Nr. 200. Abonnements- Bedingungen: abonnements- Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel. zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgebructe) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 27. August 1905. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Ausdruck. Ob jemand sein Gehirn anstrengt oder es völlig hätte, offen auszusprechen, der Staatsanwalt dürfe ausnahmslos bei bedarf eines Körpers nichts. Auch die Energiemenge, die der Verteidiger aber nur unter den erwähnten Beschränkungen. Mensch zur Aufrechterhaltung seiner Körpertemperatur Auch die übrigen von der Kommission für das Vorverfahren Die gegenwärtige Zeit der Fleischnot mit ihrer ver- braucht, ist fast stets die gleiche. Um so größer ist der Einfluß gemachten Vorschläge laufen durchweg auf eine Verstärkung der heerenden Wirkung auf die Volkskraft hat zugleich in manchen der Muskelarbeit. Wer völlig ruhend im warmen Zimmer Macht der Staatsanwaltschaft und eine weitere Entrechtung des Kreisen unserer besser gestellten" Gesellschaft eine merf- liegt, braucht täglich 1500-1700 Kalorien( Wärmeeinheiten). Angeklagten hinaus. Die Vornahme der Ermittelungen, insbesondere würdige oberflächliche Beurteilung dieses ernsten und tief- Wer durch seinen Beruf zur sizenden Lebensweise geführt die Vernehmung des Beschuldigten, der Zeugen und Sachverständigen greifenden Vorganges zutage gefördert, ganz abgesehen natür- wird, produziert 2100-2400 Salorien. Bei leichter Hand- soll im Ermittelungsverfahren prinzipiell durch den Staatsanwalt lich von der geradezu brutalen Gesinnung, die sie in groß- arbeit steigt der Bedarf auf 2800, bei Landarbeitern auf 4000 selbst, nicht mehr, wie bisher in Preußen, durch die Polizeibehörden agrarischen Kreisen von neuem enthüllt hat. Von dorther bis 6000 Kalorien. Der Durchschnitt ergibt 2270 Kalorien erfolgen. Zu dem Zwecke wird der Staatsanwaltschaft das Recht wird ja nicht nur noch heute trotz der erdrückendsten Gegen- für den ruhenden, 4550 Kalorien für den körperlich stark eingeräumt, den Beschuldigten und die Zeugen unter der Androhung beweise das Vorhandensein einer Fleischnot mit eiserner Stirn arbeitenden Menschen, also genau das Doppelte. zwangsweiser Vorführung zu laden und, falls sie ohne genügende glattweg geleugnet, sondern es herrscht, sobald die„ Herren" Daraus ist nun eine wichtige Schlußfolgerung zu ziehen. Entschuldigung ausbleiben, zwangsweise vorführen zu lassen. ganz unter sich sind, auch eitel Befriedigung und Jubel über Wenn nämlich die Gesamtmenge der Kalorien je nach der Daß der Staatsanwalt selbst die Ermittelungen vornimmt, diesen Zustand: die neue bittere Not des Volkes ist eine neue Arbeit verschieden, die Eiweißmenge aber für alle Menschen anstatt sie durch die Polizei ausführen zu lassen, ist eine Begroße Quelle des Wohlbehagens für diese Bande. Ja, je gleich ist, so muß die Nahrung förperlich nicht oder nur leichter Stimmung, gegen die an sich gar nichts eingewendet werden soll. toller die Not, desto höher der Jubel: denn desto mehr zugleich arbeitender Menschen relativ eiweißreicher sein, da sie die Denn der Staatsanwalt wird sachgemäßer verfahren, als irgend ein die gesunde Kraft des Volkes damit geschwächt, desto aus- gleiche absolute Eiweißmenge in einer kleineren Menge von untergeordneter Polizeidiener. Auch ist es zu billigen, daß der beutungsfähiger erscheint es, und desto leichter und prompter Gesamtnahrung enthalten muß. Die eiweißreichsten Staatsanwalt das Beweismaterial aus eigener Anschauung kennen auch dezimiert sich dies elende Volk, dieser innere Feind", will Nahrungsmittel sind nun, wie schon erwähnt, Fleisch und lernt. Es ist denkbar und sicherlich in der Praxis wiederholt vorsagen dieser Erbfeind der Junker, dabei ganz von selbst. andere aus dem Tierreich stammende Produkte. Wir sehen gekommen, daß Anflagen erhoben sind, von denen der Staatsanwalt Mit dieser Gesinnungsroheit kann mun freilich das Urteil denn auch, wie die Nahrung um so reicher an Fleisch wird, die Hand gelassen haben würde, wenn er den Angeklagten und die der anderen, die wir oben meinten, nicht in Vergleich gestellt je weniger Muskelarbeit der Mensch leistet. Vergleicht man Beugen selbst gesehen hätte. werden. Immerhin erschreckt die Oberflächlichkeit, in der es verschiedene Völker oder verschiedene Entwickelungsstufen eines Das außerordentlich Bedenkliche aber ist, daß die vom Staatsfich, sowie es laut wird, ergeht: denn es läuft schließlich auf und desselben Volkes, so zeigt sich immer: in dem Maße, in anwalt im Ermittelungsverfahren aufgenommenen Protokolle Teile nichts anderes hinaus, als daß es zwar die Tatsache des dem die reine Hand- und Muskelarbeit durch die Kopfarbeit der Gerichtsaften werden sollen und damit das erkennende Gericht in Fleischmangels mehr oder weniger unumwunden zugibt, zu- oder durch die Arbeit an der von Menschen nur beaufsichtigten nachhaltigster Weise beeinflussen werden. Haben dies sogar schon die gleich aber die gesamte Aktion des Volkes zu seiner Beseitigung Maschine erfekt wird, in dem Maße nimmt der Fleischgenus Protokolle der, um ein Wort aus den Kommissionsberichten selbst für einen völlig überflüssigen Rummel erklärt. Den Anlaß zu. Am deutlichsten wird das, wenn man ländliche und zu zitieren, naturgemäß meist im Sinne der Anklage interessierten dazu sehen diese Leute allein in jener verdammten, nie zu städtische Bevölkerung vergleicht. Auch die moderne in Polizeibeamten", bei denen„ das subjektive Moment eine große Rolle stillenden Begehrlichkeit des Volkes, und einen Nußen schließ- dustrielle Arbeiterbevölkerung lebt von ihrer Hände Arbeit". spiele", in hohem Maße getan, um wie viel mehr muß dies von den lich wieder nur für die verhaßte Sozialdemokratie heraus- Aber diese ist durchaus anders als die der Landarbeiter. Die Beurkundungen des neben dem Richtertisch sizenden Kollegen, des springen. Ueberflüssig aber und allen Ernstes unangebracht Beaufsichtigung und Lenkung komplizierter Maschinen er Staatsanwalts, feinen Notizen und Vermerken über die erscheint ihnen das Ganze deshalb, weil sie der ihrer Meinung fordert wie jede andere qualifizierte Arbeit Aufmerksamkeit, Glaubwürdigkeit von Zeugen, Angeschuldigten uff. gelten. Die Komnach durchaus richtigen Ueberzeugung sind, daß Fleisch- Intelligenz und Geschicklichkeit, aber nicht entfernt soviel missionsberichte verhehlen sich nicht, daß in der Hauptverhandlung nahrung für den gewöhnlichen Arbeiter Musfelfraft wie Mähen, Dreschen, Holzfällen. Also ändert leicht ein unerfreulicher Streit über die tatsächliche Richtigkeit der vom durchaus keine unbedingte Notwendigkeit sich für jenen auch Menge und Art der Arbeit. Die städtische Staatsanwalt im Protokoll niedergelegten Angaben entstehen werde. Die sei. Sie berufen sich dafür nicht nur darauf, daß sie selbst Bevölkerung ist im ganzen weniger, aber diese Nahrung ist Sommission kann beruhigt sein. Dieser Streit wird vom Gericht schnell bielleicht ab und an einmal einige Tage ohne erhebliche Fleisch- qualitativ anders, eiweißreicher, also mehr Fleisch und damit geschlichtet werden, daß man einfach den festen Boden der Hauptnahrung ausgekommen sind und sich sogar dabei wohlgefühlt Animalien enthaltend. Um es ganz deutlich zu machen, noch verhandlung in den vorher sorgfältig studierten Protokollen des haben, sondern sie erinnern gewöhnlich auch mit großem Ernst ein Beispiel: Ein Landarbeiter N. leistet schwerste Muskel- Staatsanwalts findet. Und wenn erforderlich, wird das in den und sogar einem Schein von Berechtigung daran, daß noch arbeit; er bedarf daher einer Nahrung, die ihm 5000 Kalorien großen Prozessen schon heute sich findende Zeugenmaterial dadurch vor ein bis eineinhalb Generationen die Masse des arbeitenden liefert. Wenn er nur von Brot, Kartoffeln und anderen zu einem Trio vervollständigt werden, daß neben dem Untersuchungs-. Volkes vorwiegend ohne Fleischnahrung gelebt, schwer dabei Vegetabilien lebt, so erhält er in den 5000 Kalorien mühelos richter und den Polizeibeamten nun auch noch der Staatsanwalt gearbeitet habe und dennoch gesunder, stärker, leistungsfähiger 100 Gramm Eiweiß, ja mehr. Später kommt der Mann in als Beuge erscheint. Bekundet er dann, daß angeschuldigte und Zeugen gewesen sei, als das gegenwärtig der Fall sei. Daneben eine Stadt zu einer sizenden Beschäftigung. Er bedarf daher den Protokollen gemäß ausgesagt hätten und er an der Richtigkeit der spufen dann noch einige vegetarische Phrasen und Schlagworte nur noch 2500 Kalorien. Behält er nun seine ländliche belastenden Aussagen keinen Zweifel gehabt habe, so ist damit die in ihrem Kopfe herum und verstärken ihnen in ihren Augen Nahrung ihrer Zusammensetzung und Menge nach bei, so kann Sache entschieden. Die Wahrheit des Vorverfahrens wird dann die Richtigkeit ihrer Anschauung, die sie praktisch und politisch das sein Körper auf die Dauer nicht bewältigen; schränkt er eben auch zu der der Hauptverhandlung und die Mündlichkeit und dann zu einer unendlichen Gleichgültigkeit der ganzen Fleisch- sie aber in der alten Zusammensetzung auf die Hälfte ein, so Unmittelbarkeit des Verfahrens zu einem leeren, inhaltslosen Wort. notfrage gegenüber führt. Wenn unsere Regierungen, die bekommt er auch nur die Hälfte, etwa 50 Gramm Eiweiß. Er Bis ins maßlose wird diese Uebermacht des Staatsanwalts preußische wie die bayerische und diejenige des Reiches, dieser muß daher, um die fehlenden 50 Gramm zu erhalten, mehr dadurch gesteigert, daß er unbeschränkt auch bei den Vernehmungen Not eine einem patriotischen Menschen geradezu unverständliche animalische Stoffe, z. B. 250 Gramm Fleisch, hinzufügen. des Angeschuldigten vor dem Untersuchungsrichter anwesend Ablehnung entgegenbringen, so ist dies sicher nicht nur der Aus alledem ergibt sich nach Cohnheim, daß der Genuß sein darf, während der Verteidiger regelmäßig davon ausgeschlossen Macht jener agrarischen Clique, sondern ebensosehr der noch von Fleisch und anderen eiweißreichen Nahrungsmitteln für ist. Allerdings drücken die Kommissionsbeschlüsse diesen Gedanken weit verbreiteten, eben geschilderten oberflächlichen Gesinnung die Klasse, die das Gros der städtischen Bevölkerung ausmacht, weniger schroff, aber auch weniger wahr aus. Sie sagen:„ Es soll zu verdanken: man hält noch heute die Fleisch also die Arbeiter, eine physiologische Notwendigkeit und keine vom freien Ermessen des Untersuchungsrichters abhängig sein, ob er nahrung der Arbeiter für keine unbedingte unerlaubte Begehrlichkeit ist. der Staatsanwaltschaft und dem Verteidiger die Anwesenheit bei Notwendigkeit. Freilich, wir glauben nicht, daß auch die vorstehende der Vernehmung des Angeschuldigten gestatten will; Beschwerde Angesichts dessen erscheint es angebracht, auf eine soeben schlagende Beweisführung die Fleischnot beseitigen wird. Vor findet nicht statt." Daß nun dem Staatsanwalt, dem Herrn und im Septemberheft der Süddeutschen Monatshefte" er- ihr rettet sich das Volk auf die Dauer nur, wenn es die Leiter des Vorverfahrens, das Verlangen auf Anwesenheit im Termin schienene, Ernährungsprobleme" betitelte Abhandlung Otto räuberische Junkerklasse für immer niederringt. Aber im jemals abgeschlagen werden wird, erscheint völlig ausgeschlossen, Cohnheims, der an der Universität Heidelberg lehrt, ein- Kampfe mit ihr ist auch das Vorstehende gelegentlich eine dürfen doch sogar in der Hauptverhandlung nach dem Beschluß die der Kommission zugehen. Sie erweist mit einem Wort den gute Waffe. 3wang zur Fleischnahrung auch für alle mit dem Angeschuldigten aufgenommenen Protokolle zum städtischen und Industrie Arbeiter als eine Zwecke des Nachweises eines Geständnisses verlesen werden. Die Ganz entgegengesetzt wird es dem Verteidiger ergehen. Kommissionsberichte sind unvorsichtig genug, dies einmal selbst zu Die Fleischnot und die„ Begehrlichkeit ruhen läßt, ändert, soweit wir heute wissen, an dem Energie- allen Beweisterminen anwesend sein, der Angeschuldigte und sein der Arbeiter". " = physiologische Notwendigkeit. Wir möchten Die Rechte der Verteidigung. bom Staatsanwalt Deshalb im nachstehenden einen Auszug aus dem Artikel, zum V. Die Reform der Strafprozeß- Ordnung.") Teil mit den eigenen Worten des Verfassers, hierhersehen. Im vorigen Artikel haben wir darzulegen versucht, daß die verraten. Sie sagen an einer Stelle, wenn das freie Ermessen des Die Nahrung des Menschen setzt sich aus Eiweißkörpern, Zulaffung der Parteiöffentlichkeit im Vorverfahren durch die von der Untersuchungsrichters entscheide, bestehe die Gefahr, daß der gegen Fetten und Kohlehydraten zusammen. In den meisten Kommission zugefügten Beschränkungen für den Angeschuldigten wärtige für die Verteidigung geltende Rechtszustand tatsächlich aufNahrungsmitteln werden diese drei in Gemenge genossen, nur wertlos ist. Ja, feine Stellung wird im Vergleich zum recht erhalten bleibe. Dies ist sicher richtig. Der Untersuchungsetwa Zucker und Butter sind reines Kohlehydrat bezw. reines geltenden Rechte ganz erheblich verschlechtert, da dem richter hat bisher ohne die Gegenwart des Verteidigers mit dem Fett. Am eiweißreichsten ist Fleisch, dann Fisch, Ei, Käse. Es Staatsantvalt das Recht eingeräumt ist, beliebig von nun Angeschuldigten verhandelt, er wird dies, da keine gesetzliche Vorist weiter bekannt, daß der gesamte menschliche Stoffwechsel ab bei allen Untersuchungshandlungen des Richters schrift ihn bindet, auch in Zukunft tun, zumal die Kommissionsein Verbrennungsprozeß ist. Die Nahrung liefert durch ihre wesend zu sein und Fragen zu stellen, während der Angeschuldigte beschlüsse, auf Schritt und Tritt ganz dem Geiste des InquisitionsVerbrennung dem menschlichen Körper die Energie, deren er und sein Verteidiger ausgeschlossen werden dürfen, wenn von ihrer prozesses entsprechend, von dem bösen Verteidiger eine Trübung bedarf. Ihr Wert bemißt sich daher nach der Energiemenge, Anwesenheit eine Gefährdung des Untersuchungszweckes oder der öffent- der dem Gericht sich bietenden Erkenntnisquelle erwarten. Daher die die sie liefert, und läßt sich, wie bei jeder Energie, durch lichen Ordnung zu besorgen ist, alles Begriffe, die dehnbarer sind wie Furcht, daß von der Gegenwart des Verteidigers eine Gefährdung fogenannte Wärmeeinheiten oder Kalorien messen. Kautschuk und der Willfür Tür und Tor öffnen. Je häufiger man die das Untersuchungszweckes zu besorgen fei und daher die Annahme, an Soweit man nun bisher die Nahrung irgend welcher Kommissionsberichte liest, umsomehr wird man geradezu mit Un- daß durch Anwesenheit des Verteidigers seltener Geständnisse vor dem Menschen und Völker untersucht hat, hat man immer eine ge- willen erfüllt über das Bestreben der Kommission, den Anschein Untersuchungsrichter abgelegt würden. Daß bei dieser Sachlage das wisse, und zwar ziemlich gleichmäßige Menge von Eiweiß ge- zu erwecken, als ob Staatsanwalt und Angeschuldigte hier gleich- Recht der Zulassung des Verteidigers zu den Vernehmungen des funden. Bei den ganz schlecht genährten, aber auch zu jeder gestellt seien, während doch hinter der formalen Barität eine materiell Angefchuldigten lediglich auf dem Papier stehen wird, ist selbstintensiven Arbeit unfähigen Zittauer Handwebern, unter den vollkommen verschiedene Behandlung steckt. Ist es wirklich noch verständlich. Armen Neapels, und unter der ärmsten Negerbevölkerung ernsthaft zu nehmen, wenn die Kommission sowohl vom Staats- Charakteristisch ist, mit welch' fleinlicher Engherzigkeit gegenAlabamas fand man freilich viel geringere Mengen. Aber anwalt als vom Angeschuldigten sagt, daß sie anwesend sein können, über der Erweiterung der Befugnisse der Staatsanwaltschaft die bei gut genährten Menschen fand man immer und überall in ihnen diese Erlaubnis aber versagt werden darf, wenn von ihrer Rechte der Verteidigung geregelt sind. Hier tritt die ganze der von ihm verzehrten täglichen Nahrung die annähernd Gegenwart eine Gefährdung des Untersuchungszwecks oder der öffent- Angst des Bureaukraten autage. Einige geringfügige Verbesserungen gleiche Eiweißmenge. Sie beträgt rund 100 Gramm täglich. lichen Ordnung zu besorgen ist? Daß die Anwesenheit des sind vorhanden. Der mündliche Verkehr des Verteidigers mit dem Interessant ist dabei vor allem, daß diese Staatsanwalts diese Befürchtungen wachrufen kann, möchte in Untersuchungshaft genommenen Angeklagten unterliegt keiner BeMenge die gleiche ist für Menschen aller wohl taum eine den Intentionen der Kommission gerecht schränkung mehr, was übrigens in der Mehrzahl der Fälle bereits Berufe. werdende Annahme sein. Man hätte daher billigerweise erwarten dem geltenden Rechtszustand entspricht. Da, wo ein Verteidiger von Nun aber weiter. Der Gesamtnahrungsbedarf eines dürfen, daß die Kommission wenigstens den Mut gefunden Amtswegen oder auf Antrag zu bestellen ist, geschieht dies in einem Menschen wird fast ausschließlich von seiner Muskelarbeit beetwas früheren Zeitpunkt, als bisher. Damit aber sind die mehr als Stimmt. Die geistige Arbeit tommt in der Nahrung nicht zum!") Bergl. 179, 185, 191, 196 des Vorw." dürftigen, nennenswerten Verbesserungen erschöpft. Das Recht auf Einsicht der Akten wird dem Verteidiger noch mehr als bisher beschränkt Daß der Angeschuldigte, solange er von dem Inhalt der Akten keine Kenntnis nehmen darf, fach- gemäße Anträge zu seiner Verteidigung nicht stellen kann und wehr- los gemacht ist, leuchtet ohne weiteres ein. Nach geltendem Rechte konnte dieser Zustand nur während des Vorverfahrens eintreten, in dem dem Verteidiger die Einsicht der Akten verboten werden konnte, wenn eine Gefährdung des llntersuchungszweckes zu besorgen war. Der Strafprozeßkommission genügt dieser Zustand noch nicht. Es wird auch hier der Begriff der öffentlichen Ordnung eingeführt, in deren Interesse die Akteneinsicht während des Vorverfahrens dem Verteidiger verboten werden darf. Dadurch werden die Grenzlinien vollends verdunkelt. Das Beste aber kommt noch. Sogar nach Beginn des Haupt- Verfahrens sollen der Verteidiger und der Angeklagte nicht einmal mehr wissen, welche Akten das Gericht in Wahrheit für sein Urteil benutzt. Die Kommission meint, daß es zu Unzuträglichkeiten geführt habe, daß der Angeklagte von dem erkennenden Gericht unterbreiteten, durchaus vertraulichen Beiakten, z.B. Verwaltungsakten, Personalakten, Kenntnis erlangt habe. Es wird deshalb die Bestimmung vorgeschlagen, daß der Verteidiger auch nach Schluß des Vorverfahrens andere dem Gericht vorliegende Akten als die Untersuchungsakten nur insoweit einsehen darf, als sie mit der Untersuchung im Zusammenhange stehen. Daß dieser letztere Kautschukbegriff jede Auslegung gestattet bedarf keiner Hervorhebung. Das, worüber wir uns im Dreyfus- Prozeß nicht genug entrüsten konnten, wird hier allen Ernstes als neueste Kulturerrungenschaft der deutschen Nation dargebracht. Wie üppig werden die geheimen Dossiers wuchern I Welche neue Waffe ist damit gegen die„verbissenen Sozialdemokraten" geschmiedet, die ja nun, ohne daß sie etwas davon erfahren, in den dem Gericht vorgelegten polizeilichen Personalakten in ihrer ganzen Scheußlichkeit geschildert werden können. Sollte die ungeheuerliche Bestimmung Gesetz werden, so würde die neue deutsche Strafprozeßordnung die erste und einzige sein, welche dem Gericht in aller Form Rechtens die Möglichkeit gewährt, dem Angeklagten und seinem Verteidiger vorenthaltene Akten dem Urteil zugrunde zu legen. Uebrigens muß hervorgehoben werden, daß auch hier ein Zufallsvotum vorliegt. Bei Stimmengleichheit gab die Stimme des Vorsitzenden, wie mehrfach, zuungunsten der Rechtsstellung des An- geklagten den Ausschlag. Solche Abstimmungen, bei denen die Kommission selbst zur Hälfte so, zur Hälfte entgegengesetzt stimmte. sind natürlich ganz ohne Wert für die gesetzgebenden Faktoren; sie bieten Interesse nur als Charakteristikum der deutschen Juristen des zwanzigsten Jahrhunderts für den künftigen Kulwrhistoriker. *» * Druckfchlcrvcrichtigiuig. In der Fußnote des IV. Artikels wurde infolge eines Druckfehlers gesagt, daß zur Beantwortung der Königs- berger Anklageschrift von 200 Seiten B5 Tage Frist gesetzt wurden; es muh natürlich 5 Tage heißen. politische(lebersickt. Berlin, den 26. August. Die Reichstags-Ersatzwahl in Thorn. Die bei uns am 7. September im Stammlande des Hakatismus und des mit Ostmarkenzulagen bar bezahlten Geschäftspatriotismus stattfindende Ersatzwahl zum Reichstage hat schon in dem Vorspiel der Kandidatcnaufstellung usw. bewiesen, was hinter den Schwindel- Phrasen der nationalen Harmonie in Wirklichkeit steckt, und daß es eine über den Klassen schwebende Märchenpolitik nicht geben kann. Hier, wo die Sozialdemokratie bis zum Jahre 1903 als wichtiger politischer Faktor gar nicht in Frage kam, wurde der Wahlkampf seines politischen Charakters vollständig entkleidet und in der wüstesten Nationalitätenhetze erstickt. Ein„deutscher" und ein „polnischer" Kandidat rangen bisher um das Mandat und ver- sprachen den Wählern um die Wette die nachdrücklichste Förderung der Interessen„aller Bevölkerungsklassen". Die Polen bekamen diese Schaumschlägerei, die in Wirklichkeit natürlich ebenfalls nur allein den Besitzenden zugute kam, trotz ihres besonders ausgeprägten nationalen Empfindens, zuerst satt und jagten den hofparteilichcn Brotwucherer zum Teufel. Schon 1003 kandidierte in Thorn von dieser Seite der demokratische Redakteur Brejski. Er eroberte das Mandat von dem nationalliberalen„deutschen" Landgerichtsdirektor Graßmann in der Stichwahl mit Hülfe unserer Genossen, die sich damit gegen den reaktionären Brotwucherer für den Demokraten entschieden. Nach der Ungültigkeitserklärung seines Mandats hatten besonders die vereinigten„Deutschen" schwere Sorge um die Er- langung eines neuen Kandidaten. Wie es ganz selbstverständlich mit der„praktischen Harmoniepolitik" des sagenhaften„gemeinsamen nationalen Interesses" durch Brotwucher und die roheste Reaktion nicht anders kommen konnte, hatte es Graßmann bald mit allen seinen Wählern gründlich verdorben. Alle fühlten sich durch ihn be- nachteiligt. Aber statt einzusehen, daß er an diesem praktischen Bankrott der Schwindelpolitik der nationalen Phrase persönlich ganz unschuldig war, machten ihn seine nationalen Freunde doch dafür verantwortlich, und jagten ihn als Sündenbock in die Wüste. Schwierig war aber die Entdeckung eines neuen Mannes. Mit vieler Mühe ist es endlich nach vielen Absagen gelungen, eine völlig politische Null, den kaiserlichen Bankdirektor Ortel, den Leiter der hiesigen Reichsbankstelle für das sehr unsichere Mandat zu gc- Winnen. Mit diesem Herrn glauben die tonangebenden Agrarier die städtischen Handelskreise darüber zu beruhigen, daß unter der nationalen Maske nicht wieder die brutalste Brotwucher- und Ent- rechtungspolitik getrieben werden wird. Das Vordringen der Sozial- demokratie hat den germanischen Hakatisten doch schon gelehrt, daß sich das Mandat mit Polenfresserei allein nicht gewinnen läßt, und so macht denn der Herr Ortel riesig in„Arbeiterfreundlichkeit". Die deutschnationalcn ReaktionSkonventikel werden auch schon aus Furcht vor der Sozialdemokratie hinter verschlossenen Türen abgehalten; der Beitritt ist nur durch Einladungs- karten zu erlangen. In einem derselben, die bezirksweise ab- gehalten werden, rühmte Herr Orti.' seine Arbeiterfreundlichkeit nach einem Bericht der„Thorner Presse", indem er treuherzig er- zählte: er habe doch das Dicnstmannsinstitut in Thorn gegründet und den Dienstmännern die— Uniform geschenkt 1 1 l Dieser er» schlitternden Konkurrenz ist die Sozialdemokratie natürlich nicht ge- wachsen! In derselben Bczirkssitzung wollte ein Handwerksmeister wissen, was denn Herr Ortel im Reichstag und speziell für die Handwerker zu tun gedenke? Kurz und bündig erklärte der tief- sinnige Politiker recht klassisch: vor der Wahl werde er keine Ausführungen machen, das werde sich schon finden.wenner er st gewählt seil!! Der deutsche Reichstag kann also auf diesen Nationalpolitiker in sps wirklich stolz sein. Uebrigens gefällt der Herr, der als Redner überhaupt nicht in Betrackit kommt, sogar den zahmen Hirschen nicht. Diese„un- politischen" Leutchen schlugen selbständig, indem sie sich offiziell als „liberale Arbeiter" bezeichneten, einen besonderen„Arbeiter- Kandidaten" in der Person eines— Fabrikbesitzers, der „seinen" Arbeitern sogar die Ausübung des Koalitionsrechtes ver- bietet, vor. Dieselben Herrschaften erklärten aber in der „nationalen" Versammlung, welche die Kandidatenfrage besprach, daß sie für die Sozialdemokratie nicht stimmen könnten, weil bereu letzte Ziele Dummheit seien! Auch im polnischen Lager ging die nationale Harmonie kläglich in die Brüche. Dem westpreuhisch-polnischen Wahlkomitee, in dem Großgrundbesitzer und Geistliche die Majorität chaben, war Brejski zu radikal. Man setzte ihn deshalb überhaupt nicht mehr auf die Kandidatenliste. Erst auf das Drängen seiner Thorner Wähler wurde Brejski wieder in Vorschlag gebracht. Die Sozialdemokratie hat den Wahlkampf bereits energisch aufgenommen. Zu den sächsischen Landtagswahlen» Man schreibt uns aus Sachsen: Der Aufmarsch der bürgerlichen Parteien in der dies- jährigen Landtagswahlbewegung ist etwas Ungewohntes. denn bisher machten Nationallibcrale und Konservative ge- meinsame Sache gegen den„gemeinsamen Feind", die Sozial- demokratie, während sie jetzt gegeneinander operieren. Tie Nationalliberalen bilden sich ein, noch einmal eine ausschlag- gebende Stellung im Landtage erringen zu können, deshalb versuchen sie eine Anzahl Mandate mehr zu erringen. Aber unter dem Dreiklassenwahlsystem— das den bürgerlichen Parteien diesen häuslichen Streit gestattet, weil es die Sozial- demokratie, die Vertreterin der werktätigen Klassen, von Mandatserfolgen ausschließt— hat sich die konservative Herrschaft immer brutaler entfaltet, die mit eisernem Drucke keinen Nebenbuhler aufkommen läßt und den National- liberalen nur eine Statistenrolle im Landtage zuweist. Gegen diese Herrschaft können die Nationalliberalen nicht aufkommen. Sie verfuchen daher auf Umwegen zu er- reichen, was sie sonst nicht zu erlangen wagen, und haben sich in dem„Verband der Industriellen" eine spezielle Agitations- gruppe geschaffen. Dieser Verband will angeblich eine stärkere Vertretung der Industrie im Landtage erzielen gegen die überwiegende, im umgekehrten Verhältnis zur wirtschaftlichen Lage des Landes stehenden agrarischen Vertretung, zumal in der Ersten Kammer. Da die Industrie in Sachsen über drei Viertel der Bevölkerung beschäftigt, ist es bezeichnend, daß jetzt erst der nationalliberal gesinnte Teil der Industriellen gegen die seit 20 Jahren immer weiter vorgedrungene agrarisch-feudale Politik Front macht. Inzwischen haben sich so viel Industrielle den Konservativen angeschlossen, daß es den Nationalliberalen nie gelingen wird, die Mehrheit der Industriellen auf ihre Seite zu kriegen. Gleichwohl versuchen sie durch den Verband der Industriellen einen Abfall In- dustrieller vom konservativen Lager zu erwirken. Eine Ge- sinnungsänderung erfordert ein derartiger Abfall nicht, denn die Nationalliberalen sind ebenso reaktionär wie die Kon- servativen: der von ihnen mit vollzogene Wahlrechtsraub be- ftätigt dies. Aber dennoch ist ein nennenswerter Abfall von der konservativen Partei nicht zu erwarten, auch das wird be- stätigt durch das Vordringen der konservativ-reaktionären Elemente in den Gemeindevertretungen. Die nationalliberale Taktik zur Erreichung einer ansehnlichen Zahl Mandate wird also ohne Erfolg und die Nationalliberalen werden in der Zweiten Kammer in bedeutungsloser Minderheit bleiben. Indessen halten es die Konservasiven doch für nötig, der nationalliheralen Wahltaktik ein Paroli zu bieten und haben die zünftlerisch-reaktionären Mittelständler gegen sie auf- geboten. Das behagt nun den Nationalliberalen nicht, denn sie hatten es den Freisinnigen zugedacht, daß diese— wenigstens in einigen Kreisen— einen Teil des kleinen Bürgertums den Konservativen abtrünnig und liberale Stimmung machen sollten. Wie weit das gelingt, kann nicht zweifelhast sein, da das kleine Bürgertum mit entrechtet ist und zur dritten Wählerklasse gehört, die von der Sozialdemo- kratie geführt wird. Ist also auch in dieser Bevölkerungs- schicht nichts mehr für den Liberalismus zu holen, so ist der ganze neue liberale Wahlapparat„für die Katz". Die Sozialdemokratie kann dieser bürgerlichen Katz- balgerei gelassen und mit Schadenfreude zusehen— es sind die Wahlrechtsräuber, die miteinander raufen. Und ob die Nationalliberalen oder Konservativen das Volk unterdrücken und ausbeutcln, ist gleich, wenigstens erfordert es keine be- sondere Taktik der Sozialdemokratie im Landtagswahlkanchfe. Nur fällt es ihr noch leichter, die sich befehdenden Volksfeinde dem Volke je in einzelnen Rahmen zu konterfeien. Schön fällt freilich das Bild der feindlichen Kartellbrüder nicht aus; jedem ist das urreaktionäre Gepräge aufgedrückt.— Dcutfcbes Reich» Ein Mißperstiindnis? Wir erhalten folgende Zuschrift: Die Redaktion des„Vorwärts" hat sich in den Nummern vom Freitag, den 25. und Sonnabend, den 26. August an hervorragender Stelle offiziell mit der Fecnpalast-Versammlung des Berliner Gewerkschaftskartells beschäftigt. Nach dem Inhalt und der in den Artikeln enthaltenen Auffassung zu urteilen, kann die Redaktion aber nur durch die knapp bemessene Berichterstattung von den Vorgängen in der Versammlung Kenntnis erhalten haben, weshalb auch die angenommene Resolution eine teilweise ganz falsche Auslegung findet und zu falschen Schlußfolgerungen geführt hat. Die Redaktion des„Vorwärts" legt auf einzelne in der Berichterstattung enthaltene nebensächliche Kraftworte den Hauptwert, wodurch das sachliche Moment zurücktritt und ziemlich gewagte Schlüsse konstruiert worden sind. Der unter- zeichnete Ausschuß wird deshalb in der nächsten Zeit Gelegen- heit nehmen, um mit den Vorständen und Delegierten der im Kartell vereinigten Gewerkschaften diese falschen Schluß- folgerungen aufzuklären. Der Ausschuß. I. A.: Theodor Fischer. Es sollte uns sehr freuen, wenn die Veranlaffer der Feenpalast-Resolution so schnell zu besserer Einsicht gekommen sind. Sie werden aber dann gut tun, ihren Beschluß vom Mittwoch einer gründlichen Korrektur zu unterziehen. Unser Urteil stützte sich keineswegs auf einige Kraftworte, sondern auf den Wortlaut der Reso- lution. Wollen die Veranstalter zu dieser Resolution jetzt nicht mehr stehen, so wird ihnen nichts weiter übrig bleiben, als diese ausdrücklich zu desavouieren. Wir können aber mit dem Vorwurf nicht zurückhalten, daß die Urheber der Ver- sanimlung und der Resolution ohne die nötige Ueberlegung eine Kundgebung veranstaltet haben, die der Arbeiterbewegung nicht zum Vorteil gereicht._ Aufruf zu den AnSschußwahlcn in Bergvauvetricben. Der Vor- stand des Deutschen Bergarbeiter-Verbandes erläßt einen Aufruf, um die Bergarbeiter für die Abänderung der Arbeitsordnungen und die Ausschußwahlen zu interessieren. Hinsichtlich der Ausschußwahlen heißt eS: Der Herr Minister Möller erklärte im Herrenhaufe, daß Krank- heit nicht als Unterbrechung gelte, aber daß derjenige die Arbeit unterbrochen habe, der beim Streik kontraktbrüchig geworden und aus der Belegschaftsliste gestrichen sei. Demnach könnten alle die- jenigen, welche beim Streik aus der jBelegschaftsliste gestrichen ivaren. weder wählen noch gewählt werden. Folglich könnten in Streikgcbieten nur Streikbrecher wählen und gewählt werden. Ein Schauspiel für Götter. Das ist dieselbe Regierung, die beim Streik angeblich den Arbeitern helfen wollte, das haben dieselben Parteien beschlossen(Zentrum, Freisinn und Christlich-Sozialen), die sich so arbeiterfreundlich ausspielten. Hält man an der Interpretation des Ministers fest, so ist eiu Gesetz für Streikbrecher g�choss-it,«der keine Reform für orga-isierte Arbeiter. Die Regierung und die Parteien, welche dem Gesetze zustimmten, sind verantwortlich für die Folgen. Nun, es sind ja schon Zentrums« stimmen laut geworden, die eine andere Auslegung hineinlegen wollen. Will man die Bergarbeiter damit einlullen oder ist eine andre Interpretation in Aussicht gestellt? Die nächsten Wochen werden Klarheit bringen miiffen. Auf alle Fälle tun wir gut, unS auf alles vorzubereiten. Suchen wir uns also auch in den Streikgebieten geeignete organisierte Kameraden als Kandidaten aus, damit wir, wenn je— was wir allerdings nicht hoffen— auch Streiker wählen und gewählt werden, nicht überrumpelt werden können. Auf. Kameraden, sucht nach geeigneten Kandidaten, organisiert und agitiert nach Kräften, damit unser Verband als Sieger auch aus dieser Wahl hervorgeht. Die Proportionalwahl(Verhältniswahl) ist zulässig. Man achte also ja darauf, daß dies in allen Arbeitsordnungen ver- merkt wird. Denn, wenn versucht werden sollte, die Verhältniswahl nur auf den Werken einzuführen, wo die anderen Gewerkvereine in der Minderheit sind— wie das der Abgeordnete Professor Hitze im „Bergknappen" andeutete— so müssen wir einem solchen unehrlichen Verfahren den entschiedensten Widerstand entgegensetzen. Wir sind für Verhältniswahl, aber sie muß obligatorisch eingeführt fein. Wenn man ste nur auf den Werken einrührt, wo unsere Ver- bandsmitglieder in der Majorität sind, so will man uns betrügen, was wir mit aller Kraft abwehren werden. Der sozialdemokratische Borstandsbericht beschäftigt die bürgerliche Presse allgemein, ohne daß etwas dabei herauskäme als der schlecht verhehlte Respekt vor den imposanten Zahlen der organisatorischen Großmacht. Alle unsere Ideale flößen diesen kapitalistischen Gehirnen nicht so viel Achtung ein, wie die Thatsache, daß das deuffche Proletariat im letzten Geschäftsjahre— mit den Sammlungen für Einzelzwecke— an den Parteivorstand mehr als eine Million Mark übermittelt hat. Das Höchste an genialer Kritik leistet natürlich das Bülow- Blatt, die„Nordd. Allgem. Ztg.". Sie entringt sich einen wahrhast königlichen Gedanken, dazu einen Jubiläumsgedanken: die Sozial- demokratie hatte krampfhaft an dem alten Verhetzungsprinzip fest. „obgleich es sichtlich den Höhepunkt seiner unheilvollen Werbekrast überschritten hat". Der Gedanke setzt bereits Moos an. Er ist nämlich genau so alt als die Sozialdemokratie, die in der Tat seit Jahrzehnten immer wieder ihren Höhepunkt überschritten hat, das heißt: den Höhepunkt der Vorjahre.— Ein Opfer der Afrikafahrt. Der Wörmannlinie ist folgendes Telegramm zugegangen: Der Postdampfer„Eleonore Wörmann", mit den Mitgliedern der„kolonialen Studiengesellschast" an Bord, ist gestern in Lome(Togoland) eingetroffen. Am 24. August ist Reichstags-Abgeordneter Fries aus Marksuhl am Ge- Hirnschlage infolge Arterienverkalkung g e st o r b e n. Das Bureau dieser Kolonialinteressentcn, das doch das Geld für die„Studienfahrt" nur hergegeben hat, um Begeisterung für die Kolonialpolitik zu wecken, fügt aus Anlaß des deprimierenden Zwischenfalles ängstlich hinzu, daß„bei dem bisher� andauernd kühlen Wetter jeder klimatische Einfluß" ausgeschlossen sei. Fries vertrat(als Nationalliberaler den Wahlkreis Eisen ach, einen jener Wahlkreise, den der Freisinn an die Zollwucherer aus« geliefert hat. FrieS wurde 1003 in der Stichwahl mV 8560 gegen 7835 sozialdemokratische Stimmen gewählt. In der Hauptwahl fielen auf die Sozialdemokraten 6018, die Nationalliberalen 3585, die Antisemiten(Reformpartei) 2145, die Freisinnigen 2043 und auf das Zentrum 1313 Stimmen. Unsere Genossen werden unverzüglich mit aller Kraft in den Wahlkampf eintreten.— Goethe und die Hcinzemänncr. In den vor kurzem erschienenen „Goethes Unterhaltungen mit Friedrich Soret" berichtet unter dem 15. Sept. 1827, daß Goethe„vortreffliche Bemerkungen über die Prüderie der Geistlichen niachte... Diese guten Leute bringen am Gürtel einer Venus ein Feigenblatt oft nur deshalb an, um einen geeigneten Vorwand zur genaueren Betrachtung zu haben." Schrecklich, daß eine deutsche Ministerexellenz eine so bösartige Verleumdung der frommen Herren aussprechen konnte, und daß der Prinzenerzieher Soret sie ungeniert der Nachwelt übermiltelt, er, der „sich in seinen Mitteilungen... von den zartesten Rücksichten hat leiten lassen, wie er sie in all seinen Lebensverhältnissen in meisterlicher Weise zu üben verstand".— So das Urteil des Herausgebers Burk» Hardt, Großherzoglich sächsischer Archivdirektor, Geheimer Hofrat. Sollten am Ende alle diese Größen gar nicht daran gedacht haben, daß es sich hier um eine Verleumdung handelt?— Steckbrief gegen einen Abgeordneten. Die Graudenzer Staatsanwaltschaft hat gegen den Reichstagsabgeordneten Viktor Kulerski, zuletzt in Berlin, früher in Graudenz wohn- Haft, die Untersuchungshaft wegen Aufreizung zu Gewalt« tätigkeiten verhängt und einen Steckbrief gegen ihn erlassen. Kulerski hat Graudenz und Berlin vor mehreren Wochen verlassen, hat sich kurze Zeit in Bern aufgehalten und ist dann spurlos verschwunden.(?) Auf Beschluß des Landgerichts wurde das im Deutschen Reiche befindliche Vermögen des An- klagten mit Beschlag belegt. Daß man den Abgeordneten in Untersuchungshaft sperren lvill, ist ein durch nichts zu rechtfertigender Versuch. Daß Herr Kulerski sich nicht auf staatsanwaltliche Einladungen hin zwecklos in Untersuchungshast zwingen lassen will, um dann nach monatelanger Pein schließlich vor Gericht die Haltlosigkeit der staatsanwaltlichen Meinungen nachzuweisen, wird man am Ende be- greiflich finden. So viel Achtung sollte auch ein Ostmarken-Staats- anwalt vor der Würde des Parlaments haben, daß Abgeordnet? nicht fluchtverdächtig sind. Am Tage der Verhandlung wird Kulerski, wie wir annehmen, schon zur Stelle sein I— Deutschtum ist Freiheit. Vor dem Landgericht Kempten hatte sich der Schmied Ernst Wilhelm Großer von Laubegast bei Dresden wegen Beleidigung des deutschen Kaisers zu verantworten. Er sollte wegen Landstreicherei verhaftet werden und auch mit Aus- Weisung hatte man ihm gedroht. Dies hatte den Mann ge- ärgert, weil er sich zu unrecht so behandelt sah, zudem er auch Geld bei sich hatte. Da soll er im Unmut den Kaiser beleidigt haben. Der Angeklagte bestritt die Absicht, den Kaiser haben be- leidigen zu wollen. Der Staatsanwalt beantragte sechs Monate Gefängnis. Der Angeklagte bemerkte darauf als letztes Wort, daS Gericht möge sich doch in die Lage eines älteren arbeitslosen Arbeiters ver- setzen, der von Scholle zu Scholle getrieben wird und Arbeit haben möchte, statt eine solche zu erhalten, werde er aber so behandelt, da könne man schon einmal etwas sagen, was aber bei weitem nicht so schlimm gemeint gewesen sei, und man möge das gesetzliche Mindest- maß in Anrechnung bringen, wenn er schuldig gesprochen werden lallte. Das Gericht vemrteilte den Mann zu vier Monate« Ge- sängnis. Das Gericht hat sich also nicht in die Lage des Armen hinein- versetzt, es erkannte, daß man nur eine Freiheit in Deutschland habe, zu hungern.—_ Seemannsleiden für verweigerte Russendienste. Bor der Strafiammer IV des Landgerichts zu Hamburg iand beinahe die ganze Schiffsbesatzung von dem zur Reederei von M. Jebsen-Haniburg gehörenden Dampfer„Hanna", angeklagt der Meuterei. Die Leute, 13 an der Zahl, darunter 15 Skandinavier, befinden sich seit 72 Tagen in Untersuchungshaft. Am 15. Februar 1305 musterten die Angeklagten auf dem deutschen Generalkonsulat in London für den genannten Dampfer an für eine Reise von London über Chardiff nach China und wieder zurück nach einem nordeuropäischen Hafen. Entgegen der Ver- einbarung ging das Schiff, daS angeblich nur Kohlen, Proviant und Maschinenöl geladen hatte, direkt nach Algier und über Port Said nach der Insel Diego Garcia, von wo eS südlichen Kurs nach Madagaskar nahm, wo damals der Wutki-Admiral mit der russisch- baltischen Flotte lag. Auf der Höhe von Madagaskar bemerkte die unruhig gewordene Besatzung, dasj die„Hanna" Signale mit Schiffen austauschte, woraus man schloß, daß das Schis mit der russischen Flotte in Verbindung stehe. Diese Ver- mutung wurde noch gestärkt durch den Umstand, daß die „Hanna" nach Batavia steuerte und daß ein Teil der Ladung sorgfältig vor den Augen der Leute gehütet wurde. In Batavia erklärte die Besatzung, daß sie nicht weiterfahren werde und verlangte, vor den Konsul geführt zu werden. Der Kapitän gab die Erklärung ab, das Schiff sei für den neutralen Hafen Saigon bestimmt. Der Konsul meinte, die Leute müßten mitfahren, was diese ablehnten mit der Bemerkung, das Schiff habe Konter- bände an Bord. Sie blieben in Batavia zurück und wurden auf Kosten der Reederei nach Hamburg befördert, um hier wegen Meuterei angeklagt zu werden. Was das Schiff eigentlich geladen hatte, kann nicht ermittelt werden, denn der Vertreter der Reederei bekundet, daß die„Hanna" zu damaliger Zeit von einer Petersburger Firma gechartert war. Was die Ladung anlangt, so könne er nichtss näheres darüber mitteilen, da sich das hiesige Bureau darum nicht zu kümmernbrauchte. Die Frage, ob die Angeklagten annehmen konnten, daß die„Hanna" Konter- bände an Bord hatte, beantwortete der Zeuge mit j a. Vor Gericht wurde noch ausgeführt, daß die Japaner gedroht härten, jedes mit den russischen Kriegsschiffen in Verbindung tretende Handelsschiff in den Grund bohren zu wollen. Trotzdem meint der Staatsanwalt, die Gefahr sei nicht zu groß gewesen, der gute Glaube mache die Leute nicht schuldlos. Den Angeklagten müßten aber die weitgehendsten Milderungsgründe zugebilligt werden, deshalb beantrage er gegen jeden nur 30 M. Geldstrafe. Der Verteidiger, Dr. Cordes, hebt hervor, daß es sich im vorliegenden Falle um keine Verletzung des schuldigen Gehorsams handeln könne, und die Angeklagten müßten auf Grund § 74 der Seemannsordnung in Verbindung mit den Artikeln 613 und 626 des Bürgerlichen Gesetzbuches freigesprochen und ihnen eine angemessene Entschädigung für die unschuldig erlittene 72tägige Untersuchungshast zugebilligt werden. Das Gericht erkennt auf Freisprechung und Ersatz der notwendigen Auslagen. Die durch den„Mißgriff" so schwer geschädigte Mannschaft, welche die Kriegsartikeln ähnlich sehenden Bestimmungen der„revidierten" Seemannsordnung aus dem ff kennen gelernt hat, will ihre weiteren Ansprüche aus dem Zivilwege geltend machen.— Wie der Militärdienst verekelt wird, dafür lieferte eine Ver- Handlung vor dem Dresdener Kriegsgericht einen drastischen Beweis. Der Schütze K e h r e r von der 4. Kompagnie des Schützen-Regiments Nr. 168 hatte sich im Herbst 1964 freiwillig zum Militär gemeldet und wurde gern Soldat, wollte er dock als solcher zwölf Jahre dienen und seine Karriere machen, eine Idee, von der er infolge seiner Erfahrungen sehr schnell geheilt wurde. Wenig gewandt, fiel ihm der Dienst doppelt schwer, obgleich er sich die größte Mühe gab. Da er im Vergleich zu seinen Kameraden zurückblieb und auch zu Ausstellungen Anlaß gab, wurde er bald in der Korporalschaft unbeliebt. Indessen war seine Ungeschicklichkeit nicht die alleinige Ursache, daß K., namentlich was die Instandhaltung seiner Sachen anbelangte, niemals fertig wurde, er wurde vielmehr von seinem Korporalschafts- führer, dem Unteroffizier Druch in der unglaublichsten Weise schikaniert und mißhandelt. Wiederholt hat ihm der MarSjünger, angeblich weil nicht ordentlich geflickt war, absichtlich und mutwillig die Uniformstücke aufgerissen und die Nähte mit dem Messer aufgetrennt, worauf K. dann bis 11 Uhr abends die Sachen wieder inslandsetzen mußte. Einmal glaubte sich D. von dem Rekruten ausgelacht, was jedoch nicht zutraf. K. mußte nun Mantel, Waffenrock und Drillichhose herbeilhole», Sachen, die nun der Marsjünger bis fast zur Unkenntlichkeit aufschlitzte und zerfetzte, dann mußten sich die übrigen Leute der Korporalschaft an das Aus- bessern der Sachen machen, während K. in das UnteroffizierSkai ree kommen mußte. Hier zählte ihm der„Stellvertreter Gottes" dem nur mit Drillichhose und Hemd bekleideten Rekruten mit der Klopfpeitsche sechs bis acht Hiebe über den Rücken und befahl ihm dann— K. ist Nichtraucher eine Zigarre und ein Stück Lederriemen zu rauchen, so daß ihm hinterher schlecht wurde. Auf dem Rücken des Gemißhandelteir zeigten sich am folgenden Tage zahlreiche Striemen. Bei einer anderen Gelegenheit wurde K. vom Angeklagten in der Chargenstube am Halse gefaßt und gewürgt, so daß er keine Luft bekam. Die Beschädigung der Uniformsachen durch den Korporal geschah so oft und gründlich, daß dem Rekruten schließlich nichts anderes übrig blieb, als sie sich vom Schneider auf seine Kosten ausbessern zu lassen; oftmals kam er in total zer- rissenem Anzüge zum Appell. Der Unteroffizier versuchte es mit dem Leugnen, was ihm jedoch wenig nutzte. Aus der Zeugen- Vernehmung ergab sich, daß die vom Angeklagten an die Leute seiner Korporalschaft erlassene Anordnung, für K. die Sachen zu flicken, eine schon auf der Unteroffiziers- schule beliebte Erziehungsmethode ist, die gegen mißliebige Leute zu dem Zwecke angewendet wird, die Kameraden der Be- treffenden zu reizen und zur„Abfindung" aufzustacheln. Diese Methode scheint übrigens im vorliegenden Falle ihren Zweck nicht verfehlt zu haben. Eines Nachts im April hat nämlich der Schütze Jakob, ein„alter Mann", den Rekruten im Schlafe über- fallen und ihn ohne jeden Grund in der unbarm- herzigsten Weise mit den Fäusten bearbeitet, so daß K. am nächsten Tage ein blaues Auge und heftige Kopsschmerzen hatte. Dieser Fall führte endlich zur Aufdeckung des Treibens des Korporalschaftsführers und einiger Komplizen; gegen die letzteren schwebt noch die Untersuchung. D. wurde außerordentlich milde be- urteilt, das Kriegsgericht verurteilte ihn wegen Mißhandlung und vorschriftswidriger Behandlung in zwei Fällen zu sechs Wochen mittleren Arrest. AufDegradation wurde nicht er- kannt. Jakob erhielt wegen gefährlicher Körperverletzung drei Wochen Gefängnis. Ein schneidiger Unicroffizier. Am Pfingstsonnlag hatte der Unteroffizier des 1. Trainbataillons Joseph Nepp in München Kasernen-TageSdienst. Nach beendigtem Abendstalldienst führte der Unteroffizier seine Kompagnie nach der Kaserne zurück. Da mehrere Soldaten das Putzzeug im Stall zurückgelassen hatten, ließ er die ganze Konrpagnie nach dem Stall zuriickmarschieren und mit der Mannschaft Exerzierübungen vornehmen. Der Wachtmeister vom Kasernen-Tagesdienst ermahnte den Unteroffizier, die Abteilung ab- treten zu lassen und die Leute, die das Putzzeug zrrückgelassen, einfach zu notieren, denn an einem Sonntag werde nicht exerziert. Der Unteroffizier scherte sich den Teufel um diese Mahnungen und be- antwortete die folgenden dienstlichen Befehle, die Abteilung doch abtreten zu lassen: Sie haben mir nichts zu befehlen, die Kompagnie führe ich I Da der Unteroffizier die Mann- fchaft weitere Marschübungen vornehmen ließ, übernahm der Wachtmeister die Führung der Kompagnie und kommandierte:„Halt!" Der renitente Unteroffizier kommandierte:.„Marsch I", so daß die Mannschaft im Zweifel war. welche Kommandos sie befolgeitffollte Den weiteren dienstlichen Befehl, die Abteilung so lange halten zu lassen, bis der Offizier vom Käsernentagesdienst komme, befolgte der Unteroffizier auch nicht und ließ die Leute ivciter exerzieren. Eine Stunde später frug der Wachtmeister den Unteroffizier, warum er keine Meldung über die Stallvisitation erstatte. Der Unteroffizier antwortete in einem patzigen Tone:„Wenn Sie Meldung haben wollen, können Sie ja selbst umeinander gehen I" Das Kriegsgericht der I. Division in München verurteilte den Unteroffizier Nepp wegen erschwertem Ungehorsam vor versammelter Mannschaft zu zwei Monaten 15 Tagen Gefängnis; von einer Degradation wrrrde abgesehen.—_ Der Angriff gegen Hendrik Witboi steht bevor. Amtlich wird gemeldet: Die Versammlung der Truppen zum Angriff auf Hendrik Witboi war am IS. August beendet. Es standen an diesem Tage: 1. die Abteilung Maercker(2. Kompagnie, 4 Geschütze) in Gegend von Maltahöhe. 2. die Abteilung Meister mit 2 Kompagnien. 4 Geschützen und 2 Maschinengewehren am unteren Hudup, mit 1 Konrpagnie in Gibeon, 3. die Abteilung E st o r f f mit 3 Kompagnien und 4 Geschützen am unteren Leberfluß, mit 1 Kompagnie und 2 Geschützen bei Asab. 4. die Abteilung Langerke<2 Kompagnien, 4 Geschütze) am Kanibeb bei Hornkranz. 5. die Abteilung Koppy(1 Kompagnie, 2 Geschütze) in Chamis. Geireralleutnanr v. Trotha ist in B e r s e b a eingetroffen und beabsichtigt, zunächst die Gegend zwischen dem Hadup und dem Kutip und Kanibeb sowie das Zarisgebirge mit Aufklärungsabteilungen abzusuchen. Die bisherige Aufklärung hat ergeben, daß die Gegend des Tsacheib, wo Hendrik Witboi zuletzt vermutet wurde, vom Feinde frei ist, dagegen weiter südlich sich zahlreiche Hottentottenbanden befinden. Major Traeger befand sich nach den Gefechten am unteren Fisch- fluß gegen Cornelius in der Gegend von Gaibes. Am unteren Fisch- fluß wurde kein Gegner mehr gefunden, dagegen zeigten sich westlich Warmbad zahlreiche Hottentotten. Major Traeger marschierte daher über Haib— Warmbad— RamanSdrift und erreichte endlich am IS. August in der Gegend südwestlich Gaobis eine feindliche Abteilung, anscheinend unter Cornelius und Morris, die er angriff und in sechs- stündigem Gefecht in der Richtung auf das Haib-Revier zurückwarf. Auf unserer Seite fielen 2 öffizicre, 1 Reiter; 3 Reiter wurde» verwundet. » Berlin, 26. August. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Vizewachtmeister Otto Freiherr von Speth- Schülzburg, geboren ani 26. Februar 1883 zu Schönthal, hat sich am 26. August 1965 bei Tsumrs infolge eigener Unvorsichtigkeit durch einen Schuß in den Unterleib verwundet. • Hamburg, 26. August. Der Dampfer„Professor Wörmann" ist heute mittag am Pctersenkai eingetroffen. Er brachte siinf Offiziere und 59 Mann, Kranke, Verwundete und Rekonvaleszenten, in die Heimat zurück. Der Transport lvurde von Hauptmann Böttlin ge- führt._ Trotha künftiger Kommandant der Kolonialarmee. Die„ N. milit.-p olit. Korr.", die durch hohe mili- tärische Stellen in Berlin mit Nachrichtennraterial versehen wird, weiß bereits zu melden, wie Trotha späterhin verwandt werden soll. Er sei auserfehen, an die Spitze einer zu schaffenden Kolonial- nrmce zu treten. Die genannte Korrespondenz schreibt: Ueber die nächste militärische Zukunft des Oberkonrman- dicrenden in Südwestafrika find seit der Ernennung des Gouverneurs von Lindeqnist zahlreiche Versionen verbreitet worden, von denen jedoch keine über den Wert einer— meist unwahrscheinlichen— Ausstreuung hinausreicht. Es dürfte fest- stehen, daß noch in diesen Tagen die von General- leutnant v. Trotha persönlich geleitete, konvergierende Aktion gegen die Aufständischen im Süden beendet sein wird, und daß der Draht in aller- nächster Zeit von einem größeren Gefecht berichtet. Die etwa notwendige Verfolgung des— wie man annimmt— geschlagenen Feindes sollte dann einzelnen Unterführern überlassen bleiben; der Oberkommandierende selbst wird nach Windhuk zurückkehren und die Heimreise nach Deutschland antreten, noch ehe der neuernairirte Gouver- ireur in Swakopnrund eintrifft. Auch«ach einem längeren Erholungsurlaub würde, wie behauptet worden ist, Generalleutnant v. Trotha keinesfalls für den Posten eines kom- mandierenden Generals in Frage kommen, da er erst seit 1963 die Stellung eines Divisionskommandeurs inne hat und iin Dienstalter noch weit in der Liste der Generalleutnants zurück- steht. Eine viel größere Wahrscheinlichkeit dürfte eine Kombinafton haben, der zufolge General v. Trotha späterhiir an die Spitze einer zu schaffenden Kolonialarmee treten soll, obwohl ein solches Projekt noch nicht als spruchreif bezeichnet werden kann. Die Meldung der„N. milit.-polit. Korr." klingt gar nicht un- wahrscheinlich. Daß man demnächst an die Schaffung der schon längst projektierten Kolonialarmee herangehen wird, ist kaum zweifelhast. Die Situation für die Durchführung derselben ist ja so äußerst günstig. Zwar meint die„Voss. Ztg.". daß bei der Schaffung der Kolonialarmee doch auch der Reichstag ein„ge- wichtiges Wort mitzusprechen" haben werde, allein das sind nur hochtrabende Worte. Konservative, Nationalliberale und der weib- liche Freisinn sind von vornherein für eine Kolonialarmee zu haben und das ausschlaggebende Zentrum wird auch im letzten Augenblick wieder umfallen. Man wird die ultramontanen Herren schon mit Begünstigung der katholischen Mifsionstätigkeit zu ködern verstehen. Und Trotha wäre ja nach seiner südwestafrikanischen Tätigkeit gerade der rechte Mann für eine Kolonialarmee. Der„Schwöb. Merkur" hat seinerzeit den menschenfreundlichen Vorschlag gemacht, nach Ostasien eine Armee entlassener Sträflinge zu entsenden. Vielleicht macht das Blatt auch wieder für die Kolonialarmee diesen Vorschlag I—_ Sndwestafrikanische Indiskretionen veröffentlicht die„Zukunft". Die Tendenz des Artikels, dosten Spitze sich gegen Bülolv richtet und den Ausrottungsstrategeir Trotha in Schutz zu nehmen sucht, ist gleichgültig, einige Stellen des Artikels jedoch, die sich als wörtliche Auszüge aus Trothas Korrespondenz mit der amtlichen Berliner Stelle geben, verdienen Beachtung. Interessant für die Beurteilung der Lage in Südwestafrika ist z. B. die Stelle eines Trothaschen Schreibens, die lautet:„Die Lage ist durchaus nicht so, daß eine Beendigung des Aufstandes vor der Türe steht." Und diefes Schreiben soll von Ende Juli 1965 stammen! Ferner soll Trotha geäußert haben, daß nach Beendigung des Krieges noch 6000 Mann in steter Kriegsbereitschaft gehalten werden müßten! Ferner wird behauptet, daß in den ersten Septembertage» fchon wieder die vierfache Monatsrate der Ersatzmannschaft abgehen würde, also 566 Mann neuer Verstärkungen! Auch sei eS keineswegs ausgeschlossen, daß nach den Augustgefechten fdie ja jetzt für die nächsten Tage in Aussicht gestellt sind) Trotha nun wirklich Verstärkung sinr bülowofsiziösen Sinne Verstärkungen) und nicht nur „Ergänzung" der Schutztruppe verlange! Interessant sind auch die Hintveise auf die kolossalen Gewinn st e. die von den Reedern bei den Kriegstransporten eingestrichen werden. Die Firma Wörmann allein habe im Herbst 1964 für ihre in Siidtvestafrika auf Löschung wartenden Dampfer mehr als drei Millionen Mark Liegegelder erhalten. Daß die Reeder solche glänzenden Geschäfte gemacht haben, geht auch aus einem zweiten Artikel der Zeitschrift hervor, der Briefe eines in den Hottcntottenkämpfen gefallenen Offiziers wiedergibt. In einem dieser Briefe heißt es:- „Die Eisenbahn Swakopmund-Windhuk ist eine Feldeisenbahn, wie die Rübenbahnen an den großen Zuckerfabriken. Sie kann natürlich nicht annähernd die Güter zur Truppe bringen. Des- halb verdirbt der Proviant. Den Schiffen wird vom Staat für jeden Tag, den sie über vierzehn Tage auf der Reede liegen, eine hohe Konventionalstrafe gezahlt, die hoch in die Hunderttausende geht." Man versteht danach nur zu gut, weshalb gerade die hanseati- 'cheir Reeder und Pfeffersäcke so enragierte Freunde der Weltpolitik find. In je tollere Kolonialabentener sich da? Reich stürzt, desto üppiger blüht ihr Weizen I— Der Hunnenpastor Naumann gibt über die berüchtigten Trotha» Erlasse folgendes Urteil ab: „Wir haben nichts gegen Energie. Aber daß er Proklamationen ausgehen läßt, in denen er Weiber und Kinder bedroht, ist verwerflich. Er selbst nimmt im Truppenbefehl diese Pro- klamation zur Hälfte wieder zurück, aber was dann noch übrig bleibt, ist nur der Man», der gewaltig mit den Ge- wehren klappert und dessen Telegramme recht arm an Er- folgen sind." Wenn man Tausende von Frauen und Kindern in die Wüste treiben läßt, damit sie dort verschmachten, und wenn man befiehlt, wehrlose, waffenlose Eingeborene niederzuknallen, so ist das nur ein Klappern mit dem Gewehr! Der Hunnenpastor ist also seit dem China-Abenteuer der Alte geblieben!— Die„Breslauer Zeitung" teilt ihren Lesern nunmehr mit, daß der„Vorwärts" die überraschende„Mitteilung" gemacht habe, daß gerade der„schönste" von ihm zitierte Ausdruck„schmutzige Hnnde" statt„schmutzige Hände" ein Druckfehler sei. Das Blatt hütet sich aber, seine Leser durch Wiedergabe seiner ganzen„Schimpfliste" in den Stand zu setzen, sich über deren Schönheit und über die Un- geheuerlichkeit der Behauptung der„Bresl. Ztg.", der„Vorwärts" habe die Schimpfliste überhaupt gefälscht und die Buchstaben- Verwechselung sei nur ein B e i s p r e l der vom„Vorwärts" „sportlich" getriebenen„Fälschungen", selbst ein Urteil zu bilden! Die Polemik gegen solches Pretzgeziefer hat Heine einmal drastisch gekennzeichnet: „Doch der schrecklichste der Schrecken Ist der Kampf mit Ungeziefer, Das Dnell mit einer Wanze, Die noch stinkt, wenn man sie tottritt/ HuelancL Schwedische Stimmungen. Göteborg, 22. August.(Eig. Ber.) Kommt man von Norwegen nach Schweden hinüber, so fällt einem sofort auf, daß die Schweden keinen Sinn für eine„reine" Flagge haben: überall prangt noch das Unions- zeichen mit den Farben des Brudervolkes in der einen Ecke der blau-gelben Schwedenfahne. Für Schweden ist die Union nicht aufgelöst und man versteht es vielfach nicht, warum die Norweger dieses realpolitische Verhältnis ihrerseits gelöst haben, ein Verhältnis, das doch in der geographischen Lage der beiden Länder begriindet ist und offenbar viel dazu bei- getragen hat, daß sich beide Staaten wie kein anderes Land Europas nun fast ein Jahrhundert lang ungestörten Friedens erfteuen und sich den Werken der materiellen und ideellen Kultur widmen konnten. Hat doch selbst bei den jetzigen Konflikte der König sich so benommen, daß in Norwegen der Gedanke auftauchte, ihm dem Nobel-Friedenspreis, dessen Verteilung Sache Norwegens ist, zu überweisen. Eine gewisse Berechtigimg kann man dem Gedanken nicht absprechen, viel mehr berechtigt wäre es aller- dings, wenn man den Friedenspreis der Sozialdemokratie beider Länder überweisen wollte. Auf des Königs Friedens- wort pfeifen die„vaterländischen" Großschweden. Seine Macht erkennen sie nur an, wenn er ihren Willen tut, mit der Arbeiterpartei aber müssen sie rechnen wie mit einer wirklichen Macht, die über die gewaltigsten Mittel zur Ver- teidigung des Friedens verfügt. Hier in Schweden ist es eigentlich lediglich der unermüdlichen Friedensarbcit unserer Parteigenossen zu danken, daß die schmählichen Kriegs- Hetzereien der„Vaterländischen" ihre Wirkung verfehlen. Hoffentlich wird es auch der norwegischen Sozialdemokratte gelingen, ihrer Ansicht über die Schleifung der Grenz- festungen, verbunden mit einem sicheren Schiedsgerichts- verttag, zum Siege zu verhelfen, wenn auch der alte „Friedensapostel" Björnson die Forderung des schwedischen Reichstags„gewaltsam" nennt und eine schwere Kränkung der nationalen Ehre darin erblickt.„Die Schleifung der Grenzfestungen ist uns Schweden Millionen wer t", erklärte mir gegenüber gestern Redakteur L i n d b l a d vom hiesigen Parteiorgan„Ny Tid". Und das ist keine Ueber- treibung. Hunderte von Millionen werden die„Vater- ländischen" aus den Taschen des schwedischen Volkes ziehen, wenn die norwegischen Festungen bestehen bleiben, um Gegen- maßregeln zu treffen. Und mit demselben Recht können auch die Norweger sagen, daß sie viele Millionen sparen, wenn sie auf diese schwedische Forderung eingehen. Wie das offizielle Schweden mit der Forderung der Volksabsttmmung der Sache der Demokratie wider Willen einen guten Dienst geleistet hat, so nicht minder mit jener Forderung, die mrr zum Wohle beider Völker, dem Militarismus in beiden Ländern nur zum Schaden gereichen kann. Noch hat die Bourgeoisie in Schweden die unbeschränkte Macht in Händen, und hat man das schändliche System der polittschen Rechtlosigkeit, das hier herrscht und das die Bourgeoisie mit allen Mitteln aufrecht zu erhalten sucht, erkannt, so ist es leicht verständlich, daß selbst unsere Partei- genossen in Norwegen sich für die Union mit einem derartigen Staatswesen schönstens bedanken. Im rrächsten Monat soll bekanntlich die Zweite Kanrnrcr des schwedischen Reichstags neu gewählt werden. Sie hat unter anderem auch die Aufgabe, dem schwedischen Volk ein neues Wahlrecht zu geben. Ob es bei der Wahl gelingen wird, eine größere Anzahl von Parteigenossen als bisher hineinzubringen, erscheint zweifelhaft. Die Bourgeoisie hält offenbar die große Aussperrung in der Metall- indrrstrie auch zu dem Zweck aufrecht, den Ausgesperrten die Zahlung ihrer Steuern unnröglich zu machen, Zehntausenbe, die sonst wahlberechtigt wären, wahlrechtslos zu machen. Es ist dies ein schändliches Verfahren, aber wie der Sozialdemokratte alles zum besten dient, jo wirkt auch diese Brutalität der Kapitalisten dahin, daß die Arbeiter erkennen, wer ihre Feinde sind und daß sie die Aufgabe haben, sich immer fester zu organisieren, um schließlich doch die Sieger zu bleiben. Frankreich. Die Krise der Pariser ArSeitSiörse. Paris, 23. August. sEig. Ber.) Der Seinepräfckt ist jetzt zur schneidigen Attacke übergegangen. Vor einigen Monaten hatte der Gelverkschaftsverband des Seine- departements die Gewerkschaft der weiblichen Typographen aus sehr guten Gründen— diese Organisation hatte Streikbrecherinnen in die Provinz geschickt— arrsgeschlossen. Die Administrativ-Koinmiffion der Arbeitsbörse ließ darauf daS Bureau dieser Gewerkschaft sperren. Der ausgeschlossene Verein reknrierte und erzielte in letzter Instanz beim Staatsrat eine günstige Entscheidung. Aber die Organisationen der Arbeitsbörs« ließen sie unbeachtet und die Typographinnen be- kamen ihr Lokal nicht zurück, bis sie sich an die eben ernannte provisorische Verwaltungskommission wendeten, die ihre Eingabe dem Präfekten übermittelte. Dieser, froh über den Vorwand zum gewalrsamen Vorgehen, beauftragte den von ihm bestellten Verwalter der Gebäude, den Thpographinnen ihr altes Bureau wieder zu über» geben. Als gestern diese Amtshandlung vorgenommen werden sollte» stieß der Beamte auf einen passiven Widerstand. Die Türe war abgesperrt und mußte erbrochen werden, hinter ihr aber stand ein schwerer Aftenschrank, dessen Beseitigung auch geraume Zeit erforderte. Unterdes sammelten fich zahlreiche Gewerkschaftler auf den Gang an und ironisierten diese direkte Aftion". Auch bekam die Vertreterin der Streitbrecherinnen nicht eben angenehme Zurufe zu hören. Da eine gültige Entscheidung zur Ausführung gebracht wurde daß fie unrichtig und von Haß gegen die organisierte Arbeiterschaft eingegeben ist, steht außer Frage- ließe sich diese Operation der Behörden formell noch rechtfertigen. Viel ärger aber ist die Unverschämtheit, mit der sich der Verwalter jezt über das auch vom neuen Statut nicht berührte Selbstverwaltungsrecht der Gewerkschaften hinweggesetzt. Er erlaubt sich u. a., Briefe, die an die Organisationen einlaufen, zu öffnen. Es ist nicht verwunderlich, daß auch Leute, die mit der bisherigen Taktit der Arbeitskonföderation nicht einverstanden sind, keine Luft haben, die Verantwortung für den neuen Kurs mitzutragen. So hat der Sozialist Landrin, der Präsident der kommunalen Arbeitskommission erklärt, das Mandat für die provisorische Verwaltungskommiffion, das ihm der Präfekt erteilt hat, nicht anzu nehmen. Am 30. Auguft soll die Wahl des Komitees, das die Wählerlisten für die Ausschußwahlen anlegen und die Wahl selbst leiten wird, stattfinden. Zum Protest hat der Gewerkschaftsvorstand auf dieselbe Stunde eine Versammlung einberufen, die ein Erekutivkomitee des Verbandes wählen soll. Ob sich genügend Gewerkschaften finden werden, um den neuen Ausschuß zu konstituieren, ist noch ungewiß. Vorläufig hat erst eine größere Organisation, die der Pariser Köche, die 700 Mitglieder zählt, beschlossen, das neue Reglement anzunehmen und sich an der auf Grund des Proportionalsystems vorzunehmenden Wahl zu beteiligen. Ein Irrtum, der in unserem legten Bericht über die Vorgänge auf der Arbeitsbörse untergelaufen ist, fordert eine Berichtigung. Die Administrativkommission, die von den revolutionären Gewerkschaften gewählt wurde, amtiert schon seit dem 7. August nicht mehr, da ihr Mandat an diesem Tage erloschen ist. Vorläufig hat die vom Präfetten delegierte provisorische Kommission die freilich sehr geringen Kompetenzen des Verwaltungsausschusses inne. Eine fernere Meldung besagt: Auffassung, daß jegliches Wohl der getreuen Untertanen Gurer was mich quált und mich bewegt, und was ich will und sagen muß. Majestät den erhabenen Willen des selbstherrschenden Kaisers zum Es ist die Frage über meinen Tod und über Dein Verhalten dazu. Ausgangspunkt hat. Eine solche Wohltat haben Eure Majestät Obgleich mein Advokat die Kassationstlage eingereicht hat und Allergnädigst durch den Erlaß vom 17. April d. J. allen nach Gründe für sie mehr als genügend vorhanden waren, obgleich auch Freiheit vom Gewissenszwang Dürstenden erwiesen, desgleichen das Urteil vom Generalgouverneur, das heißt von Trepow, noch nicht auch durch den Grlaß vom 18. Juni d. J., in welchem Eure faiser- bestätigt worden ist, bin ich doch überzeugt, daß ich sterben werde, liche Majestät zum Nutzen des Reiches und der Heimat geruht es sei denn, daß die Revolution oder daß irgend welche anderen haben, die Erziehung der Kinder in der Muttersprache zu gestatten. wichtigen politischen Ereignisse mich retten werden. Alles dies ist Mögen Eure Majestät den Ausdruck alleruntertänigster Dankbarkeit möglich. der Deselschen Ritterschaft entgegennehmen, die stets bereit ist, den weisen Direktiven ihres Herrschers Folge zu leisten. Eurer Kaiserlichen Majestät alleruntertänigste Ritterschaft der Insel Desel und im Namen derselben der refidierende Landrat Baron Burhöwden und Landmarschall von Efesparre." Jeder weiß, daß die russische Revolution nicht hinter den Bergen ist und kein Todesurteil, keine Hinrichtung werden sie aufhalten. Daran glaube ich und werde sogar daran glauben im letzten Moment, wenn mir der Henker den Strick um den Hals legt. Mit diesem Glauben werde ich sterben, und mein Tod wird für mich leicht Und dasselbe in Berlin, im Deutschen Reiche erscheinende Drgan sein, ich möchte sagen süß, wenn man das in bezug auf den Tod der deutschen Adelsgenossenschaft zitiert das Lob, das der wüsteste sagen fönnte. Glaube wir, meine Teure, ich bin vollständig ruhig, Reaktionär Rußlands Fürst Meschtschersti, dieser Adresse merkwürdig ruhig. Was bedeutet denn mein Tod, mein Leben, widmet. Der Fürst schrieb im„ Grashdanin": im Vergleich mit der bevorstehenden großen Zukunft, für welche Leben als das meinige hingegeben wurden! Du kannst Dir nicht so viele Hunderttausende( vielleicht noch mehr!) junger und besserer vorstellen, welch ein Glück der Tod bringen kann. Ich sage das nicht oder zuwider ist, oder als ob ich mich von ihm befreien wollte. Nein, darum, weil ich das Leben nicht liebe oder weil es mir furchtbar im Gegenteil, ich liebe das Leben, ich liebe es so, wie nur ein junger neunzehnjähriger Mann voller Energie, Glauben und Kraft es lieben kann, und wenn nur irgend eine Möglichkeit vorhanden wäre, so würde ich mit der größten Freude leben bleiben. Aber da diese Möglichkeit vor der Hand nicht da zu sein scheint, so wollen wir " Haben Sie die Adresse der Deselschen Ritterschaft an den Kaiser gelesen? Lesen Sie sie( ich bringe sie in der heutigen Nummer): aus ihr wehen einem es flingt fast lächerlich jene alten Traditionen des russischen Adels entgegen, die jetzt, nach den meisten Adressen des russischen Adels zu urteilen, sich schon fast verflüchtigt haben. Die heutigen Adressen sind hoch trabende Belehrungen. Die Adresse der Deselschen Ritterschaft dagegen ist ein Sichwenden des Adels an den russischen Selbstherrscher, der von den zerfetzenden Strömungen der heutigen Petersburg- Moskauer Godunots unberührt geblieben ist. Warum ist eine solche Adresse wertvoll? Weil sie von einem Adel ausgeht, der während unser Adel sich von den Motten des Liberalismus zerfressen läßt, die Beziehungen zum Volke zerreißt und in den Vorzimmern des Hofes antichambriert Hause bleibt, arbeitet und ohne Kampf lein Atom seiner Rechte aufgibt." zu Diese prostituierende Anerkennung erfüllt das„ Deutsche Adelsblatt" mit tiefem Stolz, und es beweist dadurch, was wir ohnehin Der Seine- Präfekt arbeitet offensichtlich auf die Verschärfung längst wußten, daß das preußische Junkertum diesseits und jenseits des Konfliktes hin und scheut sich nicht, um sein Ziel, die Sperrung der Grenzen viel gemeingefährlicher für alle Kultur ist als selbst die der Arbeitsbörse, zu erreichen, das vom Gemeinderat beschlossene rückständigsten Klassen Rußlands. Man begreift eben auch, daß sich Reglement in einer seinem Geiste entgegengesetzten Art zu deuten. Das neue Reglement sollte die Autonomie der Arbeitsbörse aufrecht gegen dieſe„ Herren" der Haß der Revolutionäre mit ganz beDas ist kein nationaler erhalten und dem Präfekten nur ein gewisses Kontrollrecht in bezug ſonderer Erbitterung richtet. sondern dem gänz auf die Befolgung der Statuten sichern. Der Präfeft verlegt das Haß, das gilt nicht dem Deutschtum, Selbstbestimmungsrecht der Gewerkschaften, die in der Arbeitsbörse lich undeutschen preußischen Junkerservilismus, der in untergebracht sind, in gröblicher, herausfordernder Weise. Das Rußland mit dem slavischen Zaren ebenso seine blutigen Geschäfte jezige Interregnum, das die vom Präfetten ernannte provisorische macht, wie der Junker diesseits der Grenze mit der angestammten" Delegation zum Herrn der Anstalt macht, soll dazu dienen, den fünftigen Monarchie buhlt. Ausschuß vor eine Situation zu stellen, die eine dem proletarischen Bewußtsein entsprechende Geschäftsführung unmöglich macht. * minder provokatorisch als die schon gemeldete Wiedereinführung der Inzwischen hat der Bar sich die Vorwürfe, daß er seine gestreikbrechenden Typographinnen in die Arbeitsbörse ist der Beliebten und getreuen Junker schutzlos ließe, zu Herzen gehen lassen schluß der provisorischen Verwaltungskommission, die Gesuche von Ge- und veröffentlicht folgenden werkschaften um Berücksichtiung aus der Subvention des Gemeinderats dem Präfekten zuzuweisen. Der Präfekt selbst hat mittelst einer Depesche die Verfügungen des alten Administrativausschusses bezüglich der Subvention sistiert. Die revolutionären Gewerkschaften vermuten wohl nicht mit Unrecht, daß der Präfekt jetzt die„ braven" Gewerkschaften, die an den Wahlen der neuen Kommission teilnehmen wollen, belohnen Man darf erwarten, daß der Gemeinderat eine solche absichtliche Entstellung seines Willens nicht dulden und dem streit lustigen Präfetten in die Parade fahren wird. Der täppische Einfall des Präfekten, die Gewerkschaften und die in den Gemeinderäten verkörperte sozialistische Partei zum Nutzen der Scharfmacher aufeinanderzuheben, wird diesem schwerlich den erhofften Triumph verschaffen. P will. Italien. der Städte Nurlands und Livlands vier Mordanschläge auf Amtsdarüber nicht sprechen. Ich sage, daß der Tod ein großes Glück im folgenden Sinne bringt und bringen kann. Das ist im Sinne der Moral, im Sinne der Erkenntnis seiner eigenen fittlichen Kräfte. Verstehe mich recht: nur des russischen Volkes, sondern auch der ganzen Menschheit. wofür sterbe ich denn? Für das große Werk der Befreiung nicht Ich sterbe dafür, daß ich nicht Sklave sein wollte, daß ich nicht beständig mich unter das Joch beugen und zuschauen wollte, mie mit mir noch Millionen Leute unter demselben Joche seufzen, Millionen, welche hätten frei sein können, welche das Recht haben auf die Freiheit und alles, was damit zusammenhängt wie ein jeder lebende Mensch darauf das Recht hat. Ich hatte so viel Kraft, daß ich den Tod nicht fürchtete, daß ich bereits zweimal das Gefängnis und die Verbannung ertrug und daß ich vor Gericht, vor den Henkern ruhig, stolz und mutig erschien, und ebenso ruhig und stolz werde ich aufs Schafott steigen. Bringt denn diese Erkenntnis wenig Glück! Obgleich ich immer einen festen Charakter hatte, konnte doch schöner Gesang, gute ergreifende Musik manchmal mir eine unwillkürliche Träne entlocken. Aber jetzt, Teure, da ich von Dir auf ewig scheiden muß, von so viel Liebe und Treue, ist mir keine Träne ins Auge getreten, überkam mich nicht das geringste fleinmütige Gefühl. Das ist die Wahrheit, meine Teure, die reine Wahrheit. Ich sage alles das nicht, um mich zu loben, sondern damit Du ſehen sollst, daß ich vollständig ruhig bin und sogar glücklich. Ich wünschte, daß Du auf meinen Tod ebenso wie ich schauen wolltest, Du wirst dann nicht so weinen und wehklagen. Ich weiß, wie schwer mein Tod für Dich sein wird ich weiß, daß er Dich töten wird. Aber, Teure, wenn Du wüßtest, wie ich wegen Deiner Tränen und Deiner Schmerzen leide! Wie furchtbar bitter es ist, sich ihrer zu er innern. Denn wirklich, was sollen Deine Tränen? Wirst Du mich denn dadurch retten? Wozu Dich vom Schmerze überwältigen lassen, wenn Du als alte Frau noch Großes, Glückliches und Freudiges erleben wirst, das heißt eine mehr oder weniger freie Heimat dasjenige, wofür Deine Kinder in Gefängnissen geschmachtet haben, in die Verbannung gingen und ihr Leben hingegeben haben. Meine Teure, ich flehe Dich an, weine nicht so und wehklage nicht. Verzeihe mir alle Deine schweren Qualen und Leiden, die Du meinetwillen erduldet hast. Du weißt ja, wie ich Dich liebe, Du weißt, daß, wenn ich Dir auch etwas Bitteres verursacht habe, es doch nur unwillkürlich oder unbewußt geschehen ist. Wie gern hätte ich gewünscht, Dich fest an meine Brust zu drücken. Nun lebe wohl! Dein Hayim. " Die Friedensverhandlungen Spielbericht über die Bewegung in den Ostseeprovinzen. Petersburg, 26. Auguft.( Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Gine umfangreiche Mitteilung des Polizeidepartements weist darauf hin, daß die wirtschaftliche Bewegung unter den Betten der Ostseeprovinzen infolge der Agitation der lettischen sozialdemokratischen Partei und des sozialrevolutionären Arbeiterverbandes in letzter Zeit revolutionären, häufig fogar anarchistischen Charakter angenommen habe, verbunden mit völliger Mißachtung der Religion, des Menschenlebens und des Privateigentums. An der Agitation gegen die Regierung habe sich bis in die jüngste Zeit auch die in Petersburg erscheinende Lettische Zeitung beteiligt. Besonders nachdrücklich, so läßt sich die Mitteilung des Polizeidepartements weiter aus, tritt die Bewegung seit Anfang 1905 hervor. In den letzten drei oder vier Monaten sind in den Straßen Protest gegen das Blutbad von Granmichele. Rom, den 24. August.( Eig. Ber.) Die Stadtverwaltung perfonen, vier Ueberfälle auf Privatleute, sechs Anschläge auf Polibon San Remo, die seit fast einem Jahrzehnt in Händen unserer sisten und drei auf Rosatenpatrouillen vorgekommen, wobei in zwei Parteigenossen ist, hat erklärt, dem Geschwader der italienischen Fällen Bomben geschleudert wurden. In Riga wurde der Versuch Kriegsmarine, das gestern im Golfe erschienen ist, jede Ehren gemacht, die Füllabteilung einer Patronenfabrik in Brand zu stecken. Ein ähnlicher Scheidebrief des in diesen Tagen in Wilna gleich bezeugung zu verweigern. Bom Korrespondenten des Aus den Städten drang die revolutionäre Bewegung in das flache falls zu Tode verurteilten Persson an seine Eltern wird uns Giornale d'Italie" interpelliert, erklärte der Bürgermeister Land Livlands und Kurlands, wo ebenfalls anarchistische Erschei- gleichzeitig mit dem oben veröffentlichten aus den Kreisen des Genoffe Mombello, daß der Stadtrat beschlossen habe, jede nungen zutage traten. Seit April entwickelte sich die Bewegung Bundes" zur Verfügung gestellt. Die Galgenregierung arbeitet Aber das ist ihre I ette Höflichkeitsbeziehung zur Zentralregierung abschnell. In den lutherischen Kirchen begannen die Kundgebungen, zubrechen, so lange man nicht die Gewißheit hätte, daß die welche sich im Mai und Juni fast jeden Sonntag wiederholten. Ende Arbeit! Und diese Siegesgewißheit gibt den Helden der Revolution Schuldigen des Blutbades von Granmichele in angemessener Juli nahm die Bewegung einen äußerst bedrohlichen Charakter an, in Rußland die freudige Seelenruhe, die in dem Brief einen so ers Weise bestraft würden. Der Stadtrat überwies in derselben Sizung die Agitatoren gaben den Bauern Waffen, welche sie offenbar in greifenden Ausdruck gefunden hat. den Familien der Opfer eine Unterstügung. großer Zahl besaßen. Im Kreise Mitau verwüsteten die Landarbeiter an einem Tage 9 Amtsbezirke und steckten die Gebäude dreier Amtsbezirksverwaltungen in Brand, nachdem sie verschiedene Dokumente, Atten und das Bild des Kaisers auf die Straße geworfen hatten. Nach den neuesten amtlichen Meldungen nehmen in lezter Zeit die Versuche, Eisenbahnlinien teilweise zu zerstören, zu. Wie die Behörden feststellen, bestehen die revolutionären Banden meistens aus Knechten, welche von den Agitatoren einzeln oder zu zweien aus verschiedenen Gütern angelockt werden. Die Banden tennen die eigentlichen Führer nicht, die das Volk terrorisieren und zu Verbrechen zwingen. Als der Siz der Leiter der Bewegung wird Riga angenommen, wo die Lage seit dem 28. Juli äußerst beunruhigend ist. Seit dem Ausbruch der russischen Revolution treiben gelvisse Welche Schandtaten, welche Morde, welche Plünderungen ruffische Reptilien in deutsch geschriebenen Blättern ihr Wesen. Sie die wirklichen Anarchisten des Baren in den Ostseeprovinzen erfinden die tollsten und schmutzigsten Phantasien über Wesen und angerichtet haben, verschweigt das Spigeltelegramm. Wirken der russischen Revolutionsbewegung. Neuerdings haben diese Hooligans der deutschen Presse mit besonderer Niedertracht die Portsmouth( New Hampshire), 26. August."( Meldung des„ Reuterrevolutionäre Bewegung in den Ostseeprovinzen verleumdet. Fast Libau, 26. August. Vor dem Kriegsgerichte standen gestern schen Bureaus".) Der stellvertretende Sekretär des Staatsdeparte scheint es, als ob die russischen Barone nicht nur sich deutsche 139 Matrosen der Kriegsflotte wegen Meuterei, deren sie sich im ments Peirce hat heute früh ein langes Chiffretelegramm Söldner der Faust, sondern auch der Feder gemietet hätten. Juni dieses Jahres schuldig gemacht hatten. Das Gericht aus Petersburg erhalten. Obwohl der Inhalt desselben nicht bekannt ist, beginnt hier doch wieder eine hoffnungsvollere Was soll man gar dazu sagen, daß ein Blatt, das direkte Be- verurteilte acht zum Tode, beschloß aber, die Umwandlung Stimmung aufzukommen. ziehungen zur deutschen Regierung unterhält, die Münchener Allg. der Todesstrafe in fünfzehnjährige Zwangsarbeit nachzusuchen. 3tg.", sogar den Verkauf Deutscher an russische Junker verteidigt Neunzehn der Angeklagten wurden zu 3- bis 4 jähriger Zwangsarbeit ein Vorgang, der noch viel schimpflicher ist, als der Soldatenhandel und 35 zu leichteren Strafen verurteilt. 77 Matrosen wurden freides 18. Jahrhunderts; denn diese verkauften Soldaten fämpften dort gesprochen. wenigstens gegen Soldaten. Diese Elenden, die sich an die russischen Junker verkauften, aber sollen auf die Massen schießen, die gar nicht oder schlecht bewaffnet sind. Es ist nicht das erstemal, daß die Stadtverwaltung von San Remo durch ihr mannhaftes Verhalten die Regierung in Verlegen heit setzt. Als der Bürgermeister Mombello im Jahre 1898 zu dem Feste des fünfzigjährigen Jubiläums der Verfassung eingeladen wurde, lehnte er ab, unter der Begründung, daß eine zum ausschließlichen Vorteil einer Klasse bestehende Verfassung den Wählern, die ihn an seinen Posten berufen hätten, keinerlei Grund zu Freuden festen gäbe. Damals wurde die Stadtverwaltung von San Remo aufgelöst. Heute wagt man das nicht mehr. Die russische Polizeianarchie. Lettischen und russischen Revolutionäre verteidige. * Blutgericht. Die Bewegung in Polen. Petersburg, 26. August.( B. H.) In Lodz ist der Generalbefinden sich noch am alten Flecke. Die heute vorliegenden Telegramme lauten: " London, 26. Auguft.( Bureau Laffan".) Witte erklärte in einer Unterredung mit dem zur Friedenskonferenz entsandten Korrespondenten des Daily Telegraph", er habe den Japanern die weitgehendsten Bugeständnisse gemacht, die sich mit der nationalen Ehre Rußlands vereinbaren ließen. Von zwölf Forderungen der Japaner habe er zehn angenommen, aber über die verbleibenden z tvei habe er auf feinen Kompromiß eingehen können, da sie die nationale Würde Rußlands berührten. Er habe die japanischen Vorschläge bezüglich der Zahlung einer Entschädigung und der Abtretung Sachalins ohne Zögern zurückgewiesen. Portsmouth( New Hampshire), 26. August.( Meldung des„ Reuter schen Bureaus".) Die russischen und japanischen Friedensdelegierten beschlossen, nicht vor heute nachmittag 3 Uhr zu einer neuen Sizung zusammenzutreten, da die Verhandlungsberichte über die letzte Sigung noch nicht fertiggestellt waren. Vom Kriegsschauplak. Tokio, 26. August. Der japanische Torpedojäger Honohi ist Aber, so sagt man, das ist der deutsche Adel, der ausstand proflamiert. In dem Orte Dethow bei Warschau gestern in Kuro vom Stapel gelaſſen. Es ist dies der fünfte fich„ national" Egegen die von der russischen Regierung begünstigten wurde eine sozialistische Versammlung auseinandergesprengt. Torpedojäger, den die Japaner seit Beginn des Krieges vom Stapel diese Junker„ deutsch", aber sie schänden den deutschen Namen, sie fangen. In Lodz find während der Nacht 450 Verhaftungen Freilich sind Die Kosaken nahmen bei dieser Gelegenheit 380 Personen ge- gelassen haben. erregen mit Recht den besonderen Haß der Freiheitskämpfer. Denn Petersburg, 26. August. General Linewitsch meldet, daß die fie gehören zu den in ganz Rußland verfluchten Deutschen, die sich vorgenommen worden. Unter den Festgenommenen befinden Japaner in mehreren Scharmügeln zurückgeschlagen find. sich 45 Juden. seit jeher als die brutalsten Schützer des Barismus, als die blutigen Mörder der Freiheitsbewegung bewährt haben. " Der lebte Brief eines Helden. Letzte Nachrichten und Depeschen. Bom ostasiatischen Kriegsschauplab. Tokio, 26. August.( Meldung des Reuterschen Bureaus".)) Vizeadmiral Kataoka meldet, daß das nach Ochotsk entsandte Ges schwader am 14. August in Ayan ein Geschüß veralteter Konstruktion nebst Munition und am 17. Auguft in Ochotsk 58 Gewehre und Munition erbeutet habe. Am 13. August habe dasselbe Geschwader in der Nähe von Sachalin ein englisches Schiff aufgebracht. Das nach Kamtschatta entsandte Geschwader habe am 16. Auguſt das russische Transportschifft Montara" im Hafen von Nicholsk auf den Komandorski- Inseln genommen. ( Dieser deutsche Adel in den Ostseeprovinzen ist viel reaktionärer Man stellt uns den folgenden Brief des zum Tode verurteilten als der russische. Mit großem Stolz verherrlicht gerade heute das russischen Genossen Hahim Gerschkowitsch an seine Mutter zur in Berlin erscheinende Deutsche Adelsblatt" diese Verfügung: zaristische Gesinnung der deutschen" Junker in Rußland. Ea " Teuerstes Mütterchen! Ich schrieb Dir bereits einen gibt die folgende Kundgebung der baltischen Ritterschaft wieder Brief vor dem Urteil, doch weiß ich nicht, ob Du ihn erhalten haft. Allergnädigster Herrscher! Erfüllt von grenzenloser Liebe zu Der Brief ist wahrscheinlich durch das Polizeidepartement gegangen feinem Kaiser, hält es die zum Landtage versammelte treu- und das ist eine lange Geschichte. Wenn Du den Brief erhalten hast, untertänige Ritterschaft der Insel Desel für ihre erste Pflicht, im so weißt Du gewiß schon alles über mich, über das Gericht und über Augenblick der Gefahr und schlimmen Unruhen, von denen mein Urteil. Das Urteil ist so ausgefallen, wie ich es erwartete. der Staat betroffen worden ist, am Throne den Aus- und hätte man denn von ihnen" etwas anderes erwarten können! drud ihrer unveränderlichen Treue niederzulegen. Judem Du weißt, wer fie" find, Du kennst sie schon recht gut. Nicht wenig fie zur Beratung der Maßregeln schreitet, welche für die hast Du schon durch sie gelitten und erduldet, doch wollen wir es Heranziehung aller Steuerzahler zur Selbstverwaltung ohne Unter- jetzt lassen, von unseren Feinden zu reden. Sie sind dem ganzen schied des Standes und der Nationalität erforderlich sind, beabsichtigt russischen Wolfe bekannt und man hat genug von ihnen geredet. die Ritterschaft nicht, auf Fragen der Staatsverfassung einzugehen. Ich schreibe Dir vielleicht den letzten Brief, und deshalb will ich sondern hält in Treue fest an der von den Vorfahren überkommenen die Gelegenheit ausnüßen, das heißt von Wichtigem sprechen, davon, hat sich auf Montag nachmittag vertagt. " 22 Haag, 26. August.( W. T. B.) Der Gouverneur von Nieder ländisch- Indien, Lely, hat sein Amt niedergelegt. Portsmouth, 26. August.( W. T. B.), Die Friedenskonferenz Beranti. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 4 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 200. 22. 1. KtilU itt# JotBütls" ßttlintt NcksM Sonntag, 27. AngustlM. Gegen die theoretischen Stützen der Sozialdemokratie. i. In den letzten Wochen veröffentlichte das Hauptorgan des Nationalliberalismus, die„Köln. Ztg.". unter dem Titel„Die heutige Sozialdemokratie" eine Serie von dreizehn längeren Artikeln, in denen der Verfasser nach einem kurzen Ueberblick über den Entwickelungsgang der deutschen Sozialdemokratie verschiedene der wichtigsten marxistischen, meist in das Erfurter Programm übergegangene Theorien vornimmt, um sie als unrichtig nachzu- weisen und dann an sein Resultat eine Reihe Betrachtungen über die sogen, revisionistische Strömung in der heutigen Sozialdemokratie und ihre voraussichtlichen Erfolge zu knüpfen. Ausführlich werden folgende Themata behandelt: die materialistische Geschichtsauffassung, die Wert- und Mehrwertlehre, die Akkumulations- und Konzentra- tionstheorie, die sogen. Verelendungstheorie, die Krisentheorie, der Zukunftsstaat, die Revolution, die Evolution und Sozialreform, die Sozialdemokratie als Klassenpartei, das Bild der heutigen Sozial- demokratie, Ausblick. Der Zweck, den der Verfasser mit diesen Artikeln verfolgt, ist der, dem Liberalismus Waffen für seinen Kampf gegen die sozialistischen Forderungen zu liefern. Die alten Waffen, meint er. wären durch den häufigen Gebrauch allzu stumpf geworden; sie versagten im Gefecht gegenüber dem„wissenschaftlichen Rüstzeug" der Sozialdemokratie, so daß oft der Pfeil auf den Angreifer zurückspringe. Deshalb müßten neue Waffen geschmiedet werden. Die Gelegenheit zur Offensive sei günstig, denn schon schwankt, wie er behauptet,„das auf gar zu leichten Stützen errichtete riesige Gebäude des theoretischen, wissenschaftlichen Sozialismus beträchtlich; Zerstörer aus den eigenen Reihen der Sozialdemokratie— die in den politischen Forderungen noch ganz mit ihrer Partei über- einstimmen— sind unablässig am Werk, die Stützen anzubohren; je ernsthafter und wissenschaftlicher sich die bürgerlichen Parteien und ökonomischen Theoretiker an diesem kritischen Zerstörungswerk be- teiligen, um so wirksamer wird diese Art der Be- kämpfung sei n". Seiner Argumcntationsweise nach gehört der Kritiker der „Köln. Ztg.", der seinen Namen verschweigt, der jüngeren fozial- politischen Schule an. Vielleicht ist er ein Schüler Georg Adlers oder Werner Sombarts— ein jüngerer Professor oder Privat- dozent. Zum Teil holt er seine Gegengründe gegen die marxistischen Theorien aus Bernsteins„Voraussetzungen des Sozialismus", schließt sich jedoch keineswegs überall völlig dessen Ausführungen an, sondern weiß diesen teilweise eine präzisere Fassung und neue Nuancen abzugewinnen. Auf allen kritischen Streiffahrten dem Verfasser zu folgen, ver- bietet der Raum des„Vorwärts". Eine Beschränkung muß statt- finden. Am bequemsten wäre es, die verschiedenen Fragen unter bestimmten Gesichtspunkten zusammenzufassen und sie gewisser- maßen im Ramfch zu erörtern, doch kann ich mich zu dieser beliebten Praxis nicht verstehen. Erstens nicht, um nicht dem Kritiker der „Köln. Ztg." Berechtigung zu dem Einwand zu geben, seine Ansichten wären unter anderen Gesichtspunkten, als den seinigen, und in ver- stümmelter Fassung wiedergegeben worden, und zweitens nicht, weil durch solche Zusammenfassung immer die charakteristischen Eigen- heiten der fremden Argumentation und die begrifflichen Unter- schiede verloren gehen. Gerade diese aber sind meines Erachtens, mag auch mancher darin nur„Haarspaltereien" sehen, die Haupt- fache. Soll eine Kritik wissenschaftlichen Ertrag abwerfen, müssen durch spezielles Eingehen auf die Voraussetzungen und die Deduk- tion des Gegners die Difserenzpunkte scharf einander gegenüber- gestellt werden. Nicht die Auflösung der verschiedenartigen Begriffe in sogen, allgemeine höhere Einheiten, sondern die Herausarbcitung der Bcgriffsunterschiede ist nötig. So manche Vorgänge der letzten Zeit lehren, was bei dem bloßen Denken in Gefühlen und Vor- stellungen herauskommt. Ich habe deshalb nur einige wenige der vom Verfasser behandelten Fragen, meines Erachtens die wichtigsten: nämlich die materialistische Geschichtsauffassung, die Konzentra- tionstheorie und den Charakter der deutschen Sozialdemokratie als Klassenkampfpartei herausgegriffen, dafür aber diese Fragen etwas ausführlicher behandelt, als sonst möglich gewesen wäre. I. Die materialistische Geschichtstheorie. Die von Marx begründete Geschichtstheorie, die sogenannte materialistische Geschichtsauffassung, ist nicht nur die Grundlage seiner soziologischen Entwicklungslehre, sondern zugleich auch seiner politischen Oekonomie, denn die Auffassung der kapitalistisch-ökono- mischen Kategorien als geschichtlich bedingte und der kapitalistischen Gesetze als nicht allgemeine Wirtschaftsgesetze, sondern als spezielle Tendenzen eines bestimmten geschichtlichen Abschnittes der Wirt- fchaftsentwicklung, wäre ohne diese Geschichtsauffassung unmöglich: eine Tatsache, die Marx selbst dadurch anerkannt hat, daß in der Vorrede zu seiner ersten größeren ökonomischen Schrift, der 1863 er- schiencnen„Kritik der politischen Oekonomie" seine GeschichtStheoric als Ausgangspunkt seiner volkswirtschaftlichen Auffassungen an die Spitze stellte. Es hat demnach auch der Kritiker der„Köln. Ztg." ganz recht, wenn er, nachdem er in einem„Demokratie und Sozialismus" über schriebcnen Artikel den Kampf der Sozialdemokratie als teils poli tischen, teils wirtschaftlichen charakterisiert und kurz den Unterschied zwischen dem früheren utopischen und dem heutigen wissenschaftlichen (marxistischen) Sozialismus geschildert hat, in seiner Kritik der sozialistischen Theorien zunächst mit der materialistischen Geschichts- auffassung beginnt und diese mit einem Auszug aus der erwähnten Vorrede zur„Kritik der politischen Oekonomie" einleitet. Die oft zitierte Stelle lautet: „In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktiv- kräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser ProduktionSver- Hältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Ucberbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen ent- sprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebens- Prozeß überhaupt. Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt. Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vor- handenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsvprhält- nissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. AuiT Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revo- lution ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Ueberbau langsamer oder rascher um. In der Betrachtung solcher Umwälzungen muß man stets unterscheiden zwischen der materiellen, naturwissenschaftlich treu zu konstatierenden Umwälzung in den ökonomischen Produktions- bedingungen und den juristischen, politischen, re- ligiösen, künstlerischen oder philosophischen, kurz ideologischen Formen, worin sich die Mcn- schen dieses Konflikts bewußt werden und ihn auSfechten." Die Behauptung, daß Engels die„Distribution" im Widerspruch zu Marx hinzusetze, ist ckiarakteristisch für die Auf- fassung des ungenannten Verfassers. Während jüngst Franz Oppen- heimer in seiner.Schrift„Das Grundgesetz der Mrxschen Mfeg- schaftslehre" meint, daß Engels noch schärfer als Marx ausdrücke, die Distribution hätte keine selbständige Bedeutung für die Ge- schichtsentwickelung, ist der Artikelschreiber der„Köln. Ztg." um- das heißt die Verteilung und Austauschung der Erzeugnisse, als nicht zugehörig zur Gesamtheit der Produktionsverhältnisse. Der Verfasser hat die Marxsche Ausdruckswcise nicht begriffen. Der Ausdruck„gesellschaftliche Produktion ihres Lebens" ist ihm, wie sich auch weiter zeigt, unklar geblieben. Er sieht anscheinend in dem Ausdruck nichts als eine Schwerfällig- keit, eine Talmudisterei der Marxschen Ausdrucksweise und setzt dafür — vielleicht durch Tugan-Baranowskh veranlaßt— einfach„Produktion von Sachgütern". Tatsächlich deckt der Marxsche Ausdruck sich aber keineswegs mit dieser Auffassung. Warum sagt Marx gesellschaftliche Produktion, warum nicht einfach Produktion? Weil er ausdrücken will, daß es sich um eine gesellschaftlich bedingte und gesellschaft- liche Zwecke verfolgende Tätigkeit handelt. Und warum heißt es weiter„Produktion ihres Lebens": ein Ausdruck, der später durch das Wort„materiell" näher präzisiert wird; warum nicht, wie sonst in der Marxschen Schrift„Produktion ihrer Konsummittcl"(Ge- brauchsartikcln) oder ihres Lebensunterhalts? Weil der Begriff Produktion ihres imateriellen) Lebens" für Marx ein viel weiterer ist. Er schließt nicht nur, wie der Kritiker unterstellt, die Erzeugung von Unterhaltsmitteln ein, sondern besagt zugleich: Erhaltung und Fortsetzung des materiellen Lebens, d. h. Produktion und Reproduk- tion aller ökonomischen Bedingungen, die zur Erhaltung und Weiter- entWickelung des geschichtlich gegebenen Wirtschaftslebens nötig sind. Zu dieser Produktion des„gesellschaftlichen Lebens" gehört aber nicht nur die Herstellung von bloßen Genußmitteln(Mitteln der individuellen Konsumtion), sondern zugleich auch, je nach dem Stande der Wirtschastsentwickelung, die Erstellung der nötigen Hülfsmittel der Produktion und der speziellen Wirt- schaftlichen Voraussetzungen für eine stetige Wiedererneuerung der Produktion, für die Re- Produktion. Demnach gehört zur Produktion im Marxschen Sinne auch die Einführung des Erzeugten in den Verbrauch, sowohl in die individuelle wie die produktionelle Konsumtion, d. h. die Zuleitung solcher Mittel zum Produktionsprozeß, daß dieser sich auf der ge- gebcnen Grundlage stetig zu wiederholen vermag, also auch der Distributionsprozeß, die Verteilung und Austauschweise. Eben des- halb bezeichnet Marx denn auch hinterher die Gesamtheit der Pro- duktionsverhältnisse als„ökonomische Struktur" der Gesellschaft— ein Satz, der, wenn unter den Produktionsverhältnissen nur das Verfahren der Güterherstcllung verstanden werden soll, einen Wider- spruch in sich selbst enthält, denn zur ökonomischen Struktur gehören z. B. sicherlich auch Handel, Frachtschiffahrt, Eisenbahntransport- Wesen usw. Merdings steht an der betreffenden Stelle, in der Vorrede „zur Kritik der politischen Oekonomie", nicht, wie die betreffenden Ausdrücke aufzufassen sind; aber ihr Sinn ergibt sich sowohl deutlich aus den folgenden Sätzen der Marxschen Erläuterung, als aus der immer wiederkehrenden Erklärung im„Kapital". So heißt es z. B. im 3. Band(Seite 416): „Andererseits, wenn die kapitalistische Produktionsweise diese bestimmte gesellschaftliche Gestalt der Produktionsbedingungen vor- aussetzt, reproduziert sie dieselbe beständig. Sie produziert nicht nur die materiellen Produkte, sondern reproduziert beständig die Produktionsverhält- nisse, worin jene produziert werden, und damit auch die entsprechenden Verteilungsverhältnisse." Und ferner(Seite 420): „Die sogenannten Vcrtcilungsverhältnisse entsprechen also, und entspringen aus historisch bestimmten, spezifisch gesellschaftlichen Formen des Produktionsprozesses und der Verhältnisse, welche MeU schen im Reproduktionsprozeß ihres mensch- lichen Lebens untereinander eingehen. Der historische Charakter dieser Verteilnngsverhältnisse ist der historische Charakter der Produktionsverhältnisse, wovon sie nur eine Seite ausdrücken." ES ist seltsam, nicht nur an diesen Stellen seines„Kapitals", auch an so und so vielen anderen sagt Marx ganz deutlich was er unter„Produktionsweise des gesellschaftlichen Lebens" und„ökono- mischer Struktur" versteht; trotzdem haben eine ganze Reihe von Soziologen und Geschichtsphilosophen, indem sie sich nur an den Wortlaut der betreffenden Auslassung in der„Kritik der politischen Oekonomie" hielten, die gelehrtesten Untersuchungen darüber an- gestellt, was Marx wohl gemeint haben könnte. Für den Kritiker der„Köln. Ztg." hat dieses Mchtverstehen recht böse Folgen: es veranlaßt ihn nämlich nicht nur, unter dem Marxschen Ausdruck„gesellschaftliche Produktion ihres Lebens" die bloße Anfertigung von Konsumgegenständen zu ver- stehen, sondern auch die ProduktionSkräfte mit der Produktions- tätigkeit zu verwechseln und den Klassenkampf als ein von der Wirt schaftsentwickelung unabhängiges Moment aufzufassen. Zur Erläuterung wird vom Kritiker der„Köln. Ztg." die nach stehende Stelle aus der Engclsschen Streitschrift„Herrn Eugen DühringS Umwälzung der Wissenschaft" hinzugefügt: „Die materialistische Anschauung der Geschichte geht von dem Satz aus, daß die Produktion, und nächst der Produktion der Aus tausch ihrer Produkte(das setzt Engels im Gegensatz z u M a r x h i n z u) die Grundlage aller Gesellschaftsordnung ist; daß in jeder geschichtlich auftretenden Gesellschaft hie Verteilung der Produkte, und mit ihr die soziale Gliederung in Klassen oder Stände, sich danach richtet, was und wie produziert und wie das Produzierte ausgetauscht wird. Hiernach sind die letzten Ursachen aller gesellschaftlichen Veränderungen und politischen Umwälzungen zu suchen nicht in den Köpfen der Men- schen, in ihrer zunehmenden Einsicht in die ewige Wahrheit und Gerechtigkeit sondern in Veränderungen der Produktions- und Austauschweise: sicsindzusuchennichtinderPhilo- sophie, sondern in der Oekonomie der be- treffe nden Epoche. Die erwachende Einsicht, daß die be- stehenden gesellschaftlichen Einrichtungen unvernünftig und un- gerecht sind, ist nur ein Anzeichen davon, daß in den Produktions- Methoden und Austauschformen in aller Stille Veränderungen vor- gegangen sind, zu denen die gesellschaftliche Organisation nicht mehr stimmt." „Aus zwei scharf getrennten Teilen," meint sich die Theorie der materialistischen Geschichts- von Karl Marx zusammen, aus der Lehre für die Geschichte bestimmenden Produktiv- und aus der Lehre vom Klassenkampf, d. h. von der Umwandlung dieser objektiven Vorgänge in Interessengegensätze im Bewußtsein der Menschen. Die Pro- duktivkräfte sind nach Marx der bestimmende Faktor für den Gang aller Geschichte. Da Marx selbst an keiner Stelle eine genaue Definition dessen gegeben hat, ist der lebhafteste Streit darüber entbrannt, was unter diesem Begriff zu verstehen sei. Um die offenbar auf die Spitze getriebene Fassung der marxistischen Ge- schichtstheorie auf das berechtigte Maß zurückzuführen, schlugen die Kritiker zwei Wege ein, sie suchten entweder aus Marx selbst gemäßigtere Fassungen seiner Lehre(wie Bernstein) oder ver- suchten sich selbst im Anschluß an Marx durch Erweiterungen seiner Theorie in neuen Fassungen(so Engels, Stammler, Kautsky, Tugan-Baranowskh). Soviel ist gewiß, wenn man unter dem von Marx in den Mittelpunkt seiner Lehre gestellten Begriff der materiellen Produktivkräfte das versteht, was der ge- wöhnliche Sprachgebrauch darunter verstanden wissen will, nämlich die der Erzeugung von Lebensmitteln, von Gegenständen der Nahrung, Kleidung, Wohnung und den dazu erforderlichen Werk- zeugen gewidmeten Kräfte, so ist die marxistische Lehre viel zu eng gefaßt. Freilich steht anderseits außer er,„setzt auffassung von den kräften Zlveifcl, daß Marx ursprünglich seine Lehre so aufgefaßt wissen wollt e." Eine heillose Konfusion! Erstens bestimmen nach Marx nicht die Produktivkräfte den Gang der Geschichte, sondern die Ent» Wickelung der Produktivkräfte bestimmt diesen Gang, und zwar nur insofern und insoweit, als sie in den Produktionsverhältnissen, der Produktionsweise", zum Ausdruck gelangen. Zweitens sind bei Marx die Produktivkräfte etwas anderes als die Erzeugung von Lebensmitteln; sie sind vielmehr die im Produktionsprozeß wirk- samcn und sich mit diesem entwickelnden Energien; und so wenig die Arbeitskrast mit ihrer Anwendung im Produktionsprozeß, mit der Arbeit, so wenig die Tätigkeit des Schlagcns mit der Ohrfeige identisch ist, so wenig sind auch die Produktionskräfte mit ihrer Wirkung, mit der Erzeugung, identisch— und noch weniger mit einem bestimmten, beschränkten Herstellungskomplex, mit der bloßen Erzeugung von Lebensmitteln. Es kommt nicht darauf an, was der gewöhnliche Sprachgebrauch, richtiger der Kritiker der„Köln. Ztg.", unter„Produktivkräfte" versteht— jede Wissenschaft hat ihre, oft vom gewöhnlichen Sprachgebrauch erheblich abweichende Terminologie—, sondern was Marx darunter versteht; und in dessen Ausführungen stellen sich, sobald man an die Stelle des Ausdrucks Produktivkraft das Wort„Erzeugung" setzt, ganz komische Widersprüche ein. Welcher Unsinn ergibt sich z. B., wenn man in dem nachfolgenden Satz:„Eine Gesellschaftsformation geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist." Das Wort Produktivkräfte durch Erzeugung ersetzt, und zugleich berücksichtigt, daß nach Marx die Gesellschaftsformation durch die Wirtschaftsformation bestimmt wird. Dann heißt der Satz nichts anderes, als:„Eine Gesellschaftsformation geht nie unter, bevor die Erzeugung entwickelt ist, die diese Formation bestimmtl" Ein Unsinn! Drittens ist es zwar richtig, daß, wenn man unter dem Marx- scheu Ausdruck„Produktionsweise des materiellen Lebens" nichts als die einfache Herstellung von Gebrauchsgütern versteht, die Marx- sche Geschichtstheorie als v i e l zu eng gefaßt erscheint; aber, wie schon vorhin dargelegt worden ist, haben die betreffenden Aus- drücke bei Marx eine andere Bedeutung, und wenn der Kritiker der„Köln. Ztg." das nicht begriffen hat, liegt eben die Schuld an der Unzulänglichkeit seines eigenen Begriffsvermögens, nicht an Marx. Viertens hat der Kritiker absolut nicht die von Marx behauptete Abhängigkeit der Ideologien von der ökonomischen Struktur ersaßt, wenn er den Klassenkampf als„scharf getrennten Teil" neben die Produktionskräfte(soll heißen Produktionsverhältnisse) stellt. Der Klassenkampf ist vielmehr eine Folge dieser Verhältnisse, ein Agens der Produktionsweise, durch das diese auf den juristischen und politischen Ueberbau wirkt. In der vom Kritiker vorhin selbst zitierten Engelsschen Aeutzerung heißt es z. B. ganz deutlich, daß die soziale Gliederung in Klassen oder Stände sich danach richtet, was und wie produziert und ausgetauscht wird. Die Marxsche Auffassung ist, daß die Produktionsweise bestimmte soziale Gliederungen, bestimmte Gruppcnbildungen mit gewissen gleichen kollektiven Interessen hervorruft, und daß diese Gruppen dann gegen einander ihre verschiedenen Interessen verfechten: dieser Interessen- kämpf, das ist der Klassenkampf. Ist dieses aber richtig, dann kann nicht der Klassenkampf etwas von den Produktionsverhältnissen scharf Getrenntes sein. Die Anfänge der proletarischtn Frnueubetvegung in DeuWnnd.*) Von Klara Zetkin. (Schluß.) Im allgemeinen standen die beiden letzten Generalversamm« lungen der Gewcrksgenossenschaft im Zeichen des heißen Bemühens, wieder aufzubauen, was durch die skizzierte politische Situation zertrümmert worden Ivar, die gelichteten und gelockerten Reihen wieder fest zusammenzuschließen und aktionsfähig zu machen. Sie erstrebten ferner ein vereintes Marschieren, aus alle Fälle aber ein vereintes Wagen und Schlagen mit dem Allgemeinen deutschen Weber- und Manufakturarbeiter-Verbcmd, sowie die Verbindung aller gewerk- schaftlichen Organisationen, welche auf dem Boden des Klassen- kampfcs standen. Der Anschluß an die„Gcwerkschaftsumon" wurde in Chemnitz beschlossen. Der Verfall der Internationalen GeWerks- genossenschaft, die so rasch einen vielverheitzenden Aufschwung ge- nommcn hatte, ließ sich jedoch nicht aufhalten. Aus ihren Ruinen aber, wie aus den Trümmern des Allgemeinen deutschen Weber- und Manufakturarbeiter-Verbandes blühte bald neues, klassen- bewußtes, proletarisches Leben in neuen Formen. In beiden Organisationen haben wir Vorläufer des Textilarbeiter-Vcrbandes, Bahnbrecher und Wegbereiter der Sozialdemokratie zu begrüßen. Die Geschichte der Internationalen Gewerksgenossenfchaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter ist ein Kapitel aus der Geschichte der proletarischen Frauenbewegung. Persönliche Mit- teilungen der Genossen Motteler und Vahlteich ergänzen, waS offizielle Dokumente davon melden. Wie schon diese Dokumente genügend klar erkennen ließen, blieben die Satzungen der Jnter- nationalen Gcwerksgenossen.schast über die volle Gleichberechtigung der weiblichen Mitglieder keine platonischen Prinzipienerklärungen. Frauen gehörten— wenigstens in Sachsen— lokalen Verwaltungen. Ausschüssen, Komitees der Organisation cm und er- füllten mit Eifer und Geschick die Aufgabe ihres Vertrau ensmntes. Der Vorstand in Crinunitschau sandte gern erfahrene Frauen als Beauftragte in Orte, in denen ncugegründete Filialen eingerichtet werden sollten, auch in Revisionsfällen zog er gern Frauen zur Mit- arbeit heran. Ein kleiner Elitestamm der weiblichen Mitglieder nahm regen Anteil an den Sitzungen und Versammlungen der Ge- werksgcnossenschaft und verfolgte mit lebhaftem Eifer ihre Entwicke- lung. Außer der bereits wiederholt genannten Genossin Pcuschcl waren besonders die Gcnossininen Weber und Colditz in Crimmitschau, Genossin Misselwitz in Chemnitz bestrebt, Kopf und Herz der Prole- taricrinnen für die sozialistischen Ideen zu erobern. Frau Peuschel und Frau Weber zeichneten sich als geschickte Debatterednerinnen aus und verstanden es dadurch, ivie durch gut gewählte Fragen, die Verhandlungen zu beleben, praktische Anregungen zu geben und das Interesse der Frauen für die Organisation und ihre Ziele zu wecken. Genossin Weber erschien— ein schönes Beispiel— meist in Begleitung ihrer Söhne in den Versammlungen und wurde wie eine Mutter begrüßt. Außerordentlich ivcrtvoll war die Agitation von Person zu Person, durch tvclche die vier Genossinnen und andere noch die Proletarier des Erzgebirges der klassenbewußten Arbeiter- bewegung zufichrten. Jedes Zusammentreffen, jedes Ereignis des öffentlichen oder persönlichen �Lebens war ihnen, willkommener An- laß, als Sendbotinnen des Sozialismus zu sprechen. Einen besonders erfolgreichen Wirkungskreis fand die propa- gandistische Kleinarbeit der Genossinnen an den Tagen, wo aus dem Umkreis von. Crimmitschau und Glauchau für die Produktivgenossen- schaft, Faktore, Kleinfabrikanten usw. geliefert wurde; meist waren es Frauen, welche die Lieferung besorgten. Die führenden Ge- nossinnen trafen dann da und dort mit ihnen, zusammen, wo ein „Happen" gegessen, ein„Schälchen Heeßer" getrunken wurde. In gemütlicher Aussprache öffneten sich die Herzen, auf die Lippen drängten sich Klagen über die Leiden, welche der Ausgebeuteten Erb- teil sind. Die Genossinnen entzündeten an den schwachen Fünkchen der Hofsnung auf bessere Zeiten die hell lodernde Flamme der Be- geisterung für die sozialistische Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, das strahlende Licht des Glaubens an die Befreiung der Arbeit durch die Erkenntnis und den Willen der Arbeitenden selbst. Wenn bis *1 Siehe Nr, 195 u. 198 des.Vorwärts. rautn mit ihren Bürden sich wieder in alle Windrichtungen des reifes zerstreuten, so nahmen sie eine reiche Jdeepsaat mit heim, die selten auf dürrem oder felsigem Boden verkümmerte; sie trugen das erste täglich erscheinende sächsische Parteiblatt, den„Crimmit. schauer Bürger- und Bauernfreund", Organ fürs gesamte Osterland, in die armseligen Wohnungen der Dörfer; als Werbetruppen der Internationalen Gewerksgenossenschaft wanderten sie hin und her. Die LieferungStage waren besonders Arbeitstage und Festtage der Seele für Genossin Colditz, ein„Typ vom kerngesunden zielklaren Charakter jener ausgesprochen proletarischen Bewegung". Sie ist rednerisch Wohl kaum je in gröherem Kreise hervorgetreten; bei den ungezwungenen Zusammenkünften der Lieferungstage wie bei Be. sprechungen der führenden Persönlichkeiten bewährten sich ihre agitatorische Veranlagung, ihr kluger Sinn, ihre Energie glänzend. Dabei war sie„ausdauernd, opfermutig und der Schrecken aller Halben und Undurchsichtigen, die ihr Haus— das zeitweilige Hauptquartier— betraten", wie sie es noch heute ist, wo sie fast SSjährig treu zur Fahne der Sozialdemokratie steht. Fräulein Misselwitz, ein älteres Mädchen, wirkte besonders in Chemnitz. Sie war von den Lassalleanern zu der Internationalen Gewerksgenossenschaft gekommen, vergast am Quartalsschlutz nie, ihre Mitgliedskarte zu erneuern und führte diese stets mit Stolz bei sich. Motteler schreibt von ihr:„Sie verkörperte den thhpischen, aber freiwilligen britischen wsllclng-äclcgate..., belesen, redegewandt, von kluger Disputier- lust und einem meisterhaften Erzähler- und Lehrtalent war sie in Chemnitz freiwillige Propagandistin für die GewerkS- und Partei- fache zugleich... Eine offizielle Amtierung zu übernehmen, war ihr nicht möglich. Ihr Fustleiden(sie hinkte stark) hinderte sie, anders als in kleinerem Kreise und in den Familien, wo sie schneiderte oder Gast war, zugleich unsere Grundsätze und Ziele ein- zubürgern und sie ganz speziell weiterpflegen zu lehren.' Vahl- teich, der während seiner Chemnitzer Kampagne von 1872— 78 Genossin Misselwitz kennen lernte, zeichnet ihre Persönlichkeit und ihre Hingabe an den Sozialismus lebendig mit diesen Strichen:„Ich bin immer, wenn ich die Misselwitz sah, an die arme verwachsene Näherin in einem der großen Sueschen Romane erinnert worden, die ein so heistes Herz hatte, die so heiß und hoffnungslos liebte und so bescheiden und opferwillig für andere lebte. Ihr Eifer im Parteidienst war mustergültig für jeden Mann. Es war das Pflicht. gefühl, und nur dieses, was sie zu jedem Opfer bereit machte. Sie hat, soweit ich mich erinnere, nie öffentlich gesprochen, konnte aber ihren Gedanken recht wohl klaren Ausdruck geben und hat dre Bedeutung unserer Sadje vollkommen klar begriffen... Ich er- innere mich nicht, daß sie etwas besonderes Hervorragendes getan hätte, wodurch die allgemeine Aufmerksamkeit auf sie gelenkt worden wäre; aber sie war bei allem dabei, und man konnte darauf rechnen, daß sie eine übernommene Pflicht voll und ganz erfüllte. Mit der Organisation der Arbeiterinnen stand es damals noch sehr schlecht. Dieselben waren so rückständig, daß jeder Versuch, sie in Reih und Glied zu stellen, leicht ins Lächerliche umschlug. Die Ver- dienste der Misselwitz und der wenigen Frauen und Mädchen, die damals, gleich ihr, am sozialen Kampfe teilnahmen, können deshalb nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ich konstatiere übrigens mit Vergnügen, daß nach meinen vielen und langjährigen Erfahrungen innerhalb und außerhalb der Parteikreise Frauen und Mädchen, sofern sie sich am öffentlichen Leben beteiligen, eifriger, ausdauernder und pflichtgetreuer arbeiten als die Männer." Als die alte freudige Bekennerin des Sozialismus fand Vahlteich Genossin Misselwitz in den 90er Jahren in Milwaukce wieder; sie ist gestorben,„ohne einen Lichtblick in ihrem Leben gehabt zu haben". Auch Genossin Weber hat jenseits des großen Wassers Glück und Stern gesucht, und Ge- nosse Motteler findet ab und zu in der deutschsprachigen amerikani- schen Parteipresse Beiträge, die ihre treue Mitarbeit an der Be- wegung bezeugen. Die offenbar sehr begabte und gut geschulte Genossin Peuschel scheint aus dem Kampfe verschollen zu sein. Das Verdienst unseres„roten Postmeisters" ist es, daß dieses Kapitel aus den Anfängen der proletarischen Frauenbewegung Blatt um Blatt zusammengefügt werden konnte. Mit eindringendem ge- schichtlichen Verständnis und liebevollem Sammelflciß hat er die nun zum ersten Male verarbeiteten Dokumente— verschollene und unbeachtete Dokument«— mühsam zusammengetragen und durch wertvolle persönliche Informationen vervollständigt. Den ihm ge- bührenden Dank zolle ich ihm in seinem eigensten Sinne, indem ich die Aufforderung weitergebe, die er in seinen Erläuterungen zum Quellenmaterial einschloß: Sammelt die Bausteine zu einer pro- letarischen Frauenbewegung, solange die Dokumente nicht zerfallen und verweht sind, die von ihren ersten Ansätzen erzählen, solange die Persönlichkeiten noch leben, die ihre ersten Pioniere gewesen sind. Die bedeutsamsten Züge der skizzierten Anfänge einer prole- tarischen Frauenbewegung scheinen mir diese: Die zielklare Erkennt. nis von der Notwendigkeit der gemeinsamen Organisation und des gemeinsamen Kampfes der Proletarier ohne Unterschied des Ge- schlechtS; die Würdigung der Frau als einer voll gleichberechtigten, aber auch gleichverpflichteten Mitstreiterin im Klassenkampf; der ausgesprochen proletarische, international gerichtete Charakter der Bewegung, die rein von zeder bürgerlich fraucnrechtlcrischen Bei- mengung war. Dadurch unterschied sich dieser Versuch, die Frauen des Proletariats auf dem Boden des Rlassenkampses zusammenzu. schließen, wesentlich von den ersten Berliner Bestrebungen, die daS gleiche Ziel verfolgten. Dem„Verein zur Vertretung der Jnter- essen der Arbeiterinnen", der in Berlin 1835 gegründet wurde, konnten nach Z 3 seines Statuts nur Frauen und Mädchen, ange- hören, und Z 8 besagte:„Männer haben gewöhnlich zu den Vereins- Versammlungen keinen Zutritt". Unter dem Einfluß frauenrecht- lerischer Gedankengänge verwarfen viele führende Berliner Ge- nossinnen bis zum Internationalen Kongreß zu.Zürich 1893 jeden besonderen gesetzlichen Arbeiterinnenschutz. Der hervorstechende Unter- schied ist sicherlich mit auf Rechnung der vereinsgesetzlichen Sonder- stellung der Frau in Preußen zu setzen, welche unter dem Ausnahme- gesetz durch die polizeiliche Praxis noch verschlimmert wurde. In hohem Grad« ist er aber auch der naturgemäße Niederschlag des EntwickelungSganges hervorragender Trägerinnen der Berliner Be- wegung. Er hatte sie von der Frauenfrage zur sozialen Frage, von der bürgerlichen Frauenrcchtlerei zur Sozialdemokratie geführt. Die Vorkämpfer für die Einbeziehung der Frauen in die Jnter- «ationale Gewerksgenossenschaft kamen dagegen von der sozialen Frage zur Frauenfrage, Dies aber nicht allein an der Hand einer reiferen geschichtlichen Erkenntnis und Schulung, sondern vor allem auch auf Grund der zwingenden Bedürfnisse eines Milieus das von der modernen Großindustrie geprägt, einen geradezu klassischen Boden für die Gemeinsamkeit der Interessen und die Gemeinsamkeit des Kampfes von Frauen und Männern des Proletariats gegen den Kapitalismus schuf. In Berlin fehlt« damals dieses Milieu; das wirtschaftliche Leben wurde noch vom Kleinbetrieb und Handwerks- mäßigen Betrieb beherrscht; die Frauenarbeit war vor allem Heim- arbeit I Mit der Internationalen Gewerksgenossenschaft brachen in Sachsen vorläufig die zielklaren und konsequent festgehaltenen Be- strebungen zusammen, die Proletarierinnen dem Klassenkampf ein- zureihen. Seitdem mit der Reichsgründung der bourgeoise Nationalstaat auf den Plan der Geschichte getreten war, konzentrierte sich die Hauptkraft des Proletariats zunächst darauf, die prole- tarischen Hcermassen zum Klassenkampf auf politischem Gebiete zusammenzuschweißen. Und der Aufmarsch der Arbeiter als einer politischen Klassenpartei vollzog sich obendrein unter dem Unstern des Bruderzwistes zwischen Lassalleanern und Eisenachern. Die Frau aber ist auf dem politischen Kampfplatze eine Rechtlose und erscheint daher bei obenflächlicher Betrachtung vielen als eine Machtlose und Entbehrliche. Dazu fügte sich, daß unter den Genossinnen, welche die Internationale Gewerksgenossenschaft gesammelt hatte, sich keine befand, welche in den Fraktionskämpfen in den vordersten Reihen gefochten hätte. So kam eS, daß betreffs der Mitarbeit der Frauen am proletarischen Emanzipationswerk vorübergehend die Tendenzen in den Hintergrund traten, deren tapfere Vorkämpferin die Jnter- nationale Gewerksgenossenschaft gewesen war. Meines Erachtens ist eS charakteristisch, daß fchon der Einigungskongreß zu Gotha, 1875, �chfcß, al« Delegierte ,u Kn Parteitagen Krau« zuzulassen, die cntiveder als Vertreterinnen von Wahlkreisen in Volksversamm- lungen oder in besonderen Frauenversammlungen gewählt wurden. Das Sozialistengesetz schmiedete dann mit harten Schlägen die Er- kenntnis, daß auch im politischen Kampfe das Proletariat die Frau als disziplinierte und organisierte Mitstreitcrin nicht missen kann. Das überblätterte Kapitel aus den Anfängen der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland lenkt zwingend die Aufmerksamkeit auf den vielseitigen, schöpferischen Wcsensgchalt der alten Jnter- nationale, auf die in der Sonne ihrer Gedankenwelt blühende Ver- einigung einer großzügigen revolutionären Auffassung vom Klassen- kämpf und seinem Endziel mit der praktisch-ilugen, rührigen Tages- arbeit im Dienste der mannigfaltigsten proletarischen Gegenwarts- interessen. Im Keime hat sie alle Betätigungsgebicte klaffen- bewußten proletarischen Lebens umschlossen, die Ansätze zu den ver- schiedensten Bestrebungen, welche der Sammlung des Proletariats und der Erhöhung seiner KampH�stüchtigkeit dienen. Als schwache, oft unscheinbare Sprößlinge in engem Mit- und Nebeneinander brach aus der Schale der Internationale hervor, was heute zu kräftigen, sich weit verzweigenden Organen des proletarischen Klassenkampfes geworden ist. So auch die proletarische Frauen- bewegung. Die Form zerfiel, in welcher die Internationale GeWerks- genossenschaft die Bestrebungen zur Aufklärung und Organisierung der Proletarierinnen zusammengefaßt hatte. Aber die von ihr ge- tragenen Tendenzen sind lebendig geblieben, die von ihr ausgehende Jdeensaat ist in die Halme geschossen. Das künden die Kämpfe des erzgebirgischen Textilproletariats, in denen die Frauen des Crim- mitschauer Bezirks stets mit bewunderungswürdiger Einsicht und Disziplin in Reih und Glied gestanden sind, das bestätigt die eifrige Mitarbeit der sächsischen Genossinnen an allen Emanzipations- bestrebungen des Proletariats. Die gesamte proletarische Frauen- bewegung Deutschlands ist die Erbin und Testamentsvollstreckerin der Internationalen Gewerksgenossenschaft. Sie schreitet auf der klar vorgezeichneten Bahn vorwärts, die uns die Internationale ge- wiesen, dem stolzen Ziele entgegen, das sie uns errichtete, und auch sie erobert und besetzt— um an ein herrliches Wort unseres unver- geßlichen Liebknecht anzuknüpfen— im Klassenkampf ein Land, in welches die internationale Vorhut des revolutionären Proletariats im ersten kühnen Anlauf besitzergreifend seine Speere geschleudert hatte._ Huö der Partei. „Zum Anarcho-Sozialismus" schreibt uns der Genosse Krille mit der Bitte um Veröffentlichung: Es gibt wohl nicht wenig Genossen, die mit mir der Meinung sind, daß die aufgetauchte allerdings groteske Gestalt des Anarcho-Sozialismus eine unausbleibliche Reaktion auf gewisse Erscheinungen des gewerkschaftlichen und politischen Lebens ist. Deshalb erfordert sie aber auch ernste Be- achtung und kann meiner Auffassung gemäß nicht mit Worten wie KonfusioniSmus oder Kretinismus abgetan werden. Es werden sich allerdings immer Elemente finden. die in leichtverständlicher drängender Ungeduld den Weg zum Siege des Proletariats durch radikalere Mittel abkürzen zu können glauben. Wenn sich aber in Berlin allein 3090 Arbeiter finden konnten zur Anerkennung der Friedebergschen Theorie, so gibt das zu denken und die Parteipresse wird nicht umhin können, diese Erscheinung zu erörtern. Ich möchte hier lediglich auf eine Tatsache hinweisen, welche damit im engsten Zusanimcuhange steht und von einer großen Zahl von Partei- genossen schmerzlich empfunden wird. Wo waren am Mittwoch jene auf agitatorischem und theore- tischem Gebiete hervorragende Parteigenossen? Waren sie alle, Berlin hat doch deren nicht wenige, so beschäftigt, daß mcht einer in der Diskussion den Friedebergschen Anschauungen entgegentreten konnte? Wo ist die Lust an theoretischen Debatten, wo ist die Kampfesfreudigkeit auch nach dieser Seite hin geblieben? Es ist eine hequeme Methode, solche Versammlungen als Konfusionskonzile vornehm zu ignorieren und eS minder geschulten Parteigenossen zu überlassen, die T a k t i k der Partei zu vertreten. Ich will gern zugeben, daß man im öffent- lichen Leben Berlins etwas abgestumpft wird, aber eine Ver- sammlung von den lokalistischen Gewerkschaften nach einem der größten Säle einberufen, verdient doch eine größere Beachtung als etwa eine Winkelsitzung der Anarchisten vom Schlage Senna HoyS. Mit einem solchen System muß gebrochen werden, wenn es sich nicht an der ganzen Partei rächen und sie in ihrem Vorwärtsschreiten aufhalten soll. Wir sind mit dem Einsender ganz einverstanden, daß die Partei die Angelegenheit erörtern muß. Genosse Krille hat das wohl be- reits aus dem„Vorwärts" ersehen. Auffällig erscheint uns nur, daß Genosse Krille in den zwei Artikeln, die wir darüber bereits ver- öffentlicht haben, nur die zwei Worte Konfusionismus und Kretinismus bemerkt hat. Daß in dieser Versammlung keine agitatorisch und theoretisch hervorragenden Parteigenossen anwesend waren, um den Friedeberg- schen Anschauungen entgegenzutreten, war gewiß ein Maugel. In- dessen konnte niemand vorher wissen, daß die lokalorganisierten Ge- werkschaftcn beabsichtigten, der Partei ein Pronunziamento zu stellen. ES wird sich noch Gelegenheit finden, das Versäumte nachzuholen. Zum Parteitage. Mit dem Organisationsentwurf für die Partei beschäftigte sich am Donnerstagabend eine Mitgliederversammlung des sozial- demokratischen WahlvereinS zu Frankfurt a. M. Nach mehr- stündiger Debatte wurde beschlossen, folgende Abänderungsanträge zu stellen: Z 1 soll die Fassung erhalten: Zur Partei gehörig wird jede Person betrachtet, die sich zu den Grundsätzen des Partei- Programms bekennt und die Partei durch mindestens die festgesetzten Beiträge(statt Geldmittel) unterstützt. Z 7 soll lauten: Die Grund- läge der Parteiorganisation bilden die sozialdemokratischen Vereine. In der R e g e l soll sich jeder Verein über m i n d e st e n s einen ReichStagSwahlkreis erstrecken. Ausnahmen sind bei räumlich nicht einheitlichen Wahlkreisen und zur Anpassung an einheit- liche Wirtschaftskreise zulässig.§ 8 soll lauten: Die sozialdemokratischen Vereine schließen sich zu B e z i r k s v e r- bänden zusammen, denen die selbständige Führung der Partei- geschäfte nach eigenen Statuten obliegt. In diesem Paragraph soll also gestrichen werden:„sowie zu Landesorganisationen". Von Quarck und anderen Genossen wurde auf das Bedenkliche und Undurchführbare einer solchen Dekreticrung hingewiesen, allein die Befürworter dieser Streichung sagten: im Interesse einer wirk- samen Agitation, z. B. in Hessen und Hesscn-Nassau sei es notwendig, nicht vor den Landcsgrenzen Halt zu machen, sondern über diese hinweg große Bezirksverbände zu schaffen. Die bestehenden Landes- organisationen könnten dabei ruhig weiter existieren. 8 10 soll fol- gende Fassung erhalten: Der Eintritt in die sozialdemokratischen Vereine ist kostenfrei. Der Mitgliederbeitrag beträgt 30 Pf. pro Monat. Den einzelnen Vereinen sowie den Bezirksverbänden steht eS frei, besondere Zuschläge zu erheben oder bei schlechten Ein- kommenverhältnissen eine besondere Ermäßigung eintreten zu lassen. In§ 13 soll eS heißen: Die Vereinsvorstände haben viertel- jährlich in einer vom Parteivorstand festzusetzenden Weise über alle Parteiangelegenheiten an den Bezirksvorstand und an den Partei- vorstand einen gleichlautenden Bericht zu erstatten. 8 15 soll lauten: Der Parteitag bildet die oberste Instanz der Partei. Zur Teilnahme an ihm sind berechtigt: 1. die Delegierten der Partei, die von den sozialdemokratischen Vereinen nach Maßgabe ihrer Mitgliederzahl zu wählen sind. Auf Mitglieder- zahlen bis 1000 entfällt 1 Delegierter, auf Mitgliedcrzahlen bis 3000 entfallen 2 und auf Mitgliederzahlen von mehr als 3000 ent- fallen 3 Delegierte. Reichstagsabgeordnete sollen nur beratende Stimme haben. 8 22 soll lauten: Die Zahl der Mitglieder des Parteivorstandes bestimmt der Parteitag, und in 8 26 soll es heißen: Die Wiederaufnahme eines aus der Partei Ausgeschlossenen kann, wenn gegen dieselbe Wider- spruch erhoben wird, nur durch den Parteitag erfolgen. Allen übrigen Abänderungsvorschlägen der Dreiundzwanziger-Kom- «isfion«urde jugestimmt. Im sozialdemokratischen Verein Nürnberg wurde beschlossen, folgende Anträge an den Parteitag zu stellen: 1. Zu 8 b des Organisationsstatuts sei die Aenderung zu treffen, daß, wenn der Parteitag über die Wiederaufnahme eines ausgeschlossenen Parteigenossen Beschluß fassen will, zuvor diejenige Organisation, die den Betreffenden ausgeschlossen hat. gehört werden soll. 2. In 8 10 sei auszusprechen, daß die Vereine nur 25 Proz. ihrer vereinnahmten Beiträge an die Parteikasse nach Berlin abzu- liefern haben, während ihnen die Eintrittsgelder ganz verbleiben sollen. 3. Der„Gleichheit" sei etwa alle sechs Wochen eine Beilage mit Schnittmustern und dergleichen beizugeben, damit die Arbeiterinnen nicht mehr nötig haben, bürgerliche Modejournale zu abonnieren. 4. Die Nr. 52 der„Neuen Welt" soll als Beilage ein Titelblatt mit Inhaltsverzeichnis erhalten, wenn das aus finanziellen Gründen nicht angängig sei, solle die Nr. 52 nur vierseitig erscheinen und dafür Titelblatt und Inhaltsverzeichnis beigegeben werden. Ein Antrag, beim Parteitag zu beantragen, daß der nächste Parteitag in Nürnberg stattfinde, wurde abgelehnt mit Rücksicht auf die Schwierigkeit der Ouartierbeschaffung für die Delegierten während der Ausstellung, die nächstes Jahr in Nürnberg stattfindet. Es wurde außerdem folgende Resolution angenommen: Die am 24. August stattgcfundene Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins von Nüxnberg-Altdorf verurteilt auf das entschiedenste das sich nunmehr schon seit mehreren Jahren hin- ziehende Literatcngezänke, wie es insbesondere in der„Leipziger Volkszeitung" zum Ausdruck kommt. Die Versammlung erwartet, daß der Parteitag gegen ein solches parteischädigendes Treiben eine entschiedene Stellung ein- nimmt und diesen Genossen zum Bewußtsein bringt, daß sie ihre Aufgabe nicht in der Bekämpfung und persönlich gehässigen Be- schimpfung der eigenen Parteigenossen, sondern in dem Partei- genössischcn Zusammenarbeiten und gemeinsamen Bekämpfung unserer Gegner zu suchen haben. Auch im sozialdemokratischen Verein in Halle wurde vom Genossen Beyer ausgesprochen, daß die Delegierten auf dem Parteitage gegen das Gezänke Stellung nehmen sollen. Im sozial- demokratischen Verein in Hannover wurden so zahlreiche Ab- änderungsanträge zum Statut angenommen, daß wir sie aus Raum- gründen nicht mehr registrieren können. Ueberdies werden ja die Anträge demnächst offiziell bekannt gemacht. Genosse Birk in München hat sein Mandat als Gemeinderats- Mitglied niedergelegt. Birk ist jetzt 66 Jahre alt, ist Reichstags- und Landtags-Abgeordneter und fühlte sich der Arbeit nicht mehr gewachsen. Er war der erste Sozialdemokrat, der im Jahre 1893 in den Münchener Gemeinderat gewählt wurde. An seine Stelle tritt als Ersatzmann der Genosse M. Bauer. „In eigener Sache" schreibt das„Volksblatt für Bochum":„Das„Rh.-Wests. Tageblatt" bringt in gestriger Nummer die Neuigkeit, daß der frühere verantwortliche Redakteur unseres Blattes, Peter Agnes, in den letzten Tagen nicht mehr ver- antwortlich gezeichnet. Wie man jetzt erfahren habe, sei Agnes bei Nacht und Nebel mit der Frau eines bekannten Parteigenossen ver- schwuuden.— Wir legen Wert darauf zu erklären, daß das Verhältnis zu Agnes gelöst worden, bevor er„verschwunden" und ohne daß ein Beweis für seinen Verkehr mit gedachter Frau vorlag. Er war eben schon in dem Augenbltcke für uns unniöglich geworden, wo das angeblich platonische Verhältnis uns bekannt wurde." polizeiliches, Senchtliches ufw. Polizeilich verboten wurde, wie wir seinerzeit berichtet haben, eine Versammlung, welche die Parteigenossen von Schönlanke mit einem Lichtbildervorträge des Genossen Grempc-Berlin über„Die Freiheitslämpfe in Rußland" geplant hatten. Die gegen dieses ganz unberechtigte Verbot eingelegte Beschwerde ist vom Landrat zurück- gewiesen worden. Der Herr Landrat ist der Meinung, daß selbst die Beschäftigung mit den russischen Freiheitskämpfen„Aufreizung zum Klasscnhaß" in Preußen bedeute. Diese Begründung muß um so merkwürdiger anmuten, als Genosse Grcmpe diesen angeblich so aufreizenden Vortrag bisher in schr� vielen Städten und Orten der verschiedenen deutschen Vaterländer gehalten hat. Trotz scharfer Ucberwachung der Bilder und der Ausführungen ist aber dem Genossen Grempe bisher weder von einem Staats- anwalt irgend eine? deutschen Bundesstaates, noch von der öfter- reichischen Anklagebehörde eine Anklage zugestellt worden. Der für Schönlanke zuständige Landrat scheint also der Meinung zu sein. daß er allein den wahren Bazillus der Aufreizung entdeckt hat! Natürlich geben sich unsere Genossen in Schönlanke mit diesem Be- scheide des Landrats nicht zufrieden, zumal doch jetzt Deutschtum Freiheit in Gesinnung und Betätigung bedeuten soll. Soziales. Gegen den Fleischwucher. Der Stadtrat in Chemnitz hat beschlossen: 1. Im Hinblick auf die gegenwärtig dem Gewicht und der Beschaffenheit nach unzulängliche Zufuhr von Schlachtvieh und die dadurch bedingten außergewöhnlich hohen, sogar noch diejenigen des Ausnahmciahres 1902 erheblich übersteigenden Fleischpreise. insbesondere für Schweinefleisch, die bei weiterer Dauer Ge- fahren für die ausreichende Ernährung der arbeitenden Be- völkerung zur Folge haben müssen, die königliche Staatsrcgierung zu ersuchen, bei der Reichsregicrung alle sich mit den sanitären Rücksichten irgendwie vereinbarenden Erleichterungen anzuregen. welche baldigst und für die Dauer jenes Notstandes eine erhöhte Zufuhr besonders von Schweinen Herbeizuführen geeignet sind; 2. das Stadtverordnetenkollegium um Beitritt zu solcher Pe- tition zu ersuchen. Einen ähnlichen Beschluß hat daS Stadwerordnetenkollegium in Glauchau gefaßt. Die Stadtverordneten in Stettin werden sich demnächst auf Antrag der sozialdemokratischen Mitglieder des Kollegiums mit dem Fleischwuchcr zu beschäftigen haben. Eine Volksversammlung in E r f u r t, eine Frauenversammlung in Elberfeld und die Kreiskonferenz der sozialdemokratischen Partei im Fürstentumer Wahlkreise(Pommern) be. schloffen Proteste gegen den Fleischwuchcr. Das Stadtverordnetenkollegium in Hanau beschäftigte sich gleichfalls auf Antrag der Sozialdemokraten mit der Frage. Der Magistrat teilte mit, daß er schon von sich aus beschlossen habe, eine Kundgebung gegen die Fleischnot zu veranlassen. Wohnung und Krankheit. Auf Anregung Leipziger Aerzte wird vom dortigen S t a t i st i- schen Amt eine interessante Statistik aufgenommen. ES handelt sich um die Zusammenstellung eines vorzüglichen für 25 Jahre vorliegen- den Materials über den Einfluß der Wohnungsverhältnisse auf die Entstehung und den Verlauf der Schwindsucht, und zwar mit Rücksicht auf die Todesfälle. Diese sollen auf eine Karte über- tragen werden, die bei der Volkszählung für das betr. HauSgrund- stück angelegt war, in dem sich der Kranke zuletzt aufhielt. Durch diese Arbeit, die für den inneren Stadtteil vollendet ist, entsteht eine Uebersicht über die gesundheitlichen Zustände bestimmter Stadtteile, Straßen und Grundstücke, die wieder nach Höhenlage der Wohnungen gegliedert sind. Es besteht nun die Absicht, nach Fertigstellung der statistischen Grundlage die sogenannten schwarzen Fälle, d. h. die Grundstücke, denen im Verlauf dieser 25 Jahre die meisten Todes» fälle an Schwindsucht zur Last fallen, durch Aerzte. besonders im einzelnen auf die Gründe dieser Häufung untersuchen zu lassen. Die I. Sektion des Internationalen Statistischen Instituts hat auf dem Kongreß in London Anfang dieses Monats befürwortet, daß in anderen Städten. Frankfurt a. M. usw., in denen ähnliches Material vorliegt, dies Beispiel Nachahmung findet. Die Frag� wie die Städte ihre Sterblichkeit am besten einschränken und ihren geringen Geburtenüberschuß ausgleichen können, soll hierdurch geflärt werden. Aus Induftrie und Handel. seits nachzusuchende Ausschluß des Werftplates aus dem Zollgebiete fampf vermeiden. Auf dem Kongreß waren 72 Delegierte anwesend, durch Bundesratsbeschluß erfolgt. Die Finanzdeputation wird als- die zusammen 51 430 Mitglieder vertraten. Hierzu fommen weitere bald nach erfolgter Ratifitation des Vertrages Hafen- Erweiterungen 72 Delegierte mit 91 500 Mann, welche ihre Sympathie mit dem mit einer Wassertiefe von 9,8 Meter bei Hochwasser staatsseitig und neuen Bund bekundeten, aber noch keine Ermächtigung hatten, dem für Staatsrechnung herstellen, auch die Ufer des Hafens mit Kai- Bunde beizutreten; schließlich waren 61 Delegierte anwesend, die mauern versehen lassen. Als jährliche Miete hat die Gesellschaft nur ihre eigene Person vertraten. In sechs Monaten hofft man 0,50 M. pro Quadratmeter für die ersten 25 Vertragsjahre und einen Mitgliederstand von 100 000 Mann zu haben. Das Organis Deutschlands Ernte. Der vom Reichsanzeiger" veröffentlichte 0,70 M. per Quadratmeter für die weiteren 25 Vertragsjahre zu be- fationsstatut fieht die Gründung von 13 Induſtrieverbänden vor, offizielle Bericht über den Saatenstand und die Ernteergebnisse um zahlen, und zwar in halbjährlichen Postnumerando- Raten. welche alle einem Generalausschuß unterstehen. Der letztere wird die Mitte des laufenden Monats zeigt, daß Deutschland mit einer recht guten Mittelernte rechnen kann. Manche norddeutschen Gegenden hier eine neue Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von Verteidigungsfonds zur Unterstützung von streikenden bezw. aus, Handelsstätte Spittelmarkt. Unter vorstehendem Titel hat sich vertreter zu wählen haben. Gegründet wurde ferner ein allgemeiner gebildet durch die Delegierten der Industrieverbände, die je einen erfreuen sich sogar eines beträchtlich über den Durchschnitt des legten 3 Millionen Mark gebildet. Gründer der Gesellschaft sind Direktor gesperrten Mitgliedern. Die Kontrolle über die Streits hat der Verteidigungsfonds zur Unterſtüßung von streikenden beziv. aute Jabrfünfts hinausgehenden Ernteergebnisses, während in einzelnen Marimilian Stein- Berlin, Direktor Hermann Böhm- Schöneberg, Generalausschuß. Zum Schluß ſetzt Genoffe Simons auseinander, Teilen Deutschlands und Südwestdeutschlands die Saaten im Juli Geh. Hofrat Dr. Felix Hecht- Mannheim, Professor Dr. Ludwig daß die Partei als Korporation auch in Zukunft in die Angelegenund in der ersten Hälfte des August vielfach unter zu großer Trocken- Stein- Bern und Frau Professor Stein- Bern. Von dem auf heit gelitten haben, so daß das Resultat dieser Bezirke gegen die 3 000 000 m. bemessenem Grundkapital übernahmen Stein und heiten der neu geschaffenen gewerkschaftlichen Organisation nicht einErwartungen zurückbleibt. Beim Weizen, besonders beim Winter- Böhm je 10 000 M., Geheimrat Hecht 490 000 M., Professor Stein greifen solle. Wohl seien ziemlich alle Funktionäre und offizielle weizen darf mit einem besseren Ergebnis gerechnet werden, 120 000 m. und Frau Professor Stein 370 000 M. Cine Million Vertreter der neuen Organisation auch Mitglieder der sozialistischen Partei, die Partei als solche solle aber in die internen Berhältnisse als in den beiden letzten Jahren; auch der Roggen verspricht ein Mark Aktien wurden bar bezahlt, für 2 Millionen Mark wurden Partei, die Partei als solche solle aber in die internen Verhältnisse in feiner Weise eingreifen. Die Haltung der fapitalistischen Presse Sacheinlagen eingebracht. Profeffor Dr. Stein brachte seine Häuser etwas besseres Ergebnis als im vorigen Jahre, ebenso Sommer- Seydelstr. 8, 11, 12 und 13 für 550 000 m. und seine Rechte auf ist, wie Eugen Debs in einem anderen Artikel auseinandersetzt, biss die Häuser Beuthstr. 1, 2, 3, 4 und 5 für 1 630 000 W. ein. Frau ber dem neuen Bunde äußerst feindselig gewesen. Ueber den Stongreß Professor Stein brachte ihre Häuser Seydelstr. 9 und 10 für Berichte gebracht. Die Zukunft wird lehren, ob es möglich sein wurden entweder gar keine oder durchaus entstellte verleumderische 370 000. cin. wird, die großmächtige Arbeiterföderation von Amerika durch den neuen Bund erfolgreich zu bekämpfen oder sie wenigstens in andere Bahnen zu drängen. gerſte und Hafer. Besonders gut stehen jedoch die Kartoffeln, eine Nachricht, die in der jetzigen Zeit der hohen Lebensmittelpreise von den ärmeren, leider vorzugsweise auf Kartoffelnahrung angewiesenen Schichten mit einer gewissen Befriedigung aufgenommen werden wird. Seit dem Jahre 1900 ist der Stand der Kartoffeln tein so guter ges wesen wie jetzt. 2 Gewerkschaftliches. Berlin una amgegend. Die Branchenkommission der Drechsler Berlins. J. A.: Auguft Battloch. " Die Arbeiter in den Arsenalen von Lorient und Toulon, 3000 beziv. 6000 an der Zahl, waren unzufrieden mit einer kürzlich ergangenen Verfügung des Marineministers Thomson über die Beförderungs- und Lohnverhältnisse und drohten zu streiken. Nachdem nunmehr Thomson seine Verfügung abgeändert, Lohnerhöhungen zugestanden und Prämien für besonders befähigte Arbeiter bewilligt hat, haben die Arbeiter beschlossen, vom Streit abzustehen. Hus der Frauenbewegung. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Zu der In dem Bericht des„ Reichs- Anzeigers" wird darüber gemeldet: Achtung! Drechsler! In Leipzig stehen die GummiIn dem abgelaufenen Berichtsmonate( Monat Juli bis Mitte drechsler seit 14. August im Streif; die Forderungen der dorAugust) herrschte im größten Teile des Deutschen Reiches frucht- tigen Kollegen bestehen in einer einheitlichen Regelung der Affordbares, warmes Wetter mit zahlreichen furzen, aber starken Nieder- tarife. Es ist deshalb Ehrenpflicht der Drechsler aller Branchen, den schlägen, meist im Anschlusse an Gewitter. In fast ganz Süd- Buzug nach Leipzig bis auf weiteres fernzuhalten. deutschland und in einem Teile Westdeutschlands dauerte aber die schon im vorigen Berichte beklagte Hize und Trockenheit bis in den August hinein unverändert fort. In vielen Gegenden ist dort erst Lohnbewegung der Gips- und Zementarbeiter.( Sektion des kurz vor Abgabe der Berichte der ersehnte durchdringende Regen und Zementarbeiter ihren mit dem" Berliner Betonverein" ab- Sonntag, den 17. September stattfindenden Urania- Vorstellung„ Die Maurer- Verbandes.) Wie erinnerlich sein dürfte, haben die Gipsgefallen, andere find schon seit Monaten ohne jeden nennenswerten geschlossenen, am 1. Oftober ablaufenden Tarifvertrag gekündigt. deutsche Nordseeküste" sind Billetts an folgenden Zahlstellen zu Niederschlag. An vielen Orten verursachte Hagelschlag bedeutenden Sie forderten vor allem eine Lohnerhöhung und zwar für haben: Frau Kühnemann, Willdenowftr. 12; Frau Matschke, Schaden an den noch im Felde stehenden Früchten, so besonders am Rabiß- und Bementpuper sowie Plattenfeber von 85 auf 90 Pf., Wolgasterstr. 8; Frau Steintopf, Schwedterstr. 34; Frau Seeger, 10. August, wo große Teile des Reiches von einem verheerenden für Spanner von 67% auf 75 Pf., für Bementierer, Flechter und Stolbergerstr. 3; Frau Frante, Goßkowskystr. 13; Frau Kulide, Hagelschlag und Sturm heimgesucht wurden. Buberträger von 67% auf 72% Bf., für Einſchaler von 57% auf Prinzenstr. 102; Frau Beiske, Manteuffelstr. 8; Frau Klotzsch, Die Ernte des Wintergetreides war zurzeit der Bericht- 62% Pf., für Hülfsarbeiter bei Zubereitung und Transport von Koppenstr. 81. Am 11. September: Vortrag des Schriftstellers Mar erstattung bis auf fleine Reste Weizen beschafft. Die Erntearbeiten Beton von 50 auf 55 Pf. und für die übrigen Hülfsarbeiter von Grunwald" Das Studium der Nationalökonomie und die Frauen". wurden durch häufige Niederschläge vielfach sehr erschwert und öfters 47% auf 50 Pf. pro Stunde. Außerdem eine Neuregulierung der Weißensee. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. mußte das Getreide in nicht ganz trockenem Zustande eingefahren Arbeitszeit zu 8½ und 9 Stunden, je den Lichtverhältnissen ent- Montag, den 28. August findet im Lokal des Herrn Schmuß eine sprechend. Auf eine diesbezügliche Zuschrift der Sektionsleitung an werden. Roggen war zum Teil stark gelagert oder ausgewachsen, ben„ Betonverein" hat dieser geantwortet, er sei nicht abgeneigt, Mitgliederversammlung statt. Thema:" Der Alkohol und die Weizen stellenweiſe vom Rost befallen. Andererseits wirkte in in Berhandlungen einzutreten, jedoch in der Vorausseßung, daß die Frauen." Referentin Frl. Liſchnewska. Zahlreichen Besuch erwartet Der Borstand. Gegenden mit anhaltender Trockenheit die Frühreife schädigend auf im jebigen Vertrage festgesetzten Löhne als Grundlage dienen die Ausbildung der Körner. Die bis jetzt vorliegenden Drusch und der Stundenlohn für die Hülfsarbeiter entsprechend er Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. ergebnisse haben daher vielfach ziemlich enttäuscht. Auch die mäßigt würde. Auch sollten die Lohnfäße nur für Arbeiter im Sommerhalm früchte waren bei Abgabe der Berichte bis auf Hochbau stipuliert werden. Nach einigen erläuternden AusHafer, der noch zum großen Teil in Hocken stand, eingescheuert. führungen des Vorsitzenden Fritsch beschloß die Versammlung, Donnerstag: Bajazzi. Die roten Schuhe. Freitag: Der Roland von Bei ihnen zeigten sich vielfach die ungünstigen Witterungs- an den Forderungen festzuhalten und dieselben Berlin. an den Forderungen festzuhalten und dieselben Berlin. Sonnabend: Coppelia.( Anf. 8 Uhr.) Sonntag: Die Zauberflöte. einflüsse in noch größerem Maße als bei der Winterung. Das Aus- ebent, mit allen zu Gebote stehenden Mitte In Montag: Die Meistersinger von Nürnberg.( Unf. 7 Uhr.) zur Durchführung zu bringen. Die Mitglieder der Schauspielhaus. Sonntag: Brinz Friedrich von Homburg. Montag: sehen der Gerste hatte unter den häufigen Niederschlägen erheblich wölfer- Kommission wurden beauftragt, einem etwaigen Ersuchen Iphigenie auf Tauris. Dienstag: Ein fritischer Tag. Mittwoch: Die gelitten, und Hafer war start zweiwüchsig geworden. Die Körner- des Betonvereins um Verhandlungen auf Grund der gestellten For- Journalisten. Donnerstag: Wann wir altern. Die Romantischen. Freiund Stroh- Erträge lassen infolge von Frühreife, Befall, Ver- derungen Folge zu geben mit der Maßgabe, daß die Verhandlungen von Homburg. Sonntag: Die Räuber.( Anf. 7 Uhr.) Montag: Im stillen fag: Göz von Berlichingen.( Anf. 7 Uhr.) Sonnabend: Prinz Friedrich unkrautung und Hagel oft zu wünschen übrig. in der Hauptsache bis zum 15. September beendet sein müßten. Gäßchen. Ferner wurde beschlossen, in einer demnächst einzuberufenden Versammlung die Mißstände bei der Firma ugino zu besprechen. Die Kartoffeln find infolge der feuchtwarmen Witterung üppig ins Kraut geschossen und haben gut angesetzt, doch fangen frühere und feinere Sorten auf tiefen Boden bereits an, unter Nässe zu leiden und zu erkranken. Hier und da zeigen sich schon viele faule Knollen, und das Kraut wird schwarz. In manchen Teilen Hessens, Elsaß- Lothringens und in der Pfalz hat die lange anhaltende Trockenheit den Kartoffeln sehr geschadet, so daß dort kaum befriedigende Erträge zu erwarten sind. In verschiedenen Gegenden Badens erlitten die Kartoffeln durch Hagelschlag großen, noch nicht zu übersehenden Schaden. es Die Beberei von Crimmitschau hatte im Berichtsjahre ein" " Deutfches Reich. Opernhaus. Sonntag: Don Juan. Montag: Die Hugenotten. Dienstag: Mignon. Mittwoch: Tristan und Isolde.( Anfang 7 Uhr.) Neues Königl. Operntheater. Sonntag: Der Zigeunerbaron. Montag: Die Fledermaus. Dienstag: Der Wasserträger. Mittwoch: Die Bohème. Donnerstag: Der Wasserträger. Von Freitag bis Montag: Geschlossen. ( Wallner- Theater.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: In Oberschlesien machen wir das so! Diese Worte sind für die Leffing- Theater. Sonntagnachmittag 2%, Uhr: Die versunkene Gloce. oberschlesischen Verhältnisse so recht tennzeichnend, sie erklären Abends: Giga. Montag: Die Weber. Dienstag: Rofenmontag. Mittwoch: manches, das man sonst nicht begreifen würde. Einen neuen Beitrag Elga. Donnerstag: Die versunkene Glocke. Freitag: Die ſittliche Forderung. Erziehung zur Ehe. Sonnabend: Elga. Sonntagnachmittag 2%, Uhr: hierzu liefert das Erlebnis eines auf einer gewerkschaftlichen Traumulus. Abends: Sittliche Forderung. Erziehung zur Che. Mona Agitationstour begriffenen Parteigenossen. Am Montag, den tag: Der Biberpelz. Schiller- Theater O. 21. August, saß derselbe mit einigen Bekannten in einem Gartenlokal in Beuthen in Oberschlesien beim Freikonzert. An den Tisch Jugend. Abends: Von Sonntag bis Dienstag: Ein Wintermärchen. SonnDie Futterträuter, Klee und Luzerne, zeigen nach den haltung beteiligten. Während dieser Zeit hatten sich am Nachbartam auch eine Anzahl Speditionsarbeiter, die sich an der Unter- tagnachmittag 3 Uhr: Die Haubenlerche. Schiller Theater N.( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater.) Sonntagzahlreichen Niederschlägen wieder kräftiges Wachstum und dürften tische drei uniformierte Polizeibeamte postiert, während Beamte in nachmittag 3 Uhr. Der Freischüb. Abends: Der Trompeter von Gattingen. überwiegend noch befriedigende Erträge liefern. Nur in Süd- Bivil den Eingang bewachten. Schließlich tranten die Arbeiter Montag: Gastspiel Bötel. Martha. Dienstag: Oberon. Mittwoch: spiel Botel. Der Poftillion von Lonjumeau. Donnerstag: Undine. Freitag: deutschland haben sie sich infolge der großen Dürre vielfach erheblich ihr Bier aus und gingen weg, die Polizei bis auf einen Geschlossen. Sonnabend: Nora. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Jugend. verschlechtert und geben zum großen Teil nur geringe oder über ihnen nach. Nach einiger Zeit kommen zwei Polizei- Abends: Die Logenbrüder. Montag: Nora. haupt keine Dehmd-( Grummet) Erträge. Stellenweise ist schon beamte auf oben bezeichneten Barteigenossen zu und fragen: Lustspielhaus. Sonntag bis Donnerstag: Der Herr Substitut. Der Grünfuttermangel eingetreten. Auch der Graswuchs der Wiesen Wie heißen Sie?" Unser Genosse weigerte sich zunächst, dankbare Julien. Freitag und Sonnabend: Der Familientag. Sonntag Abends: Khriz- Pyriz. Montag: Der zeigt meist eine erfreuliche Besserung und läßt eine ziemlich reiche seinen Namen zu nennen, da er der Meinung war, bei dem Besuche nachmittag 3 Uhr: Biederleute. Familientag. Grummeternte erhoffen. eines Konzerts das nicht nötig zu haben. Da kam er aber schön Residenz Theater. Sonntag und folgende Tage: Eine Hochzeitsnacht. an, man drohte ihm mit Verhaftung. Nachdem er sich legitimiert, Kleines Theater. Sonntag: Nachtasyl. Montag: Abschied vom Folgen der Crimmitschauer Aussperrung. Als im Januar wollte er doch auch erfahren, weshalb man sich so für ihn interessiere. Regiment. Angele. Dienstag und Mittwoch: Nachtasyl. Donnerstag: vorigen Jahres die Crimmitschauer Tertilarbeiter nach monatelanger Da erfuhr er, daß man ihn als den Einberufer einer Verſamm- Angele. Die Neuvermählten. Freitag bis Montag: Unbestimmt. Aussperrung wieder in die Arbeit traten, wußte die Unternehmer- lung" betrachte, auch drei andere Versammlungsbesucher" wurden Neues Theater. Sonntag und folgende Tage: Ein Sommernachtspreffe von einem großen Sieg der Fabrikanten zu berichten. Und noch notiert. Die Polizei hatte große Sorge, daß den Leuten etwas traum. richtig, die Arbeiter waren niedergezwungen worden, die brutale paffiere, denn überall hin, selbst zum Bahnhofe, gewährte die Polizei Trianon Theater. Sonntag bis Donnerstag: Die Notbrüde. FreiStapitalmacht hatte gefiegt; aber der große Sieg hat den Siegern ihnen Schuh". Unser Genosse hatte schon manche Versammlung tag bis Montag: Das Ende der Liebe. Zentral- Theater. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Die Geisha. Sonntag weit tiefere Wunden geschlagen, als den Besiegten. Die Arbeiter einberufen, aber eine Versammlung in einem Konzertgarten während und folgende Tage: Die Geisha. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Bettelhaben sich längst vom Schlag erholt, der Textilarbeiterverband hat eines Freifonzerts ist ihm doch etwas Neues. Diese zu entdecken, student. Abends: Die Geisha. heute in dem Streifgebiet mehr Mitglieder, als zubor; aber die blieb der Beuthener Polizei vorbehalten. In Oberschlesien machen Thalia- Theater. Sonntag und Montag: Amor in New York. Diens. Crimmitschauer Garn-, Tuch- und Buckskin- Industrie leidet noch wir das so! Beschwerde ist eingereicht. tag und folgende Tage: Bis früh um fünfe. immer unter den Nachwehen der durch den Machtdünkel und die Zur Lohnbewegung der Holzarbeiter in Köln wird berichtet, daß Halsstarrigkeit der Fabrikanten heraufbeschworenen Arbeitsstörung. die Arbeitgeber sich mit aller Entschiedenheit sträuben, die For Das ganze vorige Jahr hatten, wie der Jahresbericht der Handels- derungen der Arbeitgeber anzuerkennen. Der Arbeitgeberverband tammer Plauen beweist, diese Industriezweige hart mit der durch hat beschlossen, angesichts der in den Kölner Organisationen sich die Aussperrung großgezogenen Konkurrenz zu kämpfen. So heißt bemerkbar machenden Lohnbewegung, alle Arbeiten au stunden und z. vorläufig neue Aufträge zu erteilen. mal unter den Folgen des im August des Vorjahres ausgebrochenen und erst mit dem 18. Januar 1904 beendigten großen Streifs, Von der internationalen Maurerbewegung. In Lausanne fand dann aber auch mit der Ungunst der Mode zu kämpfen, so daß sich dieser Tage ein Kongreß des schweizerisch- italienischen Maurer- und das Jahr zu einem durchaus ungünstigen gestaltete. Die Folgen Handlangerverbandes statt. Der Verband zählt jetzt 58 Sektionen des Streits tamen hauptsächlich dadurch zum mit 3478 Mitgliedern. Vertreten waren 52 Delegierte, ferner nahmen Ausdruck, daß es erst ganz allmählich gelang, der Sekretär des Maurerverbandes von Italien, Guaglino, die Ges die alte Kundschaft, welche sich während der lang noffen Rigola und Camprini, Bömelburg( Hamburg) und Neunkirch, dauernden Arbeitseinstellung, wie bereits im der Präsident des deutschsprechenden Maurer- und Handlangerverborigen Bericht hervorgehoben, anderen Fabrikations- bandes, daran teil. Zu der von den Deutschen beantragten Ver Gebr. Herrnfeld Theater. Sonntag und folgende Tage: Die Meherhains. plähen zugewendet hatte, wieder zu gewinnen. Von einem Bericht schmelzung beider Verbände kam es zwar nicht, jedoch wurde beUrania Theater. Taubenstraße 48/49. Die deutsche Nordseeküste. erstatter wird in dieser Beziehung bemerkt, daß er erst nach und nach schlossen, in St. Gallen eine Kommission, bestehend aus Vertretern Montag und Donnerstag: Tierleben in der Wildnis. Mittwoch und Sonnganz allmählich seine Fabrikation wieder aufnehmen konnte, da die des deutschen und italienischen Verbandes, zu ernennen; damit soll abend: Bon der Zugspitze zum Waymann. Anfang 8 Uhr. Invaliden Aufträge sehr ungenügend eingingen, so daß er erst Mitte De- der spätere Zusammenschluß vorbereitet werden. Anfangs November straße 57-62. Sternwarte. zember des Jahres 1904 wieder voll beschäftigt war. Da dem findet eine weitere Sigung statt, an der die Vertreter des italienischen nach die Beziehungen zu der alten Kundschaft und deutschen Verbandes wiederum teilnehmen. Briefkaften der Redaktion. erst wieder angetnüpft werden mußten, so sahen Charlottenburg 31. Die Redaktion hat für derartige rechnerische sich die Fabrikanten veranlagt, vielfach BeDie neue amerikanische Gewerkschaftsorganisation. 8tvecklosigkeiten keine Zeit übrig. P. R. Nein. Fink. Ja. fchäftiglung in billigen Stapelqualitäten und Am 27. Juni hat bekanntlich in Chicago ein Kongreß von Ge Konfettionsstoffen anzunehmen, wie fie fich wertschaftsdelegierten und Parteigenoffen stattgefunden und es wurde Juriftifcher Ceil. Grabowsee 6. Wie kann denn ein Ehemann daran denken, gegen gerade boten. Dazu kam noch, daß sich infolge Fehlens von die Gründung eines allgemeinen Gewerkschaftsbundes beschlossen. seine Ehefrau Strafantrag wegen Eigentumsdelikts zu stellen! Selbst das Mustergarnen die Neumusterung schwierig gestaltete, so daß die Sommersaison so gut wie vollständig verloren ging, wenn auch im Diese Bewegung wurde von einem Teile unserer amerikanischen deutsche Strafgesetzbuch erklärt im§ 247 den Diebstahl oder die UnterLaufe des Sommers noch einige Aufträge von der Berliner Damen- Parteigenossen, so u. a. von Simons, dem Redakteur der Inter- schlagung eines Ehegatten gegen den anderen für straflos. Will der Thefonfettion eingingen. Aber auch für die Wintermusterung war die nationalen sozialistischen Revue", und von Eugen Debs unterstützt. mann sich gegen zu ausgedehnten Gebrauch der ehefraulichen SchlüffelIn der soeben erschienenen Nummer der Internationalen Sozialistischen gewalt schüßen, so steht ihm frei, dies durch gerichtliche Berlautbarung Saison bei Beendigung des Streits schon soweit vorgeschritten, daß Stevue" setzt Genosse Simons die Gründe auseinander, welche ihn( S. 225 Nr. 21 und 22 des dem„ Arbeiterrecht" beigefügten Führers entnur in beschränktem Maße gemustert werden konnte und Aufträge und andere Parteigenoffen veranlaßten, diese neue gewerkschaftliche aber prüfen, ob die ökonomischen Verhältnisse seiner Frau nicht ver haltenen Beispiele) zu beschränken oder aufzuheben. Vor allem sollte er auf die Musterung nur sehr spärlich eingingen." Bewegung zu fördern. Die große amerikanische Arbeiterföderation, besserungsbedürftig sind. Hat die Frau Eigentum des Ehemannes ohne Stettiner„ Bulkan". Der Vorstand des„ Bulfans" teilt jetzt den so heißt es dort, verfalle unter der Führung Gompers und dessen An- dessen Zustimmung verfett, also eine strafbare Unterschlagung begangen, Wortlaut des zwischen ihm und dem Senat der Stadt Hamburg hänger immer mehr den kapitalistischen Einflüssen; auf den großen so hat der Pfandleiher die verfekte Sache ohne Entgelt dem Eigentümer 11. 3. ft ein Teftament zweds Errichtung der geplanten Nordseewerft an der Unter- Elbe Bantetts erklärten Gompers und Genossen dem Sozialismus offen den herauszugeben(§§ 1207, 935 B. G.-B.) bereinbarten Bachtvertrags mit, der der Genehmigung der am Krieg. Die Meinung, daß die amerikanische Arbeiterföderation nach ungültig, so hat der, der dies behauptet und aus der ungültigkeit Rechte 30. d. M. stattfindenden Generalversammlung unterliegt. Danach und nach durch Einwirkung von außen umgewandelt werden könne, für sich herleiten will, in einem Prozeß gegen die feines Erachtens zu Unrecht als Erben Auftretenden dies zu beweisen. Wer das Armenrecht ervermietet die Finanzdeputation dem„ Bultan" eine zirka 23,2 hektar treffe nicht zu. Deshalb habe eine Gegenorganisation gegründet wirken will, hat den häufig hier dargelegten Weg zu beschreiten, der große Fläche Staatsgrundes auf die Dauer von fünfzig Jahren, werden müssen, deren Mitglieder bewußt den Klassenkampf führen, G. 524, 592 des in den öffentlichen Bibliotheken ausliegenden Arbeiter doch unter dem ausbrüdlichen Vorbehalt, daß der hamburgischer die nicht wie die Gompersleute behaupten, sie könnten den Klassen- rechts" ausführlich beschrieben ist. 2. 1000, Annenstraße. Nein, Ausland. A tag und Sonnabend: Die neugierigen Frauen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Theater des Westens. Sonntag bis Donnerstag: Geschlossen. Fret Undine. Abends: Die Fledermaus. Montag: Die neugierigen Frauen. Belle Alliance- Theater. Sonntag und folgende Tage: Ben i Bey. Deutsch- Amerikanisches Theater. Ab Sonnabend, den 2. Sept.: Aber Herr Herzog. Anf. 8 sthr. Sonntag, den 3. September, nachmittags 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Carl Weiß Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Er und seine Tochter. Abends und folgende Tage: Im Hause der Sünde. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Er und seine Tochter. Montag: Im Hause der Sünde. Wintergarten. Loëe Fuller. Spezialitäten. Apollo Theater. Alabendlich: Am Hochzeitsabend. Ein Abend einem amerikanischen Tingel- Tangel. Spezialitäten. Metropol Theater. Allabendlich: Die Herren von Magim. Passage Theater. Allabendlich: Madame du Dion. Fernande Robertine. Spezialitäten. in Sozialdemokratischer Wahlverein für den 1. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, den 29. August, abends 812 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20: Oeffentl. Versammlung Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Stadtverordneten Genossen Dr. Weyl über: Der Freifinn im roten Hause. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste, Damen und Herren, willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Achtung! Neu eröffnet: Restaurant Säle Großer Mittagstisch ( wie früher)' Richard Amt IV 5652 Jeden Sonntag: FamilienZusammensein Vereinszimmer. Augustin 236/8 Hof, Quergebäude. Der Vorstand. Achtung! Oranienstr. 103, nahe der Lindenstr. Genossinnen und Genossen Deutscher Metallarbeiter- Verband. des Kreises Nieder- Barnim! Dienstag, den 29. August, abends 8 1hr, bei Trapp, Bahnhofstraße 1 in Tegel: Oeffentliche Kreisversammlung der Frauen. Tages Ordnung: 1. Der Parteitag in Jena und die Frauen. Referentin: Genossin Heiden- Deutschmann. 2. Diskussion. 3. Delegiertinnen- Wahl. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 222/17 Frau M. Jung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Verband d.an HolzbearbeitungsMaschinen beschäftigt. Arbeiter Berlins und Umgegend. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Hans Herold am 22. August an der Proletarierfrankheit verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 27. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Elisabeth- Kirchhofes in der Prinzen- Allee aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Dr. Simmel, Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. Dienstag, den 29. August, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- llfer 15, Saal I: Versammlung der Bauanschläger. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Behrend über:" Die Praxis der Gewerbegerichte." 2. Diskussion. 3. Berbands- und Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Achtung! 122/2 Die Ortsverwaltung. Parkettbodenleger! Portefeuiller Mittwoch, 30. August, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- llfer 15( Saal 1): Verfammlung. I Zages Ordnung: Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Hierzu find sämtliche Münchener Bodenleger eingeladen. Um zahl reiches Erscheinen ersucht Der Obmann. Bilderrahmenmacher! Berlins und Umgegend! Montag, den 28. August, abends 8 Uhr, bei Buggenhagen am Moritzplatz: Oeffentliche Versammlung aller in der Portefeuille- Industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tages- Ordnung: 1. Bericht über die nochmals gepflogenen Verhandlungen mit den Vertretern der Fabrikanten- Bereinigung. 2. Unsere endgültige Stellungnahme. 3. Verschiedenes. Dienstag, 29. August, abends 8½ Uhr, im Gewerkschaftshause, scheidung, darum muß jeder anwesend ſein. Keiner darf fehlen! Engel- Ufer 15( Saal V): Kollegen und Kolleginnen! In dieser. Versammlung fällt die EntDie gemeinsame Lohnkommission des Portefeuillerund Buchbinder- Verbandes. Branchen- Verfammlung. 10/14 Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Leopold. 2. Neuwahl der Kommission. 3. Verbands: und Branchenangelegenheiten. Die Kollegen der Firma H. Go st sind besonders dazu eingeladen. Achtung! Branche der Korbmacher! Deutsche Metallarbeiter- Gewerkschaft Verwaltungsstelle Berlin. Bureau und Arbeitsnachweis Rosenthalerstraße 57. Montag, 28. August, abends 8% Uhr, im Gewerkschaftshause, Mittwoch, den 30. August, abends 8 Uhr, im Rosenthaler Hof, Engel- Ufer 15( Saal VII): Versammlung. Zages Ordnung: 1. Bericht des Obmanns. 2. Neuwahl eines Kommissionsmitgliedes. 3. Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Bahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Die Kommission. Bezirk Süden und Süd- Osten! Donnerstag, 31. August, abends 8%, Uhr, im Lokale des Herrn Glimsing, Waffertorstraße 68: Branchen- Verfammlung der Luxusmöbel- Tischler. Rosenthalerftr 11/12: Ordentliche General- Versammlung für das 2. Quartal 1905. Tages- Ordnung: 1. Bericht der Ortsverwaltung, Kassenbericht und Bericht der Revisoren. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 2. Antrag: Die Umgestaltung unserer Organiſation. 3. Gewerkschaftliches. Wir machen ganz besonders darauf aufmerksam, daß durch Abstempelung im Mitgliedsbuche der Besuch der Versammlungen von jetzt ab bestätigt wird. Der wichtigen Tagesordnung halber erwartet zahlreiches und pünktliches Erscheinen [ 280/17] Die Ortsverwaltung. Kürschner! Die Drechsler und Poliere, welche in den betreffenden Montag, den 28. August 1905, vormittags 9%, Uhr Werkstätten arbeiten, sind ganz besonders eingeladen. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Leopold über:" Die Lage in unserer Branche". 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. 91/12 Achtung! Die Obmänner. Achtung! Posamentiere! Montag, den 28. August, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal 1): Oeffentliche Versammlung. Tages Drdnung: Die Verhandlungen der MöbelposamentenArbeiter mit der Innung und wie ist unser Verhalten demzufolge? Die Sache ist so wichtig, daß niemand fehlen darf. 205/7 Der Einberufer. Zentralverband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Mittwoch, den 30. August 1905, abends 8½ Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal 8): im ,, Alten Schüßenhaus", Linienstr. 5: Versammlung der Streikenden. Mittwoch, den 30. August, abends 8 Uhr, im Alten Schüßenhaus", Linienstr. 5: Oeffentliche Versammlung aller in d. Kürschnerbrauche beschäftigten Arbeiter u. Arbeiterinnen. Tages- Ordnung in beiden Versammlungen: 263/13 1. Die abermalige Antwort des Arbeitgeber- Verbandes und welche Stellung nehmen wir dazu? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersuchen Der Vorstand des Deutschen Kürschner- Verbandes, Zahlstelle Berlin. Der Vorstand des Verbandes der Kürschner Berlins u. Umgegend. Achtung! Prinzen21/ 10* Spezialarzt für Haut- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Verlag Max Richter, Berlin W. 30, Speyererstr, 27. Soeben erschien: 3fes Tausend Die Harnleiden ihre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von Dr. med. Schaper. Preis 1 Mark. Dr. Lell wohnt jetzt: Rosenthalerstrasse 26 II. Homöopath und Spezial- Arzt für Haut, Harn- und Geschl.- Leiden. 11-2 u. 5-8. Sonnt. 11-3.* Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Todes- Anzeige. Am 24. August verstarb unser Mitglied, der Maurer Wilhelm Röhl Liebenwalderstr. 34. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachmittags 4 Uhr, vom Paul Gerhardt- Stift aus nach dem neuen Nazareth- Kirchhof statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 249/1 Der Vorstand. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Am 24. August verstarb an Nierengeschwulst im Alter 41 Jahren unser Kollege von Wilhelm Röhl. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. d. Mts., nachmittags 4 Uhr vom Paul GerhardtStift aus nach dem Nazareth Kirchhof, Chaussee, statt. 9 neuen Dalldorfer 148/2 Um rege Beteiligung ersucht Die Verbandsleitung. Statt besonderer Meldung. Am 26. August entschlief nach langem schwerem Leiden mein lieber guter Mann, der Posa11086 + Hygienische mentierer Bedarfsartikel. Neuest. Katalog m. Empf. viel. Aerzte u. Prof. grat.u. fr. H. Unger, Gummiwarenfabrik, Berlin NW., Friedrichstr. 91/92. Nach beendeter Inventur Ausverkauf! fehlerhafte prima Velours- Teppiche Sofagröße M. 10.50 Zimmergröße 22.50 Salongröße 37.50 Saalgröße 65.00 99 99 99 Hochelegante Portieren u. Dekorationen. Gardinen, Stores, Nestbestände 1-6 Fenster. in allen Farben. Steppdecken en Tisch-, Diwan-, Schlafund Bettdecken kommen bis zur Hälfte des regulären Preises zum schleunigen Ausverkauf. TeppichEngros- Haus Hermann Bursch Spandauerstr. 65-67 1. u. II. Etage. Kein Laden. Zwischen Kaiser Wilhelm- und Bischofstraße. 28/10 Achtung! Musikinstrumenten- Arbeiter. Montag, den 28. August, abends 812 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( großer Saal): Oeffentliche Versammlung. Tages Drdnung: 91/ 4* 1. Der Zusammenbruch der Firma Neumeyer. Referent A. Sickfel d. 2. Diskussion. 3. Der Kongreß der Pianofabrikanten in Koblenz. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung erwartet zahlreiches Erscheinen Die Branchenkommission des Holzarbeiter- Verbandes. Versammlung Arbeiter- Sängerbund für alle bei der firma Lugino beschäftigten Puker u. Pukerträger. Tagesordnung: Besprechung über die auf den Bauten der Firma herrschenden Mißstände und die Schädlichkeit des bei der Firma eingeführten Affordsystems. Der größte Teil der bei der Firma beschäftigten Buzer und Buberträger steht der Organisation unseres Berufes fern. Nur aus diesem Grunde war es bis jetzt dieser Firma möglich, die Arbeiten unter einem System fertig stellen zu lassen, welches den Beschlüssen der Organisation direkt entgegen steht. Die Firma Lugino hat durch dieses Verhalten auch noch den für unsere Branche bestehenden Tarif gebrochen. Wir bitten nun alle baugewerblichen Arbeiter, hauptsächlich die Maurer und Bauarbeiter, die zurzeit mit Arbeitern der Firma Lugino auf den Bauten arbeiten, lettere zum Besuch der Versammlung aufzufordern. Wir werden später an zuständiger Stelle die baugewerbliche Arbeiterschaft Berlins von den Beschlüssen der Versammlung und dem Ausgang der ganzen Angelegenheit unterrichten. 148/ 1* Der Vorstand. J. A.: Wilh. Fritsch. Berlins und Umgegend. Sonntag, den 3. Sept., vorm. 10 Uhr, in der Brauerei Friedrichshain: Außerordentliche General- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Stellungnahme der Bundesvereine zur Mitwirkung bei Parteifeſtlichkeiten. Antrag der Vereine: 20, 31, 36, 70, 114, 117, 120, 135, 151, 171. Antrag des Vereins 182. 2. Diskussion. 16/16 Eventuelle Anträge zu dieser Angelegenheit sind zu richten an Julius Meyer, Urbanstraße 131. Es ist notwendig, daß die Vereine vollzählig am Blaze sind. Nur Mitglieder haben Zutritt. Bundeskarte legitimiert. Der Vorstand. Emil Flath. Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Dienstag, den 29. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Thomas- Kirchhofes aus statt. Verband der haugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands. Bezirk Adlershof. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege 43/6 Hermann Plath am 24. d. Mts. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes in Adlershof aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Zweigvereinsvorstand. Zentralverband der Maschinisten u. Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands. = Verwaltungsstelle Berlin u. Umg. Todes Anzeige. Am 21. d. Mts. verstarb das Mitglied Wilhelm Hübner am an den Folgen eines Unfalles. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 27. d. Mts., nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes in Rirdorf, Hermannstraße( hinter der Ringbahn) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 139/2 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Tischler Wilhelm Klebbe am 24. August nach furzem Krankenlager verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 28. Auguft, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 91/13 Die Ortsverwaltung. Invaliden- Unterstützungskasse d. Steindrucker u. Lithographen. Die am Beerdigung des 25. August verstorbenen Steindruckers Georg Kleinert findet statt am Sonntag, den 27. August, nachmittags 4, Uhr, auf dem Matthias Kirchhof in Südende. 11105 Das Komitee. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres Sohnes Ernst Wodke sagen wir allen Verwandten und Bekannten unseren herzlichsten Dank, besonders feinen Kollegen und dem Sängerchor. Die trauernden Hinterbliebenen. Berantw. Rebatteur; Baul Büttner, Berlin. Für den Anferatenteil berantw.: Th. Glone, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buddruckerei n. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Nr. 200. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. rfammlungen. 11 " " 1 Am Sonntag, 27. Auguft 1905. " Tatsache, daß die Gegner der heutigen Maifeier im Verband die herbeizuführen, sondern auch selbst und beim nächsten Verbandstage Minderheit seier. Es müsse aber doch jeder Kollege seine Meinung eine Aussprache herbeizuführen, in der die Taktik des Deutschen sagen dürfen, auch der Redakteur Schmidt. Auch wenn er die Taktik Buchbinderverbandes in der Stellung der Gewerkschaftsbewegung Der Deutsbinderverband( 3 a hlstelle Berlin) hielt eines Kollegen nicht forrekt nennen könnte, habe er doch Achtung vor unumwunden geklärt wird. Hante." am 23. Augustzen Saale von Buggenhagen eine Mitglieder ihm. Redner sei auch anderer Meinung geworden bezüglich der II.„ Die Versammlung erklärt sich im vollen Umfange mit der versammlung sich gemäß dem Beschluß einer General- Maifeier. Wie sei die Abstimmung in den Werkstätten? Polemik des Kollegen und Verbandsvorsitzenden E. Kloth gegen die bersammlung n Streit zwischen dem Verbandsvorsitzenden Behn stimmten dafür, die anderen überhaupt nicht. Die Taktik des Redakteurs der Buchbinder- Zeitung" G. Schmidt einKloth und deandsredakteur G. Schmidt zu befassen hatte. Maiversammlungen hätten keinen Fortschritt genommen entsprechend verstanden. Die Versammlung erwartet demgemäß, daß es auch in Vor Eintritt igesordnung stellte Paul Jahn, der eigent- der Zahl der Mitglieder. Energisch müsse er, Redner, sich gegen Zukunft nicht nur Recht, sondern auch Pflicht des Verbandsvorsitzenden liche Veranlasse Versammlung, den Antrag, einen objektiven die Abwürgung der Meinung anderer wenden. Verbands- ist, in gleicher Weise, wie er es getan, die Prinzipien des Verbandes Berichterstatter Vorwärts" aus der Mitte der Versammlung vorsitzender Kloth meint, es fönne ihm niemand verdenken, daß er Hochzuhalten. P. Jahn." zu ernennen, Berichterstatter des Vorwärts" die nötige feinen Standpunkt im Gegensatz zum Verbandsredakteur vertrete. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung wurde vertagt. Objektivität velasse. Der Berichterstatter Wach, der zufällig Redner geht dann auf die Frage der Maifeier und des politischen auch ein lang Mitglied des Buchbinderverbandes ist, ver- Massenstreits näher ein, wobei er hervorhebt, daß die Gegensäge hielt am Freitag im Gewerkschaftshause eine Mitgliederversammlung Die Sektion der Fliesenleger des Zentralverbandes der Maurer wahrte sich en gegen jenen Vorwurf. Der Antrag Jahn zwischen Kapital und Arbeit sich immer mehr verschärften. Unſere ab, um zu der jetzigen Lohnbewegung Stellung zu nehmen. Der wurde abgel Forderungen ließen sich, und wenn der Verband noch einmal so Mit dem zwischen Schmidt und Kloth" ist in der Haupt- start wäre, auf dem Boden der heutigen Gesellschaft nicht durch- Vorsitzende Breiske leitete die Verhandlungen mit einem Rückblick sache eine Polischen beiden in der Buchbinder- Beitung" ge- feßen, daß man sagen könne, es sei erreicht. Die gewerkschaftlichen Branche, die Schwierigkeit für viele Maurer, festen Fuß in diesem auf den Fliesenlegerberuf ein. Er schilderte die Entwickelung der meint, welche e an Artikel des Redakteurs Schmidt über den Kämpfe würden in Zukunft nicht bloß rein gewerkschaftliche, sondern Branche, die Schwierigkeit für viele Maurer, festen Fuß in diesem Kölner Gewevongreß. Schmidt gehört zu denen, die der auch zugleich politische Kämpfe Berufe zu fassen und die Abneigung der älteren Fliesenleger, sein und darum fei aus Furcht, eine unbequeme heutigen For Maifeier steptisch gegenüberstehen. Auch ist er für den politischen Massenstreit, der diskutiert werden jüngere Elemente anzulernen, Konkurrenz zu erhalten. An recht drastischen Beispielen zeigte er gegen denalstreik. Bei seiner Beurteilung der Ver- müsse. " Borwärts" vermißt vermißt Redner Verstandesschärfe, er, wie der frühere Mofaitpflasterlegerverein bestrebt war, in handlungen leschlüsse des Gewerkschaftskongresses sind wenn er schreibe, die Diskussion des politischen Massenseine Ansichteber mit zum zum Ausdrucke gelangt. Der streiks oder Generalstreits sei nicht verboten worden, sondern trauter Harmonie mit den Unternehmern die Interessen des Verbandsvorsi Ioth, der in diesen Fragen den gerade ent nur die Propagierung. Ein Anhänger des politischen Massenstreiks Berufes zu wahren". Aus diesem Verein ging die heutige Freie gegengesetzten mit vertritt, wie Schmidt, antwortete in einem könne diesen doch nur diskutieren, wenn er ihn zugleich propagiere, sich als die allein berechtigte Vertreterin der Fliesenleger aufspielt. Vereinigung hervor, die gleich der früheren Standesvereinigung" Artikel auf desführungen, worauf Erwiderung und Gegen er müsse ihn doch befürworten als Kampfesmittel. Redner ist der erwiderung f Persönliche Schärfen liefen mancherlei dabei Meinung, daß man darauf abziele, ihn von seinem Blaze herab- In scharfen Worten geißelt er das eigentümliche Verhalten jener mit unter. Mäher interessiert, sei auf die Nummern 23, 24, zudrängen, weil einer Anzahl Leute, auch der Mehrheit im Verbands- Lokalorganisation, die trotz der wiederholten Bereitwilligkeit der Sektion der Fliesenleger, gemeinsame Lohnforderungen zu stellen, 25, 27, 28 unde der„ Buchbinder- Zeitung" verwiesen. Die borstande, seine Richtung nicht gefalle. allein vertragliche Verhältnisse im Berufe herbeiführen möchte. Daß Angelegenheit übrigens jetzt zur Klärung und Entscheidung Die weitere Debatte, in der auch eine Anzahl Mitglieder dadurch die günstigen Chancen für eine Besserung in Frage gestellt beim Ausschu'erbandes. Die Berliner Mitgliedschaft hielt es des Verbandsvorstandes sprachen, bewegte sich fast nur auf werden, scheine man nicht einzusehen. In der darauffolgenden sehr lebfür angebrachelber ein Wort mitzureden. rein persönlichem Gebiete. Sie ließ erkennen, daß innerhalb haften Diskussion wurden die Ausführungen des Referenten vielfach erAls erster erhielt, da ein Referent nicht bestellt war, des Verbandsvorstandes tiefgehende persönliche Differenzen Paul Jah sort. Er wolle niemand einen Vorwurf daraus herrschen. Redakteur G. Schmidt und die Vorstandsmitglieder gänzt. Besonders rief die Ueberstundenarbeit der Mitglieder der Freien machen, daß ihren über die Frage der Maifeier oder sonst Schulze, Haueisen, Kemple machen die persönliche Art Bereinigung großen Unwillen hervor. Man könne es nicht verstehen, wie es möglich sei, Lohntämpfe zu inszenieren und dabei gleicherzeit zu einem, früheren entgegengesetzten Standpunkt komme. Kloths dafür verantwortlich, zum Teil in sehr schroffen Ausdrücken, wie es möglich sei, Lohnkämpfe zu inszenieren und dabei gleicherzeit Aber was bo dt und anderen gegen die Maifeier vorgebracht während das Vorstandsmitglied Klar zugunsten Kloths eintrat und durch ungeheure ueberarbeit den Unternehmern die Arbeit frühzeitig werde sei nialtig. Eine Abschwächung sei nicht bewiesen. von einer Cliquenwirtschaft sprach. fertigzustellen. Leider haben sich dadurch auch einzelne Mitglieder Nach einer Aeußerung des Und wenn dier nicht so aussiele, wie man wünschen möchte, Verbandskassierers Haueisen sind die Gegenfäße so schroff, daß eine Stimme wurde der Antrag angenommen, daß die Ueberstundender Sektion verleiten lassen, diese Neberarbeit zu leisten. Gegen bann liege einer gewissen Verwässerung, der entgegen ein gedeihliches Zusammenarbeiten der Verbandsbeamten so gut wie zuwirken sei. üſſe an Schmidt gerügt werden, daß er in den ausgeschlossen sei. Schulze stellt ein Cliquenwesen entschieden in arbeit auf das schärfste verurteilt wird und daß für die Zukunft jede Tetzten Jahine Maifeierartikel gebracht gebracht habe. Das Abrede. Wir müssen es uns versagen, auf die persönlichen Ueberstunde zu vermeiden ist. Die Kollegen haben beim ZuwiderVerbandsorg, nicht dazu da, immer bloß zu bringen, Differenzpunkte und was damit zusammenhängt, einzugehen, handeln alle fich daraus ergebenden Konsequenzen zu tragen. was dem R angenehm sei. Kloth sei deshalb mit Recht zumal alles bor dem Verbandsausschuß zum Austrag Die Brauer( Sektion I des Zentralverbandes deutscher Brauereigegen ihn z gezogen. Wenn es Kloth nicht in der Zeitung kommen und dann, in geklärterer Fassung, noch einmal arbeiter) hörten in ihrer letzten Versammlung zunächst ein Referat getan hätte, ürde er Anlaß genommen haben, vorzugehen. die Mitglieder beschäftigen wird. G. Schmidt erklärte, daß er des Dr. Maurenbrecher über„ Marim Gorki", dann teilte der VorRedner tritt für eine radikalere Erziehung der Mitglieder ein. fich zur Maifeier und zum Generalstreit hier nicht äußern wolle, sigende mit, daß die Angelegenheit Bößow durch ein Schreiben dieses Nicht bloß rsicherungsanstalt dürfte der Verband gelten, das habe er genug getan, schriftlich wie mündlich. Im übrigen Herrn erledigt sei, worin erklärt wird, nichts von den inzwischen sondern es much künftig jedes Mitglied ein Kampffreudiger glaube er mit mehr Recht, wie Kloth von sich, sagen zu können, daß öffentlich besprochenen Belästigungen der organisierten Mitglieder Kollege und sein. Hante ließ sich ähnlich aus, ging man ihn beseitigen wolle. Die Klärung werde an anderer Stelle hinsichtlich ihres Koalitionsrechts durch den Brauführer Heger gewußt auf einige ähon erledigte Differenzen mit Schmidt ein, vers erfolgen. Wenn er dabei unter die Räder tomme, dann sei es ihm zu haben. Ein günstiger Erfolg vor dem Einigungsamt wurde urteilte deffit und billigte es, daß Kloth als Verbands- egal. Ohne weiteres beuge er sich aber nicht unter den Willen seiner durch die Wiedereinstellung des Kollegen Christ in der Brauerei vorfizender Interesse der Gewerkschaft hochhalte, wie Gegner. Gregory, allerdings nach mehrmaligem Verhandeln, erzielt. Hodapp in nainung des Redners der ,, BuchbinderMit großer Mehrheit wurden folgende Resolutionen an- ermahnt die arbeitslosen Mitglieder, welche vorübergehend in Beitung" habe. Kuhnert hofft, daß der genommen: anderen Berufen Beschäftigung nehmen, ihre Beitragszahlung pünktnächste Verg das letzte Wort gegen Schmidt sprechen I. Die Versammlung protestiert energisch gegen die häßlichen lich zu leisten, damit sie nicht bei plöglich ausbrechenden Streiks werde, der er die Hirsch- Dunderschen und Christlichen passe, ihrer Unterstügung verlustig gehen. Weiter wird beschlossen, von den wie in eine te Gewerkschaft. Klemm meint, Schmidt Kollegen Jurich und Neumann, die als Vertreter des Verbandes hätte sein derzulegen, wenn seine Auffassung mit der der beim Kölner Gewerkschaftskongreß fungierten, einen Bericht einzugroßen Maßßuchbinderverbandes nicht mehr im Einklang sei. fordern über die Vorkommnisse beim Gewerkschaftskongreß bezüglich Hoffnwendet sich gegen Kloth. Es wäre allerdings der Boykottangelegenheit. er es 180062 Bolemiten in der Buchbinder- Zeitung" zwischen Schmidt und Kloth. Sie verwirft mit Entschiedenheit die Taktik der Redaktion, in welcher die Schreib- und Stilweise als eine Verschwemmung der Klassen gegenfäße angesehen werden kann. Sie fordert den Ausschuß auf, nicht nur eine Schlichtung der persönlichen Meinungsverschiedenheiten noxno Coden- Kleidung en- Pelerinen Extra lang bis übers Knie, 18., 15., 12., 10.50, 9.-, Schöne Farben, 24., 21., 18., 15., 12., 10.-, len- Havelocks len- Joppen len- Herren- Anzüge Praktische Fassons, 8 Mk. 6 Mk. 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Er bestritt seine Schuld und erklärte das Opfer einer auf und erkannte auf Freisprechung der beiden Angeklagten. im Gefolge gehabt, die die 2. Ferienstrafkammer gestern gegen den Personenverwechselung zu sein. Der Gerichtshof hielt ihn aber auf Tischler Otto Gerischer bezw. den Kaufmann Simon Cohn Grund der Beweisaufnahme für überführt und verurteilte ihn unter wine 2. sich in einer Weise Geld zu verschaffen gewußt, die ihr eine Mit der Erbschaft eines Lebenden hatte die Stepperin und den Redakteur Alfred Scholtz zu verhandeln hatte. Als der Aufhebung des Strafbefehls zu 3 Tagen Gefängnis. Bankier Simon Cohn am 4. Februar aus seiner Wohnung in der Anklage wegen Betruges einbrachte. Diese tam gestern vor dem Neustädtischen Kirchstraße auf die Straße trat, bemerkte er einen Eine Anklage wegen Unterschlagung und Hehlerei, die gestern Schöffengericht I zur Verhandlung. Die bisher unbescholtene Angroßen Menschenauflauf, der sich um einen Kriminalschutzmann vor der 5. Strafkammer des Landgerichts I verhandelt wurde, hatte geflagte ist verheiratet, jedoch sorgt ihr Mann nicht im geringsten gruppierte, welcher einen etwa 14jährigen Knaben festgenommen eine große Zahl von Pferdehändlern und Fahrinteressenten in den für den Haushalt, der durch den Vater ihres Mannes noch bedeutend hatte und sich bemühte, ihn zur Wache zu bringen. Der Junge Gerichtssaal gelockt, die wiederholt ihr lebhaftes Interesse an der belastet war. Als der alte Mann erkrankte wußte sie nicht mehr machte eirken bedauernswerten Eindruck, denn er war bar Verhandlung bekundeten. Das Schöffengericht hatte seinerzeit den aus noch ein. Sie griff deshalb zu einem kleinen Schwindel, um häuptig, hatte bei dem Transport seine Pa.- Fuhrherrn Franz Lauschke wegen Unterschlagung zu fünf sich Geld zu verschaffen. Ohne Wissen ihres Schwiegervaters ging toffel berloren und wurde nun, obgleich es falt, Monaten, den Handelsmann und Noßschlächter Paul Beilicke sie mit dessen Sparkassenbuch zu einem Pfandleiher. Sie erzählte schneeig und naß war, barfüßig vorwärts ge- wegen Hehlerei zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, und zwar diesem, ihr Schwiegervater sei plöblich verstorben und habe ihr das zogen. Er schrie aus Leibeskräften und da verschiedene Personen auf Grund des eigenen Geständnisses des Lauschke. Danach soll an Sparkassenbuch vermacht. Um die Begräbniskosten zahlen zu können, aus dem Straßenpublikum an seinen Arm zerrten, um ihn dem einem Dezemberabend ein Arbeiter Gröschel zu dem An- wolle sie das Sparkassenbuch für ein Darlehen verpfänden. Schußmann zu entreißen, so sah dieser sich schließlich gezwungen, den geklagten Beilide gekommen sein und ihn aufgefordert haben, Pfandleiher glaubte diesen Angaben und lieh der Angeklagten Jungen fortzutragen. Ms Herr Cohn diesen sonderbaren Aufzug ein bei dem Angeklagten Lauschke stehendes Gespann daraufhin 50 M. Nach einigen Tagen erschien sie nochmals und lieh sah, erkundigte er sich, ob denn der Junge ein gefährlicher Ver- möglichst schnell zu billigstem Preise zu kaufen, da es sonst ab fich 30 M., ihr Mann müsse infolge der Erbschaftsregulierung berbrecher" sei; ihm wurde die Auskunft, daß die Siftierung des Knaben geholt" werden würde. Am nächsten Morgen in aller Frühe soll reisen. Sturz darauf starb ihr Schwiegervater. Als die übrigen erfolgt, weil er Unter den Linden mit Schnürsenkeln gehandelt und Beilicke dann bei Lauschke erschienen sein, und das Geschäft wurde Erben nach dem Verbleib des Sparkassenbuches forschten, kam das die Passanten dadurch belästigt habe. Dies erregte Herrn Cohn und perfekt. Lauschke forderte für den Wagen, der allein 200 M. wert Manöver der Angeklagten zur Entdeckung. Das Sparkassenbuch er rief:„ Die Polizei sollte lieber den Mörder in Lichtenberg fuchen; gewesen sein soll, und die beiden Pferde 350 M., Beilicke wurde wurde bei dem Pfandleiher beschlagnahmt, so daß dieser der direkt den können sie nicht kriegen und statt dessen halten sie es für ihre aber schließlich für 150 M. Eigentümer des Gespanns. Er hat den Geschädigte ist. Der Staatsanwalt hielt einen Betrug für nachAufgabe, unschuldige Kinder fortzuschleppen!" Als Herr C. dann Wagen sofort für 150 M. und von den beiden Pferden das eine gewiesen und beantragte eine Geldstrafe von 80 M. Der Gerichtsaufs Polizeibureau ging, um dem Reviervorstande seine Wahr- für 64 W. weiter verkauft, das andere gegen das Pferd eines hof berücksichtigte, daß die Angeklagte nur in der Not gehandelt nehmungen mitzuteilen, begegnete ihm gerade der betreffende Kutschers und 50 M. Zuzahlung umgetauscht. Die Berurteilung hatte und erkannte auf 30 M. Geldstrafe. Kriminalschuhmann und dieser beeilte sich nun, die Person des ihm der beiden Angeklagten erfolgte, il Lauschte das ganze auf Abzahlung unter unbequemen Intervenienten festzustellen. Lepterer berichtete darauf Gespanne von dem Pferdehändler über sein Erlebnis in einem an die„ W. a. M." gerichteten Briefe Eigentumsvorbehalt gekauft zu haben zugab und ferner zugestand, und diese brachte das Vorkommnis mit einigen redaktionellen Zu- daß Beilicke aus der ganzen Art, wie das beschleunigte Geschäft mit taten zur Kenntnis ihrer Leser. Dieser unter Anklage gestellte ihm zustande gekommen, hätte annehmen müssen, daß es sich um Artikel trug die Spitzmarke Ein schwerer Junge" und ein unsauberes Geschäft handelte und Lauschke zum Verkaufe des ironisierte die Tätigkeit der Polizei bei solchen untergeordneten Ver- Gespannes nicht berechtigt war. Gegen das erste Urteil legte anlaffungen gegenüber ihren Mißerfolgen bei der Ermittelung von Rechtsanwalt Dr. Davidsohn für beide Angeklagte Berufung Kapitalverbrechen. Der Angeklagte Cohn lehnte eine Verantwort ein. Er führte aus, daß Lauschke mit dem Pferdehändler Jordan lichkeit für die Form des Artikels ab und behauptete, daß er sich in schon in längerer Geschäftsverbindung gestanden, mehrmals Pferde feinem Briefe an die„ W. a. M." darauf beschränkt habe, lediglich und Wagen von diesem auf Wechsel gekauft habe und daß Herr Caspari- Roth- Roffi schreibt uns: In Nummer 194 vom die Tatsachen mitzuteilen und daß der Artikel den Inhalt seines bei dem hier in Frage stehenden Gespann von einem Eigen Sonntag, den 20. August, Ihres geschäßten Blattes findet sich die Briefes start aufgebauscht habe. Der Angeklagte Scholz. bestritt tumsvorbehalt teine Rede gewesen sei. Lauschke habe Notiz, daß in dem Termin vont 17. cr., betreffend meine Prozeßdieses und so kam denn der Gerichtshof dazu, die Verhandlung gegen bei seinem Geständnis in erster Instanz nicht die volle fache gegen den Redakteur Gehlsen, Hauptzeugen nicht erschienen diese beiden Angeklagten zu vertagen und dem Staatsanwalt anheim- Wahrheit, sondern auf Veranlassung des Jordan belastend gegen waren und deshalb vertagt worden sei. Diese Notiz ist falsch. zugeben, den qu. Brief des Angeklagten Cohn an die Redaktion der Beilice ausgesagt, weil ihm Jordan in Aussicht gestellt habe, daß Gehlsen hatte, obwohl er den Wahrheitsbeweis angeboten, die W. a. M." zur Stelle zu schaffen. Dagegen wurde die Anklage er dann seine Verpflichtungen gegen ihn los werden und später auch Zeugen gar nicht geladen. gegen den Angeklagten Gerischer erledigt. Dieser hatte sich an dem von ihm wieder Fuhrwerk erhalten würde. Der Verteidiger wies Auflauf beteiligt, die von dem sistierten Knaben verlorenen Pan- auch darauf hin, daß gegen Jordan wegen seiner Zeugenaussage in toffel diesem wiedergebracht und soll bei dieser Gelegenheit auch dieser Sache am 6. Juli d. J. bei der Staatsanwaltschaft Straf" 1 Der Bommernbank- Prozeß, der im Juli v. J. in zweiter Auflage vor der Strafkammer beendet wurde, harrt bekanntlich noch immer seiner endgültigen Erledigung, da die beiden verurteilten Direktoren von dem Rechtsmittel der Revision Gebrauch gemacht haben. Das Reichsgericht hat das Studium des umfangreichen Aftenmaterials nunmehr beendet und es ist, dem Vernehmen nach, die Ansetzung eines Termins im Oktober zu erwarten, auf dem es sich entscheiden wird, ob die alte Seeschlange noch einmal zu neuem Leben erweckt werden soll oder nicht. Beachtenswert für die Konfirmation! Schwarze und weiße Stoffe in Wolle und Seide. FUeberraschend reiche Auswahl! Bekannte Preiswürdigkeit! 126, Gr. Frankfurterstr. 126, S. 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" Freilich, die proletarische Presse hat wenigstens in den wurde, erweist der Umstand, daß eine Base in Trümmer ging. großen Städten eine Verbreitung, die sich immerhin sehen lassen Endlich entfernten sich die Beamten mit dem Versprechen wieder fann, wenn sie auch nicht an die hohen Auflagen der unparteiischen zu kommen. Blätter heranreicht. Aber unterstützt das Proletariat in seiner Gesamtheit diese seine Presse? Es ist beschämend genug, aber die Antwort fann Am Sonntag, 3. September, findet in der Philharmonie", nicht mit einem unumwundenen" Ja" gegeben werden. Auch der Bernburgerstraße 22/23, ein von der Vereinigung Berliner Arbeiter ist zum großen Teil noch auf die unparteiische Presse Männerchöre"( Leitung: Herr Blaufus) veranstaltetes Botal- und eingeschworen, auch er ist Mitschuldiger an der für das deutsche Instrumental- Konzert unter Mitwirkung des Haberlandschen Volt beschämenden Tatsache, daß die am meisten gelesene Presse gemischten Chores( Chormeister: Herr Wangleben) statt. freiwillig das Joch der Meinungslosigteit trägt. Beteiligt hieran ist auch der Gesangverein 2yrania". Eg Die Verweisung auf diese schwere Schuld sollte genügen, daß wird versucht, in Arbeiterfreisen Billetts umzusetzen. Da das Lokal überall, wo Arbeiter nicht ihre Presse lesen, Umkehr gesperrt ist, so weise man Billetts für diese Veranstaltung erfolge. zurück. Die 2otalfommission. " Erster Wahlkreis. In der am Dienstagabend 8 Uhr in den Arminballen". Kommandantenstr. 20, stattfindenden Versammlung hält Stadtverordneter Dr. Weyl über den Freisin im Roten Hause einen Vortrag. Gäste find wiltommen. Zahlreiches Erscheinen erwartet der Vorstand. Die Generalversammlung des Zentral- Wahlvereins für TeltowBeeskow findet heute mittag 12 Uhr in Teltow, Berlinerstr. 16, Restaurant Biedenhagen, statt. Die aus der Richtung Berlin kommenden Delegierten fahren am besten mit dem fünf Minuten nach 11 Uhr vom Potsdamer Stadt- und Ringbahnhofe abgehenden Zuge bis Groß- Lichterfelde- Dit und von da 28 Minuten nach elf Uhr mit der Straßenbahn bis zum Ruhlsdorfer Plaz. Für die aus der Richtung Potsdam kommenden Delegierten fährt der Dmnibus aus Behlendorf 11 Uhr 45 Min. ab. Die Teltower Genossen, welche heute, Sonntagvormittag, Zeit haben, werden gebeten, um 9 Uhr bei Pieckenhagen zu erscheinen. Der Vorstand des Wahlvereins Teltow. Achtung! Mittwoch, den 30. August, abends 8½ Uhr findet im Charlottenburger Volkshause, Rosinenstr. 3, eine Kreisversammlung für Teltow- Beeskow- CharTottenburg statt, in welcher die Genossin Ottilie Baader über ,, der Parteitag in Jena und die Frauen" referieren wird. 2. Wahl einer Delegiertin. Da es Pflicht aller Genossinnen ist, sich über alle Parteifragen Aufklärung zu verschaffen und mitzuentscheiden, erwartet zahlreichen Besuch Die Kreisvertrauensperson. Frau Thiel. Berliner Nachrichten. Im Kreislauf der Zeit- ungen. Wir blättern in alten Berliner Zeitungen. Vor uns liegt bie Spenersche" aus den Jahren 1840/41. Am interessantesten ist eigentlich der Annoncenteil. Eine herrschaftliche Wohnung in der Königstraße, fünf Zimmer groß, wird für 220 Taler ausgeboten; wer denkt dabei nicht an den modernen Bodenwucher, dem wir es verdanken, daß eine Wohnung heute dreifach so teuer ist wie damals! Auch andere Anzeigen interessieren, doch führte es zu weit, sich über sie hier im einzelnen auszulassen. Die Lokalnachrichten find ebenfalls zuweilen beachtenswert. Der Teil des Blattes aber, der Heute in unsern politischen Tageszeitungen der wichtigste iſt, eben der politische, liest sich nach unseren Begriffen entsetzlich langweilig und ledern. Seine Spur irgend einer selbständigen Ansicht über die Fragen der Zeit, ja nicht einmal irgend eine Polemik gegen andere Blätter. Das, was heute ein politisches Blatt anregend und interessant macht, der Kampf gegen feindliche Parteien, die Aufdedung bon öffentlichen Mißständen, die Erörterung über Zweckmäßigkeit oder Unzweckmäßigkeit von Gesetzentwürfen und Regierungsmaßnahmen: alles dies fehlt vollständig. Keinerlei politische Belehrung, feine Erziehung, teine Festigung in der Parteianschauung wird dem Leser geboten. Berichte über Hoffestlichkeiten, Verseßung und Beförderung von Beamten, Reden des Königs hingegen bringt die Zeitung von damals in schwerer Menge; wo angängig mit jener tiefloyalen Sauce umgoffen, die in Börnes Augen schon den deutschen Untertanen in den Ruf gebracht hat, daß teiner auf der Welt so wie er sich zum Bedienten eigne. . In ihrer Angst um den Gatten vertraute sich die bedauernswerte Frau endlich einem Nachbar an, der in ihrem Auftrage sofort eine Anfrage an die Gefängnisdirektion in Tegel richtete, ob 9. sich dort befinde, Am gleichen Tage sandte die Verwaltung folgende Antwort: 11. der Antragstellerin zurück. R. hat sich am 18. Auguft zum Strafantritt gestellt. Der Direktor. J. A.:( Name.), Am gleichen Tage nachmittag erschien auch einer der an der Morgenhaussuchung beteiligten Beamten, bezahlte der Frau 85 Pf. für die zerbrochene Base und redete ihr in aller Freundlichkeit zu, fie möge fich nur beruhigen, der Mann sei nun doch in Tegel! Wer als Arbeiter kein Arbeiterblatt hält, wer statt des„ VorUnd mit derselben Mahnung wird man versuchen, diese Vorist Mitschuldiger an der geistigen Knechtschaft von heute, die Versehen", das sich doch in einer bielgeschäftigen Berwaltung leicht wärts" den Lokal- Anzeiger" und ähnliche Sensationsblätter liest, fommnisse in der Deffentlichkeit zu verteidigen. Ein bedauerliches um so beschämender ist, als das Bürgertum und seine unparteiische ereignen kann! Und dann einem Sträfling und seiner Familie Presse sie freiwillig gewählt hat. gegenüber, sollte da im Interesse der öffentlichen Sicherheit nicht Sehr wohl kennen wir die Einreden, mit denen uns die Arbeiter alles zu entschuldigen sein? fommen, die aus Trägheit die unparteiische Presse unterstützen; das St. ist ein allgemein geachteter Mann, der für seine Familie hauptsächlichste Argument ist ja das, daß der„ Vorwärts" an seine aufopfernd sorgte. Er ist fein Verbrecher er war bisher Leser zu hohe Anforderungen stelle. Wer uns damit kommt, unbestraft und soll diese Verurteilung wegen strafbaren Eigendem geben wir recht und sagen obendrein, daß es schlimm wäre, muzes erhalten haben. Rechtfertigt das die ziveimalige Hauswenn ein solcher Vorwurf nicht gegen uns erhoben werden könnte. suchung, die Aengstigung einer bemitleidenswerten Frau, die Denn dieser Vorwurf erwirbt nicht allein uns, sondern auch unseren 4 Uhr morgens aus dem Schlafe gerissen wurde? War es der Refern erst die Achtung der Gegner. Das mag anmaßend Bolizeiverwaltung unmöglich, eine Anfrage nach Tegel zu richten? klingen, aber nicht ohne Ursache können wir uns auf das Urteil eines Doch gleichviel, welche Verwaltung die falsche Meldung verursacht unserer erbittertsten Feinde berufen. Das Organ der Agrarier, die hat, diese Maßnahmen der Polizei müssen gerade wegen ihrer zweifelDeutsche Tageszeitung", bespricht Sonnabendabend die im losen Gesezwidrigkeit die stärkste Entrüstung hervorgerufen. Wie weit Rechenschaftsbericht des Parteivorstandes bekanntgegebenen Erfind wir denn von russischen Zuständen entfernt? Preußen hat eine folge unseres Blattes in einem Leitartikel, aus dem wir einige gesetzliche Polizeiherrschaft. Polizeiwille ist das Recht, es fehlt nur Ausführungen wiedergeben wollen: der Kosat und die Knute. Wer das Hauptstädtische Straßenleben und die Arbeiter im Ueber Armenunterstützung und Wahlrecht hat die Charbesonderen beachtet, der wundert sich über diesen Erfolg lottenburger Direktion eine bemerkenswerte Verfügung an alle nicht. Wenn früh am Morgen die Arbeiterbataillone zu den Fabriken strömen, dann sieht man aus vielen Seiten- Organe der Armen- und Waisenpflege erlassen. Es wird taschen die neueste Nummer des Vorwärts" hervor- darauf hingewiesen, daß in den Kreisen der ehrenamtlichen Ingen. Sie wird nicht verstedt, sondern mit einem Organe der Armen- und Waisenpflege vielfach irrtümliche Angewiffen Stolze zur Schau getragen. Es sind aber nicht nur sichten darüber bestehen, ob und welche Unterstügungen aus die besser besoldeten, die führenden Arbeiter, die das Blatt lefen öffentlichen Mitteln als Armenunterstützungen im Sinne der und halten, sondern auch solche, denen man es auf den Wahlgesetze gelten und daher den Verlust der politischen Rechte ersten Blick ansieht, daß sie zur niedersten Klasse gehören zur Folge haben. Diese irrigen Auffassungen haben wiederund mit der Not des Lebens schwer zu kämpfen haben. In holt dahin geführt, daß beispielsweise Stranke es abgelehnt den Abteilen der Vorortzüge, in den Straßenbahnwagen, in' den haben, die Hülfe der Armenverwaltung in Anspruch zu nehmen, Wartehallen und auf den Bahnhöfen kann man beobachten, wie " 1 " 1 der„ klassenbewußte" Arbeiter jede Minute, jede Pause benutzt, weil sie irrtümlicherweise befürchteten, ihr Wahlrecht zu verum sich in das Studium seines" Blattes zu vertiefen. Er pflegt lieren und in dieser Befürchtung durch die Armenpflegeorgane, mit solcher Hingebung zu lesen, daß er beinahe das Treiben an die sie sich gewandt hatten, bestärkt wurden. rings umher vergißt. Die Arbeiter bringen damit ein großes Nun hat aber der Magistrat, wie es in der Verfügung Opfer in mehrfacher Beziehung. Der Bezugspreis des heißt, schon vor zehn Jahren einen Beschluß gefaßt und „ Vorwärts" beträgt wöchentlich 28 Pf. Das ist immerhin fürzlich erneuert, wonach abgesehen von der Verpflegung im ein nicht unerheblicher Bruchteil des Tagelohnes! müssen eine Stunde, vielleicht auch länger arbeiten, ehe sie den unfähige( fieche) Personen handelt, nur laufende und Biele Bürgerhause, bei der es sich regelmäßig um dauernd erwerbsWochenpreis zusammengebracht haben. Den Eindruck, als ob sie " das ungern oder gepreßt" täten, machen sie nicht. Im einmalige bare Unterstügungen als ArmenGegenteil, wir haben mehrfach erfahren, daß der Sohn und der unterstübungen im Sinne der Wahlgesete Bruder sich nicht damit begnügen, daß der Vater oder der Bruder angesehen werden. Der Charlottenburger Magistrat vertritt den Vorivärts" hält und liest, sondern daß jeder einen Stolz im Gegensatz zu dem von Berlin und einer Reihe anderer darin fetzt, selbst sein Blatt zu haben und zu bezahlen. Zu den Städte den Standpunkt, daß der Gesetzgeber nur solchen Opfern an Geld fommt das Opfer an Zeit. Die Ruhepausen Personen die politischen Rechte entziehen wollte, die nicht und die Feierabendstunden sind dem Arbeiter knapp zu- imstande sind, sich selbst zu ernähren, vielmehr die Hülfe gezählt. Von dieser knapp bemessenen freien Zeit widmet er einen der Gemeinde verhältnismäßig großen Teil dem Lesen seines Blattes. Und zu können, und daß bei der Hülfe in Krankheitsfällen als anzurufen gezwungen sind, um leben der Vorwärts" mutet seinen Lesern ziemlich viel zu. Er bietet nicht immer eine leicht verGrund gegen den Verlust des Wahlrechts noch der hinzu dauliche, schmackhafte to st; der Leser wird vielmehr oft fommt, daß die rechtzeitige Inanspruchnahme der geeigneten gezwungen, sich anzustrengen und sich durch ziemlich lang Hülfe mindestens ebenso sehr wie im Interesse des Einzelnen ausgesponnene Erörterungen hindurch zu arbeiten. Beobachtet auch im Interesse der Allgemeinheit liegt. man die Vorwärts"-Lefer, so wird man finden, daß sie die Uebrigens haben nahezu alle deutschen Städte den StandMühen des Hindurcharbeitens nicht scheuen, sondern mit punkt, fjede, auch die geringste Armenunterstügung als Untereiner peinlichen Gewissenhaftigkeit ihr Blatt, womöglich vom fügung im Sinne der Wahlgefege anzusehen, längst aufKopfe bis zum Drudereivermerte sich geistig aneignen. " wärts"! Im Polizeistaat. Man beachte, es ist ein konservatives Blatt, dem die klassen- handlung Kein Wunder, daß die Zeitungen von damals so aussahen. Die bewußten Arbeiter diese ehrende Anerkennung abgenötigt haben, handlung durch den Armenarzt, die nach dem Buch st a ben Man beachte, es ist ein konservatives Blatt, dem die klassen gegeben. Unterstützungen wie freie Arznei, freie ärztliche Be Zensur hemmte das Aussprechen irgend einer selbständigen ein Blatt, das lieber heute wie morgen die Arbeiter politisch des Gesetzes den Verlust des Wahlrechts zur Folge haben politischen Ansicht, ja politische Meinungen sollte es nach der damals entrechtet sehen möchte. Die Frage liegt nahe, wie die Feinde müßten, gelten fast nirgend mehr als Armenunterstützungen in ganz Deutschland gültigen Metternichschen Regierungsweisheit bes Broletariats wohl von dem Teil der Arbeiter denken mögen, im Sinne der Wahlgesetze. Eine Verschiedenheit besteht nur überhaupt nicht geben. Das Wort vom beschränkten Untertanenverstand war in Berlin wie in Wien Parole. der nicht den Vorwärts" liest und die unparteiische Klatschpresse darin, wie weit die Grenze zu ziehen ist und welche Diesen Moder fegte der März sturm von 1848 hinweg. Der unterstützt. Daß diese Leute auf die Hochachtung der sozialdemo- Arten von Unterstüßungen also den Verlust des Wahlrechts ruhmreichste Tag des ganzen Jahrhunderts, der achtzehnte Wärz, ist selbstverständlich; die Ausführungen der Deutschen Tageszeitung" kratisch denkenden Kameraden keinen Anspruch machen können, zur Folge haben müssen. brachte Preußen die Kulturgüter der zivilisierten Staaten, BerBerlin macht bekanntlich eine unrühmliche Ausnahme. In fassung und Breßfreiheit, teuer erkauft mit dem Blute der besten aber laffen nur einen zwingenden Schluß zu, nämlich den, daß diefe Charlottenburg dagegen tritt durch Inanspruchnahme freier ärztSöhne des Boltes. Die Presse ist in diesen Sturmjahren im Bere proletarischen Förderer der Sensationspreise nicht einlicher Behandlung, freier Arznei, freter Entbindung, Uebergleich mit der vormärzlichen kaum wiederzuerkennen. Es überſtürat mal bei den politischen Gegnern des Proletariats Ansehen gefich alles in der Behandlung politischer und sozialer Probleme und nießen. Diese Arbeiter nehmen teil an der schweren Schuld, die die weisung in eine Erholungsstätte, Entsendung in eine Lungendas oft mit einem Radikalismus, der heute gerechtes Staunen wedt. unparteiische Presse auf sich geladen hat, fie nehmen teil an der heilstätte, Aufnahme in ein Krankenhaus usw. ein Verlust der Man stelle sich vor, daß 1849 noch in der fanften„ National- erachtung, mit der man diese Presse begegnet. Wer als Ar- politischen Rechte nicht ein. Beitung" ein bekannter Berliner mit Worten der Verachtung vom beiter die Reaktion, die politische Versumpfung, den vormärzlichen Ruhm der 1813 Gefallenen spricht und wahre Heldengröße nur den Breffe, ivar die Befreiung seiner Selasse vom politischen und Notlage, in der sich gegenwärtig das Fleischergewerbe überall im Ruhm der 1813 Gefallenen spricht und wahre Heldengröße nur den Absolutismus fördern will, der unterſtüße die unparteiische meister Berlin- Often einen Aufruf, worin es heißt: Die ungeheure Zur Fleischuot erläßt der Vorstand des Vereins der FleischerRämpfern des 18. März zuerkennt. Der Radikalismus schwand, aber es blieben selbstverständlich die ökonomischen Joch will, lese das Arbeiterblatt, den„ Bor- Notlage, in der sich gegenwärtig das Fleischergewerbe überall im Deutschen Reiche infolge der jetzt schon seit längerer Zeit anhaltenden politischen Parteien und die Behandlung politischer und sozialer Anaußerordentlichen Vieh- und Fleischteuerung befindet, macht es gelegenheiten. Weder der weiße Schrecken der fünfziger Jahre noch notwendig, auf Maßnahmen zu finnen, um eine Besserung unserer die berüchtigten Bismardschen Breßordonnanzen von 1863 haben der schwierigen Lage herbeizuführen. Wir richten deswegen an alle Bresse die Uebung dieser Pflicht unterbinden können. Jahrzehntelang Artikel 6 der preußischen Verfassung lautet: Die Wohnung ist Sollegen im Reiche hierdurch das Ersuchen, anfangs September in blieb es so, daß der deutsche Staatsbürger von feiner Zeitung nicht unverletzlich. Das Eindringen in dieselbe und Haussuchungen Das Eindringen in dieselbe und Haussuchungen... Berlin zu einer Beratung über die zu ergreifenden Schritte zu allein Tagesneuigkeiten, sondern auch politische Belehrung find nur in den gesetzlich bestimmten Fällen und Formen gestattet. ſammenzutreten. Durch eine Massenkundgebung von Tausenden von verlangte. Denn der deutsche Bürger hatte doch seine politischen Bir leben eben in einem vielgerühmten Rechtsstaat, der sich mit Meistern soll an zuständiger Stelle zum Ausdruck gebracht werden, Ideale aller Reaktion zum Troz hochgehalten. feinen gewährleisteten Rechtsgarantien von der russischen Rechtslosig- daß unweigerlich der Ruin unzähliger Fleischereibetriebe in furzer 1905. Das gelesenste deutsche Blatt wie mag das in der feit darin unterscheidet, daß jedes Recht außer Straft gesezt werden Beit eintreten muß, wenn nicht raschest Hülfe geschaffen wird! Phantasie der Märzkämpfer heute aussehen? In jeder Zeile selbst darf nur in den gesetzlich bestimmten Fällen und Formen". verständlich wissenschaftlich durchdachte Erörterung politischer und Wie die Rechtshandlungen unseres Rechtsstaates sich äußern, Trebbin, Mittenwalde, Jüterbog, Dranienburg, Spandau 2c. größer Die Fleischteuerung ist zurzeit in den kleinen Städten, wie fozialer Fragen, furchtloses Festhalten an den einmal für richtig er- mag heute folgender Vorfall beweisen: fannten Jdealen, unentwegte Tapferkeit in der Vertretung der An- Der frühere Fuhrherr St. in der Scharnweberstraße zu Lichten- frisches Fleisch zu haben. Die Hausfrauen werden einfach von den als in Berlin. Dort ist oft für Geld und gute Worte nicht einmal schauungen der Partei, auf deren Fahne diese Zeitung ein- berg hatte sich eine Freiheitsstrafe von sechs Wochen zugezegen. Zum Schlächtern auf den nächsten Tag vertröstet oder sie müssen sich geschworen. Strafantritt hatte sich St. am 17. August im Gefängnis zu Tegel Fleisch aus Berlin mitbringen lassen. Die Schlächter, die früher ihr Die Wirklichkeit sieht bekanntlich anders aus. Das gelesenste zu melden. Der Mann, der jetzt als Gelegenheitsarbeiter sich und vieh direkt von den Bauern kauften, sind jetzt gezwungen, es in deutsche Blatt, der Berliner Lokal- Anzeiger", hat nur einen feine Familie durchzuschlagen versucht, reichte nach Empfang der Berlin zu laufen, weil die Bauern jetzt nichts oder nur sehr wenig Grundfag, nämlich den, keine Grundsäße zu hegen. Keine Aufforderung ein Gesuch um Strafaufschub ein. Da bis zum Brauchbares abgeben. Spur von Bekenntnis einer eigenen politischen Meinung, feine Zeile, 17. Auguft eine Antwort nicht einging, verließ er am 18. August die den Herrschenden nicht behagen könnte; nichts als Nachrichten- feine Familie und meldete sich in Tegel zur Aufnahme. Die Abstinenz in Moabit. Frau Juftitia ist jetzt in den Dienst blatt, und als Entschädigung für die fehlende eigene Meinung: Nun waren bereits am 17. August zwei Beamte der Polizei in der Abstinenz getreten. Durch eine kürzlich erlassene Verfügung des Sensations hascherei. der Wohnung erschienen, die sich nach seinem Aufenthalt erfundigten. Kammergerichtspräsidenten ist es sämtlichen Beamten, Unterbeamten Schon hierbei hatte die Ehefrau die größte Beredsamkeit aufzu- und auch den Richtern der verschiedenen Gerichte im Bezirke des wenden, um ihren zufällig in der Wohnung anwesenden Schwager Kammergerichts untersagt worden, in den Gerichtsgebäuden während vor der Sistierung zu schüßen, da die Beamten durchaus diesen als der Dienststunden Bier zu trinken; sie sind auf alkoholfreie Erden abwesenden Ehemann betrachteten. Am 20. August er frischungsgetränke hingewiesen worden. Mit welchen Gefühlen die schienen nun wiederum zwei Beamte, die der Ehefrau nahe- von der Verfügung Betroffenen die Kenntnisnahme durch ihre legten, doch endlich anzugeben, wo denn der Delinquent Namensunterschrift attestiert haben mögen, wird sich jeder leicht aussich eigentlich befinde, in Tegel fei er nicht." Die ge- malen können. Wenn man bedenkt, daß die Unterbeamten, Gerichtsängstigte Frau mußte fich die peinlichste Durchsuchung ihrer Wohnung diener 2c. alte, ausgediente Soldaten sind, deren Dienststunden oft gefallen laffen, die allerdings resultatlos verlief. Am 22. August von 8 Uhr morgens bis zum späten Abend dauern und sich erschienen nun abermals zwei Beamte morgens 4 Uhr, mun vorstellt, daß diese plöglich die Flasche Bier missen sollen, durch klopften die Frau aus dem Bett und verlangten den Ehemann! Die die sie nach alter Gewohnheit sich ihr färgliches Frühstück verschönten aufs höchste erschreckte Frau mußte wieder hören, ihr Ehemann sei und sich während des langen Tagesdienstes frisch erhielten, so wird nicht in Tegel! Eine Hausdurchsuchung begann von neuem, die man verstehen, daß diese neue Anordnung nicht gerade die jubelnde nach Aussage der Frau an Gründlichkeit nichts zu wünschen Zustimmung der davon Betroffenen gefunden hat. Daß das Bier übrig ließ. Alle Behälter, Spinde usw. wurden nach dem Manne durch die alkoholfreien Getränke ersetzt werden kann, die in den in durchfucht, selbst die Betten wurden aus den Bettstellen auf die den Gerichtsgebäuden installierten Erfrischungsautomaten verzapft Dielen geworfen. Mit welchem Eifer diese Durchsuchung geübt werden, ist, wie ein Berichterstatter meint, schiverlich zu erwarten; So ist der Kreislauf vollendet; was in der vormärglichen Zeit die bürgerliche Bresse nur zähnefnirschend, gezwungen, unter dem Druck der Zensur tat, das tut sie jest in vollster Freiheit: Sie verzichtet auf eine eigene Anschauung und berichtet nur das, was den Inhabern der Regierungsgewalt genehm ist. Rede keiner davon, daß es neben der unparteiischen Regierungspresse vom Schlage des„ Lokal- Anzeigers" doch noch eine politische Presse des Bürgertums gibt. Die politischen Barteiblätter mit ihrem durchweg fümmerlichen Abonnentenstamm zählen nicht mit, weil der Philister fie faft nie in die Hände kriegt. Jedes Volt hat sowohl die Regierung als die Beitungen, die es verdient, und die Sensationspresse ist nur so start, weil der Bürger, stimme er bei der Reichstagswahl liberal oder konservativ, auf das Nachdenken über politische und soziale Fragen ver aichtet und vom Staat nichts verlangt, als daß er ihn mit Bolizei und Staatsanwalt vor der proletarischen Begehr lichkeit schüße. biel näher liegt es, daß das glücklich überwundene heimliche gelblichem Spachtelspitzenfragen, ein schwarzes Seidenkleid mit| bakteur der„ Neuft. 3tg." zu 200 M. Geldstrafe verurteilt. Der Ne Fläschchen" wieder auflebt- und das wäre fein sonderlicher Ge- fchwarzem Flitter, ein schwarzes Damenjadett, ein weißseidenes dakteur Langscheid von der Bürgerzeitung" bekam 150 M. Strafe, winn. Man darf aber nicht annehmen, daß die Richter in der Ent- dekolletiertes Damenkleid und ein wertvoller hellgrauer Theater- weil er sich in der Verteidigung von Sartorius eine Beleidigung des haltsamkeit den Unterbeamten mit bestem Beispiel vorangehen. mantel. Die Einbrecher verweigern jede Auskunft über die Herkunft Verlegers des Weinblatt" schuldig gemacht hatte. zuguterlegt verDie nach Würzburg zur Versammlung des Verbandes deutscher der Kleidungsstücke. Sie haben sie ohne Zweifel gestohlen, vielleicht lief die Prozesserei zwar in den Sand, aber Sartorius hatte seinen Die nach Würzburg zur Versammlung des Verbandes deutscher aus einer Wohnung, deren Inhaber verreist sind, oder auch aus einem Gegnern derart zugesetzt, daß es niemand mehr wagte, ſeine Reellität Gewerbegerichte von Berlin aus entsandten Delegierten sind die Herren v. Schulz, Vorsitzender des Gewerbegerichts, Bernhard( ArbeitGeschäfte. geber) und Reichstagsabg. Körsten( Arbeitnehmer). " Unfinn aus einer amtlichen Statistik, die das öffentlich Fuhrwesen Berlins im ziveiten Quartal von 1905 betrifft, wird in einer Reihe Berliner Blätter mitgeteilt. Da steht zu lesen, in der Zeit vom 31. März bis 30. Juni sei die Zahl der Droschken von 8157 auf 7404 heruntergegangen. 163 neue Droschken seien eingestellt, 916 aber außer Betrieb gesetzt worden. Dieser Unfinn fällt natürlich nicht der amtlichen Statistik zur Last, die, nebenbei bemerkt, vom Verkehrskommissariat des Polizeipräsidiums zusammengestellt und im Fuhrhalter" veröffentlicht worden ist. Er ist nur dadurch zustande gekommen, daß der Verfasser der Zeitungsnotiz eine der Statistit angefügte Fußnote übersehen hat. 814 Droschten find nämlich im legten Vierteljahr an die Polizeiverwaltungen von Charlottenburg, Schöneberg und Rigdorf abgegeben worden. Außer Betrieb gesezt sind sie hiermit keineswegs, fie scheiden lediglich aus dem Bereich des Berliner Polizeipräsidiums aus. Außer Betrieb gesetzt wurden in Berlin nur 102 Droschken, denen aber 163 neu eingestellte gegenüberstehen. Es müßten ja auch ganz merkwürdige Zustände im Droschfenwesen Berlins bezw. Groß- Berlins herrschen, wenn in einem einzigen Vierteljahr viele Hunderte von Droschken überflüssig werden könnten. Zur Bermehrung der elektrischen Automobildroschfen wird uns gemeldet, daß das Berliner Polizeipräsidium der neubegründeten Aktiengesellschaft, deren Entstehung dem bekannten Bankier Karl Neuburger zu verdanken ist, die beantragte Konzession zum Betriebe elektrischer Droschten munmehr erteilt hat. Wie wir hören, beabsichtigt die Gesellschaft demnächst zehn dieser neuen Wagen in den öffentlichen Betrieb einzustellen. Ein anderes Bild. Zu dem vorgestrigen Bericht erhalten wir von dem Besitzer der erwähnten Badeanstalt im Rosentaler Viertel eine Zuschrift, in der er bestreitet, daß der Bademeister zu Massagen herangezogen fei, auch sei es unrichtig, daß man ein von einem Kranken benutztes Schivefelbad einem anderen verabfolgt habe. Bei der Festnahme eines stellungslosen Kellners am 5. d. Mts. wurde eine wertvolle Kravattennadel in Schildform mit drei großen und drei kleinen Perlen gefunden. Derselbe gab an, die Nadel von seiner Braut, die dieselbe in der Friedrichstraße gefunden haben will, als Geschenk erhalten zu haben. Rekognoszenten fönnen sich vormittags von 8-12 Uhr im Polizeipräsidium, Zimmer 36, melden. Krause, am 11. Februar 1888 zu Weißensee geboren. Beschreibung: Vermißt wird seit dem 15. Auguſt d. J. der Bureaugehülfe Karl 1,58 Meter groß, blond, Augen graublau, bartlos, Gestalt fräftig. Bekleidung: schwarzer, steifer Hut, grauschwarzer Jackettanzug, Pfeffer und Salz, schwarze Schnürstiefel, Wäsche weiß mit K. gezeichnet. Alle diejenigen, welche über den Verbleib oder Auf dies der Kriminalpolizei, Zimmer 326, oder einem Polizeirevier zu enthalt des Genannten Angaben machen können, werden gebeten, den Akten 5662 IV. 22. 05. mitzuteilen. " Feuerbericht. Böswillig in Brand gestedt wurde an der Ede der Elbinger- und Kniprodestraße ein größerer Bosten Holzwolle an einem Bauzann. Die alarmierte Feuerwehr erstickte die Flammen, doch konnte der frevelhafte Bursche nicht ermittelt werden, der das Feuer verursacht hatte. Einen ähnlichen Straßenbrand" gab es dann an der Juselbrücke; am Ufer hatte auf unaufgeklärte Weife ein Teil des Geländers Feuer gefangen. Mit der Umwandlung des Ringbahnhofs Jungfernheide hat man nach der verlängerten Schwedenstraße gerufen, wo der Bohlenbelag Weiter wurde die Wehr jetzt begonnen. Zunächst findet die Verlegung der Gleise für den der Eisenbahnbrücke jedenfalls durch Funken aus der Lokomotive in Hamburger Fernverkehr statt, die ganz nach Süden herübergerückt Brand geraten war. Die Gefahr fonnte leicht beseitigt werden. werden, sodann erfolgt die Auseinanderlegung der jezigen Spandauer Jn der Alexanderstr. 14c tam später in einer Bäckerei und in der Vorortgleise, zwischen denen parallel zu dem jezigen Ringbahnhof Jostystr. 22 in einer Küche Feuer aus. der neue Perron hergestellt wird. Dieser wird das Dienstgebäude im Schiller- Theater während der Vorstellung durch Kurzschluß in Schließlich entstand noch und zwei Bartepavillons für das Publikum sowie die erforderlichen der elektrischen Leitung ein kleiner Brand, der aber von der anwesenden Der Aufgang erfolgt von einem neuen Tunnel, der sowohl direkt vom Tegeler Weg wie von Norden und Theaterwache schnell unterdrückt wurde, so daß das Publikum von Süden Zugänge erhält. Der Bau soll bis zum 1. April 1906 vollendet sein. Nebenräume erhalten. " Einem von Berlin ausgehenden raffinierten Betruge ist die Postbehörde in Krakau zum Opfer gefallen. Am 19. Juni famen zur Nachtzeit, auf dem Wege über Breslau, drei telegraphische Geldanweisungen aus Berlin unter der Adresse Herrn Emil Dante, Viehhändler in Krakau" an, eine der Anweisungen lautete auf 700, die beiden anderen auf je 800 Kronen. Ginige Tage später, am 26. Juni, meldete sich der Adressat auf der Post mit gehöriger Legitimation versehen und erhielt auch auftands los die 2300 Kronen ausbezahlt. Kurz darauf erwies, sich bei einer Revision, daß die schriftliche Bestätigung jener drei Postanweisungen fehlte. Die Krakauer Postbehörde setzte sich mit der Berliner in Verbindung; da auch auf dem Berliner Poſtamt, auf dem die Anweisungen aufgegeben sein sollten, dem Vorfall nichts merkte. schreibt uns Direktor Löwenfeld: Wir werden, unserer besonderen Vom Schiller Theater. Ueber die Pläne des Schiller- Theaters Aufgabe getreu, in erster Linie die anerkannten Werte unserer großen Dichter pflegen. Schon der Spielplan der ersten Spielzeit bringt dementsprechend„ Ein Wintermärchen" von Shakespeare, Nora" von Ibsen, G'wissenswurm" von Anzengruber, Traum ein Leben" von Grillparzer,„ Die Macht der Finsternis" von Tolstoi. In der VorBublifum„ Gyges und sein Ring" mit Verständnis aufgenommen hat, führung der Hebelschen Dichtungen werden wir, nachdem unser natürlich weiter fortfahren. Dann soll der erste Teil von Kaiser und Galiläer( Ibsen) folgen. Von Novitäten bereiten wir vor„ Königsglaube" von Hermann Stodte und„ Wanjuschkins Kinder" von dem ruffischen Schriftsteller Naidjonow, der in Deutschland noch ganz unbekannt ist. 17 feinerlei Belege zu finden waren, ergab sich, daß ein schlau eingefädelter Betrug zum Nachteile der österreichischen Post vorlag. Der amtliche Wegemesserplan Das Krakauer Postamt ist wohl im Befige der Anweisungen fo foeben im Verlage: Geographisches Institut und Landkartenverlag Ausgabe 1905-( 3- M.) ist weit ist die Sache in Ordnung woher sie jedoch in Wirklichkeit Jul. Straube, Berlin SW., Neuenburgerstr. 15, erschienen. Der neue stammen und wie sie zur Post gelangt sind, ist bisher nicht zu er- Wegemesser, im Maßstabe 1: 23 000( Format 80 X 96 cm), umfaßt den mitteln gewesen. Allem Anscheine nach muß ein mit dem angeblichen Landespolizeibezirk Berlin und die zum Droschtenfahrbezirk gehörigen Viehhändler Danke in Verbindung stehender Telegraphenbeamter, der Vororte, die sämtlich auf einem großen Plan von Berlin und Umjedoch wohl kaum auf deutschem Gebiete zu suchen ist, bei der Auf- gebung dargestellt sind. Nach der neuen Droschkenordnung vom nahme der telegraphischen Anweisungen seine Hand im Spiele 16. Februar 1905 bezieht diese Grenze noch die Orte ein: im Norden haben. Wahrscheinlich haben die Schwindler auch in Berlin einen Bantow- Reinickendorf, im Westen Gemeinde Grunewald- Westend, im Helfershelfer. Eine dritte Version, die auch nicht ausgeschlossen sein soll Süden Tempelhof- Briz, im Osten Karlshorst und Friedrichsfelde. und auf die Zustände im Krakauer Postgebäude ein merkwürdiges Der amtliche Wegemesserplan dient zur Feststellung der Länge einer Licht wirft, geht dahin, daß ein Gauner sich im Krakauer Telegraphen zurückgelegten Wegstrecke sowie zur Berechnung des Fahrpreises für bureau mit dem Aufnahmeapparat in Verbindung zu setzen gewußt Droschkenfahrten. Die Straßenzüge sind in farbige Abschnitte einund die Depeschenfälschung begangen hat. Für diesen Fall fame geteilt, von denen jeder einer Länge von durchschnittlich 160 Meter der gefälschte Aufgabeort Berlin ganz außer Frage. Trotz eifrigster entspricht. Jeder Farbenabschnitt ist von den Droschten in einer Nachforschungen in allen in Betracht kommenden Städten ist man Minute zu durchfahren. Bei Differenzen zwischen Kutscher und bisher der Aufklärung des geheimnisvollen Schwindels nicht näher Fahrgast über die Höhe des Fahrpreises entscheidet der amtliche gekommen und hat auch keine Spur des Täters entdeckt. Die Wegemesserplan, den jeder Kutscher bei sich führen muß. Kriminalpolizei sucht vor allem zu ermitteln, ob der Empfänger des Geldes sich durch gefälschte oder nicht ihm gehörende Papiere legitimiert hat, und ob wirklich ein Viehhändler Emil Dante in Krakau existiert. Ferner wird danach geforscht, inwiefern Beamte des Telegraphenbureaus in die Betrugsaffäre verwickelt sein müssen. Zur Verhütung ähnlicher Fälle sind sofort energische Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden. Zeugen gesucht. Auf Bahnhof Ebersstraße in Schöneberg ist am 24. Juni, abends 9 Uhr, ein Arbeiter von einer während der Fahrt geöffneten Coupétür getroffen und zu Boden geschleudert worden. Die Zeugen diefes Borganges werden gebeten, ihre Adresse bei Hermann Butschke, Rigdorf, Schöneweiderstraße 23, abzugeben. mit hämischen Bemerkungen in Zweifel zu ziehen. Kellerkontrolle doch fam, und zwar gleich sehr eingehend. Es ist ja Um so verblüffender wirkt nun die Mitteilung, daß nun die freilich damit noch lange nicht bewiesen, daß sich Sartorius gegen das Weingesetz vergangen hat, wenn auch seine Erklärung, er habe mit dem in Untersuchungshaft sißenden Dr. Mörlinger lediglich im wissenschaftlichen Interesse verkehrt, nicht gerade sehr überzeugend flingt. Wie wir übrigens aus eigenem mitteilen können, schwebt gegen Sartorius berfahren und zu diesem Zweck, nicht etwa auf Antrag hin, wie ein ganz energisches Er mittelungs= es jedem Weinhändler täglich passieren kann, ist die Kellerrevision erfolgt. Wir fönnen auch mitteilen, daß der Staatsanwalt Reich von Frankenthal in fürzester Zeit wieder nach Mußbach kommt, um die Angestellten von Sartorius zu vernehmen. wisses Paket Bottasche eine Rolle spielt, hier nicht wiedergeben. wollen wir verschiedene bestimmt auftretende Gerüchte, wobei ein ge= Was aus der Sache wird, muß sich ja bald herausstellen und so Ob vielleicht das Gerücht, welches die Pfälz. Post" wiedergab, Sar wisses Paket Bottasche eine Rolle spielt, hier nicht wiedergeben. torius wolle sein Reichstagsmandat niederlegen, mit der gegen ihn schwebenden Untersuchung zusammenhängt, vermögen wir nicht zu sagen. Zur Abwehr der Choleragefahr hat der Regierungspräsident zu Marienwerder für die Kreise Thorn, Kulm und für Teile der Kreise grenzen, Polizeiverordnung erlassen, durch die die ZwangsleichenGraudenz, Marienwerder, Stuhm, Schweh, die an die Weichsel schau durch praktische Aerzte angeordnet wird. Bei Personen, die auf Flößen oder Schiffen gestorben sind, ist die Leichenschau durch den beamteten Arzt vorgeschrieben. Bei Kulm sind die WeichselBadeanstalten polizeilich geschlossen worden. An der russischen Grenze bei Schilino ist eine Choleraüberwachungsstelle eingerichtet Die Strombauverwaltung hat ihren Beamten und Arbeitern aufs worden, um zu verhindern, daß erkrankte Flößer weiter fahren. strengste den Genuß des Weichselwassers untersagt. Furchtbare Unwetter wüteten in der Freitagnacht in verschiedeSchaden an den Ernten an. So ist bei New Haven( Connecticut) die nen Teilen der Vereinigten Staaten und richteten unermeßlichen Tabakernte fast völlig vernichtet. Die Stadt Trinidad ( Colorado) wurde von mächtigen Wassermassen, die aus Wolfen. brüchen herniedergingen, überschwemmt. Es bildete sich ein mit furchtbarer Gewalt dahinrasender Strom, der sich einen Weg über die Städte Berwind und Tobasco bahnte. Alle Gebäude auf zahlreiche Menschen umkamen. In Brooklyn wurden seinem Pfade wurden von den Fluten mitgenommen, in denen Baumwollspeicher von Blizz in Brand gesezt, wobei große Vorräte an Baumwolle vernichtet wurden. Kein Justizmord. Zu dem vermeintlichen Justizmord in Al. tona ist jetzt festgestellt worden, daß die Verurteilung Meinaus wegen einer anderen Mordtat erfolgt ist. zufolge von der Gendarmerie Ein entsetzlicher Bauernaberglaube ist dem„ Budapesti Naplo" Bauern Südungarns entdeckt worden. Vor einigen Tagen unter den rumänischen war der Bauer Thodja Vesza gestorben, und da sein plöblicher Tod unaufgeklärt schien, wurde seine Ausgrabung angeordnet. Die Gendarmerie fand ihn im Sarge angenagelt. Hände, Füße und Hals waren durch lange Nägel an den Sargbrettern befestigt Nachforschungen ergaben, daß eine alte Frau, Olga Jokan, die und ein Nagel war durch das Herz getrieben. Die " Operation" ausgeführt hat. Sie gestand beim Verhöre, daß sie im Auftrag der Dorfbewohner schon häufig Leichen Verstorbener an den Särgen festgenagelt habe. Verstorbenen, die einer unbekannten Krankheit erlegen seien, stets " Das sei notwendig, sagte sie, weil die in ihr Haus zurückkehren und ihre Verwandten mit der gleichen Krankheit ansteden; das Feſtnageln sei eine alte Sitte in den rumänischen Bauerndörfern." Die alte Frau wurde verhaftet. Besza war einem Herzschlage erlegen. " " Herr Suchsland, der frühere Bürgermeister von Luckenwalde und jebige Rechtsanwalt in Halle a. S., hatte, wie wir berichtet, fürzlich in einem Breßprozeß wegen Beleidigung, den er gegen die Brandenburger Zeitung angestrengt hatte und dem er als Nebenkläger beigetreten war, eine Kostenrechnung von 163,64 Mart eingereicht, die er von dem Redakteur, Genossen Meyer, der in dem Prozeß zu 100 M. Geldstrafe verurteilt wurde, erstattet haben wollte. Das Landgericht in Potsdam strich aber von dieser Im Zirkus Busch trifft man bereits alle Vorbereitungen für die Rechnung 157,34 M., so daß nur 6,30 M. als erstattungspflichtig demnächst in Aussicht genommene Eröffnung der Berliner Herbst- anerkannt wurden. Gegen die Kostenherabsehung legte Rechtssaison. Seit Wochen schon sind zahlreiche fleißige Hände damit be- anwalt Suchsland nicht nur Beschwerde ein, sondern schickte auch an fchäftigt, den Riesenrundbau am Bahnhof Börse in feinem Aeußeren eine Anzahl Zeitungen, die über die Sache berichtet hatten, lange wie im Inneren einer weitumfassenden Renovation und Verschönerung sogenannte„ tatsächliche Berichtigungen", die aber nichts weniger zu unterziehen, damit dem Ensemble, welches Herr Busch diesmal als tatsächliche Berichtigungen waren. Nur von einzelnen Blättern in welchem der Berliner es an dieser Kunststätte zu sehen seit Jahren Vorschriften entsprachen, aufgenommen, und zu diesen Blättern geseiner Baterstadt zuführt, auch der glänzende Rahmen nicht mangele, wurden diese Berichtigungen, die auch sonst nicht den preßgesetzlichen Für diese Saison verpflichtet; das neue Programm weist eine Reihe Artikel nachgedruckt hatte. gewöhnt ist. Direktor Busch hat eine Fülle brillanter Kunstkräfte hörte auch der„ Gardelegener Kreisanzeiger", welcher einen der von neuen Driginalfreiheitsdreffuren und Schulreitnummern auf und landsche Berichtigung einnahm, größer wie der qu. Artikel war, Da aber der Raum, den die Suchsein erstklassiges, edles Pferdematerial ist vertreten. Geradezu liquidierte der Inhaber der Zeitung dafür 5,80 M. von dem RechtsBeachtenswerte Anzeigen. In einer der letzten Nummern des Wunderbares aber versprechen die für Berlin neu inszenierten großen anwalt Suchsland. Dieser scheint aber ein findiger Kopf in Geldin Freienwalde a. D. erscheinenden„ Oberb. Kreisbl." fand sich Bantomimen, in denen die Kostümkunst und die elektrischen Be- angelegenheiten zu sein. Er hat jetzt den Herausgeber der Botsfolgendes Inserat: Ehren- Auszeichnungen werden verliehen am leuchtungseffekte wahre Triumphe feiern werden. Augenblicklich damer Correspondenz", welche über die Gebührenherabsetzung beMittwoch auf dem Jahrmarkt denjenigen meiner werten Kunden, weilt der Zirkus in Hamburg. richtete, aufgefordert, die 5,80 M. zu bezahlen, wobei er sich auf welche im Genuß meiner Wiener Würste mit ungarischem Paprika Dem Berliner Zoologischen Garten hat Herr Leutnant pflicht lautet, zu stüßen glaubt. Selbstredend hat Herr Suchsland § 823 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, welcher von der Schadenersaz Hervorragendes Teisten. Hochachtungsvoll Roßschlächterei und Wurstfabrik." Ebenso zu denken giebt eine Anzeige, die wir im gestrigen Schmis aus Kamerun einen jungen männlichen Strauß mit seiner Aufforderung keine Gegenliebe gefunden. Bernauer Kreisblatt finden. Sie lautet: Bitte zu beachten! zum Geschenk gemacht, der zum Teil noch das graue, dem des alten Nehme hiermit die Aeußerung, welche ich gegen meine Frau getan Weibchens ähnliche Jugendkleid trägt, dessen neu nachwachsende habe, zurück, räume ihr sämtliche Rechte meinerseits wieder schwarze und weiße Federn aber bereits den Hahn verraten. Es ist Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin. Sonntag, ein und ersuche und bitte jeden, meine Frau deshalb nicht zu be- der erste Kamerun- Strauß, der hier lebend gezeigt werden kann, den 27. August: 3weites Sommerfest bestehend in Preistegeln, Tanz ze lästigen, denn ich werde sie trotzdem zu beschüßen wissen. Denken und der Berliner Garten hat jest nicht weniger als fünf geographische in Mt- Glienicke bei Adlershof, Restaurant H. Saß, Grünauerstr. 29. Anfang kann jeder von mir, was er will, aber das laute Denken möchte ich Formen des Afrikanischen Straußes aufzuweisen, denn Gremplare 3 Uhr. Gintritt frei. Landsleute, Gäfte find widt̃ommen. mir verbitten. Karl Gröger, Bernau." Allgemeine Familien Sterbekasse. Heute: Zahltag Aderstraße 123 von Senegal, Abessinien, dem Masaigebiet und aus Togo be bei Biesenthal, früher Diete, und Mariannenstr. 48 bei Liebehenschel, völkerten bereits vor dem Eintreffen des Kameruners die Gehege von 3-6 Uhr. des Straußenhauses. " Arbeiter Samariterkolonne. Montagabend 9 Uhr: 2. Abteilung Brunnenstr. 154. Vortrag über Vergiftungen und gefahrdrohende KrankheitsBerliner Marktpreise.( Ermittelt vom Bolizei- Präsidium.) Weizen Vom Stat in den Tod. Aus einem geringfügigen Anlaß ging gestern der 27 Jahre alte Automobilführer Otto Rauch aus der Dudenarderstr. 36 in den Tod. Der junge Mann, der aus Aschers- In der Fröbelschen Kindergärtnerinnen- Bildungsanstalt der zustände. Nachher praffische Uebungen. Neue Mitglieder fönnen jederzeit leben stammte, kam um 7% Uhr in die Schankwirtschaft von Künzel Hamburger Vorstadt in Berlin, Elsasserstr. 19, welche bereits eintreten. Einschreibegeld 25 Pf., Monatsbeitrag 25 Pf. Bibliothek steht in der Mohrenstr. 37, wo er nicht bekannt war, berlor im Bierlachs 40 Jahre besteht, beginnt Anfang Oftober ein halbjähriger Kursus zur Verfügung. mit zwei Verwandten des Wirtes 1,50 M., verzehrte für 2,10 m., zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen. Zu Kindergärtnerinnen hatte aber nur 40 Pf. bei sich. Um 9 Uhr erhob er sich, wie der erster Ordnung werden solche junge Mädchen herangebildet, die eine gute Gorte, 1 D3. 16,90( 16,84), mittel 16,78( 16,72), geringe 16,66 Wirt fagt, in aller Ruhe, ging nach dem Boden hinauf und stürzte mittlere oder höhere Schule besucht haben. Die von geringerer( 16,60). Roggen, gute Sorte 15,10( 15,06), mittel 15,02( 14,98), gesich aus dem Fenster auf den Hof hinab, wo er mit zerschmettertem Bildung können Kindergärtnerinnen zweiter Ordnung werden. Den ringe 14,94( 14,90). Ab Bahn. Futtergerste, gute Sorte 15,40( 15,00), Stopfe liegen blieb und nach wenigen Minuten verschied. Nach einer abgehenden Schülerinnen werden kostenfrei Stellungen vermittelt. mittel 14,90( 14,60), geringe 14,50( 14,10). Hafer, gute Sorte 16,40 anderen Darstellung hätten der Wirt und seine Verwandten ihn Die Vorsteherin Anna Bolze, Elsasserstr. 19, 2 Treppen, ist, außer( 15,40), mittel 15,30( 14,40), geringe 14,40( 13,40). Frei Wagen und ab wegen der Spielschuld und der Zeche zur Rede gestellt und verfolgt, Mittwoch und Sonnabend, täglich von 4-5 Uhr zu sprechen. als er versuchte, das Lokal zu verlassen. Künzel bestreitet das." Vermischtes. Der Staatsanwalt im Keller des freisinnigen Reichstagsabgeordneten und Weinhändlers Sartorius in Mußbach. In der Pfälzischen Post" lesen wir: " Bahn. Richtstroh 1 Dz. 5,40( 5,00). Heu, neu, 6,60( 5,00). Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00( 30,00). Speisebohnen, weiße 50,00( 30,00), Linsen 60,00( 30,00), Startoffeln 7,00( 4,00). Rindfleisch, von der Keule, 1 Stilogramm 1,80( 1,40), Rindfleisch, Bauchfleisch 1,50( 1,20), Schweinefleisch 2,40 ( 1,40), Stalbfleisch 2,50( 1,30), Sammelfleisch 2,00( 1,40), Butter 2,80( 2,20), Gier( 60 Stüd) 4,40( 3,00). Starpfen, 1 g. 3,50( 1,40), ale 2,80( 1,40), Bander 2,40( 1,00), echte 2,80( 1,40), Bariche 2,40( 1,00), Schleie 3,00 ( 1,40), Bleie 1,60( 0,80), Strebje( 60 Std) 20,00( 3,00). Wetter- Prognale für Sonntag, den 27. August 1905. Nachts warmer, am Tage etwas fühler, zunächst meist trübe und regnerisch bei ziemlich lebhaften südwestlichen Winden; später aufflarend. Berliner Betterbureau. Einbrechern und Dieben abgejagt wurde wieder eine Menge Beute aller Art. Ein Teil konnte bereits den Bestohlenen zurückgegeben werden, andere Sachen aber liegen noch herrenlos bei der Kriminalpolizei. Ein Dieb, der am 19. 5. M. festgenommen wurde, besaß einen wertvollen Stock, den er gefunden haben will, einen gelben Rohrstock mit einem schweren filbernen Senauf. Dieser ist ringsum gehämmert und trägt einen Blumenschmuck mit einer Biene. Bor einigen Monaten erschien in der„ Neustadter Btg." die NachDem Eigentümer des Stockes gehört vielleicht auch ein schwarzer richt, daß bei Sartorius eine Kellerkontrolle vorgenommen worden steifer Hut mit dem Zeichen M. V., der dem Verhafteten ebenfalls sei. Diese Nachricht erregte natürlicherweise in ganz Deutschland abgenommen wurde. Bei Fahrraddieben wurden zwei schöne, fast großes Aufsehen, denn der Abg. Sartorius ist überall bekannt als neue Räder, Marke„ Arkadia" und" Nordstern", beschlagnahmt, bei der Vater des Weingesetzes, welches den Zwed hat, ben Pantschern Wasserstand am 25. August. Elbe bei Auffig 0,41 Meter, bei den alten gewerbsmäßigen Einbrechern Pabst und Marschner, die in gehörig auf den Leib zu rücken. Sartorius strengte eine ganze Reihe Strankfurt+0,93 Meter. Dresden- 1,70 Meter, bei Magdeburg+ 0,96 Meter. 11 n strut bei der Nacht zum Sonnabend in der Staligerstraße ergriffen wurden, von Prozessen an, um den eigentlichen Urheber der damaligen, aller- Breslau Oberpegel+4,60 Meter, bei Breslan Unterpegel Oder bei Ratibor+0,88 Meter, bei - 1,17 Meter, zwei neue sehr gute Frackanzüge, ein dunkles Damenkostüm, Russen- dings unbegründeten Gerüchte ausfindig zu machen, die zu der bei Frankfurt+ 0,85 Meter. Weichsel bei Brahemünde schnitt mit grünem Besaß, ein rotes Kleid mit weißen Punkten und Zeitungsnachricht geführt hatten, und es wurde auch der betr. Re-+2,27 Meter. Nete bei Usch+ 0,61 Meter. Beranti. Redakteur: Baul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW E E Schwarzer Friedrichsberg E Adler Frankfurter Chaussee 5 ( früher 120). Stadtbahnstation Frankf. Allee. Inh.: Gebr. Arnhold. Fernspr. Friedrichsberg No. 8. Sonntag, den 20. August, im herrlichen Lindenpark: Großes Garten- Konzert ausgeführt von der verstärkten Hauskapelle unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins Steinbrückscher Männer- Chor. Im Königssaal: Großer Ball. Jeden Dienstag: Führmann- Walde- Sänger. Entree 20 Pf. Anfang 4 Uhr. Otto Pritzkows Berliner bus Abnormitäten- Theater Münzstr. 16. Jocki Tocki the Elastic Skin Man. Der englische Gummischlauchmensch Mne- Mno- Mni??? Entree 20 Pt. ELYSIUM. Kommandantenstr. 3-4. Vollständig neu renoviert. W Auftreten v. 36 erstklassigen intern. Spezialitäten. Geöffnet von 10 Uhr früh bis 12 Uhr nachts. Paul Schwarz' Sommer- Theater Lichtenberg, Dorfstr. 25 26. Täglich: Konzert. Große Spezialitätenvorstellung. Das großart. August- Programm. Anfang 5 Uhr. Jeden Mittwoch: Elite- Tag. Alhambra Wallner- Theaterstraße 15. Jeden Sonntag it. Dienstag: Großer Ball Gr. Orchester. Entree infl.Tanz Herreu 50 Pf., Damen 25 Pf. Anfang Sonntags 5 Uhr, Dienstags 9 Uhr. A. Zamei tat. Tempelhof, Wilhelmsgarten Berlinerstraße 9. Sonntag: Freikonzert. Im Saale: Großer Ball. Großer, schattiger Garten. Familien können Kaffee fochen! Um zahlreichen Besuch bittet 8286* Wilhelm Noack. Karlsgarten Rixdorf, Straße 6-10. KarlsgartenHerrlich am Wald. Jeden Garten- Konzert Sonntag: und Familien- Ball. Montag: Beben Norddeutsche Sänger. Harburger Sänger. Jeden Jeb.Sonnabend: Gastspiel- Ensemble der Mitglieder des Variété- Theaters. Große u. l. Säle( 90-800 Pers.), zu allen Festlichkeiten passend. Dresdener Casino. Empfehle den geehrten Ver: einen und Fabriken, wie zu Versammlungen meine herrlichen, zirka 800 Personen fassenden Räume. Sonnabende noch frei. A. Muxfeldt. 40102* Amt IV 8666. Robert Ulrichs Festsäle! Gr. Frankfurterstr. 28. 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