisungen billige er auch nicht, aber sie würden durch solche Anträge nicht aus der Welt geschafft. Man müsse den Organen doch zugute rechnen, daß sie glauben, im Interesse der Partei zu handeln, wenn sie Kritik üben. Die Genossen würden sich das Recht der Kritik auch nicht nehmen lassen. Broh erwiderte, die„Leipz. Volksztg." untergrabe die Disziplin in der Partei. Wenn die Partei das Geld gebe, brauche sie solchen Leuten nicht die Macht- mittel zu lassen, sie zu schädigen. O p p e l wandte sich ebenfalls gegen Broh. Vom Parteivorstand seien Schritte eingeleitet worden, außerdem hätten die Parteiinstanzen kein Mittel als den Ausschluß. Die Leipziger besäßen doch das Recht, ihre Redakteure selbst zu wählen. Wenn Broh gegen Mehring vorgehen wollte, könnte er ja den Ausschlußantrag stellen. Der vorliegende Antrag sei nicht ge- eignet, der Partei irgendwie zu dienen. Wolderski meinte, man könne die Leipziger beneiden, daß sie sich einen solchen Ton leisten können, während man in Berlin alles mit geheimrätlichcr Methode behandle. Er beantragte Uebergang zur Tagesordnung. D i e ß l e r erklärte, man könne der„Leipz. Volksztg." nicht den Vorwurf der Unwahrheit machen, wie es Broh getan habe. Genosse Mehring sei der prinzipiellste Sozialdemokrat. Guttmann beantragte Schluß der Debatte über den Antrag und fand damit allgemeine Zu- stimmung. In der weiteren Diskussion polemisierte K a l i s k i gegen Wolderski. Der„Vorwärts" nehme durchaus keine„geheim- rätliche" Stellung ein, sondern habe in allen Fragen«inen fest um- rissenen Standpunkt gewahrt. Einzelnen Stänkern habe es gefallen, den„Vorwärts" bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten anzugreifen, darum habe er sich allerdings nicht gekümmert. Ver- leumdungen und Krakehlereien aus persönlichen Motiven habe der „Vorwärts" ignoriert. Wolderski fand die Erregung Kaliskis deplaziert. Der „Vorwärts" nehme vielfach erst Stellung, nachdem sich die übrigen Parteiblätter geäußert hätten. Auch die einheitliche Stellung lasse zu wünschen übrig, wie die Erklärung der drei Redakteure be- weise. Der Antrag der Vertrauensleute, welcher den„Vorwärts" zum Lokalblatt wünsche, sei deshalb sehr am Platze. Broh warf WolderSki„Mätzchen" vor, welchen Ausdruck der Borsitzende als gegen den„guten Ton" zurückwies. T ä t e r o w ist der Ansicht, daß man vielfach den Ton kritisiere und ihn selbst anschlage. Zur Stellung des„Vorwärts" bemerkte er, daß dieser manchmal nicht anders handeln könnte. Die darauffolgende Abstimmung über die einzelnen Anträge ergab die Annahme derselben gegen vereinzelte Stimmen. Der Antrag„Publikationen des Parteivorstandes" fand ein- stimmige Annahme, ebenso der Wunsch, die Paragraphen des Schiedsgerichtes an den Schluß des Statuts zu setzen. Letzteres fand dann als Ganzes einhellige Zustimmung. Ueber den Antrag Broh wurde gegen eine Stimme zur Tagesordnung übergegangen. Die Versammlung entschloß sich hierauf, nur zwei Delegierte zu entsenden. Von den vorgeschlagenen Genossen nahmen W o l- d e r s k i und Bolzmann an und wurden nebst E g e als Ersatz- mann gewählt. In der gut besuchten Generalversammlung des Wahlvereins ßt de» zweiten Kreis hielt Richard Fischer das einleitende Referat. Eine Aenderung der Tagesordnung erübrige sich seiner Ansicht nach, weil die Parteitage in erster Linie zur Kontrolle der Partei und zur Prüfung resp. Festlegung der Taktik da seien. Alles dieses werde aber in der diesjährigen Tagesordnung genau so wie in den früheren zur Genüge berücksichtigt. Es sei nun ja be- antragt— gewissermaßen um die Tagesordnung nach außen hin agitatorisch anziehender zu machen—, das Thema„Weltpolitik" auf dem Parteitag zu behandeln. Doch halte er das für überflüssig, weil zur Erörterung der veränderten weltpolitischen Lage bei der Debatte über den Massenstreik Spielraum genug gegeben sei. Bei dieser Gelegenheit könne auch gleichzeitig eine eingehende Kritik an Haupt und Gliedern der Partei vorgenommen werden. Die Frage des politischen Massenstreiks wie auch der Maifeier werden auch zu behandeln sein unter den Gesichtspunkten einer Prüfung unserer Waffen, ob sie noch brauchbar oder zu schärfen seien, und ferner des Verhältnisses zwischen Partei- und Gewerkschafts- bewegung. Auch ihm scheine die Pflege des sozialistischen Gedankens in den Gewerkschaften, die Durchdringung der gewerkschaftlichen Agitation mit dem sozialistischen Geiste etwas vernachlässigt. Es sei nicht möglich, daß die Gewerkschaften getrennt oder gar im Gegensatz zur Partei marschieren. In Deutschland sei eine starke Gewerkschaftsbewegung ohne die Partei eben nicht denkbar. Auch die Gewerkschaften hätten notwendigerweise das Ziel: Zerbrechung des Systems der kapitalistischen Lohnarbeit! Sollte dieses Ziel zur- zeit auch etwas in den Hintergrund gerückt sein, so müsse doch auch geprüft werden, ob nicht und inwieweit die Partei selbst hierbei eine Schuld treffe, ob nicht beide Teile bei der ständigen Kleinarbeit die so notwendige Fühlung miteinander bis zum gewissen Grade verloren hätten, und daher die jetzige Spannung komme. Diese Fühlung müsse beiderseits wieder hergestellt werden, dann ver- schwinde alles Gerede von Gegensätzen zwischen Partei und Ge- werkschaften ganz von selbst. Vor allen Dingen sei es erforderlich, auf dem Parteitage die strittigen Fragen nicht unter dem Gesichts- Punkt des Angriffes auf die Anklagen gegen die Gewerkschaften oder einzelne Führer zu behandeln. Leider müsse man jetzt wieder die Erfahrung machen, daß von einzelnen Genossen z. B. die Frage des Massenstreiks' wieder zu einem direkten Glaubens- bekenntnis gestempelt werde, obwohl die Frage noch in keiner Hinsicht geklärt sei. Schon die bisherige Massenstreiksdebatte in der Presse habe bereits zum Ueberdruß gezeigt, wie eifrig ver- schieden« Leute an der Arbeit seien, bei dieser Angelegenheit wieder einmal die Partei„vor der Versumpfung zu retten", und sich be mühen, daß Für und Wider dieser Frage mit der Frage der G e � sinnungstüchti gleit in Verbindung zu bringen. Ebenso wie es eine Torheit wäre, sich gegen die Diskussion der Massenstreiks- idee zu wenden, ebenso kurzsichtig sei es, jeden Nichtbefürwortcr der Propaganda dieser Idee von vornherein als einen minder tüchtigen Genossen zu schelten. Gerade nach dem Studium der zweifellos sehr lesenswerten Roland-Holstschen Broschüre könne man über die Anwendbarkeit deS Massenstreiks als politisches Demonstrations- mittel überhaupt noch stärkere Bedenken hegen wie vorher.(Redner belegt dies durch verschiedene Zitate aus der Broschüre.) Man müsse damit rechnen, daß, wenn wir den Gegnern zu einer wirk- lichen Gefahr werden, diese auch rücksichtslos alle ihr zu Gebote stehenden Machtmittel gegen die Arbeiterklasse anwenden werden. Aber gerade deswegen sei eine erneute Prüfung unserer Waffen notwendig, sollen wir anders die historischen Aufgaben der Partei erfüllen. Redner besprach dann kurz den Organisationsentwurf und die dazu vorliegenden Anträge. Er hielt es für eine Kon- sequenz der neuen Organisationsgrundlagen, daß die Wahlkreise entsprechend ihrer inneren Stärke auf den Parteitagen vertreten seien; für die Entsendung einer Delegation der Reichstagsfraktion jedoch könne er sich nicht erwärmen. Da sei es schon logisch richtiger, der Fraktion überhaupt das historische, aus der Sozicckistengesetzzeit herrührende Recht der Teilnahme an den Parteitagen zu nehmen, als nach dem Muster des bekannten humanen Mannes zu verfahren, der seinem Hunde den Schwanz stückweise abhackte, damit es ihm auf einmal nicht zu wehe tun sollte. Redner, der als Referent der Vorbesprechung der Bezirksführer-Versammlung auch den Antrag der Berliner Vertrauensleute zu vertreten hatte, den„Vorwärts" zum ausschließlichen Berliner Lokalorgan zu machen, wandte sich nach Darlegung der hierfür maßgebenden Gründe der Berliner Vertrauensleute gegen diesen Antrag, vor allem auch gegen die Art, einen solchen Antrag ohne Mitwirkung und Beratung des Partei- Vorstandes einzubringen; wenn er auch die Motive der Vertrauens- leute, einen selbständigen Einfluß der Berliner Genossen auf ihr Parteiblatt auszuüben, wie das in allen anderen Orten üblich, wohl verstehe und zu würdigen wisse, so frage sich doch: Welchen Nachteil habe das bisherige Verhältnis denn schon für tüe Berliner Genossen gehabt? Durch Einrichtung der Preßkommission sei den Berlinern doch ihr Einfluß auf die Haltung des„Vorwärts" völlig gesichert und es liege nur an dieser, ihren Einfluß geltend zu machen. Eine Handhabe, der Redaktion künftig eine bestimmte Meinung vorzuschreiben, hätten die Berliner Genossen auch nicht, wenn der„Vorwärts" seines Charatters als Zcntralorgan entkleidet und gleich allen übrigen Blättern Lokalorgan würde. Alle Artikel eines Blattes, ganz gleichgültig, welches Partei-Organ man nehmen wolle, gäben mehr oder weniger die subjektive Meinung des betreffenden Redakteurs wieder; und das sei auch ganz natürlich, denn ein Redakteur könne sich die, bielleicht binnen kurzem wechselnde Meinung der Genossen eines Ortes nicht einfach nach Belieben auf- kommandieren lassen. Es müßten schlechte Redakteure sein, die sich vor Abfassung eines Artikels erst immer nach der Meinung der Ge- nassen erkundigten� und er könne nur wünschen, daß die Berliner zu solchen unwürdigen Bedingungen überhaupt keine Redakteure be- kämen. Was aber die finanzielle Seite der Umwandlung des „Vorwärts" in ein Lokalblatt anbelange, so glaube er sicher, daß, wenn die Berliner Genossen das ausschließliche Verfügungsrecht über die durch das Geschäft erzielten Ueberschüsse hätten, sie wo- möglich bestrebt seien, noch mehr Gelder an die Parteikassc ab- zuführen, als wie das jetzt unter der Regie der Gesamtpartei ge- schehe. Wenn auch den Berliner Genossen die Verwaltung und Kontrolle des lediglich von ihnen so stabil fundierten„Vorwärts" durch die Gesamtpartei als lästig und gewissermaßen rechtswidrig empfunden werde, so sei doch ein Zentralorgan für die Partei not- wendig, und das könne nach Lage der Sache eben nur der„Vor- wärts" sein. Immerhin sei cS ja möglich, daß durch den Antrag der Vertrauensleute auf dem Parteitage eine den Berliner Wünschen mehr Rechnung tragende Regelung der Angelegenheit herbeigeführt werde. Von einer Diskussion über den Vortrag Fischers wurde ab- gesehen. Es gelangten hierauf die vorliegenden Anträge zur Besprechung und Abstimmung. Der Antrag der Vertrauensleute aufStreich- ung der 88 28 und 2 9 des Parteistatuts(betreffend den„Vorwärts" als Zentralorgan) wurde sodann ohne Debatte fast einstimmig angenommen. An deren Stelle wird folgender Passus gewünscht: Publikation des Parteivorstandes.„Die Be- kanntmachungen des Parteivorstandes sind den offiziellen Partei- organen zuzustellen, und sind diese verpflichtet, sie wortgetreu an hervorragender Stelle des redaktionellen Teiles zu veröffentlichen." Zu einer längeren Debatte kam es nur bei den Anträgen, die auf eine teilweise Vertretung der Fraktion auf den Parteitagen abzielten. An der Aussprache darüber beteiligten sich die Genossen Ried- linger, Stadthagen, Gromann, Dosmar, Hensel, F ä h n d r i ch und Wurm. Für Hensel war der Kostenpunkt matzgebend, gegen die Anwesenheit der ganzen Fraktion auf dem Parteitage zu votieren. Dosmar wandte sich gegen die Ansicht Fischers von der Ausschaltung der ganzen Fraktion durch den Hin- weis darauf, daß doch auf jedem Parteitag Bericht über die parla- mentarische Tätigkeit erstattet werden müsse, den naturgemäß kein anderer gehen stmne, Äs ein Mitglied der Fraktion. Trotzdem halte auch er die Anwesenheit einer Delegation der Reichstagsabgeordnete» für durchaus genügend. Ihm widerspricht Stadt ha gen, der gleichzeitig den Antrag stellte, daß Abgeordnete, soweit sie nicht Delegierte seien, auf den Parteitagen nur beratende Stimme haben dürften. Dieser An- trag wurde schließlich angenommen, die anderen Anträge da- gegen abgelehnt. Zur Annahme gelangte noch der Antrag zu Z b: Die Wiederaufnahme eines aus der Partei Ausgeschlossenen kann nur durch den Partei- vorstand erfolgen. Berufung an den Parteitag ist zulässig. Ebenfalls angenommen wurde ein Antrag, dem 8 18 folgenden Passus einzufügen:„Mindestens vierzehn Tage vor dem Stattfinden des Parteitages hat sich der Parteivorstand ge- meinsam mit der Kontrollkommission endgültig über die Festsetzung der provisorischen Tagesordnung schlüssig zu werden." Ein von der Bezirksführer-Konferenz zur Annahme empfohlener Antrag, aus die Tagesordnung des Parteitages„Die Wandlungen der Welt- Politik und die Stellung der Sozialdemokratie" zu setzen, wurde da- gegen abgelehnt. Nach der sodann vorgenommenen Delegiertenwahl erfolgte gegen 11 Uhr Schluß der Versammlung. Die Parteiversammlung des dritten Kreises in den Armin- hallen erfreute sich eines sehr guten Besuches. Genosse Hoch ging in seinen einleitenden Ausführungen des näheren auf die Tagesordnung des kommenden Parteitages ein. Das schon seit Jahren vorhandene Bestreben nach einer festeren Organisation der Partei habe zu dem vorliegenden Entwurf des Organisationsstatuts geführt. Bereits der Parteitag in Mainz habe einen diesbezüglichen Beschluß gefaßt. Eine Verständigung über die Organisationsfrage sei jedoch auch auf dem Bremer Parteitag nicht erzielt und die ganze Materie einer Kommission überwiesen worden, deren Entwurf nun den Parteigenossen vorliege. Dieser bilde wohl den Hauptgegenstand der Tagesordnung des Parteitages. Was die Maifeier anlange, so könne diesmal doch die Angelegenheit nicht mit einer Resolution erledigt werden, umsoweniger, als der Gewerkschaftskongreß keine Lösung dieser Frage brachte und der Parteitag nicht mit Stillschweigen über die auf jenem Kongreß zu- tage getretenen Anschauungen hinweggehen könne. Die Frage des politischen Massenstreiks bewege schon seit Jahren die Gemüter und werde auf dem Parteitage sicher eine glückliche Lösung finden. Zur Tagesordnung des Parteitages lagen zwei Anträge der Berliner Vertrauensleute vor, dahingehend, dieselbe durch folgende Punkte zu erweitern: Wandlungen der Weltpolitik und die Stellung der Sozialdemokratie; Arbeiterversicherung. Nach kurzer Begründung durch Genossen Hoch erfolgte die An- nähme dieser Anträge. Ein weiterer Antrag:„Die Alkoholfrage auf die Tagesordnung des Parteitages für 1908 zu setzen", wurde begründet vom Genossen Müller. Wohl habe der Parteitag in Bremen einhellig der Partei- presse nahegelegt, sich mehr mit der Alkoholftage zu beschäftigen. Leider sei dieselbe in ihrer großen Mehrzahl diesem Wunsche nicht nachgekommen. Es sei naiv, wenn Stadthagen auf der Nieder- barnimer Kreiskonferenz diese Sache mit dem Achtuhr- Ladenschluß auf eine Stufe stelle. Die gesetzliche Regelung des Laden- schlusses hänge eben nicht von uns allein ab.(Sehr richtig!) Es fei bedauerlich, daß in Elsaß eine parteigenössische G. m. b. H. den Genossen empfiehlt, Karl Marx- Wein zu trinken I Karl Marx als Etikett auf Weinflaschen— das sei unerhört. Er empfehle An- nähme des Antrages. Kahlen stimmt dem Vorredner zu. Zweifellos spiele der Alkohol eine kolossale Rolle. Seiner Ueberzeugung nach seien Arbeiter, die dem Alkoholismus verfallen, für die Partei verloren. Diese brauche Mitglieder, die jederzeit geistig rege und schlagfertig seien. Bei Alkoholikem würden diese Eigenschaften nicht zu finden sein. Der Antrag wird angenommen. Zum 8 2 stellt Genosse Jonas den Antrag: Der Parteitag möge den Begriff ehrlos im Statut näher definieren. Begründend führte der Antragsteller aus, daß eine Dekla- ration des Begriffes ehrlos, unter dem man alles Mögliche subsimmieren könne, notwendig sei. Fröhlich ersucht um Ablehnung des Antrages. Jede Ver- sammlung werde in vorkommenden Fällen entscheiden können, ob eine Handlung ehrlos sei oder nicht. B ü ch l e bedauert den Antrag, der den Parteitag provoziere. Jeder anständige Mensch wisse waS ehrlos sei. Der Parteitag sei zu solchen Erläuterungen nicht da. G e h r m a n n stimint Jonas zu. Vielfach �würden von der Staatsgewalt Handlungen für ehrlos erklärt, die von uns gegenteilig bewertet würden und umgekehrt. Er erinnere nur an den Streik- und Boykottbruch. Der Antrag sei berechtigt. Hoch schließt sich den letzteren Ausführungen an. Es sei nicht so einfach, das Schicksal eines Parteigenossen einer Volksversammlung anzuvertrauen. Zur Erhöhung> der Rechtsgarantten sei die Er- läuterung dieses Kautschukparagraphen erforderlich. Die Genossen Rüdiger und S t e i n i ck e wenden sich eben- falls lebhaft gegen den Antrag. Jonas betont, daß der Begriff ehrlos wohl definiert werden könne und müsse. Unsere Weltanschauung sei eben eine andere als die der bürgerlichen Gesellschaft. Es müsse klar und deutlich gesagt werden, was wir wollen. Der Antrag wird abgelehnt. Zu 8 3 des OrganisationsentwurfeS liegen folgende Anträge vor: Anträge Jonas: Die Ausschlußbestimmungen am Ende deS Statuts zu bringen. Der Berufung des Schiedsgericfits erst ein Vorverfahren vorangehen zu lassen; serner: der Vertrauensleute: Den Absatz 4 gänzlich zu streichen. An der lebhaften Debatte beteiligten sich die Genossen JonaS, Müller, Kräcker, Wuschik und Backhäuser. Die Anträge JonaS und der Antrag der Vertrauensleute wurden angenommen. Zum 8 5 stellt Genosse Wuschick den Antrag: Die Wieder- aufnähme eines aus der Partei Ausgeschlossenen kann nur durch den Parteitag auf Antrag einer Organisation erfolgen. Jedoch mutz die Organisation, auf deren Antrag er ausgeschlossen ist, vorher gehört werden. Begründend führte der Antragsteller aus, daß dies Verlangen einfach selbstverständlich sei. Dem Parteitag sei doch eine ein- flehende Prüfung all jener Verhältnisse, die den Ausschluß herbei- ührtcn, nicht wohl möglich. Anders sei die Sache, wenn ihm ge- sichtetcs Material seitens der ausschließenden Organisation, die geHort werden müsse, vorgelegt werde. Man bedenke nur den Fall, daß ein Spitzel, der in Berlin ausgeschlossen worden sei, nach Süd- deutschland gehe, dort einer Organisation beitreten wolle, um sein altes unsauberes Handwerk wieder aufzunehmen. Dem müsse vor- gebeugt werden. Backhäuser wünscht Ablehnung des Antrages, und an Stelle des Parteitages den Parteivorstand zu setzen. Der Antrag Wuschick wurde angenommen. Ein Antrag der Vertrauensleute zum 8 7 verlangt vom Partei« tag eine Definition des Wortes„zwingende" Gründe. Nach einer kurzen Begründung durch Hoch erfolgt die Annahme dieses Antrages. Müller beantragt: Die Vorstandsmitglieder als Vertrauens- leute zu wählen. Hoch wendet sich gegen diesen Antrag, der nicht hierher gehöre. M ü l l e r antwortet, daß er diesen Antrag nur aus O p p o- s i t i o n gestellt, weil den Genossen keine Gelegenheit gegeben worden sei, sich über die Berliner Reorganisation auszusprechen. Der Antrag wird zurückgezogen. kritz beantragt den ß S zu streichen, da die Genossen in Preußen sich voraussichtlich zu einer Landesorganisation nicht zu- sammensckließeii werden. Backhäuser spricht gegen den Antrag, der abgelehnt wird. Zur Annahme gelangt ein Antrag der Vertrauens- leute: daß Delegierte der Partei aus den einzelnen Wahlkreisen mit der Einschränkung zu entsenden sind, daß auf 1000 organisierte Mitglieder zwei Delegierte, und auf je weitere 3000 ein weiterer Delegierter kommt. Bezüglich der Fraktion beantragen die Vertrauensleute, 2S Proz. derselben als Vertretung auf dem Parteitag zuzulassen. Nach längerem Für und Wider fand der Antrag der Vertrauens� leute Annahme. Ein weiterer Antrag der Vertrauensleute zum§ 18 Absatz 2: »Zirka 8 Tage vor Stattfinden des Parteitages hat der Partei vorstand gemeinsam mit der Kontrollkommission endgültig über die Festsetzung der provisorischen Tagesordnung schlüssig zu werden", wird nach kurzer Debatte angenommen. Zu lebhafter Diskussion gab ein Antrag der Vertrauensleute be züglich des„Vorwärts" als Zentralorgan Anlaß. Als erster Redner gegen diesen Antrag sprach Genosse Büttner. Er könne nicht einsehen, warum hier eine Aenderung eintreten solle. Was sei vorgefallen, um einen solchen Antrag zu rechtfertigen? Die Berliner haben de» Einfluß auf den„Vorwärts in weitgehendem Maße �Widerspruch). Sie brauchten nur die ge eigneten Leute in die zuständige Kommission zu wählen. Nun werde behauptet, daß die Haltung des„Vorwärts" sich mit der Meinung der Berliner Genossen nicht decke und diese im„Vorwärts" nicht zum Ausdruck konnne. Was sei aber nun die Meinung der Partei- genossen? Und sei sie etwas Feststehendes? Es erscheine doch fraglich, ob die Meinung der Vertrauensleute wirklich auch die Meinung der Genossen sei. Das alles seien keine Gründe zu einer solch' einschneidenden Aenderung. Würde dem„Vorwärts" der Charakter als Zentralorgan genommen, so bedeutete dies keine Besserung, wohl aber würde eine Schädigung des Blattes die Folge sein. Er bitte um Ablehnung des Antrages. K r ä ck e r findet denselben als durchaus begründet. Die Berliner wollen ihr eigenes Blatt gleich den Genossen in der Provinz. (Lebhafte Zustimmung.) Parteivorstand und Konttollkommission hätten stets die Mazorität gegenüber der Preßkommission. Das Blatt verliere nichts, wenn es den Titel„Zentralorgan" nicht mehr führe. Müller hält die Sache für zu wenig geflärt. Ein Schlußantrag wird abgelehnt. M a a ß: Genosse Büttner habe den Anschein zu erwecken versucht, als wenn das Ansehen des„Vorwärts" sinken könnte, wenn er nicht mehr Zentralorgan, sondern Blatt der Berliner Genossen würde. Wenn er meine, daß deshalb der„Vorwärts" von den Gegnern beachtet werde, weil er Zentralorgan sei, so ver- wechsle er Ursache und Wirkung. In Berlin sei' der Pulsschlag der Arbeiterklasse und aus diesem Grunde müßten die Gegner eben auf das Berliner Parteiblatt Bezug nehmen. Er sehe daher keinen Grund dem Anttag die Zustimmung zu versagen. Dieser Schritt sei ganz gut und geeignet, künftigen und teueren Experimenten die Spitze abzubrechen. Erstünde neben dem Zentralorgan ein Lokalblatt, so entständen doppelte Kosten. Der bisherige Zustand sei eine Zurücksetzung der Berliner gegen die Provinz. Die Meinungs- Verschiedenheiten in der Redaktion hätten keine Bedeutung. Das seien eben geistige Kämpfe, die ausgefochren werden müßten. Nattirlich nicht in der Weise, daß man einen Teil der Redakteure herauswerfe. DaS meine er nicht. Die prinzipiell Festen werden eben siegen. Die Geschäfte könnten nicht so geführt werden, daß die Redakteure ständig wechseln. Innerhalb der Redaktion würden sich schließlich die Meinungen wandeln, klären und die Masse günstig beeinflussen. (Beifall.) Der Antrag wurde mit großer Majorität an- genommen. Zum Punkt Maifeier beantragt Kräcker gebundenes Mandat der Delegierten für absolute Arbeitsruhe. Es wird demgemäß beschlossen. Ein Antrag der Genossen M a s ch k e und Müller: Der diesjährige Parteitag wolle beschließen, auf die Tagesordnung des nächstjährigen Parteitages zu setzen:„Erziehung der Jugend" erhielt nach eingehender sachlicher Begründung durch Maschke die Zustimmung der Versammlung. Damit waren die Anträge zum Parteitag erschöpft. Die Wahl der Delegierten zum Parteitag fiel, wie bereits ge- meldet, auf die Genossen Wuschick, Fiegner und Büttner. Die Genossen des vierten Berliner Wahlkreises, etwa 1000 an der Zahl, hatten sich im großen Saal von Keller, Koppenftratze, versammelt. Genosse B a s n e r hielt das einleitende Referat. Er betonte die hohe Bedeutung des bevorstehenden Parteitags im Hin- blick auf die Frage der Organisation, die namentlich von den ständig im Kleinkampf stehenden Genossen besonders empfunden werde. Wenn zur Tagesordnung beantragt sei, die Weltpolitik als besonderen Punkt zu behandeln, so meine er, daß der Parteitag nicht dazu da sei, Paradepferde zu reiten, sondern dazu, die inneren Organisationsverhältnisse zu festtgen und Mittel und Wege zu suchen, die ermöglichen, überall der heuttgen Gesellschaft kampfbereit entgegentreten zu können. Gewiß mögen die Verhältnisse in Rußland, in Norwegen zc. Anlaß zu Erörterungen bieten; soweit ein Bedürfnis dazu vorliege, könnte das aber unter anderen Punkten, so zum Beispiel beim parlamentarischen Bericht, initgemacht werden. Zum Parteivorstandsbericht, der noch nicht vor- liege, lasse sich ja nichts sagen, indessen meine er, daß der Partei- vorstand ein bißchen aktionsfähiger nach außen sein sollte. Die vor- handenen Arbeitskräfte würden ja wohl voll in Anspruch genommen; nun, dann verstärke man eben den Vorstand, wenn die Kräfte nicht ausreichten. Der Vorstand hätte die Initiative ergreifen können inbezug auf einen durchgreifenden Arbeiterschutz, wenn er sich auch darauf berufen könnte, daß die von der Partei früher aufgestellten Forderungen immer noch nicht erfüllt seien und heute noch be- ständen. Die Erörterung der Frage der Maifeier habe jetzt schon gezeigt, daß mancher Gewerkschaftsführer(z. B, v. Elm) stutzig werde über den Weg, den eine Anzahl Gewerkschaften einzuschlagen drohten, Andererseits seien aber auch die Mitglieder der Gewerkschaften, wie verschiedentlich hervorttete, durchaus nicht einverstanden mit den Ausführungen der Gewerkschaftsführer, die die Maifeier zu einem Rechenexempel machen wollten. Tatsächlich habe die Feier durch Arbeitsrnhe an Stärke zugenommen und sie werde sich noch mehr einleben. Klipp und klar müsse der Parteitag erklären, daß die Maifeier durch Arbeitsruhe beizu- behalten sei. Ueber den politischen Massen st reik, über den man schon Vorträge, für und gegen, gehört habe, brauche er sich nicht weiter verbreiten. Nur meine er, und eine große Anzahl Genossen meint es mit ihm, daß ein Massenstreik nur möglich sei, wenn eine tatkräftige und vollkommene Organisation vorhanden wäre und die Mitglieder der Organisation voll und ganz wüßten, was sie zu tun hätten sowie daß ein Massenstreik nicht bei jeder xbeliehigen Gelegenheit in Anregung gebracht werden dürfte. Uebrigens sei eS wohl ein gut Teil Wortklauberei, wenn man jetzt den Unterschied zwischen einem Generalstreik und einem politischen Massenstreik mache. Zu dem Punkte:„Neuorganisation der Partei", erörterte Redner die schon bekannt gewordenen und bereits rm Wahlverein IV (Südost) diskutierten Anregungen zur Abänderung des Statut- entwurfs der Vorberatungskommission. Es wurde dann zunächst in eine allgemeinere Diskussion ein- getreten, nachdem die Anträge zum Parteitag verlesen worden waren. Genosse Jensch befürwortet unter Hinweis auf den Fall Fendrich vom letzten Parteitag den Antrag vom Südosten, wonach die Kosten der Delegationen von den Genossen des Kreises zu tragen wären und alle Mandate ungültig seien, deren Kosten aus den persönlichen Mittel» des Delegierten bestritten werden.' 1 Genosse U n g er ist nicht für eine Vergrößerung des Partei- Vorstandes. Dagegen wären in den einzelnen Bezirken tüchttge Agitatoren und Organisatoren hinzustellen, denen die Mittel zum Leben zu geben seien. Eine endgültige abschließende Regelung der Frage der Maifeier erscheint dem Redner recht schwierig. Wenn man beschließen würde, unter allen Umständen sei der 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern, dann würde es dahin kommen, daß immer die Organisierten aufs Pflaster geworfen würden und schließlich keine Opfer mehr bringen könnten. Nun bestehe ja der Beschlutz, daß die Arbeitsruhe da einzutreten habe, wo es möglich wäre. Das sei dann so ausgelegt worden, daß das einzelne Individuum, das da glaubte, es>ei nicht möglich, es für sich auch nicht nötig hielt, zu feiern. Ebenso ging es mit den einzelnen Werkstätten. So dürfe es aber nicht sein. Auf dem Gewerkschaftskongreß hätte man ein gewisses Taktgefühl haben und den Parteibeschlüssen Rechnung tragen müssen.— Er sei Gegner des Generalstreiks und auch Gegner der P r o p a g i e r ü n g des Massenstreiks, was übrigens dasselbe sei. Man werde diesen nicht aufhalten können, wenn die Situation explosiv dazu führe; ihn aber vorzubereiten, sei ein Nonsens,— Für die Aufhebung des Vorrechts der Fraktion zur Teilnahme an den Parteitagen sei er durchaus. Der Partcivorstand sei groß genug und habe stets Füblung mit der Fraktion. Er könne die Wünsche der Abgeordneten auf den Parteitagen mit vertreten. Genosse H, P o e tz s ch findet es bezeichnend für unsere Partei- Verhältnisse, daß die Anregung, die„Weltpolitik" als selbständigen Punkt auf die Tagesordnung des Parteitages zu setzen, zu einer größeren Diskussion Anlaß gegebe» habe, wo auf der einen Seite die sogenannten Revolutionäre, auf der anderen die sogenannten Revisionisten ständen. Er sei weder das eine noch das andere, sondern lediglich Sozialdemokrat und meine, daß nian allerdings über diese Frage der Eriveiterung der Tagesordnung verschiedener Meinung sein könne, DieAngelegenheit hätte sehr wohl, wenn man die weltpolitische Situation in allen ihren Beziehungen und Aeußerungen in Betracht ziehe, eine selbständige Behandlung auf dem Parteitage verdient, Immerhin möge man sie auch unter einem anderen Punkte mit verhandeln.— Eine Vergrößerung des Parteivorstandes verlange Basiter mit Recht. Was habe denn die Gewerkschaften groß ge- macht? Man habe, stets folgend den drängenden Anfordertingen, Beamte angestellt in Hülle und Fülle, Denselben Weg müsse die Partei betreten. Der Apparat der aiigestellten Pnrteibcaniten müsse vergrößert werden. Einen Schritt dazu habe übrigens schon der vorige Parteitag gemacht, indem er die Anstellinig von Parteisekretären zuließ,— Bei der Frage der Maifeier iväre es angebracht, den Gewerkschaftsbeaniten, die nun einmal die Verantwortung trügen, mindestens zuzubilligen, daß die von ihnen vorgebrachten Gründe gegen die Maifeier ehrlicher Natur seien. Und man möge nicht immer von Bureaukratie reden und davon, daß die Leute nur auf dem Geldbeutel säßen zc. Anerkannt werden müßte, daß bei der Maifeier die Gewerkschaftsführer doch die ungleich größere Verantwortung hätten. Einzelne Lokalverioaltungen seien durch Aus- sperrungeti nach einer Maifeier tatsächlich so geschwächt gewesen, daß sie längere Zeit daran zu laborieren hatten. Die Gewerkschaftsführer hätten wohl ein Recht, zu fragen, ob es der Mühe wert sei, die Kassen so zu entblößen. Man könne gegenteiliger Meinung sein und brauche doch nicht anderen unehr- liche Motive unterzuschieben,— Die Frage des Massenstreiks sei noch nicht genügend geklärt. Sie müsse deshalb diskutiert werden.— Die Teilnahnie der Fraktion am Parteitag, ivie sie I 15 des Organi- 'ationsentwurss wieder vorsehe, sei nicht zu beanstanden, Zu dem Antrag, die 88 28 und 29 des Entwurfs zu streichen, wodurch dem„Vorwärts" der Charakter des Zcntralorgans ge- nommen I»erden soll, bemerkte Redner, daß durch eine solche Ilm» Wandlung in ein Lokalblatt im großen und ganzen nichts geändert würde. Sache der Berliner Parteigenossen wäre es, sich genügenden Eifluß zu verschaffen. Genosse Hackelbusch begründete darauf in eingehender Weise die Anträge, die von den Vertrauensleuten ausgehen. Was 'peziell die Anträge auf Streichung der 8§ 28 und 29 angehe, so ei es der Wunsch der Berliner, den„Vorwärts" als Lokalorgan zu haben. Heute, wo er Zentralorgan sei, wäre es ausgeschlossen, !>aß den Wünschen der Berliner Rechnung getragen werde. In der Provinz könnten die Genossen über ihr Blatt verfügen, in dem großen Berlin mit der großen Zahl Sozialdemokraten sei man außer. stände, einen größeren Einfluß auszuüben. Das müßte anders werden. Wenn die Preßkommission Einfluß hätte, dürfte es nicht vorkommen, daß vier Redakteure einen Artikel aufnehmen und sich dann drei dagegen erklärten. In dem Berliner Blatte müßte ge- 'chriebeu werden, wie es den Berlinern passi Es trat nun bei schon erheblich vorgerückter Zeit Schluß der allgemeinen Diskussion ein und es wurden die einzelnen Anträgt noch einmal speziell durchgegangen und darüber abgestimmt. Abgelehnt wurde der Antrag, den Absatz 4 des 8 3 des Entwurfes zum Organisationsstatut zu streichen. Angenommen wurde, daß als Absatz 3 dem 8 � hinzuzufügen sei:„Wer wissent- lich falsche Beschuldigungen gegen die Parteigenossen erhebt und sich dem Schiedsgericht nicht stellt, gilt als aus der Partei aus- geschlossen." Zu§ 7 soll den Delegierten mit auf den Weg ge- geben werden, daß die Definition der„zwingenden Gründe" gemäß 8 7 dahin zu gehen habe, daß sich ein Genosse aus einem stärkeren Wahlkreis in dem benachbarten schwächeren KreiS organisieren könne. Ein weiterer angenommener Antrag geht dahin, im 8 15 satz 2 Nummer 1 zu bestimmen, daß der Wahlkreis bei 1000 Organisierten 2 Delegierte und für jede weitere 3000 Organisierte einen Delegierten mehr zum Parteitag entsenden könne. Wo eine Organisation nicht möglich ist, sollen als Maßstab 15 Proz. der abgegebenen Stimmen dienen. Zu§ 15 N u m m e r 2(Teilnahme der Reichstagsfraktion) beantragt die Versammlung durch ihren Beschluß die Streichung dieser Stelle und daß nur Delegierte mit mit Mandaten zugelassen seien.(Ausgenommen natürlich Partei- vorstand und Kontrollkommission.) Angenommen wurde auch der Antrag, in den 8 d8 aufzunehmen, daß acht Tage bor dem Statt- finden des Parteitages der Porteivorstand gemeinsam mit der Kontrollkommission sich endgültig über die Festsetzung der provisori- schen Tagesordnung schlüssig zu werden hat. Im 8 20 sollen die Worte:„auf Antrag der Rcichstags-Fraktion" gestrichen werden, Der Antrag, welcher die Umwandlung des„Vorwärts" in ein Lokalblatt bezweckt, wurde von den Genossen P, H o f m a n n, Ulm, S t u m p e, Büchner bekämst, H o f m a n n führte u. a. aus, daß der Einfluß der Genossen durch ihre Prcßkommission nicht so gering sei, S t u m p e bemerkte, daß andere Leute in die Preßkommission hineinmühten, wenn die jetzigen Mitglieder nicht verständen, Einfluß zu gewinnen. Darauf wurde der Antrag (Streichung der 88 28 und 29) von der schon etwas gelichteten Ver- sammlung fast einstimmig abgelehnt,— Ein anderer Anttag bezweckt, daß die Bekanntmachungen des Parteivorstandes in allen offiziellen Parteiorganen alsbald an hervorragender Stelle gebracht werden. Angenommen wurde schließlich noch der Antrag, die Welt- Politik als besonderen Punkt der Tagesordnung des Parteitages ein- zuvcrleibcn, und der oben schon erwähnte Antrag Jensch bezw, Berlin IV Südost, die Kosten und Gültigkeit von Mandaten für die Parteitage betreffend, sowie folgende Resolution: „Durch die sich immer mehr und mehr verschärfenden Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit— insbesondere durch die brutale Wahl- entrechtuntz auf die arbeitende Klaffe in den einzelnen Bundes- staaten, wird das Proletariat seines Einfluffcs in den maßgebenden Körperschaften enthoben und durch die verkehrte Reichspolitik der Regierung und der herrschenden Klaffen in eine bittere Notlage ge- drängt. Diese Pressionen müssen auf die Dauer zu einer unaus- bleiblichen Katastrophe führen. Deshalb ist es doppelt notwendig, daß sich das Proletariat über die Form und Waffe des politischen Massenstreiks klar wird. Daher empfiehlt der vierte Berliner Reichs- tagswahlkreis, der Parteitag in Jena möge beschließen: den politi- schen Massenstreik in allen Wahlvereins- und Parteiversammlungen zu diskutieren— um ihn im gegebenen Falle als Abwehr- oder Angriffswaffe desto erfolgreicher in Anwendung bringen zu können," Als Delegierte gewählt wurden die Genossen B a r e n t h i n und Kupfer für den Osten und Genosse Jensch für den Südosten. Die Generalversammlung für den fünften Wahlkreis tagte in den „Mustkersälen". Nachdem die Versammlung die Anmeldungen von 66 neuen Mitgliedern zur Kenntnis genommen und das Andenken des so jäh verstorbenen Genossen Johann Pfarr in der üblichen Weise geehrt hatte, nahm zum 1. Punkt der Tagesordnung Genosse D a v i d s o h n das Wort. Zunächst wandte sich der Referent der Organisattonsftage zu und begründete in eingehenden Darlegungen die von den Vertrauens» leuten und dem erweiterten Wahlvereinsvorstand gestellten Ab- änderungsanträge, die sich auf die Zugehörigkeit zur Partei, den Ausschluß, die Beitragsleistung, Vertretung der Fraktion und Wahl- kreise auf dein Parteilage und die Umwandlung des Zenttalorgans in das Lokalblatt der Berliner Genossen beziehen. Die Maifeier bettessend rekapitulierte der Referent die Ge- schichte der diesbezüglichen Amsterdamer Resolution und betonte, daß man in keiner Weise dulden könne, daß der Charakter der Demon- stration am 1. Mai abgeschwächt werde. Der Referent kam auch auf einen Antrag der Genossen von Bochum zu sprechen, wonach die Parteiangestellten auf denjenigen Teil ihres Gehalts Verzicht leisten sollen, der auf den 1. Mai entfällt. Ziehe man in Betracht, wie die nicht in Parteibetrieben beschäftigten Genossen wegen der Maifeier zum Teil ausgesperrt würden, auf alle Falle aber mindestens ihres Tagesverdienstes verlustig gingen, so fei es durchaus nicht angebracht, über diesen Antrag mit einem Lächeln der Geringschätzung hinwegzusehen. An die Verlesung der Amsterdamer Resolution über den Massenstreik(für die in der Kommission 27 gegen 4 Stimmen votterten) knüpft Redner die Bemerkung: Also vom Generalstreik gleich Generalunsinn ist hier nicht mehr die Rede. Man sieht die ziemlich rapiden Fortschritte der den Massenstreik propagierenden Genossen, denen es in Verhältnis- mätzig kurzer Zeit gelungen ist. jetzt diese Frage auf die TageS- oednung des Parteitages gesetzt zu sehen. Könne man wohl mit Sicherheit darauf rechnen. daß bei dieser Frage die Meinungen am schärssten auseinander gehen werden. so stehe doch schon soviel fest, daß man sagen könne, diejenigen haben eine Schlappe erlitten, die da sagten: eine Diskussion über den Generalstreik ist nicht nur nicht Vonnöten, sondern den Arbeiter- interesien direkt schädlich,— Nachdem Referent noch befürwortet hat, auf die Tagesordnung des Parteitages für 1906 die Alkoholftage und auf diejenige des diesjährigen das von der Redaktion deS „Vorwärts" und den Berliner Vertrauensmännern vorgeschlagene Thema:„Wandlungen in der Weltpolitik und die Stellung der Sozialdemokratie dazu" zu setzen, geißelt er in scharfen Worten das Verfahren der„Leipziger Volkszeitung", die eS(wie hier anläßlich des vom„Vorwärts" gemachten, rein objektiven Vorschlags) ferttg bekommen, einen Streitfall geradezu an den Haaren herbei» zuzerren. Dagegen müsse sich der Parteitag in möglichst scharfer Rüge wenden, Mit dem Wunsche, daß auch dieser Parteitag, der im Schiller- Jahre in der Schiller-Stadt Jena tagt. Ersprießliches für die Partei leisten und daß seine Arbeiten zum Wohle der Arbeiterschaft aus- fallen mögen, schloß der Redner unter dem lebhasten Beifall der Versammelten, Nach Eröffnung der Diskussion gab der Vorsitzende Genosse Zucht von dem Eingang folgender Resolution und folgender An- träge Kenntnis: Resolution Mohrmann und Genossen: „Die heutige Generalversammlung des sozialdemokrattschen Wahlvereins für den fünften Berliner Wahlkreis erwartet vom Parteitag, daß er aufs energischste dagegen einschreitet, daß Dis- kussionen innerhalb unserer Reihen in der Art und Weise, wie sie die„Leipziger Volkszeitung" seit einigen Jahren in beschimpfender und entstellender Manier gegen den„Vorwärts" und eine Reihe von Parteigenossen beliebt, geführt werden. Der Parteitag möge einen Riegel vorschieben, daß derarttge, die Partei schädigende Treibereien fortab unterbleiben und der Kampf gegen den gemein- samen Feind das Ziel eines jeden Parteigenossen sein soll." Genosse Dr. S t u l z beantragt: „Der Parteitag ersucht den Parteivorstand, Schritte zu ttm zur Gründung eines„Zeutralorgans der internattonalen Sozial- demokratie". Dasselbe soll zunächst in englischer, französischer und deutscher Sprache abgefaßt sein und mindestens einmal im Monat erscheinen." Ein Antrag von einer größeren Anzahl von Genossen besagt: „Die Delegierten des fünften Kreises sind verpflichtet, für eine wirksame Durchführung der Maifeier durch Arbeitsruhe und für die Anwendung des polittschen GeneralstteikS als eines neuen Kanipfesmittels deS Proletariats einzutreten bezw. zu stimmen." Außerdem beantragt die 7. Gruppe imter Zustimmung des Vor- standes: „Auf die Tagesorduung deS nächsten Parteitages daS Thema: „Die Alkoholfrage" zu setzen. M o h r m a n n begründet seine Resolution ausführlich und wendet sich scharf gegen die„L. V.", in der das tteibende Element der Mann fei, der in Dresden so schlecht abgeschnitten habe. Die„L. V." habe sich erlaubt, die Fraktion als Vertreter der formlosen Masse hinzustellen. Er halte daS für eine Beleidigung der Wähler, und eS fei die höchste Zeit, daß mit dem Schmutz gründlich ausgeräumt Iverde. Man habe geiuig mit der Abwehr der Gegner zu tun. Auf Vorschlag Liepmanns wird hierauf zunächst über die Organisationsfrage und dann gesondert über die Maifeier und den Massenstreik debattiert. Für Ritter hat speziell der Passus über die Verttettmg der Fraktion auf den Parteitagen Interesse. Er ist der Meinung, daß 25 Proz. der Fraktionsmitglieder vollauf genügen. Wenn auch bis heute nur etwa 40—50 Proz. der Abgeordneten auf den Parteitagen vertreten gewesen sein, so habe man doch keine Gewähr dagegen, daß künftig einmal die ganze Fraktton dort erscheine. Sei die An- Wesenheit eines Abgeordneten auf dem Parteitage erforderlich, so habe'er die Zuversicht, daß die Fraktion dann auch den betreffenden Genossen delegieren werde. L i e p ni a n n will nur einzelnes rekapitulieren. Ueber die Be- schränkung der Vertretung der Fraktion kann er sich beute nicht näher auslassen, da ja die Vertrauensleute ihren Antrag aufrechterhalten und er aus demokratischem Prinzip nicht dagegen sprechen könne. Daß die Unorganisierten in Verlvalrungöfragen nicht mitzureden haben,.halte er für selbstverständlich; ferner ist er der Meinung, daß dort, wo eine Parteiorganisation besteht, der Parteivorstand in erster Linie nur mit dieser zu verhandeln habe, und nur da, wo landesgesetzliche Bestimmungen entgegenstehen, könnten die Vertrauensmänner in Betracht kommen. Der Kontakt mit der Masse müsse unbedingt bei- behalten werden. Die Umwandlung des„Vorwärts" in ein Lokal« blatt sei ja eine alte Forderung und sein Standpunkt sei: der „Vorwärts", unser Organ— den Berlinern I— umsomehr, als von den 93 000 Abonnenten des„Vorwärts" 90 000 auf Berlin entfallen. Auch er wendet sich gegen die„L. V.'stund erflärt sich mit der gestellten Resolution einverstanden. Ehrlich findet den Ton der„L. V." durchaus nicht so ver- werflich, wie man eS hier schildere. Er möchte daran erinnern, daß der„Vorwärts" seinerzeit einen Artikel von Bebel abgelehnt habe. (Zuruf: Olle Kamellen I) und neuerdings erst habe er KautSly gegenüber in gleicher Weise verfahren. Der Ton der„L. V." hindere nicht, daß das Blatt wegen seines wissenschaftlichen Wertes in wissenschaftlichen Kreisen und auch sonst sehr geschätzt werde. Was habe Eisuer nicht alles geschrieben! In seinen beiden Arttkeln im „Vorwärts" sei zwar kein Schimpfwort enthalten, aber waS an indirekten Beleidigungen gesagt werde, könne kaum übertroffen werden. Die übrigen Ausführungen des Redners gehen infolge der ent- stehenden Unruhe größtenteils verloren. Der folgende Redner, Umrath. bedauert, daß eS sein Vorredner verstanden hat, die Unruhe der Versammlung zu erregen, jedoch entsteht bei seinen Ausführungen, die gleichfalls in einer Ab- schwächung des Unmuts über die„L, V." und in einer abfälligen Kritik der prinzipiellen Haltung des„Vorwärts" gipfeln, noch eine größere Unruhe, die von wiederholten Schlußrufen durchfetzt ist. Ein heiterer Augenblick ist eS, als nach Beschränkung der Rede- zeit auf fünf Minuten als erster Redner der Vertreter deS Kreises. Scholz tritt dafür ein, daß die Fraktion sich nur durch ihren Vorstand vertreten läßt. Nachdem Dr. Stulz seinen Antrag furz begründet hat, tritt Wels für die Berechtigung zur vollständigen Bertretung der Fraktion auf den Parteitagen ein. Bezüglich des Massenstreits zitiert Redner eine Aeußerung Liebknechts, die sich in treffenden Worten gegen den Generalstreit richtet. Nach einer kurzen persönlichen Bemerkung Mohrmanns wird sodann ein Antrag auf Schluß der Diskussion angenommen und zur Abstimmung geschritten. Die Resolution wie sämtliche aus der Versammlung gestellten Anträge werden angenommen. Ueber den Antrag betreffend Maibetreffs der Maifeier wird angenommen, der Passus über den politischen Generalstreik aber abgelehnt. Ebenso gelangen sämtliche Vorschläge der Vertrauensleute und des erweiterten Vorstandes zum Organisationsstatut mit Ausnahme des§ 15 Absatz II( 25 Proz.) zur Annahme. Lezztgenannter Absatz wird nach dem Antrage des Vorstandes abgelehnt. In erregter Stimmung über das Hineinziehen einzelner Momente mehr persönlicher Natur schreitet die schon start gelichtete Versammlung sodann zur Wahl der Delegierten, wobei David sohn mit 192, Wels mit 100 Stimmen gewählt werden. Auf Philipp Bernstein entfielen 84, auf Wilhelm Thiele und Weise je 4 Stimmen. Der Kläger verwies noch auf die im Levinschen Betriebe üblichen Strafen. So werde über den Zuschneider schon eine Strafe von 50 Pf. verhängt, wenn nur ein fleiner Fehler im Aufzeichnen usw. vorkomme, auch dann, wenn fast gar kein Schaden daraus erivachse. Und da wird sicher nicht mit dem Abzug der Strafe bis Weihnachten gewartet," bemerkte hierzu spöttisch ein Mitglied des Gerichtshofes, das nicht zu den Arbeitervertretern gehörte. Robert Schmidt, das Wort ergreift, der in Kürze die Behaup| den Ausschluß aus der Gesamtpartei bedinge. Es kommen Fälle von| Scharfsinn darauf zu richten, mehr aus dem Stoff herauszubringen, tungen Umraths zurückweist und dann erklärt, er habe den Eindruck, Disziplinbruch z. B. bei Lokalsperren vor, die wohl die Wahlvereine als nach den Messungen des vom Geschäft damit betrauten Anals wollten die Genossen in Deutschland die Einwände der Ge- zwingen, die Sünder eine Zeit aus der Organisation auszuschließen, gestellten festgestellt worden ist. werkschaftsführer hinsichtlich der Maifeier nicht verstehen und für aber nicht den Ausschluß aus der Partei rechtfertigen, da ein solcher Der Kläger hatte nun bis zu der vor einiger Zeit erfolgten durchschlagend erachten. Bei diesem Widerspruch läßt sich eine laut Organisationsstatut nur bei groben Berstößen gegen das Partei Lösung seines Arbeitsverhältnisses auf diese Weise 56 Meter Stoff Menderung in der Maifeier nicht durchsetzen. Redner werde auf dem programm oder wegen Verübung einer ehrlosen Handlung erfolgen gespart", was eine Prämie von 11,20 M. ausmacht. Die Summe Parteitage dafür eintreten, daß die Arbeitsruhe am 1. Mai nicht kann. Gegen diesen Antrag wenden sich die Genossen Meyer, wird auch gar nicht bestritten. Der Vertreter der Firma Louis nur gewünscht, sondern nunmehr zur Pflicht für die Parteigenoffen Berg und Gerth, die die Befürchtung haben, es fönne dadurch Levin wandte einzig und allein ein, daß nach dem erwähnten Erlaß gemacht wird. Dann muß aber auch die Partei für die entstehenden die Möglichkeit geschaffen werden, daß Ausgeschlossene sich in einem des Herrn Adolf Levin dem Zuschneider H. sein Verdienst um die Kosten zur Hälfte herangezogen werden nach dem Grundsatz: Mit- Nachbarkreise als Mitglied aufnehmen lassen und dadurch den Aus- Stoffersparnis nicht in Form der Prämie zugute komme, weil er raten, aber auch mittaten!( Bustimmung.) schluß illusorisch machen. Der gestellte Antrag wird gegen eine nicht bis Weihnachten im Geschäft bleibt. Die Prämie habe auch große Minderheit abgelehnt. Philipsohn beantragt, Philipsohn beantragt, im den Zweck, den Wechsel der Zuschneider zu verhindern. Man sage § 7, der von der Verpflichtung der Angehörigkeit zur Wahlvereins- sich, daß der Zuschneider, der eine Prämie zu erwarten habe, bis organisation spricht, den Passus sofern ihn nicht zwingende Gründe Weihnachten dableibe, wenn sie ihm nur unter der Voraussetzung daran hindern," zu streichen. Antragsteller ist der Meinung, daß ausgezahlt werde. durch diesen Absaß die Untätigkeit der Genossen gefördert wird, Dieses Sparprämiensystem machte einen großen, wenn auch keinen denn er kenne eine Anzahl Fälle, wo Genossen aus dem bisherigen guten Eindruck auf sämtliche Mitglieder des Gerichtshofes; Wahlkreise verzogen sind, Mitglied in dem Wahlverein des alten das bewiesen die sich häufenden Aeußerungen des Erstaunens und Wohnortes bleiben und nun nichts für die Partei leisten, da sie zu der Mißbilligung, die anfänglich um so schärfer ausfielen, als man Parteiarbeiten nicht herangezogen werden können. Frenthaler selbst nach einer Erklärung des Vertreters der Firma annehmen und Dannenberger wenden sich in furzen Ausführungen gegen mußte, daß die Prämien der vor Weihnachten entlassenen oder selbst den Antrag, der denn auch abgelehnt wird. gegangenen Zuschneider der Firma selber verblieben. Der in dem Bum§ 15, Abfaz 1 empfiehlt die Bezirksführerfonferenz eine großen Betriebe etwa 200 Beschäftigte sonst einflußreiche Firma wußte noch noffen zwei Delegierte zu wählen find, auf je weitere 3000 Mit- am Schluffe der Verhandlung durch eine Zeugin konstatierten Tatglieder ein Delegierter mehr. Dieser Antrag ivird ohne Diskussion sache, daß die Prämie einer aus dem Geschäft ausgetretenen Dame gegen eine Stimme angenommen. Zu dem Absatz 2 desselben den hinterbliebenen" Zuschneidekräften zu Weihnachten zufließen Paragraphen liegen mehrere Anträge vor. Seitens der Bezirks- solle. Es wurden durch den Vorsitzenden le viseur wie durch führer wird vorgeschlagen, eine Vertretung Vertretung der Reichstags- bie Beisitzer Vergleichsversuche gemacht, mit der Motivierung, daß fraktion von 25 Broz. zuzulassen, ein anderer Antrag wünscht eine das ganze System zum mindesten nicht schön sei. Der Vertreter Vertretung von 20 Proz., die Bezirke 545 und 710 stellen den An- der Beklagten bestand aber auf seinen Schein. trag, daß die auf dem Parteitage stimmberechtigten Genossen von organisierten Genossen gewählt und delegiert sein müssen. Ausgenommen davon sollen sein der Parteivorstand, die Kontrollfommission und das Zentralorgan. Meyer wendet sich gegen die vorliegenden Anträge. Wenn wir als höchstes Ehrenamt die Verleihung eines Reichstagsmandats betrachten, müssen wir auch diesen Die Genossen des sechsten Kreises berieten die Parteifragen in Genossen das Recht auf Siz und Stimme auf dem Parteitage geben. Mit einer start besuchten Generalversammlung des Wahlvereins. Vor einer Beschränkung der Vertretung werden natürlich die Abgeordneten Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende Freyvon ihren Kreisen delegiert und dadurch die sonstige Vertretung Es wurde weiter noch die Frage aufgeworfen, ob nicht gerade thaler dem am Sonntag zu Grabe getragenen Genoffen Johann zurückgedrängt. Schula tritt für eine Vertretung von 25 Prozent solch Sparsystem dazu verleite, beim Zuschneiden außerordentlich Pfarr einen herzlichen Nachruf, worauf die Versammelten das An- ein und ist der Ansicht, daß nicht immer die Inhaber von Reichstags- zu fnapsen, wenngleich nach Auflageschnitten gearbeitet werde. denten des Verstorbenen durch Erheben von den Sigen ehrte. Gen. mandaten sich nur von sachlichen Momenten leiten ließen, wie uns Der Kläger bestätigte diese Vermutung. Eine solche Knapserei Ledebour ging in seinem Vortrage über die Tagesordnung des Dresden gezeigt hat. Werden die Abgeordneten von ihren Wahlkreisen und somit jedes System, das sie fördert, fand der Gerichts= diesjährigen Parteitages zunächst auf das dort zur Beratung belegiert, müssen sie denselben mehr wie bisher über ihre ab hof sehr gefährlich, da in vielen Prozessen aus der Konfektion der stehende Organisationsstatut ein. Die Regelung der Beitrags- stimmungen usw. auf dem Parteitage Rede und Antwort stehen. Gutt- fnappe Zuschnitt eine hervorragende Rolle spiele. Leistung an die Bentraltasse fei zu einer atvingenden mann ist der Auffassung, daß wir die Pflicht haben, allen Das Gericht unter dem Vorsitz des Gewerberichters Ie Viseur Notwendigkeit geworden, denn bisher habe man von Anträgen, die eine Beschränkung der Rechte der Fraktion gegenüber sprach am 21. August dem Kläger gemäß einem Zugeständnis, nur einer finanziellen Leistung an die Parteikaffe in einer den Mitgliedern darstellen, zuzustimmen. Käming wendet sich den rückständigen Lohn bon 2,24 M. zu und wies den großen Anzahl Wahlkreise wenig oder gar nichts gespürt. Mit gegen die ausgefprochene Auffassung, daß die Fraktion den Parteitag Brämienanspruch ab. Zur Begründung wurde ausgeführt: der erhöhten Tätigkeit des Parteivorstandes durch die Zentralisation majorisieren tonne. Es drehe sich doch darum, daß unser innerstes Allerdings sei das Verfahren der Firma den Zuschneidern gegen und durch die so notwendige vermehrte Agitationsarbeit wird sich Parteileben sich auf den Parteitagen abspiele. Wir haben die über nicht sehr schön, und es gebe andererseits zu schweren wohl eine Verstärkung des Vorstandes über die vorgesehene Zahl Pflicht, den Abgeordneten die Möglichkeit zu geben, die Wünsche der Bedenken Anlaß, indem mindestens objektiv der Verkehr zwischen hinaus als notwendig erweisen. Eine seit Jahren verlangte Regelung Genossen zu hören. Hoffmann tritt für den vom 545. Bezirk ge- großen Firmen und ihren Arbeitern durch ein derartiges Sparder Vertretung auf dem Parteitage läßt der Entwurf des Organisations stellten Antrag ein. Nach einem angenommenen Schlußantrage system erschwert werde, was die Sizung für Sibung vorkommenden statuts unberücksichtigt. Auch nach dem neuen Entwurfe wird der Antrag auf Vertretung von 25 Proz. mit 443 gegen Prozesse bewiesen, wo dem knappen Zuschnitt die Schuld gegeben habe jeder Kreis das Recht, drei Delegierte zum Parteitage zu ent 288 Stimmen angenommen. wird. Diese Wirkung sei nun einmal damit verbunden, wenn man senden. Wenn es schon eine ungeheuerliche ungerechtigkeit sei, daß Ein Antrag, die vom Parteivorstande vorgeschlagene Tages- auch Herrn Levin natürlich nicht vorwerfen wolle, sie zu bebeispielsweise der sechste Kreis bei einer über siebenmal so starten ordnung den Genossen zeitiger als bisher bekannt zu geben, damit absichtigen. Was nun die rechtliche Seite angehe, so habe man es Einwohnerzahl, wie die Wahlkreise nach dem Wahlgesetz haben sollten, eine Möglichkeit geschaffen wird, etwaige Wünsche der Organisationen hier mit einer Art Auslobung, einer Art Schenkung für den Fall nur einen Vertreter in den Reichstag entsenden kann, so dürften wir berücksichtigen zu fönnen und die vorläufige Tagesordnung dann in zu tun, daß der Zuschneider fich ganz besondere Mühe gebe, Stoff als Partei doch wenigstens diese Ungleichheit der Vertretung der gemeinsamer Beratung des Vorstandes mit der Kontrollkommiffion zu ersparen usw. Gine weitere moralische Wirkung könne unterWahlkreise der Regierung nicht nachmachen. 14 000 organisierte festzuseßen, wird angenommen. Für den§ 25 verlangt bleiben, denn jedenfalls verstoße eine solche Auslobung nicht Genossen eines Kreises müssen daher mehr Delegierte ent- ein Antrag, an Stelle des Wortes Reichstagstandidaturen" gegen die guten Sitten im Rechtsfinne", wenn gesenden können, als vielleicht 200 bis 300 in einem anderen öffentliche Parteiämter" zu setzen. Dieser Antrag erhielt gleichfalls fagt werde, wer bis Weihnachten weggehe oder entlassen werde, Streife. Weiter ist seit Jahren seitens der Berliner Genoffen der die Zustimmung der Versammlung. Der von den Bezirksführern habe kein Anrecht darauf, und wenn die in folchen Fällen ge Wunsch geäußert, den Vorwärts" als Berliner Organ zu erklären empfohlene Antrag, die§§ 28 und 29, die vom Zentralorgan der sparten Prämien nicht der Firma verblieben, sondern den und wird der Parteitag wohl dazu Stellung nehmen müssen. Es Partei sprechen, zu streichen und dafür zu setzen: Bublikationen des Weihnachten vorhandenen Zuschneidern zufielen. Letzteres sei das liegt in den Händen der Redaktion, auch wenn der Vorwärts" Parteivorstandes: Die Bekanntmachungen des Vorstandes sind einzig Gute an der Sache. Somit könne Kläger seine Prämie Berliner Organ ist, dem Blatte die führende Rolle, in der Partei den offiziellen Partei- Organen zuzustellen und find diese nicht fordern, zu geben. Ueber die Bertretung der Vertretung der Fraktion auf dem verpflichtet, fie wortgetreu an hervorragender Stelle Stelle des Parteitage will Redner sich eines persönlichen Urteils ent- redaktionellen Teiles zu veröffentlichen", wird " " halten, da feine Tätigkeit als Abgeordneter ihn ale thaler begründet und gegen fünf Stimmen angenommen. Bei 7505 Versammlungen. Soziales. Bartei erscheinen lasse. Ledebour führt jedoch die Gründe der Wahl der Delegierten werden von der Kreiskonferenz die Ge- Die Straßenreiniger( Sektion des Verbandes der Gemeindean, die Befürworter wie Gegner dieses Antrages leiten. Die noffen Ernst, Freythaler und Kröhn vorgeschlagen. Die Arbeiter) waren am Donnerstag in den„ Arminhallen" bersammelt, Stellung der Gewerkschaften zur Partei wird, wenn auch nicht direkt, Generalversammlung stimmt diesem Vorschlage zu. Damit hatte die um den Bericht des Arbeiterausschusses entgegenzunehmen Die Verso doch bei den Tagesordnungspunkten Maifeier und politischer Versammlung ihr Ende erreicht. waltung hat die recht sonderbare Bestimmung getroffen, daß die Massenstreit einer eingehenden Erörterung unterzogen werden. Es dienstfreien Arbeiterausschußmitglieder nicht in Zivil erscheinen ist eine Pflicht beider Glieder der Arbeiterbewegung, in den bürfen, ſondern stets in Uniform zu erscheinen haben. Als hiernächsten Jahren dafür zu sorgen, daß eine dauernde engere gegen von den Arbeitern eingewendet worden sei, daß der Direttion Fühlung zwischen Partei und Gewerkschaften erreicht werde. boch kein Recht zustehen könne, über die dienstfreie Beit der Arbeiter Beschlüsse, die in das Wesen der gesamten Arbeiterbewegung Das prämiierte Sparsystem der Firma Louis Levin. zu bestimmen, sei entgegnet worden: Sie stehen doch( auch jetzt) im eingreifen, tönnen nur bei gemeinsamer Berständigung gefaßt werden.( 3 war nicht sehr schön, aber noch kein Verstoß Dienste der Straßenreinigung." Wer die Anordnungen der Direktion Sollten wir uns einmal entschließen, den politischen Wassenstreit als wider die guten Sitten im Rechtssinne. nicht befolgt, hat Lohnabzug von mindestens 25 Pfennigen für vierKampfmittel zu gebrauchen, kann es nur in vollem Einverständnis Der Zuschneider H. flagte beim Gewerbegericht gegen die Firma zehn Tage lang. Entschädigung für Arbeiterausschußfizungen gibt mit den Gewerkschaften geschehen. Darum ist es notwendig, alles Louis Levin, Knaben- und Herrenkonfektion, indem er außer es nicht. Trennende zu beseitigen. Wir müssen in vollem Maße auch in den 2,24 M. rückständigen Lohn eine Prämie von 11,20 m. beanspruchte. Anträge betreffs Bohnregelung werden der Deputation übermittelt. Gewerkschaften unsere Schuldigkeit tun, diefelben mit sozialistischem Nach der Verhandlung und Beweisaufnahme vor der Kammer I Danach wird gefordert 4 M. Anfangslohn bei 6 Arbeitstagen, Denten und Fühlen erfüllen. Zum Schluß seiner mit lebhaftem hat es mit den Prämien der Zuschneider von Louts Levin folgende 25 Proz. Buschlag auf Ueberstunden und Sonntagsarbeit, Gewährung Beifall aufgenommenen Ausführungen gibt Ledebour der Bewandtnis: Im Oktober vorigen Jahres verkündete der Firmen- von 86stündigen Ruhepausen. Für 7 Tage Arbeit erhält der StraßenHoffnung Ausdruck, daß dieser Parteitag sowohl den neugewonnenen inhaber Adolf Levin dem versammelten Zuschneidervolt, daß für Genossen wie den noch Fernstehenden zeige, daß nur innerhalb der jeden Meter Stoff, den fünftig der Zuschneider beim Zuschneiden Sozialdemokratie ihre politischen Intereffen vertreten werden. erspare, ihm eine Prämie von 20 Bf. gut gerechnet werde. Diese Die beim Vorstande eingegangenen Anträge beziehen sich aus Brämie werde aber immer nur Weihnachten ausgezahlt und nur schließlich auf den Organisationsentwurf. Von Freythaler wird der bekomme sie, der Weihnachten noch im Geschäft sei. Wer im zunächst der von der Kreiskonferenz gestellte Antrag, die Wand- Laufe des Jahres freiwillig austrete oder entlassen werde, habe lungen der Weltpolitik und die Stellung der Sozialdemokratie" auf in feinem Falle Anspruch auf die ihm bis dahin gutdie Tagesordnung des Parteitages zu setzen, begründet. Dieser geschriebene Sparprämie. Später, aus Anlaß des Ausscheidens Nach eingehender Diskussion gelangte eine Resolution zur einAntrag wird debattelos gegen einzelne Stimmen angenommen. Der einer Zuschneiderin, hat Herr Levin dann bestimmt, daß deren stimmigen Annahme, nach welcher sich die Versammelten mit dem von der Bezirksführerkonferenz gestellte Antrag, den Absaz 4 des Prämienguthaben zu Weihnachten an die dann vorhandenen Zu- Verhalten des Ausschusses einverstanden erklären. Dieselben erwarten. § 8 im neuen Organisationsstatut zu streichen, ruft eine lebhafte schneider beziehungsweise Zuschneiderinnen verteilt werden solle. von der Deputation Anerkennung ihrer Wünsche. Eine erfolgreic Debatte hervor. Freythaler begründet den Antrag damit, daß Die Firma stellt fest, wieviel der Stoff ergibt, und durch die Prämie Tätigkeit des Arbeiterausschusses tann nur bann eintreten, wenn nicht in allen Fällen der Ausschluß aus der Wahlvereinsorganisation werden die Zuschneider angereizt, alle Geschicklichkeit und allen Versammelten für die Stärkung der Organisation eintreten. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, 24. August. Anfang 7 Uhr: Opernhaus. Lohengrin. Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. Im stillen Gäßchen. Neues fönigl. Operntheater. Die " Am Apollo. Ein Abend in einem amerikanischen Tingel- Tangel. Hochzeitsabend. Spezialitäten. Trianon. Die Notbrüde. Herrnfeld. Die Meyerhains. Urania Tauben. 8 Uhr: str. 48/49 Neues kgl. Opern- Theater. Wintergarten. Loïe Fuller. Spe- Tierleben in der Wildnis. zialitäten. Berliner Prater Theater. Zwischen Himmel und Erde. Passage. Madame du Dion. Fernande Robertine. 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Die beiden Ausschußmitglieder des Ortsvereins glaubten die beantragte Lohnerhöhung nicht unterschreiben zu dürfen.. Apollo- Theater. Ganz Berlin spricht von: 10 Uhr Ein Abend in einem amerikan. Tingel Tangel. Hochzeitsabend bon P. Lincke und das gr. Auguft- Spezialitäten. Programm. Trianon- Theater. Heute und folgende Tage: Die Notbrücke. Anfang 8 Uhr. Gebrüder HerrnfeldTheater. Zum 123. Male: Passage- Theater. Die Meyerhains. Anfang der nachm. Sonnt. 3, Wochent. 5 Uhr. Madame du Dion! Fernande Robertine Komödie in 3 Atten mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11-2 Uhr. Vor der Vorstellung und während der Pausen: in dem Mimo„ Die Hand". Promenaden- Konzert im Garten. drama 14 sensationelle Nummern. Neu eingeführt: Numerierte Plätze. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Donnerstag und Freitag: Geschlossen. Sonnabend, abends 8 Uhr: Eröffnung der Schauspiel Saison. 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Heft 1 unserer Monatsschrift erscheint am 1. September und ist in allen Zahlstellen erhältlich. Alle neuen Mitgliedskarten müssen aus den Zahlstellen abgeholt werden und müssen 2 Marken a 80 Pf. enthalten. Neue Meldungen können nur berücksichtigt werden, soweit etwa Karten freigeblieben sind. Der Vorstand. Die Geschäftsstelle und Kassenverwaltung: G. Winkler. 229/12 Max Kliems Sommer- Theater Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Spezialitäten- Vorstellung. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Fernsprecher IV. 8891. Max Kliem. Diez' Spezialitäten- Theater Db Landsberger Allee 76/79, direkt an der Ringbahnstation. Ob schön! Täglich Ob Regen! Vom 16.- 31. August: Neue Welt. Hasenheide Arnold Scholz. 108-114. Donnerstag, 24. August 1905: Großes bayrisches Sanssouci W. Noacks Theater. Rottbuserstr. 4a. Stat. der Hochbahn. Direkt.: Wilhelm Reimer. Jed. 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Hiermit die traurige Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Pfeifenbruder Ernst Wodke bom Rauchflub„ Gemütlich feit I" nach kurzem, schweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 25. d. M., nachmittags Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, Bruders, Onkels und Schwiegervaters, des Schankwirts Johann Pfarr, fagen wir allen Verwandten, Freunben und Bekannten, insbesondere dem Genossen Wa Ided- Manasse für seine innigen Worte und dem Gesang erein, Bereinte Sangesbrüber Moa3 Minut. v. Stadtbahn Jannowihbrüde bits" und dem der Puzer unseren Havelocks Loden, einreihige Form, Aermel, mit voller, vorn abgefütterter Pelerine, marengo, grau, bräunlich oder grünlich meliert 8.50, 12, 15, 18, 20, 22.50, 25, 30 und 35 Mark. 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PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für 21/10 Haut- und Harnleiden. 10-2,5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Dr. Lell wohnt jetzt: Rosenthaler. strasse 26 II. Homöopath und Spezial- Arzt für, Haut-, Harn- und Geschl.- Leiden. 11-2 u. 5-8. Sonnt. 11-3. Nach beendeter Saison Ausnahmepreis! Reichgestickte abgepaßte Portieren Die komplette Dekoration ( best. aus 2 Flügeln u.1 Querb.) in Viktoriatuch. 525( Wert in 8,50) 10,50) schwer. Wollserge 585( Wert in Plüsch... 1050( Wert 16,00) Eine Partie Wollportieren mit allerliebster Blumenkante per Schal 2 Mark. Teppich- Spezialhaus Emil Lefèvre Berlin Oranienstr. 158. S. Nach auswärts per Nachnahme. ca. 600 Pracht- Katalog Abbild. gratis u. franko. Extra billig! div. Teppiche mit kleinen 3814L* Webefehlern! Beranto. Nebatteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Bezug: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Nr. 197. 22. Jahrgang. 2. Beilage des ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Aus der Frauenbewegung. Briefkaften der Redaktion. Tagdieb. Carpe diem: muße den Tag!- H. M. Diese Kontore straße 36. macht fich mündlich besser. Donnerstag, 24. August 1905. Witterungsübersicht vom 23. Auguft 1905, morgens 8 Uhr. Wien Better Stationen 4 heiter 4Regen 2molten! Better Temp. n.. Bot 113 17 Haparanda 769 NO 16 Petersburg 761 DSD 4 bedeckt 4wollig 10 13 18 Scilly 760 N 4 mollig 20 Aberdeen 756 NW 763 S 4 wolfig 2 heiter 14 9 2 heiter 18 Eine öffentliche Frauenkonferenz für den 6. Schleswig- Hol- haben keinen guten Ruf. Viel Schund flüchtet nach Holland wegen der dem steinischen Reichstagswahlkreis fand am Sonntag in Glückstadt den Umständen einsenden wollen, müssen wir Ihrer Entscheidung überlassen. Schwindel günstigen gefeßlichen Bestimmungen. Ob Sie das Geld unter Stationen tatt. Genossin Frau Wartenberg führte aus, daß sie früher das Schneider. Stellen Sie das selbst jest durch ein Kursbuch, das Ihnen Gefühl gehabt hätte, als wenn man die Frauenbewegung in den auf dem nächsten besten Bostamt zur Verfügung steht. Preise, Bahn- und Kreisen er Genossen nicht gern sehe. Dieses sei seit dem Bremer Dampferlinien, alles ist darin genau verzeichnet. E. F. Der Vorfigende Swinemde. 760 SD Parteitag ja anders geworden. Mit Lust und Liebe würde jezt der Arbeiter- Bildungsschule, Herr H. Lammé, gibt Auskunft. Streuzberg- Hamburg 756 SD A. S. Für den Briefkasten nicht geeignet. So etwas Berlin 759 SO unter den Frauen für unsere Sache gearbeitet, wozu die jetzige Sprechen Sie in Stuttgart auf der Franti.a.M. 760 SW Organisationsform ja auch Gelegenheit biete. Die Erfolge seien Redaktion der„ Schwäb. Tagwacht" vor, Furthbachstr. 12. E. E. 3. München 763 S 5 Regen 18 Baris günstige gewesen. In Ottensen befänden sich jetzt 350 zahlende 1. Bürger- Rettungs- Institut. 2. Friedrich Wilhelms- Anstalt für 762 Still wolten! 17 Frauen und in den anderen Orten des Kreises 250. An freiwilligen Arbeitsjame. 3. Biederfee- Stiftung. Alle drei im Berliner Rathause. Wetter- Prognose für Donnerstag, den 24. August 1905. Beiträgen a 10 Pf. für die Partei seien in Ottensen 162 M., in den W. R. A. Benutzen Sie die Adresse: Bau- und Sparverein, hier Kühler, zeitweise ausflarend, vorwiegend trübe mit Regenschauern und anderen Drten des Kreises 75,40 M. zusammengebracht. Diese NW., Sidingerstr. 7. G. 100. Gibt es nicht. Vielleicht ermitteln Sie ziemlich frischen westlichen Winden. Gelder wie ein Kassenbestand von 70 M. vom Vorjahre und 20 W. etwas durch das Berliner Adreßbuch, 2. Band, Teil 4, Seite 221. Fragen Berliner Wetterbureau. Ueberschuß von der„ Gleichheit" seien dem Wahlkreistassierer über- Sie auch an bei dem Auto- Ausstellungsbureau, hier NW., Bring Louis.. 15. 1-5. Alle Einzelheiten tönnen Sie in liefert worden. Außerdem seien für Frauen- Agitationsmarken Ferdinandſtr. 1. Wasserstand am 22. Auguft. Elbe bei Ausfig- 0,29 Meter, bei Unstrut bei a 5 Pf. 82,50 M. zusammengebracht und nach Berlin abgesandt Erfahrung bringen durch den Vorstand des Schulschiffberein 3 Dresden- 1,62 Meter, bei Magdeburg+1,09 Meter. in Bremen. Benußen Sie diese Adresse mit Angabe Ihrer Straußfurt+1,05 Meter. Oder bei Ratibor+ 0,66 Meter, bei worden. Für unsere Presse sei eine eifrige und erfolgreiche Agitation Wünsche und Ziele sowie unter Einreichung eines furzgefaßten Breslau Oberpegel+4,50 Meter, bei Breslau Unterpegel 1,85 Meter, getrieben worden. Beschlossen wurde, zum deutschen Parteitag fo- Lebenslaufes. Nein. bei Frankfurt+0,90 Meter. Weichsel bei Brahemünde wohl wie zum Provinzialparteitag eine Frau als Delegierte zu +2,26 Meter. Neze bei Usch-- Meter. Warthe bei Posen entsenden und diese in öffentlichen Versammlungen wählen zu lassen. 339. Nein. 457. Ja. Neue Freie Volksbühne Die Kunft dem Volke! Das neue Spieljahr beginnt künftigen Monat mit folgenden Vorstellungen: I. Serie. Sonntag, den 3. September 1905, nachmittags 2, Uhr( 1. Abteilung) Neues Theater Sin Sommernachtstraum. Komödie in 5 Aufzügen von W. Shakespeare. Musik von Felix Mendelssohn- Bartholdy. II. Serie. Sonntag, den 10. September, nachm. 3 Uhr ( 6. Abteilung) Schiller- Theater N. Fuhrmann Henschel. Schauspiel in 4 Akten v. Gerhard Hauptmann. III. Serie. Sonntag, den 24. September, nachm. 3 Uhr ( 1. Abteilung) Schiller- Theater 0. Das Käthchen von Heilbronn. Romantisches Ritterschauspiel v. H. v. Kleist. Für die folgenden Serien sind in Aussicht genommen: ,, Crainquebille", Lebensbild von Anatole France. ,, Musotte" von Guy de Maupassant. ,, Morgenröte", Komödie aus dem Jahre 1848 von Josef Rüderer. ,, Das Leben ein Traum", Schauspiel von Grillparzer. ,, Zapfenstreich", Schauspiel von Franz Adam Beyerlein. ,, Ein Volksfeind", Schauspiel von Ibsen. ,, Der Revisor", Komödie von N. Gogol. ,, Aschenbachs", ein thüringisches Bauerndrama v. Armin Gimmerthal( Novität). ,, Der Graf von Charolais", Trauerspiel von Rich. Beer- Hoffmann. Die Monatsschrift des Vereins ,, Die Kunst dem Volke" wird den Mitgliedern gratis durch die Post zugestellt. Zwei neue Abteilungen werden mit Beginn des neuen Spieljahres eröffnet. Mitglieder- Anmeldungen werden an allen Zahlstellen entgegengenommen. Das einmalige Einschreibegeld beträgt 1 M., der jeweilige Vorstellungsbeitrag 80 Pf. mit Ausnahme der„ Sommernachtstraum- Vorstellung, für die in Anbetracht der sehr hohen Inszenierungskosten, des Orchesters usw. ein Zuschlag von 20 Pf. erhoben wird. Die bereits angekündigte Vereinsgeschichte wird unter dem Titel: ,, Die Neue Freie Volksbühne, Geschichte ihrer Entstehung und Entwickelung, herausgegeben vom Vorstande, erscheinen. Das 60 Seiten starke Heft ist zum Preise von 20 Pf. vom 1. September ab an allen Zahlstellen zu haben. Zahlstellen! N.: Fischer, Veteranenstr. 6. A. Knapp, Grünthalerstr. 5. U. Schöngalla, Weißenburgerstr. 60. R. Kanapke, Brunnenstr. 122. K. Kleinau, Gerichtstr. 4. G. Blume, Chausseestr. 26. R. Hischkat, Graunstr. 12. NO.: W. Schrolle, Landwehrstr. 3. M. Probst, Linienstr. 8. NW.: H. Becker, Gotzkowskystr. 9. W. Wendscheck, Schiffbauerdamm 6. SW.: H. Landgraf, Bergmannstr. 101. J. Pech, Teltowerstr. 37. C. Martienzen, BelleAlliancestr. 7. S.: H. Bobsien, Kommandantenstr. 62. W.: O. Thiele, Potsdamerstr. 26. E. Neumann, Tauenzienstr. 20. SO.: H. Köhn, Naunynstr. 83. H. Kaufhold, Wrangelstr. 52, III. A. Strangfeld, Britzerstr. 24a. U. Stangenberg, Köpenickerstr. 20a, pt. 0.: W. Tabert, Markusstraße 14. H. Hirsch, Littauerstr. 22. A. Gorn, Boxhagenerstr. 2. L. Grubert, Fruchtstr. 55. C.: O. Pimofsky, Neue Jakobstr. 8. E. Neumann, Weinmeisterstr. 18. Schöneberg: P. Arendt, Kolonnenstr. 43/44, III. Friedenau: C. Danz, Kirchstr. 15, Stfl. III. Rixdorf: O. Heinrich, Münchenerstr. 19. Charlottenburg: E. Schäfer, Schillerstr. 102 u. Osnabrückerstr. 3. Friedrichshagen: C. Stegemann, Seestr. 107: To Die Geschäftsstelle des Vereins befindet sich Berlin NW., Bremerstraße 59, vorn II. Fernsprecher: Amt II No. 4241. 150/13 Der Vorstand. I. A.: Heinrich Neft. Tokio. Achtung! Gewertſchaften und Bereine. Achtung! Zentral- Verband der Steinarbeiter Pracht- Säle des Oftens. Anfang November. Frankfurter Allee 151/152 Afro November. Eröffnung: Anfang Empfehle den geehrten Vereinen und Gesellschaften meine neu erbauten Bracht- Säle 100, 500, 1000, 1500 Bersonen fassend, mit allem Somfort der Neuzeit ausgestattet, wie elektrisches Licht, Zentralheizung, zu allen Festlichkeiten, Hochzeiten unter fulantesten Bebingungen. Vereinszimmer und Kegelbahnen sind noch einige Tage zu vergeben. Auch sind noch Sonnabende im November, Dezember cr. und Januar, Februar und März 1906 frei. Bestellungen zur Abhaltung von Festlichkeiten usw. werden jekt schon entgegengenommen beim Befizer 39912* 0. Cranz, Badstr. 12. ( Berlin I). Donnerstag, den 24. August 1905, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: Mitglieder Verfammlung. Zages Ordnung: Meter. Sozialdemokratischer Zentral- Wahlverein für Teltow- Beeskow- Storkow- Charlottenbury. Sonntag, den 27. August, mittags 12 Uhr: General- Versammlung in Teltow, Restaurant Pieckenhagen, Berlinerstr. 16. Tages Drdnung: 1. Der Parteitag in Jena. Referent: Reichstags- Abg. Fritz Zubell. 2. Diskussion über die zum Parteitag gestellten Anträge: a) Anträge zum Drganisationsstatut; b) Sonstige Anträge zum Parteitag. 3. Wahl von Delegierten zum Barteitag. 4. Wahl von Delegierten zur Brandenburger Provinzialfonferenz. 5. Resolution betr. den„ Vorwärts". 6. Verschiedenes. Laut Statut ist jeder Wahlverein berechtigt, drei Delegierte zu entsenden. Die Delegierten müssen mit Mandat versehen sein. Parteigenossen haben als Gäste Zutritt. 203/14 Der Vorstand. J. A.: W. Eberhardt. Achtung! Achtung! Brauerei- Handwerker. Sonnabend, den 26. August, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal 1): Versammlung aller in den Berliner Brauereien beschäftigten Handwerker. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Reichstags- Abgeordneten Genossen A. Körsten: Die Tarifvereinbarungen in den Berliner Gewerkschaften. 2. Bericht über den Stand unserer Tarifbewegung. 3. Verschiedenes. 182/1 Pflicht eines jeden Brauerei- Handwerkers ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. In derselben kommt die Statistit über die Löhne und Organisationsverhältnisse der Handwerker der einzelnen Berliner Brauereien zur Verteilung. Mit Gruß Der Einberufer. Deutscher Holzarbeiter- Verband. ( Möbelpolierer.) Montag, 28. August, abends 8, Uhr, im KönigstadtKasino, Holzmarktstraße: Branchen- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Max Schütte: Sophie, Gräfin v. Hakfeld". 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. Die Kollegen werden ersucht, recht rege für den Besuch der Versammlung zu agitieren. 91/5 Mittwoch, den 30. August, abends 8%, Uhr, bei Kubat, Blumenstraße 38: Branchen- Kommissions- Sitzung. Der Obmann. Donnerstag, den 24. August, abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c: Versammlung für die Küchenmöbel- Branche. Tages Ordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Einberufer. Achtung! Achtung! Königs Wusterhausen Arbeiter- Radfahrerverein„ Brüderschaft“. Am Sonntag, den 27. August, feiern toir im Lokal des Herrn Max Wedhorn( Altes Schüßenhaus") unser Zweites Stiftungsfest, bestehend in Konzert, Korfofahrt, Reigenfahren und großem Ball. Alle umliegenden Vereine nebst Freunden und Bekannten werden hiermit freundlichst eingeladen und bitten wir, uns an diesem Tage durch zahl: 26/6 reichen Besuch zu unterstützen. Der Vorstand. Anfang 2 Uhr, Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands.( Ortsverwaltung Berlin.) Freitag, den 25. August 1905, nachmittags 5 Uhr, beim Kollegen Preuß, Treptow, Neue Krug- Allee 59: 1. Der Streit ber Steinarbeiter in Richheim und Geldingsfeld Mitglieder- Versammlung. 2. Die Beförderung des„ Steinarbeiter". 3. Abrechnung vom Sommerfest. 4. Verschiedenes. Tages Ordnung: 1. Berichterstattung vom Verbandstage in Magdeburg. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verbandsangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 189/ 2* Die Ortsverwaltung. 69/17 Der Vorstand. J. A.: Ernst Obst. Maler, Anstreicher Schwarzer und alle im Berufe tätigen Perfonen! Donnerstag, 24. August, abends 8 Uhr, in Kellers Festsälen, 8425 Koppenstraße 29: Versammlung. Zages Drdnung: Tarifverlängerung oder Kündigung des Tarifs? Kollegen, wir erwarten, daß Ihr vollzählig erscheint! Der Gehülfen- Ausschuß. J. A.: Wilhelm Wendel, Altgehülfe. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- u. Zementbranche. Freitag, den 25. August, abends pünktlich 8% Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( großer Saal): General- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Die Stellung des Berliner Betonvereins" zu unseren zur Vertragsverhandlung gestellten Forderungen. 2. Die Abrechnung vom zweiten Quartal und vom dritten Stiftungsfeft. 3. Die Regelung des Gehalts für die in unserem Bureau tätigen Kollegen. 4. Die Anträge der Gruppe der Rabitspanner zum Regulativ des Arbeitsnachweises. 5. Verschiedenes. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist es notwendig, daß die Mitglieder in dieser Versammlung bollzählig erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. 147/18 Achtung! Der Vorstand. Achtung! Musikinstrumenten- Arbeiter. Montag, den 28. August, abends 81%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( großer Saal): Oeffentliche Versammlung. Tages Drdnung: 1. Der Zusammenbruch der Firma Neumeyer. Referent A. Sickfeld. 2. Diskussion. 3. Der Kongreß der Pianofabrikanten in Koblenz. 4. Verschiedenes. 91/ 4* In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung erwartet zahlreiches Erscheinen Die Branchenkommission des Holzarbeiter- Verbandes. 5. Pfennig. Jedes Wort: Das erste fettgedruckte Wort 10 Ptg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Steppbecken billigst Fobrik Große Frankfurterstraße 9, parterre.+ 37* Teppiche mit Farbenfeblern Fabril. niederlage Große Frankfurterstraße 9, +37 parterre. Teppiche!( fehlerhafte) in allen Größen für die Hälfte des Wertes + 37* 7095* von Friedrichsberg Adler Frankfurter Chaussee 5 ( früher 120). Stadtbahnstation Frankf. Allee. Inh.: Gebr. Arnhold. Fernspr. Friedrichsberg No. 8. Donnerstag, den 24. August, im herrlichen Lindenpark: Gr. Extra- Militär- Konzert ausgeführt vom Trompeter- Chors des Magdeburger Husaren- Reg. No. 10. Dirigent: Herr Stabstrompeter H. 8rmlich. Entree 25 Pf., Vorverkauf 20 Pf. Anfang 7 Uhr. Sonntag, den 27. August: Gr. Garten- Konzert des Steinbrückschen Männer- Chors. Wichtig für jede Hausfrau! Der Verein Berliner Butterkaufleute E. V. gibt hiermit bekannt, daß die Butterpreise eine beträchtliche Erhöhung erfahren haben. Infolge der vorjährigen Dürre und dem hierdurch entstandenen Futtermangel ist zahlreiches Milchvieh abgeschafft und die Butterproduktion dementsprechend wesentlich eingeschränkt worden. 954b Die Butter- Detail- Geschäfte sehen sich daher gezwungen, bis auf weiteres auch ihrerseits eine angemessene Preiserhöhung eintreten zu lassen. Frische feinste Tafelbutter ist nicht unter 130 bis 140 Pf. pro Pfd., gute Kochbutter nicht unter 110 bis 120 Pf. pro Pfd. abzugeben. Kleine Anzeigen. Kanarienroller 6,00, Vorschläger, Seifertstamm, Schloßplatz 2. 27/ 5* Pfandlethhaus, Bettenlagerei Weidenweg neunzehn, heute großer 45* Bettenverkauf spottbillig. 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Für den Inseratenteil verantwo.: E. Glode. Merlin. Drud u. Veriaa: Borwärts Bucheruderei u. Berlagsanftelt und Umgegend. inger& Co., Berlin S Nr. 197. 22. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnerstag, 24. Auguft 1905. Partei- Angelegenheiten. Bur Lokallifte. Eichwalde. Sonntag, den 27. d. M., hält der Männer- Turnverein im Lokale von Wichert ein Vergnügen ab. Da versucht wird, in Arbeiterkreisen Billetts umzusetzen und das Lokal uns nicht zur Verfügung steht, weise man die Karten zurüd. Die Lokalkommission. Berliner Nachrichten. Von der Heilsarmee. " Der feit Noch ein Unten durch". Zur Frage des Straßenbahnbetriebsschaften einer genauen Prüfung. So werden augenblicklich die am Brandenburger Tor wird mitgeteilt: Die unangenehmen Betriebs- sogenannten Gas sprigen" umgebaut, da sie in ihrem störungen, welche, wie auch der Dezernent der eisenbahntechnischen langen Bau mit dem hochliegenden schweren Kessel zu sehr während Aufsichtsbehörde, Geh. Baurat Bort, in feinem jüngst erwähnten der Fahrt schleudern. Der Sessel wird aufrecht gestellt und Bortrage anerkennt, auf den Unterleitungsstreden der auch sonst am Wagenbau manches geändert werden. Straßenbahn unvermeidlich sind, haben, wie seinerzeit gemeldet, die mehreren Jahren bei starken Berqualmungen benutzte Giers. Große Berliner Straßenbahn veranlaßt, ein Projekt ausarbeiten zu bergiche Rauchapparat ift ganz und gar aus. lassen, welches bezweckt, die Straßenbahnwagen am Branden geschaltet worden, weil er sich schlecht bewährt und bei burger Tor durch einen nnnel zu führen, so daß seinen Trägern mehrfach Erkrankungen herbeigeführt diefelben von diesem bevorzugten Plaze gänzlich verschwinden, was hat. Er wird vorläufig durch die Müllersche Rauchlappe ja aus verkehrspolizeilichen und auch ästhetischen Gründen recht ersetzt, doch in wird höchstwahrscheinlich nächster Beit wünschenswert erscheint. Daran, hier den Oberleitungsbetrieb zu der verbesserte Königsche Rauchapparat eingeführt werden. berlangen, hat wohl niemand ernstlich gedacht und es ist daher der Tiefer wird augenblicklich schon probeweise auf den Fahrzeugen mit " Großen Berliner" auch gar nicht eingefallen, die Zu geführt und übertrifft die Müllersche Rauchtappe insofern, als er BeDiefe merkwürdige Organisation macht neuerdings wieder viel- laffung desselben zu beantragen. Die geplante Tunnelanlage rieselung und Sprechvorrichtung hat, durch welche sich der fach von sich reden. Es scheint, daß dies Gemisch von Religion und ist so gedacht, daß die Wagen in der Königgräger-, nahe der Lenné- in den verqualmten Raum vorgeschickte Sappeur mit den MannReklame nur bestehen zu können vermeint, wenn es immer lauter straße, in eine neben dem Reitweg gelegene Rampe einschwenken, den schaften, die den Blasebalg bedienen, verständigen kann. Die neuen die Trommel rührt, sich immer energischer in der Deffentlichkeit Platz vor dem Brandenburger Tor im Bogen unterfahren und Feuermelder mit der aufgesetzten Fackel, von denen zwei bereits bemerkbar macht. Daher die mit allerhand Beiwerk verzierten Ver- jenseits desselben, auf einer Rampe, die an der Grenze des Tier- am Spittelmarkt und am Dönhoffplatz Aufstellung gefunden hatten, fammlungen, daher der Umzug, der dieser Gesellschaft letzten Sonntag gartengeländes, zwischen Friedens- Allee und Simsonstraße liegt, sind wieder entfernt worden, da ihre allgemeine Einführung zu kostpolizeilich gestattet worden ist, während Arbeitervereine eines daß Straßenniveau wieder gewinnen. Die Wagen der Charlotten spielig wäre, ohne daß dabei ein wesentlicher Vorteil für die Feuerabschlägigen Bescheides sicher sein können. Immerhin sind wir burger Straßenbahn müssen dann, um die Tunnelbahn im Niveau meldungen herausspringen würde. tolerant genug, auch die Heilsarmee treiben zu lassen, was ihr freuzen zu können, von der Dorotheenstraße durch die Friedens beliebt. Gewissensfreiheit für jedermann, selbst auf die Gefahr hin, allee nach der Charlottenburger Chauffee geführt werden, was Die neue städtische Heimstätte für Genesende in Buch i. d. Mark, daß er sich durch Uebung dieser Freiheit bei anderen Menschen teinerlei Schwierigkeiten begegnet. Weiterhin, durch die Sommer- welche zur Aufnahme brustkranker Männer bestimmt ist, hat einen lächerlich mache. Auch stehen wir gar nicht an, zu erklären, daß straße und über den Königsplatz würde die Straßenbahn allerdings Bestand von 150 Betten, wovon jedoch am 19. d. M. bereits 86 be uns der Jdealismus in der Heilsarmee Respekt abnötigt. Es gehört Oberleitung erhalten müssen, diese wird aber, von Bäumen und legt waren, so daß noch 64 Betten frei waren. Alle übrigen Heimimmerhin ein starkes Stück Opfermut für ein junges Mädchen dazu, Gebüschen verdeckt, wohl kaum in die Augen fallen. Nach stätten sind voll besetzt. Abend für Abend in Kneipen den Kriegsruf" zu verbreiten und bei wiederholten Beratungen und Abänderungen ist dies Projekt, Unseren geplagten Hausfrauen droht ein neuer Angriff auf ihre jeder Albernheit und Unflätigkeit dummer Bengel ruhig und geduldig dem der Kaiser sehr sympathisch gegenüberstehen soll, von den Wirtschaftskasse, indem nun auch die Butterhändler daran gehen, zu bleiben: Desgleichen sind die Wohltätigkeitsanstalten der Heils- Aufsichtsbehörden genehmigt worden, es hängt aber mit dem ihre Verkaufspreise zu erhöhen. Nach einem Inserat des Vereins armee mindestens nicht geringer einzuschäßen, wie andere Institute Plan der Untertunnelung des Opernplages zusammen, Berliner Butterkaufleute, dem wohl fast alle nennenswerten Firmen dieser Art auch. der, wie wir seinerzeit meldeten, wegen des Neubaues des dieser Branche angehören, und auf das wir hiermit verweisen, Was uns dennoch nötigt, uns mit dieser Gesellschaft zu befaffen, Opernhauses auf unbestimmte Zeit vertagt worden ist. Auch sollen die Engrospreise eine derartige Höhe erreicht haben, daß es das ist die soziale Lage ihrer Angestellten. Wie es über den Opernplatz sollen sich die Aufsichtsbehörden im Prinzip nicht mehr möglich ist, feine Tafelbutter unter 1,30 bis 1,40 m. diesen geht, zeigt folgende Mitteilung: In den„ Regeln und Ver- bereits schlüssig gemacht haben; sobald der Plan für das neue und gute kochbutter unter 1.10 bis 1,20 m. pro Pfund in den ordnungen" der Heilsarmee kann man lesen, daß ein Leutnant, also Opernhaus definitiv feststeht, werden danach beide Projette, Detailgeschäften zu verkaufen. Daß auch hierbei der hohe Ginder unterste Beamte, nach erfolgter Ausbildung acht Mark, ein der Straßenbahntunnel am Opernplage und der vor dem Branden gangszoll eine nicht unwesentliche Rolle spielt, beweist, daß z. B. Kapitän neun Mart wöchentlich erhält. Außerdem hat er freie burger Tore, dem Kaiser zur Genehmigung vorgelegt werden in Dänemark feinste Butter etwa 1,17 m. pro fund kostet, während Wohnung. Das wäre immer noch angängig; aber wann erhält ein tönnen. Daß diese für beide Projekte erteilt werden wird, Hamburg für die gleiche Gattung 1,28 M. und Berlin 1,24 M. pro Offizier so viel? Daß ihm die erwähnte Summe ausbezahlt wird, gilt in unterrichteten Streifen für sicher. Danach kann von der an- fund notiert. Dieser Preisunterschied genügte aber den Herren ist vielleicht seit Bestehen der Gesellschaft noch nicht vorgekommen. geblichen Ablehnung des einen Projekts- Untertunnelung des Agrariern noch nicht, und so haben sie es durchgesetzt, daß der jetzt nicht Der Offizier darf nämlich nur dann Gehalt einbehalten, wenn er lages vor dem Brandenburger Tor feine Rede sein. 8 M. pro Zentner betragende Zoll noch eine Erhöhung von 25 Proz. von den Soldaten nichts zu essen bekommt und wenn alle anderen erfahren hat. Arbeiterfamilien ist es also unmöglich, noch Butter Ausgaben, wie Miete, Gasrechnung 2c., gedeckt sind. Hat nun, was Zu den Stadtverordneten- Wahlen, zum Brot zu genießen. in Berlin allerdings zumeist der Fall ist, das Corps viele Soldaten und Freunde, dann können die beiden Offiziere, Kapitän und Leutnant, die im Herbst tommen, trifft allmählich der Freisinn seine Vom Feuertode gerettet wurde gestern nachmittag in der leidlich auskommen. Sie müssen eben die Neste der Mahlzeiten Vorbereitungen. Die erste öffentliche Agitation ist bei Gelegen- Ritterstraße 92 eine Frau mit zwei Kindern. Im dritten Stock anderer vertilgen. An anderen Orten, wo nur knapp die Miete auf heit eines Dampferausfluges versucht worden, den der Be- des Vorderhauses und linken Seitenflügels befindet sich die Begebracht wird, fönnen die armen Menschen berhungern. Zumal im zirksverein des Köpenicker Stadtviertels" in dieser Woche ge- bie neben Glühstrümpfen die neuerdings in den Handel gekommenen leuchtungsartikel- Fabrik von G. Bezin u. Werner, G. m. b. H., Winter ist der Notstand groß. Oft müssen die Leute in ungeheizten, macht hat. Aus einem Bericht der Freien Deutschen Presse" fleinen Selbstzünder für Bigarrenraucher fabriziert. Hierbei wird zugigen Buden schlafen, nur mit einer Pferdedecke bedeckt. Aller dings verspricht das Hauptquartier auszuhelfen, wenn Not Freis. 8tg."), des unentwegteſten Organs des Berliner Methyl- Alkohol verwandt. Angeblich ist nun in einem Arbeitsraum vorhanden. Aber schreibt so ein Offizier, dann erhält Kommunalfreisinns, ersehen wir, daß der Stadtverordnete durch unvorsichtigkeit eine mit dieser Flüssigkeit angefüllte Flasche er als Antwort den Rat, er möge fleißiger fleißiger arbeiten Rosenow, der Vorsitzende dieses Vereins, in seiner zerschlagen worden, wobei sich der ausgelaufene Inhalt entzündete und vor allen Dingen beten. So sieht man denn oft Offiziere der Festrede ,, einen ,, einen Appell an die liberalen Bürger und im Nu den ganzen Raum in Flammen hüllte. Heilsarmee herumlaufen, denen man das Vaterunser durch die richtete" bei den bevorstehenden Stadtverordneten Wahlen 20 Arbeiterinnen, die beim Ausbruch des Feuers in dessen Backen lesen fann. Faßt nun so ein Mann in seiner Not den Ent- ,, die liberalen Mandate gegen die Sozialdemo- Nähe waren, konnten sich mit genauer Not über den vorderen schluß, wieder zu seinem früheren Handwerk zu greifen, so wird er fraten und Konservativen zu verteidigen". Herr Rosenow bie fich mit ihrem 7jährigen Knaben und ihrer 4jährigen Tochter in und hinteren Ausgang retten, dagegen war der Portierfrau Bahn, bald gewahr, daß er viel zu entkräftet ist, um diesen Schritt wagen hat allerdings allen Anlaß, sein nicht mehr allzu großes Ge- ihrer Dachwohnung über dem Brandherde befand, jeder Ausweg zu dürfen. Immerhin muß anerkannt werden, daß es mitleidige Menschen gibt, die einem Heilsarmee- Soldaten den Weg bereiten, folge zu doppeltem Eifer anzuspornen. Er, der bisher den abgeschnitten. Da die Flammen bis zu ihrer Wohnung empor auf dem er wieder zu einem geordneten Leben zurückkehren kann. 19. Bezirk dritter Abteilung( westliche Strecke der Köpnicker- schlugen, schwebte sie mit den Kindern in größter Lebensgefahr. Während ihrer etwa fünfzehnjährigen Tätigkeit in Deutschland straße nebst Querstraßen) vertrat, muß diesmal selber sich leber die Treppen war ein Bordringen durch die Hausbewohner hat die Heilsarmee im Durchschnitt alle Jahre 65 Offiziere aus seiner Haut wehren; denn auch sein Mandat läuft ab. Die nicht möglich und die Feuerwehr war noch nicht zur Stelle. gebildet. Kaum zehn davon find Führer der Organisation geblieben Wähler dritter Abteilung werden nicht vergessen haben, wie diesem kritischen Augenblick sprang der 21jährige Klempnergefelle und diese wohl auch nur, weil sie ihre ganz besonderen Gründe sehr Herr Rosenow in der Stadtverordneten- Versammlung Hermann Procopius, Dresdenerstr. 38 wohnhaft, der auf dem hatten. Man mag einwenden, daß die Leute, die zur Heilsarmee um die Interessen des privaten privaten Unter- Dache des Nachbarhauses Brandenburgstr. 58 arbeitete über die gehen, dies von innerem Drange getrieben tun, und die DeffentlichDächer und drang bis zur Portierwohnung vor. Dann zog er die laut feit daher keinen Anlaß habe, sich mit derem selbstgewolltem Schicksal nehmertums besorgt war, als die Stadt Berlin durch um Hülfe rufende Frau Bahn durch ein Fenster aufs Dach hinauf zu befassen. Wo aber ein schwerer sozialer Notstand vorliegt, hat einige Fürsorge für ihre eigenen Arbeiter mit gutem Beispiel und ebenso die beiden Kinder. Mit Hülfe des 18jährigen KlempnerDie Bevölkerung immerhin Anlaß, sich das Wirken der mit Wohl vorangehen sollte. Es schmerzte ihn, daß das gute Beispiel lehrlings Hans Herzog, Yorkstr. 75, brachte er dann die gerettete tätigkeit und Nächstenliebe operierenden Heilsarmee aus der Nähe zu der Stadt den bösen Sitten privater Arbeitgeber schaden Frau mit den beiden Kindern über das Dach hinweg in Sicherheit. betrachten." fönnte. Die mittlerweile eingetroffene Feuerwehr ging unter Leitung des Brandmeisters Dannehl mit zwei Schlauchleitungen vor und be grenzte das Feuer auf zwei Arbeits- und Lagerräume sowie auf ein Wohnzimmer, die alle drei total ausbrannten. Der entstandene Schaden ist somit erheblich. " Etwa In So die an uns gerichtete Zuschrift. Auf einen ähnlichen Ton find Mitteilungen der Bolts- Beitung" gestimmt. Danach werden Die Reuter- Stiftung, deren Haus in der Schulstraße zur AufOffizieren im Kandidatenformular Verträge vorgelegt, in denen fie nahme alter und bedürftiger Kaufleute und Handlungsgehülfen besich zugunsten des Kommandeurs der Heilsarmee aller Rechte und stimmt ist, hat in neuerer Zeit wieder manche Buwendung erhalten. Ansprüche begeben, Verträge also, die den guten Sitten zuwider- Die neueste Nachweisung des Magistrats über die bei ihm einDie Piraten auf der Oberspree scheinen bei ihren Diebeszügen Taufen. Im Gegensatz zu diesen Hungerlöhnen der unteren gegangenen Geschenke und Vermächtnisse, die über den Juli be- eine unglückliche Hand zu haben. Trotzdem es ihnen wiederholt Chargen" der Heilsarmee, so schreibt die„ Bolts- Beitung", beziehen richtet, führt eine Spende von 16 000 M. auf, die der Reuter- mißlang, fich Boote anzueignen, versuchten sie bei dem Berliner Die oberen und obersten, die merkwürdigerweise ausschließlich Eng- Stiftung überwiesen worden ist. Außerdem sind in den vorher Ruderklub" Hellas" ihr„ Glück". Sie stablen dort mitten in der länder oder Amerikaner find, mit alleiniger Ausnahme des so- gehenden Monaten einige fleine Beträge für die Stiftung gezahlt Nacht den Trainingdampfer Greif", den schnellsten Dampfer auf genannten„ Sozialsekretärs", sehr anständige Jahreseinkommen. Sie worden. Auch im vorigen Jahre wurde der Reuter- Stiftung eine der Oberspree. Aber trotz dieses Vorzuges des Fahrzeuges gelang erscheinen auch im Gegensatz zu den Inhabern der niederen Offifiers Buwendung in Höhe von 16 000 M. gemacht, ferner Geschenke von es den Piraten nicht, ihre Beute in Sicherheit zu bringen. Die stellen für gewöhnlich nicht in der Heilsarmee- Uniform, sondern als 5000 m., bon 3000 M., einige von je 1000 m. und Strompolizei und die Mitglieder des bestohlenen Ruderklubs machten komplette„ Gentlemen" gekleidet. Wollen die hohen Herren etwa mehrere fleinere Beträge. Ungefähr 16 000 m. find jedes den Flüchtlingen das Weiterfommen recht schwer. Schleusen zur Besetzung einer neuen Stelle nicht auffallen?" Das Blatt bemängelt dann noch, daß über die mal im Stiftshause durften sie überhaupt nicht passieren, wenn sie den Hütern des GeEinnahmen der Heilsarmee teine öffentliche Rechnungslegung erfolgt. erforderlich; der Binsertrag dieser Summe reicht aus, um die setzes nicht in die Arme laufen wollten. Die Piraten versuchten ihr Vielleicht beschäftigt sich nach allem die Deffentlichkeit etwas mehr Kosten der Stelle zu decken. Die Reuter- Stiftung wurde im Jahre Glück daher auf Umwegen. Doch sie haben dabei die Rechnung ohne mit dem Wirken der Heilsarmee. 1888 für 84 Stellen eingerichtet, doch konnten damals wegen den recht komplizierten Wafferteffel des Dampfers gemacht. Die Mangel an Mitteln zunächst nur 15 dieser Stellen besetzt werden. Füllung dieses Kessels tann nur auf eine ganz besondere Art, die Erst in den folgenden beiden Jahrzehnten ist es nach und nach ge- nur den Mitgliedern des Ruderklubs bekannt ist, geschehen. Berlungen, aus den Zinsen geschenkter Kapitalien auch die übrigen geblich bemühten sich die Diebe, das„ Geheimnis bes Kessels" au Stellen fast sämtlich zu besetzen. Dem Stifter hatte freilich eine lösen. Es gelang ihnen jedoch nicht, und bald war die vorhandene Anstalt mit etwa 60 Stellen vorgeſchwebt. Kraft aufgezehrt.. In der Nähe von Tabberts Waldschlößchen bei Nieder- Schöneteide versagte dann plößlich der Dampfer den Dienst. Er rührte sich nicht von der Stelle. Die Piraten saßen nun fest; sie hatten sich selbst gefangen. Kurzerhand sprangen fie in die Spree hinein und schwammen ans Ufer. Hatten sie ihre wertvolle Beute nicht in Sicherheit gebracht, so hatten sie sich doch wenigstens vor der drohenden Verhaftung gerettet. Mitten auf dem Wasser treibend wurde gestern der verlassene Dampfer von Mitgliedern des Ruderklubs„ Hellas", die auf der Suche nach dem gestohlenen Fahrzeug gewesen waren, angetroffen. Was die deutsche Polizei sich heutigen Tages herausnimmt, zeigt die folgende von einem hiesigen Geschäft an uns gerichtete Zuſchrift: Wir verlangen von unseren Organen, sofern dieselben angestellt zu werden wünschen, ein polizeiliches Leumundszeugnis. Es liegt uns ein solches der Polizeibehörde in Kreuzburg vor folgenden Wortlautes: Daten.) fich Borstehende Bescheinigung wird dem Genannten zum Zwecke der Bewerbung um eine Anstellung erteilt. Kreuzburg D.-S., den 5. August 1905. Die Polizeiberwaltung. J. V.: gez. Arndt. Die Berliner Feuerwehr. Nachdem wir wiederholt schon uns mit den Zuständen im Dem Kaufmann X. wird hiermit amtlich bescheinigt, daß über Berliner Feuerwehrkorps beschäftigt und dabei die" Schönheiten" des denselben während der Dauer seines Aufenthaltes am hiesigen Feuerwehrdienstes beleuchtet haben, tönnen wir nunmehr unseren Drte etwas Nachteiliges nicht bekannt geworden ist und derselbe Zefern mitteilen, daß mit dem Wechsel in der Leitung erfreulicherin seinen bisherigen Lebensverhältnissen sich achtbar und un- weise bereits viele Erleichterungen und Verbesserungen eingetreten bescholten geführt und an ordnungsfeindlichen Ver- find. Will doch Branddirektor Reichel mit aller Kraft auf eine einen und Bestrebungen nicht beteiligt hat. Vereinfachung des Feuerwehrdienst es hinwirken, Ausweislich der diesseitigen Melderegister hat Durch einen neuen Schwindel suchen mehrere Gauner die Gaftder um die überlasteten Mannschaften nach Möglichkeit zu schonen, Genannte zu nachgenannten Zeiten hierorts aufgehalten:( Folgen ohne dabei ihre Leistungsfähigkeit herabzumindern. Schon virte in der Umgebung Berlins hineinzulegen. Sie sprechen bei bei seiner Einführung erklärte er, daß er fein Freund Hotels und Gastwirten vor und geben sich als Vertreter einer Berder vielschreiberei fei und verschaffte dieser Ansicht auch vom liner Gesellschaft zur Einrichtung von Radfahrerstationen aus und ersten Tage seiner Wirksamkeit an Geltung, indem er den Bureau- zeigen auch dementsprechende Ankündigungen vor. Dann wissen die Sienst bedeutend vereinfachte. Durch Abteilungsbefehl ist bereits die Schwindler durch allerlei Versprechungen und der Angabe, daß fie Arbeitszeit der Mannschaften im inneren Dienst verkürzt worden. im Einverständnis mit den Organisationen der Radfahrer handeln, Früher mußten die Mannschaften an den Wochentagen bis 7 Uhr die Gastwirte dazu zu betvegen, in ihren Lokalen Radfahrerstationen Wir wundern uns darüber, so schreibt uns der Geschäftsleiter abends und am Sonntage bis zum Mittag hin in den Depots ar- einzurichten. Ein Plakat mit diesbezüglicher Aufschrift erhalten die noch, daß sich eine Behörde in einem solchen Zeugnisse ein Urteil beiten, was nicht gerade zur Zufriedenheit der Feuermänner beitrug. Gastwirte sofort ausgehändigt und haben dann 15 m. für weitere über die politische Gesinnung des Antragstellers erlaubt und wir Künftig dauert der Dienst an den Wochentagen nur bis 6 Uhr und Ausrüstungsgegenstände, die ihnen zugesandt werden sollen, zu zahlen. In bezug auf den Die übersandten Ausrüstungsgegenstände haben nur einen ganz gebitten Sie von vorstehendem, sofern es von Interesse für Sie sein am Sonntage bis zur Frühstückspause. Theaterwach dienst ist vieles anders geworden. Die be- ringen Wert. In Luckenwalde wurden dieser Tage zwei von den follte, gelegentlich in Ihrem werten Blatte Gebrauch zu machen. Wir raten einem Arbeiter, der in Kreuzburg in Beschäftigung sondere Theaterkompagnie" wurde, wie wir schon mitteilten, auf Schwindlern, die an einem Tage 13 Bestellungen angenommen hatten, treten will, es könnte ja ein Berliner sein, fich als Revanche gelöst. Jegt werden die Theaterwachen wieder wie früher von den festgenommen. Aus den bei ihnen vorgefundenen Papieren ging vorher bei der Polizei zu erkundigen, ob der Unternehmer, dem er seine einzelnen Löschzügen gestellt, doch erstrebt Herr Reichel noch eine hervor, daß sie einer größeren Schwindlergesellschaft angehören, bie Arbeitskraft widmen will, auch ein reputierlicher Mann sei, der keinem weitere Erleichterung an. Während die Mannschaften nämlich jetzt allerwärts im Lande verteilt ist. Postanweisungsabschnitte usw. ordnungsfeindlichen Verein, insbesondere feinem Scharfmacherverband noch an den Tagen, wo sie auf Theaterwache ziehen, vom Theater ließen auch erkennen, daß die Leute recht ansehnliche Geldbeträge oder Pokerklub angehört. Auf diese Weise kann der Polizei am aus wieder ins Depot zurückkehren müssen und erst am darauf eingenommen hatten. Ein Großstadtabenteuer, das vor einigen Tagen ein reicher Ende der komische Aberglaube ausgetrieben werden, daß es ihre folgenden Tage früh ihren freien Tag antreten dürfen, sollen sie Aufgabe sei, sich um die politische 2c. Gesinnung der Staatsbürger späterhin sofort vom Theater sich nach Hause begeben dürfen, so Amerikaner hier erlebte, hat jetzt zur Festnahme zweier seiner nächt Der Amerikaner wohnte in einem zu fümmern, von deren Groschen sie unterhalten wird. In Berlin daß auf diese Weise ihr freier Tag um ein beträchtliches ber- lichen Führer zur Folge gehabt. schüttelt ja diefer und jener Unternehmer den Kopf darüber, daß die längert wird. Die zahlreichen Vorstellungen der einzelnen der ersten Hotels Unter den Linden und traf auf einem Spazier Polizei ihre Zeit mit Arbeiten hinbringt, die sie nichts angehen; Löschzüge auf der Hauptwache in der Lindenstraße, wie sie gange gegen Mitternacht in der Friedrichstraße brei jener jungen sollen Taugenichtfe, die dort herumzulungern pflegen. Da er nicht ganz zumeist ist aber heutigen Tages ja noch im Unternehmertum die in den legten Jahren an der Tagesordnung waren, Ansicht in Geltung, daß die Polizei ihm Kommisdienste zu fünftighin auf das notwendigste Maß beschränkt werden. nüchtern war, so hatten die gefährlichen Burschen leichtes Spiel mit leisten habe Im übrigen unterzieht Branddirektor Reichel auch die Gerät ihm. Sie erleichterten ihn um seine sehr beträchtliche Barschaft nach 15 Jahren erreichbare Höchstgehalt auf 1800 M. festgesezt. Lohn für treue Liebe. Der 46jährige Rentner Wilhelm Bahre, Bülowstr. 79 wohnhaft, gab gestern abend gegen 9% Uhr auf dem Mittelweg der Bülowstraße vor dem Hause Nr. 80 auf die ledige, 41 Jahre alte, Mittenwalderstr. 2 wohnhafte Kontoristin Anna Bogel drei Revolverschüsse ab, ohne sie jedoch zu verlegen. Passanten hielten den Täter fest und ließen ihn durch einen Schuhmann zur Bache bringen. Bahre hatte mit der Vogel ein Liebesverhältnis interhalten, das jetzt von ihm gelöst war, weil er sich mit einer anderen verloben wollte. Diesem Vorhaben stellte sich die B. in den Weg, weshalb Bahre sie zu töten suchte. " 1 und um seine Busennadel und Schlimmeres wurde nur dadurch ver- Der Angeklagte besaß nichts als eine ganz kleine Wohnung in der zuteil werden ließ, von der Bedingung abhängig gemacht, daß er hütet, daß der Droschkentutscher, der die Gesellschaft nach Schönholz Kaftanienallee, in seinem Kopfe hatten sich aber die Einzelheiten nicht mehr nach Europa kommen dürfe. Diese harte Bedingung fahren sollte, bei einem Wirt in der Bankstraße verkehrte. Die einer solchen Akademie schon so festgesetzt, daß er die Zukunftsmufit soll sie jedoch in der letzten Zeit preisgegeben haben und damit einAufmerksamkeit dieses Gastwirles lieferte die Burschen wider Er- mit der Wirklichkeit verwechselte und in überaus maritschreierischen verstanden gewesen sein, daß der Bruder sich in Berlin niederlaffe. warten schon jetzt in die Hände der Kriminalpolizei. Der Mann Annoncen die" Erste Berliner Bekleidungs- Akademie, Direktion hat nun v. Ende Selbstmord verübt, oder ist er das Opfer eines ging gestern mit seinem als Pfand ihm gelassenen Unterpfand, Fr. Jallas" als das Dorado aller derjenigen anpries, die in die Verbrechens geworden? Zwei Aerzte, die mit der Leichenschau be= den beiden Ringen, zum Juwelier, um es auf seinen Geheimnisse der Zuschneidekunst einzudringen den Wunsch haben. traut wurden, erklärten, daß sie nicht begreifen könnten, wie v. Ende Wert prüfen prüfen zu laffen. Bufällig fah er dabei zwei In den Inseraten, die eine ganze Menge Geld verschlangen, wurde die Kraft gehabt haben sollte, sich eine zweite Kugel in die Bruft zu der nächtlichen Führer und ließ sie schleunigst festnehmen. Es sind diese erst in der Phantasie des Angeklagten bestehende Bekleidungs- schießen, nachdem er sich eine erste, die nach ihrer Ansicht sofort den stellungslose Hausdiener, Burschen von 18 und 19 Jahren. Der Akademie" als bedeutendste fachwissenschaftlich- technische Lehranstalt Tod herbeigeführt haben mußte, in den Kopf gejagt hatte. Außers eine hatte die Busennadel, der andere den Stock des Amerikaners. der Zuschneidekunst angepriesen, in großen Prospekten der Lehrplan dem wurde festgestellt, daß der bei der Leiche gefundene Revolver Die Diebe find geständig und wurden gestern mittag dem Unter- der Akademie in ihren angeblichen sieben Abteilungen entwickelt, die niemals Eigentum des Berstorbenen gewesen war. Die Untersuchungsrichter zugeführt; der dritte im Bunde ist noch nicht ergriffen. Anstalt als erste europäische Fachlehranstalt fondergleichen" hinge- fuchung ergab ferner, daß v. Ende noch einige Stunden vor seinem Er besitzt wahrscheinlich Uhr und Kette und das Scheckbuch. Die stellt und den Interessenten der Glaube beigebracht, daß es sich um Tode in sehr heiterer Stimmung gesehen worden war, daß er sich Ringe hat der Gastwirt der Kriminalpolizei ebenfalls zur Verfügung ein großartiges Institut handelt, mit dem jeder angehende Zu- für die Abreise vorbereitet und Herrn Lehmus ersucht hatte, ihm gestellt. Diese weiß aber nicht, wie sie sie dem Amerikaner nebst schneider, dem es um seine Ausbildung und seine Zukunft zu tun eine bestimmte Geldsumme zur Verfügung zu stellen. Die UnterNadel und Stock zustellen soll, weil sie seine Adresse nicht fennt. wäre, in Verbindung treten sollte. Der" Direktor" bezeichnete sich suchung wird eifrig fortgesetzt. Das Abenteuer zeigt wieder einmal, wie gefährlich es ist, sich bei selbst als der Erfinder des über die ganze Welt verbreiteten Nacht in der Fedrichstadt unbekannten Leuten anzuvertrauen. Universal- Einheitssystems", angeblicher Herausgeber der Zeitschrift Feuer im Altenbeker Tunnel. Bei den Arbeiten im Altenbeker Zu dem geftrigen Bericht aus der Sitzung des Schlachthaus- Die moderne Fachwissenschaft", Vorsitzenden einer Bereinigung von Tunnel entstand gestern nacht zwischen 12 und 1 Uhr wahrscheinlich Kuratoriums ist berichtigend nachzutragen, daß ein Bansen an meidermeistern usw. usw. Als das Nonplusultra wurde aber die infolge Kurzschlusses der elektrischen Beleuchtungsanlage ein Brand, dem Angeklagten erfundene Methode zum Selbstunterricht an- ber den größten Teil des Baugerüftes einäscherte. Während des genommen worden ist und nicht wie von sozialdemokratischer Seite gepriesen, bei welcher in der einfachsten Art jeder Laie im Hand- Brandes stürzte der zum Teil wiederhergestellte Tunnel ein, ge beantragt, alle vier Bansen. Uebrigens gehört nur ein Sozial- umdrehen, ohne die Nurse der Akademie durchlaufen zu brauchen, waltige Schuttmassen mit sich reißend. Auch das im Tunnel demokrat dem Kuratorium an. Für den Brobenehmer wurde das ein perfekter Zuschneider werden sollte. Und das sollte nur 2,50 M. lagernde Sprengpulver explodierte. Die Bauarbeiten sind einfosten. Es meldeten sich darauf eine Menge Leute, die aber sehr gestellt. erstaunt waren, als sie nach Einsendung des Betrages nichts weiter Soweit die Meldung, aus der nicht hervorgeht, ob bei der neuer. erhielten, als ein Schnittmuster mit allerlei Berechnungen. Auf die lichen Katastrophe Menschen verunglückt sind oder nicht. Wie man von verschiedenen Seiten hiergegen erhobenen Beschwerden erfolgte sich erinnern wird, ist der Tunnel seit dem schweren Unglück im in mehreren Fällen die Rückgabe des Geldes. Die Anklage erblickte vorigen Monat dem Verkehr entzogen. Nach jener Katastrophe vom in diesem Vorgehen des Angeklagten die Kriterien des Betruges, 23. Juli waren vielfach Stimmen laut geworden, die sich gegen eine da es keinem Laien möglich sein dürfte, mit Hülfe dieses Bogens die Wiederherstellung des Tunnels aussprachen mit der Begründung, Aufgaben der Zuschneiderei zu erfüllen. Der als Sachverständiger daß er auch in Zukunft unzuverlässig bleiben würde. Früher als bernommene Obermeister Krause, Leiter der städtischen Fach- man ahnen konnte, haben diese Skeptiker recht behalten. schule, erklärte den ganzen Bogen für wertlos, ein System sei absolut Bau- Unfall. Bern, 23. August. Von dem im Bau be nicht da und die Tabellen seien selbst für den gewiegtesten Bu- griffenen Kulissen- und Dekorationsmagazin des Stadttheaters schneider schwer verständlich. Dem gegenüber behauptete der Angeflagte steif stürzte heute abend zwischen 6 und 7 Uhr der mittlere Teil ein als Fahrraddieb in der Schwedterstraße Nr. 238. Dort ließ jemand, Errungenschaft für den Selbstunterricht sei. Die Anflage legte dem och, wie man annimmt, etwa 8 Arbeiter sich darin aufhielten. Ez der im Hause zu tun hatte, fein Rad auf einen Augenblick auf dem Angeklagten weiter zur Last, daß er sich in Annoncen so hingestellt Die genaue Anzahl der Opfer ist noch unbekannt. und mehrere geborgen. Hofe stehen. Zufällig sah das der oft bestrafte Fahrraddieb Ludwig habe, als sei er imstande, Zuschneidern, Direktricen usw. gute, Szylinski, ein Mensch von 30 Jahren, der sich hier obdachlos umher- dauernde Stellen zu verschaffen. Wenn die Leute die verlangten treibt. Er schwang sich auf das Rad und wollte mit der guten 2,50 M. eingesandt hatten, erhielten sie nichts. Die Annoncen erBeute von dannen fahren. Arbeiter jedoch beobachteten fein Unter- medten den Anschein, als ob der Angeklagte eine ganze Menge nehmen, holten ihn ein und übergaben ihn der Polizei. Hier legte folcher Stellen hinter sich habe, tatsächlich wollte er aber, wie er sich der Ertappte den falschen Namen Denmin bei und stellte sich selbst vor Gericht zugab, nur in öffentlichen Lesehallen eine große ganz unschuldig. Er sei so sehr in Gedanken gewesen und habe Anzahl von Zeitungen auf etwa vorhandene Vakanzen durchsehen. geglaubt, sein eigenes Rad vor sich zu haben. Selbst nach seiner Auch hier hat der Angeklagte den Schaden in der Mehrzahl der Fälle Entlarvung wollte der Dieb, der als gewerbsmäßiger bereits mit wieder gut gemacht. Der Staatsanwalt hielt ihn im Sinne der seinem Bild im Verbrecheralbum steht, den„ Irrtum" noch glaub- Anklage für schuldig und beantragte 6 Monate Gefängnis. Rechtshaft machen und mit Trunkenheit entschuldigen. Erst fürzlich stand anwalt Brugsch führte dagegen aus, daß der Angeklagte höchftens Saylinsti mit mehreren anderen vor Gericht, wußte sich aber heraus- in den Fällen der Stellenvermittelung sich schuldig gemacht haben zuschwindeln, während seine Freunde zu schweren Strafen verurteilt könnte. Wegen der bizarren, marktschreierischen Annoncen an sich wurden. Der Fahrraddiebstahl steht übrigens in Berlin tros aller fei er nicht strafbar, und was den Bogen zum Selbstunterricht beWarnungen nach wie vor in boller Blüte. Durchschnittlich trifft, so sei er zweifellos von der Güte desselben fest überzeugt. Der Angeklagte sei ein phantastischer Grübler, der in praktischer Arbeit stehe und die Nachtstunden dafür opfere, um ein von ihm schon seit Jahren aufgebautes System des Unterrichts in der Zuschneidekunst auszubauen. Er habe alles, was er eingenommen, dazu verwendet, um die teuren Annoncen zu bezahlen und seiner Jbee alles geopfert, so daß er schließlich seine Miete nicht mehr bezahlen konnte und ermittiert werden mußte. Der Gerichtshof hielt nur in den Fällen der Stellenvermittelung einen Betrug für vorliegend und berurteilte den Angeklagten mit Rücksicht darauf, daß er den angerichteten Schaden wieder gut zu machen bestrebt war, zu 60 M. Geldstrafe eventuell 6 Tagen Gefängnis. Es gibt eine Reihe von Akademien" verschiedenster Art, die ihre gemeingefährlichen Prak| tiken leider ungestört betreiben. tommen den Monat gegen 300 solcher Diebstähle zur Anzeige. Verübt werden noch mehr. Unter die Räder eines im schärfsten Trabe um die Ecke der Eisenacherstraße in die Hauptstraße zu Schöneberg einbiegenden Verdeckwagens geriet gestern abend nach 8 Uhr Frau Emma Klitta, Gleditschstr. 19 wohnhaft, als sie mit ihrem Manne von der Arbeitsstätte auf dem Rade nach Hause fuhr. Trotzdem der Wagen über die Frau hinwegfuhr und sie auch von den Pferdehufen verlegt wurde, raste der Kutscher, von einer großen Menschenmenge und zwei Radlern verfolgt, in wilder Flucht durch die Hauptstraße, über den Kaiser Wilhelmplak durch die Colonnen- und Herberts in die Ebers. straße, wo er endlich festgestellt wurde. Er führte einen Wagen der Firma Tom Becker u. Cie., Hauptstr. 25. Frau Klitta wurde nach der Unfallstation in der Herbertstraße gebracht. Die VerTehungen scheinen nicht lebensgefährlich. " -A Theater. Neues tgl. Opern Theater( roll.) In der heutigen Bigeunerbaron" Aufführung fingt Herr Karl Bretschneider den 8iupan, die übrige Beſegung bleibt die alte. Am Donnerstag, den 31. d. Mts., findet die letzte Vorstellung im dies. jährigen Spiel- Opern- 8yklus statt. In den beiden SchillerTheatern hat die Ausgabe der Abonnementshefte für das erste Quartal der neuen Spielzeit bereits begonnen. Die Hefte, die fünf Eintrittskarten enthalten, werden in den Billettabteilungen beider Theater in den üblichen Bureaustunden ausgegeben. Jm Gebrüder Herrnfeld Theater findet am morgigen Freitag, die 125. Aufführung von A. und D. Herrn Freitag ist im Lustspielhause die 25. Aufführung der Lustspiele„ Der Herr Substitut" und" Der dankbare Julian". Im Apollo Theater erregen Steidl und Kettner, sowie die amerikanische Burleste- Compagnie nach wie vor die Lachlust der Besucher. D Vorort- Nachrichten. = Schöneberg. Eine wilde Jagd zwischen einem Fuhrtverksdiebe und drei Radfahrern entspann sich gestern abend gegen 8 Uhr in Schöneberg von der Feurigstraße aus nach Friedenau zu. Während der Kutscher eines Destillationsgeschäftswagens etwas abtrug, schtvang sich ein Individuum auf den Wagen, ergriff die Zügel und jagte davon. Einige Männer nahmen sofort seine Verfolgung auf und glaubten ihn an der scharfen Biegung der Ebersstraße stellen zu können, umsomehr, als man annehmen konnte, daß bei dem rasenden Tempo das Pferd zu Falle kommen müsse. Jedoch der wilde Kutscher entkam und erst aus Furcht vor drei ihm nachsehenden Radfahrern sprang er furz vor Friedenau vom Wagen und lief davon. Reinickendorf. Die Geschichte einer Verlassenen. Zu dem Gerichtsbericht in Nr. 193 unseres Blattes teilt uns Herr Boeser mit, daß er Frl. K. nur flüchtig fennen gelernt und ihr nie die Che versprochen habe. Auch die Angabe, daß er Frl. N. in der Trunkenheit verführt hätte, sei unrichtig. Herr L. glaubt, in der Berufungsinstanz den weiteren Entlastungsbeweis erbringen zu können. Vermischtes. und Eine Feuersbrunft ist an Bord des Dampfers Oceanic" ausgebrochen. Der Dampfer liegt im Hafen von Liverpool. Der Schaden ist noch nicht bekannt. Charlottenburg. Heute abend 10 Uhr Bersammlung im Bollshause, Zentralverband der Friseurgehülfen Deutschlands, Zweigverein Rosinenstr. 3. Bortrag des Kollegen Will. Eingegangene Druckfchriften. Bon der Neuen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 47. Heft des 23. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Der Stampf um den Stillen Dzean. Be in. Beer( Club) Bur Tattit der Sozialdemokratie. Betrachtungen eines Lohnarbeiters. Bon Otto Geithner. Politischer Massenstreit und politische Krisis. Bon Paul Lensch, Leipzig. Die Arbeitergefeße und die Gerichte in den Ber einigten Staaten. Bon Josef Herzfeld. Eine Frage der Handlungs. Der oberschlesische gehülfenbewegung. Von May Cohen, Frankfurt a. M. Industriebezirk. Bon Julius Bruhns. Literarische Rundschau: Aschaffenburg, Das Verbrechen und seine Bekämpfung. Bon Dr. J. H- rk. handlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Die Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle BuchQuartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft toftet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. " Von der Gleichheit", Zeitschrift für die Intereffen der Arbeiterinnen ( Stuttgart, Berlag von Paul Singer) ift uns soeben die Nr. 17 bes hervor: Gegen den Fleischwucher. 15. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir Jugend und Sozialismus: III. Bon 3. Trabinger. IV. Bon Enny Stoď. V. Bon Emil Unger. Heimarbeit oder Boltsbildung? Bon M. H. Arbeiterinnenorganisation in Frankreich. Bon ad. br. Aus der Bewegung: Von der Agitation. Von ben Organisationen. Politische Rundschau. Bon G. L. Gewerkschaftliche Rundschau. Notizenteil: Der Kampf in der vogtländisch- thüringischen Textilindustrie. Frauenbewegung. Verschiedenes. Duittung. Feuilleton: Gesez und Not. Spruch von Wolfgang Goethe. Der Holzer Hanst. Eine einfache Geschichte aus dem Gebirge. Von Hermann Faber. Beilage: Bericht der Vertrauensperson der Genoffinnen Deutschlands von Anfang August 1904 bis Ende Juli 1905. Adressenverzeichnis der weiblichen Vertrauenspersonen in Deutschland. Frauen- Beilage: Wanderers Nachtlieder. Von Wolfgang Goethe.( Ge dichte.) Neuland. II. Von A. Fendrich. Ueber mein Kind gebeugt. Goethe.( Gedicht.) Bon Franz Diederich.( Gedicht.) Bonne der Liebe. Von Wolfgang Chemie der Küche: Das Wasser, Bon Dr. Ch. Für die Hausfrau. Hygiene. Der Die Mutter als Erzieherin. Schäfer. Bon Wolfgang Goethe.( Gedicht.) Die Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Bf., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis viertelfährlich ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Streusband 85 Pf. Jahresabonnement 2,60 m. " Warum und wie das Großkapital Wohltätigkeit übt. Durch ein Urteil des Ober- Verwaltungsgerichts sind die Wohltätigkeitspraktiken sanktioniert worden. Die" Voss. 8tg." berichtet: Eine große Attiender Herren Großunternehmer einmal amtlich festgestellt bank hatte einen größeren Betrag für die Notleidenden in Indien gestiftet und dann behauptet, jener Betrag sei zu den Betriebskosten zu rechnen und müsse daher steuerfrei gelassen werden. Die Steuerbehörde rechnete aber jene Summe zum Gewinn der Aftien gesellschaft, der von der Steuer nicht freibleiben tönne. In der Be= schwerde beim Ober- Verwaltungsgericht hatte die Aktiengesellschaft Der Wahre Jakob" hat soeben die 17. Nummer feines 22. Jahrganges betont, große Bantinstitute seien verpflichtet, durch solche Zuwen- erscheinen lassen. Aus dem Inhalt derselben erwähnen wir die beiden dungen unsere Beziehungen zu England zu verbessern. Keine Bank farbigen Bilder Eine Vision des Baren" und" Von den Pilgerzügen nach von einiger Bedeutung hätte ohne Schädigung ihres Geschäfts- Rom", sowie die Illustrationen Der Zar und Lenewitsch"," De engelschen betriebes eine solche Zuwendung verweigern dürfen. Die Anregung Scheep in de Oftfee"," Der Aussperrungstiger"," Die fünf Sinne des Reichsbank gegeben. zu jener Zuwendung habe in höherem Auftrage des Präsidenten der Ministers Rubstrat", Fremdensaison"," Der Bauer vorm Reichstag"," Die Lehmann redivivus". Das Ober- Verwaltungsgericht Außerdem bietet die Nummer ein Porträt des verstorbenen Parteigenoffen offene Tür in Ostafien"," Die Toleranten" und erkannte im Sinne der Aktienbank und hob hervor, Dr. Gurt Grottewis, nebst einer fleinen biographischen Stizze über ben bei Feststellung des Ertrages seien alle Betriebskosten in Abzug zu felben. Der tertliche Teil der Nummer bringt die Gedichte Der erste bringen; zu den Betriebskosten seien alle Kosten zu rechnen, die mit Sieg", Aus Lippe" bon Erich Mühsam, laffenkampf", Die Studien dem Betriebe des betreffenden Jahres in ursächlichem Zusammen- reise"," Björkö Bedauerlich“,„ Glüdauf" Bülow!", Sirsau", n ber hange stehen. Vorliegend sei die Aufwendung nur gemacht worden, Werkstatt von Josef Hofbauer und außer zahlreichen fleineren Beiträgen weil die Aktienbank sich im Hinblick auf ihr Geschäft für verpflichtet noch die Humoreste„ Nächtliche Seelsorge", eine wahre Dorfgeschichte von erachtete, der Anregung des Reichsbankpräsidenten Folge zu geben. B. Bromme und die ſatirtſchen Feuilletons„ Wie es wirklich war", Die Zuwendung gehöre zu den Betriebsausreis der 12 Seiten starten Nummer ist 10 Pf. Monarchenbegegnung" und Fürsten aller Länder vereinigt Euch i". Der gaben, da sie im Interesse des Betriebes und zum Zwede, Gewinn zu erzielen, gemacht sei. Briefkaften der Redaktion. Die Sammlungen für die Notleidenden in Indien wurden durch eine Spende Wilhelms II. eröffnet, die von dem Spruch: Sittlichkeitsattentat in der Schönholzer Heide. Als in der letzten Blut ist dicker als Wasser", begleitet wurde. Damals sollte wohl Nacht die Frau des Tischlers N. von ihrer Arbeitsstelle in einem bie tiefbegründete Freundschaft Deutschlands mit England zum Aus- von 7 bis 9%, lbr ftatt. Geöffnet: abends 7 Ubr. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends Schönholzer Lokal den Heimweg nach Rosenthal- Reinickendorf an- brud gebracht werden. Wenn nun die Großindustrie und die Banten treten wollte, wurde sie auf der Straße von einem untersetzten, etwa fich gleichfalls plötzlich der hungernden Indier erbarmten, so geschah 2. Nein. G. 41. 1. Die Verjährungsfrist beträgt in Ihrem Falle drei Jahre 30 Jahre alten Manne belästigt. Die Frau ging in das Lokal zurück es, wie sie selbst und das Ober- Verwaltungsgericht erklären, um durch Forderung einklagen und dann das Pfand verkaufen laffen. 2. Db 65 oder Neuendorff. 1. Eine Frist besteht nicht. Sie müssen Shre und bat einen Angestellten, sie den Wald entlang zu begleiten. ihre Barmherzigkeit ihren Gewinn zu erhöhen. Es sei nur noch 85 M. ein angemessener Preis wäre, hätte der Sachverständige zu ent Nachdem der Begleiter den Rückweg zum Lokal angetreten hatte, richtig gestellt, daß diese Gewinne nicht etwa durch Geschäfte mit scheiden. Es dürfte, falls Shr Sohn volljährig oder Sie Miltäufer, gehörte er plötzlich I aute Hülferufe. Er lief sofort nach dem am England erzielt werden sollten. Es kam in diesem Fate mie raten sein, auf den Vorschlag einzugehen. 3. Wenn Sie teine ehelichen Schönholzer Wege belegenen Wohnhause der Frau N. und fand diese auch sonst ohnmächtig auf der nur darauf an, eine auf den Wint dressierte staats- Kinder haben, ja. 4. Die Grozjährigkeit wird mit dem vollendeten 21. Jahre erreicht. Auf Antrag kann das Amtsgericht vom 18. Jahre für großjährig liegen. Der Bursche, welcher die Frau schon in Schönholz be- erhaltende Gesinnung zu befunden, die dem Großkapital allerdings erflären. Beschwerden über den Vormund find an das Amtsgerigt, au richten. 5. Anmeldung( nicht Konzession, Erlaubnis und des Ge läftigte, war ihr heimlich gefolgt und als der Begleiter sie verlassen, Bucherzinsen bringt und außerdem steuerfrei bleibt. gab er ihr plöglich hinterrücks einen so starken Schlag auf den Kopf, Der Bruder der Frau Krupp. Aus Buenos Aires wird werbes bei der Berwaltung der direkten Steuern ist erforderlich.. 8.999. daß die Frau N. zusammenbrach. Sie hatte noch Kraft genug, um dem Petit Parisien" geschrieben: Der Tod des Barons Arnim it unnötig. 2. Ja. 3. Reineswegs. 4. Dffenbacher Krankenkasse, Sing, Hülfe zu rufen, und dies veranlaßte den Unhold, die Flucht zu er- vom Ende, eines Bruders der verwitweten Frau Krupp, bildet greifen. Die Verfolgung wurde sofort von mehreren Männern auf- hier den Gegenstand aller Unterhaltungen und gibt wegen der noch genommen, aber ohne Erfolg. Der Polizei ist ebenfalls Anzeige ge- nicht genügen ten stommentaren Anlaß. Ehemaliger Hauptmann aufgeklärten Umstände, unter denen er erfolgt ist, zu macht worden. Straße bor dem Gerichts- Zeitung. Hause " verschiedensten befehl oder durch Stage ſeine Rechte geltend machen. Erheben te gegen Prinzenstr. 66. Sofa 01. 1. Ja. 2. Wie er zu pfänden berechtigt ist, ergibt der Wortlaut des Urteils. Haben Sie den Bertrag etwa nicht ge schlossen, sondern Ihre Frau, so würde Abweisung der Klage gegen Sie zu erfolgen haben. E. S. Pankow 44. Der Birt kann durch Zahlungs den Zahlungsbefehl innerhalb einer Woche feinen Einspruch, so wird P. Ja. derfelbe in gleicher Art wie ein Verfäumnisurteil volftredbar. Martha. Mit dem Ablauf eines Jahres nach der Anzeige des Fundes bei der Polizeibehörde erwirbt der Finder das Eigentum an der Sache, falls ein Empfangsberechtigter sich nicht gemeldet hat. Buttmannstr. 2. Wegen der von Ihnen charakterisierten Beleidigung fann auf Ihren Antrag der Staatsanwalt Klage erheben. Er tann Sie aber auch auf den Weg der Privatllage verweisen. Strafmöglichkeit 3 bis 600 M. oder ein Tag bis B. R. 19, F. R. 1000. Nein. au einem Jahre Haft oder Gefängnis. F. 3. Wenn der inhaltlich nicht mitgeteilte Garantieschein auch den Achsenbruch umfaßt, so flagen Sie auf Erfüllung auf Grund des Scheines oder auf Ersatz der von Ihnen verauslagten Stoften. IN. K. 58. 1. Nein, aber Ihre uns nicht mitgeteilten mündlichen festen Abreden. 2. Dis am 15. zum Erften. Kort 23. 1. Wahrscheinlich. 2. Ja, wenn Sie Baffer auf die Straße gießen. im fiebenten preußischen Garderegiment, wurde Baron vom Ende gezwungen, seinen Abschied zu nehmen. In Buenos Aires, wo er sich niederließ, traf er den Doktor Lehmus, den er schon von der Universität Jena her kannte. Seine Schwester hatte ihm eine Als Reformator der Zuschneide- und Bekleidungskunst betrachtet Jahresrente von 100 000 M. ausgesetzt. Im Jahre 1904 erwarb sich der Zuschneider Friedrich Jallas, der gestern unter der An- er eine Befihung im Werte von 200 000 M. Er unterzeichnete vier flage des wiederholten Betruges vor der Ferienstrafkammer stand. Wechsel von je 50 000 M. Der erste sollte ihm am 2. August vor Der Angeklagte, der 1903 dauernd nach Berlin gekommen ist und gelegt werden. Lezthin verlor der Baron, der als großer Spieler als Heimarbeiter sich sein Brot verdient, beschäftigt sich schon seit in allen Spielerkreisen bekannt war, eine sehr hohe Summe. Jahren in seinen Muße- und Nachtstunden mit einer Vereinfachung Der frühere Offizier hatte oft Anfälle von Melancholie und trug der Zuschneidekunst und glaubte schließlich, sich der Welt als Direktor sich in solchen Stunden mit Selbstmordgedanken. Sein größter der„ Ersten Berliner Bekleidungs- Akademie" präsentieren zu können. Summer war, daß er nicht nach Deutschland zurückkehren fonnte. Diese„ Akademie" gehört zu den„ Schlössern die im Monde liegen". Seine Schwester hatte nämlich die Unterstüßungen, die sie ihm Berantw. Rebatteur: Baul Büttner, Berlin. Für den Anferatenteil verantwo.; Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchbruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW