Nr. 215. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mr., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 25 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet Telegramm Adresse: ., Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Hauptverhandlung und der Schutz der Belastungszeugen. Donnerstag, den 14. September 1905. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Gründen stehe für das Gericht fest, daß der Zeuge im vor- liche Regierung der Bundesregierung noch keine bestimmten Vorliegenden Falle die Wahrheit bekundet habe, selbst wenn er schläge für den Abschluß eines Handelsvertrages gemacht habe, nichtssonst ein so notorischer Lump sei, wie der Angeklagte behaupte destoweniger dürfte in Berlin nicht minder als in Washington bekannt und unter Beweis stelle. Dieser sei daher für die Entfein, daß Freiherr Speck v. Sternburg die Bundesregierung seit scheidung unerheblich, zumal das Gericht die Ueberzeugung ers Deutschlands Standpunkt sogar schriftlich vorlegte. Daß dies ge Monaten in dieser Frage sondierte und dem Präsidenten Roosevelt VIII. Die Reform der Strafprozeßordnung.*) langt habe, daß der Angeklagte seine frivole Beschuldigung nur schehen ist, wird unumstöglich durch die Tatsache bewiesen, daß jenes Die Hauptverhandlung ist der erträglichst geregelte Abschnitt zur Herabfezung des wohlgesinnten Mannes aufgestellt habe usf. bis von mir gemeldete Schreiben Roosevelts einen Satz aus Sternburgs unferer Strafprozeßordnung. Hier hat der Angeklagte einige Rechte ins Unendliche. schriftlichen Vorschlägen wörtlich zitiert. Gezwungen durch das und eine gewisse Selbständigkeit gegenüber der richterlichen OmniEndlich noch ein letztes: Die Kommission stellt ihre Be Dementi, möchte ich Roosevelts Brief noch näher charakterisieren. potenz. Kein Wunder, daß die Bureaukratie feit Jahren ganz Hauptungen, aus denen sie die Notwendigkeit für die Maßregelung Der Präsident möchte sich bekanntlich, ohne amerikanische Interessen systematisch und mit zäher Energie danach strebt, den Angeklagten des Angeklagten und seines schlecht erzogenen Verteidigers be- zu opfern, in der Vertragsfrage Deutschland willfährig zeigen. auch hier unter die Botmäßigkeit des Gerichts zu stellen und das gründet, zwar sehr bestimmt auf, aber, wie meistens Leute tun, nachdem nun ein Mitglied des Kabinetts dem Präsidenten dargelegt Verfahren in diesem wichtigen Augenblicke, gleich dem Vorverfahren, die recht apodiklisch reden, ohne den Schatten eines Befolchen Vertrag fei, forderte Roosevelt diesen Minister auf, die anbatte, warum es und vermutlich auch der Kongreß gegen einen ebenfalls in einen Inquisitionsprozeß zu verwandeln. Allerdings weises zu erbringen. Dies würde ihn wohl auch gar nicht leicht geführten Gründe in einer Denkschrift niederzulegen. Um nun dem geht es nicht gut an, die Anwesenheit des Angeklagten werden. Denn nicht viele Menschen, die die Säle unserer Straf- Botschafter von Sternburg Gelegenheit zu geben, diesen Argumenten analog dem Borverfahren auch für die Hauptverhandlung gerichte unbefangen durchwandern, werden von einer schlechten Be- die feinen gegenüberzustellen, schickte er diese Denkschrift, indem er geradezu zu verbieten. Immerhin kann man sich diesem nicht handlung der Belastungszeugen etwas bemerkt haben. Dagegen ihre Argumente sich aneignete und eine Rückäußerung erbat, an erreichbaren Jdeal wenigstens dadurch nähern, daß man die Beweis- verden sie, auch wenn sie von der Sache nicht ein Sterbenswörtchen Sternburg." freiheit des Angeklagten beschränkt und nur die dem Gericht geeignet wissen, noch bevor der Zeuge den Mund aufmacht, aus dem ihm zuerscheinenden Beweismittel zuläßt. teil werdenden Empfang oft mit untrüglicher Sicherheit sofort erArbeiterausschüsse und Sozialdemokratie. Diese Bestrebungen haben jezt ihren Niederschlag in den Beschlüssen raten, ob vor dem Richtertisch ein Be- oder ein Entlastungszeuge für Sozialistentöteret, versucht im„ Tag" das Essener ReichstagsAbg. Erzberger, der Spezialist des Zentrums und Scherls der Strafprozeßkommission gefunden. steht. Die vorläufige Nichtvereidigung des Zeugen wegen Diese beansprucht zunächst das Recht für den Vorsitzenden, Fragen des Verdachtes der Teilnahme, das energische Examinatorium mandat für das Zentrum zu retten, indem er den Leichtgläubigen an Zeugen oder Sachverständige, deren Beantwortung diesen selbst über seine Vorstrafen, sein Vorleben und seine Beziehungen wenn leine Arbeiterausschüsse für die Bergarbeiter erzählt, daß eigentlich die Sozialdemokraten es verschuldet haben, oder einem ihrer Angehörigen oder einem anderen Zeugen oder Sach- zum Angeklagten, die scharfen Worte, in die die Verwarnung wegen existieren. Als Beweis führt er an, daß unsere Genossen 1891 den verständigen zur Unehre gereichen könnte, zurückzuweisen, sofern ihm Meineids gekleidet ist, und vieles andere klären schnell darüber auf,§ 134 h der Gewerbe- Ordnungs- Novelle bekämpft und zu Fall gebracht der zu befundende Umstand für die Entscheidung unerheblich er- ob es sich um einen vom Staatsanwalt oder vom Angeklagten ge- haben. In diesem Paragraphen war vorgesehen, daß für alle Betriebe mit scheint. Noch ungeheuerlicher als die Vorschrift selbst ist ihre Be- ladenen Zeugen handelt. mehr als 50 Arbeiter Arbeiterausschüsse gebildet werden sollten. Zentrum gründung, die möglichst vollständig hier wiederzugeben nützlich sein Im Gegensatz zur Kommission wollen wir die Tatsachen und Freisinnige, die für§ 134h eintraten, verfügten über 170 Mandürfte. Die Kommission folgert aus den gemachten Erfahrungen, daß reden lassen: Wie selten erfolgt in Streifprozessen die Bereidigung date und wären, wenn die 35 Sozialdemokraten mit für den Antrag Zeugen oder Sachverständige häufig ohne Grund durch Fragen des der Genossen des Angeklagten beim Streif; das geringste Moment eingetreten wären, die Mehrheit gewesen. Wäre der§ 134 h in der Angeklagten und seines Verteidigers in öffentlicher Sigung reicht aus, um sie als der Teilnahme verdächtig anzusehen. Wann genommen, dann wäre er auch 1892 in derselben Fassung in das vom Zentrum beantragten Fassung in die Gewerbe- Ordnung aufbloßgestellt seien. Die persönlichen und die Familienverhältnisse der erlebt man je die Anerkennung ihrer Glaubwürdigkeit gegen preußische Berggesetz gekommen. Zeugen seien benutzt, um fie in Verwirrung zu bringen, den Wert über dem angeblich bedrohten Arbeitswilligen? Der vom An- Bei aller Geschwäßigkeit ist Erzberger ein sehr talentvoller ihrer Aussagen herabzusetzen, oder auch lediglich in der Absicht, sie geklagten bezahlte Detektiv und das von ihm herbeigefchaffte Schweiger, indem er mit großem Geschick das verschweigt, was ihm zu beleidigen. Dagegen gewähre unser geltendes Recht, das nur Material werden unter die Lupe schärfster Kritik genommen; der nicht in den Kram paßt. Erzberger behauptet: die Sozialdemodie Zurückweisung nicht zur Sache gehöriger Fragen ge- vom Grafen Hektor Kwiledi gegen die Angeklagte geworbene Privat- fraten waren prinzipielle Gegner der Arbeiterausschüsse und er führt statte, teinen Schutz. Denn als zur Sache gehörig müßten spigel Hechelsti aber darf zehntausend Rubel einem Zeugen bieten, zum Beweise dafür einige Säße aus einer Rede unseres Genossen die Fragen schon deshalb anerkannt werden, weil sie auf die ohne daß auch nur ganz leise der Verdacht der Verleitung zum Fassung des§ 134h richtete, die dem Reichstage vorlag. SonsterBebel an, wobei er verschweigt, daß diese Rede sich gegen die Glaubwürdigkeit der Zeugen Licht au werfen gemeineid rege wird. Die von der Verteidigung geladenen Sach- gaben die Verhandlungen das genaue Gegenteil. Bei der ersten eignet sind. Auch dürfe man eine erzieherische Wirkung verständigen, erste Gelehrte, sprechen in wissenschaftlichen Zeitschriften Lesung am 19. Mai 1890 fagte Genosse Grillenberger: Jch von der Vorschrift erhoffen. Ihr bloßes Bestehen werde hoffentlich mit Bitterfeit von der Stepsis, die von seiten des zur Entscheidung gestehe zu, daß ich von den Arbeiterausschüssen, wie sie jest Angeklagte und Verteidiger davon abhalten, die Ehre der im Plögensee- Prozeß berufenen Gerichtshofes wie Mehltau ichon vielfach bestehen, nicht viel halte. Trotzdem tönnen Zeugen und Sachverständigen durch unpassende und überflüssige sich auf alles herabgesenkt habe, was dem fachver- fie manches Gute wirken, das will ich keineswegs in Abrede stellen; Fragen anzugreifen. ständigen Munde entquoll und beklagen sich darüber, namentlich da, wo sie frei gewählt und nicht ernannt sind von den Hier lernen wir also die Kommission in einer ganz neuen, daß ein Sachverständiger ein Gutachten über die wissen- Arbeitgebern und infolgedessen das Vertrauen der Kollegen gewertvollen Gestalt fennen: sie tritt als Erzieherin auf. nießen, fann manche Differenz, manche Streitigkeit und mancher Ihr gehörten eine ganze Anzahl von Rechtsanwälten an, was doch wahrlich nicht auf Anregung der Verteidigung geschehen lehnung war nicht vorhanden. Worum handelte es sich und was abgeben mußte, 3wist rechtzeitig vermieden werden." Also die grundsätzliche Abdie zum Teil auch Mitglieder des Reichstages sind. Keiner von ist. Und endlich wollen wir an die Behandlung des Kellners lehnte Bebel grundsätzlich ab? Der Streit drehte sich darum: ob diesen hat es unter seiner Würde gehalten, nach diesem dem Anwalt- Meher im Schwehnert- Nubstrat Prozeß zu Oldenburg denken vor dem Erlaß von Arbeitsordnungen die Arbeiter selbst oder nur stande angetanen Schimpf der Kommission weiter anzugehören, und an die Vorgänge und Ursachen, die zu seiner Verhaftung ge- ein Ausschuß gehört werden solle; und ferner: wie der Ausschuß feiner hat sogar auch nur Worte des Protestes gefunden. Der Vor- führt haben. gebildet wird. Der Antrag, daß die Arbeiterausschüsse in geheimer schlag ist vielmehr einstimmig angenommen. Niemand wird gewiß dem Vorsißenden und dem Staatsanwalte Wahl gewählt werden müssen, war gegen die Stimmen unserer In der Sache ist er von äußerst praktischer Tragweite. Die das Recht beschränken wollen, auch die Entlastungszeugen auf Herz ein vom Unternehmer ernannter Arbeiterausschuß über den Inhalt Genossen abgelehnt. Nun konnte nach der Fassung der Kommission Kommission erkennt selbst an, und dieses Zugeständnis sei dauernd und Nieren zu prüfen. festgehalten, daß die Fragen, welche in Zukunft nicht mehr geder Arbeitsordnung gehört werden. Gegen diese Bestimmung wandten Aber was wir fordern müssen, ist, daß man dann auch die sich unsere Genossen. Zwar tann der Arbeiterausschuß der Vorstand stattet sein sollen, auf die Glaubwürdigkeit der Belastungs fich täglich abspielenden Vorgänge nicht wegleugnet. Denkt der Betriebstasse sein, und für diesen gilt nach§ 37 des Krankenzeugen Licht zu werfen geeignet sind, d. h. doch mit anderen man an die borerwähnten Beispiele, so heißt es doch versicherungs- Gesetzes das geheime Wahlrecht, aber diese Vorschrift Worten, daß sie für jeden, der altmodisch genug ist, die Ermittelung die Tatsachen einfach auf den Kopf stellen, wenn man nach neuen ist erst durch die Novelle vom 10. April 1892 geschaffen. der Wahrheit als Ziel des Strafprozesses anzusehen, von Geseßen ruft, um endlich dem Unfug eine Ende zu bereiten, daß Durch§ 74 des Krankenversicherungs- Gesetzes hat man eine äußerster Grheblichkeit und entscheidendster Bedeutung sind. Das Angeklagter und Verteidiger die armen, gehegten Belastungszeugen Anzahl von Bestimmungen des Krankenversicherungs- Gesetzes auf die Verbot dieser Fragen führt mithin im Effekt zu einer Unterdrückung beleidigen und schmähen. Kein Eingeweihter kann diese Ausführungen die Sozialdemokraten die Annahme des von Erzberger gepriesenen§ 134h Knappschaftstassen ausgedehnt, aber nicht den Abs. 3 des§ 37. Haben der Aufklärung des Sachverhalts. ohne Lächeln anhören, fie flingen wie eine Fronie auf die verhindert, dann haben sie ein gutes Werk getan, indem sie dadurch auch Der Angeklagte ferner wird gegenüber den Belastungszeugen wirklichkeit. Das frasse Gegenteil von dem, was die verhinderten, daß die Grubenbarone beliebig eine Körperschaft bilden bogelfrei. Man stelle sich nun einmal das Verfahren auf Grund Kommission willkürlich und beweislos behauptet, ist wahr und ihr und dieser die Befugnisse übertragen können, die dem Arbeiterder Kommissionsvorschläge vor. Im Vorverfahren fizen im Zimmer der Entrechtung des Angeklagten dienender Vorschlag daher durch ausschuß zufallen. Der Sozialpolitik des Zentrums entspricht es des Untersuchungsrichters neben dem Richter der Staatsanwalt und nichts gerechtfertigt. freilich, nur den Namen einer populären Einrichtung zu retten. die Zeugen. Der Angeklagte und sein Verteidiger müssen im Interesse Aber die Kommiffion geht noch einen erheblichen Schritt weiter. Unsere Genossen suchen aber nur solche Dinge in die Gefeße hineinder öffentlichen Ordnung vor der Türe Halt machen. Der Staats- Sollten ihre Wünsche Gesetz werden, so würde der Strafprozeß zubringen, die den Arbeitern nüßen. Durch den§ 134h sollten die anwalt sorgt dafür, daß das Protokoll die der Anklage genehme ordnung als Motto für den Angeklagten das Dantesche Wort vor- müzlichen Bestimmungen des§ 134e wieder aufgehoben werden. Aussage recht vollständig wiedergibt. Nachdem alles fein fäuberlich angestellt werden können: Laßt fahren alle Hoffnungen, die Das war es, was unsere Genossen bekämpften. niedergeschrieben ist, wird der Zeuge flugs bereidigt, was, wenn der Ihr hier eintretet. Das Grundrecht, welches die geltende Strafprozeß zum -W schaftliche Qualifikation des anderen " daß diese vorsichtige Mäßigung mit dem einzigen dem Angeklagten noch bleibenden Rechte gründlich aufräumt. Hierüber und über die politischen Wirkungen des gemachten Vorschlages soll im nächsten Artikel gesprochen werden. " Dabei möchte ich aber auch den tiefen Eindruck nicht vergessen, den mir das Weh und Leid, das der Krieg in ein Land hineinführt, und das, was die Menschen ausgestanden und ausgehalten haben, damals gemacht hat. Hieraus läßt sich erklären, daß ich als Regent es meine Hauptsorge sein lasse, daß meinem Lande der Friede erhalten bleibt." Angeklagte in Untersuchungshaft fist, sogar geschehen muß. Nun ordmung dem Beklagten gewährt, ja das einzige wirkliche Recht, Ein neues Verbrechen des Vorwärts" hat die Rhein.- Westf. fommt es zur Hauptverhandlung. Hier endlich stehen sich welches er überhaupt hat, tak die von ihm geladenen Zeugen und 3g." entdeckt und die„ Tägl. Rundsch." jubelt ob des glorreichen Fundes. Wir hatten fürzlich das kriegslustige Bramarbásgerede ersten Male Angeklagter und Zeuge Auge Zeuge Auge in Auge Sachverständigen vernommen werden müssen, soll ihm genommen des Generalleutnants v. Eichhorn in Homburg mitgeteilt und ein gegenüber. Daß es den Borhaltungen des Angeklagten werden, zwar nur mit„ vorsichtiger Mäßigung", wie der Oberlandes- wenig kritisiert. Die Rhein.- Westf. 3tg." wirft uns vor, daß wir gelingen könnte, den Zeugen zu einer Abänderung feiner vielleicht gerichtspräsident Hamm in der Deutschen Juristenzeitung" oon einigen Worten, die darauf der Kaiser bei dem Festmahl falschen Aussage zu bewegen, ist ausgeschlossen, da ja damit der meint, die sich neuerdings zum Mundstück für alle reaktionären Borschläge der Provinz Hessen sprach, nicht Notiz nahmen. Der Kaiser sagte Zeuge sich selbst des Meineids bezichtigen würde. Der Angeklagte der Strafprozeßkommission hergegeben hat. Wir meinen dagegen, nämlich: versucht num, die Wahrheitsliebe, den Charakter, die Intelligenz des Belastungszeugen ins rechte Licht zu rüden, indem er von der naiven Empfindung ausgeht, daß das Gericht, bevor es jemand ins Gefängnis steckt, sich die Persönlichkeit des Denunzianten gar nicht genau genug ansehen kann und jede in dieser Beziehung nur mögliche Erkenntnisquelle benutzen muß. Die Strafprozeßkommission versperrt dem Angeklagten auch diesen letzten Ausweg. Wie Bilze aus der Erde können dann, ohne daß eine Abhülfe in der Revisionsinstanz möglich ist, Formeln schießen wie etwa die, der Zeuge mache einen Berlin, den 13. September. durchaus glaubwürdigen Eindruck, seine Darstellung habe die volle, innere Das dementierte Roosevelt- Schreiben. Wie in gestriger Nummer Wahrscheinlichkeit für sich, der unerhörte Terrorismus der organi- berichtet wurde, bestritt die Köln. 8tg." offiziös, daß Roosevelt ein fierten Arbeiter gegen die sich in ehrlicher Arbeit ihr Brot Schreiben an den deutschen Botschafter in Washington über dessen Verdienenden sei genugsam bekannt, die gerichtsnotorische Gesinnung Handelsvertragsvorschäge gerichtet hätte. Demgegenüber bält der Berliner Lokalanzeiger" in einem New Yorker Telegramm die Melding des Augeklagten, ſeine Stellung als eifriger Agitator für die sozial- aufrecht, daß dem Freiherrn v. Sternburg ein Schreiben zugegangen demokratische Partei lasse über die verleumderische Absicht, den aufnur hätte der Brief anscheinend keinen a milichen Charakter reizenden Charakter seiner Worte keinen Zweifel. Aus allen diesen gehabt.„ Entgegen dem Dementi der„ Köln. 8tg.", heißt es in dem Telegramm, muß ich meine Behauptung mit der größten Bestimmt heit aufrechterhalten. Das Dementi sagt zwar richtig, daß die kaiser*) Vergl. Nr. 179, 185, 191, 196 200, 206, 208 des„ Bort.". fei Politische Ueberficht. " Die Rhein.- Westf. 3tg.", welche täglich in lärmender Weltpolitik arbeitet, gerät plöglich, zu polemischen Zweden gegen den " Vorwärts", in Friedensbegeisterung. Sie legt den Bemerkungen Des Raisers erhebliche Bedeutung als Richtigstellung der Eichhornfchen Striegsneigung bei und erklärt feierlich, obschon Worte des Staisers fchiverer ins Gewicht fallen als die eines Generals, bringe der Vorwärts" feine Silbe davon. " Das Verbrechen ist wirklich begangen. Aber es ist nicht das einzige dieser Art, die" Rhein.- Westf. 3tg." fönnte uns noch mancher ähnlich schwerer Verfehlungen überführen; erst gestern haben wir eine lange Festrede, die der Kaiser in Koblenz hielt, nicht verzeichnet. Bürgerliche Blätter schreiben über solche Reden Leitartikel. erlauben uns, den Byzantiner Kult, der jede Aeußerung des Fürsten eifrig behudelt, höchst widerwärtig zu finden und uns darauf zu be Wir schranken, lediglich solche monarchischen Neuerungen zu verzeichnen, die irgendwie charakteristisch oder politisch wichtig sein können. Jene friedlichen Bemerkungen des Kaisers bringen aber unseres Erachtcns keinen neuen Zug in das bekannte Bild. Der Kaiser hat oft ähnliches bemerkt und seine Bemerkungen entspringen einem Empfinden, das Millionen andere Menschen auch hegen und aus- sprechen, ohne dah die Pitrioten davon Aufsehens machen. Es kommt hinzu, dag die Bemerkungen des Kaisers nicht jeden Tag so friedvoll klingen ivie die oben zitierten, das; schnell sich wieder Stim- münzen anderer Art vordrängen; sagte doch der Kaiser wohl nur einen Tag später: „Nicht im lichten Paradekleidc. sondern wie zum ernsten Waffengang standen die Söhne des Rheinlandes heute vor mir. Feldmarschmäßig I war die Ueberschrift über dem heutigen Tage Die Marine nennt das„klar zum Gefecht!" Die schönste Wehr, die der preußische Soldat tragen kann, ist das Kleid, in dem er seinem Gegner� im Felde siegreich entgegentritt,»das schönste Gewand, das ein Grcnzkorps tragen kann, wenn es vor seinem Kaiser sich zeigt. Daß dieses Grcnzkorps die Wacht am Rhein gut halten wird, darauf vertraue ich in Ruhe nach dem, was ich heut gesehen habe. Das achte Armeekorps Hurra, Hurra, Hurra!" Das klingt nicht so sehr anders als was Generalleutnant v. Eichhorn meinte, und bei solchem Wechsel der Gedanken je nach Gelegenheit und Stimmung werden wir trotz des Zornes der„Rhein.- Wests. Zeitung" auch in Zukunft uns gestatten, auch von kaiserlichen Reden gerade dasjenige festzuhalten, was uns von politischem Interesse erscheint._ Der Fall Martin. Der RegierungFrat im Statistischen Amt Martin hat, wie be- kannt, eine Schrift veröffentlicht, in der er das Elend der russischen Finanzen darstellte. Diese Schnorrer- und Verschwörertat mußte gerochen werden, und der Bcanite wurde in einer angeblich vom Generalmajor Biilow eigenhändig verfaßten Note aller Welt als ein abenteuerlicher Phantast denunziert. Nun hat man auch eine Untersuchung gegen den Frevler eingeleitet, über welche die„Nordd. Allg. Ztg." berichtet: „In verschiedenen Blättern ist von einem Fall Martin die Rede, der darin bestehen soll, daß gegen den Regierungsrat im kaiserlichen Statistischen Amt Martin wegen der in seinem Buche über Japan und Rußland geäußerten Ansichten Ermittelungen eingeleitet seien und daß sich die Regierung bemühe» die Verbreitung des Buches zu hindern. Ehe sich diese Meinung festsetzt, wollen' wir erklären, daß sie auf ganz falschen tatsächlichen Voraussetzungen beruht. Der Inhalt des Martinschcn Buches ist für die amtlichen Kreise vollständig mit der Erklärung erledigt, die wir am 3. d. M. der- vffentlicht haben. Für die Reichsbehördeü ist eS daher auch ganz gleichgültig, ob und in welchem Umfange das Buch weiter ver- trieben wird. Nichtig ist, daß amtliche Ermittelungen angestellt worden sind; diese beziehen sich aber lediglich auf die Frage, ob der Ncgicruilgsrat Marti», als Autor einer Privatarbeit, bei Ab- schluß des VerlagsvcrtragcS und bei der Abfassung eines Prospektes für den Vertrieb des Buches die Rücksichten auf seinen Amtscharaktcr gewahrt, oder ob er— wie auch aus einer Erklärung deS Verlegers hervorzugehen scheint— die amtliche Eigenschaft seiner Person mißbraucht hat. Hiernach entbehrt der sogenannte Fall Martin des politischen Charakters, den ihm einzelne Blätter bei- zulegen versucht haben." Es scheint also etwas wie moralischer Mißbrauch der Amts- gewalt konstruiert werden zu sollen. Es ist erstaunlich, wie zart empfindlich die Regierung ist, wenn einer der Bureaukraten einmal gegen Rußland etwas schreibt. Ob Herrn Martin wohl ein Haar gekrümmt worden wäre, wenn er den Glanz der russischen Finanzen geschildert oder ein grundvcrlogeneS Buch gegen die Sozialdemokratie verfaßt hätte? Wir kennen längst die intimen Beziehungen, die zwischen der hohen staatlichen Bureaukratie und der Welt des kapitalistischen Profits herrschen. Wir wissen ja, daß die Exzellenzposten immer mehr zu bloßen Vorstufen für die Leitung großkapitalistischer Unter- nehmungen werden. So aber einer gegen Rußland ein Wort sagt, wird sofort peinlich ergründet, ob er nicht etwa mit seinem Titel gekrebst hat. Die Moralkasuistik der„Nordd. Allg. Ztg." und der Regierung hat ihre Geheimnisse und Widersprüche. Was denken diese Moralisten z. B. über die Tatsache, daß beamtete Würdenträger dauernd für Scherls Meinungsfabrik arbeiten, die doch nicht wegen ihrer literarischen Fähigkeiten, sondern lediglich wegen ihrer amtlichen Stellung honoriert werden? Was denkt man z. B. über Herrn Nomen, der sogar über schwebende Prozesse für Scherl schriftstellert, mit denen er seinem amtlichen Charakter nach zu tun hat? Niemand glaubt an das Zartgefühl der Negierung im Falle Martin. Nur daß er nicht vor dem Zarismus rutschte, das war sein Verbrechen.—_ Ein Divisionspfarrer vor dem Reichs-Militärgericht. Der Fall des frühereu katholischen Kaplans und jetzigen ebmijje- tischen Divisionspfarrers B a ch st e i n aus Minden hat am Mitt- woch das Reichs-Militärgericht in der Markgrafenstraße beschäftigt. DivisionSPfarrcr Bachstein stebt unter der Anklage, sich in einem Bortrage vor den: Osnabrücker Zweigverein des Evangelischen Bundes am 1». Januar d. I., betitelt:„Ein Blick in die Seele des Ultra- montaniSmus", der Beschimpfung der katholischen Kirche schuldig gemacht zu haben. Ein Berichterstatter der katholischen„Osnabrücker BolkSztg." veröffentlichte unter der Spitzmarke:„Ein abgefallener katholischer Priester" einen ausführlichen Auszug aus dem Vortrage Bachsteins, und dieser Bericht liegt wesentlich der Anklage zugrunde. Die Anklage erstreckt sich 1. auf Herabsetzung des Papst- tumS, 2. Beschimpfung des Marienkultus und 3. der heiligen Messe. Die Angelegenheit hat am 23. Mai d. I. daS Divisionsgericht der l3. Division in Münster in Westfalen und infolge Berufung des GerichtSherrn, Generals v. Winterfeld, am 26. Juni daS Oberkriegs- gericht in Münster beschäftigt. In beiden Fällen wurde Bachstein nach eintägiger Verhandlung freigesprochen. Der Gerichtsherr hat auch die Nrteilsfindung angefochten, und so ist die Angelegenheit nunmehr bis vor das ReichS-Militärgericht gekommen. Der Vertreter der Anklage, ReichS-Militärgerichtörat R e n s ch e l begründet die Revffionsanträge, indem er rügt, daß von dem Bor- gericht nicht berücksichtigt sei. daß der Angeklagte ein Geständnis dahin abgelegt habe, er hätte es für möglich gehalten, daß Katholiken anwesend sein könnten fdolus eventualis). Er habe ja gesagt:„Wenn Katholiken unter uns sind, so bitte ich sie, nicht anzunehmen, daß wir ihnen wehe tun wollen". Ferner habe der Angeklagte zugegeben, gewußt zu haben, daß auch Nicht- Mitglieder des Evangelischen Bundes anwesend seien. Wenn das Urteil daher sage, objektiv sei„Oeffentlichkeit" gegeben gewesen, subjektiv aber nicht, so sei das geradezu eine wider- sprechende Begründung. Der Eventualdolus liege unbedingt vor. Das Reichsgericht habe den Begriff der„Oeffentlichkeit" noch viel mehr erweitert, das Reichsmilitärgericht werde diesem Beispiel folgen müssen. Der Verteidiger Rechtsanwalt v. B o r r i e S führt aus, er sei der Ansicht, daß das Verfahren unzulässig sei. weil der Anklage- Verfügung die Unterschrift deS KriegögcrichtSratS fehle und die An- klageverfügung dem Angeklagten nicht bekannt gegeben sei. Seines Erachtens müsse deshalb das Verfahren eingestellt werden, tvie er das bereits früher beantragt habe, denn dieser Maiigel lasse sich nicht heilen. Der Angeklagte müsse aber auf alle Fälle auf Grund des z S« des Strafgesetzbuchs freigesprochen werden, da er„das Vorhandensein von'Tatumständen nicht gekannt habe, welche zum gesetzlichen Tatbestände" gehörten. Er bitte, die Revision zurückzu- iveisen: die Urteilsbegründung sei durchaus logisch. Das Urteil habe alle Punkte geprüft, welche nach Ansicht der Anklage geprüft werden müßten. Der dolus eventualis könne auch nicht zur An- ivendung kommen, weil der Angeklagte die zitierten Worte an die Katholiken nur in dem Sinne gerichtet habe, daß er sie als Ein- dringlinge stenipeln wollte, wenn sie anwesend wären. Er bitte, die Aevisionsanträge zurückzuweisen. Retchz-Militärgerichtsaulvalt R c n s ch e I repliziert, wenn die Ansicht der Verteidigung richtig sei, so könne ja dann ein Widerspen st iger Kriegsgerichtsrat das ganze Strafverfahren lgchmlegen. Rcchtsanw. V. B o r r i e S ist der Ansicht, daß tatsächlich eine gewisse Lücke in dem Gesetze vorhanden sei. Ein inneres Band zwischen den Mitgliedern des evangelischen Bundes sei zweifellos vorhanden, wie die Satzungen bewiesen. Wenn man das berück- sichtige, so müsse man zu der Ueberzeugung kommen, daß eine Oeffentlichkeit im Sinne des Gesetzes nicht vorliege. Der Angeklagte selbst verzichtet auf das Wort. Nach einstündiger Beratung verkündete der Vorsitzende daS Urteil dahin: Das Urteil deS Oberkriegsgerichts von dem General- kommando des 7. Armeekorps vom 23. Mai 1905 wird nebst den tatsächlichen Feststellungen aufgehoben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an die Berufnngs- instanz zurückverwiesen. In der Urteilsbegründung führkd der Vorsitzende aus: Der Senat ist der Ansicht, daß die Anklageversüguug� zu Recht besteht. Wenn der KriegSgerichtsrat glaubt, mir den Weisungen des Gerichts- Herrn nicht einverstanden sein zu können und Widerspruch dagegen geltend macht, so hat er nach Maßgabe des Z 97 Abs. 3 der Militär» strasprozeßordnung unverzüglich die Akten dem Oberkricgsgericht vor- zulegen. Das ist geschehen und dadurch, daß daS Oberkricgsgericht sich auf den Standpunkt deS Gerichtshcrrn'stellt, tritt durch diesen Beschluß der Beschluß des Gerichts an die Stelle der Unter- schrift des Kriegsgerichts. Eine Zustellung dieses Beschlusses tvar nach Ansicht des Senates nicht geboten. Der Senat geht davon aus, daß der Angeklagte sich aus den Akten orientieren kann, und daß dieser Beschluß des Oberkriegsgerichts nicht etwa lediglich eine Bestimmung zugunsten des Angeklagten ist. sondern eine im öffent- lichen Jntereste gegebene. In der Frage der Oeffentlichkeit steht der Senat vollständig auf dem Standpunkte der Rcichsmilitäranwalt- schaff und des Urteils des Reichsgerichts vom S. Januar 1891. Danach ist der Begriff„Oeffentlichkeit" nicht mehr so eng zu fassen, wie im früheren preußischen Recht. Es kommt nach Ansicht des Senats, je nach den besonderen Umständen, nur darauf an, daß eine rinbestimmte Anzahl von Personen das betreffende Wort gehört haben bczw. hören konnten oder sehen konnten. Das Urteil des Oberkriegsgerichts stellt objektiv fest, daß die Versammlung eine öffentliche war. Es lehnt aber den Begriff der Oeffentlichkeit ab mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte sich nicht bewußt ge- Wesen sei, daß es sich um eine öffentliche Versammlung handelte, und zwar um eine Versammlung des Evangelischen Bundes, nicht etwa nur um eine Versammlung von Mitgliedern des Evangelischen Zweig- Vereins Osnabrück. Unter diesen Voraussetzungen hätte daö OberkriegS- gericht noch prüfen müssen, welche Bestimmungen die Statuten des Evangelischen Bundes aufstellen in bczug auf Zutritt und Austritt von Mitgliedern, wie über die Art der Verbindung überhaupt. Was von den polittschen Vereinen gilt, gilt nach Ansicht des Senats eitt- sprechend auch für die religiösen pnd wirtschaftlichen Vereine, wenn eS sich darum handelt, festzustellen, ob der Ausschluß der Oeffentlich- keit erkennbar ist. Da der Angeklagte zugegeben hat, daß er wohl an die Anwesenheit eines Katholiken gedacht hat, so hätte das Lberkriegsgericht auch in Erwägung ziehen müssen, ob der An- geklagte nicht Katholiken überhaupt ins Auge gefaßt hat und er da- bei nicht auch daran gedacht hat, daß die Voraussetzungen des sogenannten dolus eventualis vorlagen. Ferner hat das OberkriegS- gericht die Erklärung des Angeklagten, es sei ihm bekannt, daß auch NichtMitglieder nicht zurückgewiesen werden, nicht berücksichtigt. Diese Feststellung muß nachgeholt werden. Endlich hat das Oberkriegsgericht hinsichtlich deS subjektiven Verhaltens des Angeklagten keine tatsächlichen Feststellungen getroffen, vielmehr erklärt: Da wir die Oeffentlichkeit überhaupt verneinen, so ist es überflüssig, sich über das Vorhandensein der sonstigen Tat- bestnndsmcrkmale zu verbreiten. Dem Reichsmilitärgericht fehlt unter diesen Umständen eine Unterlage zur Nachprüfung in diesem Punkte. Es muß deshalb auch hier eine tatsächliche Feststellung von der Vor- instanz nachgeholt werden.—_ Internationale kriminalistische Bereinigung. Hamburg, den 13. September. (Telegraphischer Bericht.) Erster Gegenstand der heutigen zweiten Sitzung ist: Wie kann für bestimmte Kategorien von R ü ck f ä l l i g k c i t e n der Begriff der Gemeingefährlichkeit des Täters an die Stelle des heute aus- schließlich angewandten Begriffs der verbrecherischen Tat gesetzt werden? Den Hauptvortrag hierzu hält Professor Dr. ß?r i n S- Brüssel. Die Hauptfrage, führte er aus, ist die: Soll man den Verbrecher für das strafen, was er getan hat. oder für das was er tun wollte, oder für das, was er ist? Die klassische Schule berücksichtigte nur die begangene Tat und stellte ihr lediglich den Begriff„Strafe" gegen- über. Die moderne Schule beschäftigt sich dagegen nicht nur mit der Tat, sondern auch mit dem psychischen und sozialen Zustande des Verbrechers. Redner bespricht insbesondere die Vergehen der Land- strcicherei und der Bettelei als Zustände, die gemeingefährlich werden und deshalb eine längere Jnternierung nach sich ziehen könnten. Dasselbe gelte von der Trunkenheit und von den jugendlichen Verbrecher». Das gegenwärtige Verfahren, daS darin besteht, daß man einzig und allein das berücksichtigt, was der Rückfällige getan hat, und das darauf hinzielt, einen Verbrecher, der bereit» unzählige Vor- strafen erlitten hat, für eine verhältnismäßig kurze Zeit in ein Gefängnis treten zu lassen, sei abstrakt und illusorisch. Man müsse vielmehr den Rücksälligen für das, w a S er ist, bestrafen und ihn für längere Zeit unterbringen, sobald eine gelvisse Zahl Vor- strafen sicher erkennen läßt, daß man vor einem Menschen steht, den man gemeingefährlich nennen kann. In der Praxis werde eS sich vornehmlich darum handeln, den Augenblick zu suchen, in dem die Gemeingefährlichkeit beginnt. daS heißt, wieviel Vorstrafen der Verbrecher erlitten haben solle, ehe man ihn nicht für das, was er getan hat, sondern auch für das, waS er ist, bestraft.(Beifall.) Zu dem gleichen Thema sprachen noch die Advokaten I a S p a r und D u p o n t- Brüssel. Ersterer meinte, die modernen Kriminalisten hätten längst die Wckhrheit des Spruches erkannt, daß es keine Verbrechen gibt, sondern nur Verbrecher. Dieser heute so einfach klingende Satz sei lange Zeit nicht anerkannt worden und besonders habe man der Behandlung der rückfälligen Verbrecher nicht die notwendige Aufmerksamkeit zugewandt. Freilich bieten sich hier große Schwierigkeiten. Was ist eigentlich ein rückfälliger Ver- brecher? und noch spezieller gefragt: was ist ein u n v c r b e f s e r- licher rückfälliger Verbrecher? WaS versteht man unter einem anormalen Menschen oder einein geistig defekten Menschen? Und wenn man diese Unterscheidung machen kann, ivie soll man dann diese Verbrecher bestrafen und ivie sich vor ihnen schützen? Sovile Fragen, soviele«chivierigkeiten! Und manche?on ihnen scheinen direkt unlösbar, sodaß es dcr Strafwisscnschaft bis jetzt noch nicht gelungen sei, eine entsprechende Antwort darauf zw geben. Der einzige Weg zum Ziele sei der. die Fälle, die die Erfahrung uns enthülle, zu analysieren. ES falle einen, da bald die kl n iv i r k s a m k e i t der Strafen f ü r r n ck f ä l l i g e B e r« brecher ins Auge, und wenn die Strafe wirkungslos bleibe, dann müsse die Art des Strafvollzuges mangelhaft sein. Und was solle man mit dem normalen Menschen iiiachen, der nicht psycliisch dcsckl sei und der seine Strafe meist mit einiger Gleichgültigkeit erdulde? Man sollte die rückfälligen Verbrecher als eine besondere Art voir Menschen behandeln, die besondere Maßregeln fordern, dabei aber auch die Rückfälligen nicht vergessen, die noch einmal zu eiiieni bcsiercn Leben zurückkehren können und die Verirrnngen der Jugend nicht zu schwer mS Gewicht fallen lasten. Aus alledem ergebe sich, daß das Strafsystem n n d der Strafvollzug der Gegen- wart einer gründlichen Reform bedürfe.(Beifall.) D n p o n t- Brüssel schließt sich im wcicnllichcit de», Vorredner an. Die Strafgesetze sollen in erster Linie die Gesellschaft schützen und müssen daher unter den neuen Gesichts- unkten behandelt werden, die ihnen von der kriminellen Soziologie iktiert werden.. Nicht die Zahl der Verbrecher habe zugenommen, sondern die Zahl der Vergehen. Das Verbrechen sei direkt zun, Handwerk einer bestimmten Kategorie von Menschen geworden.� Der rückfällige Ver- brecher sei ein vollständig antisoziales Wesen, er greife die Gesellschaft von allen Seiten an. Als Strafe für den Rückfälligen sei eine Ver- längerung der Strafzeit fiir das begangene Verbrechen an- gebracht, da das die einzige Schranke sei, um die weitere EntWicke- lung deS berufsmäßigen Verbrechertums zu hemmen. Zwei be- sondere Arten von Rückfälligen will Redner aber von der all- gemeinen Regel ausgeschlossen wissen: die Unverbesserlichen, die man gänzlich von der Gesellschaft ausschließen solle, und die- jenigen, die gewohnheitsmäßig kleinere Vergehen auf sich laden und die nicht direkt eine soziale Gefahr bedeuten, sondern sich nur unbequem machen, wie die gewöhnlichen Vagabunden und Bettler. Für solche Vagabunden, die besonders wertlos für die Gesellschast und oft auch gefährlich sind, sollte die Wiederholung mehrerer kleinerer Freiheitsstrafen durch eine längere Inhaftierung ersetzt werden. Dasselbe gelte von den kindlichen Verbrechern. Aber diese längere Gefangenwtzung müsse in einer milderen Form gehandhabt werden und dürfe nicht an den Bagno und das Zellengefängnis erinnern. Es sollen Asyle sein und keine Zuchthäuser.(Zustimmung.) In der Diskussion weist Professor v. L i s z t auf die Schwierigkeiten der Materie hin. In diesem Zusainmenhange werde man auch die Frage der bedingten Verurteilung regeln müssen. Es ivird auch sehr schwierig sein festzustellen, wer die Gemein- gefährlichkeit seftstellen soll, ob der Richter oder eine andere Be- Hörde. Er nieine. die Frage sei noch nicht spruchreif. Strafanstaltsdirektor Dr. Finkelnburg aus Düsseldorf weist darauf hin, daß unser deutsches Reichs-Strafgesetzbnch schon die Rückfälligen genügend treffen könne. Er meine im Gegenteil, die jetzigen Bestimmungen über die Rückfälligen seien in vielen Fällen schon von einer ganz niigerechtfertigten Härte. Es gebe auch Verbrecher, von denen man sagen kann, sie sind besser als ihr Ruf. Es müßten von den Rückfälligen alle diejenigen ausrangiert werden. die infolge unserer n, an gelhaften sozialen In- st i t u t i o n e n mit dem Strakgesctzbuche in Konflikt gekommen sind. Zum Schluß einigt man sich dahin, daß dasjBurean'beauftragt ivird. die Frage einer erneuten Erwägung zu unterziehen und sie aus die Tagesordnung der nach st en Versammlung zu setze». Dienstag früh beginnt die Sitzung mit dem heute zurückgestellten Referate des Professors v. L i s z t:„Die Behandlung der vermindert Zurechnungsfähigen"._ „Kongo-System" in Deutsch-Ktttnernn. Nach einer telegraphischen Meldung aus Hamburg per- öffentlichen die Hamburger B a t a n g a- Firmen eine energische Protesterklärung mit schweren An- schuldigungen gegen das von derGesellschaftSüdkamerun beliebte„K o n g o- S y st e m". Die Schwarzen würden ohne Veranlassung niedergeknallt. Ter Umstand, daß die Gesellschaft eine Erpedition ausrüstete gegen die N j a m- L e u t e, um eine Forderung von 100 000 M. einzutreiben, sei die erste Ver- anlassung gewesen zum Ausbruch von Unruhen. Auch das rücksichtslose Vorgehen des Grafen Schlippenbach, der mit dein der Gesellschaft gehörenden Dampfer die Fischerei- Anlagen der Neger zerstörte, habe Grund zur Unzufriedenheit gegeben. Die Erklärung schließt mit der Forderung, daß Südkamerun dem deustchen Handel offen bleiben müsse.„Wir sind nicht gesonnen, uns durch weitere Konzessionen der Regierung an die Gesellschaft Süd- kamenin hinausekeln zu lassen."— HualamL Keine Wahlreform in Ungarn. Es ist gekommen, wie es unser Wiener Korrespondent alZ das wahrscheinlichste vorausgesagt hat: das Haus Habsburg hat seinen Frieden mit der ungarischen Koalition geschlossen, weil es getreu seinen reaktionären Tendenzen von einer Wahl- refornt nichts wissen wollte. Die Krone hat den Kossuth- Leilten Fejervary zum Opfer gebracht, um einen kurzen Waffenstillstand zustande zu bringen. Daß sie sich dabei nur den denkbar faulsten Frieden erschachert hat, daß damit die das ganze Staatöleben zerrüttende Frage des Dualismus nur auf eine kurze Spanne Zeit vertagt, aber beileibe nicht über- Haupt aus der Welt geschafft ist, das weiß die Krone nur zu genau. Aber das Haus Habsburg hat ja längst auf jede weitsichtige Politik verzichtet, hat sich längst damit beschieden, sein Dasein von Kompromisses Gnaden kümmerlich von einem Tage zum anderen zu fristen. So ist cs auch jetzt wieder der Entscheidung ausgewichen, um recht und schlecht weiterzuwursteln. Die ungarische Koalition, diese Vertreterin der Privi» legierten, war ihrerseits durch das Anftanchen der Wahlrechts- reform zur Nachgiebigkeit gezwungen. Diese Vertretung der Uliterdrücker fremder Nationalitäten und des eigenen Volkes wußte nur zu gut. daß eine wesentliche Erweiterung deS Wahlrechtes das Ende ihrer Herrschaft und der Politik des öden staatsrechtlichen Konfliktes bedeuten würde. Sie wußte, daß dann auch die Rechte der geknechteten Nationen respekttert werden müßten, daß vor allen Dingen auch die jetzt rechtlosen, skandalös ausgebeuteten Volksschichten in den Klassenkanipf eintreten würden, daß der staatsrechtliche Krakeel der Erörterung wichtiger politischer und sozialer Fragen weichen würde. Damit wäre aber die Vorherrschaft der ungarischen Gentry gebrochen gewesen. Und um dieser Gefahr zu entgehen, war die Koalitton sofort zur Einstellung ihrer im Augenblick vorher scheinbar noch so unversöhnlichen Fehde bereit. Ehe man sich der Gefahr einer Wahlreform aussetzte, schloß man seinen Waffenstillstand mit der Krone. Das Kabinett Fejervary schien es wirklich ernst niit seiner Taktik gemeint zu haben, dem unabsehbaren dualistischen Hader durch den Appell an das Volk ein Ende zu machen. Es scheint, als ob der Minister K r i st o f f y bei seinem Vorstoß zugunsten des allgemeinen Wahlrechts im Einverständnis mit Fejer'vary gehandelt habe. Die Unterhandlungen Fejevarys mit dem Kaiser drehten sich um die Frage des Wahlrechts. Aber die Krone fürchtete das allgemeine Wahlrecht mehr als alle magyarischen Umtriebe. Und das österreichische Kabinett, das offenbar fürchtete, daß eine Wahlrefornl in Ungarn auch auf das schändliche Wahl- recht in Oesterreich auf die Dauer nicht ohne Einfluß bleiben könnte, schürte emsig die Abneigung des Kaisers gegen die Volksrechte. Namentlich der Ministerpräsident Herr v. G a u t s ch erhob Einspruch mit dem Hinweis auf die Wirkungen auf Oesterreich. Er entpuppte sich als Haupt der reaktionären Kamarilla gegen den politischen Fortschritt. So ließ man denn Fcjevary satten und bot den Koffuth-Leuten die Hand zur Versöhnung. Franz Kossuth, der Graf Julius A n d r a s s y, T i S z a sowie Baron Banffy sollen noch im Laufe der Woche nach Wien berufen werden, dainit dort über die Köpfe des Volkes hinweg der schmähliche Kuhhandel Perfekt gemacht wird. Ob sich da? ungarische Volk daS so ohne weiteres gc- fallen lassen wird? Die Wahlrechtsbewegung hat bereits zu hohe Wogen geschlagen, uni das zu erwarten. Und der schmähliche Verrat der Kossuth-Lcute liegt zu klar auf der Hand, als daß nicht ein Sturm der Empörung gegen diese Der Zwist auf der skandinavischen Halbinsel. Die Situation, unter der die Delegierten der beiden Verräter und ihre österreichischen Verbündeten losbrechen sollte. I sie nicht als Aufrührer, sondern als Bürger, die ein gesez dieren. Als sie bei dem Schiffe anlegten, habe sie die englisch Und bessere Argumente für das allgemeine Wahlrecht konnten liches Recht ansüben, zu betrachten haben. Noch wichtiger sprechende Besatzung mit dem Revolver in der Hand empfangen dem seine Rechte heischenden Volke gar nicht gegeben werden, ist der zweite Absatz, weil seine Ausführung nicht wie die des ersten und ihnen zugerufen, sie könnten wählen, in die Luft gesprengt als durch die Rede Kristoffys. Es wird sich zeigen, ob die an die Gesinnung und an den persönlichen Charakter der Offiziere zu werden oder zum Lande zurückzukehren. Die Zobeamten gebunden ift. Der Minister befiehlt, daß die Offiziere Arbeiterklasse bei den gleichfalls entrechteten bürgerlichen antonnements von gleicher Art wie ihre Mann feinen umgekehrt. Zwanzig Minuten später sei das Schiff in Schichten die Unterstützung finden wird, die die Unwider- schaften beziehen. Ihre Kost sollen sie von außen die Luft geflogen, nachdem die Besatzung in Boote gegangen stehlichkeit der Wahlrechtsforderungen gewährleistet. tommen lassen, wofern sie sie nicht zusammen mit der Truppe und fortgefahren war. Die Angelegenheit sei sofort der zubereiten lassen wollen. Der Eriaß berbietet den Offizieren, die ständigen Behörde gemeldet und der Gouverneur bald mit Gastfreundschaft der Unternehmer anzunehmen. 100 Mann russischem Militär gekommen. Der Schiffsname Der Erlaß trifft jedenfalls eine der schmählichsten Seiten des sei übermalt, so daß nur das Wort John und die Silbe fton militaristischen Systems. Nicht nur in Frankreich bedeutet die StreifLänder die Verhandlungen, die ja nun gestern wieder auf einquartierung eine forrumpierende Geselligkeit, bei der sich die ent- 3u lesen seien. Nach Lloyds Register scheine der Dampfer genommen worden sind, in der vorigen Woche vertagten, wird gegenkommende Liebenswürdigkeit der kapitalistischen Sippen mit der" John Grafton" zu heißen und in London beheimatet zu sein. nach dem, was trotz der strengen Geheimhaltung an die durch Freundschaft und Erkenntlichkeit gesteigerten„ Schneidigkeit" der Helsingfors, 13. September.( Meldung von Rigaus Deffentlichkeit gedrungen ist, als sehr ernst angesehen. Wie Offiziere bezählt macht. Während der Mannschaft der Verkehr mit Bureau".) Bei Leuten in der Nähe von Jakobstad beschlagverlautet und allgemein angenommen wird, haben die nor- den ihrer Klasse angehörenden Streikenden streng untersagt wird, nahmte Militär 5000 Gewehre, welche vermutlich von dem in wegischen Delegierten als Bedingung für die Niederlegung legen sich die Offiziere in ihrem Umgang mit den Unternehmern in die Luft gesprengten Schiffe stammen. Die Bejagung hat sich der Grenzfeftungen einen garantierten Schieds- der Regel feinen Zwang auf und kommen oft in ein Verhältnis der in das Innere des Landes begeben, ihr weiteres Schicksal ist gerichtsvertrag zwischen den beiden Ländern verlangt. Intimität, worin sie sich mit ihren Gastgebern sozial und persönlich unbekannt. Die finnischen Zolldampfer erhielten Befehl, die Schweden ist, wie das ja schon im Beschluß des außerordent- folidarisch fühlen. In Frankreich hat man schon unter André Ber- Küsten am Bottnischen Meerbusen zu bewachen. Der Generalgemacht, dieser skandalösen Parteilichkeit Grenzen zu setzen. lichen Reichstages ausgesprochen wurde, nicht abgeneigt, einen Gin Difizier, der bei dem füdfranzösischen Landarbeiterstreit bei 30lldirektor hat sich nach Jakobstad begeben. solchen Vertrag zu schließen, doch sollen die schwedischen Dele- einem Gutsbesiger ein Frühstück genommen hatte, bekam Arrest diktiert. gierten verlangt haben, daß Norwegen zunächst seine Daß der Berteaugsche Erlaß, dessen Intention anerkennenswert ist, Grenzfestungen schleifen solle und daß über jene den Geist, der die Mehrheit des Offizierkorps beherrscht, verändern Frage erst später verhandelt werde. Ferner verlautet, daß wird, ist allerdings fraglich. Wenn die Armee wirklich unpar die Schweden gegen die norwegische Forderung, der Gateiisch in sozialen Konflikten würde, könnte am Ende auch das rantie des Schiedsgerichtsvertrages, sein sollen, und es ab- Unternehmertum anfangen, den Nutzen des Militarismus zu belehnen, daß irgend ein Dritter sich in die Verhältnisse auf der zweifeln. skandinavischen Halbinsel einmische, was wohl unter dem Worte garantiert" verstanden wird. Spanien. * Der Schrecken. Berditschew, 12. September. Die Polizei entdeckte eine große geheime Waffenniederlage; bei einer Versammlung in der Synagoge wurden 67 Personen verhaftet, eine Menge revolutionärer Schriften wurden beschlagnahmt. Wladikawkas, 12. September. Etwa 80 Uebeltäter führten die Entgleisung eines Postzuges herbei und feuerten auf ihn. Ein Reifender wurde getötet, 34 verwundet; die den Zug begleitende Republikanern Schuhwache vertrieb die Bande. Balenzia, 18. September. Bei dem am Sonntag aus Anlaß der Wahlen zur Deputiertenkammer stattgehabten Busammen stoß zwischen Klerikalen und wurden 13 Personen verwundet, davon zwei schwer. Gestern abend kam es abermals zu einem Handgemenge. Es wurden fünf Verhaftungen vorgenommen. Demissionsgesuch des japanischen Ministeriums. " Wenn diese Mitteilungen richtig sind, und daran ist faum zu zweifeln," schreibt Kristianias Social- Demokraten", so zeigen sich die schwedischen Unterhändler damit in einem eigentümlichen Licht. Sie fordern die Schleifung der norwegischen Grenzfestungen des Friedens wegen, lehnen aber die Verpflichtung ab, auf einen Schiedsgerichtsvertrag einzugehen, der gerade den zwei Ländern diesen Frieden fichern soll. Mit dieser Tatsache vor Augen liegt die Vermutung nahe, daß die schwedische Forderung einen anderen London, 13. September. Die Nachricht von der Demission des Zweck als den in der schwedischen Presse verkündeten hat. japanischen Ministeriums, welche eben hier eingetroffen ist, kommt Aber wir unterlassen es, diesen Zweck näher anzudeuten. Wir nicht unerwartet. Es heißt, der Mikado habe die Demission abhoffen, daß die norwegischen Unterhändler fortdauernd ein gelehnt, dies sei jedoch nur der Form wegen geschehen. Es gilt als billiges Entgegenkommen zeigen werden. Und so wird es sicher, daß das Ministerium sofort nach der Eröffnung des Landtages Sache des freisinnigen Schwedens sein, dem Geist des Friedens gestürzt werden wird. Respekt zu verschaffen, von dem die schwedischen Politiker wenig beeinflußt zu fein scheinen, der aber doch jedenfalls teilweise dem Beschluß des außerordentlichen Reichstages innewohnt. Es sei daran erinnert, daß es dieser Beschluß ist, der auf die Notwendigkeit eines Schiedsgerichts- Uebereinkommens hinweist, und es würde dem wenig entsprechen, die Einigung an einem unerklärlichen Widerstand gegen diese Frage scheitern zu lassen." Djata stattfand, nahm eine Resolution an, in der verlangt wird, Tokio, 12. September. Eine Massenversammlung, die gestern in daß der Friedensvertrag gebrochen werde und das Kabinett zurücktrete. Bei einer Ruhestörung, die sich gelegentlich dieser Versamm lung ereignete, wurden 40 Personen leicht und eine Person schwer verlegt. Es bestätigt sich, daß die Demission des Ministers des Innern haben sämtliche Miniſter dem Kaiser ein Schriftstück überreicht, in Yoshikawa nicht angenommen worden ist. Dem Brauche gemäß Entscheidung bitten, ob sie im Amte bleiben oder zurücktreten sollen; welchem sie offiziell ihre Unzulänglichkeit anerkennen und um seine sie heben aber gleichzeitig die Notwendigkeit des Belagerungszustandes hervor. Der Kaiser erteilte die Antwort, daß die Minister auf ihren Bosten verbleiben sollen. Zum Untergang der„ Mikasa". Diese Ausführungen unseres Bruderorgans sind offenbar Surchaus zutreffend. Doch brauchte man wohl nicht gerade anzunehmen, daß die schwedischen Unterhändler gerade den Hintergedanken hegen, ihrem Lande nach Schleifung der norwegischen Festungen die Möglichkeit eines Ueberfalles auf das abtrünnige" Brudervolt zu geben. Vielleicht ist es nationale Tokio, 13. September. Ueber die Explosion des Panzerschiffes Eitelkeit oder Rücksicht darauf, daß man von Norwegen be- Mitafa" wird noch berichtet: Ein Offizier wurde getötet, fünf dingungslose Annahme der schwedischen Hauptforderung ver- werden vermißt und 11 sind verlegt. Von den Matrosen find 600 Yangt. Ein Krieg gegen Norwegen dieser Differenz wegen tot oder verwundet. Admiral Togo befand sich nicht an Bord. scheint denn doch, namentlich nach dem Resultat, das die Das Panzerschiff sollte nach einem unbekannten Bestimmungsorte Kammerwahlen bisher ergeben haben und das noch eine abgehen. Es lag vor Sasebo vor Anker als plöglich Feuer ausweitere Schwächung der„ vaterländischen" Parteien verspricht, brach, welches mit rajender Schnelligkeit um fich griff. Etwa eine ein wahnsinniges, unmögliches Unternehmen, das nicht nur Stunde nach Ausbruch des Feuers erfolgte die Explosion der Pulverbom arbeitenden Volke, sondern auch von den berechnenden kammer. Vertretern der Industrie und des Handels aus rein wirtschaftlichen Gründen verworfen werden muß. Gleichwohl äußert auch Branting in Stockholms Social- Demokraten" in einem Die Gewitterwolfen ziehen sich zusammen" überschriebenen Leitartikel schwere Bedenken über die gegenwärtige Situation. Anknüpfend an die Aeußerungen des norwegischen ,, Social- Demokraten" bemerkt Branting weiter: Tokio, 18. September. Zahlreiche Personen sind der Ansicht, baß die Explosion in einem gewissen Zusammenhange stehe mit dem unwillen des Volkes über die Friedensbedingungen. Totio, 12. September.( Bureau Laffan.) Won den Opfern der Mitafa"-Ratastrophe sind bisher fünf Tote festgestellt und 343 Verwundete gerettet worden. 251 Mann fehlen.(" Times"). Die Revolution in Rußland. Der Tatarenkrieg im Kaukasus. Aus der Partei. Die Gerichtschronik in der Parteipresse. Unter dieser Ueberschrift behandelt M. Surekh in der Neuen Zeit" einen Uebelstand in der Parteipreffe, den wir ohne weiteres objektiv bis zu einem gewissen Grade als solchen an fälle in der Parteipreffe meistens die grundsätzliche Betrachtung der erlennen. Er spricht darüber, daß die Behandlung der KriminalFälle, ihre Beurteilung als gesellschaftlicher Erscheinungen vermissen lasse, daß dagegen meistens im Stile bürgerlicher Berichterstatter der Verbrecher als„ nettes Früchtchen", als„ breister Bursche", als gemeingefährliches Subjekt" und dergleichen behandelt und über die Bestrafung Genugtuung geäußert werde. " fagt, die grundsätzliche Berechtigung der Kritik ohne weiteres zu und Obwohl die Sache ihre zwei Seiten hat, geben wir, wie gesoweit unsere Redaktion dabei in Frage kommt, haben wir schon oft über Mittel zur Verbesserung dieses Teiles unseres Blattes beraten. Die Abhülfe ist indessen, soweit Berliner Verhältnisse in Frage kommen, gar nicht so einfach. Um zunächst über die eine mehr äußerliche Seite der Sache ein liche Betrachtungsweise; der leidende Teil bei einem Verbrechen oder Wort zu sagen, so gibt es neben der grundsätzlichen auch eine persön= des Verbrechens zu philosophieren. Ein Arbeiter, dem sein FahrBergehen wird selten geneigt sein, über die gesellschaftlichen Ursachen rad gestohlen worden ist oder dem am Sonntag nachmittag die Stube von Einbrechern ausgeräumt worden ist, den beherrscht nur der Zorn über den dreisten Dieb" oder, wenn er von einem anderen be= trogen worden ist, wird er nur von dem abgefeimten Betrüger" Water' behaupten, der, selbst ein ehrenhafter Mann, das Unglück hat, reden; und daß es junge Taugenichtfe" gibt, wird zu allererst der trotz aller Mühen einen Sohn auf Abwege geraten zu sehen. Und in der Presse spiegelt sich auch das Empfinden ihres Bublifums wieder. find freilich auch der Meinung, daß die sozialdemokratische Bresse die Aber selbstverständlich erschöpft sich damit die Sache nicht. Wir Aufgabe hat, die Arbeiter zu grundsäßlicher Betrachtungsweise zu erziehen, sie die gesellschaftlichen Ursachen des Verbrechens erkennen zu lehren und sie dahin zu führen, in dem Verbrecher mehr ein Opfer der bestehenden Zustände zu sehen. In den Straßen der Großstadt hat man oft Gelegenheit zu beobachten, wie notwendig solche Erziehung ist. Wird da irgend ein Dieb oder Betrüger auf frischer Tat ertappt, da entlädt sich die Entrüstung des Straßenpublikums meistens in Roheit gegen die Person. Indessen tut der Vorwärts" auf diesem Gebiete immerhin einiges zur Erfüllung der gezeichneten Aufgabe. Genoffe Sursty erkennt ja an, daß es in ein zelnen Fällen geschehen sei und wenn er außer der Gerichtschronik noch andere Teile des Blattes daraufhin geprüft hat, dann wird er zugeben, daß sowohl an Einzelfällen wie auch in allgemeinen BeWir müssen unserem norwegischen Bruderorgan darin trachtungen über Kriminalität und Strafvollzug sehr eingehend und vollkommen recht geben, daß es eine Absurdität wäre- ja, auch gar nicht zu selten die gesellschaftlichen Ursachen des Verbrechens was sagen wir, ein Verbrechen! wenn die Verhandwie die Nutlosigkeit, ja Schädlichkeit des heutigen Strafvollzuges belungen daran scheitern sollten, daß man keine Form finden Tiflis, 12. September.( Meldung der Petersburger Telegraphen- handelt worden sind. Es könnte noch häufiger geschehen und insbesondere bei der Befann, um zwei so nahe liegende Standpunkte wie den nor- Agentur.) Eine Menge von Arbeitern und anderen Lenten drang handlung der einzelnen Fälle. Das ist durchaus unsere Meinung. wegischen: wir schleifen die Grenzfestungen unter der Be- heute in den Rathaussaal ein, wo keine Sigung stattfand. Der Ja, wir sind sogar der Meinung, daß die soziale Deskription", wenn dingung eines Schiedsgerichtsvertrages, und den schwedischen: Gouverneur forderte den Bürgermeister auf, den Saal räumen zu man so fagen soll, überhaupt mehr gepflegt werden könnte, nicht bloß wir gehen auf den Schiedsgerichtsvertrag ein, aber erst nach- laffen; als jedoch der Bürgermeister erklärte, die Mittel hierzu nicht bei der Behandlung von Kriminalfällen, sondern bei noch vielen dem Ihr Euch verpflichtet habt, Euere Festungen zu schleifen, zu besitzen, erhielt die Polizei den Befehl, vorzugehen. Der anderen Vorgängen des täglichen Lebens. wurde durch die Menge heftig zurüd Aber um bei der Kritik des Genossen Sursky zu bleiben, so hängt auszugleichen. Die Frage, ob das Schiedsgericht garantiert" Bolizeikommiffar sein soll oder nicht, wird wohl auch nicht unlöslich sein. Wenn gestoßen und ließ eine Sotnie Kosaken holen, deren Befehls- diese Verbesserung von mehreren Umständen ab. Wir müßten für die schwedischen Unterhändler sich bis auf weiteres gewisse haber den Versuch machte, die Menge gegen das Versprechen, diesen 8wed eine eigene Arbeitskraft haben, und angenommen, die Bereitwilligkeit bestände, jemand für unser Blatt ausschließlich zu Großmachtsgarantien verbeten haben, so dürfte das wohl zu keine Berhaftungen vornehmen zu wollen, zum Auseinandergehen zu dieser Tätigkeit zu engagieren, wäre es noch immer eine Personenverstehen und auch zu billigen sein.- Wir wiederholen: es veranlassen. Die Menge antwortete mit lautem Geschrei, und frage. Nicht jeder fann das. Es gehören eine ganze Reihe Fähigwäre ein Verbrechen, wenn man des formalistischen während der Räumung schossen mehrere Leute mit Revolvern auf die keiten und Kenntnisse dazu, um solche Arbeit gut und wirksam zu Bwistes wegen, wann der Schiedsgerichtsvertrag, vorbeugend Rosaken und vom Hofe und der Straße aus nach den Fenstern des aller Kriegsgefahr, geschlossen werden soll, mit der Kriegs- Rathauses. Ein Teil der Ruhestörer schlug eine Mauer eines begefahr spielte. nachbarten Hauses ein und setzte von dort das Feuer fort, durch welches ein Rosat und ein Polizeiagent schwer verwundet wurden. machen. Ist aber auch diese Frage gelöst, so sind damit keineswegs alle Schwierigkeiten beseitigt. In Berlin werden täglich in sehr vielen Gerichtsfälen eine große Anzahl Verhandlungen geführt und Urteile gefällt. In den seltensten Fällen kann man vorher wissen, Erheben wir darum auf beiden Seiten der Grenze unsere Stimmen, wir alle, die wir Frieden im Norden wollen, wir Die Soldaten eröffneten dann das Feuer. Nach welches der geeignetste Fall für unsere 8wede ist. Die Gerichts Berichterstattung in Berlin ist gewissermaßen monopolisiert. Eine alle, die zurückschrecken vor dem Fluch eines Bruderkrieges, und einer Viertelstunde waren 27 Personen getötet und 75 Korrespondenz bedient alle Blätter. Sie hat sich Beziehungen und verlangen wir von denen, die morgen vormittag wieder in schwer verwundet. Verbindungen geschaffen, die sie in den Stand setzen, die wesent. Karlstad zusammenkommen: Ihr müßt Euch einigen auf der Tiflis, 12. September.( Meldung der Petersburger Tele- lichen, mitteilenswerten Fälle und die dazu gehörigen Einzelheiten Linie: Fort mit den Grenzfestungen- Schiedsgericht für graphen- Agentur.) Die allgemeine Aufmerksamkeit ist gegen die Vorgänge kritisch vom sozialdemokratischen Standpunkte berechtzeitig zu erfahren. Ein sozialdemokratischer Berichterstatter, der die Zukunft! Die Gefahr ist zu groß, wenn es jetzt nicht ge- wärtig auf die Bezirksstadt Gori gerichtet, wo die revolutionäre handelte, wobei die Kritik gar oft auch die Richter treffen müßte, wird lingt... Mögen fie, die heute abend von Stockholm und von Partei dem Ortsgeistlichen bei Todesstrafe verboten hat, an aus inneren und äußeren Gründen kaum je in die Lage kommen, Kristiania abreisen, den unerschütterlichen, absoluten Vorsatz dem Sarge des vor einigen Tagen gestorbenen früheren über die unentbehrlichen Informationen zu verfügen, die der bürgermitnehmen: Hier müssen wir einen Ausweg finden, sonst Generalgouverneurs in Baku, des Generaladjutanten Fürsten lichen Korrespondenz zufließen. Er würde also oftmals die opfern wir in unserer Verblendung unwiderruflich und für Amilathwari, Gebete zu verrichten. Niemand wagt sich dem wichtigsten Fälle versäumen und wir kämen in die Lage, die kritische immer gerade das, um was es sich vor allem handelt: die Sterbehause zu nähern. Die Leiche soll daher nach Tiflis ge- grundsägliche Betrachtungsweise auf einen unwesentlichen Fall an Selbständigkeit beider Länder." bracht werden, von wo bereits Truppen zur Bedeckung abzuwenden und den wichtigeren doch nach dem bürgerlichen Bericht Frankreich. gegangen find. Die Lage ist beunruhigend; man befürchtet, daß am Tage der Beisezung des Fürsten, der die ganze Vevölkerung gegen fich aufgebracht hatte, große Ruhestörungen stattfinden werden. Das Gespensterschiff. erstatter geben zu müssen. Denn aus den bereits geschilderten Umständen und in Rücksicht auf die Konkurrenz der„ parteilofen" Presse dürften wir auf die Benütung der bürgerlichen Korrespondenz nicht Ein Streiferlaß des Kriegsministers. verzichten, auch wenn die Kritik des Genossen Sursky dazu führen Paris, 11. September.( Eig. Ber.) Man muß Herrn Berteaug follte, daß uns baldigft ein eigener Gerichtsredakteur bewilligt würde; das Zeugnis ausstellen, daß er, wenn auch nicht gegen das nicht einer, der in der Redaktion sitzt, sondern einer, der in die System, so doch gegen die ärgsten Erzesse des Militarismus Gerichtssäle geht. manches Verdienstliche unternimmt. Vor kurzem hat er einen Man könnte nun noch sagen: Ja, Ihr könnt ja den Bericht des Die Affäre des mit Waffen beladenen explodierten bürgerlichen Berichterstatters umarbeiten oder entsprechende Be energischen Erlaß gegen die förperlichen Büchtigungen in der Armee herausgegeben, und soeben wird eine Instruktion bekannt, die er Schiffes bleibt immer noch dunkel. Heute liegt folgendes merkungen hinzufügen. Was das Umarbeiten betrifft, so würde telegraphisch an das Kommando des 20. Armeekorps in Nancy ge- Telegramm vor: fich's meist um vollständiges Umschreiben handeln müssen, was bei schickt hat und die über das Verhalten der Truppen bei Stockholm, 12. September. Stockholms„ Tidningen" der Fülle des Stoffes nur in verhältnismäßig seltenen Fällen möglich Streits handelt. Diese Instruktion ist nicht mur von unmittel- meldet aus Helsingfors Einzelheiten über die Strandung des wäre, ganz abgesehen davon, daß durch Umarbeiten leicht der TatStreitbewegung im Diten Frankreichs ist, sondern sie ist auch ein unbekannter Tantdampfer bei Kaljsfär, 25 Kilometer von weil sie in Ermangelung genauerer, für diesen Zweck erforderlichen barer praktischer Bedeutung, weil Nanch das Zentrum der jetzigen Dampfers bei Jakobstad. Danach sei in der Mittwochnacht bestand verschoben werden kann. Die kritischen Bemerkungen auf Grund des unfritischen Berichts jedoch erscheinen erst recht bedenklich, prinzipiell durch die in ihr aufgestellten allgemeinen Nermen von Jakobstad angekommen. Während Sturmes und Nebels sei Beschreibung des Sachverhaltes meist sehr inhaltlos sein müßten. Wichtigkeit. Der Erlaß zerfällt in zwei Abschnitte. Der erste erinnert die der Dampfer auf eine Sandbank, etwa vier Kilometer vom Sie würden bald zu stereotypen Redensarten werden und dann alle Offiziere der in ein Streitgebiet entfendeten Truppe daran, daß fie Lande entfernt, gestoßen. Erst am Freitag hätten dann zwei Wirkung verfehlen. Will man dauernde und eindringliche Wirkungen niot Partei gegen die Streitenden zu nehmen, Boulbeamte den Dampfer aufgesucht, um die Ladung zu revi- lerzielen, dann muß man sich gerade in der Journalistik davor hüten, Deutfches Reich. Der Ser Schablone zu verfallen. Und daß auch die Kritik der Gefahr der Judustrie in einzelne große vor sich. Die Finanzblätter bringen unterliegt, zur Schablone zu werden, wird nicht bestritten werden. regelmäßig Meldungen über neue Verbindungen, Zusammenschlüsse, Aus diesem Grunde muß man sich auch hüten, die Kritik auch des Aufläufe und Trustbildungen. So wird gegenwärtig gemeldet, daß unterm 11. September: Eine chriftliche Gewerkschaft" hat hier eine Die Chriftlichen an der Tete. Aus Halle berichtet man uns Kleinsten Vorganges immer gleich auf die höchsten Töne zu stimmen, eine Anzahl Brauereien in den Neuenglandstaaten eine Gesellschaft hübsche Filiale aufgemacht. In der konservativen Presse werden man muß vielmehr dafür sorgen, daß man für besonders wichtige mit einem Sapital von 10 Millionen Dollar bilden wollen. In Belle- die hochlöblichen Arbeitgeber" gebeten, Vorschläge für ein Vorgänge auch noch schärfere Register zu ziehen in der Lage ist. ville bei St. Louis haben sich fleine Brauereien zusammengeschlossen Nichts stumpft so sehr ab, wie die fortwährende Wiederholung und und bilden eine Korporation mit 2 Millionen Dollar Grundkapital. Arbeitsnachweis wird mit dem Hinweise empfohlen, daß dadurch friedliches Zusammenarbeiten" zu machen. diese Gefahr ist sicher bei einem täglich erscheinenden Blatte recht In Pennsylvanien haben sich 15 Firmen für Licht- und Gas- Anlagen Streits verhindert werden sollen. Durch die neue Eingroß. Deshalb ist es auch kein Fehler, vielmehr aus wohlverstandener vereinigt, Sapital: 1 Million Dollar. In Indiana wollen sich große richtung soll dies wünscht zum wenigsten der Vorsitzende der Dekonomie der Kritik sehr nötig, unwesentlichere Vorgänge, die an Kohlengesellschaften vereinigen mit einem Rapital von 50 Millionen Gesellschaft, ein Herr Kellermeister Zschocher, der den Aufruf unterfich wohl auch grundsäßlich- kritischer Behandlung wert wären, einfach Dollar. Um den Detailverlauf in Zigarren zu beherrschen, hat die zeichnet hat auch die Sozialdemokratie bekämpft werden.- Mehr zu registrieren. United Cigar Stores Co.( Bigarrenläden- Gesellschaft), die in den zeichnet hat Das alles halten wir dem Genoffen Surskh nicht entgegen, um Großstädten Zigarrenläden anfauft, einrichtet und verpachtet, ihr fann man von einer chriftlichen Gewerkschaft eigentlich nicht verlangen. damit beweisen zu wollen, daß der von ihm gerügte Fehler überhaupt System auf fleine Städte und Ortschaften ausgedehnt und erzielt Zur Lohnbewegung der Weber und Weberinnen in Reichenbach nicht verbessert werden könnte, sondern nur, um zu zeigen, welche dadurch einen ungeheuren Umfah an Zigarren. In Kanada wollen in Schlesien. Aus Anlaß des Streiks bei der Firma Cohn Gebr. Schwierigkeiten dabei zu überwinden sind und mit dem geheimen 17 Engros- Drogengeschäfte eine Gesellschaft mit einem Kapital von fündigten refp. maßregelten die Firmen Roth, Affert, Hain, Huesker, Hintergedanken, die Grörterung möchte dazu beitragen, daß wir in 6 Millionen Dollar gründen. Die Schuhfabrikanten und Schuh- Fleischer sowie Weyl u. Nassau die bei ihnen beschäftigten organis die Lage versetzt werden, die Besserung zu versuchen. händler von Kanava haben eine Vereinigung zur Erhöhung der fierten Arbeiter und Arbeiterinnen. Firmen maßregeln ihre" Warenpreise gegründet. Arbeiter, bei denen gar keine Lohnforderungen gestellt sind. So gering die gestellten Forderungen find 10 bis 12 Proz. Lohnerhöhung- um so schärfer ist der Widerstand der Unternehmer. Jit ein Glied der Familie der Organisation angehörig, so wird die ganze Familie gemaßregelt. Dinge kommen hier vor, die sich felbst die größten Scharfmacher nicht geleistet haben. Einem fiebzigjährigen Greis wurde gekündigt, weil seine Tochter Mitglied des Verbandes ist. Einem Arbeiter, der 25 Jahre bei einer Firma ge arbeitet hatte, wurde als Belohnung für seine treuen Dienste gekündigt, nur weil er Mitglied der Organisation ist. Das gleiche passierte einer Frau, die 22 Jahre bei einer Firma tätig war. Eine von den Arbeitern und Arbeiterinnen der genannten Firma Zu dem Kampfe gegen den„ Vorwärts" nehmen noch Stellung die Magdeburgische" Volksstimme", das„ Volfsblatt für Anhalt", der„ Bolts- Bote" in Stettin, das Norddeutsche Boltsblatt" in Bant und die Bremer Bürger- Beitung". Auf die Seite der Leipziger Volkszeitung" stellt sich dabei nur das leht genannte Blatt. Die Leipziger Volkszeitung" hat zivar einen Artikel der„ Neuen Zeit" gegen uns abgedruckt, aber anstatt nun auch unsere Antwort darauf mitzuteilen, druckt sie ein Stück aus einem Artikel gegen unsere Antwort( von H. B. in der„ Sächsisteht einzig in der Parteipresse da! Das sind einige Beispiele aus vielen. Die Größeren beherrschen das Feld, und die Kleineren beeilen sich immer mehr, neue Gemeinschaften zu bilden oder sich den bestehenden anzugliedern; das große Rapital macht überall die großen und sicheren Geschäfte mit den größten Profiten. Gewerkschaftliches. V Hoch die antisemitischen Kaufmannsgerichte! Die Handlungsgehülfen- Bewegung hat vor den übrigen fchen Arbeiter- Zeitung") ab. Die Illoyalität des" Vorwärts" Standesbewegungen der arbeitenden Bevölkerung den sehr am Montagabend abgehaltene riesig besuchte Versammlung beschloß Der Breslauer Bolts wacht", die sich gegen sie geschmurrigen Vorzug voraus, daß sie sich auch noch einer Sondereinstimmig in den allgemeinen Streit einzutreten, wenn die wandt hat, hält die„ Leipziger Boltszeitung" als Antwort darauf organisation aus Rassen motiven erfreut. Während man Kündigungen und Entlassungen von Verbandsmitgliedern nicht sofort zurückgenommen werden. vor, daß jene schon oft Artikel aus der„ Leipziger Volkszeitung" ich in der Bewegung der Handarbeitenden Bevölkerung spaltet Der Vorsitzende des Textilarbeiter Verbandes, Hübsch, erklärte übernommen hätte. Wollten wir nach dieser Methode verfahren, der Organisations form wegen, während dort die Religion in der Versammlung, daß der so frivol von den Unternehmern dann könnten wir allen Blättern, die sich gegen uns wenden, denselben als Vorwand zur gegenseitigen Bekämpfung dienen muß, in- heraufbeschworene Kampf mit aller Energie durchgeführt werden Vorwurf machen. Wir denken jedoch nicht daran, Kleineren Partei- dem man die Gründung sog.„ christlicher" Organisationen würde und wenn er 26 Wochen dauere. Der Verband ſei vollſtändig blättern, die unmöglich alles felbst schreiben können, einen Vorwurf betreibt, leisten die Kaufleute sich den Lurus einer anti- dazu imftande. daraus zu machen, daß sie dem Vorwärts" ethisch ästhetische" iemitischen Bewegung. Und die antisemitischen HandArtikel entnehmen und sich dennoch das Recht der eigenen Meinung lungsgehülfen sind sehr rührig in ihrem Bestreben, die Heu- feitige Vereinbarung beendet worden. Die Lohnbewegung der Buchbinder in Würzburg ist durch gegenDie Arbeiter erhalten eine wahren, die ethisch- ästhetische Denkweise" des„ Vorwärts" mit gabel- Theorie des Grafen Büdler, in wirtschaftliche Formen wöchentliche Lohnzulage von 1-2 M., während ben Arbeiterinnen in die Praris zu übertragen. umgepreßt, gegen ihre mit ausgebeuteten semitischen Kollegen ebenfalls eine entsprechende Lohnerhöhung zugebilligt wurde. Kautsky zu verurteilen. = Der Landesvorstand der braunschweigischen Partei genossen hat ein Flugblatt drucken lassen, worin die Bevölkerung über die Ursachen des Fleischwuchers aufgeflärt wird. In der Stadt Sie betätigen sich dabei auf allen Gebieten. So betreibt der Deutsch- nationale HandlungsgehülfenRusland. Und wieder Militär gegen Streifende. Der Vorfall in Longwy, bei dem es zur Tötung eines Ar Braunschweig find bereits am Sonntag 30 000 Exemplare davon Berband" seit einiger Zeit im stillen eine rege Agitation gegen beiters tam, hat nach offiziösen Depeschen zwei Folgen gehabt. verteilt worden. Als Sekretär für das am 15. November d. J. zu errichtende Krefelder Arbeiterfekretariat wurde der Genosse Guftab Weiner aus Lauban in Schlesien gewählt. Soziales. Ein Brügelpädagoge stand vor der Schweinfurter Straffammer in der Person des Lehrers Josef Sauer von Stadelschwarzach. Es waren ihm 25 fortgesetzte und drei selbständige Vergehen der Körperverletzung zur Last gelegt. Wie vor Gericht erwiesen wurde, hat er öfters Schüler und Schülerinnen oberhalb der Schläfen bei den Haaren gepackt, daß die Haare herumflogen, sie mit den Eden der Schiefertafeln an den Kopf gestoßen, gesunde und kranke Kinder, die Dhrenleiden hatten, wurden derart geohrfeigt, daß die Ohren aus liefen und Geschwüre aufgingen, einem Knaben zog er die Hose aus und bearbeitete das nur mit dem Hemde bekleidete Gefäß mit einem Stock, ein anderes Kind stieß er mit dem Hinterkopf gegen die Wand, daß es in der Angst die Hose verunreinigte; ferner stieß er die Kinder mit den Köpfen zusammen, zog die Mädchen an den Zöpfen usw. Der Prügelheld kam mit 260 M. Geldstrafe eventuell 52 Tagen Gefängnis davon. Gewerbegerichte. Die antisemitischen Kaufleute wollen einen den Anschluß der Kaufmannsgerichte an den Verband deutscher besonderen Verband der Kaufmannsgerichte und lassen deshalb kein Mittel unversucht, ihren Plan zur Durchführung zu bringen. In wenigen Städten ist es ihnen auch gelungen, die Beisitzer der Kaufmannsgerichte für ihre Idee einzufangen. Auch in Berlin haben sie den Versuch, jedoch ohne Erfolg, gemacht. Zu der Besprechung, in der der Beschluß für die Errichtung eines besonderen Verbandes der Kaufmannsgerichte gefaßt werden sollte, sind nicht, wie man annehmen follte, alle Arbeitnehmer- Beisiger eingeladen worden. Sie hielten vielmehr eine Auslese und luden nur diejenigen, von denen sie annahmen, daß sie für ihren Antrag zu haben jind; darunter auch Prinzipale. Aus Paris wird gemeldet: Der Minister des Innern ließ den Hinterbliebenen des gestern bei dem Zusammenstoß mit Truppen getöteten Arbeiters eine Unterstützung bon dreihundert Frant zugehen. Ferner ordnete der Minister eine Untersuchung des Vorfalles an. Das sieht aus wie eine halbe Mißbilligung des militärischen Vorgehens. Inzwischen setzt aber die Soldateška unbeirrt ihre Blutarbeit fort. Ein weiteres Telegramm meldet: Longwy, 13. September. Als der Unterpräfekt, begleitet von dem Polizeikommissar und von Gendarmen und Militär heute die Ausständigen aufforderte, auseinanderzugehen, antworteten die Ausständigen mit Pfeifen und Schmährufen. Eine Abteilung Dragoner ging, angeblich ohne Befehl dazu erhalten zu haben, gegen die Ausständigen vor, von denen ein großer Teil die Flucht ergriff, während andere Wagen umwarfen, um sie als Barrikaden zu benutzen. Die Dragoner griffen hierauf die Ausständigen an, wobei ein Ausständiger verwundet wurde. Die Propaganda wird unterstützt durch ein Zirkular, das angeblich von dem Kaufmannsgericht in Altona ausgehen soll und in Tausenden von Eremplaren an sämtliche KaufmannsDie Lohn- und Arbeitsverhältnisse der städtischen Arbeiter Stockgerichte gegangen ist. Eine persönliche Unterschrift oder eine holms sind nun durch einen festen Tarifvertrag geregelt worden, Beglaubigung durch den Vorstand des Kaufmannsgerichts in der am 7. September von den Bertretern der städtischen Werke Altona trägt das Zirkular nicht, so daß man nicht weiß, ob sowie von den Vertretern der in Betracht kommenden Gewerkschaften Zur Frage der Handelsinspektoren hatte sich auf Veranlassung dasselbe wirklich offiziell ist oder nur das Produkt einer im unterzeichnet worden ist. Diese Regelung der Arbeitsbedingungen, des sächsischen Ministers des Innern die Leipziger Handels Kaufmannsgericht zu Altona vorhandenen Personengruppe. die wesentliche Erhöhungen der Löhne enthält, ist eine Frucht des tammer gutachtlich zu äußern. Die Kammer faßte auf Antrag Der Deutsch- nationale Handlungsgehülfen- Verband be- großen Lohnfampfes im Frühling dieses Jahres. des betreffenden Ausschusses ohne jede Diskussion den Beschluß, das zweckt mit seinem Antrag eine völlige Trennung Der Streik endete damit, daß Verhandlungen über einen forpoInstitut der Handelsinspektoren abzulehnen. Die Inspektoren der Kaufmannsgerichte von den Gewerberativen Arbeitsvertrag zwischen den Chefs der städtischen Werke und wären überflüffig, die bisherigen Aufsichtsorgane genügten, auch gerichten. Auch soll dabei ein kleines Geschäft nicht aus- den Bertretern der Arbeiterorganisationen angeknüpft wurden. Die forgten die Handlungsgehülfen schon selbst mehr als nötig für eine Verhandlungen haben fast den ganzen Sommer gedauert. Es sind Kontrollierung ihrer Chefs. Die Einrichtung würde nicht sozial bleiben. Gelingt ihnen der Plan, so werden sie sicherlich ver- 26 verschiedene Arbeiterkategorien, auf die sich der Tarifvertrag versöhnend wirken, sondern nur agitatorisch, und für die organisierten fuchen, ihre Zeitschrift Das Kaufmannsgericht" zum Organ erstreckt. Die Monatslöhne der Straßenreinigungsarbeiter wurden Handlungsgehülfen ein Ansporn sein, immer mehr Forderungen zu des Verbandes zu machen, um dadurch die Kaufmannsgerichte auf 80 bis 100 Stronen festgesetzt. Für die übrigen Branchen find Der Vorfigende der Kammer gab der Hoffnung Ausdrud, in antisemitisches Fahrwasser zu bringen. größtenteils Stundenlöhne normiert. Bei Affordarbeit wird der daß alle deutschen Handelskammern mit gleicher Entschiedenheit ihre Alle denkenden und aufgeklärten Beisiger der Kaufmanns- Stundenlohn garantiert. Ueberzeitarbeit wird im allgemeinen an ablehnende Haltung zum Ausdruck bringen möchten. gerichte müssen deshalb entschieden dagegen Stellung nehmen. Sonn- und Feiertagen mit 100 Proz., im übrigen mit 50 Broz. Aufschlag bezahlt. Zur Schlichtung von Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis ist eine Kommission, die aus je zwei Vertretern der städtischen Werke und der Arbeiterorganisation sowie einem unparteiischen Vorsitzenden besteht, eingesetzt worden. stellen. Finanz, der feudale Großgrundbesik und das Beamten- Element Berlin und Umgegend. Achtung, Rohrleger und Helfer! Rigdorf, Knesebeditraße 64. Bau Eibe, Ede Schandauerstraße. Letzte Nachrichten und Depefchen. Die Differenzen bei der Firma Mier u. Zaulin, Rig dorf, find beigelegt und sind die nachstehenden Bauten frei: Bau Bau Weisestraße, Schule. Bau Saalestraße, Ede/ Beigerstraße. Bau Berg-, Ede Lahnstraße. Briz, Wilhelmstraße 3. Desgleichen bei der Firma Scholz, Wilhelmsberg, Hohen Schönhausenerstr. 18. Bau Scholz, Hohen- Schönhausen, Berlinerstr. 113a. Bau Hohen- SchönHausen, Bahnhofstraße 2. Bau Scholz, Friedrichsberg, Müggelstr. 4. Bau Burghardt, Rirdorf, Kaiser Friedrichstraße 50. Achtung, Schloffer und Maschinenbauer! Der schwedisch- norwegische Konflikt. Stockholm, 13. September.( W. T. B.) Bezüglich einer Meldung aus Karlstad, wonach die schwedischen Delegierten ein Ultimatum gestellt hätten, das von den norwegischen Delegierten. angenommen worden sei, erfährt Svenska Telegram Bhrau" aus bester Quelle, daß diese Meldung jeglicher Begründung entbehrt. Stockholm, 13. September.( W. T. B.) ( W. T. B.)„ Dagbladet" veröffentlicht in einer Erira- Ausgabe ein Telegramm von der Grenze Vermlands, in dem es heißt, daß die Norweger in den letzten Tagen mobilisiert und die Grenze mit den fünf jüngsten Jahrgängen von Wehrpflichtigen besetzt hätten. Das Blatt fügt hinzu, daß die Meldung aus zuverlässiger Quelle stamme. Aus Induftrie und Handel. Industrielle und finanzielle Herrenhäusler. Im preußischen Herrenhause figen nur wenige Vertreter der Großindustrie und hohen dominieren vollständig. Im ganzen sind es zurzeit acht Personen, die sich der zweifelhaften Ehre erfreuen, von dem Land- und Beamten adel zeitweilig als gleichberechtigte Mitglieder geduldet zu werden. Zwei kaufmännische Mitglieder, die Herren Geh. Kommerzienrat Karl Burg und Geh. Kommerzienrat Frenkel sind vor einiger Zeit durch den Gevatter Tod aus der illustren Gesellschaft abberufen worden; doch hat sich für den ersteren bereits Ersatz gefunden. Herr Franz Haniol, ebenfalls Geh. Kommerzienrat, der Chef der bekannten gleichnamigen Kohlendynastie des Ruhrreviers, ist an seiner Stelle zum Herrenhausmitglied ernannt worden. Außer ihm gehören zur- Bei der Firma&. Seifert u. Co., Köpenickerstr. 154a, welche zeit noch folgende Großindustrielle und Banfiers dem Herrenhaus Rohrleger und Helfer zu den Verbindungen der neu aufzustellenden Geh. Kommerzienrat b. Mendelssohn Bartholdy, Bankier Maschinen und sonstige Heizanlagen beschäftigt, haben die Rohrleger v. Meßler, Frankfurt a. M.; Geh. Kommerzienrat Bankier Meyer, und Helfer wegen Nichtinnehaltung des Tarifs die Arbeit niederHannover; Geh. Kommerzienrat Michels, Köln; Geh. Kommerzienrat gelegt, erwarten daher, daß obige Kollegen sich nicht als ArbeitsSchlutom vom Stettiner Bultan; Arnold v. Siemens, Berlin und willige hergeben werden. Hüttenbefizer Bopelius. An Feudalität und Arbeiterfeindschaft steht dieses Konsortium föniglicher Kaufleute dem adeligen Großgrund- Die Schloffer der Flohrschen Maschinenfabrik waren vor etwa befiz um teinen Deut nach, sondern sucht ihn womöglich noch zu acht Tagen in den Streit getreten, weil ihnen die bekanntermaßen ungewöhnlich niedrigen Löhne dieses Betriebes nicht länger genügten. Bahlte doch der Herr Kommerzienrat und Stadtverordneter Flohr Löhne bis herunter zu 33 und 32 Pf. Wie nun gestern in einer stark Mukden, 13. September.( W. T. B.) Der russische und der besuchten Betriebsversammlung mitgeteilt wurde, ist jetzt der Streik beendet, so daß am heutigen Donnerstagmorgen die Arbeit wieder japanische Bevollmächtigte für die Waffenstillstands- Verhandlungen, II. Vierteljahr I. Vierteljahr Jahresmittel Firma zu folgenden Zugeständnissen bereit erflärt: Der 10 lihr auf der Station Schathedza, 10 Meilen nördlich von II. Vierteljahr I. Vierteljahr Jahresmittel aufgenommen wird. Nach mehrfachen Verhandlungen hat sich die die Generale Dranowski und Fukushima, sind heute vormittag um Anfangslohn der Schloffer beträgt ein Jahr nach beendeter Lehrzeit Tschantufu zusammengetroffen. Die Regelung der einzelnen Be 38, Pf., für zweijährig Ausgelernte 40 Bf. und für alle übrigen dingungen des Waffenstillstandes wird vermutlich mehrere Tage 45 Pf. pro Stunde. Kolonnenführer erhalten einen Minimallohn von dauern. an: übertreffen. Der Schichtlohn der Kohlenbergarbeiter Preußens hat sich nach der vom Reichs- Anzeiger" veröffentlichten Nachweisung der verdienten Löhne im zweiten Quartal nur sehr wenig gehoben. Er betrug nämlich im Durchschnitt: in Oberschlesien. „ Niederschlesien " ., Oberbergamtsbezirk Dortmund. " 1905 1905 1904 3,05 M. 2,92, 3,05 M. 2,92 2,98 M. 2,79 " " . 4,01 3,94 3,98 50 Pf., nach einjähriger Beschäftigung 55 Pf. und nach zwei Jahren " " " 3,77 4,05 3,80 3,71 " " " 4,02 3,04 3,89 " " .3,05" " Saarbrückener Revier Aachener Revier. „ Oberbergamtsbezirk Halle 3,12, Kristiania, 13. September,( W. T. B.) Bezüglich der von Stockholms„ Dagbladet" veröffentlichten Meldung über die nor wegische Mobilisation ist„ Norst Telegram Burau" ermächtigt, zu erklären, daß in der Nähe der norwegischen Grenze nur einzelne Abteilungen zur Bewachung der Grenze aufgestellt seien, das norwegische Heer sei nicht mobilisiert. Der Waffenstillstand. Görlik, 13. September.( W. T. B.) Die hiesige Straffammer 60 Pf.( früher im Durchschnitt 45 Pf.). Für Bohrer beträgt der Mindestlohn 40 Pf. und nach einjähriger Beschäftigung 45 Pf. Auch verurteilte heute den Eisenbahnschaffner talus in Hoyerswerda zu die Akkordpreise sind um 10 Prozent erhöht worden. Als Charakterei Monaten Gefängnis, weil er am 6. Dezember das ristikum wurde ausgeführt, daß bei den bisherigen schlechten Löhnen Eisenbahnunglück bei Ruhland verursacht hatte. Er hatte einen Güterzug, In Schlesien ist, wie die Aufstellung zeigt, der Schichtlohn der seit Januar d. J. in dem Flohrschen Betriebe jede Woche durchschnitt- deffen Zugführer er war, von Ruhland nach Bärhaus abgehen lassen. felbe geblieben, im Dortmunder und Aachener Revier ist er ein lich 25 Arbeiter neu eingestellt werden mußten, weil ebensoviele regel- Der Zug stieß darauf mit einer entgegenfahrenden Lokomotive zuwenig gestiegen, ebenso in Halle; im Saarbrückener Revier hat er mäßig ihre Entlassung nahmen. Bei diesem Streit zeigte sich auch sammen, wodurch zwei Beamte getötet und vier verletzt wurden. fogar abgenommen. Dagegen ist, wie die Ausweise einer Reihe wieder die unheilvolle Tätigkeit des schwarzen Kabinetts" in der Hamburg, 13. September.( W. T. B.) Ein in Altona wohgroßer Bergwerke zeigen, der Ertrag der Gruben beträchtlich ge- Gartenstraße, des berüchtigten Arbeitsnachweises der Metall- nendes Mädchen ist unter podenartigen Erscheinungen erkrankt und stiegen. industriellen, in feiner ganzen Rigorosität. Als die Verhandlungen auf ärztliche Anordnung unter Beobachtung besonderer Vorsichtsbereits fast zum Abschluß gefommen waren, hatte nämlich ein junger maßregeln in der Isolierbaracke des Altonaer Krankenhauses unterDie ärztliche Untersuchung hat bisher nicht beunorganisierter Schlosser seine Entlassung genommen, weil gebracht worden. er eine beffer bezahlte Stellung in einem anderen Betriebe in Aussicht stimmt ergeben, ob es sich um echte Bocken oder um einen schweren hatte. Er ging nach dent schwarzen Kabinett, um sich den Handschein Fall sogenannter Wasserpocken handelt. Anscheinend liegen lettere zu holen, wurde dort aber mit dem Bemerken abgewiesen, er möge vor. Grund zur Besorgung ist nicht vorhanden, da von der Polizei nur na 4 Monaten wiederkommen; für Streifende würde keine und von der Gesundheitskommission die strengsten VorsichtsmaßArbeit vermittelt! regeln getroffen worden sind. Die französische Getreideernte hat einen recht guten Ertrag geliefert. Das Bulletin des Halles schäßt sie auf 116 718 200 Seftoliter, d. i. 12 194 747 hektoliter mehr als im Vorjahre und 1 133 232 Hektoliter mehr als der Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Zur Konzentration des Kapitals. Schneller als anderswo geht in den Vereinigten Staaten die Zusammenziehung Kleiner Betriebe Verantiv. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 215. 22. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnerstag, 14. September 1905, Gegen die theoretischen Stützen der Sozialdemokratie. " V. stehen nur der Zweifelsucht einiger Genossen, dem sogenannten englischen Einfluß, allenfalls auch noch der Mißdeutung einiger wirtschaftlicher Erscheinungen der lezten Aufschwungsperiode. Eine schärfere Herabsetzung des geistigen Lebens unserer Partei, als in einer derartigen Auffassung liegt, kann es kaum geben, wird doch damit behauptet, daß ein großer Teil der Partei Weltanschauung und Taktik des Proletariats. Die am Dienstag abgehaltene Generalversammlung des Wahlso wenig geistige Selbständigkeit besigt, daß vereins für den sechsten Kreis begann die Diskussion der über das 4. Wohin führt die Entwickelung unserer Partei? er blindlings auf persönliche Marotten und vorstehende Thema in der vorigen Versammlung gehaltenen Referate. Es gehört seit jeher zu den Lieblingsbeschäftigungen bürgerlicher Miß deutungen einzelner Literaten hineinfällt, Auch die gegenwärtige Versammlung war wieder äußerst stark bePolitiker, Spaltungen der sozialdemokratischen Partei zu prophezeien. und dann sich von diesen Marotten fo um sucht, Saal und Galerien waren vollständig gefüllt. Der VorSchon lange vor dem Auftreten des Revisionismus stellten sich bei striden läßt, daß er nach jahrelanger Diskussion fizende Freythaler eröffnete die Versammlung und verlas eine den geringsten Differenzen innerhalb der sozialdemokratischen Partei der strittigen Fragen in der Parteipreise und nach vom Vorstande des Wahlvereins eingereichte Resolution, welche bürgerliche Auguren ein, die mit der Miene tiefblickender Seher ver- den stürmischen Auseinandersegungen dreier die Friedebergsche Kritit des Marrismus und seine Generalsheitfündeten, nun seien die Gegensäge endlich so weit gediehen, daß Parteitage noch immer nicht den Rüdweg zu dee verwirft. demnächst sich ein rechter oder linker Flügel von dem Gros der Partei finden berma g. Und nicht nur das geistige Leben der Partei Kaleise beantragte, dem Vorsitzenden Freythaler die absondern werde. Seit dem Hervortreten des Revisionismus gehören wird durch diese Herleitung des Revisiosuus herabgesetzt, sondern Leitung der Versammlung zu entziehen und sie dem zweiten Vorderartige Prophezeiungen zu den alltäglichen polemischen Requisiten auch die geistigen Fähigkeiten der führenden Revisionisten werden fizenden Riesel zu übertragen, weil Freythaler die vorige der liberalen Presse. Einmal heißt es, die Revisionisten hätten die entschieden unterschätzt. Mögen einige auch nur nachbeten, was Bersammlung nicht unparteiisch geleitet habe. Frenthaler Oberhand erlangt und würden die extremen oder orthodoxen andere vorgedacht haben, so fehlt es ihnen doch keineswegs verwahrte sich gegen den Vorwurf der Parteilichkeit, Riesel Marristen absägen, dann wieder, das kleine aber einflußreiche an gescheiten Köpfen. Zu solchem Gipfel der der ethischen stimmte ihm darin zu und lehnte deshalb die Uebernahme der marxistische Häuflein suche die Revisionisten aus der Partei hinaus- Auffassung, den Revisionismus nur als Folge gewisser eng- Leitung ab. Nachdem noch Weber gegen den Antrag Salesse zudrängen. lischer Einflüsse und Mißverständnisse anzugesprochen hatte, wurde derselbe mit allen gegen einzelne Stimment Auch der Kritiker der Köln. 3tg." gefällt sich in solchem sehen, vermag ich nicht aufzusteigen. Nach meiner Ansicht ist er abgelehnt. Ausblick" in die Zukunft, und zwar wird nach seiner Meinung vielmehr der theoretische Ausfluß gewisser wirtschaftspolitischer Rehbein erhielt nun als erster Redner zur Diskussion das der Revisionismus das Kampffeld behaupten, denn zu ihm gehören Strömungen, die einerseits durch die wirtschaftliche Entwickelung Wort. Der Generalstreit sei in der vorigen Versammlung nur die fähigsten Schriftsteller und Politiker der sozialdemokratischen Deutschlands während der letzten Jahrzehnte: eine Entwickelung, die oberflächlich erörtert worden. Das Verfäumte müsse heute nachPartei, während die orthodoren Marristen um eine durch die Deutschland zum zweiten Industriestaat der Welt gemacht und be- geholt werden. Ebenso sei es notwendig, das Verhältnis der gewerkrevisionistische Kritik zerfekte und zerschliffene Programm- Standarte stimmte begünstigte Arbeiterschichten auf ein beträchtlich höheres schaftlichen Lokalorganisationen zum Genossen Friedeberg zu be ämpfen. Die Position der Marristen ist nach seiner Behauptung um so Lebensniveau emporgehoben hat, andererseits durch die schnelle Aus- sprechen. Eine Auseinandersetzung, wie sie die vorige Bersamm unhaltbarer, als auch ein Teil der Marristen längst die Notwendig- breitung der sozialistischen Partei in Deutschland und den lung brachte, sei ja ganz interessant, aber es handele sich dabei doch feit einer gründlichen Revision des Programms und einer dieser starken Zufluß bürgerlich radikaler Elemente hervorgerufen eigentlich nur um die Wiederholung der längst abgetanen Debatten folgenden gänzlichen Umgestaltung der Partei" er worden find. In diesem raschen wirtschaftlichen Auf mit den Anarchisten. Was Friedeberg wolle: Eine Verbindung von tannt hat und nur noch aus gewissen Opportunitätsgründen an dem schwung erschienen manche der von Mary aufgestellten kapitali Sozialismus und Anarchismus, das sei ganz unmöglich, Friedeberg Erfurter Programm festhält. Daß so tfluge Köpfe wie Bebel und stischen Tendenzen äußerlich in einer gewissen Abschwächung werde damit auf beiden Seiten anstoßen. Der lebhafte Beifall, den Kautsky, meint er, nicht längst die Notwendigkeit einer Revision ein- und Verblaßtheit, während sich zugleich für die organisierte Arbeiter- Friedeberg in der vorigen Versammlung fand, sei ein Beweis für die gesehen hätten, sei unmöglich. Wenn sie diese Notwendigkeit nicht schaft die Möglichkeit ergab, in einer vorläufigen Konzentration auf mangelhafte theoretische Schulung der Parteigenossen. Friedeberg habe offen eingeständen, so wäre das Motiv dafür in ihrem dem gewerkschaftlichen Tagestampf wesentliche Vorteile zu erringen, seine, dem Anarchismus entnommenen Anschauungen mit Schlagworten Mangel an Mut zu suchen, der Entwicklung Rechnung und ferner die rasche Entwickelung der sozialdemokratischen Partei verbrämt, über deren Inhalt bei allen Sozialdemokraten volles Einzu tragen. Allerdings, wenn auch zunächst noch die Re- und ihr Eindringen in die bürgerlichen Schichten die Perspektive zu verständnis herrsche.( Widerspruch.) Im Feenpalast habe er in bifion abgelehnt werde, lange läßt sie sich, wie der Verfasser eröffnen schien, auf dem Wege der parlamentarischen Aktion friedlich dieser Hinsicht noch mehr geleistet. Das meiste, was Friedeberg bersichert, nicht mehr hinausschieben, und zwar müssen nicht nur die zum Ziel zu gelangen vorausgefeßt, daß nicht die Taktik befolgt vorbrachte, habe Genosse Ledebour treffend widerlegt. Friedebergs alten marxistisch- theoretischen Grundfäße und Forderungen fallen, werde, den Zuzug der bürgerlichen Unterstützungstruppen zu hemmen, Kritik der materialistischen Geschichtsauffassung habe gezeigt, daß er sondern auch ein Teil der praktischen Biele der Sozialdemo- also fie nicht durch Betonung der letzten und wirtschaftlichen Ziele Mary nicht verstanden habe. Die heutigen Verhältnisse dagegen befratie als politischer Partei, denn mit der Aenderung der Gesell- der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung zurückzuschrecken. weisen, daß Mary vollkommen recht hat. Darin stimmen wir schaftsstruktur hätte sich auch die Parteistruktur verschoben: Aus dieser Strömung heraus ist der Revisionismus erwachsen, Friedeberg zu, daß das revolutionäre sozialistische Empfinden der Als die Grundlage des Programms in den großen Marristischen und weil diese seine Basis fortbesteht, deshalb Arbeiterklasse gestärkt werden müsse. Das lasse sich aber nicht Werken gelegt wurde, da mag noch die politische Forderung be- tann auch mit einem Verschwinden der revisio- im Handumdrehen machen. Gewiß, jedem von uns geht rechtigt gewesen sein, diese als Proletarier zu einer Partei mit nistischen Bestrebungen nicht gerechnet werden, die Bewegung zu unserem Ziel zu Tangsam, aber wir gemeinsamen Interessen zusammenzuschweißen. Inzwischen ist aber obgleich der Revisionismus nicht vermocht hat, die verschiedenen müssen uns in Geduld faffen, bis es anders wird. Kein Sozialdie Entwickelung ganz andere Bahnen gegangen, und wie die marxistisch- ökonomischen und soziologischen Theorien durch irgend demokrat habe je geglaubt, daß uns der Parlamentarismus zum theoretischen Grundpfeiler des sozialdemokratischen Lehrgebäudes etwas Gleichwertiges zu ersetzen. Ziele bringt. Wir alle wissen, daß er nur Mittel zum Zweck ist hinweggeschwemmt worden sind, so ist auch die politische Organi- Und da Deutschland in weiterem wirtschaftlichen Aufstieg be- und daß er als solches eine gute Wirkung hat. Dieser Meinung sation der Partei nicht mehr haltbar, da die tatsächliche Entwicke- griffen ist, da ferner der Zuzug aus bürgerlichen Kreisen, weil seien früher auch diejenigen Genossen gewesen, welche jetzt den antilung fie überholt hat. Schon können wir sehen, wie sich langsam es in Deutschland an einer bürgerlich demokratischen Partei parlamentarischen Ausführungen Friedebergs zustimmen. Daß aus dem die Gegenwart stets umhüllenden Nebel der unentwirrbaren fehlt, voraussichtlich auch weiterhin in gleich startem Maße die gewerkschaftlich lokalorganisierten Genossen jezt auf der Seite Einzelerscheinungen die Linien lösen, die die neue Struktur der erfolgen wird, so werden auch die revisionistischen Bestrebungen Friedebergs stehen, zeuge von einem Mangel an theoretischer Gesellschaft zeigen, sowohl innerhalb der Personengemeinschaft, die immer wieder hervortreten, und in verstärktem Maße. Zwar heißt Schulung der betreffenden Genossen. Jahrelang feien alle man früher unter dem Namen Bourgeois zusammenfaßte, wie auch es häufig, die bürgerlichen Mitläufer müssen zu gründlichen, auf diese Genossen gute Sozialdemokraten gewesen. Wenn sie innerhalb der Personengruppe, der man den Kollektivnamen. der dem proletarischen Klassenkampfstandpunkt stehenden Kämpfern ge- jezt mit Friedeberg abschwenken, so müsse das doch Proletarier gab. Nicht alle Bourgeois sind, wie es früher mehr macht werden. Dieses Müssen“ ist recht schön; doch vom gute Gründe haben.( Sehr richtig!) Man sage, in den Gewerkoder weniger der Fall war, auch Unternehmer, keineswegs sind sie materialistisch- historischen Standpunkt genügt ein solches Diftum fchaften walte fein sozialistischer Geist. Ja, wenn unsere Parteisomit wirtschaftlich mehr als eine den Arbeitern, wie diese nicht. Von diesem Standpunkt wandelt sich vielmehr das" Müssen" organisationen von sozialistischem Geiste erfüllt wären, dann könnte glauben, naturgemäß feindselige Klasse zu betrachten. Ab in die Frage: Wie weit ermöglichen es die ökonomischen Ver- manches, was man jezt den Gewerkschaften zum Vorwurf mache, gesehen von den nicht unbedeutenden Kreisen, hältnisse und Erwerbsinteressen diesen Schichten, den proletarischen nicht vorkommen. Unsere politischen Organisationen befassen sich Sie aus philosophisch ethischen Gründen einer Klassenkampfstandpunkt einzunehmen?" Und eine nähere Unter- gar zu viel mit untergeordnetem Kleinkram und vernachlässigen sozialistischen Bewegung nahe stehen und der fuchung ergibt gar bald, daß, wenn auch einzelne über alle Hinder- darüber die theoretische Schulung der Genossen. Würden wir Partei ihre Stimme geben, die diese Bewegung am nachdrüd- nisse hinwegzukommen vermögen, doch der Masse dieser Mitläufer die theoretische Schulung mehr pflegen, dann könnten solche lichsten unterstützt, sind es vor allem alle diejenigen Schichten, die durch ihre speziellen Interessen eine bestimmte Grenze gezogen wird. Entgleisungen, wie wir sie bei den Anhängern Friedebergs gesellschaftlich zwar zu den bürgerlichen Kreisen, wirtschaftlich aber wie schon im letzten Artikel gesagt wurde, halten wir beispielsweise sehen, nicht borkommen. Die Lokalistischen Genossen, zu den Enterbten gehören: das sogenannte Proletariat den Bauer nur so lange bei unserer Fahne, als wir nicht die Land- welche im Feenpalast der Resolution Friedebergs zustimmten, arbeiter und das ländliche Gesinde zum Kampf für ihre Interessen hätten sich damit eigentlich außerhalb der Partei gestellt. Die beDadurch find neue Elemente in die sozialdemokratische Partei organisieren, und den größten Teil der Kleinhändler nur so lange, treffenden Genossen bestreiten das allerdings und meinen, sie wollen hineingekommen, die ihre wirtschaftspolitischen Ideale, wie der als nicht die Arbeiter- Konsumgenossenschaften und-Produktivgenossen- nur die Partei nach links drängen. Um etwas anderes werde es sich Kritiker der Kölnischen Zeitung" meint, niemals in einer Partei fchaften mit seinen Erwerbsinteressen follidieren. wohl auch nicht handeln. Man wollte aber der Sache eine wissenverwirklicht finden könnten, die speziell auf die Bedürfnisse der Arbeiterschaft zugeschnitten sei. Außerdem aber vollziehe sich innerhalb der Arbeiterklasse selbst eine Scheidung; es entständen höhere, beffer fituierte Arbeitergruppen, die der Schicht der gewöhnlichen Tagesarbeiter als Aristokraten gegenüberständen: der Gebildeten." M 〃 " 0 Es wirkt recht seltsam, wenn in der letzten Sonntagsnummer schaftliche Verbrämung geben, und da der alte Keßler nicht mehr des Vorwärts" der Verfasser der Artikelserie über„ Wenn und Aber" lebt, habe man sich an Friedeberg gewandt. Kepler hätte meint, das Philosophieren über den Klassenkampf sei unnüg, und solche Dummheiten nicht gemacht, denn er war Sozial dann hinterher die Behauptung, daß nur ein Teil der bürgerlichen demokrat.( Zustimmung.) Friedeberg aber habe die Lokalisten Mitläufer zur Einnahme des proletarischen Klassenfampfstandpunktes mit seiner Resolution übertölpelt. Die anarcho sozialistischen " Daß auch innerhalb der Arbeiterklasse verschiedene wirt- gelangen tönne, in bölliger Berkennung der Bedeutung der Ideen riefen im Feenpalast wohl berbuzzte Gefichter Wäre das schaftliche Gruppen vorhanden sind, haben die Theoretiker des Frage mit der Erklärung zu widerlegen fucht, daß es ganz hervor, aber niemand habe diesen Ideen widersprochen. Sozialismus und auch der Sozialdemokratie stets selbst gewußt. Daß natürlich und nie zweifelhaft gewesen wäre, daß, wenn das geschehen und hätte man sich nur beschränkt auf die Propagierung aber diese organisch höchst bedeutsame Scheidung zum Fluche der Proletariat eine Macht geworden sei, feiner Fahne auch Bauern, des Generalstreits und auf das Bestreben, unsere Partei nach links Partei zu werden droht, das ahnte Kautsky faum, als er des Kleinbürger, Gebildete" usw. zuziehen würden. Daß dieser Zuzug zu drängen, dann hätte die Feenpalast- Bersammlung keine weiteren langen und breiten auseinandersetzte, wie sich die organi natürlich ist, habe ich nie geleugnet, er ist in Anbetracht der politischen Erörterungen zur Folge gehabt. Ja, die lokalistischen Genossen fierten gelernten Arbeiteraristokraten, die Verhältnisse des neuen Deutschen Reiches sogar sehr natürlich; aber wären uns auf dem Parteitage in Jena vielleicht als sozialschon so viel Macht in ihrer Vereinigung be- burch seine Natürlichkeit wird die Frage nicht erledigt; ob jene mit demokratische Musterknaben hingestellt worden, wenn sie nicht anarcho- sozialistische figen, daß sie denunternehmer zwingen können, läufer- Schichten einfach in die proletarische Bewegung aufgehen die Dummheit gemacht hätten. ihnen ihre entsprechende Arbeit unter vorteil- können, und ob die lettere nicht notwendig durch sie in ihrem Gegensatz zwischen den lokalistischen und den zentralistischen haften Bedingungen abzunehmen, von den Arbeitern Charakter beeinflußt und verändert wird? Gewerkschaften beruhe nicht auf einem Mangel an sozialistischem in Es muß also mit einer Fortdauer, ja einem weiteren Erstarken Geist schieden, die, um sich zu erhalten, auch Arbeit verrichteten, die den letzteren. des Die Ursache Gegensatzes ihrer Vorbildung und ihren Fähigkeiten keineswegs entspräche; der revisionistischen Bewegung gerechnet werden. Deshalb befürchte sei der Widerstand der Lokalisten gegen das zentralistische dann folgt die Klasse der gelegentlichen Arbeiter im Tagelohn und ich jedoch durchaus fein Zugrundegehen der Partei, selbst vorerst Brinzip. Der revolutionäre sozialistische Geist sei auf lokalistischer zuletzt die überall und zu allen Zeiten vorkommende verkommene teinerlei Spaltung und Abzweigung. Unsere Partei wurzelt so fest Seite nicht stärker vertreten wie auf zentralistischer Seite. Nur die Schicht der Lumpenproletarier. im Boden der ökonomischen Verhältnisse; sie ist so sehr ein Produkt niedrigen Beiträge scharen ein Häuflein Genossen um das Banner Der " Nachdrücklich verlangt die Entwickelung der gewerkschaftlich dieser Verhältnisse, daß sie selbst den stärksten Stürmen standhält. der Lokalisten( Beifall), aber nicht die prinzipielle Gegnerschaft gegen organisierten Arbeiteraristokratie und des Bildungsproletariats und sollte tatsächlich im weiteren Verlauf fich die Neutralität und nicht die Bekenntnis zu revolutionär sozialistinach einem Ausdruck dieser wirtschaftlichen Entwickelung in einer eine fozialreformerische, halb oder viertel fchen Anschaumgen. Wenn sich in den Zentralverbänden ein Mangel Partei, die als starte fozialistische Reformpartei fozialistische Gruppe von ihr abzweigen, die an sozialistischem Geist bemerkbar mache, so seien unsere Parteigenossen ihre wirtschaftlichen Interessen in schärfster Weise durch positive masse der deutschen Arbeiterschaft wird der schuld daran. Sie seien doch meist Mitglieder der Zentralverbände. Dort Sozialpolitik vertritt. Diese Partei wird stets demokratisches Blut eherne 3wang der Verhältnisse immer wieder fönnten sie für ihre Ansichten eintreten, niemand hindere sie daran. in den Adern haben; andererseits muß sie dagegen als auf den eingeschlagenen Weg zusammenführen. Zur Erörterung des Generalstreits übergehend, sagte der Redner, positive Reformpartei der schroffste Gegner Dieser Ansicht ist sogar der Kritiker der Köln. 8tg." Er meint, er vermöge keinen Unterschied zu erkennen zwischen dem Generalbon Revolutionarismus, Klassentampf, Inter- daß, wenn auch eine Spaltung erfolgen wird, doch die heutige Sozial- streit und dem politischen Massenstreit. Beide gründen sich auf den nationalität und Staatsfeindschaft, prin demokratie, teine vorübergehende Erscheinung" ist; selben Voraussetzungen, nur in ihren Bielen weichen fie von einzipieller Opposition usw. sein." als Partei der eigentlichen proletarischen Elemente und der„ Nihilisten" ander ab. Durch den Generalstreit solle die Umänderung der GeZur Bildung einer solchen sozialistischen Reform( allem Anscheine nach versteht er darunter die konfequenten Margiften) sellschaft herbeigeführt, durch den politischen Massenstreit politische partei wird es nach der Versicherung des Kritikers des rheinischen werde sie bestehen bleiben. Rechte erobert oder politische Entrechtung abgewendet werden. Gerade aber, wenn man den Revisionismus nicht als etwas An General Blattes unzweifelhaft kommen. Er vermag sogar bereits vorauszus die Durchführung eines oder Massenstreits Die Arbeiter der Lebenssagen, daß ihr Hauptstreben die Herstellung des Fabrit- Abgetanes betrachtet, wenn man der Ansicht ist, daß er aus be- sei vorläufig noch nicht zu denken. fönnten nicht am Streif tonstitutionalismus und die Regelung der jezigen planlosen stimmten Verhältnissen immer wieder neue Seräfte zieht, und wenn mittelbranche teilnehmen, weil Güterverteilung durch die massenhafte Errichtung von Konsumman ferner für wahrscheinlich hält, daß als Realtion gegen ihn, wie doch das Proletariat sich nicht auf längere Zeit berproviantieren genossenschaften sein wird. in anderen Ländern, auch in Deutschland es nicht an anarchistelnden könne, andere Arbeitszweige fönnten aber ohne Schaden für die Auf diesem Pfade der Zukunftskonjekturalpolitik dem Krititer der Werbungsversuchen fehlen wird, ergibt sich um so ge- Bourgeoisie wochenlang still liegen, und wieder andere Arbeiter Köln. Btg." zu folgen, verspüre ich keine Neigung. Vorerst scheinen bieterischer die Forderung einer größeren theofchichten, deren Teilnahme am Streit vielleicht ausschlaggebend wäre, mir die Vorbedingungen für die Abzweigung einer derartigen retischen Klärung. Die Tagespresse kann jedoch diese würden sich aus Sorge um die eigene Existenz an einem solchen fozialistischen Reformpartei nicht gegeben zu sein, weder in unseren Aufgabe nicht leisten, oder doch nur bis zu einem bestimmten Stampfe nicht beteiligen. In Italien, Holland und Belgien, Grade. eigenen Reihen, noch den politischen Gesamtumständen; mäßigen Auch Neue Zeit" ist in ihrer to wir Erfahrungen mit Massenstreits gemacht haben, sei und Betrachtungen darüber anzustellen, об später unter heutigen Verfassung dazu nicht imstande; sie kann nicht, ohne daß durch dieselben nichts erreicht worden. Jezt habe ja nur ein ganz anderen Verhältnissen die vom Kritiker prophezeite Spaltung der eine Teil unter dem anderen leidet, zugleich wissenschaftliche Waffenstreitstaumel in gewissen Arbeiterkreisen Platz gegriffen. eintreten kann, halte ich für überflüssig. Ergänzung der Tagespreise, theoretische Diskussionstribüne, Revue Auf dem internationalen Kongreß hätten Kongreß in Amsterdam Dagegen muß ich die Auffassung des Verfaffers anerkennen, daß zur Popularisierung und Erläuterung der sozialistischen Lehren sowie unsere Genoffen gegen den General wie gegen den Massenstreit Stellung der sogenannte Revisionismus feineswegs subjektivem Ermessen" zugleich Organ zur Fortentwickelung der Marrschen Theorie und genommen. Seitdem sei nichts geschehen, was uns zu einer Aenderung entspringt, sondern der politische Refler bestimmter Ver- ihrer Anwendung auf die verschiedensten Wissensgebiete sein. Es veranlassen könnte.( Buruf: Hamburg! Lübeck!) Gewiß Hamburg- Lübeck! änderungen der Parteistruktur und der politischen Gesamt- muß ihr, soll sie der Forderung der theoretischen Klärung in größerem Es scheine, als wolle man mit der Propaganda für den Massenstreit verhältnisse ist. Es ist meines Erachtens ein den Revisionismus ungerecht Umfange genügen, die legtgenamte Aufgabe abgenommen und einer die herrschende Klasse por dem Wahlrechtsraub zurückschrecken. Aber herabsetzender Fehler: ein Beweis dafür, wie wenig noch die materialistische besonderen theoretischen Monats- oder Vierteljahrsschrift zugewiesen dadurch lassen sich die herrschenden Klassen nicht bange machen. Geschichtsauffassung das Denken in unseren eigenen Reihen beeinflußt, werden, während sie selbst zu einem fast ausschließlich der Ergänzung Wie in Sachsen, Lübeck, Hamburg, würden sie uns auch im Reiche wenn behauptet wird( allerdings nicht von marxistischen Radikalen, der Tagespresse und der Erläuterung der sozialistischen Theorien das Wahlrecht schmälern.( Lebhafte Zurufe: Und was dann?! Was sondern meist von solchen Genossen, die das Vorhandensein ernstlicher dienenden größeren Wochenblatt ausgestaltet wird. Auffassungsunterschiede in der Partei aus irgendwelchen Gründen bestreiten zu müssen glauben), der Revisionismus verdanke sein Ent in " die H. C. dann?!) Wenn uns in politisch normalen Zeiten das Wahlrecht genommen wird, so wird gar nichts geschehen! Man wird fagen, das ist eine Schande, wenn wir uns das Wahlrecht nehmen lassen. Wer was sollen wir denn machen. Wenn wir Friedeberg folgen, dann werden die Arbeiter vor die Bajonette getrieben.(Bei- fall.— Rufe: Sie stärken die Reaktion!— Lebhafte Unruhe.— Rufe: Konservativer Wanderreduer.) Ja, wenn wir die Ansichten Friedebergs befolgen, dann tritt das ein, was Bismarck herbeigesehnt hat: der große Aderlaß. Die Soldaten stehen noch lange nicht auf unserer Seite. Sie werden größtenteils in die Massen schießen. Wenn wir bei einem Massenstreik auf die Straße gehen, so wird ein Blutbad die Folge sein. Wir sind noch lange nicht so weit, um einen Massenstreik zu machen, und wenn wir so weit sind, dann brauchen wir ihn nicht mehr. Kautsky wird durch die Art seiner Propagierung des Massenstreiks vielleicht seinen wissenschaftlichen Ruf aufs Spiel setzen.(Lebhafte Unruhe.) Massenstreik und General- streik sind nutzlos. In den Gewerkschaften, die doch bei dessen Durchführung zunächst in Frage konunen, ist man nicht dafür. Es scheint, als wolle Kautsky den Massenstreik zum Parteidogma erheben. Das muß entschieden abgelehnt werden. Bei ruhiger Ueberlegung wird sich jeder sagen müssen, daß wir nichts tun dürfen, was die Arbeiterbewegung zurückwerfen kann.— Redner empfiehlt die Annahme der Resolution des Vorstandes, obwohl er nicht in allen Punkten dieselbe billigt.— Wir müssen festhalten an den bewährten Grundsätzen der Sozialdemokratie und dürfen nicht in die Ideen des Anarcho-Sozialismus verfallen, wie es dank der Quertreibereien einiger Eigenbrödler geschehen soll.(Lebhafter Beifall.) Es sind inzwischen noch aus der Versammlung mehrere Resolutionen eingegangen. Ein Antrag, die Redezeit auf 15 Minuten zu beschränken— Rehbein hatte l1� Stunde gesprochen— wurde fast einstimmig ab- gelehnt. Die Versammlung beschloß, daß abwechselnd ein Redner für, ein anderer gegen die Friedevergschen Ausführungen zum Worte kommen soll. Juppenlatz: Wenn ich Rehbein wäre, ich würde mich schämen, den Fuß auf den Friedhof der Märzgefallenen zu setzen. Die Kämpfer, welche dort ruhen, haben sich nicht vor den Soldaren gefürchtet, ebensowenig das russische Proletariat, welches jetzt für seine Freiheit känipft. Vor solchem Sozialisnrus, wie ihn Rehbein propagiert, braucht sich die Bourgeoisie nicht zu fürchten.— Aus der Einteilung der Redner wissen Sie bereits, daß ich mit Friedeberg einverstanden bin, ich brauche deshalb nicht auf das Referat eingehen.— Ich habe der Resolution im Feenpalast zugestimmt und trete für das ein, was sie besagt, und wenn deshalb die Sozial- demokraten verlangen, ich soll den Kops in den Sack stecken und mich hängen lassen, nun gut, dann tue ich es.(Heiterkeit.) Voriges Jahr hat sich Ledebour die Widerlegung Friedebergs sehr leicht gemacht. Er sagie Gamals, diese Ideen seien eine Folge der Hundstagshitze. Jetzt war ja die Widerlegung nicht so leicht. Ledebour hat Friedeberg mit Marx' Lehre zu widerlegen gesucht und es so hingestellt, als ob wir Marx wie einen Heiligen zu verehren haben. Wir treiben keinen Personenkultns. Die Genossen, welche nur Flugblätter verbreiten, tun ebenso ihre Schuldigkeit, wie die großen Theoretiker. --- Rehbein sagte, der Parteitag hätte uns vielleicht seine An- erkennung gezollt, also wir hätten als Musterknaben eine Bonbon- tüte erhalten. Wir verzichten auf die Bonboutüte ebenso wie auf die Anerkennung durch Rehbein. Unser Auftreten hat schon zwei Ver- fammlungen hervorgerufen, wie sie der sechste Wahlkreis noch nie erlebt hat.(Oho! Unruhe.) Dafür müßte man uns Lokalisten danken.(Oh I Oh I Unruhe.) Ich halte an meinen Ansichten fest trotz Rehbein. Mit ihm gehe ich nicht auf den Friedhof der März- gefallenen. Ströbel: Der Vorredner sagte, wir Arbeiter kennen die Marxschen Theorien nicht, wir können sie deshalb nicht beurteilen, wir halten es daher mit den praktisch erfahrenen Genossen. Dieser Standpunkt kann nicht gebilligt werden. Von den Genossen muß er- wartet werden, daß sie sich mit den grundlegenden Theorien unserer Partei bekannt machen. Gewiß haben die Genossen, welche nur Flug- blätter verbreiten, moralisch denselben Wert wie unsere großen Theo- retiker. Aber die geistig hervorragenden Genossen haben doch im öffentlichen Leben eine größere Bedeutung und üben einen größeren Einfluß auf die Kulturbewegung aus. wie die Genossen, welche die Kleinarbeit verrichten. In praktischer Hinsicht ist es sehr wichtig, wie man sich zu der materialistischen Geschichtsauffassung stellt. Wenn man die Ansicht vertritt, daß eine psychologische Beeinflussung in unserem Sinne auch bei denjenigen Volksschichten möglich ist, deren Wirt- schaftliche Interessen unseren Bestrebungen entgegenstehen, so stellt man sich auf den Standpunkt des Revisionismus. Die mate- rialistische Geschichtsauffassung zeigt uns, daß ein Appell an die Humanität, an das Gerechtigkeitsgefühl der Be- sitzenden nutzlos ist, wenn ihre wirtschaftlichen Interessen in Frage kommen, und daß die Arbeiterklasse nur das durchsetzen kann, waS sie, gestützt auf ihre Macht, selbst erringt. Wenn Friedeberg nur ein entschiedeneres Eintreten für unsere Ideen, mehr Feuer in der Propagierung unserer Grundsätze will, dann sind wir alle mit ihm einverstanden.— Friedeberg meint, der Parlamentarismus führe uns zur Anpassung an die bürgerliche Gesellschaft, darum müssen wir die parlamentarische Betätigung fallen lassen und statt dessen Ausklärungsarbeit betreiben. Wie denkt sich Friedeberg die Ausklärungsarbeit, wenn wir keine Wahl- bewcgungen usw. hätten? Wenn er nur Vorträge über die Welt- anschauung des Sozialismus halten will, so wird er finden, daß er an die breiten Massen gar nicht herankommt. Die aktuellen TageS, fragen dagegen, die in Verbindung mit der parlamentarischen Tätigkeit an uns herantreten, halten das Interesse der Massen rege. Durch nur prinzipielle Aufklärung schafft man wohl eine kleine Sekte, mit der man aber nicht die politischen Verhältnisse eines Landes umgestalten kann. Daß der Parlamentarismus die Gefahr der Ver- sumpfung in sich birgt, ist richtig. Das hat auch Marx er- lannt. Aber wir können nicht deshalb auf die Anwendung eines Mittels verzichten, weil es die Möglichkeit einer Gefahr in sich birgt, sonst müßten wir auch auf die Gewerkschaftsbewegung verzichten, denn in ihr steckt die Gefahr, daß sie im Zünftlergeist versumpft. Ein Beispiel dafür bietet die englische Gewerkschaftsbewegung. Auch in deutschen Gewerkschaften sehen wir schon Ansätze zum Zünftlertum, so das Bestreben, die Zahl der Lehrlinge einzuschränken. Aber töricht wäre es, wollten wir deshalb die Gewerkschaftsbelvegung in Bausch und Bogen verwerfen, weil sie diese Gefahr in sich birgt. Wenn wir etwas erreichen wollen, dann müssen wir alle Machtmittel, die uns zur Verfügung stehen, an- wenden, auch den Parlamentarismus und die Gewerkschaftsbewegung. Es ist ja sehr schwierig, die Gewerkschaften mit rcvolutionär-sozialisti- schein Geiste zu erfüllen, weil die zünstlerischen Tendenzen und die Sorge um das angesammelte Vermögen dem entgegen- stehen. Früher haben sich die Gewerkschaften in ihren Ver- sammlungen wie in ihrer Presse mehr mit der Pro- pagierung sozialdemokratischer Anschauungen befaßt, je mehr aber die Gewerkschaften sich in der angegebenen Richtung entwickelt habe», desto mehr sind die politischen Angelegenheiten zurück- und die reinen Fachangelegenheiten in den Vordergrund getreten.— Wenn Friede- berg jetzt, um den Geist deS Klassenkampfes zu stärken, neue Theorien aufftellt, so verwirrt er die Gewerkschaften, anstatt sie aufzuklären. Wenn er die Gewerkschaften mit sozialistischem Geist durchsetzen will, dann muß er so arbeiten wie die Sozialdemokratie. Die Gefahren, die in der Gewerkschafts- bewegung stecken, haben andere Genossen lange vor Fricdeberg erkannt und darauf hingewiesen. Die Erfüllung der Gewerkschaften mit sozialistischem Geist ist ein Problem, an dessen Lösung wir arbeiten müssen. Die Parteigenossen dürfen sich nicht damit be- anügen, nur passive Mitglieder ihrer Gewerkschaften zu sein, sondern sie müssen in der Gewerkschaft für die sozialistischen Ideen eintreten. Wenn sich die 23(XX) sogenannter Lokalisten den Zentral- verbänden anschließen, dann können sie innerhalb der- selben für die Verbreitung sozialistischen Geistes eintreten. (Ruf: Wir kommen ja auf den Verbandstagcn nicht zur Geltung!) Den Einfluß müssen Sie sich erkämpfen, unsere Unter- stützung finden Sie.— Friedebergs Generalstreiksidee, die sich ja keineswegs mit der anarchistischen deckt, ist gar nicht so verschieden von der Massenstreiksidee. Nur über die Mittel der Durchtränkung der Masjen mit sozialistischein Geiste gehen unsere Ansichten aus- einander. Gewiß, im Augenblick ist weder der Generalstreik noch der politische Massenstreik möglich. Wir propagieren den letzteren aber, um ihn im gegebenen Falle neben unseren anderen Macht- Mitteln zur Anwendung zu bringen.— Wenn wir erst die Mehrheit hinter uns haben, dann brauchen lvir auch die Soldaten nicht mehr fürchten. Erziehung und Milieu werden die jungen Leute dann hindern, auf Vater und Mutter zu schießen.(Beifall.) Wenn es bei einem Massenstreik zu Zusammenstößen mit der be- waffneten Macht kommt, nun, dann wird sich zeigen, welche Seite die stärkere ist: die Herrschenden, die über die Machtmittel ver- fügen, oder das Volk, dessen gutes Recht von den Herrschenden unter- drückt wird.(Beifall.) Zu einer Machtprobe wird es einmal kommen. (Sehr richtig!) Bis dieser Moment gekommen ist, müssen wir den sozialististhen Geist verbreiten.— Friedeberg würde sich ein Verdienst erwerben, wenn er an Einzelfällen Abweichungen von den sozialdemokratischen Grundsätzen, die in unserer Partei vorkommen, kritisieren würde. Wenn er aber neue Theorien ausheckt und die Stützen der Sozialdemokratte zu untergraben sucht, so ist das ein verhängnisvoller Fehler.— Halten Sie fest an den alten Grund- sähen unserer Partei, propagieren Sie dieselben bei jeder Gelegen- heit, dann werden Sie«V: Fortentwickelung unserer Partei die größten Dienste erweisen, cl'cbhaster Beifall.) Weisel führte aus, daß den Gewerkschaften der sozialistische Geist fehle, er berief sich zum Beweise dessen auf die Propaganda gegen die Maifeier und die Stellung des Kölner Gewerkschafts- kongresses gegen den Massenstreik. Am Parlamentarismus sei ja viel Gutes, aber der UeberparlamentarismuS sei zu verwerfen, das Geld, welches für diesen Zweck ausgegeben werde, könne besser zur Agitation verwandt werden. Der Redner berief sich auf die be- kannte Aeußerung, welche Liebknecht 1869 gegen den Parlamen- tarismus machte. Kiesel knüpfte an dieses Zitat an und führte aus, jene An- schauung habe Liebknecht später durch seine praktische Täsigkeit selbst widerlegt. Ferner führte der Redner aus, die verschiedenen Fälle von Wahlrechtsverschlechterung seien ein Zeichen dafür, daß die proletarische Bewegung bedeutende Fortschritte gemacht habe und die Bourgeoisie den Einfluß der Sozialdemokratie fürchte. Aber trotz der Wahlentrechtungen werde die proletarische Bewegung weiter vor- wärts schreiten, gelragen von der Erkenntnis, daß der Kapitalismus beseisigt werden inuß. Die Wahlen böten uns eine gute Gelegen« heit zur Aufklärungsarbeit, man dürfe dem Proletariat dieses Kampf- mittel nicht verekeln. Die Reaktion werde uns die Waffe, die der Parlamentarismus für uns ist. einnial aus der Hand schlagen. Die Massen würden darüber empört sein und dann sei der politische Massenstreik zur Verteidigung des Wahlrechts am Platze. Die Annahme. Kautsky setze durch die Propagierung des Massenstreiks seinen Wissenschaft- lichen Ruf aufs Spiel, sei kindisch.— Das anarchistische Organ „Der freie Arbeiter" habe in seiner Weise die Friedebergsche Feen- palast-Resolution ausgenutzt. Dies Organ deute die Resolution in anarchistischem Sinne, und es sage, es sei an der Zeit, die 3000 Ar- beiter, welche der Resolution zustimmten, nun auch zu Anarchisten zu machen. Ob das auch Friedeberg wolle, wisse man nicht, es sei aber nicht anzunehmen. Aber die Tendenz der Friede- bergschen Agitation laufe auf eine Spaltung der Arbeiter- bewegung hinaus. Dagegen müssen wir uns mit aller Energie wenden. Wer die proletarische Bewegung sprengen will, der ist ebenso unser Feind wie die Bourgeoisie.(Lebhafter Beifall.) Theodor Fischer: Ledebour sagte, Friedeberg kenne die Volksseele nicht. Ich habe Gelegenheit zu erfahren, wie man in Arbeiterkreisen denkt und ich kann sagen, Friedeberg hat ausgesprochen, was die Volksseele bewegt. Er hat gesagt, was denArbeitern, die ja nicht theoretisch geschult sind. seitlangerZeit ausdemHerzen liegt. Soll das nun nach Ansicht der Theoretiker vomSchlage Rehbeins falsch sein, dannmüssen wir uns diese Ansicht gefallen lassen. Mit Theorien ist man in den letzten Jahren zu Oberflächlichkeiten gekommen.— Als Ledebour zu unserer Partei kam, stand er auf einem anderen Standpunkt wie heut. Er neigte damals den Ansichten zu. die Friedeberg jetzt ver- tritt.— In unserer Partei ist man im Laufe der Zeit zur Ver- tretung einer satten Moral gekommen. Man täuscht sich damit über das Elend des Proletariats hinweg. So lange das Elend herrscht, dürfen wir keine Agitation der satten Moral treiben, sondern wir müssen den revolutionären Geist des Sozialismus pflegen.(Zuruf: Das wollen wir alle.) Wenn das alle wollen, dann müssen Sie sich auch nicht dagegen wenden, daß wir die Dinge beim richtigen Namen nennen. Wenn Ledebour sagt, den Massenstreik lasse ich mir gefallen, nur der Generalstreik ist anarchistischer Unsinn, so ist er uns schon näher gekommen wie vor einem Jahre, wo er diese von uns vertretene Anschauung als ein Erzeugnis der Hundstagshitze bezeichnete. Wenn Ledebour in derselben Weise weiter kommt, dann wird er bald mit uns Arm in Arm gehen. Die Propagierung unserer Idee bedeutet nicht, daß wir morgen schon auf die Barrikaden gehen, wie Rehbein es hinstellt. Ein konservativer Wanderredner könnte nicht mehr gegen den Sozialismus reden wie. Rehbein.(Sehr gut I Beifall.) Solche Reden sollte man sich in der Generalversammlung eines sozialdemokratischen Wahlbereins nicht erlauben. Der Stand- Punkt Rehbeins ist erklärlich. Erst wenige Jahre in Berlin, hat er am Engel- Ufer seine Studien betrieben und jetzt trägt er die Weisheit aus dem Engelhause vor. Rehbein spricht ja auch außerhalb Berlins in Versammlungen. Wenir er dort so agitiert wie hier, dann bedauere ich die Arbeiter, die er durch solche Agitation zu Sozialdemokraten macht.— Wir haben nicht nötig, uns vor den Anarchisten zu graulen. Es schadet gar nicht, wenn wir uns init ihren Kampfmitteln vertraut machen. Wir brauchen deshalb noch nicht in das anarchistische Lager über- zugchen.— Was in der proletarischen Bewegung geleistet worden ist, das haben die Arbeiter geleistet. Wir verwahren uns deshalb dagegen, daß uns die Theoretiker schulmeistern. Wir wissen, wo uns der Schuh drückt. Wenn wir in der Vertretung unserer Ansichten auch mal daneben hauen, dann ist das noch nicht so schlimm, als wenn theoretisch die Köpfe verwirrt werden. Jetzt wendet sich Ledebour gegen die Neutralität der Gewerkschaften, aber er und seine Freunde haben feit Jahren die Neutralität poussiert und dadurch der Versumpfung vorgearbeitet. Fast alle Genossen wissen, daß in der Arbeiter- bewegung etwas faul ist, aber sie haben nicht die Macht, dagegen anzukämpfen. Die Sozialdeniokratie wird, wie ich schon früher sagte, nicht nur gegen ihre Gegner, sondern auch gegen ihre Führer kämpfen müssen. Von Grund auf müssen wir revolutionieren. Wer die Dinge nicht vom Stand- Punkt der satten Moral betrachtet, der wird das Vorgehen der sogenannten Lokalisten verstehen lind mit uns zusammenarbeiten. (Na, na! Unruhe.) Ich meine nicht, daß Sie aus den Zentral- verbänden austreten sollen, sondern ich wünsche nur, daß Sie die Entlvickelnng nach links fördern. Die Verhältnisse haben die Lokalisten nach links gedrängt, weil die Zentralverbände nach rechts gehen. Den Parteigenossen muß gesagt werden: Wenn Ihr UnterstützungS-Einrichtungen wollt, dann verzichtet darauf, Sozialdemokraten genannt zu werden.— In der zentralistischen Gewerkschaftspresse wird jetzt gesagt, die Partei hat die Lokalisten unter ihre Fittiche genommen, nun sieht sie, was sie davon hat.— Wir haben seit Jahren unter schwierigen Verhältnissen gearbeitet; die Parteipresse hat uns nicht unterstützt, sondern gegen uns gehetzt und uns die Arbeit erschlvert. Den Standpunkt, den unsere Or- ganisationen seither eingenommen haben, werden sie beibehalien, selbst auf die Gefahr hin, daß sich die Sozialdemokratie im Kampfe gegen uns mit den Zcntralverbänden verbrüdert. Ich glaube aber. ivir kämpfen noch weiter mit den Parteigenossen zu- sammen. Wollt Ihr unS aber nicht mehr anerkennen, nun, dann ist das Tischtuch zwischen uns zerschnitten.(Unruhe.) Wenn Pcus noch heut sozialdemokratischer Reichstags- Abgeordneter sein kann, wenn andere, die sich gegen grundlegende Programmsäye der Sozial- demokratie gewandt haben, noch anerkannte Parteigenossen sind, so können auch lvir das Recht in Anspruch nehmen, unseren nach links gerichteten Standpunkt zu vertreten. Rur das ist der Gedanke der Feenpalast-Resolntion:— Der Redner empfahl zum Schluß die An- nähme der Resolution Fueß, welche verlangt, duß die Gewerkschaften die Generalstreikidee propagieren mögen.(Lebhafter Beifall.) Um 12 Uhr wurde die weitere Diskussion bis zu einer nächsten Versammlung vertagt. Huö der frauenbcwegung. Im Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse sprach am Montag Max Grunwald über„Das Studium der National- ökonomie und die Frauen". In klarer glänzender Weise entwickelte der Referent im ersten Teile seines Vortrages in großen Zügen eine Einführung in die nationalökonomische Wissenschaft, um dann im zweiten Teile die spezielle Beziehung der Frauen zu derselben aus- einanderzusetzen. Die nächste Versammlung findet am 25. September im Moabiter Gesellschaftshause, Wiclefstr. 24, statt. Herr Dr. Mauren- brecher spricht über die Revolutton von 1848. Gerichts-Leitung. Eine große Anzahl Schlafstellendiebstähle wurden im Früh« jähr und Sommer dieses Jahres in Berlin, Charlottenburg und Spandau von dem Arbeiter Georg Franc ndorf verübt. Der gut gekleidete Dieb mietete sich zumeist bei einfachen Leuten eine Schlafstelle oder ein möbliertes Zimmer. Nachdem er die beste Ge- legenheit zun, Diebstahl ausbaldowert hatte, verschwand er eines schönen Tages unter Mitnahme der besten Kleidungs- und Wäschestücke seiner Logiswirtinnen. Als dem Diebe in der Umgegend von Berlin der Boden zu heiß wurde, verschwand er plötzlich, um in Leipzig wieder aufzutauchen und hier zahlreiche Schlafstellendiebstähle zu verüben. Als ihm auch dort die Kriminal- Polizei auf den Fersen saß, unternahm er eine kleine Kunstreise nach Görlitz. Bon dort unternahm der gewerbsmäßige Dieb Raubzüge nach Hannover, Köln und Hamburg. Schließlich gelang es, den gemeingefährlichen Burschen in der Person des vielfach vorbestraften „Arbeiters" Georg Frauendorf festzunehmen. Aus dem Untersuchungsgefängnis wurde F. gestern der 1. Ferienstrafkammer des Landgerichts I vorgeführt, um sich wegen fortgesetzten schweren und einfachen Diebstahls im strafschärfenden Rückfalle zu verant- warten. Bald nach seiner Verhaftung begann der Angeklagte, der schon lange Jahre im Zuchthaus gesessen hat, den„wilden Mann" zu spielen. Er demolierte alles, was nicht niet- und nagelfest war und konnte nur durch Anwendung von Gewaltmaßregeln überwälttgt werden. Dann wiederum beschuldigte er sich des Mordes an der Dienstmagd Schulze in der Dorfftraße zu Lichtenberg. Es wurden auch nach dieser Richtung hin Ermittelungen angestellt, die indessen völlig ergebnislos blieben. Als der Angeklagte hiermit nicht den ge- wünschten Erfolg hatte, beschuldigte er sich eines Ueberfalles auf einen Bankbeamten in Hamburg, bei welchem er angeblich 30 000 M. erbeutet habe. Schließlich wurde F. zwecks Beobachtung feines Geisteszustandes nach der kgl. Charits überführt. Der Ober- arzt Dr. Skoszynsky gab vor Gericht sein Gutachten dahin ab, daß Frauendorf ei» psychopathischer Mensch sei, bei dem sich ver- fchiedentlich ethische Defekte bemerkbar gemacht haben. Auf die Frage des Borsitzenden, was ihn wieder verleitet habe rückfällig zu werden, erwiderte der Angeklagte:„Ich habe nur deshalb überall gestohlen, um mich an der Menschheit zu rächen, die mir soviel Unbill zugefügt. Mir als Zuchthäusler gibt ja doch niemand Arbeit. Wenn ich welche hatte, wurde ich bald wieder ausgewiesen." Der Staatsanwalt beanttagte mit Rücksicht auf die Gemeingefährlichkeit des Angeklagten eine Zuchthaus st rafe von sechs Jahren. Der Gerichtshof erkannte auf fünf Jahre Zuchthaus. Auf die Frage, ob er die Strafe antreten wolle, erklärte Frauendorf: „Wenn ich die Strafe verbüßt habe, kaufe ich mir sofort einen Revolver und schieße irgend jemand über den Haufen, damit ich wieder hineinkomme. Mir ist alles egall" Das ist meistens der Lebensgang des Verbrechers. Erst einmal mit dem Gefängnis oder Zuchthaus Bekanntschast gemacht, gelingt es ihm auch beim besten Willen nur sehr schwer, in der bürger- lichen Gesellschaft wieder Fuß zu fassen. Er bekommt keine Arbeit. Wenn es ihm aber einmal glückt und der Arbeit- geber erfährt das Vorleben, ist ihm vielfach Entlassung sicher. Noch einige Male bemüht er sich um Arbeit, um immer wieder dieselbe Erfahrung zu machen. Leben will er aber, da wird er schließlich zum Verbrecher. Er wird wieder gefaßt und bestraft. Nach Verbützung der Strafe geht er denselben Weg, es bleibt ihm, den: AuSgestoßenen, kein anderer übrig, sein Ende beschließt er womöglich iin Zuchthause. Das Verbrechertum ist eben eine Erscheinung unserer wirtschaftlichen Zustände. Nur mit Bc- seitigung der heutigen gesellschastnchen Einrichtungen werden auch ihre Auswüchse verschwinden. Ein Stadtbahnfledderer wurde gestern in der Person des Drechslergesellen Franz Löffler dem Strafrichter vor- geführt. Der 24 jährige Angeklagte ist vielfach vorbestraft. Bald nach Erreichung des vollstrafmündigen Alters von achtzehn Jahren machte er das erste Mal Bekanntschast mit dem Zuchthause. Am 11. Mai dieses Jahres wurde der Angeflagte nach Verbüßung einer zlveijährigen Zuchthausstrafe aus der Strafanstalt in Brandenburg entlassen. Fünf Tage später, am 16. Mai, saß L. schon wieder wegen der jetzt zur Anklage stehenden Stadtbahnfledderei hinter Schloß und Riegel. Am 16. Mai gegen 11 Uhr abends fuhr der Glasermeisteister Hentze vom Bahnhof Zoologischer Garten nach der Station Stralau-Rununelsburg. Unter- wegs übermannte ihn im Stadtbahncoupö die Müdigkeit, so daß er bereits auf dem Bahnhof Börse einschlief. Der Angeklagte wurde um die gleiche Zeit auf dem Bahnhof Alexanderplatz beobachtet, wie er aufmerksam m alle Abteile hineinsah. Schließlich bestieg er das Abteil, in welchem Hentze saß. Ein Kriminalbeamter hatte diese Szene jedoch beobachtet und war in das Neben- Coupo gestiegen. Als der Angeklagte auf dem Bahnhof Warschauer- straße den Zug verlassen wollte, wurde er festgenommen. In seinem Besitze wurde die silberne Uhr und das Potemonnaie des Schlafenden vorgefunden. Der Staatsanwalt beanttagte eine Zuchthaus- st r a f e von einem Jahre. Der Gerichtshof ging jedoch mit Rücksicht auf das gemeingefährliche Treiben der Fledderer noch über den Anttag hinaus und erkannte auf ein Jahr, neun Monate Zuchthaus und die üblichen Nebenstrafen. Lrkekkasten der Redaktton. SerduS! Marie von Ebner Es che» dach wurde am 13. Sepr. 1830 geboren. Sie und mit ihr weite Kreise feierten soeben ihren 7S. Ge- burtstag. Von ihren vielen und hervorragenden Werken seien hieraus genannt:„Das Gemeindekind",„Schloß- und Dorfgeschichten",„Alte Schule",„Neue Schloß- und Dorfgeschichten",„Aphorismen", Dramen ec. — Parlament.(Druckfehler in Nr. 213.) Rex regnet, aed non gubornat: Der König herrscht, aber regiert nicht.— St. R. Nein. ?urittlkcber QeU. Tie lnriftische Tprcchftuud- findet täglich mit SluSiiahmrdeS Sonnabends von 7'/i bis O'/a Nbr statt. Geöffnet: abends 7 Uhr. Emdenerstr. 50. 1. Die Wohnung muß bis am 2. Ottober mittags geräumt sein: Der Laden rechnet nicht als Wohnzimmer. Wird nicht ge- räumt, so kann die Polizei einschreiten, auch ist der die Räumung Ver- zögernde in vollem Umfang schadenersatzpflichtig. 2. Bis mittags ist zu räumen.— R. W. Finkenkrug. t. Nein. 2. Einen weiteren Instanzenweg gibt eS nicht. Sie hätten den Antrag rechtzeitig(im Januar) bei der Militärersatzkommissio» stellen sollen. Jetzt sind weitere �schritte nutzlos.— C. fy. 5.. 1. Der Frau. 2. Em notarieller Vortrag und Einttagrnig ins Heiratsregister Ist zlvcckmäßsg. Ein Beispiel finden Sie S. 223 Nr. 22 des dem„Arbeiterrecht" beigefügten Führers.— E. B. M. K. 37. Ergibt Ihr Antrag nichi-Z Gegenteiliges, so hätte eine Klage des Witts Aussicht aus Erfolg.— Jleischiiot. 1. und 2. Ja. 3. Wann die Anklage bestehen soll, ist nicht ersichllich. 4. In Nr. 204 bereits beantwortet.— E. Z. 84. Sie können mit Aussicht aus Erfolg aus Herausgabe der Kaution und Lohn- arrest klagen. 2. Sosern nicht guter Glaube angenommen wird, dürste Be- sttasung erfolgen.—«S. M. 100. 1. und 2. Nein. 3. und 4. Ja. — Swinemünder W. 88. 1. Ja. 2. Die Uttpsändbaren Sachen unicr- liegen auch nicht dem Pfandrecht deS Vermieters. Sie könnten aus An- erkennung klagen.— F. L. 10. Wenden Sie sich air das Auswärtige Amt.— Sl. SB. 100. Nein.— A. V. 1.»tblehnung der Ladung des Zeugen und Bestätigung des Urteils erster Instanz ist möglich. 2. Das Landgericht wäre die letzte Instanz. 3. Der Vermerk wäre zwecklos. 4. Nach Kkeben von 200 Marken lebet Ihre Ansprüche wieder aus.— Nr. 215. 22. Jahrgang. 2. Beilage des ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donerstag, 14. September 1905. Vermischtes. Ueber die Cholera liegen folgende neuere Meldungen vor: Bromberg, 13. September. Die„ Ostdeutsche Rundschau" meldet über den Stand der Cholera im Bromberger Bezirke: Als choleraverdächtig ist in Wongrowiß eine Person erfrankt, ebenso in Piesno, Kreis Wirsiz, ein Kätnerssohn und auf dem Rittergut Hammer, Kreis Czarnitau, ein Dominialarbeiter. Bei einem Schifferknecht in Labischin und einem Flößer in Czarnikau ist Cholera bakteriologisch festgestellt worden. Wie die Neuen Westpreußischen Nachrichten" melden, ist in Kurzebrach bei einer Frau, sowie bei einem dort verstorbenen Kinde, bei einem in Schillno verstorbenen galizischen Flößer und bei einer in Graudenz erkrankten Frau Cholera bakteriologisch festgestellt worden. Aus Hamburg wird amtlich mitgeteilt, daß weitere Erfrankungen an Cholera nicht vorgekommen sind. Da die zuletzt an Cholera erkrankte Person schon am 4. September in das Krankenhaus gebracht wurde, sind nunmehr neun Tage ohne weitere Erfrankungsfälle verflossen. Welche schwere Anklage gegen die heutigen Gesellschaftszustände unglückliche Region im Jahre 1638 völlig verwüstet, wobei 9600 verbirgt sich in diesen wenigen Worten. Der Mann war nicht mehr Menschen ihren Tod fanden. Das große Erdbeben, das am 5. Fein der Lage, an den Hauswirt seinen schuldigen Tribut zu ent- bruar 1783 hereinbrach, am hellen Tage, um die Mittags60 000 Opfer. Die richten, er sollte auf die Straße gesetzt werden. Da packt ihn, der stunde, forderte Fachleute erklären, schon durch die Nahrungssorgen schwer mitgenommen ist, die Ver- daß das furchtbare Naturereignis durch feinerlei Anomalie zweiflung. Er weiß weder aus noch ein, und in diesem Zustande vorher angezeigt wurde. Einige halten ein Wiederholen der Erdwird er schließlich zum Mörder seines Kindes. Die moralische Schuld ſtöße für nicht unwahrscheinlich. Ob eine Beziehung zwischen der an dieser erschreckenden Tat trifft die heutigen Zustände, in denen Not feit einigen zehn Tagen neuerwachten vulkanischen Tätigkeit des und Elend eine notwendige Begleiterscheinung der kapitalistischen Stromboli und dem Erdbeben besteht, ist nicht festgestellt. Gesellschaftsform ist. Wird der Mann ergriffen, so ist ihm schwere Augenblicklich ist der Stromboli ruhig, aber der Vesuv in lebhafter Strafe gewiß und zwar von Rechts wegen. Wie sagte doch Goethe: Ihr Tätigkeit. laßt den Armen schuldig werden, dann überlaßt Ihr ihn der Bein! Weitere Meldungen besagen: Die Verwüstung in Kalabrien. Cosenza, 13. September. Von gestern abend 8 Uhr bis heute früh 2 Uhr wurden drei neue starte Erdstöße verspürt, welche Schaden verursachten und die Panik unter der Bevölkerung erhöhten. Rom, 10. September.( Eig. Ber.) Das furchtbare Unglück, das Kalabrien betroffen hat, ist zurzeit noch nicht annähernd zu überErdbeben. Innsbrud, 13. September. Im Arlberggebiet sehen. Tausende von Toten sind zu beklagen, und etwa die zehnfache hat nachts 1 Uhr 39 Min. ein startes, ungefähr 10 Sekunden Wie viel noch lebend oder tot unter Sauerndes Erdbeben stattgefunden. Bahl Verwundeter. den Trümmern ihrer Wohnungen liegen, ist nicht abzuschätzen; Touristen- Unfälle. Teplit, 13. September. Die Dresdener die Soldaten arbeiten Tag und Nacht, aber es ist keine Hoffnung vorhanden, daß man allen Hülfe bringen kann. Die Vergungsarbeiten Lehrer Fischer und Schilde sind im Schammsteingebiet bei einer Landeck( Tirol), Ueber choleraverdächtige Erkrankungen in Dömitz( Mecklen- werden im besten Falle an vielen Orten länger dauern müssen, als Bergtour abgestürzt; beide sind schwer verletzt. Die Erzieherin Emilie Langer aus Berlin und burg) wird von zuständiger Seite mitgeteilt: Am Nachmittage des die möglicherweise zahlreichen lebendig Begrabenen warten fönnen. 13. September. 11. September ging die Meldung ein, daß in Dömiz eine Arbeiter Das unglückliche Kalabrien hat dem offiziellen Stalien zu lange aus deren Bruder find bei einer Bergtour verunglückt. Legterer hat eine frau unter choleraverdächtigen Erscheinungen gestorben sei. Da die der Welt gelegen und es weniger interessiert, als die afrikanischen unde am Kopfe, seine Schwester ebenfalls Verlegungen am Kopfe borläufige bakteriologische Untersuchung der Leiche diesen Verdacht Kolonien; daher fehlen heute Wege und Transportmittel, daher und an den Füßen erlitten. bestätigte, begaben sich am 12. September im Auftrage des fehlt die Möglichkeit, in die wilden Schluchten und auf die kahlen großherzoglichen Medizinal- Ministeriums Ministerialrat Kundt und Berge, wo die Verwüstung gehauft hat, rechtzeitig Hülfe zu bringen. arbeiter, welche unter einer Brücke im Dorfe Masanasa schliefen, Profeffor Dr. Pfeiffer- Rostock nach Dömiz, um unter Hinzuziehung Die materielle Not, die dem furchtbaren Elementarereignis gedes Kreisphyfitus die nach den dortigen Verhältnissen nötigen An- folgt ist, ist unermeßlich. Ueber 60 städtische oder ländliche Ge- wurden von plötzlich eintretendem Hochwasser überrascht. Zwölf ordnungen zu treffen. Dabei ergab sich, daß noch ein an der Elbe meinden find betroffen, 7 Ortschaften find völlig zerstört: die ärmsten davon werden vermißt; man glaubt, daß sie ertrunken sind. Ueberschwemmung. Moulins( Dep. Allier), 13. Septemberbeschäftigter Stadarbeiter unter choleraverdächtigen Erscheinungen Hütten und die elegantesten Villen bilden einen Trümmerhaufen, erfrankt war. Für beide Fälle wird das Ergebnis der noch nicht Kirchen, Rathäuser, Denkmäler, alles ist zerstört. Weit über 10 000 Die Stadt Arfeni lles und die Umgegend find infolge einer Wasserabgeschlossenen bakteriologischen Untersuchung endgültig feststellen, Menschen find obdachlos, andere Tausende wagen nicht in ihre hofe überschwemmt. Viele Wohnungen sind zerstört und zahlreiches ob wirklich asiatische Cholera vorliegt. Für alle Fälle sind die Wohnungen zurückzukehren, weil man das Wiederholen der Erdstöße Wieh durch die Fluten fortgeführt. Man glaubt, daß Menschen nicht verunglückt find. nötigen Sicherheitsmaßregeln getroffen. Kalabrien, das auf einer Fläche von 15 000 Kilometer eine Erdbeben in Lahore. Wie die Londoner Abendblätter aus Lahore Bevölkerung von 1370 000 Seelen zählt( 90 auf den Kilometer), ist das klassische Land der Erdbeben. Während andere Gebirgsländer, melden, wurde dort durch einen gewaltigen Wollenbruch erheblicher wie z. B. Sardinien, ganz von Erdbeben verschont bleiben, hat der Schaden an den Gebäuden angerichtet. Eine fast gleiche Verwüstung Gebirgsstreifen, in dem das italienische Festland ausläuft, eine Reihe wurde durch ein neues Erdbeben verursacht. Viele Häuser sind zerstört in der Geschichte vermerkter Erschütterungen erlitten. So wurde die und Hunderte von Menschen obdachlos. Ein grelles Schlaglicht auf unsere wirtschaftliche Misere wirft ein Vorgang mit seinen entsetzlichen Folgen, der aus nachstehendem, uns gestern aus Halle zugegangenem Telegramm ersichtlich ist. Das felbe lautet: Der Händler Hase, der heute früh ermittiert werden sollte, ermordete sein dreijähriges Kind und verschwand. befürchtet. Vom Hochwasser überrascht. Valencia, 13. September. ErnteArbeiter- Bildungsschule Berlin. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Sozialdemokrat, Wahlverein Sonntag, den 17. September, im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer 15: Vortrag des Schriftstellers M. H. Baege 5/ 2* Eintritt 30 Pf. inkl. Garderobe. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. f.d.4. Berl. Reichstagswahlkreis ( Süd- Ost). Den Mitgliedern hiermit zur Stenntnis, daß unser Genosse, der Hermann Schmidt wohnhaft Naunynftr. 84( Stadtbezirf 84) verftorben ist. über: ,, Die Geschichte der Erde", mit 60 folorierten Freitag, den 15. September 1905, abends 8 Uhr, im fler Lichtbildern. Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( großer Saah): General- Versammlung. Eröffnung 6 Uhr. Nach dem Vortrage: Beginn 7 Uhr. Gemütl. Beifammenfein und Tanz. Deutscher Achtung! Bautischler. Holzarheiter- Verband. Achtung! Sonntag, den 17. September, vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal 4): Versammlung der Bautischler. Tages- Ordnung: 1. Bericht der Kommission über den in der letzten Versammlung gefaßten Beschluß und Stellung der Verwaltung zu demselben. 2. Diskussion. 3. Wahl der Kommission für die einzelnen Bezirke. 4. Verschiedenes. Kollegen, wegen der wichtigen Tages- Ordnung ist es Pflicht, daß ein jeder in dieser Bersammlung pünktlich erscheint. 92/14 J. A. Karl Reiche. Tabakarbeiter und Tabakarbeiterinnen! Freitag, den 15. September, abends 8%, Uhr: Oeffentl. Versammlung bei Fritz Wilke, Brunnenstr. 188( nahe dem Rosentaler Tor). 187/13 Tages Ordnung: Vortrag des Herrn Dr. Zadek:" Der notwendige Kampf der Arbeiterschaft gegen die Leben und Gesundheit zerstörende Ueber arbeit und Hausarbeit".- Anträge und Diskussion. Das Erscheinen aller ist notwendig! Die Vertrauensleute. J. A.: Karl Butry. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Donnerstag, den 14. September, abends 8, Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27e: Branchen- Versammlung für die Ladenbranche. Tages Ordnung: 1. Wie soll in Zukunft die Agitation in der Branche betrieben werden? 2. Die Errichtung einer Kommission für die Ladenbranche. 3. Verschiedenes. Tages Ordnung: 1. Das Verhalten des Berliner Betonvereins" gegenüber den von uns zur Vertragsverhandlung gestellten Forderungen und Beschlußfassung über unsere weitere Stellungnahme hierzu. 2. Diskussion. 3. Regelung der Gehaltsfrage für die angestellten Kollegen, gleichzeitig Festjehung der Entschädigung für Kollegen, welche an Bautenkontrollen usw. teilnehmen 4. Verschiedenes. 148/ 7* Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert das Erscheinen aller Kollegen. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Achtung! Radfahrer! Donnerstag, den 14. September 1905, abends 8½ Uhr: Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 3 Ühr von der Leichenhalle des Zentral Friedhofes in Friedrichsfelde statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorftand. = Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Todes- Anzeige. Am 11. d. m. verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Geffentliche Arbeiter- Radfahrer- Versammlung Gustav Andreß in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstraße 35. Tages- Ordnung: 1. Nichten sich die Arbeiter- Radfahrer von Berlin und Umgegend nach der Lokalliste? Referent: Karl Fischer. 2. Diskussion. Um zahlreichen Besuch der Versammlung, insbesondere der Mitglieder des Arb.- Radfahr. Bundes Freiheit" ersucht Der Bertrauensmann der Arbeiter- Radfahrer der Provinz Brandenburg. Zentral- Krankenkasse der Maurer ,, Grundstein zur Einigkeit". Sonntag, den 17. September 1905, vormittags 10 1hr, im Gewerkschaftshause: Mitglieder Versammlung. Tages Ordnung: 1. Wahl der Hülfstassierer. 2. Vortrag des Herrn Dr. Christeller. 3. Verschiedenes. NB. Das Bureau befindet sich vom 1. 10. 05 Zimmer 8. Mitgliedsbuch legitimiert. 149/7 199 Die örtliche Verwaltung. Arbeiter- Radfahrer- Bund„ Solidarität“, Bezirk 10. Gau 9. Gau 9. Der Arbeiter- Radfahrer- Verein Zehdenick veranstaltet 92/ 11* in den Räumen des Herrn C. Buchholz am 17. September sein erstes Bezirks- Fest, Der Obmann. Anhaltische Kohlenwerke mit dem " Kleeblatt" NHALTISCHE KOHLENWERKE Mariengrube Altrenommierte Briketts bester Qualität aus den Anhaltischen Kohlenwerken Mariengrube, Senftenberg. wozu wir den Bezirk I, wie die umliegenden Bundes- Vereine freundlichst einladen. Bundesgenossen, es ist hier die Machination des Freiheit"-Bundes zu besprechen und bitten wir, ummöglichst großen Besuch. Es soll eine Agitation für unseren Bund sein. 26/ 14* Nachmittags 3 Uhr: Korso durch die Stadt. Alle Wanzen werden nebst Brut durch mein Mittel vollständig vertilgt. Fl. 50 Pf. u. Das Komitee. Charlottenburg Freie Volksbühne. 1,00. Ebenso Schwaben, Russen, Freitag, 15. Sept., abends 8%, Uhr, Franzosen, Blattläuse 2c. Schachtel 30 Bf., 60 Pf. u. 1,00. 33282* Zahlreiche Anerkennungen. 1000 Mark Belohnung zahle demjenigen, der mir einen Richterfolg nachweist. Nur allein echt bei Hugo Barth, Drogerie, jezt Brunnenstr. 14, früher Nr. 81. + Hygienische Bedarfsartikel. Neuest. Katalog m. Empfehl.viel.Aerzte u.Prof. grat. u.fr. H. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. Friedrichstrasse 91/92. im Boltshanse: 293/14 Großer öffentl. Vortrag. Thema: Die Schönheit der großen Stadt". Referent: Herr August Endell Eintritt 10 Pf. Der Borstand. Als ein durch tausende von Dantes. schreiben anerkanntes Mittel gegen aller Magenleiden t empfehlen wir den echten MietsGesuch! Gewerkschaft( zirka 2500 Mitglieber) fucht per 1. Januar 1906 größere, möglichst im Zentrum der Stadt gelegene Bureauräume. Burgsdorfstr. 4. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, bom Krankenhause Moabit aus nach dem neuen Nazareth- Kirchhof( Reinickendorf- West, Berlinerftraße) ftatt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 249/12 Der Vorstand. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein inniggeliebter Gatte, unser guter Bater Fritz Pantel nach langem, schwerem Reiden am 11. September gestorben ist. Um stilles Beileid bitten Bwe. Pantel und Kinder. Die Beerdigung findet heute nachmittag 4, Uhr von der Halle des neuen Rigdorfer Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie den Angestellten der Boruffia- Brauerei, dem Zentral- Ber Bevorzugt Restaurationslokale, die band der Brauerei Arbeiter, dem fich zum Verkehr von Gewerkschafts- Rauch klub Weichselduft" und dem Personal der Firma Ernst Rappe mitgliedern eignen. 1619b u. Hecht meinen tiefgefühltesten Pant. Die trauernde Witwe 16076 Hedwig Müller. Offerten mit Mietspreis- Angabe unter V. 1 an die Exped. d. Bl. erbeten. Vereine. Habe noch Sonnabende und Sonntage Saal mit Bühne zu vergeben.[* Eberts Menes Klubhans, Kommandantenstr. 72.( Amt 1. 3651.) wohnt jett: Rosenthaler. strasse 26 II. Homöopath und Spezial- Arzt für Haut-, Harn- und Geschl.- Leiden. 11-2 u. 5-8. Sonnt. 11-3. Dr. Lell Indischen Kräuter- Magen- Likör. StuhlflechtAllein zu beziehen: 34/ 17* Gebr. Kiehn, Hannover, Jn d. Flage 4. rohr in vorzüglicher Qualität. Jede Auskunft w. gern fostenlos erteilt Stuhlrohrlager Wallstr. 16. ** PrinzenDr. Simmel, Str. 41, 29/14 Spezialarzt für Haut- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. für Anfänger. Langjähr. gut eingeführte Bronzerahmenfabrit ift billig zu verkaufen. Adr. E. B. 2507, Rud. Mosse, 33/ 20* Prinzenftr. 41. Gr. Gast nud Rogierhaus. In der freien Hafenstadt Antwerpen steht ein Restaurant mit Inventar, Betten 2c. z. 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Wir haben dies Schriftstück der Lokallommission zugesandt. berliner I�acKricKten. „Wie jedermann der Fleischnot entrinnen kann". tmS wurde am Dienstag in einer öffentlichen Ver- s a m m l u n g gezeigt, die nach Kellers Saal in der Koppen- ftraße einberufen war. Die Frage ist zeitgemäß, und auf die Antwort wird mancher gespannt sein. Nun, also, wie sängt man's an? Ja, wie?! Muß man Kunde der Freibank werden und dort zu billigerem Preise das ausgesonderte Fleisch kaufen, das für die Wohlhabenden zu schlecht, aber für die Unbemittelten noch lange gut ist? Oder soll man lieber zum Rotzschlächter gehen und es mal mit einem Pferdekotelette versuchen, das von „Kennern" als Delikatesse gepriesen, aber vom Durchschnitts- meftschen in normalen Zeiten scheu gemieden wird? Die Frauen der Arbeiter, der kleinen Gewerbetreibenden und der Unterbeamten, die diesen Ausweg wählen, wissen nicht, wie töricht sie handeln. Auch das Pferdefleisch ist noch viel zu teuer, auch die Freibankware wird noch viel zu hoch bezahlt. Das billigste Fleisch ist dasjenige, das man— gar nicht kauft. Das Radikalmittel zur Abwehr der Fleischnot besteht darin, daß man— überhaupt kein Fleisch ißt. Dieser Vorschlag ist nicht etiva einer von den platten Späßen, wie der Herr Landwirt- schaftsminister sie liebt, auch keine von den zynischen Roheiten, in denen die Agrarierpresse sich ergeht. Der Vor- schlag wurde in der Versammlung vom Dienstag in allem Ernst gemacht und er ist sogar gut gemeint. Die grundsätz- lichen Gegner jedes Fleischgenusses, die Vegetarier sind es, die der über die Fleischteuerung klagenden Bevölkerung als Radikalmittel die völlige Enthaltung vom Fleischgenuß empfehlen. Die Leutchen, die die Versammlung einberufen hatten, waren offen und ehrlich genug gewesen, in ihren Anzeigen Zweck und Ziel ihres Vorgehens von vornherein erkennen zu lassen. Diese Ehrlichkeit hat sich belohnt. Sie hat die Einberufer vor der Täuschung bewahrt, daß weite Kreise der Bevölkerung mit ihnen einverstanden seien. Die „große öffentliche Versammlung", die sie einberufen hatten, war ganz kläglich besucht. Und das Häuflein der Erschienenen bestand fast nur aus solchen, die längst Vegetarier find. Dem entsprechend verlief die Versammlung. Ohne Wider- spruch wurden die Ausführungen der beiden Referenten hingenommen, des Arztes Dr. Ziegelroth, der den Fleisch- genutz als bedenklich und schädlich schilderte, und des Schriftstellers Schirrmeister, der die Ernährung mit Fleisch als„ungeheure Verschwendung" nachzuweisen sich bemühte. Ohne Widerspruch wurde auch eine Resolution be- schlössen, die den Vegetarismus als daS einfachste Mittel zur Abwehr der gegenwärtigen Fleischnot hinstellt. Von den wenigen Nicht-Vegetariern, die sich eingefunden hatten, dürfte dennoch nicht einer durch diese Versammlung dem Vegetaris- mus gewonnen worden sein. Die Vegetarier können aus dem völligen Mißerfolg, den sie sich geholt haben, eine Lehre ziehen. Wir achten es, daß sie die Lebensweise, die sie anderen anraten, am eigenen Leibe erproben— sehr im Gegensatz zu den Junkern, die den Arbeitern die Kartoffel als billiges Nahrungsnuttel empfehlen und selber auf ihrem Tisch den Braten nicht miffen mögen. Aber es ist stets ein gefährlich Ding, Bundesgenosse der Agrarier zu werden, wie es jetzt die Vegetarier geworden sind. Schulter an Schulter mit Nahrungs- mittel-Wucherern zu kämpfen, aus welchen Beweggründen auch immer das geschehen möge, kann keinem zur Ehre gereichen._ Die„königliche Sanitätekommission" teat. wie schon gemeldet, am gestrigen Mittwoch zur Beratung von Mahregeln gegen die Choleragefahr im grohen Sitzungssaale des Polizeipräsidiums zusammen. Der Kommission gehören an auher dem Polizeipräsidenten und seinem Vertreter mehrere Kreisärzte Berlins, der Borsitzende der Nerztekammer, der Garnisonarzt und der Platzmajor als Vertreter der Militärbehörde, Vertreter des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung. Eine aus- führliche Mitteilung aller von der Kominission gefaßten Beschlüsse wird baldigst durch das amtliche Telegraphenbureau allen Zeitungen zugehen. Vorläufig beschränken wir nnS und weisen zur Beruhigung weitester Kreise des Publikums ausdrücklich darauf hin. daß von den staatlichen und städtischen Behörden die denkbar sorgfältigsten Vor- beugungsmatzregeln getroffen worden sind, um der gefährlichen Seuche entgegenzutreten. Bisher ist innerhalb Berlins kein einziger Cholerafall vorgekommen, und eS ist auch mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß bei dem Fortschritt unserer sanitären Einrichtungen, bei der gesteigerten hygienischen Erziehung des Volkes von Massen- erkrankungen nicht die Rede sein wird— wenn die heute beschlossenen� Borbeugungsmahregeln in die Tat umgesetzt werden und ihre Durch- führung einer gebührenden Kontrolle unterliegt. Durch sofortige Einberufung der Revier-Sanitäts- k o m m i s s i o n e n sollen mit Unterstützung der Polizei-Organe die Wohnungen besonders mit Bezug auf ihre Reinlichkeit und den Anschluh an die Kanalisation überwacht werden. Die be- hördliche Kontrolle hat sich dann neben der Reinhaltung der dem öffentlichen Verkehre dienenden Bedürfnisanstalten, der regelmäßigen Beseitigung des HauSmülls, der Bereitstellung von Beförderungsmitteln für Kranke, im wesentlichen auf Mahregeln im Nahrungmittelverkehr zu erstrecken. Der Verkauf un- reifen Obstes, verdorbener Nahrungsmittel mutz überwacht werden, die vor den städtischen Markthallen sich ansammelnden halb und ganz verdorbenen WarenvorrRte sind schleunigst zu beseitigen, durch eindringliche Mahnung ist daS Publikum vor der Berührung von Waren im Lebensmittelverkehr wie Obst, Fleisch und Backwaren im sanitären Interesse zu warnen. In größeren Fabrikbetrieben, die ihr Trinkwasser noch auS Hofbrunnen beziehen, soll abgekochtes Wasser, dem, um den faden Geschmack zu verdecken, Zitronensaft beigefügt wird, Kaffee oder Tee bereitgestellt werden. Erst mtwn ein Cholerafall eintreten sollte, werden die F l u ß b a d e a n st a I t e n geschlossen. Es ist dann darauf hingewiesen worden, daß gerade durch Schkfser, die besonders der Cholera ausgesetzt sind, die Seuche in die Stadt verschleppt werden kann. Durch Beamte der Strompolizei und der Ministerialbaukommission sowie durch ge» druckte Hinweise sollen die Schiffer darauf hingewiesen werden, nie Wasser aus Kanälen oder Flüssen zu trinken. Die Stadt hat sofort dafür zu sorgen, daß für die Schifferbevölkerung an den Wasser- länfen, soweit sie Berlin berühren, Trinkwasserstellen und Aborte beschafft und vermehrt werden. Es kommt hierfür hauptsächlich der Nordhafen, der Humboldthafen und das Engelbecken in Betracht. Ferner sollen die ständig mit Filterarbeiten betrauten Arbeiter und Beamten des Wasserwerkes am Müggelsee einer gesundheitlichen Aufsicht unterstellt werden, um nach Möglich- keit das Eindringen von Schmutzkeimen bei ihrer Tätigkeit hint- anzuhalten. Die Vorstände der Berlin benachbarten Gemeinden werden veranlaßt, schleunigst die gleichen Vorbeugungsmaßregeln für ihre Ortschaften zu treffen. Wir wollen der Hoffnung Ausdruck geben, daß es den vereinten Bemühungen der Behörden und des Publikums gelingen möge, die furchtbare Geißel von unserer Stadt fernzuhalten. Wie stets bei drohenden Gefahren wird man jetzt erst auf manche Lücke in unseren sanitären Einrichtungen aufmerksam, auf deren Beseitigung in Presse und Versammlungen eindringlichst hingewiesen worden ist. Von den hier gekennzeichneten Vorbeugungsmatzregeln mutz eine Reihe, des ist Vorsorge gettoffen worden, auch außerhalb der Zeiten einer Seuchengefahr ständig beobachtet und durchgeführt werden. Der Bund für Mutterschutz erläßt folgenden Aufruf: Der Bund für Mutterschutz, der sich u. a. die Aufgabe gestellt hat, unehelichen Müttern zur Gründung einer wirtschaftlichen Existenz zu verhelfen, will einen Arbeits- und Stellennachweis errichten und bedarf zu diesem Zwecke der bereitwilligen Unterstützung möglichst vieler Arbeitgeber. Es melden sich bei ihm fast täglich ledige Mütter aus allen Berufs- und Erwerbskreisen(Musik- und Sprachlehrerinnen, Stenotypistinnen, Krankenschwestern, Verkäuferinnen, Schneiderinnen, Aufwärterinnen, Dienstmädchen usiv.), welche durch die Mutter- schaft erwerbslos geworden sind und denen es trotz bester persönlicher Eigenschaften und persönlicher Berufsfähig- ketten nicht möglich ist, eine Stellung und somit Brot für sich und ihr Kind zu finden. Wir bitten daher alle gerecht denkenden und warm empfindenden Männer und Frauen, insbesondere die Inhaber von Geschäften, Fabrikbesitzer, namentlich auch Hausfrauen, kurz alle, die weibliche Arbeitskräste auf irgendwelche Art beschäftigen müssen, unser Unternehmen zu unterstützen— durch Anmeldung von Vakanzen und möglichste Berücksichtigung der ihnen von uns empfohlenen Mütter. Der Bund wird selbstverständlich bemüht sein, den an ihn sich wendenden Arbeitgebern nur solche Arbeitskräste zu Empfehlen, deren Zuverlässigkeit und LeisttmgSfähigkeit er soweit wie möglich geprüft hat. Kosten sollen durch unsere Vermittelung nicht entstehen, und wir sind überzeugt, daß sie beiden Parteien zum Nutzen ge- reichen wird. Unsere zweite Bitte ist an diejenigen Persönlichkeiten gerichtet, welche gewillt sind, erwerbstätige uneheliche Mütter mit ihrem Kinde gegen entsprechendes Entgelt.bei sich aufzunehmen und das Kind während der Arbeitsabwesenheit der Mutter zu pflegen und zu überwachen. Schließlich bitten wir solche Männer und namentlich Frauen, die bereit und befähigt sind, als Vormünder von unehelichen Kindern deren so überaus oft gefährdete wirtschaftliche, sittliche und leibliche Interessen zu schützen, um ihre Adressen. Dasselbe gilt von allen denjenigen, welche' in der einen oder anderen Weise an der Lösung unserer ebenso dringlichen wie schweren Aufgabe sich beteiligen und somit an einem Werke sitttlicher Reformen und des sozialen Fortschrittes mitarbeiten wollen. Die geplante Organisation soll mit dem 1. Oktober er. ins Leben treten. Die Geschäftsstelle des Bundes für Mutterschutz befindet sich schon jetzt L e i p z i g e r st r a tz e 42 bei dem Schriftführer Dr. Max M a r c u s e. Von den Autoritäten im Milchstreit ist nun eine vom Schauplatz abgetreten. Dr. Engel, bisher Schriftführer der Gesellschaft zur Bekämpfmrg der Säuglingssterblichkeit, hat dieses Amt niedergelegt und ist aus der Gesellschaft aus- geschieden. In der neuesten Nummer der„Verl. Aerzte- Korrespondenz" klagt er, daß er selber von der Gesellschaft bezw. von ihren tierärztlichen Beratern Bougert und Ostertag erst im letzten Slugenblick über die Funde von Tuberkelbazillen unterrichtet worden sei, die man in den von der Gesellschaft empfohlenen Kuhställen gemacht habe. Ja, es sind ihm ganz merkwürdige Zustände, die bei dieser Gesellschaft herrscheu— bei derselben Gesellschaft, die die Bevölkerung darüber auf- klären will, wo es„gute" Milch gibt und wo man„schlechte" bekommt. Sehr auffällig ist auch, daß die Funde von Tu- bcrkelbazillcn nicht durch die Gesellschaft offiziell der Oeffcnt- lichkeit mitgeteilt worden sind, sondern erst auf dem Umwege über Herrn Bougert, der sie gemacht hatte, an die Milch- Händler. gelangen und so zur allgemeinen Kenntnis gePracht werden mußten— und zwar erst zu einer Zeit, wo Bougert sein Amt eines zweiten Schriftführers niedergelegt und in der Stellung eines Bakteriologen der Meierei Bolle als Ver- ehrer der von der Gesellschaft als gefährlich bezeichneten dänischen Milch sich bekannt hatte. Es bleibt nun noch Pro- fessor O st e r t a g, dessen Haltung in Sachen der Auffindung von Tnberkekbazillen wie der Warnung vor der dänischen Milch noch nicht ganz aufgeklärt ist. Der Direktor der Große» Berliner Straßenbahn, Herr Moritz Marhold, ist in der letzten Nacht nach kurzem, schweren Leiden im 49. Lebensjahre gestorben. Marhold trat im Jahre 1876 nach Be- endigung der akademischen Studien in den Staatsdienst und war dort zuletzt königlicher Bau- und Betriebsinspcktor bei der Eisen- bahndirektion Breslau. Im Jahre 1900 trat er in die Verwaltung der Großen Berliner Sttaßenbahn über, bekleidete zunächst die Stellung eines Betriebsleiters und wurde im vorigen Jahre zum Direktor gewählt. Der Dahingeschiedene war auch Vorsitzender des Aussichtsratcs der Baugenossenschast deS Vereins der Straßenbahn- Angestellten. Zum internationalen Tubcrknlosekongreß sind vom Magistrat abgeordnet der Vorsitzende der Berliner LandesversicherungSanstalt Dr. Freund und der Direttor deS städtischen Statistischen Amtes Dr. H i r s ch b e r g. In der gestrigen Sitzung der städtischen Schuldeputation unter dem Vorsitze des Stadtsyndikus Dr. Hirsekorn wurden die zahl- reich vorliegenden Petitionen um Gehaltsaufbesserung einem be- sonderen Ausschüsse zur Vorberatung überwiesen. Ferner wurde beschlossen, zur Förderung der Pilz künde in den städtischen Schulen beim Unterricht in der Pflanzenkunde Pilze in Töpfen zu liefern. Die Pilze, zunächst die wichtigsten etzbaren und die schädlichen, sollen in Töpfen gezogen werden und den Kindern in den verschiedensten Stadien deS Wachstums in natura gezeigt werden, damit die Kinder eS schon in der Schule lernen, die eßbaren von den schädlichen Pilzen zu unterscheiden und beim Suchen nach Pilzen eS vermeiden, den Nachwuchs auszureißen bezw. zu zerstören. DaS Gesuch um Herstellung einer OmnibuSvcrbindung nach RnmmelSburg ist von der Allgemeinen Berliner OmnibuS-Gesellschaft abschlägig beschieden worden. Wie die Gesellschaft mitteilt, ist sie infolge der in der letzten Zeit vorgenommenen Erweiterungen ihres Liniennetzes vorläufig nicht mehr in der Lage, eine größere Anzahl von Wagen und Pferde einzustellen, da aus deu vorhandenen Depots der Gesellschaft nicht niehr genügend Platz vorhanden ist, tun eine erhebliche Vermehrung der Betriebsmittel eintreten lassen zu können. Die Gesellschaft hoff: jedoch, später, vielleicht in zwei Jahren, dem Projekte einer Verbindung nach RummelSburg näher treten zu können. Das Prämicnverfahrcn. Ein Eisenbahner schreibt uns: Seit langen Jahren bm ich auf dem Güterboden als Arbeiter beschäftigt und bekomme einen festen Tagelohn von 3 M. 20 Pf. Nun wurde vor vier Jahren das Prämienverfahren eingeführt; wer daran teilnimmt, erhält nach Monatsschluß die Prämie ausgezahlt mit der Wirkung, daß den Vorteil dieses raffinierten Systems die Eisenbahn. Verwaltung davonträgt. Wie das kommt, sei kurz dargelegt Früher war eine Kolonne sechs bis sieben Mann stark; bei dem Prämienverfahren wird deren Arbeit von drei Mann verrichtet. Der Vorarbeiter ninimt das Gut dem Frachtbrief gemäß ab, der zweite Mann wiegt und beklebt es und der dritte hat das Gut zur Verladung in die Wagen zn karren. Wer etwas bei dem Prämienversahren erzielen will, ist gezwungen, auf Kosten seiner Körperkräfte zu arbeiten; er mutz sich in einer Weise anspannen, daß er es in Rücksicht auf die Familie, die er zu ernähren hat, vor seinem Gewissen nicht verantworten kann. Und der Vorteil dieses gefährlichen Schindens? Rechne ich die im letzten Jahre erzielten Prämien zusammen, so kommen kaum 16 Mark auf den Monat, also ein Betrag, den ein gewissenhafter Mann schon anwenden müßte, um dem doppelt so arg als früher angestrengten Körper die mehr erforderlichen Nahrungsmittel zuführen zn können. Er kann es leider nur nicht, vor allem nicht in dieser Zeit der Teuerung. Setzt meine Frau em halbes Pfund Fleisch auf den Mittagstisch, so frage ich, wer denn das verzehren soll? Es reicht für mich allein kaum; soll ich aber Frau und Kinder zusehen lassen? Zu diesem kommt, daß Kleidung. Feuerung, Miete von Jahr zu Jahr teurer werden, und wenn man diese Sorgen alle erwägt, so darf man noch gar nicht die Krankheiten in Betracht ziehen, die sich in der Familie einstellen. Steht es so um den Vorteil, den wir Arbeiter von dem Prämien- verfahren haben, so kann anders die Eisenba h n v e r w a l tu n g sich allerdings ins Fäustchen lachen. Von dem Prämienüberschuß erhalten die Lademeister, die die Aufsicht auf dem Güterboden führen, täglich 3,10 M.. und auch alle anderen Arbeiter, die mit den Prämien direkt nichts zu tun haben und nur zum Wagenreuttgen zc. gebraucht werden, bezahlt die Verwaltung von den Ueberschüssen. Zu sagen getraut sich natürlich unter den heutigen Verhälwissen niemand etwas, obgleich ein j eder den Fluch fühlt, der auf der neuen Arbeits- Methode lastet. Und zu allem muß der Arbeiter sich zu dem traurigen Eingeständnis bequemen, daß er selber sein Schicksal ver« dient. Es gibt, wie das Beispiel aller anderen Arbeiterkategorien zeigt, nur ein Mittel, um den Druck zu lindern, nämlich die O r g a n i« s a t i o n. Und diese wird bei den Scharfmacherpraktiken, die der Staat an„seine" Arbeiter übt, leider immer noch arg vernachlässigt. Dem Gesetz zuwider beraubt der Staat den in seinem Dienst ans- genutzten Arbeiter des Koalitionsrechts; statt sich durch diese Gesetzwidrigkeit zum Anschluß an die Organisation an- spornen zu lassen, glauben viele Eisenbahner in ihrer Pflicht« Vergessenheit noch, sich ducken zu müssen. Müssen die Zustände noch schlimmer werden als heute, ehe diese Arbeiter zur Einsicht und zum Pflichtbewußtsein kommen? Zur Fleischnot beschlossen auch die Militär-Fleischlieferanten in einer gestern bei Pfautsch, Thaerstraße 34, abgehaltenen Versammlung, an den preußischen, den bayerischen und den sächsischen Kriegsministcr eine Petition zu senden,:n der die Minister ersucht werden, ein „machtvolles Wort" dafür einzulegen, daß die Grenzen des Reiches in angemessener Weise für Schlachtvieh geöffnet werden. Bei dem am 10. September stattgefundenen Konzert des„Ber- liner Männerchors 1905" in Kellers Festsälen, Andreasstraße, ist eine Taschenapotheke, der S a m a r i t e r k o l o n» e gehörend, verloren gegangen. Sie ist abzugeben bei Gustav Schönthal. Andreasstr. 67. Ein weiblicher Fahrmdmarder wurde gestern nachmittag bei dein Versuch, ein Zweirad zu entführen, an der KöuigSallee angeh«lten und festgenommen. Ein Reiseuder hatte in der Motzstratze sein Zweirad an die Bordschwelle des Bürgersteiges gelehnt und war in einen benachbarten Laden getreten um dort ein Geschäft zum Abschluß zu bringen. Er bemerkte vom Fenster aus, wie ein junges Mädchen an die Maschine herantrat und sich an derselben zu schaffen machte. Der Kaufmann, der natürlich nicht an die Möglichkeit eines beab- sichtigten Diebstahls glaubte, lvar nicht wenig überrascht, als das Mädchen sich auf den Sattel des Zweirades schwang, und, kräftig die Pedale tretend, davonjagte. Die dreiste Räuberin wurde durch einen Radfahrer, der von dem Bestohlenen verständigt worden war, verfolgt und diesem gelang es denn auch, die Dtebin am Kur« fürstendamm einzuholen und festnehmen zu lassen. Die Verhaftete ist eine Kellneri» B., will das Rad nur gestohlen haben, weil sie eine leidenschaftliche Radlerin, nicht in der Lage war, sich eine eigene Maschine zu kaufen. Ein neuer Raub an fall im Tiergarten ereignete sich gestern nach- mittag nach 5 Uhr in der Zeltenallee, nahe dem Kurfllrfteuplatz. Der 53 Jahre alten Frau Rosa Schäfer geb. Zirker, Holzmarkt- ftraße 46 wohnhaft, wurde von einem etwa 17 Jahre alten hart- losen Burschen eine graue Ledertasche, enthaltend ein Portemonnaie mit 13 M. Inhalt, eine kleine weiße Bürste und ein weißes Taschen- tuch. gewaltsam entrissen. Nach der Tat verschwand der Mann im Gebüsch deS Tiergartens nach dem Schloß Bellevue zu. Der Täter trug einen dunkelblauen Jackettanzug und einen schwarzen steifen Hut. Nngliicklichcr Sturz ins Wasser. Beim Schwimmen in der Bolks- badcanstall an der SchillingSbrücke hat sich der 14 jährige Schüler Herbart gestern abend eine lebensgefährliche Verletzung zugezogen. Der Knabe wollte vom Sprungbrett herab einen Kopfsturz machen. Er sprang dabei senkrecht in die Tiefe hinab und schlug unterm Wasser so unglücklich mit dem Kopf auf die Fliesen, so daß er einen Halswirbelsäuleubruch davontrug. In bedenklichem Zustande wurde H. nach der Klinik am Mariannenufer gebracht. Der Mord in der Hasenhcidr. Der Leichenfund in der Hasenheide ist jetzt aufgeklärt. Die Ermordete ist die nahezu 25 Jahre alte Arbeiterin Marie P i o ch aus der Möckernstraße, ihr Mörder ist allem Anschein nach ibr Geliebter, den die Kriminalpolizei bereits kennt. Marie Pioch, d:e aus der Nähe Berlins stammt, war hinter dem Rücken ihrer Eltern und Geschivister in Beziehungen zu einem verheirateten Manne getreten. Als ihre Angehörigen davon erfuhren, drangen sie in sie, das Verhältnis aufzulösen. Sie hätte es wohl auch getan, aber der Mann wollte unter keinen Umständen von ihr lassen. Ms sie auf Veranlassung der Ihrigen anfangs Mai dieses Jahres nach Berlin zog und bei ihrem verheirateten Bruder in der Möckernstraße Wohnung nahm, verfolgte er fie auch hier unablässig. Am 8. Mai fand sie Arbeit in einer Lampen« fabrik in der Nähe ihrer Wohnung. Wohl zehnmal lauerte ihr Ge- siebter nach Feierabend ihr auf, jedesmal aber wich sie ihm aus. Einmal bedrohte er sie mit dem Revolver. In Briefen drohte er ihr wiederholt, sie und sich selbst zu töten, wen» sie ihn ver- schmähe und sich uttt einem anderen verheiraten sollte. Am Montag abend 6 Uhr ging Marie Pioch nach Rixdorf zu ihre Schwester in der Hobrechtstraße. Um 7 Uhr ging sie von ihrer Schwester wieder weg. Auf denk Rückwege muß sie den verschmähten Geliebten, der dieser Tage in Berlin war und nahe der Uorkstratze in einem FremdcnlogiS wohnte, getroffen haben. Fern von ihrer Wohnung konnte sie ihn: nicht ausweichen und ging mit ihm»ach der Hasen« Heide. Hier hörten Leute, die zwischen 9 und 10 Uhr am Militär« arrestgebäude standen, den Aufschrei einer weiblichen Stimme. Sie achteten nicht lveiter darauf, weil gleich wieder alles ruhig war. Der Schrei rührte jedenfalls von der Ermordeten her. Der Mörder stach zunächst auf sie ein und verletzte sie dabei am linken Oberarm. Als sie nun schrie, faßte er zu und würgte sie, daß sie keinen Laut mehr von sich geven konnte. Der Tater ist aus dem Fremdenlogis verschwunden. Wahrscheinlich hat er Berlin schon verlassen, vielleicht auch irgendwo Hand an sich gelegt. Er heißt HermannRichter, ist Kutscher, am 14. Juni 1872 zu Stilledorf geboren und ist zuletzt auf dem königl. Remontegcstiit Bärenklau angestellt gewesen. Das Wäschezeichen II. R erklärt sich daraus, dast die Ermordete Wäsche und Taschentücher ihrer Schwester trug. Zum Mord in der Hasenheide wird mitgeteilt, daß die Leiche der Arbeiterin Marie Pioch gestern Mittwoch nachmittag im Schau- haus iii der Hamioberschenstraße obduziert wurde. Vertreter be-Z Landgerichts II und der Staatsanwaltschaft waren dabei zugegen, ebenso der Gerichtsarzt Dr. Hoffmann, der nach der Leichenschau ani Fundort das erste ärzliche Gutachten abgab. Die Obduktion zeigte, daß das Mädchen den Erstickungstod infolge Würgens gestorben ist. ES erhielt mit einem scharfen Werkzeug einen Stich in die Innen- seite des linken Oberarmes und wurde dann wahrscheinlich von hinten erwürgt. Der Täter war bis gestern abend noch nicht ergriffen. Die Krinünalpolizei ließ durch ein Heer von Beamten viele Gast- und Schankwirtschaften und alle Fremdenlogis absuchen, Richter wurde aber nicht gefunden. Es wurde auch kein Lokal ermittelt, in dem ein Mann wie er aufgefallen wäre. Festgestellt ist aber, daß der Ver- folgte auch gestern abend noch nicht wieder in Bärenklau ein- getroffen war. Von dort war er in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend schon nach Berlin gekommen. Am Sonnabend war er wieder kurze Zeit aufdemGestüt, dann in Oranienburg, wo erftüher seine Geliebte kennen gelernt hatte und endlich am Sonntag wieder in Berlin. Weil er sich an die Verwandten seiner Geliebten nicht herantraute, so schrieb er ihr einen Brief nach ihrer Wohnung bei dem Pförtner Pioch in der Möckernstr. 71. In der richtigen Voraussetzung, daß dieser Brief sie nicht rechtzeitig erreichen werde, weil sie schon früh rn die Fabrik gehen mußte, sandte er ihr dorthin am Montag einen weiten Brief, der den ersten aufhob. In dem zweiten Schreiben at er das Mädchen um eine intime Zusammenkunft, ohne Zweifel schon in der Absicht, es bei dieser Gelegenheit zu ermorden. Wohl deshalb wählte er auch zum Stelldichein die entlegene Hasenhcide. Durch Zeugen ist festgestellt, daß Richter ziemlich viel Geld bei sich hatte. Wahrscheinlich hat er von Hause alles mitgenommen, was er besaß, ohne Rücksicht auf Frau und Kind, die mm mittellos dastehen. Dazu kommt das Geld, das er der Ermordeten abgenommen hat. Richter verfügt demnach über so viel Mittel, daß er es immerhin eine Zeit- lang aushalten kann, vielleicht in der Nähe von Berlin oder auch irgendwo in der Provinz. Die Kriminalpolizei hat sich mehrere Bilder von ihm verschafft, die jetzt zur weitesten Verbreitung ver- vielfältigt werden. Der Verfolgte diente bei der Garde-Artillerie und war eine Zeitlang zur Artillerie-Schießschnle kommandiert. Später war er in Berlin herrschaftlicher Kutscher. Aus dieser Zeit ist auch ein Bild vorhanden, das ihn neben seinem Gespann zeigt. Zwei Radfahrer wurden durch Straßenbahnwagen schwer ver- letzt. Beim Einlenken aus der Brunnenstraße in die Uscdoinstraße Wurde der radelnde Schlosiergeselle Nneßler von einem Straßenbahnwagen der Linie 39 überfahren. Er geriet unter die vordere Platt- form und wurde zehn Schritte weit mitgeschleift. In einer Droschke schaffte man ihn nach dem Lazarus-Krankenhause, wo der Arzt bei dem Unglücklichen eine schwere Gehirnerschütterung, eine Quetschung und Zerreißung der linken Ohrmuschel, eine Quetschung des Unter- kiefers sowie den Verlust dreier Zähne feststellte.— Ferner stürzte in der Jnvalidenstraße der Kellner Reh zu Boden, als er mit seinem Rade an einem Wagen vorbeifahren wollte. Im Fallen schlug er gegen einen aus der entgegengesetzten Richtung kommenden Straßen- bahnwagen der Linie 11 und trug eine lange Wunde am Kopf, die bis auf das linke Scheitelbein reichte, sowie eine Gehirnerschütterung davon. Auf der Unfallstation in der Eichendorffstraße erhielt er den ersten Verband. Eine Ausstellung gesundheitlicher und künstlerischer Kleidung für Mädchen und Frauen ist vom Deutschen Verein für Volkshhgiene im Architektenhause veranstaltet und gestern eröffnet worden. Frau Oberstleutnant Margarete Pochhammer bedachte die Anwesenden mit einer längeren Ansprache, in der sie sich dagegen verwahrte, daß in der Kleiderreform ein Stillstand eingetreten sei. Die Bewegung schreite vorwärts und strebe dem Ziel zu, dem weiblichen Geschlecht Kraft und Schönheit wiederzugewinnen. Auch trat die Rednerin für Emanzipation vom Auslande ein und für den Ausdruck deutschen Wesens in der Frauenkleidung. Die Ausstellung selbst wiederholt, was schon mehrfach bei ähnlichen Veranstaltungen gezeigt worden ist, und bringt nach unserem Dafürhalten zur Anschauung, daß nach dem Willen der Aussteller die Kleiderreform weniger eine Frauen- als eine Damenangelegenheit sein soll. Auch die Arbeiterfrau ist an sich daran interessiert, daß der gesundheits- schädliche Korsettzwang aufhöre; aber in der gegenwärtigen Aus- stellung wie früher auch schon wird man gewahr, daß eine Arbeiterin oder auch nur eine minder gut gestellte Frau aus bürgerlichen Kreisen gar nicht daran denken kann, sich Reformkleidung zuznlegen. Eigentlich muß daS wundernehmen, da doch die Reformtrackit im Vergleich zur anderen den Gipfel der Einfachheit darstellt. Sieht man sich aber die Preise der ausgestellten Kleider von Verhältnis- mäßig schlichter Ausstattung an. so überkommt einen ein Gruseln; unter hundert Mark ist kaum ein Reformkostüm zu haben. Ueber die Schönheit der Reformkleidung an sich zu streiten, ist ja eine eigene Sache, da die Geschmäcker auch in diesem Punkte sehr verschieden sind und manche manches für ein Ideal hält, was eine andere nicht besehen kann. Durchweg waltet noch der gräuliche Sack in der Ausstellung vor, der nur geeignet ist, ein normalcmpfindendes Weib von der Reformtracht abzuschrecken. Andere Kostüme sahen aus wie Sträflingstracht. Der Beweis, daß dennoch die Reformkleidung imstande ist, die Schönheit der weib- liche» Gestalt hervorzuheben, wurde wesentlich in einem besonderen Saal erbracht, der für Kleider aus Privatbesitz reserviert war. Hier fanden wir mit den Namen Grein, Schach, Viertel und Blumau versehen, Kostüme von schlichter, ansprechender Schönheit; diesen ebenbürtig waren im großen Saal die Namen Bricger und Klemich vertreten. WaS die Ausstellung von Kleiderstoffen und anderen die Reformtracht nur sehr indirekt illustrierenden Waren, wie Fleck- Vertilgungsmittel, an dieser Stätte bedeuten soll, ist uns unerfindlich. In Sanssouci, dem bekannten Konzertlokal in der Kottbuser- straße 4a, hat sich für einige Tage in der Woche ein ständiges Theater etabliert. Die erste Vorstellung brachte OhnetS Schauspiel „Der Hüttenbesitzer", die Geschichte des Herrschers über zweitausend Arbeiter, der durch unsäglich edle Gesinnung über seine adlige Gattin im besonderen und über die ganze adlige Blase im allgemeinen einen glanzvollen moralischen Sieg davonträgt. Das Stück wurde aufgeführt von einer Gesellschaft, die sich Löwe-Ensemble nennt und, wie loir vorweg bemerken wollen, durchweg überraschend gut spielte. Dies Lob muß den Künstlern unter der selbstver- ständlichen Einschränkung gewährt werden, daß man an eine Bühne, wie die in der Kottbuserstraße nicht die An- sprüche stellen kann, wie etwa ans Deutsche Theater oder anS Schiller-Theater. Die Damen Deska, Loebell, Ferrand, Kroll und Diederich, die Herren Taube, Brunner, Häsling, Klein und Kentler waren mit Eifer und zumeist mit guten, Erfolg bei der Sache; von dem Darsteller der Titelrolle hätten wir allerdings gewünscht, daß er nicht noch geschraubter gesprochen hätte, als der Autor es schon will. Immerhin' unterhielt sich das zahlreich er- schienene Publikum vortrefflich und lohnte die Darsteller mit wohl- verdientem Beifall. Da eS scheint, daß„Sanssouci" auch sein Repertoire etwas besser gestalten und von der Aufführung der Rühr- stücke des vorigen Jahres absehen will, so ist dem Unternehmen bester Erfolg zu wünschen. Tic dritte städtische ForthildmigSschulc für Mädcheu, Langcstr. 70, beginnt im Oktober das Winterhalbjahr. Diese Anstalt, als erste ihrer Art im Jahre 187S vom Rektor Staerk gegründet, wirkt seit nunmehr 30 Jahren mit bestem Erfolge. Sie bietet den aus der Schule entlassenen jungen Mädchen Gelegenheit, sich, geleitet von iLersntto. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. FistT de vorzüglichen Lehrkräften, in allen Zweigen der weiblichen Erwerbs- tättgkeit— sowohl in kaufmännischen und gewerblichen Fächern, als auch für das häusliche Leben auszubilden. Der Unterricht beginnt am frühen Nachmittag und dauert bis 9 Uhr abends. In wöchentlich 123 Stunden haben im verflossenen Sommerhalbjahre etwa 400 Schülerinnen die Anstalt besucht. Mit guten Zeugniffen ver- sehen, übernehmen viele jetzt eine ihren Fähigkeiten angemessene Stellung.— Anmeldungen nimmt täglich von ö— 8 Uhr, außer Sonnabend und Sonntag, der Dirigent G. Kulke im Schulgebäude entgegen. Vier volkstümliche Vortragsabende. Marie Holgers veranstaltet am 1. Oktober und 20. November 1905, am 28. Januar und 25. Februar 1906 volkstümliche Vortragsabende im Gewerkschafts- hause, 80., Engelufcr 15.— Der erste Vortragsabend bringt russische Dichtungen von Puschkin, Lermonhoff, Gorii u. a. Den musikalischen Teil hat B e t s h S ch o t übernommen, die russische Volksweisen singen wird.— Eintrittskarten zu 30 Pf. bei Horsch, Zigarrenhandlung, Engelufer 15 und abends an der Kasse. Im Sportpark Treptow sind nunmehr D i ck e n t m a n n, D e m k e und Rosenlöcher mit den Führnngsmannschaften ein- getroffen, um sich auf den„Großen Preis von Treptow" am Sonn- tag vorzubereiten. Sie ttainieren täglich zwischen 0 und 7 Uhr. Die Bibliothek und Lesehalle der Korporation der Kanfmannschaft im Börsengebäude werden vom 15. September ab wieder auch in den Abendstunden geöffnet sein. Die Benutzungszciten sind werk- täglich von 9—3 und von 6—10 Uhx sowie Sonntags von 10 bis 1 Uhr. Sportplatz Berlin- Zehlendorf. Am Donnerstagabend zwischen 0— 71/2 Uhr werden Günther und Huber Rekordversuche über 15 Kilo- meter" auf der Zehlendorfer Rennbahn unternehmen. Jedenfalls dürften diese Versuche zeigen, wer von den beiden über die kurze Distanz der schnellste Fahrer sein wird. Die Baulichkeiten auf der Rennbahn sind soweit vorgeschritten, daß jetzt schon bequem 10 000 Personen Platz haben. Vorort- s�ackrickten. Charlottenburg. Die städtischen GaSarbeiter haben bekanntlich vor längerer Zeit an den bei der städtischen Gasanstalt bestehenden Arbeiterausschuß das Verlangen gerichtet, bei der Direktion wegen einer Revision und Erhöhung der Lohnsätze vorstellig zu werden. Der' Arbeiterausschuß hat nach eingehender Beratung eine Er- höhung sämtlicher Löhne, eine Verkürzung der Arbeitszeit und eine Statutenänderung für den Arbeiterausschuß beantragt. Die Be- leuchtungsdeputation, der die Gasanstalt untersteht, verwies ihrer- seits die Beratung an einen engeren Ausschuß von fünf Mitgliedern, der am vergangenen Montag zum erstenmal eine Sitzung abhielt. Die Verzögerung erklärt sich daraus, daß der Oberbürgermeister den Veratungen beiwohnen wollte und erst vor kurzem von seinem Urlaub zurückgekehrt ist. Der Ausschuß beriet zunächst nur die Lohnsätze. Hier ging er zwar nicht auf alle Wünsche der Arbeiter ein, aber doch auf fast alle, bei den Mmdestlöhnen der Werkstattarbeitcr ging er sogar noch über den vom Arbeiterausschuß beanttagten Satz hinaus. Da der Oberbürgermeister den vom Ausschuß angenommenen Sätzen ausnahmslos zustimmte, ist zu hoffen, daß auch im Magistrat der Widerstand gegen die beantragten Lohnerhöhungen überwunden werden wird. Der Ausschuß beriet dann noch einen vom Arbeiterausschuß ge- stellten Antrag, den Arbeitern, welche zufolge des Streikes im Jahre 1901 entlassen, nach dem Streik aber wieder eingestellt wurden, die vor dem Streik geleistete Dienstzeit in Anrechnung zu bringen. Es handelt sich hierbei um 95 Arbeiter und um eine Ausgabe von etwa 3300 M. jährlich. Der Arbeiterausschuß begründete den Antrag mit der allgemeinen Feststimmuug anläßlich der Zweihundertjahrfeier. Die Mehrheit des Ausschusses befürchtete aber, daß ein Eingehen auf den Antrag geradezu als Belohnung für Streiken gedeutet werden würde und lehnte deshalb den Antrag ab. Falls die vom Ausschuß angenommenen Sätze endgültig an- genommen werden, so würde darin trotz der Ablehnung einiger Wünsche der Arbeiter eine nicht unerhebliche Verbesserung liegen; denn abgesehen von der Erhöhung der einzelnen Sätze sollen die Höchstlöhne zum Teil auch in kürzerer Zeit erreicht werden als bis- her und außerdem sollen die Zulagen ganz regelmäßig erfolgen. ein Uebergehen einzelner Arbeiter soll nicht mehr nach dem Ermcffen der Direktion, sondern nur nach Vortragung des Falles in der Depu- tatton stattfinden. Freie Volksbühne Charlottcnburg. Es wird noch einmal auf den Freitag, den 15. September, abends 8V2 Uhr, im Volkshause. Rosinen- straße 3, stattfindenden öffentlichen Vortrag des Herrn A u E n d e ll über:„Die Schönheit der großen Stadt" aufmerksam gemacht. Eine Kinderstation ist in Charlottenburg eingerichtet worden. Sie hat den Zweck, Kinder, die aus irgend einem Grunde hiilfs- bedürftig sind und sofort untergebracht werden müssen, aufzunehmen. Auf das Alter der Kinder wird keine Rücksicht genommen. Im all- gemeinen ist für die Aufnahme der Kinder die Vernnttelung der Armendirektion erforderlich. Wenn aber diese Behörde ihre Dienst- räume geschlossen hat, so können bedürftige Kinder auch sofort ohne Anweisung der städtischen Armcnverwaltung Aufnahme finden. Zuständig zu Anträgen auf Aufnahme ist in solchen Ausnahmefällen der Waisenrat des Bezirks; ist er nicht erreichbar, so ist das nächste Polizeirevier um sein Eingreisen zu ersuchen. Die Kinderstation be- findet sich im städtischen Bürgerhause in der Sophie Charlotten- straße 115. Schöneberg. Großfeucr kam in der letzten Nacht in Schöneberg, Gleditsch- straße 22, aus noch nicht ermittelter Ursache zum Ausbruch. Um 1 Uhr wurde die Gefahr bemerkt, als die Flammen schon hell aus den Dachluken mächtig emporloderten. Als die Berliner und Schöne- berger Wehreu au der Brandstelle erschienen, stand der Dachsttihl des großen vierstöckigen Gebäudes, Ecke der Grunewaldstraße schon in großer Ausdehnung in Flammen. Diese hatten an dem Hausrat der Mieter, besonders an Brennmaterialien und dem Inhalt der Bodenverschläge reiche Nahrung gefunden. Die große Hitze und die enorme Oualmentlvickclmig erichwcrten das Vorgehen der Mann- schaften ungemein. Beide Wehren benutzten deshalb mit Erfolg mechanische Leitern, über die mehrere Schlauchleitungen vor- genommen wurden. Schließlich gelang es auch über die Treppen bis au den Brandherd vorzudringen und mit sechs Schlauchleitungen Wasser zu geben. Erst nach 5 Uhr konnte Brandmeister WiewiszowSki mit der Berliner Wehr wieder abrücken. Die Schöneberger Wehr übernahm dann die Ausräumung der Brandstelle. Der Dachstuhl des Vorderhauses ist vollständig niedergebrannt. Nixdorf. Auch die Stndtvcrordnctcll- Versummlung in Rixdorf wird zur Flcischliot Stellung nehmen. Zwei Anträge unterliegen hierzu der Beschlußfassung. Einer derselben ist von bürgerlicher Seite ein- gebracht und' hat folgenden Wortlaut:„Die Stadtverordneten- Versammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, in gemeinsamer Eingabe beider Körperschaften an die zuständigen Reichs- und Landesbehörden auf schleunigste Beseitigung der herrschenden Fleischteuerung durch geeignete Maßnahmen hinwirken zu wollen." Der zweite von der s 0 z i a I d e m 0 k r a t i s ch en Fraktion eingereichte Antrag ist präziser und weitgehender und macht positive Vorschläge. Er lautet: „Die Versanimlung ersucht den Magistrat, beim Bundesrat _ dahingehend vorstellig zu werden, daß die Sperrung der Grenze l Ljnseratenteil verantw,: Th. Gl»cke. Berlin. Krück u. Verlag: Lerwärtt gegen die Meheinfuhr aufgehoben wird, um die die Volkswohlfahrt schwer schädigende Fleischteuerung einzuschränken. Des wetteren wird der Magistrat ersucht, in gemischter De« putaiion mit den Stadtverordneten über weitere Mittel und Wege zu beraten, die geeignet sind, die herrschende Fleischnot zu beseitigen bezw. für die Zukunft unmöglich zu machen." Friedrichsfelde. Die Flcischnot in der Gemeindcvcrtrcter-Sitzung. Als Folge einer öffentlichen Volksversammlung hatte der Gemeindevertreter Genosse P i n s e l e r beim Gemeindevorsteher beantragt, auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen:„Stellungnahme der Gemeindevertretung zur Fleischnot bezw. Fleischteuerung". Diesem Antrage wurde wundersamerweise nicht stattgegeben. Als am Mon« tag. den 11. d. M., die Gemeindevertretung in die Tagesordnung eintrat, fragte Genosse Pinseler sofort nach dem Schicksal des Antrages. Der Gemeindevorsteher antwortete, unter„Mitteilungen" werde er Auskunft geben. Als die ersten vier Punkte der Tages- ordnung erledigt waren, führte der Gemeindevorsteher Herr Löchert zu der Sache folgendes aus:„Der Gemeindevorstand hat sich ein« gehend mit der Fleischnot beschäftigt, er hält die Erörterung der- selben für post festtim, für verspätet. Seiner Meinung nach könne überhaupt von einer Fleischnot nicht gesprochen werden. Wenn in den Zeitungen tendenziös behauptet würde, die Agrarier hätten nur Vorteil von den hohen Fleischpreisen, so müsse er dem entgegen- treten. Die kleinen Leute auf dem Lande hätten auch Vorteil, da sie das Vieh teurer verkaufen.(Die Nähe der Viehzentrale scheint agrarisch zu wirken.) Genosse Pinseler war anderer Meinung und brachte folgenden Antrag ein:„Die heutige Gemeindevertretuirg beauftragt den Herrn Gemeindevorsteher, der Regierung folgendes zu übermitteln: Die königlich preußische Regierung wird ersucht, im Interesse der Volkswohffahrt unverzüglich Schritte zu unternehmen, damit der Bundesrat die Grenzen für gesundes Schlachtvieh öffnet." Pinseler begründete seinen Antrag dannt, daß die Fleischpreise für neun Zehntel der hiesigen Einwohner kaum erschwinglich seien. Zirka 2700 Familien müßten wöchentlich mindestens 1,50 M. für Fleischwaren mehr ausgeben. Es sei Pflicht der Gemeindeverttetung, für Abhülfe zu sorgen. Er bezog sich auf die fast einstimmigen Beschlüsse anderer Gemeinden, auch auf die Aeußerungen des Bürgermeisters Reicke in Berlin, daß eine solche Bewegung gegen den Fleischwucher nicht künstlich entfacht werden könne, sondern wohlbegründete Ursache in der unerträglichen Fleichteuerung hat. Nun kam die Debatte in Gang, obgleich es kein offizieller Punkt der Tagesordnung war. Herr Stellmachcrmeister Pechardscheck (Schöffe) bedauerte auch die Fleischteuerung. welche in seinem Haus- halt auch fühlbar sei(na! na!), auch er habe ein Herz für die ärmeren Leute, es ließe sich aber doch nichts machen, es sei doch zwecklos, den Antrag anzunehmen usw. Herr Buchdruckereibesitzer Schoch meinte, der Fleiichmangel rühre daher, weil in der Land- Wirtschaft das Personal fehle.(Zuruf von Prnseler: Bessere Behandlung.) Kein Dienstmädchen wolle noch nach dem Stall gehen und Vieh füttern. In einem ihm bekannten Orte(Baganz in der Nieder-Lausitz) seien die Dienstmädchen jetzt alle im Radfahrer- verein; auch er habe ein warme? Herz fiir die Arbeiter usw. Auch der Gemeindevorsteher gab noch seine Weisheit zum besten. Er meinte wörtlich:„Jetzt blühe wieder der Weizen Pinselers. Im„Vorwärts" werde wohl wieder zu lesen sein: Pinseler allein hat die Interessen der armen Leute vertreten; (Zuruf P. Leider!) er empfehle über den Antrag zur Tagesordnung überzugehen. Genosse Pinseler zerpflückte noch einmal die gegneri- scheu Einwände. Er warnte die Optimisten, welche glaubten. Podbielski werde bald seinen Standpunkt ändern, die Gegner scheinen ihre Weisheit Wort für Wort aus dem Flugblatt des Bundes der Landwirte übernommen zu haben. Ganz besonders stellte Redner die Aeußernng des Amts- und Gemeindevorstehers, die kleinen Leute auf dem Lande hätten auch einen Vorteil von den hohen Fleischpreisen, dahin richtig, daß diese Leute wohl für den Berkauf ihres Schweinchens mehr Erlös hätten, dies aber beim Ein- kauf doppelt einbüßen, oder auch sie müßten gänzlich auf Fleisch« genuß verzichten. Der Antrag Pinseler wurde nunmehr doch zur Abstimmung zugelassen. Dafür stimmten von 18 Anwesenden drei Mann: Berbe, Borsdorf. Pinseler.— Damit haben sich die Herren der Mehrheit das Zeugnis ausgestellt, daß sie vollkommen unfähig find, die Interessen der unbemittelten Bevölkerung auch nur in minimalster Weise wahrzunehmen. Köpenick. An die organisierte Arbeiterschaft von Köpenick und Umgegend! Die Lohnbewegung der Friseurgehiilfen ist nunmehr in eln neues Stadium getteten. Auf Veranlassung einiger Arbeitgeber sollen die Jnnungsgehülfen einen Vergnügungsklub gegründet haben. Derselbe soll für die Arbeitgeber ähnliche Bewilligungsplakate sowie Kontrollkarten für die Gehülfen herausgeben. Wir machen die Arbeiterschaft darauf aufmerksam, daß die von uns herausgegebeneu Plakate die Namen O. Wermke, Paul Liere und H. Schulze tragen. Weiter müssen Karte und Plakat mit dem Stempel„Verband der Friseurgehlllfen, Zweigverein Köpenick und Umgegend" versehen sein. Alles andere ist ungültig. Die Arbeiterschaft wird gebeten, vor« stehendes zu beachten. Die Forderungen durchbrochen haben die Arbeitgeber: Pohl. Miiggclhermerstraße, und Haedike, Elisabethstraße. _ Die Lohnkommission. Zentralverband der Handlungsgehülfen«nd»Gehülfinnen Deutschlands.(Bezirk Berlin.) Donnerstag abend 9 Uhr Sitzung in den„Arminhallcu", Kommandantenstr. 20. Gäste sind willkommen. Die Orisvcrwaltung. Verband der Frisenrgchnlfe» Deutschlands, Zweigvereln Cbarlotienburg. Heute abend 10 Uhr Versammlung im Volkshause, Rosinenflr. 3. Berichterstattung vom 8. Verbandstage. Neserent Kollege Liere. Diskussion. Kollegen willkommen. Berliner Aiarktpreise. Aus dem amllichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion. Nindsleisch la 62—69 pr. 100 Pfund, Ittr 56—60, lila 50-50, IVa 40-48. Kalbfleisch la 61—88, IIa 72-80, IHa 60—70. Hammelfleisch la 68—75, IIa 58—66. Schweinefleisch 66—72. Kaninchen Stück 60—90 Ps. Rotwild, Pfund 45—55 Ps. Rebhühner, junge 0,70—0,80, alte 0,65—0,75; Hühner, alte 1,20—1,60, junge 0,40—0,80 das Stück. Gänse, junge 0,55—0,58 daS Psund. Hechte, 108—120 331. pr. 100 Pfund. Schleie 127—136, Aal- 66—70, Karpfen 90-91, Lachs 153, Schellfische—, Flunder 17, schottische Vollhcringe(gesalzen) 36—38. Krebse, unsort., Schock 8.—. Eier, Schock 3,00-3,20. Butter, pr. 100 Pfund la 124—126, IIa 118—122, nia 113—116, abfallende 105—1143, Kartoffeln, pr. 100 Pfd. neue rote 2,00—2,50, neue Rosen 1,50—1,75, neue blaue 2,00—2,25, runde weiße neue 1,75—2,00. Rotkohl, Schock 3,00—6,00, Holländer 7,00— 8,00, Weißkohl 2,00—5,00, Wirsingkohl 2,00—5,00; neue saure Gurken, Schock 2,—. Wtttrriingdüb erficht vom 13. September 1905, morgens 8 Nyr Wetter.Proguose fit« Donnerstag, de« 14. September 1S«S. Vorherrschend wolkig mit etwas Regen, mäßigen westlichen Winden und wenig veränderter Temperatur. verliner Vetterbureau. Wafierftaud am 12. September. Elbe bei Aussig-s- 0,04 Meier, bei Dresden— 1,33 Meter, bei Magdeburg-si 1,38 Meier.— U n fl r u t bei Straußsurt 4- 1,20 Meter.— Oder bei Äatibor R 0,98 Meter, bei Breslau Oberpcgel+ 4,82 Meter, bei Breslau Unterpegel— 1,53 Meter. bei Frankfurt+ 1,28 Meter.— Weichsel bei Brahemünde -s- 2,59 Meter.— Netze bei Usch 4- 0,86 Meter,__ LuHdruckerki u. Verlggssmstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW- Für den Inhalt der Injerate Urania Tauben. übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, 14. September. Anfang 72 Uhr: Opernhaus. Cavalleria rusticana. Coppelia. Schauspielhaus. Wann wir altern. Die Romantischen. Neues. Ein Sommernachtstraum. Westen. Der Trobadour. Thalia. Bis früh um Fünfe! Anfang 8 Uhr: B Schiller 0.( Wallner Theater.) Nora. Schiller N.( Friedrich Wilhelm. städtisches Theater). Ein Wintermärchen. Leffing. Die Erziehung zur Ehe. Die fittliche Forderung. Residenz. Die Höhle des Löwen. Zentral. Die Geisha. 13 Trianon. Das Ende der Liebe. Carl Weik Weltumsegler wider Willen. Belle- Alliance. Ben Ali Beh. Luisen. Der jüngste Leutnant. Deutsch: Amerikanisches. Herr Herzog! Kasino. Der Adelsnarr. Metropol. Auf ins Metropol! Aber, Apollo. Ein Abend in einem amerita, nischen Tingel- Tangel. Am 8 Uhr: str. 48/49 Tierleben in der Wildnis. Sternwarte Invalidenstr. 57/62. CASTAN'S PANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Joël's Traum! 99 Im Restaurationssaal: D'Kochelsee't." Oberbayr. Gesangs-, Tanz- u. Gebirgs- Szenen. Z OOLOGISCHER CARTEN Täglich ab nachmittags 4 Uhr: MilitärDoppel- Konzert Eintrittspreis 1 M.; ab 6 1hr 50 Bf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Godgettsabent. Crestalitäten. Neues Theater. Herrnfeld. Die Meherhains. Wintergarten. Loie Fuller. Spezialitäten. Anfang 7 Uhr. Berliner Prater: Theater. Der Ein Sommernachtstraum. rechte Weg. Passage. Poldi Augustin. Herr Tactanu. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Freitag u. folgende Tage: Ein Sommernachtstraum. Urania. Taubenfiraise 48/49. Lustspielhaus. Tierleben in der Wildnis. Invalidenstraße 57/62. warte. Stern Abends 8, Uhr. Täglich geöffnet von 7 Der familientag. bis 11 Uhr. Anfang 8, Uhr: Lustspielhaus. Der Familientag. Morgen: Jungfer Ambrofia. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Donnerstag, abends8Uhr: Donnerstag, abends 8 Uhr: Nora.( Ein Puppenheim.) Ein Wintermärchen. Schauspiel in 3 Aufz. v. Henrik Ibsen. Schauspiel in fünf Aufzügen von Deutsch von Wilhelm Lange. William Shakespeare. Freitag, abends 8 Uhr: Freitag, abends 8 Uhr: Der G'wissenswurm. Die Logenbrüder. Sonnabend, abends 8 Uhr: Sonnabend, abends 8 Uhr: Der G'wissenswurm. Nora.( Ein Puppenheim.) DO Freie Volksbühne. Sonntag, den 17. September, nachmittags 21, Uhr: Metropol- Theater. 5./6. Abteilung Carl Weiß- Theater. 1. Abteilung Nummer Achtzig Egmont. und Der Panzer von Herm. Heyermans. Trauerspiel in 5 Akten von 88 W. Goethe. Musik von L. v. Beethoven. 9. Kunst- Abend Dienstag, den 17. Oktober cr., abends 8 Uhr, eaumé im Rathaus: Schumann- Heine at Vortragender: Dr. Max Hirschberg, Dozent der Baur Musikgeschichte an der Humboldt- Akademie. 530 Alle neuen Mitgliedskarten müssen aus den Zahlstellen abgeholt werden und müssen 2 Marken a 80 Pf. enthalten. Sonnabend, 23. September, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause: Ordner- Sitzung. Das Erscheinen aller Ordner mit ihren Mitgliedskarten ist unbedingt erforderlich. Der Vorstand. 229/15 Die Geschäftsstelle Die Geschäftsstelle und Kassenverwaltung: G. Winkler. XI. Berliner Saison. Kleines Theater. Metropol- Theater Zirkus Busch. Unter den Linden 44. Wieder Eröffnung. Freitag, den 15. September 1905: Zum ersten Male: " Die Laune des Verliebten." Hierauf zum erstenmal: „ Der zerbrochene Krug." Anfang 72 Uhr. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: Präzise 8 Uhr zum 6. Male: ! Auf in's Metropol! Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Kapellmeister Max Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Der jüngfte Leutnant. Walden a. D. MIS Clifford a. D. Freitag zum erstenmal: Lumpengesindel. Sonnabend: Die Kinder der Exzellenz. Sonntag nachmitttag: Der jüngste Leutnant. bends: Fiesco. Montag: Die Kinder der Exzellenz. Kasino- Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Der Adelsnarr. Borher: Die Zaubergeige bon Offenbach. Original Rämbler Compagnie zum 1. Male in Berlin Duo Serdan. Sonnt. 4 Uhr: Ein Sohn des Volkes. Trianon- Theater. Heute und folgende Tage: Das Ende der Liebe. Satirisches Lustspiel in vier Aften bon Roberto Bracco. Deutsch von Otto Eisenschüz.. Anfang 8 Uhr. pollo- Theater 10 Uhr: Täglich: Ein Abend in einem amerik. Tingel- Tangel Borher: Hochzeitsabend und das große September- Spezialitäten- Progr. Ab Sonntag, den 1. Oktober cr.: Jeden Sonntag nachmittag 3 Uhr: Große Extra Vorstellung zu halben Preisen. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Heute und folgende Tage Anfang 8 Uhr: Bender x Giampietro Josephi Frid- Frid Massary Max Steidl. Behrens- Linke. Rauchen in all. Räumen gestattet. Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Anfang der Abendvorstell. 8 Uhr, nachm. Sonnt. 3, Wochent. 5 Uhr. Poldi Augustin die fesche Sonbrette. Herr Tacianu Damen- Imitator. Das glänzende September- Programm. Donnerstag, den 14. September 1905, abends 7 Uhr: Gala- Premiere. Besonders hervorzuheben: Zum 1. Male in Europa: " Die Japaner- Truppe. Ausgesuchte Repräsentanten der Armee des Mikado. Die Helden vom Yalu und Port Arthur in ihren militärischen Exerzitien. 4 Sisters Athletas, Kraftproduktionen. Mr. Price& Revost, amerikanische Exzentriks. Mr. Rabusa, dressierte Tiere. Clown Revelly. Die englische Reiterfamilie Sloan. Eine Springpferde- Konkurrenz zwischen den 3 Springpferden. 1. Spa, Halbblut, Siegerin im Concours hippique im Hochspringen im Jahre 1903 in Spa. Reiter Herr Behnke. 2. Frehn", Hochsprung bis 2 Meter. Reiter Mons. Le Dantec. 3. 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Jeden Sonntag, Montag, Mittwoch: Konzert, Theater, Spezialitäten. Sonntag, den 17. September: Große Extra- Borstellung u. Tanz. Durch Klippen und Wellen. Boltsstück mit Gesang von Richter. Palast- Theater früher Feen Palast, Burgstr. 24, Eingang Wolfgangstraße, vis- a- vis d. Börse. 2 Min. v. Bhf. Börse. Das phänomenale Eliteprogramm. 12 Kunstnummern 1. Ranges. Nur das Beste vom Besten! Reichshallen. Stettiner Sänger. Täglich: Senosna Anfang: Wochentags Sonntags 8 Uhr, 7 Uhr. dne ee Gustav 160 Behrens SpezialitätenTheater FrankfurterAllee 85. Täglich das großartige Per Rohrpost. September- Programm Schwant in einem Aft v. M. Reichardt. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Bf. Familienkarten find in allen Barbier, Friseur: u. Zigarrengeschäften sowie im Theater bureau unentgeltlich zu haben. Deutsch- Amerikan. Theater. Köpenickerstraße 67/68. Jed. Abend 8 Uhr, Gastsp. Ad. Philipp Der erste Schlager der Saison Aber Herr Herzog. 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Nächste Borstellung: Sonntag, den 17. September. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Heute: Geschlossen. D Sonnabend, den 16. September cr.: Eröffnung der Winter Spielzeit. Borzugs resp. Familienkarten hierzu find in allen mit Plakaten belegten Geschäften sowie im Theater v. 9 bis 11 Uhr unentgeltlich zu haben. Rottbuserstr. 4a. Stat. der Hochbahn. Dirett.: Wilhelm Reimer. Somnt., Mont., Donnerst.: Im glänzend renov. und elektr. beleucht. Etablissem. Hoffmanns Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Sonntag Beginn 5 Uhr. Wochentags 8 Uhr. Dienstag u. Mittwoch: Theaterabend. Gastspiel des Löwe- Ensemblens. Kastanien- Allee 7-9. Heute: Der rechte Weg. Bolksstück mit Gesang in 4 Atten. The Kieffers Pantomime. Mizzi u. Géza Varadi- Duett. Pantomime. Spezialitäten. Ball. Schluß der Saison Freitag, 15. September. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Platz 50 Pf. amerikanische Exzentriks. Die mysteriösen Husaren. Edith Helena Die Trombettas amerik. Sängerin. italien. 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Kirschen rot Transparent Himbeeren Himbeeren Aprikosen halbe Frucht, ungeschält Aprikosen halbe Frucht, ungeschält Reineclauden Erdbeeren naturell Heidelbeeren 1/2 D. 65 Pf. Pfirsiche halbe Frucht, geschält Pfirsiche halbe Frucht, geschält Melange- Früchte Melange- Früchte Rheinisches Kraut Ananas ganze Frucht Kompott- Ananas Kompott- Ananas % D. 1.30MK. 1 D. 70 Pf. D. 1.10Mk. Pflaumen ohne D. 60 Pf. Heidelbeeren Dose ca. 1 Pfd. 50 Pf. Dose 1,20, Dose 70 Pf. Dose 1.60 Dose 85 Pf. Pf.,/ Dose 34 Pf. Steinen, Glas 55 Pl. Glas 72 Pf. Glas 1.40 Glas 90 Pf. Dunstfrüchte: Stachelbeeren, Johannisbeeren, Birnen, Kirschen mit Steinen, Dunstfrüchte in Zucker: Kirschen ohne Steine Aprikosen, Pfirsiche halbe Frucht Himbeeren Dose 68 rot 1/ Dose 68 Pf., 1/2 Dose 40 Pf. Johannisbeeren rot Stachelbeeren Saure Kirschen Fisch- Konserven 1/ Dose 65 Pf., 1/2 Dose 38 Pf mit Steinen 1/ Dose 75 Pf., 1/2 Dose 43 Pf. 1/1 Dose 98 Pf., 1/2 Dose 55 Pf. 1/1 Dose 58 Pf., 1/2 Dose 35. Pf. D. 65 Pf., Dose 38 Pf. Bratheringe Dose 47 Pf. Bismarckheringe Dose 47 Pf. Heringe in Aspic Dose 40 Pf. Delikatess- Heringe Dose 83,% Dose 52 Pf. Nordseekrabben Nordseekrabben Dose 65 Pf. Dose 35 Pf. Sardinen in Oel Russische Sardinen Glas 25 Pf. Glas 25 Pf. Anchovis Gebrannter Kaffeekas Mischung II Pfund Salamiwurst III IV 95 P, 1.10 MK, 1.35 Mk. Pf. Dose 35, 45 Pf. Französische Sardinen Amieux frères 4 D. 90 Pf., D. 1.50 Deutscher Kakao Pfd. 90Pf, 1.15 Holländ. Kakao 1.80, 2.10 Pfd. in Rinddarm Pfd. 25 Cervelatwurst 1.25 Casseler Rippespeer 90. اذ in Junge Gänse Italien. Weintrauben | Kiste Pfund ca. 5 Pfd. 63 PF. 90 Pf., Kiste ca. 8 Pfd. 1.25. MIK. Frisches Obst ist von der Zusendung ausgeschlossen. Berant. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantwo.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärta Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW