Ur. 199. fltonnemcnts-Bcdingungen: HJonncmenlä. Preis pränumerind«! Lierteljährl. Z,Z0 Ml, monail. 1,10 Ml. wöchentlich 2S Pfg, frei WS Haus. Einzelne Numnier S Pfg, Sonntags- nummer mit Illustrierter Sonntags- Beilage.Die Reu- Welt' 10 Pfg, Post- Monnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungZ- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 8 Marl, für das übrige«uSIand Z Marl pro Monat Ä2. Jahrg. Die Inlertlons'GebDIfr detrSgt für die sechZgespaltene Kotonel- zeile oder deren Raum.0 Psg„ für politische und gewerlschaftllche Vereins- und BersammIungS-Anzeigen 25 Pfg, „Kleine Hnielgen". das erste(sett- gedrucktc) Wort iO Pfg,, jedeS weitere Wort b Pfg, Worte über lö Buchstabl» zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Rümmer missen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen btS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Oldieint IZgllch außer Olontigt. Devltnev VolksblÄkkr Telegramm- Adresse: „S»t>altl«m»lti>l Neittn". Tentralorgan cler faztaldemokratirchcn parte» Dcutfchlanda. Redaktion: SAl. 68, Lindcnstraesc 69. Zternsprecher: Amt IV, Nr. I»83. Expedition: 8W. 68, Lindenstrasae 69. syernivrecher: Amt Nr. 1084. ammmmMmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm Antiparlamentarischer Kretinismus. Dreitausend Berliner Arbeiter haben sich am letzten Mittwoch durch die Annahme der Resolution Friedeberg-Kater von der„dogmatisiben Auffassung deS Marxismus" und der Sozial- demolralie feierlich losgesagt. Sie wollen künftig nicht mehr Sozial- demokraten, sondern Anarchosozialisten heißen und wollen den Kapitalismus stürzen durch.Entziehung und Verweigerung der Arbeitskraft seitens der ganzen proletarischen Klasse". Es mag dahingestellt bleiben, ob sich jene Zuhörer der Tragweite ihrer Handlungsweise völlig bewußt gewesen sind, durch die sie sich außer- halb der einheitlichen Organisation der deutschen Arbeiterbewegung eine weder beneidens- noch bewundernswerte Sonderstellung ge- schaffen haben. Auf alle Fälle bleibt die Versammlung im Feen- Palast eine bemerkenswerte und ernste Erscheinung. Männer, die in früheren Zeiten ja wohl als aufgeklärte und Prinzipien- feste Anhänger der Sozialdemokratie gelten konnten, sehen wir nahezu Plötzlich sich in den absurdesten Gedanken- gängen verlieren. Profefforale Phrasen wider den marxisti- schen Dogmatismus und den historischen Materialismus— von dessen Wesen die Verfasser der Resolution jede Ahnung verloren zu haben scheinen— mischen sich seltsam mit blanquistischen Vor- stellungen, die ältesten, längst widerlegten Irrtümer der Arbeiter- bewegung werden uns als die neuesten Ergebnisse wissenschaftlicher Erkenntnis dargeboten. Man wäre leicht versucht, diese absonderliche Erscheinung unter dem bequemen Gesichtspunkt einer.Mitläufertheorie" zu registrieren und sich zu sagen, daß Männer, die eine solche Konfusion zum Pro- gramm einer neuen sozialrevolutionären Partei erheben wollen, niemals bewußte Anhänger der Sozialdemokratie gewesen sein können, daß also ihre Erklärung zum„Anarchosozialismus" nur der notwendige äußere Busdruck einer längst vorhandenen inneren Tat- fache sei, die nicht vertuscht und nicht beschönigt werden dürfe. Indes haben wir eS immer für die Aufgabe der Partei gehalten, Mitläufer nicht loszuwerden, sondern sie zu prinzipieller Klarheit zu erziehen, und darum gestehen wir, daß uns die EntwickelungSgeschichte jener anarchosozialistischen Mitdavonläufer einer ernsten Erwägung Wert scheint. Nichts begreiflicher, nichts selbstverständlicher, als daß eine Be- wegung wie die proletarische, die mit titanischer Leidenschaft nach ungeheueren Zielen strebt, niemals in jenen Zustand der satten Selbstsicherheit und Selbstzufriedenheit geraten kann, der für alle herrschenden Klassen typisch ist. Nichts entschuldbarer für einen Strebenden, Suchenden als ein Jrrwm, eine Entgleisung, ja selbst eine gelegentliche tüchtige Dummheit. Soll aber der tausendfach gewundene Serpentinenweg der Erkenntnis schließlich doch zur Höhe und klaren Aussicht führen, so muß es doch Etappen geben, die als zurückgelegt und überwunden gelten dürfen, die Diskussion darf nicht um Jahrzehnte zurückgeworfen werden, Eine solche überwundene Etappe schien bis vor wenigen Jahren die Diskussion über den Parlamentarismus zu sein, die frühere nationale und internationale Parteitage beherrscht hat. Mögen auch die Meinungen darüber immer auseinandergehen, wie weit die parlamentarische Aktion imstande ist, die Arbeiterbewegung ihren letzten Zielen entgegenzuführen, so erfuhr die altbewährte Taktik der Partei, innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft keine Mög- lichkeit des Vorwärtskommens außer acht zu lassen, die im Parla- mentarismu» sich bietende Gelegenheit zur Vermehrung der poli- tischen Macht auszunützen, innerhalb der Reihen der Partei keine Anfechtung. Liebknecht, der im Jahre 18S9 erklärt hatte, die Frage des Sozialismus fei nicht im Parlament, sondern auf der Straße zu entscheiden, führte 1399 auf dem Parteitage zu Halle aus: .Westen Schuld ist es, wenn die Volksvertretung nichts taugt? Schuld daran ist doch nicht das allgemeine Wahlrecht, sondern der Unverstand der Massen, die leider nur zu oft ihre eigenen Feinde wählen. Da zeigt sich, wo wir den Hebel anzusetzen haben. Von den 89 Prozent, die gegen unS sind, würden mindestens noch neun Zehntel zu unS gehören; haben wir sie erobert, so haben wir den Sieg." Niemand wird glauben, Liebknecht sei ein so leichtfertiger Optimist gewesen, daß er angenommen habe, die Frage des Sozialismus sei durch eine ReichstagSabstimmnng zu erledigen. Wohl aber erkannte er, daß der letzte Teil der Arbeit, die tatsächliche Eroberung der politischen Gewalt, erst dann getan werden könnte, wenn die große Mäste der Bevölkerung zur sozialistischen Erkenntnis erwacht sei. Dafür erschien ihm die parlamentarische Aktion asS das vorzüglichste Mittel, und darin stimmte ihm— abgesehen von der kleinen, längst verschwundenen'Schar der.Jungen"— die ganze Partei zu. V Jin Jahre darauf erfolgte in Erfurt die endgültige Abrechnung mit der antiparlamentarischen Scktiererei. Damals führte Bebel unter stürmischem Beifall deS Parteitage« aus: „Eine Partei, die Millionen hinter sich hat, müsse vorsichtiger operieren wie eine solche, die keine Bedeutung und keine Ver- antwortung habe. Die Partei sei in der Lage einer Armee, die gegen einen übermächtigen Feind kämpfe, dessen Stellung sie nicht im Stunne nehmen könne, ohne sich die Köpfe einzurennen.... Die ewige Nörgelet und das ewige Unruhesliften in der Partei, womit man nack außen den Glauben erwecke, als fei die Partei gespalten, da» müsse endlich aufhören...» Im selben Jahre, wenige Monate zuvor, hatte sich Singer uns dem internationalen Kongreß zu Brüste! gegen den Versuch der Holländer gewendet, eine Ncuaufführung der Pariser Debatten zu inszenieren. Da« Bureau schlug vor, die.Frage des Parlamenta- rismus" von der Tagesordnung abzusetzen, worauf Fortujin erklärte, er ziehe seinen Antrag zurück, da sich die Deutschen fürchteten, diese Frage zur Diskussion zu stellen. Gegen diese Insinuation protestierte Singer. Es handle sich den Deutschen nur darum, eine unftuchtbare Diskussion zu vermeiden. Die Deutschen hätten wirklich keine Ursache, die Diskussion einer Frage zu scheuen, die vom ganzen internationalen Proletariat seit je in ihrem Sinne entschieden worden und von der ganzen proletarischen Welt als richtig und gut anerkannt worden sei. Der Unterschied zwischen den Deutschen und den Holländern sei einfach der, daß diese revolutionär reden, während die Deutschen revolutionär handeln. So schien bereits vor vierzehn Jahren die Frage des Parla- mentarismus aufgehört zu haben für die Sozialdemokratie eine Frage zu sein. Nie hat ein Sozialdemokrat im parlamentarischen System bürgerlicher Republiken oder konstitutioneller Monarchien aller politischen Weisheit letzten Schluß zu erblicken geglaubt, allen erschien der heutige Parlamentarismus nur als Uebergangsstufe oder Sprungbrett zu unendlich höheren Zielen. Fiir solche Ziele zu kämpfen, konnte sich keine bessere Gelegenheit bieten, als auf der Tribüne des Reichstages, auf der wir unsere Gegner zur Ant- wort zwangen, die Wahlen wurden die großen Fest- und Kampf- zeiten der gesamten Partei. Eine Flutwelle heller Begeisterung strömte von dieser„parlamentarischen Aktion" aus, und in der ganzen Welt schlug das Herz des internationalen Proletariats in Stolz und Freude über den rastlosen gewaltigen Aufstieg der deutschen Partei. Das ist seit etwa zwei Jahren anders geworden. Die Freude an den Erfolgen der Partei und damit die Hoffnung auf endliche entscheidende Siege ist gedämpft worden durch eine nie ruhende Selbst- kritik, die jeden einzelnen Fehler, der im Parlament oder in der Wahlagitation gemacht wurde— und wo werden keine Fehler ge- macht?— als Zeichen eines gefährlichen Parteiverfalles betrachtete und jeden Tag einen neuen hippokrattschen Zug im Antlitz der Partei entdecken zu können vermeinte. Die Diskussion über den politischen Mastenstreik traf in eine Zeit, in der die Kritik der parlamentarischen Aktion und ihre „prinzipielle" Geringschätzung bei manchen Parteischriftstellern ihren Höhepunkt erreicht hatte. So ward in der Tat im Schöße der Partei das tragikomische anarchosozialistische Mißverständnis vor- bereitet, das an die Stelle der parlamentarischen Aktion den General- streik setzen will, während es sich der Partei doch vernünftigerweise nur darum handeln kann, die Zahl der ihr zu Gebote stehenden Mittel womöglich zu vermehren— und inwiefern das durch den politischen Massenstreik geschehen kann, darüber wird sich der Parteitag schlüssig machen— nicht aber darum, in einer nervösen Laune alte wohl- erprobte Kampsinittel zum alten Eisen zu werfen. Es ist kein er- sreulicher Ertrag unserer Parteidiskussionen und kein Zeichen, daß sie zu übermäßiger Bcgriffsklarheit geführt haben, wenn sie jetzt zu einer Wiederholung jener AuScinanderfetzungen über den bürgerlichen Parlamentarismus führen sollten, deren Unftuchtbarkeit schon vor 1s Jahren klar eingesehen worden ist. Eine Bewegung, die vorwärts schreitet, darf sich in ihrer Erkenntnis nicht zurückverlicren zu einem Irrtum, den sie längst überwunden hat. Es ist be« bäuerlich, daß heute daS Selbstverständliche wiederholt werden muß: Das Festhalten an der parlamentarischen Aktion scheidet die Sozial- demokratie von sektirerischen anarchokonfusionärcn Elementen, deren Absichten möglicherweise sehr ehrlich, deren organi- satorische Erfolge aber auch stets gleich null sein werden. Für unS heißt es nicht, die bürgerliche Gesellschaft bekämpfen, wenn man alle Möglichkeiten des Angriffs, die sie durch ihre eigene Konstruktion gewährt, übersieht und sich blindlings in eine.direkte Aktion" stürzt, die in Wahrheit die indirekteste, weil aussichtsloseste der Welt ist. Zudem ist die anarchistische Phrase von der„direkten Aktion", die durch gewerkschaftlichen Kampf die letzten wie die nächsten Ziele der Revolution herbeiführen will, vielleicht in Frankreich noch einiger- maßen verständlich, Ivo es doch immerhin„Parlamentarismus" gibt, wo also die Unklaren, in der berechtigten Um- geduld und dem Mißtrauen gegen die Leistungen deS Parlamentarismus, die Ueberschätzung durch die Verwerfung zu korrigieren suchen. In Deutschland aber gibt eS noch gar keinen Parlamentarismus, er ist noch das wichtige Kampfobjckt für das Proletariat, das nicht am Ende, sondern erst am Anfange seines entscheidenden schweren RingenS steht. Weder im Reiche, noch in den Einzelstaaten existiert wirklicher Parlamentarismus. Der Reichs- tag ist nicht allzu weit entfernt von der Duma Väterchens. In Preußen ist die Sozialdemokratie vom Parlament ganz ausgeschlossen. das ja auch nicht die wirklichen konstitutionellen Rechte hat. Es heißt, sich geradezu feig und faul unserem schweren, unendliche Opfer und Arbeit erfordernden Kampf um die Erringung politifcher Freiheit entziehen, wenn man jetzt schon politische Justitutionen als wertlos ver- wirft, die wir»och gar nicht besitzen, noch gar nicht erprobt haben. Gerade für diese unvermeidlichen Kämpfe um politische Rechte, um demokratischen Parlamentarismus soll ja der Massenstreik als Waffe unter Umständen angewandt werden. Wahrlich eine bequeme, berauschende, sensationell kitzelnde Taktik: mit einem Allhcilmittel-Opiat unsere politischen Schmerzen als nicht der Rede wert zu lähmen und unS dafür an billigen Phantasien zu verzücken. Wir haben noch um den Parlamentarismus, um die ersten Anfänge eines parlamentarischen Systems zu ringen— eine preußische Wahlrechtsbewegung, offensive Auflehnung gegen die Entrechtung nach Sachsens, Lübecks, Hamburgs Beispiel gehört zu unseren wichtigsten Aufgaben— und da erledigt man nun diese Fragen, deren Lösung Millionen proletarischer Hirne und Millionen pro- letarischer Energien unausgesetzt beschäftigt oder doch beschäftigen sollte, auf die einfachste Weise: Weg mit dem Plunder, was liegt daran! Auf diese Weise können wir allerdings sämtliche Probleme spielend bewältigen, unser ganzes Programm verwirklichen, wir brauchen nur Stück für Stück über Bord zu werfen und uns darauf beschränken, die„Persönlichkeit" zu entwickeln durch die— wirkliche direkte Aktion?-— ach nein, nur durch die be- rauschende Propaganda der direkten Aktion. Das immerhin schwierige revolutionäre Handeln wird ersetzt durch das revolutionäre Reden. Wir sind glücklich! Der parlamentarische Kretinismus ist für die deutsche Sozialdemokratie keine Gefahr, kann keine Gefahr fein, da wir in einer halb absolutistischen, scheinverfassungsmäßigen Monarchie leben, der antiparlamentarische Kretinismus aber könnte uns um Jahrzehnte zurückwerfen, wenn er mehr als eine Laune des Tages wäre. Zum Glück ist er nicht mehr. Die anarchosozialistifche Karikatur einer hin und wieder auch bei ernsten Parteigenofsen spukenden Gcringfchätzung der parlamentarischen Aktion hat schließlich den guten, erwünschten Erfolg, einmal in aller erbarmungslosen Schärfe uns vor Augen zu führen, welche politischen Aufgaben wir noch zu lösen, welche gewaltigen Kämpfe wir noch auf unS zu nchnien haben. Wir haben noch alles zu tun, und wir haben keine Zeit zu verlieren, auch nicht eine Minute für wahnhafte Extasen._ poUtifchc CJcberficbt. Berlin, den 25. August. Das Konzil z« Strasburg. Straßburg, 24. August.(Eig. Ber.) Der wichtigste Teil der Beratungen des letzten TagcS der Katholikenvcrfaiumlungen pflegt das solenne Bankett zu sein, das mittags die Teilnehmer vereinigt. Nicht alle, denn was proletarisch oder auch nur kleinbürgerlich oder bäuerlich aus- ficht, ist schon durch den Preis ferngehalten, der für das Kuvert zu zahlen ist. Bier Mark und fünfzig Pfennig zahlt gewiß auch kein christlich organifierter Ar- bciter für sein Mittagessen I Damit dieses Festmahl nun ja nicht zu spät stattfindet, mußten die Verhandlungen am letzten Tage bis 1 Uhr erledigt sein. Im Ramsch wurden zunächst in der geschlossenen Versammlung die vorliegenden Anträge erledigt, von denen keiner für uns besonders interessant ist, und in der öffentlichen Versammlung wurden die beiden Vor- träge tcilweife ungeduldig angehört. Die Versammlung leitete diesnial der zweite Vizevorsitzcnde, der elsässische Graf A n d l a u, der sich offenbar bemüht, durch schnarmtden Ton möglichst„schneidig" zu erscheinen. Als erster Redner trat das Mitglied des preußischen Herrenhauses, der aristokratische Graf Oppersdorfs auf, um über„Sozialpolitik und Charitas in unserem Vaterlande" zu dozieren. Der Herr mag wohlwollend in der Betrachtung der sozialen Schaden sein, gründlich ist er nicht. Er will den Arbeitern helfen, in- dem er die wirtschaftlichen Gegensätze zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehniern zum Ausgleich bringt, er will dem Hand- werk helfen, deni kleinen und mittleren Kaufmannsstand und vornehmlich den Bauern I Das mag alles, wenn auch nicht in gleichem Maße, gut gemeint sein, aber bei dieser Art der Untersuchung fehlt ein allgemeiner Gesichtspunkt, von dem aus die Grundlage der Wirtschaftsweise und die Zusammen- hänge zwischen den einzelnen sozialen Kategorien betrachtet werden. Geht man so vor wie. der Referent, daß man lediglich jede Kategorie für sich betrachtet und Vor- schlüge zur Abhülfe ihrer besonderen Notlage macht, fo ergeben sich notwendig Widersprüche zwischen diesen einzelnen Vorschlägen. In diesem Sinne wäre z. B. der Nachweis leicht, daß wirksamer Arbeiterschutz unvereinbar ist niit agrarischer Schutzzollpolitik. Und für beides trat der Graf ein. Rednerisch' stand er nicht sehr hoch, seine Aus- führungcn hatte er vorher niedergeschrieben und auswendig gelernt und stockte, wenn er einmal seinem Gedächtnis nüt einem Blick auf das Manuskript helfen mußte. Ihm folgte eine klerikale„Leuchte" der Wissenschaft, Prof. Dr. M a u s b a ch- Münster i. W., um über ein Thema zu reden, dessen Behandlung zuerst Prof. Dr. Mepcnberg übernommen hatte:„Die Zusammenarbeit von Kirche und Staat zum Wohle der Gesellschaft". MauSbach reicht aber an Meycnberg sicher nicht, und wenn auch feine Rede gute Stellen enthielt und teilweise recht geschickte Polemiken, namentlich gegen den Liberalismus, von dem er z. B. sagte, er werde um so schlechter, je„jünger" er werde, so war doch die Darlegung im ganzen allzu sophistisch. Auch die anderen Theologen scheuten vor"Sophisttk nicht zurück, ohne die ja ihr ganzes Lehrgebäude nicht haltbar wäre; aber keiner ging so weit wie Professor Mausbach. Er ging aus von dem Bibelwort: Gebet Gott, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist, und deduzierte daraus die Notwendigkeit des Zusammenwirkens von Kirche und Staat. Staat und Kirche erstrebten dasselbe. Und schließlich stellie er sogar die Be- Häuptling auf, die Kirche sei eine internationale Friedensliga gegenüber den gewaltsamen internationalen Bestrebungen, die das Kapital und die Auflehnung gegen das Kapital darstellen. Auch sein Vortrag war nicht sehr einnehmend. Mehr noch und nicht so geschickt als Meycnberg erorückt er den Hörer nlit einer Ueberfülle von Bildern, die er in gezierter, zuweilen aufdringlicher Weise vorbringt. Die Katholikentage sind keine politischen, sondern rein religiöse Veranstaltungen, so wird unzählige Male von den Klerikalen hervorgehoben. Dagegen spricht der ganze Verlauf, aber diesmal ganz besonders das Schlußwort des Vor- sitzenden, Erbprinzen zu Löwenstein. Zunächst schied er nämlich sehr einfach die Zentrums presse von der „gegnerischen" Presse. Dann aber zog er offen die politische Konsequenz aus diesem Straßburger Katholikentag für die reichsländischen Klerikalen. Sie werden, so sprach er, eine Entscheidung treffen, daß der liebe Gott und die deuffchen Katholiken eine Freude haben werden. Auf gut deutsch: Schließt Euch endlich mal dem Zentrum anl Das also ist doch der Weisheit letzter Schluß gewesen, was schon so lange zuvor von den Gegnern angekündigt und vorausgesagt worden war. Der Glanz und die Pracht— zur Gewinnung des elsaß-lothringischen Klerikalismus, daß der Anschluß an das Zentrum endlich erfolge. Damit erscheint die EntWickelung des elsaß-lothringischen Klerikalismus vom Protestlertum zum Uebergang in die ausschlaggebende altdeutsche Partei tatsächlich abgeschlossen. Die politische Konstellation im Reichsland erfährt dadurch eine erfreuliche Klärung. Die sozialdemokratische Partei hat für nächsten Sonntag eine große öffentliche Massenversammlung veranstaltet, in der Genosse August Bebel über das Thema „Die politische Situation und der Katholikentag" reden wird. Die Oeffcntlichkeit hat das regste Juteresse an dieser Ver- sammlung genommen, ein weit regeres als am Katholikentage selbst. Der schneidige Erbprinz kam in seiner Schlußrede auch hierauf zu sprechen und sprach die Ansicht aus, daß unser Genosse Bebel es Wohl verstehen würde, ein zusammenfassendes Bild von den Arbeiten des Katholikentages zu geben, sodaß er hiervon absehen könne. Die elegante Durchlaucht hat in der Tat vollkommen recht. Bebel wird sagen, was von dem Katholikentag zu sagen ist— nur wissen wir nicht, ob seine Schlußbetrachtung den Herren gefallen wird. Umso mehr Anklang wird sie zweifellos bei der Bevölkerung finden, die ein gesundes und kräftiges Urteil über die schwarze Tagung hören will und mit Ungeduld diese antiklerikale Kundgebung erwartet. Die Befürchtung, der der vornehme Herr Ausdruck gab, der sozialdemokratische Führer würde seine Jnforniationen aus dem„Vorwärts" und der„Freien Presse" in Straßburg schöpfen, ist sehr unberechtigt, und zwar erstens deshalb, weil die kritisierten Berichte durchaus korrekt sind, sodann aber auch, weil die Auffassungen, die auf dem Katholikentag zur Geltung kamen, gerade so gestaltet sind, daß sie die sozial- demokratische Kritik außerordentlich erleichtern. Das Konzil der Reaktion ist zu Ende, nunmehr haben wir das Wort 1 **# Die Verhandlungen des Straßburger Katholikentages bestätigen in fast überraschend getreuer Weise die Charakteristik, die wir ihm beim Beginn gewidmet haben. Er war ein Kongreß der Anpassung im Geiste des Herrn Kopp, es war ein Katholikentag ä la rnode. Die Herren redeten, und mancher mit unleugbarer geistiger Bc- deutung, gewissermaßen protestantisch salonfähig, bisweilen geradezu „modern". Die katholische Orthodoxie drang zwar immer wieder durch diese geschniegelte regierungsfähige Zentrunisdemagogie durch, aber sie gab sich alle Mühe, zivilisierter, harmloser zu scheinen, als sie ist, sie trug einen eleganten, von einem talentvollen Hofschneider gebauten— Schafsrock. Deshalb sind die in Straßburg gewechselten Reden Worte ge- blieben, und man muß sie erst mit der Praxis der katholischen Kirche und des Zentrums konfrontieren, um ihren Sinn zu erfassen. Man könnte sagen, dieser Katholikentag war eine fast Bülowsche Kreuzung. Wenn Fürst Bülow sich daran inachte einen Katholprotestantismus feudaldemokratischer, sozialkapitalistischer, ultramöntanliberaler Nich- tung auf der mittleren Linie zu erzeugen, so käme ungefähr das Zentrum des Straßburger Katholikentages heraus. Kurz: Die katholische Kirche ist IVOS in Deutschland genau so„entwickelt", wie man sie braucht._ Der Kampf gegen die Ocffentlichkeit. Die Oeffentlichkeit des Militärgerichtsverfahrens ist jetzt geradezu „luftdicht" abgesperrt; die Zentrmnshand in der' Reichsgesetzgebung hat durch ihre Koinpromisselei auch diesen Triumph gewonnen, die wertvollste Reform auf einem kleinen Umwegs— die Allmacht der Krone— wieder zu verlieren. Jetzt versucht man nun, zu ver- hindern, daß auch nur ein Sterbenswörtchen aus den Geheimnissen der Militärjustiz in die Oeffentlichkeit gelangt. Vor einiger Zeit ging durch die Blätter eine Mitteilung, wo- nach gegen nichrere Redakteure Berliner Tageszeitungen eine Unter- suchung wegen Veröffentlichung von Berichten über eine unter Aus- schluß der Oeffentlichkeit stattgefundene Verhandlung vor dem Ober- Kriegsgericht des III. Armeekorps eingeleitet worden war. Jetzt hat der erste Staatsanwalt des Landgerichts 1 die Anklage er- hoben. Sie richtet sich gegen die verantwortlichen Redakteure zweier Berliner Blätter und gegen die Mitarbeiter von zwei Korrespondenzen. Den beiden ersteren Angeklagten wird zur Last gelegt, über die Verhandlung in der UntcrsuchungS- fache Scheidt und Genossen vor dem Obcrkriegsgcricht des III. Armee- korps in Berlin, soweit die Oeffentlichkeit der Verhandlung wegen Gefährdung der militärdienstlichen Interessen ausgeschlossen war, einen Bericht durch die Presse veröffentlicht zu haben. Die beiden letzteren Angeklagten werden beschuldigt, zur Begehung des vor- bezeichneten Vergehens durch Tat wissentlich Hülfe geleistet zu haben. In Betracht zieht das Gericht den Z 18 Absatz 2 des Ein« führungsgesetzes zur Militärstrafprozeßordnung vom 1. Dezember 1898,§ 20 des Preßgesctzes und Z 49 des Strafgesetzbuches. Die Hauptverhandlung dürfte demnächst vor der Ferienstrafkammer des königl. Langerichts I stattfinden. Der Einzelfall, um den es sich hier handelt, liegt toll genug. Denn der Prozeß wurde in erster Instanz öffentlich verhandelt,)o daß den„Bericht" in der Wiedergabe der in erster Instanz erfolgten Beweisaufnahme bestand; nur die Mitteilung des Strafantrages war hinzugekommen. Der Geh. Kriegsrat R o m e n hat aus Anlaß dieses Falles jüngst im Scherlschen Geschäft die Meinung verhandelt, unter einem„Bericht" seien an sich die Wiedergabe irgend welcher Einzel- heiten, gleichgültig, ob wesentlich oder unwesentlich, zu verstehen. Das würde natürlich zu der absurden Folgerung führen, daß jemand bestraft würde, der irgend eine Kleinigkeit aus einer nicht- öffentlichen Verhandlung gehört hat und sie durch die Presse ver- breitet. Bemerkenswert aber ist, daß dieser Herr Romen, der doch sicher amtlich au der Einleitung des Prozesses beteiligt ist. im voraus in einem Scherl-Blatt auf Schuldig plädierte. Im Plötzensee-Prozeß wurde schon ein Sachverständiger als„befangen" abgelehnt, weil er ohne Zusammenhang mit der eigentlichen Prozeßmaterie in einem Fachblatt die Autorität der Psychiatrie gegen einen Angriff ver« teidigtel—_ Aus Ostafrika wird gemeldet: Berlin, 25. August. Der Kommandant S. M. S.„Bussard", welcher am 23. August vormittags in Kilwa Kiwingi angekommen und nachmittags nach S a d a n i weiter gegangen ist, meldet: „Nehme acht Mann vom Kilwa-Detachement mit. Nachrichten über Aufstand liegen von dort noch nicht vor. Paasch e hat sich am 21. August bei Ko w oni gelagert. Ist am 22. August bis M tau ja vorgegangen." Diese Meldung klingt in mehreren Beziehungen seltsam. Man hätte meinen sollen, daß der„Bussard" alle Ursache hatte, zunächst einmal in Kilwa, dem Hvptkü't-nort des im Aufstand befindlichen Bezirks, zu bleiben. Statt dessen geht er schleunigst nach S a d a n i weiter, das 300 Kilometer weiter nördlich, gegenüber Sansibar, im Bezirk Bagamoyo ge- legen ist. Da er noch obendrein acht M'ann vom Kilwa« Dctachement mitnimmt, liegt die Annahme nahe, daß auch in diesem nördlichen Bezirk Unruhen ausgebrochen sind oder doch auszubrechen drohen! Ebenso befremdend ist die Meldung, daß Leutnant P a a s ch e am 22. August bis M t a n s a vor- gedrungen sei. Der Ort Mtansa liegt aber gar nicht mehr in dem Bezirk Kilwa, sondern in dem nördlich angrenzenden Bezirk R u f i j i. Da sich das Gros der Matumbi-Leute nach Süden geflüchtet haben soll, scheint Paaschs also die Verfolgung aufgegeben zu haben. Oder sollten auch im Bezirk Rufiji Unruhen ausgebrochen sein? Tie ganze Lage scheint also immer kritischer zu werden und eine weitverbreitete Erhebung bevorzustehen! Eine Verstärkung der oft afrikanischen Schutztruppe durch neuanzuwerbendcnSuda- n e s e n steht bevor. Ein deutscher Offizier hat bereits die Reise zur Anwerbung von 300 Mann angetreten. Die in der Schutztruppe befindlichen Sudanesen erhalten einen Sold von zirka 500 M. Ob die direkt für den Krieg anzuwerbenden Sudanesen sich mit diesem Sold begnügen werden ist sehr fraglich. Auch für diese Truppenverstärkung wäre die Bewilligung des Reichstages nachzusuchen. Fürst Bülow nimnit sich damit aber wieder einmal die Zeit! Die Kopfzahl der Marinemannschaften und Seesoldaten, die gestern abgegangen ist, beträgt, wie noch bekannt wird, nicht 250, sondern 231, nämlich 9 Offiziere und 222 Mannschaften.— Ucbcr das mangelnde VerantworinngSgefühl der Missionare, das auch wir bereits gekennzeichnet hatten, schreibt die„T ä g l. R d sch.": „Nun liegt aber die Frage nahe, ob die Verschärfung der Lage, wie sie neuerdings hervorgetreten ist, nicht zu ver- meiden war, und da bin ich nun der Ansicht, daß das aller- dings nicht ausgeschlossen war. Für die akut aufgetreteiie Krise fällt meines Erachtens die Hauptschuld dem unvernünftigen Verhalten der Missionare zu. Es war in Kilwa bekannt, daß der Weg ins Innere unsicher geworden war. Wieder- holt hat das Bezirksamt die Missionare gewarnt, ins Innere zu ziehen und sie gebeten, vorläufig ihren Abmarsch auf- zuschieben. D i e s e W a r n n n gen wurden n i ch t b e a ch t e t. Zwangsmittel standen dem Bezirksamt den Missionaren gegenüber natürlich nicht zu... Die Folgen fallen nicht der Mission allein, sondern auch anderen zur Last. Der Regierung erwächst nach solchen Massakers die Pflicht, sofort strenge strafend vorzugehen, durch die zu diesem Zweck nötig werdenden Expeditionen wird das Land in K r i e g s u n r u h e n gestürzt, die E n t w i ck e- lung der Kolonie wird gestört, deni Vkutterlande entstehen im voraus gar nicht zu berechnende Kosten. Hätten die Missionare den Rat des BezirksamtmannS angenommen, so wären sie nicht ermordet." Für die Schaffung einer deutschen Kolonialarmee legt sich der liberale„Hamb. Korresp." äußerst lebhaft ins Zeug. Deutschland bedürfe einer Kolonialarmee, um bei jedem kolonialen Aufftaud gleich eine ausreichende Truppenmacht zur Hand zu haben. In dasselbe Horn blies dieser Tage schon Oberst a. D. G ä d k e im „Berliner Tageblatt". Nur verlangte dieser Herr außer einer starken Landarmee auch eine starke Kolonialmarine, bestehend aus einer erklecklichen Anzahl Auslandskreuzer. Man müsse nun endlichDeinmal mit der Weltpolitik ernst machen. Es fehlt gerade noch, daß die freisinnige Presse den Kolonial- und Mariuekoller anfacht!—_ Siegreiche Knoalleric-Attacken. Trotz der Ableugnung ist es auf dem Truppenübungsplatz Senne zu einer blutigen Kavallerie-Attacke gekommen, wobei die bayrischen Ulanen, deren Chef Wilhelm II. ist,„siegten". Nach der„Franks. Ztg." gab es ans bisher nicht aufgeklärten Ur« fachen bei einer Kavallcrieübnng einen Zusammenstoß der beiden hessischen Artillerieregimenter mit bayrischer Kavallerie, wobei der hessische Brigadestab und eine größere Anzahl von Mannschaften der zweiten Schwadron des 23. Dragonerregiments überritten wurde. Ein bayrischer Ulan stieß dem Pferde des Brigadeführers, Obersten v. Wallenfels, die Lanze tief in die Seite, so daß es stürzte, der Reiter blieb aber unverletzt. Auch das Pferd des Kommandeurs des 23. Dragonerregiments Oberstleutnants v. Bermnth wurde tödlich getroffen. Durch den Sturz erlitt der Reiter eine schwere Beinverletzung. Weitere schwere Unfälle sind bisher nicht bekannt geworden, dagegen ist noch eine Anzahl leichterer Knochenbrüche und Verwundungen zu verzeichnen. Auch auf bayrischer Seite gab es mehrere Verwundete. Außer einigen Knocheubrüchen und Fleischwunden"erlitt ein Kavallerist durch den Sturz eine Gehirnerschütterung. Ein weiterer Bericht konstatiert noch einige schwere Verletzungen, doch wird bestimmt versichert, daß in der ganzen Division bis jetzt kein Todesfall vorgekommen ist. Acht bis zehn Pferde sind durch Lanzenstiche getötet, ebensoviel rissen sich bei der allgemeinen Verwirrung los und liefen davon. Die Militärverwaltung hat doch allen Anlaß, über Wesen und Gründe dieses schneidigen Zusamnienstoßes Auskunft zu geben. Begreiflich ist es dagegen, warum man im Publikum direkt nichts Näheres erfahren hat. Denn diese Uebungen wurden unter so ängstlichem Ausschlnß der Oeffentlichkeit abgehalten, daß selbst die größten Hurrapatriotcn mit den schärfsten Fernröhren nichts von den: Spektakel erwischen konnten. Im„Westsälischen Volksblatt", einem in Paderborn erscheinen- den Zentrumsorgan, jammert so ein enttäuschter Militärfrömmler über seine Leiden: „Leider war die Absperrung in einer so ungewöhnlich um- fassenden Weise durchgeführt, daß nur sehr wenige etwas Näheres zu sehen imstande waren; den Kaiser zu sehen, ist nur einzelnen beschieden gewesen, und zwar zum Schlüsse der Parade, als die Menge die Absperrung durchbrach. Die patriotischen Vereine, die Feuerwehren, der Paderborner Schützenverein, die Sanitätskolonne und die sonstigen an der Spalierbildung beteiligten Vereine wurden nach dem Eintreffen des Kaisers zum Czettritztürme geführt, wo sich freilich ein sehr geeigneter Platz zum Verfolgen von Manöver- Übungen geboten hätte, wenn solche überhaupt in einiger Nähe ge- halten wären. Bei hin und wieder eintretendem Regen und unter dem stark durch den Wind aufgewehten Flugsande hielt die wohl mindestens 6000 Köpfe zählende Menge ans, gegen 9 Uhr kamen vom Haustenturme her in einer Entfernung von 4—5 Kilometer Reiterscharen zu Gesicht, das Fernrohr ließ auch die Kaiser- standarte entdecken, und hielten längere Zeit südöstlich vom Stau- mühlensignal, dann zogen sie sich wieder zurück und ein Regiment kani auf eine kurze Zeit in eine Entfernung von etwa 3 Kilo- meter, dann bewegte es sich wieder auf Haustenbeck zu und schien jenseits des Taubenturmes nach der Winninghöhe zu ziehen. Das war alles, was die Taufende zu sehen bekamen, einfach so gut wie nichts, jedes Vorrücken wurde durch die die Spern: festhaltenden Reiter und Gendarmen untersagt, bis etlva 10 Uhr die Scharen sich teils zerstreuten, teils nach der Winninghöhe zuwandten, aber der Weg war zu iveit, die Uebungen und die Kritik nebst Parade waren längst vorbei, als sie eintrafen. Wie uns von allen Seiten berichtet wird, hat man auch an den übrigen Plätzen das Piiblikmn in so enorm weiten Entfernniigen gehalten, daß der Kaiser nur zufällig von einzelnen gesehen werden konnte, bei der Parade war dieser so weit, daß man nicht ciinnl die Musik zu hören ver- mochte. Daß unter solchen Umständen sich des in ganz außer- ordentlich starker Zahl und zum großen Teile aus weiterer und Weiter Ferne gekommenen Publikums ein« arge Unzufriedenheit über die ganz unerwartet ausgedehnten Sperrmaßnahmen bemächtigte, ist sehr begreiflich, und man hörte vielfach sagen:„Wenn die bc- treffende Behörde kein Publikum will, dann möge sie es doch offen heraus sagen; den ganzen Tag und dazu Mühseligkeiten und Kosten opfern, ohne überhaupt etwas zu ichcn,-hat keinen weck, dann bleibt man nächstens lieber zu Hause". So haben ausende gedacht, und besonders verstimmt waren die genannten Vereine, welche die Mühe der Spalierbildung auf sich genommen hatten. Ein einfacher Mann sagte uns mit Tränen ini Auge, er sei 24 Stunden weit zu Fuß gewandert, um seinen Kaiser einmal zu schauen, aber er habe rein gar nichts gesehen. Aehnliche Fälle dürften sich zahlreich finden." So schmerzliche Erfahrungen mußte die„treu patriottsche Be- bölkerung" machen. Freilich ward ihr damit auch erspart, jenes blutige Kriegsspiel beobachten zu können. DaS treu patriotische Zentrumsblatt ist aber noch so glücklich, als Ersatz das Menu des Frühstücks mitteilen zu können, das nach den Kavallerieattacken von den Offizieren verzehrt wurde!— Die Hamburger Oberschulbehörde als Schrittmacher der Reaktion. Man schreibt uns aus Hamburg: In der Plutokraten-Republik Hamburg hat sich während der Parlamcntsfericnzcit ein bezeichnender Zwischenfall abgespielt: die Volksschullehrer, die sich bisher einer relativ größeren politischen Bewegungsfrcit erfreuten, als ihre Kollegen in anderen deutschen Staaten, sollen durch ein kaudinisches Joch gehen, weil sie in ihrer Mehrheit es gewagt haben, gegen eines hohen Senats Wahlrechts- raubvorlagc zu protestieren. Es handelt sich um folgendes: Als die Scnatsvorlage veröffentlicht wurde, nahm dazu der Vorstand der„Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Er- ziehungswesens", welcher etwa vier Fünftel der Hamburger Lehrer als Mitglieder angehören, eine ablehnende Stellung ein, indem er der Ilcberzeugung Ausdruck gab, daß denjenigen Bevölkerungs- schichten, deren Kinder die Volksschule besuchen, eine wirksame Teil- nähme an der Gesetzgebung gewährleistet werden müsse. Eine kleine reaktionäre Klique unter den Lehrern protestierte gegen die Kundgebung des Vorstandes der„Gesellschaft", worauf dieser vom Amte zurücktrat. Aber die fortschrittlichen Elemente der Lehrerschaft scharten sich um den früheren Vorstand und traten für dcffc.n Wiederwahl ein, damit ihr prinzipielles Einverständnis mit dem Vorgehen des Vorstandes in der Wahlrechtsfrage doku- mcnticrend. Da trat etwas ein, was kein Mensch in der„freien" Republik erwartet hatte: der präsidierende Senator der Obcrschulbehörde (Sektion Volksschulen), Dr. Refardt, ein früherer Rechtsanwalt, der als einer der Hauptscharfmacher im Senat gilt, drohte der „Gesellschaft" mit wirtschaftlichem Boykott, falls der alte Vorstand wiedergewählt werde, d. h. der„Gesellschaft" sollte der Schriften- vertrieb genommen werden. Die„Gesellschaft" unterhält seit alters- her eine Verlagsanstalt, welche die Schulbücher für die Hamburger Volksschulen herausgibt. Von dem jährlichen Uebcrschuß in Höhe von 40 000 M. fallen 90 Proz. der Witlvenkaffe, der Rest der Unter- stützungs- und Krankenkaffe der Lehrer zu. Durch die von echt Stummschem Geiste diktierte Maßnahme des Senators würde jedes der zirka 2000 Mitglieder der„Gesellschaft" jährlich 20 M. aus der eigenen Tasche zu blechen haben, um die Kassen aus der bisherigen Höhe zu halten. So sollte das freie Wort in Hamburg gestraft werden, in dem- selben Hamburg, in dem durch die Wahlrechtsvorlage den Beamten das passive Wahlrecht verliehen werden soll,„damit sie", wie es in den Motiven zu diesem Monstrum heißt,„frei ihre Meinung nach bestem Wissen und Gewissen äußern können, wenn sie durch das Vertrauen der Wähler in unser Hamburger Parlament entsandt werden." Ein derberer Hohn auf das„freie Wort" ist wohl nicht denkbar. Tffis ist die politische Vollbcrcchtigung der Beamten in der Praxis! Selbst der senatsoffiziöse„Hamb. Corresp." raffte sich in der beregten Frage zu einem Tadel gegen die Oberschulbehörde auf: „... Jedenfalls mühte man sie(die Matzregelung) bedauern, denn was man auch gegen jene Kundgebung einwenden mag, und wir erkennen, wie gesagt, diese Einwände zum Teil als berechtigt an, so wird der Schlußeindruck immer der sein, daß die Schulbchörde über die„Gesellschaft" wegen einer Meinungsverschiedenheit in einer politischen Frage einen Boykott verhängt, d. h., daß sie durch die Androhung wirtschaftlicher Nachteile die Verleugnung einer politi- schcn Ucberzeugung zu erzwingen versucht bczw. ihre Verweigerung gestraft habe. Wie verhängnisvoll ein solcher Eindruck wäre, brauchen wir nicht auszuführen. Er wäre ganz besonders unerträg- lich in einer Frage, in der tiefe, prinzipielle Meinungsverschieden- heiten nach unwidersprochenen Gerüchten sogar den Senat selber spalten sollen. Wir möchten also, daß diese Angelegenheit wirklich eine Vcreinsangelegenheit bliebe und daß der Streit unter keinem anderen Gesichtspunkt entschieden werde, als unter dem der Vereins- grundsätze und der politischen Ueberzeugungcn. Denn kein Freund', unserer Vaterstadt wird wünschen können, daß das hochwichtige Amt der geistigen und sittlichen Erziehung unserer Jugend Leuten an- vertraut werde, die um äußerer Vorteile oder Nachteile willen ihre Ueberzeugung preisgeben." Die Hamburger Lehrerschaft hat sich nicht dem Machtgebot des diktatorisch veranlagten Senators gefügt, sondern hat in einer von über 1300 Personen besuchten Versammlung beschlossen, den Vor- stand zum Bleiben im Amte zu bitten, und hat dadurch bekundet, daß sie nicht willens ist, sich durch Androhung wirtschaftlicher Nach- teile knebeln zu lassen. Gegen eine kleine Minderheit machte sie die Kundgebung des Vorstandes der„Gesellschaft" zu der ihren. Die Beschlüsse lauten: 1. Die„Gesellschaft" hält an dem Ideal der allgemeinen Volksschule fest und betrachtet es als eine Boraussetzung seiner Brnvirklichung, daß denjenigen Bevolkerungsschichten, deren Kinder die Volksschule besuchen, eine wirksame Teilnahme an der Gesetzgebung gewährleistet werde. 2. Sie erklärt, daß sie es als eine dringende Notwendigkeit ansieht, daß allein die Generalversammlung in allen wichtigen Schulangelegenhciten Erklärungen abgibt. 3. Tie Generalversammlung verwahrt sich gegen jeden Ver- such, die Lehrer durch irgend welche Maßnahmen zu hindern, schulpolitische Ueberzeugungen auszusprechen und ihre Rechte als Mitglieder der„Gesellschaft" auszuüben. Sollte der boykottlustige Herr Senator es wagen, seine eile. Absicht zur Durchführung zu bringen, oder sollte er nur Schreckschüsse losgelassen haben?— Hueland. Die Krise der Arbeitsbörse. Paris, 19. August.(Eig. Ber.) Wie der Beschluß der revolu- iionären Gewerkschaften, das vom Gemeinderat beschlossene Reglement der Arbeitsbörsen nicht anzunehmen, hat voraussehen lassen, ist die Regierung zu Gewaltmaßregeln geschritten. Sie hat Nuttels Dekrets das Millerandsche Statut von 1900, das den Arbeitsbörsen eine ziemlich ausgedehnte Selbstverwaltung gewährte, ab- geändert und eine Reihe von Bestimmungen eingefügt, die das Aufsichtsrecht und die Polizeigewalt des Seine-Präfekten verstärken. Besonders wichtig ist die neue Bestimmung des Artikels VIII, daß der Präfekt über die Beobachtung der Dekrete und Reglements, die die Arbeitsbörsen betreffen, und über die'A usführung derBe- s ch l ü s s e der Administrativkommission, des Gemeinde- r a t e s und der Gerichte zu wachen habe. Weiter wird der Gemeinderat als Appellinstanz über die Verwaltungskom- Mission gesetzt. Eine llebergangsbestimmnng sagt ferner: „Die Kommission, die nach dem vom Gcmeinderate angenommenen Reglement die Wählerlisten und die Wahl der Verwaltungskommission zu prüfen hat, wird im Lause des August gewählt werden. Die Wahl der Verwaltungskommission selbst wird innerhalb eines Monats nach Fertigstellung der Wählerlisten erfolgen. Der Präfekt hat von der ihm jetzt eingeräumten Gewalt sofort Gebrauch gemacht und eine provisorische VerwaltungS- t o m m i s> i o n euiaimt, die aus drei Bemeinderäten, zwei Etaatz« und vier Gemeindebeamten besteht. Die von den Gewerkschaften gewählte Administrativkommission ist somit aufgelöst und hat rhre Delogierung zu gewärtigen. Dieses Vorgehen hat bei der reaktionären Presse begreiflicher- weise freudige Zustimmung gefunden, wenngleich manche Kapitalisten- blätter, wie das„Journal des Döbats", nur daran noch nicht genug haben und die vollständige Schließung der Arbeitsbörse fordern. Die Verfügung des Präfekten hat aber den Konflikt keineswegs schon entschieden. Es ist noch nicht gewiß, ob die Regierung angesichts der Weigerung der großen Mehrzahl der Gewerkschaften, an der Wahl der neuen Verwaltungskommission auf Grund des vom Gemeinderat beschlossenen Proportionalsystems teilzunehmen, die Wahl überhaupt vollziehen lasten und die Verwaltung der Arbeits- börse einer nur von einer winzigen Minorität gewählten Kommission in die Hände geben wird, die von den meisten Gewerkschaften ebenso heftig zurückgewiesen wird wie die ernannte Beamtenkommission. Fraglich ist es auch, ob die Gewerkschaften, die mit den bisher die Arbeitsbörse beherrschenden Tendenzen nicht einverstanden sind, Lust dazu haben werden, mit Hülfe eines gegen die Autonomie ge- richteten Ukases die Zügel zu ergreifen und ihr Verhältnis zur Masse der Gewerkschafte» dauernd unleidlich zu machen. Ich habe heute die Meinung einiger Mitglieder der bisherigen Vcrwaltungskcmimission eingeholt und von ihnen die Antwort er- halten, daß ihnen das Vorgehen der Regierung völlig gleichgültig sei. Wenn man die Verwaltungskommission zwingt, die Arbeits- börse zu verlassen, sagte man mir, so werden wir eben gehen und unsere Tätigkeit, die in der revolutionären Propaganda besteht, anderswo fortsetzen. Die Gewerkschaften können ja nach wie vor in der Arbeitsbörse bleiben.— Die Verwaltungskommission, hörte ich weiter, hätte ohnehin gar keine Macht besessen, sogar die Diener des Hauses seien von dein städtischen„Regisseur" angestellt. Die Verteilung der städtischen und staatlichen Subventionen für die Arbeitsvermittelung wäre für die Kommission nur eine Last und die Quelle von Feindschaften seitens der nicht nach Wunsch bedachten Organisationen gewesen. Man gestand mir unumwunden zu, daß die Subvention zum Teil an Verbände ausgefolgt worden ser, die gar keine Arbcitsvermittelung haben— eben zur Unterstützung der Propaganda. Daß diese merkwürdige Rechtsanschauung, die die eigenmächtige Bestimmung einer für einen ausdrücklich bezeichneten Zweck übergebenen Summe für einen anderen, selbst gewählten, unanfechtbar hielt, bei denen, mit deren Geld diese Operation vor- genommen wurde, Anstoß erregen und den Gegnern der Arbeits- börse zum willkommenen Vortvand eines reaktionären Handstreichs werden konnte, scheint den Verfechtern der„direkten Aktion" keine Sorge gemacht zu haben. Auch das seltsame Argument, daß die gewerkschaftliche Arbeitsvermittelung überhaupt keine richtige Sache sei, da die Arbcitsposten doch in der Regel durch das Herumsprechen unter Kameraden bekannt würden, reicht wohl zur Rechtfertigung der finanziellen Manipulationen der Vcrwaltungskommission nicht ganz hin. Ich hörte heute auf der Arbeitsbörse die seltsame An- schauung vertreten, daß der deutsche Typus der Gewerkschaft eine „Stärkung der Staatsgewalt" bedeute, wogegen die„revolutionäre Gewerkschaft", die sich nur der Propaganda widme, aber ihren An- gehörigen selbst keine unmittelbaren Vorteile biete, dem Sozialis- mus, der anti-ctatiste— staatsfeindlich— sein müsse, allein wahr- Haft Dienste leiste. Daß diese Meinung von der Unfähigkeit der Gewerkschaften, die Position des Proletariats schon in der heutigen Gesellschaft durch unausgesetzte Organisationsarbcit zu verbessern, unter den französischen Arbeitern doch nicht so allgemein ist, wie man nach der Haltung der Arbcits-Konfödcration vermuten könnte, scheint immerhin aus der in manchen großen Gewerkschaften durch- dringenden Tendenz zurErhöhung der Mitgliedsbeiträge hervorzugehen. Vielleicht wirkt die gegenwärtige Krise mit, die Klärung zu fördern, die auch im französischen Proletariat nicht ausbleiben kann. Die größte Gefahr für die sozialistische Politik in Frankreich, die Erschlaffung in der parlamentarischen Kleinkrämerei, kann nur durch kraftvolle, dem pscudorevolutionärcn Phrasentum entwachsene gewerkschaftliche Organisationen besiegt werden. In den GeWerk- schaften, die heute noch der direkten Aktion unbedingt anhangen, steckt unzweifelhaft eine hoffnungsvolle proletarische Energie— jene Energie, die der sozialistischen Partei, wie sich alle einsichtigen Parteigenostcn eingestehen, abgeht und deren Fehlen durch den großen Reichtum an eigenartigen Begabungen und Persönlichkeiten, wie ihn der französische Sozialismus aufweist, nicht wettgemacht werden kann. Gegen die Gefahren des Parlamentarismus kann es nur einen Kontrollapparat und nur ein Gegengewicht geben: die organisierte proletarische Masse. Die unmittelbare Wirkung der Ordonnanzen gegen die Arbeits- börse ist allerdings eine Stärkung der arbeiterfeindlichen und politisch reaktionären Tendenzen. Darum wendet sich auch der charaktcr- vollere Teil der bürgerlichen radikalen Presse mit entschiedenem Tadel gegen die Regierung. Das Ministerium hat einen weiteren Schritt nach rechts getan, wobei ihm freilich die Anhänger der direkten Aktion den Weg geebnet haben. Die Aufhebung der Autonomie eines Ar- bciterinstituts bringt Rouvier seinen alten Freunden auf der Rechten näher und knüpft die Bande fester, die die bürgerlichen Parteien im Kampf gegen den Sozialismus vereinigen. Es ist kein Zufall, daß jetzt vor den Wahlen auf der ganzen Linie, von den Monarchisten bis zu Clemenceau eine heftige Kanonade gegen den Sozialis- mus eröffnet worden ist. Allem Anschein nach steht eine Epoche aggressiver bourgeoiser Kampfpolitik bevor. Hoffentlich wird unter den Sorgen ter Abwehr die Erkenntnis der Notwendigkeit einer ge- festigten proletarischen Disziplin reifen.» O esterrei ch-Ung arn. Der Kampf ums allgemeine Wahlrecht ist auf der ganzen Linie aufgenommen. Diesem Drängen des ungarischen Proletariats gegenüber konnte die Unabhängigkcitspartei ihren Widerstand nicht ganz aufrecht erhalten und so tritt sie, die früher, ehe sie die Macht dazu hatte, stets für das allgemeine gleiche Wahlrecht ohne jede Einschränkung gewesen ist. jetzt wieder dafür ein; jedoch will sie dasselbe an bestimmten Bedingungen geknüft sehen. Es sollen nämlich nur diejenigen Bürger das Wahlrecht erhalten, welche ungarisch lesen und schreiben können. Damit würden zirka 60 Proz. der ungarischen Bevölkerung vom Wahlrecht ausgeschlossen bleiben. Erstens würden von den Deutschen, Rumänen, Serben, Slovaken usw. viele um ihr Wahlrecht kommen, fast noch mehr aber würde das magyarische Proletariat betroffen, denn bei den unglaublich verlotterten Schulzuständen— die Schulen in Ungarn stehen ganz und gar unter dem Einfluß des Adels und der Pfaffen — gibt es Tausende und Abertausende von Magharen, die Weder ungarisch lesen noch schreiben können. Die sozialdemokratische Partei setzt ihren Kampf gegen die Koalition, namentlich gegen die Un- abhängigkeitspartei unentwegt fort, denn gerade die letztere hat jetzt die Macht und brauchte nur ernstlich zu wollen, dem ungarischen Volke das allgemeine gleiche Wahlrecht zu verschaffen.— Ein„falscher Zungenschlag". Das„Wiener Fremdenblatr" er- fährt von zuständiger Seite folgendes: Nachdem der Präsident der italienischen Deputiertenkammcr am 27. Juli in einem dem ZtAdenken des verstorbenen Deputierten Socci gewidmeten Nekrolog die Wen- dung gebraucht hatte, daß Socci im Jahre 1866 mit Garibaldi in den Bnrgen unseres Trentino gekämpft habe, wurde von Wien aus im Wege der österreichisch-ungarischen Botschaft bei der italienischen Regierung in freundschaftlicher Weise Aufklärung verlangt. Ter Kammerpräsident hat auf Befragung jede irredcntistische Absicht in Abrede gestellt, der italienische Minister des Aeußern hat aher der peinlichen Empfindung gebührend Rechnung getragen, die jene Aeußerung in Oesterreich-Ungarn hervorgerufen hat, und hat sich mit gewohnter Loyalität beeilt, dem österreichisch-ungarischen Ver- treter in Rom das aufrichtige Bedauern der italienischen Regierung über den Vorfall auszudrücken.— Frankreich. Die büßenden Republikaner. Pari«. 24. August.(Eig. Ber.) Die reaktionäre Presse wird immer hoffnungsvoller. Sie sieht ihren Weizen prächtig aufgehen. Die Bourgeoisrepublikaner schwenken mit fliegeirden Fahnen nach rechts und die Konzentration der „Ordnungsparteien" kündigt sich schon vernehmlich an. Wenn die nationalistischen Franktireurs der Rechten sich ein bißchen zu zähmen wissen, werden die noch zögernden Radikalen ihre Schämigkeit auf- geben. Der neue Geist der patriotischen Versöhnung, der in Wahrheit den Z u s a m m e n s ch l u ß zum Klassenkampf bedeutet, hat sich auch in den solennen Eröffnungssitzungen der Generalräte gezeigt. In feierlichen Protesten gegen die„vaterlandslosen" Be- flrcbungen fanden sich die Monarchisten, Rechtsrepublikaner und Radikalen zusammen. Im Generalrat der I s ä r e versuchte der Sozialist M i st r a l mit Berufung auf die Menschenrechte eine Re- solution gegen die Maßregelungen der sozialistischen Lehrer durch- zubringen. Aber der Senator R i V e t erklärte:„Die Beamten sind Leute, die freiwillig auf einen Teil ihrer Freiheit verzichtet haben, sie sind in ihren Worten wie in ihren Handlungen zu einer gewissen Zurückhaltung gegenüber der Regierung verpflichtet, der zu dienen sie die Ehre haben." Der Generalrat stimmte diesen wundervollen„demokraftschen" Anschauungen zu und beschloß mit 23 gegen 3 Stimmen den Uebergang zur Tagesordnung. Aber selbst der Antiklerikalismus, die einzige Walze im Block- apparat. die halbwegs funktionierte, bleibt schon stecken. Der Generalrat des Departements Charentc Jnferieure hat einem von Nonnen geleiteten Zufluchtshaus 1S00 Frank als Subvention bewilligt. Und der Präsident dieser Versammlung ist— Herr C o m b e s I Jawohl, Herr Combes, der Ministerpräsident der Blockherrlichkeit, der Stratege der„weltlichen Aktion", der„Kirchenräuber", wie ihm der Fluch der Römlinge nach- rief. Die reaktionäre Presse spottet:„Herr Combes ist nicht mehr er selbst." Und noch ein anderes: Unlängst hat sich ein Komitee zusammengetan, das Camille Desmoulins, dem Helden des Bastillesturmes, ein Denkmal errichten will. An den Generalrat des Herrn Combes war nun ein Ersuchen um einen Beitrag an« gelangt und der Generalrat lehnte ab. Die Erben der Re- voliition finden eben auch mit ihrem Jakobinismus im Bedarfsfalle Akkomodements.— Zarenpöbel. Väterchen hat das Ende der Revolution befohlen, zugleich hat er verfügt, daß sein toller Pöbel nicht auf eigene Faust, sondern nur mit besonderer Autorisation die liberale Intelligenz, das revo- lutionäre Proletariat, die Juden niederschlagen dürfe. Folgendes Telegramm wird verbreitet: Petersburg, 25. August. In der Stadt Balaschow hatten sich eine Anzahl Kreisärzte, welche den Dienst vor kurzem demonstrativ eingestellt hatten, am 3. d. M. zu einer Beratung versammelt, wobei es zu Ausschreitungen des Pöbels gegen sie kam. Das Polizeidepartcmcnt teilt nun mit, daß die Urheber der Aus- schreitung dem Gericht übergeben worden sind. Wie der„Re- gierungsbote" meldet, machte der Kaiser auf den Bericht Trcpows über diese Vorgänge den Vermerk, revolutionäre Erscheinungen dürfen nicht mehr geduldet, gleichzeitig aber auch nicht ein eigen- mächtiges Borgehen des Pöbels gestattet werden. In Zukunft wird demnach das Zarengesindel nur dann zum Morden und Plündern zugelassen, wenn es autorisiert wird:„Eigen- Mächtigkeiten" läßt der Zar nicht mehr zu, auf keiner Seite, nachdem er die—„Verfassung" gegeben. Die Vorgänge selbst, auf die Bezug genommen wird, waren, wie der„Tag" erinnert, die folgenden: Die Administration des Kreises Balaschow(Gouvernement Saratowj hatte die Acrzte durch Schikane dahin gebracht, daß sie sämtlich bei der Semstwo um ihre Entlassung cinkamen. Eine Krcis-Semstwo-Versammlung wurde in der Stadt Balaschow ein- berufen. An diesem Tage hatten auch die Acrzte sich nach Balaschow begeben, um das Resultat der Versammlung, die sich mit dem Rücktritt der Aerzte befassen sollte, zu vernehmen. Es hatten sich jedoch nicht genügend Semstwomänner eingefunden, so daß die Versammlung vertagt werden muhte. Aerzte und Semstwomänner finden sich hierauf in einem Gasthofe der Stadt zusammen, um ein Mittagsmahl einzunehmen. Um diese Zeit erscheint ein über 2606 Köpfe starker Voltshaufc, dem das Zaren- hild vorausgetragcn wird, die Zarenhymne singend, vor dem Hotel und beginnt Steine durch die Fenster zu schleudern, so daß die Acrzte sich zurückziehen mußten. Bald darauf tritt der Gouvcr- neur ein und redet auf das Volk ein, das verlangt, Lynchjustiz üben zu dürfen. Die Aerzte und Semstwomänner werden hierauf vom Gouverneur aus dem Hause geführt und sollen unter dem Schutze von Kosaken zum Bahnhof fahren. Aber schon in Gegen- wart des Gouverneurs werden verschiedene Intelligente durch Steinwürfe verletzt und mißhandelt. Der Gouverneur fährt gleich darauf fort und die Intelligenten treten in Begleitung von Kosaken den Weg zum Bahnhof an. Aber unterwegs fallen plötzlich die Kosaken mit ihren Knuten über die Unglücklichen her, Individuen aus dem Volke folgen dem Beispiel dieser„Schützer" und die Intelligenten werden übel zugerichtet. Der Arzt Schmclow, der 20 Jahre für die Semstwo uneigennützig und fruchtbar gewirkt hat, stirbt an den erhaltenen Verletzungen; der bekannte Scmstwoinann Lwow und viele andere kommen mit schweren Verletzungen davon, die Zahl der Leichtverletzten ist eine Das russische Proletariat und die Duma. Die Frage, welche Haltung das russische Proletariat bei den Wahlen zur Duma einnehmen werde, beantwortet der Genosse Martoff, Redakteur der„I s k r a", in der„Wiener Arbeiterzeitung". Nach dem Plane der„Jskra" sollen die Arbeiterorganisationen die Initiative zur Gründung von Volks-Agitationskomitees, die von allen mit der zarischen „Reform" nicht zufriedeitgeslellten Elementen der Bevölkerung zu wählen sind, ergreifen. Durch den Druck dieser Komitees und der hinter ihnen stehenden Massen, die aktiv ja an der Wahl nicht teilnehmen können, sollen die Wähler in dem Sinne beeinflußt werden, daß in die Dunia nur entschiedene An- Hänger der demokratischen und freien Vertretung gewählt werden. Dabei trachten die Komitees außerhalb der„legalen" Vertretting eine illegale Vertretung zu schaffen, die in einem bestimmten Moment bereit ist, vor dem Land als provisorisches Organ des Volkswillens aufzutreten. Ob es dazu kommt oder nicht, die Bewegung auf diesem Wege, so meint Martoff, wird die Organifsation der revolutionären Selbstverwaltung schaffen, die den Rahmen der zaristischen Legalität bricht und Grundsteine zu dein koinmenden Triumphe der Revolution legt. Eine abweichende Taktik empfiehlt der„Proletarier", das neue Zentralorgan der russischen Sozialdemokratie(Leninsche Richtung). Es schreibt: „Die Einberufung der grob-gefälschtcn„Volks"-Vertretung gibt uns den besten Anlaß, um den breitesten Massen der Bc- völkcrung klar zu machen, daß eine echte Vertretung jetzt nach solchem Bruch und Hohn von seite des Zaren— nur von einer provisorischen revolutionären Regierung einberufen werden kann, und daß für die Schaffung einer solchen der Sieg des bewaffneten Aufstandes und tatsächliche Umstürzung der zarischen Gewalt Vor, bedingung ist. Einen besseren Moment für die breite Agitation zugunsten des bewaffneten Aufstandcs kann man sich nicht vor- stellen und für diese Agitation unentbehrlich ist volle Klarheit über das Programm der revolutionären Regierung. Dieses Programm besteht aus folgenden Punkten: 1. Einberufung der allgemeinen konstituierenden Versammlung, 2. Bewaffnung des Volkes, 3. politische Freiheit, d. h. sofortige Abschaffung aller ihr zu« widerlaufenden Gesetze, 4. vollständige kulturelle und politische Freiheit aller unterdrückten und nicht vollberechtigten Nakionali- täten. Das russische Volk kann nicht die Freiheit für sich selbst erkämpfen, ohne für die Freiheit anderer Völker zu kämpfen, 5. achtstündiger Arbeitstag, 6. Einrichtung von Bauern-Komitees zum Zwecke der Durchführung aller demokratischen Reformen, die agrarischen Reformen und die Konfiskation der gutsherrlichen Privilegien einbegriffen.. *** Die Revolution. Warschau, 25. August. Der Verkehr auf den Weichselbahnen wird wieder hergestellt. Die Depotsarbeiter kehren zur Arbeit zurück. In der Kreisstadt W c n g r o w(Gouvernement Sicdlce) ist Generalstreik ausgebrochen. In allen Fabriken der Umgegend wurde die Arbeit eingestellt. Die Bahnreisenden wurden nicht aus der Stadt herausgelassen, alle Läden sind gesperrt.(Tel. des„Tag".) Warschau, 24. August.(„B. T.") In Lodz trugen zirka tausend Israeliten mit polizeilicher Erlaubnis in feierlichem Zuge die Kultusinsignicn zur Synagoge, als eine Patrouille, die den roten Baldachin für eine Demonstration hielt, den Zug attackierte, die Teilnehmer prügelte und über 300 Leute in Arrest brachte, dann wurden wieder alle entlassen. In Dlutowo bei Pabianice und Helcnov bei Lodz wurden öffentliche sozialistische Meetings durch die Polizei zerstreut, wobei bis 866 Leute gefangen gesetzt wurden. Nach einer Petersburger Meldung der„Schles. Ztg." verursachte eine tausendköpfige Menge Ausschreitungen(?) auf der Besitzung des Fürsten Bagration. Zwischen den hcrbeigeilten Kosaken und der Volksmenge kam es zu einem ernsten Scharmützel. Hierbei wurden zwanzig Personen getötet und zahlreiche Personen verwundet. Die Zuspitzung der Friedens- Verhandlungen. Die Friedensverhandlungen haben sich derartig zugespitzt, daß in den nächsten Tagen offenbar die Entscheidung fallen muß. Die Friedensunterhändler beider Parteien sind von dem Ernst der kritischen Situation durchdrungen, nur in Petersburg scheint man in geradezu frivoler Weise die Japaner provozieren zu wollen. Hat doch Graf L a m s- d o r f f erklärt, daß Rußland nicht eine Kopeke zahlen und nicht einen Fuß breit Landes abtreten werde. Eine völlig lächerliche Erklärung, i st doch Sachalin, von der Mau- dschurei ganz abgesehen, bereits im japanischen Besitz, und au eine Zurückeroberung kann doch nur ein hirnverbrannter Phantast glauben! Witte selbst soll denn auch über diese Erklärungen Lamsdorffs empört sein. Die Japaner vollends haben erklärt, es sei nur nötig, sie offiziell von der Echtheit der Worte Lamsdorffs in Kenntnis zu setzen, um sie zum sofortigen Packen ihrer Koffer zu veranlassen. Im übrigen gibt man in Amerika trotzdeni die Hoffnung auf eine schließliche Verständigung noch nicht auf. Und schließlich hat es Amerika ja in der Hand, Rußland wider- spenstig oder gefügig zu machen. Man rechnet mit einein ferneren Nachgeben Japans, namentlich einer erheblichen Herabsetzung der Kriegsentschädigungsforderung, und Japan soll sich auch bereits zu einem derartigen Kom- promiß bereit erklärt haben. Ob die Absicht vorliegt, Japan um die ganze Kriegsentschädigung zu Prellen, werden ja die nächsten Tage zeigen. Die vorliegenden Telegramme lauten: London, 25. August. Nach einer Meldung der„Momiug Post" aus Portsmouth soll Japan 120 Millionen Pfund Sterling als Friedenspreis fordern und Ruß- land bereit sein, 50 Millionen zu zahlen. Die „Times" berichtet aus Portsmouth, wie sie aus guter japanischer Quelle vernehme, sei Japans letzter Vorschlag in Betreff der Insel Sachalin und der Kriegsentschädigung ein Ultimatum. Portsmouth(New Hampflsire), 25. August.(Meldung des „Rcuterschcn Bureaus".) Obgleich die A u d i e n z des Botschafters v. Lengerke-Meyer beim Kaiser von Rußland nicht den gewünschten Erfolg gehabt hat, hat sie doch die T ü r zu weiteren Verhau dl»in gen offen gelassen- Kurz nachdem er den Bericht über die Audienz erhalten hatte, richtete Präsident Roosevelt nochmals durch Witte einen Appell an den Kaiser. Der Hauptgrund dafür, daß der Kaiser sich weigerte, das Kompromiß anzunehmen, scheint der zu sein. daß Japan eine bestimmte Summe als Kaufgeld für den nördlichen Teil von Sachalin verlangt hat. Hätte Japan den Betrag für eine spätere Abmachung offen gelassen, so würde der Vorschlag zweifellos annehmbarer gewesen sein. ES kann aus guter Quelle berichtet werden, daß die Meinungsverschiedenheit in bezug auf das von Roosevelt und auf das von Japan vorgeschlagene Kompromiß gerade auf diesen Punkt zurückzuführen i st. Wie verlautet, bemüht sich Roosevelt jetzt, die Zustimmung des russischen Kaisers zu dem Vor- schlage Japans mit der Abänderung zu erreichen, daß der Betrag später durch ein Schiedsgericht oder auf andere Weise festgesetzt werden soll.; Man glaubt, daß Japan das vorgeschlagene Zugeständnis machen wird. Dieser Glaube stützt sich auf eine Mitteilung. einer höchst kompetenten japanischen Persönlichkeit, welche erklärte.! Japans am Mittwoch gemachter Vorschlag stelle noch nicht! das unreduzierbare Minimum dar; Japan nehme keine drohende Haltung an, denn das sei nicht der Weg, den Frieden zu erlangen. G Tokio, 23. Auaust.(Meldung des„Rcuterschen Bureaus".) Ministerpräsident Graf K a t s u ra und der V i z e m i n i st e r des Aeußeren Chinda begaben sich nach Empfang einer Kabeldepesche von Baron Komura zu dem Präsidenten des Geheimen Rates Marquis Jto, mit dem sie dann eine längere Unterredung hatten. Man glaubt, daß wichtige Entscheidungen bevor- st e h e n. Graf Katsura erhält jeden Tag Hunderte von Briefen und Depeschen, in denen der dringende Wunsch ausgesprochen wird, die Friedensbedingungen auf der ursprünglich vorgeschlagenen Grundlage aufrechtzuerhalten. Ein japanischer JnvalidentranSport verunglückt. London, 25. August.„Daily Telegraph" meldet aus Tokio: Der Dampfer ,. K i n j o m a r u" mit Truppen an Bord, die vom Knegsschauplatze nach Japan zurückkehrten. stieß in der Nacht zum 24. d. M., nachdem er Moji abends 10 Uhr verlassen hatte, in der Nähe von H i m e j u n a mit dem englischen Dampfer„ Baralong" zusammen. Die„Kinjomaru" sank in drei Minuten; 126 Soldaten nnd ein Major ertranken. Der englische Dampfer„Goldmonts" rettete 19 Mann von der„Kinjomaru" und brachte sie nach Moji. Hua der Partei. Zu« Parteitage. In Heilbronn beschloß eine Parteiversammlung nach einem iLortra�e W a s n e r s zum Organisationsstatut: „Die am 17. August im Gasthaus„Zur Rose" tagende außer- ordentliche Versammlung der sozialdemokratischen Partei Heilbronns ist mit den Ausführungen des Genossen Wasner über daS neue Organisationsstatut einverstanden und wünscht, daß der nächste Parteitag den Ausbau der Gau- respektive Bezirks- und Landes- organisation gemäß dem süddeutschen Borbild fördert und nicht unterbindet; bei unveränderter Annahme des Entwurfs würde letzteres zweifellos stattfinden und ist daS neue Statut demgemäß abzuändern." In der Parteiversammlung für den 13. sächsischen Kreis sLeipzig-Landj wurde die bereits im städtischen Kreise angenommene Resolution akzeptiert und eine Abänderung zum Parteistatut, wonach die Delegation zum Parteitage nach der Zahl der organisierten Ge- uossen bestimmt werden soll. Der Referent Genosse Lüttich, Re- dakreur der„Leipziger Bolkszeitung". äußerte sich in seinem Referat auch über die Austragung von Differenzen. Er sagte nach der „Leipziger Volkszeitung": Der Austrag persönlicher Differenzen muß auf dem Parteitag unterbleiben, weil sie die Entwicklung der Partei nicht fördern; das sei der Wille der großen Masse der Arbeiter- schaft. Ebenso sollen die persönlichen Angriffe in der Presse auf- hören. Die Presse solle vielniehr die Prinzipien der Partei ver- fechten und nicht durch persönliche Zänkereien parteiverderbend wirken. Möge der diesjährige Parteitag auch dem Gegner Achtung abnötigen und der Partei von Nutzen sein.(Lebhafter Beifall.» Genosse L e n s ch, gleichfalls Redakteur der„Leipziger Volks- zeitung", sagte»ach demselben Bericht: Die jahrelange Dauer der heute erwähnten Parteipolemik zeige schon, daß es sich in dieser Frage nicht lediglich um persönliche Streitereien handle, sondern daß ihnen sachliche Momente zugrunde liegen. Die Tatsache, daß die Berliner Vertrauensleute den„Vor- wärts" seines Charakters als Zentralorgan entkleidet wissen wollen, sei ein weiterer Beweis für ein Vorhandensein sachlicher Differenzen. Redner sei allerdings auch der Meinung, daß die Differenzen in einer Weise ausgetragen werden müssen, wie es unter Parteigenossen üblich sein sollte. Wir möchten hierzu doch bemerken, daß Genosse Lensch über die Gründe, weshalb die Berliner Genossen den„Vorwärts" für sich in Anspruch nehmen, schlecht unterrichtet ist. Der Kreistag für den Wahlkreis Merseburg-JQuerfurt nahm eine Resolution an, wonn die Behandlung des Massenstreiks auf dem Parteitage begrüßt und den Genossen daS Studium des Problems empfohlen wird. In der Frage der Maifeier erklärte sich der Kreistag für absolute Arbeitsruhe. Zum Parteistatut wird die Abführung von 25 Proz. an den Parteivorstand als zu hoch be- mängelt, die Zulassung von nur einem Viertel der Reichstagsfraktion zum Parteitage und die Delegation nach der Zahl der organisierten Genossen befürwortet. Die Generalversammlung des Zentralvereins für den Wahlkreis Ruppin-Templin nahm folgende Anträge an: 1.„Der Parteitag wolle beschließen, daß in Zuknnst bei Reichstags-, Landtags-, Stadtverordneten- oder Gemeinde- Wahlen Kompromisse mit anderen Parteien zur Erhaltung von Mandaten in den obengenannten Körperschaften nicht mehr abgeschlossen werden dürfen, da die Erfahrung gezeigt hat, daß trotz aller Kompromisse die bürgerlichen Parteien— inklusive der sreistnnig-demokratischen— im entscheidenden Moment sich immer für die reaktionärsten Anschläge und Feinde gegen die Sozialdemokratie entschieden haben." 2.„Die am 13. August tagende Generalversammlung deS Kreises Ruppin- Tcmplin beschließt, dem Parteitage zu empfehlen, nach wie vor daran festzuhalten, daß die Maifeier in dem Sinne begangen werden soll, ivie es der letzte internationale Kongreß in Amsterdam beschlossen hat."_ Eine Motorbarkasse„Hamburger Echo" wird auf einer Ham- burger Werft im Austrage unseres Hamburger Parteigeschäfts ge- baut. Sie soll dem„Hamburger Echo" zu Expeditionszwecken dienen. Zwecks Stellungnahme zum Kampf um das allgemeine Wahlrecht beruft die Parteileitung der sozialdemokratischen Partei Ungarns auf den 10. September einen außerordentlichen LandeSparteiwg nach Budapest ein._ Huö Industrie und Handel. Erhöhung des ReichsbankdiskoutS. Die seit längerer Zeit in fröhlichster Stimmung befindliche Börse fühlt sich seit einigen Tagen etwas niedergedrückt. Mit ziemlicher Sicherheit ist nämlich auf eine baldige Erhöhung deS ReichsbankdiskontS zu rechnen, da man in den Kreisen der ReichSbank auf eine Steigerung des Geldbedarfs für den Herbsttermin und auf eine Inanspruchnahme deS Instituts durch das Reich rechnet. Der letzte Ausweis der Bank zeigte bereits eine stärkere Anspannung der Bankmittel als zur gleichen Zeit des Vor- jahres; allerdings stellte sich damals der Diskontsatz auf 4 Proz., während er bekanntlich seit dem LS. Februar d. I. auf 3 P�oz. steht. Die preußischen Sparkassen haben sich im Jahre 1903 nach dem von der„Berliner Korrespondenz" im Auszuge veröffentlichten statistischen Bericht nicht unerheblich vermehrt. Es gab nämlich am Schlüsse des Rechnungsjahres insgesamt 1549 Sparkassen, während im Vorjahre nur 1507 gezählt wurden. Dieser beträchtliche Zugang von 4L Sparkassen wird hauptsächlich hervorgerufen durch die Vereins- und Privatsparlassen, die sich um 22 vermehrten, was um so bemerkenswerter ist, als diese Sparkassen sich bisher seit dem Jahre 1899 fortgesetzt vermindert hatten. Im einzelnen gab es unter den 1S49 Sparkassen 793 städtische(gegen 689 im Vorjahre», 229 Landgemeinde- usw. Kassen(gegen 227», 416 Kreis« und Amtssparkassen(gegen 412), 6 Provinzial- und ständische(wie im Vorjahre» und 195 Vereins- und Privatsparkassen(gegen 173». An Sparkassenbüchern waren insgesamt 9 773 193 im Umlauf gegen 9 372 939 im Jahre 1992; die Zunahme ist beträcht- licher als im Vorjahre. Die größte Zahl von Büchern hat Rheinland (1 344 636), demnächst Schlesien<1 264 296», dann Sachsen<1 227 117), schließlich Brandenburg mit 1 127 991; alle übrigen Provinzen stehen noch unter einer Million. Die Einrichtung der gesperrten Sparkassenbücher gewinnt erfreulicherweise immer mehr an Boden, es waren 1993 bereits 114 4S2 derartige Bücher vorhanden gegen 99 152 im Vorjahre. Die Gesamlhöhe der Einlagen betrug am Schlüsse de« Rechnungsjahres 7 229 944 629.04 Mk. gegen 6 727 797 642,89 Mk. im Vorjahre. Von den 9 773193 Sparkassenbüchern entfielen auf Bücher: 1993 1992 1991 1990 1899 vom Hundert bis zu 69 M. Einlage... 27,91 28,99 27.97 28,97 28,22 von über 69 bis 159 M. 14.59 14.69 15,95 15,35 15.48 „. 159. 399. 13,94 13.22 13.46 13,77 13.81 ,, 399, 699. 14,98 15,12 15,27 15,44 15,49 „„ 699„ 3 999. 24,78 24.54 24,98 24,46 23,17 „„ 3 909 ,. 10 999„ 4,17 3,95 3,72 3,59 3,49 „„ 19 909 M..... 9 52, 0,48 9,45 0,42 0,42 Es zeigt sich also auch 1903 die schon seit Jahren beobachtete Erscheinung eines leichten Rückganges der Bücher mit kleineren Ein- lagen und einer Zunahme der Bücher mit größeren. Der erwähnten Zunahme der Bücher mit größeren Einlagen entspricht auch die stets wachsende Höhe de» auf ein Buch durch- schnittlich entfallenden Betrages, der im Berichtsjahre 779,78 M. 1 erreicht hatte gegen 717,78 M. im Jahre 1992, dagegen 1991 erst 699,26 M. und 1999 erst 662,67 M. Zum Vergleiche sei erwähnt,! daß 1335 auf ein Buch nur 169 M., 1875: 593 und 1898: 656 M., entfielen.' Deutschlands Roheisenproduktion hat im Juli eine beträchtliche Steigerung erfahren. Die Erzeugung betrug insgesamt 942995 Tonnen (im Julinwnat vorigen Jahres 847 327 Tonnen», wovon 172 907 auf Gießereiroheisen, 38 256 auf Bessemerroheisen, 598 342 auf Thomas- roheisen, 65 957 auf Stahl- und Spiegeleisen und 69 243 auf Puddel- roheisen entfielen. Die Gesamterzeugung der ersten sieben Monate hat die sechste Mllion überschritten(6 941 493 Tonnen) und damit die vorjährige Erzeugung des gleichen Zeitraumes um fast 290 999 Tonnen überholt. lieber die EntWickelung der Kali-Jndustrie bringt der JahreS- bericht der Handelskammer des GroßhcrzogtumS Sachsen eine interessante Zusammenstellung. Das Entstehen mehrerer im Groß- Herzogtum belegener Kalisalzwerke hat das Arbeitsfeld dieser Industrie wieder sehr vergrößert. Wie stark der Absatz von Kali- salzen in den letzten Jahren zugenommen hat, das ergibt sich deutlich auS einer Zusammenstellung der Mengen Kali, die vom Verkausssyndikat abgesetzt wurden. Es betrug nämlich der Absatz von Kali, Kaliprodukten, Kaimt zc. im Jahre 1902 beim Syndikat 17 388 894 Doppelzentner, 1903 19 482 703 und im Jahre 1994 23 978 591 Doppelzentner. Auf reines Kali berechnet beziffert sich die Gesamtmenge auf 4 116 595 Doppelzentner, die Zunahme gegenüber 1993 beträgt 14,17 Proz. Der Gesamtwert aller zum Versand gebrachten Mengen belief sich 1993 auf 69 824 612 Mark und 1294 auf 72 316 244 Mark. Die Zunahme stellt sich demnach auf 11 491 632 Mark. Wie der starken Produktionsvermehrung entsprechend der Ver- brauch von Kali gewachsen ist, ergibt sich aus einem Vergleich zwischen den Jahren 1899 und 1992, in welcher Zeit der Verbrauch im ganzen Deutschen Reich um 1 192 796 Doppelzentner stieg. Am stärksten hat der Verbrauch von Kali in dieser Zeit im Herzogtum Anhalt zugenommen, wo beispielsweise im Jahre 1902 der Ver- brauch, auf 1 Quadratkilometer nutzbringender Bodenfläche berechnet, 954 Kilogramm betrug. Dann folgt Mecklenburg mit 476 Kilo- gramm und Preußen mit 462 Kilogramm in der gleichen Zeit. Der Verbrauch im Grotzherzogtum Sachsen stellte sich dagegen nur auf 149 Kilogramm. Gewerk rchaftlichea. Berlin und Umgegend. Die Lohnbewegung der Rixdorfer stadtischen Gasarbeiter hat zu einer vorläufigen Einigung mit der Stadt- Verwaltung geführt. In einer gestern abend stattgehabten, von allen Arbeitern mit Ausnahme der Nachtschicht besuchten Ver- sammlung gab Hoffmann den Bericht der Kommission, die gestern mit dem Bürgermeister Voigt und dem Stadtrat W e i g a n d eine Verhandlung hatte. Wie Redner anfangs seiner Ausführungen mit- teilte, hatte es den Anschein, als wenn der Magistrat wohl für den Streik gerüstet sei, aber doch dem Streik aus dem Wege gehen möchte. DieS beweisen die bewilligten Lohnaufbesserungen für die einzelnen Arbeiterkategorien. Es sollen erhalten an TageSlohn: Hofarbeiter 3,79 M., steigend um 19 Pf. pro Jahr bis 4,20, gefordert wurde: 4,99 M. bis 4,29 M. Helfer 3,79 bis 4,29 M., gefordert: 4,99 bis 4,59 M. Standaufnehmer 3,79 bis 4,59 M., gefordert: 4,99 bis 4,59 M. Streckenarbeiter 8,70 bis 4,20 M., gefordert: 4,00 M. Kohlenarbeiter 4,00 bis 4,50 M. Kohlenauslader 25 Pf. Zulage. Feuerleute 6,2E) bis 5,50 M. Rohrleger 4,70 M., steigend bis 5,59 M. Kesselheizer 4,59 bis 5,59 M. Schleusenwärter 3,79 bis 4,29 M. Laternen nionteure 4,99 bis 4,59 M. Die Löhne sollen vom 1. September ab bezahlt werden, jedoch soll die Sanktion der Stadtverordneten-Versammlung nachträglich eingeholt werden. Stadtv. Conrad rät zur Annahme der Bewilligungen. Er ermahnt die Anwesenden, in ihrer Organisation dafür zu sorgen, daß die Nachbarstädte, auf die der Magistrat sich beruft, gezwungen werden, bessere Löhne zu zahlen. In der zeitweilig sehr erregten Diskussion wurden die Be- willigungen als sehr minimale bezeichnet, die nur als Abschlags- zahlung gelten können. Folgende Resolution fand gegen drei Stimmen Annahme: „Die heutige Versammlung erklärt angesichts der gegen- wältigen Situation die Zusage der Herren Magistratsmitglieder als das mindeste dessen, was sie annehmen kann. Sie erwartet daher, daß das Stadtverordnctenkollegium bei seinem ersten Zusammentritt nach den Ferien, diesen Vorschlägen der Herren Magistratsvertreter gleichfalls zustimmt und die neuen Lohnsätze vom 1. September d. I. ab in Kraft treten. Unter dieser Voraussetzung wird der Streikbeschluß vom 24. d. M. aufgehoben. Sollte jedoch wider Erwarten das Kollegium diese Vorschläge verwerfen, so würden die Versammelten ihre Forderungen mit allem Nachdruck durchzusetzen versuchen." Die Kollegen PolenSke und Pörsch ennahnten zum Schluß, treu zur Organisation zu halten. Nur so könne an eine Ausrechterhaltung der Bewilligungen und eine weitere Verbesserung der Lebenslage ge- dacht werden._ Metallarbeiter, seid auf der Hut! Auf der Suche nach Arbeits- willigen für die i m S t r e i k st e h e n d e n A r b e i t e r der Näh- Maschinenfabrik von Seidel u. Naumann in Dresden ist eine Agentur, die in der Friedrichstr. 214 ihr Domizil errichtet hat. Es wird dringend gewarnt, auf diese Offerten hineinzufallen. Achtung, Kupferschmiede! In der Maschinenfabrik von Gebauer, gegenüber dem Bahnhof Beusselswaße, haben die Kupferschmiede wegen Verweigerung einer Lohnzulage die Arbeit niedergelegt. Es wird daselbst teils im Loh», teils im Akkord gearbeitet. Die Kupfer- schmiede erhielten 59 Pf. Stundenlohn und konnten bei Akkord- arbeiten bis 69 Pf. schreiben. Nur ganz geübte Arbeiter waren in der Lage, bei den Akkordpreisen 69 Pf. zu erreichen. Da nun Lohn« arbeit»ehr häufig ist, stellte sich der Wochenverdienst niedriger als bei den meisten Kleinmeistern unserer Branche. Wir bitten, den Zuzug fernzuhalten, außerdem ersuchen wir die Kollegen, für Gebauer keine Arbeiten anzufertigen. Der Vorstand des Verbandes der Kupferschmiede Deutschlands, Filiale Berlin. Kündigung des Malertarifs. Eine außerordentlich stark besuchte Versammlung der Maler, Anstreicher und aller im Berufe tätigen sonstigen Personen füllte am 24. August den großen Kellcrschen Festsaal in der Koppenstraße bis aus den letzten Platz. Der größte Teil der Tische mußte entfernt werden, um Raum zu schaffen für die andrängende Masse. Die Polizei sperrte ab. Auf der Tagesordnung stand:.Tarifverlängerung oder Kündigung des Tarifs?" Einberufer war der GehülfenauSschuß.— Der Altgehülfe Wendel eröffnete die Ver- sammlung und verwies daraus, daß der auf drei Jahre abgeschlossene Tarif am 1. April nächsten Jahres ablaufe und es wegen der halb- jährigen Kündigungsfrist jetzt die höchste Zeit sei. zu fragen: kündigen wir ihn? Darüber müsse die Masse der Kollegenschaft entscheiden. Es gäbe zwar tiefe Gegensätze in der Kollegenschaft, er meine aber, diese brüderlichen Streitigkeiten sollte man beiseite lassen, bis der neue Tarif unter Dach und Fach sei. I a c o b e i t als Referent legte eingehend die gegenwärtige Situation dar. Seine mit stürmischem Beifall aufgenommenen AuS- führungen gipfelten in folgender Resolution:„Die versammelten Maler und Anstreicher Berlins und der Vororte beauftragen die Ge- hülfenauSschüsse Berlins und der Vororte, den seht bestehenden Lohn» tarif allen in Betracht kommenden Innungen sowie auch den Meistern, die den Tarif einzeln unterschrieben haben, zu kündigen. In Erwägung, daß die Lebenömittelpreiic in der letzten Zeit ganz rapid gestiegen sind und daß das Fleisch einen ganz unerschwing- lichen Preis erreicht hat; in fernerer Erwägung, daß nach Inkrafttreten des Zolltarifes die Lebensmittel noch eine weitere Preissteigerung erfahren werden, die Maler und Anstreicher im Bau- gewerbe aber am schlechtesten bezahlt sind und trotzdem die größte Arbeitslosigkeit im Bauberuf haben, wie daS Reichsamt für Statistik festgestellt hat, ist es den Malergehülfen und Anstreichern nicht möglich, für den bisherigen Lohn arbeiten zu können. Ferner beauftragt die Versammlung die Ortsverwaltung der „Vereinigung der Maler Deutschlands", einen neuen Lohntarif auS- zuarbeiten und diesen einer demnächst stattfindenden Mitglieder- Versammlung zur Beschlußfassung vorzulegen." Alle Diskussionsredner sprachen sich für die Kündigung des Tarifs aus, auch verschiedene Mitglieder der Lokalorganiiation. Diese erklärten, ebenfalls für ein geschlossenes und einiges Vorgehen zu sein, sie bemängelten aber, daß nach der Resolution der neue Tarif nur von der Ortsverwaltung der Zentralorganisation aus- gearbeitet werden und daß nur von den Mitgliedern der Zentral- organisation darüber befunden werden soll. Am besten würde ein aejchlossenes Vorgehen garantiert, wenn man auch zu den Vor- bereitungen die Lokalorganisation hinzuziehe. Die Redner des Verbandes(Vereinigung der Maler ic. Deutschlands» traten dem entgegen und betonten, daß der ausschlaggebende Träger einer Tarifbewegung nur die starke Organisation sein könne, die für Tarifverträge eintrete und bereit sei, sie auch zu halten. Das könne nicht von der Lokalorganisation gesagt werden, die der „Freien Vereinigung der Gewerkschaften" angeschlossen sei, ivelche sich ausdrückliw gegen Tarifveriräge ausgesprochen habe. Im übrigen »vllrden die Mitglieder des Lokal Vereins nicht zu kurz kommen, wenn sie sich zu geeigneter Zeit den dann von der Zentralisation auf- gestellten Forderungen anschlössen und mit dafür einträten. Nach dem begeisternden Schlußwort Jacobeits»ahm die von mehr als 2999 Personen besuchte Versammlung die Resolution gegen zwei Stimmen a n. Mit brausenden Hochs auf die zukünftige Tarifbewegung und die Organisation schloß die Versammlung. Die Berliner Lederarbeiter(Weißgerber, Färber) waren Donnerstagabend fast vollzählig im großen Saal des Marienbad, Badstraße, versammelt, um über die Frage der Tariflündignng schlüssig zu werden und eventuell einen neuen Lohntarif aufzustellen. Nach kurzer Beratung wurde einstimmig beschlossen, den bestehenden Tarif, der noch bis zum 1. Oktober d. I. Gültigkeit hat, zu kündigen und in die Beratung eines neuen Tarife« eingetreten. Nach mehr- stündigen Verhandlungen einigten sich die Versammelten über folgende Punkie: Die Arbeitszeit wird von 19 auf 9 Stunden täglich herab- gesetzt. Der Minimalstundenlohn wird von 45 ans 53 Pf. für B a n m a r b e i t e r erhöht. Ueberstunden 25� Prozent Zuschlag für sämtliche Arbeiterkategorien. Abschaffung der Akkordarbeit in der nassen Werkstatt. Die Färber werden mit den Baumarbeitern gleichgestellt. Unorganisierte dürfen nicht beschäftigt werden. Die Lehrlinge dürfen nicht mit Arbeiten beschäfsigt werden, die nicht zum Berufe gehören. Die Lehrzeit beginnt in der nassen Werkslatt. Für Akkordarbeiten sind 25 Proz. Zuschlag zu zahlen. Für besonders schwere Leder ist der Lohn zu garantieren oder ein besonderer Zuschlag zu gewähren. Falls Akkordarbeiter im Lohn arbeiten, erhalten dieselben den Akkordlohn, damit 33 M. herauskommen. Sämtliche Nebenarbeiten sind bei Akkord abzuschaffen. An den Tagen vor den hohen Festen ist um 4 Uhr Feierabend ohne Lohnabzug. Jede Fabrik hat einen Ausschuß zu wählen. Bei Krisen ist, bevor Massenentlassungen vorgenommen werden, der Ausschuß zu hören. Etwaige Streitfälle sind durch die Organisation zu ordnen. Ver- bcssernngen des Arbeitsnachweises sollen eingeführt werden. Sämtliche Z i p p e l(Vorarbeiter, Werkführer», die auch or- ganisiert sind, haben rechtzeitig zu kündigen. Die Tarif- kündigungsfrist bleibt die vierwöchentliche. Der erste Mai ist freizu- geben. Der neue Tarif ist in sämtlichen Abteilungen aufzuhängen und tritt bei jetziger Produktionsform in Kraft.— In Frage kommen 799 organisierte Arbeiter.— Schließlich wurde eine Kommission gewählt und beauftragt, mit den Fabrikanten in Verhandlungen zu treten. Den HülfSarbeitern, die sich dieser Bewegung anschließen werden, wurde aufgegeben, ihre Forderungen genau zu präzisieren; dann sollen sie von der Gesamtheit mit vertreten werden. Die Arbeiter der Firma Bergmann, Fabrik für elektrische Apparate, HenningSdorfer- und Oudenardcrstraße hatten vor einiger Zeit die Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit von 19 auf 9 Stunden, eine 19 proz. Lohnerhöhung für Lohnarbeiter und Zu- billigung eines Arbeiterausschusses gestellt. Nach wiederholten Ver- Handlungen mit dem Generaldirektor Herrn Bergmann, in denen die Arbeiterkommission keinen Zweifel darüber ließ, daß es sich diesmal nicht um höfliche Wünsche, sondern um ernstliche Forderungen handele, hat die Firma jetzt ein anerkennenswertes Entgegenkommen be- wiesen. Laut bindender Zusage deS Direktors ist den Arbeitern eine Verkürzung der Arbeitszeit von 19 auf O'/z Spinden, also wöchentlich 3 Stunden, Einführung deS Arbeiterausschuues und eine fünfprozentige Lohnerhöhung für alle diejenigen Arbeiter, die seit dem 1. Mai noch keine Zulage bekommen haben, bewilligt worden. Diese Bewilligung tritt niit dem 15. September in Kraft. Auf frühere Anregungen der Arbeiterschaft, die Arbeitszeit zeit- gemäß zu verkürzen, hatte die Firma stets ablehnend geantwortet mit dem Bemerken, daß sie prinzipiell an der zehnstündigen Arbeit«- zeit festhalte. In einer stark besuchten Versammlung der Bergmann- schen Arbeiter, die am Donnerstag im„Feldschlößchen" stattfand, er» klarten sich die Anwesenden mit dem Zugeständnis der Firma zu- frieden gestellt, nachdem die Kommissionsmitglieder die Annahme desselben warm befürwortet hatten. Die Hausdiener, Packer, Radfahrer der Firma Feuer u. Co., Schöneberg, Bahnstr. 19/29, haben gestern Freitagmittag die Arbeit eingestellt, nachdem durch wiederholte Verhandlungen der Packer mit der Direktion sowie dem Chef der Firma keine Einigung erzielt werden konnte. Von den Packern wurde eine Abänderung der Regelung der täglichen Arbeitszeit, Bezahlung von Stunden« löhnen sowie Bezahlung der Ueberstunden während der Saison ver- langt; in keinem Falle wurden Zugeständnisse gemacht, im Gegen- teil, eS trat nach der letzten Verhandlung seitens der Expedienten ein verschärftes Antreibesystem zu Tage, welches jedenfalls durch die Geschästsleitnng veranlaßt worden ist. Dieses bot den Hauptgrund der Einstellung der Arbeit. veutUies Rf(d>- In Kiechheim haben sämtliche Steinmetzen, Bohrer und Brecher die Arbeit niedergelegt. Auf den Werkplätzen und Brüchen ruht der Betrieb vollständig.'Bisher Koben die Arbeitgeber jede Unterhand- lung abgelehnt. Die Steiuarveiter im unterfränkischen Muschelkalk- gebiet bitten alle Berufskollegen, keine Arbeiten für Kirchheim zu verrichten, dann werden sie auch die Feuerprobe in ihrem ersten wirtschaftlichen Kampfe erfolgreich bestehen. I�et2te l�admckten und Depefeben« Der neue Zolltarif. Kristiania, 25. August.(W. T. B.) Der vom Storthing an- genommene neue Zolltarif wurde heute von der Regierung bestätigt. Ter Tarif tritt am 8. September in Kraft. Verantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: VorwärtSBuchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen. Nr. 199. 22. Jahrgang. 1. KeilM des JorntW Kerlintr Pollsoblott Sonnabend, 26. August 1905. Die Friseurgehulfen Dentfchlands hielten vom 22.-24. August in Leipzig ihren achten Verbandstag ab. Nach dem Rechenichastsberickit zählt der Verband 1500 Mitglieder, wovon allerdings nur ein Teil vollzahlende Mitglieder sind. Die Fluktuation ist eine sehr große. Ein großes Arbeitsfeld ist noch zu beackern; im Vorjahre waren erst ungefähr 5,52 Proz. organisiert. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 40 Pf. pro Woche. Der Verband hat auch eine Arbeitslosenunterstützung eingeführt, ebenso zahlt er Reiseunter st ützung. Von den Lohnbewegungen war die Berliner die bedeutendste, die dank der Unterstützung der Berliner Arbeiterschaft von großem Erfolg für den Verband war.— Das Fachorgan, die„Friseurgehülfen-Zeitung", erscheint in einer Auflage von rund 2000 Exemplaren. Die internationalen Beziehungen mit den Bruderorganisationen hat der Verband eifrig gepflegt. Nach dem Bericht des Kassierers hatte der Verband im Berichts- jähre eine Einnahme von 7925,54 M. und eine Ausgabe von 3190,57 Mark. Der Kassenbestand beträgt 3209,49 Mark. Für Streikunter- stützung wurden teils für die eigenen Berufskollegen, teils für andere Berufe 645,44 M. verausgabt. Nach einer längeren Debatte wurde die Herausgabe eines Leit- fadens sowie das dreimalige Erscheinen des Vcrbandsorgans, der „Friseurgehülfen-Zeitung", die bisher zweimal monatlich erschien, beschlossen. Die in unmiltelbarer Nähe von Großstädten gelegenen Zahlstellen haben sich künftig den großstädtischen Zweigvereinen an- zuschließen. Nach Erledigung einer Anzahl Anträge wurde der Punkt Agitation erledigt, worüber W e r n k elrefcrierte. Erjbetonte, daß sich die Herausgabe eines Flugblattes nötig mache, das die müud- liche Agitation erleichtere. In Orten, wo der Verband noch nicht festen Fuß gefaßt, müßten den Friseuren die Partciaenossen mit In- formationen zur Hand gehen. Andere Gewerkschaften hätten viel leichter agitieren, indem sie sich an die breiten Massen wenden könnten, auch hätten sie mehr mit älteren Kollegen zu rechnen, was alles bei den Friseuren nicht der Fall sei. Es müßte auf Mittel gesonnen werden, die Agitation in geordnete Bahnen zu lenken, wozu sicher die gestellten Anträge dienen werden. Daß die Arbeiter- schaft den Friseuren zur Seite stehen werde, beweist der Kölner Be- schluß, der die Gewerkschaftskartelle anweist, unserer Bewegung ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn die Organisation bisher noch keine größeren Fortschritte gemacht, so seien die Kollegen vielfach selbst daran schuld. Hierauf werden folgende Anträge angenommen: Der Verbandsvorstand möge für Süddeutschland einen be- soldeten Gauvorstand anstellen und denselben für seine Tätigkeit, die vom Montag bis Freitag dem Verbände allein zu gelten hat, be« solden. Um die Lehrlinge vor moralischer und physischer Erkrankung zu schützen, wurde ein Anttag Bremen dem Verbandsvorstande zur Berücksichtigung überwiesen, der die Einreichung einer Petition an den Bundesrat verlangt zum Erlaß eines Verbots, Lehrlinge in Kasernen. Krankenhäusern und Gefängnissen zu beschäftigen. In einem ferneren Antrage wird der BerbandSvorstand beauf- tragt, Material über die Anwendbarkeit des Boykotts zu sammeln und es auf dem nächsten Gewerkschaftskongreß erörtern zu lassen oder es den, Referenten zum Punkte„Der Boykott als gewerkschaft- licheS Kampfesmittel' zur Verfügung zu stellen. Schließlich wurde noch folgender Resolution zugestimmt:„Die Agitation hat der Verbandsvorstand»nt den Vezirksobmännern unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse einheitlich und plan- mäßig zu beweiben. Zur Erreichung dieses Zweckes wird der Verbandsvorstand und Ausschuß beauftragt, durch Anstellung von tüchtigen Kollegen in verschiedenen Bezirken diesem Verlangen ent- gegen zu kommen." In der letzten Sitzung wurden zunächst die vorliegenden An- träge über Lohnbewegungen erledigt. Allgemein war man der Ansicht, daß im Friseurgcwerbe nur mit der Waffe des Boykotts Lohnkämpfe durchgeführt werden könnten, entgegen der Ansicht des Vertreters der Generalkommission, U in b r e i t- Berlin, der von diesem Kampf« mittel nur im Anfangsstadium einer Lohnbewegung Gebrauch ge- macht wissen möcbte. Auch wünschte man mehr die Unterstützung der Gewerkschaftskartelle. Den Bericht vom Gewerkschaftskongreß in Köln erstattete der Verbandsvorsitzende E tz k o r n- Hamburg. Er meinte unter anderem in bezng auf die Aufgaben der Gcwcrkschaftskartclle, daß es nicht immer deren Schuld sei, wenn die kleinen Gewerkschaften von ihnen zu wenig unterstützt würden; gerade diese Gewerkschaften ständen manchmal sehr mangelhaft mit den Kartellen in Fühlung; auch seien die Kartelle nicht immer glücklich zusammengesetzt. Die Kommission für Ab- schaffung des Kost- und Logiswcsens habe ihre Grenzen zu weit ge- zogen, ferner seien von dieser Kommission die hygienischen und WohlfahrtSeinrichtungen zu sehr betont worden. Die Behandlung der Frage des Generalstreiks und der Feier des ersten Mai auf dem Kongreß habe seinen Beifall nicht gefunden. ES sei zu bedauern, daß sich Bömelburg in seinen Ausführungen über den Generalstreik auf den Standpunkt gestellt habe, eine Diskussion darüber sei über- flüssig. Die Gewerkschaften hätten doch wohl Veranlassung, sich mit dieser Frage gründlich zu beschäftigen. Die Maifeier sei auf dem Kongreß nur ungenügend gewürdigt worden. Mit den Ansichten Etzkorns war man in der Diskussion allgemein einverstanden. Nur der Verweter der Generalkommission bekämpfte die Darlegungen Etzkorns über den Generalsweik und Maifeier. In der Frage der Verschmelzung mit dem Damenfriseur- und Perückenmachergehülfen- Verband wurde folgende Resolution angenommen: Der achte VerbandStag des Verbandes der Friscurgehülfen Deutschlands ist für den Fall, daß der Damenfriseur- und Perückenmacherverband sich ihm anschließt, bereit, letzterem das Recht einzuräumen, besondere Sektionen innerhalb des Verbandes zu bilden, dessen Mitglieder ohne Eintrittsgeld aufzunehmen und ihnen die Hälfte der Zeit ihrer Mitgliedschaft im Damenfriseur- und Perückenmachergehülfenverbande als Mitgliedschaft im Verbände der Friseurgehülfen Deutschlands anzurechnen. Nach Annahme dieser Resolution wurden eine Anzahl Statuten- änderungen vorgenommen. Als Sitz des Vorstandes wurde wiederum Hamburg ge- wählt, desgleichen wurde auch die bisherige Verbandsleitung und der Ausschuß, der auch künftig in Berlin domizilieren wird, wieder- gewählt. Der nächste Verbandstag wird in Bremen abgehalten werden. 8o2iales. � Gegen den Fleischwuchcr protestierten wiederum eine Versamm- lung in Hannover, eine in Solingen, eine in Wald bei Solingen, eine Versammlung in Hagen und eine in Karls- ruhe._ Unzuständigkeit des Gewcrbcgerichts. Der Sattler W. verlangte durch Klage beim Berliner Gewerbe- gericht von der Firma Keminerich u. Komp. außer verdientem Lohn noch etwa 30 000 Mark dafür, daß er Maschinen der Firma, wie er behaichtet, unter Verwertung einer eigene» Erfindung so eingerichtet habe, daß eine sehr große Ersparnis an Arbeitskräften möglich sei. Es handele sich um ein von ihm erfundenes Verfahren zur Her- stellung von Rundschnur für Drehbänke und andere Maschinen. Kläger fordert für den Zeitraum von zwölf Jahren 10 Prozent des höheren RutzerttagS der Maschinen und hat die Klagesumme herausgerechnet. An sich ist er bei der Firma nur als Sattlergehülfe behandelt worden. Der Vertreter der Beklagten bestritt, daß es sich irgendwie um eine aufsehenerregende Erfindung des Klägers handle und be- hauptete, die vom Kläger an den Maschinen vorgenommenen Ver- änderungen seien ganz geringfügig. Von einer wesentlichen Er- sparnis infolge der Tätigkeit des Klägers könnte nicht die Rede sein. Das Gewerbegericht, Kammer 2, sprach dem Kläger zwar seinen Verdienren Lohn zu, erklärte sich aber zur Entscheidung der Ent- schädigungsfrage aus der Maschinenveränderung für unzuständig. Vom Vorsitzenden L e V i s e u r wurde dazu bemerkt: Nach der eigenen Darstellung des Klägers handle es sich bei dieser Forderung entiveder um die Darbietung einer höheren technischen Leistung im Sinnendes Gesetzes gegen prozentuale Vergütung oder aber, und das wäre die Meinung des ganzen Gerichtshofes, um einen rein zivilrechtlichen Ueberlassungsvertrag. In beiden Fällen könne das Gewerbegericht wegen Unzuständigkeit über die Forderung nicht ent- scheiden. Der Werkstattschreiber als Grwrrbegehülfe. In dem Entschädigungsstreit eines ehemaligen Werkstattschreibers der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft hat die Kammer 5 des Berliner Gewerbegerichtes entschieden, daß der Werkstattschreiber Gewerbegehülfe sei und so der Bestimmung der Fabrikordnung über den Kllndigungsausschluß unterstehe. Der Kläger wurde deshalb mit seinem Entschädigungsanspruch abgewiesen. Der Gerichts- Hof unter dem Vorsitz des Gewerberichters Dr. W ö l b l i n g ging von folgenden Erwägungen aus: Kläger sei in seiner Stellung als Werksiatlschreiber weder� Leiter eines Betriebsteils im Sinne der Gewerbe-Ordnung gewesen, noch habe er höhere technische Leistungen vollbracht, daß er etwa unter die Gruppe dieser Angestellten hätte gerechnet werden können. Da seine Tätigkeit eine rein Mechanische, wenn auch vielleicht umfangreiche gewesen sei und sich im Rahmen des gewerblichen Teils des Betriebes abspielte, so gehöre er zu den Gcwerbegehülfen, nicht etwa zu den kaufmännischen Angestellten. Das Gewerbegericht sei zuständig, müsse ihn aber aus den genannten Gründen materiell mit seinen: Anspruch abweisen, da die Arbeits- ordnung der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft für die Gewerbe- gehülfen Kündigungsausschluß vorsehe. Kein Entlassungsgrund. Der Arbeiter G. hatte seinen vormaligen Arbeitgeber Bräuniig beim Berliner Gewerbegerickit verklagt und verlangte eine Lohnentschädigung wegen unberechttgter plötzlicher Entlassung, sowie rückständigen Lohn. Gegen die Klage wandte Bräumig vor allem ein, G. habe einen Grund zur plötzlichen Ent- lassung dadurch gegeben, daß er hinter seinem Rücken mit einem Kunden selbständig Geschäfte gemacht habe. Kläger gab das zu, meinte aber, er habe jenem Kunden, der auch zu s e i n e n Bekannten zähle, die fraglichen Artikel nur deshalb vom Grossisten besorgt, weil Beklagter es immer verabsäumt hätte, dies zu tun. Er habe dem Beklagten auch davon Mitteilung machen wollen, sei aber aus gewissen Gründen immer nicht dazu gekommen. Der Gerichtshof unter dem Vorsitz des Gewerberichters Dr. W ö l b l i n g riet zu einem Vergleich und gab seiner rechtlichen Aussassung dabin Ausdruck: Wenn ein k a u f'm ä n n i s ch e r An- gestellter so handle, wie der Kläger, und dem Chef nichts davon sage, dann wäre das ein Vertrauensbruch, der die Entlassung rechtfertigen würde. Für einen Gewerbegehülfe» gelte das aber nicht. Da kämen nur die bemmmten Entlassungsgründe des Z 123 der Gewerbeordnung in Betracht. Ein solcher scheine nicht vorzuliegen, wenigstens sei kein Beweis dafür angetreten.— Die Parteien vergliche» sich denn auch auf Zahlung des LohnrückstandeL und einer Entschädigung für eine Woche. 6crlcbt9-Zeitung. Ein für die literarische Welt bedeutungsvoller Prozeß beschäftigt zurzeit die Berliner Gerichte. Es handelt sich in diesen, Rechtsstreit um die Frage, ob jemand als Träger eines bestimmten Namens da- gegen Einspruch erheben kann, daß dieser Name einer frei erfundenen Figur beigelegt werde. Die„Berliner Illustrierte Zeitung" bringt fast in jeder ihrer Nummern eine illustrierte Abonnementseinladung, in der die humoristische Figur eines„Professor Biedermann" ständig wiederkehrt. Diesem Biedermann, dem Typus des zerstreuten deutschen Professors, wie er weniger in der Wirklichkeit als in der Vorstellung des Publikums lebt, widerfährt bald dieses, bald jenes Abenteuer, aber jedes hat Bezug auf die Zeitung, deren Abonnent er ist. Durch diese Publikation fühlte sich Herr Professor Rudolf Biedermann in Steglitz. Lehrer an der technischen Hochschule und Mitglied des kaiserlichen Patentamtes, in seinen Rechten verletzt; er erhob gegen die Figur seines Namensvetters Einspruch und zwar aus Grund des§ 12 des Bürgerlichen Gesetzbuches, wonach„der zum Gebrauch eines Namens Berechtigte", wenn sein Interesse dadurch verletzt wird, daß ein anderer unberechtigt den gleichen Namen gebraucht,„Beseitigung der Beeinträchtigung" verlangen kann. Da die Redaktion des Blattes den Einspruch unbeachtet ließ, beantragte Professor Biedermann zunächst den Erlaß einer einst- weiligen Verfügung, durch die der Zeitung die Fortführung des „Professor Biedermann" untersagt würde. Das Landgericht I Berlin lehnte diesen Antrag ab, das Kammergericht aber gab ihm statt. Es verbot der Redaktion den Namen„Professor Biedermann" bei einer Strafe von 300 M. für jeden Fall der Zuwiderhandlung fortzu- führen. Die endgültige Entscheidung dieses Prozesses, die namentlich für die Art der belletristischen und dramatischen Literatur von großer Tragweite ist. bleibt abzuwarten. Professor Josef Kohler, der von der„Berliner Illustrierten Zeitung" um ein Gutachten angegangen ist, hat es als zweifellos bezeichnet, daß das Verbot aufzu- heben sei._ nzam Versammlungen. Der Holzardcitervcrband hielt am Donnerstag, den 17. August, im großen Saal von Keller in der Koppenstrahe eine sehr gut besuchte Vertrauensmännerversammlung für sämtliche Bezirke und Branchen ab. Zur Diskussion stand zunächst der Jahresbericht der Berliner Gewerkschaftskommission, aus dem Glocke als Referent einige der hauptsächlichsten Zahlen und Tatsachen mitteilt«.— Treu rügte, daß den Lokalorganisierten von der Gewerkschaftskommission keine Kandidaten für die Gewerbegerichtswahlen vergönnt worden seien. Zum mindesten hätte eine beschränkte Beteiligung den älteren grötze- rcn Lokalorganisationen, z. B. denen der Maurer und Zimmerer, zu- gestanden werden müssen, zumal die Sozialdemokratie das Prinzip der Proportionalwahl habe. Falsch sei es auch, loenn man seinerzeit darauf ausgegangen sei, den Leuten die Presse zu sverren. Redner vermißt im Holzarbeitervcrband einen Einfluß der Mitglieder bei den Delegationen zur Gewerkschaftskommission und bei Nominierung der Kandidaten zur Gewerbcgerichtswahl. Glocke schilderte, wie es zu !xr schroffen Scheidung der Zentralisationen und Lokalorgani- sattonen im Laufe der Jahre gekommen sei und sich schließlich der Widerstreit auch im Punkte der Gewerbegerichtswahlen entwickelt habe. Nachdem dann die Geiverkschaftskommission in gemeinschaftlicher Sitzung mit den Vorständen der Zentralisation erst einmal fast einstimmig jenen bekannten Beschluß gefaßt hatte, nicht mit den Lokalorganisierten bei den Gewerbegerichtswahlen zusammenzu- gehen, sei diesmal keine andere Stellungnahme möglich gewesen, da die Verhältnisse dieselben blieben. Etwas anderes wäre es gewesen, wenn die Vertreter der Lokalorganisationcn bei den Verhandlungen unter Leitung des Parteivorstandes auf eine Einigung eingegangen wären.— Was die Delegationen zur Gewerkschaftskommission an- gehe, so sei dies doch ausdrücklich der OrtSverwaltung überlassen worden, desgleichen habe die Kollegenschaft selber die Nominierung von Gewerbegerichtskandidaten der kombinierten Sitzung der er- weiterten Verwaltung die unter Umständen aus 150 Personen be. stehe, übertragen, Weitere Wortmeldungen zum Jahresbericht der Gewer�schastS» kommission erfolgten nicht. Die Versammlung erledigte noch die Frage der Entschädigung für die Branchen- und Kommissionsobleute sowie für die Kommissions. Mitglieder. Nach längerer Debatte wurde beschlossen: Die Obleute werden für ihre Tätigkeit pro Vierteljahr mit je 20 Mk. entschädigt. Die Kommissionsmitglieder erhalten je 50 Pf. bei Teilnahme an KommissionS- und Werkstattsitzungen. Festgestellt wurde auf eine Anfrage, daß notwendiges Fahrgeld vergütet wird. Die Ent» schädigungen in der neuen Höhe treten am 1. Oktober in Kraft. Durch einen Beschluß empfiehlt die Versammlung den Mit» gliedern die in Kneipen errichteten Arbeitsnachweise des FachvereinS der Tischler zu meiden.— Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden vertagt. Der Zentralvcrband der Maurer fZweigverein Berlin) hielt am Freitag in Kellers großem Saal eine gutbesuchte Generalversamm- lung ab. Genosse Efftinge- Hamburg, vom Hauptvorstande deS Verbandes, sprach daselbst über„Ursachen und Wirkungen des Wirt- schaftlichen Kampfes". Redner ging ausführlich auf die großen Lohnbewegungen und AuSsperrnngen im Baugewerbe während der letzten Jahre ein und beleuchtete den schäbigen Vertragsbruch der Unternehmer im rheinisch-westfälischen Industriegebiet. Trotz all dieser Kämpfe stehe die Organisation stärker und gefestigter da, wie je zuvor. Ja, daS natürliche Bestreben der organisierten Kollegen nach Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen be» rechtige zu besten Hoffnungen, die Lage der Maurer auch fernerhin laugsam zu heben, wenn auch die zukünftigen Lohn- kämpfe noch schwerer und umfangreicher würden. Im Jahre 1903 sei der Verband in 197 Orten an Angriffs- oder Abwehrstreiks be- leiligt gewesen; 1904 waren 190 Orte, in diesem Jahre seien bis jetzt 180 Streikorte gezählt worden und in 46 dabo» befänden sich die Kollegen noch im Kampfe. Nun habe die Organisation im Laufe der Zeit an Lohnaufbesserungen und Arbeitszeitverkürzung zweifellos schon bedeutendes erreicht; betrug doch die durchfchnittliche Lohnerhöhung während des Vorjahres in 762 Lohnbezirken 3,66 Pf.; für die Streik- und Aussperrungsorte erhöht sich dieser Satz sogar auf 4% Pf., da über*/i der geführten Kämpfe erfolg- reich verlaufen seien. Trotzdem bleibe aber noch vieles zu tun übrig. Beweise doch die Statistik des Jahres 1904, daß es noch 308 Orte gäbe, wo die Maurer noch 11 Stunden täglich arbeiten müssen; ja es existieren noch eine ganze Anzahl Ortschaften in rückständigen Gegenden, wo die Arbeitszeit eine zwölf- und drei- zehnstündige ist. Auch mit IG/z stündiger Arbeitszeit seien noch 86 Orte gezählt worden. In' den übrigen Orten, den Groß- und Mittelstädten, sei die Arbeitszeit infolge der geführten Streiks wenigstens auf 10 resp. O1� und 9 Stunden herabgesetzt worden. Aehnlich so stehe es mit den"Löhnen. Es gäbe immer noch 66 Orte mtt Stundenlöhnen von nur 22 bis 27 Pf.; 284 Orte mit 28 bis 32 Pf., 315 Orte mit 33 bis 37 Pf.. 182 Orte mit 38 bis 42 Pf.. 122 Orte mit 43 bis 47 Pf. Dann erst folgen 75 Orte mit 43 bis 52 Pf.. 19 Orte mit 53 bis 57 Pf., 19 Orte mit 58 bis 62 Pf. und 20 Orte mit über 62 Pf. Diese Lohnstatistik zeige, was es in Wirklichkeit mit den von Arbeitgebern und Philistern so sehr ge- priesenen„hohen Löhnen" der Maurer auf sich habe. Pflicht aller Kollegen müsse es daher sein, die Organisation nach Kräften weiter zu stärken, damit auch die erwähnten niedrigen Löhne in den vielen Mittel- und Kleinstädten baldigst eine zeitgemäße Erhöhung erfahren — trotz der Aussperrungstvüt des Unternehmertums.(Lebhafter Beifall.) Hierauf gab der Kassierer Wartenberg den Kaffenbericht vvom zweiten Ouartal. In den Zahlstellen und Sektionen bclief sich 'die Einnahme auf 109 333,29 M. und die Ausgabe auf 7575,61 M., so daß dort ein Bestand von 102 257,68 M. verbleibt. Die Zweig- Vereinskasse hatte eine Einnahme von 243 463,58 M. und eine A»S- gäbe von 121 170,70 M.. an Bestand verblieben 122 292,38 M. So- mit beträgt der Gesamt-Kassenbestand im Zweigvercin 224 550,56 M. Mitglieder zählt der Zweigberein 15 816; davon lvnren 10 587 Maurer, 2393 Putzer und 2836 Gips- und Zementarbeiter. Unter den Mitgliedern befinden sich 187 Ausländer. Nachdem die Ver- sammlung dann das Ableben von 23 verstorbene» Kollegen in der üblichen Weise geehrt hatten, wurden zum Schluß noch einige innere Angelegenheiten besprochen. Der Fachverein der Musikinstrumentenarbeitcr hielt am 21. August eine Mitgliederversammlung ab, in der Herr Schrift- steller A. Stern über das Themcr referierte:„Der Darwinismus als Grundlage einer freien Weltanschauung". Unter Vereinsange- legenheiten wurde u. a. mitgeteilt, daß der Fabrikant Bahn einen Arbeiter nach zirka 33jährigcr Tätigkeit entlassen hat, trotzdem der- selbe im vergangenen Jahre als Arbeitswilliger fungiert hatte. Dies beweist wieder einmal, wessen sich die Arbeiter von ihren„Brot- Herren" zu versehen haben und wo sie hingehören: In die Organi- sationl Vom Aorstand der Metnllarbeiter-Gcwcrkschaft erhalten wir eine Znschrist, in welcher Bezug genommen wird aus den Bericht von der Feenpalnstbersammlung, in der Dr. Friedeberg referierte. In diesem Bericht sei die Metallarbeiter-Gcwerkschaft als eine l o k a l i st i s ch e bezeichnet. Das sei falsch. Die Organisation sei seit ihrem Be- stehe» eine zentralistischc und erstrecke sich über das ganze Deutsche Reich. Das besage auch das Statut. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 27. August, vorm. 8'/, Uhr, lm Burgcrsaalc des Rathauses, Eingang NSnigstr. 15— 18: Vcrsammlimg. Freireligiöse Vorlesung.— Um 10*1, Uhr vormittags in der Schul-Aula, Kleine Franksurtcrstr. 6: Versammlung. Vortrug des Herrn Waldeck Manasse:„Frcidenterijchcs aus der Bibel".— Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Defseiitliche Bibliothek«nd Lesehalle zu unentgeltlicher Be» »uhung für jedermann, SW., Alcrandrincnstr. 26. Geöffnet täglich von 5'/,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lesesülen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zcitschrtsten jeder Art und Richtung aus. NIlgemeinc Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. E. H. 29, Hamburg.(Filiale Berlin 5.) Mitgliederversammlung am Sonn- abend, den 26, August, abends 81/, Uhr, im Restaurant Rosenthaler Hos, Rosenthalerstr. 11/12._ Brfefkaften der Redaktion. Wir bitten bei jeoer Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben ober eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die letzte AbonnementSgulltung beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beant- mottet und(christliche Antwort wird nickt erteilt <5. P. 21. Erst praliisch. dann theoretisch. Zunächst Lehre tn einem nicht zu großen clcklrotcchinichen Betriebe.— W. K. 20. Berliner Fortbildungsschulen lehren sämllich Englisch und Französisch. Ihrer Wohnung zunächst liegen die Fortbildungsschulen Wasscrtorstrasi« 31 und Reichen- bergcrstraße 131.— H. O. 71. Slrmendircllion der Jüdischen Gemeinde, Berlin, Oranienburgerstratze 29.— Brauerei. 1. und 2. Bitte, wenden Sie sich s e I b st an die Verwaltung der Schultheitz-Brauerei. UnS sind die Details nicht geläufig.— Hännanken. 1 preutzischcr Morgen— 180 Quadrat- niten.— H. Hirsch. Wo Quittung? In einer Buchhandlung nachfragen. Eine Qucidratrute der 180. Teil eines preutzischen Morgen?.— Sixtus. Nein. — H. Ein Morgen hat 180 Ouadrattuten. Spieljragcn bcantwotten wir nicht. Juriftikeker Ccil. Sit jiiriftilcht Eprtchstuiidt fiiidti täglich mit SlnSnahmede»«orniabtub» von?>/, bi?»'/, Uhr statt. Geöffnet! abends? Ilbr. Hans 81. Ihre Frau muh sür je zwei Jahre mindestens 20 Marken als Selbstvcrsichcrcr kleben, um sich den Anspruch zu erhalten.— N. W. 5. Ihre Frau und Sie sollten, um den von Ihnen beabsichtigten Zweck zu erreichen, schleunigst ein wechselseitiges Testament in der Weise errichten, wie es S. 233 Nr. 55 des dem Axbeitcrrecht beigesügten Führers angegeben ist. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus.— H. N. Soweit Ihre Ansrage erkennen lätzt, ist Ihr Bruder nicht als Gcwerbogchlllse tätig. Für seine Ansprüche ist daher das Amtsgericht zuständig. Ob ihm Ansprüche zustehe», lätzt sich nicht ersehe», da Sie weder mitteilen, als was(Pferde» fttcdit? Bereiter? Knecht? Gesinde?) und unter welchen Bedingungen er angestellt ist.— P. L. Sil. Wenn keine Dispensation durch die Schul- deHörde vorliegt: ja.- dt. T. 100. Sic sind im Irrtum. Weder liegt m dem Vorgetragenen ein Grund zur einsciligcn Aushebung des Vertrages, noch hat der Wirt die Verpflichtung, das Schlofl ändern zu lassen. Sic können sich auf Ihre Kosten ein Vicherheitsschlojj anbringen Inffm.— F. 79. R. 1. Nein. 2. Nein, es sei denn, Not- wehr Hegt vor.— W. M. 30. Ja.—(?. W. 30. Nein. 5�.%®n Schadcnersatzprozeß durfte wenig Aussicht auf Ersolg haben. Nach HZ S4 bis 67 II, 16 Allgemeines Landrccht dars im Gebiete oes allgemeinen Landrechts niemand aus fremden Jagdrevieren Hunde lausen lassen, die nicht mit einem Knüppel versehen sind, welcher sie an der Aufsuchung und Verfolgung der Wildes hindert. Ungeknüppelte gemeine Hunde und Katzen, die aus Jagdrevieren herumlaufen, kann jeder Jagd- berechtigte töten und obenein hat der Eigentümer das Schuflgeld zu bc- zahlen. Jagd- oder Windhunde, die während einer Jagd in ein fremdes Revier nur überlaufen, dürsen nicht getötet werden.— E. L. 100. Ist die Betreffende Kassenmitglied, so hat sie das nach dem Statut ihr Zu- stehende auch dann zu verlangen, wenn sie einen unzutreffenden Namen angegeben hatte. Da Sie die Statuten selbst nicht mitteilen, läßt sich nicht ermessen, ob die Statuten zur Nichtzahlung berechtigen.— W. M. Nein. — H. 100. Sich Geld borgen allein ist keineswegs strafbar, auch dann nicht, wenn die Rückzahlung verspätet oder unmöglich wird. Nur dann kann in dem Borgen eine strafbare Handlung erblickt werden, wenn der Borgende nach Lage der Sache schon beim Borgen mit der Absicht nie zurückzuzahlen vorging und falsche Vorstellungen über seine Vermögenslage erweckte. Ob in dem von Ihnen geschilderten Fall Betrug vorliegt, würde aus eine Strafanzeige hin zunächst von der Staatsanwaltschaft beantwortet werden.— H. B. 38. Ohne Einsicht in das Vereinsslatut und genaue 5kenntnis des Sachverhalts lassen sich unmöglich Fragen wie„welche Pflicht hat der Vorsitzende? Wem gehören die Spindschlüssel? Kann ein Mitglied ohne Grund ausgeschlossen werden? WelcheRechte hatein ausgeschlossenes Mitglied?" beantworten. Die juristische Sprechstunde steht jedem Abonnenten offen. — M. H.. Steglih. Den Antrag niüssen Sie an die Versicherungsanstalt richten, der Sie zugehören. Welche das ist, ist aus der ersten Seite der Vcrsicherungskarte zu ersehen.— Gegenseitigkeit 34. Dem Dienst- Mädchen steht ein Anspruch g e g c n die Herrschaft auf Verpflegung und ärztliche Behandlung bis zur Dauer von 6 Wochen, jedoch nicht über die Beendigung des Dienstverhältnisses hinaus, zu. Die Kosten können aufdiesür die Zeit der Erkrankung geschuldete Vergütung angerechnet werden. Der Abonncmcntsverein ist ein die Herrschast allein angehender Versicherungsverein. Ihre Schwester hat also" der Herr- s ch a s t gegenüber(nicht dem Verein) einen Anspruch aus Ersatz des Ver- auslagten.— Nl. P. 47. Nein. Vielleicht wenden Sie sich an den Zentrnlverband der Tabakarbcitcr, Deichmann in Bremen, Marktstr. 18.— H. N. 68. Adoption erfolgt durch gerichtlichen oder notariellen Vertrag. Der Vertrag bedarf der Bestätigung des Amtsgerichts. Diese ist zu erteilen, falls die gesetzlichen Voraussetzungen zur Adoption vorliegen. Diese Voraussetzungen sind: der Adoptierende darf eheliche Kinder nicht haben. Ist er verheiratet, so bcdars er der Zustimmung des Ehegatten(es können auch beide Ehegatten adoptieren). Die Zustimmung der Eitern des noch nicht Li Jahre alten zu adoptierenden Kindes ist erforderlich. Der an Kindcsftatt Annehmende soll mindestens 50 Jahre alt und 18 Jahre älter sein als das Adoptivkind ist, doch kann von diesem Altersersordernis durch das Amtsgericht Dispens erteilt werden. Die Adoptiv-Antragslosten be- tragen in Preußen 50 M. Berliner Markipreise.(Ernütlclt vom Polizei-Präsidium.) Weizen, gute Sorte, 1 Dz. 16,90(16,86), mittel 16,82(16,48), geringe 16,74 (16,70). Roggen, gute Sorte 15,10(15,06), mittel 15,02(14,98), ge- ringe 14,94(11,90). Ab Bahn. Futtergerfte, gute Sorte 15,40(15,00), mittel 14,90(14,60), geringe 14,50(14,10). Haser, gute Sorte 16,50 (15,50), mittel 15,40(14,50), geringe 14,40(13,50). Frei Wagen und ab Bahn. Richtstroh 1 Dz. 0,00(0,00). Heu, neu, 0,00(0,00). Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00(30,00). Speisebohnen, weiße 50,00(30,00), Linsen 60,00(30,00), Kartoffeln 7,00(4,00). Rindfleisch, von der Keule, 1 Kilo- gramm 1,80(1,40), Rindfleisch, Bauchfleisch 1,50(1,20), Schweinefleisch 2,40 (1,40), Kalbfleisch 2,50(1,30), Hammelfleisch 2,00(1,40), Butter 2,80(2.20), Eier(60 Stück) 4,40(3,00). Karpfen, 1 Kg. 2,40(1,40), Aale 3,00(1,50), Zander 3,50(1,40), Hechte 2,80(1,40), Barsche 2,40(1,00), Schleie 3,00 (1,40), Bleie 1,60(0,80), Krebse(60 Stück) 20,00(3,00). BSttteriiiiaoiilierNikit vom 25. August 1903. niorgeiiS 8 Uhr. Stationen ölvtnemde. L£ S" s>~ I i i 759 WSW 761 SSW erlin 761 W Franks.a.M. 761 N Mü» chen[762 SO Wien 1762 Still Wetter 4 wölken! 4 heiter 1 wölken! Lwolkenl 4 bedeckt — heiter lS« !- -t!> z? hl io 15 12 15 14 13 17 Stationen 8« I I Haparanda 766 D Petersburg 760 O Scilly 752«SO Aberdeen Paris 759 W 758 SO Weller 2 bedeckt 2 bedeckt 1 wollig 1 wolkig 2 halb bd. dSES c% ä 11 H E> 8 10 15 11 15 Tvetter-Proguolr Gr Sonnabend, de» 26. August 1903. Etwas wärmer, zunächst meist heiter und trocken bei mäßigen südöst- lichen Winden, später zunehmende Bewölkung. Berliner Wetterbureau. Waflrrstand am 24. August. Elbe bei Aussig— 0,32 Meler, bet Dresden— 1,65 Meter, bei Magdeburg-s- 1,04 Meter.— U n st r u t bei Straußsurt-p 1,00 Meter— Oder hei Ratibor+ 0,68 Meter, bei Breslau Oberpegel-p 4,50 Meter, bei Breslau Unterpegel— 1,84 Meter, bei Frankfurt-s- 0,85 Meter.— Weichsel bei Brahemünde -s- 2,32 Meter.— Netze bei Usch— Meter.— Warthe bei Posen — ,— Meter. Für de» Julialr der Jnlcrnte überniiulut die Nedattivu dem ipubliknul gegenüber keinerlei Bcrantwortting. HKeater. Sonnabend, 26. August. Ansang 71/8 Uhr: Opernhaus. Hansel und Gretel. Slavische Brautwerbung. Schauspielhaus. Ein kritischer Tag. Neues köuigl. Operntheater. Der Wasserträger, oder: Zwei gefährliche Tage. Neues. Ein Sommernachtstraum. Ansang 8 Uhr: Schiller O. lWallner-Theater.) Ein Wintermärchen. Schiller M.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Die Asri- kanerin. Lessiug. Ein Volksfeind. Kleines. Nachtasyl. Lustspielhaus. Der Herr Substitut. Der dankbare Fullen.(Ansang 8-, 2 Uhr.) Zentral. Die Geisha. Thalia. Amor in New Dork. Residenz. Eine Hochzcilsnacht. Carl Weiss. Jm"H>ausc der Sünde. Belle-Aliinuee. Ben Ali Bey. Metropol. Die Herren von Maxim. Slpollo. Ein Abend in einem amcrika- nischen Tingcl-Tangel.— Am Hochzeitsabend.— Spezialitäten. Triano». Die Notbrücke. Herrnfeld. Die MeyerhainS. Wintergarten. Lore Füller. Epe- zialitäten. Berliner Prater-Theater. Dorns Resi. Passage, blackamo än Dion. Fernande Robertinc. Spezialitäten. Rcichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Tnubeuhrahe 48/49. Von der Zugspitze zum Watz- mann. Jupalidenftrasse 37/62. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr._ Neues Theater. Ansang 71/a Uhr. Sin Scmmernachtstraum. Sonntag und folgende Tage: Ein Sommernachtstraum. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Nachtasyl. Sonntag: Nachtasyl. Montag: Angele. Abschied vom Regiment.__ Ansang(Kroll.) Neu einstudiert: Der Wasserträger. (Zwei gefahrvolle Tage.) Oper in 3 Akten von Cherubini. Sonntag: 0er Zigeunerbaron. Trianon-Theater. Heute und folgende Tage: die Mrfiebe. Anfang 8 Uhr. Sustspielhaus. Täglich S'/a Uhr: Der Herr Snbjlitiit. Der dankbare Julien. Sanssouei Kollbulerstr. 4a. Etat, der Hochbahn. Direkt.: V/ilhelm Reimer. Jed. Montag, Donneistag, und Sonntag im glänzend rcnov. u. elcktr. beleuchteten Etablissement: Hoffmanns Norddeutsche Sänger. Nach der Vorstellung: Tanz. Urania 8 Uhr: Tauben- str. 48/49. Von iler Zugspitze zu Mraaim. Sternwarte ) CASTANS ANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Minister Witte,! ! Baron Rotnuraj die japanisch-russischen Pri e aensunterhSndler. Präsident Rooseveltü! 0010CISCHER GARTEN Täglich nachmittags ab 3 Uhr: Militär- Doppei-Konzert Eintrittspreis 1 M.; ab 6 Uhr 50 Ps. Kinder unter 10 Jahren die Hülste. Ganz Berlin spricht von: 40 Ihr Ein Abend in einem nnlerihan. Tingel- Tnnget. Hochzeifsedend p. �«i«-. und das gr. Angiist-Spezialitäten- _ Programm. Metropol-Theater Bender x Giampietro Massary x Frid Frid. Zum 293. Male; rt ZW Große Ausstattungsposse mit Gesang und Ballett in 5 Bildern. Rauchen gestattet. Anf. 8 Uhr. Residenz-Theater. Dirchtion: Richard Hlocander. Heute und folgende Tage, Ansang 8 Uhr: Eint Hollsseilsiiiidit. Schwank in 3 Akten von Henri Käroul und Albert Barrä. Lari Weiß-Theater. Gr. Fraukfurterstr. 132. Täglich 8 Uhr: Im Hause der Snnde. Soimmgnachmiltag 3 Uhr: Er iimi seine Tochter. Im Sommergarten(Ansang 5 Ihr): Spezialitäten, Theater. Um 10 Uhr: Eutscheidungs- Ringkamps zwischen F4«Idt und Hain. W. Noacks Theater. Direktion: Rod. Dill. Brunnenstr. 16. Extra-Elite-Vorstellung. Nur einmalig�' Aufführung: Des Nächsten tefrau. Schwank in 3 Akten von I. Rosen. Dazu die erstklassigen Lperiaiitüten. Ansang 6 Uhr. Eutree 30 Pf. Bernhard Rose-Theater Gesundbrumren, Badstraße 58. Heute: Grones Sommerfest. Morgen: kroße Vaia-Vorstellung. Der Finch des Goldes. Außerdem die Sensation Berlins: HV. IMeck mit seiner Höllenfahrt und Tvdessprung. i5»«hin«i'-rriKe»tvi'. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theatcr). Sonnabend, abends 8 Uhr: Eröffnung der Schauspiel- Saison. Hin VTIntsrinNrolivi». Schauspiel in 5Akten v.W. Shakespeare. Sonntag, nachm. 3 Uhr: .labend. Sonntag, abends 8 Uhr: Uli»'Wtiitvi'mtti'clieii. Montag, abends 8 Uhr: Lln �VintsrmtU-ckvn. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Morwitz-Oper. Sonnabend, abends 8Ubr: Popul. Opernzyklus bei halb. Preisen. IM«? ,1 friknncrin. Sonntag, nachm. 3 Uhr bei halben Preisen: Her Freischütz. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Trompeter von Säkkingen. Montag, abends 8 U b r: Vorletztes Gastspiel Heinrich Bötet. Martha oder der Markt zu Rlchmond. Im Garten tägl.: Dr. Militär-Konzert. av Max Kliems Sommer-Theater» Hasenheide 13—15. Artistische Leitung: Raul Milbitz. lapliolt: Gr. Konzert, Theater»»-> SpezialitätensVorstellung. I Jeden Donnerstag: Fernsprecher IV. 8891. LMe-7sg. TI»X Klient. Diez' Spezialitäten-Theater Liandsberger Ob schön! Allee 76 711, direkt an der Ringbahnslullon. Ob Regen! im herrlichen Garten oder Saal: Konzert und Vorstellung. Bollstiindig neues Prograini», das grSsiie und heste. Ohne jede Konkurrenz! Die drei Regalls! Kraftakt in der Schmiede. Entree Wochentags 20 Ps.. Sonntags 30 Ps. Jeder Erwachsene hat ein Kind unter 10 Jahren frei, ältere zahlen halben Eintritisprcis. Bom 16.— 31. August Gnstspitl derweltbernhinte» �Äl-xuerite mit ihrer großartig dressierten I�öTvengruppe ohne Konkurrenz. U. a.: Feuer- und Fiammentan; im Löwenkäfig. Original Hedwig Döring, beliebte Soubrette. Original Otto Bayer, Humorist. Der alluelle Curt Ellen, Humorist. Defmar— Margarite, brill. Tanzductt. Kaimt& Hertzer, StraiauerbrQcke 1. Sonntag, den 27. Augnst 4663: Große Extra-Danipferfahrt mit Musik nach Sportskaus Ziegenhals am Crossinsee. Abfahrt vormittags Punkt 10'/, Uhr. Hin Kinder 6,46 Mk. Einfache Fahrt 6,36 Mk. Hierzu ladet ergebcnst ein_ und zurück 6,75 Mk BillcttS am Dampfer. Tltti-wekel. Passage-Theater. Anfang der Abendvorstell. 8 Ubr, nachm. Sonnt. 3, Wochent. 5 Uhr. ZIadaine du Dion! Fernande Robertine in dem Mimo druma ; jie ijanb". 14 sensationelle Nummer». Neu eingeführt: Numerierte Plätze. Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee Nr. 148. Heute: Benesizvorftclknng. F. Kirchheimer. 0. Wischer. Das V o I k s st ü ck Die Macht des Liedes. IZi-o». Kaclne Cloinp. Todesfahrt im Höllenkessel _ Anfang 4 Uhr._ Prater-Theater Kastanien-Allee 7—9. Heute: Dorn's Resi. Lebensbild in 3 Akten. Neue Dekorationen und Kostüme. The Kieffers Pantomime. Mizzi u. Gfeza Varadi-Duett. Pantomime. Spezialitäten. Ball. Ansang i1!, Uhr. Eintritt 30 Ps. Numerierter Platz 50 Pf. I�eichskglleii. Täglich: Stcttiner Sänger. (iebrüderfterrnfeld- Theater. Zum 125. Male: Komödie in 3 Akten mit den Autoren Anton und Tonat Herrnfeld in den Hauptrollen. Ansang 8 Uhr. Vorverkauf 11-2 Uhr. Vor der Vorstellung und während der Pausen: ProHienatieii- Konzert im Garten. Schweizer-(forten. Am Kfinigstor. Am Friedrichshain. Täglich: Theater und Ii Volkabelnstigiuigen. Jeden Abend 10 Uhr: Arbeit schändet nicht. Volksstück mit Gesang in 3 Abteilungen. Jeden Miltwoch: Klnderfeat mit Gratisvcriosung._ ELYSIUM. Kommandantenstr. 3-4. Vollständig neu renoviert.<0 i Auftreten v. 36 erstklassigen intern. Spezialitäten. Geöffnet von 10 Uhr fr'Jh bis 12 Uhr nachts. [Neue Welt. "iM-m Arnold Scholz. Täglich: 4040L* Volhsfest Triple-Konzert der oberbayrischen Bauernkapelle, Dir. Baron Muckl, der 40 MannstarkenHauskapelle, Dir. Berth. Bothe und der Tyroler- und Schuhplattler-Gesellschaft Küpper. Spezialität: Original bayrische Küche. = ioo= bayrische jtladeln zur Bedienung. Anf. 5 Uhr. Entree 25 Pf. Eröffnungs- Programm. LoYe Füller die berühmte Phantasietänzerin. Louise Biet Pariser Sängerin. 4 Luckens amerik. Gymnastiker. Sisters Gasch Akrobatinnen. Kapitän Woodward dress. Seehunde u. Seelöwen. Bedini und Artur amerikanische Exzentriks. Die mysteriösen Husaren. Edith Helena amerik, Sängerin. Die Tromüettas italien. Duett, Paul Spaden! Kraft-Jongleur. „In Japan" Ballettdivertissement. Tina Clementa Pferd- und Hundedressur. Der Biograph. Deutsch- AirikanJeater. Sonnabend, d. 2. Sept., abds. 8 Uhr: Wieder-C-rössnung! Lastspiel Adelt Philipp � - PRP.TIIEKE-»61 Aber Herr Herzog Heitere Bilder mit Gesang aus dem Leben d. Deutsch-Amcrikaner in 4 Abt. von Std. Philipp. Billetts sind jetzt an der Tbeater- kaffe sowie bei Wcrtheim zu haben. ?M\ Schwarz' Sommer-Theater Lichtenberg, Dorfstr. 25 26. Täglich: Konzert. Große Spezislitätenforstellung. Das großart. August-Programm. Anfang 5 Uhr. Jeden Mittwoch: Ellle-TaR. r n Victoria-Brauerei lilitasowatr. 111/112. Täglich; Horsfs Sänger. 3 Ansang 8 Uhr. Sonntag? 7 Uhr.| j Dienstag, Donnerstag, Sonn>' abend. Sonntag: T»iir.. Ostbahn-Park. Am KUstrinerplatz, Rüdersdorferstr.71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. 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Resolution betr. den „Vorwärts". 6. Verschiedenes.— Laut Statut ist jeder Wahlverein berechtigt, drei Delegierte zu entsenden. Die Delegierten müssen mit Mandat versehen sein. Parteigenossen haben als Gäste Zutritt. Der Vorstand. I. A.: W. Eberhardt. Lerlmer �ackricdten. Ucber die Heilsarmee schreibt man uns: Wenn sich die Oeffentlichkeit etwas mehr mit dem Wirken der Heilsarmee beschäftigen möchte, dann würde sehr bald der Nimbus fallen, der diese Organisation umgibt. Von einem Idealismus und einem.segensreichen Wirken" konnte man vor vielen Jahren einmal reden; heute ist die Wohltätigkeit und die christliche Liebe der Heilsarmee nichts weiter als ein wohlberechneter Teil eines großen Geschäftsunternehmens, welches ungeheuere Summen einbringt. Das lernt man am besten kennen, wenn man das Wirken der Heilsarmee in Amerika beobachtet. Dort fühlt sich diese Ge- sellschaft so recht zu Hause, noch mehr als in ihrer Heimat England. Bei den Amerikanern hat sie die größten Erfolge flies Einnähmen) zu verzeichnen. Von New Dork bis San Francisco findet man sie in jedem Neste wie die Bettelmönche, immer beim Einsammeln I Jedes Wohltätigkeitsessen wird unter lautem Tamtam und mit Pauken und Trompeten angekündigt. Jede kleine, bescheidene Ein- richtung zum Nutzen von armen Leuten wird weit und breit bekannt gemacht, um daraufhin wieder fleißig einsammeln zu können. Die Kolonien der Heilsarmee sind sehr verrufen bei Arbeitern, die wegen Arbeitslosigkeit einmal davon Gebrauch machten. Wie die Mitglieder dieser Armee, entgegen dem Bibelwort, stets darüber wachen, daß ihre linke Hand wohl weiß, was die rechte tut, so beten sie auch nicht im stillen Kämmerlein, sondern mit Vorliebe an recht belebten Straßenecken. Da steht ein Trupp von der Heilsarmee, singt, musiziert und betet, wirft sich auf die Knie und schreit gen Himmel um Vergebung seiner Sünden, so daß diese zur Schau gestellte Frömmigkeit einen Deutschen geradezu abstößt, dem Amerikaner aber gewaltig imponiert, und so frommen Leuten gibt er gern reichlich. Vor einigen Jahren wurde in einer sozialistischen Zeitung in Amerika eine Serie von Artikeln über die inneren Zu- stände in der Heilsarmee von einem ehemaligen„Soldaten" ver- öffentlicht, worin deutlich gezeigt wurde, daß diese Organisation auf den Gelderwerb versessen ist wie irgend ein Ausbeuter-Konzern. Sie macht sich die Not ihrer Mitmenschen zunutze, läßt arme und dumme Teufel für sich arbeiten, indem diese auf den Bettel unter dem Mantel des Christentums dressiert werden, den„War Cry"(Kriegsruf) verbreiten und sich sonst nützlich machen müssen. Viele, von der Not getrieben, wenden sich der Heilsarmee zu, wo es ihnen auch jämmerlich schlecht geht. Wer avanzieren will, muß schlau und geschickt.arbeiten" und in der Heuchelei Meister sein. Dann kann er einer von den Großen werden, die herrlich und in Freuden leben, während der arme Lazarus mit den Brosamen zufrieden sein muß, die von des reichen Bruders Tische fallen. Nach dem amerikanischen Muster wird natürlich auch in Deutsch- land Verfahren. Hier hat sich die Heilsarmee in diesen Tagen ver- rechnet, was ihr nicht häufig passiert. Da glaubte sie mit dem Kongreß und der großen Parade in Berlin eine Reklame machen zu können, und in England oder Amerika wäre dies glänzend ge- lungen, aber hier ist man etwas kritischer veranlagt. In der Presse fing man an, den Schleier des Geheimnisses, mit dem die Heilsarmee ihre Praktiken verhüllt, ein wenig zu lüften. Man ver- langt Rechnungslegung über die eingenommenen Bettelgclder und zeigt, wie die Großen in ganz unchristlicher Weise die Kleinen aus- deuten.— In Parteikreisen ist man manchmal geneigt, die Heils- armee ihres scheinbar so wohltätigen Wirkens wegen milde zu be- urteilen. Das ist ein Irrtum und außerdem darf nicht vergessen werden, daß diese Armee beständig wider den Geist der Aufklärung streitet, in dem sie des Teufels Wirken sieht. Und die ganze Partei ist doch unablässig für die Aufklärung tätig! Berlin und die Bororte. Der§ 53 des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 hat verschiedenen Vorortgemeinden, so Ripdorf, Weißeusee, Adlershof, Boxhagen-Rummelsburg und der Gemeinde Zinna bei Jüterbog als Handhabe gedient, vom Berliner Magistrat Zuschüsse zu ihren Gemeindeausgaben zu verlangen. Der Magistrat hat diese Ansprüche sämtlich zurückgewiesen. So hat Weißensee im Jahre 1893 für 1897 einen Zuschuß von 85 000 M. verlangt, weil eine große Zahl von Personen, die in Berlin beschäftigt sind, dort wohnen. Dadurch seien der Gemeinde bedeutende Lasten für Schulen usw. und eine lieber- bürdung der Steuerpflichtigen entstanden. Später hat Weißensee 107 000' M. beim Bezirksausschuß eingeklagt. Dieser hat den Antrag als verspätet zurückgewiesen und die Klage abgewiesen. Das Ober-Verwaltungsgericht verwies dann aber auf Berufung die Sache an die Vorinstanz zurück. Der Berliner Magistrat hat, wie seinerzeit mitgeteilt wurde, die Anwendbarkeit des§ 53 bestritten und das vorgelegte Material als durchaus unzuverlässig und den Nachweis der Ueberbürdung als nicht erbracht bezeichnet. Berlin tvies darauf hin, daß Weißensee an der Entwickelung Berlins teil- genommen und Vorteile davon gehabt hat. Insbesondere aus der Steigerung der Grundrente, des Nutzungswertes der Käufer, des Geschäftsumsatzes der Gewerbetreibenden usw. Ferner hat Weißen- see Vorteile von dem Vorhandensein bezw. der Benutzung gemein- uütziger Anstalten in Berlin, wie z. B. der städtischen höheren Lehranstalten, Krankenhäuser usw., die Weitzensee entbehrt. Auch durch die Berliner Armenpflege hat Wcißensee be- sondere Vorteile, denn es gelangt noch nicht die Hälfte der Aufwendungen für die dort heimatberechtigten Personen zur Ofc- stattung. Selbst die Steuern der zum Teil kinderlosen Arbeiter und Beamten, die in Berlin tätig sind, kommen der Gemeinde W. zu- gute. Nichtsdestoweniger wurde Berlin verurteilt, der Gemeinde Weißensee für 1897 13 700 M. und für 1898 12 320 M. zu ae- währen. Mit den weitergehenden Ansprüchen wurde W. abgewiesen und hat drei Viertel der Kosten zu tragen. Weißeusee hat dann einen Vergleich: Berlin solle jährlich 19 000 M. an Weißensee zahlen, vorgeschlagen, der vom Magistrat abgelehnt worden ist. Nach diesem Ilrteil muß also Berlin zahlen und Forderungen aller Berliner Vor- orte gewärtig sein. Selbstverständlich sinnt man in unseren städtischen Kreisen auf Abwehrmaßnahmen. So haben die Stadtverordneten den Antrag eingebracht: Die Kur- und Krankenverpflegungssätze für auswärtige Kranke zu erhöhen, d. h. die Selbstkosten zu be- rechnen. Einige gehen noch weiter und wollen diese Sätze ver- doppeln, andere wollen sogar nur dann auswärtige Kranke in städtische Krankenanstaltcn aufnehmen lassen, wenn Gefahr im Verzuge ist. Von anderer Seite sind, wie eine magistratsoffiziöse Korrespondenz mitteilt, noch viel einschneidendere Anträge in Aus- ficht gestellt worden. U. a. die Erhöhung des Schulgeldes für die höheren Schüler, ferner ein Verbot des Wohnens städtischer Beamten, Lehrer, Arbeiter in den Vororten und die Ablehnung freiwilliger Hülse bei Bränden(?) seitens der Berliner Feuerwehr sowie die Erhöhung der Kosten und Beiträge in den Fällen, wo Berlin den Vororten Anschluß an seine Kanalisation, Wasserleitung-c. gewährt. Weit wichtiger als manche dieser Vorschläge zur Ab- wehr, die kaum bei der Mehrheit der Stadtverordneten auf Annahme rechnen könnten, wäre es, eine Abänderung des Kommunalabgabengesetzes in der Art herbeizuführen, daß die Personen, die in den Großstädten ihren Erwerb haben— Bankdirektoren, Direktoren von Aktiengesellschaften ze.— auch dort zur Steuer herangezogen werden können. Nicht bloß Berlin, auch andere Großstädte leiden unter dem gleichen Mißstande. Auch diese könnten leicht die Folgen des§ 53 des R.-A.-G. verspüren. Es muß für eine zeitgemäße Um- und Ausgestaltung des R.-A.-G. gesorgt, vor allem den Städten mehr Bewegungsfreiheit bei Ausgestaltung ihres Steuerwesens eingeräumt werden. Das verständigste Mittel, um diesem erbärmlichen Krieg ein Ende zu machen, wäre die Eingenieindung sämtlicher Berliner- Vororte. Aber Gründe mystischer Natur lassen diese Maßregel in den Augen der Regierung als Förderung des Umsturzes erscheinen. Der Magistrat genehmigte in seiner gestrigen Sitzung die Ab- ordnung von drei Vertretern des G c w e r b e g e r i ch t s zu der am 18. und 19. September d. I, in Würzburg stattfindenden Verbands- Versammlung des Verbandes deutscher Gewerbegerichte. Abgelehnt und zwar aus prinzipiellen Gründen wurde ein Gesuch um Ueber- lassung eines Raumes im Rathause zur Abhaltung eines Bazars zum Besten eines Kirchenbaues. Derartige Gesuche sind bis jetzt stets abgelehnt worden. Zur Hergabe des großen Festsaales und der anschließenden Nebenräume bedarf es außerdem der Zu- stimmung der Stadtverordneten-Versammlung. die zurzeit Ferien hat und bei früheren Gelegenheiten die Hergabe der Räume im Rat- hause zu Bazaren abgelehnt hat. Erweiterte Sonntagsruhe bei der Post. Die' Sonntagsruhe bei der Post erfährt vom nächsten Sonntag, den 27. an, wie angekündigt, eine abermalige Erweiterung, indem an Sonn- und gesetzlichen Feier- tagen die Annahme von Paketen dergestalt eingeschränkt wird, daß in Berlin und Charlottenburg nur bei den BahnhofS-Postanstalten und bei einzelnen größeren, besonders günstig gelegenen Postämtern jedes Postbezirks eine Annahme von Paketen stattfindet, die übrigen Paketannahmestellen aber geschlossen bleiben. Die Auswahl der- jenigen Postämter, bei denen auch künftig die Paketschalter an Sonn- und Feiertagen geöffnet bleiben, ist von der Oberpostdirektion so getroffen worden, daß Pakete auch Sonntags aufgeliefert werden können, ohne daß man allzu große Entfernungen zurücklegen muß. Geöffnet werden vom nächsten Sonntag an in Berlin die Paket- annahmeschaltcr im Postbezirk C. bei den Aemtern 1 in der Heiligegeiststraße; W. 9 am Potsdamer Platz und 50 Mar- burgerstraße 12; 8W. 11 Bahnhofstr. 2a, 19 Beuthstr. 20/21 und 61 Tempelhofer Ufer 1; S. 42 Ritterstr. 7; SO. 33 Skalitzer- straße 74, 36 Görlitzer Bahnhof; 0. 17 Schlesischer Bahnhof und 34 Petersburgerstr. 89; NO. 16 Lichtenbergerstr. 22 und 55 Wins- straße 19; N. 4 Jnvalidenstr. 23, 39 Schulzendorferstr. 26, 54 Lothringerstr. 44/45 und 58 Danzigerstr. 3; NW. 21 Turmstraße 23 und 40 Jnvalidenstr. 79. In Charlottenburg sind es die Aemter 2 Goethestr. 2/3 und 5 Schloßstr. 24/25. Bei diesen wie bei sämtlichen anderen Postanstalten mit Paketannahme, die zum Ober- Postdirektionsbezirk Berlin gehören, werden von jetzt an die Paket- annahmeschaltcr auch im Sommer von 8—9 vormittags und 12—1 nachmittags offen gehalten werden. Weggefallen sind überall die Stunden von 7—8 Uhr früh, für welche in der Großstadt am wenigsten Bedürfnis vorliegt. An den Sonntagen vor den Festen Weihnachten, Ostern und Pfingsten fällt diese Beschränkung fort. Der berühmte Augenarzt Karl Ernst Theodor Schwcigger ist hier gestern nach langem Leiden, 75 Jahre alt, gestorben. Schweiager ist ein Schüler von Albrecht v. Gräfe und war bis 1871 Lehrer für Augenheilkunde an der Universität Göttingen. Nach Gräfes Tode nahm er dessen Platz in Berlin ein. Mit den üblen Gerüchen, die von den verschiedenen auf dem städtischen Zentralviehhof befindlichen privaten Fabrikbetrieben ausgehen, wird sich vielleicht das Neichsgesundheitsamt beschäftigen müsien. Bewohner jenes Stadtteiles haben an jene Behörde eine Eingabe gerichtet, dre auch von zwölf in der Gegend wohnenden Aerzten unterzeichnet ist. Dr. A. Neumann, Direktor der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses im Friedrichshain, sagt in jener Ein- gäbe:„Es wäre, speziell im Interesse der Patienten des Kranken- Hauses im Friedrichshain, sehr erwünscht, wenn Mittel und Wege gefunden werden könnten, die zeitweise außerordentlich störenden üblen Gerüche zu verhindern." Bor einer Schwindlerin seien die Gärtnereibesitzer und Kranz- binder gewarnt. Eine junge Frauensperson bestellt einen Kranz für 5 M., behauptet, nur einen Hundertmarkschein bei sich zu haben und bittet, den Kranz mit den 95 M., die sie herausbekomme,»ach ihrer Wohnung zu schicken, da sie augenblicklich keine Zeit habe, den Schein wechseln zu lassen. Wenn dann der Hausdiener mit Kranz und Geld kommt, so ninimt sie ihm beides ab und geht weg,.um den Hundertmarkschein zu holen". Mit diesem und den 95 M. aber verschwindet sie durch den zweiten Ausgang des Hauses auf Nimmer- wiedersehen. Jedesmal bestellt sie den Hausdiener nach einem Eck- hause, um den Schwindel ausführen zu können. Die Gaunerin ist etwa 23 Jahre alt und 1,64 Meter groß. Sie hat dunkles Haar, große Augen mit stechendem Blick und ein volles bräunliches Gesicht. In einem Falle, der ihr in der Linkstraße gelang, trug sie eine blaue Satinbluse, einen weißen runden Strohhut und einen schwarzen Rock, in einem zweiten, der sich in der Friedrichstraße abspielte, eine weiße seidene Bluse, einen schwarzen Hut und ebenfalls einen schwarzen Rock. Mit dreizehn Jahren in den Tod. Die SelbstmordHronik Berlins ist um einen sehr traurigen Fall bereichert worden. Ein dreizehn- jähriger Knabe hat Hand an sich gelegt. Ueber die Tat gehen uns folgende Einzelheiten zu: Der seit neun Fahren verwitwete Tischler Strötzel hat zwei Söhne von 17 und 13 Jahren. Während der ältere ein ordentlicher und fleißiger junger Mann ist. zeigte der jüngere von jeher einen Hang zu einem unregelmäßigen Leben. Zuletzt versäumte er auch öfter die Schule. Achtmal wurde er, nach- dem ihn der Vater als vermißt gemeldet hatte, von der Polizei auf- gegriffen und auf der Revierwache in der Oberwallstraße unter- gebracht, bis ihn sein Vater wieder abholte. Jetzt hatte er wieder fünf Tage lang die Schule versäumt. Als ihn sein Vater zur Rede stellte, behauptete er dreist, er sei doch in der Schule gewesen, der Rektor, der da? Gegenteil mitgeteilt hatte, müßte sich geirrt haben. Strötzel verlangte nun, daß er vom Lehrer eine schriftliche Be- scheinigung seiner Anwesenheit mitbringe. Natürlich kam er ohne den Zettel. Nun half kein Lüge» mehr und eine empfindliche Sttafe war ihm sicher. Um ihr zu entgehen, nahm der Junge Gift. Wenige Minuten, nachdem sie ihn gerufen hatte, fand ihn eine Frau Kerber in den letzten Zügen am Treppenabsatz liegen. Er röchelte schwer und wurde von dem im Hause wohnenden Fuhrherrn Meißner mit einem Break nach der Rettungswache in der Lindowerstraße gebracht. Hier stellte der Arzt eine schwere Lysolvergiftung fest. Nach An- Wendung der ersten Gegenmittel ließ er ihn nach einem Kranken- hause bringen, aber schon auf dem Wege dorthin starb der junge Selbstmörder. Panik bei einer Gasexplosion. Gestern(Freitag) früh gegen 9 Uhr entstand in der Hollmannstraße 32 in der GaSglühlichtsabrik von M. P l e d a t h u. C o., G. m. b. H., eine Gasexplosion, die große Ausregung hervorrief. Die Firma hat ihre Arbeitsräume im zweiten und dritten Stock des linken Seitenflügels. Die Arbeits- säle haben zwei Ausgänge, von denen aber der eine in geradezu polizeiwidriger Weife stets verschlossen gehalten wird. Die benötigte Krast liefert ein Gasmotor. Als nun gestern früh die Arbeit auf- genommen wurde, machte sich im zweiten Stock in dem Arbeits- räume bereits ein Gasgeruch bemerkbar, dem aber keine Bedeutung beigelegt wurde. Um die angegebene Zeit erfolgte dann plötzlich eine heftige Detonation, Stichflammen schössen aus den zertrümmerten Fenstern und Hülferuse wurden laut. Von allen Seiten stürzten nun Arbeiter anderer Fabrikbetriebe herbei, doch war ihnen der eine Eingang durch die verschlossene Tür versperrt. Da angenommen wurde, daß noch Arbeiterinnen sich in dem brennenden Saale be- fänden, so sprengten die Kunstschmiede Max Beitsch und A. Bernitz die Tür, vermochten aber infolge des Qualmes nicht weiter vor- zudringen. Glücklicherweise waren aber auch sämtliche Arbeiterinnen durch den zweiten Ausgang entkommen, ohne besonders beschädigt worden zu sein. Zwei von ihnen fielen allerdings vor Schreck auf der Treppe in Ohnmacht, erholten sich aber bald wieder. Der ent- standene Brandschaden ist nicht erheblich und konnte die alarmierte Feuerwehr bald wieder abrücken. Feuer in einer Zelluloidfabrik. Gestern abend kurz nach 3 Uhr kam in der Stallschreiberstraße 21 in der Zelluloidwarenfabrik von Preuß u. Wittich aus noch nicht ermittelter Ursache ein Brand aus, der gefährlich zu werden drohte. Die Arbeiter hatten die Fabrik längst verlassen, als plötzlich hohe Flammen auS dem Dache des zweiten Ouergebäudes schlugen. Die von ver- schiedenen Seiten alarmierte Feuerwehr rückte in mehreren Zügen an und griff mit zwei Dampfspritzen sofort vom zweiten und dritten Hose aus an. Der Brandherd lag im vierten Stock in einem ArbeitSraume der genannten Fabrik. Durch die entwickelte enorme Hitze war das Dach an einer Stelle schon durchschlagen und da in den unteren Stockwerken verschiedene Tischlereien untergebracht sind, so war die Situation im ersten Augenblick besorgniserregend. Der Feuerwehr gelang es indes, innerhalb einer Stunde jede Gefahr zu beseitigen. Der Fabrikraum ist ausgebrannt und ein Teil des Dachstuhles zerstört. Die Aufräumungsarbeiten hielten die Wehr noch längere Zeit am Brandplatze fest. Festgenommen wurden drei Einbrecher, die in der Nacht zum Donnerstag aus den Schaukästen der Waffen- und Eisenwaren- Handlung von Nicolai in der Königstr. 69 zehn Revolver im Werte von 75 M. stahlen. Einer von ihnen wurde vom Pförtner und Markthallenarbeitern gleich nach der Tat auf der Flucht er- griffen. Dieser ist ein gewerbsmäßiger, mehrmals mit Zuchthaus bestrafter Verbrecher. Die beiden anderen, die zunächst entkamen, Ivurden gestern in ihrer Wohnang ermittelt. Es sind bisher un- bescholtenc Arbeiter, die keine Beschäftigung haben und sich von dem alten Verbrecher verführen ließen. Einer von ihnen wurde auf freiem Fuße belassen. Die Revolver fand die Kriminalpolizei noch in der Wohnung. Bei einem BettiebSunfall ist gestern nachmittag der Tischler August Rosenberg, Cuvrystraße 34, lebensgefährlich verletzt worden. R. ist in einer Fraiserei in der Badstraße beschäftigt und wollte dort an einer Fralscmaschine Holzbretter durchsägen. Die Maschine funktionierte dabei nicht recht. R. wollte daher eine Schraube loS- lösen, um das Gettiebe wieder in Gang zu bringen; er vergaß jedoch, das aufliegende Brett vorher zu beseitigen. Als nun die Maschine wieder arbeitete, wurde das Brett ergriffen und R. mit solcher Gewalt gegen die Brust geschleudert, daß er bewußtlos zu- sammenbrach. Mit schweren Bauchquetschungen wurde der Getroffene in kritischem Zustande dem Krankenhause überwiesen. Berbraunt. Die zahlreichen Opfer, die beim Kochen mit Spiritus teils durch eigene Unvorsichtigkeit teils auch durch Unglück gefordert werden, sind wieder um eines vermehrt worden. Die 63jährige Frau des erblindeten Drehorgelspielers Sann, Wol- gasterstr. 2 war gestern abend mit ihrem Manne vom Spiele in ihre Behausung zurückgekommen und wollte nun das frugale Abendessen kochen. Sie benutzte dazu einen Spirittlsapparat. Als die Greisin das kochende Wasser dem Kessel entnehmen wollte, kam sie mit dem Aermel der Spiritusflamme zu nahe und die Kleidung fing Feuer. Bald darauf brannte die alte Frau lichterloh. Der blinde Drehorgelspieler merkte anfangs gar nicht, Ivas sich in dem Zimmer abspielte. Erst durch die erschütternden Schmerzensschreie seiner Frau wurde er aufmerksam. Er tappte zu ihr hin, und als ihm jetzt die Flamme» entgegenschlugen, ward ihm die furchtbare Wahrheit nur zu klar ge- macht. So schnell es dem Alten die Blindheit gestattete, holte er Decken und Kissen herbei und erstickte schließlich die Flammen an seiner brennenden Frau. Vom Kopf bis zu den Füßen war die Unglückliche inzwischen vollständig verbrannt. Nachdem der schwer- verwundete Körper in Watte eingehüllt worden war, erfolgte die Aufnahme der Greisin in das Lazarus-Krankenhaus. An ein Auf« kommen der Verunglückten ist kaum zu denken. Gerüchte über das angebliche Geständnis eines MädchemnörderS haben in Spandau den Polizeibehörden Veranlassung gegeben, ein Ermittelungsverfahren einzuleiten. Kürzlich verstarb dort ein Brief- träger, der sich eines guten Leumundes erfreute. Bald nach seiner Beerdigung tauchte das Gerücht auf, er habe auf seinem Sterbebette Andeutungen gemacht, wonach er im Jahre 1892 ein Mädchen in der Umgebung von Spandau ermordet hätte. Als die hiervon in Kenntnis gesetzte Kriminalpolizei Nachforschungen anstellte, erklärten Angehörige des Verstorbenen, von dem Bekenntnis nichts zu wissen. Da aber in ihren Aussagen Widersprüche enthalten sein sollen, so werden die polizeilichen Ermittelungen noch fortgesetzt, um den Ge- rüchten auf den Grund zu gehen.— Tatsache ist, daß vor 13 Jahren zwei Spaudauer Mädchen im Alter von 12 und 13 Jahren in der Umgebung der Stadt zu verschiedenen Zeiten ermordet wurden., Feuerbericht. Freitag gegen Abend wurde die Wehr nach der Brüderstr. 4 gerufen, wo es auf dem Hofe brannte. Die Gefahr konnte leicht beseitigt werden.— Mehr Arbeit gab eS aber dann in der Chauffeestr. 78, Ecke der Boyenstraße. Dort hatte durch die Unvorsichtigkeit eines Hausdieners beim Abfüllen von Spiritus ein größerer Posten von dieser gefährlichen Flüssigkeit in dem Spirituosen- Lagerkeller der Likörfabrik von L. Meyer Feuer gefangen, das sich dann schnell ausbreitete und zu einer schweren Katastrophe führen konnte, da in dem Keller erhebliche Mengen von allerlei feuergefähr- lichen und explosiven Stoffen lagern. Die Feuerwehr war aber schnell zur Stelle und griff sofort mit aller Kraft ein. Wenn nun auch glücklicherweise eine Explosion verhütet wurde, so dauerte eS doch geraume Zeit, bevor die Flammen erstickt waren.— In der Voxhagenerstr. 26 mußte früh gegen 3 Uhr ein Kellerbrand unter- drückt iverden.— Außerdem kam noch in den letzten 24 Stunden in der Frankfurter Allee 100 und in der Rügenerstr. 25 in Wohnungen Feuer aus. Im wesentlichen wurden in beiden Fällen Möbel und Kleidungsstücke beschädigt. Theater. In Otto Erich HartlebenS Komödien:„Dit sittliche Forderung" und„Die Erziehung zur Ehe", welche zur Erinnerung an den Dichter im L e s s i n g- Th e a t e r am Freitag, den 1. September zum erstenmal in Szene gehen, wirken folgende Dar- steller: in„sittliche Forderung": Irene Triesch, Käthe Pochnisch, HanS Marr; in„Erziehung zur Ehe": Margarete Albrecht, Adelheid Lehmann. Leonie Peppler, Käthe Pochnisch, Else Schiff, Irene Triesch, Karl Forest, Willy Grunwald, Gustav Nickelt, Kurt Stieler. Bruno Ziener.— N e u ess königliches Oper n- Theater lK r o l l). Heute, Sonnabend geht neu einstudiert Cherubinis;„D e r Wasserträger"(Zwei gefahrvolle Tage) zum erstenmal in Szene und zwar in folgender Besetzung der Hauptpartien: Graf.Armand: HanK Siewert; Constanze seine Gemahlin: Josefine Grining; Mcheli Waffer träger: Kammersänger Hernr Gura; Daniel, dessen Vater:Otto Freiburg; Anton, sein Enkel: Hans Mirsalis: Angelina, dessen Braut: Eugenie Wilms: Marzelline, Antons Schwester: Frieda Michels; Hauptmann: Paul Liehkopf; Leutnant: Emil Pahren. Leiter der Aufführung: Herrn. Gura, grohherzoglicher Oberregisseur. Musikalische Leitung: Dr. Ernst Kunwald.— Es finden nur noch sechs Vorstellungen statt. — Morgen: Der Zigeunerbaron. Montag: Die Fledermaus.— Das Schiller»Theater 0. sWallner-Theater) eröffnet, wie bereits angekündigt, heute, Sonnabend, mit Shakespeares Schauspiel „Ein Winterniärchen" die diesjährige Spielzeit. Die erste Wieder- holung des„Wintermärchens" findet am Sonntag, den 27. August, abends statt. Sonntag nachmittag wird Max Halbes„Jugend" gegeben.- Die totale Sonnenfinsternis am Mittwoch, den 30. August 1906, wird hier als partielle Finsternis, bei welcher 3/a der Sonne vom Monde verdeckt werden, zu sehen sein. Die Finsternis beginnt um 1 Uhr S.S Minuten mit dem Eingreifen des Mondes in den rechten Sonncnrand, erreicht ihre größte Phase um 2 Uhr IS.ö Minuten und endigt um 3 Uhr 23,1 Minuten, indem der Mond nach links unten aus der Sonne herauszieht. Die Urania-Sternwarte in der Jnvalidenstraße wird an dem genannten Tage von 12 Uhr ab für das Publikum geöffnet sein. Bon 12 bis 1 Uhr wird Herr Dr. Ristenpart einen einleitenden Vortrag über die Finsternis halten. Ebenso wird am Dienstag, den 2g. August, abends um 8 Uhr, ein Vortrag von dem genannten Herrn im Hörsaal der Urania-Stern- lvarte stattfinden, in welchem über die zur Finsternis entsandten Expeditionen und ihre projektierten Arbeiten berichtet werden wird. Treptow-Sternwarte. Am Sonntag, den 27. August, nachmittags 5 Uhr, spricht in Vertretung Direktor Archenholds, Herr Dozent Jens Lützen ans der Treptow-Sternwarte unter Vor- sührung zahlreicher Lichtbilder:„Uebcr die bevorstehende Sonnen- finsternis am 30. August", um 7 Uhr über:„Die Entwickelung der Himmelskörper". Der Vortrag am Montag, abends 9 Uhr lautet: „Ueber die bevorstehende Sonnenfinsternis am 30. August". Mit dem großen Fernrohr wird am Tage die Sonne und abends ein Fixstern und der Saturn beobachtet. Vorort- l�admckteti. Schöneberg. Dienstag fand die Vereinsversammlung deS Wahlvereins zu Schüneberg in Obsts Festsälen statt. Genosse Silber- s ch m i d t. Mitglied der Kommission zur Ausarbeitung des Organi- sations-Statuls. referierte über den Entwurf. In einem etwa zwei- stündigen Aortrage erledigte der Referent die ihm gestellte Stuf- gab« in gemeinverständlicher Weise und reicher Beifall lohnte ihm. In der Diskussion gab zunächst Genosse Woller nrann alle Anträge bekannt, die bei der Beratung des Entwurfs in den ver- schiedenen Bezirken zutage getreten find. Genosse Küter ist, entgegen den Anträgen, die prozentuale Abführung der Eintrittsgelder und Beiträge an den Parteivorstand auf 10 bezw. 20 Prozent zu ermäßigen, für die Beibehaltung der im Entwurf festgelegten 25 Prozent. Auch kann er sich nicht gegen die endgültige Beschlußfassung des Parteivorstandes über Differenzen. die sich bei der Aufstellung von Reichstagskandidaten ergeben, aus- sprechen. Bezüglich der Vertretung der Parteigenossen auf dem Parteitage soll seiner Ansicht nach als der richtige Maßstab die Zahl der organisierten Parteigenossen, nicht der Reichstagslvähler maß- gebend sein. Bei der Wiederaufnahme eines aus der Partei Aus- geschlossenen müsse die den Ausschluß vollzogene Organisation gehört werden. Die Genossen Fischer, Vallentin und B u t r y begründen die ans ihren Bezirken gestellten Anträge in kurzen Ausfilhrungen und ersuchen um deren Annahm«. Genosse E. Bernstein will nur in besonderen Fällen den Parteivorstand als die letzte Instanz bei Streitigkeiten, welche sich bei der Aufstellung von Reichstagskandidaten ergeben, anerkennen. Er betrachtet diese Bestimmung als ein Gelegenheitsgesetz und vor solchen Gesetzen müsse man sich hüten. Bezüglich der Vertretung der Reichstagsabgeordneten ist er, entgegen der Ansicht der Genossen in einigen Bezirken, welche nur den Fraktionsvorstand bezw. nur eine gewisse Anzahl von Abgeordneten als Beriretung ansehen wollen, da- für, die Bestimmung des Entwurfs beizuhaltcn. Man müsse sich vergegenwärtigen, daß früher, z. B. unter dem Sozialistengesetz. den auf dem Parteitage nicht anwesenden Abgeordneten aus ihrem Nichterscheinen ein Vorwurf gemacht wurde. Die Kostenfrage könne nicht der springende Punkt lein, da mit dem Wachsen der Partei auch die Einnahmen sich erhöhen. Genosse Urban erklärte, daß ein großer Teil Paragraphen stilistische Unmöglichkeiten sind und stellte verschiedene redaktionelle Abänderungsantrüae. Ferner vermißte er im Z 3 die Angabe, aus wieviel Personen das Schiedsgericht zu bestehen habe. Gegen den Antrag, die Kontrollkoinnnssion als letzte Berufungsinstanz bei Aus- schlüsien anzusehen, könne man sich nicht scharf genug aussprechen. Im Rechtsleben werde die Berufimgsmöglichkeit so weit wie irgend angängig gefordert, und hier soll sie beschnitten werden. Nachdem noch mehrere Iiedner zu den gestellten Anträgen ge- sprocheu, werden folgende angenommen: ß 3 erhält folgende Fassung: „Ueber die fernere Zugehörigkeit zur Partei entscheidet ein aus sieben Personen bestehendes Schiedsgericht. Der Antrag auf Ein- setzung eines solchen tan» nur durch eine Parteiorganisation gestellt werden und mutz das Schiedsgericht binnen sechs Wochen nach der Antragstollung zusammentreten. Die Einberufung des Schiedsgerichts, die Zustellung des schrift- lichen Urteils soioie die Bekanntgabe des erfolgten Ausschlusses eines Genossen erfolgt durch den Parteivorstand." Z 5 erhält folgende Fassung: „Die Wiederaufnahme eine« aus der Partei Ausgeschlossenen kann nur durch den Parteitag erfolgen. Sin diesbezüglicher Antrag ist jedoch seitens deS Ausgeschlossenen der Parteiorganisation seines Wohnortes rechtzeitig vor Einberpfung des nächsten Parteitages zu unterbreiten." Im§ 25 ist der 2. Absatz zu streichen. Zum Parteitage wurden folgende Anträge gestellt und an- genonimen: Aus die Tagesordnung deS Parteitages ist zu setzen: 1. Die Wandlungen der Weltpolilik und die Stellung der Sozialdemokratie. 2. Die Schulfrage. Der Parteitag möge beschließen: 1. Es ist eine rege Agitation für die Arbeitsruhe am 1. Mai zu entfalten. 2. Der Parteivorstand wird beauftragt, baldmöglichst ein Flug- blatt für die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Deutschlands herauszugeben, in welchem auf die Tätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion für die Forderungen der Geiverkschaften hingewiesen wird. �3. Der Parteivorstand wird beauftragt, sobald der Entwurf zur Abänderung des KrankenversichernngSgefetzeS erscheint, eine plan- mäßige Agitation in dieser Sache zu veranlassen. Des ferneren schließt sich die Versammlung der Bochumer Re- solution ssiehe„Vorwärts" vom 22. d. Mts.j an, uiiter direktem Hinweis auf die Schreibweise und die Tendenz der„Leipziger Volks- zeilung". Ein vom Genossen Kubig gestellter Antrag, auf die Tage«- ordnung deS Parteitages„die Kölner Bierboykott-Angelegenheit" zu setzen, wurde, nachdem Genosse Küter das Nngehörige dieser ganzen Bewegung gebiihrend gezeichnet hatte, abgelehnt. Ebenso wurde der Antrag, die Alkoholfrage auf die Tagesordnung zu setzen, ab- gelehnt. Als Delegierte zur Generalversammlung des Kreises lvurden gewählt die Genossen Emil Lehmann, Vallentin und Eduard B e r n st e i n. Zur Aufnahme gelangten 60 neue Mitglieder. Spandau. Die außerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins am Dienstag war ungewöhnlich zahlreich besucht. Zunächst erstattete Genosse Reibeholz den Bericht von der Kreis- General- versammlimg; in der Diskussion über denselben kritisierte Z m y s- l o w s k i den Beschluß betreffend die Konsumvereine. Alsdann berichtete Genosse Bühle über die gegen die bisherigen Genossen Neue, Staar und Ducksch vorliegenden Gründe, welche die er- weiterte Parteileitung zu dem Antrage veranlaßt haben, diese drei aus dem Wahlverein und aus der Partei auszuschließen. Hieran knüpfte eine sehr eingehende Diskussion an, wonach der Ausschluß Neues einstimmig, derjenige Staars gegen eine und derjenige Duckschs mit allen gegen sieben Stimmen votiert wurde. Zu dem nächsten Punkt„Unsere bevorstehenden Stadtverordneten- Wahlen" stellte Genosse Pieper den in Nr. 33 des„Zimmerer" erschienenen Schimpfartikel gegen Genossen Nieger gleichfalls zur Diskussion, da dieser Artikel bereits— wie vorauszusehen war— von unseren Gegnern im„Spand. Tagebl" ausgeschlachtet werde. Run- mehr erhielt Rieger das Wort zu seinem Bericht über die„Stadt- verordneteuwahlen". Er kennzeichnete kurz die Situation, unter welcher die diesjährigen Wahlen vonstatten gehen werden. Es be- dürfe der Anspannung aller Kräfte und einer gründlichen und fleißigen Agitation, wenn überhaupt ernsthaft an Erfolge gedacht werde. Zu den turnusmäßig ausscheidenden fünf Genossen: Halleker, Linz, Scholz, Pieper und Rieger kämen noch die drei Mandate der soeben Ausgeschlossenen, so daß insgesamt acht Mandate zu ver- teidigen sein werden. Auf den Artikel im„Zimmerer" eingehend, geißelte Rehner die bequeme, aber verwerfliche Methode, einen sachlichen Gegner in dem Streite über das Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaft auf eine derart unflätige und persönliche Art abzutun. Mit dem Artikel sei den Gegnern nur in die Hände gearbeitet worden. In der kurzen Diskussion sowohl wie durch vielfache Zwischenrufe kam die all- gemeine Verurteilung des Borgehens des„Zimmerers" zum Ausdruck. Schließlich wird der ganze Punkt wegen vorgerückter Zeit von der Tagesordnung zwecks ipäterer Erledigung abgesetzt. Zum Punkt 4, Anfrage des V. Bezirks betreffend den Kölner Bi e r b o h k o t t�gibt Rieger ein kurzes Resümee über die Sachlage. DaS Schweigen der General- und der Boykottkommission auf alle Angriffe und die eigenartige Stellung des„Vorwärts" dazu lasse daraus schließen, daß doch etwas an der Sache sein müsse. Die Zuscbrift eines A n o n y m u S an die Parteipresse sei sehr auffällig. Genosse R e i b e h o l z stellte und begründete folgenden Antrag: „Den Parteivorstand zu ersuchen, eine offizielle Aufklärung im Zentralorgan in dieser Boykottangelegenheit zu geben." Nach weiterer Diskussion wurde dieser Antrag einstimmig an- genommen. (Genosse Rieger muß die doch gewiß auSgiebtgen Erklärungen des„Vorwärts" übersehen haben, andernfalls würde er nicht gut von einer„eigenartigen" Stellung unseres Blattes zum Kölner Boykott reden können. D. R.j Rixdorf. Der Wahlverrin hielt am Dienstag, den 17. August, eine Mit- gliederversammlnng ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Genossen Trinis in üblicher Weise. Ueber das Thema:„Internationaler Umsturz" referierte Genosse K a l i s k i. Zum nächsten Punkte:„Antrüge zum Parteitage" stellte Genosse Tesche folgenden Antrag: Die Organi- sationen in den einzelnen Orten haben alle Jahre im Frühjahre öffentliche Versammlungen einzuberufen, zu welchen die Militär- gestellungspflichtigen besonders zu laden sind. Die Tagesordnungen sollen etwa lauten:„Die Kasernen im Dienste des Kapitals", — Der elfte Bezirk stellt den Antrag: Bei außerordentlichen politischen und gewerkschaftlichen Kämpfen, zu deren Durchführung seitens des Parteivorstandes Sammlungen veranstaltet werden. sollen künftig anstatt der Ausgabe von Sammellisten Extrabeiträge «hoben werden, welche jeder Parteigenosse zu entrichten hat. Dieser Antrag wurde vom Genossen Scholz begründet. Beide Anträge lvurden lebhaft diskutiert, Genosse B o e S k e erklärt in eingehender Rede, daß er von der Annahme der Anträge abrate. Ihm schlössen sich auch die anderen Redner an. Genosse Reich hält es für an- gebrachter, daß eine Broschüre herausgegeben werde, die den zum Militär kommenden jungen Leute die erforderliche Aufklärung gebe. Auch gegen den Antrag des 11. Bezirks sprechen sich die meisten Disfiissionsredner ans. Genosse G r o g e r wünscht, daß neben den beantragte» Extrabeiträgen auch noch die Listen für die indifferenten Arbeiter beibehalten werden. Genosse R e i n e ck e hat schwere Bedenken gegen diesen Antrag. Einem Genossen, welcher politisch und gewerkschaftlich organisiert und auch noch in der Agitation tätig ist, fällt es, wenn noch dazu eine starke Familie und geringer Lohn vorhanden ist, recht schwer, den Verpflichtungen nachzukommen. Durch den Extrabeitrag werden die Lasten noch erhöht. Die Möglichkeit liegt nahe, daß ein sonst tätiger Genosse, weil er den zu großen Verpflichtungen nicht nachkommen kann, ans dem Wahl- verein ausgeschlossen wird. Die Abstimmung ergibt die Ablehnung der beiden Anträge. Als Delegierter zum Parteitag wird Genosse Hoffmeister gewählt. Zur Kreis-Aeneralversammlung werden die Genosse» Hoffmeister. Pagels und Heinrichs als Delegierte ent- sandt.— Genosse Heinrichs macht noch auf die am 27. August stattfindende Herrenpartie nach Kötschendorf sowie ans die am Sonntag, den 17. September, mittags 12 llhr, in der„Neuen Welt" stattfindende Matinee zum Besten der Russen aufmerksam.— Ein Antrag, den Opfern des Zarismus 100 M. zu überweisen, wurde von der Bcrsauimlnng eiiffliminig angenommen. Pankow. Eine außerordentliche Mitgliederversammliiiig deS Wahlvereins, die am 16. August statlfand, nahm zum Parteitag in Jena Stellung. Das einleitende Referat hielt Genosse K u b i g. Er ging Haupt- sächlich auf die Punkte: Wellpolitik, Maifeier und politischer Massen- streik ein. In der eingehenden Diskussion äußerte sich die Meinung der Versammlung dahin, daß auf dem Parteitage eine gründliche Aussprache über die Maifeier und den politischen Massenstreik statt- finden müsse. Die Weltpolitik als besonderen Punkt auf die TageS- ordnung zu setzen, wurde nicht gewünscht. Dabei wurde besonders die Begründung dieses Antrages durch de»„Vorwärts" in dem Leit- artikel vom 6. Juli bemängelt. Zum Organisationsstatut wurden folgende Anträge angeiiommen: 1. Ein beantragtes Schiedsgericht ist innerhalb sechs Wochen vom Parteivorstand einzuberufen. 2. Wiedcrnusnahme eines Ausgeschlossenen erfolgt durch den Parteitag, falls die örtliche Organisation nicht widerspricht. 3. In allen Wahl- kreisen soll ei» Vertrauensmann gewählt>verden. 4. DieZahl derPartei- tags-Delegierten richtet sich nach der Zahl der im Kreiie organisierten Genossen. Falls keine Organisation vorhanden ist nach der Stimmen» zahl bei der letzte» RcichStagSivahl. 5. Die Bekanntmachnngin des Parteivorstandes sind allen offiziellen Parteiblättern zuzustellen, die sie an hervorragender Stelle veröffentlichen müssen. Ein Antrag, daß die politisch organisierten Genossen sich der Gewerkschaft an- schließe» müssen, wuroe abgelehnt. Der Vorsitzende teilte mit, daß der Genosse Müller nach jahrelanger schwerer Krankheit gestorben ist; die Genossen ehrten sein Andenken in üblicher Weise. Der ziveite Vorsitzende hat sein Amt niedergelegt; die Versammlimg be- schließt, jetzt keine Neuwahl vorzunehmen. Die ordentliche Monats- versamniluiig findet am 30. d. Mls. statt. Die Genossen werden aufgefordert, die schon seit längerer Zeit entliehenen Bücher an die Bibliothek zurückzugeben. Treptolv-Baumschnlenweg. Der Wahlverein von Treptolv-Banmschnlenweg hielt am Dien?- tag im Restaurant Stoffe ld seine Mitgliedcrversamiiilling ab. Zlinächst referierte Genosse Ludwig H o f»i a n n über„Die Geheimnisse der politischen Lage". Der Referent schilderte die zerfahrene WeltpoNK!, die ungeheueren Rüstungen, die Macht der Junker, die Fieischteuerung und kam zum Schluß auf das winzige polifische Recht der Arbeiter, das Wahlrecht, welches die herrschenden Klassen den: Proletariat entziehen möchten, zu sprechen. Dem mit Beifall aufgenommenen Vortrag folgte eine rege Dis- kilssion. Den Bericht aus der Gemeindevertretung gab Genosse G r a m e n z. Im Anschluß hieran wurde der kleine Kläffer, welcher sich— nach den Ausführungen des Amtsvorstehers— als Denunziant gekennzeichnet und unsere Vertreter herabzusetzen sucht, ins richtige Licht gestellt. Bezeichnete er doch die Leser des„Vor- wärts" als Herde und wundert sich, daß auch unsere Genossen für Geheimhaltung der in nichtöffentlicher Gemeindevertreter-Sitzung verhandelten Gegenstände stimmten und der„Vorwärts" von einem Maulkorbgesetz, welches bei künftigenWahlen seine Wirkung nicht verfehlen würde, gesprochen hatte. Daß aber unsere Vertreter vorher erklärten, auch nur Sache», welche wirkliche Geheimhaltung erfordern, in geheimen Sitzungen zu verhandeln, widrigenfalls der Wählerschaft doch Mitreilung gemacht würde, verschweigt sein„Hintermann". Zur Kreis-General- Versammlung lvurden die Genossen Voigt, Mickley und Fuchs delegiert. Außer den schon in voriger Versammlung zum Partei- tage gestellten Anträgen gelangte noch einer des Genossen Lüdke zur Annahme. Er besagt, daß die zur Fahne einberufenen jungen Leute vorher durch Wort und Schrift über Beschwerderecht des Soldaten tc. aufgeklärt werden sollen. Zehlendorf. In Zchlcndorf, Ortsteil Schönow, brach gestern mittag bald nach 12 Uhr in der neuen Elberfelder Papierfabrik ein größerer Brand aus. Die Wehren von Groß-Lichterfelde, Stahnsdorf, Ruhls- dorf und Gütergotz eilten zur Hülfe herbei. Der größte Teil der Fabrik ist niedergebrannt. Teltow. Beim Abspringen von der Bahn wurde gestern wieder ein Unglücks- fall hervorgerufen. Der Arbeiter Rosenthal kam mit der Bahn von Groß-Lichterfelde hier au und sprang kurz vor der Haltestelle Ruhls- dorfer Platz ab. Dabei stürzte er so unglücklich, daß er gleich nach dem Krankenhause gebracht werden mußte. Vermiscdres. DaS gelbe Fieber. Aus New Orleans wird berichtet: Da? gelbe Fieber herrscht ungeschwächt weiter. Gestern sind in der City 44 neue ErkranknngSfälle und 7 Todesfälle gemeldet worden. Auch außerhalb der City ist die Lage beunruhigend. Man befürchtet, daß das Fieber nicht abnehmen und in Leesville und Patterson nicht verschwinden wird, bis die Witterung kühler geworden ist. Aus den Bezirken Amelia und Assuniption, die bisher vom Fieber verschont geblieben waren, werden 60 Fälle gemeldet. Die ärztlichen Behörden sind der Ansicht, daß sich die Gesamtzahl der Fälle im Staate Louisiana auf 1000 beläuft. Ein Justizmord in Altona? Ein schwerer Justizmord ist anscheinend in Altona entdeckt worden. Im Sommer 1901 wurde in Altona die Prostituierte Wübbe ermordet. Als Täter wurde allgemein der Schlächtergcselle Meinau be- zeichnet, der auch vom Gericht für schuldig befunden und hin- gerichtet wurde. Gestern ist nun, wie das„B. T." meldet, der Hamburger Tischlergeselle Habeck dem Gcrichtsgefängnis zugeführt worden. Seine eigene Mutter und Schwester be- zichteten ihn, den Mord an der Prostituierten begangen zu haben. Meinau muß danach unschuldig enthauptet worden sein. Eine Aufklärung des traurigen Falles wäre dringend zu wünschen. Einen Kampf mit einer Walfischherde hatte der Hamburger Dampfer„Graecia" auf seiner Fahrt von New Dork nach Westindien zu bestehen. Am 26. Juli bemerkte der wachhabende Offizier rechts voraus vier oder fünf riesige Walfische; er gab deShalli den Befehl, das Steuerruder backbord zu legen, um der Herbe auszu- weichen. Trotzdem schwammen die Tiere gerade auf das Schiff zu, ein sehr großer Wal steuerte sogar auf den Bug der„Graecia". Das Schiff erlitt mehrere leichte Erschütterungen, die besonders bemerkbar waren, als die Schraube dem mächtigen Wal den Rest gab. Gleich darauf färbte sich das ganze Meer in der Umgebung des Schiffes rot, und weiter hinten hinaus sah man das tote Tier aus den Fluten auftauchen. Die Fahrgäste waren ängstlich an Deck er- schienen, weil sie glaubten, es habe ein Zusammenstoß statt- gefunden. Zum Sprrmberger Eisenbahnunglück. Mehrere Bürger von Teuplitz fühlen sich gegenüber der Mitteilung, daß der Urheber des Sprcmberger Eisenbahnunglücks, Slationsassisteiit StnllgyS, in trunkenem Zustande gewesen sei, zu einer„Ehrenerklärung" ver- anlaßt, in der es heißt: Gegenüber der Aussage, daß der Stations- assistent Stullgys am Sonntagabend und am Montagvormittag total betrunken gewesen sei, erklären wir, daß diese in die Welt gesetzten Bekanntmachinigen auf Verbreitung müßigen Geredes zurückzuführen sind. Stullgys war i» KoseS Lokal vom Sonntagabend bis Mo»tag mittag anwesend und hat nicht im entferntesten soviel getrunken, daß er auch nur angetrunken sein konnte. Er ist voll- ständig vernünftig wie jeder andere Mensch zur Bahn gegangen, nachdem er drei his vier Stunden vorher geschlafen hatte. Fr. Kose, Hotelbesitzer. R. Brox. Fabrikbesitzer. Aug. Ottlinger, Glashütten- besitzer. M. Weichert, Kanfmann. Man braucht die schwere Schuld, die die Eisenbahnverwaltung 'durch ihr Sparsamkeitssystem auf sich geladen hat, nicht zu be- mänteln und kann doch zu dem Schluß kommen, daß ein Mann, der vom Abend bis zum Mittag kneipt, unmöglich die Fähigkeit zur Leitung eines verantwortungsvollen Dienstes mitbringt. Ueber ein Jagdunglück, das der Syndikus der Schaffgotschen Verwaltung, Rechtsanwalt Sommer angerichtet hat, berichtet die „Katlow. Ztg." ans Groß-Poniow, Kreis Zabrze: Sommer schoß auf einen aus einer Anhöhe stehenden Rehbock, die Kugel ging fehl, prallte an einem Gegenstand ab. nahm dann ihren Weg die andere Seite der Anböhe hinab, durchschlug die Wand eines dort fahrenden Wagens und tötete einen darin befindlichen jungen Mann. Ein z Iv e i t e r wurde verletzt. Nach einer anderen Meldung hat der unglückliche Schütze mit einem Militärgewehr Modell 88(mit Vollmantelgeschoßj aus einen Rehbock geschossen, der vor einem Maisfeld stand. Als der Bock, der nicht getroffen wurde, in hoher Flucht abging, sandte der Schütze dem Tiere einen zweiten Schuß nach, durch welchen zwei Knechte, die sich hinter einem hohen Maisfelde auf einem Ochsengespann befanden, getroffen wurden. Der eine der beiden Verunglückten, der Sohn eines Bauern aus Groß-Paniow stürzte, durch den Kopf getroffen, sofort tot nieder. Der zweite Getroffene, ein ruthenischer Arbeiter, wurde schwer verwundet, dürfte aber am Leben erhalten werden. Rechisanwalt Sommer verfuchte angesichts der Katastrophe sich selbst zu erschießen, wurde aber hieran durch seinen Jagdbegleiter Förster Schweter gehindert. Er stellte sich unverzüglich der Polizeibehörde. Auf Deutsch-Samoa hat sich ein neuer Vulkan gebildet. Nach einem am 16. d. M. in Apia aufgegebenen Telegramm ist nach einer längeren Zeit erhöhter Erdbebentätigkeit hinter Matautu an der Nordseite der Insel Sawaii ein neuer Vulkan entstanden. Gefahr scheint vorläufig nicht vorhanden zu sein, die einheimische Bevölkerung zeigt keine Panik. DaS Lysol. Der Deutsche Apothekertag, der jetzt in Breslau abgehalten wird, beschloß, bei den maßgebenden Stellen dahin vorstellig zu werden, daß daö Lysol dem freien Berkehr ent- zogen werden möge. Maßgebend für diesen Beschluß waren die Selbstmorde n»d Morde bezw. Mordversuche mit Lysol, die sich in letzter Zeit in geradezu beängstigender Weise gehäuft haben. verantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil vermüw.: TH. Gsockr, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer& Co., Berlin SWT Icdn Arbtitcr, Jeder Handwerker sollte zur Hrbeit die Lederhose Herkules tragen. Alleiii-Verlauf. Sehr starkes Leder in praktischen grauen u. braunen Streifen. auch einsarbig. Zlm Bund aus einem Stück gearbeitet Sehr feste Kapp- nähte. Haltbarste Pilot- Taschen. Graste Mckcn nnisanst. Die Hase I bei �umabme»an 6 Stück X Mk. 4Mk. 50 Manchester-Hase Marke Garn» brinus, Zwirnkette... 59B. 50 Gefüttert. Manchest-Jacke« 14,50 8,75 Echtblaucs Monteur-Jackett 1 M. 90 Echtblnue Monteur- Hoss.. I M. 50 Echtblaues Monteur- Jackett Prima Köpcr-Geiuebe.. 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Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c: Versammlung für die Küchenmöbel-Branclie. Taaes-Ordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Einberufcr. IeiiM!Eitoöii«rteii5-,Iri5iierl-«.Wfcarlieiter DenUaniS. iMtinisstelle Berlin. Achtung! Achtung! Rollkutscher, Segleiter u. Sodenarbeiter aus allen Speditionsbetrieben Serlins! Tonntag, den 27. August, abends 6 Uhr, im Ztzeen-Palast, Burg- straste 22(Eingang St. Wolsgangstraste): Oeffentliche Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Lohnkommissiou über die zuletzt stattgefundenen Berhaudluugen mit den Herren Tpediteuren. 2. Dislussion und Beschtustsassung. 3. Nufnahme neuer Mitglieder und Geschäftliches. 71/4 »AU- Da diese Versammlung für jeden einzelnen Kollegen, Roll- kutscher usw. Don weitgehendster Bedeutung ist— und dies um so mehr, da diese Bersammlung für unsere diesjährige Bewegung die Entscheidung bringt— ist es Ehrenpflicht aller Kollegen, in der Versammlung bestimmt und pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch ist mitzubringen und am Eingang zur Ber. sammlung vorzuzeigen. Neue Mitglieder können ausgenommen und Beiträge entrichtet werden. Die Eohnkommission. der Zweigvereiii Berlin n. Emgegend. Sonntag, 27. August, Dormitt. 10 Uhr, im Etablisicmcnt Buggenhagc», Moritzplatz: Aufierordentiiche Generalversammlung. TagcS-Ordnung: 1. Berichterstattung Dom Gewerkschaflskongrefi. 2. Diskussion. 3. Vcr- bandsangclegcnheiten und Verschiedenes. 43/5 Zahlreichen Besuch erwartet Der Zweigvereins-BDrstand. AchiungiFlissenlegeUiiilfsafbeiter. Sonntag, den 27. August, oormittags 19 Uhr, im Neuen Klubhause, KDNimaudaiiteustr. 72: üußefordenliieiie �ilgiieliei'-Vei'Zammiuiig d-s Ortslirreins Ktiiin der Drrkiiiiguiig der Meskuieger Dkiitschlaiids(Abteilung I und II). Tages-Ordnung: 1. Bericht oon den Vertragsoerhandlungen mit den Arbeitgebern. 2. Dislussion. 293/1 Das Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. «UWWM Ohne Mitgliedsbuch kein Gintritt, Der Tiorstnnd. I. A.: P. P a g ei ßsilinkl ScliUiz! üwiedmell ßosener Serge. Ind. o. Begr.: Hermann Gärtner. Morgen Sonntag, 27. Angnst: Gesetzlich geschürt. Große Gxlrsfsilrten mit Musik früh O Uhr. nachm. 21/4 Uhr von Reederoi Nobiling(Schultheißgarten), jannowitzbrücke. Vorm. a Person 1 M-, Kinder 50 Pf., nachm. 75 Pf. Einfache Fahrt 5« Pf. Rückfahrt'1,6, 81/,, 91/, Uhr. Hühenfener. Alpenglühen. Mit Musik woehent. Exirafahrten, a Pers. 50 Pf., Kinder 25 Pf.: Montags 2 Uhr: Daihpfschiff.-Ges. Stern, Jannowitzbrücke(Belvedhre). Mittwocffs 2 Uhr} Keedercl Nobiling, Jannowilzbp.(SchalthelB). Donnerstags 2 Uhr: Dampfseh.-Ge». Stern, iannowilzbr.(Belveddre). Son1ntXnd?2hUhr}«eedcrcl Xoblllng, lannowitzbp.(Schultheiß). Tügllch früh O Ehr: a Person 60 Pf., Kinder 30 Pf. vom Scbulthciß-Garten, Reederei Xoblling. j annovritzbrücke. W»U- Rückfahrt 8 Uhr. Ankunft in Berlin 10 Uhr.-WWW NB. Das Betreten der Qoscner Berge, meiner Pachtungen und Besitzungen ist nur meinen Gästen gestattet. 976b Greift zu! dem Besten Idonats-Anzllge'. 0. 8,50211. an Abonnements-SIuzüge., 9,50„„ Partie-Anzüge, teils mit unmerkbaren Fehlern„ 10,50„, AnzQge, Ersatz für Motz,„ 20,—„„ Paletots......„ 7,50„„ Kammg.-Hos. od. Jacketts„ 3,—„„ Getragene Kleidungsstücke oon Ka- Datieren. Reisenden, ans den seinsten Werkstätten Berlins, teils Don Hos- licscranten, kolossal billig. 27/10» a�Zeiitral-Keiler, Beri� 35 Neanderstr. 35, ffl5Ätr. 3Minut. D. Stadtbahn Jannowitzbrücke Deutscher Holzarbeiter-Verband. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Stockarbeitcr Reinhold Ärthiicb am 18. August verstorben ist und am 22. August zur letzten Ruhe gebettet wurde. Ehre seinem Andenken 1 91/10 Die Ortsverwaltung Zenlral-Ieriiantl der Maurer Deutselilantls. Zweigvereiii Berlin. Am 24. August verstarb unser altes Mitglied Ferdinand Bartsch im Alter von 56 Jahren an Herz- schlag. 147/20 Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonn- tagnachmittag i'l, Uhr oon der Leichenhalle des neuen Luisen- Kirchhofes aus statt. Um rege Beteiligung bittet Die Berbaiidslestiing. Moden. Dieser steife, schwarze Hut mit fb.tUr, Ui �gp. ClaflUGS moderne Form, llsiflft M. i.WU» jn g�ster Auswahl. Spezinl- Hut- Engron-I.ager, mir neueste Mode». Abteilung für de» IZi,i«cIverIia.iit Könlx-Strake 48, i Treppe. drittes Haus vom Alexanderplatz. Größte Ansuilihl, liußergewöhntilij billige Preise. rilvllilla ehr Uorran neueste Form, mit Futter M. 1.59. eiikllUlL IUI nvl ICH, mit Atlasfutter M. 2—, Hochfeine Qualttüt M. 2.50. gxha leine M. 3.—, bö8tk iZualilzt 4.50. _ ggy Sonntags geiHTnet. 3933il+ Raucht Vineta No.8 beste 2 Pt.-Zigarette! W. Zapel, Hut-Fabrik, Skalitzerstr. 131, = Größtes Spezial-Gescliäfl= für Seiden- und Filz=Hüte. 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August, oerstarb nach längerem Leiden im 52. Lebensjahre unser Kollege, der Gastwirt frauz Jaroszewski. Die Beerdigung findet am Sonnabeud, den 26. August, nach- mittags b'j, Uhr, vom Trauer« hause, Nixdorf, Elsenstratze 75 (Fctdschtötzchen) aus nach dem St. Michact-Kirchhos in der Her- mannstratze statt. 69,48 Die Kollegen werden gebeten sich zahlreich zu beteiligen. Die Lrisoetwaltung. I. A.: Wllinzor. Deutscher ! Holzarbeiter-Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz der Stockarbeitcr, Kollege Mann Chuchut am 24. August nach längerer Krantheit verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. August, nach- mittags 3'l, Uhr, von der Leichen- Halle des Heilig Kreuz- Kirch- hoses in Mariendorf aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 9t /tl Die Ortsvorwaltung. Invaliiien-Üoterstutziingskasse ISteinMeriLlitliopptieD. Die Beerdigung des am 23. August verstorbenen Stein- druckerS Wilhelm Petsch findet statt am Sonntag, den 27. August, nachmittags 3 Uhr, aus dem Ziummelsburger Ge- meinde-Kirchhos. 1027b Das Komitee. Zlm 24. August entschlief nach langem schweren Leiden mein lieber Mann, der Restaurateur Adolf Hossmann. Um stilles Beileid bitten Minna llofl'mann und Sohn, Charlottenburg, Rüntgenstr. 5. Die Beerdigung findet Sonntag, den 27. d. M.. nackimittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Luisen-Kirchhoses in Westend statt. Statt besonderer Meldung! Am 23. August starb nach langem, sehr schwerem Leiden meine innigstgeliebte Mutter, Frau 1014b Wilhelmine Schmidt geb. Ahrendt im 66. Lebensjahre im Kranken- Hause Friedrichsdain am Magen- krebs. Wer die teure Verstorbene genau gekannt hatte, der wutzte, mit welcher Liebe sie an mir hing. Ihr ganzes Loben war unuuter- brachen schlvere Arbeit, Not, Ent- behrung und Entsagung, ein armes Proletarierwcib, und doch noch viel zu früh dahingegangen sür ihren trauernden Sohn Eeitz Ahrondt, Blumenstr. 54. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 26. d. M., nach- mittags'1,2 Uhr, von der Leichen- alle des Zentrai-Friedhoses in riedrichsselde au? statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des RestauratetirS Ernst Rühr sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank. 4072L Die trauernde Witwe Emilie Röhr. MMZMAAS « K kerlin>1. 39, Lksusseestrske 65-66 Unser Angebot ) für Sonnabend, den 26. August „ Montag,„ 28.„ „ Dienstag,„ 29.„ solange Vorrat. Fleischwaren: Stettiner Schlackwurst............... m 1.25 ml Stettiner Salami................... pfd. 1.25 ml Schnittfeste Pomraersche Schlackwurst....., Pfd. 0.95 m*. Schnittfeste Pommersche Salami......... pid. 1.05 ml Harte Thüringer Cervelatwurst.......... pm. 1.50 ml Hochfeine Kösliner Cervelatwurst......... pm. 1.50 ml Prima Zungenwurst................. pid. 0.95 ml •) Terkanf an Wieder Verkäufer findet nicht statt. 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