Ur. 207. Hbonnements-Bcdlngungen- SdonnementZ- Preis prSnumerando: «ierteljährl. 3,30 SKt, mono«. 1,10 Mk.. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter SoimtagZ- Vellage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 22. Jahrg. Cifchtlot vlgll» uBtr IRoDtaii. Verlinev VolKsblskk. DU InUrfions« Gebühr betrögt für die sechSgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum SO Psg„ für politische und gewerlschaslliche BcreinS- und PersammIungS-Anzeigen 25 Pfg. „Kleine»Nl-ig-n". das erste sselt- gedruckte) Wort 10 Psg,, jedes weilere Wort K Psg, Worte über 15 Buchstaben zöhlen sür zwei Worte, Inserate sür die nächste Nummer müssen ii« 5 Uhr nachmittags in der«xpedirion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bii 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bt» 8 Uhr vornilltag» geüssnet. Zelegramm- Adresse: ..Z»iI,Itl«»»Ilr»I«etil»". Zentralorgan der roziatdemokratifchcn Partei Deutfchlands. Redaktion: 8 AI. 68, Lindenstraase 69. ssernsprecher: Zlint IV, Nr. 1983. Dienstag, den 5. September 1905. Expedition: 8M. 68, Lindenstraeae 69. Fser» spreche»: Mint IV, Nr. 1984. Fleischnot und Landarbeiter. Man schreibt uns aus Ostpreußen: Die konservativen Großgrundbesitzer und ihre Organe bc- haupten bei jeder passenden Gelegenheit, auch der Landarbeiter und kleine Besitzer habe bedeutenden Vorteil an der Aufrecht- erhaltung der Grenzsperren und den Viehzöllen. Denn auch sie bekommen ja nun bei den erhöhten Viehpreisen bedeutend bessere Preise für ihre Schweine, Kühe und Schafe, die sie zu verkaufen in der Lage sind. Wie sieht es aber in Wirklichkeit, zum Bei- spiel in Ostpreußen, damit aus? Es gibt hier auf den Gütern und Dörfern sehr wenig Landarbeiter, die Schweine mästen können zum Verkauf. Die Preise für ganz kleine Ferkel sind für die Leute fast uncr- schwinglich. So werden zum Beispiel für 4 Wochen alte Ferkel jetzt 16 bis 26 M. pro Stück gezahlt. Wer das Geld noch wirklich aufbringen kann, muß damit rechnen, daß ihm das junge, von der llikuttersan fortgenommene Tier nach kurzer Zeit eingeht. Denn die verschiedensten Schweinekrankheiten herrschen sortgesetzt auf dem Lande, auch ohne daß sie aus Rußland ein- geschleppt werden. Wächst das Schweinchen nun aber wirklich heran, dann heißt es, viel und gutes Futter herbeischaffen, um es schnell schlachtreif zu bekommen. Es ist aber zur Genüge bekannt, daß die meisten Landarbeiter nur mit Mühe und Not das Deputatgetreide für ihren eigenen Bedarf und meistens noch in sehr minderwertiger Qualität erhalten. Sind die Kar- toffeln gut geraten, dann hilft man sich damit aus, sonst muß Futter für schweres Geld gekauft werden. Wohl selten g.elingt es einem Landarbeiter, ein gut gemästetes Schwein für an- gemessenen Preis zu verkaufen. Denn weil er meistens ge- ringen Barlohn und knappes Deputat vom Besitzer erhält, muß der Ertrag des Schweines so bald wie möglich zur Deckung von Schulden oder Anschaffung von notwendigen Kleidungs- stücken oder Hausgeräten zum Ausgleich herangezogen werden. In größeren Landarbeiterfamilien, wo sich noch zwet bis drei Scharwcrker in Kost befinden, kann überhaupt nicht daran gedacht werden, das gemästete Schwein zu verkaufen. Es muß auch schon so früh wie möglich geschlachtet werden, um den eigenen Fleischbedarf im Haushalt damit zu decken. Denn gerade, wenn man große 5'iinder oder fremde Scharwerkcr im Hause hat, kann auf den Fleischgenuß nicht ganz verzichtet werden. Unter diesen Umständen ist bei dem Landarbeiter an Schweinezüchterei gar nicht zu denken. Es ist ausgeschlossen, daß er sich ständig eine Muttersau zur Zucht halten und mehrere Ferkel aufziehen kann. In den allermeisten Kon- trakten mit den Besitzern ist das ausdrücklich ausgeschlossen. Das hier Gesagte trifft auch zum größten Teil für die kleinen Besitzer zu. Auch sie können keinen nennenswerten Gewinn aus der Schweinehaltung erzielen. Wohl aber kommt es nicht zu selten vor, daß die für die Schweinehaltung oder Zucht aufgewendeten mühseligen Ersparnisse kleiner Besitzer durch das Auftreten des Rotlaufs oder einer anderen Schweine- krankheit in ihrem Stall in kurzer Zeit verloren gehen. Was die Schafzucht betrifft, so findet sich in sehr wenigen Kontrakten der Landarbeiter die Erlaubnis dazu und die Ge- Währung von Futter darin. Außerdem ist die Schafhaltung und Schafzucht, wenn sie im großen betrieben werden kann, so wenig lohnend, daß auch kleine Besitzer sich damit nicht befassen können. Daß der Landarbeiter seine gute Milchkuh verkaufen wird, um ein paar Mark mehr herauszuschlagen, als er dafür gezahlt hat, ist fast ausgeschlossen, denn er weiß nicht, ob er wieder Ersatz dafür bekommt. Größtenteils ist die Kuh aber gar nicht sein Eigentum, entweder gehört sie dem„Herrn" und der Arbeiter hat nur die Milchnutzung, oder es sind bedeutende Schulden von dem zum Ankauf verabfolgten Vorschuß abzu- ziehen. Vielfach wird den Jnstlcuten und Deputanten das Halten einer Kuh überhaupt nicht gewährt, sie erhalten als Deputat täglich 1 bis 3 Liter Milch, manchmal sogar nur Schleudermilch. Gibt der Landarbeiter seine Kuh dem Guts- Herrn zur Zucht, so gehört das Kalb natürlich dem Herrn, und der Arbeiter bekommt eine Entschädigung für den Milch- Verlust. Unter diesen Umständen ist auch nicht im geringsten daran zu zweifeln, daß die Landarbeiter und kleinen Besitzer ebenso unter der herrschenden Fleijchteuerung leiden als die Städter. Von ihrem geringen Einkommen müssen sie die erhöhten Preise für Bauchstück, Speck und einfache Wurst— anders Fleisch kommt überhaupt nicht auf den Tisch des Landarbeiters— zahlen. Die Landwirte, die ihren Arbeitern infolge der über- all herrschenden Teuerung die Löhne in den letzten Jahren auch nur um ein geringes erhöht haben, sind mit Licht zu suchen. Höchstens in der kurzen Erntezeit sind die großen Besitzer ge- zwungen, ihren Freiarbeitern, wenn sie nicht Soldaten genug geliefert bekommen, etwas höhere Löhne zu zahlen. Diese Tatsachen müssen jedem, der auch nur oberflächlich mit den ländlichen Verhältnissen vertraut ist, zur Genüge be- kannt sein. Besonders doch aber den Landwirten, die sich an der Oeffentlichkeit hervortun. Trotzdem werden von diesen Leuten fortgesetzt die tatsächlichen Verhältnisse auf den Kopf gestellt und die plumpsten Lügen und Schwindeleien öffentlich verbreitet. Den Rekord hat hierin wohl ein angeblicher Land- Wirt erreicht, der in der„Königsbergcr Allgemeinen Zeitung", einem nationalliberalcn Blatt, das von vielen Tausenden Ar- beitern, Handwerkern und Beamten, zum Teil auch auf Pmi Lande, gelesen wird, einen Artikel mit der Ueberschrift,' � „Ein aufklärendes Wort zur Fleisch. ».>. t e u e r u n g" losgelassen hat. Cr lautet:'. „Es wird jetzt in den Zeitungen über augenblickliche Fleisch- teuerung geklagt und die Schuld hieran den Agrariern in die Schuhe geschoben, aber man bedenkt nicht, daß die Hauptschuld an den jetzigen ungesunden Zuständen die Großstädte tragen, wie ich zu beweisen versuchen werde. Heute zieht der Arbeiter vom Lande zur Stadt trotz jährlicher Lohnzulage, angelockt durch Vergnügungssucht und durch die falsche Borspiegelung einer politischen Partei, daß er es in der Stadt besser habe. Infolgedessen verkauft der Mann hier billig seine ganze Wirt- schaft, Kuh. Schafe. Schweine, gibt sein sicheres Brot und seine täg- liche Arbeitsgelegenheit in der Landwirtschaft auf und macht den Sprung ins Ungewisse, wo er größtenteils bei den Barlöhnen sein Glück nicht findet, dann dem Schnapsgenuß verfällt und das städtische Proletariat vermehrt. Durch diesen Abzug aber fallen fleischprodu. zierende Kräfte weg und werden dort konsumierende. Der Guts arbeiter beim Groß- wie beim Kleinbesitzer hält sich eine Kuh, 2 bis 3 alte Mitterschafe, 1 Zuchtsau nebst 1 bis 2 Schlachtschioeinen; das Futter und Getreide bekommt er ja von der Herrschaft unentgeltlich geliefert. Er ist in der Lage, jährlich 1 Kalb, 3 biS 4 Lämmer, von der Sau im Jahre 2 Satz Ferkel lzirka 15 bis 20 Stück) zu verkaufen, hat außerdem seine reichliche Milch und Butter, ebenso Hühner, sodaß er außer seinem Bedarf noch Butter, Eier und junge Hühner zu Markte bringt. Meine Besitzung z. B. ist 7 Hufen groß, sonst sind bei nor- malen Arbciterverhältnissen 7 verheiratete Familien vorhanden, heute 3, und so ist es größtenteils überall, noch schlimmer auf den Großgütern, wo die Leute sich gewöhnlich noch mehr Inventar halten können; der fehlende Arbeiterrest muß durch ausländische Arbeiter gedeckt werden. Diese Familien würden 7 Kälber, 21 Schafe, zirka 1i)0 bis 140 Ferkel. 70 junge Hühner, dazu Butter und Eier zur Stadt bringen, heute kaum die Hälfte. Ikcchnet man dieses Verhält- nis für einen großen Teil Teutschlands, so würde ein bedeutendes Mehr herauskommen und der Bedarf reichlich gedeckt werden. Der Besitzer ist gar nicht in der Lage, so viel mehr zu produzieren, als der Wirtschaft hierdurch abgeht, bei Sliweinen und Schafen sogar noch weniger, denn frül>er besorgt« die Köchin die Schweinefütterung mit, und wenn sie später sich verheiratete, blieb sie auf dem Lande und verstand etwas von der Wirtschaft, hatte auch Lust und Liebe dazu; heute aber rennt alles zur Großstadt, und bekommt der Land- Wirt endlich eine Köchin bei höheren Löhnen als in der Stadt aufs Land, so macht sie sich aus, daß sie weder die Schwcipe zu füttern noch zu milchen habe, so etwas ist ihr nicht anständig genug, aber recht reichlich Fleisch und Speck muß zur Kost sew. Verheiratet sich solch ein Mädchen, so versteht sie wenig von der Jnventaraufzucht, gibt sich auch ungern damit ab, trotzdem das für den Landarbeiter so gewinnbringend ist. Was ist nun die Folge? Der Besitzer kann sich nicht mehr so viel Schweine halten, höchstens zum eigenen Bedarf, denn wer wird sie füttern? Der Arbeiter geht daher mehr auf Barlohn und die Fleischproduktion wird weniger. In national- ökonomischer Hinsicht ist das ein großer Fehler, der später wohl noch größer werden wird. ES gibt da nur ein Mittel: für einen gesunden Arbeiter» ausgleich in Stadt und Land Sorge zu tragen. Die Großstädte müssen sich, da Freizügigkeit vorhanden ist, gegen die planlose Zu- Wanderung schiitien, sei es durch Erhebung einer Zuzugssteuer oder sonst auf eine Art, tvic es z. B. das freie Amerika bei der Ein- Wanderung heute macht, da ist der Arbeiter in dieser Hinsicht kon- scrvativ sselhsterhaltend) genug und dringt auf geeignete Schritte. Ich halte es für keinen normalen, gesunden Zustand, wenn, wie an- geführt, die Nahrungsmittelproduktion herabgeht, dafür aber das Geld aus dem Lande für Nahrungsmittelzukauf und sür Löhnung ausländischer Arbeiter herausgeht; es muß dann über kurz oder lang zu schlechten Verhältnissen kommen. Aehnlich liegen die Dinge bei der Schafzucht; früher bekam jeder kleinere Besitzer einen Hütejungen für die Schafe und Schweine aus der Schule frei. Die Schweine gingen mit zur Weide, lebten mehr naturgemäß und waren nicht den vielen Krankheiten unterworfen wie heute; ebenso nützt das Schaf noch solch eine kurze Weide aus, auf der das Vieh nicht mehr frißt. Heute aber ist's nicht möglich, jenen Hütejungen frei zu bekommen, trotzdem kinderreiche Arbeiterfamilien sie gerne vermieten möchten, da es sür sie eine große Erleichterung sein würde. Der Junge ißt sich beim Besitzer ordentlich satt und kehrt gesund und gutgekleidet zu den Eltern zurück. Einen großen Arbeiter kann sich der Besitzer hierzu nicht halten, denn diqer ist zu teuer. Was ist die Folge? Ter Besitzer muß die Schafe abschaffen und den Leuten dafür mehr Barlohn geben. Wieviel Fleischproduktion fällt da aber aus? Allein wären das hei meiner Wirtschaft 40 Stück Schafe. Möge die Behörde wieder mehr Hütejungenerlaubnisscheine erteilen. Es hat eS dadurch der mit Kindern reich gesegnete Familienvater, der Landarbeiter, der Besitzer und der Großstädter durch mehr und billigeres Fleisch besser. Nun schreit man heute:„die Grenze auf' und sucht darin das Allheilmittel. Sind die Preise normal, höher wie früher müssen sie sein, denn die Arbeitslöhne sind höher geworden, so wird auch die Produktion zunehmen, das dauert allerdings eine längere Zeit, denn von heute bis morgen ist aus einem Ferkel keine fette Sau gemacht. Sinken aber die Preise tief, so nimmt auch die Pro- duktion ab. weil keiner Geld zusetzen will, und die Verhältnisse werden für die Dauer nicht besser. Wir agrarische Arbeitgeber und agrarische Arbeitnehmer wollen nur auf unsere Unkosten kommen, und wären beide nicht da, so müßte der Großstädter verhungern, Bielleicht sind meine Worte etwas bcachtenSIvert. Ein Landwirt. Die agrarischen Herzenswünsche dieses Landwirtes, die so weit gehen, daß die Städte sich, wie ein fremder Staat, gegen den Zuzug vom platten Lande absperren sollen, mögen auf sich beruhen. Das eine unvorsichtige Geständnis ist wertvoll, daß die Landwirte nicht genug produzieren können. Fertigstellung des Friedensvertrages. Aus Portsmouth wird' vom 4. September gemeldet: Der Friedensvertrag ist fertiggestellt und wird heute nach- mittag um 5 Uhr unterzeichnet werden. Er besteht aus 17 Ar» tikeln und einer kurzen Einleitung. Ein Auszug aus dem Friedensverträge wird telegraphisch nach Petersburg und Tokio übermittelt, während der tatsächliche Wortlaut den Regierungen in den beiden Hauptstädten erst nach Rückkehr der Friedensunter» Händler bekannt werden wird. Die Ratifikationen müssen innerhalb eines Zeitraumes von 50 Tagen ausgetauscht werden. Die japanischen Bevoll- mächtigten hoffen, Portsmouth morgen, die Russen, es am Mitt» woch verlassen zu können. Wie das„Bureau Lassan" weiter meldet, kamen die Friedensbevollmächtigten überein, daß den beiderseitigen Armeen 18 Monate Zeit zur Räumung der Mandschurei gelassen werden solle. Rußland erhalte ferner die Befugnis, 15 lXK) Mann zur Bewachung der Bahn zu halten. Eine weitere Meldung behauptet, Line witsch werde zum Gouverneur in Ostasien ernannt werden und einen großen Teil der Armee in Ostasien zurückbehalten. Danach scheint es, als ob sich die Abrüstung in nicht allzu beschleunigtem Tempo vollziehen sollte, wobei es freilich recht fraglich ist, ob Rußland die Unterhaltung einer so starken Armee in Ostasien finanziell längere Zeit durchzuführen ver- mag. Sollten sich aber auch starke Reste der beiderseitigen Heere noch geraume Zeit einander gegenüberstehen, so würde trotzdem die Gefahr eines Wiederaufflammens des Krieges in absehbarer Zeit nur eine minimale sein. Das englisch- japanische� Bündnis macht Rußland einen Angriff unmöglich. Sollte aber Rußland vielleicht beabsichtigen, sich aus dem ihm einstweilen eingeräumten nördlichen Teil nicht zurückzuziehen, so würde Japan einfach seinerseits den süd- lichen wertvolleren Teil der Provinz gleichfalls nicht heraus- geben. Die Situation wäre dann einfach die, daß Japan im Besitz all der mandschurischen Gebietsteile bliebe, die es im Laufe des Krieges okkupiert hat. Denn die Bahnlinie Charbin- Mulden soll zwar bis 240 Kilometer südlich von Mulden Ruß- land zufallen, allein diese Strecke war auch jetzt noch im Besitze Rußlands gewesen. Will sich also Rußland später nicht den Abmachungen des Friedensvertrages hinsichtlich der Rückgabe der Mandschurei an China fügen, so hat Japan jedenfalls keinen Nachteil davon. Väterchen an Linewitsch. Der Zar telegraphierte am d. Mts. an General Linewitsch: Die Verhandlungen in Portsmouth führten am IS. August zur Ablehnung der Forderungen der japanischen Regierung bezüglich der Abtretung von Sachalin, der Zahlung einer Kriegsent- sckädigung, der Auslieferung der in neutralen Häfen befindlichen Schiffe und der Beschränkung der Streitkräfte in den Gewässern des Stillen Ozeans. Bei den weiteren Veichandlungen gab Japan am 29. August gegenüber allen unseren Bedingungen nach, bat aber um die Rückgabe des von den japanischen Truppen besetzten Teil? von Sachalin, welcher 1875 von Japan durch Vertrag an Rußland abgetreten worden war. Die selb st aufopfernde mir teure Armee hat den Ansturm des an Zahl überlegenen Feindes in der Mandschurei neunzehn Monate hindurch Schritt für Schritt aufgehalten, indem sie hartnäckig seinen Bormarsch zurückwarf. Unter Ihrer Leitung hat sie sich, verstärkt durch aus Ruhland ein« getroffene Truppen, organisiert. Gegenwärtig zahlreicher und stärker denn zuvor, ist sie nicht nur bereit, den Feind abzuwehren, sondern auch ihm einen wuchtigen Schlag , beizubringen. Ich und ganz Rußland glauben an die Kraft der ruhmreichen Armee und an ihre Bereitschaft, sich für das Wohl des Vaterlandes zu opfern. Aber meine Pflicht vor meinem Ge- wissen und dem mir von Gott anvertrauten Bolke befiehlt mir, die Mannhaftigkeit der meinem Herzen teuren russischen Männer nicht aufs neue auf die Probe zu stellen und sie nicht neuen end- losen Schrecken des Krieges auszusetzen, um die Hälfte einer ent- ferntcn Insel zu behalten, welche Japan uns 1375 besonders im Hinblick auf in betreff dieser Insel übernommene Vcrpflich- tungen abtrat. Die Präliminar-FriedenSbedingungen wurden von mir angenommen. Die russischen Truppen haben wiederholt während des blutigen Kanipfes R Mannhaftigkeit und Selbstaufopfe- rung bewiesen. Uebermitteln Sie dieses meiner teueren Armee. Mag sie wissen, daß ich und Rußland ihre in diesem schweren Kriege gebrachten Opfer schätzen. Diese Zarcnkundgebung ist der G i p f e l der L ä ch e r- l i ch k e i t und Heuchelei. Geradezu grotesk ist der Satz. daß die russische Armee„hartnäckig den Vormarsch der Japaner aufgehalten" habe. Nämlich von W a f a n g 0 n an bis nahe an K i r i n hat die russische Armee die japanische s 0 e r- f 0 l g r e i ch aufgehalten, daß sie 700 Kilometer weit vorgerückt ist. Welch ein Erfolg! Welch ein„Aufhalten" des japanischen Vormarsches! Abstoßend aber berührt die abgrundtiefe Heuchelei des Schreibens. Der Zar behauptet, er habe den schließlichen Sieg Linewitsch' s über die Japaner für wahrscheinlich gehalten und nur die Rücksicht auf„sein G e- wissen" und das ihm„von Gott anvertraute Volk" habe ihn zum Friedensschluß bÄvoge». So etwas wagt ein Mann zu behaupten, der auf den mandschurischen Schlachtfeldern 300 000 seiner Soldaten töten und verstümmeln und im eigenen Lande viele Tausende niedermetzeln ließ! Politifche Ueberlicht. Berlin, den 4. September. Fleischnot und Regierungsweisheit. " dem Deck= er " Standard" über das Bündnis. nun in dem dunstigen Ererzierschuppen 20 Minuten lang ohne Baufe abwechselnd Laufschritt machen und strammen Marsch. Der Eins London, 2. September.( Bureau Laffan".) Was ge- jährige Schucht wurde dabei unwohl, aber das kümmerte den Feld winnt England durch das englisch- japanische Bündnis, und was webel nicht, er ließ drauflos ererzieren, bis der Einjährige gibt England darauf? fragt der" Standard" in einem Leit- unterkrampferscheinungen ohnmächtig zusammen Der Ausschuß der Berliner Gastwirtsvereinigungen hat den artikel. Wir verlangen nicht, daß Japan unsere Schlachten in bra! Der Ohnmächtige tam ins Lazarett. Am anderen Morgen Handelsminister Möller wie den Landwirtschaftsminister v. Pod- Indien auskämpfe. Unter solchen Bedingungen könnten wir meldeten sich zwei andere Füfiliere wegen der erlittenen Mißhandlung bielski aufgesucht, um den beiden Exzellenzen die jüngst vom unsere Stellung als eine herrschende Macht nicht behaupten. frank. Statt diese zum Arzt zu schicken, befahl der Feldwebel Deutschen Gastwirtsverband angenommene Petition zu überreichen. Es ist kein Gedanke daran, daß auf der einen Seite Japan in ihnen, sich auf die montierungsfammer zum Arbeiten Herr Möller empfing die Herren sehr freundlich, hielt ihnen einen feiner Seerüstung nachlasse, oder daß auf der anderen Seite zu begeben! Der als Sachverständiger vernommene Stabsarzt betonte, kleinen Vortrag über die Steigerung der Futterkosten infolge des England die Verpflichtung zu militärischer Bereitschaft umgeht. daß die an jenem Nachmittag im Ererzierschuppen herrschende geradezu ungewöhnliche und unerträgliche Temperatur mit ihrer Schwüle schon ungünstigen Ernteausfalls im vorigen Jahre und meinte dann, Die öffentliche Meinung beider Länder würde derartiges nicht allein hingereicht hätte, die Leute zu ermatten, geschweige denn Handwerker und Arbeiter verdienten jezt das Doppelte zulassen, und was tatsächlich erreicht wurde, ist eine sehr natür die lebung. Der Angeklagte habe die Leute über Gebühr ans des früheren Verdienste s.(!) Damit seien ihre Bedürf- liche und absolut billige Arbeitsteilung. Für uns ist es leichter gestrengt. Das letztere bekräftigte auch ein Unteroffizier, der, nach nisse gestiegen. Statt zweimal wöchentlich wollten sie jetzt fogar und bequemer, eine große Flotte zu mobilisieren, ebenso wie dem der Einjährige ohnmächtig zusammengesunken, den Eindruc täglich Fleisch essen. Der gesteigerte Konsum stehe aber in keinem das bei Japan mit der Armee der Fall ist. Demgemäß würde hatte, daß die Soldaten nicht mehr imstande waren, die Gewehr Verhältnis zur Entwickelung der Landwirtschaft. Der Minister riet unser Verbündeter von uns eine Stärkung zur See zu ergriffe ordentlich zu machen. Deshalb ließ er sie meist" rühren“! den Gastwirten, ihre sämtlichen Preise um 10 Pf. zu erhöhen. warten haben, ebenso wie wir das Recht haben sollten, auf die Der Angeklagte behauptete nun, er habe sich für berechtigt ge So billig wie in Berlin esse man nirgends in den Restaurationen. Hülfe der Truppen des Mikado zu rechnen, um dem ersten halten, das Gewicht der Sandsäcke zu erhöhen, da die Leute nicht wie beim Marschieren das volle Schanzzeug zu tragen As Obermeister Vogel( Gastwirteinnung) darauf aufmerksam Stoß eines Feindes in Asien zu begegnen. Es ist jedoch auf- hätten. Und merkwürdigerweise unterstützte diese Ansicht auch machte, daß bei ihm junge Leute und Beamte äßen, denen eine richtig zu hoffen, daß das Bündnis niemals eine praktische ber Stompagniechef des Angeklagten, Hauptmann v. d. Tannl tägliche Mehrausgabe von 10 Pf.( also monatlich drei Mark) Probe auszuhalten haben wird. Die Verteidigungskräfte, die Ja, der Hauptmann erklärte weiter, daß der Angeklagte auch das für Mittagessen schon schwer falle, bedauerte der Minister, dem Kaiser von Indien und dem Mikado zur Verfügung stehen, te cht habe, Leute, die sich leicht krant melden, ohne Befragen daß gerade die Gehälter der Kaufleute und Beamten die seien, sind zu Lande und zur See so überwältigend, daß durch das des Arztes in der Montierungskammer zu beschäftigen! Auf die seit Jahren dieselben geblieben wären. Es wäre wünschenswert, Bündnis die Gefahr einer Herausforderung eines der beiden Grund dieser Aussage ließ der Vertreter der Anklage das Delift des Ungehorsams bezüglich des Uebergewichts der Sandsäcke und der wenn wieder mehr junge Leute sich dem Handwerk zuwenden würden. Herrscher in erwünschter Weise vermindert wird. Wir möchten Krankenkommandierung fallen. Er beantragte aber vier Wochen An eine Deffnung der deutsch- österreichischen Grenzen sei jedoch nicht fast sagen, daß für die nächsten 20 bis 30 Jahre keine derartige gelinden Arrest wegen der Belastung eines Füsiliers mit zu denken, auch sei ein plöglicher Preissturz nicht wünschenswert; Gefahr besteht. Angenommen indes, die Herausforderung sei 32 Pfund Sandsäcken und weil der Feldwebel planmäßig wohl aber werde die Regierung die Ursachen der Fleischteuerung erfolgt. Es ist nicht angenehm, selbst nur theoretisch davon zu darauf ausgegangen sei, die Leute unter sprechen, aber es würde Afektiertheit sein, zu behaupten, eine mantel des Dienstes zu schinden!" Das Gericht hielt gründlich erforschen lassen. Es stellte fest, andere Macht als Rußland fönne als Feind in Betracht kommen. drei Tage gelinden Arrest für genügend! der Ohnmacht des Einjährigen Welchen Dienst würde das Bündnis uns dann leisten? Erstens daß die große Size an Der schuld war. Einjährige behauptete nämlich Selbst, könnte der Mikado binnen drei Wochen so viel japanische wäre gar nicht überanstrengt worden; nach seiner Ansicht sei der Truppen, wie wir brauchen zum aktiven Dienst oder als unfall nur eingetreten, weil er während der llebungen den Mund Reserve, nach Indien schicken, bis wir selbst unsere Vorkehrungen geschlossen gehalten habe! Diese Erklärung ist genial. mit Muße und in Ordnung getroffen haben. Doch wäre das Dann giebt es ja ein einfaches Mittel um Ohnmachtsanfälle zu vernicht die einzige Hülfe, die unser Verbündeter uns leisten meiden; man muß bei ermüdender ueberanstrengung fönnte. Er fönnte eine schnelle Diversion in Ostasien unter- nur den Mund möglichst weit aufreißen! Hätte der Feldwebel dem nehmen. Die Japaner könnten den nördlichen Teil Sachalins einen Füfilier nicht 32 Pfund Sand in den Tornister gepackt, dann überrennen, Wladiwostok angreifen und in Sibirien einfallen. wäre er freigesprochen worden, da ja die übergroße Hiße und der Diese Maßnahmen würden einen erheblichen Teil der Streit- geschlossene Mund schuld an dem Unfall war und nicht, wie der Verfräfte Rußlands ablenken, besonders da die Japaner infolge reter der Anklage annahm, das" planmäßige Schinden" der Leute durch den Feldwebel. der durch unsere Marine gesicherten Seeherrschaft so viel Truppen in russisches Gebiet hineinwerfen könnten, wie sie für Ueber den Aufstand in Deutsch- Ostafrika nötig halten. Damit wäre die Möglichkeit japanischer Hülfe- wird dem„ Tag" aus Dar es Salam vom 2. September noch leistungen für uns noch nicht erschöpft. Der schwache Punkt in gemeldet: der Verteidigung Indiens ist die Abhängigkeit, in der wir uns bezüglich schneller Truppenbeförderung vom Suezkanal be finden. Durch Zufall oder Verrat könnte der Suezkanal im fritischen Augenblick gesperrt werden, sodaß wir den Weg ums Kap der guten Hoffnung benutzen müßten. Die Nachteile dieser Verzögerung würden aufgehoben werden, wenn wir im Bedürfnisfall auf die ungehinderte Beförderung japanischer Truppen direkt zur indischen Grenze mit der Schnelligkeit wie bon England aus rechnen fönuten. Einen solchen Dienst würden wir unter gewöhnlichen Umständen von unseren Verbündeten nicht verlangen, aber die Tatsache, daß wir ihn verlangen könnten, und daß er gern geleistet werden würde, dürfte von den Feinden Englands kaum übersehen werden. Die in den vereinigten Streitkräften beider Reiche zusammengeschlossene Machtfülle muß anderen Mächten so deutlich in die Augen fallen, daß wir nicht zögern, das englisch- japanische Bündnis als eine dauernde Bürgschaft für Indien und für den Frieden in Ostasien zu erklären. Damit war Herrn Möllers Weisheit zu Ende. Noch gründlicher beschlagen über die Fleischteuerungsfrage zeigte sich in seiner Eigenschaft als Landwirtschaftsminister und GroßSchweinezüchter Herr v. Podbielski. Er leugnete wieder nach altem Rezept das Vorhandensein einer Fleischnot. Aus den Berichten sechs großer Städte habe er ersehen, daß von 1902 bis Juli 1905 der Auftrieb des Marktes und die Zahl des geschlachteten Viehes sich fast gleich geblieben seien. Es differiere höchstens um ein Prozent. Die Grenzen nach Desterreich könne man nicht öffnen. Dort sei dieselbe Fleischteuerung und in Ungarn feien zudem 2000 Ge Höfte als verseucht gesperrt. In Rußland herrsche selbst die größte Hungersnot. Von dort sei also kein Vieh zu haben. Die dänische Grenze endlich sei ja für geschlachtetes Vieh offen. Wenn der Antrieb auf den Schlachthöfen und Viehmärkten nur um 10 Broz. weniger betrüge als in anderen Jahren, würde er alles tun, was nötig sei. Bei einer Schwankung von 1 Prozent sei das nicht erforderlich. Die Landwirte läsen die Fleischerzeitungen, und wenn sie von hohen Preisen hörten, gingen sie dem nach und forderten mehr von den Händlern. Das sei den Landwirten nicht zu verdenken. Auch seien sie bei dieser Jahreszeit mit den Schweinen zurückhaltender. Sie verkauften weniger Ferkel, suchten diese vielmehr möglichst fett zu machen. Endlich wies der Minister die Deputation noch auf den 1. März 1906 hin. Mit der Einführung des 8olltarifes würde alles noch um etwas teuerer werden, also sei das jeßige Geschrei ganz un nötig. Der Hinweis auf die Einführung des neuen Zolltarifes im nächsten Jahre und dessen den Fleischpreis erhöhende Wirkung ist recht ungeschickt, haben doch der Minister und seine Autoritäten während der Zolldebatten im Reichstage immer behauptet, daß der Boll die Preise nicht erhöhe, sondern vom Auslande getragen werde. Wie es scheint, betrachtet er die jetzigen hohen Fleischpreise bereits als Borstadium der nach dem Inkrafttreten der Handelsverträge beginnenden Verteuerung des Lebensunterhalts. Und da nun im nächsten Jahre ohnehin die Preise steigen würden, so hat es keine sonderliche Bedeutung, wenn sie schon jetzt in die Höhe gehen etwas früher oder später, ist ja schließlich nebensächlich. Ein recht charakteristisches Beispiel agrarischer Logik. Deutfches Reich. Neue Bülow- Ehrung. " Der Aufstand im Lindibezirk hat sich weiter ber breitet. Die Rebellen überfielen die Missionen ukuledi und Massassi. Sämtliche Europäer von dort find in Mikindani angelangt. Aufständische bei Nyangao überfielen die dortige Mission; die Schwester Walburga wird vermißt, die anderen Weißen sind gerettet. Die nächste Umgebung Kil was ist vom Feinde verlassen. Südlich seis were schlug der den Deutschen treugebliebene Jumbe( Dorfhäuptling) Hassan Duka aufständische Was gindo, welche 15 Tote zurückließen. Der südliche Teil des Mrogorobezirks ist auch vom Aufstand ergriffen. Zu beiden Seiten des Ruaha sind alle Fremden überfallen, viele ermordet Die Verbindung mit Mahenge ist noch nicht worden. wieder hergestellt. Eine fernere Meldung des Blattes, das wieder einmal rascher berichtet, als der offiziöse Telegraph, besagt: Dar es Salam, 4. September. Oberleutnant von der Mar wiß von der oftafrikanischen Schutztruppe schlug die Rebellen im Hinterland von Kilwa gründlich. Der Feind hatte 40 Tote sowie zahlreiche Verwundete.-Barou Karl v. Binder- Krieglstein, der als Kriegsberichterstatter während des russisch- japanischen Krieges öfter genannt wurde, ist in Charbin bei der Reinigung eines Gewehres verunglückt und geFürst Bülows Ruhm mehrt sich von Tag zu Tag. Nun soll storben. Der Verstorbene war erst österreichischer, dann preußischer eine frisch gezüchtete Weizenſpecies als Fürst Bülow- Offizier, um sich seit zwei Jahren ganz der Militärschriftstellerei zu Weizen" die Erhabenheit des Bismarck- Tabats und der Bismarck- widmen. Binder- Krieglstein wurde wegen seiner Kriegsberichte vom Vorwärts" mehrfach zitiert. Einmal, als Generationen zutragen, die mit Bülow- Weizen den Magen füllen. er Ein Landesökonomierat Cimbat in grömsdorf hat den neuen welt- Mandschurei von der russischen Zensur nicht durchgelassen wurden, beglückenden Weizen gezüchtet und durch die Patenschaft Bülows trotzdem sie vorsichtshalber im schmutzigsten Russenstil" abgefaßt die Trefflichkeit seiner Züchtung erwiesen. seien. Ein andermal, als er auf den Massenmord so begeisterte Dithyramben anstimmte, daß man einen Anfall von Kriegs- Tropenfoller annehmen mußte. " Heringe überragen und den Namen des großen Mannes fernen auch darüber flagte, daß seine Kriegsberichte aus der Fürst Bülow zeigt sich der neuen agrarischen Ehrung mehr noch wert als einst Bismarck der Herings- und Tabatswürde. Da ihn die Kunde des frohen Ereignisses in Norderney ereilte, erstrahlte er freudig und entsandte das in der Geschichte großer Staatsmänner denkwürdige Schreiben: Norderney, den 28. August 1905. Bülow. Ausland. Die Zivilisatoren am Kongo. Die Erneuerung des englisch- japanischen Bündnisses. London, 2. September.( Eig. Ber.) Gleichzeitig mit Der Nachricht über den Abschluß der Friedenspräliminarien in Portsmouth teilten einige englische Blätter mit, daß England und Japan ihren im Januar 1902 abgeschlossenen Vertrag erneuert und erweitert haben. Die Erneuerung war schon am 12. August zustande gekommen und ist vorläufig nur in ihren wesentlichsten Zügen bekannt. Der ursprüngliche Vertrag bezog sich auf Ostasien. Der neue Vertrag ist auch auf Mittelasien ausgedehnt worden. Der Antrag auf Ausdehnung des Vertrages kam von der japanischen Regierung, die wohl einsieht, daß der ursprüngliche Vertrag einseitig zu ihrem Nutzen gewirkt haf. Denn nur dieser Vertrag hat es ihr ermöglicht, Euer Hochwohlgeboren danke ich verbindlich für die freund- Die englische Kongokommission hatte bekanntlich an Ork lichen Zeilen vom 22. d. M. Gern habe ich meine Zustimmung und Stelle Untersuchungen geführt über die am Kongo be ruhig in den Krieg gegen Rußland zu gehen und in den undazu gegeben, daß sie dem in ernster Arbeit von Ihnen neu gegangenen Grausamkeiten gegenüber der Negerbevölkerung. Die gestörten Genuß der gewonnenen Früchte zu gelangen. Dazüchteten Weizen meinen Namen geben. Die Anerkennung, welche gegen hat derselbe Vertrag den Haß der russischen Politiker meine Bemühungen für die Landwirtschaft dadurch gefunden haben, Ergebnisse der Untersuchung sind, in einer Broschüre zusammengegen England noch verstärkt. Eine weitere Folge dieses daß mein Name mit einer Ihrer ehrenvoll bekannten Züchtungen gefaßt, veröffentlicht worden. Einer der Hauptzeugen war der Krieges kann darin bestehen, daß Rußland in seinem Suchen verknüpft worden ist, hat mir eine besondere Freude Engländer Harris, der erst dieser Tage vom Kongo zurücknach einem freien Zugang zum Weltmeer sich dem Persischen bereitet. In vorzüglicher Hochachtung Euer Hochwohlgeboren gekehrt ist und nach dessen Aussage die Verhältnisse auch jetzt Meerbusen zuwenden wird. Im Mai 1903 hat aber die engaufrichtig ergebener noch ganz die gleichen sind. Nach den Feststellungen der Unterlische Regierung durch Lord Lansdowne erklären lassen, daß Früher hielten verständnislose Leute den Kaiser Wilhelm- Schnaps suchungskommission, die von vielen Zeugen gestützt sind, sind sie dort eine Störung des status quo nicht dulden könnte. und den Bismarck- Bückling für Erzeugnisse widerwärtigen Un- die Grausamkeiten gegen die Eingeborenen mit Wissen und im Dann fürchtet England, daß die russische Regierung gegen konnten. Der neben anderen bedeutenden Fähigkeiten sich besonders Die Hauptträger der Handelsgesellschaft von Abir sind verfippt geschmackes und die also Geehrten duldeten, was sie nicht hindern Einverständnis mit der Regierung des Kongostaates geschehen. Afghanistan vorgehen könnte, um sich an England wegen dessen verfeinerten Empfindens in Fragen des zivilisierten Geschmades er Verbindung mit Japan zu rächen. Denn es ist sicher, daß freuende Fürst Bülow hat jene Berständnislosigkeit endlich beseitigt. und verschwägert mit den jezigen und ehemaligen Leitern der Japan nicht in den Krieg gegangen wäre, wenn es nicht auf Er befundet aller Welt seine besondere Freude am" Fürst Bülow- Kongoregierung; die Regierung selbst hat die Hälfte der Aktien englischen Beistand beim Friedensabschluß hätte rechnen können. Weizen". So wissen denn die Zahllosen, welche Herrn Bülow be der genannten Gesellschaft im Besitz. Im Aufsichtsrat der GeIn Japan ist die Dankbarkeit gegen England sehr groß und sondere Freude bereiten wollen, wie sie es anfangen müssen: Fürst sellschaft sitzen u. a. als Präsident der Senator Van den Nest man will diesem Gefühle durch Taten Ausdruck geben. Die Bülow- Seife, Fürst Bülow- Stiefelwichse, Fürst Bülow- Dünger... und als Aufsichtsräte der Graf Ultremont, Großmarschall am japanische Regierung hat sich deshalb bereit erklärt, England Herrliche Perspektiven eröffnen sich dem großen Deutschen Reich und Hof von Brüssel, der Baron Dhanis, früherer GeneralGouverneur des Kongostaates und Van Eetvelde, der Sekretär militärischen Beistand zu leisten, wenn es in Mittelasien an- unendliche Freuden seinem großen Kanzler! des Kongostaates. Seit Jahren hat die Kongoregierung gegriffen werden sollte. Der Vertrag wurde auch demgemäß Englisch- deutsche Höflichkeiten. Zivile und bürgerliche Behörden erweitert. Beide Mächte verpflichten sich, den status quo von Danzig haben mit den Offizieren des englischen Geschwaders Kenntnis von den Verträgen, durch welche die Eingeborenen in Asien zu wahren. Wird eine der Vertragsmächte an- Toaste getauscht, in denen es überschwänglich von gemeinsamer gezwungen werden, bestimmte Quantitäten Kautschuk abzugegriffen, so haben sie sich gegenseitig Hülfe zu leisten: England Kulturarbeit und freundschaftlichen Empfindungen erklang. Die über- liefern bei Strafe der Einsperrung von Geiseln. Die Regierung mit seiner Flotte, Japan mit einem Zeile seiner Armee. Ein mäßig aufgetragenen Höflichkeitsbezeugungen vermögen erst recht nicht weiß auch ganz genau, welch ungeheure Mengen Kautschuk ausAngriff Rußlands auf Indien würde demnach Japan ver- die Ueberzeugung zu erwecken, als herrsche echtes gegenseitiges Ver- geführt worden sind, sie weiß auch, daß die Wächter und Aufpflichten, einen Teil seiner Armee an der Seite Kitcheners trauen. Die Komplimente tönen erzwungen und hinter ihnen lauert seher der Handelsgesellschaft bewaffnet sind und in welcher Art tämpfen zu lassen. Für Japan ist das Bündnis sehr wertvoll; der Verdacht. Wirkliches Vertrauen wird zwischen den Nationen diese von ihren Waffen Gebrauch gemacht haben. nicht durch frostige Höflichkeiten hergestellt, deren Bedeutung und Herr Harris hat als Zeuge noch folgende Einzelheiten es wird ihm ermöglichen, sich von der finanziellen Erschöpfung Bedeutungslosigkeit die rastlose militärische Wettrüstung beweist. befundet: Wenn die Eingeborenen nicht genügend Kautschuk zu erholen und Korea und die Mandschurei wirtschaftlich zu erschließen. Für die politische Zukunft Asiens kann es eine Bebrachten, erhielten sie von den Aufsehern der Gesellschaft bis zu deutung haben, deren Tragweite sich noch gar nicht voraussehen Vor dem Kriegsgericht der 19. Division zu Hannover Hatte 100 Peitschenhiebe; in einem Falle ist ein ganzes Dorf nieder. läßt. Unbewußt und widerwillig arbeitet England an der sich der Feldwebel Paul von der achten Kompagnie des Infanterie- gebrannt, Männer, Frauen und Kinder zum Teil getötet oder Wiedergeburt Asiens, an der Erweckung seines Selbst- Regiments Nr. 78 zu verantworten. Er war angeklagt wegen Angefangen genommen und zur Arbeit gezwungen. Die Agenten bewußtseins. maßung von Strafbefugnissen, Ungehorsam und vorschriftswidriger der Gesellschaft, die Aufseher und die Wächter führen ein despo Das neue Bündnis kann aber auch dazu führen, daß Behandlung Untergebener. Der Sachverhalt war der: Am 25. Juli tisches Regiment; jeder diftiert auf eigene Faust Strafen und Rußland sich wieder der alten orientalischen Frage zuwendet, hatte Oberleutnant Heise als Vertreter des Kompagniechefs an- sucht sich zu bereichern. In einzelnen Fällen legten die Agenten um die Dardanellen in seine Gewalt zu erhalten. Ein solcher geordnet, daß eine Abteilung nachegerzieren sollte, jeder Mann be- den Eingeborenen außerordentliche Steuern auf oder zwangen schwert mit Sandsäcken bis zu 10 Pfund, für einen Einjährigen Gedanke dürfte in England und Frankreich kaum auf Wider- waren nur 8 Pfund angeordnet. Diesen Befehl hatte der Angeklagte sie, Lebensmittel abzuliefern. Die Angestellten der Handels stand stoßen. Freilich wäre eine solche russische Politif ein eigenmächtig geändert und alle Tornister mit 16 Pfund gesellschaft führen alle ein lururiöses Reben, verlangen nicht harter Schlag gegen Deutschland, das sich in Konstantinopel eine beschweren lassen; ja ein Füfilier bekam sogar 32 Pfund bloß, daß die Eingeborenen sie erhalten, sondern fordern auch vorherrschende Stellung errungen hat. den Tornister, und zwar als Strafe, deren Frauen und Töchter zur Verfügung. Die Frau Boaji weil er nicht ganz 16 Pfund eingepackt hatte! Die Leute mußten wurde verstümmelt, weil sie sich den Rüsten eines Wächters nicht Sand in Kasernenbild. hingeben, sondern ihrem Manne freu bleiben wollte. Die Missionäre feien außerstande, sofern sie es wollten, den Eingeborenen zu helfen; auch sie stünden unter der Tyrannei der Gesellschaft. Auch Harris und seine Frau haben, wie er erBählt, ihr Leben riskiert, als sie gegen die Brutalitäten Van Caelfens opponierten. Bon den Wahlen zur Zweiten Kammer haben bisher 29 stattgefunden, wovon gestern 21. Von den bis jetzt abgehaltenen Wahlen waren 21 Wiederwahlen. Die Neuwahlen brachten der Rechten und Sige geschäzt wird. Die Sozialdemokraten gewannen damit der proportionalen Wahlmethode einen Verlust, der auf 3-5 einen Siz in Helsingborg. Unter den Wiedergewählten befindet sich der neue Landwirtschaftsminister Peterson. Die Wahlbeteiligung war bisher sehr lebhaft. Afrika. Ein Marokkanische Zustände. Aus Tanger wird vom 4. September gemeldet: Heute morgen brach auf dem Markte von Tanger unter Mann wurde dabei getötet. In der Stadt herrscht starke Panit, alle den Leuten vom Stamme Beni Mesmad eine Schlägerei aus. Läden sind geschlossen worden. Die Leute Raisulis benutzten die Unruhen, um eine Anzahl Leute vom Angerastamm zu verhaften. In einem Streite erschlugen am Sonnabend zwei Araber einen französischen Juden. Immer noch Waffenbrüderschaft! Einer Petersburger Meldung zufolge ließ Wilhelm II. dem dortigen Leibgarderegiment, dessen Chef er ist, anläßlich des Regimentsfestes auf ein Begrüßungstelegramm die folgende Drahtantwort zugehen: " Ich danke aufrichtig für den Gruß, der mir vom Regimentstommandeur General v. Becker übermittelt wurde, und erwidere denselben von ganzem Herzen. Meine wärmsten Glückwünsche geleiten das Regiment in diesen schweren Tagen. Mögen in demselben nach wie vor seine Traditionen und der Geist fortleben, welche einst unsere alte Waffenbrüderschaft schufen, deren höchster Ausdruck in grenzenloser Ergebenheit für den Zaren auf Tod und Leben besteht. Ein Hurra" dem ruhmvollen Regiment! Wilhelm I. R." Vor der Kommission erschienen 16 Zeugen aus Esanga. Sie gaben flare und ausführliche Details über die Ermordung ihrer Väter, Mütter, Brüder, Söhne und Töchter, die alle mit faltem Blute getötet worden waren, immer nur, weil sie den Angestellten der Gesellschaft zu wenig Kautschuk geliefert hatten. Auch der Häuptling von Bolima erschien vor der Kommission. Er deutet mit dem Finger auf 20 Zeugen, die er mitgebracht hatte und legte auf der Tafel 110 Reiser nieder, von denen jedes einzelne ein dem Kautschuk geopfertes Leben bedeutete. Es waren große und kleine Reiser; die größten bedeuteten die getöteten Häuptlinge und Männer, die kleineren die Frauen und die kleinsten die Kinder. Ein anderer Häuptling legte 18, Maroffo habe den Befehl erhalten, zugleich mit dem französischen In Paris wird versichert, der englische Gesandte in ein zweiter 34 folcher Reiser nieder. Selbst Kannibalismus Fez zu verlassen, wenn der Sultan die Forderungen des wird den entmenschten Kulturträgern zum Vorwurf gemacht; französischen Ultimatums, nämlich Geldbuße, Bestrafung des die unter dem Kommando des Leutnant Forci stehenden schuldigen Kaids und öffentliche Entschuldigung, nicht erfüllt. Das Kämpfer sollen Getötete verzehrt haben. Beschwerden und An- französische Ultimatum an den Sultan von Marokko läuft am klagen bei den Behörden des Kongostaates sind den Ein- Dienstag ab. geborenen fast zur Unmöglichkeit gemacht. Um zu den Beamten zu gelangen, müssen sie Erlaubnisscheine von der Gesellschaft haben( selbst wenn sie in ein anderes Dorf gehen, müssen sie solche haben), und im übrigen ist es die Gesellschaft, welche die Herrschaft im Staate hat. Harris, ein englischer Geistlicher, ist, wie schon oben bemerkt, erst in diesen Tagen in London eingetroffen. Er hat einem Journalisten gegenüber versichert, daß die Zustände auch jetzt noch genau dieselben seien; noch furze Zeit vor seiner Abreise seien 15 Eingeborene in einem Dorfe seines Distrikts getötet worden, weil sie zu wenig Rautschut geliefert hatten. Dabei wird von der Gesellschaft ein Raubsystem betrieben, daß bald die Gewinnung von Kautschuk ganz aufhören wird; die Eingeborenen könnten schon jetzt beim besten Willen und allem Fleiß Kautschuk nur noch in ganz geringen Quantitäten liefern und es werde nichts getan, um den Boden weiter ertragsfähig zu erhalten. Wie man den Boden durch Raubwirtschaft aussaugt, so hat man auch die Eingeborenen ausgeplündert und bestohlen, sodaß die ehemals wohlhabenden Leute dem Hunger preisgegeben sind. Das sind die Errungenschaften der europäischen Kulturträger, die im Namen des Christentums nach Afrika gehen, um die sollen um ein Jahr hinausgeschoben werden. Das Ende der " Heiden" zu ihrer Religion zu befehren. Wie können die Schwarzen Neigung haben, eine solche Religion anzunehmen, deren Vertreter sie in so unmenschlicher Weise behandeln, welche die scheußlichsten Grausamkeiten begehen, um sich zu bereichern. Welch ungeheurer Haß muß bei den Eingeborenen aufgehäuft werden gegen die fremden Eindringlinge, die in ihr an gestammtes Vaterland kommen, ihnen Land, Vieh und alles abgenommen, was sie hatten, die sie, ehemals frei, zu Sklavenarbeit zwingen, ihre Frauen und Töchter schänden und mit faltem Blute töten, wenn die Sklaven ihnen nicht genügend Beute bringen. Ist es nicht geradezu verwunderlich und ein Beichen von der Geduld und Fügsamkeit der Schwarzen, wenn nicht viel häufiger von einem Racheaft, ausgeführt an einzelnen Weißen, berichtet werden kann? Und feine der europäischen Nationen hat in diesem Punkte der anderen etwas borzuwerfen. Haben die Belgier ihren Van Caelcken und Forci, die Franzosen ihren Geud, Toque und andere, die Engländer ihre zahlreichen Beiniger des indischen Volfes, so haben wir unsere Leist, Wehlan, unseren Hänge- Peters, Arenberg und noch manche andere Kolonialhelden, die sich mit ihren Taten würdig den oben bezeichneten an die Seite stellen können. England. Seit den Friedensverhandlungen mehren sich die Sympathiefundgebungen in auffälliger Weise. Posse! * Die Dumawahlen Die Verfassung" lebt * nieder mit der Freiheit! Moskan, 4. September. Gestern fand in der Wohnung des Semstwomitgliedes Bajenoff eine Ausschußßitung der Vertreter der städtischen Semstwos statt. Als die Sigung begonnen hatte, traten Polizisten mit einem Befehl des Generalgouverneurs von Moskan ein, um die Versammlung zu schließen. Als die Versammelten sich weigerten, diesem Befehl Folge zu leisten, trotzdem die Polizisten mit der Anwendung von Gewaltmaßregeln drohten, wurde zum Schluß die Erlaubnis zur Fortsekung der Versammlung unter der Bedingung erteilt, daß die Polizei ihr beiwohnen könnte. 11 * * Ein neuer Massenstreik. Forderung in großer Anzahl und zu gleicher Zeit aus, mm einen Druck auf den Arbeitgeber auszuüben, so ist auch dies Vergehen als Streit anzusehen und entsprechend Abschnitt 4 der Sagungen zu verfahren. 6. Das unberechtigte Verlangen der Arbeiter, daß Kollegen, Meister oder sonstige Beamte aus dem Betriebe scheiden, ist abzuweisen. u It= 7. Das Verlangen der Arbeiter nach Aushängen von Akkordlisten und nach Mitwirken von beteiligten Arbeitern beim Festseßen von Akkord= fäßen ist abzulehnen. Diese Instruktionen müssen den Mitgliedern als Richt. schnur dienen, und ersuchen wir dringend, bei Differenzen und Streits genau Abschnitt 4,§ 16 ff., der Saßungen, die wir hier nochmals beilegen, zu verfahren. Ferner schließen wir noch die Bitte an, sämtlichen vom Ver bande zugesandten Rundschreiben und Drucksachen sorgfältige Beachtung zu schenken und dieselben aufzubewahren. Verband der Metallindustriellen Badens der Pfalz und angrenzender Industriebezirke. Der Vorstand. Blümde. Jeden sozialen Fortschritt sucht man so einseitig im Unternehmer- Interesse zu unterbinden. Forderungen, wie die Verfürzung der Arbeitszeit, ein Minimallohn usw., über deren Notwendigkeit man sich in allen außerhalb des Unternehmertums stehenden und von diesen nicht ausgehaltenen Kreisen einig ist, werden rundweg abgelehnt. Das Koalitionsrecht macht man den Arbeitern zunichte, indem man sich weigert, deren gewählte Vertreter anzuerkennen, und wenn die Arbeiter unter Wahrung der gesetzlichen Kündigungsfrist in größerer Zahl einen Betrieb verlassen wollen, übt man gegen sie all die zahlreichen Repressalien, welche dem Unternehmertum infolge seiner wirtschaftlichen Uebermacht gegen den einzelnen Arbeiter möglich sind. Aber man begnügt sich nicht damit. In einem Aufruf, der die Bildung einer gemeinsamen Unternehmer- Organisation fordert, heißt es: Es handelt sich dabei um eine lokale Vereinigung der gesamten Arbeiterschaft( Industrie, Handel und Gewerbe) des Industriebezirks Mannheim- Ludwigshafen. Diese Vereinigung soll eine wertvolle Ergänzung bilden zu den bereits bestehenden Arbeitgeberverbänden( Fachvereinen). Sie soll ausschließlich abwehrend wirken gegen über ein vernünftiges Ziel hinausgehendes Verlangen der A r= beiterorganisationen und sie sollen ferner zum Ziel haben, die Interessen der Arbeitgeber durch die Wahl einer möglichst großen Anzahl geeigneter Vertreter in die städtischen Kollegien besser vertreten zu sehen, als dies bisher der Fall war. Endlich ist die Schaffung eines Arbeitgebersekretariats geplant. Das Unternehmertum führt also seinen Kampf nicht nur den Reichs-, Staats- und Gemeinde- Parlamenten. Das ist ein auf wirtschaftlichem, sondern auch auf politischem Boden, in deutlicher Fingerzeig für die Arbeiterschaft, daß auch sie sich in Angriff und Abwehr gegen das übermächtige Rapital unter feinen Umständen auch nur vorwiegend auf dem einen oder anderen Felde allein betätigen darf. Der Kampf muß auf politischem und ökonomischem Boden mit gleicher Schärfe geführt werden! Berlin und amgegend. Die bei der Firma Lugino u. Co. beschäftigten Putzer und Buzzerträger waren am Montag im Gewerkschaftshause versammelt. Fritsch führte den zahlreich erschienenen Kollegen nochmals die Gründe vor Augen, welche die Veranlassung zur Aufstellung der in Die Voss. 3tg." berichtet: der Versammlung vom 30. August d. J. gestellten Forderungen ge Der Gesamtverband der Berufsverbände der Aerzte, geben haben. Gleichzeitig gab er den Anwesenden die Antwort der Juristen, Ingenieure usw.( der ,, sojus sojusow"), hat die ein- Firma auf diese Forderungen bekannt. In einer sehr ausgedehnten zelnen Verbände mit der Aufgabe der praktischen Durchführung Diskussion wurden nochmals die bei der Firma herrschenden Zueines allgemeinen Aufstandes betraut. Dieser Schritt ist eine stände einer scharfen Kritik unterzogen. Da die Antwort der Firma Folge davon, daß die Regierung es nicht der Mühe wert erachtet in feinem Falle die Kollegen befriedigt hat, die Firma es sogar abhat, sich über die Resolutionen der Petersburger und der Mos- lehnt, auf die ihr unterbreiteten Forderungen einzugehen, beschloß onbon, 2. September. Am 4. September beginnt in Hanley fauer Stadtduma zu äußern, in denen die Gewährung all- die Versammlung, die Arbeit bei der Firma so lange ruhen zu die Tagung des 38. Gewerkschaftskongresses. Die Zahl der einlassen, bis die Forderungen vollinhaltlich bewilligt find. gelaufenen Anträge und Busazanträge ist ungefähr hundert. Sie be- gemeiner bürgerlicher Rechte verlangt wurde. Am 27. v. Mts. Die Forderungen find: Handeln Arbeiterschutz, Gewerkschaftsrecht, innere Organisationsfragen, fand eine Konferenz sämtlicher demokratischer Gruppen Geschäftsordnung und Schulwesen. Eine der wichtigsten Fragen statt, die die Forderungen der genannten beiden Stadtist die Zusammenfassung der verschiedenen politischen und wirtschaft- vertretungen wiederholte und den Beschluß faßte, bis zum lichen Arbeiterorganisationen. Die britische Arbeiterschaft hat jezt 2. September auf eine Antwort der Regierung in Angelegenheit drei Hauptorganisationen: der Wort-, Preß- und Versammlungsfreiheit und der Un" Der Trades- Unions- Kongreß. 1. ben Stongreß der Gewerkschaften, deffen Organ das Parla- antastbarkeit der Person zu warten; sollte bis dahin eine entmentarische Komitee ist und die Aufgabe hat, den Kongreß zu sprechende Regierungserklärung nicht erfolgen, so war ein organisieren und die von ihm angenommenen Beschlüsse zu ver- Anschluß der demokratischen Gruppen an die sozialistischen wirklichen; 2. die General- Föderation der Trades- Unions, die mur ein einheitliches Busammenwirken der Gewerkschaften erzielen will; Arbeiter zum Zwecke eines gemeinsamen Vorgehens in 3. das Labour Representation Committee, das eine politische Arbeiter Aussicht genommen. Man hat nicht erfahren, wie partei ist. Diese Organisationen arbeiten jede für sich, halten ihre Kongresse die Beratungen ausgefallen sind, die auf Grund jenes Bebesonders ab, haben ihre besonderen Beamten und Bureaus. schlusses zwischen dem von der Demokraten- Konferenz einUnd dennoch haben diese Organisationen dieselben Mit gesetzten Ausschusse und den Sozialdemokraten der verschiedenen 1. Vom Montag, den 4. September 1905, ab wird die Akkordarbeit bei der Firma eingestellt und an deren Stelle die Lohnarbeit eingeführt. Die angefangene Affordarbeit wird aufgemessen und der etwa erzielte Ueberschuß am Sonnabend, den 9. September, ausgezahlt. 2. Die Arbeitszeit beträgt von jetzt ab für sämtliche Buzzer und Träger 81 Stunden pro Tag mit den üblichen Abänderungen bei der kürzeren Tageszeit. 3. Der Stundenlohn beträgt für sämtliche Buzzer 95 Pf. und für die Buzzerträger 75 Pf. 4. Im übrigen sollen die Bestimmungen, die im neuen Vertrage für 1905/06 mit dem„ Berliner Betonverein" etwa vereinbart werden, auch für die Firma Lugino u. Co. Gültigkeit haben. glieder. Es liegen nun drei Anträge vor, die drei Organi Nationalitäten geführt wurden, da aber der Gesamtverband die Arbeit nur dann wieder aufgenommen, wenn die Forderungen Die Firma ist demnach bis auf weiteres gesperrt und wird fationen zu verschmelzen. Werden die Anträge angenommen, so der Berufsvereine jetzt einen allgemeinen Ausstand ins Leben bewilligt find und die Beteiligten die Aufhebung der Sperre be tönnten zwar die Trades- Unions einen ausgesprochenen politischen Charakter erhalten, aber die politische Arbeiterpartei würde eine zu rufen bersucht, so ist anzunehmen, daß eine Einigung erzielt schlossen haben. Gewerkschaftspartei werden, die politisch im Parlamente mit wurde, die darauf ausgeht, daß die Arbeiter und die bürgerden Liberalen zusammenarbeiten würde. Mehrere Anträge be- lichen Berufe zu gleicher Zeit alle Tätigkeit einstellen. Gelingt schäftigen sich mit der bereits dreimal bom Parlament es, diese Absicht durchzuführen, so würde man den gewaltigsten berworfenen Gewerkschaftsvorlage. Sie verlangen die Wieder- Ausstand vor sich haben, den die Welt je gesehen hat. Der Auseinbringung der Bill. Dann kommen Anträge über Ausdehnung stand, der jetzt beabsichtigt wird, wäre rein politisch. und Verbesserung der Arbeiterschutzgeseze, über die Einführung des Achtstundentages, über die Festsetzung von Mindestlöhnen in Staatswerkstätten, über Alterspensionen 2c. Erwähnenswert ist folgender Zusagantrag zur Geschäftsordnung:„ Kein Delegierter darf den Kongreß ohne die Einwilligung des zweiten Vorsigenden verlaffen. Delegierte, die ohne die Einwilligung des Vorsitzenden während einer ganzen Sigung abwesend sind, sollen vom Vorsitzenden öffentlich getadelt werden." Der Kongreß dauert sechs Tage. Spanien. Ein Bombenattentat ist in Barcelona am Sonntagnachmittag berübt worden. Nach den ersten Meldungen famen 20 Personen zu Schaden; eine Frau ist bereits gestorben, eine andere liegt im Sterben; 10 Personen sind schwer verlegt. Die Bombe wurde au dem Fuße eines Baumes niedergelegt; der Täter wurde nicht verlegt. In der Umgebung wurden sämtliche Fenster der Häuser zersplittert. Die Bombe war mit Nägeln und Eisenstücken geladen. Der Knall wurde bis in die äußeren Stadtteile vernommen. Nach den letzten Zeitungsmeldungen sind durch die am Sonntag geschleuderte Bombe mehr als 60 Personen verwundet worden, von denen die meisten schwer verletzt sind. Zwei Frauen wurden getötet. Nach den von der Polizei vorgenommenen Ermittelungen war die Höllenmaschine in einem Gipswürfel eingeschlossen. Die Nachforschungen sind bisher ohne Ergebnis geblieben.Schweden. Sozialdemokratischer Wahlfieg. Die Wahlen zur Zweiten Kammer des schwedischen Reichstags, die am 1. September be= gonnen haben und während des ganzen Monats dauern, haben bereits am Sonnabend zu einem Wahlsieg für die Sozialdemokratie geführt, indem in Helsingborg unser Parteigenosse Christierns on mit 1086 Stimmen gewählt wurde. Ihm standen im Wahlkampfe zwei bürgerliche Kandidaten gegenüber, von denen der eine 1057 Stimmen, der andere, Direktor Traneg, der bisherige Vertreter des Kreises, nur 412 Stimmen erhielt. Gewerkschaftliches. Lernt von den Scharfmachern! " Der Mannheimer Volksstimme" sind einige Scharf macher- Zirkulare„ auf den Redaktionstisch geflattert". Dem, der die Verhältnisse kennt, bieten sie eigentlich nichts Neues; sie bestätigen nur, daß das Privatkapital eines der schlimmsten Kulturhemmnisse für die Menschheit geworden ist. Dennoch muß man diese und ähnliche Erscheinungen immer wieder vorführen, damit ihre Bewertung sich fest einprägt in das Bewußtsein des Proletariats. Eines der Zirkulare lautet: Verband der Metallindustriellen Badens, der Pfalz und angrenzender Industriebezirke. Mannheim, Mai 1905. An unsere Mitglieder! Da in lezter Zeit Fälle vorgekommen sind, wo Mitglieder bei Differenzen mit ihren Arbeitern nicht nach den Sabungen des Verbandes und nach den erteilten Instruktionen gehandelt haben, so sehen wir uns veranlaßt, die im Geschäftsberichte für das Jahr 1900 gegebenen Instruktionen hiermit wieder in Erinnerung zu bringen. Dieselben lauten fünftighin: 1. Eine Verminderung der zehnstündigen Arbeitszeit darf auf Drängen der Arbeiter hin nicht zugestanden werden. 2. Der 1. Mai ist unter feinen Umständen als Arbeiterfeiertag anzuerkennen. 3. Ein Minimallohn darf nicht zugestanden werden. 4. In Fabriken, in welchen Kündigungsfristen eingeführt sind, müssen solche eingehalten werden. Der Streit der Kürschner ist gestern vormittag von der Versammlung der Streitenden für beendet erklärt worden, nachdem der Arbeitgeber- Verband sich schließlich doch noch zu mündlicher VerHandlung und zum Abschluß eines Vertrages bereit erklärte, der annehmbare Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsverhältnisse enthält. Ueber die Arbeitszeit bestimmt der neue Vertrag, daß sie neun Stunden täglich betragen soll; Sonnabend und an den Tagen vor den hohen Festen soll jedoch 2 Stunde früher Feierabend gemacht werden, so daß also die Normalwoche 532 Stunden beträgt. Der Minimallohn ist für Gefellen auf 27 M., für Stepperinnen auf 18 M. und für Mamsells auf 15 M. festgesetzt. Ueberstunden, die nur in dringenden Fällen gemacht werden dürfen, werden mit 331, soweit fie über 3 Stunden betragen mit 66%, Proz. Aufschlag bezahlt und bei Akkordarbeit mit mindestens 25 Pf. für Gesellen und mit 15 Pf. für Arbeiterinnen. Wichtig ist auch die Bestimmung, daß Hausarbeit zu übernehmen niemand gezwungen werden, und an Tagen, wo Ueberstunden ge= macht wurden, überhaupt Hausarbeit weder übernommen noch aus gegeben werden darf. Der Vertrag gilt bis zum 1. Juli 1908 und tritt sofort in Kraft. Durch einstimmige Annahme einer Refolution erklärten sich die Streifenden mit dem Vertrage einverstanden. Des weiteren erklärte die Versammlung alle die Werk stellen für gesperrt, welche dem Arbeitgeberverbande nicht angehören und die Forderungen nicht unterschriftlich anerkannt haben. Die Versammelten verpflichten sich, vorläufig keine Ueberstunden. zu machen und hauptsächlich auf Erhöhung des Lohnes zu bringen; sollen später Ueberstunden gemacht werden, so nur unter der Bedingung, daß die Pausen bezahlt werden. Endlich erklärten die Versammelten, soweit sie nicht an ihre alten Pläge zurückkehren, nur durch die Arbeitsnachweise der Drganisationen Arbeit zu entnehmen, und werden alle, bis sie Arbeit haben, weiter unterstützt. Achtung, Portefeuiller! Bei der Firma Markiewicz, Ritterstr. 76, haben die Kollegen wegen Nichtbewilligung des Tarifes die Arbeit niedergelegt. Es wird gebeten, den Zuzug fernzuhalten. Die gemeinsame Lohnkommission des Portefeuiller- und Buchbinder- Werbandes. 5. Treten jedoch zahlreiche Arbeiter unter vorher= Achtung, Buchbinder und Buchbinderei- Arbeiterinnen! Bei der gegangener Kündigung infolge unberechtigter Firma 2. Kämmerer, Kochstraße 67/71, haben sämtliche Buch binder und Buchbinderei- Arbeiterinnen die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltung des Deutschen Buchbinderverbandes. Deutfches Reich. Lohnbewegungen in Hamburg. " 4 Stolonien sollten uns vor dem Unglück bewahren, daß unsere aus- 127 Jahre für die Firma arbeitet, für eine volle Woche bet täglich wandernden Landsleute noch länger als" Völkerdünger" dienten 10 Stunden Arbeit, 21 M. Kürzlich wurden von einer Seifenfabrik und ihrem alten Vaterlande Konkurrenz machten. Kein Gedanke ist Lehrmädchen verlangt, und zwar für ganze 2,50 M. daran. Alle Kolonien, mit Ausnahme Südwestafrikas, können nur Wochenlohn, movon noch die Kassenbeiträge abgezogen werden, wenige tausend Deutsche aufnehmen, und wenn Südwestafrika wirk- Lernen sollen diese Mädchen das Einpaden von Seife. Daß Die Arbeiter der Vereinsbrauerei Apolda, A.-G., befinden sich lich 50 000 Deutsche nehmen kann, was fraglich ist, so werden die es sich hierbei um eine ganz unverschämte Ausbeutung junger Arfeit einigen Wochen in der Tarifbewegung. Da sämtliche Forde- für unsere Auswanderung wenig bedeuten. Damit ist zugleich ge- beiterinnen handelt, ist selbstverständlich. Die eifrige Agitationsrungen abgelehnt wurden, hat eine öffentliche Versammlung, die von sagt, daß der Absatz nach unseren Kolonien sich in sehr engen Grenzen arbeit, die der Fabrikarbeiter- Verband seit einiger Zeit unter den 800 Personen besucht war, über das Bier aus der genannten Brauerei halten muß. Er übersteigt wenig das, was die auf Reichskosten Arbeitern der Seifenfabriken entfaltet, hat dazu geführt, daß man den Boykott verhängt. Mit der Ausführung des Beschlusses erhaltenen Deutschen brauchen. Die wenigen Millionen, die dort hier und da fleine Lohnerhöhungen zugestanden hat. Gleichzeitig wurde das Gewerkschaftskartell beauftragt, das jetzt eine Liste der- unterzubringen sind, verschlagen gar nichts gegen die 54 Milliarden, aber gaben sich die Fabrikanten die größte Mühe, den Arbeitern jenigen Wirtschaften in Apolda, Jena, Weimar, Erfurt, Eisenach und die wir dem Auslande liefern tönnen. Süten wir uns doch vor und Arbeiterinnen das gefeßlich gewährleistete Vereinigungsrecht au den umliegenden Ortschaften veröffentlicht, in denen das boykottierte der Illusion, daß wir auch nur irgend etwas von unserem Absatz rauben, und leider ist ein Teil der Arbeiter auch noch rückständig Bier verzapft wird. Mehrere Gastwirte sind deshalb bereits mit ans Ausland entbehren könnten. Ein guter oder schlechter und dumm genug, diesem Treiben Vorschub zu leisten und Mitanderen Brauereien behufs Lieferung boykottfreien Bieres in Handelsvertrag selbst mit einem mittleren arbeiter, die für die Besserung der allgemeinen Lage zu wirken Verbindung getreten. Kunden ist viel wichtiger als unser ganzer Handel trachten, zu verflatschen. Dennoch wird wohl über kurz oder lang auch in diese Streise der Arbeiterschaft allgemein die Ueberzeugung Die Malergehülfen bon mit den eigenen Solonien." Hamburg, Altona und Wandsbeck haben einen neuen Lohn- und Erhöhung der Kohlenpreise. Das Rheinisch- westfälische Kohlen- dringen, daß sie sich nur durch die Organisation anständige Löhne Arbeitstarif bei der Innung eingereicht, in dem an Stelle der neun- syndikat hält swar formell an seiner Zusicherung, vorläufig feine und erträgliche Arbeitsverhältnisse erringen können. Die BerſammStundenlohnes von 60 Pf. für 1906 ein Stundenlohn von 70 und nämlich durch das von ihm abhängige Kohlenkontor, sucht es aber reits ein fleiner Stamm von aufgrflärten Arbeitern und Ar stündigen die achteinhalbstündige Arbeitszeit und an Stelle des Preiserhöhungen eintreten lassen zu wollen, fest; auf einem Umwege, lung am Sonntag lieferte einen Beweis dafür, daß mindestens be= für 1907 ein solcher von 75 Pf. verlangt wird. Die Glettro bennoch, erhöhte Preise durchzusehen. Wie die„ stöln. Bolfsatg. beiterinnen vorhanden ist, der ernstlich diesem Ziele zustrebt. monteure, die bisher noch 10 und 91/2 Stunden arbeiten mußten, mitteilt, hat das Kohlenkontor angeblich wegen der außerordentBerichtigung. In dem Bericht über die Vorstände und haben den Neunstundentag und eine Lohnerhöhung von 6 bis 11 Pf. lichen Nachfrage nach Hausbrand- Fettkohlen an den ober. Delegiertenversammlung der dem Berliner Gewerkschaftskartell an pro Stunde bewilligt erhalten, Ein Teil der im Städte- rheinischen Häfen die Preise für den nicht im Rahmen der vertrag geschlossenen Organisationen läßt mich der Berichterstatter im Schlußtomplex beschäftigten Monteure hatte in der vorigen Woche lichen Abmachungen erfolgenden Abruf um zwei Mark für zehn wort fagen: die Arbeit eingestellt, worauf die Arbeitgeber Zugeständnisse Tonnen erhöht. Darob entstand große Erregung bei den Abnehmern, Wir waren im Feenpalast unfähig zu diskutieren; wir haben machten, die in der am Sonnabendabend stattgehabten Versammlung von denen viele ungeachtet der entgegenstehenden Bedingungen des uns durch schwülstige Nedensarten überfölpeln lassen. Das wird im nach lebhafter Aussprache akzeptiert wurden, allerdings nur mit ge- Kohlenkontors Ersabläufe bei den syndikatfreien Ruhrzechen ab- sechsten Streise nicht der Fall sein." ringer Mehrheit, da einem großen Teil der Versammelten die Bu- schließen. Englische und belgische Sohlen finden verstärkten Absatz. Einen derartigen Sinn haben meine Ausführungen natürlich geständnisse zu gering erschienen. Die Versammlung beschloß, daß in allen Betrieben die Arbeit fortgefeßt resp. wieder aufgenommen Russische Finansschminke. Das Buch des Regierungsrats nicht gehabt. Ich habe vielmehr gesagt: Man wirft uns vor, wir sind im Feenpalast unfähig gewesen werden kann, in denen die nenustündige Arbeitszeit, der von den Martin über Rußlands Finanzlage hat nicht nur bei der deutschen Arbeitgebern vorgeschlagene Minimallohn von 50 f. für Monteure Regierung, sondern auch im russischen Finanzministerium arge Ver- zu diskutieren. Im sechsten Wahlkreis, wo Dr. Friedeberg demnächst und 40 Pf. für Hülfsmonteure und außerdem die von den Arbeit schnupfung hervorgerufen. Nachdem am Sonnabend schon die über dasselbe Thema spricht, wird das ja nun wohl nicht der Fall gebern zugestandene Bezahlung der Ueberstunden Ueberstunden anerkannt Norddeutsche Allgem. Ztg." die Tendenz des Buches in einer Weise sein; dort werden sich die gelehrten Theoretiker doch nicht durch wird. Die Glasergesellen haben am Freitag die zurückgewiesen hatte, die sich mit Recht als Stimmungsmache für schwülstige Redensarten übertölpeln lassen. Es fragt sich nur, ob Arbeit eingestellt. Am Sonnabend fand unter dem Vorsiz russische Rentenwerte bezeichnen läßt, fommt nun auch die affigiöse die Mehrzahl der Mitglieder mit der grauen Theorie oder mit des Senatssyndikus Dr. Schäfer eine Sihung des Innungs- Petersburger Telegraphen- Agentur mit einer Ankündigung, in der Dr. Friedeberg gehen wird usw. Theodor Fischer. vorstandes und des Gesellenausschusses statt, in welcher eine vor- es heißt: läufige Vereinbarung erzielt wurde, wonach der Stundenlohn für" In kompetenten russischen Finanzkreisen wird beabsichtigt, die volljährige Gesellen 60, für minderjährige 55 Pf. betragen soll. Die Schrift des Regierungsrats Rudolf Martin," Die Zukunft Rußlands Innungsversammlung lehnte noch an demselben Abend den in der und Japans", einer objektiven und erschöpfenden Besprechung zu -14 Sizung ftipulierten Lohn für minderjährige Gesellen ab und erklärte, unterziehen. Man läßt sich dabei von dem Zwede leiten, ben Letzte Nachrichten und Depefchen. nur 50' Pf. zu bewilligen. Die Gesellen nahmen am Sonntag hierzu Stellung und lehnten das Angebot der Innung mit 108 gegen 63 Stimmen ab. Im Streit befinden sich etwa 170 Gesellen, während zu den neuen Bedingungen 81% stündige Arbeitszeit und Mindestlohn für volljährige Gesellen von 68 und für minderjährige Gesellen von 60 Pf. 2c. 27 Gesellen arbeiten. Achtung, Glasbläfer, Pumper usw.! Bei der Firma Fleischhacker in Dresden, Lampenkompagnie, Großenhainerstraße 90, ist sämtlichen Mitgliedern wegen Zugehörigfeit zum Deutschen Glasarbeiterverbande gekündigt worden. Die Firma will feine Organisation im Betriebe dulden. Kollegen, Kolleginnen allerorts! Meidet diese Firma, damit die Entlassenen mieder eingestellt werden. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Metallarbeiter- Aussperrung in Dresden. wahren Wert dieses Werkes, von dem, wie verlautet, auch teberfetzungen ins Französische und Englische ins Auge gefaßt sind, klar und deutlich darzutun." Die kompetenten russischen Finanzkreise" sind natürlich der ruffische Finanzminister und seine Beamten. Sie werden, wie in dem jährlichen Finanzbericht, wieder mal nachweisen, daß es um Rußlands Finanzen geradezu glänzend bestellt ist nur finden sich immer weniger Leute, die diesen geschminkten und frisierten Auslassungen noch eine Bedeutung beimessen. Soziales. Zum Fleischwucher. Aus Than in Elsaß- Lothringen wird geschrieben: 11 München, 4. September.( W. T. B.) Der Landtag ist auf den 28. September einberufen. Die Zustände in Marokko. Köln, 4. September.( W. T. B.) Wie der Kölnischen Beitung" unter dem heutigen Datum aus Tanger gemeldet wird, ist der gestrige Markttag dank der Maßnahmen der Regierung ruhig berlaufen, heute jedoch ist eine weitere Zuspigung des Verhältnisses zwischen den Leuten vom Angerastamm und den Leuten Naisulis zu befürchten, da erstere das geraubte Vieh nicht zurückgeben wollen und letztere Vergeltung dafür üben. Als der Vertreter der„ Times", Harris, trotz dieser Sachlage heute nach seinem eine Stunde ent fernten Hause ritt, wurde von Angeraleuten zweimal auf ihn geschossen, ohne daß er jedoch getroffen worden wäre. Eine Lesart, wonach der Maghzen selbst bei dieser Angelegenheit beteiligt sei, verdient feinen Glauben. Auch die Ermordung des französischen Juden und die Verwundung eines Treibers auf dem Markte haben nichts mit dieser Sache zu tun, sondern sind auf private Rache zurückzuführen, Die Leute, welche in der Nähe der Grenze wohnen, haben nicht unter der derzeitigen Fleischnot zu leiden; sie brauchen nur über die Die bekannte Firma Seidel u. Naumann( ltiengesell- Grenze nach Rothenburg oder La Chapelle zu gehen, wo sie das schaft) in Dresden, die Nähmaschinen, Fahrräder und Schreib- faftigite Pfund Rindfleisch für 40 Pf., das Schweinefleisch für 60 Bf., maschinen herstellt und gegen 2000 Arbeiter beschäftigt, hat ihre und das Kalbfleisch für 64 Pf. erhalten." türzlich erlassene Drohung wahr gemacht und, wie schon auf tele Zahlreiche Protestversammlungen finden jetzt im Königreich graphischem Wege mitgeteilt, am Sonnabend ihren Betrieb Sachsen, besonders in Ostsachsen statt. Auch eine öffentliche Vervöllig bis auf weiteres geschlossen. Die Ursache ſammlung in Dortmund erhob Protest gegen die Aushungerung dieser Maßregel ist in dem Streit der Schleifer dieses Betriebes der Arbeiter. fuchen. Eine Anzahl Schleifer war mit Lohnabzügen von 15 bis Das Stadtverordneten Kollegium in Erfurt beschloß die 20 Proz. beglückt worden. Da die Arbeiter mit echt darin den Einfeßung einer Kommission zur Borberatung von Maßregeln gegen bertrages wird erst morgen nachmittag 3 Uhr erfolgen, Anfang einer allgemeinen Reduktion der ohnehin schon die Fleischnot. knappen Löhne erblickten, erklärten sich sämtliche Schleifer " zu " 1 Unterzeichnung des Friedensvertrages. Portsmouth( New Hamshire), 4. September.( Meldung des Reuterschen Bureaus".) Die Unterzeichnung des Friedens Vom holländischen Kolonialkriege. Hier mit benen solidarisch, die mit Lohnabzügen beglückt Berechtigte Entschädigungsansprüche bei Kündigungsausschluß. worden waren und 120 an Zahl legten die Arbeit Der Dreher M. war von der Deutschen Telephongesellschaft, Haag, 4. September.( W. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Fünf nieder. Da die Firma trotz aller Bemühungen Ersatz nicht fand, wo er mit Kündigungsausschluß arbeitete, gegen Abend, aber vor der sechs Fürsten von Boni( Süd- Celebes) haben sich unterworfen. mangelte es bald an fertig geschliffenen Maschinenteilen und es Beendigung feiner Schicht, entlassen worden. Seine Papiere" Die Bevölkerung berhält sich ruhig. 1315 Gewehre sind ausgeliefert konnten zuletzt überhaupt keine Maschinen mehr fertig gestellt werden. erhielt er erst am nächsten Tage, da das Kontor bereits geschlossen worden. Anstatt nun die Lohnreduktion, die bei der Firma, die im letzten Jahre war. M. flagte beim Berliner Gewerbegericht auf volle Bezahlung 18 Proz. Dividende ausgezahlt und 90 m. auf Genuß der Schicht er hatte nur die geleisteten Stunden bezahlt erhalten Folgen der verschärften Sanitätskontrolle. scheine verteilt hat, an sich schon empörend ist, wieder rüdgängig und beanspruchte außerdem wegen nicht rechtzeitiger Aushändigung Petersburg, 4. September.( Meldung der Petersburger Telezu machen, drohte fie die allgemeine Aussperrung an der Invalidenkarte usw. eine Entschädigung für einen Tag, zusammen graphen- Agentur.) Aus Warschau wird gemeldet: Infolge der Jeder Vermittelungsversuch wurde brüst zurückgewiesen, die 6,95 M. Die Kammer V unter dem Vorsitze des Gewerberichters Schwierigkeiten, die seitens der preußischen Grenzbehörden beim Briefe des Gauvorstehers vom Metallarbeiterverband tamen ölbling verurteilte die Telephonwerke nach dem Klageantrage Durchlaffen russischer Flösse gemacht werden, find in Warschau mit der Bemerkung zurück: Annahme verweigert." und führte aus: Kläger fei vor Beendigung der Schicht deshalb die Bauholzpreise start niedergegangen. Die Firma hat offenbar offenbar geglaubt, durch dieses Ver- entlassen worden, weil er zu laut gewesen sei. Das sei aber halten die Arbeiter einschüchtern zu können. Sie hatte sich gründlich fein Grund zur plötzlichen Entlassung, es müsse deshalb hier, wo durch ist eine schwere Krisis im Holzhandel hervorgerufen worden. getäuscht. Und als die Arbeiter der Firma in einer Massen- Sündigungsausschluß vorlag, angenommen werden, daß die Tageseinheit bersammlung aut Sonnabend zu der Angelegenheit Stellung nahmen, hätte gewahrt werden müssen. Erst nach Beendigung der Schicht hätte Die Revolution in Rußland. herrschte eine Kampfstimmung, eine Erbitterung gegen die Firma läger entlassen werden können. Somit sei der volle Lohn für die Petersburg, 4. September.( W. T. B.) Nach offiziellen Bevor, die in elementarer Weise zum Ausdruck kam. Nachdem die Gau- Schicht zu zahlen. Aber auch die Entschädigungsforderung für den richten begannen am 2. d. Mts. gegen 5 Uhr nachmittags in Batu vorsteher des Metallarbeiterverbandes und des Holzarbeiterverbandes nächsten Tag fei berechtigt. Wenn eine Entlassung vorgenommen streikende armenische Straßenbahn- Angestellte Ruhestörungen, inden Sachverhalt dargestellt hatten, wurde mit über 2000 gegen eine werde, dann müsse es so geschehen, daß der Arbeitgeber in der Lage bem sie auf Soldaten schossen, welche sie auf den Straßenbahnwagen Stimme beschlossen, den Kampf aufzunehmen. Das war die Ant- fei, allen im Anschluß an die Entlassung sich ergebenden Ansprüchen ersetzen. Darauf begann das Feuer auf die Truppen aus den wort der Arbeiter auf das brüste Verhalten der Firma. Daraufhin an genügen. Diesen Ansprüchen( Aushändigung der In Fenstern und von den Dächern der Häuser. Die Soldaten erwiderten validenkarte 2c.) habe hier der Vertreter der Firma wegen Die angedrohte Aussperrung war nur der Funke, der in das Kontorschluffes nicht genügen fönnen. Infolge dessen müsse dasselbe. Am folgenden Morgen waren die Ruhejtörungen einPulverfaß fiel. Seit Monaten hat sich der Arbeiter eine große Er- Beklagte für den Schaden aufkommen, der dem Kläger aus gestellt. Bis 1 Uhr nachmittags wurden verzeichnet an Toten: acht bitterung über die unerträglichen Arbeitsverhältnisse, die fort- der Nichteinhändigung der Papiere erwuchs. Da Mäger sie erst am Mohammedaner, ein Ruffe, drei Armenier; an Verwundeten: ein währenden Lohnreduktionen und Maßregelungen organisierter Arbeiter nächsten Tage erhielt, so wäre anzunehmen, daß es ihm an diesem Polizeikommissar, elf Armenier, zwei Ruffen, sieben Mohammedaner. bemächtigt. Nur mit Mühe ist es bisher der Leitung des Metall Tage mangels des Besitzes der Invalidenkarte wirklich nicht möglich am Abend des 3. begann von neuem ein heftiges Feuern, doch arbeiter- Berbandes gelungen, einen Streit zu verhüten. Von den gewesen sei, eine andere Stellung anzutreten, denn nach allgemeinen fügten die Angriffe den Truppen feinen Schaden zu. Am 2. d. Mts. wurde vier Werst von Gori der Leichnam des Arbeitern find 80 Proz. organisiert. Es wird ein erbitterter Stampf Erfahrungen werde in Berlin ein Arbeiter nicht neu eingestellt, werden. Aber wenn die jeßige Stimmung der Arbeiter anhält, ist wenn er nicht im Besige einer Invalidenkarte sei. Einer besonderen Geschäftsführers des Fürsten Grisom gefunden. Am 3. wurde in Gori der Polizeikommissar durch fünf Schüsse ihnen der Sieg sicher. Sie wehren sich gegen Lohndrückerei und Beweiserhebung hätte es deshalb nicht erst bedurft. getötet. tämpfen um Anerkennung ihrer Organisation. ist mun am Sonnabend die Fabrik geschlossen worden. Verfammlungen. Zum Holzarbeiterstreit in Fürth. Bis jetzt ist es nur gelungen, in den Bautischlereien eine Einigung zu erzielen, die dahin geht, daß ab 3. September die 54stündige Arbeitswoche eingeführt wird, auch die übrigen Forderungen der Arbeiter wurden zum großen Die Lage der Arbeiter und Arbeiterinnen der Seifenfabriken Teil bewilligt. In den Möbel- und Spiegelrahmenfabriken bauert dagegen der Streik unverändert fort, da die Unternehmer sich nach wie vor hartnäckig verhalten. Hus Induftrie und Handel. Der Brand in Adrianopel. Adrianopel, 4. September.( Meldung des Wiener K. K. Telegraphen- Korr.- Bureaus.) Bei dem vorgestrigen Brande, der in der Kalafener Vorstadt ausbrach, wurden außer der katholischen Auferstehungskirche noch andere Kirchen und mehrere Schulen ein Raub der Flammen. Unter den abgebrannten Baulichkeiten befinden sich 1200 Wohnhäuser. Die Opfer des Brandunglüds sind größtenteils arme Griechen, Armenier und Israeliten. Die Lokalbehörden haben die erste Hülfsaktion eingeleitet, der Sultan hat das weitere angeordnet. war das Thema, über das am Sonntag in einer öffentlichen Versammlung dieser Arbeitergruppe verhandelt wurde, die vom Verband der Fabrik-, Land- und Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen einberufen war. Der Referent Bruns bemerkte, daß die Lohnund Arbeitsverhältnisse in den Seifenfabriken Berlins als die miserabelsten anzusehen seien, die hier in irgend einem Industries zweige existierten, und nachdem, was der Redner selbst auf Grund Konstantinopel, 4. September.( Meldung des Wiener K. K. eingehender Untersuchungen ausführte, wie auch nach dem, was die Telegraphen- Korr.- Bureaus.) Hier eingetroffene Depeschen geben Unfere prächtigen Kolonien. Selbst in solchen kapitalistischen rege Diskussion ergab, zu urteilen, scheint dieser Ausspruch nur die Zahl der in Adrianopel niedergebrannten Häuser auf 2000, Das Feuer ist gestern Kreisen, die durchaus nicht als„ kolonialfeindlich" gelten können, allzu berechtigt. Die Zustände und die traurigen Löhne in der größtenteils Holzhäuser, an. Die Not ist groß. Troß der bricht sich immer mehr die Ueberzeugung Bahn, daß die mit schweren Seifenfabrik von Hermann in der Boffenerstraße sind bereits wieder ausgebrochen. Menschen- und Geldopfern erkauften deutschen Kolonien in Afrika am 30. August im lokalen Teil des Vorwärts" erwähnt worden. türkischerseits eingeleiteten Hülfsaktion ist auch fremde Hülfe not und der Südsee nahezu wertlos sind und nie die Erwartungen er- Dieser Fabrikant sucht seine Arbeiter über den Mangel an Schuh- wendig. füllen fönnen und werden, die einst sich an ihre Eriverbung knüpften. vorrichtungen, der vor kurzem den schrecklichen Unfall zu Folge Recht deutlich kommt diese pessimistische Stimmung in einem Deutsch- hatte, sowie über die erbärmlichen Löhne mit schönen Bibelsprüchen Lands Erfahrung mit seinen Stolonien" überschriebenen Artikel des hinwegzutäuschen. Mit den Löhnen und ebenso mit den sanitären Deutsch. Dekonomist" zum Ausdruck, der nach einer Untersuchung Verhältnissen ist es offenbar in den meisten Seifenfabriken nicht Rastenburg, 4. September.( W. T. B.) Der Ehemann der in der Bedeutung unserer sogenannten Schutzgebiete für das deutsche minder schlecht bestellt. Daß man einem Familienvater, der nicht der Nacht zum 31./8. an Cholera verstorbenen Arbeiterfrau Duddeh Wirtschaftsleben zu folgendem Resultat gelangt: weniger als 8 Kinder zu ernähren hat, 16,50 M. Wochenlohn an- ist ebenfalls an Cholera erkrankt. 3weierlei muß vollständig über Bord geworfen werden: der bietet, scheint den Herren etwas Selbstverständliches. Ein in allen Wien. 4. September.( W. T. B.) Gestern erkrankte in der Glaube, daß unsere Kolonien ein Ziel für die deutsche Auswanderung Zweigen tüchtiger Arbeiter hat es z. B. bei Moldenhauer in Gemeinde Badew Naradowa( Galizien) ein Gendarm unter Anzeichen werden könnten, und der andere Glaube, daß sie uns nennenswerte der Gollnowstraße nach 15jähriger Tätigkeit auf 19 M. Wochen- von Cholera. Insgesamt sind dort bisher 5 Personen an Cholera Absatzmärkte werden könnten, um uns zu entschädigen für Verluste verdienst gebracht; eine Arbeiterin, die dort bereits 23 Jahre tätig erkrankt, davon find 3 gestorben und einer genesen. An Choleradurch die Schutzzollpolitik fremder Länder. Beides hat bei Eröffnung ist, erhält 12 M. Und von diesen Löhnen werden auch noch die franke blieben in Padew 2 Personen, in Grodzisko eine Person in der deutschen Kolonialpolitik eine große Rolle gespielt. Diese Kaffenbeiträge abgezogen. Ein Seifenschneider erzielt, nachdem er Behandlung. " " Die Cholera. Verantw. Redakteur: Poul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 207. 22. Jahrgang. 1. KW des Jotmirff Ktlinfr UMMM Dienstag, 5. September 1905. Debatten über Wenn und Aber. n. Unter den— wir wissen nicht, schlimmen oder hoffnungsvollen .Folgen des japanischen Sieges"— stellte Karl Kautsky, wie wir gesehen haben, in der„Neuen Zeit" vom 15. Juli 1905 die Un- fähigkeit der Redaktion oder wenigsten» der„ethisch-ästhetischen" Redakteure des„Vorwärts" fest, die Schrift der Genossin Roland« Holst zu verstehen. Wir halten es zwar für keine Folge des japanischen Siege?, auch für keine redaktionelle Unzulänglichkeit, sondern lediglich für einen bedauerlichen Fehler des großen Vor- z u g s Karl Kautskys: in seinen eigenen Gedankengängen so fest eingeschient zu sein, daß es ihm schwer fällt, sich in die Ideen- entwickelung eines anderen hineinzufinden, der nicht von vornherein identisch mit ihm zu denken fähig oder gewillt ist. Unsere Kritik wies auf die Zwiespältigkeit der Schrift der Genossin Roland-Holst hin: Einmal der Massenstreik als auch ein Mttel zur Erzwingung bedeutender politischer Veränderungen und zweitens der Generalstreik als das einzige Kampfmittel in jenem politischen Endkonflikt, in dem sich die alle politischen Rechte raubende Bourgeoisie mit dem um die Eroberung der politischen Macht ringenden Proletariat mißt. Dieser Zusammen- stoß muß— nach Roland«Holst— kommen, und in diesem kritischen Augenblicke muß als einzige? mögliches Mittel der General- streik zur Anwendung gelangen. Kautsky beweist nun unser Unverständnis auf eine für einen alten geschulten Dialektiker außerordentlich seltsame Art. Wir weisen auf einen Widerspruch hin, und Kautsky widerlegt diese Auffassung, indem er die eine Seite des Widerspruchs zitiert, und uns vorwirft, wir hätten diese eine Seite des Widchsprnchs verkannt. Um dies unbegreifliche Verfahren an einem Beispiel zu vereinfachen und zu veranschaulichen: Ein Kritiker weist auf den Zwiespalt eines philosophischen Werkes hin, die Schrift sei dem Beweise gewidmet, daß die Seele sterblich sei, und komme dann zur Schlußfolgerung, daß sie unsterblich sei. Welche Verständnislosigkeit donnert der Anti« kritikcr: Steht nicht auf dieser und jener Seite, daß die Seele sterb- lich sei? Kautsky schlägt uns mit einem Zitat, in dem Roland-Holst aus- führt, daß„der politische Massenstreik eine nur selten, in bestimmten geschichtlichen Situationen anwendbare Waffe ist". In diesem PassuS hätte also die Genossin Roland-Holst ausdrücklich jenen Gesichts- Punkt hervorgehoben, den der„Vorwärts" bei ihr vennißte, und jene Auffassung abgelehnt, die der„Vorwärts" ihr vorwerfe. Ja, Kautsky führt noch ein gewichtigeres Zeugnis au, die Verfafferin selbst, die ihm seine Anschauung bestätigt: „Wie der„Vorwärts" dazu kommt, aus meiner Schrift herauszulesen, daß ich den Massenstreik als d i e Methode des proletarischen Klassenkampfes betrachte, i st mir u n b e« g r e i f l i ch. Gegen eine solche lleberschätzung, wie er durch die revolutionären, antiparlamentarischen Gewerkschaftler stattfindet, ist die Schrift ja zum Teil gewandt. Auch habe ich mich gerade be- müht, den innerlichen Zusammenhang der verschiedenen Waffen des Proletariats und der verschiedenen Methoden des prole« tarischen Kampfes zu bewnen, hervorzuheben, wie sie einander er« gänzen." Kautsky entrüstet sich endlich noch darüber, daß wir in unserer ersten Entgegnung auf seine Antikritik seinem Zitat keine anderen schlagenden Zitate entgegen gehalten hätten; er vergaß nur, seine Leser darüber zu unterrichten, daß dies unnötig gewesen, weil die ihn schlagenden Zitate schon in der ersten Besprechung ab« gedruckt waren, also nicht wiederholt zu werden brauchten. Der„Vorwärts" hat in jener Kritik durchaus nicht verkannt, daß die Genossin Roland-Holst den Parlamentarismus auch als berechtigt anerkennt. Ganz wie die Verfasserin in ihrem Be- kräftigungsschreiben an Karl Kautsky, hatte der verständnislose, zu jeder führenden Stellung unfähige Kritikcr hervorgehoben,„daß die Verfasserin die Schädigungen und Gefahren der antiparlamentarischen Gcneralstrcik-JllusionfnrdieArbcitcrklassc invorziiglichenAusführungen darstellt". Wir haben also so wenig verkannt, wie die Genossin Roland-Holst den Generalstreik als Ergänzung des Parlamentarismus betrachte, daß vielmehr gerade auf dieser unserer ErlcnntiiiS sich unser Vorwurf des zwiespältigen Charakters ihrer Schrift begründet. In dem Linnsschen System der Generalstreiisarten, das Frau Roland-Holst scharfsinnig sondert, gibt cS nämlich nicht nur lvirtschaftliche, anarchistische, Solidaritäts- und SympathsestreikS, es gibt nicht nur die politischen Massenstreiks im engeren Sinne, die wieder in legale Demonstrationsstreiks und revolutionäre Ausstände zerfallen, sondern der realistische, revolutionäre Generalstreik, der in bestimmter Situation möglich ist, verflüchtigt sich in den wenn nicht u t o p i st i s ch e n, so doch spekulativen Generalstreik des großen Zusammenbruchs, der Ent- scheidungsschlacht, der dann ebenso notwendig angewandt werden muß, wie der Endkonflikt selbst unvermeidlich ist. Damit aber wurde ein Mittel des Klassenkampfes zu dem Mittel des Klassen- kampfeS— das ist der klaffende Widerspruch deS Werkes, der, wie wir noch zeige» werden, dadurch in eine höhere Einheit „dialektisch" zu nähern versucht wird, daß man nun den Parlamentarismus mit seinem ganzen Zubehör politischer Rechte als eine Art dem Untergang notwendig geweihtes Provisorium entwertet. Auf den Trümmern deS politischen Kanipfes und der politischen Rechte taucht der politische Generalstreik ais Retter auf und ver- wandelt sich jetzt unwillkürlich wieder, wenn auch noch so heftig ver- leugnet, in den anarchistischen Endzielstreik, nur daß der Anarchist durch ihn gleich die Produktion unmittelbar übernehmen will, während Roland-Holst und Kautsky durch ihn ,mr die politische Macht erobern und sichern wollen. � � Die Eigenart der Schrift besteht darin, daß sie. soweit sie das vorhandene Tatsachenmaterial durchgeht, über das Wenn und Aber nicht hinauskommt, daß ihr aber jenseits der Tatsachen, wenn sie jene katastrophische Hungerbarrikabe deS Generalstreiks in der Ferne am Ende ausmalt, alle Bedenken schwinden und nun die große Sicherheit und Ausschließlichkeit dieses Mittels kraftvoll, fast dithy- rambisch feiert. Aus einem ChaoS von Zweifeln und Einwänden. die aus den Erscheinungen der Vergangenheit und Gegenwart ab- geleitet werden, erwächst dann die mystische Mathematik der Schlußrechnung. Das Buch kann in der Tat insofern al« die Bibel des General« ftreikö gelten, als man aus ihm alles beweisen kann. Greifen wir, um die zu uferlosen, in sich kreisenden Debatten geradezu provo- zierende Methode der Schrift uns noch einmal zu vergegenwärtigen, ihre Behandlung der Form deS politischen Streiks heraus, der am klarsten begrenzt ist und am bestimmtesten sich in die Wirklichkeit der politischen Aktion einfügen läßt: den Manifestationsstreik, diese verstärkte Agitation und Demonstratio» für die Erringung politischer Rechte oder Abwehr von Attentaten auf Volksrechte. Die Möglichkeit solcher Maiiifestationsstreiks hängt ab von dem Charakter der verschiedenen Staatswesen.„In Staaten von ganz oder halb absolutistischem Charakter, mit starker Zentralregierung und dürftig entwickelten, wenig einflußreichen parlamentarischen Ein- richtungen, ist der politische Streik als politisches Demonswations- oder MauifestationSmittel, wie er in Schweden und. Italien geHand- habt wurde, unmöglich." Denn, so meint die Verfasserin, in solchen Fällen würde der friedliche, legale Streik sofort revolutionär werden, also seinen Begriff sprengen. Ist der Manifestationsstreik in solchen Staaten unmöglich, so ist er andererseits in reinen, voll« ständig ausgebildeten Demokratien, wie z. B. in der Schweiz, über flüssig; in solchen Ländern würde er„von der Mehrzahl der Br völkerung als eine unnötige Störung des wirtschaftlichen Lebens empfunden werden".„Eine Arbeiterklasse, die über die direkten politischen Waffen des allgemeinen Wahlrechts, der Volksinitiative und deS Referendums verfügt, braucht für den Klassenkampf das indirekte Mittel, den politischen Streik, nicht, um ihren Willen durch zusetzen. Die normale Entwickelung des Klassenkampfes ist hier die Aufklärung und Organisation zum richtigen, das heißt dem prole- tarischcn Klassenbewußtsein dienenden Gebrauch aller bürgerlichen Rechte."(S. 117.«) Nachdem so für zwei extreme Sorten von Staatswesen die Anwendbarkeit des Generalstreiks ausgeschaltet, bleibt seine Anwend barkeit vorbehalten für„parlamentarisch ausgebildete, halb demo- kratische Staaten",.besonders in kleineren, wo die Staatsgewalt weniger zentralisiert, der Militarismus zu keiner so furchtbaren Macht geworden ist". Unter welchen Bedingungen, in welcher Weise ist hier nun der Streik als Demonstrationsmittel möglich und aus sichtsvoll? Man lese: „Es leuchtet ein, der Manifestationsstreik macht nicht erfordere lich, daß die gesamte Arbeiterschaft des Landes in den Ausstand tritt. Es handelt sich ja nur um einen Druck auf die öffentliche Meinung, und dieser kann durch das einige Tage währende Still- legen der wichtigsten Erwerbszweige der Großindustrie, des Berg- baues, des Hafentransportes, erreicht werden. Hauptsache ist dte Masse der Feiernden. Es ist nicht notwendig, das gesamte öffentliche Leben durch Stillegen des Verkehrs usw. zu desorganisieren. Viel- mehr könnte eine zu allgemeineArbeitseinstellung in diesem Falle über ihr Ziel hinausschießen. Wohl werden sowieso die reaktionären Parteien immer bereit sein, den Demonstrationsstreik zu einem revolutionären Pressionsversuch aufzubauschen, die Führer als Aufrührer zu denunzieren— das ist unvermeidlich. Aber wenn sich die Arbeitseinstellung auch über die Produktionszweige von unbedingter, allgemeiner Notwendigkeit erstrecken würde, brächte sie den größten Teil der Bevölkerung gegen die Streikenden auf die Beine. Wo es also nur auf die feierliche Wilkung einer Demonstration abgesehen ist, wäre der von Turati gegebene Rat zu beachten, die wesentlichen Erfordernisse deS öffentlichen Lebens zu respektieren, wenngleich auch in geringerem Matze, als er dies vorschlägt. Denn wenn, wie Turati verlangt, Eisenbahnverkehr, Post und Telegraph, Wasserzuftihr, Sanitätsdienst, Brotversorgung, Beleuchtung und Tagespresse, wenn alle diese Einrichtungen vom Streik unberührt bleiben sollen, so dürfte seine demonstrative Wirkung allzusehr geschwächt werden. Auch soll man, wie Oda Olbcrg mir Recht bemerkt, keine Masche im Gewebe der Solidarität unnötig zerschneiden."(S. 116 ff,) Man lese diese Auseinandersetzung einmal, zweimal, dreimal. Man studiere sie, man durchdenke sie. man lerne sie auswendig, und dann sage man, was man aus ihr für einen gegebenen künftigen Augenblick sicheres entnehmen könne. Die ganze Argumentation dreht sich im Kreise: Der Streik soll auf die öffentliche Meinung wirken. Darum soll er fühlbar sein. Darum muß er entscheidende Zweige der Produktion umfassen. Ist er aber dermaßen fühlbar, so regt er die öffentliche Meinung gegen sich auf und vereitelt somit den Zweck, um dessentwillen er begonnen wurde. Solche Allgemeinheiten, die alles und nichts beweisen, bei denen jeder Satz den anderen auf- hebt, sind keine Belehrungen, wie man es machen kann, sondern Rezepte, die Mischungen wägbarer Quantitäten angeben, nur daß eben menschliche Handlungen, menschliche Willen nicht auf der Wag- schale dosiert werden können wie Butter, Mehl und Eier oder wie die Chemikalien der Apotheke. Die Verfasserin scheitert eben in solchen Betrachtungen an der inneren Unmöglichkeit der Aufgabe, taktische Regeln für besondere zukünftige Fälle zu generalisieren und zu präzisieren. Genau die umgekehrte Erscheinung beobachtet man aber dann in der Schrift bei jenem Notwendigkeitsstreik, der auf der Katastrophentheorie beruht. Der ist eine einfache Deduktion aus angenoinmenen Voraussetzungen, und derartige Deduktionen haben natürlich alle die Bestimmtheit formal logischer Schlußfolgerungen. Roland-Holst verkoppelt die Idee des Generalstreiks mit der Zusammenbruchstheorie. Ihr Gedankengang ist der folgende: Roland-Holst sieht die allgemeine kapitalistische Entwickelungs- tendenz— nicht etwa nur in reaktionären Feudal« und Militär« staaten wie Deutschland— sondern auch in Demokratien revolutio- nären Ursprungs so verlaufen, daß die Bourgeoisie, sobald die klassenbewußte Anwendung der demokratischen Rechte für das Proletariat und den Sozialismus ihr gefährlich wird, diese politischen Rechte zerreißt, und dann kommt jener Augenblick deS revolutionären Generalstreiks. In diesem Sinne wird der Generalstreik in der Tat, wie sehr eS immer Kautsky bestreiten mag, das ausschließliche Mittel des Klassenkampfes. Ucber die Frage, ob die Entwickelung so verlaufen wird, ist hier nicht der Ort zu diskutieren. Aber über die Anwendbarkeit des Generalstreiks im Hinblick auf diesen Entscheidungskampf um die politische Macht als deS einzigen nicht nur möglichen, sondern auch not- wendigen Mittels läßt sich auf keinen Fall etwas Sicheres, nicht einmal etwas Wahrscheinliches, ja überhaupt gar nichts Greifbares denken. Im Gegenteil: Die spekulative, wie immer aus dem Boden der wissenschaftliche» Erkenntnis über Eutwickclungen der Dinge erwachsenen Tatsache stellt sich lauter Undenkbarkeiten vor. Nimmt man an— wir können natürlich hier nur ein paar flüchtige Striche einer systematischen Beweisführung zeichnen—, die Bourgeoisie in der ausgebildeten Demokratie greife bereits vor- beugend zum Staatsstreich, wenn die Gefahr erst im Anzug ist, wenn die große Masse des Volkes, sdaS unter dem Zwang der not- wendigen wirtschaftlichen Entwickelung selbstverständlich seinemKlassen- «) Anscheinend in direktem Gegensatz dazu heißt es wenige Seiten weiter:„Träfe dies ein"— nämlich der Sieg durch den legalen Gebrauch politischer Rechte in der Demokratie—„so wäre der politisch- revolutionäre Massenstreik wie jedes andere Zwangs- mittel tatsächlich überflüssig. Die Sozialdemokratie könnte ihr Ziel durch die politische Demokratie erreichen, die einzige uuter diesen Umständen angebrachte Kampfcsweise wäre die unauf- hörliche Ausllärung und Organisation des Proletariats, um seine politischen Rechte richtig, das heißt: zur Befreiung seiner Klasse gebrauchen zu lernen." Solche Annahme aber sei Heller Wahnsinn. (S. 131.) Der scheinbare Widerspruch löst sich anf in dem Dualismus der Grundtendenz. Hier handelt es sich eben nicht inehr um den„Manisestationsstreik", sondern um den revolutionären End- streik. Die„normale" Entwickelung in der D e m o k r a t i e, von der S. 117 gesprochen wurde, erweist sich hier als eine, die nur Heller Wahnsinn phantasieren könnte, die wirklich normale Ent- Wickelung ist vielmehr der Entscheidungskonflitt der Hunger- barrikade I charakter nach Proletariat ist), noch nicht vom Sozialismus erfaßt ist, würde dann angenommen werden können, daß der Generalstreik, selbst wenn er nicht nur möglich wäre, sondern sogar zur Ueber« nähme der politischen Macht durch das Proletariat führen würde, dann'zu einem endgültigen Siege verhelfen könnte? Dann stände ja die große Masse nicht hinter der Regierung, sie würde alsbald wieder über den Haufen gerannt werden, und das Spiel beginnt von neuem. Ist aber die Masse bereits sozialistisch, dann gibt es keine Macht der Welt, die ihr die politischen Rechte mehr zu entziehen vermöchte— dann ist der Generalstreik vielleicht möglich, aber sicher überflüssig. Gerade in diesem revolutionären, universalen Endstreik aber gipfelt die Tendenz des Büches. Und das ist auch ganz konsequent. Kommt es notwendig und überall zu gewaltsamen Entscheidungs- kämpfen und bildet dann der Generalstreik das einzige Mittel, so ist eben der politische Streik d a S Mittel, d i e Form des Klassenkampfes, und alles andere, wie z. B. der Parlamentarismus verflüchtigt sich zu einer Bedeutungslosigkeit— er verschwindet, sobald er ernsthaft wird—, daß man tatsächlich dann zu der anarchistischen Konsequenz gedrängt werden kann, ob eS überhaupt lohne, diesen mühsamen und nutzlosen Umweg zu machen, ob sich der Weg nicht abkürzen lasse durch die„direkte Aktion". Und hier nun ist eS Zeit, die schlagenden Zitate wiederzugeben, die Karl Kautsky vermißt, weil er die.Borwärts"-Kritik offenbar nur ganz flüchtig gelesen hat. Schon aus den russischen Creigniffen entnimmt Roland-Holst, „welch' treffliche Waffe der Streik als die natürliche Form der proletarischen Revolution, sogar in den Händen eines an Zahl schwachen und wenig geschulten Proletariats ist".(S. 150.) Der Streik ergebe sich„als Notwendigkeit von selbst in jeder wirklich revolutionären Bewegung unserer Gegenwart, weil er aus der ökonomischen Lage der Arbeiterklasse hervorgeht".„Der Streik ist die Einleitung, der erste Schritt jeder revolutionären Massenaktion, wie ihr weiterer Fortgang sich auch abspielen möge." Der politische Massenstreik„ist die einzige mögliche Form des Bürgerkrieges, worin den mit den raffiniertesten Mitteln der modernen Technik aasgcrüstete» Soldaten von der anderen Seite nur die„offene Brust und das uu- geschützte Herz entgegengestellt wird und dennoch nicht die bewaffnete Rcgierungsgewalt, sondern das unbewaffnete Heldentum der Masse entscheidet".(S. 152.) Handelt es sich bei diesen Stellen aber immer noch um ein gegenwärtiges revolutionäres Mittel für gegenwärtige Kämpfe und Konflikte, so weitet sich in den folgenden Sätzen der politische Streik zum revolutionären Universalmittel des zukünftigen Endkampfes um die politische Macht auS:„Der politische Massenstreik wird die Zu- snmmrnfassuiig der verschiedenen Kampfmittel der Vergangenheit und deren Ablösung durch eine Methode, die der Grundtatsache der modernen Gesellschaft: der kapitalistischen Ausbeutung, und dem Wesen des Proletariats als organisierter Klasse entspricht.(Seite 160.) Der politische Massenstreik ersetzt zwar nicht den Parlamentarismus, aber er wird— und hier wird die unabwendbare Konsequenz ängstlich durch ein eingefügtes„wahrscheinlich" verbogen— „als ein Mittel in Betracht kommen, die parlamentarische Aktion des Proletariats erst möglich zu machen, zu erhalten und zu erweitern, und ebensowohl als die dem Proletariat eigen« tümliche Waffe des Druckes oder deS Zwanges, wo der Parlamentarismus versagt, wo der Arbeiterklasse der RcchtSboden deS Klassenkampfes entzogen wird"(Seite 162). Hier also, am Schluß der ganzen Schrift erzittert der Gedankenbau wieder zag- hast, eS wird alles wieder statt notwendige Entwickelung— Wahrscheinlichkeit. Roland-Holst und Kautsky sind eben auf halbem Wege stehen geblieben, sie sind erstarrt mitten im Widerspruch. Der einzelne Schriftsteller, der seine Auffassungen über die Ent- Wickelungstendenzen darlegt, ist ein wertvoller Berater einer Partei, deren Programm die wissenschaftliche Einsicht in diese Tendenzen er- fordert. Auch um die Wege und Mittel, als notwendig erkannte Tendenzen der Zukunft durchzusetzen— das Notwendige wirklich zu machen— muß die wissenschaftliche Diskussion sich bemühen. Kann aber eine große polittsche Partei ihre besondere Taktik für Z u k u n f.t s Möglichkeiten festlegen? Die Sozialdemokratie lehnt es ab— vielleicht sogar allzu ent- schieden— Fragern nach dem Inventar des Zukunftsstaates Auskunft zu geben, nicht weil wir verlegen sind um eine Antwort, sondern weil wir zu viele Antworten geben könnten, und weil wir doch genau wissen, daß keine vollständig der künftigen WirNichkeit entsprechen wird. Was soll man aber erst dazu sagen, wenn man von uns verlangt, die Taktik zur Erzwingung des Zukunftsstaates schon im voraus zu bestimmen. In der Gcneralftreiksfrage aber, so wie sie Kautsky zu verstehen scheint, sollen wir letzten EndeS, zwar jetzt noch nicht über die Mittel zur Eroberung des Zukunft«- ftaates Beschlutz fassen, aber unS doch über den Endkampf der Er- oberung der politischen Macht resolviercn. Kann diese aus« weichende Zurückschiebung der drängendsten Probleme um einer möglichen Endattion willen zu irgend einer fruchtbaren Dis- kussion führen? Wir verneinen das. Für die sozialdemokratische Partei kann eS sich nur und wird es sich nur um die ebenso nüchterne und klare, wie unmittelbare Frage unserer politischen Existenz handeln: Gewährt der politische Massen st reik in der gegenwärtigen Situation Deutschlands ein Mittel, um entweder die Dinge vorwärts zu drängen oder wenigstens doch unsere politischenRechte gegenAttentate zu schützen? Das ist die einzige Frage, welche die Partefiaktion angehen kann; und da muß leider gesagt werden, daß gerade Kautsky die so ge- stellte und begrenzte Aufgabe im voraus entwertet hat— sowohl hinsichtlich der Möglichkeit wie hinsichtlich des Kampfziels. Hus der parte!« In ihrem vierten Artikel„Zur„Borwärts". Frage" knüpft die „Leipziger Volkszeitung" an die Bochumcr Resolution an und fährt dann fort: Der„Vorwärts" ist mit dieser Resolutton einverstanden und macht nur die einschränkende Bemerkung dazu: aber wir sind nicht schuld, sondern„die in daS Gewand der Parteirettung gekleidete Krakeelsucht der„Leipziger VolkSzeitung"." Wir dagegen sind mit der Resolution der Bochumer Genossen nicht einverstanden, weil sie von falschen Voraussetzungen ausgeht, obgleich wir zugeben, daß, wenn ihre Voraussetzungen richtig wären, sie allerdings mit Recht die Schuld auf beide Seiten verteilen würde. Wir würden dann nicht so„rechthaberisch" sein, unseren Teil der Schuld abzulehnen; bei einem bloßen Literatengezänk sind alle schuldig, die sich daran be- teiligen. Aus dieser verschiedenen Aufnahme, dje ihr Vorschlag beim „Vorwärts" und bei uns findet, können die Bochumer Genossen schon ersehen, daß es sich hier um wirkliche Gegensätze handelt, und nicht um bloße glcchthabereien. Wir verstehen die Aufwallung zu würdigen, auS der heraus sie ihren Vorschlag gemacht haben, und wir freuen unS, daß sie ihn besser begründet haben, als mit der hergebrachten Redewendung, die große Masse der Arbeiterschaft wolle von„persönlichen Zänkereien" in ihrer Presse nichts Wissen. Diese Phrase ist an und für sich ein selbstverständlicher Gemeinplatz, aber in seiner ewigen Wieder- holung ein überaus trauriges Kompliment an die Adresse der Partei, das Kompliment nämlich, daß sie zwar eine feindliche Welt erobern wolle, aber nun schon seit Jahren nicht mit einer Handvoll„Person- licher Zänker" fertig werden könne. Der Grund, den die Bochumer Genossen an ihrem Teil für ihren Vorschlag anführen, hat leider Hand und Fuß; wir erkennen an, daß durch die Streitigkeiten, die sie aus der Welt schaffen wollen, worin wir ganz mit ihnen überein- stimmen, die werbende Kraft der Agitation geschädigt wird. Aber mit Aufwallungen in dem Stile: Nun soll endlich einmal ein Himmelkreuzdonnerwetter dreinschlagen! macht man keine gute Politik. Die Bochumer Genossen werden uns das offene Wort nicht übel nehmen, wenn wir hinzufügen, daß wir, nämlich die„Literaten" der.Leipziger Volkszcitung", vor einer Reihe von Monaten einer ganz ähnlichen Aufwallung unterlegen sind, und auch einen ganz falschen Vorschlag gemacht haben, von dessen völliger UnHaltbarkeit wir gerade durch Arbeiter überzeugt worden sind. Es war im Januar d. I., als wir nach einem Konflikt zwischen dem„Vorwärts" und der„Leipziger Volkszeitung" den Leipziger Partei-Jnstanzen sagten:„Wir sind mit unserem Latein am Ende. Ihr habt uns die Direktive erteilt. Euer Blatt als ein klares Prinzipienblatt im Sinne der Lassalle, Marx und Engels und mit Bekämpfung aller abweichenden Tendenzen zu redigieren, aber wir können diesen Auftrag nicht ausführen, ohne daß persönliche Zänkereien in der Partei entstehen, die Euer Blatt ebenso schädigen, wie die Partei selbst. Gebt uns also eine andere Direktive, wonach wir die Flagge der Lassallc, Marx und Engels streichen und uns eine Reserve auferlegen, die bei niemand in der Partei, der ab- weichenden Tendenzen folgen will, irgend welchen Anstoß erregt." Die Leipziger Partei-Jnstanzen haben diesen Vorschlag zurück- gewiesen, da sie unsere Auffassung für viel zu pessimistisch hielten und namentlich auch wohl glaubten, daß wir durch eine größere Be- hutsamkeit in der Form allen„persönlichen Zänkereien" aus dem Wege gehen könnten. Sie werden sich inzwischen, namentlich aus unserem gestrigen Artikel, überzeugt haben, daß, je schonender und schüchterner in der Form wir die alten Parteiprinzipien vertreten, ein nur um so heftigerer Hagel persönlicher Beschuldigungen auf uns Niederprasselt, und daß wir insoweit nicht zu pessimistisch, sondern sie zu optimistisch geurteilt haben. Allein in der Sache haben sie un- zweifelhaft recht gehabt, wenn sie ihren wohlerwogenen Entschluß nicht aufgeben wollten, weil andere Leute daraus den Anlaß zu „persönlichen Zänkereien" schöpfen. Die Sache ist einfach die, daß heute kein Parteiblatt nach den alten Parteiprinzipien redigiert werden kann, ohne unausgesetzt mit dem Zentralorgan der Partei zu kollidieren, und daß kein Parteiblatt mit dem Zentralorgan der Partei kollidieren kann, ohne sofort wegen Mangels an„gutem Ton", wegen„Krakeelsucht", wegen„unmög- licher Diskussion", wegen der Anmaßung, die Lassalle, Marx und Engels zu„engeren Kollegen" erwählt zu haben, wegen„Literaten- eitelkeit",„Literatenmätzchen",„Literatenreibereien", peinlich an- geklagt zu werden. Das ist nicht nur das Schicksal der„Leipziger Volkszeitung", sondern auch sehr vieler anderer Parteiblätter, denn glücklicherweise herrschen die alten Parteiprinzipien ja noch in der Partei vor. Selbstverständlich wollen wir mit der Feststellung dieser Tatsache nicht etwa nach dem Vorbilde des„Vorwärts" sagen: der „Vorwärts" ist der allein Schuldige und wir anderen sind die reinen Unschuldlämmer; es wird unsere Aufgabe sein, demnächst nachzu- weisen, daß diese beklagenswerte Entwickelung in den Zuständen und nicht in den Personen wurzelt. Wir stellen einstweilen nur die Tatsache fest, um daraus die Schlußfolgerung zu ziehen, daß die gegenwärtigen Streitigkeiten kein Ende finden werden, bis entweder kein Partciblatt mehr nach den alten Parteiprinzipien redigiert wird, oder der„Vorwärts" denen gegeben wird, denen er gehört, den Berliner Genossen, in denen die alten Parteiprinzipien so lebendig sind, wie an irgend einem anderen Orte des Reiches. Es ist die schiefe und, wie wir nachweisen werden, historisch unmögliche Stellung des„Vorwärts" als eines angeblichen Zentralorgans der Partei, die die beklagenswerten Reibungen erzeugt, denen die Bochumer Genossen mit gutem Rechte den Garaus machen wollen. Wenn ihr Antrag nun aber einen falschen Weg einschlägt und gerade das herbeiführen würde, was er vermeiden will, nämlich den Parteitag zum Tummelplatze persönlichen Literatenstreites zu machen, so schlägt dagegen der Antrag der Berliner Genossen, den „Vorwärts" seiner Eigenschaft als eines Zentralorgans zu ent- kleiden, den durchaus richtigen Weg ein. Er packt das Uebel an der Wurzel und gestattet nicht nur, sondern ermöglicht eine durchaus sachliche Diskussion der Frage. Wir begrüßen den Antrag, von dem wir noch nichts wußten, zurzeit wo wir diese Artikel in einem Sommeraufenthalte zu schreiben begannen, da er unsere Aufgabe zum Teil wesentlich abkürzt, zum Teil aber auch um so notwendiger macht. Denn wenn die Berliner Genossen, wie durchaus berechtigt und natürlich ist, zunächst ihr gutes Recht beanspruchen, so werden wir nachzuweisen haben, daß die Annahme des Antrage? auch im allgemeinen Parteiinteresse notwendig ist. Es trifft sich nicht minder gut, daß, wie wir in der Parteipresse lesen, die Redaktion des„Vorwärts" selbst den Antrag der Berliner Genossen lebhaft befürwortet. Wir sind also diesmal mit ihr in vollkommener Uebereinstimmung und dürfen unserer Aufgabe gerecht werden, ohne den Vorwurf der..Krakeelsucht", der„Literaten- eitelkeit" und ähnlicher schöner Dinge mehr befürchten zu müssen. * ♦# Dieser Artikel zeichnet sich durch zwei Behauptungen aus. Erstens habe die Redaktion der„Leipziger Volkszeitung" den Leipziger Genossen vorgeschlagen, sie sollten ihr aufgeben, die Flagge der Lassalle, Marx und Engels zu streichen, die Leipziger Parte»- genossen hätten die Redaktion aber belehrt, daß ein solcher Vorschlag falsch sei. Das beweist nur, daß die„Leipziger Volkszeituna" in allen Dingen führend ist. Es gebührt ihr das Verdienst, die erste Parteiredaktion zu sein, die ihren Auftraggebern einen solchen Vorschlag machte. Auch die Leipziger Parteigenossen unterscheiden sich, immer nach der Darstellung der„Leipziger Volkszeitung", von anderen Parteigenossenschasten derartig, daß sie über den Vorschlag, die Flagge der Lassalle, Marx und Engels zu streichen, ernsthaft bis- kutieren und ihre Redaktion nur des Pessimismus zeihen. Die zweite auszeichnende Behauptung ist die, daß heute kein Parteiblatt nach den alten Parteiprinzipien redigiert werden kann, ohne mit dem„Vorwärts" unausgesetzt zu kollidieren. Danach wären von den 65 Tageszeitungen der Partei reichlich 60 nicht mehr nach den alten Parteiprinzipien redigiert. Wir gratulieren: zu beiden Behauptungen. Daneben ist aus dem Artikel nur noch das mitleiderregende Geständnis hervorzuheben, daß die„Leipziger Volkszeitung" die alten Parteiprinzipien jetzt nur noch in schüchterner Form vertritt, von unS also eingeschüchtert sei._ Auch ein Prinzipicukampf. Unter dieser Ueberschrist bringt die„Frankfurter Volks- stimme" einen Leitartikel, der so beginnt: „Mit aufrichtiger Trauer folgen in diesen Tagen Taufende deutscher Sozialdemokraten de», Streite„Leipziger Volkszeitung" und „Neue Zeit" gegen„Vorwärts". Nun ist allen Versicherungen zum Trotz, daß es sich um fundamentale sachliche Auseinandersetzungen handele, glücklich vor den, diesjährigen Parteitage wieder der ärgste persönliche Zank in, Gange, der namentlich von Leipzig aus mit bekannter Virtuosität geübt wird. Die gegnerischen Blätter, von der„Franks. Ztg." und der„Freis. Ztg." herab bis zum letzte» Kreis- und Pfassenblatt, Ivimmeln von Proben aus den Liebenswürdigkeiten, mit denen sich unsere besten und größten Parteiorgane bedenken, das Leipziger und die„Neue Zeit" unter der schönen Devise, die Prinzipien von Marx, Engels und Lassalle zu verfechten. Und es ist unleugbar, daß die von unseren Gegnern geschickt verbreiteten AuSzüge gewaltige Stimmung gegen unsere Partei machen. Wenn es niemand sonst sagen will, so wollen wir daher für unseren Teil erklären, daß die gegenseitige Selbstzerfleischerei, bei der sich der„Vorwärts" allerdings in der Hauptsache nur in deU Abwehr, die„Leipziger VolkSzeitung" und„Neue Zeit" in beinahe besinnungsloser Angriffsstimmung befinde», bei zahlreichen Genossen geradezu das Gefühl des Ekels erweckt. Und dieser Ekel niuß sich mit jedem Tag deshalb steigem, weil wir uns in Zeitläuften be- finden, die eine Betätigung der Lust, für die Prinzipien von Marx, Engels und Lassalle zu wirken, nach einer ganz anderen und äußerst lohnenden Richtung ebenso gebieterisch heischen, wie sie durch den schmutzigen Zank geradezu verhindert oder wenigstens stark gehemmt und gestört wird." Der Artikel führt dann auS, daß die Bekämpfung der Fleischnot bis jetzt die grundsätzliche Behandlung vermissen lasse, die so dringend nötig wäre, um auch die Blindesten über die kapitalistischen Quellen des heutigen deutschen Volkselcnds aufzuklären, verweist auf un- genügende, unprinzipielle Haltung unserer Genossen in Gemeinde- Parlamenten in dieser Frage und schließt: „So verwirklichen wir die„Prinzipien von Lassalle, Marx und Engels" in der politischen Praxis und selbst dort, wo unser un- mittelbarer Einfluß noch am größten ist I Aber unsere drei besten Parteiorgane bekämpfen sich zum höchsten Gaudium der Gegner zur selben Zeit mit ausgerechneten Bosheiten, um„den Prinzipien von Lassalle, Marx und Engels" zur Geltung zu ver- helfen— in literarischen Polemiken, während alles zum geschlossenen und zielbewußten politischen Handeln, zum Sammeln, Belehren und Anfeuern ruft l Da ist es schwer, keine Satire zu schreiben. Viel- leicht schreibt sie endlich der Jenaer Parteitag. Ucber die Taktik bei den Gemcindewahlcn macht der Bericht des Parteivorstandes eine tadelnde Bemerkung über die Vorgänge bei der Wahl in Darmstadt. Darauf hat Genosse C r a m e r in Darmstadt eine Verwahrung an den Parteivorstand gerichtet, worin er dem Parteivorstande Unrichtigkeiten vorwirft. Der Vorgang wird in Jena bei der Behandlung des Vorstandsberichts sicher zur Sprache kommen, so daß wir uns jetzt ein Eingehen darauf umsomehr er- sparen können, als wir uns ja seinerzeit zu den Wahlen in Darm- stadt ebenfalls kritisch geäußert haben. Ein Langohr hatte der„Frankfurter Zeitung" berichtet, ein sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter aus Württemberg habe es als einen Fehler bezeichnet,' daß kein Sozialdemokrat an der Kolonial-Nassauerei bei Hern, Wörmann teilgenommen habe. Von der„Schwäbischen Tagwacht" aufgefordert, nannte die„Frankfurter Zeitung" darauf den Genossen Hilde nbrand als den, der im Privatgespräche mit einem demokratischen Landtagsabgeordneten diese Aeutzerung getan habe. Hildenbrand gibt darauf eine öffentliche Erklärung ab, daß eS ihm natürlich gar nicht ein- gefallen sei, die Nichtteilnahme sozialdemokratischer Abgeordneter an der Wörmann-Fahrt als Fehler zu bezeichnen, daß er diese ganze Reise auf Kosten der Kolonialinteressenten entschieden verurteilt habe, daß er es aber als nützlich bezeichnet habe, wenn Reichstags- Abgeordnete, auch sozialdemokratische, Gelegenheit nehmen könnten, die' Verhältnisse in den Kolonien kennen zu lernen. Das ist natür- lich etwas ganz anderes, als was sich die„Frankfurter Zeitung" hat berichten lassen. Der Parteitag für Schleswig-Holstcin und Hamburg findet am 15. und 16. Oktober in Elmshorn statt. Auf der Tagesordnung steht auß den geschäftlichen Angelegenheiten und der Organisation die Fleischnot und die Grenzsperre. Kopenhagens„Social-Dcmokraten" wird vom 1. Oftober ab sieben Mal die Woche, also auch Montagvormittag erscheinen, ohne daß damit der Abonnementspreis von 20 Oere pro Woche erhöht wird. Die organisierte Arbeiterschaft Kopenhagens, die das Blatt herausgibt, hat lange danach gestrebt, daß der Sonntag so viel wie möglich für alle Arbeiter frei sein sollte, und demgemäß versucht, die gesamte Presse zu veranlassen, keine Montagsausgaben zu ver- anstalten. Bei dem starken politischen Interesse, das das dänische Volk auszeichnet, und dem Umstände, daß häufig gerade an Sonntagen wichtige politische Ereignisse eintreffen, blieb jedoch dieses Bestreben erfolglos. Die Montagsausgaben wurden zu einem Bedürfnis, dem nun auch„Social--Demokraten" Rechnung tragen mußte. Unsere Kopenhagener Parteigenossen hoffen mit Hülse dieser Neuerung die Auflage des Blattes von 42 000 auf 50 000 steigern können. Bei den ungefähr 500 000 Einwohnern Kopenhagens e damit auf je 10 ein Exemplar. Bereits jetzt erscheint das Ver- hältnis der Auflage des Blattes zur Bevölkerungszahl seines Ver- breiwngSgebieteS außerordentlich günstig. Zmitk Geveral-Versammlnstg des Zentralverems der KurelUl-Angkstelltt» Deutschlands. Die Generalversammlung begann ihre Sitzungen am Sonntag- vormittag im Gewerkschaftshause. Als Gäste sind erschienen: S a s s e n b a ch von der Generalkommission, I o s e p h s o h n, der Vorsitzende des Zentralverbandes sder Handlungsgehülfen und Ge- ülfinnen Deutschlands, und Giebel, der Vorsitzende des Ver- andes der Orts-Krankenkassen Deutschlands. Mit der Leitung der Generalversammlung wurden Bauer und R u n d i betraut. Aus dem Geschäftsbericht, den Bauer erstattete, ist hervor- zuHeben, daß seit der ersten Generalversammlung sich die Stabilität wesentlich gebessert habe, dank der ncueingeführten Unterstützungs- einrichtungen und des Rechtssckjutzes. Allerdings sei anfänglich nach der Erhöhung der Beiträge ein kleiner Rückgang in der Mitglied- chaft eingetreten, dann aber sei allmählich die Mitgliedschaft, die von 380 auf 289 gesunken war, auf annähernd 700 gestiegen. Die Kassen- Verhältnisse seien verhältnismäßig recht günstige. Während die erste Generalversammlung so gut wie nichts vorfand, habe man jetzt einen Kassenbestand von 5662 M. Die UnterstlltzungSeinrichtungcn hätten nicht das«kostet, was man erst annahm. An Arbeitslosen-Unter- stützung s«e>i in den drei Jahren seit der ersten Generalversamm- lung nur etwa 600 M. ausgegeben worden. Es gelang meist mit Hülfe der Arbeitsnachweise, die stellenlosen Kollegen noch innerhalb der vierzehntägigen Karenzftist wieder unterzubringen.— Die Agitation gestaltet sich insofern schwierig, als vielfach von der An- waltschast ein Druck auf die Kollegenschaft dahin ausgeübt wird, dem als sozialdemokratisch verschrienen Zenttnlverein fernzubleiben. — Der Zentralvorstand ersucht um Indemnität dafür, daß er dem erst lose angeschlossenen Leipziger Anwaltsgehülfenvercin bis zu dieser Generalversammlung besondere Vorrechte einräumte.— An einigen Lohnbewegungen war der Zentralverein beteiligt. Kassierer Ebersbach gab den Kassenbericht für die Zeit vom I.Januar 1902 bis zum I.Juli 1905. Bestand am 1. Jannar 1902 war 215,11 M. Die Gesamteinnahme, einschließlich dieses Bestandes, betrug 15 104,39 M., die Gesamtausgabe 9441,73 M., so daß am 1. Juli 1905 ein Bestand von 5662,66 M. verblieb. Z a d d a ch, der bis zu seinem Wegzuge von Berlin Redakteur des Verbandsorgans war, gab eine Uebersicht über die Zeitungs- Verhältnisse. Krüger, der Obmann des Ausschusses, berichtete über dessen Tätigkeit. Neben vielem anderen erwähnte er auch eine Beschwerde- angelegenheit R i e g e r- Spandau, betreffend Verweigerung der Auf- „ahme eines Artikels Ricgers in den„Bureau-Angestellten", der An- regungen für die Generalversammlung geben sollte und sich auf die Maifeier bezieht. Der Ausschuß(Sitz Dresdens erachtete zwar einige Ausfälle in dem Artikel für nicht gut, war aber der Meinung, daß der Artikel, aus dem ein erfreulicher Idealismus spreche, ruhig hätte gedruckt werden können. Damit wäre die Sache erledigt gewesen, wenn nicht Rieger„das Organ für Zerstörung und Unfrieden", die „Einigkeit", benutzt hätte, dort seinen Artikel, ein Schreiben Bauers und die Entscheidung des Ausschusses zu veröffentlichen. Hier wäre anzunehmen, daß Riezer die Absicht geleitet habe, die Organisation in der Oeffentlichkeit herabzusetzen. Das sei sehr zu mißbilligen und daraus müßten die erforderlichen Konsequenzen gezogen werden. Auf Anregung des Vorsitzenden wird über die Beschwerde selbst unter dem 6. Punkt der Tagesordnung„Agitation und Presse" näher verhandelt werden. Es wurde dann festgestellt, daß Delegierte aus Berlin, Chemnitz, Dresden, Hamburg. Königsberg, Leipzig, Wandsbcck und RegenS- bürg anwesend sind. Dann folgten die Diskussion über die Geschäftsberichte, di« nicht viel Zeit in Anspruch nahm, und die Schlußworte der Berichterstatter. Dem Zentralvorstande wurde einstimmig Decharge erteilt. Danach erstatteten die Delegierten Bericht über die Verhält- nisse und die Tätigkeit der einzelnen Mitgliedschaften. Es ging auch daraus hervor, daß die werbende Kraft des Zentralvereins stetig zugenommen hat und sich die gegnerischen Verbände seinem Einflüsse nicht entziehen konnten. In einzelnen Städten ist es zu gemeinsamem Vorgehen gegen die Mißstände gekommen. In Dresden ist der Arbeitsnachweis ein gemeinsamer. Verschiedeue Aktionen haben Verbesserungen im Gefolge gehabt. In Königsberg i. Pr. waren bei der Anwaltskammer Schritte gegen lleberarbeit getan worden. Die Anwaltskammer wollte nur berechtigte Ausnahmefälle anerkennen. Auf Beschwerden beim Justizminister wurden Er- Hebungen veranstaltet, und die Folge war die Feststellung der Mißstände und eine Anweisung des Ober-Landesgerichtspräsidenten, die Mißstände abzustellen.— Von einem Leipziger De- legierten wurde in Aussicht gestellt, daß der Leipziger Anwaltsgehülfenverein aus dem bisherigen losen Anschluß an den Zentralverein(Verttagsverhältnis) wahrscheinlich heraus» treten würde, un» sich dem Zcnttalverein als Mitgliedschaft einzufügen. Die Entscheidung liege bei der nächsten Generalver- sammlung des Leipziger Vereins.— Der Delegierte von Regens- bürg gab ein Bild von den traurigen Verhältnissen der bayerischen Anwaltsangestellten. Nach einer Statistik beziehen 198 noch weniger als 50 M. Monatsgehalt, während 150 M. und mehr nur 16 haben. Sogar die Handels- und Gcwerbekammcr Negensburg zahlt einem Kollegen, der Maschine schreibt, nur 30 M.— Im Anschluß an die Berichte verwies Bauer darauf, daß in Berlin die Bewegung, be- sonders die rückhaltlose Krittk der schreienden Mißstände in be- stimmten Anwaltbureaus, nach und»ach auf die Gehaltsverhältnisse hebend gewirkt und auch einen regelnden Einfluß auf die Arbeits- zeit geübt habe. Die Statistik der Ortskrankenkasse zeige dies. Während 1896 nur 12 Proz. der Anwaltsgehülfen über 100 M. Monatsgehalt erhielten, waren es 1901 schon 18 Proz. und 1904 bereits 22 Proz. Und umgekehrt ist der Prozentsatz derer, die weniger als 50 M. Gehalt hatten, gesunken. Die Stellungnahme zu anderen Berufsverbänden betraf der nächste Punkt der Tagesordnung. Es kan, zu einer Aussprache mit dem Vertreter des Verbandes der Verwaltungsbeamten der Orts- Krankenkassen in Sachen der erstrebten Verschmelzung mit diesem Verbände. Die Generalversammlung des Verbandes hat sich nicht für eine Verschmelzung ausgesprochen, sondern nur dafür, daß ein Kartellzusammenschluß angebahnt werden soll mit Organisattonen, die auf dem Boden der modernen Gewerkschaftsbewegung stehen. Außerdem hatte der Verband der Vcrwaltnngsbeamten den Anschluß an die Generalkommission beschlossen. Hierzu stellt der Zentral- vorstand des Zentralvereins den Antrag, gegen den Anschluß der Verwaltnngsbeamten-Organisation an die Generalkommission Wider- spruch zu' erheben. Bauer begründete den Anttag namentlich damit, daß der Zentralverein der Burcau-Angestellten, dessen Or- ganisationsgebiet die Verwaltungsbeamten der Krankenkassen eben- falls umfasse und der auch eine größere Anzahl solcher Beamten als Mitglieder habe, die ältere und darum maßgebende Organi- satton sei. Die Disftission wurde recht lebhaft. Die Delegierten, darunter auch die, welche in Kaste„stellungen sind, sprachen sich alle für den Antrag des Zenttalvorstandes aus.— Giebel als Vertreter des Verbandes der Verwaltungsbeamten warnte davor, den Protest zu beschließen. Das Bestreben des Zentralvcreins, schließlich eine Einigung mit dem Verband zu erzielen, würde dadurch nur erschwert werden. Durch Zwang sei eine Fusion nicht zu erzielen. Schließlich wurde auf Antrag des Zentralvorstandes folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die zweite Generalversammlung des Zentralvereins der Bureau-Angestellten Deutschlands begrüßt es, daß der Verband der Verwaltungsbeamten der Krankenkassen Deutschlands auf seinem letzten Verbandstag sich auf den Boden der modernen Arbeiterbewegung gestellt hat, indem er Anschluß an die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands sucht. Die Generalversamnilung steht aber nach wie vor auf dem Standpunkt, daß als zuständige gewerkschaftliche Organisatton für die Bureau-Angestellten aller Branchen nur der Zcnttalverein der Bureau-Angestellten in Frage kommen kann. Die Generalversammlung beaufttagt daher den Zenttalvorstand gegen den Anschluß des Verwalttmgsbeamtcn-Verbandes an die Generalkommission Widerspruch zu erheben. Sie erblickt eine Lösung dieser Angelegenheit in einen, Zusammenschluß der beiden Verbände und verpflichtet den Zenttalvorstand auf diesen Zusammenschluß nach Möglichkeit hinzuwirken." In der Sitzung am Montag wurden zunächst die Angelegen- heiten erledigt, die auf die Stellungnahme zu anderen Berufsverbänden bezug haben. Es handelt sich hier um zwei Punkte. Der eine betrifft daS Zusammengehen mit anderen Organisationen der Bureau- Angestellten. Wie aus dem Referat des Vorsitzenden Bauer hervorging, kommt für ein gemeinsames Zusammengehen hinsichtlich der Verbesserung der Lage der Kollegen nur der in Leipzig domizilierende Verband der deutschen Bureaubeamten in Frage. Dieser Verband ist erifftlich bemüht, seine Einrichtungen den Grund- sätzen der modernen Gewerkschaftsbewegung anzupassen. Deshalb steht eine Kattellierung mit dem Leipziger Verbände, die auch von demselben angestrebt wird, nichts im Wege. Diese Angelegenheit wurde ohne erhebliche Debatte durch die Annahme der nachstehenden Resolutton erledigt: Die zweite Generalversammlung des ZenttalvereinS der Bureau-Angestellten Deutschlands erklärt, daß es dringend not- wendig ist. die Bureau-Angestellten aller Branchen in eine ein- heitliche auf gewerkschaftlichem Boden stehende Kampfesorganisatton zu vereinigen. Um diesem Ziele näher zu kommen und Aktionen zur Ver- besserung der lvirtschastlichen und rechtlichen Lage der Berufs- angehörigen mit größerem Nachdruck führen zu können, ermächttgt die Generalversammlung den Vorstand in zweckdienlicher Weise ein solches Zusammenarbeiten herbeizuführen. Ein bauen, der kattellarttger Zusammenschluß kann aber nur mit solchen Berufsorganisationen»n Frage kommen, die auf dem Boden des Klassenkampfes stehen. Der andere Punkt, der noch zu erledigen war, betrifft das von anderen Organisationen des Berufes ausgehende Verlangen auf Einführung staatlicher Pensionskassen für die Privatbeamten, die im Anschluß an die gesetzliche Alters- und Jnvaliditätsversicherung ge- dacht ist. Die Generalversammlung trat diesen Bestrebungen durch Annahme der folgenden Resolution bei: Die zweite Generalversammlung des ZcntralvereinS der Bureau- Angestellten Deutschlands erklart sich mit der bisherigen Unterstützung der Bewegung der Privatangestellten Deutschlands auf eine staatliche Pensionsfiirsorge durch den Zentralvorstand ein- verstanden. Die Generalversammlung erklärt ferner, daß eine solche Für- sorge für den begrenzten Kreis unserer Berufsangehörigen ebenso notwendig ist wie für das Gros der Privatangestellten. Sie be- tont jedoch ausdrücklich, daß diese staatliche Pensionsfiirsorge zu erfolgen hat mittels Ausbaues der bestehenden Sozialgesetzgebung und daß eine derartige Fürsorge nicht geeignet ist, die Wirtschaft- lichen Interessengegensätze zwischen Arbeitgeber und Arbeit- nehmer aufzuheben und daß deshalb der Kampf für eine Ver- besserung unserer wirtschafilichen Berufsverhältnisse nach wie vor nachdrücklichst zu führen ist. Hierauf erfolgte die Beratung des U n t e r st ü tz u n g s w e s e n S. Dazu lagen vom Zentralvorstande Anträge vor auf Erweiterung der ArbeitSlosennnterstützung und Gewährung eines Sterbegeldes. Von anderer Seite ist die Gewährung einer Erwerbslosenunter- stützung beantragt worden. Nach eingehender Debatte erftärte sich die Versammlung in» Prinzip gegen die Erwerbslosenuntcrstützung und entschied sich für die Einführung der Krankemmterstützung, des Sterbegeldes, der Notfallunterstüßung, sowie für den Ausbau der Arbeitslosenunterstützung. Die Beratung der Einzelheiten dieser Unterstügungszweige wurde einer Kommission übertragen. Inzwischen ging die Versammlung zur Beratung des nächsten Punttes der Tagesordnung: Presse" über. Hierzu lag unter anderem ein von drei Mitgliedern gestellter Antrag vor, der eine Beschwerde darüber enthält, daß das Vereinsorgan die von der ersten Generalversammlung gefaßten Beschlüsse hinsichtlich der Taktik nicht beachtet, insbesondere daß es keinen Artikel zur Maifeier gebracht habe. In der Debatte wurde nur vereinzelt der Standpunkt des Antrages eingenommen. In der Hauptsache kam die Ansicht zum Ausdruck, daß der Zentralverein hinsichtlich der Maifeier auf dem von der modernen Arbeiterbewegung vertretenen Standpunkte stehe, jedoch sei es mit Rücksicht auf die eigenartigen Verhältnisse und die noch weit verbreitete Rückständigkeit der BureauAngestellten nicht opportun, eine besondere Agitation für die Maifeier im Vereinsorgan zu betreiben. Der vorstehend bezeichnete Antrag wurde hiernach abgelehnt.- Die beantragte Einsetzung einer Preßkommission wurde ebenfalls abgelehnt. Beschlossen wurde, das Organ Der Bureau- Angestellte", welches bisher monatlich einmal erschien, zweimal im Monat herauszugeben und die soziale Gefeggebung in einer besonderen Rubrik zu behandeln. Dem Redakteur soll eine angemessene Entschädigung gewährt werden, deren Höhe die Berliner Lokalverwaltung gemeinsam mit dem Zentralvorstande und dem Ausschuß festzusetzen hat. Ferner wurde eine Resolution angenommen, welche die Veröffent lichung eines vom„ Bureau- Angestellten" zurückgewiesenen von RiegerSpandau verfaßten Artikels in dem lokalistischen Organ„ Die Einigfeit" mißbilligt. " 1 Hierauf legte die Kommission ihre Anträge zum Unterstützungswesen bor, die mit geringen Aenderungen angenommen wurden. Es werden danach an Arbeitslose folgende Unterstützungssäge gewährt: Nach einjähriger Mitgliedschaft an Mitglieder unter 20 Jahren 6 M., an Mitglieder über 20 Jahre 10 M. wöchentlich auf die Dauer von 6 Wochen. Nach zweijähriger Mitgliedschaft 8 M. beztv. 12 M. wöchentlich auf die Dauer von 8 Wochen. Nach fünfjähriger Mitgliedschaft die gleichen Säge auf die Dauer von 13 Wochen. Krantenunterstüßung wird gewährt an Mitglieder, die während der Krankheit kein Gehalt beziehen und zwar nach einjähriger Mitgliedschaft an Mitglieder unter 20 Jahren 4 M., an solche über 20 Jahre 6 M. pro Woche auf die Dauer von 6 Wochen. Dieselben Sätze werden nach zweijähriger Mitgliedschaft auf die Dauer bon 8 Wochen, nach fünfjähriger Mitgliedschaft auf die Dauer von 13 Wochen gewährt. Die Unterstützung wird vom Beginn der dritten Krankenwoche an gezahlt. Sterbegeld beträgt nach einjähriger Mitgliedschaft 50 M., nach 50 m., Da fünfjähriger Mitgliedschaft 100 m. Die Gemaßregelten unterstützung soll in der einundeinhalbfachen Höhe der ArbeitsLosenunterstützung gewährt werden, ohne daß eine Karenzzeit erforderlich ist. In Notfällen soll eine Unterstützung bis zu 30 M. gewährt werden. Bum folgenden Punkt der Tagesordnung: " Gesetzliche Regelung unserer Berufsverhältnisse" wurden folgende Refolutionen angenommen: Die Generalversammlung des Zentralvereins der BureauAngestellten spricht die Erwartung aus, daß die verbündeten Regierungen endlich dem seit Jahren geltend gemachten Verlangen nach gesetzlicher Regelung unserer Berufsverhältnisse nachkommen und einen dementsprechenden Gesetzentwurf dem Reichstage vorSozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Todes- Anzeige. Am Freitag, den 1. d. M., verstarb unser Mitglied, der Schneider Emil Moldenhauer, Strelitzerstr. 71. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Diens tag, den 5. d. M., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Elisabeth- Stirchhofes aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß mein lieber Mann, unser guter Bater und Großvater, der Arbeiter Friedrich Henschke am 2. d. M., abends 82 Uhr, verschieden ist. 13356 Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Pauls- Kirchhofes in Plößensee aus statt. Die trauernde Witwe nebst Kindern, Grünthalerstraße 8. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Todes- Anzeige. Am Sonnabend, den 2. d. M., verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Friedrich Henschke am Grünthalerstr. 9. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 6., nachmittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Pauls Kirchhofes in Plögensee aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 249/6 Der Vorstand. Hiermit allen Bekannten und Verwandten die betrübende Nachricht, daß unsere teure Mutter, Schwieger- und Großmutter, Frau Auguste Schmidt, geb. Horn, am Sonntag, den 3. September, abends, infolge Herzschlages gang plößlich verschieden ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. September, nach mittags 4, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchhofes, Hermannstraße, aus statt. Heute nachmittag 4 Uhr verschied nach schwerem Krantenlager mein inniggeliebter Mann, unser herzensguter Vater, Schwiegerbater und Großvater, der Restaurateur Wilhelm Grüneberg im 57. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an Auguste Grüneberg geb. Herzer. Oskar Grüneberg und Frau Anna geb. Lindow. Karl Schleiff und Frau Ella geb. Grüneberg. Fritz Strelow und Frau Anna geb. Grüneberg. Berlin, den 2. September 1905. Liegnigerstr. 26. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. September cr., nachmittags 42 Uhr, von der Halle des Emmaus- Kirchhofes, Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. 41812 Vereinigung der Maler, Lackierer, Auftreicher. ( Filiale Berlin.) Todes Anzeige. I Am Freitag, den 1. September, starb nach langem Krankenlager unser langjähriges Mitglied Karl Spreer. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 5. d. M., nachmittags 3/4 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes, Strugstege in Lichtenberg, aus ftatt. 125/9 Die Ortsverwaltung. Todes- Anzeige. Am 2. d. M. entschlief nach langem schweren Leiden unser werter Sportsgenosse und Ehrenmitglied b) die Gewerbegerichte bezw. die Kaufmannsgerichte, c) das Unfallversicherungsgeseh Tegen werden. Der Vorstand wird beauftragt, mit aller Energie[ mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung geführt hat. die Forderung nach gesetzlichem Schutz dahin geltend zu machen, daß Schirmann wurde gestern unter dieser Beschuldigung der Feriena) gesetzliche Bestimmungen zur Regelung der Berufsverhältnisse straffammer des Landgerichts II aus der Untersuchungshaft vorim Anschluß an die Gewerbeordnung bezw. das Handels- geführt. Der Angeklagte, ein schon vielfach vorbestrafter Mensch, Heiratete, als er 1902 eine längere Zuchthausstrafe verbüßt hatte, die unverehelichte Marie Berg. Diese führte einen liederlichen Lebenswandel, war dem Trunke ergeben und der Polizei als Prostis auf die Bureauangestellten ausgedehnt werden." tuierte bekannt. Der Angeklagte behauptete gestern vor Gericht, Die Generalversammlung des Zentralvereins der Bureau- An- daß er versucht habe, seine Frau auf ordentliche Wege zu bringen, gestellten Deutschlands tadelt aufs schärfste die Verzögerung der daß ihm dies aber nicht gelungen sei. Schirmann wurde eines Tages von uns seit Jahren geforderten gefeßlichen Regelung unserer Be- wegen der Zuhälterdienste, die er seiner eigenen Frau geleistet haben rufsverhältnisse durch die Regierung bezw. die gesetzgebenden sollte, zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt und dann noch ins Körperschaften. Arbeitshaus gesteckt. Auch seine Frau wanderte ins Arbeitshaus, " Die Generalversammlung verurteilt insbesondere die von der von wo aus sie in brieflichen Verkehr miteinander traten. Der AnRegierung unter Ausschluß der Deffentlichkeit bewirkten Erhebungen geklagte wurde am 14. März aus dem Arbeitshause entlassen, drei über unsere Berufsverhältnisse durch Befragung der Vorstände der Wochen später erlangte seine Ehefrau die Freiheit wieder und zog Anwaltskammern. Diese Erhebungen können naturgemäß nur ein- wieder zu ihm. Am 2. Mai nachts gegen 1 Uhr traf er sie in seitige Resultate aufweisen. start angetrunkenem Zustande am Maybach- Ufer. Der abseits Die Generalversammlung spricht deshalb jenen Erhebungen stehende Schußmann Salecte bemerkte, daß die beiden eine heftige jeden Wert ab und fordert von der Regierung ausdrücklich die un- Auseinandersetzung hatten und handgreiflich wurden. Der Schutzberzügliche Vornahme von schriftlichen und mündlichen Erhebungen mann hörte, wie der Angeklagte seiner Frau u. a. zurief: und durch den Beirat für Arbeiterstatistit. wenn Du ins Wasser fliegst!", er sah, wie er sie plötzlich hochhob " Die nun folgende Statutenberatung zeitigte eine längere und sie über das Geländer hinweg ins Wasser stürzte. Unmittelbar Debatte. Das Ergebnis derselben war die Annahme einiger Aende- darauf ertönten auch gellende Hülferufe aus dem Kanal herauf und rungen, deren wesentlichste die folgenden sind: Außer den bisherigen als nun der Schußmann hinzueilte, sprang der Angeklagte auf einen Beitragsklassen( 1,20 m. monatlich für Mitglieder über, 0,80 M. für dort ankernden Kahn, packte die Frau und suchte sie aus dem Wasser solche unter 20 Jahren) wird eine dritte Klasse zu 0,40 m. monatlich zu ziehen. Zwei Arbeiter der Straßenreinigung, die von dem für Mitglieder bis zu 17 Jahren eingerichtet, die aber keinen An- Lärm herbeigelockt waren, bestiegen schleunigst den Rettungskahn spruch auf Unterſtüßungen hat. Die Aufnahmegebühr fällt fort. und brachten die Frau bald aufs Trockene. Während des RettungsZwei Sechstel der Einnahmen sind für Unterstützungszwecke zu ver- aftes schrie die letztere wiederholt aus Leibeskräften, daß ihr Mann wenden, ein Sechstel verbleibt den Lokalverwaltungen. Ferner fie habe ermorden wollen". Der Angeklagte behauptete im gestrigen wurde beschlossen, daß zu geeigneter Zeit ein Kongreß der Berufs- Termin, daß er infolge der langen Freiheitsstrafen, die er bers angehörigen veranstaltet werden soll. Der nächste Punkt der Tagesordnung lautete: " büßt, sehr nervös sei. Er habe seine Frau in jener Nacht in einem unsagbar betrunkenen Zustande am Maybach- lfer angetroffen und Die Frauenarbeit in unserem Beruf." da sie sich mit aller Gewalt dort in den Kot habe legen wollen, habe Der vorgerückten Zeit wegen wurde von der Erstattung eines er sie hochgehoben und auf das Ufergeländer gesetzt. Dabei müsse Referats abgesehen und ohne Debatte folgende Resolution an- sie wohl das Gleichgewicht verloren haben und über die Böschung in das Wasser gestürzt sein. Nach dem Gutachten des Gerichtsarztes genommen: Die durch den Wettbewerb der Frau hervorgebrachten Dr. Marts ist der Angeklagte ein erblich startbelasteter, schädigenden, die Bezahlung der Männerarbeit herabbrüdenden minderwertiger, durch Alkoholgenuß entarteter Mensch. Sein Vater Wirkungen find einzig und find einzig und allein durch Erziehung und ist f. 3. 1870 wegen Widerstandes und Feigheit vor dem Feinde Organisierung der weiblichen Angestellten zu bewußten Mit- zum Tode verurteilt, aber begnadigt worden, dann der Geisteskrank tämpferinnen um bessere Eristenzbedingungen zu beseitigen. Die heit verfallen und fristet jetzt als Harmonikaspieler sein Leben. Der Generalversammlung fordert darum alle weiblichen Bureau- Angeklagte selbst, der eine Narbe auf der Stirn hat, hat sowohl im Angestellten auf, sich dem einzigen ihnen offen stehenden Berufs- Buchthause, als auch im Untersuchungsgefängnis Zustände aku ter vereine, dem Zentralverein der Bureau- Angestellten Deutschlands, Verwirrtheit gezeigt, er ist geistig im hohen Grade minder. anzuschließen." wertig, seine Burechnungsfähigkeit aber nicht ganz aufgehoben. zum Zentralvorstand. Der Siz desselben bleibt in Berlin. Anklage für nachgewiesen und beantragte mit Rücksicht darauf, daß Als letzter Punkt der Tagesordnung erfolgten die Wahlen Der Staatsanwalt hielt die Schuld des Angeklagten im Sinne der Gewählt wurden als Vorsitzender Bauer, als Redakteur Leher erregt war und der Frau der größere Teil der Schuld beizumessen | mann. Als Siz des Ausschusses wurde Dresden bestimmt. ist, 9 Monate Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte auf 6 Monate 3 Monaten UnterDamit war die Tagesordnung erledigt. Nach einer Schlußrede Gefängnis unter Anrechnung von des Vorsitzenden Bauer wurde die Generalversammlung mit einem suchungshaft. Hoch auf den Zentralverein und die moderne Arbeiterbewegung geWann wird wohl die akute Verrücktheit dieses Menschen zu schlossen. einer chronischen werden? Gerichts- Zeitung. Wafferstand am 2. September. Ibe bei Ausfig 0,29 Meter, bei Instrut bei Dresden 1,66 Meter, bei Magdeburg+0,74 Meter. Dder bei Ratibor Straußfurt+ 1,30 Meter. Meter, bei Breslau Oberpegel Meter, bei Breslau Unterpegel-- Meter, bei Frankfurt+ 0,84 Meter. Weichsel bei Brahemünde +2,22 Meter. Warthe bei Posen -Meter. Netze bei Usch Im hohen Maße geistig minderwertig doch nicht ganz unzurechnungsfähig! Auf versuchten Mord war ursprünglich das gegen den Schlächtergesellen Otto Schirmann eingeleitete Verfahren gerichtet, welches schließlich zu einer Anklage wegen Körperverlegung Meter. Sozialdemokratisch. Wahlverein Rixdorf. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schankwirt Gustav Dühring 235/10 ( 1. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Der Vorstand. Verband d.Verwaltungsbeamten der Krankenkassen und Berufsgenossenschaften Deutschlands. Bezirksgruppe BerlinBrandenburg. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Bernhard Lillinger am 1. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 5. September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des St. Georgen. Friedhofes, Landsberger Allee, aus statt. 293/7 Bahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme jowie zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Restaurateurs Hermann Vits sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Gesangverein Solidarität" für den erhebenden Gesang, dem Verband der Buchdruckerei- Hülfsarbeiter und -Arbeiterinnen Deutschlands, Berlin Bahlstelle II, den Stammgästen und allen denen, die mir in meinen schweren Stunden zur Seite gestanden haben, sowie den Direktionen der Brauereien Friedrichshain, Oswald Berliner und Willner meinen herz13276 Karl Schuchholz. ihften Dank. Wir verlieren in demselben ein äußerst tätiges Mitglied und werden seiner stets in Ehren ge= denken. 41822 Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen ThomasKirchhofes, Nirdorf, Hermannstraße, aus statt. Freie Vereinigung d. Tourensegler Grünau". 99 Kranz- und Blumenbinderei * Don Robert Meyer, nur Mariannen- Straße 2. Vereins- Kränze, Palmen- u. BlumenDie trauernde Witwe Berta Vits geb. Papke. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben unvergeßlichen Mannes, unseres herzensguten Vaters, des Maurers Robert Harder sagen wir allen Teilnehmern unseren tiefgefühltesten Dank. Die trauernde Witwe Anna Harder nebst Kindern. 1336b Dr. Schünemann, Spezial- Arzt für[ 41022* Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten, Arrangements, Bufetts, Guirlande Seydelstr. 9, dicht am Spittelmarkt. usw. werden sein u. preiswert geliefert. Wochentags 12-3, 6-8. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, Gänsefedern 60 Pf. die meiner lieben Frau, unserer guten Mutter, Schwiegermutter und Großmutter das legte Geleit gegeben, sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dant. 13376 Ernst Schill nebst Familie. Preise Zahn- Klinik. beliebige Teil. zahlung. InvalidenOlga Jacobson, straße 145. gt * K gt pr. Pfund( gröbere zum Reißen). Schlachtfedern, wie sie v. d. Gans fallen, mit allen Daunen m. 1.50, fällfertiger Gänserupf m. 2.00, beffere Gänsehalbdaunen m. 2,50, 3.00. befte fchneeweiße m. 3.50, russische Daunen m. 3.50, weiße böhm. Daunen m. 5.00, ge riffene Federn m. 1.50, 2.00, 2.50. Prima geriffene m.3.00, 3.50, Dersand gegen Nachnahme. Berlin S.. Gustav Lustig, prinzenrage 46a. Erste Bettfedernfabrik m. electr. Betriebe. Diele Unerkennungsschreib. Anhaltische Kohlenwerke G NHALTISCHE KOHLENWERKE Mariengrube ,, mit dem Kleeblatt: Altrenommierte Briketts bester Qualität aus den 201/ 15* Anhaltischen Kohlenwerken Mariengruhe, Senftenberg. H.& P. Uder, Berlin SO. 16, 父 交 , Engel- Ufer 5. Tabak- Großhandlung u. Tabakfabrik. Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten. Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. 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Carras ist die beste egypt.Cigarette Der Welt Orts- Krankenkaffe Lichtenberg. Einladung zur Wahlversammlung. In Gemäßheit der§§ 51, 51a in Berbindung mit den§§ 66 und 71 der Stassenjagungen finden im Monat September 1905 die Sozialdemokratischer Wahlverein Deutscher Holzarbeiter- Verband. für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Mittwoch, den 6. September, abends 8% Uhr: Often. Neuwahlen der Delegierten Dienstag, 5. September, abends 8 Uhr, im„ Elysium", Landsberger Allee 40/41: zur Generalversammlung für die Beriode vom 1. Oftober 1905 bis 30. September 1907 statt. Wahlberechtigt und wählbar find Die Staffenmitglieder, die großjährig Versammlung. Tages Ordnung: und im Besize der bürgerlichen Ehren- Vortrag des Genoffen Th. locke über:" Unsere Bewegung und unsere Ziele". Diskussion. Verschiedenes. rechte find. 274/18 Die Wahlen finden in getrennten Wahlgängen( Arbeitgeber amb Arbeite nehmer) statt. Bur Bornahme der Wahlen laden wir die Herren Arbeitgeber zum Mittwoch, den 13. Sep: tember 1905, abends von 6-8 1hr, in das Lokal der Herren Gebr. Arnhold, Frankfurter Chaussee 5 ( Bimmer rechts vom Haupteingang), hiermit ergebenst ein. Die Herren Arbeitnehmer, Staffenmitglieder, die in zwei Wahlabteilungen wählen, laden wir zur Bornahme der Wahl, die I. Bahlabteilung, umfassend die Betriebe östlich der Gürtelstraße, der DorfAufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. 244/ 14* Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Vertrauensmänner- Versammlungen: Tagesordnung in allen Versammlungen: Besprechung über die Anfnahme einer Statistik und Ausgabe des Materials hierzu. Nordosten bei Mann, Straußbergerstr. 3, Osten I, Osten II: bei Litfin( Gesellschaftshaus„ Oftend"), Memelerstr. 67. Tagesordnung: 1. Bericht der Dbleute. 2. Werkstattangelegenheiten. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Rosenthaler Vorstadt: bet wuke, Brunnenstraße 188. Dienstag, den 5. September, abends 8 Uhr: General- Versammlung in den Germaniasälen, Chauffeeſtr. 103. ftreif). Tages- Drbnung: 1.„ Weltanschauung und Taktik des Proletariats"( General ſtraße und des Weißenseer Beges, Referent: Dr. R. Friedeberg. Korreferent: Genosse Georg Ledebour. ausschließlich der brei genannten Straßen, sowie die Kaffenmitglieder, die in Wilhelmsberg beschäftigt find, zum Donnerstag, den 14. Sep: tember 1905, abends von 5%, bis 8%, Uhr, in bas gofal von Getir. Arnhold, Frankfurter Chaussee 5. Die II. Bablabteilung, umfassend die Betriebe in der Gürtelstraße, der Dorfstraße und des Weißenseer Weges sowie den Ortsteil westlich dieses Straßenzuges zum Freitag, den 15. September 1905, abends von 51/2 bis 84 Uhr, in das Lokal von Gebr. Arnhold, Frankfurter Chauffee 5, hiermit ergebenſt ein. Die Kaffenmitglieder, die ihre Beiträge selbst zahlen( freiwillige Mitglieder) wählen in der Abteilung, in der ihre Wohnung belegen ist. Die Arbeitgeber haben aus ihrer Mitte 37 Delegierte, 9/ 4* 2. Diskussion. Mitgliedsbuch legitimiert. Bahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. NB. Den Genoffen zur Kenntnisnahme, daß zum 16. September von der Vorstadt Wedding und DranienD. D. „ Schönhauser Borstadt" arrangiert. burger Borstadt" ein Herbstfest veranstaltet ist. Desgleichen ist zum 23. September ein Stunstabend seitens der Deutscher Buchbinder- Verband. ( Zahlstelle Berlin.) Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstattkontrolltommission. 2. Werkstattangelegenheiten. 3. Berbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Schönhauser Vorstadt: bei Wernau, Schwedterstr. 23/24. Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstattkontrollkommission. 2. Werkstatt und Verbandsangelegenheiten. Müllerstraße 7. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Verbands- und WerkstattWedding und Gesundbrunnen: bei G. Milbrod, angelegenheiten. 8. Verschiedenes. Moabit: bet Nagel, Butligstr. 10. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Bericht der Vertrauensmänner. 3. Berbands- und Werkstattangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Westen und Süd- Westen: bei Habel, Bergutannstr. 5-7. Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstattkontrollkommission. der Werkstattvertrauensleute. 3. Verschiedenes. Süden: bei Gliesing, Waffertorstr. 68. Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstattkontrollkommission. bands- und Werkstattangelegenheiten. 3. Verschiedenes. 2. Bericht 2. BerDiejenigen Kollegen, welche in Nigdorf arbeiten der Bahlstelle Berlin angehören, find verpflichtet, einen Vertrauensann zu ents Der Obmann. Morgen, Mittwoch, 6. September, abends präzise 29 Uhr, bei Buggenhagen fenden. ( im großen Saal) am Morikplatz: Außerordentliche General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Wahl eines Bureaubeamten. 2. Beratung des neuen Drtsstatuts. die Staffenmitglieder der 1. Wahl- 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. abteilung 48 Delegierte und 24 Ersaßmänner, die Naffenmitglieder der II. Wahlabteilung 30 Delegierte und 15 Erfaßmänner mittels geheimer Wahl zu wählen. Die Wahlhandlung wird pünktlich eröffnet und gilt als Legitimation für die Staffenmitglieder das Mitgliedsbuch oder Karte. Für die Arbeitgeber die letzte Bei tragsquittung. Bur zahlreichen Beteiligung einladend Der Kaffenvorstand. P. Levyn, I. Vorsitzender. Kranken- und Begräbniskasse des Vereins der deutschen Kutscher und verwandter Berufsgenossen. ( Eingeschr. Hülfstasse Nr. 83 zu Berlin.) Montag, den 6. November, abends 8, Uhr: Ordentl, General- Versammlung Große Frankfurterstr. 47. Der Vorstand. 13176 3. A.: Gust. Alisch. erscheinen. Wir ersuchen alle Mitglieder, in dieser wichtigen Versammlung pünktlich und vollzählig zu Mitgliedsbuch legitimiert. Reste. Kostümstoffe Mantelstoffe Konfektion. Jacketts Röcke Blusen C. Pelz Kottbuserstr. 4 Namen eingravieren 10 Pf. mehr. Neuheit! Gefehlich geschütt! 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Brande der Musikinstrumentenarbeiter. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV, 3353. Mittwoch, den 6. d. M., abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal VII): Versammlung 122/13 der Drahtarbeiter Berlins u. Umgegend. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Cohen. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Branchenkommission. 4. Verbandsangelegenheiten. Bahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Arbeitervertreter- Verein Berlin. Donnerstag, 7. b. M., abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: Außerordentliche Generalversammlung. Tages Drdnung: Fortsetzung der General- Versammlung vom 3. August d. J. eventuell Beschlußfassung über das Weiterbestehen des Vereins und Neuwahl des Borstandes und der Revisoren. Es ist Ehrenpflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung 53/10 Der Vorstand. zu erscheinen. J. A. F. Pieschel, Borsigender, Gartenstr. 51. Tapezierer. Mittwoch, den 6. September. abends 8 1hr, bei Wendt ( großer Saal), Beuthstr. 20: Tagesordnung: 1. Wie gedenken wir in diesem Jahre die beginnende gute Geschäftstonjunktur auszunuzen? 2. Unsere Statistik. 3. Bericht der Kommission und Verschiedenes. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Die Branchenkommission. = Möbelpolierer.= Für Often bei Kubat, Blumenstraße 38. Für Südosten bei Beier, Stalikerstrake 22. Für Norden bei Maak, Brunnenstraße 96. Jede Werkstatt muß vertreten sein! L Hiermit mache ich den Kollegen bekannt, daß die Zahlstelle von Tschacksch, Naunynstr. 6, nach Staligerstr. 22 bei Beier verlegt worden ist. Die Kollegen des Südostens mögen diese Zahlstelle als Berkehrslokal betrachten. Bilderrahmenmacher bei Ladewig, Alte Jakobstr. 83. Die Kommission erscheint um 7% Uhr. Branche der Stellmacher bei Pfeffer, Rosenthalerstr. 57. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Bertrauens leute. 3. Verschiedenes. Donnerstag, den 7. September, abends 8%, Uhr: Branche der Korbmacher bei Krause, Koppenstraße 41. Tagesordnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. Verschiedenes. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Der Obmann. Versammlung. Branche der Kistenmacher Tages- Ordnung: 1. Einführung der Hauskassierung. 2. Verbandsangelegenheit. Kollegen! Erscheint Mann für Mann, da die Tagesordnung eine überaus wichtige ist. 179/11 Die Verbandsleitung. Kirberg& Comp.- Foche Solingen. Achtung! Bauhandwerker! Achtung! in bei Aeltestes Fabrikationsgeschäft Solinger Stahlwaren mit Versand dirett an Private. Biederverkäufer hohe Provision. jezt: PrinzenFür die in der 92/5 bei Baudach, Breslauerstr. 28. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Bürstenmacher= bei Pfeffer, Rosenthalerstr. 57. Jede Berkstatt muß durch einen Kollegen vertreten sein. Treppengeländerbranche beäft. Arbeiter Kammacher. find grane gungsfarten heraus, Kommissionssitzung mit den Vertrauensmännern Dr. Lell Rosenthaler. Dr. Simmel, str. 41. gegeben. Da häufig die getroffenen Bereinbarungen durchbrochen werden, strasse 26 II. Homöopath und Spezial- Arzt Spezialarzt für 29/14 Hant- and Harnleiden. für Haut, Harn- und Gescht.- Leiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. 11-2 11. 5-8 Somnt. 11-3. bitten wir die in Frage kommenden Bauhandwerker, überall die Vorzeigung der Karten zu verlangen. Die Branchenkommission des Holzarbeiter- Verbandes. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsftelle Berlin: Engel- Ufer 15. Hauptbureau: Bimmer 1-5. Amt 4, 9679. Arbeitsnachweis: 8immer 34. Amt 4, 3353. Achtung! Rohrleger und Helfer! 122/12 Diejenigen Stollegen, welche bei organisierten Unternehmern arbeiten und nicht nach dem neuen Tarife bezahlt werden, ersuchen wir, dies sofort in unserem Bureau zu melden. Diejenigen Kollegen, welche bei nicht organisierten Unternehmern arbeiten, werden ersucht, darauf zu sehen, daß der Tarif unterschrieben wird. Sollte sich der Unternehmer weigern, die Unterschrift zu leisten, ersuchen wir, uns die Firmen und die von der Firma in Arbeit genommenen Bauten sofort mitzuteilen, damit beibes veröffentlicht werden kann. Die Ortsverwaltung.. Berantiv. Redakteur: Baul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Koppenstraße 41. Jede Berkstatt muß vertreten sein. = Stockarbeiter bei Bareinz, Brandenburger Ufer 7. Drechsler und Treppengeländerbrauche. 89/15 Osten: bei Krause, Koppenstraße 41. Norden: bei Bergmann, Brunnenstr. 79. Südosten und Westen: bei Stramm, Nitterstraße 123. Tagesordnung: 1. Aufnahme der Statistit. 2. Bericht der Kommission. Berkstattdifferenzen. 4. Berbandsangelegenheiten. 5. Verschiedenes. Jede Werkstatt muß vertreten sein; auch die in Tischlereien be schäftigten Drechsler haben einen Delegierten zu entsenden. Aus Treppen. geländer Werkstellen hat jede Branche einen Delegierten zu entsenden. Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 3. Nr. 207. 22. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Aus der Frauenbewegung. Dienstag, 5. September 1905. Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Gäste Herr Baege hält einen Vortrag über„ Die Entstehung und Abwillkommen. stammung des Menschen". Dieses sehr lehrreichen Vortrages wegen Borsigwalde- Tegel. Der Frauen und Mädchen- Bildungsverein Aufnahme neuer Mitglieder. ist das Erscheinen aller Mitglieder Pflicht. Gäste find willkommen. Der Vorstand. Rigdorf. Der Verein gewerblich tätiger Frauen und Mädchen von Borsigwalde und Umgegend hielt am 23. August seine regelbon Rigdorf und Umgegend hält Mittwoch, den 6. September, abends mäßige, sehr gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Herr Hilde- Spandan. In der morgigen Mitgliederversammlung des Frauen8 Uhr, im Lokal des Herrn Thiel, Bergstr. 150, seine Mitglieder- brand hielt einen sehr interessanten und lehrreichen Vortrag, an den Bildungsvereins( bei Kumke, Schönwalderstraße 80) spricht Herr versammlung ab. Auf der Tagesordnung steht: 1. Vortrag des fich eine rege Diskussion schloß. Gleichzeitig wird bekannt ge- Dr. Wollheim- Berlin über Chemie in der Küche"! Herrn Dr. Maurenbrecher über:„ Maxim Gorki"( mit Rezitation geben, daß Mittwoch, den 6. September, abends 8 Uhr, in Tegel, Vollzähliger Besuch der Mitglieder wird erwartet. Gäste will verschiedener Gorkischer Dichtungen). 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Bei Schmidt, Schlieperstr. 64, die nächste Versammlung stattfindet. I kommen. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedaktion dem Publitum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, 5. September. Anfang 7, Uhr: Opernhaus. Samson und Dalila. Schauspielhaus. Gyges und sein Ring. Menes. Ein Sommernachtstraum. Westen. Die neugierigen Frauen. Zentral. Die Geisha. Thalia. Bis früh um Fünfe! Anfang 8 Uhr: Urania Tauben8 Uhr: Schiller- Theater. str. 48/49. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Dienstag, abends 8 Uhr: Ein Wintermärchen. Dienstag, abends 8 Uhr: Logenbrüder. Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Nur noch drei Aufführungen: Der Simplon und sein Gebiet. Shauptet in feri Butegen von Schwant in& oken bon dan Laus Im Hauſe der Sünde. Sternwarte InvalidenPANAS fünf Aufzügen William Shakespeare. Mittwoch, abends 8 Uhr: Ein Wintermärchen. str.57/ 62. Donnerstag, abends8Uhr: CASTAN'S ANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Joël's Traum! Im Restaurationssaal: Schiller 0.( Wallner Theater.) D'Kochelsee't." Ein Wintermärchen. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Die Logenbrüder. Leffing. Die Erziehung zur Ehe. Hierauf: Die fittliche Forderung. Residenz. Eine Hochzeitsnacht. Trianon. Das Ende der Liebe. Carl Weiß. Im Hause der Sünde. 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M.. halten folgende Gesangvereine in der Philharmonie ein Vergnügen ab: „Constantin",„Eintracht",„Euterpe",„Herrmann",„Kornblume". „Liederverein",„Longobardia" und„Peufonio".— Das Lokal ist ge- sperrt, doch wird in Arbeiterkreisen versucht, Billetts abzusetzen; man weise diese zurück._ Die Lokalkommission. Berliner)Vacbricbten. Wie ein Sozialdemokrat bestattet wird. Daß Beamte der Kirche die Ruhestatt der Toten zum Tummelplatz argerniserregender Auftritte machen, haben wir ™ der letzten Zeit leider mehrfach mitteilen müssen. Küster oder Totengräber glauben wunder was zu tun, wenn sie mit herausfordernden Worten von sozialdemokratischen Leid- tragenden die Entfernung roter Kranzschleifen verlangen. In der Sonntagnummer berichteten wir, daß der Witwe unseres Parteigenossen Härder ein Beerdigungsschein ausgestellt worden ist, auf welchem der Küster der Friedensgemeinde zur Kennzeichnung des Verstorbenen und seiner Angehörigen das Wort„r o t" geschrieben und dann ausgestrichen hat. So ungehörig wie hier schon handelten Beamte der Kirche auch bei der Beerdigung unseres Parteigenossen Härder. Als der Leichenzug in Nieder-Schönhausen auf dem Friedhof der Friedensgemeinde anlangte, kam der stellvertretende Toten- gröber und auch dessen nächster Vorgesetzter den Leidtragenden mit der barschen Forderung, die roten Schleifen zu entfernen. Es gab eine lange Auseinandersetzung, nach der unsere Parteigenossen schließlich um des lieben Friedens willen nachgaben und sie fügten sich dem ungehörigen Ver- langen des Friedhofsbeamten und steckten die Schleifen unter den Rock. Doch auch dies Entgegenkommen war dem Feind der roten Farbe nicht recht; er rief den Leidtragenden ein >,H 0 1 1" zu und bedeutete ihnen, daß er die Leiche nicht weiter lasse, wenn die Schleifen n icht in den Wagen gelegt Wörden. Diese Dreistigkeit war den Leidtragenden denn doch zu arg-; sie gingen unbekümmert weiter. Einen tiefen, erschütternden Eindruck machte es auf alle Anwesenden, als die Witwe sich in diesem Augenblick zu ihren Kindern wandte und ihnen die Worte zurief:„Seht, Kinder, Ihr sollt es Euch zur Ehre anrechnen, daß Euer Vater im Tode noch derart bc- handelt wird!" Unsere Parteigenossen werden mit uns über- einstimmen, daß ein so tapferes Verhalten, ein so rühmcns- werter Heroismus Achtung und Bewunderung abnötigt. Der Leichenzug war mittlerweile am Grabe angelangt, die Kränze wurden niedergelegt und die Spender sprachen in kurzen Worten ihre Widmung aus. Während so die Würde des feierlichen Augenblicks wiederhergestellt wurde, eilte der Totengräber zu einem Gendarmen, damit dieser den Namen unseres Parteigenossen Thöns vom Zentralverband der Maurer notiere. Der Gendarm zeigte zum Glück Verständnis für die Situation und wartete auf Bedeuten einiger der Leid- tragenden mit der überflüssigen Mühewaltung bis nach Be- endigung der Feier, wo der Denunzierte sich aus eigenem Geheiß meldete. In seinem Eifer vergaß der Friedhofsbeamte ganz die sonst doch nie vergessene Aufforderung zum stillen Gebet an die Versammlung zu richten, ein Versehen, das immerhin mit Fassung von den Leidtragenden hingenommen wurde. Unsere Parteigenossen werden sich nicht sonderlich über die Frage aufregen, ob die Kirchenbehörde dem Friedhofsbeamten beisteht oder ob sie ihm bedeutet, daß ein Benehmen, wie das bei dieser Beerdigung an den Tag gelegte, der Kirche tiefere Wunden schlägt als alle atheistische Agitation und daß es mit solchen Ungehörigkeiten daher schon im Interesse der Religion endlich einmal ein Ende haben müsse. Gewiß läßt sich kaum etwas Peinlicheres denken, als wenn ein Friedhofsbeamter sich im Angesicht des Todes derart beträgt, wie hier geschildert worden; aber andererseits ist die S o z i a l- demokratie nicht dazu da, der Kirche zu derem Besten zu raten. Das eine werden sich die Vertreter und Beschützer der 5kirche allerdings merken müssen, daß esnichtdieSozial- demokraten sind, die in solchen Fällen nachgeben. Was immer auch ferner eintreten möge; es wird sich niemand, der seinen lieben Toten durch eine rote Kranzschleife die letzte Ehre erweisen will, in Rücksicht auf die Rotscheu eines Fried- Hofsbeamten von diesem Vorhaben abhalten lassen. So mancher, dem es schwer fiel, sich mit der öffentlichen Betätigung der Sozialdemokratie abzufinden, hat sich an ihre Existenz ge- wöhnen müssen: auch der Kirche wird nichts übrig bleiben, als sozialdemokratische Beerdigungen hübsch in Ruhe zu lassen. Die Prüfung der Gemeindewählcrliste wurde diesmal von den Wählern in einem Umfange vor- genommen, wie wohl nie zuvor in Berlin. Wir haben schon Anfang August mitgeteilt, daß in der Zeit vom 16.— 30. Juli über 21 000 Personen die Liste eingesehen haben. Auch die Zahl der Einwendungen gegen die Liste ist infolgedessen diesmal ganz ungewöhnlich hoch. Mehr als 300 Personen haben teils nachträgliche Aufnahmen in die Liste gefordert, teils nur Berichtigung einzelner Irrtümer beantragt. Der Magistrat legt jetzt der Stadtverordneten-Versammlung eine Statistik vor, die die Gründe der Einwendungen anführt und über ihre Berechtigung oder Nichtberechtigung sich äußert. Nicht weniger als 80 Wähler, die zwar in der Liste stände, aber nicht völlig genau bezeichnet waren, haben Berich- tigung der irrigen Personalien verlangt. Wer bisher trotz aller Mahnungen und Warnungen immer noch geglaubt haben sollte, daß er sich auf die Wählerliste verlassen könne, der würde rasch anderen Sinnes werden, wenn er diese Tabelle durchläse. Da finden sich falsche Vornamen, da finden sich falsche Berufsangaben, Schneider statt Schreiber, Buch- binder statt Buchdrucker, Barbier statt Lackierer usw. Da findet sich noch öfter eine falsche Schreibung des Familiennamens, falsche Anfangsbuchstaben, falsche Endungen usw. Der Magistrat nennt in seiner Vorlage die geforderten Berich- tigungen unerheblich, er habe sie deshalb ohne weiteres an- geordnet. Unerheblich sind sie insofern, als die Korrektur keine Schwierigkeit ist. Aber bei der Wahl hätten sie den frei- finnigen Wahlvorstehern, die ja immer nur ihre Partei- freunde von Person kennen, als so erheblich gegolten, daß die betreffenden Wähler sicher zurückgewiesen worden wären. Obenem hätten diese Wähler auch noch in den Verdacht eines Versuches der Wahlfälschung kommen können. Auch die Kor- rektur der Wohnungsangaben ist angesichts der„Genauigkeit" mancher Wahlvorsteher keineswegs überflüssig. Wer mit der früheren Wohnung in der Liste steht, hat manchmal am Wahl- tage Schererei. Unter den 238 Anträgen auf n a ch t r ä g l i ch e Auf- nähme in die W ä h l e r l i st e, die zu Unrecht unter- blieben sei, sind nur 44, die der Magistrat als begründet ansieht. In allen anderen Fällen will er den Antrag zurückgewiesen wissen, weil die betreffenden Personen nur als Schlafburschen gemeldet seien(78 Fälle), mit den Steuern im Rückstände seien (38 Fälle), in Preußen nicht staatsangehörig seien(23 Fälle), durch Krankenhauspflege oder anderweitig unterstützt seien (39 Fälle) usw. usw. Unter den vermeintlichen„Schlaf- b u r s ch e n" dürfte mancher sein, der über den von ihm ge- mietelen Raum genau so uneingeschränkt verfügen darf, wie ein„Chambregarnist". Aber einem Arbeiter gegenüber pflegen es viele Vermieterinnen mit diesem Unterschied nicht so genau zu nehmen. Sie Melden ihn einfach als Schlafburschen an, ohne zu wissen, daß sie ihn dadurch um sein Wahlrecht bringen. Die große Zahl der Einspruch erhebenden Wähler, die durch„U n t e r st ü tz u n g" ihr Wahlrecht eingebüßt haben, gibt zu denken. Darunter sind allein 31 Wähler, bei denen die„Unterstützung" lediglich in Krankenhauspflege besteht. Wenn heute einem Arbeiter sein Kind auf der Straße über- fahren wird und von fremden Personen ins Krankenhaus gebracht wird, so verliert der Vater sein Wahlrecht, falls er nicht schleunigst die Mittel flüssig machen kann, um die An- sprüche des Krankenhauses zu befriedigen. Beachtung verdient übrigens noch, daß mehrere Einwendungen deshalb zurück- gewiesen werden, weil sie erst nach dem 30. Juli eingegangen waren. Mancher Wähler wird hoffentlich aus diesem und jenem eine Lehre für später entnehmen, damit es ihm nicht zum zweitenmal passiert, daß er um sein Wahlrecht kommt. Die Stadtverordneten-Versammlung wird nun über die Ent- scheidungen, die der Magistrat für die einzelnen Fälle vor- schlägt, zu beschließen haben. Die Scdanfeier ist am Sonnabend vom Hauptverband Berliner Kriegervereine in verschiedenen bekannten Lokalen..begangen worden. Unsere Leser werden sich vielleicht wundern, warum wir sie mit dieser sie kaum interessierenden Mitteilung unterhalten. Es hat aber seinen guten Grund, daß wir die Hnrrafeier der tapferen Krieger erwähnen. So ziemlich sämtliche Festlichkeiten ihrer auf den Kampf gegen die Sozialdemokraten geaichten und daher politischen Organisationen fanden nämlich in Sälen statt, die auch der s o z i a l- demokratischen Arbeiterschaft zu Versammlungen zur Verfügung stehen. Hiergegen haben wir selbstverständlich nicht das geringste einzuwenden, da wir ein Recht, das wir für uns beanspruchen, auch anderen Leuten ohne Unterschied der Partei- richtung gönnen. Bekannt ist aber, daß der normalgeaichte Krieger- Vereinspatriotismus diesen Standpunkt der Toleranz aus Leibes- kräften bekämpft. Wohl an jedem Berliner Vorort haben Parteigenossen die Wahrnehmung machen können, dah ein Krieger- verein oder sonst eine auf Nonnalpatriotismus gestempelte Organi- sation einen Saalinhaber i n d enn Augenblick boykottiert, wo er auch Sozialdemokraten seine Räumlichkeiten zur Ver- fügung stellt nnd daß zugreist kein anderer Grund als dieser die Wirte in den Vororten von toleranter Haltung gegen uns abhält. Warum haben nun in Berlin die Kriegervereine ihren in den Vororten betätigten Grundsätzen schnurstracks entgegen- gehandelt, warum brachten sie in demselben Raum, wo am Tage vorher vielleicht noch ein sozialdemokratischer Vor- trag gehalten wurde, ihre patriotischen Hochs aus? Die Antwort ist einfach: Weil sie nicht anders konnten. Wenn man vom vornehmen Westen etwa absieht, ist die Sozialdemokratie in Berlin derart stark, daß ein Wirt in den meisten Fällen seine Bude schliefen müßte, wenn er den Kriegervcreinen zuliebe sozialdemokratische Versammlungen nicht tolerieren wollte. So müssen die Krieger- vereine sich der Macht der Sozialdemokratie beugen und mit ihr in denselben Räumen tagen. Dieser Erfolg der Berliner Sozialdemo- kratie legt unseren Parteigenossen in den Vororten die Pflicht nahe, gleichfalls nicht locker zu lassen und durch strenge Be- achtung der L o k a l l i st e sowohl als durch unausgesetzte A g i- t a t i o n die Sozialdemokratie zu stärken und so die patriotischen Vereine wie die ihnen ergebenen Wirte zur Toleranz zu er- ziehen. Auch in Berlin war es vor Jahren anders. Was hier erreicht worden ist, wird sich auch in den Vororten erreichen lassen. Beharrliche Agitationsarbeit aber gehört dazu. Tie Flcischnot im Rathause. Von feiten der Fraktionen der Linken, der Freien Fraktion und der Neuen Linken der Berliner Stadtverordneten-Versammlung ist heute durch die Stadtverordneten Cassel, Mommsen und Kreitling der folgende dringliche Antrag bei der Stadtverordneten-Versammlung eingebracht worden:„Die Stadtverordneten- Versammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen: 1. in Gemeinschaft mit der Ver- sammlung bei den Reichs- und Landesbehörden um schleunige Maßnahmen zu ersuchen, a) zwecks Aushebung der Einfuhr- Verbote für gesundes Fleisch, b) zwecks Ermäßigung der Vieh- zölle, weil hierdurch allein eine dauernde und wirksame Ab- hülfe gegen die Ernährung und Gesundheit des deutschen Volkes und mithin auch der Berliner Bevölkerung schädigende Fleisch- teuerung zu erwarten ist; 2. eine gemeinsame Kund- gebung der deutschen Städte im Sinne der Erreichung der durch die Anträge zu 1a und b erstrebten Ziele herbeizuführen." Dieser Antrag wird in der ersten Sitzung der Stadtverord- neten-Versammlung nach den Ferien, weil„dringlich", zur Ver- Handlung gelangen. Unter dem Einfluß der Flcischtcucrnng hat in Berlin die Zunahme des Pferdefleischverbrauches, die im zweiten Vierteljahr von 1903 so frappant hervorgetreten war, auch im Juli noch fortgedauert. In diesem Monat wurden von den in der Zentral-Roßschlächterei geschlachteten Pferden 872 für den Verbrauch freigegeben, während in den?- selben Monat des vorigen Jahres die Zahl dieser Pferde sich auf nur 740 belief. Die Zunahmd beträgt 132 Pferde, nahezu 18 Proz. Aber die Agrarierpresse fährt fort zu lügen, daß von einer Fleischnot keine Rede sein könne. Vermutlich ersetzen so viele Berliner Arbeiterfamilien nur aus purer Bosheit jetzt das Rind-, Hammel- und Schweinefleisch durch Pferdefleisch, wie ja auch die Arbeiterfrauen offenbar nur aus Bosheit die Freibank-Verkaufsstellen stürmen, die ihr minderwertiges und bedingt taugliches Fleisch feilhalten. Arge Beklemmungen scheinen die bevorstehenden Stadtverordneten- wählen bei einer Gruppe Freisinniger hervorzurufen, über die nicht die Gnadensonne des Herrn Jacobi und seiner Wahlmacher strahlt. In einem vertraulichen Zirkular, das u. a. von den Stadtverordneten Deutsch, Dr. Fr'edmann, Ullstein, Dr. Preuß, dem Bürge'-deputierten Emst Ullniann, Rechtsanwalt Dr. Bieber unterzeichnet(st, wird darauf hingewiesen, daß sich die Wahl einer erheblichen Anzahl liberaler Kandidaten nur mit äußersten Anstrengungen ermöglichen lasse. „Die dritten Abteilungen werden aufs heftigste von der Sozialdemokratie angegriffen werden, und die ersten, vor allem aber die zweiten Abteilungen den Ansturm der antisemitisch- konser- vativen 5ioalition auszuhalten haben. Nur wenn die Liberalen bei- zeiten in die Wahlagitation eintreten, kann zuversichtlich erhofft iverden, daß eine wesentliche Aenderung der Parteiverhältnisse inner- halb der Berliner Stadtverordneten-Versammlung verhindert wird." Mit der Bitte um einen Geldbeitrag zum Wahlsonds schließt das Zirkular. Aus dem Inhalt erhellt, daß die Herren Frei- sinnigen diesmal zeitig aufstehen wollen, um ihre Mandate zu retten. Für unsere Partei bedarf es einer solchen Aufforderung nicht, da wir uns ständig in der Agitation befinden. Nichtsdesto- weniger ist Wachsamkeit am Platze. Wenn verschiedenen Herren um ihr Mandat in der dritten Abteilung bange ist, so mögen sie vrel- leicht richtig vermute». Was an uns liegt, werden wir tun, ihnen das Mandat zu entreißen. Ist es auch bei dem Dreiklassenwahlrecht nicht möglich, in der ersten und zweiten Abteilung Fuß zu fassen, so werden wir mit aller Energie dahin zu wirke» haben, daß die Mandate der dritten Abteilung der Sozialdemokratie gehören. Der Stadtkämmerer und Stadtrat Maaß hat mit seinem Pensionsantrag zugleich ein Urlaubsgesuch an den Oberbürgermeister eingereiht, so daß er, da das letztere genehmigt worden ist, seine Dienst- geschäfte überhaupt nicht wieder aufnehmen wird. Unter Beifügung eines Attestes seines langjährigen Hausarztes, des Geheimen Sanitätsrats Dr. T h o r n e r, weist der Kämmerer darauf hm. daß sein Gesundheitszustand schon seit mehr als Jahresfrist viel zu wünschen übrig lasse.„Jchhabemich", so fährt er fort,„in der Hoffnung auf eine Besserung trotzdem Bemüht, meinen Amtspflichten gerecht zu werden/ habe jedoch zu meinem Leidwesen schon seit ge- raumer Zeit zu der Ueberzeugung gelangen müssen, d a ß i ch meinem A in t e nicht mehr gewachsen bin, da mein Gesundheitszustand sich ganz erheblich ver- schlechtert hat. So schwer mir ein Scheiden aus einem lieb- gewordenen Amte auch wird, so ist dieser Schritt in sachlicher und persönlicher Hinsicht geboten..." Der Magistrat hat inzwischen dem Pensionsgesuche des Kämmerers Maaß, der mit dem I.Oktober d. I. in de» Ruhestand treten wird, entsprochen, zugleich aber beschlossen, dem scheidenden Beamten, der der Stadtgemeinde achtzehn Jahre lang seine Dienste gewidmet hat, eine besondere Ehrung zuteil werden zu lassen. In einer der Stadtverordneten- Versammlung soeben zu- gegangenen Vorlage heißt es darüber:„Wir haben von dem Ent- schlusse des um die städtische Verwaltung hochverdienten Beamten mit tiefem Bedauern Kenntnis genominen und zugleich beschlossen, Herrn Maaß. welcher das Amt als Kämmerer seit 23. April 1887 verwaltet, vorbehaltlich der Zustiinnuing der Versammlung auf Grund des§ 34 Abs. 2 der Städte- Ordnung vom 30. Mar 1853 bei seinem Ausscheiden das Prädikat„ S t a d t ä l t e st e r" zu verleihen. Die Versammlung ersuchen wir, unserem Be- jchlusse zuzustimmen." Ein vaterländisches Trauerspiel, dessen Ende noch niemand ab- zusehen vermag, ist die diesjährige Herb st Parade. Am Sonnabend wurde sie wegen schlechten Wetters abgesagt,� nachdem ihr die Schulen bereits ihre Sedanfeier hatten opfern müssen. Sie wurde dann für Montag früh in Aussicht genommen. Auch dieser Plan mußte lvegen der Ungunst der Witterung wieder aufgegeben iverden, doch scheint man nicht rechtzeitig alle Schulen davon benachrichtigt zuhaben, daß nun der Unterricht am Montag nicht auszufallen brauchte.- Einzelne Schillleiter schickten Montag früh die Kinder nach Hause, andere aber behielten sie da und ließen unterrichten. Auch die Absicht, die Parade noch am Nachmittag abzuhalten, wurde nicht verwirklicht, und es ist nun der Dienstag dazu ausersehen worden. Wenn nur nicht nach all' diesen Orders und Konterorders schließlich ver- gessen worden ist, für Dienstag auch den nochmaligen Ausfall des Schillunterrichtes anzuordnen. Es könnte sonst geschehen, daß diesmal die Kinder doch noch die Parade einbüßten— und d,e Parade die Kinder. Wenn ein Chinese stirbt. Auf dem Luisen-Kirchhofe in Chor- lottenburg wurde am S min tag die Leiche eines Chinesen beigesetzt. Der Legationsrat Kinginthai in Berlin war gestorben. Es ist schwer für einen Chinesen, hier eine Ruhestätte zu finden, denn er ist ein Heide, und fromme Christen weisen seine Gemeinschaft noch im Tode weit von sich. Unter den Friedhöfen der verschiedenen Kirchen gilt der Luisen-Kirchhof in dieser Beziehung als eine Ausnahme. Da- gegen ist der Friedhof der Freireligiösen Gemeinde ganz selbst- verständlich auch einem Chinesen gegenüber bereit, seine Pforten zu öffnen. Das zeigte sich schon einmal, als vor mehreren Jahren ein Mitglied der chinesischen Gesandtschaft starb. Alle Kirchengemeinden lehnten es ab, den Heiden auf ihren Friedhöfen zu beerdigen, da- gegen nahm ihn der Friedhof der Freireligiösen auf, bis die Leiche nach zwei Jahren in die Heimat gebracht wurde. Die Chinesen wollen auch im Tode nur vorübergehend hier bleiben; sie be- trachten es als das größte Unglück, in fremder Erde zu ruhen. Nach ihren Vorstellungen wird die Seele von bösen Geistern geplagt und findet ewig keine Ruhe, wenn die Familienangehörigen nicht pflichtgemäß am Grabe beten und opfern, um die bösen Geister zu versöhnen. Jeder Chinese in Amerika, der wohlhabend genug ist, um den Transport zu bezahlen, verfügt, daß seine Leiche nach China gebracht werde.— Daß es ein großes Unglück für einen Chinesen ist, in einem fremden Lande zu sterben, kann man schon daraus erkennen, daß ein Begräbnis mit außerordentlich viel Zeremoniell verbunden ist, besonders natürlich bei Chinesen von Rang und Stand. Der Chinese findet es ganz ungehörig, wenn man eine Leiche schon innerhalb drei Tagen beerdigt. Das kommt nur bei armen Chinesen vor und heißt dann eine„blutige Leiche", weil das Blut noch nicht eingetrocknet sei. Viel Sandelholz und andere wohlriechende Stoffe werden verbrannt während der Feier. Man bereitet die Lieblingsspeisen des Verstorbenen, trägt sie der Leiche nach, und in großen Quantitäten werden diese Speisen auf deu Grabhügel gestellt— für die Geister. Während der Leichenzug in Bewegung sich befindet, werden allerlei Papierschnitzel ausgestreut, um die Aufinerksamkeit der Geister abzulenken. Dem Zuge voran geht ein Wagen mit Musikanten besetzt. Die nächsten Angehörigen folgen der Leiche zu Fuß unter lautem Wehklagen und heftigem Weinen. Nach langen Beratungen der Familie und mit größter Vorsicht gegen allerlei üble Einflüsse wird der Begräbnisplatz ausgewählt. In seinem großen Aberglauben betrachtet der Chineß! ein Begräbnis als eine sehr schwierige Sache, um so mehr, wenn er wohlhabend ist und eine große Familie besitzt. Bon einem Automobil überfahren wurde Sonntag abend die 23 Jahre alte Verkäuferin Fräulein Lehning aus der Straße Alt- Moabit 16. Als sie an der Ecke der Friedrich- und Karlstraße einen Straßenbahnwagen besteigen wollte, fuhr ein Kraftwagen dicht an diesem vorbei und stieß sie um. Die Verunglückte erlitt eine Quetschung des Brustkastens und mußte nach der nahegelegenen kgl. Klinik getragen werden. Der Kraftwagenführer, dem die Schuld zugeschrieben wird, entkam. Eine furchtbare Schreckenstat wird unS aus Moabit gemeldet: In der Verzweiflung versuchte gestern nachmittag die in der Witt- stockerstraße 20 wohnhafte Frau des Arbeiters Sch mein ta erst ihren drei Kindern und dann sich selbst das Leben zu nehmen. SKit dem Modegift Lysol unternahm die Mutter die unselige Tat. Ueber den traurigen Vorfall gehen uns folgende Einzelheiten zu: Der Arbeiter Otto Schmciuta lebte mit seiner 41jährigen Frau in recht unglücklicher Ehe. Häufig kam es zwischen dem Paare zu erregten Szenen. Auch gestern abend vernahmen die Nachbarn tu der Wohnung wieder großen Lärm. Der Arbeiter war nach Haufe " gekommen und mit seiner Frau in Streit geraten. Während der Nacht| lassen, hat auch diesmal Erfolg gehabt. Als Einleitung wurde Offen- Cholera- Beobachtungsstation errichtet worden, in der sämtliche die faßte Frau Sch. einen furchtbaren Entschluß. Um dem traurigen bachs Operette„ Die Zaubergeige" gegeben, ein Stück, das in Musit Warthe passierenden Schiffsmannschaften ärztlich untersucht werden. Dasein zu entfliehen, wollte sie in den Tod gehen. Von den und Tert den jungen unschuldsvollen Offenbach zeigt, der noch keine Bis zum 2. September mittags sind nach dem ReichsKindern, an denen sie mit großer Liebe hing, vermochte sie sich Ahnung davon hat, daß er einst der Schönen Helena" und der Anzeiger" in Preußen insgesamt 43 Erkrankungen und jedoch nicht zu trennen. Sie sollten mit ihr vereint sterben. Das Großherzogin von Gerolstein" ebenso fünden wie geniereicher 17 Todesfälle an Cholera gemeldet worden, zwei davon in jüngste Kind ist ein vierjähriges Mädchen mit Namen Martha. Dann Vater werden wird. Das Stück wurde mit der seinem Inhalt an- Baaris und Warnikeim, Kreis Rastenburg in Ostpreußen. folgte der sechsjährige Sohn Kurt und der achtjährige Sohn Alfred. gepaßten Naivität gespielt. Dann kamen zwei Spezialitäten- Als choleraverdächtig werden weiter gemeldet in Gestern morgen schickte die Mutter ihre Kinder wie gewöhnlich zur nummern und hierauf ein dem„ geadelten Kaufmann" nach- Nakel 4 Personen, 2 Männer und 2 Frauen; von der UeberSchule. Hierauf machte sie die Wohnung sauber und verließ gearbeitetes Boltsstück„ Der Adelsnarr." Der Inhalt blieb der wachungsstelle Nehedamm ein Flößer; in Stöwen, Kreis diese dann. Einer Nachbarin gegenüber flagte die Arme ihr alte; wir sehen den Kaufmann Rohrbed in bürgerlicher Schlichtheit Kolmar, ein Arbeiter und eine Arbeiterfrau; in Weißenhöhe Leid. Später begab sich die Arbeiterfrau nach einer und Behäbigkeit, wir sehen dann, wie er und seine Gattin die Nase der Arbeiter Lamprecht; im Kreise Czarnikau in den OrtDrogerie und holte dort eine Flasche Lysol, angeblich zum Zimmer hochtragen und das Glück ihrer Kinder mit Füßen betrampeln. Die schaften Briesendorf, Romanshof, Walkowik je ein Arbeiter. Verreinigen. Als die Kinder nachmittags ahnungslos nach Hause Pleite kommt und führt zum Ursprung aller kaufmännischen Ent- storben sind an Cholera der Schiffer Zuder auf einem Nebekahn fanten, gab sie ihnen Schinkenbrötchen zu essen. Nachdem sich die wickelungsmöglichkeiten, zur primitiven Heringstonne zurüd; zum bei Wirsiz; in Bilawy zwei Kinder von dem Schiffer Albrecht bei Kleinen gesättigt hatten, holte die Mutter die Lysolflasche herbei, Schluß aber öffnet die Liebe der Schwiegersöhne und die Biederkeit Nakel. um ihren furchtbaren Entschluß zur Ausführung zu bringen. Jedes des schlichten Schwagers aus der Werkstatt dem schwergeprüften Der in Lubasch für den 8. September geplante Ablaß wurde der Kleinen mußte aus der Flasche trinken. Sie spien jedoch das Mann die Bahn zu neuen Reichtümern. So ein Stück paßt für's wegen der Choleragefahr aufgehoben. Gift wieder aus. Inzwischen hatte Frau Sch. die Flasche an den Kasino- Theater; jede Sentenz, die gegen Adelshochmut und Ver- Im Krankenhause in Kulm ist am Sonnabend der sechs Jahre Mund gesetzt und getrunken. Sie wankte an ihr Bett und fiel achtung bürgerlicher Schlichtheit gerichtet war, wurde mit Beifalls- alte Knabe Sigismund Blajegiewicz, Sohn der am 28. August an darauf. Kommt, Kinder, zu mir ins Bett, wir wollen zusammen stürmen überschüttet. Der Adelsnarr" wurde von den bewährten Cholera gestorbenen Reifenmacherfrau, ebenfalls an Cholera ge= sterben!" rief die Unglückliche den kleinen zu. Die armen Ge- Kräften der Bühne gespielt; daß Direktor Berg sich in der Titelrolle storben. schöpfe waren jedoch kaum imstande, der Aufforderung der Mutter zu wieder von seiner besten Seite zeigte, bedarf wohl kaum der Er- Am Sonntag ist in Grabowko eine aus Schulik gekommene folgen. Mund und Rachen waren durch Lysol furchtbar verbrannt. wähnung. Schiffersfrau choloraverdächtig erkrankt und, nachdem sie nach Kulm In wildem Schmerze rannte der älteste Sohn in der Wohnung gebracht worden war, noch gestern gestorben. Es war dies der erste umber. Schließlich lief er zu den Fluchnachbarn und nun wurde die Sommer hindurch geöffnet sind, beginnt mit dem September die Thorn ist ein vierzehnjähriges Mädchen choleraverdächtig erkrankt. Baffage- Theater. Auch in den Kunsttempeln, die den ganzen auf einem Kahn vorgekommene Erkrankungsfall. In Moder bei schreckliche Tat entdeckt. Alle vier Personen wurden sofort nach der Unfallstation XIX. in der Huttenstraße gebracht, wo ihnen der Magen Saison, und die Sorge um Herbeischaffung neuer Zugkräfte macht Außerdem wurden zwei choleraverdächtige Fähe aus der JakobsIm Bassage- Theater fehlen ausgepumpt wurde. Frau Sch. wurde sodann nach dem Kranken- fich mit verstärkter Gewalt geltend. hause Moabit gebracht. Ihr Zustand ist hoffnungslos. Die drei allerdings die Sterne erster Größe, doch sorgt ein mit Bedacht borstadt in Thorn gemeldet. Gegenüber den Meldungen über choleraberdächtige ErkrankungsKinder, die schwer erfranft find, fonnten bei Nachbarn untergebracht Bekannt ist den Berlinern die Wiener Soubrette Poldi Augustin, die Thorner Presse auf Grund von Erfundigungen an zuständiger zusammengestelltes Programm trotzdem für amüsante Unterhaltung. fälle unter dem in Thorn liegenden Militär fann werden. Als der Familienvater gestern abend von der Arbeit ahmungslos heimkehrte, brach er unter der Wucht der furchtbaren die vor zwei Jahren im Apollo Theater in der Operette Stelle mitteilen, daß ein Pionier der Festungstelegraphen" Frühlingsluft"" thren Mann stand Nachricht zusammen. und auch jetzt wieder Kompagnie, der im Ererzierhause der Rudacker Baracken unterProben ihrer Unverwüstlichkeit zum besten gibt. Lysol. Der 55 Jahre alte Webermeister Julius Bellay aus der nationale Inter- gebracht ist, an Brechdurchfall erkrankt ist. Der Mann ist ab= Soubrette nennt sich ein Kastanien- Allee 29/30, der dort in der Fabrik von Loewenberg seit die auf französisch Mittelmäßigkeiten singt. Recht tüchtig ist der von bestätigt. Das Befinden des Mannes hat sich erheblich gebessert; Fräulein Daguarre, gesondert und wird beobachtet. Der Choleraverdacht ist bisher nicht 27 Jahren beschäftigt war, litt seit vier Jahren an den Füßen. Da einem Neger affistierte tomische Jongleur Charles Montrall, dem trotzdem sind alle gebotenen Vorsichtsmaßregeln getroffen. Sämt er feine Aussicht auf Heilung mehr hatte, so geriet er in Ver- auch schwierige Sachen gelingen. In der Akrobatik leistet die Lagard- liche Mannschaften, die mit dem Erkrankten zusammengelegen zweiflung, riegelte sich gestern nachmittag, als seine Frau und die Truppe vorzügliches, auch die Erzentriks Georgis sind vortrefflich; haben, sind auf fünf Tage im Fort Hermann Ball untergebracht 18jährige Tochter in der Küche zu tun hatten, in der Wohnstube ein den Gipfel der Komit aber erreichen die Otinos in ihrer Stierkampf- worden. Weitere Erkrankungen sind bisher nicht vorgekommen. und trank Lysol. Dann flopfte er an die Tür, öffnete selbst noch, parodie. Der Humorist Karl Bernhard bewährt sich im Erzählen rief den Seinen ein Lebewohl zu und brach bewußtlos zusammen. brolliger Anekdoten, während in der Tanzkunst die Raworzy des Weichselstromes und der Nebenflüsse angeordnet. Aus diesen Der Kultusminister hat die Herrichtung von Kantinen längs Frau und Tochter brachten den Unglücklichen mit einer Droschke Truppe und das Duo Wallno und Marinette mit ansprechenden Kantinen sollen die Rottenführer der Flösser Lebensmittel und Genach der Rettungswache in der Kastanien- Allee, die ihn dem Leistungen aufwarten. Ein Damenkomiker Tarianu weiß in Stimme tränke für die Flösser erhalten. 8wei im Graudenzer Kranten Lazarus- Krankenhause zuführte. Dort starb er nach anderthalb und Haltung weibliches Wesen täuschend vorzuspielen; unheimlich Hause untergebrachte erkrankte Flösser werden wahrscheinlich nach bleibt einem Menschen von normalem Empfinden immerhin solche Verwandlungskunst. Alles in allem läßt das Programm erkennen, acht Tagen als gesund entlassen werden können. daß die Direktion erfolgreich bemüht ist, mit den Variétébühnen ersten Ranges zu konkurrieren. Stunden. Am nächsten V Unglückliche Liebe hat die 17 Jahre alte Berkäuferin Frida Leisegang aus der Laufigerstr. 9 ins Wasser getrieben. Als Lehrmädchen hatte sie in einem Geschäft in der Alten Jakobstraße den 7000 Gebäude eingeäschert. Ein Riesenfeuer hat in AdriaBuchhalter Eugen Sch. fennen gelernt. Seit einem halben Jahre nopel furchtbare Verheerungen angerichtet. In Adrianopel wurden unterhielt sie mit ihm ein Liebesverhältnis. Davon wollten jedoch Theater. Im Theater des Westens beginnen die unter durch eine Feuersbrunst fast 7000 Gebäude vernichtet; am stärksten ihre Eltern nichts wissen, weil sie meinten, sie sei noch zu jung. As Leitung von Hermann Schmelzer stehenden Klassiker( Schüler) haben das armenische, griechische, bulgarische und israelitische fie mun am Sonntag vor acht Tagen erst in der Nacht um 3 Uhr abend nachmittags 3 Uhr stattfinden, mit dem 16. September. Als Schule, ein Frauenkloster, viele Moscheen und das Telegraphenbureau Vorstellungen zu kleinen Preisen, welche regelmäßig an jedem Sonn- Viertel gelitten. Die katholische und armenische Kirche, die polnische Tage lehrte das Mädchen, das einen Hinterausgang benugte, erste dieser Vorstellungen geht Demetrius", historisches Trauerspiel sind gleichfalls ein Raub der Flammen geworden. Mehrere Perwährend der Vater es vorn auf der Straße erwartete, aus dem in 5 Aften mit Benutzung des Schiller- Fragments von Heinrich sonen büßten das Leben ein. Geschäft nicht mehr zurück, sondern ging ins Wasser. Gestern fand Woche zwei Neueinstudierungen: Ibsens„ Nora", die im SchillerLaube, in Szene. Das Schiller Theater bringt in dieser man es an der Pfuelstraße und dem Gröbenufer als Leiche in der Theater zum erstenmal gegeben wird, und Anzengrubers" G'wissens- auf der vierten Sohle der Beche„ Bruchstraße" bei einem Spreng Eine Wetterexplosion erfolgte, wie aus Witten gemeldet wird, Spree wieder. wurm", der Donnerstag, den 7. d. M., im Schiller schuß, wobei drei Bergleute lebensgefährlich und Die Rennen auf der neuen Stegliger Bahn, denen man mit so Theater O.( Wallner- Theater) zum erstenmal in Szene gehen zehn leicht verletzt wurden. Der Brand ist bereits gelöscht. großen Erwartungen entgegensah, konnten des starten und an- wird. Fräulein Ella Motti, die Soubrette vom ungarischen haltenden Regens wegen leider nicht stattfinden. Bahlreiche Besucher Stadttheater in in Budapest, ist für das Carl Weiß- Die Geliebte erschossen. Am Sonnabend abend zwischen 9 und hatten sich trotz der ungünstigen Witterung eingefunden, die ent Theater verpflichtet worden. Ebenfalls die Ballettmeisterin 10 Uhr wurde in Hoch- Stüblau auf der Straße das beim Postamt täuscht die Bahn, welche einen guten Eindruck machte, verließen. Josephine Weiß vom herzogl. Hoftheater in Altenburg. Beide zur Erlernung des Dienstes eingetretene Fräulein Helene Malewski Die Ruffenliste 9425 ist dem betreffenden Bezirksführer verloren Damen werden bereits in der Räderschen Posse„ Der Weltumsegler tot aufgefunden. Sie hatte am Kopfe schwere, von einem Gewehrgegangen. Es wird gebeten, solche bei Liepmann, Linienstr. 242 I. wider Willen", welche im Laufe der nächsten Woche in Szene geht, schusse herrührende Wunden. Der Verdacht der Täterschaft lenfte abzuliefern. mitwirken. Im Hause der Sünde" gelangt nur bis inklusive Frei- fich sofort auf den Postboten Kamischke, der mit der Toten ein tag zur Aufführung. Im Lustspielhause ist am 18. Sep- Liebesverhältnis unterhalten haben soll. Stamischte, der verschwunden tember die erste Aufführung des dreiaftigen Lustspiels„ Die Jung- war, hat sich am Sonntag bormittag dem Amtsgericht in Pr.frau Ambrofia" von Franz Servers, dem alsbald am 22. September Stargard gestellt. Er wird heute nach Hoch- Stüblau transportiert, als zweite Novität„ Der Jahrmarkt zu Pulsniz" von Walter Harlan damit er bei der Obduktion zugegen ist. folgen wird. Jm Luisen Theater wird Eduard Jacobsons Bosse„ Der jüngste Leutnant" heute abend zuerst aufgeführt. Beim Spielen am Treppengeländer tödlich verunglückt ist am Sonnabendnachmittag der fast zehn Jahre alte Sohn Paul des Formers Schirmer aus der Linienstr. 77. Das Haus hat eine Wendeltreppe, an deren Geländer sich die Kinder gern hinabgleiten laffen. Zum Entfeßen seiner Spielkameraden stürzte nun am Sonnabend Schirmer aus dem zweiten Stock auf den asphaltierten Hausflur hinab und blieb bewußtlos liegen. Während die Kinder davonOrgelfonzert. Am Mittwoch, den 6. September, abends 71, Uhr, liefen, sorgten Gäste einer in dem Hause gelegenen Wirtschaft, die veranstaltet der königliche Musikdirektor Bernhard Irrgang in der das Aufschlagen des Körpers auf den Flurbelag hörten, für Hülfe St. Marienkirche das nächste Orgelkonzert unter Mitwirkung und holten die Mutter des Verunglückten aus der Wohnung. Diese von Frau Martha Dreher- Wolff( Sopran), Fräulein Elfe Vetter( Alt) ließ ihn nach dem Hedwigs- Krankenhause bringen, wo die Aerzte und Herrn fönigl. Kammermusiker Walther Habenicht( Bioline). einen Schädelbruch, eine schwere Gehirnerschütterung und eine Drgelfompofitionen von Bach, Neger und Stenner jun. Der Eintritt Berreißung der Leber feststellten. Nach acht Stunden erlag der ist frei. Knabe den furchtbaren Verlegungen. Gerichts- Zeitung. Bei einem entsetzlichen Unglücksfall ist der 40 Jahre alte Händler Meininger gestern schwer verlegt worden. M. hatte sich vor der Zentralmarkthalle am Alexanderplatz eingefunden, um einzufaufen. Unter der Anklage des Wuchers stand der Kaufmann Artur Auf dem Straßendamm geriet er vor dem Portal der Halle vor Claus vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts I. Der Anein anfahrendes Geschäftsfuhrivert und hierbei wurde ihm die geklagte, welcher der verantwortliche Geschäftsführer der PianoDeichsel des Wagens in den Unterleib hineingestoßen. Der Unglückliche wurde förmlich aufgespießt. Die Eingeweide drangen ihm aus der Wunde heraus. In fast hoffnungslosem Zustande wurde M. nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht. " " Der Eine Familientragödie. Aus Wien wird berichtet: Die Gattin des Zahnarztes Dr. Blecken erhängte sich infolge unglücklicher Familienverhältnisse. Als Dr. Bleden die Nachricht erfuhr, bergiftete er sich mittels Shantalis. Typhuserkrankungen sind in Reiffarth bei Gelsenkirchen in rascher Aufeinanderfolge aufgetreten. In den letzten Tagen find dort neun erwachsene Personen daran erkrankt, von denen bereits eine gestorben ist. Ein Bahnhofsportier als Organist. Ueber einen kürzlich verstorbenen Bahnhofsportier in Großheringen wird folgendes Geschichtchen erzählt: Als guter Orgelspieler vertrat er vor einigen Jahren den Lehrer seines Ortes beim Orgelspiel in der Kirche. Er hatte den Tag zuvor anstrengenden Dienst gehabt und war während der Predigt sanft eingeschlafen. Als nach Beendigung derselben die kirchliche Handlung ihren Fortgang nahm, wartet alles auf das Einsehen der Orgel, aber diese schweigt. Da gibt ein Nachbar dem Organisten einen Rippenstoß und unser Freund, jählings aus dem Schlaf aufgeschredt, in der Meinung, er befinde fich auf dem Bahnhof und müsse den Zug abrufen, erfüllt das Gotteshaus mit dem dröhnenden Rufe:" Einsteigen in der Richtung Sulza, Apolda, Weimar, Erfurt, Gotha, Eisenach uſw." Briefkaften der Redaktion. Juriftifcher Ceil. Bank", G. m. b. H., ist, wurde beschuldigt, daß er unter Ausnußung der Notlage eines anderen mit Bezug auf ein zweiseitiges Rechtsgeschäft, welches dem wirtschaftlichen Zwecke des Darlehns dienen follte, sich übermäßige Vorteile habe versprechen und gewähren laffen. Die Piano- Bant ist das einzige Bankgeschäft, welches sich mit Von einem Radfahrer überfahren und schwer verletzt wurde gestern Distontierung von Piano- und Möbel- Leihverträgen befaßt, d. h. ( Montag) abend gegen 7 Uhr der achtjährige Sohn Wilhelm des langfristige Barkredite gegen Hinterlegung von Leihverträgen gePortiers Schmidt aus der Lindenstraße 44. Das Kind spielte vor währt. Die Bank stand mit der Firma Alwine Eberhardt, bezw. dem Hause mit einem Altersgenossen Beck" und lief dabei auf den beren Prokuristen Albert Eberhardt, in Geschäftsverbindung, indem Fahrdamm, als im selben Augenblick ein zwölfjähriger Radfahrer fie diesem größere redife gewährte, weil er das so lukrative Abdie Straße daherkam. Der Kleine wurde zu Boden gerissen und zahlungsgeschäft ausdehnen wollte. Die Piano- Bank disfontierte überfahren. Er erlitt dabei einen komplizierten Beinbruch und der Firma Alwine Eberhardt eine Reihe von Wechseln, ließ sich aber mußte, nachdem er auf der nahen Hauptfeuerwache einen Notverband zur Sicherheit die schriftlichen Möbelleihverträge als Unterpfand erhalten hatte, nach dem Krankenhause am Urban geschafft werden. übergeben und berechnete bei der Diskontierung der Wechsel 6 Proz. von 7% bis 9% 11hr statt. Geöffnet: abends 7 Ulbr. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends Zinsen pro Jahr und 3 Proz. Provision pro Quartal. Feuer in einem Porzellankeller. Gestern abend gegen 9 Uhr Staatsanwalt erblickte in dieser Höhe der berechneten Provision tretender Bedürftigkeit nochmals zu zahlen.( S. 17 des dem„ Arbeiterrecht" 29. 28. 1. Ja, aber nach zutreffender Ansicht sind Alimente bei einfam in der Ritterstr. 32, Ecke der Jakobitirchstraße, in einem erst den Wucher und machte geltend ,, daß diese Provision bei weitem beigefügten Führers.) 2. Ja. neu bezogenen Porzellankeller ein Brand aus, der der Feuerwehr das übliche Maß übersteige und noch dadurch erhöht worden sei, Aussicht auf Erfolg. 2. Ja. 3. Ein Schwur wird nicht erfordert. Die An1867. 1. Gine Berufung wäre nicht ohne viel zu schaffen machte. Er war durch die Unvorsichtigkeit eines daß zumeist die Wechsel an größere Banken weitergegeben und dann gabe der Unwahrheit kann aber als Betrug aufgefaßt werden. 4. GesetzesSenaben entstanden und hatte im Nu einen großen Posten außer der eigenen Provision der Firma Eberhardt auch noch die paragraphen können Sie in den in den öffentlichen Bibliotheken ausHolzwolle, Stroh 2c. erfaßt. Es trat sofort eine starke jenige in Rechnung gestellt worden sei, welche die betreffenden tegenden Gefeßesterten nachschlagen. P. Jh., Neuhaldensleben. Berqualmung ein und aus allen Kelleröffnungen quollen dichte Banken forderten. Der Staatsanwalt beantragte 1 Monat Ge- 1. Wenn sie ihre Rechte wahrnehmen will, müßte hier vor allem aber ein Rauchwollen. Anfänglich konnte die Feuerwehr nicht an den fängnis und 500 M. Geldstrafe. Der Angeklagte und Rechts- walt den Antrag stellen, ihrem Mann Bestellung des Vorschusses usw. aufAnwalt für fie erscheinen. 2. Ihre Tochter sollte schleunigst durch einen AnBrandherd heran, benutzte dann aber zum erstenmal den neuen anwalt Morris bestritten dagegen entschieden, daß subjektiv oder zugeben. 3. Selbstverständlich muß Ihre Tochter ihren Anwalt informieren. Rönigschen Rauchapparat, der Berieselung hat und mit objektiv die Kriterien des Wuchers vorliegen. Die hier in Frage 4-6. das hätte schon längst durch einen Anwalt beantragt einem Sprachrohr verbunden ist. Der Träger dieses Apparates stehende Art Bankverkehr erfordere große Geschäftserfahrung und sein sollen. Die Bögerung schwächt die Rechte Ihrer Tochter. fonnte sich vom Keller aus mit dem die Ablöschung leitenden sei mit großem Risiko verbunden, weil sich die Güte der Forderungen 2. G. Nixdorf. 1. Mit vollendetem 70. Lebensjahre. 2. Nein. Offizier leicht verständigen, wodurch der Löschangriff wesentlich er- aus den Leihverträgen vorher nie beurteilen lasse. Daß es sich um. B. Nein. A. B. 12. Wenden Sie sich direkt an die Bahndirektion leichtert wurde. Immerhin dauerte es aber doch über eine Stunde, eine Notlage im Sinne des Wuchergesetzes bei der Diskontierung der um Auskunft. Ein Verbot gegen die Heivat beſteht nicht. R. H. 5. bevor die vollständige Ablöschung erfolgt war. Ein großer Posten Wechsel handelte, sei zu bestreiten, auch hätten die geforderten und Ste haben, wenn der Wirt nicht in eine Einigung willigt, die Verpflichtungen Borzellantvaren ist durch den Brand zerstört worden. 2 Streitende.§§ 1717, 1718 gezogenen Vermögensvorteile in feinem Mißverhältnis zu den des in den öffentlichen Bibliotheken einzusehenden Bürgerlichen Gesetzbuches Feuerbericht. Durch die Explosion einer Petroleumlampe fam Beistungen gestanden, da das Risiko bei Eberhardt und seinen Kunden sind entscheidend. Bossinnen. 1-5. Ihre Fragen bedürfen einer Gr auf dem Expeditionshofe der Firma Förster, Nuttmann u. Co., Nach ein größeres gewesen sei, als in sonstigen Kreisen. Der Gerichts- gänzung nach folgenden Richtungen hin: Wie lautet der Lehrvertrag in folger, in der Naglerstraße ein Feuer aus. Die Wehr war schnell hof schloß sich dieser Ausführung an und erkannte auf Frei- jeinem bollen Wortlaut? Wer hat den Vertrag unterschrieben? Wie alt zur Stelle und konnte die Gefahr leicht beseitigen. In der sprechung. Chauffeeftr. 67 brannte es bald darauf ebenfalls auf dem Hofe; Kisten und Verpackungsmaterialien standen in Flammen. Ablöschung nahm aber hier auch nur furze Zeit in Anspruch. Möbel, Kleidungsstücke 2c. hatten am Halleschen Ufer 15 Feuer gefangen, während in der Schönhauser Allee 56 der Schornstein brannte. Schließlich wurde die Wehr noch nach der Saarbrückerstraße 32 und nach der Ecke der Charlotten- und Leipzigerstraße gerufen. Hier war in dem Ausschaltermast ein Kabel, dort eine Automobildroschke in Brand geraten. Die Vermischtes. Die Cholera. aus dem Mietsvertrage boll zu erfüllen. find Sie? Was bestimmt die Arbeitsordnung über Prüfen usw.? Was meinen Sie mit„ Beiterzahlung des Lohnes"? 6. Ja. 7. Ueberhaupt nicht. . 81. 1. Ja. 2. Nein.$. 23. 32. 1. und 2. Städtisches Gefinde ist nicht krankenversicherungspflichtig. 3. Die Herrschaft hat für die Dauer von sechs Wochen, fedoch nicht über die Dienstzeit hinaus, für Stur und Verpflegung eines franten Dienstmädchens Sorge zu tragen. Auf die hierdurch entstehenden Kosten darf die Herrschaft den auf die Krankheitszeit entfallenden Lohn verrechnen. Rostockerstraße. Seite 238 des dem felbständigen Testamenten. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus. Arbeiterrecht" beigefügten Führers finden Sie Beispiele und Anleitung au Wetter- Prognose für Dienstag, den 5. September 1905. Regenfällen und mäßigen westlichen Winden. Etwas wärmer, teilweise beiter, aber noch veränderlich mit geringeren Berliner Wetterbureau. Die Zunahme der Cholera- Grkrankungen hat zu weiteren Vorfichtsmaßregeln geführt. Vor den Toren Berlins ist auf Anordnung des Reichs- Gesundheitsamtes eine Cholera- lleber= wachungsstation errichtet worden. Die Station befindet sich in Köpenid. Die dortige Wasserbau- Inspektion hat ihre Dampfer Das Kasino- Theater ist am Sonnabend wieder eröffnet worden. und Motorboote zur Kontrolle aller durchfahrenden Fahrzeuge in Der erste Abend fing gut an, denn große Plakate verkündeten im Dienst gestellt. Es werden hauptsächlich alle nach Berlin unterwegs Theater, daß alle Pläge ausverkauft seien. Der alte Grundsag der befindlichen Schiffe scharf gemustert. In Köpenick wird außerdem Bühne, sich in Bielseitigkeit von keiner Konkurrenz übertrumpfen zu eine Cholerabarade errichtet. In Posen ist gleichfalls eine Beranti. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW