Nr. 220. Insom Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Post- Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Erisbeint täglich außer Montags. 每 Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ., Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebruckte) Wort 10 Big., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben sählen für zwei Worte. Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: ., Sozialdemokrat Berlin". dupla Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 20. September 1905. wurde, so ist dies aus der Schwere der von ihm begangenen StrafDie russische Justiz und die deutsche taten zu erklären. Regierung. Auf die Eingabe unserer Reichstags- Abgeordneten in Sachen Rasprzak ist nunmehr folgende Antwort eingegangen: jog Auswärtiges Amt. Berlin, den 16. September 1905. Auf die am 8. d. Mts. nachmittags aufgegebene telegraphische Eingabe, betreffend den in Warschau am 1. September dieses Jahres zum Tode verurteilten preußischen Staatsangehörigen Martin Kasprzat, geboren am 2. November 1860 in Czollow, Kreis Schroda, erwidere ich ergebenst das Folgende: Nach der in sachverständigen und dabei unbeteiligten russischen Kreisen herrschenden Ansicht würde daher auch, wie das Generalkonsulat hervorhebt, die Durchführung der Kaffationstlage an der materiellen gerichtlichen Entscheidung nichts zu ändern vermocht haben. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts. Richthofen. An die Mitglieder des Reichstags Herren Auer, Gerisch, Molkenbuhr, Pfannkuch und Singer hier. 0350 Politifche Ueberficht. Wir werden morgen zeigen, daß dieses Schreiben Richthofens Das in der Eingabe gestellte Ersuchen, durch Schritte bei der nicht anderes bedeutet, als die amtlich urkundliche Fest= russischen Regierung einen Verschub der Vollstreckung des Todesstellung eines dreifachen Justizmordes. urteils herbeizuführen, war zur Zeit des Einganges des Telegramms nicht mehr erfüllbar, da, wie inzwischen schon allgemein bekannt geworden ist, der Verurteilte bereits am frühen Morgen des 8. b. Mts. nicht mehr am Leben war. Aus demselben Grunde konnte auch eine ähnliche Vorstellung des Verteidigers, die am gleichen Tage bei der kaiserlichen Botschaft in St. Petersburg eingegangen war, für den Verurteilten keinen praktischen Erfolg mehr haben. Gleichwohl hat der kaiserliche Botschafter in St. Petersburg alsbald nach Eingang der Vorstellung diese zur Kenntnis des russischen Ministers des Aeußeren gebracht. Bei dieser Sachlage blieb nur übrig, zu prüfen, ob das russischerseits eingeschlagene Verfahren zu einer nachträglichen Be schwerde bei der kaiserlich russischen Regierung Anlaß gab. Wenn man aus den Berichten des kaiserlichen Generalfonfulate in Warschau die Angelegenheit aufmerksam verfolgt hat, ergibt sich in Warschau die Angelegenheit aufmerksam verfolgt hat, ergibt sich der folgende Tatbestand: Berlin, den 19. September. Der Parteitag. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. nalen Wohlwollens war es auch, als der deutsche Kaiser die Delea gation des Parlaments der Vereinigten Staaten empfing, die die parlamentarische Konferenz in Brüssel besucht hatte. Ihnen wurden Auszeichnungen zu teil, die selten Ausländern erzeigt werden, die nicht in offizieller Mission in Deutschland reisen. Wenn ich selbst am Zustandekommen dieses Empfanges mitarbeitete, so war es, weil ich glaubte, daß der Empfang dieser Herren durch den Kaiser und der sich daran anschließende Gedankenaustausch ein Resultat haben würden, das der Freundschaft zwischen beiden Völkern in dauernder Weise zugute fommen würde. Hauptmann Mason ver läßt uns in einem Moment, in dem seine weitere Hülfe für uns besonders nüßlich gewesen wäre, und darum bedauere ich, daß er gerade zu Zeit dieser abreist. Denn ich vergesse nicht, daß in den nächsten Monaten eine Diskussion stattfinden wird, die sich auf das ganze Gebiet der deutsch- amerikanischen Handelsbeziehungen erstreden wird. Große Intereffen stehen dabei auf dem Spiele, so große Interessen, daß meinem Gefühl nach auf beiden Seiten feine Anstrengungen unterlassen werden dürfen, um diese Interessen vor den unglücklichen Folgen einer Uneinigkeit zwischen beiden Nationen zu bewahren. Ich meinerseits habe ftets Sorge getragen, die Regierung der Vereinigten Staaten über die Lage in Deutschland genau informiert zu halten, und mein einziger Wunsch und mein Hoffen sind, daß schließlich eine Verständigung erreicht wird, die für jedes der beiden Länder gerecht und billig und für den Handel zwischen beiden förderlich ist." Jena, den 19. September 1905. Die bevorstehende Schaffung des Organisationsstatuts überhob den Parteitag der Pflicht, alle die fleinen Unvolltommenheiten, die sich in der Organisation der Partei im Laufe des letzten Jahres herausgestellt haben, eingehend zu erörtern. Mit wenigen Worten der Erläuterung zu dem gedruckten Vorstandsbericht konnte der Be Die Ausführungen des amerikanischen Gesandten tragen den richterstatter über die Tätigkeit des Parteivorstandes, Genoffe Gerisch konnte im Kassenbericht für dieses Jahr einen neuen hältnis der Staaten zu einander entscheidet aber das gegenseitige molten buhr, diesen Teil seiner Aufgabe erledigen. Genosse üblichen diplomatischen Stempel. Ueber das freundschaftliche Vera Kasprzat hat am 27. April 1904 zwei Polizei- Offiziere, einen Rekord der Parteieinnahmen aufstellen, trotz der starken In- wirtschaftliche Jutereffe, und für die Gewährung günstiger Handelsder allgemeinen Opferwilligkeit durch den bedingungen an Deutschland besteht in den amerikanischen schutzRittmeister und einen Stabstapitän, sowie zwei Polizisten, ohne anspruchnahme die russische Revolution. Genosse zöllnerischen Kreisen wenig Neigung. Die Mehrheit der amerikafelbft tätlich angegriffen zu sein, erschossen, als diese Beamten, dem Bergarbeiterstreit und Befehle ihrer vorgesetzten Behörde folgend, eine revolutionäre e ist er brauchte für die Kontrollkommission ebenso erfreulicher nischen Geschäftswelt hält an den schutzölnerischen Traditionen fest. Druckerei aufheben wollten. Kasprzat, der diese Verbrechen nie ge- weise nur über eine sehr kleine Zahl verhältnismäßig recht un. Die Minorität derjenigen, die zu Konzessionen geneigt sind, ist, wie leugnet hat, wurde wegen bierfachen Mordes vor Gericht gestellt. bedeutender Streitfälle zu berichten. Auch die Diskussion über die die jüngste Reziprozitätskonferenz in Chicago bewiesen hat, ver Bei seiner Verhaftung war Kasprzat im Besitz eines falschen, auf inneren Parteiangelegenheiten nehmen diesmal sehr geringen Raum hältnismäßig flein. Sie besteht nur aus einem Teil der Farmer, den Namen Wilhelm Christian Meier lautenden bayerischen Baffes, ein. Die Darmstädter und Mainzer Genossen wollten den Vorwurf einigen Exporteuren und Gelehrten. Trotzdem bietet sich Aussicht so daß seine Identität auch von dem kaiserlichen Generalkonsulat des Vorstandsberichtes nicht auf sich figen lassen, daß sie bei den auf Abschluß eines fogen. Neziprozitätsvertrages, wenn auch unter Gemeindewahlen eine schwächliche Kompromißpolitit statt einer anderen Bedingungen, als unsre Schutzzölner annehmen und wünschen. erst später festgestellt werden konnte. Der Generalgouverneur von Warschau überwies Kasprzak auf träftigen Stampfestaktik verfolgt hätten. Daraus entspann sich Die deutschen Schutzöllner verlangen, daß die Vereinigten Staaten Scheidemann und Dr. David uns beträchtliche Ermäßigungen ihrer Zölle auf Textilprodukte, Grund der ihm bei gewissen Straftaten von Zivilpersonen gemäß zwischen dem Genossen Scheidemann und in der das letzte Wort aber erst Lederwaren und chemische Fabrikate gewähren, während sie als § 17 des Gesetzes vom 14. August 1881 über den besonderen Landes- eine lebhafte Debatte, schutz( 14. Band der allgemeinen russischen Gesezessammlung vom der hessische Parteitag des nächsten Jahres sprechen foll. Stonzession den Vereinigten Staaten nur den neuen deutschen VerJahre 1890) zustehenden Befugnis unter Ausscheidung der ordent- Einige Anregungen zu den ständigen Themen: Ausgestaltung der tragstarif einräumen wollen. Auf solche Bedingungen wird sich die lichen Gerichtsbarkeit einem Kriegsgericht zur Aburteilung. Die Parteipresse, bessere theoretische Durchbildung der Arbeiter und Regierung der Vereinigten Staaten schwerlich einlassen, denn der Gesetzmäßigkeit dieser Maßregel ist auch von der Verteidigung Verbesserung der Agitationsmethoden zeigten das Interesse der neue deutsche Vertragstarif bietet der Union gegenüber dem jezigen Gesetzmäßigkeit dieser Maßregel ist auch von der Verteidigung Genossen an der Kleinarbeit der Gewinnung weiterer Boltstreife Bustande fast gar keine Vorteile, sondern nur Nachteile. Die deutschen niemals beanstandet worden. für unsere Ziele. Zölle auf eine Reihe der wichtigsten amerikanischen Ausfuhrartikel, Das Kriegsgericht beschloß in seiner Verhandlung bom Aber der Geschäftsbericht des Vorstandes bietet dem Parteitag 3. B. Weizen, Mais, frisches Obst, Nutzholz, Talg, Del, zubereitetes 3. August 1904, Kasprzak zunächst zur Untersuchung seines Geisteszustandes unter ärztliche Beobachtung zu stellen, und die Entzugleich die Gelegenheit, mit den hervorstechendsten Erscheinungen in Fleisch, Maschinen usw. werden durch den neuen deutschen Vertragsscheidung der Vorfrage der Burechnungsfähigkeit dem Zivilgericht der Politik der herrschenden Klassen abzurechnen. Machtvoll erhob das tarif bedeutend erhöht. Wer annimmt, daß die Amerikaner der zu überlassen. Nachdem Kasprzak fast ein Jahr in Beobachtung deutsche Proletariat seine Stimme für den Völkerfrieden, der so frebelhaft artige Bollerhöhungen ruhig in Kauf nehmen und, ohne irgendwelche gewesen war, erkannte das Zivilgericht nach langen Verhandlungen im Marottokonflikt gefährdet worden ist. Von den innerpolitischen Fragen Gegenzugeständnisse erlangt zu haben, Deutschland obendrein noch die Burechnungsfähigkeit des Angeklagten. Wiederum vor, das behandelte der Parteitag die durch die Grenzsperren herbeigeführte bedeutende Bollermäßigungen zugestehen, unterschätzt den GeschäftsStriegsgericht gestellt, wurde Kasprzat am 1. September dieses Fleischnot. Die Regierung wird durch die gefliffentliche Herbeiführung fimm der Amerikaner. Deutschland wird sich schon dazu bequemen Jahres nach dreitägiger Verhandlung auf Grund des§ 279 des gespannter internationaler Situationen des Proletariat so wenig für die müssen, ihnen nennenswerte Gegenzugeständnisse zu machen. Und kommenden Marinevorlagen einfangen, wie durch die jetzige Fleisch- hierzu bieten sich Mittel genug. Zunächst die Aufhebung der Bes russischen Strafgesetzbuches zum Tode verurteilt. Um die alsbaldige Bollstreckung dieses Urteils aufzuhalten, teuerung darüber täuschen, daß in Wahrheit die Bölle dem Volfe ftimmungen, die das Verbot der Einfuhr amerikanischer zubereiteter wurden von der Verteidigung und von der Ehefrau des Kasprzat die Lebensmittel verteuern. Moltenbuhr gibt durch sein Referat Fleischwaren teils ganz berbieten, teils erheblich einschränken, ferner zivei verschiedene Wege eingeschlagen. Frau Kasprzat rief am zu den drei vom Vorstand vorgelegten Refolutionen Gewähr dafür, Ermäßigungen der Bölle auf Obst, Mais und Betroleum. 7. b. Mts. telegraphisch die Gnade Sr. Majestät des Kaisers und daß die deutsche Arbeiterschaft alle Schliche ihrer Gegner durchschaut. Ihrer Majestät der Kaiserin von Rußland an. Die Vollstreckungs- Die Diskussion konnte in diesem Rahmen nur Zustimmung bringen. behörde hat den Entscheid hierauf nicht abgewartet und konnte zu In einer Reihe von Abänderungsanträgen zeigte sich lediglich das einer Entscheidung fommen, da ein geseglicher 3wang Bestreben, den Willen des Parteitages so far wie möglich auszuzum Aufschub nach russischem Recht nicht besteht. brücken. Eine einstimmige Annahme der Resolutionen legte Zeugnis Die Verteidigung ihrerseits erhob gegen das Urteil die Saffations- ab von der Geschloffenheit der Partei nach außen. Molkenbuhrs Appell, die Zeit nicht ungenügt in müßigem Parteiflage, deren Weitergabe an das Obermilitärgericht in St. PetersEin Sieg Trothas in den südwestafrikanischen Sandwäften. burg der Generalgouverneur aber ablehnte. Der Generalgouverneur streite verstreichen zu lassen, sondern für die Ausbreitung unserer hat das Recht hierzu in Anspruch genommen auf Grund des Idee zu nüßen, fand allseitig freudigen Widerhall. Auf eine weitere Generalleutnant v. Trotha meldet unter dem 16. September aus Artikels 1401 der russischen Militär- Gerichtsordnung, der ihm die treffliche Gelegenheit für die Verschärfung unserer Agitation wies Chamis, daß der Feind in dem Gefecht bei Nubib am 13. September Ablehnung der Weitergabe einer solchen Staffationstlage für die Genoffe förster im Bericht über die parlamentarische Tätigkeit etwa 300 Stöpfe start war, darunter 200 Mann mit Gewehren, Fälle gestattet, in denen er dies für notwendig erachten sollte. Die hin. Die zunehmende Geldkalamität wird das Reich mit neuen Hottentotten und auch Hereros unter Andreas. Berteidigung stützte sich dagegen zum Nachweise der Unrechtmäßig- Steuern belasten und damit unserem Kampf gegen die unbegrenzten keit des Vorgehens des Generalgouverneurs auf den Artikel 1403 Militär- und Marineforderungen neuen Antrieb geben. Morgen bedesselben Gesebes, der vorschreibt, daß der Generalgouverneur ginnt der Parteitag mit der Diskussion über den Bericht der vorerst bekannt zu machen habe, bei welchen Vergehen die Kaffations. Fraktion. Dann folgt die Maifeierfrage. flage unzulässig sein soll, und sie erblickt in der Unterlassung dieser Veröffentlichung die hauptsächliche Grundlage ihrer Beschwerde. Dem deutschen Proletariat fann es nur recht sein, wenn die amerikanische Regierung in dieser Hinsicht eine Pression ausübt, denn es würde dadurch eine bedeutende Ermäßigung seiner wichtigsten Lebensmittel erlangen. Deutfches Reich. Während Major b. Uthmann mit der 7.Stompagnie Regiments 1, Halbbatterie Nabrowsti und 1/3 Maschinengewehr- Abteilung 1 die Weftausgänge der 2000 bis 3000 Meter hohen Achab- Berge sperrte, griff Major Meister mit der 4. Stompagnie des 2. Regiments, 2. Ersaplompagnie, Ersatztompagnie la und 6. Batterie die feindliche Stellung an. Der fiegreiche Ausgang des Gefechtes in der völlig unbekannten Gegend Deutsch- amerikanische Handelsvertrags- Verhandlungen. wurde nur durch die von langer Sand borbereiteten persönlichen Den Berichten des kaiserlichen Generalfonsulats in Warschau Erkundungen des Majors Maerder ermöglicht. Der Feind floh Im Hotel Kaiserhof fand gestern ein Abschiedsbankett für den unter Zurüdlassung von 60 Toten und 50 gefattelten Pferden in zufolge wird indessen dieser Artikel in der russi von Berlin scheidenden Generalkonsul der Vereinigten Staaten von leinen Trupps in nordöstlicher Richtung. Die unmittelbare Verschen Polizeipragis verschieben ausgelegt, und Amerika Herrn Frank H. Mason statt, an dem sich eine Reihe hoher folgung wird durch Major Meister fortgesetzt, während Erfazes ist zweifelhaft, ob sein Inhalt als einer so- deutscher Beamten, der russische Generalfonful Staatsrat v. Argimo- fompagnie la auf die Linie Unis- Nomtsas angesetzt ist und genannten Muß oder nur einer sogenannten witsch, verschiedene Konsuln der Vereinigten Staaten, die Mitglieder die 4. Etappentompagnie Sie Naukluft- Eingänge befezt hält. Sollvorschrift zu interpretieren ist. In der American Association of Commerce and Trade sowie der Zur Fleischteuerung. Die von liberalen Blättern verbreitete lekterem Falle würde die Nechtbeachtung der amerikanische Gesandte Tower beteiligten, der eine interessante Nede unrichtige Nachricht, daß die Regierung eine teilweise Oeffnung der Borfchrift teine Richtigkeit begründen. Dieser über die deutsch- amerikanischen Handelsbeziehungen hielt. Er sagte: schlesisch- russischen Grenzen beabsichtige, hat die Agrarier aufge= Auslegung ist die zuerst zur Entscheidung berufene Instanz, der Sie machen mobil und bombardieren den Reichs " Der gegenwärtige Augenblick ist äußerst günstig für die Regelung schredt. Generalgouverneur, gefolgt. Aber die Frage ist noch nicht chts- der Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern, da Deutschland tanzler und die schweinezüchtende Graellena Podbielski jest ebenfalls reichend geflärt, weshalb der kaiserliche Botschafter in St. Peters ein sehr starkes Interesse an den amerikanischen Angelegen mit Eingaben. So hat der rheinische Bauernvercin in einer gestern burg angewiesen worden ist, bei der dortigen Regierung Schritte in Köln abgehaltenen Sizung feines Borstandes und Ausschusses heiten nimmt, ein freundliches und stets wachsendes Intereffe, die Absendung einer Eingabe an den Reichskanzler und Landwirt das ununterbrochen die zur genauen Feststellung dieses Punktes zu tun. Bu einer sonstigen Sympathie und besseres schaftsminister sowie den Oberpräsidenten der Rheinproving be Bemängelung des von russischer Seite eingeschlagenen Verfahrens Einverständnis mit uns fördert. Nie waren die Beschlossen, in der namens 53 000 rheinischer Bauern dringend gebeten hat sich, wie aus dem Vorstehenden ersichtlich ist, tein Anlaß er- ziehungen zwischen den beiden Ländern so gut wird, den Schuß der heimischen Biehzucht in vollem Umfange aufgeben. Wenn gegen Kasprzak mit besonderer Schärfe vorgegangen wie gegenwärtig. Ein ungewöhnliches Zeichen internatio-| recht zu erhalten, insbesondere aber die Oeffnung der holländischen ein Grenze unter keinen Umständen zu bewilligen. In dieser Angelegen. heit soll namens der christlichen Bauernvereinc Deutschlands eine Abordnung zum Landwirtschaftsmimstcr entsandt werden. Zu gleicher Zeit hat auch der Präsident des Deutschen Land- Wirtschaftsrats, Graf v. Schwerin-Löwih, an den Reichskanzler und den Landwirtschaftsminister eine Eingabe gerichtet, in der es heitzt: Euer Durchlaucht gestatte ich mir— angesichts der von der- schkdcitcn großstädtischen Verwaltungen und Jntcressenvercinigungen neuerdings so lebhaft betriebenen Agitation für eine vermehrte Ein- fuhr ausländischen Viehes— die dringende Bitte auszusprechen, in den zurzeit geltenden Anordnungen gegen die Einschleppung von Viehseuchen aus dem Auslande keinerlei Abschwächung eintreten zu lassen. Die deutsche Landwirtschaft bedauert im Jnter- esse der Konsumenten, ungemein, daß die Fleischpreise in den größeren Städten zur Zeit einen so ungewöhnlich Hohen Stand angenommen haben.— Die Landwirtschaft muß es aber entschieden ablehnen, hierfür allein oder auch nur in erster Linie verantwortlich gemacht zu werden.— Denn erstens hat sich das Angebot von Vieh seitens der Produzenten und dementsprechend der Auftrieb auf den Schlachtviehhöfen gegen das Vorjahr nur wenig derändert. Zweitens sind die auf dem Lande ge- zahlten Vieh preise auch nicht annähernd in gleichem Maße gestiegen wie die städtischen Fleischpreise.— 1 DcS Kronprinzen Stenerklage. Als Besitzer der KironlchnJherrschaft Oels war der preußische Kronprinz mit 5000 Mark zu den Kreisabgaben(Kreiseinkommen fteuer) für 1903 herangezogen worden. Er'klagte beim BezirkSauS- schuß zu Breslau auf Freistellung von der Steuer, die von ihm als Forensen gefordert ist. ES wurde geltend gemacht, daß der Kronprinz wegen seines Forensalbesitzcs nicht zur Kreiseinkommcnstener herangezogen werden könne. Abgesehen tum andern Gründen sei er schon als Mitglied der königlichen Familie davon frei. Der Bezirksausschuß zu Breslau wies indessen die Freistcllungsklage ab und führte unter anderein aus: Allerdings fei der König als Inhaber des Majestätsrechts der Besteuerung grundsätzlich von der Besteuerung befreit und könnte einer Steuer nur insoweit unterliegen, als er selbst als Staatsoberhaupt und mit- wirkender Faktor in der Gesetzgebung es anordne. Der Landes- Herr müßte also durch Gesetz selber als steuerpflichtig be- zeichnet sein, wenn er steuerpflichtig sein sollte. Indessen, was für die Steuerfreiheit des Königs spreche, kann nicht auf die Mitglieder des königlichen Hauses Anwendung finden, denn das Staatshoheits- und Majestätsrecht liege nur dem Landesherrn bei. Die Mrtglieder der königlichen Familie, also auch der Kronprinz, seien von Steuern nur insoweit befreit, als gesetzliche Privilegien in Frage kämen. Das sei bei der Kreissteuer vom Einkommen aus dem Grundbesitz nicht der Fall, weil die Kreisordnung nichts darüber vorsehe. Das Oberverwaltungsgericht in Berlin wies die hiergegen ein- gelegte Revision deS Kronprinzen am 19. September ab und zwar aus denselben Gründen, die beim Bezirksausschuß zur Abweisung der Klage geführt hatten. Betont wurde noch, daß§ 14 der Kreisordnung, der wesentlich in Betracht kommt, auch die Grundbesitzer mit umfasse, welche aus irgend einem Grunde nicht zur Kreis- einkommensteuer veranlagt seien.— ZcugnrSzwang. lieber ein neues Zeugniszwangsverfahren gegen einen Redakteur meldet uns ein Privattelegramm aus Hanau, den 19. September: Heut fand hier die Verhandlung gegen den Gcnosien G. Hoch statt, der beschuldigt ist, die bürgerlichen Stadtverordneten beleidigt zu haben. Hoch gab zwar zu. daß er im Stadtverordneten-Kollegium die Aeußerungen getan habe, die ein Bericht der„Franks. Volksstimme" wiedergibt und bot den Wahrheitsbeweis an, er bestritt aber, der Verfasser der Berichte in der„Frankfurter Volksstimme" zu sein. Als Zeuge über diese Behauptung der Anklage war der Redakteur der„Frankfurter Volksstimme", Genosse Zielowski, geladen. Dieser verweigerte das Zeugnis und wurde zu 200 M. Geldstrafe ver- urteilt und zur Erzwingung des Zeugnisses verhaftet. Das Zwangsmittel wird natürlich erfolglos bleiben, aber es wird darum erst recht verurteilenswcrt; es ist ein Mittel, daS gegen charakterlose Lumpen unnötig, gegen anständige Menschen aber völlig nutzlos ist.—_ Artikel 31 der deutschen RcichSverfassung. Ms im Dezember v. I. der Reichstag vertagt worden war, Ivurde dem Reichstags-Abgeordneten Redakteur Adolf Thiele in Halle a. S. eine Ladung für den 5. Januar vor die Strafkammer zugestellt. Im Vertrauen darauf, daß ihm der Artikel 31 der Reichs- Verfassung absolute UnVerfolgbarkeit gewährleiste, beachtete Thiele die Ladung nicht. Er wurde deshalb zwangsweise vorgeführt und wegen Beleidigung deS Polizei-Oberwachtmeisters Weidemann zu einemMonat Gefängnis verurteilt. Es handelte sich um einen Artikel mit der Ileberschrift„Das verbotene Morgcnständchen".— Der Angeklagte hatte gegen das Urteil Revision eingelegt und bezeichnete in der am Montag stattgefundenen Verhandlung vor dem Reichsgericht seine Vorführung als im Widerspruch mit dem Artikel 31 stehend: eine Anberaumung des Termins während der Vertagung des Reichs- tags sei unzulässig gewesen.— Der Reichsanwalt be- antragte die Verwerfung der Revision, da das Landgericht auf dent Boden der Rechtsprechung des Reichsgerichts stehe. Ob auch eine zwangsweise Vorführung unzulässig sei, müsse allerdings jetzt erst entschieden werden. In der Literatur habe nur Sonntag sich in dem Sinne ausgesprochen, daß sie nicht unzulässig sei. Bei Einführung der Verfassung habe zwar unsere jetzige Strafgesetzgebung noch nicht bestanden, aber der Unter- schied zwischen Verhaftung und Vorführung sei in dem früheren Prozeßrechte schon bekannt gewesen.— Da« Reichsgericht kam am Montag noch nicht zu einer Entscheidung, sondern vertagte sie auf den 28. September._ Zentrum und christliche Gewerkvereine. Zu der Effertschen„Richtigstellung" schreibt uns unser Essener Korrespondent: Es ist erstaunlich, mit welcher Ungenierthcit Herr Effert den Tatsachen Gewalt anzutun versucht. Er bestreitet, die christlichen Gewerkvereine ftir die Zentrumspartei mobil gemacht zu haben. Ohne uns auf Weiterungen einzulassen, wollen wir nur mitteilen, was das offizielle Zentrum soraan über eine Wahlrede des christlichen Gewerkvereinssekretärs Effert berichtet. Die„Essener Volkszeitung" schreibt in ihrer Nummer vom 30. August, Herr Effert habe in der Z e n t r u m s v e r s a m m I u n g in Steele am 27. August für Herrn Giesberts agitiert. Wörtlich schreibt dann das Zentrumsblatt über Effert: „Zuni Schluß wendet sich Referent an die chri st- lichen Gewerkschaftler. Mit aller Energie müsse für GieSberts eingetreten werden. Der befähigste unter den christlichen Gewerkschaftlern sei in Essen auf den Schild erhoben. Kein Gewehr dürfe in den Reichstag einziehen, denn in demselben Augenblicke versetze man den christlichen Ge- werkschaften einen Schlag von eminenter Bedeutung." Aus diesem Zitat geht unwiderleglich hervor, daß der christliche GewerkvereinSsekretär Esser t sich schlechthin an die„christlichen Gewerkschaftler" wendete, sie aufforderno. nur den Zentrunis- kandidaten zu wählen. Wenn daS keine Mobilmachung der christ- lichen Gewerkvereine für das Zentrum ist, dann hat es nie eine gegeben. Die ZentrumsagUatoren gehen aber noch viel weiter. Sie erklären, wenn Giesberts nicht gewählt würde, so wäre das„ein schwerer Schlag für die christlichen Gewerkschaften". Hiermit wird also sogar die ganze christliche Gewerkschaftsbewegung mit der Zentrumspartei identifiziert. DaS ist um so einleuchtender für die intimen Beziehungen der christlichen Gewerkvereine zu der Zentrumspartei, als zugleich ein zweiter christlicher Gewerkvereins- führer, der(freilich evangelische) Herr Behrens, Vorsitzender des „christlich-nationalen Arbeiterkongresses" in Frankfurt, als Wahl kandidat sich empfiehlt. Die christliche Gewerkvereinsbewegung ist also nur kompromittiert, wenn ein Zentrumsgewerkschaftler besiegt wird. Der Neutralitätsschwindel der christlichen Gewerkvercine ist durch Herrn Effert dankenswert enthüllt worden. Zur Naturgeschichte der christlichen Gewerkvereinsbewegung mag auch dieser Beitrag aushellend wirken. Als der Landtag das Berg- g e s e tz in seiner verhunzten Gestalt angenommen und darauf das vom„Vorwärts" damals gekennzeichnete Beschönigen der Zentrums- presse einsetzte, schrieb GewerkvereinSsekretär Effert im„Berg- knappen": „Die Bergleute beklagen die Annahme des Gesetzes in diesem Zustande..... Von dem vom Abgeordnetenhanse an- genommenen Gesetz sind die Bergleute im hohen Maße un- befriedigt. Laren und Bergwerksbesitzer mögen es gegenüber dem heutigen Zustand als einen Gewinn bezeichnen, wir können uns zu diesemOptimismus nichtaufschwingen. Was durch das Gesetz als Arbeiterausschüsse, Arbeitervertrauensmänner zwecks Konwolle der beladcnen Fördergefäße, sanitärer Arbeitstag usw. geboten wird, sind Steine statt Brot!... Die christlichen Berg- leute haben keine Freude air dem Gesetz und nur den dringenden Wunsch, daß das Herrenhaus das Gesetz ablehnt, um so die Bahn für die R e i ch s g e s e tz g e b u n g frei zu bekommen." So schrieb Effert im„Bergknappen", als an eine Ersatzwahl im Essener Wahlkreise noch nicht gedacht werden konnte. Dagegen sprach Herr Effert als Zentrumsagitator laut„Essener Volksztg." am 14. September in Essen-West: „Der von den Sozialdemokraten gegen das Zentrum er- hobene Borwurf des„Arbciterverrats" sei in keiner Weise begründet, denn es sei auch nicht von den Genossen in Abrede zu stellen, daß die Verbesserungen: Arbeiterausschüsse, W a g e n n u ll e n usw., in der Novelle vorteilhast für die Berg- leute seien." DaS nennt nian„prinzipielle" Arbeitervertretung. Als Zentrums- agitator nennt Effert„vorteilhaft für die Bergleute", was er als Bergarbeiterführer„Steine statt Brot" bezeichnet. In dieser Weise sind in der ganzen Wahlbcwegung die Arbeiter eingeseift worden. Als in einer Zentrumsversammlung einer unserer Parteigenossen ausführte: Ballest rem habe im Herrenhaus für die Schaffung eines neuen„Arbeitswilligenschntzgesetzes" gestimmt, Fuchs habe iur„Tag" gegen das geheime Wahlrecht der Bergleute zu den Arbeiterausschüssen geschrieben, da brüllte der Chor Raus l„Ist nicht wahr! Gelogen I" Danach bcmesse man, wie skrupellos das Zenwum seine Schäflein hinters Licht führt. Die Wähler stimmen für ein Zenwum, welches in Wirklichkeit gar nicht existiert. Auö diesem Grunde sind in der Regel auch diejenigen unserer Parteigenossen„Pfaffenfreffer", die vom Zenwum abfallen, weil sie mit Empörung erkennen, wie stivol diese Partei die Religion zu politischen Geschäften mißbraucht und mit einer verblüffenden Dreistigkeit die ihresgleichen sucht, die Dinge auf den Kopf stellt. HuelancL Frankreich. Die Knute in der Republik. Paris, 17. September.(Eig. Ber.) Die Enthüllungen über den Gebrauch von Gummischläuchen gegen die sweikenden Arbeiter von L o n g lv y haben die öffentliche Meinung doch ein Ivenig auf- gerüttelt. Auch der anständigere Teil der bürgerlichen Presse fordert den Kriegsminister auf, sich mit bloßen Erlässen gegen diese skandalösen Sitten der Soldateska nicht zu begnügen. Man darf erwarten, daß Herr Berteäux die an der Bluttat der letzten Woche Schuldigen der verdienten Strafe zuführen wird. Zu ihnen ist jedenfalls der Leutnant Chodron de Courcel zu rechnen, der mit seinem Gummischlauch auf die Arbeiter losgeschlagen und so seinen Leuten das Beispiel der Brutalität gegeben hat. Der Korpskommandant D a l st e i n, der den Gebrauch der Knute, wie er dem Interviewer des„Matin" erklärte, ganz harmlos gestmden hat, ist vom Kriegsmmister gezwungen worden, sich selbst ju desavouieren. Er hat einen Tagesbefehl erlassen, worin er aus- 'pricht, daß der Dienst der Truppen bei Streiks ein normaler Dienst sei und daß daher nur reglementS mäßige Waffen- gebraucht werden dürfen, mit Ausschluß von Mitteln wie Peitschen und ähnlichen Gegenständen aus Kautschuk, Seil, Leder usw. Der General erinnert ferner daran, daß nach einem ministeriellen Rundschreiben von 1901 bei solchen Anlässen von den Lanzen kein Gebrauch gemacht werden dürfe. Endlich mahnt er, die neue Streikvorschrift deS Kriegsministers peinlich zu beobachten.—_ Schweden- Norwegen. Der schwedisch- norwegische Konflikt. Die Konferenz in Karlstad ist, wie„Standard" mitteilen kann, im wesentlichen zu einer Einigung über alle ernsten Streitfragen zwischen Schweden und Norwegen gelangt. Zu den noch ausstehenden untergeordneten Puntten gehören unter anderem die Weiderechte der Lappländer in Norwegen und die Uebergangsgebühren auf den Eisenbahnen, doch werden diese Fragen keine Schwierigkeiten bieten. Der Stockholmer Korrespondent der„Daily Mail" dagegen versichert, die Lage sei äußerst ernst. Die Verhandlungen seien in eine neue Phase getreten, und der schwedische Ministerpräsident habe nachdrücklich Vorstellungen wegen der kriegerischen Rüstungen Norwegens erhoben. England. Der Boykott englischer Waren in Bengalen. London. 17. Sept.(Eig. Ber.) Eine der letzten Taten Lord CurzonS, des früheren Statthalters von Indien, war die Teilung Bengalens in zwei besondere Verwaltungsgebiete. An sich wäre über diese Maßregel nur wenig zu sagen. Denn nach europäischen Be- griffen ist Vengalen mit seinen 75 Millionen Einwohnern zu»in- sangreich für eine einzige Verwaltung. Aber das merkwürdige ist, daß diese Maßregel eine mächtige Opposttton in Bengalen hervor- gerufen hat. Das Prinzip vom„Teilen und Herrschen" wirkt nicht mehr. Die Bengali. Hindu und Mahommedaner vereinigten sich zu einer einheitlichen Oppositionspartei: sie halten zahlreiche Versamm- lunaen ah und erklären den Boykott über alle englischen Waren. Daß der Boykott sich in England bereits fühlbar macht, zeigt das Eintreten der Handelskammer von Manchester für die Wünsche Bengalens. Der Boykott hat aber auch eine tiefere Bedeutung. Die indische Bevölkerung erwacht zur Selhständigkeit. Sie will mitraten und mittun und lehnt eS ab, sich noch fernerhin am despotischen Gängcl- bande leiten zu lassen. In England haben diese Vorgänge einen tiefen Eindruck gemacht. Sie sind zum Teil eine Folge des japanischen Sieges über. Rußland.— Schweiz. Antimilitaristische Propaganda. Die Genossen in der stanzösischen und italienischen Schweiz setzen ihre antimilitaristische Agitation fort und es wird sogar der settiererische Gedanke erörtert, ob sich die AntiMilitaristen nicht von der Partei loslösen und eine eigene Liga bilden sollen. Jetzt beruft nun der Genosse Gobbi, Redakteur der in Lugano erscheinenden„Aurora", auf Sonntag, den 1. Oktober. einen Kongreß der Anttmilitaristen nach Luzcrn ein, der ein be- sondereS Arbeitsprogramm für sie aufstellen soll.. Diese? Vorgehen verrät wenig Parteidisziplin, aber umsomehr sektiererischen Geist.— Schweden. Der achte Sozialdemokrat des schwedischen Reichstags. Bei den Reichstagswahlen am Sonntag ist der Zuckerfabrikarbeiter N. Andersso n aus Arlöf bei Malmö mit 848 Stimmen ge- wählt worden. Sein Gegenkandidat, der Landwirt Pchr Pchr- s o n aus A k a r z, der 822 Stimmen erhielt, ist der Vater des schwedischen Zucht Hausgesetzes gegen Streikvcrgehen, das nach ihm als„Akarzgesetz" wird. Er war einer der am meisten reaktionären und arbeiterfeindlichen Mitglieder des Reichs- tags, Daß er nun von der Sozialdemokratie zu Fall gebracht ist, wird von der schwedischen Arbeiterschaft mit allgemeinem Jubel< grüßt.—,......—• Amerlka. Roosevelts Kabinett. Eine Reorganisation von RooseveltZ Kabinett wird mit dem Beginn des neuen Jahres sicher erwartet. Die gegenwärttge Besetzung der Acmter ist die folgende: Für Aeußeres Elichu Root, Schatzamtssekretär Shaw. KricgSminister Taft, Marineminister Bonaparte, Generalpostmcistor Eortelyon, für innere Angelegenheiten Hitcheock, Justizdepartement Moody, das Landwirtschaftsamt leitet Wilson. daS Amt für Handel und Arbeit Metcalf. Dem letzteren ist die Chinesenfrage äußerst unbequem, umsomehr, als Metcalf in der Politik von Kalifornien noch eine große Rolle spielen möchte. Die Staaten am Pacific Ozean lassen aber_ in Beziehung auf die Chinesenfrage nicht mit sich spaßen, sie find für strenge Ausschließungsmaßregeln, entgegen der jetzigen Politik der Administration, das Anti-Ehinesengefttz milde zn handhaben. Es ist wahrscheinlich, daß Metcalf zurücktreten wird. Eortelyon soll Schatz- amtssekretär an Stelle Shaws werden und auf sein Amt als General- Postmeister spekulieren mehrere mit großem Verlangen. DaS Gehalt für ein Kabinettsmitglied ist nicht höher als 8000 Dollar pro Jahr._ Die Revolution in Rußland. Russisches Ministerkabinctt. Der Zar beaufttagte, wie offiziös aus Petersburg gemeldet wird, den unter dem Vorsitz des Grafen Solßly tagenden Sonderausschuß, folgenden Entwurf für ein Ministerkabinett zu prüfen: Das Ministerkabinett wird den Zweck haben, die Wirkungskreise aller Ministerien zu vereinigen. Das Kabinett, welches den Namen Ministerrat stihren wird, wird unter Vorsitz des Premier- Ministers arbeitern, welcher allein neben dem Kriegs- minister, dem M a r i n e m i n i st e r, dem Minister des Auswärtigen und dem Minister des kaiser- lichen Hofes das Recht haben wird, dem Kaiser persönlich Vortrag zu halten. Die Ernennung der Minister erfolgt durch Ver Mittelung des Premier- Ministers und die Bestätigung durch den Kaiser. Keine die Ver- waltung betreffende Maßregel kann ohne Beschluß des Ministerrates und Genehmigung dnrcki den Kaiser in Kraft treten. Die Meldung ist nicht recht verständlich. Soll z. B. der Minister des Innern, also der Leiter des heute wichtigsten Ministeriums in Rußland, nicht das Recht haben, dem Zaren Vortrag zu halten. sondern nur durch den Mund des Premierministers reden dürfen, oder ist die kuriose„Reform" so gedacht, daß der Posten des Ministeriums deS Innern mit dem Premierministerposten verbunden werden soll? Als erster Premierminister soll allem Anschein nach Witte fungieren. � Die Unruhen in Baku. Wie die Petersburger Telegraphen- agentur meldet, ist eine gewisse äußerliche Arche in Baku wieder eingekehrt, doch bleibt die Lage gespannt. Der bisher unbedeutende öffentliche Verkehr ist in Zunahme begriffen und eine Reihe von Läden ist wieder geöffnet. Gestern kam eS zu zahlreichen Zusammen- stößen, bei denen es Tote und Verwundete gab. Die Einwohner bewegen sich auf der Straße wie Gefangene. Sie werdey von bewaffneten Soldaten eskortiert. Die Fabriken und anderen Betriebe sind untätig. Eine Menge von Arbeiten! reist mit Freibilletten, die sie von dem Gouverneur erhalten, ab. Die Perser werden in ihre Heimat zurückgeschafft. Der Betrieb in Ro- mana hat weniger gelitten als der in Sabuntschi und Balachani. Viele Werkstätten und elektrische Pumpen sind unversehrt. Der Brand vernichtete vier Millionen Pud Naphtha aus den Rcservevorrätcn. Die Naphthazisternen außerhalb der Stadt sind verschont geblieben. Von den Häusern haben besonders die von de» Armeniern gelitten, weit weniger die der Tataren. Stellenweise dauern die Brände noch fort. � Hinrichtung David Krauses. Lodz, den 16. September.(Eig. Ber.) Wie wir erst jetzt erfahren, ist Genosse David Krause bereits am 19. August hingerichtet worden. DaS Opfer des ZarentumS lvar erst 21— 22 Jahre alt, gehörte aber schon seit 4 Jahren der Organisation des Bund e s an. Selbst Proletarier, war er mit ganzer Seele dem proletarischen Kampfe ergeben und widmete der Bewegung alle seine Kraft, sein ganzes Denken und Fühlen. In_ den_ Januartagen trat er in die bewaffnete Kampfabteilung ein. Ende Februar beschützte er mit noch einigen Mitgliedern der Kampfabteilung einen Proklamationsvcrteiler aus der Zielonastraße. Als Polizei sich näherte und den Kameraden beim Verteilen der Proklamationen festnehmen wollte, gab Krause, um ihn zu retten, Feuer und verwundete einen Schutzmann. Der Kamerad entfloh; er selbst aber fiel in die Hände der Zarcnschcrgen. Das Kriegsgericht verurteilte ihn zum Strang. Er bestieg mit Seelenruhe und Entschlossenheit daS Schafott. Seine letzten Worte waren:„Weint nicht um die Gefallenen I Per» licrt niemals den Mut!"... Das russische Proletariat wird den Namen David Krause mit Stolz in die Ehrenliste seiner Märtyrer eintragen. ' Agitation gegen die Rcichsdnma. Als es festgesetzt war, daß das Bulyginsche Projekt von der Petersburger Regierung als Grundlage ihrer großen„Reformen" angenommen wurde, beschloß das Zenttalkomitee deS Bundes, eine rege Agitation gegen diese Karikatur einer Volks- vertrettmg mit aller Energie zu entfalten. Das Zentral- komitee wandte sich an alle lokalen Organisattoncn des Bundes mit der Aufforderung, Protestversammlungen, Meetings und nach Möglichkeit auch Straßendemonstrationen gegen diese Polizeiinache zu veranstalten. Was die prinzipielle Stellung- nähme deS Bundes zu dieser„Konstitution" und speziell in bezug auf die Anteilnahme an den Wahlen betrifft, so fand sie ihren Aus- druck in der letzten Proklamasion des Zenttalkomitces(„Reichs- duma— oder konstituierende'Ver fammlung?"), die Mitte August, also einige Tage bor der offiziellen Veröffentlichung der zarijchen Konstitution in 36 000 Exemplaren, in drei Sprachen von der russischen Geheimdrnckerei hergestellt, verbreitet wurde. Nachdem der reaktionäre Charakter des Bulyginsche» Projektes klar auseinandergelegt worden ist, fährt die Proklamatton fort: „Das ist Bulygins„Konstitution", eine bessere konnte Nikolaus nicht geben!— Dieses Projekt— mit vielleicht einigen un- bedeutenden Abänderungen— ist der Gipfelpunkt der Reformen, auf welchen die Selbstherrschaft sich zu erheben fähig ist. Volle Freiheit kann sich nur das Volk selbst durch die Revolution erobern... Eine demokratische Volksregierung kann nur durch eine konstituierende Versammlung eingeführt werden und diese» letztere muß durch das Volk auf Grundlage eines allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Stimmrechts gewählt werden. Und welche Verbesserungen dem' Bulyginsche» Projekt auch zu teil werden würden,— ein allgemeines Wahlrecht wird.dort nicht zu finden sein, ein Bestimmungsrecht wird dort der Duma nicht gegeben werden,— man müßte sonst annehmen, daß die Selbstherrschaft cnt- schloffen sei, sich selbst ein Ende zn machen.... Ohne das all- gemeine Wahlrecht wird die Duma niemals Vorsteherin des Volke?, ohne Bestimmungsrecht wird sie nie regierungsfähig fem — sie wird nichts als eine Komödie sein, die niemand nn Lande befriedigen wird. DaS Proletariat loird mit Verachtung den stein zurückwerfen, der ihm anstatt Brot gegeben wird...• Genossen 1 Protestiert, wo nnd ivie Ihr nur könnt, gegen Bulygins niederträchtiges Projekt, zeigt der Regierimg, zeigt der Gesellschaft, daß Ihr nur einen Weg, Eure Freiheit zn erlangen, kennt— den der Revolution; daß' nur eine politische Ordnung Eiicki zufrieden stellen kann, die einer demokratischen Re- publik. Und wenn Bulygins Projekt Gesetz werden sollte. boykottiert es! Stört die Wahlen, laffet die versammlungen nicht zustande[ 10 wurde ein ganz anderes Resultat herauskommen. Preußen zählte mußte, um in die erste Abteilung zu gelangen; in 3 Bezirken dagegen kommen, wendet Euch mit Verachtung von allen„ Volts" vertretern nämlich am 1. Dezember 1900 34 472 509 Einwohner, es würden also fonnte man bereits mit 100 bis 125 M. Steuern Wähler erster Klasse ab, die diese niederträchtige Komödie spielen helfen, von allen, die auf rund 80 000 Einwohner immer ein Abgeordneter entfallen. sein. Während man in 2 Bezirken schon bei einem Steuersatz von für einen Topf Linsen die Freiheit ihres Volkes verkaufen werden. Berlin müßte hiernach 23 Abgeordnete erhalten, während es heut nur 10 M. in die zweite Abteilung fam, gab es 4 Bezirke, in denen man Berachtung soll allen denjenigen begegnen, die an den Wahlen 9 hat, Teltow- Beeskow- Storfow- Charlottenburg müßte 8 statt 2, fogar mit mehr als 30 000 M. Steuern noch in der zweiten Abteilung Anteil nehmen und dadurch der Regierung helfen werden, neue Nieder- und Oberbarnim 5 statt 3 Vertreter haben. Welch eine Un- wählte. Wir begnügen uns mit diesen wenigen Beispielen, um den Ketten für das Volk zu schmieden. Auf die Straßen mit gerechtigkeit ist es, selbst vom Standpunkt des bestehenden Gesetzes Widersinn des Dreiklassenwahlsystems zu illustrieren. Euren Forderungen! Möge der Zorn des Volles aus, daß heute in Berlin III erst auf 374 475, in Teltow- Beesfow- Dieses verrüdte Wahlsystem schlägt, wo man es auch anfaßt, sich in eine Revolution ergießen. Mit bewaffneter Storfow- Charlottenburg auf 344 253, in Hohenzollern dagegen be- feinen eigenen Grundsätzen ins Gesicht. Die Steuerleistung soll die Hand fordert die Auflösung dieser Duma und Ein- reits auf 33 390, in Greifenberg- Rammin bereits auf 39 984 Gin- größere oder geringere Wahlberechtigung bestimmen; aber sobald berufung einer konstituierenden Versammlung! Nur eine wohner ein Abgeordneter entfällt, und daß es Kreise gibt, die auf man prüft, erweist sich auch dieser Grundsatz als Schwindel. Nur konstituierende Versammlung kann zu einer demokratischen Republit weniger Einwohner einen Abgeordneten entsenden dürfen, als bei- ein Grundsatz bleibt bestehen: die Unterdrückung der Mehrheit durch führen, und nur eine demokratische Republik wird dem Proletariat spielsweise Berlin III oder Teltow- Beeskow- Storfow- Charlotten- die Minderheit, die Brutalität unter der Maske der Gefeßlichkeit. die Möglichkeit geben, sich zur sozialen Revolution vorzubereiten. burg sozialdemokratische Urwähler hat! Schließlich sei noch eine Uebersicht über die in Berlin und seinen Möge das Proletariat sein wuchtiges Weto durch das ganze Auch die einzelnen Berliner Kreise sind unter sich sehr ver- Vorortfreifen abgegebenen gültigen sowie über die Land erschallen lassen: Wir erlauben nicht! Möge ein Sturm schieden. In Berlin I entfällt auf 110 212 Ginwohner oder 24 209 sozialdemokratischen Stimmen gegeben. des Volkszornes der Reichsduma begegnen. Möge dieser Zorn bis Urwähler, in Berlin II auf 196 681 Einwohner oder 46 009 Urwähler, auf den Grund das morsche Gebäude der Willkür und Thraunei zer- in Berlin III auf 374 475 Einwohner oder 89 796 Urwähler, in trümmern. Und möge schneller die Revolution für das neue Ge- Berlin IV auf 207 951 Einwohner oder 54 015 Urwähler, in Oberbäude des Volkes Play machen- für den heiligen Tempel der barnim und Niederbarnim auf 128 402 Einwohner oder 30 233 UrFreiheit des Voltes!..." wähler, in Teltow- Beeskow- Storfow- Charlottenburg auf 344 253 Einwohner oder 84 323 Urwähler ein Abgeordneter. Am günstigsten steht noch Berlin I, aber selbst dieser Wahlkreis ist schwächer vertreten als die Wahlkreise des gesamten Staates im Durchschnitt, denn im Durchschnitt kommen auf jeden Abgeordneten 79 613 Seelen oder 16 402 Urwähler. Welch eine Karikatur der Volksvertretung diese Reichsduma darstellen wird, erweisen am besten die unten folgenden Zahlen der Wahlberechtigten. Hierbei muß vor allem noch hervorgehoben werden, daß die Herren Vertreter" nur ein beratendes Stimmrecht haben werden, daß sie zu jeder Zeit verhaftet werden können, daß ferner dem Lande keine Preß- und Versammlungsfreiheit gewährt wird und daher selbstverständlich keine Wahlagitation geführt Die Zahlen sind folgende: In Petersburg 1 500 000 Ginwohner 9000 Wahlberechtigte( bei allgemeinem Wahlrecht 350 000); in Moskau über 1 Million Einwohner 11 000 bis 12 000 Wahlberechtigte( bei allgemeinem Wahlrecht 250 000); in 500 000 Einwohner Odessa 7000 Wahlberechtigte; in Wilna 180 000 Einwohner 2000 Wahlberechtigte; in Kasan etwa so groß wie Wilna, Universität 1400 Wahlberechtigte; Kurst mit 50 000 Einwohnern hat 1 Vertreter genau wie Odessa niit 500 000 Ginwohnern um in der Duma das Hebergewicht der echt russischen Elemente gegen die sogenannten„ fremden" Nationalitäten zu verstärken. In folgenden Städten des Rayons des Bundes haben bis jetzt Protestfundgebungen gegen Bulygins Reform stattgefunden: Warschau. Eine Demonstration von 10 000 jüdischen Arbeitern, ein Generalstreit als politische Protestkundgebung. Berlin II Berlin IV • Bahl der Ur wähler, die bei der ersten Abstimmung ihre Stimme abgaben Bon den Urwählern wählten fozialdemokratisch in Abteilung zus. 14 310 I II III zusammen 23 357 39 976 73 989 2 71 8 395 8 468 28 847 28 928 29 803 162 3 045 50 331 53 538 41 057 2 870 30 1 047 29 264 30 341 1 449 450 1 767 1 138 139 1 211 1 5 23 331 62 1 054 17 341 7 165 9 467 4 68 12.579 36 1 032 3 488 6 53 21 899 8 163 ( Stadt) ( Land) 419 1 092 • Beestow- Storfow zul. 66 285 29 179 2 382 388 12 217 13 333) 7 249 7 421) 4 410 4 482 9 734 10 802 2 266 2 325 7 981 8 1521 28 168 198) uaшving 33 380 Berlin I Die Wahlbeteiligung unter dem Dreiklassenwahlsystem Berlin III. ist von jeher eine äußerst schwache gewesen, sie schwankte zwischen Ober- Barnim( Stadt) 16,1 Broz. im Jahre 1855 und 34,3 Proz. im Jahre 1862 und betrug Ober- Barnim( Land) bei den letzten Wahlen nur 23,62 Proz. In den Städten machten Nieder- Barnim( Stadt) 28,63 Proz., auf dem Lande 19,65 Proz. der Wähler von ihrem Wahl- Nieder- Barnim( Land) recht Gebrauch. Berlin mit einer Beteiligung von 39,53 Proz. erhob Charlottenburg sich weit über den Durchschnitt ein Beweis, daß die Berliner Schöneberg Parteigenossen die Beschlüsse der Gesamtpartei beachtet haben und Rigdorf Teltow( Stadt) trotz ihrer grundsätzlichen Bedenken zur Wahl geschritten sind. Teltow( Land) Die Anzahl der sozialdemokratischen WahlBeeskow- Storfow männer ist aus der Statistik nicht für alle Streise zu ermitteln, es wird nur mitgeteilt, wieviel gültige Stimmen im entscheidenden Wahlgang abgegeben sind und wieviel Stimmen sich im ersten Wahlgang auf die wirklich gewählten Abgeordneten und auf diejenigen Gegenfandidaten vereinigten, die nächst ihnen die meisten Stimmen hatten. Es ergibt sich aus dieser Tabelle, daß von den Urwählern, die Diejenigen Wahlkreise also, in denen die Sozialdemokraten an dritter bei der ersten Wahl ihre Stimme abgaben, in Berlin I 36,2 Proz., Stelle standen, müssen hier ausscheiden. Von den übrigbleibenden in Berlin II 74,5 Proz., in Berlin III 72,2 Proz., in Berlin IV wies Berlin II 487 sozialdemokratische unter 1419 stimmberechtigten 73,9 Proz., in Nieder- und Oberbarnim 48,3 Proz., in TeltowWahlmännern auf, Berlin III 1100 unter 2699, Berlin IV 530 unter Beeskow- Storkow- Charlottenburg 50,4 Proz. sozialdemokratisch geLodz. Trotz des Kriegszustandes eintägiger Generalstreit. 1515, Oberbarnim und Niederbarnim 327 unter 1391. In Teltow stimmt haben. Vier von den sechs Kreisen hatten also eine sozialDwinst. Mehrere Protestversammlungen, auf welchen ent- Beeskow- Storfow- Charlottenburg waren 2573 Wahlmänner ftimm- bemokratische Mehrheit, drei unter ihnen sogar annähernd eine sprechende Resolutionen gefaßt wurden; an den Versammlungen berechtigt. Nach der Statistik stimmten von diesen 678 für andere sozialdemokratische Dreiviertelmehrheit, aber trotzdem sind sie freihaben über 3000 Menschen teilgenommen; vier Protestmeetings in Gegenkandidaten". Wie aus der vom Abgeordnetenhause veröffent finnig bezw. konservativ im Landtage vertreten. Es wäre überlichten Uebersicht hervorgeht, befanden sich unter den Wahlmännern flüssig, dem noch ein Wort hinzuzufügen, wir begnügen uns mit der Berditschew. Eine glänzende Proteftfundgebung. In der Synagoge neben 7 Freifinnigen, die aus taktischen Gründen sozialdemokratisch Konstatierung dieser Tatsache, die mehr als alles beweist, daß das Dreitlassenwahlsystem in vollem Sinne des Wortes eine Fälschung eine vom lokalen Komitee des Bundes geleitete Voltsversammlung von wählten, 647, die sich offen zur Sozialdemokratie bekannten. Was die Wahleinteilung und Wahlberechtigung des Volkswillens bedeutet. 7000 Menschen. Die ganze Polizei und ein Dragoner- Regiment umzingelten die Synagoge. Es fanden mehrere Zusammenstöße statt; betrifft, so war der engere Stadtkreis Berlin, der bei der letzten die Polizei wollte das Volk in die Synagoge nicht hineinlassen, als Bolkszählung 1 888 848 Einwohner hatte, in 1291 Urwahlbezirke geaber dem Polizeichef gemeldet wurde, daß die Menge nicht aus- teilt, von denen 213 je 3, 52 je 4, 67 je 5 und 959 je 6 Wahlmänner einander gehen würde und dann ein Blutvergießen unvermeidlich zu wählen hatten. Im ganzen waren also 6936 Wahlmänner zu fei, gab er nach, blieb aber mit der Polizei und den Soldaten auf wählen, und zwar in der ersten und dritten Abteilung je 2317, in der Straße, um eine Straßendemonstration zu verhindern. Die 1,63 Proz., die zweite 42 719 oder 9,45 Proz., die dritte 402 152 oder der zweiten 2302. Urwähler hatte die erste Abteilung 7394 oder Stimmung war eine ungewöhnlich erhabene. Eine scharfe 88,92 Proz. Die Gesamtzahl der Urwähler belief sich auf 452 265. Protestresolution wurde einstimmig angenommen. Biust. Protestversammlung von 1200 Personen. Unter den Urwahlbezirken waren 46, in denen ein einziger Wähler, Hommel. Ein Meeting in der Synagoge, 4000 Personen an- Abteilung finden wir einen Bezirk mit nur einem und einen mit 105, in denen 2 Wähler die erste Abteilung bildeten. In der zweiten wesend. Die Polizei wagte nicht zu stören. Zwei Resolutionen nur 2 Urwählern. Im Durchschnitt famen auf jeden Wahlmann der wurden angenommen. Eine betreffs der Reichsduma und eine zweite betreffs der Auspeitschung von vier Bauern im Dorfe Diatlowitschi( diese Schandtat hat sich der Gehülfe des Hommeler berüchtigten Henters Baron Klingenberg, des Organisators des den Synagogen. Hommeler Massakers gegen einen ausdrücklichen Ukas des Baren vom 11. August 1904 über Aufhebung der körperlichen Büchtigung zu eigenem Bergnügen veranstalten lassen). Mohilew. Im Walde außerhalb der Stadt eine VersammTung von 2000 Personen. Der erste Redner legte das Wesen der Bulyginschen Konstitution" auseinander, der zweite sprach über die Schreckenstage, die das Lodzer Proletariat durchlebt, und über den Heldenmut, mit welchem es gefämpft hat. " ersten Abteilung 3,19, der zweiten 18,56 und der dritten 173,57 Urwähler. Jeder Urwähler erster Klasse hatte demnach 54 mal, jeder rwähler zweiter Klasse über 9 mal so viel Rechte wie ein Urwähler Aehnlich wie in Berlin liegen die Verhältnisse in dem Wahlkreise Teltow- Beeskow- Storkow- Charlottenburg, wie dritter Klasse. Tabelle hervorgeht: Brest- Litowsk: Massenversammlung in der Synagoge 3000 Personen. An diesem Tage wurde von der lokalen Organisation des Bundes" ein eintägiger Generalstreit zum Andenken an Charlotten die während des dortigen Massakers Gefallenen proklamiert. Mehr burg. als 3000 Personen konnte die Synagoge nicht faffen. Polizei und Schöneberg Soldaten hatten sie umringt. Der Redner sprach zuerst über die Rigdorf. wahre Ursache und den Urheber der Massakers, erklärte dann den Kr. Teltow Sinn der herannahenden Reformen", rief zum Kampfe gegen diefelben und für die von der Sozialdemokratie aufgestellten Forderungen auf. Shitomir. Zwei Voltsmeetings 1500 und 3000 Personen; ein eintägiger Generalstreit( außer den Handelsangestellten streiften fast alle Arbeiter der Stadt) als Protesttundgebung gegen das dortige Massaker und die Bulyginsche Konstitution". Einwohners zahl am 1. Dez. 1900 Urwahlbezirke aus 8ahl der Urwähler Gesamtzahl der Urwähler Zu wählende I. Abt. II. Abt. III. 26t. % % % ( Städte). Sr. Teltow ( Land) 189 305 136 95 998 75 90 422 65 36 244 25 247 2,96 231 943 172 1707 3,07 1128 2,49 812 3,31 476 1,92 4551 10,04 39 649 87,47 45 328 731 3174 12,95 20 516 83,73 24 502 3432 13,84 20 889 84,24 24 797 346 361 Beestow Storfow ( Städte). Storfow ( Land) 7 945 8 68 3,99 887 10,62 7 222 86,43 8 356 6118 11,02 47 71485,91 55539 200 11,72 143884,29 1706 139 864 29 36 649 30 356 4,23 1294 15,37 Beeskow 30 Aus der Frauenbewegung. Arbeiterinnenfrage. stelle des Bolksvereins für das katholische Deutschland in M.- GladIn einer unter diesem Titel vor kurzem im Verlage der Zentralbach erschienenen Broschüre unternimmt Elisabeth Gnaud- Kühne den intereffieren und sie zu tätigem Mitwirken an der sozialen Arbeit Versuch, die besserfituierten Frauenkreise für die Arbeiterinnen zu aufzurufen. Es mag wohl am besten dem Fassungsvermögen jener Kreise entsprechen, wenn die Verfasserin den Weg über die Brücke der„ unerschöpflichen" Charitas einschlägt und von hier aus den befizenden Frauen flar zu machen versucht, daß mit dem Entstehen einer neuen Gesellschaftsschicht, einer neuen Klasse, zu der die Fabrikarbeiterinnen nachstehender gehören, neue, bisher nicht gekannte Not entstand, die nicht durch charitative Arbeit zu bannen sei, sondern nur durch soziale, die ganze Klasse umfassende Arbeit bekämpft werden müsse. In einem furzen Ueberblick informiert die Verfasserin ihre Leserinnen, wie der Uebergang der Frau aus der, wenn auch produktiven, so doch rein hauswirtschaftlichen Tätigkeit des Mittelalters in die planmäßig erwerbstätige, von aller Hauswirtschaft Iosgelöste der tapitalistischen Gesellschaftsordnung erfolgte, welchen Umfang diese Erwerbstätigkeit der Frauen im Wirtschaftsleben erreicht habe usw. Im Jahre 1903 wurden allein in Fabriken ins106 175 jugendliche gesamt 1005 513 Arbeiterinnen, darunter im Alter von 14-16 Jahren beschäftigt und außerdem noch 3528 weibliche Kinder unter 14 Jahren. Alle diese schwer arbeitenden Frauen, zu einem erheblichen Teile noch Kinder, schaffen und leben unter solch elenden Bedingungen, werden mit so erbärmlichen Löhnen abgefertigt, daß die Arbeit, die zur Freude, zum Lebensunterhalte des Menschen werden könnte und sollte, hier zu einem schauerlichen luche geworden ist, den nur die Sehnsucht und Hoffnung nach Erlösung ertragen läßt, nach Befreiung durch die Proletarierehe wenn sie nicht vorher ihre Opfer den Verführungsversuchen unter 6 767 80,40 8417 136 liegen und der Prostitution anheimfallen läßt. Aus dem Dunkel dieser Not gibt es nur einen Weg, eine Rettung: die un Insgesamt 688 506 511 4794 2,80|| 19656 11,70 144 195 85,50 168645 2606 ermüdliche Aufklärung dieser Frauen, damit sie fich in Massen Die Zahl der Urwahlbezirke, in denen ein bezw. zwei Wähler die zusammenschließen, in Organisationen ihre Macht erkennen, um von der Gesellschaft sich die Rechte und Möglichkeiten eines menschenlich, unbewaffnet sich zu bersammeln anfingen, begann jeden Wahlmann der ersten Abteilung famen in Charlotten- Sühne, die selbst versucht hat, für furze Zeit unter Arbeiterinnen -friederste Stlasse beherrschten, betrug im gesamten Streife 24 beat. 16. Auf würdigen Daseins zu ertämpfen. Diesen Weg hat Frau Gnaud das schon allen bekannte Blutvergießen. burg 4,62 Urwähler, auf jeden Wahlmann der zweiten Abteilung in einer Fabrit zu leben, richtig erkannt. Um so merkwürdiger ist Voltsversammlung Drscha( Gouvernement Mohilew). 300 18,73, auf jeden Wahlmann der dritten Abteilung 162,50. Für die Art, wie sie sich die Verwirklichung denkt. Sie möchte mit Hülfe Mann eintägiger Generalstreit( die ganze Stadt war wie aus- Schöneberg sind die entsprechenden Zahlen 7,19 bezw. 26,45 von Kirche und Schule die eben schulentlassene Jugend, die in die Fabrik gestorben). beam. 181,56; für Rigdorf 4,10 beztv. 26,60 beam. 180,08; für Kowna. Feierliche Revolutionsbeerdigung eines gemordeten den Streis Teltow 5,78 beat. 21,42 beato. 162,58 und für ben geht, in" Patronagen" sammeln, und die Erwachsenen in die katholischen Arbeiters, flammende Neden in allen örtlichen Mundarten auf dem Kreis Beestow Storfow 8,00 bezt. 25,32 bezi. 154,81. In Gläubige) überführen, welche die gemütlich- sittliche Pflege der Arbeiterinnenvereine( sie wendet sich in der Hauptsache an katholische katholischen Friedhof, Fahnen und Kränze, Verbrüderung christlicher dem Landkreise Beeskow- Storkom wirkt also das Dreiklassenwahlrecht Mädchen anzustreben, sie religiös- fittlich zu bewahren haben. Präfes und jüdischer Arbeiter angesichts einer blutdürftigen Massaterpolizei, demokratischer" als in dem Stadttreis Charlottenburg, denn hier foll natürlich, entweder offiziell oder inoffiziell, immer der Pfarrer Straßenmeetings. hatte jeder Urwähler erster Klasse 35 mal so viel Rechte, wie jeder sein, deffen Einfluß sich die so bewahrten Mädchen jederzeit unterWähler dritter Klasse, dort dagegen„ nur" 19 mal so viel. Auch für den Wahlfreis Oberbarnim und Nieder- ordnen werden. Und von diesen tonfessionellen Vereinen*) aus barnim laffen sich die Verhältnisse am besten tabellarisch dar- entgegenzubringen und den christlichen Gewerkschaften beizutreten. mögen sie dann lernen den Berufsvereinen das nötige Verständnis Die freien Gewerkschaften, die des sozialdemokratischen Geistes voll sind, können nicht in Frage kommen." Die Verfasserin gibt auch den Frauen ihrer Klasse, die sie für die soziale Mitarbeit aufruft, genaue Anweisungen, welche Methoden sie bei dieser Art Organis fierung anwenden mögen, welche Vorträge sie halten lassen sollen die ersten christlichen Jahrhunderte böten Stoff in Hülle und Fülle - wie sie aber unter den unterhaltenden Vorträgen, über Klavier spiel und Singen die soziale Aufgabe nicht vergessen dürfen, insonderheit müssen die Schutzvorschriften für Arbeiterinnen alljährlich durchgesprochen werden". Dobromysl, Gouv. Wolyn. Eintägiger Generalstreit( 600 Mann) als Protest gegen die Bulyginsche Sonstitution". Bialystod. Am 12. Auguft wurde vom lokalen Komitee des Bundes" ein Protestmeeting gegen die Bulyginsche Ronstitution" einberufen, als aber die Arbeiter -Bobruist. Begeistertes Protestmeeting in der Synagoge. Trauerund Revolutionsfahnen. Stundenlange feurige Reden. lutionärer Gesang. Revo stellen: Bur felben Zeit haben die gemäßigten Liberalen beschlossen, an den Wahlen teilzunehmen; wie aus Rußland mitgeteilt wird, haben biele von diesen Bankett revolutionären( in diese für ihn so unpassende Gesellschaft ist unerwarteterweise auch der so allgemein beliebte Marim Gorki geraten) bereits ihre Kandidatur aufgestellt. Es ist uns bekannt, daß einige Führer der liberalen Konstitutionalisten dem kommenden Mann des zarischen Verfassungsterkers dem Helden von Portsmouth, Witte, ihr Vertrauen ausgesprochen und Oberbarn. schöne Neden mit ihm ausgetauscht haben. ( Stadt) Es ist damit in die Einheitlichkeit der russischen Opposition die Oberbarn. ( Land) erste Bresche geschlagen; dieser Verrat der Liberalen wird aber uns Niederbar zweifelhaft vieles zur Reife der politischen Erziehung des russischen nim( St.) Proletariats beitragen und wird es lehren, nur auf die eignen Niederbar Sträfte zu bauen. nim( 2d.) Insgesamt Die Wahlentrechtung Berlins. Einwohnerzahl am 1. Dez. 1900 Urwahlbezirke Gesamtzahl der Urwähler Zu wählende 8ahl der Urwähler I. Abt. II. Abt. III. Abt. % % % 47 099 34 309 3,08 951 9,47 45 081 39 275 2,82 1010 10,35 21 432 15 178 3,78 271 593 201 2213 3,34 385 205 289 2975 3,5 504 10,70 4 029 85,52 4711 Wahlmänner 8781 87,45 10041 184 8,472 86,83 9757 163 81 9070 13,70 54 908 82,95 66191 994 11535 12,7 76 190 84,00 90 700 1422 18 Urwahlbezirke dieses Kreises wiesen in der ersten Abteilung Das preußische Dreiflassenwahlunrecht, dessen Widerfinn wir nur einen, 14 nur 2 Urwähler auf. jüngst an der Hand der amtlichen Statistik nachgewiesen haben, Recht deutlich tritt die Benachteiligung Berlins herbor, wenn nimmt nicht nur der größten politischen Partei jede Vertretung in man einen Vergleich zwischen Steuerleistung und Wahl den gesetzgebenden Körperschaften, es räumt auch dem platten Lande recht zieht. Während im ganzen Staat die durchschnittliche Steuereinen durchaus unberechtigten Vorzug vor den Städten ein. Ganz leistung eines Urwählers 66,39 m. betrug, betrug sie im Stadtkreis besonders haben unter dieser Bevorzugung des Landes die Groß- Berlin 121,01 m., also beinahe das Doppelte. Jm Durchschnitt städte, allen voran Berlin mit seinen. Vororten zu leiden. zahlte jeder Wähler erster Klasse 730,34 M. Steuern, in Berlin das Bekanntlich ist der gesetzlichen Festlegung der Wahlkreise im gegen 2699,47 M., jeder Wähler zweiter Klasse 175,94 m., in Berlin Jahre 1860 die Volkszählung von 1858 zugrunde gelegt worden. Dagegen 413,81 m. und jeder Wähler dritter Klasse 24,35 M., in Würden heute die 433 Abgeordneten nach Maßgabe der Ergebnisse Berlin dagegen 42,50. Es gab in Berlin nicht weniger als 35 Urder letzten Volkszählung auf die einzelnen Wahlkreise verteilt werden, wahlbezirke, in denen man mehr als 30 000 m. Steuern zahlen Frau Gnaud- Kühne zählte uns stets zu den sympathischsten Vertreterinnen der bürgerlichen Frauenbewegung. Aber schon in ihrem letzten verdienstlichen Werke:„ Die Frau an der Jahrhundertwende", in der sie über die Lage der arbeitenden Frauen der Deffentlichkeit pertvolles statistisches Material unterbreitet, befremdete eine fonderbare firchlich- befangene Art der Auffassung, die Klöster als segensreiche, willkommene Heim- und Friedensstätten für arbeitende Frauen zu preisen. In der vorliegenden, durchaus für den praktischen Gebrauch berechneten Arbeit tritt dieser tonfessionell- dogmatische Zug ungleich deutlicher und bewußter in Erscheinung. Man ist eben nicht ungestraft vom Papste das lehrt uns auch die Entwickelung von Elisabeth Gnaud- Sühne. Daß sie dabei aber in wenig bor nehmer Weise, ganz im Sinne der vom Zentrum dauernd gepflegten Tradition der Entstellung von Tatsachen, die Sozialdemokratie als *) Eine genauere Schilderung des Aufbaues, des Wirkens dieser Organisationen ist enthalten in der ebenfalls erst erschienenen Broschüre Katholische Arbeiterbereine" von Dr. Dito Müller- gleichzeitig eine Ergänzung der Arbeit von Fr. Gnaud- Kühne. eigentlich einzige Feindin der Sozialreform hinstellt, ist eine Kampfe? weise, die man bis jetzt von ihr wohl nicht erwartet hätte. Zwar muß sie gleich darauf zugeben, dost die Sozialdemokratie ihre Er- folge in der Arbeiterklasse gewist dem Umstände verdankt, dast sie zuerst die Interessen des Arbeiters zu erfassen vermochte und sein .Recht" verteidigte, während Staat und Gesellschaft noch mit den wohltätigen Bettelsuppen glaubten ausweichen zu können. Aber sie verschmäht es nicht, bei der Erläuterung und Besprechung der Sozial- reform, mit der sie sich an die nach ihrer eigenen Annahme gänzlich unerfahrenen, sozial unwissenden Frauen der Bourgeoisie wendet, zu sagen:„... Von allen Seiten seien Reformvcrsuche gemacht worden, mit Ausnahme der Sozialdemokratie", und zum Beweis:.... in Preusten hätte z. B. die gewerbetreibende Klasse die Fürsorge der Regierung genossen, noch che an die Sozialdemo- kratie gedacht wurde". Wie das in der Zentrumspartei üblich ist, werden eben auch hier zur höheren Ehre des Katholizismus die historischen Daten der sozialreformerischen Entwickelung gefälscht. In letztem Grunde ist dies auf die Kettlerlegcnde zurückzuführen, die Legende von dem.großen Bischof" in Mainz, wie ihn auch die Verfasserin nennt, der vom Zentrum immer noch als das große sozialpolitische Licht gepriesen und gerühmt wird. Diese Legende ist schon mehrfach gründlich widerlegt worden, u. a. auch in der„Neuen feit", es steht fest, dast es sehr materielle Ursachen waren, die etteler die Priesterweihen empfangen liesten, aber da katholische Gläubige derlei zu wissen nicht verpflichtet sind, wuchert das alte llltärchen gedeihlich fort. ES verlohnt sich nicht, an dieser Stelle auf diese so oft wiederholten, so oft widerlegten Behauptungen weiter kritisch einzugehe». Die Verfasserin bestätigt gleich darauf selbst. .daß die Sozialdcinokraten mit außerordentlichem Verständnis für die Bedürfnisse der neuen Klasse sich der Führung des größten Bruchteils derselben bemächtigt haben." Die Arbeiterklasse Iveist nur zu gut. dast ohne das energische, entschiedene und zielbewustte Eintreten der Sozialdemokratie für ihre Rechte sie sich hellte gewist nicht der vielgepriesenen und von dem Unternehmertum sauch dem christlichen) ach so drückend empfundenen und vielgehastten Sozialpolitik erfreuen würde. Fr. Gnauck-Kühne verlangt u. a. und als erstes dringend den zehnstündigen Maximal- arbeitstag für die Frauen. Nach allen Berichten der Fabrik- inspektoren steht fest, dast der zehnstündige Arbeitstag für einen erheblichen Teil der Arbeiterinnen in der Praxis bereits besteht, dast� die Einführung desselben für die Industrie durchaus keine Schädigung bedeuten könne, daß im Interesse der Volksaesundheit diese sozialpolitische Maßnahme eine Notwendigkeit sei; die Regierung aber laboriert nun seit Olims Zeiten an dieser Frage und kann mit Enqueten und Beratungen zu keinem Ende kommen. Warum hat die Negieruugspartei— nach der Ansicht von Frau Gnauck-Kühne die Partei der Sozialreform par exoellence und von ihr aucki als Schlitzgeist und Oberhaupt der noch zu schaffenden christlichen Arbeiterinnen-Organisationen ausersehen— warum hat das Z e n t r>l in dem Mantel der christlichen Sozial- reform diesen mehr als bescheidenen Flicken noch nickt auf- gesetzt? Vielleicht, weil sich die Sozialdemokratie dem widersetzt und iin Prinzip den Achtstundentag für alle Arbeiter fordert? Die Sozialdemokratie wird trotz alledem auch in den Reihen der Arbeiterinnen in der sieggewohnten Weise wirken und schaffen, sie organisieren und sie fähig machen, Schulter an Schulter mit ihren Arbeitsbrüdern den Emanzipationskampf der arbeitenden Klasse durchzufechten, ihre Rechte sich zu erobern. Die Arbeiterinnen, denen die Sozialdemokratie den Weg weist, lverdcn ihre Befleiung, ihre Erlösung vom Fluche des proletarischen ArbeitSdaseinS nicht in einer Ehe sehen, die in, Rahmen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung für die Proletarierin eine vermehrte Oual, eine erhöhte Last uild verdoppelte Entrechtung bedeutet, sie werden ihre Erlösung erhoffen von der neuen Gesellschaftsordnung, die sie sich im Verein mit ihren Klasscngenosscn erstreiten wollen. Und in dieser neuen Gesellschafts- ordnung, im tätigen, unermüdlichen Kampfe für die gerechte soziale Gesellschaft werden sie ihr Menschentum und Menschenglück, werden iie Erlösung und Befreiung vom Fluche des Kapitalismus finden. Lea H e i d e»- D e u t s ch m a n n. Versammlungen. Fünfter Wahlkreis. Der sozialdemokratische Wahlverein hielt am Montag im Alten Schiitzenhause eine gutbesuchte Generalvers a m m l u n g ab. Z u ch t gab den VorstandSbericht. Er be- merkte hierbei, daß wenn auch die Beteiligung der Genossen an den Parteiarbeiten in, allgemeinen noch eine regere sein könnte, doch die Besuche der Zahlabende in den meisten Bezirken als gut zu bezeichnen feien. Besonders wies er dann auf die kommenden Stadtverordneten- Wahlen hin und ermahnte die Genossen, schon beizeiten mit der Kleina agitation zu beginnen, damit die Partei siegreich aus der Wahl hervorgehen möge. L i e p m a n n verlas und erläuterte hierauf den Kassenbericht vom verflossenen Halbjahr. Demnach beträgt die Einnahme 9402,31 M. und die Ausgabe 8464,77 M., so dast ein Kassenbestand von 937, b4 M. verbleibt. Wie der Kassierer erwähnte, haben die wiederholten Listensammlungen ein verhältnismäßig gutes Ergebnis gezeitigt. Friedländer berichtete sodann über die Tätigkeit der Prestkommiffion. Auster den ständigen kleinen Beschwerden habe sich die Kommission in mehreren Sitzungen auch mit der Unstimmigkeit in der„VorwürtZ"-Redaktion zu befassen gehabt und er müsse sagen, dies seien ihm seit langer Zeit die unangenehmsten Sitzungen gewesen. Seiner persönlichen Ueberzeugung nach handele es sich bei den ganzen Auseinandersetzungen zwischen der„Leipziger Volks- zeitung" und„Neuen Zeit' gegen den„Vorwärts" sowie auch der „Vorwärts"- Redaktcure unter sich weit weniger um prinzipielle Gegensätze als vielmehr um persönliche Differenzen, die sich leider bis zur Unerträglichkeit zugespitzt hätten. Näher auf die Dinge ein- zugehen, bat er. ihm zu erlaffen. da sich der Parteitag ja zur Gc- nüge damit beschäftigen werde und der ParteitagSbericht daher aus- führlichc Auskunft darüber bringen müsse. Er erwähnte dann noch. daß sowohl dem Verein Berliner Hausdiener wie auch der Tistmerschen Dampfergescllschaft die Annoncen- aufnähme verweigert worden sei, letzteres seines ErachtenS zu Un- recht, weil, wenn auch die Dampfer an gesperrten Lokalen anlegen, eS eben Sache der Genossen und nicht der Tistmer-Gesellschast sei, solche Lokale zu meiden.— Ueber den Bericht entspann sich eine leb- hafte Debatte. Mohr mann verlangte AnZkunft darüber, welche endgültige Stellung die Prestkomniission zu der Angelegenheit„Leipziger VolkSzeirung" kontta„Vorwärts" eingenommen habe. Noack rügte eS. dast ein Bericht von einer Versammlung des Fachvereins der Musikinstrumentenarbeiter erst nach Wochen in den„Vorwärts" auf- genommen worden fei. Timm hält die Annonccnfperre dem Verein Berliner Hausdiener gegenüber für ungerechtfertigt, weil sich in dem Verein jetzt auch mehr und mehr moderne proletarische Klasscntcndenzen durchsetzen und der ftüher� unsolidarische Standpunkt verlassen werde. Schacht beschwerte sich über die angebliche Zurücksetzung der sogenannten lokalorganisierten Gewerkschaften durch den„Vorwärts". Thiel bringt Auslassungen von Hausdienern und Packern im „Vorwärts" zur Sprache, die sich bei ihm wegen der niedrigen Löhne daselbst beklagt haben. So sollen den Hausdienern Löhne von 18 und den Packern von 19 Mark per Woche gezahlt werden. L i e p- mann weist diese Behauptungen entschieden zurück. Wenn die Löhne der Hausdiener und Packer so niedrig wären, dann würde die Organisationsleitung dcS Handels- und Trans- portarbeiter-Verbandes längst ganz energisch vorstellig geworden sein. Der Neunerkommission, deren Mitglied er sei, hätten aber noch keine Beschwerden in dieser Hinsicht vorgelegen. Bei den 18 und 19 Mark- Löhnen könnten höchstens jugendliche Arbeiter, die einfache und leichte Botendienste verrichten, in Frage kommen. Die Hausdiener und Packer aber würden mit nicht unter 26 M. entlohnt; einige be- kämen Löhne von 30 bis 36 M. In seinem Schlustwort bemerkte Friedländer dem Genossen Mohrmann, die Prestkommission habe zu der sogenannten„Vorwärtsftage" eine endgültige Stellllng roch nicht nehmen können, weil erst die Eiltscheidungen des Parteitages abzuwarten selen. �n der Preßkommisston herrsche aber leider dieselbe Unstimmigkeit wie in der Redaktion. Es gebe eben auch Prestkommissionsmitglieder, die jede Pöbelei der„Leipziger Volkszeitung" gegen den„VorlvärtS" billigten, während sie entrüstet seien, lvenn der„Vorwärts" schließlich antworte. Man möge es ihm aber erlassen, näher auf diese Interna einzugehen, weil es nicht angängig sei, daß der fünfte Kreis über die Prestkommissions- Mitglieder anderer Kreise zu Gericht sitze. Was die Versammlung der Musikinstrumentenarbeiter anbelange, so handele es sich um einen eingesandten Bericht, gegen dessen Abdruck der Rcffort- redatteur Bedenken gehabt habe; erst auf eine Beschwerde hin sei die Aufnahme veranlaßt worden, daher die Verzögerung. Die Einwände Timms gegen die Annoncensperre des Vereins Berliner Hausdiener vermag Redner nicht als berechtigt anzu- erkennen, bezeichnet es aber als sehr erfreulich, wenn sich dieser Verein endlich einmal auf den Boden des wirklichen proletarischen Klassenkampfstandpunktes gestellt haben sollte.— Stange berichtete zum Schluß noch über die Tätigkeit der Lokalkommission unter spezieller Berücksichtigung der eigenen Kreisverhältnisse und ermahnte die Genossen, unter allen Umständen die Lokalliste genau zu beachten. Damit war die Tagesordnung der Versammlung erledigt. Weltanschauung und Taktik de? Proletariats. Am Sonntag hielt Genosse Friedeberg seinen bekannten Vortrag in einer sehr stark besuchten Branchclwcrsammlung der im Metallarbeiter- Verbände organisierten Dreher. Der Vortragende schloß seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Aus- führungen mit der Bemerkung: Die Gewerkschaften müssen das Rückgrat des Klassenkampfes sein, sie müssen deshalb von revolu- tionärcm Geist ersüllt sein, die Form der Organisation ist Neben- fache. Der erste Diskussionsredner S t u m p e sagte unter anderem, er wünsche, daß Friedeberg dem Beispiel Göhres folge und drei Monate unerkannt als Fabrikarbeiter tätig sei, aber nicht in einer Fabrik, wo die meisten Arbeiter organisiert sind. Wenn Friedeberg so an der Quelle das Arbeiterleben studiere, dann werde er wohl zu der Ueberzeugung kommen, daß eS noch nicht an der Zeit sei, die Arbeiter vor die große Frage des Generalstreiks zu stellen.— Was Friedeberg vortrage, das sei nicht neu, aber fem Auftreten sei doch zu begrüßen, weil in den Gewerkschaften seit Jahren eine gewisse Schlafmützigkcit eingerissen sei.— Die gegen den Parlamen- tarismus gerichteten Ausführungen Friedebcrgs erkennt der Redner nicht als begründet an und vom Generalstreik meint er, daß der- selbe keinen Erfolg verspreche, weil die streikenden Arbeiter schon nach acht Tagen vom Hunger geplagt sein würden. Man müsse den Kapitalismus bekämpfen, indem man Erkenntnis unter den Arbeitern verbreite. Pawlowitfch erklärte sich mit Friedeberg einverstanden, so- weit sich dessen Ausführungen gegen den Parlamentarismus richteten. Den Generalstreik hält der Redner für ein anwendbares Mittel, wenn die Zeit dazu gekommen ist. Daß der Generalstreik ein sehr wirksames Kampfmittel sei, dafür gebe es ein nur wenig bekanntes, in der Schrift von Roland-Holst nur gestreiftes Beispiel: Als der Präfekt von Genua im Jahre 1901 die dortige Arbeitsbörse schloß, antworteten zunächst die Hafenarbeiter mit der Arbeitseinstellung. Ihnen schlössen sich die Vcrkehrsarbciter und dann auch die Industrie- arbeiter an. Die Wirkung dieses Generalstreiks war die, daß bereits nach drei Tagen die Arbeitsbörse aus Anordnung der Re- gierung wieder eröffnet wurde.— Man dürfe mit dem Gedanken des Generalstreiks keine Spielerei treiben. Der Generalstreik und der politische Massenstreik sei dasselbe. Wenn es bei solchem Streik zu Demonstrationen komme, so werde es nicht ohne Gewalt ab- gehen, denn es werde nicht möglich sein, die Massen der Demon- strierenden so im Zaume zu halten, daß sich nicht einzelne, namentlich wenn Provokationen seitens der bewaffneten Macht erfolgen, zu gewaltsamen Handlungen hinreißen ließen. Ein„Mißverständnis", wie die zwei Schüsse vor dem Berliner Schlosse im März 1843, könne den Anlaß zu blutigen Kämpfen geben. So könne ein Generalstreik das Vorspiel zur gewaltsamen Revolution geben. Eine solche Revolution aber können wir noch nicht vertragen, denn die Arbeiter seien noch nicht so weit, um sie siegreich zu bestehen.—> Die Lokalorganisationcn haben bedauerlicherweise die Ansichten Friedebergs zu den ihrigen gemacht. Nicht, weil es ihnen um diese Ansichten selbst zu tun sei, sondern vielmehr, weil sie den Zentral- verbänden ein Paroli bieten wollen.— Was jetzt von Dcrflachung der Verbände gesagt werde, sei unbegründet. Das Unterstützungs- wesen habe die Gewerkschaften nicht verflacht und auch sonst sprechen keine Tatsachen für die behauptete Versumpfung der Verbände.— Die theoretische und politische Aufklärung, der revolutionäre Geist müsse allerdings in den Gewerkschaften gepflegt werden. DaS sei aber seither fortgesetzt geschehen durch Vorträge politischen Inhalts und auch die heutige Versammlung biete ja den Beweis dafür, daß die Gewerkschaft ihre Mitglieder für alle Fragen des Klassenkampfes interessiere. Aber bis zum Generalstreik und zur Revolution sei noch ein höllisch weiter Weg. Die weitere Diskussion wurde bis zur nächsten Versammlung vertagt._ Der Verkehr von Arbeiter-Radfnhrern in gesperrten Lokalen führte am Donnerstag in einer bei Dräfel abgehaltenen öffentlichen Radfahrerversammlung zu lebhaften Erörterungen zwischen Mit- gliedern der beiden Arbeiter-Radfahrervcrbände„Solidarität" und „Freiheit". Den Auseinandersetzungen lagen hauptsächlich die von der Lokalkommission jüngst im„Vorwärts" publizierten Vorkomm- nisse in Bernau und Z e h d e n i ck(Kreis Templin-Ruppin) zu- gründe, woselbst von Vereinen des Bundes„Freiheit" Vergnügungen in gesperrten Lokalen arrangiert worden waren. Karl Fischer gab von jenen Verstößen im wesentlichen dieselbe Darstellung, wie dies die Lokalkommission im„Vorwärts" getan hatte und bemerkte dazu, ein derartiges Verhalten vereinbare sich nicht mit der vor drei Jahren von den Arbeiterradfahrern gefaßten Resolution, wo- nach diese sich verpflichtet haben, sich der sozialdemokratischen Partei zur Verfügung zu stellen; denn dazu gehöre auch, gesperrte Lokale zu meiden. Radfahrer, die dies nicht begriffen hätten, sollten ihre Vereine wenigstens nicht Arbeiter- Radfahrervereine nennen. — In der Diskussion, die sich zu einem guten Teil auf die inneren Zwistigkeiten der beiden Verbände erstreckte, wurde besonders die Zehdcnicker Angelegenheit und dabei auch das schimpfliche Eingesandt im Zehdenicker Lokalblatt sehr ausgiebig gewürdigt. L i e h r, der Vorsitzende des Bundes„Freiheit", erklärte die an sich nicht zu billigenden Vorkommnisse für künstlich aufgebauscht. In einem zweiten Eingesandt an das Zehdenicker Blatt habe er ausgedrückt, daß eS den Mitgliedern des Bundes„Freiheit" nicht gleichgültig sei, ob ein Lokal gesperrt sei oder nicht. In diesem Falle sei die An- gelegcnheit jedoch nicht geklärt gewesen. Auch sei nicht er, der Bun- desVorsitzende, sondern der Leiter des Zehdenicker Vereins„Zu- friedenheit" mit der schwarzweißroten Schärpe beim Korso vorauf- gcfahren. UebrigenS möge nicht vergessen werden, daß auch die Mitglieder des Bundes„Solidarität" auf diesem Gebiete sündigen. — Tie Genossen Mittag und Klammer- Zehdenick schilderten hierauf ausführlich die Schwierigkeiten der Lokalfrage in dem Orte, sowie die Quertreibereien des aus der politischen und gewerkschaft- lichen Organisation ausgeschlossenen Vorsitzenden Mielitz des dortigen Vereins„Zufriedenheit". Weß Geistes Kind dieser Mann s?in muß, geht zur Genüge aus einem Strafmandat hervor, mit dem der Genosse Klammer von der Zehdenicker Polizciverwaltuna jetzt bedacht worden ist. Darin heißt es, Klammer habe am 18. August gelegentlich der Dtratzenfahrt des RadfahrvereinS„Zufriedenheit" durch Rufe:„DaS Lokal ist gesperrtl" öffentliches AergrrniS bei den Radfahrern hervorgerufen und somit groben Unfug verübt. Beweis: Zeugnis dftl SchneidemüllcrS Otto M i eli tz.— Nachdem um 1 Uhr nachts die teilweise auch in versöhnlichem Ton gehaltene Debatte beendet war, wurde unter großer Unruhe gegen die Stimmen der„FrciheitS"-Bündler folgende Resolution angenommen:„Die Versammlung verurteilt auf daS schärfste den vom„FreiheitS'-Bunde begangenen Bohkottbruch in Zehdenick und erwartet, daß die Mit- glieder diese? Bundes in Zukunft der organisierten Arbeiterschaft in"der Provinz in jeder Hinsicht ihre Unterstützung angedeihen lassen."_ Der Verein der Zimmerer Berlins und Umgegend hielt am Sonntag in den Jndustriesälen eine Mitgliederversammlung ab, die sich hauptsächlich mit Vereinsangelegenheiten befaßte. Der Haupt- Punkt der Tagesordnung:„Wandlungen innerhalb der deutschen Arbeiterbewegung und die Stellung unserer Organisation zu den letzten Ereignissen" wurde, weil die Versammlung nicht zahlreich genug besucht war, auf eine in nächster Zeit stattfindende außer- ordentliche Versammlung vertagt. Von einem Mitgliede wurde der Antrag gestellt, der Verein solle nach jedem Ort, wo Dr. Friedeberg seinen Vortrag hält, einen Stenographen entsenden. Nachdem der Antragsteller von mehreren Rednern darauf aufmerksam gemacht wurde, daß sein Antrag doch wohl schon wegen der großen Unkosten nicht durchführbar sei, zog er ihn zurück.— Zu einer Aeußerung Rehbeins in der letzten Versammlung im sechsten Wahlkreise über die niedrigen Beiträge der Lokalorganisationen bemerkte der Vor- sitzende Juppenlatz, daß die Mitglieder des Vereins selbst über die Höhe der Beiträge bestimmen und die Beiträge niedrig seien, weil man nicht die Untcrstützungseinrichtungen der Zentralverbände habe. Im übrigen sei durch die Abrechnungen nachzuweisen, welche hoher» Summen für Lohnkämpfe aufgewendet würden. Die Ersatzwahl in Essen. Die Reichstagsersatzwahl in Essen, die als erster Prüfstein der Wirkungen des Verrats an den Bergarbeitern so gelegen kam, hat der sozialdemokratischen Partei einen bedeutenden Fortschritt gebracht. Zwar ist, was bei der Lage im Kreise nicht anders zu erwarten war, auch diesmal die Wahl noch nicht im ersten Wahlgange entschieden, vielmehr ist abermals Stichwahl zwischen unserem Kandidaten und dem Zentrumskandidaten erforderlich, jedoch haben wir einen beträchtlichen Zuwachs an Stimmen, die Nationalliberalen dagegen wesentlichen Stimmen» rückgang erfahren. Die bis jetzt vorliegenden, noch nicht ganz vollständigen Nachrichten lauten: Zählung des sozialdemokratischen Wahlbureaus: Gewehr(Soz.) 28 932, Giesberts(Z.) 35 478, Niemeyer (natl.) 17 873, Behrens 2196 Stimmen. Zählung des Zentrums: Gewehr 28 999, Giesberts 34 999, Niemeyer 18 999. Behrens 3999, Pole 1722 Stimmen. Zählung des„W. T. B.": Gewehr 25 419, Giesberts 32,921, Niemeyer 17 911, Behrens(christlich-sozial) 1914 Stimmen. » Bei der letzten Wahl erhielten im ersten Wahlgang: Klingemann(nattonaler Kand.) 29 819 Ssiinmen S t ö tz e l(Zentrum)...... 35 129„ Chocrszewski(Pole).... 1 589, Gräser(Sozialdemokrat)... 22 773 Ju der Stichwahl siegte Stötzel(Zentrum) mit 39 916 Stimmen gegen 32 632 Stimmen. Letzte ISfacbnchtcn und DepcFcbca Zur Marokkofrage. Köln, 19. September.(W. T. B.) Gegenüber den Vorwürfen der französischen Presse, daß Teutschland durch sein Verhalten eine Verständigung in den Verhandlungen Marokko betreffend erschwere, sowie der Behauptung des„Matin". Deutschland habe durchblicken lassen, daß es einen Hafen an der marokkanischen Küste beanspruche. wird dem Pariser Korrespondenten der„Kölnischen Zeitung" von zuständiger Seite versichert, daß, entsprechend den Versicherungen Deutschlands keine Gebietserwcrbungen zu beanspruchen, von irgend welchem Ansprüche auf Häfen in den Verhandlungen nicht die Rede gewesen sei. Das Wort Mogador, von dem man spreche, fei aus dem Munde des deutschen Gesandten Rosen überhaupt nicht gefallen. Zu dem Vorwurf, daß Deutschland die Verhandlungen verzögere, sei zu bemerken, daß die Unterbrechung der Verhandlungen sich durch die Abwesenheit Rouviers erklärt, da die Verhandlungen an- scheinend auf einem Punkte stehen, bei dem die persönliche An- Wesenheit des Ministerpräsidenten wünschenswert erscheint. Paris, 19. September.(W. T. B.) DaS Ministerium deS Aeußern stellt die Nachricht in Abrede, daß der Gesandte Dr. Rosen Revoil mitgeteilt habe. Teutschland beabsichtige, von Marokko eine Hafenkonzession am Atlantischen Ozean zu erlangen. Die Schuldigen des AvfftandeS in Kamerun. Köln, 19. September.(W. T. B.) Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Es kann nach dem. waS schon bekannt ist, keinem Zweifel unterliegen, daß die Unruhen unter den Eingeborenen im nordwestlichen Teile des KongostaatgebieteS der Gesellschaft Süd- Kamerun auf die Art und Weise zurückzuführen sind, wie in diesem Gebiete der Kautschukhandel betrieben wird. Zurzeit streiten sich die Vertreter der Gesellschaft Süd-Kamerun und die der Küsten- firmen darüber, wer eigentlich der schuldige Teil ist. AuS den gegenseitigen, sich einander gegenüberstehenden Behauptungen ist natürlich keine Klarheit zu gewinnen, obwohl nicht direkt beteiligte Kreise dazu neigen, den größeren Teil der Schuld den Küsten- sinnen beizumessen. Bei dieser Lage der Dinge ist eS mit Freuden zu begrüßen, daß die Kolomalregierung schon seit längerer Zeit eingehende Erhebungen über die Ursachen der Unruhen anstellt. Wie wir erfahren, hat vor einiger Zeit die Kolonialregierung auch dem Gouverneur anheimgestellt, mit dem Abschluß der Erhebungen einen richterlichen Beamten zu betrauen. Schweden-Norwegen. Christianta, 19. September.„Aftenposten" meldet: Wie sicher verlautet, lvcrden, so lange die Verhandlungen dauern, weder norwegische noch schwedische Truppen nach der Grenze dirigiert werden; ferner sollen Veranstaltungen getroffen werden, die Grenz» Bewachungstruppen beider Reiche soweit zurückzuziehen, daß keine Reibungen zu befürchten sind; über die Heimsendung der Be» Wachungstruppen verlautet noch nichts. Die Revolution in Rußland. Petersburg, 19. September.(B. H.) Der Zar hat einen Ukas erlassen, wodurch der Belagerungszustand über ganz Polen der- hängt ivird. Diese Maßnahme ist durch die jüngsten Unruhen veranlaßt. London, 19..September.(B. H.) Wie aus Petersburg be- richtet wird, habe die eingeleitete Untersuchung über den Dampfer „Crafton" ergeben, daß dieser Dampfer der russischen revolutionären Organisation gehörte. Wie es heißt, befürchtet man in Rußland, daß die revoluttonäre Partei noch weitere Dampfer für ähnliche Zwecke erworben hat, weswegen die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln getroffen wurden, um das Einschmuggeln von Waffen über Finnland und läng» der russischen Küste zu verhindern. Hamburg, 19. September.»w°ch. 20.stchmbeti!>0». Parteitag der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. (Fortsetzung aus der 1. Beilage.) Bruhns-Kattowitz: Die Kattotvitzer polnisclien und deutschen Genoffen arbeiten seit den letzten allgemeinen Wahlen einig zusammen, soweit das bei zwei besonderen Organisationen möglich ist. Nur dadurch werden wir die 200 000 Arbeiter des oberschlesischen Industrie- bezirkes, von welchen ISO 000 polnischer Nationalität sind, ge- lvinnen können. Dazu sind aber besonders auch erhebliche materielle Mittel nötig. Es gilt, die polnischen Arbeiter aus den Klauen des radikal-polnischcn Temagogentums zu befreien. Dazu reichen die Fähigkeiten und Mittel der polnisch-sozialistischcn Organisation, die bekanntlich nach eigenem Willen ganz unabhängig von der Sozialdemokratie Deutschlands dasteht, nicht aus. Die Kattowitzer Genosien begrüßen daher die Versuche zur Wiedervereinigung der beiden Gruppen mit Freuden. Leider führten die Verhandlungen zu keinem guten Resultat. Die Schuld an dem Scheitern können wir nicht unserem Vorstand beimessen, man hat den zum Frieden geneigten bisherigen Vorstand der P. P. S. beseitigt und auf dem Kattowitzer Parteitag der P. P. S. Bedingungen für die Ber- einigung aufgestellt, die einmal sachlich unannehmbar waren, soweit sie für polnische Angelegenheiten den polnischen Pavteitag alS höchste Instanz gelten lassen lvollen. Das geht unseres Erachtens nicht an. Wir dürfen niemals unserem Gesamtparteitag das Recht nehmen, in allen die Partei betreffenden Fragen endgültig zu entscheiden. Aber auch in formeller Beziehung machte der Parteitag der P. P. S. in Kattowitz weitere Verhandlungen unmögli�. dadurch. daß er beschloß, die Einigung müsse unter den angegebenen Bedingungen erfolgen. Wenn die Genossen von der P. P. S. als Grund ihres Verhaltens angeben, daß sie in Rücksicht auf die Nationalpolen vor der Welt möglichste Unabhängigkeit von der deutschen Sozialdemokratie zeigen müffen, so können wir das nicht gelten laffcn. Behaupten diese Nationalpolcn doch auch jetzt noch, daß die polnischen Sozialdemokraten nur ein Anhängsel der deut- schen Sozialdemokratie seien. Mir ist diese Rücksicht auf Gegner auch viel zu opportunistisch. Uebrigens- hat die P. P. S. bei früheren Einigungsverhandlungen die Forderung des selbständigen polnischen Parteitages ohne weiteres aufgegeben, also nicht für unbedingt notwendig gehalten. Wir bedauern im Interesse unserer Sache, daß die Einigung nicht zustande kommen kann. Wie mir von einem als Gast auf dem Parteitage anwesenden Vorstands- mitgliede der P. P. S. mitgeteilt wird, will der Vorstand der SB. P. S. das ominöse Wörtchen.muß" in seiner Zuschrift an unseren Partcworstand nicht aufrecht erhalten. Erklärt er das offiziell unserem Vorstande, so wäre der ZSeg zu neuen Verhand- lungen gegeben. Ich bitte Sie daher, zugleich im Namen der Bremer Antragsteller, unserem Vorstand« die Möglichkeit zu diesen neuen Verhandlungen zu geben, indem Sie den Antrag 128 an- nehmen. Für die EntWickelung der Sozialdemokratie im dunklen Oberschlesien wäre das von großer SScdeutung. Die Debatte wird hierauf vertagt. Der Parteitag beschließt, die Einladung der Jenaer Genoffen zu dem Ausfluge am Mittwochnachmittag anzunehmen. Schluß 1 Uhr. NachmittagS-Sitzung. 8 Uhr. Eine Reihe von BegrüßungStelegrammm werden ver- lesen. Zunächst nimmt der Parteitag den Bericht der MandatSprüfungS-Kommisfion entgegen, den Vohle-Straßbnrg erstaktei. Der Parteitag hat 308 Teilnehmer. Darunter sind 251 Delegierte mit 258 Mandaten. 40 Abgeordnete ohne Mandat, außerdem der Parteivorstand, die Kontrollkommission. Genosse Eisner als Vertreter des Vorwärts' und Genosse Börard als Vertreter de« Hamburger Geschäfts. Genosse Geck, der der Kontrollkommission angehört, ist durch Krankheit verhindert, anwesend zu sein. Ferner sind 11 Gäste aus dem Auslande erschienen. Gegen da? Mandat der Genossin Wagner-Chemnitz ist ein Protest eingereicht worden, weil die Wahl ohne Verständigung mit der Parteiorganisation vorgenonunen worden ist. Nachdem sächsischen Statut hätten die Chemnitzer Frauen die Wahl in der Partei- Versammlung vornehmen müssen. Außerdem seien in der Frauen- Versammlung viel- Nichtorganisierte gewesen und hätten sich an der Wahl beteiligt Die Kommission war der Ansicht, daß das Vor- gehen der Chemnitzer Frauen allerdings nicht korrekt war. daß sie ihre Delegierte in der Parteiversammlung hätten wählen müssen. daß aber unser Statut ihnen in der Tat das Recht gibt, cme Delegierte in einer besonderen Versammlung zu wählen. Wir beantragen daher, alle Mandate für gültig zu erklären, aber den Chemnitzer Genossinnen aufzugeben, in Zulunst die Delegierten in Parteiversammlungen zu wählen. Weber-Chemnitz: Ich bin beauftragt, für die Ungiiltigkeii des Mandats der Genossin Wagner einzutreten. Nach dem neuen OrganisationSstawt wird ja solchen Vorkommnissen ein Riegel vorgeschoben. Mit der notwendigen Disziplin verttagen sich solche Vorgänge nicht. Die Frauen haben uns gesagt: Wir kümmern uns nicht um die Parte.- Versammlung, sondern wählen in einer besonderen Versammlung eme Delegierte. DaS geht auf die Dauer nicht I„ � � Nach dem Vorschlage der Kon, Mission werden alle Mandate für gültig erklärt und wird das Verhalten der Chemnitzer Genossinnen als inkorrekt bezeichnet. Darauf wird die Diskussion über die Tätigkeit des PartcivorstandeS mit den dazu gehörigen Anträgen fortgesetzt. Trautmann- Mannheim: Der Genosse Meister hat über den Fall Hindorf nur un- vollkommen berichtet. Hindorf war wohl arbeitslos, aber er hatte seine Arbeitslosigkeit selbst verschuldet? weiter ist ihm seitens des Arbeiier-SängerbundeS eine Unterstützling in Höhe der von de» Schneidern gezahlten Streikunterstützung wiederholt angeboie» worden aber er lehnte sie ab und wurde Streikbrecher. Infolgedessen wurde der Antrag auf Ausschluß aus der Partei gestellt. Das Schiedsgericht hat dem Antrage auf Ausschluß mit fünf gegen zwei Stimmen zugestimmt. Was die Konttollkommissio» zu de». entgegeiigesetzten Urteil veranlaßt hat. weiß ich noch nicht, da imS die Begründung des Urteils noch nicht zugegangen ist. Wir be- halten uns wettere Schritte in dieser Angelegenheit vor, wir sind noch nicht davon überzeugt, daß die Kontrollkonimission das Richtige getroffen 1 Eckcrmann-Rathenow: Der Parteivorstand müßte den Fragebogen eine andere Fassung geben oder noch besser zwei Fragebogen herausgeben, einen für den Krcisvertranensmann. der über die Verhältnisse des ganzen Kreises zu berichten hat, und einen für die einzelnen Orte. Dann tSiirde wenigstens kein falsches Bild aus der Statistik herauskomme». Das Referat von Molkenbuhr hat den Eindruck erweckt, als wären wir viel zu bescheiden in der Agitation. Die Agrarier konnten infolge ihrer rück- sichtslosen Agitation einen riesigen Beutezug aufKosten de« Volkes machen. Auch wir müssen eine regere Agitation entfalten. Dazu ist eS aber notwendig, daß den agitatorisch tätigen Genossen das geeignete Material zugeht. In dieser Beziehung läßt der Parteivorstand leider sehr viel zu wünschen übrig. Scheidemann-Kassel: Es ist begreiflich, daß der Tadel des ParteivorstandcS die Ge- nassen in Darnistadt und Mainz verschnupft hat. Aber sie hätten besser getan sich zu entschuldigen, statt zu verteidigen. Auf der Landeskonferenz in Hessen hat man sonderbarerweise über diesen Fall kein Wort gesprochen. Niemand außerhalb Mainz und Darm- stadt hat das Vorgehen der dortigen Genossen verstanden. ja auch am Orte selbst haben sie vielfach Widerspruch gefunden. Genosse Friedrich sagte, es sei ihnen vor allem darauf angekommen, unter allen Umständen die Nationalliberalen zu schwächen. Er hat dabei verschwiegen, daß außer den Nationalliberalen auch noch ein paar ganz ausgesprochene Scharfmacher in die Liste aufgenommen wurden. In einem Bericht aus Darmstadt an die„Mainzer Volks- zeitung' wird das folgendermaßen verteidigt:„Die Politik der offenen Tür hatte den Erfolg, daß sich nur zwei bürgerliche Gruppen zum Kompromiß anboten, wobei je drei Kandidaten ausgelauscht wurden und außerdem noch drei ausscheidende Stadtverordnete mit auf unseren Zettel genommen werden sollten. Während man im all- gemeine» gegen das Kompromiß nichts einzuwenden hatte, entstand eine heftige Debatte darüber, daß man außer den sechs Kandidaten der verbiindeten Gruppen noch drei Gegner auf unseren Zettel übernommen hatte, worunter sich sogar einige Personen befanden, die den Bauarbeitern in den letzten Wirtschaft- lichen Kämpfen entgegengetreten sind. Nachdem man diese Bedenken als außerhalb der jetzigen Sache liegend bekämpft und damit moti- viert hatte, daß die Leute als Mitglieder der Arbeitgcberorgani- sationen nicht anders handeln konnten, Ivurde der Vorschlag der Kommission zur Stadtverordnetenwahl mit 43 gegen 31 Stimmen angenommen." Ich glaube, es ist nicht notwendig, darüber zu reden, wie unsinnig ein solcher Standpunkt ist. Nach dieser Logik müßten wir jede Handlung der Konservativen und Nationalliberalen billigen. Nun kam nach diesen Abmachungen in Darmstadt ein Schreiben von Genossen aus Darmstadt an mich, in dem Protest erhoben wurde gegen dies Verhalten. ES heißt da:.Jedoch kann vom Abschließen eines Kompromisses keine Rede mehr sein. sondern man hat sich die Scharfmacher im Baugewerbe einfach aufottrovieren lassen. Eine solche Zunrutung kann sich die Arbeiterschaft DarmstadtS nicht gefallen lassen, für einen Herrn Schaub oder SameS einzutreten, die in der unverfrorensten Weise Tausende von Arbeitern auf das Pflaster werfen, um sie durch Hunger zu zwingen, der Organisation den Rücken zu kehren. Zu solchem Kuhhandel können die Arbeiter DarmstadtS niemals ihre Zustimmung geben." Weiter wurde mir geschrieben, dieser Bericht sei von Darmstadt aus an das offizielle Organ für Darmstadt, an die.Mainzer Volkszeitung' geschickt, aber nicht auf- genommen worden. Das begreife ich allerdings, weil es ein haar- sträubender Zustand geworden wäre, wenn die.Mainzer Volks- zeitung" in Mainz mit den Nationalliberalen zusainmen in den Kampf zog und gleichzeitig die Nationalliberalen in Darmstadt hätte verniöbeln wollen.— Nun haben die Genossen gesagt, sie hätten den Kampf prinzipiell geführt. In dem Wahlaufruf im Mainzer Parteiorgan hieß es: aber„Zum zweitenmal treten die vier liberalen Parteien gemeinsam vor die Wählerschaft unserer Vaterstadt, es gilt die Ausübung des Wahlrechts am 1. Dezember". Die vier liberalen Parteien, das ist ein Häuflein Demokraten sehr zweifelhafter Art, ein Häufchen von Freisinnigen. Arm in Arm mit den Nattonalliberalen und den Sozialdemokraten.(Hört! hörtlj Unter diesen Umständen war ein prinzipieller Kampf ausgeschlossen. Man braucht ja aus dieser anzen Geschichte keine Staatsaktion zu machen, aber nachdem die Genossen es heute so hinstellen, als ob ihr Vorgehen ganz natürlich war und sie es jeden Tag von neuem so machen würden, war es doch notwendig, die Sache vorzubringen, damit der Wiederholung solcher Vorkommnisse ein Riegel vorgeschoben wird. Wir haben in Offcnbach in einem sehr hartnäckigen Kampfe gestanden gegen Nationalliberale, Zentrum usw. und machten dieser Koalition doch mit Recht den Vorwurf, daß das eine ganz charakterlose Gesellschaft sei. Dann mußte ich aber ein paar sehr bittere Pillen herunler- würgen, als geschrieben wurde: Tut doch nicht so, die Mainzer kuh- handeln ja mit den Nationalliberalen und in Darmstadt kuhhandelt Ihr mit den anderen gegen die Nationalliberalen. Ich meine, wir halten es mit unserer alten Devise: Durch Kampf zum Sieg, aber nicht: durch Kuhhandel zu Mandate«.(Lebhafter Beifall.) Mcrkowski: Als wir die polnische Arbeiterpartei gründeten, wollten wir die Behauptungen unserer Gegner, daß wir im deutschen Solde ständen, unmöglich machen und die polnischen Arbeiter zu Sozialdemokraten erziehen. Durch die Umstände sind wir gezwungen worden, die nationale Frage mehr in den Vordergrund zu schieben.— Wollen wir irgendwelche Erfolge erzielen so können wir unmöglich unsere Selbständigkeit aufgeben. Es ist alles Mögliche versucht worden. um die Einigkeit mit der großen deutschen Brudcrpartei herbei- zuführen. Leider aber ist?.?. L. dazu gekommen, die Betonung der nationalen Politik so zu ihrer Hauptausgabe zu machen, daß sie fast gar nicht mehr von den Korfanty-Leuten zu unterscheiden ist. Daher mutz sich die deutsche Partei gegen sie wenden. vrecour-Kiel berichttgt eine Stelle aus dem gedruckten Vorstandsbericht, die von den Kieler Gemeinderatswahlen handelt(Seite 20). Die Kieler Freisinnigen haben den Zensus nicht auf die höchste, sondern die zweithöchste zulässige Stufe hinaufgeschraubt. Außerdem ist außer Adler noch ein anderer Genosse gewählt worden. Schulz-Bremen: Den Ausführungen Molkenbnhrs zu den Klagen über den Mangel an geschulten Rednern mutz ich in einigen Punkten widersprechen. Molkenbuhr sagt, man solle bei dem altbewährten Mittel bleiben. junge Kräfte dadurch heranzubilden, daß man sie zunächst über TageSfragen reden läßt. DaS genügt ober für die heutige Zeit nicht mehr. Schon vor tl Jahren hat KautSky auf den bedauerlichen Mangel an theoretischer Durchbildung bei der großen Masse der Genossen hm- gewiesen. Heute ist das in noch weit höherem Maße zutreffend. Mit dem Wachstum der Partei in die Breite hat das Wachstum in die Tiefe nicht gleichen Schritt gehalten. Außerdem nimmt die Ge« wcrkschaftsbcwegung immer mehr Kräfte in Anspruch- auch die Zahl der Parteibcamte» wird immer größer, umso größer wird� der Mangel an Kräften, die in der Lage sind, an der theoretischen Durchbildung der Genossen zu arbeiten. Gewiß müssen wir den Rat Molkenbuhrs befolgen, an die praktischen TageSfragen an« znknüpsen: außerdem aber muß auch mehr für die prinzipielle Durch- vildung geschehen: wenn dann die nötige theoretische Klarheit vor« Händen ist. ergibt sich die Stellung zu den praktischeu Tagesfragen von selbst. Vorgänge wie die in Mainz würden dann wohl unterbleiben. Es fehl: besonders auch an Mitteln zur Heranbildung der Jugend. In der„Gleichheit" ist über die Notwendigkeit der Heranbildung der Jugend eine Debatte entstanden. Ich halte diese Notwendigkeit für in noch höherem Maße gegeben, als aus diesen Artikeln hervorgeht. Die Partei hat diese Aufgabe bisher vollständig vernachlässigt, eS ist unbedingt notwendig. daß ihr mehr Aufmerksamkeit ge- schenk« wird. ES ist ja nicht nötig, dazu Reichstag«- Abgeordnete heranzuziehen— die sind so schon genug beschäftigt—, aber unsere Mittel reichen auS, um andere gefchulte Kräfte mit dieser Aufgabe zu betrauen. Es wäre auch wüuschens- wert, mehr positiv aufklärende Schriften herauszugeben und nicht immer nur solche, die sich an praktische Borfälle der Tagespolitik anlehnrn. Die Praxis sorgt schon für sich selbst, lieber die Praxis ist aber in den letzten Jahren die Theorie zu kurz gekommen. Da- durch, daß wir in dieser Beziehung Belehrung schaffen, entziehen «vir am besten den unerquicklichen Debatten der letzten Zelt den � Boden. Adler-Kiel: Ich wollte mich nur mit dem Absatz 3 der Resolution 143 be« schäftigen, in dem es heißt:„Der Parteitag verlangt, daß sofort die Grenzen deS Reiches unter Anwendung berechtigter Borsichts» maßregeln gegen die Einschleppung von Tierseuchen der Einfuhr von Vieh geöffnet und die als Einfuhrverbot für ausländisches Fleisch wirkenden Bestimmungen des FleischbeschaugesetzeS sowie die Zölle auf Vieh, Fleisch und Futtermittel aufgehoben iverden." Selbstverständlich sind wir alle einig, daß wir die Resolution zu unterstützen«ind anzunehmen haben. Aber einige Genossen und auch ich haben einige Bedenken gegen den Absatz 3. Erinnern Sie sich, daß unsere ganze Fleischcinfuhrschikane auf gesetzlichem und sanitätspolizeilichcm Gebiete begründet wird mit der Anwendung„sanitärer VorsichtSinaßregeln". Solche Vorsichts« maßregeln sind an sich ja auch berechtigt. Auch wir wollen nur gesundes Vieh. Aber in dem Augenblick, wo wir gegen den Eleischwucher protestieren, sollten wir den Hinweis auf die sanitären orsichtsmaßregeln der Regierung überlassen und uns darauf be« schränken, den Protest gegen den Fleischwucher auszusprechen. Andererseits würde es uns als Zeichen der Schwäche ausgelegt iverden, ivenn wir die Resolution jetzt ändern wollten. Ich ver- zichtc deshalb darauf, eine» besonderen Anttag zn stellen, bitte aber den Referenten, daß er in seinem Schlußworte deutlich ausspricht, daß die sanitären Vorsichtsmaßregeln, wie wir sie verstehen, ganz etivas anderes sind, als das. waS die Agrarier damit memen. Mit dieser Sicherung wird die Wirkung der Resolutton nicht ganz auS« bleiben. Dr. David-Mainz: Scheidemann hat mit den Worten geschlossen: Durch Kampf zum Sieg und nicht durch Kuhhandel zu Mandaten! Er hat damit Effekt erzielt, aber in dein Satz steckt auch schon daS Bösartige, das in der Diskussion über die Mainzer und andere Stadtverordneten« wählen zutage getreten ist, nämlich daß inan einein Teil der Genossen unterstellt, sie machten ihre Haltung abhängig von Gesichtspunkten, die nicht im Interesse der Partei liegen, sondern sie ließen sich leiten von dem Wunsche, Mandate zu ergattern. Es ist in einzelnen Fällen sogar direkt den beteiligten Personen der Vorwurf persönlicher Streberei gemacht worden. Ich muß diese Unterstellung mit aller Entschieden- hcit zurückweisen. Für die Mainzer Genossen war nur daS Streben geltend, daS Interesse der Partei so gut zu wahren wie die Situation eS ihnen ermöglichte. Wir führen unter ganz anderen Bedingungen den Kampf als die Genossen in Norddeutschland. Sie haben meist eine Klasseneinteilung, Sie können auf die dritte Klasse rechnen; Sie haben die Bezirkscinteilung. Hätten wir in Mainz Ihr Wahlrecht, so würden wir genau so gekämpft haben wie Sie, wir würden ganz allein aus unserer Partei heraus die dritte Klasse mit unseren Leuten ohne irgendwelche Vereinbarungen zu erobern gesucht haben.(Ruf: Offenbach I) Ich komme noch auf Offenbach. Wir haben die sogenannte Listenwahl, wir haben keine Klasseneinteilung, die ganze Stadt bildet einen Bezirk und aus einem Zettel werden alle Namen verzeichnet. Das ist kurz ausgedrückt, ein sogenanntes wildes Proportionalsystem. So ist es immer gehand« habt worden, keine Partei hat jemals daran gedacht, die sämtlichen Mandate einer Stadt für sich zu beanspruchen. Wir fordern ja auch das Proportionalsystem, freilich nicht daS wilde, sondern das geordnete. Es kann sich nur darum handeln, eine richtige Parteigruppierung herbeizuführen. In der Regel sind wir nun gar nicht in der Lage, soviel Kandidaten aufzustellen, um die ganze Stadt zu besetzen. Besetzen wir nur einen Teil, so geben wir damit den Gegnern freie Hand, auth bei unseren Wählern mit schönen und unschönen Mitteln zu arbetten, um sie zu veranlassen. die nicht ausgefüllten Kandidatenstellen durch diese oder jene bürger- liche Gmpve zu besetzen. Dieser Zustand ist viel schlimmer, denn er wägt die Korruption in die Reihen unserer Wähler hinein. Nehmen wir ein halbes Dutzend gegnerische Kandidaten mrt auf, die uns am besten gefallen, und kümmern uns nicht um daS, was die Gegner machen, so verschaffen wir ihnen von vornherein den Sieg, denn sie haben unsere Stimmen und die unserer Gegner. Nehmen wir keine Leute aus anderen Parteien, dann werden Kandidaten irgendwelcher kleiner Vereine gewählt, die keinen Anspruch haben, auf dem Rathause zu sein, weil sie keine ent- sprechende Bevölkerungsgruppe hinter sich haben. Die einzige Möglichkeit, aus diesem Wirrwarr herauszukommen, ist, daß man, wenn inan keine Aussicht hat, mit dem ganzen Zettel durch- zukommen, sich mit den gegnerischen Parteien verständigt und eine Anzahl ihrer Kandidaten auf den Zettel nimmt, wegezen die Gegner sich verpflichten, auch unsere Kandidaten auf ihren Zettel zu nehmen. Die Ludwigshafener sind darüber hinausgegangen, und es hat mich gewundert, daß Scheidemann nicht darauf hingewiesen hat. Die Ludwigshafener haben aus dem wilden Proporz einen wirk- lichen' Proporz gemacht und den Wahlkamps ausgeschaltet. Wenn Sie diese allgemeinen Gesichtspunkte ins Auge fassen, werden Sie die Haltung der Mainzer Genossen viel besser verstehen. Scheidemann wundert sich darüber, daß die Sache nicht auf der hessischen Landeskonferenz bebattiert ist. Er sagt: wir hätten da die Abrechnung angekündigt. DaS stimmt nicht, die Ab- rechnung ist u»S von Scheidemann angekündigt worden, und deshalb haben lvir— speziell auch Adelung— erklärt, wir sind bereit, uns mit den Genossen darüber zu unterhalten. Die Genossen auf der Landeskonferenz waren aber eininüttg der Meinung, daß wir mit Rücksicht auf den LandtagSwahlkampf die Erörterung bis zum nächsten Jahre vertage», dann aber eine ausgiebige Debatte herbei- führen, nicht indem wir uns aegcnseitig schlecht machen, sondern indem wir beraten, wie wir am besten einheitliche Verhältnisse herstellen. Sie können sich darauf verlassen, daß das geschehen wird. Jedenfalls haben wir uns von sachlichen Momenten leiten lassen. Die Mainzer Ge« Nossen stehen hinter den Genossen deS übrigen Deutschland nicht zurück. Wenn S>e das anerkennen, dann wird so mancher, der glaubt, er mutz, sowie einmal bei uns etwas passiert, uns kritisieren, die Feder niederlegen und sich erst besser unterrichten, bevor er uns etwas am Zeuge flickt. Dr. MichelS-Marburg: Während der Marokko-Konflikt akut war, sind in der bürger- lichen Presse Aeußerungen von Genosien verbreitet, die. wenn sie wirklich gefallen wären, eher von den Präsidenten eines Krieger« vereine» als von einem deutschen Sozialdemokraten stammen können. Nichts deftoweniger ist e» notlvendig, hier vor aller Welt zu erklären, wie die deutsche Sozialdemokratie zu den internen Plänen unserer Diplomatie steht. ES ist erfreulich, daß wir zwei Resolutionen vor unö haben, die mit aller Deutlichkeit sagen, daß daS deutsche Volk den Frieden will, auch gegen' die Regierung. Nur scheinen mir beide Resolutionen in ihrer Bcgrimdung auSeinanderzuaehen. In der Rcsolutton. die an die Adresse der englischen Genossen gehen soll, heißt eS. daß die deutsche Sozialdemokratie entschlossen ist, vor- kommendenfallS mit allen zu Gebote stehenden Mitteln den AuS- bmch eines Krieges zwischen beiden Ländern zu verhindern. Da- gegen heißt es in der Resolution, die die Redeverbote gegen Adler, JanrsS usw. tadelt, daß die deutsche Sozialdemokratie eS als ihre vornehmste Aufgabe ansieht, dem Kriege, gegen welches� Volk auch immer er provoziert werden sollte, den Krieg zu erklären. WaS heißt eS. dem Kriege den Krieg erftärcn? Darunter kann man sich allcS mögliche denken. Ich möchte deshalb, daß Sie die Resolution gegen die Redeverbote so ändern, daß sie in diesem Punkte mit der anderen Resolution übereinstimmt. Man könnte diese Aenderung für unwesentlich halten, aber wir find durch unsere Haltung in den Verdacht gekommen, der Regierung in ihren abenteuerlichen kolonialen Planen zu folgen, und nur die äußerste Deutlichkeit und Schärfe kann diesen Verdacht zerstören. Wir müssen bei einem internattonalen Konflikt mit der allergrößten Schärfe betonen, daß für die deutsche Arbeiterklasse nattonale Fragen heute nicht existieren, sondern daß sie noch immer auf den alten Slanopunn von Karl Marx steht, dast d!e nationalen Fragen durch die Geschichte selbst, durch die EntWickelung der wirtschaftlichen Verhält- nisse veraltet sind und daß die nationale Frage, die wir heute haben, die soziale Frage ist, daß nicht fremde Nationen, sondern die herrschenden Klassen im eigenen Lande unserer Gegner sind. Je deutlicher wir unseren Willen zeigen, den Frieden zu er- halten und je deutlicher wir zeigen, daß hinter diesen Willen eine feste Macht steht, desto mehr werden sich die regierenden Klassen hüten, das Volk in einen Krieg hineinzustürzen. Wenn wir der Regierung zeigen, daß wir nicht gewillt sind, einen Krieg mit- zumachen, dann wird sie es sich nicht zweimal, sondern dreimal uberlegen, ob sie einen Krieg beginnen soll. Wir zwingen die regierenden Klassen, den Weg nach Haag zu gehen, den säintliche Fürsten mit dem Väterchen Nikolaus ohne Hülfe des Proletariats nicht gehen würden. Rink-Offenbach: Wir alle hofften, daß unser Kreis uns bei der letzten Reichstags- Wahl nicht verloren gehen würde. Unsere Parteileitung hielt den Kreis für sicher, weil bisher immer eine schwache Wahlbeteiligung der Landorte des vorderen Odenwaldes zu konstatieren war. Die Wahlbeteiligung stieg aber von 40 auf 8g Proz.; der Zuwachs kam unieren Gegnern zugute. Nun haben wir eine Agitationskommission emgcietzt, die mit gutem Erfolg daS Land bearbeitet. Wir haben festen Fuß in den Landorten gefaßt und verteilen ein Gratisblatt. So hoffen wir, den Sprcndlinger Dorfpolitiker bei der nächsten Wahl obdachlos zu machen, denn wir betrachten es als eine Schmach, daß unser Kreis, der seit� 1834 sozialdemokratisch vertreten war, vckn einem derartigen Politiker im Reichstag vertreten wird. Das Konipromiß in Mainz � und Darmstadt hat uns sehr verschnupft. Wenn man nicht aus eigener Kraft Mandats erringen kann, dann führen derartige Mittel zur Korrumpierung der Partei. Warum haben wir in Offenbach reine Hände behalten? Es ist sehr charakteristisch, daß nicht nur in Mainz, sondern in einer Anzahl Landorte um Mainz solche Kompromisse gang und gäbe sind. Das liegt wohl daran, daß die Parteileitung in Mainz darauf hinarbeitet, daß der Vorfall nicht auf der Landeskonferenz debattiert worden ist, daß der Bericht des Landeskomitees ihn mit keiner Silbe er- wähnt hat. Zubeil-Berlin: Genosse Adler hatte nicht ganz unrecht, als er den Satz in der Fleischnot-Resolution tadelte. Im Kampfe gegen die Fleischnot stützen sich uns gegenüber die Agrarier mit Podbielski an der Spitze darauf, daß eine Verseuchung des deutschen Viehstandes durch fremdes Vieh stattgefunden hat. Die Agrarier werden sich jetzt auf diese Stelle unserer Resolution berufen. Ob es David gelungen ist, das Kompromiß in Mainz zu rechtfertigen, werden die Delegierten zu beurteilen wissen. Auf allen Parteitagen und in allen Rechenschaftsberichten des Vorstandes finden wir die Klage, daß in einzelnen Kreisen, besonders im Süden die elende Kompromißlerei nicht aus der Welt zu schaffen ist. Die Kompromißlern wird getrieben, nur um einige Mandate in der Kommune oder im Landtage zu gewinnen ohne Rücksicht darauf, in welcher Weise sie bei anderen Kämpfen von den Gegnern, die sie unterstützen, behandelt werden. Auch ist David die Antwort darauf schuldig geblieben, warum in Offenbach möglich war, was in Mainz unmöglich war. Er wollte doch Scheidemann antworten. Ich habe aber vergebens auf diese Antwort gewartet. Sie wird ihm loohl auch schwer fallen. Dem Genossen in Hessen gebe ich nicht Unrecht, wenn er die Vorgänge in Mainz zurückführt auf Vorgänge bei der preußischen Landtagswahl. Auch dort ist von verschiedenen Kreisen der Versuch gemacht worden, durch Abschluß von Kompromissen mit gegnerischen Parteien das eine oder andere Mandat zu gewinnen. Diese Ver- suche sind an den Gegnern selbst gescheitert; an uns hat es nicht gelegen. Mit der Resolution für den Frieden können wir einverstanden sein und brauchen nicht die Abänderung Michels anzunehmen. Es ist eine Sucht bei unS, sobald eine Resolution vorliegt, zu zeigen, daß man sie noch verbessern kann. Michels hat besseres nicht ge- boten, sondern die Resolution nur verschwommener gemacht. Ob der Satz in der Fleischnolresulution nicht eine andere Fassung erhalten soll, muß ich den Verfassern überlassen. Was Molkenbuhr nach- trüglich sagt, wird nicht viel helfen. Die Gegner werden die Stelle in der Resolution nach ihrem Wortlaut zu benutzen wissen. Seit Jahren erhebt Bebel im Reichstag seine Stimme gegen die Soldatcnmißhandlungen und die Militärjustiz. Er hat alle bürger- lichen Parteien gezwungen, sich gleichfalls damit zu befassen. Aber die Genossen im Lande vernachlässigen diese Frage. Wir haben aber die Pflicht, die Genossen im Lande aufzuklären, daß sie als Soldaten nicht bloß Pflichten zu erfüllen, sondern auch Rechte zu verlangen haben, so wie es Genosse Gradnauer im Reichstage stingst so richtig ausgeführt hat. Kolb-Karlsruhe: Was die Fleischnot-Resolution anlangt, so können wir nicht damit rechnen, daß die Kommunen die'Fleischversorgung in die Hand nehmen werden, ivenigstens nicht die Kommunen mit dem Dreiklassenwahlrecht. Auch darauf können wir uns nicht ohne weiteres verlassen, daß die Beseitigung der Aufschläge auf Lebens- mittel den Konsumenten zugute kommt. Es ist vielmehr zu fürchten, daß die Bäcker und Fleischer mit Hülfe ihrer Organisationen den Profit an sich zu reißen suchen. Wenn wir das verhindern wollen, so müssen wir Organe schaffen, die auf die Preise regulierend einwirken, und das kann durch die Konsumvereine geschehen, denen man in Zukunft noch mehr als bisher die größte Aufmerksamkeit zuwenden muß. DaS badische Redeverbot gegen die Genossen Adler, Greulich und Todeschini ist weder mit der badischen Verfassung noch den badischen Gesetzen zu vereinbaren. Wir kennen in Baden den Bc- griff des lästigen Ausländers nicht; Ausweisungen sind nur statthaft, wenn ein Ausländer gegen die Gesetze verstößt, keine Existenzmittel besitzt oder die öffentliche Sicherheit oder die Sicherheit des Staates gefährdet, keine dieser Voraussetzungen lag hier vor. Auch die bürgerliche Presse und der Demokrat Lenedey haben zugegeben, daß die Constanzer Veranstaltung in der musterhaftesten Ordnung verlief. Ich glaube auch nicht, daß die badische Regierung von sich aus das Verbot erlassen hätte, aber sie fügte sich einem Befehl von Berlin.(Sehr richtig I) Daran sind wir ja gewöhnt. Ich weiß ganz genau, daß in der Frage der Ansspitzclung der zum Militär Einberufenen der badische Minister des Innern dem preußischen Kriegsminister begreiflich zu machen versucht hat, daß diese Ausspitzelung keine moralisch sehr schöne Handlung sei. Das machte aber keinen Eindruck, und der badische Minister fügte sich. Ich versichere Ihnen, daß wir im badischen Landtage mit unserer Regierung gründlich abrechnen werden, Thiele-Halle: ES ist richtig, daß unsere Presse einen erfreulichen Aufschwung zu verzeichnen hat, aber die Zahl der Abonnenten unserer Blätter steht noch in keinem Verhältnis zur Zahl der für uns ab- gegebenen Stimmen. Es muß noch bedeutend mehr für die Presse geschehen. Die Mittel unserer Parteiblätter sind zn beschränkt. Wir haben Blätter, die täglich erscheinen, mit t, 2 Redakteuren. Mit so beschränkten Mitteln kann unmöglich viel geleistet werden. Aus alten Stiefelsohlen kann auch der beste Koch kein Beefsteak machen. Wenn die Redakteure nicht die genügenden Kräfte anstellen.können, können sie die Presse nicht so gestalten, wie es nötig ist. Es ist der Gedanke aufgetaucht, ein jiterarisches Burean zu schaffen, welches die Presse mit sachlichen Nachrichten versorgt. Dadurch würde den Redakteuren ihre Aufgabe sehr erleichtert werden. An die Preßkommissionen richte ich die dringende Bitte, mit der Bewilligung der nötigen Mttel nicht zu knausern. David-Mainz: Genosse Scheidemann wies darauf hin, daß die Kampfes- konstellation in Offcnbach ganz anders sei als in Mainz und Darm- stadt. Das liegt daran, daß die Parteiverhältnisse in Offenbach sich in der schärfften Weise zugespitzt haben. In Offenbach haben die Gegner ekne geschlossene Koalition gegen unsere Parteigenossen ge- schaffen, so daß unsere Genossen gar nicht anders konnten als für sich allein zu kämpfen. Ich kann Ihnen versichern: in dem Moment, wo das in Mainz geschieht, werden wir genau so wie in Offenbach kämpfen müssen. Wir machen unS auch in Mainz durchaus keine Illusionen darüber,» daß auch wir vielleicht einmal einer solchen Konstellation entgegen gehen. Gewiß das kann kommen, aber noch ist es doch nicht so weit und wir haben doch nicht geradezu die Aufgabe, die Dinge absichtlich schneller zuzmpitzen, als das ohnehin geschieht. Die Scharf- machcrhetze gegen die Sozialdemokratie wird von unseren Gegnern in Mainz nicht mitgemacht. Den Vorwurf der Scharfmacher darüber, daß mau den Nachruf für den Oberbürgermeister Gaßner auch dem „Vorlvärts" zugesandt habe, hat man in Mainz damitzurückgewiesen, es sei einfach selbstverständlich, daß, wenn man der„Kölnischen Volks- zeitimg" usw. den Nachruf sende, er auch an den„Vorwärts" geschickt werde, denn auch die Sozialdemokraten seien im Stadtparlament. Man betrachtet uns eben als gleichberechtigt. Sie wissen auch z. B., daß wir in Mainz in der Stadlhalle, also ans städtischem Grund und Boden einen Parteitag haben abhalten können. Wir haben in Mainz einen Gegner als Haiiptgcgner vor uns, von dem auch von unserer Seite er- kläit worden ist, daß zwischen uns und ihm die letzte Schlacht geschlagen werde. Mainz ist eine Bastion des Zentrums, und unsere Haupt- aufgäbe muß es sein, in den Zentrumsturm eilten Riß zu reißen, danach mutz sich die Taktik der Mainzer Genossen richten. Es ist dem Parteitag eine Zusammenstellung zugegangen, aus der hervor- geht, was das Zentrum in bezug auf Agitation gegen uns leistet. Wir erfahren daraus, daß der Volksverein für das katholische Deutschland 47o0lX) Mitglieder hat, was für einen Stab von Beamten er besoldet, wie viel Millionen Flug- blätter er hinauswirft. Jeder, der im Zentrumsgebiet kämpft, weiß, was dieser Gegner bedeutet, weiß auch, daß, wenn man ihn gründlich treffen will, man ihn überall anpacken muß. Nach diesen Gesichtspunkten haben wir in Mainz gehandelt. Darum sage ich zum Schluß: Man urteile immer je nach den lokalen Verhältnissen. Wir sind uns bewußt, der Partei nicht ge- schadet zu haben dadurch, daß wir unsere Vertreterzahl von 5 auf 10 vermehrt haben und so das Zentrum weiter geschwächt haben, glauben wir in dem großen Kampfe der Partei auch eine kleine Arbeit geleistet zu haben.(Bravo.) Ricger- Spandau: Genosse Thiele hat durchaus recht damit, daß es einer besseren Ausgestaltung unserer Presse in der Provinz bedarf. In Branden- bürg existieren für 20 Wahlkreise der Regierungsbezirke Frankfurt und Potsdam nur zwei Blätter. Hier sollte mehr geschehen. Für die Presse ist nur die verhältnismäßig geringe Summe von 33 000 M. vom Parteivorstand ausgegeben. Auch die Agitation für die Parteipresse liegt noch vielfach sehr im Argen. In einem Bezirk mit 18000 gewerkschaftlich organisierten Arbeitern lesen nach einer Um- frage nur 6000 das Parteiblatt, 4000 bürgerliche Blätter und die übrigen lesen gar nichts. Es ist von der schädigenden Wirkung derKompromißlerei gesprochen worden. Ich meine, wir sollten die Wahlen dazu be- nutzen, eine grundsätzliche Propaganda zu treiben. Man darf nicht zu sehr auf die lokalen Verhältnisse Rücksicht nehmen. Unsere Er- folge haben nur eine Bedeutung, wenn sie ans eigener Kraft er- rungen werden nnter voller Betonung unserer Programmforderungen. — Noch ein Wort zu den Resolutionen. Sie wcrdeü ja angenommen werden, die Hauptsache ist aber, daß die Genossen dahinter stehen. Sie müssen zeigen, daß es ihnen ernst damit ist, alles daran zu setzen, um den Willen des Volkes gegenüber dem Willen der Reaktion zur Durchführung zu bringen.(Bravo I) Frau Frcnzel- Berlin: Die AuftlärungSarbeit unter dem weiblichen Proletariat hat er- frenliche Fortschritte gemacht. Die Abonnentenziffer der„Gleichheit" ist erheblich gestiegen, aber die Agitation unter den Frauen muß noch verschärft werden, die„Gleichheit" muß noch mehr verbreitet werden. Das kann für die Frauenbewegung und für die Arbeiter- bewegung überhaupt nur von Vorteil sein.(Bravo I) Scheidcmann- Kassel: Es hat mich in Erstaunen gesetzt, mit welcher außerordentlichen Milde David unsere Gegner behandelt. Er hat davon gesprochen, daß wir in Offenbach mit einer Koalition aller Gegner zu tun hätten. Ich meine, cS muß uns ganz gleich sein, ob die Gegner koaliert sind oder nicht: cS sind nnter allen llmständen unsere Gegner. David hat die Mainzer Verhältnisse geradezu als ideale geschildert. Die Gegner behandelten unS dort so anständig, daß sie uns sogar die Stadthalle zur Verfiigung stellten. Das ist doch ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit.(David: Gewiß!) Wenn das anderswo nicht geschiehst so haben wir es auf das schärfste zu verurteilen. In seiner ersten Rede meinte David: ja wenn wir in Mainz das Dreiklassenwahlsystem hätten wie in Preußen, würden wir ganz anders vorgehen. Das klang beinahe so, als wenn er es bedauerte, daß dies noch nicht der Fall sei. Nein: in Preußen würde man sich glücklich fühlen, wenn man unter einem Wahlsystem kämpfen könnte wie in Mainz, dann würde man sicher in Preußen nicht so handeln wie in Hessen. Gerade ein Wahlrecht, wie es in Mainz besteht, gibt eine vorzügliche Gelegenheit, den Klassenkampf rein zu führen und das ist doch die Hauptsache. Mit neun statt sechs Ver- tretern im Parlament ist doch nichts zu erreichen. DaS Schlimme ist, daß bei solchem Kuhhandel auf den prinzipiellen Kampf ver- zichtet werden muß! Von einem freiwilligen Proporz kann in Mainz keine Rede sein, da das Zentrum ausgeschlossen ist. Selbstverständlich hat es mir vollständig fern gelegen, den Parteigenossen, die dort kandidiert haben, persönliche Streberei vorzuwerfen. Ich wieS in meiner Schlußwcndung nicht auf diese Parteigenossen hin, sondern auf diejenigen, die diesen Kuhhandel entriert haben, und die ihn zu rechtfertigen suchen. Damit schließt die Debatte. Im Schlußwort erklärt Molkenbuhr-Berlin: Bei der Abstimmung über die Handelsverträge fehlte deshalb eine solche Anzahl von unseren Kollegen, weil die Abstimmung erst für einen späteren Tag erwartet wurde, und weil die Abstimmung doch nichts am Resultat ändern konnte. Im übrigen waren fast alle Fehlenden zwingend verhindert. Mit der von Bernstein vor« geschlagenen Aenderung an der Friedensresolution sind die Antrag- steller einverstanden. Daß das uns vorliegende Material un- zuverlässig ist, liegt besonders daran, daß die einzelnen Bezirke nicht genau abgegrenzt sind. Das neue Statut wird hier ja Besserung schaffen. Das von mir vorgetragene Material zur Fleisitmoi war nicht unbekannt. Es wird sich aber vielleicht empfehlen, von Zeit zu Zeit das Material in solchen Fragen zusammen- zustellen. Die Hauptsache ist aber, daß die Presse agitatorisch ivirkt und sich die bllndlerische Presse dabei zum Vorbild nimmt. Daß unsere Blätter verbreiteter und zahlreicher sein müßten._ist richtig. ES müßten eben alle Arbeiter nur unsere Presse lesen. So lange das wcht der Fall ist, müssen wir natürlich fleißig mit Flug- blättern vorgehen. Was in dieser Beziehung geleistet lverden kann, haben ja die oberrheinischen Genossen in ihrem Kampfe gegen das Zentrum bewiesen. Der Antrag Bremen betreffend die L. R S. kann in dieser Form nicht angenommen werden. Wir haben uns alle Mühe gegeben, uns mit der?. R S. zu einigen. Der Friedens- vertrag, den � wir entworfen, war gewiß durchaus loyal. Wie aber hat die R R. S. diesen Vertrag behandelt? Mau hat ihn nicht einmal zur Kenntnis der Mitglieder der R P. S. gebracht und damit zu erkennen gegeben, daß der Wille der Mitglieder ftir die Leiter der P. P. S. Nebensache ist. Sie verlangten, daß die deutsche Partei sich einfach ihnen füge. Würde der Antrag angenommen, so würde das die Bedeutung haben, daß wir uns der P. P. S. in der Tat unterwerfen. Nachdem man uns aber herausgeschmissen hat, können wir nicht zur Hintertür wieder'hereinschleickien. Wir müssen also jetzt abwarten, was die P. P. S. tut. Unserer internationalen Pflichten bleiben wir unS ja stets hewußt, » (Hier ist in der telegraphischen Berichterstattung über die Rede Molkenbuhrs eine Lücke entstanden, die wir heut nicht ergänze» können. Von Molkenbuhrs Rede lautet der Schluß): Genosse Michels hat die Friedensresolutton als unklar be- mängelt. Er meint, im Auslande glaube man nicht an den Ernst unserer Friedensliebe. Gerade in Deutschland aber sind wir von jeher jeder Art Kriegstreiberei entgegengetteten. Alle Militär- vorlagen haben wir aufs entschiedenste bekämpft, haben jederzeit den Gedanken der Völkerverbrüderung propagiert, und nur ein Ignorant oder ein Böswilliger kann das übersehen und behaupten, daß wir in dieser Beziehung hinter irgend einem Lande auch nur um Haares- breite zurückstehen. Daß wir Mangel an Rednern haben, beklage ich auch. Was ich als falsch bezeichuer habe, ist, daß man so oft Redner mit bekannten Namen verlangt. Genosse Schulz klagte über Verflachung. Er weiß wohl nicht, wie es ftüher zu- ging? Da wurde einfach bestimmt, daß jeder mal reden mutz. Konnte jemand 20 Minuten reden, so wurden drei solcher Redner ausgeschickt, um zusammen eine Versammlung abzuhalten. Wenn diese dann gelernt hatten 30 Minuten zu sprechen, brauchte man nur zwei solcher Redner für eine Versammlung und so bildete man sie allmählich zu Freischwimmern aus.(Heiterkeit.) Was früher viel- leicht gründlicher betrieben wurde, war das Studium der Broschüren und darin sollte man unsere angehenden Agitatoren unterstützen, in- dem man ihnen von Parteiwegen Material gibt.(Zuruf: Geschieht schon!) Ja es geschieht schon, aber noch nicht überall. Hätten wi, früher geahnt, daß wir einmal so viel Redner haben würden, wie wir jetzt tatsächlich haben, so hätten wir geglaubt, damit eine Welt erobern zu können. Es hat sich aber gezeigt, daß mit der Zahl der Kräfte auch das Bedürfnis steigt. Gegen die Fleischnot-Resolution sind verschiedene Einwendungen er- haben worden. Fest steht aber doch, daß irgend welche Sicherheits- maßregeln zum Schutze unseres Viehes notwendig sind. Die Fassung der Resolution ist vielleicht etwas dehnbar: statt„berechtigter" könnte man vielleicht sagen„notwendiger aber loyal zu handhabender". Wir würden darunter etwa verstehen, daß das Vieh an der Grenze untersucht wird. Bei den Menschen hat man das frühere Quarantäne- system aufgegeben. Wenn das beim Menschen möglich war. mutz es auch beim Vieh möglich sein. Das aber ist klar, daß die schlimmste Krankheit des äusländischen Viehes inchen Augen der Agrarier seine Billigkeit ist. In den achtziger Jahren ging man gegen die Trichinen vor. jetzt nimmt man andere Krankheiten zum Vorwand. Das dänische Vieh z. B. soll tuberkulös sein. Zufällig ist aber Dänemark das Land, in dem es am wenigsten tuberkulöse Menschen gibt. Die Hauptsache ist und bleibt, daß wir uns immer bewußt sind, daß wir uns nicht in innere Kämpfe verlieren dürfen.� Unsere Gegner stehe» außerhalb unserer Reihen. Erst wenn wir diese nieder- geworfen haben, können wir es uns leisten, untereinander zu raufen. So lange das nicht der Fall ist, müssen wir nach außen kämpfen. Dann wird es uns möglich sein, in wenigen Jahren unsere Anhängerzahl von neuem zu verdoppeln.(Lebhafter Beifall.) Meister(Schlußwort): Nach Rücksprache mit den übrigen Mitgliedern der Konttoll» kommission bitte ich Sie, den Wunsch des Genossen aus Mülhausen auf Streichung des letzten Satzes unserer Erklärung nicht zu erfüllem Der Parteitag würde sich dadurch zu seinem in Bremen gefaßten Beschluß in Widerspruch setzen. Der Genosse aus Mannheit hat gemeint, der Fall Gindorf liegt anders als ich ihn geschildert. Es ist richtig, daß der Gesangverein— Gindorf scheint ein be- deutender Sänger vor dem Herrn zu sein— ihm etwas Geld angeboten hat. Aber dabei ist es auch geblieben; und vom Angebot allein kann der Mensch nicht leben. Gindorf befand sich in der dringendsten Not. Er hat kein Geld erhalten. Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn der Gesangverein dem Angebot die Tat hätte folgen lassen. Die Begründung unseres Urteils habe ich inzwischen erhalten. Ich bemerke noch, daß das Urteil ein einstimmiges war und daß wir sehr bald zu dem Resultat gelangten, daß, wenn irgend einem Ge- nossen, so in diesem Falle dem Genossen Gindorf Unrecht geschehen ist. Ich bitte Sie. sich vorläufig dabei zu beruhigen. Die Mann- heimer Genossen können ja weitere Schritte unternehmen. Es wird zur Abstimmung geschritttn. Entsprechend dem Anttag der Konttollkommission wird dem Parteivorstand einstimmig Decharge erteilt. Vor der Abstimmung über die Erklärung der Konttoll- kommission zur Mühlhausenener Angelegenheit bemerkt Singer: Wenn die Erklärung angenommen wird, so wird da« durch das Recht der Mühlhauser Genossen, bei dem nächsten Parteitag eventuell Berufung gegen das Urteil einzulegen, durchaus nicht beeinttächtigt.(Zuruf: Selbstverständlich!) Die Mühlhausener Genossen haben erst vor einigen Tagen die Begründung bekommen und es ist ihr Recht, Berufung einzulegen. Hierauf wird die Erklärung der Konttollkommisston in ihren beiden Teilen angenommen. Anttag 117 gelangt mit der Aenderung zur Annahme, daß die Worte„Parteigenossen in Kattowitz" durch die Worte»der Parteitag" ersetzt werden. Antrag 128 wird abgelehnt. Antrag 143 wird einstimmig mit der Aenderung angenommen, daß im dritten Absatz statt„berechtigter Vorsichtsmaßregeln" gesagt wird:„notwendiger, aber loyal zu handhabender Vorsichts- maßregeln". Anttag 141 gelangt mit dem Amendement Bernstein zur An« nähme. Anttag 142 mit einem Amendement Michels, wonach hinter „provoziert" gesagt wird»unter vollster Ausnutzung aller ihr zu Gebote stehenden Kräfte". Damit sind die Punkte 2 und 3 der Tagesordnung erledigt. ES folgt Punkt 4: Bericht über die parlamentarische Tätigkeit. Hierzu liegen die Anttäge 81, 82, 83, 84, 85, 83, 126, 130, 13g und 144") vor, die mit Ausnahme des AnttagS 31 sämtlich unter« stützt werden. Sie lauten: 81. Parteigenossen des 3. H a m b u r g e r Wahltteises: Die Reichstags-Fraktion hat in einer geschlossenen Sitzung Auskunft zu geben über die Beteiligung an den parlamentarischen Arbeiten und Abstimmungen im Reichstage seitens unserer Abgeordneten. 82. Parteigenossen in Heidelberg: Die Reichstags-Fraktton möge dahin wirken, daß in absehbarer Zeit im Reichstage der Punkt 3 unseres Programms(Trennung des Staates von der Kirche) zur Verhandlung kommt. 8S. Parteigenossen des 4. sächsischen Wahltteises: Der Parteitag beauftragt die sozialdemottatische Reichstagsfraktion, im Reicbstage den Antrag auf Trennung der Kirche vom Staate ein« zubringen.. 84. Parteigenossen m Günsbach: Die ReichstagSftaktion aufzufordern, im Reichstag energisch die Herabsetzung der Alters- grenze vom 70. auf daS 35. Lebensjahr im AlterSverftcherungsgesetz zu verlangen. 83. Parteigenossen deS 5. sächsischen Wahlkreises: In voller Würdigung der bisher von der Reichstagsfraktion sür eine Reform des Militärstrafwesens entwickelten Tätigkeit ersucht der Parteitag die Fraktion, der Frage auch künftig besondere Anfmerk- samkeit zuzuwenden und für eine Reform des militärischen Straf- Wesens wie für eine Reform deS militärischen Strafvollzugs zu wirken. 8«. Parteigenossen in Frankfurt a. M.: In«nbettacht der überaus langen, jeder� Kontrolle entbehrenden Arbeitszeit der ungelernten Arbeiter, besonders der HandelShülfsarbeiter, sowie überhaupt aller Transport- und Verkehrsarbeiter, wolle der Partei» tag die ReichStagsfraktion ersuchen, bei Zusammenttitt deS Reichstages einen Gesetzentwurf einzubringen, durch welchen die tägliche Arbeitszeit der obengenannten Berufe auf höchstens zehn Stunden festgesetzt und die Sonntagsarbeit so weit als möglich ein- geschränkt wird. •) Die Anträge 125, 130, 144 sind noch nicht bei uns eingelaufen Außerdem wird ein Antrag der Genossen des vierten und sechsten sächsischen NeichtagswahlkreiseS eingereicht, den Antrag 83 der Fraktion zur Erwägung zu überweisen. Antrag 139 lautet: Parteigenossen in Strasburg Land: In Anbetracht der zurück- gebliebenen politischen und staatsrechtlichen Zustände Elsasz-Lothringens, sowie der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Bevölkerung, in Erwägung der Tatsache, dah von den bürgerlichen Parteien für den politischen Fortschritt des Landes, sowie auch für die wirtschaftliche Besser- stellung der Bevölkerung nichts Nennenswertes zu erwarten ist, fordert die am 3. September 1906 in Drumath tagende Kreiskonferenz der Vertreter des Kreises Stragbnrg-Land die NeichStagsfraklion auf, mehr wie bisher den speziell Elsaß-Lothringen betreffenden Fragen ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, durch direkte Anträge für das freie, gleiche und direkte Wahlrecht zum Laudesausschus; einzutreten, sowie energisch eine Besserstellung der in Staatsbetrieben be- schnftigten Arbeiter und kleinen Beamten zu fordern. Referent Förster: Der neugewählte Reichstag hat jetzt seine erste Session hinter sich und wir können überschauen, was er für die Arbeiter geleistet hat. Mit diesen Leistungen sind wir natürlich ebensowenig zufrieden, wie unsere Presse. Es ist aber auch nicht richtig, dafc die Verstärkung unserer Fraktion ganz ohne Einfluß geblieben sei. Ver- schiedene bürgerliche Parteien haben eine förmliche Jagd mit arbeitersreundlichen Resolutionen begonnen, man hatte mit den Initiativanträgen die Erfahrung gemacht, daß sie meist nicht zur Verhandlung gelangten. Um das zu vermeiden, brachte man statt der Anträge Resolutionen ein. Man hatte es also eilig, den schlechten Eindruck, den die Annahme des Wuchertarifs im Volke gemacht hat, etwas zu verwischen. Von diesen zahlreichen Resolutionen ist nun aber nur ein kleiner Teil angenommen worden. Man sollte meinen, Konser- vative und Agrarier müßten mit diesem Reichstage sehr zufrieden sein. Das ist durchaus nicht der Fall. Unsere Unzufriedenheit mit dem Reichstage beruht auf anderen Gründen. Die Interessen des kleinen Mannes finden in ihm zu wenig Beachtung und wenn ein Teil unserer Genossen erwartet hat.daß das nacki unserm großen Wahlsieg gleich wesentlich anders werden würde, so hat man unsre Gegner unter- schätzt. So leicht lassen sich unsere Gegner nicht über den Haufen rennen. Dazu bedarf es ganz anderer Kämpfe, die sich wahrscheinlich gar nicht im Parlament, sondern außerhalb desselben abspielen werden. Es ist übel vermerkt worden, daß bei wichtigen Abstimmungen eine nicht unbeträchtliche Anzahl unserer Genossen fehlte. Ich brauche in dieser Beziehung aber den Bemerkungen Molkenbuhrs nichts hinzu- zufügen.— Auch über die Fragen der Handels- und Zollpolitik brauche ich nach der Rede Molkenbuhrs nichts mehr zu sagen.— Nun zu den Anträgen. Zum Antrag 82 bemerke ich, daß für die Trennung von Staat und Kirche unsere Fraktion bei der Beratung deS Toleranzantrages entschieden eingetreten ist, wie wir das natürlich bei jeder sich bietenden Gelegenheit wieder tun werden. Der Antrag 84 bleibt hinter christlich sozialen Forderungen zurück, in denen wiederholt die Herabsetzung der Altersgrenze auf CO Jahre verlangt worden ist. Wir haben diese Forderung auch gestellt, man hat uns aber nach- gewiesen, daß diese Herabsetzung eine erhebliche Steigerung der Kosten zur Folge haben würde. Das kann natürlich kein Grund sein, von der Forderung abzustehen. Es gibt noch eine große An- zahl von Leuten, die mau zu den Beiträgen heranziehen könnte; ich denke dabei an die Rentner, die keine Arbeitgeber mehr sind, aber ihr Einkommen aus der Arbeit der Arbeiter ziehen. Wenn statt des SS. das CO. Lebensjahr in den Antrag aufgenommen würde, so wäre er, glaube ich, wohl annehmbar. Die Antragsteller, welche den Antrag 85 gestellt haben, scheinen sich recht wenig um die Reichstagsverhandlungen gekümmert zu haben, denn für die Reform des MilitärstrafwefenS find wir fort- gesetzt eingetreten, ebenso für die Forderungen des Antrages 86. Ebenso wenig neues verlangen die folgenden Anträge. Es handelt sich überall da um Dinge, die stets und mit Nachdruck von dir Fraktion vertreten worden sind. Alle diese Anträge beweisen also, daß die Fraktion sich völlig im Einklang befindet mit den Forde- rungen und Wünschen der Parteigenossen. Wir sind ja auch stets für die Interessen der Arbeiter und der kleinen Leute eingetreten. Nun noch einiges Nllgemeine. Die Verschwendungssucht unserer Politik, die seit dem Regierungsantritt Wilhelms IL immer mehr zugenommen hat, hat eine finanzielle Misere zur Folge gehabt, der man jetzt durch die sogenannte Finanzreform abhelfen will. Dadurch werden auch die bürgerlichen Klassen berührt, denn es geht ja an ihren Geldbeutel mit. und in dieser Situation werden wir vor allem mit unserer Agitation einsetzen können und müssen. So leicht wird die Regierung aus der Finanzklemme nicht herauskommen. Nur um das vorhandene Loch zu stopfen, werden 100 Millionen gebraucht und dabei werden immer neue Millionen dem Moloch Militarismus und MariniömuS geopfert. Die Regierung wird gezwungen sein, zu neuen Steuerguellen zu greifen, und dabei werden wir mit einer intensiven Agitation einsetzen können. Ich bin am Schlüsse meines Berichts und kann mich darauf beschränken, abzuwarten, ob irgend welche Monita gezogen werden. (Bravo I) Auf Vorschlag des Vorsitzenden Leber wird in eine Diskussion des Berichts heute nicht mehr eingetreten. Die Verhandlungen tverden vertagt, da in demselben Saale heute noch eine Versammlung stattfindet. Schluß 6-/« Uhr. 147. Zur Maifeier schlägt Richard Fischer folgende Reso- lution vor: Die Maifeier ist eine zur Unterstützung der Klassenforberungeu und des Klassenkampfes des Proletariats sowie zur Förderung des Weltfriedens von den internationalen Arbeiterkongressen beschlossene Demonstration, deren wirksame und würdige Gestaltung gemeinsame Aufgabe aller politisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeiter ist. Als solche Klassendemonstration wird sie vom Unternehmertum und den bürgerlichen Regierungen bekämpft, aber dieser Widerstand kann für die Arbeiterklasse kein Anlaß sein, von der Durchführung derMaifeier abzusehen. In Uebereinstimmung mit den internationalen Arbeiter- kongressen von Paris 1889, Brüssel 1891, Zürich 1893, London 1896, Paris 1900 und Amsterdam 1904 betrachtet die deutsche Sozial- demokratie die allgemeine Arbeitsruhe als die würdigste Fonn der Feier. Der Parteitag macht es daher den Arbeitern und Arbeiter- organisationen zur Pflicht, neben den anderen Kundgebungen für die allgemeine Arbeitsruhe am 1. Mai einzutreten und überall da, Ivo die Möglichkeit der Arbeitsruhe vorhanden ist, die Arbeit ruhen zu lassen. R. F i s ch e r. » 148. AbSndemngSantrag zur Resolution betr. die Friedens- und Freundschaftserklärung der englischen Arbeiter. Wir beantragen im Schlußsatz die Worte von„die Hoffnung auS" wie folgt zu fassen: die Hoffmmg aus, daß es den sich in so erfreulicher Weise mehrenden Bemühungen der englischen Arbeiter gelingen möge, bei den nächsten Parlamentswahlen zc....(wie im Text)... gebührenden Einfluß zu verschaffen. B e r n st e i n und 22 Genossen. Mitteilung. Unter den Mitgliedern des Parteitages ist die Mitteilung ver- breitet worden, der in dem Artikel des„Armen Teufels"(Nr. 38) abgedruckte. F. M. gezeichnete Artikel sei von dem Parteigenossen Franz Mehring seinerzeit geschrieben worden. Gegen diese Mit- teilung erklären die Unterzeichneten, daß der Artikel, wie auch'aus seinem Inhalt hervorgeht, in der Redaktion des„Reuen Montag- blattes" und zwar von dem Redakteur Fritz Manthner geschrieben worden ist. Robert Wölfel. Carl Buhl. Frau Fcenzel. Ernst Grenz. Fritz Seger. Rich. Lipinski. F. Geyer. J- Motteler. G. Orbel. Georg Schöpflin. Zwei Schriften zum Schnlantrag. Die Orthodoxie, einerlei ob protestantischer oder katholischer Richtung, weiß, was sie will. Ihr Schulziel ist klar und unzwei- deutig: die streng konfessionelle, unter klerikaler Aufsicht stehende Schule, deren allererste Aufgabe es ist, eine Hülfsanstalt zur Er- Haltung und Festigung des konfessionellen Kirchentums zu sein. Nach diesem Ziel streben sie mit bewunderungswürdiger Zähigkeit au' allen Wegen, geraden wie krummen. Dem gegenüber zeigt sich in dem liberalen Lager ein geradezu bejammernsiverter Wirrwar. Nicht nur, daß ein beträchtlicher Teil der Liberalen ihrem alten Schnlideal offen den Laufpaß gegeben hat, indem er das schmähliche Schulkompromiß einging; kaum weniger schlimm ist die Unsicherheit und das Durcheinander der Meinungen bei den Liberalen, die das Schulkompromiß verwerfen und bekämpfen. Von dieser Unklarheit über das aufzustellende praktische Ziel des SchnlkampfeS zeugen selbst die Schriften der wenig zahlreichen Männer, deren ehrliches Festhalten an einer liberalen Weltanschauung außer Frage steht. Zu ihnen rechnen Ivir den Marburger Professor Paul Natorp, der in seinem Schrifrchen„Ein Wort zum Schnlaiitrag" tVerlag von Jul. Klinkhardt, Leipzig 1905) scharfe und treffende Worte, wie die folgenden, gegen die nationalliberalen Schul- kompromißler findet: „Zum öden Schlagwort wird der Grundsatz deS Liberalismus und Nationalismus, wenn man ihm, wie hier, handgreiflich mit der Tat widerspricht: sonst sind wahrlich Volk und Freiheit Worte, die einmal in unserer Geschichte etwas bedeutet haben und hoffentlich auch in Zukunft bedeuten werden. Muß es aber erst bewiesen werden, daß, wer in einen Vertrag willigt, der die Schule des Staates mit gebundenen Händen an die Kirche, das heißt zu einem Drittel an Rom, ausliefert, nicht national und nicht liberal ist?" Natorp ist sich auch völlig über die Tragweite des Schulantrages klar. Er weist darauf hin, wie durch den§ 2e des Antrages, der jeder koiifessionellen Minderheit von„angemessener" Stärke den gesetzlichen Anspruch auf Errichtung einer Schule ihrer Konfession auf Staatskosten zuspricht, der Staat völlig in die Dienstbarkeit der Kirche geraten muß. Er zeigt, daß die gesetzliche Festlegung des konfessionellen Charakters der Schule mit unentrinnbarer Kon- sequenz zu streng konfessionellen Lehrerbildungsanstalten, zur aus- nahmslosen geistlichen Schulaufsicht und zum geistlichen Bestimmnngs- recht über die Oualifikation der Lehrer, über den Inhalt der Lehrbücher und den Geist des ganzen Unterrichts führen muß. Natorp täuscht sich also in keiner Weise darüber, daß das Ziel des Klerikalismus die völlige Vernichtung der weltlichen Schule ist und daß der Religionsunterricht der Hebel ist, mit dem er das Werk zu vollbringen sucht. Trotzdem kann sich Natorp nicht zu der Einsicht durchringen, daß es nur eine wirksame, klare und durchgreifende Gegenparole gibt, die lautet: Hinaus mit allem Religionsunterricht aus der Schule!— Kein Religionsunterricht, das wäre eine Pflicht- Versäumnis seitens des Staates, meint er. Der„Religionsunterricht" soll bleiben, aber er soll nicht„konfessionell" sein. Die Kinder der verschiedenen Konfessionen sollen einen genieinsamen„psychologisch- historischen Religionsunterricht" erhalten. Den ihm von anderer Seite gemachten Einwurf, daß für einen solchen inter- oder überkonfessionellen Religionsunterricht ja gar keine Lehrer vorhanden seien, daß die Lehrer doch unmöglich ihre per- söuliche, innerste Ueberzeugung verleugnen könnten, tut er mit folgender Entgegnung ab:„Es ist gar nichts dagegen einzuwenden. daß der Lehrer im Unterricht so warm und eindringlich, als es ihm gegebe» ist, seine persönliche Ueberzeugung zum Ausdruck bringe; wenn er nur bis in den tiefste» Grund seiner Seele durchdrungen ist von der Gewissenhaftigkeit gegen die ihm anvertraute Seele des KindeS, daß er nicht sein Bekenntnis ihm aufdringen darf; nicht nur nicht durch äußere Zwangsmittel, die bei einem einigermaßen selbständigen Schüler mit Sicherheit das Gegenteil wirken, sondern auch nicht durch die tausend Mittel einer feinen Suggestion, in der so viele Geistliche Meister sind; mit einem Wort, daß das autonome Gewissen auch des geringsten Kindes der niedrigsten Volksklassen un- bedingt zu achten." Was will man mit solchen ideologischen Soll- und Darf- konstruktionen, die auf die gegebenen Menschen und Verhältnisse wie die Faust aufs Auge passe, im politischen Kampf um die Schule aus- richten? Gibt man dem Lehrer einmal den Auftrag„Religions- Unterricht" zu erteilen, so wird er ihn in seine m Sinne erteilen, das heißt, der konfessionell gläubige Katholik wird die Kinder für den„alleinseligmachenden"' Glauben, der konfessionell gläubige Protestant wird sie für die Lehren Luthers, der Atheist wird sie für den Atheismus zu gewinnen trachten. Daß die Konfessionsgemeinden und Kirchenbehörden einen solchen gemeinsamen„Religionsunterricht" für das Seelenheil der Kinder höchst gefährlich ansehen, daß sie sich mit Zähnen und Nägeln gegen einen Zivangsunterricht dieser Art wehren würden, liegt auf der Hand. Nach der katholischen Lehre wäre die Teilnahme an einem solchen„Religionsunterricht" zusammen mit Andersgläubigen eine direkte Sünde. Natorp ist darum auch bereit, dem Katholiken,„der den Frieden mit seiner Kirche nicht aufS Spiel setzen mag", zu ge- statten, sein Kind vom Religionsunterrichte in der Staatsschule dispensieren zu lassen. Aber die protestantische und die jüdische Orthodoxie würden nicht zögern, für die Kinder ihrer Konfessionen das gleiche Recht der Dispensation zu verlangen. Und mit ganz dem gleichen Rechte würden die freidenkenden Eltern im Interesse des Wahrheitssinnes ihrer Kinder die Dispensation überall da ver- langen, wo dogmengläubige Lehrer aus ihrem Herze» keine Mörder- grübe machten. Was bliebe also dann von diesem„gemeinsamen Religionsunterrichte" bestehen? Nichts!— Alles was über die verschiedenen Religionen und Konfessionen zu wissen zur allgemeinen Bildung gehört, kann dem Kinde in den fonstijjen Unterrichtsfächern gegeben werden. Insonderheit bietet die Geschichte in ihren verschiedenen Zweigen einen passenden Rahmen zur Unterweifimg über religiöse Bewegungen und kirchengeschichtliche Vorgänge von kultureller und autikultureller Bedeutung. Diesen Standpunkt vertritt mit guten Gründen Dr. Rudolf Penzig in seinem Schriftchen„Die weltliche, konfessioiislose Schule".(Kampf- Verlag, Berlin 81V. 12, 1905.) Penzig setzt sich zunächst mit dem Begriff Religion im alten Sinne der Konfessionen und im neuen Sinne einer modernen m o n i st i s ch e n Weltanschauung auseinander, einer Weltanschauung, die nicht mehr den alten Dualismus zwischen Gott und Welt als Schöpfer und Geschaffenes kennt; einer Welt- auschauung, in der auch das menschliche Handeln kein vom Sinai tönendes:„Du sollst" kennt, sondern seine Triebkraft und Direktiven aus der innersten Menschennatur selbst erhält. Vom Boden dieser Weltanschauung aus erklärt Penzig: das, waS heute den Kindern in der Schule gelehrt wird, ist keine Religion mehr.„Wir wollen die Religion den Kindern retten, und da ist das einzige, was wir tun können: daß ivir sie hinauswerfen aus der öffentlichen Schule!" Alles was an der Religion ivertvoll, lebensfähig ist, was unabhängig von den Konfessionen und Dogmen, heute bereits gemeinsames Kulturgut ist, will Penzig in der Kulturgeschichte dem Kinde zum Verständnis gebracht sehen. Jeden eigentliche» Religionsunterricht der Schule aber hält er für einen Eingriff in die konfessionelle oder antikonfessionelle Gewissensfreiheit. Deshalb verwirft er auch den heutigen Zustand der Simultanschule; nur die Forderung der iv e l t- l i ch e n it n d konfessionslosen Schule vertrage sich mit allseitiger Gewissensfreiheit. Aber— und nun macht er einen dicken Strich durch alles vor- her Gesagte— diese weltliche und konfessionslose Schule darf keine .Zwangsschule" sein.„Wir würden nichts dagegen haben", erklärt Penzig großmütig,„daß jede konfessionelle Minderheit ihre eigenen Schulen errichtet, selbst wenn die Gefahr wäre, daß dadurch eine geivisse Fauatisierung des Kampfes zuwege gebracht iverde, selbst, daß eine gewisse Klerikalisiernng des Volkes in die Wege geleitet würde." Was es mit der„gewissen Klerikalisiernng des Volkes" ver- mittelst der Schule auf sich hat, das lehren Belgien, Frankreich, ' Spanien zur Genüge. Wer sich einbildet, ein einmal entwickelte? und eingefressenes Kirchenschulivesen lasse sich so leicht wieder beseitigen, oder seine Folgen für das geistige Leben eines Volkes seien mit einigen Eimern Anfklärungswasser lvieder wegzuspülen, der gibt sich einer argen Illusion hin. Die weltliche und konfesfions- lose Staatsschule würde dort, wo noch starkes konfessionelles Leben ist, überhaupt nicht aufkommen können, sobald die Kirchen von ihrem Recht auf Errichtung von Konfessionsschulen Gebrauch machten. Und das würden sie tun, allen voran die katholische Kirche mit ihren Schulorden und sonstigen Machtmitteln. Selbst in weniger kirchlichen Gegenden würden der auf den Index gesetzten konfessionslosen Staatsschule zahlreiche Kinder entzogen iverden. Für die technische Entwickelung des gesamten Volksschulweseus würde das ein schweres Hemmnis bedeuten. Der heutige Staat ist kein wirklicher Kultnrstaat, man kann ihm also das Schulmonopol nicht übertragen, meint Penzig. Freilich ist der heutige Staat kein Jdealstaat und das Schulmonopol ist in seinen Händen schlimmem Mißbrauch ausgesetzt. Aber trotzdem und trotz alledem ist das staatliche Schulmonopol das weitaus kleinere Nebel im Vergleich zu dem System des geistlichen Privatschulwesens, das mit dem Penzigschen Vorschlage sofort üppig ins Kraut schießen würde. Lieber soll der heutige Staat die Schule haben als die heutige Kirche. Selbstverständliche Voraussetzung dabei ist, daß man die Umwandlung des heutigen Staates in einen wirklichen K u l t u r st a a t als dringende, alle Einzelrefornlen bedingende Kardinnlforderung ohne Rast betreibt. Die wenigen Elemente im liberalen Lager, die noch ehrlich für den Schulfortschrit eintreten, sollten endlich einsehen, daß die Natur des Klerikalismus und die ganze politische Situation unbedingt ein festes Programm im Sinne reinlichster Trennung von Konfession und Schule verlangt. Schriften, lvie die zitierten, wirken trotz der guten Ab- ficht der Verfasser und mancher trefflicher Einzelausführungen doch nur verwirrend. Sie schwächen die Aktionskraft gegenüber dem zähen, zielbewußten Vorgehen der Reaktionäre. Es ist gut, daß die Sozialdemokratie auf dem Plan steht. Sie wird auch den Kampf um die Schule mit entschlossener Klarheit und Kraft führen. Ihr geistiger Einfluß auf Millionen von Eltern ist schon jetzt das wirksamste Gegenmittel gegen die verblödenden Wirkungen eines von reaktionären Tendenzen erfüllten Schulunterrichts. Die wachsende Kulturmacht der Sozialdemokratie wird auch in diesen großen Kultur- kämpf den endgültigen Sieg davontragen. E. D.» Versammlungen. Eine Bersnmmlnng des Maschinellpersonals, Fahrstuhlführer und Beleuchter des Hauses Ä. Jandorf tagte am 13. d. M. in der Alten Jakobstraße bei Ladewig. Durch Vorlegung eines Lohntarifes forderten die Maschinisten und Heizer einen Lohn von 28— 33 M. pro Woche, die Beleuchter und Fahrstuhlführer 25— 28 M. bei einer Arbeitszeit von 10 Stunden; Ueberstunden sollen die ersten zwei Stunden mit 25 Proz., die weiteren mit 50 Proz. nebst Sonntags- arbeit vergütet werden; die Zulage hat von Vi zu Vi Jahr ohne Mahnung mit 1 M. bis zum tzöchstlohn stattzufinden. Als Antwort überreichte der Vertreter des Hauses, Herr Ksinski, einen Tarif, welcher die Löhne statt aufzubessern herabsetzt. Derselbe Herr berief nun die bisher bestandene Siebenerkommission ohne Beisein des Vertreters des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer, trotz- dem eine Verhandlung mit demselben schon stattgefunden hatte. Herr Ksinski versuchte die Kommission für seinen Tarif günstig zu stimmen und bemerkte unter anderem, daß die Maschinisten und Heizer lange nicht so intelligent seien wie die Diener, erstere seien doch nur Schmierer. Der Gauleiter, Kollege Schwittau, wurde bevollmächtigt, mit Herrn Ksinski zu verhandeln. Außerdem ge- langte folgende Resolution zur Annahme:„Die heute Alte Jakob- straße bei Ladewig tagende Versammlung des Maschinenpersonals der Firma A. Jandorf verwahrt sich ganz energisch gegen die Aus- führungen des Herrn Ksinski, in denen er die Maschinisten und Heizer als Schmierer bezeichnet; dieselben verlangen eine Auf- besserung der Löhne, nicht eine Herabsetzung derselben und bitten den seitens der Arbeiterschaft eingereichten Lohntarif zu bewilligen." Die Frage des Anschlusses a» einen größeren Verband diskutierte am Montag eine Mitgliederversammlung der Berliner Filiale des Vergolderverbandes. Wie der Verbandsvorsitzende S p ä t h e be- merkte, wird diese Frage in den auswärtigen Filialen seit längerer Zeit besprockien und die Zweckmäßigkeit des Anschlusses an einen größeren Jndustrieverband anerkannt. Es sei nun an der Zeit, daß sich auch die Berliner Mitgliedschaft zu dieser Angelegenheit äußere. —©tusche vom Holzarbeiterverb and hielt das einleiteitde Referat. Er legte dar, welche Vorteile eine große Organisation gegenüber einer kleineren bietet, und betonte, daß ein Anschluß des Vergolder- Verbandes nur dann empfohlen werden könne, wenn sich die überwiegende Mehrheit dafür entscheide.— Aus der sehr eingehenden Diskussion ging hervor, daß nur der Holzarbeiterverband als diejenige Organisation in Frage konime, der sich der Vergolderverband eventuell anschließen würde, lieber die Frage, ob und tvann der Anschluß ratsam sei, waren die Meinungen geteilt. Zunächst sprachen einige Redner für den An- schluß, dann folgten andere, die zwar auch keine grundsätzliche Be- denken gegen den Anschluß hatten, aber Erwägungen darüber anstellten, ob sich die Vergolder durch den Anschluß hinsichtlich des Unterstützungswesens, der Bewegungsfreiheit bei Lohnkämpfen usw. ungünstiger stellen würden.— Der Referent zeigte an den Ein- richtnngen des Holzarbeiterverbandes, daß diese Bedenken grundlos seien.— Eine Abstimmung über die Anschlußfrage erfolgte nicht, die Angelegenheit soll in nächster Zeit noch weiter diskutiert werden. Genosse FueS ersucht uns um folgende Erklärung. Die Redaktion deS„Vorwärts" versieht die von mir der Ge- neralversammlung des sechsten Wahlkreises unterbreitete Resolution zum Thema„Weltanschauung und Taktik des Proletariats" mit der glossierenden Bemerkung, daß„die Resolution Fues von' lokal- organisierter Seite zur Annahme empfohlen wurde". Ilm zu verhüten, daß die Parteigenossen durch diese mindestens sehr überflüssige Bemerkung der Redaktion irregeführt und von ihrer Annahme abgehalten werden, erkläre ich hiermit: 1. daß ich selbst Z e n t r a l i st, nicht also etwa Lokalist bin, daß mich bei Abfassung der Resolution auch weder lokalistische noch zentralistische Erwägungen geleitet haben, sondern einzig die Er- kenntnis als Sozialdemokrat, daß es dringende Notwendigkeit ist, die Arbeiterbewegung Deutschlands mehr als bisher von revolutionären Gesichtspunkten aus zu leiten und zu beeinflussen; 2. daß der„Lokalist", Parteigenosse Fischer, in der Ver- sammlung am Dienstag die von mir eingebrachte Resolution zur Annahme empfohlen hat, stempelt dieselbe noch lange nicht zu einer lokalistischen, wie es nach der in Rede stehenden Bemerkung der Redaktion scheinen muß, vielmehr ist dies dem Umstände zu- zuschreiben, daß an jenem Abend außer den Angestellten des„Vor- wärts" nur mehrere„Lokalisten", aber noch kein„Zentralist" zu Worte gekommen ist. Mit dem gleichen Rechte könnte ich sonst die vom WahlvereinS- vorstand eingebrachte Resolution als die„Resolution des Vorwärts" bezeichnen, weil sie nur von Genossen empfohlen wird, die zum «Vorwärts" in näherer Beziehung stehen! Gustav FueS. Wenn etwas überflüssig ist, ist es obige„Erklärung" des Ge- nassen Fues. Der Abdruck seiner Resolution erfolgte in der Tat lediglich, weil sie von den lokalorganisierten Diskussionsrednern empfohlen war und deshalb bei der Abstimmung mit in Frage kam. Ohne diese Empfehlung von lokalorganisierter Seite hätten wir den Abdruck der Resolution als interesselos unterlassen. Der Hinweis auf diese Empfehlung war nicht überflüssig, sondern notwendig, um den Abdruck der Resolution zu erklären; ohne diesen Hinweis hätten wir alle eingebrachten Resolutionen abdrucken müssen, was uns selbst Genosse Fues wohl nicht zumuten dürfte. R. d. B. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publitum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, 20 September. Anfang 7%, Uhr: Opernhaus. Das Feft auf Solhaug. Schauspielhaus. Ein kritischer Tag. Neues. Ein Sommernachtstraum. Weften. Undine. Anfang 8 Uhr: Schiller 0.( Wallner Theater.) Nora. Urania Tauben. 8 Uhr: str. 48/ 49Schiller- Theater. B Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Ein Wintermärchen. Mittwoch, abends 8 Uhr: Nora.( Gin Puppenheim.) Lande der Mitternachtssonne. Schauspiel in 3 Buf. b. Henrik Ibsen. Schauspiel in fünf Auszügen von Sternwarte Invalidenstr. 57/62. CASTAN'S PANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Joël's Traum! Im Restaurationssaal: Schiller N.( Friedrich Wilhelm D'Kochelsee'r." städtisches Theater). Ein Wintermärchen. Leffing. Die Erziehung zur Ehe. Die fittliche Forderung. Zeutral. Die Geisha. Kleines. Die Laune des Verliebten. Der zerbrochene Arug. Residenz. Die Höhle des Löwen. Trianon. Das Ende der Liebe. Thalia. Bis früh um Fünfe! Carl Weik. Der Weltumfegler wider Willen. Belle Alliance. Ben Ali Beh. Luifen. Der jüngste Leutnant. Deutsch Amerikanisches, Herr Herzog! Kafino. Der Adelsnarr. Metropol. Auf Oberbayr. Gesangs-, Tanz- u. Gebirgs- Szenen. OOLOGISCHER Z CARTEN Täglich ab nachmittags 5 Uhr: Großes berMilitär- Konzert ins Metropol! Apollo. Ein Abend in einem amerikanischen Tingel- Tangel. Hochzeitsabend. Spezialitäten. Herrnfeld. Die Meyerhains. Wintergarten. Loïe Fuller. Spezialitäten. Folies Caprice. Soll und Haben. Nach dem Zapfenstreich. Eintrittspreis 1 M.; ab 6 Uhr 50 f. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Deutsch von Wilhelm Lange. Donnerstag, abends8Uhr: Hofgunst. Freitag, abends 8 Uhr: Nora. XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. Die Helden vom Yalu u. Port Arthur in ihren militärischen Exerzitien. Japanische Infanterie. Ausgesuchte Repräsentanten der Armee des Mikado. Vier Soeurs Athletas. Der Zwergclown François mit dem Zwergpferd. Quadrille excentrique, geritten auf 12 Schulpferden von 6 Damen u. 6 Herren. 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Borher: Die Laune des Verliebten. Freitag: Nachtasyl. Sonnabend: Der zerbrochene Strug. Borher: Die Laune des Verliebten. Kasino- Theater Rothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Der Adelsnarr. Borher: Die Zaubergelge von Offenbach. Original Rämbler Compagnie zum 1. Male in Berlin Duo Serdan. Connt. 4 Uhr: Ein Sohn des Volkes. Luisen- Theater. Der jüngste Leutnant. Abends 8 Uhr: Donnerstag: Rumpengesindel. Freitag zum exftenmal: Gastspiel A. Matkowsky: Whelm Tell. Sonnabend: Kinder der Erzellenz. Sonntag nachm.: Fiesco. Abends: Lumpengefindel. Montag: Der jüngste Leutnant. Trianon- Theater. Heute und folgende Tage: Das Ende der Liebe. Satirisches Lustspiel in vier Aften von Roberto Bracco. Deutsch von Otto Eisenschütz. Anfang 8 Uhr. pollo- Theater. 10 Uhr: Täglich: Präzise 8 Uhr zum 12. Male: Auf- in's Metropol! Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Kapellmeister Max Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. 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Morgen und folgende Tage: Der Weltumsegler wider Willen. Sonnabend: Kabale und Liebe. Sanssouci 8um 1. Male: Lumpenmüllers Rottbuserstr. 4a. Direkt.: W. Reimer. Lieschen. Nach dem Gartenlaabenroman bearbeitet. Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allee Nr. 148. Heute Sonder- Abend. 10 neue Attraktionen. Durch Klippen und Wellen. Boltsstüd mit Gesang von Richter. Nach der Vorstellung: Extra- Tanz. Eröffn. 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Eintr. 30 Pf. Heute Mittwoch: Gastsp. Löwe- Ensemble. Maria Stuart. Tranerspiel in fünf Atten von Schiller. Sonntag Beginn 5 Uhr. Wochentags 8 Uhr. Jed. Dienstag u. Mittwoch: Theater Abend. Sonnt., Mont., Donnerst.: Hoffmanns Nordd. Sänger. Der große Festsaal ist noch einige Sämtl. Ehren- und Vorzugst. gültig. I Sonnabende zu vergeben. Tina Clementa an der Prinzenstraße. Eröffnung: Sonnabend, 30. September. Entree 50 Pf., Parkett 1,00 M., Loge 2,50 M. Anfang 8 Uhr. Sonntags 2 Vorstellungen. PROGRAMM: Armany, Violin- Virtuosin. 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Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Dr. 220. 22. Jahrgang. 3. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. two, 20. September 1905. Aus der Partei. Wir erhalten folgende Buschrift: Geehrte Redaktion. " Berlin, 17. September 1905. In der foeben erschienenen Nr. 38 der Neue Welt" ist in dem Artikel von W. Blos Sozialistengesetzliche Erinnerungen" mein vor mun 7 Jahren verstorbener Mann in einer Weise erwähnt, die ich nicht ohne Berichtigung hingehen lassen kann. " 1 Da nun aber eine solche Berichtigung in der Neue Welt" selbst erst um Wochen verspätet erscheinen tönnte, so muß ich schon den Vorwärts" als Zentralorgan um Aufnahme ersuchen. " Herr Blos schreibt: Die Einladung zu diesem Kongreß erschien in den Blättern, aber der Drt war nicht genannt. Sie war ant die derzeitigen und frühere Abgeordneten geschickt worden mit der Aufforderung, sie zu unterzeichnen. Es sollte Parteivertretungen, verstärkt durch die Mitglieder des parlamenta- flagte sie jetzt erst wegen der damaligen Entlassung auf 164 M. rischen Verbandes und die Vertreter der Landesparteibertretungen, Schadenersay. Der Beklagte beantragte Abweisung der Klage wegen einzuberufen. Die Tagesordnung dieser Beratung hat den einzigen Punkt: Das Attentat Gautschs auf die Wahlreform. Dolizeiliches, Gerichtliches ufw. " Wegen Beleidigung eines Webemeisters wurde der Redakteur des Hannoverschen Boltswillen", Genosse Leinert, zu 100 m. Geldstrafe verurteilt. Es handelte sich um kritische Bemerkungen über das Verhalten des Webemeisters gegenüber Arbeitern. Aus Induftrie und Bandel. Verjährung, da bereits mehr wie zwei Jahre seit jenem Vorgang verflossen waren. Obwohl der Borsigende aus denselben Gründen die Klägerin zur Zurücknahme der Klage zu bewegen suchte, damit sie fich die Kosten erspare, wollte sich die junge Frau doch nicht dazu verstehen. Sie bezog sich immer wieder auf den falschen Rat ihrer Freunde, daß jetzt nach Einführung des Kaufmannsgerichts die Klage Erfolg haben müsse. Das Urteil lautete daher auf toftenpflichtige Abweisung wegen Verjährung des Klageanspruches. Geldentschädigung für Zeugnisverweigerung. Gegen die Firma Red flagte ein entlassener Reisender auf Ausstellung eines ordnungsmäßigen Zeugnisses und beantragte gleichzeitig, falls dies verweigert würde, die Firma zur Zahlung einer Entschädigung von Die Verstaatlichung der„ Hibernia" wird, wie der Berl. Börsen 200 m. an ihn, den Kläger, zu verurteilen. Der Beklagte bestritt Courier" wahrscheinlich aus dem Kreise der beteiligten Finanz- denselben jedoch als gefeßlich zulässig an und berurteilte die die Zulässigkeit des Entschädigungsantrags. Das Gericht erkannte institute erfährt, bereits in den nächsten Tagen vollzogen werden. das zugleich eine Probe des Mutes und der zu feinerzeit angebotene Beteiligung an der zur Verwertung der rheinisch- halb acht Tagen nicht im Besige des verlangten Zeugnisses fein Der Fiskus hat," schreibt das Blatt, sich entschlossen, die ihm Firma zur Zahlung der beantragten 200 m., falls der Kläger innerverlässigkeit der betreffenden Persönlichkeiten westfälischen Grubenfelder der Internationalen Bobrgesellschaft gebil follte. sein, denn nach dem Freiberger Urteil konnte man mit ziemlicher beten neuen Gesellschaft anzunehmen und gleichzeitig dem rheinisch- west- Engagementsbedingungen von Provisionsreisenden bei der Firma Bedenkliche Zustände schienen nach Ansicht des Vorsitzenden die Sicherheit erwarten, daß den Teilnehmern am Kongreß, soweit sie fälischen Kohlensyndikat beizutreten. Es darf vermutet werden, daß Goldschmidt u. Co., Berliner Porträt Atelier, in von der Polizei ermittelt würden, hinterher der Prozeß gemacht damit gleichzeitig auch eine Einigung bezüglich der jetzt im Besiz werden würde. Die Einladung war unterzeichnet von Auer, Bebel, der Herne G. m. b. H. befindlichen Attien der Bergwerks- Gesellschaft sich zu schließen. Wie die Vertreterin der Firma bei der VerBlos, Bock, Diet, Frohme, Geyer, Grillenberger, Harm, Hafenelever, Hibernia erzielt werden wird, doch ist zu bemerken, daß über den handlung der Schadenersatzklage eines solchen Bilderreisenden" Seine, Joeſt, Naben, Kayser, Liebknecht, Weiſter, Rödiger, Sabor, Berkauf dieser Attien an den Staat nicht das Kohlensyndikat allein angab, bekommen diese Reiſenden keinerlei Gehalt, sondern nur Schumacher, Singer, Stolle, Die früheren Abgeordneten Der Bilderumfaz Geiser und Viered verweigerten bie unter Banten und Bankhäuser angehört, die ihre Zustimmung zum Verkauf handelt sich um Porträtzeichnungen nach Photographien in Ber und Viered verweigerten Sie unter- zu verfügen hat, da der Herne- Gesellschaft auch eine Anzahl großer Provision und zwar pro Bild 1 M. zeichnung der Einladung und wurden darum bom der Aktien geben müssen. Vermutlich würde diese Zustimmung dem Geschäft sei der Verkauf von Rahmen für die Bilder. Je wertsei allerdings nur Nebensache; die Hauptsache bei St. Gallener Parteitage für ungeeignet erklärt, aber dann erfolgen, wenn die Regierung den Verstaatlichungsvoller der Rahmen, desto höher die Provision. Um die Reisenden Ehrenamter in der Partei zu übernehmen. Sierauf bemerke ich folgendes: preis für die Aktien erhöht, da es nicht angängig erscheint, daß die größerung es Vor allem hätte m. E. Blos, wenn er unparteiisch ein Stück Barteigeschichte schreiben wollte, nicht vergessen" dürfen, zu erwähnen, daß der gegen meinen Mann gerichtete Beschluß im Jahre 1892 auf dem Berliner Parteitag auf Antrag der Parteigenossen der Wahlfreise zieht, bedeutet sie nichts als eine verhüllte Niederlage der Re- Reisenden insofern übers Dhr gehauen worden sei, als diese Breslau D st und Breslau- West wieder aufgehoben wurde. 9 Das war vielleicht eine nicht richtige Auffassung der damaligen politischen Situation, es aber als Mangel an Wut und Buverlässigkeit darzustellen, steht Herrn Blos nicht an ganz besonders aber einem Toten gegenüber, der nichts mehr entgegnen kann. Als der St. Gallener Beschluß gefaßt wurde, saß mein Mann im Gefängnis und konnte sich nicht verteidigen. des Vorwärts". " Interessenten jetzt in Berkaufsbedingungen einwilligen, die sie vor nun zur möglichst reger Tätigkeit zu veranlaffen, bekommen diese Jahresfrist als unzulänglich erklärt haben, nachdem der Wert des teine Vorschuß oder Zehrgelder, sondern nur Reisegeld bis zum Objekte inzwischen keine Verminderung, sondern sicherlich noch eine Bestimmungsorte und sollen dann für höchstens drei Tage je 3 M. weitere Steigerung erfahren hat." Spesen erhalten. Diese Marimen will die Firma eingeführt haben, Wenn sich die Verstaatlichung unter folchen Bedingungen boll- weil sie von vielen der etwa 50 von ihr bisher schon gehabten gierung. bei Aushändigung eines Borschußbetrages sich einfach andere Beschäftigung suchten und das wenig lukrative Bilderreisen" aufgaben. Der Vertreter des Klägers führte nun an, daß die Reisenden in den verschiedenen Orten wegen Mangel an Geld und Be stellungen geradezu Hungerpfoten haben saugen müffen. Nicht einmal die versprochenen 3 M. für die ersten drei Tage, die obendrein auch nur noch in Tagesraten durch einen sogenannten Oberreifenden gezahlt werden sollten, feien zur Auszahlung gelangt. Bei diesen eigenartigen, wenig verlockenden Engagements und Tätigkeitsbedingungen riet der Vorsitzende dringend zum Vergleich, der denn auch zustande kam, indem die Beklagte dem Kläger 30 M. zahlte. Kapitalistische Säuglingsfürforge. Das Polizeipräsidium in Hannover hat jüngst folgendes Schreiben versandt: An die Haltefrauen und Aufsichtsdamen der gegen Bezahlung untergebrachten Kost- und Pflegefinder. " Das hinzuzufügen hätte die einfachste Rücksicht geboten. Die Bermögenverwaltungsstelle für Offiziere und Beamte, über Als die betreffende Einladung an meinen Mann gelangte, war der deren mißliche Lage wir wiederholt berichteten, hielt gestern mittag felbe in den Breslauer Geheimbundprozeß als Angeklagter verwickelt ihre Generalversammlung ab, die einen recht stürmischen Verlauf und es war Briefsperre über ihn verhängt. Er lehnte seine Unter- nahm. schrift unter der Motivierung ab, daß er es für taktisch unklug halte, Anfänglich herrschte eine ziemlich gedrückte Stimmung und man den Parteitag im Ausland abzuhalten man solle in Deutsch- munkelte von einer geplanten tonfursanmeldung, ohne sich Land tagen. dabei zu berhehlen, daß dann wohl auch die Staatsanwaltschaft an der Prüfung der Forderungen" teilnehmen werde. Der vom Registerrichter mit dem Vorsige betraute Gerichtsassessor Dr. Seibt eröffnete die Versammlung um 12 Uhr 20 Win. mittags. Er teilte mit, daß die Aufsichtsratsmitglieder Graf Hermersberg sowie die Generalmajore v. Colmar und Gaczensti ihre Aemter niedergelegt hätten, so daß nur noch ein Aufsichtsratsmitglied vorhanden sei, das aber im Auslande( in London) weile. Wie ich schon oben sagte, wurde der Beschluß auf dem Berliner Geh. Hofrat Hecht erstattet Bericht über sein die Vermögenslage Parteitag 1892 wieder aufgehoben, und es wurden meinem Mann beleuchtendes Gutachten, wobei er betont, daß mit Rücksicht auf die die Ehrenämter, die die Bartei zu vergeben hat, wieder angetragen Es ist bei dem Polizeipräsidium von einem Arzte, der sich frei Beschleunigung der Angelegenheit eine genaue Zwischenbilanz für die wie Reichstags- und Stadtverordneten- Kandidaturen, sowie ver- Beit vom 1. Januar bis 1. September d. J. nicht aufgestellt werden willig dazu bereit erklärte, Kost- und Pflegefindern in Notfällen schiedene Delegationen zu den Parteitagen. fonnte. So weise der Sanierungsplan allerdings eine Lüde auf, indes unentgeltliche Hülfe zu leiften, darüber geklagt worden, daß Aber auch als der Beschluß noch bestand, fönne er die beruhigende Erklärung abgeben, daß die von den frankung der Kinder gerufen würde, auch sei er öfters nachts er von einigen Haltefrauen bei jeder geringfügigen Erſtellte mein Mann seine rastlose Tätigkeit für die Partei Kunden aufgegebenen Effektendepots in Ordnung seien und frankung der Kinder gerufen würde, auch sei er öfters nachts nicht einen Tag lang ein. Er war 1887 Mitbegründer und Re- daß die Gläubiger der Gesellschaft teinerlei Ver- gerufen worden, obschon die Krankheit gestattet habe, mit seiner dakteur der Schlesischen Nachrichten", ständiger Mitarbeiter der lufte erleiden würden, vorausgefeßt, daß man diejenigen Werte confultierung bis zum nächsten Morgen zu warten. Die Klage muß Elberfelder Freien Presse", der Fräntischen Tagespost", der Bres- als maßgebend betrachte, die sich bei ruhiger Abwidelung ftimmt: Der Arzt ist in Zukunft nur dann in Anspruch zu nehmen: als berechtigt anerkannt werden(!). Es wird daher folgendes be Lauer Boltswacht" und last not least der Geschäfte ergeben würden. Redner ist dafür, daß eine Außerdem verfaßte er während dieser Zeit unter dem Pfeudonym Revisionstommission eingesetzt werde, die im Laufe der wenn Mütter oder die Eltern des Kindes vollkommen mittellos Kurt Fall eine Reihe sehr wirkungsvoller Agitationsbroschüren. nächsten 2-3 Wochen die neue Bilanz werde prüfen fönnen; er find; 2. wenn das Kind plöglich von einer lebensgefährlichen ErMein Mann war bis zu ſeinem letzten Atemzuge überzeugter selbst tönne sich an den weiteren Arbeiten dieser Kommission, wie frankung befallen wird oder einen schweren Unglücksfall erlitten; nur Sozialdemokrat und hat seiner Sache gedient wie nur einer froß auch des Aufsichtsrats leider nicht beteiligen. unter diesen beiden Voraussetzungen ist der Arzt in Anspruch zu Hunger, Elend und Berzweiflung. Darauf ergreifen die Kommanditisten das Wort, welche au den nehmen; in zweifelhaften Fällen ist vorher auf dem Revierbureau Arbeiten der Hechtichen Kommission hinzugezogen werden sollten. Rat zu holen. Es wird bemerkt, daß die Herren Aerzte die HülfeSie erflären übereinstimmend, daß sie sich an den Arbeiten Leiſtung unentgeltlich machen, es hat sich daher die Inanspruchnahme wenig oder gar nicht beteiligt haben; Rechtsanwalt Dr. Amann durch die Haltefrauen in bescheidenen Grenzen zu halten. Königliches Polizei- Präsidium." und Assessor Dr. Seibt konstatieren, daß sie zu der Revision überAbteilung V." Haupt nicht hinzugezogen worden feien. Ersterer beantragt, dem Geheimrat Hecht wegen diefer Zabelsvotum auszusprechen( der Antrag wird später scheidenen Grenzen bleiben soll, reiht sich würdig die Anweisung Nasführung ein Der Anordnung, daß die Inanspruchnahme des Arztes in bezurückgezogen). Ein Kommanditist erklärt: es sei zweifellos, daß an, auf dem Revierbureau Rat zu holen, wenn die Pflegemutter Die Resolution Labriola. Aus Mitteilungen des Genoffen Geld verloren worden sei; indes möge man die echtsche nicht weiß, ob das Kind lebensgefährlich" erkrankt ist. Der SchutzKautsky ersehen wir, daß wir ihm Unrecht getan haben, als wir Bilanz, in einigen Punkten berichtigt, einfach genehmigen und die mann als ärztlicher Ratgeber der Mutter gegenüber, das geht behaupteten, daß er aus der Resolution Labriola den entscheidenden jenigen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder, welche Fehler gemacht wahrhaftig, noch über den Kunstschußmann. Jeder einfichtige Arzt Gaß ausgelaffen habe. Der Wortlaut des Antrags, wie er dem hätten, zur Verantwortung ziehen. Dem schließen sich wird es schon als ungeheuerlich bezeichnen, daß die Pflegewird, den Arzt nur dann zu rufen, Genoffen Kautsky vorlag, teicht an dieser Stelle ab von dem andere Redner an. Geheimrat Hecht wendet sich in heftigster mutter angewiesen ein Kind plöglich lebensgefährlich Das Wortlaut, wie er seiner Zeit in dem Artikel unseres italienischen Weise gegen den Rechtsanwalt Dr. A ßmann, sowohl gegen dessen wenn lebensgefährlich erkrankt. ob eine Korrespondenten mitgeteilt war. Bei uns hieß es: Agitation, wie gegen dessen Person; er wirft ihm Sachuntenntnis, mutet der Frau die Entscheidung darüber zu, „ daß die Herbeiführung der Reformen den bürgerlichen Regierungen Mangel an Diskretion 2c. vor und erklärt, daß Aßmanns Vorwürfe lebensgefährliche Erkrankung besteht oder nicht. Das heißt unter Aber nun erst gar zu überlassen ist, ohne parlamentarische Mitwirkung und ohne ihm nicht bis an die Schuhfohlen reichen".( Rufe: Zur Sache!) Umständen ein Kinderleben aufs Spiel seßen. Kompromisse von seiten des Proletariats." Die Frage, ob sich ein Aufsichtsratsmitglied unter den der gute Rat der Polizisten! Die Frau sieht das Kind wenigstens Dagegen lag Kautsky der Wortlaut vor, wie er in der Neuen Schuldnern der Gesellschaft befinde, wird bejaht und an- dauernd und beobachtet es, fie hat auch einige praktische Erfahrung Zeit" veröffentlicht war, da hatte die entscheidende" Stelle gedeutet, daß es sich dabei um ein abwesendes Mitglied handele. in der Beurteilung des Zustandes der Kinder; aber der Schuzmann folgende Form: Geheimrat echt gibt dann nähere Aufflärungen über die Differenzen auf dem Revierbureau! Uns scheint, daß kein Schußmann bom zwischen der früheren und der von ihm aufgestellten Bilanz( Pro- Revierbureau auf den Klugen Gedanken gekommen wäre, der in dieser visions- und Wechsel Konto, Gratifikationen, Rittergut Schön- Berordnung stedt. waldau usw.). Er warnt davor, schon jetzt über die Regreß- Am Ende ist die Frage zu erheben, warum denn die Stadt nicht ni pri che zu sprechen, dazu wäre noch reichlich Beit".( Rufe: eine Anzahl Aerzte bezahlt, die in solchen Fällen in Anspruch geVerjährung!) nommen werden können? Ich bin diese Erklärung dem Andenken meines Mannes schuldig - aber auch mir selbst und meinen vier erwachsenen Söhnen. Berlin, Altonaerftr. 13. 17. 9. 05. Alice Geiser geb. Liebknecht. NB. Die gesamte Parteipreffe, welche die„ Neue Welt" als Beilage gibt, ersuche ich um unverkürzten Abbrud dieser meiner Erklärung. Alice Geifer. „ daß die Durchführung von Reformen der bürgerlichen Regierung zu überlassen sei ohne irgend welche Mitarbeit oder irgend welche Bugeständnisse des Proletariats." In diesem Falle trifft also, angesichts der beiden Lesarten, Kautsty ebenso wenig Schuld wie uns. " Milchbeschaffung durch die Gemeinde. Nachdem man noch längere Zeit bei dem„ Bericht über die staitEinen poetischen Gruß„ An den Barteitag" veröffentlicht in gehabte Revision" und die durch denselben aufgedeckten Mängel seiner foeben erschienenen 500. Nummer der Wahre Jakob" und bebattiert hatte, ging man zu den nächsten Punkten der Tagesordnung: Der Stadtrat von Karlsruhe plant die Uebernahme des Milchläßt dem Gedicht noch eine humoristische Plauderei über den Ort Beschlußfassung über die Bilanz für 1904. Entlastung des verkaufs in städtische Regie. Der Verband der landwirtschaftlichen des diesjährigen Parteitags Jena" folgen. Das Gedicht Nummer Borstandes und des Aufsichtsrats 2c., über. Die Opposition war indes Ronfumbereine in Baden hat darauf folgendes Schreiben an die 500" würdigt sodann die Tatsache, daß nun bereits ein halbes bereits so start angeschwollen, daß die Mehrheit( in der Erwägung, genannte Körperschaft gerichtet: Tausend der roten Nummern" in die Welt hinausgegangen sind, daß überhaupt keine richtige Bilanz borliege) alle diese um in ihrer Art an dem großen Werke der Vorbereitung einer neuen Bunkte von der Tagesordnung abseßte. Laut Zeitungsnotizen sollen seitens des Stadtrats Erhebungen Ebenso veranstaltet werden, ob der Milchverkauf zweckmäßiger von der Stadt Zeit mitzuwirken. Unter der Rubrik" Aus der Freiheitsbewegung erging es den folgenden Punkten: Statutenänderung 2c. Danach übernommen werden könnte. Im Interesse der ländlichen Bevölkerung in Rußland" bietet die Nummer ein gut gelungenes Bild unseres räumten die bisherigen Aufsichtsratsmitglieder mit ihren engeren würden wir es freudig begrüßen, wenn der Stadtrat Karlsruhe auf soeben von Schergen des Baren unter Verhöhnung aller gegebenen Freunden das Feld. Punkt 7: Abberufung von Aufsichtsrats diefem wichtigen sozialen Gebiete bahnbrechend vorgehen würde. Die Rechtsgarantien hingerichteten Genossen Martin Kasprzat, sowie die mitgliedern, speziell eines Herrn, der im Auslande lebt", war schnell Milchkonsumenten würden dadurch vor allzu großer Berteuerung Bilder der im Kampf gegen den Barismus gleichfalls heldenhaft abgewickelt. Die Versammlung beschloß einstimmig, den Direttor gefchüßt, hauptsächlich aber eine gesundheitlich einwandfreie Milch hervorgetretenen Finnländer Eugen Schaumann und Lennart Hohen- Claassen in London abzuberufen. Die Frage, ob derselbe bekommen, was besonders beim Verkauf durch die vielen kleinen thal. An die Porträts schließen sich furze biographische Würdigungen regreßpflichtig jei, wurde bejaht, da er noch Milchhändler in der Stadt viel zu wünschen übrig lassen dürfte. ber drei Persönlichkeiten an. Aus dem weiteren Inhalt der Nummer sind zu erwähnen die denen stundenlange Debatten darüber vorangeschickt wurden, wie wenigen Ausnahmen nur fleinere Landwirte, die zurzeit für einen Die Milchproduzenten in der Umgegend von Karlsruhe sind mit farbigen Bilder Schweinestola"," Die Sandtorte oder mehr Sand viele Aufsichtsratsmitglieder als Ersatzmänner für ausgeschiedene Liter Milch 12, in neuester Zeit höchstens 15 Bf. erhalten. Die als Torte" und die Illustrationen„ Rentier Knödelmeiers Trost in Herren und wie viele neu zu wählen wären; jedenfalls folle man, Milch in den verschiedenen Ortschaften wird meistens durch mehrere der Fleischnot"," Bom Katholikentag"," Gin Gemütsmensch"," Der militärische Geist des Soldaten"," Reformeifer des Zaren"." Ein 10 wurde von verschiedenen Seiten betont, bei der Wahl sehr vor Kleinhändler aufgekauft, die zum kleinen Teil nicht direkt an die praktischer Sozialistentöter" und" Südkehr aus der Mandschurei". sichtig sein und nicht Herren wählen, die außerhalb, fern von Berlin Stonsumenten, sondern zum großen Teil wieder an Händler in die Der tertliche Teil bringt noch die Gedichte„ Das nationale Schwein" wohnen. Dann wieder entspann sich ein Streit über den Wahlmodus Stadt abliefern. " Kein Friede!"," Im Buschwald" und außer zahlreichen kleineren Endlich fam eine Einigung dahin zustande, daß drei Neu- und( zunächst) den einzelnen Ortschaften Milchverwertungs- Genossenschaften bilden und über die Wahlperiode, welche für die zu wählenden in Frage komme. Nach unserer Ansicht dürfte es zweckmäßig sein, wenn sich in Beiträgen die Novelle Jm Album" von Hans Hyan und das fatirische Feuilleton" Der Satan und das Kohlensyndikat". Der Aufsichtsratsmitglieder. Die Wahlen erfolgten durch Stimmzettel. Diefe Genossenschaften wären derart durch Kontrollmaßregeln und satirische Feuilleton„ Der Satan und das Kohlensyndikat". Der zwei Ersatzwahlen stattfinden sollten; das Statut gestattet sieben würden, so daß an jedem Drt nur eine Versandstelle bestände. Preis der 12 Seiten starken Nummer ist 10 Bf. Einstimmig gewählt wurde der Vorsitzende Gerichtsassessor Dr. Gustav durch Kühlungsvorrichtungen einzurichten, daß die Milch in gesundSeibt, Bayreutherstr. 17, der Rechtsanwalt Dr. Aßmann und heitlicher Hinsicht nur von bester Qualität an die städtische Verkaufsber Nittmeister a. D. Dr. Tenge. stelle bersandt würde. 1 nicht entlastet sei. Ca folgten sodann die Neuwahlen, Soziales. Die Sozialdemokratie und Gautschs Attentat. Die„ Wiener Arbeiterzeitung" berichtet unterm 16. September: Die Gesamtegekutive der Sozialdemokratie Oesterreichs hat heute eine Sibung gehalten, in der Vertreter sämtlicher nationalen Parteibertretungen anwesend waren. Die Beratung galt der Stellung nahme der Partei gegenüber dem Anschlag Gautschs auf die Wahlreform. Um die der Schwere des Angriffes entsprechenden Mittel Falsch belehrt war eine junge Frau, die im Jahre 1902 bei der der Abwehr festzustellen, hat die Gesamterekutive beschloffen, für Firma Bodliz als Verkäuferin tätig war und damals mit nur einFreitag nach Wien eine Reichstonferenz sämtlicher nationalen tägiger Kündigung entlassen wurde. Auf Anraten guter Freunde Kaufmannsgericht. Bei Gründung von Milchberkaufsgenossenschaften in den einzelnen Ortschaften find wir gerne bereit mitzuwirken. Man tann das als Fortschritt nur begrüßen. Die Handelsinspektorenfrage hat nunmehr auch dem sozialpolitischen Ausschusse des Leipziger Kaufmannsgerichts vorgelegen. Das Resultat war eigentümlicherweise ein negatives, da bei Stimmengleichheit der Gehülfenvertreter für und der Prinzipals dertreter gegen den Antrag des Münchener SchweiiergerlchtS, der Vorsitzende Stadtrat Dr. Ackermann sich der Stimme enthielt. Etwas fortgeschrittener zeigte sich das Leipziger Kaufmannsgericht ,n der L a d e n s ch l n ß f r a g e. Der Ausschus; hat beschlossen, beim Bundesrate und dem Reichstage dahin vorstellig zu werden, dag der jetzt geltende Neunuhrladenschluß in den gesetzlich festzu- legenden Achtuhrladenschluß übergeführt werde. Der internationale Arbcitcr-Vcrsicherungskongreß ist am Montag in Wien eröffnet worden. Der erste derartige Kongreß tagte im Jahre 1889 in Paris, das letzte Mal im Jahre 1902 wurde er in Düsseldorf abgehalten. Auf der Tagesordnung des Kongresses steht vor allem ein Referat über die Entwicklung der Arbeiterversicbcrung aller Länder seit dem ersten Kongreß, also seit den letzten fünfzehn Jahren. Der Kongreß ist von den Regierungen einer großen An- zahl von Staaten offfziell beschickt. Außer fast allen größeren euro- päischen Staaten ist auch Australien vertreten; auch die österreichische Sozialdemokratie hat eine Anzahl Vertreter entsandt. *Jiis der Frauenbewegung. Steglitz. Der Bildungsverein für Frauen und Mädchen von Steglitz und Umgegend hält Donnerstag, den 21. d. M., bei Wahren- darf. Schloßstr. 117, seine Mitgliederversammlung ab. Herr Dr. Pinluß hält einen Bortrag über„Krebsleiden". Dann folgt Diskussion und dritter Punkt der Tagesordnung ist: Verschiedenes. Recht zahlreichen Besuch, auch Gäste, erwartet Der Vorstand. Britz. Donnerstag, den 21. September, hält der Verein für Frauen und Mädchen seine Mitgliederversammlung im Lokal von Weniger, Werderstr. 27, ab. In derselben wird Frau Teile einen Vortrag über das Thema:„Warum organisieren wir uns?" halten. Neue Mitglieder werden in der Versammlung aufgenommen. Frauen und Männer als Gäste willkommen. Der Vorstand. Ein weiblicher Verteidiger vor einem Berliner Gericht. Der Gerichtsbericht meldet: Den überaus seltenen Anblick eines weiblichen Verteidigers genoß man bei einer Verhandlung vor der Berufungskammer des Landgerichts II unter Vorsitz des Landgerichtsrat K o ch. Es handelte sich um eine Anklage gegen einen Bauerngutsbesitzer Götze in Koepenick, der fortgesetzt wegen des ihm streitig gemachten Rechtes zur Benutzung eines über fiskalischen Grund und Boden führenden Weges in Konflikt kommt und schon mehrmals freigesprochen worden ist, obwohl seit einiger Zeit eine Tafel mit der Inschrift„Verbotener Weg" daselbst prangt. Der Angeklagte pocht darauf, daß seine Familie schon zu den Zeiten Friedrichs des Großen diesen Weg be- nutzt habe und auch ein Recht zur Benutzung besitze. Als Ver- teidigerin dieses Rechts erschien die Schwester des Angeklagten, Frau Gutsbesitzer Rückert, die auf Grund des§ 138 der Strafprozeß- ordnung durch Gerichtsbeschluß zugelassen worden war, weil sie am besten mit den recht verwickelten Rechtsverhältnissen in Gemätzheit ihres Familienarchivs Bescheid wußte. Der weibliche Anwalt, der Mit großem Aktenstoß im Saale erschien, erfreute sich einer so zu- vorkommenden Behandlung, daß ihn mancher zünftige Kollege darum beneiden konnte. Die Dame erledigte sich übrigens ihrer Aufgabe mit einer bewundernswürdigen Sachkunde und brachte dem Gerichts- Hofe die Ueberzeugung bei, daß ihrem Bruder mindestens der gute Glaube innegewohnt habe. Der Gerichtshof erkannte auf Frei- sprechung._ GewerhrebaftUebee. Unternehmer«nd Vertragstreue. Bei Beendigung des großen Brauereiboykotts in Rhein- land-Westfalen wurde ein Verttag zum Abschluß gebracht, der unter anderem auch die Wiedereinstellung der ausgesperrten Brauereiarbeiter im einzelnen regelte. Dieser Vertrag, speziell die Verabredung über die Einstellung der Ausgesperrten, wird— wie sich jetzt herausstellt— von den Unternehmern geradzu systematisch gebrochen. In der Einigungsverhandlung gab der Sekretär des sog. Boykottschutz-Verbandcs Dr. Creutz- bauer u. a. auch mündlich das Versprechen ab, daß zunächst nur verheiratete Brauereiarbeiter eingestellt werden sollten. In Wirklichkeit werden diese von der Einstellung geradezu systematisch ausgeschlossen. Auch das Versprechen ilber die Zahl der Wiedereinzustellenden ist nicht erfüllt. Hier erweist sich also wieder einmal das Unternehmer- tum, das durch seine Preßorgane so gern die Arbeiterschaft als nicht vertragsfähig hinzustellen sucht, als der Konttahent, dem man nicht über den Weg trauen darf. Natürlich darf man sich nicht mit der einfachen Feststellung dieser Thatsache begnügen, es nutzt auch nicht, über sie moralisch zu heul- meiern, sondern man muß Sorge tragen, daß durch starke Gewerkschaften Exekutivorgane geschaffen werden, welche die widerborstigen Kapitalisten zur Vertragstteue z w i n g e n I Berlin und Umgegend. In der Stralancr Glashütte herrscht eine allgemeine Unzufrieden- heit. Der jetzige Direktor ist aus der Schule der„berühmten" Siemens- Werke in Dresden hervorgegangen und man versucht, auch in Stralau die bekannten VerwaltuNgSmarimen dieses Werkes durchzuführen. In den Hofarbeite», die früher ausschließlich von Männern verrichtet wurden, werden— um zu sparen— in immer steigendem Maße weibliche Arbeitskräfte herangezogen. Miß- stände, wie schlechte Beleuchtung in der Fabrik und auf dem Hofe, werden durch Vertröstung auf die Zukunft aus der Welt geschafft. Am meisten Erregung aber verursacht in der Arbeiterschaft die Ankündigung einer Verlängerung der Arbeitszeit für den Winter um eine viertel Stunde. Die Direktion beruft sich dabei auf eine Vereinbarung aus früherer Zeit, in welcher die Arbeiter unter dem Zwange der Verhältnisse emer Verlängerung der Arbeitszeit für den Winter zustimmten. Inzwischen ist aber eine völlig andere Konjunktur eingetreten und es besteht noch eine andere Vereinbarung, wonach bei einem Steigen der Flaschenprcife die früher erfolgten Lohnabzüge rückgängig gemacht werden sollten. An diese, den Arbeitern günstige Vereinbarung erinnert sich die Direktion nicht. Unter diesen Un, ständen kann man die Mißstimmung begreifen.— Da die Stralauer Glasarbeiter sehr gut organisiert und äußerst rührig sind, kann es zu einem schweren Kampfe kommen, wenn nicht durch gütliches Entgegenkommen die Mißstimmung beseitigt wird. Zur Lohnbewegung der Rohm. Der Verein der Rohrer Berlins und Umgegend hielt am Sonntag eine außerordentliche Versammlung ab. Es galt, die endgültige Beschlußfassung über den Entwurf eines neuen Lohntarifs herbeizuführen. Die Siebenerkommission im Ver- ein mit dem Vorstand und noch einigen hinzugezogenen Kollegen hatten den Entwurf ausgearbeitet und unterbreiteten ihn der Ver- sammlung, indem zugleich vorgeschlagen wurde, festzusetzen, daß die Antwort der Unternehmer bis drei Tage vor dem 1. Oktober ein- gelaufen sein muß. Nach lebhafter und eingehender Debatte über die Einzelheiten machte die Versammlung die Vorlage zu der ihrigen, abgesehen von kleinen Aenderungen. Der Akkordtarif sieht für die verschiedenen Arbeiten gegen den alten Tarif Preis- erhöhungcn vor, die sich in der Hauptsache auf 2 Pf. pro Quadrat- meter bezisfern. Von den folgenden Bestimmungen sind besonders hervorzuheben: Alle diejenigen Arbeiten, welche hier(bei den Akkord- sätzen) nicht angcsührt sind, werden nur in Lohn ausgeführt, und zwar pro Stunde mit 85 P f. bezahlt.(Bisherige� Minimal- lohn 70 Pf.) Die Preise, zu denen unter gewissen Voraussetzungen noch Zuschläge kommen, gelten nur innerhalb des Weichbildes Berlin sowie in Rixdorf. Stralau, Rummelsburg. Lichtenberg(Dorf) und Ül dem an Berlin grenzenden Qrtsteil von Pankow» in Charlotten- bürg, Halensee, Westend, Wilmersdorf. Tempelhof. Friedenau und Schöneberg bis auf den sogenannten Friedenauer Ortsteil jenseits der Wannseebahn. Alle Arbeiten in Orten, die nicht genannt sind und im Umkreise von 15 Kilometern von der Weichbildgrenze Berlins liegen, sind mit einem Aufschlag von 2 Pf. pro Quadrat- Meter, und alle Arbeiten in Orten über diesen Umkreis hinaus sind mit einem Aufschlag von 4 Pf. pro Quadratmeter zu bezahlen. Arbeiten, welche 100 Quadratmeter nicht übersteigen, sind nur in Stundenlohn(85 Pf.) zu machen. Die Arbeitszeit(bisher 9 Stunden) beträgt a) vom 15. Februar bis zum 15. Dezember 8Stunden täglich und b) vom 15. Dezember bis zum 15. Februar 7 Stunden täglich. An Sonnabenden soll stets eine Stunde, an den Tagen vor den drei hohen Festen zwei Stunden früher Feier- abend sein. Die Arbeitgeber verpflichten sich, bei Einstellung von Rohrern die Arbeitskräfte vom Arbeitsnachweis der Rohrer- organisation zu entnehmen, soweit Kräfte dort zur Perfügung stehen. Es besteht Kündigungsausschluß. �— Bei Abschluß eines Tarifver- träges auf Grund dieser Vorschläge soll die Vertragsdaucr aus ein Jahr bemessen werden. In die Lohnkommission wurden M. Boldt, H. Hilliges und O. W e r n i cke gewählt. Es wurde noch eine Resolution angenommen, worin die Gründe zur Einbringung des neuen Tarifentwurfs dargelegt werden. Es wird darin unter anderem gesagt, daß die Ilnklar- heiten des Tarifcs von 1903 zu vielen Streitigkeiten geführt hätten. Ferner wird den Arbeitgebern zum Vorwurf gemacht, daß sie als vertragschließende Partei es unterlassen hätten, gemäß dem Tarif eine Schlichtungskommission zu stellen. Das sei ein Vertragsbruch und die Versammelten stellten sich mit dem 1. Oktober 1905 ebenfalls außerhalb der alten Bestimmungen, nachdem vom Gcwerbcgericht infolge der Unterlassungssünde der Arbeitgeber eine rechtzeitige Kündigung nicht angenommen worden sei. Zugleich unterbreite sie aber jenen Abänderungsentwurf. Stcindruckcr! Die Kündigung der Kollegen der Firma Kntzner u. Berger wurde zurückgezogen, weil der Inhaber nach einer weiteren Verhandlung die Verkürzung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde, wie auch die kleineren Forderungen bewilligte. Bereiniguug der Maler ic. Bei der Stichwahl am 17. September wurden 725 Zettel abgegeben, davon für Ringel 415, für Kotz 301 und 9 ungültige. Ringel ist somit gewählt. Die Ortsverwaltung. Zum Rohrlcgertarif. Vom Metallarbeiterverband wird uns mitgeteilt, daß Lichtcrfelde und Lankivitz nach der Entscheidung des Einignngsamtes nicht zu den Orten gehören, wo Fahrzeitentschädi- gung zu zahlen ist. Zink-, Zinn- und Bleigießer. Die Werkstelle von E. Stein, Zinkgußwarenfabrik, Alexandrinenstr. 35, ist wegen Differenzen für Gießer gesperrt. Der Vorstand. Deultciies Reich. In der Solinger Stahlwaren-Jndustrie bereitet sich ein Konflikt vor, dessen Tragweite noch nicht zu übersehen ist. Aus Grund von Lohnstreitigkeiten in dem Betriebe von F. W. Rauh reichten die dortigen Arbeiter ihre Kündigungen ein. Das Unternehmertum antwortete mit der Kündigung fast sämtlicher Schlägerei-Arbeiter und Gerätschafts- resp. Werkzeugschlosser. Vis jetzt stehen ungefähr 400 Personen auf der Liste der Auszusperrenden und liegt die Mög- lichkeit nahe, daß immer weitere Kreise in Mitleidenschaft gezogen werden. Bei der Firma Weyersberg, Kirschbaum u. Komp. sind die Arbeiter bereits ausgesperrt. Unter den Gekündigten befinden sich Leute, die 10 bis 20 Jahre in einem Betrieb beschäftigt sind. Die Weltfirma I. A. Henckels, welche in allen größeren Städten Waren-Niederlagen resp. offene Verkaufsstellen für Solinger In- dustrie-Erzeugnisse unterhält, gehört mit zu denen, welche den Ar- beitern kündigte. Der Äanipf scheint unausbleiblich. Die Firma Weyersberg, Kirschbaum u. Komp. hat schon die Schleifer entlassen, welche mit den Lohnstreitigkeitcn doch gar Lichts zu tun hatten. Es steht fest, daß die gesamte Arbeiterschaft Solingens in diesen Kon- slikt wider Willen hineingezogen werden wird, daß vor allem die Schleifer massenhaft arbeitslos werden, wenn der Kampf zum Aus- bruch kommt und länger andauern sollte.— Die Schlägereiarbeiter und Gcrätschaftsschlosser als diejenigen Arbeiter, von denen die Rohproduktion abhängt, werden den Kampf aufnehmen, wenn es nicht anders sein kann. In dieser Situation ist es aber unbedingt notwendig, daß jeder Zuzug nach dem Kreise Solingen ferngehalten wird. Die Klempner und Installateure im Kreise Solingen find in eine Tarifbewegung eingetreten. Einige Bewilligungen sind zwar schon erfolgt, doch scheint es, als ob die Bewegung nicht ohne ernsten Konflikt zu Ende geführt werden kann. Aus diesem Grunde ersucht die Ortsverwaltung Solingen des Deutschen Metallarbeiterverbandes, daß der Zuzug von Klenipnern und Installateuren nach Solingen ferngehalten wird. Ein Böttcherstreik ist in K u l m b a ch ausgebrochen. Die Be- wegnng umfaßt die nicht in den Brauereien beschäftigten Böttcher, die die zehnstündige Arbeitszeit, Festsetzung von Minimallöhncn und entsprechende Bezahlung von Uebcrstnnden' verlangen— Forderungen, die in den Brauereien schon längst durchgeführt sind. Die Unter- nehmer weigern sich aber hartnäckig, nur im geringsten nachzugeben. Die Buchbinder in Erfurt stehen in einer Lohnbewegung. Sie fordern für Gehülfen im ersten Gehülfenjahr einen Minimallohn von 18 M., nachdem 21 M. Für Spezialarbeiter 24 M. Mindest- lohn. Für Kartonnagenarbeiter 18 M., für Zuschneider 21 M. Minimallohn. Für Arbeiterinnen wird ein Lohn von 6 M. steigend bis zu 12 M. verlangt.— Die Arbeitszeit soll 9 Stunden betragen. Für Arbeiter, die den geforderten Lohn schon beziehen, soll eine 10prozentige Lohnerhöhung eintreten. Die in Frage kommenden Prinzipale haben es abgelehnt, mit der von den Arbeitern ge- wählten Kommission zu verhandeln. Es ist daher nicht ausgeschlossen, daß es zu ernsten Konflikten kommt. Ein Teil der Arbeiter legt schon am Montag die Arbeit nieder. An der Bewegung sind zirka 120 Arbeiter und Arbeiterinnen beteiligt, von denen der größte Teil organisiert sind. Zuzug ist streng fernzuhalten. Es wird auch versucht werden, Arbeit in anderen Städten, besonders in Leipzig anfertigen zu lassen. Die dortigen Kollegen sind also gewarnt. Die Buchbinder-Gehülfen in Königsberg sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Sie haben beschlossen, den Arbeit- gebern in dieser Woche Lohnforderungen zu unterbreiten und auf die Antwort bis Sonnabend, den 23. September, zu warten. Ihre Hauptforderungen sind: 1. Ter Minimal-Wochenlohn für Gehülfen im ersten Jahre nach der Lehrzeit soll 17 M., für Gehülfen im zweiten Jahre 19 M. betragen. Die anderen Gehülscn sollen 22 M. Wochenlohn erhalten. Für diejenigen, die diesen oder einen höheren Lohn erreicht haben, soll ein Aufschlag von 10 Proz. in Kraft treten. Uebcrstunden sollen mit 33% und Sonntagsarbcit mit 50 Proz. Aufschlag bezahlt werden. Die Arbeitszeit soll ex- klusive der Pausen eine neunstündige sein. Der Tarif soll auf zwei Jahre abgeschlossen werden. Die Buchbinder sind sehr gut organisiert; nur einige alte Gehülfen stehen dem Ver- bände fern. In dem Streik der Kölner Holzarbeiter haben die organisierten Unternehmer erbeut beschlossen, mit dem deutschen Holzarbeiter- verband nicht zu verhandeln. Sie tun so, als seien sie mit Arbeitswilligen ausreichend versehen. Ihre ganze Hoffnung ist der christliche Streikbrecherverband. Die Unter- nehmer erklärten, um den deutschen Holzarbeiiervcrband zu schwächen, die christlich Organisierten möglichst den Winter durch zu beschäftigen. Alles sind nur Schreckschüsse. In Wirklichkeit wächst die Unzufriedenheit der Arbeitgeber mit dem jetzigen Zustand von Tag zu Tag, weil die Arbeitswilligen durchweg unbrauchbare Menschen sind, die das Material verderben und die Kundschaft, insbesondere die Architekten, empören. Soweit bis jetzt bekannt ist, haben schon fünf Arbeitswillige infolge ihrer Unerfahren- heit sich an den Maschinen Finger abgeschnittea. Unter den Ausständigen herrscht eine unbeschreibliche Erbitterung über die polizeilichen Maßnahmen gegen die Streikposten. 300 Drahtzieher waren in dem Karlswerk der Aktiengesellschaft Fetten u. Guilleaume-Lameher-Werke in Mülheim a. Rhein in den Ausstand getreten. Nach mehrwöchigem Streik, vor etwa acht Tagen, beschloß man, die Arbeit auf Grund der geringen Zu- geständnisse der Direktion wieder aufzunehmen. Diese aber hielt Auswahl unter den wiederantretenden Leuten, so daß etwa ein Drittel auf der Straße bleiben sollte. Deshalb ist der Ausstand jetzt erneut ausgebrochen. Die„ ch r i st l i ch" organi- sierten Metallarbeiter haben nicht nur durch ihr Weiterarbeiten Streikbruch verübt, sondern sie haben Ueberstunden und Nacht- arbeit geleistet, sowie Lehrlinge angelernt, wodurch die Lage der Ausständigen sehr kritisch wurde. Gummidrechslerstreik in Leipzig. Seit fünf Wochen befinden sich in Leipzig über 100 Gummidrechsler im Streik. Die Unternehmer suchen durch Inserate Drechsler, gleichviel welcher Branche, heran- zulocken. Wer darauf hineinfällt, wird bald merken, daß ein Drechsler, der in der Gummibranche nicht bewandert ist, höchstens 8— 12 M. pro Woche verdienen kann, wenn die Unternehmer den Streikbrechern auch Löhne bieten, die höher sind als die Forderungen der Streikenden. Die Streikleitung� warnt die Drechsler aller Branchen, Arbeits- angebote der Leipziger Gummidrechslereien anzunehmen. Der Kampf in der Düsseldorfer Holzindustrie dauert unverändert fort. Die Einigungsverhandlungen sind gescheitert. Zuzug ist nach lvie vor fernzuhalten. Eine Versammlung der streikenden� Holzarbeiter in Fürth i. B. nahm Stellung zu dem mitgeteilten Schiedsspruch des Einigungs- amts. Die Berichterstatter empfahlen Zustimmung, dieser Rat fand aber anfangs stürmischen Widerspruch. Es � wurde erklärt, daß vor allen Dingen auf die 6 Proz. Aufschlag für die Akkord- arbeiter nicht verzichtet werden könne. Schließlich fand sich aber doch eine Majorität für Unterwerfung unter den Schiedsspruch. Die Drohung der Unternehmer, die Betriebe erst am 16. Oktober wieder zu öffnen und alle Zugeständnisse zurückzuziehen, wenn nicht am Montag die Arbeit wieder begonnen werde, wurde sehr kühl auf- genommen. Busland. Bauarbeiter-Aussperrung in Amsterdam. Amsterdam, 16. September.(Eig. Ber.) Ein Konflikt, der wahrscheinlich zu einer allgemeinen Aus- sperrung führen wird, ist in dem Amsterdamschen Baubetrieb aus. gebrochen. Die Aussperrung hat schon angefangen. Heute, Sonnabend, umfaßt sie schon tausend Mann, alles Maurer und Hand- langer. �,... Die Sache ist diese: Vor etwa acht Wochen haben die so- genannten„Heier" gestreikt, um die Pflüge von 5 auf 6 Mann aus- geführt zu kriegen. Die Meister verweigerten selbst jede Unterhand. lung. Nachdem in acht Wochen nicht gehcit war, gelang es einem Unternehmer, eine genügende Zahl Arbeitswilliger zu bekommen, um einen Pflug Leute zu bilden. Dann weigerten sich aber die Maurer und die Handlanger an diesem Bau zu arbeiten. Es gatt hier einem Bau des Unternehmers Schut, einem der Großen von der llntcrnehmerorganisatton, und diese faßte die Sache an. Es stellte sich heraus, daß vor zwei Jahren die Unternehmer einen Vertrag abgeschlossen haben gegen diese sogenannten Solidaritätsstreiks. Wenn bei einem Unternehmer ein solcher Ausstand ausbricht, sind die anderen Unternehmer verpflichtet, ihre Leute abzugeben, und alle diejenigen, welche sich weigern, die Arbeit aufzunehmen, werden ausgesperrt. Auf diese Weise dauert es einige Zeit, bevor me Aus- sperrung allgemein ist. Man kann sagen, daß jede paar Stunden eine Zahl Leute ausgesperrt werden. Bis jetzt fanden sich von allen gesandten Leuten zwei Arbeitswillige, alle anderen— etwa 1000— wurden ausgesperrt._ Die französischen Gießereifabrikanten find mit ihren landS- männischen Streikbrechern wieder nach Rorschach zurückgekehrt und haben den Betrieb wieder eröffnet, was als eine unerhörte Provo- katton der weiterstreikenden Gießer bezeichnet werden muß. Neue Zusammenstöße sind unter diesen Umständen nicht unwahrscheinlich. Ein Teil des Militärs ist wieder entlassen; Streikposten sind wieder aufgestellt. Die Massenhausdurchsuchungen haben aufgehört, aber über 20 Arbeiter sollen verhaftet sein. Die bürgerlichen Partei- Demagogen setzen ihre perfide Hetze gegen die Arbeiter fort. Die Organisationen der dänischen Seeleute und Hafenarbeiter sind bekanntlich nach dem großen Streik vor drei Jahren zugrunde gerichtet worden, was hauptsächlich auf den Einfluß des Direktors Brand von Det forenede Tampskibselstab zurückzuführen war. Nun hat sich dieser despotische Mann Ende vorigen Monats genötigt gesehen, sein Amt niederzulegen, und an seine Stelle ist ein anderer, Admiral Richelieu, getreten. Mit diesem Personenwechsel scheint auch das bisher mit unerbittlicher Strenge durchgeführte Verbot des Koalitionsrechts aufgehoben zu sein, und die Organi- sationen. die bis dahin im geheimen vegetierten, sind wieder m kräftiger Entwickelung begriffen. Die sklavischen Arbeitsverhältnisse und niedrigen Löhne auf den Schiffen und an den Häfen, wie sie der„Russen-Brand" durchgeführt hat, tragen nun wesentttch zu dem schnellen Wachstum der Organisationen bei. Der Fachverern der Feuerleute hat bereits wieder über 800 Mitglieder. Gerickts-Deining. Ein Opfer von Erpressungen auf Grund des Paragraphen 175 will der Kaufmann E m i l C o h n geworden sein, der sich gestern unter der Anklage des wiede�lten Betruges vor der 2. Straf- kammer des Landgerichts I verantworten mußte. Der Angeklagte bestellte sich unter verschiedenen falschen Angaben von größeren Briefmarkenhändlern Posten von wertvollen Briefmarken, die er dann zu Schleuderpreisen in Berlin weiterverkaufte. Es gelang ihm durch ein ziemlich raffiniertes Vorgehen mehrere Händler um ganz bedeutende Beträge zu schädigen. So bestellte er unter falschen Angaben bei einem Briefmarken- Händler in Dessau binnen zwei Monaten Briefmarken, die einen Wert von über 2000 M. repräsentieren. Ebenfalls in Dessau bestellte sich der Angeklagte eine goldene Uhr im Werte von 300 M.. die er bald nach Empfang verkaufte. Vor Gericht war C. geständig und bat um eine milde Strafe, da er das Opfer fortgesetzter Erpressungen geworden sei, bei denen der§ 175 Str.-G.-B. eine gewisse Rolle spielte. Er habe einen gewissen„Fleisch- Hauer" kennen gelernt, der später fortgesetzt Erpressungsversuche unter- nommen habe. Da er selbst nicht genügend Mittel besitzt, um die Forderungen des Erpressers zu erfüllen, habe er sich verleiten lassen, die nunmehr zur Anklage stehenden Straftaten zu verüben.— Die nach dieser Richtung hin angestellten Ermittelungen sind indessen resultatlos geblieben. Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht auf die Vorstrafen des Angeklagten und den hohen Wert der er- schwindelten Objekte l3/4 Jahre Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte auf ein Jahr drei Monate Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust. Unverhofftes Glück infolge einer vom Staatsanwalt ein- gelegten Berufung hatte der Chauffeur Max S ch m i d t, der gestern vor der achten Strafkammer des Landgerichts I stand. Er war be- schuldigt, mit seinem Kraftwagen am 15. März übermäßig schnell über den Potsdamer Platz gefahren zu sein. DaS Schöffengericht hatte ihn wegen Uebertretung des§ 3662 Str.-G.-B. in Verbindung mit der Polizcivcrordnung vom 15. April 1901 zu 80 Mark Geld- strafe cvent. 14 Tagen Haft verurteilt. Der Angeklagte war gewillt, die Strafe zu bezahlen, als zu seinem Glück der Staatsanwalt Berufung einlegte mit der ausgesprochenen Tendenz, daß an Stelle der Geldstrafe die Hastftrafe fest- gefeßt werde. Eine solche erschien dem Staatsanwalt geboten, da ein großer Erdstoß statt, dabei stürzte ein Berg in das Tal hinab. die üble Angewohnheit der Kraftwagenführer, mit ihren Wagen die Mehrere Gebäude wurden zerstört. In Fambrone, Bezirk Monteöffentliche Straße in schnellster Gangart zu befahren, immer mehr leone, wurde ein Bauer, der vor neun Tagen verschüttet wurde, zunehme. Die Handhabe zur Berufung bot die Tatsache, daß das noch lebend ans Tageslicht befördert. In Stromboli dauert der Schöffengericht irrtümlich auf 80 Mart Geldstrafe erkannt hatte, Ausbruch fort. während für die Uebertretung des§ 3662 im Strafgesetzbuch nur eine Strafe bis zu 60 Mark eventuell vierzehn Tagen Haft Eisenbahnverkehr bei Calatayud( Provinz Barogoza) unterbrochen im juristischen Teil erledigt. Ueberschwemmungen haben, wie aus Madrid gemeldet wird, den angedroht ist. Der Staatsanwalt beantragte nur, das erste Urteil insoweit abzuändern, daß an und die Zentrallinie an mehreren Punkten von dem Verkehr abStelle der Geldstrafe die Haftstrafe gesetzt werde. Rechtsanwalt Dr. Schwindt geschnitten. Die Ebene bei Murcia steht unter Wasser; der Schaden widersprach dieser Beschränkung, indem er ausführte, daß eine ist bedeutend. vom Staatsanwalt ganz allgemein eingelegte Berufung gleichzeitig auch dem Angefagten zugute kommen müsse, so daß dieser eine erneute Feststellung des Tatbestandes in zweiter Instanz beanspruchen könne. Der Gerichtshof trat denn auch noch einmal in die Beweisaufnahme ein. In dieser wurde durch die vom Verteidiger geLadenen Zeugen festgestellt, daß der Angeklagte garnicht in übermäßiger Geschwindigkeit gefahren war, daß diese unter 10 Kilometer pro Stunde betrug und der Angeklagte auch angehalten hatte, als eine Abteilung von Kindern, die durch ihn gefährdet sein sollte, über den Platz ging. Bei dieser Sachlage sprach das Gericht den Angeklagten unter Aufhebung des ersten Urteils überhaupt frei. Vermischtes. Eingegangene Druckschriften. politit und Gemeindesozialismus. Herausgeber Dr. Albert " Kommunale Praxis", Wochenschrift für KommunalSüdekum. Die soeben erschienene Nr. 24 der Kommunalen Braris" bespricht die Verhandlung der Berliner Stadtverordnetenversammlung gegen die Fleischnot. Ferner enthält die Zeitschrift Nachrichten über Schlachthäuser usw. Der reichhaltige Nachrichtenteil der Wochenschrift, in dem wertvolle Mitteilungen aus allen Teilen des Reiches enthalten sind, wird unseren Gemeindevertretern und allen, die sich für Gemeindepolitik interessieren, biele Anregung bieten. Die Kommunale Bragis" erscheint jeden Montag. Probenummern sind kostenlos vom Verlage Berlin W. 15 zu beziehen. Die letzten Nachrichten des Bundes". Nummern 246, 247, 248. Genève, 81 rue du Carouge.„ Die letzten Ereignisse in Rußland". Nr. 18, daselbst. Dr. A. Hauff: Die Wehrsteuer. 65 Seiten. Preis 1 M. Verlag F. Luckhardt, Berlin W. 9. Dr. H. Herkner: Die Arbeiterfrage. Vierte erweiterte und um gearbeitete Auflage. 642 Seiten. Preis broschiert 9,50 M., geb. 11 M. Berlag J. Guttentag, Berlin W. 35. Hancock, Dichin- Dschitsu, die Quelle japanischer Kraft. Methodische Körperstählung und athletische Kunstgriffe der Japaner. Verlag von Julius Hoffmann, Stuttgart. Preis broschiert 5 M., geb. 6 M. Jahrbuch der Wohnungsreform im Jahre 1904. 2. Jahrg. Heraus. gegeben vom deutschen Berein für Wohnungsreform.( Göttingen, Bandenhoed u. Ruprecht.) Neue Fälle von Cholera sind gestern im Osten festgestellt worden. Bei dem in der Cholerabaracke des Johanniter- Krankenhauses zu Dirschau verstorbenen wohnungslosen Buchbinder Theodor Körner ist Cholera bakteriologisch festgestellt worden. Als choleraverdächtig wurde ein Deicharbeiter aus Gr. Montau, der zugestandenermaßen Weichselwasser getrunken hatte, in die Isolierbaracke des JohanniterKrankenhauses eingeliefert. Bei einer in der Cholerabaracke befindlichen Schiffersfrau und deren zwei Jahre alten Tochter sind Cholerafeime festgestellt worden. Beide bleiben daher in der Baracke. In Adolfsdorf, Kreis Wirsiz, ist ein Arbeiter nebst zwei Söhnen, in Pakosch eine Witwe und in Filehne ein Besizer aus Neuhöfen Protokoll der 6. ordentl. Generalversammlung des Deutschen Werft erkrankt. In Obornik ist ein Arbeiter gestorben, bei dem arbeiter- Verbandes, abgehalten vom 11. bis 15. Juni 1905 in Stiel. 117 Seiten. Verlag: Deutscher Werftarbeiter- Verband, Bremerhaven. amtlich Cholera festgestellt wurde. Der Landrat warnt vor Hillgers illustrierte Boltsbücher. Bd. 35. Inhalt: Bienenleben und dem Gebrauch des Warthewassers. Infolge der Cholera- Bienenzucht von D. Meze. 103 Seiten. Preis: 30 Pf. Verlag: H. Hillger, Ansteckungsgefahr sind auf behördliche Anordnung die sämt- Berlin- Leipzig. lichen Gefängnisse im Bezirke des Oberlandesgerichts Posen Fata morgana. Gegenwart und Zukunft der österreichisch- ungarischen auf die Dauer von einem Monat gesperrt worden. Verurteilte, Monarchie. Reiseeindrücke. 42 Seiten. Preis: 1 M. Verlag: H. Walther, die sich auf freiem Fuß befinden, werden daher zurzeit nicht Berlin, Kommandantenstr. 14. in die Gefängnisse aufgenommen. Der Arbeiter Alloys Formansty aus Weidenhof, der auf eigenen Antrag am Sonnabend wegen Choleraverdacht Aufnahme in dem Breslauer Wenzel Hanteschen Krankenhause gefunden hat, ist in vorletzter Nacht, wie bakteriologisch festgestellt, an asiatischer Cholera verstorben. Es wird noch aus Marienwerder telegraphiert: Der am 5. d. M. an Cholera erkrankte Fährmann in Kurzebrad ist gestern gestorben. Eine choleraverdächtige Neuerkrankung wird aus Stieg, Kreis Flatow, berichtet. Die erkrankte Person wohnte in einem Hause, in dem bereits Choleraerkrankungen vorgekommen waren. Das Auftreten der Cholera in Stieß ist auf den Genuß von Nezzewasser zurückzuführen. Der Typhus in Posen nimmt, wie von dort gemeldet wird, weiter stetig zu. In letzter Woche wurden amtlich 10 Fälle neu gemeldet. Insgesamt sind bisher 314 Erkrankungen und 26 Todesfälle borgekommen. Schiffsunglück. Der große englische Dampfer" Dnega" ist, wie aus Swinemünde berichtet wird, gestern im Femarnbelt gestrandet; er fam von Petersburg mit einer vollen Ladung Getreide und war nach Rotterdam bestimmt. Den Abschleppungsversuchen des deutschen Dampfers Teutonia" aus Stettin und eines dänischen Bergungsdampfers ist es bis jetzt nicht gelungen, den Dampfer abzuschleppen. " Das Erdbeben in Süditalien. Infolge eines sehr starken Erdstoßes stürzten, wie aus Cosenza gemeldet wird, gestern morgen mehrere Häuser in Scigliano, Rose, Ajillo, Rogliano, Bifignano, Fiumefreddo ein; es ist jedoch niemand verlegt worden. In San Pietro ereignete sich ein Erdstoß während des Besuches des Ministers Ferraris. Die erschreckte Bevölkerung floh.— In Martirano fand Gesuch ist der Sachverhalt darzulegen, Ihre Grande und Ihre Bewels. G. F. 1890. Ja. E. V. 85. Nein. mittel find anzuführen. A. O. 05. Lobhudelei macht frank, gerechter Tadel ist Arzenei. H. M. Vielleicht finden Sie einen Hinweis auf das Gewünschte unter Batent, Patentverwertung 2c. im Berliner Adreßbuch, II. Band, Teil 4, Seite 235. F. B. 238. Sie besorgen das Ein- und Ausladen sowie das funstgerechte Verstauen der Waren im Schiffsraum. Schauerleute, weil die Handelsgüter in" Schauern" aufbewahrt werden. Krähe. 1. Bird 2. Fragen Sie im Schulschiffberein in Bremen nach. Hamburger Adressen fehlen. 5. M. 31. Benußen Sie eine Ihnen passende Adresse: Berliner Adreßbuch, II. Band, 4. Teil, Seite 236. Auskunft vielleicht auch im Münzkabinett des Alten Museums. Schafskopf. Spielfragen bleiben ohne Beantwortung. Braun schweig, G. E. 1. Sie erhalten 2 Exemplare per Kreuzband. Entscheiden Sie sich selbst. 2. Ziehen Sie darüber bei Ihrer besten BuchNein, aber baftardartige Wesen; jedenfalls Mißgeburten. handlung am Orte Erkundigung ein. Wir möchten das nicht verantworten. A. D. 50. Die Adressen solcher Institute befizen wir nicht.- Nitschke. C. R. 91. Uns unbekannt; ersuchen Sie das preußische Kriegsministerium hier, Ecke Leipziger- und Wilhelmstraße, um Auskunft. Elba. 1. Antiquitätenbezw. Kuriositätenhändler fragen. 2. Auskunft etwa durch die Verwaltung des zoologischen Museums in der hiesigen Universität. 6. A. 73. Durch das Sekretariat der Gewerkschaften hier, Engel- Ufer 15, parterre. . S. 106. 1. Züchtig austlopfen. 2. Droguisten um Rat ersuchen. Ziegler, O. S. Schötmar( Schötmar), Lippe. Preis 4 M. Hugo Hipler's Berlag. Jm übrigen fragen Sie selbst an. F. K. 51. Am besten orientiert ist darüber wohl Herr Kisat Tamai aus Japan, Berlin, Kleinbeerenstraße 9. Latein. 99. Ist Sache und Geheiranis des Arztes. Wir mengen uns nicht ein. Sch. A. Nein. A. M. 10. Auskunft durch ein größeres Antiquitäten bezw. Kuriositäten- Geschäft. Versuchen Sie Ihr Heil auch bei einem tüchtigen Uhrmacher." Gebhardt. Trotz aller Mühe nicht auffindbar. Leider können wir daher Ihrem Wunsche nicht nachkommen. Zolchow. Durch das Sekretariat der Gewerkschaften hier, Engel- Ufer 15, part. Pant ftraße 42. Beides falsch. Nichtige Bedeutung: anrufen". Also nur feine überflüssigen Wetten! 5. M. 129. Nachforschen in einem Bureau der Kanalisationswerke und Rieselfelder, Neue Friedrichstr. 9/10, II. u. III. Etage. Fragen Sie nach der Verwaltung der Bumpstationen". S. St. Nein. V. V. Ja.-" Debatte". Ein Tropf, wer zwedklos streitet. " Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen- Direktion. Rindfleisch Ia 62-69 pr. 100 Pfund, IIa 56-60, IIIa 50-56, IVa 40-48. Stalbfleisch Ia 84-90, IIa 72-84, IIIa 60-70. Hammelfleisch Ia 68-75, IIa 58-66. Schweinefleisch 65-72. Kaninchen Stüd 60-90 Pf. Rotwild, Pfund 45-55 Pf. Rebhühner, junge 0,80-1,05, alte 0,65-0,75; Hübner, alte 1,20-2,00, junge 0,60-1,20 das Stüd. Gänse, junge 0,50-0,58 das Pfund. Hechte 100-108 m. pr. 100 Pfund, Schleie 115-140, Aale 91, Karpfen 83, Lachs 120-139, Schellfische 18, Flunder 30-36, schottische Bollheringe( gesalzen) 40-44. Strebse, unfort., Schod 0,00-0,00. Gier, Schod 3-3,20. Butter, pr. 100 Pfund Ia 120-124, IIa 115-120, IIIa 110-115, abfallende 100-108. Startoffeln, pr. 100 Pfd. rote 1,75-2,00, Rofen 1,50-1,75, blaue 2,00-2,25, runde weiße 1,75-2,00. Rotkohl, Schock 3,00-6,00, olländer 7,00-8,00, Weißkohl 2,00-5,00, Wirsingkohl 2,00-5,00; neue faure Gurken, Schod 2,-. Erster Jahresbericht des Arbeitersekretariats Effen a. d. N. nebst Berichten des Gewerkschaftskartells Essen für das Jahr 1904. 133 Seiten. Selbstverlag. Brosch. 5 M., geb. 6 M. C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung in München. Dr. M. Kronenberg. Ethische Präludien. 322 Seiten. Preis: Das Auge und seine naturgemäße Pflege. Von Sanitätsvat Witterungsübersicht vom 19. September 1905, morgens 8 thr Dr. Bilfinger. 2. Aufl. 60 Pf. Berlag von Edmund Demme, Leipzig. Briefkaften der Redaktion. Die furistische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabend tan bo7 8 9 lbr statt. Geöffnet: abends 7 Uhr. Stationen Barometer Better Stationen 2wolfen! 4 heiter 11 Haparanda 768 N 10 Petersburg 767 NND 10 Scilly 12 Aberdeen 8 Paris 9 763 NW Better 5°. 4°. 15123 2 heiter 1wolfen! 4 bedeckt 14 760 SSD 759, N 3bedeckt 1 bedeckt 3 wolfen! 2 heiter 761 D 5halb bd. 766 SD 4 woltenl Wetter- Prognose für Mittwoch, den 20. September 1905. Zunächst etwas wärmer bei ziemlich lebhaften füdlichen Winden und zunehmender Bewölkung; nachher leichter Regen. Berliner Betterbureau. F. M. 26. 1. Antworten und zahlen Sie nicht, warten Sie Klage Swinemde. 768 GD ab. 2. Notarieller oder gerichtlicher Bertrag ist wünschenswert: Schein Hamburg 764D Berlin 766 SD verträge sind trotz der gewählten Form ungültig. 3. Wenden Sie sich an 11. 77. Nach Frankj.a.M. 761 D die Offenbacher Strankenkasse( Hinge, Brinzenftr. 66). herrschender Ansicht: nein. Zweitschuldner. Sämtliche Angeflagten München Wien haften in Ihrem Fall solidarisch für die Auslagen. Sie müssen also zahlen. Martha 73. Ja, jedoch fönnen Sie( beim Amtsgericht) auf Freigabe .D. 8. 10. 85. der unpfändbaren Gegenstände lagen. 1000. Ja. Sie müssen die Einwilligung der Militärbehörde einholen. Voraussichtlich E. P. 26. An wird die Genehmigung( fog. Auslandsurlaub) erteilt. den Magiftrat Abteilung für Invalidenversicherung, Köllnischer Bart. P. N. 120. Mittags. A. W., Manteuffelstraße. Ja. G. 8. 1. Durch Verzug erlöschen Verpflichtungen keineswegs. 2. Ja, Wafferstand am 18. September. Ibe bei Auffig 0,09 Meter, bei - 1,47 Meter, bei Magdeburg+ 1,10 Meter. Unstrut bei sofern nicht ein Scheingeschäft vorliegt. Genehmigung des Vaters ist er- Dresden forderlich. Meter. C. E. K. Können Sie ein Verschulden nachweisen, so können Straußfurt Dder bei Ratibor+0,88 Meter, bei Sie Schadenersatz beanspruchen. Zum Abzug vom Gehalt find Sie nicht Breslau Oberpegel+ 4,32 Meter, bei Breslau Unterpegel+1,76 Meter, berechtigt. G. H. 3. Sie haben an das Landgericht den Antrag auf bei Frankfurt+1,20 Meter. 28eichsel bei Brahemünde Bewilligung des Armenrechts zu stellen. Beizufügen ist das Attest über die+ 2,67 Meter. War the bei Posen+ Meter. Nete bei Usch Bermögenslosigkeit und das über die Fruchtlosigkeit der Sühne. In dem+0,91 Meter. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Vereinigung der Maler, ( Zahlstelle Berlin.) Mittwoch, den 20. September, abends 8%, Uhr: Vertrauensmänner Versammlung für sämtliche Branchen und Bezirke bei Keller, Koppenstraße 29. Tages Drdnung: 1. Die Bedeutung der Tarifverträge für die Gewerkschaften." Referent: Th. Glocke. 2. Bericht über Streit und Differenzen. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. 93/ 1* Mitgliedsbuch und Vertrauensmännerfarte legitimiert. Die Ortsverwaltung. Achtung Bautischler- Kommission! Achtung! Donnerstag, den 21. d. M., abends 812 Uhr: Sitzung bei Walter, Adalbertstraße 62. Alle neugewählten Mitglieder haben zu dieser Sigung zu erscheinen. J. A.: Karl Reiche. Lackierer, Anstreicher. Filiale Berlin. Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 36. Telephon: Amt IV, 9720. Donnerstag, den 21. September 1905, abends 8 Uhr: Mitglieder- Versammlung in Kellers Festsälen, Koppenstraße Nr. 29. Tagesordnung: Beratung und Beschlußfassung über den einzureichenden Lohntarif. Kollegen! Da in dieser Versammlung wichtige Beschlüsse für unsere ferneren Lohnverhältnisse zu faffen find, so erwarten wir, daß sämtliche Mitglieder die Versammlung besuchen. 125/13 Die Ortsverwaltung. Verband der haugewerblichen Hülfsarbeiter Deutscher Buchbinder- Verband Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Arbeiter der Firma Bäsell! Träger, Einschalér u. Hülfsarbeiter! Mittwoch, den 20. September, abends 8 Uhr, in den Industrie. Festsälen, Beuthstr. 19/20: Firmen- Besprechung. ( Zahlstelle Berlin). Morgen Donnerstag, den 21. September 1905, abends präzise 8 Uhr = Außerordentliche General- Versammlung= = im Etablissement" Buggenhagen", am Morikplatz. Tagesordnung: 1. Abrechnung von der Dampfer Fahrt und vom Sommerfest( guter Zur Verhandlung steht: 1. Die Erfolge der Kollegen von der 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Firma H. Raebel und welche Forderungen gedenken wir zu stellen? Montag). 2. Beratung des neuen Ortestatuts. Bir richten an alle Mitglieder das dringende Ersuchen in dieser Bersammlung recht zahlreich und 2. Interne Besprechung unserer Arbeitsverhältnisse. Kollegen! Erscheint alle in dieser Versammlung. 43/ 17* pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortsverwaltung. Der Zweigvereins- Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verband der freien Gast- und Schankwirte Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV, 3353. Donnerstag, den 21. September, abends 8% Uhr: Schankwirte Deutschlands.( Ortsverwaltung Berlin.) Freitag, den 22. September 1905, nachmittags 52 Uhr, beim Kollegen Balduin Franke, Sebastianstraße 39 25/1 Invaliden- Unterstützungskasse d. Steindrucker u. Lithographen. am Die Beerdigung des 18. September verstorbenen Steindruckers Branchen- Verfammlung Außerordentliche General- Versammlung Karl Stäbler der Elektromonteure im Gewerkschaftshause, Engel- fer 15, Saal 1. Tagesordnung: 1. Ergänzungswahl des Hauptvorstandes und der Preßkommission. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Link über:" Das 2. Bortrag des Kollegen Wernau: Ueber Strafbestimmungen der Unfall- Gesetz und seine Verhütungs- Vorschriften". 2. Diskussion. Aichungs- und Prüfungsordnung.- 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Berbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes.. 123/12 4. Verbandsangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 70/2 Die Bibiothek ist eröffnet. Aufnahme neuer Mitglieder. 4 Die Ortsverwaltung. Der Vorstand. J. A.: Ernst Db st. findet bon des am Donnerstag, den 21. Sept., nachmittags 42 Uhr, der Leichenhalle St. Georgen- Kirchhofes, Landsberger Allee, aus statt. 1818b Das Komitee. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Todes- Anzeige. Am 17. d. M. verstarb unser Mitglied, der Former 249/15 Wilhelm Lange, Stielerstr. 1. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Don nerstag, den 21. d. M., nach mittags 4 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Gnaden- Kirchhofe, Barfusstraße, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband T Verwaltungsstelle Berlin. Todes Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unfer Mitglied, der Former Wilhelm Lange am 18. September geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Bohnung Kielerstraße 1 nach dem Gnaden Kirchhof, Barfußstraße, aus statt. Nege Beteiligung erwartet 123/13 Die Ortsverwaltung. Die Kollegen der Firma Borfig treffen sich am Donnerstag nachmittag 3 Uhr im Restaurant von Kulte, Bohenstr. 40. Deutsch. Senefelder- Bund Verband der Lithographen u. Steindrucker. Todes- Anzeige. Am 18. September cr. berstarb unser Kollege, der Steindrucker Karl Stäbler am im Alter von 66 Jahren. 295/2 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 21. September, nachmittags 42 Uhr, von der Leichenhalle des Georgen- Kirchhojes, Landsberger Allee, aus statt. Die Verwaltung der Filiale I. Möbel- Halle Harry Goldschmidt Moritzplatz 59. Nicht zu vergleichen mit Abzahlungs- Geschäften welche auch Konfektion führen. Extra- Abteilung verliehen gewesener Möbel wöchentliche oder monatliche Teilzahlung gestattet! Jeder Käufer erhält nach Vorzeigung dieser Annonce sofort ein Geschenk! Als ein durch taufende von Dankesfchreiben anerkanntes Mittel gegen Magenleiden aller empfehlen wir den echten Art Indischen Kräuter- Magen- Likör. Allein zu beziehen: 34/ 17* Gebr. 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Von den Restaurateuren natürlich, nicht etwa von den Gästen! Man beruft sich hierfür auf Süddeutschland, wo jedermann sein zu den Speisen verzehrtes Brot bezahlen müsse. Die unbeschränkte Verbrauchsfreiheit, die man bei uns in Norddcutschland den Gästen für das Brot gewähre, werde von manchem allzu unbescheidenen Gast zum Schaden des Wirtes ausgenutzt. Ob der Plan diesmal verwirklicht werden wird? In der ersten Hälfte der neunziger Jahre war es die B r o t t e u e- r u n g. die den Restaurateuren denselben„Notschrei" abnötigte und ihnen die Abschaffung des Gratisbrotes nahelegte. Heute wollen sie die Mehrausgaben, die ihnen die Fleisch- teuerung verursacht, durch dieses Zwangsmittel zum TeU wieder hereinbringen. Damals wurde, soviel wir uns erinnern. von dem in Gastwirtskreisen sehr einflußreichen Inhaber der später eingegangenen Akademischen Bierhallen, dem inzwischen verstorbenen Theodor Müller vor diesem Schritt gewarnt. Er selber müsse alljährlich eine gc- waltige Summe für Brot ausgeben, aber noch nie sei es ihm eingefallen, seinen Gästen deshalb den Brotkorb höher zu hängen. Der Appetit der Gäste sei mal geringer und mal starker, und auch die Portion falle mal reichlicher und mal knapper aus. Schon deshalb dürfe man das Gratisbrot, das dann eine Art Ausgleich schaffe, dem Hungrigen nicht an- rechnen. Für die Wirtschaften, die von der Arbeiterbevölkerung besucht werden, scheint es uns nicht recht denkbar, daß mau auch hier das Gratisbrot wird abschaffen wollen. Wo für 40 ober M Pfennig zu Mittag gegessen wird, da würde eine Extragebuhr für Brot doch in zu argem MijjvcrhöltniS zum Gesamtpms des Mahles stehen. Oder wollen die Wirte mit der hierorts üblichen Unsitte der Abruudung auf volle Sechser brechen? Wollen sie nach süddeutscher Art wenigstens den Preis des Zubrots in Pfennigen berechnen? Uebrigens ist es in unseren billigeren Restaurationen längst fast überall üblich, jedem Gaste sein Stück Brot oder seine Schrippe zuzuteilen, so daß von Mißbrauch der Brotfreiheit hier nicht die Rede sein kann. Das erneute Auftauchen dieser Brotfrage beweist aufs neue die alte Wahrheit, daß es zunächst immer der Kon- s u m e n t ist, dem man bei irgendwelcher Steigerung der Un- kosten die Mehrbelastung aufzupackeu sucht. In der Praxis macht sich freilich die Sache nicht ganz so leicht, wie es aussieht. Die Verteueruugsivelle darf, wenn sie beim Konsumenten ankommt, nicht gar zu kräftig sein, sonst kann sie umkehrend leicht bis zu ihrem Ausgangspunkt zurückweichen. Will sagen: wenu's dem Konsumenten zu happig wird, muß er den Verbrauch einschränken, und der aus der Preiserhöhung erhoffte Gewinn bleibt aus. Bon der Heilsarmee handelt eine Broschüre, die von Herrn R. Neitzke verfaßt und vom Borstande des Vereins ehemaliger Heilsarmee-Offiziere heraus- gegeben worden ist. Eine Schrift von Leuten, die ihrer Organi» sation den Rücken gekehrt haben, ist gewiß unter allen Umständen «nt Vorsicht zu genießen und ihre Scntiments dürfen nicht immer als bare Münze hingenommen werden. Wir würden unbeschadet unserer Stellung zur Heilsarmee die neue Broschüre kaum beachten, wenn sie nur dem Gefühl des Mißvergnügens derer, die nicht mehr in dem religiösen Reklame-Fnstitut mitmachen wollen, einen, wenn auch noch so beredten Ausdruck gäbe. Aber in de»„Enthüllungen", wie das für zehn Pfennig käufliche Heft sich nennt, sind auch eine Reihe Tatsachen mitgeteilt, welche der Heilsarmee wahrlich nicht förderlich sind. Eine Praktik, deren sich die schlimmsten Unternehmer schämen, übt die Heilsarmee dadurch, daß sie ihre Angestellten nicht zur Krankenversicherung usw. anmeldet: „Durch den famosen Paragraphen, der besagt, daß dem Offizier kein Gehalt garantiert ist, hat sich die englische Heilsarmee auch um die durch Rcichsgesetz geschaffene Verpflichtung der Alters- und Invaliden- sowie jbran.'cnversicherung ihrer Auge- stellten herumzudrücken verstanden. Jeder nur ein wenig human und sozial Denkende ist froh, daß sein Personal durch diese Wohl- sahrtScinrichtungen eintretendenfalls vor der schlimmsten Not be- wahrt wird. Die religiöse und sozial« Heilsarmee verweigert den Ihrigen auch diese geringe Wohltat. Die Heilsarmee-Offiziere sind weder in der Invalidenversicherung noch in einer Krankenkasse. Wenn einmal ein hoher Offizier gesagt hat, es ist noch kein Heils- armceofsizier im Armenhause gestorben, so findet das darin seine Erklärung, daß eben die meisten Offiziere gar nicht so lange in der Heilsarmee bleiben, sondern beizeiten ihre Entlassung nehmen oder gezwungen werden, sie zu nehmen." Weiter bemängelt der Verfasser, daß die Heilsarmee nicht den Gesetzen über die Sonntagsruhe unterstellt ist und an Sonntagen unbehelligt ihr Blatt vertreiben lassen darf. Auch die„Sozial- Arbeit" der Heilsarmee wird heftig getadelt; dem Logierhaus wie dem Wöchnerinncnheim wird unbillige Ausnutzung auch der bittersten Armut vorgeworfen. Heber die Samariterposten berichtet der Ver- einsvorstand ferner: „Ein weiterer Zweig der«Sozial"arb«it der Heilsarmee sind die Samariterposten. Nach Angabe dr Heilsarmec gehen diese Samariterschwcftern unentgeltlich arme Kranke pflegen, in ver- wahrlosten Wohnungen scheuern und säubern, und was dergleichen edle Dinge mehr sind. Kranke sind ja immer arm. bedauerns- wert, aber nicht immer unbemittelt. Darüber ist nun die Heils- armee sehr froh und sie schickt daher ihre Schwestern fast aus- nahmslos nur zu Kranken, die zahlungsfähig sind. Bevor eine Schtvester geschickt wird, erkundigt man sich vorsichtigerwcise, ob und wieviel dafür bezahlt wird. Wünschen Unbemittelte eine Schwester, dann sind die lieben Seelen fast immer beschäftigt. Kostenlose Pflege gehört zu den Ausnahmen. Außerdem sind die sogenannten Samariterschwcstern in der Krankenpflege gänzlich Laien und in schwierigen Fällen ftir den Arzt ein ganz unbrauch- bares Material. In keiner Weife können sie sich mit der Opfer- freudigkeit und Tüchtigkeit der evangelischen Gemeindeschwestern messen. Ueber die Armenbcsuche wurde mir ein artiges Stücklcin mitgeteilt, das ich als charakteristisch für die Reklamearbeit der Heilsarmee nicht unterlassen möchte, mitzuteilen. Eine vornetzzue Dame wünschte die sozialen Einrichtungen in Berlin zu besichtigen, Da man den Einfluß einer neunzackigen Krone auf dem Hauptquartier genügend zu schätzen weiß, so wurde alles aufgeboten/ um Eindruck zu machen. Böse daran Ivarcn die armen Samariter- schwestern, welche der„Frau Gräfin" die sogen. Schlammarbeit ack oculos demonstrieren sollten. In ihrer Not wandten sie sich m«wen Kapitän, ob er nicht bei seinen Hausbesuchen eine recht verwahrlost aussehende Wohnung«»getroffen hätte. Der gute Kapitän erinnerte sich eines Heilssoldaten, bei dem es gewöhnlich ziemlich bunt aussah; man ging zu dem Manne, sagte ihm, daß er am nächsten Tage besucht werden würde, er aber alle Dinge, die verraten könnten, daß er Heilssoldat sei, wegschließen müßte. Der Alte versprach es, man notierte die Adresse und am nächsten Tage nahm man das Lob entgegen, daß die lieben Schwestern sich so liebevoll der Alten und Verlassenen annehmen," Dies sind nur wenige Mitteilungen aus der recht reichhaltigen Materialsammlung. Selbst wenn manches nicht unbesehens hinge- nommen werden dürfte, so reichen die nicht gut zu bestreitenden Tat- fachen schon hin, um das Publikum zur Vorsicht zu veranlassen. All- zuviel Sbmpathien bringt man der Heilsarmee hierzulande ja selbst in religiösen Kreisen nicht entgegen, eben weil die Verquickung von Religion und Reklame deutschen Volksanschauungen durchaus wider- würtig ist._ Heimstätte für weibliche Genesende. Der Ausschuß zur Beratung der Vorlage betreffend den Bau einer Heimstätte für weibliche Genesende zu 75 Betten in Blanken- burg-Upstall trat gestern unter dem Vorsitz des Stadtverordneten- Vorstehers Dr. Langerhans zu einer Sitzung zusammen. Von der sozialdemokratischen Fraktion gehören dem Ausschusse an die Genossen Ramlow und Dr. Wehl. Die Notwendigkeit, eine zweite Heimstätte für weibliche Genesende zu errichten, war bereits in der Vorlage des Magistrats zahlenmäßig nachgewiesen worden. Wiederholt war auch von unsere» Genossen bei den Etatsberatungeu und in der Presse auf die Unzulänglichkeit der bestehenden Einrichtungen aufmerksam gemacht worden Auch in der Ausschußsitzung wurde festgestellt, daß seit dem t. August 1889, also seit 16 Jahren, keine Vermehrung der Bcttenzahl für weibliche Genesende erfolgt ist. Auch heute noch können in der alten Heimstätte zu Blankenburg nur 70 Kranke verpflegt werden, von denen noch 16 in einer Dvckerschen Baracke sich aufhalten müssen. Die Heimstätte ist längst an der Grenze der Bclegungsfähigkeit angelangt, ivenn man bedenkt, daß 1898/99 noch 41 Proz. der Pfleglinge, 1968/94 und 1994/95 nur noch L6 Proz. bezw. 22 Proz. innerhalb einer Woche aufgenommen werden konnten. Die Wartezeit betrug 1898/99 23, 1904/95 56 Tage. Unsere Genossen wiesen in der Ausschußsitzung mit aller Entschieden- heit darauf hin. daß, wenn die Genesungsheime ihren Zweck voll erfüllen sollen, wir es zu ermöglichen versuchen müssen, den Genesungsuchenden schleunige Aufnahme zu gewähren. ES kann nicht wundernehmen, daß bei der spieß- bürgerlichen und philisterhaften Vcrsiändnislosigkeit mancher Freisinnsgrößen für große soziale Probleme bei der Ausschuß- beratung die Frage eine lebhaste Erörterung fand, ob die Stadt überhaupt gesetzlich verpflichtet sei, Heimstätten zu bauen. Dem- gegenüber konnten unsere Genossen a» der Hand eines einwand- freien Zahlenmaterials den Nachweis führen, daß gegenwärtig die Heimstätten eine Entlastung der Krankenhäuser darstellen, so daß, wenn wir keine Heimstätten hätten, der Mangel an Krankenhausbetten noch mehr in die Erscheinung treten würde. Abgesehen davon aber muß eine Stadt wie Berlin ihren Stolz nicht nur darin sehen, gerade ihre gesetzlichen Ver- pflichtmigen zu erfüllen, zu denen sie der Polizeibüttcl zwingen kann, sie muß auch ein gewisses soziales Pflicht- und Verantwortlichkeits- gefühl betätigen, wenn sie sich nicht dem berechtigten Vorwurf aus- setzen will, in der Erfüllung sozialpolitischer Aufgaben weit hinter kleineren Städten zurückzustehen. Die Borlage des Magistrats wurde denn auch angenonimen, und zwar mit folgendem Zusatz- antrage:„Tre Stadtverordneten- Versammlung ersucht den Magistrat, mit ihr in gemischter Deputation eine Revision der Leitsätze und Grundsätze für dre Aufnahme in die Heimstätten vorzunehmen." Dieser Antrag konnte auch die Zustimmung unserer Freunde finden, weil nrsprünglich die Heimstätten für Genesende nur Ausiiahme gewähren sollen G e- nesenden, Rekonvaleszenten, das sind Kranke, die von einer längeren oder kürzeren Krankheit schon in der Genesung begriffen sind, denen aber noch ein Aufenthalt im Freien mit zweckmäßiger Verpflegung not tut, um völlig gesund zu werden, oder wenigstens ihre Erwerbsfähigkeit zu erlangen. Moderne Auffassungen einer vorgeschrittenen sozial-hygienischcn Krankenbehaiidlung können aber eine so enge Auffassung nicht gutheißen; in die Heinistätten gehören aucki solche Kranke, die nicht eigentlich als Rekonvaleszenten gelten, sondern geschwächte Personen, wie Blutarme, Magenleidende:c., die aus- gebeutet sind durch dcnFrondienst der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Sie sind vielfach noch nicht arbeitsunfähig; zur Verhütung schwererer Erkrankung bedürfen sie längere oder kürzere Zeit der Kur in einer Heimstätte. Hier gilt der Satz: Vorbeugen ist mehr wert als heilen. ES wird die Aufgabe unserer Genossen sein, in der gemischten Deputation nach diesen Gesichtspunkten eine Neuordnung der Aufnahmebedingungen durchzusetzen. „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr", meint ein bekanntes Scherzwort. Die Hausbesitzer dürfen sich rühmen, daß sie allezeit nach diesem Grundsatz gehandelt haben. Wie sie ihn ihren Mietern gegenüber befolgen, das brauchen wir nicht erst zu schildern. Aber auch den Stadtsäckel schonen sie nicht, wenn sich ihnen die Möglichkeit bietet, ein Gcschäftchen zu machen. Wenn Straßen verbreitert oder durchgebrochen werden sollen, neue Straßen angelegt werden sollen, Brücken gebaut werden sollen, dann sind es immer nnd immer wieder die Hausbesitzer, die durch maßlose Forderungen das Projekt ver- teuer» und die Ausführimg erschweren. Ein lehrreiches Beispiel bilden die Schwierigkeiten, die der Stadt aus den, Neubau der Grünstraßenbrücke er- wachsen sind, weil die Besitzer eines NochbargrundslückeS im Fordern nicht schüchtern waren. Als mit dem Bau begonnen werde» sollte, mußte die Stadt zunächst ein altes Ansladerecht erwerbe», das die Besitzer dcS gegenüberliegenden Grundstücks Wallstr. 15, die Herren Siegfried Simon und Theodor Simon, neben der Brücke zu haben behaupteten. Die Veräußerung dieses Rechts allein lehnten sie anfangs ab. Veräußern wollten sie es nur zusammen mit den 193 Ouadrat- meiern Gtraßenland, die sie von ihren Grundstücken Wallstraße 15 und 15a früher oder später zur Verbreiterung der Wallstraße her- zugeben hatten. Sie verlangten für alles zusammen die Kleinigkeit von 290 900 M. Als dann die Stadlverordndenversamnilung auf Antrag des Magistrats die Enteignung und zwar nur des Auslade- rechtes beschlossen hatte, überlegten sichs die Besitzer. Sie erllärten sich jetzt bereit, das Recht allein zu veräußern, und schließlich ermäßigten sie sogar ihre anfängliche Forderung von 15 090 M. auf 3000 M. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung gingen hierauf ein und die Brücke konnte gebaut werden. Nachdem sie jetzt fertig geivorden ist. haben sich neue Schwierig- keiten auS der notwendigen Höherlegung der zur Brücke hinaus- führenden Straßendämme ergeben. Wieder sind eS die Besitzer von Wallstr. 15 und 15a, von denen die Erschwerung ausgeht. Diesmal beanspruchen sie nicht weniger als 75000 M. Entschädigung für die baulichen Acnderungen, die sie wegen der Dammaufhöhung vor- nehmen müssen, wenn ihre alten Buden stehen bleiben. Da hält eS der Magistrat denn doch für ratsamer, vor diesen Grundstücken sofort die Straßenvcrbreitcrnng vorzunehmen, die schon vor vielen Jahren beschlossen wurde, aber bisher nur stückweise und immer nur bei Gelegenheit ausgeführt worden ist. Doch für die 103 Quadratmeter Straßenland, die von den beiden Grundstücken gebraucht werden, fordern die Besitzer wiederum 200 000 M., obwohl diesmal kein Ausladerecht mehr daran hängt. Da» macht pro Quadratmeter 1852 M.! Kann mau niehr verlangen? Auch der Magistrat findet das übertrieben hoch und hat keine Lust, diesen Preis zu zahlen. Er beantragt daher jetzt bei der Stadtverordneten- Versammlung die Enteignung. Werden fickj'ä nun die Besitzer auch diesmal noch überlegen k Dieser Fall ist einer von vielen. ES ließen sich ohne viel Mühe ein halbes hundert Fälle und mehr aufzählen, wo gleichfalls der Stadt von Hausbesitzern die maßlosesten Forde- rungen gestellt wurden, die hinterher im EnteignungS- verfahren arg reduziert werden mußten. Das ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Doch unsere Hausagrarier hindert daS nicht, sich dreist als das Rückgrat der Kommunalverwaltung zu betrachten, wie einmal einer ihrer Wortführer in der Stadtverordneten-Vcr- sammlung sie titulierte._ Die merkwürdigen Schicksale einer„Armenleiche" wurden kürzlich im„Vorwärts" geschildert. Es handelte sich um ein Dienstmädchen Emma K., daS im Krankenhause Moabit gestorben war und dann als Arme beerdigt werden sollte, da kein Angehöriger sich um die Leiche kümmerte. Die scheinbare Gleich- gültigkeit der Familie war zwar nur daraus zurückzuführen, daß wieder einmal die Todesnachricht zu spät angekommen war. weil das Krankenhausburcau bei der Absendung mit gewohntem Mangel an Umsicht verfahren war. Aber im Krankenhause kam niemand auf die Idee, sich das Schweigen der Angehörigen so zu erklären. Man war sich bewußt, nach dem unfehlbaren Schema P gehandelt zu haben, und so hatte die Sache weiter nach Vorschrift ihren Gang zu nehmen. Am drittenTage wurde die Leiche nachdem Gemeindefriedhof hinausgeschafft und in einem Arniengrabe bestattet. Oder vielmehr: so dachten es sich die Angehörigen, als sie erst spät die Traucrkunde erhielten und auS der Zuschrift schlössen, daß sie nicht mehr an der Beerdigung würden teilnehmen können. In Wirklichkeit aber hatte die Angelegenheit einen anderen Verlauf. Als am neunten Tage, einem Sonntag, der Bruder der Verstorbenen mit anderen An- gehörigen nach dem Friedhos hinausging, um auf der Schwester Grab den ersten Kranz zu legen, wurde ihnen draußen eröffnet. Emma K. sei n o ch gar n i ch t b e e r d i g t. Wo die Leiche war, darüber war eine klare Auskunft zunächst nicht zu erhalten. Aber am anderen Tage, dem zehnten nach dem Tode, wurde ihnen ans dem Friedhofe em Sarg vorgewiesen, in dem Emma K. liegen sollte, und der Sarg wurde in die Gruft gesenkt. Wo war die Leiche in der Zwischenzeit gewesen? I Der Bruder wandte sich nach der Beerdigung an den„Vor- wärts" und wir rieten ihm, noch nachträglich Auskunft hierüber zu fordern. Diese ist ihm jetzt zuteil geworden, nebenbei bemerkt: unter dem üblichen Geschimpfe auf den„Vorwärts", durch das manche städtischen Verwaltungsstellen, wenn ihre Mißgriffe von uns gerügt wurden, in ohnmächtiger Wut sich zu entschädigen suchen. Es stellt sich heraus, daß die Leiche der Anatomie über- wiesen woroen war, um zu Studienzwecken benutzt zu werden. Von dort hatte man sie erst wieder zurückholen müssen. Der Fricdhofsinspektor, der diese Mitteilung machte, berief sich auf eine Ministerialverfügung, wonach Leichen von solchen Armen, um die niemand sich kümmert, möglichst der Anatomie überwiesen werden sollen, Hieraegen läßt sich nun gewiß nichts einwenden. CS wäre sogar zu wünschen, daß Leichen ohne Ausnahme zu Studienzwecken ver- wendet würden, nicht nur der Armen und Verlassenen, sondern auch die der Wohlhabenden und Mächtigen. Doch vorläufig sind wir noch nicht so weit, und da kann man es dem einzelnen wirklich kaum verdenken, daß er sich einstweilen dagegen wehrt, die Leichen seiner Angehörigen in der Anatomie verschwinden zu sehen. Die Sorglosigkeit aber, mit der manche KrankenhausbureauS bei der Absendung von Todes- Nachrichten verfahren, kann nur zu leicht einem KrankenhauSinsassen das Schicksal beretten, als„Anatomieleiche" zu enden. Das lehrt der Fall der Emma K., und dieser Fall zeigt auch, daß eS keines- wegs Kleinigkeitskrämerei ist, wenn wir solche Versehen immer wieder öffentlich besprechen. Eben weil bestimmt ist, daß Leichen von Armen, um die niemand sich kümmert, an die Anatomie ab- zugeben sind, sollten die KrankenhausbureauS alle Mittel anwenden, etwa vorhandene Angehörige zu ermitteln und auf kürzestem Wege zu benachrichtigen. Die Angehörigen der Emma K. zweifeln übrigen», ob die Leiche. der sie das Geleit zur Gruft gegeben haben, wirklich Emma K. war. So ganz sinnlos will auch uns dieser Zweifel nicht scheinen. Läßt sich bei Auatomieleichen am zehnten Tage überhaupt noch fest- stellen, wen man vor sich hat? War nicht die Leiche der Emma K. inzwischen so gründlich zerschnitten und zerteilt worden, daß im günstigsten Falle nur noch einzelne Stücke zurück- gegeben werden konnten? ES ist bedauerlich, daß man auf dem riedhofe nicht mehr den Sarg öffnen durfte, wie die mißtrauischen »gehörigen es wünschten. Leider ist auch die Rechnung über die Beerdigungskosten, die die Armendircktion den Angehörigen schleunigst übersandt hat, von diesen sofort bezahlt worden. Hätten die Eltern die Zahlung verweigert und eine gerichtliche Klarstellung darüber herbeigeführt, wessen Beerdigung sie da bezahlen sollten, so wären vielleicht noch sehr interessante Einzelheiten ans Licht der Oeffentlichkeit gelangt._ I» der Sitzung der GaS-Deputation am Montag wurde über die vom Genossen E. Wurm gestellten Anttäge über den Acht« resp. Neunstundentag beraten, ebenso gelangte die Frage der vollen AuS- zahlung von 6 Ferientagen zur Verhandlung. Während beschlossen ivurde, den Magistrat in letzterer Angelegenheit zu veranlassen, eine generelle Verfügung auszugeben, welche in Zukunst volle Be- zahlung von 6 Ferientagcn gewährt, auch wenn Feiertage ur die Woche fallen, konnte man sich nicht entschließen, dem Antrage Wurm stattzugeben und den Arbeitern, welchen die Feiertage abgezogen worden sind, diese nachzuzahlen. Dabei, bat sich das erhebende Schauspiel herausgestellt, daß in einzelnen Ver- waltungen der Feiertag bezablt worden ist, hingegen die Gasdirektion, rigoris, wie üblich, nur fünf Ferientagc bezahlte. Wenn nian sich vor Augen hält, daß der seinerzeit gefaßte Stadtvcrordnetcn-Beschluß auf„eine Woche Ferien" für alle fünf Jahre bei der Stadt beschäftigten Arbeiter lautet, und wenn man auf der anderen Seite bedenkt, daß die Arbeitswoche der Berliner GaSarbeiter in der Regel sieben Tage hat, so offenbart sich darin der ausgesprochen fiskalische Standpunkt der Gasdireltion wieder einmal glänzend.— �Jn bczug auf den Achtstundentag will man dem ungestümen Drängen oer organisierten Berliner Gndarbciter insofern eine kleine Konzession mache», als vom 1. Oktober d, I. ab eine sogenannte Probe mit dem Achtstundentag für daS RetortenhauS III der Gasanstalt Danzigerstraße gemacht werden soll. In Betracht kommen etwa 65 Feuerhausln better. Man will anstatt der bestehenden zwei Schichten das Dreischichtensystem einführen nnd für diese drei Schichten einen ganze» Mann mehr bewilligen. Anstatt wie bisher 14 Arbeiter in zwei Schichten sollen also 15 in drei Schichten von je acht Stunden die Arbeit verrichten. Gleichzeitig soll festgestellt iverden. ob die Arbeiter dasselbe leisten, als bisher in zwölf Stnndenl Man schreibt uns daz» aus den Kreisen der Organisation: ES er- scheint recht fraglich, ob die schon jetzt äußerst angespannten Arbeiter diese Mehrarbeit werden leisten können. Für die GaSmeister sind anderthalb Schichten vorgesehen. Die Direktion beabsichtigt eine Probezeit von 1 Jahr Dauer, doch, wenn nicht alles täuscht, wird sie sich wohl etwa» früher zur Einführung de« Nchtstnndentages für alle Betriebsarbeiter bequemen müssen, da die Berliner Gas- arbeitcr entschlossen sind, mit ganzer Kraft ihrer bereits ein- gereichten Forderung des Achtstundentages für die Betriebs- arbeiter sowie deS N e u n st u n d e S t a g e S für die Hof- arbeit er und Arbeiter de» Röhrenslsstem« Nachdruck zu verleihen. Ueber diese letzte Forderimg ist man gegen eine Stimme hinweggegangen, da nach Meinung der bürgerlichen Stadtverordneten die Stadt mit Einführung de» Ncuustuudcntages andern Arbeitern der Privatindustrie das Signal geben würde, die gleiche Forderung zu stellen. Abgesehen von der Tatsache, daß in Berlin bereits Tausende ungelernter Arbeiter neun Stunden arbeiten, wäre eS von einer liberalen Stadtverwaltung wohl nicht zu viel verlangt. wenn sie das im Konmmnalprogranrm der sieisinnigen Vollspartei neulich aufgestellte Postulat in die Praxis umsetzte. Aber wer dies 1 stoffen reichlich Nahrung, so daß, als der Brand entdeckt wurde, von fursprünglichen Aussage hat Gundermann nur zugegeben, daß er glaubt, kennt den Berliner Freifinn schlecht. Es gibt für die Gas- der wertvollen Ladung nichts mehr zu retten war. Um eine weitere abends noch mit seiner Geliebten in deren Wohnung gewesen ist. arbeiter nur ein Mittel, ihren Forderungen zur Durchführung zu Ausdehmmg des Feuers zu verhindern, mußte der Wagen auf der Die weiteren polizeilichen Ermittelungen führten auch zu der Festverhelfen: Anschluß an die Organisation. Strecke ausrangiert werden. Der Verlust, den der Eigentümer des stellung, daß jemand furz nach 11 Uhr das Mädchen in der Die städtischen Voltsbadeanstalten werden sehr ungleich benutzt. Möblements erlitten, ist für diesen um so größer, als sich in einem Wohnung, in der es allein zu sein schien, winseln hörte, als ob Die städtischen Volksbadeanstalten werden sehr ungleich benutzt. Die an sich höchste Besuchsziffer hat die Anstalt Bärwaldstraße, aber natürlich auch ein Naub der Flammen geworden sind. Der durch Die an sich höchste Besuchsziffer hat die Anstalt Bärwaldstraße, aber Schreibtischfache eine Anzahl Wertpapiere befunden hatten, die es Schmerzen hatte. die Vergleichung mit der Größe der Anstalten ergibt, daß der Besuch den Brand angerichtete Schaden dürfte sich auf etwa 40 000 m. in den letzten vierundzwanzig Stunden zu verzeichnen. Nach der Feuerbericht. Eine ganze Reihe Marmierungen hatte die Wehr berhältnismäßig am stärksten in der Anstalt Schillingsbrücke ist, für Sie jetzt eine Grtveiterung geplant wird. Im letzten Jahre wurde beziffern. Oranienstr. 178 wurde sie gerufen, weil dort Regale in einem Gein dieser Anstalt jede Wannenbadzelle durchschnittlich 3037 mal beDie gerichtsärztliche Untersuchung der Leiche der verstorbenen schäftsraum Feuer gefangen hatten. Die Gefahr konnte schnell bemußt, während in den Anstalten Moabit, Dennewigstraße, Bärwald- Frau Herzog fand gestern statt. Die Gerichtsärzte Dr. Hoffmann feitigt werden. Betten, Kleidungsstücke 2c. gingen dann in der straße, Oderbergerstraße 2561, 2374, 2323, 2315 Benußungen pro und Dr. Strauch nahmen sie vor. Der Ehemann, der aus dem Hussitenstr. 41 und Möbel in der Oranienstr. 26 in Flammen Wanne gezählt wurden. Jede Brausebadezelle wurde an Der Untersuchungsgefängnis vor die Leiche geführt wurde, war sehr auf, während in der Landsbergerstr. 42 ein Schornsteinbrand beob Schillingsbrücke sogar 4833 mal im Jahre benutzt. Für Bärwald- niedergeschlagen. Er blieb auch angesichts der Toten bei seiner achtet werden mußte. In der Pappel- Allee 129 brannte es weiter in straße, Oberbergerstraße, Moabit belief sich der Durchschnitt pro Darstellung, nach der es sich um eine fahrlässige Körperverlegung einer Küche und in der Bülowstr. 46 auf dem Dache. Nach der Brausebad auf 4227, 3709, 3496 Benutzungen, während die Anstalt infolge seiner zornigen Aufwallung handelt. Diese Darstellung Greifswalderstr. 199 wurde die erste Kompagnie alarmiert, weil Dennewigstraße es auf mur 2098 Benuzungen pro Brausebad wurde durch die Untersuchung insofern bestätigt, als ihr Ergebnis dort eine Ueberschwemmung erfolgt war. Das Wasser wurde ausbrachte. Auch bezüglich des Verkehrs im Schwimmbad steht diese ihr nicht widerspricht. Nach der Art der Verletzung ist es also mög gepumpt. Außerdem liefen noch aus der Immanuelkirchstr. 3/4, Anstalt an letter Stelle, da sie pro Quadratmeter nur 342 Be- lich, daß die Frau sie so bekommen haben kann, wie Herzog und Elbingerstr. 33 und aus der Beusselstr. 33 Feuermeldungen ein, die mugungen im Jahre hatte. Moabit und Oderbergerstraße hatten sein Bruder es schildern. Als Todesursache wurde ein Stich in die indes alle drei auf„ blinden Lärm" zurückzuführen waren. hier nicht viel mehr, pro Quadratmeter 404 und 411 Benutzungen. rechte Herzfammer festgestellt. Nach Beendigung der Untersuchung Dagegen stellte sich die Zahl der Benutzungen pro Quadratmeter in wurde Herzog in das Untersuchungsgefängnis zurückgebracht. Der deutsche Verein für Volkshygiene ersucht uns mitzuteilen, der Bärwaldstraße auf 597 und an der Schillingsbrücke sogar auf Einem vielfach verbreiteten Gerücht, daß das Etablissement daß er für seine Ausstellung gesundheitlicher und künstlerischer 655. Die Anstalt Schillingsbrücke steht also auch hier obenan. Arminhallen" infolge eines Neubaues eingeht, treten die Frauenkleidung im Architektenhause in dem Falle, daß mindestens Inhaber dieses Lokals, Gebr. Mielis, Kommandantenstraße 20, 20 Eintrittskarten auf einmal entnommen werden, den Eintritt für in einer zuschrift an uns entgegen. Die Herren bitten um die Mit- Erwachsene auf 30 Pf, für Kinder auf 15 Pf. ermäßigt. Die teilung, daß ihr Unternehmen weiter besteht und mindestens bis starten brauchen nicht gleichzeitig, benutzt zu werden. Unserer Ansicht zum Jahre 1907 durch Vertrag mit dem Hauseigentümer über die Ausstellung haben wir vorige Woche deutlichen Ausdruck gesichert ist. gegeben. " " = Vorort- Nachrichten. Die Fleischnot. Die gemischte Deputation zur Beratung der Mit einer Droschke überfahren und schwer verletzt wurde gestern Maßnahmen gegen den durch die Erhöhung der Fleischpreise ein- der fast 70jährige Invalide August Aschmann in der Birkbuschgetretenen Notstand trat am Dienstag unter dem Vorsitz des Ober- straße. Der Aermite erlitt außer schieren inneren Verlegungen bürgermeisters Kirschner zu ihrer ersten Sigung zusammen. Bunächst einen Oberschenkelbruch. wurde beschlossen, eine Unterkommission mit der Ausarbeitung einer Petition an die Reichsregierung zu beauftragen. Feuerbestattung. An die Berliner Stadtverordneten- Verfammlung hat der Verein für Feuerbestattung eine Eingabe gerichtet. Es wird darin gebeten, dem Verein ein geeignetes Grundstück zur Erbauung einer Urnenhalle und Anlegung eines Urnenhains mit der Maßgabe zu überweisen, daß eine Zahlung für das Grundstück nicht zu leisten sei, daß dagegen für jede in der Urnenhalle oder in dem Selbstmord eines Ehepaares. Gestern am frühen Morgen wurde Theater. Die Premiere der Operetten- Novität" Bur indischen Urnenhain beigesetzte Asche eine Gebühr an die Stadt zu zahlen sei. bei den Ruhlebener Schießständen ein in mittleren Jahren stehendes Witwe" von Schnißer und S. Schlesinger, Musik von Oskar Dem Verein solle es gestattet werden, zur Deckung der Verwaltungs- Paar, die Frau bereits tot, der Mann nur noch schwache Lebens- Straus, findet am Donnerstag, den 28. d. M., im 3entralund Unterhaltungskosten sowie der Verzinsung und Tilgung des zeichen von sich gebend, aufgefunden. Der Mann wurde ins Kranken- heater statt.- Im Schiller Theater O.( WallnerAnlagefapitals fir die Aufbewahrung der Aschen und Urnen Ge- haus Westend geschafft, starb aber bald nach der Einlieferung. Wie Theater) wird Mittwoch und Freitag Nora", Donnerstag„ Hof, bühren zu erheben. Nach Tilgung des Anlagefapitals, spätestens die Refognoszierung ergab, handelt es sich um das Ehepaar Graf gunst" und Sonnabend zum letztenmal„ Der Leibalte" wiederholt. aber nach 50 Jahren, solle die Gesamtanlage kosten- und schuldenfrei aus der Breitenstraße in Spandau, wo beide in einem dortigen im Schiller- Theater N.( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater) in den Besitz und die Verwaltung der Stadt Berlin übergehen. Warenhause beschäftigt waren. Der Grund zu dem tragischen Ende wird Mittwoch und Sonnabend Ein Wintermärchen", Donnerstag Beigefügt ist eine längere Begründung, die davon ausgeht, daß die ist darin zu suchen, daß das Ehepaar des Diebstahls beschuldigt und Freitag" G'wissenswurm", Sonntag Nora" gegeben. beiden Urnenhallen in Friedrichsfelde und im Treptower Park über- wurde, angeblich zu Unrecht. Lustspielhaus. In der Freitag stattfindenden Erstaufführung füllt find. Junges Elend. Unter dem Verdachte des Kindesmordes ist die des dreiaftigen Schwantes Jahrmarkt in Pulsnig" von Walter Straßenbahnverbindung Berlin- Friedrichshagen. Im Anschluß noch nicht 16 Jahre alte Frieda Wendrich, die bei ihrer Stiefmutter, Harlan sind beschäftigt die Damen: Lucie Euler, Olga Limburg, an den geplanten Ausbau der Straßenbahnlinie Berlin- Köpenick der Kutscherfrau Barthoff am Petersburgerplaz 2, wohnte, verhaftet Marie Mallinger, Jenny Marba und die Herren: Ernst Bach, wird auch die Herstellung einer Straßenbahnlinie Köpenick- Friedrichs- worden. Barthoff wurde vor zwei Jahren überfahren und befindet Frizz Beckmann, Toni Impekoven, May Mary, Herbert Paulmüller. hagen projektiert. Es handelt sich um eine Zusammenziehung der sich seitdem im städtischen Siechenhauſe in der Prenzlauer Allee. Die Vorstellung beginnt ausnahmsweise um 8 Uhr. Köpenicker Straßenbahnlinie mit der Pferdebahnlinie Bahnhof Seine Frau beschäftigt sich außer dem Hause mit Blätten. So war Friedrichshagen- Berliner Wasserwerke, welche elektrischen Betrieb das Mädchen viel sich selbst überlassen. Als es 14 Jahre alt war, ging erhalten soll. Der Köpenicker Magistrat, der die dortigen Straßen- es mit einem jetzt 18 Jahre alten Schlosser Arthur Neumann aus bahnen in eigener Regie hat, ist bereit, die Umwandlung der der Richthofenstraße 1 ein Liebesverhältnis ein, das Folgen hatte. Friedrichshagener Pferdebahnlinie vornehmen zu lassen und in eigener Die Eltern wollen davon nichts bemerkt haben. Ohne Hülfe eines Megie eine elektrische Straßenbahnlinie Köpenick- Friedrichshagen Arztes oder einer Hebamme gebar das Mädchen am Sonntage, als Bahnhof zu übernehmen. Die Gemeinde Friedrichshagen soll einen es allein zu Hause war, ein sind weiblichen Geschlechts. Montag Eine Schauergeschichte bringt die Tgl. Ndschau": Eines der Gewinnanteil von der Bruttoeinnahme erhalten. Da die Bahnlinie nachmittag um 5 Uhr kam die junge Mutter nach der Wache des größten und wertvollsten Grundstücke des Vorortes Groß- Lichterfelde, Berlin- Köpenick voraussichtlich im nächsten Jahre zur Ausführung 96. Reviers in der Zorndorferstraße und zeigte an, daß ihr Kind, das dem verstorbenen Baurat Schwarzkopff( Bruder des Ministerialkommen wird, so würde dadurch eine Straßenbahnverbindung von Berlin von dessen Geburt die Polizei noch nichts wußte, gestorben sei. Da direktors) gehörte, ist vom Grafen Franz von Spee, königl. Kammerbis nach Friedrichshagen geschaffen werden. Die Gemeindevertretung fie feinen Totenschein besaß, so ging ein Schuhmann mit ihr nach herrn, Schloßhauptmann von Düsseldorf und Herrenhausmitglied von Friedrichshagen hat sich in ihrer legten Sigung bereits mit dem der Wohnung und fand an beiden Seiten des Halfes der kleinen Projekte beschäftigt und dasselbe genehmigt. Die Vorlage wird Leiche Würgemale, die darauf schließen lassen, daß das Kind mit auf Schloß Heltor, Kreis Düsseldorf) angekauft worden. Der Käufer nunmehr in einer der nächsten Sizungen der Köpenicker Stadtver- den Händen erwürgt oder erhängt worden ist. Das Mädchen wurde ist, wie die ganze Familie Spee, stark ultramontan. Daß er etwa beabsichtigt, seinen Wohnsiz in Groß- Lichterfelde zu nehmen, erscheint ordnetenversammlung vorgelegt werden. daraufhin verhaftet. bei seinem großen Grundbesitz in Rheinland und Westfalen so gut Von seinen zahlreichen wie ausgeschlossen. Kinder hat er nicht. Geschwistern ist ein Bruder Mitglied des Benediktiner- Ordens ( gegenwärtig im Kloster von Maria- Laach, das der Kaiser so auszeichnet), ein anderer Bruder ist Weltgeistlicher, zwei Schwestern gehören dem Dominikanerinnen- Orden und eine Cousine gehört dem - Drden an. Franziskaner Somit ist das in Groß Lichterfelde umlaufende Gerücht wohl nicht ganz ohne Berechtigung, daß der auffallende Kauf geschehen sei, um ein Kloster oder sonst eine spezifisch tatholische Anstalt dort zu errichten. Das würde einen propagan distischen Vorstoß bedenklichster Art darstellen, der in den fonfessionellen Verhältnissen von Groß- Lichterfelde tiefgreifende Störungen hervorrufen müßte. Interessant bei diesem Kauf ist es übrigens noch, daß durch ihn der ultramontane Graf Spee unmittelbarer Nachbar des antiultramontanen Grafen Hoens Für 3 600 000 m. ist das Palast- Hotel am Leipziger Platz in broech geworden ist, dessen naher Verwandter Graf Spee das Eigentum des bisherigen Bächters übergegangen. In Berlin überfahren und sofort getötet wurde gestern vormittag die in der Zimmermannstraße Nr. 4 hierselbst wohnhafte ungefähr Auf einem Ge50 Jahre alte Witwe Isabella Sommer. schäftsgange begriffen ereilte sie Unter den Linden das Unglück. Der Mörder des Fri. Pioch, Hermann Richter, soll, wie uns mitgeteilt wird, in dem Remontegestüt Bärenklau, wo er zuletzt beschäftigt war, erhängt aufgefunden worden sein. Eine amtliche Bestätigung der Meldung war noch nicht zu erlangen. Als Groß- Lichterfelde. auch ist." 0 Unsere eingehenden Nachforschungen in dieser Angelegenheit haben ergeben, daß es mit dem ultramontanen Grundstückstauf seine Richtigkeit hat, daß aber der Vorstoß gegen den teueren evangelischen Glauben nach einer Methode erfolgen soll, deren die evangelische Geistlichkeit sich mit etwas Widerstandskraft vielleicht doch erwehren fann, mag auch der Grundstückskäufer sich sehr viel von seinem Schachzug versprechen. Das Grundstück soll nämlich den Benediktinern der bekannten Abtei Fecamps, denen es in Frankreich infolge des dortigen Kulturkampfes nicht mehr gefällt, zur Errichtung einer Liförfabrik unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Es liegt mun an der evangelischen Geistlichkeit und ihrem Anhang, dem verführerischen Lockmittel gegenüber sich mit der Kraft der Enthaltsamfeit zu wappnen. Rigdorf. Ein weiterer schwerer Unglücksfall trug sich gestern nachmittag auf dem Neubau des Postdienstgebäudes in Nigdorf zu. Bimmerleute mit dem Aufbau eines Gerüſtes beschäftigt waren, schleuderte der Wind ein zum Abdecken bestimmtes schweres Brett in die Tiefe hinab. Dieses traf unglücklicherweise den am Fuße des Gerüftes arbeitenden 46jährigen Maurer Ludwig Reck, Zorndorferstraße 37 wohnhaft, mit solcher Wucht in den Rücken, daß der GeBerunglückte Greifin. Beim Ueberschreiten des Fahrdammes troffene schwer verletzt zusammenbrach. St. mußte sofort in ärztliche auf dem Richardplatz wurde die 73 jährige Witwe Marie Güttel Behandlung genommen werden. aus der Bürgerstr. 48/49 in Brig von einem Schlächterwagen der Die Arbeiter- Samariter- Kolonne ersucht uns, folgendes mitzu- Firma Pohl, Lessingstr. 18, überfahren und so schwer verlegt, daß teilen: Am Sonntagabend ist in Friedrichsfelde auf dem Wege vom an dem Aufkommen der Greifin gezweifelt wird. Außer Verlegungen Schloßpart bis zum Restaurant Bube, Prinzen- Allee, ein großer im Gesicht und der Brust erlitt die Bedauernswerte einen SchädelPneumatikball, der Arbeiter- Samariter- Solonne gehörend, verloren bruch. Die Verunglückte wurde in das städtische Krankenhaus einworden. Der Finder wird gebeten, seine Adresse an P. Sitte, geliefert. Gegen den Führer des Wagens ist Anzeige erstattet Berlin, Badstr. 33a, einzusenden. worden. Das Prämienverfahren vom Arbeitgeberstandpunkt ans betrachtet. Wir erhalten von der königl. Eisenbahndirektion folgende Zuschrift: " Das auf den größeren Güterabfertigungsstellen der Staatseisenbahnverwaltung seit mehreren Jahren bestehende Alfordprämienverfahren gewährleistet eine durchaus zutreffende Bewertung der Arbeitsleistung jedes einzelnen Arbeiters. Es ist deshalb gleichgültig, ob die Güterbewegung durch einzelne Arbeiter oder durch Kolonnen von drei oder auch sieben Leuten erfolgt. Das Zusammenwirken von drei Kräften hat sich indessen im allgemeinen in Rücksicht auf die bei der Güterbewegung zu entfaltende dreifache Art der Tätigkeit Annahme, Wiegen, Verkarren- als die für die Arbeiter günstigste Banunfälle. Beim Abräumen eines Baugerüftes hat sich gestern Form der Kolonnenbildung erwiesen. Die jetzt bestehende Zusammen nachmittag in der Kaiser- Allee zu Wilmersdorf ein schwerer Unglücksfall setzung der Kolonnen ist daher nicht im Interesse der Verwaltung, ereignet. Auf dem Grundstück Nr. 173 war zur Errichtung eines Neubaues fondern lediglich im Interesse der Arbeiter selbst vorgenommen ein offener Fahrstuhl hergestellt worden, der gestern wieder beseitigt worden. Da im übrigen jeder Arbeiter ohne Rücksicht auf seine werden sollte. Bei den Abrißarbeiten stürzte gestern nachmittag der Leistungen den vereinbarten Tagelohn erhält und nur die Verteilung Arbeiter May Strüger aus Berlin von der Höhe der dritten Etage der Prämie nach Maßgabe der besonderen Tätigkeit erfolgt, liegt zu in die Tiefe hinab. In fast hoffmungslosem Zustande wurde der einem gefährlichen Schinden" fein Anlaß vor. Was die Tätigkeit Schwerverlegte in das Kreiskrankenhaus eingeliefert. der nur in geringerer Zahl vorhandenen Lademeister anlangt, so hängt diese mit der Güterbewegung so eng zusammen, daß sie bei Bemessung des Tonnensages nicht ausgeschieden werden kann. Gleichwohl werden ihre Leistungen zugunsten der Arbeiter nicht einmal mit dent wirklichen täglichen Teilbetrage Teilbetrage ihres Gehaltes, sondern lediglich mit dem Durchschnittstagelohnfage von 3,10 m. in Anrechnung gebracht. An der Prämie nehmen die Lademeister überhaupt nicht teil. Zahlungen aus den leberschüssen an solche Arbeiter, die an der Güterbewegung nicht beteiligt sind und folglich der Affordgemeinschaft nicht angehören, find durch die Eigenart des Verfahrens ganz ausgeschlossen, weil die Gemeinschaft sämtliche mit der Güterbewegung im Zusammenhang stehende Nebenarbeiten mit zuleisten hat. Das Verfahren verfolgt den Zweck, arbeitsfreudigen und intelligenten Arbeitern, deren die Verwaltung zur schnellen Erledigung der Güterbodenarbeiten bedarf, Gelegenheit zum Mehrberdienst zu geben, arbeitsunwillige und lässige Leute dagegen von ihren Güterboden fernzuhalten. Der materielle Vorteil der Ver- Aus der Frrenanstalt Herzberge ausgebrochen ist ein dort auf waltung äußert sich einzig und allein in der Ersparnis an Kontroll- Beranlassung der Staatsanwaltschaft interniert gewesener geistesbeamten, weil die fleißigen, auf Teilnahme an der Prämie bedachten kranker Verbrecher namens Eduard Straßfurt. Der junge Bursche Arbeiter die Kontrolle über Arbeitsumwillige selbst ausüben und für war bei einem Einbruchsdiebstahl in einer Gastwirtschaft in der deren Entfernung besorgt sind. Die Durchschnittsprämie beläuft sich Swinemünderstraße, wo eine Kassette mit Geld und Schmucksachen auf 30 M. Jn zahlreichen Fällen hat sie das dreis und vierfache gestohlen wurde, beteiligt und wurde später verhaftet. Da St., der der vom Einsender erzielten Prämie von nur 15 M. erreicht. Die früher Schlosser war und zuletzt viel in Buhälterkreisen verkehrte, Solleiftung ist übrigens so niedrig bemessen, daß die Durchschnitts- fchon einmal im Irrenhause untergebracht war, wurde er der Jrrenprämie ohne Ueberanstrengung erzielt werden kann." anstalt Herzberge übertviesen. Doch tam St. nicht nach einem der Wir hatten nicht den geringsten Zweifel daran, daß das beiden festen Häuser, sondern blieb zunächst in einem Einzelraume. Prämiensystem sich vom Standpunkt der Eisenbahndirektion aus Hier fonnte er seine Flucht vorbereiten. Er lockerte das Gitterwerf reinlich und zweifelsohne ausnehmen würde. Daß diejenigen aber, am Giebelfenster des ihm zugänglich gemachten Korridors sowie die die unter diesem System ihr Leben fristen, von dessen Güte jezt dort angebrachten eisernen Querstangen. Im Augenblick der Flucht überzeugt sind, wird die Direktion selber wohl kaum annehmen. bog er in wenigen Sekunden die Querstangen zurück und ließ sich Aus dem Rathause wird offiziös berichtet: Die Nachricht, wonach an zufammengeknüpften Lakenstreifen aus der Höhe des ersten StockStadtrat Nam si au sich um den Poften eines Kämmerers von werks hinab. Die Flucht wurde zwar gleich entdeckt, doch hat man Berlin bewirbt, ist unzutreffend. Weder der Stadtrat von dem geisteskranken Verbrecher noch keine Spur. Offenbar wird Ramslau noch der frühere Staatsminister Hentig befinden sich er von Genoffen verborgen gehalten. Den Berletzungen, welche er bei einem Zusammenstoß mit einem Ueber den Tod der Buchhalterin Marta Polk aus der Stargarder Straßenbahnwagen am Sonntag erlitt, erlegen ist im Lichterfelder Vorortverkehr in anderen Großstädten. Anfang Oktober dieses siraße 17 hat auch die Obduktion, die Gerichtsarzt Dr. Schulz gestern Strankenhause der Maurer Gustav enste aus der Herderstraße. Jahres findet in Berlin eine Konferenz der preußischen Städte über nachmittag ausführte, noch keine Gewißheit gebracht. Die Todes- Dem von auswärts herbeigeeilten Vater des Verunglückten war es Mehrere Leichenteile leider nicht mehr beschieden, den Sohn noch lebend anzutreffen. Der 100 000 Einwohner statt. Die Städte, Breslau an der Spitze, wollen ursache ließ sich nicht bestimmt feststellen. gemeinsam Schritte unternehmen, damit der Eisenbahnminister Budde wurden daher zurückbehalten, um von einem Gerichtschemiker noch Tod des jungen Mannes ist um so tragischer, als er ihn in Ausgenauer untersucht zu werden. Die Angaben Gundermanns über übung eines Freundschaftsdienstes erlitt.. begleitete nämlich einen auch anderen Städten Vorortverkehr einrichtet und zwar möglichst Werfuche zur Vernichtung feimenden Lebens wurden durch die Kollegen, welcher per Rad die Einkassierung von Beiträgen für seine Obduktion bestätigt. Gundermann, der ihr beiwohnte, blieb Berufsorganisation besorgte, um während dessen Beschäftigung in den Ein brennender Eisenbahnwagen verursachte gestern nachmittag dabei, daß er nicht wisse, woran feine Geliebte gestorben Wohnungen das Rad in Obhut zu nehmen. Die von anderer Seite verbreitete Mitteilung, er auf dem Südring zwischen Rigdorf und Tempelhof eine Verkehrs- sei. Zentralverband der Konditoren( Mitgliedschaft Berlin). Donners störung. Bei einem nach Tempelhof bestimmten Güterzuge befand habe zugegeben, daß sie am Sonntagabend in seiner Anwesenheit sich eine aus Königsberg i. Pr. kommende, mit einem Möbelwagen Kleesalz eingenommen habe, ist nicht richtig. Er räumte ein, nach tag, den 21. September, abends 8%, Uhr, im Englischen Garten, Alexanderbeladene Lowry, bei welcher vermutlich eine Entzündung der Achsen der angedeuteten Richtung einmal einen Versuch mit ihr gemacht straße 27c: Mitgliederversammlung. Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin. Mittwoch, eingetreten war. Plötzlich loderten die Flammen an dem Möbel- zu haben. Als aber der Kräutertraut unwirksam blieb, habe er den 20. September 1905, abends 84, Uhr, in Feuersteins Festsälen, Alte wagen empor und in wenigen Minuten stand die ganze Ladung in von weiteren Versuchen nichts mehr wissen wollen und dem Mädchen Safobstr. 75: Vereinsversammlung mit Frauen. Lese- und Diskutierklub„ Süd- Ost". Heute abend 21 Uhr: Flammen. Das Feuer fand in den in dem Wagen befindlichen unter Versprechung der Che stets davon abgeraten. Dieser einzige Im Gegensatz zit seiner Vortrag und Diskussion über:„ Christliche und sozialistische Weltanschauung. Möbelstücken sowie in einem nicht unbeträchtlichen Vorrat an Seiden- Bersuch liege schon längere Zeit zurück. Berantw. Nedakteur: Heinrich Wesker, Groß- Lichterfelde. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SWA unter den Betverbern um das Amt des Kämmerers. nach Berliner Muster. Von seinem eigenen Führwerk überfahren wurde der 19 Jahre alte Kutscher Wilhelm Plünsch aus der Jägerstr. 59. Plünsch wollte in der Thüringerstraße den Wagen besteigen, als plötzlich das Pferd anzog und losging. Dabei kami. zu Fall, geriet unter die einen schweren Schienbeinbruch. Ein UnfallRäder und erlitt wagen brachte den Verunglückten nach dem Krankenhause Bethanien. Briz. Unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftet wurde der in der Chausseestraße wohnhafte Schuhmachermeister Ryschefsky. Nachts brach im Geschäft desselben Feuer aus, das jedoch von Hausbewohnern rechtzeitig bemerkt und gelöscht wurde. Hierbei fiel den hülfebereiten Nachbarn ein starker Petroleumgeruch auf und als man näher nachfah, stellte es sich heraus, daß alle Sachen mit Petroleum getränkt waren. Die benachrichtigte Polizei nahm vorsätzliche Brandstiftung an und verhaftete den Geschäftsinhaber. Steglitz.