Ur. AS. HDonnemcnts-Bcdingungen: ■Sonncmentä> Preis pränumerando: Lierteljährl. 3L0 W., monatl. 1,10 Ml, WSch entlich 28 Pfg. frei ins Haus, Mnzelne Nummer k Pfg, Sonntags- nummer mil illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Wonnement: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post-ZeiwngS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland s Mark pro Monat. SS. AchflK. Die Inlerflons-Sebäln beträgt für die fechSgefpaltene Kalonei. zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 2K Pfg. „Uteine Tinzeigen", das erste ffett- gedruckte) Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort k Psg. Worte über 10 Buchslaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis k Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr dormittags geöffnet. OldKlnt täglld) auBcr Hlontagt. Derliner VolksblAtt. Xclegramm-Adresse: „S»ÄSltiim»I>»t Hitlln". Tentralorgan cter sozialäetnokratfrchen Parte» Deutfcblands. Redaktion: ÖCH. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: 8Äl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Ungarn vor der Entscheidung. Aus Wien wird uns vom 10. September geschrieben: Vor einer Entscheidung, wie sie die Geschichte in solcher Schärfe, Unmittelbarkeit und Deutlichkeit selten ausprägt, befindet sich heute Habsburg. Nicht weniger steht für die Dynastie auf dem Spiele, als die Frage, ob sie in Ungarn endgültig abdankt oder aber den Versuch machen tvill, den durch eine fehlerhafte Politik beinahe schon verloren gegangenen Staat neu zu„erobern"; ob sie es wagen kann und wagen will, die sletzte Chance für die Erhaltung ihres Reiches zu ergreifen, oder ob sie verzichten wird, die übernommene Großmacht weiter zu führen. Denn darüber ist eine Täuschung im- möglich: gelingt es Habsburg nicht, die Koalition für die Loslösung des ungarischen Staates— und das ist das letzte Ziel der heutigen Herren des Magyarenstammes, wenn es auch aus Opportunitäts- gründen vorläufig verschleiert wird und für die simple Forderung nach der magyarischen Kommandosprache auftritt— zu brechen, so hat die Liquidation des Habsburger Hauses schon begonnen und seine Auflösung ist dann nur eine Frage der Zeit und zwar einer sehr kurzen Zeit; was die Pietät dem alten König nicht be- reiten mag, wird unter seinem Nachfolger das unmittelbar lockende Ziel werden. Und in dieser von der Schwere geschichtlicher Ent- scheidung erfüllten Zeit ist es auch rasch klar geworden, daß die aktuelle Streitfrage— die um das magyarische Kommando— nur ein vorgestelltes Zeichen der eigentlichen Triebkräfte ist. Ob da die Krone nachgibt, oder ob die Koalition zurückweicht: das ist nun im Wesen gleichgültig, denn mehr als ein Kompromiß für den Augen» blick kann so nicht erzielt werden; der Kampf aber, den die Koalition für die Auflösung die Krone, für die Erhaltung der Reichswirtschaft führt, der geht weiter. Vermag Habsburg nichts, als was seine Tradition ist, nämlich inimer einen Schritt mutig zurückzuweichen, so ist ihm nicht zu helfen und der Sieg gehört unwiderruflich den aggressiven Elementen des Magyarenvolkes, deren politische Gewandt- heit es zuwege bringt, das Volk in Ungarn brutal zu knechten und im Namen dieses selben Volkes die Krone zu beugen, Die politische Situation, die sich in Ungarn aus dem sonst nicht zu überschätzenden Konflikt der Parlamentsmehrheit und der Krone herausgebildet hat, verdient die Ailfmerksanikeit auch außerhalb der schwarzgelben Grenzpfähle deshalb, weil sie ein Schulbeispiel für die Möglichkeit der zäsaristischeu Politik darstellt, für die sonst die politischen und ökonomischen Voraussetzungen völlig geschwunden sind. Nicht mit der Gewalt der Waffen kann Habsburg die magyarischen Rebellen zur Raison bringen; sowie die Revolution der ungarischen Gentth heute ersetzt ist durch die ungleich bequemere und doch wirkungsvollere parlamentarische Obstruktion, so kann auch die„Konterrevolution" nur siegen, lvenn sie an dem Punkt ein- setzt, der die Quelle der Macht der herrschenden Schichten in Ungarn ist: am Parlament. Der Kampf der ungarischen Parlamentsherren entspringt in letzter Hinsicht zweifellos aus dem Drange eines Volkes — oder richttger: eines Staates— nach Selbständigkeit und Unabhängigkeit, einem Drange, der, wie das norwegische Beispiel lehrt, seine Erfüllung»ur in der Niederreißung aller Schranken und in der Beseittgung selbst der harmlosesten Bevormundung seine Er- füllung findet. Aber was bei den Norwegern der Ausdruck poli- tischer Freiheit, das letzte Wort einer fortlaufenden Denwkratisierung aller Einrichtungen war, das ist bei den Magyaren heute— nicht ausschließlich, aber ivesentlich— das Ergebnis eines polittschen Zustandes, in dem ein Volk von politischen Talenten über vier andere Völker herrscht, und was in dem einen Volke eine schmale Schicht von Privilegierten ein absolutes Uebergewicht besitzt. Die Erscheinung, daß wegen einer sachlich ganz bedeutungslosen Forderung, wie es die Forderung der magyarischen Kommandosprache ist, eine parlamentarische Mehrheit den ganzen staatlichen Orga- nismus zum Stocken bringt, alle staatlichen Beziehungen ver- wüstet und dem Lande die schwersten Opfer auferlegt, diese Erscheinung ist unnatürlich und kann nur erklärt werden aus der besonderen Art dieser Mehrheit, die vor- gibt,„den Willen der Nation" zu künden, in Wahrheit aber nur die obersten Schichten, und nur einer Nation unter fünf, ver- tritt. Wegen der 08 deutschen Worte, die im Gebiete der Armee verwendet werden und die, vom Standpunkt der Armee einer Groß- macht betrachtet, auch unentbehrlich sind, ist in Ungarn ein großer Konflikt entstanden, den man wieder sachlich sehr überschätzen würde, wenn man ihn dem Konflikt zwischen Bismarck und der deutschen Fortschrittspartei als gleichwertig an die Seite stellen wollte. Wobei noch hinzugefügt werden muß, daß sich die Gegner der Koalition darüber nicht im unklaren befinden können, daß die Forderungen mangels der nötigen Zahl magyarischer Offiziere im Augenblick und auf lange Zeit hinaus einfach unerfüllbar sind, daß sie mehr als eine theoretische Bewilligung gar nicht erreichen könnten. Und darum die lange Krise, darum die Preisgebung wirtschaftlicher Jnter- essen, die wie der Abschluß der Handelsbeziehungen eine Lebcnsftage des ungarischen Agrarstaates sind. Eine solche Politik kann nur eine Mehrheit wagen, die mit den realen Interessen der breiten Massen nicht verwachsen ist, die, losgelöst von allen Verpflichtungen der Zeit, nur die Wünsche einer schmalen Schicht vertritt und auf die andere Interessen als die ihrer Klasse keinen Einfluß besitzen. Die ganze Politik eines Staates— eines Staates von der ganz un- sagbaren Rückständigkeit diese? Ungarn, das ebenso verwundet wird vom Feudalismus wie vom Kapitalismus— auf die eine Karte der Kommandosprache zu setzen. Das kann nur eine Partei �des politischen Privilegs unternehmen, das vcnnag sich nur die Partei gestatten, deren Dasein auf einem Vorrecht beruht. Mit einem Wort: der gegenwärtige Krieg Ungarns ist nicht bloß ein Kampf für die Unabhängigkeit des Staates, wenn natürlich ihn diese Idee auch erfüllt, sondern er ist ebenso eine Wirkung des l Klassencharakters des ungarischen Parlaments, das Produkt eines ' wahrhaft infernalischen Wahlunrechts, das den herrschenden Klassen ermöglicht, ihren Chauvinismus ungehemmt durch Gegenkräfte auszutoben. Es wäre nützlich, auch diese Seite der ungarischen Kämpfe im Auge zu behalten, denn es ist nicht zu leugnen, daß die Tatsache, daß der Krieg der Ungarn gegen den mit Recht verhaßten Wiener Hof geht, das Urteil über das Wesen der magyarischen Forderungen und ihrer Wortführer oft und auch von Sozialdemo- kraten bedenklich trübt. Zum Glück bemüht sich die Koalition selbst, der Welt die Auf- klärung über die eigentliche Natur der Verkünder des„Willens der Station" ganz bündig zu vermitteln. Sie steht, durch das Eingreifen der Regierung Fejervarys und insbesondere durch die energische aller Anerkennung werten Agitation der Sozialdemokraten, die hier die Wortführer der rechtlosen Klasse in Ungarn sind, vor der Frage der Wahlreform, und nun gewahrt man das seltsame Schauspiel, daß die Partei, die ihren Anspruch darauf gründet, den Willen der Nation, also aller in Ungarn lebenden Menschen auszudrücken, dem Ausdrucke dieses Willens im Wahlrecht beharrlich widerstrebt! Die Propheten des National- willens entpuppen sich als vulgäre Klassenparteien, denen ihr politischer Besitzstand über alles geht und die nichts so sehr zu befürchten scheinen als die Mitwirkung der breiten Massen bei der Bildung dieses Willens, dem sie an- geblich die Erfüllung sichern wollen. Das Schauspiel ist seltsam, denn wenn wir auch in dem gesamten Europa die besitzenden Klassen überall verstohlen oder offen das allgemeine und gleiche Wahlrecht hassen sehen, so sind die Gegner eben überall nur Parteien— nur politische, die nicht beanspruchen etwas anderes zu sein als eben die Vertretung bestimmter Volksklassen und Volksschichten. Seltsam wird diese Gegnerschaft erst dann, wenn die Bekäuipfung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts von einer Partei erfolgt, die den Anspruch erhebt, die Vertretung der Nation zu sein, und ans diesem Anspruch die Forderung erhebt, die schrankenlose Herr- schaft im Staate zu besitzen. Die Fiktion, daß der ungarische Reichstag die Vertretung Ungarns, die seiner gesamten Bevölkerung ist, ist die Grundlage der Herrschast der Magyaren im Laude, die Grundlage ihrer Stellung gegenüber der Krone und nicht zum geringsten gegenüber Oesterreich. Mehr als eine Fiktion war es natllr- lich niemals, aber es ist in der Politik ein großer Unterschied, ob eine Rechtssituation nur bei kritischer Prüfung als eine Lüge erkannt, oder ob sie als Lüge unmittelbar empfunden wird. Und das ist die Ernte dieses Sommers: Jene Fiktion ist mm als un- verschämte Lüge, als drei st e Anmaßung entlarvt worden und mit seiner Entlarvung ist das Prestige des Reichstages, ist ins- besondere das Ansehen der Koalition, von der man erwartet hatte, daß sie die Fiktion endlich zur Wahrheit machen werde, deren Weigerung also ihre politische Qualität entschleiert hat, unwieder- bringlich verloren gegangen. Daß die Koalition, welche alle parlamen- tarischen Hülfsmittel ihr eigen nennt, auch heute über die formelle Macht verfügt, ist wahr; nicht minder wahr ist es aber, daß die sachliche Grundlage ihrer Macbt, eben jene Vorstellung, ins Schwanken geraten ist. Was also Habsburg tun kann, ist nichts anderes als die alte Weise: den Acheron zu bewegen. Jene„Nation" ist schon nach dem Sprachgebrauch der ungarischen Gesetze allein der magya- r i s ch e Stamm; die Krone kann sich also au die„Nationalitäten" wenden, um die Macht des herrschenden Herreuvolkes zu schwächen, indem sie die heute an die Wand gedrückten Völkerschaften zur Mitentscheidung beruft. Aber jene„Nation" ist auch nicht das Volk der Magyaren, ist nur eine lächerlich schwache Schicht der Be- sitzenden innerhalb desselben. Von 20 Millionen ungarischer Staats- bürger besitzt kaum eine Million das Wahlrecht(der berühmte Nationswille dürfte sich insgesamt auf etwa 300 000 Wähler, etwa so viel als es sozialdemokratische Wähler in der Stadt Berlin gibt, stützen!); die Rechtlosen sind also in Ungarn nicht etwa bloß die Arbeiter, sondern an 2'/z Millionen den bürgerlichen Klassen an- gehöriger erwachsener Männer sind politisch rechtlos I Es scheint nun natürlich ein seltsamer Einfall der Krone, die Interessen der Dynastie mittels des allgemeinen Wahlrechts, das noch in der ganzen Welt radikalisterend wirkt, zu verteidigen, aber der Einfall ist nicht seltsamer, als es alle zäsaristische Politik scheint. Keinem Zweifel unter- liegt es, daß die breiten Volksmassen, daß insbesondere die nicht magyarischen Völker in Ungarn heute ganz andere Sorgen haben als die chauvinisttschen Verstiegenheiten des magyarischen /Adels und der ihm verbündeten städttschen Bourgeoisie; und ganz selbstverständlich ist es also, daß sich ein Reichstag aus allgemeinem und gleichem Wahlrecht dem Sport der nur chauvinistischen Politik nicht hingeben würde, daß vielmehr die Entfesselung aller Volkskräfte Fragen und Probleme auf die Tagesordnung bringen würde, die fernab von der öden Staatsrechtlerei liegen, die heute der ausschließliche Inhalt der ungarischen Politik ist. Man darf doch nicht vergessen, daß Ungarn in allem und jedem so ziemlich das Widerspiel Norwegens ist, daß es seine sozialen und wirtschaftlichen Schulden seit einem Menschen- alter nicht gezahlt hat, die Verpflichtungen des Reichstages also riesengroß angewachsen sind. Daß diese Rückständigkeit wieder nur eine Folge der Notwendigkeit war, zuerst den Kampf um die staat- liche Selbständigkeit führen zu müssen, ist natürlich auch wahr, aber unverkennbar ist jetzt der Punkt erreicht, wo die sozialen Tendenzen über die staatsrechtliche Bewegung die Vorderhand.gewinnen würden, wenn s i e das W a h l s y st e m nicht k ü n st I i ch zurück- drängen w ü r d e. Was also eine zweifellose Wahrheit ist, ist die Tatsache, daß ein Reichstag anS allgemeinem und gleichem Recht ein anderes Parlament wäre, als dieser Reichstag, der das Produkt des engherzigsten Zensus und der elendesten Wahl- korrupsion ist. Daß bei dieser Veränderung auch die Krone profi- tieren kann, indem die Tendenzen gegen die Großmacht geschwächt werden, wenn in das Parlament der Klassenkampf seinen Einzug hält, ist also eine Annahme, der Logik und Verstand nicht ab- gesprochen werden kann. Einen schlechteren Reichstag— bei ihrem Standpunkte— kann die Krone nicht finden, als den Reichstag der Grafen und Advokaten. Aber wenn auch die objektive Möglichkeit der zäsaristischen Politik vorhanden sein mag, ist deshalb auch ihre subjektive ge- geben? Dabei ist natürlich nicht von einer Ottroyierung des all- gemeinen Wahlrechts die Rede, die in Ungarn schon deshalb nicht gewagt werden kann, weil ihre unerläßliche Voraussetzung, der Besch der Verwaltung, fehlt, sondern von der Entschlossenheit einer Politik, die einen Gesetzentwurf einbringt und die Kräfte der Recht- losen für seine Durchführung entfesselt. Aber ist diese Politik von Habsburger» zu erwarten, deren geschichtliche Tradition ist, die Volksmasseu wie die Pest zu scheuen und deren abgehauste Haus- Machtspolitik eben darin besteht, sich die Respektierung ihrer Interessen mit politischen Privilegien zu erkaufen? Die Träger dieses Zäsarismus waren der alte Kaiser und sein Trabantengeneral— wahrlich keine Leute, von denen zu erwarten wäre, daß ihnen die Gestaltung der Zukunft wichtiger erscheinen könnte, als das gesicherfte Kompromiß des Augenblicks. Der Baron Fejervary ist seit gestern in Wien und hente soll in der Habsburg entschieden werden, ob der Krieg gegen die Koalition begonnen oder der Versuch zu einem Ausgleich noch einmal unternommen werden wird. Für einen Kompromiß sind nämlich die Aussichten jetzt günstiger denn je; dafür, daß die Herren von der Koalition zum Einlenken sehr gern bereit wären, liegen deutliche Anzeichen vor. DieWahlrechtöbewcgung der Sozialdemokraten, mit der die Regierung Fejervarys offensichtlich koketttert, hat die Willenspropheten so eingeschüchtert, daß sie das Geschäft, für den Verzicht der Krone auf Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts auf ihre Forderung nach der magyarischen Kommando- spräche zu verzichten, sofort abschließen würden, wobei ihnen die Krone die Entlassung Fejervarys als Zugabe anbieten könnte und. wenn der Handel ins gleiche kommt, natürlich auch anbieten wird. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß der Konflikt ziemlich so aus, laufen wird— was jedenfalls den unschätzbaren Vorteil hat, daß beide Teile, HabSburg und Koffuth, nach ihrer sittlichen und Ver- standesqualität nicht mehr verkannt werden könnten. Ein Mann allerdings scheint in Ungarn zu leben, der die Sachlage vollständig durchblickt und sogar die letzten Konsequenzen zieht. Das ist der Minister des Innern Josef Christ offy, der vor seiner Ernennung ein unbemerkter Obergespan war und Minister nur geworden ist, weil sich zu dem Geschäft des Mitgliedes eines unparlamentarifchen Kabinetts nur wenige Leute angeboten haben. Aber dieser vorher ganz unbekannte Mensch scheint weiter zu denken, als es in Ungarn üblich ist. Er kandidiert jetzt für den Reichstag und hat gestern vor seinen Wählern eine Rede gehalten, die ein so eminentes, jdurchfchlagendes, überzeugtes und überzeugendes Plaidoyer für die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes ist, wie es niemals gesprochen worden ist. Ein Minister, der in seinem Programm sagt:„Meine Fahne hat die Aufschrift der heiligen Sache: das alkgemeine Wahlrecht" und der seine Kandidatenrede mit dem Rufe schließt:„es lebe das all- gemeine Wahlrecht", der ist ziveifellos eine merkwürdige, interessante und bedeutungsvolle Erscheinung. Wie imnier über die augenblicklichen Fragen entschieden werden wird, das Problem der Umwandelung des ungarischen Reichstages wird jnicht verschwinden und gelöst werden muß. Damit beginnt aber eine neue Epoche für Ungarn und dadurch auch für Oesterreich und die dualistische Monarchie. Neue Kräften treten auf den Plan, und dann wird sich entscheiden, was lebensfähig ist in Oesterreich-Ungarn, was dem Tode verfallen. Aber die Ent- scheidung werden in Oesterreich wie in Ungarn nicht die privilegierten Parlamente sprechen. Sie wird erst fallen, wenn die Völker selbst zur Antwort berufen sein werden. » Kabinettskrise in Ungarn. Wien, 11. September. In dem gestrigen Ministerrat, in dem der Kaiser den Vorsitz ftihrte und G ol u ch 0 w s k i, Fejervary und G a u t s ch zugegen waren, ergab sich als die Hauptschwierigkcit, daß der Kaiser seine Zustimmung dazu verweigerte, daß dem ungari- scheu Reichstag bei der Eröffnung am lö. September unter den Vor- lagen auch die Wahlreform auf Grund des allgemeinen Wahlrechts vorgelegt werde. Fejervary reiste deshalb gestern abend nach Budapest, um hierüber einen Mini st errat des ungarischen Ministeriums abzuhalten. Er kehrt noch heute abend nach Wien zurück. Man glaubt aber, daß er dem Kaiser die Demission des Gesamt Ministeriums überbringen wird.— Die meisten Blätter besprechen das Resultat des gestrigen K r 0 n r a t e s sehr pessimistisch. Das neueste Hinder- nis soll tatsächlich die Wahlreform bilden, an welcher von österreichischer Seite Aenderungen verlangt iverden. Ueber diese Aenderungen wurde in einem heute hier stattgehabten Ministerrat konferiert. Falls die ungarische Regierung diesen Aenderungen zustimmt, dann erhält Fejervary die Zustimmung der Krone zu seinem Programm. Wenn nicht, dann steht die De- Mission des LlabinettS unmittelbar bevor. Ueber all dies wird in der morgigen neuerlichen Audienz Fejervarys beim Kaiser die Entjcheidung fallen. *»* Ans der Rede des Ministers Chriftosty sei noch folgende interessante Stelle nachgetragen: Der Minister behandelte dann die angebliche Gefahr, die das Land von den Sozialisten bedroht, und führt Beweise dafür an, daß das Erscheinen der S 0 z i a l i st e n auf dem politischen! Kampfplatz nicht, wie man behauptet, die Zcrspaitung des Pacta- mentarismus bedeute, sondern vielmehr würden die gesellschaftlichen Rahmen gesprengt, wenn d-je Sozialisten noch lange autzcrlialb des Parla- ments verbleiben müßten. Man beschuldiat gern die Sozialdemokraten, oaß sie revolutionäre Absichten haben. Diese falsche Ansicht entsteht auf folgende Weise: Die b e r c ch t i g t e sr e politische B e st r e b u n g!v endet auch rcvolutio- näre Mittel an, wenn sie mit Gewalt vpn dem Parlament ausgeschlossen wird. Anderer-. selts wendet- i e r e v o l u t i o n ä r st e W e st r e b n n g legale Mittel an. wenn ihr die Tore des Par- lamcnts eröffnet tu erden. Durch Einführung des all- gemeinen Wahlrechts wird die bürgerliche Gesellschaft eher bc- vorzügt. Es lvird aber auch andererseits ein natürlicher Abfluß für die soziale Unzufriedenheit und sur die Revolution, die auszubrechen droht, geschaffen sein... Vergebens v-r,ucht man mich durch den Antrag auf Versehung in den Anllagezustand zu terrorisieren. Mein Gewissen ist ruhig und keine Verdächtigung wird mich vom Wege der vernünftigen und besonnenen U-berzeugung ablenken. Zu diesem erhebenden Kampfe erbitte ich mir Ihr Vertrauen. Meine Fahne hat die Aufschrift der heiligen Sache: des allge- m e inen Wahlrechtes. Verleihen Sie mir die Kraft, ver- leihen Sie mir das Vertrauen, diese Fahne voranzutragcn, welche ich unter allen Umständen rein erhalten in Ihre Hände zurück- legen werde. Es lebe das allgemeine Wahlrcchtl Die letzte» Stunden Kasprzaks. Die telegraphischc Mahnung unseres Parteivorstandes an die Regierung des Fürsten v. Bülow, daß sie ihren Pflichten nach- komme und die Rechte eines deutschen Staatsbürgers im Auslande wahre, kam, wie unsere Leser aus dem Privattclegramm des„Vor- wärts" wissen, in die Hände der Adressaten, als der Leichnam des Opfers der Zarcnschcrgcn bereits kalt war. Dies ändert freilich nichts an der verdammten Pflicht und Schuldigkeit der Reichs- regierung, der Sache nachzuforschen und von der„befreundeten" Knutenrcgicrung Rechenschaft zu fordern für die Rechtsverweigerung an einen deutschen Staatsangehörigen. Tatsache bleibt, daß dem Genossen Kasprzak das letzte Rechtsmittel: das der Kassation, gewaltsam abgeschnitten wurde durch einen eigenmächtigen Gcwaltstrcich des Warschauer General- Gouverneurs, der sich auf den in Warschau verhängten Belagerungs- zustand stützte. Aber abgesehen von der Frage, ob der Bc- lagerungszustand überhaupt die Verweigerung von Rechtsmitteln auch im kosakischen Sinne„gesetzlich" rechtfertigte, ist der Umstand ausschlaggebend, auf den wir gleich hingewiesen haben, nämlich, daß die Tat Kasprzaks, für die er nun am Galgen gebüßt hat, vor der Verhängung des Belagerungszustandes geschehen ist. Hiermit war die Verweigerung des Rechtsmittels der Kassation an Kasprzak sogar vom Standpunkte der kosakischen Gesctzesauslegung ein flagranter Rechtsbruch, ein Gewaltstreich von asiatischer Barbarei. Daß wir in unserer Auffassung durchaus nicht fehlgehen, dafür bürgt in diesem Falle ein gewiß ganz unverdächtiger Kronzeuge, nämlich kein anderer als— der Herr z a r i s ch e Staatsanwalt f e l b st. Dieser Herr, unzufrieden mit dem Urteil für den anderen Mitangeklagten, Genossen Gurtzmann, dem er, statt der 15 Jahre Zwangsarbeit in Sibirien, um jeden Preis gleichfalls zum Galgen verhelfen wollte, hatte gleichzeitig mit der Verteidigung auch seinerseits die Kassationsklage eingelegt. Somit war auch der Staatsanwalt der Ansicht, daß das Rechtsmittel der Kassation offen stehe— selbstverständlich für beide Parteien. So bleibt also die Verweigerung des Rechtsmittels an einen beut- schcn Staatsangehörigen im Knutcnrcich unbestreitbare Tatsache, und wir erwarten nun die entsprechende Siilzneaktion der Reichs- regierung zum Schutze des gemordeten Deutschen im Auslände,— auch wenn das Ausland zufällig nicht Kiautschou, sondern im bcnach- barten Russisch-Polen liegt. Wohlgemerkt empfindet sogar die bürgerliche Presse die Verantwortlichkeit des Fürsten v. Bülow in diesem Falle: das„Berl. Tageblatt" hat beim Abdruck der von den Genossen Auer, Gerisch. Pfannkuch, Molkenbuhr und Singer abgeschickten Depesche bemerkt, daß ungeachtet der inzwischen statt- gefundenen Hinrichtung Kasprzaks die Regierung die Pflicht habe, dem Fall nachzuforschen. Wie es nun gekommen ist, daß für die Rettung des sogar ohne formell rechtskräftigen Urteilsspruch gemordeten Opfers der zarischen„Justiz" die Intervention unseres Parteivorstandes zu spät kam, darüber erhalten wir aus Warschau folgende Erklärungen: Warschau, 8. September.(Eig. Bcr.) Gestern hat uns die „Justiz" der Knute zum Abschluß auch noch eine blutige Ueber- raschung bereitet: die Rechtsanwälte erhalten plötzlich aus der Kanzlei des Gencral-Gouverncurs die Nachricht, daß ihre Kassationsklage, ebenso die d.eS Staatsanwalts, gar nicht nach Petersburg abgeschickt wurde, und zwar unter Berufung auf den in Warschau verhängten Kriegs- zustand! Da die Tat Kasprzaks vor der Vcrhängung desselben stattgefunden hatte, so kamen die Verteidiger überhaupt nicht auf den Gedanken von der Möglichkeit eines solchen GeioaltstreichL, und die Nachricht war ein Schlag vor den Kopf. Aber das Beste dabei ist: man wartete mit der B e n a ch r i ch t i g.u n g über die Nichtabsendung der jtassationsklage fast eine volle Woche— das Urteil war am 1. d. M. ergangen und die Revision wurde sofort eingelegt— damit inzwischen die Zeit verstreicht und keine Möglichkeit mehr bleibt, über- Haupt den eigenmächtigen Schritt des Gcncral-Gouverneurs anzu- fechten! Selbstverständlich handelte der hiesige Pascha nicht aus freien Stücken, sondern wiederum nach strikten Weisungen„von oben"—„so gut als wie vom Zaren selbst", wie der Staatsanwalt aus der Schule geplaudert hatte. Und das Geheimnis ist sehr leicht erklärlich: Die von der Verteidigung eingelegte Revistonsklage war so reichlich und so unerschütterlich, unanfechtbar mit einer ganzen Reihe schreiender, rein prozessualischer Verstöße begründet, daß eine glatte Abweisung dieser Klage durch irgend einen Gerichtshof, und wäre er nicht in Petersburg, sondern in der Hauptstadt der Boto- kuden oder eines beliebigen wilden Landes domiziliert, rein un- denkbar war. Die Wiederaufnahme des Verfahrens schien unab- weisbar. Und dem galt es nun für die Negicruiig vorzubeugen um jeden Preis. Nun— der Preis eines schreienden Ncchtsbruchs, einer unerhörten, gewaltsamen Rechtsverweigerung war den Knuten- scherzen nicht zu groß: die Klage wurde einfach nicht abgeschickt und dieses Vorhaben bis zum letzten Augenblick verheimlicht. Wie nachher festgestellt werden konnte, wurden gleichzeitig mit der Benachrichtigung der Rechtsanwälte vom Schicksal ihrer Revision sklagc bereits die s ch a u e r l i ch c n V o r b e r e i t u n g e n z u d e m M a r t y r i u m Kasprzaks getroffen.... Aber damit immer noch nicht genug, der Gewaltstreich sollte noch verdoppelt werden. Gestern nachmittag erfuhren wir, daß die Frau Kasprzaks,— ein noch ganz junges und an der Parteibewegung unbeteiligtes Weib— von Gram fast zur Besinnungslosigkeit ge- bracht, auf die Nachricht hin von der Verweigerung der Kassations- klage auf eigene Hand eine lange Depesche nach Petersburg an das Zarcnpaar schickte, mit der Bitte um Begnadigung ihres Mannes. Hiermit war nach der Annahme der Verteidigung jedenfalls eine Frist von 48 Stunden gewonnen, denn die Frist bis zur Bcant- woriung eines Begnadigungsgesuches ist gesetzlich vorgesehen, wird doch dieses Gesuch von der Prozeßordnung jedes Landes als ein gesetzliches Rechtsmittel betrachtet. Auf die Bitte der unglück- lichen Frau beeilte� sich nun gestern der Rechtsanwalt Glaß nach der Kanzlei des General-Gouvcrneurs, um formell die Mitteilung von der Absenkung des Begnadigungsgesuches zu machen und die entsprechende H i n a u s s ch i e b u n g der Hinrichtung zu fordern, bis aus Petersburg die Antwort eintrifft. Trotzdem er- fuhr der Verteidiger um 10 Uhr abends, daß bereits alles für die Exekution fertig gestellt ist. Um 12V-! Uhr nachts telegraphiert er nochmals persönlich nach dem Palais des General-Gouvcrneurs. Und heute erfahren wir, daß trotz all dieser gesetzlichen Schritte, trotz des abgesandten Begnadigungsgesuches, heute u m 6 Uhr früh Kasprzak heimlich in aller Eile hingerichtet worden ist! Und seine Frau wurde nicht einmal davon benachrichtigt! Man hat dem meuchlerisch Gemordeten uicht einmal den üb- lichen Abschiedsbesuch der allernächsten Ver- wandten— der Frau und des einzigen SohneS — gewährt!... In Eile, bei Tagesanbruch, nur von dem verhaßten Anblick der Gendarmen bis zuletzt umgeben, mußte der Tapfere das-Gerüst besteigen, von dem ihn dann Gendarmenhände alS kalten Leichnam herunterholten.... * 4» * Ueber den wahrhaft heldenhaften Tod Martin Kasprzaks er- halten wir soeben folgende Einzelheiten: Warschau, 9. September.(Eig. Ber.) Ueber die letzten Augen- blicke Kasprzaks ist es doch gelungen, näheres zu erfahren und zwar von dem Geistlichen, ber, wie üblich, von de» Schergen dem Opfer noch wie zur Verhöhnung der letzten Augenblicke in die Zelle geschickt wurde, damit er seine Sünden gegen den Zaren beichte... Es war dies der Pfarrer Bilski, der nachher der Frau Kasprzaks von feinem Besuche erzählte.„Was sich der Mann dachte, erzählt der Geistliche wörtlich, begreife ich nicht. Statt mit Rührung, hat er mich fast mit Hohn im Gesicht empfangen. Und als ich anfing, Gebete für ihn zu lese», hnb er an z» singen, zu pfeifen» sich laut zu schnäutzen und zeigte mir in jeder Weise, das» ich ihm lästig sei, um mich aus der Zelle hinauszuekeln. Erst als man ihm das Leichenhemd angezogen hatte, wurde er plötzlich verklärt, sein Gesicht wurde ruhig und hell, sein Blick leuchtend. So bestieg er auch, mit verklärtem Gesicht und in aufrechter Haltung, ruhig das Gerüst." Warschau, 9. September.(Eig. Ber.) Gestern hat das War- schauer Komitee der Sozialdemokratie Polens und Litauens aus Anlaß der Hinrichtung Kasprzaks ein kurzes Flugblatt verbreitet, in dem es zu Ehren Kasprzaks für Montag, de» 11., in Warschau de» Generalstreik proklamiert. * Ein Telegramm des„L.-A." meldet: Warschau, 11. September. Hcnte früh 9 Uhr wurde in allen Fabriken die Arbeit eingestellt. In den Arbeitervierteln geht es lebhaft zu, die Menge verhält sich aber ruhig. Starke Militär- Patrouillen bewachen die Fabriken. Der Streik wurde inszeniert wegen der Hinrichtung Kasprzaks. Der Warschauer Korrespondent des„L.-A." telegraphiert seinem Blatt über die letzte Stunde Kasprzaks: Um 5 Uhr morgens begab sich der Militärgeistlichc in die Zelle des zum Tode Verurteilten, den er trösten wollte; Kasprzak empfing ihn jedoch mit dem Lied von der„R o t e n Fahne". Später kam ein maskierter Henker, der ihm das Totenhemd an- legte und die Hände fesselte. Kasprzak, welchen die 1 Mi jährige Kerkerhaft physisch gebrochen hat, sah aus wie ein Mann von mehr als SV Jahren, obwohl er erst 49 zählte. Als er seinen ' letzten Gang antreten sollte, richtete er sich hoch aus und schritt klaren Auges in ruhiger und kühner Haltung zum Hinrichtungsplatz, der von Militär und Gendarmen umgeben war; beim Besteigen des Galgens stol- pcrte der Verurteilte. Als ihm der Henker den Sack über den Kopf stülpte, rief Kasprzak mit leiser, aber deutlich vernehmbarer Stimme:„Es lebe die Revolution!" Dann ergab er sich ruhig in sein Schicksal. Der Gcneral-Gouvcrneur, Generalleutnant Skalon, hatte nicht nur dem Verteidiger Kasprzaks, sondern auch dessen Frau und Sohn den Zutritt zu ihm verwehrt; es wurde ihm nicht gestattet, von seinen Angehörigen Abschied z u nehmen. *! Ferner wird äus Warschau gemeldet: Der 19iährige Schuhumchergcselle Abrahanl Chmielnitzki, der im Juni auf der Straße einen Infanteristen durch Messerstiche verwundete, wurde vom Kriegsgericht zum Tode durch den Strang verurteilt. Auch in diesem Falle wurde das Kassativiisgesuch vom Gcneral-Gouverucur abgelehnt. politische(kbersicbt. Berlin, den 11. September. Klassenkampf in der Aristokratie. Eine Kriegserklärung gegen das industriell verseuchte Magnatentum bringt das„ De ntsche Adelsblatt". Von der'Erscheinung ausgehend, daß sich gerade der reichste Adel nicht in der Adelsgenosscnschaft organisiert hat, werden diese Rauhbeine wie folgt als Frevler gegen das sozialaristokratische Prinzip gekennzeichnet: „Ein Aristokrat, der im Kampfe des Tage» in den Reihen der Parteigänger der Zersetzung steht, der mit den Koryphäen der Börse nnd des Hochschlots um allerlei Opportimitätcn willen liebäugelt, verrät seine eigene Sache, so glanzvolle Standcsattribute ihn anch schmücken möge»." Der ganze von den industriellen Tendenzen gereinigte Adel müßte sich zusammenschließen: „In einem solchen Ritterorden, dessen Ziele aller Welt frei vor Augen lägen, könnte der gefährdeten Gesellschaftsordnuiig, dem christlich-monarchischen Staat nnd dem Königtum von Gottes Gnaden die schneidigste Wehr erstehen. Der hohe Adel hat wahr- lich keinerlei Ursache, der bisher wesentlich vorn Kleinadel geförderten Aeforinbelvcguna mit Mißtraue» nnd einer bis auf spärliche Ausnahmen so offensichtliche» Reserve zu begegnen. Es sind wunderliche Tendenzen, die vielfach im Kreise unserer Magnaten vorherrschen. Man sollte fast meinen, sie gipfeln im Sport, im Rennstall, im Automobilklub. In Anlehnung an die Tagesmode, in Konzessionen an die„öffentliche Meinung" nnd damit mir allzu oft an links gerichtete Strömungen, die geistig und politisch dein Liberalismus zuführen, scheint so iiiancheS Glied der hohen und höchsten Aristokratie alles Heil der Gegenwart zu silchcn.... Tritt hierzu eine Ausbeiituug der Schätze, die der eigene Grund und Boden gewährt, eine industrielle Wirksamkeit nach Art der Fürsten des HochschlotS, so deckt sich daS Gcswntbild eines derartigen Magnaten nahezu völlig mit dein Typ des Finanz- und MaschiliciibehcrrschcrS. Dann kann man es allerdings er- leben, diese beiden Gisellschaftsgruppen auf völlig parallelen Bahnen wandeln zu sehen. Haben wir eS doch in der Gründer- zeit sattsam erfahren, daß die Name» der edelsten Geschlechter in engster Gemeinschaft mit denen der jüdische» Geldwechsler ans de» von der Börse lmizicrtc» Prospekten prangten. Wie lichivoll er- scheint gegenüber den Schattenstrichen, in denen sich uns die eichmmg des entgleisten modernen Aristokraten darstellt, die haraktergcstalt eines rechten und echten, von dem erhebenden Gedankeil seines sozialaristokratischen Berufes getragenen groß« Herr» l" Die Lichtgestalten der echten Aristokratie, die ihre christ- liche Weltanschauung durch Brot- und Fleischwucher mästen, scheinen die großkapitalistisch-industriellen Landnabobs als Kon- kurrenten in der Hinsicht zu fürchten, daß diese als Jnter- essenten des I n d u st r i e st a a t e s und der Ausbeutung der Jndustrieproletarier nicht mehr allein auf den Lebens- mittelwucher angewiesen sind, vielleicht sogar zu freihändlerischen Tendenzen gelangen. In diesen pathetischen Wehrufen der echten Ritter vom Brot- und Fleischwucher über die„entgleisten" Kompagnons jüdischer Geldwechsler und arischer Schlotmillionäre steckt also die Manifestation des reinen agrarischen Grundrenten- und Konsumentenausbeutcrs gegen den industriellen Mehrwerts- sabrikanten. Und alles dies im Namen des Christentums, der Monarchie und der Ordnung I— Die Karriere zur Abhülfe der Fleischnot. Fürst Bülow hat sich plötzlich ins Hoflager nach Koblenz begeben. Um entscheidende und radikale Abhülfe der Fleischnot durchzusetzen? Das offiziöse Telegraphenbnreau meldet, Fürst Bülow habe den Charakter als Generalmajor erhalten und beim Parademarsch das Königs- Husarenregiment bei Wilhelm II. vorbeigeführt. Da diese Charaktererhöhung gerade in die gegenwärtige Zeit fällt, glauben wir vermuten zu können, wie Fürst Bülow sich die Linderung des furchtbaren Notstandes denkt. Pod ist General- leutnant, also immer noch militärischer Vorgesetzter des Kanzlers. Bülow hofft nun bald über den Generalleutnant kommandierender General zu werden, und dann ist der große Augenblick gekommen, wo Bülow einfach kraft seiner Kommandogewalt dem General- leutnant Podbielski befehlen kann, die Grenzen für Schweine und Rindvieh zu öffnen. Das deutsche Proletariat hungere erwartungsvoll diesem er« habenen Moment entgegen.— Zu den Wahlen in Schwarzburg-Rndolstadt wird uns in Er- gänzung unserer Ausführungen in der vorigen Nummer geschrieben: Als es bei den Landtagswahlen im Jahre 1992 der Sozial- demokratie gelang, von den überhaupt vorhandenen 16 Sitzen 7 zu erobern, da war man im gegnerischen Lager vollständig darüber einig, daß dieser Erfolg lediglich auf das neue Einkommensteuer- Gesetz zurückzuführen sei. Dieses verlangt nämlich schon bei 1599 Mark Einkommen Deklaration, während es auch die n i e d r i g st e n Einkommen mit Steuern belegt. Zweifellos hat das Gesetz damals etwas zu den Wahlerfolgen unserer Partei beigetragen, aber doch längst nicht in dem Maße, als die für ihre Niederlage einen Grund suchenden Gegner sich gern einredeten. Beweis dafür ist, daß in diesem Jahre das Einkommensteuer-Gesetz bei der Wahlagitation eine äußerst untergeordnete Rolle spielte und die Wahlerfolge so- wohl in bezug auf die Vermehrung der Mandate als auch ins- besondere in bezug auf die Erhöhung der Zahl der abgegebenen Stimmen, jene vom Jahre 1992 bei weitem übertrafen. Damals 4948 Stimmen und 7 Mandate, diesmal 6776 Stimmen(42 Proz. Vermehrung) und 8 Mandate; außerdem stehen wir noch in zwei Kreisen in Stichwahl, von denen die eine, im Kreise Stadtilm, sehr aussichtsvoll(Genosse Scholl 444, zwei Gegner zusammen 482 Stimmen), die andere, im Blankenburger Kreise, vollständig aussichtslos ist(Genosse Munsche 263, vier Gegner zusammen 712 Stimmen). Unter den acht eroberten Mandaten sind zwei Doppelmandate enthalten, da Genosse Winter sowohl in Schlotheim als auch in Frankenhausen, und Genosse Hartman» in Rudolstadt- West und in Oberweitzbach gewählt ist. Die Nachwahlen sind für uns jedoch absolut sicher, denn Frankcnhauscn-Stadt ist unsere alte Domäne, die seit 1887 stets einen sozialdemokratischen Vertreter entsandte, und Obcrwcißbach hatte eine Mehrheit von 268 Stimmen. Am beträchtlichsten war unsere S t i m m e n z u n a h in e im Land- ratsamtsbczirke Rudolstadt(fünf Wahlkreise) mit 71 Proz., alsdann folgt das Landratsamt Königsee(vier Wahlkreise) mit 33 Proz. und das Landratsamt Frankenhauscn mit 26�- Prag. Die Gegner sind, wie dies auch die„liberale"„Rudolstädtcr Zeitung" zugibt, verblüfft durch unsere Erfolge; die Zeche hat allein der Libera- lismus zu tragen. Das schmerzt umsomehr, als die„Honorigen" durch einfache Arbeiter verdrängt wurden. Anstatt der Landräte und Bürgermeister, die vor noch vier Jahren das Gros des Land» tages ausmachten, senden wir zwei Tischler, einen Korbmacher, einen Konsumvereinskassierer, einen Porzellanformer und zwei Knopf- wacher in das Parlament, und glückt es in der Stadtilmer Stich- wähl, so wird sich diesen noch ein Gerber anschließen. Mit Interesse darf man der demnächst beginnenden Tagung des Landtages entgegensehen, da unsere Genossen das Schicksal aller Beratungsgegenstände nnd des Etats bestimmen können. Voraus- sichtlich dürfte es bald zu einer Auflösung des Landtages und zu Neuwahlen kommen; daß diese aber eine andere Landtagszusammen- setzung bringen werden, daran glaubt kein Mensch. So wäre denn der Landtag des kleinen Schwarzburg-Rudolstadt(das ganze Land hat 95 009 Einwohner) das erste deutsche LandeSparlcnncnt, in dem die Sozialdemokratie eine in jedem Falle ausschlaggebende Stellung einnimmt. Was sich jetzt abspielt und was in den Wahlresultaten zum Ausdruck kommt, das ist die Quittung einer aufgewachten Ar- beiterschaft für die Schikanen und Drangsalierungen in früheren Jahren. Der alte Bundcstagsbeschlutz, daß„Arbeitervereine an- durch verboten sind", galt in Schwarzburg-Rudolstadt noch bis vor vier Jahren, und da Landratsämter nnd Ministerium gemeinsam die Auffassung hatten, daß jede Arbeiterversammlung„quasi" einen Arbeiterverein darstelle,„da eine Versammlung nur durch die Vereinigung bieler entstehe", so vergingen oft Jahre, che wir wieder einmal eine Versammlung erlaubt bekamen; insbesondere war es unser ReichStags-Abgcordnetcr A. Hofmann, der früher einmal in- folge Ilkas des Landrats Werner in bezug aus Versammlungs- tätigkeit für lange Zeit aus dem Landratsamt Königsee„aus- gesperrt" war. Jedenfalls darf man gespannt sein, ob die heutige Regierung(Minister v. d. Recke) versteht, sich in die veränderte» Verhältnisse zu finden. Die Erfolge in Schwarzburg-Rudolstadt aber dürfen wohl von jedem Genossen als ein Zeichen betrachtet werden, daß es vorwärts geht und daß die EntWickelung und die Macht der Verhältnisse stärker sind als selbst die stärkste Reaktion.—_ Zur Wahl in Thorn-Kulm. Es wird uns geschrieben: Der Ausfall der Rcichstags-Ersatzivahl Thorn-Kulm-Briescn veranlaßt die hakatistiscbc Polizeipresse zu possierlichen Freuden. sprüngen. Ein„deutscher" Sieg ersten Ranges und besonders die „totale Bankrotterkläruna der Sozialdemokratie" soll das Resultat des 7. September sein. Wir haben nicht die geringste Veranlassung, uns gegen das Wahlresultat etwa blind zu stellen. Der Rückgang der sozialdeniokratischen Stimmen- von 998, die wir 1993 erhielten, auf jetzt 460 ist sickier nicht erfreulich. Aber eine im geistigen Ringen mit den Gegnern erlittene Schlappe stellt dieser Ausgang zweifellos nicht dar. Ein ehrlicher Kampf um die politische Ueberzcugung ist ja im Wahlftrcit und besonders seitens der teutschen Hakaiistcu überhaupt nicht geführt worden. Der schließlich mit Ach und Krach als brotwuchernder Nationalretier erkorene Regierungskandidat Bgnkdirektor Ortel lehnte jede pglitischo Aeußerung Jogör direkt ab. Ja, der freisinnig-volksparteiliche Landtags-M- geordnete Kittler erklärte eine allgemeine Wählerversammlung für Ahorn für völlig unnötig, weil es hier gar nicht auf die Politik, Ivndern nur auf den Mann ankomme I Und so beschränkten sich denn die vereinigten germanischen Nationalhelden daraus, für den Regierungsreaktionär Ortel und das erhabene Ostinarken-Evan- gelium mit der chauvinistischen Hetzpeitsche in der skrupellosesten Weise Stimmvieh zusammen zu treiben! Man verfuhr reichlich nach dem Rezept des„Graudenzer Geselligen", der nach der Hauptwahl 1903 vielen Gutsbesitzern ganz öffentlich vorwarf, daß sie..ihre" Arbeiter nicht zur Wahlurne gefahren hätten. Das sei nicht nur ihre Pflicht im„nationalen Interesse", sondern die„praktische Ar- beitcrfreundlichkeit" gebiete ein solches„Entgegenkommen" in erster Linie. Ja, dieses hakatistische Spezialreptil entblödete sich damals nicht, in einem„Eingesandt" ungeniert zu erzählen, daß ein Be- sitzer seinem Arbeiter den sozialdemokratischen Stimmzettel vor dem Wahllokal mit dem reaktionären vertauscht habe und dieses Beispiel der„Belehrung" zur Nachachtung zu empfehlen I Hat man vor solchen kleinen Mitteln schon 1993 nicht zurückgeschreckt, so hat man setzt auf diesem Gebiet, weil man verhindern wollte, daß die Sozial- demokratie wieder die Entscheidung für die Stichwahl erhielt, mit Hochdruck gearbeitet. Wesentlich ist das Wahlergebnis auch durch den Kandidaten- Wechsel beeinflußt worden. 1993 kandidierte der damals in Thorn ansässige Genosse Vierrether, dem jetzt, nachdem erst Morawski ins Auge gefaßt war, der Poscner Srcmsti folgte. Die Sozialdemo- kratie hat hier bereits einmal durch den Kandidatenwechsel die Laune des Wahlglückes zu kosten bekommen. So erhielt der Thorner Ge- nosse Mikusczinski 1893 1136 Stimmen, während auf Storch-Stettin, der 1898 kandidierte, nur 43ö Stimmen entfielen. Die Kandidaten- frage ist zweifellos in den Kreisen besonders bedeutsam, die bisher nur von der blödesten Nationalitätcnhetze durchtobt wurden und in denen die Sozialdemokratie mehr als anderwärts noch politischen Urwald zu roden hat. Einen besonders nachteiligen Einfluß haben auf das Wahl- ergebnis aber ganz gewiß die besonders jetzt wieder in der Partei mit Volldampf voraus und oft in sehr wenig geiwssischen Formen geführten Debatten zwischen den Genossen gehabt, die doch ein sehr feines Gefühl auch für die Fcrnwirkung ihrer Differenzen haben sollten. � Die Genossen, die so heftig die Parteirettung besorgen, sollten sich doch selbst sagen können, daß diese durchaus unerfreulichen Kämpfe auf dem Rücken derer ausgefochtcn werden, die an der politischen Kulturgrenze für die Ideale des Sozialismus harte Pionierdicnste leisten müssen. Man kann es der Hakatistischen Reptilienprcsse noch gar nicht so sehr verdenken, daß sie die sozial- demokratische Brüderlichkeit bis zum Ucbcrdruß durch entsprechend servierte„rote Liebenswürdigkeiten" beleuchtete. Ter Ucbereifer mancher Genossen sollte an diesem Wahlausgang also nicht achtlos vorbeigehen. Trotz all dieser Umstände ist aber am allerwenigsten erfreulich, daß die Stadt Thorn nebst dem Vorort Mocker so vollständig ent- täuschte. Hier befindet sich das einzige Saallokal des ausgedehnten Wahlkreises. Etwa fünf Gewerkschaften vereinigen fast sämtliche Berufsangehörigen um sich und haben noch in letzter Feit durch er- folgreiche Streiks Tarife errungen, die ihnen erhebliche Vorteile brachten. Tie Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter reicht nahe an 1999 heran. Bei der ausgiebigen Wahlagitation hätte eigentlich die Einsicht dieser bereits so erheblich vorgeschrittenen Arbeitcrschichten so erweitert werden müssen, daß sie sich der soziali- stischen Arbeiterpartei angliederten. Ins Gewicht fällt allerdings die Erwägung mancher polnischen, sonst der Sozialdemokratie zu- geneigten Kreise, daß sie, um die Stichwahl zu vermeiden, gleich in der Hauptwahl für den sich sehr demokratisch geberdenden Volks- parteiler Brejski stimmten. Die hakatistischen Gegner haben aber sicher keinen Grund zu lautem Freudengeheul über ihren Pyrrhus- sieg. Die westpreutzischen Genossen werden sich durch das Warnungs- signal des Wahlergebnisses nicht entmutigen lassen. Der anspornen- den Mahnung Thomas Carlhles:„Arbeiten und nicht verzweifeln" mit doppelter straft nacheifernd, werden sie allen Hakatistcn zum Trotz schließlich doch beweisen, daß Weftpreutzens Proletarier nicht auf ewig verdammt sind, die bedauernswerten Opfer der bodenlos niedrigen Nationalitätenverhetzung zu bleiben. DaS heut bekannt gegebene amtliche Wahlresultat lautet: Bei der am 7. September im 4. Wahlbezirke des Wahlkreises Thorn- .Kulm abgehaltenen ReichstagSersatzwahl wurden insgesamt 28 811 Stimmen abgegeben. Hiervon erhielt Ortel(nationalliberal), Bank- direktor in Thorn, 14 832 Stimmen, Brejski(Pole), Redakteur in Thorn, 13 019 Stimmen, Sreinsli(Sozialdemokrat), Redakteur in Posen, 453 Stimmen. Zersplittert 2 Stimmen. Gewählt ist mithin Ortel. „Jung-natiouallibcral." In Stuttgart hielt der Verband der Vereine der nationalliberalen Jugend am Sonnabend und Sonntag einen Verbandstag ab. ReichstagSabg. Dr. B ö tt g e r sprach über nationalliberale Mittelstandspolitik, welche ein groteskes Zwitter- gebilde ist von großkapitalistischen Neigungen und zünftlerischcn Kon- Zessionen. Auf Begrüßungsworte des Vorsitzenden Dr. Fischer erwiderte Abg. B a s s e r m a n n, daß er als Vorsitzender des Zentralvorstandcs der nationalliberalen Partei erschienen sei. Die Hoffnung mancher den Nationalliberalen nicht wohlgesinnter Leute, daß durch die Organisation der Jugend der Partei eine Trennung eintreten werde, sei zu» schänden geworden. Als Hauptaufgabe für die kommende parlamentarische Tätigkeit bezeichnete Abg. Bassermann die Frage der R e i ch s f i n a n z r e f v r m. der Reorganisation der Kolonialverwaltung,„vor allem den Ausbau und die Stärkung unserer jungdeutschen Flotte". Der Verbandstag nahm darauf gegen eine sehr erhebliche Minderheit einen Antrag ans Erweiterung des Kreises derjenigen Stände an, aus denen die Laienrichter ausgewählt werden. Ein weiterer Antrag. der Annahme fand, fordert die jungliberalen Vereine auf, sich bis zur nächsten Vertreterversammlung mit der Frage der Reichssinanzreform. insbesondere der Reichs- Erbschastssleuer und Reichs- Wehrsteuer zu beschäftigen. Darauf beschäftigte sich die Versammlung mit dem Thema„Ultra- ntontaniSmus und deutsches Geistesleben", über das als erster Rechtsanwalt Rehe- Köln referierte. Er polemisierte heftig gegen den deutschen Katholikentag und die Forderungen des „UltramontaniSmus". die in der Wiederherstellung des mittelalterlichen katholischen Einheitsstaates gipfelten. Hierauf sprach Ober- lehrcr Dr. Boß- Duisburg über die heutige Zentrums- Politik. Insbesondere wandte er sich gegen den Toleranzantrag des Zentrums. Unter Zustimmung der Versammlung bezeichnete der Redner es als eine Gefahr, daß das bevorstehende V o l k s s ch u l- un terhaltnngs-Gesetz die gesetzliche Festlegung der kon- fessionellen Volksschule enthalte. Das bedeute eine weitere Stärkung des Zentrums. Die Naiionalliberalen mußten die Weiterentwickelnng der Simultanschule aus dem Wege der Gleichberechtigung verlangen. Zum Schluß sprach Bäckmeister- Elberfeld über die K o l o n, a l- frage. Redner verlangte nicht weniger als folgendes: 1. Errichtung eines selbständigen Staatssekretariats für die Kolonien. 2. Ver- Mehrung der ständigen Schntztrnppe, 3. energischen Ausbau der Eisenbahnen in den Kolonien, 4. umfangreiche Zuziehung der kaufmännischen Elemente namentlich auch in den Konsulatstellen. Hinsichtlich der Flotte verlangte Redner: 1. Vermehrung der Auslandkreuzer. 2. daß das Reichsmarineamt Panzerschiffe den Größenverhältnissen der ausländischen Flotten entsprechend ohne Rücksicht auf Zentrum und Sozialdemokratie fordert. Die Versammlung nahm Kenntnis von den Anregungen, stimmte ihqpn grundsätzlich zu und empfahl wegen vorgerückter Zeit die einzelnen Thesen der Berücksichtigung der einzelnen Vereine. Das nennt sich verjüngter NationalliberaliSninS: Mehr Steuern, mehr Kolonialwahn, viel mehr Flottenriistung I Das konnten die alten Nationalliberalen auch und man brauchte nicht den Schein der Jugend erheucheln. Ei» Kampf um Titel und Uniform. Oberst a. D. G ä d k e hat ein Schreiben an den Kriegsminister gerichtet, in dem er sich scharf „gegen die Ungesetzlichkeit und Verfassungswidrigkcit der Ehrengerichte gegen verabschiedete Offiziere" lvcndet und ankündigt, daß er seinen Obersttitel fortführen werde, obschon ihm infolge ehrengerichtliches Spruches durch kaiserliche Entscheidung der Osfizicrstitcl und die Berechtigung zum Tragen der Uniform aberkannt worden ist.„Ich werde," so schreibt Herr Gädke,„unter allen Umständen zu dem Mittel greifen, durch die Berliner Straßen in Uniform zu fahren, und diese Talsache alsbald veröffentlichen lassen. Erzwinge ich dadurch keine Anklage, so tvird die Ohnmacht und Hiilslosigkeit der Militärbehörden vor aller Augen in unverhüllter Nacktheit daliegen, und jeder Verabschiedete wird fortan die Beteiligung an einem Ehrengorichte, die zur Farce geworden wäre, kühl lächelnd ablehnen. Ich will gern anerkennen, daß die Behörden in einer schwierigen Lage sind, nachdem man ein- mal bedauerlicherweise die königliche Autorität engagiert hat, die ich achte. Was ich verlange, ist darum nicht viel. Euer Exzellenz wollen mich entweder unter Anklage stellen oder in aller Stille veranlassen, daß nach wie bor sämtliche Behörden mir im amtlichen Verkehr, wie in Preußen ohne alle Ausnahme üblich, den ehrlich erworbenen Titel weitergeben." Die Angelegenheit hat für weitere Kreise nur deshalb Interesse, weil der ehrengerichtliche Spruch gegen Gädke wegen der in bezug aus die serbischen Ereignisse erfolgten Aeußerung erfolgt ist, daß die Offiziere gegen eine Vaterlands- und verfassimgsfeindliche Dynastie da» Recht der Empörung haben.— Die ReichstagSersatzwahl für den auf der Afrikafahrt verstorbenen Abgeordneten Fries im 2. sachsen-weimarschcn Wahlkreis(E i s e n a ch- Dermbach) ist auf den 7. November festgesetzt worden. Ei» offiziöses Dementi erfährt heute die auch von uns übernommene Mitteilung der „Schlcswig-Holst. Voltsztg." über die budgetwidrige Verwendung von Geldern beim Vau von Unterseebooten durch die„Gcnnnnia- werft". Die„Nordd. Allg. Ztg." erklärt: „Das Neichsmariueanit" hat niemals der„Germaniawerft" für die früher von dieser vorgenommenen eigenen Ver- suche auch nur einen Pfennig bezahlt. Die für das Jahr 1995 vom �Reichstaglfr für Untcrsecbootsversuche bewilligte Summe von l'/z Millionen Mark wird für Versuche mit einem bei der Gcrmaniawerft im Auftrage des NeichSmarineamts in Bau befindlichen Unterseeboot, das zurzeit noch nicht einmal vom Stapel gelaufen ist, verwendet werden. Der Beginn der Versuche wird sich wegen der im Interesse der Sicherheit der zukünftigen Be- satznngen verlangten sehr eingehenden Vorversuche und Erprobungen aller einzubauenden Apparats und Materialien nocki voraussichtlich längere Zeit hinziehen und schwerlich vor dem Spätherbst beginnen können. Angesichts der g a n z b c s o n d e r e n G r ii n d l i ch k e i t und Vorsicht, welche das Reichsmarineamt beim Bau seines ersten Unterseebootes beobachten läßt, muß eS als ein starkes Stück bezeichnet werden, wenn man demselben die Annahme eines von einer anderen Nation wegen eines Konstruktionsfehlers verworfenen Bootes zumutet." Man wird abzuwarten haben, was die„Schlesw.-Holst.Iolksztg." diesem Dementi gegenüber zu sagen hat. Um den allgemeinen Wert solcher Dementis richtig zu würdigen, braucht man ja nur an die Lieferung der Torpedo- boote an Rußland zu erinnern. Die LübeckerBe Hörde lvar damals so gewissenhaft, den Weitertransport dieser als„Lust- j a ch t e n" deklarierten Torpedoboote zu inhibieren. Die Regierung jedoch ließ durch einen„Vertrauensmann", der zugleich Beamter derselben G e r m a n i a- W e r f t war, von der die Torpedo-Lustjachten geliefert worden waren, ein Obergutachten dahin abgeben, daß die aufs„Haar" Torpedobooten gleichenden Fahrzeuge in der Tat L u st j a ch t e N 'eien l Diese famosen Lnstjachten wurden dann auch richtig an Rußland geliefert. Eine Regierung, die solche„Dementis" voll- bringt, kann kaum erwarten, daß man ihren Erklärungen ohne weiteres Glauben beimißt I—_ 345 Mißhandlungen durch einen Unteroffizier. Ein großer Mißhandlungsprozeß beschäftigte das Kriegsgericht der 2. Gardedivision in seiner letzten Sitzung. Änf der Anklagebank saß der Unteroffizier Than von der 9. Koni- pagnie des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regimcnts. Nicht weniger als 345 Fälle von Mißhandlungen Untergebener und 106 Fälle des Mißbrauchs der Dienstgewalt legte die Anklage dem Unteroffizier zur Last. Als Zeugen Ivaren die Mitglieder der gesamten Korporalschaft des Unter- offizicrs erschienen. Neun Monate etwa liegen die Mißhand- langen zurück. Arn 19. Juli unternahm der Rekrut Jaspers von der 9. Kompagnie abends auf der Mannschaftsstube einen Selbst- »lordversnch. Er schoß sich nnt seinem Dienstgewchr eine Platzpatrone ins Gesicht. Unterhalb des Auges drang das Geschoß ein. Der Rekrut wurde nach dem Garnison-Lazarctt in Tempclhof gebracht, wo er längere Zeit hindurch zwischen Tod und Leben schwebte. Jetzt ist die Lebensgefahr beseitigt, doch ist das Gesicht des I. durch die Wirkung des Schusses dauernd entstellt. Es wurden sofort eingehende ilntersuchungen nach der Ursache des Selbstmord- Versuches angestellt und ermittelt, daß der Rekrut häufig von seinem Vorgesetzten, dem Unteroffizier Than miß- handelt worden war. Auch am Abend des fraglichen Tages hatte der Unteroffizier Jaspers auf seine Stube be- stellt. Der Rekrut glaubte wohl, er solle wieder geschlagen werden und griff zur Waffe gegen sich s e l b st. Noch heute liegt er iiu Lazarett. Auch die übrigen Leute seiner Korporalschaft hatte der Angeklagte fortgesetzt geschlagen, gestoßen usw. Die Mißhandlungen wurden fast stets im Dienst ausgeführt. Durch die Untersuchung wurden 345 Fälle festgestellt. Außerdem stellte es sich jetzt heraus, daß der Unteroffizier sich in 106 Fällen des Mißbrauchs der Dienst- gewalt an den Untergebenen schuldig gemacht habe; er hatte sich von seinen Leuten Gelder im Betrage bou 5 Pf. bis zu 6 M.„geliehen". Vor dem Nichter gab der Angeklagte die Mißhandlungen zu. Er will dieselben' jedoch niemals ohne Veranlassung be- gangen haben. Immer hatten kleinere dienstliche Ver- fehlungen bei den Geschlagenen vorgelegen. Einen besonders schweren Fall bestritt der Angeklagte. Als der Rekrut Mobers, der neben Jaspers am meisten unter dem Vorgesetzten zu leiden hatte, einmal besonders schwer mißhandelt worden war, wollte er sich krank melden. Than- hielt ihn durch Miß- brauch der Dienstgewalt von der Meldung ab. Als Entschuldigung gab der Unteroffizier an, er leide an nervöser Ueberreizung und sei stets von dem Ehr- geiz beseelt gewesen, seine Korporalschaft zu der möglichst besten in der Kompagnie zu machen. Die Beweisaufnahme ergab im wesentlichen das Bild, wie es der Angeklagte selbst entrollt hatte. Ein besonders schwerer Mißhandlungsfall, den Than ableugnet, wurde durch den Ne- krutcu Mobers klargelegt. Bei einer Ucbung, die der Soldat nicht schnell genug ausgeführt habe, schlug ihm der Angeklagte ein Stück Holz derartig ins Gesäß, daß das Holz brach. Stach etwa siebenstündiger Verhandlung beantragte der Vertreter der Anklage zwei Jahre Gefängnis und Degra- d a t i o n. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Ulrich, wies in seiner Verteidigungsrede insbesondere darauf hin, daß es unmöglich angängig sein könne, die von der Anklagcbchörde durch Be- fragen der Leute, die doch alle nur schätzungsweise Angaben machen konnten, hcrausgercchneten 345 Mißhandlungen und 106 Einzelfälle des Mißbrauchs der Dienstgewalt festzustellen. Offenbar liege in beiden Punkten eine fortgesetzte Handlung vor, da sich der Angeschuldigte von vornherein vorgenommen habe, die von den Untergebenen begangenen Verfehlungen im Dienst nicht erst zu melden, sondern auf der Stelle durch einen Rippenstoß oder eine Backpfeife zu korrigieren. Das Gericht schloß sich diesen Ausführungen an und nahm nicht Einzelfälle, sondern eine fortgesetzte Hand- lung an. Einerseits zog es die von der Verteidigung vor- gebrachten Milderungsgründe in Betracht, andererseits aber verkannte es nicht, daß der Angeklagte durch seine Handlungs» weise dem Regiment schwer geschadet und dem Unteroffizier- Korps Schande bereitet habe. Das Gericht erkannte auf eine Gefängnisstrafe von l'/e Jahren sowie auf Degradation. Das sind also für 431 Vergehen 546 Tage Gefängnis, für jedes Vergehen also eine Strafe von 1'/» Tag! Danach ist es also ftir Soldatenschinder rätlich, Mißhandlungen jähre- lang fortzusetzen, kommen sie dabei doch ungleich Wohl- feiler fort, als wenn sie ihre Leute in ein Paar lumpigen Dutzend Fällen mißhandeln! Durch solche Strafen kann die Soldatenschinderei natür- lich nicht ausgerottet werden.— Kein kriegsministcrieller Erlaß gegen Soldateninißhandlimgeu. Kürzlich ging die Mitteilung durch die Presse, daß der Kriegsminister v. Einem wieder einmal einen schon früher von ihm herausgegebenen Erlaß den Unteroffizieren hätte einschärfen lassen, wonach diese sich zur Vermeidung von Soldatenmitzhandlungen stets drei Schritte von den Mannschaften entfernt halten sollten. Die„Kreuz- Ztg." b e- streitet nun, wie schon vor einigen Tagen die„Schles. Ztg.", daß v. Einem einen solchen Erlaß überhaupt habe ergehen lassen. Der vermeintliche Erlaß des KriegsmimsterS wurde sogar von bürgerlichen Blättern zwar als ein Beweis des guten Willens des Kriegsministers, aber als leider ganz unzulängliches Mittel zur Bekämpfung der Soldatenmißhandlungen bezeichnet. Wenn nun Herr v. Einem nicht einmal den guten Willen zur Be- kämpfung der Soldatenschindcreien bewiesen hat, so ist das u m s o trauriger!— AuS Deutsch-Ostafrika. Ein Telegramm des Kommandanten S. M. S.„Bussard" vom 9. September ans Dar-es-Salanm meldet: Leutnant zur See Schröder von K i l w a- K i w i n d j e zurückgezogen. Lindi-FInß 8. 9. objjcfahreii, habe dort Schröder mit 16 Mann zurückgelassen, in M i! i n d a n i ein Deck- offizier zehn Mann. Am 9. 9. in Dar-eö-Salaam eingetroffen. Paaschs ist abgegangen am 39. 8. bon Mohoro mit Teil Marine- detachement und schwarzen Soldaten zusammen mit Abteilung Schutztruppen nach Kitschi. Am 4. September ist Paasche in M a y e n g e zurückgeblieben, um diesen Platz zu sichern, während die Schutztrnppe nach K i b a t t a weiter marschiert ist. Berlin, 11. September. Ein Telegramm an» W in d h» k meldet; Leutnant Emil b. A p e l l. geboren am 25. März 1373 zu Cassel, ist am 8. September 1995 abend» im Biwak nördlich Geitsabis an H e r z s ch l a g g e st o r b e n. Am 9. September auf Leitungspatrouille zwischen Wasserfall und Uchanaris gc- fallen: Reiter Alb ert S ch o l l, geboren am 21. Mai 1885 zu Heilbronn? Reiter Richard Boer, geboren am 28. Januar 1883 zu Peterwitz, früher im Husaren-Regiment Nr. 4. Hueland. Dänemark. Die Prügelstrafe ist nun in Dänemark mit dem 6. September eingeführt worden. An diesem Tage ist das bereits im April dieses Jahres bestätigte Prügclgcsetz oder wie es eigentlich heißt, das„vor- läufige Gesetz über einige Aendcrnngcn in der Strafgesetzgcbung" in Kraft getreten. Daß dieses Gesetz— mit Ausnahme �dcr Be- stimmnngen über die Straffreiheit der Kinder— mir vorläufig, und zwar bis zur Revision des allgemeinen Strafgesetzbuches, höchstens aber 6 Jahre lang gelten soll, ist eine Folge der Reichs- tagüverhandlungen: der Justizminister Albcrti wollte die Straf- rcchtspflege dauernd durch die Prügelstrafe bereichern. Mit der dringend noilvendigen Revision der allgemeinen Straf- gesetzgebnng hat es der liberale Justizminister lange nicht so eilig. Vorbereitungen dazu zu treffen, versprach er bereits kurz nach dem Ministcrwcchfel von 1991 infolge einer Anfrage der Sozialdenwkratcn im Folkething. Aber erst im August 1995 setzte er eine Kommission ein, die Vorarbeiten zur Revision der Strafgesetze erledigen soll. Diese Kommission ist aber aus größtenteils verknöcherten Juristen und Prügelfreunden zusammengesetzt, weder Acrzte noch Pädagogen noch praktische Sozialpolitiker sind vertreten, nnd man muß darauf gefaßt sein, daß das, wa» die Immission zutage fördert, im Sinne einer wirklich humanen Verbesserung der Strafrcchtspflege unbrauch- bar sein wird.— Afrika. Die Unruhen in Marokko. Tanger, 11. September.(Meldiuia de»„Reuterschen Bureaus".) In ihrem gestrigen Kampfe gegen Raisuli führten die Anjeras ihren Angriff nicht durch, sondern beide Parteien zogen sich zurück. Das Hauptergebnis ist die Zerstörung von vier Dörfern. DaS letzte, was man von Raisuli hörte, Isar, daß er Zeindtz belagerte und daß es ihn, gelang die Gegner zurückzuwerfen sowie ein bedeutenderes Dorf des Wadraßstammes, der sich den AnjeraS angeschlossen hatte, in Brand zu stecken. Die Truppen des Maghzen nahmen an dem Kampfe keinen Anteil, begünstigten aber Raisuli durch ihr neutrales Verhalten. Der Gesamtverlnst beläust sich ans 29 Tote und 29 Ver- wnndete. Man befürchtet, daß der jetzt herrschende Z»stand der Gesetzlosigkeit noch längere Zeit an- dauern wird, da die Regierung nicht die Macht besitzt, ihm ein Ende zu machen. Amerika. Rußlands Dank für die Fricdcnsvermittelnng. Minister Witte hat dem Präsidenten Roosevelt mit dem Dank für seine Bemühungen in Sachen der Friedensvermittelung die Mitteilung gemacht, daß alle russischen Sonderzölle auf amerikanische Produkte durch kaiserlichen Ukas aufgehoben sind. Die Unruhen in Japan. London, 11. September.„Daily Telegraph" meldet aus Tokio: In Tokio ist jetzt wieder die Ruhe vollkommen hergestellt. Viele tausend Soldaten mit aufgepflanzten Bajo- netten sind über die ganze Stadt verteilt. Im Hibiya-Park, der als Lagerplatz benutzt wird, sind Zeltlager auf- geschlagen worden, sogar die Musikgebäude werden zeitweise zur Unterbringung von Truppen ver« wendet. In anderen Stadtteilen sind die Truppen mit Quartier- billetts untergebracht worden. Vor der Wohnung der Minister stehen Schildwachen, vor den staatlichen und Rcgiernngsgcbäudcn, auf den öffentlichen Plätzen und vor allen Gesandtschaften sind Polizeiposten aufgestellt. Die Vorübergehenden iv erden scharf beobachtet. Infanterie- und Kavallerie- Patrouillen durchziehen hie Stxaßen, Marquis Sfo lehnte eine Kavallcricbcdcckung zum Schutze seines Hauses ab, ebenso wird berichtet, daß die Generale Nogi und Nodzu ebenfalls darauf verzichteten. Aus den Provinzen laufen Nach- richten von zahlreichen gegen die Polizei vcr- übten Ausschreitungen ein. In dem ganzen Lande werden Versammlungen abgehalten, in denen scharfe Reden gehalten und die Unzu- fricdenheit ausdrückende Beschlüsse gefaßt werden. Die Zensur wird noch immer an allen nach dem AuZ- lande gehenden Telegrammen ausgeübt. Tokio,». September.(Meldung des„Reutcrschen Bureaus".) Die Mitglieder der progressiven Partei haben eine Resolution angenommen, in der die Regierung wegen des Friedensschlusses scharf verurteilt wird. Der- selbe sei demütigend und habe einen Aufruhr in Tokio herbeigeführt, der die Proklamierung des Belagerungszustandes nötig gemacht habe. Das sei ein unwürdiger, beispielloser Vorgang. Tie Friedens- bcdinguugen widersprächen diametral den nationalen Interessen. Die Beseitigung der Redefreiheit sei das Un- w fi rdigste, wasseit der Einsetzung der konstitu- tionellen Regierung vorgekommen sei. Tokio, 1». September.(Meldung des„Reuterschcn Bureaus".) Der Polizeichef von Tokio hat sein Amt nieder- gelegt; man glaubt, daß auch der Minister des Innern demis- sioniert hat. Ministerpräsident Graf Katsura hat versprochen, daß das Parlament zu einer Tagung im Oktober einberufen werden soll. Man erwartet, daß das gesamte Kabinett dann vom Amte zurücktreten wird. Tokio, 1». September.(Meldung des„Rcuterschen Bureaus".) Die Bevölkerung verhält sich weiter ruhig. Die Erregung hat be- deutend nachgelassen, aber die politische Agitation hält noch a n. Er werden keine weiteren Ausschreitungen er- wartet. Eine Schätzung der bei den Tumulten getöteten und ver- Mündeten Personen ist unmöglich, da viele Verwundete heimlich in chre Wohnungen geschafft wurden Die Polizei machte, anstatt sich der Revolver zu bedienen, von ihren Säbeln Gebrauch, und aus diesem Grunde sind zahlreiche weniger schwere Verletzungen zu ver- zeichnen. Seitdem der Belagerungszustand erklärt worden ist, ist keine Ausschreitung vorgekommen, welche ein Eingreifen der bewaff- neten Macht notwendig gewicht hätte. Die Straßenbahnen haben ihren Betrieb wieder aufgenommen. Tokio, 11. September.(Meldung des„Reutcrschen BureauS". t Ter Minister des Innern hat seine Entlassnng eingereicht, die aber vom Kaiser nicht angenommen wurde. Man glaubt indessen, daß der Kaiser das Entlassungsgesuch später genehmigen wird. «* * Der Waffenstillstand in der Mandschnrer wurde nunmehr formal vereinbart. Godsiada». 9. September. Heute mittag 1 Uhr traf bei dem russischen Posten an der Eisenbahn ein japanischer Parlamentär ein mit weiher Fahne und begleitet von 5» Soldaten. Der Parlamentär übergab dem wachthabenden russischen Offizier, der ihm entgegen gegangen war, ein Schreiben des Marschalls Oyama an General Linewitsch. In diesem sendet der Marschall dem russischen Heer- führer Grüße und Glückwünsche aus Anlaß des Friedensschlusses und der Beendigung des Krieges. Er ersucht ferner Linewitsch, einen russischen Bevollmächtigten für die Angelegenheiten des Waffenstillstandes zu ernennen; er selbst hat zu diesem Zweck den General Fukuschima als japanischen Bevollmächtigten bestimmt und schlägt als Ort für die Zusammenkunft der Bevollmächtigten die Station Schakhedsa vor._ Der Schrecken im Kaukasus. TifliS, 10. September.(Meldung der„Petersburger Telegr.» Agentur".) In Baku dauert das Schietzen fort. Aus dem'Hanse eines Mohammedaners wurde auf eine Patrouille geschossen; mehrere Personen sind heute getötet worden. Die Polizei und das Militär vereitelten(?) Versuche zu Brand- stiftungen und Plünderungen. Zur Wiederherstellung der Ordnung sind energische Maßregen getroffen. Die Arbeiter der niedergebrannten Betriebe verlassen in Massen Baku. Aus dem Sangesur-Distrikt laufen sehr beunruhigende Nach- richten ein. Viele Armcnierdörfer sind ganz vernichtet. Viele Hunderte von Personen sind ermordet. Da die Militärstationcn weit entfernt sind, verzögert sich die Hiilseleistnng. Die ge- samte tatarische Bevölkerung ist im Aufruhr, 4000 bewaffnete Kurden vom persischen Ufer des Ausfiuffes haben sich den Tataren angeschloffen. Es sind Verhandlungen mit der persischen Re- gierung eingeleitet worden. Tiflis, 9. September.(Meldung der„Petersburger Tele- graPhen-Agentur".) In Suchum sind seit dem 5. d. M. die Landarbeiter unruhig. Der Statthalter hat angeordnet, daß bei der geringsten Ausschreitung gegen die Gutsbesitzer energische Matznahmen ergriffen werden sollen. In Schuscha ist gestern die Aussöhnung zwischen Armeniern und Tataren zustande gekommen, die Eimvohner wurden entwaffnet und die fremden Elemente nach ihrer Heimat fortgeschafft. Patrouillen bewachen die Stadt. General Takaischwili tele- graphiert von Schuscha, die ihm vorliegenden Meldungen be- rechtigten zu der Annahme, daß die Bevölkerung sich beruhige. Tiflis, 9. September.(Meldung der„Petersburger Tele- graphen-Agentur".) In Bäk» ist die Lage hoffnungslos. Man vernimmt dort wieder Artillerie- und Gewehrfeuer. Die Brand- stiftungen dauern an.j Es herrscht Mangel an Waffer«nd Brot; die Arbeiterbcvölkernng hungert. Der Generalgouverneur von Baku beauftragte den Polizeichef Schirinikin, die energischesten Matznahmen zum Schutze der Banken zu ergreifen. Der Hochschnl-Streik. Petersburg, 11. September. Die„Russkija Wjedomosti" veröffentlichen nachstehende motivierte Resolution deS Moskauer Professorenkongresses: In Ansehung dessen, daß im Lande auch gegenwärtig noch nicht die Bedingungen bestehen, welche eine normale Tätigkeit der Schule sichern, gleichzeitig aber auch mit tiefem Bedauern über de» unermeßlichen Schaden, welcher dem Lande durch die Einstellung der wissen- schaftlichen Arbeiten zugefügt wird, ist der Kongreß zu dem Beschluß gekommen, daß die Hochschulen trov der fortbestehenden schweren Be- dingungcn ihre Tätigkeit wieder eröffnen müssen, doch selbstverständlich ohne jede Pression seitens der Administration. Die blutigen Ereignisse im Lande und die fortdauernde administrative Willliir beim Fehlen elementarster Wohltaten politischer Freiheit bilden nach wie vor eine Bedrohung für den ruhigen Gang der Beschäftigungen. DerZustand des verstärkten Schutzes in vielen Universitätsstädten schafft beständig Ereignisse, welche das Leben der Lehranstalten stören und aufhalten können. Der Kriegs- zustand in Odessa und Warschau macht nach Ansicht des Kongresses dort ein normales akademisches Leben unmöglich und die Wieder- eröffnung der Hochschulen ist für die Lehrenden mit furchtbaren Folgen verbunden. Außerdem bildet das Fortbestehen der alten Ordnung der Hochschulen em ernstes Hindernis für die Herstellung des normalen Lebens in ihnen. Der Henker arbeitet? Sewastopol, 9. September.(Meldung der„Petersburger Telegraphen-Agentur".) Nach zehntägiger Verhandlung gegen 75 Matrosen des Panzerschiffes„Georgi Pobjedonoszew" sind vom Militär- und Marinegericht drei Angeklagte zum Tode, 19 zur Zwangsarbeit, 33 zur Einreihung in eine Arrestanten- kompagnie verurteilt und 20 freigesprochen worden. Moskau, 9. September.(Meldung der„Petersburger Tele- graphen-Agentur".) Kulikowski, der den Moskauer Stadthauptmann Grafen Schuwalow tötete, ist zu lebenslänglicher Zwangsarbeit „begnadigt" worden. ««» Demonstrationen in Lodz. In Lodz wurde Sonntag abend im Großen Theater während der Vorstellung von der Galerie eine Menge Proklamationen auf das Publikum hinabgeworfen, die für die Nationalisierung der Polenschule Stimmung machen. Militär umzingelte das Theater- aebäude und verhaftete 200 Galcriebesuchcr, die bis jetzt in den Kasernen der Konstantinowskastraße zurückbehalten wurden.(„Tag.") Waffen. Helfingfors, 10. September.(Meldung der„Petersburger Telegr.-Agentur".) Die Zollbehörden haben auf einer öden Insel im Bottnischen Meerbusen drei Kilometer vom Flecken Kenn 33 Kasten, enthaltend 060 Kavalleriekarabiner mit Bajonetten, und 60 Kasten mit 122000 Patronen entdeckt. Die Karabiner haben das Kaliber 10 Millimeter, sind schweizerischen Fabrikats und meist schon gebraucht. Ministerieller Geheimerlast über den Moskauer Semftwokongrcst. „Ministerium des Innern. Besondere Abteilung. 13./26. Juli 199S. Nr. 9139. Streng geheim. Zirkularisch. An die Herren Gouverneure und Stadthauptleute. Anfangs Juli versammelten sich in Moskau trotz des Regicrungsverbotes, einige Semstwos und Stadt- verordnete und auch einige Privatpersonen, wobei sie sich den Namen Semstwo- und Städtedelegierte und ihrer Versammlung den Namen eines Kongresses der Semstwo- und Städtevertrcter beigelegt haben. ihren Beratungen haben sie besprochen, in welcher Weise die in dem allerhöchsten Reskript vom 18. Februar(3. März) d. I. verkündigte Heranziehung der würdigsten„vom Volke mit Vertrauen ausge- statteten gewählten Persönlichkeiten zur Teilnahme bei den Vor- beratungen der Gesetzentwürfe" verwirklicht werden soll. Die Teil- nehmer des erwähnten Kongresses haben offensichtlich den genauen und klaren Sinn der diesbezüglichen allerhöchsten Weisungen, die auf Vervollkommnung der Staatsordnung und auf Besserung des Volks- Wohlstandes bei der bedingungslosen Beibehaltung der Reichsgrund- gesetze, der wahren Alleinherrschaft gerichtet waren, entstellt, haben den Gesetzentwurf, den der Minister des Innern ausgearbeitet hat, als mit den allerhöchsten Weisungen nicht übereinstimmend, ver- warfen und haben einen eigenen Entwurf der'Volksvertretung nach dem westeuropäischen Muster, der auf dem allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrecht basiert ist, ausgearbeitet. Darauf haben die Kongreßteilnehmer beschlossen, alle Kräfte zur Verwirklichung des ausgearbeiteten Gesetzentwurfes daranzusetzen, und sie planen, die Bevölkerung mit ihrem Entwürfe mittelst weitester Verbreitung ent- sprechender Flugblätter und Organisierung von Versammlungen in den Städten und besonders in den Dörfern bekannt zu machen. Tie in Moskau versammelten Persönlichkeiten wollen also offenbar der gesetzmäßigen Regierung den offenen Kampf erklären mit dem be- stimmten Ziele, die jetzt existierende Staatsordnung umzustürzen. Es ist notwendig, den unumgänglichen Konsequenzen der Verwirk- lichung der Pläne der Teilnehmer der Moskauer Beratung und ihrer Gesinnungsgenossen vorzubeugen. Angesichts der zweifellosen An- hänglichkeit der großen Majorität der Stammbevölkerung an den Thron und die Alleinherrschaft ist diese Propaganda selbstverständlich nicht imstande, die Existenz der heutigen Staatsordnung zu bedrohen; aber sie kann das von den letzten Ereignissen ohnedies erregte Volk leicht in Verwiruog bringen und örtliche Verletzungen der öffent- lichen Sicherheit hervorrufen. Diese Befürchtungen sind umso be- gründeter, da die Teilnehmer der Moskauer Beratung bei den trüge- rischen Interpretationen der RegierungSniaßnahmcn nicht stehen blieben, sondern überdies die Regierung beschuldigen, die allerhöchsten Weisungen entstellt zu haben. Es ist kein Zweifel, daß sie dieselben Methoden der Bevölkerung gegenüber auch bei der Kommentierung nunmehriger Weisungen in weitem Maße zur Anwendung bringen werden. Andererseits wird die Hauptmasse der Dorfbevölkerung in ihrem jetzigen Ent- Wickelungsstadium nicht immer instande sein, sich von der Lügen- haftigkeit der Erläuterungen, die ihr zuteil werden, zu überzeugen. Dies ist umso wahrscheinlicher, als die Personen, welche sich der Verbreitung von gegen die Regierung gerichteten Anschauungen unter der Bevölkerung zur Aufgabe gemacht haben, es nicht verfehlen Werden, ihre öffentliche Stellung nls politisch tätige Männer und Mitglieder von Institutionen, welche von der Regierung eingesetzt sind, auszunutzen. Indem sie unter dieser Maske handeln iverden, werden sie die Bevölkerung täuschen und in Einzelfällen selbst Ver- trauen zu sich erwecken können. Es ist erforderlich, schon jetzt alle Maßnahmen zur Abwendung der schädlichen Wirksamkeit dieser Per- sonen zu ergreifen und sie, wo eine solche Wirkung nur aufkommen wird, zu unterdrücken. AuS diesem Gesichtspunkte erachte ich es für notwendig: a) anzuordnen, eine besonders sorgfältige Kontrolle über die Männer, welche die Ausführung der Bestimmungen des Kongresses auf sich genommen haben; b) die Verbreitung der von diesen Personen publizierten Flug- blättern, Aufrufe, Mitteilungen unter dem Volke zu hintertreiben; c)� auf keinen Fall die Organisierung von Versammlungen der Dorf- und Stadtbevölkerung zu diesem Zwecke zuzulassen. Es ist selbstverständlich, daß alle diese Maßnahmen nur dann, mit dem nötigen Erfolg zur Ausführung gebracht werden können, wenn die Vollzugsorgane einmütig und energisch verfahren werden, wenn sie über das Wesen und den Zweck dieser Propaganda, zu deren Bekämpfung sie aufgefordert werden, genau orientiert sein werden. Mit Rücksicht darauf haben Sie die Beamten der Ihnen anvertrauten Polizei mit dem Inhalt dieses Rundschreibens genau bekannt zu machen, ihnen die ganze Wichtigkeit und Unaufschiebbarkeit der zu treffenden Maßnahmen klar zu machen, auf die nach den lokalen Verhältnissen sich richtenden besten Methode.' zu deren Durchfüh- rung hinzuweisen und die gegenseitigen Mitteilungen der Polizel- Agenten und anderer Administrativorgane untereinander zu organi- siercn, um in den Handlungen möglichste Solidarität und möglichst volle Orientierung über die Lage der Dinge nicht nur im eigenen Rayon, sondern in den benachbarten zu erlangen. Indem ich nun die unverzügliche Vornahme der angegebenen Mahregeln Ihrer besonderen Aufmerksamkeit übertrage und Ihrer unmittelbaren Aufsicht unterstelle, habe ich die Ehre, Sie zu bitten, mir alles Bemerkenswerte sofort mitzuteilen. Unterfertigt: Name unleserlich." Letzte|Vacbncbtcn und Dcpcfcbca Die Lohnbewegung der Schauerleute. Hamburg, 11. September.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Eine vierstündige Verhandlung mit den Reedern, Schiffsmaklern und Stauern endete mit dem Angebot einer zehnprozentigen Lohnerhöhung, außerdem Bewilligung der Nebenforderungen. Tie Aroeiterkoiumission cmpffchlt der heutigen Bersantmlung die Annahme des Angebots. Bon den Manövern diesseits und jenseits des Rheine?. Koblenz, 11. September.(W. T. B.) Bei der heutigen Paradctafel brachte der Kaiser einen Trinkspruch aus, welcher folgenden Wortlaut hatte: Nicht im lichten Paradclleide. sondern wie zum ernsten Waffen» gang standen die Söhne des Rhcinlandcs heute vor mir. Feld- marschmäßig! war die Ueberschrift über dem heutigen Tage. Die Marine nennt das„klar zum Gefecht!" Die schönste Wehr, die der preußische Soldat tragen kann, ist das Kleid, in dem er seinem Gegner im Felde siegreich entgegentritt, das schönste Gewand, das ein Grenzkorps tragen kann, wenn es vor seinem Kaiser sich zeigt. Daß dieses Grenzkorps die Wacht am Rhein gut halten wird, darauf vertraue ich in Ruhe nach dem, was ich heut gesehen habe. Das achte Armeekorps Hurra, Hurra, Hurrai Montandon, 11. September.(W. T. B.) Präsident Loubet gab heute zum Anschluß der O st m a n ö v e r ein militärisches Früh- stück zu 279 Gedecken, an welchem auch die fremden Offiziere teil- nahmen. Kricgsminister Berteaux dankte dem Präsidenten für das Interesse, welches er an den Manövern genommen habe. Die geschickte Anordnung derselben verdanke man einerseits der voll- endeten militärischen Kunst der Leiter derselben und ihrer Menschen- kenntnis, andererseits aber auch der Tüchtigkeit und Tapferkeit so» wie dem unermüdlichen Eifer der Offiziere, Unteroffiziere und Sol» daten, welche den deutlichen Beweis lieferten, daß jedermann in Frankreich militärisches Pflichtgefühl besitze und freudig dies be- kündet. Dieses erhebende Schauspiel werde unvergeßlich bleiben und könne Frankreich in seiner friedlichen Arbeit alles Vertrauen bieten. Der Minister sprach schließlich die Hoffnung aus, daß die fremden Offiziere eine angenehme Erinnerung von den Manövern mitnehmen möchten. Jedermann sei glücklich gewesen, ihnen den Aufenthalt möglichst angenehm zu gestalten und ihnen Beweise der lebhaftesten Sympathie zu geben. Montandon, 11. September.(W. T. B.) Nach der Rede des Kriegsministers Berteaux begrüßte Präsident Loubet die fremden Offiziere. Der Präsident fuhr dann fort:„Ich trinke auf das Wohl der Souveräne und Staatsoberhäupter, welche unserer Einladung Folge leisteten und spreche denselben meinen Dank aus. Seit meljc als 30 Jahren umgibt die Republik die Armee mit liebevoller Für- sorge und hat trotz vorübergehender Schwierigkeiten kein Opfer ge- scheut, um ihre Ausbildung, ihr Wohlergehen und ihre Stärke zu sichern. Die Armee, in welche die gesamte Jugend unseres Landes eingereiht wird, weiß dies und zeigt durch ihren guten Geist, ihre Disziplin und ihr Vertrauen zu den Führern, daß die Republik auf sie rechnen kann als Hüterin ihrer Ehre und ihres Gebietes. Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften haben heute morgen, vereint in der Erfüllung einer gemeinsamen Pflicht, im Gehorsam gegen die Gesetze und in der Treue zu ihren Fahnen, mit vollem Vertrauen dazu erfüllt, daß Treibereien von außen her sie nicht zu verwirren vermögen. Es hieße ihnen eine unverdiente Kränkung zu fügen, wenn man glaube und aussprechen würde, man könnte in ihreu Reihen Männer finden, die fähig sind, ihre Pflicht, die Treue gegen unseren Ein- richtungeu zu vergessen, wie es die Nation selbst verkennen hieße, wenn man glaubte, daß ein Aufruf zur Gehorsamsverweigerung oder zur Fahnenflucht von denen gehört werden könne, die unter die Fahnen gerufen worden sind. Sie wissen es. meine Herren, und aus« schließlich damit beschäftigt, das Vertrauen zu rechtfertigen. welches Land und Regierung in Sie setzten, geben Sie sich Mühe, Ihre schwere Aufgabe zum Besten des Landes mit jedem Tage besser zu erfüllen. Ihre Aufgabe wird noch schwerer, Ihre Pflichten werden noch strenger werden in dem Augenblick, in dem die Verringerung der Dauer des Militärdienstes für einen Teil des Kontingentes es nötig machen wird, die technische Ausbildung und die moralische Erziehung mehr zu beschleunigen. Ich kenne zu sehr den Wert und den Eifer der französischen Offiziere, um nicht versichert zu sein, daß trotz dioser Einschränkung unsere Armee in jeder Be- ziehung einheitlich und das bleiben wird, was sie schon ist. eine Achtung gebietende Macht im Dienste der Rechte und eine Gewähr für die Aufrechterhaltung des Friedens. Meine Herren. Ihre ausdauernden Ausstrengungen, die Hin« gäbe, die Sie täglich in der Erfüllung Ihrer Pflichten bezeugen, Ihre beständige Sorge für das Wohlergehen Ihrer Truppen, das Beispiel endlich, das Sie Ihnen geben, sichert Ihnen die Achtung und das Vertrauen der Armee ebenso wie die Anerkennung der Nation, und ich schätze mich glücklich, Ihnen davon heute im Namen der Re- gierung öffentlich Zeugnis abzulegen und von ganzem Herzen erhebe ich mein Glas auf die Ehre der französischen Armee. Verhaftung Domela NieuweuhuiS. Köln, 11. September.(W. T. B.) Die„Kölnische Zeitungmeldet: Die hiesige Kriminalpolizei nahm heute nachmittag den Führer der holländischen revoluttonären Sozialdemokratte Domela Nieuwenhuis fest, als er beabsichttgte, den Zug 3 Uhr 23 Minuten, der in Ehrenbreitenstein nach dem Süden geht, zu be« nutzen. Nieuwenhuis wollte sich angeblich nach Marburg begeben. Zur Wahlrcchtsfrage in Ungarn. Budapest. 11. September.(W.T.B.)«Magyar Nemzet" schreibt: Wir können in unanfechtbarer Weise feststellen, daß sich der Standpunkt des Kabinets in der großen Frage des allgemeinen Wahl- rechts auch heute nicht geändert hat, und daß die Regierung auch heute ebenso fest an der prattischen Verwirklichung des großen Prinzips festhält, wie vordem. Ministerpräsident Fejervary, der nach Wien gereist ist, um der Krone über den Beschluß des heutigen Ministerrats zu berichten, wird dem Könige diesen unver« änderten Standpunkt zur Kenntnis bringen. Bestätigung der Konfiskation beschlagnahmter Dampfer. Nagasaki, 11. September.(Meldung des Reuterschcn Bureaus) Ter Appellhof in Tokio hat die Konfiskation der beschlagnahmten britischen Dampfer„Apollo",„Wyefield" und„Sylviana", sowie der österreichischen Dampfer„Birma" und„Siam", des nieder- ländischcn Dampfers„Wilhelmina" und des Dampfers„Dollarbestätigt. Die Cholera. Hamburg, 11. September.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Unter Hinweis aus die Cholerafälle im Weichselgebiet, wodurch in« folge des regen Schiffahrtsverkehrs auch eine Jnfektton der Elbe er- folgen kann, warnt die Polizei(Abteilung Medizinalbehörde) vor dem Genuß unfiltrierten Elbwassers. München, 11. September. Amtlich wird gemeldet, daß es sich bei den Erkrankungen in Jägersburg in der Pfalz wie nunmehr feststeht, nicht u m Cholera handelt. Die bakteriologische Unter- suchung ergab vielmehr Typhus, und zwar Paratyphus von außerordentlicher Giftwirknng. Das Befinden der im Krankenhause zu Homburg untergebrachten Personen aus Jägersburg ist voll- ständig zuftiedenstellend. Wien, 11. September.(W. T. B.) Die„Wiener Abendpost" berichtet: Am 9. und 19. September hat sich in Galizien kein Cholera» fall ereignet. Am 11. September mittags ist dem Ministerium des Innern über einen in der Nähe von Chojnck(Bezirk Tarnow) unter verdächtigen Symptomen erfolgten Todesfall Anzeige erstattet worden. Serantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Jnserateni-ik veranstv.: TH.Glocke.Berffn. Bruck u. Verjag: Vorwärts BuKr.u.VerlagSanjtalt PaulSingerZiCo.. Berlin L1V. Hierzu3Beilag-nu.Unterhaltnng,hlchamtcn.luSbeuters wurde natürlich abgewiesen. Trotz des großen Bewllligungseiser» der Behörden für Ueberstunden ist nock, häufig gesetzwidrige Ueberzeitarbeit vorgekommen, desgleichen unerlaubte Nacht- und S o n n t a g s a r b e i t. Die Vorschriften zum Schutze derKinderundFrauen sind ebenfalls öfters mißachtet �""�Von vorgekommenen Gesetzesübertretungen wissen alle Regie- rungen zu berichten, aber auch von deren Ahndung durch„Ermahnungen",„Verweise" und allerdings auch durch B u tz c n, die von Verwaltungs- und Gerichtsbehörden verhangr wurden. Es ist noch immer die alte milde, nachsichtige, unternehmerfrcuiidliche Praxis, die nun seit 28 Jahren geübt wird und die schon �.r. Schüler verurteilte Die meisten Bußen betragen 5, 10, 15 und-0 Frank, seltener 50, 60, 80 und 100 Frank. Diese lächerlich geringfügigen Bußen die nur einen kleinen Bruchteil des durch die freche Gesetzes- Verachtung errafften Gewinnes ausmachten, nannte Dr. �-r zutreffend„Ermunterungs-Pramlen für weitere Geictzesuber- trctung. Unt-'r den Forderungen der schweizerischen Arbciterfchast an die Revision des Fabrikgesetzes figuriert auch die, daß hinter- nebmer»ach zweimaliger Bestrasung der Uebertretung deS sabrik- gcsetzes mit Geldbußen zu Gefängnisstrafen verurteilt werdm ,ollm. Dann Würde es mit der Durchführung des gesetzlichen Arbeiter- schütze? wohl besser werden. Huq der partcu An die Delegierte» zum Parteitag! Bis jetzt sind etwa 200 Delegierte beim Lokalkomitee ge- meldet. Ilm dem Wohnungsausschuß die Besorgung der Wohnungen in der letzten Woche zu ermöglichen, werden die Delegierten nunmehr, soweit sie es noch nicht getan, um schleunige Anmeldung ersucht. Vom nächsteil Sonnabend an ist der Wohnungsausschuß in der Wandelhalle des Volkshauses in Tätigkeit. Delegierte, die etwa nicht abgeholt werden, wollen sich dorthin begeben. Ferner ersuchen wir alle Delegierten, nur auf den beiden Bahnhöfen, Saalbahnhof oder Wcimar-Geraer Bahnhof, aus- zusteigen, die Haltestelle Paradies(Saalbahn) aber nicht zu benutzen. An den beiden erstgenannten Bahnhöfen stehen Genossen zum Empfange bereit. Vom Sonnabend an ist die Adresse des Lokalkomitees: Leber, Jena, Volkshaus, Karl Zeiß-Platz. Das Lokalkomitee. I. A.: H. L e b e r. Jena. Marienstr. 26. Die Parteipresse lvird um Abdruck gebeten. Zum Parteitage in Jena. Das Programm des Parteitages, soweit die Abendveranstaltungen und der Ausflug am Mittwochnachmittag in Frage kommen, ist nun endgültig festgelegt. Wir wiederholen, was wir bereits schon einmal erwähnt haben, daß Sonntag, den 17. September, nachdem der ge- schäftliche Teil des Parteitages erledigt ist, ein Empfangskommers stattfindet. Am Dienstagabend eine Volksversammlung. Der Mittwochnachmittag soll einem Ausfluge nach der Leuchtenburg bei Kahla gewidmet werden. Der Ausflug bis Kahla erfolgt per Bahn und von da eine kurze Wanderung xsr pedes nach der Leuchtenbnrg. Die Leuchtenburg liegt auf' Altenburger Grund und Boden. Und da nun jedenfalls die Altenburger Regierung erfahren hat. daß die Vertreter des Proletariats sich dort einige Stunden niederlassen wollen, sollen sie zur Strafe dafür verhungern und verdursten. Der altenburgische Landtags-Abgcordncte Genosse H orn teilte am Sonnabend dem Lokalkomitee folgendes mit: „Die Altenburger Regierung hat als Besitzer der Leuchtenbnrg dem Wirt, Herr» Böttcher, verboten, die Delegierten des Parteitages am 20. September aufzunehmen und zu bewirten, noch ihnen irgend etwas zu zeigen." Wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir schreiben, die Altenburger Regierlmg hat bis jetzt von allen Thüringer Raub staaten den Rekord geschlagen. Na, bange machen gilt nicht, die Leuchtenburg wird, falls eS der Parteitag beschließt, trotzdem er- stiegen werden. Vielleicht besorgt die Altenburger Regierung ei» Re giment Soldaten nach Kahla? Am Donnerstagabend findet ein Vokal- und Justrumentalkonzert statt und damit sind die Abendveranstaltungen beendigt. Zu Ehren deS Parteitages werden zwei Lieder vorgetragen werden, die für diesen Zweck besonders verfaßt sind von Friedrich Thieme in Jena und komponiert sind von dem ebenfalls in Jena ansässigen Hendrik de Grote. Der Komponist wird die Lieder selbst dirigieren. _ Das Lokalkomitee. Zu dem ulkigen Beschluß der altenburgische» Regierung gegen die Vergnügungssucht des Parteitages geht uns aus Altcnburg noch eine Zuschrift zu, der wir einiges entnehmen. Die altenburgische Re- gierung stützt sich dem Wirte der Leuchtenburg gegenüber auf den Pachtvertrag, worin dem Wirte verboten ist, sein Lokal zu sozial- demokratischen Versanimlungen oder sonstigen Veranstaltungen der Partei herzugeben. Wir sehen darin immerhin eine Konsequenz deS staatlichen Lokalcigentümers gegenüber dem Verhalten anderer Saalbesitzer, die zwar sozialdemokratische Vergnügungen in ihren Lokalen gern sehen würden, aber keine Versammlungen der Arbeiter dulden wollen. Schade, daß die durch Altenburg führenden Bahnen nicht dem altenburgischen Staate gehören; man würde sicher sagen: sozialdemokratisches Geld stinkt; unsere Bahnen sind nicht dazu da, die Umstürzler zu ihren Umsüirzkonventikeln zu fahren. Mögen sie einen Schritt zur Seite treten und draußen herum vorbeigehen! Am 20. September wird, sicherem Lernehmen nach, die ganze altenburgische bewaffnete Macht, bestehend aus einem Major und 37 Gendarmen, auf der Lcuchtenburg versammelt sein, uin die Eß- Vorräte des Wirtes zu bewachen. Zu dem Kampfe gegen den„Vorwärts" äußern sich jetzt wieder einige Parteiblätler. Die Erfurter„Tribüne" kündigt in einer die Artikel Kautskys und der„Leipziger Volkszeitung" billigenden »W» Literatenkrakeel", worin er sich wesentlich mit der Frage des Generalstreiks beschäftigt und dabei an unserer Auffassung der Frage Kritik übt. Die„Mainzer V o l k s z e i t u n g" hat unter der Ueberschrift„Die Parteiplage" eine Artikelreihe begoimen, die sich scharf gegen Kautsky und Mehring wenden. Die Breslauer ,. Volks iv acht" überschreibt einen Artikel„Die Leipziger VolkSzeitungS-Frage". worin sie eine An- zahl der Stimmen zusammenstellt, die sich in letzter Zeit gegen die „Leipziger Volkszeitung" und gegen Kautsky gewandt haben und worin sie ihre Stellung gegen die„Leipziger VolkSzeitung" noch- mals scharf kennzeichnet. Unter der Ueberschrift„Wir brauchen kein Zentralorgan" tritt das„Offenbacher Abend- b l a t t" dafür ein, daß der„Vorwärts" Lokalblatt werde, wendet sich aber im übrigen gegen die Kampstnethode der„Leipziger Volkszeitung". Parteipresse. Unser Parteiorgan in Augsburg, die„Schwäbische VoUszeitung". die seit 1. April auch von den Parteigenossen aus dem ganzen Kreis Schwaben als Parteiorgan erklärt wurde, hat dadurch und durch die politischen und wirtschaftlichen Kämpfe in diesem Jahre und nicht zuletzt durch die energische Agitation der Genossen so bedeutend an Abonnenten gewonnen, daß die Zeitung ab 1. Oktober ihren Inhalt verdoppeln kann. Im Jahre 1900 ge- gründet, erschien das Blatt zuerst zweimal wöchentlich, dann drei- mal wöchentlich, bei Beginn der Reichstagswahl 1903 wurde es zum „Tagblatt" umgewandelt und nachdem eS bis jetzt täglich vierseitig erschien, wird eS ab 1. Oktober täglich achtseitig her- ansgegebeir. ES kommen eine neue zweite Schnellpresse und zwei Setzmaschiiien in Betrieb und zu gleicher Zeit wird der Acht- Stnndentag mit diversen anderen Vergünstigungen eingeführt. Der LandeSparteitag unserer brauuschweigischeu Genossen findet am 22. Oktober in Seesen statt. Die„BorwSrtS"-Fr»ge. Indem wir nachstehend den achten Artikel der„Leipziger Volks- zeitung" abdrucken, können wir den Lesern die erfreuliche Mitteilung machen, daß dem nur noch einer als Schlußartikcl folgt. Danii werden sie von dieser„prinzipiellen" Diskussion erlöst sein, da wir nach den Auseinandersetzungen mit Kautsky ein Eingehen auf die Artikel der„Leipziger Volkszeitung" für überfküffig halten. Wir werden uns mit einer Schlußbcmcrkung begnügen, bemerken aber schon heute, daß wir auf die luftigen Phantasien über die Eigen- schaften der einzelnen Redakteure und ihr Verhältnis zu einander nicht eingehen werden, da eS uns nicht angemessen scheint, über uns selber im„Vorwärts" zu reden. Der Leipziger Artikel lautet also: Je mehr sich im„Vorwärts" die falschen Tendenzen bemerklich machten, die durch seine prinzipielle Entwurzelung hervorgerufen wurden, um so eifriger wurden die Bemühungen, ihn wieder ins richtige Geleise zu bringen. Aber da man das falsche Grundprinzip nicht antastete, so führten diese Bemühungen, so richtig gedacht sie an sich und für sich waren, immer nur dazu, das Nebel zu steigern, das sie beseitigen wollten. Mit gutem Fug hatte der Hallesche Parteitag, wenn er ein Zentralorgan schaffen wollte, ihm auch einen Chefredakteur gegeben. Es ist eine vollkommen falsche Auffassung dieser Einrichtung, wenn man ihren Schwerpunkt darin sucht, daß der Chefredakteur gewisser- maßen als überlegener Genius über den Fachrcdakteuren stehen und ihnen in ihre spezielle Tätigkeit, die sie gemeiniglich viel besser ver- stehen als er, von oben herab hineinpfuschen soll. Ein Chef- redakteur, der seine Aufgabe so auffaßte, verdiente lieber heute als morgen zum Teufel gejagt zu werden. Seine wirkliche Aufgabe besteht darin, den einheitlichen konsequenten Gang der Zeitung� zu sichern und dafür dctr Parteiorganisation, der die Zeitung gehört, sozusagen mit Kopf und Kragen zu haften, lim die Frage an einem Beispiel zu erläutern, so gibt es in der Kriegsgeschichte— und die Parteiorgane sind zum Kriegführcn da— keinen unbestreitbareren und keinen unbestritteneren Satz, als daß auch ein mittel- mäßiger Genckral, der nach seiner Weise handelt und die moralische Verantwortung für feine Handlungen trägt, die Sache viel besser macht, als ein Kriegsrat der vorzüglichsten Strategen und Taktiker, von denen einer den anderen den Weg vertritt, gerade je klüger sie sind, und schließlich keiner die Verantwortlichkeit trägt, die alle tragen sollen. Für ein Zentralorgan ist aber die einheitliche konsequente Haltung die erste und unbedingteste Notwendigkeit, und deshalb war es ganz selbstverständlich, daß der Hallesche Parteitag dem„Vorwärts" einen Chefredakteur gab. Nicht minder selbstverständlich war, daß Liebknecht diese Stellung erhielt. Nicht nur weil er der Redakteur des früheren Zentral- organs gewesen war, sondern weil er unter den noch Lebenden— abgesehen von Engels, der nicht in Frage kommen konnte— die größten Verdienste um die prinzipielle und theoretische Aufklärung der Partei hatte. Allein alsbald zeigte sich, daß er der Aufgabe nicht gewachsen war, weil ihr kein Einzelner bei dör damaligen geistigen Entwicklung der Partei mehr genügen konnte. Die richtige Erkenntnis wurde nur wieder dadurch verdunkelt, daß Liebknechts Kraft durch tausend andere Ansprüche der Partei zersplittert wurde, und er sich in einem Lebensalter befand, wo man das Bißchen technischer Handgriffe, das zur Leitung eines großen Tageblattes gehört, nicht mehr lernt. Immerhin wirkte instinktiv die Empfindung, daß die eigentliche Schwierigkeit mehr in der Sache, als in der Person liege, so weit mit, daß man nach Liebknechts Tode die Chef- rcdaktion preisgab und dafür die Mehrhcitsredaktion einführte. Indessen war es nur eine äußerliche Logik, mit der man argumentierte: geht es auf diese Weise nicht, so muß es auf die andere Weise gehen. Um überhaupt davon zu reden, so ist eine Mehrhcitsredaktion der Widerspruch in sich, und' es beruht auf einem Trugschluß, sie eine„demokratische" Institution zu nennen. Man verwechselt dabei das Gesetz der Demokratie mit dem Gesetze der Arbeitsteilung. Soll es nach dem Grundsatze der Demokratie, nach dem Grundsätze: Gleiches Recht für jedermann gehen, so müßten die Redakteurstellen an einem Parteiorgan reihum unter den Mitgliedern der Organisation gehen, der es gehört. Das ist natürlich ein Unsinn, den niemand will oder jemals gewollt hat. Tatsächlich werden die Redakteure nach dem Gesetze der Arbeits- teilung ausgewählt; die örtlichen Organisationen besetzen die Stellen an ihren Zeitungen nach dem Maße der Fähigkeiten und Kenntvisie, das für einen politischen Redakteur, einen Feuilletonredakteur, einen Gcwerkschaftsredakteur, einen Lokalredakteur usw. erforderlich ist. Diese Fähigkeiten und Kenntnisse schließen sich nun aber wiederum nach dem Gesetze der Arbeitsteilung gegenseitig aus; niemand— es sei denn irgend ein Ausnähmcmcnsck— kann ein gleich guter Redakteur in Politik und Feuilleton, im Gewerkschaftlichen und Lokalen usw. sein; vielmehr pflegt jeder, je besser er sein Fach versteht, sich um so weniger auf die anderen Fächer zu verstehen. Wählen nun die Genossen nach diesem Gesetze der Arbeitsteilung die Redakteure ihrer Blätter, und richten dann eine Mehrheits- redaktion ein, so heißt das im Grunde nichts anderes, als daß derjenige Redakteur, der sein Fach am besten versteht und eben deshalb an diese Stelle gesetzt ist, sich von seinen Kollegen majorisieren lassen soll, die sein Fach weniger gut oder auch gar nicht verstehen und deshalb an andere Stellen gesetzt worden sind. Im Grunde, sagen wir, denn die Praxis korrigiert natürlich das an sich unhaltbare Prinzip durch gemeinsames Parteiinteresse, kameradschaftliche Gesinnung, Zwang der Verhältnisse usw. Ge- mciniglich macht sich die Sache wohl so, daß jeder Fachredakteur wie ein Cherub mit flammendem Schwerte vor seinem Ressort steht, sie alle aber für ihr unveräußerliches Parteirecht halten, dem politischen Redakteur dreinzureden, was ein schönes Zeichen für den politischen Eifer ist, der alle Genossen beseelt, aber die einheitliche Haltung des Blattes nicht immer fördert. Gleichwohl liegt der Vorliebe vieler Parteikrcise für eine Mehrhcitsredaktion eine ganz richtige Empfindung zugrunde: ist sie nämlich aus gleichartigen Elementen zusammengesetzt, das heißt aus Genossen, die von den- selben Grundanschauungen ausgehen und in allen wesentlichen Fragen der Theorie und Taktik übereinstimmen, dann mögen alle Nachteile verschwinden, die sich aus ihrem Prinzip ergeben. Damit wollen wir keineswegs sagen, daß die inneren Gegen- sähe, die in der Partei bestehen, ein gemeinschaftliches Wirken in der Parteipresse ausschließen. Obgleich die„Leipziger Volkszeitung" eine Gegnerin des Revisionismus ist, hat sie stets revisionistische Mitarbeiter gehabt und hat deren noch. Aber innerhalb der Redak- tion selbst und ganz besonders innerhalb der politischen Redaktion, falls sie mehrere Mitglieder umfaßt, ist eine einheitliche Gesamt- auffassung— in Einzelheiten werden sich ja immer Unterschiede ergeben, da glücklicherweise nicht alle Menschen über einen Kamm geschoren sind— eine unbedingte Notwendigkeit. Wenn die Ge- nossen eines Ortes beschließen, ihrem Blatte eine revisionistische Richtung zu geben, so haben sie nach unserer Auffassung das un- bedingte Recht, einen Bewerber um eine Redakteurstelle abzuweisen, weil er eine radikale Gesinnung hat. Auf der anderen Seite können ivir uns darauf berufen, daß ein revisionistisches Organ, das Dessauer Parteiblatt, kürzlich in anerkennendem Sinne schrieb: die Leipziger haben immer auf eine homogene Rcdaktion gehalten. Jede andere Auffassung führt dazu, die Redakteurstellen an den Partei- blättern als Versorgungsposten für diejenigen Parteigenossen an- zusehen, die zufällig Schriftsteller sind, womit das ganze Wesen der Arbeiterpresse von Grund aus umgewälzt wäre. Wird nun aber eine Mehrhcitsredaktion durch die Gleichartigkeit ihrer Mitglieder durchaus lebensfähig, so werden alle ihre Nachteile auf die Spitze getrieben, wenn sie aus grundverschiedenen Elementen besteht, aus so grundverschiedenen Elementen, wie es innerhalb des allgemeinen Parteirahmcns nur immer geben kann. Dies eben wurde das Schicksal des„Vorwärts", und wiederum aus durchaus achtungswerten Beweggründen. Wir sehen ganz davon ab, ob die Tatsache, daß den Berliner Genossen endlich ein Teil ihres berech- tigten Anspruches eingeräumt und neben dem Parteivorstande das Aufsichtsrecht über den„Vorwärts" zugestanden wurde, dabei mit- gespielt hat. Ocffcntlich ist darüber nichts bekannt geworden. An sich freilich liegt es auf der Hand, daß es die Aktionsfähigkeit eines Kampfblattcs nicht erhöhen kann, wenn es unter zwei Instanzen steht, die sich nach ihren Aufgaben so unterscheiden, wie sich— um nochmals einen militärischen Vergleich anzuziehen— die Vorhut efneS Heeres, die seine Sturmfahne tragen soll, und das Kriegs- minister, um unterscheiden, dem die Verwaltung des ganzen Partei Heerwesens obliegt. Hiervon also abgesehen, so entstand die verschiedene Mischung der Elemente in der Redaktion des„Vorwärts" zunächst daraus. datz man von dem in seinen ersten Jahren stets beobachteten Grund- sähe abging, bei der Wahl ihrer Redakteure zuerst auf ihre okonomisch-politische Durchbildung zu sehen. Dies ist unzweifelhaft auch das richtige Prinzip, obgleich nicht bestritten werden kann, das; okonomisch-politische Durchbildung sich verhältnismäßig sehr selten m,t hervorragender journalistischer Befähigung im fachmännischen Sinne des Wortes verbindet. Wir wüßten aus unserer ganzen Parteigeschichte eigentlich nur Schoenlank als einziges Beispiel zu nennen, bei dem beides in vollkommenem Gleichgewicht stand. Man sdjob jedoch das lange Zeit hindurch nur verhältnismäßig langsame Fortschreiten der Abonnentcnzahl des„Vorwärts", das tatsächlich aus den schon entwickelten Gründen in seiner Eigenschaft als Zentral- organ wurzelte, vielmehr aus den Mangel an journalistischer Ge- wandtheit, den der ökonomisch durchgebildete Redakteur des Blattes bewiesen hätte, und sah nunmehr bei neuen Anstellungen— neben der tüchtigen Parteigcsinnung. die immer die selbstverständliche Vor- aussehung blieb— in erster Reihe auf die hervorragende zournalistische Befähigung. Dadurch erreichte man auch den gc- wünschten Zweck bis zu einem gewissen Grade, jedoch nur um den Preis, daß die, durch die prinzipielle Entwurzelung des Zentral- organs in ihm von selbst aufwachenden Tendenzen bei der Redaktion auf einen viel geringeren Widerstand trafen, als früher. Die unerfreulichen Folgen zeigten sich denn auch bald, und so kehrte man zu dem früheren richtigen Prinzip zurück. In den lehten Jahren sind neue Kräfte in den„Vorwärts" eingestellt worden, von denen wir am lehten bestreiten werden, daß sie in jedem Betracht an die größte Tageszeitung der Partei gehören. Aber die Redaktion ist nun innerlich völlig zerrissen,— wir meinen natürlich: prinzipiell-thcoretisch zerrissen, denn die persönlichen Bc- Ziehungen ihrer Mitglieder, die dessenungeachtet die besten von der Welt sein können, gehen die Oeffentlichkcit nichts an. Allein die prinzipiell-thcoretische Zerrissenheit ist öffentlich durch hinlänglich bekannte Vorgänge hervorgetreten, und so darf sie auch öffentlich festgestellt werden. Diese Zustände sind an dem Zentralorgan der Partei aber völlig unhaltbar, wenn nicht die ärgsten Schädigungen der Partei daraus entstehen sollen. Huö Induftne und Handel. Erhöhung des Bankdiskonts. Der Diskont der R e i ch s b a n k ist am gestrigen Montag auf 4 Proz., der Lombardzinsfuß für Darlehen gegen Verpfändung von Effekten und Waren auf ö Proz. erhöht worden. Ebenso hat die S ä ch s i s ch e B a n k den Wechseldiskont auf 4 Proz. und den Lonlbard-Zinsfuß auf S Proz. erhöht. Die Ergebnisse der preußischen Warcnhausstcuer. Nach setze vom 18. Juli 1900, betreffend die Warenhaussteucr, veranlagt: Steuerpflichtige Steuer Mark) 1901 1903 1904 1901 1903 .22 1 11 500 16360 . 2— 2 . 20 15 11 7 12 4 4 in der Provinz Ostpreußen.. Westpreußen.. Berlin.... Brandenburg.. Pomniern... Posen.... Schlesien... Sachsen.... Schlesw.-Holstein Hannover.., Westfalen... Hessen-Nassau.. Rheinland... im Staate 7 3 1 10 7 4 3 5 8 37 10? 7 3 3 1 8 5 13 73 2 8 4 4 2 5 5 22 82 1901 11500 24 000 1 342 953 131 250 59 000 4 000 223 002 97 400 64 600 76500 53 600 121000 865 100 3 073 905 950 733 113 300 51 047 169 300 29 500 60 000 37 039 43 830 94 941 367 200 I 933 250 dem Gewurden 1904 4 000 32 500 839 014 138 000 54316 8 000 167 200 29 172 72 653 36 642 50 750 128 047 404 711 l 965 OOS Hiernach ist 1904 gegen das Vorjahr die Gesamtzahl der ver- anlagten B e t r i e b e um 9. d. um 12,3 Proz.. dagegen die jähr- liche Steuer um 31755 M., also nur um 1,6 Proz. gestiegen. Gegen das erste VeranlagungSjahr stehen alle Veranlagungs- ergebnisse seit 1902 erheblich zurück, weil im ersten Jahr eine größere Anzahl von Betrieben— u. a. dem Stundenlohn von 65 Pf. für volljährige Gesellen— zugestimmt haben. Die Innung, in der das Klcinkrautertum tonangebend ist, erklärte sich am Sonntaznach- mittag mit dem ersten Teil der Forderungen einverstanden, dagegen fanden die geforderten und die von den Großmeistern bewilligten höheren Lohnsätze ab 1. April 1906 keine Annahme. Ter in der Ver- sammlung anwesende Altgeselle gab die Erklärung ab, daß unter diesen Umständen eine Einigung mit der Innung nicht zu erzielen sei. Der Streik bei den Kleinmeistcrn, richtiger bei einem Teil derselben, da schon viele abgesprungen sind, dauert fort. Der Streik der Holzarbeiter in Furth, der noch immer über 1500 Mann umfaßt, dauert unverändert fort. Am Freitag und Sonnabend fanden vor dem dortigen Gewerbegericht Einigungs- verhaiidlungcn statt, an denen außer den örtlichen Organisations- Vertretern der Landtagsabgeordnete Genosse Segitz, der Gauvorsteher des Holzarbeiterverbandes und ein Bevollmächtigter der Hirsch- Dunckcrschen Gewerkvercine teilnahmen. Die Forderungen der Ar- bciter wurden von dem Vorsitzenden der Fürther Zahlstelle, Genossen Zöllner, begründet, der darauf hinwies, daß der in Fürth in Betracht kommende Teil der Holzindustrie fast ohne Konkurrenz dastehe und daß dort, wo sich die Ansätze einer solchen zeigen, die Löhne höher und die Arbeitszeit kürzer feien als in Fürth. Tic Verkürzung der Arbeitszeit sei mit Rücksicht auf die Gesundheit der Arbeiter not- wendig, da die intensive Arbeitsweise besonders die Lungen- und Nervenkrankheiten unter den Arbeitern fördere. Ebenso müsse gegen die fortgesetzte Verkürzung der Akkordsätze Stellung genommen werden. Die Unternehmervertreter suchten die Behauptung zu widerstreiten, daß sie die Konkurrenz nicht zu fürchten hätten, und wollten schließlich nur die 59% stündige Arbeitswoche unter Fort- zahlung des bisherigen Lohnes, aber ohne Erhöhung der Akkordlöhne zugestehen, während die Arbeitervertrctcr einmütig erklärten, min- bestens au der 54 stündigen Arbeitszeit festhalten zu müssen. Auch am Sonnabend war keine Einigung zu erzielen, wsshalb die Ver- Handlungen auf nächsten Freitag vertagt wurden. Der Streik steht bis jetzt für die Arbeiter sehr günstig, da nur wenige Streikbrecher zu verzeichnen sind. Hualsiick. Der englische Gewerkschaftskongreß ist zu Ende. Seine Verhandlungen und Beschlüsse heben sich in mancher Beziehung recht vorteilhaft ab von seinen Vorgängern. Namentlich hat er gezeigt, daß die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer selbständigen Arbcitcrpokitik unter den Trades-Unionisten immer weitere Fortschritte macht. Die Unabhängige Arbeiter- Partei und die Sozialdemokratische Föderation haben mit ihren Versammlungen, die sie während der Tagung des Kongresses abhielten, sehr gute Erfolge erzielt. Auch die Versamm- lung der Gasarbeiter, eine der fortgeschrittensten Gclverkschaftcn, bedeutet einen sozialistischen Erfolg. Das Parlamentarische Komitee hat geglaubt, dem Präsidenten Roosevelt für seine Bemühungen um, den Frieden und dem König Eduard für das Zu- standekommcn der friedlichen Verständigung mit Frankreich danken zu müssen. Gleichzeitig aber wurde vom Parlamentarischen Komitee auch eine Resolution votiert, in der es heißt, es sei den englischen Arbeitern wohl bekannt, dah ihre deutschen Kameraden einen gleichen Freundschaftsbund mit England herbeiwünschen und anstreben, wie er so glücklich zwischen England und Frankreich zustande gekommen. Im weiteren wird versprochen, daß die englische Arbeiterschaft die äußersten Anstrengungen machen werde, ihre Regierung dahin zu drängen, eine systematische Abrüstung durch Vereinbarung mit den anderen Staaten anzustreben.„Schließlich appellieren wir an unsere deutschen Kameraden, vereint mit uns unaufhörlich gegen die chauvi- nistische Verhetzung an beiden Seiten der Nordsee zu kämpfen und ein« Verständigung zwischen beiden Völkern herbeiführen zu helfen, zum allgemeinen Besten der internationalen Arbeit."— Wie sich das Parlamentarische Komitee gegen den Jingoismus, so sprach sich der Kongreß selbst ebenso energisch aus gegen die wirtschaftliche Ab- schlicßung des Landes durch Schutzzölle. Das Beispiel Deutschlands, die jetzigen teuren Fleischpreise, konnten als abschreckendes Vorbild herangezogen werden. Jede Abweichung von den Prinzipien des Freihandels— so heißt es in der mit 1 253 000 gegen 26 000 Stim- mcn angenommenen Resolution— würde nicht bloß eine Schädigung der Arbeiterklasse bedeuten, sondern auch die Nation als Ganzes empfindlich treffen. Verworfen wurde der Protektionismus ferner als eine ständige Gefahr für den internationalen Fortschritt und als ein Hindernis für den internationalen Frieden. Zu größeren De- hatten kam es dann nur noch bei dem Antrage von Ben Tillet auf Einführung obligatorischer Schiedsgerichte für gewerbliche Streitigkeiten. Dieser Antrag wurde gegen eine erhebliche Minder- heit(765 000 gegen 673 000 Stimmen) abgelehnt. Ilm dritten Tage fand eine Resolution, welche die Nationalisierung der Eisenbahnen, Kanäle und Bergwerke fordert, Annahme. An sonstigen Beschlüssen sind noch zu erwähnen: Die Forderung des Achtstundentages bczw. die 48stündige Arbeitswoche. Von den Kooperativ-Genossenschaften wird die Einführung des Achtstundentages und die Beschäftigung von nur organisierten Arbeitern verlangt. Auf Antrag Steadman lSchiffszimmcrer) wird beschlossen, die Einführung einer allgemeinen Alterspension zu fordern, wonach jeder Bürger nach vollendetem 60, Lebensjahre 5 Schilling Pension pro Woche zu erhalten hätte. Ein Protest gegen die Anwendung von Kuliarbeit in Südafrika fand Annahme.— Als Sekretär des Parlamentarischen Komitees wurde Steadman gewählt. Das Sekretariat soll in Bälde zu einem ständigen mit einem besoldeten Beamten umgewandelt werden. Gerichts-Leitung. Der Streit bei Wcstphal u. Reinhold bildete den Untergrund einer Anklage, die gestern vor der dritten Ferien-Strafkammer des Landgerichts I verhandelt wurde. Bei diesem Streik hatten der Arbeiter Trettin, seine Ehefrau und der Arbeiter Roschinski ihre Kollegen im Stich gelassen und sich dem Ausstände nicht angeschlossen. Wie sie nun behaupteten, seien sie deshalb auf der Straße wieder- holt belästigt tvorden. Eines Tages wurden si?, als sie die Fabrik verließen, auf der Straße Von einem ganzen Trupp Arbeiter umringt und bedrängt, am Weitergehen behindert und mit bösen Redensarten bedacht. Unter anderen soll ihnen die Drohung zugerufen worden sein:„Wenn die Streikbrecher die Bude nicht bald ver- lassen, gibts Messerstiche I" Auch Worte wie„Schimpf und Schande" fielen und speziell dem Arbeiter Roschinski wurden die Titel„Lump" und„Streikbrecher" verliehen. Die Beleidigung soll nach der sicheren Bekundung eines Zeugen dem Arbeiter Eduard Herzner zur Last fallen. Außerdem wurden der Schlosser Max Langer und der Tischler Otto Lehmann bestimmt als solche Personen bezeichnet, die mit anderen an jenem Tage die Zeugen bedrängt hätte». Sie standen deshalb gestern wegen Vergehens gegen 8 153 der Gewerbe- Ordnung vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I, Herzner außerdem auch wegen Beleidigung. Sie bestritten, das Gesetz verletzt zu haben und machten ihrerseits unter anderm geltend, daß gerade der Zeuge Roschinski ein Messer in der Hand gehabt und gedroht habe, jeden niederzustechen, der ihn belästigen »verde. Der Staatsanwnlt--hiclt nach der Zengenvernehmung die Anklage für erwiesen und beantragte gegen Langer und L c h- mann je z w e i M o n a t e, gegen Herz»er drei Monate Gefängnis. Der Verteidiger bestritt die Anwendbarkeit der Z§ 152 und 153 der Gewerbeordnung, da der Zweck des Streiks nicht die Erlangung, sondern nur die Erhaltung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen, die den Arbeitern schon zugesichert waren, gewesen sei.— Der Gerichtshof tritt nach längerer Beratung der Ansicht des Staatsanwalts bei und verurteilte Langer und L e h- m an» zu je zehn Tagen, H e r z n e r zu zwei Wochen Gefängnis. Wegen Vergehens gegen das Gesetz vom 12. Mai 1901 betreffend die Privat-Versicherungsgesellschaften hatte sich der Vorsitzende des Verbandes der polnisch-katholischen Arbeitervereine, Block, gestern vor dem Schöffengericht zu verant- Worten. Der Verband hat eine Wohlfahrtseinrichtung geschaffen, dergestalt, daß er im Todesfall von Mitgliedern den Hinterbliebenen Sterbegelder gewährt. Wie der Angeklagte auseinandersetzte, ist dies eine reine Wohlfahrtsorganisation. Die Mittel werden dadurch geschaffen, daß 50 verschiedene Vereine pro Monat und pro Kopf ihrer Mitglieder 10—20 Pf. zu diesem Zweck an den Verband ab- liefern. Die Höhe der Sterbegelder wird jährlich nach den vor- handenen Mitteln berechnet, ein einklagbares Recht aber dadurch für die Mitglieder nicht hergestellt. Das kaiser- liche Aufsichtsamt erachtete diesen Modus nur für eine Umgehung der Bestimmungen des Gesetzes vom 12. Mai 1901, welches vorschreibt, daß Privatversicherungsgesellschasten— um eine solche soll es sich hier handeln— das Vorhandensein eines Reservefonds nachzuweisen haben.— Der Angeklagte bestritt entschieden, daß dieser reinen Wohlfahrtseinrichtung der Charakter einer Pnvatversichernngs- gesellschaft beizulegen sei und machte darauf aufmerksam, daß eine ganze Reihe anderer Verbände die gleiche Einrichtung haben, ohne daß gegen sie mit einer Anklage vorgegangen werde. DaS Schöffen- gericht hielt die Anklage für berechtigt und verurteilte den An- geklagten zu 50 M. Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte 100 M. beantragt. Ein Polenprozeß, bei dem zehn Mitglieder des Charlottenburger Sokols sich w e g e n W i d e r st a n d e s gegen d i e S t a a t s- g e w a l t zu verantworten hatten, kam vor dem Landgericht I zur Verhandlung. Am 29. Oktober v. I. feierte der Charlottenburger Sokol sein Stiftungsfest. Die Polizeibehörde, welche das Fest als ein öffentliches ansah und die Sokols ihrer polnisch-nationale» Tendenz wegen als politische Vereine betrachtet, entsandte zwei ihrer Beamten, den Polizeiwnchtmeister Balcerzak und den Kriminal- kommissar Luedtke zur Ueberivachung. Von den Vorstandsmitgliedern des Sokols wurde den Beamten„höflich aber entschieden" der Zuttitt zur Festlichkeit verwehrt, mit dem Hinweis, daß es sich um eine„ge- schlossene Gesellschaft" handele. Das Schöffengericht hatte sich dieser Auf- fassung angeschlossen, die Angeklagten kostenlos freigesprochen. Der Staatsanwalt selbst hatte die Freisprechung beantragt. Die Ober- staatsanwaltsckaft legte jedoch auf Veranlassung der Charlotten- burger Polizeibehörde Berufung ein, so daß die Angelegenheit in zweiter Instanz vors Landgericht kam. Die„herausgebetenen" Polizeibeamten bezeugten, daß sie bei ftüheren Sokolfestlichkeiten „nichts Politisches" wahrgenommen hätten, während der Charlotten- burger Polizeiassessor Friede! auf den ausgesprochenen polittschen Charakter der SoZols hinwies. Die Verteidigung führte Rechtsanwalt Dr. Liebknecht. Als Sachverständiger für Sokolangclegenheiten wurde deren gründlicher Kenner Polizeikommissar Günther aus Posen ver« nommen. Der Gerichtshof beschloß für diesen Zeugen und den Kommissar Luedtke bei ihrer vorgesetzten Behörde um Entbindung von der Amtsverschwiegenheit zu ersuchen und vertagte deshalb die Verhandlung. In der Sounabendnummcr berichteten wir über den Diebstahls- Prozeß, der gegen eine Krankenpflegerin Mathilde Künert angestrengt worden ist. In dieser Angelegenheit ersucht uns die Krankenpflegerm Frau Elisabeth Künert. Exerzierstr. 14, um Veröffentlichung der Mit« teilung, daß sie mit der Angeklagten nicht identisch ist. Veirnilcbtes. Zur Choleragefahr wird von einer ganzen Reihe Bezirken gemeldet, daß scharfe Vorsichts- maßregeln gegen ein Austreten und eventuelles Weiterverbreiten dieser ttickischen Epidemie getroffen wurden.— Die Eisenbahn- d i r e k t i o n Stettin hat für den Flößerverkehr 20 besondere Wagen in Betrieb gestellt, die in Wcrbig von eigens dazu bestiminten Personen geschlossen, in Frankfurt a. O. desinfiziert und dann leer wieder nach Frcienwaldeoder Frankfurt zurückgeführt worden.—Die Er- richtung der Cholera-Ueberwachungsstation in Köpenick hat zum Erlaß einer Regierungs-Polizeiverordnung geführt, nach welcher die Führer derjenigen Fahrzeuge und Flöße, welche die Fürstenwalder Schleuse durchfahren haben, verpflichtet sind, 150 Meter oberhalb der beiden Köpenicker Brücken zu halten. Die Schiffsführer und Flößer haben sich bei der Ueberwachungsstelle an der Langen Brücke zu melden, sich der gesundheitspolizeilichen Kontrolle zu unterwerfen und den Anordnungen des Leiters der Ueberwachungsstation Folge zu leisten. Eine bakte- riologische Untersuchung des Spreewassers ist noch nicht erfolgt, da man dasselbe für einwandsftei hält.— Auch in den Provinzen Posen und We st Preußen werden umfangreiche Vorsichts- maßregeln getroffen. So hat der Posener Polizeipräsident an- geordnet, daß alle Ruderübungen zu unterlassen sind. Die Polizei- Verwaltung von Mewe hat den russischen Flößern das Betreten des Stadtgebietes verboten und die Gastwirte angewiesen, keine Flößer in ihren Lokalen zu dulden.— In Bromberg ist die Entnahme von Wasser aus dem Bromberger Kanal und der Brahe verboten. In M a r i e n b u r g ist das Marienburger Schloß für den Fremdenverkehr geschlossen. Sämtliche Hotels haben der Polizei Fremdenlisten einzureichen. Die Straßen werden täglich durch die Wasserleitung gespült und die öffentlichen Schöpfstellen sind ge- schlössen. Die bisher zur Bekämpfung der Seuche in Westpreußen aufgelvendeteii Kosten bettagen 250 000 Mark. Die„Ostdeutsche Rundschau" meldet über den Stand der Cholera im Bromberger Bezirk: Erkrankt in Czarnikau ein Flößer, in Labischin ein Schifferknecht und ein Fischer, in Usch eine Ortsarme. Festgestellt ist Cholera in weiteren vier Fällen in Brahemünde, Nakel und Gnesen. Ferner sind der„Ostdeutschen Presse" zufolge an Cholera ge- storben: Ein Eigentümer in Schönlanke und das zweite Kind deS Eigentümers Kroll in Dratzig. Bei zwei Sttafgefangenen, einem Weichensteller und einem Kanalisationsarbeiter in Gnesen sowie bei einem Manne in Stieglitz, Kreis Czannkau, die unter cholera- verdächtigen Erscheinungen erkrankt'waren, ist Cholera nicht fest- gestellt worden. Im' Regierungsbezirk Bromberg sind bis jetzt im ganzen 33 Fälle vorgekommen. Davon sind 15 tödlich ver- laufen. Von den an der Cholera erkrankten Personen ist in Brahemünde ein 2l/g Jahre altes Kind, in Rakel ein Arbeiter und in Usch eine Ortsarme gestorben. Wie die„Neuen Westpreußischen Mitteilungen" melden, ist ein russischer Flößer im Krankcnhanse Neuenbürg unter Cholcraverdacht gestorben. Eine aus Gartowitz, Kreis Schwetz, gebürtige Schnitterin ist unter Eholeraverdacht erkrankt. In Graudcnz ist bei einem zwei- jährigen Kinde, bei einem Maschinenputzer und zwei Arbeitern die Cholera bakteriologisch festgestellt worden. In Graudenz find eine Frau und ein aus Kulm zugewanderter Arbeiter unter cholera- verdächtigen Erscheinungen erkrankt. In Meder-AnS-Maaß ist bei einem dreijährigen Kinde, das am Sonnabend verstorben ist, Cholera amtlich festgestellt worden. In Kurzebrack sind zwei weitere Kinder des Fährmanns Beier unter Choleraverdacht erttankt. Dasselbe ist in Jesewitz bei zwei Kindern einer dort an der Cholera verstorbenen Fischerfrau der Fall. Bei einer seit dem 4. September unter Be- obachtung stehenden Buhnenarbeiterstochter in Kulm' sind Choleravibrionen festgestellt worden. Weitere Meldungen besagen: Marienburg, 11. September. Im Laufe des heutigen Vormittags ist hier ein, in Heubuden sind zwei neue choleravcrdächtige Fälle festgestellt. Graudenz, 11. September. Bei dem Ulanen Manbreh vom 4. Ulanen-Regiment in Thorn, der mit anderen Ulanen in der hiesigen ArtilleriekaserneZ einquartiert war, ist Cholera amtlich fest- gestellt worden. München, 11. September. Die Korrespondenz Hoffmann teilt mit: In der pfälzischen Ortschaft Jägersburg, Bezirksamt Homburg, sind in den letzten Tagen sieben Personen unter Er« scheinungen des Brechdurchfalls erkrankt, zlvei hiervon lein Knabe und ein alter Mann) sind gestorben: die übrigen, welche sämtlich zur gleichen Familie wie der verstorbene Knabe gehören, wurden sofort in das Homburger Krankenhaus gebracht und befinden sich mit Ausnahme des VaterS bereits wieder besser. Nach den amt- Ii che» Erhebungen und Sektionsergebnissen sind die Eickrank, ingen Wahrscheinlich gewöhnliche Brechdurchfälle. DaS Resultat der bakteriologischen Untersuchung steht noch ans. Die strengste Isolierung aller Beteiligten sowie die Desinfizierung der Anwesen sind sofort angeordnet und durchgeführt worden. Das Erdbeben i» Italien. Die„Franks. Ztg." meldet: Bis jetzt ist die Summe des Schadens, den die Erdbebenkatastrophe in Kalabrien verursacht hat, noch nicht bekannt. Erst gestern langten Meldungen des Spezial- korrespondcnten an, aber auch sie geben nur die ersten Eindrücke, keine Gesamtstatistik bekannt, nur daß im Gebiet Catanzaro 100 OVO Menschen obdachlos und daß der gänzlich zerstörte Ort Martina bei Pizzo allein 2200 teils tote, teils verwundete Opfer zählt. In Monteleone sind die Verheerungen größer als bei dem furchtbaren Erdbeben im Jahre 1883. Die Zahl der durch das Erdbeben Getöteten wird auf 5000 angegeben. In Stefanaconi liegen die Toten auf offener Straße, meist Frauen und Kinder. Der größte Teil der zerstörten Ort- schaften wird nicht wieder aufgebaut. Die Bewohner verlangen freie Fahrt nach Amerika, da sie das Land verlassen wollen. In ganz Italien herrscht große Einmütigkeit in Geldsamm- lungen. Der König reiste nach dem Erdbebengebiet ab, in seiner Begleitung befindet sich der Herzog von Aosta. Kaiser Wilhelm und andere Staatsoberhäupter haben dem König von Italien aus Anlaß der Erdbebenkatastrophe in Calabrien telegraphisch ihr tiefes Bedauern und ihre lebhafte Sympathie für Italien, das so schwer getroffen ist, ausgesprochen. Der Ministerrat beschloß, wie telegraphisch aus Rom gemeldet wird, in seiner gestrigen Sitzung, 250 000 Lire zum Besten der Opfer der Erdbebenkatastrophe zu verwenden. Das Ministerratspräsidium und verschiedene Ministerien steuern außerdem zusammen 25 000 Lire bei für die nationale Sammlung zum Besten der Verunglückten; der Navigazione Generale Jtaliana hat Fortis 10 000 Lire für die Geschädigten zur Verfügung gestellt._ In Goldmincn verspekuliert. Zu den Unterschlagungen bei den Oberschlesischen Kokswerken wird berichtet, daß bisher jede Spur des Deftaudantcn Hupo Spiegel fehlt, doch nimmt man an, daß Spiegel nach Amerika geflüchtet ist. Mit welchem Raffinement Spiegel verfuhr, erhellt daraus, daß er, wie nunmehr festgestellt ist, schon seit Jahren bei Antritt seines Sommerurlaubs jedesmal ungefähr eine Viertel Million Mark, die er sich auf betrügerische Weise ver- schaffte, mit auf die Reise nahm. Er verfolgte damit den Zweck, für den Fall, daß während seiner Abwesenheit seine Malversationen entdeckt würden, mit reichlichen Mitteln für seine flucht versehen zu sein. Spiegel, der Prokurist der Oberschlesischen okswerke und gleichzeitig Direktor eines Zweigunternehmens dieser Gesellschaft, der Russischen Montanindustrie-Aktiengesellschaft war, genoß das unbedingte Vertrauen seiner Vorgesetzten. Seine De- ftaudationcn wurden ihm durch den Umstand erleichtert, daß er Kassierer war und gleichzeitig die Kassenbuchführung unter sich hatte. Den größten Teil der veruntreuten Summen verlor Spiegel in umfangreichen Spekulationen, und zwar hauptsächlich in Goldminen, die er bei zwei hiesigen mittleren Bankfirmen unternahm. Seine Familie täuschte Spiegel über seine recht luxuriöse Lebensweise da- durch, daß er ihr gegenüber sein Einkommen, das etwa 20 000 Mark betrug, als wesentlich höher angab. Explosion im Pulvcrwerk. Der Draht meldet aus Connesville: Eine große Explosion fand in den Pulverwerken in der Nähe von Unionstown statt. Von den aus zehn Gebäuden bestehenden Werken blieb keine Spur mehr übrig. Fünfzehn Menscheir kamen ums Leben. Im Umkreise einer Meile stiirzten die Häuser ein. Bund der techn.-industr. Beamten. Ortsgruppe Berlin. Freitag, den 15. September, abends 8 Uhr, in den Germania-Prachtsälen, Chausseeftr. 103: Versammlung. Tagesordnung:„Gesellschastsorganisation und Massenbildung". Res.: Privatdozent Dr. v. Wiese. Nachher freie Aussprache. Gäste sind eingeladen. eingegangene Oruckfekriften. Von der„Neuen Zeit«(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 50. Hest des 23. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Friedens- und Versassungssragen.— Zum Parteitag. Von K. Kautsky.— Die„Gerichtschronil" in der Parteipressc. Von Mich. Sursty. — Die Organisalionssragc und der Parteitag. Von Heinrich Schulz.— Sozialdemokratie und Volksbildung. Von?ld. Bär-Brandenburg.— Neue Briese von Ferdinand Lassalle. Von Rudols Hilserding.— Noch einmal die unmögliche Diskussion. Von K. Kautsky.— Einstimmigkeiten und Unstimmigkeiten aus dem Ortskrankenkasscntagc zu Dresden.— Literarische Rundschau: Dr. Alexander Tille, Der soziale Ultramontanismus und seine „katholischen Arbeitervereine". Von Gustav Hoch.— Notizen: Die Unsall- gesahr ausländischer Arbeiter. Von E. G. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstaltcu und Kolportcure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. „Kommunale Praxis«, Wochenschrift sür Kommunal- Politik und G e m ein d e s o zi a l i s muS. Herausgegeben von Dr. A. Südekum- Berlin. Daß der Gedanke, die Gemeinden sollten durch eigene Tierauszucht der Fleischnot steuern, Wurzel geschlagen hat, beweisen nicht nur die Vorgänge im Berliner Stadtverordnctenkollegium, sondern auch die Zeugnisse aus der bürgerlichen und sozialdemokratischen Presse, die wir in der neuesten Nummer der„Kommunalen„Praxis" zusammengestellt finden. Der reichhaltige Inhalt des Hestes wird unseren Gemeindcvertretern und allen, die sich für kommunale Politik interessieren, wieder viele An- regung bieten. Probenummern der Wochenschrist sind kostenlos jederzeit vom Verlage der„Kommunalen Praxis", Berlin IV. 15, zu beziehen. „Jena« heißt diesmal das Leitgedicht des„ S ü d d. P o st i l I o n", daS Ernst Klaar als Prolog dem Parteitag widmet. Diesem schließt sich „Was in der Welt vorgeht" an.— Kirchenstaat(Ged.)— Väterchen Goliath. Eine Fabel von William Bromme.— Die Abstellung der Fleischnot.(Ged.) — Dasselbe Thema behandelt das farbige Titelbild:„Nationale Sauwirt- schast".— DaS Mittelbild zeigt uns drei schlimme Geister, stüsternd und rauschend im deutschen Blätterwald; wohl will der Michel seine Taschen zu- geknöpft halten, aber---?! Schließlich bringt der„Südd. Postillon" in seiner Nr. 19 noch eine Schmetterlingsjagd mit klärendem Gedicht und noch eine Reihe Kleinigkeiten. R. E. May. Zur Hamburger Wahlrechts-Vorlage Material zur Kritik ihrer Begründung.(Hamburg, C. Boysen.) A. Hamon. Socialisme et Anarchisme. Paris. E. Sansot et Cie., 53, Rue Saint- An dre-Dos-Arts, 53. Berband deutscher Bergarbeiter. Protokoll der 16. Generalver- sammlung, abgehalten zu Berlin vom 10. bis 15. Juni 1905. Preis 1 M. Für Mitglieder 30 Ps. 328 Seiten. Druck von H. Hansmann u. Co. Bochum. „Der politische Maffe«streit und die politische Lage der Sozial- demokratie in Deutschland". Vorwag von Ed. Bernstein. Verlag der „Volkswacht", Breslau III, Graupenstr. 6. Ernst Abbe, ein Lebens- und Charakterbild von Fr. Thieme. Sonderabdruck aus der„Thüringer Warte". Verlag von Bruno Feigenspan in Pößneck. Preis 50 Ps. Arminius, Gewalt geht vor Recht.(Jul. B. Ehlers, Flensburg.) Sozialer Fortschritt. Hest 47/48: Wille, Th.: Vorteile aus der Invalidenversicherung(Unfall- und Krankenkasse) sür den Versicherten. (30 Ps.)— Hest 49/50: Zeplcr, M. N.: Volkshochschulen.(30 Ps.)— Hest 51: Katscher, L.: Die Siedlungsgenossenschast als Lösung der Arbeiter- srage.(25 Ps.) Verlag: Felix Dietrich, Leipzig, Brüderstr. 49. Rennert, Malwine: In den menschlichen Dschungeln. Wie deutsche Mädchen im Auslande rechtlos sind. Ein Weckrus.(Rechtssragen Hest 4. 50 Ps.) Verlag: Felix Dietrich, Leipzig, Brüderstr. 49. Hoermann, Frz.: Wald und Waldverwüstung. Aus Veranlassung des Deutschen Vereins sür ländliche Wohlsahrts- und Heimatspflege heraus- gegeben. Zirka 3 Bogen. 1 M. Verlag: Felix Dietrich, Leipzig, Brüder- straße 49. Mafienstreik und Ethik von Dr. Rudolph Penzig. Franksurt a. M. Neuer Franksurter Verlag. Preis 75 Ps. Hillgers illustrierte Volksbücher. Bd. 33. Die Nordpolersorschung von Dr. Phil. Fritz Regel.(Hermann Hillger, Berlin, Leipzig.) Lriekkaften 6er Redaktion. Leber, Jena. Ihre Zuschrift ist am Sonnabend nicht eingegangen und konnte deshalb in der Sonntagnummer nicht gebracht werden.— Parlament. Der König„herrscht", aber er regiert in England nicht. In der lateinischen Form: rex rexnat. sednon gebemat.— Haugeneder. Wir können zu dem Gclcgenheitsverkaus nichts tun. Es bleibt Ihnen nur die Möglichkeit, mit Verlust an die Gcscllschast zurückzuverkauscn.— F. B. 13. Eine politische Zeitschrist ist kein Adressenbureau. Fragen Sie in einer größeren Dcssaucr Buchhandlung nach.— Angler 80. Unsere Redaltion züchtet weder Enten noch„häusliche" Band- und Regenwürmer. Vielleicht erhalten Sie Auskunst durch einen wettcrsesten Angler bezw. durch die„Fischcrei-Zeitung" in Neudamm, N./M., Redaktion in Schwerin, Mccklen- bürg.— W. U. a) Richtig, b) Auch richtig, c) Eins schließt das andere nicht aus. Mso eine unentschiedene und überflüssige Sache.— B. 0. Doberanerstr. 6, Rostock. Dort Redaktion der sozialdemokratischen„Volks- zeitung". Alle Einzelheiten können Sie von dorther ersahrcn.—„e.-ä.". Nicht„ö.-h.": E. Bernstein, M. d. R. O. G. Bei genauerem Studium hätten-sie sich die Anfrage ersparen können, da die gewünschte Angabe schon in Nr. 210 vom 8. September er- folgt ist._ ßnefhaftcn der Expedition. Z. N. Die gewünschten Nummern sind noch zu haben.— Karolns. Der Roman„Flammen" von Hegcler ist in Buchjorm zu haben und durch die Erpedition des„Vorwärts" zu beziehen. WitternngSilverficht vom 11. September 1005, morgens« Uhr Stationen Swincmdc. Hamburg Berlin Franks.a.M. Mün che» Wien I B a« 760 WSW 760 SW 762 SSW 762|N 765 SSW 765 sStill Welter 4bedeckt öbcdeckt Ibcdeckt chRegen chwolkenl — jwolkenl ÖS s *11 -ö w Sd 15 13 15 15 17 17 Stationen L S 1 2 O-S' c c aparanda!747 etersburg! Scillh Zlberdeen Paris S B ZI SO NW 761 752, WSW 761 ONO K Welter wolkig 4halb bd. Icheiter Ibedeckt d%• ä 0 |a wSj 13 14 8 14 «vetter-Prognose für Dienstag, den 13. September 100ä. Ziemlich kühl, teilweise aufklarend, vorwiegend trübe mit leichten Regen- sällen und mäßigen westlichen Winden. Berliner Wette rbureau. Wafierstand am 8. September. Elbe bei Aussig-f 0,54 Meter, bei Dresden— 0,78 Meter, bei Magdeburg-s- 1,34 Meter.— Unstrut bei Swaußsurt-s- 1,40 Meter.— Oder bei Ratibor 1,88 Meter, bei Breslau Oberpegel-s- 5,02 Meter, bei Breslau Unterpegel— 1,36 Meter, bei Franksurt-st 1,54 Meter.— Weichsel bei Brahemünde -s- 2,57 Meter.— W a r t h e bei Posen— Meter.— Netze bei Usch + 0,98 Meter. Gegründet 1825.[ Berlin C. 25 HlexandeHPIatz. Neuheiten Herbst-Kleiderstoffen. 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Der Vorsitzende der Strafkammer in Potsdam, die am Sonnabend in der Berufungs- instanz in jenem Prozesse verhandelte, hätte die Verhandlung kaum anders leiten können, als er es tat, wenn er die Absicht gehabt hätte, das Urteil zu bestätigen, das sich in jener Ueberschrift unseres Aufsatzes ausprägte, das Urteil nämlich, daß es sich in dem Prozesz zwischen Amtsvorsteher und Arzt in Caputh um typische Zu- st ä n d e handelt, um Zustände, die sich in den Gutsbezirken der preußischen Landgemeinden allgemein vorfinden. Wir haben im Juni im Anschluß an den Prozcßbericht die geschicht- liche EntWickelung dieser Zustände beleuchtet und die Erwartung ausgesprochen, daß der Prozeß von Caputh Anlaß geben werde, den Kampf gegen die Gutspnvilcgicn, der das neunzehnte Jahrhundert hindurch von der Stein-Hardenbergischcn Gesetzgebung bis zur Land- gemcindeordnung Herrfurths gedauert hat, wieder aufzunehmen. Die bürgerliche Presse hat allerdings den Beweis geliefert, daß sie auch auf diesem ihr durch hundertjährige Tradition zukommenden Gebiete den Zusammenhang mit ihrer Ueberlicfcrung gänzlich vcr- loren hat: der Prozeß hat in der liberalen Presse keine nenncns- werte Beachtung gefunden. Vielleicht besinnt sich diese Presse auf ihre Aufgabe im weiteren Verlaufe der Angelegenheit; vielleicht wird die Verhandlung vom letzten Sonnabend, über die wir schon berichtet haben, einen kleinen Ruck in die träge Masse bringen, als welche sich die erwähnte Presse mit wenigen Ausnahmen gegenüber dem Falle Hartwig gezeigt hat. Der Präsident der Strafkammer gebrauchte im Laufe der Vcr- Handlung und selbst im Urteil, das er verkündete, wiederholt die Wendung, es handle sich eben um patriarchalische Verhältnisse; dxr Amtsvorsteher sei zugleich Gutsbesitzer, und wenn er als Guts- besitzer für ihn entwendete Kleinigkeiten einen vielfachen Ersatz von dem angeblich Schuldigen verlange, so habe das mit seinen Amts- vorstcherpflichten nichts zu tun, er dürfe in solchen Fällen die ihm von Polizei wegen obliegende Verpflichtung zur Strafanzeige unter- lassen und statt ihrer die gezahlte Entschädigung in seine Guts- vorstxhertasche stecken; eS wurde auch nichts dabei gefunden, daß der Amtsvorsteher, der für die Kosten der Polizciverwaltung in seinem Bezirk zum Teil aufkommen muß, 60 M. von einer Zigeuner- truppe in die Amtskassc zahlen läßt, weil die Zigeuner falsche Rad- fahrcrkartcn benutzt haben, ein Vergehen, das in keiner Weise in die Kompetenz des Amtsvorstehcrs gehört, es sei denn insofern, als er die Schuldigen der Staatsanwaltschaft zuführen müßte. Nach dem Urteil der Strafkammer in Potsdam trifft den Gutsbesitzer und „Amtsvorsteher von Thümen" auch nicht der leiseste Vorwurf, wenn er seinen von ihm zu besoldenden Stellvertreter Thurley anweist, 75 M. in die eigene Tasche zu stecken, die Thurley zur Verteilung an die Armen Capuths bekommen hatte: die Strafkammer findet es patriarchalisch begreiflich, daß Herr von Thümen in der An- Weisung des Geschenkgebers, daß die 75 M. verteilt werden sollten, die zarte Anspielung entdeckt hat, Thurley solle sie für sich haben. „Als Herr von Thümen erfuhr, daß die 75 M. für die Armen be- stimmt waren, hat er sofort dafür gesorgt, daß sie verteilt wurden," so hieß es wörtlich in den mündlich verkündeten Urtcilsgründen vom Sonnabend. Das Urteil ist aber in dieser Hinsicht in einem starken Irrtum befangen, denn es ist in beiden Instanzen festgestellt worden, daß der Amtsvorsteher von Thümen, als der Geber der 75 M. auf deren Verteilung an die Armen drängte, diesem einen keineswegs freundlichen Brief geschrieben und ihm angedroht hat, er würde evcnt. noch eine Rechnung für die Bemühungen des Herrn Thurley zu erwarten haben. Am 31. Mai vor dem Schöffengericht kennzeichnete Rechtsanwalt Werthauer den Fall, um den es sich handelt, dahin, daß eine noch nicht verjährte Amtsunterschlagung auf feiten Thurlcys und auf feiten Thümcns wegen des Briefes, den diese an den Geber der 75 M. geschrieben, Begünstigung borliege. Den Fall Faust hat das Urteil der Strafkammer nicht weiter in Betracht gezogen, obwohl er gerade für die patriarchalischen Ver- hältnissc in Caputh und das Verfahren des Amtsvorstehers und Gutsbesitzers sehr charakteristisch ist. Auf Veranlassung von Thümens hatte Thurley von der Frau des Arbeiters Faust 26 M. erpreßt unter der falschen Anschuldigung, daß Faust aus der Gutsforst 3 Akazien entwendet habe. Als Faust selbst von diesem patriarcha- tischen Geschäft zwischen dem Amtsvorsteher und seiner Frau etwas erfuhr, klagte er gegen von Thümen und Thurley und der Zeuge, von dem der Amtsvorsteher seine Wissenschaft haben wollte, der Ge- meindevorstehcr Wernicke, versagte vollständig und beschwor, daß er dem Amtsvorsteher Thurley auch nichts weiter gesagt habe, als die sehr wahren Vermutungen über Fausfs Täterschaft, die er bor Gericht bezeugte. Dieser Zeuge bekundete aber weiter, daß es sich um ein paar Bäume gehandelt habe, die höchstens 1— 2 M. wert gewesen seien. Staatsanwalt und Gericht fanden es Sonnabend ganz patriarchalisch in der Ordnung, daß von Thümen in solchen Fällen einen tüchtigen Aufschlag in Rechnung stelle und wie der Staatsanwalt sich ausdrückte, in solchen Fällen gleich ein ganzes Strafregister abbüßen lasse. Herr von Thümen aber hielt es doch für nötig, seinen patriarchalischen Aufschlag von 960 Proz. im Falle Faust etwas geringer darzustellen; er beschwor, daß es sich um 20jährige Akazien gehandelt hätte mit einem Werte von je 5 M.; selbst der Riese Machnow würde an einer 20jährigen Akazie artig zu tragen haben, Faust ist ein alter, schwacher, gelähmter Mann und soll 3 Stück solcher Akazien auf einmal geschleppt haben. Daß das Gericht in Potsdam für die patriarchalischen Verhält- nisse in Caputh ein so gütiges Verständnis bekundete, darf nicht wundernehmen, denn die Verhandlung selbst bewegte sich ebenfalls in patriarchalischen Formen. Als der Präsident die Zeugen zur Wahrheit crmahnt hatte, kommandierte er militärisch„Linksum, rausl". Wenn Zeugen bekundeten, wie es eine ganze Anzahl taten, daß sie, obwohl unschuldig der Entwendung von Holz oder Streu bezichtigt, dennoch die von ihnen verlangte Entschädigung an Herrn v. Thümen gezahlt hätten, bemerkte der Präsident ironisch, Caputher find noble Leute, sie zahlen, wenn man sie des Diebstahls bezichtigt, auch mit gutem Gewissen 5 M., 3 M. usw. Mehreren Zeugen gegen- über, die bekundeten, daß ihnen die Einquarticrungsgelder nicht ausgezahlt worden seien, und daß sie nach cineinhalbjährigem Warten die Ouartierzettel nicht mehr im Besitz hatten, erklärte der Präsident, warum haben Sie die Zettel nicht aufbewahrt, nun kann man Ihnen glauben, daß Sie nichts gekriegt haben, oder auch nicht. Die Zeugen, einfache Leute, verstanden diese Beleidigung wohl kaum, aber sie würden nach unserer Meinung sehr in ihrem Rechte sein, wenn sie sich darüber bei dem Vorgesetzten des Land- gcrichtsdirektors beschwerten. Einen für die Verhandlung charakteri- stischen Zwischenfall vcranlaßte der Staatsanwalt. Als einige Zu- Hörer— ein Offizier a. D., dessen Frau, die Frau des Angeklagten und wir Journalisten— bei einer etwas komischen Aussage eines Zeugen lächelten, ohne dabei im entferntesten laut zu sein, suchte der Staatsanwalt den Präsidenten zum Einschreiten zu veranlassen mit der Erklärung, die Zuschauer betrügen sich nicht anständig. Der Staatsanwalt blickte uns dabei mit imponierendem Grimme an, der Präsident ging auf die Anmerkung nicht weiter ein, als mit den Worten, daffir werde ich schon sorgen. Als sehr bald darauf bei einer anderen Gelegenheit der Staatsanwalt selbst und einige Richter lachten, bemerkte der Präsident:„Na, na, nicht lachen I". Wir heben auch diesen kleinen Zug hervor, weil er uns für das Milieu des Urteils vom Sonnabend bemerkenswert erscheint. Der Rechtsanwalt Josefsohn kennzeichnete das patriarchalische Verhältnis von Caputh dahin: Die Macht des Amtes und des Stärkeren fei gegen die Caputher vielfach ausgebeutet und gemiß- braucht worden. Das Entschädigungsverfahren des Gutsbesitzers sei eine offenbare Verletzung der Gesetze. Dr. Hartwig hat, damals»och mit v. Thümen befreundet, es versucht, gegen diese patriarchalische Gesctzesverletzung die Caputher zu schützen, zunächst durch einen freundschaftlichen Brief an Herrn v. Thümen. Die Antwort, die er darauf erhielt, mag als ein so charakteristisches Dokument am Schlüsse hier Platz finden. Der Gutsbesitzer antwortete, als er auf die Amtsführung seines Ver- trcters aufmerksam gemacht lvar:„Kümmern Sie sich nicht um Dinge, die außerhalb Ihres Berufes liegen. Die Erfahrung, die auch Ihnen nicht ganz abgeht, lehrt, daß man damit wenigstens nach einer Seite hin anstößt, es ist vorteilhaft, sich beide Seiten frei zu halten." Die Verlesung dieses wundervollen Briefes erregte anscheinend nicht das geringste Interesse bei dem Gerichts- hoft._ Bernhardt ausführte und auch die Diskussion ergab, herrschen: in diesem verantwortungsvollen und nicht gerade angenehmen Beruf die traurigsten Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Die elendeste Be-- zahlung für schwere Arbeit,' die teilweise mit dem Kassieren selbst gar nichts zu tun hat, daneben freche Mißachtung der Gesetzes- bestimmungen über die Sonntagsruhe findet man bei vielen Firmen, die durch große Reklame das abzahlungsfähige Publikum heran- locken. Einige Abzahlungsgeschäfte halten sich sogar nur Sonntags- kassierer; man findet tagtäglich in den Annoncenblättern wie„Lokal- Anzeiger" und„Morgenpost" derartige Stellenangebote, und es finden sich leider auch noch immer Personen— sogar Arbeiter, die es durchaus nicht gerade nötig haben, sollen sich dazu hergeben — welche sich auf diese Weise einen Nebenverdienst ver- schaffen, aber damit selbstverständlich den berufsmäßigen Kassierern schändliche Konkurrenz bereiten. Wer mit den Verhältnissen nicht bekannt ist, denkt vielleicht, daß der Einkassierer nur Geld herbeizu- schaffen habe. Das ist aber nicht so. Er hat auch die Waren, und meistens handelt es sich ja um schwere Stücke, wie Möbel, nach dem Kunden zu schaffen, ja.�er wird oft sogar gleichsam als„Mädchen für alles" ausgenutzt. So wurde von der Firma Kretschmann u. Ko. erwähnt, daß ibre Einkassierer auch mit Einholen, Stubenwischen, Fenstcrputzen und dergleichen nichr beschäftigt werden, und das alles für 20 bis 22 M. die Woche, und bei Bartel in der Zorndorferstraße sollen sie sogar auch als Teppichklopfer tätig sein. Die Waren müssen sie auf einem Hundewagen transportieren wollen sie es schneller und leichter machen und Pferd und Wagen mieten, müssen sie das aus eigener Tasche bezahlen. Wohl wurde in der Versammlung betont, daß derartige Arbeiten, wie sie den Einkassiererir aufgebürdet werden, leinen Menschen schänden, doch nützt man hier offenbar diese Leute als willenlose AuSbeutungs- objckte an Stelle besser bezahlter Arbeiter und Fuhrleute aus. Die tägliche Arbeitszeit der Einsassiercr erstreckt sich in mehreren Geschäften 13 Stunden und mehr. Es wurde erwähnt, daß sie bei Krause in der Kastanicn-Allee von 8 llhr morgen? bis 9 Uhr abends währt, bei Kaliski von 7— 3. Diese Firma soll sich auch durch elendeste Löhne— 12 M. und 2 Proz. von der Ein- nähme— auszeichnen. In dieser Hinsicht wurde auch noch be- sonders das Nühmaschinengeschäst von Littauer erwähnt, wo den Einkassiercrn 18—19 M. Wochenlohn garantiert wird. Wenn man bedenkt, daß die Einkassierer durchweg keine jungen Leute sind, sondern größtenteils Familienväter, so erscheinen diese Zustände um so unerträglicher. Vom Zentralverband der Handels-, TranS- Port- und Verkehrsarbeiter wird jetzt eine lebhafte Agitation entfaltet,� um durch die Organisation erträgliche Arbeitsverhältnisse zu schaffen. Um der gesetzlichen Sonntagsruhe Geltung zu ver- Ichaffcn, loird man, wenn andere Mittel fehlschlagen, die Hülfe der Behörden in Anspruch nehmen, wie das bereits in München mit Erfolg geschehen ist. Außerdem soll für die völlige Abschaffung deS Sonntagskassierens die organisierte Arbeiterschaft Berlins zur Mit- ivirkung herangezogen werden. In allen Versainmlungen wird man die Arbeiter auffordern, nur an Wochentagen Zahlungen zu leisten und sich außerdem zu erkundigen, ob die betreffenden Kassierer ihrer Berussorganisation angehören. Ferner werde» Vorarbeiten zur Durchführung eines einheitlichen Lohntarifes getroffen.— Die Versammlung nahm einstimmig folgende Resolution an: „Die versammelten Einkassierer der Abzahlungsgeschäfte Berlins protestieren gegen die jahrelang geübte Ausbeutung und Ausnutzung ihrer durch Gesetz festgelegten Ruhezeit am Sonntag. Die Ver- sammelten verpflichten sich, soweit sie noch nicht organisiert sind, Mann für Mann ihrer Berufsorganisation, dem Zentral- verband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter beizutreten, um mit dessen Hülfe in allernächster Zeit mit allen zu Gebote stehenden Mitteln die vollständige Sonntagsruhe zu erringen. Die bereits im Verbände organisierten Einkassierer rechneu bei ihrem Vorgehen zur Erringung der schon seit 15 Jahren gesetzlich gewährleisteten Sonntagsruhe auf die tatkräftigste Unterstützung der Berliner Bürgerschaft, besonders aber der Berliner Arbeiterschaft, indem sie aufgefordert wird, von jetzt ab ihre Zahlungen an Sonntagen zu verweigern und nur an Wochentagen kassieren zu lassen. Des weiteren protestieren die Versammelten gegen die sogenannten SonntagSkassierer. Spezialität einiger Abzahlungsgeschäfte ist es, Sonntagskassierer zu beschäftigen. Es sind dies meistens Leute, welche zu feige sind, durch Beitritt zu einer modernen Gewerkschaft ihre Löhne auf eine Höhe zu bringen, wie sie von den organisierten Arbeitern bisher errungen wurden und nun zur Er- langung von ein paar Biergroschen den festangestellten Kassierern das Brot nehmen und das große Heer von Arbeitslosen noch ver- größer» helfen. Die organisierte Arbeiterschaft fordern wir auf, in jeder Werkstatt, in jedem Betriebe nach diesen SonntagSkassierern Umschau zu halten und ihnen ihre verwerfliche Handlungsweise vor Augen zu führen. Von der Polizeibehörde erwartet die Versammlung, daß sie Sonntags ihr Augenmerk auch auf die Einkassierer richtet und von jetzt ab jeden Unternehmer zur Verantwortung zieht, der im Interesse seines Gcldsacks sich über die gesetzlichen Bestimmungen hinwegsetzt." . verwende man zur wasche und zu allen Reinigungsar- beiten im haushalte und lasse � alle Zutaten sort. 5unlight- � Seife allein genügt, um Zhre l.......- vollständig zu reinigen.§ie können mit dieser 5eife Alles waschen, was zu waschen ist-— die seinsten bpitzen, die gröbsten Wäschestücke— /und Alles reinigen, was gereinigt werden muß: holz. 'vielen. Gelanstriche. Rüchengeräte ic. Sie ist ausgiebig und billig. Jede haussrau ist über den Erfolg entzückt. Niir den Inhalt der Inserate überniiinnt die Nedaktion dem Publik»»» gegenüber keinerlei Berautivortnng. HKeater. DtenStag, 12. September. Anfang VI, Uhr: Opernhaus. LaTraviata(Violetta). Schauspielhaus. Ein kritischer Tag. Neues. Ein Sommernachtstraum. Westen. Der Zigcimerbaron. Zentral. Die Geisha. Thalia. Bis früh um Fünse! Anfang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner- Theater.) Der G'wissenswurm. Schiller»i.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Die Logen- brüder. Lesstng. Die Erziehung zur Ehe. Hieraus: Die sittliche Forderung. Residenz. Die Höhle des Löwen. Trinnon. DaS Ende der Liebe. Carl Weih. Geschloffen. Belle-Alliauce. Ben Ali Bey. Luisen. Kabale und Liebe. Deutsch- Amerikanisches. Aber, Herr Herzog l Kasino. Der Adelsnarr. Metropol. Aus ins Metropoll Apollo. Ein Wcnd in einem amerika- Nischen Tingcl-Tangel.— Am HochzeUSabcnd.— Spezialitäten. Herrnfeld. Die Meyerhains. Wintergarten. Lote Füller. zialitaten. Berliner Prater-Theater. rechte Weg. Paffage. Poldi Auguftw. Tacianu. 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Mittwoch, abends 8 Uhr: Nor».(Ein Puppenheim.) DoniierStag,abends8llhr: Ria Wlnteruiärchen. Sl. Berliner Saison. Zirkus Suseb Donnerstag, den 14. September, abends?'/- ühr: Gala- Premiere. Bllleliprelse: II. Platzs 1 31., Galerle SO Pf. Die Zirkuskassen sind von Montag, den 11. September, ab täglich von 10 Uhr an geöffnet. Billetts sind femer zu haben: beim Invaliden dank. Unter den Linden 24 und im Warenhnna Werthelm, Leipzigersir. 132/133. 33/2* Friedrichsberg. Fernsprecher Nr. 8. Dienötag, den 12 Prankfnrtcr- Chaussee 5. Große Soiree der September: führmann- �lalde-Sangcr iiay Bons haben Gültigkeit.-VE Während der Winter- Saison finden diese Soireen jeden Mittwoch statt. Nach der Vorstellung: M�pamHten sKranzchen.�i I 38712 Gcbr, Arnhold. Fröbels illerlei-Theater Schönhauser Allee Nr. 148. Heute: Heine Vorstellung. Morgen Mittwoch der beliebte Sonder-Zlbend. 10 neue Attraktionen. Die Macht des Liedes. Bolksstück von Kneiscl. « Extratanz. X Kaffeeküche. Ansang ill7 Uhr._ Entree 30 Pf. Palast-Theater früher Feen- Palast, Burgstr. 84, Eingang Wolsgangslratzc, viS-a-viS d. Börse. 2 Min. v.Bhs. Börse. Das phänomenale Elitcprogrnmm. \l KiustiiuiiiraerQ 1. Ranges. Hut das Seste vom Kksten! Per kohrpost. Schwank in einem Akt v. M. Rcichardt. Ansang 3 Uhr. Entree 50 Ps. Familienkarten sind in allen Barbter-, Friseur- u. Zigarren- gesd>äften sowie im Theater- bnreau unentgeltlich zu haben. n* Eröffnungs- Programm. Lote Füller die berfibmle Phantasietänzerin. Louise Biet Pariser Sängerin. 4 Luckens amerik. Gymnastiker. Slsters Gasch Akrobatinnen. Kapitän Woodward dress. Seehunde u. Seelöwen. Bedlni und Artur amerikanische Exzentriks. Die mysteriösen Husaren. Edith Helena amerik. Sängerin. Die Trombettas Italien. Duett. Paul Spaden! Kraft-Jongleur. „In Japan" Ballettdivertissement. Tina Clementa Pferd- und Hnndedressur. HMA Oer Biograph.-M» Prater-Theater Kastanien-Alice 7—9. Heute: Der rechte Weg. Volksstück mit Gesang in 4 Akten. The Kieffers Pautomime. Mizzi u. Geza Varadi-Ouett. Pantomime. Spezialitäten. Ball. Schlust der Saison Vrcltag. RS. 8cptcml»cr. Zlnsang 4 Uhr. Eintritt 30 Ps. Numerierter Platz 50 Ps. Gustav Behrens Spezialitäten- Tlieater Frankfurter- Allee 85. Täglich das großartige September-Programm Sine tolle Kacht. Große Posse mit Gesang. Grosser Lacherfolg.-Mg -Otto Pritzkows Berliner f JltinzKtr. 16. Jocki Tocki tho Elastic Skin Man. Der Mensch mit der Gummihaul. Mne-Mno-Mni??? ' Entree ÄO PI.' Vereine. Habe noch Sonnahendo und Sonntage Saal mit Bühne z» vergeben.[* Eberts Neues Klubhaus. Kommandantenstr. 72.(Amt I. 3651.) Ldeferant für alle 4295L* Krankenkassen Victoria- Bad Kottbuser Damm 75 vls-a-vis Hohcnstanfcnplatz Amt IV 8152. Friedr. Wilhelms-Bod Chausseestraße 81 vis-a-vis Idescnstrnße. Amt II 4496. Sämtliche Bäder. Auch für Damen täglich sämtliche Schwitz- und — Baanage• Bäder. Sanssouci Kottbuserstr. 4a. Etat, der Hochbahn. Direktion: Wilhelm Reimer. SV Heute Dienstag:-�arj Erstes Gastspiel des Löv/e-Ensemfale: Der Hüttenbescher. Schauspiel in 4 Aufzügen von Ohnet. Morgen Mittwoch: Gastlpiel des Löwe-Ensemble: 0ori und Stadt. l�eickskgllen. Täglich: Stettiner Sänger. K üI'SZ' rio* ELYSIUM. Kommandantenstr. 3-4. it/ Vollständig neu renoviert. vU Auftreten v. 36 erstklassigen intern. Spezialitäten. Geöffnet von 10 Uhr früh bis= 0 12 Uhr nachts. lloritzplatz. Täglich 0* in den untere» Sälen � (iottsckalk-Koniert. Kegelbahn noch frei.—— TeldsehlöBeheti /nällerwtraße 148. Heute 15396 ioiuie jeden Dienstag: r�offmanns Nordd, Sänger (Direktion: Fr. Fanther). Entree 30, reserv. 60 Ps. BorzugSkarten Gülttgfcit. Nach der Vorstell.: Tanz. Wtüd Kaucü. ÜPpa-S IccinciB Raucbt Pre-Ussina Pre-Ussiaa Pre-Ussina Pre-Ussina Zigarren überall käuflich. Für Wiedervcrfäuser zu haben bei 4S92L* H. Prouss, Swinemünderstr. 66, I. Zigarren- u. Tabak-Fabrik und Engroslager. ggn WN Ib Bekannte, billigste u.'reellste Bezugsquelle nur für Wieder-' Verkäufer. 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Dieielben bieten reiches Material zur Geschichte der Partei, ihrer Grundsätze, Kämpfe und Tattik. Wir heben nachstehend die Haupt» punlte der Verhandlungen aus der jeweiligen Tagesordnung hervor: Halle. 1896. Neuoraanisatton; Programmrede Liebknechts: Stel- lung zu Streiks und Boykotts; Auseinandersetzung mit den.Un- abhängigen". 50 Ps. Erfurt. 1891. Festsetzung des Programms: Programmentwürfe; Ausschluß der„Unabhängigen" z Tattif der Partei. 50 Ps. Berlin. 1898. Vergriffen. Köln. 1893. Gewerfschastsbewegung-, Antisemitismus: Wahlrecht und Be« teiligung an preußischen Landtags- Wahlen. 40 Ps. Frankfurt. 1894. Budgetbewilll- gungS-Frage in den Landtagen; Agrarfrage; Trusts; Ringe und Kartelle. 25 Pf. Breslau. 1895. Agrarprogramm; Hausindustrie. 30 Ps.; gebd. 50 Ps. Gotha. 1896. Vergriffen. Hamburg. 1897. Prcuß. Landtags- Wahlen; Militarismus. Brosch. 35 Ps.; gebd. 60 Ps. Stuttgart. 1898. Koalittonsrecht: Bergarbeiterschutz; Prcuß. Landtags- Wahlen: Zoll- und Handelspolirif. Brosch. 35 Ps.; gebd. 60 Ps. Hannover.1899. Bernstein-Debatte; ZuchthauSvorlage; Militärsrage. 50 Ps. Mainz. 1900. Weltpolitif; Ver. kehrs- und Handelspolitif: Tafttl bei den LandtagSwahlen: Anhang: Bericht über die Frauenfou�cnz. Lübeck. 1901. Vergriffen. München. 1908. Vergriffen. Dresden. 1903. Vergriffen. Bremen. 1904. Maiselcr, Slmster- damer Kongreß: Organisattons- frage; Fall SchiPPcl; dritte Fraucnkonserenz. Brosch. 70 Ps.: gebd. 1 M. Ferner empfehlen wir die Schrist der Genossin Roland�olst über „Generalstreik und Sozialdemo- kratie- mit Vorwort von Kautsly zur Anschaffung, da die Frage des Generalstreils aus dem Parteitage zu Jena zu lebhaften Debatten fuhren und vorstehende Schrist Gegenstand eingehender Erörterung sein dürste. Der Preis beträgt 1,20 M. 265/1- wohnt jetzt: H ohoo thaler- Dr. Lell Strasse 86 II. Homöopath und Spezial-Arzt für Haut-, Harn- und Gcschl.-Lciden. 11—2 u. 5—8. 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Cnn Ipvrtlichcr Verband, welcher sich den schönklingendcn .kamen„ttrbeiter Radfahrerbund Freiheit" zugelegt hat, scheint auf diesem Gebiete erstaunliches zu leisten, wenn man sich folgende festgestellte �atfache vor Augen führt: Der Radfahrcrvercin ..Brcnnabor in Bernau, welcher dem erwähnten Bunde angeschlossen ttt, veranstaltete am Sonntag, den 6. August, in dem gesperrten Vo„Kaiscrgartcn" ein Vergnügen. Da die Parteigenossen von -Bernau noch in letzter Stunde hiervon Kenntnis erhielten, setzten sie alle Hebel in Bewegung, um dieses Vergnügen zu inhibieren; der Vorsitzende deS Verein?, ein Zimmererpolicr, von den Genossen darüber zur Rede gestellt, tat den denkwürdigen Ausspruch:„Alle Lokale, welche Schultheißbier führen, sind frcil" Daß die Bundes- leitung, welche, sich in Berlin befindet, Kenntnis von der Sache hatte, geht daraus hervor, daß dem Wirt versprochen wurde, daß etwa 500 Radfahrer aus Berlin zu dem Feste kommen würden, und daß ferner die drei Vereine„Stern"-Verlin,„Voran"-Verlin und .,Komet"-Rixdorf programmäßig dazu bestimmt waren, auf diesem Feste Reigen zu fahren. Ferner kommt noch hinzu, daß die Führer des Bundes am Vormittag desselben Tages, an welchem das Fest stattfinden sollte, den Wirt zu bestimmen suchten, sein Lokal frei- zugeben. Der Wirt lehnte dieses jedoch ab. Die Bernauer Partei- genossen hatten aber doch mit ihrem energischen Eingreifen erreicht, daß die große Mehrzahl der aus Berlin erschienenen Radfahrer nach dem Korso nicht das gesperrte Lokal, sondern die für die Arbeiter- schast freien Lokale aufsuchten. Ganz anders liegt aber die Sache im nächsten Falle, welcher sich in Zehdenick abgespielt hat. Vor uns liegt die Nr. 131 des „Zehdenicker Tageblattes", vom Donnerstag den 17. August 1905. In diesem Blatte, welches sich als„Amtliches Publikationsorgan" bezeichnet, ist folgendes Eingesandt zu lesen: „Bei dem am Sonntag hier abgehaltenen StifhingSfeste des Radfahrervereins„Zufriedenheit", an welchem«chlreiche auswärtige dem Radfahrerbunde„Freiheit". Bcrlm, angehörende Vereine teil- nahmen, ereignete sich folgendes: Als der Korso die MoltKstraße passierte, stand daselbst der Schuhmachergeselle Kl. aus der Tamm- Haststraße und rief den fremden Vereinen unter den unglaublichsten Gebärden fortwährend zu:„Das Lokal ist gesperrt!" Die fremden Teilnehmer glaubten einen plötzlich irrsinnig gewordenen Menschen vor sich zu haben.— Wenn Herr Kl. glaubte, durch seine Zurufe die Berliner Vereine davon abzuhalten, das Schlegelsche Lokal zu betreten, so hatte er sich geirrt. Den Mitgliedern des Radfahrerbundes„Freiheit" ist es ganz gleich, ob ein Lokal gesperrt ist oder nicht, denn der Bund treibt keine Politik, am allerwenigsten solche, die Herr Kl. vertritt. Das hätte sich derselbe aber auch selbst denken können, da doch der vorauffahrcnde Bundesvorsitzenhe eine schwarzweißrotc Schärpe trug. Hauptsächlich war das Ganze wohl auch nur ein Racheakt gegen den Wirt Schlegel, weil dieser den Kl. aus seinem Lokale gewiesen hatte, da derselbe vor etwa einem Jahre in einem Faß Neunaugen, das auf dem Schanktisch stand, in Abwesenheit des Wirtes„geangelt" hatte und die dasür ver- langten Gebühren nicht bezahlte. Trotz dieses Zwischenfalles ist das Fest sehr gut verlaufen, was die Einnahme in Höhe von 150 M. beweist. Mehrere Mitglieder des Radfahrervcreins„Zufriedenheit". Um die ganze Dreistigkeit dieser Erklärung zu verstehen, sei mitgeteilt, daß der Schuhmacher Kl. der Genosse Klammer, früherer Vorsitzender des dortigen Wahlvercins ist. Klammer hat nun in Gemeinschaft mit den übrigen Zehdenicker Parteigenossen vollauf seine Pflicht getan, indem er den Berliner Radfahrern klar machte, daß das Schlegelsche Lokal gesperrt sei.(Frei ist nur das Lokal von Buchholz.) Nicht nur allein, daß die Berliner Nadfahrer trotz der Warnung in dem gesperrten Lokal einkehrten, kommt man noch her und verhöhnt und verleumdet in einem Wurstblatt unsere Partei- genossen, welche ihre Schuldigkeit getan haben. In der letzten Nummer des„Freien Radler" vom 1. September(das Organ des .Freiheit"-Bundes) wird der Verein„Zufriedenheit", Zehdenick, als neuester Bundesverein aufgeführt, mit dem Bemerken, daß sich das Vereinslokal bei Schlegel befindet. Was nun die Verleumdung in betteff der Neunaugen anbelangt, so sei bemerkt, daß der Genosse Klammer bereits Schritte unternommen hat, um die Verleumder zur Rechenschaft zu ziehen. Wenn diese Vorkommnisie nun auch bereits einige Zeit zurück liegen(die Kommission hat erst jetzt davon Kenntnis erhalten), so sind wir der Meinung, diese Angelegenheit der Oeffentlichkeit noch nachträglich unterbreiten zu müssen. Denn wenn man in Betracht zieht, wie schwer es den Genossen in der Provinz wird, ein freies Lokal zu erhalten, so ist es gar nicht zu begreifen, wie Berliner Rad- fahrervereine den schiverstcn Botzkottbruch begehen können und so den Genossen in der Provinz in den Rücken zu fallen. Die organi- sierten Arbeiterradfahrer werden deshalb gut tun, sich einer der- artigen sportlichen Vereinigung fernzuhalten. Die Lokalkommission. 6. Wahlkreis. Sonnabend, den 10. September, feiern die Partei- genossen des Wedding und der Oranienburger Vorstadt in den Germania-Festsälen. Chausseestt. 103, ihr Herbstsest. Da daS Programm sehr reichhaltig ist— GesangSaunührungeu des Gesang- veremS Nordwacht, Spezialitäten- und Theatervorstellungen der Volkssängergesellschaften H. Anke und H. LewandowSki, Konzert von zwei Kapellen der Zivilmusiker— so ist allgemeines Amüsement wohl borausKlsogcn. Billetts sind bei den BezirkSfuhrcrn zu haben. Serliner I�ackrickten. Berlin und die Fleischnot. Professor Dr. Meinhard E b c r t. der Verfasser des auch von unS erwähnten Artikels in Nr. 19 der„Kommunalen Praxis", schreibt dieser von unserem Parteigenossen Dr. S ü d e k u m heraus- gegebenen Zeitschrift zu der Frage, wieviel Schweine Berlin auf seinen Rieselfeldern füttern könne:«... Berlin hat 60 000 Morgen Land. Dns„Berliner Tageblatt rechnet, weil Kleinbetticb, aus 10 Morgen ein Schwein und kommt so auf 6000 Schweine. DaS ist sicherlich viel zu wenig! Man mutz nicht vergessen, daß ans den 10 Morgen noch sehr vieles andere geschieht als Schweinezucht, daß das Schwein nur Nebenerzeugnis ist, oft recht vernachlässigtes Nebenerzeugnis! Man muß zum Ver- gleich nicht unsere guten, sondern Schweinefarmen heranziehen. Nun rechnet man aber selbst in dem nördlichen und desr>alb weniger fruchtbaren Kanada 25 Schweine auf 3!« biS.7V4 Morgen nach einer amtlichen Enquete. Was die Kanadier können, können die Berliner viclemal. Wer rechnen wir vorsichtig, ängstlich sogar und ganz ohvc zu berücksichtigen, wieviel anders ein Morgen unter warniem Berliner Rieselwasser ttägt als auf der kanadischen Prärie. Rechnen wir. haß von den 60 000 Morgen nur 50 000 zur Schweinezucht kommen und daß je 25 Schweine 7% Morgen beanspruchen,(o gibt das 7X25x1000=173 000 Schweine. Dabei ist auf daS Beifutter der städtischen Abfälle noch gar nicht geachtet. Die Forderung, um 100 000 Schweine zu züchten, war also äußerst mäßig! Legt nian nicht die schlechtesten Annahmen zugrunde, sondern eine größere Annäherung an die günstige Wirklichkeit und dazu die Abfallvcrwerttmg, so kommt man ganz gut auf eine drittel Million für eine spätere Praxis. Tun es die Vororte mit ihren Nieselgütern der Hauptstadt nach, so wird sich Groß-Berlin eine halbe Million Schweine selbst erzeugen, dreiviertel Million schlachtet es! Weiter schreibt Professor Dr. Ebert: Das„Berliner Tageblatt" spricht der Berliner Gemeinde- regicrnng Mut zu, damil sie wagt, auf ihren 00 000 Morgen Land 0000 Schweine zu ziehen! Es meint, wenn sie„Courage" hat, wird sie es sogar wirklich tun. Es verspricht dasür 100 000 Mark Risikoprämie. Ist denn die Schweinezucht wirklich ein so gefährliches Handivcrk? Jeder Landpfarrcr treibt sie, jeder Dorfschulmeifter versteht sie, der sprichwörtliche Bauer, der die größten Kartoffeln hat, hat die entsprechenden Schweine dazu! Wenn der Bäckergeselle sich in der Provinz selbständig mackü und sich ein Weib anschafft, schafft er sich auch zwei bis drei Schweine an; wenn der Maurer oder Zimmerer aus der Provinz nach der Großstadt zur Arbeit zieht, mästet daheim seine Frau unter den elendesten Lebensbedingungen ein Schwein oder zwei, die ihm das Rückgrat zum Streiken stärken; wenn der Hüttenbesitzcr in Obcrschlcsien die Humanität kriegr und Arbeiterhäuschen baut, so baut er seinem letzten Karrcnschiebcr einen Schweinestall dazu, damit dieser mit mindestens sechs Beinen an die Scholle gefesselt ist. Alle diese Dilettanten- und Amatevrkräfte der Schweinezucht— die Dauern eingeschlossen— brauchen nicht erst Mut zu fassen dazu. Sie sind ihres Erfolges sicher! Denn das Schwein verträgt die zweckwidrigste Haltung; es frißt sich durch und sogar fett dabei. Dann braucht Berlin gewiß keinen besonderen Mut. Berlin mit seinen Tier- und Pflanzenphpsiologcn und Ticrzuchtprofessoren und Bakteriologen I Und vor alleni mit seinen Kaufleuten I Mit seinen Viehhändlern und Getreidehändlernl Der Mut soll die Angst überwinden. Aber nun ist die Schweinezucht sehr gewinn- bringend, und jetzt außerordentlich gewinnbringend. Dieses bei un- tauglichen Mitteln in ungeschicktesten Händen. Wieviel einträglicher muß sie sein bei sachverständiger Leitung und bei den städtischen Vorteilen, den Weiden, wo das Futter dem Rieselwirt in üppiger Fülle— häufig allzu üppiger Fülle— cnt- gcgenqnillt, den idealen Futterabfällen und den großen Abschlüssen l Diese Abschlüsse werden die Grohviehhändlcr ne den äußersten Anstrengungen im Gemcindodienst locken bei Anschaffung des Mager- Viehes, falls Exzellenz Podbielski die versprocbenen Ferkel gerade so liefert wie die versprochenen billigen Schlachtschweine auf September und die Getreidehändlcr die Beschaffung des Körncrfntters. Wenn der kleine Mann beim kleinen Händler eine kleine Portion Mais kauft, so ist erfahrungsgemäß die Schweinezucht lohnend.— Dann muß sie zur Goldgnchc werden mit dem Beistand der Börscnleute, dem Beistand irgend eines von den gewiegten weitblickenden Kauf- leuten, der in fünf Minuten 50 Kahnladungen Futtcrgctrcide ab- schließt, und im Durchschnitt so günstig, daß alle Agrarier schimpfen. Wenn jemand da noch den Stadtgewältigen Mut zuspricht. muß man lächeln. Welche Einschätzung der Gcmcindelenkcr von ihren nahen Freunden, wenn diese meinen, jene brauchten bei solcher Sachlage noch zur Schweinezucht Extra-Courage! Der RcsevesondZ der Berliner Sparknsse betrug am 1. April d. I. rund 2öVi Millionen Mark; die Zunahme stellt sich danach für da? Jahr 1904/05 auf rund Z'/g Millionen Mark bei einem Vermögen der Sparkasse von rund 338 Millionen Mark nach dem Kurswerte vom 31. März 1905 und einem Guthaben der Sparer von rund 310'/„ Millionen Mark. Angesichts dieser gnnsiigcn Finanzlage habe» die Äinistcr der Finanzen nnd de? Innern genehnngt, daß ein Teil der Ueberschüsse der Sparkasse zu allgemeinen Zwecken verwandt werden dürfen. Die Rotzkrankheit hat in der letzten Zeit in Berlin, den Vor- otte» und in der Provinz Brandenburg zugenommen. Es haben bereits eine Menge Pferde getötet iverden müssen. Die sämtlichen Pferde des II. Brandenburgischen Dragoncr-Regimentö(Schwedter). Kommandeur Prinz Heinrich Albrecht von Preußen, sind wegen Rotz- Verdachts ans dem Schießplatz in Jüterbog in Baracken untergebracht. Das Regiment kann weder am Herbstmanöver teilnehmen, noch in seine Garnison zurückkehren. Die Pferde sind vermutlich auf dem Marsche angesteckt worden. Die Fitrstenivalder Ulanen können ebenfalls an de» Korpsmaiiövern nickt teilnehinen, weil unter deren Pferden die Brustseuche ausgebrochen. Aus all' diesen Gründen wird jetzt von der Veterinärpolizei eine scharfe Aufsicht über Pferde und auch über verdächttge Stallungen ausgeübt. Die Pnnzriignsse, nicht zu verwechseln mit der Prinzen st r a tz e eine der ältesten Berlins, wird gänzlich eingehen. Die Prinzengasse verbindet den Schinkcl-Platz mit der Niedcrlagstraße. Die Bank für Handel und Industrie(Darnisiädtcr) möchte zur Vergrößerung ihrer Geschäftsräume das ungefähr 300 Quadratmeter große Straßen- gelände zum Preise von rund 210 000 Mark vom Magistrat kaufen und dann bebauen. Da die Prinzengasse keinen Verkehr hat, und weder die Ticfban-Deputation noch der Polizeipräsident Bedenken wegen der Einziehung der Gasse haben, so wird der Magistrat der Stadtverordneten- Versammlung die Annahme des Angebotes empfehlen. Die Wünsche der FahrkartcuanSgeber. Unter den Fahrkarten- ailSgebcrn der Eisenbahn zirkuliert zurzeit eine Petition, die, mit den Unterschriften sämtlicher hiesigen Beamten versehen, dem Ver- kehrSministcr überreicht iverden soll. Sie bitten um die Bewilligung der Stellenzulage und bezeichnen sich selbst als eine„übersehene Veamtenkategoric". indem sie hervorheben, daß fast sämtliche Be- amte der Eisenbahn in den letzten Jahren die sogenannte Stellen- znlage erhielten, die sich in Höhe von 100 bis 200 Mark p. a. bewegt._ AnS der Praxis des MSrdcrfangcS. Zur Bluttat, in Zeuthen, über die wir in einem Teil doS Blattes vom Sonntag berichtet haben, wird uns noch gemeldet: Ueber den Pflichteifer der Behörden bei der Suche nach dem Mordbuben stimmen bürgerliche Blätter ein Loblied an; sie sind begeistert von den„e n c r g i e v o I l und mit Eifer betriebenen Nachforschungen". Der„Lokal-Anzeiger" wußte sogar bereits in seiner Somuagsausgabe zu berichten, daß noch Sonnabend abend spät eine von KönigS-Wusterhausen erschienene Gcrichtskommission „bei Fackelbeleuchtung" den Lokalbesund festgestellt habe. WaS ist tvahr, was bleibt übrig von der„fieberhaften Tättgkeit" der Behörden? Die Leiche der Ermordeten wurde aufgefunden am Sonnabend- nachmittag gegen 5 Uhr. Spätestens um 0 Uhr war die Amt?- anwaltschaft in Königs-Wuster Hausen benachrichtigt: aber auf das Erscheinen der Gcrichtskommission wartete die aufgeregte Devölke- rung von Zeuthen vergeblich. Und ungehindert konnte von jedem einzelnen Neugierigen der Tatort betteten werden und unter Um- ständen der Ort ein ganz anderes Aussehen gewinnen. Abends Uhr noch mußte sich der Hofkammcrförstcr Thcile tclephonisch Instruktionen erbitten darüber, ob daS Eintreffen der Gcrichtskom- Mission noch für den Sonnabend zu gewärtigen pder ob Nachtwache zu stellen sei. Beim Scheine einer Bahnlaterne wurde schließlich Wache gehalten. Die Gerichtskommission aber traf Sonntag vormittag 9Uhr ein, also volle 16 Stunden nach Anmeldung der Tat. Wie, wenn inzwischen ein starker Regenguß etwa alle Spuren verwischt hätte? Um 10 Uhr vormittags war der„Lokalbesund" beendet. Jetzt geschah auch, was bereits 10 Stunden vorher hätte geschehen müssen: der Tatort wurde abgesperrt, wenn auch nur durch eine Leine. Als eine Person aus dem zahlreich erschienenen Publikum in die Worte ausbrach:„Endlich nach 20 Stunden!" begann auch die fieberhafte Tätigkeit der Behörde äußerlich bemerkbar zu werden. An das Publikum erging die Aufforderung, den Platz zu räumen ünd auseinander zu gehen und zwar von der Drohung begleitet, daß anderenfalls der Gendarm„stampfen" werde. Was dies Wort zu bedeuten hat, ist uns bei unserer geringen Kenntnis der behördlichen Terminologie nicht klar. Eine kleine Episode sei noch erwähnt, die für den Fall an sich nicht weiter in Betracht kommt, aber zur Naturgeschichte des Be- ainlentumS in nächster Nähe von Berlin immerhin als interessanter Beitrag gelten kann. Ein Freund unseres Blattes richtete an den vorhin erwähnten königlichen Forstmeister die Frage, ob Vor- t r e t c r der Presse bei dem Lokalbesund zugegen sein dürften. „Nun ja." meinte der Beamte,„das schon, aber nicht der Reporter jedes Wurstblattes. Welche Zeitung vertreten Sie dcnn?" war weiter die Frage.—„Den„V orwärt s".—„Den„Vorwärts"? Ausgeschlossen! Wochtmeister, entfernen Sie den Herrn I" Mit der beruhigenden Versicherung, daß er sehr wohl ohne Bemühung de? Gendarmen seinen Weg zu finden wisse nnd der Bitte, diesen Beamten lieber zu not- wendigerer und nützlicherer Tätigkeit zu verwenden, entfernte sich unser Gewährsmann. Uns amüsiert natürlich die merkwürdige Auffassung vom Wesen der Staatsrettung, die der Forstbeamtc hier der Oeffentlichkeit preiszugeben die Freundlichkeit hatte. Er scheint vom Geist deS hochscligcn Herrn v. Oppen noch in sich zu tragen. Vielleicht bedeutet ihm aber gelegentlich ein erfahrener Krimi- nalist, daß ein Mord denn doch eine ernste Sache ist, bei der es sich von selbst verbietet, die Presse von seinem staatsrettenden Stand- puntt aus zu behandeln._ Ter Maurer- und Zimmcrmrifier John rniS Fürstcumaldc, welcher bekanntlich au der HcdlvigSkirche in Berlin vor einiger Zeit einen lieber fall auf einen Kassenbcamtenbcgiitg, aber wegen Geisteskrankheit nicht zur Veraniwartung gezogen werden kann, wird voraussichtlicb in nächster Zeit als geheilt aus der Irrenanstalt entlassen werden. Der Bankier Koehlcr in Fiirstcnwaldc, welcher der Konkursverwalter in dem Johnschen Konkurs, bei dem viele Handwerker große Verluste er- leiden, ist, machte diese verblüffende Mitteilung in einer Gläubiger- Versammlung, die zu Fiirstcnivalde im„Deutschen Hause" stattfand. Es kam dabei zur Sprache, daß die Buchführung im Johnschen Baugcschäft eine derartige gewesen ist, daß sich niemand daraus zurccht finden könne. Nun soll Georg John in nächster Zeit persönlich nach Fürstenwalde kommen, um Auskunft über viele Geschäfte zu geben. War man über den Irrsinn von so kurzer Dauer in den Gläubtgerkrciscn überrascht, so war man dieS noch mehr über die Mitteilung, daß beabsichtigt sei, mit den Verwandten des Schuldner? einen Vergleich herbeizusührcn. Man griff den Direktor der Rcich§ba»riiebciistcCle zu Frankfurt a. O. an, Iveil er zugunsten einiger Gläubiger ein bei der Reichsbank von John hinterlcgtcS Deposittim verwendet haben soll, statt solche? der Masse zuzuführen. Wie hoch die Aktiva und Passiva in dem Johnschen Konkurse sind, hat sich nach allem bisher noch nicht genau feststellen lassen. Ein Familieudraiita. Ten eigenen Sohn und dann sich selbst getötet hat die Arbeiterfrau Auguste Sädler. Sie lvarf gestern früh vor 5 Uhr ihren fünfjährigen Sohn Kurt auS dem Fenster ihrer im 5. Stockwerke im Oucrgcbäude des Hanfes Dorkstraße 75 belegenen Wohnung auf den asphaltierten Hof hinab, trank dann Lysol nnd stürzte sich selbst auf den Hof hinab. Beide Personen waren sofort tot. Die Beweggründe zur Tat dürften in ehelichen Zwistigkeitcn zu suchen sein. Die Leichen wurden nach dem Schauhause geschafft. Dazu wird�noch von anderer Seite gemeldet: Frau Sädler, geb. Schulz, stammt aus Salau im Kreise Militsch. Sic war mit ihrem Mann seit sieben Jahren verheiratet, lebte aber zuletzt von ihm getrennt. Tie Schuld an den unglücklichen Ver- Hältnissen, die zur Trennung führten, soll sie selbst treffen. Sädler, der als ein ordentlicher und fleißiger Mann geschildert wird, hatte auch die Ehescheidungsklage eingereicht. Letzte Ostern zog seine Frau, die nach der Trennung zunächst in Ripdorf wohnte, nach der Dorkstraße 75, wo sie von dem Bäcker Kretschmannschen Ehepaar ein Zimmer abmietete. Ihren Sohn holte sie sich mit Erlaubnis deS Mannes jeden Sonnabend abend von Maricndorf nach Berlin mit der Verpflichtung, ihn Sonntag nachmittag zurückzubringen. Das hatte sie bisher auch immer getan. In den letzten vierzehn Tagen wurde das Wesen der Frau, die ihren Lebensunterhalt durch Schnei- dcrn nnd andere Arbeiten erwarb, immer aufgeregter. Es hing das wohl damit zusammen, daß in der Scheidungsklage in dieser Woche eine Verhandlung stattfinden sollte. Tie Frau ließ merken, daß sie sich scheute und am liebsten mit ihrem Kinde sterben möchte. Vorgestern war sie den ganzen Nachmittag sehr aufgeregt. Entgegen der übernommenen Verpflichtung behielt sie den Knaben bei sich. Gestern morgen gegen 5 Uhr nahm sie ihn aus dem Bett, kleidete ihn und sich an und warf ihn dann aus dem Fenster ihrer Stube auf den asphaltierten Hof hinab. Der Milchhändler Bartsch, der in dem Hause sein Geschäft betreibt, hörte den Körper dumpf auf- schlagen. Bevor er sich noch umsehen konnte, vernahm er einen zweiten Fall. Jetzt fand er Mutter und Sohn tot daliegen. Frau Sädler hatte vor dem TodeSsturz auch noch Lysol getrunlen. Einen Rest der Flüssigkeit fand die Polizei noch in einer Flasche in ihrem Zimmer. Neben der Flasche lag ein langer AbfchiedSbricf, den Frau Sädler vorgestern an ihren Mann geschrieben hatte. Die Wirtin der Toten, die im Wochenbett liegt, ist infolge der Aufregung schwer erkrankt. Wegen Betruges, Urkundenfälschung und betrügerischen Bankrotts wird der 33 Jahre alte Schneidermeister Karl Äüiislling steckbrieflich verfolgt. Der junge Meister arbeitete mit acht Gesellen für ein großes Geschäft und lebte mit seiner Frau und einer sechsjährigen Tochter herrlich und in Freuden. In der Zimmerstr. 60 hatte er eine Wohnung, die 1700 M. Miete kostete. Seine Frau hielt sich auch ein Diciistmädchcn. Sehr viel besuchte da? Ehepaar Theater und Konzerte. Zum 1. April ließ Künstling seinen MictSvertrng ab- laufen. Schon am 7. März zahlte er die Miete, die erst anfangs April fällig>var, zog mit Frau und Kind aus, gab aber seine neue Wohnung nicht an. Erst später stellte sich heraus, daß er allen Grund hatte, das Weite zu suchen. Er hatte auf den Namen des Geschäft? ohne dessen Wissen eine Menge Stoffe bezogen und für daS Geschäft quittiert, ivcmi er sie unter der Hand sofort wieder pctkmtsie. Im Laufe der Zeit meldeten sich 80 bi? 00 Gläubiger, darunter besonders auch Wein- und Delikalesienhäiidler, die alle be» deutende Summen zu fordern haben, aber schwerlich einen Pfennig bekommen werden. Jetzt sucht das Landgericht I den durch- gebrannten Lebemann und Schwindler durch einen Steckbrief. Im Streite zur Vrimdstifterm geworden ist in der Nacht zum Sonntag die 30jährige Ehefrau des Fensterputzers F. DröbS, der in der Wallstr. öS im ersten Stock des OuergcbäudeS eine kleine Wohnung inne hat. Die dein Trünke ergebene Frau hatte öfter Streitigkeiten mit ihrem Manne. Als dieser gegen Mitternacht zurück- kehrte, kam es wieder einmal zu heftigen Reibereien zwischen den Eheleuten. Hierbei warf die Frau die brennende Petroleumlampe nach ihrem Manne, wodurch Feuer in der Wohnung entstand. Möbel, Betten zc. brannten an und die Frau erlitt bei dem Versuche, die Flammen zu ersticken, am ganzen Körper so schwere Brand- wunden, daß sie nach dem Krankenhause Bethanien geschafft werden mußte. Die alarmierte Feuerwehr konnte das Feuer bald löschen! doch wird die Fron wegen fahrlässiger Brandstiftung zur Berantwortung gezogen werden, falls sie mit dem Leben überhaupt davonkommt. Bon der Straßenbahn überfahren und schwer verletzt wurde Sonntag abend an der Ecke der Kurfürstcnstraße und des Kurfürsten- dammeS der 4l)j ährige Gärtner Gustav Dammschneider anS der Danckelmannstr. 69. Der Mann wollte mit seinem Zwcirade vor einem herankommenden Straßenbahnwagen noch den Fahrdamm kreuzen, fiel aber dabei zu Boden und geriet unter die vordere Plattform der Elektrischen. Mt schweren Verletzungen wurde er bewußtlos hervorgezogen und nach der nahen Unfallstation XX am Zoologischen Garten geschafft. Nachdem ihm hier der erste Verband angelegt war, mußte er nach dem Krankenhause Westend überführt werden. Ein schwerer Straßeimnfall ereignete sich Montag nachmittag auf dem Moritzplatz. Dort wollte die 84 jährige Ehefrau des Kaufmanns M e i e r aus der Wnldemarstr. 32 mit ihrem vier Wochen alten Töchterchen den Fahrdamm überschreiten und hatte dabei das Heran- nahen einer Droschke nicht bemerkt. Sie wurde vielmehr mit dem Kinde zu Boden gerissen und geriet unter die Droschke. Beide er- litten schwere Verletzungen und mußten nach der Unfallstation ge- schafft werden. Den Droschkenkutscher soll bei dem Unfall keine Schuld treffen. Zwei Slutomobil-Uiifälle ereigneten sich gestern gegen>/z7 Uhr in der U o r k st r a tz e, Nähe der Bautzencrstraße. Von dem einen Kraft- wagen, A. 2273 gezeichnet, wurde ein alter Mann in Arbeiter- kleidung umgerissen und eine Strecke initgeschlcift. ES scharte» sich sofort eine Anzahl Leute um das Automobil und versuchten, daS- selbe bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Die Insassen des Automobils hatten aber schon gewaltsam den schwer verwundeten Mann in das Automobil gehoben und fuhren flott darauf los, so- daß daS Publikum entsetzt beiseite sprang. In demselben Augen- blick kam auch schon ein Geschäftsautomobil der Eisenivarenhand- lung I. Degncr angerast und schlug, weil es an die Bordschwelle aufgefahren ist, um. Der Führer kam mit leichten Verletzungen da- von, während das Fahrzeug arg mitgenommen ist.' Der Restaurateur Paul Rrimami, Tempclhoferstraße. bittet»nS mitzuteilen, daß er mit dem in MittelstnndSretterei„lachenden Restaurateur Julius Reimann, dem Vorsitzenden des hiesigen Gast- wirtevereinS. den wir vor einiger Zeit mit dem hier gegründeten Zweigvcrein obiger Tendenzen tu Verbindung brachten, nicht identisch sei. Feucrbericht. Die Brandchronik der letzten 4S Stunden ist eine ungewöhnlich reichhaltige, denn sie weist über zwanzig Alarmierungen auf. Durch die Erplosion einer Aetherlampe kam in der Allen Schönhauserstratze 27 Feuer aus, bei dem der Schlosserlchrling Max Haberlandt schmerzhafte Brandwunden an den Füßen erlitt.— Betten, Decken usw. gingen dann in der Wilhclmshavcnerstraße 32 in einer Wohnung in Flammen auf.— Zwei weitere Wohuungs- brände beschäftigten dann die Wehr in der Lüneburgerstratzc 27 und in der Bclforterstraße 21.— Ein Posten Holzwolle brannte dann in der Soldincrstraßc und ein Automobil in der Frcienwalderstraße. — Auf dem Anhalter Güterbahnhof und auf dem Kohlenplatz in der Trcbbinerstratze hatten sich Preßkohlen entzündet, während Stroh und allerlei anderes Packmaterial in der Ackcrstraßc 41 und am Engel-Ufcr 4a eingeäschert wurde.— Nach der Rcichcnbergerstraße 4 wurde der achte Löschzug gerufen, weil dort in einer Albumfabrik Feuer entstanden loar. Die Gefahr konnte leicht beseitigt werden.— In der Kreselderstraße 3 war Bohnermasse und der Fußboden in Brand geraten.— Weiter hatte die Wehr noch in der Perlcberger- straßc_ 61, Alten Jgkobstrahe 87, Warschauerstraße 5, in der Kastanien-Allee 69 und noch an verschiedenen anderen Orten kurze Zeit zu tun.— Auch ein böswilliger Alarm ist wieder einmal zu verzeichnen. Er erfolgte auf tclephonischem Wege nach der Ebeling- straße 6. Leider ist der Täter entkommen. DaS Metropol-Thcater ist am Sonnabend mit einer Premiere ans Licht gekommen. Nach dem unbändigen Erfolg der„Herren von Maxim" war das eine riskante Sache, und es mag ein bißchen Verlegenheit mit im Spiel gewesen sein, als man zu dem in früheren Jahren oft bewährten Mittel der Revue griff.„Auf ins M c t r o p o l!" ist das neue Stück benamset, für das Julius Freund zeichnet. Vorweg sei bemerkt, daß die Ausstattung auch dieser Neuheit über alle Begriffe großartig ist; in den neun Bildern konimen vierzehn Dekorationen und fünfhundert Kostüme vor, und was für welche! In allem, was das Auge ergötzen kann, haben Maler und Schneider den Vogel ab- geschossen! die Phantasie eines JnleS Verne mutz erbleichen vor den Bcleuchtungswundcru und der Verschwendung von glitzernden Brokatstoffen. Die Frage ist nun, ob auch in den Dingen, die das Herz erfreuen sollen. gleich Herrliches geleistet'worden ist. Unter den 38 Musikstücken, die Herr Viktor Holländer für die Revue geschrieben hat, befinden sich in sangbarer Schönheit manche, die auf baldige Popularität rechnen können; und in dem Kaleidoskop von bunten Bildern, die daS Stück selbst bringt, sind ebenfalls vortreff« liche Einfälle mit witzigem Geschick bearbeitet. Hauptniau»- Grill- parzers Nocturno-„Elga" in der Ausgabe dcS Mctropol-Theaters zählt hierzu und ebenso die Schiller-Feier auf den Halensee- Terrassen: auch daS Tanzduett Möller-Hibernia ist von graziöser Komik. Ein lebendes Bild von ganz hervorragender Schönheit bietet die Darstellung von Menzels Flötenkonzert, und manche andere hübsche Leistung ließe sich den genannten anreihen. Doch macht sich der flotte, frivole Zug, der frühere Revuen auszeichnete, nicht so herzerfrischend wie noch bei der Gabe von 1963 bemerkbar! zum Teil mag dies an der Gründlichkeit liegen, mit der Ereignisse auf die Bühne geschleppt wurden, die heute schon halb vergessen sind und auch im Rampenlicht nicht mehr in anheimelnde Erinnerung gebracht werden können, zum wesentlichen aber trägt nach unserer Meinung eine gewisse Aengstlichkeit. bei der Zensur anzustoßen, vielleicht auch die Zensur selbst, die Schuld an stellenweiser Mattigkeit. WaS bei früheren Revuen kaum geschah, wurde diesmal recht ausgiebig be- trieben: So eine Art KriegervereinSvatriotismuS, innerlich hohl, aber »nächtig aufgedonnert, trat an die Stelle satirischen Wagemuts. Aber wer weiß? Eine Revue, wte sie das Metropol-Thcater auffaßt, soll im Geiste der politischen Anschauungen gehalten sein, die unter den Besuchern des Hauses die gangoarsten find! möglich, daß einfach nur dem Schwinden jeglicher OppofitionSlust auch in Freisinnskreisen Rechnung getragen, der Richtung Mngdan Reverenz bezeigt worden ist. lieber die Darstellung noch ein Wort zn verlieren, ist eigentlich überflüssig. Kräfte ersten Raiiges ließen sich auch diesmal das häufige Umkleiden nicht verdrießen. Frid-Frid gab als„Zeit" die Commtre ab, Herr Harry Walden, der nicht allein auf der Bühne berühnit gewordene Künstler, als zweimillionster Bürger Berlin« den Compöre, und um diese beiden gruppierten sich Massary, Josephi, Max Steide!, Hummel, Anna Müller-Linke, Bender, Guthery und wie sie alle heiße» in wohlbewährtcr Tüchtigkeit. Eine inerkivürdigc Erscheinung ist Fräulein Clissord, eine Amerikanerin, die mit originellen, Miuenspicl die Tochter des Millionärs Vanderbtlt darstellte, Zieht man die mieudliche Mühe in Betracht, die verwandt worden ist, um die neueste Revue herzurichten, so muß man der Direktion wünschen, daß der Erfolg deZ ersten Abends sich auf die Dauer einer Reihe von Monaten bewähren möge. Theater. Im Schiller-Theater O.(Wallner-Theater) wird heute, Dienstag,„Der G'wissenslvurm" wiederholt! Mittwoch geht daS Lustspiel„Hofgunst" von Thilo von Trotha, das zum Schluß der vorigen Saison den Spielplan des Schiller-Theaters X. bc- herrschte, zum erstenmal auf der Bühne des».-Hauses tu Szene. Die Rolle der Vicky spielt jetzt Gusti Becker, den Fürsten Paul Otto. I» den übrigen Hauptrollen sind beschäftigt die Damen Smmv Wyda, Meta Büuger, Mario Gmidra, Lotte Holms, Agnes Wieprecht und die Herren Friedrich Holthaus, Albert Hübener, Max Kirschncr, Reinhold Köstlin, Otto Rcmle.— Jnr Schiller-Theater X. sFriedrich-Wilhelmstädtisches Theater) wird heute der Schwank „Die Logenbrüder", Mittwoch Ibsens Schauspiel„Nora" wiederholt.— Im Metropol-Theater wird der 7>/z Uhr-Beginn der neuen mit dem größte» Erfolge am Sonnabend in Szene gegangenen Revue:„Auf— ins Metropol 1" vorläufig auch an den weiteren Wenden beibehalten.— Lu st spielhaus. Die Direktion ersucht uns mitzuteilen, daß die Erstaufführuiig von„Jungfer Am- b r o s i a", Lustspiel in drei Akten von Franz Servacs, welche Mittwoch stattfindet, bereits um 8 Uhr beginnt.— Im Luisen- Theater gelangt Freitag, den 16. September, Wolzogeus Tragödie „Lumpengesindel" zur Aufführung, während heute Dienstag Kurt Kinkel zum erstenmal in„Kabale und Liebe" als Ferdinand auftritt.— Die am heutigen Dienstag im R e f i d e n z- T h e a t e r stattfindende Erstaufführung des SchwanIS»Die Höhle des Löwen" beginnt nni 8 Uhr. Die Gala-Preiniere des ZirkuS Albert Schumann findet noch in dieser Woche, am Sonnabend, den 16. d. M.. um Uhr abends, statt. Herr Schumann eröffnet damit seine 7. Berliner Saison, für welche er große Anstrengungen durch Verpflichtung weltberühmter Künstler und Künstlerinnen gemacht hat. Orgelkonzert. Am Mittwoch, den 13, September, abends 7l/z Uhr, veranstallet der königliche Musikdirektor Bernhard Jrrgang in der St. Marien-Kirche das nächste Orgelkonzert unter Mitwirkung von Frau Charlotte Kimpel(Sopran), Herrn Felix Ledercr- Prina (Baryton) und Herrn Armin Liebermann(Cello). Herr Jrrgang spielt zum erstenmal in Berlin ei» neues Werk von Prof. Georg Schumann, dem Direktor der Singakademie: Paffacaglia und Finale über Bach für Orgel. Der Eintritt ist frei. Radreirne«. Die Steglitzer Rennen brachten der neuen Bahn trotz des trüben und kühlen Wetters einen Mastenbesuch, etwa 16/, Uhr, vom Krantenhause Moabit aus nach dem Heilands-Kirchhof in Plötzcnsee statt. Um zahlreiche Betclligung ersucht 249/11 Bei» Vorstand. Zentral-Verband der Steinarbeiter. Berlin I. Den Mitgliedern zur Kenntnis, dah unser langjähriges Mitglied, der Steinmetz Wilhelm Biäsing verstorben ist. Die Beerdigung ist heute DienS- tag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Heilands-Kirch- hoses Plötzcnsee(Seestrasie). Wir verlieren in dem Ber- storbcncn einen treuen braven Kampsgenossen. Möge ihm die Erde leicht sein. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 189/7 Der Borstand. Zentral-Kranken- und Sterlie- Kasse der Tischler u. anderer gewerblicher Arbeiter. Ortsverwaltung Berlin 0. Den Mitgliedern zur Nachricht, dasz am Mittwoch, den K.Scptcmber unser Mitglied, der Steinmetz August Giese gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Am Sonnabend, den 9. September, starb unser langjähriges Mitglied, der Steinmetz Wiikeim Biäsing. Die Beerdigung findet heute, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Heiland- Fricdhojes (Plötzcnsee) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 183/4 Die Orlsverwaltung. Danksagung. Für die oiclcn Beweise herzlicher Teilnahme bc! der Beerdigung meines lieben Ma nncS, unseres guten Vaters und Schwiegervaters sagen wir allen Verwandten, Bekannten, sowie dem Verbände deutscher Zimmcrlcute unseren Herzlichsten Dank. 4239L Witwe Agnes Grohn und Kinder. Krinn- mtd KlMkiilmidttti von Robert Nepr,* nur Mimimneil-Skaße 2. VercinS-Kränze, Palmen- u. Blumen- Arrangements, Buketts, Gnirlande usw. werdensein U. preiswert gcliesert. Die Geburt eines krästiaen, ge sundcn Jungen zeigen Hocherfreut au 0. Stäker und Frau geb. 15556 Altona-Ottensen. rDter, Verein zur WaiiruDgii.lnteress&a der Maurer Berlins u. Bing. Am Freitag, dm 3. September verstarb unser Mitglied 130,6 (Zahlstelle Süd-vst). Die Beerdigung sindct heute, Dienstag, nachmittags 3 Uhr, vom Krankcnhause Urban ans nach dem Emmaus-Kirchhos statt. Am Sonnabend, den 9. I tember verstarb unser Mitglied (Zahlstelle Wedding). Die Beerdigung findet Herne, Dienstag, nachmittags 4 Uhr, vom Städtischen Krankenhausc Moabit aus nach dem Neuen Paulskirchhos Plötzensee statt. Um rege Beteiligung ersucht Bor Voratanck. ■v r-i I—!■ I Ii«■BP—■llllllll— Allgemeine Kranken- üiiö SteiMasse der Drechsier u. Berufssenosson. (E. H. 86, Hamburg) Berwaltungöstclle Berlin A. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied Fraui Heinersdorf am 9. September verstorben ist. Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 12. d. M., nach- mittags 4'/z Uhr, von der Halle des neuen Nixdorser Kirchhoses, Maricndorscr Weg, aus statt. Die Ortsverwaltung. Danksagung. Sage hiermit allen, welche an der Beerdigung meiner lieben Frau teil- genomiiien haben sowie den Sängern der„Kreuzberger Harmonie-, dem Rcichstagsabgeordneten Rob. Schmidt und allen meinen Kollegen meinen besten Dank. 1540b Wilhelm Schnitt, genannt Sn kas. DrTsimnäeiniH? Spezialarzt sür 29/14« Bant- and Harnlokdoa. 10—2, 5—7. Sonntag» 10—12, 2—4. Dr. Scbüneinann, Speziai-Arzt sür[41022* Bant- und Harnleiden, Uranenhrunlihclten, Seydclstr. 9, dicht am Spittelmarkt. Wochentags-/zlS-'/,»,-/-«-'/,«. Grosie und kleine L-äle, mit und ohne Bühpe, find a» Sonnabender� Sonntagen in den Monaten ber, Oktober, November, Dezember,. Januar, Februar und März zu ver- geben. 40522* Die MöbeMPabrik von 3978a* A, SßlllilZp S Rejclisnliergeistr. B empfiehlt WohminaS-Einrichtungc» von L1V— 1V«!1g M. in nur anerkannt gedicqcncr AuSsührnng in jeder Holz- und Stilart sowie auch Polstcrtvarcn eigener Fabrikation zu aufierst billigen Preisen. Streng reelle und gctvissenhaftc Bc- dieinuig. Kulanteste Zahlungsbedingungen. Tel. Slmt IV 0877. Kaueket a Isis beste 2-Pfennig-Zigarette iist§ Co., Klfinehen. aus der Fabrik 3G03L* Brocli-Pollinann empfiehlt sein Lager in Brucbbanöagsti, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensors(oinic sämtliche Artikel zur Krankenpflege. S�- Kigene Werkstatt. Liescr. s. Orts-».Hülss-Krankeiikafien Norlin C., 30. 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