Nr. 205. Abonnements- Bedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter SonntagsBeilage ,, Die Neue Belt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 40 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Wer ist schuld? Sonnabend, den 2. September 1905. fann in Leipzig, wo die Leipziger Volkszeitung" erscheint, so was nicht vorkommen. Gemach! Wie steht es denn mit der Leipziger Gewerkschaftsbewegung, insbesondere mit den Buchdruckern? Sind Die bereits am Sonntag angekündigte„ Aufklärung der falschen die etwa„ besser" im Sinne unseres Dortmunder Parteiblattes Schl ßfolgerungen", die wir aus der Feenpalast- Resolution gezogen als die Berliner Zentraliſten", die ja die Schuld tragen sollen an haben, ist am Donnerstag unternommen worden. Die Vorstände dem Absplittern der„ Lokalisten"? Alle prinzipielle Aufklärung durch der im Gewerkschaftskartell vereinigten Gewerkschaften sind auf Ein- die Leipziger Volkszeitung" hat da nichts gebessert. Ladung ihres Ausschusses zusammengetreten und haben nach längerer Diskussion folgende Erklärung beschlossen: " " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. gezwungen hat, ihr Programm ernster zu nehmen als es zunächst gedacht war. Die Sozialisten haben als treibende Kraft dahin gewirkt, einige der gewichtigsten Programmpunkte, die die Deklarationen der radikalen Kandidaten zierten, zu verwirklichen, vor allem die Trennung von Kirche und Staat, die jahrzehntelang das Renommier= stück des radikalen Glaubensbekenntnisses gewesen war, ohne der Durchführung auch nur um einen Schritt näher zu kommen. Eine solche Verwirklichungspolitik mußte aber zu Konsequenzen führen, die dem radikalen Bourgeois unbehaglich waren. Es ist heute am Ende der Parlamentssession, die von der Kooperation der Linken beherrscht war, also Anlaß und gute Gelegenheit, die Leistungen der Bloc- Politik zu überblicken, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit zu prüfen und auch die Wirkungen zu betrachten, die sie auf die Entwickelung der republikanischen Kräfte und auf die proletarische Bewegung im besonderen geübt hat. Von Friedeberg haben sich ja die Vorstände der KartellDie heute am 31. August 1905 versammelten Vorstände und gewerkschaften insoweit losgesagt, als sie das Wort„ Anarcho- SoziaDelegierten der im Berliner Gewerkschaftskartell bereinigten lismus" formell ablehnen. Sie wollen„ revolutionären" Sozialismus Organisationen erklären, durch Annahme der Resolution vom im Gegensatz zu dem reformerischen, der nach ihrer Meinung die 23. August d. J. feineswegs die revolutionären Bestrebungen der sozial- ganze Partei beherrscht. Sie stimmen ihm aber in der Kritik der demokratischen Partei schädigen zu wollen. Es wird vielmehr Partei unumwunden zu. Und Friedeberg, dessen ideale Absichten nach wie vor ihre Aufgabe sein, die Mitglieder ihrer Organi- wir schäzen, dessen unklares Wollen wir jedoch bedauern und dessen fationen zu lassenbewußten Arbeitern und überzeugten Sozialisten Ansichten wir bekämpfen, fagt: Die Sozialdemokratie hat den Sozia zu erziehen. Die Anwesenden erklären ferner, daß die in bezug lismus aufgegeben. Die Erben des wirklichen Sozialismus find durch das Vorhandensein einer geschlossenen, auf ein festes Programm Unzweifelhaft ist es, daß die Arbeitsfähigkeit des Parlaments auf die Feenpalast- Versammlung im Vorwärts" erschienenen Leitartikel durchaus nicht den Inhalt der Resolution in richtiger die Anarchisten. Die Anarchisten sind es, die auf dem Boden verbundenen Mehrheit ungemein gestärkt war, und daß sie trotz der Weise würdigen, sondern daß dieselbe durch die Artikel eine ein- des Klassenkampfes stehen; sie müssen wir an uns heran- von der Opposition nach Möglichket heraufbeschworenen sensationellen seitige und engherzige Auslegung gefunden hat. ziehen. Der Parlamentarismus ist heut für die Sozialdemokratie Zwischenfälle und trotz der mehr oder minder deutlichen ObstruktionsDie anwesenden Vertreter der im Kartell vereinigten Gewerk nur das Mittel, Macht zu gewinnen. schaften nehmen für sich dasselbe Recht der freien Meinungs- Hererokredite, die von Bebel beantragten Uniformänderungen sind Die Nichtablehnung der versuche eine intensive gesetzgeberische Tätigkeit ermöglicht hat. äußerung in Anspruch, welches den neutralen Verbänden sowie Zugeständnisse an die bürgerliche Gesellschaft. Der gesetzliche Kampf gregationsgeseze folgte auf kirchenpolitischem Gebiete die Trennung. Dem Abschluß der von Waldeck- Rousseau begonnenen Konden Revisionisten in der sozialdemokratischen Partei und Presse ist jetzt ein Hindernis geworden. Wir müssen mehr die psychologische Sie ist in liberalen, die Freiheit des Bekenntnisses und der rituellen gewährleistet ist." Leider ist es mit dieser Erklärung nicht getan. Sie sagt zwar, Attion pflegen. Dem historischen Materialismus, der zum Fatalismus Formen gewährleistenden Bestimmungen durchgeführt, so daß der daß nicht die Absicht bestehe, die revolutionären Bestrebungen der geführt hat, müsse man den historischen Psychismus ent- Kirche kein glaubhafter Vorwand bleibt, die dankbare Märtyrerrolle Sozialdemokratie zu schädigen. Wir haben jedoch schon erklärt, daß gegenstellen usw. Daß Friedeberg, dem Vorbildung und soziale zu spielen. Es wäre verfehlt, die unmittelbaren Wirkungen dieses unsere Kritik sich lediglich an die Resolution gehalten hat und nicht Opfer des„ Vorwärts" ist, wird doch wohl niemand im Ernste bleibt wohl auch noch lange ein verpfafftes Land, in dem die Lage das Studium der wissenschaftlichen Literatur gestatten, ein bedeutenden Gesetzes allzu hoch einzuschäßen. Frankreich ist und an einzelne Straftworte" Friedebergs; auch nicht an die Absichten behaupten." Sind aber etwa die Führer der lokalen Gewerkschaften Religion beim Bauern die Formen rohesten Fetischismus hat und der Veranlasser der Resolution. Heute sind wir jedoch genötigt, auch Opfer des„ Vorwärts"? Sie sind zum größten Teil Leute, die sich bei den besitzenden Klassen einerseits eine starre Konvention, auf das einzugehen, was in der Zusammenkunft gesagt worden ist mit Recht darauf berufen, daß sie seit Jahrzehnten in der Arbeiter- andererseits eine Art Versicherungsprämie gegen revolutionäre und welche Absichten oder vielmehr welche Stimmungen bei den in Frage kommenden Personen vorhanden sind. Wie aus dem an anderer Bewegung stehen, mindestens die Broschürenliteratur der Partei Unfälle und Hagelschläge iſt. Aber es ist doch ein notStelle abgedruckten ausführlichen Versammlungsbericht hervorgeht, halten auch die„ Leipziger Volkszeitung" mit Fleiß lesen. Da ist es denn schritt gefordertes Werk gewesen, dem öffentlichen Bewußtsein tennen, Abonnenten der„ Neuen Zeit" sind und neben der„ Einigkeit" wendiges, zeitgemäßes und von dem gesellschaftlichen Fortdie Vorstände der im Kartell vereinigten Gewerkschaften an der Feenpalast bemerkenswert, daß sie z. B. die Unterscheidung zwischen General den Gedanken einzupflanzen, daß die Religion eine Sache des Resolution fest. Die Aussprache diente auch weniger einer Deklaration der Resolution als vielmehr einer Erörterung darüber, wer schuld streit überhaupt und politischem Massenstreit als Unfinn bezeichneten, Jdividuums und seiner assoziativen Bedürfnisse ist, dem Staate aber der Resolution als vielmehr einer Erörterung darüber, wer schuld die„ graue Theorie" verspotten, auf die Angestellten der Arbeiter- nichts zu geben und nichts von ihm zu empfangen hat. Und es iſt ist. Schuld an vielem. Um es mit einem Wort zu sagen: an den heutigen Zuständen in der Arbeiterbewegung. Aus den dabei organisationen als Ausbeuter der Arbeiter schimpfen, kurzum:„ Die ein Zeugnis eines kraftvollen Fortschreitens, daß die Republik, die ge= äußerten Ansichten eine Gesamtmeinung herauszuziehen, ist nicht ganze Richtung paßt uns nicht." Das einigende Band ist, wie gesagt, sich unter dem Schrecken der Kommune dem„ heiligen Herzen Jesu" Leicht. Nur in einem sind sie alle einig: Grundursache alles die Abneigung gegen die Zentralverbände. Das kann man wohl begreifen, geweiht hatte, in dreißig Jahren zur gesetzlichen Festlegung der Uebels sind die zentralisierten Gewerkschaften. Weiter trägt aber wenn man die unbedeutende Organisation der Lokalorganisierten Konfessionslosigkeit des Staates gelangt ist. Man wird schwerlich die sozialdemokratische Partei im ganzen und in allen ihren Organen Born und Aerger über diesen Klaffenden Gegensatz, über die Erfolg kratie für verloren halten dürfen. mit der gewaltigen Organisation der Zentralverbände vergleicht. die für diese Reform verwendete Zeit im Sinne der sozialen Demodie Schuld daran. Der Parteivorstand, der" Vorwärts" einschließlich losigkeit der eigenen Bewegung gegenüber der anderen, über erlittene der gesamten Parteipresse und ebenso die Masse der organisierten der gesamten Parteipresse und ebenso die Masse der organisierten Niederlagen, persönliche Kränkungen, alles das spricht aus den Reden Genossen nebst ihren Organisationsleitern, schließlich nicht zum der Führer der Lokalorganisationen. Dem eigenen Mißerfolge sollen wenigsten die sozialdemokratischen Theoretiker. Wir finden gerade heut in der„ Dortmunder Arbeiterzeitung" auch eine Auseinandersetzung über die Ursachen der FeenpalastResolution, und wie nicht anders zu erwarten, ist danach neben dem Revisionismus und der" Nurgewerkschaftlerei" im allgemeinen der " Vorwärts" im besonderen die Ursache all des Unheils. Wir zitieren eine Stelle aus diesem Artikel: dann die großen Worte abhelfen und daß man die Schuld bei allen anderen, nur nicht bei sich selber sucht, das ist zwar ein Fehler, aber ein allgemein verbreiteter menschlicher Fehler. wieder zweijährigen Dienstzeit. Die zweite Leistung der Bloc- Majorität war die Einführung der tarismus stellt sie ja keinesfalls dar, wenn sich auch ihre optimiſtiEinen Sieg über den Milischen Lobredner so geberdet haben. Das Prinzip des stehenden Heeres wird darum noch nicht in das des Milizsystems übergeleitet, weil volkswirtschaftliche Notwendigkeiten und militärisch- technische Komkann man allerdings noch immer die Frage aufwerfen, wie die 3000, haben. Immerhin fommt der Sieg über die militärische Routine Wenn es nun so bei den Leitern dieser Bewegung steht, dann binationen die Einschränkung der Dienstzeit ratsam und möglich gemacht oder, wie die„ Einigkeit" behauptet, gar 4000 Versammlungsbesucher und die ungefähr gleichzeitig unter der Ministerschaft Andrés Seit Jahren ist in unserem Blatt vorausgesagt worden, daß es den Ausführungen Friedebergs und der Resolution zustimmen konnten. vollzogene Reform der Offiziersausbildung, die Abschaffung des die gleichen Ursachen in Deutschland auch die gleichen Folgen skäme zunächst auf die Prüfung der Frage an, aus welchen Einjährig- Freiwilligen- Rechtes und die Aufhebung der Heiratskaution nach sich ziehen würden, immer von neuem erhoben wir unsere Glementen die Versammlung bestand. Ob alle Besucher der Ver- der Offiziere der Demokratie zugute. warnende Stimme. Nun haben wir die Bescherung! Mit sammlung Leser des„ Vorwärts" waren, wer weiß das? Ob sie Wenn so der Bloc der demokratischen Politik unverkenn der Unvermeidlichkeit eines Naturgesetzes ist der dumpfen Schwüle Friedebergs Ausführungen alle zugestimmt haben, ist aus der Zu baren Gewinn gebracht hat, so hat er überall dort versagt, wo er der parteipolitischen Atmosphäre die elektrische Gewitterentladung ftimmung zu der Resolution nicht zu folgern, haben doch gerade die den sozialen Reformeifer der besitzenden Klassen antreiben sollte. gefolgt, und es ist wahrhaftig kein Zufall, daß es gerade Urheber der Resolution Berlin ist, dessen Parteileben der Vorwärts" beherrscht, wo das Anarcho- Sozialismus nicht einverstanden sind. erklärt, daß sie mit seiner Idee des Nicht einmal die Steuerreform ist um einen Schritt vorwärts geUnwetter losbrach. Der Vorwärts", dessen journalistisch- technische Daraus, daß bracht, weil der bornierte Eigentumsfanatismus des kleinen Rentners Vorzüge niemand verkennt, hat im Gegensatz zu anderen großen aus der Mitte der Versammlung keine erheblichen Einsprüche ihr entgegensteht. Bei den eigentlichen Arbeiterfragen steht es noch Barteiblättern seit langen Jahren die prinzipiell- sozialistische Auf- gegen Friedebergs Darlegungen erhoben wurden, wird auch noch schlimmer. Die Altersversicherung stedt im Schlamme einer öden flärung seiner Leser in ganz unverantwortlicher Weise vernach- niemand auf positive Zustimmung schließen, da nicht viele Arbeiter Diskussion fest, ein Greisen- und Invaliden- Unterstützungsgesetz ist lässigt, ist so gut wie völlig im Tageskampf, in der Tagespolemit imstande sind, einem wissenschaftlich geschulten Redner in öffentlichen nicht vielmehr als eine geregeltere Armenversorgung. Von sozialaufgegangen, hat kaum etwas in der Aufklärung seiner Leser über Rede entgegenzutreten. politischen Leistungen der verflossenen Session ist nur das Achtdie großen Grundfragen der Arbeiterbewegung, in ihrer prin Das soll natürlich nicht heißen, daß die Annahme der Resolution stundengefeß für den Bergbau bemerkenswert, das im Senat er zipiellen Festigung geleistet. Nachdem der" Borwärts" unaufhör- durch diese Versammlung eine gleichgültige Sache sei, sondern soll heblich verschlechtert wurde. Aller Eifer der Sozialisten stieß sich da lich in überschwenglichen Dithyramben die Bedeutung der bloßen nur zeigen, wie sie möglich war. Es wird Aufgabe der Partei sein, am bornierten fleinbürgerlichen Eigensinn der Radikalen. Stimmenzahl gefeiert und in der Anhäufung von Stimmzetteln durch verstärkte Aufklärungsarbeit den Schaden nach Möglichkeit Weltwenden" erblickt hat, soll er sich nicht wundern, wenn aus So hat sich auch wieder hier gezeigt, daß die Arbeiterklasse mur Widerwillen gegen solche Torheit manche Leute nun das Kind gut zu machen. Bei den Urhebern der Bewegung von der eigenen Kraft etwas zu erwarten hat. Wohl ist eine starke mit dem Bade ausschütten und vom Wählen überhaupt nichts wird aber diese Arbeit erfolglos sein. Hier ist das Hindernis sozialistische Partei imstande, die bürgerlichen Parlamente vorwärts mehr wissen wollen. Die Politik des„ Vorwärts" rächt sich nun die Bwiespältigkeit in der gewerkschaftlichen Organisation. Da zu treiben, aber in der Opposition löst sie mehr Kräfte für die bitter. bilden sich neben den sachlichen Gegensätzen tief wurzelnde, soziale Reform aus, als in einer Koalition, die sie in die Gefahr Wie billig das ist! Wir sind zwar nach vielfach gehörten Be- durch jahrelange Stämpfe verschärfte persönliche Gegensätze und diese des Betrogentverdens namentlich dann bringt, wenn nicht die hauptungen unserer Kritiker fogar in der Geschichte der Partei völlig sind ein schwereres Hindernis der Einigung als der Mangel an Auf- organisierte Masse hinter der parlamentarischen Partei drängend und unerfahren, aber wir erinnern uns doch, daß es in Berlin einmal flärung. So lange innerhalb der modernen Arbeiterbewegung diese prüfend steht. eine Bewegung der Jungen" gab zu der Zeit, als der Vorwärts" organisatorischen Gegenfäße bestehen, solange werden wir immer mit Aber dies eben ist das Unglück der französischen Arbeiternoch gar nicht existierte beziehungsweise eben geschaffen worden war, Schwierigkeiten zu kämpfen haben, wie sie sich jetzt wieder in schärferer bewegung: Mögen vom Standpunkt der allgemeinen Entwickelung wo insbesondere seine heutige Redaktion noch nicht ihre verwässernde" Form gezeigt haben und wofür allerdings die allgemeine politische der Demokratie die letzten Jahre fruchtbringend gewesen sein, so hat Tätigkeit in ihm übte. Diese Bewegung hat mit der jegigen so Situation nicht ohne Bedeutung ist. Die Zwiespältigkeit der gewerk die Klassenorganisation des Proletariats sicher empfindlich gelitten. bieles gemein, daß sogar in der Sigung am Donnerstag aus- fchaftlichen Arbeiterorganisation müssen wir zu überwinden ver- Wir wollen hier von dem Fall Millerand und seinen unglücklichen gesprochen werden konnte, man solle wenigstens persönliche Vor- suchen; damit wird ein schweres Hindernis auch der Aufklärung der Nachwirkungen absehen. Zweifellos hat der Sozialismus dank den würfe unterlassen, damit die Bewegung nicht wie die der Massen beseitigt. glänzenden Individualitäten, die seine Sprecher sind, wichtige Gr " Jungen" am persönlichen Bank zugrunde gehe. Die Protokolle oberungen gemacht, besonders in der niederen Beamtenschaft und der Parteitage bon 1890 und 1891 empfehlen wir für diese Vorbei den Lehrern. Er hat die besten von den jüngeren Kräften der gänge angelegentlich zum Studium. radikalen Demokratie an sich gezogen, sein Einfluß auf den allgemeinen Und die Einigkeit", das Drgan der Freien Vereinigung Geist ist gewachsen, aber zwischen den Massen und der politischen deutscher Gewerkschaften" muß es doch schließlich besser wissen, was Parteiorganisation flafft ein Riß, den zu überbrücken heute kaum sie und ihre Anhänger zu ihrer Stellungnahme veranlaßt. In der möglich erscheint. Die Wortführer der direkten Aktion sind keines. „ Einigkeit" ist alles zusammengetragen, was die einzelnen Führer wegs alle Intriganten und Nichtswisser. Viele von ihnen sind flug, der lokalen Gewerkschaften in der Sizung am Donnerstag der Reihe Die Periode der Koalition der Linksparteien, die mit dem Mi- energisch und ehrlich. Sie haben auch unleugbar manche in die nach geäußert haben. Da sind Bebel und Kautsky," Vorwärts" und nisterium Waldeck- Rousseau angehoben und unter dem Ministerium Augen fallenden Erfolge erzielt, die viele Arbeiter für die Ein ., Leipziger Volkszeitung" und der ganze sozialdemokratische Blätter- Combes ihre stärksten Kräfte entfaltet hat, tann heute als ab- feitigkeit, Inkonsequenz und begrenzte Leistungsfähigkeit ihrer Taktik wald" alles in einem Topf. geschlossen betrachtet werden. Nicht nur Nouvier steuert mit allen blind machen. Der Gegensatz zwischen der Masse der Gewerkschaften Noch ein Wort der" Dortmunder Arbeiterzeitung" gegenüber: Sträften nach rechts; auch die Radikalen haben sichtlich keine Lust und der Partei ist ein furchtbarer Schaden für die Arbeiterbewegung, Sie ist tonsequent. Da in Berlin der Vorwärts" schuld ist, so mehr, das Zusammengehen mit den Sozialisten fortzusehen, das sie den nur die unverrückbar parlamentarischen" Sozialisten bom " Politifche Ueberficht. Berlin, den 1. September. Die Schlußrechnung der Bloc- Politik. Paris, 30. August.( Eig. Ber.) Schlage Gsrault-Nichards, die außer Wstimmungserfolgen nichts weiter im Auge haben, unbeachtet lassen können. Indessen wird voraussichtlich die künftige politische Konstellation durch ihre innere Logik die Verschmelzung der beiden Formen der proletarischen Betätigung vorbereiten. Es ist ein bedeutsames Zeichen der Klärung, wenn ein in der parlamentarischen Politik aufgewachsener Sozialist, wie I a u r e s, dieser Tage geschrieben hat, ihm wäre lieber, die Sozialisten hätten auch nicht ein Mandat im Pariser Gemeinderat, als daß der Zwist zwischen den sozialistischen Gcincindevertretern und der Arbeitskonföderation fortdauere. Wenn die Auflösung der Majorität vollzogen sein wird, werden die von wirklich sozialistischer Gesinnung erfüllten Deputierten, aller parla- mentarischen Konvenienzen entbunden, in der Kraft der Gewerk- schaften ihre Stütze suchen müssen, wenn Sie nicht ein lästiges Anhängsel der bürgerlichen Linken werden wollen. Aber auch die Gewerkschaften werden, einem scharf antiproletarischen Parlament gegenüber, die Notwendigkeit einer politischen Vertretung in den gesetzgebenden Körpern eher begreifen lernen. Der Bloc hat— im Interesse der Sicherung der demokratischen Staatsform— seine Schuldigkeit getan, der Bloc muß gehen, im Interesse der Arbeiter- klasse, wenn sie nicht der Düpierte der neuen Situation werden soll.— Der neue englisch-japanische Bertrag. Nach einer Rcuter-Meldung ist ein neuer japanisch-englischer Vertrag bereits am 12. August abgeschlossen worden. Da der alte, eine fünfjährige Geltungsdauer vorsehende Vertrag am 30. Januar 1902 abgeschlossen worden war, hätte eine Erneuerung noch gute Weile gehabt. Gleichwohl haben sich die beiden Mächte veranlaßt gesehen, schon IVa Jahre vor dem Ablauf des alten Ver- trags ein neues Bündnis abzuschließen, das die gegenseitige Unter- stlltzungsfrage im Kriegsfalle völlig neu regelt. Es ist immerhin auffallend, daß der neue Unterstützungsvertrag bereits vor Abschluß, ja schon zu Beginn der Friedensverhandlungen erfolgte. Offenbar hatten beide Mächte ein Interesse daran, sich die gegenseitige Unterstützung für alle Eventualitäten zu sichern. Für Japan bedeutete der Abschluß des Vertrags die Sicherung gegen ein etwaiges Eingreifen dritter Mächte in den Gang der Friedens- Verhandlungen, also eine Garantie gegen die Wiederholung einer Intervention, wie die vom Jahre 189ö, die Japan um den Preis seiner kriegerischen Erfolge prellte. England seinerseits mutzte daran liegen, die Zeit schleunigst zu nützen, um zu verhindern, daß etwa nach Ab- schluß des Friedens eine neue politische Kombination entstand, daß die beiden bisher kriegführenden Nationen sich allzu sehr näherte», am Ende gar ihrerseits ein Bündnis abschlössen. Wäre doch Japan schlietzlich in der Lage, seinen Verbündeten zu wählen. Es könnte sich mit Nutzland dadurch auf einen freundschaftlichen Fuß stellen, daß es Rußlands Eroberungspolitik in Zentralasien wenn nicht durch direktes Ergreifen der Partei, so doch durch Neutralität begünstigte. Eine derartige Kombination ist ja bereits vielfach als keineswegs unmöglich, bezeichnet worden. Eine solche Politik Japans wäre freilich doch recht kurzsichtig. Denn Nußland würde, selbst wenn es England aus Indien vertrieben hätte, zuletzt doch wieder nach Ost- asien vorzustoßen versuche» und Japan von neuem bedrohen. Japan hätte also, um sich eine kürzere oder längere Periode der Ruhe zu sichern, selbst dazu beigetragen, die Macht seines schlimmsten Rivalen in der gefährlichsten Weise zu stärken. So war es denn natürlich, daß Japan wiederum da Anschluß suchte, wo er am natürlichsten zu suchen war: bei England. England aber hatte gleichfalls alle Ursache, sich so rasch als möglich der wichtigen Bundesgenossenschast Japans auch für die Zukunft zu versichern. Einzelheiten über den neuen Vertrag sind offiziell noch nicht bekannt geworden. Darf man jedoch den bereits in die englische Presse lanzierten Gerüchten Glauben schenken, so hat das Bündnis eine ungemein verschärfte Form angenommen. Während nämlich der Bertrag von 1902 nur dann die beiden Mächte zur militärischen Unterstützung verpflichtete, wenn eine von ihnen in Ostasien in einen Krieg mit zwei Mächten verwickelt werde, so soll jetzt schon diese Unterstützung eintreten, sofern eine der beiden Vertragsmächte auch nur von einer feindlichen Macht angegriffen wird. Wäre der Ver- trag also schon 1902 in dieser Form in Geltung gewesen, so hätte England Japan gegen Rußland Kriegshülfe leisten müssen. Sollte also künftig ein Krieg zwischen England und Rutzland ausbrechen, so wäre Japan zu militärischer Hülfe verpflichtet I Die Hülfe soll vertragsmäßig, wie„Daily Expreß" erfährt, darin bestehen, daß Japan Truppen nach Indien schickt, deren Unterhaltungskosten England zu bestreiten hat. Der Vertrag soll eben dadurch besondere Be- deutung erlangt haben, daß er den status quo nicht nur für O st- asieu, sondern für ganz Asien vom Stillen Ozean bis zum 61 Grad östlicher Länge sichert, also bis nach Persien. Jeder An- griff Rußlands gegen Afghanistan und Tibet würde die Kriegs- erklärung gegen die verbündeten Mächte England und Japan bedeuten I Die politische Bedeutung des Vertrages läßt sich also nicht leicht zu hoch veranschlagen. England und Japan sind zusammen in Asien jeder anderen Kombination gewachsen. Damit scheint nicht nur die Integrität Indiens und Japans, sondern auch die Chinas gesichert zu sein, haben doch weder Japan noch England, da sie kolonial- politisch für absehbare Zeit gesättigt sind, das geringste Interesse an der Aufteilung Chinas, um so mehr jedoch an dem Prinzip der offenen Tür, das ja auch für Amerika dringend wünschenswert ist. An das Verspeisen des chinesischen Kuchens ist daher einstweilen nicht mehr zu denken, so großen Appetit danach auch Rußland, Frank- reich und Deutschland verspüren möchten. Die Position Deutschlands inKiautschou soll, wie ans- drücklich versichert wird, durch den Vertrag nicht angefochten werden. Das ist auch selbstverständlich. Es genügt Japan völlig, eine weitere Ausdehnung Deutschlands in China zu verhindern. Bei der Politik der offenen Tür hat ja Japan von der deutschen Kolonie nur wirtschaftliche Vorteile. Ein Annektionsversuch durch Japan würde auch sofort der Eifersucht Amerikas begegnen, also Konflikte schwerster Art heraufbeschwören, die in gar keinem Verhältnisse zu der Erwerbung dieser deutschen„Pachtung" ständen. Japans Interessen ist dadurch durchaus Genüge getan, daß Deutschland in Ostasien zur Ohnmacht verurteilt ist. Da das aber zweifellos durch den englisch-japanischen Vertrag, der keine vorübergehende zufällige Kombination, sondern ein durch die ganze politische Lage in Asien bedingtes dauerndes Bündnis darstellt, geschieht, so wäre es selbst vom Standpunkte der deutschen„Weltpolitikcr" aus töricht, besondere Aufwendungen für das aussichtslose Pachtgut zu machen und am Ende gar Dutzende von Millionen für Befestigungs« arbeiten auszugeben, wie das geplant war. Jedes Fortsetzen der unseligen deutschen Ostasien-Politik triebe Deutschland nur der Gefahr entgegen, bei einer späteren Generalabrechnung in Ostasien in unabsehbare weltpolitische Händel verwickelt zu werden. •• • Deutrebee Reich. Eine Stadtverwaltung, die nicht fiir Aufhebung der Grenzsperre ist. Mau schreibt uns aus Forst: Die sozialdemokratischen Stadtverordneten zu Forst in der Qwsitz hatten beantragt, Magistrat und Stadtverordnete möchten an die Staatsregiernng petitionieren, um unbeschränkte Zulassung aus- ländischcn Schlachtviehes nach allen Orten Deutschlands, wo durch ausreichende Kontrolle des Schlachtviehes und durch gute Fleisch« beschau Sicherheit gegen Einschleppung von Viehseuchen und an- steckenden Krankheiten geboten ist. Gleichzeitig war dem Magistrat die Resolution einer von mehr als tausend Personen besuchten forster Volksversammlung übermittelt worden, worin der Ober- ürgermeister aufgefordert wurde, bei der Regierung um Aufhebung der Grenzsperren vorstellig zu lverdcn. Der Oberbürger in ei st er erklärte in der Stadtverordneten- Versammlung, er fühle sich zur Entgegennahme der Resolution nicht befugt(l), auch müsse er den Stadtverordneten das Recht b c- st r e i t e n. sich mit dein sozialdemokratischen Antrag zu beschäftigen. weil derartige Anträge nicht zur Aufgabe der Kom- m u n a l v e r w a l t u n g e n gehören. Die Städreordnung lasse nur die Erörterung solcher Fragen von allgemeiner Bedeutung zu, die mit den besonderen Verhältnissen der betreffenden Stadt in gewissem Zusammenhang stünden. Das treffe bei der Fleischteuerung nicht zu, da unter dieser das ganze Land leide. ES möge Stadtverwaltungen geben, welche sich über diese rechtlichen Be- denken hinwegsetzen und diese Gelegenheit benützen, um ihre sozialpolitischen Auffassungen zum Ausdruck zu bringen. Auch sei nicht zu verkennen, daß eine gewisse wegen ihres Schweineglücks bekannte Partei mit der gegenwärtigen durch verfehlte Maßnahmen der Regierung herbeigeführte Fleischnot einen dankbaren Agitationsstoff erhalten habe. Aber gerade weil das ganze Geschrei»ach Aushebung der Grenzsperren nur von dieser Partei ausgegangen sei, möchte er bitten, den ohnehin aussichtslosen Antrag gar nicht erst zur Beratung zuzulassen. Die vorwiegend aus Textilindustricllen zusammengesetzte Mehr- heit der Versammlung war offensichtlich hocherfreut, einen„recht- lichen" Vorwand zur Ablehnung des sozialdemokratischen, also un- angenehmen Antrages gefunden zu haben. Außer den Sozialdemo- kraten stimmten nur zwei bürgerliche Stadtverordnete für Absendung der Petition, so daß diese abgelehnt war. Ein Fabrikant be- merkte noch, wie zur Entschuldigung, wenn man jetzt im Interesse der Arbeiter für Verbilligung desjsFleisches petitioniere, könne man mit dem gleichen oder sogar mit größerem Recht im Interesse der Fabrikanten, von denen die ganze Stadt abhängt s!) für Herab- setzung der teueren Garn- oder Baumwollpreise petitionieren. Ein anderer Fabrikant, ein millionenschwerer Kommerzienrat, meinte: die Fleischteuerung sei zwar bedauerlich, aber„sie würde sich schon bald auf natürliche Weise regeln". Damit war für die selbstlosen Vertreter der vom Fleischmangel außerordentlich hart betroffenen Niederlausitzer Textilinetropole die heikle Frage der Fleischnot erledigt. Wie sehr sie selbst durch ihren Beschluß zur Stärkung der verhaßten Schweineglück-Partei beigetragen, kam natürlich den Neunmalweisen gar nicht zum Be- wußliein. Wenige Tage vorher hatte im Schaufenster eines Forster Fleischermeisters, dem die Berliner Viehzentrale regelmäßige Liefe- rung von Schlachtvieh versprochen hatte, ein Schreiben folgenden Inhalts ausgehangen: „Herrn Schlächtermeister Franz Jurth in Forst. Wir haben nicht die Absicht, nach Forst Schlachtvieh zu liefern, und könnten Ihnen nur empfehlen, sich entweder aus dem Berliner Markte oder aber, wie wir es auch tun, im Lande zu decken. Hoch- achtungsvoll Zentrale für Viehverwertung, E. G. m. b. H. Ernst Ring." Von der Empörung, welche dieses Dokument agrarischer Un- verfrorenheit in der Forster Bevölkerung hervorrief, die durchschnittlich mit weniger als 18 M. Wochenlohn ihr Leben fristen und jetzt das Pfund Fleisch mit einer Mark bezahlen muß, haben die Majoritäts- Vertreter in der Stadtverwaltung sich nicht anstecken lassen. Die Forster Stadtväter sind loyale Staatsbürger und sie denken nicht daran, durch Iluterstützung sozialdemokratischer Anträge sich in den Verdacht oppositioneller Gesinnung zu setzen.— Gegen die Fleischnot. Aus Jena meldet uns ein Privat- Telegramm: Der Gemeinderat beauftragte den Gemeindevorstand, auf dem Thüringer Städtetag am 8. September zu Eisenach energischen Protest gegen die Fleischnot zu beantragen.— Zentrum und Fleischnot. Auf der Tagesordnung der auf Donnerstag anberaumten Sitzung der Stadtverordneten-Versamm- lung in Köln stand als Hauptgegenstand der folgende Antrag: „Die Stadtverordneten-Versammluug ersucht den Herrn Oberbürgcr- meister, eine Eingabe an die zuständige Staatsbehörde zu richten, worin diese ersucht wird, die zur Hebung und eventuellen Ein- schränkung der bestehenden Fleischteuerung erforderlichen Maßregeln zu ergreifen, namentlich die Oeffnung der Grenzen für Schlachtvieh unter Wahrung der notwendigen sanitären Rücksichten in Erwägung' zu ziehen." Aehnliche Anträge sind von Volksversammlungen, von der Schlächterinnung und von den Wirten 7 an die Kölner Stadtverordneten gerichtet worden. In welchem Matze dort die Fleischnot wirkt, geht daraus hervor, daß in Köln bereits dreißig Schlächter ihre Läden haben schließen müssen. Die Erbitterung gegen die von agrarischer und Regierungsseite herausbeschworenen Zustände geht bis tief in die Reihen der Zentrumsanhänger hinein, und alle Welt war gespannt, wie sich die Zentrumsmehrheit des Kölner Rathauses mit dem An- trage, der den Namen des Metzgermeisters und Zentrums- Stadtverordneten Mertens trügt, abfinden werde. Die Kölner ZcntrumS-Stadtverordneten haben es genau so gemacht wie ihre Parteifreunde in Aachen, wo die Sitzung wegen Beschlutzunfähigkeit aufgehoben werden mutzte. In Köln fehlten zwei Stadtväter an der befchlußsähigen Zahl. Mehr als die Hälfte hatte es nicht für nötig gefunden, in der Sitzung zu erscheinen, die sich mit der zurzeit für alle Gemeinden geradezu brennenden Frage der Fleischversorguug befassen sollte. Es ist das erstemal seit zwei Jahren, daß in Köln eine Stadtratssitzung beschlußunfähig ist, und ausgesucht ist es die Sitzung, die sich mit einer der wichtigsten und eiligsten Angelegenheiten der gesamten Einwohnerschaft befassen sollte, und niemand zweifelt daran, daß die Betchlußunfähigkeit von Zentrumsieite mit Fleiß herbeigeführt worden ist. Durch den Oberbürgermeister erfuhr man, daß zwei Zentnnns-Stadtverordnete— genau soviel, wie an der erforderlichen Zahl fehlten— nicht erschienen waren, obwohl sie in Köln weilten. Der eine von beiden, der„Ehrenobermcister" der Wirteinnung, hatte sagen lassen, er werde kommen, wenn Not am Mann sei. Dem Herrn, der der Vertreter der schwer von der Teuerung getroffenen Wirte ist, war also das Erscheinen möglich. Aber als reicher Gast- Hofbesitzer spürt er die Fleischnot ebensowenig wie die anderen wohl- situierten Großen des agrarischen Zentrums.— Der Untcrstaatösekrctär Lohma»» im Handelsministerium ist ge- starben, 74 Jahre alt. Lohmaun war ein sehr frommer Mann, und ehrlicher Bureaukrat. Als Freiherr von Berlepsch Handelsminister war, ivurde Lohmann viel mir den Novellen zu den sozialpolitischen Gesetzen beschäftigt. Hervorragend tätig war er bei der Beratung der Novelle zur Gewerbeordnung 1890 und bei der Novelle zum Krankenversicherungsgesctz von 1892. Er gehörte auch bei Gründung der Kommission für Arbeiterstatistil zu deren Mitgliedern und war dann zweiter Vorsitzender. Als die erste Arbeit: die Erhebungen über die Arbeitszeit in den Bäckereien, soweit abgeschlossen war, daß die Kommission ihre Vorschläge formulieren sollte, entschied sich die Mehrheit für die wöchentliche Regelung der Arbeitszeit, ein Vorschlag, dessen Durchführung einfach unkontrollierbar gewesen wäre. Bevor der Ausschuß, der den Bericht abfassen sollte, mit seiner Arbeit fertig war, kam plötzlich ein von Lohniann, v. Rottenburg und von dem Direktor des Statistischen Amtes v. Scheel ausgearbeiteter Entwurf zu dem Bericht, der statt der Arbeitswoche den Maximalarbeitstag brachte. Als v. Rottenburg aus dem Reichsdienst austrat, wurde Loh- mann Vorsitzender der Komniission für Arbeiterstatistik. Aber er blieb nicht lauge an dieser Stelle. Mit der Sozialpolitik sollte Halt gemacht werden und für das Bremsen eignew sich v. Woedtke und Fleck besi-r. Lohmann blieb zwar unter Brefeld und Möller iiu Handelsministerium, aber im Reichstage und dessen Kommissionen schwieg er. Diese beiden Herren, die mehr die Anschauungen des Zentralverbandes deutscher Industrieller vertreten, haben über Sozialpolitik andere Ansichten, als der streng konservative Lohmann hatte.—_ Des Königs Rock im Dreck. Wir veröffentlichten bereits den im telegraphischen Auszug uns übermittelten Soldatcnbrief über die Kavallerie-Attacken im Sennelager. Aber es lohnt sich, den Brief wörtlich mit- zuteilen. Er lautet— noch der„Augöb. Abendztg."—: „Nun will ich Euch nur auch die letzten Ereignisse auf der Senne schildern. Am 23. hatten wir Divisionsbesichligung durch Se. Majestät den Kaiser; früh 6 Uhr kam er an und begab sich so- fort auf die Senne, wo unsere Division in Brigadekolonne stand. ES wurde sogleich fest losgcrittcn und hauptsächlich Gefechts- bilder gemacht, bei der die reitende Artillerie und Maschinen- gewehr- Abteilung mitwirkte, cS wurden vier Attacken ge- ritten auf feindliche Artillerie und Kavallerie, und ist es da auch wahr, was Ihr schreibt, daß unser Regiment ein Dragonerregiment(Hess. Gardedrag onerregiement Nr. 23) in den Dr. ritt; es ist natürlich, wie Du schreibst, etwas übertrieben. doch ich sah selbst mit eigenen Augen den Regimentskommandeur mit seinem Stabstronipeter in den Kot fliegen. Uns trifft wohl etwas Schuld, es sind uns eben die Pferde etwas scharf geworden, doch den Dragonern ging's ja ebenso, warum ritten sie denn in uns hinein? Wir bekamen beim Appell einen kleinen Raucher, sonst nichts. Uebrigcns hat uns Se. Majestät, den ich erst jetzt als richtigen Reiter- generäl kennen gelernt habe, und unser schneidiges Reiten� sehr gelobt. Lieber Vater, ich kann Dir nur sagen, Se. Majestät ist ein Reiter durch und durch, einen Blick hat er, der einem durch und durch geht; er ist ein paarmal vor mir vorbeigeritten. Als die Uebung beendet, führte er seine Kaiser-Ulanen selbst heim. Im Lager ließ er das Regiment nochmals vorbeidefilieren, und da stand ich ihm gerade gegenüber; hier betrachtete ich ihn ganz genau, er war gerade fünf Schritte vor mir, er sieht aus, wie auf den Bildern, hat auch einen so nach oben gedrehten Schnurrbart und sonnenverbranntes Gesicht. Bloß den Blick bringen sie nicht so aufs Bild, den muß man selbst sehen, ich sage Dir, der geht einem durch und durch." Die Flottenfexe beginnen bereits den Kampf gegen die ge- planten Linienschiffe von 16 000 Tonnen Deplacement. Ihnen ist nämlich dieser Typ noch viel zu klein. So behauptet ein Artikel der„Berliner Neuesten Nachrichten", daß Deutschland, wenn es Linienschiffe von dieser Größe bauen würde, wiederum be- deutend im Hintertreffen bleiben würde. Auch von der Marine gelte der Grundsatz, daß man dem Auslande nicht nur ebenbürtig, sondern auch überlegen sein müßte, deshalb müßten mindestens Linien- schiffe von 13 000oder 19 000 Tonnen gebaut werden? Nachdem glücklich die Verlegung der Vulkanwerft nach Hamburg beschlossen ist, bemüht sich also die Flottenpresse, den Herren Altionären recht fette Profite zuzuschanzen.— Der Rücktritt deS KolonialdirektorS Dr. Stiibel wird von der „Kölnischen Volkszeitung" für den Herbst angekündigt. Stiibel scheide freiwillig aus dem Amte und werde zum Gesandten befördert werden. Zu seinem Nachfolger sei definitiv der derzeittge Gouverneur von Ostafrika Gras Götzen auseriehen. Das Blatt bemerkt ausdrücklich, daß es keine Dementis zu befürchten habe. Die „Deutsche Tageszeitung" erklärt hierzu, daß bis vor kurzer Zeit in kundigen Kreil en von einem solchen Wechsel nichts bekannt ge» weseil sei. Ein Abschiedsgesuch habe Stiibel ihres WiffenS bisher nicht eingereicht. ES handelt sich also wahrscheinlich bis jetzt nicht um feste Entschließungen, sondern höchstens um Wahr- s ch ein lich leiten. Zweifelhaft sei cS. ob Götzen der richtige Mann an dem ihm zugedachten Platze sein werde, ob er gewissen Einflüssen und Widerständen gegenüber die notwendige, und wenn es sei» müsse, rücksichtslose Energie werde beweisen können.— Dieser Hieb ist offenbar gegen B ü l o w gerichtet.— Landtagsnachwahl in Württemberg. Stuttgart. 31. August. (Eig. Ber.) Im Oberamt Mergentheim war eine Nachwahl zu vollziehen. Der Bezirk ist zu 40 Proz. katholisch, das Zentrum hat also dort eine sehr einflußreiche Stellung, ohne die tatsächliche Macht über den Kreis erlangen zu können. Es war deshalb so klug, auf einen eigenen Kandidaten zu verzichten und die liebevolle Fürsorge seiner Wähler dem Kandidaten des Bauernbundes zuzuwenden. Dieser, Landwirt Ulshöfer. erhielt daher 2034 Stimmen, während der Gegner, Rcgierungsrat Häffner, den die vereinigten Nationalliberalen und Demokraten aufgestellt hatten, es nur auf 1844 Sttmmen brachte. Auch die Soziald�emo- k r a t i e hatte sich beteiligt, in der Absicht, sich für die nächstjährigen allgemeinen Wahlen im Kreise den Weg zu ebnen. Auf positive Erfolge war von vornherein nicht zu rechnen. Industrie fehlt im Kreise, Organisationeil besitzen wir dort nicht. unsere Presse ist in diesen Winkel noch nicht gedrungen, im Hauptort des Kreises bekamen wir sogar kein Lokal und dennoch brachten wir eS auf 271 Stimmen, während wir bei der letzten Hauptwahl nur ganze 6 Stimmen erhalten hatten. Wir können mit diesem Ergebnis der Wahlagitation eines einzigen Sonntags zuftieden sein. Es ist ein Vorzeichen für die-guten Erfolge, welche uns die schwächliche Haltung des schwäbischen Liberalismus bei den nächstjährigen Landtags- ivahlen in Aussicht stellt.— Schiißvcrletzungen durch Unvorsichtigkeit. Ein Leser schreibt uns: Wer die Verlustlisten von unserem südwestaftikanischen Kriegsschauplatze aufmerksam liest, dem muß ein Umstand besonders auffallen. Ich meine nämlich die Schuß- Verletzungen durch Unvorsichtigkeit, die bei der doch verhältnismäßig kleinen Truppe in ungewöhnlich großer Zahl austreten. Ich habe den französischen Feldzug vollständig mitgemacht, aber nie— ich sage nie— weder in meiner näheren noch weiteren Umgebung einen Unglücksfall durch unvorsichtiges Umgehen mit der Schußwaffe bemerkt. Und hier so zahlreiche Un- sälle. Liegt es nicht nahe, daraus sonderbare Schlüsse zu ziehen? Liegt in dem Zufall vielleicht hier und da Methode, die auf den Ueberdruß, auf die Verzweiflung der Soldaten schließen läßt, oder ist Disziplinlosigkeit und mangelnde Aussicht daran schuld? Oder haben oaS Klima, die Strapazen und der Mangel die Betreffenden minderwertig gemacht? Es wäre jedenfalls am Platze, wenn sich die Regierung einmal über diesen ausfallenden Umstand äußern würde.— Südwestafrikanische Berluste. Feldintendanturrat Dr. Ernst Müller, geboren am 27. Juni 1873 zu Langeness, am 26. August 1905 im Krankenhause Eppendorf bei Hamburg gestorben. Gefreiter Fritz Conradi. geboren am 5. Februar 1882 zu Großaulu- wöhnen, früher im Pionier-Bataillon Nr. 18. am 23. August 1906 in der Krankensannnelstelle GaibeS an Herzschwäche nach Herz- krampf g e st o r b e n.— Hueland. Oesterreich-Ungarn. Eine Liga des allgemeinen Wahlrechts hat sich in Budapest gs- bildet. An der Spitze dieser Liga stehen einige UniversitätS» Professoren; die Mitglieder rekrutieren sich fast ausschließlich aus den Kreisen der Intelligenz: Schriftsteller, Advokaten, Mittclschullehrer, usw. In einem Aufruf, den die Liga erläßt, heißt es u. a.: Ungarn stehe an einem geschichtlichen Wendepunkt; das Schicksal der nächsten Zukunft werde sich jetzt entscheiden. Die Frage sei, ob das Land die im Jahre 1848 begonnene Politik der Rechtsgleichheit und der all- gemeinen Bildung fortsetzen wolle oder ob eS in kurzsichtiger Gleich- gültigkeit die brennenden Anfgaben des modernen Europa übersehen tvolle.— Im übrigen ist die Situation in Ungarn noch die gleiche. Unsere Genossen setzen den Parteien der Koalition gehörig zu und der Ruf des Volles nach dem allgemeinen gleichen Wahlrecht wird immer lauter. Die Unabhängigkeitspartei, die ehemals vorgab, für 1 ohne Unterschied des Alters und Geschlechts. Man schießt in die Gesellschaft unter dem Namen Kalibohrgesellschaft Bergmannsglüc bas allgemeine Wahlrecht und andere Boltsrechte eintreten zu wollen, Fenster, in die Höfe, man dringt in die Wohnungen ein, jeder gegründet, deren Grubenfeld in der Gemarkung Clauen im Kreise zeigt sich als die Verräterin an dem Volke; die ungarische zufällige Passant wird niedergestreckt. Die Verwundeten verbluten, Beine liegt. Kommandosprache ist ihr wichtiger als andere Volfsrechte. Frankreich. Die Strafe der kolonialen Lustmörder ist nach einem Telegramm aus Paris unerhört niedrig aus gefallen. Die Meldung lautet: Paris, 1. September. Der Kolonialminister Clémentel erhielt heute ein Telegramm aus Brazzaville mit der Meldung, daß die wegen an Eingeborenen begangenen Grausamkeiten angeklagten Kolonialbeamten Gaud und Toque zu je 5 Jahren Kerker verurteilt worden sind. " Schweden. Die Auflösung der schwedisch- norwegischen Union. Die Delegierten der beiden Länder sind am 31. August in der schwedischen Stadt Karlstad eingetroffen. Auch viele ausländische Zeitungskorrespondenten sind dorthin gereist. Sie werden ihren Blättern nicht viel über den Gang der Verhandlungen berichten können. Wie das norwegische Dagbladet" schreibt, muß die Algemeinheit auf absolute Geheimhaltung der Verhandlungen gefaßt sein, bis vorläufige oder endgültige Resultate vorliegen. Die im Storthing gefallene Aeußerung, daß das Thing mit dem Gang der Verhandlungen auf dem Laufenden erhalten werden solle, sei mit starker Einschränkung aufzufassen. Sonst würden die Verhandlungen in hohem Grade erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht werden. Damit keinerlei Agitation störend auf den Meinungsaustausch einwirte, sei völliges Schweigen notwendig, und das sei nicht minder im Interesse Norwegens wie Schwedens geboten. Dänemark. Die Angelegenheit ist für das Verhältnis unserer Regierung zu den Großbanken recht charakteristisch. Beide halten darauf, auf freundschaftlichem Fuße mit einander zu verkehren. Der Regierung liegt daran, Old England eine Gefälligkeit zu erweisen, und sie wendet sich vertrauensvoll an die Bankfinanz, die sofort dem Wunsche des geschätzten Gönners nachkommt natürlich unter der Voraussehung, daß die hohe Regierung, wie es im kaufmännischen Jargon heißt, borfommendenfalls zu Gegenleistungen bereit" ist. Ein trauliches Verhältnis. da teine medizinische Hülfe zugelassen wird. Wenn wir es für Deutsche Banken im Dienste der Diplomatie. Auf eine recht nötig finden, werden wir die ganze Stadt vollständig zerstören" interessante Entscheidung des preußischen Oberverwaltungsgerichts sagte der Lodzer General Soutlevert zu der städtischen Deputation, weist die letzte Nummer der wirtschaftlichen Wochenschrift Blutus" die zu ihm gekommen war. Wenn nur einem einzigen hin. Vor mehreren Jahren berief bekanntlich der deutsche Reichsmeiner Soldaten irgend etwas passiert, werde ich die ganze Stadt bankpräsident eine Versammlung der Banknotablen zu sich und legte dem Militär zur Ausplünderung drei Tage lang preisgeben" ihnen nahe, zur Linderung der Hungersnot in Indien einen Teil waren die Worte des Divisionsgenerals Walujew in Bialystok. ihrer Einkünfte zu opfern. Da das in der Zeit war, wo unsere unter folchen Bedingungen treten wir in die Aera des" ton- Politik England freundlich entgegenkam, so glaubten die BankAus folgenden Städten aus dem direktoren sich diesem Wint mit dem Baunpfahl nicht entziehen zu ftitutionellen" Regimes ein. Rahon des Bundes" wird über die Schreckensherrschaft der neu- dürfen. Als nun am Schluß des Geschäftsjahres der Steuerfiskus gebadenen" Verfassungs" regierung nachstehendes gemeldet: Verfassungs" regierung die Bilanzen der Bank revidierte, da fand er, daß diese deutsch- engBialystok. ,, 50 Tote, über 150 Verwundete. Viele Greise, lisch- indischen Almosen vom Betriebsgewinn als Unkosten angezogen Frauen und Kinder getötet. Ein jüdischer Soldat, vor zwei Wochen waren und dadurch der Besteuerung entzogen wurden. Der Fiskus aus der Mandschurei krankheitshalber zurückgekehrt, fand seinen Tod verlangte aber seine Steuer, weil nach seiner Auffassung die Indienauf den Straßen von Bialystok, als er zu seinem tödlich ver- spende nicht als Ausgabe, die im Interesse des Betriebes gemacht wundeten Vater eilte. Alles war vorbereitet. Noch am ist, anzusehen sei. Die Bankdirektoren wandten ein, daß keine Mittwoch, den 9., äußerte sich ein Offizier, daß man am Sonnabend Bank von einiger Bedeutung ohne Schädigung ihres Geschäftsmit den Juden abrechnen werde. Und Sonnabend morgens fagte ein betriebes eine solche Zuwendung verweigern dürfe, die Anregung zu Soldat: Heute werde ich 20 von Euch niederknallen." An der Be- jener Zuwendung habe im höheren Auftrage der Präsident der Reichs erdigung nahmen 15 000 Menschen Anteil; auch viele aus dem bank gegeben. Die großen Bantinstitute seien verpflichtet, durch Bürgertum waren erschienen. Alle Läden waren geschlossen; als solche Zuwendungen unsere Beziehungen zu England zu verbeffern". Zeichen der Trauer ist der allgemeine Streit proflamiert worden; Das Oberverwaltungsgericht hat im Sinne der Bankdirektoren entschieden. auf dem Friedhofe wurden flammende Reden gehalten." Minst. Bei einem Zusammenstoß zwischen den Kosaken mit friedlich spazierenden Arbeitern wurden bis 20 getötet, viele verwundet; eine vieltausendköpfige Menge begleitete die Opfer zu ihrer letzten Ruhestätte. Boraus wurde das Hemd eines Gefallenen, mit seinem Blute getränkt, getragen. Lodz. Eine Versammlung wurde im Walde umzingelt und in dieselbe geschossen. Zwei Tote, 20 Verwundete, einige hundert Ein staatsgefährliches Plakat. In Kopenhagen erschien seit Verhaftete. einiger Zeit ein kleines Anarchistenblatt unter dem Titel„ Skorpionen", Warschau. Bis 350 Verhaftungen sind in der letzten Woche das von der Polizei tonfisziert worden ist. Der letzte Redakteur des vorgekommen. Feierschichten im Kohlenbergbau. Im deutschen Kohlenbergbau Blattes, ein Malergeselle Rasmussen, hat sich auch als KarikaturenWilna. Am Tage der Kriegsgerichtsverhandlung über den zeichner betätigt und lieferte ferner Reklamebilder für Geschäftsleute. Arbeiter Person, am 17. August, der einen Polizeileutnant in Dwinst machen sich die Folgen der rapiden Betriebsvergrößerungen auffallend bemerkbar. Seit Jahren ist die Belegschaft start vermehrt Nun war in einem Herrenkleiderladen in der Desterbrogade ein der- leicht verwundet zu haben beschuldigt wird, wurde der Generalstreik worden. Im Jahre 1904 waren im deutschen Steinkohlenbergbau artiges Meklamebild ausgestellt, auf dem man einen Mann erblickte, proklamiert. An diesem Tage wurden zirka 100 friedlich spazierende 477 937 Arbeiter beschäftigt, 19 000 mehr wie 1903 und gegen 311 233 der über einem auf einem Blod liegenden Sünder die Knute schwang. Arbeiter verhaftet; ein Teil von ihnen wurde nach ihrem Geburts- im Jahre 1896, in welchem die letzte Hochkonjunktur kräftig einsette. Der Erekutor aber sah dem Vater des Prügelgefeßes, orte verbannt, wo sie dem Hunger überliefert sind, die anderen Die Betriebe wurden außergewöhnlich vergrößert; durch umfangdem Justizminister Alberti, ähnlich und neben ihm erblickte wurden ins Gefängnis geworfen. Dann wurde eine große man den Ministerpräsidenten und Pädagogen Christensen, mit musikalische Abendgesellschaft, an der zirka 300 Personen aus der reichere Belegung der Vorrichtungsarbeiten ist die Lieferung von gefalteten Händen dastehend. Der arme Sünder auf dem Block Intelligenz teilgenommen hatten, auseinandergejagt; dabei wurden Kohlen beschleunigt. Obwohl die Zahl der Werke von 357 in 1896 aber lächelte boshaft und aus seinem Munde sah man die Worte viele von den Kosaken verwundet. Sehr oft trifft man jetzt auf der auf 347 im Jahre 1904 zurückging, vermochte doch die bessere Aushervorgehen: Straße Leute mit verbundenem Kopfe. Auf der Arbeiter- nübung der modernen Schachtanlagen das Förderungsquantum außerordentlich zu steigern. Die Betriebe konzentrierten sich, immer " Der Ueberwinder des Prügelgesetes: Schlage börse wüten bestialische Kosatenbanden. nur zu; ich trage Antwerpens Hosen!" neue Förderschächte wurden abgeteuft und in Förderung genommen. Die Folge davon ist nun eine derart gesteigerte Leistungsfähigkeit, daß, während in der Industrie allgemein ein regelmäßiger, teilweise selbst ein sehr flotter Geschäftsgang herrscht, die Kohlengruben noch genötigt sind, Feierschichten einzulegen, um nicht allzu sehr die Kohlenlager zunehmen zu lassen. Dabei nimmt die Förderung absolut erheblich zu, es werden Versandziffern erreicht, die fogar in der Hochkonjunttur 1898 bis 1900 unbekannt waren. Im Ruhrgebiet haben einige Gruben per August zwei Feierschichten eingelegt; nur wenig Schächte haben an allen Tagen voll gefördert. Ausgenommen sind die Hüttenzechen, deren Förderquantum bekanntlich nicht der syndikatlichen Beschränkung unterliegt. Auch in Echlesien, in Sachsen und im linkscheinischen Kohlengrubenbezirk bleibt die Förderung relativ erheblich hinter der Leistungsfähigkeit zurück, wenn auch nicht so enorm wie im rheinisch- westfälischen Becken, wo sich die Zahl der Bergarbeiter von 1896 bis 1904 um mehr als 100 000 Stöpfe vermehrte. Es werden auch wieder Klagen über start gekürzte Gedinge und schlechte Monatslöhne hörbar. Monatslöhne bon 55 bis 70 M. für Hauer sind von der Arbeiterfachpresse notiert worden. Das Nullen wird auf einigen Ruhrgruben immer noch so umfangreich betrieben, daß die Arbeiter dagegen in Belegschafts versammlungen protestieren. Von dieser sonderbaren Reklame für fogenannte" Wagehalshofen hatte Minister Alberti Wind bekommen. Er setzte sich in eine Droschte, sah sich das Bild an und ließ bald darauf den Maler und .Skorpions"-Redakteur verhaften. um was es eine Bobruisk. Die hiesigen Ereignisse sind sehr charakteristisch für die Handlungen der Machthaber. Auf dem Markte ereignete fich eine Schlägerei zwischen jüdischen und christlichen Die ben, wo bei die letzteren verwundet wurden. Da man anfangs nicht wußte, sich handelte, entstand in der Stadt Banit. Die Selbstschutz- Abteilung, die auf dem Markte erschien, machte der Schlägerei ein rasches Ende. Alles war wieder ruhig. Mit einem Male tommt eine Abteilung von Kosaken an, alle betrunken, und fängt mit den Nagaiten und den Säbeln alles niederzuhauen an. Das Bild war so empörend, daß einige Offiziere, die gerade vorbeigingen, sich an den Polizeimeister und Kosakenoffizier wandten und sie auf die ungesetzlichen Handlungen der Kosaken aufmerksam machten. Das geht Sie gar nichts an" war die Antwort des Polizeimeisters. Von den dabei Verwundeten ist ein Arbeiter Gentin in derselben Nacht gestorben. Am Tage feiner Beerdigung war die Stadt wie ausgestorben; alle Läden, Fabriken, Werkstätten waren geschlossen. Vor dem Sarge ging eine bewaffnete " Kampfabteilung", dann wurde der Sarg von jüdischen und christlichen Arbeitern getragen und dahinter ging eine 15 000 föpfige Menge. Auf dem Friedhof wurden neun Reden gehalten. Die Rednertribüne war mit Fahnen geschmückt. Zum russisch- japanischen Abkommen. Tokio, 31. Auguft.( Meldung des Reuterschen Bureaus.) Auf die Nachricht vom Frieden wurde gestern auf dem Gebäude der Zeitung Hochi" die Fahne auf Halbmast gehißt. Alle Blätter mit Ausnahme des„ Kokuarin" beschlossen, auf ihren Redaktionen die Fahnen auf Halbmaft zu hiffen, sobald die amtliche Bekanntmachung vom Friedensschluß erfolge. Ein Artikel des Friedens bertrages foll die Bestimmung enthalten, daß Rußland 150 Millionen en für die Unterhaltung der Kriegsgefangenen an Japan zu zahlen hat. Tokio, 31. Auguft.( Meldung des Reuterschen Bureaus".) Graf Katsura und Marquis Jto erhalten zahlreiche Denkschriften zu gefandt, in denen gegen die Friedensbedingungen, wie diese durch bie Zeitungen veröffentlicht werden, Widerspruch erhoben wird. Das Homel. Seitdem der neue Polizeimeister hier waltet, der in Fehlen jeder Freudenbezeugung ist das hervortretendste Merkmal für seinem berühmten Utas verkündet, daß er jeden„ Demokraten", der Standard- Del- Profite. Die Standard- Del- Gesellschaft hat eine die Aufnahme der Friedensnachricht durch das japanische Volt. Die sich auf 50 Schritte feinem Wagen nähern wird, nieder vierteljährliche Dividende von 6 Dollar pro Aktie erklärt, zahlbar am Mehrheit desselben hatte gehofft, daß die Friedensverhandlungen schießen lassen wird, herrscht hier geradezu der Kriegs- 15. September. Im Juni wurde eine Dividende von 9 Dollar ausangesichts der Weigerung Rußlands eine Kriegsentschädigung zu zustand. Die Hooligans überfallen die Einwohner; in gezahlt und im März sogar 15 Dollar. Das ergibt 30 Dollar pro bezahlen, abgebrochen werden würden. Anch die Zeitungen erheben allen Straßen wird geschossen: es gibt schon bis 30 Ver- ftie für die Zeit von neun Monaten. Im vorigen Jahre wurden energisch Widerspruch gegen die Friedensbedindungen. Dschidchi wundete. Besonders erbittert wird der Kampf wegen der in dem gleichen Zeitraum 29 Dollar ausgezahlt. Das Kapital der Schinpo" erklärt, daß solche Friedensbedingungen niemals das Arbeiterbörse geführt, das heißt eine Straße, wo ge- Gesellschaft beträgt rund 100 Millionen Dollar, die Dividende in dem Bolt zufriedenstellen könnten. Mainitschi Schinbun" sagt: Die gewöhnlich nach Feierabend die Arbeiter spazieren gehen, wo Flug- laufenden Jahre soweit also 30 Millionen. An der Spitze der einzige Hoffnung Japans lag in der Aufhebung der Konferenz; Blätter verteilt werden, öfter auch Versammlungen abgehalten werden. Gesellschaft steht John D. Rockefeller, der reichste Mann der Japan, so fiegreich auf dem Schlachtfelde, hat bei den Verhand- Diese Straße ist von 500 Soldaten und Kosaken besetzt. In der Welt, der bei solchen Profiten mit Leichtigkeit für Universitäten und Gegen den andere Institute mit Vorliebe Kirchen lungen eine Niederlage erlitten. Nitschi Nitschi Schinbun" drückt ihre Stadt herrscht eine Banit; viele verlassen die Stadt. einige Millionen- Stif Verwunderung darüber aus, wie dieser Friede geschlossen werden Polizeimeister wurden schon zwei Bomben geworfen, er blieb aber tungen machen kann. konnte, wo alles darauf hindeutete, daß es unmöglich sein würde, unverletzt. Rußland zur Annahme der für Japan notwendigsten Forderungen zu Mohilew. Hier waren auch Zusammenstöße mit Rosaten und bewegen. Das unabhängige radikale Blatt" Jorozu Schinbun" ruft Soldaten, weil die Arbeiter von der Börse auseinander getrieben das Volk zum energischen Vorgehen gegen die Portsmouther Be- werden; im ganzen zwei Tote und einige Verwundete. schlüsse auf und erklärt, daß nur eine schleunige Intervention dieses nationale Unglück abwenden könnte. и Gewerkschaftliches. Schitomir. Am Tage der Kriegsgerichtsverhandlung über Deffentliches Interesse oder Unternehmer- Interesse? Sidortschuk, der den Polizeileutnant Kujarow, die Seele des Schitomirer In Langenbielau hatte ein arbeitswilliger" Maurer vor Petersburg, 31. Auguſt. Die Petersburger Telegraphen- Maffakers getötet hatten, haben die Kosaken besonders gewütet. Ein Agentur" erfährt aus sicherer Quelle, daß die russische und die Offizier tötete ein junges Mädchen, einige wurden verwundet. Die der Frau eines Streifenden ausgespuckt und seine herabjapanische Regierung baldmöglichst nach Austausch der Ge- Gerichtsverhandlung konnte nicht stattfinden. An diesem Tage feßende Tat mit einem Pfui!" begleitet. Der Mann der Frau fangenen gegenseitig die Rechnungen über die Ausgabe für Ver- war im Ortsgefängnis zwischen den kriminellen Verstellte Strafantrag; aber die Staatsanwaltschaft in Schweidnitz pflegung der Gefangenen vom Tage der Gefangennahme bis zu brechern eine Revolte ausgebrochen. Sie verlangten, daß Sidortschut erklärte, daß sie mangels eines öffentlichen Interesses" die beren Tod oder Austausch vorlegen werden. Rußland zahlt an nicht vor ein Striegsgericht, sondern vor ein gewöhnliches Gericht geöffentliche Klage nicht erhebe. Japan den Unterschied zwischen den tatsächlich von Rußland stellt werde. Die Soldaten beschossen das Gefängnis; einer von den In Fällen, wo die Sache umgekehrt war, hat bisher keine und von Japan für den gedachten Zwed verausgabten Inhaftierten wurde getötet, einige verwundet. Die Verhandlung Staatsanwaltschaft die Verfolgung Streitender abgefand erst nach zwei Tagen statt. Sidortschuk wurde um 4 Uhr nachts Portsmouth, 1. September.( Meldung des„ Neuterschen Bureaus".) aus dem Gefängnis abgeholt; selbstverständlich wurde er zum Tode lehnt. Der Schutz der Arbeitswilligen liegt nun lediglich Die Aufstellung des Friedensvertrages geht rasch vonstatten. Pro- verurteilt. Eine Protestimanifestation wurde an diesem Tage ver- im Unternehmer Interesse. Im Angesichte der Tatfeffor v. Martens und der japanische Rechtsbeirat Dennison haben anstaltet, an der 600 bis 700 Personen teilgenommen haben. Nach sache, daß die Staatsanwälte Streifenden gegenüber bisher in zehn von den fünfzehn Artiteln festgestellt, aus denen, wie man dem dieselbe schon beendet war, tamen die Stojaten heran; sie allen Fällen, in denen sie angerufen wurden, ein„ öffentliches annimmt, der Vertrag bestehen wird. Witte hofft, daß der mißhandelten auf bestialischste Weise alle ohne Ausnahme, schoffen in Interesse" vorliegend fanden, muß man wirklich fragen: st Bertrag Dienstag oder Mittwoch unterzeichnet die Menge ohne Warnung, schoffen in die Häuser, in die Fenster. denn öffentliches Interesse" nur identisch mit UnternehmerDer Fabrikant Friedmann wurde bei sich im Hause getötet, viele in Interesse? ihren Wohnungen verwundet. Summen. werde. Die blutigen Tage der Proklamierung der zarischen Verfassung. " Und Berditschew. Während der letzten Manifestation, an der 2-3000 Menschen teilgenommen haben, wurde geschossen; 60 Mann sind ver wundet worden, einer von denselben ist bereits gestorben; viele sind verhaftet worden. # Berlin und Amgegend. Die Arbeiter der Gips- und Zementbranche( Sektion des Maurerberbandes) befaßten sich am Mittwoch mit den bei der Man schreibt uns aus den Kreisen des Bundes": Firma A. Lugino eingeriffenen Mißständen. Wie der SektionsDie russische Konstitution" ist veröffentlicht worden. Das waren also die Vorboten der neuen Aera. Selbst- leiter Fritsch ausführte, hat bei der Firma 2ugino ein Affordwenn es wohl irgendwo naive Leute geben sollte, die dieses Hohn- verständlich wird die zarische Regierung auch mit diesem blutigen system Platz gegriffen, bei dem ein großer Teil der dort beschäftigten parlament als eine Uebergangsform der bureaukratischen Baren- Kreuzzug nur die entgegengesetzte Wirkung erreichen, die sie be- zirka 200 Buber und Puberträger nicht auf den tarifmäßigen regierung in ein konstitutionelles Regime einschäßen würden, so zweckt; statt Furcht und Niedergeschlagenheit einzuflößen, wird Stundenlohn von 85 Pf. fommt. Um sich nun nicht als mindermüßten die Taten der russischen Regierung gerade in den letzten sie nur neuen Haß erwecken und eine tiefe Sehnsucht, mit wertige Arbeiter betrachten zu lassen, greift ein Teil der Puter zu Tagen vor der Veröffentlichung dieser Konstitution" auch diesen der verbrecherischen Clique schneller fertig zu werden, hervor dem zweifelhaften Aushülfsmittel, bie Arbeitszeit zu verlängern. Leichtgläubigen Leuten die Augen öffnen. Kein Tag vergeht jest, rufen. Und gerade die demonstrativen Beerdigungen bald nach diesen Ist es doch vorgekommen, daß Träger morgens bon 5% bis abends wo nicht die Telegraphenagenturen über eine ganze Reihe von Toten schrecklichen Ereignissen, an denen Zehntausende, und zwar viele von 7 Uhr gearbeitet, obschon die neunstündige Arbeitszeit vereinbart und Verwundeten in dem Reiche Bäterchens melden. Bet fließt den unaufgeflärten Arbeitern, teilnehmen, die roten und schwarzen worden ist. Durch dieses Akkordsystem ist die Firma in der Lage, überall, und insbesondere, wie es selbstverständlich ist, in jenen Ge- Fahnen, die dabei getragen, die flammenden Reden, die dabei ge- die Rabibarbeiten teilweise erheblich billiger übernehmen zu können, genden, wo das jüdische Proletariat lebt und sich zum Stampfe erhalten werden, das alles spricht am besten dafür, daß die Absicht wie tariftreue Firmen. Hat sie das Meter gewöhnlichen Rabibpub hoben hat. Allerlei Systeme der Unterdrückung der jüdischen Arbeiter- der Regierung durch solche Maßregeln die jüdische Arbeiterbewegung doch in einigen Fällen um 10 bis 30 f. billiger offeriert, als wie andere Unternehmer dies können. Auch spart die Firma durch das Affordsystem die Ausgaben für Poliere. Mit drei Bautenläufern bewegung wurden angewandt. Zuerst wurden die finsteren und aus: 34 erstiden, durchaus nicht gelingen wird. bewältigt sie die ganze Aufsicht, während sie bei normalem Arbeitsgebeuteten Boltsmassen gegen die Juden aufgehegt; als dies nicht system deren mehrere brauchen würde. Die ganze Arbeitsmethode, in vollem Maße die Hoffnungen der zarischen Regierung erfüllt Hus Industrie und andel. so meinte der Referent, schädige nicht nur das Rabibgewerbe an sich, hatte, wurden zu diesem Zwecke spezielle Organisationen aus dem städtischen Gesindel geschaffen, die sog.„ Schwarzen Banden"; als Gründung neuer Kali- Unternehmungen. In der Kali- Industrie sondern beeinträchtige auch in hohem Maße die Einigkeit unter den aber auch die Schwarzen Banden" dank der Solidarität der christ- tritt neuerdings eine starke Gründungslust hervor. In verhältnis- Arbeitern. Infolgedessen faßte die Versammlung mit allen gegen lichen und jüdischen Arbeitermasse und den vom Bunde" überall mäßig furzer Zeit sind 66 neue Rali- Unternehmungen ins Leben eine Stimme nachstehenden Beschluß: gebildeten starken Selbstschutz Organisationen der Regierung gerufen worden. Und noch scheint es mit den Gründungen nicht zu nicht viel ausrichteten, wurden die Reservisten mobil gemacht, die mit Ende zu sein. So fand z. B., wie die Rhein.- Westf. 3tg." berichtet, Flinten bewaffnet auf die Juden losgelassen wurden, wie z. B. in am 23. b. M. in Hannover die Gründung der Kalibohrgesellschaft Brest, Litowst, Minst u. a. Aber auch diese Mordtaten befriedigten Oldenrode, welche in den Gemeinden Oldenrode, Nienhagen, Blankennicht den Blutdurst der zarischen Regierung, die jetzt zu einem noch hagen, Lutterhausen, Lutterbeck, Kaligerechtsame in Größe von schrecklicheren Mittel griff: es wurden Zusammenstöße mit den 7000 Morgen erworben hat, statt. Das Grubenfeld lieat in der Kosaten und Soldaten provoziert. Dann wird unter irgend Nähe der Gewerkschaft Justus I und markscheidet mit dem der KaliBorwande alles ringsum niedergeschossen, niedergefäbelt, bohrgesellschaft Dortmr 5. Cobarn wurde vos tur em eine neue " „ Die Versammlung sieht in dem Verhalten der Firma, haupts sächlich in der Entlohnung anes Teiles der Puzer mit einem Stundenlohn von 75 bis 85 Pf., einen Vertragsbruch der Firma und hält sich aus diesem Grunde ebenfalls nicht mehr an den Vertrag gebunden. Die Versammlung beschließt deshalb, der Firma folgende Forderungen mit dem Ersuchen zu unterbreiten, bis Sonnabend, den 2. September 1905, Antwort an den Sektionsvorstand gelangen zu laffen. " 1 " " Vom Montag, den 4. September 1905, ab wird die Afford- Zu dem Hauptpunkte der Tagesordnung sprach dann zuerst demokratie abgewichen, sondern diefe bon ihnen. Die arbeit bei der Firma eingestellt und an deren Stelle die Theodor Fischer als Vertreter des Ausschusses des Kartells. Sozialdemokratie stehe nicht mehr auf dem Boden des Bohnarbeit eingeführt. Die angefangene Affordarbeit wird Er erklärte unter anderem, daß sich diejenigen, die der Feenpalast- Sozialismus. Die Erben dieser Auffassung seien die Anarchisten. aufgemessen und der etwa erzielte Ueberschuß am Sonnabend, Resolution zugestimmt hätten, der Tragweite dieser Resolution wohl Es sei jedoch keine Rede davon, eine neue Partei zu gründen. Er den 9. September, ausgezahlt. bewußt gewesen wären. Man habe sich die Wirkung der Resolution selbst, Redner, sei Mitglied des Wahlvereins im dritten Kreife und 2, Die Arbeitszeit beträgt vom Tage ab für sämtliche Buzzer allerdings nicht so eingreifend vorgestellt. Der Vorwärts" denke nicht daran auszutreten, wenn man ihn nicht hinausdränge. und Träger 8½ Stunden pro Tag mit den üblichen Ab- habe seine Vorwürfe ziemlich leichtsinnig erhoben und nicht Meke( Maurer) bemerkte, er habe die Resolution, wie er änderungen bei der kürzeren Tageszeit. den Beweis erbracht, daß von den Vertretern der Re- fie zum erstenmale las, nicht verstanden; er habe sie dann zum 8. Der Stundenlohn beträgt für sämtliche Buber 95 Pf. und für solution leichtfertig gehandelt worden sei. Der Vorwärts" zweiten- und drittenmal gelesen und sich dann ganz damit einvers die Puzerträger 75 Pf. habe sich an den unglücklichen Ausdruck vom„ Anarchosozialismus" standen erklärt. Die Partei solle etwas mehr nach links gedrängt Im übrigen sollen die Bestimmungen, die im neuen Vertrag geklammert, dieses Lieblingsideal des Referenten, und sei zu werden, denn sie habe den Klassenstandpunkt verlaffen. Die vom für 1905/06 mit dem„ Berliner Betonverein" etwa vereinbart anderen Urteilen gekommen, als man sich vorgestellt habe. Dieses Ausschuß vorgeschlagene Erklärung bilde eine Ergänzung der Refowerden, auch für die Firma Lugino u. Co. Gültigkeit haben. Wort habe ihm, dem Redner, und vielen anderen auch nicht gefallen. lution. Wir trennen uns nicht von der Sozialdemokratie", schloß Gebührend kritisiert wurde es in der Versammlung, daß sich Von der Resolution sei nichts zurückzunehmen. Vieles aber hätte der Redner. der Pußer Walter dazu hergegeben hatte, vor dem Gewerkschafts- vermieden werden können, wenn der Vorwärts" sich nicht an jene Schröder( Metallarbeiter) erklärte sich mit der einheitlichen hause Aufstellung zu nehmen, um die Kollegen der Firma Lugino Lieblingsidee Friedebergs geklammert hätte. Nicht Theorie, sondern Kundgebung, wie die vorgeschlagene, einverstanden. Mit dem von dem Besuch der Versammlung abzuhalten. eiserne Notwendigkeit und praktisches Bedürfnis habe zu jener Re- Anarchosozialismus" habe das nichts zu tun. nüglichsten anzusehen sei, müsse näher getreten werden. Gleich das Wort Anarchismus, das Freiheit von allem Zwang bedeute. solution geführt. Der Jdee des Generalstreiks, die als eine der Schäfer( Kürschner) wundert sich über die Abneigung gegen gültig sei es, ob man dafür dieses oder das neue Wort Massenstreit Aus Liebe zu den Zentralverbänden wolle man den Vertretern der anwende. Nicht von heute auf morgen sei eine solche Aktion durch- Lokalverbände einen Strick drehen. In einem Schlußwort sprach sich Fischer nochmals über die zuführen; es gälte, die Idee zu propagieren, und nicht davor zurückzuschrecken. Er sei überzeugt, daß dieser Standpunkt der Stellung des Ausschusses aus. Er wies auf die vom sechsten Wahlrichtige sei. Das Programm der freien Gewerkschaften bleibe kreise geplante Versammlung hin und bemerkte unter anderem: bestehen. Durch die Würdigung der Tatsachen sei man„ Wir waren in der Feenpalast- Bersammlung unfähig zu diskutieren; zu der Ueberzeugung gekommen, daß alle Mittel an- wir haben uns dort durch schwülstige Redensarten übertölpeln lassen. gewandt werden müßten, um zum Ziele zu gelangen. Die parla- Das wird im sechsten Kreise nicht der Fall sein." mentarische Aktion sei aber nicht ganz zu verwerfen und die Hierauf wurde die vom Ausschuß vorgeschlagene Erklärung einsozialistische und gewerkschaftliche Tagesarbeit solle teineswegs auf- ftimmig angenommen bei Stimmenthaltung weniger. hören, sondern noch viel energischer betrieben werden. Der Redner, der ferner noch verschiedene Vorwürfe gegen den Vorwärts", den altersschwachen" Parteivorstand und die neutralen Gewerkschaften richtete, brachte schließlich die im Leitartikel bereits mitgeteilte Erklärung im Namen des Ausschusses in Vorschlag., In dem Bericht des„ Vorwärts" vom Freitag, den 1. September, Juppentas( Bimmerer) äußerte, die Feenpalast- Resolution über die Versammlung der baugewerblichen Hülfsarbeiter bom habe in der schläfrigen Lindenstraße und am ruhebedürftigen Engel- Sonntag, den 27. August, wird unter anderem auch über die unleid. Ufer wie eine Bombe gewirkt". Selbst die Auslassungen der lichen Zustände, welche sich bei Grenzstreitigkeiten mit der Sektion „ Leipziger Volkszeitung" zeigten, wie weit die Partei schon nach der Gips- und Bementbranche, Zentralverband deutscher Maurer, rechts gekommen sei. Der Partei aber mit ihren 3 Millionen Stimmen herausgebildet haben, berichtet. Es wird erwähnt, daß der Sektionskönne doch gar nicht so viel daran liegen, wenn ihr nun die 3000 leiter deren Regelung durch die Berliner Gewerkschaftsfommission von der Feenpalastversammlung verloren gingen. Der Redner warf( muß heißen Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission) abim übrigen dem„ Vorwärts" Lobhudeln der neutralen Gewerkschaften gelehnt habe. Hierauf haben wir zu erklären: daß für uns zur und dergleichen mehr vor. Regelung von solchen Streitigkeiten der§ 5 des zwischen den beiden Dieser Baragraph lautet: Zentralverbänden geschlossenen Kartellvertrages maßgebend ist. Die Rollkutscher und Speditionsarbeiter, die jüngst einen Tarifvertrag mit dem Berliner Spediteurverein abgeschlossen haben, stehen gegenwärtig auch mit allen dem Spediteurverein nicht angehörigen Firmen in Unterhandlung wegen Anerkennung des neuen Tarifs. Mehrere Firmen haben sich mit ihrem Personal bereits auf der Grundlage des neuen Tarifs geeinigt. Es ist jedoch nicht aus geschlossen, daß es schon in den nächsten Tagen bei einigen anderen Firmen, die sich zur Bewilligung bisher nicht verstehen wollten, zum Streit fommt. Die Portefeuiller beschlossen fürzlich, bei allen denjenigen Firmen, die nicht dem Verein Berliner Lederwarenfabrikanten angehören, ebenfalls auf Anerkennung des mit dieser ArbeitgeberVereinigung fürzlich vereinbarten Tarifvertrages zu dringen, widrigenfalls die Arbeit niederzulegen. Zum Streit ist es jedoch noch bei keiner Firma gekommen, weil die Verhandlungen gegenwärtig noch fortgesetzt werden. Sechs Firmen haben den neuen Tarif bereits anerkannt, und es steht zu erwarten, daß auch mit den meisten übrigen Firmen eine friedliche Verständigung zustande Achtung, Buchbinder und Buchbinderciarbeiterinnen! Bei der Firma W. Kämmerer, Kochstr. 67/71, find Differenzen ausgebrochen. Zuzug ist fernzuhalten. fommt. gezahlt. Ortsverwaltung des Deutschen Buchbinder- Verbandes. Deutfches Reich. Erklärung. § 5. Beschwerden des einen Zentralvorstandes resp. des einen Verbandes gegen den anderen sollen in erster Linie den kombinierten Vorständen(§ 1) zur Regelung unterbreitet werden. Beschwerden gegen einzelne Mitglieder oder einen Zweig verein einer anderen Organisation an demselben Orte sollen die in Frage kommenden Zweigvereine nach Möglichkeit unter sich regeln. Im Falle, daß eine Einigung nicht erzielt wird, kann die Beschwerde den Zentralvorständen unterbreitet werden. Dem Vorstand des hiesigen Zweigvereins des Verbandes der baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands ist bekannt, daß auf Grund dieses Paragraphen wegen der umstrittenen Frage zwischen den Vorständen der beiden Verbände und den am Orte beteiligten Personen bereits im Juni d. J. eine Aussprache geplant war. Nur aus Mangel an Zeit ist es den Vorständen nicht möglich gewesen, diese Aussprache bis jetzt herbeizuführen. Warum die hiesigen Bauarbeiter, obgleich die in Betracht kommenden Instanzen zur Sache noch keine Stellung nehmen konnten, den Weg der Oeffentlichkeit beschritten haben, ist uns nicht recht flar. Wir sind der Meinung, daß nach dem derzeitigen Stand der Dinge diese Maßnahmen am ungeeignetsten sind, Differenzen zu erledigen. Wir werden unseren in der Sache eingenommenen Standpunkt, den wir allerdings im Rahmen dieser Berichtigung nicht auseinandersetzen können, solange beibehalten, bis die in Betracht kommenden Instanzen bessere VorDie Breslauer Bauarbeiter, die vor zwei Jahren noch nicht 500 Mann stark organisiert waren, haben es seit dieser Zeit auf berg einverstanden zu sein. Wenn Fischer behauptet habe, es beDannenberger( Metallarbeiter) erklärte, nicht mit Friede2600 Mitglieder gebracht. Sie haben unter diesen Umständen den stehe kein Widerspruch zwischen dem Programm der freien VereiniBeschluß gefaßt, an ihre Arbeitgeber Forderungen zu stellen, da sie gung der Gewerkschaften und der Resolution, so sei das ein Irrtum. bisher recht geringfügig bezahlt wurden. Bescheidenerweise fordern Noch der letzte Kongreß habe ausgesprochen, daß nur unter fie einen Stundenlohn von 35 Pf. Bisher wurden ihnen 32 Pf. engstem Anschluß an das sozialdemokratische Der Streit der Maurer in Langenbielau ist mit einem glatten Arbeiterbewegung getrieben werden könne. Programm eine wirksame Propaganda für die Erfolg der Streifenden beendet worden. In Die Unternehmer be- der Resolution aber werde das Gegenteil gesagt und Friedebergs willigten eine Lohnerhöhung von 29 auf 32 Pf. pro Stunde. Die Rede laufe auf eine Verurteilung des Parlamentarismus sowie der Arbeit wurde sofort wieder aufgenommen. Maßregelungen fanden ganzen Tätigkeit der Partei während der letzten Jahre hinaus. Die nicht statt. Der Kampf dauerte seit dem 2. Juni und ist derselbe Resolution enthalte eine Absage an die Partei und zwar in der von den Streikenden geradezu mußerhaft geführt worden, denn Form, daß fie Parteigenossen beleidige. Er, Redner, habe schon stets ist es ihnen gelungen, die Bemühungen der Meister, Streit- früher, vor Friedeberg, die Generalstreikidee propagiert, allerdings brecher zu beschäftigen, zuschanden werden zu lassen. Sowohl die nicht in derselben Form. Doch sei er nicht mit Friedeberg einverstanden, Arbeitswilligen aus Berlin wie die Arbeitswilligen aus Böhmen wenn dieser meine, das ökonomische sei das einzige Gebiet, auf dem und Mähren haben stets bald auf Veranlassung der Streitenden der Klassenkampf ausgefochten werden müsse. Ihm sei es durchaus wieder den Langenbielauer Staub von ihren Pantoffeln geschüttelt. nicht gleichgültig, ob ihm in der Partei der Stuhl vor die Türe Der Streit im westfälischen Baugewerbe gesetzt werde. Vielmehr hätten alle, die in dem Generalstreit ein ist beendet. Am Donnerstagabend wurde in dem Rathause zu Essen selbst und bei Wahlen der Vertreter für diese Ideen zu wirken. Kampfmittel des Proletariats erblickten, die Pflicht, in der Partei unter dem Vorsitz des Leiters der achttägigen Verhandlungen über Scheffer( Bimmerer) bemerkt, das was im Feenpalast gedie Einigung im Baugewerbe, Beigeordneten Dr. Wiedfeldt- Essen, sprochen wurde, sei auf gutem Boden gefallen. Wenn aber Juppenlaß das Protokoll über den Friedensschluß sowie der Arbeitsvertrag für fage, ob man aus der Partei hinausgewiesen werde, sei gleichgültig, das gesamte rheinisch- westfälische Industriegebiet vom Arbeitgeber- fo sei er, Redner, anderer Meinung. Gerade innerhalb der Partei bund und den Arbeiterorganisationen unterschrieben. Die Arbeitszeit müsse man für die Ideen wirken. Bei Wahlen zum Barlament schläge zur Regelung der Angelegenheit gemacht haben. Bis dahin wird für das ganze Gebiet einheitlich auf zehn Stunden normiert. Sollte man alle Kompromisse beiseite lassen. Die Rede Friedebergs werden wir, mögen die Bauarbeiter tun, was sie wollen, an dieser Der Lohn beträgt 44-55 Pfennig und ist für die beteiligten 200 fei vielfach so aufgefaßt worden, als ob man sich überhaupt nicht Stelle nicht mehr auf die Sache eingehen. mehr an den Wahlen beteiligen sollte. Damit sei er nicht einbis 250 Ortschaften je nach den wirtschaftlichen Verhältnissen ab- verstanden.( Auch Friedeberg erklärte hier durch Zwischenruf, daß gestuft. Der Vertrag läuft bis zum 30. April 1908. Damit ist der er das nicht gemeint habe.) Der„ Vorwärts" fei nicht informiert dreimonatige Kampf im Baugewerbe beendet. Die Bauarbeit wird über das, was in der Arbeiterbewegung vor sich gehe. Die Artikel im ganzen Gebiet wieder aufgenommen. des ,, Vorwärts" liefen darauf hinaus, die Vertreter der Resolution aus der Partei hinauszudrängen. Husland. " Der Sektionsvorstand. J. A.: Wilh. Fritsch. Folgende Berichtigung geht uns von dem Genossen Thielite zu: In der Nr. 201 vom 29. August befindet sich im Bericht von Die Buchbinder in Kassel find in eine Lohnbewegung ein- Zechlin( Maurer) erflärt, wenn er das annähme, was in der der Generalversammlung des Zentral- Wahlvereins Teltow- Beesgetreten. Ihre Forderungen wurden von den Unternehmern, mit Resolution stehe und was Friedeberg gesagt habe, sei es ihm flar, tow- Storkow- Charlottenburg ein Irrtum. Ich habe ausgeführt: einer Ausnahme, nicht der Beantwortung für wert erachtet. Zuzug daß er damit aus der Partei ausscheide. Die Sozialdemokratie sei„ Es ist bedauerlich, daß seit den vorjährigen Konferenzen noch tein ist fernzuhalten. allerdings der Situation nicht mehr gewachsen, sie stehe nur noch Versuch wieder gemacht ist, eine Einigung herbeizuführen. Die Ges unter dem Einfluß von Leuten, die den Zentralverbänden angehörten. werkschaften müßten vom hohen Pferd heruntersteigen, ebenso aber Hier müsse Aenderung geschaffen werden. Das sei aber nur mög- auch die Partei. Es müssen sich Mittel und Wege zu einer Einigung lich, wenn jeder einzelne in den Wahlvereinen und Bahlabenden bezüglich der Maifeier finden lassen. Man schimpft immer auf die seine Pflicht tue, nicht dadurch, daß man sich außerhalb der Partei Revisionisten; wirkliche Revisionisten kann man im Gewerkschaftshaus stellen und ein neues Banner des„ Anarchosozialismus" erhebe. finden." Durch die vom Ausschuß vorgeschlagene Erklärung werde eine ganz Vom Verbieten der Maifeier durch die Gewerkschaften habe ich andre Situation geschaffen als im Feenpalast. nicht gesprochen. Ich habe gesagt:„ Um die Arbeit in einer Werks. Berndt( Maler) begreift nicht, wie man einen Gegensatz statt am 1. Mai ruhen zu lassen, müssen mindestens zwei Drittel der zwischen der vorgeschlagenen Erklärung und der Resolution erblicken Beschäftigten organisiert sein. Wird nun beschlossen zu arbeiten, könne; jene besage ganz dasselbe wie diese. Man habe Fußtritte so ist man an den Beschluß gebunden und kommt somit als Parteivom Parteivorstand erhalten. Der Vorwärts" habe den Bentral- genoffe mit sich selbst in Widerspruch. Hier muß der Parteitag verbänden Agitationsstoff mit seinen Artikeln geliefert. Der Vor- Remedur schaffen." Richtig ist, daß ich auf den Metallarbeiter- Berwärts" fei überhaupt das erbärmlichst redigierte Blatt. In ähn- band hingewiesen habe. Karl Thielike. licher Form äußerte sich der Redner über verschiedene bekannte Parteigenossen. Eine Verständigung zwischen Unternehmern und Arbeitern in der Baumwollindustrie Englands ist vor einigen Tagen in Manchester zustande gekommen. Die Unternehmer von Bolton hatten die Herabsetzung des Lohnes um 5 Proz. beantragt; diese wurde abgelehnt. Es wurde vielmehr den Arbeitern eine Lohnerhöhung um 5 Broz. auf die Dauer von drei Monaten zugebilligt. Sodann sollen wieder die gegenwärtigen Löhne playgreifen und zwar bis zum 1. März nächsten Jahres. Bis dahin sollen weitere VerHandlungen über die Lohnhöhe nach dem 1. März gepflogen werden. Soziales. Lohn und Wohnungsmiete. Der Schneider und Bügler M. hatte Frau Naß, Inhaberin Regge( Kürschner) meint, der Vorwärts" sei durch die Feen einer Arbeitstube und Hausbefizerin, beim Gewerbegericht auf valaſt- Versammlung aus dem Schlafe aufgerüttelt worden. Es müiffe Letzte Nachrichten und Depefchen. Zahlung von etwa 190 M. Nestlohn verklagt. Er ging davon aus, Das Abkommen über den Waffenstillstand unterzeichnet. Portsmouth, 1. September.( Meldung des Reuterschen Bureaus".) Das Abkommen über den Waffenstillstand ist heute unterzeichnet worden. Er tritt aber erst nach Unterzeichnung des Friedensvertrages ein, da Japan, wie jest entgegen der früheren Meldung bekannt wird, sich geweigert hat, einem sofort in Kraft tretenden Waffenstillstand zuzustimmen. ziemlich konfus in der Redaktion aussehen. Sie hätte beffer getan, daß ihm vor ungefähr zwei Jahren, als er bei Frau N. zu bügeln den Ursachen der Bewegung nachzugehen. Im übrigen hätte Friedebegann, ein Wochenverdienst von 30 M. garantiert worden sei. berg lieber sagen sollen: Wir propagieren den revolutionären SoNun stellte sich in der Verhandlung vor der Kammer 1 heraus, daß zialismus, statt ein neues Wort aufzubringen. Nicht sie, die VerKläger zugleich Mieter der Frau N. war und daß die gegenseitigen treter der Resolution, hätten etwas Neues aufgebracht, sondern sie Verpflichtungen immer durcheinander liefen. Richtige Klarheit ließ propagierten vielmehr die alten revolutionären Ideen. Der„ Vorfich nicht schaffen. Nur soviel scheint festzustehen, daß gewisse Aufwärts" dagegen propagiere nicht den revolutionären Sozialismus. rechnungen gegen Mietsbeträge vorkamen, sowie daß oft nicht genug Wiesner( Metallarbeiter) erklärte, ihm gefalle die beArbeit vorhanden war. Die Beklagte behauptete, sie habe schimpfende Ueberschrift des Vorwärts"-Artikels vom„ Kretinismus“ der Familie M. schon 109 M. an Miete geschenkt, weil nicht. Was die Stellungnahme der Leipziger Volkszeitung" an fieben Kinder da wären. Schließlich kam heraus, daß die belange, so sähe man schon daraus, daß sie das„ e" aus Friedebergs Paris, 1. September.( W. T. B.) Wie die Blätter mekben, geforderte Summe von 186 M. sich aus Beträgen zufammen- Namen ausgelassen habe, wie wenig fie die Sache kenne. Friede- find die Anarchisten Malato, Harvey und Ballina wegen Mordfeßt, die als Reste aus neun Wochen des Jahres 1904 ge- berg:" Ich habe ja Mehring selbst behandelt." Andere Zwischenfordert werden. Ein weiteres Eingehen darauf hielt der Gerichtshof rufer:" Es hat aber wohl nichts genütt.") Das einzige, das, was versuch an dem König von Spanien, dem Präsidenten Loubet und schon deshalb für unnötig, weil eine so lange, schon etwa ein Jahr Friedeberg von dem Anarchosozialismus gesagt habe, jei nicht not- den bei dem Anschlag in der Rue Rohan verletzten Personen in Ahzurückliegende Lohnabrechnung oder Verrechnung jetzt nicht mehr wendig gewesen. Es sei nicht nötig, eine neue Bartei zu bilden. flagezustand versetzt worden. angezweifelt und zum Gegenstande eines Rechtsstreites gemacht Durch den Vorwärts"-Bericht hätte die Redaktion etwas aus dem Die Revolution in Rußland. werden könne. Man müsse gleich protestieren, wenn man glaube, Vortrage herausgenommen, was nicht darin gelegen habe. Schneidt Warschau, 1. September.( W. T. B.) Nach dem„ Kurher der Lohnvertrag sei nicht richtig erfüllt. Wenn man dagegen die von der Zeit am Montag" hätte eine richtigere Auffassung bekundet. Dinge ruhig weiter gehen lasse, dann komme das einem Ein- Dr. Friedeberg sprach hierauf in längeren Ausführungen Warzawski" verlautet, der neue Generalgouverneur Stalon be= verständnis mit der Regelung gleich. Indessen riet der Gerichtshof, über seine Auffassung vom Kelassenkampf. Er bemerkte unter absichtige, den über Stadt und Bezirk Warschau verhängten dem Gewerberichter le viseur vorsaß, der Beklagten, doch im Vergleichs- anderem daß die sozialrevolutionären Gewerkschaften die Kerntruppen Striegszustand aufzuheben. Demfelben Blatte zufolge ift wege wenigstens noch 20 M. zu geben, da ja doch an sich Arbeitslohn der neuen Partei des fünften Standes sein würden. Man müsse die in einem Personenzuge der Weichselbahn. bei Ljublin eine HöllenEin Schaden würde durch sie nicht nicht ohne weiteres gegen Miete aufgerechnet werden könnte und sozialdemokratische Partei zu einem klaren Ausspruch darüber maschine(?) entdeckt worden. vielleicht aus der letzten Zeit bei genauerer Prüfung noch eine zwingen, ob sie noch fernerhin eine Partei des Klassenkampfes anderichtet. Die Eisenbahnbrücke bei Stalentschow ist durch Dynamit Kleinigkeit für M. Heraustäme. Der Vergleich kam auch zustande. beschädigt worden. Verfammlungen. " Die Cholera in Galizien. bleiben wolle. Redner gab Dannenberger darin recht, daß die FeenpalaftResolution, sowie bereits auch die bei Reller zum Internationalen Songreß gefaßte, im Gegensatz zu dem Programm der sogenannten Wien, 1. September.( W. T. B.) Der Wiener Abendpost" lokalen Gewerkschaften steht. Die im Feenpalast gefaßte Resolution zufolge tamen in der Gemeinde Padennarodowa im Bezirke sei eine Neutralitätserklärung dieser Gewerkschaften, aber Mielec in Galizien seit dem 22. August vier verdächtige Erkrankungen Das Gewerkschaftskartell für Berlin und Umgegend hatte am nicht eine Neutralitätserklärung nach rechts, sondern nach links. Gs bor, von denen drei mit dem Tode und einer mit Genesung endete. Donnerstag bei Batt in der Dragonerstraße eine Bersammlung der gelte die revolutionären Elemente zu sammeln. Der Redner Die sanitätspolizeiliche Obduktion der Leichen ergab Aehnlichkeit der Borstände und Delegierten der ihm angeschlossenen Gewerkschaften außerte sich dann in bekannter Weise über die Schädlichkeit und ver- Krankheit mit Cholera. Das Ergebnis der eingeleiteten bakterioloberanſtaltet, um zu der Ansicht des„ Borwärts" über den Inhalt derblichen Konsequenzen des Parlamentarismus sowie über seine gischen Untersuchung ist noch nicht bekannt. Der Landessanitätsder Feenpalast- Resolution Stellung zu nehmen. Zunächst gab jedoch Ansicht von der Wichtigkeit der Einwirkung auf die Innenwelt, das referent im Bezirke Mielec ist nach Farnobrzeg entfandt worden. Regge einen furzen Bericht über den Stand des Kürschner- Seelenleben. Dem historischen Materialismus müsse die Aftion des Das Ministerium des Innern hat bereits als die Cholera in Weststreits, mit dessen Fortführung sich die Anwesenden ohne längere historischen Psychismus" entgegengestellt werden. Nicht fie, reusze amtlich festgestellt war, den Behörden der zunächst bedrohten Diskussion einverstanden erklärten. bie Vertreter der Resolution, feien von der Sozial Verwaltungsgebiete die erforderlichen Weisungen erteilt. Verantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin, Drud u. Lerlag: Norwärts Bugdr. u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen, Nr. 205. 22. Jahrgang. I. KW iics Jotmiitts" Krlim WMM Sonnabend, 2. Septeulbn 19l)S. Debatten über Wenn und Aber. i. „In Erwägung, daß die notwendige Voraussetzung für den Erfolg eines Massenstreiks eine starke Organisalion und die freiwillige Disziplin der Arbeiterschaft ist, hält der Kongreß den absoluten Generalstreik in dem Sinne, daß alle Arbeit niedergelegt wird, für unausführbar, weil derselbe jede Existenz, also auch die des Proletariats, unmöglich macht. In weiterer Erwägung, daß die Emanzipation der Arbeiter- Üasse nicht das Resultat einer derartigen plötzlichen Kraft- anstrengung sein kann, daß es aber möglich ist, daß ein Streik, der sich über einzelne, für das Wirtschaftsleben wichtige Betriebszweige oder über eine große Anzahl Betriebe ausdehnt, ein äußerstes Mittel sein kann, um bedeutende gesellschaftliche Veränderungen durchzuführen oder sich rcaktio- nären Anschlägen auf die Rechte der Arbeiter zu widersetzen, warnt der Kongreß die Arbeiter davor, sich durch die von anarchistischer Seite betriebene Propaganda für den General- streik, in der Absicht, sie davon abzuhalten, den bedcutungs- vollen täglichen Kleinkampf durch die gewerkschaftliche, politische und gcnoffcnschaftlichc Aktion zu führen, ins Schlepptau nehmen zu lassen, und fordert sie auf, ihre Einheit und Macht- stellung im Klassenkampf durch Entwickelung ihrer Organisation zu stärken, weil, sollte der Streit mit einem politischen Ziel sich einst als nötig und nützlich herausstellen, sein Gelingen davon abhängen wird." Amsterdamer Resolution(angenommen mit 36 gegen 4 (Schweiz und Japan) Stimmen, bei Enthaltung von Frankreich und den russischen revolutionären Sozialisten. „ES ist falsch, verächtlich vom Tageslampf zu sprechen und ihn in Gegensatz zu dem großen Ziele zu stellen. Diese beiden sind eins und können nicht von einander geschieden werden. Redner erklärt, daß er schon auf dem holländischen Kongreß gegen die jetzt vorliegende Resolution gewesen sei, weil sie, wenn auch sehr verklausuliert und vorsichtig, unter bestimmten Bedingungen den Generalstreik empfehle. Man habe ihm ent- gegen gehalten: Wir müssen dies Mittel studieren. Studieren wollen wir alle, aber erst wenn wir das Mittel studiert haben, können wir es aufnehmen. Die bisherige» Er- fahrungen sprechen sehr gegen den Generalstreik. Er ist weder ein Mittel, noch gar das Mittel des Proletariats. Die Generalstreikidee kann dem Proletariat den Gedanken geben, die tägliche schwere Arbeit, die so viel Opfer kostet, sei über- flüssig; es genüge ein großer Schlag. Wir solltu» vor allem die Köpfe klar machen und nicht noch mehr Mißverständnisse hinein- bringen."(Lebhafter Beifall bei den deutschen Delegierten.) Vliegen(Holland)�auf dem Amsterdamer Kongreß. „Protestieren wir aus das schärfste gegen die Propaganda des Generalstreiks und klären wir das Proletariat über seine Gefahren auf. Gewiß kann einmal der historische Moment kommen, in dem das Proletariat zur Abwehr reaktionärer Attentate oder zur Erzwingung notwendiger Reformen den Generalstreik braucht. Aber dieses äußerste und letzte Mittel kann nicht die Kleinarbeit, die unermüdliche Agitation, den Kampf im Parlament und der Gewerkschaft verneinen." (Stürmischer Beifall, besonders bei den Deutschen und Oester- reichern.) Bcer-Wien(Metallarbeiter) auf dem Amsterd. Kongreß. Unmittelbar nach dem Erscheinen der holländischen Genossin Roland-Holst Schrift über„Generalstreik und Sozialdemokratie" widmete ihr der„Vorwärts" als erstes Blatt— Karl Kautsky nennt das in den gestern von uns wicdergegebenen„Unmöglich- leiten"„Nachhinken"— eine ebenso ausführliche wie wohlwollende, vielleicht zu wohlwollende, aber auch, wie sich's versteht, kritische Betrachtung. Man kann nicht sagen, daß seitdem— außer von halb anarchistischen Schwärmern— irgend etwas Kritisches über das Buch geschrieben oder geredet wäre. Ueberhaupt ist es ein Irrtum, wenn Kautsky, nachdem er aus den Ferien zurückgekehrt ist, mit derselben Sicherheit feststellt, daß der„politische Massenstreik in der ganzen Partei auf das lebhafte st e diskutiert wird"— wir verstehen unter Lebhaftigkeit etivas anderes—, mit der er vorher aus fteier Lust die den Tatsachen kraß widersprechende Behauptung aufstellte, daß„fast die gesamte Parteipresse der Diskutierung des Massenstreiks bisher schon mehr Interesse und Verständnis entgegen- gebracht als unser Zentralorgan, so daß dessen Verständnislosigkeit nicht der Partei aufs Konto geschrieben werden darf". Bis heute ist uns Karl Kautsky die Antwort schuldig geblieben, welche Blätter und welche Artikel er vor unserer Besprechung ge- lesen hat. Tatsachen find nun einmal hörnerne Dinge und lassen sich nicht so leicht herstellen wie liebenswürdige Urteile über komplette Unfähigkeit. Man sollte sich doch endlich daran gewöhnen, inimer auf eigene Rechnung und Gefahr zu sprechen und nicht gleich einen nur in der Phantasie bestehenden Zustimmungschor als Bekräfsigung der Argumente mit- zuschleppen. An kritischen Betrachtungen ist, wie gesagt, nur sehr wenig geleistet worden. Und selbst die erst jetzt abgeschlossenen sieben Artikel des Leipziger Herzblattes Kautskys sind nicht mehr als eine gelegentlich mit dem üblichen Pfeffer gegen die„Konkurrenz" ge- würzte, trotz des Reichtums der Zitate nicht überall ganz korrette Paraphrase der holländischen Schrift. So hätte man denken können, daß Karl Kautsky in- zwischen zur Erkenntnis hätte gelangen müssen, daß ihm zwar die Kritik des„Vorwärts" immer noch nicht gefalle, daß sie aber als so ziemlich einziger kritischer Versuch anerkennenswert sei. Kautsky ist weiter denn je von dieser Einsicht entfernt. Den vor einem Monat komponierten Sologesang über die Unfähigkeit des„Vorwärts" in- strumentiert er nunmehr„gekräftigt" für großes Orchester. Die Kritik des„Vorwärts" vom 25. Juni erkannte als Kardinal- fehler des Buches den ttaffenden Widerspruch zwischen deni General- streik als einem„unter ganz bestimmten Verhältnissen möglichen und erforderlichen Akt der proletarischen Notwehr" und der von Roland- Holst letzten Endes propagierten Auffassung des Generalstreiks als„d e r Methode des Klassenkampfes, als dem eigentlichen Mittel des proletarischen Sieges." Diese Auffassung konnte irrig sein, aber sie wäre bei der Eigenart des Buches— über die nun doch wegen der heillosen Ver- wirrung, die es hier und dort angerichtet hat, noch einige weniger höfliche Worte gesagt werden müssen— in jedem Falle begreiflich gewesen. Hat doch die Diskussion über das Buch das sonderbare Ergebnis gehabt, daß auf der einen Seite, nicht ohne Fug, gencral- streikgegnerische Gewerkschaftler eS als Waffensamnrlung gegen die Propagierung der Idee empfahlen, auf der anderen Seite die be- geisterte Genossenschaft eines Wahlkreises den Generalstreik als ent- scheidendes Mittel zur Uebemahme der gesellschaftlichen Produktion durch das Proletariat befürwortete— eine Auffassung, welche doch von der Verfasserin als anarchistischer Aberwitz abgelehnt wird. Und beide hatten die Berechtigung zu ihrem Tun. So weit nämlich Roland-Holst scharfsinnig und gewissenhaft, ja geradezu meisterlich das bisher allerdings zienilich dürftige Tatsachenmaterial über den Generalstreik nachprüft, sind ihre Folgerungen fast rein negativ. Dann aber kommt plötzlich der große revolutionäre Tag, der politische Entscheidungskampf zwischen. Proletariat und Bour- geoisie, der Tag, der kommen muß, und da wird der politische Generalstreik, der früher fast immer versagte, auf einmal das Mittel, das einzige Mittel zur Eroberung der polisischen Macht durch das Proletariat. Die Kritik der Tatsachen wird zum Dogma einer Zukunstsspekulation. Nun hätte Karl Kautsky diese Auffassung für ein Mißverständnis erklären können, und da er engere literarische Beziehungen zu der Verfasserin unterhält, war er der richtige Mann, um über die Tendenzen der Schrift aufzuklären. Das fiel unserem Freunde jedoch nicht ein. Der Redakteur der„Neuen Zeit" etablierte sich vielmehr als Sachverständiger über die Qualifikation der Redattion des „Vorwärts" und plädierte in seinem Gutachten auf Entmündigung. Womit denn die Frage des Massenstreiks und daS Urteil über die Roland-Holstsche Schrift außerordentlich geklärt war. Jetzt verrät uns Karl Kautsky, warum er diesen Weg ein- geschlagen: ein beiläufiger Satz jener Kritik habe es ihm angetan. Der„Vorwärts" hatte die Diskutierung des Generalstreiks unter dem Gesichtspunkte des A und O unserer Taktik, diese zwar noch nicht anarchistische, auch noch nicht anarchosozialistische, aber zum Anarchismus doch bedenklich hinuntergleitende Auffassung als ver- wirrend und gefährlich abgelehnt—„ganz abgesehen davon, daß das reichliche Reden von und Drohen mit der Revolution mehr geeignet ist, die reaktionären Zettelungen gegen die Sozialdemokratie zu stärken, als die Arbeiterklasse zur Entschlossenheit zu erziehen". Wir haben bisher geglaubt, daß es der Stolz der deutschen Sozial- demokratie war, sich des leeren sinnlos provozierenden Geschwätzes zu enthalten, hinter dem nichts steckt, keine ernsthafte Absicht, keine unmittelbare Tat. Kautsky aber ist es bei dieser wiederholten Fest- stellung einer seit jeher von der deutschen Sozialdemokratie befolgten selbstverständlichen Praxis schlimm gegangen: „Als ich diesen Satz las, sah, wie im Jahre der glorreichen russischen Revolution das Zentralorgan der deutschen Sozialdemo- kratie über die Revolution zu reden wagt, da stieg mir die Schamröte ins Gesicht. Dieser Satz war's, der meinen ganzen„Hochmut" erregte, der mich zu der„Anmaßung" und dem „publizistischen Unfug" trieb, gegen eine derartige Sprache zu protestieren. Wenn ich dabei einen Fehler beging, so war es höchstens der, daß ich das nicht energilch genug tat." Alle Bewunderung für den jähen Aufwand von Schamröte— aber es geht uns sehr peinlich wider das Gefühl, daß das mit dem Blut der Besten und Tapfersten bedeckte Freiheitsfeld der russischen Revolution beschworen wird, um einer ganz gewöhnlichen Schrift- steller-Polemik oratorischen Schwung und wirksame Stimmung zu verleihen. Kein Wort hat der„Vorwärts" über oder gar gegen die Revolution gesagt. Nur das verantwortungslose Drohen mit der Revolusion, das billige Schwatzen über sie hält er für widerwärtig und verwerflich. Wir protestieren dagegen, daß es sich in Rußland bloß um solch Drohen mit der Revolution handelt. Bestände die russische Revolution aus papiernen Drohungen, die im sicheren Aus- land hergestellt werden, so würde sie wahrlich niemand Ehrfurcht und Begeisterung einflößen; die T a t ist's, die den Tod nicht redet, sondern wagt, vor der wir uns erschüttert neigen. Nicht die russische Revolution, sondern die Armee des Zaren hat mit papiernem Bombast in die Welt hinausgeschrien, wie sie die Japaner zermalmen würde, der Zarismus hat all die lärmenden Siege telegraphiert, all die Triumphe im voraus gefeiert. Die Japaner schwiegen und handelten. Die japanische, nicht die russische Methode des Zarismus sollte für jeden Kampf vorbildlich wirken— namentlich in diesem tinten- klexenden und tintenschwatzenden Säkulum. Warum ist nun also dem Genossen Kautsky die Schamröte ins Gesicht gestiegen? * Jede Replik hat die Neigung, sich in Einzelheiten zu zerfasern: es geschieht das notwendig, wenn man den einzelnen Sätzen und Worten des Gegners nachgeht und an sie seine Bemerkungen, wie's trifft, lose anhakt. Dadurch wird jede Polemik für den Leser un kontrollierbar und unftuchtbar. Wir aber möchten versuchen, die Debatte aus der persönlichen Häkelei herauszuheben sie ins All- gemeine hinauszuführen und um bestimmte Probleme zu konzen- trieren. Wir müssen es deshalb ablehnen, auf alle Vorwürfe Kautskys einzugehen, die in einem Satz leicht erhoben werden können, zu deren Widerlegung es aber dann lästigster Ausführlichkeit bedarf. So wirft uns Kautsky beispielsweise vor, daß in zwei von ver« schiedenen Verfassern geschriebenen Artikeln Nuancen der Anschauung — Kautsky nenntS„vollsten Widerspruch"— zu bemerken seien. ES scheine also,„als sei man in der Redaktton unseres Zentralorgans bei der Diskussion über den Massenstreik noch nicht einmal solveit gekommen, sich darüber einig zu werden, ob, wo und wie eine solche Diskussion ratsam sei". Tatsächlich ist der von Kautsky entdeckte Widerspruch überhaupt nicht vorhanden. Aber, um den Lesern den Aufwand einer Widerlegung dieser gleichgültigen Einzelheiten zu er- sparen, nehmen wir ihn als richtig an. Wahrlich, eine Ungeheuer- lichkeit! Im Zentralorgan sitzen Menschen, die über eine eben erst auftauchende Parteifrage nicht sofort in jedem Punkte und in allen Einzelheiten einer Meinung sind, während doch fbereits Kautsky sich durch und durch einig ist. Welche Unfähigkeit, selbständige Köpfe zu haben anstatt die fertig zu beziehenden Normaleinheitsköpfe sich stracks aufzusetzen. Hoffentlich aber wird eS in der Partei noch bis auf weiteres Unsitte bleiben, nicht auf Kommando zu denken und umzulernen. Hoffentlich lassen wir unS auch fürderhin nicht die Mode vom Konfektionär borschreiben... In einem folgenden Artikel werden wir uns zunächst mit dem Inhalt, der Methode und der Tendenz der Roland-Holstschen Schrift noch einmal zu beschäfttgen haben. Wir werden dann zeigen, wie gerade Kautskys Behandlung der Gcneralstreikfrage die ganze Debatte entwertet und entnervt, indem er aus einem ernsthaften tattischen Problem, als das es in Jena behandelt werden wird, eine müßige Zukunftsspekulation macht. ES werden dann einige allgemeine Ausführungen über Wert, Fruchtbarkeit und Wirkungen unserer Parteidcbattcn der letzten Jahre zu machen sein. Und schließlich wird noch darüber einiges zu sagen sein, daß der „Vorwärts" ein führendes Blatt zu sein streben solle, daß er aber gerade deshalb nicht ein jedem Rattenfänger nachlaufendes Blatt fein dürfe._ Hus der Partei. Die„Vorwärts"- Frage. Der dritte Artikel der„L. V." über die„Vorwärts"-Frage sieht so aus: Unmittelbar nach seiner wissentlichen Entstellung der Richteriade fährt K. E. fort: Und wenn endlich die„Leipziger Volkszeitung" mit schönem Äorn die Kameradschaft gegenüber Angriffen der Gegner fordert, die der„Vorwärts" angeblich verletzt haben soll, so dürfte daS Gedächtnis der„Leipziger Volkszeitung" nicht so kurz sein, um nicht zu wissen, daß der„Vorwärts" zwar bei jeder Gelegenheit diese Solidarität geübt hat, daß aber die„Leipziger Volkszeitung" in wiederholten Fällen, wo nicht nur die ganze bürgerliche Presse uns umheulte, sondern wo wir auch sehr schwere Konflikte mit der bürgerlichen Justiz hatten, dem„Vorwärts" in den Rücken ge- fallen ist, ja sogar für die Gegner auch das Stichwort des An- griffs ausgegeben hat. Wir haben vom„Vorwärts" weder Kameradschaft, noch sonst etwas für uns gefordert; in diesem Punkte sind wir äußerst be- scheiden. Wir haben nur verlangt, daß der„Vorwärts" die Partei nicht blamieren solle, indem er auf das Verlangen der gegnerischen Presse andere Parteiblättcr verleugnet, wenn sie berechtigte Partei- interessen vertreten, so gut sie können. Im übrigen aber stellt K. E. mit den oben angeführten Sätzen die Wahrheit wieder auf den Kopf. Unser Gedächtnis ist lang genug, um zu wissen, daß wir niemals einem Parteiblatte, das sich im Kampfe mit den Gegnern befand, in den Rücken gefallen sind, aber es brauchte nur sehr kurz zu. sein, um sich zu erinnern, daß, als im Dezember v. I. die„Leipziger Volkszeitung" wegen des Zolltarif» artikels von„der ganzen bürgerlichen Presse umheult" wurde. X. E. ihr in den Rücken fiel mit erbaulichen Betrachtungen über„kalte und triviale Schimpfereien",„Kraftmeiertum",„inhaltlose Phrasen- haftigkeit",„Athletcntum in Worten" usw. Darauf haben wir, in kräftigeren Wendungen, als wir heut gebrauchen wollen, aber dem Sinne nach erwidert, daß, wer die Kaiserinselgeschichte und ähnliche Sensationen am Stecken habe, sich immerhin einige Karenzzeit im Schulmeistern anderer Genossen auferlegen dürfe, ohne seiner Würde etwas zu vergeben. Das war unser Recht, und zwar nicht bloß, weil wir in raffiniertester Weise herausgefordert worden waren. Ein Partciblatt, das sich im Gedränge mit den Gegnern befindet, und sei es auch durch eigene Schuld, hat allen Anspruch darauf, von den eigenen Genossen mit Moralpredigten verschont zu werden, aber eS hieße einen allzu lockenden Preis auf Parteidummheiten setzen, wenn sie in alle Ewigkeit als ehrwürdige Parteiüberlieferungen gelten sollen, weil sie in irgendwelcher Vergangenheit den Gegnern zum Nutzen und Vergnügen gereicht haben. Ueber das„Stichwortgeben" für die Gegner nur ein kurzes Wort! Solange die Partei existiert, hat es in ihr auch Meinungs- Verschiedenheiten gegeben, und solange diese Meinungsverschieden- heiten öffentlich ausgetragen werden, sind sie von den Gegnern aus- gebeutet worden. Wir geben bereitwillig zu, daß die„Leipziger Volkszeitung" mitunter gegen den„Vorwärts" ausgespielt worden ist, aber wir müssen hinzufügen, daß der„Vorwärts" noch viel häufiger gegen die„Leipziger Volkszeitung" ausgespielt wird. Wie oft müssen wir von den Gegnern noch heute das„Athletcntum in Worten" hören, und selbst die beiden Artikel, die X. E. gegen uns richtet, sind schon vom Hanswurst Liman in den„Leipziger Neuesten Nachrichten" durch einen virtuosen Grotesktanz verherrlicht worden. Sagen wir deshalb, der„Vorwärts" habe den Gegnern daS„Stich- wort" zu Angriffen gegen die„Leipziger Volkszeitung" gegeben? Fällt uns gar nicht ein! Wir gehören noch jener altväterischen Zeit an, wo die ganze Partei durchdrungen war von Lassallcs Wort, daß die Unabhängigkeit von derjenigen öffentlichen Meinung, die kapita- listische Tintenkulis fabrizieren, die erste Vorbedingung sei, etwa? Tüchtiges für die Arbeiterklasse zu leisten, wo auf alle Kapriolen dieser Kulis gepfiffen und in Parteisachen weder nach der Musik der „Täglichen Rundschau", noch nach der Musik der„Kölnischen Zeitung" getanzt wurde. Nun aber kommt die Hauptanklage gegen uns. X. E. erzählt den Lesern des„Vorwärts. Die„Leipziger Volkszeitung" hat gelegentlich des Plötzensee- Prozesses zwei„Vorwärts"- Redakteuren vorgeworfen, daß sie Kabinettsjustiz wenn nicht veranlaßt, so sich doch haben gefallen lassen. Kabinettsjustiz ist kein Schimpfwort, kein derber Ausdruck, kein schlechter Ton, es ist ein höchst nobler und stilistisch durchaus würdiger technischer Ausdruck. Der Inhalt dieses Vorwurfes aber ist so schwer, daß er, wenn er berechtigt wäre, genügen würde, den Ausschluß jedes Parteigenossen, der sich solche Verfehlung hat zuschulden kommen lassen, ohne weiteres herbei- zuführen. Ja auch jeder bürgerliche Rechtsanwalt, der mit Recht einer solchen Verfehlung beschuldigt wäre, würde aus dem Rechts- anwaltsstandc beseitigt werden müssen. Die„Leipziger Volks- zeitung" erhob diesen Vorwurf auf Grund der unbegreiflich groben Verwechselung: Der Justizminister wurde als Ehef des Oberstaatsanwalts angerufen, der den Klageantrag im Interesse der im Justizressort beschäftigten Beamten erhoben hatte. Es handelte sich um den Justizministcr als Chef der angeblich beleidigten Beamten, um die Einwirkung auf Rücknahme des Strafantrages bei der dazu berechtigten Person. Es kam aber gar nicht in Frage der Justizminister als höchster Beamter der Rechtspflege, der in die unabhängige Rechtspflege eigenmächtig eingreift. Gehörte Plötzensce nicht zufälligerweise ins Ressort des Justizministeriums, sontftrn unterstände es, wie die meisten anderen Gefängnisse, dem Minister des Innern, so hätte der Minister des Innern in Anspruch genommen werden müssen. Ein bürgerlicher Rechtsanwalt hat in sehr klarer Weise diesen Unterschied auseinandergesetzt. Die„Leipziger Volkszeitung" aber, anstatt loyal diesen unerhörten Angriff zu- rückzunehmen, erklärte diesen fundamentalen Unter- schied, ohne die überzeugenden Ausführungen selbst wieder- zugeben, für„Haarspalterei"! Wenn ein Parteiblatt den denk» bar schwersten Vorwurf gegen Parteiredakteure erhebt auf Grund einer leichtsinnigen Verwechselung grund- legender Begriffe und wenn es, aufmerksam auf diese Verfehlung gemacht, dann nicht reumütig und loyal den Angriff zurücknimmt, sondern sich noch den Anschein des guten Rechtes gibt, um ja nicht die von ihm beanspruchte Unfehlbarkeit einzu- büßen, so ist das wahrlich keine Frage des guten oder schlechten ToneS. Wer solche Methoden nicht mit allen Mitteln zu bekämpfen sucht, der weiß nicht, was er seiner Parteipflicht schuldig ist. Das ist ein Wcichselzopf von Entstellungen und Verdrehungen, den wir am leichtesten entwirren, indem wir ihm die urkundliche Wahrheit entgegenstellen. Als der Plötzcnsce-Prozeß den bekannten, unerwarteten AuS» gang nahm, veröffentlichte ein Gcrichtsberichterstatter eine ihm vom Rechtsanwalt Löwenstein diktierte Notiz, worin mitgeteilt war. daß Herr Löwcnstein die Verglcichsverhanolnngen durch einen Besuch beim Justizminister eingeleitet habe. Es heißt dann wörtlich weiter: Obgleich der Minister keinen Empfangstag hatte, wurde Dr. Löwenstein dennoch sofort empfangen, nachdem der Justizministcr von dem Zweck der nachgesuchten Audienz unterrichtet worden war. Die Besprechung der beiden Herren dauerte über eine halbe Stunde. Zum Schlüsse derselben erklärte der Minister, daß er für seine Person jede Einmischung in den schwebenden Prozeß und jede unmittelbare Einwirkung auf die Behörden, die den Strafantrag gestellt haben, ab- lehnen müsse, anderseits werde er es nicht verhindern, wenn auf der vom Rechtsanwalt Dr. Löwenstein vorgeschlagenen Basis Ver- Handlungen mit der Oberstaatsanwaltschaft geführt würden und diese daraufhin den Strafantrag zurücknehme. Wir stellen fest, daß nach dieser, von Herrn Löwenstein selbst diktierten Notiz der Justizminister als Vorgesetzter der Oberstaat»- anwaltschaft, der Behörde, die den Strafantrag gestellt hatte, also als Chef der Justiz Verwaltung angesprochen worden ist, daß nicht mit einer Silbe angedeutet wird, er sei als Chef der Gefängnis» Verwaltung angesprochen worden. Wenn der I u st i z minister ge- sagt hat, daß er„für seine Person jede Einmischung in den schwebenden Prozeß ablehne/ so hat ex daS abgelehnt, was m/m m der sinnlichen Kutschersprache des gewöhnlichen Lebens eine Kabincttsjustiz nennt, und da Herr Löwcnstein in keiner Weise bc- hauptet, daß der Minister in die Irre geredet hat. so blieb nach dieser Notiz nur der Schluß übrig, dag dem Justizmmister das von ihm abgelehnte Ansinnen auch gestellt worden ist. Demgemäß sagten wir in unserer Nummer vom 13. Juni, au- knüpfend an die Notiz des Gerichtsberichterstatters: Danach ist die Initiative zum Abbruch des Prozesses von einem der Verteidiger ausgegangen, selbstverständlich von keinem Verteidiger der angeklagten Parteiredakteure. Immerhin macht es auch so einen peinlichen Eindruck, daß ein Verteidiger in einem politischen Prozesse sich an den Justizminister mit dem, sogar von Herrn Schönstedt sanft gerüffelten Ersuchen zu wenden, in ein schwebendes Strafverfahren einzugreifen. Wir wissen natürlich sehr gut, was es im preußisch-deutschen Reiche mit der sogenannten „Unabhängigkeit der Rechtsprechung" auf sich hat, aber daß aus- gerechnet ein Verteidiger eine Kabinettsjustiz zu provozieren sucht, das ist zwar neu, aber nicht schön. Zu dieser Auffassung bemerkte der„Vorwärts" in jenem„guten Ton", der ihm so wohl ansteht, daß sie trotz ihrer Dummheit schwerlich aus Dummheit geboren sei; wir hätten sie aus den Fingern gesogen, in originaler Böswilligkeit usw. Er gab dann folgende Aufklärung der Löwensteinschcn Taktik: Bekanntlich war Klage erhoben wegen Beleidigung von Beamten der Justizverwaltung— Plötzensee gehört in das Ressort des Justizministers— und der Justizminister als Chef der Verwaltung war auch Chef der Strafantragsteller: ohne seine Zustimmung konnte daher für die Beamten seines Ressorts das Verfahren weder eingeleitet noch eingestellt werden I Trotz ihrer groben Verbrämung druckten wir diese Angaben sofort wörtlich nach, in unserer Nummer vom 17. Juni; wir wiesen zwar auf ihren Widerspruch niit der Notiz des Gerichtsbericht. erstatters hin, gaben jedoch zu, daß nach der Darstellung des„Vor- wärts" das Verhalten des Herrn Löwcnstein„formell weniger inkorrekt" erscheine. Die Sache selbst werde allerdings auch dann nicht schöner, was wir so begründeten: Sollte die humane Rücksicht auf den Dr. Baer entscheiden, wie der„Vorwärts" neulich behauptete, dann hätte man mit dem alten Herrn und seinem Anwalt verhandeln sollen, die ja als Nebenkläger der Verhandlung beiwohnten, und wenn er geneigt dazu war, konnte man es ihm überlassen, die Zustimmung seiner Vorgesetzten zur Zurückziehung seines Strafantrages einzuholen. Der Gang zum Justizministcr als einleitender Akt der Vergleichs- Verhandlungen War, gleichviel wen Herr Schönstedt beim Ohr nehmen sollte, politisch, gelinde gesagt, eine grobe Taktlosigkeit. Gleich darauf veröffentlichte Herr Löwenstein eine Erklärung, worin er seine Taktik ebenso erläuterte, wie der„Vorwärts", dessen Angaben wir, wie gesagt, sofort wörtlich abgedruckt hatten. Nur verbrämte Herr Löwenstein seine Ausführung, zwar nicht, wie der „Vorwärts", mit Ungezogenheiten gegen die„Leipziger Volks- zeitung", aber mit einem juristischen Kauderwelsch darüber, daß er schon in der Notiz des GerichtsberichtcrstatterS dasselbe gesagt haben wollte, was er nunmehr sage. Darüber mit ihm zu streiten, hatten wir nicht hen mindesten Anlaß und nicht die mindeste Neigung nach. dem wir unseren Lesern an der Hand des„Vorwärts" mitgeteilt hatten, wie Herr Löwenstein seinen Gang zum Justizminister ent- schuldigen wolle. Gleichwohl gaben wir auch von den nachträglichen Erläuterungen des Herrn Löwenstein eine summarische Notiz, als Genosse Karl Liebknecht in einem Artikel der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung" sich so ausdrückte, als sei von der..Parteipresse" den an- geklagten Parteiredakteuren und ihren Verteidigern der Vorwurf gemacht worden, eine Kabinettsjustiz provoziert zu haben. Wir schrieben in unserer Nummer vom 21. Juni: Wir wollen demgegenüber nochmals feststellen, daß wir weder den„Vorwärts"-Redakteuren, noch ihren Verteidigern den Vor- Wurf gemacht haben, den Genosse Liebknecht so lebhaft abwehrt. Wir haben mit aller gebotenen Vorsicht gesagt, daß„selbst- verständlich kein Verteidiger der angeklagten Parteiredakteure", sondern Herr Löwenstein, den wir ausdrücklich als Verteidiger des Ahrens nannten, den Justizminister zu einer Kabinettsjustiz zu veranlassen versucht habe. Das hat Herr Löwenstein selbst öffent- lich mit Worten kundgetan, die, wenn sie überhaupt einen Sinn haben sollen, nur diesen Sinn haben können. Wenn Herr Löwcnstein selbst jetzt durch langatmige Tifteleien über den Begriff der Kabinettsjustiz, die er in der bürgerlichen Presse veröffentlicht, die Sache anders zu wenden sucht, so fehlt es uns an Raum und Zeit, auf diese Haarspaltereien einzugehen, aber s e l b st wenn wir zugunsten des Herrn Löwen st ein annehmen wollen, daß er sich in seiner ersten Notiz bloß ungeschickt ausgedrückt hat, so bleibt es dabei, daß sein Bittgang zum Justizminister politisch mindestens eine grobe Taktlosigkeit war. Sollten Vergleichsverhandlungen angebahnt werden, so war es das einzig Schickliche, mit den Nebenklägern zu verhandeln, denen dann überlassen werden konnte, sich mit dem OberstaatSanioalt und dem Justizminister auseinanderzusetzen. Selbstverständlich halten wir auch heute alle diese Ausführungen bis auf die letzte Silbe aufrecht. Wir haben die mildernden Um- stände, die der„Vorwärts" für das Vorgehen des Herrn Löwen- stein geltend machte, sofort unseren LGern mitgeteilt; wenn aber K. E. nicht begreift, daß, auch trotz dieser mildernden Umstände, der Gang zum Justizminister juridisch und politisch eine grobe Takt- losigkeit war, so ist ihm noch ein Rätsel, was Karl Marx unter „einfachem sittlichen Takt" verstand. Nun zu den angeklagten Parteiredakteuren, die wir der denkbar ehrlosesten Handlungen beschuldigt haben sollen. In unserer Nummer vom 13. Juni baten wir um eine— immer noch nicht gegebene— Aufklärung über die Gründe, aus denen der Plötzensee- Prozeß abgebrochen worden sei, um den Gegnern die Möglichkeit zu nehmen, einen„ehren- und siegreichen Kampf mit einem Schein von Recht zu verspotten", und wir sagten über diese Bemühungen der Gegner: Die„Vossische Zeitung" stellt die Sache so dar, als ob der „Vorwärts" seine Kritik des Strafvollzuges in Plötzensee als einen Jnjurienkrieg gegen Personen begonnen, aber vor Gericht seinen Beweis nicht habe führen können, und daß er sich nun durch ein demütiges pater peecsvi aus der Affäre gezogen habe. Das ist eine schnöde Entstellung des Sachverhalts. Der„Vorwärts" hat sich durch die Kritik des Strafvollzugs in Plötzensee ein großes Ver- dienst erworben; mit reinem Getoissen und mit voller Ehre konnten seine angeklagten Redaktcure wieder und wieder erklären: Wir wollten keine Personen beleidigen, sondern ein unheilvolles System bessern. Ein nicht minder großes Verdienst habe» sich diese Redakteure und ihre Verteidiger dadurch erworben, daß sie in kräftigster und zähester Weise den Kampf ums Recht auf- nahmen, der ihnen durch die Jnstruierung und Leüung des Prozesses aufgedrängt wurde. Sie haben in diesem Kampfe nicht nur Ehren, sondern auch Sieg auf Sieg errungen; sowohl der Strafvollzug, als auch die Rechtsprechungen, wie sie in Preußen üblich sind, standen vor einer zerschmetternden Niederlage. Am nächsten Tage, 14. Juni, gab uns eine Erklärung des bürgerlichen Mitangeklagten Schneidt, wonach die Angeklagten die Richtigkeit der mehrcrwähnten Berichterstattcrnotiz nicht kontrollieren könnten, den Anstoß zu Bemerkungen, von denen die erste sich auf die — bekanntlich unrichtige— Behauptung Schncidts bezog, daß Herr Löwenstein von der Anklagebehörde zum Gange aufs Justiz- Ministerium veranlaßt worden sei, während die zweite lautete: Ferner aber müssen die Angeklagten mindestens d i e Angabe des Gerichtsbcrichterstatters zu kontrollieren in der Lage sein, wonach sie Herrn LÄvenstein, nachdem er beim Justizministcr gewesen war, auch ihrerseits zur Führung der Vergleichsverhand- Jungen bevollmächtigt haben sollen. DaS wäre nach der, wie die „Frankfurter Zeitung" nicht mit Unrecht sagt,„etwas befremd- lichen" Taktik des Herrn Löwenstein, nicht so ganz selbst- verständlich. Auf diese schonende und schüchterne Andeutung einer Ansicht Sin, die andere Parteiblätter, wie die Dortmunder„Arbeiter- Leitung" und die Elberfelder„Freie Presse", zehnmal fo derb und freilich auch zehnmal so treffend ausgesprochen haben, der Ansicht nämlich, daß die angeklagten Parteiredakteure bei allen ihren sonst willig anerkannten Verdiensten den Herrn Löwenstein nach seinem Gange aufs Justizministerium nichr mehr hätten bevollmächtigen sollen, erhebt K. E. seine fulminanten Anklagen auf Hochverrat an der Partei und den Parteigenossen. Kellen wir noch die Suppe der sittlichen Entrüstung auf, die er über den von ihm selbst fabrizierten Tatbestand ergießt, versteht sich, ohne sie durch ein kritisches Wort zu versalzen: Es ist keine Frage guten oder schlechten Tons, ob man von Parteigenossen unwahrer weise Dinge behauptet, die ihre Parteigenössische und persönliche Ehre herabsetzen. Es ist keine Frage des starken oder sentimentalen Stils, ob man fälschlich ihnen Handlungen unterstellt, die sie auf das empfindlichste bloß- stellen müssen. Es ist überhaupt keine Frage des„Tones", ol' man von Parteigenossen unwahre Dinge behauptet oder nicht, ob man ihre An schauungen ent st ellt, ihre Gesinnungen verleumdet, ihre Qualifikation beweislos höhnt— das sind Fragen der Partei-Ehre, und es ist ganz gleich- gültig, ob derartige Angriffe in Schimpfworten oder in sanftesten „Tönen" sich äußern. Eine Polemik, diesolche Mittel anwendet, frißt ins Mark der Partei, und es ist ein unmöglicher Zustand, daß gleichstrcbcnde Weggenossen, die für dasselbe Ideal arbeiten und kämpfen, sich gegenseitig Dinge— ohne irgendeinen tatsächlichen Untergrund— vorwerfen, die für immer ein Zusammenarbeiten, einen weiteren parteigcnössischen Verkehr vereiteln müssen, sofern man überhaupt, was doch die Voraussetzung aller partcigenössischen Polemik ist, die Personen, die solche Angriffe fanatisch pflegen, ernst nehmen will. Es geht nicht an, diese Angriffe auf die Dauer zu ignorieren, sie lassen sich auch nicht, wenn sie systematisch geübt werden, als gelegentliche Entgleisungen entschuldigen, sie müssen unter allen' Umständen ausgerottet werdenl Unsere aufrichtigen Wünsche begleiten K. E. auf dem AuS- rottungsfeldzuge, für den er seine Kampfmethoden so feierlich an- kündigt. m Fassen wir uns zusammen I Das eine der Parteivcrbrechen, die wir begangen haben sollen, besteht in einer Beschiverde, von deren Berechtigung K. E. selbst so durchdrungen ist, daß er sie den Lesern des„Vorwärts" nicht einmal mitzuteilen wagt, das andere aber darin, daß wir einer lebhaften Anerkennung des„Vorwärts" und seiner im Plötzensccprozeß angeklagten Redakteure den leisen Vorbehalt hinzugefügt haben, diese Redakteure hätten für die Ver- gleichsverhandlungen lieber nicht einen bürgerlichen Advokaten be- vollmächtigen sollen, der sich durch sein Antichambrieren bei einem preußischen Minister in eben dieser Sache juridisch und politisch bloßgestellt hatte. Uns genügt, daß wir in beiden Fällen die Ueberlieferungen der Lassalle, Marx und Engels� durchaus sachlich gewahrt haben. Wer die vorstehenden langen und langweiligen Ausführungen gelesen, wird der Meinung sein, eS hätte auch ein kurzer Auszug dieser Darlegungen genügt, die dadurch nicht inhaltsreicher werden, daß sie klare Tatbestände ins dunkelste verwirren. Wir gestehen, daß unsere Leser ein Recht haben, sich über unsere allzu große Geivissen- haftigkeit zu beklagen, die auch nur den Anschein der Animosität zu vermeiden wünschte und deshalb statt des Auszuges den ganze» Wirrwarr übernnttelte. Wir tvollen aber das Uebel nicht durch Kritik im einzelnen verschärfen, sondern begnügen uns, an zwei Punkten nachzuweisen, wie die„Leipziger Volkszeitung"„die lieber- lieferung Lassalles. Marx und Engels durchaus sachlich bewahrt hat". 1. Die„Leipziger Volkszeitung" behauptet, daß sie niemals einem Parteiblatte, das sich im Kampfe mit dem Gegner befand, in den Rücken gefallen sei, daß hingegen im Dezember v. I., als die „2. V." wegen des Sauherdenartikels von der ganzen bürgerlichen Presse umheult worden sei, X. E. ihr in den Rücken gefallen sei. Wir stellen fest, daß die„L. V." sowohl in der Krupp-Affäre wie bei dem Kaiserinselprozeß den Gegnern die Möglichkeit gab, unter Berufung auf die„L. V." ihre Hetze zu betreiben. Die„L. V." hat sich gerade die Fälle herausgesucht, um gegen den „Vorwärts" vorzugehen, wo sie wußte oder doch bei einigem Nachdenken wissen mußte, daß die Umstände den „Vorwärts" hinderten, zur Verteidigung alles das zu sagen, was gesagt werden mußte. Wir wollen Übrigens gern annehmen, daß bei der Kaiserinsel-Affäre nicht nur die Böswilligkeit, sondern auch die Urteilslosigkeit eine Rolle gespielt hat, die auf das bürgerliche Märchen von der Mystifikation hineinfiel. Au? der Lust gegriffen ist es, daß X. E. aus Anlaß des Sauherdenartikcls der„L. V." in den Rücken gefallen sei. Der Artikel erschien in der„L. V." am 2. Dezember. Der„Vorwärts" hat sich mit ihm überhaupt nicht beschäftigt. An, 10. Dezember gab Genosse Bebel im Reichstage die bekannte Erklärung ab, von der es in der im Auftrage der sozial- demokratischen Fraktion deS Reichstages am 15. Dezember veröffent- lichten Erklärung hieß: die anwesenden Mitglieder der Fraktion hätten sich„nach der Rede deS Reichskanzlers verständigt, den Gc- nassen Bebel zu beauftragen, in seiner Rede zu erklären, daß die Fraktion die Veröffentlichung jenes Artikels bedauert und die Ver- antwortung für denselben ablehnt. Es handelte sich nicht nur um die Zurückweisung der Augriffe des Reichskanzlers, sondern indirekt auch um die Zurückweisung der Angriffe, die ein größerer Teil der gegnerischen Presse mit Bezugnahme auf den in Frage stehenden Artikel der„L. B." gegen dre Partei gerichtet hatte!"— Die „L. V." sollte den Mut haben, der Fraktion des Reichs- t a g e s den Vorwurf zu machen, daß sie ihr damals in den Rücken gefallen sei. Es ist auch kein Geheimnis, daß gerade X. E. damals die Fraktionstrklärung mißbilligte, nicht etwa weil er den geschmacklosen Sauherden-Artikel unterschrieben hätte, sondern weil er es für unzulässig hielt, daß in dieser feierlichen Form vor dem Parlament eine mißglückte schriftstellerische Leistung ver- leugnet wurde, die in törichter Form eine sachlich richtige Kritik ent- hielt. X. E. regte an, diese Stellungnahme gegen die Fraktions- erklärung auch redaktionell im„Vorwärts" zum Ausdruck zu bringen, und übernahm die Abfassung eines Arttkels. Ehe aber die Absicht ausgeführt loerden komite, erschien ein toller Angriff auf die Fraktion in der„L. V.", der nun jede Verteidigung unmöglich machte. Erst später, als die ganze Affäre fast schon der Vergessenheit angehörte. als niemand mehr„heulte"— am 22. Dezember v. I.— brachte der „Vorwärts" eine Notiz, die im wesentlichen bestimmt war, einen von der bürgerlichen Presse angegriffenen Artikel von Parv nS zu verteidigen, und ßanz beiläufig, um den linterschied zwischen einem gesunden kräftigen Stil und einer durch die lieber- treibung nur komisch wirkende Kraftmeierei zu demonstrieren, wurde darauf hingewiesen, daß jener Sauherden-Artikel nicht mit dem von der bürgerlichen Presse angegriffenen Parvus-Artikel auf eine Stufe gestellt werden könne. So schreibt die„L. V." Parteigeschichte der jüngsten Vergangenheit, die noch jeder unmittelbar kontrollieren kann! 2. DaS Verhalten der„L. V." gegenüber dem Plötzensee» Prozeß läßt sich durch keine„urkundliche Wahrhei"t, wie sie die „L. V." versteht, entschuldigen. Als die ganze bürgerliche Presse verblüfft war über den Triumph, den die Angeklagten erzielt hatten, kam die„L. V." und pfiff den bürgerlichen Blättern das Lied vor, das seitdem nicht mehr aufhörte. Sie sprach von Kabinettsjustiz und dergleichen. Die ganzen damaligen und heutigen Auseinandersetzungen über den Vorwurf der Kabinettsjustiz hätte sich die„L. V." ersparen können, wenn sie die sachliche Aufklärung des Rechtsanwalts Dr. Löwenstein ihren Lesern übermittelt hätte. Der Vorwurf wurde nicht nur gegen diesen Rechtsanwalt per- sönlich erhoben,— das geschah im ersten Artikel—, sondern er wurde indirekt im darauffolgenden Artikel auch auf die angeklagten „VorwärtS"-Redakteure ausgedehnt.... Es bedeutet geradezu eine Verachtung ihrer Leser, wenn die„L. V." immer noch glauben zu machen sucht, es sei wirklich etwa? wie„Kabinettsjustiz" von irgend jemand versucht worden. Weil der Justizminister dem Rechtsanwalt gegenüber erklärte, daß er für seine Person jede„Einmischung in den schwebenden Prozeß und jede unmittelbare Einwirkung auf die Behörde ablehne", jo soll Herr Schönstedt.das abgelehnt haben, was man in der sinnlichen Kutschersprache des gewöhnlichen Lebens ei« Kabinettsjustiz nennt. Die„L. V." denkt also so niedrig über die Parteigenossen, daß sie allen Ernstes vorgibt, ein Rechtsanwalt käme zum Justizminister und würde ihm die verbrecherische Handlung zumuten, in die Justizpflege im Sinne einer Kabinettsjustiz einzugreifen. Das Wort„einmischen", das hier eine ganz andere Be- oeutung hat, soll den Verdacht erwecken. Natürlich wäre ein Rechts- anwalt selbst von dem reaktionärsten Justizminister, der insge- heim Kabinettsjustiz wirklich triebe, an die Luft befördert worden, wenn er ihm ein solches Ansinnen gestellt hätte, und er würde sich einen Kriminalprozeß obendrein auf den Hals geladen haben. Was der Justiz- minister gemeint hat, hat der Rechtsauwalt Löwenstein in jener von der„L. Ä." unterschlagenen Erklärung deutlich auseinandergesetzt. Herr Schönstedt war der Vorgesetzte des Oberstaatsanwalts, der den Strafantrag gestellt hatte, er konnte durchaus loyal, ohne irgendwelche„Kabinettsjustiz", seinen Untergebenen anweisen, die Klage zurückzuziehen oder er durste auch, ebenso loyal, wie er eS in der Tat getan hat, dem ihm untergeordneten Beamten die Sache zur selbständigen Entscheidung überlassen. Es bleibt dabei: die „L. V." hat aus sinnlosem Haß gegen den„Vorwärts" zwei seiner Redakteure der Provokalion oder doch der Begünstigung einer Kabinetts- justiz beschuldigt, sie hat der bürgerlichen Presse das Stichwort gegeben, wie sie einen unangenehmen Erfolg der Sozialdemokratie weglügen könnte, und sie hat dies in einem Augenblick getan, wo sie wieder wissen mußte, daß die„Vorwärts"-Redakteure, weil sie eben einen „Vergleich" geschlossen hatten, anständigerweise genötigt waren, eine gewisse Zurückhaltung zu üben. Es krönt dieses Werk, daß sie auch jetzt noch mit zäher UnWahrhaftigkeit die Vorwürfe teils abzuleugnen, teils aufrecht zu erhalten sucht— alles unter Berufung auf Lassalle, Marx und Engels, und das nennt dann wohl das Leipziger Partei- organ„einfachen sittlichen Takt" und prinzipielle Aufklärung. Der politische Massenstreik und die Sozialdemokratie. Am Donnerstagabend fand im Viktoria-Garten in Hamburg eine Mitgliederversammlung für den dritten Hamburger Wahlkreis statt, die von 1500 Personen besucht war. An Stelle der erkrankten Ge- nossin Dr. Rosa Luxemburg referierte Arbeitersekretär Ph. Müller- Altona, der sich lebhaft gegen die Ansichten des Abgeordneten Frohme in einer Versammlung der Hamburger Zimmerer wandte, daß der General- oder politische'Massenstreik zu verwerfen sei. Sollte die Reaktton immer stecher ihr Haupt erheben und den Versuch machen, die Arbeiter noch weiter zu knebeln, ihnen womöglich das Reichstagswahlrecht zu rauben, dann seien schärfste Abwehrmittel geboten. Er habe die feste Ueberzeugung, daß Bebel die Angelegen- hett auf dem Parteitage anders behandeln werde, als das auf dem Kölner Gewerkschaftskongreß geschehen sei. Redner resümiert sich dahin, daß dereinst der politische Massenstreik zur An- Wendung gelangen werde. sGroßer Beifall.) Genolle P ä p l o w hält den General- oder Massenstreik für undiskutabel,•zj** Gewerkschaftskongreß habe das Richtige getroffen. Es folgte eine lebhafte Debatte, in der sich sämtliche Redner und Rednerinnen gegen Päplow und Frohme wandten und sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden erklärten. Die KreiSkonfcrenz der West-Pricgnitz fand am 27. August in Wittenberge statt. Erschienen waren 14 Delegierte, von der AgitationSkomnussion des 6. Wahlkreises die Genossen Karl Fischer und Laukant sowie der Kandidat des Wahlkreises Genosse Dr. Wehl. Der KreisvertranenSmann Genosse HernofSki gab den Bericht. Der sozialdemokratische Wahlverein hat in diesem Jahre um 80 Mit- glieder zugenommen; die Presse hat sich auch gehoben, wenn auch incht in dem Maße, wie es nach den bei der letzten Reichstagswahl abgegebenen Stiminen zu hoffen war. Neu gegründet ist ein sozial- demokratischer Frauenverein mit 36 Mitgliedern. Im Kreise sind 10 000 Kalender verbreitet worden. Die„Brandenburger Zeitung" hat 235 Abonnenten, auch die„Fackel" wurde in mehreren ländlichen Bezirken gelesen. Die Abrechnung ergibt eme Einnahme von 464,10 M., eine Ausgabe von 309.80 M. Genosse Hernofski beantragt, den Kreis in Zukunft in 35 Bezirke einzuteilen, da die Genossen die jetzigen 25 Bezirke, weil zu weitläufig, schwer bearbeiten können. Gen. Karl Schmidt, Kolporteur der„Brandenburger Zeitung", führt aus, es sei eine traurige Tatsache, daß die Arbeiter immer noch Zeitungen lesen, die die Arbciterbcstrebungen bekämpfen. Die Arbeiterpresse müsse jeder Arbeiter lesen, damit er sich doch über die Arbeiterbewegung informieren könne. Es seien sogar noch organi« sierte Arbeiter, wo die Arbeiterzeitung im Hause fehle. Nachdem das Preßstatut verlesen, wird vom Gen. Schmidt folgende Resolution eingebracht: Die Kreiskonferenz empfiehlt den Parteiorganisationen in Wittenberge und allen Orten, die hier vertreten sind, sowie den ländlichen Genossen, mehr Gewicht als bisher auf die Verbreitung des Parteiorgans, die„Brandenburger Zeittuig", zu legen. Die Wahlvereine und wo solche nicht bestehen, die Ver- trauenspersonen sollen im September in eine umfassende Agitatton zur Gewinnung von Abonnenten in Stadt und Land eintreten. Die Resolutton wurde angenommen. Zum Parteitag in Jena nimmt Genosse Dr. Wehl das Wort. Daß die ganze ReichstagSftattion in Zukunft Sitz und Stimme im Parteitag haben wird, bezweifelt er, jedenfalls nur 25 Proz. Der sechste Berliner Wahlkreis hätte schon Beschluß dazn gefaßt, und wir sollten uns demselben anschließen. Die Arbeits- ruhe am ersten Mai sei die vornehmste Art, und sei die Resolution zur Feier des ersten Mai anzunehmen und, wo angängig ist, die KrbeitSruhe eintreten zu lassen. Der politische Massenstreik sei zwar eine zweischneidige Waffe, denn eS müsse genau erwogen werden, ob die Massen schon' so weit reif seien, ihre wirtschaftliche Existenz aufs Spiel zu setzen. Auch müßten alle Berufe dabei in Bettacht kommen. Nur auf einem Wege kämen wir vorwärts und der sei, die Massen zu organisieren und zu disziplinieren. Zum Delegierten zum Parteitage empfiehlt Genosse Dr. Wehl den Genossen Frei- thaler. Die Genossen Hermofski und Tietz werden vom Genossen Lanka« als Delegierte zu der Provinzialkonferenz vorgeschlagen. Auch wird von Genossen Laukaut bemerkt, daß in Zukunft von den Wahlkreisen 25 Proz. der Einnahmen abgeführt werden sollen. Der§ 3 Abs. 4 soll im Organisationsstatut gestrichen werden. Zum KreisvertranenSmann wurde Genosse Hernofski wiedergewählt, als Stellvertreter Genosse Tietz. Genosse Karl Fischer- Berlin ermahnte zum Schluß, in Zukunft Schulter an Schuller zu kämpfen und zu verbessern, wo Mängel seien, wie es ehrlichen Sozialdemokraten geziemt. Mit einem Hoch auf die internattonale völkerbefreiende Sozialdemokratie wurde die Konferenz um 6 Uhr geschlossen. Viktor Adler RcichöratSkandidat. AuS Oesterreich wird ge» meldet: Genosse Josef Hannich, Vertreter der allgemeinen ReichsratS- kurie für den Reichenberger Bezirk, hat kürzlich fein Abgeordneten- mandat wegen zunehmender Kränklichkeit niedergelegt. Hannich ist einer der ältesten und verdientesten Pateigenosien der österreichi- scheu Sozialdemokratie und hat in den schweren Zeiten des Ausnahme- zustandes und der Partcispaltung mannhaft ausgeharrt. Be- > anders als Redakteur des Brünner„Volksfreund" und der seither eingegangenen„Arbciterstimme" leistete er vorzügliches. Hannich, der sich auch schriftstellerisch betätigte, vertrat den Reichenberger Wahlbezirk seit der Badenischen Wahlreform im Jahre 1897. Nun ist er zurückgetreten und an seiner statt hat die in Warnsdorf ab- gehaltene Wahlkreiskonferenz den Genossen Dr. Viktor Adler als Kandidaten für das erledigte Mandat einstimmig aufgestellt. Der Reichenberger Wahlbezirk ist einer der Ursitze der österreichischen Sozialdemokratie._ ßnefhaften der Redaktion. L. N. 99. Beantwortet in Nr. 294 unter ,N. L. 99". ES handelt sich nicht um Junge und Alte, sondern um Weibchen und Männchen Konigin und Drobnen). Die Arbeitsbiene ist neuttalen Geschlechtes bczw. geschlechtslos.— Victor Zldler. Kien,„Arbciter-Zeiwng", Mariahilscr» straße 89. Näheres durch ihn.- Weber. Antwort in einer Drogerle bezw. in einer„chemischen Waschanstalt" usw.— E. lt., Wctdenweg. 1. Früher Rixdors. 2. Uns jetzt mit Sicherheit nicht bekannt.— P. P, Nein.— St. Sch. New.— tt. F. La. Juriftifcher Ceil. Stationen Wetter Stationen Wetter arbeiter eine Arbeit leisten) besteht, ist außerordentlich bestritten. In Berliner Marktpreise.( Ermittelt vom Polizei- Präsidium.) Beigen Ihrem Falle kommt das gar nicht in Frage, da es sich lediglich um Ge- gute Sorte, 1 Dz. 16,60( 16,55), mittel 16,50( 16,45), geringe 16,40 Streit 38. Aus den§§ 100 f- 100 h, 103 e, 129-130 der Gewerbe meinde Friedhöfe und konfessionslose handelt. J. 2. 3. 1. Sie( 16,35). Roggen, gute Sorte, 1 Dz. 14,85( 14,82), mittel 14,79( 14,76), ge Ordnung werden Sie ersehen haben, daß die Materie nicht einheitlich für alle müßten zunächst, und zwar da es sich um ein Objekt über 300 M. handelt, ringe 14,73( 14,70). Ab Bahn. Futtergerste, gute Sorte 15,40( 15,00), Gewerbe oder alle Orte geregelt ist. Wiederholen Sie die Fragen unter beim Landgericht in Hamburg klagen. Dann ist das Gerichtsvollzieheramt mittel 14,90( 14,50), geringe 14,40( 14,10). Hafer, gute Sorte 16,40 Darlegung des Sie betreffenden Falles, insbesondere unter Hervorhebung, dort mit Vornahme der Vollstreckung zu beauftragen. 2. Ihrem Bruder( 15,40), mittel 15,30( 14,40), geringe 14,30( 13,40). Frei Wagen und ab welche Gemeinde in Betracht kommt und ob und um welche Innung es sich müssen Sie zum Verkauf Bollmacht erteilen. Aber wenn irgend möglich, Bahn. Richtstroh 1 Dz. 0,00( 0,00). Seu, neu, 0,00( 0,00). Erbsen, gelbe, handelt. H. 26. Wenden Sie sich an das Amtsgericht Berlin II, sollten Sie den Verkauf nicht herbeiführen, sich mit den Ihrigen zum Kochen 40,00( 30,00). Speisebohnen, weiße 50,00( 30,00), Linsen Hallesches Ufer 29-31. Plessow. Nicht die Höhe in bar ihrer Unfalls über eine Abstandssumme einigen und die Grundstücke Sen 60,00( 30,00), Startoffeln 7,00( 4,00). Rindfleisch, von der Keule, 1 Kilo rente, sondern der Prozentsaz( der steht im Bescheid) der Vollrente ist für Ibrigen überlassen, da die Grundstücke voraussichtlich wertvoller werden. gramm 2,00( 1,40), Rindfleisch, Bauchfleisch 1,50( 1,20), Schweinefleisch 2,30 die Frage der Zulässigkeit einer Kapitalabfindung der Unfallrente maß- Ein Elender. Hat Ihre Schwester ein steuerpflichtiges Einkommen, ist( 1,40), Stalbfleisch 2,50( 1,30), Hammelfleisch 2,00( 1,40), Butter 2,80( 2,20), gebend, Kapitalabfindung ist bei Renten zulässig, die in Höhe von 15 oder aber versehentlich nicht eingeschäßt, so fann nachträgliche Einschätzung auch Gier( 60 Stück) 4,40( 3,00). Starpfen, 1 Sg. 2,40( 1,40), ale 3,00( 1,50), weniger Prozent der Bollrente festgesezt sind. H. B. 73. Der Abzug für die letzten drei Jahre erfolgen. A. D. 150. Die Polizei hat Privat- Bander 3,50( 1,40), echte 2,80( 1,40), Barsche 2,40( 1,00), Schleie 3,00 war unberechtigt(§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches). Ueber die von streitigkeiten nicht zu entscheiden. Sie müssen auf Herausgabe und( 1,40), Bleie 1,60( 0,80), Strebfe( 60 Stüd) 20,00( 3,00). Ihnen aufgeworfenen Fragen finden Sie Auskunft über die Rechtslage und eventuellen Schadenersaz flagen. R. H. 50. Wiederholt ist darauf hindie nicht einheitliche Rechtsprechung S. 158-167 des in den Bibliotheken gewiesen, daß es unmöglich ist, Fragen über Rechte oder ausliegenden Arbeiterrechts". A. S. 33. Das Amtsgericht kann den Pflichten aus einem Vertrage mit Sicherheit zu be Schein fordern. A. H. In Pfand genommene Sachen werden nicht antworten, wenn nicht der Wortlaut des Bertrages Witterungsübersicht vom 1. September 1905, morgens 8 Uhr. durch Zeitablauf Eigentum des Pfandinhabers. Sie müssen flagen oder beigefügt ist. Ein Schreibfehler in einem Vertrage macht denselben öffentlich bersteigern lassen.( S. 200, 606„ Arbeiterrecht"). M. M. feineswegs ungültig; ebensowenig hebt ein wiederholtes Ersuchen einen Die Eingaben an das Gericht und die Staatsanwaltschaft sind in Ihrem Vertrag auf. Sind Sie als Beamter im März versett, so hatten Sie das Falle völlig zwecklos. Lassen Sie Vergangenes begraben sein. Recht, bis spätestens am 3. April zum 31. Juli zu fündigen, falls nicht R. S. 51. 1. Gegen den Bescheid der Berufsgenossenschaft muß Berufung der Bertrag Abweichendes enthält. Dem Vermieter steht volles Pfandrecht eingelegt werden. S. 576 Nr. 35 des Arbeit errecht" finden Sie Beispiele an den der Pfändung nicht unterliegenden Sachen zu. Der Streis der zu für eine solche. 2. Die Krankenkosten haben keineswegs Sie, sondern die pfändenden Sachen ist S. 535 bis 538 des Arbeiterrechts" angeführt. EntGemeinde(„ Arbeiterrecht" S. 358) oder die Berufsgenossenschaft zu tragen. fteht Streit über die Unpfändbarkeit im Einzelfall, so ist durch das Amts- Swinembe. 758 23 A. 83. 1. Die zweite von Ihnen vorgetragene Vereinbarung modifiziert gericht eine Entscheidung im Klagewege herbeizuführen. Auf Teilzahlung Hamburg 762 S3 Regen die erste, hebt sie aber nicht auf. 2. Wird in einer Klage mehr eingeflagt, entnommene Sachen unterliegen der Pfändung, wenn sie dem Mieter als dem Kläger zusteht, so ist er feineswegs mit dem Gesamtanspruch, hören. Liegt ein Eigentumsvorbehalt des Verkäufers vor, so unterliegen sie ranks.a. M. 767 3 sondern nur in Höhe des zu viel Geforderten abzuweisen. 3. Sind die nicht der Pfändung. Ist der Mietsvertrag infolge der unwahren Be- München 767 23 Raten rechtmäßig beschlagnahmt, so sollten Sie die Raten hinterlegen und hauptung, die Möbel gehören dem Mieter, zustande gekommen, so kann in denjenigen, die Ansprüche auf Zahlung erheben, überlassen, sich über ihre solchem Fall Anklage wegen Betruges erfolgen. Enzner. Ja. Berechtigung herumzustreiten. Sch. 10. M. Sie müssen einen Kosten D. 11. Schließen Sie zur Sicherung Ihrer Frau einen notariellen Verfeststellungsantrag an das Gericht richten. Ein Beispiel finden Sie in dem trag nach Art der S. 225 Nr. 22 des dem Arbeiterrecht" beigefügten in den öffentlichen Bibliotheken ausliegenden Arbeiterrecht", S. 598 Nr. 78. Führers ab. Die Kostenhöhe richtet sich nach dem Objekt. Kaffe 3. Sie B. D. Der Alimentenanspruch ist noch keineswegs berjährt. Von An- fönnen soviel 8 us chuß faffen angehören wie Sie wollen, falls die Stassenftellung einer Klage seitens Ihrer Frau aus eigenem Recht auf Erstattung statuten das zulassen. Wie weit Doppelversicherung zulässig ist, ersehen Sie der Kosten( Beispiel S. 222 Nr. 14 des dem„ Arbeiterrecht" beigefügten aus§ 26a des Krankenversicherungsgesetzes und S. 465 des Arbeiterrechts". Führers) ist in Ihrem Falle abzuraten. Zu raten wäre zu einer Alimenten- Beide Bücher sind in den öffentlichen Bibliotheken einzusehen. Bestimmte flage in der S. 218 Nr. 9 daselbst gegebenen Art. Ihre Frau läßt sich zu Staffen zu empfehlen lehnen wir grundsäßlich ab. 3. G. 12. 1. Ob der nächst vom Vormundschaftsgericht zweds Einleitung der Klage be- Beuge im Inland oder Ausland vernommen wird, ist für seine Glaubscheinigen, daß das Kind vermögenslos ist. Dann richtet sie den Antrag| würdigkeit unerheblich. 2. Ein Zeuge, der sich einer strafbaren Handlung um Bewilligung des Armenrechts für das Kind an das Prozeßgericht( Amts beschuldigen würde, fann die Aussage verweigern. Aus der Verweigerung+2,14 Meter. gericht des Wohnfißes des Beklagten). Jst nicht Ihre Frau Vormund, so kann das Gericht aber Schlüsse ziehen. 3. S. 520, 521 des Arbeiterhat der Vormund diese Schritte zu ergreifen. G. 17. Ob ein Recht der rechts" und S. 71 bis 81 des demselben beigefügten Führers ist Kirchengemeinde auf sogenannte Auskaufsgelder( dafür, daß die Kirchen die Materie behandelt. M. O., Großbeerenstraße. 1. Nein. 2. Ja. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, 2. September. Anfang 7, Uhr: Opernhaus. Coppelia. Anf. 8 Uhr. Schauspielhaus. Prinz Friedrich von Homburg. Neues fönigl. Operntheater. Geschlossen. Neues. Ein Sommernachtstraum. Westen. Die neugierigen Frauen. Anfang 8 Uhr: Schiller 0.( Wallner Theater.) Der Leibalte. Urania 8 Uhr: Tauben. str. 48/49. Von der Zugspitze zum Watzmann. Sternwarte Invalidenstr. 57/62. CASTAN'S ANOPTICUM. PAN Neu! Friedrichstr. 165. Schiller- Theater. ge= -Berlin Wien 762 23 3 Regen 13 Haparanda 741 N 12 Petersburg 743 NW 12 Scilly 771 N 14 Aberdeen 12 Baris 15 2Regen 2bedeckt 8 10 3 woltig 14 761 2 bedeckt 13 770 S3| 1 halb 50. 11 3 Regen 2 bedeckt 3 wolfig 765 2 2 wolkig Wetter- Prognofe für Sonnabend, den 2. September 1905. Kühl und vorherrschend wolkig mit leichten Regenfällen und ziemlich frischen westlichen Winden. Berliner Betterbureau. Dresden- 1,68 Meter, bei Magdeburg+0,76 Meter. Unstrut bei Wasserstand am 31. Auguft. Elbe bei Aussig 0,38 Meter, bei Straußfurt+1,20 Meter. Breslau Oberpegel+ 4,70 Meter, bei Breslau Unterpegel- 1,80 Meter, Dder bei Ratibor+0,87 Meter, bei bei Frankfurt+ 0,83 Meter. Weichsel bei Brahemünde Marthe bei Posen-0,06 Meter. Nete bei Usch -Meter. Trianon- Theater.[ 0000000 Heute und folgende Tage: Sonnabend, abends 8 Uhr: Das Ende der Liebe. Gebrüder HerrnfeldSchiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Sonnabend, abends 8 Uhr: Freitag: Geschlossen. Der Leibalte. Komödie in 3 Atten v. Lothar Schmidt. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Die Ehre. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Logenbrüder. Montag, abends 8 Uhr: Die Logenbrüder. Ein Wintermärchen. Schauspiel in fünf Aufzügen von William Shakespeare. Sonntag, nach m. 3 Uhr Jugend. Sonntag, abends 8 Uhr: Ein Wintermärchen. Montag, abends 8 Uhr: Ein Wintermärchen. Minister Witte, Max Kliems Sommer- Theater Baron Komura, die japanisch- russischen Friedensunterhändler. Schiller N.( Friedrich Wilhelm. Präsident Roosevelt!! städtisches Theater). Ein Wintermärchen. Leffing. Elga. Lustspielhaus. Der Familientag. Thalia. Bis früh um Fünfe! Residenz. Eine Hochzeitsnacht. Zentral. Die Geisha. Trianon. Das Ende der Liebe. Carl Weiß. Im Hause der Sünde. Belle- Alliance. 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Gr. Frankfurterstr. 132. Täglich 8 Uhr: WINGARTEN sa, a 4. Eröffnungs- Programm. Palast- Theater früher Feen Palast, Burgstr. Sonnabend, 9. September: Beginn der 11. Saison. 765 Loïe Fuller Das phänom. Eröffnungs- Programm. die berühmte Phantasietänzerin. 12 Schau- u. Kunstnummern 1. Ranges. Louise Blot Pariser Sängerin. 4 Luckens amerik. Gymnastiker. Sisters Gasch Akrobatinnen. Kapitän Woodward Das Befte vom Besten. Per Rohrpost. dress. Seehu Schwant in einem Aft v. M. Reichardt. Anfang 8 Uhr. Konzert 742 Uhr. Entree 50 Pf. Familienkarten find in allen Barbier, Friseur: u. Zigarren nachm. Sonnt. 8, Bochent. 5 Uhr Im Hause der Sünde. geschäften sowie an der Theater. Poldi Augustin die fesche Soubrette. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Jm fasse unentgeltlich zu haben. Hause der Sünde. 0 Im Sommergarten: Neues September Programm. Anfang 5 Uhr. Abds. 10 Uhr: Ringkampf- Konkurrenz. Heute I. catsch à catsch- can- Ringen. Herr Tacianu W. Noacks Theater. Damen- Imitator. Das glänzende September- Programm. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Sommerfest des Lokal- Verbandes d. Maurer. Konzert, Theater, Spezialitäten. Die Kinder der Exzellenz Lustspielhaus. Sanssoucie Wette Sonntag nachm.: Kabale und Liebe. Abends: Die Kinder der Erzellenz. Montag: Die Kinder der Erzellenz. Apollo- Theater. Heute: Anfang 82 Uhr. Der Familientag. Morgen: Khriz- Byrik. Sonntag nachmittag 3 Uhr( halbe Preise): Biederlente. Neue Spezialitäten! Residenz- Theater. Prolongiert: Ein Abend in einem Direktion: Richard Hlexander. Heute und folgende Lage, 8 Rottbuserstr. 4a. Stat. der Hochbahn Direft.: Wilhelm Reimer. Sonnabend, den 2. September cr.: Große Extra- Soiree der Hoffmannschen Norddeutschen Sänger und Kaffeeküche von 3 Uhr. Vorstellung Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger. Anfang: 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Wochentags 10 Uhr. merk Tag- Tang Gine Hochzeits nacht. A Reederei Mobiling. Tingel- Tangel Borher: Hochzeitsabend b. P. Lincke. und Albert Barré. Gustay want in 3 Aften von Henri Stéroul Behrens Sonnabend, d. 9. Sept., 3. 1. Male: Die Höhle des Löwen. SpezialitätenTheater FrankfurterAllee 85. Täglich das großartige September- Programm 1. a. Eine tolle Nacht. Große Poffe mit Gesang. Großer Lacherfolg. Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Täglich im großen schattigen Garten: Streich- Konzert. Ricardo Munez. Bei ungünstigem Better im Saal. früh 9 Uhr) nachi. 21.f Seute Sonnabend en Sonntag morgen Prater- Theater Kastanien- Allee 7-9. Heute: Dämon Gold. Charakterbild in drei Akten. dress. Seehunde u. Seelöwen. amerikanische Exzentriks. Die mysteriösen Husaren. Edith Helena amerik. Sängerin. Die Trombettas italien. Duett. Paul Spadoni In Japan Ballettdivertissement. Tina Clementa Pferd- und Hundedressur. Der Biograph. Schweizer- Garten. Am Königstor. Am Friedrichshain. The Kieffers Pantomime. Täglich: Theater Mizzi u. Géza Varadi- Duett. Pantomime. Spezialitäten. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Plaz 50 Pf. 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August plötzlich bers storben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. September, nachmittags 3, Uhr, vom Trauers hause Liegnizerstr. 20 aus nach dem neuen Jakobi- Kirchhof in Rigdorf statt. Um rege Beteiligung ersucht 92/2 Die Ortsverwaltung. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Ortsverwaltung Rigdorf. Am Mittwoch, den 30. August, verstarb im 28. Lebensjahre unser Kollege, der Gastwirt Gustav Dühring, Rigdorf, Cannerstraße 4. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. September, nach mittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Rigdorfer Kirchhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. J. A.: Münzer. 69/19 Danksagung. Für die vielen Beweise der Teil nahme und die reichen Kranzipenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes 41362 August Merkmann, sage ich allen Teilnehmern meinen herzlichsten Dant. Witwe Merkmann nebst Kinder. Eine Mark wöchentl. Teilzahlung liefere eleg. fertige Herren- Moden Bestellung n. 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Im Juni d. J. straften Arbeiter" Franz Schulz unter der Anklage des ver- stellung zeigte. Diefer Strumpf veranlaßte den Bestohlenen zum Logierte sich in einem der vornehmsten Hotels am Vierwaldstädter suchten Diebstahls im Rückfalle vor den Strafrichter. Am 14. Mai Nachdenken. Er erinnerte sich, daß er vor noch nicht langer Zeit See ein jungea Ehepaar aus Berlin ein. Nach dem Fremdenbuch d. I. hatte der Bureaubeamte R. aus Charlottenburg an der Ge- einen solchen auffälligen Strumpf an dem Fuß eines Mannes gesehen handelt es sich um einen„ Kaufmann Kaminsky nebst Gemahlin aus burtstagsfeier eines Kollegen teilgenommen, bei welcher es ziemlich hatte, den er eines Abends als Hausdiener in einem in der Nähe Berlin". Jeder war fest davon überzeugt, daß es ein neugebackenes feuchtfröhlich zugegangen war. Gegen zwei Uhr nachts trat er endlich belegenen Schanklokal angetroffen hatte. Er eilte alsbald dorthin, Ehepaar war, welches am herrlichen Vierwaldstädter See seine den Heimweg an. Da er feine Fahrverbindung mehr hatte, so mußte um weitere Recherchen anzustellen und war nicht wenig erstaunt, als Flitterwochen verleben wollte. Eines Tages war das junge Ehe- er den für ihn bei seiner stark schwankenden Verfassung überaus be- er dort den Angeklagten antraf, der den ihm gestohlenen Anzug nebst paar gerade im Begriff, mit einer größeren Gesellschaft einen Aus- schwerlichen Heimweg zu Fuß antreten. Als er in Schlangenlinien Ladstiefeln trug. Er sorgte natürlich für dessen sofortige Festnahme. flug in die Berge zu unternehmen. Plötzlich entstand unter der die Hofjäger- Allee im Tiergarten entlang ging, fühlte er eine un- Es stellte sich heraus, daß der Angeklagte in derselben Nacht, bevor er frohen Gesellschaft eine große Aufregung, welche die vergnügte Stim- überwindliche Müdigkeit in den Beinen, die ihn veranlaßte, sich auf bei Riese seinen Besuch abstattete, auch in die Werkstatt des in demmung in eine allgemeine Bestürzung verwandelte. Ein Polizei einer Bank niederzulassen. Als er gerade sanft einschlummern selben Hause vorhandenen Tapezierers Wagner eingebrochen war, beamter war im Hotel erschienen und wies einen Verhaftungsbefehl wollte, vernahm er plötzlich ein verdächtiges Geräusch neben sich. ohne dort etwas zu finden, was er des Weitnehmens für wert erachtete. von der deutschen Regierung vor, nach welchem er beauftragt wurde, R. vermutete sofort einen Dieb und stellte sich nunmehr schlafend. Der Angeklagte war in vollem Umfange geständig. Der Staatsden Kaufmann Kaminsky zu verhaften. Der neugebackene Ehegatte Bald bemerkte er auch, wie jemand seiner Uhr ganz besondere Auf- anwalt beantragte gegen ihn 2½ Jahre Zuchthaus, der Gewurde von seiner jungen Frau" getrennt und mußte nach voraus- merksamkeit widmete. Im geeigneten Moment sprang R. plötzlich richtshof erkannte auf eine Gefängnisstrafe in gleicher Höhe. gegangenem Auslieferungsverfahren den Weg nach dem Moabiter auf, wobei er mit seinem Kopfe auch noch in eine ziemlich unsanfte untersuchungsgefängnis antreten. Diesem Vorfall, der unter den Berührung mit dem des Diebes kam. Der Fledderer ergriff die zahlreichen Vergnügungsreisenden großes Aufsehen erregte, liegt Flucht. Der durch den Vorfall etwas ernüchterte St. lief hinterher folgendes zugrunde: Im Frühjahr dieses Jahres lernte die 35 jährige und konnte schließlich auf dem Lützowplatz den Dieb mit Hülfe einiger Tochter einer reichen Villenbesizerin aus einem Vororte von Berlin Passanten festnehmen. Auf der Polizei erkannte man den Fledderer den Kaufmann Kaminsky kennen. Nach kurzer Zeit fand die Ver- als den vielfach vorbestraften Angeklagten. Der Gerichtshof erlobung jener Dame mit K. und bald darauf die Hochzeit statt. Am fannte mit Rücksicht auf die Vorstrafen des Sch. auf eine Ge Tage nach dieser wurde dem beglückten Ehegatten die recht stattliche fängnisstrafe von neun Monaten unter Anrechnung Mitgift von der Schwiegermama ausgehändigt. An demselben Tage von zwei Monaten der Untersuchungshaft. noch mußte die junge Frau vergeblich auf ihren Herrn und Gebieter warten. Dieser war, trotz aller Recherchen, spurlos verschwunden. Ein verräterischer Strumpf ist für den Artisten Richard Bald aber sollte dieses rätselhafte Verschwinden eine der jungen Frau Grosch, der gestern wegen schweren Diebstahls vor der Ferienhöchst unangenehme Aufklärung erfahren. Der neugebackene Ghe- straffammer des Landgerichts I stand, zum Verhängnis geworden. mann war unter Mitnahme der gesamten Mitgift mit einer ehe- Der Angeklagte ist schon elfmal vorbestraft. Als am 16. Juni nachts maligen Geliebten, einer Konfektioneuse, durchgebrannt. Die schnöde der in der Linkstraße 12 wohnende Räucherwarenhändler Riese von verlassene Ehefrau ließ sofort alle möglichen Ermittelungen nach dem einem Ausgange heimfehrte, nahm er zu seiner Ueberraschung wahr, Treulofen anstellen und erstattete zugleich Strafanzeige wegen Be- daß ein Einbrecher die kurze Zwischenzeit benutzt hatte, um ihm truges. Die Kriminalpolizei ermittelte schließlich den durchgebrannten einen unliebſamen Besuch abzustatten. Ein Stellerfenster, welches Ehegatten in der Schweiz, wo er sich mit seiner Geliebten, die er als nach dem Hofe hinausging, war eingedrückt, der Einbrecher war durch seine Frau ausgab, aufhielt und wo ihn auch der Arm der Gerechtig- dasselbe eingestiegen, hatte die Ladenkasse erbrochen und den Inhalt feit in der geschilderten Weise erreichte. Er wird sich dieser Tage gestohlen und in der an den Laden grenzenden Wohnung waren verTeures Fleisch = Eingegangene Druckfchriften. Die letzten Nachrichten des Bundes, Nr. 245. 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So betrug die Zahl der ein- geschriebenen Mitglieder insgesamt 1991 gegen 772 im Vor- jähre und 563 im ersten, die Zahl der abgehaltenen Kurse 17 gegen 19 bezw. 6, der durchschnittlichen Hörerzahl für olle Kurse 1235(812 bezw. 361). Die Bibliothek enthielt 1687(1645 bezw. 782) Bände, von denen 1643(1398 bezw. 637) entliehen wurden. Es hat sich mithin die Benutzung der Bibliothek auch relativ gesteigert, wenn auch eine Entleihe- ziffer von nicht ganz 1 pro Band und knapp l2/8 Bände pro Mitglied noch immer als minimal zu bezeichnen ist. Die im 4. Quartal des Vorjahres nach längerer Unter- brechung wieder aufgenomnienen Unterrichtskurse in der Rechtslehre sind in diesem Jahre fortgeführt worden. Ebenso blieb der damals eingeführte Fortschrittskursus in der Nationalökonomie bestehen. Auch der Kasscnumsatz hat sich im Berichtsjahre erheblich gesteigert. Er betrug in Einnahme 3792,71 M.(gegen 2775,62 M. bezw. 2842,94 M.), in Ausgabe 3858,59 M.(gegen 2839,96 M. bezw. 1719,55 M.) Es war auch in diesem Jahre ein Defizit zu verzeichnen, durch das der Kassenbestand von 2766,94 M. auf 2791,14 M. herab- sank. Ist dies auch gerade noch keine bedenkliche Erscheinung, zumal bei der außerordentlichen Steigerung der Ausgaben für Lehrzwecke(1732 M. Honorar gegen 1189 M. im Vorjahre) so bietet sie doch Anlaß zu gesteigertem Eifer in der Heran- ziehung neuer Mitglieder. Die Beteiligung an den einzelnen Unterrichtskursen war eine sehr rege. Hörer-Karten wurden im 2. Quartal 1994 369 an 274 Mitglieder, im 4. Quartal 657 an 513 Mitglieder, im 1. Quartal 1995 666 an 483 Mitglieder ausgegeben. Im 1. Quartal 1995 waren eingeschrieben 645 Mitglieder (59 Damen, 586 Herren); davon besuchten 162 keinen Kursus, 353 einen, 95 zwei, 23 drei und 19 sechs. An Mitgliedern ließen sich im Geschäftsjahr 1994/1995 einschreiben 1991(99 Damen, 911 Herren). Soweit die Mit- glieder Angaben gemacht haben in bezug auf ihre Zugehörigkeit zur politischen und gewerkschaftlichen Organisation, gehörten ersterer 24, letzterer 499 an, beiden Organisationen 385. Ueber die Altersstufe der Mitglieder wurde folgendes fest- gestellt: Bis zu 29 Jahren 87, von 29—39 Jahren 664, 39 bis 49 Jahren 141, 49 bis 59 Jahren 18, über 59 Jahre 15 Mitglieder. Das Schullokal befindet sich im Gcwerkschaftshausc, Engel- Ufer 15, Hof links 2 Tr. Der Mitgliedsbeitrag stellt sich pro Monat auf 25 Pf., das Unterrichtsgeld für jedes Fach pro Kursus auf 1 M. Soweit der Bericht. Es erhellt daraus, daß die Schule eine vortreffliche Täsigkeit entfaltet und die Arbeiterbewegung fördert, indem sie die Waffen schmieden hilft, mit denen der Emanzipationskampf des Proletariats energisch geführt werden kann. Tie Fleischnot. Die sozialdemokratische Stadtverordneten- Fraktion hat bei der Stadtverordneten-Versammlung folgenden Antrag eingebracht:„Die Versammlung ersucht den Magistrat, mit ihr gemeinsame Schritte zu unternehmen, welche den Bundesrat veranlassen, daß er die Sperrung der Grenze gegen die Vieheiufuhr aufhebe, damit so die die Volkswohlfahrt schwer schädigende Fleischteuerung eingeschränkt werde." Der Magistrat hat gestern unter dem Vorsitz des Bürger- meisters Dr. Reicke beschlossen, der Stadtvcrordneten-Versamm- lung zu Beginn der Sitzungen vorzuschlagen, mit ihm in ge- mischter Deputation über geeignete Schritte zur Linderung der zunehmenden Fleischnot zu beraten. Lehrcrwünsche für die Berliner Gemeindeschule. Die Gemeindeschullehrer Berlins sind eine unzufriedene Gesellschaft. Sie haben zwar nichts dagegen einzuwenden, daß im Rathause der Freisinn herrscht, vielmehr halten sie es für ihre Pflicht und Schuldigkeit, bei jeder neuen Stadtverordneten- wähl aufs neue in treuem Eifer mitzuhelfen, daß die Freisinns- clique selbst in der dritten Abteilung immer noch wieder ein paar Mandate auf weitere sechs Jahre für sich rettet. Aber wem: die Lehrer hinterher die schlimmen Taten des Rathaus-Freisinns sehen, die die Bevölkerung als Erfüllung der schönen Worte hinnehmen soll, dann werben auch sie unzufrieden, dann fangen auch sie au, zu klagen und zu schelten— wenigstens da, wo Schule und Lehrer darunter zu leiden haben. Das mag verständigen Leuten komisch vorkommen, aber es ist nun mal so. Es ist nun mal so, daß Lehrer, die in den Volksschulen die Kinder der Arbeiterbevölkernng unterrichten. der Arbciterbevölkerung ihren K a in p f g e g e n den v o l k s- s ch u l f e i n d l i ch e n Freisinn noch erschweren und diesem Freisinn Handlangerdienste leisten, wie wenn sie wünschten, daß er sein gemeinschädliches Treiben möglichst lange fortsetzen könne. Es genügt diesen Lehrern, theoretisch die strengste Kritik zu üben an der viel gepriesenen, doch nie bewiesenen Schul- und Lehrerfrcnndlichkeit des Freisinns. Praktisch aber heißen sie alles gut, was von dort kommt; denn sie bleiben unentwegt seine getreueste Schutztruppe, auf die er sich verlassen kann in allen Fährnissen und Nöten. Die Cassel, Wallach und Konsorten sind nun freilich selbst davon nicht erbaut, daß die Lehrer auch nur mit dem Wort ihre Unzufriedenheit bekunden. Es macht immerhin keinen guten Eindruck auf Laienkreise, wenn sogar die Lehrerschaft erklärt, daß sie die Berliner Gemeindeschule immer wieder noch für verbesserungsbedürftig hält. Das neueste, was die Berliner Gemeindeschullehrer in ihrem Verein ausgeheckt haben, sind Forderun gen zur Organisation der G e in e i n d e s ch n l e, deren Erfüllung wieder einmal„eine Stange Geld" kosten würde, wenn der Rathausfreisinn, der sparsame� so leichtsinnig wäre, darauf einzugehen. In ihrer letzten Sitzung haben sie sich vom Lehrer Nadolle erzählen lassen, daß die Hemmnisse für das regelmäßige Aufrücken der Schulkinder nicht nur in sozialen und pathologischen Erscheinungen zu suchen sind, sondern immer noch auch in Mängeln der Schulorganisation. Ter Erfolg der achtklassigen Schule(die die Cassel, Wallach und Konsorten wieder beseitigen möchten, weil ihnen dabei die Klassen nicht voll genug werden) werde, so meint Nadolle und mit ihm fast die gesamte Lehrerschaft, besonders durch die starke Besetzung der Klassen, namentlich auf der Unterstufe, beeinträchtigt. Deshalb sei es zweckmäßig, d i e achten und siebenten Klassen in je zwei K l a s s e n z u t e i l e n, die von den sechsten Klassen an wieder vereinigt werden können, so daß ein normales Schulsystem aus zwei VIII 0-Klassen, zwei VIII- Klassen, zwei VII 0- Klassen, zwei VII ÄI- Klassen und dann von VI an aus je einer 0- und öl- Klasse bestehen würden.„Nun wird's Tag!" wird hier Herr Wallach ausrufen. Eher wird er sich mit der anderen Forderung einverstanden erklären, daß d i e L e h r e r m i t d e n S ch ü l e r n v o n K l a s s e z u K l a s s e aufrücken, sowohl im Ordinariat als auch in inhalts- verwandten Fächern. Diese Maßregel hat nämlich den Vor- zug, nichts zu kosten. Weniger harmlos ist dagegen wieder der Wunsch, daß für die Schüler, die trotzdem das Ziel der Schule nicht erreichen und nicht einmal mehr in die zweite Klasse kommen können,„A b s ch I u ß k l a s s e n" eingerichtet werden, in denen ausgewählte Lehrstoffe der oberen Klassen zu behandeln sind. Natürlich entstehen durch solche Abschluß- klaffen wieder noch Kosten. Zur Beschlußfassung ist es vorläufig noch nicht ge- kommen, weil man mit der Besprechung dieser Vorfchläge nicht in einer einzigen Sitzung fertig wurde. Erst int Oktober soll die Debatte fortgesetzt und ein Beschluß gefaßt werden. Eine Wirkung versprechen wir uns nicht von der Aufstellung dieser Lehrcrwünsche. Der Rathaus-Freisinn sieht es nicht gern, daß die Lehrer an den Schulzuständen Kritik üben, aber imponieren läßt er sich durch ihre Unzufriedenheit nicht, wenigstens so lange nicht, als sie sich nur in papierenen Resolutionen bekundet. Die Zahl der„unanbringlichcn" Postsendungen geht, nachdem auf den Kopf der Bevölkerung pro Jahr allein 84(vor zehn Jahren nur 52) Briefe kommen, heute schon in die Millionen. Im letzten Etatsjahre waren im Reichs-Postgebiete an Briefen allein fünf Viertel M i l l i o n e n endgültig„unanbringlich"; soweit es sich dabei um gewöhnliche Briefe handelt, die keinerlei Wertsachen ent- halten, werden die Sendungen nach Ablauf einer Frist von drei Monaten vernichtet. Diese millionenhaften Unannehmlichkeiten blieben erspart, wenn die Absender wenigstens ihre eigene Adresse richtig angegeben hätten. Noch größer ist die Zahl der„un- anbringlichcn" Drucksachen aller Art. Mit diesen wird, soweit sie vom A u s l a n d e eingehen, meist kurzer Prozeß gemacht. Die Postverwaltungen können sich darüber verständigen, daß gewisse, als wertlos erachtete(?) Drucksachen von der Rücksendung ausgeschlossen bleiben. Im Verkehr zwischen Deutschland und Amerika werden z. B. nur solche unbestellbaren Drucksachen nach dem Ausgabe-Ort zurückgesandt, die, wie Bücher, Korrekturen, Manuskripte usw. einen dauernden Wert, besonders für den Ab- sender, haben. Nur ausnahmsweise werden auch„wertlose" Druck- fachen, wie Zeitungen, Geschästsnuzeigen, Kurszettel usw., die rcgel- mäßig aus demselben Orte mit falscher Adresse hier einlaufen, deutscherseits mit Angabe des Grundes der Unbestellbarkeit zurückgesandt, damit der Absender von der unrichtigen Adressierung Kenntnis erhält und die Adresse berichtigen oder die Sendungen einstellen kann. Die Stlidtvcrordiietcn-Brrsammlung wird vom Magistrat um ihre Zustimmung ersucht zur Annahme einer Zuwendung des Ende vorigen Jahres zu Berlin verstorbenen Bankiers Josef Gold- s ch in i d t. Dieser hat in seinem Testament bestimmt, daß, falls nach Auszahlung aller Legate für seine Erben zusammen mehr als sechs Millionen Mark übrig bleiben, der Ueberschuß über diese Summe bis zur Höhe von 500 000 M. dem Berliner Magistrat überwiesen werden soll und zwar behusS Begründung einer Josef und Therese Goldschnndt-Stiftung. Aus dem Ertrage sollen Witwen und Waisen unterstützt werden. Die Gemeiiidcwählerlisten sind von nicht weniger als 21 314 Per- sonen eingesehen worden, von denen 238 Einsprüche gegen die Richtigkeit der Liften erhoben und 80 Antrüge auf nachträgliche Be- richtigung gestellt haben. Elektrisches Licht erstrahlte gestern abend zum erstennial am östlichen Saume des Tiergartens. Der westliche Fahrdamm der Königgrätzerstraße wird durch Bogenlampen und der sich daran- schließende Bürgersteig durch birnenförmige Rernstlampen erleuchtet. Von heute abend ab wird diese Beleuchtung dauernd in Kraft treten. Die elektrische Beleuchtung der Friedrichstraße kann noch nicht statt- finden, die dazu nötigen Arbeiten wurden durch Aufstellung von Trägermasien erschwert, da einige Wirte die Anbringung von Rosetten an ihren Häusern nicht gestatteten. Sogar an der Ecke der Friedrich- und Leipzigerstraße, Ivo der Raum doch gewiß beschränkt ist, muhte man einen Trägermast errichten. Der Brunncnplab, auf dessen nördlichem Teil das Gebäude des neuen Amtsgerichts Wedding der Vollendung entgegengeht, soll in seinem südlichen, größeren Teil zu einer Gartcnanlage umgewandelt werden. Früher befand sich hier das städtische Steindepot für Berlin. Nord, und der hohe Lattenzaun, der es umgab, schließt noch heute den ganzen Platz gegen di.e benachbarten Straßen ab. Im Laufe der Zeit hat aber die Straßenjugeud aus eigener Machtbollkommen. heit und vorzeitig von der verwaisten Stätte Besitz ergriffen. Der Zaun ist nach und nach an zahlreichen Stellen seiner Latten beraubt worden, so-baß nun die breiten Lücken, die entstanden sind, auch Erwachsenen bequem Zutritt gestatten. Zeitweise ist denn auch das ausgedehnte Gelände, das sich allmählich trotz emsigster Buddelci der Kleinen großenteils mit einer Grasnarbe bedeckt hat, durch Hunderte von Personen— Kinder und Erwackffcne— belebt, die es als Spielplatz und willkommene Erholungsstätte benutzen. Nach Eintritt der Dunkelheit freilich geht es hier manchmal weniger ge. mütlich zu, weil auf dem künftigen Platz, der ja noch als umhegtes Grundstück gilt, naturgemäß noch jede Beleuchtung fehlt. Eine Million Mark Eutschndigiiiig. Die Summe der Ent- schädigmigZgcldcr. die der Magistrat von Berlin für Erwerbungen von Straßcnland zahlen mußte, beträgt im ersten Halbjahr 1005 allein über eine Million Mark. Einen großen Teil der Summe hat der Fiskus geschluckt. Für etlva 4200 Ouadratmeter in der Linie- burgerstraße hatte der preußische Eisenbahnfiskus nicht weniger als 070 720 Mark verlangt. Auf Grund einer kammergerichtlichen Entscheidimg wurden ihm aber nur 182 304 Mark zugesprochen. Dazu kommen allerdings noch 80 500 Mark Zinsen. Die Wollanksche Familienstiftnng erhielt 375 204 Mark für ein Terrain von 7252 Ouadratmeter an der Behmstraße und 12 293 Mark für 1781 Quadrat- meter an der Bellermannstraße, die man zur Regulierung für den Zugang nach der Millioueubrücke nötig hatte. Einen bedeutenden Posten, 138 742 Mark, erhielt der Graf v. Oppersdorf-Wien für etwa 6250 Ouadratmeter Terrain in der Müllerstraße 137. Polizcireforni. Den älteren Schutzmännern ist eine Auszeichnung zuteil geworden, die gewiß jubelnd aufgenommen wird. Der Kaiser hat genehmigt, daß denjenigen Schutzmännern, die eine Vorwurfs- freie Dienstzeit von zehn Jahren in der königlichen Schutzmannschaft zurückgelegt haben, das Tragen des Säbels der Schutzmannswacht- meister mit dem goldenen Portepee gestattet werden darf. Eine spaßhafte Parabel erzählt ein Russe in der ausschweifenden Hoffnung, daß er dem untauglichen Objekt der russischen Polizei eine Spur menschlichen Empfindens beibringen könne. Seine phantastische Erzählung gipfelt in der Behauptung, daß ein Berliner Schutzmann ein Engel in Geduld und Sanftmut sei.„Auf der Wilhelmstraße in Berlin— schreibt ein Herr Gardenin ini Petersburger„Ruß" — läuft ein Mörder. Etwa hundert Schritt hinter ihm laufen Schutzmänner her. Ihre schwarzen Helme glänzen unter der Menge der Passanten auf der belebten Straße. Der Mörder ruft den Verfolgern zu, daß er sich nicht gutwillig in ihre Hände liefern werde, und droht mit einem Messer. Ein Schutzmann gibt ein Zeichen. Von rechts und links stürzen je zwei Schutzmänner auf den Verbrecher zu. Ihre Zahl genügt nicht. Der Verbrecher entwickelt herkulische Kräfte. Es eilen noch vier Schutzmänner hinzu. Von acht«Polizisten wird der Festgen onnncne auf die nächste Polizeiwache gefchleppt. Er schlägt um sich, beißt und zwingt die acht Schutzmänner wiederholt,' stehen zu bleiben. Ich ging die ganze Zeit nebenher und ließ keine einzige Bewegung der Poli- zisten aus dem Auge, die aufs äußerste durch das Verhalten des Verhafteten ausgebracht sein mußten. Einem Schutzmann war der Finger d n r ch g e b i s s e n, einem anderen war das Auge ver» letzt, einem dritten der Helm vom Kopfe geschlagen. Ich sah und wartete die ganze Zeit: erstaunt und verkilllfft wartete ich darauf wann denn endlich die Polizisten den Widerspenstigen zu schlagen anfangen würden. Ich fah den Schutzmännern auf die Beine, duckte mich, um besser sehen zu können, um festzustellen, ob nicht die Knie der Polizisten in Aktion gesetzt würden. Und keinmal, ich schwöre es, nicht ein einziges Mal hob sich eine der fechzehn grob gestiefelten Exiremitüten, um dem Manne einen Stoß zu versetzen. Er aber sträubte sich heftig, riß eine Hand los und führte einen furchtbaren Schlag gegen einen seiner Begleiter. Ich traute meinen Augen nicht: Der Schlag fand'keine Erlviderungl Als würden es fremde Seitengewehre sein, die den Schutzmännern an der Seite hingen. rührte sie keiner an." Der russische Augenzeuge folgte der Gruppe bis in den Hof des Polizeihauses mit dem Gedanken, die aufS äußerste gereizten Schutzmänner würden hier, wo sie den Augen des tausendköpfigen Publikums entzogen waren, endlich ihr Mütchen an dem Widerspenstigen kühlen.„Die furchtbar erregten Polizisten waren bleich. Sie packten den Verbrecher, hielten ihn fest, aber... sie schlugen ihn nicht. Sie schlugen ihn nicht, obgleich er doch ein Mordgeselle war. Ich ging voller Verwunderung davon..." Die gute Absicht des Herrn Gardenin, ans den uniformierten Bestien seiner Heimat Menschen zu machen, wird ja doch nicht ver- wirklicht werden. Man richtet daher wohl keinen Schaden an, wenn man ihm sagt, daß es mit dem Einsangen von Mördern bei der Berliner Polizei an sich schon eine eigene Sache ist, daß aber, wenn ihr dies seltene Glück einmal zu teil werden sollte, es gewiß nicht auf die von dem Russen geschilderte Weise geschehen wird. Da nun kein Beispiel vorliegt für die Beantwortung der Frage, was Berliner Schutzleute mit einem sich aus Leibeskräften wehrenden Mörder machen würden, so können nur Schlüsse gezogen werden aus Hand- lungen, welche Schutzleute an Menschen verübt haben, die keine Mörder sind. Darüber gibt die Gerichtschronik der letzten Jahrs erschöpfende Auskunft. Der Nntergang von„Pompeji". Die Deutschen Flottenschauspiele G. m. b. H. am Kurfiirstendamm haben am gestrigen Freitage in- folge ungünstigen Geschäftsganges ihre Zahlungen e i n st e l l e n und mit den Vorstellungen des Feuerworks-Schauspiels„Pompeji" aufhören müssen. Die Gesellschaft, die bereits im vorigen Jahre mit großem Defizit gearbeitet, war trotz ihrer Sanierung im Winter nur schwach finanziert und verfügte nur über vcrhältuisniäßig geringe Geldmittel. Dazu kam die in diesem Sommer wenig günstige Witterung, infolge dessen die Vorstellungen oft ausfallen mußten. In einer gestern mittag abgehaltenen Glaubiger-Versammlung teilte Direktor Wronker mit, daß die Schuldenlast des Unternehmens zirka 60 000 M. betrage, denen etwa 10 000 M. Aktiva gegenüberständen. Diese Aktiva seien aber rechtskräftig gepfändet und eS sei keine Aussicht vorhanden, daß die Gläubiger überhaupt etwas be- kämen. Eine Masse sei nicht vorhanden und die Direktion sei daher gar nicht in der Lage, Konkurs anzumelden. Die Schiffsflotte, vom vorigen Jahre herrührend, deren Vau 125 000 M. gekostet, sei einer Firnia leihweise überlassen worden. Das zahlreiche Personal sei rechtzeitig gekündigt worden und habe bis 1. September von der beteiligten englischen Firma PainS daS Gehalt bekommen. Nach den Ausführungen des Herrn Direktor Wronker waren die Gläubiger der Ansicht, die Anmeldung eines Konkurses zu unterlassen, um sich nicht noch weitere Unkosten aufzubürden. Herbstparade kontra Sedanfclcr. Es ist also richtig so gekommen, wie wir eS vermuteten. Die Schuldeputation hat mit ihrer über- eifrigen Erinnerung an die herkömmliche Pflicht der Schulleiter, am Vormittag des 2. September für die Schuljugend eine Sedanfeier mit Festrede und allein sonstigen Zubehör zu veranstalten, sich einen gehörigen Reinfall geholt. Inzwischen ist nämlich angeordnet worden, daß diesmal am 2. September wegen der Parade die Pforten der Schulen gänzlich geschloffen bleiben sollen und schon am 1. September im Unterricht auf die „Bedeutung des SedantageS" hingewiesen werden sollte. Das ist denn auch geschehen. In einem Blatt finden wir die Mitteilung, ein„Befehl des Kaisers" habe es so bestimmt. Hatte man nicht in, vorigen Jahre erzählt, daß solche Anordnungen künstig immer nur durch das Provinzial-Schulkollegium getroffen werden würden? Doch, ob so oder so— uns soll'S gleich sein. Erfreulich ist nur. daß hier einmal gezeigt wird, wie leicht und schmerzlos der Schule die Sedanfeier amputiert werden könnte. Wenn forlan die Herbst- parade ständig auf dm 2. September gelegt wird, so ist die Schule endlich die Sedanfeier für immer los. Die Eriiiittelimfli n i» der Mord- und Selbstmordaffäre in Friedrichshagen habe» sich für die Behörde sehr schwierig gestaltet. ES hat sich jetzt ergeben, daß die Toten, der achtundvierzigjährige Maler Louis Lutsche und dessen sechsjähriger Sohn Erich aus Berlin stammen. L. wohnte mit seinem Kinde bis vor kurzem in der Thaer- slraße. Am späten Nachmittag erschien vorgestern in Friedrichshagen eine Gerichtskommission aus Köpenick, um an Ort und Stelle den Tatbestand aufzunehmen. Die Leichen wurden dann entfernt und nach der städtischen Friedhofshalle gebracht. Die Motive zu der unseligen Tat sind noch nicht ganz klargestellt. Es scheint jedoch, daß der Maler aus Furcht vor Bcstrafinig mit seinem Sohne in den Tod gegangen ist. Bis zun, 1. August hatte er bei der Familie Fürthucr, Ebcrlystraße v, gewohnt; dort hatte er wahrend der Ab- Wesenheit der Frau F. Gegenstände aus der Wohnung genommen und diese auf dem Leihhaus versetzt. L. verkaufte auch die Scheine wieder. Eine Anzeige war bereits gegen ihn erstattet worden. HIB " " Was wollen die Sozialdemokraten in der Gemeindeverwaltung." In seinem 4- stündigen Vortrag begründete Redner die Forderungen der Sozialdemokratie auf kommunalem Gebiete. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. In der Diskussion wurde mit Recht darauf hingewiesen, daß man auch in Neuenhagen zur nächsten Gemeinderatshiesige Arbeiterschaft gut organisiert ist, so ist auch zu hoffen, daß wahl Randidaten von unserer Partei aufstellen müsse. Da die Parteigenossen ins Dorfparlament einziehen werden. Der Bericht von der Kreiskonferenz wurde bis zur nächsten Versammlung vertagt. Auf einen internationalen Hochstapler, dessen besonderes Sonntag, den 3. September, 31 Uhr statt; zur Aufführung gelangt die letzten Arbeiten für das umfangreiche Kanalnet beendet. Die Kennzeichen eine Liebesgeschichte" ist, fahndet die ,, Charleys Tante" mit Guido Thielscher in der Titelrolle. Das Pumpstation an der Nachodstraße wird bereits im nächsten Februar hiesige Kriminalpolizei. Vor kurzem wurde in einem Hotel in Abendrepertoir beherrscht„ Bis früh um Fünfe!" mit der Musik von und März probeweise in Betrieb gesetzt, um die Leistungsfähigkeit Winterthur einem dort wohnenden Russen eine Brieftasche mit Paul Linde. In Sanssouci, Rottbuserstr. 4a, wird Dienstag, der vier großen Bumpmaschinen zu prüfen. An der Verlegung des 20 000 Rubel Inhalt gestohlen. Der Verdacht der Täterschaft fiel auf 12. September, mit den Theatervorstellungen begonnen. Der Hütten großen Druckrohres nach dem Klärgute bei Stahnsdorf wird eifrig einen angeblichen Engländer, der in demselben Hotel logiert hatte befizer" tommt zur Aufführung. Das Schiller Theater N. gearbeitet; die ersten beiden Drittel sollen bis Ende November d. J. und kurz vor Entdeckung des Diebstahls abgereist war. Ein Kellner wird morgen Sonnabend mit Shakespeares Schauspiel„ Ein Winter- fertiggestellt werden, während das letzte Drittel Anfang Februar n. J. entfann sich, daß der Engländer auf dem rechten Arm tätowiert märchen" eröffnet, in dem die Damen Blaha, Feldhammer, Ullrich, betriebsfertig sein wird. Den Abfluß nach dem Teltowkanal gewar; auf dem Unterarm war der Kopf einer jungen Dame eingeätzt. Die Herren Bernecker, Bolten, Dahlen, Herrmann, Reimer, Rolau, denkt das Gemeinde- Kanalbauamt noch in diesem Jahre herstellen Dieser Umstand führte zur Entlarvung des flüchtigen Verbrechers, Thurner, Wiener in den Hauptrollen beschäftigt sind; dieselbe Vor- zu können. in welchem auf Grund des internationalen Züricher Erkennungsstellung wird Sonntag abend wiederholt, während nachmittags Mar Neuenhagen( Ostbahn). dienstes der Hochstapler und Eisenbahnräuber Giovanni Passi Halbes" Jugend" mit Fräulein Blaha und den Herren Köstlin, Neuenhagen( Ostbahn). refognosziert wurde. Passi, ein Mann von etwa 62 Jahren, be- Meinhardt, Thurner, Blach zur Darstellung gelangt.— Im In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins am Sonntag, den schäftigt schon seit nahezu zwei Menschenaltern die Kriminalpolizei Schiller- Theater O. wird morgen Sonnabend zum erstenmal 27. August, referierte Genosse Grauer- Lichtenberg über das Thema: Europas. In drei Jahren wird er das 50jährige Diebesjubiläum in der neuen Spielzeit Lothar Schmidts Komödie„ Der Leibalte" feiern. Als Achtzehnjähriger war er bereits ein bekannter inter- mit den Damen Brod, Gräbner, Gundra, Wiecke, Wyda, sowie den nationaler Hochstapler, der den Kontinent Europa unsicher machte Herren Holthaus, Hübener, Kirschner, Rembe gegeben; Sonntag und in allen Ländern im Gefängnis oder Zuchthause saß. Um nachmittag:" Die Ehre", abends:" Die Logenbrüder". Taschendiebstähle auszuführen, bediente sich der außerordentlich intelligente Gauner eines Fingerringes, welcher, ein hervorragendes Erzeugnis der Goldschmiedekunst, im Innern ein kleines. haarscharfes Messer barg. Mittels eines leisen Druckes ionnte das Messer gehoben werden und diente so zum Zerschneiden der Taschen des Opfers, das sich Bassi zum Plündern auserkoren hatte. So hatte fich der Gauner ein schönes Vermögen zusammengestohlen, welches er als Rentier in Paris zu verzehren gedachte. Da aber ereilte ihn sein Schicksal. Er machte die Bekanntschaft einer hübschen jungen Schauspielerin, die ihm ihre Liebe schenkte und Alter schüßt vor Torheit nicht der galante Diebestönig ließ sich das Bild seiner Geliebten auf den rechten Arm tätowieren. Die Coeur- Dame stellte jedoch so bedeutende Ansprüche an den Geldbeutel des verliebten Gauners, daß die gestohlenen Schätze in wenigen Jahren draufgingen. Bassi sah sich daher gezwungen, fein altes Gewerbe wieder aufzunehmen, und es wird vermutet, daß sich der Hochstapler nach feinem erfolgreichen Debut in Winterthur nach Deutschland, speziell nach Berlin gewandt habe. Die Ermittelung des Verbrechers ist dadurch sehr erschwert, daß P. es meisterhaft versteht, sich unkenntlich zu machen. Er ist im Besize einer sehr reichhaltigen Garderobe und unterhält ein großes Lager von Perücken und falschen Bärten. Das Pilzmerkblatt, das vom kaiserlichen Gesundheitsamt neu bearbeitet und in zweiter Auflage herausgegeben worden ist, wird jetzt in einigen höheren Schulen Berlins durch die Lehrer den Schülern zum Ankauf empfohlen. Der Verkauf des Merkblattes gefchieht durch Vermittelung, der Schule, der Preis für das Stück ist auf 10 Pfennig festgesetzt. Das Beispiel verdient Nachahmung. Für die Kinder der Gemeindeschulen ließe sich vielleicht durch Massenbezug ein ganz billiger Preis erwirken, falls nicht lieber die Stadt einige tausend Mark anwenden und den Gemeindeschulkindern das Merkblatt kostenlos übergeben will. Quartals 130. schon bekannten Sachen eine Anzahl neuer Nummern. Unter diesen Apollo- Theater. Das Septemberprogramm bringt neben einigen ist das Auftreten von Selma Braz zu erwähnen, einer Jongleuſe, die in ihrer schwierigen Kunst den Männern vom Fach nichts nach gibt. Vortreffliche Afrobaten sind die Sennets, die ihre halsbrechenden Tricks sicher und gewandt ausführen. Tosta Madri ist eine Musikvirtuosin mit vorzüglichen fünstlerischen Anlagen. Den älteren Be Generalversammlung im. Juli erstattet wurde, beträgt die Einnahme Nach dem Kassenbericht für das zweite Quartal, der in der suchern des Theaters ist Preciosa Grigolis bekannt, deren Luft- 89,08 M., die Ausgabe 33,60 M., somit bleibt ein Kassenbestand von ballett früher in einer Linckeschen Operette auftrat. Auch jetzt ist die 55,48 M. Die Mitgliederzahl betrug am Schluß des zweiten ausgezeichnete Künstlerin mit einem geschulten Ensemble vertreten, das an Grazie den früheren Leistungen um nichts nachgibt. Er- seinerzeit ausgeschlossen wurde, ist auf Beschluß der General Genosse Böhm, welcher aus dem Wahlverein wähnt sei der kühne Flug, den die Künstlerin durch den Zuschauer- versammlung wieder aufgenommen worden. Den russischen Freiheitsraum unternimmt. Von den ständigen Mitgliedern des Theaters fämpfern wurden 16,75 M. überwiesen. Das Andenken des ver wir Robert Steidl, der sich diesmal wagemutig das nennen Automobil zum Opfer erforen hat und von Martin Kettner, Arnold ſtorbenen Genossen Frisch ehrte die Versammlung in üblicher Rieck, Jda Perry und Georg Borsch unterstützt wird. Eine andere gute Bekannte erwähnen wir noch, Emmi Kröchert, die wie ehedem an Derbheit nichts zu wünschen übrig läßt. Die Burleske„ Ein Abend in einem amerikanischen Tingeltangel" wird auch in diesem Monat aufgeführt, ebenso waltet der Biograph seines Amtes. Der Sportpark Steglit hat am Donnerstagnachmittag 5 Uhr seine neue Radrennbahn zum Training freigegeben. Bereits eine Stunde vorher hatten sich zahlreiche Zuschauer und Vertreter der Presse eingefunden, um die ersten Galopps der Fahrer in Augenschein zu nehmen. Als erste auf dem Zement erschienen Robl und Demke, die zunächst allein, nachdem beide hinter ihren Schrittmachern, und zwar Brettschneider- Steger resp. Dunkel einige Proberunden fuhren. Die fürzeste Beit, welche Robl pro Runde erzielte, war 20% Sekunden, also zeitweise eine Schnelligkeit von 89 kilo meter pro Stunde, für die erste Probe der Bahn gewiß eine achtbare Leistung. Außer Demte tamen sodann noch Huber hinter Hofmann, Salzmann hinter Reckzeh und Günther hinter seinem Schrittmacher Otto, die in Rundenzeiten von 22 bis 24 Gefunden die Bahn verſchiedentlich umkreisten. Nach den Dauerfahrern hatten die Flieger das Wort, von denen eine große Anzahl bis zum Spätabend ihr Rad tummelten. Von allen Plägen hat man eine freie Aussicht über die Bahn, und alle Ginzelheiten der Fahrten waren genau zu verfolgen. Vorort- Nachrichten. Weise. Vermischtes. Die Cholera. Todesfällen handelt es sich um eine mit ihrer Familie aus Bochum Bei den gestern aus Rastenburg gemeldeten choleraverdächtigen über Berlin nach Ostpreußen zurückgekehrte Arbeiterfrau namens Duddey, den Gutskämmerer Hellmig in Paaris, und siedelte dann Duddey. Die Familie besuchte zunächst den Vater der Frau am dem gleichen Tage nach Warnikeim über. Frau Duddey iſt in wird angenommen, daß die Familie während der Eisenbahnfahrt der Nacht vom 30. zum 31. August gestorben. Aerztlicherfeits auf irgend einer Station verseuchtes Wasser getrunken hat. auf irgend einer Station verseuchtes Wasser getrunken hat. choleraverdächtige Fälle in Nakel und einer in Usch vorgekommen. Wie die„ Ostdeutsche Presse" meldet, seien bier weiter Zwei choleraverdächtige Erkrankungen seien bei zwei Kindern im Krankenhause zu Fordon festgestellt worden. Cholera festgestellt worden. Aus demselben Hause, in dem diese Bei zwei in Culm choleraverdächtig erkrankten Knaben ist Fälle vorkamen, werden noch zwei choleraverdächtige Fälle gemeldet In Culm ist ein Mann an Cholera gestorben. Ein franker Flößer ist unter Choleraverdacht in das dortige Krankenhaus eingeliefert worden. Ein Automobildiebstahl beschäftigt seit einiger Zeit die Kriminalpolizei. Der Fuhrherr Richard Wickmann in der Ackerstraße 33 hatte ein kleines Auto mit vier Sitzen in seiner Remise auf dem Hofe untergebracht. Kürzlich öffneten nun Einbrecher mit Nachschlüssel das Haustor und die Remisentür und fuhren, ohne daß jemand im Hause etwas hörte, mit dem Automobil davon. Unterwegs muß wohl ein kleiner Schaden eingetreten sein, denn man sah, daß die Spißbuben, zwei Mann, nach Charlottenburg in eine Ausbesserungswerkstatt fuhren, dann aber ihren Weg doch fortsetzten, weil zu so früher Morgenstunde noch kein Schlosser da war. Mehrere Stunden später sah man das Fahrzeug noch in Wannsee; seitdem ist Charlottenburg. es verschwunden. Einer der Diebe aber wurde erwischt. Es ist ein getvisser Paul Udiz aus der Ackerstraße. Dieser entzog sich Hausbesitzer auf die einzelnen Wahlbezirke ist nunmehr vom Magistrat Die durch die Städteordnung vorgeschriebene Verteilung der Die Frau entschloß sich nun, in Kiel einen besonderen Arzt aufSeine Helfershelfer hat er nicht durch das Los erfolgt. Es ist danach für die im November stattmehr genannt, sie sind daher nicht bekannt. Das Fahrzeug ist ein findenden Wahlen in der dritten wählerabteilung in den Phaeton. Er hat eine olivgrüne Lackierung und rote Räder mit Bezirken 2, 3, 6, 7 und 8 je ein Hausbefizer zu wählen. In der Gummireifen. Die Size find mit grünem Leder gepolstert, eine atveiten Wählerabteilung braucht nur de erste Bezirk einen Hausfleine Tür befindet sich auf jeder Seite. Der Motor liegt hinten befizer zu wählen. unter den Sigen. Die Türen haben auf der Außenseite einen roten Kranz in der Größe eines Fünfmartstüdes mit einer Schleife auf- Schöneberg. gemalt. In eine Wagenschnalle ist die Nummer 808 eingeschlagen. Um Bewilligung von Mitteln für Jugendspiele im Gemeinde Das Auto ist ein De Don Bouton- Wagen von 42 HP. Für schulinteresse sind die Stadtvb. 8obel, Ob st und Genossen bei 100 M. Werkzeuge stahlen die Diebe gleich mit. Der Metallarbeiterverband teilt uns mit: Auf dem Wege von Tempelhof nach der Friesenstraße ist eine Tasche verloren gegangen, die zwei Bücher mit 30 Marten zu 60 Pf. enthält. Der Finder wird gebeten, den Fund bei Milde, Fürbringerstr. 18, oder Bei Molkentin, Paradefeld, Tempelhof, abzugeben. den städtischen Körperschaften von Schöneberg mit einem Antrage vorstellig geworden, über den in der Sigung am nächsten Montag Beschluß gefaßt werden wird. Rigdorf. Wegen eines Sittlichkeitsverbrechens ist der 25 jährige Kaufmann Artur Witt, Cannerstr. 17 in Rirdorf wohnhaft, verhaftet worden. Der junge Mann hatte eine in derselben Straße wohnende Näherin Elfriede H. kennen gelernt und mit derselben einen Ausflug nach Nieder- Schöneweide unternommen. Wie nun das Mädchen behauptet, foll 28. mitten im Walde über sie hergefallen sein und sich an ihr unter Drohung mit einem Revolver schwer vergangen haben. Der Beschuldigte ist in das königliche Amtsgericht Rigdorf eingelieferty worden. Briz. Ein tödlicher Straßenunfall ereignete sich gestern( Freitag) nachmittag in der Landsbergerstraße. Dort wollte der 19jährige Kaufmannsgehülfe Paul Graßned den Fahrdamm noch vor einem herankommenden Straßenbahnivagen überschreiten, wurde aber von diesem erfaßt und zu Boden geschleudert. Ehe nun der Führer den Wagen zum Stehen bringen konnte, geriet der junge Mann unter die vordere Plattform. Hierbei erlitt er so schwere innere Verlegungen und Quetschungen, daß er im Krankenhause Friedrichshain, wohin man ihn sofort geschafft hatte, bald verstarb. Entwertung der Quittungsmarken. Der Ober- Präsident der Das durch Messerstiche schwer verlegte Fräulein Meta Kelsch Provinz Brandenburg weist darauf hin, daß vom 1. Oftober ds. Js. aus Berlin, welches in Falkenberg bei Grünau vor etwa drei Wochen ab alle Marten für die Invaliden- Versicherung auf einem Spaziergang von einem Manne hinterrückts überfallen alsbald nach dem Einkleben entwertet werden wurde, ist aus dem Kreiskrankenhause Briz als hergestellt entlassen müssen und daß ein neues Formular für Quittungsfarten worden. Die eifrigen Recherchen der Kriminalpolizei nach dem roben festgesetzt worden ist, welches vom gleichen Zeitpunkt ab ausschließ- Täter waren bisher leider ohne Erfolg. lich abgegeben wird. Arbeitgeber und Versicherte dürfen, wie hinzugefügt wird, die Marken nur dadurch entwerten, daß sie auf den Marten den Entwertungstag in Biffern( z. B. 1. 10. 05.") Zu dem Selbstmordversuch eines Offiziers, der sich bei Sacrow angeben. Die Unterlassung der Entwertung von Marten, welche in die Havet stürzte, aber gerettet und nach dem städtischen Krankenvom Versicherten statt des Arbeitgebers eingeklebt werden, hat haus in Potsdam gebracht wurde, erfahren wir noch, daß der anauch den Verlust des Erstattungsanspruchs zur Folge. scheinend Geistesgestörte nicht ein Major Schumann, sondern ein Leutnant Schuster, Sohn eines verstorbenen Majors, der sich bei feiner in Potsdam wohnenden Mutter auf Urlaub aufhielt, ist. Er dient beim 33. Füsilier- Regiment in Gumbinnen. Der Zustand des jungen Mannes ist immer noch derartig, daß er im Krankenhause verweilen muß. Rummelsburg. Gefundene Gabeln. Am 24. August dieses Jahres find in einem Hausflur in der Oranienburgerstraße acht Stück neufilberne Gabeln, gezeichnet mit dem Monogramm N. M. und der Inschrift„ Robert Wüller" gefunden worden. Die Gabeln rühren vermutlich aus einem Diebstahl her.-3urüdgelassene Seide. Außerdem lagert dort noch ein Paket mit zirfa 25 Silogramm Nähseide, welches vor Tängerer Zeit von einem unbekannten Manne in einem Schanklokal der Fehrbellinerstraße zurückgelassen worden ist. Die Eigentümer wollen sich während der Vormittagsstunden im Zimmer 247 des Bolizeipräsidiums melden. Potsdam. Die Sprache verloren und wiedergefunden. Eine Kaufmannsfrau aus Karby hatte infolge eines Blitzschlages in einem benachbarten Haus die Sprache verloren, und alle ärztliche Kunst war bisher vergeblich. ihr Mann, der sie begleitet hatte, ob sie eine Erfrischung wünsche, zusuchen und reiſte dorthin. Im Wartesaal des Bahnhofs fragte sie ihr Mann, der sie begleitet hatte, ob sie eine Erfrischung wünsche, und die Frau antwortete mit einem träftigen" Ja!". Die Angst bor der bevorstehenden Untersuchung hat ihr scheinbar die Sprache wiedergegeben. Eine Lotterie zur Sicherung vor Unterschlagung. Ein ingeniöser Plan ist von der" City of Mexico Electric Tramway Company" adoptiert worden. Seit langer Zeit ist diese Gesellschaft von ihren Beamten sehr stark bestohlen worden. Eine monatliche Lotterie mit vollen Gewinnen ist nun eingerichtet worden, und jedes verkaufte Fahrbillett ist gleichzeitig ein Lotterielos. Die Passagiere bestehen nun darauf, eine Fahrkarte zu bekommen, und heben sie sorgfältig auf. Obgleich die Lotterie mehrere tausend Dollar kosten wird, so glauben die Direktoren doch, daß ihnen diese Einrichtung einen Ges Gelegenheit genommen, die Gesellschaft zu übervorteilen. winn bringen wird. Den Kondukteuren ist auf diese Weise die werden aber einen Gewinn von 1 Proz. für jedes verkaufte Billett Sie erhalten. " Ueber ein konfisziertes Bein schreibt man aus Sosnowice der Düna- Zeitung": Ein hier wohnender Herr, der früher Kesselmeister in einer Fabrik war und gegenwärtig Bierbudenbesizer ist, hat vor mehreren Jahren bei einem Unfall das rechte Bein verloren und schreitet seitdem mit einem natürlichen und einem künstlichen Bein durchs Leben. Das vortrefflich passende künstliche Bein scheint er: noch zu anderen Zwecken benutzt zu haben als nur zum Schreiten. Als er jüngst von Kattowig nach Hause fuhr, wurde er an der Grenze von russischen Zollbeamten, die wahrscheinlich durch ein anonymes Schreiben auf ihn aufmerksam gemacht worden waren, angehalten und einer gründlichen Leibesvisitation unterzogen. Man schnallte ihm das künstliche Bein ab und fand darin verstedt zwei nagelneue Revolver, die sofort konfisziert wurden. Da jedoch nach den Zollgefeßen auch alle Mittel, die zur Förderung des Schmuggels bienen", zu tonfiszieren sind, kann es dem Herrn, der vorläufig festgenommen wurde, leicht passieren, daß er jetzt sein Bein zum zweitenmal verliert. Einen entschlichen Tod fand der Realschüler Hans Haßler in Hockenheim( Baden), der eine Art Schlinge zum Tragen von Nebhühnern konstruiert hatte. Um diese auf ihre Wirkung auszuprobieren, machte er einen Versuch an seinem eigenen Halse. Leider funktionierte die Schlinge trok mangelhafter Befestigung an einem Nagel nur allzu gut; denn der Bedauernswerte erlitt den Erstickungstod. Ein schweres Eisenbahnunglück in England. Gestern morgen entgleiste auf der Great Eastern Railway bei Witham in der Nähe von Chelmsford der von London nach dem Badeorte Cromer fahrende Bug. Der Bug rannte auf die Stationsgebäude auf und ging dabei vollständig in Trümmer. Nach amtlicher Feststellung fanden bei dem Eisenbahnunglück zehn Personen ihren Tod. Zwanzig Personen wurden verlegt. Die Welt mit Brettern vernagelt hat der Berliner Magistrat. Bei den Bewohnern Rummelsburgs herricht gegenwärtig eine große Mißstimmung gegen die städtischen Behörden der Reichshauptstadt. Bekanntlich befißt der Berliner Magistrat ein Gelände auf der nördFeuerbericht. Freitag nachmittag furz nach 2 Uhr fam in der lichen Seite zwischen der Station Rummelsburg und der neuen Brandenburgstr. 26 auf dem zweiten Hofe in einem Keller Feuer Prinz Albrechtstraße. Bislang war dieses Gelände freies Feld. aus. Bei Ankunft der Wehr brannte ein großer Posten Späne Nun aber hat die Stadt Berlin dasselbe mit einem gewaltigen, Ein Zusammenstoß des Torpedobootes 38" mit dem Hochseeunter starker Rauchentwickelung. Der elfte Löschzug hatte längere recht häßlichen Bretterzaun umgeben lassen, welcher wenig geeignet torpedoboot" Satellit" erfolgte, wie aus Bola gemeldet wird, in der Zeit mit einer Dampfspritze Wasser zu geben, um die Gefahr zu ist, das Ansehen dieses Stadtteils zu heben. Namentlich ist die bis- vorigen Nacht bei Schiffsübungen. Das Torpedoboot fank, während beseitigen. Teer war dann auf dem Schlesischen Güterbahnhofe herige freie Aussicht auf die davor liegenden anmutigen Lauben- der" Satellit" mur leicht beschädigt wurde. Die Mannschaft des in Brand geraten, während in der Plantagenstr. 2 durch Umfallen folonien genommen worden, und die Laubenkolonisten selbst, die gesunkenen Bootes ist bis auf zwei Mann gerettet worden; zwei einer Petroleumlampe Feuer entstand. Möbel, Decken 2c. wurden bisher einen hübschen Ausblick von ihren fleinen„ Villen" hatten, werden vermißt. Man hofft, das gesunkene Torpedoboot heben zu in der Beusselstr. 81 beschädigt. In der Königgrägerstr. 70 mußte sehen jetzt nur noch den Bretterzaun vor sich. Wenn schon einmal schließlich noch ein Küchenbrand unterdrückt werden. der Berliner Magistrat so ist die Meinung der Nummelsburgerdas Terrain durch einen Zaun schüßen wollte, so würde ein gefälliger Drahtzaun weit mehr angesprochen, dafür aber auch noch weniger den Geldbeutel der Berliner Steuerzahler in Anspruch genommen haben. Theater. Das Kleine Theater wird am 15. September wieder eröffnet. Die Zwischenzeit wird mit den schon seit Wochen im Gange befindlichen Vorbereitungen zur Eröffnungsvorstellung ( Laune des Verliebten“ und„ Der zerbrochene Krug" mit Willy Thaller als„ Adam") und zu den ersten Novitäten ausgefüllt. Friedrichshagen. In jüngster Zeit hat Direktor Barnowsky auch noch einige in Berlin Rekognosziert ist jetzt die Person, die kürzlich zwischen Friedrichs bereits wohlbekannte Sträfte engagiert: Frau Gertrud Arnold und Hagen und Rahnsdorf von einem Eisenbahnzuge totgefahren wurde. die Herren Julius Geisendörfer, Hans Kuhnert und Ferdinand Onna. Es handelt sich um die 61jährige unverheiratete Klara Schumann Julius Freunds Herren von Magim" sind im Metropol- aus der Alexanderstraße. Sie war bereits früher einmal in einer Theater" heute Sonnabend bei dem Jubiläum der 300. Vor- Nervenheilanstalt und dürfte jedenfalls in einem Anfall geistige stellung in ununterbrochener, allabendlicher Widerholung angelangt. Berwirrung vor den Zug geraten sein. Die Driginal- Darsteller des Premierenabends, die Herren Bender, Giampietro, Grünfeld, Guthery, Kacha, Kettner und die Damen Frid- Frid, Wilmersdorf. Massary und Behrends- Linde treten sämtlich auch in der Festvorstellung " können. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Bes nutzung für jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 5-10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9-1 und 3-6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 3. Septb., vorm. 83%, Uhr, im Bürgersaale des Rathauses, Eingang Königstr. 15-18: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung. Um 10% Uhr vormittags in der Schul- Aula, Kleine Frankfurterstr. 6: Versammlung. Vortrag des Herrn Prof. Dr. Albert Gehrke: Bahrhaftigkeit". Gäste, Damen und Herren, sehr will tommen. der Friedrichwerderschen Oberrealschule, hält am Sonntag vormittags 10%, Uhr In der humanistischen Gemeinde, Niederwallstr. 12, in der Aula Herr Dr. Rudolf Benzig einen Vortrag über:" Humanismus und freie Religion". Damen und Herren haben freien Zutritt. Hülfskasse der Graveure, Ziseleure und verwandten Berufsgenossen Berlins tagt jeden 1. Montag im Monat im Restaurant Stehmann, Luisen user 1, abends 8-10 Uhr. Der Vollbetrieb der neuen Wilmersdorfer Kanalisation wird auf. Im Thalia Theater findet die erste Nachmittagsvorstellung spätestens am 1. Juli n. J. aufgenommen werden, bis dahin find Berantiv. Redakteur: Baul Büttner, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Raul Singer& Co., Berlin SW.