Nr. 204. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Inlertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 25 fg. Kleine Anzeigen", das erste( fettgebructe) Wort 10 Bfg., jebes weitere Bort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für givet Worte. Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin", Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 1. September 1905. Ein amerikanischer Kathedersozialist. allen Umständen vermeiden müssen, und sich darum von seiner " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Aunt IV, Mr. 1984. schon einmal unterlegen ist, ist reifgeworden für den Sozialismus; und unsere vernünftigen Sozialisten freuen sich über nichts mehr, als über den Kampf des Kapitals gegen die Gewerkschaften. Die Sozialisten mit dem gebrochenen Englisch, die die Monarchen der alten Welt ausgebrütet haben, treten schon zurück gegenüber denen mit dem spezifisch amerikanischen Stempel, die wir den Schlägen des Kapitals verdanken. Das erste Stadium der Dekadenz hat für die fonventionellen Parteien be gonnen sie sind in die Defensive gedrängt. Die neuen fozialistischen Lehren haben zum mindesten den einen Vorzug: den eines positiven schöpferischen Programms. nur tönne „ Klassenkampf" als ein Schlagwort der Sozialdemokratie unter Bedeutung eine abenteuerliche Vorstellung einreden, als ob Die Sozialdemokratie hat viele Feinde, aber wenig Selassentampf ein Snüttelfrieg gegen jeden einzelnen Mann ernste Gegner. Es ist unendlich leicht, ein erbitterter ge- der anderen Klasse, nicht aber ein Kampf gegen das feindliche häffiger Feind einer Bewegung zu sein, die man nicht kennt Prinzip wäre. Mit welcher Naivetät Herr Brooks diesem oder nicht kennen will, weil man die Binde des gesellschaft. Irrtum unterliegt, erhellt aus seiner gelegentlichen Belichen Vorurteils oder der geschäftlichen Interessen vor den merkung: das Prinzip des Klassenkampfes fei eigentlich schon Augen trägt. Es ist unendlich schwer, sich mit vorurteilslosem dadurch ad absurdum geführt, daß der Sozialismus seine Eifer in die Gedankengänge des Sozialismus zu vertiefen, ersten Führer aus den Schichten der Gelehrten entlehnte! ohne sich alsbald als ihr Gefangener zu fühlen. Darum ist Nach dieser Auffassung wäre es erst richtiger Stlassenkampf" Daß Herr Brooks trotzdem dem Sozialismus mit fühler der Feind eine ebenso häufige wie uninteressante Erscheinung gewesen, wenn die Arbeiter Mary, Engels und Lassalle als Stepfis gegenübersteht, haben wir schon gehört. Die Korruption -man schlägt sich mit ihm, weil man sich mit ihm schlagen Bourgeois" an die Laternenpfähle befördert haben würden! des tapitalistischen Staates, der Umstand, daß von allen muß, der ernste Gegner aber ist, wo man ihn antrifft, ein Daraus erklärt sich auch leicht das dritte Mißverständnis, öffentlichen Geschäften neun Zehntel schlecht geführt werden", feltener unerhoffter Gewinn zumal für uns deutsche Sozial- das Herrn Brooks widerfährt. Er begeht nämlich das große schlägt ihm zu einem Argument gegen den Sozialismus um. demokraten; denn es ist wahrhaft ein elend Gewerbe, gegen Unrecht, die Sozialisten mit den deutschen Universitäts- Darum redet er den Kapitalisten seines Landes gut zu, allen den platten Wit gefürsteter Hofspaßmacher und die albernen professoren zu vergleichen, von denen er aus eigener Erfahrung scharfmacherischen Neigungen zu entsagen, den Gewerkschaften Denunziationen der Alexanderplatpresse tagtäglich den Esels- erzählt, sie zeigten sich im Privatgespräch„ bedeutend raditaler, das größte Entgegenkommen zu zeigen und womöglich mit tinnbacken schwingen zu müssen. Abwechselung wird da zur viel fühner im Stritisieren der bestehenden Einrichtungen und ihnen Tarifverträge abzuschließen. Die wahre Gefahr für wahren Erholung. biel mehr zu entscheidenden Abänderungen die gesellschaftliche Entwickelung sei nicht der Sozialismus, Darum sind wir Herrn Dr. Hermann Hasse in unserer Gesellschaftsordnung geneigt" als fondern eine Kapitalistenklasse, die auf gewalttätige oder Wenn Herr beleidigende Art den Drang der Arbeiterschaft nach Leipzig( nicht zu verwechseln mit Ernst, dem Alldeutschen) in ihren Büchern und öffentlichen Vorlesungen. Eine zu Danke verpflichtet, daß er den deutschen Sozial- Brooks fortfahrend meint, auch die Sozialisten hätten wie Hebung ihrer Lebenslage niederzuhalten sucht". einen Ausdemokraten die Bekanntschaft mit einem interessanten der Bourgeois seine Würde ihre Paradeansichten, die im folche kapitaliſtiſche Politik Gegner vermittelt hat, dem amerikanischen Universitäts- Interesse der Sache orthodox und starr aufrecht erhalten gang haben:„ die ungeheuere Kräftigung einer plutoprofessor John Graham Brooks, dessen Studien über werden", so ist das eine allzu eilfertige Behauptung, die mit kratischen Regierung mit einer Armee gutbezahlter Helfer in Arbeiterbewegung und Sozialismus" jekt in deutscher Ueber wahren Bentnerlasten von Gründen nämlich mit unserer Sinekuren, einer verhältnismäßig fleinen Elite gelernter fegung vorliegen.*) ganzen kritischen revisionistischen" Literatur- leicht zu wider Arbeiter, die alle leben von der großen Masse, von einer Mit Herrn Brooks brauchen wir uns nicht über die legen ist. Aber freilich: Wenn Herr Broots in sozial- schlechtbezahlten Sklavenklasse, die mit Militärgewalt niederangeblichen Vorzüge des sogenannten sozialen Königtums" demokratischen Zeitungen liest, daß wir am Prinzip des gehalten wird". Das ist der Buchthausstaat", den der ameauseinanderzusehen, denn Herr Brooks ist Amerikaner, dem Klassentampfes und an der materialistischen Geschichtsauffassung ritanische Professor fürchtet, und nun mögen sich die deutschen die Demokratie ein ebenso selbstverständlicher Besit, wie uns festhielten und dann etwa in einem Privatgespräche auf seine Arbeiter fragen, wie weit sie eigentlich noch von einem Zueine selbstverständliche Forderung ist. Wahlrechtsraub, Bucht- Interpellation die Antwort erhält, es fiele uns nicht ein, den stande entfernt sind, der für den amerikanischen Gelehrten das haus- Vorlagen, Militarismus, Marinismus- alles das Stlassenkampf im Heugabelsinne und den historischen fürchterliche Schreckbild der Zukunft ist! scheidet erfreulicherweise von vornherein aus der Diskussion Materialismus fatalistisch aufzufassen, dann glaubt Herr Brooks Dem Sozialismus gegenüber empfiehlt Brooks eine Politik aus, weil man in gebildeter Gesellschaft über die prinzipielle flugs einen Widerspruch zwischen öffentlicher Lehre und der allmählichen Stonzessionen. Wenn die besten Köpfe unseres Bedeutung dieser Dinge nicht mehr zu diskutieren braucht. privater Meinung feststellen zu müssen, während ein Wider- Voltes", so sagt er zum Schlusse, von der Notwendigkeit der John Graham Broots ist Demokrat, Antimilitarist, spruch tatsächlich nur zwischen seinen falschen Vor- Reformen überzeugt, nur über ihre Art noch uneinig sind, Arbeiterfreund und doch kein Sozialdemokrat. Wie geht stellungen von unserer Meinung und unser wirklichen so soll man die in unseren Stadtverwaltungen mehr und das zu? Meinung besteht. mehr auftauchenden Sozialisten nicht begeifern, sondern sie zur Erfüllung ihres Versprechens der wirtschaftlichen VolksDas Emporsteigen der sozialistischen Bewegung in Amerika hat ihn, ähnlich wie unsere Stathedersozialisten zu Anfang der Wenn Herr Brooks so auf der einen Seite manche erziehung anhalten und sie darin unterstützen. Man soll zufiebziger Jahre, veranlaßt, sich mit den Problemen des Sozia- Fehler seiner deutschen Kollegen topiert, so hat er auf der geben, daß das alte System schlecht war und ihnen Gelegenlismus zu befassen, wobei ihm die größere Freiheit seiner anderen Seite doch auch Vorzüge, die wir bei jenen ber- heit geben, ihre Methoden auszuproben... So urteilt Herr Professor Brooks, ben wir einen amertStellung, eine eingehende Bekanntschaft mit der amerikanischen missen. Die freimütig- respektvolle Art, in der er die Probleme Gewerkschaftsbewegung, das Studium der sozialistischen Theorie, des Sozialismus behandelt, sticht wohltätig ab von der kanischen Kathebersozialisten genannt haben, weil sein Aufschließlich auch die persönliche Anschauung europäischer Versattsam bekannten deutschen Manier, aus der Not eine Tugend treten an jene ethisch gefärbten sozialreformerisch gesinnten hältnisse wohl zustatten kamen. zu machen und erzwungene vorsichtige Zurückhaltung als deutschen Professoren erinnert, die der denunziatorische Eifer 11 " * Darin freilich verleugnet er nicht den Amerikaner, daß wissenschaftliche Objektivität auszuspielen, die turmhoch er- des liberalen Herrn H. B. Oppenheim die deutschen die theoretische Abstraktion seine schwächste Seite ist. Seine haben über den Lehren der politischen Agitatoren steht. Brooks Rathebersozialisten" getauft hat. Was ihn mit jenen verArt, gegen die materialistische Geschichtsauffassung, er nennt sucht weder die geistige noch die tatsächliche Bedeutung zu bindet, und was ihn von ihnen vorteilhaft unterscheidet, fie fatalistisch", und gegen das Prinzip des Klassenkampfes zu verkleinern, die der Sozialismus heute für Amerika und die glauben wir flargelegt zu haben. Aber, um es noch einmal polemisieren, verrät, daß er sich von diesen Dingen eine völlig ganze Welt besitzt. Die besten Köpfe der fünf ersten Kultur- fnapp und deutlich auszusprechen: Wenn beim deutsch- ameri falsche Vorstellung macht. In Wirklichkeit ist Herr Brooks länder", schreibt er, stehen Seite au Seite mit den sogenannten tanischen Professorentausch etwa Herr Brooks gegen Herrn ohne es zu wissen, ein Schüler und Nutznießer der materia- Agitatoren. Was muß diese Waffenbrüderschaft der selbstlosen Schmoller eingehandelt werden sollte, so dürfen wir ruhig listischen Geschichtsauffassung, was jedem Kundigen flar wird, Kreise für einen Eindruck auf die Arbeiterschaft machen, die noch einen Bazen zuzahlen. Es wird unser Schade nicht sein! wenn er bet ihm folgendes liest: täglich Beweise von ihr sieht!" Auch die alberne Einrede, der Sozialismus könne nur zerstören", hat für den ameritanischen Professor keine Geltung. Darüber meint er: Nach dem Friedensschluß. Russische Presstimmen. Jeder ausgeprägte Typ des Wirtschaftslebens hat sich seine eigenen politischen Formen geschaffen; das haben wir beim Bürgerfrieg in den Slavenstaaten gesehen wie auch an der Ablösung Man hat dem Sozialismus vorgeworfen, daß er feine der englischen Landlordherrschaft durch Berufung von Vertretern positive, konstruktive Kraft befäße. Hätte er sich aber wirklich nur Aus Mostau, Odessa, Nishnij- Nowgorod, Kiew und anderen aus den Midland Industrien ins Parlament. Eine Monographie auf die Stritit des Bestehenden beschränkt, der Dienst, den er ber gentren eingegangene Drahtmeldungen befagen nach dem Wolfffchen der drei größten Geschäftszweige Pennsylvaniens: Transportwesen, Gesellschaft durch das unermüdliche Benforamt geleistet hat, würde Depeschenbureau, daß das Zustandekommen des Friedens bort Bergbau, Eifenindustrie würde gleichzeitig eine Entwidelungssein Bestehen bereits rechtfertigen. Wir haben schon oben er- ebenso einen freudigen Eindrud hervorgerufen hat, wie in geschichte der Politik des Staates darstellen. Was in New Hamp- wähnt, daß es heute keine Partei gibt, welche ein so logisch flares, Petersburg. Die Petersburger Blätter, mit Ausnahme der„ Nowoje shire unter der Fahne des Voltswillens ging, waren die Interessen bestimmt abgegrenztes Programm aufweisen kann wie die Sozia- Bremja", äußern ihre hohe Befriedigung darüber, daß dem Blutder Boston and Maine" Eisenbahn. Wenn wir die Niederliften. bergießen ein Ziel gesezt sei. Stuß" freut sich des Erfolges der VerTage des politischen Liberalismus in Europa bekennen, so sprechen Die Furcht vor dem sozialistischen Zuchthausstaate" ist treter auf beiden Seiten, besonders aber der Japaner, welche die wir damit auch aus, daß der Kapitalismus als solcher eine Oppo- Herrn Brooks gleichfalls fremd. Ais praktischer Amerikaner Anerkennung der vitalsten Interessen durchgesetzt hätten; von einem sition heraufbeschworen hat. Schade, daß Herr Brooks an teiner Stelle seiner Schrift Schade, daß Herr Brooks an feiner Stelle seiner Schrift fennt er nur eine Frage, und die lautet mit größter Einfach ruffifchen Triumph, einem diplomatischen Siege Nußlands' zu sprechen, auf eine Analyse der befehbeten materialistischen Geschichts- heit: Wie macht man das? Hier setzen auch seine eigent- fet durchaus nicht am Blaze, von einem diplomatischen Siege fönnte auffassung" eingeht; das Mißverständnis würde sofort flar lichsten Bedenken ein. Ob die Güterproduktion in einer fozia- nach der Reihe der Mißerfolge auch taum bie Rede sein, es habe sich nur darum gehandelt, eine diplomatische werden. Allem Anscheine nach hat er sich von Kommentaren stischen Ordnung geringer würde, als in einer kapitalistischen, Niederlage au bermeiben, was auch gelungen zu sein au irre führen lassen, die den marxistischen Begriff der Not- weil der private Trieb zum Reichwerden wegfiele, oder scheine. To wo" findet ben Frieden so, wie Mußland ihn nach Slowo" wendigkeit gesellschaftlicher Entwickelung als einen„ grob stärker, weil die Drganisation der Güterverteilung Gleich einem schimpflichen Kriege nur wünschen könnte.„ Nasha Sisa" - darüber will ist zwar von dem Friedensschluß befriedigt, stimmt aber der Nowoje mechanistischen" darstellen, aus dessen Reihe der menschliche mäßigkeit und Sparsamkeit ermöglichte Geist ausgeschaltet ist. Bei näherem Zusehen würde Herrer nicht entscheiden, das kann nach seiner Meinung nur Bremja" darin bei, daß Rußland einen ungünstigeren die praktische Erfahrung lehren. Nicht ohne Frieden nie abgeschloffen habe. Brooks wahrscheinlich sehr bald erkennen, daß Marr nicht so Auch Shut Otetscestwa" stimmt bei, Rußland habe teine töricht gewesen ist, ein Leben voll gewaltiger geistiger Arbeit Pikanterie ist für uns Deutsche eine persönliche Erinnerung, dem Zweck des Beweises zu widmen, daß die geistige die der amerikanische Professor an dieser Stelle einflicht. Er Ursache, sich eines diplomatischen Sieges zu erfreuen, doch nach dem Arbeit tein Faktor der menschheits geschichtlichen Ent- erzählt nämlich, ein deutscher Bürgermeister habe unglüdlichen Striege wäre nights Befferes zu erwarten gewefen. seine Bedenken gegen den Sozialismus zu zerstreuen gesucht Nowoje Wremja" schreibt: Wenn Rußland diesen traurigen wickelung fet. biefer Friebe nur als ein zeitweiliger zu beNicht anders geht es Herrn Brooks mit dem Begriff des durch den Einwand:" Wo so viel mehr tägliche Interessen Grieben annimmt, so gehorcht es nur der Notwendigkeit und ist Massenkampfes. Praktisch äußert er für den Klassenkampf der auf dem Spiele stehen, muß der rechtschaffene Bürger sich schon zeichnen. Der Sieger erhielt zu wenig, der Beflegte machte au Arbeiter, für Streits zur Berbesserung der proletarischen um die Dinge bekümmern, sonst hätte er zu hart bei der große Bugeständnisse. Dieser Frieden ist nur ein Saltepunkt in der Geschichte der Beziehungen Rußlands zu Japan und diese Lebenslage, für politische Kämpfe wider die Privilegien der Steuerzahlung zu büßen". Die amerikanische Ansicht, daß der Sozialismus nur Gefchichte beginnt er st. Nach 18 monatigem Kampfe tönnen Kapitalistenklaffe die wärmste Sympathie; nur das Wort verursacht ihm arge Pein. Hier unterliegt er offenbar dem ein europäisches Gewächs fei, läßt sich angesichts der wachsenden die Ruffen und Japaner fich die Sände brüden und babet fich auf suggestiven Einfluß seiner deutschen Kollegen, die das Wort Wahlerfolge unserer amerikanischen Genossen und des immer wiedersehen zurufen. stärkeren Eindringens sozialistischen Geistes in die Gewerk Baris aufgetauchte Gerücht über einen in dem Abkommen mit Ruß" ist zu der Mitteilung ermächtigt worden, daß das in ") John Graham Brooks, Prof. in Harvard, Maff. I. S. a. fchaften nicht mehr aufrechterhalten. Von der wachsenden Japan enthaltenen geheimen Paragraphen, nach dem Nußland Soziales Wechselfieber. Studien über Arbeiterbewegung und Sozialis- Macht des amerikanischen Sozialismus legt die Schrift des angeblich 800 millionen zu zahlen habe, burchaus unbegründet ist. mus. Autorisierte deutsche Bearbeitung von Dr. Hermann Hasse- Professor Brooks nicht bloß durch ihre Existenz Zeugnis ab, Rußland gebe Japan nur, was sich bereits in dessen Händen befinde, und zahle nur die tatsächlich gemachten Ausgaben für den Unterhalt Leipzig. Dresden 1905. D. V. Böhmert.( Die Ueberfegung des fondern auch durch ihr ausdrückliches Bekenntnis: Titels ist nicht ganz glüdlich. Der englische Titel lautet Social Papageienhaft haben wir jahrelang einer dem anderen nach der russischen Kriegsgefangenen zurück. Unrest"; unrest bedeutet aber nichts anderes als unser deutsches gesprochen: der Sozialismus, wie wir ihn in Amerika sehen, ist In den russischen Handelszentren wird vom Wort Unrast, Friedlosigkeit, und ist ohne pathologische Nebenbedeutung nur vom Auslande eingeschleppt". Heute würde diese Behauptung Friedensschlusse ein Aufschwung des Handels erwartet. An der aufzufassen schon lächerlich wirken. Jebe Gewerkschaft, die im Kampfel Mostauer Börse stiegen gestern Private wie Staatsfonds. In Odessa erhofft man eine schnelle Entwickelung der Handelsbeziehungen zu dem fernen Osten. In Nishnij- Nowgorod wurde unter dem Eindrucke der Friedensmeldung eine Belebung der Messe verspürt. und Deutfches Reich. Russische Lockspikel in Deutschland. Das„ Berl. Tagebl." berichtet: braucht werden und daß die Beschränkung der Selbstverwaltung des- 1 bald alle Abgeordnetensie aus allgemeinen Wahlen sich in den wegen nötig sei. Händen der Sozialdemokratie befinden würden, sondern daß Die Kassenangestellten weisen diese Argumente auch für ihren diese auch Einfluß auf die Notablenwahlen gewinnen werde! Teil schon deswegen zurück, weil die Bestimmungen des geltenden Entweder haben die Verfasser der„ Begründung" eine Politik 10 Zur Feststellung des Friedensvertrags. Gesetzes jede politische Betätigung in den Krankenkassen nicht nur unmöglich machen, sondern sogar der Aufsichtsbehörde Handhaben der kalten Bosheit betrieben oder auf sie trifft, was noch Der Rechtsbeistand der japanischen Friedenskommission genug geben, solcher Betätigung wirksam entgegenzutreten. schlimmer ist, das bekannte Wort Orenstiernas zu:„ Mein Dennison und Professor b. Martens haben, wie aus Es kann und ist auch seitens der Aufsichtsbehörden bisher Sohn, Du weißt nicht, mit wie wenig Weisheit die Welt regiert Portsmouth gemeldet wird, den Wortlaut der Einleitung und dreier fein sachlich begründeter Nachweis geführt worden, der die Not- wird!" Artikel des Friedensvertrags festgestellt; sie arbeiten jetzt an dem wendigkeit einer schärferen Handhabung der geltenden Bestimmungen Artikel über die Zession der ost chinesischen Bahn. Es erheischt. ist möglich, daß der Abschluß des Waffen- Mit Stolz und Genugtuung können die Kassenangestellten auf stillstandes sich noch um einen oder zwei Tage getragen von der Selbstverwaltung und gestützt von der befruchtenden die Handhabung und Entfaltung der Krankenkassenverwaltung blicken; berzögert, da zuvor die Generale in der Mandschurei und berufsfreudigen Tätigkeit der Kassenangestellten haben die zu instruieren find. Die Bedingungen, unter denen Japan Krankenkassen einen Aufschwung in der Erledigung ihrer gesetzals Besitzer der ostchinesischen Bahn anerkannt wird, besagen, lichen Aufgaben genommen, der eine Erweiterung der Bewegungs„ Ein russischer Spigel treibt jetzt in Berlin in aufdringlichster daß Rußland an China 75 Millionen Dollar für möglichkeit in sozialhygienischer und sozialpolitischer Hinsicht er- Weise sein Handwerk. Er nennt sich Baron v. Crüdner und macht Chinas Interesse an der Bahn zahlt, und daß die fordert. Schutz Die et für er lebende Ruſſen heran, che nach den Persönlichkeiten, Frage, wer schließlich Besitzer der Bahn sein soll, zwischen Japan und Die Selbstverwaltung ist das Paladium, unter dessen Schutz die er für seine Zwecke sich ausgewählt hat, ändert er seine Methode, China geregelt werden soll. Dem Vernehmen nach sollen, ein solcher Aufschwung erfolgen konnte. Die Selbstverwaltung den und uns ist ein Fall bekannt, in dem er direkt als agent provocawenn China die Bahnlinie behalten will, die 75 Millionen an Krankenkassen nehmen, heißt sie nicht groß werden lassen, sondern teur gefährlichster Art aufgetreten ist. fie töten! Da dieser angebliche Herr v. Crübner hochgewachsen ist und vorJapan gezahlt werden neben der Rückzahlung der von den Aber auch nur unter dem Schutze der Selbstverwaltung können nehm aussieht, so stellte er sich als Offizier des Gardekürassierjapanischen Eisenbahnbehörden für den Wiederaufbau der Linie sich die Fähigkeiten und die Tüchtigkeiten der Kassenangestellten in regiments in Petersburg vor. Er eröffnete dem hier lebenden Ruſſen, aufgewandten Summe. Die Eisenbahn zwischen Charbin der Ausübung ihrer Tätigkeit wirksam entfalten, Die Anstellung daß er dessen politische Gesinnung wohl kenne, aber daß er ihm verder sibirischen Grenze und von Charbin füdlich bis und die Regelung der Anstellungsverhältnisse abhängig machen von sichern müsse, mit literarischer Einwirkung käme man nicht aus. Es käme zur Station Rutentschenze bleibt in den Händen der Russen. einer die Selbstverwaltung beschränkenden Behörde heißt daher eine darauf an, die terroristischen Methoden zur Anwendung zu bringen; Rußland wie Japan erhalten die Erlaubnis, Wachmann- Erdrückung der selbständigen, leistungsfähigen Kräfte der Kaffen- man müsse Bomben werfen, er könne ihm für diese Zwecke an schaften längs der in ihren Händen befindlichen Eisenbahnlinien angestellten, heißt Schematismus, Bureaukratismus, heißt leber- archistische Literatur mit technischen Anweisungen zur Verfügung zu unterhalten und Truppen im Falle ernster Unruhen zu entsenden. wuchern und maßgebliche Einflußnahme einzelner Personen und stellen, und wie er selbst, so dächte bereits eine erhebliche Anzahl Offiziere in seinem Regiment. Dieser angebliche Herr Baron Die Zahl der Truppen soll aber nicht größer sein, als zur Wieder- nicht Entfaltung, Erhöhung der Berufstätigkeit aller Angestellten. Der Verbandstag lehnt daher die Schaffung einer Organisation, v. Crüdner hatte sich jedoch in seiner Operationsmethode absolut herstellung der Ordnung notwendig ist, und die Truppen müssen die leitende, von der Aufsichtsbehörde selbst unter Mitwirkung der vergriffen. Er erhielt eine fühle Abweisung, darauf erneuerte er zurüdgezogen werden, wenn sie ihre Aufgabe erfüllt haben. Organe der Kaffenverwaltungen anzustellende Beamte vorsieht, von seine Besuche und produzierte den etwas unklaren Brief eines Ruſſen, Die Uebertragung der Pachtverträge in Port Arthur und auf dem Grund aus ab. der augenblicklich hinter Gefängnismauern sitt. Auf Grund dieses Wenn auch zugegeben werden soll, daß einzelne Kassen die Briefes konnten die nötigen Erkundigungen in Rußland eingezogen sich daraus nur die Notwendigkeit ihrer Erziehung zur Selbstver- war in der Tat echt, er stammt von einer Persönlichkeit, die unter waltung! Der diesjährige Verbandstag erklärte daher in Ueber- politischer Anklage steht und im Augenblick sich in der Gewalt der London, 31. August. Der japanische Finanzagent Takahashi einstimmung mit den dahingehenden Beschlüssen von München 1900 russischen politischen Polizei befindet. Diesem Gefangenen war durch erklärte in einer Unterredung mit dem Vertreter des„ Reuterschen und Hannover 1902, daß die Sassenangestellten alles daran setzen die ärgsten Drangfalierungen jener Brief, der als eine Empfehlung Bureaus" Japan besige nicht weniger als 33 Mill. werden, den Kassen die Selbstverwaltung zu erhalten und dafür zu des Herrn Barons v. Crüdner" dienen sollte, abgepreßt worden. Pfund Sterling zur völlig freien Verfügung in sorgen, daß Angriffe auf dieselbe durch Berufsfreudigkeit und Er- Als der Herr Baron zum drittenmal erschien, konnte man ihm ers London, Deutschland und den Vereinigten Staaten; es sähe deshalb füllung der gestellten Aufgaben und persönliche Tüchtigkeit abgewehrt öffnen, daß sein Inkognito nicht mehr bestünde, und daß er zwar feine Notwendigkeit zur Ausgabe einer neuen werden. nicht im Gardekürassierregiment diene, aber Gendarmericoffizier sei. Anleihe, da die verfügbaren Hülfsquellen Japans reichlich die Der Herr Baron leugnete darauf nicht. mit dem Kriege zusammenhängenden Kosten und die dadurch veranlaßten Nebenausgaben deckten. Wenn die Regierung die Absicht haben sollte, eine Anleihe aufzunehmen, so würde diese dazu bestimmt sein, die früheren höher verzinslichen Anleihen zu tonvertieren, er habe aber nicht gehört, daß die Regierung im gegenwärtigen Augenblick solche Absichten habe. übrigen Teil der Halbinsel Liautung wird von der Einwilligung Selbstverwaltung zu handhaben noch nicht gelernt haben, so ergibt werden und was stellte sich nunmehr heraus? Der produzierte Brief Chinas abhängig gemacht. ng Japans Finanzen. Politische Ueberficht. Berlin, den 31. August. Zur Reform der Arbeiterversicherung. Ueber die Absichten und Pläne, die in Regierungskreisen über die Reform der Arbeiterversicherung zurzeit umgehen, wird uns folgendes berichtet: Die Aenderung des Krankenversicherungsgesetzes beziehungsweise die Verschmelzung der Kranken- und Invalidenversicherung steht fest. Db aber die Unfallversicherung in diese Aenderung gezogen wird, ist zurzeit noch nicht entschieden. Die Beschneidung der Selbstverwaltung hat aber auch die Bedeutung und den Zweck, die berufstätige Kollegenschaft zugunsten von zivilversorgungsberechtigten Personen auszumerzen. Mit bezug auf die so bedrohte Zukunft der Kassenangestellten hält der diesjährige Verbandstag daran fest, daß weder eine sachliche noch eine politische Notwendigkeit vorliegt, die Tätigkeit der Berufskollegen durch Einstellung von Militäranwärtern 2c. zu ersetzen. Der Verbandstag glaubt andererseits den Kassen mit Rücksicht hierauf nochmals dringend ans Herz legen zu sollen, ihrerseits in Verbindung mit der Organisation dafür zu sorgen, daß nicht nur die Gegenwart für die Sassenangestellten gesichert wird, daß auch für die Zukunft, entsprechend der auf dem Münchener Ortskrankenkassen tage selbst erklärten moralischen Verpflichtung, Mittel gefunden und Einrichtungen getroffen werden, welche die Zukunft der Kassenangestellten und deren Hinterbliebenen sichern. Die Zukunft der Kassenangestellten liegt wie die Gegenwart nur auf den Schultern der Selbstverwaltung. Ohne Selbstverwaltung, ohne weitere Betätigung und Bewegungsfreiheit teine berufsfreudigen Rassenangestellten. Der Verbandstag erklärt daher von neuem und ebenso unerschütterlich, nur Schulter an Schulter mit den geseglichen Organen der Krankenkassen für die Selbstverwaltung eintreten und tätig sein zu wollen. Die Hamburger Wahlentrechtungs- Vorlage in statistischer Beleuchtung. Bekanntlich soll nach dem Zolltarifgesetz im Jahre 1910 die berühmte Witwen- und Waisenversicherung von Zentrums Gnaden in Kraft treten. Nach einigem Zögern hat sich die Regierung entschlossen, dem Beschlusse des Reichstages nachzukommen. Die nötigen Vorarbeiten sind im Reichsamt des Innern vor längerer Zeit in Angriff In der ersten Lesung der sogenannten Wahlrechtsvorlage genommen worden. Man glaubt die Witwen- und Waisenversiche wurde von einem der wenigen bürgerlichen Gegner derselben, rung auf diejenigen Witwen und Waisen beschränken zu können, deren Rechtsanwalt Dr. Blunck, das vom Senat in den Motiven zu Männer zur Beziehung von Invaliditäts- bezw. Altersrente berechtigt sammengetragene statistische Material als sehr einseitig und gewesen wären. Die Rückzahlung der Invaliditäts- Beiträge an irreführend" bezeichnet. Die Senatskommissare wehrten sich weibliche Personen, welche die Ehe eingehen, wird abgeschafft. gegen diese Behauptung, bezeichneten die Zahlen des StatistiDie Witwen- und Waisenrente soll je nach der Zahl der hinter- schen Bureaus der Steuerdeputation als unanfechtbar" und bliebenen Kinder die Hälfte bis zwei Drittel derjenigen Rente betragen, welche der Verstorbene erhalten hätte, wenn er zurzeit des Todes in den Genuß der Invalidenrente getreten wäre. Ob auch die Hinterbliebenen von Invaliden, Altersrentnern und Selbstmördern Rente erhalten, ist zweifelhaft. Man hat nicht die Absicht, ein Gesetz betreffend die Witwen- und Waisenversicherung zu schaffen, sondern glaubt, durch Hinzufügung einiger Paragraphen zum Invalidengesetz die Sache zu regeln. Finanziell ist man der Ansicht, daß die erheblichen Beträge, welche an Rückzahlungen gespart werden und die Einfünfte aus dem Zolltarifgesetz die Erhöhung der Invaliditätsbeiträge um nur wenige Pfennige die Woche nötig machen. juchten damit die bürgerlichen Angstmeier für die Annahme des Entwurfes zu trainieren. Gerade zu rechter Zeit ist im Verlage von Boysen in Hamburg eine von Herrn R. E. May verfaßte Broschüre erschienen, in der, ebenfalls unter Benutzung des Zahlenmaterials der Steuerdeputation, aber unter Buhülfenahme der Jahresberichte der Aufsichtsbehörde für die Standesämter, der Nachweis erbracht wird, daß der Andrang der Arbeiter zum Bürgerwerden seinen Höhepunkt überschritten hat und daß die Schlußfolgerungen in der Senatsbegründung völlig unzutreffend find. In der Broschüre wird darauf hingewiesen, daß seit 1897 auch die erwähnten Jahresberichte eine Aufführung der Bürger enthalten und deutlicher den AnGegen Einbeziehung der Unfallversicherung in die Reform sollen teil der Arbeiter an den Bürgern erkennen lassen.„ Die neuerdings Bedenken aufgetaucht sein. Man fürchtet, daß man Senatsbegründung," so heißt es in der Broschüre,„ die doch auf ein besonders gründliches Studium der Materie Anspruch bei den Berufsgenossenschaften auf starken Widerstand stoßen wird. Bei dem Einfluß, welchen die Vorstände der Berufs- macht, hat die Statistik der Aufsichtsbehörde für die Standesgenossenschaften auf das Parlament haben, ist möglicherweise bei ämter überhaupt nicht benutzt." Die Broschüre holt das„ VerEinbeziehung der Unfallversicherung mit einem Scheitern des Gesäumte" nach. Danach haben das Bürgerrecht erworben: setzes zu rechnen. Es soll daher, entsprechend dem Vorschlage des im Jahre Regierungsrates Süttmann wegen Mangel an Zeit" die Einbeziehung der Unfallversicherung in die Reform einer späteren" Gesetzgebung vorbehalten bleiben. Wenn man sich auch über die Grundlagen der Verschmelzung des Invaliden- und Krankenversicherungsgesetzes noch nicht einig ist und die verschiedensten Pläne von Regierungsräten und sonstigen Freunden" der Arbeiter noch zur Erwägung vorliegen, glaubt man doch bis zum Jahre 1910 soweit zu sein, um die Angelegenheit vor den Reichstag zu bringen. " Eine frühere Einbringung der Vorlage wird in Fachkreisen für ausgeschloffen gehalten, weil ale Grundlage für verschiedene wichtige Bestimmungen eine Statistik dienen soll, mit deren Aufnahme erst vom Jahre 1906 an begonnen wird. Danach wäre also in etwa fünf Jahren die Regierung bereit, eine Vorlage zu machen, die wegen Mangel an Zeit" auch dann noch den Unternehmern die Unfallversicherung zu selbständiger Verwaltung überläßt, den Arbeitern aber wahrscheinlich die Selbstverwaltung zu entziehen beabsichtigt. Und wegen Mangel an Mitteln" wird vermutlich bei der Witwen- und Waisenversicherung ein Quart herauskommen, für den aber den Arbeitern die Kosten aufgebürdet werden. Wie die Kassenbeamten, also Fachleute, über den Wert der Selbstverwaltung und den innigen Zusammenhang von Selbstverwaltung und Leistungsfähigkeit der Kassen urteilen, das zeigt die in Breslau vom Verbandstage der Ortstassenbeamten angenommene Resolution, die wir gestern schon kurz erwähnt haben, Heute aber ihrer Wichtigkeit wegen vollständig mitteilen. Selbständige Angestellte Arbeiter 1897 8233 2579 5021 633 1898 4294 2184 1624 486 1899 2261 1114 841 306 1900 2931 1345 1088 498 1901 4729 1995 1308 1426 1902 6521 2480 1432 2606 1903 6572 2439 1583 2550 1904 6208 2429 1547 2235 16565 14444 10740 1897-1904 41749 = 100 = Für unsere Polizei dürfte es jedenfalls interessant sein zu er fahren, daß die russische Regierung nach Berlin Agenten sendet, die hiesige Russen zu anarchistischen Taten aufzureizen suchen." Wir glauben taum, daß dies der Polizei interessant ist. Sie unterhält ja mit russischen Agenten die freundschaftlichsten Beziehungen. Ganz offiziell dürfen die Chefs dieses russischen Lumpengesindels in Deutschland ihre Tätigkeit entfalten. Kein Mensch in der Polizei und in der Regierung zweifelt an dem wie berbrecherischen Charakter der russischen Agenten, war es doch jüngst festgestellt wurde das Berliner auswärtige Amt unter des Fürsten Bülow Leitung, das Serbien vor den königsmörderischen Plänen der russischen Spizel warnen ließ. Man weiß folglich alles und dennoch duldet man diese Verbrecher, weil die reaktionäre Solidarität zwischen Rußland und Preußen kein Mittel scheut, um die Revolution niederzuschlagen. Deutschland weist nur Helden des Freiheitstampfes, Schilderer der Wahrheit, arme Heimatlose Proletarier aus nicht aber russische Bomenspizzel. Der Vertrauensmann der deutschen Regiernng. Herr Prell, der Chefredakteur der„ Deutschen Wochenzeitung für die Niederlande", derselbe, der die Ausweisung seines Kollegen Cazz aus Berlin verteidigt hat, erklärt jetzt in einer erregten Erklärung, daß er nie und nimmer mit einem Preßbureau der deutschen Regierung in Verbindung gestanden habe, ebensowenig je mit einem der hier akkreditierten deutschen Gesandten oder Konsuln." Er droht weiter, das„ Berl. Tagebl." verklagen zu wollen. Soll wirklich Klarheit geschafft werden? Im übrigen triechen nun auch die deutschen Reptile hervor, und verteidigen die Ausweisung. Man kann in diesem Falle ihnen die Schutzbestimmung von der Wahrung berechtigter Interessen nicht vorHerr Catz hat die enthalten. Sie fämpfen für die eigene Sache. üble Gepflogenheit gehabt, die unabhängige sozialdemokratische Bresse für anständiger zu halten als die deutschen Reptile. Deshalb empfinden sie bei der Ausweisung das Triumphgefühl gesättigter Rache. In dieser Empfindung schreibt einer der„ Münch. Allg. 3tg." ache. In dieser Empfindung schreibt einer der Münch. Allg. 3tg." aus Berlin: „ Die Umstände, die in den freisinnigen und sozialdemo fratischen Blättern angeführt werden, genügen eigentlich auch vollständig zur Beurteilung. Das weitere ergibt sich aus der Rechtfertigung" des Herrn Cat; er beteuert, daß er stets einen scharfen Unterschied zwischen dem Volfe und der Regierung gemacht habe. Fragt man nun, wie denn eigentlich jener Herr den besagten scharfen Unterschied gemacht hat, so gewinnen wir ein eigenartiges Bild von seiner Liebe zum deutschen Volke. Er begeistert sich für die sozialdemokratische Presse und betätigt seine Deutschfreundlichkeit in fortgesetzten Beschimpfungen der deutschen Regierung und ihrer Vertreter. Wenn wir auch unsere gesamten Verhältnisse und natürlich auch unsere Parteien der Kritik des Auslandes nicht entziehen können, das eine ist doch klar: Wenn ein Ausländer die gesetzlichen Führer und Vertreter des deutschen Volkes systematisch im Sinne ciner staatsfeindlichen Partei beschimpft und das alles noch obendrein aus Sympathie für unser Volt zu tun behauptet, so ist das eine freche Beleidigung. Denn was auch mancher an unseren Negierungen auszusetzen haben mag, für den Ausländer stehen wir hinter unseren Regierungen, und wer sie beschimpft, der ist unser. Freund nicht. Es ist tief bedauerlich, daß das in der deutschen Bresse nicht allgemeiner zum Ausdruck kommt." = 39,7 Proz.= 34,6 Proz. = 27,7 Broz. 1904 gab es 64 893 Bürger. 10 740 Arbeiter sind den 64 893 10 740 Arbeiter sind den 64 893 Bürgern überhaupt gegenüber zu stellen. Wir haben dem= nach heute unter den Bürgern etwa 16,5 Proz." Bur Fleischnot." Die Handlungsgehülfen- Organisation Verein Arbeiter. Und dieser Prozentsatz ist auch noch zu hoch, wenn der deutschen Kaufleute" in Berlin hat jetzt ebenfalls ihre man die größere Sterblichkeit der Arbeiter in Betracht zieht. Der Stimme gegen die Fleischnot erhoben, indem sie an den LandProzentsaz der Arbeiter unter den Bürgern dürfte also heute wirtschaftsminister eine Petition gesandt hat, worin im Interesse des 16 Broz. schwerlich übersteigen. Daß dieser Vertrauensmann der deutschen Regierung hinter ihr steht, allzeit bereit zu jedem in dieser Stellung möglichen Opfer, wer wollte das bezweifeln. Nur ist zu sagen, daß zu den gesetzlichen Vertretern" des deutschen Volfes in erster Linie die gesetzlichen Vertreter der stärksten deutschen Partei, von drei Millionen deutscher Männer gehören. Der Berliner Mann des Münchener Blattes wird es schon einem Ausländer nicht verübeln dürfen, wenn er die Träger der mächtigsten politischen Bewegung im Volle höher achtet, als irgend einen beliebigen Lafaien herrschender Gewalten. Die Arbeiter bilden von den Hamburgischen Bürgerrechtserwerbern im Jahre 1901 30 Proz. 1902 40 " " " 1903 39 " " " 1904 36 " " " " Handlungsgehülfenstandes zur Beseitigung der Fleischnot eine un beschräntte Einfuhr von ausländischem Schlachtvieh nach all den Orten gefordert wird, wo durch ausreichende Kontrolle Sicherheit gegen Einschleppung von Viehfeuchen und ansteckenden Krankheiten gegeben ist. Die Petition fordert ferner die vorläufige Aufhebung der Grenzsperre, und zwar solange, bis die Fleischpreise im Julande wieder auf die Durchschnittshöhe der früheren Jahre ge Es ist also feine Frage: der Höhepunkt des Arbeiterandranges war fallen find. im Jahre 1902 bereits erreicht, im Jahre 1903 bereits über- Der Petition ist eine eingehende Begründung beigegeben, worin schritten und es geht nun mit dem Prozentsatz der Arbeiter bergab. u. a. darauf hingewiesen wird, daß unter dem gegenwärtigen, durch Nur in den Jahren 1902 und 1903 war die Zahl der neuen die Fleischteuerung hervorgerufenen Notstande der HandlungsgehülfenArbeiter etwas höher als die Zahl der neuen Selbständigen, aber stand besonders schwer zu leiden hat. Die wirtschaftlichen Verhält im Jahre 1904 ist sie wieder wie in allen übrigen Jahren nisse des Handlungsgehülfenstandes seien derart, daß ein großer wesentlich niedriger( rund 200 weniger Arbeiter als Selbständige). Teil ein Einkommen hat, das unter dem des gelernten Arbeiters Also die 16 Proz. Arbeiterbürger find es, die den großen Heer der Arbeitslosen ein weit größeres Kontingent als jeder steht. Gerade der Stand der Handlungsgehülfen stelle zu dem Die im Verbande der Verwaltungsbeamten der Krankenkassen zc. Machern der Wahlrechtsraubvorlage auf die Nerven gefallen andere Beruf. Infolgedessen treffe die durch die Verteuerung des organisierten Kassenangestellten protestieren gegen die Behauptung, find! Und doch wird in der Senatsbegründung frank und Hauptvolksnahrungsmittels hervorgerufene Notlage die Handlungsdaß die Kassenorganisationen zu sozialdemokratischen Zwecken miß- frei behauptet, daß unter dem jezigen Wahlsystem nicht allein gehülfen besonders hart. Tautet: Sie Gegenüber der sowohl von politischen Parteien als auch von der Reichsregierung gegebenen Anregung zu einer Reform des Krankenversicherungs Gesetzes erklärt der sechste Verbandstag folgendes: 9 Utas: Die weiße Umfturzschleife. hier. forps in Südwestafrita überzutreten. Mechaniker, Techniker, Schreiber, des Telegraphierens und Fernsprechens kundige Leute erhalten den Vorzug. Sechs Militär- Arrestanten von der deutschen Schußtruppe Frankreich. Sozialistische Strömungen in der französischen Lehrerschaft. Man schreibt uns aus Paris: Wie stark der Einfluß der sozialistischen Gelegenheit nicht in ihrer eigentlichen Form, sondern mit großen Gnadengesuch für die vier Neiter wegen ihrer guten Führung Die Mitglieder des Kriegsgerichts hatten ein des Patriotismus in der Schule" den Anstoß zur neuesten Heze bemerkte. Den Rekord über den Begriff„ polnische Demonstration" hat die Bochumer Polizei erreicht. Der Vorsitzende des polnischen St. BarbaraVereins, eines kirchlichen Vereins in Bochum, der an der diesjährigen in Südwestafrika sind mit dem Dampfer Professor Wörmann" dee auf die französische Lehrerschaft gewachsen ist, haben die Vor katholischen Prozession teilgenommen hat, erhielt folgenden ulkigen in Hamburg eingetroffen, um die wegen schwerer Bergehen über sie" Amicales d'instituteurs", die Hülfsvereine der Lehrerschaft, gegens An den Vorstand des St. Barbara- Vereins verhängte Strafe in Deutschland zu verbüßen. Vier Reiter wärtig in Lille abhalten. Gleich am Anfange tam es zu einer waren vom Kriegsgericht zu Swakopmund wegen Tötung eines stürmischen Kundgebung, als man den reaktionären Lehrer Boc Es ist aufgefallen, daß die Fahne des Vereins bei festlicher Eingeborenen zu schweren Strafen verurteilt worden. quillon, der mit seinem denunziatorischen Buch über die„ Krise weißen Schleifen versehen in öffentlichem Aufzuge vorangetragen wurde. Für das bloße Auge gewinnt diese Farben- im Felde dem obersten Kriegsherrn unterbreitet, und der Kaiser hat gegen die fortgeschrittenen Lehrer gegeben hat, auf der Eſtrade zusammenstellung den Anschein, als ob es sich um eine Demon- daraufhin die vier Soldaten zu Gefängnisstrafen von tosende Entrüstungsrufe aus und der streberische„ Patriot", den Die 1200 Personen zählende Versammlung brach in stration handelt, bei der eine weißrote Fahne in polnischen 1 bis 3 Jahren begnadigt. D Die beiden anderen Arrestanten fein einziger Verein hat delegieren wollen und der nur als VerNationalfarben gezeigt werden soll. Der Vorſtand wird daher waren zwei Pioniere, die sich eines schweren tätlichen treter einer Revue Zutritt gefunden hat, mußte bescheidentlich am veranlaßt, dafür Sorge zu tragen, daß bei Entfaltung der Fahne angriffs auf einen Borgefesten( Offizier) schuldig ge- Pressetisch Platz nehmen. Aber auch der radikalsozialistische auf öffentlichen Straßen 2c. die weißen Schleifen in der Folge macht hatten. Dasselbe Kriegsgericht in Swakopmund hat die Deputierte Ferdinand Buisson, der ehemals einen großen nicht mehr an der Fahne getragen werden. beiden Pioniere zu 8 und 10 Jahren Gefängnis und zur Ver- Einfluß in der Lehrerschaft besessen hat, mußte eine setzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes verurteilt. Es wäre von Interesse, näheres über die Verschuldungen der Demonstration über sich ergehen lassen, die ihm bewies, bie daß die Erklärungen, sechs Arrestanten zu erfahren. Die Tötung des Eingeborenen muß sozialistische Richtung in der Lehrerschaft veröffentlicht hat, feiner Zeit gegen die folgt und ein besonderer Roheitsaft gewesen sein, da das Kriegs- auch die Stelle der Eröffnungsrede, wo der Vorsitzende des Organi ja außerhalb der militärischen Tätigkeit der Verurteilten er Beliebtheit erheblich Eintrag getan haben. Bemerkenswert war gericht auf schwere Strafen erkannte. Die Strafen sind durch den sationskomitees die ausländischen Gäste mit den Worten begrüßte, beiden Pioniere scheinen dagegen ihre volle Strafe verbüßen zu änder bezeuge. Die Wahl des Bureaus gab Gelegenheit zu kaiserlichen Gnadenakt ja nun erheblich gemildert worden. Die daß ihre Gegenwart die Solidarität der Lehrer aller müssen! einer energischen Kundgebung gegen die reaktionären, freiheitsfeindVerbandes wurde der Lehrer Puch in gewählt, der wegen seiner lichen Tendenzen der Schulverwaltung. Zum Vizepräsidenten des Haltung in der bekannten Affäre Thalam as diszipliniert worden ist. Ferner wurde der wegen sozialistischer Gesinnungen gemaßregelte ehrer Wadez gewählt.- Auf der Tagesordnung des Kongresses steht u. a. der Punft: Patriotismus. Bochum, 17. Juli 1905. Die Polizeiverwaltung. Der Oberbürgermeister. Graff. Wie steht es mit dem Gebrauch etwaiger weißer Taschentücher bei Prozessionen? Ein Kaiser- Telegramm zur„ Bulkan"-Erweiterung. Aus Stettin wird gemeldet: Stettin, 31. August. Auf die an den Kaiser gestern nachmittag ergangene Benachrichtigung über das Ergebnis der GeneralVerlustliste. Ein Telegramm aus Windhut meldet: Am versammlung der„ Vulkan"-Gesellschaft erhielt der Vorsitzende des 24. August 1905 im Gefecht bei Gorab in den Barisbergen verAufsichtsrates Geh. Kommerzienrat Schlutow folgende Antwort: wundet: Reiter Wilhelm Kriews, geboren am 9. 10. 1882 zu Herzlichen Dank für höchst erfreuliche Nachricht. Möge die Großbeukenhagen, Lendenschuß; Reiter Friedrich Uhlenhake, neue Niederlassung des„ Vulkan" an der Nordsee auf Hamburger geboren am 15. 10. 1879 zu Soest, leicht, Fleischschuß am linken Gebiet dieselben hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete des Schiffsbaues zeigen wie die altbewährte Anstalt an der Oder. Ferner: Reiter Heinrich Steiner, geboren am 14. 11. 1882 Wilhelm I. R. Die Genugtuung des Kaisers ist verständlich. Gibt doch die zu Roburg, am 27. August 1905 im Lazarett Windhuk an Typhus gestorben. Hamburger Zweigniederlassung des„ Bulkan" eine größere Möglichkeit, die geplanten Flottenbauten in größtem Stile aufzunehmen. Husland. Gegen die Soldatenmißhandlungen. Kriegsminister von Einem hat in diesen Tagen folgenden bedeutsamen Befehl an sämtliche Regimentskommandeure ber Armee erlassen: Unterarm. er in neuerer Italien. Nach dem Blutbad. Rom, den 29. Auguft.( Eig. Ber.) Die Erregung über die Metzelei von Granmichele dauert fort und macht sich in Hunderten von VolksKulturstaat Deutschland! Freie Republik Schweiz! bersammlungen Luft. Wie vorauszusehen war, hat die von den römischen Organisationen angenommene Tagesordnung zuDer schweizerische Arbeitersekretär Genosse Wassilieff gunsten des Generalstreiks nicht die Zustimmung der ausschlagschreibt: gebenden Städte gefunden und wird somit hinfällig, da Rom selbst Infolge der zahlreichen Fälle von Soldaten24. August 1905. In das Arbeitersekretariat kommt ein wegen seiner unbedeutenden sozialistischen und gewerkschaftlichen mißhandlungen und vorschriftswidriger Behandlung der Mann- italienischer Genosse, der Steinhauer L. F. Sein Bericht, furz Organisation nicht als Anführer einer proletarischen Bewegung in Betracht kommt. Bei der römischen Protestversammlung, die im schaften durch Vorgesetzte, bringe ich den Herren Regiments- zusammengefaßt, lautet wie folgt: tommandeuren meine Verfügung vom 1. Januar d. J. nach= Freien, in dem unweit des Kolosseums gelegenen Botanischen Garten 2. F. gehört seit Jahren der deutschen Organisation an. stattfand, wurde nach einer mit Begeisterung aufgenommenen Rede drücklichst in Erinnerung. Seit neun Jahren arbeitete er in Deutschland, die letzten zwei Ferris eine Tagesordnung angenommen, die für die Mezzeleien Jahre als Bergmann in der Zeche Concordia" in Oberhausen die Regierung verantwortlich macht, die Notwendigkeit intensiver bei Duisburg; dann, als dort die Löhne plötzlich reduziert sozialistischer Agitation im Proletariat betont und beschließt„ anwurden, in Langendreer. Da brach am 6. Januar der Streit gesichts der traurigen Möglichkeit der Wiederholung proletarischer der Bergarbeiter aus. Wie alle übrigen Kameraden, Wegeleien die Arbeitskammer Roms zu beauftragen, ein nahm er an dieser Bewegung teil. Nach dem Streif, als er permanentes Komitee zu bilden, das in ähnlichen Fällen gleichzeitige fich wieder zur Arbeit meldete, hieß es vom Betriebsdirektor: und sofortige Manifestationen und in äußersten Fällen den Generalstreit organisiert. Was! Sie wollen wieder bei uns arbeiten? Das gibt's nicht; Sie sind schuld, daß die Italiener gestreift haben. Wenn Sie nicht sofort Langendreer verlassen, so werde ich Sie verhaften lassen!" haben!) ( Jene Verfügung enthielt die Bestimmung, daß Offiziere und Unteroffiziere den Mannschaften überhaupt nicht zu nahe tommen sollen, vielmehr ihre Befehle und Weisungen an diese aus einer Mindestentfernung von drei Schritt zu geben Weiter heißt es in dem neueren Befehl:„ Es ist den Mannschaften der einzelnen Truppenverbände die strenge Weisung zu erteilen, je de Mißhandlung, auch die geringste tätliche Berührung von seiten der Vorgesetzten sofort auf dem vorgeschriebenen Wege zur Anzeige zu bringen, denn nur mit Hülfe der Mannschaften kann diesen Uebelständen gesteuert werden!" Der Herr Kriegsminister meint es ja wohl ganz gut mit den Mannschaften, doch wird der eingeschlagene Weg kaum dazu führen, die Soldatenmißhandlungen zu beseitigen. Zweckdienlicher wäre es, wenn der Herr Minister veranlassen wollte, daß die zur Anzeige gebrachten Soldatenpeiniger nicht, wie bisher, mit 14 Tagen Arrest, sondern je nach der Schwere der einzelnen Fälle, mit Gefängnis und Degradation bestraft würden. Gnädig behandelter Soldatenschinder. Dem Komitee sollen Vertreter der Parteifraktion und des Parteivorstandes sowie Vertreter der Arbeitskammern der großen Städte angehören. Die Parteigenossen von Imola haben ihren Abgeordneten 2. F. verlangte darauf sein rückständiges Lohnguthaben, Andrea Costa beauftragt, im Parlament einen Gesezentwurf welches noch in den Händen der Direktion war, und seine Pa- einzubringen, durch den den Familien der Opfer von Granmichele piere. Von 16 M. behielt die Zechendirektion 15 M. als eine angemessene Entschädigung aus der Staatskaffe bewilligt wird. Entschädigung für den Kontraktbruch"; seine Schriften erhielt Wichtig ist auch das Votum des Verbandes der Post- und Telegraphenbeamten, dessen Vorstand eine Tagesordnung gegen die Regierung er erst nach der Reklamation des Arbeitersekretärs in Ober- angenommen und den Familien der Opfer 100 Lire überwiesen hat. hausen. Einige Tage nachher, als er in Oberhausen Arbeit Wenn die Arbeiterschaft die Telegraphenbeamten auf ihrer Seite suchte, wurde er zum Polizeikommissär gerufen. hat, wird sie einen fünftigen Massenausstand wesentlich besser und Mein Lieber," sagte dieser, es tut mir leid, aber ich muß fraftvoller durchführen können, als dies im September vorigen Ihnen mitteilen, daß Sie aus Preußen ausge- Jahres, wo die Regierung für uns allen Telegraphenverkehr aufhob, wiesen sind."" ch, ausgewiesen! Warum? Ich war möglich war. doch nie bestraft, habe doch nichts verbrochen... seit Spanien. Ueber eine Verhandlung vor dem Obertriegsgericht zu Roblenz meldet ein dortiges Blatt: Bizefeldwebel R., 9. Kompagnie Infanterie- Regiments neun Jahren arbeite ich in Deutschland!" Der Die Parlamentswahlen und die sozialistische Partei. Am 10. SepNr. 69 ist durch Urteil des Kriegsgerichts der 16. Division am Polizeikommissär lächelte und verhaftete den Genossen tember finden in Spanien die Parlamentswahlen statt. Das National18. Juli wegen Mißhandlung Untergebener in Ausübung des Dienstes. F. 14 Tage saß F. in der Haft, dann wurde er auf die fomitee der sozialistischen Partei Spaniens erläßt soeben im„ Sozia in sechs Fällen zu einer Gesamtstrafe von vier Wochenschweizerische Grenze in Begleitung eines Gendarmen in Zivil lista" einen Aufruf, in welchem es die Parteigenossen des Landes gelindem Arrest verurteilt worden. Der Gerichtsherr hat Berufung erhoben, weil die Strafe zu gering bemessen, da der Musketier befördert. Die Reise bis nach St. Ludwig wurde in gewöhn- auffordert, sich ohne Ausnahme an den Wahlen zu beteiligen. Die Von Wahlbeteiligung sei am besten geeignet, die sozialistische Idee zu verH. über ein Jahr lang von dem Angeklagten fast täglich mißhandelt lichem Passagierwagen dritter Klasse zurückgelegt. breiten, die Arbeitermassen in der Ausübung ihres Wahlrechts zu worden ist, sodaß der Mißhandelte nicht mehr annäherud St. Ludwig wurde Genosse 2. F. durch einen deutschen erziehen und den Fortschritt des sozialistischen Gedankens durch das zahlenmäßig diese Mißhandlungen angeben könne. Nach Aus- Polizisten nach dem Zentralbahnhof Basel ge- Anwachsen der Stimmenzahl den bürgerlichen Parteien vor Augen zu fage des Musketiers R. wurde dieser in der Rekrutenzeit 1902-1903 bracht(!) und hier der schweizerischen Polizei führen. Sodamn heißt es wörtlich weiter:" Von diesem Gedanken in drei Fällen beim Gewehrreinigen mit den Knöcheln der abgeliefert. geleitet und entschlossener als je müssen alle sozialistischen Elemente in geballten Faust von dem Angeklagten gegen den Die Reise aus dem Kulturlande Deutschland war beendet, den Wahlkampf eintreten. Bei Strafe des Ausschlusses aus der Partei Kopf geschlagen. Daß R. auch einen Fußtritt nun Heil dir, Helvetia!" war Genosse L. F. in der dürfen sie niemals im Einverständnis mit einer der bürgerlichen Parteien gegen den Oberschenkel erhalten habe, fei nicht erwiesen worden. freien Republik. Er wird vom Bahnhof durch einen Boli oder deren Kandidaten handeln. Jedenfalls ist die augenblickliche Im Frühjahr 1904 erhielt R. beim Bajonettieren von dem Angeklagten mehrere feste Stöße isten in Uniform nach dem Lohnhof gebracht. age fehr geeignet, die sozialistischen Ideale zu verbreiten, unsere Taktik zu verteidigen und den bürgerlichen Parteien eine große Zahl gegen das Gesicht, so daß er zur Erde fiel. Das Gericht nahm Abends 8 Uhr wird er in einem Arrestantenwagen von Arbeitern abtrünnig zu machen. Eine mit Fleiß, Eifer und diese Stöße nicht als Mißhandlung an, da es beim Bajonet; wieder auf den Zentralbahnhof gebracht und in einem Ge- Energie geleitete Agitation muß beständig darauf hinwirken, daß der tieren ohne derbe Stöße und Büffe nicht abgebe pädwagen eingesperrt, in welchem er nach Olten gelangt. Feind geschwächt werde. Wo es möglich ist, einer sozialistischen da diese ohne Absicht erfolgten, so seien sie nicht als Körper- Hier ein Tag Haft, dann geht die Reise wieder weiter Kandidatur zum Siege zu verhelfen, muß dies mit allen zu Gebote berlegungen zu bestrafen. Auch in diesem Falle sei die Absicht der immer, wie ein Stück Vieh oder Post patet, im stehenden Mitteln durchgesetzt werden. In allen Fällen aber muß Mißhandlung nicht dargetan.- Musketier H. wurde im Jahre 1903 Güterwagen nach Luzern. Wieder zwei Tage dahin gewirkt werden, daß die Zahl der sozialistischen Stimmen eine und 1904 beim Kompagnieegerzieren täglich durch Schläge mit der Hand und der Faust gegen den Kopf und durch Ziehen am Ohr, Saft und dann wieder per Eisenbahn im Güterwagen nach überwältigend große werde. Es ist Pflicht jedes Arbeiters, für die Stöße gegen Brust und Rücken mißhandelt oder vorschriftswidrig be- Chiasso. Hier wird er durchsucht. Er hat 20 M. bei sich; das sozialistische Kandidatur zu stimmen und sich in keinem Falle von anderen Parteien bestechen zu lassen. handelt. Das Gericht nahm hier eine einheitliche Handlung Geld wird ihm gewechselt und er bekommt nur 19,80 Frank Der Musketier F. wurde 1904 in zwei Fällen beim Ge- zurück. Dann wurde er freigelassen. wehrreinigen wider den Kopf gepufft. Beim Bajonet- Mit welchem Rechte haben mich die schweizerischen Betieren erhielt er von dem Angeklagten starke Stöße, die heftige hörden so behandelt?" fragt mich der Genosse. sind sehr besorgt über die wachsende republikanische Stimmung in Schmerzen und Hautverhärtungen zur Folge hatten. Im Mai 1904 Bald rot vor Scham und bald blaß vor But, stand ich Norwegen. Aber sie würden es auch ebenso ungern sehen, wenn ein erhielt er wieder heftige Stöße gegen die rechte Seite und den UnterWas fonnte ich ihm antworten? Ich schrieb dänischer Prinz statt eines schwedischen König von Norwegen leib. Er kam am 18. Mai ins Lazarett und starb am 24. Mai, wie festgestellt worden, an Blinddarmentzündung. Das Urteil an das tit. Polizeidepartement des Kantons Baselstadt, um werden sollte. Aus diesen Gründen ist jetzt, wie„ Bolitiken" von stellt fest, daß ärztliche Sachverständige befundeten, daß Auskunft in dieser Angelegenheit ersuchend. Ich bat um Aus- einem hochstehenden schwedischen Hofbeamten mitgeteilt wird, ein fein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Tod des funft, erstens auf Grund welcher gesetzlichen Bestimmungen Umschlag in der Stimmung der schwedischen Aristokraten eingetreten, F. und den Stößen beim Bajonettieren bestehe. So kam das Kriegs- das hiesige Polizeidepartement den Mann hier verhaftete und die bekanntlich vordem aus Abneigung gegen die so entschieden gericht zu dem Urteile, daß der Angeklagte in sechs Fällen der Miß weiter transportierte, und zweitens an wen Genosse 2. F. fich friedliche Gesinnung des Königs von dem norwegischen Angebot an die Bernadotte nichts wissen wollten. Handlung Untergebener schuldig sei. Mit Rücksicht auf die gute mit der Beschwerde zu wenden habe. Die Antwort des VorFührung des Angeklagten, und daß die Mißhandlungen ohne stehers des Polizeidepartements soll der Oeffentlichkeit auch schwere Folgen geblieben, wurden minderschwere Fälle angenommen und auf vier Wochen gelinden Arrest erkannt. Zu seiner nicht vorbehalten sein. Berteidigung führt der Angeklagte an, die Zeugenaussagen seien übertrieben, einzelne Leute hätten falsche Aussagen unter Eid abgegeben. Der Verhandlungsleiter erhebt Einspruch gegen diese schwere Beschuldigung. Der Vertreter der Anklage beantragt fünf Monate Gefängnis und Degradation; da bei dem Musketier H. die Mißhandlungen 1-1/ 2 Jahre angedauert, so sei eine Arreststrafe nicht mehr zulässig. Das Oberkriegsgericht verurteilte den Angeklagten wegen Mißhandlungen in sechs Fällen zu sechs Wochen gelindem Arrest. Von der Degradation wird abgesehen wegen der guten Führung und weil es der erste Fall ist, dessen der Angeklagte beschuldigt wird. an. Südwestafrika. Mit den Wörmann- Dampfern, Eduard Wörmann" und" Alexandra Wörmann" ging heute ein Truppen- und Pferdetransport, bestehend aus 70 Offizieren, Sanitätsoffizieren und Beamten, 750 Mann und 500 Pferden nach Deutsch- Südwestafrika ab. Die beiden Schiffe berließen um 31 Uhr den hiesigen Hafen. Inzwischen bereitet man bereits weitere Truppennachschübe vor. Eine Korrespondenz meldet: Von den Bezirkskommandos werden gegenwärtig die Mannschaften des Beurlaubtenstandes zur Meldung aufgefordert, welche bereit sind, eventuell bei Bedarf zum Expeditions vor ihm Hier ist sie: Schweden. Schwedische Höflinge der erwähnte Hofmann, daß nun alle Einflüsse geltend gemacht " Es ist auf Hofbeamte in Stockholm zurückzuführen", erklärte werden, um auf die Stimmung zugunsten des Prinzen Karl und Herrn Dr. N. Wassilieff, Arbeitersekretär! der Prinzessin Ingeborg einzuwirken. Dieses Prinzenpaar ist in allen In Beantwortung Ihrer heutigen Anfrage, den 2. F. be- Kreisen sehr populär. Man gönnt ihm gerne diese Erhöhung. Ich treffend, teilen wir Ihnen mit, daß der Genannte seinerzeit aus brauche natürlich nicht hinzuzufügen, daß das für viele Menschen Deutschland ausgewiesen und durch die deutschen Behörden zum am Hofe auch von praktischer Bedeutung sein wird, Zwecke des Heimtransportes zugeführt worden ist. Der Trans- da das Prinzenpaar selbstverständlich einen ganzen Stab port traf( 1) am 24. März d. J., vormittags um 10 Uhr, hier schwedischer Hofleute mit nach Kristiania bringen ein und wurde am gleichen Tage, nachmittags um 2 Uhr, nach wird. Nach dem was ich erfahren habe, pflegen Hoffreise dieser Olten weitergeleitet.( Die Basler Behörde erweist sich Tage lebhafte Unterhandlungen mit Reichstagsals prompte Speditionsfiliale der preußischen Abgeordneten aller Parteien; man erzählt, daß man Polizei! Dr. W.) ermächtigt sei zu erklären, König Oskar wünsche innerlich, die Sache auf diese Weise geregelt zu sehen, und vor diesem Wunsche wird sich zweifellos die Mehrheit der schwedischen Reichstagsmänner beugen." Wenn Herr F. sich wegen der über seine Person getroffenen Maßregelung Genugtuung verschaffen will, so hat er nach unserem Dafürhalten sich an( unser Hauptgeschäft... Dr. N. W.) die föniglich preußische Regierung zu Düsseldorf, die seine Ausweisung aus Deutschland, so wie( 11) feinen Transport verfügt hat, zu wenden. Karlstad, 31. August. Die schwedischen und die norwegischen Delegierten hatten heute eine Zusammenkunft. Man nimmt an, daß es sich nur Hochachtungsvoll! um eine vorbereitende Besprechung und um die Polizeidepartement. Der Vorsteher: Dr. David. Festsetzung des Arbeitsplanes gehandelt hat. Auf dem Plaz Also jetzt wissen wir es, Genosse F. wurde durch die freie vor dem Sigungsgebäude hatte sich eine große Menschenmenge vers Schweizerische Republik auf die Verfügung der Königlichen preu- fammelt. Nach Schluß der Sitzung der schwedischen und norwegischen Delegierten um 3 Uhr nachmittags überreichte der schwedische Bischen Regierung transportiert. Delegationssekretär der Bresse folgende Mitteilung: Nachdem die Delegationen Grüße gewechselt hatten, wurde bestimmt, daß jede Delegation für sich einen Vorsitzenden wählen solle. Die schwedisch Delegation wählte Lundeberg, die norwegische Michels Dunkel bleibt noch die Frage: Wer bezahlt die Transportkosten, Spesen usw.? Das Hauptgeschäft? Die Filiale? zun, Vorsitzenden. Darauf wurde ein Uevereiniommen geschlossen, nach dem jeder Vorsitzende abwechselnd einen Tag als solcher tätig fem solle. Auf Vorschlag der norwegischen Delegalion präsidierte in der heutigen Sitzung der schwedische Vorsitzende. In der heutigen Sitzung wurde ferner beschlossen, zwei Sitzungen täglich abzuhalten, deren Abmachungen bis auf weitere Bestimmungen geheim gehalten werden sollen. Die nächste Sitzung ist auf morgen vormittag 11 Uhr festgesetzt. Die Schreckensherrschaft in den Ostsee- Provinzen. Der„temporäre" kurländische Generalgouvernenr, Generalleutnant Bekmann, der vor einigen Tagen in Mittm eingetroffen ist, hat soeben folgenden Aufruf erlassen:„Die empörenden Verbrechen, welche in letzter Zeit in Kurland verübt wurden, veranlastten die Einführung des Kriegs- zustandcS in diesem Gouvernement zwecks schleunigster Unterdrückung der Unordnungen mit den allerstrengsten 9D!cch regeln gegen die Schuldigen. Es ist unvermeidlich, dah auch die friedliche Be- völkerung einigen Beschränkungen wird unterworfen werden müssen, doch bin ich überzeugt, daß ein jeder gute Bürger sich der Ansicht anschließen wird, daß es im Interesse der allgemeinen Sache notwendig ist, d. h. des friedlichen Zusanimenlebens und derOrdnung, welche ich im Gouvernement»nit schonungsloser Strenge wiederherstellen werde. Die Bewohner Kurlands können überzeugt sein, daß, indem ich die Schuldige» den allerhärtestcn Strafen des Kriegs- rechts werde unterziehen, ich die gesetzlichen Rechte und Interessen des wohlmeinenden Teils der Bevölkerung wahr- nchnien und demselben jeglichen Schutz gewähren werde. Indem ich nun die ganze Bevölkerung Kurlands zn deren eigenem Wohl auffordere, mit den jedem einzelnen zugänglichen Mitteln mir behülflich zu sein, beantrage ich bei allen Bewohnern des Gouverne- ments, anstatt der bisher auf Grund des Gesetzes über den verstärkten Schutz erlassenen, sich den nachstehenden Verordnungen zu unterwerfen. Es folgen IS Paragraphen, wonach u. a. verboten ist: jegliche Versammlniigen und Zusanimenrottungen, das Tragen bezw. der Verkauf von Waffen jeglicher Art, das Radfahren ohne besondere polizeiliche Erlaubnis, jeder Art Jagd. Die der Verletzung irgend einer dieser Bestimmungen Schul- digcn werden einer Geldstrafe bis zu 3000 Rubel oder aber einer Gefängnishaft bis zu 3 Monaten unterzogen. Unabhängig hiervon ist von mir der Befehl erlassen, zu schießen auf solche Radfahrer, die auf baS erste angegebene Signal nicht anhalte», desgleichen auf jede verbotene Ausauiincnrottung, auch ohne vorhergehende Warnung. Dieser Aufruf ist in russischer, deutscher und lettischer Sprache abgefaßt und wird in zahlreichen Exemplaren in ganz Kurland, vor allem aber unter den Hausbesitzern Mitaus, Libaus und Windaus verteilt. Hus Induftne und Handel. Zur Monopolisierung der Kohlrnfclder. Die von der Jnter« nationalen Bohrgesellschaft kürzlich an eine innerhalb des Kohlen- syndikats gebildete Gruppe verkauften Kohlenfelder, umfassen keines« tvcgs den ganzen noch nicht erschlossenen Kohlenfclderbesitz des rheiuisch-westfälischen Reviers. Die„Köln. Volks-Ztg." weift darauf hin, daß die großen Berechisame des Fürsten zu Salm-Salm und des Herzogs v. Croy-Dülmcn noch disponibel seien. Diese beiden Berechtsame umfassen an der Lippe, um Haltern bis Dülmen und Borken, ein Gebiet' von mindestens derselben Gesamtgröße, wie die von der internationalen Bohrgcscllschaft an Mitglieder des Rheinisch-westfälischen Kohlen« syndikats veräußerten 2SO Felder. Beide Berechtsame bilden noch ein geschlossenes Ganzes, dessen Zusammenhang durch die einzelnen Felder, welche bereits in den Händen der Gewerkschaft Trier uslv. sind, nicht durchbrochen werden. Das rbeinisch-west- falische Kohlengebirge wird dort in einer Teufe von etwa 600 bis 1000 Meter angetroffen. Wie das genannte Blatt hört,„soll nun dort eine große, vom Kohlensyndikat unabhängige Gesellschaft in der Bildung begriffen sein, die diese Felder an sich bringen will. Nach anderen Mitteilungen soll auch der preußische Staat an den schwebenden Verhandlungen beteiligt sein, so daß es möglich ist, daß diese Kohlcnfelder den Mitgliedern des Syndikats entgehen." Nach Mitteilung des„Berk. Tagebl." ist letztere Meldung nicht richtig. Wie es an zuständiger Stell« erfahren haben will,»st der Fiskus an diesen Verhandlungen nicht beteiligt. Die betreffenden Kohlenfcldcr seien allerdings dem Fiskus vor einiger Zeit zum Kaufe angeboten; doch habe dieser keine eigentlichen lalso doch wohl „uncigentliche") Unterhandlungen wegen des Ankaufs der Felder geführt und werde voraussichtlich auch keinen Grund dazu haben. Mitteldeutsche Kreditbank. Der Antrag der Versammlung, das Aktienkapital um 0 Millionen Mark zu erhöhen, wurde auf der gestrigen Generalversammlung in Frankfurt einstimmig genehmigt. Die neuen Aktien sollen an ein unter Führung der Deutschen Bank stehendes Konsortium zu 112ffg Proz. begeben werden mit der Ver- pflichtnng der Anbietung an die bisherigen Aktionäre zum Kurse von IIS Proz. Ferner ivurde mitgeteilt, daß die Meininger Filiale der Mitteldeutschen Kreditbank der neuen Bank, auf welche unter Mitwirkung der Diskontogesellschaft und der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt die Finna B. M. Strupp in Meiningen übergehen soll, angegliedert werden wird, und daß die Mitteldeutsche Kreditbank an der neuen Bank sich entsprechend beteiligt. Rheinische Stahlwerke, Ruhr ort. Der Aufsichtsrat der Rheinischen Stahlwerke beschloß, wie auS Ruhrort gemeldet wird. der auf den 26. Oktober einzuberufenden Generalversammlung eine Dividende von 9 Proz., wie im Vorjahre, bei 1 910 000 M. Ab« schreibungen vorzuschlagen, sowie die Erhöhung des Aktienkapitals um 2 000 000 M. Die Einbuße am Gewinn durch den Bergarbeiter-Ausstand beträgt 70000() M. Zum Pariser Znckerkrach. Cronier, der Direktor der Zucker« raffinerie Sah, über dessen Selbstmord wir jüngst berichteten, hat. wie sich jetzt herausstellt, nicht mw sein eigenes Verniögen der« spielt, sondern auch die Gelder seiner Mündel unterschlagen. Wie Pariser Blätter mitteilen, beträgt das Defizit nicht weniger denn 90 Millionen Frank; davon waren L0 Millionen eigenes Vermögen des Cronier, das übrige fremde Gelder. Trotzdem ivlirde Cronier, ein gewiegter und skrupelloser Finanzier, dein Schicksal ivahrschcinlich die Stirn geboten haben. Was den Mann, der eine Menge kleiner Leute geschadigt. bewog. aus diesen, Jammertal frei« willig zu scheiden, ist folgendes. Cronier war Vormund und Ver- Walter des Vermögens der Kinder von Say. Diesen würde er demnächst Rechenschaft über seine VernlögenSverwaltung abzulegen gehabt haben. Von den, 40 Millionen betragenden Vermögen der Erben von Sah haben diese erst 17 Millionen erhalten. 23 Millionen, die den Kindern gehören, hat Cronier mit verspekuliert. Das die Ursache seines Selbstmordes. Die Kanton-Hankau-Bahn. Die Amerikaner haben eingewilligt, die Konzession für die Kanton-Hankau-Bahn gegen eine Entschädi- gung an China zurückzugeben. Der Preis schwankt zwischen 6 700 000 und 7000 000 Dollar. I. P. Morgan konferiertc über die Angelegenheit mit Roosevelt und erklarte sich dann bereit zur Ucber« gäbe. Die belgischen Teilhaber an dem Unternehmen gaben nur ungern und gezivungen ihre Zustimmung. Es wird behauptet, daß China von Japan beeinflußt wurde, die Amerikaner um Rückgabe der Konzcssion zu ersuchen, weil Japan selbst die Eisenbahnen in Süd-China unter seine Kontrolle bringen möchte. Japan besitzt Konzessionen für Eiscnbahnbauten von Swatow durch die Provinz Hanan. Die Kanton-Hankau-Bahnlinie soll damit verbunden werden. Sewei*Klcbaftlid)es. Berlin und Umgegend. Der Kürschnrrstrrik dauert m, verändert fort. In gewissen Kreisen de? Arbeitgeberverbandes scheint man der Ansicht zu' sein, daß die Streikenden, da sie den Punkt 9 ihrer Forderungen fallen gelassen haben, wegen Mangel an Mitteln zur bedingungslosen Wieder- aufnähme der Arbeit gezwungen seien. Diese Auffassung dürfte sich indessen als irrig erweisen, umsomehr da es doch auch den Arbeit- geben, bekannt sein müßte, daß die Streikenden in dieser Beziehung durchaus nicht auf sich allein angewiesen sind. An ein Nieder- zwingen der Kürschnerorganisation ist deshalb auch gar nicht zu denken. In der Mittwochsvcrsammlung der Streikenden konnte nur mitgeteilt weiden, daß die Arbeitgeber' auf die Uebcrmittelung der letzten Organisationsbeschlüsse noch nicht geantwortet haben. Un- bedingt halten die Ausständigen daran fest, daß falls die Arbeit- gebcr einen Vertrag bis 1903 festzulegen gewillt seien, der Ablaufs- tcrmin nur der 1. Juli sein könne, und nicht der 1. April, wie es die Arbeitgeber verlangen. Andernfalls müsse diese Frage über- Haupt offen gelassen werden. Eine öffentliche Töpfcrvcrsammlung war von Mitgliedern der Lokalorganisation Berliner- Töpfer zu gestern abend nach Kellers Lokal einberufen worden, um zur Kündigung des jetzigen Lohn- tarifs Stellung zu nehmen. Von beiden Organisationen, dem Lokal- verein wie auch dem Zentralverband, waren etwa 1200 Personen er- schienen. Es kam zu einer äußerst regen, aber verhältnismäßig recht sachlichen Aussprache, in der von den Rednern beider Richtungen diesmal, im Gegensatz zu früher, ein gemeinsames Handeln in der Tarifangelegcnhcit anerkannt und befürwortet wurde. Am meisten dürfte zu der Annäherung der bislang in einem ziemlich gespannten Verhältnis zu einander stehenden Organisationen wohl die jüngst in einer Verbandsversammlung erfolgte Aufhebung des sogenannten Streikbrecher-Beschlusses bei- getragen haben. In Anbetracht dessen aber, daß der Zentralverband den jetzigen Tarif mit den Meistern abgeschlossen hat, erklärte sich die Versammlung in ihrer Majorität für inkompetent, bindende Beschlüsse in der Tariffrage zu fassen. Vielmehr soll die Berliner Vcrbandsfiliale zu nächster Woche abermals eine öffent- liche Töpfcrvcrsammlung einberufen, um dann von den Mitgliedern beider Organisationen gemeinschaftlich über die Kündigung des Tarifes entscheiden zu lassen und auch eine gemeinschaftliche Lohn- kommission einzusetzen. Aus diesem Grunde wurde auch von einer Debatte über die vorgeschlagenen Lohnerhöhungen bis dahin Abstand genommen. oeutfcbeo Rcld». Christliche Streikbrecherschande. Ueber die verräterische Rolle, die die Christlichen im Kölner Holzarbeiterstreik spielen, haben wir dieser Tage wiederholt berichtet. Obwohl diese Leute den Tarif mit aus- gearbeitet hatten, wurden sie nachträglich wortbrüchig und ver- richteten Streikbrkcherdienste. Damit war aber der Gipfel der Nieder- kracht noch nicht erreicht. Um das Maß voll zu machen, werden olle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Streik zu erdrosseln. Jetzt fordert die neueste Nummer des christlichen„Holzarbeiters" am Kopf des Blattes in Fettschrift„zum„Zuzug tüchtiger Schreiner und Mnschinenarbeiter nach Köln" auf, um die Stellen der Ausständigen zu besetzen. Krasser und unverhüllter konnten die Christlichen nicht dokumen- tieren, daß sie im ivahrsten Sinne des Wortes eine Schutztruppe des Unternehmertums sind. Bei jedem anständigen Arbeiter sind sie der Verachtung sicher. Die Schleifer der Firma Markmann u. Pete'rSmann in Düsseldorf haben die Arbeit niedergelegt, nachdem eine Einigung während der Kündigung an dem Starrsinn der Firma scheiterte. Die Streikenden verlangen nichts weiter als die Ein- stellung der gemaßregelten Kollegen. Mittlerweile haben auch die Gelbgicßer die Kündigung eingereicht. Weitere Abteilungen werden jedensalls folgen. Der Zuzug von Schleifern, Gießern, Gürtlern und verwandter Berufe ist daher fernzuhalten. Die Ortsverwaltung Düsseldorf des Deutschen Metallarbeiter-VerbandeS. Ulioloud. Streik der Transportarbeiter in Graz. In Graz sind die Kutscher der Speditions- und Fuhrwerksbetriebe sowie die SpeditionSarbeitcr und Möbelpacker in den Streik getreten. Diesem haben sich auch die Postillone und die Fenerwehrkutscher angeschlossen. Bloß die Feuer- bereitschaften werden abwechselnd von den Streikenden aufrecht erhalte». Die streikenden Feuerwehrkutscher gaben die Erklärung ab, daß sie trotz des Streiks zu jedem Feuer anspannen werden, da sie durch ihren Kampf nicht die Stadt in Gefahr bringen wollen; sie verrichten bloß kein Gemein-Fuhrwerk. Die Streikenden verlangen, jede Gruppe für sich, einen bestimmten Minimallohn und eine Maximalarbeitszeit. Die höchsten Forderungen bezüglich des Lohnes stellen die Kutscher und Speditionsarbeiter sowie die Feuerwehr- kutscher, und selbst diese verlangen nur 20 Kronen pro Woche (1 Krone--- 85 Pf.); die Postkuticher verlangen nur 18 Kronen Wochenlohn, für die Nachttouren 20 Heller pro Stunde und Abschaffung der Kost. Der Streik der dSnlschru Textilarbeiter dauert nun bereits die neunte Woche. Er umfaßt ungefähr 3000 Arbeiter und Arbeiterinnen. Bon diesen sind nur zwei abtrünnig geworden. Der Eifer der Unternehmer. auS dem Auslande Streikbrecher heranzuziehen, ist fast ganz erfolglos geblieben. Aus Deutschland, und zwar auö der Rhen, Provinz sind allerdings vier junge Leute zugereist, die trotz aller Ermahnungen nicht davon ablassen, den Fabrikanten Streik- brecherdienste zu leisten. Außerdem sind nur„och einige alte ab- gearbeitete Manner und Frauen als Arbeitswillige tätig. Die Ver- einigung der Textilfabrikanten hat zwar vor einigen Tagen noch erklärt und durch„Ritzaus Bureau" verkünden lassen, daß sie sich nicht veranlaßt fühle, in Sachen des Streiks irgend etwa» zu unter- nehmen, doch wird sie sich wohl über kurz oder lang dennoch genötigt sehen, nachzugeben. Rom, 29. August.(Eig. Bericht.) Eine syndikalistische Zusammenkunft in Italien. Die Redaltion der„1- o t t» prolotaria" in Mirandola schlägt vor, zum 15. Ottober eine Zusammenkunst der„Syndikalisten" nach Bologna ein« zuberusen. Die Parteisektion und die Arbeitskammer von Bologna sind bereit, die Borbereitungen zu übernehmen. An der Zusammen- kunft sollen teilnehmen können alle Parteimitglieder oder Mitglieder der Gewerkschaften, soweit sie den Fundamentalsatz des Syndikalismus, die direkte Aktion, annehmen. Die Tagesordnung ist bis jetzt folgendermaßen festgesetzt: 1. Die sozialistische Partei und die Syndikalisten. 2. Aktionsprogramm. 3. Presse. 4. Ernennung deS Vorstandes.— Das sieht nicht gerade danach aus, als od den italienischen Syndikalisten die Parteieinheit am Herzen läge. Aug der Frauenbewegung. Die Kreiöversammlung für Frauen beS Wahlkreises Teltow— BeeSkow— Storkow— Charlottcnburg wurde im Charlottenburger Volkshaus am 30. August um V*W Uhr von der weiblichen Kreis« Vertrauensperson Frau Thiel eröffnet. Erschienen waren etwa 200 Personen, vornehmlich Frauen, auS vieltnl euch kleineren Orten des Kreises. Das einleitend« Referat:„Der Jenenier Parteitag unddie Frauen" hielt die weibliche Vertrauens- Person für Deutschland, Fräulein Bader. Sie betonte, daß die revolutionäre Bewegung in Rußland sicherlich auch in unseren Ver. Handlungen nachztttern werde.— werde doch auch unsere Bourgeoisie immer brutaler, und höchst wahrscheinlich werde sie versuchen, un» gewaltsam an der friedlichen Erringung unserer Ziele zu verhindern. Darüber müsse man sich klar sein und sich darauf gefaßt machen. Sehr wichtig sei daher die Organisation der Partei, die in Jena zur Berawng steh«. Die Rednerin begrüßte in dem vorgelegten Organi- sationsentwurf besonders den neuen 8 14, der die Wahl weiblicher Vertrauenspersonen zur planmäßigen Agitation unter den Frauen in allen Kreisen, auch da, wo wie in Hamburg, Sachsen, Baden, die Frauen den Wahlvereinen beitreten können, zur Pflicht mache. Von weiteren Punkten der Tagesordnung des Parteitags hob sie die Fragen des politischen Massenstreiks und der Maifeier herbor. Mit beiden müssen sich die Frauen eingehend beschäftigen; denn größere Aktionen des Proletariats— das habe auch wieder der große Streik im Ruhrgebiet bewiesen—> seien ohne die tätige Mithülfe der Frauen gar nicht durchführbar. Bezüglich der Maifeier betonte die Rednerin, daß die Arbeits» ruhe am 1. Mai nicht dürfe fallen gelassen und eingeschränkt werden, sondern erweitert und ausgebaut werden müsse. Eine Diskussion schloß sich an den mit Beifall aufgenommenen Vortrag nicht an. Als Delegierte für den Parteitag wurde Frau Jäger- Rixdorf gewählt. Frau L i e d k c- Charlottenburg teilte mit, daß demnächst in Charlottenbnrg eine Versammlung stattfinden solle, um die Gründung eines Frauen- und Mädchen-Bildungsvereins anzuregen, und forderte zu regem Besuch dieser Versammlung auf. Frau G e i s l e r, die iveibliche Vertrauensperson für Char- lottenburg, bat die anwesenden Frauen um tätigen Beistand bei der Agitationsarbeit; alle, die willens seien, sich an der Arbeit zu be- teiligen, möchten ihr ihre Adresse mitteilen. Tarauf schloß Frau Thiel die Versammlung mit einem drei- fachen Hoch auf die völkerbefreiende, internationale Sozialdemokratie. Wcißeiiscc. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. In der gut besuchten Versammlung am 28. August sprach Fräulein Lischnew'ska über:„Der Alkoholismus und die Frauen". In über- zeugender Weise und durch zahlreiche Beispiele wies Rednerin nach, wie der Verbrauch in allen Ständen stetig zunimmt, wie schädigend derselbe die Familie zerstört und die unausbleiblichen Folgen Blöd- sinn, Verbrechen und ein frühzeitiger Tod sind. Besonders aber im Haushalt der Arbeiterfrau werden die Folgen am schwersten empfunden, denn der Alkohol wirkt dreifach ichädlich, materiell, geistig und sittlich. Mit eindringlichen Worten ersuchte die Vor- tragende die Anwesenden, niemals den Kindern Alkohol zu geben, denn nur so wird es möglich sein, gesunde und geistig rege Menschen zu erziehen. Dem Vortrage folgte eine kurze Diskussion. Namens der Bersannnlung dankte die Vorsitzende der Rednerin für den lehr- reichen Vortrag. letzte Nachrichten und Depefchen. Unternehmcr-Ucbermut. Dresden. 31. August.(SS. T. B.) Die Aktiengesellschaft Näh- Maschinenfabrik und Eisengießerei, vormals Seidel u. Naumann, kündigte heute durch Anschlag an, daß sie nächsten Sonnabend abend den gesmnten Betrieb schließen und sämtliche Arbeiter entlassen werde, falls inzwischen die ausständigen Schlosser die Arbeit nicht wieder aufgenommen haben._ Eine Konferenz zur Regelung der BinnenschiffahrtSstatistik. Mannheim, 31. August.(W. T. B.) Wie die„Neue Badische Landeszeitung" meldet, findet vom 5. bis 7. September eine vom RcichSamt des Innern einberufene Konferenz in Mannheim statt, welche die Neuregelung der BinnenschiffahrtSstatistik beraten soll. An der Konferenz werden Vertreter der beteiligten statistischen Armier und SchiffahrtSgesellschaften aus verschiedenen Teilen Deutschlands, sowie andere Interessenten teilnehmen. Feststellung des Wortlautes de» Friedensvertrages. Portsmouth, 31. August.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".)� Professor v. Martens hat heute den ganzen Friedensvertrag nach der russischen Erklärung des Abkommens zwischen den Delegierten ent- worfen. Seine Erörterungen mit Dennison bezogen sich hauptsäch- lich auf die Auslegung getvisser Worte in dem in französischer Sprache zu gebenden Text._ Kundgebungen aus Anlaß des Friedensschlusses. Paris, 31. August.(W. T. B.) Präsident Loubet hat an den Kaiser von Rußland folgendes Telegramm gesandt: Ich richte an Eure Majestät meine lebhaften Glüchvünsche zu dem großen Ereignis, das Ihre hohe Weisheit hat vollziehen lassen. Das mit Rußland verbündete Frankreich ist glücklich, durch einen ehrenvollen Frieden einen Krieg beendet zu sehen, der durch so viele heldenhafte Taten ausgezeichnet ist. An den Kaiser von Japan richtete der Präsident nachstehendes Telegramm: Ich beglückwünsche Eure Majestät zu dem großen Att der Weis- hcit und Menschlichkeit, den Sie soeben vollzogen haben. Paris, 31. August.(W. T. B.) Der Kaiser von Rußland sandte dem Präsidenten Loubet folgendes Teigramm auf dessen Glück- wunschdepesch«: Sehr angenehm berührt von dem in Ihrem gestrigen Telegramm ausgesprochenen Gefühlen spreche ich Ihnen meinen besten Dank aus. Auch der Kaiser von Japan sandte ein ähnliche» Telegramm. Ohsterbay, 31. August.(Meldung des„Reuterschen BureauS".) Der Kaiser von Rußland richtete an den Präsidenten Roosevelt nach- stehendes Telegramm: Empfangen Sie meinen Glückwunsch und aufrichtigen Dank dafür, daß Sie die Friedensverhandlungen infolge Ihrer persönlichen energischen Bemühungen zu einem glücklichen Abschluß gebracht haben. Mein Land wird dankbar den großen Anteil, den Sie an der Friedens- konferenz in Portsmouth genommen haben, anerkennen. Die Stimmung in Japan. T-kio, 31. August.(Meldung des Reuterschen BureauS.) Das Publikum kennt die Einzelheiten de» Friedensvertrages noch nicht, aber vielfach ist man überzeugt, daß Japan wesentliche Zugeständnisse gemacht hat. Schon werden tadelnde Stimmen laut. Die Radikaleli meinen, eip Kabinettchvcchsel sei unvermeidlich. Das Publikum empfindet natürlich eine Erleichterung, aber keine eigentliche Freude über den Friedensschluß._ Ein Schutzvertrag zwischen England und Japan. Londvn, 31. August. Wie das„Reutersche Bureau' erfährt, wurde hier am 12. August-in neuer Vertrag zwischen England und Japan durch den Minister des Auswärtigen Lord LanSdowne und den japanischen Gesandten in London Vicomte Hayashi unterzeichnet. Einzelheiten desselben werden noch nicht veröffentlicht, aber es darf behauptet werden, daß dieses Abkommen von weitgehender Bedeutung ist. Es bietet gegenseitige Garantien für den Schutz der britischen und japanischen Interessen, selbst wem» beide Vertragsmächte nur von einer einzelnen feindlichen Macht bedroht werden, und sichert die Aufrechterhaltnng des statu» guo im fernen Osten. Die Cholera in GaNzicn. Lemberg, 31. August.(W. T. B.) DaS Amtsblatt„Gazeta Lwowska" meldet, daß in der Vorstadt Padeso Morodowa im Bezirke Mjylec in der Zeit zwischen dem 22. und 30. picses Monats mehrere Personen unter cholcraähnlichen Symptomen ertränkten. In der Familie eineS Flußschiffers. der im Wcichselgebiete in Preußen ge- arbeitet hat und erst kürzlich heimgekehrt war. sind drei Personen erlrankt, davon ist eine genesen und zwei gestorben. Zu gleicher Zeit ist im selben Orte ein wandernder Uhrmacher, welcher in der Familie des Flußschiffers verkehrte, erkrankt und gestorben. Weitere Er. keankungen sind nicht vorgekommen. Die bakteriologische Unter» suchung ist noch nicht beendet. Hoftat Dr. Merunowic hat sich an Ort und Stelle begeben, um den Tatbestand festzustellen und er» forderlichcnfalls die geeigneten Maßnahmen zu treffen._ Verantw. Redakteur: Paul Büttner, jveMii. LvImWW verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck»„MlJftg: BMoärtKMMü,. U. MtlagsKMlt MÄZingg HeCo,. Be.rM M. Hie»«» Beilage»«.vn»erhalt«ng»blatt Nr. 204. 22. Jahrgang. l. StilU to Jonuilrtii" Krlim Nsldsdlxlt. Freitag, t. September l905. Die Fortsetzung einer unmöglichen Diskussion. Von K. K a u t s k h. 1. Guter Ton und richtige Auffassung. In memem Artikel über„Die Stimmung in der deutschen Sozialdemokratie"(„Neue Zeit", Nr. 42) hatte ich unter anderem auch den„Vorwärts" kritisiert. Dieser antwortete am 19. und 2». Juli, eben, als ich meine Ferien angetreten. So komme ich erst jetzt dazu, ihm zu antworten. Aber ist es überhaupt möglich, die Diskussion fortzuspinnen? Der„Vorwärts" betitelt die eine seiner Erwiderungen mit:„Un- mögliche Diskussion" und sucht nachzuweisen, daß meine Art der Kritik jede Diskussion unmöglich mache. In der Tat könnte eine Fortsetzung des Diskutierens nichts erzielen als Unerquicklichkeitcn, wenn man es, wie der„Vorwärts" wieder einmal tut, auf das Gebiet des„guten Tones" lenkt. Ein Entrüstungsduett über den guten Ton kann naturgemäß nicht anders enden als mit dem schlechtesten. Das zeigen unsere Erfahrungen immer wieder von neuem. Ich begnüge mich daher hier damit, einfach zu konstatieren, daß ich in meinem Artikel keine einzige Person direkt oder indirekt an- gegriffen habe. Der„Vorwärts" dagegen, der mir eine„Polemik der persönlichen Herabsetzung" und„das tiefe Niveau der persönlichen Reibereien" vorwirft, spricht gleichzeitig von meinem„H o ch m u t". meiner„h ö ch st u n z u- reichenden Kriti k", meiner„U e b e r h" b u n g" und„A n- m a ß u n g", meinen„p u b l i z i st i s ch e ri Unsitte n",„Lite- ratenmätzchen" und„bösartigen Unrichtigkeiten". Es fehlt nur noch, daß er. wie Herr v. Trotha einen unbequemen Kritiker, mich für völlig„unreif" erklärt. Indes, wenn meine Kritik auch ganz unpersönlich gehalten war, so fällt es mir doch nicht ein, leugnen zu wollen, daß sie zu sehr scharfen sachlichen Urteilen kam, vor allem zu dem, daß unser Zentralorgan„in seiner jetzigen Form unfähig" sei,„der Partei in inneren Parteifragen als führendes Organ zu dienen". Den Anlaß dazu gab die Haltung des„Vorwärts" gegenüber einer inneren Parteifrage von so hervorragender Wichtigkeit, wie sie der politische M a s s e n st r a i k darstellt, der augenblicklich in der ganzen Partei auf das lebhafteste diskutiert wird. Was hat der„Vorwärts" zu dieser Diskussion beigetragen? Das kritische Referat über die Schrift der Genossin Roland-Holst. Das ist meines Erinnerns bisher seine einzige größere Auseinander- setzung über die Frage des politischen Massenstreiks. Und gerade die erschien mir völlig„unzureichend". Ich fand, der„Vorwärts" habe„die ganze Schrift nicht verstanden, wenn er ihr vorwirft, sie mache den politischen' Streik aus einem unter ganz bestimmten Ver- Hältnissen möglichen und erforderlichen Akt der proletarischen Not- wehr zur Methode des Klassenkampfes, zum eigentlichen Mittel des proletarischen Sieges". Dies Mißverständnis aber sei das einzige Argument, das der„Vorwärts" vorzubringen wisse, um Methode und Schlußfolgerungen des Buches abzulehnen. Und ich zitierte (S. 494) einen langen Passus aus der Schrift, in dem es aushrück- lich heißt, daß„der politischie Massenstreik eine nur selten, in be- stimmten geschichtlichen Situationen anwendbare Waffe ist". In diesem Passus hatte also die Genossin Roland-Holst ausdrücklich jenen Gesichtspunkt hervorgehoben, den der„Vorwärts" bei ihr ver- mißte, und jene Auffassung abgelehnt, die der„Vorwärts" ihr vor- wirft. Was antwortet dieser mir darauf? Hält er mir nun Zitate entgegen, aus denen er die Richtigkeit seiner Auffassung ableitet? Keine Zeile! Meinem ausführlichen Zitat begegnet er mit der all- gemeinen Versicherung, er habe sich nicht geirrt. Außer diesem Zeugnis, das er der eigenen Glaubwürdigkeit ausstellt, weiß er nur noch zu sagen, die Verfasserin der Schrift bewege sich in Wider- sprächen, was aber auch nur behauptet, mit keinem einzigen Zitat bewiesen wird. Mit leeren Behauptungen wird meine Feststellung natürlich nicht erschüttert, die durch ein unzweideutiges Zitat belegt ist. Uebrigens ist die Auffassung der Roland-Holstschcn Schrift, die ich vertrete, auch die der anderen Referenten darüber in der Partei- presse, soweit sie mir zu Gesicht gekommen. Das könnte genügen. Aber ich glaubte noch ein übriges tun zu müssen und wendete mich an die Verfasserin selbst. Diese schien mir am kompetentesten zur Entscheidung der Frage, wer sie verstanden. Sie antwortete m i r folgendes: „Natürlich haben Sie in der Streitfrage mit dem„Vorwärts" voll ständig meine Absicht wiedergegeben. Wie der „Vorwärts" dazu kommt, aus meiner Schrift herauszulesen, daß ich den Massenstreik als d i c Methode des proletarischen Klassen- kampfes betrachte, ist mir unbegreiflich. Gegen eine solche Ueberschätzung, wie er durch die revolutionären, antiparlamcn- tarischen Gewerkschafter stattfindet, ist die Schrift ja zum Teil gc- wandt. Auch habe ich mich gerade bemüht, den innerlichen Zu- sammenhang der verschiedenen Waffen des Proletariats und der verschiedenen Methoden des proletarischen Kampfes zu betonen, hervorzuheben, wie sie einander ergänzen." Welcher Hochmut der Genossin Roland-Holst! Sie erfrecht sich, etwas ganz anderes geschrieben zu haben, als der„Vorwärts" aus ihrer Schrift„herausgelesen" hat. Eine arge„publizistische Un- sitte"! Unsere Freundin ist offenbar schon auf demselben„tiefen Niveau persönlicher Reibereien" angelangt wie ich! 2. Die Diskussion deS Massenstreiks. Indes, meine Polemik gegen diese falsche Auffassung der Schrift durch den„Vorwärts" erschien ihm, wenn auch„hochmütig" und„höchst unzureichend", so doch noch diskussionsfähig. Dann aber sieht er mich Gräßliches vollbringen und so„oberflächlich" und „unsachlich" werden, daß jede weitere Diskussion unmöglich wird und der„Vorwärts" sich mit hochgradiger Entrüstung begnügt. Hier versagt ihm selbst das, was er eine„sachliche" Widerlegung nennt, nämlich die emphatische Wiederholung der Behauptung, er habe sich nicht geirrt. Welches ist nun meine Missetat? Nachdem der„Vorwärts" die Schrift der Genossin Roland-Holst falsch aufgefaßt und kritisiert hat, geht er in seinem Artikel dazu über, die Diskussion des Massenstreiks überhaupt zu vcrpönen, und er tut dies in emer Weise, die meiner Ansicht nach nichts anderes verdient als Hohn und Spott. Ich habe allerdings gemeint, die UnHaltbarkeit der Logik des„Vorwärts" liege so klar zutsige, daß es genüge, sie mit ein paar Worten zu kennzeichnen. Wenn das aber unserem Zentralorgan als bloße Polemik„persönlicher Herab- setzung" erscheint, kann ich auch sachlicher und gründlicher werden. Allerdings erfordert das einige Geduld unserer Leser. Der Gewerkschaftskongreß hatte den„Vorwärts" gezwungen, sich mit der Frage des politischen Massenstreiks zu beschäftigen. Äm 8. Juni veröffentlichte er einen Artikel:„Gewerkschaft und Partei", in dem er unter anderem über den Massenstreik folgendes aus- führte: „Daß die Gewerkschaftsorganisation mit dem politischen Massen- streik nichts zu tun haben will, halten wir für ganz richtig. Wir wünschen nicht, daß die politischen Aufgaben der organi- sierten Arbeiterklasse von t.en Gewerkschaften übernommen werden. ... Hätte der Gewerkschaftskongreß erklärt, wir haben lediglich gewerkschaftliche Aufgaben, in diesen Rahmen gehört der politische Massenstreik zur Erkäm'pfung politischer Rechte oder zur Ver- Hinderung politischer Entrechtung nicht hinein, das überlassen wir der politischen Organisation der Arbeiter, dann hätte kaum jemand etwas dagegen einzuwenden.... Wozu haben wir denn die sozialdemokratische Propaganda? Deren Auf- «abe ist es, die Köpfe zu revolutionieren und die Arbeiter reif zu machen für die Tat, sie dahin zu bringen, daß sie für die Er- kämpfung politischer Rechte und Freiheiten im Notfall das Letzte wagen.... Also, wenn schon zugegeben wird, daß hier Fragen zur Erörterung stehen, deren Lösung der politischen Organi- sation zufällt(Abwehr von Gewaltstreichcn der Reaktion), wozu verlangt man dann von den Gewerkschaften, sie sollten er- klären, wie sie sich die Lösung denken?... Es ist dann erhebliches Gewicht darauf gelegt worden, daß den Gewerkschaften empfohlen wird, den politischen Massenstreik nicht zu diskutieren. Es ist ja nun dadurch die Partei nicht verhindert, dieses wie irgend ein anderes Kampfmittel zu diskutieren." Hier wird also der Beschluß des Gewerkschaftskongresses nicht damit gerechtfertigt, daß die Diskussion des Massenstreiks überhaupt ein Nachteil ist, sondern damit, daß sie eine Aufgabe der politischen Organisation, der Partei sei, von der man verlangen darf, daß sie uns sage, wie sie sich die Lösung der Frage des Massenstreiks, der„Abwehr von Gewaltstreichen der Reaktion", denkt. Als dann der„Vorwärts" am 25. Juni, also etwa zwei Wochen später, die Schrift der Genossin Roland-Holst besprach, hätte man annehmen dürfen, er werde diese Gelegenheit ergreifen, nun selbst als„führendes Organ" der übrigen Parteipressc bei dieser Lösung, wenn schon nicht voranzugehen, so doch mit Anstand nachzuhinken. Statt dessen erklärte er als einen„weiteren Fehler der Schrift" folgendes: „Kautsky fordert ausdrücklich in seiner Vorrede zum Dis- kutieren und Studieren des politischen Massenstreiks als Vor- bereitung für kommende Kämpfe auf. Diese Aufforderung hat einen guten Sinn, wenn man dem politischen Massenstreik die hervorragende und entscheidende Rolle für die Arbeiterbewegung zu- schreibt, wie es in der Schrift der Genossin Roland-Holst geschieht____ Dann müßten die Diskussionen über den Massenstreik allerdings in alle Kreise der Partei und der Gewerkschaften getragen werden, und es gäbe keine wichtigere Aufgabe als diese. In Wahrheit aber hat die Sozialdemokratie keinen Anlaß, dem politischen Massenstreik die unbedingte und außerordentliche Be- deutung zuzuschreiben, auf welche die Betrachtungen der vor- liegenden Schrift hinausgehen. Vielmehr besteht die Gefahr, daß durch das eifrige Studieren und Diskutieren solcher Frage die Phantasie der Arbeiterklasse auf unsichere Hofs- nungen gerichtet und von wichtigen näher liegenden Aufgaben ab- gezogen wird— ganz abgesehen davon, daß das reichliche Reden von und Drohen mit der Revolution mehr geeignet ist, die reaktionären Zettelungen gegen die Arbeiterschaft zu stärken, als die Arbeiter zur Entschlossenheit zu erziehen für den Fall, wo es sich noch lange nicht um den endgültigen Sieg, wohl aber um die Abwehr von Angriffen auf bestehende Rechte handelt." Am 8. Juni fand also der„Vorwärts", die Diskussion des politischen Massenstreiks sei eine Aufgabe der Partei, deshalb aber keine Aufgabe der Gewerkschaften. Am 25. Juni dagegen erklärte er, wäre die Diskussion des politischen Massenstreiks so wichtig, wie die Genossin Roland-Holst und ich meinen, dann müßte sie in alle Kreise der Partei und der Gewerkschaften getragen werden. Es sei aber besser, wenn weder diese noch jene sich viel damit abgäben, denn durch das eifrige Studieren und Diskutieren derartiger revolutionärer Dinge werde die Arbeiterklasse von wichtigeren Aufgaben abgezogen und die Reaktion gestärkt. Diese Ausführungen vom 25. stehen im vollsten Widerspruch zu denen vom 8. Juni. Es scheint also, als sei man in der Redaktion unseres Zentralorgans bei der Diskufsion über den Massenstreik noch nicht einmal so weit gekommen, sich darüber einig zu werden, ob, wo und wie eine solche Diskussion ratsam sei. Aber noch sonderbarer als die Haltung des„Vorwärts" gegen- über der Frage, ob der Massenstreik überhaupt zu diskutieren sei, sind die Gründe, mit denen er schließlich vor der eifrigen Diskussion dieser Frage warnt. Einige davon haben wir schon kennen gelernt. Der eine davon ist der Hinweis auf die Gefahr, daß durch eine derartige Diskussion die„Phantasie der Arbeiterklasse auf unsichere Hoffnungen gerichtet und von wichtigen-mäher liegenden Aufgaben abgezogen wird". Sollte diese Maxime Geltung in der Partei erlangen, dann muß gleich jede Diskussion verpönt werden, die über unsere nächst- liegenden Aufgaben hinausgeht. Wenn schon der Massenstreik„un- sichere Hoffnungen" erweckt, wie viel mehr dann unfere Endziele oder die Eroberung der politischen Macht, die Revolution! Ueber alle diese Themata dürfte nicht mehr gesprochen werden, wenn unser Zentralorgan recht hätte. Und solche Argumente soll man ruhig hinnehmen oder gar noch ernsthaft und leidenschaftslos würdigen! Und nun gar der folgende Satz, in dem darauf hingewiesen wird, daß„das reichliche Reden von und Drohen mit der Revolution mehr geeignet ist, die reaktionären Zettelpngcn gegen die Sozialdemokratie zu stärken, als die Arbeiterschaft zur Entschlossenheit zu erziehen usw." Als ich diesen Satz las, sah, wie im Jahre der glorreichen russischen Revolution das Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie über die Revolution zu reden wagt, da stieg nur die Schamröte ins Gesicht. Dieser Satz war's, der nieincn ganzen„Hochmut" erregte, der mich zu der„Anmaßung" und dem„publizistischen Unfug" trieb, gegen eine derartige Sprache zu protestieren. Wenn ich dabei einen Fehler beging, so war es höchstens der, daß ich das nicht energisch genug tat. Vor allem, verehrter Kollege vom„Vorwärts": wer hat mit der Revolution gedroht? Wo ist in einer Schrift der Genossin Roland-Holst, oder von mir, oder sonst einer sozialdemokratischen Untersuchung über den Massenstreik mit der Revolution gedroht worden? Es war eine Zeitlang ein Unfug der Staatsanwälte, jede Untersuchung über die Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit einer Re- Volution als eine Drohung damit aufzufassen. Sie haben sich das abgewöhnen müssen, nun aber kommt das Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie und sieht in der Diskutierung eines neuen Kampfmittels der Partei die Drohung mit der Revo- lution! Aber schon das bloße„reichliche Reden" davon verursacht ihm Beklemmungen! Welche Seclenqualcn müssen da seine Redakteure erdulden, die jetzt seit Monaten durch die russischen Vorgänge gc- zwungen werden, tagaus tagein aufs reichlichste von der Revolution zu reden und dadurch die„reaktionären Zettelungen" zu stärken! Die Stellung unseres Zentralorgans zur Revolution erhält eine weitere Beleuchtung in dem folgenden Argument: „Wir meinen, daß die Arbeitsverweigerung zu politischen Zwecken ein Kampfmittel der Arbeiterklasse ist. Es ist aber nicht ein Kampfesmittel, dessen Propagierung den obersten Grundsatz der sozialistischen Taktik aufheben oder stören oder nur irgendwie der- fchleiern darf. Der oberste Grundsatz der sozialdemokratischen Taktik ist und bleibt aber allerdings die Revolutionierung der Köpfe, die gerade darum, wie unsere Gegner gesagt haben, tödlich ist, weil sie sich der Gesetze bedient und durch Gesetze nicht unter- drückt werden kann." Selbstverständlich haben wir an der Revolutionierung der Köpfe zu arbeiten. Wem fiele es ein, das zu leugnen? Aber was ist darunter zu verstehen? Aufklärung des Proletariats über seine Stellung in Staat und Gesellschaft, über die historischen Aufgaben. die ihm daraus erwachsen, über die Kräfte, die Mittel und Wege, die ihm zu deren Lösung zu Gebote stehen. Wie aber soll die Dis- kutierung oder Propagierung des Massenstreiks imstande sein, diese Aufklärung zu stören? Zu welchem Resultat dies Studium immer führen mag, es selbst muß zu einem wirksamen Mittel werden, die Revolutionierung der Köpfe zu fördern. Gestört kann dies« Revo- lutionierung eher dadurch werde», daß man, wie der„Vorwärts", fürchtet, solche Studien würden die Phantasie der Arbeiter auf un- sichere Hoffnungen richten und von näher liegenden Aufgaben ab- ziehen. In der Tat, wie kann man die Köpfe der Arbeiter revolu- tioniercn, ohne ihr Interesse von den nächstliegenden auf ferner- liegende Aufgaben zu lenken, ihren politischen Horizont zu erweitern und sie mit Hoffnungen für die Zukunft zu erfüllen? Freilich mit „unsicheren" Hoffnungen, aber sichere Hoffnungen gibt es einmal nicht. Ich will nicht weiter die Theorie untersuchen, die der„Vor- wärts" nun über die„allein wesentliche Taktik der Sozial- demokratie" aufstellt, worunter er das Streben versteht, die„uns noch verständnislos gegenüberstehenden Massen mit Verständnis zu erfüllen oder doch mindestens einen solchen Eindruck auf die öffentliche Meinung hervorzurufen, daß die wenigen Prozent derer, welche durch ihre bevorzugte Stellung in der heutigen Ordnung naturgemäß Feinde der Arbeiterbewegung und aller Volksrechte sind, zur Ohnmacht verurteilt werden". Wie immer er sich einen Zustand vorstellen mag, in dem die „öffentliche Meinung" allein genügt, unsere Gegner„zur Ohnmacht zu verurteilen", auf jeden Fall bekommt diese famose„allein wesent- liche" Taktik ein Loch schon im nächsten Absatz, der mit der Möglich- keit rechnet, daß unsere Gegner auf die öffentliche Meinung pfeifen und es wagen, uns mit Gewalt alle„Wege der Gesetzlichkeit zu versperren". Was dann? Man sollte meinen, wer mit dieser Möglichkeit rechnet, sollte auch die Notwendigkeit einsehen, den Massenstreik eifrig zu diskutieren und zu studieren. Mit nichten: „Welche Mittel in solchen Fällen die geeigneten sind, das läßt sich nicht vorher studieren und nicht vorher diskutieren." Das ist sicher richtig. Welche Mittel wir in jeder bestimmten Situation in Anwendung bringen, das hängt von dieser Situation ab, und es wäre das verkehrteste, was wir tun könnten, wollten wir jetzt schon bestimmen, was wir in Situationen, die wir gar nicht kennen, tun werden. Aber darum handelt es sich bei der Diskussion des Massen st reiks gar nicht. Nicht, welche Mittel wir an- wenden wollen und werden, sondern welche Mittel wir even- tuell anwenden können, welche Mittel überhaupt uns zu G e- böte stehen, das ist die Frage. Wir haben zu untersuchen, ob der politische Massenstreik unter bestimmten Verhältnissen ein wirk- sames Mittel des Kampfes sein kann, nicht über nnS zu verpflichten, ihn unter allen Umständen anzuwenden. Wer das Bewußtsein hat, großen Kämpfen engegen zu gehen, muß vorher seine Waffen prüfen. Die Anwendung der Waffen ist dann eine Frage für sich, mit der ihre Prüfung nichts zu tun hat.?luf jeden Fall aber muß die Prüfung der Anwendung vorausgehen. Der„Vorwärts" dagegen hält sich— unglaublich aber wahr!— lieber an das umgekehrte Verfahren. Wenige Zeilen, nachdem er erklärt, man könne nicht vorher die Mittel diskutieren, die man an- wenden werde, wenn uns die Gesetzlichkeit versperrt sei, erklär» er: „Ist dieser Widerstand(gegen einen Staatsstreich) nicht ge- nügend stark, so ist für die Arbeiterschaft jedes Mittel des Kampfes gerechtfertigt, so ist insbesondere die Arbeitsver- Weigerung, die Stillegung der Produktion und des Verkehrs Pflicht aller Staatsbürge r." Also ohne jede Diskutierung der Bedingungen und Möglich- leiten des Massenstreiks dekretiert er sofort eine allgemeine Verpflichtung, ihn in einem bestimmten Falle anzuwenden. Indes geht der„Vorwärts" noch weiter. Genosse Katzcnstein hatte die Arbeiter Lübecks aufgefordert, die Wahlverschlechtcrung mit dem Generalstreik zu beantworten. Was bemerkt der„Vor- wärts" dazu, der die eifrige Diskutierung des Massenstreiks in der Arbeiterschaft gefahrvoll findet? Er hat gegen die sofortige Anwendung des Massenstreiks nur das eine einzuwenden: die Rückständigkeit der Arbeiter, die ihre politischen Freiheiten noch nicht genug zu schätzen wissen. Gäbe es nicht die Indifferenz der Ar- beiter, der„Vorwärts" wäre bereit, sofort den Lübecker General- streik zu proklamieren! Damit übertrumpft er freilich an„Radikalismus" eine ganze Reihe von Anhängern des Massenstreiks, die gerade durch dessen Studium und dessen Diskutierung zur Ansicht gekommen sind, ein oereinzelter, lokaler Versuch seiner Anwendung in einer Situation, wie der augenblicklich in Deutschland bestehenden, wäre ein kopfloses Abenteuer, das nur mit einer Niederlage enden könnte. Aber der„Vorwärts" weiß noch in anderer Weise zu über- trumpfen. Und er macht dabei zwei Entdeckungen, die seinen Beruf als führendes Organ der Partei glänzend demonstrieren, denn vor ihm ist keinem Genossen auch nur eine Ahnung derartiger Ideen gc- kommen. Während wir Toren, die wir den Massenstreik studieren, uns mit der Untersuchung der Frage abmühen, welche Arbeiterkatc- gorien wohl dabei in Betracht kämen, dekretiert der„Vorwärts" gleich frisch den Streik aller— Staatsbürger. Also zum Beispiel auch der Bauern. Wie die sich beeilen werden, ihr Rindvieh nicht mehr zu füttern, um die Regierung auszuhungern! Man kann wirklich nicht verlangen, daß wir diesen„Radikalis- mus" unseres Zentralorgans ernsthaft diskutieren! Aber es hat noch eine zweite sublime Idee: Im Falle des Staatsstreichs, ruft es,„sind alle Mittel der Notwehr be- rechtigt", ist„jedes Mittel des Kampfes gerechtfertigt". Und das ist nicht eine gelegentliche Entgleisung, sondern eine taktische Entdeckung, auf die es sich besonders viel einbildet. Es wird nicht müde, sie zu wiederholen, und in seiner Erwiderung auf meine Kritik läßt eS die Konstatierung fett drucken, der„Vorwärts" vertrete den Standpunkt,„daß nämlich in bestimmten Situationen das Proletariat jedes Mittel des Kampfes, nicht nur den politischen Massenstreik benutzen soll". Aber dieser Aufwand an Druckerschwärze erinnert an die An- kündigungen mancher Haarwuchsmittel. Auch diese„alle Mittel" bleiben Geheimmittel, über deren Beschaffenheit der„Vorwärts" kein Sterbenswörtchen verlauten läßt. Und doch wäre das so wichtig! Wenn die Frage des Massenstreiks heute die Geister in der Partei immer mehr beschäftigt, so geschieht es. weil man immer mehr zur Ansicht kommt, daß diese Art Streik das einzige Gewaltmittel darstellt, das dem modernen Proletariat in einem entwickelten kapitalistischen Staate zu wirksamem Massenkampf bei versagendem Parlamentarismus, bei der Abwehr von Gewalt zu Gebote steht. Eifrig haben wir alle noch nach einem anderen Mittel ausgeschaut, das in solchen Situationen verwendbar wäre— vergebens. Der „Vorwärts" aber hat nicht bloß ein anderes, sondern gleich eine ganze Reihe anderer Gewaltmittel für Fäll- per Notwehr parat, er spricht von allen Mitteln neben dem Massenstreik. Ist es Bescheidenheit, die ihn hindert, mit dieser epochemachenden Erfindung vor die Oeffentlichkeit zu treten? Oder sollte der Satz von„allen Mitteln" so zu verstehen sein. daß im Falle eines Staatsstreichs das Proletariat berechtigt sei, alle Mittel der Gewalt anzuwenden, die ihm gerade in den Sinn kommen, wie unzweckmäßig sie auch für unsere Situation sein mögen? Daß es dann„berechtigt" ist, auf die Barrikaden zu steigen, Bomben zu schmeißen, Paläste und Fabriken anzuzünden? Der Wortlaut dieses Satzes würde diese Deutung rechtfertigen. Aber ich nehme an, daß der Satz so nicht gemeint war. Aus jeden Fall wäre es höchst wünschenswert, wenn unser Zen- tralorgan diese seine taktische Erfindung näher erklärte, sonst könnten böse Menschen noch auf die Idee verfallen, der Verfasser dieses Satzes habe bei seiner Niederschrift vielleicht sehr energisch und radikal empfunden, aber gar nichts gedacht. Damit sind die Gesichtspunkte erschöpft, die unser Zentralorgan zur Frage des politischen Massenstreiks vorzubringen hat. Da ihm ihre erste Beleuchtung durch mich zu„oberflächlich" und„höchst un- zureichend" erschienen war, hoffe ich jetzt, seinem Bedürfnis nach imZüeichender Gründlichkeit wenigstens einigermaßen Genüge ge- leistet zu haben. Ich mutz es nun den Parteigenossen überlassen, zu beurteilen, ob ich dem„Vorwärts" unrecht getan habe mit der Behauptung, seine Behandlung des Massenstreiks habe deutlicher als je seine Unfähigkeit erwiesen, in seiner jetzigen Form der Partei in inneren Parteifragen als führendes Organ zu dienen. 3. Die Tagesordnung des Parteitages. Ich hatte meinen anmatzcndcn Hochmut so weit getrieben, dem „Vorwärts" gegenüber derselben Ansicht zu sein wie der Partei- vorstand und dessen Vorschläge zur Tagesordnung für Jena für gerechtfertigt zu erklären. Auch dies hat mir eine strenge Zensur des„Vorwärts" zugezogen in einem Artikel:„Ein Haufen Un- richtigkeitcn". Ich gedenke jedoch nicht, diesen Artikel ebenso ein- gehend zu beantworten wie den vorhergehenden. Er bietet zu gc- ringen Anlatz zu sachlichen Auseinandersetzungen, ist vorwiegend persönlicher Natur, sucht zu erweisen, daß ich an„bösartigen Un- richtigkeitcn" meine Freude finde, also böswilligerweise dem„Vor- wärts" mit Unrecht alles mögliche Schlechte in die Schuhe schiebe. Derartige Unterhaltungen über die Auslegung dieses oder jenes Satzes sind für den Leser selten interessant, nie belehrend. Ich will mich damit begnügen, an einem Beispiel zu zeigen, welcher Art die„bösartigen Unrichtigkeiten" sind, die der„Vorwärts" in meinem Artikel findet. Er schreibt: „Unsere Meinung über den Dresdener Parteitag„hätte absolut keinen Sinn, sagt Kautsky, wenn der„Vorwärts" nicht der Meinung wäre", die Sozialdemokratie mützte der Regierung entgegenkommen, mützte versuchen, Konzessionen gegen Konzessionen einzutauschen. Besessen von der Furcht des Kompromitzgespenstes, vermag Kautsky den klaren Sinn unserer Ausführungen nicht zu erfassen. Wie kann Kautsky uns zumuten, auf das auszugehen, was er uns unter- stellt? Nicht ein Wort unseres Artikels kann Anlatz zu solchen groben Mißdeutungen geben." Fürwahr, ist das nicht richtig? Hat der„Vorwärts" nicht den nachdrücklichsten Kampf gegen die Regierung gefordert? Wie komme ich dazu, ihm die Meinung unterzuschieben, die Sozialdemokratie müsse der Regierung entgegenkommen? Wenn es jemals eine bös- artige Fälschung gegeben hat, so liegt sie hier vor! Dem will ich nicht widersprechen, nur darf man diese Fälschung nicht mir zur Last legen, denn den Satz, den der„Vorwärts" mir in den Mund legt, habe ich nie ausgesprochen. Mein Satz lautet viel- mehr folgendermaßen(ich stelle das Zitat im„Vorwärts" und den wirklichen Satz in der„Neuen Zeit" nebeneinander): „Vorwärts". „Unsere Meinung über den Dresdener Parteitag„hätte absolut keinen Sinn, sagt Kautsky, wenn der„Vorwärts" nicht der Meinung wäre", die Sozialdemo- kratie müsse der Regie- r u u g entgegenkommen, mutzte versuchen, Konzessionen gegen Konzessionen einzutauschen." „Neue Zeit". «Diese Auffassung hätte absolut keinen Sinn, wenn der„Vor- wärts" nicht der Meinung wäre, durch eine andere, mehr„positive" Gestaltung der Tages- o r d n u n g(des Dresdener Partei- tages) hätten sich praktische Er- folge aus dem Wahlsiege ziehen lassen." Von Entgegenkommen an die Regierung also kein Wort. Es hätte auch keinen Sinn, an einer Stelle, wo ich gegen den„Vor- wärts" deshalb polemisiere, weil er behauptet, daß der Dresdener Parteitag„schon durch seine Tagesordnung sich gehindert hat, der großen politischen Situation gerecht zu werden". Freilich, ganz frei erfunden ist der Satz vom„Entgegenkommen an die Regierung" nicht; er findet sich in demselben Artikel, aber in einem anderen Zusammenhang. Der Anfang de? im„Vorwärts" als meine„bösartige Unrichtigkeit" zitierten Satzes findet sich in einer Fußnote, in der ich gegen den„Vorwärts" wegen seiner Bemängelung der Tagesordnung polemisierte, der Schluß, die Worte vom„Entgegenkommen an die Regierung" usw. finden sich im T e x t e, den ich einige Tage vor der Fußnote schrieb, wie in dieser erwähnt. Dort erwäge ich anläßlich einer Polemik gegen Herrn v. Gerlach und andere Kritiker der Partei, ob es für diese möglich gewesen wäre, den Dreimillionensieg vom 16. Juni zu positiven Erfolgen auszunutzen, wie jene Herren behaupten, und warf die Frage auf, durch welche Mittel das hätte erreicht werden können. Da fuhr ich nun fort:„Durch ein Entgegenkommen gegen die Rcichsregierung, durch den Versuch, Konzessionen gegen Kon- Zessionen einzutauschen? Jeder derartige Versuch, wenn er gehegt worden sein sollte, wurde allerdings in Dresden im Keime erstickt." Hier stellte ich es also als fraglich hin, ob überhaupt irgend jemand in der Partei eine derartige Politik wünschte. An den „Vorwärts" dachte ich dabei gar nicht und ließ mir nicht träumen, daß dieser inzwischen ein neues Mittel entdeckt habe, den Drei- millionensieg zu„positiven Erfolgen" auszunutzen, nämlich eine „richtigere" Gestaltung der Tagesordnung in Dresden, worüber ich dann einige Bemerkungen in der Fußnote hinzufügte. Die Art, wie dann der„Vorwärts" Worte des Textes und der Fußnote zu einem Satze zusammenkoppclt, ist reine Arbeit einer fruchtbaren Phantasie. Ich habe jedoch nicht die Absicht, nun meinerseits den Spieß umzudrehen und ihm„bösartige Unrichtigkeiten", das heißt böswillige Fälschungen vorzuwerfen. Ich zweifle nicht im mindesten an dem guten Glauben meines Kritikers im„Vorwärts". Und ich beschwere mich auch gar nicht über seinen Irrtum. Warum soll es mir besser gehen als der Genossin Roland-Holst und der„Vorwärts" nicht auch aus meinen Schriften„einen Haufen Unrichtigkeiten" herauslesen? Von sachlichem Interesse ist in diesem„Haufen" nur der Hin- weis auf die früheren Kongresse, die angeblich die Auffassung des „Vorwärts" bestätigen. In seinem Leitartikel vom 6. Juli über die Tagesordnung des Parteitages hatte er behauptet: „Es hat sich nach unserer Ueberzeugung... ein grundsätz- l i ch e r Irrtum in die Parteitage eingeschlichen. Unsere Parteitage werden ausgefüllt durch die Erledigung der Verwaltungö- angelegenheiten und die Beratung über innere Parteifragen. Da- gegen ist die politische Stellungnahme der Partei zu den Ereignissen der Zeit zurückgedrängt worden und geradezu gänzlich ent- schwunden." Diese Tendenz soll sich seit dem Dresdener Parteitag geltend machen. In dem„Haufen"artikel vom 20. Juli will der„Vorwärts" das erweisen, indem er sich auf„das sozialdemokratische Muster der früheren Parteitage" beruft: „Die Partei hat behandelt: auf dem Parteitag zu Köln 1893 „Das allgemeine Wahlrecht und die Wahlrechte zu den Landtagen"; zu Frankfurt a. M. 1894„Die Bedeutung der Trusts, Ringe, Kar- telle usw. in unserer wirtschaftlichen EntWickelung"; zu Breslau 1895„Schwitzsystem, Hausindustrie und Arbeiterschutz"; zu Gotha 1896„Frauenagitation"; zu Hamburg 1897„Die bevorstehenden Reichstagswahlen"; zu Stuttgart 1898„Das Koalitionsrecht" (Zuchthausvorlage),„Bergarbeiterschutz",„Die deutsche Zoll- und Handelspolitik"; zu Mainz 1900„Die Weltpolitik",„Die Verkehrs- und Handelspolitik"; zu Lübeck 1901„Zolltarif und Handclsvcr- träge",„Die Wohnungsfrage"; zu München 1902„Arbeiter- Versicherung",„Kommunalpolitik"." Diese Aufzählung beweist gar nichts. Nicht darauf kommt es an, was in der Tagesordnung eines Kongresses steht, sondern darauf, was seine Verhandlungen beherrscht, ihnen ihr Ge- präge gibt. Wenn das nicht der Fall wäre, könnte man die Auf- zählung ruhig fortsetzen: Bremen 1904: Kommunalpolitik. Sehen wir einmal unsere früheren Parteitage darauf hin an, was ihnen ihr Gepräge gab. ob die politische Stellungnahme der Partei zu den Ereignissen der Zeit früher auf ihnen mehr hervortrat wie jetzt, ob Verwaltungsangelcgenheiten und innere Parteifragen früher eine geringere Rolle auf ihnen spielten als jetzt. Das ist die Frage, darin soll der grundsätzliche Irrtum liegen, den unser Zcntralorgan in unseren Parteitagen entdeckt haben will. Es hieße die Frage völlig verschieben, wollte man sie jetzt dahin zuspitzen, ob früher überhaupt auf den. ' Parteitagen noch andere Dinge verhandelt wurden als Verkvaltungs- angelegenheiten und innere Parteifragcn. Unser erster Parteitag, nach dem Fall des Sozialistengesetzes, der von Halle, 1890, zeigte sich schon von dem gleichen„grundsätz- lichcn Irrtum" durchseucht wie die vorgeschlagene Tagesordnung für Jena. Beide Tagesordnungen laufen fast parallel. Beide gelten der Organisation der Partei und der Diskussion eines Kampfmittels: 1890„Streiks und Boykotts", 1905„Der Massenstreik". Einen sehr erheblichen Teil der Verhandlungen füllten die Diskussionen über die Tätigkeit der Reichstagsfraktion aus, die namentlich durch die„Jungen" die schärfsten Anfeindungen erfuhr. Dagegen war von einer„politischen Stellungnahme zu den Fragen der Zeit" überhaupt keine Rede. Ebensowenig in Erfurt. Verwaltungsangelcgenheiten und innere Parteifragen beherrschten diesen Kongreß so sehr, daß er nicht einmal dazu kam, das neue Programm zu diskutieren, sondern es ohne Diskussion akzeptierte. Nun 1892, Berlin. Wieder derselbe„grundsätzliche Irrtum", der sich angeblich erst seit Dresden„eingeschlichen" hat. Beherrscht wird der Kongreß durch innere Parteifragen, namentlich durch die Diskussion über die von Wollmar angeregte Frage des Staats- sozialismus und über unsere Stellung zum Genossenschaftswesen. Der„Vorwärts" beginnt denn auch seine Berufung auf unsere Parteitage erst mit dem Jahre 1893. Aber auch da war's nicht besser Eine innere Parteifrage erfüllte den Kölner Kongreß, eine Frage, die auch jetzt nach dem jüngsten Kölner Kongreß uns wieder lebhaft beschäftigt: das Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaft. Daneben wurde allerdings auch das „allgemeine Wahlrecht und die Wahlrechte zu den Landtagen" be- handelt, aber ganz kurz. Von den 285 Seiten des Protokolls nimmt dieser! Gegenstand nicht ganze 16 ein, dagegen 43 Seiten die Ge- Werkschaftsfrage, 56 Seiten Verwaltungsangelegenheiten. Dabei kann man aber die Frage der Wahlrechte zu den Land- tagen auch zu den„inneren Parteifragen" rechnen. Damals wurde zum erstenmal jenes Problem diskutiert, das uns seitdem so viel beschäftigt hat und noch nicht völlig zur Ruhe gekommen ist, die Be- teiligung an den preußischen Landtagswahlcn. Nun 1894, Frankfurt. Der„Vorwärts" verweift auf die dortigen Verhandlungen über Trusts und Kartelle. Aber er ver- gißt, daß viel mehr als diese Verhandlungen die Diskussionen über die badischcn Stegmüllereien und über die bayerische Budget- bewilligung den Parteitag erfüllten, daneben aber die Debatte über das Agrarprogramm, also auch eine innere Parteiangelegenheit. Und gar erst 1895, Breslau. Merkt der„Vorwärts" denn gar nicht, wie komisch es wirkt, wenn er auf die Breslauer VerHand- lungen über das Schwitzsystem hinweist als Beweis dafür, daß erst in neuester Zeit die Stellungnahme zu den„Fragen der Zeit" erstickt wurde durch die Diskussion von„inneren Parteiangelcgen- heiten"? Hat er noch nie etwas von der Agrardebatte gehört, die diesen Kongreß fast völlig erfüllte? Dem Schwitzsystem sind 6 Seiten des Protokolls gewidmet, der Diskussion über die Vor- schlüge der Agrarkommission 78! In der Tat, aus dem„Vorwärts" lernt man die Parteigeschichte in sonderbarer Weise kennen. Aus der Tagesordnung des Gothaer Kongresses, 1896, weiß der „Vorwärts" selbst keinen anderen Punkt herauszufinden als den: „Frauenagitation". Aber mit Verlaub, gehörte der nicht mindestens ebensosehr zu den„inneren Parteifragen" wie der Massenstreik? Oder bedingt die Debatte über diesen nicht ebensoviel Stellung- nähme zu den Ereignissen der Zeit, als die Diskutierung der Frauenagitation? Gerade der Gothaer Kongreß gehörte aber zu denjenigen, in denen die„Verwaltungsangelegenheitcn", namentlich Fragen der Parteiprcsse, besonders stark in den Vordergrund traten. Folgt 1897, Hamburg. Der„Vorwärts" weist auf den Punkt: „Die bevorstehenden Reichstagswahlen" hin als einen, der beweise, daß damals die Stellungnahme zu den Fragen der Zeit die Ver- waltungsangelegenheiten und inneren Parteifragcn überragte. Aber leider gestaltete sich gerade die Behandlung dieses Punktes wesentlich zu einer Diskussion innerer Parteifragen, einmal zu der unseres Verhältnisses zu dem polnischen Proletariat, und dann zu einer„Abrechnung" mit Schippels Anschauungen vom Militarismus. Daneben aber erhielt der Parteitag sein Gepräge durch die Dis- kussion über die innere Parteifrage der Beteiligung an den Landtagswahlen, Budgetbewilligungen, Revisionismus und der- gleichen. Man sieht, von Anfang an, seit dem Fall des Sozialisten- gesetzes— und für die Zeit vorher gilt dasselbe— haben unsere Parteitage stets das gleiche Gepräge gehabt, sie zeigen alle den gleichen„grundsätzlichen Jrrtu m", den unser Zentral- organ beklagt, und wenn es vermeint, er habe sich erst neuerdings in die jüngsten Parteitage eingeschlichen und bedeute eine Ver- leugnung alter, ruhmreicher Traditionen, so beweist das nichts geringeres, als ein völliges Verkennen des Wesens unserer Partei und ihrer Geschichte. Die Erledigung innerer Parteifragen war stets eine der wichtigsten Aufgaben, wenn nicht die wichtigste, unserer Parteitage, wie auch das Bestehen innerer Parteifragcn keineswegs eine Aus- geburt neuester Parteischlcchtigkeit ist, sondern auch die„gute alte Zeit" unserer Partei kennzeichnete. Was sich dabei geändert hat, ist nur die Haltung des„Vorwärts" zu diesen inneren Partei- fragen. Beim Durchblättern der alten Protokolle bin ich da auch wieder auf das Referat gekommen, das Liebknecht 1892 hielt, als Vollmar einige Acußcrungen über den Staatssozialismus getan, die sehr bedenklich erschienen, worauf der„Vorwärts" sofort entschieden dagegen aufgetreten war. Als Referent sagte Liebknecht darüber: „Es ist gegen mich vielfach der Vorwurf erhoben worden, daß ich diesen„S t r e i t" vom Zaune gebrochen habe; man hat sogar davon gesprochen, daß für mich persönliche Momente maßgebend gewesen seien. Das ist nicht der Fall. Wenn der „Vorwärts" diese Polemik begonnen hat, so ist er nach meiner innersten Meinung hierzu verpflichtet gewesen, und die Ausführlichkeit der Debatte, welche sich in der Presse entsponnen hat, zeigt, wie notwendig es war, die Frage auszuwerfen, auf daß Klar- heit geschaffen werde.... Wir sind die Partei der freien Kritik. In dieser freien Kritik, die, um frei zu sein, auch scharf geübt werden muß, liegt ein Moment unserer Stärke." Wie ganz anders der„Vorwärts" von heute! Was damals Liebknecht vorgeworfen wurde, das wirft er heute jedem von uns vor, die wir im Licbknechtschcn Sinne uns im Innersten verpflichtet fühlen, Kritik zu üben. Seit dem Vorabend von Dresden liebt er es, uns anzuklagen, daß unsere Kritik zu scharf sei, daß wir die „Streitigkeiten" vom„Zaune" brechen, daß für uns„persönliche Motive" maßgebend seien. Der„Haufen"artikel schließt mit der Beschuldigung, daß ich die Diskussion auf das„tiefe Niveau per- sönlich er Reibereien" hcrabdrückc, und so meint auch wieder Kurt Eisner in einem Artikel über den„guten Ton" vom 12. August, die„Parteistrcitereicn" seien nur noch„persönliche Lite- r a t e n r e i /u n g e n". Aber es wäre freilich zuviel verlangt, wollte man fordern, daß der„Vorwärts" die Konsequenzen derartiger Beschimpfungen selbst erkenne. Seine Unfähigkeit, in den inneren Parteifragen führend und befruchtend durch sachliche Vertiefung voranzugehen, und seine seit Dresden immer wieder erneuten Hinweise darauf, daß diese Fragen nur frivoler Literateneitelkeit und Gehässigkeit entspringen, bringen ihn immer mehr in Gegensatz zu jenen, denen diese Fragen als Lebensfragen der Partei erscheinen, und bewirken, daß er ihnen immer mehr als ein die innere Klärung hemmendes und die darauf gerichteten Bestrebungen degradierendes Element erscheint, dessen Wirken in den inneren Parteifragen daher bei ihnen steigende Gereiztheit und Erbitterung erweckt, bis die übervolle Schale schließlich nur eines Tropfens bedarf, um überzuquellen. Trotzdem bleibt natürlich jede sachlich unberechtigte Kritik am„Vorwärts" verwerflich. Ja, selbst ihre sachliche Richtigkeit bedeutet nicht auch schon, daß sie politisch richtig, daß sie am Platze ist. Die schroffe Kritik einer so wichtigen Partci-Jnstitution, wie es das Zentralorgan ist, kann selbst, wenn sie sachlich richtig, oder vielmehr gerade dann erst recht, lähmend und deprimierend wirken, also die Partei schädigen, wenn sie rein negativ bleibk. Dagegett wird sie befruchtend und erhebend, wenn sie positiv ausgeht, die Möglichkeit zeigt und die Anregung gibt, die vorhandenen Fehler zu ändern und so die Kraft der Partei zu vermehren. So hätte ich mich denn auch sehr wohl bedacht, gegen unser Zentralorgan so schroff vorzugehen, wie ich es getan, wenn ich nicht glaubte, nicht bloß seine schwachen Seiten, sondern auch deren Gründe heraus- gefunden zu haben und so deren Beseitigung um so eher an- zuregen, je schroffer meine Kritik wurde. Der„Vorwärts" wird auf das Wesentliche dieser Ausführungen im Zusammenhang zurückkommen, obwohl eigentlich nur wiederholt zu werden braucht, was in der ersten Besprechung des Buches der Genossin Roland-Holst unseres Erachtens mit solcher Klarheit aus- geführt worden ist, daß es selbst den frenndschaftlichsten Randglossen Kautskys nicht gelingen dürfte, die damals gewonnene sichere Einsicht wieder in Frage zu stellen._ Hus der partcu „Generalstreik und politischer Massenstreik." Ueber dieses Thema sprach am Dienstagabend in einer großm Versammlung der Zimmerer von Hamburg und Um» g e g e n d Genosse K a r l F r o h m e. In Jena, so hob der Referent u. a. hervor, müsse das Ansinnen, uns auf die Taktik des politischen Massenstreiks festzulegen, entschieden zurückgewiesen werden. Die Genossin Roland-Holst habe aus den verschiedenen politischen Massen- streiks verschieden geatteter Länder ganz unlogische Schlußfolge- rungen gezogen, daß generell der Generalstreik von großem Vorteil für die Arbeiter aller Länder sei. Es handele sich hier um unendlich verschiedene Dinge. Man dürfe doch nicht außer Betracht lassen. daß der russische politische Streik das außergewöhnliche Produkt außerordentlicher Verhältnisse sei und daß daher Rußland nicht vor- bildlich sein könne. Hierdurch würden Hoffnungen erweckt, die ninimer standhalten könnten. Große Kulturbewegungen würden nicht durch große Gefühle geleitet. Die Verquickung des Generalstreiks mit dem Problem der Eroberung der politischen Macht löse nur falsche Hoffnungen ans und lenke viin den zunächst liegenden Dingen ab. so daß das Interesse für den Kleinkampf schwinde. Bezeichnend sei, daß der Kölner Beschluß nahezu einstimmig gefaßt sei, wodurch die Un- tauglichfeit des Mittels beiont werde. Es sei sehr verständig von den Gewerkschaften, wenn sie sich gegen den Generalstreik wenden, bei dem sie ohne weiteres die Frucht jahrelanger Mühen verlieren, ja ihre eigene Existenz aufs Spiel setzen würden. Die Propaganda deS politischen Massenstreiks sei Wasser auf die Mühle der An- archisten und die unmittelbare Wirkung dieser Propaganda sei die bekannte Friedebergsche„Anai cho"- Gründung. Bezeichnenderweise gehe diese Gründung von den Lokalisten aus, die seit Jahren gegen die Interessen der Arbeiter schwer gesündigt haben. Man könne diese Richtung als eine solche reaktionärsten Geistes bezeichnen, die sich hinter revolutionäre Phrasen verkrieche. Falsch wäre es, bezüg- lich des Generalstreiks auf dem Parteitage in Jena ein Kompromiß zu schließen, dafür sei er nicht zu haben. Er weise die utopisttschen Ideen des Generalstreiks genereti zurück.— Eine Debatte wurde nicht beliebt. Zu de» Parteipolemiken ersucht uns ein in der Organisatton der Rheinprovinz hervorragend tätiger Parteigenosse dringend um Veröffentlichung dieser Zuschrift: Wer die letzten Jahre hindurch die Parteipolemiken der„Leipziger Volkszeitimg" verfolgt hat, dem fällt vor allem ein großer Mangel an Selbstbeherrschung und Veranttnortlichkeitsgefühl� aus. Die „Leipziger Volkszeitimg" tut so, als ob es in Deutschland nichts wichtigeres gäbe als die— natürlich nur durch sie mögliche— Aussegung des in ihrer lebhaften Phantasie zu einem wahren Augiasstall angehäuften Parteiunrats, und sie verfährt bei ihrer Lieblingsbeschäftigung der Parteirelterei mit einer Ungeniert- heit und Rücksichtslosigkeit, die auf ebenso wenig Selbstkritik wie Verantwortlichkeitsgeftihl gegenüber der Gesamtpartei schließen lassen müssen. Zur Ehre der Urheber dieser Polemiken nehmen wir an, daß sie sich der verwüstenden Wirkungen ihres Treibens nicht bewußt sind, so sehr das auch von Leuten verlangt werden kann, die in der Partei an verantwortungsvoller Stelle stehen. Die„Leipziger Volkszeitung" aber weiß offenbar nicht, wen eigentlich ihre Partei« retterei nützt und wem sie schadet. Sie nützt ausschließlich den Gegnern der Arbeiterbewegung, sie schadet nur allein unserer Partei. Ich schalte hier ein, daß es mir nicht beikommen kann. die in der Partei vorhandenen erheblichen Meinungs- Verschiedenheiten namentlich über theoretische Fragen überkleistern zu wollen,— wogegen ich mich wende, ist vielmehr nur die Art, wie die„Leipziger Volkszeitung" nebst einer kleinen Schar williger Nach- beter diese an sich nützlichen Parteidiskussionen betreibt, wie sie sie häßlich verzerrt, das parteigenössische Zusammengehörigkeitsgefühl zu ertöten bestrebt ist, das ganze Parteilcben vergiftet und unseren Feinden fast täglich neue Waffen in die Hände spielt. Die wenigen Genossen, die über Empfindlichkeit spotten und sich lustig machen über „das Geflenne" wegen des schlechten Tons, scheinen sehr an ihrem Unterscheidungsvermögen gelitten zu haben. Sie würden aber auch, so nehmen wir zu ihrer Ehre an, über die großen und kleinen Bos- heiten Leipzigs ganz anders urteilen, hätten sie eine Ahnung, wie durch diese Zänkereien unsere Agitation erschwert wird. Wer wie der Schreiber dieser Zeilen jeden Tag lesen muß, wie die gesamte bürgerliche Presse mit grinsendem Behagen die„Leipziger Volkszeitimg" ausschlachtet— meist auf dem Umwege über die „Deutsche Freie Presse"— den packt allemal tiefer Ingrimm über das Spiel, das einige wenige Menschen mit der ganzen Partei treiben dürfen. Namentlich die biedere Zentrumspresse versteht sich trefflich auf diese Ausschlachtung; ihre Berliner Korrespondenzbureaus machen die saftigen Braten gleich mundgerecht und sie werden bis hinab zum kleinsten Winkelblatt den gläubigen Lesern in entsprechender Brühe serviert. Natürlich laufen da zahlreiche Fälschungen, mindestens aber Entstellungen unter, doch ändert das wenig daran, daß das Material zu dem klerikalen Geisteskampf aus einer sozialdemokratischen Küche kommt. Selbstverständlich wird die Gewinnung der solcher- maßen gefütterten katholischen Arbeiter außerordentlich erschwert, und kommen unsere Genossen in Versammlungen mit Gegnern zusammen, so ist zehn gegen eins zu wetten, daß ihnen mit Zitaten aus der „Leipziger Volkszeitimg" gedient wird. Die Lieferanten dieser Waffen gegen die Partei aber sitzen irgendwo wohlverwahrt hinterm Ofen. Demnächst werden sie dann wieder allerlei kluge Redensarten von sich geben, worauf denn der Stimmenrückgang bei dieser oder jener Nachwahl oder der Stillstand unserer Bewegung in dieser und jener Gegend zurückzuführen sei. Auf die Hauptursache solcher Erscheinungen: ihre eigene vergiftende und parteizersetzende Tätigkeit, kommen sie natürlich niemals. Wir alle aber, die wir uns in tätlicher mühevoller Kleinarbeit gegen mächtige Gegner abmühen müssen und in denen das parteigenössische Solidaritätsgefühl noch lebendig genug ist, um die Frivolität der Parteihetzer voll empfinden zu können, müssen gegen das Leipziger Gebaren energisch Front machen. ll. iL *»* Im 8. sächsischen Wahlkreise erklärte Genosse Fräßdorf, die Behandlung der Parteigenossen unter einander müsse auf dem Parteitage zur Sprache kommen; biffonders sei die Art und Weise, wie in letzter Zeit die„Leipziger Volkszeitung" gegen Parteiblätter und Parteigenossen.polemisiere, ganz entschieden zu verurteilen. Eine KreiSkonfcrciiz für den Wahlkreis Ost- und West-Sternberg tagte am Sonntag in Reppen. Vertraten waren die Genossen der Bezirke Drossen, Zielenzig, Reppen, Göritz und Sonnenburg durch zehn Delegierte, außerdem waren anniesend der Kreisvertrauens- mann, der ReichStagskandidat Genosse Ureiwaldt und das Mitglied der Agitationskommission Scholz. Von der Abrechnung ist hervorzuheben, daß die Einnahmen und Ausgaben mit 211,24 M. balanzieren und ein Bestand von 106,82 M. vorhanden ist. Witterungsübersicht vom 31. August 1905, morgens 8 Uhr. Bur Agitation find verbreitet worden 6800 Kalender Märkischer| schicken imstande ist, will der Herr Prokurist ein Gespräch seitens Berliner Marktpreise.( Ermittelt vom Bolizei- Präsidium.) Weizen Landbote", 5000 Eremplare Kontraktbruchgesetz gegen die Land- des Klägers mitangehört haben, in dem von sogenannten„ Kriechern" gute Sorte, 1 Dz. 16,60( 16,56), mittel 16,52( 16,48), geringe 16,44 arbeiter und monatlich 200 Fackeln. und ähnlichen Reptilien die Rede gewesen sei. Er glaubte natürlich( 16,40). Roggen, gute Sorte, 1 Dz. 14,90( 14,86), mittel 14,82( 14,78), ge Futtergerste, gute Sorte 15,40( 15,00), Die bisherige lose Organisation im Kreise, welche leider annehmen zu müssen, daß mit solchem Schmeichelwort ein Vor- ringe 14,74( 14,70). Ab Bahn. mittel 14,90( 14,60), geringe 14,50( 14,10). sehr schwach ist und sich auf freiwillige Beiträge beschränkt, gesetter gemeint sein müsse und entließ den Missetäter Knall und( 15,40), mittel 15,30( 14,40), geringe 14,30( 13,40). Frei Wagen und ab Hafer, gute Sorte 16,40 soll einem Zentralwahlverein weichen. Es wird beschlossen, bis fall. Es sei hier noch erwähnt, daß der genannte Prokurist die Bahn. Nichtstroh Dz. 4,82( 4,32). Heu, neu, 6,60( 4,80). Erbsen, gelbe, nach dem Parteitage und der Provinzialfonferenz für Brandenburg Wahrheit des Sprüchwortes:„ Undank ist der Welt Lohn" am zum Kochen 40,00( 30,00). Speisebohnen, weiße 50,00( 30,00), Linsen zu warten, die dort gesammelten Erfahrungen zu verwerten, eigenen Leibe erfahren haben will. Er hatte seinerzeit den ver- 60,00( 30,00), Startoffeln 7,00( 4,00). Rindfleisch, von der Keule, 1 Kiloum dann in einer einzuberufenen Konferenz die Gründung heirateten, in Not geratenen Herrn engagiert, ihm aus reinster gramm 2,00( 1,40), Rindfleisch, Bauchfleisch 1,50( 1,20), Schweinefleisch 2,30 des Wahlvereins vorzunehmen. Allgemein wird über die Gleich- Menschenliebe seine für 195 Mark versetzte Wäsche im Werte von Gier( 60 Stüd) 4,40( 3,00). Starpfen, 1 Sg. 2,40( 1,40), ale 3,00( 1,50), ( 1,40), Stalbfleisch 2,50( 1,30), Hammelfleisch 2,00( 1,40), Butter 2,80( 2,20), gültigkeit der Gewerkschaften der politischen Bewegung gegen einigen Hundert Mark ausgelöst und diesen Betrag als Vorschuß- Bander 3,50( 1,40), echte 2,80( 1,40), Barsche 2,40( 1,00), Schleie 3,00 über geklagt, worunter besonders die Maurer und Zimmerleute summe auf das Gehalt angesetzt. Diese Handlung zeugte nun an( 1,40), Bleie 1,60( 0,80), Strebje( 60 Stüd) 20,00( 3,00). hervorgehoben wurden, die der politischen Bewegung sogar direkte sich von einer anerkennenswerten Gesinnung, wenn sich nicht Hindernisse in den Weg legen; die Delegierten zur Provinzial- nachher, im Laufe der Verhandlung, herausgestellt hätte, daß er in fonferenz sollen diese Mißstände zur Sprache bringen. seiner Menschenfreundlichkeit die wertvolle Wäsche so lange als Pfand zurückbehalten hat, bis der Betrag gänzlich verrechnet war. Auch betreffs der Auffassung des Kernausdruckes„ Kriecher" erlitt der Beklagte einen völligen Bankrott, denn das Gericht schenkte der Behauptung des Klägers Glauben, daß er mit den Kriechern in dem Falle nicht Vorgesetzte, sondern eigene Kollegen bezeichnet habe. Natürlich wurde Herr Bolle auch verurteilt, dem Kläger zirka 43 Mark als berechtigte Forderung zu zahlen, hatte jedoch das Glück, der Zahlung von Ueberstunden entgehen zu können, weil der Kläger vorher niemals Ueberstunden beansprucht hatte, allerdings, wie er sagt, nur aus Furcht vor Kündigung. Die Firma vertritt noch die Ansicht, daß ihre kaufmännischen Angestellten so lange arbeiten müssen, bis alles, was im Bureau vorliegt, erledigt ist, und glaubt deshalb, Ueberstunden überhaupt nicht zahlen zu brauchen. " H Auch unsere Presse ist im Kreise sehr schwach vertreten. Nur vereinzelt ist in den Bezirken die„ Märkische Volksstimme" vertreten ebenso der Vorwärts", der Wahre Jakob" und die Unterhaltungsleftüre Freie Stunden". Es wird beschlossen, zur nächsten Kreisfonferenz eine größere Anzahl Exemplare der Märkischen Voltsstimme" zur Agitation zu beschaffen. Nachdem auch über die Tagesordnung des Parteitages eine Aussprache gepflogen worden, delegierte die Konferenz den Genossen Freiwaldt zum Parteitage; zur Provinzialkonferenz wurden die Genossen Schmidt und BeyerSonnenburg gewählt. Im Wahlkreise Oberbarnim find jetzt in fünf Wahlkreisen 301 Mitglieder organisiert. Die Brandenburger Zeitung" hat 198 Abonnenten im Kreise, wozu uoch eine Anzahl Abonnenten des " 1 Vorwärts" tommen. " 1 Genosse Nikolaus Kraszewski in Briz, früher Vorstandsmitglied der P. P. S. ersucht uns zu veröffentlichen, daß er aus dieser Partei ausgetreten ist. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Gründung eines Arbeiter- Radfahrervereins und Vereinsgesetz. ( Motto: Sozialdemokratische Hinterlist muß doppelt " bestraft werden.) Zur Gründung eines Arbeiter- Radfahrervereins für Gottesberg in Schlesien waren an einem Maientage etwa 30 Personen zu sammen gekommen. Der Verein sollte sich dem Arbeiter Radfahrerbund Solidarität", Siz Frankfurt am Main anschließen. Leiter und Sprecher war der Berghauer Schöbel zu Gottesberg, der bereits einige Jahre als Einzelmitglied dem Radfahrerbund" Solidarität" angehörte. Er wurde auch als Veranstalter angesehen und der Uebertretung der§§ 1 und 12 de Vereinsgesetzes angeklagt, weil er die Versammlung nicht bei der Polizei angemeldet hätte, obwohl es eine Versammlung zur Erörterung öffent licher Angelegenheiten gemäß§1 des preußischen Vereinsgefezes gewesen sei. Nachdem die Angelegenheit bereits einmal das Kammergericht beschäftigt hatte, verurteilte das Landgericht Hirschberg den Angeklagten zu der hohen Geldstrafe von 100 M. Weshalb so happig, wird der Leser noch sehen. Das Landgericht führte aus: " Aus dem Künstler oder Gewerbegehülfe? Stationen Barometerstand mm Wind. richtung Windstärke Swinemde. 753 N Berlin Hamburg 759 NNW 756 23 Frankf.a.M. 762 N München 762 23 Bien Wetter Temp. n. C. 5° C. 4° R. Stationen Barometerstand mm richtung Wind 14 Haparanda 753 D 13 Scilly 13 Petersburg Windstärke Wetter Temp. n. T. 5° C. 4° N. 7bedeckt 4wolfen! 2 bedeckt 9 4 bedeckt 2 bedeckt 15 Aberdeen 13 Paris 15 768 N 768 23 765 N 4 wolkig 2 bedeckt 2 bedeckt 14 11 14 7 bedeckt 759 3 bedeckt Wetter- Prognose für Freitag, den 1. September 1905. Nachts sehr fühl, am Tage wärmer, vielfach heiter bei mäßigen nordwestlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. ex Eingegangene Druckfchriften. Hans Ziegler: Hinaus in die Welt! Heft 1. Wie ich Weltreisender wurde.( Berlin, Wilhelm Süsserott.) Wolfgang Bischof: Friedensgedanken am Vorabende ( Buschbed, Halle a. 6.) Grunewald, A. Troschel.) Dr. Zacher: Die Arbeiterversicherung im Auslande, Heft Va.( BerlinZeitschrift für Kolonialpolitit, Kolonialrecht und Kolonial. wirtschaft. Jahrgang III. Heft 7.( Wilhelm Süsserott, Berlin.) ( Süsserott, Berlin.) Krieg mit Frankreich? Von* Ernst Scillière. Apollo oder Dionysos? Kritische Studie über Nach der ständigen Rechtsprechung des Gewerbegerichts München zählten bisher Artisten zu den Gewerbegehülfen, weshalb sich das Gewerbegericht bei Differenzen im Engagementsverhältnis stets für zuständig erklärte. Auch im Frühjahr d. J. wurde der Impresario Leo Bartuschet in Charlottenburg vom Gewerbegericht München zur Zahlung einer Entschädigung an zwei Sängerinnen wegen fündigungsloser Ent lassung verurteilt. von 350 M. monatlich für die Nummer„ Am Chiemsee" engagiert, Die beiden Sängerinnen waren mit einer Gage debütierten erst im Hansa- Theater in Hamburg, dann im Kristallpalast in Leipzig, jedoch nicht mit dem gewünschten Erfolg. In München wurden die Damen ohne Einhaltung der vertragsmäßigen Kündigung plöglich entlassen, da ihre Leistungen angeblich zu minderwertig ge= wesen seien. Das Gewerbegericht verurteilte Bartuschek zur Zahlung einer Entschädigung. Gegen dieses Urteil wurde Berufung beim unferem Kollegen, dem Metallschleifer Landgericht München I eingelegt. Die fünfte Ziviltammer hat jest Hermann Lange das Urteil des Gewerbegerichts aufgehoben und die Klägerinnen mit ihrem Anspruch kostenpflichtig abgewiesen, da nach Ansicht des Gerichts das Gewerbegericht in dem gegebenen Falle nicht zuständig war. Artisten, heißt es in der Urteilsbegründung, seien nicht Gehülfen eines Variétédirektors bei Ausübung seines Gewerbes, sondern seien als selbständige Ge werbetreibende zu betrachten. Gerichts- Zeitung. Es sei folgendes festgestellt. Angeklagter habe als Redner darauf aufmerksam gemacht, welche Vorteile die Mitglieder eines dem Bunde Solidarität" angehörenden Vereins hätten. Insbesondere habe er auf die Entschädigung bei Radunfällen, auf die Sautionsfreiheit beim Ueberschreiten der Grenze, auf die billige Lieferung von Wegefarten und auf ähnliches hingewiesen. Man habe Wegen Unterschlagung von zirka 20 000 Mark war gestern der auch Flugblätter des Arbeiter- Radfahrerbundes" Solidarität“ in der Buchhalter May Barth vor der 2. Ferienstraftammer_des Versammlung verteilt. Nach den Angaben des Angeklagten, die Landgerichts I angeflagt. Der 31 jährige Angeklagte ist der Sohn seine Zeugen im wesentlichen bestätigt hätten, sei nach Verteilung des Kaufmanns Barth, der vor einiger Zeit wegen größerer Unterder Flugblätter nicht mehr in der Versammlung gesprochen worden. schlagungen im Verein Berliner Künstler zu zwei Jahren Gefängnis Trotz dieser Feststellungen sei das Gericht zur Verurteilung ge- verurteilt worden war. kommen. Aus folgenden Gründen müsse die Versammlung als eine Er diente bei dem 1. Garde- Feldartillerieregiment und brachte es Der Angeklagte ist bisher noch unbestraft. folche zur Erörterung öffentlicher Angelegenheiten angesehen werden. bis zum Unteroffizier. Nach seiner Entlassung vom Militär gelang Der zu gründende Verein habe sich dem Arbeiter- Radfahrerbunde es dem Angeklagten, eine Stellung bei einer bekannten WeingroßSolidarität" anschließen sollen. Welcher Art die Radfahrervereine Handlung am Alexander- Ufer zu finden. Als Gehalt bezog er nur feien, die sich dem Bunde anschlössen, ergebe aber das verteilte Flug 137 Mark. Nach seiner Behauptung will er durch eine langwierige blatt. Die Mitglieder würden in dem Aufruf in Gegensatz gestellt Strankheit seiner Frau und durch den Tod zweier Kinder in Not gezu den Mitgliedern bürgerlicher Vereine. Der Aufruf wende sich an raten sein. Von anderer Seite dagegen wird behauptet, daß V. Die Klassenbewußten Arbeiter, spreche von Klassenbewußtsein, einen übermäßigen Aufwand trieb und in leichtsinniger Gesellschaft Klassenstolz und gleichgesinnten lassengenossen. verkehrte. Als man ihn wiederholt fragte, wie er dies mit seinem hervor, Juhalt gehe daß es sich um sozialdemokratische Vereine handele, die ins Leben gerufen werden sollten. Die sozial- geringen Gehalt könne, erwiderte der Angeklagte, er erhalte von demokratischen Arbeiter- Radfahrervereine nun dienten der Sozial- feinem Vater reichliche Zuwendungen. Erst anfangs dieses Jahres demokratie als Mittel der Propaganda, sie vermittelten die kam es zutage, woher das Geld zu den übermäßigen Aufwendungen Verbreitung von sozialdemokratischen Flugblättern usw. Der neue des Angeklagten stammte. des Angeklagten stammte. Seine Chefs brachten ihm das allerVerein habe danach in erster Linie nicht der Pflege des Sports, größte Vertrauen entgegen( zahlten aber nur 137 Mark!). Er war sondern der Betätigung sozialdemokratischer Gesinnung dienen sollen. auch berechtigt, für die Firma Geld in Empfang zu nehmen und mit Die Gründung eines Vereins aber, dessen Hauptaufgabe es sei, sich der Unterschrift der Firma zu quittieren. Der Angeschuldigte mißmit öffentlichen Angelegenheiten zu befassen, sei ebenfalls eine öffent- brauchte dies Vertrauen in der allerschnödesten Art. liche Angelegenheit. Somit hätte die Versammlung der Anmeldung 1902 nahm er wohl die Geldbeträge in Empfang, führte diese aber bedurft. Die harmlosen Aeußerungen des Angeklagten seien nicht ernst nicht an die Kasse ab. Um seine Beruntreuungen zu verdecken, verzu nehmen. Bei der Strafbemessung komme erschwerend in Betracht, stand es B. in geschicktester Weise, etwaige Mahnbriefe an die be= daß häufig von sozialdemokratischen Agitatoren versucht werde, die treffenden Kunden verschwinden zu lassen. Da die Unterschlagungen gesetzlichen Vorschriften zu umgehen, ohne daß es möglich sei, den trotzdem entdeckt werden konnten, nahm der Angeklagte zu einem Täter dafür zur Verantwortung zu ziehen. Der Angeklagte habe offenbar neuen raffiniert ausgedachten Mittel Zuflucht. Bei dem Monatsauch unter einer falschen Maste operiert und mit verwerflichen abschluß diktierte er einer Buchhalterin die von ihm unterschlagenen Mitteln gearbeitet, indem er sich zu der direkten unwahrheit ver- Beträge als angeblich bezahlt. Die Dame trug diese dann auch stieg, daß jeder Mitglied werden könne, ob er Geistlicher, Lehrer ahnungslos in die sog." reine Kasse" ein. Durch diese„ Buchoder sonst was sei, und indem er dabei wohlüberlegt verschwieg, daß frisierung" gelang es dem Angeklagten tatsächlich, seine Unterderselbe in jedem Falle Sozialdemokrat sein oder werden müßte. Schlagungen zu verdecken. Durch mangelhafte Kontrolle und sein Darum 100 Mark für die Nichtanmeldung der Versammlung! raffiniertes Vorgehen ermöglichte er es auch, daß er drei Jahre hinDas Kammergericht hob am 30. August dies Urteil auf und durch seine Defraudationen unbehindert fortsetzen konnte. Als diese sprach den Angeklagten mit der Begründung frei, daß es gerade schließlich zur Entdeckung tamen, fonnte nur mit vieler Mühe festaus den tatsächlichen Feststellungen des Landgerichts entnehme, daß gestellt werden, daß der Angeklagte im Laufe der drei Jahre in der Versammlung teine öffentlichen Angelegenheiten erörtert 19 650 Mark unterschlagen hatte. Neuerdings hat sich auch noch ein worden seien und daß solche auch nicht erörtert werden Manto von 14 000 Mart herausgestellt. Der altrenomierten Firma sollten. sind durch die Veruntreuungen ihres Angestellten große Unannehmlichfeiten entstanden. Vor Gericht war der Angeklagte geständig. Mit Rücksicht auf die überaus hohe Summe, den groben Vertrauensbruch und auf das systematische Vorgehen des Angeklagten beantragte der Staatsanwalt 2 Jahre Gefängnis. Der Gerichtshof ertannte auf 1½ Jahre Gefängnis. Soziales. Gegen den Fleischwucher. Protestversammlungen wurden wieder abgehalten in Iber= Das feld, Pforzheim, Cannstatt und Eßlingen. Stadtverordnetenkollegium in Hagen verlangt in einer Reſolution Deffnung der Grenzen. Klingelbolle. Seit Oktober Friedrich Nietzsche. 317 Seiten. Verlag H. Barsdorf, Berlin W. 30. Tresdomstraße 10, 34 feinem 25jährigen Schleiferjubiläum ein dreifach donnerndes Hoch! Na Hermann, aber heute abend bei August das Eisbeinessen! Die Schleifer der Firma 41152 Dewitt& Herz. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein inniggeliebter Mann, unser treuforgender Vater, der Maurer Robert Harder nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden am 29. d. M., abends 7 Uhr, sanft entschlafen ist. Die trauernde Witwe Anna Harder nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. September, nachmittags 3 Uhr, vom Trauers hause, Swinemünderstraße 76, aus nach dem Friedhofe der Friedens gemeinde, Nieder- Schönhausen, statt. 1201b Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Otto Donath am Sonntag gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 1. September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Pauls- Kirchhofes in der Seestraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 122/8 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Robert Viebke am am 28. Auguft gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 1. September, nach mittags 4 Uhr, vom Krankenhause Bethanien aus nach dem Jeru falemer- Stirchhofe statt. Rege Beteiligung erwartet 122/6 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Todes- Anzeige. Am 29. August verstarb unser Mitglied, der Gastwirt Hermann Vits, Pappel- Allee 115. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittags 3 Uhr, bon der Halle des Georgen- Kirchhofes, Landsberger Allee aus statt." Gleichfalls am 29. August verstarb unser Mitglied, der Maurer Robert Harder, Swinemünderstr. 76.. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. September, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause nach dem Friedhof der Friedens- Gemeinde Nieder- Schönhausen- Nordend statt. aus Um zahlreiche Beteiligung ersucht 249/3 Der Vorstand. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Am 29. August verstarb unser altes und treues Mitglied Robert Harder im Alter von 38 Jahren an der Proletarierkrankheit. Wir werden ihm ein treues Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. September, nachmittags 3 Uhr vom Trauers hause Swinemünderstraße 76 aus statt. Umrecht rege Beteiligung ersucht 148/3 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes August Resenberger sage ich allen Teilnehmern meinen herzlichen Dank. 41182 Witwe Resenberger nebst Tochter. Danksagung. Sage allen Teilnehmern bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Sattlers Karl Klose Allen denen, die meinen lieben meinen herzlichsten Dank. 41172 Witwe Klose nebst Kindern. Danksagung. und Bruders „ Der Rohrstock ist kein geeignetes Züchtigungsmittel für ein zweijähriges Kind", so hatte das Schöffengericht in einer Straffache gegen die Frau Emilie Weinert entschieden. Frau W. hat auf Grund eines notariellen Vertrages das uneheliche, jetzt zweiDie Mainzer Stadtverordneten beschlossen auf Antrag der jährige Kind einer Schneiderin in Pflege genommen. Das fleine sozialdemokratischen Fraktion einstimmig, die Regierung zu ersuchen, Wesen nahm es nach Kinderart mit der Reinlichkeit in gewisser Hinbeim Bundesrat auf Deffnung der Grenzen für die Einfuhr von sicht nicht allzu genau und beschmußte häufig das Bett. Frau W. Vieh hinzuwirken. Die bürgerlichen Vertreter unterließen es, ihre glaubte dem Stinde diese Unart dadurch am besten abgewöhnen zu prinzipielle Stellung darzulegen und stimmten dem Antrag ohne können, indem sie es jedesmal mit dem Rohrstock eines Abstaubers Debatte zu. empfindlich züchtigte. Dies soll insbesondere am 1. März in einer Weise geschehen sein, welche die Grenzen des Züchtigungsrechtes bei unvergeßlichen Mann und guten Bater weitem überschritten haben soll. Durch Hausbewohner wurde nach Ernst Wodke Vor die Schranken der ersten Kammer des Berliner Kaufmanns- vorausgegangenem jämmerlichen Schreien des zweijährigen Kindes die letzte Ehre erwiesen, herzlichen gerichtes unter dem Vorsitz des Magistratsrates Techow hatte festgestellt, daß es zahlreiche fingerbreite blutunterlaufene Striemen Dant. 41162 Für die herzliche Teilnahme an gestern, ohne ihren ausdrücklichen Wunsch, die Milchkönigin C. Bolle auf dem Rücken und an den Beinen hatte. Ferner soll Frau W. das Trauernde Witwe und Kinder. der Beerdigung unseres lieben Sohnes zu treten, die von einem Angestellten wegen unberechtigter Ein- arme Wesen einmal mit der Faust auf den Mund geschlagen haben, behaltung eines Restbetrages für Gehalt und Ueberstunden verklagt so daß Blut floß und die Lippen start anschwollen. Gegen Frau Gesellschaftshaus Hermann Molt worden war. Herr Dr. C. Bolle persönlich, unter Assistenz eines Weinert wurde deshalb Anklage wegen gefährlicher Körperverlegung Prokuristen, war erschienen, um dem Gericht die Gründe, die zu erhoben. Das Schöffengericht erachtete zwar den Rohrstock nicht als einer plöblichen Entlassung berechtigt haben sollten, glaubhaft zu ein gefährliches Werkzeug, immerhin sei eine Anwendung desselben machen. Es soll ihm nämlich zu Ohren gekommen sein, daß der bei einem im zarten Alter stehenden Kinde als eine Körperverlegung Kläger mit seinen Kollegen in stetiger Wiederholung über allerlei anzusehen. Das Schöffengericht nahm deshalb eine Ueberschreitung angebliche Mißstände. im Betriebe der Firma debattierte und ins des Züchtigungsrechtes an und verurteilte die Angeklagte mit Rüd besondere einen, vom Chef hochangesehenen Vorgesetzten in schmäh- ficht auf ihre bisherige Unbescholtenheit zu 60 Mart Geldstrafe. licher Weise in die Debatte zog, der sich während der Geschäfts- Hiergegen legte Frau W. durch den Rechtsanwalt Bahn Berufung stunden angeblich fortgesetzt unanständig benommen und mit den ein. Auch die Staatsanwaltschaft glaubte durch dieses Rechtsmittel dort angestellten Mädchen poussiert haben soll. Der Kläger hat aber eine härtere Bestrafung der Frau W. herbeiführen zu können, da ein auch noch einen 16 Seiten langen Brief an einen seiner Vorgesetzten Rohrstock bei einem zweijährigen Kinde doch wohl als ein gefährliches gerichtet, der leider vor Gericht nicht zur Verlesung gelangte, dessen Werkzeug anzusehen sei. In der Verhandlung vor der BerufungsInhalt jedoch, feiner Länge nach, recht reichhaltig sein mag. Als sich straffammer nahm jedoch die Staatsanwaltschaft wie auch die Annun der Kläger eines Tages in Gesellschaft anderer Kollegen an geklagte die Berufung zurück, so daß es bei dem Urteil des Schöffeneinem Orte befand, wohin man einen anderen gewöhnlich nicht zu l gerichtes bleibt. Feys Brunnenstr. 184, fagen wir allen, besonders dem Zu Versammlungen und Ver: Deutschen Metallarbeiter- Verbande gnügungen empfehle meinen Saal, und dem Gesangverein„ Nordwacht bis 500 Perf. faffend. Sonntag, 26. 11. unseren herzlichsten Dant. Familie F. Molt. ( Totensonntag), ist noch zu vergeben. Joselli 41198 Cigaretten Erstklassige deutsche Fabrikate Für den Juhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Wublikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 1. September. Anfang 7, Uhr: Opernhaus. Der Roland von Berlin. Schauspielhaus. Göz von Ber lichingen. Anfang 7 Uhr. Neues königl. 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Briefkaften der Redaktion. -Juriftifcher Teil. Gudat. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends Bergemann ist von 7 bis 9% thr statt. Geöffnet: abends 7 Ulbr. geführt habe und wie hohe materielle Opfer dabei gebracht seien. Geschte wendet sich gegen das Referat. Er glaubt, daß gerade die Generalkommission der Gewerkschaften die treibende Kraft ge= Der fünfte Gewerkschaftskongreß und der Klassenkampf in wesen sein werde, die ihren Einfluß dahin geübt habe, daß unsere Bremerhaven.( Arbeiterfekretariat.) Der Fall lag genau umgekehrt. Deutschland. Ueber dieses Thema referierte Genosse August Parteitage Beschlüiffe faßten, wonach nur Arbeitsruhe einzutreten habe, Es wurde nicht dem zum Berliner Stadtverordneten Gewählten sein Mandat Bringmann Hamburg am 30. August in einer von etwa wo es möglich sei". Verwerflich sei es, wenn die Delegierten zum Ge- abgesprochen, obwohl er in Berlin einen Wohnsitz beibehalten hatte, sondern sein Berliner Mandat wurde für gültig erklärt, obwohl er seinen Wohnsitz 1000 Personen besuchten außerordentlichen Versamms manafte bie bother fonen, wie nie haber nachten, nach außerhalb verlegt hatte. Er war mit ſeiner Familie nach einem VorYung in Berlin und den Vororten be- Man hätte die Mitglieder vorher fragen sollen, wie sie darüber dächten. ort verzogen und zwar schon vor der Wahl. Dort war fortan sein eigentschäftigten Mitglieder des Zentralverbandes Die Berliner Zimmerleute hielten sich nicht für geschädigt, auch wenn sie licher Wohnfig, in Berlin hatte er nur Bureauräume für sein Geschäft beder Zimmerer Deutschlands. Es handelte sich um eine mal einen oder zwei Tage nicht bezahlt erhalten würden. Der halten. Diese meldete er aber hinterher als zweite Wohnung an, weil dazu Veranstaltung, die von den Mitgliedern durch Versammlungsbeschluß Klassenstandpunkt sei zu wahren. Nicht nur für die Maifeier durch ein Privatzimmerchen gehörte, in dem er gelegentlich auf einem Schlafsofa Arbeitsruhe, sondern auch für die Propagierung des politischen Bersammlung ließ das als Wohnfig" gelten. Eine höhere Instanz hat verlangt wurde. Die freisinnige Mehrheit der Berliner Stadtverordneten Genosse Bringmann nahm einleitend Bezug auf die Erörte- Massenstreits habe man einzutreten. Redner bringt eine Wigbilligungs- nicht zu entscheiden gehabt; ein protest aus Wählertreisen war nicht einrungen in der Parteipreffe, die sich an den Gewerkschaftstongreß fnüpften, resolution gehen die Delegierten ein. Da es sich indessen lediglich gegangen. Wuhlgarten. Nimmt auch epileptische Stinder der ersten gab einen Ueberblick über die Tätigkeit der bisherigen allgemeinen um eine Diskussionsversammlung handelt, kann nach dem Lebensjahre auf. Aufnahme entweder durch die Anstaltsdirektion oder durch Gewerkschaftskongresse und stellte in zustimmender Bezugnahme auf Organisationsregulativ darüber nicht abgestimmt werden. Vermittelung der Armenkommission Ihres Bezirkes. Kosten: Abzahlung in Ausführungen von Kautsky in der„ Reuen Zeit" und auf den Be- Sinz vertritt im wesentlichen denselben Standpunkt wie der Vor- fleinsten Raten oder völlige Niederschlagung. Kettel. Nein. Der Ur richt des Parteivorstandes fest, daß in absehbarer Zeit eine Ver- redner und hebt die große Begeisterung bei der Maifeier der lauber fährt allerdings mit erheblicher Preisermäßigung, aber er hat niebesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der Arbeiter von der Berliner Zimmerleute und deren glänzenden Berlauf hervor. tannt. Können und wollen Sie die Verpflegung Ihrer Kinder bezahlen? mals freie Fahrt. M. M. 22. Ihr früherer Brief ist uns unbe Gesetzgebung nicht zu erwarten sei. Dem Reichstage nehme man was die Berliner könnten, müsse anderwärts auch gehen. Dann nimmt eine öffentliche Anstalt( Waisenhaus) sie Ihnen schwerlich ab; alle Bedeutung, alles Leben; der Parlamentarismus in Deutsch- Er wünscht auch mehr Aufklärungsversammlungen." Wenn denn diese soll zu allererst der wirklichen Hülflosigkeit Schutz gewähren. land versumpfe einfach. Wenigstens für die nächste Zukunft seien die man besondere Versammlungen haben wolle, müsse im Verbande Gher bereit wären da die pfäffisch geleiteten Privatanstalten gewisser MuderArbeiter einzig und allein auf ihre Gewerkschaften angewiesen. erft Himmel und Hölle in Bewegung gesezt werden. vereine, aber die werden Ihnen nicht zusagen. Genügt für die zwei bis Verbessern könnten ihre wirtschaftliche Lage mur durch die Drgani- tube( Mitglied der Generalkommission) findet wegen drei Monate nicht Pflege in einer Familie? Die Liste der für fation und durch vieneicht immer härter werdende wirtschaftliche der Zuspigung der wirtschaftlichen und politischen Gegenfäße Berlin tonaefiionierten Haltefrauen gibt Ihnen das Fleischnot. Antwort vorher unter M. M. 22. Kämpfe. Von diesem Standpunkt aus habe der Gewerkschafts- begreiflich, wenn mal in der Kritit über die Schnur gehauen werde. Polizeipräsidium. Nixdorf.( Kr.) Sogenannte Krönungsstadt, nicht Residenz". fongreß in Köln die Maifeier und den politischen Generalstreit erörtert. Es läge aber gar kein Grund vor, der Gewerkschaftsbewegung Bernauerstraße, Sch. Die beiden Leibhusarenregimenter Ser. 1 und Nr. 2 Die Diskussion darüber erhalte erst eine brauchbare Unterlage, wenn gegenüber peffimistisch zu sein. Neben materiellen Errungenschaften in Danzig- Langfuhr. S. B. 23. Durch die Buchhandlung Vorwärts. Der offizielle Standpunkt der Partei zu den Fragen flar gelegt habe der auf wirtschaftlichem Gebiet sich vollziehende Teil der ArM. M. 46. Wenden Sie sich an einen Vogelhändler. werde. Redner ging dann die Verhandlungen der internationalen beiterbewegung auch gute Erfolge im Bunkte der Erziehung zum 120 Millionen in deutscher Münze. 9. 3. Der Beiname ist der LandKongresse betreffend die Maifeier, speziell aber die der deutschen Sozialismus erzielt. In Sachen der Maifeier seien übrigens die schaft entnommen, in welcher die Stadt liegt. 2. Legilon nachschlagen! Parteitage durch, zitierte nach den Protokollen die maßgebenden Berliner Zimmerer fogar noch über den Beschluß des Parteitags 3. Gegensatz zu füß". 4. Nehmen Sie eine fleine deutsche Grammatit zu Hülfe. Aber im Reiche sehe es E. H. 1. Lesen Sie den Artikel Asphalt" in einem Konversationslexikon Ausführungen der Hauptredner und die Beschlüsse. Dazu bemerkte hinausgegangen mit ihren Beschlüssen. er, daß alle Versuche, die Partei hinsichtlich der Maifeier zu einer anders aus. Aus der Rücksicht daraus und auf den ganzen nach. Lesehalle, Bibliothek in der Alexandrinenſtr. 26 usw. 2. Erweichung. 3. Berliner Adreßbuch oder Auskunft durch Fachleute. N. 2. 99. In Straftprobe mit der kapitalistischen Welt zu drängen, von den Partei- Verband erkläre sich die Stellungnahme der Delegierten auf dem der Schwarmzeit die Königin und die folgenden Drohnen. P. G. 1. tagen zurückgewiesen worden seien. Und als dann 1896 der in Berlin Kongreß. Man habe sich gesagt, es müsse mit der bisherigen Ohne Einblick in die betreffenden amtlichen Listen und Bücher hat man eingeführte Modus( Vormittagsversammlungen der GewerkschaftenHalbheit einmal aufhören, und wenn es nach der Seite der allge- darüber kein Urteil. Bielleicht fragen Sie einmal bei Frau Strupp an. der Abend der Partei) zur Nachachtung empfohlen und beschlossen wurde, meinen Arbeitsruhe nicht möglich sei, dann müsse eine Aenderung Schlüterstr. W. S. Tüchtig flopfen! Auch wenden Sie sich einmal um K. G. 99. Auskunft durch Herrn Baumann, den Arbeitern und Arbeiterorganisationen zur Pflicht zu machen, für die nach der anderen Seite erwogen werden. In der Frage des General Rat an einen Drogisten. Paradies. 1. Druckfehler. 2. Einallgemeine Arbeitsruhe am 1. Mai einzutreten und überall da, wo die streits bezw. politischen Massenstreits äußerte sich Redner im Sinne Bürgerdeputierter, Lindenstr. 43 I. Möglichkeit zur Arbeitsruhe vorhanden ist, die Arbeit am 1. Mai ruhen des Referats und führte dazu noch aus, daß, wenn einmal zu solchem fach: An die Verwaltung bezw. an das Bureau der und der Stiftung, J. K. Nein. B. V. Nein! Rathaus, Königstraße usw. D. F. zu lassen: da habe nicht etwa die von der Partei vorher abgelehnte Mittel gegriffen werden müßte, die Hauptsache gute wirtschaftliche Ja.- A. K. Berliner Adreßbuch. Uns nicht bekannt. Kraftprobe den Gewerkschaften zugeschoben werden sollen. Zu und politische Organisationen wären. Also auch in der Beziehung wäre Kraftproben sollte sich die Maifeier auch für die Gewerkschaften nicht die Hauptsache der Ausbau und die Stärkung der Organisation.auswachsen. Und auf dem vorjährigen Parteitage habe der Referent latow wendet sich hauptsächlich gegen das Geschäftsregulativ des Parteivorstandes, N. Fischer, ausgeführt:„ Nun bin ich der der Zahlstelle. Das führe zur Verfumpfung. Letzte, der sich verhehlen wollte, daß der Kampf um den 1. Mai der Meinung, daß der Kongreß seinen Aufgaben gerecht geworden C. S. 1. Falls Ihr Vertrag, was wahrscheinlich, dem nicht entgegensteht, gerade den Gewerkschaften in erster Linie große Opfer auf- fei.- Brig, Kabigty und Kramann sowie Trapp find wäre eine Klage nicht völlig aussichtslos. 2. Aufnahme in eine Heilanstalt oder erlegt und den Gewerkschaftsbeamten, soweit fie es mit dagegen anderer Meinung und treten für sozialistische Erziehung in Heimstätte zweds Heilung von der Tuberkulose oder dgl. durch die Versicherungsihrer Aufgabe ernst nehmen, nehmen, ein großes Stück Berant- den Gewerkschaften, für Arbeitsruhe am 1. Mai und Diskussion der anstalt nimmt den Hinterbliebenen nicht das Recht auf Rüderstattung der Hälfte der Beiträge. Paul Nietold. Eine Steuerschonzeit in dem wortung aufbürdet, aber doch aber doch nur in der Einschränkung, Frage des Massenstreits ein. Nach einem Schlußwort des Referenten schloß die Versammlung kommen vor, so befreit die Ableistung der Dienstpflicht keineswegs über die von Ihnen gemeinten Sinn gibt es nicht: liegt ein steuerpflichtiges Eindaß kein internationaler Kongreß und kein deutscher Parteitag ihnen jemals die Erstrebung der Arbeitsruhe unter allen Umständen zur nach 21 Uhr nachts mit einem Hoch auf die deutsche Arbeiter- Dauer der Dienstpflicht hinaus von der Steuerpflicht. 5. S. Nach Lage Pflicht gemacht hat." Danach stehe, meint Redner, die Partei nach bewegung. der Sache würde das Gericht Sie voraussichtlich zur Zahlung verurteilen. E. 2. 27. Ste wie vor auf dem Standpunkt, daß sie die Gewerkschaften nicht in Die baugewerblichen Hülfsarbeiter hielten am Sonntag bei Baula. Zu dem Abzug sind Sie nicht berechtigt Kraftproben hineintreiben wolle. Ja, sie überlasse es den Gewerk- Buggenhagen eine gut besuchte Generalversammlung ab, in der die Shnen Rente bewilligt, so können Sie den Antrag auf Befreiung weiterer sollten Ihren Anspruch auf Rente nicht fallen laffen, sondern erneuern. Ist schaften, ihre Stellungnahme zur Arbeitsruhe selbst zu bestimmen. beiden Delegierten Heidemann und Böttcher vom Kölner Gewerk- seleberei an den Magistrat, Abteilung für Invalidenversicherung( Köllnischer Eine andere Auffassung würde ja auch geradezu eine Stompro- fchaftskongreß Bericht erstatteten. In großen Zügen gaben beide Part) richten, ohne dies wäre es zwecklos. 7. G. 36. Will der Wirt mittierung der Partei bedeuten. Somit habe es dem fünften Ge- einen Ueberblick über die Verhandlungen, um zum Schluß zu be- Ihnen die Wohnung nicht überlassen und verpflichtet ihn der Vertrag mit werkschaftstongreß nicht nur frei gestanden, sondern es sei vom tonen, daß, wenn auch der Kongreß nicht alle Hoffnungen erfüllt dem fepigen Mieter nicht hierzu, so tönnen Sie die Ueberlassung im Rechtsoffiziellen Standpunkt der Partei aus seine direkte Aufgabe gewesen, habe, doch manches Gute für die deutsche Arbeiterbewegung geleistet verhalt so wie Sie schildern war, nicht etwa die Adresse lückenhaft oder die wege nicht erzwingen. Albert B. Können Sie beweisen, daß der Sachsich mit der Frage der Maifeier zu beschäftigen. Nun sei es ja zu feinem worden ist. Auf die vielbesprochene Boykottangelegenheit ging Berpadung vorschriftswidrig, so würde eine Klage Aussicht auf Erfolg haben. Beschluß gekommen, sondern vorläufig beim alten geblieben, d. H. jede Ge- Böttcher noch näher ein, um schließlich die unwahren Behauptungen Sie müssen für diese die Hülfe eines Anwalts in Anspruch nehmen. Borher werkschaft beschließe selbst, welche Stellung fie zur Maifeier einnehme. betreffs des Bontottbruches ganz energisch zurückzuweisen. Unter ist aber zu einer Eingabe an die Postdirektion( Starlegung des Sach Bur Frage des politischen Massenstreits flizziert Redner die bis Verbandsangelegenheiten wurde auf die unhaltbaren Grenzstreitig verhalts, Geltendmachung des Anspruchs) zu raten. 8. M. 99. Den herige Stellungnahme der Partei zum politischen Generalstreit und feiten mit den Maurern( Sektion der Gips- und Zementbranche) Mietstaler ja. verteidigt die Stellungnahme des Gewerkschaftskongresses. Der hingewiesen. Ganz unleidliche Zustände hätten sich herausgebildet,. F. 1. Nein, Sie können nur flagen und dann im Wege der Stongreß sei bei seinem Beschluß von der Ueberzeugung ausgegangen, wie an einem besonders krassen Fall nachgewiesen wurde. Auf den Zwangsvollstreckung verkaufen lassen. J. 100. Ein Beispiel für einen daß die Propaganda für den politischen Generalstreik innerhalb Vorschlag, die Berliner Gewerkschaftskommission als Vermittlerin in Antrag auf Ausstellung eines Erbscheins finden Sie S. 237 des dem Arbeiterrecht" beigefügten Führers. Das Buch liegt in den öffentlichen der Gewerkschaften geeignet sei, die Weiterentwickelung der Gewerk- den Grenzstreitigkeiten anzurufen, sei der Sektionsleiter der Gips- Bibliotheken aus. R. B. 70. 1. Nach Zahlung der Kosten ja. 2. Ja. schaften schwer zu schädigen und eine wirksame Gewerkschaftstaktit und Zementbranche nicht eingegangen, weil derselbe die GewerkG. R. 10, R. Nixdorf, W. B. 100, Berta Sch. Ja. zu hintertreiben. Ein Studieren des politischen Massenstreits und schaftskommission nicht für kompetent erachtete. Die Versammlung. 1. Ja. 2. Durch ein Teftament. Kr. Gl. 9. Lassen Sie sich Abschrift feiner Methoden, wie es Kautsky( Neue Beit" vom 13. Juli 1905) erhob in einer entsprechenden Resolution ganz entschieden Protest des Testaments erteilen und flagen Sie eventuell auf Bablung des Bstichtteils. für notwendig erkläre, habe der Gewerkschaftskongreß natür gegen die Agitationsweise obengenannter Sektion. Die Versammlung 7. 2. 100. Das Vereinbarte gilt. G. Berlin. Ihre Anfrage ist Yich nicht unterbinden wollen. Hätte er auch nur den erklärt, nach wie vor auf dem Boden des Industrieverbandes zu stehen. wegen Ihrer Verallgemeinerung unverständlich. Stellen Sie den Sie Versuch dazu gemacht, dann wäre er einfach der Lächer- So lange aber dieser nicht besteht, spricht sie dem Maurerverband betreffenden Sachverhalt dar und knüpfen Sie an diese Schilderung Ihre Frage. W. Winzler. Die Quittungen sind auch ohne Beglaubigung gültig. lichkeit anheimgefallen. Rein, Nein, der Gewerkschaftskongreß habe das Recht ab, Bauhülfsarbeiter aufzunehmen, da hier seit Jahren 23.. 45. 1. und 2. Nein. 3. und 4. Ja. Untvijfend 1905. nur befundet, daß die Gewerkschaften nicht gewillt seien, sich in der eine Organisation für dieselben besteht. Die Versammlung er 1. Nein. 2. Geschäfte, Gewerbe, Versicherungen usw. empfehlen wie nicht: Verbesserung der Lage der Arbeiter stören zu lassen durch die Pro- wartet von der Generalkommission eine baldige gründliche Regelung Adressen finden Sie im Adreßbuch. 3. Wenden Sie sich an die Generalpagierung noch unreifer Jdeen. Der Partei sei der Gewerkschafts- der Grenzstreitigkeiten, da sich sonst die Differenzen zwischen den kommission der Gewerkschaften. 9. 9. 15. Ein solches Recht steht tongreß in feiner Weise nahe getreten. Die Angriffe gegen die Berufsorganisationen immer mehr verschärfen und Formen an- Ihrer Tochter nicht zu. K. B. Der Mietsvertragsstempel beträgt bet Stellungnahme des Gewerkschaftskongresses erklärt Redner aus ver- nehmen, die nur zum Schaden der gesamten Arbeiterbewegung Jahresmieten von mehr als 300 bis 500 Mart: 50 Pf., von mehr als 500 schiedenen Ursachen, z. B. aus der Furcht mancher Parteigenossen, führen müssen. Hierauf berichtete der Rechercheur Kollege Kniebot bis 1000 Mart: 1 Mart, von mehr als 1000 bis 1500 Mart: 1 Mark 50 Pf. usw. G. G. 100. 1. Wer frankenversicherungspflichtig ist, finden daß das Interesse an der politischen Bewegung schwinden könnte, über die Angelegenheit des Pankower Krankenhausbaues. Von der und u. a. ferner daraus, daß die Natur unserer Partei und die Verbandsleitung war der Ausschluß der hierbei in Betracht kommen- Sie S. 450 des in den öffentlichen Bibliotheken ausliegenden Arbeiterrechts argeführt. Es ist unmöglich, die Frage, ob Sie frankenversicherungspflichtig politische Entwickelung Deutschlands es mit sich brächten, daß den Kollegen beantragt worden. Die sich hieran knüpfende Dis- find, zu beantworten, wenn Sie nicht anführen auf Grund welchen Berder Partei Personen zuströmten, die von der Gewerkschafts- fussion gestaltete sich sehr erregt. Die Unruhe wurde schließlich so trages? als was?( Gefinde? Auswärter? Strantenpfleger gewerblicher bewegung keine Ahnung hätten, sich aber berufen fühlten, ihr An- start, daß der überwachende Beamte die Versammlung auflöſte. Arbeiter? Handlungsgehülfe? usw.) Gegen welche Lohnvereinbarung, Sie weisungen zu erteilen usw. usw. Solche Personen seien unter beschäftigt find. 2. Wahrscheinlich würden Sie angenommen. Am Mittwoch wurde die Generalversammlung fortgefeßt. den schreibenden Genossen besonders zahlreich vertreten. Seine Die Angelegenheit, die am Sonntag zu scharfen persönlichen Der Schüler hat, falls nicht auf Gesuch des Vaters Dispens von weiterem Schlußausführungen, in denen er Mary, Engels, Kautsky unter Auseinandersetzungen geführt hatte, ist bereits, wie Karl Heidemann Schulbesuch eintritt, bis zum Schluß des Halbjahres, in das die Vollendung feines 14. Lebensjahres fällt, die Schule zu besuchen. F. M. Daß Streitanderen zitierte, zielten darauf mit ab, nachzuweisen, daß die auch in einem furzen sachlichen Bericht mitteilte, am Montag zwischen den arbeit nicht zu verrichten ist, ist S. 211 des„ Arbeiterrechts" dargelegt. von ihm erstrebte Eroberung der politischen Macht und Umwälzung Beteiligten selbst unter Mitwirkung des Vorstandes geregelt worden. Dortselbst ist das Urteil des Gewerbegerichts Bremen vom 2. Juli 1901 der heutigen Gesellschaftsordnung noch nicht vor der Tür stehe. Die Die Sache selbst war demnach bereits als erledigt anzusehen. Dem- zitiert, auch entgegenstehende Urteile existieren. W. 1. Nein. 2. Ja. ganze politische und ökonomische Situation weise die deutsche gemäß beschloß denn auch die Generalversammlung, nachdem mehrere A. B. C. 1. Ja. 2. Nein: die Beschuldigten haben ihrerseits den Arbeiterklasse auf die Gewerkschaftsbewegung hin. Der Klassenkampf Redner ihre Meinung äußerten und im allgemeinen anerkannt Beweis für ihre Behauptungen zu führen. 3. Nein. 4. 5. Ein Beispiel der Gegenwart spiele sich auf wirtschaftlichem Gebiete ab, und die wurde, daß von beiden streitenden Parteien Fehler gemacht worden für eine Beleidigungsklage und Anleitung für eine solche finden Sie S. 600, 553, 123 des Arbeiterrechts". Berlin 30. 1. In seiner Wohnung kann Gewerkschaften seien feine Träger. Die politische Bewegung sei selbst waren. verständlich auch durchaus vonnöten. Mah werde in den Gewerk- Die polizeiliche Auflösung der Sonntagsversammlung war man keineswegs machen, was man will, sondern muß bei seinem Tun darauf schaften darauf sogar hinweisen müssen. Und wenn die Gewerk- hauptsächlich eine Folge davon, daß ein paar Personen unleidliche nicht nehmen auf das, was die Verkehrssitte erfordert. Im einzelnen lassen sich die hieraus folgenden Folgerungen nicht detaillieren, insbesondere also schaften daran gingen, ihre Position gegenüber dem Unter- Störungen verursachten, und fand statt während Heidemann im nicht angeben, wie lange man Maschinenarbeiten machen darf usw. Es nehmertum zu stärken und alles fernzuhalten, was fie Begriff war, diese Leute aus dem Saal zu weisen. Es ist nun fest- wird als der Verkehrsfitte entsprechend angesehen, daß beim Maschinenähen schädigen könne, so würden damit die Arbeiter für den politischen gestellt worden, daß einer von ihnen nicht Verbandsmitglied war das Geräusch für die tiefer wohnenden Mieter, z. B. durch Gummipfropfen Kampf durchaus nicht unfähig gemacht. Im Gegenteil dürfe man und sich durch ein geliehenes Mitgliedsbuch Zutritt zur Versammlung oder eine Gummidede, erheblich gedämpft wird. Auch außerhalb der Nachtwegen des opferwilligen Eintretens der Personen, was der Gewerk- verschafft hatte. Die Generalversammlung erteilte dem Zweig eit ist diese Rücksicht besonders dann zu nehmen, wenn in der Familie der tiefer Wohnenden sich ein frankes Kind befindet. 2. Ihre Frau ist, falls fie fchaftskampf erfordere, sicher sein, daß diese Arbeiter auch dann fest vereinsvorstand den Auftrag, diese Angelegenheit zu untersuchen. nur für einen Arbeitgeber arbeitet, sowohl franken- wie invalidenversicherungsstehen werden, wenn es gelte, einen politischen Kampf zu wagen. Die Metallarbeiter- Gewerkschaft hielt am Mittwoch im„ Rofen- pflichtig. Jedoch neigt die Rechtsprechung im Gegensatz zu der früheren des Wenn die Situation danach angetan sei, würden die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter ritterlich zu kämpfen, menschlich zu siegen und thaler Hof" ihre Generalversammlung ab. Nachdem Zedler über beroerwaltungsgerichts und Reichsversicherungsamts dazu, umzufonstruieren. 3. Nein. 5. E., Mirbachstraße. Leider nicht. eventuell auch wie Helden zu sterben verstehen. Nach einer Er- die Tätigkeit des Vorstandes berichtet hatte, erläuterte Wiesner die Heimarbeiterin zu einer nichtversicherungspflichtigen Unternehmerin A. K. 43. Sie müssen sich an das Amtsgericht werden. Das Zwed innerung daran, daß man sich am Vorabend des 41. Todestages den Kassenbericht vom 2. Quartal. Die Gesamteinnahme belief sich C: Kleif. Lassalles befinde, schloß Redner mit dem Wunsche, die Zimmerer auf 10 094,53 M., der eine Ausgabe von 4568,23 M. gegenübersteht; mäßigste wäre wohl eine Adoption durch Ihren Mann. Nicht es verbleibt somit ein Bestand von 5526,30 M. An Streit- und Unfallzuschuß steht Ihrem Manne nicht zu. Das Nähere über Unfallzuschuß sollten von neuem geloben: Nicht zählen wir den Feind die Gefahren all Der Bahn, der fühnen, folgen wir Die uns Gemaßregelten- Unterstützung brauchten im abgelaufenen Quartal nur finden Sie S. 355 des in den öffentlichen Bibliotheken ausliegenden Arbeiter3. 100. Wenden Sie sich um Auskunft an die Meeraner Polizei( Lebhafter Beifall.) girta 800 M. ausgegeben zu werden. Mitglieder hat die Organi- rechts. geführt Lassall'. 2. K. 100. Nein. P. 78. Ja, nach Lage des Falles fation in Berlin 934. Es entspann sich hierauf eine ausgedehnte behörde. Es entspann sich eine sehr ausgedehnte Diskussion. für eine Entbindung erachtet. P. 3. in W. Lassen Sie sich Abschrift Petereit rügt, daß die Gewerkschaftskongresse nicht auf demo- Debatte über einen Antrag auf Umgestaltung der Organi- und der Vermögenslage werden 6 bis 30 Mart als angemessenes Entgelt .. 33. 1. Haben fratischem Boden aufgebaut seien. Es sei das reine preußische iation. Bislang trug die Gewerkschaft, obwohl sie dem Gewerk- bes Protokolls erteilen. Das macht etwa 30 Pf. Die Schaftskartell der Lokalorganisationen angeschlossen ist, einen zentra- Sie zu öffentlichem Protokoll sich zur Vaterschaft bekannt oder haben Sie Landtagswahlrecht, wie die Delegationen zustande kämen. Delegierten hätten auch schon öfter ausgesprochen, sie brauchten nur listischen Charakter mit einem Hauptvorstand, an den 75 Proz. der die Möglichkeit der Vaterschaft geschaffen und fönnen nicht beweisen, daß in dem Verbandstage, der sie wähle, Rechnung zu legen. Das feien Beiträge abgeführt werden mußten. Die meisten Redner befürworteten der Empfängniszeit andere dasselbe taten, so haben Sie Alimente zu zahlen, die Hauptfehler, aus denen entstehe, daß sich die Delegierten mit nun eine Wenderung der Organisationsform nach dem Muster der gleichviel ob die Mutter es ablehnt, Sie zu heiraten, oder einen anderen den Mitgliedern in Widerspruch setzten. Ueber die Maifeier könne lokalorganisierten Maurer, Zimmerer usw. auf Grundlage der lofen beiratet, oder ob Sie Soldat find. 2. u. 3. Nein. 4. In der Gerichtsman ja verschiedener Meinung fein. Wenn die heutige Form be- Bertrauensmänner- Zentralisation mit einer Geschäftskommission als schreiberet. seitigt worden wäre, hätte er sich noch nicht sehr aufgeregt. Er Bindeglied zwischen den einzelnen Ortsvereinen. Grund zu dieser meine, daß trop Maifeier eine Verflachung der Gewerkschaften ge- Aenderung gab, wie die verschiedenen Redner anführten, die nicht kommen fei, wofür er besonders die Neutralität verantwortlich fortzuleugnende Stagnation seit dem fünfjährigen Bestehen der mache. Auch sei man Versicherungsgesellschaft geworden. Gegen den Organisation. Die Versammlung erklärte sich denn auch mit der politischen Massenstreit sprächen gewisse Bedenken. Reimann beantragten Umgestaltung einverstanden und beauftragte den und Snüpfer sprachen in längeren Darlegungen im Sinne des Hauptvorstand, die Angelegenheit auch den übrigen VerwaltungsReferats. Letterer wies besonders zahlenmäßig nach, welche große stellen zur Beschlußfassung zu unterbreiten. Bahl von Kämpfen der Zimmererverband i. Sen legten fünf Jahren . in S. 11. R.54. Wafferstand am 30. Auguft. Elbe bei Auffig 0,30 Meter, bei 1,71 Meter, bei Magdeburg+0,81 Meter. 11 n strut bei Oder bei Ratibor+ 0,90 meter, bei Dresden - 1,78 Meter, Straußfurt+1,20 Meter. Meter. bei Frankfurt+0,78 Weichsel bei Brahemünde Breslau Oberpegel+4,72 Meter, bei Breslau Unterpegel Netze +2,18 Meter. Barthe bei Bosen Meter. Ne te bei Uch Meter. Achtung! Achtung! Sonntag, den 10. September 1905, im Restaurant Karl Großmann ,, Schönholzer Flora", Provinzstr. 6 am Bahnhof Schönholz: Sommerfest** arrangiert vom Radfahrer- Verein Fahr wohl"-Reinickendorf( Ost) ( M. d. A.- R.- B. ,, Solidarität"). Spezialitäten- Vorstellung Reigen- und Kunstfahren Anfang 3 Uhr. Eintritt 20 Pf. Ende? Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pfennig nach. 26/11 Tischler- Verein zu Berlin. E. H. Nr. 89. Zentral- Verband der Maurer. Zweigverein Berlin. Sektion Putzer. in ..Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Bundes " Solidarität“. Touren zum 3. September d. J. 1. Abteilung: früh 62 Uhr nach Wannsee. Start: Bülowstr. 59. Sonntag, 3. September, vorm. 10% Uhr, sen Arminhallen, Kommandantenftr. 20: Gettow, mittags 1%, Uhr nach Mitglieder- Versammlung. Zages Ordnung: 2. Abteilung: Mittags 2 Uhr nach Karlshorst, Hampsch, Familientour. Start: Urbanstraße 1. 3. Abteilung: früh 7 Uhr nach 1. Vortrag des Stadtverordneten Herrn Franz Kotte. 2. Beschlußfassung über verschiedene An- Sandhausen( Waldhaus), mittags träge aus den Bezirken. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder ersucht Die örtliche Verwaltung. J. A.: H. Neumann. Deutscher Metallarheiter- Verband. 199/3 Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Sonnabend, den 2. September, abends 8, Uhr, Melchiorstr. 15: Verfammlung. Tages- Ordnung: Vortrag und Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Prosit Böhmisches Brauhaus. 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Abteilung: früh 7 Uhr nach Buckow, Märkische Schweiz ( Schweizerhaus), mittags 12 Uhr nach Kaulsdorf( Hamann). Start: Andreasplay. Verein Rixdorf 5. Abteilung: früh 7 Uhr nach Philadelphia, 50 Kilometer. Start: Schlesische Brüde. Mittags 2 Uhr Familientour nach Strandschloß, Mitglied des Arbeiter- Rad Am 3. Septemb.: Tour nach Selchow Müggelsee. Start:„ Elysium". fahrer- Bundes Solidarität. bei Storfow früh 8 Uhr. Mittags 6. Abteilung: Mittags 12 Uhr nach 1 Uhr nach Müggelheim. 10. Sept.: Strausberg( Bürgergarten). Start: Bezirkstour nach Neu- Zittau; Start Oderbergerstr. 30, Genossenschaft. 10 Uhr. 17. Sept.: nach Johannis- 7. Abteilung: früh 6 Uhr nach thal, Familientour; Start 2 Uhr. Freienwalde( Radak), mittags 24. September: Schnitzeljagd nach 12 Uhr nach Bernau( Esysium). Mittenwalde, früh 8 Uhr. 1. Oftober: Start: Prenzlauer Allee- DanzigerSonntag, den 3. September 1905, vormittags 92 Uhr, im Gewerk nach Neue Mühle. Bezirksversamm- straßen- Ede. schaftshause, Engel- fer 15, Saal 5: Allgemeine Versammlung der Werkzeugmacher. im Monat, abends 9 Tages Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Maurenbrecher über:" Preußische Industrie: arbeiter im 18. Jahrhundert". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen! Agitiert für recht zahlreichen Besuch dieser Versammlung. lung, 9 Uhr früh. Versammlung der 8. Abteilung: früh 5 Uhr nach 1. Abteilung jeden ersten Dienstag Brandenburg( Volksgarten), mittags im Monat, abends 9 Uhr bei Thiel, 1 Uhr nach Nudow, Bendastr. 52. Bergstr. 151/152. Versammlung der Start: Goßkowsky- Brücke. 2. Abteilung jeden zweiten Dienstag im Monat, Viktoriajäle, Hermann straße 49. Hauptversammlung jeden vierten Dienstag im Monat bei Thiel, Bergstraße. Adtung! Schraubendreher Adtung! Safe willtommen. Sonntag, den 3. September: Besichtigung der Wohlfahrtsausstellung in Charlottenburg. Treffpunkt: 1/2 Uhr im Volkshaus, Rosinenstr. 3, vorn im Restaurant. Die Ortsverwaltung. 122/7 Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Freitag, den 8. Sept., abends 8, Uhr, im ,, Gewerkschaftshause", Engel- Ufer 15( Saal VIII): General- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Lehrerkollegiums und der Revisoren. 2. Schulangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Beiträge werden entgegengenommen. 5/ 1* 26/10 Der Vorstand. Reichels Universal 9. Abteilung: mittags 2 Uhr nach Rudow( Reima). Start: Schilling straße 22, Wiente. Gäste willkommen. NB. Am Sonnabend, den 7. Dtt., findet in der Neuen Welt unser Stiftungsfest statt. Die Mitglieder werden ersucht, schon jetzt in den Abteilungsversammlungen Billetts zu selben Sorge zu tragen. Magenpulver entnehmen und für den Umfaß derbestes magenstärkendes und appetitanregendes Hausmittel, unterstützt und erhöht die Magentätigkeit, regelt die Verdauung u. wirkt vorbeugend gegen Magenleiden, Magenkrampf, Magenverschleimung, Blähungen, Uebelkeit etc. Unerreicht in seiner Wirkung! 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Sedanfeier und Herbstparade nachmittag traten die preußischen Hebammen zusammen, um die in die Schule kommen." Von den Fachschulen für Metall. Gründung eines preußischen Hebammen- Verbandes in die Wege zu arbeiter sagen die Referenten, daß darin wahre Künstler in leiten. Durch das neue Hebammen- Lehrbuch, das für ganz Preußen ihrer Arbeit herangebildet werden. In den Wohnungen der Arbeiter verbindlich ist, ist die Gründung des Verbandes eine Notwendigkeit fanden sie höchste Sauberkeit und Ordnung, auch einen gewissen geworden. Freitag erfolgt dann die Eröffnung des Hebammentages Wohlstand. Ueber die Nahrungsmittel der Berliner Arbeiter fallen diesmal, gegen allen Brauch, auf ein und denselben Tag. durch den Ehrenpräsidenten Regierungs- und Medizinalrat Dr. R. fällen fie folgendes Urteil:„ Wir bemerkten, daß einige NahrungsWer beide für überflüssig hält, wird es zufrieden sein, daß sie Wehmer- Berlin. Es soll die Einführung einer Magimaltage für mittel entschieden teuerer sind als in England, aber daß die so wenigstens in einem Aufwaschen abgetan werden. Die ganz Deutschland erstrebt werden. Auch über die Frage der Haft- arbeitende Bevölkerung unzweifelhaft besser genährt ist. Die werftätige Bevölkerung, die nicht Maulaffen feilhalten mag, pflicht und der Haftpflicht- Versicherung der Hebammen soll ver- Arbeiter erscheinen bei ihrer Tätigkeit zufrieden, ihre Lage ist sondern ihrer Arbeit nachgehen will, hat von Veranstaltungen handelt werden. sorgloser und glücklicher als die unserer Messingarbeiter in solcher und ähnlicher Art so viel Schererei, daß sie jede En Brücke bringt„ Das Gasthaus" eine interessante Darstellung. Da sie wissen die Abfälle und Knochen zu nahrhaften Suppen zu ber Ueber den Neubau der Komischen Oper an der Weidendammer Birmingham. Nichts von den Nahrungsmitteln wird weggeworfen; schränkung mit Freuden begrüßen wird. von ihrer grundsätzlichen Gegnerschaft gegen diese militaristisch- der Bauplatz nur 90 Quadratruten groß ist, so mußte haushälterisch wenden, wie überhaupt Suppe eine tägliche Speise bei ihnen ist. dynastischen Feste"! mit dem Raum umgegangen werden, um allen behördlichen An- Kochen wird nicht in Kochschulen erlernt, sondern die Tochter lernt Verdrießlich ist die Sache aber für die Schuljugend. Ach, Theatergebäude schaffen zu können. Im Parterre befinden sich alle Kleider, Schuhe und Nahrungsmittel werden nicht auf Borg geforderungen entsprechen und ein allen Ansprüchen genügendes es von der Mutter. Die Bezahlung erfolgt immer in barem Gelde; wie schön wäre das gewesen, wenn es bei der anfänglichen außer sieben Eingängen und einer Durchfahrt, die unter der Bühne nommen, sondern gleich bezahlt." Es wird festgestellt, daß das Bestimmung, daß die Parade am 4. September abgehalten hindurchführt, eine Wandelhalle, in deren Mitte die Garderobe liegt, Moabiter Krankenhaus in Berlin einen höheren Durchschnittswerden sollte, sein Bewenden gehabt hätte. Am 2. September und ein Büfett. Außerdem sind zwei Läden im Erdgeschoß unter- preis für die Koſt der Kranken bezahlt als das Allgemeine Krankenfrei wegen Sedanfeier, am 3. September frei wegen Sonntags- gebracht. Das Parkett liegt im ersten Stockwert; über ihm befinden haus in Birmingham. Das Birminghamer Fleisch ist meistens aus ruhe, am 4. frei wegen Herbstparade- das hätte wieder ein- fich die anderen Ränge. Jeder Rang wird von einem Rundgang Neuseeland exportiert und kommt in gefrorenem Zustande an, das mal eine niedliche kleine Bummelperiode gegeben. Unsere umschlossen und hat von beiden Seiten Zugänge. Auf jeder Seite Berliner Fleisch ist beste einheimische Ware. Auch dem Familien. Jungen und Mädel hatten sich in diesem feſtereichen Sommer: Gisen und Stein ausgeführt; 600 Tonnen Gisen sind verbaut, trok- nießt der Berliner Arbeiter in vernünftiger Weise und gewöhnlich befinden sich Büfett, Garderobe usw. Der Bau ist vollständig aus Leben der Arbeiter wird hohes Rob zu teil. Seine freie Zeit gehalbjahr schon so hübsch ans Bummeln gewöhnt, und nun muß dem sieht man keine einzige Säule. Intereſſant ist die Konstruktion mit Weib und Kind zusammen. Von einem Sonntagnachmittag in ihnen noch im letzten Augenblick dieser Wermutstropfen in der Ränge, die auf bis zu 7 Meter hervorragenden freitragenden einem Berliner Biergarten wird folgende ein wenig rosig gefärbte ihren Freudenfelch fallen. Die Umlegung der Parade auf den Eisenträgern ruhen; an ihren Enden sind sie, um das Gegengewicht Schilderung entworfen:" In einem großen Quadrat war ein Spiel2. September hat mit einem Schlage in Berlin über eine zu dem die Balkons belastenden Publikum zu schaffen, mit Zement- platz für die Kinder abgesteckt und mit weichem Sand bedeckt; ein Viertelmillion Unzufriedene geschaffen. Dazu kommt noch die blöcken beschwert. Jeder Träger hat besonders berechnet werden großes Red, Leitern zum Klettern, Barren und andere Turngeräte auf ein volles Hunderttausend zu schäzende Schuljugend der müssen. Alle Plätze haben bei großer Längenausdehnung nur waren zu ihrem Vergnügen angebracht. Eine Militärkapelle ließ Vororte, die ja seit einigen Jahren an Paradetagen gleichfalls geringe Tiefe, wodurch die Zuschauer der Bühne möglichst nahe find. gute Musikstüde hören, und die Musit wurde von den Leuten mit bummeln darf. Die Fußböden der einzelnen Plätze sind nicht nur von hinten nach großem Wohlgefallen und vielem Beifall aufgenommen. Als der born, sondern auch von der Mitte zu den Seiten geneigt, um einen Abend herankam, verschwanden die Kaffeetassen und die Milchgläser, Verdrießlich kann die Verlegung der Parade auf den möglichst guten Ausblick nach der Bühne zu ermöglichen. Zu den die bis dahin die Tische bedeckt hatten, und Biergläser wurden in Sedantag auch für die Berliner Schuldeputation werden. Vor Sicherheitsvorkehrungen gehört, daß durch eine Winde von der langer Reihe statt ihrer hingestellt. Man sollte nun meinen, daß wenigen Tagen erst hat sie den Leitern aller Schulen, der Bühne aus das Dach zu öffnen geht, so daß durch Verschiebung des mit dem veränderten Getränk sich auch Benehmen und Auftreten höheren wie der niederen, eine Rundverfügung überfandt, die Daches ein Luftschach entsteht, der einem Siebentel der Dachfläche der Leute geändert haben sollte; aber nichts dergleichen geschah. Die daran erinnert, daß nach einer älteren Verfügung aus dem entspricht. Am 15. Oktober soll der von der Firma Lachmann gleiche Eintracht, Ruhe und Ordnung blieb vorherrschend. Die Jahre 1874 zum Andenken an den Krieg von 1870/71 in u. 3auber ausgeführte Bau, der etwa 1 100 000 Mark kosten wird, Mädchen und Frauen tranten wohl ebensoviel Bier wie die Männer, jedem Jahre am 2. September der Unterricht ausfallen, aber fertiggestellt fein; am 20. Oftober soll bereits in der 1250 Personen aber alles ging höchst anständig und ehrbar zu, fein gemeines Wikwort, fein lautes Schreien wurde gehört, sondern nur überall lustiges am Vormittag eine Schulfeier abgehalten werden soll. Am fassenden Komischen Oper gespielt werden. Lachen und fröhliches Plaudern. Vormittag?! Da könnte die Schuldeputation sich diesmal ja Auf die Badeanstalt des Berliner Vereins für häusliche Gesundrecht nett hineingeritten haben. Am Vormittag des 2. Sep- heitspflege, W., Steinmetzſtr. 16, feien alle diejenigen aufmerksam tember gibt's in Berlin die Parade zu sehen, wo darf denn gemacht, die Soolbäder zu ihrer Geſundung und Kräftigung beda ein Kind in die Schule genötigt werden! Wir fürchten, dürfen und die hohen Preise in anderen Anstalten nicht zahlen fönnen. Neben Soolbädern werden auch warme Wasserbäder gedaß noch am heutigen Freitag die Schuldeputation durch geben, die von den Aerzten ebenfalls öfter zu Kurzwecken verordnet schleunigste Verfügung des Provinzial- Schulkollegiums darüber werden. Die Anstalt ist Dienstags, Freitags und Sonnabends von belehrt werden wird, um wieviel eine Veranstaltung der Schule, 3 bis 7%, Uhr für Frauen und Kinder( Knaben unter 12 Jahren) und wäre es selbst eine Sedanfeier, hinter einer Parade zurück- geöffnet. Die Aufsicht im Wartezimmer wird von Ehrendamen ge= stehen muß. Wird nicht das Provinzial- Schulfollegium an- führt, den leidenden Frauen beim Baden geholfen, die Kinder werden Heilanstalt in Schlachtensee befindet sich eine große Plakette, die als Eine Erinnerung an Hartleben. In dem Speisesaal einer neuen ordnen, daß am Paradetage, wie schon seit einigen Jahren, beaufsichtigt. Die Preise sind ganz minimale, die sich bei Entnahme Inschrift Otto Erich Hartlebens Verfe über die Neurasthenie trägt. von Abonnements noch ermäßigen. Außerdem werden Freibäder so auch diesmal wieder die Pforten der Schulen geschlossen und Ermäßigungen nur auf ärztliches Attest nach Prüfung der Ver: Sie lauten: Raste nie,- Doch haste nie!- Sonst haste die bleiben müssen? hältnisse gewährt durch den Verein für häusliche Gesundheitspflege, Steinmegstr. 16, Mittwochs, vormittags von 11 bis 1 Uhr oder durch die Leiterin der Anstalt, Frau Sophie Susmann, Ballasstr. 11, Gartenhaus III, Montags, Mittwochs, Donnerstags und Sonnabends, nachmittags von 3 bis 42 Uhr. Die Herren, die in der Schuldeputation zusammensitzen, hätten sich diesen allerneuesten Schulkonflikt ersparen können, wenn sie ein klein bißchen mehr nachgedacht hätten. Wurde die Herbſtparade vom 4. September auf den 2. verlegt, fo mußte die Sedanfeier vom 2. September auf den 1. verlegt werden das hätte ihnen jeder Schuljunge gern und bereit willigst gesagt. Hoffentlich merken sie sich das für das nächste Mal, wenn's wieder so kommen sollte. amts Bom Grundstückswucher. Von dem Steigen der Grundstückspreise in den großen Geschäftsstraßen gibt der Konfektionär" wiederum einige Beispiele. So soll das Haus Jerusalemerstr. 28, Ede Kronenstraße, das vor dreißig Jahren für 100 000 Taler er standen wurde, nunmehr für 1 300 000 M. an Baumeister Heim verfauft werden. Das ehemals Heesesche Grundstück Leipzigerstr. 87, das vor dreißig Jahren 80 000 Taler kostete, ist schon vor einigen Jahren von dem jezigen Besitzer Gugenheim( in Firma Michels u. Co.) für 1 Millionen M. erworben worden und seitdem weiter im Preise gestiegen. Für das 19 Quadratruten fassende Grundstück Leipzigerstr. 113, Ede Mauerstraße, sind 1900 000 m. gefordert worden. Der Bericht liest sich, als ob er geschrieben sei, um die Arbeiterschaft in Birmingham von Lohnforderungen abzuhalten. Seltsam erscheint uns, daß ein gewerkschaftlich organisierter Arbeiter den Unfug mitmacht, höchst oberflächliche Betrachtungen gewissermaßen als Produkte sozialpolitischer Forschungen auszugeben. liner Arbeiter werden die Neuigkeit, daß sie in sorglosem Glück schwelgen, mit gefundem humor aufnehmen. Neurasthenie. Die Ber Ueber die Beobachtung der Sonnenfinsternis liegen noch berschiebene Berichte vor. Die von der Hamburger Sternwarte nach Soukaras( Algerien) entsandte Expedition meldet, daß sie die Sonnenfinsternis bei herrlichstem Wetter in allen Phasen habe gut beobachten können, und daß es ihr gelungen sei, 23 gute photographische Aufnahmen zu erhalten. Es seien große Protuberanzen und spiße Koronastrahlen sichtbar gewesen. Die Beobachtungen der Sonnenfinsternis in Palma auf den Balearen ergaben ein ähnliches Bild der Korona, wie es in den Jahren 1860, 1883 und 1893 beobachtet wurde. Der untere Teil der Sonnenscheibe zeigte keine Protuberanzen, der obere Teil zeigte einige sehr glänzende und andere, durch ihre karminrote Farbe besonders auffallende. Die Luftschiffer de la Baur und Jaubert haben von ihren Ballons aus in Höhe von 2300 Metern die Sonnenfinsternis oberhalb der algerisch- marokkanischen Grenze sehr gut beobachten können. Aus Egypten liegen Nachrichten über sehr befriedigende Resultate vor. Der Ballon Marte" landete gut in der Provinz Burgos, 25 Kilometer von Madrid. Ueber die beiden anderen Ballons mit Professor Peersan- Berlin und Direktor Arcimis- Madrid liegt noch keine Meldung vor. " III. Berliner Medizinalbezirks Dr. Lindemann hat seinen Dienst Der Polizeipräsident gibt bekannt: Der königliche Kreisarzt des angetreten und wird an Wochentagen von 91 bis 11 Uhr im Hause Planufer 88 Sprechstunden abhalten. Ueber Ausschreitungen italienischer Arbeiter berichtet eine Korrespondenz: In der Schönhauser Allee wurden in der Nacht zum 28. August vier Deutsche, der Klempner Mittelstedt, der Hausdiener Tetienborn, der Arbeiter Bohl und der Maurer Riehl durch Revolver schüsse und Meſſerſtiche schwer, Mittelstedt jogar lebensgefährlich verwundet. Die Haupttäter waren der Bementbauunternehmer Johann Drsi und der Arbeiter Rigoli Mazzoni. Dieser wurde in Untersuchungshaft genommen, jener zunächst als Polizeigefangener in ein Strankenhaus gebracht, weil er ebenfalls Messerstiche erhielt und auch sonst von der erbitterten Menge übel zugerichtet wurde. Ecke Unter den Linden und Neue Wilhelmstraße. Der Magistratsberichterstatter schreibt: Bedeutende Umänderungen werden die Straße Unter den Linden und Neue Wilhelmstraße demnächst erfahren. Diese Letztere hat auf der Strecke von der Straße Unter den Linden bis zur Dorotheenstraße nur eine sehr geringe, dem Verkehr nicht genügende Breite. Sie ist in der Nähe der Linden nur 11 Meter und an der Dorotheenstraße sogar nur 101, Meter breit. Zur Verbreiterung der Straße auf ihrer Ostseite um etiva 6 Meter, d. h. also auf ein Maß von durchschnittlich 1634 Meter bietet sich augenblicklich Das Gelände des Joachimsthalschen Gymnasiums in Wilmerseine günstige Gelegenheit, weil der Kaufmann Hermann Schulte dorf, dessen Verlegung jetzt beschlossen ist, wird ohne die Baulichzwecks Verlegung seines Kunstsalons aus dem gräflich Reedernschen geschätzt. Das annähernd die Gestalt eines gleichschenkeligen Dreifeiten von Sachverständigen auf fünf Millionen Mark an Wert Balais, Unter den Linden 1, nach dem Grundstück Unter den Linden 75 eds besibende Grundstück ist nicht ganz 15 Morgen groß und hat an daselbst einen Neubau errichtet. Schulte hat dazu nicht nur dieses der Kaiserallee eine Frontlänge von 330 Metern; auf dem Gelände Grundstück, sondern auch das angrenzende, Unter den Linden 76, Ecke der Neuen Wilhelmstr. 8b, erworben und bietet dieses der erhebt sich an der Kaiserallee das 150 Meter lange Hauptgebäude, Stadt Berlin zum Preise von 200 000 M. unter der Bedingung zum tiefer Seitenflügel anschließt. Außerdem liegen an der Schaperdem sich an seinem Südende ein mit einem Quergebäude versehener Kauf an, daß das ganze Gebäude zur Verbreiterung der Neuen Wilhelmstraße verwandt wird und das Grundstück Unter den Linden 75 straße, dem Fasanenplab und der Meierottostraße noch acht einzelne mit seiner Westseite in die neue Baufluchtlinie auf der Ditſeite der kleinere Gebäude, die teils von Lehrern bewohnt werden, teils Wirtschafts- und Verwaltungszwecken dienen. Bei dem Verkauf Neuen Wilhelmstraße zu liegen kommt. Der Magistrat wird der würde der Fiskus ein vorzügliches Geschäft machen, da der Wert Festsetzung einer neuen Fluchtlinie der Neuen Wilhelmstraße zwischen des Grund und Bodens seit dem Jahre 1880, wo die Anstalt in die der Straße Unter den Linden und der Dorotheenstraße empfehlen. damals noch häuſerleere Gegend verlegt wurde, gewaltig geMit dem Verschwinden des Reedernschen Palais wird also auch das stiegen ist. Schwerinsche Palais dessen Schicksal teilen. Dem Vernehmen nach Nichtsnutige böswillige Alarmierungen der Feuerwehr scheinen haben auch schon Verhandlungen wegen eines Umbaues des Eck- in letzter Zeit zu einer Manie geworden zu sein. In dieser Woche Hauses Unter den Linden 78 am Pariser Platz geschiebt. haben wir bereits über vier derartige Alarme berichtet und schon wieder liegt ein neuer Fall vor. In der Nacht zum Donnerstag Zur Frage der Unterbringung geisteskranker Verbrecher bringt die wurde der öffentliche Feuermelder in der uferstraße zum soeben erschienene Veröffentlichung des königl. Statistischen Landes- zweitenmal böswillig in Tätigkeit gesezt. Glücklicherweise konnte, " Die Heilanstalten im preußischen Staate" einige interessante wie in den früheren Fällen, auch jetzt der Täter auf frischer Tat geBemerkungen. Danach bestehen nun sechs Abteilungen für faßt werden. Diese ist umso unverständlicher, als es sich diesmal geistestrante Verbrecher, nämlich in den Strafanstalten: nicht um einen Dummjungenstreich, sondern um den Fehlgriff eines Berlin, Lehrterstraße, Breslau, Köln, Graudenz, 40 jährigen Mannes handelt, nämlich um den Zimmermann Hermann Halle a. S. und Münster; es stehen hier zur Aufnahme von kleste aus der Vellermannstr. 74/75. Eine plausible Erklärung geisteskranken männlichen Verbrechern im ganzen 297 Bläge zur für seinen Leichtsinn vermochte er bei seiner Festnahme nicht an Geistesstörung verdächtige Gefangene auf, um sie einem Heil- und geben. Jedenfalls wird er aber vom Gericht einen gehörigen Denkzettel bekommen. Beobachtungsverfahren zu unterziehen. Werden sie als geistes= gesund erkannt oder bessert sich ihr Zustand soweit, daß sie ihre Strafe weiter verbüßen können, so werden sie in den„ ges In England ist, wie wir der Boss. 3tg." entnehmen, ein ordneten" Strafvollzug zurückversetzt; sind sie wegen Geistesstörung Büchlein„ Die Meffingarbeiter von Berlin und Birmingham" dauernd strafvollzugsunfähig, so wird der Strafvollzug unter erschienen. Es ist ein Bericht einer Kommission, der ein Fabrikant, brochen und sie werden der gewöhnlichen Irrenpflege über- ein Gewerkschaftler und der Vertreter einer Krankenkasse angehörten wiesen. Die in den Strafvollzug zurückgenommenen werden ver- und die zum genaueren Studium der Verhältnisse in der genannten suchsweise in die Hauptanstalt überwiesen, um hier noch unter Industrie entsandt wurde. Das erste, was den englischen Be- Schlachtvieh, die ohne Gefährdung der sanitären Verhältnisse durch psychiatischer Beobachtung des Anstaltsarztes zu bleiben. Bei vielen obachtern in Berlin auffällt, ist die Sauberkeit der Stadt und ihrer ausreichende Kontrolle sehr wohl möglich ist." Dieser Verbrecher bricht die Geistesfrankheit zeitweilig wieder durch. Bewohner. Es ist klar," so heißt es in der Schrift, daß die Ber- Der Schneidermeister als Kriminalist. Einem hiesigen SchneiderMännliche Strafgefangene aus den Strafanstalten und Gefängnissen liner diese einlichkeit zur Grundlage der Verschönerung ihrer meister nahmen vor einiger Zeit Stadtbahnfledderer Uhr und Kette der inneren Verwaltung( die dem Ministerium des Innern Stadt und aller gesellschaftlichen Einrichtungen gemacht haben. weg. Empört über das Treiben diefer Langfinger, beschloß er, selbst unterstehen) sollen nicht mehr zur Beobachtung ihres Geisteszustandes Vielleicht unterstützt sie ihre Selbstachtung und ihr höfliches Be- einmal den Kriminalbeamten zu spielen, um sie unschädlich zu in die gewöhnlichen Frrenanstalten aufgenommen werden. Der nehmen, das schon zur Erziehung der Jugend dient; wir haben es machen. Wiederholt fuhr er abends rund um Berlin, stellte sich Plößensee- Prozeß hat von neuem die Aufmerksamkeit weitester Streise überall gefunden, und es scheint aufs engste mit ihrer Wesensart schlafend und hoffte, so den Fledderern eine Falle zu stellen. Lange auch auf den entfeßlichen Zustand gelenkt, daß Geisteskranke dem verwachsen zu sein. Es geht von den Beamten aus(!) und dringt umsonst. Endlich hatte er Glück und den gewünschten Erfolg. Auf Strafvollzug in Gefängnissen unterliegen. Die Unterbringung von in die niedrigsten Klassen siegreich ein. Aeußerst überrascht waren dem Schlesischen Bahnhofe stiegen zwei Kerle ein, die sahen, daß er geistestranten Gefangenen in Anstalten außerhalb des Gefängnisses wir von der Reinlichkeit und dem netten Aussehen der Kinder, die allein im Abteil saß und schlief". Bis nach der Warschauerstraße hat die Folge, daß den Gefangenen nach ihrer etwaigen Geſundung auf den Straßen, Höfen und Pläßen spielten. Die Stadtbehörden hin betasteten sie ihn, kniffen ihn sanft in die Beine und kizelten die Zeit ihres Aufenthaltes im Frrenhaus nicht als Strafverbüßung haben auf den Spielplätzen Sandhaufen für die Kleinen auffahren ihn an der Nase. Allen Weckversuchen hielt der Meister aber Stand. angerechnet wird. Um so dringender ist die Forderung, daß für lassen, und diese beweisen, daß sie dieser Freundlichkeit sich durch Daher war er den Fledderern ein sehr geeignetes Objekt." Mit jedes größere Gefängnis eine Frrenabteilung unter Leitung eines psychiatrisch gebildeten Arztes erhält. Es bedarf der einschneidensten artiges und passendes Betragen würdig zeigen können, denn zwischen der größten Ruhe knüpften fie ihm seine Uhr und" Rette ab. In den fünfzig oder sechzig Kindern auf einem Sandhaufen kam keine diesem Augenblick aber sprang der Schlafende" auf und packte mit Reformen, um die schwersten Schäden des heutigen Strafvollzuges Ungehörigkeit vor. Wir besuchten dann eine Voltsschule in der jeder Hand einen der Spigbuben. Zu seiner Unterstüßung famen auch nur zu mildern, geschweige denn zu beseitigen. Rigaerstraße, auf der ärmere Leute wohnen. Wir fahen tein aus dem Nebenabteil zwei Kriminalbeamte herbei, die zufällig die Der vierte deutsche Hebammentag findet zurzeit in Berlin Kind, das schlecht genährt erschienen und zerlumpt verdächtige Szene auf dem Schlesischen Bahnhofe gesehen hatten, ( Kellers Festsäle, Köpenickerstraße) statt. Eine große Zahl von angezogen gewesen wäre. Die Kinder bedürftiger Eltern bekommen und daher rasch ebenfalls umgestiegen waren. Die Ertappten sind Delegierten nimmt an den Verhandlungen teil. Die Vereinigung Kleider und Schuhe von den städtischen Armenpflegern und Wohl die vorbestraften Arbeiter" May Lindemann und Leonhard Graunie, mfaßt 224 Vereine und insgesamt 10 392 Mitglieder. Gestern tätigkeitsvereinen. Sie müssen alle sauber und ordentlich angezogen 122 und 30 Jahre alt. Durch die rosenrote Brille. Eine Protestkundgebung gegen die Fleischnot veranstalteten am Verbandshause. Nach einem Referate des Generalsekretärs Hart Mittwoch die deutschen Gewerkvereine( Hirsch- Duncker) in ihrem mann über das Thema:„ Wer trägt die Schuld und wer die often?", in welchem er das Verhalten der Regierung in der Fleischteuerungsfrage erörterte, tam folgende Resolution zur einstimmigen Annahme:„ Die vom Zentralrat der deutschen Gewerkvereine einberufene große öffentliche Versammlung protestiert mit aller Entschiedenheit gegen die ins endlose gehende gewaltige Steigerung der Fleischpreise, weil diese Preissteigerung keine natürliche, sondern lediglich eine Folge der von der Regierung erlassenen Vieh- und Fleischeinfuhrverbote ist. Diese Verbote bringen es mit sich, daß die große Masse des Volkes einer kleinen Minderheit an sich begüterter Leute einen unerschwinglichen Tribut zollen muß. Die jetzt tatsächlich bestehende Fleischteuerung und Fleischnot bedeutet eine ge= waltige Schädigung der arbeitenden Klassen, deren Lebenshaltung herabgedrückt, deren Gesundheit und Leistungsfähigkeit infolge un genügender Ernährung gefährdet werden. Die Versammlung fordert daher von der Reichsregierung eine unbeschränkte Einfuhr von " Neiche Beute machten Einbrecher, die in der Nacht zum Donners tag dem Konfektionsgeschäft von Simon Westmann in der Ntohrensir. 37 a einen Besuch abstatteten. Waren im Werte von etwa 20 000 Mark fielen ihnen in die Hände, doch ist man ihnen noch nicht auf der Spur. Die Firma baut ihre im Parterre ge lcgenen Geschäftsräume um und diese Gelegenheit haben die Diebe zu ihrem Vorhaben benutzt. Sie hoben die Scheibe einer Glastür kiinstgerecht heraus und gelangten so in die Räume. Hier find sie dann mit großer Sachkenntnis vorgegangen, denn sie nahmen nur die besten und teuersten Kleidungsstücke mit. Merkwürdig ist aber, daß weder der Wächter der Schließgesellschaft, noch verschiedene andere Wächter der Nachbargrundstücke von dem Einbruch gar nichts bemerkt haben, trotzdem die Diebe das gestohlene Gut allem An schein nach auf einem großen Wagen fortgeschafft haben. Einer dieser Wächter beobachtete allerdings zwei verdächtige Männer, die jedenfalls in der Nähe„Schmiere" gestanden haben. Er ließ sich aber mit einem dieser Männer in ein kurzes Gespräch ein und wurde dadurch von dem ganzen Borgang abgelenkt. Wegen vieler Schwindeleien ist ein 26 Jahre alter, aus Bereut m Westpreußen gebürtiger früherer Gerichtsakwar HanS SzymanSki festgenommen worden. Er war im Rheinland Gerichtsaktuar, wurde ober entlassen und verübte nun auf den Namen seines Bruders, eines Oberlehrers, der sich jetzt in Südfrankreich aufhält, die ver- schicdensten Schwindeleien. Unter mehreren falschen Namen wohnte er auch als„Referendar" in Gasthöfen und ging den Wirten mit dem Zimmergeld und der Zeche durch. Bon Berlin aus plünderte er dann die Freunde und Bekannten seines Bruders, indem er sich dessen Bornamen und Titel beilegte und von ihnen unter der Bor spiegclung einer augenblicklichen Verlegenheit Geld schicken ließ. So erschwindelte er Beträge bis zu 250 M. Einer der Betrogenen, der ebenfalls 250 M. geopfert hatte, erfuhr nun, daß der Oberlehrer, dem er das Geld nach Berlin geschickt zu haben glaubte, gar nicht hier, sondern in Frankreich ist. Er fuhr nach Berlin und faßte den Schwindler in dem Augenblick ab, als er wieder eine telegraphisch angekündigte Geldsendung in Empfang nehmen wollte. S. wurde der Kriminalpolizei übergeben und heute mittag dem UntersuchungS- richtet zugeführt. 300 Mark Belohnung hat der kaiserliche Ober-Postdirektor, Ge- heimer Ober-Postrat Vorbeck, soeben wieder für die Ermittelung eines Diebes von Fcrnsprechdraht ausgesetzt. Ein Diebstahl von Vronzedraht ist jetzt in Wilmersdorf entdeckt worden. In der Nacht vom 20. zum 21. August sind in der Brandenburgischen Straße zwischen den Stangen 1 und 2 drei Fernsprechleitungen auf 40 Meter und in der Panlsbomer Straße zwischen den Stangen 3 und 5 sechs Leitungen auf 60 Meter abgeschnitten und gestohlen worden. Das Gelvicht des entwendeten Bronzedrahtes betragt 13 Kilogramm, die Stärke 1,5 Millimeter, der Wert rund 25 M. Unheimlich gestohlen hat der Friseur Kulper, der unter dem Namen Kurt v. Falkenhagen Berlin und die Bororte heimsuchte. Besonders aus Gast- und Schanklvirtschaften nahm er mit, was nicht niet- und nagelfest war, sogar Tischdecken. Eine Menge Schirme und Stöcke und andere Sachen, die er bereits versetzt hatte, liegen noch herrenlos bei der Kriminalpolizei, u. a. einige schöne große Tisch- decken, die meist in weiß mit einem Eichenblatt und zwei Eicheln ge- mustert sind. Bei einem Dnrchbruch mit der Decke schwer verunglückt ist gestern abend um 6 Uhr der Bauarbeiter Rudolf Holzkamp aus der Berliner- stratzc 33 zu Rixdorf. Der Mann suchte im ersten Stock des Neu- baues an der Ecke der Bornholmer- und der Seelowerstraße sein Handwerkszeug zusammen, brach plötzlich mit der Decke durch und stürzte in die Tiefe. Er zog sich schwere innere und äußere Ber- lctzungen zu und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Vater und Sohn erhängt. Eine grausige Tat ist gestern morgen in Friedrichshagen entdeckt worden. Der Berliner Maler Lutze hat in der Nacht zu gestern sich und seinen sechsjährigen Sohn in der verlängerten Kurzestraße in Friedrichshagen an einem Baume er- hängt. Ucbcr den Vorfall wird folgendes berichtet: Als Donnerstag früh die Anwohner in der verlängerten Kurzestratze in Friedrichs- Hägen die Fenster öffneten, bot sich ihnen ein grausiger Anblick. An einer Pappel hing die Leiche eines Knaben. Auf einem unter dem Baume sich hinziehenden Stacheldraht war die Leiche eines Mannes aufgespietzt. Es war der 43 Jahre alte Maler Lutze aus der Fricdrichsbergcrstratze zu Berlin. Das Kind war sein sechsjähriger Sohn Richard. L. hatte in der Stille der Nacht die Tat begangen. An einem Stricke hatte er erst das Kind aufgehängt und dann sich. Die Last war jedoch für den Ast zu schwer, er brach, und der Maler stürzte auf den darunter befindlichen Stacheldrahtzaun. Als die Leichen gestern morgen aufgefunden wurden, waren sie bereits er- starrt. Sofort wurde die Polizei herbeigeholt und die Staatsanwalt- schaft benachrichtigt. Gestern nachmittag wurde an Ort und Stelle durch eine Gerichtskommission eine Untersuchung eingeleitet. Bis dahin blieben die Toten noch in ihrer bisherigen Lage. Der Maler war Witwer. Seine betagte Mutter wohnt in Berlin. Bainmfall. Der Maurerlehrling Bruno Schröder, Frankfurter Allee 70 wohnhaft, ist auf dem Bau Soldinerstr. 2, der von dem Bauunternehmer Magnus aufgeführt wird, gestern nachmittag 5>/z Uhr abgestürzt. Schwerverletzt wurde der Verunglückte in ein Krankenhaus gebracht. Ein großer Kcllerbrand, bei dem zahlreiche Personen stark ge- führdet waren, kam Mittwoch abend gegen 9 Uhr in der K o l o n i e- st r a ß e 20 zum Ausbruch und beschäftigte die Feuerwehr fast zwei Stunden. In den ausgedehnten Kellereien des Hauses lagern viel Brennmaterialien, wie Kohlen, Spähne, Hölzer-c. Auf nicht er- mittelte Weise entstand nun in einem Kellerverschlage deS Seitenflügels Feuer, das erst bemerkt wurde, als eS längst über seinen Herd hinaus war und dichter Qualm den Hof erfüllte. In wenigen Minuten war auch das Treppenhaus in Rauch gehüllt und die zahl- reichen Mieter gerieten in Aufregung, da ihnen jeder Ausweg ab- geschnitten war. AlS die alarmierte Feuerwehr eintraf, ließ daher der leitende Offizier sofort über eine mechanische Leiter hinweg Sappeure in die oberen Stockwerke vordringen, sämtliche Treppen- fenster einschlagen, um dem erstickenden Qualm Abzug zu verschaffen, und die geängstigten Mieter beruhigen. Gleichzeitig wurde der Brand mit mehreren Rohren angegriffen, doch konnte ihm nur lang- sam Terrain abgenommen werden. Erst nach einstiindigem Kampf war die Gewalt des Feuers gebrochen. Der Keller ist zum größten Teil ausgebrannt. Neber die Entstehungsgefahr ist nichts ermittelt. Straßensperrung. Der Kottbuier Damm von der Urbanstraße bis Hasenheide lwestlicher Damm de» Hermannplatzes) wird behufs Umpflastenmg vom 4. September ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Zeugen gesucht. Die Personen, welche am 7. Mai d. I.. abends 10*/� Nhr, an der Ecke der Beuffel- und Sickingenstraße den Konflikt zwischen einem Nachtwächter und einem Militärmusiker beobachtet haben, iverden gebeten, ihre Adresse beim Gastwirt Karl Krämer, Waldeilserstraße 40, abzugeben. Am Bahnhof Ebersstraße wurde am 24. Juni, abends 9 Uhr, ein Arbeiter durch eine Coupötür getroffen und zu Boden ge- schleudert. Die Personen, welche den Vorfall beobachtet haben, werden gebeten, ihre Adresse bei Hermann Butschke, Rixdorf. Schöne- Weiderstratze 23, abzugeben. Fcuerbericht. Neben dem großen Kellerbrande in der Kolonie- straße 20 hatte die Wehr in der Zwischenzeit noch fünf andere Feuer abzulöschen.— In der Leipzigerstr. 115/116 war ein Kabelkasten in Brand geraten; der 19. Löschzug beseitigte die Gefahr.— Möbel, Decken, Kleidungsstücke:c. gingen in der Kesselstr. 20 und in der Liebenwalderstr. 34 in Wohnungen in Flammen anf, während eS in der Wallstr. 63 in einer Küche brannte.— Schließlich wurde die Wehr noch in der Havewergerstr. 10 verlangt. Ivo eine kleine Benzin- explosion erfolgt war.__ am 1. September mit der 69. Aufführung des musikalischen Lustspiels .Die neugierigen Frauen". Die Oper wird in der gleichen Be- setzung, wie bei der Premiere des Werkes, gegeben.— Hartlebcns „Erziehung zur Ehe" und„S i t t l i ch e F 0 r d e r u n g", die im.Lcssing-Theater" am Freitag in Szene gehen, sind von dem Brahmschen Ensemble bisher noch nicht aufgeführt worden, die erste Vorftelliliig beginnt um 7>/z Uhr. die Wiederholungen des Hart- leben-Abends sowie alle anderen Vorstellungen um 8 Uhr.— Albert Bassermann ist von seinem Unwohlsein genesen und spielt in der Nachmittagsvorstellung deS»TraumuluS" am Sonntag die Titelrolle. Die nächste Neuaufführung des„Lessing-TheaterS". die für Mitle September angesetzt ist, wird ein zweiaktiges Schauspiel des Grafen Eduard v. Keyserling„Beniguens Erlebnis", sowie Hauptmanns „Hannelc" in neuer Inszenierung bringen. Anfang Oktober folgt Hermann Sudennanns Schauspiel„Stein unter Steinen". — Ben Ali Bch hat im Belle-Alliance-Theater sein Gastspiel nochmals verlängert, und zwar bis zum 19. September inkl. Länger kann der Magier nicht in Berlin bleiben, da er nach dem Auslände verpflichtet ist.— Palast-Theater. Am 9. September beginnt das Palast-Theater seine 11. Saison. Herr Direktor Richard Winkler wird in dieser Saison sein Hauptaugeiunerk auf ein ge- diegenes Variötöprogramm richten und hat 12 erstklassige Nummern für den September-Mouat verpflichtet. Dazu ist auch ein vorzüg- liches Schauspielpersonal engagiert, da ebenfalls in dieser Saison Possen und Lustspiele zur Aufführung kommen werden. Theater. Das„Theater des Westens" eröffnet seine diesjährige Spielzeit— die dritte unter Direktion des Intendanten Prasch Vorort- 1>sackricl)ten. Spandau. Das Gerücht von dem angeblichen Geständnisse auf dem Toten bette, welches ein Postbeamter in Spandau abgelegt haben soll und wonach der Betreffende ein Mädchen ermordet haben soll, will noch mimer nicht verstummen. Das Geständnis soll sich auf eine Mord- affäre beziehen, die im Jahre 1892 hier großes Aufsehen hervorrief. Damals verschwand aus Spandau ein zwölfjähriges Mädchen, Elsa V a n e ß, die Stieftochter eines daselbst wohnhaften Zigarren arbeiters. Polizeilich ist festgestellt worden, daß das Kind mit einer Spielgefährtin zusammen, der Aufforderung eines Mannes nach- kommend, im Hafen ein Boot bestiegen hatte. Der Begleiter landete das eine Mädchen, welchem die Sache unheimlich wurde und das laut um Hülfe schrie, in der Nähe des Schützenhauses, und fuhr dann mit der kleinen Vaneß weiter. 14 Tage später wurde die Leiche dieses Mädchens auf der Insel Scharfenberg gegenüber Tegel ort aufgefunden. Der Kleinen waren die Hände'mit rhrem eigenen Taschentuche zusammengebunden und ihr außerdem am Unterleibe 'chwere Verletzungen beigebracht worden. Der Tod war infolge Würgens durch Erstickung eingetreten. Obwohl man damals an- nahm, daß der Täter ein Spandauer Bürger sein müsse, zumal das von ihm benutzte Boot ein Privatfahrzeug war, erwiesen sich alle Nachforschungen als vergeblich. ES fanden zwar zahlreiche Sistierungen statt, doch mutzten die verhafteten Personen wieder reigelassen werden. Man glaubt in Spandau, daß die Kriminal Polizei die Untersuchung in der damaligen Mordaffäre wieder auf- nehmen wird. Pankow. Die Unsicherheit in unserem Orte und in dem benachbarten Schloßpark nimmt von Tag zu Tag zu. Vor einigen Wochen gingen mehrere junge Leute, die einem Konzert im Restaurant Strauch- wiese belgewohnt hatten, um 11 Uhr abends durch den Schloßpark, wo sie plötzlich durch eine Anzahl jugendliche Rowdies gestellt wurden, die kategorisch Zigaretten oder Geld ver langten. Den meisten Leuten gelang es zu fliehen, während ein anderer der Konzertbesucher sich durch Zahlung von sünfzig Pfennigen los- kaufte. Ein junger Mann, welcher sich weigerte, den Wegelagerern zu willfahren, wurde unbarmherzig verhaue». Am andern Morgen er- stattete der Ueberfallene Anzeige und bekam am 24. August— ein Strafmandat in Höhe von 2 M. wegen unbefugtem Betretens des Schloßparkes nach 10 Uhr abends. So beugt die Polizei den Ueberfällen vor. Wir fragen: AuS welchen Gründen hat das Hos marschallamt große Stücke des Schloßparkes zu Restaurations- zwecken verpachtet, wenn es den Besuchern dieser Lokalitäten Polizei- lich untersagt ist, die dahinführenden Wege zu beschreiten. Der Ueberfallene hat gegen das Strafmandat Widerspruch erhoben.— Ei» RoheitSakt. Sonntag nacht setzte sich der Postbeamte D. in angetrunkenem Zustande auf eine Treppe des Hauses Florastr. 25 nieder und skandalierte. Ein Mieter des Hauses goß dem An- getrunkenen einen Eimer Wasser über den Kopf, worauf D. aus Wut die Scheibe eines Parterrefenstcrs zerschlug. Er wurde nun von dem Schuhmacher Küster und seinen Söhnen, zu deren Wohnung das Fenster gehörte, dermaßen mißhandelt, daß er einen doppelten Arin- bruch mit Knochensplittcrung und inneren Verletzungen erlitt. Be- wußtloS wurde D. zur Wache gebracht, wo er unverbunden von 3Vz bis 7 Uhr verblieb. Die Entrüstung über die brutalen Mißhand- Handlungen und daS Verhalten der Polizei ist allgemein. Der Miß- handelte wurde erst am Vormittage nach dem Krankenhause Friedrichs- Hain gebracht._ Vermilcbres. Reußisch-deutsche Sittlichkeit. Wie duodezfürstliche Scherze aus vormärzlicher Zeit muten Gesetze und Bestimmungen an, mit denen die Bevölkerung einzelner Bundesstaaten noch drangsaliert werden darf. DaS gottbegnadete Fürstentum Reuß ä. L. ist unter der segensreichen Regierung «r. fürstl. Hoheit Heinrich XX. im Jahre 1854 mit einem solchen Gesetze beglückt worden, dessen bloße Existenz unsittlich, dessen Anwendung im Jahre 1905 aber ein schreiender Hohn auf Menschen- würde, die verächtliche Beschimpfung eines Volkes ist. Wenige Wochen vor ihrer Niederkunst erhielt die Plätterin T. von der fürstlichen Staatsanwaltschaft zu Greiz folgenden Straf- beseht: Auf den Antrag der fürstlichen Staatsanwaltschaft wird gegen Sie wegen der Beschuldigung, es unterlassen zu haben. Ihre außer- eheliche Schwangerschaft, infolge deren Sie in einigen Wochen Ihrer Niederkunft entgegensehen, spätestens im 4. Monat derselben bei der hiesige» Stadtpolizeibchörde zur Anzeige zu bringen,— Ucbertretnng— gegen Z 3, al. 2 des Gesetzes vom 4. Januar 1854, wofür als Beweismittel bezeichnet ist: Zeugnis deS städtischen Schutzmanns Gruschwitz, hier, eine Geldstrafe von neun Mark, und für den Fall, daß dieselbe nicht beigetrieben werden kann, eine Haststrafe von drei Tagen festgesetzt. Zugleich werden Ihnen die Kosten des Verfahrens auferlegt. Dieser Strafbefehl wird vollstreckbar, wenn Sie nicht binnen einer Woche nach der Zustellung bei dem unterzeichneten Gericht schriftlich oder zu Protokoll deS Gerichtsschreibers Einspruch erheben. Die Geldstrafe und die unten berechneten Kosten sind an die hiesige Gerichtskasse, Regentenplatz Nr. 11, Zimmer 13, binnen einer Woche nach dem Eintritt der Vollstreckbarkeit bei Vermeidung der Zwangsvollstreckung zu zahlen. Bei der Zahlung ist dieser Straf- bcfehl vorzulegen oder durch Angabe Ihres Namens und der Ge- schäftSnummer genau zu bezeichnen. Greiz, den 8. Juli 1905. Fürstliches Amtsgericht. Abt. I. gez. I. Arnold. Kostenrechnnu ng. Gebühr für den Strafbefehl. 1,— M. (§ 63 des Gerichtskostengesetzcs) Schreibgebühr......—.10„ t. 2. � uic—______ zusammen 1.10 M Ulli-_ Perantw�Redakteur: Paul Büttner. Berlim Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Track u. Verlags Vorwärts�Buchdruckerei u. Verlagsanstalt7 Paul Singer& Co.. Berlin SV& Danach existiert also in Reuß a. L. aus dem Jahre 1854 ei« , tz, das alle Mädchen, die in außereheliche Schwangerschaft geraten, verpflichtet, ihren Zustand spätestens im vierten Monat der Schwanger- schaft persönlich der hohen fürstlich preußischen Obrigkeit an- zuzeigen. Es ist nur sehr schwer möglich, an diese Tatsache zu glauben, aber es ist so. In dem vorliegenden Falle soll, wie der „Lcipz. Volksztg." mitgeteilt wird, ein junger Greizer Schutzmann diesen verbängniSvolleu Zustand des Mädchens persönlich entdeckt und die Unglückliche zur Anzeige gebracht haben. Da wohl auch in Reuß ä. L. alle Staatsangehörigen vor dem Gesetz gleich sind, so werden unter den Töchtern des Landes, die ihre außereheliche Schwangerschaft an Polizeistelle zu melden haben, gewiß neben Proletarierinuen auch Töchter der ebenso zahlungs- fähigen wie sittlichen Bourgeoisie und der noch sittlichereu Aristokratie dieser Pflicht genügen. Daß man noch wagt, diese Be- slimmung aus dem modernden Aktcnstaub hervorzuziehen, beweist den Uebermut des politischen und geistigen Dunkelmännertums in Deutschland._ Die Cholera. Die Hamburger Polizeibehörde teilt folgendes mit: Am 23. August wurde ein an Lungenentzündung erkrankter russischer Auswanderer in das Krankenhaus St. Georg übergeführt, wo er am 29. August starb. Er war am 27. August aus Rußland mit der Bahn in Hamburg angekommen und in den Auswanderer- .baracken untergebracht worden. Bei der Sektion der Leiche fanden sich Anzeichen für das Vorhandensein von Cholera. Die weitere bakteriologische Untersuchung bestätigte diese Diagnose. Alle er- forderlichenSicherheitsmaßregeln sind getroffen .worden. Die mit ihm in Berührung gekommenen Auswanderer. welche sämtlich gesund sind, sind bis auf iveitercs in der Quarantäne- anstatt in Groden bei Kuxhaven abgesondert worden. Weitere Er- krankungen sind nicht vorgekommen. Anlaß zur Beunruhigung liegt nicht vor. Die„Neiien Westpr. Mitt." melden, daß bei einer am 18. d. M. in Kulm verstorbenen Reifenmachersfrau C h 0 1 e r a bakteriologisch festgestellt worden sei. Außer bei dieser Frau ist in Kulm noch bei zwei Kindern aus denselben Hause Cholera bakteriologisch fest- gestellt worden. Bei einem dritten erkrankten Kinde aus demselben Hause ist die Untersuchung noch nicht abgeschlossen. Gestern ist eine ziveite Frau desselben Hauses choleraverdächrig crkrantt; eine dritte Frau ist an einer choleraverdächtigen Krankheit gestorben. Außer- dem wurden gestern ein vorgestern gestorbener und ein gestern er- kranktet Flößer von oberhalb Kulm in das Kulmer Krankenhaus ein- geliefert. Als choleraverdächtig wurde bei Treul(Kreis Schwetz, West- Preußen) ein Schiffer angehalten und mit anderen Mannschaftennach Graudenz gebracht. Ein bei Böslershöhe unter Cholera- Verdacht erkrankter Flößer ist ebenfalls nach Graudenz gebracht worden. In den Orten P a a r i s und W a r n i k e i m sind einige Er- krankungen und je ein Todesfall unter choleraverdächtigen Er- scheinuugen festgestellt. Ein Regierungskommissar hat sich, der „Rastenburger Zeitung" zufolge, gestern an Ort und Stelle begeben. In dem Dorfe Z a n t 0 ch. das an der Netze und Warthe liegt, ist die Cholera an den inzwischen verstorbenen Flößern Emil Würger und August Meckelnburg festgestellt worden. Heute traf beim hiesigen Landrat die telegraphische Nachricht ein, daß von Weißenhöh ein Flößer unter choleraverdächtiger Erkrankung nach Pollychen ab- geschwemmt sei. Die nötigen Vorsichtsmaßregeln wurden sofort ge- troffen. Sänitliche Badeanstalten in den beiden Strömen wurden sofort geschlossen. Aus Stockholm wird gemeldet: Die Regierung hat beschlossen, wegen der Cholcrafälle in Preußen Quarantäne st ationen auf Fejan bei Stockholm, auf Hestholm bei KarlSkrona und auf Hven zu eröffnen.__ Ein ergötzlicher Wettkampf zwischen den zwei reichsten Eisenbahn- Unternehmungen der Bereinigten Staaten ist entbrannt. Zur Zeit der Chicagoer Weltausstellung ließ die Pennsylvania-Eisenbahn einen „Spezial"-Zug zwischen New Jork und Chicago fahren, der die 1454 Kilometer lange Strecke in 20 Stunden durcheilte. Dies ließ die New Notker Zentralbahn nicht ruhen, auch sie stellte einen Blitzzug ein, der die 89 Kilometer längere Entfernung zwischen beiden Städten(1543 Kilometer) gleichfalls in 20 S t u n d e n durchmaß. Es war ein recht teures Vergnügen, einen dieser Spezialzüge zu benutzen(um etwa drei Stunden Fahrzeit zu sparen). DaS Billett kostete die Kleinigkeit von 3o Dollar— 147 Marl, also etwa 42 Mark mehr als das Expreßzug-Billett. Trotzdem war das Unternehmen auch für die Verwaltungen riesig kostspielig und nichts weniger als rentabel, es schlief daher bald gänzlich ein. Jetzt plötzlich, im Juli dieses Jahres, läßt die Pennsylvaniabahn ihren alten„Spezinlzug" wieder laufen und zwar mit fast a ch t z e h n st ü n d i g e r Fahrzeit! DaS ließ sich die New Aork- Central nicht bieten, sie beantwortete diese„Heraus- forderung" damit, daß sie sofort einen Blitzzug mit der gleichen Fahrzeit einstellen ließ l Ihre Strecke ist ja, wie erwähnt länger. dafür aber ehener als die der Pennsylvaniabahn. Die Züge der letzteren sausen nun, jenseits des Alleghanygebirges, die geneigte Strecke mit einer Geschwindigkeit von 120 Kilometer pro Stunde hinab; denn nur hier kann der Lokomottvführer den beim Ansteigen erlittenen Zeitverlust wieder einholen. Allein diese Geschwindigkeit genügt den modernen Amerikanern noch nicht. Durch die Versuchsfahrten des Siemens- agens auf der Militärbahn, so meint das Organ des Vereins Deutscher Eisenbahn- Verwaltungen, und die Erzielung einer Fahrgeschwindigkeit von 210 Kilometer pro Stunde ist ein Feuerbrand in seine Scele geworfen worden, der nicht früher erlöschen wird, als bis man in Amerika dasselbe erreicht oder den „Rekord" womöglich gebrochen hat. Sicher ist, daß in Amerika weit mehr über diese VeriuchSfahrten gesprochen und geschrieben wird als in Deutschland, und es fft bei der Unternehmungslust und der Tatkraft der Amerikaner keineswegs ausgeschlossen, daß eines TageS die Welt von der Nachricht überrascht wird, es sei dort in die Praxi» übersetzt worden, was in Deutschland nur Versuch geblieben i st.... Entsetzliche Bluttat eincS Wahnsinnigen. Der Glasermeister Linke in Kamcnz(Sachsen) hat heute nacht feine Ehefrau, seine vier Kinder und seine Schwiegermutter mit einem Beil erschlagen und dann das Haus angezündet. Linke ist geistesgestört; er wurde verhaftet. In den Flammen umgekommen. Die„Allensteiner Zeitung" berichtet ans Löbau: In der Nacht zum Freitag brach bei dem Be- ätzet Patalon in Abbau Pronikau Feuer aus, durch welches eine Scheune und ein Stall vernichtet wurden. Ein dort einquartierter Dragoner der Allensteiner Garnison, welcher in der Scheune 'chlief, fand in den Flammen seinen Tod und konnte nur noch als verkohlte Leiche herausgeholt werden. Eine Masscnvergiftung von Männern durch ihre Frauen wurde in einem südungarischen Komitate entdeckt. Die Frauen bezweckten damit, große Versicherungsbeträge zu erheben oder neue Ehen mit früheren Liebhabern einzugehen. Zahlreiche Frauen wurden verhaftet und eine ganze Menge von Leichenausgrabungen angeordnet. Einen eigenartigen Fund machte beim Kartoffelhackcn der Arbeiter Hermann Thiel in Kohlhöhe im Strieganer Kreise. Ihm war im vorigen Jahre- der Glasschrankschlüssel abhanden gekommen; alles Suchen danach war vergeblich. Als er nun vor einigen Tagen auf dem Pachtacker seines Vaters mit Kartoffel-Herausmachen beschäftigt war, fand er den Schlüssel an einer Kartoffel, die durch den Griff des Schlüssels gewachsen war, so daß man diesen nicht entfernen kann, ohne die Frucht zu zerbrechen. Wahrscheinlich ist der Schlüssel mit dem Dünger auf den Acker gekommen. Drei Tage anhaltende Erdstöße haben in den Abruzzen großen Schaden angerichtet. In mehreren Ortschaften sind Häuser, Kirchen und Gerichtsgebäude eingestürzt.