Nr. 206. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband füre Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Erideint täglio außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Anton Menger und seine Lehre. Als vor dritthalb Jahren seine Neue Staatslehre" erschien, fonnte kein Zweifel mehr darüber bestehen, daß in Anton Menger dem Wiener Rechtslehrer und kritischen Mitschöpfer des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuches, dem Sozialismus ein neuer Fürsprech und Kämpfer erschienen war, der den gleichen Respekt erheischt von Freund und Feind. Nach mancherlei kritischen Anläufen, von denen die bekannte Schrift„ Das bürgerliche Recht und die besiglosen Voltsklassen" als der bedeutendste zu schäßen ist, unternahm es der Sechzigjährige, nachdem er der Lehrtätigkeit Valet gesagt hatte, dem Herrschenden System des öffentlichen und privaten Rechts ein neues, werdendes entgegenzustellen: es litt ihn nicht in der Schulstube, in der er seinen aufhorchenden Jüngern die trockene Weisheit der österreichischen Zivilprozeßordnung vortrug, es trieb ihn, unter die Menschen zu gehen und von dem Rechte zu reden, das sein soll und das sein wird. Der Gesetzgeber der Vergangenheit ward zum Gesetzgeber der Zukunft, die nach seiner Ueberzeugung nicht mehr ferne ist. Die„ Neue Staatslehre" war ein volles und starkes Bekenntnis vom Sozialismus. Sonntag, den 3. September 1905. Ginen ähnlichen Gegensatz können wir bei der sittlichen Beurteilung von Eigentumsverbrechen wahrnehmen. Wenn die großen Grundbesizer von der Regierung ihres Staates hohe Lebensmittelzölle erwirken oder große Börsenspieler durch Verbreitung falscher Nachrichten und andere Intriguen Reichtümer erwerben, so wissen sie sehr wohl, daß sie in die Lebensinteressen von vielen Tausenden schädigend eingreifen, aber fie geraten in gar keine Gewissensbedrängnis, weil jene Schädigung mit Zulassung, ja unter Mitwirkung des Staates erfolgt. Begeht dagegen ein Armer das ignoble Verbrechen des Diebstahls, so hat er alle Ursache, sich vor den Folgen seiner Handlung zu fürchten und in Gewissensnöte zu verfallen, weil Staat und Gesellschaft gegen ihn sofort mobil machen. Und die nationalen" Jdeale des Volkes, wie ist es mit ihnen bestellt? Noch heute halten manche nationale Staaten, wie Rußland, Preußen und Ungarn, ihre anderssprachigen Untertanen in einem gelinden Belagerungszustande... Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die Untersuchungshaft. VI. Die Reform der Strafprozeßordnung.") Das trübste Kapitel in der deutschen Strafrechtspflege ist die Regelung der Untersuchungshaft. Wohl in feinem Kulturlande der Welt wird die Untersuchungshaft mit solcher Häufigkeit wie in Deutschland verhängt und sicherlich erreicht die Dauer der Haft in feinem anderen Staate eine solche Länge wie bei uns. Die Straf prozeßkommission hat es verschmäht, nach dieser Nichtung hin irgendwelche rechtsvergleichenden Betrachtungen anzustellen. Wiffenschaft paßt allerdings nicht zu der der Arbeit der Kommission eigenen Schneidigkeit. Hätte man sich ein wenig in anderen Ländern umgesehen, z. B. in Desterreich, so würde man ge funden haben, daß es dort der normale Fall ist, daß der Unterfuchungsrichter an demselben Tage, an dem bei ihm eine Beschwerde Es wäre Torheit, zu hoffen, daß diese furchtbaren fittlichen über die Untersuchungshaft eingeht, sich in die täglich stattfindende Mißstände durch das Fortschreiten der Kultur, durch die sogenannte Ratstammersigung begibt, die Sache dort vorträgt und sofort die Friedensbewegung oder durch ähnliche ideale Einflüsse beseitigt unmittelbar darauf folgende Entscheidung entgegen nimmt. Bei uns oder auch nur erheblich gemildert werden können. Kein Herrenbolt wird jemals auf seine Stellung verzichten, wenn es dazu nicht bergehen in dem gleichen Falle Wochen. Die Strafprozeßtommiffion gezwungen wird. Deshalb müssen die unterdrückten Rassen und hat nicht den Kleinsten ernst haften Versuch gemacht, auch nur Völker vor allem darauf bedacht sein, dem Unterdrücker die Macht nach einer dieser beiden Richtungen hin die geringste Abhülfe zu des Uebeltuns zu entreißen. Wir aber dürfen einen solchen schaffen. Weder sind die gesetzlichen Grenzen, innerhalb deren die Widerstand nicht, wie so oft geschehen ist, mit selbstsüchtiger Ent- Verhängung der Untersuchungshaft zulässig sein soll, schärfer abgerüstung aufnehmen, vielmehr müssen wir in ihm das sicherste steckt, noch ist das für die Anordnung der Untersuchungshaft geltende Erziehungsmittel zu einer höheren Stufe der internationalen Sitt- Verfahren sachgemäß abgeändert, noch wird endlich durch lichkeit erblicken. Es ist selbstverständlich, daß eine so tiefgehende Stritit zwingende Vorschriften das Schneckentempo des bureaukratischen Geschäftsganges beschleunigt. Folgerichtigkeit als der persönlichen Entwickelung des Verfassers. nicht halt machen fann vor den Mysterien der Religionen. Damit allein find die Arbeiten der Kommission gerichtet. Die Von dem ihm nächſtliegenden Gebiete, dem der Jurisprudenz, führt Die unmöglichen Ansprüche der Feindesliebe, die das Christen- Mißstände auf dem Gebiete der Untersuchungshaft find so große und ihn ein furzer Steg auf das Feld der Ethik und über die Politit tum erhebt, haben dieſem nur dazu gedient, sich mit der die Folgen haben sich in so Entsetzen erregender Weise für Menschenhinaus eröffnen sich ihm Ausblicke in die Weiten der Erkentniskritik. wirklich herrschenden Sittlichkeit desto friedfertiger abzufinden. Schicksale fühlbar gemacht, daß eine Gesetzgebungskommission, welche Darum will es Menger lieber als mit Christus mit hier Abhülfe zu schaffen für nicht notwendig erachtet, von einer der Das ist der Weg, den Anton Menger gehen will und auf dem ihn die aufmerksamen Blicke aller jener begleiten, die Wahrheitsmut und Konfuzius halten, der lehrte:" Bergilt Gutes mit Gutem, artigen Rücksichtslosigkeit gegen den doch erst Verdächtigen und Böses mit Gerechtigkeit." Dieser nüchterne Sag fönne einer derartigen Gleichgültigkeit gegen die Rechtssicherheit des einzwar gewiß niemandes Bewunderung erregen, dagegen werde sich zelnen erfüllt ist, daß ihre Tätigkeit als eine durchaus voltsfeindliche auch der Durchschnittsmensch zu dieser Stufe der Sittlichkeit empor- mit Entschiedenheit bekämpft werden muß. heben können. In der Vorrede zu seiner eben erschienenen Neuen Sittenlehre"*) berrät uns Menger, daß die„ Neue Staatslehre" von ihm nur als der erste Teil eines Systems der sozialistischen Lehre gedacht war. Der sozialistischen Rechtslehre folgt nun die sozialistische Sittenlehre, der ein Buch über Volkspolitik und als Schlußstein eine gleichfalls vom sozialistischen Standpunkte aus entworfene Erkenntnislehre folgen soll. Diese Reihenfolge entspricht weniger systematischer A 0 eines Friedrich Wilhelm II. Wegwerfend aber treffend urteilt er über Nietzsche: Selbständigkeit wissenschaftlicher Forschung zu schäzen wissen. Die jetzt vorliegende zweite Schrift führt den Namen einer „ Neuen Sittenlehre" mit Recht gegenüber allen in bürgerlichen Kreifen angenommenen und gültigen Systemen der Ethit; indes Und an dieser Stelle können wir einen wertvollen Bundes. So wenig wie mit Christus will Menger aber auch mit den genossen ins Feld führen. Wer von Hervorragenden Männern der dürfte der Verfasser als ein vorzüglicher Kenner der gesamten sozialistischen Literatur diesen Titel schwerlich so gemeint haben, als ob Antichristen ant oder gar Nietzsche gehen. Daß er sich wissenschaft neuerdings über die Untersuchungshaft geschrieben hat, den bisherigen ethischen Grundauffassungen des Sozialismus ein von dem ersten abgründlich scheidet, da er die Möglichkeit bezeichnet den geltenden Rechtszustand als einen unerträglichen. Zahlvöllig„ neues" System entgegengesetzt werden sollte. Ein gewisser jedweder absoluten Sittenlehre negiert, haben wir schon bemerkt. reiche durchaus gangbare und leicht zu verwirklichende AbänderungsEigenbrödlertroz, den er sich allen Vorläufern und ganz besonders Rebenbei urteilt er über Lehre und Haltung des großen philo- vorschläge sind gemacht. Die Kommission glaubte alle diese ignorieren dem„ Marrismus" gegenüber bewahrt hat, hindert ihn vielleicht, das sophischen Jakobiner Philisters, seine scheinbare Unterwürfigkeit zu dürfen. offen einzugestehen. Gleichwohl können wir keine Wertminderung seiner gegenüber dem Absolutismus Leistung darin erkennen, daß wir den Verfasser auf Bahnen finden, die von seinen Vorläufern zum großen Teile vorgezeichnet sind, daß wir keinen grundsäglichen Unterschied finden zwischen seiner Grund auffassung des Sittenproblems und jener, die in der sozialistischen Welt seit den Zeiten der vielberufenen und vielverkannten ,, materialistischen Geschichtsauffassung" die herrschende ist. Wenn Anton Menger von dem Satze ausgeht, daß die Sittlichkeit nichts anderes als der Ausdruck der sozialen Machtverhältnisse sei, so geht er kaum über Mary hinaus, sondern bleibt viel eher einen Schritt hinter ihm zurück. Denn was sind soziale Machtverhältnisse"? Ein ungeheueres widerspruchsvolles Gemisch von tsachen und Vorstellungen, unter denen wieder die„ sittlichen" rstellungen zu den wichtigsten zählen. Auch Menger rechnet die„ öffentliche Meinung" zu den fozialen Mächten unserer Zeit. Nun ist es gewiß richtig, daß alles Geschehene eine unendliche Kette von Ursache und Wirkung darstellt, daß somit auch die Sittlichkeit von heute eine mitwirkende Ursache der Entstehung fünftiger Sittlichkeit ist. Aber für die systematische Klarlegung eines verwickelten Problems ist durch die Erkenntnis solcher allgemeiner Wahrheit nicht allzuviel gewonnen. " Die beste Fundgrube aber für das, was unter dem geltenden mit einer Härte, die ungerecht scheint, wenn man nicht bedenkt, daß Rechtszustand möglich ist und auch den Trägsten aufrütteln muß, gerade nach Mengers Lehre auch ein großer Philosoph der Gewalt wenn er davon eingehende Kenntnis nimmt, sind die Erfahrungen, sozialer Machtverhältnisse unterliegen muß. die mit der Untersuchungshaft im Königsberger Hochberratsprozeß gemacht worden sind. Die attenmäßigen Belege, welche in der im In seiner Bedientenhaftigkeit vergißt Nietzsche vollständig, daß" Vorwärts"-Verlage erschienenen Publikation auf Seite 169 ff. entseine„ Herren" durch diese Offenherzigkeit in ihren Interessen aufs halten sind, muten stellenweise mehr wie ein Roman denn als Wirktiefste getroffen werden, ebenso wie Machiavelli durch ähnliche Indiskretionen seines Fürsten" die Monarchen mehr als irgend lichkeit an, sie sollten im Reichstage bei jeder Debatte, in der von ein anderer Gelehrter geschädigt hat. Denn die Herren sind keines- der Reformierung des Instituts der Untersuchungshaft die Rede ist, wegs so tapfer und aufrichtig, wie Nietzsche uns glauben machen den Freunden des straffen Regiments bis zum Ueberdruß vorgehalten will, vielmehr haben sie es seit jeher meisterlich verstanden, werden. Auch die Wissenschaft darf an diesem höchst interessanten die Sklaven über Umfang und Tragweite ihrer eigenen Material keinesfalls achtlos vorübergehen. Vorrechte in Irrtum zu führen. Ich erinnere nur daran, daß Unser Gesetz läßt in zwei Fällen die Anordnung der Unter die Mächtigen den Sklaven in in den meisten Verfassungen ſuchungshaft zu. Der erste Fall ist, daß dringende Verdachtsgründe die Gleichheit vor dem Gesetz, die allgemeine Aemterfähigkeit, die Freiheit der Wissenschaft und die Aufhebung der gegen den Angefchuldigten vorhanden sind und dieser der Flucht Steuerprivilegien versprochen haben, mit dem stillschweigenden verdächtig ist. Es muß also zugleich Tat- und Fluchtverbacht geVorbehalte daß durch die Praxis und durch weniger geben sein. beachtete Spezialbestimmungen das Gegenteil dieser schönen Bei näherem Zusehen erkennt man sofort, daß diese Formulierung Grundsäge durchgeführt wird. Aehnliche Beispiele aus dem ge- jede Auslegung gestattet, daß damit dem einzelnen nicht der samten Gebiet des Rechts und der Moral tönnte man noch zu geringste Rechtsschutz gegen ungerechtfertigte Verhaftungen gewährt hunderten anführen. Und diesen Vorsichtigen und Schlauen ist. Auf federleichte Vermutungen hin kann eine völlig unbescholtener wirft Nietzsche ihr sorgfältig behütetes Geheimnis an den Kopf, Mensch seiner Freiheit beraubt werden. daß sie kein anderes Gebot als ihren Nußen und ihre Gelüste anerkennen. Sieht man aber über diesen umstrittenen Punkt hinweg, so gibt es dann keine Einschränkung mehr für die Anerkennung der mustergültigen Folgerichtigkeit und Klarheit, mit der Menger von Was zunächst den Tatverdacht angeht, so entscheiden über hier aus seine Gedankengänge weiter fortsetzt. Die Tugend, erklärt Der Weg zur Verbesserung der sittlichen Zustände führt also sein Vorhandensein die toten Aften. Aber was enthalten diese er, ist allerdings ein Wissen, aber nicht, wie Sokrates meint, ein nur über eine Veränderung der sozialen Machtverhältnisse, d. h. über Atten in dem Augenblick, in welchem der Haftbefehl er Wissen von dem was gut ist, sondern vielmehr von dem, was inner- die Voltsherrschaft in der Politik, die Demokratie und über die Lassen wird? Nichts anderes zumeist als Belastungs halb der bestehenden Machtverhältnisse als gut gelten muß. Alle Voltsherrschaft in der Oekonomie, den Sozialismus. Schon ist die Begriffe einer absoluten Sittlichkeit lösen sich auf im Scheidewaffer Moral des antiken Heidentums längst untergegangen, sinkt die Macht dieser revolutionären Auffassung. Für die Macht des Gewissens", der christlichen Kirche. Es naht die Zeit einer neuen großen Wende: das rührsame Vehikel bürgerlicher Familienblattphantasie hat er nur Hohn und Spott. Hören wir ihn selbst: Da die Tugend mit der Anpassung an die sozialen Machtverhältnisse, Sünde und Verbrechen mit dem Widerstreit gegen dieselben gleichbedeutend ist, so tann das Gewissen nur in der Furcht vor den nachteiligen Folgen eines solchen Widerstreites bestehen. Ein allmächtiger Gott tönnte deshalb keine Spur von menschlichem Gewissen befizen. Unter den Menschen steht aber naurgemäß Macht und Gewissen in umgekehrtem Verhältnis: Je glänzender sich die Machtstellung des einzelnen entfaltet, desto weniger wird er sich vor den sozialen Folgen seiner Handlungen fürchten, desto weniger wird er sich in seiner Tätigkeit durch Gewissensstrupeln Hemmen lassen. Dagegen werden die mittleren und unteren Boltsklassen schon während ihrer Jugend durch die Erziehung in Haus und Schule und noch mehr in ihrem späteren Lebenslauf, da ihnen nur selten eine Verlegung der sozialen Machtverhältnisse nachgesehen wird, durch ihre eigenen Erfahrungen zu Furcht und Respekt vor den sozialen Mächten angeleitet. Die dritte Stufe in der sittlichen Entwickelung der abendländischen Kulturwelt wird endlich der Sozialismus bilden, der durch den unaufhaltsamen Verfall des christlichen Lebens ebenso eine geschichtliche Notwendigkeit geworden ist, wie einst das Christentum durch den Niedergang der heidnischen Welt. Die sozialistische Sittenlehre verzichtet auf jede religiöse Grundlage, auf die Vorstellung, daß die sittlichen Gebote von der Gottheit stammen, auf den Ausblick in ein jenseitiges Leben, wo das mensch liche Handeln erst seine gerechte Belohnung oder Bestrafung finden wird. Dagegen wird der Sozialismus die überlieferten sozialen Machtverhältnisse so umgestalten, daß sich aus der umgebildeten Machtordnung ein höheres sittliches Leben mit Notwendigkeit er geben muß. So kann denn der Sozialismus hoffen, eine Sittlich feit zu schaffen, die vor den Rückschlägen des religiösen Bewußt seins gesichert ist und deshalb einer ununterbrochenen Entwickelung zu den sittlichen Jdealen der Menschen fähig erscheint. Mengers Neue Sittenlehre" ist keine Analyse subtilster sitt Und nachdem er geschildert, welche„ Gewissensqualen" den ver- licher Probleme, kein schwieriges theoretisches Wert; aber die gewonnene Klarheit eines reifen Lebens spiegelt sich in ihr wieder und sie folgten Mörder aus den untersten Voltsschichten martern, mit welcher wird getragen von einer Sicherheit, Kraft und Anschaulichkeit der vollendeten Ruhe aber Usurpatoren und Erbmonarchen die gräß- Sprache, die nur die tiefinnerlichste Ueberzeugung verleiht. Menger lichen Verbrechen des triegerischen Massenmordes auf ihr Gewissen spricht die Sprache des Propheten. Und die Starrheit des Propheten hat er auch in der Wahrheit wie im Irrtum. Seine Schrift wird ") Anton Menger,„ Neue Sittenlehre". Verlag von Gustav dauern als ein bedeutungsvolles Dokument der Geschichte unserer Beit, der Geschichte des Sozialismus. nehmen, fährt er fort: Fischer. Jena 1905. Preis 1 M. material, das vom Staatsanwalt und seinen polizeilichen Hülfs. organen gesammelt ist. Wenn der Gesetzgeber hinzufügt, der Verdacht müsse ein dringender sein, so hat er damit eine nichtsfagende Rebensart gebraucht. Das ganze lange Vorverfahren soll ja erst dazu dienen, festzustellen, ob etwas graduell Geringeres, ein hinreichender Verdacht, vorliegt. Um diesen Punkt aufzuklären, wird monatelang untersucht, werden dicke Attenstücke vollgeschrieben und Zeugen über Zengen vernommen. Bevor dies alles festgestellt ist, wird aber bereits angenommen, daß das schwerere Moment, der dringende Verdacht, vorliege, und eine Maßregel gegen den Bürger verhängt, die sich in ihrem wichtigsten Inhalt, der Freiheitsberaubung, in nichts von der Strafhaft unterscheidet. Man sieht aus diesem Widerspruch, über den keine juristische Dialektit hinwegzuhelfen vermag, wie geringe Ansprüche der Gesetzgeber an den Begriff der der Dringlichkeit des Verdachtes beim Erlaß des Haftbefehls stellt. Wird jemand, der eine Zeitlang in Untersuchungshaft gefessen hat, während der Voruntersuchung daraus entlassen, weil sich seine Unschuld herausgestellt hat, so zeigt sich, daß er zwar einmal dringend, aber niemals hinreichend verdächtig war. lehrt uns die Kommission selbst, wird in der Praxis vielfach Die zweite gefeßliche Voraussetzung, der Fluchtverdacht, so beschablonenhaft" angenommen. Man mache sich nur die ganze Tragweite dieses Zugeständnisses klar. Schablonenhafte Ver hängung der Untersuchungshaft gegen Menschen, die doch nichts Bergl, Nr. 179, 185, 191, 195, 200 bos Bout.". Wetter verkrochen Häven, als daß sie schuldig sind, verdächtig zu sein I Und in der Tat, wie oft sehen wir jemand ins Unter suchungsgefängnis wegen Flucht verdachtes wandern, von dem wir uns fragen, wie soll man diesen Mann denn auch nur für flucht fähig halten? Heute kann zur Begründung des Fluchv verdachtes das Vorliegen einer bestiiNinten Tatsache ausreichen, morgen daß diese Tatsache nicht vorliegt. Ist der Angeschuldigte wohlhabend, so stehen ihm reichliche Mittel zur Flucht zur Verfügung, ist er arm, so hindert ihn kein Besitz, so schnell wie möglich sein Vaterland zu verlassen und im Ausland sich Arbeit zu suchen. Wie häufig mutz die Höhe der zu erwartenden Strafe den Fluchtverdacht gegen denjenigen rechtfertigen, der nach einer Haupt Verhandlung von einigen Minuten wegen erwiesener voller Unschuld auf Antrag des Staatsanwalts selbst freigesprochen wird. Im Königsberger HochvcrratSprozeh * Der Bauernkrieg im Kaukasus. Tiflis, 1. September. Die Lage in Schuscha bleibt be- drohlich, nach ucueren Nachrichten soll die Stadt� in Flammen stehen. Die umliegende Niederung ist von bewaffneten Tataren erfüllt, de» dahin entsandten zwei Bataillonen soll Artillerie folge». Die Bewohner der Umgegend flüchten in die Berge. Im Dorfe Mnchranj, Kreis Duschet, ist ein Teil der Mauer des GutShofes des Fürsten Bngration Mnchranski mit Dynamit in die Lnft gesprengt worden. In der Nähe von Gori ist Fürst Erisow ermordet worden. Mus der Partei. Parteipresse. Die Elberfeldcr„Freie Presse", die i» letzten Jahre etwa 1000 Abonnenten gewonnen hat, wird vom 1. Januar an in eigener Druckerei hergestellt werden. Die Druckerei der Magdeburgischen„V o l k s st i m m e" wird am 1, Oftober tv Parteieigentum übergehen._ Ein Votum für die Spaltung der italienischen Partei. Die aus der Venetianischen Parteiscktion ausgetretenen Re« formisten haben allen im Gerüche des Reformismus stehenden Sektionen einen Aufruf zugehen lassen, in dem sie diese auffordern, eine Föderation aller reformistischen Sektionen zu schaffen, aus der sich die Organisation der neuen sozialistischen Reform« Partei entwickeln soll. Die römische„A�ioris sooialista" billigt im Prinzip den Vorschlag, fügt aber hinzu, daß er ihr vor der Hand noch riskant erschiene, da die meisten Reformisten„noch" der Partei an- gehörten und es schwer sein werde, sie zu beivegen, auszutreten, üm sich den wenigen autonomen Zirkeln anzuschließen. Euq Industrie und Handel. Abnahme der Schweineschlachtungen. Die„Allgem. Fleischerztg." hat bei den Direktionen von 40 der größten Schlachthöfe im Deutschen Reich angefragt, wie viele Schweine im August dieses Jahres gegen- über dem gleichen Monat des vorigen Jahres geschlachtet worden sind. Die Antworten, die das Blatt erhalten hat, liefern den zahlen- mäßigen Beweis, daß in allen diesen Städten die Zahl der ge» schlachteten Schweine stark zurückgegangen ist. In einzelnen großen Städten, z. B. in Breslau, Nürnberg, München, beträgt die Ab- nähme der Schlachtungen im August dieses Jahres sogar 30 bis 40 Proz. In den 20 größeren Städten wurden nach Angabe der Schlacht- „Gegenüber der Feststellung dieser Tatsache," meint die „Fleischerztg.",„werden hoffentlich die Versuche der Agrarier, die Viehknappheit zu bestreiten, endlich verstummen." Da kennt daS Blatt die Ethik des Agrarkonservatismus recht schlecht. Man wird in den konservativen Blättern einfach von der Feststellung gar keine Notiz nehmen und dafür aus irgend einer unzuverlässigen Statistik rnchts beweisende Zahlen herausnehmen, die man, falls sie nicht den gewünschten Zweck erfüllen, obendrein noch etwas korri- giert; oder man wird sich zum Beweis dafür, daß eine Ueberfülle von Schweincvieh vorhanden ist, wieder darauf berufen, daß in irgend einem Nest in Ostpreußen, Pommern oder Posen kürzlich auf dem Schweinemarkt einige gar zu jämmerliche Borstentiere keine Käufer gefunven haben. DaS Eigeninteresse hat bei den Agrgriern längst jede Logik und jede Ehrlichkeit zerstört. Soziales. Gegen den Fleischwucher. Im hamburgischen Staatsgebiete fanden in diesen Tagen 36 öffentliche Versammlungen statt, um zum Fleischwucher Stellung zu nehmen. In Bochum wurde in öffentlicher Versmnmlung eine Protestresolution beschlossen. Das Stadtverordneten-5wllegimn in Stettin wählte eine Kommission mit dem Auftrage, eine Eingabe an die Regierung auszuarbeiten. Gewerkschaften und Genossenschaften. Im Hamburger Gewerkschaftskartell wurde jüngst über das Verhältnis zwischen Gewerkschaften und Genossenschaften verhandelt, wobei der auf dem Kölner Gewerkschaftskongreß behandelte Streit zwischen der Hamburger Genossenschaft„Produktion und einer Ge- werkschaft über die Herstellung von Arbeiten für die Genossenschast die Hnuptftage bildete. Die Verhandlungen endeten mit Annahme der folgenden Resolution: „Die Kartellversammlung hält cS im Interesse der hiesigen Arbeiterbewegung für angebracht, daß die Genossenschaften ihre Arbeiten, soweit die Möglichkeit vorhanden und die Konkurrenz eS irgend zuläßt, hier am Platze herstellen lassen. Sie spricht diesen Wunsch aus, weil das GewerkschastSkartell die genossensckinftlichen Bestrebungen stets unterstützt lind gefördert hat, und insbesondere durch sein Verhältnis zur„Produktion" ein ganz besonderes Interesse an deren Gedeihen hat. Sie erblickt in der Herstellung der für die„Produftion" be- nötigten Arbeiten hier am Platze ein Werbemittel von nicht zu unter» schätzender Bedeutung. Aus diesen Gründen empfiehlt die Kartellbersammlung den Ge- nossenschaften, bei eventueller Vergebung von Arbeiten mit den in Betracht kommenden Gewerkschaften sich vorher ins Einvernehmen zu setzen. Kommt es in solchem Falle zwischen den beteiligten Körperschaften zu Differenzen, ohne daß ein Ausgleich gefunden wird, so wird den Parteien empfohlen, die Vermitteliing der Kartell« kommisston anzurufen. ftrjnenfoüs sollten aber solche Differenzen zum Gegenstand «Itter öffentlichen Bersammlungs- oder Preßerörterung gemacht werden, bevor nicht eine Schlichtung der Differenzen durch die Kartellkommission versucht worden ist."_ Etn vertrauensärztliches Nnfallgutachten. Fn einem uns zugestellten Urteil des Schiedsgerichts für den Regierungsbezirk Potsdam in einer Unfallsache findet sich folgende Stelle, die das Gutachten des Vertrauensarztes über den vorliegenden Unfall(Verletzung zweier Finger der rechten Hand) charakterisiert: „Dr. Winzer, welcher den Kläger seit der letzten Rentenbe- Messung auf 25 Prozent wiederholt untersucht und bisher keine Besse- rung seines Zustandes gefunden hat, sieht jetzt die Besserung bei objektiv unverändertem Befunde darin, daß die früher angenommene Nervenschwäche des Klägers nicht mehr bestehe, und begründet das Fehlen der Nervosität damit, daß der Verletzte bei der Untersuchung keine Angaben über nervöse Beschwerden gemacht habe. Nachdem nun der Rentenempfänger im schiedsgerichtlichen Verfahren die nervösen Beschwerden ausdrücklich in Abrede gestellt hat und bei der Augenscheinnahme in der mündlichen Verhandlung noch eine Schwäche des rechten Armes und ein Zittern desselben beim Ausstrecken festgestellt ist, hat das Schiedsgericht nicht die Ueber zeugung gewonnen, daß in dem Zustande des Verletzten eine wesent- liche Veränderung eingetreten ist." Also: Der Verletzte hat überhaupt keine nervösen Beschwerden, folglich kann er auch keine geltend machen. Aber weil er keine geltend macht, deswegen muß nach der Ansicht des Vertrauensarztes seine Rente herabgesetzt werden. Sie sind zwar nie vorhanden gewesen, also nie geltend gemacht worden, der Arzt hat sie jedoch trotzdem an- genommen, obwohl er bei dem jetzigen Rentenherabsetzungsverfahren gerade aus der Nichtgeltendmachung durch den Verletzten auf das Nichtvorhandensein schließt. Diese spiritistische� Größe dient zur Begründung der Renten- Herabsetzung: die materielle Größe einer Schwäche des Armes und des Zitterns sind dem Vertrauensarzte dagegen entgangen; es bedarf erst einer Besichtigung durch die Laien im Schiedsgericht, um sie fest- zustellen._ Eine freisinnige Schildbürgerri. Der„Arme Teufel aus der Oberlausitz" teilt aus dem Sitzungs- Protokoll des freisinnigen Magistrats der Stadt Zittau in Sachstn folgendes mit: „6. Derselbe Ausschuß(der Wohlfahrtspolizei-Ausschuß) hat sich mit dem Anerbieten der Firma Theodor Timpe in Magdeburg beschäftigt, öffentliche Milchküchen und Verpflegstationen für Säug- linge in Zittau zu errichten zur Bekämpfung der Säuglings- sterblichkeit. Der Ausschuß empfiehlt die Annahme des Anerbietens nicht, in der Erwägung, daß Zittau für eine solche Anstalt wohl nicht groß genug ist und daß die Säuglingssterblichkeit hier nicht eine besonders hohe ist." Zittau ist eine Fabrikstadt mit etwa 35 000 Einwohnern. Nach Ansicht der freisinnigen Herren braucht man also in einer kleineren Stadt keine Fürsorge für Säuglinge. In der kleinen Fabrikstadt sterben noch nicht genug Säuglinge, um etwas dagegen zu tun I Häufiges Zuspätkommen als Entlassungsgrund. Die Vlusennäherin Z. verlangte von ihrem bisherigen Arbeit- geber R. durch Klage beim Berliner Gcwerbegericht wegen plötzlicher Entlassung eine Lohnentschädigung von 60 M., außerdem beanspruchte !ie Restlohn, der zum Teil anerkannt wurde. Zur Frage der Ent- chädigung bekundete ein Zeuge, daß Klägerin nie pünktlich um 8 Uhr früh, dem Beginn der Arbeitszeit, gekommen sei, sondern immer später, meist Stund« bis zu Vz Stunde. Auch nach der Mittagspause sei sie nie pünktlich da gewesen, trotz Verwarnung.— Unter diesen Umständen sah die Kamnier 1 unter Vorsitz des Gewerberichters le Viseur in dem Zuspätkommen eine beharrliche Verweigerung der nach dem Arbeitsvertrag der Klägerin obliegenden Verpflichtungen gemäß§ 123 der Gewerbe-Ordnung und damit einen Entlassungsgrund. Von einer Entschädigung konnte deshalb nicht die Rede sein.— In einem Vergleich erhielt Klägerin dann auch nur den geforderten Restlohn zugebilligt, womit sie nach jener Belehrung durch den Gerichtshof zufrieden war. GetverKlcKaMieKes. An die Arbeiterschaft Berlins und der Bororte! Der Vorstand der Barbier-, Friseur- und Perückenmacher- Innung, unter Leitung des Obermeisters Leopold, Adalbert- stratze 21, läßt sich nach wie vor die Förderung eines„gedeihlichen" Verhältnisses zwischen Meistern und Gehülfen angelegen sein, indem er diejenigen Jnnungsmeister, welche die Gehülfenforderungen be- willigten, vor die Alternative stellt, enttveder die Bewilligungen zurückzuziehen oder den Ausschluß aus der Innung zu gelvärtigen. Bevor letzterer erfolgt, wird durch Verhängung von Geldstrafen bis zu 20 M. versucht, die weniger zünftlerisch gesonnenen Jnnungs- Mitglieder zur Zunftraison zu bringen. Macht der Jnnungsvorstand seine Drohungen wahr, dann muß betont werden, daß seine Maßnahmen ungesetzlich und daher an» f e ch t b a r sind. Der obermeisterliche Witz von den„in der Innung organisierten" Gehülfen mag in einer JnnungSversammlung ernst genommen werden, die Oeffentlichkeit aber wird darüber ein richtiges Urteil fällen und insbesondere wird die Arbeiterschaft dafür sorgen helfen, daß auch die Jnnungs-Barbierherren das Koalitionsrecht der Gehülfen anerkennen müssen. Der Innung ist durch keinerlei Ge- setzesbestimmung verwehrt, mit der Gehülfen-Organisation zu verhandeln, und die Verschanzung hinter dem Gehülfen- Ausschuß beweist nur, daß man das nicht will, wie dies ja auch die Maßnahmen gegen die bewilligt habenden JnnungSmitglieder erhärten. Demgegenüber hoffen wir, daß die organisierte Arbeiterschaft auch fernerhin darauf achten wird, daß organisierte Ge» hülfen zu den geltenden Arbeitsbedingungen beschäftigt werden. Die Gehülfen müssen im Besitze der weißgrünen Kontroll- karte sein, was wir genau zu beachten bitten. Die Bewilligung haben zurückgezogen resp. durchbrochen: K ä h l i tz, Blumenstr. 69; Wiedenhaupt, Tegelerstr. 24; G l u s k e, Ackerstr. 136; S t e l l e n b e r g. Boxhagen 24a. Verband der Friseurgehülfen Deutschlands. Zweigverein Berlin. Berlin und Clmgegcnd. Achtung, Kleber! Die Sperre über die Firma Thiemann, Bau Kaiser-Allee 173, wird hiermit aufgehoben, nachdem sich der Unter- nehmer schriftlich verpflichtet hat, die tariflichen Preise einzuhalten. Die Achtzehner-Kommission. Der Kürschnerstreik soll nach einer Mitteilung der„Neuen Pelz» warcn-Zeitung" beendet sein. Eine Bestätigung dieser Meldung seitens der Organisation der Arbeiter liegt uns bisher nicht vor. oeutkcbc» RcUb. Achtung, Metallarbeiter'. In einer Metallwarenfabrik in Düsse!» darf ist ein Streik ausgebrochen. Es werden Streikbrecher u. a. auch in Berlin gesucht.— Zuzug ist fernzuhalten. In der Seidel u. Naumannschen Fahrrad-«nd Nähmaschinen- fabrik zu Dresden ist es zu einem schweren Konflikt gekommen. Um Lohnabzügen vorzubeugen, haben dort 120 Schleifer die Arbeit nieder- gelegt. Die Direktion hat gedroht, sämtliche 2600 Arbeiter aus- zusperren, wenn die Schleifer nicht bis gestern die Arbeit wieder aufnehmen würden. Das ist nicht geschehen und damit dürfte die Aussperrung perfekt sein. Die Steinarbeiteraussperrung in München ist nach einem uns zugehenden Privattelegranim nach 21wöchentlichem Kampfe beendet. Bor dem EinigungSanite kam eine Tarifvereiubarung zu stände. HiiofosA. Der norwegische Gewerkschaftskongreß. Ein vierter Kongreß der Landesorganisation der norwegischen Gewerkschaften fand im großen Saal von„Kristiania Arbejdersam- fund" statt. Es wauen 160 Delegierte anwesend. Schweden und Dänemark waren durch die Vorsitzenden ihrer Landesorganisationen, Herman Lindquist und Martin Olsen, vertreten. Der Vorsitzende der norwegischen Landesorganisation Johan John- s o n berührte in seiner Eröffnungsrede auch die brennende politische Frage Skandinaviens, den Unionskonflikt. Desgleichen gingen M. Olsen und H. Lindquist in ihren Begrüßungsreden auf diese Frage ein. Olsen bemerkte unter anderem, daß die dänische Arbeiterschaft durchaus kein Interesse daran habe, einen dänischen Prinzen auf Norwegens Thron zu sehen; Lindquist erklärte, die schtvedischen Arbeiter würden alles aufbieten, unter allen Umständen den Frieden zwischen beiden Ländern der Halbinsel zu bewahren und die norwegischen Arbeiter in dem Selbständigkeitsbestreben ihres Volkes unterstützen. Zu dieser Frage wurde dann die im politischen Teil des„Vorwärts" bereits vor einigen Tagen veröffentlichte Reso- lution angenommen.— Aus dem Tätigkeitsberichte und dem Kassen- bericht haben wir in Nr. 173 des„Vorwärts" ebenfalls bereits das Wichtigste erwähnt. Der Hauptsache nach befaßte sich der Kongreß sodann mit den folgenden Angelegenheiten. Vom Eisen- und Metallarbeiterverband waren Vorschläge zu neuen Statuten der Landesorganisation eingebracht worden, die wesentliche Aendcrungen sowohl der Beitragsleistungen wie der Re- Präsentation der einzelnen Gewerkschaften und der Sanktionierungs- bestimmungen von Lohnbewegungen bezweckten. Nach langer gründ- licher Debatte wurde beschlossen, diese Frage für spätere Zeit zurückzu- stellen. Es wurde jedoch ein Ausschutz gewählt, der einen Entwurf zu neuen Statuten ausarbeiten soll. Zu einem Antrag, eine gemeinsame obligatorische Arbeitslosenversicherung für alle der Landesorganisation angeschlossenen Gewerkschaften einzuführen und das Landessekretariat zu beauftragen, bis zum nächsten Kongreß Vorschläge dazu auszu- arbeiten, gab M. Or m e st a d, der Mitglied der von der norivc- gischen Regierung eingesetzten Kommission zur Beratung der Ar- beitSlosenfrage ist, einige Aufklärungen über das bisherige Ergebnis dieser Beratungen, die nun bald beendet sein werden. Die Vorschläge der Kommission laufen im wesentlichen darauf hinaus, daß der Staat den bestehenden und noch zu gründenden Arbeitslosenkassen der Gewerkschaften ein Drittel ihrer Unterstützungsausgaben ersetzen soll. Ein Teil dieser Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln soll von den Gemeinden aufgebracht werden. Mit Rücksicht auf diesen Gesetz- entwurf nahm der Kongreß Abstand von Beschlüssen über den er- wähnten Antrag, erteilte jedoch dem Landessekretariat den Auftrag, die Angelegenheit genau zu verfolgen und eventuell dem nächsten Kongreß Vorschläge zu machen. Vom Holzarbeiterverband wurde der Antrag gestellt, ein ge- meinsameS Zcntralorgan, das an Stelle der einzelnen Fachblätter treten sollte, zu gründen. Der Antrag fand jedoch keinen Beifall. Dagegen wurde das Sekretariat beauftragt, Vorarbeiten zur Herausgabe eines Mitteilungsblattes der Landes- organisation zu treffen.— Ferner wurde das Sekretariat ermächtigt, vorbehaltlich der Sanktion des Hauptvorstandes, ein U e b e r e i n- kommen über Einigungsämter und Schieds- g e r i ch t e mit der Norwegischen Arbeitgebervereinigung zu treffen. Außerdem wurden drei Resolutionen angenommen, die teils Ver- besserungen, teils strengere Durchführung der bestehenden Arbeiter- schutzgesetze bezwecken. � t Der Kongreß beschloß, an die gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterorganisationen Skandinaviens das Ersuchen zu richten, den nächsten standinavischen Arbeiterkongreß im August 1907 in Kristiania abzuhalten. Die Wahlen zum Sekretariat der Landcsorganisation hatten folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender A. Pedcrsen, 2. Vorsitzender Ole Lian, Sekretär Kirsten Törres, Beisitzer Ormestad, Jversen, Nygaard, Steenberg, I Johnson und R. Hansen.— Der Kongreß wurde unter den Klängen des Sozialistenmarsches geschlossen. Gmckts-Deining. Der amerikanische Minenbesiher als Heiratsschwindler. Als ehemaliger Kampsgenosse des Präsidenten Roosevelt und stein- reicher Amerikaner g-rierte sich der Angeklagte, der gestern vor der achten Ferienstrafkammier des Landgerichts I stand und dem Ge- richtshofe ebenso große Schwierigkeiten machte, wie den Behörden, die Klarheit über seine Persönlichkeit zu schaffen sich vergeblich be- müht haben. Er nennt sich Albert Adams und behauptet, in Amerika als Sohn eines Holzmodellmachers geboren zu sein. Er habe zunächst als geschickter Mechaniker in einer Fabrik gearbeitet, sei dann bis 1876 in einem Uhrengeschäft tätig gewesen. Spater sei er nach dem Westen gegangen und habe sich seinen Lebens- unterhalt zunächst als Kuhjunge erworben, dann habe er Pferde eingefangen und sei weiter nach Kalifornien gegangen. Seitdem habe er sich dem Bergwerksdicnst gewidmet, habe mit den niedrigsten Diensten angefangen, im Laufe der Jahre sich aber ein enormes Vermögen erworben. Seine Behauptungen nachzuprüfen, ist unmöglich, denn er hat es bisher konsequent abgelehnt, irgend eine Person zu nennen, die ihn rekognoszieren kann, oder eine Behörde namhaft zu machen, mit der er in Steuersachen oder sonst der- gleichen in Berührung gestanden hat. Während von mehreren Per- sonen behauptet wird, daß er gmiz gut deutsch sprechen könne, ver- blieb er jetzt dabei, daß er ausschließlich englisch spreche, und so konnte denn die Verhandlung nur durch Vermittelung des vereideten Dolmetschers Justizrat Dr. Schneider sich abspielen und nahm un- geheuer viel Zeit in Anspruch. Allen Versuchen, ihn zu näheren Angaben über seine Person und seine Vermögensverhältnisse zu bewegen, wich der Angeklagte mit großem Raffinement aus. Er blieb aber dabei, daß er sehr vermögend sei. Er besitze ein Haus in Chikago im Werte von 15 000 Dollar, ein ebensolches in Denver im Werte von 13 000 bis 14 000 Dollar, sodann neun Berg- werke, von denen drei schon eröffnet und viele Hunderttausende von Dollar wert seien; zwei dieser Bergwerke lägen in Kolorado, eins in Mexiko. Danchen besitze er noch kostbare Wagen und Pferde, Reitzeuge, zwei Automobile, viel Silberzeug und Pelze und schließlich auch noch 16 000 wilde Pferde in Mexiko, auf die er aber keinen besonderen Wert lege. Sein Einkommen schätzt er auf 19 000 bis 20 000 Dollar jährlich. Die angestellten Ermittelungen haben diese Behauptungen nicht bestätigt, vielmehr ist der Angeklagte an allen maßgebenden Stellen unbekannt. Er tritt nun mit dem Märchen auf: Er habe vor neun Jahren große Spekulationen in Getreide gemacht, habe damals nicht liefern können und sei in Schwierigkeiten geraten. Da habe er es vorgezogen, sein ganzes Vermögen an einen Bekannten alz Treuhänder zu verschieben. Er habe aber dem betreffenden Herrn das felsenfeste Versprechen gegeben, den Namen desselben niemals und unter keinen Umständen zu nennen, da er sofort seine Stellung verlieren würde, wenn die Schiebung bekannt würde.— Diese mysteriöse Persönlichkeit kam am 16. Dezember 1904 mit dem Dampfer„Graf Waldcrsee" aus Amerika in Cuxhaven an. In seiner Begleitung befand sich eine Deutsche, die sich Frau Egcr nannte. Sie war seinerzeit an einen Mann Namens Eger ver- heiratet, und als dieser gestorben war, ist sie mit einem gewissen Hempel nach Amerika gegangen. Die Anklage nimmt an, daß diese Frau Eger die Geliebte des Angeklagten wat; sie ist, seitdem der Angeklagte hier in Haft genommen worden ist, spurlos verschwunden. — Nach der Ankunft in Deutschland begab sich das Pärchen von Cux- Häven direkt nach Berlin. Bald daraus suchte er ein Heiratsburcau der Frau B. auf, stellte sich als reichen Mincnbcsitzcr vor, sprach vom Hotel Bristol und Hotel de Russie und ersucht« gegen Einzahlung von 50 M. um Offerten von heiratslustigen Damen. Die anwesende Frau Egcr stellte er als seine Cousine vor. Die Heiratsvermittlerin verfügte gerade über ein wohlassortiertes Lager, und der Angeklagte hatte in seinem Notizbuch bald eine kleine Lcporcllo-Liste weiblicher Namen, deren jeder einzelne den Vermerk der bekreffenSen Mvgffß trug. Aus dieser Liste suchte er sich die Frau O. aus, bei der e« als reicher Freiersmann auch Gehör fand. Die Dame, die auch englisch spricht, konnte sich sehr gut mit ihm verständigen, sie schenkte ihm ihr volles Vertrauen, und so wußte er denn bald, daß sie 20 000 Mark in Wertpapieren besaß, die ein Onkel in Hamburg in Ver- Wahrung hatte. Sie hörte dagegen mit steigendem Wohlbehagen von ihm und seiner„Cousine" Eger von seinen drei Goldminen in Kolorado, seinen Bergwerken, seinen beiden Häusern, der Viehwirt- schaft, dem Einkommen von 40 000 Dollar usw. Als es zur Heirat gehen sollte, stellte es sich heraus, daß Adams nicht e i n Legiti- mationspapier besaß. Er machte den Vorschlag, nach London zu gehen und sich dort trauen zu lassen, da dort kein Mensch Papiere verlange. Dies wurde angenommen und man verabredete, zunächst das Geld von dem Onkel in Hamburg zu erheben. Vor der Abreise dorthin überreichte der Angeklagte„seiner lieben Braut" sein Tefta- ment, in welchem er„Im Namen Gottes" erklärte, daß er ihr sein ganzes Vermögen vermache. Der Onkel in Hamburg warnte seine Nichte vor einem leichtsinnigen Schritt, gab aber auf deren Ver- langen die 20 000 M. in Wertpapieren heraus. Der Angeklagte, der in Hamburg schon in der Lage war, seine Uhr versetzen zu müssen, nahm die Papiere schmunzelnd in Verwahrung. Am 15. Januar kehrte das Brautpaar nach Berlin zurück und blieb noch mit anderen Familiengliedern der Frau O. zusammen. Schon am 16. eilte der Angeklagte in Begleitung der Eger zur Dresdner Bank, um die Papiere zu versilbern. Er erhielt 4000 und 5000 M. und den Nest in einem Scheck auf die Londoner Bank. Als am 16. der Angeklagte etwas lange ausblieb, wurde Frau O. doch ängstlich, und ihre Verwandten foppten sie damit, daß der Bräutigam wohl durchgebrannt sei. Dieser kam aber doch noch und erklärte auf Be- fragen, daß die Wertpapiere wohlverwahrt in seinem Koffer lägen. Am nächsten Tage befand sich das Brautpaar reisefertig auf dem Potsdamer Bahnhof, um nach London abzudampfen. Noch ehe man von den versammelten Verwandten zärtlichen Abschied nehmen konnte, nahte sich das Verhängnis in Gestalt eines Kriminalbeamten, der den Angeklagten in Haft nahm. Ein Verwandter der Frau O. hatte sich nämlich an die Kriminalpolizei gewandt.— Bei seiner Verhaftung wurden bei dem Angeklagten von den 9000 M. nur noch 1800 M. und außerdem der Scheck auf die Londoner Bank vor» gefunden. Der Verbleib des übrigen Geldes schwebt im Dunkel; es konnte nur festgestellt werden, daß er der Eger sofort ein Seal» Cape für 1650 M. gekauft und ihr auch Geld eingehändigt hatte.— Die?ln klage nimmt an, daß der vom Angeklagten zusammen mit der Eger geschmiedete Plan wahrscheinlich dahin gegangen sei, daß der Angeklagte mit der Eger von London heimlich abdampfen und Frau O. dort sitzen lassen wollte.— Nach umfangreicher Beweisaufnahme hielt der Staatsanwalt R o h d e für erwiesen, daß der Angeklagte ein höchst gefährlicher Hochstapler sei, der nach Deutsch- land herüber gekommen sei, um hier in dreistester Weise einen lohnenden Fischzug zu machen. Der einzige mildernde Umstand, der dem Angeklagten zugute komme, sei, daß er nach den Akten noch nicht vorbestraft ist. Ob er aber wirklich derjenige ist, für den er sich ausgibt, erscheine noch sehr fraglich. Mit Rücksicht auf die ganz erhebliche Gemeingefährlichkcit erscheine eine empfindliche Strafe am Platz. Der Antrag des Staatsanwalts lautete deshalb auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust. Das Urteil des Gerichtshofes lautete auf zwei Jahre Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren. Versammlungen. Erklärung. Veranlaßt durch die in Nr. 206 des„Vorwärts" abgegebene Erklärung des Sektionsvorstandes der Gips- und Zcmentarbeiter haben wir zu erklären, daß wir unter keinen Umständen durch die« selbe zufriedengestellt sind. Nach dem, was sich in letzter Zeit abgespielt hat, daß 33 Arbeiter (Mitglieder der Sektion) die Entlassung eines seit fünf Jahren im Bauarbeiterverband organisierten Arbeiters vom Unternehmer unter Drohung mit ArbeitSmederlegung verlangten und durchsetzten, wenn ferner diesem Manne vom Genossen Fritz sch selbst erklärt wird:„Wir vernntteln für Dich keine Arbeit, wenn Du Dich nicht einschreiben läßt," hätte die Sektionsleitung alle Ursache. eine Regelung— und wäre sie auch nur ein Provisorium— bis zur gründlichen Entscheidung der Konferenz der Hauptvorstände fördern zu helfen. Das aber sucht sie zu umgehen, indem sie die Vermittelung des Ausschusses der Berliner Gewerkschaftskommission ablehnt. Durch die Atzlehnung dieser Instanz erweckt die Haltung der Seftionsleitung bei uns erst recht den Anschein der Ver- schleppung. Wenn ferner F r i tz s ch den zwischen beiden Organisationen be« stehenden Kartellvertrag als maßgebend zur Regelung von Streitig- leiten zwischen beiden hinstellt, so erklären wir, daß er dann besser getan hätte, sich von vornherein auch den 8 3 desselben anzusehen. Dieser Paragraph aber lautet: § 3. Die auf gemeinsamen Arbeitsplätzen beschäftigten Mit- glieder der koalierten Verbände haben sich kollegial zu behandeln, gegenseitig über die Zugehörigkeit zur Organisation auszuweisen und in der Agitation unter den Indifferenten zu unterstützen. Bei der Agitation ist besonders darauf zu achten, daß die am Bau Beschäftigten auch der für sie in Betracht kommenden Organi- sation angehören, also die Maurer dem Verband der Maurer, die Zimmerer dem Verband der Zimmerer nnd die Hülfsarbeiter beider Berufe dem Verband der baugewerblichen Hülfsarbeiter. Hätte die gesamte Sektion der Gips- und Zementarbeiter nach diesen Bestimmungen gehandelt, dann wäre das Verhältnis heute ein anderes. Zun, Schluß bemerken wir, daß wir ja auch der SektionSleitung den Vorschlag machten, zwischen beiden Vorständen(Vorstand der Sektion und dem der Bauarbeiter, Zweigverein Berlin) den Versuch zu machen, einen Ausweg zu erzielen. Auf die Antwort hierauf Ivarten wir heute noch. Deshalb erklären wir nunmehr, daß, falls die SektionSleitung uns noch länger in dieser Sache auS dem Wege geht, und sich einer Regelung dieser Sache zu entziehen versucht, wir m allernächster Zeit weiter in die Oeffentlichkeit gehen werden und der gesamten organisierten Arbeiterschaft Kenntnis von der unmög- lichen Agitationsweise obiger Sektion aeben werden. Der Zweigvereins-Vorstand des Verbandes der baugewerblichen Hülfsarbeiter. I. A.: Karl Heidemann. Letzte Haebnebten und Depefeben. Die Revolution in Rußland. Reval, 2. September.(W. T. 33.) Heute haben Lie Arbeiter aller Werkstätten und Fabriken mit Ausnahme einer einzigen die Arbeit eingestellt. Die Mannigfaltigkeit der von den Ausständigen erhobenen Forderungen, die mit jeder Stunde andere sind, stempelt den Ausstand zu einer politischen Bewegung. Energische Maßnahmen sind getroffen worden, um die Unruhen zu beschwichtigen. Gestern wurden auf eine Kosakenpatrouille aus der Mitte eines Arbeiter- Haufens zwei Revolvcrschüsse abgegeben, die jedoch keinen Schaden an- richteten. Einer der angreifenden Arbeiter wurde festgenommen und der Haufen zerstreut. Johannesburg, 2. September.(W. T. B.) Auf den Anlagen der Kleinfontain Estates Mine am Eastrand griffen chinesische KuliS eine von Jndiern bewohnte 3Zaracke an und verletzten vier Insassen aufs grausamste mit Messern. Zwanzig Chinesen wurden verhaftet, Sansibar, 2. September.(W. T. B.) Sansibar ist für peft» verseucht erklärt worden; unter den Eingeborenen sind 10 Erkrcm- kungen und 5 Todesfälle an Pest vorgekommen. gtemytp. RMkteur: Pg»l Büttner, Berlin. Lnsttcftentx.il Dimchu..Ke.rlag: KMtegrtsBuKdr.u.BttlagscmstnltPauISinZe.rLcC.a.,Berlin5)V. Htoott Nr. 206. 22. Iahrgaug. t. Ceiliijt Ks Jotvitts" Aerlim Wsdlck. ZMtag, 3. ZeptmbertM. Gegen die theoretischen Stützen der Sozialdemokratie. Hl. 2. Die Konzrntrationstheorre. Richtet der Kritiker der„Köln. Ztg." in seinen AnSfi'chrungcii über die materialistische Geschichtsauffassung seine Geschosse direkt gegen Marx, so befolgt er in seinen Kapiteln über die Mkumulations- und Konzentrationstheorie die Taktik, sich vornehmlich gegen Kautsky und den von diesem verfaßten theoretischen Teil des Erfurter Programms zu wenden. An dem Programm selbst findet er zwar, wenn er auch mit dessen marxistischem Grundzug nicht einverstanden ist, nicht allzu viel zu deuteln, ivohl aber an KautSkys Erläuterungs- schrift zum Programm, dem„Programm-Katechismus", wie er ihn nennt. Dort habe KautSky in der Vorrede, S. 14 und 16, davon gesprochen, daß„die Konzentration des Kapitals den Kleinbetrieb b e s.e i t i g e". Das sei völlig unrichtig, denn„noch nie hat die einfache „Konzentration des Kapitals" eine Einwirkung auf die Produktions- weisen gehabt, die vielmehr nur durch entsprechende Faktoren, durch Aenderung der Betriebsverhältnisse, der Technik, der sozialen Physiologie usw. beeinflußt werden konnten. Wie kann z. B. der häufige Akkumulationsgrund, der in der Zinseszinsaufsammlung eines Riesenvermögens liegt, dessen Zinsen der Eigentümer nicht verwerten kann, der Grund zu einer Aenderung der Produktions- weise sein"? Darin hat unzweifelhaft der Kritiker recht. An und für sich bewirkt eine Kapitalkonzentration— besonders wenn man. wie der Kritiker, diesen Ausdruck mit der Kapitalsakkumulation identifiziert und unter dieser wieder ausschließlich die Anhäufung von Kapitalien in einer Eigcntümerhand versteht— keine Betriebs- konzentration und Vernichtung der Kleinbetriebe. Wenn ein Fabrikant im Laufe der Jahre Millionen„verdien t", so hat diese Kapitalanhäufung an und für sich noch keine Beseitigung der Klein- betriebe zur Folge. Diese tritt erst dann ein, wenn der Kapitalist das.verdiente" Kapital zur Erweiterung seines Betriebes benutzt, wenn er ihn technisch vervollkommnet, neue Werke anlegt oder wenn er sein Geld direkt oder durch Vermittelung eines anderen0 oder 2000 M. des höheren Zinsgenusses wegen in Aktten angelegt haben, deshalb noch nicht im wirtschaftlichen Sinne zu Kapitalisten werden: alles das ist bekannt und anerkannt; aber wie groß nun schließlich die Zahl der wirklich an solchen Unternehmungen beteiligten Kapitalisten ist, weiß niemand. Es läßt sich daher auch kein schlagender Gegenbeweis führen, wenn jemand die Zahl so oder so einschätzt. Aber auf alle diese Nebenfragen kommt es jedoch auch gar nicht an. Was die betreffenden Sätze des Programms aus- drücken wollen, ist nur die Tendenz der Entwickelung zum Groß- betrieb, des relativen Rückganges der Kleinbetriebe, der Trennung des Arbeiters von den Produktionsmitteln— und diese Tendenz an sich läßt sich nicht bestreiten. Die Einkommenssteigerung beweist für oder gegen diese Tendenz gar nichts; sie beweist sogar nicht mal ohne weiteres, daß eine Besserung der Lebenslage stattgefunden hat, denn mit dem Ein- kommen können zugleich auch die Kosten des Lebensunterhalts ge- stiegen sein. Tatsächlich ergibt sich denn auch, wenn man alle Um- stände berücksichttgt, aus dem Einkommenaufschwung nur, daß die sogen. Mittelschichten nicht verschwinden oder vielmehr, daß sie nicht in so schnellem Maße verschwinden, wie früher vielfach angenommen worden ist. Nichts Einfältigeres gibt es jedoch, als nun diese Schichten als kleinere und größere Kapitalisten zu klassifizieren und dann zu erklären:„Unsere Entlvickelung ist von einer wachsenden Zahl von Kapitals st en aller Grade begleite t." Diese Mittel- schichten sind mit denen, auf die sich jene Stelle des Erfurter Pro- gramms bezieht, gar nicht identisch; sie bestehen nicht aus selb- ständigen Kleingewerbetreibenden, sondern zu einem wesentlichen Teile aus höheren und mittleren Angestellten und Funktionären der neu entstandenen Großbetriebe, kaufmännischen Agenten aller Art, Lehrern, Angestellten wissenschaftlicher Anstalten, Beamten und so weiter. Diese Leute aber sind, auch wenn sie 6000 und 6000 M. Gehalt oder mehr beziehen und vielleicht einige Attien besitzen, keine Kapitalisten. Ihre Stellung im modernen Wirtschaftsmechanismus, ihre Existenz- bedingungen, ihr Verhältnis zum Industrie- und Handelskapital sind ganz andere als die der ver- sinkenden Schicht. Schließlich gibt, wenn auch mit allerlei Wenn und Aber, der Kritiker der„Köln. Ztg." selbst zu, daß eiste Vernichtung der Klein- betriebe erfolgt, wenn auch, wie er behauptet, in einer„äußerlich" anderen Form, als Marx gefolgert hätte. „So ist denn", sagt er schließlich,„die von Marx und dem Erfurter Programm formulierte These, daß die Konzentration der Großbettiebe die Kleinbetriebe vernichte, äußerlich falsch; denn sie ändert nur grundsätzlich ihre Natur um, sie macht sie aus eineni kapitalistischen zu einem proletarischen Betrieb. Des- halb bleibt der prinzipielle Satz von Marx be- stehen, daß der Untergang der— alten— Klein- betriebe ebenfalls neue Bataillone zu den Proletarierheeren liefert." Nur in bezug auf die Landwirtschaft ist, wie der Kritiker meint, die Marxsche Konzcntrationslehre total unrichttg, und zwar so gründlich, daß selbst Kautsky bor den erdrückenden Tatsachen hätte kapitulieren müssen. „In der Landwirtschaft nimmt nicht allein der Groß- betrieb und der Kleinbeftieb relativ und absolut zu, sondem der Kleinbetrieb stellt auch— was ökonomisch das wichtigste ist— die beste Wirtschaftsform dar. Es genügt, hier anzuführen, was Kautsky in der Vorrede zur fünften Auflage seines Kommentars, in der er im Jahre 1004 über eine etwaige Revision seiner Schrift spricht, sagt:„Nur in einem Punkte muß ich da? in den ftüheren Auflagen Gesagte etwas einschränken: in den Erwartungen über den Rückgang des Kleinbetriebes in der Landwirtschast. Die Auf- lösung des bäuerlichen Kleinbetriebes vollzieht sich in den letzten zwei Jahrzehnten nicht so rasch, wie ehedem, stellenweise gewinnt er sogar an Boden. Das lag 1802 noch nicht so klar zutage." Das genügt. Wer mehr Material haben will, lese nur Davids Sozialismus und Landwirtschaft,� Zugegeben muß allerdings werden, daß sich für die letzten Jahr« zehnte ein Rückgang der mittleren landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland nicht nachweisen läßt. Wird dadurch die Marxsche Konzentrationstheorie, oder auch nur ihre Gültigkeitin bezug auf die Landwirtschaft widerlegt? Der Kritiker behauptet es— beweist aber damit nur, daß er Marx nicht versteht, d. h. daß er nicht nur die Konzentrattonstheorie nicht" versteht, sondern überhaupt nicht die ganze Marxsche Methode; einen Mangel, den er übrigens(was zu seiner Entschuldigung dienen mag) mit vielen teilt. Marx befolgt in seiner Aufstellung ökonomischer Theorien und Tendenzen eine ganz andere Methode, als die moderne Alltags- und Eintags-Oekonomie. Diese konsttuiert sich meist, wenn sie mehrmals eine bestimmte ökonomische Erscheinung in Verbindung mit bestimmten ökonomischen Folgen erblickt, sofort ein Gesetz. Sieht sie z. B., daß vor dem Ausbruch einer Wirtschaftskrise gewöhnlich Geldinangel herrscht, so folgert sie einfach(die neue Krisen-Literatur liefert dafür interessante Belege): die Geldknappheit ist die Ursache der Krise. Dieser rohesten Enipirik steht die Marxsche Methode direkt entgegen. Aus einigen beliebigen analogen Fällen ohne weiteres ein ökonomisches Gesetz herzuleiten, wäre Marx als total un- wissenschaftlich erschienen. Nach seiner Auffassung können Gesetze nur auf dem Wege logischer Deduktton aus gegebenen, durch die Er- fahrung erwiesenen allgemeinen Grundtatsachen gewonnen werden. Wie der Physiker reine, grundlegende Gesetze zu gewinnen sucht und zu diesem Zweck von störenden Einflüssen absieht, selbst wenn diese in Wirklichkeit fast immer vorhanden sind, wie er z. B. für das Fallgesetz einen luft- leeren Raum annimmt, den es gar nicht gibt, so sucht auch Marx die ökonomischen Gesetze„rein" aus ihren Grundbedingungen ab- zuleiten, ohne sich im mindesten darüber unklar zu sein, daß solche „absoluten" Gesetze, wie er sie(im Sinne Hegels) nennt, keineswegs im Wirtschaftsleben in dieser Reinheit zur Geltung kommen, ist doch nach seiner Auffassung der Wirtschaftsprozeß die Restiltante vieler sich gegenseitig beschränkender, in der Wirkung einander beeinträchtigender Gesetze. Aber um den Entwickelungsverlaus zu verstehen, ist es zu- nächst nöttg, diese Gesetze in ihrer Reinheit zu erfassen, und dann erst zu untersuchen, inwieweit ihre Wirkung durch entgegenstehende Tendenzen mehr oder weniger abgelenkt, verändert oder auf- gehoben wird. Diese Methodik hat mancher Kritiker nicht begriffen und Marx sogar der bewußten Irreführung geziehen, wie z. B. Professor Loria. Dem ist einfach unfaßbar, daß Marx erst den Wert der Waren durch die Arbeitsmenge bestimmt, dann den Preis als Wertausdruck hin- stellt und darauf erklärt, der Durchschnittspreis entspräche keineswegs dem Wert, sondern würde gewöhnlich durch das Gesetz der Durch- schnittsprofitrate abgelenkt. Ein solches„reines" oder„absolutes" Gesetz(bezw. Tendenz) ist auch das sogenannte Konzentrationsgesetz. Deshalb be- weist denn auch die Tatsache, daß sich hier oder dort, in diesem oder jenem Produktionszweig eine Konzentration nicht vollzieht, noch keineswegs ohne weiteres, daß dies Gesetz falsch sein muß. Seine Wirkung kann vielleicht durch irgendwelche anderen Tendenzen oder störenden Einflüsse, z. B. durch eine besondere Steuer- und Zollpolitik, durch die infolge fremder Konkurrenz ver- änderte Aufnahmefähigkeit des In- und Auslandsmarktes, durch neue technische Erfindungen, welche zugunsten eines bestimmten ProduktionS- zweiges die Entwickelung eines anderen hemmen, verändert, in eine abweichende Richtung gedrängt oder auch ganz aufgehoben worden sein. Aus der Nichtersichtlichkeit einer Betriebskonzentration in der deutschen Landlvirtschaft einfach zu schließen, das Konzenttations- gesetz sei falsch, das ist genau so unwissenschaftlich, genau lo naiv, als wenn jemand aus der Tatsache, daß ein durch irgend welche Widerstände im Fallen aufgehaltener Stein nicht fällt, schließen wollte, das Fallgesetz gelte nicht. Der Unterschied ist nur, daß wer auf physikalischem Gebiete sich derartige Schlüsse erlaubt, einfach ausgelacht wird; auf ökonomischem Gebiete aber, besonders wenn er mit vielen zur Beurteilung der Frage ganz gleichgültigen statistischen Zahlen operiert, als gescheidter Mann gilt — einmal, weil auf volkswirtschaftlichem Gebiete die Zusammen- hänge und Gegentendenzen viel schwerer zu erkennen sind, und zweitens, weil die bürgerliche Wissenschaft, mag sie vielfach auch noch so wenig vom Marxismus und seiner Methodologie verstehen, doch in diesem instinktiv die stärkste geistige Waffe des Proletariats sieht und deshalb jede sogenannte„Vernichtung" Marxscher „Dogmen", auch die allereinfältigste, als höchstwissenschaftliche Leistung feiert. Um die Marxsche Konzentrationslehre zu widerlegen, ist mehr nöttg. Es müßte zunächst geprüft werden, wieweit sind die Grundtatsachen richtig, wo stecken Fehler in der Marxschen Deduktion, wieweit haben bisher ökonomische Erscheinungen die Konzentrationstheorie bestätigt, welche Abweichungen zeigen sich in den verschiedenen Ländern, wie weit lassen sich hierfür besondere lokale Einflüsse nachweisen usw. Wird aber die Aufgabe in dieser Weise angepackt, so ergeben sich sofort ganz andere Gesichtspunkte. Wir finden dann z. B,, daß in England in den vierziger, fünfziger, sechziger Jahren eine relativ starke Konzentration in der englischen Landwirtschaft stattfand und ebenso auch ftüher in der deutschen Landwirtschaft, und wir finden dann ferner, daß während in Deutschland in den letzten Jahrzehnten die sogenannten bäuer- lichen Mittelbetriebe am meisten zunehmen, sie in Frankreich am stärk st en zurückgehen. Demnach würde sich, wenn man in der vorhin charakterisierten roh-enrpiristischen Weise schließt, daS Resultat ergeben; das Konzentrationsgesetz hat in demselben Lande zeitweilig gegolten und zeit- weilig nicht; es gilt noch heute für das eine Land. für das andere nichtl Ein kurioses Gesetz der kapitalistischen Entwickelung, das so eigenartige Micken hat. Entweder ist das Gesetz falsch, oder es ist richtig. Natürlich schließt seine Richtigkeit nicht aus, daß seine Wirkung sich nach den besonderen Gegenttästen in den ver- schiedenen Ländern, je nach deren Zoll- und Agrarpolitik, land- wirtschaftlichen Arbeiterverhältnissen, Ein- und Ausfuhrbedingungen usw. verschieden äußert, vielleicht auch völlig gelähmt wird. Diese Einflüsse sind dann eben zu untersuchen. Eine solche Untersuchung wäre, mit wissenschaftlichen Mitteln durchgeführt, Wissenschaft; eine Schlußfolgerung ä 1a,„Kölnische Zeitung" zeugt hingegen nur da- von, daß der, der solche Folgerung zieht, Rkarx gar nicht versteht. Zur Feenpalast-Bersammlung. Genosse Stadthagen ersucht uns um Veröffentlichung des nachstehenden Artikels. Wir kommen dem Wunsche gern nach und ver- weisen gegenüber seinen Ausführungen auf die bereits in dieser Frage sowie in anderen Artikeln der letzten Zeit gegebenen Dar- legungen. Soweit dadurch Stadthagens Ausführungen noch nicht erledigt sind, wird es noch in anderem Zusammenhange geschehen. . Die Ansicht des Genossen Krille teile ich, daß die„Vorwärts"- Artikel über die Feenpalast-Resolution in Form und Inhalt danebenhauen und daß die Feenpalast-Versammlung selbst eine sehr ernste sachliche Beachtung und Bettachtung im Interesse der Partei erforderlich macht. Aufgabe der Sozialdemokratte ist es, jedes Vorkommnis aus dem Zusammenhang der Dinge heraus zu er- klären. Der Schlüssel für die Möglichkeit, daß 3000 Arbeiter solcher Resolution zustimmten, scheint mir in allgemeinen und speziell in Berliner Verhältnissen zu liegen. Diese kurz zu erörtern und auf Abstellung von Zuständen zu dringen, die mit Notwendigkeit zur Schwächung, wenn nicht zur Zerrüttung der Partei, führen müssen, ist Zweck der folgenden Zeilen. Was besagt die Feenpalast-Resolution? Ihrem Wortlaut nach verwttft die Resolutton, in Anlehnung an den revffionistischen Sprach- schätz,„die dogmatische Auffassung des Marxismus, des historischen Materialismus", behauptet, der Klassenkampf sei„kein politischer, fondern ein wirtschasllicher und psychologischer", will als Allheil- mittel„den Generalstreik herbeiführen" usw.— durchweg mit der Grundauffassuug der Sozialdemokraten und der jahrzehute- laiigen praktischen, opferfreudigen Betätigung sicherlich des gröszten -�cils der Versammlungsbesucher unvereinbare irrige Ansichten. Und dennoch ist die Frage berechtigt: stellt die Resolution in der Tat einen Abfall von der Partei, eine Verdammung ihrer taktischen und loustigeil Grundsätze, eine Lossage vom parlamentarischen Kampfe dar? Diese Frage verneine ich. weil es ungerecht ist, lediglich den bedauerlicherweise trotz Vorberatuug durch Gewerkschaftsvorstände widerspruchsvollen Wortlaut entscheiden zu lassen. Bei keiner Willensäußerung darf man an dem buchstäblichen Sinn kleben bleiben, sondern muß den wahren Sinn zu ergründen suchen: Worttüftelei führt zu falschen Ergebnissen. Ein Beispiel auf gleich- liegendem Gebiet erläutere das. Der Ausschuß der Berliner Gcwerkschaftskommission schlug am l. Mai eine von Tausenden von Arbeitern angenommene Resolution vor. Diese forderte Hochhaltung der Ziele, deren Propaganda der 1. Mai gilt, hob Erringung des Achtstundentags, Durchführung der Sozialgesetzgebung, Aufhebung des Z 153 der Gewerbeordnung, Erringung der vollen Koalitions- freiheit, Beseitigung der Klassengcsctze und Klassenjustiz hervor und fuhr dann fort:„D i e s e Z i e l e zu erreichen und zur Abwehr gerüstet zu sein, ist n u r durch eine einheitliche Gewerkschafts- orgnuisalion möglich." Dieser Wortlaut läßt die Deutung zu, daß eine Politik der N u r gewcrkschaftelei und Lossagung von politischer, sozialdemokratischer Betätigung empfohlen werden sollten. Und doch würde solche Auslegung den wirklichen Absichten des Ausschusses und der Tausenden von Genossen, die dieser Resolution zustimmten, schnür- st r a ck s Widers p r e ch e n. Aus der allgemeinen politischen und gewerkschaftlichen Situation und der speziellen Verhältnisse in Verlin und der Provinz Brandenburg heraus betrachtet, bedeutet die Feen- palast-Rcsolution keine Lossagung von der Partei oder von der parla- mentarischen Betätigung, sondern ist ein unbeholfener, schiefer Aus- druck des Mißbehagens darüber, daß die Partei nicht die äu Heren Erfolge auf parlamentarischem und gewerkschaftlichem Gebiete er- rungen habe, die sie nach den irrigen Darlegungen der Ueberschätzer des Parlamentarismus und der Macht der Gewerkschaften haben müßte, und wendet sich scharf gegen die Nurgewerkschaftelei und Versuche der Leisetreterei. Die Ueberschätzung und Unterschätzung der parlamentarischen Betätigung, der scheinbaren Erfolglosigkeit auf den verschiedensten Gebieten des politischen und wirtschaftlichen Lebens beruht auf dem Mangel an theoretischer Klarheit und Vertiefung: dieselbe Dialektik, die der immer größeren Ver- tiefung des Gegensatzes zwischen Produktiv k r ä f t e n und Produktiv- forme n innerhalb der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zugrunde liegt, kommt bei dem Gegensatz zwischen der inneren Macht der Sozialdemokratie und ihren äußeren Erfolgen, bei dem Ringen auf der einen Seite: um Zuspitzung der Machtmittel der bürgerlichen Gesellschaft zu Unterdrückungsmitteln der lebendigen Trager der Produktivkräfte zu willenlosen Arbcitsmaschinen, auf der anderen Seite: um Gestaltung dieser Machtmittel zu Kulturhebeln zur Geltung. Der bürgerliche Parlamentarismus ist seiner Tendenz nach durchaus von dem proletarischen Parlamentarismus verschieden. Zur Mut- losigkeit oder zu verzweifelten Kuren nach Art des Dr. Eisenbart oder gar zur Aussöhnung mit den bestehenden Zuständen muß ge« langen, wer diesen Gegensatz und seine revolutionierende Wirkung verkennt, den Boden der rauhen Wirklichkeit verläßt und dem Wolken- kuckucksheim der mit einander verschwisterteu, auf bürgerlicher Auf- fassung beruhenden Anarchisterei oder Revisionisterei zustrebt. Die Parteitage, insbesondere seit Hannover, haben in klarer Erkenntnis der politischen Lage die grundsätzliche Vertiefung in die sozialdemokratischen Grnndanschauungen mit Recht als besonders notwendig erachtet. Die Berliner Genossen haben in der eindringlichsten Weise wiederholt auf die Notwendig- keit solcher Vertiefung durch die Presse und auf eine objektive Dar- stcllung des geistigen Lebens innerhalb unserer Partei hingewiesen. Wenn trotz alledem der„Vorwärts" insbesondere seit den Reichstags- Wahlen von 1903 vom„Weltwende"-Artikel ab bis in die jüngste Zeit hin- ein unter Verkcnnung der Grundlagen des proletarischen Emanzipations- kampfes zwischen Ueberschätzung und Unterschätzung parlamentarischer Betätigung von Sensationsprozeß zu Sensationsprozeh hin und her pendelt, jeder grundsätzlichen Betrachtung der Geschehnisse aus dem Wege geht oder sie zu einer persönlichen Zänkerei herab- würdigt, über das geistige Leben innerhalb der Partei völlig unzureichend informiert, nicht Klassenbewußtsein, sondern Selbst- Überschätzung und Autoritätsduselei mehr als einmal propagandiert, statt eines Resümees über die seit länger als zwei Jahre gepflogenen Diskussionen über Generalstreik und Massenstreik und andere wichtige Fragen die geistigen Schätze eines Blattes vom Schlage der„Europa" oder anderer außerhalb der Partei stehender Blätter serviert, so läßt sich der Vorwurf leider nicht ablehnen, daß der„Vorwärts" den Nährboden ftir unklare Reaktionen gegen Ueberschätzungen des Parla- mentarismus selbst gedüngt hat. Wenn Genosse Krille meint, die Anwesenheit agitatorisch und theoretisch geschulter Genossen hätte die Annahme der Resolution gehindert, so will ich über die Nichtigkeit seiner Prophezeiung nicht streiten. Darin trifft er aber den Kern der Sache: Es fehlt an hinreichender theoretischer Schulung und Vertiefung in Berlin, wiewohl schon heute Tausende von Genossen in Berlin durch eifriges Selbststudium, durch Diskutierabende und Betätigung in Vereinen eine theoretische Schulung von außerordentlicher Höhe sich angeeignet haben. Der Plan, für Grotz-Berlin eine Zentralisation zu Ichaffen, beruht nicht zuletzt auf dem berechtigten Wunsch, eine Vertiefung des geistigen Lebens innerhalb Groß-Berlins, eine von dem gemeinsamen Ziele der Befreiung des Proletariats getragenen Diskussion prinzipieller Fragen und die Pflege der Theorie des Sozialismus zu fördern. Gelingt dies und die Umgestaltung des„Vorwärts" zu einem durch seinen Inhalt führenden Organ zu gestalten, so ist ein gut Teil dafür geschehe», daß Feeupalast- Resolutionen der beklagten Art in Berlin für die Zukunft zu Unmöglichkeiten gehören. Die treibende Kraft für die Möglichkeit, dah Genossen, die zum Teil vor und unter dem Sozialistengesetz bereits opferfreudigst für Partei und Gewerkschaft kämpften, der Feenpalast-Resolution zu- stimmten, liegt ferner in den beklagenswerten gewerkschaftlichen Zu- ständen in Verlin. Es gibt wohl kaum einen Parteigenossen in Berlin, der es nicht lebhast bedauert, dah die Einigungsbestrebungen des Parteivorstandes zwischen Zcntralvcrbändlern und Lokalorganisierten fehlgeschlagen haben. Seitdem hat eine Verbitterung und Ver- ärgerung über eine Reihe von Ereignissen bei lokalorganisierten Genossen so stark Platz gegriffen, wie noch nie zuvor. Mögen alle Klagen der Lokalorganisierten berechtigt sein, möge sie selbst linden- blütenweihe Unschuld in allen Streitpunkten auszeichnen— die Lokal- organisierten tun meines Erachtens bitter unrecht, wenn sie dem Zentralverband der Gewerkschaften sich nicht anschließen. Der Aerger ist ein schlechter Berater: sich über andere ärgern, heißt die Sünden der anderen an sich selbst strafen. Macht sich in den Gewcrtschaften deS Zentralverbandes eine der Partei gegenüber indifferente oder gar feindselige Stimmung geltend, so sind gerade die Genossen an solcher Erscheinung mitschuldig, die dem Zentral« verband fernbleiben und dadurch die Richtung stärken, die nach Ansicht der dem Verband Fernbleibenden dem EmanzipatiouSkampf des Proletariats schädlich ist. Wer die tatsächlichen Verhältnisse betrachtet, kann nicht leugnen, dah auf diesem Gebiet tiefernste Erscheinungen insbesondere in der Provinz Brandenburg zu beklagen sind. Auf fast allen Kreis- konferenzen der Groh-B erlin benachbarten Kreise sind lebhafte Klagen über politischen Jndiffe- rentismus gewerkschaftlicher Kreise geführt. Beispielsweise wurde hervorgehoben, dah in S o r a u von allen gewerkschaftlich organisierten Holzarbeitern keiner, von über 300 gewerkschaftlich organisierten Maurern vier der Partei- organisation angehören. Selbst Klagen über Vorsitzende von Gewerkschaftsversammlungen wurden laut, die sich gegen Partei- politische Darlegungen wendeten. Es ist erklärlich, aber irrig, wenn aus solchen und anderen Erscheinungen der Schluß gezogen wird, die' gewerkschaftlich organisierten Genossen strebten nach dem Ideal, das das Unternehmertum durch den Mund des jetzigen Handelsministers Möller vor etwa 12 Jahren und am 20. Januar dieses Jahres durch den Reichskanzler den Arbeitern anenipfahl:„Emanzipation der in Berufsvereinen organisierten Arbeiter von der Parteipolitik." Die in� den Zentralvcrbänden gelverkschaftlich organisierten Genossen stehen solcher selbstmörderischen Absicht so fern wie denkbar. Ihnen sind Gewerkschaft und Partei zwei Teile eines Körpers. Für eine Zweiseelentheorie kann in einer modernen Arbeiterbewegung auf die Dauer kein Raum sein. Bureaukratisnius, Leisetreterei und Oberdiplomatismus, auf den das Linggsche Wort paßt Man wäht, man hofft Klug zu werden und wird nur zahm; Man glaubt gar oft Weise zu sein und ist nur lahm sind naturnotwendige Folgen jedes großen, zu straff gespannten Organismus. Ihnen hilft man nicht durch Fernbleiben, sondern durch Propagandierung der Einheitlichkeit von Gewerkschaft und Partei innerhalb der gewerkschaftlichen und politischen Organisationen ab. Das ist in Berlin und der Provinz Branden- bürg dringend erforderlich. Sind es Erscheinungen des politischen, des gewerkschaftlichen und des Parteilebens insbesondere in Berlin, die zur Annahme der Feenpalast-Resolution auch durch Genossen bedauerlicherweise geführt haben, so dürften für Friedebergs Wandelung andere Gründe maßgebend sein. Auch hier vermag ich der F o r m der Polemik des „Vorwärts" nicht zu folgen: ihr enlgegen zu treten liegt im Interesse der Agitation. Wer inmitten der ausreibenden Kleinarbeit steht, weih, wie von bürgerlicher Seite aus in Versammlungen zur„Wider- legung" der Sozialdemokratie ähnliche, lediglich persönlich verletzende und verhetzende Ausdrücke gebraucht werden wie sie vom„Vorwärts" gebraucht sind. Mit Ausdrücken wie„Phrasen",„Kretinismus", „Wirrnis",„Konfusion",„blödsinnig" widerlegt man nichts. Ein Genosse, der in der mündlichen Agitation durch derartige Kraft- ausdrücke sachliche Gründe zu ersetzen sucht, würde wohl allerorten als zur Agitation noch nicht reif erachtet werden. Sehr zu unter- scheiden ist zwischen kräftigen Ausdrücken, die die konventionelle Lüge des guten Tons der bürgerlichen Gesellschaft mißachten mögen, aber die Sache selbst treffen, und dem Ersatz von Gründen durch lediglich persönliche verletzende Ausdrücke. Ein solcher Ton ist um so unangebrachter, wenn er in der Presse, wenn er Arbeitern gegenüber, wenn er Genossen gegenüber von Literaten augewendet wird, die zu der Zeit noch im bürgerlichen Lager oder in den Kinderschuhen steckten, als die von ihnen Verletzten bereits die größten persönlichen Opfer für den Be- freiungskampf des Proletariats durch die Sozialdemokratie brachten. Nicht Höflichkeit—„im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist" — aber Sachlichkeit kann man insbesondere von denen verlangen, die zur literarischen Vertretung der�Grundsätze der Sozialdemokratie, nicht aber zur Lähmung der Kampfessreudigkeit und zur Zerrüttung der Partei verpflichtet sind und selbst bei grundsätzlichen Erörterungen anderer über Verletzung deS guten Tones wehklagen. Die Sozial- demokratte hat auch bei Vorkommnissen wie der Annahme der Feen- palast- Resolulion den inneren Zusammenhang der Dinge zu ergründen. Schon im vergangenen Jahre, als Friedeberg sich durch seine Darlegung über Parlamentarismus und Generalstreik von der sozialdemokratischen Partei lossagte, habe ich eine entgegenstehende Art der Behandlung wichtiger Geschehnisse öffentlich beklagt. Wie konnte Friedeberg zu seiner Kundgebung gelangen? Der Entwickelungsgang Friedebergs zeigt genau wie der so mancher ehemals„Unabhängiger" klärlich den Zu- sammenhang zwischen Anarchismus und Revisionismus uick die Gefahr des Maugels theoretischer Er« kenntnis. Friedeberg ist bereits während des Ausnahme- gesetzes für die Interessen der Sozialdemokratie eingetreten und des- halb' von der Königsberger Universität auf Drängen des grundsatz- losesten, skrupellosesten und systemlosesten Professors des Staatsrechts, Zorn, relegiert worden. Rastlos ist er als praktischer Arzt für die Interessen des Proletariats in Einzelfragen, so aus dem Gebiete des Krankeukassenwesens und der Bekämpfung der Tuberkulose, ein- getreten. Vor wenigen Jahren fiel mir ein Aktenstück in die Hände, in dem der Präsident des Reichsgesundheitsamtes Dr. Köhler ein- dringlich bat, zu einer Konferenz zwecks Beratung über Mittel zur durchgreifenden Bekämpfung der Tuberkulose Friedeberg wegen seiner revolutionären, bereits in seiner Studentenzeit betättgten Gesinnung nicht zuzuziehen. Seine Sachkenntnis und sein Eifer auf diesem Gebiete wurden nicht verkannt. Wie betätigte sich Friedeberg sonst? Friedeberg ist einer der eifrigsten, opferwilligsten Begründer und Förderer der Sozialisti scheu Monatshefte"(früher „Sozialistischer Akademiker" betttelt) gewesen. Als außerhalb der Partei stehendes Organ öffnete es allen sozialisttschen Richtungen(gleichviel ob sozialdemokratisch oder nicht) seine Spalten. In diesem Sammelbecken aller Richtungen stieß man auf Darlegungen von Anarchisten, die mit den bestehenden Zuständen unzufrieden und bürgerliche Ideologen geblieben sind, weil sie den Zusammenhang auch des ideologischen lieber- Baues mit der ökonomischen Grundlage nicht zu erkennen vermögen, ein Nietscheanisches Uebermenschenwm durch utopische Kraftmeierei herbeizuführen hoffen. Neben derarttgen Richtungen ließen sich einseitige Ueberschätzer des Parlamentarismus, der Gewerkschaft oder der Genossenschaft vernehmen, die den begriff- lichen Unterschied zwischen diesen Institutionen als Machtmittel der kapitalistischen Gesellschaft und als Mittel zur Befreiung des Prole- tariats sich nicht vor Augen hielten, auch mancherlei erbauliche Dinge vom„Dogma des Marxismus" und der„dogmattschen Auf- fassung des Marxismus" zu erzählen wußten. Friedeberg hing an den„Sozialistischen Monatsheften" vielleicht gerade wegen ihres Durcheinander mit Leib und Seele. Als offener Charakter machte er weder in Versammlungen noch in Privatgesprächen je ein Hehl daraus, daß der innige, ausschlaggebende Zusammenhang zwischen ökonomischer Grundlage und geistiger EntWickelung ihm nicht voll zusage; stets erhoffte er Außerordentliches von der persönlichen Ein- Wirkung auf die„Psyche". Es ging ihm, der Tag und Nacht das Elend im einzelnen wie durch organische Zusammenfassung hülfS« bereiter Kräfte zu mindern suchte, der Fortschritt zu langsam. Zur Ueberschätzung der so unendlich notwendigen Betättgung auf kommu- ualen, gewerkschaftlichen, parlamentarischen, sozialpolitffchen Ge« bieten gesellte sich die bei lebhasten Temperamenten, insbesondere solchen, die in bürgerlicher Anschauung erzogen sind, nicht seltene Ueberschätzung des„seelischen",„geistigen",„psychologischen" Ein- flusses und des persönlichen Tatendranges. Das alles führte zum Hin- und Herschwanken zwischen revisionistischen und anarchistelnden Wandlungen und hat ihn leider schon im vergangenen Jahre zum Abfall von der Partei gebracht. Auch hier hat der Mangel an gründlicher Kenntnis mit den Entwickclungstendenzen der mensch» lichen Gesellschaft, die LoSlösung der Kleinarbeit von dem Richtting weisenden Endziel, die Unzufriedenheit mit dem scheinbar gar so langsamen Vorwärtsgehen zu dem bereits im vergangenen Jahre abgelegten offenen Bekenntnis geführt, das unendlich sympathischer wirtte als der Uebergang ehemals sozialdemokrattscher Redakteure in das Lager der bürgerlichen Presse von der„Post" bis zu den Scherlblättern. Möge die beklagenswerte Annahme der Feenpalast-Resolution zu einer Stärkung der Ueberzeugung beitragen, daß zur Be- Ichleunigung des Emanzipationskampfcs der Arbeit dringend er- forderlich Vertiefung der Erkenntnis des Zusammenhanges der Dinge, Einheit auf gewerkschaftlichem und politischem Gebiete ist. Hält man sich diese Ziele vor Augen, so kann auf polittschem und gewerkschaftlichem Gebiet Zentralisation unter gleich- zeitiger freier Entfaltungsmöglichkeit der ein- zelnen agitatorischen Kräfte und ein in Unterord- nung unter den Willen der Partei vom Klassen g e f ü h l zum Klassen b e wu ß t se in lei t en d es Organ in Berlin bor mancherlei Erschwerung der Aufklärungsarbeit die unter so unend- lichen Opfern nach vorwärts drängenden Genossen und die Partei bewahren. Ueberlasse man das Auftürmen von Schwierigkeiten inner- halb des Emanzipationswerkes den G e g n e r n der Sozialdemokratte. Die politische Situatton ist wie selten eine zur Kampfeslust, zur Betätigung und zur Zusammenfassung aller agi« tatarischen Kräfte auf allen Gebieten geeignet. Berlin, den 30. August 1905. Arthur Stadthagen. Berliner Marktpreise.(Ermittelt vom Polizei-Präfidium.) Weizen gute Sorte, 1 Dz. 16,60(16,55), mittel 16,50(16,45), geringe 16,40 (16,35). Roggen, gute Sorte, 1 Dz. 14,90(14,84), mittel 14,78(14,72), ge- ringe 14,66(14,60). Ab Bahn. Futtergcrste, gute Sorte 15,40(15,00), mittel 14,90(14,50), geringe 14,40(14,10). Hafer, gute Sorte 16,40 (15,40), niillcl 15,30(14,40). geringe 14,30(13,40). Frei Wagen und ab Bahn. Richtstroh 1 Dz. 5,50(4,66). Heu 6,50(4,80). Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00(30,00). Speisebohnen, weihe 50.00(30,00), Linseil 60,00(30,00), Kartosscln 7.00(4,00). Rindfleisch, von der Keule, 1 Kilo« Zander' 3,50(1,40)1 Hechte 2lS0'(i',40),' Barsche 2.40(1,00). Schleie 3,00 (1,40), Bleie 1,60(0,80), Krebse(60 Stück) 20,00(3,00). Wasserstand am I.September. Elbe bei Ausfig— 0,34 Meter, be Dresden— 1,71 Meter, bei Magdeburg+ 0,77 Meter.— 11 n st r u t bei Strauhsurt— Meter.— Oder bei Rattbor st- 0,87 Meter, bei Breslau Oberpcgel st- 4,70 Meter, bei Breslau Unterpegcl— 1,80 Meter» bei Franksurt st- 0,83 Meter.— Weichsel bei Brahemünde st- 2,14 Meter.— W a r t h e bei Posen— Meter.— Netze bei Usch — Meter-. 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Die Börse und der Friedensschluß.— Kapitalistische Auffassung der russischen Finanzlage.— Japans Verschuldung.— Japans Budget und Zinslast.— Einlommen der japanischen Bevölkerung.— Industrielle Ansätze.— Rück- ständigkeit der japanischen Landwirtschast.— Japans passive Handelsbilanz. Arage der letzten Wochen:„Welches Ergebnis werden die japanisch-russischen Friedensverhandlungen haben?" ist cnt- schieden. Ter Friede ist geschlossen. Mit einer stürmischen Hausse hat die Börse aller wichtigeren� europäischen Handelszentren das Er- eignis begrüßt, obgleich sie schon vorher zuversichtlich auf einen baldigen Friedensschluß gerechnet und diese Auffassung bereits in letzter Zeit mehrfache Kurssteigerungen der russischen wie japanischen Werte bewirkt hatte Am stärksten war die Aufwärlsbewegung in den russischen Staatspapieren und Eisenbahnprioritäten. Ihr Kurs stieg am Mittwoch durchweg um lll-h bis 4 Prozent und hat in den letzten Tagen weiter angezogen, so daß sich z, B. für die wichtigsten russischen Rentenwerte im Vergleich zum 31� Dezember des Jahres 1903, als noch die Kurse sich völlig unbeeinflußt von dem am Horizont heraufziehenden Kriegssturm gestalteten, folgende Kursstellungen er- geben.; Diens- Mitt- Frei- tag woch lag 29/8. 30./8. l./i). 4proz. konsolidierte Anleihe(1880) 98,00 87,90 92,50 92,50 g'/zproz. Goldrente(1894)... 93,00 80,30 83,90 86,25 3proz. Goldrente(1896).... 81,25— 76,00 79,25 4proz. lons. Eisenbahnanl.(1889). 98,60 87,80 91,30— Ein ähnliches Verhältnis ergibt sich für die russischen Eisenbahn- Prioritäten. Im ganzen stehen heute die russischen Staatsrenten wi» die Eisenbahnwerte nur noch um 3 bis 7 Prozent unter dem Zhirs, mit dem sie in das neue Jahr 1904 eintraten. Weniger günstig hat der Friedensschluß auf die japanischen Rentenwerte eingewirkt. Sie haben seit Dienstag ihren Kursstand nur um 1�4 bis 2 Prozent erhöht. Es notierten z. B.: a. 31. 12. Dienst. Mittwoch, Freitg., 1903 d. 29. 8. d. 30. 8. d. 1. 9. 4-proz. Japaner von 1899 77 Wz 88'/« 89� 90»/, Neue 4'/g-proz.(Tabaks-) Anleihe— 93,30 94,60 94,90 Beim Vergleich muß allerdings in Betracht gezogen werden, daß die japanischen Werte schon während der letzten Monate nicht un- beträchtlich gestiegen sind. Der Kurs der 4 prozentigen Japaner von 1899 fcntte z. B. am 31. Dezember letzten Jahres den Höhestand, mit dem er in das Kriegsjahr 1904 eingetreten war, noch immer nicht wieder erreicht; er stellte sich nur auf 7614 Prozent. Nachdem dann aber Japan mehrere bedeutende Erfolge errungen und auch Mulden, die mandschurische Kaiserstadt, in die Hände der japanischen Truppen gefallen war. stieg bereits ultimo März dieses Jahres der Kurs auf 8594 Prozent. Diese Bevorzugung der russischen Werte durch die Börse ist höchst charakteristisch dafür, wie man in kapitalistischen Kreisen die Finanzlage beider Staaten und ihre wirtschaftlichen Entwickelungs- chancen einschätzt. Ruhland hat die Partie verloren; es hat seine Rolle im Gelben und Japanischen Meer ausgespielt, die im- perialistischen Anstrengungen der letzten Jahrzehnte haben sich als nutzlos herausgestellt und in seinem Innern gewinnt stetig die Re» volution an Terrain, trotzdem bewertet die Börse die russischen 4 pro- zentigen Werte höher als die Japans, das bewunderungswürdige B«» weise seiner inneren Festigkeit, seiner Energie geliefert hat, und das durch seinen Sieg nicht nur Korea, ein wertvolles Ländergebiet von über 200 000 Quadratkilometern, sondern zugleich eine domi- nierende Stellung in den ostasiatischen Gewässern gewinnt. Zum Teil erklärt sich diese gute Meinung der Börse aus dem Einfluß der an der Hochhaltung der russischen Kurse stark interessierten Bankfinanz; doch kommt noch ein anderes wichtigeres Moment hinzu: die Unterschätzung der russischen revolutionären Bewegung in den kapitalistischen Kreisen Westeuropas. Nach deren Auffassung ist durch die Beendigung des Krieges die schwerste Gefahr. die den russischen Finanz- und Wirtschaftsverhältnissen drohte, glück- lich abgewendet. Die revolutionäre Gärung vermag nach dieser Ansicht wohl das heutige Regierungssystem, die Existenz des Abso- lutismuS zu gefährden, aber auf das Wirtschaftsleben und seine EntWickelung hat sie, wenn sie auch zeitweilige Störung einzelner Produktionszweige verursachen kann, nur geringen Einfluß. Man hält in jenen Kreisen ein Fortwursteln der heutigen Bureaukratie für unwahrscheinlich und rechnet ziemlich bestimmt mit der Ein- setzung einer sogenannten liberalen Regierung. Aber man sieht in einem solchen Wechsel des Regierungssystems keinen Nachteil für die Gestaltung der Finanzlage, sondern einen Vorteil, indem man von der Ansicht ausgeht, daß jede solche Regierung, mag sie nun etwas mehr oder weniger liberal sein, mag in ihr der Einfluß des liberalen Grundadels, der bürgerlichen Geschäftsleute oder des liberalen Advokaten- und Professorentums überwiegen, gar bald in Rücksicht auf die Konsolidierung ihrer eigenen Herrschaft genötigt sein wird, das russische Reich auf eine bessere finanzielle Grundlage zu stellen. Jede solche Regierung wird sich alsbald vor die Aufgabe gestellt sehen,— schon aus dem Grunde, um die wirtschaftlichen Existenz- und Erwerbsbedingungen der hinter ihr stehenden be- sitzenden Klassen zu sichern—. die Heeresmacht wieder herzustellen. eine neue Marine zu schaffen. Eisenbahnen zur Erleichterung der Produktenausfuhr zu bauen, die Goldwährung zu sichern, den Kredit zu heben usw. und als Mittel zu diesen Zwecken einerseits die Ver- geudung der Bureaukratie einzuschränken, andererseits neue Steuer- quellen zu erschließen. Der Sieg des konstitutionellen Gedankens bedeutet also Herstellung einer gesunderen Finanzlage, Ausbau der Verkehrsmittel, Vermehrung der Staatseinkünfte— und gegen derartige Revolutionserfolge hat die europäische Handels- und Finanzbourgeoisie absolut nichts einzuwenden, zumal bei der Durch- fuhrung dieser Aufgabe auch für sie mancher einträgliche Auftrag abfallen würde. Deshalb auch die offene Sympathie fast der ge- samten westeuropäischen Handelspresse mit der revolutionären Bewegung in Rußland— soweit diese sich auf die Erringung einer liberalen Verfassung richtet, während die Streiks der industriellen Arbeiter zur Durchsetzung spezieller Arbeiterforderungen und die Revolten der Bauern gegen den Grundadel als unvernünftige Störungen des Fortschrittes der Verfassungsbewegung empfunden und als blindes Wüten einer undisziplinierten Masse geschildert werden. Ob diese Auffassung richtig ist, ob der Versuch einer liberalen Regierung, neue Steuerquellen zu erschließen, d. h. den Arbeitern, Bauern und unteren bürgerlichen Erwerbsschichten neue Lasten aufzuerlegen, nicht unter den gegebenen Verhältnissen zu einem Sturz des liberalen Regimes führen muß, darauf kommt es hier nicht an; Tatsache ist, daß der größte Teil unserer kapita- listischcn Kreise, soweit er sich überhaupt mit den russischen Finanz- Verhältnissen beschäftigt, von jenem Standpunkt auS die Frage betrachtet, und diese Ausfassung seine Stellung zu den russischen Vor- ganzen bestimmt. Tagegen wird von der Finanz, der deutschen wie der englischen und französischen, die Wirtschaftslage Japans ziemlich ungünstig eingeschätzt, wofür schon die Tatsache, daß Japan trotz seiner großen Kriegserfolge für seine im März und Juli«ufgenommene 4'4pro. zentige 60 Millionen Pfund Sterling-Anleihe seine Einkünfte aus dem neugeschaffenen Tabakmonopol verpfänden mußte und doch für nominell 100 Pfund Sterling nur 85>4 Pfund Sterling von den die Anleihe übernehmenden Banken erhielt, einen genügenden Beweis liefert. Und diese Beurteilung der japanischen Finanzlage ist, wie blich mao auch immer die Energie des iapanischkn Volles M feine im Februar 1904 ,. Mai 1904 „ Juni 1904 ., Oktober 1904 „ Novemb. 1904 „ Februar 1905 „ März 1905 „ April 1905 „ Juli 1905 späteren wirtschaftlichen Aussichten einschätzen mag, nicht nn- berechtigt. Japan tritt keineswegs unter günstigen finanziellen Be- dingungen in die neue Aera ein, die der vollzogene Friedensschluß eröffnet. Die Schuldenlast des wenig kapitalkräftigen Landes hat sich während der Kriegszeit enorm gehäuft, und auf die erhoffte Kriegsentschädigung hat es verzichten müssen— leider, denn die Zahlung einer solchen Entschädigung würde das herrschende russische System dem Abgrunde weiter entgegen getrieben, Japan aber seine historische Aufgabe, die Industrialisierung seines eigenen Gebietes und im weiteren Ostasiens, wesentlich erleichtert haben. Als der Krieg begann, hatte Japan eine Anleiheschuld von 565 Millionen Jen(zirka 1186 Millionen Mark), von dieser Summe kamen etwa 350 Millionen Den auf innere, der übrige Teil auf Aus- landsschulden. Der Krieg hat diese Schuldenlast beträchtlich erhöht, denn es sind folgende Anleihen aufgenommen worden: 100 Mill. Den I. innere........ 100„„ n. innere öproz...... 10 Mill. Pfd. Sterl. 6proz. kurzfrist. Schatz- scheine London u. New Dort, auf Zölle 80 SDiill. Den III. innere....... 12„ Pfd. Sterl. II. 6proz. Schatzanleihe auf Zölle in London u. New Dork.. 100 Mill. Den IV. innere, 6proz..... 30„ Pfd. Sterl. 4'/,proz. I. Tabakanleihe 100„ Den V. innere 6proz...... 30„ Pfd. Sterl. 4'/,proz. II. Tabakanleihe Durch diese Anleihen ist die Verschuldung Japans auf ungefähr 1870 Millionen Den(3927 Millionen Mark) gestiegen. Davon schuldet es dem Auslande über 1000 Millionen Den, für die es jährlich etwa 53 Millionen Den(159 Millionen Mark) zur Verzinsung aufwenden muß, und rechnet man die Zinsen für die innere Schuld hinzu, so ergibt sich eine Be- lastung des Budgets mit etwa 100 Millionen Den. Nun wird allerdings Japan, wenn auch keine Kriegsentschädi- gung, so doch von Rußland die Verpflegungskosten für die gefangen genommenen russischen Truppen zurückerstattet erhalten. China wird ferner voraussichtlich mit Hülfe Englands gezwungen werden, Japan die mit russischem Gelde erbaute mandschurische Eisenbahn abzukaufen oder ihm irgendwelche sonstigen pekuniären Vorteile zu gewähren. Außerdem hat Japan im Felde manch wertvollen russischen Besitz er- obert. Wie hoch sich für diese„Ertoerbungen" der Ertrag belaufen wird, läßt sich kaum abschätzen; einige hundert Millionen Den werden schon herauskommen. Andererseits soll allerdings die japanische Re- gierung in letzter Zeit zahlreiche Bestellungen im Auslande gegen sechs Monate laufende Wechsel gemacht haben, die natürlich eingelöst werden müssen. Zieht man alles dies in Betracht, dann ergibt sich als Friedenszugabe immerhin noch eine Schuldenlast von über 394 Milliarden Mark und eine jährliche Zinslast von beinahe 200 Millionen Mark. Das ist für ein industrielles westeuropäisches Land nicht viel. Preußens Verschuldung beträgt reichlich das Doppelte; aber die Ein künfte seiner Bevölkerung und sein Nationalvermögen sind auch un- gleich größer. Japan hat während des Krieges durch stärkste Au ziehung der Steuerschraube, ferner durch Einführung des Tabaks-, Kampfer- und Salzmonopols seine Einnahmen aufs äußerste gesteigert, dennoch er- geben sich für die drei letzten Jahre nach den Budget-Voranschlägen nur folgende Einnahmen: in Den 1903/1904 1904/1905 1905/1906 Ordentliche Einnahmen. 224 180 699 281 174 570 296 938 694 Außerordentl. Einnahmen 36 040 059 12 326 367 8 728 496 Gesamt-Einkünste 260 220 758 293 500 937 305 667 190 Davon hatten zu liefern: Steuern und Zölle 146 163 363 194 041011 196 101 843 Staatseigentum. 55 702 067 62192023 74112 893 Rechnet man, daß Japan sich in nächster Zeit darauf ange wiesen sehen wird, die Ausrüstung des Heeres und der Marine größtenteils zu ergänzen, so kommt man zu dem Resultat, daß selbst bei größter Sparsamkeit eine Einnahme von 300 Millionen Den nicht genügen wird, erfordert doch allein die Verzinsung der Staats- schuld zirka 90 Millionen Den, so daß für andere Zwecke nur noch 210 Millionen übrig bleiben. Schon die Aufbringung von 300 Millionen Den jährlich bedeutet aber eine B e- lastung des Einkommens der japanischen Be- völkerung mit mehr als 20 Proz. Nach der vom De- partement für Agrikultur und Handel für die Weltausstellung in St. Louis herausgegebenen Schrift„.Japan at the bcginning of tlie 20t ti Century"(Japan am Anfang des 20. Jahrhunderts) be- trägt der Wert der gesamten landwirtschaftlichen Jahresproduktion Japans 1000 Millionen Den, der Wert der industriellen Produktion i Handwerk-, Fabrik-, Bergwerksbetrieb, Schiffbau usw.) 644 Mill. Den, d. h. mit Einschluß des Wertes der verarbeiteten Roh- und Halb- stoffe. Rechnet man diese vom Gesamtwert ab und zieht ferner den Verschiß an Arbeitsmitteln in Betracht, so kommt man unter Hinzu- zählung der Erträge der Fischerei- und des Schiffahrtsbetriebes auf ein Einkommen von höchstens 1400 Millionen Den. Der recht opti- mistische Graf Okuma hat denn auch jüngst in einer Berechnung nur ein Gesamteinkommen der japanischen Bevölkerung von 1500 Millionen Den herausgebracht. Angenommen, diese hohe Summe wäre richtig, so ergibt sich immerhin für die einzelne Person nur ein Durchschnittseinkommen von jährlich 3394 Den oder 7 0 M a r k, für eine Familie von fünf Personen 350 Mark. Davon hat aber diese allein an Staatsabgaben(ohne Lokalsteuern) zirka 70 Mark zu tragen. Dazu kommt, daß, wie schon die obigen Zahlen beweisen, die EntWickelung der Klein, und Großindustrie doch im ganzen noch immer recht rückständig ist und sich außerdem nur mittelmäßig rentiert. Die Kohlenproduktion Japans beträgt z. B. noch nicht 7 Proz. der deutschen Förderung, und die japanische Eisenproduktion noch nicht 94 Proz. der deutschen. Selbst die japanische Schiffahrt, der Stolz der Japaner, hat nur infolge der großen Staatsunter. stützungen ihre jetzige Höhe erreicht. Die Handelsflotte bestand zwar zu Anfang 1903 aus 3977 Segelschiffen und 1141 Dampfern euro- päischer Bauart mit einem Gesamtgchalt von 944 458 Tonnen, er- reichte also fast die Größe der italienischen Kauffahrteiflotte; aber sieht man näher zu, dann stellt sich heraus, daß die großen Reedereien in den letzten Jahren fast doppelt so viel an Subvention erhielten, wie sie an Dividende verteilt haben. Japan ist noch immer fast reines Agrarland; aber auch die land- wirtschaftliche Produktion ist bei aller Intensität im einzelnen eine primitive und macht nur geringe Fortschritte. Der Anbau von ReiS, Gerste, Tee hat im letzten Jahrzehnt nur sehr wenig zuge- nommen, der von Indigo, Tabak, Baumwolle sogar abgenommen; beträchtlich vermehrt hat sich nur der Anbau von Kartoffeln, Bataten und Hülsenfrüchten. Dazu kommt, daß auch die Viehwirtschaft auf sehr niedriger Stufe steht. Nach der Zählung vom Jahre 1900 kamen auf je 100 Einwohner in Japan: 3,4 Pferde, 3,3 Rind«, 1,8 Schweine, keine Schafe; in Deutschland 7,4 Pferde, 33,6 Rinder, 29,8 Schweine, 17,2 Schafe. Trotz des starken Ueberwiegens der landwirtschaftlichen Produktion führt denn auch Japan nur wenig Agrarprodukte auS; seine HauptauSfuhrartikcl sind Seide, Seiden- oewebe, Baumwollgarne, rohe Baumwollgewcbe und Mineralpro- »ukte. Daher die eiaenartiae Erscheinung, daß, während s»nst die Agrarstaaten, z. B. Rußlan», Rumänien, Serbien, Mexiko, Argen» tinien, Chile, Australien usw. eine aktive Handeisbilanz haben, d. h. der Wert ihrer Ausfuhr den der Einfuhr übertrifft, Japans Export beträchtlich hinter dem Import zurück- bleib t. Nach der japanischen Statistik betrug in den Jghren 1S96/1904 die Km- und A'lSfuhr des Jnselreichesi 1896. 1897. 1898. 1899. 1900. 1901. 1902. 1903. 1904. Weder soll die Entwickelungsfähigkeit des japanischen Wirk» schaftslebens, noch die Bedeutung des japanischen Sieges für den Fortschritt Ostasiens zum Kapitalismus bestritten werden; es soll nur gezeigt werden, daß vorläufig Japan noch immer ein halb- feudaler, selbst in agrikultureller Hinsicht wenig ent- wickelter Agrarstaat ist und deshalb jene Hoffnungen, die mit einer baldigen Herrschaft des Kapitalismus in Ostasien rechnen, verfrüht sind. Solche Hoffnungen dürften bald ebenso enttäuscht werden wie die großen Erwartungen, die bei der Beendigung des Burenkrieges vielfach in bezug auf die kapitalistische EntWickelung Südafrikas ausgesprochen wurden. Porerst hat Japan noch mehr als genug zu tun, um seine eigene rückständige Pro- duktion und die des koreanischen Gebietes zu entwickeln: eine Auf- gäbe, die es kaum aus eigener Kraft ohne die Hülfe fremdep Kapitals lösen können wird. T»t. Vernrirchtcs. Die Cholera. lieber die von der Regierung getroffenen Mahnahmen zur Be- kämpfung der Cholera bringt der„Staatsanzeiger" folgende Mit- teilungen: Am 28. August hat im Kultusministerium eine Beratung über die Bekämpfung der Cholera stattgefunden, an welcher Vertreter der Reichsbehörden und der zuständigen preußischen Ministerien teil» genommen haben. Es wurde die Einführung einer allgememen ge» sundheitlichen Ucberwachung des Schiffs- und Floßverkchrs auf der Weichsel, Brahe, dem Bromberger Kanal und der Netze bis zur Ein- mündung in die Warthe befürwortet. Die Ueberwachung ist auch sofort seitens der zuständigen Minister angeordnet, und der Ober» Präsident der Provinz Westpreußen zum Staatskommissar für daS Stromgebiet der Weichsel und der Regierungspräsident in Bromberg zum Kommissar für das Gebiet der Brahe, der Netze und des Brom- berger Kanals ernannt worden. Zugleich sind in den beteiligten Regierungsbezirken die umfassendsten Bekämpfungsmaßregeln an- geordnet. Die Anzeigepflicht für Cholera- und choleraverdächtige Er- krankungen und Todesfälle ist in Erinnerung gebracht, die obliga- torische Leichenschau in den Stromgebieten der Weichsel, Brahe und Netze eingeführt, vor dem Genutz des Wassers der Ströme und vor dem Baden in ihnen gewarnt, es sind die vom Bundesrat aufgestellten Ratschläge an praktische Aerzte und die gemeinverständlichen Be» lehrungen für die Bevölkerung und für Schifter erteilt und Strom- überwachungsstellcn unter Leitung von Aerzten an zwölf Stellen des Weichselstromes(Schilno, Schulitz, Kulm, Graudenz, Kurzebrack. Piecken, Dirschau, Einlage, Plehnendorf, Danzig, Marienburg. Platenhof) und an vier Stellen der Netze(Nakel, Weißenhöhe, lisch und Czernikau) mit Unterkunftsräumen für Kranke und Verdächtige eingerichtet worden. Bis zum 30. August sind insgesamt zwanzig choleraverdächtige Erkrankungen gemeldet, von denen zwölf als Cholera bakteriologisch festgestellt worden sind, sechs davon haben tödlich geendigt. Je eine dieser Erkrankungen gehört dem Gebiet der Warthe und Netze, die übrigen achtzehn ge- hören dem Weichselgebiet an. Die bisher festgestellten Fälle be- treffen Flößer, die in jüngster Zeit aus Rußland gekommen sind. sowie Personen, welche mit solchen Flößern in unmittelbarer Be-' rührung gestanden haben. Leider ist eine weitere Zunahme der Choleraerkrankungen erfolgt. Beim Jnfanterie-Regiment Nr. 21 in Thorn sind zwei Cholerafälle festgestellt worden. Ein 78 Jahre alter Greis in Thorn ist an Cholera gestorben. In Schleusenau bei Bromberg ist ebenfalls ein choleraverdächtiger Fall gemeldet. Wie ans Marien- werder telegraphiert wird, ist bei einem in Neuenburg unter choleraverdächtigen Erscheinungen verstorbenen russischen Flößer asiatische Cholera festgestellt worden, ebenso bei einer vorgestern in Kulm erkrankten Frau, bei einem dort erkrankten Kinde und bei einem auf einer Traft verstorbenen russischen Flößer. Neu erkrankt ist ein Flößer bei Jagowshöhe. Erst jetzt wird bekannt, daß der am 28. August in Thorn verstorbene Ortsarme LaSkowski ebenfalls der asiatischen Cholera erlegen ist. Die in demselben Hause wohnenden Personen befinden sich unter ärztlicher Kontrolle. Die Beförderung russischer Auswanderer über Hamburg ist von der Polizeibehörde im Hinblick ans die von Rußland gemeldeten Cholerafälle bis auf weiteres untersagt. Die Hamburg-Amcrika-Linie hat infolgedessen Anordnungen getroffen, daß russische Auswanderer bis auf weiteres nicht mehr nach Hamburg gesandt werden. Von amtlicher Seite wird auS Hamburg mitgeteilt: Neben dem cholerakranken russischen Auswanderer, über den bereits be- richtet ist, war im St. Georgs-Krankenhause em Arbeiter unter- gebracht. Bei diesem ist, nachdem er isoliert worden war, ebenfalls Cholera zum Ausbruch gekommen, doch scheint die Erkrankung nur leichter Art zu sein. Weitere Fälle sind nicht vorgekommen, Grund zur Beunruhigung liegt nicht vor. Von der amerikanischen Einwanderungsbehörde ist eine Verordnung erlassen worden, nach welcher sich die nach den Vereinigten Staaten von Amerika bestimmten ZwischcndeckSpassagiere der größeren Vorsicht halber 6 Tage vor Antritt ihrer Reise in den Einschiffungshäfen einzufinden haben. Lemberg. Die bakteriologische Untersuchung der im Bezirk Mielec erkrankten fünf Personen hat asiatische C ho le r a er- geben. Entdeckungen der GrsnlandSexpedition. Aus S t o ck h o l m wir« telegraphiert: Professor Nathorst hat einen Brief, datiert Reikjavik, den 24. August, von dem schwedischen Leutnant Bergendahl erhalten. welcher an der GrönlandLexpedition des Herzogs von Orleans teil» nimmt. Danach entdeckte man am 27. Juli, als man das Kap Bis- marck passierte, ein neues unbekanntes Land, auch zeigte sich, daß das Kap Bismarck auf einer großen Insel liegt, nicht auf dem Festland«, wie bisher angenommen wurde� Das Land wurde so gut wie möglich kartographiert und erhielt den Namen Terre da France, darauf ging man weiter nordwärts bis zu 73 Grad 16 Mi- nuten. Weiter konnte mau nicht vordringen, worauf das Schiff wieder südofttvärts steuerte. Die Expedition wird am 10. September in Ostende erwartet. Brandunglück. Freitag abend gegen 6 Uhr entstand im Keller eines Materialien- und Farbcngeschäftes in Köln eine schwere Petroleumexplosion. Von drei im Keller beschäfftgten jungen Leute» fand einer den Tod durch Ersticken, der zweite wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht und nur dem dritten gelang eS. noch rechtzeitig aus dem brennenden Keller zu fliehen. 12v Jahre alt geworden ist, wie man dem„Giornale d'Jtalia" aus Mondrajona(Süd-Jtalien) schreibt, der Gr« s meindehirt des Ortes, Domenico Sciorio. Der Mann versah seine« 'Dienst bis wenige Tage vor seinem Tode, lebte fast stets im Freien und ritt noch täglich etwa 14 Kilometer weit. Dem Alten, der an einer akuten Krankheit gestorben ist, fehlte kein Zahn und er hatte sich eine erstaunliche Sehschärfe bewahrt. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Sonntag, 3. September. Freie Volksbühne. nachm. 24½ Uhr: 1. und 2. Abteilung im Metropol Theater: Nummer Achtzig und Der Panzer. Neue freie Voltsbühne. nachm. 22 Uhr: 1. Abteilung im Neuen Theater: Ein Sommernachtstraum. Anfang 7%, Uhr: Opernhaus. Die Zauberflöte. Montag: Die Meistersinger bon Nürnberg. Anf. 7 Uhr. Schauspielhaus. Die Räuber. Montag: Im stillen Gäßchen. Neues. Ein Sommernachtstraum. Montag: Dieselbe Vorstellung. Weften. Die Fledermaus. Nachmittags 3 Uhr: Undine. Montag: Der Troubadour. Zentral. Die Geisha. Rachmittags 8 Uhr: Der Bettelstudent. Montag: Die Geisha. Anfang 8 Uhr: Schiller 0.( Wallner Theater.) Die Logenbrüder. Nachm. 3 Uhr: Die Ehre. Montag: Die Logenbrüder. Schiller N.( Friedrich Wilhelm. Städtisches Theater). Ein Wintermärchen. Nachm. 3 Uhr: Jugend. Montag: Ein Wintermärchen. Leffing. Die Erziehung zur Ehe. Hierauf: Die fittliche Forderung. Nachmittags 3 Uhr: Traumulus. Montag: Der Biberpelz. Thalia. Bis früh um Fünfe! Nachm. 3 Uhr: Charleys Tante. Montag: Bis früh um Fünfe! Residenz. Eine Hochzeitsnacht. Montag: Dieselbe Borstellung. Trianon. Das Ende der Liebe. Montag: Dieselbe Vorstellung. Carl Weik. Im Hause der Sünde. Nachm. 3 Uhr: Im Hause ber Sünde. Montag: Dieselbe Borstellung. Belle- Alliance. Ben Ali Beh. Montag: Dieselbe Borstellung. Lutfen. Die Stinder der Exzellenz. Nachm. 3 Uhr: Kabale und Liebe. Erzellenz. Urania 8 Uhr: Tauben. Schiller- Theater. str. 48/49. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Sonntag, nach m. 3 Uhr Jugend. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Die Ehre. H. Die deutsche Nordseeküste. Schaufp. i. 4 Atten v.§. Sudermann. Schausp. in 3 aften von Mag Halbe. Montag 8 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Sternwarte Invalidenstr. 57/62. CASTAN S PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Joël's Traum! 99 Im Restaurationssaal: D'Kochelsee'r." Oberbayr. Gesangs-, Tanz- u. Gebirgs- Szenen. Apollo- Theater. Heute: Neue Spezialitäten! Prolongiert: 10 Uhr: Ein Abend in einem amerik. Tingel- Tangel Borher: Hochzeitsabend b. P. Lincke. Passage- Theater. Anfang der Abendvorstell. 8 Uhr, nachm. Sonnt. 3, Wochent. 5 Uhr. Poldi Augustin die fesche Soubrette. Herr Tacianu Damen- Imitator. Das glänzende September- Programm. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Logenbrüder. Schwant in 3 Aften von Carl Laufs und Kurt Kraag. Montag, abends 8 Uhr: Die Logenbrüder. Dienstag, abends 8 Uhr: Ein Wintermärchen. Sonntag, abends 8 Uhr: Ein Wintermärchen. Schauspiel in fünf Aufzügen von William Shakespeare. Montag, abends 8 Uhr: Ein Wintermärchen. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Logenbrüder. Teue freie Volksbühne Achtung! Mitglieder! Wegen Umbaus des Deutschen Theaters, dessen Eröffnung erst Ende September erfolgen wird, wird die erste Serie unserer VereinsVorstellungen im Neuen Theater gegeben werden. Die erste Vorstellung der 1. bis 5. Abteilung und die zweite Vorstellung der 6. bis 9. Abteilung findet also nicht, wie in den Karten angegeben, im Deutschen Theater, sondern im Neuen Theater( Schiffbauerdamm 4-5) statt. Im übrigen werden die Mitglieder gebeten, sich genau nach ihren Mitgliedstarten zu richten. Drt und Datum jeder Borstellung findet sich auf sämtlichen Karten für das ganze Spieljahr vorgedruckt. Der Beginn der Vorstellung„ Ein Sommernachtstraum" mußte der langen Dauer des Stückes halber auf 2, Uhr festgesetzt werden. Die Ürnen werden pünktlich mit Beginn des Theaters geschlossen. Bu spät kommende Mitglieder werden erst nach dem 1. Aft zugelaffen. Mitglieder Anmeldungen zur 8. und 9. Abteilung werden noch an allen Zahlstellen entgegengenommen. Das einmalige Einschretbegeld beträgt 1 M., der monatliche VorstellungsBeitrag 80 f. 150/14 Diez Der Vorstand. J. A.: Heinrich Neft, Bremerstr. 59. Fernsprecher: Amt II Nr. 4241. Spezialitäten- Theater Landsberger Allee 76/79, direkt an der Ringbahnstation. im herrlichen Garten oder Saal: OOLOGISCHER Theater Folies- Caprice. ZCARTEN Heute Sonntag Eintritt: 25 pro Pf. Perion. 215 4 115 Großes Militärkonzert nachm.: ( 3 Kapellen). Morgen u. folg. Tage ab 4 Uhr: Großes Doppelkonzert. Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Nachmittag 3 Uhr( Parkett 60 ẞf.): Im Hause der Sünde. Abends 8 Uhr: Linienstr. 132. Technischer Schwierigkeiten wegen unterbleibt die heute anberaumte EröffnungsVorstellung. für 30/13 Die definitive Eröffnung wird in den nächsten Tagen an dieser Stelle begannt gegeben. Gustav Behrens SpezialitätenTheater Frankfurter Allee 85. Täglich das großartige Im Hause der Sünde. September- Programm Im Sommergarten: Neues Spe zialitäten- Programm. Anf. 4, Uhr. Abds. 10 Uhr: Ringkampf- Konkurrenz. Kasino- Theater Lothringerstr. 37. Anfang 8 Uhr. Heute sowie folgende Tage: Der Adelsnarr. Borher: Zaubergeige von Offenbach 2c. Sonntag, den 10. September, nachmittags 4 1hr: Ein Sohn des Volkes. Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Täglich im großen schattigen Garten: Streich- Konzert. Ricardo Munez. Bei ungünstigem Wetter im Saal. Köpenickerstraße 67/68. Heute nachm. 3 Uhr, halbe Ob söön! Täglich 06 Regent Gastspiel der weltberühmten Deutsch- Amerikan. Theater. Mile. Marguerite UBER'N GROSSEN TEICH." Konzert u. Vorstellung, Mile. Marguerite mit ihrer großartig dressierten Vollständ. neues Programm, Löwengruppe Montag: Die Stimber der Gesellena Metropol- Theater das größte und beste Deutsch Amerikanisches. Herr Herzog! Aber, Machm. 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Montag: Aber, Herr Herzog! Kafino. Der Adelsnarr. Am Montag: Dieselbe Borstellung. Metropol. Die Herren von Marim. Montag: Dieselbe Borstellung. Apollo. Ein Abend in einem amerikanischen Tingel- Tangel. Hochzeitsabend. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Borstellung. Herrnfeld. Die Meyerhains. Montag: Dieselbe Borstellung. Wintergarten. Loie Fuller. Spe zialitäten. Berliner Prater- Theater. Dämon Gold. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage. Poldi Augustin. Taciam. Spezialitäten. Herr Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Die deutsche Nordseeküste. Montag: Tterleben in der Wildnis. Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Anfang 8%, Uhr: Lustspielhaus. Khriz- Bhrizz. Nachm. 3 Uhr: Bieberleute. Montag: Der Familientag. Neues Theater. Anfang 7%, Uhr. Sin Sommernachtstraum. Montag und folgende Tage: Bender x Giampietro Berlins. Entree Wochentags 20 Pf., Sonntags Kind unter 10 Jahren frei, ältere ohne Konkurrenz. U. a.: Feuer- und Flammentanz im Löwenkäfig. Josephi x Massary Frid Frid 30er Gachete batein Schluß der Sommer- Saison zahlen halben Eintrittspreis. am 10. September 1905. Zum 301. Male: ,, ÜBER'N Abends 8 Uhr, Gastsp. Ad. Philipp: Aber Herr Herzog Palast- Theater = früher Feen Palast, Burgstr. 24. Sonnabend, 9. September: it. a. Eine tolle Nacht. Große Posse mit Gesang. Großer Lacherfolg. Otto Pritzkows Berliner Abnormitäten- Theater Münzstr. 16. Jocki Tocki the Elastic Skin Man. Der Mensch mit der Gummihaut. Mne- Mno- Mni??? Entree 20 Pt. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Uhr: Ein Mustergatte oder: Er muß auf's Land. Schwant in 3 Aft. n. d. Französischen. Dazu die erstklassigen Spezialitäten. Anfang 7 Uhr. Entree 30 Pf. Bei schlechtem Wetter Borstellung im Saal. ELYSIUM. Kommandantenstr. 3-4. Vollständig neu renoviert. W Auftreten v. 36 erstklassigen intern. Spezialitäten. Geöffnet von 10 Uhr früh bis 12 Uhr nachts. Alhambra [ Wallner- Theaterstraße 15. Jeden Sonntag: Die Herren von Maxim. Diez' Seeterrasse Lichtenberg Beginn der 11. Saison. g Große Ausstattungsposse mit Gesang und Ballett in 5 Bildern. Rauchen gestattet. Anf. 8 Uhr. Sonnabend, den 9. September cr. Sonntag: Zum 1. Male: Röderstraße 6. Seben Großes Militär- Konzert. Um 6%, und 10 thr:. Auf, ins Metropol! Auftreten der weltberühmten Turmseilkünstler„ The Liepelts". Große Jahres- Revue v. J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Großer Ball A. Zameitat. Das phänom. Eröffnungs- Programm. Großes Orchester. Anfang Sonntags 12 Schau- u. Kunstnummern 1. Ranges. 5. Das Beste vom Besten. Per Rohrpost. Schwant in einem Att v. M. Reichardt. Anfang 8 Uhr. Konzert 72 Uhr. Entree 50 Pf. 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Satirisches Luftspiel in vier Alten bon Roberto Bracco. Deutsch von Otto Etsenschüß. Anfang 8 Uhr. Residenz- Theater. Direktion: Richard Hlexander. Vorlette Sonntage- Aufführung: Anfang 8 Uhr: Eine Hochzeitsnacht. Theater. Zum 133. Male: Die Meyerhains. Romödie in 3 Alten mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11-2 Uhr. Vor der Vorstellung und während der Pausen: Landsberger Allee 76/79, direkt an der Ringbahnstation. Ob schön! Täglich im herrlichen Garten oder Saal: Ob Regen! Vollständig nenes, schönstes Programm Berlins. Hadi Brumien ist wieder da! Kurt Ellen, der aktuelle Humorist. Gebr. Eidinger, fonkurrenzlofer Straftatt. The Decollinis, Stunstschüßen. Hedwig Döring, die beliebte Soubrette. MatuschkaTrio, russisch Gesang und Tanz. Miẞ Roben mit ihren sechs Wunderaffen. Orig. The Beyrotfs usw. Täglich: Ball. Kaffeeküche. Volksbelustigungen aller Art. Entree Wochentags 20 Pf., Sonntags 30 Pf. Jeder Erwachsene hat ein Kind unter 10 Jahren frei, ältere Kinder zahlen halben Eintrittspreis. Diez' größter Landsberger Allee 80/91, Vergnügungs- Park Halt!!! Ringbahn- Station. Fahrverbindungen 9 nach allen Stadtgegenden. Ab Sonntag, den 3. September 1905: 1.Bayrifches Orig.- Volksfelt Baron Muckel Festwirt und Riesenbierzeltbesitzer mit seiner urkomischen Bauernkapelle. Größtes 3000 Personen fassendes, Halt!!! Belt. gegen fede Witterung schützendes Bratwurst- Glöckle etc. X Bedienung von Orig. bayr. Madeln. aller Riesen- Festwiese. Volksbeluftigungen Art Max Kliems Sommer- Theater Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Schwank in 8 Atten von Semi Stérout Promenaden- Konzert im Garten. Täglich: Gr. Konzert, Theater und und Albert Barré. Morgen und folgende Tage: Eine Hochzeitsnacht. Dienstag, b. 12. Sept., 3. 1. Male: Die Höhle des Löwen. Fröbels Allerlei- Theater Spezialitäten- Vorstellung. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Schönhauser Allee Nr. 148. Fernsprecher IV. 8891. Luisen- Theater. Sonntag, den 3. September: Nachmittags 3 Uhr: Kabale und Liebe. Abends 8 Uhr: Große Extra- Vorstellung Uhr. Bollst. neue Spielfolge. Egiza- Tanz. Anjang 4 Eintritt 30 Sperrfiz 50 Pf. Max Kliem. Sonntag, Baumschulenweg den 3. Sept. cr.: Großes Ernte- fest. Die Kinder der Exzellenz. montag Sept: Gr. Borstellung. o aleganderplat 10 Pt. Alle Züge halten. Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger. Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags Uhr. Bernhard Rose- Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Täglich das Sensations SeptemberProgramm. Paul Coradini. Die drei Harders, phänomenale Luftgymnastiker. Greti Reiner, Tyrolienne. The Ottorus, Mephisto Sensation. Sevillo u. Pifo. Mile. Sirė. Edith Harlė. M. H. Thiessen mit seinem Wunderhund. Außerdem: Der Fluch des Goldes. Im Saale: Gr. Ball. Anf. 4 Uhr. Entree 30 Bf. Numer. Plat 50 f. Sperrfiz 75 Pf. Schweizer- Garten. Am Königstor. Am Friedrichshain. Heute: Theater und Spezialitäten- Vorstellung. Neues Programm. Paul Schwarz' Sommer- Theater Lichtenberg, Dorfstr. 25/26. Täglich: Konzert. Große Spezialitätenvorstellung. Das großart. Septbr.- Programm. Anfang 5 Uhr. Jeden Mittwoch: Elite- Tag. Ant. Boekers Ballsalon Weberstraße 17. 2 große Vereinszimmer find noch einige Tage in der Woche zu vergeben; auch ist am Sonnabend, ben 30. September, mein großer Saal frei geworden. Ergebenst; Weber Anton Boeker, straße 17. Zentral- Festsäle 180 Oranienstraße 180. Jeden Sonntag: Großer Ball. Einige Sonnabende und Sonntage im September und Oktober großer Saal noch fret. Feys Gesellschaftshaus Brunnenstr. 184. Zu Versammlungen und Ver: gnügungen empfehle meinen Saal, bis 500 Perf. faffend. Sonntag, 26. 11. ( Totensonntag), ist noch zu vergeben. Café Meyer DresdenerStraße 128/29. Kaffee 10 u.15, Bier, hellu. bunt., 10 Pf. ca. 50 Zeitungen; 2 Billards Std. 40 Zahlstelle der Freien Volksbühne.* Im Saale: Großer Ball. Berliner Volksbelustigungen. Abends 10 Uhr: Felix Scheuer U Ik- Trio. Stralsunderstr. 1. Arbeit schändet nicht. Armin- Hallen, Kommandantenstr. 20, Boltsstück mit Gesang in 3 Atten. Entree 30 Pf. Anfang 4 Uhr. Prater- Theater Kastanien- Allee 7-9. Sente: Dämon Gold. Charakterbild in drei Atten. The Kieffers Pantomime. Mizzi u. Géza Varadi- Duett. Pantomime. Spezialitäten. Ball. Anjang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Plak 50 Pf. I, 8985. Große und fleine Säle, mit und ohne Bühne, find an Sonnabenden, Sonntagen in den Monaten Septem ber, Oktober, November, Dezember, Januar, Februar und März zu ber geben. 40522* Palast- Theater Burgstr. 22, früher Feen- Palast. Das Theater ift zu Versammlungen, Matineen und Bergnügungen infl. Borstellung und Ballmusik zu fulanten Bedingungen zu haben. Es sind für den Winter noch Sonnabende für Bälle und Sonntage für Matineen Hiret Tel. 1.8198, borm. 11-1 1 Nr. 206. 22. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. Schauspielhaus. Sonntag: Die Räuber.( Anfang 7 Uhr.) Montag: Im stillen Gäßchen. Dienstag: Gyges und sein Ring. Mittwoch: Ein fritischer Tag. Donnerstag: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Freitag: Wallensteins Tod. Sonnabend: Wann wir altern. Die Romantischen. Sonntag: Wilhelm Tell. Montag: Gök von Berlichingen.( Anfang 7 Uhr.) Neues Königl. Operntheater. Von Sonntag bis Montag: Gefchloffen. Leffing- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Traumulus. Abends: Erziehung zur Ehe. Sittliche Forderung. Montag: Der Biberpelz. Dienstag: Erziehung zur Ehe. Die fittliche Forderung. Mittwoch: Die Weber. Donnerstag: Erziehung zur Ehe. Die sittliche Forderung. Freitag: Elga. Sonnabend: Ein Volksfeind. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Weber. Abends: Erziehung zur Ehe. Die sittliche Forderung. Montag: Die Frau Sonntag, 3. September 1905. Metropol Theater. Allabendlich: Die Herren von Magim. Reichshallen Theater. Sonntag und folgende Tage: Stettiner Sänger. H Residenz- Theater. Sonntag und folgende Tage: Eine Hochzeitsnacht. Opernhaus. Sonntag: Die Zauberflöte. Montag: Die Meistersinger Trianon Theater. Sonntag bis Montag: Das Ende der Liebe. von Nürnberg.( Anf. 7 Uhr.) Dienstag: Samson und Dalila. Mittwoch: Die Fledermaus. Montag: Der Troubadour. Dienstag: Die neugierigen Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Undine. Abends: Mara. Der Barbier von Sevilla. Donnerstag: Figaros Hochzeit. Freitag: Frauen. Mittwoch: Die Fledermaus. Donnerstag und Freitag: Die neuTannhäuser. Sonnabend: Die Heirat wider Willen. Briefkaften der Redaktion. Sonntag: Carmen. gierigen Frauen. Sonnabend: Madame Gogo. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Montag: Der fliegende Holländer. Der Troubadour. Abends: Madame Gogo. Montag: Die neugierigen buch der Presse" von Kürschner. Scherman. Das alles finden Sie in dem Nachschlagewerk. Han b. Frauen. Lesezimmer der Hehmannschen Zentral- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Bettelstudent. und Lesehallen findet man im Berliner Adreßbuch. Preise für Zeitungen Bibliothek, hier, Alexandrinenstraße 26. Adressen öffentlicher Bibliotheken Sonntag und folgende Tage: Die Geisha. Die Geisha. Sonntagnachmittag 3 Uhr: teilt Ihnen jedes Postamt mit; Revuen wie die Neue Beit" abonniert Thalia- Theater. man außerdem in jeder größeren Buchhandlung. Für Fragen, die man Sonntagnachmittag 3 Uhr: Charleys Tanie. bei einigem Nachdenken und Abends und folgende Tage: Bis früh um fünfe. Sonntagnachmittag han den er Hülfsmittel felbständig beantworten tann, bei Benuzung vor. 32 Uhr: Charleys Tante. Belle Alliance Theater. Sonntag und folgende Tage: Ben anspruchen. sollte man niemals den Raum einer sozialdemokratischen Zeitung be Ali Bey. - Halberstadt. Quittung? Chiffre und Anfrage wiederDeutsch Amerikanisches Theater. holen. Ueber'n großen Teich. Sonntagnachmittag 3 Uhr: H. 2. 1. Eine Milliarde= Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ueber'n großen Teich, Abends und folgende Tage: Aber Herr Herzog. 1000 Millionen. 2. Ja, etwa 3 Milliarden 3000 Millionen. K. Sch. Sie haben mit Ihrem Herben Urteil vollCarl Weiß Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Im Hause der Massen über die wahren Zustände. Jeder Denkende sollte da nach Kräften ständig recht. Es gibt aber nur ein Mittel der Abhülfe: Aufklärung der Sünde. Abends und folgende Tage bis Freitag: Im Hause der Sünde. mitarbeiten. Sonnabend: Klär und Klert. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abends: Weltumsegler wider Willen. Montag: Unbestimmt. Abends und Montag: Die Kinder der Exzellenz. Dienstag und Mittwoch: Luisen- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Kabale und Liebe. Der jüngste Leutnant. Donnerstag und Freitag: Fiesco. Sonnabend: Abends: Der jüngste Leutnant. Montag: Die Kinder der Exzellenz. Der jüngste Leutnant. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Kinder der Exzellenz. Stationen Wintergarten. Loëe Fuller. Spezialitäten. bom Meere. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Ehre. Abends und Montag: Die Logenbrüder. Dienstag und Mittwoch: Ein Wintermärchen. Donnerstag, Freitag und Sonnabend: Der G'wissenswurm. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Don Carlos. Abends: Ein Wintermärchen. Montag: Hofgunst. Schiller- Theater N.( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Jugend. Abends und Montag: Ein Wintermärchen. Dienstag: Die Logenbrüder. Mittwoch, Donnerstag und Freitag: Nora. Sonnabend: Die Logenbrüder. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fuhrmann Henschel. Abends und Montag: Nora. Lustspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Biederleute. Abends: Khriz- Phriz. Montag und Dienstag: Der Familientag. Mittwoch: Syrit Phriz. Donnerstag und Freitag: Der Familientag. Sonnabend: Khriz Pyriz. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Biederleute. Abends: Der Familientag. Montag: Unbestimmt. Neues Theater. Sonntag und folgende Tage: Ein Sommernachtstraum. 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Diskussion. 249/ 4* Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Charlottenburg. Dienstag, den 5. September, abends 8 Uhr, im ,, Volkshause", Rofinenstraße 3: Volks- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Maurenbrecher über: Belt: politik und Proletariat". 2. Diskussion. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einberufer. 250/17 Deutscher Holzarbeiter- Verband. Parkettbodenleger. Dienstag, 5. Septbr., abds. 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15: Kommissionssihung mit Vertrauensleuten. Der Vorstand. Diskussion. Um recht pünktliches und zahlreiches Erscheinen der Frauen und Männer ersucht Achtung! 818 Der Vertrauensmann. JF Achtung! Fliesenleger! Montag, den 4. Septbr., abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15 ( Saal 5): Mitglieder- Versammlung der Sektion der Fliesenleger des Zentralverbandes der Maurer. Zages Drdnung: Die Machination der Freien Vereinigung der Fliesenleger unsern Mitgliedern gegenüber. Werte Kollegen! Es liegt im Interesse eines jeden im Fliesenleger- Beruf beschäftigten Kollegen, sowie im 14816 Interesse der Organisation, diese Bersammlung zu besuchen und pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Sektionsvorstand. J. A.: F. Breiste. Verband der Sattler. Zentralverband der Maurer Deutschlands. Ortsverwaltung Berlín. Mittwoch, den 6. September, abends 8 Uhr, in den ,, Arminhallen", Kommandantenstraße 20: Allgemeine Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bortrag des Kollegen Blum über den Kölner Gewerkschaftstongreß. 3. Diskussion. 4. Unsere Generalversammlung. 5. Verschiedenes. Bahlreiches und vor allen Dingen pünktliches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. 157/10 Deutscher Metallarheiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- n. Zementbranche. Mittwoch, 6. September, abends 8% Uhr: Mitglieder Versammlung der Gruppen der Rabitzputzer und Rabitzspanner. Die Versammlung der Nabikpuker, an welcher ebenfalls die Puherträger teilnehmen, findet im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal 3) statt. Die Versammlung der Gruppe der Nabitspanner ist im Lokale von Jannascht, Inselstr. 10. 1 Die Tages Ordnung in beiden Bersammlungen lautet: 1. Unterweisungen und Diskussion über das Verbandsstatut. 2. Verschiedenes. Der Besuch der Versammlung wird durch einen Stempel im Mitglieds. ausgehändigte Berbandsstatut mitbringen. Jebe Werkstatt muß vertreten sein betreffs Ausgabe zur Aufnahme der Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. buch bescheinigt. Ebenfalls müssen die Versammlungsbesucher das ihnen Statistik. Hierzu sind die Münchener Kollegen der Firma Scholz und der Arbeitsnachweis: Bimmer 34. Amt IV, 3353. Stollege Löblein geladen. [ 92/4] Der Obmann. Dienstag, den 5. September 1905, abends 8 Uhr, im Lokale von Jakob Moll, Grünauerstr. 7: Achtung, Konfektionsarbeiter u. Arheiterinnen. Bezirks- Versammlung für Röpenick. Zwei öffentliche Versammlungen für die in der Herren-, Damen- u. Kinderkonfektion beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Für den Südosten: Montag, den 4. September, bei Graumann, Naunynftr. 27. Für den Norden: Mittwoch, den 6. September, bei Dase, Brunnenftr. 154. Tages Ordnung: Die Gruppenvorstände. Die Versammlung, welche am Mittwoch, den 30. August d. J., für alle bei der Firma A. Lugino& Co. beschäftigten Puzer und Träger stattgefunden hat, hat beschlossen, daß am Montag, den 4. September, vormittags, nochmals eine Versammlung stattfinden soll, in welcher die Antwort der Firma auf die derselben unterbreiteten Forderungen bekannt gegeben 1. Bortrag des Stollegen Karl Schmidt über:" Der Einfluß der werden soll. gerichtswahlen. 4. Verbandsangelegenheiten. 122/ 9tember, unternehmer auf die Gefchgebung". 2. Distuffion. 8. Gewerbe- Die Versammlung findet nun am Montag, den 4. Seps Ehrenpflicht aller Kollegen ist es, diese Versammlung pünktlich Engel- Ufer 15( Saal 3) statt. Ehrenpflicht aller Stollegen ist es, diese Versammlung pünktlich tember, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Die Antwort der Firma auf die in der Versammlung vom 30. August und zahlreich zu besuchen. Die Ortsverwaltung. Verband der Ban-, Erd- u. gewerblichen aufgefelten Forderungen ist bereits het ams eingegangen. biefer inte Hülfsarbeiter Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Verbandsbureau: Engel- Ufer 15, Bimm. 8. Telephon: Amt IV, Nr. 4493. Achtung! Achtung! Bauarbeiter der Firma Raebel! Anfang abends 8 Uhr. Tagesordnung in beiden Versammlungen: 1. Vortrag der Frau Lily Braun über: Die Not der Konfektionsarbeiter und beren Abhülfe. 2. Diskussion. 164/2 Arbeiter, Parteigenoffen, deren Frauen und Familien- Mittwoch, den 6. September 1905, abends 81, Uhr, in den Industrieangehörige in der Konfektion tätig sind, agitiert und erscheint mit Euren Angehörigen zahlreich in diesen Versammlungen. Der Einberufer. Verband der Schneider und Schneiderinnen( Fil. Berlin). Fachverein der Musikinstrumenten- Arbeiter. Montag, den 4. September cr., abends 8, Uhr, in Graumanns Festfälen, Naunynstr. 27: Werkstatt- Delegierten- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Bericht von der Konferenz des Vorstandes, der Agitationstommission und der Bertreter der auswärtigen Mitgliedschaften. 3. Werkstattangelegenheiten. Festfälen, Beuthstr. 19: Firmen- Versammlung m. b. H.) Beteiligten die notwendigen Beschlüsse gemäß Antmort fassen zu tönnen, ersuchen wir alle Buzer und Träger der Firma, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die im Baugewerbe beschäftigten Arbeiter, hauptsächlich die Maurer und Bauarbeiter, ersuchen wir, ihren ganzen Einfluß geltend zu machen, vor allen Dingen die Puker und Träger der Firma zu veranlassen, daß diese die Versammlung besuchen. 148/5 Der Sektionsvorstand. J. A.: Wilh. Fritzsch, Marmorarbeiter! Sonntag, den 3. September 1905, vormittags 10 Uhr: aller bel der Firma M. Rachel( Bangef. 5. Mitglieder- Versammlung beschäftigten Träger und Bauhülfsarbeiter. Tages Drdnung: 1. Die Maßnahmen der Firma in letzter Zeit und unsere Gegenmaßnahmen". 2. Interne Angelegenheiten. Kollegen! Grscheint alle in der Versammlung. Achtung! Achtung! Putzerträger! it, ben 6. September 1905, abends 8% Uhr, bei Ladewig, Mittwoch, Alte Jakobstraße 83: 2. Diskussion. IF Verfammlung 142/2 189/5 im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c. Tages Ordnung: 1. Bericht der Lohnkommiffion. 2. Diskussion. 3. Gewerk schaftliches. Der Vorstand. Kürschner! Montag, den 4. September 1905, vormittags 91 Uhr: Zur Beachtung! Jebe Werkstatt muß vertreten fein. aller bei der Firma Lugino beschäftigten Puzerträger. Versammlung der Streifenden Wo ein Delegierter nicht vorhanden, Tages Ordnung: hat ein Mitglied die Pflicht, zu erscheinen. Sonnabend, 9. September, in Kellers Festfälen, Koppenstr. 29: der Firma 2ugino erforderlich. Keiner darf fehlen. 1. Der Vertragsbruch der Firma, das Vorgehen der Puker und die Stellungnahme der Puterträger". 2. Verschiedenes. 43/9 Skollegen! Zu biefer Berſammlung ist das Eicheinen aller Bußerträger Der Zweigvereins- Vorstand. 23. Stiftungsfest Zentral- Verhand der Schuhmacher Deutsch. Großes Programm. Borstellung von Horfts Norddeutschen Sängern. Feftrebe. Mitwirkung Bureau: Waßmannstr. 32a. bes Sängerkreises ber Musikinstrumenten- Arbeiter. Dir. Rich. Lange. Montag, 4. September, abends 8½ Uhr, in den Industrie- Sälen, Nach der Borstellung: Großer Ball. Anfang 8, Uhr. Programm frei. Billetts 30 PL Billetts find in der Versammlung, in den 8ahlstellen und bei den Borstandsmitgliedern zu haben. Der Vorstand. Berliner Consum- Verein. Verkaufsstellen: 1. Michaelkirchplatz 4 2. Krautstr. 7 8. Liebigftr. 7 4. Zorndorferstr. 62 5. Havelbergerstr. 6 6. Rostockerftr. 20 7. Emdenerftr. 50. 8. Rummelsburg: Türrschmidtstr. 6 9. Berlin- Stralau: Stralauer Allee 20A 10. Frankfurter Chauffee 103) Friedrichsberg. 11. Mainzerftr. 4 Lichtenberg. General- Versammlung 127/18 am Sonntag, den 24. September 1905, im Saal I des GewerkschaftsHauses, Engel- Ufer 15; Anfang pünktlich vormittags 9 Uhr. Der Vorstand. Wilh. Lamm, Borsigender. Beuthstr. 20-21: Schoßarbeiter- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Der neugegründete Scharfmacher- Verband der Schuhmachermeister und der weitere Ausbau unseres Verbandes. fchiedenes. 170/1 2. Diskussion. 3. Ver Die Ortsverwaltung. Berlins und Töpfer Umgegend. Donnerstag, den 7. September, abends 62 Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29: Oeffentliche Versammlung. Zages Drdnung: 1. Stellungnahme zur Kündigung des Tarifs. 2 Wahl einer Lohntommission. 196/1 Kollegen! Sorgt dafür, daß jeder organisierte Töpfer in dieser Bersammlung erscheint. J. A: Hans Sorg, Engel- Ufer 21 im ,, Alten Schützenhause", Linienstraße 5. Mittwoch, den 6. September 1905, abends 8 Uhr: Oeffentliche Versammlung aller in der Kürschnerbranche besehäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen im ,, Alten Schüßenhause", Linienstraße Nr. 5. Tages- Ordnung in beiden Bersammlungen: 1. Die Abschließung des Vertrages mit dem ArbeitgeberVerbande und die Aufhebung des Streiks. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 263/16 Im zahlreiches Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen ersuchen Der Vorstand des Deutschen Kürschner Verbandes Zahlstelle Berlin. Der Vorstand des Verbandes der Kürschner Berlins und Umgegend. Raucht 40612* TassiCigarettes. Nr. 206. 2. Jahrgang. 4. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 3. September 1905. Aus der Frauenbewegung. 0 werden die Mitglieder ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Gäste Gefangverein„ Linde I" und Mitglieder der 12. Männer Abteilung willkommen. des Turnvereins Fichte" mitwirken. Um recht regen Besuch bittet Der Vorstand. Pankow. Der Frauen und Mädchen Bildungsverein hielt Steglit. Er Bildungsverein für Frauen und Mädchen von Donnerstag, den 31. August, seine Mitgliederversammlung ab. Herr Steglig und Utgegend hält Dienstag, den 5. September, abends Baege sprach über: Die Entwickelung des Weltalls und der Erde". 8 Uhr, bei Grbe, Kaiser- Allee, seine Mitgliederversammlung ab. An den Vortrag, welcher von den Anwesenden mit regem Interesse Herr Dr. Röde hält einen Vortrag über: Erste Hülfe bei Krämpfen. verfolgt wurde, schloß sich eine kurze Diskussion. Ferner wurde A. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom Sommerbergnügen und Be- nochmals auf das Stiftungsfest, welches am 9. September im Kursprechung wegt unseres Stiftungsfestes. Der Wichtigkeit wegen fürstensaale, Berlinerstr. 102, stattfindet, hingewiesen, in welchem der GoldSpazierstöce mit echt silb. Griff 800/1000 g gestempelt, schon von M. 2 Goldene Broschen, mit Steinen verziert 883/1000 ges. gestempelt, schon M. von und SilberWaren. Belmonte& Co. Goldene Krawattennadeln, mit Steinen verziert, 333/ 1000 ges. gestempelt, schon M. von Kein Risco! Nichtkonvenierendes wird bereit willigst umgetauscht. Bei uns pkaufte Juwelen werden zum vollen Kaufpreis in Zahlung genomma. Die Annahme von Umarbeitungen, Steinefassungen, Vergolden, brsilbern, Gravieren sowie sämtlichen Reparaturen, auch an Uren, erfolgt werktäglich zu Original- Fabrikpreisen. Juweliere, Gold- und Silberschmiede. Fabrikation mit elektrischem Kraftbetrieb. Gold- und Silber- Walz- und Prägwerk. Engros- Export nach allen Ländern. Königstrasse 46, Eoke Hoher Steinweg, schrägüber dem Rathaus. Einzelverkauf Eing. A. und B. 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Der Wahlvercin für den vierten Berliner Reichötags-Wahlkreis (Osten) hält Dienstag abend S'/a Uhr im Elysium, Landsberger- Allee 40, eine Versammlung ab, in der Th. Glocke über„Unsere Bewegung und unsere Ziele" spricht. Gäste sind willkommen, neue Mitglieder werden aufgenommen. Kerlmer I�acdricdten. Veteranen-Appell ist allmonatlich im Gebäude des Berliner Polizeipräsidiums am Alexanderplatz. Dort wird nämlich die famose„Bei- hülfe an Veteranen" ausgezahlt, die pro Monat ganze 10 M. beträgt. Da müssen dann jedesmal zu Beginn des Monats sämtliche Veteranen, denen die Bcihülfe gewährt wird, nach dieser einzigen Auszahlungsstelle kommen, um sich ihren Mammon abzuholen— falls nicht ein Angehöriger oder sonstwer ihneii die Mühe abnehmen kann. Die Zahl dieser Alten beläuft sich auf viele Hundertc. Infolge dessen herrscht an der Auszahlungsstelle ein ge- lvaltiger Andrang, und der einzelne muß mitunter stundenlang sich gedulden, ehe er herankommt. Vielen wäre vielleicht das Warten an sich gar nicht so lästig. Denn wer plauderte nicht ganz gern ein Stündchen mit Alters- und Schicksalsgenossen von vergangenen Zeiten? Aber bei der ll n z u I ä n g l i ch- keit der Warteräume, die im Gebäude des Polizeipräsidiums zur Verfügung gestellt werden, könnte einem wartenden Veteranen vor Unmut und Verdruß wirklich manchmal„die Pfeife ausgehen", wenn es ihm in diesen heiligen Hallen überhaupt erlaubt wäre, sein Pfeifchen zu schmauchen. Man mutz diese Zustände selber mit angesehen haben, um sich eine rechte Vorstellung davon machen zu können, was dort den alten Leuten zugemutet wird. Der im ersten Stock liegende Saal, in dem die Gelder ausgezahlt werden, bietet mit seinen Bänken Platz für höchstens 250 Personen. Dieser Saal ist von vornherein voll besetzt, noch ehe die Auszahlung beginnt. Zu derselben Zeit wartet außerhalb des Saales mindestens noch dieselbe Anzahl von Veteranen, aber nicht etwa auf den Korridoren, sondern unten in dem breiten Durchgangshof, der von der Alcranderstratze bis zur Stadtbahn hindurch- reicht. Am 1. September, der uns am frühen Vormittag ein recht ungemütlich kaltes Regenwetter brachte, stand hier mancher Greis und fror in seinen natzgeivordenen Kleidern. Der Hof ist zwar durch ein Glasdach überdeckt, aber der Wind strich durch die offenen Tore von der Alexanderstratze bis zur Stadtbahn und wieder zurück. Manches Veteranen dürren Leib durchdrang er bis auf die morschen Knochen. Aufmucken darf da niemand. Wer hier, auf dem ge- weihten Boden des Polizeipräsidiums, das wagen wollte, dem würde sehr bald klar gemacht werden, wozu ein preußischer Untertan sein Mundwerk hat. Ein Schutzmann, der die Ungeduldigen bewacht, teilt von Zeit zu Zeit kleine Trupps ab und schickt sie hinauf, sobald oben wieder Platz geworden ist. Dabei zeigt dann mancher Schutzmann, daß er selbst diesen Grauköpfcn gegenüber auf den Kommandoton nicht verzichten mag. Doch das tut nichts— wer Soldat war, ist noch an ganz andere Püffe gewöhnt. Sollte es wirklich nicht möglich sein, für die alten Leute noch ein paar Räume bereit zu halten, bannt sie nicht auf dem zugigen Hofe zu stehen brauchen? Sollte es nicht möglich sein, im Gebäude des Polizeipräsidiums mehrere Aus- zahlungsstellen einzurichten, damit die Auszahlung beschleunigt und die Wartezeit verkürzt wird? Das beste lväre allerdings, wenn man Auszahlungsstellen in allen Stadt- teilen einrichtete, damit den Veteranen der weite Weg und die Fahrkostcn erspart bleiben. Warum benutzt man nicht die Postanstalten hierzu? Autoritäten im Milchstreit. Wer den Berlinern die s ch l e ch t c st e Milch liefert, über diese nicht ganz uninteressante Frage sind die Autoritäten immer noch nicht einig. Darf diesen„Ruhm" die Milchzcntrale lie- anspruchen, die die Milch der ringtreuen Milchbauern aus der Mark Brandenburg verschleißt? Oder kommt er vielmehr den Milch- Händlern zu, die den Milchvcrtcuerungsplänen der Zentrale durch Einführung dänischer Milch zu begegnen suchen? Oder gebührt er gar den Besitzern der Berliner Molkereien, deren Milch von der „Gesellschaft zur Bekämpfung der Säuglings» st e r b l i ch! e i t" empfohlen wird? Mit besonderem Eifer hat der Schriftführer dieser Gesellschaft, Herr Dr. Engel, sich unter die Autoritäten gereiht, die das Ge- schüft betreiben, die Milch der eigenen Partei zu preisen und die der Gegenpartei schlecht zu machen. Wir haben berertS aus der „Berl. Aerzte-Korrcspondcnz" mitgeteilt, was Engel auf die gegen ihn und seine Gesellschaft erhobenen Vorwürfe dort zu erwidern hatte. Seine statistischen Darlegungen über den Rückgang der Berliner Säuglingssterblichkeit im Jahre 1004, den die Gesellschaft dreist als einen Erfolg ihrer eigenen Arbeit hinstellt, haben wir alS wenig stichhaltig nachgewiesen. Von seinen sonstigen Behauptungen sagten wir, daß wir nicht in der Lage seien, sie nachzuprüfen. Der Versuch einer Nachprüfung noch cincS zweiten Punktes ist jetzt von anderer Seite gemacht worden. Die Bakteriologin Dr. phil. Lydia Rabino witsch hat, gleich- falls in der„Berl. Aerzte-Korresp.", die Frage untersucht, ob und eventuell warum E. nichts von den Tuberkelbazillen bemerkt haben könnte, die nach der Versicherung der Milchhändler achtmal in Milch der von der Gesellschaft empfohlenen Molkereien gefunden worden seien. Rabinowitsch weist darauf hin, daß Tuberkewazillen mit der Milch auch von solchen Kühen ausgeschieden werden, deren Erkrankung lediglich durch die positive Tuberkulin» reaktion festzustellen ist, während alle sonstigen klinischen �Unter» suchungsmethodcn keine Anzeichen einer tuberkulösen Erkrankung ergeben. Hat S. mit seinen Untersuchungsmethoden„trotz sorg- fältigsten Suchens" nichts gefunden, so beweist das noch nicht, daß auch andere nicht? gefunden haben, zumal da das Vorkommen von Tuberkelbazillen in der Milch tuberkulöser Tiere variiert. Interessant ist nun, daß E. in der Erwiderung, die er den AuS» führungen R.s angehängt hat, die Mitteilung macht, es seien tat- sächlich tuberkulöse Tiere in den Kuhställen er» mittelt worden, die die Gesellschaft empfiehlt. Er beklagt, daß die Milchhändler immer noch nicht den Bakteriologen genannt haben, der dort achtmal Tubcrkclbazillcn gefunden haben soll, und fährt dann fort:„Vielleicht handelt es sich gar um Untersuchungen deS Obcrtierarztcs Bongert, die dieser dazu benutzt hat, um die klinische Kontrolle der'Kühe zu prüfen, und die zur AuSmerzung der die Tuberkelbazillen ausscheidenden Kühe in den betreffenden Be- des Lmärls" ständen geführt haben— seither sind, soweit ich weiß, Tuberkel- bazillcn nicht mehr gefunden worden. Wenn dem so ist, so handelt es sich um eine mir wohlbekannte, im Interesse der Gesellschaft benutzte Untersuchung. Das Resultat dieser Untersuchungen war sehr günstig, denn es ergaben sich unter etwa 100 Kuhställcn nur achtmal Proben, die Tuberkclbazillen enthielten." Es ist sonderbar, daß das Herrn E. erst jetzt einfällt. Schon die Zahl 8, die von den Milchhändlern angeführt wurde und auch bei Bongert vorkam, hätte eine Auffrischung seines Gedächtnisses bewirken können. Anscheinend ist es erst durch Erwähnung des Namens Bongert erreicht worden, daß E. aus seiner Traumverlorenlnt aufgeschreckt wurde. R. teilt nämlich mit, daß E.s Gescllscha� auch über die pasteurisierte dänische Milch unterrichtet sein könnte. Bongert, Obertierarzt am Berliner Schlachthof, ist im Nebenamt Bakteriologe der Meierei Bolle und hat in Volles Laboratorium bei seinen Unter- suchungen dänischer Milch Ergebnisse gefunden, die die Meierei Bolle veranlassen, vom Oktober ab gleichfalls dänische Milch einzu- führen. Derselbe Bongert war aber stellvertretender Schriftführer bei der— Gesellschaft zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit. Inzwischen hat er dieses Amt niedergelegt. E.s Gedächtnis scb�nt freilich überhaupt nicht das beste zu sein; hierin gleicht er de D Leiter der Milchzentrale, Herrn Ring. Dr. Rabinowitsch erinnert daran, daß E. nach den Angriffen der Milchhändler dem„Berl. Tagebl." telegraphiert hatte:„Trotz täglicher Untersuchung sind Tubcrkelbazillen in der Milch nie- mals gefunden worden." Heute aber schränke er die Zahl seiner Untersuchungen beträchtlich ein und spreche nur noch von b 0 S t i ch- proben. Dr. Engel bequemt sich übrigens jetzt auch zu dem Ein- geständnis, daß er selber nicht glaubt, die empfohlene Milch sei völlig tuberkelfrei. Trotz sorgfältigsten, aber vergeblichen Suchens?!_ „Rote" Begräbnisse sind der K i r ch e und ihren Dienern, vom Pastor hinab bis zum Totengräber, verhaßt. Die Rotscheu dieser Kreise hat bei Beerdigungen von Sozialdemokraten nicht selten zi� Auftritten geführt, die von den Hinterbliebenen sehr peinlich empfunden wurden. Manchmal kann man aber mit solchen Rotscheuen auch Dinge erleben, die man, trotz der Traurigkeit des Anlasses, fast lustig nennen möchte. Da ist am Dienstag in der Abendstunde ein in der Friedenskirchengemeinde wohnender Sozialdemokrat, ein Maurer Härder, der Proletarierkrankheit erlegen. Die Witwe ging zum Küster, um die Beerdigung für Sonntag zu bestellen. Der Küster meinte, das sei doch ein bißchen sehr spät. Er fragte dann, ob ein Pastor dabei sein werde, und als das verneint wurde, erklärte er kurz, die Beerdigung sei am Sonn- abend fällig und müsse auf Sonnabend festgesetzt werden. Zur Begründung führte er aus, in der Woche ständen die Friedhofs- arbeiter untätig umber, am Sonntag aber seien sie überlastet. Er fügte jedoch einschränkend hinzu, daß ein Pastor, wenn ein solcher dabei wäre, auch den Sonntag bestimmen könnte; denn der Pastor habe mehr zu sagen als der Küster. Die Be- erdigung wurde hiernach auf Sonnabend unl 3 Uhr fest- gesetzt, und die Wittve bekam die voin Küster geschriebene An- Weisung, die als Quittung gegenüber dem Friedhofsverwalter dient. Als nun Frau H. zu Hause den Zettel entfaltete, fand sie darauf den Vermerk„o h n e", dem der Küster noch durch Hinzufügung von zwei Ausrufungszeichen einen besonderen Nachdruck zu geben sich bemüht hatte. Außerdem entdeckte sie bei genauerein Hinsehen noch ein anderes, von derselben Hand geschriebenes Wörtchen, das aber hinterher dick durchstrichen worden war. Das Wörtchen hieß—„rot". So steht es, immer noch deutlich genug, zu leseii auf diesem amtlichen Schriftstück, das die FriedcnSkirchengemeinde durch ihren Küster der Familie des Verstorbenen hat ausstellen lassen. Wir sind natürlich überzeugt, daß es in der Küsterei der Friedenskirchcngemeinde nicht osfizieller Brauch ist, in amt- lichen und für die Ocffentlichkcit bestimmten Schriftstücken die Beerdigungen ohne Pastor als„rot" zu bezeichnen. Offenbar hat der Küster im Zustande der Verwirrtheit gehandelt. Woher ihm diese Verwirrtheit gekommen war, darüber können wir nur Vermutungen haben. Wahrscheinlich verdroß eS ihn, daß hier schon wieder eine Leiche ohne Pastor zu Grabe getragen werden sollte. Er schloß daraus, daß der Verstorbene„rot" gewesen sei, und nun kam ihm wohl dieses Wort unwillkürlich in die Feder. W i r verzeihen ihm das Malheur gern, und die Familie des Verstorbenen wird sicherlich desgleichen tun. Denn als„r o t" gekennzeichnet zu werden hat noch allemal einem rechten Sozialdemokraten als Ehrung gegolten. Die Tagesordnung für die erste Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am nächsten Donnerstag ist sehr umfangreich und dürfte kaum an einem Abend erledigt tvcrdcn. Ueber die Heilsarmee haben wir in letzter Zeit einige Mit- tcilungcu gebracht, welch« auf die soziale Lage der Angestellten dieser Organisation ein recht häßliches Licht werfen. In dieser Sache er- halten wir von einem Nichtniitalied der Heilsarmee eine Zuschrift, deren ivesentlichen Inhalt ivir hiermit wiedergeben wollen, obgleich darin die tatsächlichen Angaben, vor allem so weit sie sich auf Zahlen stützen, nicht durch andere Darstellungen widerlegt werden. Das Wesentlichste aus der Zuschrift lautet: „Wie ich aus direkter Quelle erfahre, ist der Austritt der Heils- armce-Offiziere längst nicht so hoch, wie angegeben, und wenn Ossi- ziere austreten, bat dieses seinen Grund auch vielfach darin, daß die Heilsarmee allen ihren Wtgliedern, wo nicht direkte Hindernisse betreffs Alter und Verhältnisse im Wege stehen, Gelegenheit bietet, sich als Heilsarmee- Offiziere der Menschheit nützlich zu machen. Während der Ausbildungszeit und auch später stellt eS sich nun manchmal heraus, daß alle Eingetretenen doch nicht geeignet sind für den aufopfernden Dienst der Nächstenliebe, die dann wieder zu- rücktrcteu, doch bleiben viele von diesen nach wie vor als Mitglieder in der Heilsarmee. Von Notleiden der Heilsarmee-Ofsiziere kann durchaus keine Rede sein. Gerade unter Leitung des Kommandeurs, Herrn Oliphant, ist besonders in den letzten Jahren für das Wohl der Offiziere sehr viel geschaffen worden, und es gibt aber auch nicht einen Heilsarmee-Offizicr in Deutschland, der Not leiden mutz, zu- mal jeder D-ivisionsofsizier, welcher einer gewissen Anzahl Stationen und Offizieren vorsteht, verpflichtet ist, darauf zu sehen, daß jeder Offizier genügend und gute Nahrung sowie ordentliche Kleidung usw. hat. Die Dibisionsoffizie« müssen darüber extra ausführliche Äc- richte über jeden Offizier nach dem Hauptquartier senden, und, wo irgend«in Mangel vorliegen würde, wird sofort Abhülfe geschaffen. Di« Verwendung der eingehenden Gelder geschieht ebenfalls rechtlich und gewissenhaft. Kein Pfennig deutschen Geldes geht nach England, rcsp. wird für englische Zwecke verwendet, sondern im Gegenteil hat England die Wohlfahrtsarbeit der Heilsarmee in Deutschland jähre- lang unterstützt und auch jetzt erst für das ncucrrichtcte Kadetten- heim in Berlin mehrere Tausend Mark dazu gegeben." Der Magistrat hat die Stadtbsrordneten-Versammlimg zu einer gemeinsamen Besichtigung der neuen Heimstätte in Buch sowie oes für die neu zu erbauende Anstalt für mittellose, sieche Tuber- kulose in Aussicht genommenen Terrains zum Sonnabend, den 9. d. Mts., eingeladen. Bei ungünstigem Wetter solle» die Be- stchtigungen in der darauf folgenden Woche stattfinden. Die Heim- stätte, die für ISO Selten eingerichtet ist, hat der Stadtbaurat Ludwig Zonlltllg, 3. September IM. Hoffmann erbaut. Sie kostet rund l'/a Millionen Mark und ist kürzlich mit 70 Kranken bezw. Rekonvaleszenten belegt worden. Der Umzug des Patentamtes von dem alten Gebäude in der Luisenstraße nach den neuen Räumen in der Gitschinerstraße wird am 3. d. Mts. beginnen. Es ist einer der größten Umzüge, die je- mals in Berlin zu verzeichnen waren. Nicht weniger als 100 Möbel- wagen sind bestellt worden, um den Umzug in 12 Arbeitstagen zu bewerkstelligen, die Kosten werden sich auf etwa 50 000 Mark be- laufen. Das Patentamt beschäftigt etwa 1000 Beamte, welche zum Teil die neuen Räume schon vorher in Augenschein genommen haben, um beim Umzug informiert zu sein. Ueber die Verlvendung deS alten Patentamtsgebäudes ist noch nicht endgültig beschlossen. Es fällt an den Militärfiskus, von dem das Gelände zu dem Neubau seinerzeit erworben wurde und auf dem sich die alte Kürassier-Kaserne befand. Voraussichtlich wird die kartographische Abteilung des GcneralstabS die Räume des alten Patentamtes beziehen. Der Jahresabschluß der städtischen Sparkasse für 1004/06 ist der Stadtverordneten-Versammlung zugegangen. Die Einnahmen und Ausgaben des Verwaltungsfonds betrugen danach 602 660 27?., im Rest verblieben 1060 M. Die Einnahmen aus dem Grundeigentum (Klosterstr. 68, Zimmerstr. 00/01 und Linkstr. 7/8) stellten sich auf 03 783 M., aus dem Geschäftsbetrieb aus 0260 M. Hierzu kommt dann der Zuschuß zu den Verwaltungskosten ans dem Geschäfts- gewinn: 399 508 M. Die Ausgaben beliefen sich auf 364441 M. personelle Kosten und 136 610 M. Geschäftsbedürfnisse, sowie 2500 M. auf Beihülfen an die Inhaber der Sparkassen-Annahmestellen. Feiges Volk. In einem Cafe in der Nähe der Potsdamer Brücke erregt, wie das„Berl. Tagebl." berichtet, seit einiger Zeit ein ehe- maliger russischer Offizier fast Abend für Abend oder besser Nacht für Nacht Aufsehen. Ter Russe, ein Hüne von Gestalt, hat es wie so mancher anpere vorgezogen, den Gefahren in der Mandschurei zu entrinnen und sich lieber hier mit einem Feinde der Menschheit, dem Alkohol, herumzuschlagen. Man sieht den Fremden selten nüchtern. Mit den Gästen des Cafös erlaubt er sich die tollsten Scherze. So bat er jüngst einen ihm völlig fremden Herrn um eine Zigarette. Der höfliche Herr überreichte dem Bittenden das gefüllte Etui. Kaum hat der Russe aber die Zigaretten, so nimmt er sich sämtliche heraus und gibt dem Herrn lächelnd das völlig leere Etui. Dieser macht empört einige Einwendungen. Der Russe schleudert ihm als Antwort alle Zigaretten ins Gesicht. Ein andermal hatten zwei Damen, die einen Windhund mit sich führten, daS Cafe be- treten und sich an einem Tische niedergelassen. Der Russe er- griff nun ein Stück Kuchen nach dem anderen und warf es dem Windhund zu, der auch anfangs kräftig zufratz. Schließlich hatte er genug. Der Russe bombardierte aber ruhig weiter, bis etwa zwanzig Stück Apfelkuchen, Nußtorte usw. an der Erde lagen. Zuletzt richtete er seine süßen Geschosse auch auf die beiden Damen, die sich dann beim Wirt beschwerten und sich aus dem Lokal begaben. Fast an jedem Abend zertrümmert der Trunkenbold einige Gläser, oder er geht an fremde Tische und hält Reden, wobei er gewöhnlich so heftig gestikuliert, daß Teckannen und Kaffeetassen nach kurzer Zeit vom Marmortisch gefegt sind. Mein und Dein vermag er nicht recht zu unterscheiden, wenigstens nicht zu achten, denn in jüngster Zeit trat er an eine fremde Dame, die mit ihrem Gatten nach dem Theater das Cafe aufgesucht hatte, heran, umarmte und küßte sie. Es gab einen allgemeinen Aufstand. Aber niemand ivagte es, sich mit dem Hünen direkt einzulassen. Man rief den Oberkellner und den Wirt, die aber auch nur sehr gelinde Ermahnungen für den trunkenen Gast hatten. Der Russe bezahlt eben sehr gut, und so darf er es wagen, in einer fremden Stadt ein ganzes Lokal zu terrorisieren. - ES wäre beschämend, aber charakteristisch für den Deutschen. bieder, fromm und stark, wenn die Sache sich so verhielte, wie das „Berl. Tgbl." mitteilt, wenn daö oben geübte Stiefellccken vor Ruß- land dem bürgerlichen Publikum auch im Wirishause Parole wäre. In einem Arbeitcrlokal würde der Russe bald zahm gemacht werden; der deutsche Patriot, der trotz der geschilderten Roheiten in dem erwähnten Lokal weiter verkehrt, fühlt sich durch diese Lümmeleien am Ende gar noch geschmeichelt. Bon einem Schwindler, der es auf Arbeitslose abgesehe» hat, ist dieser Tage in der Nähe des G e w e r k s ch a f t h a u s c s ein aus Kiel zugereister Metallarbeiter um 20 Mark geprellt worden. Der Bedauernswerte, dem das Berliner Pflaster und seine Ge- fahren wohl noch nicht genügend bekannt waren, hatte sich von einem Unbekannten, der ihn am Engelufer vor dem Gewerkschaft-Hause an- sprach, vorreden lasten, daß ihm eine gute Stellung verschafft werden könne. Vertrauensvoll ging er mit, zumal da der„edle Nienschen- freund", für den er den Kerl hielt, ihm erzählte, er selber sei bei einer Krankenkasse angestellt und gehe einkassieren. Das war natür- lich Lüge, die den Zweck hatte, dem Ahnungslosen den alten Geld- wcchscltrick, mit dem er hineingelegt werden sollte, plausibel erscheinen zu lassen. In einer Seitenstraße ging der„einkassierende" Hallunke in ein Eckhaus und hieß seinen Begleiter draußen warten. Bald trat er wieder heraus und teilte mit, oben habe man kein Kleingeld. Ob der andere ihm nicht 20 Mark wechseln könne? Ei gewiß, sehr gern! Die ganze Barschaft betruy noch 22 Mark, das langte bequem. Der„Krankenkassen-Kassierer" ging mit dem erhaltenen Kleingeld in das Haus zurück. Das Goldstück hatten die mißtrauischen Leute da oben ihm nicht mitgegeben, aber er würde es sofort herunter- bringen. Der leider weniger mißtrauische Arbeiter stand unten— doch er konnte lange warten. Der„Krankenkassen-Kassierer" mit der„guten Stellung" war selbstverständlich sofort durch den zweiten Eingang, den das Eckhaus hatte, verduftet. Arbeitsuchende seien hiermit vor dem Bürschchen gewarnt. Es ist möglich, daß er sein Manöver an derselben Stelle zu wiederholen versucht, weil gerade in der Umgebung des GewcrkschaftShauseS ihm leicht mancher fremde Arbeiter in die Hände laufen kann. Sein fünfzigjähriges DienstjnbilKum hat gestern der OberstaatS- anwalt am Kammergericht, Geh. Oberjustizrat Ludwig Wachler gefeiert. Die Universitäten Berlin und Breslau haben ihm de» Dokturhut verliehen, Justizminister Schönstedt beehrte ihn mit einer Ansprache und brachte ihm den üblichen Orden. Auch sonst erhielt Herr Wachler zahlreiche Glückwünsche. Dreiviertel Millionen unterschlagen. Bedeutenden Unter- schlaguugen ist man im Betriebe der Oberschlesischen KokS- wecke und Chemischen Fabriken Aktiengesellschaft, Unter den Linden 3, auf die Spur gekommen. Die bis« herigen Ermittelungen haben ergeben, daß es sich um Summen handelt, dice den Betrag von dreiviertel Millionen erreichen dürften, die aber zum Teil durch vorhandene Werte, die Eigentum deS Defraudanten sind, gedeckt werden können. Die Unterschlagungen. die viele Jahre zurückreichen, hat der Prokurist Hugo Spiegel, Kaiscr-Allce 211, begangen. Spiegel befindet sich zurzeit auf einer Reise in der Schweiz; er ist verheiratet und einer der ältesten Beamten der geschädigten Firma. Während seiner Abwesenheit wurden durch einen Zufall Unstimmigkeiten in der Buchführung entdeckt, woraufhin dann nähere Untersuchungen vorgenommen ivurden, die zur Kenntnis der bedeutenden Unterschlagungen ge- führt haben. Lehrgänge für FortbilbungSschullchrer. Einen Kursnv zur AuS- bildung von Lehrern an geiverblichen Fortbildungsschulen findet in der Zeit vom 27. September bis 24. Oktober d. Js. auf Veranlassung des Handclsministers in Berlin statt. Vorgesehen sind Vorttäge über deutsche Wirtschaftsgeschichte im 1v. Jahrhundert; Verfassung und Verwaltung der Gemeinde, Staat und Reich; Genossenschaftswesen; Ausgaben, Einrichtung und Lehrmethoden der Fortbildungsschule; Geld-, Bank- und Kreditivescu, gelverbliche Buchführung und Kalkulation. Zur Teilnahme an dem Kursus Werden 40 bis 45 Lehrer einberufen. Sie erballe» freien Uniari#, freie EisenkchrMet Hin Auch dafür sind alle verfügbaren Plätze bereits besetzt. Hin- und Nüdkreis und ein Tagegeld von 5 Mark. Gesuche um Zu-| völkerungszahl manche angesehene Provinzialstadt längst über- 1 nämlich der hiesige Arbeiter- Radfahrerverein sein Stiftungsfest und lassung zu diesem Kursus können nicht mehr berücksichtigt werden. treffen, aber dennoch auf dem Gebiet des Gesundheitswesens hatte dazu die Genehmigung zu einer Korsofahrt durch den Ort bildung von Lehrern an kaufmännischen Fortbildungsschulen statt. müssen, wie wenn sie Dörfer von wenigen hundert Einwohnern ruchbar, daß die Radfahrer mit roter Schärpe bei dieser Korsofahrt sich noch mit begnügen geblieben wären. Die Vorortbewohner kennen die Zustände, geschehen. Da es hier eine nicht geringe Zahl von Lebewesen Ruhe Spießbürger die bei ihnen herrschen, aus eigener trüber Erfahrung. Die gibt, die beim Anblick der roten Farbe leicht in Raserei geraten, so Aerzte, die mitten in dieser Arbeit stehen, wissen nicht minder ließ sich die Gefahr gar nicht ausdenken, die durch die roten Schärpen genau darüber Bescheid. Aber das Schneckentempo, das die hätte entstehen können. Man hatte denn auch nichts Giligeres zu Gemeindeverwaltungen der Vorort- Landgemeinden" in allen tun, als die Behörde schleunigst vor dem roten Schrecken zu warnen. Fragen sozialer Fürsorge für die unbemittelte Bevölkerung Die Behörde hat der Rotscheu Rechnung getragen und die Gefich zur Regel gemacht haben, darf ja nicht aufgegeben nehmigung der Korsofahrt zurückgezogen. Der Staat ist wieder mal Straßensperrung. Die Inselbrücke wird behufs Ausführung von Reparaturen vom 7. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Durch einen Sturz von der Leiter verunglückte gestern ein Hausdiener aus der Pallisadenstraße in dem Warenh ause von Mannhem in Ser Frankfurter Allee. Der junge Mann sollte waren von einem Gestell nehmen, trat oben auf der zwölfsprossigen Leiter fehl, stürzte hinab und zog sich einen Schädelbruch zu. Besinnungslos wurde er nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. - " werden. gerettet. Falscher Kriminalbeamter aus Renommage. Ein eigentümlicher Weißensee, die aus dem großen Neu- Weißensee und Köpenick. dem kleinen alten Dorf zusammengeschweißte Gemeinde geDie Parade ist am Sonnabend nicht abgehalten worden, weil hört zu diesen schlecht versorgten Vororten. Die Bevölkerung Fall beschäftigt die Polizeibehörde zu Köpenick. Ein Klavierspieler, befürchtet wurde, daß auf dem aufgeweichten Boden des Tempel beläuft sich heute auf rund 40 000 Personen, die größtenteils der in Hessenwinkel in einem Restaurant seine Kunst ausübte, hatte hofer Feldes unsere Vaterlandsverteidiger im Dreck stecken bleiben könnten. So hat diesmal die herkömmliche Sedanfeier der Schulen, der Arbeiterklasse angehören. Die Sterblichkeitsziffer ist hier sich als Kriminalbeamter ausgegeben. Der junge Mann hatte sich die bisher allen Patrioten als unentbehrlich gegolten hatte und noch höher als in irgend einem anderen der großen Orte des eine" Legitimationsfarte" angefertigt und sich mit dieser dann vor wenigen Tagen von der Schuldeputation allen Schulleitern drin- Kreises Niederbarnim, was bei der Zusammensetzung der Be- nalschutleuten sei er herangezogen worden," pflegte er Bekannten überall als Kriminalbeamter vorgestellt. Wegen Mangel an Krimigend ans Herz gelegt worden war, sogar einer Parade weichen müssen, völkerung ohne weiteres begreiflich ist. Wir haben Jahre ge- gegenüber zu äußern. Der Klavierspieler gab an, er habe sich ledigdie gar nicht mal stattgefunden hat. Die Parade selber wird natür habt, in denen in Weißensee die Sterblichkeitsziffer über 27 Sterbe- lich zu dem Zwecke als Kriminalist ausgegeben, um den Leuten lich bei besserem Wetter nachgeholt ein Gaudium für die Kinder! fälle pro 1000 Personen der Bevölkerung hinausging, ja bis gegenüber renommieren zu fönnen. Ob außer der Renommage noch Bei der Arbeit vom Tode überrascht wurde gestern vormittag nahe an 29 pro 1000 heranreichte, während sie gleichzeitig im sonst etwas hinter dem falschen Kriminalbeamten steckt, wird die der 55 Jahre alte Handlanger Karl Fricke aus der Pallisadenstr. 71. ganzen Streise unter 24 pro 1000 und in Berlin sogar be- Untersuchung ergeben. Als er auf dem Neubau Pantstr. 22a Stalk rührte, bekam er einen trächtlich unter 20 pro 1000 blieb. In einem solchen Orte Todessturz mit dem Rade. Bei einem bedauernswerten UnBlutsturz und starb auf dem Wege nach der Unfallstation in der sollte man nicht nur in der Bevölkerung, die von jedem glücksfall hat der Brunnenarbeiter Hermann Damm sein Leben Droschke. Mißstand unnittelbar betroffen wird, sondern auch an laffen müssen. D., welcher erst im 20. Lebensjahre stand, hatte am Feuerbericht. In den letzten 24 Stunden hatte die Wehr eine leitender" Stelle die Notwendigkeit ausreichender Kranken- Freitag bei einem Brunnenbau in Köpenid zu tun. Um abends ganze Reihe Alarmierungen zu verzeichnen. Nach der Landsberger- und straße 88 wurde sie gerufen, weil dort in einer Wohnung Feuer empfinden. Aber wer in Weißensee wohnt und die Weißenseer er die Dammbrücke passierte, rutschte die Maschine beim Ausweichen Siechenpflege- Einrichtungen ganz besonders lebhaft nach Hause fahren zu fönnen, lich er sich ein Zweirad. Als ausgekommen war. Drei weitere Wohnungsbrände mußten in der Schwedterstr. 52, am Stralauer Play 18/19 und in der Lands- Bustände kennt, der weiß, wie sehr es in diesem Punkte D. stürzte samt dem Rade auf den Straßendamm und schlug mit dem schlüpfrigen Pflaster aus. bergerstr. 32 abgelöscht werden. In allen vier Fällen wurden im hapert. wesentlichen Möbel, Gardinen, Decken und Wäschestücke beschädigt. dem Kopf auf einen Pflasterstein. Wenige Sekunden später verschied Speziell die Siechenpflege ist mit das Unzuläng- der Unglüdliche an den Folgen einer Gehirnerschütterung. Ein Ein Posten Späne ging in der Anklamerstr. 33 in Flammen auf, lichste, was wir hier haben. Vor uns liegt der amtliche Be- hinzugerufener Arzt vermochte nur noch den Tod festzustellen. während es in der Lübeckerstr. 31 in einer Küche brannte. ber Lychenerstr. 24 hatte Teer Feuer gefangen, das aber leicht vom 1. April 1904 bis zum 31. März 1905 erstattet haben. Bahnarbeiter Brünnert aus der Saulsdorferstraße 6 zu Köpenick. In richt, den die Armenärzte über ihre Tätigkeit für die Zeit Aus der zweiten Etage herabgestürzt ist gestern nacht der frühere unterdrückt werden konnte. Schließlich gab es in der Barnim- Da flagt Herr Dr. Grunau:„ Besondere Mühe macht die Gestern morgen wurde B. in bewußtlofem Zustande auf dem Bürgerstraße 38 und in der Wichmannstr. 12c noch furze Zeit zu tun. Unterbringung von Siechen und altersschwachen Leuten, die steige liegend aufgefunden. Am Kopfe wies er mehrere Berlegungen Das Luisen- Teater ist Freitag abend wieder eröffnet worden. entweder völlig ohne Hülfe sind oder ihren Angehörigen derart auf. B. starb bald darauf. Ob er sich in selbstmörderischer Absicht Die strebsame Direktion Rosenfeld hatte sich für den Anfang an eine zur Last fallen, daß ihre Unterbringung irgendwo anders aus dem Fenster herausgestürzt hat oder ob hier ein Unglücksfall schlichte Sache herangemacht; Wolzogens und Schumanns Lustspiel notwendig ist." In solchen Fällen wird regelmäßig an den vorliegt, fonnte mit Bestimmtheit noch nicht festgestellt werden. " Die Kinder der Erzellenz" wurde gegeben. Die Leiden Arzt das Verlangen gestellt, diese Personen einem Krankeneiner Familie, die infolge eines hochtrabenden Titels zu repräsen hause zu überweisen. Dr. G. hebt mit Recht hervor, daß das Adlershof. tieren gezwungen ist und der Zutaten dazu ermangelt, find hier mit meist nicht angehe. Krankenhäuser seien nicht dazu da, Lungen Barbiergeschäftsinhaber die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Ge Der Arbeiterschaft von Adlershof zur Nachricht, daß folgende einem heiteren und einem nassen Auge wahrzunehmen. Das Stück oder Krebskranke des wurde recht brav gespielt, so daß Publikum und Direktion mit dem aufzunehmen. Durch sie werde nur anderen Kranken, denen noch zu straße 53; Franz Treffehn, Bismarckstr. 50; Preuß, Bismarc letzten, hoffnungslosen Stadiums bülfen bis zum Dttober 1906 anerkannt haben: Heinrich, Bismarc Künstlerischen Gelingen durchweg zufrieden sein können. Herr Wald helfen sei, der Plaz weggenommen. Aber wohin dann mit diesen straße 17; Müller, Hadenbergstr. 7; Donner, Radicestraße. als Major, die Damen Müller und Benckendorf als Töchter der Bedauernswerten? Sie gehören in eine Siechenanstalt! Nun Für Alt- Glienicke und Rudow find bisher noch keine Bee Exzellenz spielten brab, und desgleichen Herr Merte als Amerikaner. Das Luisen- Theater hat sich mit Recht die Gunst der Bevölke hat ja Weißensee in der Schönstraße eine Siechenbarace, aber willigungen eingelaufen. Die am 29. Auguſt bei Beyer stattgefundene rung im Südosten erworben; und die Leitung des Instituts läßt dort können nur acht Personen, vier Männer und vier Frauen, Versammlung erklärte sich mit den Forderungen der Gehülfen eines nicht an hingebender Arbeit fehlen, um der Bühne ernsthafte Be- Aufnahme finden. Acht Siechenbetten auf 40000 verstanden und sagte zu, dahin zu wirken, daß nur die Geschäfte zu deutung zu verschaffen. Wenn dies im vorigen Winter nicht immer Einwohner; das macht auf je 10 000 Einwohner zwei berücksichtigen sind, welche die Forderungen der Gehülfen bewilligt geglückt ist, so lag die Schuld nach unserer Meinung zum Teil an Siechenbetten. Selbst Berlin, dessen Bevölkerung seit langem haben. Wir ersuchen daher die Genossen, diesen Beschluß zu beSem gar zu eifrigen Haften, das immer und immer wieder mit nach mehr Siechenhäusern ruft, hat auf 2000 000 Einwohner Neuaufführungen gewagter Natur imponieren wollte. Viel wäre allein in seinen beiden allgemeinen Siechenhäusern 2000 Betten, dem Luisen- Theater gewonnen, wenn die Leitung sich in der be also 10 Betten auf je 10 000 Einwohner. Ja, die Weißenginnenden Saison mehr Beschränkung auferlegen wollte. sehr vielen Fällen", sagt Dr. G., sieht der Arzt ohne weiteres seer sind eben noch viel bescheidener als die Berliner!" In ein, daß derartige Stranke in ihrer jezigen Lage nicht bleiben Der Verein zur Förderung des Gartenbaues in den preußiachten. Erkner. Das Gewerkschaftskartell. Selbstmordverfuch eines Geldbriefträgers wegen Unregelmäßiggefallen, daß die durch die Boſt eingehenden Geldsendungen be feiten. Den Anwohnern von Grünheide war es in letter Zeit aufeine bronzene Medaille für die am 17. und 18. September im Eta fönnen, und sieht sich trotzdem gezwungen, nicht immer aus angefragt und eine Untersuchung eingeleitet. Diese ergab, daß die blissement Buggenhagen stattfindende Ausstellung der Berliner Laubenkolonisten. furze Zeit spielen. fonnten. Arbeiter Samariterkolonne. Montagabend 9 Uhr: 1. Abteilung Krankheitspflege. Nachher praktische Uebungen. Die nächste Uebungsoben erwähnten Gründen eine wirkliche Abhülfe zu schaffen". hervorgerufen war. F. hatte anfangs Geldsendungen nicht abge= Johann Strauß aus Wien trifft mit seinem bekannten Orchester nicht immer eine wirkliche Abhülfe zu schaffen ( Soll wohl heißen: gezwungen, aus oben erwähnten Gründen liefert und für sich verbraucht. Um diese Fehlbeträge zu decken, heute, Sonntag, den 3. September, in Berlin ein und wird im Abhülfe zu verzichten".) G. erzählt, daß die Kranken oder ihre wieder neue Beträge eintrafen. So ging denn die Sache immer oft auf wirkliche unterschlug er dann wieder die nächsten Geldsendungen, bis dann Konzert- Etablissement der Attien- Brauerei Friedrichshain wieder auf Angehörigen dann dem Armenarzt vorwerfen, er wolle nur weiter, bis die Machinationen des Beamten bor einigen Tagen ents Im Berliner Zoologischen Garten sind vor kurzem zwei Enten- nicht. Dft müsse er Beleidigungen über sich ergehen lassen, deckt wurden. F. versuchte nun in der gestrigen Nacht sich das arten eingetroffen, die bis jetzt noch nie lebend hier gezeigt werden ohne beim besten Willen helfen zu können. In ähnlicher Weise Leben zu nehmen. Er wollte sich in einem Moor bei Ertner ertränken. Der Selbstmordkandidat blieb im Moor stecken und wurde Der Erpel der amerikanischen Tafelente flagt G. übrigens über den Aerger, den er habe, wenn er in dieser Lage gestern morgen aufgefunden und gerettet. unterscheidet sich von der heimischen Form vor allem durch seine Trinkern oder Frrsinnigen, die noch zu Hause verpflegt werden leuchtend gelben statt roten Augen, ist der letzteren aber in der können, die Ueberweisung an eine Frrenanstalt nicht gewähren Farbe des Gefieders sehr ähnlich. Die nordamerikanische tönne. Dem Mangel an Siechenbetten, so führt G. aus, lasse senä fente iſt bon der europäischen recht verschieden und zeigt sich jetzt dadurch abhelfen, daß man das Haus neben dem Dresdenerstr. 45. Vortrag der praktischen Werztin Frl. Dr. Profé über mehr lebereinstimmung mit der westamerikanischen Blauflügelente, jegigen Armenhause in der Charlottenburgerstraße als Siechen- stunde der 4. Abteilung( Lichtenberg) findet Donnerstag in der Turnhalle die ebenfalls im Garten vertreten ist. Das Männchen des eingetroffenen Paares ist an den auffallenden, senkrechten weißen haus für Männer einrichte und die Krankenbaracke in der der Gemeindeschule, Dorfstraße, statt. Heute nachmittag Ausflug nach Streifen an beiden Seiten der Schnabelwurzel und dem weißen Fleck Schönstraße nur zur Aufnahme von Frauen bestehen lasse. Treptow. Treffpunkt 3 Uhr im Restaurant Nonnenberg, Köpenicker Landhinter dem Beinansas leicht fenntlich. Beide Arten sind in der Er schließt mit der Bitte, seinen Vorschlag zu prüfen und straße, Ede Bartstraße. zweiten Abteilung der Wasserflugtäfige untergebracht. Eine Volksversammlung findet in Cohns Festsälen, Beuth. zu genehmigen; es werde hiermit vielem Elend ab- straße 20, am Sonntagnachmittag 3, Uhr zur Warnung vor Ankauf Treptow- Sternwarte. Am Sonntag, den 3. September, nach- geholfen". der Strickmaschinen einer Hamburger Firma seitens der damit Herein mittags 5 Uhr, spricht Dozent Jens Lüzen auf der Treptow- Stern- Einer Anregung unserer Parteigenossen in der Weißenseer gefallenen der Stridmaschinen- Gesellschaft Bienentor b" statt.( Siche warte über:" Die sonnennahen Planeten", um 7 Uhr über:" Be- Gemeindevertretung ist es zu danken, daß die Frrenarzt- auch das Inserat im„ Borwärts".) einflußt der Mond das Wetter?" unter Vorführung zahlreicher Licht- Berichte in dieser Ausführlichkeit den Gemeindevertretern bilder. Der Vortrag am Montag, abends 9 Uhr, lautet: Das überhaupt zugänglich gemacht worden sind. Man sieht, wie Leben im Weltall". Mit dem großen Fernrohr wird nachmittags lehrreich das Material ist, das die Berichte bieten wie die Sonne, abends der Mond und Saturn gezeigt. lehrreich und zugleich beschämend für Weißensee. " Zirkus Schumann kehrt in nächster Zeit nach Berlin zurück. Auf dem Programm stehen neben großen Pantomimen außergewöhnliche Nixdorf. Originaldressuren des Direktors, die von ihm allein erfunden und ausgeführt worden sind. Direktor Schumann hat seinen Marstall vollständig remontiert. Aber auch sonst ist das Repertoir interessant zusammengesetzt, Reiterfamilien, Afrobaten und Clowns sind durch tveg Novitäten. " Vermischtes. Typhus. Hana u. Nach der„ Han. 3tg." follen zwei Soldaten des hiesigen Infanterie- Regiments an Typhus erkrankt sein. Ein gemeingefährlicher Fledderer treibt in Rigdorf sein Unwesen. Cilli. Durch zugereiste Bahnarbeiter ist im hiesigen Bezirt, in Der Gauner arbeitet" in ganz raffinierter Weise. Sieht er auf Tuffer, Hrafting und St. Nikolai der Typhus und die Note der Straße einen schwerangetrunkenen Mann, so spielt er den Mitt uhr eingeschleppt worden. leidigen. Bereitwilligst bietet er ihm seine Schlafstelle an, wo der Das Berliner Aquarium bietet dem Besucher nicht nur in den schleppt der gefährliche Patron sein Opfer nach einem stillen Pläschen, Fahrzeugs versagten, es brach das Borderrad, die Maschine fuhr gegen Betreffende seinen Rausch in aller Ruhe ausschlafen könne. Sodann Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich Freitag abend auf dem Wege zwischen Glauchau und Werdau. Beide Bremsen des neuen Erwerbungen und Ergänzungen seiner Tierbestände, sondern um es dort auszurauben. Hat der" Samariter" ausgeplündert, so auch in anderen Erscheinungen reichen Stoff zu vergleichenden Be- läßt er den Angetrunkenen in Stich und verschwindet. Vermag der einen Baum und wurde völlig zertrümmert. Obermedizinalrat Proobachtungen. In der Abteilung der Fische ist zunächst die Haifischzucht Fledderer fein Opfer nicht allein fortzuschaffen, so ersucht er um den fessor Dr. Karg( Zwickau), der in dem Automobil auf der Fahrt im Gange. Nachdem die die größten Becken des Aquariums be Beistand harmloser Passanten. völkernden Haifische vor vielleicht vier Monaten ihre eigentümlich opferung des„ barmherzigen jungen Mannes" überzeugt und unter- bruch und foort tot. Diese sind natürlich von der Auf- zu einer Operation in Glauchau begriffen war, erlitt einen SchädelDer Geschäftsführer Menz der bierzipfeligen, großen, von hornartiger Kapsel eingeschlossenen Eier stüzen ihn. So erging es fürzlich dem Kaufmann B. Er half Zwickauer Automobilfirma erlitt ebenfalls einen Schädelbruch. abgelegt hatten und bieſe mit den im adriatischen Meere noch auf- nachts dem Gauner, einen angetrunkenen in der geschilderten Weise Sein Zustand ist sehr bedenklich. Der Chauffeur Tiele tam mit gefischten und hierher gesandten Eiern in einem der oberen Seewasser- fortzutragen. einem Nippenbruch davon. behälter aufgehängt waren, wo die langsame Entwickelung der In einem kleinen Biervorgarten bei Brie wurde Embryonen von den Beschauern verfolgt werden konnte, schlüpfen gelandet. Als der Verbrecher nun begann, dem Unbefannten die Die Ermordung eines Verteidigers Modugnos. Aus Rom wird jetzt fortgesetzt Junge aus, die als reichlich fingerlange Lebewesen Taschen zu leeren, ward es V. erst klar, daß er unfreiwillig einem uns geschrieben: Einer der Verteidiger des wegen Gattenmordes in ihrem von der Tracht der Alten wesentlich abweichenden sand- jetzt den Kaufmann zur Beihülfe zu überreden. Gauner Handlangerdienste geleistet hatte. Der Fledderer versuchte angeklagten Leutnants Modugno, der Rechtsanwalt Alessandro gelben, braun getüpfelten Kleide dem Sandgrunde des Aufenthalts, B. weigerte sich Beanchi, ist gestern nachmittag in seiner Wohnung ermordet aufauf dem sie in der ersten Zeit meist ruhig liegen, sich anähneln. Höchst schlug er Lärm. Der„ Samariter" floh hierauf. natürlich und suchte nach einem Schuhmann. Als er keinen fand, gefunden worden. Durch einen Hieb mit einem Rasiermesser waren interessant gestaltet sich Fortpflanzung und Brutpflege bei den in Leider gelang es ihm die Luftröhre und beide Halsschlagadern zerschnitten. Anfangs dem gegenüberliegenden geräumigen Baffin untergebrachten See- nicht, den gemeingefährlichen Burschen festzunehmen. Er ist von glaubte man, einen Selbstmord vor sich zu haben, aber die pferdchen, deren Männchen soeben in ihrer an der Schwanzwurzel stämmiger sigur, hat blondes Haar, blonden Schnurrbart, trägt Bucht, mit der der Schnitt geführt war, widerlegte diese Version. befindlichen Bruttasche die von dem Weibchen dorthin abgelegten helle Hofe, kariertes Jackett, reduzierte Wäsche und einen dünnen, auch sind teine plausiblen Gründe für einen Selbstmord vorhanden, Gier herumtragen, aus welchen nach mehreren Wochen die Jungen langen grünen Schlips. da der 76jährige Rechtsanwalt allgemein angesehen war, in schlüpfen, für die aber auch noch, bei Gefahr, der Brutsack des Bater- Turnerbundes) veranstaltet heute nachmittag auf ihrem in der brillantesten Banalisten Italiens galt. Die Freie Turnerschaft Rigdorf- Bris"( Mitglied des Arbeiter- glänzenden Vermögensverhältnissen lebte und als einer der Lessingstraße, gegenüber der Gemeindeschule, belegenen Sommer- Die Nachforschungen ergaben, daß Beanchi von einem Student, Turnplak ein Schauturnen. Der bei der Nirdorfer Arbeiterschaft mit Namen Casali, einem ehemaligen Kavallerieoffizier, er Durch die häufige Mitwirkung bei Parteifesten allgemein bekannte mordet worden ist. Dieser Casali, der von Beanchi viel Berein will wieber, wie alljährlich, allen Freunden der Bestrebungen Gutes empfangen hat, hatte sich dafür erkenntlich gezeigt, indem auf dem Gebiete törperlicher Erziehung und Fortentwickelung ein er dem alten Mann seine Geliebte, die mit Beanchi zuſammen Bild seines Wirkens geben. Es erübrigt sich, hier die Einzelheiten lebte, abspenstig machte. Beanchi brach darauf ganz mit dieser Frau der Veranstaltung zu erörtern. Das Programm ist in der gestrigen und hatte auch mit Casali nichts mehr zu tun, bis er erfuhr, daß und heutigen Nummer inseriert. Es dürfte genügen, daß die unter unseren Parteigenossen äußerst zahlreiche Anhängerschaft des Vereins seiner Einladung zahlreich Folge leisten wird. Rudow. tieres eine schüßende Zuflucht bietet. Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Heute, Sonntag, den 3. September, Familien- Ausflug nach Treptow. Treffpunkt: nachmittags 3 Uhr Restaurant" Neu- Tivoli"( Inh. Frih Preuß), Neue Krug- Allee 59 in Treptow. Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder nebst Angehörigen und Freunden der Schule erwünscht. Vorort- Nachrichten. dieser Bechsel auf seinen Namen gefälscht hatte. Darauf ließ der Rechtsanwalt den jungen Mann zu sich tommen; die Zusammenfunft hatte eben gestern stattgefunden und mit der Bluttat geendet. Die Kranken- und Siechenpflege der Vororte Berlins Nach dem Zustand der Möbel muß ein heftiger Kampf vorausgegangen sein. ist fast überall noch sehr weit zurück. Das gilt be- Eine große Gefahr ist von unserem Ort durch die Wachsamkeit Casali und dessen Geliebte sind verhaftet worden. Die ges fonders von geivissen Landgemeinden", die zwar an Be ciniger Ordnungsstüßen abgewendet worden. Am Sonntag feiert fälschten Wechsel lauten im ganzen auf eine Summe von 25000 Lire Berantwv. Redakteur: Baul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß mein Iteber Mann und guter Vater, der Barbier 12796 Wilhelm Gewald am 1. d. M., nachmittags 52 Uhr, verschieden ist. Die Beerdigung findet Montag, den 4. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der St. Hedwigsgemeinde in Wilhelmsberg statt. Die trauernde Witwe nebst Tochter Stargarderstr. 79. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Todes- Anzeige. Am Freitag, den 1. d. M., ver starb unser Mitglied, der Barbier Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- u. Zementbranche Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Karl Kretschmar, Weißensee, Friedrichstraße 35, am 31. August, nach langem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. September, nach mittags 4 Uhr von der Leichen halle des Weißenseer Kirchhofes, Röllestraße, aus statt. Um recht rege Beteiligung ersucht 148/4 Der Sektionsvorstand. Deutscher Wilhelm Gewald, Metallarbeiter- Verband Stargarderstr. 79. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mon tag, den 4, d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des St. Hedwigs Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. 249/5 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metalldrüder Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unserMitglied, derSchraubendreher Karl Schuchholz am 2. September gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 5. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des neuen Thomas Kirchhofes in Rirdorf aus statt. Rege Beteiligung erwartet 122/11 Die Ortsverwaltung. am Unser System schützt Sie vor Uebervorteilung, somit streng reelle Bedienung! Unsere beispiellos unerreichten Erfolge berechtigen uns, auch fernerhin an unserem Prinzip festzuhalten, streng reell unsere verehrte Kundschaft zu bedienen. Wir liefern nach wie vor vom einfachsten bis besten Genre unsere Konfektion in wirklich bester Verarbeitung zu denkbar billigsten, streng festen, auf jedem Etikett ausgestempelten Preisen nach unserem einzig dastehenden Serien- System. Amerikanische Verkaufshallen Einzigstes Geschäft Deutschlands dieser Art! UNITED STATES OF AMERIKA für Herren- u. Knaben- Garderoben u. Arbeiter- Berufskleidung. 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September, nachmittags 6 Uhr, von der Leichen halle des Jerusalemer Stirchhofes in der Hermannstraße( Rigdorf) aus ftatt. Rege Beteiligung erwartet 122/10 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige, Nachricht, daß am 1. September, abends 72 Uhr, unser lieber Bruder und Schwager, der Schneider Emil Moldenhauer, Strelißerstr. 71, nach kurzen schwe ren Leiden am Schlaganfall ver storben ist. 13076 Die Beerdigung findet am Dienstag, den 5. b. M., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Elisabeth- Kirchhofes aus statt Um stilles Beileid bitten die Hinterbliebenen Th. Moldenhauer, Kürschner, Stralsunderstraße 29, Martha Köppe geb. Moldenhauer. Danksagung. Die Beerdigung bes 31. Auguſt cr. berstorbenen Lithographen Karl Schulz findet am Sonntag, den 3. d. M., nachmittags 8, Uhr, von der Leichenhalle der Golgatha- Gemeinde, Barfusstraße, aus statt. 12686 Das Komitee. Danksagung. Für die vielen Beweise der Teilnahme und reichen Strangspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Louise Lange sage ich allen Teilnehmern meinen herzlichsten Dant. 1266b Emil Lange nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise innigfter Teilnahme bei dem Hinscheiden meines unvergeßlichen Mannes sage ich allen, insbesondere den Kollegen des ZentralVerbandes der Steinarbeiter meinen herzlichen Dank. Die trauernde Witwe Antonie Schwite. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, 29/14 Spezialarzt für Haut- und Harnleiden. Für die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Strangspenden bei der 10-2,5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Beerdigung meines lieben Mannes Otto Donath, sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, nsbesondere dem Deutschen Metallarbeiter- Berband sowie den Kollegen und dem Chef der Firma Haberlandt, Prinzen- Allee 83, meinen herzlichsten Dant. 1288b Die trauernde Witwe Martha Donath nebst Kindern. 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