Nr. 221. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- BeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Eridbeint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel. geile oder deren Raum 40 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Effen. " Donnerstag, den 21. September 1905. im Jahre 1903 einem um so beispielloseren Erfolge Plaz, so daß die Genossen in ganz Deutschland mit besonderer Genugtuung von dem Fortschritt in Essen sprachen, wenn sie sich in die Einzelheiten des Dreimillionen- Sieges versenkten. Wir haben gestern schon die Zahlen mitgeteilt, die in später Nachtstunde über den Ausfall des Wahlkampfes in Essen bekannt wurden. Die neueren offiziösen Ziffern be- Damals war eine beispiellose Hege gegen die Sozialstätigen den Erfolg unserer Partei. Ein Wolfffches Tele- demokratie unternommen worden. Der selige Krupp wurde gramm gibt an für unseren Genossen Gewehr 28 726 aus dem Grabe zitiert. Wilhelm II. hielt in Essen seine Stimmen, für den Zentrumskandidaten Giesberts berühmte Rede vom Tischtuch- Zerschneiden und die„ Kölnische 35 500 Stimmen und für den nationalen" Kandidaten Zeitung" verkündete aus diesem Anlaß prophetisch, in Essen Dr. Niemeyer 17 866. Die Differenz dieser Zahlen sei die Sozialdemokratie mausetot. Auch Herr Superintendent mit den gestern von uns schon mitgeteilten ist belang- lingemann, der Kandidat der sogenannten nationalen los. Sie bestätigen: es hat Stichwahl zwischen unserem Ge- Parteien, versicherte seinen Kaiser, in Essen gebe es keinen nossen Gewehr und dem Zentrumskandidaten Giesberts Sozialdemokraten. Am Wahltage aber stieg die Zahl der stattzufinden. Der Kampf ist also noch nicht abgeschlossen, sozialdemokratischen Stimmen von 4000 ungültigen, die 1898 aber ein höchst erfreulicher Erfolg der Sozialdemokratie steht Schröder erhalten hatte, auf 22 000; Herr Klingemann jezt schon fest, mag das Resultat der Stichwahl ausfallen wie blieb um 2000 Stimmen gegen die nicht existierende" SozialDie Sozialdemokratie hat in Essen den Beweis ge- demokratie zurück und verlor gegenüber der Stimmenzahl, führt, daß ihr fein politischer Gegner, auch das Zentrum nicht, die bei der Wahl vorher auf Krupp gefallen waren, 7000 gewachsen ist. Stimmen. der Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. bilanz abschloß, kann man ohne Zwang als eine Frucht die maßlosen Heze betrachten, fie sofort gegen die Bergarbeiter- Novelle inszenierte, als diese nach vielen Fährnissen endlich in den sicheren Hafen gelangt war. Am Zentrum allerdings, das die volle Verantwortung für die Novelle in der Gestalt trägt, in der sie Gefeßestraft erlangte, ist jene Agitation abgeprallt." In Wirklichkeit dürfte sich die Sache so gestaltet haben, daß das Benttum durch den Zuzug von Zentrumsarbeitern seinen Verlust ersetzen konnte. Die Deutsche Tageszeitung" erklärt das Wachstum der Sozialdemokratie so, daß mit Krupps Tode die berühmte Wohlfahrt aufgehört habe: Mit seinen reichen Mitteln schuf er Wohlfahrtseinrichtungen und gewann damit Sympathien, die die anstürmende Sozialdemokratie bei seinen Lebzeiten nicht zu erschüttern vermochte. Ganz anders gestalteten sich die Dinge nach seinem verhängnisvollen Tode. Wie lange wird es dauern, bis auch dieser industrielle Wahlkreis eine Beute der Umsturzpartei wird?" Schließlich noch die" Post"-Clowns, die mit komischer Grandezza in die politische Arena steigen. Sie stellen eine glatte NiederSie machen das so, daß sie in lage der Sozialdemokratie feft. Hauptwahl Vergleich zu den jetzigen Haupt to a h I ſtimmen die Stichwahlstimmen von 1903 stellen.- Juhu! Kapitaler Spaß! Politische Ueberlicht. Berlin, den 20. September. Der Parteitag. Jena, den 20. September 1905. Mit dem Rechenschaftsbericht der Fraktion beschäftigten sich Die Entwickelung der Verhältnisse im Essener Kreise ist Man konnte gespannt sein, ob gegenüber diesem beispielbeinahe typisch für die Entwickelung unserer politischen Ver- losen Erfolge bei der Hauptwahl ein weiterer Fortschritt bei hältnisse überhaupt. Der Wahlkreis Effen zeigt in seiner der gegenwärtigen Nachwahl noch möglich sei. Wir hätten Struttur eine allmähliche Umwandlung vom Agrarbetrieb es allein für einen Erfolg angesehen, wenn es gelang, die zum Industrialismus in seiner reinsten Form, und analog Stimmenzahl von 1903 zu halten. Das ist nicht nur geschehen, Damit haben die politischen Parteien im Kreise sich entwidelt. sondern es gelang auch das fast unmöglich Scheinende, unsere In den sechziger Jahren war das Mandat noch in den Stimmenzahl um über 6000 zu steigern. Gewiß haben da Händen der Konservativen. Dann ging es in den siebziger auch lokale und zeitliche Umstände mitgewirkt: die große BauJahren über in die Hände des Zentrums, das einen arbeiter- Aussperrung, in der die Unternehmer die Arbeiter mächtigen Aufschwung nahm und eine Zeitlang so gefestet da lehrten, was Selassenkampf heißt, und der Verrat des Zentrums stand, daß sein Besitzstand unantastbar schien. Aus der ehe- an den Bergarbeitern. Aber das ist es allein nicht gewesen. maligen Agrargemeinden wurden im Laufe der Entwickelung Die politische Entwickelung im Streise entspricht durchaus heute nur wenige Anträge, die die Wirksamkeit unserer Abgeordneten riesige Induſtriedörfer, die sich um den Mittelpunkt dieſes ſeiner ökonomischen. Das gibt uns die Gewißheit, daß es auf eine den Genossen im Lande besonders wertvolle Frage mehr induſtriellen Aufschwunges, um Essen, herum gruppierten. fich in Essen trotz des raschen Fortschrittes unserer Partei als bisher hinlenken wollten. Aufsehen erregte nur die DarDamit änderte sich die soziale Struktur des Kreises und nicht um eine ungewöhnliche Entwickelung rielben handelt, in Nordschleswig gab. Er erzielte allgemein den Eindruck, daß das stellung, die Genosse Adler- Kiel von der Mariniſierungspolitik allmählich nahm auch die Parteibildung einen anderen welche ebenso heftige Rückschläge erwarten läßt, sondern um widerwärtige Treiben der Dänenfresser, die selbst vor Betrügereien Charakter an. In den Landgemeinden", die dem Wahlkreise eine gesunde Reaktion gegen die Hypertrophie des Kapitalis- und Verleitung zum Meineid nicht zurückschrecken, in der Tat in zugehören, mit ihren halbhunderttausend Einwohnern spielten mus im Streife. die Konservativen alten Schlages fast gar keine Rolle mehr, Für die Stichwahl gilt es jetzt aufs Neue zu arbeiten Deutschland noch nicht allgemein genug befannt und verachtet ist.-dagegen begannen andere mächtige Interessengruppen sich zu und zu agitieren. Noch gibt es unter der Arbeiterschaft des regen und obwohl das Zentrum ständig in seiner Stimmen Streises ein großes Terrain zu gewinnen. Darum hinzahl wuchs mußte es 1893 plöglich erleben, daß der alt ein in die Auffklärungsarbeit mit dem eingeſeſſene Zentrumsabgeordnete Stöbel aus dem Sattel felben Feuer und mit demselben Eifer, gehoben und an seine Stelle ein Mann gewählt wurde, der wie bei der Hauptwahl! feinen intellektuellen Fähigkeiten nach eine politische Null war, als Vertreter einer Klasse aber, als Vertreter des neu aufkommenden Induſtriefeudalismus, an erster Stelle zählte: Krupp, der Kanonenkönig! Mit der Entwickelung der Industrie ging einher eine Entwickelung des Industrieproletariats. Unsere Partei hatte immer im Kreise eine Anzahl Stimmen erhalten. Sie konnte diese jedoch gar nicht oder nur mühsam vermehren. Die Arbeitskräfte, welche die Industrie brauchte, waren nicht dem Kreise allein entnommen. Diese mußten von weither herbeigeschafft werden. Das war ein Umstand, der unserer Partei ungünstig, dem Zentrum aber äußerst günstig lag. Die herangezogenen Arbeiter entstammten den zurückgebliebensten Gegenden, und in diesen Gegenden war ., katholisch Trumpf"! So mehrte das Zentrum seine Stimmen ständig ohne Mühe; der Sozialdemokratie aber entstand unter den Zuziehenden eine wahre Sisyphus- Arbeit der Aufklärung. Die stabilere Gestaltung der Verhältnisse machte später auch diese Arbeit für die Partei fruchtbarer; die Massen wurden unter den veränderten Umständen in ihren politischen Ansichten schwankend, liefen zum großen Teil statt den Zentrumstaplänen den Industriebaronen nach, und wurden nach der notwendigen Enttäuschung, die ihnen bei diesem politischen Werdegang zuteil wurde, schließlich reif für die Sozialdemokratie, der einzigen Partei, die ihre Interessen rüdhaltlos vertrat. Das politische Eintagsfliegendasein Krupps ging bald vorüber. Der hündische Sklavensinn, der die unaufgeklärten Arbeiter das politische Lied der Herren singen ließ, von deren Brot sie nach ihrer Ueberzeugung lebten, verflog mit der sich ausbreitenden Erkenntnis, daß nicht die Arbeiter das Brot der Unternehmer, sondern umgekehrt der Kapitalist das Brot der Arbeiter iẞt. So ist's denn gekommen, daß die in dem Gewande einer ,, nationalen" Gruppe sich gebende Industriellenpartei mit der Aufklärung der Arbeiter ebenso schnell wieder zurückging, wie fie emporgewachsen war. Nie hat ein Nachfolger der Kandidatur Krupp die Stimmenzahl wieder erreicht, mit der es diesem gelungen war, das Zentrum aus dem Felde zu schlagen. Zentrum und Sozialdemokratie aber wuchsen unausgesetzt weiter( das Zentrum offenbar mit Hülfe der zuziehenden Wählermassen, die Sozialdemokratie durch im Kreise neu gewonnene), so daß sich heute der politische Kampf in Essen fast ausschließlich zwischen diesen beiden Parteien abspielt. Natürlich tritt das Bild dieser Entwickelung nicht überall flar hervor. Als im Jahre 1898 die Sozialdemokratie ohne Rücksicht auf die etwaigen Folgen in Beziehung auf die Stimmenzahl aufrechten Hauptes den im Zuchthause sitzenden Genossen Schröder auf den Schild erhob, ging die Stimmenzahl für diesen um beinahe 2000 zurück. Die Mitläufer und unsicheren Santonisten schauderten davor zurück, einem von den bürgerlichen Richtern Verfemten ihre Stimme zu geben. Aber dieser Rückschlag bei der Wahl 1898 machte An die gestrigen Darlegungen des Berichterstatters Genossen & örster über die Machtlosigkeit des Reichstages knüpfte die Rede an, in der Bernstein aufzeigte, wie im deutschen Reichstag im Gegensatz zu den Parlamenten wirklich konstitutioneller Staaten durch die Geschäftsordnung jede Opposition, jede wirksame Nontrolle der Regierung unmöglich gemacht ist. Dieser bedauerliche Die Zentrumspreffe ist im Angesichte des Essener Wahlresultats Bustand, der unserer Vertretung viel von dem Einfluß nimmt, der so bescheiden geworden, daß sie es fertig bringt, aus dem beinahe ihr ihrer Zahl nach zukäme, hat seinen Grund in der Beschränkung absoluten Stillstande nach so viel Erfolgen in der Vergangenheit des Interpellationsrechtes und ist neuerdings durch die Leg Gröber einen Erfolg herauszudestillieren. und die Praxis des in Demut ersterbenden" Reichstagspräsidenten So schreibt die„ Germania": Graf Ballestrem zur Unerträglichkeit gesteigert worden. Das Zentrum in Essen hat, dank seiner vortrefflichen Resolution, in der Bernstein diesen Gedanken ausgesprochen hatte, Organisation und Leitung durch den greisen Führer Matthias fand nur wegen ihres Wortlautes bei den Genossen Ledebour und Wiese- Werden, dant auch der Popularität des Kandidaten Stadthagen Widerspruch. Ihren Gründen konnte sich der Parteitag Giesberts, nicht nur seine Position in diesem Wahlkreise glänzend Die behauptet, sondern auch einen Stimmenzuwachs von rund nicht verschließen und lehnte den Antrag Bernstein ab. Mit dem 400 Stimmen erhalten. Die Zentrumspartei hat damit die Wunsche, daß die Reichstagsabgeordneten noch reger als bisher sich relativ größte Stimmenzahl erreicht und ist damit der zweit- an den parlamentarischen Arbeiten beteiligen wollten, genehmigte stärksten sozialdemokratischen Partei immer noch um rund dann der Parteitag den ihm vorgelegten Bericht. 7000 Stimmen überlegen. Und die„ Märkische Volkszeitung" meint: " Zur Maifeierfrage erörterte der Referent Genosse Fischer weit ausgreifend alle die Streitigkeiten, die neuerdings das gute Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaft getrübt, ihre notwendige Zusammenarbeit gestört haben. An der Spike aller Darlegungen Fischers stand der Gedanke, daß niemand angeklagt, sondern Das Zentrum hat also gegenüber der Wahl von 1903 um rund 300 Stimmen zugenommen, eine Tatsache, welche uns mit Befriedigung erfüllen kann, wenn man die maßlose Verhegung weiter Arbeiterkreise durch eine falsche Darstellung der Tattik der Zentrumspartei gegenüber dem Berggesek, nur historisch erklärt werden solle, weshalb diese Schwierigkeiten sowie die enormen Anstrengungen der„ vereinigten Liberalen" entstehen konnten. 30 Jahre künstlicher, durch ein rückständiges in Betracht zieht. Wenn das Zentrum bei der Wahl Vereinsgefeß erzwungener Trennung der gewerkschaftlichen und trotzdem verhältnismäßig gut abgeschnitten hat, so verdanti politischen Organisationen haben den beiden Organen des proleta es diese Tatsache vor allem der regen Aufklärungsarbeit, an der es rischen Emanzipationskampfes ihre Sonderegistenz und ihre Eigendiesmal auf unserer Seite nicht gefehlt hat, und der großen Be- art gegeben. Den Zusammenhang zwischen beiden bilden nur die liebtheit, welcher sich der Kandidat des Zentrums, Herr Giesberts, Personen, die in Gewerkschaft und Partei die gleichen grundunter den katholischen Arbeitern Deutschlands erfreut." " 1 Im Gegensatz dazu konstatiert die„ Volkszeitung" eine empfind- legenden Ideen vertraten, die den Kampf, wenn auch auf verliche Niederlage der Zentrumspolitik und das„ Berliner Tageblatt" fchiedenem Gebiet und mit anderen Worten, so doch zum gleichen Endmeint mindestens, das Zentrum könne sich nicht verhehlen, daß ihm zweck führt. Heute sind beide Bewegungen, die gewerkschaftliche wie die Sozialdemokratie immer näher auf den Pelz rücke. die politische, so groß und mannigfaltig geworden, daß jede die Das Blatt täuscht sich freilich darin über die Einsicht im Arbeitskräfte und Energie eines Mannes voll in Anspruch nimmt, Bentrum. Bringt es doch die Germania" sogar fertig, von einer daß die übergroße Mehrzahl der für die Arbeiterschaft tätigen GeEnttäuschung der Sozialdemokratie() zu schreiben. Sie nossen sich entscheiden muß, welcher von beiden sie ihre besten Kräfte, macht das so: " Jetzt hat es die Sozialdemokratie, die nun einmal ohne eine ihre Haupttätigkeit widmen wollen. Nun bringt aber die Gewerkgroße Hetze und ohne Hezz- Schlagwörter keine Wahl betreiben schaftspraxis, der tägliche Kleinkampf, die Sorge um die Sonderfann, mit dem angeblichen Verrat an den Bergarbeitern" ver- intereffen eines einzelnen Berufes, die Gefahr der Berengung des sucht. Zwar hat die Sozialdemokratie damit einen unleugbaren Gesichtspunktes naturnotwendig mit sich. An schlagenden Beispielen Erfolg erzielt, indem sie damit einen Stimmenzuwachs von rund wies Fischer die künstlichen Tendenzen, die Neigung zum reinen 6000 Stimmen erfahren hat, aber dennoch auch eine große Ent- Rassenmenschen nach, die daraus entstehen müssen. Um so nottäuschung erlitten. Sie hatte erwartet, daß die der Zentrums- wendiger ist die Durchdringung der Gewerkschaftsmitglieder, der partei angehörigen Bergleute, welche gerade in Essen einen er- Gewerkschaftsführer mit sozialistischem Geist, mit dem Bewußtsein heblichen Teil der Reichstagswähler bilden, auf die sozialdemo- des höchsten Zieles allen Arbeiterstrebens. Gerade die Maifeier, tratische Leimrute vom„ Verrat an den Bergarbeitern" gehen und so schloß die logische Kette in Fischers Gedankengang, ist das Bezu Tausenden vom Zentrum abfallen würden; sie hatte infolge- fenntnis aller Arbeiter zur Sozialdemokratie, zum Internationalisdessen sogar gehofft, nicht nur das Zentrum zurückzudrängen, mus und darum besonders geeignet, beide Arme des mächtigen sondern schon im ersten Wahlgange das Essener Mandat zu erobern. Diese sozialdemokratische Hoffnung ist gestern zunichte Stromes der Arbeiterbewegung in das gemeinsame Bett des Klassengeworden, und es gehört schon eine starke Uebertreibung dazu, tampfes zu leiten. Der Parteitag bekundete wiederholt seine wenn Singer in der heutigen Sigung des sozialdemokratischen lebhafte Zustimmung zu Fischers Worten. Mit freudigster GenugParteitages in Jena von einem glänzenden Siege" der Sozial- tuung aber nahm er Fischers Mitteilung entgegen, daß der Maidemokratie sprach." feierresolution der früheren Parteitage, die nun durch eine Prin Die Berliner Neuesten Nachrichten" glauben auch noch an das zipienerklärung erweitert, Fischer wieder vorlegte, die GeneralBentrum. Sie meinen: Essen, im Herzen des Ruhrkohlen- Gebietes gelegen, vers fommission der Gewerkschaften zugestimmt habe. Inzwischen ist bei fügt über eine starte Bergarbeiterbevölkerung, und die be- der Beratung über den Fraktionsbericht auch ein anderer Stein Zunahme der Stimmen der Sozialdemokratie, des Anstoßes aus dem Wege geräumt worden, indem der Parteitag für die sonst jede Nachwahl seit 1903 mit einer Unter- ohne jede Debatte die Fraktion aufforderte, im Reichstage künftig " 1 deutende fftt reine Arbeiterkammern einzutreten und sich damit dem Beschlutz des Kölner Gewerkschaftskongresses anzupassen. Den ganzen Be- ratungen des heutigen Vormittags leuchtete als freundlicher Stern die Mitteilung von dem grotzen Erfolge der Partei bei der Essener Wahl, den Singer in markigen Worten feierte. Die Nachmittagssitzung fiel wegen des Ausfluges nach der Dorn- bürg aus. Den morgigen Vormittag dürfte die Diskussion über die Maifeier ausfüllen. Ihr folgt Bebels Referat über den politischen Massenstreik.— Möllers Rücktritt? Der„Berliner Lokalanzeiger" und der vom Scherl-Verlag an- gekaufte„Hamburgische Korrespondent" bringen die auffallende Meldung, daß in den Kreisen der Industrie- und Bankwelt äugen- blicklich das Gerücht verbreitet sei, der preutzische Handels- mini st er Möller werde demnächst zurücktreten und durch einen industriellen Parlamentarier der- selben politischen Richtung ersetzt werden.„In jenen Kreisen," heißt es dann weiter,„ist man davon überzeugt, daß, wie bei ihnen selbst, so auch bei der Regierung der Wunsch bestehe, zwischen der Staatsverwaltung und den industriellen und kommerziellen Kreisen, deren Interessen bei der Hibernia-Affäre, sowie beim westfälischen Bergärbciterstreik berührt waren, ungetrübte Beziehungen zu schaffen. Man glaubt dort, daß ein Wechsel in der Leitung des Handelsministeriums die Herstellung eines solchen Verhältnisses fördern werde." Die Meldung wird von einigen Blättern als„j e d c r Unter- läge entbehrend" bezeichnet, und tatsächlich erscheint sie in einer höchst seltsamen Form, die den Verdacht eines Jntriguenspicls erweckt; aber dennoch wäre es verkehrt, sie einfach zu ignorieren. Schon seit längerer Zeit wird von einem Teil der großen rheinisch-westfälischen Kohlen- und Eiscnbarone unter Assistenz der Berliner Vankfinanz daran gearbeitet, die guten Beziehungen, die vor der Hiberna-Affäre zwischen der Regierung und den Bergwerks- industriellen bestanden, wiederherzustellen und es ist keineswegs aus- geschlossen, daß unter die gegenseitigen Fricdensschlutzbedingungcn auch der Rücktritt der langen Exzellenz aufgenommen ist, hat doch der simple kleine Hammerwerksbesitzcr Möller aus Brackwede sich in den Kreisen der grotzen Kohlen- und Eisenbarone nie sonder- licher Beliebtheit erfreut, und was er früher noch allenfalls an Sympathien besaß, das hat er sich gründlich verscherzt, als er die Verstaatlichung der Hibernia unternahm und dadurch die Zirkel der Bergwcrksbesitzer störte. So mächtig sich die rheinischen Groß- industriellen fühlen, geht ihnen doch der Gegensatz, der zwischen ihnen und der Regierung durch die Hibernia-Verstaatlichungsaktion her- borgerufen und durch die von der Regierung während des Berg- arbeiterstreikS eingenommene Haltung verschärft worden ist. gegen den Strich. Sie fürchten, daß bei weiterem Andauern des ge- spannten Verhältnisses die Regierung sich nicht nur zu gesctz- geberischen Maßnahmen drängen läßt, die ihnen bei der Verfolgung ihrer Monopolisierungs- und Trustierungspläne recht unbequem werden könnten, sondern daß auch der Fiskus vielleicht auf seinem Kohlenfelderbesitz umfassende neue Abteufungcn vornimmt und in ernstlicher Konkurrenz mit den Zechengesellschaften tritt. Dazu kommt der Einfluß der mit den Zechen- und Hüttengesell- schaften alliierten Großbanken, die gar zu gerne das alte intime Verhältnis zwischen dem Bergwerksbesitz und dem Fiskus wieder hergestellt sähen. Deutlich tritt dieses Bestreben in der Haltung der von den rheinischen Großindustriellen inspirierten Presse hervor, in der seit einiger Zeit immer wieder die Forderung einer Aussöhnung zwischen dem Kohlensyndikat und der Regierung auftaucht, brachte doch erst r etwa einer Woche die„Köln. Ztg." einen„Der Fiskus im einisch-westfälifchen Kohlenbergbau" überschriebenen Artikel, in dem es hieß: „Daß das Geschrei von einer allgemeinen Verstaatlichung des Kohlenbergbaues gegenstandslos, das Vorgehen des Staates, der dem Kohlensyndikat gegenüber von jeher eine durchaus freundliche Stellung eingenommen hatte, vielmehr durch die Bildung großer Interessengemeinschaften, Verschmelzungen usw. veranlaßt war, wird heute wohl allgemein anerkannt. Trotzdem ist aus jener Zeit eine gewisse Verstimmung zwischen Kohlenbergbau und Fiskus zurückgeblieben, die sich gelegentlich des Kohlenarbeiter-Ausstandes noch verschärfte und in dem schon erwähnten Trotz-Trust einen Kristallisierungspunkt fand. Trotzdem gewinnt die Er- kenntnis, daß dieses gespannte Verhältnis für unser gesamtes Wirtschaftsleben schädlich ist, offenbar von Tag zu Tag auf beiden Seiten an Boden. Das läßt sich schon daran wahrnehmen, daß bereits vor geraumer Zeit aus den Kreisen des Kohlenbergbaues heraus angedeutet wurde, daß man wohl gern bereit sein würde, sich über die H i b e r n i a- F r a g e wie auch über die Regelung der Beziehungen des Shn- dikatS zu dem Fiskus mit diesem zu verstän- d i g e n...... Ist das(die Beteiligung dcS Fiskus an dem kürzlich von verschiedenen Zechengesellschaftcn der Internationalen Bohr- gescllschaft abgekauften Kohlenfelderbesitz) aber erst einmal ge- schchen, d. h. hat sich der Fiskus mit den führenden Unter- nehmungen des Kohlenbergbaues zu gemeinsamer Verwaltung und Aufteilung von Äohlenfeldern zusammengefunden, so darf man wohl auch erwarten, daß sich auf anderen Gebieten seine Beziehungen zum Kohlen- bergbau bessern werden. Es liegt nahe, daran zu denken, daß man sich dann auch über die Hibernia-Frage und die Stellung zum Kohlensyndikat leichter verständigen kann." Eine solche Verständigung scheint jetzt tatsächlich erfolgt oder doch dem Abschluß nahe zu sein. Wie der aus den Kreisen der Hochfinanz inspirierte„Berl. Börsencourier" versicherte, hat sich der Fiskus entschloffen, die ihm angebotene Beteiligung an der zur Ver- Wertung der rheinisch-westfälischen Grubenfelder der Internationalen Bohrgcsellschaft gebildeten neuen Gesellschaft anzunehmen und gleichzeitig dem Rheinisch-Westfälischen Kohlen- syndikat beizutreten. Zu den Bedingungen aber, unter welchen dieser Friedensschluß erfolgt ist, gehört vielleicht auch der Rücktritt Möllers— wenn nicht sofort, dann in kurzer Zeit— und die Berufung eines Herrn auf seinen Posten, der sich den Absichten der Großindustrie und Bankfinanz besser anzupassen weiß. Für das Verhältnis zwischen Großindustrie und Staat ist dieser Kampf und sein Ende höchst charakteristisch. Er zeigt, wie sehr sich die Magnaten des Bergwcrksbesitzes als gleichberechtigte Macht fühlen und auch als solche von der Regierung anerkannt werden. veiitfckes Reich. KriegsministerS Sorge. Wer treu gedient hat feine Zeit im deutschen Vaterlande oder vielmehr darüber hinaus kapituliert, der bekommt dafür als sogenannter„MilitäraMvärter" eine papierene Anlveisung auf bestimmte untergeordnete Beamtenposten und hat dann das Recht, so lange zu hungern, bis ein solcher Posten für ihn frei wird. Bei den Leuten, die so abgespeist werden, nimmt unter solchen Umständen die früher vorhandene Be- geisterung für Vaterland und Militarismus schnell ab. Ein leerer Bauch ist eine schlechte Pflegestätte für den Patriotismus, der wie Kopfschmerzen und schlechte Träume— aus dem Magen kommt. Die Militäranwärter verlangen mehr als bloße papierene Beruhigungen und da„das Vaterland", ver- treten durch seine militärischen und Verwaltnngsspitzen, ihnen nicht mehr gewähren kann, so rebellieren sie. _ So lange das im einzelnen geschah oder durch das un- gefährliche rednerische Flackerfeuer diverser Mittelstands- zc. Retter in den diversen Parlamenten entweder des gesamten oder der diversen deutschen Teilvaterländer, hat sothane Un- Zufriedenheit an„zuständiger Stelle" keine allzu große Be- unruhigung hervorgerufen. Aber nun haben die Militär- anwärter sich organisiert und versuchen— die Armee zu infizieren. Das hat dann den Kriegs mini st er ver- anlaßt, nachfolgenden Geheimerlaß zu veröffentlichen, der ver- mutlich— wie alle solche Erlasse—„ebenso gut hätte im „Reichs-Anzeiger" stehen können", den aber ganz Wider die Ordnung zuerst die„Welt am Montag" veröffentlichte: „Der Verband deutscher Militäranwärter ist geeignet, U n- ufriedenheit zu wecken und die Beamten» isziplin z u untergraben. Die Regierung hat bisher eine abwartende Haltung eingenommen und sich darauf beschränkt, den Verband auf seine Eingaben, mochten sie sich auf Beschwerden einzelner Militäranwärter oder auf allgemeine Wünsche beziehen, ohne s a ch l i ch e n B e s ch e i d zulassen. Jetzt aber erscheint eS notwendig, die Aufmerksamkeit der königlichen Generalkommandos auf die nicht unbedenkliche Erscheinung, daß die Militäranwärter-Vereine neuester Zeit Verbindung mit den Truppen anstreben, hinzulenken. Selbst wenn sich die Persönlichkeiten, die an der Spitze des Vereins stehen, von einer gehässigen Agitation fernhalten sollten, so würde es doch angebracht sein, die aktiven Unteroffiziere nicht in die Gefahr zu bringen, in die Bewegung der Militäranwärter- Vereine hineingezogen zu werden. Es ist wohl anzunehnien, daß die Schreiber bei den Kommandobehvrden, bei den Truppen, bei den Bezirkskommandos usw. eher Zeit und Gelegen- heit haben, sich mit solchen Bestrebungen zu befassen als die Unteroffiziere in, Frontdienst. Die Behandlung dieser Sache wird deshalb zweckmäßig nur Offizieren anzuvertrauen sein, und in Rücksicht auf die auch anderwärts im Gange befindlichen Er- Mittelungen wird es sich empfehlen, bei den Erhebungen nur so viel Personen als unbedingt notwendig zu beteiligen und die Angelegenheit so lange geheim zu halten, bis das königliche Generalkommando zu einem Einschreiten gezwungen ist; ins- besondere würden es die Aufgaben der Militäroberpfarrer sein, ihre Beziehungen zum Militäranwärtervcrcin rechtzeitig und mit Geschick so zu lösen, daß daraus kein Aufsehen er« regendes Ereignis wird. Den, Kriegsministerium ist eine Auskunft darüber erwünscht, ob festgestellt worden ist, daß aktive Unteroffiziere Verbindung mit dem Militäranwärterverein haben oder gehabt haben. gez. v. Einem." Die übliche hausbackene Ministcrwcisheit l— Nicht die Zustände haben bei den Militäranwärtern Unzufriedenheit er- zeugt, sondern:„Der Verband deutscher Militäranwärter ist geeignet, Unzufriedenheit zu wecken". Man geht deswegen auch nicht den Klagen der Militäranwärter auf den Grund und sinnt auf Abhülfe, sondern man geht ihrer Organisation zu Leibe und natürlich— wie könnte ein preußischer Minister anders!— mit den untauglichsten Mitteln: Leutnant und Militäroberpfarrer sollen den Drachen der Unzufriedenheit töten.— Wir fürchten nur, daß auch diese beiden Kämpen zu falschen Mitteln greifen werden. Ursache der Unzufrieden- heit ist nämlich das Wachstum des Militarismus, der eine Ueberproduktion an Militäranwärtern schafst. Und Leutnant und� Militärpfarrer können doch den Ast nicht absägen, guf dem sie sitzen!—__ In einer Notiz mit der Stichmarke Geschworcnenjustiz— Klassen- jnstiz hatte der verantwortliche Redakteur der„Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung", Genosse I v e r s, einige Glossen des„Hainburger Echo" wiedergegeben zu dein wohl noch in allgemeiner Erinnerung stehenden, freisprechenden llrteil des Altonaer Schivnrgerichts gegen vier Blankencser Burschen aus den„besseren" Ständen, die ein ISjährigeS, unbescholtenes Dienstmädchm unter den scheußlichsten Begleit- umständen genotzüchtigt hatten.' In der Notiz ivar erklärt worden, daß das Urteil bloß als Ausfluß krassester Klassenjustiz zu erklären sei, und zum Beweis, daß diese Annahme gerechtfertigt sei, war das namentliche Verzeichnis der Geschworenen. die sämtlich den bürgerlichen Mittelschichten angehörten, beigefügt worden. Am Schlüsse der Notiz war die Frage ausgetvorfen worden, ob diese „Volksrichter" wohl auch das Nichtschnldig ausgesprochen haben würden, wenn vier Arbeiter in gleich bestialischer Weise eine Kaufmanns- oder Fabrikantentochter vergewaltigt hätten. Durch den Vorwurf der Klassenjustiz hatte sich e i n Geschworener, der Kaufmann Mendel aus Elmshorn, beleidigt gefühlt und Strafantrag gegen Jvers gestellt. Bekanntlich sind wegen derselben Notiz bereits zwei sozialdemokrattsche Redakteure, Genosse Wabersky vom „Hanrb. Echo" und Genosse R i e d l i n g e r vom„Volksblatt für Harburg", ftrastcchtlich zur Strecke gebracht worden. Der Hamburger Redakteur war zu hoher Geldstrafe, der Harburger gar zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Verhandlung gegen den Genossen Jvers, die am Dienstag vor der Kieler Strafkammer stattfand, nahm einen verhältnismäßig „glatten" Verlauf. Es waren bloß zwei Zeugen geladen, der Leiter jener Altonaer Schwurgerichtssitzung. Landgenchtsdirektor Mensching, und das genotzüchtigte Mädchen. Das Mädchen gab von den scheuß- lichen Vorgängen die bekannte Darstellung. Sie wiederholte auch in dieser Verhandlung, daß sie gegen ihren Willen und trotz heftiger Abwehr von den vier Burschen geschlechtlich gebraucht Ivorden, daß sie darüber bewußtlos geworden sei und sich deshalb an Einzelheiten nicht mehr erinnern könne, und daß sie seit jener Zeit an Krampfanfällcn leide. Der Zeuge Mensching vertrat auch diesmal wieder die Auffassung, es sei ja sehr bedauerlich. daß die Burschen wegen ihrer auch vom Gericht als außerordentlich brutal und gemein charakterisierten Handlung nicht bestraft ivorden lvären, aber die Verhandlung vor dem Schwurgericht habe im Gegensatz zu der Voruntersuchung ergeben, daß die juristischen Kriterien der Notzucht nicht vorlagen. Auch Berufsrichter hätten die Angeklagteir freisprechen müssen. Der Staatsanwalt erblickte in dein Borwurf der Klassenjustiz ohne weiteres eine schwere Be- leidigung für die Geschworenen, wollte aber mit Rücksicht auf das Hamburger Urteil von einer Freiheitsstrafe absehen und beantragte „nur" 400 M. Geldstrafe. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Spiegel, wies überzeugend nach, daß der Vorwurf der Klassenjustiz für die Geschivorencu umso- weniger eine Beleidigung involviere, als sie durch diese Erklärung ihres mit dem Rechtsempfinden weitester Kreise in> klaffenden Gegensatz stehenden Spruches geradezu persönlich entlastet lverden sollten und ihr Urteil ihrem Klassenmilieu, aus dem der einzelne eben nicht herauskomme, zugeschoben wurde. Außerdem operierten ja selbst Juristen in fast jeder Schwurgerichtötagung mit dem Be- griffe der Klassenjustiz, wenn sie— Staatsanwälte wie Verteidiger— Geschworene mit Rücksicht auf deren soziale Stellung ablehnten. Schließlich selbst angenommen, daß der Vorwurf der Klassenjustiz eine Beleidigung einschlösse, so sei durchaus noch nicht ausgemacht, daß nun auch gerade Herr Mendel aus Elmshorn getroffen sei, denn Geschworenenurteile seien Dkajoritätsurteile. Die angebliche Beleidigung könne Herr Mendel bloß dann auf sich beziehen, wenn feststünde, daß er auch wirklich zur freisprechenden Majorität gehörte, die allein durch den Vorwurf beleidigt werden könnte. Die Abstimmung der Geschworenen werde aber bekanntlich streng geheim gehalten, und so konnte der Angeklagte auch Herrn Mendel, dessen Verdikt er nicht kannte, nicht beleidigen. Das Urteil schloß sich trotz'der beredten Ausführungen der Verteidigung der Auffassung der Anklage an. Durch den Ausdruck Klassenjustiz werde den Geschworenen der Vorwurf gemacht, daß sie, zwar nicht absichtlich und wider besseres Wissen, aber fahrlässig, weil befangen, falsch genrteilt hätten. Das sei eine schwere Beleidigung. Das Geschworenenurteil sei freilich befremdend und überraschend gewesen, aber nur deshalb, weil in der Presse über � die Verhandlung entstellende Berichte veröffentlicht worden wären. Die Geschworenen treffe auch nicht der Schatten eines Vorwurfs, sie hätten durchaus richtig geurteilt. Einzig aus den» vom Staatsanwalt angeführten Eruitde sei nicht auf Freiheitsstrafe erkannt worden, sondern antragsgemäß auf 400 M. Geldsttafe, weil eS eine Ungerechrigkeit wäre, wenn der Angeklagte härrer bestraft würde, alS fein Hamburger Kollege, der ursprüngliche Urheber der Beleidigung.» Von Rechts wegen wird unter dem schriftlich ausgefertigten Urteil stehen. Von Rechts wegen nimmt die Blankencser Notzuchts» affäre, über die alle Menfchen, mit normalem sittlichen Empfinden aufs höchste empört waren, den Ausgang, den Figura zeigt: ein sozialdemokratischer Redakteur auf lange Monate ms Gefängnis, zwei seiner Kollegen zu hohen Geldstrafen verurteilt— und die Schandbuben frei._ Die beleidigte Königliche Bergverwaltung. Wegen-Beleidigung der Bergbehörde und des Bergrats Schlöper stand am Montag Genosse TI) o m a s e r, Redakteur des„Volks- wille" in Hannover, vor der Straflammer. In zwei Artikeln hatte er die Zustände im Königlichen Bergwerk zu Barsinghausen und das Verhalten des Bergrats während des Streiks der königlichen Berg- leute in Barsinghausen einer scharfen Kritik unterzogen. Ueber den Streik, der Ende Juli ausbrach, hat der„Vorwärts" sehr eingehend berichtet und es werden unseren Lesern die Vorgänge noch in Er- innerung sein. Tie Verhandlung vor der Strafkammer förderte durch Vernehmung des Bergrats Schlöper selbst, noch Tatsachen an das Tageslicht, die auf den„sozialen Staat" ganz bedenkliche Streif- lichter werfen. Bergrat Schlöper kam 1890 in seine jetzige Stellung in Barsinghausen. Tama!» arbeitete das Bergwerk mit Defizit, aber bald begann die Ucberschußwirtschaft zu florieren. 1899 Wirt- schaftete man schon 200 000 M. heraus und dieser Gewinn steigerte sich jedes Jahr um 100 000 M., einmal um 200 000 M., so daß im letzten Jahre der Reingewinn 800 000 M. betrug. Die Löhne der Bergarbeiter haben diesen Rekord nicht mitgemacht, sie betrugen pro Jahr im Durchschnitt: 1890: 799 M.,97: 8S3 M., 93: 937 M., 99: 1020 M.. 1900: 900 M.. 01: 930 M., 02: 952 M. und 03: 982 M. Davon gehen die Abzüge ab. Als besonderen Beweis seiner Für- sorge für die Bergarbeiter gab der Bcrgrat in diesem Jahre d i e Anordnung, die Löhne nicht herabzusetzen! Die Schwankungen in den Löhnen erklärte er mit dem Hinweis auf die Nachfrage nach Kohlen. Sie werden aber erst treffend illustriert neben den hohen Gewinnen noch durch die vom Bergrat ebenfalls als Fürsorge für die Arbeiter hingestellte Tatsache, daß im Jahre 1806 Feierschichten eingelegt ivaren. Jetzt würden seitdem Ueberschichten gemacht I Und trotzdem ist der Lohn bei Ueber» schichten nur 982 M., während bei Feierschichten noch 799 M. ver- dient worden sind. Seit 1890 ist eine Vorschußkasse für die Berg. leute begründet, in die die Bergleute Geld einzahlen. Und zum Beweis, daß die Löhne gut sind, führte der Bergrat an, daß in diese Kasse einige Bergleute bereits 500 M. eingezahlt hätten! Deshalb sei auch kein Grund zum Streiken vorhanden gewesen. Das sagte er, obgleich er zugeben mußte, daß Hauer auch bloß 65 M. pro Monat verdient haben..„.. Im Bergwerk zu Barsinghausen bestand auch schon ein Arbeiter- ausschuß, che die Novelle zum Berggesetz geschaffen wurde, und Minister Möller bildete sich bei den Beratungen im preußischen Ab- geordnctcnhause ganz besonders etwas darauf ein. Der Bergrat hat aber, wie er selbst bekundete, diesen Arbeitcrausschutz nicht be» achtet, sondern die Lag- des Streiks mit den Knappschaftsältesten und seinen Beamten besprochen. Er hatte auch vier Leute, die in die Kommission gewählt wurden, um mit ihm zu verhandeln, zurück- gewiesen und auf der Stelle entlassen. Das entschuldigte er mit einer von ihin erlassenen Bekanntmachung, wonach diejenigen, die am Montag früh die Arbeit nicht wieder aufgenommen haben, entlassen seien. Die vier waren zur Frühschicht nicht eingefahren. Der Bergrat hat endlich auch zugeben müssen, daß die langaus- gedehnten Strecken des Bergwerks oft sehr schmutzig sind. Schließlich führte er zum Beweis seiner Arbciterfürsorge noch an, daß«r bei Ausbruch des Streiks sofort seinen Urlaub unterbrochen habe und alle Beschwerden genau untersuche. Die Forderung auf höhere Löhne habe er aber sofort zurückgewiesen. DaS Gericht verurteilte den Genossen Thomaser wegen Be- leidigung, begangen durch zwei selbständige Handlungen, zu 400 Mark G e l d st r a f e. Der Staatsanwalt verlangte die Bestrafung jeder Beleidigung mit 3 Monaten Gefängnis und zog die 0 Monate zu 4 zusammen. Das Gericht attestierte dem Bcrgrat, daß er durch- aus loyal gehandelt habe und behauptete außerdem, daß kein Grund zum Streiken vorlag. Für die Arbeiter ist in solchen Sachen das Gericht selbstverständlich nicht sachverständiger Beurteiler. Schon die obengenannten Zahlen des Bergrats sind allzu triftige Gründe zum Streik. Ueber eins konnte aber das Gericht nicht einig Werdern Der Bergrat hatte zu der Kommission der Bergleute, als sie während des Streiks mit ihm verhandeln wollten, gesagt: Ihr seid Nullen, Ihr wäret gestern in der Versammlung Nullen, seid eL heute und in Zukunft auch. Ein als Zeuge vernommener Bergmann deutet« diese Aeußerung so, daß der Bergrat gemeint habe, die Bergleute seien vor ihm Nullen, während der Bcrgrat gemeint haben will, sie seien, weil sie sich vom Bcrgarbeiterverband haben leiten lassen, diesem gegenüber Nullen gewesen. Das Gericht erklärte, daß es wohl wahr» scheinlicher sei, daß der Bergrat gemeint habe:„Ihr seid den Hetzern(I) gegenüber, die Euch zur sozialdemokratischen Partei und in den Streik treiben wollen, Nullen". Recht niedlich auSge- drückt I Aber die Arbeiter hätten die Bezeichnung auch anders auf. fassen können. Ob solche Worte überhaupt gegenüber Arbeitern auch loyal zu nennen waren, sagte das Gericht nicht; es hielt nur die Tatsache, daß so geredet ist, für den Angeklagten als strafmildernd. Den Zweck der Artikel kennzeichnete das Gericht dahin, daß die „königstreuen Bergleute" zur Sozialdemokratie und zu sozialdemo- kratischen Wahlen gewonnen werden sollen. Das Mittel, die Kritik, habe aber das straflose Matz weit überschritten. Wie wenig sonst aber gelehrte Richter mit den tatsächlichen Zuständen vertraut sind, bewies eine Bemerkung des Gerichtsvorsitzenden. Als ein Zeuge sagte, er habe schon 4 M. pro Tag in Barsinghausen verdient, meinte der Vorsitzende: Das ist ja ein kolossaler Verdienst l— Das war kein Hohn, sondern blutiger Ernst für ihn.-- Zur Landtagswahl in Sachsen. Ueber die Ergebnisse der säch- fischen Landtagswahlen ist auch heute ein völliger Ueberblick nicht möglich; vielleicht verschiebt sich das Verhältnis in der Zweiten Kammer insofern etwas, als die Konservativen nicht mehr un- umschränkte Herrscher der Verfassung bleiben, indem die Zweidrittel- Mehrheit derselben durch die wenn auch mäßigen Erfolge der Nattonal- liberalen gebrochen wird. Ob die Hoffnung der Nattoiialhberalen stimmt, muß der Wahltag erweisen. Besonders bemerkenswert ist die Wahl im 37. Wahlkreis(Hartenstein- Wildenfels« Lichtenstcin). Nach unserem Zwickauer Parteiblatt wären bisher bei einer Gesamt- zahl von 101 Wahlmännern 49 sozialdemokratische Wahlmänner zu verzeichnen. Gelingt es, in den noch erforderlichen Nachwahlen die zur Majorität noch fehlenden Wahlmänner durchzubringen, so würde Genosse G o l d st e i n trotz der Ucbermacht der Gegner der Reaktion manche bittere Stunde bereiten. Die Genossen des Kreises werden alles daran setzen, die Nachwahlen zu gewinnen. Zum Stand der Marokko-Berhaiidlunge». Der deutschen Re- giernng liegt allem Anschein nach daran, die Beunruhigung der fran» zöfischen Politiker über die in de» Verhandlungen bezüglich Marokkos eingetretene Verlangsamung zu beschwichtigen. Dr. Rosen erklärte einem Rcdattenr des„Journal des Debats": ES handelt sich darum, die zukünftigen Verhältnisse zu regeln, ohne daß irgend eine Zweideutigkeit oder ein Mißverständnis möglich ist. Unter solchen Umständen kann man die zutreffende Entscheidung nicht genug über- legen, und eS ist besser, das Einvernehmen um einige Stunden zu verzögern, als ein hinkendes Ab- 1 Verlustliste aus Südwestafrifa. Ein Telegramm aus Wind- oder ihn wegen Mordes zu lebenslänglichem Zuchthaus allen tommen zu improvisieren, welches eine Quelle für hut meldet: Am 5. September dieses Jahres auf Patrouille bei falls im Falle der kaum verständlichen Zubilligung mildernder fünftige Zwijtigkeiten sein würde, anstatt eine endgültige Bürgschaft Osombo- Orutjindo gefallen: Unteroffizier Johann Bree, geboren Umstände zu 30 Jahren Zuchthaus zu verurteilen. zu sein. Wir suchen ein billiges, für beide Länder ehrenvolles Ab- am 2. 12. 81 zu Kaldau, früher im Kürassierregiment Nr. 5, Kopf- Nach Beendigung dieses Prozesses wird der Prozeß vor den konimen zu erreichen, welches ihre natürlichen gegenseitigen Interessen schuß. Am 11. September dieses Jahres auf Patrouille bei Militärbehörden wegen der chinesischen Heldentaten beginnen. respektieren und ihre gerechtfertigte Eigenliebe nicht verlegen soll; Haruchas gefallen: Gefreiter Karl Buhr, geboren am 26. 11. 7 Hier handelt es sich um 30 verschiedene Verbrechen, von denen ein dauerhaftes, teine Hintergedanken zulassendes Abkommen. Man zu Neurode, früher im Füfilierregiment Nr. 35; Gefreiter Gustav für 29 der Tod durch Erschießen vorgesehen ist. So wie wir die überhaftet keine Lösung, wenn es sich um so ernste Fragen im Leben Wettges, geboren am 17. 2. 82 zu Halberstadt, früher im Dragoner- Militärjustiz kennen, glauben wir nicht, daß sie Modugno gefährlich zweier Völker handelt. regiment Nr. 16. Am 15. September dieses Jahres beim Ueberfall fein wird, weil seine Kulturtätigkeit in China zu wenig von der der Pferdewache östlich der großen Karasberge verwundet: Reiter einer großen Zahl seiner Kameraden abstach und ganz dem Geiste Schutz der heimischen Viehzucht." Wie schon gestern gemeldet ilheim Nitsche, geboren am 28. 11. 81 zu Rottwerndorff, früher jener Sachemission angepakt war. im föniglich sächsischen 2. Feldartillerieregiment Nr. 28, schwer, wurde, hat der Vorstand des Rheinischen Bauernvereins die AbSchuß linke Brust. Gefreiter Otfo Seletsch, geboren am 30. 12. 79 sendung einer Petition an den Reichskanzler und den Landwirtschafts- zu Rothzenne, früher im 3. Seebataillon. leicht, Fleischschuß rechter minister beschlossen, worin namens 53 000 rheinischer Bauern" Unterarm. Reiter Gerhard Habedank, geboren am 12. 11. 84 zu dringend gebeten wird, den Schutz der heimischen Viehzucht in Effen, früher im Lehrregiment der Feldartilleriefchießschule, leicht, vollem Umfange aufrecht zu erhalten, insbesondere aber die Deffnung Fleischschuß rechten Ellenbogen. Sanitätsunteroffizier Starl der holländischen Grenze unter feinen Umständen zu be- Schobz, früher im Grenadierregiment Nr. 10, welcher im Gefecht bei willigen". Dazu wird uns aus dem Rheinland geschrieben: Der katholisch- Muhib westlich Haruchas vermißt wurde, hat sich wieder eingefunden. " agrarische Bauernverein hat sich die denkbar schlechteste Gelegenheit zu seiner Petition gewählt; denn von Holland kann die heimische Viehzucht nur gewinnen. Der Vorwärts" hat fürzlich noch fest gestellt, daß nach amtlichem Material zeitweise in ganz holland nicht soviel Seuchenfälle herrschten als in dem einzigen Regierungsbezirk Aachen, der an der holländi schen Grenze liegt, vor dem ausländischen Vieh aber seit mehr als zehn Jahren durch die totale Grenzsperre geschützt" ist. Im August dieses Jahres waren im Regierungsbezirk Aachen 25 Gehöfte in 24 Ge meinden von der Schweinefeuche oder Schweinepest befallen. Und es ist bis heute nicht bestritten worden, was der Vorwärts" vor zwei Wochen berichtet hat, nämlich daß im verflossenen Jahre in Holland überhaupt keine Seuche zu verzeichnen gewesen ist. Holland gegenüber von Schutz der heimischen Viehzucht" zu reden, ist eine Unverschämtheit. Von Holland droht allerdings eine Gefahr; aber weder für das nationale Vieh noch für das nationale Wohl, sondern nur für den„ christlichen" Fleischund Lebensmittel Wucher, denn jenseits der holländischen Grenze sind die Vieh- und Fleischpreise bedeutend niedriger. " Berichtigung. In der gestern unter den letzten Telegrammen enthaltenen Meldung über die Ursache der Unruhen in Kamerun ist irrtümlich vom Kongostaatgebiete die Nede, während es richtig heißen muß im Konzessionsgebiete( der Gesellschaft SüdKamerun). Druckfehlerberichtigung. Am Schlusse des gestrigen Berichts über den Steuerstreit des Kronprinzen muß es heißen Staatseinkommensteuer, nicht Kreiseinkommensteuer. Ausland. Frankreich. Der gewerkschaftliche Kampf der Postbediensteten. Holland. Große Wahlrechtsmanifestation. Amsterdam, den, 18. September.( Eig. Ber.) In Utrecht fand am Sonntag, den 17. September, eine große Manifestation für das allgemeine Wahlrecht statt. Vereine: Abteilungen der sozialdemokratischen Partei, der FreifinnigDemokraten und eine Anzahl der Frauenrechtlerinnen waren vertreten. An der Versammlung nahmen mehr als 15 000 Personen teil. Nach der Versammlung fand ein Umzug statt, der wohl aus 25 000 Teilnehmern bestand. Unter großem Enthusiasmus wurde folgende Resolution angenommen: Die große nationale Manifestation, am 17. September 1905 in Utrecht einberufen vom Komitee des allgemeinen Wahlrechtes, fonstatiert, daß ungefähr eine halbe Million Männer über 25 Jahr und alle Frauen vom Wahlrecht ausgeschlossen sind und also Artikel 78 der niederländischen Verfassung, der besagt, daß eine Undie Generalstaaten das ganze Volk vertreten, wahrheit ist. In der Erwägung, daß es ungerechtfertigt und erniedrigend für die Arbeiter und Frauen ist, daß nur ein Teil des Volkes Gefeze und Verordnungen macht, denen das ganze Volt sich unterwerfen muß; erachtet die Versammlung es als eine nationale Schande, daß dieses parlamentarische System besteht und spricht als ihre Ueberzeugung aus, daß die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes eine Waffe sein wird gegen diese Klasse und gegen ihre Herrschaft, unter der der größte Teil des Volkes als Unterdrückte lebt. Sie ruft das niederländische Volt auf, in den nächsten Jahren den Wahlrechtskampf mit solcher Kraft zu führen, daß die Verfassungsrevision und das allgemeine Wahlrecht nicht mehr abzuweisen sind." Paris, 18. September.( Eig. Ber.) Herr Dubief hat mit unschuldiger Miene versichert, daß er nicht die Absicht habe, den Postbediensteten die gewerkschaftliche Organisation zu verbieten. Die Einen Ausbruch der Rinderpest jenseits der russischen Grenze in fittliche Beschaffenheit des Ministers zeigt sich darin, daß er seinen Birballen melden die Ostdeutschen Grenzboten". Das ehrjame Beck auf heimtückische Art erreichen will, indem er die Bediensteten amtliche Organ der Gemeindebehörden von Stallupönen und Eydt durch polizeiliche Schikanen in ihren Bestrebungen stören läßt. Das Die Freifinnig- Demokraten protestierten gegen ,, Ton und Inhalt" tuhnen hat zwar nicht selbst etwas von einer Rinderpest wahr Agitationskomitee der Postbediensteten hatte um die Ueberlassung der Resolution. Der Protest fand aber in der überwiegend sozialgenommen, aber es hat einen Brief erhalten, in welchem erzählt des großen Saales der Arbeitsbörse für eine Versammlung ersucht. demokratischen Versammlung keinen Widerhall. Es war ein schöner wird, daß russische Grenzbewohner behauptet haben sollen, vor Die provisorische Verwaltungskommission, die bekanntlich vom Tag für die niederländische Arbeiterbeweging. ungefähr zehn Tagen feien in Wirballen die ersten Bestfälle Präfekten ernannt worden ist, hat das Gesuch zurückgewiesen konstatiert worden und bald darauf an einem Tage 35 Rinder unter dem Vorwand, daß der große Saal nur den der Arbeitsgefallen. Ob etwas Wahres an der Sache ist, wird hoffentlich die börse angehörenden Gewerkschaften vorbehalten sei. Die frühere genach der Meldung des Blättchens vom dortigen Landratsamt ein- wählte Kommission hat den Saal sowohl den Vereinen der Postgeleitete Untersuchung ergeben; man fann sich jedoch nicht des Ein- beamten als der Lehrervereinigung, die gleichfalls keine Gewerk drucks erwehren, daß die Meldung, die sofort vom Intelligenzblatt fchaften find, wiederholt überlassen. Es ist wohl auch finnder Landbündler, der Deutschen Tageszeitung", übernommen worden widrig, den den Gewerkschaften reservierten Raum für die Kon ist und von diesem wahrscheinlich in den nächsten Tagen seinen Weg stituierung einer Gewerkschaft nicht herzugeben. Aber freilich, in die kleine konservative Amtspresse finden wird, nur den Zwed Vernunft und Gerechtigkeitssinn haben mit dieser Entscheidung nichts verfolgt darzutun, wie gefährlich eine Deffnung der Grenzen für zu schaffen. Der Seine- Präfekt wird mit Bergnügen die Gelegendie Vieheinfuhr aus Rußland in der jetzigen Zeit der Fleischheit ergriffen haben, zugleich den Wunsch des Ministers und feinen teuerung ist. " Italien. Amsterdam.( Eigener Bericht.) In der Thronrede, mit der die Zweite Kammer eröffnet wurde, werden derselben eine Anzahl Gesetzentwürfe angekündigt, von denen wir die folgenden hervorheben: Gesez den Arbeitsvertrag betreffend, Einführung der bedingten Verurteilung, Förderung des Unterrichtswesens, besonders des Fachschulunterrichts, Aenderung des Armengesetzes und des eben vom Ministerium Kuyper abgeänderten Gesetzes gegen die Trunksucht, militärische Vorübung der Jugend zum Zweck der Verkürzung der eigenen alten Haß gegen die Gewerkschaftsbewegung zu befriedigen. Dienstzeit und Erhöhung des Militärtontingents, obligatorische Dadurch aber ist jetzt die Frage der Postbeamtengewerkschaft mit dem Krantenversicherung in Verbindung mit einer Aenderung der Unfallallgemeinen Problem der Autonomie der Arbeitsbörse verknüpft versicherung, Ausdehnung der letzteren auf die Landwirtschaft, SeeZu dem Zeugniszwangsverfahren gegen den Genossen Zielowsky worden und man bekommt einen Vorgeschmack von der„ Autonomie", fischerei und Seeleute der Handelsschiffahrt, obligatorische Alterswird uns aus Hanau geschrieben: hier in Hanau ist dank der die der Präfeft, auf das neue Statut gestützt, fünftig" den Organi und Invalidenversicherung, Abschaffung der Zehnten. Schließlich sozialdemokratischen Agitation in den letzten Jahren ein allerdings fationen der Arbeitsbörse und ihrer legalen Vertretung bescheren Gefeggeber bei der Regelung der Wahlberechtigung Freiheit zu verwird eine Verfassungsrevision angekündigt, um dem gewöhnlichen sehr bescheidener Anfang mit der Errichtung guter Arbeiterwohn- wird. häuser durch die Stadt gemacht worden. Zwei alte, sehr baufällige Die Postbediensteten lassen sich durch diese Polizeimachenschaften schaffen". Hierbei will jedoch die Regierung zunächst untersuchen, Häuser wurden von der Stadt gekauft, niedergeriffen und an deren ebensowenig wie durch die versteckten Drohungen des Ministers ein- inwieweit sonstige Aenderungen der Verfassung erwünscht sind. Stelle neue Häuser mit verhältnismäßig gut eingerichteten Arbeiter- schüchtern. Besonders in der Provinz macht die gewerkschaftliche der Verfassung, der allgemeines Wahlrecht ermöglichen soll, allein Diefes Regierungsprogramm enthält also den Blanko- Artikel wohnungen, die zu den ortsüblichen Mieten abgegeben werden, ge- Agitation große Fortschritte sowohl in den Städten als auf dem der Verfassung, der allgemeines Wahlrecht ermöglichen soll, allein baut. Für die nächsten Jahre sind noch einige derartige Bauten flachen Lande. In Lyon und Rouen haben die Bediensteten Ver- der Umstand, daß das Ministerium untersuchen soll, ob noch geplant. Hiervon befürchtete ein Teil der Hausbesitzer sammlungen in den Arbeitsbörsen abgehalten, die ihnen von den andere Verfassungsänderungen erwünscht sind, birgt die Gefahr eine Schädigung und erhob Einspruch gegen diese Konkurrenz bortigen Verwaltungskommissionen zur Verfügung gestellt worden in sich, daß das Ministerium die ganze Verfassungsänderung bis durch die Stadt. Daraufhin veranstaltete der Magistrat waren, und sich mit dem Aktionskomitee solidarisch erklärt. Die in zum Ende der vierjährigen Legislaturperiode hinausschiebt. Db ihr eine Erhebung, deren Ergebnis bewies, daß hier in der Tat Rouen beschlossene Resolution schließt mit einem Hoch auf die Ge- allerdings ein solch langes Leben beschieden ist, ist bei der Zuein Mangel an gefunden Arbeiterwohnungen besteht. Jetzt richtete werkschaft und die soziale Republik. sammensetzung der Zweiten und der gänzlich klerikalen Mehrheit der Ersten Kammer sehr zweifelhaft. Das holländische Proletariat wird fich die Wut jener Hausbefizer gegen den städtischen Baurat, der die Erhebung geleitet und seine energische Agitation für das allgemeine Wahlrecht ununterden Bericht abdarüber Die Stadtverordneteu- Versammlung nahm mit 11 gefaßt hat. brochen weiterführen müssen, will es nicht mit dem guten Willen" dieser schwachen Regierung wiederum auf Jahre hinaus um die gegen 10 Stimmen einen Antrag an, nach welchem sie eine Gegen das Ende des Prozesses Modugno. Früchte seiner jahrelangen Tätigkeit um Erzielung des ersten BürgerBetition des hiesigen Hausbesigervereins in dieser Sache u. a. dahin Rom, den 17. September.( Eig. Ber.) Die seit dem Monat rechtes betrogen werden. Uebrigens trachtet das Ministerium un beantwortete, daß die Beunruhigung der Hausbefizer nicht begründet, März währenden Verhandlungen des Prozesses Modugno gehen zweideutig, mit diesem Programm sowohl von rechts wie von links aber durch das Ergebnis der Erhebung und die daran geknüpften ihrem Ende entgegen. Wenn nicht Unvorhergesehenes eintritt, ist Freunde zu gewinnen, um sein Leben zu erhalten. Ihrem klerikalen Bemerkungen verschuldet sei, die aber nur persönliche MeinungsVorgänger folgt die Regierung, um auf freifinnige Weise die Interessen äußerungen" seien und auch nur als solche Bedeutung haben. Dieser der Wahrspruch im Laufe dieser Woche zu erwarten. Vielleicht ist selten in einem Prozesse ein so schwieriges Dilemma der Arbeiter wahrzunehmen, ohne die halbe Million vom Wahlrecht Beschluß wurde gefaßt troßdem unmittelbar vorher der Oberbürger meister die Erklärung abgegeben hatte, daß der Bericht des Stadt- 34 lösen gewesen, wie im Prozesse Modugno. Von der Anklage Ausgesperrten mitsprechen zu lassen. Zuerst bringt sie die sozialen Gesetze baurats nicht dessen persönliche Meinungsäußerung fei, sondern wie von der Verteidigung find große Anstrengungen gemacht worden, unter Dach und Fach zur Vermeidung einer Schädigung des eine offizielle Vorlage des Magistrats. Der Baurat hat bald darauf um die eigene Version plausibel erscheinen zu lassen, aber eigentlich Kapitalismus. Inzwischen stellt sie Untersuchungen" an betreffs fann man sagen, daß, man mag den Tod der jungen Frau der Verfassung. Es bleibt also Zeit übrig, daß die Kammerfeinen Austritt aus der städtischen Verwaltung auf den 1. Oktober angezeigt. In der nächsten Sizung erhob der Oberbürgermeister Ein- Modugnos auf Selbstmord oder auf Mord zurückführen, viel Un- mehrheit von Kapitalismus Gnaden sie beizeiten straucheln lassen fann, bevor sie eigentlich aus ihrem Planko" hervortreten und das spruch gegen jenen Beschluß. Daran schloß sich eine Debatte, und erklärliches in der Sache und ihren Nebenumständen bleibt. Die Sachverständigen, von denen man billigerweise eine un- Unrecht der Wahlentrechtung anfassen kann. in dieser soll Genosse Hoch die 11 bürgerlichen Stadtverordneten, die für den Antrag gestimmt hatten, verleumderisch beleidigt haben. parteiische Beurteilung verlangen sollte, teilen sich in Italien in Das Budget für Niederländisch- Indien weist bei einem GesamtDie Herren stellten bei der Staatsanwaltschaft einen Strafantrag Sachverständige, die von der Verteidigung, und in solche, die von gegen Hoch, aber nicht nur wegen seiner Rede in der Stadtverordneten finden wir, daß das Befinden der Sachverständigen für Schußwaffen, Gulden auf, doch wird ein großer Teil der Kredite zu Ausgaben Demgemäß der Zivilpartei oder der Anklage ernannt werden. betrage von 160 Millionen einen Fehlbetrag von 10 Millionen bersammlung, sondern auch wegen zweier Berichte in der Frankfurter je nach dem Standtpunkte der„ Arbeitgeber", den Selbstmord oder produktiver Art dienen. Für die Marine find infolge der Streichung Bollsstimme". Der Staatsanwalt erhob denn auch öffentden Mord für das Wahrscheinlichere hält. Aber kein Parere schließt einiger Schiffe und ihrer Entfegung durch Torpedoboote eine halbe liche Klage. Genosse Hoch räumte bereits im ersten be unbedingt die Möglichkeit des Mordes oder des Selbstmordes aus, Million Gulden weniger angefeßt. Für den öffentlichen Unterricht Termin, der vor vierzehn Tagen stattfand, ein, daß in den Berichten den„ Boltsstimme" beanstandeten Ausführungen in so daß man am Ende so klug ist wie zuvor. Die Gutachten über ist eine Mehrausgabe nötig wegen der neuen Subventionierung von seiner Rede in der Stadtverordnetenversammlung gemacht habe, und die Handschrift des Abschiedsbriefes schienen anfangs eine eindeutige Brivatschulen. Beabsichtigt ist die Einführung einer Zuckerſteuer und erbot sich, den Wahrheitsbeweis zu erbringen. Er bestritt aber, der Antwort zu ergeben. Das erste Sachverständigenkollegium schloß es eine progressive Steigerung der Gewerbesteuer. Verfasser der Berichte zu sein. Der Vertreter der Nebenkläger wollte aus, daß Cenzina Modugno die Abschiedsworte selbst geschrieben hatte eine progressive Steigerung der Gewerbesteuer. jedoch von dem Wahrheitsbeweis nichts wissen, bevor nicht der Ber- und schrieb die Nachahmung dem Angeklagten zu. Nachher tamen andere faffer der Berichte ermittelt sei. Auf seinen Antrag wurde die Ver- Sachverständige, die die Möglichkeit einräumten, die Schriftzüge Was über die Lage der Pistole, macht im liberalen Handelsblad" bekannt, daß fie feit der Verhandlung vertagt, um den verantwortlichen Redakteur der„ Volks- rührten von der Verstorbenen her. ftimme", Bielowsky, aus Frankfurt als Zeugen zu laden. So tam über die Stellung des Hahns bei der Auffindung festgestellt wurde, haftung ihres Ehegatten in Köln, die schon vor einer Woche statt ſtimme", Zielowsky, aus Frankfurt als Zeugen zu laden. So kam ist zu wenig sicher, um als Material für oder wider in Betracht zu fand, weder von ihm selbst noch von der Polizei oder einer anderen zu dem zweiten Termin, in dem Genosse Zielowsky tommen. Auch das Alibi Modugnos, den ein mit dem Pfropfen Behörde Nachricht erhalten hat. Die Sache fängt an, in Holland selbstverständlich das Zeugnis verweigerte. Er beriefsich von Bäumen beschäftigter Landarbeiter im Moment des Schusses im Aufmerksamkeit zu erregen, denn es ist doch etwas start, daß man darauf, daß es feine Ehrenpflicht als Redakteur ſei, über den Verfasser der Berichte die Aussage zu verweigern. jemandem, den man arretiert, nicht einmal bekannt gibt, warum er Das Gericht legte dem Genossen Zielowsky eine Geldstrafe von verhaftet ist und seine Verwandten vollständig ohne Nachricht läßt, auch ihm nicht zu schreiben gestattet. Aus Paris wird gemeldet, 200 M. auf und ließ ihn verhaften, um das Zeugnis zu erzwingen. daß Nieuwenhuis der Aufenthalt in Deutschland wegen früherer Dann wurde die Sache wiederum, und zwar auf unbestimmte Zeit, Ausweisung verboten war und er darum erst eine Strafe abzubüßen bertagt. Bezeichnend ist es übrigens, daß unter den elf Klägern sich auch haben wird; aber auch dann kann man ihm nicht verbieten, seine Familie zu beruhigen. der Führer der hiesigen Freisinnigen befindet. Wann endlich wird mit einer Bestimmung aufgeräumt werden, die einem anständigen Menschen eine unehrenhafte Handlung zu mutet oder ihn einem inquisitorischen Verfahren preisgibt! es " loſett gesehen haben will, kann nicht als überzeugend gelten, wie ja wohl jede Aussage, die sich auf ein 2½ Jahre zurückliegendes Ereignis bezieht, an Ueberzeugungskraft verliert. So sieht sich die Jury vom Tatsachenbefund in Stich gelassen. Man hat von beiden Seiten viel psychologische Elemente herbeigeschleppt, sei es, um Modugno als des Mordes fähig zu zeigen, sei es um Cenzina als zum Selbstmord neigend darzustellen. brechen in China, sein brutales Verhalten gegen eine frühere Geliebte, Gegen Modugno fallen ins Gewicht: seine Roheiten und Verder Umstand, daß ihm am Tage vor dem Tode Cenzinas ein Rodia unterzeichnetes Telegramm irrtümlich zugestellt wurde und so die Mordtat erklären konnte. Rubftrat als Sachverständiger. Gegen den Cafétier Hans Fortner Was Cenzina betrifft, so hat sie mütterlicherseits mehrere Selbst" Bum Hans Sachs" in München ist ein Strafverfahren wegen mörder und Jrre in der Familie, einige Dienstboten gaben an, ihr Duldens gewerbsmäßiger Glücksspiele eingeleitet worden. Im Hans Charakter sei ungemein wechselnd gewesen. Sie soll zweimal um Sachs" geben sich jahraus jahrein stadtbekannte Münchener Spielratten Bagatellen Selbstmordversuche gemacht haben. Man muß hinzuein Rendezvous. Es handelt sich um die Frage, ob Pokern" fügen, daß sowohl das Belastende als das Entlastende von den als Glücksspiel zu betrachten sei oder nicht. Der bellagte Restaurateur Geschworenen sehr verschieden bewertet werden kann, da die Aufbeantragt nun durch seinen Rechtsbeistand, wie bereits gemeldet, faffung über Glaubhaftigkeit der betreffenden Zeugen recht abüber die vielumstrittene Frage den oldenburger Justizminister Ruh- weichend ist. strat für den demnächst stattfindenden Termin als Zeugen und Entschieden gegen Modugno spricht sein Verhalten während der Er trat nicht an ihr Sterbebett. Sachverständigen zu laden. Diesem Antrage wurde insofern legten Stunden seiner Frau. stattgegeben, als das Münchener Gericht beschloß, Justiz sondern schloß sich in seinem Arbeitszimmer ein. Als der Brief minister Ruhstrat kommissarisch vernehmen zu unter dem Kissen der Verwundeten gefunden wurde, übergab ihn der Lassen. Vater Modugnos nicht zunächst seinem Sohn, sondern erst dem Arzt! Wir find uns nicht im geringsten im Zweifel, daß das„ Sach- Schließlich sei daran erinnert, daß das Papier, auf dem der Abverständigen" Gutachten zugunsten des Restaurateurs ausfallen wird, fchiedsbrief geschrieben war, aus dem Briefvorrat des alten Modugno womit nicht gesagt sein soll, daß Minister Ruhstrat etwa auf Eid stammte, der Genzina nicht zugänglich war. nicht seiner Ueberzeugung nach bestem Wissen und Gewissen Ausdruck geben würde. = Es ist klar, daß den Geschworenen fein Mitteliveg bleibt zwischen den beiden Extremen: entweder Modugno freisprechen. " Die Verhaftung von Nieuwenhuis. Frau Domela Nieuwvenhuis Rußland. Der Verlust der russischen Marine. Nach den von der russischen Marineverwaltung angestellten genauen Berechnungen kann der direkte Totalschaden der russischen Marine in folgenden Zahlen ausgedrückt werden: Port Arthur und Wladimostot 106 217 266 Rubel und in der Koreastraße 120 718 932 Rubel, insgesamt also 226 936 198 Rubel. Außerdem kommen noch die Kosten für Schiffsreparaturen in Port Arthur, Wladivostok und in den neutralen Häfen in Betracht, so daß der Gesamtverlust der russischen Marine ettva 300 000 000 Rubel beträgt. " Türkei. Die Frankf. Zeitung" meldet aus Stonstantinopel von gestern: In einem im Zentrum des Pera- Viertels in unmittelbarer Nähe der Wohnung des deutschen Generalkonsuls gelegenen Hause, das einem Engländer namens Jones gehört, entdeckte die Polizei heute eine große Menge Bomben und Dynamit sowie zur Herstellung von Bomben nötige Chemikalien. Die Revolution in Rußland. Die Unruhen in Baku. zieht ein Jahresgehalt von 75 000 Dollar; er muß große Talente Letzte Nachrichten und Depefchen. bei der Förderung der Praktiken dieser Gesellschaft entfaltet haben, denn der Herald" erzählt, daß er dort als Laufbursche für 5 Dollar Viele Politiker stehen im Dienste der Die offiziösen Nachrichten über die Vorgänge in Bału wider- pro Woche begonnen habe. sprechen sich von einem Tag zum anderen. Gestern meldete die Versicherungsgesellschaften und nehmen die Interessen derselben in Petersburger Telegraphenagentur, daß die Ruhe im Bakuer Gebiet den gesehgebenden Körperschaften wahr, und ihre Dienste werden wieder hergestellt sei; heute heißt es in ihrer Meldung: In Baku gut bezahlt. dauern die Mordtaten und die Verwundungen, die mit Hieb- und Stichwaffen ausgeführt werden, an. Räuberei wird überall in der Provinz Elisabethpol getrieben, besonders auf der Straße nach Agnama; auf dieser ist General Takaischwili mit Truppen an gekommen. Eine Bande von Tataren wurde von Kosaken bis in ein armenisches Kloster in der Provinz Eriwan verfolgt und dort zerniert, bis Mohammedaner zum Entsatz herbeieilten und sie befreiten. Verfammlungen. Eine Niederlage in Südwest- Afrika? Kapstadt, 20. September.( Meldung des„ Reuterschen Bureaus".) Amtlich wird bekannt gemacht: Während der Verfolgung Witbois durch General von Trotha entkam Witboi den vereinigten Abteilungen und griff einen langen deutschen Konvoi in der Nachhut bei Keetmanshoop an. Die Begleitmannschaft wurde überrischt und fast völlig niedergemacht. In die Hände des Feindes fielen tausend Stück Vieh, 122 Wagen, darunter einige mit Munition beladen, und eine Anzahl Gewehre. An hiesiger maßgebender Stelle liegt, wie„ W. T. B." das diese Meldung verbreitet, dazu bemerkt, eine Bestätigung dieser Meldung nicht vor. Zarenknechte. Vierter Wahlkreis( Süd- Ost). Die Einleitung zur Agitation Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins, die am Dienstag für die kommenden Stadtverordnetenwahlen bildete eine in der„ Drachenburg" abgehalten wurde. Franz Koke sprach daDer Frantf. 8tg." meldet ein Privattelegramm: selbst unter großem Beifall über die Bedeutung der KommunalAm 16. September wurde in Helsingfors auf dem Alexander- wahlen für unsere Partei. Eingehend würdigte er besonders das play ein Meeting der tonstitutionalistischen Partei ab- sogenannte Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden und die komgehalten. Unter annähernd 25 000 Teilnehmern waren viele ehe- munale Wohnungspolitik unter gleichzeitiger Kriitk der„ freisinnig" malige Senatsmitglieder, Bürger aus allen Gegenden des Landes. kapitalistischen Stadtväterwirtschaft. In treffenden Worten erEin neues Königsberg scheint bevorzustehen: Unter der Polizei und Militär sprengte das friedliche Meeting auseinander, wobei mahnte er dann die Genossen, den kommunalpolitischen Dingen in es 12 Tote und 72 Verwundete gab; die Zahl der verwundeten Militärs Zukunft mehr Interesse entgegenzubringen und jetzt eine rührige Ueberschrift, die dieser Meldung vorsteht, hat die Bres. ist unbekannt, getötet wurden 2 Offiziere und 12 Soldaten. Heute demokratische Partei mit einem glänzenden Siege aus den Wahlen Haltung der deutschen Regierung zum Falle des Genossen Agitationstätigteit zu entfalten, damit am 8. November die sozial- lauer Volkswacht" in ihrer Dienstag- Nummer die wurde dem Prokurator des finnischen Senates ein darauf bezügliches hervorgehen könne. Im selben Sinne äußerte sich Genosse Thäder. Kasprzak einer scharfen Kritik unterzogen. Darauf wurde in Memorandum eingereicht, das mit den Worten schließt: Wenn Sie eine Woche nach Empfang unserer Eingabe nicht eine er Der überwachende Polizeileutnant bestand wieder einmal auf den Geschäftsräumen des Blattes sowie in der Wohnung des schöpfende Erklärung der Gewalttaten, die von Polizei und Innehaltung der" Segment"-Verordnung. Unter allgemeiner verantwortlichen Redakteurs, des Genossen Robert Albert, Militär gegen eine friedliche Menge verübt wurden, geben, so heiterkeit gingen die anwesenden Frauen auf die Gallerie. Haussuchung gehalten und die Nummer beschlagnahmt. Es übernehmen wir keine Verantwortung dafür, was geschieht. Das bergossene Blut kommt auf Ihr und der Regierung Haupt." Untersoll in dem Artikel eine Majestätsbeleidigung und eine Beschrieben haben: Ignatius, Michelie, Rein, Rumberg, Donner, leidigung des Fürsten Bülow enthalten sein. Vom Kaiser ist Wrede, Setela und viele andere. Auf den Bericht über das Attentat in dem Artikel mit keinem Worte die Rede, wohl aber von auf den Gouverneur von Tatvastehus wurde vom Zaren die Friedrich II. und Friedrich Wilhelm IV. Randbemerkung gemacht:„ Wenn sich noch ein Attentat wieder holen sollte, so ist über ganz Finnland der Kriegszustand zu verhängen." Die heutige Reise des Baren wird mit Nervenzerrüttung des Monarchen erklärt. Obgleich das Ministerium des Aeußeren es Teugnet, besitze ich Anhaltspunkte dafür, daß die Reise von Dauer sein wird. Aus Induftrie und Handel. Friedensschluß zwischen Kohlenmagnaten und Fistus. Nachdem schon vor einigen Tagen der„ Berliner Börsen- Courier" verkündet hatte, daß der Fiskus entschlossen sei, die ihm angebotene Beteiligung an der zur Verwertung der rheinisch- westfälischen Gruben felder der Internationalen Bohrgesellschaft gebildeten neuen Gesellschaft anzunehmen und gleichzeitig dem Kohlensyndikat beizutreten, bestätigt jetzt auch die Rheinisch- Westf. 8tg.", das Organ der Bechenbefizer, diese Nachricht. Es schreibt: " Wie wir erfahren, finden noch in dieser Woche in Berlin Verhandlungen statt zwischen Regierungsvertretern und den Hauptbeteiligten an dem Feldererwerb der Internationalen Bohrgesellschaft, in denen über eine Beteiligung des Fiskus an der gebildeten Gesellschaft mit beschränkter Haftung beraten werden soll. Die Arbeiter der Siemens- Schudert- Werke, Abteilung Franklinstraße, befaßten sich am Dienstag in einer ungewöhnlich stark besuchten Versammlung, die in der Kronenbrauerei stattfand, mit den jüngst erfolgten Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen. Der Referent Cohen schilderte in scharfer Kritik die teilweise sehr schlechte Behandlung der Arbeiter und Arbeiterinnen durch verschiedene Werkmeister und die vielfachen Abzüge resp. Preisreduktionen der Affordsäße. Er ging sodann auf eine fürzlich erlassene Verfügung der Direktion ein, wonach es den Arbeitern verboten ist, sich fünftig einige Minuten vor Arbeitsschluß zu waschen und die Garderobe zu betreten. Bislang war diese Verrichtung stets in die Arbeitszeit mit einbegriffen worden, ohne daß jemand Anstoß daran genommen hätte. In der Diskussion wurde besonders die Art und Weise bemängelt, wie die Direktion den Arbeiterausschuß in bezug auf Verbesserung dieser und jener Einrichtungen stets mit leeren Versprechungen hinzutrösten sucht, den Wünschen der Arbeiterschaft in Wirklichkeit aber nie Rechnung getragen würde. Die Versammlung beschloß, den Arbeiterausschuß zu beauftragen, von der Direktion die Zurücknahme jener erwähnten Verfügung zu fordern und darauf zu bringen, daß die Wünsche der Arbeiter eine bessere Berücksichtigung finden möchten. Die Gruppe der Bementierer usw. hielt am 16. September ihre Mitgliederversammlung ab. Unter anderem kam die Affordarbeit der Einschaler auf dem Bau der Aktiengesellschaft für Betonund Monierbau( Nonnendamm) zur Sprache. Haese wurde beauftragt, nochmals mit den dort beschäftigten Kollegen Rücksprache zu nehmen und die Mißstände zu beseitigen. Kommt es zu einer Verhandlung vor Gericht, so wäre hier abermals Gelegenheit, russische Rechtszustände in ordentlicher Gerichtsverhandlung vor aller Welt zu beleuchten. Rußland und Deutschland. 0 Paris, 20. September. Der Präsident des russischen Ministerfomitees Witte gab einem Mitarbeiter des Temps", der ihn über den gegenwärtigen Stand der französisch- russischen Allianz und über Gerüchte betreffend eine russisch- deutsche Annäherung befragte, fol gende Erklärungen ab: Ich glaube, daß durch den Frieden an der allgemeinen politischen Lage Rußlands nichts geändert werden wird. Sie sagen, daß man in Frankreich den Eindruck von einer russischdeutschen Annäherung hat. Es ist nur natürlich, daß diese Annäherung besteht. während des ganzen Krieges Kaiser Wilhelm war Rußland gegenüber Gelegenheit hat er mehr als forrekt. Bei jeder sein Bestreben bewiesen und bekräftigt, uns keine Verlegenheiten zu bereiten und von uns, so weit es von ihm abhing, alle Berwickelungen fernanhalten. Wenn man in einer schwierigen Lage ist, so ist man für ein gutes Vorgehen sehr dankbar. Das war unser Fall, dagegen hat uns ich muß es offen fagen die Haltung eines Teiles der französischen öffentlichen Meinung feit 18 Monaten unangenehm berühre, besonders nach den französischrussischen Rundgebungen die man in den vorhergegangenen Jahren bei jeder möglichen und selbst unmöglichen Gelegenheit ver anstaltet hat. Gleichwohl ich wiederhole es ist im Wesen Der Verband der Friseurgehülfen hielt am 7. d. Mts. seine der französisch- russischen Beziehungen keine Aenderung eingetreten. Wir wollen den Verhandlungen den besten Erfolg wünschen ordentliche Generalversammlung ab. Bolljahn berichtete zunächst Ich sage nicht einmal, daß die Sympathien fich vermindert haben, und hoffen, daß sich ein besseres Verhältnis zwischen Regierungs- eingehend über die schon im Vorwärts" gebrachten Verhandlungen vermute nur, daß die russisch deutschen Sympathien gewachsen und Industriekreisen damit anbahnt. Niemand wird das des 8. Verbandstages. Nach längerer Diskussion erklärt sich die Ver- find. Wenn von zwei Größen eine zunimmt, die andere aber unwillkommener sein als dem Bergbau selbst. sammlung mit den Beschlüssen einverstanden. Sodann erstattete der verändert bleibt, so hat man eben den Eindruck, daß lektere fleiner Aufgabe der Regierungsorgane wird es dann Kassierer Liere den Kassenbericht. Danach stand einer Einnahme wird. Doch liegt die Sache nicht so. Dieses Gleichnis soll nur fein, auch fernerhin direkte Fühlung mit den( inkl. des vorherigen Bestandes) von 4526,84 M. eine Ausgabe von meine Ansicht über den hervorgerufenen Eindruck erklären. Die jenigen leitenden Kreisen zu behalten, deren 3988,02. gegenüber, so daß ein Bestand von 538,82 m. verbleibt. französisch- russische Allianz entspricht den Interessen beider Völker, Tätigteit seither als eine maßvolle allgemein Unter den Ausgaben sind allein 2419,80 M. an die Hauptkasse gesandt. an dieser ist nichts geändert und darf nichts geändert werden, das anerkannt wurde und deren persönliche Betätigung auch in Die Kosten der Lohnbewegung betragen 820,90 M. Aus dem Bericht ist meine aufrichtige Meinung. Zukunft die Gewähr dafür bietet, daß schädigenden Auswüchsen, des Nachweisvorstehers ist zu entnehmen, daß 2652 Anmeldungen hervorgerufen durch rücksichtslose Geschäfts- und Finanzpraftilen, macht und 2601 Stellen besetzt wurden. Bei der Diskussion über die Arbeitsnachweise wurde der Vorstand beauftragt, gegen die Winkelnach Möglichkeit vorgebeugt wird. arbeitsnachweise und Agenten, welche die Arbeitslosen ausnuten, Schritte zu unternehmen, damit diese Zustände beseitigt werden. Schmidt referierte hierauf über das stattgefundene Stiftungsfest der Barbierinnung, ivo unter anderen eine Deputation eines VerDie Einschiebung der Hochfinanz zwischen Industrie und gnügungsvereins von Barbiergehülfen als Vertreter der GehülfenFistus hat letterem nicht zum Vorteil gereicht. Die Vermittler- schaft bezeichnet wurde. Redner kritisierte dieses Gebahren und berolle, die die Hochfinanz bei den Maßnahmen des Fiskus zu dauert, daß sich Gehülfen dazu noch gebrauchen lassen. Unter diesen spielen berufen wurde, verleiht ihr einen Einfluß auf Regierungs- Umständen ist es nicht verwunderlich, wenn diese Auchfollegen mit maßnahmen, der nicht gut ist. Namentlich mußte dem mit der den Arbeitsverhältnissen zufrieden sind. Eine in dem Sinne gehaltene Dresdener Bank eng liierten A. Schaaffhausenschen Bankverein, Resolution fand einstimmige Annahme. Ferner wurde berichtet, daß der ja in engster Beziehung mit der rheinisch- westfälischen Groß der Innungsvorstand fortgesetzt versuche, auf seine Mitglieder einindustrie steht, die Sachlage auf die Dauer unbequem werden. zuwirken, daß diese die Bewilligungen zurückziehen mögen. Es sei Er hatte also das größte Interesse daran, den Fehler seiner daher dringend notwendig, daß sich die Mitglieder auf irgend welche Dresdener Bundesschwester wieder gut zu machen. Die Be Sonderabmachungen nicht einlassen. Mit einem Hoch auf die mühungen, die nach dieser Richtung von anscheinend nicht legiti- moderne Arbeiterbewegung wurde die gut besuchte Versammlung mierten Vermittlern gemacht wurden, blieben aber geschlossen. ohne Erfolg, da beide, Fiskus und Bergbau aus ihrer Reserbestellung nicht heraus- Der Verband Berliner Portiers und Berufsgenossen hatte zu gingen und namentlich die führenden Kohlen- Sonntag die Portiers und Hausreiniger Berlins und Um Lynbitatskreise, obschon zur Einigung obschon zur Einigung begegend zu einer öffentlichen Versammlung nach der Vittoria- Brauerei, reit, doch solange nicht in weitere Verhandüßowstraße, einberufen, in welcher über die Verbesserung ihrer Iungen eintreten fonnten, als die sich anwirtschaftlichen Verhältnisse beraten wurde. In der angenommenen vietenden Unterhändler nicht nachweisen Resolution heißt es:„ Zur Erlangung befferer wirtschaftlicher Verfonnten, daß sie in höherem Auftrage ber- hältnisse ist die Zusammenschließung aller in Berlin und Umgegend handeln konnten. Die Unmöglichkeit, mit dem offiziellen bestehenden Portiervereine usw. zu einem Bunde anzustreben. Bon Kohlensyndikat in der Hiberniasache und der Beteiligung des der Polizei wird gefordert, für gute und geräumige Portierwohnungen Fistus eine Einigung zu erzielen, drängte die interessierten Bank zu sorgen, daß verbotene Wohnungen nicht mehr benutzt und die freise auf einen anderen Ausweg. Man bot dem Fiskus die vorhandenen ständig kontrolliert werden." Kohlenfelder der internationalen Bohrgesellschaft an." Als den Vermittler beim Friedensschluß bezeichnet das Blatt bie Bantwelt", d. h. die mit den Zechenbaronen liierten Großbanken, über deren Rolle es sich folgendermaßen äußert: " Danach scheint es fast, als sei ein Teil der Zechenbefizer mit dem Frieden nicht ganz einverstanden. Diese Resolution soll dem Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg und dem Berliner Polizeipräsidium zugestellt werden. Die Revolution in Rußland. " Aus Riga vom 20. September erhält das B. H." die folgende, anscheinend stark gegen die Revolutionäre voreingenommene Meldung, die aber immerhin charakteristisch ist: In der vorigen Nacht überfiel ein Haufe von 70 Personen das hiesige Bentralgefängnis, durchschnitt den Telephondraht und legte Strickleitern in den Gefängnishof, wo nach higigem Gefecht zivei Wächter getötet und drei schwer verletzt wurden. Darauf befreiten die Demonstranten zwei politische Verbrecher, die einem Todesurteil vor dem Kriegsgericht entgegensahen. Bei der Verfolgung der Leute wurde noch ein Schußmann getötet und mehrere Polizisten verwundet. Die Demonstranten entfamen, nur zwei Personen konnten verhaftet werden. Mostau, 20. September. Das Konzil der hiesigen Universität beschloß, die Vorlesungen erst nach der Bestätigung Trubetkois zu eröffnen. Die gesamte Studentenschaft ist zum Besuch der Vorlesungen bereit. Unruhen am Kongo. Antwerpen, 20. September.( W. T. B.). Nachrichten über die von der Regierung des Kongostaates gegen den Sultan von Djabbir ausgesandte Expedition, die mit dem heute vom Kongo angelangten Postdampfer Philippeville" eingetroffen sind, lauten sehr ungünstig. Danach hält der Sultan der Abteilung des Hauptmanns Laplume stand und soll bereits fünf Weiße haben niedermachen lassen. Die Abteilung Laplume wird durch zahlreiche Desertionen geschwächt; die schwarzen Soldaten gehen mit Waffen und Gepäck zum Feind die schwarzen Soldaten gehen mit Waffen und Gepäck zum Feind über. Eine Abteilung von 100 Mann ist zur Unterstübung Laplumes abgegangen. Auch der Sultan von Nipoe hat sich aufgelehnt. Ein Handelsagent ist unter der Anklage, Grausamkeiten gegen Ginge borene begangen zu haben, verhaftet worden. Polizei- Verschwörungen. Konstantinopel, 20. September.( B. H.). Nachdem in einem Hauſe in Pera neuerdings ein Bombenlager entdeckt und nach den Berichten der Polizei in den Kleinasiatischen Vilajets armenische Verschwörungen bestehen, wurden die Provinzbehörden angewiesen, die Freizügigkeit der Armenier einzustellen und die Erteilung von Bäffen nach Konstantinopel gänzlich zu sistieren. Hierdurch dürften Handel und Verkehr eine große Einbuße erleiden. Zentralverband der Konditoren. Am 15. d. M. tagte eine Eine große Attiengesellschaft zur landwirtschaftlichen Nugbar öffentliche Versammlung, welche für die Arbeiter und Arbeiterinnen machung der brach liegenden oder schlecht bestellten Ländereien ist der Aktiengesellschaft Sarotti einberufen und von 450 Arbeitern, am 15. d. M. in Mailand gegründet worden. Die Gesellschaft, zur Hälfte weiblichen Geschlechts, besucht war. Als der Vorsitzende die sich Societa agricola industriale italiana nennt, hat ein weidler auf die Fabrikerhältnisse besonders einging, zeigte es Attienkapital von zehn Millionen, das durch bloßen Beschluß des sich, daß eine äußerst starte Schuhtruppe des Unternehmers zur Aufsichtsrates auf 20 Millionen erhöht werden kann. Die der Stelle war. Ein Artikel des Fachblattes, in welchem, wie auch in rationellen Kultur gewonnenen Ländereien sollen wieder verkauft den Verhandlungen selbst, zur Genüge betont war, daß im alloder in kleineren Parzellen in Bacht gegeben werden. gemeinen der Lohnsatz bei Sarotti etwas höher sei wie sonst in dem schlecht bezahlten Berufe, wurde auf das heftigste angegriffen, weil auch eine sachliche Kritik an den Wohlfahrtseinrichtungen" geübt Von den amerikanischen Versicherungsgesellschaften. In Ver- und weil den von der Fabrikleitung auserforenen Fabrikausschüssen Marburg, 20. September.( B. H.) Bei Neustadt warf ein bindung mit dem Equitable- Skandal war in New- York ein Staats- und so weiter einige Vorhaltungen gemacht waren. Fabrikreisender, Reservist eine Flasche aus dem Eisenbahnzuge und traf einen Bahnfomitee zur Untersuchung der Verhältnisse in allen Versicherungs- Bureaudiener, Zentralvorsitzender des Gewerkvereins( H.-D.)-wärter, der sofort tot zusammenbrach.( Frf. 8.) gesellschaften des Staates eingesetzt worden. Die gemachten Ent- letzterer hat im Betriebe eine ziemlich zahlreiche und wohlgelittene Paris, 20. September.( B. H.) Der frühere sozialistische Bürgerhüllungen haben die öffentliche Aufmerksamkeit in hohem Maße Truppe, auch ein Wertreter der katholischen Gesellenorganisation meister von Lyon, Mons. Augagneur ist für den Bosten eines erregt. Aehnlich wie bei Equitable geht es auch in den anderen alle traten in die Schanzen für das Wohlwollen", das die Generalgouverneurs von Madagaskar an Stelle des nach Frankreich Gesellschaften zu. Die Männer an der Spike beziehen ungeheure Betriebsleitung der Arbeiterschaft entgegenbringt. Sogar, daß zurückberufenen Generals Gallieni in Aussicht genommen. Summen als Gehälter.. Die Einnahmen dieser Gesellschaften find Briefträger, Müllkutscher und Schußleute zu Weihnachten reichlich überall sehr große, die Verschwendung eine unglaubliche; außerdem beschenkt werden, mußte zum Beweis der unantastbaren Vorzüg aber haben die Gesellschaften in der Politik ihre Hand und ver- lichkeit aller Fabrikseinrichtungen herhalten. Trotzdem wagten sich fuchen, durch ihre reichen Mittel Einfluß auf die Gesetzgebung zu zum Schluß einige Arbeiterinnen mit der Erwähung von Mißständen gewinnen. So wurde z. B. festgestellt, daß die New- York Life hervor. Von einer Widerlegung der durch die Organisationsver. Insurance Co. bei der letzten Nationalwahl 50 000 Dollar für den treter angeführten Tatsachen, daß bei Sarotti für die wein Gerepublikanischen Kampagnefonds hergegeben hatte, um Roosevelt er ringes höheren Löhne die Ausbeutung der Arbeitskraft gang bewählen zu helfen. Perkins, ein Bize- Präsident der Gesellschaft, sonders start betrieben wird, war feine Rede. Schließlich brachte fagte vor dem Untersuchungskomitee aus, daß die Verwaltung der ein ganz besonders liebedienerischer Herr eine Resolutign ein, in Gesellschaft der Ansicht war, daß ein demokratischer Erfolg gegen welcher gegen die Bedingungen" der Firma protestiert und dem die Interessen der Gesellschaft sei. Wütend darüber, fragen jezt Herrn Chef nach wie vor das größte Bertrauen entgegengebracht Orsova, 20. September.( B. S.) Bei den Löschungsarbeiten demokratische Zeitungen, wieviel Demokraten wohl ihr Leben bei wurde. Aber ganz so dumm, wie der Antragsteller dachte, waren des seit fünf Wochen in Flammen stehenden Waldes in der Nähe der New- Yorker Life Insurance Co. versichern würden, wenn sie vor allem die Arbeiterinnen nun doch nicht. Sie lehnten mit großer von Herkulesbad wurden durch ein großes herabstürzendes Felsstüc wüßten, daß ihre Gelder zur Speisung des republikanischen Majorität diese Resolution ab und eine Anzahl trat dem Ver- zwei Soldaten getötet und einer tödlich, drei schwer und 11 leichter Kampagnefonds dienen sollten. Dieser Vize- Präsident Perkins be- bande ein. verlegt. London, 20. September.( B. H.) Ein Telegramm aus Lahore meldet, daß in Baramula( Raschmir) eine furchtbare Feuersbrunst ausgebrochen ist. Ueber 1000 Häuser sind bereits abgebrannt. Der Schaden ist enorm. Reggio( Kalabrien), 20. September.( W. T. B.) Heute nachmittag wütete in der Stadt ein heftiges Unwetter. Mehrere Häuser wurden durch Blitzschläge beschädigt. Man fürchtet, daß die Felder schwer gelitten haben. Die seismographischen Instrumente zeigen noch immer leichte Erderschütterungen an. Verantw. Red. Heinrich Weyker, Groß- Lichterfelde. Inserate verantw. Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.Unterhaltungsblatt Nr. 221. 22. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. oerstag, 21. September 1905. Jena, 20. September 1905. Dritter Verhandlungstag. Vormittagssigung. 914 Uhr. Singer: Bernstein- Berlin liste steht, nicht im Reichstage gewesen ist. Er kann durch eine KonParteitag der sozialdemokratischen Partei verfäumen. Vielleicht empfiehlt es sich, in unserer Fraktion die eng- brechung, das in anderen Parlamenten sehr entwickelt ist, wird bei ferenz, eine Raterteilung zurückgehalten sein und die Abstimmung setzt seine Ausführungen von vorhin fort. Das Recht der Unter lische Institution des Einpeitschers einzuführen. Adlers Aus Deutschlands. uns, namentlich seit Ballestrem Präsident ist, immer mehr beschränkt. führungen kann ich nicht beantworten. Ich glaube nicht, daß die Zwischenrufe, die oft sehr wichtig sind, werden einfach nicht ſtenoFraktion eine passende Gelegenheit versäumt hat, um die Be- graphiert. Durch alles das werden die Rechte der Minderheit verschwerden der Dänen zur Sprache zu bringen. Darin sind wir alle fürzt. Wie ungeheuer sind die Rechte des Reichstags durch einig, daß es notwendig ist, mit äußerster Energie das Selbst- die Ler Gröber verkürzt, wonach der Präsident jedem das bestimmungsrecht jeder Völkerschaft, und sei sie auch flein, Wort zur Geschäftsordnung verweigern kann. Eine solche zu verteidigen. Hindernd tritt uns aber hier die steigende Geschäftsordnung ist eine Geschäftsordnung für den StaatsLeber- Jena eröffnet die Sigung mit der Mitteilung, daß die Kompetenz des Reichstages herrscht ziemliche Unkenntnis in den Barlament muß die Möglichkeit haben, bei jeder Gelegenheit Ohnmacht des Reichstages in den Weg. Ueber den Mangel an streich. Dafür haben aber die wenigsten Verständnis. Das Leitung der Karl Beiß- Stiftung sich bereit erklärt hat, 60 Mit- Kreisen der Parteigenossen, besonders aber in der auswärtigen die Regierung zu stellen. Zu Beginn des ostasiatischen Strieges gliedern des Parteitages die Besichtigung der Werke zu gestatten. Sozialdemokratie. Die Folge ist große Enttäuschung und Miß- wurde das Wort gesprochen, daß russische Trauer deutsche Trauer sei. stimmung im Auslande. Zwar bewundert man die Organisation, Das widersprach ebenso wie spätere ähnliche Aussprüche der GeIch bin in der Lage, Ihnen über den Ausgang der Effener Wahl die Opferwilligkeit und die Größe der deutschen Sozialdemokratie, finnung des Volkes. Der Reichstag aber hat sich in allen Fragen Mitteilung zu machen. Nach einem mir zugegangenen Telegramım aber man ist sehr enttäuscht über das, was bei unserer Fraktion der äußeren Politik seiner Rechte begeben. Wenn nicht das Gefühl find abgegeben bei der gestrigen Hauptwahl für den sozialdemo- im Reichstage geschieht. Wie anders ist es in Frankreich! Da allgemein verbreitet wäre, daß wir hier vollkommen rechtlos find kratischen Kandidaten Gewehr 28 500 Stimmen( Bravo!), für den folgte bei der Maroffofrage Interpellation auf Interpellation, Hunde find wir ja doch!" wie Bamberger einmal gesagt hat Freisinnig- Nationalliberalen 17 800 Stimmen, für das bis Delcassé über die Klinge mußte. Was geschieht so würde auch das Interesse an diesen Fragen größer sein. So Zentrum 35 500, für den Christlich sozialen 2200, aber im Reichstage? Fast gar nichts! Wen trifft aber müssen wir mit aller Entschiedenheit Stellung nehmen. Ich für den Polen 1700. Es wird also eine Stichwahl zwischen dem die Schuld? Im Reichstage ift das Interpellationsrecht, bitte Sie, unsere Resolution anzunehmen, namentlich auch mit RückZentrum und dem Sozialdemokraten stattfinden. Es werden Sie ein wichtiges Recht des Volkes außerordentlich jämmerlich beschaffen. sicht auf unsere ausländischen Genossen, damit diese sehen, daß wir, die Zahlen von der letzten Wahl ebenfalls interessieren. Bei der während im englischen Parlament die Miniſter im Jahre 1903 fobiel an uns liegt, alles tun, um diesen unwürdigen Zuständen vorigen Wahl hat der sozialdemokratische Kandidat erhalten 22 773, 4563 Fragen beantwortet haben, davon 2554 mündlich, brauchen die ein Ende zu machen. die Nationalliberalen und Christlichsozialen, die damals zusammen: Minister im Reichstage überhaupt nicht zu antworten, oder wenn sie Ledebour- Berlin: gingen, 20 890, der Zentrumskandidat damals 35 157 und der antworten, dann kommt heraus, was Herr v. Richthofen sagte: polnische Kandidat 1589. Während also die bürgerlichen Parteien sich auf Wer uns nicht paßt, den weisen wir aus.". Diese Ohnmacht des des Reichstages sind wir ja alle einverstanden. Nur hat Bernstein Mit den allgemeinen Beschwerden über den Mangel an Rechten der Stimmenzahl, die sie das vorige Mal bekommen haben, gehalten haben, Reichstages nimmt zu, teilweise unter dem Einfluß des derzeitigen bei der Erörterung des Interpellationsrechts im deutschen Reichstage haben wir eine Zunahme von 6000 Stimmen zu verzeichnen.( Bravo!) Reichstagspräsidenten. Ich unterschreibe nicht alles, was über den einen Punkt übersehen, durch den in der perfidesten Weise das InterWir sind also die einzige Partei in diesem Wahltreise, die an Grafen Ballestrem geschrieben wird, aber er ist der gefährlichste pellationsrecht zunichte gemacht werden kann. Wenn nämlich eine Stimmen gewonnen hat; unsere Stimmen sind um 30 Proz. gegen n jovialer Weise, die schon bestechend wirkt, versteht er es, den Interpellation eingebracht ist, so hat die Regierung das Recht, zu Präsident für die Rechte des Reichstages, den wir je gehabt haben. Ich weiß mich einig mit dem gedie vorige Wahl gestiegen. Ich weiß mich einig mit dem ge- In erklären: Wir antworten nicht. Das ist noch nicht das schlimmste, famten Parteitag und der gesamten Partei Deutschlands, wenn Reichstag herabzudrücken. Es handelt sich scheinbar um kleinig benn wenn sie nicht antwortet, dann fann wenigstens durch Mehrheits ich unseren braven Genossen in Essen für die mühevolle, opfervolle feiten. Das Recht der Unterbrechung ist außerordentlich verkürzt, beschluß eine Besprechung der Interpellation erzwungen werden, und und rastlose Arbeit, die zu einem so glänzenden Erfolge wenn nicht aufgehoben. Aehnlich steht es mit den Korrekturen im bei solchen Gelegenheiten fann die moralische Wirkung der Besprechung die Partei geführt hat, unseren wärmsten Dank und unsere herzliche Stenogramm.( Die Redezeit ist abgelaufen.) unter Umständen durch das Stillschweigen der Minister noch ber Anerkennung ausspreche.( Lebhafte Zustimmung.) Unsere Genossen stärkt werden. Wir können darauf hinweisen: Die Regierung schweigt, " Bender- Magdeburg Moltenbuhr: = uns eine in Eſſen haben gezeigt, was von dem Gerede zu halten ist, daß die befürwortet den Antrag 86. Die Erhebungen der Kommission für weil sie nichts antworten kann, weil sie nicht zu antworten wagt. Sozialdemokratische Partei im Rüdgange befindlich ist. 6000 Stimmen Zunahme im Essener Wahlkreise, in einem Wahl- arbeitern eine überaus lange Arbeitszeit besteht. Da wäre es sehr pellationsrecht zunichte zu machen: sie erklärt einfach, sie Die Arbeiterstatistik haben ergeben, daß bei den Handels- und Transport- Aber die Regierung hat noch ein ganz anderes Mittel, das Juterkreise, der umstritten war wie kein anderer, in einem Wahlkreise, wo gut, wenn unsere Frattion mal im Reichstage die traurigen Ver- wolle die Interpellation beantworten zu gelegener Zeit, wenn noch am letzten Sonntag 200 Kapläne vom Zentrum hingeschickt hältnisse dieser Arbeiter, die infolge ihrer tolloffal langen Arbeitszeit die Umstände es ermöglichen, und dann wird die Interpellation nicht worden sind( hört! hört!), um die Massen zu bearbeiten bedeutet zu förmlichen Arbeitstieren herabgedrückt sind, schildern würde. Wird eher auf die Tagesordnung gesetzt, bis die Regierung den Zeitpunkt für einen glänzenden Sieg, wie wir ihn uns schöner nicht wünschen die Arbeitszeit verkürzt, dann wird es auch leichter sein, diese Ar- gekommen erachtet, und da ist es immer eine wunderbare Fügung können. Und diesen Sieg der tapferen Arbeit unserer dortigen Ge- beiter zu organisieren. Es wäre also notwendig, daß unsere des Schicksals, daß dieser Zeitpunkt nie eintritt. Richtig ist, daß die nossen verdanken zu können, das muß nicht nur unseren Dant hervor Vertreter im Reichstage auf eine Verkürzung der Arbeitszeit für die Rechte des englischen Parlaments viel weiter gehen als die des rufen, sondern das muß auch die anderen Wahlkreise anspornen, das Handels- und Transportarbeiter hinwirkten. deutschen Reichstages. Nur wird bei uns jede Interpellation als gleiche zu tun, dem Beispiele zu folgen, welches die Essener Genossen Haupt- und Staatsaktion betrachtet, während in England die etwa uns gegeben haben. Parteigenossen! Dieser Sieg in einer Zeit wie 2000 Interpellationen jährlich nicht eigentlich Interpellationen in der jetzigen, wo man auf allen Seiten der bürgerlichen Parteien sich Der Antrag 84 enthält eine alte, sehr populäre und in der unserm technischen Sinne sind, sondern jeder Abgeordnete kann in der Hoffnung hingibt, daß die Sozialdemokratie ins Wanten Agitation leicht anwendbare Forderung, die bei vielen Leuten großen England dem Minister mitteilen: morgen oder übermorgen werde kommt, dieser Sieg ist mehr wie eine gewonnene Schlacht. Die Antlang findet. Aber sieht man die Forderung näher an, dann ich an Dich die und die Frage richten; bei Beginn jeder Sigung ist Sozialdemokratie hat bewiesen, daß sie fest entschlossen ist, wird man zu der Ueberzeugung kommen, daß es keine eine gewisse Zeit für derartige Fragen und Antworten reserviert. nicht nur an dem Errungenen festzuhalten, sondern weiter zu unglücklichere Forderung beim Alters- und Invalidenversicherungsgesetz Das ist ein außerordentlich wichtiges und nützliches Recht, weil es schreiten von Sieg zu Sieg unter der alten Proletarierfahne in geben kann als gerade diese. Mit ihrer Verwirklichung würde den Gelegenheit gibt, jede akute Frage ohne weiteres zur Erörterung zu dem alten revolutionären Kampf der darin gipfelt: die bürgerliche Industriearbeitern der denkbar schlechteste Dienst erwiesen werden. bringen. Bernstein meinte dann, wenn in uns allen ein stärkeres Gesellschaft wird zerstört... Wir danken unseren Essener Genossen, st ein Arbeiter arbeitsunfähig, dann kann er Invalidenrente er- Bewußtsein der Macht und des Einflusses lebte, würden wir daß sie in einer Zeit, wo von allen Seiten sehnsüchtig gewartet wird halten, und diese Rente wird er auch persönlich verbrauchen können. auch anders agieren und gebrauchte da in Anlehnung an auf die kleinste Abnahme unserer Stimmen in irgend einem Wahl- 3ft er aber noch arbeitsfähig und verdient gerade so viel wie jeder ein Wort des verstorbenen nationalliberalen Abg. Bamberger: kreis wir danken unseren Genossen, daß sie so die Fahne hoch- Arbeiter auf derselben Stelle, so wird ihm, falls er dann Rente Hunde sind wir ja doch. Ein so deplaziertes Zitat ist wohl gehalten haben und die Ehre der Partei gewahrt haben. Partei- erhält, diese Rente durch Kürzung des Arbeitslohns vielfach noch nie auf einem Parteitage gebraucht worden. Dieses Wort genossen! Dieser Sieg bedeutet mehr wie andere Erfolge. In wieder abgejagt. Darin gehen Reich und Bundesstaaten voran. stanut doch nicht aus dem Gefühl des Mangels an Macht, sondern einem Wahlkreise wie dem Essener, wo das Zentrum mit seiner Die in den königlichen Eisenbahnwerkstätten beschäftigten Leute, aus dem Gefühl des Mangels an Mut und ich glaube in Ihrer tompakten Masse alles aufbietet, um die vorwärtsstrebende Arbeiter- welche Altersrente erhalten, kommen gewöhnlich mit demselben Tage, aller Namen es zurückweisen zu können, daß ein solches Gefühl des Klasse niederzuhalten, in einem Wahlkreise, wo das großindustrielle wo ihnen die Altersrente zugesprochen wird, in eine niedrigere Lohn- Mangels an Mut in uns lebt. Das Bewußtsein der Rechtlosigkeit Kapital derartig erstarkt ist wie in feinem anderen in einem flaffe, und es ist nicht selten, daß ihnen ein Mehr an Lohn bedeutet noch nicht das Bewußtsein, daß man nicht wagt, gegen die folchen Wahlkreise eine sozialdemokratische Stimmenzunahme in dieser abgezogen wird, als sie in in Form von Renten er Rechtlosigkeit vorzugehen. Dieses Bewußtsein ist lebendig nicht nur Höhe, das meine ich soll auch für die bürgerlichen Parteien ein halten. Die Forderung würde zur Folge haben, daß bei uns, sondern auch bei den Sozialdemokraten aller Länder, zum Zeichen sein, daß niemand, sei es auch wer es ſei, mit uns fertig ungefähr drei Landarbeiter Rente erhalten und ein Industrie- Beispiel Rußlands, die noch viel weniger Rechte haben. Hunde sind wird. Unsere Genossen im Essener Wahlkreis gehen jezt in den arbeiter. Die Landarbeiter haben nun aber bekanntlich fein vielmehr nur die Schergen des Absolutismus.( Sehr richtig!) Stichwahlkampf: an Hülfe dazu soll es ihnen seitens der Partei Koalitionsrecht, die Bauern werden dem alten Mann leicht seinen Gegen die Resolution Bernsteins, was ihren Inhalt anlangt, habe nicht fehlen.( Stürmischer Beifall.) Lohn fürzen, und würde die Erfüllung der Forderung auf eine ich nichts einzuwenden. Ich bedauere nur, daß Bernstein unter den Krüger- Dresden: Unterstützung der Grundbesizer hinauslaufen. Sobald die Alters- Hinweisen auf die Fragen der Weltpolitik, die uns hier angehen, Der Bericht von Förster hat die Tätigkeit der Fraktion in rente herabgesezt wird, wird der Zuwachs an Altersrentnern so groß neben Marotto und dem russisch- japanischen Konflikt nicht auch Besetzung bon Kiautschou mit erwähnt hat. Das recht günstigem Licht erscheinen lassen, wir zweifeln ja auch sein, daß die Beiträge erheblich erhöht werden müssen; die Durch die durch Sen russisch japanischen Krieg für nicht daran, daß unsere Genossen alles getan haben, was in führung dieser Forderung wäre also nichts anderes als eine Be- iſt ihren Kräften steht, aber es bedarf doch immer wieder neuer An- lastung der Industriearbeiter zugunsten der Grundbefizer. Das fehr akute Frage geworden. Gegenüber der aufstrebenden japanischen regungen. Gewiß, der Antrag Dresden- Altstadt ist nichts Neues, ist auch der Grund, weshalb die Sozialdemokraten diese Forderung Macht können wir durch diese Besetzung von Siautschou in Zukunft aber bei aller Anerkennung der Arbeit unserer Genossen, besonders nicht mehr erheben, sie ist zulegt erhoben worden von dem be- in eine ähnliche Situation fommen wie Rußland durch die Besetzung des Genossen Gradnauer, sind doch noch immer Fälle einer scheuß- daß dadurch den Grundbefizern eine erhebliche Ersparnis an Lohn kann für uns diese Besetzung noch recht unliebſame Folgen haben, fannten Führer des Bundes der Landwirte v. Ploeg, der sich sagte, von Port Arthur. Trotz der Weltmachtstellung Deutschlands in Europa lichen Militärjustiz zu verzeichnen. Ich erinnere nur an die horrenden Strafen, die über Landwehrleute verhängt wurden. Noch schlimmer zugeführt würde. Ich sehe also nicht ein, weshalb wir mit einer wenn wir nicht flug genug sind, vorher diese Erwerbung aufzusteht es um den Vollzug der Strafen. Wir erziehen unsere Kinder solchen Forderung kommen sollen. Wollen wir an dem Gesez etwas geben. Allerdings begreife ich die Unterlassung Bernsteins, denn doch nicht zu dem Zwecke, daß sie viehischen Leuten zum Opfer fallen. ändern, so haben wir dafür zu sorgen, daß die Leute leichter in den unter den deutschen Parteigenossen war Bernstein der einzige, der Ich bitte Sie deshalb, unseren Antrag anzunehmen, er entspringt Bezug der Invalidenrente kommen fönnen; nicht die Alters- die Befegung Kiautschous gefeiert hat. Er schrieb damals: Das Ich bitte Sie deshalb, unseren Antrag anzunehmen, er entspringt sondern die Invaliditätsgrenze muß verschoben werden, es muß war nicht der schlechteste Streich der deutschen Politik. Der Reichsunferer gemeinsamen Ueberzeugung. Rente gewährt werden, wenn die Arbeitsfähigkeit auf die Hälfte oder Kanzler Bülow hat das mit einem gewissen Geschick gelegentlich im Craß- Hanau zwei Drittel herabgemindert ist. Davon hätten Landarbeiter und Reichstage benutzt und gesagt: Ihr bekämpft die Besetzung, aber kommt auf die Abwesenheit eines Teiles der Fraktion bei wichtigen Industriearbeiter gleichmäßig Vorteil. der hervorragende Theoretiker Bernstein hat ja diese Besetzung geAbstimmungen zurück. Molfenbuhr hat die Sache zu leicht ge- Was den Antrag 86 betrifft, so fordern wir ja einen allgemeinen billigt. Wir müssen dagegen protestieren, daß hier durch die Wegnommen. Wenn bei wichtigen Abstimmungen 28 Abgeordnete Marimalarbeitstag, und wir gehen dabei weiter als die Transport- laffung Kiautschous der Anschein erweckt werden fönnte, als wenn unferer Fraktion fehlen, so ist das ein Skandal, der zur Sprache arbeiter. Es haben zwei Erhebungen für die Transportarbeiter die deutsche Sozialdemokratie mit dieser Anschauung Bernsteins eingebracht werden muß. Wenn die Abgeordneten sich verspätet haben, stattgefunden, einmal über die Arbeitszeit im gewerblichen Fuhrwerts- verstanden wäre. Wir müssen scharf betonen, daß wir die Besetzung so ist das teine Entschuldigung. Wir halten unseren Tadel aufrecht. gewerbe und zweitens über die Arbeitszeit der im Handelsgewerbe Kiautschous für den törichtsten Streich halten, den die deutsche beschäftigten Personen. Aber leider sind bei den mündlichen Er- Politik in der sogenannten Weltpolitik sich überhaupt geleistet hat. hebungen über die Arbeitszeit im Fuhrwerksbetriebe gerade von den( Bravo!) Auch ich muß der Fraktion einen Kleinen Vorwurf machen, weil Arbeitern so bescheidene Forderungen gestellt, daß selbst wenn diese Keimling- Dresden: ich ein schärferes Frontmachen gegen die Zwangspolitik gegen die Forderungen in der Bundesratsverordnung, die ja wahrscheinlich Daß die Fraktion immer für die Trennung von Staat und Dänen vermißt habe. Das Vorgehen der dänischen Abgeordneten kommen wird, Anerkennung finden, doch noch eine überaus lange Kirche eingetreten ist, ist richtig. Damit darf es aber nicht sein Beist ja von unserer Seite unterstützt worden, die Fraktion hätte aber Arbeitszeit für diese Kategorie übrig bleiben wird. Wenn wir wenden haben; wir müssen auch Anträge in dieser Richtung stellen, auch selbständig sich der Dänen annehmen müssen. Der König einen allgemeinen Magimalarbeitstag durchsetzen, durchsetzen, dann find wozu der jezige Augenblick besonders günstig ist, nachdem es eben von Preußen hat neulich ein paar Worte aus einem dänischen Liede wir erheblich weiter. Die Transportarbeiter haben vereinzelt der Energie unserer französischen Genoffen gelungen ist, in Frankzitiert; in Schleswig ist es verboten, das Lied zu singen! Personen, geradezu übertrieben bescheidene Forderungen erhoben, einzelne reich die Trennung durchzusetzen. Der Toleranzantrag des Zentrums die jahrzehntelang in Schleswig gewohnt und nichts begangen haben, waren schon mit acht bis neun Stunden Ruhezeit zufrieden. ist nur eine Halbheit, diesem Antrage, der z. B. nur die anerkannten werden plößlich ohne Grund ausgewiesen und von den Universitäten Das Transportgewerbe weist die allerhöchste Unfallziffer auf, denn Religionsgemeinschaften berücksichtigt, müssen wir unsere Anträge zurückgewiesen. Die Fälle Scherrebeck und Winter werden Ihnen merkwürdigerweise ist das Fahren auf dem Lande weit gefährlicher gegenüberstellen. im Gedächtnis sein, desgleichen der Fall Finnemann, der wiederholt als das Fahren auf See. Diese hohe Unfallziffer ist wesentlich auf ausgewiesen wurde, bis schließlich das Oberlandesgericht ihn für die übermäßig lange Arbeitszeit zurückzuführen. Es ist ja eine be Der Zweck unseres Antrages ist, den Abgeordneten aufzugeben, einen Deutschen erklärte. Dann nahm man fich den Sohn vor, der fannte Tatsache, daß die Unfälle meist eintreten, wenn die Leute daß sie in Zukunft dafür sorgen, daß sie bei wichtigen Abstimmungen in allen Instanzen als Däne erklärt wurde, weil der übermüdet und infolgedessen weniger vorsichtig geworden find. Aber anwesend sind. Es genügt ja, daß sie im Hause find. Wenn sie Bater Däne sei! Auch das Oberlandesgericht hat das trotzdem können wir nicht im Interesse der Transportarbeiter Fordes sich dann auch nicht gerade im Saale befinden, so werden vor jeder Urteil bestätigt, woraus man ihm keinen Vorwurf machen rungen stellen, die hinter unseren allgemeinen Forderungen zurück- Abstimmung ja Glockenzeichen gegeben, die ein rechtzeitiges Erscheinen fann, weil es an die tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz bleiben. Die Bundesratsverordnung wird, sobald sie kommt, dem ermöglichen. Der im vorigen Jahre angenommene Antrag, in jedem gebunden und dadurch gezwungen war, sich selbst zu widersprechen. Reichstage zur Kenntnisnahme mitgeteilt werden, und dann kann ja Jahre ein Flugblatt über die Tätigkeit der Fraktion herauszugeben, Als zu einer dieser Prozeßverhandlungen der in Dänemark weilende die ganze Frage einer gründlichen Stritif unterzogen werden. Vor- ist leider in diesem Jahre noch nicht ausgeführt worden. Ich möchte Finnemann vom Verteidiger als Zeuge geladen wurde, wurden läufig schwebt die Sache noch, aber da die Verhandlungen bis auf die Fraktion bitten, das im nächsten Jahre nachzuholen. vorher alle Züge aus Dänemark von der Polizei abgesucht, um den Bericht an den Bundesrat abgeschlossen sind, wird ja in allerFinnemann zu fangen und sofort wieder abzuschicken. Während dem nächster Zeit auf diesem Gebiet etivas geschehen. Pinseler- Niederbarnim: ging aber Finnemann mit mir durch Kiel spazieren. Handelt sich ja um eine preußische Angelegenheit, aber es müssen Handhaben gefunden werden, um sie auch im Reichstage Was die Abstimmung über die Handelsverträge anlangt, so ist feine Arbeit mehr. Eine Aenderung der Feststellung des durchschnittzur Sprache zu bringen. Damit, daß es sich um nationalistische es doch bekannt, daß die Tagesordnung jeder Sitzung erst am Abend lichen Arbeitsverdienstes der Landarbeiter ist bringend geboten; der Tendenzen handele, kann man meiner Forderung nicht entgegen- vorher feſtgeſetzt wird. So erklärt es sich, daß manche Abgeordnete Fraktion möchte ich ein Vorgehen in dieser Richtung empfehlen. In treten. Es handelt sich vielmehr um einen Kampf gegen unerhörte erst mit den Frühzügen nach Berlin fuhren und zu spät ankamen. nächster Nähe von Berlin ist z. B. vorgekommen, daß das durchnationale Unterdrückung, deren Unterſtügung die Sozialdemokratie Zu den Ausführungen Adlers möchte ich den Wunsch aussprechen, schnittliche Arbeitseinkommen von Landarbeiterinnen auf 360 M. festftets auf ihre Fahne geschrieben hat. daß den Abgeordneten etwas mehr das Einzelmaterial über folche gesetzt wurde! Eine Frau, deren Erwerbsfähigkeit auf 40 Proz. Fragen zugestellt wird. Selbst fönnen sie unmöglich all dieses herabgesetzt war, erhielt eine Rente von 8 M.! Material fammeln. Die Verhältnisse der Handelshilfsarbeiter sind im Reichstage wiederholt zur Sprache gebracht worden. Den Antrag 86 halte ich für überflüssig, weil er eigentlich nur etwas Selbstverständliches enthält. Adler- Kiel: Bernstein- Berlin: Es Das Fehlen unserer Abgeordneten bei Abstimmungen ist gewiß ein lebelstand, der bekämpft werden muß. Es ist aber ein Irrtum anzunehmen, daß ein Abgeordneter, der nicht auf der AbstimmungsLipinski- Leipzig: Hartmann- Höchst: Die Grenze für die Invalidität ist unseres Erachtens viel zu hoch. Wer nur zu einem Drittel erwerbsfähig ist, findet überhaupt Freiwaldt- Bankow: Der Beschwerde der Hanauer Genossen stimme ich durchaus zu. Die Entschuldigung, die Bernstein anführte, war so hinfällig, daß « selbst daran nicht glaubt. Auch Genosse Molkeubuhr wollte die Sache m,t einer Handbewegung abtun. Ich möchte ihn aber daran erinnern, dast im letzten Winter bei einer sehr wichtigen Frage von den Konservativen künstlich die Beschlußunfähig- keit herbeigeführt wurde, und daß ihnen das damals nicht gelungen wäre, wenn nur 18 Genossen mehr anwesend geweseu wären. Es fehlten aber zirka 40 von unseren Abgeordneten! Gerade die Gewerkschafiöführer müßten bei so wichtigen Angelegen- Herten vollzählig anwesend sein. Bernstein hat dann eine Schilderung von der Ohnmacht des Reichstages gegeben, wie sie schlimmer kein Anarchosozialist geben kann. Trotzdem stimme ich ihm zu. finde aber, daß der Rerchstag selbst schuld an den Zuständen ist. weil sich die bürgerlichen Parteien darin fügen, daß man sie lediglich zu Handlangerdiensten benutzt. Auf dem Parteitag in St. Gallen wurde gesagt, unsere Abgeordneten müssen ruppiger auftreten. Ich möchte diese Aufforderung jetzt wiederholen. Unsere Abgeordnelen müssen bedenken, daß� auf einen groben Klotz ein grober Keil gehört. Wenn man sich unsere heutigen Minister ansieht, so muß man wirklich sagen, daß sie nicht auf ihren Platz gehören und am besten zu ihren Regimentern zurückversetzt würden. Da würden sie weniger schaden wie als Minister. Stadthagcn-Berlin: Was die inneren Angelegenheiten des Reichstags betrifft, so wäre es mir lieb gewesen, wenn seitens der dem Reichstage nicht angehörenden Genossen etwas schärfer die Notwendigkeit der Er- Weiterung des Arbeiterschutzes betont worden wäre, damit klar wird, daß wir bei unseren Bemühungen in dieser Richtung die Partei hinter unS haben. Wenn Freiwaldt meint, wir sollten ruppiger auf- treten, so würde ich mich gern bemühen, das zu versuchen. �Heiterkeit.) Aber damit allein ist es doch nicht ge- tan. Der Genosse verwechselt dabei die Stellung der bürgerlichen Parteien und der Sozialdemokratie zum Reichstage. Dieselbe Verwechselung liegt meines ErachtenS der Resolution Bernstein zugrunde. So gut die Resolution gemeint ist, so verstehe ich in der Tat nicht, wie ein Sozialdemokrat eine solche Resolution begründen kann. Die Resolution will„die Aufmerksamkeit des deutschen Volkes auf die nichtachtende Behandlung des Reichstages durch die Regierung lenken". Ziniächst kann man nicht die Aufmerk- samkeit auf etwas lenken, was bereits bekannt ist. Außerdem liegt gar nicht eine nichtachtende Behandlung des Reichstages durch die Regierung, sondern lediglich diejenige Behandlung vor, die die bürgerliche Klasse den» Reichstage angedeihen lassen will. Ich halte es für ganz selbstverständlich, daß die bürgerliche Klasse den Reichstag, den sie als Instrument für ihre Interessen zu be- nutzen beabsichtigt, in dem Moment ack sota legt, wo das Proletariat sich seiner bedient. Auf die persönliche Stellung eines Herrn Bülow oder der anderen Minister kommt es dabei gar nicht an. Wichtiger als die in der Resolution angeführten Fragen der auswärtigen Politik scheint mir ferner die Trockenlegung des Reichstags durch Verhinderung der Verhandlungen über Land- arbeiter-, Bergarbeiter- und Polen-Fragen, die in immer größerem Umfange der Zuständigkeit des Reichstages entzogen werden. Ganz und gar muß ich aber dem zweiten Teil der Resolution wider- sprechen. Die„nichtachtende Behandlung der gewählten Vertreter des Deutschen Reiches" ist uns gleichgültig; denn es kommt uns nicht auf die Personen, sondern darauf an°, daß die Rechte deS Volkes mißachtet werden, und zwar durch die bürgerlichen Parteien, nicht durch die Regierung. Diese Nichtachtung ist fenier nicht„nur die naturgemäße Folge der schwächlichen Haltung fast aller nichtsozialistischen Parteien", sondern die natürliche Folge der kapitalistischen EntWickelung und Interessen. Und welches sind denn die Parteien, die Bernstein von seinem Vorwurf ausnehmen will? Die Konservativen oder die Nationalliberalen oder das Zentrum? sLedebour: Die National- sozialen meint er!) Er kann doch nicht von Parteien sprechen, wenn er hier und da eine Person ausnehmen möchte. Man sieht hier wieder, wie wenig es nützt, wenn nian allein die idealen Faktoren anruft. In einer seiner ersten ReichstagSreden wies Bern- stein auf die armenischen Greuel hin, schlug mit grober Erregung auf den Tisch und rief die Hülfe Europas an! Trotzdem hat Europa bislang noch nicht geholfen. Es kommt für uns darauf an, die Ursachen der jetzigen Zustände zu ergründen; mit solchen schwächlichen Resolutionen wird aber nichts erreicht. Wir wenden uns mcht gegen die Regierung, sondern gegen die kapitalistische Klasse, deren Werkzeug die Regierung ist. Ich bin auch ganz und gar nicht damit einverstanden, daß die bürgerlichen Parteien die Rückkehr zum persönlichen Regiment herbeiführen. Ich bitte Sie, die Resolu- tion abzulehnen, weil sie schwächlich und überflüssig ist.(Beifall.) Damit schließt die Debatte. Zu einer persönlichen Bemerkung erhält das Wort Bernstein: Dem Genossen Stadthagen erwidere ich, daß ich den Reichstag nicht für eine akademische Versammlung, sondern für eine politische Vertretung halte, die politische Fragen zu erörtern hat. Freiwaldt sagte, daß meine Ausführungen an Anarchosozialismus erinnern. aber ich gehe doch von einer ganz anderen Auffassung aus, ich wende mich gerade gegen eine Schwächung des Parlaments. Ledcbour hat mir einen Vorwurf gemacht, daß ich an das Wort BambergcrS er- innert habe; selbstverständlich bezog sich das Wort nicht auf unsere Partei. Ich habe nur gesagt, daß das Gefühl an diesen Ausspruch erinnert, der der Machtlosigkeit der nationalliberalen Partei ent- sprungen war. Was die Kiautschoufrage betrifft, so bemerke ich. daß dasselbe, was ich darüber geschrieben habe, mit den gleichen Worten, nur noch schärfer gesagt ist in einem angeseheiten österreichischen Partei-2tt?jan. Mein Vorschlag bedeutete einen Gegenzug gegen die Interessen Rußlands in Ostasien. DaS Schlußwort erhält Förster: Den Genossen Adler möchte ich bitten, wenn er der Meinung ist, daß unsere Fraktion nichts Genügendes leistet in der Bekämpfung der Unterdrückungspolitik in Nordschleswig, uns in der Folge sein Material zuzuschicken. Es ist falsch, daß wir auf Anregungen der Gegner warten, um im Reichstage vorzugehen. Unsere Anträge, Jnterpellationew�ind Resolutionen beweisen das Gegenteil. Ich glaube, die Fraktion befindet sich in voller Uebereinstimmung mit der Partei. Ein grundsätzlicher Gegensatz ist nirgends zutage getreten. Wenn der eine oder andere wünscht, daß wir agressiver vorgehen sollen, nun so ist das Meinungssache. Jedenfalls steht die Fraktion innerhalb der Parter. ist ein Glied von ihr. Die Ansicht, daß unsere Abgeordneten nur eine Mollusken- artige Masse hinter sich haben, ist vollkommen unrichtig. Ich hoffe, daß wir weiter gemeinsam im Interesse der Arbeiterklasse und ihres Enranzipationskampfes unsere Tätigkeit nach allen Seiten hin ent wickeln werden.(Bravo I) Es folgt die Abstimmung über die vorliegenden Anträge. Antrag 81 war nicht genügend unterstützt. Die Anträge 82, 83, 85, 86, 125"), 130 und 139 werden an genommen; die Anträge 84 und 144"")(Resolution Bernstein) werden abgelehnt. Damit ist dieser Punkt der Tagesordnung erledigt. ") 125. Zu Punkt 3 der Tagesordnung: „Die Kreis-Parteiversammlung des 18. sächsischen Kreises ersucht die Fraktion im Reichstage für Arbeiterkammern einzutreten." 130.(Punkt 3 der Tagesordnung.) Der in Jena tagende Parteitag verpflichtet die sozialdemo- kratische Fraktion des Reichstages, bei entscheidenden Abstimmungen im Reichstage vollzählig zu erscheinen. "") 144. Rcsolntlvn zu: Parlamentarische Tätigkeit. Punkts der Tagesordnung. Der Parteitag lenkt die Aufmerksamkeit des deutschen Volkes auf die nichtachtende Behandlung des deutschen Reichstages durch die Reichsregicrung, wie sie sich in neuerer Zeit immer deutlicher zeigt und insbesondere bei Fragen der auswärtigen Politik, wie der M a r o k k o- H a n d c l und die Stellungnahme zu>n russisch- japanischen Konflikt, jetzt lvieder mit all ihren Schäden und Gefahren zutage getreten ist. Der Parteitag verurteilt Es folgt Punkt 3 der Tagesordnung: Die Maifeier. Hierzu liegen die Anträge 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 118, 127, 143 und 147(Resolution Fischer) vor. Das Wort erhält der Referent Richard Fischer-Berlin: Parteigenossinnen und Genossen! Unsere diesjährige Maifeier- Debatte hängt naturgemäß zusammen mit der Debatte auf dem Kölner Grwerkschafiskongreß. Wäre die Diskussion in Köln nicht gewesen, dann würden wir wabrscheinlich ein ganz kurzes Referat und vielleicht gar keine Diskussion haben und uns einfach damit be- gniigen, die vorjährige Resolution von neuem anzunehmen. In Köln ist— darüber brauchen wir uns nicht zu streiten— ein gewisser Gegensatz zwischen Partei und Gewerkschaften zutage getreten, ein Gegensatz, den mau nicht so formulieren darf, d i e Gewerkschafts- bewegung, die Beschlüsse des Kölner Kongresses stehen im Gegen- sah zu der Partei und ihren Beschlüssen, sondern den man höchstens dahin präzisieren darf, daß man sagt, von feiten einzelner Gewerkschaftsführer und Gewerkschaftsmitglieder sind in Köln Auffassungen und Meinungen vorgebracht worden, die in einem gewissen Widerspruch zu den Auffassungen der Partei- genossen über die Art und Weise stehen, wie die Partei die Sache geregelt hat. Auch auf dem Gewerkschaftskongreß, ebenso wie auf unseren Parteitagen, traten verschiedene Meinungen zutage. Die Filiale Luckenwalde der Holzarbeiter hatte beantragt, auf den Züricher Beschluß zurückzugehen und den Gewerkschaften die Pflicht aufzuerlegen, jeden Versuch zu unterstützen, der an einzelnen Orten von zentralorganisierten Arbeitern zur Durchführung der Arbeits- ruhe gemacht wird. Ein anderer Antrag ging dahin, soviel als möglich die Maifeier durch Arbeitsruhe zu begehen. Die Vorstände der Wiesbadener Gewerkschaften haben die Forderung aufgestellt, daß die Zentralverbände in ihren Grundforderungen auch die der Freigabe des ersten Mai aufnehmen sollten. Die Tabakarbeitcr von Berlin und Erfurt wollten ausdrücklich, daß gegen jede Abschwächung der Maifeier eingeschritten wird. Dann kam die die eigeniliche Debatte beherrschende Resolution Schmidt, die den Standpunkt der General- kommission vertrat und darin gipfelte, daß der Gedanke an Arbeits- ruhe seitens der Gewerkschaften überhaupt aufgegeben werde, daß die Maifeier stattfinden solle als eine Demonstration der Arbeiter- klaffe in Form einer Abendfeicr und daß der Wert dieser Demonstration in dem einheitlichen Charakter der Feier liegen solle. Demgegenüber erklärt die Resolution Glocke den Standpunkt der Partei, wie er in Bremen und Amsterdam zum Ausdruck gekommen ist, auch für die Gewerkschaften als maßgebend mit dem ausdrück- lichen Wegweiser, mehr als bisher fiir die strikte Durchführung der Arbeitsruhe Sorge zu tragen. Die Resolution Bock-Gotha endlich verlangte, daß eine Konferenz mit der Parteileitung einberufen werden solle, um auf dem Boden der Parteitagsbeschlüsse eine einheitliche Aenderung der Maifeier gemeinsam zu bewerkstelligen. Eine Beschlußfassung ist nicht erfolgt, alle Resolutionen wurden zurückgezogen, und zwar zurückgezogen, wie Glocke ausdrücklich er- klärte, weil nach seiner Auffassung einerseits schon die Aussprache genügte, um den einzelnen Verbänden die Richtschnur zu geben, und andererseits zurückgezogen in der ausdrücklichen Absicht, daß die gegnerische Presse und die gegnerischen Parteien keinen Anlaß haben sollten, aus dem Abstimmungsverhältnis die eventuelle Schluß- folgerung zu ziehen, als ob ein Gegensatz gegen die Partei beab- sichtigt sei, der tatsächlich nicht beabsichtigt war. Und der Vorsitzende Bömclburg hat ausdrücklich als Schlußfolgerung aus der Debatte als Auffaffung des Kongresses konstatiert, daß die Gewerkschaften die Verpflichtung anerkennen, die Maifeier auf Grund der von den Parteitagen festgesetzten Form zu begehen, und zwar auch in der Weise, daß das Eintreten der Gewerkschaften für die Arbeitsruhe größer sein soll als bisher; zugleich müsse aber als Meinung des Kongresses die Auffaffung betont werden, daß vor dem nächsten internationalen Kongreß Partei und Gewerkschaften sich über eine bestimmte gemeinsame Stellung zur Maifeier verständigen sollten, so daß man auf dem nächsten iuternationalen Kongreß die Meinung der deutschen Delegation als die Meinung der deutschen Arbeiterklasse auffassen könne. Anscheinend war also das Ergebnis der Kölner Debatten eine völlige Ueberein- stimmung zwischen Partei und Gewerkschaften, und auch in bezug auf eine Reihe anderer Punkte hat der Gewerkschaftskongreß wieder- holt Gelegenheit genommen, das gemeinsame Fühlen und Denken mit der politischen Partei zu betonen. Aber dennoch wäre es ein Fehler, wenn wir uns verhehleil wollten, daß das Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaften nicht überall so ist. wie es im Interesse beider Bewegungen sein sollte(Sehr richtig!), und es ist eine Hauptaufgabe dieses' Partei- tages, sich zu fragen, was müssen wir tun, um in Partei und Gewerkschaften sowohl in der speziellen Frage der Mai- feier, wie in der allgemeinen Ausfassung der Grundfragen eine völlige Einheitlichkeit herbeizuführen. Es wäre ein großer Fehler, wenn wir uns darüber täuschen wollten, daß in Köln seitens einiger Gewerkschaftsführer Ausführungen gemacht sind, die mit einer gewissen erschreckenden Klarheit unS vor Augen führen, daß in den Gewerkschaften da und dort— ich möchte sagen— der sozialistische Geist etwas verloren gegangen ist.(Sehr richtig l) Ich sehe dabei selbstverständlich von allen rhetorischen Entgleisungen und gewissen geschmacklosen Uebertreibungen ab. wie sie z. B. die von den eigenen Bcrufsgcnosscn bereits zurückgewiesenen bekannten Acußerungen LeimpeterS darstellen. Auch die viel zitierte Aeußerung Bömelburgs,„um die Gewerkschaften auszubauen, dazu bedürfe» lvir der Ruhe", ist sehr mißverstanden Ivorden. Aus der Per- sönlichkeit von Bömelburg, auS der Stellung seiner Geiverkschaft in all den Jahren kann man nicht den Schluß ziehen, daß er damit hat sagen wollen: wir haben jetzt auf gewerk- schaftlichem Gebiete soviel erreicht, daß wir große Kämpfe nicht mehr führen, sondern uns mit der Festhaltung des Erreichten oe- gnügen müssen. Diese Folgerung kann man nicht ziehen, wenn man nicht ein Unrecht begehen Ivill. Man braucht bloß die Kampftätig- keit seiner Gewerkschaft ins Auge zu fasse». In demselben Maße >vie der Maurerverband gewachsen ist, init dem allgemeinen Auf- steigen der Arbeiterklasse, ist auch seine Kampstätigkeit gewachsen, denn schließlich hängt ja die Kampftätigkeit nicht ab von dem Willen der Mitglieder, sondern der Kampf wird ihnen von den Gegnern auf- gezwungen. Genau dasselbe wie für die Maurer, trifft zu für die Holzarbeiter, Metallarbeiter und andere Verbände, wie Deinhardt in der„Neuen Gesellschaft" aus Grund von Zahlen nachgewiesen hat. Also, solche Aussprüche können nicht die Grundlage der Diskussion bilden, wenn wir uns darüber unterhalten, ob und welche Gegensätze zwischen Partei und Gewerkschaften bestehen. Aber wir haben doch die Verpflichtung, uns gewisse andere Acußerungen vor Augen zu halten und uns zu fragen, wie cS möglich ist, daß von Gewerkschaftsführern, die aus der Partei heraus- gewachsen sind und in der Partei ihre volle Pflicht getan haben, solche Aeußcrungen fallen können. So sagt z. B. der Vertreter des Zimmererverbandcs Genosse Bringmann mit bezug auf die Mai- feier:„Als Selbstzlvcck mag die Maifeier der Teufel holen. Wir als Gewerkschaftler haben alle Ursache, vom rein gewerkschaftlichen Standpunkte die Frage aufzuwcrfen, lvas hat die Maifeier den Gc- wcrkschaften bisher genutzt? Man hat behauptet, die Maifeier sei ein wirksames AgitatiouSinittcl für die Gewerkschaften.... Alle, die das behaupien, möchte ich ersuchen, einen einzigen Geiverk- schaftler auf den Tisch deS Hauses niederzulegen, der durch die Maifeier für die Gewerkschaften gewonnen worden ist. Nach meinen Erfahrungen hat die Arbeitsruhe am 1. Mai in den Gewerkschaften gewirkt wie ein Fremdkörper im diese nichtachtende Behandlung der gewählte» Vertreter des Deutschen Reiches auf das schärfste, indem er zugleich betont, daß sie nur die naturgemäße Folge der schwächlichen Haltung fast aller nicht- sozialistischen Parteien im Reichstag ist, die damit die Haupt- Verantwortung für die Rückkehr zum persönlichen Regiment im Deutschen Reiche tragen. Ed. Bernstein und 22 Genossen. . menschlichen Organismus". Weiter sagt er:„Wir müffen gtfiit die Beschlüsse der internationalen Kongreffe und der sozial- demokratischen Parteitage(die uns auffordern, die Arbeitsruhe am 1. Mai anzustreben) Stellung nehmen und unumwunden und kon- sequent erklären, die Maifeier, in welcher Form sie auch gefeiert werden möge, ist kein gewerkschaftliches Attionsmittel, die Arbeits- ruhe am 1. Mai als Programmpunkt der Gewerkschaften ist aber ein Mittel, die Gewerkschaften ganz außerordentlich zu schädigen." Und in einer Berliner Rede, die er gleichsam als Rechtferttgung seines Verhaltens auf dem Gewerkschaftskongreß gehalten hat und die als Broschüre unter dem Titel„Der fünfte Gewerkschaftskongreß und der Klassenkampf in Deutschland" erschienen ist, hat er dieselben Gedanken weiter ausgeführt und sie wiederholt, und u. a. auch Stellung genommen gegen die Partei, wie man cS von einem Parteigenossen nicht erwarten dürfte. Er spricht die Meinung aus, daß die Partei selber der Maifeier gegenüber einen Staudpunkt einnehme, der nicht von dem Gedanken diktiert sei, als ob es uns ernst wäre mit dem Bestreben. Er geht völlig irre in der Begründung, er führt erstens an. daß ich auf dem Parteitag 1902 gesagt habe:„Zu einer Kraft- probe zwischen wirtschaftlicher Macht der Unternehmer und der Arbeiterklasse wollen wir die Maifeier nicht werden lassen." Daraus schlußfolgert er, vom Parteistandpunkt aus solle demnach die Arbeits« ruhe nicht den Zweck haben, die Klafsenforderungen des Proletariats und den Wellsr>eden durchzuführen. Tatsächlich habe ich doch nur den allgemein in der Partei gültigen Standpunkt vertreten: in der Zeit der wirtschaftlichen Depression wäre es ein Wahnsinn von uns als Partei, das zu tun, was die Gegner von uns verlangen, nämlich die Arbeilsruhe zu proklamieren. Weiter heißt es, Gcrisch habe denselben Gedanken ausgesprochen, er habe gesagt:„Wir sind in der Lage, unsere Wünsche, Anschauungen und Grundsätze in ganz anderer Weise zuin Ausdruck zu bringen als durch die Maifeier." Diese Tatsache, meint Bringmann, beweise unumstößlich, daß unsere Partei der Maifeier keine große Bedeutung beimißt, weder als Propagandamittel, noch als Aktionsmittel. Gerisch hat einfach gegenüber den damaligen Einwendungen aus Oesterreich~ die Oesterrcicher haben von Anfang an den 1. Mai durch Arbeitsruhe gefeiert und das Gleiche von uns verlangt, wir aber haben gesagt, in Oesterreich gelten andere historische und politische Momente, historisch, weil da von Anfang an der 1. Mai ein Volkstag war, politisch, weil da das allgemeine Wahlrecht nicht vorhanden ist und die Arbeiter auf andere Weise ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen haben— Gerisch hat also diesen Einwendungen gegenüber erklärt, daß wir die Maifeier nicht als einziges Mittel brauchen, sondern daß wir auch andere Mittel haben und in Zeiten wirt- schaftlicher Depression auf dieses Mittel verzichten können. Bringmann sagt auf Seite 12 der Broschüre— und da kommen wir auf eine Ausfassung, die mit der allgemeinen Parteiauffassuug in Widerspruch steht:„Die Gewerkschaft ist unter den gegebenen Ler- hältniffcn das einzige Mittel(Hört I hört I), um die Lage der Arbeiterklasse zu verbessern." Diese Aeußerung erklärt sich daraus, daß er vorder ausgeführt hat, auf dem Wege der Gesetzgebung sei in absehbarer Zeit für die Verbefferung der Lage der Arbeiter nichts zu erreichen. Die Maschinme der Arbeiterschutz-Gesetzgebung sei in Deutschland seit Jahren eingerostet, das Interesse der Arbeiter an der Gesetzgebung sei im Abnehmen begriffen und daher fürchte man in Parteikreisen, daß damit auch das Interesse an der politischen Bewegung unter den Arbeitern schwinde. Daraus zieht dann Bring- mann den Schluß, daß heute nur noch durch die gewerkschaftliche Organisation und Aktion Erfolge für die Arbeiterklasse erzielt werden können. Das ist eine Schlußfolgerung, gegen die die Partei allen Anlaß hat, sich mit aller Macht zu wenden, und von der ich überhaupt nicht verstehe, daß sie gerade heute ge- zogen werden kann, wo die Zollgesetzgebung gezeigt hat, wie durch einen einzigen gesetzgeberischen Akt jahrzehntelange Kämpfe und Opfer, jahrzehntelange Erfolge der Gewerkschaftsbewegung nnt einem Schlage hinwegrasiert werden können.(Sehr richtig!) Gegen eine solche Auffassung der Gewerkschaftsbewegung Stellung zu nehmen, haben wir allen Anlaß. Nun gebe ich zu, man braucht solche Uebertreibungen nicht tragisch zu nehmen. Gewiß, aber es wäre auch fehlerhaft, achtlos an ihnen vorüberzugehen, denn sie sind Symptome einer Krankheit, die vorläufig im Körper der deutschen Arbeiterbewegung erst latent vorhanden ist. Es ist deshalb unsere Aufgabe. Heilung für diese Krankheit zu suchen, um sie zu kurieren, ehe alle übrigen Erlcheinungen auf der Overfläche des Körpers aufgetreten sind. Nun ich glaube, wir brauchen keine besondere Sorge zu haben, wenn wir uns den Verlauf der Gewerkschaftsversammlungen vor Augen führen, die unmittelbar nach Schluß des Gewerkschafts-Kon- gresses stattgefunden haben. Wenn wir den Verlauf des Berg- arbeiter- Kongresses, der Generalversammlung der Metall- arbeiter in' Leipzig uns vor Augen führen, haben>mr allen Anlaß, anzunehmen, daß Gefahren schwerwiegender Natur nicht vorhanden sind; aber Aufgabe der Partei mutz es sein, die Ge- Werkschaftsgenossen, die bereits gegen diese Auffassung in den eigenen Reihen Protest erhoben haben, von unserer Seite zu unterstützen. (Sehr richtig!) Man tut am besten, glaube ich, man spricht hier seine Sorgen ganz offen aus und da habe ich— ich weiß nicht, ob es absolut richtig ist, aber in weiten Kreisen wird diese Meinung geteilt— die Auffaffung, daß namentlich von einzelnen Verbänden — ich will mal den Metallarbeiterverband als Beispiel nehmen— darin sehr gesündigt wird, daß die bisherigen Bestrebungen, die Ge- werkschaften im sozialistischen Geiste zu lenken und zu leiten, sehr stark in den Hintergrund getreten sind.(Sehr richtig!) ES ist gewiß kein feindlicher Gegensatz gegen die Partei in dieser Gewerk- schaff zu konstatieren, aber immerhin ist den Gewerkschastsbeamten die Pflicht auferlegt, ihre gesamte Arbeitskraft nur iu den Dienst der Gewerkschaft zu stellen, und soweit sie Zeit haben zur Agitation, diese Agitation für die Gewerkschaften zu treiben und nicht für die Partei. Wir haben auf dem Gewerkschafts- kongreß auch aus den Reihen der Metallarbeiter heraus die Klagen gehört, daß es die Verbandsfunktionäre wären, die namentlich in bezug auf die Arbeitsruhe immer abgewiegelt hätten. Unser Vorsitzender Genosse Leber war es ja, der in Leipzig gegen seinen Verband diesen Vorwurf erhoben hat.— Ehr ler und Bringmann tuenden sich gegen die Maifeier, weil sie kein brauch- bares Kampfmittel sei zur Erringung besserer Lohn- und Arbeits- bedingungen. Als ob das ganze Streben der Gewerkschaften damit erschöpft wäre l Gewiß, es ist die erste Aufgabe der Gewerkschaften, auf dem Boden zu wirken, gewiß, es ist die beste Agitationsmethode für die Gewerkschaften, die indifferenten Arbeiter darauf hinzuwelsen, wie durch diese gewerkschaftliche Agitation augenblickliche Vorteile erreicht werden, wie es gilt den Kampf zu führen für höhere Löhne, für kiirzere Arbeitszeit, für bessere Arbeitsbedingungen, weil es das erste und einzige Mittel ist, die Widerstandskrast der Arbeiter zu stärken. Aber dadurch unterscheiden wir uns von den englischen und amerikanischen Gewerkschaften, daß filr uns dieser Kampf nur Mittel zum Zweck, daß er nicht Selbstzweck sein darf. (Sehr richtig!) Die Hebung der Widerstandskraft der Arbeiter, die Beunruhigung der Unternehmer, die Reduzierung des brutalen Unter- nehmerstandpunktes, die Herbeiführung eines sozusagen konstitutionellen Verhältnisse auf dem Gebiete des Arbeitsprozesses, das sind gewiß die ersten Aufgaben der Arbeiterbewegung, aber wenn die Geiverk- schaflen in den: Geiste weiter geleitet werden sollen, wie sie bisher geleitet worden sind und geleitet werden müssen, dann darf darüber niemals ein Zweifel gelassen werden unter den Mitgliedern der Gewerkschaften, daß es noch weit höhere Aufgaben für die Arbeiter gibt und daß all diese Verbefferungen der äugen- blicklichcn Lebenslage der Arbeiter sofort wieder weggewischt werden können, wenn die Arbeiter es übersehen, auf politischem Gebiete genau so ihren Mann zu stellen, wie auf gewerkschaftlichem Gebiete.(Sehr richtig!)-Von diesem Gedanken ging die Generalversamnilung der ÜNetallnrbeiter in Leipzig» aus, als sie es ausdrücklich aussprach, daß sie mit der Haltung der Vertreter des Deutschen Metallarbeiier-Verbandes auf dem Fiinften deutschen Gewerkschaftskongreß sowohl in der Frage der Maiseier wie der des Massenstreiks— über den lvir später reden werden— nicht einverstanden sei. * * Es ist in erster Linie eine organisatorische und organische Berbindung zwischen Partei und Gewerkschaftsbewegung anzustreben; in zweiter Linie und sofort bis zur Erzielung jener organi satorischen Verbindung ein Organ zu dem Zweck zu schaffen oder ein bestehendes Parteiorgan mit der besonderen Aufgabe zu betrauen, eine dauernde Fühlung und in allen Fragen gemeinschaftlichen Interesses eine Verständigung zwischen Partei und Gewerkschaftsbewegung und eine gemeinschaftliche Aktion beider herbeizuführen. Nun hat Genoffe Robert Schmidt in Köln als Grund, warum der anderen Seite aber ist eine fortwährende Beschäftigung mit p Nach Verlesung einiger Begrüßungstelegramme und einer Bostdie Generalkommission die Maifeier auf die Tagesordnung des fleinen Kämpfen erforderlich, mit Werkstubenbelegungen, Branchen- farte aus Frankfurt, in der mitgeteilt ist, daß Genosse Bielowsti Gewerkschaftsfongresses gesetzt hatte, hauptsächlich angegeben: Die streits usw., und das erfordert eine solche Hingabe, daß der wegen Zeugnisverweigerung in Zwangshaft genommen ist, schließt Maifeier habe allmählich einen Charakter angenommen, daß den Gewerkschaftsbeamte für den politischen Kampf gar keine Zeit hat. die Sigung. Gewerkschaften große finanzielle Opfer auferlegt seien und sie so Aber diese beständige Beschäftigung mit Gewerkschaftsfragen, das Die Nachmittagssigung fällt wegen des Ausfluges aus. gezwungen feien, auch einmal selbständig ihren Standpunkt in löbliche Bestreben, die Berufsinteressen der Arbeiter mit aller Schluß 12 Uhr. dieser Frage zu präzisieren. Ich glaube, diese Auffassung ist nicht Energie zu vertreten, es verleitet auch dazu, den großen Kampf um richtig. Wenn wir die amtliche Statistit sowie die Statistit politische Ziele zu unterschätzen. Ja, die Schlußfolgerung wird Eingegangen sind noch folgende Anträge und Resolutionen: der Generalkommission, wie sie sich auf Seite 89 ihres letzten gezogen: der ganze große Kampf, alles was ihr erreicht, ist so 143. Jn Rücksicht auf die Mißhelligkeiten zwischen Partei und Protokolls findet, in Betracht ziehen, so meine ich, muß man daraus, geringfügig, so kleinlich fleinlich gegenüber den Errungenschaften der Gewerkschaftsbewegung, die nicht notwendig aus der unumgänglichen wenn man objektiv urteilt, die Schlußfolgerung ziehen, daß man Gewerkschaftsbewegung, daß eigentlich fie mur noch als Arbeitsteilung zwischen Partei und Gewerkschaftsbewegung folgen mag sonst zur Maifeier stehen wie man will doch auf alle Fälle wichtig für die Arbeiterklasse erscheint. Dann aber weiter: und sich zum Nachteil beider proletarischer Organisationen steigend die Opfer, die durch die Maifeier der Gewerkschaftsbewegung auf- Jm Wesen jeder Gewerkschaft liegt ein Stück Egoismus, bemerkbar machen, beschließt der Parteitag: erlegt sind, nicht der Anlaß sein können, irgendwie in Gegensatz zur liegt das Bestreben, in erster Linie die eigenen GewerkschaftsPartei zu treten.( Sehr richtig!) Nach der Aufstellung der General- intereffen in den Vordergrund zu schieben.( Sehr richtig!) kommission sind im Jahre 1901 zwei Aussperrungen mit 11 Be- Es liegt auch im Wesen der Gewerkschaften begründet, daß sie ihre teiligten vorgekommen, 1902: 12 Aussperrungen mit 1027 Beteiligten Interessen unter Umständen auf Kosten anderer Berufe zu wahren und 1903; vier Aussperrungen mit 626 Beteiligten. Die offizielle fuchen, ja daß sich hier und da ein gewisser Hang zu einer Art Statistik des Reichsamts des Innern hat viel größere Ziffern und ich zünftlertum geltend macht. Es liegt für sie die Versuchung vor, glaube, wir tun gut, diese größeren Ziffern zugrunde zu legen. sich abzuschließen, wie sich im Mittelalter die Zünfte abgeschlossen Nach dieser Statistik sind 1901 26 Aussperrungen vorgekommen mit haben. Ich mache den Gewerkschaften deswegen feinen Vorwurf; es 1593 Beteiligten und 6752 Aussperrungstagen; 1902 29 Aus- fällt mir gar nicht ein zu behaupten, diese Gewerkschafler seien sperrungen mit 4378 Ausgesperrten und 1903 25 Aussperrungen mit Reaktionäre oder Egoisten. Nein, die Gewerkschaftsidee hat als Dr. K. Liebinecht. Rieger Spandau. Sta ab- Potsdam. 3710 Beteiligten. Die Gesamtziffer der Aussperrungstage in diesem natürliche Konsequenz diesen Gewerkschaftsegoismus; aber auf der Jahre beträgt 16 600, gewiß eine ganz erhebliche Ziffer, und ein anderen Seite muß neben diesen fleinen Auswüchsen als Korrektiv Opfer, das man nicht bringt, wenn man es nicht muß, das man die große Aufgabe der allgemeinen Arbeiterbewegung lebendig gemacht Der Parteitag begrüßt mit freudiger Genugtuung das größte 149. Resolution die Revolution in Rußland betreffend. vermeidet, wenn es sein kann. Aber dennoch wird mit wohl kein werden. Ich will mit diesen Ausführungen durchaus nicht behaupten, welthistorische Ereignis der Gegenwart, die russische ReGewerkschaftler widersprechen, wenn ich sage, daß im Ver- daß die Gewerkschaftsmitglieder persönlich Zünstler seien, aber hältnis zur gesamten Gewerkschaftsbewegung das feine Ziffern die sozialistischen Theoretiker haben in dieser Beziehung einen volution, als die Macht, die endlich den mit Korruption und Verfind, die irgendwie es rechtfertigten, aus diesem Gesichts- weiteren Gefichtskreis als diejenigen, die mitten im Tagestampf brechen beladenen Absolutismus stürzen wird und damit nicht nur den punkt heraus die Stellung der Gewerkschaften zur Maifeier stehen. Nehmen wir z. B. die Buchdrucker! Gewiß die geschlossenste, unter seiner Knute schmachtenden Völkern, die Bahnen freiheitlicher, zu ändern.( Sehr richtig!) Ich bin gewiß der letzte, der es unter- leistungsfähigste Organisation, die wir haben, eine Organisation, Befreiung kämpfenden Boltsmassen aller Länder, von einem ihrer fultureller Entwickelung öffnet, sondern auch schätzt, welche verantwortungsvolle Aufgabe gerade inbezug auf das die Großartiges erreicht hat. Diese Gewerkschaft hat in der Tarif Befreiung kämpfenden Volksmassen aller Länder, von einem ihrer Kassenwesen und die finanzielle Sicherheit die Gewerkschaftsbeamten frage gewiß bahnbrechend gewirkt. Die große Mehrheit der Partei bösartigsten Feinde erlöst. Mit Stolz gedenkt er dabei der Tatsache, haben, erkenne vielmehr durchaus an, daß die Gewerkschaften bei wird mit mir der Ansicht sein, daß jede Gewerkschaft das Bestreben wie mannigfaltig auch die geschichtlichen, die sozialen Kräfte es doch heute das allen ihren Aktionen auch den finanziellen Gesichtspunkt ins Auge zu haben muß, zu Tarifen zu gelangen. Es handelt sich nur sind, die zu diesem Ziele zusammenwirken fassen haben. Aber die letzte, entscheidende Rolle darf er nicht darum, wieweit der Einfluß der Gewerkschaften bei diesen junge Industrieproletariat Rußlands ist, das unter sozialdemokratischer spielen( Sehr richtig!), darf der Geldbeutel weder für die Gewerk- Verträgen zum Ausdruck gebracht werden kann. Die Tarif Führung die wichtigste treibende Kraft des gewaltigen Ringens mit dem Absolutismus bildet und immer wieder und wieder die heldenschaften noch für die Partei spielen.( Ernente Zustimmung.) Es frage ist also keine Prinzipien, sondern eine Machtfrage. kann unter Umständen die Ehre und die Selbsterhaltung gebieten, Also auch die Buchdrucker haben großes geleistet. Aber man kann haften Massen stellt, die ihren Hunger und ihre Leiber den Schergen. ohne Rücksicht auf die finanziellen Folgen einen Kampf aufzunehmen. bereits eine ganze Reihe von zünftlerischen Anwandlungen in dieser und Henkern des Despotismus lämpfend entgegenstellen. ( Sehr richtig!) Und das gilt auch für die Maifeier. Organisation beobachten. Das Arbeitsgebiet wird nach Möglichkeit Der Parteitag entbietet allen Kämpfern für politische Freiheit Genosse Schmidt hat sich auf dem Gewerkschaftskongreß mit eingeengt und jeder Fremde ferngehalten. Zur Bedienung unserer in Rußland die Versicherung seiner tiefsten Sympathie und Bevollem Recht darauf berufen, daß seine Stellung wiederholt auch modernen großen Pressen z. B. würden eigentlich in erster Linie die wunderung, ganz besonders aber jenen Männern und Frauen, ohne von der Partei eingenommen worden sei. Gewiß hat auch die Maschinenbauer berufen sein. Gewiß haben die Buchdrucker das unterschied der Nationalität und Nasse, die, auf dem Boden der Partei die Forderung schon einmal aufgestellt, die Maifeier auf den Recht, dafür zu kämpfen, daß ihnen dies Arbeitsgebiet vorbehalten 1ozialdemokratischen Auffassung stehend, mit und in dem Proletariat wirken und kämpfen; ihnen, deren zähe und opferersten Sonntag im Mai zu verlegen oder nur am Abend des ersten bleibt. Faßt man aber die allgemeine Entwicklung ins Auge, so Mai Demonstrationen stattfinden zu lassen. Alles das zugegeben, muß man fagen, daß diese Forderungen den Gesetzen der modernen willige und gefahrenreiche Arbeit seit langen Jahren die Eriveckung so unterscheiden sich die Beschlüsse der Parteitage von dieser Auf- Gesellschaft widersprechen. Ebenso liegt es mit der Lehrlingsfrage. Bom des Proletariats vorbereitet und seine Schulung und Organisation fassung des Genossen Robert Schmidt doch dadurch, daß sie sich, ich individuellen Standpunkt der Buchdrucker aus ist es ganz richtig, daß sie bis heute treu gefördert hat, wodurch das Proletariat befähigt möchte fagen, immer in aufsteigender Linie bewegt haben. Sowie die gegen die Lehrlingszüchterei auftreten, weil dadurch schlechte Ge- wurde, die revolutionäre Aufgabe der Stunde in der Ueberzengung politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse es einigermaßen gestatteten, hülfen herangebildet werden, die zum Kampf untauglich sind und zu erfüllen, daß der Kampf zur Niederzwingung des Absolutismus haben die Parteitage der Standpunkt eingenommen, daß es Pflicht wegen ihrer großen Zahl lohndrückend wirken. Und doch macht sich eine notwendige Etappe im Kampfe gegen den Kapitalismus ist. der deutschen Arbeiterklasse sei, im Sinne der internationalen Be- auch hier derselbe Gedanke geltend, der im Mittelalter der Abschlüsse ihre Maifeier zu gestalten. Es haben daher die Partei- schließungspolitik der Zünfte zugrunde lag. Was würden wir als tage ich möchte sagen wenn der Ausdrud nicht so oft gemiß- Sozialdemokraten sagen, wenn sämtliche Berufe solche Grundsäge eine immer radikalere Stellung hierin ein- praktizieren würden? braucht würde genommen. daß die für ihre Was aber N. Schmidt vorschlägt, ist geradezu ein Abspringen die Gewerkschaften im sozialistischen Sinne geleitet werden und daklofen unschuldigen Personen, besonders Frauen und Kindern. den Are Der Parteivorstand und eine Anzahl Genossinnen und Genossen. Gewerkschaftliches. Justiz im Klassenstaat. Der Parteitag fühlt sich aber auch verpflichtet, seiner tiefsten Empörung Ausdruck zu geben, über die barbarischen Untaten, durch welche die Schergen des Despotismus ihr fluchwürdiges Regiment aufrecht zu halten suchen, namentlich über die graufame Hinschlachtung nicht bloß von Männern der Revolution, sondern sogar von zahl Der russische Despotismus hat sich durch dieses barbarische von der bisher erreichten Kampfeslinie, ein Zurückgehen weit hinter bei allen Aktionen der sozialistische Gedanke im Auge behalten wird. üten vor der ganzen Kulturwelt gerichtet und er rechtfertigt da= den Ausgangspunkt.( Sehr richtig!) Und ich fürchte, diese frei Ganz ähnlich verhält es fich auch mit dem Stampf gegen die mit jedes gegen ihn angewandte Mittel, das zu seiner Bernichtung willige Aufgabe einer gewonnenen Position, zu der gar kein äußerer Maschine, die in einzelnen Berufen geführt wird. Die Buchdrucker führt. Anlaß vorliegt( Sehr richtig!), da die Maifeier gerade immer haben vollständig recht, wenn sie verlangen, daß die Einführung der demonstrativer wird, da die Arbeitsruhe an Umfang zu Maschinen nicht auf ihre Kosten erfolgt. Unrecht aber ist es, wenn genommen hat, da der Widerstand der Gegner gegen fie Forderungen aufstellen, die geradezu auf eine Verhinderung der Die Arbeitsruhe geringer geworden ist von Jahr zu Einführung der Maschinen hinauslaufen, wie es in Amerika und Jahr selbstverständlich immer je nach der wirtschaft England an der Tagesordnung ist. Die moderne Entwickelung lichen Konjunktur, об wir uns in aufsteigender oder kann durch die Gewerkschaften nun einmal nicht aufgehoben, absteigender Geschäftskonjunktur befanden- angesichts aller dieser sondern nur in gewissen Grenzen forrigiert und Umstände bedeutet ein Zurückweichen geradezu eine Aufforderung an beitern muybar gemacht werden. Daß diese Gefahr auch Eine Gefängnisstrafe von zehn Monaten, dazu eine Geldstrafe die Gegner, die da glauben müssen, daß die Energie und Kampfes- von gewerkschaftlicher Seite anerkannt wird, beweist ein von 60 M. hatte das Landgericht Vochum einem Bergarbeiter in lust des Proletariats gesunken ist, ihre gesamten Sträfte zufammen Artikel Elms, der gewiß einer unserer überzeugtesten, opferwilligsten weitmar auferlegt. In der Ausübung seiner Pflicht als Streifpoften zuschließen, um der Arbeiterklasse eine Niederlage zu bereiten. Sie und befähigtesten Gewerkschaftler ist, in den„ Sozialistischen Monatsmüssen sich sagen: stellen wir uns zusammen gegen die Arbeiter- heften". Es heißt da:„ Nach Köln kann ich nur sagen: Die deutsche war er in die Maschen des Neges geraten, welches Gesetz und Rechtflasse, sie begnügt sich bereits damit, nur das Erreichte zu verteidigen, Gewerkschaftsbewegung steht vor der Gefahr, in die Bahnen der sprechung ausspannen, um streikende Arbeiter darin zu fangen. ihre Angriffsluft, ihre Angriffsmacht ist gesunken ergo: tvenn englischen Gewerkschaftsbewegung hineinzukommen. Die Führer der Versuchte Nötigung, Bergehen gegen§ 153 der Gewerbe- Ordnung, wir Gegner nur eine Attake gegen die Arbeiter unternehmen, werden großen Gewerkschaften fangen an, wie in England, die Stellung Widerstand und Uebertretung einer gegen Streifpoften gerichteten wir auf der ganzen Linie erfolgreich fein. Die Folge einer solchen nahme zu allgemeinen Fragen rein rechnerisch zu erwägen; mehr und Polizeiverordnung, die den unbefugten Aufenthalt auf der Straße Stellungnahme wäre also geradezu eine Aufforderung an unsere Gegner, mehr tritt das ideale Moment in den Hintergrund." Wenn die Gewert verbietet, waren die strafbaren Handlungen, die dem Bergarbeiter die Arbeiterbewegung zurückzudämmen.( Lebhafte Zustimmung.) schaftler ihr Gewissen erforschen, so werden sie diese Gefahr nicht mehr aus Anlaß des Streifpostenstehens zum Vorwurf gemacht wurden. Und es ist nicht bloß ein Gebot der politischen Ehre, es ist auch ableugnen fönnen, und alle, die sozialistisch denken und fühlen, Gegen das Urteil ist Revision beim Reichsgericht eingelegt worden, ein Gebot politischer Klugheit, die die eigene Straft genau kennt und werden sich darin einig sein, daß der Entwickelung in dieser Richtung fie abwägt gegen die Straft der Gegner, die auch genau weiß, was ein Riegel vorgeschoben werden muß. Deshalb meine ich, ist es die das sich dieser Tage mit der Angelegenheit beschäftigte. Die Revision die Gegner wollen, nicht bloß bei den bisherigen Parteitags dringende Pflicht der in den Gewerkschaften tätigen Parteigenossen, focht unter anderem auch die Rechtsgültigkeit der Polizeiverordnung beschlüssen über die Maifeier stehen zu bleiben, sondern unter ihr Augenmerk darauf zu lenken, daß fie neben der strengen Er- an. Es ist für den Kampf, den Polizei und Gerichte gegen streikende Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der eigenen füllung ihrer Pflichten gegen die Gewerkschaften auch für die Ver- Arbeiter führen, recht bezeichnend, wie der Reichsanwalt es verstand, Kraft die Parole auszugeben, vorwärts zu gehen, bis wir die Masse breitung der sozialistischen Gedankenwelt in den Gewerkschaften tätig die Rechtsgültigkeit der Verordnung nachzuweisen". Er sagte, die erobert und die Gegner bezwungen haben.( Lebhafte Zustimmung.) find. Sie müssen sich immer bewußt bleiben, daß ihre ganze Tätigkeit, so Verordnung bedrohe mit Strafe denjenigen, der unbefugt auf der Ich meine, auch die Gewerkschaften müssen sich in dieser Frage notwendig sie istniemand erkennt diese Notwendigkeit bereitwilliger Straße verweile. Auf öffentlichen Wegen verweile vollständig der Partei anschließen.( Sehr richtig!) Schließlich an als ich doch nur den Wert eines Palliativmittels hat. Leipart aber doch eigentlich jeder befugt. Nun könne allerdings ist doch die Maifeier auch ein Stück sozialdemokratischen Glaubens freilich fagte in Stuttgart, man könne von den Gewerkschafts- die Polizei aus Gründen der Sicherheit, Reinlichkeit und Ordnung bekenntnisses, das die Gewerkschaften ablegen( Lebhafte Zustimmung.), führern nicht verlangen, daß sie sozialdemokratische Agitation treiben. womit sie ihre Solidarität mit dem internationalen Sozialismus be- Das sei Aufgabe der Partei. Bis zu einem gewissen Grade ist mit recht jemand den Aufenthalt auf öffentlichen Wegen verbieten. kunden( Sehr richtig!), daß sie mit uns, so verschieden auch die Auf das richtig, aber es wäre doch ein gefährlicher Irrtum, wenn die In der vorliegenden Verordnung sei zwar nicht ausdrücklich gaben und der Weg sein mögen, als leztes Ziel nur das eine Auffassung Platz griffe, daß zwischen Gewerkschaften und politischen gesagt, daß sie zur Aufrechterhaltung der Ordnung bestimmt ſei, fennen: die Beseitigung der bürgerlichen Gesellschaft, der Zusammen- Führern ein gewisser Gegensatz bestehen kann. Ich meine, nur in aber aus dem Zusammenhange fönne doch entnommen werden, bruch des Lohnsystems, die Uebernahme der Produktionsmittel in bezug auf das Arbeitsfeld darf eine Differenzierung der Aufgaben daß sie bestimmt sei, die Ordnung und die Sicherheit auf den den Besitz der Gesellschaft.( Bravo!) Wenn sich nun solche Diffe- stattfinden; in der Erziehung der Arbeiter zu Klaffenlämpfern darf Bugangswegen zu den Arbeitsstätten aufrecht zu erhalten. renzen zwischen Partei und Gewerkschaften gleichwohl ergeben, müssen aber zwischen politischen und gewerkschaftlichen Führern kein Gegen unter diesen Umständen sei die Rechtsgültigkeit wir bei der Frage, wie Abhilfe zu schaffen ist, untersuchen, wie faz bestehen. einnehmen. " " Berlin und amgegend. es kommt, daß gerade jetzt die Gewerkschaften eine solche Stellung Eins steht natürlich fest, von heute auf morgen kann dieser der Verordnung nicht zu beanstanden. Das ReichsMan mag über die Entstehungsgeschichte des Maifeierbeschlusses schluß der Gewerkschaften an die Partei, wenn ich so fagen gericht schloß sich dieser Auffassung an und verwarf die Revision foll, nicht erfolgen. denken, wie man will, das eine, daß der Gedanke der Maifeier 1890 Dinge mit historischer Notwendigkeit so geworden sind, wvie Wir müssen berücksichtigen, daß die des Angeklagten. So findet juristischer Scharfsinn" immer einen Strick, mit wie ein eletrischer Funke in Deutschland gezündet hat, beweist, welch sie jetzt sind. Unsere reaktionäre Gesetzgebung und Verwaltung hat dem der Streikposten, wenn nicht aufgehängt, so doch gefesselt gewaltige Bedeutung, welch eminente Werbekraft der Gedanke in den die Gewerkschaften fortwährend zu einer gezwungenen Neutralität werden kann. Massen hat. Fünfzehn Jahre sind darüber vergangen, auf und veranlaßt und bis zu einem gewiffen Grade zu einer Verleugnung niedersteigende Geschäftskonjunkturen sind gekommen und gegangen, ihres sozialistischen Charakters geführt. Hätten wir diese Hemmnisse politisch bedrängte und fritische Momente haben uns vor schwere Auf nicht gehabt, so wäre zweifellos wie in Dänemark und Desterreich Abteilungsstreik bei der Deutschen Telephon- Gesellschaft". In gaben gestellt: nie aber ist der kleinmütige Gedanke aufgetaucht, das gewerkschaftliche und Barteibewegung ein und dasselbe geworden. der Abteilung Rinow dieses Werts find zirka 90 Metallarbeiter in Biel aufzugeben, weil der Widerstand der Gegner zu groß sei. Im Bartei und Gewerkschaften müssen es als ihre gemeinsame Aufgabe den Streit getreten, weil daselbst fortgesetzt Maßregelungen soGegenteil, in dem Maße, wie sich die Gegner zur Wehr setzen, ist betrachten, in dieser Richtung tätig zu sein. Das Wachstum der Partei genannter„ mißliebiger" Kollegen stattfanden. Erst jüngst wurden auch bei uns der Gedanke des Widerstandes lebendig geblieben. und der Gewerkschaften ist dabei kein Hindernis, aber man kann allerdings 12 solcher Leute entlassen, die weiter nichts verbrochen hatten, als Ohne lebertreibung kann ich sagen: niemals seit 1890 ist in nicht verlangen, daß ein Zustand, der sich in einer 30jährigen Ent- daß sie tüchtige Mitglieder des Metallarbeiter- Verbandes waren Deutschland die Maifeier in solchem Umfange und fo rein im widelung herausgebildet hat, durch einen Kongreßbeschluß beseitigt und als solche in durchaus legaler Weise die Interessen ihrer MitParteicharafter begangen worden, als gerade in diesem Jahre. wird. Die Gemeinschaftlichkeit der gewerkschaftlichen und politischen arbeiter zu wahren suchten. Verhandlungen mit der Direktion haben ( Lebhafte Zustimmung.) Da wäre es ein att des politischen Selbst- Bewegung würde jedenfalls ungemein gefördert werden, wenn alle bislang feinen Erfolg gehabt. Dem Arbeiterausschuß wurde vielmordes( Erneute Zustimmung), gerade jetzt die Maifeier ab- Beteiligten ihre Pflicht ganz erfüllen und wenn auch die Gewerk- mehr erklärt, daß die Entlassenen auf Wiedereinstellung nicht zu Ich muß offen bekennen, ich verstehe es nicht, wie gerade gehörigkeit mit der Partei mehr als bisher zu pflegen.( Lebhafte mißliebiger Glemente" erfolgen könnten. Gestern beschäftigte sich Ich muß offen bekennen, ich verstehe es nicht, wie gerade fchaftsführer ihre Aufgabe darin erblicken, den Geist der Zusammen- rechnen hätten, ja man ließ durchblicken, daß noch weitere Entlaffungen jetzt jemand als Parteigenosse, wo die Gegner nach jedem zufälligen Zustimmung.) nun eine stark besuchte Versammlung der Arbeiter und Arbeiterinnen Stimmenrüdgang bei einer Nachwahl als Beweis dafür ausgeben, Ich habe nicht mehr die Zeit, an dem Beispiel der Maifeier des Gesamtwerks( Beughofstraße) mit der Angelegenheit. In der daß die fozialdemokratische Bewegung verfandet, auf dem Gebiet der nachzuweisen, wie notwendig es gerade auf diesem Gebiet Debatte wurde das Verhalten der Direktion von sämtlichen Rednern Maifeier zurüdgehen will. die von mir entwickelten Grundsätze zu betätigen. auf das schärfte gemißbilligt und der Ueberzeugung Ausdruck geWie immer man sich diese Erscheinung erklären mag, jedenfalls ift, darf sie nicht zurückgeführt werden auf den guten oder bösen Willen, wenn die Maifeier nach den auf den internationalen Stongreffen gegeben, daß, wenn sich die Arbeiter hier nicht endlich energisch zur auf die Intelligenz oder die Ergebenheit des Einzelnen an die faßten Grundsägen gefeiert wird, so ist gerade das ein Mittel, um Wehr setzten, die Maßregelungen unbehindert ihren Fortgang nehmen Partei. Die gute Absicht, der Partei zu nützen, ist ohne weiteres diese beiden Ströme in das gemeinsame Bett des Klaffenkampfes würden. Aus diesen Gründen erklärte sich die Versammlung mit der dabei vorauszusetzen. Unsere Aufgabe ist nicht zu tadeln, sondern zu überzuführen. Ich bitte Sie deshalb, unsere Resolution anzunehmen, Arbeitsnieberlegung ihrer Kollegen der Abteilung Rinow durchaus dabei vorauszusetzen. Unsere Aufgabe ist nicht zu tadeln, sondern zu der die Generalkommission ihre volle Zustimmung gegeben hat. Sie einverstanden und beschloß, falls es erforderlich sein würde, ebenüberzeugen, daß ein anderer Weg beschritten werden muß im Interesse hat nur eine einzige Aenderung gewünscht, weil sie darin after falls in den Streit einzutreten. der Partei und der Gewerkschaften. Die Resolution Der Streit der Fliesenlegerhülfsarbeiter ist am Montag zugunsten Unsere Parteibewegung ist allmählich so gewachsen, daß jeder, der entspricht meines Erachtens dem Interesse beider Teile; wenn Sie derfelben beendet worden. In einer am Dienstag abgehaltenen Ich sehe den Hauptgrund für die Differenzen in folgendem: dings irrtümlich einen Stich gegen fich sah. als Parteigenosse seine Pflichten erfüllt, seine ganze geistige und sie einstimmig annehmen, so werden Sie, glaube ich, im Sinne Bersammlung referierte Buttlig über die Beendigung des Streifs. der Einigkeit von Partei und Gewerkschaft wirken und eine noch am Sonnabend habe die Firma Ende die Forderungen bewilligt. Körperliche Energie aufbraucht im Stampfe für die Ziele der Partei. neue Garantie für die Unbesieglichkeit der deutschen Arbeiterklasse Die Firmen Rosenfeld und Villeroy& Boch haben ebenfalls den Tarif Und dieser Kampf, der von den kleinen Alltäglichkeiten befreit, bringt unterschrieben, so daß schon Dienstag alle Beteiligten ihre alten Bläge es mit sich, daß die Mühseligkeiten des täglichen Kleinkrieges um die schaffen.( Stürmischer Beifall.) Verbesserung der Lebenslage der Arbeiter unterschätzt werden. Auf Darauf vertagt sich der Parteitag. eingenommen hätten. zuschwächen. " Der Vorsitzende drückte seine Genugtuung darüber aus, daß wiederholt den Nachweis geliefert, daß die Einführung des beiten," sich darauf aber die Arbeit ruhig gefallen zu lassen und, blese Lohnbewegung einen so schnellen und günstigen Verlauf Neunstundentages in feiner Weise eine Schädigung für den wenn es zum Klappen kommt, 3 sagen: Ich habe es ja verboten genommen habe, was allerdings nur durch das einmütige Verhalten Fiskus im Gefolge haben und die Qualität der Erzeugnisse So ließe sich ja jeder Arbeiterschutz illuſoriſch machen. aller Kollegen erreicht worden sei. Das Kammergericht hob denn auch am 18. September die Vors Am kommenden Sonnabend sollen vor dem Gewerbegericht die nicht darunter leiden würde. Der frühere Minister Graf entscheidung auf und verwvies die Sache zur anderweiten Entschei gestellten und erreichten Forderungen festgelegt werden. Danach b. Crailsheim war aber nicht zu überzeugen, und er hat bung an das Landgericht nicht in Stettin, sondern in Stargard. erhalten die Hülfsarbeiter im ersten Halbjahr 50 Pf., im sich stets mit aller Kraft gegen diese Forderung gewehrt. Sein Das Kammergericht hielt die Verweisung an ein anderes Landzweiten 52 und im dritten 55 Pf. Stundenlohn. Mit der Nachfolger, der Verkehrsminister v. Frauendorfer, ist gericht für angebracht und führte im übrigen aus: Es wäre un= künftigen Erhöhung des Lohnes der Fliesenleger steigt auch der Lohn jedoch endlich zu der Einsicht gelangt, daß die weitere Ver- richtig, anzunehmen, der Gesetzgeber habe die Angestellten nicht der Hülfsarbeiter auf 57 Pf. pro Stunde. Die Kosten des ein- fürzung der Arbeitszeit den staatlichen Betrieben nicht den gegen ihren eigenen Willen ſchüßen wollen. Er habe vielmehr seine wöchigen Streits betragen 2450 M. Garaus machen wird. Er hat kürzlich eine Deputation des Schutzvorschriften geradezu auch zugunsten derer getroffen, die gegen Eisenbahnarbeiter- Verbandes in Audienz empfangen und ihr lung ihre Zufriedenheit mit den Erfolgen. die erreichten Erhöhungen zu gering waren, erklärte die Versamm bei dieser Gelegenheit mitgeteilt, daß ab 2. Oktober der Neun- gern Sonntags Verdienstmöglichkeiten mit und schädigten sich an stundentag im Werkstättenbetrieb eingeführt wird. Ein dies- statt gesetzmäßig zu leben. Das Gericht sei aber auch der Ansicht, bezüglicher Anschlag ist nun auch am 19. September in den daß der Arbeitgeber nicht nur verpflichtet sei, die gesetzwidrige SonnWerkstätten wirklich erfolgt. Dies bedeutet einen schönen tagsarbeit zu untersagen, sondern sie auch zu verhin Erfolg des auf dem Boden der modernen Gewerkschafts- dern. Das sei hier zweifellos nicht geschehen. Deshalb müsse das organisation stehenden Verbandes. Die Scharfmacher innerhalb Urteil bes Stettiner Landgerichts aufgehoben und in der Sache nochder mächtigen bayerischen Metallindustrie haben bei der großen An diesem Falle ist weiter nichts bemerkenswert wie die Frei Bewegung in diesem Sommer freilich erklärt, daß es der Tod sprechung der Klugen Spediteure durch das Stettiner Gericht! ihrer Eristenz wäre, wenn diese Forderung durchgeführt würde; die staatliche Industrie teilt, wie man sieht, diese Befürchtung nicht. Ein Werkstattstreik ist gestern bei der Firma Baumann in der Koloniestraße, Fabrit für Hauswirtschaftliche Maschinen, ausgebrochen. Beteiligt sind zirka 70 Metallarbeiter, denen für eine bestimmte Spezialarbeit etwa 20 Broz. Abzug gemacht wurde. Obwohl der Chef einige Zugeständnisse machte, berief er sich doch darauf, daß die Arbeit jetzt im Gegensatz zu früher leichter zu bewältigen sei und deshalb eine Reduzierung des Affordsages gerechtfertigt erscheine. Die Arbeiter vermögen aber irgend einen nennenswerten Vorteil in der jetzigen Arbeitsmethode nicht zu erkennen; sie traten deshalb in den Ausstand. Die stattgehabten Verhandlungen führten bisher zu keinem definitiven Ergebnis." Die Lohnbewegung der Rollkutscher und Speditionsarbeiter tann jetzt auch bei allen denjenigen Firmen als beendet angesehen werden, die dem Berliner Spediteurverein nicht angehören. Bei einigen Firmen fam es allerdings erst zu Streifs, ehe sie sich zur unter schriftlichen Anerkennung des Tarifs bequemten; doch dauerte die Arbeitsniederlegung immer nur wenige Stunden bis höchstens einen Tag. Was die Durchführung der getroffenen Vereinbarungen anbetrifft, so wird darauf von den Arbeitern jetzt bedeutend besser geachtet wie in früheren Jahren, so daß Tarifumgehungen, wie sie früher vielfach vorkamen, dank der guten Organisation der Speditionstutscher und Arbeiter wohl nur ganz vereinzelt zu verzeichnen sein dürften. Wo sie aber dennoch vorkommen, sollen sie mit aller Energie zurückgewiesen werden. Die Arbeiter der Stralauer Glashütte, welche in einer am Dienstag abgehaltenen Versammlung vollzählig erschienen waren, beschlossen einstimmig, die von der Direktion beabsichtigte Verlänge rung der Arbeitszeit nicht anzunehmen. Zink, Zinn- und Bleigießer. Die Werkstellen von E. Stein, Bintgußwarenfabrik, Alexandrinenstr. 35, und P. Trettin u. Co., Nitterstr. 23, find wegen Differenzen für Gießer gesperrt. Der Vorstand. Deutfches Reich. Sklavenleben im Osten. Folgende rein tatsächliche Schilderung der Leiden eines Landarbeiters, die uns aus zuverlässiger Quelle zugeht, mag für sich sprechen: hören. mals entschieden werden. Vermischtes. Das Erdbeben in Kalabrien. Aus Rom erhalten wir vom 17. September folgende Mitteilung: Nachdem die erste Hülfe den vom Erdbeben betroffenen Lands strichen verhältnismäßig schnell zu teil geworden ist, ist eine beängstigende Stockung der Hülfsaktion eingetreten. Noch heute, zehn Tage nach dem Unglück, fehlt es in den meisten Ortschaften an hinreichenden Brotrationen, noch nicht der zehnte Teil der Obdachlosen iſt in Belten oder Baracken untergebracht. Man bedenke, daß viele der betreffenden Orte 500 Meter und mehr über dem Meeresspiegel liegen, daß die Nächte kalt sind und von einem Tage zum anderen Regen fallen fann. Wenn es regnet, ehe die Baracken fertig sind, so entsteht ein unheil, gegen das alles Bisherige nur ein Kinderspiel war; dann können Zehntausende von Menschenleben zum Opfer fallen. lichen Im April dieses Jahres wurde der Instmann K. aus Paschentschen, im Kreise Labiau, und dessen Ehefrau von einem gewalttätigen Mitarbeiter arg beschimpft und mit Totschlag bedroht. Da der Arbeitgeber Besizer Lindenau trok wiederholtem Bitten nicht einschritt, ging K. am 4. April nicht in Arbeit, weil er zum Schuhe seiner Frau zu Hause bleiben mußte. Schon am 5. April erhielt er vom Amtsvorsteher die erste Strafandrohung über 15 M. oder drei Tage Haft, wegen unrechtmäßigem Verlassen des Dienstes. Da er der Aufforderung, in den Dienst zu gehen, nicht folgte, erhielt zusammen 28 Tage Haft. 3wei Strafen zu 3 und 5 Tagen verbüßte er fortgesetzt weitere Strafbefehle über 15, 20, 30 und 60 M. oder K. in der Dorffluse. Am 18. April sollte er zur Verbüßung weiterer Die Langsamkeit der Hülfsaktion wird einstimmig der Strafen verhaftet werden. Zentralisierung und Bureaukratisierung zugeEr widersetzte sich dem Amtsdiener. schrieben. Darauf pfändete dieser eine Nähmaschine, die der Schwiegermutter Militärbehörden zentralisiert. Das gibt zur weitgehendsten Uns Man hat die gesamte Hülfsleistung in Händen der des K. gehörte. Die Beschwerde beim Landrat wegen der Bestra- zufriedenheit Anlaß. Die Kalabresen sind sehr empfindlich, stolz und fungen wurde zurückgewiesen, ohne den Beschwerdeführer anzu- förmlich, und so kommt es vor, daß die mit dem Volkscharakter nicht Am dritten Pfingstfeiertag wurde S. zur Vernehmung bei dem„ schneidige" Anrede die Leute kränken;„ anschnauzen" läßt man sich vertrauten Militärpersonen durch ein rauhes Wort, durch eine Amtsvorsteher bestellt. Damit war ihm aber nur eine Falle gestellt. in Kalabrien nicht, und so müssen Arbeiten, die begonnen sind, wegen Ohne Verhör wurde er auf einen bereitstehenden Wagen geladen Die Pforzheimer Gasarbeiter streiken. Es handelt sich hier um und durch den Amtsdiener nach dem nächstgelegenen Amtsgefängnis einer an sich harmlosen Grobheit eines Offiziers oder Unteroffiziers einen Abwehrstreit, welchen der Oberscharfmacher von Pforzheim, der im Dorfe Mehlanten transportiert. Das dortige Amtsgericht hat Orten die Einwohner keinen Finger rühren, um den Soldaten eingestellt werden. Die Folge ist, daß jetzt in den meisten Handelskammerpräsident C. W. Meier in seiner Eigenschaft als Mit- die Unterbringung der Strafgefangenen auf glied des Stadtrates und Vorsitzender der Gaskommission den Gas- Submission vergeben. Ein in der Nähe wohnender Kauf- zu helfen. Es ist schon zu ernſten Demonstrationen gekommen. arbeitern aufgezwungen hat. Sozialdemokraten sind, wie von anderen mann hat eine massive Scheune zu Zellen eingerichtet und dieselben Man hört sogar den wahnsinnigen Vorschlag, über die unglüc städtischen Kommissionen, auch von der Gaskommission ferngehalten. an das Amtsgericht vermietet. den Gegenden Belagerungszustand zut Er hat auch gegen Bezahlung die Der Ausgangspunkt des Konfliktes liegt in den Beschwerden der Beföstigung der Häftlinge übernommen. Dieser Kertermeister ist berhängen! Erbitternd wirkt auch, daß die kümmerlichen UnterGasarbeiter über die Mizwirtschaft in der Gasanstaltstantine. auch Landwirt und brauchte zu der Zeit, als K. zur Verbüßung einer stützungen immer mit dem Vermerk einlaufen:„ nur an die Armen Durch den Arbeiterausschuß wurde vergeblich Beschwerde ge- 20tägigen Haftstrafe bei ihm eingeliefert wurde, billige Arbeits- zu verteilen". In vielen Orten sind aber alle gleich arm, alle führt. Ferner war auf Betreiben der Scharfmacher der ge- fräfte, die in der Umgegend schwer zu haben waren. Da sagte er obdachlos und ohne Brot. Wem Geldbesitz geblieben ist, der kann forderte Achtstundentag im Gaswerk abgelehnt worden. Zum sich:" Warum in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nahe." nichts damit anfangen. Brot gibt es nicht zu kaufen, alles zum So sind die Ueberfluß hatte man den Obmann des Arbeiterausschusses, der Er schloß den Kerker auf, gab dem eingesperrten Landarbeiter die Barackenbau dienende Holz ist requisiert worden. gleichzeitig Vorsitzender der Verbandsfiliale Pforzheim ist, entlassen. Sense in die Hand und ließ sich von ihm auf seiner Wiese Gras Besitzenden fast schlimmer daran, als die Besitzlosen! Wenn nicht Gegen diesen Gewaltstreich protestierten die Gasarbeiter mit dem hauen und später Heu ernten. Diese Art Strafverbüßung wäre dem das viele Obst, besonders Feigen und Trauben, auf den Feldern Erfolge, daß der Vorsitzende der Gaskommission die Zurücknahme. wohl nicht unangenehm gewesen, wenn er die durchaus nicht wäre, so wären die meisten längst verhungert. Und dabei hat die der Maßregelung zusagte und versprach, die Wiedereinstellung des leichte Arbeit nicht bei der vollständig ungenügenden Gefängniskost und öffentliche Mildtätigkeit Italiens und des Auslandes schon über Gemaßregelten, allerdings in einem anderen Betriebe, in ohne jede Bezahlung hätte ausführen müssen. So wurde er aber 2 Millionen für Kalabrien aufgebracht! der Stadtrats Sizung vom 5. September beantragen und tatsächlich auch noch sogar im Gefängnis ausgebeutet. befürworten zu wollen. Zu dieser Sigung erschien aber der Herr Wohl infolge einer Beschwerde an den Regierungspräsidenten einfach nicht und der Stadtrat beschloß es bei der Entlassung be- wurde er nach zehn Tagen vorläufig vom Grashauen resp. aus der wenden zu lassen. Die von den Arbeitern beantragte Einberufung Haft entlassen. Inzwischen war zu Hause bei seiner Familie große einer außerordentlichen Stadtratssigung wurde abgelehnt, worauf Not eingekehrt. Denn schon vor seiner Inhaftierung war es in der nach abermaligen erfolglosen Vermittelungsversuchen der Streit aus ganzen Umgebung herumgesprochen, s dürfe den St. niemand bebrach. Selbst der Herr Bürgermeister Holzvarth hat den Streifenden schäftigen, meil das bestraft werde. Und als nun doch ein Arbeit recht gegeben und anerkannt, daß der Gemeindearbeiterverband das geber den St. beschäftigte, erhielt er vom Gutsbesizer 2. einen Zettel menschenmögliche getan habe, um die Differenzen friedlich bei- des Inhalts zugesandt, daß, wenn er nicht sofort den kontratt zulegen. Der Betrieb wird mit Hülfe einiger Streifbrecher, ferner brüchigen Instmann entlasse, er ihn bestrafen lassen werde. Nun von Schreibern, Beamten 2c. nur notdürftig aufrecht erhalten. Vereiner Schneidemühle Beschäftigung. Die schwer geprüfte Familie stoß verspürt wurde. entließ auch dieser Besizer den K. Endlich im Juli erhielt er in Handlungen vor dem Einigungsamte schieben. Der Streit dauert atmete auf. unter Aufrechterhaltung der Forderungen: Achtstundentag, Be Arbeitgeber ihn als fleißigen, nüchternen Arbeiter bezeichnete, entAber nach mehreren Wochen wurde er, trotzdem sein seitigung der Mißstände in der Kantine und Zurücknahme der Maß- lassen, angeblich, weil der Amtsvorsteher es verlangt hatte. Nun Als Haupt der Falschmünzerbande, die in den letzten Monaten in regelung weiter. war auch noch eine Klage gegen. wegen Widerstand gegen den Wien, hauptsächlich in Ungarn, falsche 50 Kronennoten verausgabte, Die Straßenbahner in Koblenz stehen in einer Lohnbewegung. Amtsdiener eingeleitet. Er erhielt hierfür zwei Tage Gefängnis, wurde der gerichtsbekannte Fälscher Nochem Schapira in London Sie hatten ursprünglich die Absicht, wenn ihre Forderungen ab- und weil die Klage durch zwei Instanzen ging, eine Kostenrechnung ermittelt. Fünf Komplizen, die 70 Falsifikate im Betrage von 3500 gelehnt würden, die Tage der Anwesenheit Wilhelms II. in Koblenz über 28,20 m. Der Besizer 2. pfändete das Schaf und Lamm der Kronen verausgabten, wurden in Stanislau, Lemberg und Wien zu benutzen, um die Arbeit einzustellen. Da erschien der christliche Familie. Und am 2. September erschien wieder der Amtsdiener, verhaftet. Verband der Verkehrs- und Hülfsarbeiter auf der Bildfläche. Der um den S. zur Verbüßung der noch fälligen 10 Tage haft nach Arbeitersekretär Eidmann aus Köln predigte den Leuten: Die in Mehlanken zu führen. Dieser Verhaftung entzog sich der Mann den christlichen Gewerkschaften organisierten Straßenbahner dürfen durch die Flucht. Er hat sich fern von der Familie, die sich in großer nicht scharf vorgehen; gerade darin müßten sie sich von den Sozial- Not befindet, irgendwo nach der Provinz begeben, um, in steter demokraten unterscheiden. Das sagte der Mann, obwohl ihn und Angst, verhaftet zu werden, unerkannt etwas zu verdienen. In den 5 Monaten fortgesetter Verfolgung ist die Familie seinesgleichen furz vorher der Direktor in einem Anschlage am schwarzen Brett als" fremde Aufwviegler" bezeichnet, und obwohl die vollständig ruiniert, zu alledem vom 1. Oktober noch ohne Wohnung. Gesellschaft vier Angestellte fofort entlassen, zwei In ihrer Verzweiflung wandte sich die Frau, deren Mann sich bisher Ueber die Beschädigung des Lloyddampfers Bremen" ist bis gekündigt und vierzehn in anderer Weise gemaßnie um Politik gefümmert hatte, an die sozialdemokratische Partei jezt folgendes bekannt geworden: Ein Flügel der einen Schraube regelt hatte, nur deshalb, weil die Leute die Versammlung be- in Königsberg. Diese hat denn auch durch eine Sammlung auf brach ab und geriet in die zweite Schraube, wodurch eine Schraubensucht haben. Das scharfe Vorgehen" überlassen die Chriftlichen ihrem Parteitage die ärgste Not augenblicklich gelindert. Was welle brach und beide Schrauben unbrauchbar wurden. Dagegen ist nach nicht nur„ den Sozialdemokraten", sondern, wie man sieht, auch dem wird aber nun weiter? Wie lange wird man einen ehrlichen Ar- einem dem„ Morning Leader" aus Liverpool zugegangenen Telegramm beiter eines rachsüchtigen Besizers wegen herumheßen und Frau die Beschädigung der Schrauben auf einen Zusammenhang mit einem und Kinder zur Verzweiflung treiben? Wäre der Eifer der Be- unter Wasser befindlichen Wrack zurückzuführen. Von den Fahrgästen hörden in der Ausübung der veralteten. Strafgesetze und Ber- und der Besatzung ist niemand verlegt. ordnungen nicht einer besseren Sache würdig? Unternehmertum. " Husland. Arbeitgeber und Sonntagsruhe. Meldungen von gestern besagen: Catanzaro, 20. September. In der vergangenen Nacht wurden in Olivadi zwei Häuser, die als Magazine für Möbel und anderes Eigentum von Perfonen dienten, die nach dem Erdbeben noch am Leben geblieben waren, durch Feuer zerstört. Zwei Personen erlitten Verlegungen. In Catanzaro herrschte heute vormittag heftiger Sturm, der die Bevölkerung in großen Schrecken versette. Monteleone, 20. September. Ein heftiger Sturm, der heute früh ausbrach, rief großen Schrecken unter der Bevölkerung hervor, der zur Banik anwuchs, als um 5 Uhr 35 Minuten ein leichter ErdEine verhaftete Falschmünzerbande. Aus Wien wird gemeldet: Waldbrand. Aus Budapest wird berichtet: Die Herkulesbad umgebenden ärarischen Waldungen stehen seit Wochen in Flammen. Gestern trafen dort 800 Soldaten zur Unterstützung bei den Löscharbeiten ein. Bei diesen wurden durch herabstürzende Felsen find mit großen Schwierigkeiten verknüpft. 2 Soldaten getötet, 3 schwer und 11 leicht verletzt. Die Löscharbeiten Der im Fehmarnbelt( bei Nystedt auf Laaland gestrandete englische Dampfer, Onega" ist gestern von den Bergungsdampfern Das Schiff traf in Holtenau ein, wo eine abgebracht worden. Bodenbesichtigung ergab, daß es unbeschädigt geblieben war. Der Dampfer ſegte darauf seine Reise nach Rotterdam fort. Ein zehntägiger Schiffsbrand. In Dundee lief am Sonnabend Die Massenaussperrung in der schwedischen Metallindustrie. Es schien in der vorigen Woche, als wollten die Arbeitgeber der schwedischen Metallindustrie der nun bereits drei Monate dauernden Aussperrung ihrer ungefähr 17 000 Arbeiter ein Ende machen. Die Organisation der Unternehmer, die Werkstattbereinigung", hielt in Stockholm Eine wichtige Entscheidung hat das Kammergericht in Berlin Langwierige Sitzungen ab, in denen eine Menge Regeln über Er- getroffen. Bohn und Stoppen, die Inhaber einer Speditionsfirma Ledigung von Arbeitsstreitigkeiten, Werkſtattordnung, Lehrlingsaus in Stettin, hatten von ihren Angestellten im Stontor( Handlungsbildung und Minimallöhne aufgestellt wurden. Es scheint jedoch gehülfen) einen Revers unterzeichnen lassen, durch den ihnen ver- der Dampfer„ Cairnrhan" mit brennendem Kargo ein. Das Schiff sehr zweifelhaft, ob auf Grund dieser neuesten Beschlüsse der Unter- boten wurde, während der gemäß§ 105b der Gewerbe- Ordnung hatte Phosphate und Esparto- Gras geladen. Am 6. September benehmer irgend eine Annäherung der kämpfenden Parteien möglich festgesetzten sonn- und festtäglichen Feierstunden in den Geschäfts- merkte die Mannschaft, als man vor Kap Vincent angekommen war, ist. Vorläufig wenigstens dauert der große Kampf in der schwedischen räumen zu arbeiten oder sich aufzuhalten. Es war solch Verbot auch einen eigenartigen Geruch wie von brennendem Grase. Da das Metallindustrie unverändert fort. sonst noch ausgesprochen worden. Nun müssen wohl in dem Be- Deck mit jedem Augenblick wärmer wurde, war nicht daran zu triebe verschiedene Angestellte sein, die in ihrer Arbeitswut selbst zweifeln, daß man es mit einem Kargobrand zu tun hatte. Die das Verbot des Chefs nicht fürchten. Es wurde nämlich be- Löschung desselben erwies sich als sehr schwierig, denn sobald man hördlich festgestellt, daß verschiedene Angestellte sich danach nicht ge- die Schiffsluken öffnete, um den Brand zu löschen, fachte die cinrichtet hatten, sondern am Bußtag zur verbotenen Zeit im Ge- dringende Luft das glimmende Feuer zu hochschlagenden Flammen schäftslokal und zwar im Geschäftsinteresse tätig gewesen waren. an, sodaß man die Luken wieder schließen mußte. Man schnitt Die Firmeninhaber wurden darauf wegen Ülebertretung der§§ 105b darauf fleine Löcher ins Deck, durch die man die Löschversuche fortals Berufungsinstanz sprach sie indessen frei, weil sie den Angeklagten worden zu sein, aber diese schlugen mit ungeschwächter Stärke und 146a der Gewerbe- Ordnung angeflagt. Das Landgericht Stettin fegte. Gegen Mitternacht glaubte man, der Flammen Herr geja jene verbotswidrige Sonntagsarbeit nochmals ausdrücklich unterfagt hätten und weil anzunehmen sei, daß sich die betreffen wieder in die Höhe, sobald man die Luken öffnete. Der Mannschaft ben Angestellten am Bugtag gegen Wissen und blieb nichts weiter übrig, als jeden Luftzutritt nach Möglichkeit zu willen der Chefs beschäftigt hätten. verhindern und die Boote für den äußersten Notfall bereitzuhalten. Soziales. Jnternationaler Arbeiterversicherungs- Kongreß. Ueber einen stürmischen Vorfall in der Mittwochsizung des internationalen Arbeiterversicherungs- Kongresses in Wien meldet uns ein Privattelegramm: Der Kongreß begann heute mit der Verhandlung des Themas: Vereinheitlichung der Arbeiterversicherung. Das Bureau weigerte sich, den Genossen Dr. Verkauf länger als zehn Minuten reden zu lassen. Darüber entstand eine stürmische Debatte, der der Vorsigende, preußischer Regierungsrat Werner, dadurch ein Ende machte, daß er die Sigung eine Stunde vor der offiziellen Schluß zeit aufhob. Der Neunstundentag in den bayerischen EisenbahnWerkstätten. Der bayerische Eisenbahnarbeiter- Verband forderte seit Jahren die Einführung des Neunstundentages in den Betriebswerkstätten der bayerischen Staatseisenbahnen. Die sozialdemokratische Fraktion hat seit ihrem Eintritt ins Parla ment diese Forderung auf das nachdrücklichste unterstützt und Verantw. Redakteur: Heinrich Wesker, Groß- Lichterfelde. Für den Die Staatsanwaltschaft beruhigte sich nicht bei diesem Urteil, In Dundee wurde fofort nach der Ankunft das ganze Schiffskargo sondern legte Revision can. Der Vertreter des Oberstaatsanwalts überflutet. am Kammergericht meinte auch, die angeführten Verbotsäußerungen Ein flüchtiger Defrandant. Wie aus Hamburg gemeldet wird, der Chefs genügten noch nicht, ihre Verantwortung für Ueber- ist der in Schauspielerkreisen allbekannte Kommissionär Julius Elfan tretungen der Bestimmungen über die Sonntagsruhe auszuschließen. von dort entflohen. Der Flüchtling, der 29 Jahre alt ist, unterWirksamere Maßregeln zur Verhütung solcher Uebertretungen hätten schlug einem dortigen Juwelier Brillanten und Goldwaren im Werte die Arbeitgeber zu ergreifen. Es gebe ein sehr einfaches Mittel, von 300 000 M. zum Beispiel: das Kontor für die fragliche Zeit einfach abzusperren. Ilerdings, das wisse er ja auch: dies GeheimFriedhofsschänder. Wie aus Königshütte berichtet wird, meldet nis sei unseren Arbeitgebern nicht bekannt! Die das Königsh. Tagebl.", daß nachts auf dem Friedhof in Chorzow Chefe seien im übrigen verpflichtet, sich selbst davon zu überzeugen, von ruchloser Hand etwa dreißig der schönsten Grabdenkmäler volldaß die Arbeiterschuß- Bestimmungen innegehalten würden in ihren ständig zerstört, sowie viele einfachere Kreuze umgerissen wurden. Betrieben. Das gehe nicht, einen Revers unterschreiben zu lassen, Der Friedhof bietet das Bild einer grauenhaften Verwüstung. Von noch ein paarmal zu sagen: Ihr dürft dann und dann nicht ar den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Mr. 221. 22. Jahrgang. V einen warmen Nachruf. 2. Beilage des ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnerstag, 21. September 1905. als Beisiger bestandene Voreingenommenheit. Weber Kiel be- durch asiatische Cholera erfolgt ist. Der„ Ostdeutschen Rundschau V Verbandstag deutscher Gewerbegerichte. tämpfte die in einigen Gewerbegerichtsurteilen bekundete Auffassung, zufolge liegt im Bromberger Bezirk nur ein Erkrankungsfall an Würzburg, 18. September. daß Teilurteile nicht ergehen können, bevor der ganze Schaden er- Cholera vor. Er betrifft den Arbeiter Kroll in Drazig, dessen Sohn Im festlich dekorierten Schrannensaale begann heute die Verbands- wachsen ist. Dr. Luppe Frankfurt sprach sich energisch gegen die schon früher an Cholera erkrankt ist.-Aus Rastenburg wird ge versammlung des Verbandes deutscher Gewerbegerichte unter Teil- Bulassung von Rechtsanwälten zu den Gewerbegerichten aus. Wenn meldet: Die in den Cholerabaracken in Korschen untergebrachten nahme der Kaufmannsgerichte. Der Geschäftsführer des Verbandes wir Rechtsanwälte zulassen, brauchen wir keine Gewerbegerichte 20 Personen aus Warnifeim sind heute von dort als gesund entDr. Flesch Frankfurt a. M. widmete dem kürzlich verstorbenen mehr." lassen worden. Die„ Neuen Westpreußischen Mitteilungen" melden: Vorsitzenden des Verbandes Oberbürgermeister Dr. Gaßner- Mainz Cuno Hagen hält die bei den Wahlen zu den Kaufmanns- Bei Grete und Heinrich Ziemens, beide aus Jesewitz, sowie bei dem gerichten gesammelten Erfahrungen mit der Verhältniswahl für aus- Kinde Grete Beier in Kurzebrack und bei zwei Kindern und einem reichend zur Bildung eines Urteils. Das System der freien" Listen Arbeiter in Graudenz find Choleravibrionen festgestellt worden. ist durchaus zu verwerfen, da es der Minorität gestattet, die Majorität Sämtliche Personen befanden sich bereits unter Beobachtung, es zu vergewaltigen. Der Zweckmäßigkeit, Einfachheit des Wahl- handelt sich also bei ihnen um keine Neuerkrankungen. Aus verfahrens entsprechen allein die gebundenen Listen unter Zulassung Konstantinopel wird berichtet: Die sanitären Maßregeln, über die von Stimmenhäufung für kleinere Listen. Die Diskussionsredner von Hamburg auf dem Seewege in Konstantinopel eintreffenden stellten sich mit Ausnahme von Dr. Jastrow Charlotten- Waren sind aufgehoben worden. burg sämtlich auf diesen Standpunkt. Starte Dresden erklärte, daß die Arbeiterbeifizer auch heute noch auf dem Standpunkte stehen, der Einführung der Verhältniswahl bei den Gewerbe- Y gerichten nur dann zuzustimmen, wenn sie obligatorisch einey geführt wird. Dem Geschäftsbericht über die Tätigkeit des Verbandes ist zu entnehmen, daß im Jahre 1903 215, 1904 222 und zurzeit 230 Gewerbe- und Kaufmannsgerichte dem Verbande angeschlossen sind: Die Schaffung der Kaufmannsgerichte hat eine wesentliche Steigerung der Mitgliederzahl nicht gebracht, da zu Vorsitzenden der Kauf mannsgerichte zumeist die Vorsitzenden der Gewerbegerichte bestimmt Die bisherigen Ausschußmitglieder wurden mit Ausnahme des Senator Fint- Hannover, an dessen Stelle Senator Dr. Grote Hannover trat, wiedergewählt. wurden. In den Ausschuß wurde als Vertreter der Arbeiterbeifizer Starte- Dresden wiedergewählt, so daß nach dem Beschlusse der Vorkonferenz der Arbeiterbeisiger, den Zentralausschuß der Arbeiterbeisiger und Vertreter im Ausschuß des Verbandes an einem Orte zu wählen, den Siz des Zentralausschusses der Arbeiterbeisitzer 2c. nunmehr nach Dresden verlegt wird. Dem Vernehmen nach soll der Siz des Ausschusses des Verbandes deutscher Gewerbe- und Kaufmannsgerichte nach Berlin verlegt 8 weiter Verhandlungstag. Briefkaften der Redaktion. Drei Str. 1. Gumbinnen. 2. Martens und sein Schwager Hickel. 8. 1902. Plattfuß. Durch das Sekretariat der Gewerkschaften zu er fahren. Engel- Ulfer 15, parterre. Speziell durch Herrn Simanowski. Deshalb sollten Sie . C. 24. 1.- 4. Die Sache ist doch sehr ernst. nichts unternehmen ohne den Rat einer hervorragenden ärztlichen Autorität. Schlochau. Längst beantwortet. Wenden Sie sich an das Berliner Polizeipräsidium, Abteilung für Hebammenwesen. Alles Nähere von dort. P. B. 60. Freie Volksbühne. Näheres durch Herrn G. Winkler, Rirdorf, Kirchhofstr. 46. J. W. Wir sind auf postalischem Gebiete leider noch nicht allwissend. Wenn bei den zuständigen lokalen Bostämtern nichts auszurichten ist, versuchen Sie es vielleicht mit einer Beschwerde bei der Oberpostdirektion Ihres Bezirks. Rekrut K. Uns ist von einem späteren Termine der Einziehung etwas Offizielles oder Positives nicht bekannt. K. 3. Zour 4. Anfragen bei der 10. Fortbildungsschule, Reichenberger straße 44/45. Dirigent: Kandeler, Grimmstraße 1. 2. Erfundigen Sie sich zunächst in der Schule selbst bei einer geeigneten Persönlichkeit. 2. 0001. G. R. 38. 1. Jm juristischen Teil. 2. Reinickendorf, Wilkestraße 62. Wir besigen die Adressen solcher Firmen leider nicht. 5. K. 46. RußStreitköpfe. Das macht land ist der am meisten verschuldete Staat. natürlich kein Graf; lieber läßt er sich und ein Regiment von Grafen auf Regimentsunkosten ernähren, als daß er die Kosten auch nur für einen einzigen Soldaten bestritte. Grau. Fragen Sie Bebel selbst danach. Adresse: Jena, Volkshaus, Karl Zeißplak. Warum so neubegierig? N. 10. Nein. P. O. 1. Ja. 2. Nein. F. V. Ja. J. G. Eingabe an die städtische Stiftungsdeputation, Poftstraße 16; ohne Nennung einer bestimmten Stiftung. Die Präsenzliste ergab die Anwesenheit von 240 Teilnehmern, Eine lebhafte Debatte knüpfte sich an den Punkt: Aenderung der Sabungen infolge des Hinzutrittes der Kaufmannsgerichte zum Verbande. Der Ausschuß hatte vorgeschlagen, dem Verbande zu tünftig den Namen: Verband deutscher Gewerbe- und Kaufmannsgerichte zu geben, die bisherigen Sagungen bis zum nächsten Verbandstage bestehen zu lassen und den Ausschuß mit der redaktionellen Aenderung der Sagungen zu beauftragen. Wulff Altona( stellvertretender Vorsitzender des Altonaer Gewerbegerichtes) vertrat den bekannten Anfruf des Kaufmanns- werden. gerichtes Altona, in dem zur Gründung eines Verbandes deutscher Kaufmannsgerichte aufgefordert wird. Neue durchschlagende Gründe Würzburg, 19. September. vermag er aber nicht anzuführen. Redner findet es verwunderlich, Der zweite Verhandlungstag begann mit einem vorzüglichen daß, trotzdem der Aufruf an sämtliche Kaufmannsgerichte verfandi Referate Dr. Sinzheimers- Frankfurt a. M., Rechtsanwalt, worden ist, nur wenige Gerichte geantwortet haben und die meisten über:" Tarifverträge." Er zerlegte das Thema in drei Gerichte diese Anregung ignoriert haben. Nur etwa ein Dutzend Fragen: 1. Ist der Tarifvertrag ein Rechtsverhältnis oder nicht? Gerichte haben sich mit dem Aufrufe beschäftigt. Der Verband 2. Grstreckt sich die Wirksamkeit des kollektiven Tarifvertrages auch deutscher Gewerbegerichte habe so große Aufgaben, daß er sich nicht auf Nichtorganisierte? 3. Kann der kollektive Arbeitsvertrag durch noch nebenbei mit den Kaufmannsgerichten beschäftigen könne. individuellen Arbeitsvertrag gebrochen werden? Die erste Frage beRechtsanw. Menzinger München wendet sich scharf gegen antwortete Redner dahin, daß jeder Vertrag, der nicht gegen das diese beabsichtigte Neugründung, die er für zweckwidrig erklärt. Gesetz verstößt, rechtsgültig ist. Die Vorschriften über Treu und Die Kaufmannsgerichte haben allen Anlaß, der bestehenden er- Glauben dürfen hier nicht angewendet werden, auch der§ 152 probten Organisation sich anzuschließen und die von dieser Absatz II der Gewerbe- Ordnung wird ganz zu Unrecht auf den gesammelten Erfahrungen für sich muzbar zu machen. follettiven Arbeitsvertrag angewendet. Bei diesen Arbeitsverträgen Witterungsübersicht vom 20. September 1905, morgens 8 Uhe Nach einigen Diskussionsrednern fommt Sch a c- Hamburg, der handelt es sich nur um die Festlegung von Uebereinkommen zwischen Vorsteher des Deutschnationalen Handlungsgehülfenverbandes, zum zwei Parteien, nicht aber um jene Tätigkeit, die der§ 152 im Auge Wort. Er erklärt die Gerüchte, daß der Deutschnationale Handlungs- hat. Was die zweite Frage anbetrifft, so hält der Referent die gehülfenverband diefe Bewegung veranlaßt habe, für Schwindel. Ausdehnung der Tarifverträge auf Nichtorganisierte für im Interesse Sein Verband habe mit der ganzen Sache nichts zu tun. Er trete der Parteien liegend und sei diese Ausdehnung dafür ein, daß für die Kaufmannsgerichte eine besondere Sektion auch deswegen erwünscht, damit die Gelegenheit für die Arbeits- Swinemde. 764 DSD 2 heiter Unternehmer mit den Unorganisierten indibiduelle gebildet wird. In 761 DGD 2 wolfig der dritten Hamburg Pfeiffenberger Hamburg vom Zentralverband der Hand- berträge abzuschließen, vermindert würde. Berlin 762 DSD 4 heiter lungsgehülfen und Gehülfinnen Deutschlands weist nach, daß trok Frage präzisiert Redner seinen Standpunkt dahin, daß der Frankj.a.M. 761 GD der Ableugnung der Deutschnationale Verband der Macher dieser follettive Arbeitsvertrag niemals durch individuelle Arbeits- München Bewegung ist. Ein stichhaltiger Grund zur Gründung eines be- verträge gebrochen werden kann. Ersterer ist weitergehendes Recht Bien sonderen Verbandes deutscher Kaufmannsgerichte besteht nicht. Daß als letztere und gehe daher vor. Um den kollektiven Arbeitsvertrag fich der Landgerichtsrat Wulff- Altona über die Mißachtung des be- wirksam zu gestalten und die verschiedene Rechtsauslegung aufzu fannten Aufrufs wundert, ist ganz unangebracht. Der Aufruf trägt heben, ist der§ 152, 2 der G.-D. aufzuheben und die gefeßliche weder die Unterschrift des Vorfizenden noch sonst irgend einen amt- Sicherstellung dieser Materie anzustreben. Zu einem Teil wird, nach lichen Vermerk. Die Geschichte scheint also nicht recht in Ordnung der sehr zweifelhaften Anschauung des Referenten, das erreicht, wenn zu sein. Dann ist auch die Frage aufzuwerfen, wer denn die Kosten der in Aussicht stehende Gefeßentwurf über die Rechtsfähigkeit der Siefer Agitation trägt. Das Kaufmannsgericht Altona hat keine Be- Berufsorganisation Gesetz geworden sein wird. rechtigung, dafür Mittel auszugeben. Die Beisiger werden sie auch nicht aus ihren eigenen Taschen decken. Also auch hier müssen Hintermänner vorhanden sein und sie sind unschwer im deutschnationalen Verbande zu entdecken. Das Wort„ Schwindel" fällt mit Recht auf die Veranstalter diefer Sache zurück. Die Anträge des Ausschusses wurden alsdann einstimmig angenommen. beiden Vom Gewerbegericht Ludwigshafen lag ein an den Bundesrat gerichteter Antrag vor, in dem gefordert wird, daß die Gewerbegerichte fünftig auch für die Entscheidung von Streitigkeiten aus dem Gewerbebetrieb der Eisenbahnunternehmungen zuständig sind. Der Verbandstag billigte diese Forderung. In bezug auf die Zulassung von Prozeßbevollmächtigten zu den Kaufmanns- und Gewerbe gerichten trat Starte- Dresden für eine liberale Auslegung des Stationen Barometerstand mm Wind richtung Windstärke Better Temp. n. T. 5° C. 4° R. Stationen Barometer Winds richtung Windstärke Wetter 2 bedeckt 2 halb bd. 3halb bd. Lemp. n. C. Bawab.= 4° St. 10 6 13 1 wolfen! 2 Regent 12 12 Haparanda 771 S 10 Petersburg 767 NO 10 Scilly 767 NN28 3 bedeckt 12 Aberdeen 765 3 761 NW 4 bedeckt 12 Paris 763 N 763 Still wolfig Wetter- Prognose für Donnerstag, den 21. September 1905. Ziemlich trübe, später aufllarend bei mäßigen nordöstlichen Winden und wenig veränderter Temperatur; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Dresden Wasserstand am 19. September. Ibe bei Auffig- 0,09 Meter, bei 1,47 Meter, bei Magdeburg+ 1,10 Meter. Unstrut bei Straußfurt Oder bei Ratibor+ 0,87 Meter, bei --Meter. 4,74 Meter, bei Breslau Unterpegel+1,70 Meter, Breslau Oberpegel Meter. Weichsel bei Brahemünde bei Frankfurt+ 1, 20 Meter. War the bei Bosen+ Neze bei Usch +2,58 Meter. Meter. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen- Direktion. Rindfleisch Ia 62-69 pr. 100 Pfund, IIa 56-60, IIIa 50-56, IVa 40-48. Stalbfleisch Ia 84-90, IIa 72-84, IIIa 60-70. Dr. Brenner München gab eine kurze Darstellung der ge- Wortes geschäftsmäßig" ein. Die weiteren Tagesordnungspunkte:„ Die Gründe zur sofortigen Stüd 60-90 Bf. Rotwild, Pfund 40-55 Pf. Rebhühner, junge 0,80-1,05, Hammelfleisch Ia 68-75, IIa 58-66. Schweinefleisch 65-72. Kaninchen schichtlichen Entwidelung des Arbeitsvertrages und im Anschluß daran eine umfassende Aufzählung der seit dem Entlassung nach der Gewerbe- Ordnung und nach dem Bürgerlichen alte 0,65-0,75; Hühner, alte 1,20-2,00, junge 0,50-1,20 das Stüd. Gänse, letzten Verbandstage auf dem Gebiete des Arbeitsvertrages geschaffenen Gesetzbuch" sowie" Zuständigkeit bei Klagen von Rechtsnachfolgern junge 0,48-0,54 das Pfund. Hechte 99-103 m. pr. 100 Pfund, Schleie oder gegen diese" wurden dem Ausschuß als Material für den nächsten 100-108, Male 91, Karpfen 70-80, Gesetze und Verordnungen. Lachs 165, Schellfische 15-23, Als nächster Punkt stand die Literatur über den Verbandstag überwiesen. Das vorgesehene Referat des Stadtrat Flunder 10-13, schottische Boltheringe( gesalzen) 36-38. Strebse, unsort., Gier, Schock 3-3,50. Butter, pr. 100 Pfund Ia 120-124, Arbeitsvertrag seit dem letzten Verbandstage auf der Tages- Wagner- Braunschweig mußte wegen Verhinderung des Referenten Schod 5,00. ausfallen. IIa 115-120, IIIa 110-115, abfallende 100-108. Startoffeln, pr. 100 ẞfd. ordnung. Dr. Baum Berlin, Archivar des Verbandes unterzog die Aus den umfangreichen Verhandlungen des Verbandstages find rote 1,75-2,00, Roſen 1,50-1,75, blaue 2,00-2,25, runde weiße 1,75-2,00. Einmal die Rotkohl, Schock 3,00-6,00, Holländer 7,00-8,00, Weißkoht 2,00-5,00, zahlreichen Neuerscheinungen auf diesem Gebiete einer kurzen Be- namentlich zwei Punkte von besonderem Interesse. Wirsingkohl 2,00-5,00; neue faure Gurken, Schock 2,-. fprechung. Das Stadthagensche Arbeiterrecht" ist eines der energische Abweisung der Sonderbündeleien der deutsch- nationalen populärsten Werte, infolge gewiffer politischer Tendenzen bleibt dem Handlungsgehülfen, denen nach dieser eklatanten Niederlage wohl die Werte leider die verdiente Anerkennung noch in vielen Kreisen Lust zu weiteren ähnlichen Taten vergangen sein wird. Was aber noch weit wichtiger ist, das sind die auf diesem Verbandstag herborbersagt. Hus der Partei. Todes- Anzeige. Nach langem schweren Leiden entschlief am 18. d. M. unser guter Bater, Schwiegervater und Großvater, der Töpfer im 65. Lebensjahre. 1850b Die Beerdigung findet am Freitag, den 22. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde, aus statt. Ueber die Erfahrungen bei den Kaufmanns- getretenen Bestrebungen auf Zulassung der Rechtsanwälte zu den gerichten berichteten Amtsrichter Bopfen Hamburg und Gewerbe- und Kaufmannsgerichten. Vorerst sind diese Bestrebungen Dr. Glüdsmann Breslau. Ersterer besprach die Erfahrungen nur ganz schüchtern hervorgetreten, zweifelsohne ist das aber ein speziell bei dem Hamburger Kaufmannsgericht. Die Bedürfnisfrage Versuch, die Verschlechterung der gewerbegerichtlichen Rechtsprechung Friedrich Kanzenbach ist durch die furze Praris glänzend erwiesen. Bei einigen Fragen langsam vorzubereiten. Und deshalb haben wir alle Ursache, diesen hat sich eine widersprechende Rechtshandhabung durch die Kaufmanns- Bestrebungen von vornherein mit aller Schärfe entgegenzutreten. gerichte gezeigt. Eine schwierige Frage ist die Vertretung der vom Orte abwesenden Gehülfen, bei den Kaufmannsgerichten umsomehr wie bei den Gewerbegerichten, weil der seine Stelle wechselnde Handlungsgehülfe häufig auch gleichzeitig den Ort wechselt. Die Rom, 17. September. Ein außerordentlicher Kongreß Zulassung der Rechtsanwälte zu den Kaufmanns gerichten ist deshalb zu empfehlen. Die Kaufmannsgerichte betätigen der Arbeitskammern tritt am 20. September im hiesigen fich mehr als die Gewerbegerichte mit Stellung von Anträgen. Als Parteilokale zusammen, um über die Maßnahmen der ArbeiterorganiEinigungsamt ist noch kein Kaufmannsgericht in Tätigkeit getreten, fationen im Falle einer neuen Niedermezelung von Proletariern was hoffentlich auch in Zukunft nicht eintreten wird.( Der Redner durch Militär Beschlüsse zu fassen. Man hat den 20. September zur wird durch die Tatsachen sich bald in seiner Hoffnung getäuscht Einberufung gewählt, da an diesem Tage der Fall der weltlichen Herrschaft des Papstes vom offiziellen Italien gefeiert wird, bei sehen. D. R.) welcher Gelegenheit die Eisenbahnen eine Fahrpreisverminderung von 75 Broz. gewähren. Dr. Glüdsmann Breslau erörtert die Frage der Zuständigkeit der Kaufmannsgerichte. Eine Lüde habe das St. G.-G. infofern, als es für Streitigkeiten zwischen Gehülfen und Gehülfen nicht zuständig ist. Im übrigen fordert Redner, daß der Vorsitz bei den G.-G. und K.-G. nicht im Nebenamte, sondern als alleinige Tätigkeit eines Beamten ausgeführt werden soll. eintreten. Arbeiter Samariterkolonne. Heute abend 9 Uhr: 3. Abteilung, Schöneberg, bei Obst, Meiningerstr. 8. Vortrag des Herrn Dr. Sommerfeld über: Vergiftungen und gefahrdrohende Krankheitszustände. Nachher praktische Uebungen. 4. Abteilung, Lichtenberg. Die Uebungsstunde Körsten Berlin wendet sich gegen die Zulassung von findet umständehalber erst am Freitag im Lofale von Gebr. Arnold, FrankRechtsanwälten zu den Kaufmannsgerichten. Was jetzt für die furter Chaussee 5 statt. Vortrag des Herrn Dr. Hirschfeld über: VerKaufmannsgerichte verlangt werde, würde man dann auch für die giftungen, Ertrinken, Erstiden, Wiederbelebungsversuche. Nachher praktische Gäste sind willkommen. Neue Mitglieder können jederzeit Gewerbegerichte einzuführen suchen. Wenn gesagt werde, der ebungen. Handelsangestellte wechsle bei Aufgabe der Stelle zumeist auch seinen Sozialdemokratischer Zentral- Wahlverein für den ReichstagsWohnsitz, so treffe das nicht zu. Es sei festgestellt, daß von Kauf- Wahlkreis Kalan- Luckau. Ortsverein Berlin. Donnerstag, den leuten, welche Klagen anhängig machten, noch nicht 1 Proz. den 21. September, abends 8%, Uhr, findet die Monatsversammlung bei dem Wohnsiz wechselten. Von Erfahrungen, die die Zulassung der Rechts- Genossen Weihnacht, Grünftr. 21 statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der anwälte erforderlich machten, tönne schon deshalb nicht gesprochen Streisgeneralversammlung( Berichterstatter Genosse Start Hoffmann). 2. Dis werden, weil die Kaufmannsgerichte erst einige Monate bestehen. fuffion. 3. Vereinsangelegenheiten. Es ist Pflicht eines jeden Genossen, zu Dr. Glücksmann habe darauf hingewiesen, daß in Einzelfällen von erscheinen. Gäste willkommen. Verband der Friseurgehülfen Deutschlands, Zweigverein Bertretern der Kläger das Geld nicht abgeliefert wurde, damit könne Berlin. Bersammlung am 21. September, abends 10 Uhr, Stofenthalergar nichts für die Zulassung der Rechtsanwälte bewiesen werden. ftraße 57. Vortrag des Genossen Stripp. Erscheinen notwendig. Bertreten erst die Rechtsanwälte die Klagen vor den Gewerbe- und Verband der Friseurgehülfen Deutschlands, Zweigverein Kaufmannsgerichten, dann wird es sehr häufig vorkommen, daß die Rigdorf. Donnerstag, den 21. September, abends 10 Uhr, bei Hoppe, Kläger kein Geld erhalten, sondern in manchen Fällen noch zuzahlen Berlinerstr. 14: Außerordentliche Generalversammlung. müssen, um die Anwaltskosten zu decken. Die Zulassung der Rechtsanwälte birge aber auch die Gefahr in sich, daß weniger nach den Sondergefeßen als nach dem allgemeinen Recht geurteilt werde. Die Sondergeseze gelten aber im gewissen Sinne als Sozialgefeße, Garten: Mitgliederversammlung. Bericht der Tariskommission. Diskussion. stellen einen gewissen Schutz der wirtschaftlich Schwächeren dar. Bis Berschiedenes. jezt haben sich die Gewerbe- und Kaufmannsgerichte gut bewährt, tommen aber erst die Rechtsanwälte hinein, dann werden die Vors teile der Gewerbegerichte vor den anderen Gerichten wieder aufgehoben. Zentralverband der Handlungsgehülfen und Gehülfinnen Deutschlands.( Bezirk Berlin.) Donnerstag abend 9 Uhr Sizung in den" Arminhallen", Kommandantenstr. 20. Gäste sind willkommen. Marmorarbeiter. Freitag, den 22. September, im Englischen Vermischtes. Die Cholera. Die Untersuchung seitens des hygienischen Instituts Dr. Flesch Frankfurt hält das Mißtrauen gegen die Rechts- in Greifswald hat, wie aus Stettin gemeldet wird, ergeben, daß der anwälte für ebenso unbegründet, wie die früher gegen die Arbeiter Tod des am 17. d. m. verftorbenen Schiffers Gözke aus Fürstenberg Die trauernden Hinterbliebenen. Zentralverband der Töpfer Deutschlands. Berlin. Filiale Todes- Anzeige. Am 18. September verstarb unser treues Mitglied Friedrich Kanzenbach im 65. Lebensjahre. Ehre seinem An denken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 22. September, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Bentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus ftatt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 196/14 Der Vorstand. Zentral- Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin u. Umgegend. ( Bezirk 4.) Allen Kameraden zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied Hermann Carlitscheck ant Montag plößlich am Herzschlag verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 3 Uhr, auf dem Kirchhof in Friedrichshagen statt. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. Am 19. Sept. verstarb plöglich infolge Herzschlages unser Kollege, der Präger Karl Becker. Die Beerdigung findet am Freitag, den 22. Sept., nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Bentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 18426 Die Kollegen der Firma Littauer u. Boysen. Sozialdemokratischer Verein im 5. Berl.Reichstagswahlkreise. Unser Kaufmann treues Mitglied, der 245/19 Max Lindemann ist am Montag seinem langjährigen schwerem Leiden erlegen. Das Andenken des früher so tätigen Genoffen werden wir stets in Erinnerung behalten. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des jüdischen Friedhofes in Weißensee aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Danksagung. Für die mir anläßlich des Ablebens meiner lieben Frau in so reichem Maße erwiesene Teilnahme sage ich hiermit allen Freunden und Bekannten herzlichen Dant. Heinrich Krüger, Shantwirf Lychenerstaße 8. Danksagung. 18285 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme seitens des Verbandes der Stuffateure sowie der Herren Kollegen der Firma Beyer u. Drechsler bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich meinen verbindlichsten Dant. Marie Lanzenberg nebst Sohn. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Schiller- Theater. Hofgunst. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Donnerstag, abends8Uhr: Donnerstag, abends8Uhr: Der G'wissenswurm. Bauernkomödie mit Gesang in 4 Aufz. bon Ludwig Anzengruber. Freitag, abends 8 Uhr: Der G'wissenswurm. Luftspiel in 4 Aufz. b. Thilo v. Trotha. Freitag, abends 8 Uhr: Nora. Donnerstag, 21. September. Sonnabend, abends 8Uhr: Sonnabend, abends 8 Uhr: Anfang 7%, Uhr: Opernhaus. Die Zauberflöte. Der Leibalte. Schauspielhaus. Dihello, der MoResidenz- Theater. von Benedig. Neues. Ein Sommernachtstraum. Westen. Die neugierigen Frauen. Kleines. Hidalla. Anfang 8 Uhr: Direktion: Richard Alexander. Heute und folgende Tage Anfang 8 Uhr: Schiller.( Wallner Theater.) Die Höhle des Löwen. Hofgunst. Schiller N.( Friedrich Wilhelm Schwant in 3 Aften v. M. Hennequin städtisches Theater). Der G'wissens wurm. Lessing. Benignens Erlebnis. Hanneles Himmelfahrt. Zentral. Die Geisha. Residenz. Die Höhle des Löwen. Trianon. Das Ende der Liebe. Thalia. Bis früh um Fünfe! Carl Weiß. Der Weltumsegler wider Willen. Belle- Alliance. Ben Ali Beh. Luifen. Der jüngste Leutnant. Deutsch Amerikanisches. Herr Herzog! Kasino. Der Adelsnarr. Aber, Metropol. Auf- ins Metropol! Apollo. Ein Abend in einem amerika. nischen Tingel- Tangel. Hochzeitsabend. Am Spezialitäten. Herrnfeld. Die Meyerhains. Wintergarten. Loie Fuller. Spe gialitäten. Folies Caprice. Soll und haben. Nach dem Zapfenstreich. Paffage. Poldi Augustin. Herr Tacianu. Spezialitäten. Neichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Im Lande der Mitternachtssonne. Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Anfang 8% Uhr: Luftspielhaus. Der Familientag. Kleines Theater. Heute abend 8 Uhr: Der zerbrochene Krug. Vorher: Die Lanne des Verliebten. Freitag: Nachtasyl. Sonnabend: Der zerbrochene Krug. Vorher: Die Laune des Verliebten. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Lore. Hierauf: Angele. Abends 8 Uhr: Der zerbrochene Strug. Vorher: Die Laune des Verliebten. Montag: Nachtasyl. Neues Theater. Anfang 7 Uhr. Sin Sommernachtstraum. Freitag u. folgende Tage: Ein Sommernachtstraum. Kasino- Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Der Adelsnarr. Vorher: Die Zaubergeige von Offenbach. Original Rämbler Compagnie zum 1. Male in Berlin Duo Serdan. Sonnt. 4 Uhr: Ein Sohn des Volkes. Trianon- Theater. Heute und folgende Tage: Das Ende der Liebe. Satirisches Lustspiel in vier Aften bon Roberto Bracco. Deutsch von Otto Eisenschüz. Anjang 8 Uhr. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: Lumpengesindel. Freitag zum erstenmal: Gastspiel 2. Matkowsky: Wilhelm Tell. Sonnabend: Kinder der Exzellenz. Sonntag nachm.: Fiesco. Abends: Lumpengesindel. Montag: Der jüngste Leutnant. pollo- Theater. Täglich: Ein Abend in einem 10 Uhr: amerik. Tingel- Tangel Borb.: Hochzeitsabend, Spezialitäten. Sonntag, den 1. Oftober cr.: Erste Nachmittags- Vorstellung mit amerik. Tingel- Tangel u. Luftballett Grigolatis zu bedeutend ermäßigten Preisen! Anfang 3 Uhr. Gustay Behrens SpezialitätenTheater FrankfurterAllee 85. Ab 16. September neues Programm. Kolossaler Erfolg von Eine Berliner Range. Posse mit Gesang. 16 Spezialitäten- Nummern. und P. Bilhaud. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Seine Kammerzofe. Sanssouci Kottbuserstr. 4a. Dirett.: W. Reimer. Sonnt., Mont., Donnerst.: Im glänzend renov. und elektr. beleucht. Etablissem. Hoffmanns Ein Wintermärchen. Gebrüder Herrnfeld- Theater. Bum 151. Male: Die Meyerhains. Komödie in drei Atten mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Norddeutsche Sänger Anfang 8 Uhr. Bordert. 11-2 Uhr. und Tanzkränzchen. Sonntag Beginn 5 Uhr. Wochentags 8 Uhr. Dienstag und Mittwoch: Löwe- Ensemble. Die Waise aus Lowood. Kabale und Liebe. In Vorbereitung: Der Familientag. Eine Erbschaftstomödie von Anton und Donat Herrnfeld. eeeeeeee000 Urania Tauben 8 Uhr: str. 48/49 Freie Volksbühne. Im Lande der Mitternachtssonne. Sonntag, den 24. September, nachmittags 21 Uhr: Metropol- Theater. 7.18. Abteilung Carl Weiß- Theater. 2./3. Abteilung Nummer Achtzig Egmont. und Der Panzer Trauerspiel in 5 Akten von W. Goethe. von Herm. Heyermans. Musik von L. v. Beethoven. 9. Kunst- Abend Dienstag, den 17. Oktober cr., abends 81 Uhr, im Rathaus: Schumann- Heine Vortragender: Dr. Max Hirschberg, Dozent der Musikgeschichte an der Humboldt- Akademie. Alle neuen Mitgliedskarten müssen aus den Zahlstellen abgeholt werden und müssen 2 Marken a 80 Pf. enthalten. Sonnabend, 23. September, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause: Ordner- Sitzung. Das Erscheinen aller Ordner mit ihren Mitgliedskarten ist unbedingt erforderlich. Der Vorstand. 229/16 Die Geschäftsstelle und Kassenverwaltung: G. Winkler. Neue Freie Volksbühne Die Kunft dem Volke! Sonnabend, den 23. September 1905, abends 8% Uhr, im großen Saal der Brauerei Friedrichshain: HERBST- FEST unter gefl. Mitwirkung der Konzertsängerin Frl. Dora Nodnagel, der Hofschauspielerin Frl. Fanny Ritter( Rezitation), des Konzertmeisters Herrn Bruno Schulz( Violine) sowie des gesamten Berliner Tonkünstler- Orchesters unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Karl Vach. Eintrittskarten für Mitglieder a 50 Pf., für Gäste a 60 Pf. sind noch in allen Zahlstellen zu haben. Ordentliche Vereins- Vorstellungen I. Serie im Neuen Theater ( 3. September- 5. November) Sin Sommernachtstraum. Komödie in 5 Aufzügen v. W. Shakespeare. III. Serie im Schiller- Theater 0. ( 24. September- 26. November) Der Traum ein Leben. Schauspiel in 5 Akten von Grillparzer. II. Serie im Schiller- Theater N. ( 10. September- 12. November) Fuhrmann Henschel. Schauspiel in 5 Akten v. Gerhard Hauptmann. IV. Serie im Deutschen Theater ( 5. November- 1. Januar) Das Käthchen von Heilbronn. Romantisches Ritterschauspiel in 5 Aufz. von Heinrich v. Kleist. Mitglieder- Anmeldungen zur 9. und 1o. Abteilung werden an allen Zahlstellen entgegengenommen. Das einmalige Einschreibegeld beträgt 1 M., der jeweilige Vorstellungsbeitrag 80 Pf. mit Ausnahme der " Sommernachtstraum"-Vorstellung, für die in Anbetracht der sehr hohen Inszenierungskosten, des Orchesters usw. ein Zuschlag von 20 Pf. erhoben wird. Die Monatsschrift des Vereins„ Die Kunst dem Volke" wird den Mitgliedern gratis durch die Post zugestellt. ,, Die Neue Freie Volksbühne, Geschichte ihrer Entstehung und Entwickelung, Das 60 Seiten starke Heft ist zum Preise von 20 Pf. an allen Zahlstellen zu haben. Extra- Vorstellungen im Deutschen Theater Sonntag, den 1. Oktober: Kabale und Liebe. Trauerspiel in 5 Akten von Fr. Schiller. Sonntag, den 15. Oktober: Der Graf von Charolair. Sonntag, den 8. Oktober: Die Neuvermählten. Schauspiel in 2 Akten von Björnson. Hierauf: Der Kammersänger. Komödie von Frank Wedekind. Sonntag, den 22. Oktober: Minna von Barnhelm. Trauerspiel in 5 Akten v. R. Beer- Hoffmann. Lustspiel in 5 Akten von E. Lessing. Eintrittskarten für Mitglieder a 1 M.( für Gäste a 1,25 M., eine Woche vor der betreffenden Vorstellung) sind an allen Zahlstellen zu haben. Zahlstellen! N.: Fischer, Veteranenstr. 6. A. Knapp, Grünthalerstr. 5. O. Schöngalla, Weißenburgerstr. 60. R. Kanapke, Brunnenstr. 122. K. Kleinau, Gerichtstr. 4. G. Blume, Chausseestr. 26. R. Kischkat, Graunstr. 12. NO.: W. Schrolle, Landwehrstr. 3. M. Probst, Linienstr. 8. NW.: H. Becker, Gotzkowskystr. 9. W. Wendscheck, Schiffbauerdamm 6. SW. H. Landgraf, Bergmannstr. 101. J. Pech, Teltowerstr. 37. C. Martienzen, Belle Alliancestr. 7. S.: H. Bobsien, Kommandantenstr. 62. C. Bielefeld, Gräfestr. 35. W.: O. Thiele, Potsdamerstr. 26. E. Neumann, Tauenzienstr. 20. SO.: H. Köhn, Naunynstr. 83. H. Kaufhold, Wrangelstr. 52, III. A. Strangfeld, Britzerstr. 24a. U. Stangenberg, Köpenickerstr. 20 a, part. 0.: W. Tabert, Markusstraße 14. H. Hirsch, Littauerstr. 22. A. Gorn, Boxhagenerstr. 2. L. Grubert, Fruchtstr. 55. C.: C. Pimofsky, Neue Jakobstr. 8. E. Neumann, Weinmeisterstraße 18. Schöneberg: P. Arendt, Kolonnenstr. 43/44, III. Friedenau: C. Danz, Kirchstr. 15, Stfl. III. Rixdorf: C. Heinrich, Münchenerstr. 19. Charlottenburg: E. Schäfer, Schillersr. 102 und Osnabrückerstr. 3. Friedrichshagen: C. Stegemann, Seestr. 107: Rummelsburg: Fr. Rosen, Schillerstraße 3. Die Geschäftsstelle des Vereins befindet sich Berlin NW., Bremer. straße 59, vorn II. Fernsprecher: Amt II No. 4241. 150/15 Der Vorstand. I. A.: Heinrich Neft. Sternwarte Invalidenstr.57/ 62. CASTAN'S ANOPTICUM. PANASTAN'S Friedrichstr. 165. Joël's Traum! Im Restaurationssaal: " D'Kochelsee't." Oberbayr. Gesangs-, Tanz- u. Gebirgs- Szenen. JOOLOGISCHER CARTEN Täglich ab nachmittags 5 Uhr: Großes Militär- Konzert Eintrittspreis 1 M.; ab 6 Uhr 50ẞf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Metropol- Theater Präzise 8 Uhr zum 13. Male: ! Auf- in's Metropol! Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Kapellmeister Max Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Walden a. D. Miß Clifford a.D. Bender Giampietro Josephi x Massary x Frid- Frid Steidl Lilly Walter, Rauchen in all. Räumen gestattet. Anfang& Uhr. Lustspielhaus. Abends 8%, Uhr: Der Familientag. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Extra- Vorstellung: Lumpenmüllers Lieschen. Nach Heimburgs gleichnamigem Roman in der Gartenl." b. S. Busse. Anf. 8 Uhr. Entree 30 P. Ball. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Stadt- Theater Moabit Alt- Moabit 47/49. Heute Donnerstag, 21. September: Große Eröffnungs- Vorstellung des Bernh. Rose- Theaters. Familie Buchholz. Boltsstüd in 4 Aften v. Leon Treptow. Anjang 8 Uhr. Stasseneröffn. 7 Uhr. Borzugskarten haben Gültigkeit. Entree 30 Pf., numer. Plaz 50 Pf. Abonnements auf bestimmte Blaze für diese Donnerstags- Borstellungen werden an der Kasse entgegen. genommen. Belle- AllianceTheater. 37/ 2* Variété! Spiel- Plan: Spezialitäten vornehmsten Genres. Kunstkräfte von Weltruf. Premiere Sonnabend. d. 30. Sept. abends 8 Uhr. 16 sensationelle Debits. Volkstümliche Preise. Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Der Weltumsegler wider Willen. Abenteuerliche Bosse mit Gesang und Ballett in 6 Bildern von G. Raeder. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Der Weltumsegler wider Willen. Sonnabend: Kabale und Liebe. Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Täglich in den unteren Sälen Gottschalk- Konzert. Kegelbahn noch frei. Mr. 221. 22. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donerstag, 21. September 1905. Berliner Nachrichten. " werden verlangt: Anfangslohn 4 M., nach 2 Jahren 4,25 M., nach fich daraufhin beim Minister des Innern. Die Antwort des 4 Jahren 4,50 M., nach 6 Jahren 4,75 M., nach 8 Jahren 5 M. Diese Ministers berührt die strittige Frage in dem besonderen Falle nicht, Forderung wurde von unserem Genossen Hinge vertreten; leider fand enthält jedoch die Zusicherung, es sei Vorsorge getroffen, daß bei sie nicht die Zustimmung der Deputation. Es soll bei dem bisherigen etwaigem weiteren Auftreten des Grafen Bückler in öffentlichen Der Alkohol als Mittel zur Stärkung Anfangslohn von 3,50 m. verbleiben; ferner sollen gezahlt werden: Versammlungen im Falle von Ausschreitungen die Auflösung stand früher bei den Aerzten in hohem Ansehen.„ Teile nach 2 Jahren 3,75 M., nach 4 Jahren 4 M., nach 6 Jahren 4,25 M., erfolge". nach 8 Jahren 4,50 M. Die beiden letzteren Stufen enthalten die Wer es mit der Bekämpfung des Antisemitismus ernst meint, dieserhalb teils außerdem" wurde der Rat, ihn zu solchem Ausbesserungen. Die Forderungen der Reinigungsfrauen muß mit Bedauern Notiz davon nehmen, daß die Denunziationssucht Zweck zu gebrauchen, von gläubigen Laien auch gern und eil- wurden bewilligt; sie erhalten demnach: Anfangslohn 2 M., nach des Staatsbürgervereins nur geeignet ist, der Pücklerei Anhänger fertig befolgt. Erst in neuerer Zeit ist hierin manches anders 2 Jahren 2,25 M., nach 4 Jahren 2,50 M., nach 6 Jahren 2,75 M., zuzuführen. geworden. Mehr und mehr sind die Aerzte davon abgekommen, nach 8 Jahren 3 M. Die Löhne sollen vom 1. April Stranke und Refonvaleszenten mit Alkohol zu stärken". 1906 ab gezahlt werden, wenn der Magistrat seine Bu Ein tragisches Ende. Der Doppelselbstmord eines Ehepaares Der Laie mag den Rückweg, den ihm die Aerzte jetzt ftimmung gibt. Die Petition der Pförtner um Gleich- am Spandauer Berg, worüber wir gestern berichteten, hat jezt seine mit den Aufsehern wurde abgelehnt, da erst in volle Aufklärung gefunden. Aus Furcht vor Strafe sind die Eheweisen, nicht immer so willig gehen wie den Hinweg, auf dem diesem Jahre eine wesentliche Aufbesserung stattgefunden habe. leute Graf aus Spandau in den Tod gegangen. Die Ermittelungen er ihnen gefolgt war. Aber von Krankenkassen und Kranken- um den Wünschen der Standinhaber nach Möglichkeit Rechnung zu der Kriminalpelizei haben zu dem Ergebnis geführt, daß beide die Aber von Krankenkassen und Kranken- Um häusern wird ihm die Umfehr in anerkennenswerter Weise er- tragen, soll in sämtlichen Hallen eine wesentliche Verbesserung der Hauptbeteiligten an den Diebstählen waren, die seit mehreren Wochen Leichtert. In den Berliner Krankenhäusern wird unseres Beleuchtung herbeigeführt werden; ferner sollen Transparente an- in dem Warenhaus von M. Hirsch- Spandau verübt worden waren. Wissens für Wein und Bier heute weniger ausgegeben als gebracht werden, damit die Standinhaber mehr Reklame machen Frau Graf war vor einiger Zeit dabei ertappt worden, als sie im noch vor zehn Jahren. Ohne Alkohol konnte man sich können. Die sonstigen zahlreichen Forderungen der Standinhaber Geschäftsraum versuchte, Manufakturwaren verschwinden zu lassen. früher keine Krankenpflege denken, und selbst in der sollen in der nächsten Sigung erörtert werden. Hoffentlich gelingt Dies gab den Anlaß zu Haussuchungen, die bei ihrem Manne, dem Epileptikeranſtalt Wuhlgarten wurde erst im Jahre 1895 es der Deputation, den Verkehr in den kleineren Hallen durch die Wächter des Warenhauses, vorgenommen wurden. Hierbei fand man ein großes Lager von gestohlenen Gegenständen; die Ermittelungen den Kranken das Bier entzogen, weil man endlich erkannt getroffenen Maßnahmen zu heben. wurden schließlich auch auf die verheiratete Tochter ausgedehnt, bei hatte, daß es ihren Zustand verschlimmerte. Auch bei den Krantentassen ist eine deutliche Abkehr vom Alkohol zu Die Stadtverordneten Cassel, Kaempf und Mitglieder der der ebenfalls Haussuchung vorgenommen wurde. Die Eheleute Graf merken. Wie weit sie bereits geht, das sollte einmal aus den Fraktion der Linken haben bei der Stadtverordneten- Versammlung wurden trotz der gegen sie eingeleiteten Untersuchung auf freiem folgenden Antrag eingebracht:" Wir beantragen, die Versammlung Fuß belassen, weil man durch ihre Beobachtung auf die Spur von Geschäftsberichten der einzelnen Kassen zusammengestellt wolle folgenden Beschluß fassen: Die Stadtverordneten- Versamm Mittätern und Hehlern zu kommen hoffte. Der bevorstehenden Verwerden; vielleicht gäbe das ein sehr interessantes Material lung ersucht den Magistrat: 1. in Gemeinschaft mit ihr bei den zu- haftung hat sich das Ehepaar durch die Flucht entzogen. Vor einigen zur Beleuchtung dieser Seite der Alkoholfrage. Einen Anfang ständigen Reichs- und Landesbehörden dahin vorstellig zu werden, Tagen fand man mehrere ihnen gehörige Kleidungsstücke am Haveldazu macht das Organ des Deutschen Arbeiter- Abstinenten- daß auf dem Wege der Gesetzgebung bestimmt wird, daß die in ufer bei Tegelort, was den Anschein eriveden sollte, als ob sie dort Bundes„ Der abstinente Arbeiter". Dort wird aus dem Form von Krankenhaus Behandlung gewährten Armen- in das Wasser gegangen wären. Tatsächlich aber haben die Grafs legten Bericht der Berliner Ortstrantentasse der Unterſtügungen für den Verlust des Wahlrechtes nicht in Betracht dort nur ihre alten Kleider abgelegt, um die neuen, die sie von Hause Kaufleute usw. mitgeteilt, welche Beträge in den Jahren fommen; 2. den demnächst einzuberufenden Städtetag zu einer mitgenommen hatten, anzuziehen. Erst vorgestern morgen gingen beide, wie berichtet, in den Tod. 1903 und 1904 für Arzneien und Heilmittel ausgegeben Aeußerung in gleichem Sinne zu veranlassen." wurden. Ueberall ist eine Zunahme eingetreten, nur die Ausgabe für Wein zeigt eine Abnahme. Im Jahre 1908 wurden hierfür noch 1166,15 M. aufgewendet, im Jahre 1904 dagegen nur noch 949,70 M. Dagegen stellte sich die Ausgabe für Milch im Jahre 1903 auf 28 078,69 m.( 155 992 Liter), aber im Jahre 1904 auf 31 604,65 M.( 175 580 Liter). " Die optische Anstalt C. P. Goerz, Aktiengesellschaft, Berlin Friedenau, teilt uns mit, daß sie ihrer gesamten Arbeiterschaft, gleichwie im Vorjahre, für die Zeit vom 18.- 25. September einen Erholungsurlaub bei voller Lohnzahlung gewähre. In Hamburg festgenommen wurde gestern ein internationaler Ladendieb, der fürzlich auch in Berlin in einem Kaufhaus eine Gastrolle gab. Er behauptet Spanier zu sein und Domingo Melero zu heißen. Im Jahre 1862 will er in San Thoma geboren sein. Er griffen wurde er, als er versuchte, eine goldene Herrenuhr mit der griffen wurde er, als er versuchte, eine goldene Herrenuhr mit der Nummer 32 366, deren Eigentümer nicht bekannt ist, zu verkaufen. Ferner fand man bei ihm ein Etui mit der Firma Juwelier Schmidt, Prinzenstr. 6 nicht Berlin-; es enthielt fleine Ohrringe mit einem Brillantanhängsel. Der Dieb ist fenntlich an seiner verfrüppelten linken Hand, die auch in Berlin der Verkäuferin schon auf gefallen war. Ueber die Verhaftung von Senna Hoy( Johannes Holzmann), bie, wie wir berichteten, in Zürich erfolgt ist, berichten Schweizer Blätter: Senna Hoh hatte sich in Zürich als ein Ingenieur Robanow ausgegeben. Er trug alle ihn betreffenden Beitungsartikel hübsch gesammelt bei sich. Von Berlin hatte sich Senna Hoy nach Zürich gewandt. Für 5000 Mart Brillanten fielen in der vergangenen Nacht Hier tauchte er sofort in Anarchistenkreisen auf. Für stillende Mütter galt es früher gleichfalls als Die Anarchisten Scheidegger und Baumgartner verschafften ihm einem Einbrecher in der Französischen Straße in die Hände. Er sehr wünschenswert, daß sie sich fleißig durch Alkohol stärkten". Unterkommen und schon nach wenigen Tagen eröffnete er in Zürich brang in die Wohnung einer Herrschaft, die verreist ist, ein und feine Agitationstätigkeit mit der Propaganda für die„ Direkte Aftion". nahm sich geit, das Wertvollste in aller Ruhe auszusuchen. Zu Auch die Ansichten hierüber haben sich in neuerer Zeit ge- Er operierte unter zahlreichen falschen Namen, bald als Dr. Hans feiner Beute gehören ein Saphirring mit Brillanten im Werte von wandelt. Um so mehr überrascht es uns, in derselben Nummer Meier, dann wieder als Dr. phil. Harter in Zollikon, dann als 150 ml, ein glatter goldener Ring mit Brillanten für 250 M., ein des Organs Der abstinente Arbeiter" zu lesen, daß in Char- Dr. Ernst Burkard oder als Dr. Sacha. Als er verhaftet wurde, Opal- und Topasring mit Brillanten für 480 M., ein Schlangenring lottenburg der Kinderarzt Dr. Kettner in der von ihm nannte er sich Ingenieur Robanow aus Riga und blieb bei diesem mit Brillanten für 200 M., ein ebenso teurer Opalring mit Brillanten, geleiteten Säuglings- Fürsorgestelle den stillenden Namen, bis die Polizei seine Wohnung ausfindig gemacht und ein Perlenring mit Brillanten für 180 M., ein Paar Ohrringe mit Um der Kontrolle Saphiren und Brillanten, das Stück 350 M. wert, eine Brosche mit Müttern den Biergenuß empfiehlt. Es wird behauptet, daß eine Menge Papiere mit Beschlag belegt hatte. er sogar eine bestimmte Sorte Bier namhaft mache, Schult- seiner Legitimationspapiere zu entgehen, entfernte er fich immer aus Saphiren und Brillanten für 500 M., eine eichelförmige Brosche mit heiß Versandbier. Auch ein Nicht- Abstinent wird diese ärzt- einer Wohnung, sobald sich ein Polizeibeamter nach ihm erkundigte, Brillanten für 836 M., eine Brosche mit tropfenförmiger, von liche Propaganda für den Alkoholgenuß stillender Mütter als Erreiste" dann ab und tauchte in einem anderen Quartier wieder Saphiren und Brillanten umgebener Berle für 800 M. usw. Nach liche Propaganda für den Alkoholgenuß stillender Mütter als als" der andere Herr Doktor" auf. Um die Wirtsleute gelegentlich der ganzen Art der Arbeit ist der Täter höchst wahrscheinlich der heute nicht mehr recht zeitgemäß" ansehen. In Berlin hat über die Herkunft zu täuschen, dekorierte er sein Zimmer mit Baum- Ingenieur",„ Kaufmann" und Blumenverkäufer Bruno v. Kniglowski, im vorigen Jahre die aus Stadtverordneten und Magistrats gartners schweizerischem Ordonnanzgewehr. Der Antrag auf Aus- der am 22. Oftober 1881 zu Witten in Westfalen geboren wurde. mitgliedern zusammengesetzte Deputation, aus deren Beratungen weifung des jungen Mannes ist bereits gestellt. Gegen Baumgartner, auf ihn paßt auch die Beschreibung eines verdächtigen Mannes, der b. S. ist flüchtig und die Berliner Säuglings- Fürsorgestellen hervorgegangen sind, der ihn nach seiner Verhaftung aus dem Arrestlokal in der Haupt- gestern in dem Hause gesehen wurde. voraussichtlich bersuchen, die Beute in größeren auch die Bekämpfung des Altoholgenusses bei stillenden wache befreien wollte, ist Stlage wegen Widersetzung gegen die wird Müttern als eine der Maßregeln zur Herabminderung der Staatsgewalt erhoben worden. Aus diesen sehr gefärbten Mit Provinzstädten bei Juwelieren oder Pfandleihern an den Mann zu Säuglingssterblichkeit bezeichnet. Denkt man in Charlotten- teilungen geht immer noch nicht hervor, aus welchem Grunde Holz bringen. Er ist 1,75 Meter groß, hat mittelblondes Haar und mann verhaftet worden ist. Daß wir für diesen Herrn keinerlei Schnurrbart, ein schmales Gesicht, blaugraue Augen und zusammen burg anders? Sympathie hegen, ist bekannt; das überhebt uns aber nicht der gewachsene Augenbrauen. Wahrscheinlich hat er die Gelegenheit mit Pflicht zu bemerken, daß anarchistische Propaganda selbst im Hülfe seiner Schwester ausbaldowert. Die Vorbeugungsmaßregeln gegen die Choleragefahr Polizeistaat Preußen, geschweige denn in der angeblich freien Schweiz werden nach dem Bericht der Sanitätskommission in Berlin noch keinen gesetzlichen Grund zur Verfolgung und Verhaftung abzweifellos mit anerkennenswertem Eifer durchgeführt. Den gibt. noch dürfte es nicht schaden, auf einige Mißstände hinEin patriotischer Festtag zweiter Ordnung war gestern in Berlin; zuweisen, die der Deffentlichkeit für gewöhnlich unbekannt die staatlichen Gebäude flaggten reglementmäßig, etliche of bleiben, weil es bisher noch immer so gegangen" ist, die lieferanten aus Begeisterung. Es hatte sich herausgestellt, daß die aber bei der gegenwärtigen Ansteckungsgefahr leicht böse Kronprinzessin Cecilie neunzehn Jahre alt geworden war. Folgen zeitigen können. Wir meinen die Klosett- und Wasserverhältnisse auf einer Anzahl Getreidespeicher und Die Lindenstraße soll nach Festsetzung einer neuen Baufluchtlinie Kohlenpläge an den Bahnhöfen. Nach einer nach der Beuthstraße in der Richtung nach dem Spittelmarkt zur Statistik, die der Handels- und Transportarbeiter- Verband Entlastung der Leipzigerstraße durchgebrochen werden. hierüber aufgenommen hat, herrschen dort vielfach Zustände, Riefenbau der Deutschen Bant. Das Bankviertel wird in den Lehrlingsausbeutung. Eine Lokalforrespondenz meldet: Gine die tatsächlich eine öffentliche Gefahr in sich bergen. Da ist z. B. der gegenüber den Zelten am Lehrter Güterbahnhof be- nächsten Jahren um einen Monumentalbau bereichert werden. Nicht Menschenschinderei verursachte in der Gegend der Bellevuestraße und weniger als 24 Häuser, die auf dem Viereck Mauer-, Französische, des Potsdamer Plates eine größere Menschenansammlung. Gin Legene Play der Firma Dahlmann u. Uno, woselbst zirka Kanonier- und Jägerstraße stehen, verfallen dem Abbruch, um einem etwa 14 jähriger Knabe schob einen der Maschinenbauerei und 60 Arbeiter tätig sind. Die Aborte lassen dort nach Mit Riesenbau der Deutschen Bant Platz zu machen. Mitte Oftober Schlosserei H. Kölle, Turmstraße 51, gehörigen Wagen, welcher mit teilungen der Arbeiter gerade alles zu wünschen übrig. Auf wird schon mit dem Niederlegen der Häuser Französischestr. 1-5, zirta sechs schweren eisernen Maschinenrädern beladen war. Der arme dem Blake befindet sich auch weder Brunnen noch Wasser- Mauerstr. 25-28 und Jägerstr. 74-76 begonnen werden, während Junge vermochte das Gefährt nicht mehr weiterzubringen nnd blieb Leitung. Ihr Waschwasser holen sich die Arbeiter aus die übrigen bereits angekauften Häuser mit Rücksicht auf noch schweißgebadet und weinend in der Bellevuestraße stehen. Er sollte der Spree. Auch die Schiffer, die hier und an laufende Mietskontrakte erst in etwa drei Jahren zum Abbruch den Transport bis zur Brandenburgstraße schaffen, eine ArbeitsDer Besizer des Hauses Französischestraße 6 hat leistung, die der Knabe unmöglich noch vollbringen konnte. Das dem gleich nebenan liegenden Kornspeicher von Möbius gelangen. anlegen, haben sehr unter dem Uebelstand zu leiden, sich bisher standhaft geweigert, sein Grundstück zu verkaufen, Bublifum, das sich rasch ansammelte, gab seiner Erbitterung über weil ihm die Gelegenheit, einen besonders hohen Preis zu erzielen, eine derartige Ausbeutung jugendlicher Arbeitskräfte in ziemlich daß sie hier kein Trinkwasser bekommen können. Die Firma allzu günstig erscheint. In dem neuen Bautomplex ist auch das drastischen Worten Ausdruck. Schließlich machte ein Herr der Szene Möbius hat zwar im Kontor und in der Kantine eine Art neue Verwaltungsgebäude der Hamburger Bank eingeschlossen, dadurch ein Ende, daß er einen Dienstmann engagierte, der den Wasserleitung. Das Wasser bekommt sie aber aus dem für dessen Räume teilweise schon jetzt von der Deutschen Bant besetzt Wagen weiter schob. Nach unserer Meinung kann der Gewissen die Lokomotiven eingerichteten Reservoir vom Lehrter Güter- werden. Zwischen beiden Banken besteht ja auch schon eine losigkeit mancher Lehrherren ein Riegel vorgeschoben werden, wenn bahnhof zugepumpt; es ist häufig gelb und lehmig. Auf dem Interessengemeinschaft. Die Ausführung des Monumentalbaues, der Arbeiter, der Gehülfe, seine Pflicht ernster nimmt und als Hamburger Getreidespeicher von Richard in der Invaliden- der sich gegenüber dem jezigen Hauptgebäude der Deutschen Bant natürlicher Anwalt des hülflos der schlimmsten Ausbeutung ausstraße ist es ähnlich so. Eine Wasserleitung, die für jeder erheben wird, ist dem Baumeister Mertens und dem Architekten gefeßten und obendrein noch mit Mißhandlungen bedachten jungen mann zugänglich wäre, existiert nicht, und das Wasser im Spigberg übertragen, die auch bereits das jetzige Bankhaus der Mannes dem Lehrherrn im geeigneten Augenblick den Standpunkt Hofbrunnen ist ungenießbar, weil es stinkt. Schiffer und Gesellschaft ausführten. Arbeiter müssen sich das nötige Wasser ebenso wie bei Möbius Die ersten dänischen Milchbaffin- Eisenbahnwagen sind gestern Straßensperrung. Das Bundesrats- Ufer von der Stromstraße erst immer vom Kantinenwirt indirekt durch ein Glas Bier mittag in Berlin auf den Stettiner Bahnhof eingetroffen. Die bis zur Bochumerstraße ist behufs Asphaltierung vom 19. d. Mts. kaufen. Auf dem ganzen Speicher ist nicht ein einziges frei Prüfung des Inhalts ergab, daß die Milch von einwandsfreier ab bis auf weiteres für Fuhrwerte und Reiter gesperrt, ebenso die zugängliches Klosett; die vorhandenen sind verschlossen. Be- Reinheit war. Damit ist, wie Verbandssyndikus Dr. Flatau in Bellermannstraße von der Prinzen- Allee bis Grünthalerstraße vom nuzt werden zwei Klosetts in der Kantinenwirtschaft, und einer gestern stattgehabten Milch händler Versammlung 25. d. Wits ab. diese befinden sich zeitweilig in einem unbeschreiblichen Zu mitteilte, eine bedeutende Wendung im Milchkriege Der Mord in der Hasenheide. Ueber den Selbstmord des stande. Auf den meisten größeren Kohlenplätzen besteht noch eingetreten, habe doch der Leiter der Milchzentrale, Herr Ring, in immer das unleidliche Tonnensystem mit der mangelhaften der letzten Generalversammlung der Zentrale angekündigt: Niemals Rutschers Nichter, des Mörders der Marie Pioch, wird noch folgendes Reinigung und dem alsdann unausbleiblichen ekelhaften Ge- werde ein Bassinwagen mit dänischer Milch nach Berlin kommen". berichtet: Als gestern vormittag ein leerer Remontestall des zum stant. Ebenfalls könnte die Sanitätskommission ihr Augen- Diese Vorausjagung sei nun gründlich widerlegt, ebenso wie alle Gestüt Bärenklau gehörenden Depots Wendemard zur Aufnahme von merk einmal auf den Görliger Güterbah. hof richten, wo gegen die dänische Milch ausgestreuten Behauptungen. Mit dem Pferden zurechtgemacht werden sollte, fand man darin die Leiche Eintreffen der dänischen Milch sei der Plan eines agrarischen Milch Nichters, des Mörders der Marie Pioch, an einem Stride hängend zwei Klosetts von täglich über Hundert Personen benut monopols endgültig begraben. Der Berliner Milchhandel dürfe sich vor. Man benachrichtigte fofort den zuständigen Amtsvorsteher in rühmen, als erster den agrarischen Verteuerungsplänen erfolgreich Welten, der an Ort und Stelle die Persönlichkeit des Toten feststellte die Spize geboten zu haben. In der Debatte wurde über die und dann an die Berliner Kriminalpolizei und die Amtsanwaltschaft Die Markthallen- Deputation, welche am Dienstag tagte, hatte dänischen Milchfendungen noch mitgeteilt, daß fie vom 1. Oktober des Amtsgerichts Kremmen Anzeige erstattete. Die Leiche war be eine Reihe von wichtigen Angelegenheiten zu erledigen. Zunächst ab in einer Menge von 100 000 Liter täglich mittelst Gilzuges von fleidet mit einer blauen Monteurbluse und einer blauen Müze, einem Durch Anzug, den Richter, offenbar um sich untenntlich zu machen, nach der wurde das Projekt für die an der Landsberger Allee zu errichtenden Maribo in neunstündiger Fahrt hier eintreffen werden. Es sollen Pasteurifierung, Abkühlung auf+3 Grad Celsius und die hygienisch Tat angelegt hatte. In seinem Portemonnaie befanden sich noch Engros- Hallen von der Direktion vorgelegt. 14 Hallen errichtet werden, von denen 2 für Verkaufsvermittler, einivandsfreie und technisch vervollkommnete Einrichtung der Bassin- 50 Pfennig. In den Taschen wurde ein Brief an seine Frau ge6 für den Verkauf von Obst und Gemüse und 3 dem Fleischverkauf wagen werde dafür gesorgt, daß die Milch in tadellosem Zustande funden:„ Liebe Frau, laß mich noch rasieren! Ich habe Euch gestern abend unter dem Fenster belauscht. Lebt wohl." Man nimmt an, dienen sollen; die übrigen 3 Hallen sollen als Reserve dienen; ferner hier eintreffe. daß sich Richter bald nach der Tat nach Wendemarck begeben und dort in der nächsten Nacht den Selbstmord verübt hat. werden. flar macht. soll eine Zentrale für Heiz- und Kühlanlagen errichtet werden. Die Gesamtanlage soll rund 70 000 Quadratmeter umfassen. Beschlossen Denunziantenarbeit. Wegen Nichtauflösung einer Büdler- Verwurde, eine Subkommission einzusetzen, welche auswärtige allen sammlung, in welcher der Graf zu Mord und Raub gegen die Juden aufforderte, hatte sich der Zentralverein deutscher Staatsbürger Zu dem Gerücht von einem Morde hat ein geheimnisvoller besichtigen soll. Alsdann gelangte die Petition der Arbeiter um 2ohn jüdischen Glaubens beschwerdeführend an das Polizeipräsidium Todesfall im Osten der Stadt Veranlassung gegeben. Nach der erhöhung zur Verhandlung. Gefordert wird: für Handwerker gewandt. Der Verein erhielt den Bescheid, daß die Auflösung nicht Unfallstation XVI in der Warschauerstraße tam gestern nachmittag ein Anfangslohn von 4,50 M., der steigen soll nach 2 Jahren auf erfolgt sei, weil Graf Bückler vorausschickte, was er ausführe, sei eine Bewohnerin des Hauses Cadinerstr. 23 in aller haft geeilt und Der bat, der anwesende Arzt möchte doch sofort nach der zweiten Etage 5 M., nach 4 Jahren auf 5,50 M., nach 6 Jahren auf 6 M. Diese nicht ernst gemeint und feineswegs wörtlich aufzufassen. Forderungen wurden bewilligt. Für Reinigungsarbeiter Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens beschwerte des Hauses Cadinerstr. 23 kommen. Die 35jährige Frau des Kauf wanns Nowack fei dort in der Küche tot aufgefunden und ein Verbrechen an ihr verübt worden. Frau N. hatte den ganzen Tag über nichts von sich hören lassen, worauf die Schwester, Verdacht schöpfend, die Tür zur Wohnung gewaltsam öffnen ließ. In der Küche auf dem Fußboden lag die Vermißte als Leiche neben dem Herd. Die Haare, die sonst gewöhnlich in einem Zopf zusammen- geflochten waren, waren geöfsiiet. Der Arzt, der sofort zur Stelle kam, vermochte die Todesursache mit Bestimmtheit nicht festzustellen. Die Polizei wurde von dem seltsamen Leichenfund in Kenntnis ge- setzt und ist bemüht, die Angelegenheit aufzuklären. Im Verfolgungswahnsin» hat sich der 42 Jahre alte Schuhmacher August Hoffmcmn aus der Franseckistr. 14 das Leben genommen. Der Mann zeigte schon länger hin und wieder Spuren geistiger Verwirrung. Vorgestern nachmittag kam der Verfolgungswahnsinn zum Ausbruch, und ehe seine Frau es verhindern konnte, trank der Kranke Lysol, um sich den vermeintlichen Verfolgern zu entziehen. Frau Hoffmann holte sofort einen Arzt, aber während dieser ihren Mann noch den Magen auspumpte, starb er schon. Feuerbericht. Mittwoch gegen Mittag kam in der Markgrafen- straße 6 in einer Wohnung Feuer aus, das indes vom 17. Lchchzuge leicht beseitigt werden konnte.— In der Eichhornstr. 1 und in der Braunsbergerstr. 31 mußten dann zwei Kellerbrände unterdrückt werden. In beiden Fällen wurde allerlei Gerümpel, Verpackungs« Material und alter Hausrat eingeäschert.— Betten, Möbel, Kleidungsstücke ic. gingen weiter in der Hochmeisterstr. IS, Emdenerstr. 43 und in der Graunstr. 3S in Flammen auf.— Am Luisen Ufer 22 hatte schließlich noch Teer in einer Küche Feuer gefangen.— Nach der Jnvalidenstraße wurde die Wehr nachmittags gerufen, weil dort vor dem Hause Nr. 11 daS dreijährige Söhnchen des Arbeiters Wilhelm Gutsche unter einen Straßenbahnwagen der Lmie Schönhauser Allee— Friedenau geraten war und nichi wieder hervorgeholt werden konnte. Das Kind wurde mit großer Mühe unter dem Vorderperron hervorgezogen. Es hatte eine starke Kopfquetschung davon- getragen.— Theater. Im Schiller-Theater v.(Wallner-Theater) wird Donnerstag und Sonntag abend„Hofgunst", Freitag„Nora" und Sonnabend zum letztenmal„Der Leibalte" wiederholt. Für die Sonntag-Nachmittagsvorstellung wird„Der Traum ein Leben" neu einstudiert.— Im Schiller-Theater N.(Friedrich-Wilhelm- städtisches Theater) wird Donnerstag und Freitag„Der Gewissens- wurm", Sonnabend„Ein Wintermärchen" und Sonntag abend„Nora" gegeben. Sonntag nachmittag wird„Fuhrmann Henschel" wiederholt.— Die auf Donnerstag angesetzte Erstaufführung von„Hidalla" im Kleinen Theater mutzte bis nächsten Dienstag, den 26. d. M., verschoben werden, da Frank Wedekind, der bekanntlich selbst die Hauptrolle in seinem Stücke spielt, in einer dringenden Prozeß- angelegenheit nach München abberufen wurde. Statt dessen werden Donnerstag, Sonnabend und Sonntag abends„Der zerbrochene Krug" und„Die Laune des Verliebten" gegeben.— Im Walhalla- Theater svornials National-Theater am Weinbergsweg) sind die Proben zur Eröffnungsvorstellung unter der Leitung des Direktors Richard Schultz im vollen Gange. Die neue Aera beginnt mit einer Neu-Jnszenierung der Berliner Posse mit Gesang und Tanz: „Eine t o l l e'N a ch t" von I. Freund, Musik von I. Einödshofer.— Jni Apollo-Theater ist die erste Nachmittags-Vorstellung am 1. Oktober. U. a. treten die amerikanischen Künstler mit ihrer urkomischen Burleske:„Ein Abend in einem amerika- nischen Tingeltangel auf. außerdem wird sich P r e c i o s a G r i g o I a t i s mit ihren fliegenden Elfen produzieren.— Fräulein Lucie Höflich ist vom 1. September 1909 ab dem L e s s i n g- Theater auf S Jahre verpflichtet worden. Der Vertrag, der Frau Else Lehmann an das Lessing-Theater bindet, endigt am 31. August 1909. Im Theater des Westens erscheint vom Freitag ab die Operette„Der Opernball" täglich aus dem Spielplan. Nur in Rücksicht auf die Abonnenten werden die Serienvorstellungen von „Opernball" am Dienstag und Freitag nächster Woche durch die Aufführung von„Die lustigen Weiber" unterbrochen.— Madame Sorera", Schwank in drei Akten von Jules Chancel, deutsch von Max Schönau, ist die nächste Novität des Trianon-Theaters. — Das Rixdorfer-Theater wird am 27. September eröffnet. Zur Aufführung gelangt Minna v. Barnhelm. Es ist ein Abonne- ment eröffnet, das bei Bickhard, Rixdorf, Bergstr. 13, zur Ausgabe gelangt. Alter und Invalidität nicht versichert sind, also vor allem Lehrlinge. Es besteht ferner die Absicht, die Heilstätte nach Fersigstellung des städtischen Krankenhauses auch als Genesungsheim zu benutzen.— Der Besuch der Anstalt im verflossenen zweiten Geschäftsjahre war noch reger als im Vorjahre. Wilmersdorf. Der Preußcndamm. Nach ministerieller Anordnung wird die neue, durch Wilmersdorf und Schmargendorf in den Grunewald führende und von der Kaiserallee in der Nähe des Joachimsthalschen Gynmasiums ausgehende Prachtstraße innerhalb der Gemarkung Wilmersdorf„Preußendamm", nicht„Hohenzollerndamm", wie zuerst verlautete, genannt werden. Die Erwartung der Wilmcrsdorfer Bürgerschaft, daß dem Vorort Wilmersdorf schon zum 1. April n. I. die Stadtrechte würden der- liehen werden, wird sich nicht erfüllen. In dem nicht öffentlichen Teile der letzten Gemeindevertretersitzung wurde, wie im Haus- besitzerverein von Halenfee und Umgegend am Dienstagabend ein Gemeideverordneter berichtete, mitgeteilt, daß nach einem Schreiben des Landrats an die Gemeindeverwaltung von Wilmersdorf die Stadtwerdung vor dem 1. April 1907 nicht zu erwarten sei. Be- kanntlich schweben seit längerer Zeit zwischen der Gemeinde- Verwaltung und dem Teltower Kreisausschusse über die Be- dingungen des Ausscheidens aus dem Kreisverbande Verhandlungen, die sich außer auf die an den Kreis zu entrichtende Abfindungs- summe auch darauf beziehen, daß die zukünfrige Stadt mit dem Kreise betreffs des Teltowkanals und anderer kommunaler und Wirt- schaftlicher Anlagen und Einrichtungen eine Interessengemeinschaft bilden soll. Die Verhandlungen sind nun noch nicht soweit ge- diehen, daß ein baldiger Abschluß und demnach die Stadtwerdung bereits zu Ostern n. I. erfolgen können. Die Nachricht hat in Wilmersdorf nicht angenehm berührt, da man bestimmt zum 1. April nächsten Jahres auf die Verleihung der Städteordnung rechnete. Lichtenberg. Eine Prügrlszene im Rathause zu Lichtenberg lag einer Anklage wegen Körperverletzung zugrunde, die den Gemeindesekretär Beckmann vor das Schöffengericht II führte. Zwischen dem An- geschuldigten und dem Gemeindesekretär Nikolaus war es schon häufig aus kleinlichen Anlässen, die sämtlich in das Reich des „heiligen Bureaukratismus" gehörten, zu heftigen Auseinander- setzungen gekommen. Eines Tages hatte Nikolaus einen Straßen- namen falsch geschrieben. Bickmann fühlte sich verpflichtet, dies zu rügen. Es kam in dein Amtsbureau zu einem kleinen Wortgcplänkel, welches damit endete, daß Beckmann sagte:„Mensch, schreiben Sie lieber richtig und spien Sie nicht so frech!" Am Tage darauf stand B. au' dem Flur des Rathauses, als Nikolaus vorbeiging. Der Angeschuldigte rief seinem Gegner einige höhnische Worte zu, denen eine Flut von Kosenamen folgte, die sämtlich aus dem Tierreiche entlehnt waren. Als N. Herrn Beckniann empfahl, einnml gründlich Knigges„Um- gang mit Menschen" zu studieren, erhielt er von B. als Antwort mehrere Faustschläge ins Gesicht. Es kam nunmehr auf dem Flur des Rathauses zu einem wütenden Handgemenge, bis schließlich die beiden Kampfhähne in völlig derangiertem Zustande getrennt wurden. Diese Prügelszene sollte gegen B. ein gericbtliches Nachspiel haben. Nikolaus erstattete Strafanzeige und schloß sich gleich- zeitig unter Beistand des Rechtsanwalts Bahn dem Verfahren als Nebenkläger an. Vor Gericht mußte B. seinen Ingrimm gegen seinen Gegner mit einer Geldstrafe von zwanzig Mark büßen. Steglitz. Ein interessantes Straßenbahnprojekt beschäftigt die Vorort- gemeinde Steglitz. In eigener Regie der Gemeinde soll eine Straßenbahn vom Steglitzer Bahnhof über Dahlem bis an das Gatter des Grunewalds gebaut werden. Trotz der ungewöhnlich ungünstigen Witterung der letzten Wochen sind die Bauarbeiten schon soweit gefördert, daß die Eröffnung des Betriebes für Mitte Oktober in Aussicht genommen werden kann; in der ersten Oktober- woche sollen bereits die Probefahrten zwecks Einschulung des Betriebspersonals beginnen. Die Bahnanlage wird für Rechnung der Gemeinde Steglitz hergestellt und der Betrieb ist für die ersten 3 Vi Jahre an die Attiengesellschaft Siemens u. Halske übertragen worden. Die Wagen sind nach den neuesten Erfahrungen gebaut und mit elektrischer Heizung versehen. Im Sommer wird ein Anhänger als Sprengwagen so oft mitgeführt werden, daß die Bahnlinie im Interesse der Fahrgäste und Passanten möglichst stanb- frei bleibt. Unterbair und Maschinenmaterial sind derart aus- gewählt, daß ruhiger und inöglichst geräuschloser Gang gesichert ist. Man nimmt an, daß sich der Verkehr sehr schnell und stark ent- wickelt, so daß Zehnminuten- Verkehr und Zehnpfennig-Tarif sofort eingestihrt werden kann. Das im Bau begriffene Depot der neuen Bahn befindet sich in der Nähe des Bahnhofes Steglitz. Am Endpunkte der Strecke, am Grunewaldgatter hinter Dahlem, wird eine ent- sprechend ausgestattete Wartehalle errichtet. Die Strecke erhält auch eine eigene Fernsprechanlage, so daß mittels tragbaren Sprechapparates von jedem beliebigen Punkte der Strecke mit den beiden Endpunkten gesprochen werden kann. Nach allem diesem fcheint es, daß die Große Berliner von der Steglitzer Straßenbahn noch sehr viel lernen kann. Groß-Lichterfelde. Eine Biertelmillioncn-Anleihe hat die Gemeindevertretung von Groß-Lichterfelde aufzunehmen beschlossen. Das Darlehen wird von der Kur- und Neumärkischen Ritterschastsbank zum Tageskurse von 99,40 mit einer Verzinsung von 3Vz Prozent, einem Amortisationssatze von 1 und einem Zuschuß von Vio Prozent zu den BerwaltungS- kosten der Gemeinde gewährt. Die Hälfte der Summe dient zur Rückzahlung einer früheren bei der Teltower Kreisfparkaffe auf- genommenen Anleihe. Bernau. Die erste Bolksversalumlimg in der Kolonie Röntgenthal tagte am Sonntag. Genosse Stürmer aus Berlin sprach über die politische Lage und wußte sich mit seinen kernigen Ausführungen die Zustimmung der Anwesenden zu sichern. Hoffentlich ist seine Auf- forderung, sich politisch und gewerkschaftlich zu organisieren, auf gutem Boden gefallen. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie schloß die Versammlung. Vorort- l�admekten. Charlottenburg. Der Bau der Straßenbahn von Spandau nach dem Spandauer Bock wird in diesem Jahre nicht mehr ausgeführt, obwohl die landcspolizeiliche Genehmigung dazu vor einigen Wochen erteilt worden ist. Da die neue Linie Anschluß an die schmalspurige Svandauer Straßenbahn erhalten soll und die Absicht besteht, später eine direkte Verbindung mit der normalspurigen Charlottenburger Linie herzustellen, hat die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft als Unternehmerin in Erwägung gezogen, auch in Spandau und auf der geplanten neuen Strecke die normale Spurweite der Gleise einzuführen. Hierüber sind wegen der Kostendeckung Verhandlungen mit der Spandauer Stadtverwaltung eingeleitet worden, deren Er- gebnis abzuwarten ist. Schöneberg. Arbeiter-Samaritcr-Kolomic. Heute Donnerstag, abends 9 Uhr, veranstaltet die Abteilung Schöneberg bei Obst. Meiningerstr. 8. einen Vortrag über„Krankenpflege und Transport Vemnglückter". Gäste sind willkommen. Das Automobil im Dienste der städtischen Verwaltung. Deni Kreise Teltow, der bekanntlich schon vor einiger Zeit die Anschaffung eines Kreisautomobils beschlossen hatte, will nun auch die Stadt Schöueberg nicht nachstehen. In der letzten Sitzung der Kanalisationsdeputation wurde die Frage der Verwendbarkeit des Automobils im städtifchen Bauwesen eingehend eröstert und der Be- schluß gefaßt, zunächst einen Versuch mit einem derartigen Verkehrs- mittel zu machen. Bevor die neue Pumpstation zur Beförderung der Abwässer auf das Schöneberger Rieselfeld in Betrieb gesetzt wird, inuß das große Druckrohr auf seine Dichtigkeit geprüft werden. Zu diesem Zweck wird das rund 30 Kilometer lange Rohr mit Wasser gefüllt und die ganze Strecke behufs dauernder Kontrolle mit dem Automobil möglichst schnell befahren. Vorläufig ist ein solches Fahrzeug auf zehn Tage zum Preise von S0 Mark pro Tag gemietet worden, und es wird von dem Ergebnis dieser Versuche abhängen, in welchem Maße daS Automobil im städtischen Dienste weitere Verwendung finden soll. Die Erholungsstätte der Stadt Schimeberg in Eichkamp ist mit dem Ende des vorigen Monats geschlossen worden, um mit den Arbeiten des Erweiterungsbaues beginnen und diese auch bis zum Frühjahr fertigstellen zu können. Die Kosten des Erweiterungsbaues belaufen sich auf 1ö 000 Mark. Er ist notwendig, um den bisher nur auf die Sommermonate beschränkten Be- trieb auch auf die Frühjahrs- und Herbstmonate aus- dehnen und eine Station für volle Verpflegung schaffen zu können, so daß eine bestimnite Anzahl von Patienten Tag und Nacht in der Anstalt verbleiben können. Die Auswahl soll nach besonderen Grund- sätzen erfolgen, nach Möglichkeit sollen nur Kranke im allerersten Stadium der Krankheit Aufnahme finden, unter besonderer Berück- sichtigung derjenigen, die trotz Zugehörigkeit zu Krankenkassen gegen__;__._________ Berantw. Redakteur: Heinrich Webker, Groß-Lichterfelde. Für deiixjystratenteil vermtw.: Th. Glocke, BeUim Druck ü. Verlag: Prrwärtt vuchdrncketti u. BerlagSavMt Pauk Suiger& Co., Berk« SHft Nordend. Heute abend 3Vz Uhr Pähl, Blankenfelderstr. 19. Proletariat im Klässenstaat. hierauf aufmerksam gemacht. öffentliche Versammlung bei Genosse O h l referiert über: Das Die Genossen von Wilhelmsruh sind GmcKts-Leitung. Eine etwas dunkle Geschichte beschäftigte gestern die siebente Strafkammer deZ Landgerichts I unter Ausschluß der Oeffentlichkcit. Am 7. Januar abends ging eine Näherin Fräulein B. durch die Bellevue-Allee. um sich mit ihrer aus geschäftlicher Tätigkeit in der Leipzigersiraße heimkehrenden Schwester zu treffen. Etwa dreißig Schritte südlich der Charlottenburger Chaussee vernahm sie plötzlich einen Zischlaut und als sie sich umsah, sah sie einen Schutzmann zwischen den Bäumen in einer ganz unanständigen Verfassung stehen, der ihr zulächelte. Das Mädchen war empört, rief dem Beamten zu:„Na, das wird ja immer schöner!" und ging weiter. Sie traf dann ihre Schwester und sah in deren Begleitung zehn Minuten später auf dem Heimwege in der Nähe des„Klemiffl Sterns" denselben Schutzmann in derselben unanständigen Ver- fassung. Er wandte sich ab, als die Mädchen ihrer Empörung Ausdruck gaben und dem Unhold zuriefen:„Sie müssen nicht etwa denken, daß Sie dumme Jöhren vor sich haben, wir lassen die Sache nicht durchgehen!" Erst am 12. Januar wurde das Vorkommnis durch eine anonyme Anzeige zur Kenntnis der Behörde gebracht und es fanden eingehende Recherchen statt. Auf Grund der von den beiden Mädchen gegebenen Personalbeschreibung wurde der Angeklagte als der vermeiirtliche Täter ermittelt. Er hatte, wie aus dem Posten- buch nachgewiesen werden konnte, an dem fraglichen Abend zwischen 3 und 10 Uhr Posten am„Kleinen Stern" innegehabt und wurde bei der Konfrontation mit den beiden Mädchen von diesen mit Be- stimmtheit wiedererkannt. Mit derselben Bestimmtheit hat der An- geklagte von Anfang an die Täterschaft bestritten und behauptet, daß er unbedingt das Opfer einer Personenverwechselung sei. Er hat nachzuweisen versucht, daß bei den Mädchen auch ein Irrtum im Tage obwalten könne und daß sie ihn nicht in einer so schmach- vollen Situation gesehen haben können. Die Sache ist dadurch� komplizierter geworden, daß mehrere andere Schutzmänner desselben Revier dem Angeklagten ähnlich sehen sollen und die beiden Madchen eines Tages am Potsdamer Platz einen Schutzmann gesehen haben, der ihnen auch genau so auszusehen schien wie der Unhold vom „Kleinen Stern". In der gestrigen Verhandlung stellte Rechts- anwalt Bahn den Antrag, sämtliche 37 Schutzleute des in Frage kommenden Reviers als Angeklagten auf seinen eugen vorzuladen, eventuell aber auch den eisteszustand untersuchen zu lassen. Der Gerichtshof entsprach diesem Antrage, indem er beschloß, weitere Zeugen zu laden, und den Gerichtsarzt Medizinalrat Dr. Hoffmann zu beauftragen, den Angeklagten auf seinen Geisteszustand zu unter- suchen. Der schwere Unfall in der Philharmonie, der sich am 3. April 1903 ereignete, unterlag gestern der Prüfung der 3. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Langne«. Am gedachten Tage war im Oberlichtsaale der Philharmonie zu S Uhr eine Sitzung des Vereins für Kinder-Volkslüchen anberaumt. Während der erste" Eingang von der Bernburgerstraße aus für den Oberlichtsaal frei tvar, galt der zweite Eingang rechts von jenem für gesperrt, da hier von Bauarbeitern gearbeitet worden war. In diesem zweiten Korridor befand sich eine etwa zwei Meter breite Klappe, die ein Kellerloch bedeckt. Dieses Kellerloch war, da dort hindurch die umzusetzenden Soffitteu und Kulissen befördert werden, an jenem Tage offen gehalten worden. Kurz bevor die Versamm- lung des Vereins beginnen sollte, wollte Herr Abraham, der Be- gründer der Kinder-Volkskucheii, der den Rechenschaftsbericht er- statten sollte, eine Toilette aussuchen. Er begab sich zu seinem Un- glück durch eine unverschlossene Tür auf den dunklen Korridor hin- aus, hatte aber kaum zwei Schritte getan, als er an die Oeffnung geriet und in den fast zwei Meter tiefen Schacht hinabstürzte. Die auf seine gellenden Hülferufe herbeieilenden Vereinsmitglieder fanden Herrn Abraham in einer überaus bedauerlichen Verfassung vor: er hatte beide Oberschenkel gebrochen, erhielt von dem cm- wesenden Sanitätsrat Dr. Lorenz einen Notverband und mußte schleunigst mittels Krankenwagens nach der königlichen Klinik in der Ziegclstraße befördert werden. Er hat dort ein 9 Monate langes Schmerzenslager durchgemacht, dann noch 6 Monate in steter Be- Handlung gestanden und ist für die Zeit seines Lebens ein Krüppel geworden. Er kann sich nur mit Hülfe zweier Stöcke mühsam vor- wärts bewegen. Der Unfall hat zu einer Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den inzwischen verstorbenen Direktor Sacerdoti, den Direktor Sally Landecker, den Geschäftsführer Hugo Dettlaff und 6 Arbeiter, die schon jahrelang im Dienst der Philharmonie stehen, geführt. Sie wurden von den Justizräten Dr. Sello, Cassel und den Rechtsanwälten I a r e ck i und Dr. Werthauer verteidigt. Neben dem Strafprozeß läuft noch ein Zivilprozetz gegen die Direktoren der Philharmonie auf Schaden- ersatz. Diese sind in erster Instanz glatt verurteilt worden, weil zur Sicherung des Schachtes durch Umwehrung nicht genügende Bor- ficht gebraucht worden sei. Die zweite Instanz hat du Direktoren nur zur Erstattung der Hälfte des Schadens verurteilt, weil auch Herr Abraham selbst, der ohne genügende Vorsichtsmaßregeln einen dunkelen Raum betreten habe, von einer Fahrlässigkeit nicht freizu- sprechen sei. Das Reichsgericht hat die von Herrn Abraham ein- gelegte Revision verworfen, ans die von den Direktoren eingelegte Revision aber die Sache an das Kammergericht zurück verwiesen. Das Reichsgericht hat festgestellt, daß eine vertragliche Haftung der Direktoren in keinem Falle vorliege, da d e r Teil der Garderobe, den Herr Abraham betreten und in welchem der tief beklagenswerte Unfall sich ereignet hat, Herrn Abraham nicht mit vermietet worden war. Es bleibe zu prüfen, ob etwa die Direktoren bei der Auswahl der Leute, denen die in Frage stehenden Arbeiten oblagen, es an der genügenden Vorsicht haben fehlen lassen. Am Dienstag hat nun beim Kammergericht abermals Termin angestanden und das Gericht hat Beweiserhebung angeordnet.— Die gestern erfolgte Erörterung der Frage, ob und welchem der Angeklagten die strafrechtliche Ver» antwortung für den Unglücksfall aufzubürden sei, nahm viele Stunden in Anspruch.— Der Staatsanwalt beantragte gegen Herrn Landecker S00 M., gegen Herrn Dettlaff 300 M. und gegen jeden der übrigen Angeklagten 100 M. Geldstrafe. Die Verteidiger beantragten Freisprechung der sämtlichen Angeklagten. Der Gerichts- hos erkannte nach kurzer Beratung auf Freffprechung der Angeklagten Landecker und De tt l a f f."denen eine strafbare Fahrlässigkeit in keiner Weise nachgewiesen sei. Auch die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen, tveil auch bei ihnen ein schuldbares Ver- halten durch die Beweisaufnahme nicht festgestellt werden konnte. Ein Tchulmädchen als Kindesmörderin vor dem Hamburger Landgericht. Das am S. März 1891 in Dortmund geborene Mäd- chen Gertrud Luise Mann, das bei ihren Stiefeltern der Spiteler» straße 86 in einem Hofe wohnt, hat am Nachmiitag« des 21. Februar dieses Jahres in der elterlichen Wohnung ein Kind geboren und wird beschuldigt, dieses gleich nach der Geburt mittels einer Schnur erdrosselt zu haben. Das Kind stammt aus einem Verkehr, den das Mädchen mit einem in der Nähe wohnenden Krämer Tamke unterhielt: letzterer ist vor einiger Zeit von der Hamburger Straf- kammer IV wegen dieses Verkehrs zu drei Jahren Zuchthaus ver- urteilt worden, die er augenblicklich verbüßt. Er wurde gestern als Zeuge vernommen und stellte diesen Verkehr entschieden in Abrede; er behauptete, zu Unrecht verurteilt zu sein. Charakteristisch ist, daß Tamke seinerzeit der Stiefmutter des Mädchens gegenüber ge- äußert hat, man könne ihm nichts machen, er sei Hamburger Kaufmann und die Gertrud sei ein Arbeiterkind, dem man vor Gericht keinen Glauben schenke. Die Angeklagte bestreitet, das Kind vor- sätzlich und absichtlich getötet zu haben; das Kind habe bei der Ge- burt nicht gelebt, wenigstens habe es kein Lebenszeichen von sich ge- geben. Sie schildert den Hergang bei der Geburt folgendermaßen: Am Morgen des verhängnisvollen Tages hat sie noch die Schule be- sucht, ist aber dann nach Hause geschickt worden, weil die Schmerzen zu groß wurden; sie hat sich dann zu Bett gelegt und das Kind zur Welt gebracht. Da es ihrer Meinung nach tot tvar, hat sie die Leiche in eine Nachtjacke eingewickelt und unter der Bettdecke ver» steckt. Am anderen Morgen hat sie die Leiche in eine Zeitung gehüllt und mit einem Bande umschnürt; da sie für ihre Mutter. etwas einholen muhte, nahm sie das Paket mit und legte es auf die Treppe eines Nachbarhauses, wo es bald darauf gesunden wurde. Das Mädchen ging Tags darauf wieder zur Schule, wurde aber dann verhaftet, da es als die Mutter und die vermutliche Mörderin er« mittclt wurde. Der ärztliche Sachverständige, der die Leiche seziert hat, äußerte sich dabin, daß das Kind bei der Geburt gelebt habe und erstickt worden sei; ob es durch die Schlinge erdrosselt oder durch die Bettdecke erstickt sei, lasse sich nicht feststellen. Daraufhin ließ der Staatsanwalt die Anklage auf vorsätzliche Tötung fallen und hielt lediglich eine fahrlässige Tötung für vorliegend, wofür er eine Gefängnisstrafe von einem Jahr beantragte. Das Gericht erkannte auf Freisprechung, da man mit Rücksicht auf das Alter des Mädchens keine Fahrlässigkeit annehmen könne. Zirkus XI. Berliner Saison. Extra Unterstützungskaffe für Buchbinder 2c. Albert Schumann Zirkus Busch. Sonntag, 24. September, vormittags Moabit! 6. Kreis! Heute Donnerstag, abends 7/2 Uhr: Elite- Abend. Gala- Programm. U. a. Die größte Truppe der Welt. Neu! 40 Russen 40 in tren ausgez. Leistungen. Jeden Abend stürmischer Beifall! Die neueste Sensation! Damen- Ringkampf in d. 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Baege über: Die Entstehung und Abstammung des Menschen. 2. Branchenangelegen heiten. 3. Verschiedenes. Bahlreiches Erscheinen wird erwartet. Die Vertrauensmänner haben in thren Betrieben auf diese Versammlung die Kollegen noch besonders aufmerksam zu machen. Mitgliedsbuch legitimiert. Gäste willkommen. Die Branchenkommiffion. Möbelpolierer.= Montag, den 25. September, abends 8%, Uhr, im Königstadt Kasino, Alegander- und Holzmarktstraße: Branchen- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Genossen H. Pötzsch:" Partei und Gewerkschaft." 2: Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. Die Kollegen werden ersucht, die Adressen von Heimarbeitern und Heimarbeiterinnen dem Kollegen N. Niese, Landsberger Allee 151, mitzuteilen. Mittwoch, den 27. September, abends 8%, Uhr: Branchen- Kommissionssitzung bei Kubat, Blumenstr. 38. Sonnabend, den 30. September: Großes Herbst- Vergnügen im totale Königsbank, Gr. Frankfurterstr. 117: Großes Konzert. Auftreten von Komikern und Humoristen unter der artistischen Leitung bes Herrn Schulte vom Schweizergarten. Nach dem Konzert: Großer BALL. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Billetts a 25 Pf. find bei den Kollegen H. Schulz, Borndorfer straße 57, und A. Niese, Landsberger Allee 151, zu haben. Für regen Bertrieb der Billetts haben die Kollegen zu sorgen. 98/ 2* Der Obmann. Berliner Konfum- Verein. Sonntag, den 24. September 1905, vorm. 9 Uhr, im Gewerkschaftshaufe, Engel- Ufer Nr. 15: General- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Borlegung der Bilanz. 3. Verteilung des Rein gewinns. 4. Gesamineuwahl des Verwaltungsrats. 5. Anträge, die bis zum 10. September eingegangen sind. 6. Verschiedenes. 127/20 Die Delegierten werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen Der Vorstand. Zentral- Verwaltung: Krantstraße 7. 1. Michaelfirchplatz 4 2. Krautstraße 7 3. Liebigstraße 7 Verkaufsstellen: 4. Zorndorferstraße 62 5. Savelbergerstraße 6 6. 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Verschiedenes. 182/ 2* Kollegen, wir erwarten von den Bezirksführern, Hauskassierern und Vertrauensleuten, daß sie für zahlreichen Besuch agitieren. Rein Kollege darf fehlen. Mit Gruß Die Ortsverwaltung. J. A.: W. Siering, C. 2, Stralauerstr. 48. Herbst- und Winter- Neuheiten. Deffentl. Versammlung Havelocks 10, 15-25 M. Paletots aus nur engl. Stoffen 10, 15-30 M. Winter- Jacketts, Regen- Paletots, 8, 10, 15-30 M. nur Neuheiten, nur Neuheiten, 10, 15-25 M. Jacken- Kostüme, Trauer- Kostüme, hochaparte Neuheiten, Abend- Mäntel in schwarz und farbig, hochPelz- Konfektion, raschend großer Aus20, 25, 50-75 M. aparte Neuheiten, 25, 30-75 M. nur Neuheiten in überwahl, Jacketts, Paletots und Abendmäntel aus den besten Pelzarten 30, 50-250 M. Kostüme: Tailor made, lange Facons, Kinder- Mäntel für jedes Alter 20, 25-75 M. nur englische Fußfreie Kostüm- Röcke, Neuheiten in allen Farben, 5, 8-30 M. Garnierte Kostüme 15, 25-45 M. Blusen 2, 3, 5-20 M. in Seide, Wolle u. 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