Nr. 816. II bonneitKnts•Bedingungen: Abonnements- Preis pränumerando! Nerteljährt. 3,30 Ml, monatl. 1,10 Ml, WSchentlich 28 Pfg. frei ins Haus, einzelne Nummer 8 Pfg. SomUagZ. nunimer mit Illustrierter Eonntags- Sellage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutfchland und Oesterreich> Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland S Mark pro Monat, SS. Jahrg. CriditlBt tSzllch außfr monlagt. Vevliner Volksbl�kk» Die InIertlon$*GebOI)r beträgt für die fechsgefpastene Kolonel. geile oder deren Raum 40 Pfg,, für politische und gewerlfchastliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 2S Pfg, „Kleine Hnzeigen", das erste fselt- gedruckte) Wort 10 Pfg,, jede? weitere Wort 5 Pfg, Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte, Jnlerats für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen diS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr dormsttags geöffnet, Zelcgraimii- Adresse: „SoiUldtiaolirat Rtrlln". Zentralorgan der fozialdemokrati fchen parte» Deutfchlands. Redaktion: SAl. 68, Lindenatraeae 69. Fernsprecher: A»it IV, Nr. 1983. Die Bauernunruhen in den Ostsee- Provinzen. Riga, im September.(Eig. Ber.) Die baltischen Ostseeprovinzen gehören kulturell nächst Finnland zu einem der vorgeschrittensten Teile des Zarenreiches; denn die beiden kleinen Kulturvölker, die diese Provinzen bewohnen, Esten und Letten, sind alle ohne Ausnahme des Lesens und Schreibens kundig und nehmen regen Anteil an ihren volkstümlichen literarischen Erzeugnissen, Dagegen stehen sie wirtschaftlich und sozial in vieler Hinsicht weit hinter anderen russischen Provinzen zurück. Um von den baltischen Zuständen einen richtigen Begriff zu er- halten, ist es erforderlich, einen flüchtigen Blick auf ihre sozial-wirt- schaftliche Lage zu werfen. Obwohl die beiden kleinen Völkerschaften, die Esten und Letten, diese Provinzen bewohnen, sind sie doch nicht die wirklichen Besitzer ihres Landes, sie sind nicht einmal gleich berechtigt mit den anderen Bewohnern des Landes, sondern sie sind bis zum heutigen Tage die Sklaven der deutschen Junker, der beut- schen Bourgeoisie und der russischen Bureaukratie geblieben, die gemeinschaftlich die Ausbeutung der beiden Völker betreiben und mit denen Hand sin Hand die Regierung des Zaren das Ausbeutungs- Werk der deutschen Junker und Bourgeoisie begünstigt; erst in der allerletzten Zeit haben die Russen, d. h. die russischen Beamten und Pfaffen angefangen, die Obermacht qn sich zu reißen. Die Esten und Letten waren bis jetzt durchweg ein Proletariat, gegen das die deutsche Bourgeoisie und der deutsche Adel sowie die russische Bureau kratie kämpften. Auf flachem Lande gehören die ftuchtbarsten Felder und die schönsten Wälder dem deutschen Junkertum. Die Bauern mußten für ihre Gehöfte ungeheuer hohe Pacht den Junkern zahlen' und Ivenn sie nicht imstande waren, diesen Forderungen nachzukommen, wurden sie„von Rechts wegen" ihres beweglichen Vermögens unter dem Vorwande des Schadenersatzes beraubt. Und die unglücklichen Familien waren gezwungen, als Tagelöhner nach Rußland oder Sibirien auszuwandern. Ferne» mußten die Bauern außer der Pacht die Wege bauen und in Ordnung halten, Post und Polizei erhalten, Landesabgaben zahlen, den Pastoren oder Pfaffen alle möglichen Abgaben in Naturalien liefern und schließlich sogar Schulen für die Kinder der Junkerknechte, das heißt für die Kinder der Hofleute er- richten und dotieren. Die Landesverwaltung war völlig in den Händen des deutschen Adels konzentriert, und um die mit Blut und Schweiß verdienten Ersparnisse des armen Volkes bis auf den letzten Groschen an sich zu reißen, errichtete der Adel in jedem Dorfe Schankwirtschaften, Krüge, die ihnen gewaltige Verdienste ein- brachten, so daß auf diese Weise dem Volke alles erpreßt wurde. Dasselbe Bild tritt in dem Leben der baltischen Städte hervor, Hier regiert unbeschränkt eine kleine Minderheit über die Mehrheit, Obzwar die meisten Einwohner der baltischen Städte Esten oder Letten sind, liegt dennoch die Verwaltungsmacht in den Händen der deutschen Bürger, die sich in jeder Hinsicht als die loyalsten Anhänger des Zarismus bekennen und bei jeder Auflehnung gegen die Zarea gewalt in Ohnmacht fallen. Noch schlimmer als die estnischen und lettischen Bauern. Kleim bürger und Handwerker sind die estnischen und lettischen Land- arbeiter, Tagelöhner oder die sogenannten LoStreiber, die irgendwo auf einem Landhügel ihre Hütten gebaut haben und von der Tage- löhnerei existieren. Diese Klasse macht in den baltischen Provinzen 60 Prozent der Bevölkerung aus. Sie gelten in vieler Hinsicht als rechtlose Sklaven der Junker oder anderer Kapitalisten. Die Arbeits- zeit ist gewöhnlich 16 Stunden täglich und der Lohn beträgt 30 Keeken(60 Pf.). Der Zustand dieser Leute ist bejammernswert und spottet jeder Beschreibung. Obzwar diese Leute fast nichts ver- dienen, furchtbar arbeiten, in Lumpen gehen und tagelang hungern. erhebt man noch von jeder männlichen Person im Alter von mehr als 14 Jahren eine gewisse Kopfsteuer, durchschnittlich 10 Mark all- jährlich. Wir haben Hunderte von Fällen mit eigenen Augen erlebt, wo den armen Leuten ihre letzte Kuh, ihr letztes Werkzeug von den Behörden weggenommen ist und zur Bestreitung der Kopffteuern verkauft wurde. Weinend und jammernd baten Frau und Kinder ans den Knien, ihnen ihre letzten Habseligkeiten nicht zu rauben. aber weder die Junker noch die zarische Bureaukratie kümmerten sich im mindesten um die Tränen und die Qual anderer. Die herrschenden Klassen in den Ostseeprovinzen gehen noch völlig in ihrem Herren- stolz auf und sehen daher auf das Wurmdasein ihrer Mitmenschen als auf etwas stelbstverständliches herz- und mitleidlos herab. Wie konnten trotz solchen erschöpfenden Druckes diese Völker dennoch eine allgemeine Bildung erlangen? Die deutschen Junker und Pastoren werden nicht müde, sich das Verdienst an diesem Vor- zug zuzuschreiben. In Wahrheit haben daS Verdienst an dieser kulturellen Entwickelung neben dem Volkscharakter gewisse Volks- aufklärer, denen allerdings manche human geneigte deutsche Gelehrten den ersten Anstoß zu ihrer Propaganda gaben. Bis in die letzte Zeit waren die einzigen volkstümlichen Ein- richtungen, an denen die estnischen und lettischen Bauern und Arbeiter ein gewisses Recht hatten, die sogenannten Bauerngemeinden. Die Aufgaben der Bauerngemeinden waren lokal administrativer und polizeilicher Natur. Sie unterhielten die Volksschulen, brachten die Kopfsteuern auf und führten die Verordnungen der russischen Be- Hörden, der deutschen Junker und Pastoren aus. Diese Bauern- gemeinden hatten im Verlauf von vielen Jahren nicht unbeträchtl�he Summen in ihren Kommunalabgaben aufgehäuft, die aus allen möglichen Rebeneinkünften erspart waren. Schätzungsweise betrugen diese Gelder in Kurland. Livland und Estland insgesamt 9 Millionen Rubel. Die Gemeinden verfügten bisher frei nach ihrem Ermessen über diese Gelder. Da aber die zarische Regierung in den letzten Zeiten in Geldverlegenheit geraten ist, ss legten sie ihre Hand auf dieses mit Blut und harter Arbeit von einem arme» Volke erspartes Vermögen und schickten die sogenannten Bauern� kommissare zu den Gemeinden, die das Geld in Beschlag nahmen und dafür nur Schuldscheine den Gemeinden zurückließen. Als das Volk nach den letzten Mißernten in die größte Verlegenheit gesetzt war und von ihrem Kommunalvermögen Unterstützungen herleihen wollten, weigerte die zarische Regierung die Verwendung dieser Gelder. Als schließlich die Verwundeten aus der Mandschurei als Bettler heimkehrten und von der Krone keine Unterstützung er- hielten, fühlten die Bauenigemeinden aus Mitleid sich verpflichtet, den unglücklichen Opfern der zarischen Laune eine gewisse Unter- stützuug zu bieten, und sie wollten wiederum das konfiszierte Kom- munalvermögen dazu benutzen. Abermals dieselbe Erscheinung: die Regierung gab dem Gesuch der Bauerngemeinden kein Gehör. Dazu kam ein Spitzbubenstreich der deutschen Junker, der darin bestand, daß sie die Löhne ihrer Arbeiter noch herabsetzten und durch ihre Landräte und Adelsmarschälle von den Gouverneuren eine Ver ordnung durchsetzten, wonach ihre Arbeiter eigenmächtig die Arbeit nicht verlassen und die Bauern nicht mehr zu Beratungen zusammen kommen konnten. Die Bauern und Arbeiter blieben nach den neuen Verordnungen der baltischen Gouverneure nur noch das Spielzeug der Willkür des Landadels und der Bureaukratie. Als die Bauern und Arbeiter auf einigen Gütern mit ihren Herren und Machthabern die elende Lage ihrer Existenz in versöhn- lichem Sinn zu erörtern versuchten, erwiderten diese mit Kugeln und brutalen Metzeleien. Der Verfasser dieser Zeilen ist persönlich Augen- zeuge von zwei entsetzlichen Blutszenen auf den baltischen Gütern gewesen, die sich auf einem Gute des Barons Nolkens und auf dem des Herrn v. SieverS abspielten. Auf dem ersten Gut versammelten die Bauern und Arbeiter sich friedlich in feierlicher Stimmung, um von dem Gutsherrn eine Lohnerhöhung von 6 Kopeken(10 Pf.) täglich und Pachtermäßigung zu erbitten. Der genannte Baron hatte einen Tag vorher die Nachricht von dieser Absicht erhalten. Er be- stellte sich einen Trupp Soldaten aus der Stadt, die im Garten hinter Gebüschen mit geladenen Flinten versteckt wurden. Als das Voll in einer Anzahl von 120 Menschen auf dem Gute vor dem Herrenhause erschien, wurde den im Hinterhalt befindlichen Soldaten der Befehl erteilt, aus die Leute zuschießen. Als die erste Salve krachte, fielen von der erschienenen Menge 13 Personen verwundet und 3 tot zu Boden. Zwei weitere Salven folgten, welche die Flüchtlinge im Rücken leicht verwundeten. Auf ähnliche Weise kam eS zu unzähligen Katastrophen auf anderen Gütern und die Empörung des Volkes wurde aufs äußerste gesteigert. Man begann seine rechtlose Lage einzusehen und versuchte Hülfe oder wenigstens Trost zu finden. Das Volk kam allmählich zu der Ueberzeugung, daß der Adel mit der Polizei und der Regierung zusammenwirke unv gemeinschaftlich es ausbeute. Die Streiks und Unruhen in den Städten und in anderen Teilen des Reiches erhöhten die Empörung der Masse noch mehr. Die ersten Akte der Empörung waren die Brandstiftungen aus den Gütern und in den Kornbrannt- weinbuden. Besonders leidenschaftlich erregt war Kurland, weil diese Provinz enger und den industriellen Städten wie Riga, Liebau und Dwinsk verbunden ist, von wo die Keime des Aufstandes sich schneller verbreiteten und die Masse einen größeren Ansporn zu aktiver Tätig- keit erhielt. Es wurden in den Kirchen Proklamationen verbreitet und be- geisternde Freiheitsreden gehalten, bis die Obrigkeit die Kirchen schloß. Nach der Schließung der Kirchen überfiel das Volk die Pastorate, holte die Bücher heraus und verbrannte sie, um dadurch die Ein- berufung der Rekruten zu verhindern. Es wurden auch die Zaren- bilder aus den Gemeindehäusern und Schulen geraubt und zerrissen. Jedes öffentliche Kronengebäude wurde zerstört, die Telephon- und Telegraphenverbinduugen wurden zerschnitten und das ganze Land trägt jetzt den Charakter des Stillstandes und der Verwüstung. Auf den Gütern sind Soldaten einquartiert und zwischen den Dörfern und auf den Landstraßen bewegen sich Kosakenpatrouillen. Es ver- geht kaum eine Nacht, wo man am Himmel den roten Schein von Feuersbrünsten als Folge von Brandstiftungen sieht. Die Land- arbeit stockt und das ganze Leben ist wie ausgestorben. Merkwürdig ist nur, daß in den letzten Zeiten sich das Militär in manchen Orten mit den Aufständischen vereinigte und gemein- sckiaftlich die Polizeibcamten und die Gutsleute verprügelten. In vielen Fällen ist es dagegen zwischen dem Militär und dem Volk zu wahren Schlachte» gekommen. Auf einem Gute, dem des Herrn Baron von Medenz, siegten die Arbeiter und die zarischen und junkerlichen Truppen zogen sich vor den„Feinden" mit be- trächtlichen Verlusten zurück. Der neue kurländische Gouverneur hat an die Polizei und die Gutsbesitzer das Recht erteilt, jeden verdächtigen Arbeiter oder Bauer ohne weiteres niederzuknallen. Mitte August ereignete sich unweit Riga auf dem Friedhofe in Widrisch eine blutige Szene. Auf dem erwähnten Friedhofe wurde an dem Tage ein sogenanntes Totenfest gefeiert, welches mindestens von 4—5000 Personen besucht war. Das Fest hatte begonnen, es waren einige Choräle gesungen und der Pastor hatte die Festpredigt im Sinne des Zaris- mus und der Adelsinteresson gepredigt, als ein Redner vom Volke daS Katheder betrat und dem Volke in be- geisterten Worten das große Unrecht, daS ihm von feiten der Obrigkeit und des Adels zugefügt wird, schilderte und alle auf- forderte, sich zu einem gemeinschaftlichen Kampf gegen diese beiden Mächte zusammenzuschließen. Der Kirchenvorsteher Baron Maydell rief die anwesenden Schutzleute zu sich und befahl, den Redner zu verhaften. Die Schutzleute weigerten sich,' dem Befehl des Barons Folge zu leisten und so ging der Baron selbst zu dem Redner, zog einen Revolver hervor und erschoß auf der Stelle den„Aufrührer". Die Wut des Volkes wurde durch die Mordtat derart entfesselt. daß es mit Steinen und Kugeln den Mörder tötete und die ihm zu 6zcpedit»on: 831. 68» Linden Strasse 69. Fernfvrcchcr: Aint IV, Nr. 1984. Hülse eilenden Junker Rosenpflanzer und Hoffmann schwer ver- wundete. Das zu Hülse gerufene Militär fand keine Person mehr auf dem Friedhofe vor. Derartige Szenen wurden alltägliche Erscheinungen und die Empörung des Volkes ward noch durch die NahrungSmittelnot ver- größert. In allen Fällen find die willkürlich schaltenden Polizei- beamten und die deutschen Junker selbst die provozierenden Auf- Hetzer der Bevölkerung. Sie mißhandeln und berauben das schütz- und rechtlose Volk und geraten nun in Erstaunen oder blasen Marin, wenn das Volk auch nur anfängt, sich gegen seine Unterdrücker zu verteidigen. Sie nennen seinen Selbstschutz„verbrecherische Auf- stände". Es ist aber leicht ersichtlich, auf welcher Seite das Ver- brechen im wahren moralischen Sinne zu finden ist. Die versklavten und ausgeplünderten Massen wehren sich nun dagegen, den letzten Blutstropfen aus sich aussaugen zu lassen und die Ausbeuter schreien: Ihr Verbrecherl Die Metzeleien und Blutszenen in Kurland haben auf die Be- völkerung in Livland und Estland doch ein wenig im warnenden und mahnenden Sinne gewirkt. Am ruhigsten liegen die Dinge scheinbar noch in Estland, obzwar der estländische Gouverneur, ein Busenfreund des seligen Plehive, Herr Lupnychin, 130 Spitzel über das ganze Gouvernement verbreitete, um die Empörungskeime schon im Entstehen zu ersticken. Die Spitzel wurden in den meisten Fällen vom Volke erkannt und teils durchgeprügelt, teils getötet, so daß der Plan des Gouverneurs vereitelt wurde. Jetzt verwendet er die Spitzel zur Ueberwachung seines persönlichen Lebens und berichtet seinem Ver- trauten Trepow, daß die Bevölkerung im geheimen sich zu größeren Aufständen rüste, und bittet um Sendung frischer Truppen nach Reval. Man merkt überall in diesen Provinzen die Vorbereitung der zarischen Polizei zu irgendwelchen kommenden Ereignissen. Die Truppen sind verstärkt, die Kosaken überall einquartiert, die Munition angehäuft. Aehnlich rüstet sich der Zarismus in Finnland, obzivar der„Feind" bisher noch nirgends zu merken ist. Das Volk faßt diese Rüstungen so auf, daß der Zar beabsichtige, es wegen seiner Aufklärung und seiner Pietätlosigkeit(im orthodoxen Sinne) hin- richten zu lassen, wie dies bereits Johann der Schreckliche tat. Es spricht nur noch vom Nikolaus dem Wahnsinnigen und Schrecklichen. Die blutige geschichtliche Tragödie der Bevölkerung der baltischen Ostseeprovinzen hat begonnen. Hier ist der Freiheitskampf doppelt schwer, denn dem Volke steht nicht nur eine einheitliche Regienmgs- macht im Zarismus entgegen, wie das in anderen Teilen des Zaren- reiches der Fall ist, hier verbündet sich mit der Macht des Zarismus auch die Gewalt des deutschen Junkertums der städtischen deutschen Bourgeoisie. Der Freiheitskampf dieser kleinen proletari- sierten Völker ist doppelt schwer, aber niemand zweifelt an dem endlichen Sieg. Der soziale Geist und das politische Bewußtsein der Bevölkerung in den Ostseeprovinzen ist dermaßen entwickelt, daß sie in ihrem gemeinschaftlichen Vorgehen an die morschen Stützen des Zarismus die Axt legt und in der ersten Reihe der russischen Freiheitskämpfer erscheinen wird. poUtifcke QebeiTlcbt. Berlin, den 14. September. Polizei-Arbeit gegen die Sozialdemokratie. Einen interessanten Einblick in die politische Spürtätigkeit der Polizei gelvähren die G c h e i m a k t e n, welche unser Parteiorgan in Elberfeld, die„Freie Presse" soeben veröffentlicht. Da ist zunächst„Die Terminaleingabe, den Stand der sozialdemokratischen und anarchistischen Bewegung betreffend". Diese ist von allen unteren Polizciverwaltungen in regelmäßigen Zwischen- räumen an die Landräte zu machen, die sie dann zusammengestellt an die Regierungspräsidenten weitergeben. Eine solche«Terminal- eingäbe" besteht aus der Beantwortung folgender Fragen: 1. Fortschritt oder Rückschritt der sozialdemokratischen Be- wegung? 2. Bestrafungen und Gesetzesübertretungen, welche mit der sozialdemokratischen Bewegung im Zusammenhang stehen? 3. Presse? 4. Ausdehnung der Koalitionsfreiheit auf ländliche Arbeiter? 5. Versammlungen? 6. Arbeitseinstellungen? 7. Beziehungen der Sozialdemokratie zu den steten HülfS- kaffen? 8. Beziehungen der Demostatie und Fortschrittspartei zur Sozialdemostatie? 9. Anarchisten? 10. Gemeinnützige Einrichtungen? Der 2. Teil der Tcrminaleingabe erstreckt sich auf„Nachweisung der Zu- und Abgänge bei den Führern und Agitatoren der sozialdemokratischen Partei"(Verfügung vom 11. März 1891 Nr. L. 1258); sie zerfällt in folgende Rubriken: 1. Name des Führers bezw. Agitators? 2. Jetziger und früherer Wohnort? 3. Stand? 4. Führer oder Agitator? 6. Alter? 6. Konfession? 7. Familienverhältnisse? 8. Vorstrafe»? 9. Wird ein Hausiergewerbe betrieben, zutreffendenfalls mit welchen Gegenständen, und von welcher Behörde ist der Wander- schein erteilt? 10. Charakter? Die„Freie Presse' ist zugleich in der Lage nachzuweisen, daß die Angaben in der Terminal eingäbe, die ihr vorliegt und die vom 6. August 1903 datiert, vielfach einseitig arbeiterfeindlich— so unter der Frage nach den Arbeitseinstellungen—. vielfach irrtümlich sind. Ein weiteres Aktenstück aus dem Jahre 1896 zeigt, daß für «Sozialdemokraten äußerster Richtung" noch besondere Listen an- gelegt worden sind. Dies Aktenstück lautet: Der Regierungspräsident P. P. Geheim! Arnsberg, den 80. Dftober 1896. Unter Bezugnahme auf meine Rundverfügung vom 15. März 1895 P. P. 329 veranlaffe ich Sie, den seit dem 1. Oftober d. 3. im hiesigen und Düsseldorfer Regierungsbezirk angestellten königlichen Polizeibezirks- Kommissaren: 1. Bernhardt zu Bochum, 2. Meyer 3. Krohn Dortmund, " Gelsenkirchen, " 4. Kammhof " " Essen, Guyssenstr. 9, 5. Nauſester 6. Koch Elberfeld, Färberstr. 13 Düsseldorf, Bismarckstr. 92 je ein Verzeichnis der in der dortigen Stadt wohnhaften Anarchisten und Sozialdemokraten äußerster Richtung zuzustellen und die im Laufe der Zeit eintretenden Veränderungen regelmäßig An die Oberbürgermeister beztv. Bürgermeister mitzuteilen. zu Bochum, Dortmund, Hagen, Gelsenkirchen, Witten. 8igaretten borsieht, so bedeutet, wie die„ Nhein. Westf. 8tg."| Wir haben ausführlich die Mobilmachung der christlichen Gewerk ausführt, der Gesetzentwurf lediglich einen ersten Schritt, vereine für das Zentrum gekennzeichnet, welche im Widerspruch steht bem weitere nachfolgen sollen. Wird die Banderolens zu der Haltung dieser Vereine gegenüber der Berggefegnovelle sowie Reichsschazamt wahrscheinlich mit dem Vorschlag kommen, auf alle bestätigt das wesentliche, daß er die katholischen Gewerkvereinler fteuer auf Bigaretten genehmigt, so wird nach einigen Jahren das zu ihrer Erklärung, daß fie politisch neutral" seien. Herr Effert Zabalfabrikate eine Banderolensteuereinzuführen. dem Zentrum zutreiben will, welches die Bergarbeiterforderungen Da dieser Vorschlag heute keine Aussicht auf Erfolg hätte, so geht man fchmählich verraten hat. etappenweise vor und sucht zunächst nur einen Teil zu erreichen; den großen Rest behält man sich für später bor. Denn Die Landtagswahl in Württemberg. Stuttgart, 13. September. es ist klar, daß nach Einführung einer Zigaretten- Banderolensteuer( Eig. Ber.) Die gestrige Landtags- Stichwahl im Oberamt Mergentund nach Erhöhung des Zigarettenzolles heim brachte wider Erwarten der volksparteilich- nationalliberalen man spricht von einer Koalition den Sieg gegenüber der banernbündlerisch- klerikalen VerVervierfachung des bestehenden Sages- die deutsche Tabal einigung. Regierungsrat Häffner wurde mit 2817 Stimmen gewählt, besteuerung eine bedenkliche Ungleichheit aufweisen würde. als die übrigen Tabatfabritate, namentlich als die feinen Bigaretten- zirla 1000 Stimmen zu. Die Wahlbeteiligung betrug bei der Stich Zigaretten wären im Verhältnis zu ihrem Werte viel höher besteuert Der letztere nahm in der Stichwahl um zirka 400, der erstere dagegen um während auf den Bauernbündler Ulshöfer nur 2400 Stimmen entfielen. Importen. Und diese Ungleichmäßigkeit müßte doch über fura oder wahl 84 Broz., während sie bei der Hauptwahl nur 67 Broz. be lang beseitigt werden, natürlich durch höherbesteuerung tragen hatte. Man kann diesen Stimmungsumschlag bei den Wählern auch der übrigen Tabatfabritate. Dann würde das Reichsschazamt erst diejenige Mehreinnahme aus bündler den letzteren arg kompromittiert hat. nur so erklären, daß das Eintreten des Zentrums für den Bauerndem Tabak erzielen, nach der es so lange schon strebt. Das Zentrum ist in Abſchrift zur Nachricht unter Bezugnahme auf meine Rund- Die Zigarettenbesteuerung kann nur wenige Wäillionen einbringen, Württemberg in allen politischen Fragen, insbesondere in der verfügung vom 15. März v. J. P. P. 329. S. P. P. 329. denn der Konsum wird sich von der Zigarette abwenden und zur demokratischste Partei. aktuellen Frage der Verfassungsrevision, die reaktionärste, unZigarre zurückkehren, die ja vorläufig von keiner Banderolensteuer diesen Wahlausgang als Vorzeichen für die nächstjährigen allgemeinen Es wäre darum sehr erfreulich, wenn man bedroht ist. Der Hauptzweck der angekündigten Vorlage scheint dem- Landtagswahlen gelten laffen und die Hoffnung aussprechen könnte, bestehen als vielmehr darin, den ersten Schritt auf dem Wege zur An einer rastlosen Agitation zur Erreichung dieses Zweckes wird es nach weniger in der Erzielung einer bescheidenen Mehreinnahme zu daß bei diesen dem Zentrum erhebliche Verluste beigebracht werden. öherbesteuerung des gesamten Tabakverbrauch die Sozialdemokratie nicht fehlen lassen. zu tun; und diesem ersten Schritt glaubt man einen gewissen Erfolg zu sichern dadurch, daß man die geplante Steuer als Luxussteuer bezeichnet." An sämtliche Landräte des Bezirks. Eigenhändig. gez. Winzer. Die Landräte haben die Weitergabe dieser Verfügung an die thuen unterstellten Polizeibehörden noch extra mit dem Signum " Vertraulich" versehen. Welche Aufmerksamkeit ferner die Polizei den in Deutschland lebenden Ausländern, die sich zur Sozialdemokratie bekennen, für diese und die Gewerkschaften agitieren, zutvendet, besagt dieses Aftenstück: Der Regierungspräsident. P. P. 2105. Geheim! Arnsberg, 10. November 1902. 1 Zur Fleischnot in Württemberg. Weitere Ausdehnung des ostafrikanischen Aufstandes. Die Nachricht, daß der oftafrikanische Aufstand sich nach dem Njassagebiet hin durch die Erhebung der Wangoni Stuttgart, 13. Sept. 1905.( Eig. Ber.) ausdehnt, wird durch eine Depesche, welche bei der Gesellschaft Auch die württembergische Regierung hat nunmehr auf die viel zur Beförderung der evangelischen Missionen unter den Heiden zu fach an sie ergangenen Wünsche, für Linderung der Fleischnot tätig Berlin von ihrem Superintendenten Schüler in Muafaleli zu fein, eine Antwort gegeben. Der Minister des Innern, eingegangen ist, bestätigt. Den Wangoni haben sich die am Nach einer Mitteilung des Herrn Polizeipräsidenten zu Berlin Fleischer- Innung, Bürgerausschußmitglied äußermann, der die Berliner Mission vor kurzem die Station Milow angelegt hatte, b. Pischek, hat am Montag dem Obermeister der Stuttgarter Nordostufer des Njassa wohnenden Wa pangwa, unter welchen agitiert der italienische Agitator Giovanni Lerda, angeblich ihm die Wünsche und Beschwerden der Mezger bortrug, folgendes welche aber zurzeit von einem weißen Missionar nicht beſetzt war, 1858 31 Fenestrillo geboren, auf der Reise durch Süddeutschland erklärt: Die Rotlage liege ja offenkundig zutage foeben von Deutschland zurückkehrend, sich nach Milow begeben unter italienischen Arbeitern zum Anschluß an die internationale und eine Besserung sei sehr erwünscht. Er sei gern wollte, seine Reise unterbrochen und ist zunächst in Kidugala ges angeschlossen. Infolgedessen hat Missionar Neuberg, welcher, Sozialdemokratie und die Gewerkschaftsorganisation; er wird vor- bereit, alles zu tun, um eine Erleichterung hinsichtlich der Vichaussichtlich auch Preußen besuchen. teuerung, soweit dies unter den gegebenen Verhältnissen möglich blieben. Die Stämme der Konde, Kinga, Bena- und fei(?), herbeizuführen. Eine Oeffnung der Grenzen Seheneger, unter welchen die Berliner Mission schon länger gegenüber Italien sei ausgeschlossen, weil in Italien der arbeitet, verhalten sich bi s her ruhig; doch wird dies Gebiet vom Bieh- und Schweinebestand verseucht sei. Oesterreich- Ungarn Niassa bis nach Uhehe von aufständischen Wangleichfalls nicht seuchenfrei. Dagegen fämen Dänemark, berzeichne gegenwärtig ebenso hohe Preise wie wir und sei goni und Wapangwa durchzogen. Holland und Frankreich für die Oeffnung der Grenzen in Betracht; jedoch sei dafür der Bundesrat zuständig. P. P. Ich ersuche, auf den Genannten zu fahnden und im Betretungsfalle gegen ihn gemäß dem Runderlasse des Herrn Ministers des Junern vom 8. August 1900 verfügung vom 14. August 1900 mitgeteilt durch Rundzu verfahren. Im Ermittelungsfalle ist mir und dem Herrn Bolizeipräfibenten zu Berlin fofort telegraphische Anzeige zu erstatten. Nebenabdrücke für die Polizeibehörde liegen bei. An Name unleferlich. die Herren Landräte in Bochum, Dortmund, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Hattingen, Hörde, Altena, Iserlohn, Schwelm, den Herren Ersten Oberbürgermeister in Bochum, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm und an den Herrn Bürgermeister zu Witten. Eigenhändig! " Nicht minder interessant und besonders beachtenswert ist das weitere Aftenstück aus dem Geheimfach" des Berliner Polizeipräsidinms: Berlin, den 9. Oftober 1903. Der Polizeipräsident. VII. A. 4005. Geheim! Internationale kriminalistische Vereinigung. Am Donnerstag sprach Professor v. Liszt über das bedeutsame Thema:„ Die Behandlung der vermindert Bu Fleischnot beizutragen, warum veranlaßt er nicht, daß der zuständige Frage die Kriminalistische Vereinigung schon seit langem beschäftige Wenn Herr v. Pischek so gern bereit ist, zur Linderung der rechnungsfähigen". Er wies einleitend darauf hin, daß diese Bundesrat zu der von dem württembergischen Ministerium für und bis jetzt noch manche Meinungsverschiedenheiten in den einzelnen möglich gehaltenen Oeffnung der drei Länder Stellung nimmt? Das Gruppen, besonders zwischen der deutschen und der französischen läge doch zweifellos in seiner Macht! Oder will er mit der Be- Gruppe vorhanden seien. Es handele sich aber jetzt darum, über den merkung, daß er zur Linderung beitragen wolle, soweit dies unter Grundgedanken eine Einigung zu erzielen. Die Frage, wer ver= den gegebenen Verhältnissen möglich", vielleicht auf die Majoritäts- mindert zurechnungsfähig sei, sei ja sehr schwierig zu lösen. Dazu berhältnisse im Bundesrat hindeuten und damit sagen, daß eine Ab- rechne man die Schwachsinnigen, die Epileptiker, die Hysterischen, gestimmung über seinen Vorschlag aussichtslos wäre? Wir sind ja nicht wisse Neurastheniker, und von solchen, die nicht direkt unzurechnungsin der Lage, ihm hierin zu widersprechen; immerhin fäme es aber fähig sind, rechneten dazu die Anfangsstadien einer frühzeitig einauf einen Versuch an. Auch wäre es in diesem Falle nüßlicher ge- tretenden Senilität und dann das große Gebiet der Seguellen. Das wesen, wenn Herr v. Pischer sich nicht mit der dunklen Andeutung alles sind Leute, bei denen die zurechnungsfähigkeit infolge ihrer begnügt, sondern, schon um sich und seiner eigenen Regierung da- angeborenen oder erworbenen Eigenarten wesentlich herabgemindert Die Ursache, daß eine Anzahl von in Deutschland lebenden durch den Rücken zu decken, offen gesagt hätte, wo der Widerstand ist, und die noch nicht als frank im Sinne des Gesetzes gelten. Der Neichsausländern, z. B. Kautsky, Adolf Braun, Sel- gegen die Linderung der Fleischnot zu suchen wäre. Gesetzgeber habe bisher nur an die Geistestranten gedacht, aber phand( Barbus) u. a. die deutsche sozialdemokratische Be- Im Laufe der Audienz soll noch gesagt worden sein, daß zu der diese Leute vergessen. Die Gesellschaft brauche aber auch wegung durch Wort und Schrift in hervorragender Weise unter- Bichteuerung wesentlich das viele Geschrei in der Presse und in Ver- diesen gegenüber sichernde Maßregeln, die aber verschiedener Art sein ftigt, ist neuerdings wieder während der Verhandlungen des sammlungen beigetragen habe. Sollte Herr v. Pischet diese Aeuße- fönnen. Bei einer Dame aus besserem Stande z. B., die an Kleptodiesjährigen sozialdemokratischen Parteitages in die Erscheinung tung wirklich gemacht haben, so hätte er damit eine volkswirtschaft. manie leide, würde oft ausreichen, wenn eine leberwachung in der getreten. Es ist von großem Interesse, sämtliche in Deutschliche Oberflächlichkeit an den Tag gelegt, die wir ihm kaum zugetraut eigenen Familie eintritt. Ebenso wird es ausreichen, wenn ein land lebenden Reichsausländer kennen zu lernen, welche derzeit haben. Das„ Geschrei" der Presse usw. setzte doch erst ein, als das Mann, der senil wird und sich mit Kindern einläßt, auf das Land der sozialdemokratischen Bewegung Deutschlands eine mangelnde Angebot auf den Viehmärkten zur Steigerung der Preise in die frische Luft geschickt und dort genügend auf ihn aufgepaßt irgendwie nennenswerte Rolle spielen. Ich erlaube führte, und selbst das ärgste„ Geſchrei" hätte teine Preissteigerung wird. Bei anderen vermindert zurechnungsfähigen werden strengere mir daher die ergebenste Bitte auszusprechen, gefälligst mir eine Beitigen fönnen, wenn die Nachfrage nach Bieh nicht eben wesentlich Maßregeln notwendig sein, und da kommen in erster Linie Anstalten Nachweisung der in wohldortigen Verwaltungsbezirken ansässigen das vorhandene Angebot überstiegen hätte. Es ist derartiger Personen zugehen zu lassen und die Notizen über die merkwürdig, wie verschlossen oft Geheimratstüren für die ersten felben soweit als möglich nach folgendem Muster anordnen lassen lichen Seminars als Frucht der ersten Studientage heimzubringen Grundwahrheiten sind, die der Schüler irgend eines boltswirtschaft zu wollen. pflegt.Familienname Vorname Geburtsdatum Familienstand Staatsangehörigkeit Heimatsort in Betracht, in welchen die Gefährlichen von ihnen interniert werden. Diese Leute können nicht dem Strafrichter vollständig entzogen die Sicherheitsmaßregel tritt. Da es aber auch nicht bewerden. Es muß aber verlangt werden, daß neben die Strafe strafte vermindert Zurechnungsfähige gibt, so sollte die Entscheidung über den Eintritt der Sicherungsmaßregeln für alle vermindert Geburtsort( nähere Bezeichnung nach Bezirk und Staat) treffen zu gelangen, ebenfalls in einer gestern abgehaltenen Verlichen Richter vorbehalten bleiben. Der Strafrichter müsse aber Die Berliner Fleischerinnung hat, um nicht ganz ins Hinter- Burechnungsfähigen nicht dem Strafrichter, sondern dem bürger. Beruf fammlung eine Eingabe an den Reichskanzler beschlossen. Sie die Möglichkeit haben, sofort besondere Maßregeln zu ergreifen, fordert: wenn das erforderlich ist. Redner hofft, daß die Legislative sich bald 1. Oeffnung der Grenzen für die Einführung von Schlachtvieh mit dieser Materie beschäftigen und zu entsprechenden Gesetzes nach allen öffentlichen Schlachthöfen mit direkter Bahnverbindung. vorschlägen kommen wird. Das würde ein großer Fortschritt auf 2. Deffnung der Grenzen für die Einfuhr von Magervieh für die dem Gebiete der sozialen Fürsorge sein.( Lebhafter Beifall.) 3. Die Einfuhr- Redner empfiehlt dann einige Leitsätze zur Annahme, deren Sinn erschwerungen, wie Quarantäneanstalten, Tuberkulinimpfungen sind im wesentlichen der ist: Für die vermindert zurechnungsfähigen, ob in weitgehendster Weise zu mildern. 4. In Rücksicht auf die Notlage, bestraft oder unbestraft, die gefährlich für sich, für ihre Umgebung in welcher sich die Bevölkerung in Bezug auf Fleischnahrung in ganz oder für die Gesellschaft sind, muß der Gesetzgeber Sicherheitsmaß Deutschland befindet, eine zeitliche Aufhebung aller Viehzölle anzu- regeln anordnen. Für die vermindert zurechnungsfähigen Verordnen. 5. In Rücksicht auf die jetzt herrschende, in absehbarer Zeit brecher, ob sie gefährlich sind oder nicht, ist eine mildere Strafe nicht zu beseitigende Notlage in Bezug auf Fleischteuerung eine vorzuschreiben. Revision des mit dem 1. März 1906 in Kraft tretenden Zolltarifs, In der Diskussion wird besonders dieser lehte Sah erörtert. soweit derselbe die Einfuhr von Schlachtvieh verteuert, herbeizu- Der bekannte Psychiater Psychiater Professor führen. Aschaffenburg- Köln meint: Entweder ist jemand für die Strafe zugänglich, dann muß man für geistig Minderwertige eine besondere Art der Strafe an wenden, oder es handelt sich um Leute, bei denen die Fürsorge auf lange Zeit eintreten muß. Bei diesen ist die Strafe eine Komödie und zweifellos nicht zum Besten des Täters und der Justiz. Derzeitiger Aufenthaltsort in Deutschland. Kurze Darstellung der dafür in Betracht kommenden Gegenden. bisherigen und gegenwärtigen politischen Tätigkeit. An den Herrn Regierungs- Präsidenten in Arnsberg. Ünterschrift ( Unleserlich) Es ist ein wahrhaft grotesker Eifer, den die Polizei zur Nachfpürung der Sozialdemokratie aufwendet. Man arbeitet mit zahllosen Geheim aften gegen eine Partei, deren ganze Tätigkeit unter der Kontrolle der Deffentlichkeit steht. Wäre der Wert der Polizei nach ihrem Eifer auf diesem Gebiete zu bemessen, so verdiente sie hohe Auszeichnung. Leider wird die Mehrzahl der Steuerzahler nicht begreifen, warum fie schweres Geld aufwenden müssen, damit die von ihnen bezahlten Polizeibehörden dergleichen törichte Geheimtuerei und Geheimberichterei betreiben. Anzuerkennen ist immerhin, daß die Fleischerinnung sich nicht auf die bloße Forderung einer zeitweiligen Oeffnung der Grenzen beschränkt nur die Revision des Fleischbeschaugesetzes von 1900 hat sie natürlich vergessen. Gegen freie Vieheinfuhr hat sie nichts einzuwenden, wohl aber gegen eine Erleichterung der Fleischeinfuhr. Medizinalrat Dr. Leppmann- Berlin tritt für die Annahme der Leitsäße ein. Man müsse sich hüten, Geisteskranke erster Die Einberufung der Parlamente dürfte, wie eine parlamen- lich zu einer sogenannten Erhebung über die Ursachen und den Umschließen wir ein Stompromiß mit der öffentlichen Meinung, mit Bobbielstis Enquete. Der Landwirtschaftsminister hat sich end- und zweiter Klasse zu schaffen. Wenn wir die Leitfäße annehmen, tarische Korrespondenz mitteilt, vor Mitte November kaum erfolgen; fang der Fleischnot entschlossen. Um das gewünschte Resultat zu er- der Vergeltungstheorie. Gehen wir aber zu weit, so erreichen wir bindende Beschlüsse liegen nicht vor. Den Reichstag früher zu zielen, wird in dem an die Vertrauensmänner der Landwirtskammern gar nichts. Wir müssen mit den Beinen auf der Erde bleiben. sammenzurufen, liege fein Grund vor, da die Expeditionen nach gerichteten Zirkular folgende Anweisung erteilt: Staatsanwalt& eisenberger- Bochum bemerkt: Bei der Südwestafrika und Östafrika nach Ansicht der verbündeten Regie" Es muß der maßlosen Agitation in den großen Städten sowie Beurteilung der Straftat kann der Jurist nur fragen, ob der Täter rungen bisher die etatsmäßigen Rahmen nicht überschritten haben. in den Händler- und Schlächterkreisen von landwirtschaftlicher Seite verantwortlich ist oder nicht. Erst bei der Abmessung der Strafe ( Die Ansicht der verbündeten Regierungen ist die Ansicht der mehr entgegengetreten werden und dazu bedarf es vor betrachten wir ihn als Menschen und da muß für den geistig MinderSchuldigen und danach zu bewerten!) Die ersten Vorlagen, die allem einwandfreien Materials aus landwirtschaftlichen Betrieben. wertigen eine besondere Strafe geschaffen werden, da hier unser dem Reichstage vorgelegt werden, werden sich aber auf diese Materie Es darf kein Landwirt im Zweifel sein, daß die Lage der deutschen heutiges Strafsystem nicht ausreicht. Wie diese Strafe ausgestaltet beziehen und eventuell für Ostafrika Nachtragsforderungen enthalten. und damit unserer brandenburgischen Zucht und Mast jetzt außer werden soll, ist Sache der Zukunft; heute sollen nur Anregungen geVor Weihnachten folgen dann noch die neue Flottenvorlage und der ordentlich gefährdet ist und daß alle die Pflicht haben, die geben werden. Wir brauchen keine mildere, sondern nur eine eigen Etat. Wie weiter gemeldet wird, wird die Krantentaffen jetzige Umfrage sofort zu erledigen, zumal wir das gesamte Material artige Strafe für die geistig Minderwertigen. novelle vorläufig den Reichstag noch nicht beschäftigen, da ihre noch in diesem Monat gesichtet abzugeben haben." Fertigstellung noch sehr im Rückstande ist. Die hauptsächlichsten Arbeiten, mit denen fich außerdem der Reichstag beschäftigen soll, find in erster Linie die Militärpensionsgesetze und die Reichsfinanzreform. Die Einberufung des Landtages soll etwas später erfolgen, boch aber noch vor Weihnachten. Man geht mit dem Gedanken um, auch hier den Etat schon vor Weihnachten vorzulegen, um die recht zeitige Fertigstellung bis Ende März zu ermöglichen, mit der es in den letzten Jahren etwas gehapert hat. Die fobiel erörterte Schulunterhaltungsvorlage ist fertiggestellt, foll aber noch verschiedenen Stellen zur Begutachtung vorgelegt werden. Da diese noch Aenderungen vornehmen werden, so wird es faum möglich sein, die Vorlage dem Landtage noch im Winter vorzulegen. Man erwägt jett in maßgebenden Kreisen, ob man die Vorlage überhaupt zurückstellen foll oder sie dem Landtage etwa im März 1906 borlegen soll. Die Vorlage fönnte dann, wenn der Landtag schon im November zusammentritt, immer noch erledigt werden. Stengels erster Schritt. Wenn die Tabaksteuerborlage des Reichsschazamts in der Tat nur eine böbere Besteueruno der Der Abg. Richter soll, wie verlautet, sich entschlossen haben, mit Beginn der neuen Barlamentstampagne fein Mandat infolge feiner schweren Augenerkrankung, die wenig Hoffnung auf Genesung bietet, niederzulegen. des christlichen Bergarbeiterverbandes, ersucht um Aufnahme der Aus dem Effener Wahlkampfe. Herr Joh. Effert, Sekretär folgenden Mitteilung: Nach weiterer Diskussion wird der Leitsah einstimmig ange oder unbestraft, die gefährlich für sich, ihre Umgebung oder die Ge nommen, wonach für die vermindert zurechnungsfähigen, ob bestraft sellschaft sind, der Gesetzgeber Sicherheitsmaßregeln anordnen soll. Der zweite Leitsaß, daß für die vermindert zurechnungsfähigen Verbrecher, ob sie gefährlich sind oder nicht, eine mildere Strafe " mildere Strafe" gesagt wird:„ eine spezielle Strafe" oder„ eine vorzuschreiben ist, wird mit der Aenderung angenommen, daß für spezielle Behandlung". Husland. Zur Ablehnung der ungarischen Wahlreform schreibt die Wiener Arbeiter- 3tg.": In der Nr. 211 des„ Vorwärts" vom 9. September 05 wird in einem Artikel, betitelt Aus dem Essener Wahlkampfe" geschrieben, ich habe in einer Wahlrede die christlichen Gewerkbereinler aufgefordert, den Zentrumsfandidaten zu wählen. Diese Behauptung entspricht nicht der Wahrheit. Die katholischen Mitglieder des Gewerkvereins habe ich aufgefordert für Giesberts zu stimmen. Den evangelischen Mitgliedern habe ich in der Wahlrede gesagt, fie möchten wählen wen sie wollten, da Es gibt in Ungarn 4,3 Millionen erwachsener Männer, von ich ihnen nicht zumuten würde, Giesberts bezw. Zentrum zu wählen." Herr Effert berichtet etwas, was wir überhaupt nicht behandelt haben und was, hätten wir es gesagt, ganz nebensächlich wäre. " Der ungarische König hat es verboten, daß im Reichstage ein Gesetz eingebracht werde, durch das den ungarischen Arbeitern das politische Recht verliehen worden wäre. denen eine Million das Wahlrecht hat, von denen 3,3 Millionen rechtlos find. Der ungarische König will, daß dieser Zustand auf recht bleibt, und er entläßt das Ministerium, das diesen Zustand ändern wollte. Betition von mehr als 1100 Atener Bürgern die Behauptung Welches war das Argument, durch das der ungarische König! Gewiß ist es eine Hochwichtige Aufgabe unserer Agitation, be-! Polizeiliches, Gerichtliches ufw. am stärksten beeinflußt wurde? Daß die Einführung des all- sonders unserer Presse, den proletarischen Massen das Verständnis 3 600 M. Geldstrafe wurde Genosse Peus verurteilt, weil gemeinen und gleichen Wahlrechtes die Gefahr" hervorrufe, daß der politischen und sozialen Zustände, Prozesse, Vorgänge, Be- er den Magistrat in Aten beleidigt haben soll. Der Magistrat zu auch den Arbeitern in Desterreich das gleiche Recht werden müßte. strebungen und Kämpfe im Lichte des wissenschaftlichen Sozialismus Aken, aus vier Personen bestehend, unter ihnen der gewesene ReichsIn Desterreich wählen 5431 Großgrundbesizer 85 Abgeordnete, zu erschließen. Aber um der vielen willen, die dem reinen tagsabgeordnete Placke, hatte am 8. November 1904 einen Beschluß 5 018 217 Menschen 72 Abgeordnete. Der österreichische Kaiser Intellektualismus nicht so leicht zugänglich sind, und namentlich mit vom 28. Oftober 1904 veröffentlicht, in welchem er gegenüber einer erachtet dieses Verhältnis als vollkommen gerecht, ist der Ueber- Rücksicht auf die zahlreichen bürgerlichen Existenzen, die zwischen den zeugung, daß die Volksmassen damit soviel an Recht erhalten, als beiden Hauptklassen hin und her pendeln, die wir gewinnen wollen ihnen gebührt. und denen die proletarisch- sozialistische Wissenschaft einstweilen noch Der ungarische König hatte die Wahl, die Erfüllung entweder über den Horizont geht, ist es nüglich und geboten, in Rede feines Majestätsrechtes auf die 98 deutschen Kommandoworte, oder und Presse sich nicht auf didaktische( lehrhafte) Auseinanderdie Erfüllung des Rechtes des Volkes, des Wahlrechtes für die fezungen zu beschränken, sondern diese mit ethischen Tönen zu 3,3 Millionen Rechtlosen, zu erlangen. Er hat es vorgezogen, die akkompagnieren, was ja auch von den Begründern unserer WissenWahlreform fallen zu lassen und dafür den Verzicht auf die Forde- fchaft geschehen ist. rung nach der magharischen Kommandosprache zu erhalten. Die Entscheidung, daß den ungarischen Arbeitern fein Recht werden soll, ist die Entscheidung des Königs selbst. Seine verantwortliche Regierung hat ihm dringend geraten, den Arbeitern ihr Recht zu geben, er aber hat den Rat verworfen. Wenn die drei Millionen erwachsenen Männer weiter rechtlos bleiben, so wissen sie, daß es so ist, weil es so ihr König will. Daß den österreichischen Arbeitern nie mehr an Recht gegeben werden soll, als sie jetzt haben, daß sie also immer Staatsbürger fünfter Klasse bleiben, nie ihr volles techt erhalten sollen, ist Wille und Beschluß des Kaisers. Die Entscheidung des Monarchen ist eine so wichtige Sache, daß es unziemlich wäre, ihrer zu vergessen. Also sei auch ganz nüchtern festgestellt: Die Arbeiter werden sich die Entscheidung merken. Die ungarischen Arbeiter und die Arbeiter in Desterreich." Budapest, 14. September. Der Minister des Innern Kristoffy ist im Wahlbezirke Bogfan einstimmig zum Reichstags- Abgeordneten gewählt worden. Budapest, 14. September. Das„ Amtsblatt" veröffentlicht cine Mitteilung, daß der König die Demission des Kabinetts angenommen und angeordnet hat, daß die Minister bis auf weitere Verfügung ihre amtliche Tätigkeit fortsehen sollen. Schweden: Norwegen. Zu den Einigungsverhandlungen meldet„ Aftenposten" aus Karlstad: aufstellte, der Bau der genossenschaftlichen Seifenfabrik verlege das Staats wohl und das Gemeindeinteresse, die Fabrik bedrohe einen großen Teil des sogenannten Mittelstandes mit Untergang und verlege somit das Staatswohl und das Bestreben der Regierung, den Mittelstand, insbesondere den Handwerkerstand zu schügen. Damit aber nicht genug, erklärte er, diese Erwägungen seien für den Magistrat mitbestimmend gewesen, die ihm nach der Gewerbe- Ordnung zustehenden Einspruchsmittel nachdrücklich zur Geltung zu bringen. Nach§ 16 der Gewerbe- Ordnung fann eine Seifenfabrik nur dann verboten werden, wenn durch die örtliche Lage oder die Beschaffenheit der Betriebsstätte für die Besitzer oder die Bewohner der benachbarten Grundstücke oder für das Publikum überhaupt erhebliche Nachteile, Gefahren oder Belästigungen herbeigeführt werden können. Darauf hatte Peus seine Kritit aufgebaut. Das Gericht stellte sich aber auf den Standpunkt, die Behörde, welche Einspruch erhebe, fei an die Gründe des§ 16 G.-D. nicht gebunden, der gelte nur für das Gericht, das über den Einspruch zu entscheiden habe. Ja, die Tagespresse, die in weitesten Kreisen agitatorisch zu wirken bestimmt ist, wird sich nicht allzusehr in lebhafte Details über Tagesereignisse unter- und nebengeordneter Bedeutung verlieren dürfen, wenn sie ihren Zweck erfüllen soll, sondern das den wissenschaftlichen Partei- Organen überlassen müssen; was freilich nicht ausschließt, daß sie nebenher auch solchen Artikeln ihre Spalten öffnen soll, wenn sie Raum dafür hat. Auch hier hilft das Prinzip der Arbeitsteilung. Im allgemeinen nur darf sie nicht versäumen, bei jeder passenden Gelegenheit auf die ökonomisch- historischen Ursachen der Zustände und Ereignisse hinzuweisen und die Notwendigkeit, die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen unausgesetzt zu stärken behufs Befreiung des Proletariats und Begründung der sozialen Gesellschaft durch den Klassenkampf, eindrucksvoll und überzeugend zu betonen. Und so viel wir sehen, hat das unsere Tagespresse schon bisher nicht versäumt." Wegen Beleidigung eines nationalliberalen Redakteurs hatte sich Genosse Dr. Adolf Braun in Nürnberg bor dem Arbeiter- Abstinenten- Bund"( Vorsitzender August Neumann, Ham- Jahres waren in Bayreuth verschiedene Lohnbewegungen, über die Anti- Alkohol- Ausstellung in Jena. Wie uns vom" Deutschen Bayreuther Schöffengericht zu verantworten. Im Juni dieses burg 26) mitgeteilt wird, veranstaltet derselbe während der Dauer das Bayreuther Tageblatt" in der gehässigsten Weise schrieb. Gegen des Parteitages in Jena eine Ausstellung, die den Delegierten und das nordbayerische Parteiblatt, die Fränkische Volfstribüne", wurden Besuchern des Parteitages die Wichtigkeit der Alkoholfrage vor Augen führen soll. Es werden ausgestellt eine Anzahl von Tabellen wiederholt heftige Angriffe gerichtet, u. a. wurden der Redaktion freche, schmutzige Verleumdung, Lüge, Frechheit" usw. zum Vorwurf und Tafeln, die den Umfang und die Schädigungen des Alkohol- gemacht. In der Erwiderung auf eine solche Notiz schrieb die genusses darstellen, den Einfluß desselben auf die Kriminalität, Tribüne", es sei der Redaktion bekannt, daß in Würzburg seinerzeit ein Volkswirtschaft, Sterblichkeit usw. und eine reichhaltige Sammlung recht flotter Windbeutel lebte, der trotz seines guten Einkommens niemals von Broschüren, Zeit- und Flugschriften. Da auch dieser Parteitag sich wieder mit Anträgen, aus einer großen Zahl von Orten ge- schwunden sei, ohne von seinen Geschäfts, freunden" Abschied zu nehmen. bei Kasse gewesen und eines schönen Tages spurlos von dort vergut stellt, zu beschäftigen hat, die die Alkoholfrage auf die Tages- Der Redakteur des nationalliberalen Blattes, ein Herr Kunkel, bezog Ausstellung von den Delegierten gewiß ein reges Interesse entgegen die„ Tribüne" verantwortlich zeichnete, Klage. In der Verhandlung ordnung des nächsten Parteitages zu sehen" vorschlagen, wird dieser diese Notiz auf sich und erhob gegen Genossen Braun, der damals gebracht werden. Als Ausstellungsraum ist dem Arbeiter- Absti- befundete der Bankier Schwab, der Geschäftsführer des Vereins nenten- Bund der Physikalische Hörsal( neben dem Volkshaus) zur Kreditreform, daß Kunkel auf Veranlassung einer unterfränkischen Verfügung gestellt worden. Weinfirma, der er 308 m. schuldete, auf die schwarze Liste des Vereins als böswilliger Bahler gesetzt worden sei. Kunkel hat auch den Offenbarungseid geleistet. Braun wurde wegen formaler Beleidigung zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. " Man steht jetzt vor einer endgültigen Entscheidung. Die schwedischen Delegierten halten unerschütterlich an den vom außerordentlichen Reichstag gestellten Bedingungen fest, und wie verlautet, soll ihr Verhalten zur Schiedsgerichtsfrage derart sein, daß beide Parteien nur schwierig zusammenarbeiten können. Indessen ist die Lage nicht Einen erfreulichen Mitgliederzuwachs hat der sozialdemokratische ganz hoffnungslos. Auch von verschiedenen Seiten in Wahlverein in Brandenburg in jüngster Zeit gehabt. Es wurden Schweden wird hervorgehoben, daß ein Abbruch der Ver- in der letzten Versammlung 347 neue Mitglieder aufgenommen. handlungen noch nicht krieg zu bedeuten brauch e. Der Verein zählt jetzt 1628 Mitglieder. Dieser starte Zuwachs ist Die norwegische Delegation hat in der gestrigen Nachmittagssigung das der Erfolg der in letzter Zeit sehr lebhaft betriebenen Agitation zur schwedische Verhandlungsprogramm in der vorliegenden Form nicht Gewinnung neuer Mitglieder. angenommen. Die endgültige Entscheidung soll in der heutigen Vormittagssigung getroffen werden. Der fünfte Sozialdemokrat des neuen Reichstags ist am Dienstag in Ystad gewählt worden. Hier handelt es sich um eine Wiederwahl. F. W. Thorsson, der Verwalter des Volksparks in Ystad wurde bei der vorigen Weichstagswahl mit 497 gegen 449 Stimmen gewählt, diesmal erhielt er jedoch 671 Stimmen, während auf seinen Gegenkandidaten Regimentsarzt Nilsson nur 472 abgegeben wurden. Thorsson ist der erste von den vier bisherigen sozialdemokratischen Reichstagsmitgliedern, der zur Wahl stand. Die Unruhen in Japan. " Standard" meldet aus Jokohama: Nach einer Antifriedensversammlung am 12. d. M. verbrannte und zerstörte das Bolt 14 Polizeiftationen und verletzte einen Polizei- Inspektor und 36 Schuß leute. Von Tokio wurden zwei Kompagnien Infanterie hingeschickt, die die fremden Konsulate und die Hauptsächlichen fremden Stadtteile bewachten. Die Lage ist ruhiger geworden. Ueber die in der Nacht vom 12. auf den 13. d. M. in Jokohama stattgehabten Unruhen werden folgende Einzelheiten gemeldet: Kurz nach Mitternacht brannte der Pöbel, meist Kulis, Bootsleute und Obdachlose, acht Polizeiwachen und drei Polizeistationen, mehrere Beamtenhäuser und große Handelsniederlagen nieder. Kurz vor Tagesanbruch wurden von Tokio vierhundert Mann Militär gesandt, welche jetzt die Konfulate, die Warenhäuser und die angrenzenden feuergefährlichen git " Kommunales. Stadtverordneten- Versammlung. Neber die Parteiverhältnisse in Schwarzburg- Sondershausen schreibt man uns: Während unser Nachbar- und Bruderstaat Schwarzburg- Rudol- 25. Sigung vom Donnerstag, den 14, September, nachmittags 5 Uhr. stadt zurzeit infolge des glänzenden Wahlfieges unserer dortigen Der Vorsitzende Dr. Langerhans eröffnet die Sizung um Genossen sich in freudige Erinnerung bringt, könnte von der Parteibelegung unseres Landes leider fast das Gegenteil berichtet werden. 5% Uhr mit der Bekanntgabe des Ergebnisses der soeben von den Das liegt nun zunächst allerdings an den ganz anders gestalteten Abteilungen vollzogenen Ausschußwahlen. In den Ausschuß zur Verhältnissen. So würde z. B. das Landtagswahlgefes von Schwarz- Vorbereitung der Neuwahl eines Kämmerers find unter anderem burg- Sondershausen selbst einer eventuell besten Parteibewegung nicht auch die sozialdemokratischen Mitglieder Borgmann, Pfanneinen ähnlichen Erfolg gestatten, wie wir ihn in Schwarzburg- tuch und Singer gewählt; der gemischten Deputation für die Rudolstadt bewundern. Auch sonst ist nur unter den denkbar Erörterung der Fleischnotfrage gehören die Stadtvv. Singer und größten Schwierigkeiten eine Parteibewegung im Lande Dr. Arons, derjenigen für die Verhandlung darüber, ob die propagieren. Im überaus größten Teile des Landes steht uns Anstalts- oder die Familienpflege für die städtischen Waisenkinder tein Saal zu Versammlungen zur Verfügung, so in der ganzen den Vorzug verdient, auch die Stadtvv. Dr. Bernstein und Unterherrschaft, wo es bei der letzten Reichstagswahl unserem Stadthagen an. Kandidaten nicht einmal möglich war zu übernachten, da man sich in den Gasthöfen fürchtete, ihm Logis zu gewähren. Eine vorfünd flutliche Sabbatordnung gestattet nicht das Verbreiten der Flugblätter am Sonntag, so daß jede Flugblattverbreitung, die stets von Arnstadt aus besorgt werden muß, stets mit großen finanziellen Opfern verbunden ist. Aber alle diese Gründe rechtfertigen nicht allein den Stillstand, der seit Jahren in der Parteibewegung des Landes und speziell in Arnstadt eingetreten ist. Wir ringen im Kreise seit einer Reihe von Reichstagswahlen in der Stichwahl bereits um das Mandat. Seit zehn Jahren schon waren wir ge wohnt, bei den Gemeinderatswahlen den Sieg zu erringen. Seit einigen Jahren ist das anders geworden. Bei den letzten Gemeinderatswahlen sind wir unterlegen; die im letzten Herbst stattgefundenen Landtagswahlen boten für uns fein erfreuliches Bild und die in wenigen Wochen stattfindenden Gemeinderatstoahlen versprechen nicht viel mehr Aussichten. Petroleumtants bewachen. Der Gouverneur und der Bürgermeister Mit all diesen Erscheinungen befaßte sich die letzte Bersammlung erließen einen Aufruf, in dem sie die Bevölkerung ermahnen, zu den des Wahlvereins, die erfreulicherweise einen Besuch aufzuweisen hatte Behörden Vertrauen zu haben. Sechshundert in den Hotels wie seit Jahren nicht. Es tam die Ansicht allgemein zum Ausdruck, unter den besonderen Schutz der Polizei gestellte Russen daß in erster Linie das Fehlen einer inneren Parteitätig aus Sachalin verteidigten sich mit gezogenem Säbel gegen die teit, die mangelhafte Bildung und Erziehung der Arbeiter in den Menge, die mit Pistolen und Stockdegen bewaffnet war. Die Verluste Prinzipien des Sozialismus, die gelegentlich sogar Stegmüllereien der Polizei betragen drei Schwer und 37 Leicht im Gemeinderat verursachte, die Schuld an dem Stillstand der Beverwundete. Die Meuterer warfen, um die Polizeitwachen in wegung trage. Die Versammlung führte zu dem erfreulichen Resultat, in gemeinsamer Tätigkeit von neuem einzusetzen, um die Brand zu setzen, brennende in Del getränkte Hüte hinein. Die Ruhe Scharten der letzten Jahre auszuwezen und endete mit der einist anscheinend jetzt wieder hergestellt. stimmigen Annahme folgenden Antrages: Tokio, 13. September. Nach Angaben der Polizei von Tokio sind bei den jüngsten Unruhen 388 Polizeibeamte, 16 Feuerwehrleute und 2 Soldaten verwundet worden, während auf seiten der Ruhestörer und des nicht aktiv beteiligten Publikums 9 Personen getötet und 387 verwundet worden sind. " Tokio, 14. September.( Meldung des„ Reuterschen Bureaus".) Die Zeitung, Mainichi" spricht ihren Unwillen über das Regierungsblatt Rofumin" aus, das das Verbrennen von Kirchen in Tokio mit der Handlungsweise der chinesischen Borer auf die gleiche Stufe stellt und sagt ferner, daß selbst in den entlegensten Winkeln des Reiches keine Spur von fremden- oder christenfeindlichen Gefühlen, wie sie die Boyer beseelten, vorhanden sei. Die Regierung ordnete die Unterdrückung von drei in Kofu, Miligata und Otaru erscheinenden Beitungen an. städten noch immer unvermindert an. Meuternde Truppen? " In Anbetracht der Notwendigkeit, alle Kräfte der Arbeiterbewegung in Arnstadt zusammenzufassen, um eine Neubelebung des hiesigen Partei- und Gewerkschaftslebens herbeizuführen, beschließt die heutige Versammlung nach stattgefundener diesbezüglicher Aussprache die Errichtung von Bildungskursen für Arbeiter. Es wird zunächst ein Kursus für Rede- und Stilübung arrangiert. Die Errichtung weiterer Spezialfurse wird stattfinden, sobald Interesse und Bedürfnis seitens der Arbeiter hiernach geäußert wird. Diese Kurse sind für die Teilnehmer völlig unentgeltlich. Es ergeht an das Gewerkschaftskartell die Einladung, diesem Beschlusse beizutreten. An jeden nach geistiger Vervollkommnung strebenden organisierten Arbeiter richtet die Versammlung das dringende Ersuchen, die ihm gebotene Gelegenheit wahrzunehmen und Energie zu zeigen in dem Bestreben, durch Stählung der Kräfte und Schulung in der Theorie und Praxis der Arbeiterbewegung mehr zu werden als nur einer unter vielen." Schweizerische Nationalratswahlen. Unsere Genossen im Züricher Wahlkreise, der neun Vertreter zu wählen hat, beschlossen in einer Vertrauensmänner- Versammlung die Aufstellung von drei sozialDie Erregung gegen den Friedensvertrag hält in den Haupt- demokratischen Kandidaten, während sie gegenwärtig nur zwei Size haben. Ihren Anspruch stützen sie darauf, daß im Jahre 1902 die sozialdemokratischen Kandidaten 7305 bis 9259 und die Bürgerlichen aus Tschifu ein Gerücht telegraphiert, daß in der japanischen Armee Size in Anspruch und überließen großmütig der sozialdemokratischen London, 14. September. Dem" Daily Expreß" wi10 449 bis 11 854 Stimmen erhielten. Diese nahmen dann sieben und Marine Unzufriedenheit über die Friedensbedingungen herrscht. Partei zwei, während ihr zum mindeſten drei gehört hätten. Bemerkens Mehrere Infanterieregimenter in Diata hätten wert ist der einstimmige Beschluß, den Stadrat Bogel gemeutert. Die Mannschaften sollen eine Protestversammlung fanger nicht mehr als sozialdemokratischen Kan abgehalten haben, worauf mehrere Rädelsführer verhaftet wurden. didaten aufzustellen, da er sich im Laufe der Jahre immer Danach hätten eine große Zahl Soldaten an einer Massenversamm- mehr von dem Denken und Fühlen der Arbeiterschaft entfernt hat. lung in der Stadt teilgenommen, wobei gegen die Regierung ge- Da er auch nicht mehr dem Kantonsrat angehört, wird ihn dieser richtete Resolutionen angenommen wurden. Die Militärbehörden Beschluß kaum überrascht haben. hätten strenge Maßregeln ergriffen. Die Zerstörung der„ Mitasa" soll durch Brandstiftung in derselben aufrühererischen Absicht erfolgt sein. Jede Bestätigung dieser als unglaubwürdig bezeichneten Gerüchte fehlt indessen. Hus der Partei. Ueber die Aufgaben der sozialdemokratischen Tagespresse schreibt Das Hamburger Echo" in einem Leitartikel über„ historischen Materialismus und Ethit": " Der Stadtv. Antrick( Soz.) hat die Mitgliedschaft in der Grundeigentumsdeputation aufgegeben; die Ersatzwahl ist auf die heutige Tagesordnung gesetzt. Der Stadtv. Gleinert( Soz.)! hat das Man dat niedergelegt; für ihn ist ein Ersatzmann in die Brennmaterialiendeputation zu wählen. Auf Vorschlag Singers werden die Stadtvv. Basner und Wengels gewählt. Die Wahlperiode des besoldeten Stadtrats Nams lau läuft am 1. Januar 1906 ab. Die Frage der Neuwahl wird auf die nächste Tagesordnung gesezt. Es läuft ein dringlicher Antrag Wallach und Genoffen ein, für die Opfer des Erdbebens in Süditalien eine Unterstübung von 10 000 m. zu bewilligen. Der Dringlichkeit wird nicht widersprochen und der Antrag einem sofort zu ernennenden Ausschuß überwiesen. weißensee unter dem letteren Namen vereinigt) gegen Berlin wegen Der Prozeß der Gemeinde Neu Weißenfee( jetzt mit Leistung von Zuschüssen zu den Kosten des öffentlichen Volksschulwesens auf Grund des§ 53 des Kommunalabgaben- Gesetzes hat insoweit für die Klägerin einen siegreichen Ausgang genommen, als das Urteil des Potsdamer Bezirksausschusses, wonach Berlin für 1897 13 700 m., für 1898 12 720 M. an Neu- Weißensee zu zahlen hat( die ursprüngliche Forderung belief sich auf je 85 000 2.). vom Oberverivaltungsgericht bestätigt worden ist. Die ers Stadtv. Wallach( A. L.) befürwortet folgenden Antrag:" Den Magistrat zu ersuchen, mit der Versammlung in gemischter Depu tatior darüber zu beraten, welche Mittel und Wege geeignet sind, die Forderungen der Vororte abzuweisen und in ihren pekuniären Folgen für Berlin unschädlich zu machen." gangenen Urteile wimmelten von juristischen Spitfindigkeiten. Was wären die Vororte ohne Berlin? Berlin sei die Nährmutter der Vororte, jezt aber fingen die Kinder an, die Mutter zu libeln und Berlin habe sich das lange genug ges zu sticheln.( Seiterkeit.) fallen lassen, endlich einmal müsse aber seine Geduld reißen. Woher stamme die Steuerkraft der Vororte? Zum Teil davon, daß so viele Berliner städtische Beamte in den Vororten wohnen. Was fingen die letteren an, wenn Berlin beschlösse, keinen Arbeiter mehr zu beschäftigen, der nicht in Berlin auch wohnt? Berlin habe sehr bie! Mittel in der Hand, wenn es Repressalien üben wolle. Der Fall Weißensee sei ja nicht der einzige; bald werde die ganze Meute nachkommen. Redner bittet um Annahme seines Antrages. Stadtv. Singer( Soz.): Wenn der Antrag Wallach einen an deren Wortlaut hätte, würden wir nichts gegen ihn haben, obwohl wir zu ganz anderen Konsequenzen in dieser Frage kommen. Wir müssen bedauern, daß eine Frage von so großer wirtschaftlicher Be deutung von so fleinlichen Gesichtspunkten aus behandelt wird( Unruhe). Herr Wallach geht von total falschen Voraussetzungen aus, wenn er den Vororten zumutet, sie sollen der Stadt Berlin dankbar und demütig zu Füßen liegen. Dieſe ſentimentale Art der Auffaſſung teilen wir nicht. An den beiden Urteilen der Verwaltungsgerichte zeigt sich die Verkehrtheit unserer bisherigen Kommunalihnen entstehen, liegt auf der Hand, und ich frage meinerseits: Was politik. Daß die kleinen und armen Gemeinden im Osten Berlins nicht die großen Schul-, Armen- und Krankenlasten tragen fönnen, welche wäre die Berliner Industrie ohne die Vororte, was wäre die Stadt Berlin mit ihren Betrieben und Anstalten ohne das umliegende Terrain?( Widerspruch und Unruhe.) Herr Wallach stellt es als eine Großtat dar, wenn Berlin für die dortigen Anstalten usw. Grundsteuer bezahlt. Sollen sich die Vororte dafür auch noch bes danken? Die Vorlage müssen wir annehmen, denn gegen die Ertenntnisse ist nichts zu machen. Es muß hier aber auf die falsche Die sozialdemokratische Partei des Kantons St. Gallen ist nun Eingemeindungspolitik Berlins erneut hingewiesen werden. definitiv konstatiert und die reinliche Scheidung von den bürgerlichen bilden mit den Vororten eine Wirtschaftseinheit; es geht nicht an, Demokraten durchgeführt. Auf dem am letzten Sonntag in Wil ab- daß wir uns um die Vororte gar nicht fümmern. Um die erwähnte gehaltenen Parteitag gab sich die neue Partei Statuten und ein Schädigung für Berlin nicht eintreten zu lassen, dafür wäre eine provisorisches Aftionsprogramm, das später noch gesichtet und ergänzt im richtigen Moment vorgenommene Eingemeindung das wirksame werden soll. Beschlossen wurde ferner ,, der Aktion der Demokraten Abhülfsmittel gewesen. Der passende Augenblick ist aber leider und Katholiken( Konservativen) auf Einführung der Proportional- berpaßt. Als die Regierung der Sache geneigt war, wollte der wahl des Großen Rates sich anzuschließen und bei den Nationalrats- Magistrat nicht; jeßt, wo die Stadt müßte, will die Regierung nicht; wahlen außer den beiden Genossen Scherrer und Brandt auch den der Plan der Eingemeindung hat auf absehbare Zeit keine Aussicht. Demokraten Scherrer- Füllemann zu unterstügen. Der Magistrat sollte uns auch Auskunft geben, wie es denn mit den Wir leberholten Anregungen aus der Versammlung steht auf Errichtung bringen. Der Zweck der Thyssenschen Bemühungen ist natürlich, die Möglichkeit einer weiteren Erhöhung der Stabeiſenpreise. In der Liegniter Hutfabrik( G. m. b. H.) vormals Klein u. Ko. befinden sich die organisierten Arbeiter im Streit. Die Ursache ist eine Lohnreduktion bis zu 50 Proz Neben diesem Versuch geht, wie die Köln. 3tg."| Affordpreise angeboten. Obwohl den Klempnern die Preise bei der von Verbänden Berlins mit den Vororten, um Verkehrs-, Armen-, hört, das Bestreben her, in Köln, Düsseldorf und anderen veränderten Arbeitsmethode von vornherein zu niedrig erschienen, Kranken- usw. Angelegenheiten gemeinsam zu erledigen und auf Städten die Eisenhändler zu geschlossenen Vereinigungen erklärten sie sich doch zu einer dreiwöchentlichen Probearbeit bereit. diefer Grundlage wenigstens teilweise die schwebenden Fragen in be- unter Sicherung Thyssenschen Einflusses zusammen zu bringen. Während dieser drei Wochen sahen sie ihre anfängliche Befürchtung, friedigendem Sinne zu lösen. So wie bisher darf nicht weiter ge- Die von diesen Vereinigungen zu errichtenden Geschäftsstellen daß sie mit dem erzielten Verdienst nicht auskommen würden, mur wurstelt werden. Monate- und jahrelang hören wir über die Wir- follen Kauf und Verkauf von Stabeisen wie von anderem Eisen zu sehr bestätigt. Sie konnten es nur auf 25 oder 26 Mr. Wochentung dieser Anregungen nichts. Die Frage der Schaffung eines völlig selbständig in die Hand nehmen. In den einzelnen Städten lohn bringen, während ihnen 30 bis 35 W. versprochen waren. Sie Groß- Berlin kann nicht mehr beiseite geschoben werden. Wenn sollen größere Gisenlager errichtet werden, von denen aus die ver- wurden deshalb um eine entsprechende Lohnerhöhung vorstellig. In die Dinge wie jetzt sich weiter entwideln, fommen wir ja unwillkür- fchiedenen Bezirke zu versorgen sind. Für Köln find beispielsweise Abwesenheit des Chefs bewilligte auch der Direktor am Montag lich dazu, unsere hygienischen Anstalten speziell bloß für Berlin zu die mit Bahnanschluß zu versehenden Grundstücke des früheren Ehren- morgen die Forderung, zog jedoch die Bewilligung auf telegraphische reservieren, und das können wir nicht tun, ohne einen großen Teil felder Walzwerks für die Errichtung eines Eisenlagers in Aussicht Anweisung des Chefs am selben Abend wieder zurück. Darauf der Bevölkerung, welcher zwar nicht in Berlin wohnt, aber den Wohl- genommen. hin legten die Klempner am Dienstag einmütig stand Berlins mit schaffen hilft, in manchen Richtungen der sozialen die Arbeit nieder. Zuzug ist fernzuhalten. Bemerit Fürsorge in schlimmster Weise zu vernachlässigen. Wir wünschen sei, daß die Firma bei 100 Arbeitern nicht weniger wie rund 350 daher dringend, daß der Magistrat hier in beschleunigterem Tempo arbeitet. Den Antrag Wallach können wir nicht annehmen, weil " Gemischte“ und„ reine" Eisenwerte. Die Ueberlegenheit der Angestellte und Reisende beschäftigt. er ein ganz natürliches Verlangen der Vororte abweist. gemischten Werke in der Montanindustrie drängt die reinen Hochöfen Stadtv. Dr. Preuß( Soz.- Fortschr.): Unangenehm wird ja der oder Walzwerke mehr und mehr zurüd. Neuerdings haben sich wieder Borgang nach allen Seiten berühren; aber den Vorwurf deswegen alvei reine Walzwerke in Westdeutschland mit einem Gußstahlwert muß man nicht an die Adresse der armen Vororte, sondern an die- berschmolzen, das auch im Besitz von Gruben ist. Der Konzentralijenigen richten, die die Gelegenheit zur Eingemeindung versäumen fationsprozeß zieht unaufhaltsam seine Bahn. halfen, an die Regierung und an die Freunde ihrer ablehnenden Haltung seit 1895. Damals, vor zehn Jahren, habe ich im Eingemeindungsausschuß die Möglichkeit vorausgesagt, daß man die reichen westlichen Vororte nicht mehr kriege, die armen östlichen aber nehmen müsse. Ein Anfang dazu liegt hier vor. Der Ausweg, den Herr Wallach mit seinen Repreffalien betritt, hat prinzipielle Bedenken; aber der Haltung der Regierung gegenüber wäre er vielleicht das beste Mittel, durch den Krieg aller gegen alle die bisherige Politit ad absurdum zu führen. Es besteht doch zwischen Berlin und den Vororten auch eine Interessengemeinschaft; die sollte von Berlin dem Interessengegensatz vorgezogen werden, und auf diesem Wege ließe sich vielleicht ein freiwilliger Verband erreichen, der auf zahlreichen Gebieten zeitweilig eine befriedigende Ordnung schaffen würde. Stadtv. Gaffel( A. 2.): Wir stimmen sämtlich dem Antrag Wallach zu. Die Behauptung, daß die städtischen Behörden den Eingemeindungsmoment verpaßt hätten, ist eine Legende, der immer wieder entgegengetreten werden muß. 1895 haben wir eine beträchtliche Eingemeindung beschloffen; aber der Minister Herrfurth ging ab, und daran scheiterte die Sache.( Stadtv. Singer: Und Die ablehnende Haltung des Magistrats?) Weiter variiert Redner die Ausführungen Wallachs. Stadto. Saberland( U. 2.) steht in der Eingemeindungsfrage Der Kampf im Kölner Tischlergewerbe. Die Zahl der Ausständigen beläuft sich noch auf 600. Ein erheblicher Teil der UnDie große Streitfrage ist, ob die mißliche Lage der reinen" verheirateten ist abgereist. Etwa 300 arbeiten bei 45 Unternehmern Werke lediglich eine Folge der wirtschaftlichen Ueberlegenheit der zu den neuen Bedingungen. Die Führer des christlichen“ Streitgemischten" Werke ist, oder ob sie teilweise auch durch die Preis- und brecherverbandes reisen im Rheinlande umher und lügen in Verwird. Tatsächlich ist lezteres der Fall, da durch die künstliche Hoch- von Streitbrechern nach Köln zu fördern. In einer Absatpolitik der großen Roh- und Halbstoffkartelle mitverschuldet sammlungen das Blaue vom Himmel herunter, um den Zuzug haltung der Roh- und Halbzeugpreise sich die Preisdifferenz, die sog. Versammlung des Unternehmerverbandes wurde verkündet, der AusSpannung zwischen diesen und dem Fertigprodukt vermindert hat. stand werde zunichte, da der christliche Verband 600 Arbeitswillige Deutlich ergibt sich die Mitwirkung der Kartellpolitik an dem Nieder- nach Köln besorgen werde. Es ist dem Streitbrecherbunde aber nur gang der reinen Werke, wenn man in Betracht zieht, daß eine ganze gelungen, insgesamt 200 Menschen, meist junge Leute, zu finden, die Anzahl der gemischten Werte schon bestanden hat, als über die Lage fich zum feigen Berrat an ihren Arbeitsbrüdern hergeben. Eine der reinen Werke noch wenig oder gar nicht geflagt wurde. Der Anzahl christlicher Mitglieder haben sich in Köln eines besseren belehren Aachener Hütten- Aktien- Verein besikt z. B. eigene Erzgruben seit laffen und find wieder abgereist. Eine erhebliche Menge christlicher 1892; Hoesch- Dortmund fördert felbft Kohlen seit 1898, die Gewerk- Holzarbeiter sind in den Deutschen Holzarbeiterverband übergetreten. schaft Deutscher Kaiser"( Thyssen) seit 1876; die Gutehoffnungshütte Bon seiner Verräterschmach wird sich das christliche HolzarbeiterSörder Verein war schon 1852 im Besitz von Erz- und 1859 von sämtlichen Versammlungen jede Verhandlung mit dem HolzarbeiterOberhausen fördert Eisenerze seit 1810 und Kohlen seit 1857; der verbändchen nie mehr erholen. Die Unternehmer haben in ihren Kohlengruben; die Union- Dortmund verbraucht eigene Kohlen und verbande abgelehnt; auch die Vermittelung des GewerbegerichtsGrae feit 1855/57; die Burbacher Hütte war schon 1856 im Besitz vorsitzenden haben sie zurückgewiesen. Vielleicht befinnen sie sich eigener Erzgruben, die Stummschen Werke schon im 18. Jahrhundert; jetzt, wo die christlichen Streifbrecher sowohl nach Zahl als insde Bendel gehören ab 1797 Erzgruben und seit 1856 Kohlenzechen; besondere auch nach Dualität bersagen, eines anderen. Zuzug nach feit 1828 fördern die Dillinger Hütten selbst Erze; der Bochumer Köln, Kalk und Mülheim a. Nh. ist streng fernzuhalten. Verein erwarb 1868 Erz- und 1870 Kohlengruben; seit 1859 besitzt die Georg- Marienhütte in Osnabrück eigene Erz- und Kohlengruben, die bedt seit 1865/68 ihren Sohlen- und Erzbedarf wesentlich selbst. Die Kattowizer Hüttengesellschaft fördert seit Jahrhunderten aus eigenen Erzgruben und besaß schon 1789 Kohlenzechen. Stönigs- und Saurahütte jogar ſchon ſeit 1802. Die Firma Strupp Letzte Nachrichten und Depefchen. Gewerkschaftliches. Berlin und amgegend. Die sächsischen Landtags- Wahlen. Privatdepeschen des Vorwärts". Dresden, 14. September. In Dresden- Neustadt siegten in allen elf Bezirken die sozialdemokratischen Wahlmänner. Mittweida, 14. September. Jm zehnten Wahlkreise Mittweida wurden sämtliche sozialdemokratischen Wahlmänner mit großer Mehrheit gewählt. In Hainichen und Frankenberg wurden sechs sozialdemokratische und zwei nationalliberale Wahlmänner gewählt. Steuern fassierte. Die Anklage legt namentlich dem Ministerpräsidenten zur Last, daß er ein königliches Handschreiben gegen= Beruhigung ein Ministerium aus den Reihen der Majorität ergezeichnet habe, in welchem der König erklärt, er könne nicht mit verfassungswidrig sei, da der König nur das Recht der Sanktion oder nennen, da diese ein Programm vorgelegt habe, welches er nicht billigen könne. Die Anklageschrift erklärt, daß diese Handlungsweise der Verwerfung von Gesezentwürfen habe; die Bildung eines Minifteriums, welches bei den Wahlen die Mehrheit erlangt habe, könne jedoch aus dem im Handschreiben angeführten Grunde rechtmäßig nicht verhindert werden. Baron Fejervarh habe sich durch Gegenzeichnung dieses föniglichen Handschreibens einer Verlegung der Verfassung und einer Erschütterung ihrer Garantien schuldig gemacht. Die Revolution in Rußland. ganz auf dem Standpunkte von Singer und Preuß, stimmt aber gerade deswegen dem Antrag freudig zu und hofft von den Beratungen der gemischten Deputation einen fräftigen Schritt auf dem Wege zum richtigen Ausgleich der Interessen. Die Klagen treten aber erst innerhalb des letzten Jahrzehnts Stadtv. Singer: Gegenüber den Ausführungen des Kollegen an die Oeffentlichkeit, in eben demselben Zeitraum, wo die StarCaffel bekenne ich, daß ich nicht von der Versammlung, sondern von tellierungs- und Shndizierungsbestrebungen der gemischten Werke der Stellungnahme des Magistrats in der Eingemeindungsfrage von Erfolg getrönt wurden. Auch die Herstellung des billigen gesprochen habe. Es ist tatsächlich sehr nüßlich, Legendenbildungen Bessemer- und Thomasroheisens durch die großen Werte reicht zurück vorzubeugen, und gerade aus diesem Grunde verweise ich auf den bis in die 60 er und 70 er Jahre des vorigen Jahrhunderts. SelbstVerwaltungsbericht des Magistrats von 1895/96, den damals der verständlich gibt ihre bedeutend größere Kapitalfraft den großen ge= Oberbürgermeister Belle ganz in fommunal- fistalischem Sinne vermischten Werken die Möglichkeit, ihre Produktionsmittel rafcher zu Das Kabinett Fejervary soll unter Anklage gestellt werden. treten hat. In einem Schreiben an den Oberpräsidenten heißt es verbessern. 1870 belief sich die Durchschnittsproduktion eines Hochausdrücklich, daß der Magistrat entgegen den Wünschen der Re- ofens in Deutschland auf 6400 Tonnen. Durch Erbauung größerer flageschrift gegen die Mitglieder des Kabinetts Fejervary ver= Budapest, 14. September.( W. T. B.) Heute wurde die Angierung und der Versammlung sich nicht für eine größere Oefen und ihre rationellere Ausnutzung ist die Jahresproduktion eines öffentlicht, die morgen dem Abgeordnetenhause unterbreitet werden Gingemeindung habe entschließen können..." Gegen eine Ein- Hochofens bis auf 41 000 Zonnen( 1903) gesteigert worden. Aber gemeindung der vier nördlichen Vororte, wie sie die Versammlung auch diese Expansion vollzieht sich seit Jahrzehnten. Sie ist nicht Bewilligung des Reichstages öffentliche Gelder verwandt, daß sie soll. Die Anklage wird damit begründet, daß die Regierung ohne wünschte, möchten wir ausdrücklich Widerspruch erheben."( Hört! sprunghaft eingetreten. Die Erörterungen über die pretäre Lage Handelsvertragsverhandlungen mit Bulgarien und der Schweiz gehört!) Der Magistrat wollte damals also zwar die Rosinen aus der reinen Walzwerke beginnen aber erst nach dem erfolgten Zu- führt, daß sie ferner den Rechtskreis der autonomen Behörden verdem Kuchen, aber nicht das übrige Backwerk. Hiernach wird Herr sammenschluß der großen Etablissements zwecks gemeinsamen Ver- legt habe, indem sie deren Beschlüsse auf Nichtannahme freiwilliger Caffel wohl nicht mehr behaupten, daß das Scheitern an der Re- faufs ihres Noheisens und Halbzeugs. gierung und nicht am Magistrat gelegen hat.( Stadtv. Cassel: Zur Erkenntnis der wirtschaftlichen Wirkung der Kartellpolitik Doch werde ich es sagen! Heiterkeit.) Es ist kein Ruhm für den ist diese Tatsache recht interessant. Sonst hat die Arbeiterklasse keinen Magistrat, die Eingemeindung in dieser Weise verhindert zu haben. Anlaß, das Verschwinden der reinen Werke zu beklagen, denn zweifelEinen Antrag, der an der Stirn die Erklärung trägt: Krieg den los sind die großen gemischten Betriebe leistungsfähiger, und außersagt, es könnten in der Deputation auch noch andere Dinge be- Gisenindustrie vollzieht, die Voraussetzung der späteren VerstaatVororten!" kann man nicht dadurch mundgerecht machen, daß man dem bildet die gewaltige Konzentration, die sich in diesem Teil der sprochen werden. Ist uns ein Unrecht getan worden mit der Auf- lichung dieser Industrie. erlegung dieser Schul- und Armenlasten, die notwendig werden durch Leute, welche in Berlin arbeiten, aber in Weißensee wohnen? In diesem Punkte gehen die Auffassungen diametral auseinander. Berlin hat hier tatsächlich Verpflichtungen nicht bloß aus dem noblesse oblige heraus. Die Krankenhausbeschaffung ist nicht In der Wäschefabrik von Gebr. Borchardt ist ein Konflikt ausbloß eine Armenlast, sondern eine hygienische Einrichtung von eminenter Bedeutung. Würde auf dem Gebiete der Verkehrsfragen gebrochen, der allem Anschein nach zu einem Streit führt. Die Andie gegenwärtige Misere mit der Großen Straßenbahn- Gesellschaft gelegenheit wurde am Mittwoch in einer ungewöhnlich stark besuchten denkbar sein, wenn die Stadt gemeinsam mit den Vororten operieren Versammlung der Wäschearbeiter und-Arbeiterinnen behandelt. Die Näherinnen der Firma Gebr. Borchardt haben eine Reihe von fönnte? Es muß etwas geschehen, um wenigstens aus dem größten Forderungen gestellt, die sich zumeist auf die Beseitigung hygienischer ist gestattet worden, von der Feuerung mit Naphtha zur Feuerung mit Petersburg, 14. September.( W. T. B.) Verschiedenen Bahnen Elend herauszukommen.( Beifall.) Oberbürgermeister Kirschner: Die vom Herrn Singer verlesene Mißstände in den Arbeitsräumen beziehen. Außerdem wird ver- Sohle überzugehen und ihren Kohlenbedarf über die baltischen Häfen Stelle beweist nur, daß 1895 über den Umfang der Eingemeindung langt: Geregelte Arbeitszeit, Fortfall der Strafgelder, Vergütung aus England zu beziehen. Die Rjäsan- Ural- Bahn wird ihren Differenzen bestanden. An diesen Differenzen hat es nicht gelegen, bei Betriebsstörungen, Einführung der gesetzlichen Lohnbücher, freie Kohlenbedarf aus Schlesien beziehen. daß keine Ginigung zustande kam, sondern diefelbe Regierung, die Lieferung von Garn und Rabeln.- Ueber die Forde Kohlenbedarf aus Schlesien beziehen. Wie hiesigen Naphthafirmen zuerst die Eingemeindung wollte, hat sie später ruhen lassen und ver- rungen hat sich die Firma bereits mit den Arbeiterinnen geeinigt, aus Nischnh- Nowgorod mitgeteilt wird, haben viele Fabriken und hindert. Mit der Eingemeindung einzelner Gemeinden sind wir nur die Lieferung von Garn und Nadeln verweigert fie. Auf die Mühlen wegen des Naphthamangels den Betrieb eingestellt; man bor zwei bis drei Jahren vorgegangen; das war der richtige Weg. Bewilligung diefer Forderung legen die Näherinnen aber ein großes befürchtet, daß die Naphthaniederlagen in Brand gestedt werden. Die Gemeinden waren auch bereit, die Aufsichtsbehörde hat sie aber Gewicht, denn bei ihrem meist sehr geringen Lohn bedeutet die Be- Nascha Schifn" erfährt, es sei beschlossen worden, in Batu etwa an der Fortfehung der Verhandlungen verhindert.( Sört!) Richtig zahlung von Garn und Nadeln eine erhebliche Schmälerung des 18 000 Mann Militär zusammenzuziehen, teilweise aus dem euroist, daß die Sache in dem Schoße der städtischen Verwaltung so Verdienstes, während die Lieferung dieses Materials durch den päischen Rußland. lange hingezogen wurde, bis ein Ministerwechsel eintrat und die Arbeitgeber die Herstellungskosten der Ware mur um einen faum Helsingfors, 14. September.( W. T. B.) Gestern nachmittag Gelegenheit verpaßt wurde( Lebhaftes Sehr richtig!) aber aus nennenswerten Prozentsatz erhöhen würde. Es wurden einige Fälle der gründlichen Prüfung solcher weittragender Probleme wird nie- angeführt, wo Arbeiterinnen durchschnittlich 1 bis 2 M., ja jogar um 5 Uhr fand hier im Feuerwehrgebäude eine Versammlung von mand den städtischen Kollegien einen Vorwurf machen. Die An- 2,50 M. wöchentlich für Garn und Nadeln ausgeben mußten. Dieser 1000 Mitgliedern der konstitutionellen Partei des ganzen Landes statt. regungen, von denen Herr Singer sprach, sind von der Berjamm- Uebelstand hat sich allgemein in den Wäschefabriten eingebürgert. Um 8 Uhr traf ein Befehl des Generalgouverneurs ein, die Ver Tung nicht an uns gelangt, sondern mit großer Mehrheit abgelehnt Es soll deshalb ganz entschieden auf die Beseitigung desselben hin- fammlung aufzulösen, anderenfalls Gewalt angewendet werden worden. Groß- Berlin aber ist bereits einfach eine Tatsache, und gearbeitet werden. Da wegen der genannten Forderung eine Eini- würde. Zugleich marschierte eine halbe Kompagnie Militär in den das Ende wird eine Eingemeindung in größerem Stile sein müssen. gung nicht herbeigeführt werden konnte, die Firma vielmehr bei der Der Minister des Innern hatte vor Jahresfrist eine Informations- ftriften Ablehnung beharrt, so haben die Näherinnen etwa die reise nach England gemacht, von deren Ergebnissen bisher nichts Hälfte der in der Fabrik beschäftigten die Kündigung eingereicht. Petersburg, 14. September.( B. H.) Ausständige Arbeiter verlautete; inzwischen scheinen der jetzige Minister und der Ober- Buschneider und Plätterinnen haben sich, obgleich sie selbst durch die präsident sich ernstlich mit der Lösung der Frage zu beschäftigen. Bei Forderung betroffen werden, mit den Näherinnen solidarisch erflärt, bersuchten in Baku, einen Straßenbahnwagen in die Luft zu Errichtung von Zweckverbänden würde Berlins Belastung noch un- fo daß 102 Arbeiter und Arbeiterinnen zurzeit in Kündigung stehen. sprengen, indem sie eine Bombe auf die Schienen legten, die gleich größer werden. Sie sind fest entschlossen, nach Ablauf der Kündigungsfrist- am jedoch noch rechtzeitig entdeckt wurde. Baku, 13. September. Die englischen Naphtha- Gesell23. d. M. die Arbeit niederzulegen, falls die Firma bis dahin nicht nachgibt. Die geschäftliche Konjunktur ist so günstig, daß an schaften sahen sich infolge der Drohungen der Revolutionäre einen Ersaz der Streifenden gar nicht zu denken ist. Einstimmig gezwungen, den Betrieb wieder einzustellen. In einer Prowurde eine Resolution angenommen, welche ſagt:„ Die Ber- flamation der Revolutionäre wird allen Petroleumquellensammlung protestiert gegen das allgemein eingebürgerte System der Bezahlung von Rohmaterial an die Fabrikanten. Sie erklärt befizern, Direktoren und Betriebsleitern, welche weiter arbeiten fich in allen Fällen mit den Kolleginnen der Firma Gebr. Borchardt lassen, der Tod angedroht.( Times".) Jakobstad( Finnland), 14. September.( W. T. B.) Bei dem am folidarisch und erwartet, daß dort keine Näherin Arbeit nimmt, ehe vorigen Freitag in der Nähe gesunkenen Dampfer find jest englische nicht die bescheidenen Forderungen bewilligt sind. Die Kolleginnen Schiffspapiere gefunden worden, aus denen hervorgeht, daß das Die Kolleginnen werden aufgefordert, überall dieselbe Forderung zu stellen. Schiff tatsächlich John Grafton" heißt und in London beheimatet Achtung, Rohrleger und Helfer! ist. In dem Schiffe befinden sich noch Gewehre. Stadtv. Mommsen( Fr. Fr.) bestreitet, daß etwas Wesentliches versäumt sei dadurch, daß man damals nicht sofort zugegriffen habe. Dem Antrag in seinem Wortlaute könnten seine Freunde nicht bei treten, sie würden aber im Sinne der Ausführungen des Stadtv. Cassel für ihn stimmen. Stadtb. Gaffel bleibt dabei, daß den damaligen Magistrat für seine Haltung fein Vorwurf treffe; die Durchführung der Eingemeindung hätte auch der Minister Herrfurth nicht erlebt, wenn er im Amte geblieben wäre. Die Vorlage wird darauf mit dem Antrag Wallach angenommen. In den Ausschuß für den Antrag wegen Bewilligung der 10 000 M. für Süditalien hat der Vorstand auch die Stadtv. Die Differenzen bei der Firma Neubert, Friedrichstr. 23, Singer und Hinze delegiert. Den Antrag selbst empfiehlt find beigelegt und find die nachstehenden Bauten frei: BarbarossaStadtv. Modler( A. 2.) kurz zur Annahme, worauf der Aus- plaz 2/3 und Südende, Mittelstr. 10. schuß sofort zur Beratung zusammentritt. Die Versammlung er ledigt inzwischen einige fleinere Vorlagen. Stadtv. Caffel empfiehlt dann namens des Ausschusses den Antrag, der darauf einstimmig angenommen wird. Die Vorlage betr. Festsetzung einer Baufluchtlinie für die Südseite der Wullenweberstraße und zur Aufnahme einer Uferstraße in der Verlängerung des Wickingerund Hansa- Ufers wird ohne Debatte angenommen. Achtung, Schlosser, Maschinenbauer und Kupferschmiede! Bei der Firma F. Seifert u. Co., Köpenickerstr. 154a, welche Rohrleger und Helfer zu den Verbindungen der neu aufzustellenden Maschinen und sonstige Heizanlagen beschäftigt, haben die Nohrleger und Helfer wegen Nichtinnehaltung des Tarifs die Arbeit nieder gelegt, erwarten daher, daß obige Kollegen sich nicht als Arbeitswillige hergeben werden. Deutfches Reich. " Saal. Hierauf löfte sich die Versammlung auf. Auf der Straße hatte gleichfalls eine Stompagnie Aufstellung genommen. Wien, 14. September.( W. T. B.) Der Reichsrat ist zum 26. September einberufen. Budapest, 14. September.( W. T. B.) Das Abgeordnetenhaus wird, wie die Zeitungen melden, morgen bis zum 10. Oftober bertagt werden. Paris, 14, September.( W. T. B.) Nach einem Bericht des Gouverneurs von Französisch- Guinea wird gegen den Verwaltungsbeamten Hubert, der in der Landschaft Fouta- Diallon mehrere Eingeborenen ohne Urteil hinrichten ließ, die gerichtliche Untersuchung eingeleitet werden Die Cholera. Breslau, 14. September.( W. T. B.) Ein cholerakrant geAus Induftrie und Handel. Die Klempner der Firma Graaf u. Co. in Neuruppin bewesenes, aus Fürstenberg auf der Oder in Breslau angekommenes finden sich im Streit. Die Firma, die erst fürzlich von Berlin nach Schifferkind ist zu weiterer Beobachtung im Hauckeschen KrankenThyssensche Kartellierungsversuche. Herr August Thyssen, Besizer Neuruppin übergefiedelt ist, fabriziert zur Hauptsache Feuerlösch- hause untergebracht worden. Amtlich wird erklärt, daß alle Vorund Mitinhaber einer langen Reihe von Bergwerken und Eisenwerken apparate des Systems Minimag". In Berlin bekamen die Klempner fichtsmaßregeln get offen sind, um eine Weiterverbreitung der Rheinland- Westfalens, bemüht sich bekanntlich seit langem unter den für jeden solchen Apparat 63 M. Akfordlohn. Mitte August hatte Krankheit zu verhindern und daß keinerlei Grund für Befürchtungen Werken des Stahlverbandes eine Stabeisen- Vereinigung zustande zu die Firma aber Teilarbeit eingeführt und dabei den Selempnern neue vorliegt. " Verantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantwo.: Th. Glede, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchbr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 216. 22. IahrglMg. 1. SeilU ilks.Amiick" Knlim WslilM Freitag, 16. September IM. c«•* t«..*.<■-m, i 4. Auch auf die Fragen, was sich der..Vorwärts" unter der einmal sie Itnmballdie �iArnftian» Arbeitseinstellung„aller Staatsbürger" denkt, und welches alle I M i t t e l sind, die uns in äußersten Fällen neben dem Massenstreik zu Gebote stehen, antwortet er mit keinem Worte, wenn er auch viele Worte darüber macht. Von K. Kautsky. 1. Kleineres. Der„Vorwärts" hat eine Artikelserie gegen mich begonnen, deren Ende ich nicht abwarten kann, soll meine Entgegnung noch vor dem Parteitag in der„Neuen Zeit" erscheinen. Ich antworte daher hier auf die ersten drei Artikel der Serie:„Debatten über Wenn und Aber". Leider muß ich wieder etwas ausführlicher werden, aber es handelt sich dabei auch um eine nicht geringe Sache: um die Frage, ob unser Zentralorgan den Aufgaben gewachsen sei, die ihm aus seiner Stellung zukommen. In dem Artikel über den Massenstreik hatte ich als Beweise da- für, daß die heutige Redaktion unfähig ist, bei der Diskussion der inneren Parteifragen vertiefend und klärend voranzugehen, folgende Behauptungen aufgestellt und Fragen aufgeworfen: !. Der„Vorwärts" hat erst sehr verspätet in die Diskussion der Partei über den Massenstreik eingegriffen. 2. Er hat sich dabei in Widersprüche verwickelt. 3. Er hat den alten Unfug der Staatsanwälte wiederholt, wissenschaftliche Untersuchungen über die Revolution als„Drohen mit der Revolution" zu denunzieren. 4. Er hat erklärt, wenn uns die Gesetzlichkeit versperrt sei. werde die Stillegung der Produktion Pflicht aller Staats- b ü r g e r. und in diesem Falle sei jedes Mittel des Kampfes gerechtfertigt. 5. Er hat die Schrift der Genossin Rolaird-Holst gründlich miß- verstanden. Darauf entgegnet der„Vorwärts" folgendes: 1. Er beantwortet einen Vorwurf, den ich nicht erhoben, indem er erklärt, er sei das er sie Parteiorgan gewesen, das die Schrift der Genossin Roland-Holst kritisch beleuchtete. Das habe ich nie geleugnet. Aber schon vor dem Erscheinen dieser Schrift war der Massenstreik in unserer Partei lebhaft diskutiert worden, namentlich im Anschluß an den Kölner Gewerkschaftskongreß. Will der„Vorwärts" leugnen, daß er d a b e i den anderen Parteiorganen nachgehinkt ist?') 2. Als einen seiner Widersprüche hatte ich die Tatsache hin- gestellt, daß der„Vorwärts" am 8. Juni die Diskussion des Massen- streiks für eine Aufgabe erklärte, die nur die politische Partei an- gehe, am 2o. Juni für eine Aufgabe, die, wenn sie überhaupt für uns von Interesse sei, nicht bloß der Partei, sondern auch den Gewerk- schaften zufalle. Darauf antwortet der„Vorwärts" einmal, das sei kein Widerspruch, sondern nur eine„Nuance", dann aber, seine Redakteure seien eben„selbständige Köpfe", die nicht auf Kommando denken und umlernen.') Damit wird aber die Tatsache, daß Wider- spräche in der Haltung des„Vorwärts" vorkommen, nicht wider- legt, sondern nur erklärt. Diese Erklärung beweist aber bloß, daß entweder die selbständigen Köpfe in der Redaktion so uneinig sind, daß sie nicht vermögen, sich über eine Frage zu einigen wie die, welchen Organisationen die Diskussion des Massenstreiks zufalle, oder daß diese Frage ihnen zu unwichtig erscheine, eine Einigung darüber zu versuchen. Nachdem der„Vorwärts" aber das Lob seiner„selbständigen Köpfe" gesungen, entrüstet er sich sehr über mich, daß ich mich mit „den internen Redaktionsverhältnissen" des„Vorwärts" beschäftige, was„ein frivoler Parteizank" sei, wobei ich meine Urteile nicht„nach sachlichen Leistunge n", sondern„vermuteten Personen" einrichte. Man sieht, die„selbständigen Köpfe" im„Vorwärts" sind sehr empfindlich. Ich habe in Wirklichkeit von den„internen Re- daktionsverhältnissen" des„Vorwärts" nicht das mindeste enthüllt und keine einzige Person angegriffen. Meine Ausführungen über den„Vorwärts" beruhten einzig auf seinen eigenen A r t i k e l n, die er selbst vor aller Welt veröffentlicht hat, die er also nicht zu den „internen Redaktionsverhältnissen" rechnen wird, und ich weiß bis heute nicht, wer die Verfasser der einzelnen Artikel sind. Daß der eine von ihnen aus Bernsteins Feder, des früheren MitredakteurS der„Neuen Zeit", stammt, mag Joe für ein glänzendes Argument gegen mich halten. Ernsthafte Leute werden darüber nur lächeln. Was ich tat, war nicht, Rcdaktionsintcrna, die der Welt un- bekannt waren, auszukramen und zu„enthüllen", sondern zu ver- suchen, allbekannte Tatsachen sachlich zu erklären. Es blieb dem„Vorwärts" vorbehalten, daraus den Vorwurf der„ethischen und ästhetischen Verlumpung" gegen eine bestimmte Person herauszulesen.') 3. Der„Vorwärts" hatte sich nicht gescheut, dies eifrige Dis- kutieren des Massenstreiks als ein„Drohen mit der Revo- l u t i o n" KU bezeichnen. Auf die Frage, wo bei dieser Diskussion eine derartige Drohung vorgekommen, antwortet er gar nicht, wieder- holt aber, er halte das„verantwortungslose Drohen mit der Revo- lution, das billige Schwatzen über sie für widerwärtig". Er wieder- holt also seine Verdächtigung, als ob die Genossin Roland-Holst oder ich oder sonst jemand bei der Erörterung des Massenstreiks mit der Revolution gedroht oder billig darüber geschwätzt hätte. Ich fordere den„Vorwärts" nochmals auf, klipp und klar meine Frage zu beantworten: Wer hat mit der Revolution gedroht? Solange er diese Frage nicht beantwortet, bleibt der Vorwurf auf dem Zcntralorgan der deutschen Sozialdemokratie sitzen, daß es sich in seiner Diskutierung innerer Parteifragen alter Polizei- kniffe bedient.') >) Wir leugnen allerdings auch, daß über den Massenstreik leb Haft diskutiert worden sei und vermissen noch immer die von uns geforderten Beweise Kautskys. 2) Kautsky zitiert wieder ökonomisch, indem er die ent scheidende Wendung unserer Ausführungen vergißt: daß es unmöglich sei, über„eine eben erst auftauchende Parteifrage" in jedem Punkte und in allen Einzelheiten einer Meinung zu sein. Das ist allerdings immer noch unsere Auffassung. ') Für Kautsky ist es also keine„interne" Redaktionsangelegen heit, wenn er erzählt, daß eS in der Redaktion schlimme ethisch ästhetische und brave ökonomisch-htstorische Redakteure gibt und dann zum Beweise für die erste Richtung bestimmte Artikel anführt. Er hat doch nicht die von ihn: erwähnten Artikel um ihrer selbst Ivillen kritisiert, sondern weil er voraussetzte, daß sie von den Ethisch-Aesthctischen kamen. Oder hätte er sie auch angeführt, wenn er vermutet hätte, daß seine Beweisstücke von den Historisch- Oekonomischen stammen? GS ist allerdings ein sehr lustiger Rein- fall K's, daß er als glänzendes Beweisstück für seine neue Er- findung einen Artikel herausgriff, der von einem der ältesten, mit der Partei aufgewachsenen„Oekonomisten" stammt. Der matte Spaß hilft nicht über dieses unangenehme Mißgeschick hinweg. Da bei- läufig kem einziger seiner Beweise vor der Kritik standhielt, wird X. uns nun den Hexenprozeß machen müssen, daß wir unsere Unschuld nachzuweisen hätten, weil er nun einmal nicht in der Lage ist, unsere Schuld zu erhärten! ss Daß wir uns„Polizeikniffe" bedienen, gehört wohl auch zu den Protesten gegen ethisch- ästhetische Gesinnung. Wir haben allerdings bisher nicht gewußt, daß Kautskysche „Wissenschast" sich dadurch von anderer Wissenschaft unter- scheidet, daß sie nicht angewandt wird. Wozu sollen wir eigentlich den revolutionären Generalstreik studieren und dis- kutieren, als um die bürgerliche Gesellschaft darauf aufmerksam zu machen, daß wir entschlossen seien, uns nicht gutwillig erwürgen z-u lassen. Dieses„Drohen" mit der Revolution, das doch nur der Sinn einer nicht bloß für die Studierlamve bestimmten Wissenschaft ist, muß an sich auch unser gutes Recht sein. I u r i st i s ch ist das Drohen erlaubt, und Staatsanivälle haben schwerlich jemals das bloße „Drohen" als kriininell behandelt, sondern nur versucht, uninittelbarc Unterlagen zu einer revolutionären Unternehmung zu erfinden. Tatsächlich habm wir IN Tausenden von Versammlungen, haben unsere Redner Oder ist das eine Antwort, wenn er erklärt Jedes Mittel ist dann anwendbar, sofern es tauglich ist, und nicht bloß der Generalstreik"? Aber die Frage ist ja eben die, ob es noch andere taugliche Mittel gibt!') Man sieht, auf alle meine Fragen weiß der„Vorwärts" keine Antwort, und er sucht bloß über sie hinwcgzureden. Aber das alles waren nur Kleinigkeiten. Nun jedoch werden wir den Dingen auf den Grund kommen, wenn wir das eigentliche„große Mißverständnis" behandeln, Nummer 5. 2. Endkampf und Klassenkampf. Ich hatte dem„Vorwärts" vorgeworfen, er habe das Buch der Genossin Roland-Holst gründlich mißverstanden, indem er seinen Inhalt in folgender Weise darstellte: „Der politische Streik wird sin dem Buche) aus einem unter ganz bestimmten Verhältnissen möglichen und erforderlichen Akte der proletarischen Notwehr zur Methode des Klassen- k a m p f e s, zum eigentlichen Mittel des proletarischen Sieges." Ich hatte ein Zitat vorgebracht, das das Gegenteil besagte; die Genossin Roland-Holst selbst bestritt, daß die vom„Vorwärts" wicdergegebene Anschauung die ihrige sei. Was weiß dieser zu er- wiedern? „Unsere Kritik," sagt er,„wies auf die Zwiespältigkeit der Schrift der Genossin Roland-Holst hin: Einmal der Massenstreik als a u ch e i n Mittel zur Erzwingung bedeutender politischer Ver- änderungen, und zweitens der Generalstreik als das einzige Kampfmittel injenempolitischenEndkonflikt.in dem sich die alle politischen Rechte raubende Bourgeoisie mit dem um die Eroberung der politischen Macht ringenden Prole- tariat mißt." Wo ist da die Methode des Klassenkampfes hin- geraten? Kann ein einzelner Konflikt, sei es ein Endkonflikt oder ein anderer, jemals identifiziert werden mit dem Klassen- kämpf? Das scheint allen Ernstes die Meinung des„Vorwärts" zu sein, denn weiter unten führt er aus: „Der realistische, revolutionäre Generalstreik, der in be- stimmter Situation möglich ist, verflüchtigt sich bei der Genossin Roland-Holst in den, wenn nicht utopistischen, so doch spekulativen Generalstreik, des großen Zusammenbruchs, der Entscheidungs- schlacht, der dann ebenso notwendig angewandt werden muß, wie der Endkonflikt selbst unvermeidlich ist. Damit aber wurde e i n Mittel des Klassenkampfes zu d e m Mittel des Klassenkampfes— das ist der klaffende Widerspruch des Werkes." Wer das nicht begreift, dem ist nicht zu helfen. Da wir nicht erwarten dürfen, daß alle unsere Leser daS Buch der Genossin Roland-Holst kennen, wollen wir versuchen, ihnen seinen Gedankengang in einfachen Sätzen klarzulegen und zu zeigen, was hinter dem„realistisch-revolutionären" und dem„wenn nicht utopistischcn, so doch spekulativen" Generalstreik eigentlich steckt. Genossin Roland-Holst untersucht in ihrem Buche zuerst die ver- schicdenen Arten von Streiks und dann Ziel und Formen sowie Voraussetzungen des politischen Massenstrelks. Sie zeigt, daß diese Art Streik allerdings möglich ist, jedoch nur selten, in be- stimmten geschichtlichen Situationen. Ist er aber auch nötig? Das ist die Frage, die sie nun untersucht. Aus der fortschreitenden Ver- schärfung der Klassengegensätze schließt sie, daß in dem Maße, in dem das Proletariat an Kraft zunimmt und die demokratischen Rechte immer mehr zu Angriffswaffen gegen das Kapital zuspitzt, daß in demselben Maße in den herrschenden Klassen die Geneigtheit wächst, dem Proletariat diese demokratischen Rechte zu nehmen, und daß, wenn es so weit kommt, dem Proletariat als einziges letztes Mittel, diese Rechte zu verteidigen oder, wo sie verloren gegangen, wieder zu erobern, der politische Massenstreik bleibt. Dies der Inhalt des Buches der Genossin Roland-Holst. Man sollte meinen, es sei unmöglich, ihn mitzzuverstehen. so einfach und klar ist er. Und ebenso sollte man annehmen, daß der Weg klar ist, auf dem allein man ihre Schlußfolgerungen widerlegen könnte. Wer das wollte, müßte nachweisen, entweder daß die Verschärfung der Klassen- gegensätze nicht eintritt oder daß dem Proletariat außer den demo- kratischen Rechten und dem Massenstreik noch andere Mittel des politischen Kampfes zu Gebote stehen. Aber freilich, es dürste etwas schwer fallen, diese Nachweise zu führen. Der„Vorwärts" schlägt einen anderen Weg ein. Zunächst wird der Gedankengang des Buches etwas ins Lächerliche verzerrt. Er läßt die Genossin Roland-Holst den Massenstreik als Waffe im „E n d k o n f I i k t" mit der Bourgeoisie hinstellen und spricht von „ihrem revolutionären, universalen Endstrei k". Das riecht allerdings nach lächerlichem Utopismus: wer vermöchte auch über die Endkonflikte im proletarischen Klassenkampf etwas zu sagen? Aber ich kann mich nicht entsinnen/diese Worte im Roland-Holstschcii Buche gesehen zu haben, konnte sie auch trotz eifrigsten Suchens nicht finden; sie widersprechen aber ganz dem Gedankengange der Ver- sasscrin, die ausdrücklich den Massenstreik als eine Waffe bezeichnet, „die die Arbeiterschaft ihrem Ziele— der Eroberung der politischen Macht als Hebel zur Umgestaltung der kapitalistischen in eine sozia- listische Gesellschaft— näher bringen kann."(S. 161.) Das ist etwas ganz anderes als die Waffe im«End- k o n f l i k t", als der„universale E n d st r e i k". Aber das ist nur Nebensache, die Hauptsache der„klaffende W i d e r s p r u ch", den zu begreifen mir unmöglich war und auch heute noch unmöglich ist. Dieser Widerspruch wird auf folgende kunstvolle Art konstruiert: Das Buch untersucht zuerst die Mög- l i ch k e i t, dann die Notwendigkeit des Massenstreiks. Diese Betrachtung derselben Art Streiks von zwei verschiedenen Gesichts- punkten aus verwandelt der„Vorwärts" im Handumdrehen in zwei verschiedene Arten Streiks, denen er gleich höchst gelahrte Namen beilegt: hier den„realistischen, revolutionären General- streik", der in bestimmten Situationen möglich, und dort den „wenn nicht utopistischen, so doch spekulativen Generalstreik", der „ebenso notwendig ist wie der.Endkonflikt'". Daß das Buch diese beiden Arten Streiks einander gleichsetzt, darin soll der große, klaffende Widerspruch liegen, der Grundfehler des ganzen Büches, im Reichstag immer insofern mit der Revolution„gedroht", daß wir allerdings den legalen Boden verlassen würden, wenn russische Au- stände bei unS einträten. DaS haben wir niemals„wissenschaftlich" gemeint, sondern als sehr konkrete Möglichkeit— ohne daß irgend eine staatsanwaltliche Phantasie sich erhitzte. Das Recht zu drohen haben wir also und es ist gut. auch daS gelegentlich auszuspreche». Eine politische„Wissenschaft" aber, hinter der nicht die politische„Tat" steht, ist in Wirklichkeit leeres Geschwätz. Und in diesem Sinne gerade, weil wir gar nichts„Staatsanwaltliches" hinter diesen wissenscbastlich- revolutionären Drohungen sehen, weil die Frage des Generalstreiks, wie sie von Kautsky erörtert wird, aus einem ernsten aktuellen Problem zu einer vagen spekulativen Möglichkeit wird, haben wir ans revolutionärer Gesinnung heraus das n n e r n st e Schwatzen darüber als unnötig provozierend abgelehnt. Auch das ist älteste Parteitradition. Wer die Parteitags-Protokolle studiert, der findet überall derlei„ethisch-ästhetische" Stellen: man lese das überhaupt gerade heute sehr lebendig gewordene Erfurter Protokoll.— Die Kautskysche Unterstellung, daß wir die Revolution verhöhnt hätten. weshalb ihm die Schamröte ins Gesicht gestiegetr, ist in seiner Antwort völlig verschwunden. Schon das Schweigen ist ein an- nehnibares Geständnis des Unrechtes. Würden wir ökonomisch wie Kautsky reden, so würden wir von„Polizcifiagen" K.'s reden. Unsere Antwort war, denken lvir, deutlich genug. Redet man mit uns russisch, so antworten wir russisch. Und in Rußland ist der Generalstreit, wie man weiß, nur ein Mittel, vielleicht sogar nicht einmal das wirksamste. die Ursache„der heillosen Verwirrung, die es hier und dort angerichtet Hot", wie der„Vorwärts" sagt. Ich bin der letzte, diese„heillose Verwirrung" zu bestreiten. Und ebensowenig will ich bestreiten, daß hier in der Tat ein „klaffender Widerspruch" vorhanden ist, wenn auch nicht im Buche, so doch in dem„selbständigen Kopfe" seines Kritikers. Der Widerspruch liegt darin, daß der Nachweis der Möglich- keit des Massenstreiks den„Vorwärts" gar nicht geniert, daß ihn dagegen der Nachweis höchlichst empört, wie die Klassengegensätze sich immer mehr zuspitzen und die herrschenden Klassen infolgedessen dem Proletariat seine Rechte immer mehr verkümmern, so daß dieses nach neuen Kampfmitteln ausschauen muß, von denen nur eines Erfolg verspricht, der Massenstreik. Dieser Nachweis der Notwendigkeit des Massenstreiks erbittert ihn; aber was kann er dagegen sagen? Widerlegen kann er ihn nicht. So muß er versuchen, die Methode dieses Nachweises zu verdächtigen. Die theoretische Untersuchung der kommenden Entwickclung wird zuerst als„Drohung mit der Revolution" gc- brandmarkt, dann als„Träumerei und Spielerei", dann als Gerede von„W e n n u n d A b e r", als„m y st i s ch e M a t h e- mati k", als„V e r k o p p e l u n g der Idee des Generalstreiks mit der Zusammenbruchstheorie" verhöhnt, bis schließlich der„selb- ständige Kopf" sich in den famosen Satz verrennt:«Die spekulative, wie immer aus dem Boden der wissenschaftlichen Erkenntnis über Entwickelungcn der Dinge erwachsene Tatsache stellt sich lauter Un- denkbarkeiten vor." Weiter kann man den„philosophischen" Gallimathias nicht mehr treiben.') In Wirklichkeit ist gerade das, was dem„Vorwärts" als „Träumerei und Spielerei" und«mystische Mathematik" erscheint, dasjenige, was dem Massenstreik heute seine Bedeutung gibt. Die Möglichkeit des politischen Massenstreiks in bestimmten Fällen ist seit einem Dutzend Jahren, seit dem belgischen Beispiel erwiesen. Allgemeine Bedeutung hat aber seine Theorie und Praxis erst in den letzten Jahren erlangt, seitdem die Anzeichen sich häuften, daß die Klassengegensätze sich zuspitzen und die Aussichten auf eine fried- liche EntWickelung sich immer mehr verdüstern. Eine Diskussion des Massenstreiks wäre heute ganz unzu- länglich, sie würbe aller sicheren Grundlage entbehren, baute sie sich nicht auf den Nachweis der Zuspitzung der Klassengegensätze und deren Konsequenzen auf. Von diesem logischen und notwendigen Zusammenhang hat freilich der„Vorwärts" keine Ahnung, der es fertig bringt, ihn als eine äußerliche und überflüssige„Ver- k o p p e I u n g" zweier Ideen, die gar nicht zusammengehörten, hinzustellen. Es ist charakteristisch für ihn, daß er dabei die Theorie der Verschärfung der Klassengegensätze nach revisionistischer Unsitte als„Zusammenbruchstheorie" bezeichnet. Die Revisionisten haben nämlich diese Theorie in einer lächerlichen Form dargestellt, die sie Zusammenbruchstheorie tauften und uns in die Schuhe schoben. Schlimm genug, wenn unser Zentralorgan für Untersuchungen über den Zusammenhang von Massenstreik und Verschärfung der Klassengegensätze nichts übrig hat, als Widerwillen und Verständnis- losigkeit. Die Methode, die es dabei so arg verhöhnt, ist keine andere als die im„K o m m u n i st i s ch e n Manife st" begründete. Wer die Schrift der Genossin Roland-Holst so auffaßt wie der„Vor- wärts", kann das„Kommunistische Manifest" und seine Methode nie begriffen haben. Das erhellt aber auch deutlich aus der Art und Weise, wie der „Vorwärts" schließlich beweist, daß für die Genossin Roland-Holst trotz ihres Protestes dagegen der Massenstreik«die Methode des Klassenkampfes"�. Er schreibt: „Gerade in diesem revolutionären, universalen Endstreik gipfelt die Tendenz des Buches. Und das ist auch ganz konsequent. Kommt es notwendig und überall zu gewaltsamen Entscheidungs- kämpfen, so ist eben der politische Streik daS Mittel, die Form des Klassenkampfes, und alles andere, wie zum Beispiel der Parla- mentarismus, verflüchtigt sich zu einer Bedeutungslosigkeit— er verschwindet, sobald er ernsthaft wird—. daß man tat- sächlich dann zu der anarchistischen Konsequenz gedrängt werden kann, ob es überhaupt lohne, diesen mühsamen und nutzlosen Umweg zu machen, ob sich der Weg nicht abkürzen lasse durch die direkte Aktiv n." So zu lesen im Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie. Aber freilich, daran ist nicht zu zweifeln. AuS den Voraussetzungen der Genossin Roland-Holst, daß die Klassengegensätze sich verschärfen, daß die demokratischen Rechte immer gefährdeter sind. immer drohender die Notwendigkeit des Massenstrecks auftaucht— aus diese» Voraussetzungen kann man sich gedrängt fühlen. anarchistische Konsequenzen zu ziehen, aber nur dann, wenn man keine Ahnung von ökonomisch-materialistischem oder, wenn man lieber will, marxistischem Denken hat. Für uns Marxisten ist der Massenstreik wie jene andere Form des Kampfes an bestimmte hi st arische Voraus- setzungen geknüpft, die in letzter Linie in den ökonomischen Ver- Hältnissen wurzeln. Ohne diese Voraussetzungen ist seine erfolg- reiche Anwendung unmöglich, und Sache der wissenschaftlichen For- schung und der Parteidiskussion ist es eben, herauszufinden, wann diese Voraussetzungen gegeben und zu erwarten sind. Wer auf diesem Standpunkt steht, kann sich unmöglich„zu der Konsequenz gedrängt fühlen", den Weg der notwendigen EntWickelung dieser Voraussetzungen nach eigenem Belieben abzukürzen, der kann auch unmöglich den Weg dieser EntWickelung für einen«mühsamen und nutzlosen Umweg" halten, der weiß ganz gut, daß gerade die eifrigste Ausnutzung der jetzigen politischen Rechte durch das Proletariat einer der wichtigsten unter jenen Faktoren ist, die erst die Voraussetzungen des Massenstreiks schaffen. Man muß völlig bar sein jeder Denkweise, die im„Kommu- nistischen Manifest" begründet ist, wenn man behauptet, die Voraus- setzungen der Genossin Roland-Holst könnten zu anarchistischen Kon. sequenzen drängen oder, wie der„Vorwärts" früher sagte, die „Schrift nähert sich auf halbem Wege der anarchistelnden Auffassung des Generalstreiks". °> Wenn Kautsky so freundlich gewesen wäre, die dem angeführten Satz vorhergehenden und nachfolgenden Sätze mitzuteilen, wäre er über den Gallimathias nicht gestolpert; denn er hätte sofort den Sinn dieses ganz augenscheinlich durch einen Druckfehler korrumpierten Satzes ergründen können. Es muß richtig heißen: „Die spekulative, wie immer auf dem Boden der wissenschaftlichen Erkenntnis über Entwicklung der Dinge erwachsene Taktik snämlich des KautSkyschen Endstreits) stellt sich lauter Undenkbarkeiten vor." Dieser formell allerdings etwas kontrahierte Satz bedeutet, mehr auseinandergefaltet: Wer aus der wissenschaftlichen Erkenntnis über die Tendenzen der Entlvicküingen spekulativ zugleich auch das taktische Mittel des Kautskysche» Generalstrecks als notwendig folgert und annimmt, der erkennt, bei dem Durchdenken dieses Mittels, die weiterhin ausgeführten.Undenkbarkeiten'. Im Zusammenhang ist, wie gesagt, der Gedanke ganz klar. Welche Oekvnomie im Kampfe mit uns! Selbst ein für jeden erkennbarer Druckfehler ist für Kautsky eine triumphierende Waffe. Im übrigen können wir die Leser nur bitten, unsere Ausführungen im Zusammen- hange zu lesen— sie mögen dann entscheiden, bei wem die Klarheit her Problenistellung ist: Ob bei unS, die wir eine fruchtbare DiS« kussion des Generalstreiks nur unter dem Gesichtspunkt für denkbar halten, daß wir die Möglichkeit des Mittels für unsere drängende aktuelle politische Situation erwägen, oder ob bei Kautsky, der die dcreinftige dunkle Notwendigkeit aus der Zu- spivuugölheorie ableitet. Unö scheinen die Verhältiiisse schon heute gerade genug zugespitzt, und wir brauchen wahrhaftig nicht in Ivette Fernen zu schweifen, um die bedeutsame Möglichkeit gegen eine ivelulative Notwendigkeit einzuhandeln. Indem der„Vorwärts" diese Konsequenz zieht und immer wieder hervorhebt, beweist«r damit nur, wie nahe ihm jene Denkweise liegt, die diese„anarchistelnden" Konsequenzen und Auffassungen erzeugt. Und in der Tat, wenn man näher zusieht, so wird man finden, dah die ethisch-ästhetische Denkweise der„selbständigen Köpfe" des„Vor- wärts", die sich von„Marxschem Dogmatismus"') frei zu halten gc- wüßt, verteufelte Aehnlichkeit hat mit der Anschauung Friede- b e r g s von dem psychischen Antrieb, den psychischen Ein- Wirkungen, die Fnedebcrg als selbständige Macht neben die ökono- mische EntWickelung setzt. Daraus erhellt ahxr auch die Aktualität unserer Diskussion und ihre sachliche Bedeutung. Wenn es Friedeberg gelingt, in der Berliner Arbeiterschaft einen so starken Resonanzboden zu finden, so wird es eine sehr praktische Frage, ob der„Vorwärts" in seiner jetzigen Gestalt das richtige Mittel ist, ihm entgegenzuwirken. Nicht etwa, daß ich nun meinerseits den„Vorwärts" beschuldigen wollte, er huldige„anarchistelnden Tendenzen" und ziehe„an- archistische Konsequenzen". Nicht im entferntesten. Aber wenn wir Friedebergs Erfolge verstehen wollen, müssen wir zweierlei unter- scheiden: einmal sein revolutionäres Temperament, das einem tiefgehenden revolutionären Drange der Arbeitermassen entspricht, der aus den Verhältnissen entspringt, daher unausrottbar ist, sich immer mehr verstärken mutz; und dann seine theoretische Konfusion, die die Notwendigkeit der Zusammenhänge zwischen Politik und Oekonomie nicht begreift und glaubt, sie durch die Kraft seines psychischen Antriebs überspringen zu können. Tritt man Fricdebergs revolutionärem Drange entgegen, wird man nie mit ihm fertig, schafft man ihm nur Triumphe. Dagegen ist es keineswegs aussichtslos, dem Proletariat die theoretische Kon- fusion klar zu machen, an der Friedeberg leidet. Das ist aber eine mühsame Arbeit, die nur von Köpfen geleistet werden kann, die sich in unsere Theorie völlig eingelebt haben und imstande sind, die Klarheit, die sie selbst erreicht haben, auch anderen mitzuteilen. Im„Vorwärts" aber herrscht die Abneigung gegen den revo- lutionären Drang, Friedebergs starke Seite, uno dafür lieberem- stimmung mit ihm in der Denkweise, in der Ueberschätzung des „psychischen" oder„ethischen" Faktors, also Uebereinstimmung mit ihm in der Grundlage der theoretischen Konfusion, seiner schwachen Seite.� Mögen die„selbständigen Köpfe" des„Vorwärts" noch so viel über Friedebergs Konfusion zetern, sie können sie nicht ausreichend widerlegen, weil sie in demselben Grunde wurzelt wie ihre eigene Denkweise. Sie werden Friedeberg stets am unrechten Ende anpacken und die revolutionären Massen nie von der Irrigkeit seiner An- schauungen überzeugen.') 3. Mein Anarchismus. Nachdem der„Vorwärts" aus der Schrift der Genossin Roland- Holst glücklich zu anarchistischen Konsequenzen gelangt, vollzieht er das gleiche Experiment im nächsten Artikel an mir. Hier hört er auf, in der Defensive zu bleiben, kühn ergreift er die Offensive und er- klärt mich für einen Parteischädling. Er preist es„als ein wirkliches Glück für die Partei, daß die„Neue Zeit" nicht ent- fernt den Einfluß auf die Massen hat, den sie von Rechts wegen haben sollte". Denn meine„resignierten Auffassungen könnten, wenn sie in der Partei Beachtung finden würden, logisch nur zu zweierlei Richtungen führen",„links zu den„antiparlamentarischen A n a r ch i st e n", rechts zu den Nurgewerkschaftler n". So säe ich„Verwirrung und S ch ä d i g u n g". Diese wutschnaubende Philippika hat mich nun nicht etwa mit gleicher Wut erfüllt, sondern ich habe sie als ein nützliches, auf- klärendes Gewitter empfunden. Nach diesen Ausführungen ist es'dem „Vorwärts", wenn er ein bißchen auf Logik hält, nicht mehr möglich, zu erklären, wie er seit Jahr und Tag tut: zwischen uns beständen keine sachlichen Gegensätze, sondern nur persönliche Reibereien.') Hier hat der„Vorwärts" selbst aufgedeckt, daß zwischen ihm und mir— und ich darf wohl sagen uns Marxisten— ein„klaffender Widerspruch" existiert, sachliche Differenzen von der größten Bedeutung. Hat ter„Vorwärts" recht, dann ist er nicht bloß berechtigt, sondern verpflichtet, solche Parteischädlinge, wie wir Marxisten infolge unserer verwirrenden und irreführenden Anschauungen sind, auf das ent- schiedcnbste zu bekämpfen, den Parteischädlingen selbst aber muß das Recht und die Möglichkeit entzogen werden, im Namen der Partei zu sprechen. Hat aber der„Vorwärts" unrecht, sind alle seine so schweren Beschuldigungen unbegründet, dann beruhen sie bloß auf der Un- fähigkeit, mich zu verstehen. Doch das Urteil über den„Vorwärts" überlasse ich am besten den Genossen. Stimme ich nun dem„Vorwärts" darin zu, daß ich mit ihm tiefgehende sachliche Gegensätze zwischen uns sehe, so weiche ich doch gleich darin ab, daß ich diese Gegensätze ganz wo anders suche als er. Er will„Wandlungen" bei mir entdeckt haben, die mich den Anarchisten nähern und ihnen Vorschub leisten. Ein schwerer Vor- Wurf, den unser Zcntralorgan sicher nicht wagen wird ohne ein er- drückendes Beweismaterial. Wenigstens qualitativ erdrückend, denn quantitativ ist es etwas spärlich. Es enthält nur eine einzige Tatsache. Aber freilich«ine gewichtige:!— meine„Kompaniearbeit mit dem Halbanarchisten L a b r i o l a ließ schon merk- würdige Wandlungen ahnen." Du ahnungsvoller Engel du l Da nicht alle Parteigenossen im- stände sein werden, zu„ahnen", welche Verruchtheit ich mit dem „Halbanarchisten" ausgeheckt, sei sie hier enthüllt: Artur Labriola, Mitglied unserer italienischen Bruderpartei, be- weitete für deren Kongreß im Frühjahr 1304 eine Resolution vor, die er mir zur Begutachtung übersandte. Ich besitze nicht eine Abschrift meiner Antwort, erinyere mich nur so viel, daß ich ihm riet, einige Stellen, die anarchistisch klangen, im sozialdemokratischen Sinne zu ändern. Das ist eS. was die„selbständigen Köpfe" des«Vorwärts" eine „Kompaniearbeit" mit einem„Halbanarchisten" zu nennen belieben. Basilio hätte die Benennung nicht seiner erfinden können.") Dafür ') Wer hat vom„Marxschen Dogmatismus" gesprochen? Das ist— Kautsky würde sagen— wieder ein Polizeikniff. �) Der„Vorwärts" hat drei Artikel über den Anarcho- Sozialismus gebracht— alle drei von der e.-ä.-Richtung. Wäre es nicht besser, wenn Kautsky statt seiner allgemeinen Spekulation über die ihm jetzt unsympathischen Redaktenrshirne an diesen drei praktischen � Beispielen, die ihm vorliegen, den Beweis für unsere Abweisung des „revolutionären Dranges" und die Hinneigung zur„theoretischen Konfusion" zu versuchen! 0) Das haben wir nie behauptet. Wir haben ja gerade des öfteren die Abirrungen Kautskys zu unseren bisherigen Auffassungen zu korrigieren gesucht, so seine seltsame Anwandlung, daß in der Monarchie(deutschen Stils) der Klassenkampf verschleierter sei als in der demokratischen Republik. ") Basilio ist der Typus eines schmutzigen und niedrigen Ver- leumders. So beliebt Kautsky uns zu benennen, weil wir ihn der ' Mitarbeit oder Kompaniearbeit am Labriolaschen Programm„be- schuldigt" haben. Was darin Verleumderisches läge, selbst wenn wir uns geirrt hätten, vermögen wir nicht zu ergründen. Aber Kautsky selbst gibt ja diese Mitarbeit zu. Er hat„nur" ein paar anarchistisch klingende Sätze aus dem Entwurf zu entfernen geraten. Welchen Wert hat nun diese Mitarbeit Kautskys? Im„Vorwärts" vom 8. April 1904 berichtete unser römischer Korrespondent: Labriola habe seine in Brescia angenommene Tagesordnung„auf Anregung des Genossen Karl Kautsky in mehreren Punkten modifiziert". Daraus ist zu schließen, daß die von Kautsky, weil„anarchistisch klingend", beanstandeten Stellen entfernt worden sind, so daß die in Bologya glänzend durchgefallene Resolution Kautskys Segen hatte. Diese von Kautsky modifizierte Resolution aber ist für unsere deutschen sozialdemokratischen Ohren immer noch anarchistisch klingend, zumal sie den Parlamentarismus nur als Agitations- und Demonstrationsmittel auffaßt, von dem Appell an die Gewalt ganz abgesehen. Es ist ja charakteristisch, daß diese Labriolasche, von Kautsky redigierte Resolution bei unserer ita- lienischen Bruderpartei, auch bei ihrem radikalen marxistischen Flügel, keinerlei Anhang fand. Kautsky mag die Erinnerung an diese verlorene Liebesmühe unangenehm sein— aber wer ist nun Basilio? hat aber auch K. E. einen sehr erbaulichen Sermon im„Vorwärts" über guten Ton und schlechte Logik veröffentlicht, in dem er sehr eindringlich von den verheerenden Wirkungen der Verleumdung»- freiheit zu handeln wußte. Was der„Vorwärts" sonst noch vorbringt, um meine Ver- worrenheit und Schädlichkeit darzutun, ist eine Deutung eines einzigen Satzes. Daraus wird folgende Anklage formuliert: „Was tut Kautsky Um das neue— sollen wir bloß sagen Diskussionsthema— Kampfmittel des Generalstreiks zu empfehlen, verdunkelt er den elementaren Wert politischer Rechte. Es ist wahrhaft empörend, mit welcher kalkulatorischen Ruhe Kautsky(Nr. 42 der„Neuen Zeit") von den Wahlrechts- attcntaten in Hamburg und Lübeck spricht. Er hält es für die größte Torheit,„wollte man heute in Hamburg zur Verteidigung des dortigen Wahlrechtes einen Massenstreik inszenieren! Den Massenstreik für eine einzelne Stadt; das Aufgebot der letzten und schärfsten Waffe des Proletariats, die seine vollste Hingebung und seinen höchsten Opfermut erfordert, bloß zu dem Zweck, um das jetzige, schon miserable Klassen wähl- recht gegen weitere Verschlechterungen zu schützen"!" Diese meine Worte, deren letzte der„Vorwärts" mit fettem Druck hervorhebt, entfesseln nun einen Wasserfall ethischer Ent- rüstung über mein unglückliches Haupt, das„kaufmännisch kalkuliert" und„buchmäßig rechnet", statt mit„Löwenstimme" zu brüllen. Ich kann's dem„Vorwärts" eben nie recht machen. Eben wirft er mir Drohen mit der Revolution und reichliches Reden vor, dann wieder krämerhaften Opportunismus. Ich werde meinen Gedankengang und dann den des„Vorwärts" wiedergeben. Wir sehen da so klar wie noch nie den Gegensatz der materialistischen und der ethischen Denkweise. Der„Vorwärts" wirft mir vor, ich hätte, um den Generalstreik zu empfehlen, den Wert der politischen Rechte verdunkelt und mit Gleichgültigkeit von den Wahlrcchtsattentatcn in Hamburg und Lübeck gesprochen. In Wirklichkeit habe ich keine Silbe gesagt, die den Wert der politischen Rechte verdunkeln konnte, schon deswegen, weil ich von diesem Werte garnichtsprach. Der Satz, den der „Vorwärts" mir vorwirft, erhält einen ganz anderen Sinn, als er mir unterschiebt, wenn man ihn im Zusammenhange liest. Ich erkläre: „Unter den besonderen politischen Verhältnissen Deutschlands ist ein erfolgreicher Massenstreik nur denkbar in einer revolutionären Situation, und wäre es darum aussichtslos, ja verderblich, wollte man ihn anwenden in einer Situation, die zu einer revolutionären nicht werden kann. Es wäre zum Beispiel die größte Torheit, wollte man heute in Hamburg zur Verteidigung des dortigen Wahlrechts einen Massenstreik inszenieren" usw. Ich frage, wo ist da ein Wort, das geeignet wäre, den Wert der politischen Rechte zu verdunkeln? Sage ich, das Hamburger Wahl- recht sei eine gleichgültige Sache? Ich untersuche den Wert des Wahlrechts gar nicht, spreche nicht davon, nicht, weil er mir geringfügig erscheint, sondern weil es mir überflüssig erschien, über eine selbstverständliche Sache zu reden. Ich untersuchte also nur, was zweifelhaft, die Aussichten eines Massenstreiks, um das Hamburger Wahlrecht zu retten. Und da fand ich nach„kauf- männischem" Abwägen, daß er eine Torheit wäre, denn unter den heutigen Verhältnissen Deutschlands kann nicht in einer ein- zelnen Stadt der Massenstreik siegen, ohne ein Eingreifen der Reichsregierung nach sich zu ziehen. Der Kampfpreis sei aber, bei aller Bedeutung des Wahlrechtes, doch kein solcher, daß man um seinetwillen eine sichere Niederlage riskieren dürfe. Das war meine„empörende",„buchmäßige",„kaufmännische", materialistische Kalkulation. Ganz anders der„Vorwärts". Hören wir seinen ethischen Wasserfall dröhnen: „Heißt das die Arbeiter politisch und theoretisch aufklären, wenn man die hanseatische Wahlrcchtssrage lediglich unter dem Gesichtspunkt eines opportunistischen Krämers be- trachtet, ob das künftige Wablrccht gegenüber dem bestehenden einen mehr oder minder großen Nachteil leidet, ja ob vielleicht bei der Endrechnung noch ein kleiner Ueberschuß Herausgewirt- schaftet werden könnte? Ganz abgesehen davon, daß es sich ja nicht . um den Schutz des bestehenden, sondern um den Kampf für das in unserem Programm geforderte Wahlrecht handelt, wie darf ein wissenschaftlicher Führer der Sozialdemokratie die politischen Rechte als eine kaufmännische Kalkulation behandeln, statt dem Proletariat mit Löwen st imme den ersten Grundsatz seiner geschichtlichen Aufgabe immer wieder aufs neue ins Gewissen zu rufen: Es gibt keine größere Verletzung der Würde der Prole- tarier, als politische Rechte sich rauben, als politische Entrechtung sich gefallen zu lassen. Ein unsühnbarcs Kapital- verbrechen an dem Proletariat ist der Wahlrechtsraub in den Hansastädten, er ist eine schamlo'� Verhöhnung des Proletariats.... Die in Hamburg.. o Lübeck eingeführte Methode des kontingentierten Wahlrechtes ist eine Politik gegen — Aussätzige. Kautsky aber findet den Vorgang kaum eines Wortes der Empörung wert.... Wir verstehen unter dem Studium des politischen Streiks, daß eine Dreimillionenpartei im Kampfe um politische Rechte nicht buchmäßig rechnen und nicht in die Ferne spekulieren dürfe, sondern daß sie, wenn es gilt, auch Niederlagen wagen müsse. Nichtswürdig ist das Volk, das nicht sein Alles setzt in seine Rechte" usw. Also vorwärts, los, wer wird noch in feigem Opportunismus buchmäßig rechnen. Wir müssen Niederlagen wagen, wollen wir uns nicht der ärgsten Nichtswürdigkeit schuldig machen! Drauf und dran zur Aktion! Gemach, gemach, so ist die ethische Entrüstung nicht gemeint: „Wir reden kein Wort darüber," sagt der„Vorwärts" in dem- selben Artikel,„ob man in Hamburg und Lübeck hätte einen Ge- neralstreik machen sollen." Darüber, über die Hauptsache, kein Wort! Aber hunderte, um mit Löwenstimme sich zu entrüsten. Und dieses sich Entrüsten mit Löwcnstimme gilt als die Hauptaufgabe eines„wissenschaftlichen Führers der Sozialdemokratie" bei dem „Studium des politischen Streiks". Eine Untersuchung darüber, ob und wie eine Aktion möglich sei, wird als erbärmliches, empörendes kaufmännisches Kalkulieren bezeichnet. Auf das Handeln kommt es dem Ethiker nicht an, nur auf das moralische Verurteilen. Die Hauptaufgabe ist, große Worte prägen, an denen man sich berauschen kann. Tann hat man seine Pflicht getan und geht ruhig schlafen. Nachdem der Wasserfall gehörig gedonnert und Schaumblasen geworfen, plätschert man wohlgemut im alten Sumpfe weiter. Und wenn ein Mann kommt wie Friedeberg, der den Wasserfall mit seinem Donnern und Schäumen ernst nimmt und zum Treiben einer Mühle einrichten will, wird man wieder einmal moralisch entrüstet und schreit mit der bekannten Löwenstimme: Hinaus mit dem Ruhestörer! Für praktische Zwecke ist unser ethisches Gewässer nicht da.") Hier hat die ethische Methode der selbständigen Köpfe des„Vor- wärts" sich in klassischester Gestalt gezeigt, und darum war es wohl am Platze, sie eingehender zu charakterisieren. Deutlicher konnte es nicht zutage treten, wie absolut unfähig diese Methode ist, unsere, die materialistische, mit der„empörenden kalkulatorischen Ruhe", zu begreifen. Soll ich nach alledem noch weiter mich gegen den Vorwurf unseres Zentralorgans verteidigen, daß ich mich im anarchistischen Sinne gewandelt habe? Soll ich ausführlicher darlegen, daß ich nie eine Zeile ge- schrieben, um die Notlvendigkeit und Bedeutung der politischen Rechte zu verkleinern, daß das, was der„Vorwärts" als solches ansieht, nichts ist als eine Erklärung des tatsächlichen Nieder- ") Wir können nur wieder bitten, unsere Darlegungen nach- zulesen. Man wird dabei gewahren, daß Kautsky die Hauptsache abermals vergißt— nämlich unseren Hinweis, daß er, so viel an ihm lag, die ganze Generalstreiks-Dcbatte entwertet hat, weil er der. wichtigsten Zweck, den sie hat, die Sicherung des Reichs- tags- Wahlrechts, im voraus dreiviertel tot schlug. ganges und der tatsächlichen Machtlosigkeit des deutschen Reichstags? Soll ich darauf hinweisen, daß Marx in diesem Sinne noch viel „anarchistischer" gewirkt, der das Wort vom parlamentarischen Kretinismus prägte und zum Beispiel im Jahre 1343 der Frank- furter Nationalversammlung, namentlich ihre Linke,� aufs grausamste wegen ihrer Impotenz verhöhnte? Soll ich auf Engels verweisen, der 1891 beifällig Liebknechts Worte zitierte, daß der deutsche Reichs- tag nichts sei als das Feigenblatt des Absolutismus? Soll ich daran erinnern, daß K. E. vor einem Jahre dieselben Vorwürfe wie gegen mich gegen Jules Guesde richtete, von dem er behauptete, „GuesdeS Konsequenz ist der völlige Verzicht auf den Parlamentaris- mus", Guesde müßte sich, wäre er in Deutschland, unter„an- a r ch i st i s ch e n E i n g ä n g e r n" verlieren? Soll ich daran er- innern, daß Guesdes Auffassung der bürgerlichen Republik, die K. E. so empörte, jene Auffassung ist, die Marx 1843 nach der Juni- schlacht bekannte, dann wiederholt aussprach und die seitdem zur Gesamtauffassung der Marxisten geworden ist? Nein, ich glaube, wie immer man über meine Leistungen denken mag, ich habe es nicht notwendig, auf solche Argumente solchen Kritikern gegenüber noch lange auseinanderzusetzen, welche Bedeu- tung ich den politischen Rechten für den Emanzipationskamps des Proletariats beimesse. Aber ich verüble es den„selbständigen Köpfen" des„Vor- wärts" nicht, wenn sie mir anarchistelnde Wandlungen vorwerfen. Sie kleben an der Bewunderung der demokratischen Formen und vermögen ihre proletarische von ihrer bürgerlichen Art nidjt scharf zu scheiden. So erscheint ihnen alles„anarchistisch", was Ztritik des bürgerlichen Parlamentarismus, der bürgerlichen De- mokratic, der bürgerlichen Republik bedeutet. So müssen sie gerade in den entschiedensten Marxisten mehr oder weniger an- archistische Elemente sehen, einmal in Guesde, dann in der Genossin Roland-Holst, jetzt in mir, morgen vielleicht in der Genossin Zetkin. So wenig ich ihnen das verüble, so sehr stimme ich ihnen darin zu, daß ein„klaffender W i d e r s p r u ch" zwischen uns be- steht, der sich durch nichts verkleistern, durch nichts überbrücken läßt. Aber es ist unmöglich, daß zwischen den beiden Zcntralorganen der Partei ständig ein so tiefer Gegensatz bestehen bleibt. Die Partei müßte darunter aufs schwerste geschädigt werden. Sie leidet heute schon unter ihm. Ihn zu beseitigen ist dringend notwendig. An der Partei ist es daher, sich jetzt zu entscheiden für die malermlistische oder die ethische Methode. � Wir haben uns begnügt, nur ein paar sachliche Richtigstellungen in Fußnoten hinzuzufügen. Wir reden an einander vorbei. Ein Ertrag ist bei dieser Diskussion daher undenkbar. Wenn aber Kautsky die Partei schließlich auf die Schanzen ruft, um sich zu entscheiden, ob sie unsere„ethische" oder die„materialistische" Methode der„Neuen Zeit" wählen wolle, so sind wir nicht so un- bescheiden, von Kautsky zu verlangen, daß er durchaus unsere Methode befolgen müsse, von der wir überzeugt sind, daß sie die b i s- herige Methode der Partei ist. Wir sind schon zufrieden, wenn er uns nur gelegentlich richtig zitiert I Soziales. Wie die Landsklaven OstelbicnS geknebelt werden. In dem Dorfe R e i b n i tz, Kreis Hirschberg in Schlesien, sollte die Stieftochter eines Schlossermeisters in eine Zwangserziehungs- anstalt gebracht werden. Zu diesem Zwecke machte sich der Amts- Vorsteher des Ortes, Rittergutsbesitzer Kellner, nebst dem Amtsdiener und zwei polnischen Arbeitern, die mit Stricken bewaffnet waren, auf den Weg, um das Mädchen abzuholen. Auf erfolgtes Klopfen wurde die Haustür geöffnet, als der Schlossermeister aber den vom Amtsvorfteher verübten Aufzug sah, geriet er begreiflicher- weise in große Erregung. Er meinte, der Amtsvorsteher habe doch auch Kinder und könne es ihm auch noch einmal so gehen, wie er jetzt die Leute ins Unglück bringe. Wegen dieser„Beleidigung" wollte der Amtsvorsteher den Schlossermeister verhaften und abführen lassen. Letzterer weigerte sich mitzugehen und nun gab der Ortsvorsteher den polnischen Arbeitern den Befehl, ihn mit den Stricken zu binden. Von den Arbeitern wurde ihm dabei ziemlich übel mitgespielt; man drückte ihm die Kehle zu, daß ihm ganz schwarz vor den Augen wurde. Erst als die Frau des Schlossermeisters dazukam und inständig fiir ihren Mann bat, wurde von dem Binden und Abführen Abstand genommen. Die Fortschaffung des Mädchens ging dann ohne weitere Zwischenfälle vonstatten. Der Amts- Vorsteher stellte jedoch Strafantrag wegen Beleidigung, so daß sich das Schöffengericht in Hirschberg nunmehr mit dem Vorfalle zu be- schäftigen hatte. Der Amtsvorsteher gab hier als Zeuge an, er habe die beiden Arbeiter mit Stricken deshalb mitgenommen, weil der Schlossernreister sich dahin ausgelassen habe, er werde auf ihn schießen. Daß der Angeklagte wirklichen Widerstand geleistet habe, konnte der Amtsvorsteher selbst nicht behaupten. Der Amtsanwalt beantragte gegen den Schlossermeister wegen der Beleidigung eine Geldstrafe von zehn Mark. Das Gericht erkannte auf fünf Mark Geldstrafe, indem es dem Angeklagten die berechtigte Erregung über das unangemessene Verhalten des Amtsvorstehers zugute rechnete, lind was geschieht mit dem Amtsvorstcher? Ei» Wunsch. Von sachverständiger Seite schreibt man uns: Wenn, wie Sie berichteten, der Reichskanzler eine Umfrage bei den Landesbehörden über die gesundheitsschädlichen Wirkungen der Chromate in den Chromatgerbereien angeordnet hat, so wäre sehr zu wünschen, daß diese Untersuchungen nicht auf die in den Chromat- qerbereien vorkommenden Gesundhcitsschädigiingen beschränkt bleiben, sondern auch auf die in Walkereien und Färbereien durch die Ver- Wendung von Alkalichromaten verursachten Gcsundheitsschädigungen der Arbeiter ausgedehnt werden, die sich bei diesen Arbeitern»och weit häufiger und in weit stärkerem Grade zeigen, als bei den Gerbern, wie aus den letzten Jahresberichten der Gcwerbeaufsichtsbeamtcn der Aufsichtsbezirke Potsdam, Frankftwt a. O., Berlin, Liegnitz, Schleswig, Köln, Düsseldorf und Aachen mit größter Deutlichkeit hervorgeht._ Unfallfolge oder Ausgang einer Krankheit. Die Witwe N. beanspruchte von der Norddeutschen Holzberufs- genossenschast eine Hinterbliebenenrente, indem sie geltend machte, ihr Mann sei an den Folgen eines Betriebsunfalles verstorben. Fünf Tage vor seinem Tode sei er von einem rollenden Baum- stamme erfaßt worden und müsse dabei eine innere Verletzung erlitten haben. Die Berufsgeriossenschast lehnte eine Renten- gewährung ab, weil der Nachweis eines Betriebsunfalles fehle. Das zuständige Schiedsgericht erhüb dann auf den Antrag der Frau Beweis. Der Werkmeister des Verstorbenen hat nach seiner Aussage am fraglichen Tage gesehen, wie N., einen Hebcbanm in der Hand, rücklings xluf einen Baumstamm gefallen sei. Zu einem anderen Zeugen hat N. eine Stunde später gesagt, er fühle sich krank, er müsse nach Hause gehen. Der Zeuge hat auch bemerkt, daß der Mann gekrümmt gegangen sei. Ein weiterer Zeuge meinte, er habe von einem Unfall nichts gesehen, aber gehört, daß N. sagte, ihm tue alles weh, er werde nach Hause gehen.— Der am kritischen Tage hinzugezogene Arzt erklärte bei seiner vier Monate später erfolgten Vernehmung, bei der Untersuchung seien nirgends Zeichen einer Verletzung festzu- stellen gewesen, dagegen habe die Untersuchung unzweifelhaft die typischen Merkmale einer Lungenentzündung ergeben. Sein Gut- achten ergehe dahin, daß nicht infolge eines Unfalles, sondern infolge von Erkältung Lungenentzündung eingetreten sei, die zum Tode ge- führt habe.— Das Schiedsgericht verwarf darauf die Berufung der Frau und das Neichsversichcrungsanit wies ihren Rekurs ebenfalls ab. Es führte aus, es könne dahingestellt bleiben, ob nicht doch ein Unfall passiert sei, wie der Werkmeister aimegeben habe; denn auf jeden Fall sei nicht erwiesen, daß der Too N.s damit ursächlich zu- sammenhänge. Schon deshalb wäre der Rentenanspruch hinfällig. Briefkaften der Redaktion. 1494. Nein.. Sie gültig. Juriftifcher Teil. M. A. 30. Ja. A. R. Der Vertrag ist gegen Pforzheim. 1. Der Strafantrag ist innerhalb drei Monaten zu stellen. Wie hoch eine Strafe ausfallen wird läßt sich nicht voraussagen. 2. Nein. 3. Ja.-O. P. Wöhlertstraße. Die Direktion ist zum vollen Schadenersatz für den abhanden gekommenen Schirm verpflichtet; Sie müssen aber den Nachweis der Abgabe des Schirmes liefern. F. K. Der Inhalt des uns nicht mitgeteilten Vertrages ist entscheidend. 2. P. 4. Die Krankenkasse ist zur Rückerstattung nicht verpflichtet. B. 2. 8. Auch R. R. Nach der maßein Dissident hat die Eidesformel zu sprechen. gebenden Ansicht des Oberverwaltungsgerichts war die Auflösung berechtigt. Sie hätten vor Eintritt der Polizeistunde die Versammlung in eine nicht öffentliche umwandeln sollen, in der nicht geschänkt wird. A. 99. Nein. M. K. 39. Eine Zinspflicht liegt nicht vor. 999 Adam. In vier Jahren vom Ablauf des Jahres ab, in dem sie erwachsen sind, verjähren in Preußen Gerichtskosten. Vok. 1. Der Lohn ist unter Abzug des Krankengeldes zu zahlen. 2. Nein. 3. Ja. Aber in dem Vertrag ist eine bestimmte Arbeitszeit nicht vereinbart. Daher liegt Ueberstundenarbeit nicht Barometer Better Stationen Mebel Windstärke Better Temp. n. C. F 50 G. 4° 9. bor.. O. 41. 1. Das ist möglich. 2. Der Pflichtteil beträgt die Witterung sübersicht vom 14. September 1905, morgens 8 1hr Hälfte der gefeßlichen Portion. Otto 153. 1. Mit Ablauf des 31. Dezember 1905. 2. In der Regel nein. 3. Ja. G. S. 1. Kürzung des Gehalts um das Krankengeld ist Handlungsgehülfen gegenüber nicht zulässig. 2. Es ist angemessene( eventuell vom Gericht festzusehende) Zeit Stationen zu gewähren. W. 2. 3. 9. 1. Der Strafantrag gegen einen wirkt gegen beide. 2. In drei Monaten nach der Scheidung. K. D. Nein. P. B. 100. Wiederholt haben wir ersucht, statt allgemeiner Fragen den Sachverhalt zu schildern und an diese Schilderung die Frage, an deren Be- Swinemde. 768 Still antwortung Ihnen liegt, zu knüpfen. Die Beantwortung einer allgemeinen Hamburg 767 SD 767 Still Frage insbesondere aus dem Ehe- und Erbrecht verschiedener Länder Berlin würde den Raum des Vorwärts" vollkommen nuklos in Anspruch Franks.a.M. 766 N nehmen. Wiederholen Sie Ihre Anfrage unter Darlegung, wo und wann München 764 die beiden Chen geschlossen sind und des sonstigen Sachverhalts. Ob und Wien 764 Still inwieweit eine verallgemeinernde Antwort zweckdienlich ist, müssen Sie uns überlassen. K. D. 83. Der gesetzliche Pflichtteil beträgt die Hälfte der gesetzlichen Portion. Da Sie nicht mitteilen, wer( Eltern? Kinder?) in lichen Winden. Frage kommt und wie viel Erben vorhanden sind, ist eine Berechnung des Pflichtteils unmöglich. Wusterhausenerstraße. 1. Nein. 2. Ja. 1Dunst bedeckt 4 bedeckt 10 771 NNW 769 WNW 767 NND 1 bedeckt 4halb bd. 2 heiter 2wolfen! 11 10 13 13 Haparanda 758 S 11 Petersburg 767 2 13 Scilly 2 Regen 12 Aberdeen 1 Nebel 13 Paris bedeckt 15 Wetter- Prognose für Freitag, den 15. September 1905. Biemlich fühl, vorwiegend trübe und regnerisch bei schwachen nordwestBerliner Wetterbureau. Teures Fleisch billige Seefische!! Bester Fleischersatz, schmackhaft und durch hohen Nährgehalt sich auszeichnend! Große Fänge in lebendfrischer Ware sind soeben eingetroffen! Ein Versuch mit diesen äußerst schmackhaften Fischen ist jeder Hausfrau zu empfehlen. Seefisch- Kochbücher gratis. Deutsche Dampffischerei- Gesellschaft ,, Nordsee" Filiale: Berlin C. 2, Bahnhof Börse, Bogen 8-10. Prinzenstraße 30 ( am Moritzplatz). Zentral- Fernsprecher: Amt III, 8804. Verkaufs- Niederlagen: Seefische- Volksnahrung! 1050 Madaistraße 22| Landsbergerstraße 52-53 enüber). Geöffnet von 8 Uhr morgens bis 9 Uhr abends. Raucht Wir notieren die billigsten Tagespreise für Größen, Schellfische in allen Cabliau, Seelachs, sowie für die übrigen Sorten Seefische. Ferner sehr empfehlenswert: Unsere Marinaden aus eigener Marinier- Anstalt( Fischcotelettes, Bratschellfische etc.) sehr preiswert! Sozialdemokratischer Verein Achtung! Fliesenleger u. Hülfsarbeiter! Adtung! Pre- Ussina- im 5. Berliner Reichstags- Wahlkreise. Freitag, den 15. September, abends 8 Uhr, im Neuen Klubhaus, Rommandantenstraße 72: Gemeinsame Versammlung. Tages Ordnung: 1. Der jetzige Stand der Lohnbewegung der Fliesenleger- Hülfsarbeiter. 2. Diskussion. Das Erscheinen aller Fliesenleger und Hülfsarbeiter ist dringend notwendig. Die Lohnkommission. J. A.: H. Puttlik. 293/16 Vereinigung der Zimmerer Deutschlands. Bureau Berlin C. 54, Dragonerstr. 15, H. I. Telephon: Amt III. Nr. 5028. Sonntag, den 17. September 1905, vormittags 10 Uhr, in den Industriesälen, en 17. Ge Beuthstraße 20: Versammlung des Vereins der Zimmerer Berlins und Umgegend. Sämtliche Rauch-, Kau- und Schnupftabake. Pre- Ussina Pre- Ussina Montag, den 18. September, 8 Uhr abends: Pre- Ussina General- Versammlung Zigarren überall käuflich. Für Wiederverkäufer zu haben bei 42922* H. Preuss, Swinemünderstr. 66, I. Zigarren- u. Tabak- Fabrik und Engroslager. Bekannte, billigste u. reellste Bezugsquelle nur für Wiederverkäufer. Neuetablierungen unter fulantesten Bedingungen und fachmännischer Anleitung. Tel.: III, 6949. Zigaretten: Garbaty, Phänomen, Problem etc. Zages Ordnung: 1. Vereins- Angelegenheiten. 2. Wandlungen innerhalb der deutschen Arbeiter: Bewegung und die Stellung unserer Organisation zu den legten Ereignissen. Referent: Kamerad Albert Elektromotoren- Anlagen. Ingenieur Juppenlatz. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. J. A.: Albert Juppenlag. J. Freund jr., Gitschinerstr. 106a. 825/8 Tischler- Verein zu Berlin. E. H. Nr. 89. 199/5 Sonnabend, den 16. September, abends 8½ 1hr, Melchiorstr. 15: Versammlung. Tages- Ordnung: Vortrag und Vereinsangelegenheiten. Aufnahme neuer Mitglieder. Ausgabe der Billetts zum 34. Stiftungsfeste in Sanssouci" am Sonnabend, den 28. Oktober. Der Vorstand. Verband der Sattler. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die bloot Branchen- Versammlungen an folgenden Tagen stattfinden: Geschirrbranche: Mittwoch, den 20. September. Treibriemenbranche: Sonnabend, den 16. September. Taschen, Koffer- und Galanteriebranche: Donnerstag, den 21. September. Linoleum- und Teppichnäher: Donnerstag, den 21. September. Wagenbranche: Mittwoch, den 20. September. Eisenmöbelbranche: Mittwoch den 20. September. Sektion Charlottenburg: Dienstag, den 19. September. Zahlreichen Besuch dieser Versammlungen erwartet 157/ 11* Die Ortsverwaltung. Sonnabend, den 14. Oktober, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: Feier des 17. Stiftungs- Festes. Auftreten von Horsts Norddeutschen Humoristen und Quartettsängern. Konzert. Reigenfahren, ausgeführt v. Mitgl. d. Berl. Arb.- Radf.- Vereins Großer Ball. Daran teilnehmende Herren zahlen 50 Pf. nach. Anfang präzise 812 Uhr. Entree 30 Pf. Um rege Beteiligung ersucht Das Vergnügungskomitee. Arbeiter- Radfahrer- Bund Solidarität, Gau 9. Bezirk 10. Gau 9. 10. bio im Alten Schützenhause, Linienstr. 5. Tages Ordnung: 1. Vorstands- und Kassenbericht. 2. Bericht der Preß- und Lokalkommission. 3. Partei- und Vereins- Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! Zahlreiches Erscheinen erwartet 245/18 Der Vorstand. Zentral- Krankenkasse der Maurer ,, Grundstein zur Einigkeit". Sonntag, den 17. September 1905, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause: Mitglieder Versammlung. Tages Ordnung: 1. Wahl der Hülfstassierer. 2. Vortrag des Herrn Dr. Christeller. 3. Verschiedenes. NB. Das Bureau befindet sich vom 1. 10. 05 ab Zimmer 8. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Arbeiter- Radfahrer- Verein Zehdenick veranstaltet 149/7 in den Räumen des Herrn C. Buchholz am 17. September sein erstes Bezirks- Fest, wozu wir den Bezirk I, wie die umliegenden Bundes- Vereine freundlichst einladen. Bundesgenossen, es ist hier die Machination des Freiheit"-Bundes zu Die örtliche Verwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband besprechen und bitten wir, ummöglichst großen Besuch. Es soll eine Agitation Heute Freitag, abends 81% Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: für unseren Bund sein. 26/ 14* Nachmittags 3 Uhr: Korso durch die Stadt. Das Komitee. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Heleni Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. mo Sonntag, den 17. September 1905, vormittags 10 Uhr, Branchen- Verfammlung der Eisen-, Metall- und Revolverdreher im großen Saal des Vereins Berliner Musiker"( C. Elsner), Kaiser Wilhelm- Straße 18m. Sitzung der Ortsverwaltung. Sonnabend, den 16. September cr., abends 8%, Uhr, im Lokale des Herrn Pfeffer, Rosenthalerstr. 57: = Branchen- Verfammlung: der Bürsten- und Pinselmacher. Tages- Ordnung: 1. Stellungnahme zur Bürstenmacher- Konferenz. 2. Kommissionsbericht. 3. Wahl des Obmannes. 4. Branchenangelegenheiten. Bahlreiches Erscheinen notwendig. Die Branchenkommission. Zur Beachtung! Die Eröffnung der Zahlstelle 57 findet am SonnTages Ordnung: 1. Vortrag über:" Weltanschauung und abend, den 16. Sept., bei Döring, Stralauer Allee 31 b, statt. Dortselbst Taktik des Proletariats". Referent: Dr. R. Friedeberg. werden Sonnabends von 8-10 Uhr Beiträge entgegengenommen. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 123/7 Um unseren Stollegen Gelegenheit zu geben, diesen durch Versammlungsbeschluß festgesetten Vortrag mit anzuhören, hat die Branchenkommission beschloffen, daß für diese Versammlung das Mitgliedsbuch legitimiert, da aller Wahrscheinlichkeit nach der Besuch ein sehr starker fein wird. Die Kollegen werden daher im eigenen Interesse ersucht, sich rechtzeitig mit ihrem Mitgliedsbuche einzufinden. Ohne Mitgliedsbuch kein Einlak. Bibliothek ist von heute ab geöffnet. Die Ortsverwaltung. Achtung! Rohrer. Achtung! Sonntag, den 17. September, vormittags 10 Uhr, bei Patt, 15: Fachverein der Musikinstrumenten- Arbeiter. Außerordentl. Mitglieder- Versammlung. Zahlstelle Rixdorf. Sonnabend, den 16. September, abends 82 Uhr, in Thiels Festfälen, Bergstraße 151/152: Zages Ordnung: 293/17 Sonnabend, den 23. September: Stiftungs- Feft= in ,, Kellers Festsälen", Stoppenstr. 29: Konzert, ausgeführt vom Neuen Tonkünstler Orcheſter. Mitwirkende:{ ( Dirigent: Herr Franz Hollfelder.) Frl. Vera Goldberg( Sopran). Violinvirtuose Herr Alfred Wittenberg. Berl. Männer- Chor 1905.( M. d. A.- S.- B). Während des Konzerts im oberen Saale: TANZ. Nach dem Konzert im großen Saale: BALL Entree 50 Pf. O Tanz frei. Auf den Zahlstellen werden an diesem Sonnabend von 7-9 Beiträge Die Ortsverwaltung. 1. Endgültige Beschlußfassung über den neuen Affordtarif. 2. Wahl entgegengenommen.[ 92/14] einer Lohnkommission. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht sämtlicher organisierter Kollegen in dieser VerMitglieder- Versammlung. fammlung au erfgeinen. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Fritz Kater. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. 142/13 Montag, den 18. September, abends 81% Uhr, in Graumanus Festsälen, Naunynstraße 27: Der Vorstand. Marmor- Arbeiter! Zentral- Verband der Dachdecker. Ortsverwaltung Berlin. Freitag, 15. September, abends 8%, Uhr, im Englischen Garten, Sonntag, den 17. September, vorm. 10 Uhr, bei Feind, Weinstr. 11: Alexanderstraße 27c: Mitglieder- Versammlung. Mitglieder- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Vortrag des Schriftstellers Herrn H. M. Baege über, Entwickelungsgeschichte des Weltalls und der Erde". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Gäste, auch Frauen, willkommen. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Tages Ordnung: Mitglieder- Versammlung. Tages Drdnung: 1. Die Beschlüsse des Kölner Gewerkschaftskongresses. Referent: Ges 1. Bericht der Lohntommission. 2. Wie stellen wir uns zu den Werks werkschaftssekretär E. Brückner. 2. Verbandsangelegenheiten. stätten die den Tarif nicht bewilligen? 3. Gewerkschaftliches. Zahlreichen Besuch erwartet 189/8 Um zahlreiches Erscheinen ersucht o 10 Der Vorstand. 54/18 3. netov Die Ortsverwaltung. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Rebattion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, 15. September. Anfang 7 Uhr: Opernhaus. Lohengrin. Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. Wilhelm Tell. Neues. Ein Sommernachtstraum. Westen. Die Fledermaus. Thalia. Bis früh um Fünfe! Kleines. Die Laune des Verliebten. Der zerbrochene Strug. Schiller Anfang 8 Uhr: 0.( Wallner Theater.) Der G'wissenswurm. Schiller N.( Friedrich Wilhelm. städtisches Theater). Die Logenbrüber. Leffing. Der Biberpelz. Residenz. Die Höhle des Löwen. Zentral. Die Geisha. Trianon, Das Ende der Liebe. Carl Weiß. Weltumsegler wider Willen. Belle Alliance. Ben Ali Bey. Luifen. Das Lumpengesindel. Deutsch Amerikanisches. % Herr Herzog! Kajino. Der Adelsnarr. Metropol. Auf ins Metropol! Aber, Apollo. Ein Abend in einem amerila. Am nischen Tingel- Tangel. Hochzeitsabend. Spezialitäten. Herrnfeld. Die Meyerhains. Wintergarten. Loie Fuller. Spe zialitäten. Berliner Prater Theater. rechte Beg. Der Passage. Poldi Augustin. Herr Taciam. Spezialitäten. Neichshallen, Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Die deutsche Nordseeküste. Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Anjang 8%, Uhr: Luftspielhaus. Der Familientag. Urania Tauben 8 Uhr: Schiller- Theater. XI. Berliner Saison. str. 48/49 Schiller- Theater O.( Ballner Theater).| Schiller- Theater N.( Stiebr. 2. Zirkus Busch. Etablissement Buggenhagen Die deutsche Nordseeküste. Sternwarte Invalidenstr. 57/62. CASTAN'S PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Joël's Traum! Im Restaurationssaal: D'Kochelsee'r." Oberbayr. Gesangs-, Tanz- u. Gebirgs- Szenen. Z OOLOGISCHER CARTEN Täglich ab nachmittags 4 Uhr: Militär= Doppel- Konzert Eintrittspreis 1 M.; ab 6 Uhr 50 f. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Metropol- Theater Präzise 8 Uhr Auf zum 7. Male: in's Freitag, abends 8 Uhr: Der G'wissenswurm. Bauernkomödie mit Gesang in 4 Aufz. bon Ludwig Anzengruber. 25.) Freitag, abends 8 Uhr: Die Logenbrüder. Schwant in 3 Akten von Carl Laufs und Kurt Kraat. Freitag, den 15. September, abends 7, Uhr: Gr. Gala- Vorstellung. Sonnabend, abends 8 Uhr: Sonnabend, abends sube: Japanische Infanterie. Der G'wissenswurm. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Die Räuber. Sonntag, abends 8 Uhr: Hofgunst. Nora.( Ein Puppenheim.) Sonntag, nach m. 3 11 br: Fuhrmann Henschel. Sonntag, abends 8 Uhr: Krieg im Frieden. Zirkus 34/ 18* Albert Schumann. Sonnabend, 16. September, abends 1,8 Uhr: GalaEröffnungs- Vorstellung. spod Sonntag, den 17. d. M.: KZwei Vorstellungen nachmittags 3, Uhr und abends 7 Uhr. Billettvorverkauf an der Zirkuskasse täglich von 10 Uhr vormittags ab. Gebrüder HerrnfeldTheater. Zum 145. Male: Metropol! Die Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Kapellmeister Max Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz.. Meyerhains. Komödie in 3 Atten mit den Autoren Neues Theater. Walden a. D. Miß Clifford a. D. Anton und Donat Herrnfeld Anfang 7, Uhr. Bender x Giampietro in den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11-2 Uhr. Passage- Theater. Anfang der Abendvorstell. 8 Uhr, nachm. Sonnt. 3, Wochent. 5 Uhr. Ausgesuchte Repräsentanten der Armee des Mikado. Die Helden vom Yalu und Port Arthur in ihren militärischen Exerzitien. 4 Sisters Athletas, Kraftproduktionen. Mr. Price und Revost, amerikan. Exzentriks. Mr. Rabusa, dressierte Tiere. Clown Revelly. Die englische Reiterfamilie Sloan. Eine Springpferde- Konkurrenz zwischen den 3 Springpferden 1. " Spa", Halbblut, Siegerin im Concours hippiquè im Hochspringen im Jahre 1903 in Spa. Reiter Herr Behnke. 2. Frehn", Hochsprung bis 2 Meter. Reiter Mons. Le Dantec. 3.„ Chips", Vollblut, Weitspringen bis über sechs Pferde. Reiterin Fräulein Shampani. Quadrille excentrique, geritten auf zwölf Schulpferden von 6 Damen und 6 Herren. Die neuesten Freiheitsdressuren des Herrn Ernst Schumann. ,, Pluto Monte duro", Lippizaner Vollblut- Hengst, für die hohe Schule dressiert und geritten von Herrn Burkhardt- Foottit. Zwergclown François mit dem Zwergpferd und die vorzüglichen Programmnummern. Poldi Augustin WINEARTEN die fesche Soubrette. 765 Moritzplatz. Täglich in den unteren Sälen Gottschalk- Konzert. Kegelbahn noch frei. ELYSIUM. Kommandantenstr. 3-4. Vollständig neu renoviert. Auftreten v. 36 erstklassigen intern. Spezialitäten. Geöffnet von 10 Uhr früh bis 12 Uhr nachts. „ Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Bundes " Solidarität“. Touren am Sonntag, 17. Sept.: 1. Abt. früh 8 Uhr nach Fichtenau. 1, Uhr nach Hirschgarten( Hohlwein). Start Bülowstr. 59. 2. Abt. mitt. 1 Uhr nach Finkenkrug ( Hofmeister). Start Urbanstr. 1. 3. Abt. früh 7 Uhr nach Wusterhausen- Ertner, mitt. 1 Uhr nach Ertner ( Gesellschaftshaus). Start Mariannens part. 4. Abt. früh 62 Uhr nach Storfow, mitt. 1 Uhr nach Schmöckwitz( Noak). Start Andreasplak. 5. Abt. mitt. 1, Uhr nach Haten felde( Boltsgarten). Start Elysium. 6. Abt. Sonnabendabend 8 Uhr nach Bernau. Start Elysium. Um Anschluß von den anderen Abteilungen wird gebeten. Sonntag mittag 1 Uhr Seefrug. Start Dder bergerstr. 30( Genossenschaft). 7. Abt. früh 7 Uhr nach Zehdenid, mitt. 2 Uhr nach Heiligensee. Start Pflichtfour früh zu besetzen. Herr Tacianu Eröffnungs- Programm. timer of. Damen- Imitator. Das glänzende September- Programm. Sin Semmernachtstraum. Josephi Frid- Frid x Massary Theater Folies Caprice Sonnabend u. folgende Tage: Max Steidl Behrens- Linke. Ein Sommernachtstraum. Rauchen in all. Räumen gestattet. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Wieder Eröffnung. Freitag, den 15. September 1905; Zum ersten Male: Die Laune des Verliebten." Hierauf zum erstenmal: " Der zerbrochene Krug." Anfang 7, Uhr. Anfang 8 Uhr. Kasino- Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Der Adelsnarr. Borher: Die Zaubergelge bon Offenbach. Original Rämbler Compagnie zum 1. Male in Berlin Duo Serdan. Sonnt. 4 Uhr: Ein Sohn des Volkes. Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allee Nr. 148. eben Sonntag, Montag, Mittwoch: Konzert, Theater, Spezialitäten. Sonntag, den 17. September: Große Extra- Borstellung u. ans. Durch Klippen und Wellen. Boltsstück mit Gesang von Richter. Palast- Theater Luisen- Theater. Residenz- Theater. über Been- Valaht, Burgför. 24, Zum erstenmal: Lumpengesindel. Sonnabend: Die Kinder der Exzellenz. Sonntag nachmitttag: Der jüngste Leutnant. bends: Flesco. Montag: Die Kinder der Exzellenz. früher Börſe. Budapester Possen- Theater 132 Linienstr. 132 Ecke Friedrichstraße. Eröffnung Sonnabend, 16. September, abends& Uhr. 8 Zum erstenmal: Nach dem Zapfenstreich. Vorverkauf an der Theaterkasse. Direktion: Richard Alexander. vis- a- vis b. Börje. 2 Min. v. Bhf. Be Sanssouci Heute und folgende Tage Anfang 8 Uhr: 12 Kunstnummern 1. Ranges. Die Höhle des Löwen. Nur das Beste vom Besten! Schwant in 3 Aften v. M. Hennequin und P. Bilhaud. Sonntag nagmittag 8 liør: Seine Per Rohrpost. Trianon- Theater. Kammerzoe Heute und folgende Tage: Das Ende der Liebe. Satirisches Lustspiel in vier Atten von Roberto Bracco. Deutsch von Dtto Eisenschüß. Anjang 8 Uhr. pollo- Theater 10 Uhr: Täglich: Ein Abend in einem amerik. Tingel- Tangel Borher: Hochzeitsabend und das große September- Spezialitäten- Progr. Ab Sonntag, den 1. Oktober cr.: Jeden Sonntag nachmittag 8 Uhr: Große Extra Vorstellung zu halben Preisen. Lustspielhaus. Abends 8%, Uhr. Der Familientag. Täglich: Der Familientag. Bernhard Rose- Theater Gesundbrunnen, Babstraße 58. Heute: Geschlossen, Sonntag, den 17. September 1905: Pegte Borstellung in der Sommer Saison. O Der Fluch des Geldes. Außerdem bie großartigen Spezialitäten. Entree 30 Bj. Numer. Platz 50 f. 75 Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Der Weltumsegler wider Willen. Abenteuerliche Boffe mit Gefang und Ballett in 6 Bildern von G. Raeder. Anfang 8 Uhr. Sonnabend abend 8 Uhr: Gastspiel der kaiserl. ruffifchen Hoffchauspielerin Hedwig Corned: Maria Stuart. Sonntag und folgende Lage: Die Weltumsogler wider Willen. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Heute: Geschlossen. Sonnabend, den 16. September cr.: Eröffnung der Winter Spielzeit. Vorzugs- resp. 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Hente: Material zur Geschichte der Partei, ihrer Grundfäße, Stämpfe und Tattit. Bir heben nachstehend die Hauptpunkte der Verhandlungen aus der Der rechte Weg. jeweiligen Tagesordnung hervor: Boltsstück mit Gefang in 4 Aften. The Kieffers Pantomime. Mizzi u. Géza Varadi- Duett. Pantomime. Spezialitäten. Ball. Schluß der Saison Freitag, 15. September. Anjang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Platz 50 Pf. Otto Pritzkows Berliner Abnormitäten- Theater Münzstr. 16. Jocki Tocki the Elastic Skin Man. Der Mensch mit der Gummihaut. Mne- Mno- Mni??? Entree 20 Pt. Stuhlflechtrohr in vorzüglicher Qualität. Stuhlrohrlager Wallstr. 16. Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins und Umgegend. Sonnabend, 16. September, abends 8 Uhr, im großen Saal der Brauerei Friedrichshain ( am Königstor): Erftes Stiftungsfeft Künftler- Konzert Gefangsaufführungen Prolog Rezitationen. feftrede gehalten v. Reichstage- Abgeordn. Eduard Bernstein. Nach dem offiziellen Teil TANZ. Eintritt inkl. Tanz 50 Pf. Kassenöffnung 7 Uhr. Billetts sind an der Abendkasse erhältlich. 293/ 9* Um zahlreichen Besuch bittet Das Komitee. Halle. 1890. Neuorganisation Programmrede Liebknechts; Stel lung zu Streits und Bohlotts; Auseinandersegung mit den Un abhängigen". 50 ẞf. Erfurt. 1891. Feftfegung des Programms; Programmentwürfe Ausschluß der Unabhängigen" Taktik der Partei. 50 Pf. Berlin. 1892. Bergriffen. Röln. 1893. Gewerkschaftsbewegung; Antisemitismus; Wahlrecht und Be teiligung an preußischen Landtagswahlen. 40 Bf. Frankfurt. 1894. Budgetbewilli gungs- Frage in den Landtagen; Agrarfrage; Trusts; Ringe und Kartelle. 25 Pf. Breslau. 1895. Agrarprogramm; Hausindustrie. 30 Pf.; gebd. 50 Pf. Gotha. 1896. Bergriffen. Hamburg. 1897. Preuß. Landtagswahlen; Militarismus. Brosch. 35 Pf.; gebb. 60 Pf. Stuttgart. 1898. Koalitionsrecht; Bergarbeiterschut; Preuß. Landtagswahlen; Boll- und Handelspolitik. Brosch. 35 Pf.; gebd. 60 Pf. Hannover.1899. Bernstein Debatte; Buchthausvorlage; Militärfrage. 50 Pf. Mainz. 1900. Weltpolitik; Vertehrs- und Handelspolitik; Taktik bei den Landtagswahlen; Anhang: Bericht über die Frauenkonferenz. 50 Pf. Lübeck. 1901. Vergriffen. München. 1902. Bergriffen. Dresden. 1903. Bergriffen. Bremen. 1904. Maifeier, Amster damer Kongreß; Organisations. frage; Fall Schippel; dritte Frauenkonferenz. der Brosch. 70 Pf.; gebd. 1 M. Ferner empfehlen wir die Schrijt Genoffin Roland- Holst über " Generalstreit und Sozialdemo tratie" mit Vorwort von Kautsky zur Anschaffung, da die Frage des Generalstreits auf dem Parteitage zu Jena zu lebhaften Debatten führen und vorstehende Schrift Gegenstand eingehender Erörterung sein dürfte. Der Preis beträgt 1,20 M. 265/ 1* Möbel- Magazin. Fr. Janitzkow, Polsterwaren. Eigene Tischlerei.[ 43132] NW., Turmstr. 45. Eigene Werkstatt. zum Besten der== Sonntag, 17. September, Matinee russischen Freiheitskämpfer in der ,, Neuen Welt" 235/11 arrangiert von den Parteigenossen Rixdorfs. Mitwirkende: Musikverein ,, Einigkeit" Rixdorfer Männerchor Berliner Ulk- Trio.||| Entree 20 Pfennig. Anfang präzise 12 Uhr. Berantwo. Redakteur: Baul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW Nr. 216. 22. Jahrgang. 2. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Aus der Frauenbewegung. Freitag, 15. September 1905. verdächtigen Erscheinungen ist in Sliek, Kreis Flatow, ein Besiger fuhren, machte ein Weichensteller den Fehler, den Zug auf ein falsches und in Kamin, in demselben Kreise, ein Arbeiter gestorben. In Gleise zu leiten. Als der erste Wagen bereits in das falsche Gleise Weißenberg, Kreis Stuhm, ist ein Buhnenarbeiter unter Cholera- eingetreten war, bemerkte der Mann seinen Fehler und versuchte, Schöneberg. Der Frauen und Mädchenverein zu Schöneberg verdacht erkrankt. und Umgegend hielt am 11. September seine diesjährige General Die„ Ostdeutsche Presse" meldet: In Labischin ist ein Kind an zwei Teile gerissen wurde. Der vorderste Wagen entgleiste und fuhr ihn wieder gut zu machen. Die Folge davon war, daß der Zug in bersammlung im Klubhause ab. Auf der Tagesordnung stand: Cholera gestorben, bei der Schwester des Kindes ist Cholera fest- in das zweite Stockwert eines Logierhauses, wo er, zum Teil in der 1. Bericht der Vorsitzenden. 2. Bericht der Kassiererin. 3. Wahl des gestellt worden, die Mutter ist ebenfalls an Cholera erkrankt. gesamten Vorstandes und Verschiedenes. Die Vorsigende leitete die Demfelben Blatte zufolge ist die Posener Provinzial- Lehrer des Gebäudes hängen blieb. Der zweite Wagen entgleifte ebenfalls Luft schwebend, zwischen dem Eisenbahnbau und dem Mauerwerk Bersammlung ein und gab alsdann den Bericht. Wir hatten im versammlung, die vom 4. bis 6. Oktober in Bromberg stattfinden und stürzte 50 Fuß tief mit fürchterlichem Getöse auf die Straße vergangenen Jahre abwechselnd Doktorvorträge, wissenschaftliche und sollte, wegen der Cholera abgesagt worden. auch wirtschaftliche Vorträge. Alle Vorträge waren sehr lehrreich und hinunter. Das Bild der Unglücksstelle war ein schreckliches. Die Aus Rastenburg wird berichtet: Von 23 in der Cholera- Berlebten jammerten herzzerreißend und als die Toten, Sterbenden wurden von der Versammlung mit reichem Beifall entgegengenommen. barade in Korschen internierten Personen wurden 20 heute als und Verstümmelten aus den Trümmern herausgezogen wurden, Hierauf gab die Kassiererin den Kassenbericht. Auf die Berichtigung der gesund entlassen. Der Arbeiter Duddey, sein Kind und das Kind fielen mehrere Frauen in der schnell sich sammelnden Zuschauers Revisorin wurde der Kassiererin Entlastung erteilt. Alsdann erfolgte einer Arbeiterin Lange sind vorsichtshalber noch zurückbehalten menge in Ohnmacht. Die Straße war glücklicherweise in dem die Wahl des Vorstandes. Es wurden gewählt: als erste Vorsitzende worden. Choleraverdächtige Neuerkrankungen werden nicht gemeldet. Frau Wifert, zweite Vorsitzende Frau Herrmann; erste Kassiererin Infolge choleraberdächtiger Erkrankungen sind gestorben: Eine Frau Lehnert, zweite Kassiererin Frau Arndt; Schriftführerin Frau in Margonin, ein Arbeiter in Wongrowib, eine Frau Fräulein Richter; Revisoren Frau Kirschke, Frau Rittmüller; Beis und deren Tochter in Labischin. In Labischin ist eine Arbeiterin figerinnen Frau Flöter, Frau Stenzel; Bibliothekarin: Frau Sänger; und ein Schiffsgehülfe unter choleraverdächtigen Erscheinungen er Bücherrevisorinnen Frau Ehlert und Frau Draheim. Einige Mit- frankt. Bei einer in Usch verstorbenen Arbeiterswitwe ist Cholera glieder deuteten in kurzen Worten darauf hin, daß es Pflicht eines festgestellt worden. Bei einem Flößer in Polichno- hauland, jeden Mitglieds sei, den Verein zu fördern, damit er weiter wachse dessen Frau an Cholera gestorben ist, und einem Erkrankten in und gedeihe wie bisher. Die Borsigende gab alsdann zum Schluß Gorzyn konnte Cholera nicht festgestellt werden. noch bekannt, daß am 4. November in Obsts Festfälen ein Vergnügen Hinsichtlich der Choleraerkrankungen in Doemit an der Elbe, stattfindet und ebenfalls am dritten Weihnachtsfeiertage ein Weihnachts- wird von zuständiger Seite weiter berichtet: Die endgültige vergnügen. Alles Nähere hierüber wird in der nächsten Versammlung bakteriologische Untersuchung im hygienischen Institut der Landesbekanntgegeben. Die Versammlung wurde hierauf geschlossen. Universität Rostock hat ergeben, daß die in Doemitz am 11. September verstorbene Arbeiterfrau an asiatischer Cholera gestorben ist. Aratau, 14. September. In Podgorce sind zwei Schüler des dortigen Staatsgymnasiums unter choleraberdächtigen Erscheinungen erkrankt. Alle sanitären Vorsichtsmaßregeln sind getroffen. Ezernowik, 14. September. Amtlich wird bekannt gegeben, daß weder hier noch sonstwo in der Bukowina ein Cholerafall vorgekommen ist; die gegenteiligen Blättermeldungen sind unbegründet. Adlershof. Montag, den 11. September, hielt der Verein für Frauen und Mädchen seine Mitgliederversammlung bei Wöllſtein ab. Der Vortrag von Herrn Baul Jahn über:„ Das menschliche Glück und die soziale Frage" war sehr interessant und lehrreich und erntete großen Beifall. In der Ergänzungswahl wurde Frau Klinger als zweite Vorfigende und Frau Tost als Revisorin gewählt. Vermischtes. Die Cholera. Für den Kreis Niederbarnim ist die allgemeine Anzeigepflicht bei choleraverdächtigen Erkrankungen amtlich angeordnet worden. Außerdem sind auf Veranlassung des Landratsamtes weitgehende Vorsichtsmaßregeln getroffen. In Bernau ist eine Baracke aufgestellt, um event. choleraverdächtige Personen aufzunehmen. Regierungsassessor v. Rupperti und Kreisbaumeister Mirau haben eine Besichtigung des nlage vorgenommen. Eine weitere Cholerastation vor den Toren Berlins wird am Müggelsee errichtet, woselbst die Gemeinde Friedrichshagen eine Beobachtungsbarade erbauen läßt. Auch diese Barade wird vorwiegend in Rücksicht auf den starken Schiffahrtsverkehr auf der Spree eingerichtet. Das auf der Spree an der Langen Brüde in Köpenid berankerte Lazarettschiff ist bisher noch nicht in Gebrauch genommen. An neueren Meldungen liegen igende vor: Schwerin, 14. September. Hinsichtlich der Choleraerkrankungen in Dömitz an der Elbe wird von zuständiger Seite weiter berichtet: Die endgültige bakteriologische Untersuchung im Sygienischen Institut der Landesuniversität Rostock hat ergeben, daß die in Dömiß am 11. September verstorbene Arbeiterfrau an asiatischer Cholera gestorben ist. Der Regierungsbezirk Königsberg ist amtlich für seuchenfrei erklärt worden. Nach den„ Neuen Westpreußischen Mitteilungen" ist bei einem Fischer in Jesewitz Cholera festgestellt worden, ebenso bei einem Kinde in Stiet, Kreis Flatow, und bei einer als ertranft gemeldeten weiblichen Person in Graudenz. Dagegen hat sich bei einer anderen Frau in Graudenz der Choleraverdacht nicht bestätigt. Unter choleraDer Pockenfall in Hamburg. Den Altonaer Nachrichten" wird von zuständiger Seite mitgeteilt, daß es sich bei dem am Dienstag vorgekommenen Bodenfall um eine leichte podenartige Erkrankung handelt, alle Isolierungsmaßregeln sind auf das sorgfältigste getroffen worden. Neue Erbstöße in Italien. Rom, 14. September. Das Zentral- Bureau für Meteorologie und Geodynamik teilt mit, daß heute vormittag 10 Uhr 10 Min. ein ziemlich starker Erdstoß in Radicena, Messina, Reggio di Calabria und Mineo verspürt und von allen Beobachtungsstationen in Italien gemeldet wurde. Ein anderer ziemlich starker Stoß wurde um 12 Uhr 33 Min. aus Reggio di Calabria gemeldet. Tödlicher Autozusammenstoß. Aus Paris, 14. September, wird gemeldet: Der Kabinettsdirektor des Handelsministers Jules Juttet ist gestern abend bei einer Fahrt durch die Elysäischen Felder infolge Busammenstoßes mit einem aus einer Nebenstraße kommenden Automobil getötet worden. Ein angeschossener Torpedobootszerstörer. Aus Toulon, 14. September, wird telegraphiert: Bei einer Uebung wurde der Torpedobootszerstörer, Hallebarde" von einem Torpedo getroffen. Troß eines großen Ledes konnte die Besatzung gerettet und das Fahrzeug in den Hafen gebracht werden. Ueber das Unglück auf der New Yorker Hochbahn wird noch ge= meldet: Die Bahn ist auf eisernen Säulen aufgebaut und läuft in verschiedenen Höhen durch die Straßen. An einigen Stellen läuft fie in gleicher Höhe mit dem zweiten Stodwert, an anderen Stellen geht sie hoch über die Dächer der Häuser hinweg. Sie gilt als beraltet und wird allmählich durch Untergrundbahnen erseht. Als am Montag morgen um 7 Uhr fünf Korridorwagen mit einer Geschwindigkeit von 32 Kilometer in der Stunde durch die Straße Augenblick des Sturzes unbelebt, so daß nur ein Neger durch den fallenden Wagen erschlagen wurde. Die toten Passagiere hatten alle in dem vorderen Ende des Wagens, das zuerst aufschlug, gesessen. Der in der Luft schwebende Wagen enthielt etwa 100 Baffagiere, die sich durch das Logierhaus zu retten vermochten. Die Eisenteile des zertrümmerten Wagens hatten einen Kontakt hergestellt, so daß noch 10 Minuten nach dem Unfall elektrische Blike und Funken aufsprühten. Die Besizerin eines Logierhauses dicht neben der Unrüstet über das Verhalten der männlichen Passagiere des Wagens, glücksstelle beobachtete das Vorkommnis und äußerte sich sehr ents der in das Nebenhaus hineingefahren war. Trotzdem für die In fassen dieses Wagens teine Gefahr vorhanden zu sein schien, bea nahmen sich die Männer in ihrer Furcht sehr feige. Sie warfen die Mann, der aus einem Fenster des stürzenden Wagens sprang, entkam Frauen beiseite und suchten sich zuerst in Sicherheit zu bringen. Ein merkwürdigerweise ohne jede Berlegung. Markthallen- Direktion. Rindfleisch Ia 62-69 pr. 100 Pfund, IIa 56-60, Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen IIIa 50-56, IVa 40-48. Stalbfleisch In 84-88, IIa 76-84, IIIa 64-70. Stüd 60-90 Pf. Rotwild, Pfund 45-55 Pf. Rebhühner, junge 0,70-0,90, Hammelfleisch Ia 68-75, IIa 58-66. Schweinefleisch 68-71. Kaninchen alte 0,65-0,75; Hühner, alte 1,20-3,00, junge 0,40-1,50 das Stüd. Gänse, junge 0,50-0,56 das Pfund. Hechte, 95-104 m. pr. 100 Pfund, Schleie Flunder, schottische Voltheringe( gesalzen) 36-38. 117-124, Aale 77, Starpfen Lachs 125-137, Schellfische 22-25, Streble, unsort., Schock 5,- Cier, Schock 3,00-3,20. Butter, pr. 100 ẞfund Ia 124-126, IIa 118-122, IIIa 113-116, abfallende 105-110. 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Mts. unfer inniggeliebter Sohn, Bruder, Onkel und Schwager, der Maschinenmeister Heinrich Claus nach langem, schweren Leiden sanft 16336 entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 17. September, nachm. 3, Uhr, von der Leichenhalle der St. Andreas- Gemeinde in Wilhelmsberg aus statt. Verein Berliner BuchdruckMaschinenmeister. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Dienstag, den 12. September, nach langen schweren Leiden unser Kollege Heinrich Claus verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 32 Uhr der Leichenhalle der Andreas- Gemeinde in Wilhelmsberg aus statt. von Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. 36/12 PrinzenFür die Beweise herzlicher Teil Dr. Simmel, S., nahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Vaters August Knoll fagen wir allen erschienenen Freunden und Bekannten, insbesondere den Genossen des Wahlvereins des sechsten Streises, den Arbeitern der Metallgießerei E. Mathes u. Co., sowie den Angestellten des Moabiter Stadttheaters unseren herzlichten Dank. 43282 Witwe A. Knoll nebst Kindern. Kleine Anzeigen. Fahrräder, Teilzahlungen. In validenstraße 148( Eingang BergStraße), Große Frankfurterstraße 56, Staligerstraße 40. 785* Nukbaumspind, Vertiko, bereits neu, berzugshalber sehr billig Schlies mannstraße 23, Seitenflügel II. Uhr als Zugabe erhält diese Woche Käufer einer Nähmaschine, ohne An zahlung Woche 1,00, gebrauchte 12,00. Stopeniderstraße 60/61. Große Frank furterstraße 43. Prenzlauerstraße 43. Orchesterpiano billig verkäuflich. Wirth, Wühlischstraße 36( Borhagen.) Gelegenheit. Nußbaummöbel, Destillation, nachweislich gut Brautleuten passend, Taschensofa, gehend, Billard, großes Orchester, Küchenfachen, schleunigst Wohnung wegen zweier Geschäfte verkäuflich, vermietbar. Pankow, Brehmestraße 52, 2200. Erfragen: Müllerstraße 41a, + 137* Lotal. 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Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Partei- Angelegenheiten. " Bur Lokalliste. In Nowawes- Neuendorf feiert der Ring- und Sportklub Jugendkraft" am 16. September in der Turnhalle fein Stiftungsfest. Der Theaterverein Nowawes" hält am 17. September ein Vergnügen im Germania- Saal( Inhaber Klim) ab. Da beide Lokale gesperrt sind, so weise man Billetts zurück. Die Lokalkommission. Berliner Nachrichten. Auch " Freitag, 15. September 1905. boykotts her bekannt sein; damals war er einer der Leiter der bares Vorbild, der„ Arizona Kicker". Dessen Redaktion unterscheide Brauerei gewerkschaft, und der Erfolg, der sich nach langen Rämpfen sich von der des Anarchist" allerdings insoweit, als sie nicht alleint einstellte, ist nicht zum wenigsten seiner regen Wirksamkeit zu danken. in der Schlagfertigkeit, sondern auch in der Orthographie ihren Unglückliche Familienverhältnisse hinderten ihn später an ähnlich Mann steht. aktiver Tätigkeit, bis er im Jahre 1901 von den Wilmersdorfer Zur Fleischnot. Die Berliner Fleischerinnung hat in ihrer Parteigenossen als Kandidat zur Gemeindevertretung aufgestellt und gestrigen Bersammlung beschlossen, an den Reichskanzler eine Eingemeinsam mit zwei anderen Genossen auch gewählt wurde. hier im Ortsparlament wirkte er mit Eifer für die Arbeitersache, gabe zu richten, in welcher dargelegt wird, daß die deutsche Landund keiner ahnte wohl damals, daß der tüchtige Mann schon den wirtschaft nicht in der Lage sei, Deutschland genügend mit SchlachtKeim des Todes in fich trug. Auch bei den Wahlen des vorigen lands in bezug auf Fleischnahrung offenfundig fei und das Fleischervieh zu versorgen, daß die schlimme Lage der Bevölkerung DeutschJahres kandidierte Hilpert wieder, doch unterlagen unsere Partei gewerbe seinen Untergang vor Augen sehe. Es wird dann gebeten, genossen diesmal der Uebermacht der Gegner. Wer Hilpert gekannt den Bundesrat sofort einzuberufen und ihm folgende Anträge zur hat, weiß, daß die Arbeiterschaft in ihm einen stets tapferen und Genehmigung und sofortigen Ausführung zu unterbreiten: opferwilligen Mitstreiter verloren hat; die Parteigenossen Berlins und der Umgegend werden sein Andenken in Ehren zu halten Deffnung der Grenzen für die Einführung von Schlachtvieh nach allen öffentlichen Schlachthöfen mit direkter Bahnverbindung. Deffnung der Grenzen für die Einfuhr von Magervieh für die dafür in Betracht kommenden Gegenden. Die Einfuhrerschwerungen, wie Quarantäne- Anstalten, Tuberkulin- Impfungen Wunderliche Schrullen Die Vororte gegen Berlin Berlin gegen die Vororte! In der Berliner Stadtverordneten- Ver- wissen. fammlung wurde am Donnerstag wütend auf die Vororte losgepauft. Man weiß, daß die Beziehungen zwischen der Stadt Berlin und den Nachbargemeinden schon seit langem über Gleichberechtigung, staatsbürgerliche Rechte und anderes find in weitgehender Weise zu mildern. In Rücksicht auf die Notlage, in welcher sich die Bevölkerung in bezug auf Fleischnahrung nicht die besten sind. Die wohlhabenderen Vororte des Westens faules Zeug gibt der Redakteur Erdmannsdörfer in der in ganz Deutschland befindet, eine zeitliche Aufhebung aller Viehzölle haben den Neid Berlins rege gemacht, seit die hier reich ge-" Morgenpost" zum besten. Er ist, um seiner Berufspflicht zu anzuordnen. In Rücksicht auf die jetzt herrschende, in absehbarer wordenen höheren" Steuerzahler angefangen hatten, dort genügen, vor dem Hause Kochstr. 67 auf und ab gegangen Beit nicht zu beseitigende Notlage in bezug auf Fleischteuerung eine hin abzuwandern und da draußen den Ertrag der und ist dann prompt nach der Polizeiwache gebracht worden, Revision des mit dem 1. März 1906 in Kraft tretenden Bolltarifs, Berliner Arbeit zu verzehren. Und während diese Be- weil er der Weisung des Schußmanns, nicht mehr auf und soweit dieser die Einfuhr von Schlachtvieh verteuert, herbeizuführen. wegung noch immer im Wachsen ist, haben die weniger ab zu gehen, sich nicht fügte. Im Hause Sochstr. 67 be-- Gleichzeitig hat die Berliner Fleischerinnung beschlossen, den bemittelten oder ganz mittellofen Gemeinden des Südostens, findet sich, wie aus dem vorgestern von uns gebrachten Berliner Magistrat um Unterstützung dieser Forderungen bei den zuständigen Behörden zu ersuchen. des Nordostens usw. der Stadt Berlin den Verdruß Artikel bekannt sein dürfte, die Buchbinderei von Kämmerer, bereitet, von ihr auf Grund des Kommunalabgabengesetzes allwo die Buchbinder ausgesperrt sind. Die AusZum Wohnungswechsel. Mit Bezug auf die Polizeiverordnung einen Beitrag zu den für sie selber unerschwinglich gewordenen gesperrten wollen nun ihr gefeßliches Recht auf Streitposten- vom 26. März 1870, betreffend die Umzugstermine beim WohnungsSchullasten zu heischen, weil die Nachbarschaft des großen stehen wahrnehmen, damit sie Kollegen vor pflichtvergessenem wechsel, wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß beim bevor Industriezentrums es sei, der sie die Steigerung ihrer Lasten Handeln schüßen können; sie werden an der Ausübung dieses stehenden Quartalswechsel der Umzug erst am 2. Oktober beginnt, zu danken haben. gesetzlichen Rechtes aber von der Polizei gehindert. Das da der 1. Oftober auf einen Sonntag fällt, an dem nach§ 3 des In diesem Streit hat Weißensee als erste Gemeinde ist selbstverständlich; im Interesse des Unternehmer- Gejeges vom 30. Juni 1834( G. S. S. 92) die Umzugspflicht ruht. vor dem Oberverwaltungsgericht einen Sieg davongetragen, tums hat die Polizei, wie in Dußenden Gerichtserkenntnissen Bei fleinen, aus höchstens zwei Zimmern mit Zubehör bestehenden und Berlin muß nun zahlen. Aber was die vorortfeindlichen dargelegt worden ist, ihre gesetzlichen Befugnisse ungezählte Wohnungen muß der Umzug bereits am 2., bei mittleren, aus drei oder vier Zimmern und Zubehör bestehenden Wohnungen am 3. Hausagrarier der Berliner Stadtverordneten Versammlung Male überschritten und wird sie, die berufene Hüterin mittags 12 Uhr, und bei großen, mehr als vier Wohnzimmer umsamt ihrem ganzen Anhang so sehr in Harnisch brachte, das des Gesetzes, auch weiter dem Geseze zuwider handeln. fassenden Wohnungen am 4. Oktober mittags 12 Uhr beendet sein. waren nicht die 26 000 Mart, die an Weißensee zu Wir müßten sonst kein Staatswesen haben, dessen vornehmste W zahlen sind und deren Bewilligung der Magistrat Aufgabe es ist im wirtschaftlichen Kampfe, dem Starken Eine neue Bankspende. An die Spende für die hungernden beantragte, sondern die Befürchtung und ziemlich gegen den Schwachen, dem Unternehmer gegen den Arbeiter Indier, die der Kaiser mit dem Telegramm Blut ist dicker sichere Aussicht, daß nun all' die anderen Vorortgemeinden, mit voller Wucht beizustehen. Daß der Staat, in welchem wie Wasser" begleitete, erinnert eine Summe von 120 000 Lire, die auf den Ausgang dieses Streites nur gewartet haben, zugunsten des Unternehmertums von der Polizei tagtäglich welche das Haus Bleichröder, die Bank für Handel und gleichfalls ihre Rechnung präsentieren werden. Die Hausbesizer- folche Gesetzwidrigkeiten begangen werden, sich Staat der Industrie, die Berliner Handelsgesellschaft, die Diskontovereine schreien schon seit mehr als Jahresfrist nach Sozialreform schimpft, verleiht der Sache einen gewissen gesellschaft und die Dresdner Bank den Opfern des Erdbebens Repressalien, durch die man den Vorortgemeinden die Humor. Der Arbeiter, der die vornehme Pflicht eines Streit in Italien gegeben haben. Der Chef des Hauses BleichLust zum Fordern bald austreiben werde. Ihr Sprachrohr postens übt, erträgt wacker die polizeilichen Uebergriffe, hält röder überreichte gestern das Geld der italienischen Botschaft in der Stadtverordneten- Versammlung war, wie immer Herr sich streng im Rahmen der geseßlichen Befugnisse und unter- in Berlin. Uns soll verlangen, ob auch in diesem Fall die Wallach und Herr Cassel sekundierte ihm. gräbt so eben durch seine Gesetzlichkeit das Ansehen unseres Banten vom Steuerfistus herangezogen werden und das Herr Wallach hatte den Antrag eingebruu.. dem Polizeistaates nach Kräften. Oberverwaltungsgericht dann der Ansicht der Banten beitritt, Magistrat die Einsetzung einer gemischten Deputation vor- Herrn Erdmannsdörfer ist dies alles nagelneu, Er schreibt daß derartige Ausgaben als Geschäftsspesen zu bezuschlagen, die darüber beraten solle, wie man die in der Morgenpost": trachten und daher nicht steuerpflichtig seien. Es verlautet Forderungen der Vororte abweisen und sie in ihren übrigens nichts davon, daß auch dies Geld auf Anregung des petuniären Folgen für Berlin unschädlich machen könne. Kaisers von den Banken geopfert worden ist. Was wären die Vororte ohne Berlin! eiferte er. Berlin ist ihre Nährmutter, Berlin hat sie groß gepäppelt, und das ist nun der Dank! Womit man die Kinder", die so häßlich gegen ihre Mutter" handeln, zur Vernunft bringen" solle, das sagte Herr Wallach nicht, aber er sprach die Hoffnung aus, daß die gemischte Deputation schon die richtigen Mittel finden werde. Was er meinte, das hat er früher oft genug offen erklärt: die Berechnung der Selbstkosten" für die Behandlung der Vorortbewohner in Berliner Krankenhäusern, für Berliner städtische Beamte das Verbot draußen zu wohnen usw. " 7 Die neueste Praris der Polizei auf dem Gebiete des Streit postenstehens ist die: das Streifpoftenstehen kann an und für sich nicht verhindert werden, weil die Arbeiter ein Recht dazu haben. Wir müssen es dulden, so lange alles dabei ruhig bleibt. Kommen aber Ausschreitungen vor, dann können wir es durch Verbot des Stehenbleibens unmöglich machen. Diese Auffassung ist rechtlich ganz unhaltbar. Ein Recht bleibt ein Recht. Und selbst wenn in Ausübung dieses Rechtes Uebergriffe geschehen sind, so kann das Recht nicht einfach beseitigt werden, sondern die Polizei hat dann nur die Befugnis, dafür zu sorgen, daß keine Ausschreitungen mehr vorkommen, und eventuell mit Strenge einzuschreiten. Zu welchen Zuständen die gekennzeichnete Praris der Polizei führt, geht daraus hervor, daß hier in der Kochstraße streikende Mädchen, die in einem Restaurant zusammenkommen, auf dem Wege zum benachbarten Bäcker, bei dem sie sich Semmeln holen wollen, mit Verhaftung bedroht und Hauswirte veranlaßt werden, den Streit führern das Stehen im Hausflur zu verbieten! Die fleinlich beschränkten Anschauungen dieses Hausagrarischen Kirchturmspolitikers geißelte unser Genosse Singer, indem er seinerseits die Vorortfrage vom Standpunkt eines Wenn wir dem erschrockenen Herrn Erdmannsdörfer verGroß- Berliners aus beleuchtete, der Berlin mit seinen sichern, daß er der Arbeiterschaft mit diesem Klagelied nichts Vororten als wirtschaftliche Einheit ansieht. Neues vorsingt, dann begreift er vielleicht dunkel, warum Der sozialdemokratische Redner wies unter großer Unruhe die Arbeiter den ihnen von bürgerlicher Seite gegebenen Rat, der Versammlung darauf hin, daß der Ertrag der Berliner doch endlich zum Staat der Sozialreform Vertrauen zu Arbeit mit durch den Fleiß der in den Vororten wohnenden fassen, als bitteren Hohn betrachten, warum sie nichts Arbeiter, der werktätigen Bevölkerung jener unbemittelten fehnlicher anstreben müssen als die Befreiung, die ErNachbargemeinden geschaffen wird und die jetzt von Berlin lösung von diesem Staat. eine Beihülfe zu ihren Schullasten fordern. Es verstand sich von selbst, daß in diesem Zusammen# Die Einführung des Sechsuhr- Ladenschlusses in den Engrosgeschäften macht weitere Fortschritte. Der Verband der Großhändler der Samt- und Seidenwarenbranche hat die Einführung des SechsuhrLadenschlusses vom 1. Oktober d. J. ab beschlossen. Wie verlautet, sollen die Engrosgeschäfte mit Tuchen und Kleiderstoffen diesem Beispiele zu folgen beabsichtigen. Auch im Konfektionsgroßhandel ist Stimmung für den früheren Geschäftsschluß vorhanden. Selbstmord eines Studenten. In der Nacht zum Mittwoch hat fich der 25 Jahre alte Kandidat der Medizin Ernst Süßkind, der Sohn eines Rentiers aus dem Westen der Stadt, erschossen. Der junge Mann bewohnte feit 3 Monaten in der Schumannstr. 2 ein möbliertes Zimmer. Er flagte ständig über Geldmangel und machte bei seiner Wirtin und anderen Leuten Schulden. Da ihm sein Vater nach seiner Versicherung nichts mehr gab, so sah er wohl teinen Ausweg mehr und griff zum Revolver. Gestern ließ er sich den ganzen Tag nicht sehen. Als daraufhin ſeine wirtin um 5 Uhr nachmittags sein Zimmer öffnen ließ, fand man ihn nur halb befleidet tot und bereits erstarrt auf dem Fußboden liegen. Durch einen Revolverschuß in das linke Auge hatte er seinem Leben ein Ende gemacht. N. Ein Mordsrausch. Eine sonderbare Aufklärung hat der schwere Erzeß vor Gericht gefunden, über den wir kürzlich berichteten. Der Schlosser Willi Nerrlich war fürzlich von der Straffammer hang auch die leidige Eingemeindungsfrage erwähnt In der gestrigen Sitzung des Kuratoriums für das städtische des Landgerichts II zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt werden mußte. Singer erinnerte daran, daß vor 10 Jahren& ach und Fortbildungsschulwesen unter dem Vorsize worden und gab bei Verkündigung des Urteils zu einer wüsten der Magistrat den richtigen Zeitpunkt verpaßt habe, und daß des Stadtschulrats Dr. Gerstenberg wurden die Bestimmungen Szene im Gerichtssaale Anlaß. Schon während der Verhandlung auch heute noch die aus Stadtverordnetenfreifen gekommene zu der dem Magistrat zugefallenen Stiftung des verstorbenen Rats fiel N. durch seine eigentümlich lallende Sprechweise und fein freches maurermeisters Mappes beraten. Dieser hat dem Magistrat Betragen auf. Nunmehr hat sich herausgestellt, daß der Anlaß Anregung, Berlin mit den Vororten wenigstens für die Lösung 300 000 m. hinterlassen mit der Bestimmung, daß ein Drittel des hierzu in der vollständigen Angetrunkenheit des Angeklagten zu einzelner Aufgaben von gemeinsamem Interesse zusammen- Binsertrages zu Studienzwecken der Lehrer an den Handwerker- suchen war.„ Gute Freunde" des N., die sich bei Gerichtszuführen, im Magistratskollegium wenig beachtet werde. schulen, ein weiteres Drittel zu Stipendien für Schüler an den verhandlungen immer einfinden, hatten es in einem unDie Frage der Eingemeindung und der Interessengemein- beiden Handwerkerschulen und das letzte Drittel zu Anschaffungen beobachteten Moment verstanden, eine Flasche Rum in schaft beherrschte dann die weitere Debatte, die Ausführungen für diese Schulen verwandt wird. Da die landesherrliche Geneh- die sonst leerstehende Detentionszelle einzuschmuggeln, beAls der Angeklagte in dieser untergebracht war. der Herren Preuß( Sozial- Fortschrittler), Cassel( Alte migung zur Annahme dieser Stiftung noch aussteht, die Stiftung bor Linke) und Haberland( Alte Linte). Cassel behauptete, noch nicht ins Leben getreten ist und noch weitere Beratungen er vor dem Termin auf furze Zeit in dieser Belle untergebracht nicht am Magistrat, sondern an der Regierung habe es ge- forderlich find, so find alle Bewerbungen um die Wohltaten der wurde, hatte er bald die Flasche Rum hinter dem Dfen entdeckt und tat sich daran gütlich. Im Gefängnis wurde später ein MordsLegen, daß die Eingemeindung nicht zustande kam, doch wies Stiftung zurzeit vollständig zwedlos. rausch bei dem Angeklagten konstatiert. Irgend eine mangelnde Singer fofort nach, daß der Plan durch die fiskalischen BePropaganda der Tat. Ein Parteigenosse erfuhr vor einigen Aufsicht seitens der Gerichtsdiener ist nicht anzunehmen, vielmehr denken des Magistrats zum Scheitern gebracht wurde. Auch Monaten, daß in Berlin eine anarchistische Zeitschrift er trägt die durchaus unzweckmäßige Art die Vorführung, wie sie in Oberbürgermeister Kirschner versuchte, von den städtischen scheint, welche es der Sozialdemokratie und ihren Führern ordentlich den alten Gerichtsgebäude noch besteht, der Schuld an diesem VorBehörden die Schuld abzuivälzen, aber er mußte doch hinter- gibt. In seiner Wißbegier abonnierte er auf das Blatt; als er es fall. In dem neuen Gerichtsgebäude find deshalb schon andere Anher bekennen, daß die städtischen Behörden ihre Verhandlungen aber ein Bierteljahr gelesen hatte, beglich er das Abonnement und ordnungen bei dem Bau getroffen worden, so daß die Gefangenen so lange ausgedehnt haben, bis ein Wechsel in der Regierung bestellte die Zeitschrift ab. Trotzdem wurde sie ihm weiter zu in keinerlei Berührung mit dem Publikum kommen können. eintrat und dann von Eingemeindung nicht mehr die Rede gesandt. Auf einer Postkarte ersuchte unser Parteigenosse darauf die war. Aufsehen erregte eine Andeutung des Oberbürgermeisters, Expedition des Blättchens, doch fortan von der Zusendung abzunach Aeußerungen maßgebender Personen dürfe er hoffen, daß ſehen; er habe sich nur orientieren wollen, und ſei jetzt gesättigt, sich jetzt wieder ein Umschwung vorbereite. Die von Wallach vorgeschlagene Einsetzung einer ge mischten Deputation fand in der Abstimmung den Beifall fast des gesamten Freisinns, und man darf annehmen, daß auch der Magistrat sich damit einverstanden erklären wird. Was aus ihren Beratungen herauskommen kann, das steht im boraus fest. Herr Cassel sagt, man werde mindestens ertennen, daß Berlin seine Rechte wahrzunehmen entschlossen ist. Er denkt also wohl an eine Einschüchterung der Vororte. Herr Wallach und sein Gefolge, das in der gemischten Deputation sich vermutlich die Majorität sichern wird, dürften sich schwerlich mit der Defensive begnügen, sondern zum schneidigen Angriff gegen die Vororte vorgehen. Einer unserer älteren Barteigenossen, der Restaurateur Paul Hilpert, ist gestern im 51. Lebensjahre in seiner Heimat Altenburg geftorben. Seit längerer Zeit fränflich, mußte er seine Gastwirtschaft in Halensee, die vielen Parteigenossen bekannt sein wird, vor einigen Monaten verkaufen; er hoffte im Privatleben Erholung zu finden, doch wurde ihm diese nicht zu teil. Er begab sich vor kurzem nach seiner Heimat, wo er in den Armen seiner Schwester gestorben ist. Hilpert wird den älteren Parteigenossen noch aus der Reit des Bier bom Anarchismus. Sehr erfreut war unser Parteigenosse, als er vorgestern, nach dem sechs Wochen verflossen waren, einen Schreibebrief folgenden Inhalts erhielt: " Werter Herr! Jm Besize Ihrer Karte vom vorigen Monat beeilen wir uns, Ihnen mitzuteilen, das wir hocherfreut waren zu lesen, das ein halbjähriges Studium der Anarchistischen Presse genügt hat um Ihren anscheinend zerrütteten Geist es zust and wieder zu realisieren. Durch den Satz Das Sie von unferer Presse jetz genug haben", lassen Sie uns ein Lob zu teil werden, welches wir taum verdienen. Sollte dessen ungeachtet wie es der Fall zu sein scheint, irgend eine Ecke in Ihrem Schädel noch nicht völlig gefund, so empfehlen wir Ihnen noch einen halb jährigen Aufenthalt in Herzberge zu nehmen. Im übrigen werden wir uns erlauben in nächster Zeit, durch ein paar Hand und schlagfeste Genossen die Rechnung für die halbjährliche Behandlung einziehen zu laffen. Sollten Sie der eventuellen Massage unserer Genoffen nicht bedürfen so ersuchen wir um Einsendung des Betrages. Sie schulden uns M. 1,64. In aller Ehrfurcht zeichnen Verlag und Redaktion des Anarchist. In der Berliner Journalistit mag diese Zuschrift einzig dastehen. Driginalität im Stil ist der Redaktion des" Anarchist" aber doch nicht eigen, denn jenseits der großen Wasserwäste erscheint ihr offen Die Bluttat in der Hasenheide scheint ebensowenig aufgeklärt werden zu sollen wie etliche andere Stapitalverbrechen. Denn der berfolgte Kutscher Hermann Richter ist noch nicht ergriffen, und man hat auch noch keine Spur von ihm ermittelt. Die Behörde rechnet auch mit dem Umstand, daß sich Richter das Leben genommen hat. Selbstverständlich werden die Bemühungen, den Verbleib des Mörders zu ermitteln, mit emfigem Bemühen fortgesetzt. Der Selbstmordversuch eines 13jährigen Knaben verursachte gestern morgen in dem Hause Reichenbergerstr. 103 große Aufregung. Er ist eine Folge jener oft beklagten Raufereien unter Schulkindern, die zuteilen zu wahren Schülerschlachten ausarten. Bei solchen Prügeleien beteiligte sich hervorragend der 13 Jahre alte Sohn Willi des Gastwirts Winterfeldt aus der Reichenbergerstr. 103. Der Rektor der Gemeindeschule in der Glogauerstraße, die der Knabe besucht, schrieb auf die Klagen, die bei ihm angebracht wurden, an die Eltern und bat sie, den Jungen etwas mehr im Baum zu halten. Die Leute machten mun ihrem Sohne ernste Vorhaltungen, ohne ihn zu schlagen, wie sie versichern. Gestern morgen wiederholten sie ihre Ermahnungen. Der Knabe aber fühlte sich verletzt, tat zwar so, als ob er zur Schule ginge, holte sich jedoch unter dem Vorivande, daß er für seine Eltern etwas zu besorgen habe, von einer Frau aus dem Hause den Bodenschlüssel und stürzte sich aus dem Bodenfenster auf den asphaltierten Hof hinab, wo er mit gebrochenen Beinen besinnungslos liegen blieb. Sein Vater brachte ihn mit einer Drofchte nach der Rettungswache am Görlitzer Bahnhof und | von dort nach dem Krankenhaus am Urban. Die Aerzte stellten| Dort geriet der 15jährige Schlofferlehrling Friz Hampsch, anscheinend deponiert war, auf jemen Namen überschrieben wurde. Er nahm außer den Brüchen beider Beine auch noch schwere innere Ver- durch eigene Schuld, mit dem Oberkörper zwischen Riemen und davon 3000 m. und verwandte davon etwa 1800 M. für die Hochzeit, legungen fest, so daß das Schlimmste zu befürchten ist. Auf eine Scheibe einer Maschine und wurde in des Wortes wahrster Be- die unter Teilnahme verschiedener Verwandten in London gefeiert, Treppenstufe hatte der Knabe mit Kreide geschrieben: Lebt wohl, deutung gerädert und totgequetscht. Der von der nächsten Unfall- wurde. Dann kehrte das junge Paar nach Berlin zurück, und der Liebe Eltern, berzeiht mir! station sofort hinzugerufene Arzt konnte nur den bereits eingetretenen junge Ehemann trat sofort wieder mit seiner Geliebten in VerTod feststellen. bindung. Fünf Tage nach der Hochzeit irrte die junge Frau mit verweinten Augen von Pontius zu Pilatus: ihr Mann war plöblich verschwunden und blieb verschwunden! Die angestellten Nach= Adlershof. Ein rätselhafter Selbstmord, der bei dem Kloster Chorin verübt wurde, hat jetzt seine Aufklärung gefunden. Dort wurde vor einigen Tagen unweit der Villa Naaz und der Neuen Klosterschenke die Der Unternehmer Scheren- Düsseldorf hat für den Entwässerungs- forschungen ergaben, daß gleichzeitig auch seine Geliebte sich aus Leiche eines gutgekleideten Fremden auf einer Bank liegend auf- verband die Wasserleitungsröhren irrtümlich in den neugepflasterten Berlin entfernt hatte und daß von der auf der Bank deponierten gefunden, der sich, wie die nähere Untersuchung ergab, durch einen Damm der Auguste Viktoriastraße verlegt, während festgesezt ist, Mitgift eine Summe abgehoben worden war. Nun witterte man Revolverschuß in den Kopf getötet hatte. Die Bersönlichkeit des daß dieselben in den beiden Bürgersteigen zu verlegen sind, um das Unrat und betrieb die Verfolgung des flüchtigen Pärchens. Ein Lebensmüden ist munmehr durch die seitens der Gerichtskommission Aufreißen des Straßenpflasters zu vermeiden. Die am Mittwoch Bruder der verlassenen jungen Frau nahm die Verfolgung in die beranlaßte photographische Aufnahme der Leiche festgestellt worden. stattgefundene Gemeindevertretersizung beschloß deshalb, dem Unter- Hand, er fand zunächst Spuren, die nach Heidelberg führten, und es Es handelt sich um den 78jährigen Ingenieur Konstantin Scheide nehmer aufzugeben, die Röhren wieder herauszunehmen und nach gelang ihm schließlich, die Durchbrenner in Zürich, wo sie in einem aus Berlin. In den Kleidertaschen des Toten fand man nur ein Zeichnung zu verlegen, den Damm aber nicht vor Herbst 1906 Hotel als„ Herr und Frau K." logierten, zu ermitteln. Er holte Fünf- und ein zweipfennigftück, sonstige Wertobjekte hatte er umzupflastern und eine entsprechende Sicherheit zu stellen. Zur Aus- Polizei herbei und ließ zunächst den Angeklagten verhaften; dieſer nicht bei sich. Noch kurz vor dem Selbstmorde hatte Scheide in führung der Kanalisationsanschlüsse waren die am Ort ansässigen übergab in dem Augenblick seiner Verhaftung seiner Geliebten ein einem Choriner Gasthause vorgesprochen, wo er ein Logis mieten fünf Unternehmer zur Abgabe von Offerten aufgefordert, aber nur Baket mit 960 M., welches ihr aber abgenommen wurde. Auch wollte; er entfernte sich aber wieder und machte bald darauf in der brei derselben hatten solche eingereicht. Ms Höchstfordernde war Fräulein D. hatte das Vergnügen, in Haft genommen zu werden, Nähe seinem Leben ein Ende. Das Motiv ist unbekannt, doch werden die Firma Pförtner, der Mindestfordernde Ruff. Der Zuschlag wurde sie wurde aber nach vier Tagen wieder entlassen, da ihr nicht nachwohl den Greis Nahrungssorgen und Lebensüberdruß in den Tod dem Zweithöchsten Herrn Röside mit 13 355 M. erteilt. Von mehreren gewiesen werden konnte, daß sie von einem betrügerischen Vorgehen getrieben haben. Anliegern der Kaiser Friedrichstraße war gegen die Festsetzung der des Angeflagten Kenntnis hatte. Letzterer wurde nach den üblichen Am Hochzeitsabend wahnsinnig geworden. Ein bitteres Miß- Baufluchtlinien Einspruch erhoben worden und wurde dementsprechend diplomatischen Verhandlungen wegen Betruges hierher ausgeliefert geschick ist dem Schlosser Adler aus der Christianiastr. 125 wider beschlossen, die Vorgärten statt auf vier Meter auf drei Meter fest- und ſitzt seitdem in Untersuchungshaft. Auf Grund der Strafanzeige der Schwiegermutter nimmt die Anklagebehörde an, daß er die Ehe fahren. Der Unglückliche ist am Abend seines Hochzeitstages vom zuſegen. nur zu dem unlauteren Zweck geschlossen habe, um in den Besitz der Irrfinn befallen worden. Er ließ gestern am Vormittag auf dem Alt- Glienicke. Mitgift zu gelangen und dann mit seiner Geliebten das Weite zu Standesamt in der Badstraße seine eheliche Verbindung vollziehen. Am Nachmittag tanzte das junge Ehepaar in einem Lokal, Den Genossen und Arbeitern zur Nachricht, daß am Donnerstag, suchen. Der Angeklagte bestritt dies und gab nur zu, höchst unfair tehrte gegen Abend zurück und begab sich gegen 9 Uhr zur Ruhe. den 14. d. M., eine fliegende Barbierstube bei Herrn Joch, Alt- gehandelt zu haben. Er hat sofort darauf verwiesen, daß, wenn er Kurz nach 9 Uhr hörten die Bewohner des Hauses Hülferufe. Glienice, errichtet worden ist. Bekanntlich hat sich von den drei hätte. Den von ihm abgehobenen Betrag hatte er nämlich auf einer Aus dem Hinterhause nur notdürftig Barbiergeschäftsinhabern niemand gefunden, der die Lohn- und anderen Bank deponiert und nach seiner Verhaftung alles der rannte eine Frau bekleidet über den Hof nach dem Seitenflügel in wilder Flucht. Arbeitsbedingungen der Gehülfenschaft bewilligt hat. Gleichzeitig geben wir hiermit bekannt, daß die fliegende Barbier- daß er nur aus dem Grunde nach Zürich gereist sei, um dort den Schwiegermutter zur Verfügung gestellt. Im übrigen behauptete er, Unmittelbar hinter ihr folgte der junge Ehemann. Jm Seitenflügel holte er seine Frau, ein und versetzte ihr heftige Schläge. Nachdem ſtube bei Herrn Gastwirt Kunsdorf, Adlershof( Adlergestell) auf- Versuch zu machen, ein Geschäft zu begründen. Das Fräulein D. habe er mitgenommen, weil diese sehr geschäftstüchtig sei und er ihr Hausbewohner zur Hülfe geeilt, begab sich der Mann unter den gehoben ist. wirrſten Reben, wie„ Um 12 Uhr geht die Welt unter!" und mit Der Ausschuß des Gewerkschaftskartells Adlershof und Umgegend. nach dem Herzenskummer, den er ihr bereitet, eine kleine Erholungsden Drohungen, daß er seine Frau erschießen würde, in die Wohnung. und Vergnügungsreise gegönnt habe. Der Rüdfluß des Geldes Pankow. Von der Wache des 9. Neviers in der Grünthalerstraße tamen dann hat inzwischen versöhnend auf Schwiegermutter und Tochter gewirkt: erstere machte den unzulässigen Versuch, den Strafantrag zurückzwei Schußleute. Sie öffneten mit Gewalt die Tür der im Parterre gelegenen Wohnung und führten dann den Wermsten nach der Wache, zuziehen, und beide Zeuginnen verweigerten gestern ihre Aussage. wo er vom Kreisarzte untersucht wurde. Die Versöhnung mit dem Angeklagten ist inzwischen perfekt ge worden. Staatsanwaltschaftsrat el big behandelte den An geklagten als Heiratsschwindler, der allerdings den Anspruch auf Originalität erheben fönne. Sein ganzes Verfahren könne für das gesunde und unbeeinflußte Empfinden jedes denkenden Menschen nur zu dem Schlusse führen, daß er von Anfang an eine be= Aufsehen erregt hier die gestern morgen erfolgte Verhaftung des trügerische Absicht verfolgt habe. Er beantragte gegen den Angedortfelbst wohnenden 75 Jahre alten Rentiers, früheren Bäcker- flagten zwei Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ghrverlust. meisters Kretschmer, der beschuldigt wird, sich gegen Kinder Rechtsanwalt Dr. Werthauer gab dem Staatsanwalt nur zu, unfittlich vergangen zu haben. Der Greis gestand im Moment daß der Angeklagte äußerst frivol und verwerflich gehandelt habe, der Verhaftung ein, daß er ein fünfjähriges Mädchen in seiner bestritt aber das Vorliegen eines Betruges aus juristischen und tatWohnung gehabt und an demselben ein Verbrechen verübt habe. sächlichen Gründen. Er illustrierte in launiger Weise die ganzen Weitere ihm zur Last gelegte Vergehen bestreitet er jedoch mit aller hier obwaltenden Verhältnisse und kam zu dem Schlusse, daß der Entschiedenheit. Angeklagte am liebsten wohl alle beide Damen geheiratet hätte: die eine ihrer körperlichen Vorzüge, die andere ihres Geldes wegen. Da er sich mit Rücksicht auf das letztere für das Fräulein J. ent schlossen habe, habe er törichter Weise es als eine Art Pflicht erachtet, seiner bisherigen Geliebte ein Pflaster auf die Herzenswunde au legen, indem er sie auf die Schweizer Reise mitnahm. Er habe nicht nur pro forma die Ehe geschlossen und sei bereit, als reuiger Der Sünder zu seiner ihm angetrauten Frau zurückzukehren. Gerichtshof hielt die Kriterien des Betruges nicht für vorliegend und erkannte auf Freisprechung, indem der Vorsitzende betonte, daß sich der Angeklagte das Mißgeschickt seiner Verhaftung durch sein Vorgehen selbst zuzuschreiben habe. " Beim Fensterpuken abgestürzt. In der Handelsstätte Bellealliance hat sich gestern ein schwerer Unglücksfall zugetragen. Der 16jährige Fensterpuzzer Karl Siedow, Elisabethstr. 16 wohnhaft, war am Eingange zur Friedrichstraße in der zweiten Etage mit dem Reinigen von Fensterscheiben beschäftigt. Der junge Mann verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe hinab. Mit schweren inneren Verlegungen, Arm- und Beinbrüchen blieb er auf dem Bürgersteige liegen. In der Unfallstation am Tempelhofer Ufer ward dem Bedauernswerten die erste Hülfe zuteil. Im Urban- Krankenhause, wo S. Aufnahme fand, liegt er in bedenklichem Zustande danieder. Außerdem werden uns noch zwei weitere Unfälle während der Arbeit vom gestrigen Tage gemeldet. Der auf dem Neubau Nansenstr. 37 tätig gewesene Steinträger Gustav Galling, Kaiser Friedrichstraße 36, wollte eine Mulde mit Mauersteinen nach dem Bau hinauftragen. Er glitt auf dem schlüpfrigen Straßenpflaster aus und zerschmetterte sich beim Sturz die linke Kniescheibe. Als der in der Vereinsbrauerei angestellte Bierfahrer Franz Kauer aus der Hermann straße 40 in der Krausenstraße ein Faß Bier vom Wagen herunterhob, fiel es ihm mit solcher Gewalt gegen den Unterschenkel, daß die Kniescheibe ausgedreht wurde. Wegen fahrlässiger Tötung ist gegen den 13 Jahre alten Gemeindeschüler Georg W., dem Sohn eines Arbeiters aus der Soldiner straße, ein Strafverfahren eingeleitet worden. Wie schon kurz mitgeteilt wurde, warf der Knabe am vergangenen Sonnabend aus bem vierten Stock des Neubaues Soldinerftr. 26 einen Negriegel hinab. Dieser traf seinen Spielkameraden, den sechs Jahre alten Sohn Wilhelm des Arbeiters Kuleick aus der Soldinerstr. 36 auf den Kopf, so daß er bewußtlos nach dem Kaiser und Kaiserin FriedrichKrankenhause getragen werden mußte. Hier ist der Verunglückte an einem Schädelbruch gestorben. Hoffentlich geschieht nicht auch noch das Unglück, daß der Knabe, auf dem der Tod des Kindes schon schwer genug laftet, wegen seiner Fahrlässigkeit ins Gefängnis wandern muß und dort auf immer moralisch zugrunde gerichtet wird. Dr. Lippmanns Poliklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten Golzstr. 40a, die ein Jahr lang geschlossen war, ist seit den 1. Juli 1905 wieder eröffnet und wird wochentäglich von 9-10 Uhr vormittags abgehalten. Die Poliklinik für Magen- und Darmkrauke, Karlstr. 20a, ist nach der Rückkehr ihres Leiters wieder von 10-11 Uhr für Unbemittelte geöffnet. Im wissenschaftlichen Theater der Urania in der Taubenstraße wird der Vortrag" Die beutsche Nordseeküste" am Sonnabend zum legtenmal wiederholt werden. Am Sonntag findet die Erftaufführung des Vortrags Jm Lande der Mitternachtssonne" statt, dessen erster Teil den Zuschauer von der Fjordküste von Christiansfand bis Molde führt und dessen zweiter Teil das Nordland von Drontheim bis zum Nordkap behandelt. Der Vortrag ist mit zahlreichen farbigen Bildern ausgestattet. Theater. Jm Theater des Westens wird die Operette Der Opernball" von Nichard Heuberger zum erstenmal am Sonn abend den 16. September zur Aufführung gelangen. Der Wiener Komponist Richard Heuberger hat sein Erscheinen zur Premiere feines Werkes zugesagt. Im Luisen Theater wird heute Wolzogens „ Das Lumpengesindel" aufgeführt; die Hauptrollen liegen in den Händen der Damen Hüftel, Biel, Müller, und der Herren Wald, Rinkel, Kerker, Hüner. Nixdorf. -Vorort- Nachrichten. Ein unbekanntes Mädchen im Alter von etwa fünf Jahren ist in Schönerlinde hinter Pankow aufgefunden worden. Das Kind stammt anscheinend aus Berlin, hat dunkles Haar und trägt ein Dunkelrot fariertes Kleid und Schnürschuhe. Ihre Wohnung weiß die Kleine nicht anzugeben. Sie meint Hedwig zu heißen und nennt einen Familiennamen Kolluschinski oder ähnlich. Mariendorf. Tegel. Gegen die Fleischnot. Auf Antrag unseres Genoffen Nodeite beschloß die Gemeindevertretung eine Petition an den Reichskanzler, in welcher um Maßnahmen zur Beseitigung der Fleischnot ersucht wird. Potsdam. Die Leichen eines jugendlichen Liebespaares wurden am Mittwoch in einer dichten Schonung der Potsdamer Forst in der Nähe der neuen Arbeiterkolonie„ Cecilienhöhe" aufgefunden und alsbald als der 24jährige Heizer Wilhelm Störp, Sohn des Arbeiters Störp aus Cecilienhöhe 20, und dessen Braut, die 23jährige Meta Kaduhn aus Treptow an der Tollense refognosziert. Zum Zeuthener Mord. wurde gestern von der zehnten Ferienstraffammer des Landerichts I Nach einem Sündenbock für einen Eisenbahnunfall in einer bis zum Spätnachmittag sich hinziehenden Tagessizung eifrigst gesucht. Die Anklage lautete auf Gefährdung eines Eisenbahntransports und richtete sich gegen einen Lokomotivführer sowie bier Bremser bezw. Schaffner. Den Vorsitz führte Landgerichtsrat äbrend es gestern gelungen ist, die Mordaffäre in der Hafen- Neumann, die Anklage vertrat Staatsanwaltschaftsrat Artelt, heide aufzuklären, schwebt über dem schweren Verbrechen in der Hof die Verteidigung führten die Rechtsanwälte Dr. Herbert Fränkel, fammerforst noch immer tiefes Dunkel. Die Polizeibehörde verfolgt Justizräte Dr. Helle und Dr. Alexander- Kaz, Rechtswohl zwei bestimmte Spuren, doch ist es noch fraglich, ob es auch anwalt Dr. Barnau und Heller. Auf der Ringbahngütertatsächlich die richtigen sind. Die verschiedenen bisherigen Verftrede zwischen Moabit und Wedding stießen am 20. Januar cr. Haftungen find alle hinfällig geworden. Die Nachforschungen nach abends gegen 26 Uhr zwei Güterzüge zusammen. Der eine Zug dem Täter erschweren sich von Tag zu Tag, da die Spuren immer fam vom Bahnhof Wedding, der andere vom Bahnhof Putlikstraße. Gestern nachmittag um 5 Uhr erfolgte 3u jener Zeit fanden dort Brückenbau- Arbeiten statt, ein Gleis mehr verwischt werden. auf dem Gemeinde- Friedhof in Beuthen die Beisezung der er mordeten Frau Schurm. Wohl selten ist ein Toter in Beuthen unter solch zahlreicher Beteiligung beerdigt worden, als dies gestern bei der Schloffersfrau der Fall war. Der Sarg verschwand unter einem Berge von Kranzspenden. Die Mitglieder der Gemeindevertretung waren fast vollzählich erschienen und ebenso waren die Arbeitstameraden des tiefgebeugten Ehemanns, der mit seinen drei Kindern hinter dem Sarge schritt, anwesend. Mahlsdorf. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am Sonnabend, den 16. d. M., abends 8 Uhr, im Lokale von Wernete, Hönowerstr. 6, statt. Genosse Goßlau wird einen Vortrag halten über„ Religion und Sozialdemokratie". Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Gerichts- Zeitung. Liebe und Ehe. Eine Eheirrung absonderlicher Art lag der Anklage wegen Betruges zugrunde, welche den Kaufmann Martin kami ti gestern ver die vierte Ferienstraftammer des Landgerichts I führte. Der junge Mann, der bis dahin in einem Herren- Konfettionsgeschäft angestellt war, hatte die Sehnsucht, selbständig zu werden und fah als einziges Mittel, zu diesem Ziele zu gelangen, eine reiche Heirat an. Er hatte zwar ein zartes Verhältnis mit einer Stonfektioneuse Abschlägig beschieden hat der Minister des Innern das Ersuchen Fräulein D., diejer ging aber doch eine wesentliche Charaktereigen. des Rirdorfer Magistrats um Errichtung einer staatlichen schaft ab, die nach seiner Meinung einer Ehefrau inne wohnen muß: Obduktionshalle für polizeilich beschlagnahmte Leichen in sie hatte kein Geld. So blieb ihm denn nichts übrig, als in den Nixdorf. Der abweisende Bescheid bestreitet, daß ein Bedürfnis für fauren Apfel zu beißen, und er wandte sich an ein Schadchen weib. eine derartige Einrichtung vorliege, und stellt gleichzeitig eine lichen Geschlechte mit der Bitte, ihm gegen übliche Provision eine Revision der Gebührenordnung für den Transport von Leichen in Aussicht. Brit. " war außer Betrieb gesetzt und die Züge hatten daher an der Baustelle nur ein freies Gleis zur Verfügung. Um die gedachte Zeit fuhr der von dem angeklagten Lokomotivführer geleitete Güterzüg dem von Moabit kommenden in die Flanke. Eine Maschine wurde aus dem Gleis gehoben und fiel um und der dahinter angekoppelte, mit Heu beladene Wagen geriet in Brand, so daß die Flammen turmhoch in die Höhe schossen und die Feuerwehr große Mühe hatte, den Brand zu löschen. Der durch den Zusammenstoß angerichtete Schaden berechnete sich auf 8900 M. Für den Unfall glaubte die Anklagebehörde die 5 Angeklagten verantwortlich machen zu sollen. Unter dem 17. Januar war den Bahnangestellten eine den baulichen Verhältnissen auf jener Strecke angepaßte Fahrordnung ge= geben worden und gegen diese soll der angeklagte Lokomotivführer gefehlt haben. Es wurde angenommen, daß, obgleich das Vor- und Hauptfignal für den vom Wedding kommenden Bug Nr. 8960 Salt" gestellt gewesen, der Lokomotivführer doch mit großer Geschwindig weit weiter gefahren sei und das letzte Signal überfahren habe. Den übrigen Angeklagten wurde zur Last gelegt, daß sie nicht, wie es die Dienstvorschriften gebieten, in einer gefahrdrohenden Situa tion, die sie hätten wahrnehmen müssen, selbständig die Schutzvorrichtungen, Bremsen usw. vorgenommen haben. Die Angeklagten bestritten sämtlich ihre Schuld, die sie in erster Reihe darauf schoben, daß an der kritischen Bahnstelle eine Unübersichtlichkeit der Signale vorherrsche, durch die jemand, der die Strede noch nicht lange befahre, leicht in Verwirrung geraten könne. Nach der Bekundung des angeklagten Lokomotivführers hat er sein Vorsignal irrtümlich für das Ausfahrtssignal der Station Wedding angesehen. Er habe das Hauptsignal gesucht und es anfangs nicht finden können, da es von einem Signal der Personenzuggleise verdeckt gewesen sei. Als er schließlich sein Hauptfignal gesehen, habe er sofort das Notsignal und Gegendampf gegeben; es sei aber schon zu spät gewesen. Die umfangreiche Beweisaufnahme erstreckte sich ausschließlich auf technische Fragen: Lage der einzelnen Signale, die Art ihrer Bedienung, die Möglichkeit, daß in einer gewissen Entfernung das eine Signal durch das andere verdeckt erscheint usw. usw. Zu diesen technischen Fragen wurden Geheimer Baurat Meyer, Eisenbahndirektor Call. mann und pensionierter Lokomotivführer ettmann als SachDie Verhandlung endete mit der Freiberständige vernommen. sprechung der sämtlichen Angeklagten. Der Staatsanwalt hatte nur ganz geringe Geldstrafen in Antrag gebracht. Tabatarbeiter und Arbeiterinnen. Freitag, den 15. September, abends 8½ Uhr, bei Wilke, Brunnenſtr. 188: Deffentliche Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Zadek:" Der notwendige Kampf der Arbeiterschaft gegen die Leben und Gesundheit zerstörende ueberarbeit und Hausarbeit."( Siehe Injerat in gestriger Nummer.) Frau mit einer anständigen Mitgift zu verschaffen. Die Heirats. vermittlerin offerierte ihm auch bald eine Jungfrau, Fräulein J., die ihm angeblich eine Mitgift von 25 000. bar mit in die Ehe bringen sollte. Die jungen Leute lernten sich fennen, es schien alles In der am Dienstag abgehaltenen Versammlung des Wahl zu klappen", und die Verlobung tam zustande. Als der Angeklagte bereins Brig hielt zunächst Genosse Baege einen leicht verständlichen seinem Liebchen Mitteilung von seiner Heiratsabficht machte, da Vortrag über das Thema: Entstehung und Abstammung des weinte sie sehr, sie war aber jo vernünftig, sich in ihr Schicksal zu Menschen. Hierauf erstattete Genosse Weimann den Bericht von der fügen. Der Liebesgram machte sie aber bald frant, fie drückte dem Kreisgeneralversammlung. In Vereinsangelegenheiten erfolgte die Angeklagten brieflich ihre Sehnsucht aus, und so tam es, daß dieser Neuaufnahme von 14 Mitgliedern. drei Wochen nach seiner Verlobung schon wieder Zusammenfünfte mit seiner Geliebten hatte. Um die Weihnachtszeit sollte es zur Hochzeit gehen, die in London gefeiert werden sollte, da der Angeflagte naturalisierter Engländer ist und Schwierigkeiten wegen der Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. Beschaffung seiner Papiere befürchtete. Inzwischen wurde feine Heiratslust immer mehr gedämpft. Die Mitgift von 25 000 m. E. H. 29, Hamburg. Filiale Berlin 4: Mitgliederversammlung am Sonnbar, die die Schwiegermutter in feste Aussicht gestellt hatte, schwand abend, den 16. September, bei Merkowski, Andreasstr. 26. Tagesordnung: Filiale Berlin 6: Mitgliederversammauf die Hälfte zusammen, da die andere Hälfte nur in hypotheta. Stassenbericht und Verschiedenes. rischen Eintragungen bestand, dann wurde eine Summe von 10 000 lung am Sonnabend, den 16. September, abends 8 Uhr, bei Wiesenthal, Aderstr. 123. Filiale Berlin 7: Mitgliederversammlung am Sonntag, Mark daraus, und auch diese sollte ihm anfänglich vorenthalten den 17. September, vormittags 10 Uhr, bei Hoffmann, Basewalkerstr. 3. werden, so daß dem Angeklagten nach und nach vor der ganzen Sache Tagesordnung: Kaffenbericht, Ausnahme der Frauen in die Sterbekaffe, " mies" wurde, wie der Berliner zu sagen pflegt. Er hielt schließlich verschiedenes. Filiale Rummelsburg: Mitgliederversammlung am Sonn aber die 10'000 M. doch auch nicht ganz übel, sorgte aber dafür, daß abend, den 16. September, abends 8, Uhr, bei Gustav Tempel, Borhagen, dieses Geld wenige Tage vor der Hochzeit auf der Bant, wo es de der neuen Bahnhofstraße. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Genosse Brasch ersuchte die Versammelten, mehr wie bisher dafür Sorge zu tragen, daß unser Zentralorgan, der„ Vorwärts", eine immer weitere Verbreitung unter der Arbeiterschaft finde. Be schämend sei es, daß es noch Parteigenossen gäbe, welche, obgleich politisch organisiert, gar kein Blatt, oder was noch schlimmer sei, Ferner macht der Vorsitzende auf die gegnerische Blätter lesen. Matinee aufmerksam, welche am 17. September in der Neuen Welt zum Besten der russischen Freiheitstämpfer stattfindet, und ersucht um regen Absatz dieser Billetts. Lichtenberg. Totgcquetscht. Ein entseglicher Betriebsunfall trug sich gestern nachmittag in der Maschinenfabrik von Grosse in Lichtenberg zu. Berantw. Rebatteur: Baul Büttner, Berlin. Für den