Zlr. 225. nbonnementS'Bedlnsungen: StDoniicmentä> Preis pränumerando! Bierleljährl. Z,Z0 Mi. monall. 1,10 SRI., wöchenllich 28 Pfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer S Pfg, Somitags- nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posi-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da? übrige Ausland 3 Marl pro Monat 22* Jahrg. Crfditliit tialidi auOtr CIoDtaat. Vevliner Volksblskt. Die Tnlcrtions'Gebilljp beträgt für die sechSgespaltene Koloiiel. zcilc oder deren Raum 40 Pfg,, für polilischc und gewerlfchastliche Vereins» und Verfanunlungs-Anzeigen 2b Pfg. „Uleine Hnieigen", das erste fsett- gedruiklc) Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort ö Big, Worte über lö Buchstaben zählen für Zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachniiliags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn, und Lestlagen bis 3 Uhr varmiltags geöffnet, Telegramm-Adresfe: „SozUldemokrat Rcrlln". Zcntratorgan äer rozialdemokratifchen parte» Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 26. September 1905. Expedition: 8Ctl. 68, Lindcnstraaee 69. Fernsprecher: gl mt IV, Nr. 1984. Neue Wirren! Aus Wien wird uns vom 24. September geschrieben: Der Krieg zwischen der Krone und dem ungarischen Reichstag ist nun in voller Schärfe entbrannt. Die lange Krise hat sich nun in eine un verhüllte Machtfrage verwandelt. Zu den gröstten lleberraschungen dieser an erstaunlichen Vorgängen doch nicht armen Krise gehört, dah die Verschärfung durch einen Plan herbei geführt wurde, dessen Absichten unzweideutig dahin gingen, einen ernsten Versuch zur Lösung des Konflikts zu unternehmen. Nach dem die Krone dem Wahlreformvorschlag Fejervarys verworfen und die Demission des Beamtenministeriums angenommen hatte, blieb ihr nichts übrig, als in neue Verhandlungen mit der Koalition zu treten. Der Reichstag wurde bis zum 1». Oktober vertagt, und die stärkste Notwendigkeit gebot, bis dahin das parlamentarische Ministerium der Neichstagsmehrheit zu bilden. Nach langem Zögern entschloß sich die Hofburg zu einer ganz neuen und höchst feierlichen Sache. Während bisher die Verhandlungen mit der Koalition so geführt worden waren, daß die Krone einen Unterhändler bestimmte und die unterschiedlichen Führer einzeln zur Audienz beschieden wurden, sollte diesmal eine Kollektiv audienz er» folgen. Es wurden also die Herren Graf A n d r a s s t> fdas ist der Sohn des einstmaligen Ministers des Aeußeren und des Mitschöpfers des Bündnisses mit Deutschland), Baron B a n f f y, Franz K 0 s s u t h und Graf Adola Z! ch Y zur Audienz in die Wiener Hosburg berufen Diese merkwürdige Veranstaltung mußte um so mehr den Eindruck hervorrufen, daß die Krone einen regelrechten Futzfall vor den Magharen beabsichtige, als auch noch Graf A p 0 n h i ge laden wurde, von dem man weiß, daß er in der Hofburg ebenso gehaßt wird, als er sie haßt. Aponyi, ehemals Klerikaler und Höf> ling, ist heute im Lager der IlnabhängigkeitSpartei angelangt und neben Kossuth der eigentliche Führer der größten ReichStagspartei. Nun ist es aber ganz anders gekommen, gerade umgekehrt. Daß die Krone in der Frage der magyarischen Äommandosprache nicht nachgeben werde, war allerdings klar, aber man hatte doch geglaubt, daß die Krone den Wahlrechtsreformplan erst abgelehnt habe, daß ihre Ablehnung von der Koalition durch Nachgiebigkeit belohnt werde. Man mutzte also von der Kollektivaudienz erlvarten, daß sie bestimmt sei, unmittelbare Verhandlungen anzubahnen, nach irgend einem Ausweg zu suchen, dem die Mehrheit leichthin ent spreche. War dies nicht der Zweck der Audienz, so war die Be« rufung der Führer überhaupt eine Stupidität. So wie die Audienz verlief, wurden fünf Mitglieder der Koalition, kaum als sie ge kommen waren, bildlich gesprochen, wieder hinausgeworfen. Die ganze Audienz dauerte fünf Minuten. Statt mit den Führern zu verhandeln, behandelte der Kaiser sie wie arme Supplikanten. Die fünf Führer kamen überhaupt nicht zum Wort. Sie wurden mit einer kurzen Ansprache in deutscher Sprache abgefertigt. Der Kaiser legte einfaÄ sein Programm vor: die unveränderte Aufrecht crhaltung des Dualismus und Leistung aller Verpflichtungen, die der Dualismus heischt. Deshalb bewegt sich das Programm ausschließlich um die Armee. Andere Sorgen und Interessen hat die Hofburg nicht. Von der Kommandosprache wird brüsk erklärt, daß darin„eine Nachgiebigkeit absolut ausgeschlossen ist und bleibt." Ueberhaupt müßten die Grundlagen der Großmacht, die gemeinsame Armee und die Gemeinsamkeit der auswärtigen Vertretungen»vollkommen unberührt bleiben." Was die Großmacht braucht, um existieren zu können, soll ihr die Koalitton ausdrücklich garantieren, also die normale Rekrutierung und die Erhöhung des Kontingents, die Wahl der Delegation und der Ouotendeputation, und die Kosten- deckung der in den letzten Delegationen herausgeschwindeltcn Militär kredite, und, weil das auch zur Großmachtstellung gehört, die Votierung der Handelsverträge. Was der Kaiser mit seinem Pro- gramm will, ist dieses: Die neue antidualistische Mehrheit des ungarischen Reichstages soll sich zum Dualismus bekennen, aber sie kann ihn höchstens dulden, hinnehmen, aber nicht beschwören! Der Konflikt steckt tiefer: die Krone will die Monarchie erhalten und der Reichstag will das selb- ständige Ungarn errichten. Der Konflikt kann für eine Zeit verschleiert werden, zu beheben ist er nicht meh'r. Und so rührt das Staunen über diese groteske„Audienz" davon her, daß man erwartet hatte, der Kaiser werde den Gegensatz zu verschleiern und dadurch aufzulösen suchen, wogegen das„Programm" ihn festnagelt und bloßlegt. Vorläufig mutz man also mit der Fortdauer der dualistischen Krise rechnen. Zlvar ist Sonnabend noch ein neuer Unterhändler gestellt worden, aber er wird von der Koalition nichts anderes ver- nehmen, als daß es so, wie es sich die Majestät vorzustellen geruht, nicht geht. Mittlerweile ballen sich die Wolken auch über den österreichischen ReichSrat zusammen, der sich im Frühjahr einer unerlvarteten Arbeitsfähigkeit erfreuen konnte. Er tritt DicnStag zu einer kurzen Vorsession zusammen, deren eigentlicher Zweck der ist, zu den Vorgängen in Ungarn, wie man hierzulande sagt,„Stellung zu nehmen". Aber aus der Session, mit der sich Herr v. Gautsch bei den selbstgefälligen Abgeordneten einschmeicheln wollte, kann leicht für ihn eine Unglückssefsion werden. Es geht dem glatten Herrn, den höfische Intrigen zur Macht gebracht haben, überhaupt recht schlecht. Die alten nationalen Zerwürfnisse melden sich wieder und im Hintergrunde tauchen die alten Obstruktionen auf. Aber Herrn v. Gautsch ist eine neue und ganz anders geartete Gefahr, als die schwächere Opposition der nationalen Bourgeoisie, entstanden. Seine tückische Einmischung in die ungarischen Dinge, die bekanntlich zur Verwerfung des Kristoffyschen WahlreformplaneS führten, und insbesondere seine Begründung: daß dadurch die„Ge- fahr" entstände, daß man das allgemeine und gleiche Wahlrecht auch [in Oesterreich einführen müßte, hat in die Arbeiterschaft eine furcht- » Sare Erregung getragen, deren Widerhall der Ministerpräsident auch fim Abgeordnetenhause verspüren wird. So tiefgehend ist die Empörung über das vermessene Unterfangen des„Theresianisten", wie man den ehemaligen Kurator der bekannten adeligen Zucht- anstalt nennt, daß die Partei, obwohl ihr Gesamtparteitag schon einberufen ist, in der vorigen Woche eine eigene Reichskonferenz hielt, um über die Schritte gegen Gautsch zu beraten. In der Konferenz wurden die stärksten Töne laut, und mit der denkbar beut- lichsten Weise wurde nicht nur das Vorgehen des Ministerpräsidenten, sondern auch die Haltung der Dynastie kritisiert. Auch als eine Probe der Rücksichtslosigkeit der proletarischen Politik in Oesterreich mag hier eine Stelle aus dem Aufruf mitgeteilt werden, der in der Konferenz beschlossen wurde: Arbeiter! Partcigenofle»! In einer Beratung unter Vor- sitz des Kaisers hat Euch der österreichische Ministerpräsident einen unerhörten Schimpf angetan. Vermessen hat er Euer Recht ge- leugnet, Eure Zukunft freventlich bestritten, Eure Ehre als Klasse hat er angetastet und Eure Stellung als Staatsbürger hat er in Zweifel gestellt. Als Gegner des arbeitenden Volkes hat Gautsch sich entschleiert, als Volksfeind brandmarken wir ihn I Erhebt Euch, Arbeiter, und rächt die Euch angetane Schmach! Macht ihn unschädlich, der das Recht des Volkes mit Füßen trat! Kündet ihnen allen unerbittlichen Kampf au, die Euren heiligen Anspruch bezweifeln; macht es den Mächtigen dieses Staates klar, daß die Zeit der Langmut vorüber ist, daß die arbeitenden Klassen in Oesterreich entschlossen sind, sich ihr volles Recht, das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht, unter allen Umständen zu erkämpfen. Antwortet, Arbeiter, dem Feinde des arbeitenden Volkes! Stehe auf, Proletariat aller Nationen in Oesterreich, und künde ihm unseren unbeugsamen Entschluß: Nicht zu ruhen und nicht zu rasten, bis dieser Angriff auf die Ehre der Arbeiterklasse, dieses Attentat ans das Recht der arbeitenden Menschen gesühnt, bis der Volksfeind beseitigt ist. Nieder und fort mit Gautsch! Das ist die Antwort der Sozialdemokratie auf jene verwegene Herausforderung; das wird unsere Parole sein, bis an dem schuldigen Manne die Exekution vollzogen sein wird. Und nicht bloß der Mann muß politisch vernichtet, das elend«, schmachvolle Staat und Völker vernichtende Privilegienwahlrecht muß endlich ausgerottet werden W-eg mit den Privilegien und weg mit ihrem Hüter, dem Gautsch, und heraus mit dem allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht! Nieder mit den Bastionen des Unrechtes und die Bahn freigemacht für die geistige, politische und soziale EntWickelung der Völker! Samnielt Euch, Arbeiter, und kündet laut Euren Willen. Sammelt Euch in den Versammlungen, sammelt Euch in Massen; gewaltig sei Euer Aufmarsch und entschlossen Eure Tat. Ver kündet Euren Willen, daß die Rechnung auf die Geduld des Volkes falsch, daß das Spiel mit den Rechten des Volkes zu Ende ist. Eure Abgeordneten werden ihm Worte leihen im Parlament, Ihr aber werdet den Herrschenden offenbaren, daß die Arbeiter- klaffe in Oesterreich einig ist in der Forderung nach Sühne für die ihr angetane Schmach, einig in dem i Knüpfe für ihr geheiligtes Recht. Und so brause die Forderung von Land zu Land, von Volk zu Volk, schwelle zum Sturme an, bis sie Erfüllung findet: Nieder mit den Privilegien! Nieder mit den Volksfeinden! Heraus mit dem allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht! Nicht minder deutlich sprachen die Redner. Im ganzen Reiche werden nun Versammlungen abgehalten und die»Argumente der Straße", vor denen die Mächttgen in Oesterreich immer am meisten gezittert haben, werden wieder lebendig. Zu der ungarischen Krise kann sich also sehr bald eine österreichische hinzugcsellen I *• * Budapest, 25. September.(Meldung des Ungarischen Telegr. Korr.-Bureaus.) Der leitende Ausschuß der Koalition erklärte, er bedauere auf daS ernsteste, daß der König die von ihm berufenen Staatsmänner, die als Majorität im Parlament auch die Majorität des Volkes vertreten und daher auch die Führer der Nation in öffentlichen Angelegenheiten seien, nicht an- hörte. Der Ausschutz verurteilt auch diejenigen die� dem Könige in dieser Richtung Rat schlüge erteilen, und billigt das Vorgehen der Führer, die mit dem Grafen v. Goluchowsky nicht verhandelten. Der Ausschuß verurteilt ferner, daß der König die Verfassungsdenkschrift der Koalitton alö gegen die vom König übergcbcne Denkschrift und als gegen die Verfassung verstoßend zur amerung des VerfaffungSkonfliktcs für ungeeignet erklärte. Ministerpräsident Fejervary reiste heute nachmittag nach Wien ab, lvo er morgen vom Könige in Privataudienz empfangen wird. Budapest, 25. September. Der„Pester Lloyd" schreibt über die politische Lage: Die öffentliche Meinung gibt einmütig ihrer Enttäuschung darüber Ausdruck, daß der so feierlich inszenierte Empfang der Führer der Koalitton beim König, von dem jedermann eine Wendung zum Besseren erwartete, zum Ausgangs- punkt neuer Reibungen und Kämpfe geworden ist. Die Art. in welcher die Vertreter der koalierten Parteien abgefertigt wurden, die Schroffheit, mit welcher der Herrscher ihnen kurz und bündig nur seinen Willen kundgab, ohne ihre sorgsam vorbereiteten Vorschläge anzuhören, die Zumutung, mit dem Minister des Aeußeren zu verhandeln, der in inneren ungarischen Fragen nicht zuständig ist, alles dies begegnet in den Blättern ohne Unter- 'chied der Parteistellung einer u n g ü n st i g e n Beurteilung. Ein Privattelegramm der„Voss. Ztg." aus Budapest vom 24. September meldet ferner: Die Lage verdüstert sich hier immer mehr, und die Er- bitterung über den wenig höflichen Empfang der ungarischen Politiker in der Wiener Hofburg vertieft sich unausgesetzt. Ms die Herren heute hierher zurückkehrten, wurden sie auf dem Bahnhofe und in den Sttaßcn von einer nach vielenTaus en den zähle ndenMenge mit grenzenloserBegeisterung empfangen. ES wurden an sie Anreden gehalten, die Kossuth beantwortete, indem er ausführte, Ungarn könne nie und nimmer von Wien auS regiert werden, jetzt werde der Kampf erst recht beginnen, und er sei überzeugt, daß es nunmehr in Ungarn nur eine Partei, die Kossuthpartei, gebe. Bei dem Zuge der Menge durch die Straßen wurden, und zwar nicht vereinzelt, die Rufe laut:„Nieder mit der Dynastie! Hoch die Revolution! Hoch die Republik! Nieder mit den vertrottelten Generalen!"_ Die Gegner über den Parteitag. Kaum je haben sich die Gegner der Sozialdemokratie so eifrig mit einem unserer Parteitage beschäftigt als jetzt. Sie haben Skandal oder Langeweile prophezeit. Da es so ganz anders g»- kommen, bekundet sich ihre Enttäuschung bald in einer daS übliche Matz noch weit überschreitenden Hülflosigkeit des Urteils, bald und mehr noch in einer wüsten Hetze gegen die Sozialdemokrtztie. Die Schleifstein-„Prcsse". In den wildesten Tönen tobt die„Po st Schon am Sonntag posierte ihr Redakteur die scharfmacherische Wut, die täglich auszugeisern er besoldet ist, schäumenden MundeS: »Wie lange noch soll eS dem Catilinaricr Bebel gestattet sein, seine jeden pattiotisch empfindenden, ja überhaupt jeden anständig denkenden Menschen aufs tiefste empörenden Nichtswürdigkeiten un- gehindert in die Welt zu schleudern? Wie lange will man seinen zu Revolution und Mord aufreizenden Reden gegenüber die Lang- mut an den Tag legen, welche man sonst nur ungefährlichen Narren oder armen Geisteskranken gegenüber zu bewahren pflegt? Ist denn schon alles erlaubt im Deutschen Reiche? Gibt es keine Grenze mehr für die Aufreizung zu Aufruhr und Gelvalt?... Die Blicke des gesamten deutschen Bürgertums richten sich an- gesichts dieser maßlos verhetzenden Aufwiegelungsrede deS fanatischen Führers der revolutionären Sozialdemokratie auf die Regierung. Will sie weiter mit verschränkten Armen zusehen, wie dicier ver- bisscne Demagoge mit der Brandfackel des Aufruhrs und blutigen Bürgerkrieges spielt? Die gemeine Sicherheit und der innere Frieden sind schwer bedroht. Die Gefahr, daß bei auswärtigen Verwickelungen der innere Feind sein blutiges Banner entrollt, ist akut. Darum gilt es, zu handeln und Vorsorge zu treffen, so lange es noch Zeit ist. Wir haben bereits ausgeführt, was zunächst ge- schehen muß. Wir halten eS für die dringendste Pflicht jedes Pa- trioten und insbesondere der noch vaterländisch empfindenden Presse, mit aller Energie darauf hinzuweisen, daß es zur unabweisbaren Notwendigkeit geworden ist, unverzüglich zu handeln, damit der Hydra der Revolutton der Kopf zertreten werde." Am Montag setzt daS Blatt der Stummschen Erbschaft den Ver« such fort, durch blöde Fälschungen der Vorgänge auf dem Parteitage die Regierung zu unbesonnenen Handlungen aufzuwiegeln.»Die Hochverratspolitik der Sozialdemokratte" hat die„Post" entdeckt: Das Ergebnis des Jenaer Parteitages„läßt sich in drei Worte zu- sammcufassen: Blut soll fließen". Weiter sagt sie: „Noch niemals ist der Wille zur Revolution, und zwar gegebenen« falls zur gewalttätigen Revolution, so klar und einheitlich, so prinzipiell und systematisch und so sehr von der Massenstimmimg getragen zum Ausdruck gelangt, wie jetzt auf dem Parteitage in Jena. Noch niemals ist es so deutlich zum Vorschein gekommen, daß das sozialdemokratische und antisoztaldcmokratische Problem so- wohl im Grunde wie letzten Endes rein politischer Nattir ist: Ver« teidigung des bestehenden Staates und der ihm innewohnenden autoritären Kräfte gegen die revolutionär-demokrattsche Diktatur der blutlüsterncn Massengewalt." DaS Blatt der Lüge und Reaktion fordert stürmisch,„sofort nach Zusammentritt des Reichstages mit den, Mittel verbesserter und bevorstehenden revolutionären Eventualitäten angepaßter Straf» gesetzgebung gegenüber den beabsichtigten Gewalttaten die nötigen Schranken aufzurichten." Dieser Versuch einer schurkischen Auslegung der Jenaer Massenstreiks-Resolution und der Bebelschen Darlegungen ist ohne wcitereS erledigt, wenn wir nochmals zitieren, was Bebel über die Stellung unserer Partei zur„Gewalt" gesagt hat. Er führte, um nur weniges zu zitieren, auS: „Eine Debatte, in der so viel von Blut und Revolution die Rede gewesen wäre, habe ich doch noch nicht gehört.(Heiterkeit.) Als ich das alles hörte, habe ich ein paarmal unwillkürlich auf meine Stiefelspitzen gesehen, ob ich dort nicht bereits im Blute wate.(Große Heiterkeit.) Auf diese Weife ist der Resolution, gegen die im Grunde niemand etwas hat einivcnden können, eine Auslegung gegeben worden, als ob durch sie die wüstesten Ge- fahren heraufbeschworen würden. Ich in meinem harmlosen Gemüt habe an all daS gar nicht gedacht und ich glaube, auch meine hcuttge Rede bietet durchaus keine Veranlassung, mich als so blutgierig hinzustellen.... Wir Sozialdemokraten haben den Begriff revolutionär stets so aufgefaßt, daß er sich in den Zielen, nicht in den Mitteln dokumentiert. Es kann eine Bewegung gewaltsam durchgeführt werden und doch reaktionär wirken, und auf der anderen Seite kann eine Bewegung, die friedlich bleibt, viel wirksamer und tiefgehender wirken als alle Kanibalenkämpfe.(Lebhafte Zu- stimmung.)' Auch die meisten anderen konservativen Zeittingen leisten die ihrem Sehnen nach Gewalt entsprechende Fälschung unseres Wollens und unserer Beschlüsse. Wir rufen das deutsche Volk auf. daß es gegen WahlrcchtSrauch sich rüste und das gesetzliche Mittel der Arbeitsniederlegung in Erwägung ziehe. Die konservattven Fälscher, welche selbst auf Gewalt und Staatsstreich sinnen, machen daraus: Die Sozialdemokratie wolle die gewaltsame Revolution I Die preußischen Junker, deren Interessen diese Presse vertritt, werden natürlich nicht nur die Vorrechte, die sie wirtschaftlich und politisch genießen, sondern auch das gleiche Recht mit den anderen Staatsöürgcrn willig preisgeben, wenn solche Zu- mutung jemals an sie gerichtet würde I Ihre Orgaue haben zlvar gelegentlich ausgesprochen, die Bauern würden Revolution machen und dn e T h r o n e zu in Wanken bringen, wenn nicht genügend hohe Korn zolle eingeführt werden, aber das politische Grundrecht würden die Junker sicherlich ohne Widerrede der Arbeiterklasse überlassen, wenn diese es für sich allein in Anspruch nähme! Die„Kreuz-Zeitung" versucht die Grundlage unseres Beschlusses zum Massenstreik zu beseitigen, indem sie die Harmlosig- keit schauspielert, als ob ein reaktionärer Ansturm gegen die Volks- rechte überhaupt nicht in Frage sei; als ob vielmehr die Sozial- demokratie trotz alles EntgegenkounnenS übermütig den Umsturz aller Dinge betreibe: „Die Bcvelsche Begrüßungsrede war ein Gemisch von Prahlerei und Herausforderung, von Geschichtsfälschung und Hetze, Sie wurde mit großer Leidenschaftlichkeit vorgetragen und errang stürmischen Beifall. Zum Lachen� ist aber gleich der Beginn der Bcbelschen Leistung; denn er spricht darin von einem A n st u r in e d e r fö e g:i e r, für den die Sozialdemokratie auf neue Abwehrmittel sinnen müsse. Diese Auslassung zeigt, wie weit Anmaßung und Größenwahn in der Sozialdemokratie bereits gediehen sind. Das fort- wahrende Entgegenkommen, das der Sozialdemokratie gegenüber geübt wurde, die Leisetreterei und Rücksicht ihr gegennber, die Lieb- üngelcien und Bündnisanerbietungen der MauserungSillufionisten, das alles hat der sozialdemokratischen Partei den Kamm schwellen gemacht, so daß sie jetzt in der Einbildung lebt, sie nehme in unserem Batcrlande eine berechtigte Position ein und müsse sie verteidigen, während umgekehrt es die höchste Zeit ist, den immer dreisteren Ansturm der Sozialrevolutionäre gegen die Grundlagen unserer Staatsordnung mit allen Kräften abzuwehren." Die„Kons. Korrespondenz", deren Artikel in der kleincit Provinzpresse wiedergegeben werden, erklärt den Parteitag als„einen Sieg der revolutionären Richtung" und wendet sich gegen die „Illusion der extremen Sozialreformer, durch immer weiteres Entgegenkommen die G e w e r k s ch a ft en zu„versöhnen" und von der Sozialdemokratie abwendig zu machen."„Sozialdemokratie und Gewerkschaften sind nicht mehr zu trennen. Sie zn versöhnen, ist unmöglich. Sie können nur als innere Feinde mit rücksichtsloser Anwendung der Staatsgewalt bekämpft und geworfen werden." Die„Kons. Korr." betreibt dann die Scharfmacherkunst also: »In„gehobener" Stimmung ist der Jenaer Parteitag aus- einandergcgangen. Jeder einzelne der Delegierten war der' stolzen Ueberzeugnng, die Bourgeoisie und die Regierung stände mit „schlotternden Knieen" vor den KonventSbeschlüssen. War doch die ganze Demonstration nur darauf berechnet, der bürgerlichen Gesell« fchaft Schrecken und Angst in die Glieder zu jagen. Aber glaubt denn Bebel und glauben seine Kumpane wirtlich, die Staatsgewalt locrde so unerhörten Provokationen gegenüber untätig bleiben, sie werde ruhig der Vorbereitung der Revolution zusehen, sie werde ans Furcht nicht wagen, etwas gegen die Umstürzler zu unter- nehmen? An eine solche Pflichtvergesscnheit können doch selbst die Sozialrevolutionäre nicht glauben..." In der„Deutschen T a g e s z t g." sagt der Agrarier- Häuptling Dr. O e r t e l: „... Wir sind fern davon, die Jenaer Vorgänge zu über- schätzen. Wir wissen, daß viel Theaterdonner dabei war. Aber eS würde töricht, kurzsichtig und gewissenlos sein, sie zu unterschätzen. Der revolutionäre Geist hat in der offiziellen Sozialdemokratie Oberhand und Oberwasser bekommen. Man rechnet ernstlich mit der Möglichkeit, die Kämpfe um die Zukunftsgesellschaft ans den Versammlungs- fülen auf die Straße zu verlegen. Gegenüber dieser offen- kundigen Erscheinung würde die Politik des Vogels Strauß das allerdümmste sein. Man wird allenthalben einsehen müssen, daß die Sozialdemokratie weder versöhnt, noch erzogen, noch totgeredet werden kann. Sie entwickelt sich, wenn man so sagen darf, nach einein phtisisch-historischen Gesetze immer radikaler, und diese EntWickelung wird sich nach dem Gesetze des Falles immer schneller vollziehen. Daraus müssen die verantwort- lichen Führer des Volkes und die Träger der Regierungsgewalt die selbstverständlichen Konsequenzen ziehen. Wir haben un- endlich oft gesagt: Wer sich selbst außerhalb der Verfassung stellt, muß dementsprechend gewertet und behandelt werden. Wir wiederholen das heute: eines Ausnahmegesetzes bedarf eS nicht, Die Sozialdemokratie muß aber allenthalben und in jeder Beziehung der Tatsache entsprechend behandelt werden, daß sie sich selbst außerhalb der Verfassung gestellt hat..." Also auch hier das Gerede, als sei die Sozialdemokratie revo- lutionärer oder radikaler geworden als sie zuvor gewesen, während sie in Wahrheit genau so revolutionär und radikal ist wie sie stets war und lediglich jetzt durch die dreisten Drohungen gegen die elementaren Rechte des Volkes genötigt wurde, sich und die deutsche Arbeiterklasse gegen lleberrumpelungen und Vergewaltigungen zu sichern. Die Wut unserer Gegner ist nur zn verständlich. Sie sehen, daß wir auf der Hut sind und daß wir uns nicht unvorbereitet und ungerüstet von ihnen überfallen lassen werden. Wenn der Groll, der in ihren Zettelungen Gestörten sich in unsinnigen Denunziationen bei der Regierung entladet, so beweist uns das nur, daß wir dasjenige getan haben, was im Interesse der Arbeiterklasse und der freiheitlichen Entwickelung nötig und richtig ist. Je mehr die Scharf- macherei tobt, um so besser haben wir unsere S a ch e g e m a ch t. Ihr Toben bestätigt uns nur, wie sehr wir mit den Beschlüssen von Jena ins Schwarze getroffen haben! Aus der ZcntrumSpresse. In der Zentrumspresse, soweit sie bisher vorliegt, sind die Urteile über den Parteitag einander im höchsten Maße wider- sprechend. Die„Märkische Volkszeitung" erklärt, daß die Sozial- demokratie gute Arbeit für sich geleistet habe.„In Jene— da ging es b e n e!", das Wort aus dem Kommersbuch könne Bebel mit Genugtuung anwenden, wenn er auf die Tagung in dem freundlichen Saalestädtchen zurückblickt. Natürlich will das Zentrums- blatt damit nicht die wirkliche politische Bedeutung anerkennen. Es meint nur, daß die Sozialdemokratie es vortrefflich verstanden habe, die Massen„über die Schwierigkeiten innerhalb der Partei.hinweg- zutäuschen". ES versteht das so: „Eine Vertuschnugskomödie. wie sie vollendeter wohl noch nicht beobachtet iverden konnte, haben die Herren in Jena aufgeführt, indem sie die kritische Frage des politischen Massen- slreiks vorläufig erledigten, ohne sich, wie Bebel selbst betonte, irgendwie festzulegen, und indem sie weiter durch ein sehr ge- schickte s Manöver all' den bösen Auseinandersetzungen, welche eine offene Aussprache über das„Literatengezänl" in der sozial« demokratischen Presse unfehlbar mit sich gebracht haben würde, ein- fach aus dem Wege gingen." Dieses Blatt hält sich an jene andere Methode der Bekämpfung der Sozialdemokratie: Was die Konservativen als Androhung blutiger Gewalt ausdeuten, das sind bei dem Zentruinsblatt wiederum nur„blutige Phrasen und Schlagworte", die den Zweck haben, die Anhängerschaft, die angeblich auseinanderzulaufen droht, zusammen- zuhalten. So freundlich es ist, daß wir eS so ausgezeichnet verstanden haben sollen, diesen angeblichen Zweck zu erreichen, so ist doch diese Auf- fajsung über den Parteitag nicht richtiger als die der konservativen Scharfmacher. Als richtig aber dürfte sich erlveiscn, wenn dasselbe Blatt schließlich sagt: „Die Herren Scharfmacher aber werden nun noch das Ihrige tun, um den t e i l w c i s e n Erfolg der Sozialdeino- kratie, n e i n e in vollen zu gestalte it." Aehnliche Anschauungen wie die„M. Volksztg." äußert das führende Zentrumsblatt am Rhein, die„Köln. Volksztg." Auch sie stellt es so dar, als sei die Sozialdemokratie keineswegs feststehend und in sich geschlossen. Sie glaubt vielmehr, überall Zeichen der Unsicherheit und des inneren Zwistes zu sehen. Sie führt u. a. aus: „Die Einschränkung der Ocffentlichkeit gerade in der Sache, welche ohne Zweifel das Hauptinteresse weitester Kreise in Anspruch nahm, ist jedenfalls das bemerkenswerteste Moment am ganzen Parteitage, den man überhaupt, da er so manche kitzliche Frage an Kommissionen verwies, einen K o m m i s s i o n s- P a r t e i- tag nennen könnte. Es offenbart sich hier ein tiefgehendes Gefühl der Unsicherheit, welches infolge der fortgesetzten inneren Zwistigkcitcn in den führenden Kreisen Platz gegriffen hat und mit der Angst verknüpft ist, den ohnehin hierüber unzu- fricdcnen sozialdemokratischen Massen ein neues Schauspiel der Uneinigkeit zn bieten. Diese Angst der Führer vor einem öffent- lichen Skandal zeigte sich auch noch in anderer Weise. Bereits in der Eröffnungssitzung erteilte Abg. Bebel den Delegierten eine form- liche Anstandslektion, indem er feierlich sie ernrahnte, die Aus- einandersetzungen in Fonnen zu führen,„die nicht verletzen, die nicht immer größere Verwirrung und Uneinigkeit stiften". Und der Abg. Singer betonte ebenfalls, die Auseinandersetzungen sollten„in einem Tone gefiibrt werden, wie er der größten Partei des Deutschen Reiches würdig sei". Die„Köln. Volksztg." kommt zu diesem Schluß:„So ist zwar durch die Annahme der beiden Resolutionen zur Maifeier und zum Massenstreik eine äußerliche Einigung erzielt worden. Aber die Debatten über diese beiden Fragen habeil doch— allen Ver- tuschungsbestrcbungen zum Trotz— die tiefgehenden Gegensätze wieder in die Erscheinung treten lassen, über welche die Sozialdemo- kratie nicht hinwegkommen kann. Abg. Bebel hatte in der Er- öffnungssitzung die stolzen Worte gesprochen:„Wer für uns auf ein Jena hofft, der hat als ein Narr gehofft." Die Gefühle, mit denen er und die anderen Parteigrößen auf die Jenaer Tage zurückblicken, dürften weniger gehoben sein; sie werden ihnen wenigstens von neuem sehr deutlich zum Bewußtsein gebracht haben, welche Gefahr die fortgesetzten Zwiftigkeiten für die Partei bilden." Die„Gerntania" wünscht den Parteitag durch die Be- hauptung herabzusetzen, daß er„für die Arbeiter so gut wie nichts geleistet" habe.„Bon den Arbeitern und der Fürsorge für sie war nur ganz nebenbei die Rede." Gewiß, auf den Katholikentagen ist von der Fürsorge für die Arbeiter viel die Rede. Die Sozial- demokratie, welche nicht für die Arbeiterschaft„fürsorgt", welche die Arbeiterschaft selbst ist, braucht von dem ihr Selbstverständlichen nicht bei jeder Gelegenheit laut zn reden. Die Sozialdemokratie wirkt ilpolitisch, das Zentrum schwatzt von Sozialpolitik. Außerdem versucht auch die„Germania", die MeinungS- Verschiedenheiten, die in unseren Reihen vorhanden sind, als Schwäche und Gefahr für die Sozialdemokratie aufzufassen. Sie unter der Ucberschrift„Jena oder Sedan?": „Genosse Singer hat am Schluß des Jenaer sozialdemokratischen Parteitages den kühnen Ausspruch getan:„Unsere Gegner haben darauf gerechnet, daß wir hier ein inneres Jena finden würden. Wir haben den Gegnern hier ein Sedan bereitet." Von diesem Sedan haben die Gegner bisher nicht das geringste bemerkt. In- wiefern wären sie denn zerschmettert und der Sozialdemokratie ge- nngen ausgeliefert worden? Was ist ihnen überhaupt geschehen? Singers Worte waren nichts als eine leere Phrase, auf den Beifall der gedankenlosen Masse berechnet. Daß die Sozialdemokratie auf diesem Parteitage ein„inneres Jena" erleben werbe, bat kein Gegner erwartet. Nacbdem die Partei 10 und soviele wilde Streitigkeiten und sogar ein Dresden über- standen hat, konnte doch vernünftigerweise niemand damit rechnen, daß sie nun in Jena zusammenbrechen werde. Allerdings durste man nach den vorausgegangenen Zänkereien atif neue Skandale in Jena gefaßt sein. Vcrmutltch haben sich die Genossen deswegen mehr Sorge gemacht als die Gegner Hoffnung. Den Regisseuren des Parteitages ist es aber gelungen, die Wiederholung des Dresdener Skandals zu verhüten. Sie verwiesen die Streithähne mit ihren„Akten" an eine Kominission, die erst unmittelbar vor Toresschluß mit ihrer Arbeit fertig wurde, sodaß zn öffentlichen Zänkereien überhaupt keine Zeit mehr blieb. Ebenso kam der Organisationsentwurf erst am Schlüsse wieder aus der Kommission heraus... Dank der energischen„Regie" kann man sich nun seiner„Einigkeit" rühmen. Wie steht es aher in Wirklichkeit damit? Der Ritz, der durch das„Literalengezänk" offenkundig geworden ist, wurde mit einer der üblichen Resolutionen ü b e r k l e i st e r t, die an den Tatsachen nichts zu ändern vermögen. Rtan hat den Streit nicht aus der Welt geschafft, sondern vertuscht. Wie lange wird es denn dauern, bis Mehring in der„Leipziger Volkszeitnng" wieder über den„Vorwärts" herfällt? Er kann morgen mit dem Vorwurfe wieder beginnen, daß der„Vorwärts" nicht genug tue in„prinzipieller Aufklärung der Arbeiter". Die lange Resolution über den politischen Massenstreik wird die Meinungsverschieden- heiten darüber auch nicht aus der Welt geschafft haben. Ist man doch nicht einmal klar darüber geworden, was nun Bebel eigentlich will." Wenn die„Germania" sich nicht klar geworden ist, was Bebel nun eigentlich will, so bedauern wir aufrichtig, daß wir dem Drange des Zentrumsblattes nach Klarheit so erhebliche Schwierig- leiten bereiten. Wir wissen um so besser, was wir wollen! Die obigen Zitate zeigen bereits, wie ratlos die Presse der bürger- lichen Parteien den Erscheinungen des Parteitages gegenübersteht. Der eine meint daS Gegenteil von der Meinung des anderen. Die einen suchen zu Hetzen, zn denunzieren,[die Gewalt gegen uns zu mobilisieren, die anderen bauen aus unsere inneren Streitig» leiten, auf die„Skandale", die zwar in Jena zu ihrem Leidwesen „verkleistert" wurden, die aber doch eine wesentliche Hoffnung unserer politischen Gegner bleiben. Die einen wie die anderen iverden init ihrer Stellungnahme zu den Ergebnissen von Jena ihre Sache nicht fördern; sie mögen diese oder jene Kampfmethode gegen uns einschlagen— wir marschieren! Aus der Presse der anderen Parteien werden wir morgen zitteren. � � Berichtigung. In unserem aus Jena telephonisch übermittelten ParteitagSartikeln haben sich mehrfach Hör- und Druckfehler ein- geschlichen, von denen die folgenden berichtigt seien: In der Sonnabend nummer heißt die Uebcrschrift des Leitartikels richtig:„Die Mahnung der Arbeiterklasse". In dem Leitartikel der Sonntags nummer sind zu korrigieren: 4. Absatz Zeile 6:„Bedrückten"(statt Bedrückern); 7. Abs. Zeile 22:„polemischen Stichproben"(statt„politischen Stich- proben"); 7. Abs. Zeile 37:„programmkritische"(statt parteikritische); 7. Abs. Zeile 41: auseinander(statt aneinander). politilcke(ZeberNcdt. Berlin, den 23. September. Die Patrioten der Gaunerei. Auch die Patrioten sind international in der Gaunerei. Die schöne Erscheinung, daß die herrschenden Klassen aller Länder ihre eigenen Volksgenossen, sofern sie nämlich Sozial« demokraten sind, für die verworfensten Vaterlandslosen er- klären, während sie die Umstürzler jenseits der Grenze für den Inbegriff aller Tugenden erklären, macht sich auch wieder anläßlich des Ienenser Parteitages bemerkbar. Mit den sozialdemokratischen Menschen halten es die Herrschenden umgekehrt wie mit dem agrarischen Vieh; Nur das nationale Vieh ist ttigendhaft, ist aber ein Schwein so unglücklich, jenseits der Grenze geboren zu sein, so starrt es voll ekler Seuchen und Schrecken, llmgekehrt ist der einheimische Sozialdemokrat der Inbegriff aller Verruchtheit, der fremde aber ist ein Muster, in dessenr Glanz die Bösartigkeit der nationalen Umstürzler um so schwärzer erscheint. Vor ein paar Tagen pries der Fürst Bülow unseren französischen Genossen Jaurös, jetzt üben die französischen Bülowisten Revanche und feiern die deutschen Sozialdemo- kraten. Arbeitete der deutsche Reichskanzler mit lächerlicher Unwissenheit, so seine französischen Gesinnungsbrüder mit offenem Betrug. Darüber schreibt unser französischer Korrespondent: Paris, 23. September.(Eig. Ber.) Man ist gegen die Lügen- hastigkeit und Entstellungssucht der bürgerlichen Presse nachgerade abgehärtet worden, aber die Infamie, mit der die Bourgeoisblätter die Verhaiidluitgen des Parteitages in Jena für ihre pole- mischen Zwecke gefälscht haben, sucht ihresgleichen. Und die Schuldigen sind nicht allein die nationalistischen Lärm- und Skandal- zcitlingen, die ebensowenig wie die Freudenmädchen, die gleich ihnen auf den Boulevards ihr Leben fristen, um die Illusion der Auf- richtigkeit Sorge zu tragen brauchen, sondern vor allem große Blätter, die wie der„Temps" als Muster bürgerlicher Wohl- anständigkeit und Gewissenhaftigkeit gelten wollen. Die französische Presse hat dem diesjährigen deutschen Parteitage mehr Aufmerksam- keit gewidmet als seinen Vorgängern. Nicht etwa aus Interesse für die Arbeiterbewegung, sondern mit der offenkundigen Absicht, aus den Verhandlungen der deutschen Sozialdemokratie Waffen gegen die französischen S o z i a l i st e n zn gewinnen, mit denen sich die Bourgeoisie im bevorstehenden Wahlkampf zn messen haben wird. Die Tendenz dieser Berichte war damit gegeben: man mußte einen Gegensatz zwischen den deutschen Sozialisten und ihren französischen Genossen hermtsfinden und, da die Wahlen unter dem Schlagwort des„Patriotismus" ausgefochten Iverden sollen, be- weisen, daß der Internationalismus der französischen Arbeiter bei den deutschen Sozialdemokraten keine Erwiderung finde. Die nötige Grundlage lieferte der beispiellos verlogene telegraphische Bericht, den die„Agence Havas" der französischen Presse geliefert hat. Während darin die unzweideutigsten Kundgebungen der internatio- nalen Solidarität und der internationalistischen Gesinnung, z. B. in Molkenbuhrs Schlußwort in der Debatte über den Vorstands- bericht, einfach ingnoriert waren, las man, die einzige internationa- listische Erklärung seien Michels' Ausfiihrungen gegen die regierenden Klassen und ihre kriegerischen Absichten gewesen und sie seien vom Parteitag mit einem bezeichnenden„eisigen Schweigen" aufgenommen loorden. Hinterher mußte zwar der „Temps"'in seiner, obwohl ebenfalls tendenziös gefärbten, Original- korrespondenz verzeichnen, daß der gegen den Krieg gerichtete Antrag 142 mit dem Amendement Michels angenommen worden sei, aber er setzte hinzu, daß die„wenig kompromittierende Ergänzung" die Dunkelheit und Zweideutigkeit der Resolution nicht behoben habe. Nachdem die Bourgeoispresse 48 Stunden lang mit dem tele- graphierten„eisigen Schweigen" ihre Politik bestritten hatte, produ- zierte sie eine neue, noch frechere Entstellung. Sie behauptete nämlich, daß der Parteitag durch die Ablehnnng der Bernstein- scheu Resolution gegen die Mißachtung des Reichstages eine Anerkennung der Bülow scheu Marokko-Polsitik kundgegeben habe. Der„TempS" hat die Unverschämtheit, in einem Leitartikel wörtlich zu schreiben:„Als Herr Bernstein die Lauheit deS Internationalismus des Kongresses beklagte und be- antragte, die Regierung und den Reichstag wegen ihrer Passivität in der Marokko-Affäre und im russisch- japanischen Kriege zu tadeln, wurde sein Antrag mit einer starken Mehrheit abgelehnt und die soziale Demokratie wies so von neuem die Zumutung, die auswärtige Politik des Reichskanzlers zu tadeln, kategorisch zurück.... Die deutschen Sozialisten antworten auf den Internationalismus des Herrn Janres mit dem Nationalismus. Der deutsche Sozialismus, aufgefordert, Herrn Bülow zu tadeln, wie der ftanzösische Herrn Rouvier getadelt hat, lehnt diese Gegenseitigkeit ab." Dreister lügen kann nlan wohl nicht. Das von den reaktionären Ausbeutern ausgehaltene Blatt treibt aber seine Frechheit sogar so iveit, sittliche Entrüsttmg über die„Humanits" zu heucheln und dem sozialistischen Blatt, daS korrckterweise den offenkundig tendenziös entstellten Bericht der„Agence Havas" nicht wiedergegeben und das Eintreffen der deutschen Parteipresse abgewartet hat, den Vor- Wurf des unehrlichen Verschweigens zu machen I Die ganze kapitalistische Presse Frankreichs und— mit besonderem Eifer— die französischen Offiziösen bemühen sich in neuester Zeit, im französischen Publikum bie Meinung zu erwecken, daß in Deutsch« land alle Kreise— auch die Volksmassen— sich mit dem Gedanken wagen, Frankreich in einen Krieg zu verwickeln. Und auf die Rechnung dieser verbrecherischen Taktik der chauvinistischen Treibereien mag auch zum Teil der Lügenbericht der„Agence Havas" zu setzen sein, der dann noch von den journalistischen Zuhältern des Kapitalismus wohlpolittsch ausgeschlachtet wird. Es ist sehr be- bäuerlich, daß infolge der wenig erfteulichen EntWickelung der sozialistischen Presse die Abwehr der Verleumdungen der„Patrioten" in einem starken Maße auf die mündliche Propaganda beschränkt bleibt. Glücklicherweise ist die sozialisttschejGesinmtng der proletari- scheu Massen genug gefesttgt, und die Verachtung, die sie gegen die bürgerliche Journalistik hegen, so fest gewurzelt, daß auch der neueste, auf der ganzen Linie der Bourgeoispresse nnternommene Ansturm der Lüge ihre revolutionäre Festigkeit und das Bewußtsein der inter- nationalen Solidarität nicht erschüttern wird. Die Volköpartci. In Wiesbaden wird gegenwärtig ein Parteitag der Freisinnigen Bolkspartei abgehalten— wie immer unter Ans- schluß der Oeffentlichkeit. Rur offiziöse Berichte geben ein„Bild" von den Verhandlmigen. In seiner Eröffnungsansprache klagte der Vorsitzende— fSchmidt- Elberfeld— heftig über den neuen Zolltarif, über Fleischverteucrung, Militarismus. MariniSmus. Schuldenlast, Klerikalismus, vergaß aber hinzuzufügen, daß die Freisinnige Volkspartei nur Förderer, nicht Gegner dieser ruinösen Politik in die Parlamente hinein- wählen Hilst. Am ersten Tage wurde das„Bcrhalten zu anderen Parteien" diskutiert. Man nahm schließlich einstimmig eine Resolutton an, in der gegenüber Wünschen nach einem Zusammengehen, auch mit den Nationalsozialen, erklärt wurde, man wolle das„bestehende gute Einvernehmen mit der Deutschen Volkspartei in jeder Weise" fördern, „ein freundnachbarliches Verhältnis zur Freisinnigen Vereinigung wie zu anderen liberalen Parteigruppen im Interesse des Gesamt- libcraliSmns»iiterstützen'; dagegen sei ein„Zusammenwirken mit natioualsvzialcn Elcmciitcn" eine„politische Unmöglichkeit, gleichviel welcher politischen Gruppe sie sich anschließen". Ein ganz inter- essauter Beschluß! Die natioiialsozinlen„Elemente" sind ja in der Freisinnigen Vereinigung aufgegangen, und Herr Naumann sitzt in ihrem Vorstand. Wenn die Volkspartei also zugleich die Freisinnige Bereinigung freiuidnachbarlich, die national- sozialen Elemente aber feindselig behandeln will, so ist die Resollltion c?«e AuffordttUlig qh die Vereinigung, ihre eigens» Parteimitglieder nin der Volkspartei Willen hinauszuwerfen. Eine sehr charakteristische Zumutung. Der Grrmd des Gegensatzes gegen die Nationalsozialen besteht darin, daß die nationalsozialen „Elemente" dem Börsenfreisinn nicht kapitalistisch unverdächtig sind. Außerdem wurde nin Sonnabend der folgende Antrag über Ministcrvcraiitwortlichkeit angenommen: „Der Erlaß eines Ministerverantwortlichkeitsgesetzes in den Einzelstaaten und im Reich, sowie die Schassung verantlvortlicher Reichsmimsterien sind dringend erforderlich. Bis zum Erlaß dieser Gesetze ist aber wenigstens die fortdauernde und genaueste Beob- achttmg der Verfassiiugsbestimmungen zu verlangen, nach denen die Minister und der Reichskanzler für jede politische Handlung, alle Regicrungsakte, Verfügungen und Anordnungen des Monarchen und des Kaisers durch Gegenzeichnung die Verantwortung zu über- nehmen haben. Die Minister aber crsüllen ihre vcrfassungs- mäßigen Pflichten dieser Verantwortlichkeit nicht durch die inhalts- leere und rechtlich bedeutungslose Erklärung im Parlament, daß sie dem Verantwortung übernehmen, sondern allein dadurch, daß sie im Parlament gegenüber Rede stehen, sich verantworten und ihre angefochtene Geschäftsführung sowie ihre angegriffenen Maß- nahmen durch ausführliche Darlegung der Gründe rechtfertigen." Am zweiten Tage verhandelte man über Fleischteuermig. Man nahm diese Resolution an, die der freisinnigen Wahl Politik widerspricht: Der Parteitag protestiert aufs energischste gegen die ein- seitige gegenüber anderen berechtigten Interessen geringschätzige Haltung der Reichs- und einzelner Landesregierungen in der Frage der Fleischteuerung, die geeignet ist, die Jnterssen der konsumie- renden Bevölkerung aufs schwerste zu schädigen, während an- dererseits die kleine bäuerliche Bevölkerung durch Futtermittelzölle und anidere gesetzgeberische Maßnahmen schwer getroffen wird. Ter Parteitag fordert rasche Abhülfe seitens der Regierungen durch geeignete gesetzliche und administrative Maßregeln zur Be- seitigung der Flcischteuerung(Aufhebung des Einfuhrverbots für gesundes Fleisch, Ermäßigung der Viehzölle, Deffnung der Grenzen während der Fleischnot unter völliger Sicherung des deutschen Viehbestandes, Beseitigung der Futtermittelzölle usw.). Ferner wurden die Schulmiträge beraten. Ein Antrag Elb er- seid verlangte, daß ins Programm die„Trennung von Staat und Kirche" aufgenommen werde. Ein Antrag Berlin IV(Merten u. Genossen) forderte die allgemeine Volksschule, worunter aber nicht die Einheitsschule, sondern nur die Beseitigung der besonderen Vorschnlcn zu verstehen ist: ferner tritt dieser Antrag sowie ein An- trag Funk, Cassel, Kopsch, Zwick für die Simultanschulen gegenüber dem Schulkompromiß ein. Der unwesentliche Simultanschulantrag Ivnrde einstimmig angenommen, das Verlangen nach einer allgemeinen Volksschule gegen den Widerspruch einer Minderheit. Auch dieser „äußerste" Liberalismus denkt weder an eine Trennung der Kirche vom Staat, noch an die konfessionslose Schule. Längst hat auch die gottlose liberale Bourgeoisie die Religion unter die Zuchtmittel des Proletariats aufgenommen: Die Religion muß dem Volke erhalten bleiben, damit es sich ausbeuten lasse. Am Montag lvurde ein Antrag„gegen die Fortsetzung und Erweiterung des bisherigen Systems der Kolonialpolitik" angenommen. Dann verhandelte man über die RcichSfiiianzreform. Man pro- testierte gegen die Tabak- und Bierstener, bekundet aber bei der Abneigung gegen eine durchgreifende ReichSerbschaftS st euer das olle ehrliche kapitalistische Herz. Es wurde ein Antrag Gyßling angenommen, der die Materie lediglich der Rcichstagsstaktion zur Erwägung überweist und dessen Tendenz mehr negativ als positiv darauf hinausläuft, die Reichscrbschaftssteuer zu verhindern: Erb- schaftcn der Ehegatten und Kinder sollen unter allen Umständen steuerfrei bleiben. Hatte man den Antrag auf Trennung der Kirche vom Staat von der Tagesordnung einfach abgesetzt, so überwies man die An- träge auf Besserung des Wahlrechts in Staat und Gemeinde dem Zentralausschnß zur Erörtenmg, wo natürlich alles getan werden wird, um das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht in den Einzelstaaten und in den Kommunen— volksparteiliche Rebellen oder vielleicht auch Demagogen forderten das demokratische Wahlrecht für die Gemeinden— nicht zur Einführung zu bringen. Nach weiteren unwesentlchcn Debatten wurde der Parteitag ge- schlössen, dessen offiziöse Berichte teilweise so aussehen, als ob sie schon vor den Verhandlungen gedruckt worden wären. Zu gleicher Zeit fand in Frankfurt a. M. die belanglose Jahres- Versammlung der süddeutschen Volkspartei statt.— Womit sich die Scharfmacher„uuterhaltcn". Während die„Post" in ihrem politischen Teile ihre Geldgeber, die einzigen unglücklichen Leser dieses Blatres, mit dem Wahnwitze der für die Scharfmacherei zur„jeistigen Arbeet" verpflichteten Stumm-Esel anödet, kommt sie in ihren, seuilletonistischen Teil zu der Einsicht, daß schließlich auch oberschlesische Magnaten das Recht hatten, gelegentlich eine interessante Betrachtung zu lesen. So passiert es, daß in der letzten Sonntags- nummer der„Post", wo die heiligsten Güter des Monarchismus rasend wider den Umsturz verteidigt werden, diesmal hinten in der sonntäglichen Unterhaltungsbeilage ruchlos erzählt wird, was diese heiligsten Güter denn— kosten. In einer Betrachtung über die Einkommen der Monarchen heißt es zu diesem„zeitgemäßen Kapitel", nachdem historisch entwickelt worden ist, wie es der preußische König schließlich ans 1ö71g2l>Ü M. Jahresgehalt brachte: „So erhält Kaiser Franz Joseph I. 19(4 Millionen Mark und zwar zu gleichen Teilen von Oesterreich und von Ungarn. Er hat zwar davon so viel Prinzen und Prinzessinnen zu apanagicrcn, wie kein anderer Monarch, dürfte aber, toenn man von Kaiser Nikolaus von Rußland absieht, der am glänzendsten gestellte aller europäischen Fürsten sein, weil keine andere Dynastie im Laufe der Zeit ein so ungeheures Privatvermögen gesammelt hat, als das Haus Lothringen-Toskana. Dem Kaiser von Rußland rechnet man"nach, daß er aus der Staatskasse nicht weniger als 27 Millionen Mark entnimmt. Eine andere Angabe spricht sogar von 35 Millionen Mark. Hierzu treten aber noch die Apanagen für eine lange Reihe von Großfürsten, die aber mit zwei Milli- onen Rubel für jeden Bezugsberechtigten etwas zu hoch in An- sah gebracht sein dürften. Während Italiens König rund 16 Millionen Lire gleich 12 899 099 M. aus der Staatskasse erhält, muß sich Alfons XIII. von Spanien mit 925 999 Pesetas, gleich 7 499 999 M., begnügen. König Carlos I. von Portugal bezieht gar nur 2 499 999 M.,„Ons Wilhelmintje" von Holland 2 100 999 M., der König von Dänemark 1 293 299 Kronen, und sein Sohn Georg, der Griechcnkönig, 1 325 999 Drachmen. König Leopold von Belgien erhält 3(4 Millionen Mark, König Oskar von Schwcdcn-Norwcgen als schwedische Zivilliste den Betrag von 1 321 999 Kronen und hat bis zu den Ereignissen dieses Sommers von Norwegen noch weitere 582 999 Krone,, erhalten. Das Ein- kommen des Königs von Rumänien bilden die Erträgnisse einer aus zwölf Gutsherrschastcn bestehenden, im Jahre 1884 ge- schaffenen Äronapanage, deren Revenuen auf 700 000 Leu (Frank) geschätzt werden. Auch der türkische Sultan ist dem europäischen Beispiel gefolgt und beschcidet sich mit einer angeb- lich 882 659 türkische Pfund, gleich 19 274 999 M. betragenden Zivillistc. Diese Angabc wird aber von allen.Kennern der Verhältnisse angezweifelt, die mit mehr als der doppelten Summe rechnen. In der Reihe der deutschen Mttelstaaten folgen einander Bayern mit 5 493 199 M., Sachsen mit 3 550 900 M., Württem berg mit 2 917 189 M. und 100 579 M. Apanagen, Baden mit 1 599 999 M. und 343 000 M. Apanagen. Hessen mit 1 331 857 M., Braunschweig mit 1 125 999 M., Sachsen-Weimar mit 999 999 M. In Sachscn-Mciningen beträgt die Zivillifi�e 8 229 999 M.. in Tachsen-Altenbnrg 999 999 M., in Anhalt 1 959 999 M. und in Mecklcnburg-Schwerin 1 299 999 M. Auf die Verhältnisse in den kleineren deutschen Einzelstaatcn kann hier schon deswegen nicht eingegangen werden, weil die vielfach cms den Erträgnissen von Domänen herrührenden staat- lichel, Einkünfte der Fürsten schwankend sind. Es mag hier nur so viel gesagt sein, daß im allgemeinen die Stcuererträgc zu- gunsten der Zivilliste um so stärker belastet erscheinen, je geringer die Einwohnerzahl deK Staatswesens ist. Während in Preußen jeder Bewohner des Landes im Durchschnitt nur 50 Pf. beizusteuern hat, steigt der Betrag in Württemberg ans 1 M., in den meisten thüringischen Fürstentümern auf 2— 3 W. und darüber und erreicht in Schwarzburg-Sondershausen niit 9,41 M. die höchste Summe. Man sieht aus dein vorstehenden unterhaltsamen„Post"-Artikel, daß die deutsche Monarchie das allerteuerstc Ding auf der Welt ist. Nirgends gedeiht das Gottesgnadentnm so üppig und kostet so viel. Jeder Ouadratkilometer Landes ist mit Zivillisten besät, die zu einer so drückenden Last wachsen, daß in den kleineren Bundesstaaten auf eine Durchschnittsfamilie eine Steuerlast von jährlich 32 M. allein für den angestammten Landesvater entfällt. ES ist ganz seltsam, daß gerade Monarchen. die doch von Gottes gnaden regieren, und nicht wir Präsidenten von Volkes gnaden, sich für diesen göttlichen Beruf doch so viel irdischen Mammon bezahlen lassen. Es scheint das Gesetz zu herrschen: Je näher dem Himmel, um so höher die„Zivilliste"— je näher der Erde, um so niedriger das Gehalt. Das„zeitgemäße Kapitel", mit dem am Sonntag die„Post" ihre Jndustricmagnateu unterhält, ist in der Tat lehrreich. Kämpfe in Afrika. Graf Götzen telegraphiert, daß nach einer über Jringa beim Gouvernement von D e u t s ch- O st a f r i k a ein- getroffenen Meldung die auf M a h e n g e gerichteten An- griffe der Aufständischen Ende A u g u st erfolgreich ab- gewiesen wurden, nachdem ein geplanter Ueberfall verraten worden war. Tie aufständischen Wapogoro verloren 350 Tote. Die Gefahr wurde einer Missionsnachricht aus llbena zufolge durch das energische Vorgehen der Kompagnie in Mahenge unter Hauptmann v. Hassel beseitigt. Tie Kolonne Grawerth, mit der die Verbindung seit vier Wochen unter- brachen war, ist von L i w a l e aus in K i l w a eingetroffen. Sie hatte sechs für den Gegner verlustreiche Gefechte, ohne ihrerseits Verluste zu erleiden. Die Leichen des Bischofs Spies und des Feldwebels Faupcl wurden beerdigt. Die Verbreitung der Bewegung wurde wesentlich durch falsche Gerüchte über Niederlagen der Weißen veranlaßt. Auch wurde vielfach ein bisher unbekannter heimlicher Fanatismus der Kämpfenden bestätigt, dauernd angefacht durch Begießen mit geweihtem Wasser seitens der Zauberer. � Berlin, 25. September. Ein Telegramm aus Windhnk meldet: Reiter Otto Bauer, geboren am 8. August 1883 zu Eisleben, früher im Füsilier-Regiment Nr. 36, am 20. Sep- tember 1003 in Ururas durch Unvorsichtigkeit eines. Ser- geanten verwundet: Schuß durch Nacken und Mund. Hueland. Die Einigung zwischen Schweden nnd Norwegen. Wie bereits telegraphisch mitgeteilt worden ist, haben die Verhandlungen am Sonnabend endlich zu der langersebnten Einigung zwischen den Delegierten der beiden Länder geführt. Auf Grund der kulturellen Verhältnisse beider Länder, mit Rücksicht auf die innerhalb beider Völker weit verbreitete Er- kenntnis von der verbrecherischen Torheit, einen Bruderkrieg zu entfachen, und nicht zum geringsten auch wegen der Ent- schlossenheit der Sozialdemokratie beider Länder, mit allen Mitteln den Krieg zu verhindern, war dieses glückliche Er- gebnis vorauszusehen. Deswegen aber darf man die Tat- fache selbst nicht unterschätzen. Es ist eine neue und tröstliche Erscheinung, daß zwei Völker in cineni schweren Konflikt, wo- bei es sich um nationale Unabhängigkeit und Selbständigkeit handelt, wo ein König, der auch der König des anderen Landes ist, hier ohne weiteres abgesetzt wird, wo die Heere und Flotten beider Länder bereit stehen, jeden Augenblick mit Mord und Brand über einander herzufallen, auf friedlichem Wege z» einem Vergleich kommen. Ueber den Inhalt des Uebcreinkommcns von Karlstad ist noch nichts bekannt geworden. Ohne Zweifel aber wird man einerseits die Schleifung der Grenzfestungen, anderer- seits einen Schiedsgerichts-Traktat zwischen beiden Ländern erreicht haben. Damit wäre der Konflikt, was diese beiden Hauptpunkte anbelangt, nur zum Vorteil beider Länder erledigt. Statt der llnionsbrüderschaft mit Grenz- festungen und unabsehbaren militärischen Rüstungen ein fester Schiedsgerichts-Vertrag. das ist sicherlich ein Tausch, mit dem die Völker der Halbinsel zufrieden sein können. Man liest auf den schwedischen und norwegischen Münzen die Aufschrift„Lröckrakollleus viil"(„dem Wohl der Bruder- Völker"): nach diesem Ergebnis der Unionsauflösung könnten die Münzen dieselbe Aufschrift jetzt mit mehr Recht als in der vergangenen Zeit der drohenden Grcnzfcswngcn und Kricgsrüstungen tragen.— Stockholm, 25. September. Die schwedischen und norwegischen Delegierten einigten sich in Karlstad über folgenden Entwurf zu einem Ucbereinkommen zwischen diesen Reichen: a) Betreffend die Verweisung der Streitigkeiten an ein Schieds- geeicht. Die Reiche verpflichten sich, an den Schiedsgerichtshof im Hang diejenigen Streitigkeiten zu verlveisen. die nicht die Unabhängigkeit, die Integrität und vitale Interessen beider Länder berühren. Sollten sich die beiden Reiche nicht darüber einig werden können, ob ein einstehender Streit vitale Interessen eines Landes berührt, so wird diese Frage der Entscheidung des Schiedsgerichts unter- worfen. Zur Entscheidung durch das Haager Schieds- gericht werden jedoch nicht Streitigkeiten über die Auslegung oder Durchführung des Uebereinkommens verwiesen, das im Zusammenhang mit der Auflösung der Union abgeschlossen wird. Daö Uebercinkommcn soll zehn Jahre vorn Tage der Unterzeichnung an gelten und für einen gleichen Zeitraum verlängert werden, wenn es nicht von einer Seite mindestens zwei Jahre vor Ausgang der zehnjährigen Periode gekündigt wird. d) Betreffend die neutrale Zone und die Niederlegung der Be- festiguiigen usw. Auf beiden Seiten des südlichen Teiles der Grenze zwischen beiden Reichen wird eine neutrale Zone von 15 Kilometer Breite auf jeder Seite errichtet. In die neutrale Zone sind die Inseln nnd Schären eingeschlossen, aber nicht die Teile des Meeres selbst mit seinen Buchten, die innerhalb der Grenzlinie der Zone fallen. Befestigungen, KriegShäfen sowie für das Heer bestimmte VorratSniedcrlagen dürfen nicht beibehalten oder solche neu innerhalb der neutralen Zone angelegt werden. Diese Bestimmungen gelten jedoch nicht für den Fall, daß die Reiche einander gegen einen gemeinsamen Feind beistehen-, auch sind sie, wenn eines der Reiche mit einer dritten Macht in Krieg verwickelt wird, nicht bindend für dieses Reich hinsichtlich seines Zonengebietes oder für das andere Reich, soweit die Behauptung seiner Neutralität in Frage kommt. Ans der Grundlage dieser Bestnnnmngen sollen dieBefcstigiingcn. welche sich innerhalb der Zone befinden, niedergelegt werden, nämlich die norwegischen BestigungS-Äruppen Frederiksten mit dcm� Fort Gyldenlöve, Ovcrbjerget Veden und Hjclinkollen, Oerje mit Kroksmid sowie UrSkog(Viiigfrnd). Die genannten Befestignugen sollen innerhalb eines Zcitrainnes von acht Monaten als solche unbrauchbar gemacht werden, die alten Bcfestignngswerkc bei Frederiksten, Gyldenlöve und Ovcrbjerget sollen jedoch beibehalren werden dürfe», aber nicht fortifikatorisch erhalten werden. Nähere BS« stimmungen wegen der zu treffenden Maßregeln werden einem besonderen Ucbereinkommen vorbehalten. Die Kon- trolle über die Durchführung dieser Maßregeln soll durch eine aus drei ausländischen— weder schwedischen, noch nor- wegischen— Offizieren bestehende Kommission ausgeübt werden. Schweden und Norwegen wählen je einen dieser drei Offziere und die beiden so gewählten wählen den dritten Offizier. Wenn die beiden Offiziere sich nicht einigen können, wird der dritte Offizier von dem Präsidenten des schweizerischen Bundesrats gewählt. Die Kongsvinger Befestigungsgruppe darf nicht erweitert werden, weder hinsichtlich der Armierung noch hinsichtlich der Besatzung. Neue Befestigungen dürfen als Folge hiervon nicht innerhalb eines Abstandes von'19 Kilometern von der alten Kongsvinger Festung angelegt werden. Das Uebercinkommcn tritt sobald wie möglich in Kraft und kann nicht einseitig aufgehoben werden. Die Punkte c), d) und e) geben nähere Bestimmungen über die Weidegerechtsame der Lappen, den Transitverkehr zwischen beiden Ländern nnd die Benutzung der gemeinschaftlichen Wasserwerke. Be- treffend die Art und Weise, wie die Union ausgelöst werden soll, sind die Delegierten über folgenden Vorschlag einig geworden: Dem Reichs- tage eines jeden der beiden Reiche wird der Antrag auf Billigung des oben berichteten Entwurfs zu einem Uebcreinkommen unter der Vor- auSsetzung der Gegenseitigkeit vorgelegt, so daß das Ucbereinkommen gelten soll, nachdem Schweden Norwegen als einen von der Union mit Schweden losgelösten Staat anerkannt hat. Wenn dieser Entwurf von den Reichstagen beider Länder gebilligt ist, so Ivird unter der Bedingung, daß das Uebereinkommcn in gebührender Form unterzeichnet ist, der schwedische Reichstag'ersucht werden, schwedischerseits die Reichsakte auszuheben und den König zu er- mächtigen, Norwegen anzuerkennen. Nachdem die Anerkennung� erfolgt ist, werden die Verträge in Uebereinstimmung mit dem Beschluß der Reichstage unterzeichnet. Eine Ratifikation ist nicht not- wendig. Nach Unterzeichnung der Verträge notifiziert Schweden sw bald wie möglich den fremden Mächten seine Anerkennung Norwegens als eines von der Union mit Schweden losgelösten Staates. Jedes Reich richtet hierauf an die fremden Mächte, mit denen es geltende, gegenseitig bindende Verträge abgeschlossen hat, das Ersuchen anzuerkennen, daß die Gemeinschaft zwischen Schweden und Norwegen hinsichtlich der Rechte und Pflichten gemäß jener Verträge aufgehört hat, so daß das neue Reich nicht länger die Vcr- antwortung für die Erfüllung von Verpflichtungen hat, welche auf dem anderen Reiche ruhen.— Frankreich. Der Kricgsministcr in Longwy. Paris, 23. Septe mber.(Eig. Ber.) Der französische Kriegsminister zeigt auch wieder seinen guten Willen, gegen die brutalen Gewohnheiten des reaktionären OffizierL- klüngels einzuschreiten und die Ausschreitungen der Soldateska gegen streikende Arbeiter hinzuhalten. Gestern hat er sich selbst in das Streikgebiet begeben, um einige Resultate der von ihm angeordneten Untersuchung über den Arbeitermord in Longwy selbst zu kontrollieren und um festzustellen, in welcher Art sein Streikerlaß gehandhabt wivd. Herr Berteaux besuchte auch die Werkstatt des Herrn Dreux in Mont-Saint-Martin, wo gegenwärtig der Betrieb mit einigen Streikbrechern aufrechterhalten wird. Als er die Fabrik verließ, kam gerade ein großer Zug demonstrierender Streikenden in vollständiger Ordnung vorbei. Dem Minister wurden freundliche Kundgebungen zum Dank für sein objektives Verhalten zuteil. Berteaux besichtigte hierauf den Schauplatz des blutigen Ereignisses und empfing die Delegierten der Metallarbeitcrgewerkschast, die ihm die Forderungen der Ausständigen darlegten und den Dank für sein Kommen aus- sprachen.— Der Streik dauert ungeschwächt weiter, da Dreux das Friedensangebot der Arbeiter brüsk zurückgewiesen hat. Die Aus- standsbewcgimg greift im ganzen Jndustriebecken um sich.— Neue Kolomalbcstialitiiten. Mehreren Blättern zufolge bildet der Bericht, welchen kürzlich der mif der Rückfahrt nach Frankreich in Dakhar ver- storbcne de Brazza über die Zustände im französischen Kongogebietc an den K o l o n i a l m i n i st e r schickte, eine schwere Anklage gegen den gegenwärtigen General- gouverneur Gentil, der sich als Forschungsreisendcr einen hervorragenden Namen gemacht hat. In dem Bericht wird erklärt, daß durch die Verwaltung Gentils insbesondere die Gabonkolonie vollständig ruiniert worden ist. Gentil habe durch sein Vorgehen die Kauflente ermutigt, die Ein- geborenen in der bedauerlichsten Weise auszubeuten. Nebcrdics habe Gentil die Regierung systematisch über die Vorgänge im französischen Kongogebiete getäuscht. Nicht nur die untergcordneteu Beamten, sondern Gentil selbst habe sich schwere Gransamkeitc» gegen die Ein- geborenen zuschulden kommen lassen. Die wegen der von ihnen verübten Greueltaten zu fünf Jahren Gefängnis verurteilten Kolonialbeamten Gant nnd T o g u e haben sich während ihres Prozesses wiederholt auf ihren Vorgesetzten berufen. Gentil habe die Eingeborenen durch u n g c s e tz- licheSteuern bedrückt, sie in der ungeheuerlichste« Weise foltern und hünfig summarisch hinrichten lassen. Gentil habe angeblich 20 000 Schwarze, durch die er die Vorräte für die Truppen am Tsadsee transportieren läßt, geopfert. Der Kolonialminister wird am Dienstag den Kolonialinspektor Hoareau empfangen, welchem de Brazza seinen Bericht über- geben hat._ Die Affäre Brousse und die Seine-Föderation. Paris, 21. September.(Eig. Ber.) Die Seine-Föderation der geeinigtcn sozialistischen Partei hat ihr Urteil in der vielbesprochenen Affäre Brousse gefällt. Bekannt- lich hat der Präsident des Pariser Gemcindcrats ohne Rücksicht auf den einstimmigen Beschluß des Einigungskongresses dem König von Spanien einen feierlichen Empfang im Stadthaus bereitet und zwei sozialistische Gcmeindcrätc, Turot und Heppenheim er nahmen daran teil. Zur Verantwortung gezogen, beriefen sie sich auf frühere Verpflichtungen gegen ihre besonderen Gruppen. Der Födcralrat hat nun diesen drei Personen das Bedauern darüber ausgesprochen, daß sie sich mehr an diese Verpflichtungen, von denen sie sich hätten entheben lassen müssen, als an den Parteibeschluß gehalten haben. Für den Fall der Widerholung solcher Ueber- schreitungen wird ihnen die Anwendung des Titels VII des Partei- statuts(Ausschließung) angedroht. Gleichzeitig hat der Födcralrat erklärt, daß er künftig die Anwendung der Satzungen der Partei und der Föderation ohne Rücksicht auf die früheren Per- Hältnisse fordern werde und er trägt den Sektionen auf, von allen ihren Mitgliedern die formelle Zusichcruiilz zu verlangen, daß sie Verpflichtungen, die mit den Parteibeschlüssen unvereinbar sind, auslösen werden. Daß der Beschluß auf die Haltung Brousscs einwirken werde, darf man allerdings nicht erwarten. Brousse hat an seine Partei- sektion, die sein Verhalten gebilligt hat,«in Schreiben geschickt, worin er sagt:„Eine autoritäre Organisation würde uns nicht passen. Wir sind freie Männer. Eine Einigkeit, die die freien Initiativen zu Tode träfe und die Parteimitglieder zu unterwürfigen Gefolgs- mannen einer Majorität mackzen würde, wäre keine Kraft, sondern eine Ursache der Schwäche. Wir sind in die sozialistische Einigkeit mit unserem theoretischen und praktschcn Programm eingetreten, in der Gewißheit, unsere volle Aktionsfrcihcit zu wahren. Wir waren Possibilistcn vor der Einig ung, wir bleiben Po s s i b i li sie n, was auch geschehe." Mit dieser Erklärung hat sich Brousse tatsächlich außerhalb der Partei gestellt, die ja Disziplin und Achtung der Mehrheitsbeschlüsse von ihren Mitgliedern fordern muß. ES bleibt nur noch die Frage, ob die Parteiinstanzen die Konsequenzen schon aus dieser Kundgebung ziehen oder einen neuen Bruch der Parteidisziplin abwarten werden. _ � birselben Sitzung beriet die Föderation über die sozialistische Wahlpolitik. Genosse C achin beantragte, dnsz die Partei bei den Kammertvahlen in allen Wahlkreisen Kandidaten aufstelle. Der Antrag wurde mit 61 gegen 43 Stimmen bei 7 Enthaltungen ab- .Hn0efä� gleichen Verhältnis wurde der Antrag P o i s s o n. eines gleichfalls dem linken Flügel angehörigen Parteigenossen, verworfen. Er besagte, daß die Verwaltungs- lommisswn der Partei in a l l e n W a h l kr e i s e n, wo P a r t e i- organlsationen bestehen, Kandidaten aufstellen solle. Hierauf beantragte Vaillant:„Die Parteigruppen der Wahlkreise und die Föderationen haben die Kandidaturen festzusetzen. Der National- rat fordert sie auf, den Wahlkampf überall zu organisieren, � � r w o g 1 1 ch ist.' Der Antrag wurde mit 62 gegen 44 Stimmen ber 4 Enthaltungen angenommen.— Das letzte Wort über die Art der Wahlbeteiligung hat der N a t i o n a l r a t zu sprechen, der am nächsten Sonntag zusammentritt.— Der gehänselte KriegSminister. Aus Paris wird uns ge- schrieben:� Wie machtlos der Kriegsminister gegenüber der reaktiv- uaren Offiziersclique ist, hat sich bei dem traurigen Ereignis in MZeigt, wo der neue Strcikerlatz des Ministers einfach in den Wind geschlagen wurde. Nicht minder charakteristisch für den Geist der berufenen Verteidiger der Republik ist ein Brief, den der Kommandant D r i a n t des 1. Jägerbataillons in Trohes an seinen Korpskommandanten geschickt hat. Driant, ein fanatischer Klerikaler, hatte eine Armeefcier mit einer Messe in der Kathedrale eingeleitet. Der Kriegsminister, der das weltliche Prinzip in der Armee durch- zusetzen bestrebt ist, forderte vom Korpskommandanten einen Bericht. Der Korpskommandant gab den Auftrag an den Bataillons- kommandanten weiter, der dem Minister u. a. folgendes erwiderte: „Es genügt, Offizier zu sein, um zu wissen, datz solche Feste immer mit einem Trauergottesdienste ansangen. Wenn mein Bataillon 300 Juden und zwei Katholiken zählte, hätte ich diesen Trauergottesdienst in der Synagoge abhalten lassen, aber da das umgekehrte Verhältnis besteht, habe ich ihn in der Käthe- d r a l e organisiert. Eminenz von P e l a c o t, Bischof von Trotses, ehemaliger Militärbeichtvater, Onkel und Bruder von Offizieren. hält darauf, dieser Zeremonie alljährlich zu präsidieren und i ch kann ihm nur danken für den Glanz, den er ihr verleiht." Berteaux hat nun den Veranstaltcni der Regimentsfeiern in einem Zirkular vom 12. i>. M. ausdrücklich verboten, künftig Messen abhalten zu lassen. Denn wenn es, nach der unverschämten An- spielung des pfäffischcn Soldaten, genügt, Offizier zu sein, um zu wissen, datz die Messen ein alter Brauch in der Armee sind, so ge- nügt es jedenfalls auch, Kriegsminister, wenngleich als simpler Zivilist, zu sein, um solche alte Ungebühr abzustellen.— Der klerikale Senator Admiral von Cuverbille will den Minister wegen des Zirkulars interpellieren. Er behauptet, datz die„freiwillige Teilnahme" an einem Traucrgottesdicnst Pflicht und Recht der Gläubigen sei. Das ist aber nicht die Frage. Denn abgesehen von der„Freiwilligkeit" der Teilnahme in einem klerikal verseuchten Regiment, ist es doch autzer Zweifel, datz die Armee selbst für die religiösen Bedürfnisse nicht zu sorgen hat. Wenn die.Klerisei selbst den Gottesdienst veranstalten wird, so wird dem Minister nicht ein- fallen, den einzelnen Soldaten die Teilnahme zu untersagen. Italien. Neue MilitärauSgaben in Italien.(Eig. Ber.) Rom, den 21. September. Der dem Premiernünister nahestehende, M e s s a g- g e r o" bringt die Nachricht, datz das Kabinett im November neue Militärvorlagen einbringen wird, für eine Gesamtsumme von 3ö0 Millionen. Diesen Sommer sind neue Gelder für Infanterie und Marine bewilligt worden und schon fordert man neue Millionen für die Befestigungen und die Artillerie! Man scheint Kanonen— noch dazu falsch konstruierte, Ivie es die letzten waren— für das wichtigste Element der Gesittung und des Wohlstandes zu halten.— Spanien. Ergebnisse der ScnntSwnhlen. Die nunmehr festgestellten Er- gebnisse der Senatswahlen sind die folgenden: Es sind gewählt worden: 109 Liberale, 52 Konservative, 4 Unabhängige, 2 Carlisten, 2 Republikaner, 2 Regionalisten. England. Wie ein freies Land seine Bürger schützt. London, 23. Sept.(Eig. Ber.) Der türkische Korrespondent der„Times" schreibt den„Times" aus Konstantinopel unterm 17. Sept.:„... Vor ungefähr einem Monat wurde hier ein Armenier, namens Johannes Aforian verhaftet, da er im Verdacht steht, am Dhnamitattentat auf den Sultan beteiligt zu sein. Aforian ist im Besitze eines amerikanischen Passes und behauptet, amerikanischer Bürger zu sein. Zwei Wochen später wurde ein anderer Armenier, namens Vatarian verhaftet, der angeklagt wurde, Ezik Effendi ge- tötet zu haben. Auch Vatarian hatte einen amerikanischen Patz. Die amerikanische Legation nahm anfangs diese Angelegenheit nicht sehr ernst, da sie erstens keine Sympathie hat mit Leuten, die das amerikanische Bürgerrecht als Deckmantel von Attentaten benutzen; dann glaubte sie, die Pässe seien falsch. Jedenfalls beauftragte sie einen ihrer Beamten, sich mit den Verhafteten in Verbindung zu setzen. Die türkische Regierung lehnte es indes ab, dem amerikanischen Be- amten die Bewilligung zum Besuch zu gewähren. Vatarian wurde inzwischen prozessiert und zum Tode verurteilt, ohne datz die ameri- kanische Regierung bei der Gerichtsverhandlung vertreten war. Gegen diese Ungesetzlichkeit erhob der amerikanische Gesandte scharfen Protest und verlangte, datz die Gefangenen ihm zur Prozessierung ausgeliefert würden. Die Pforte antwortete mit einer Ableugnung, datz die Verhafteten im Besitze von amerikanischen Pässen wären, auf jeden Fall hätten sie keinen Anspruch auf amerikanischen Schutz, da sie bei ihrer Naturalisierung nicht aus dem türkischen Staats- verbände ausgetreten wären. Der Gesandte gab sodann eine kräftige Antwort. Die weitere Entwickelung dieser Angelegenheit wird mit grotzem Interesse abgewartet." Obwohl die völkerrechtliche Stellung der Türkei eine andere ist als die Rutzlands, so kann man doch nicht umhin, diesen Fall mit dem Kasprzaks zu vergleichen. Der Vergleich fällt gewitz nicht zugunsten Deutschlands ans. Ein freies Land blickt doch mit ganz anderen Augen auf die Rechte seiner Bürger.— Zur innerpolitischen Lage. London, 22. September. sEign. Ber.) In der.Positivist Review" für den laufenden Monat bespricht Frederic Harrison die verflossene Parlamentssession. Er sagt:„Die innere Geschichte der letzten Session bedeutet eine stillschweigende Abmachung zwischen Adel, Vorrecht und Reichtum, um sich der Einführung von Reformen zu widersetzen. Die historische TeilungSlinie zwischen Konservativen und Liberalen ist bereits veraltet. Die wirkliche Teiluiigslinie ist zwischen Konservativen, Kapitalisten und den Lohnarbeitermassen Englands, Irlands und Schottlands. Und zu der ersten Klasse darf man den grötzten Teil der sogenannten Liberalen rechnen." Als Mittel zur Beseitigung dieser Uebel schlägt Harrison vor: dreijähiige Parlamente, gleiche Wahlbezirke und allgemeines Wahlrecht, Home- rule für England, Wales, Schottland und Irland, Ersetzung des HauseS der Lords durch einen gewählten Senat.— Schweden- Norwegen. Für die Republik Norwegen. Die liberale Kristiania-Zeitung„Dagbladet" spricht sich in ihrer Mittwochnummer ziemlich bestimnit für die republikanische Staats- form aus. Es scheine, schreibt das Blatt, datz nun nicht länger irgendwelche Notwendigkeit für ein König- tu in in Norwegen vorliege. Auf jeden Fall aber müsse das Volt gehört werden, bevor über die Staats« form entschieden werde. Besonders lvendet sich„Dagbladet" gegen eine Thronkandidatur des dänischen Prinzen Karl und bemerkt unter anderm: „Nun besteht, wie gesagt, nicht länger ein Bedürfnis nach eniem König. Außerdem aber würde die Kandidatur des dänischen Prinzen iSerantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: auch bei dem dänischen Volk auf entschiedenen Widerstand stoßen*- dessen haben uns einsichtsvolle und wohlunterrichtete dänische Politiker versichert. Man erblickt nämlich in Dänemark die Sicherheit des Landes nicht mehr in einer Art von politischem Skandinavismus, sondern im Gegenteil— und mit Recht— gerade in politischer Isolierung. Darum ist man auch gegen jede dynastische Verbindung mit Norwegen. Auch ist cS eine Tatsachs, der wir jedoch nicht viel Gewicht beilegen, datz Schweden nnt Unwillen und Mißtrauen einen dänischen Prinzen auf Norwegens Thron sehen würde. Darum, ob- wohl auch wir unsere Stärke in außenpolitischer Isolierung sehen sollen, können wir uns doch insofern zum Skandinavismus bekennen, datz wir die Kandidatur des Prinzen Karl von Dänemark aufgeben." Diese Aeutzerungcn eines Blattes, das als das alte Organ der früheren Linkenrcgierungen Steens und Blehrs immer noch grotzen Einfluß hat, beweisen, daß der Gedanke an eine republikanische Staatsform auch im Bürgertum immer mehr Anklang findet. Nachdem Norivegen bereits über drei Monate unter den schwie- rigsten politischen Verhältnissen ohne König ausgekommen ist, und Oskar II. keinerlei bindende Erklärung zu dem Thronangebot abge- geben hat, auch die übrigen„privaten" Bemühungen um einen anderen Kandidaten, soweit bekannt geworden ist, nichts Gewisses ergeben haben, mutz es immer mehr lächerlich erscheinen, wenn man sich an den alten Verfassungstitel„Königreich Norwegen" anklammert und diesen oder jenen Prinzen gleichsam anbettelt, sich zu der Schach- figur eines Königs herzugeben. Stockholm, 22. September. Die von verschiedenen Blättern ebrachte Meldung, daß die deutsche und die englische Negierung in er Unionskrise in der einen oder anderen Form bei der schwedischen Regierung Vorstellungen erhoben haben sollten, entbehrt, wie„Svenska Telegram Byran" aus sicherer Quelle erfährt, jeder Grundlage., Die Revoltttion in Rutzlaud. Semstwos unter Polizcikontrollc. � Moskau, 25. September.(Meldung der„Petersburger Telegraphen-Agentnr".) Heute ist hier eine Versammlung der Städtevertreter und der Semstwos der inneren Provinzen, der Vertreter Polens und der Provinzen Litauens eröffnet worden. Die Ermächtigung zu dieser Versammlung war von dem Minister des Innern unter der Bedingung gegeben worden, daß eine vom Generalgouverneur von Moskau be- stimmte Persönlichkeit an diesen Versammlungen teilnehme. Diese Person ist der Chef der Kanzlei des Gouverneurs. Unter der Zahl der anderen Bedingungen, unter denen diese Ver- sammlung stattfinden darf, sind noch folgende zu erwähnen: Die Sitzung ist nicht öffentlich; der Präsident der Versamm- lung darf das Programm nicht abändern; er darf keine na- tionalistischcn Ausbrüche gestatten, cbcusowcuig wie aufrührerische Ausrufe. � � Rüstungen gegen den„inneren Feind". Helfingfors, 24. September. Zur Verstärkung der Garnisonen hier und in anderen Städten sind in den letzten Tagen 4000 Mann hier eingetroffen. Polizeiliche Nach- forschungen nach geheimen Waffenniederlagen in den Schären zwischen Kemi und Tornea sind ergebnislos verlaufen. *» * Dnma-Borbercitungen. Petersburg, 25. September. Für den nächsten Monat ist eine Versammlung der russischen Journalisten einschließ- lich der polnischen, finnischen, jüdischen und kaukasischen beab- sichtigt, die sich mit der Frage der Teilnahme an der Reichs- Duma beschäftigen soll. � � Die Finnische Aktionspartei. Die Unruhen in Finnland, die durch das brutale Benehmen der russischen Regierung hervorgerufen sind, werden, wie die „Russische Korrespondenz" berichtet, von der finnischen aktiven Wider- standSpartei„Soumi aktiviline wasturinda pooli" geleitet. Diese Partei hat ihre Tätigkeit über das ganze Land ausgebreitet und Bauern und Arbeiter werden für alle Fälle mit Waffen und Munition versehen. Das explodierte Schiff mit Waffen, welches von den russischen Zollbeamten zwischen den unzähligen Inseln im Hafen bei Jacobstadt gefunden wurde, gehörte gleichfalls der erwähnten Partei. Die Partei bezweckt, in dem finnischen Volke den Gedanken eines bewaffneten Widerstandes zu verbreiten und zu befördern, so- lange die russische Regierung nicht aufhört, die Rechte des Landes niederzutreten, Sie verbreitet zu diesem Zwecke Literatur und Waffen unter dem Volke und unterstützt die von den russischen revolutionären Parteien angefangene Umwälzungsarbeit. Die Partei besteht aus kleinen lokalen Gruppen, deren Mitgliederzahl nicht höher als je 26 Personen sein darf. Jedes Mitglied, da« in die Gruppe eintritt, muß ein Gelübde ablegen, alle Partei- angelcgenheiten geheim zu halten. Die Parteiangclegenhciten werden von einer Zentralverwaltung geführt. Die lokalen Gruppen haben ihre SpezialVerwaltungen, Die Gruppen in den Dörfern stehen mit den Gruppen in den nächsten Städten in Verbindung. Jede Gruppe ist nur durch zwei Mitglieder mit der Zentralverwaltung in Verbindung._ Hub Induftric und Handel. Die Hauptverhandlungen zwischen dem Fiskus und dem Kohlen» syndikat über die Beteiligung des FiSkus an dem jüngst von einem Konsortium angekauften Kohlenfelderbesitz der Internationalen Bohr- gesellschaft und seinen Beitritt zum Kohlensyndikat haben gestern im Handelsministerium begonnen. Außer den Bertretern des Kohlen- syndikatS und des Kohlenfelder-KonsortiumS nehmen als Vertreter des Trotz-Trustes und der Bankfinanz auch die Leiter der Berliner Handelsgesellschaft und dcS Hames S. Bleichröder an den Be- ratungen teil. Man kann gespannt sein, welche der beiden Mächte, die StaatSregicrung oder das mit der Bankfinanz liierte Kohlen- magnatentum als Sieger aus den Verhandlungen hervorgehen wird, Die größeren Chancen haben die Kohlenbarone. Die Geschäftslage der VermögensverwaltungSstelle für Offiziere und Beamte stellt sich nach dem letzten, von uns in seinen Haupt- ziffern mitgeteilten Bericht der eingesetzten Prüfungskommission als höchst trübe heraus.— Von den 3 Millionen Mark Aktienkapital sind zwei Drittel verloren. Trotzdem besteht die Absicht, die Ver- mögcnsverwaltungsstelle zu sanieren und zu rekonstruieren, da nach dem Begriff.iniger der Hauptbeteiligten durch die Liquidation eine Lücke in unserem Wirtschaftsleben entstehen würde. Gegen diese sonderbare Auffassung wendet sich mit Recht der„Deutsche Oekonomist".„Ob es wirllich gut getan ist," schreibt er,„der Ver- mögensvcrwalwngsstelle zu neuem Leben zu verhelfen, oder ob eS nicht besser wäre, das Institut in Liquidation treten zu lassen, darüber kann man mindestens verschiedener Ansicht sein. Daß durch das Verschwinden der VermögcnsvcrwaltungSstelle„eine beklagens- werte Lücke" entstehen würde, vermögen wir, wie an dieser Stelle neulich schon betont worden ist, keineswegs einzusehen. Es fehlt gewitz nicht an zuverlässigen Banken, welchen auch Offiziere und Beamte ihre Kapitalien ruhig anvertrauen können. Bezüglich der bisherigen Geschäftsführung der Vermögcnsverwaltungsstellc kann man nur sagen, daß sie nichts weniger als eine solche gewesen ist, welche dem Charakter eines Instituts, das sich die Äermögensvcr- waltung von mehr oder weniger geschäftsunlundigen Personen zur speziellen Aufgabe gestellt hat, entspricht. Es mag sein, daß die Ursachen für die Kalamität, in der sich das�Jnstitut gegenwärtig befindet, weit zurückliegen, daß der größte Teil auf das Schuld- Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: VorlvärtsVuchdr.u.Vcrlagsanstalt konko des früheren Direktor Scheidel zu setzen ist. Dieser Herr ist jedoch bereits im Jahre 1901 ausgeschieden. Weshalb ist da nicht gleich eine gründliche Prüfung und Reinigung borgenommen worden? Man hat das unterlassen und in den folgenden Jahren Dividenden verteilt. Ja, bis in die letzte Zeit hat die Verwaltung die Sach- läge zu beschönigen versucht, und im Jahre 1905 sind Geschäfte abgeschlossen worden, die nach dem Gutachten Hechts 223 600 M. Rückstellungen bedingen. Dafür kann die frühere Verwaltung nicht mehr verantwortlich gemacht werden." Russische Finanzen. Es ist genügend bekannt, wie eifrig die russische Regierung bemüht ist, die Finanzen des Reiches als günstig hinzustellen, wie sie Millionen und Millionen zur Aufrechterhaltung der Kurse der russischen Staatspapiere auf auswärtigen Börsen opfert, wie sie endlich jeden unabhängigen Schriftsteller, der die vom russischen Finanzministerium vertretene Ausfassung nicht teilt, durch Vorwürfe mangelhafter Sachkenntnis oder böswilliger Eni- stellung zu diskreditieren sucht. Keiner dieser beiden Vorwürfe kann jedoch den Verfasser der neuesten Arbeit über das russische Finanzwesen treffen, das in diesen Tagen in Petersburg im Buchhandel er- scheinen wird, denn der Verfasser ist der Dozent für Finanzpolitik am Petersburger Polytechnikum Friedmann, ein Fachmann, dem man weder Kompetenz noch objektive Wahrheitsliebe absprechen darf. Dabei fährt aber die Regierung durchaus nicht besser._ Denn auch dieser russische Gelehrte führt in seiner kurzen, aber inhalsreichen Schrift den bündigen Nachweis, daß die angeblich prosperierende russische Finanzwirtschaft tatsächlich bereits ein Finanzproblcm dar- stellt, das nur mit Hülfe einer wirklichen, vollgültigen Volksvcr- tretung und einer parlamentarischen Kontrolle gelöst werden kann. Er zeigt, daß die russischen Finanzen an denselben Uebelständen leiden wie die ganze Staatsordnung, datz Willkür, Beamtenübcr- Hebung, systematische Rechtsbrüche, Mangel jeder effektiven Kontrolle — alles unvermeidliche Begleiterscheinungen des Absolutismus— jeden Gedanken an Sanierung der Finanzverwaltnng illusorisch machen. Wie es z. B. mit der Finanzkontrolle in Rußland bestellt ist. zeigt schon die Tatsache, daß eine Reihe von wichtigen Verwaltungs- ressorts überhaupt keiner Kontrolle unterliegen. Den Sinn dieser Sonderstellung errät man erst, wenn man diese Ressorts aufzählt: es gehören dazu nämlich die Ministerien des kaiserlichen Hofes, die Staatsbank in ihren kommerziellen Operationen, die„Kanzlei seiner Majestät" für die Institutionen tret Kaiserin Maria(Wohltätigkeit). die auswärtige Wteilung der besonderen Kreditkanzlc,, die wirtschaftliche Abteilung der heiligen Synods in bezug ans spezielle Summen der geistlichen Ressorts und des Etats der geistlichen Lehranstalten, das Ministerium des Auswärtigen in bezug auf außerordentliche Ausgaben für geheime Zwecke, einige spezielle Aus- gaben des Departements fremder Konsessionen und endlich alle Aus- gaben für dem Zaren bekannte Zwecke, von welchem Ressort sie auch gemacht werden. Wenn man diese Aufzählung liest, so bekommt man den Eindruck, daß der russische Beamte nichts so sehr fürchtet, als irgend cnie Gelegenheit zu verpassen, wobei es was zu stehlen gibt. Aber auch in dem der Kontrolle nnterliegenben Teile des Etats findet man recht seltsame Titel. So weist z. B. der letzte Bericht des Reichs- kontrollcurs einen Posten von 9,8 Millionen Rubel„Zur Unter- stützung von allgemein staatlicher Bedeutung" auf und dann Wiedel. „och einmal 9.7 Millionen für— denselben rätselhaften Zweck, bunter Reihe führt uns Friedmann derartige Tatsachen vor. Es ist klar, daß bei solcher„Wirtschaft" keine Hülfsmittel aus- reichen und von einem geordneten Staatshaushalt trotz aller Zustche- rungen der russischen Finmizminister keine Rede sein kann. In der Tat erweisen sich die famosen„Uebcrschüsse" als Früchte einer Balancierkunst, die nur so lange ausgeübt werden kann, als Anleihen im Auslande es ermöglichen, das jahraus jahrein sich wiederholende Defizit zu verdecken. Die amerikanische Maisernte wird nach der Versicherimg der amerikanischen HandelSblätler den grötzten Ertrag liefern, den die nordamerikanische Union biShe gesehen hat. De»», ach darf mit Sicherheit darauf gerechnet werden, datz auch die Ansfichr grotzer als gewöhnlich sein wird. Die bisher größte MaiSansfnhr fand in den Jahren 1897 und 1899 statt, als 212 054 543 bezw. 213 123 412 Bushel zum Export gelangten. Seit 1900 ist der Mais- export bis auf 23 028 683 Bushel in 1904 zurückgegangen. Voraus- sichtlich wird in diesem Jahre der Export sich wieder den hohen Ausfuhrziffern von 1897 und 1399 nähern. Der schweizerische Außenhandel im ersten Halbjahr 1905 hat gegenüber dem in der gleichen Periode 1904 eine erhebliche Ver- niehrung erfahren. Die Einfuhr stieg von 582 905 302 Fr. auf 615 982122 Fr., um rnnd 33 Millionen, die Ausfuhr von 428127715 Frank auf 452 570 309 Fr., uin 24 Millionen. Dabei überwiegt die Einfuhr die Ausfuhr um 163 bezw. um 130 Millionen Frank. An der Mehreinftihr im ersten Semester 1905 partizipieren hauptsächlich Seide, Baumwolle, Wolle, KonfektionSlvarcii, Eisen, Maschinen, Fahrzeuge, ungemünzte Edelmetalle, alkoholische Getränke; an der Mehrausfuhr Baumwolle. Seide, Nahrnngs- und Geimtzmittel (hauptsächlich Käie), Uhren. Wolle, Maschinen usw. Die Zoll- einnahmen der Schweiz betrugen in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres 36 031 105 Fr. gegen 34118 565 Fr. m der- selben Zeit 1904, dieses Jahr bisher also um 1 912 540 Fr. mehr. Versammlungen. Deutscher Buchbinder-Verband. Eine außerordentliche Generalversammlung der hiesigen Zahlstelle des Verbandes, die am Donners- tag bei Buggenhagen stattfand, befaßte sich fast ausschließlich mit dem verloren gegangenen Streik bei Kämmerer. Der Orts- Verwaltung wurde der Vorwurf gemacht, nicht die richtige Taktik be- folgt und nicht alle notwendigen Mittel angelvandt zu haben, um den Streik glücklich durchzuführen. Neben den außerordentlichen Matz- nahmen der Polizei zum Schutze des tarifbrüchigcn Unternehmers und seiner Wcrkführer, wurde ein laues Verhalten der Ortsvcr- waltung als eine der Ursachen der Niederlage bezeichnet. Im Laufe der Debatte wurden so schlimme Vorwürfe gegen einige Mitglieder der Ortsverwaltung vorgebracht, daß der zweite Bevollmächtigte sein Amt sofort niederlegte, der erste Bevollmächtigte seine Amts- niedcrlegung ankündigte. Nach der langen Debatte, die bis 1 Uhr dauerte, wurde eine Resolution angenommen, in der bedauert wird, daß die Ortsvcrwaltung nicht alle Mittel erwogen und angewandt habe, die einen großen Einfluß zur Abwehr der Arbeitswilligen gehabt hätten, und ferner die Meinung ausgesprochen wird, daß die Einberufung der Graphischen Zentrale, die Maßnahmen zur Ber- Hinderung von Streikarbcit treffen sollte, nicht mit der notwendigen Energie erfolgt sei._ Letzte JNachncbten und Depefeben. Feuer im Strttincr Frcihafcnbezirk. Strttin, 25. September.(W. T. B.) Heute gegen abend brach im Freihafenbezirk, dicht am Freihafen, ein großes Feuer an?, welches die dort lagernden umfangreichen Holzlager ergriffen hat; die ge- samte Feuerwehr bemüht sich, dem Brande Einhalt zu tun. An der Löschung des Brandes der Bretterlager im Freihafen- bezirk beteiligten sich auch mehrere Dampfer ans dem Freihafen. Um 73/4 Uhr gelang es, das, Feuer auf seinen Herd zu beschränken, doch bedarf die völlige Löschung dcS Brandes nach mehrstündiger Tätigkeit der Feuerwehr. Die Bretterlager gehören, wie die Stettiner „Neuesten Nachrichten" melden, englischen Firmen und waren zu- meist bei deutschen Firmen versichert. Meldorf, 25. September.(W. T.93.) Bei der heutigen Land- tags-Ersatzwahl im Wahlkreise Süderdithmarschen wurde der vom Nationalen Wahlverein aufgestellte Kandidat Hofbesitzer Peters- BrunSbüttelkoog nnt 123 Stimmen gewählt. Pastor Hocck(frei- sinnig) erhielt 34 Stimmenn.__ Paul Singer L�Co.. Berlin L1V. Hierzu 4 Beilagen u.UnterhaltungSdlatt Hr. 225. 22. KtllU dtS IWÜltS" Sttlllltt WlllSllllllt. W.Zept»wlM. Parteitag der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. S e ch' st er Verhandlungstag. (Schluß.) Volluiar: Die Koinmission hat ihren Entwurf»nd die dazu eingegangenen Anträge nochmals sehr eingehend geprüft, aber nur redaktionelle Aenderungen vorgenommen und- einige Paragraphen umgestellt. Entsprechend den zahlreich geäußerten Wünschen sind die ganzen Bestimmungen über Nnsschluß und Aufnahme an den Schluß ge- kommen. Bei dem jetzigen§ 4 wurde die Krage erörtert, ob nicht in bezug auf den territorialen Umfang der Wahlkreisvereine und in bezug auf die Zugehörigkeit aller Orte des Kreises zu diesem Verein Ausnahmen zuzulassen seien, wie dies ein paar Vereine, besonder? aus Frankfurt gewünscht hatten Die Kommission hat dies Verlangen abgelehnt, da ihrer Ansichtnach die Einheitlichkeit des sozialdemokratischen Wahlkreisvereins eine geschlossene sein muß und da zur Beurteilung von Ausnahmen vor allen: die Bezirks- und Landesoraanisationen die gegebenen Organe sind. Am umfangreichsten und lebhaftesten waren wieder die Auseinandersetzungen und Beratungen um die§§ 5, 6 und 9. Von verschiedenen Seiten wurde geltend gemacht, daß durch die Be- stimiNungen über die Abführung eines bestimmten Beitrages an die Zentralkasse und über die Berichterstattung viel zwecklose Arbeit geleistet, daß die Kräfte der Organisation dadurch gelähmt und die gedeihliche Entwicklung gehemmt würde. Es wurde gesagt, daß es sich bald herausstellen würde, daß die neuen Bestinnnungen ein Verhängnis- voller Fehlgriff, daß sie zweckwidrig und nicht durchführbar seien. Die Mehrheit der Kommission hielt diese Befürchtungen für unzutreffend oder doch stark übertrieben und meinte, man müsse im Interesse der Zentralisation einen Versuch machen. Im übrigen war die Kommisston darin einig, daß ja gerade den Bezirks- und Landes- organisationen die Möglichkeit gegeben sei, ihre finanziellen Ver hältniffe ganz nach eigenen Bedürfnissen zu ordnen, weshalb auch die verschiedenen Anträge auf Einführung eines Einheitsbeitrages und einer Einheitsmarke abgelehnt wurden. Das einzig Bindende ist der Beitragsanteil für den Parteivorstand und dieser Anteil ist von 2S auf 20 Prozent herabgesetzt worden. Während femer in dem bisherigen Entwurf vorgesehen war, daß die 25 Prozent von allen Beiträgen und Eintrittsgeld em zu zahlen, hat die Kommission jetzt die Prozentzahlung auf die Beiträge beschränkt und die Eintritts- gelber gestrichen. Wo sich ein wirklicher Bedarf nach weiterer Herabsetzung ergeben sollte, wird von dem letzten Satz des§ IS Ge- brauch zu machen sein. Die Organisatton wird sich dann an den Parteivorstand zu wenden und diesen» die Verhältnisse darzulegen haben. Ueber einen Antrag, wonach Parteigenossen, die bereits einem Wahlverein angehört haben, beini Domizilwechsel ohne noch- malige Zahlung eines Eintrittsgeldes Aufnahme in den Verein ihres neuen Wohnortes finden müssen, ging die Kommission zur Tages- ordnung über, weil sich das ihrer Meinung nach von selbst versteht. (Sehr richtig!) Wo eS bisher noch nicht so gehandhabt worden ist, wird es in Zukunft zu geschehen haben. Zu den Bestimmungen über die Vertrauenspersonen— jetzt§§ 7 und 8— ist den zahlreichen Anträgen Folge gegeben worden, lvelche dahin gehen, jede Möglich- keit des Bestehens zweier Organisationen an einem Orte zu be- seitigen, die Form der Vereinsorganisatton offen als die Regel zu erklären und das Vertrauensmännersystem als Ausnahme zu be- zeichnen ist für die Gegenden, in denen eine andere Organisations- form nicht möglich ist. Z 9 enthält nur eine redaktionelle Aenderung. Auf die Ein- wände gegen die Form dieser Berichterstattimg habe ich schon vorhin hingewiesen, die Mehrheit hat fich für den ursprünglichen Entwurf entschieden. § 10 über die weiblichen'Vertrauenspersonen enthält keine Aendentng. Der von mir am Montag erwähnte Antrag einer Frauenversammlung in Mannheim, der dahinging, den Frauen sollte erlaubt werden, eigene Abteilungen innerhalb des Vereins oder neben der allgemeinen männlichen Organisatton zu gründen, ist glatt und einstimmig von der Kommission abgelehnt worden. Nun hatte Genossin Zietz in der Generaldiskussion mir gegen- über gemeint, es sei doch ein Obligatorium, eine Art Zwang zur Aufstellung von weiblichen Vertrauenspersonen allenthalben enthalten und den Parteiinstanzen stehe lediglich ein Einfluß auf die Auswahl der Personen zu. Ich habe diese Sache selbstverständlich in der Kommission zur Sprache gebracht und die Berawng hat ergeben, daß der Einwand der Genossin Zietz nicht richtig ist. Die Rednerin hat selbst in der Konimission erklärt, daß durch Wegbleiben eines Schlußsatzes der Sinn ihrer Ausführungen ein anderer geworden ist. Die Kommission hat mich zur Vermeidung von Mißverständnissen ein- stimmig ermächtigt, meine damalige Erläuterung zu bestättgen und ausdrücklich zu erklären, daß der Wortlaut der Bestimmung einen Zwang, nun um jeden Preis überall weibliche Vertrauens- Personen aufzustellen, nicht einschließt, sondern daß lediglich ein nioralischer Einfluß auf die Genossen allerorten nach dieser Richtung hin ausgeübt werden soll und dort, wo die Verhältnisse in sachlicher und personlicher Beziehung eine solche Aufstellung möglich, nützlich oder notwendig machen, dieselbe erfolgt. Das vorausgehende Ein- vernehmen der Frauen mit der lokalen Parteiinstanz ist hierbei eine notwendige Voraussetzung, wie naturgemäß die ganze Aktion der Partei nur eine einheitliche sein kann. Beim Abschnitt über den Parteitag§§11—17 ist keine Aenderung von der Kommission beschlossen worden. Es ist darauf hingewiesen worden, daß die jetzige Form der Wahlen zum Parteitag zwar keine ideale sei, aber doch verhältnismäßig die beste, die zu finden sei. Auch wenn man zu einer proportionalen Verttehmg hinneige, müsse man doch erst abwarten, wie sich die neue Organisation bewähre. In der Frage der Fraktionsvertretung ist die Kommission gleich- falls bei ihrem Standpunkt geblieben, daß eine nur teilweise Ver- Wetting der Fraktion auf dem Parteitage völlig unannehmbar sei, weil sie schwere Folgen auch auf den Bestand der Fraktton selbst haben würde. Die Kommission sagte sich, entweder müssen alle Abgeordneten gleichmäßig zugelassen oder alle gleichmäßig fern- gehalten werden, natürlich abgesehen davon, daß ihre Wahl als Delegierte immer frei stehen würde. Nachdem das einzige bisher widersprechende Mitglied seinen Widerspruch aufgegeben hatte, bot die Komniission auch in dieser Frage das Bild vollster Ein- stimmigkeit. Bei den§§ 18—23, Parteivorstand, bin ich ersucht worden, eine Korrektur anzuregen.§ 18 lautet in seinem zweiten Satze:.Der Patteivorstand besteht aus zwei Vorsitzenden, einen, Kassierer und den Schriftführern— die sich gegenseitig zu vertreten berechtigt sind. — sowie zwei Beisitzern. Dieser Satz ist von der Kommission dem alten Stattlt entnommen, vor das.den" Schriftstihrer an Stelle einer bestimmten Zahl gesagt ist. Von einem Mitglied- deS Parteivorstandes bin ich nun ersucht worden, anzuregen, daß man die Schlußworte „sowie den Beisitzern" hinaufziehe neben die Worte_„den Schriftführern". Wenn dies auch nur eine Wortumstellung ist, so bin ich als Referent doch verpflichtet, darauf hinzruveisen, daß hierin eine Aenderung insofern liegt, als infolge dieser Unistellung die Worte: .die sich gegensettig zu vertreten berechtigt sind", sich nun auf Vor- sitzende, Kassierer, Schriftführer und Beisitzer beziehen würtzen. Einzuwenden gegen diese Korrektur hätte ich nichts. Durch die materielle Aenderung, daß die Zahl der Schriftführer weggelassen ist, ist es erreicht, daß nicht jedesmal, wenn eine Vermehrung der- selben notwendig wird, das schwere Geschütz der Statutenänderung aufgefahren werden muß. sondern daß der jedesmalige Parteitag aber diese Zahl der Schriftführer und Beisitzer zu entscheiden hat. In bezug auf das Entscheidungsrecht, welches neuerdings dem Vorstande bei Meinungsverschiedenheiten über die Aufstellung von Reichstagskandidaturen zustehen soll, war verschiedentlich der Antrag gestellt worden, an die Spitze dieses Satzes, der unbesiritten war, das Prinzipalrccht der Wahlkreise, in erster Linie zu entscheiden, zu setzen. Die Kommission hat dies zu tun jedoch abgelehnt, weil sie dieses Recht der Wahlkreise als ein selbstverständliches, immer aus- geübtes und von keiner Seite bestrittenes augesehen hat. Es handelt sich nach ihrer Meinung bei dieser neuen Bestimmung nur darum, daß bei Differenzen zwischen einem Wahlfteise und einer Bezirks- oder Landeskonferenz, die anders nicht beizulegen sind, im äußersten Falle oer Patteivorstand einzutteten hat, während im übrigen die Sache der Kandidatenaufstellung gar nicht in den Bereich seiner Tätig- keit fällt. Die§§ 25 und 26 in bezug auf das Zentralorgan sind ziemlich eingehend behandelt worden, wenn auch die Auseinandersetzungen ziemlich einseitig waren insofern, als sie sich wesentlich zwischen Mitgliedern des Vorstandes und einem Berliner Vertreter abspielten. Diese Auseinandersetzungen haben aber zu keinem anderen Ergebnis geführt, als daß mit allen gegen eine Stimme beschlossen wurde, den Anttag, den„Vorwärts" aus einem Zenttalorgan zu einem Lokalorgan zu machen, abzulehnen. In den neuen Abschnitten über den Ausschluß und die Wieder- aufnähme,§§27—29, sind nur zwei Aenderungen eingetteten: einmal ist die Zahl der Mitglieder des Schiedsgerichts, die bisher unbestimmt war und jedesmal neu festgesetzt werden konnte, auf 7 Personen fest- gesetzt und zwar deswegen, weil man der Ansicht war, daß diese Zahl reichlich genüge und bei einer größeren Zahl von Schieds- richtern unnötig Kosten usw. für die Partei entständen.— Sodann ist bei§ 29: Wiederaufnahme, die Bestimmung getroffen worden, daß, wenn ein Ausgeschlossener wiederum aufgenommen werden will und sich an den Parteitag wendet, diese Meldung so rechtzeitig an den Patteivorstand zu richten ist, daß sie zugleich mit den übrigen Anträgen für den Parteitag bekanntgegeben werden kann, damit die Pattei einem derartigen Antrage nicht unvorbereitet gegenüber- steht. Zngleich ist bestimmt, daß, bevor sich der Parteitag mit einem solchen Antrag befaßt, zunächst die Organisatton, welche seinerzeit den Ausschluß beantragt hat, als auch die, in welcher der Aus- geschlossene zuletzt seinen Wohnort hatte, wo man ihn also kennt, über die Sache zu hören sind. Schließlich bin ich noch beauftragt, eine Erklärung über den Sinn gewisser Bestimmungen über den Ausschluß zu geben, über die bisher eine gewisse Unklarheit bestanden hat. So ist gefragt worden, ob, wenn ein Anttag ans Ansschlutz bezw. auf Berufung eines Schiedsgerichts an den Vorstand gerichtet wird, ob alsdann der Vorstand diese Berufung gleichsam maschinenmäßig unter allen Umständen vorzunehmen hat, oder ob ihm da ein gewisses PrüfungS- recht zusteht. Nun besteht darüber kein Zweifel, daß ein materielles Prüfungsrecht über den Tatbestand selbst dem Vorstande unter keinen Umständen zustehen kann, weil er ja sonst dem einzuberufenden Schiedsgerichte vorgreisen würde und weil er bei Aufstellung des Vorsitzenden, wenn er vorher Stellung nimmt, einen Einfluß zu- Ungunsten der einen oder anderen Pattei üben könnte. Wohl aber sind wir uns darüber einig gewesen, daß eine formelle Prüfung dem Vorstande zustehen muß. Anträge auf Ausschluß oder Einberufung eines Schiedsgerichts sind nur zulässig, wenn jemand sich gegen§ 2 versündigt hat, das heißt grobe Verstöße gegen Grundsatze des Parteiprogramms begangen oder sich einer ehrlosen Handlung schuldig gemacht hat. Demnach berechttgt kein anderes Vorgehen oder Vergehen, wie immer es gestaltet sein möge, dazu, einen solchen Antrag zu stellen. Wenn dem so ist, dann muß naturgemäß der Vorstand bei Stellung des Anttages in der Lage sein, urteilen zu können, ob die Boraussetzungen des§ 2 gegeben sind und ob nicht aus purer Leichtfertigkeit oder Gehässigkeit ein solcher Antrag gestellt ist. Dem Antrage wird demnach beigegeben werden müssen, wann das behauptete Vergehen des Betreffenden besteht, damit der Patteivorstand in die Lage versetzt wird, zu beurteilen, ob dies Vergehen, falls es erwiesen wird, tatsächlich die Merkmale des§ 2 enthält. Ist das der Fall, dann hat der Vorstand, ohne sich eine Meinung darüber zu bilden, ob dies Vergehen in Wirklichkeit begangen ist, einfach dein Anttage zu entsprechen. Sieht er jedoch aus der Be- gründung, daß es sich um eine geringfügige Lappalie handelt oder um eine Sache, die an sich nicht unbedeutend ist, aber mit dein§ 2 nichts zu tun hat, so hat er einfach den Antrag abzulehnen und dieS der betreffenden Organisation mitzuteilen. Weiter ist es vorgekommen, daß Schiedsgerichte zwar dem An trage auf Ausschluß keine Folge gegeben, wohl aber eine eigen? erfundene Strafe, eine Rüge oder dergleichen verhängt haben. Die Kommission ist der Auffassung gewesen, daß es dem Sinne der ein- schlägigen Bestimmungen widerspricht, wenn ein Schiedsgericht neue Strafarten hinzufügt, die im Statut nicht vorgesehen sind, und daß demnach ein Schiedsgericht nichts weiter zu tun hat als zu untersuchen, ob die Grundlagen für einen Ausschluß gegeben sind oder nicht. Sind sie gegeben, so hat es ihn einfach auszuschließen, ind sie nicht gegeben, so hat es ihn freizusprechen. Damit bin ich am Ende. Ich habe in meiner Eigenschaft als Berichterstatter die Zustimmung zu den Kommissionsbeschlüssen zu beantragen und habe weiter namens der Kommission mit Rücksicht auf die umfangreiche Vorbereitung dieser Matette und mit Rücksicht auf die Geschäftslage Sie zu ersuchen, von einer Einzelberatung abzusehen und über die Vorlage enbloc abzustimmen. Entwurf einer Organisation der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. ,(Die fettgedruckten Stellen sind Neueinftignngen gegenüber dem geltenden Statut.) Partei-Angehörigkeit. § 1. Zur Pattei gehörig wird jede Person betrachtet die sich zu den Grundsätzen des Pattciprogrammes bekennt und die Partei dauernd durch Geldmittel unterstützt. § 2. Zur Partei kann nicht gehören, wer sich eines groben Verstoßes gegen die Grundsätze des ParteiprogrammeS oder einer ehrlosen Handlung schuldig macht. § 3. Mit dem Tode, dem Austtttt oder der Ausschließung aus der Partei verliett der frühere Parteigenosse jedes Recht, das er etwa gegen die Partei, gegen den Patteivorstand, gegen die Kontrollkommission oder gegen einzelne Parteigenossen aus seiner Parteimitgliedschaft erworben hat. Gliederung. § 4. Die Grundlage der Organisation bildet für jeden Reichstags-Wahlkreis der Sozialdemokratische Verein, dem jeder im Wahlkreise wohnende Parteigenosse, sofern ihn nicht zioingende Gründe daran hindern, als Mitglied anzugehören hat. Erstreckt sich der Wahlkreis über eine Mcbrzahl von Ortschaften, so können in allen Orten, in denen Parteigenossen vorhanden sind und die onstigen Verhältnisse es zulassen, Ortsvereine des Sozialdemo- kratischcn Vereins gebildet werden. § 5. Tie Sozialdemokratischen Bereine schließen fich zu Be- zirkSverbönden sowie zu Landcsorganisationen zusammen, denen die selbständige Führung der Parteigcfchäftc nach eigenen Statuten obliegt: diese dem Patteivorstand mitziiteilenden Statute» dürfen mit dem Organisationsstatut der Gcsamtpartei nicht iMWOer- sprnch stehen. Die Borstände haben ihre erfolgte Wahl vorstand mitzuteilen. § 6. Die Festsetzung der Mitgliederbeiträge ist den verbänden und Landesorganisationen überlassen. Die B haben mindestens 20 Prozent ihrer aus den Beiträgen fich« gebenden Einnahme» an die Zentralkassc abzuführen. Der Pd" vorstand ist berechtigt, einzelnen Wahlkreisen im Bedarfsfalle ei» über 80 Prozent dieser Einnahmen hinausgehenden Betrag zu Eigenverwendung zu überlassen, Vcrtrauenspersoneu. § 7. Wo aus gesetzlichen Gründen die in den§§ 4 und B gegebenen Vorschriften nicht ausführbar sind, haben sich die Partei» genossen iu anderer, dem Landesrecht entsprechender Weise zu organisieren. § 8. In allen Wahlkreisen, in denen keine Bereinsorgani- sation vorhanden ist, habe» die Parteigenossen eine oder mehrere Bertrauenspersonen zu wählen, deren Adresse sofort dem Partei- vorstände mitzuteilen ist. Die Art der Wahl bleibt den Partei- genossen überlassen. Die Bertrauenspersonen sind berechtigt, freiwillige Beiträge entgegenzunehmen und durch besondere Marken zu quittieren. Berichterstattung. § 9. Die Borsitzenden der Sozialdemokratischen Vereine, deren Wahl Jedesmal ich Anschluß an den voraufgehenden Parteitag er- folgt, haben alljährlich bis zum 15. Juli dem Parteivorstand Be- richt zu erstatten. Der Bericht muß enthalten Angaben über: Art und Umfang der entfalteten Agitation, die Zahl der im Wahlkreise organisierten Parteigenossen, die Höhe des von den Mitgliedern erhobenen Parteibeitrages, die Summe der gesamten Einnahmen, die Art der Bcrwendung der dem Wahlkreise verbliebenen Gelder. Den gleichen alljährlichen Bericht in bezug auf ihre Tätigkeit und die Verwendung der ihnen etwa vom Parteivorstande über- wiefenen Gelder haben die Borstände der Bezirksverbände und Laiidesorganisationen zu erstatten. Die gleiche Bestimmung findet dort, wo keine BereinSorgani- sation vorhanden ist, auf die Wahlkreis-, Bezirks- und Landes- Bertrauenspersonen sinngemäße Anivendung. Weibliche Vertrauenspersonen. § 10. Die planmäßige Agitation unter dem weiblichey Prole- tariat wird durch weibliche Vertraueiispersonen betrieben, die mög- lichst an allen Orten im Einvernehmen mit den Partei-Jnstanzen gewählt werden. Parteitag. § 11. Der Parteitag bildet die oberste Vertretung der Partei. Zur Teilnahme an ihm sind berechtigt: 1. Die Delegierten der Partei aus den einzelnen Reichstags- Wahlkreisen mit der Einschränkung, daß kein Wahlkreis durch mehr als drei Personen vettreten sein darf. In- soweit nicht unter den gewählten Vertretern des Wahl- kreises Frauen sich befinden, können weibliche Vertreter in besonderen Frauenvcrsammlungen gewählt werden. 2. Die Mitglieder der Reichswgsfraktion. 3. Die Mitglieder des Parteivorstandes und der Kontroll. kommission. Die Mitglieder der ReichStags-Fraktion haben in allen die parlamentarische und die Mitglieder des Parteivorstandes in allen die geschäftliche Leitung der Partei betreffenden Fragen nur be- ratende Stimme. § 12. Der Parteitag prüft die Legitimation seiner Teil- nehmer, wählt seine Leitung und bestimmt seine Geschäfts- ordnung selbst. Zur Gültigkeit der Beschlüsse des Parteitages ist die absolute Mehrheit der Anwesenden erforderlich. § 13. Alljährlich findet ein Parteitag statt, der von dem Parteivorstmide einzuberufen ist. Hat der vorhergehende Parteitag über den Ort, an welchem der nächste Parteitag stattfinden soll, keine Bestimmung getroffen, so hat der Patteivorstand mit der Kontrollkommission und der Reichstags-Fraktion hierüber sich zu verständigen. § 14. Die Einberufung des Parteitages muß spätestens vier Wochen vor dem Termin der Abhaltung desselben durch da» Zcntralorgan der Partei mit Angabe der provisottschen Tages. ordnung erfolgen. Die Einladung zur Beschickung des Parteitages ist mindestens dreimal in angemessenen Zwischenräumen zu wiederholen. Anträge der Parteigenossen für die Tagesordnung des Partei. tages sind bei dem Patteivorstand einzureichen, der dieselben spätestens drei Wochen vor der Abhaltung des Parteitages durch das Zentralorgan der Partei bekanntzugeben hat. § 15. Zu den Aufgaben des Parteitages gehören: 1. Entgegennahme der Berichte über die Geschäftstätigkeit des Parteivorstandes und der Kontrollkommission sowie über die parlamentarische Tätigkeit der Reichstags- Abgeordneten. 2. Die Bestimmung des Ortes, an welchem der Pattei» vorstand seinen Sitz zu nehmen hat. 3. Die Wahl des Parteivorstandes und der Koutroll- kommission. 4. Die Beschlußfassung über die Partei-Organisation und alle das Parteileben berührenden Fragen. 5. Die Beschlußfassung über die eingegangenen Anträge. § 16. Em außerordentlicher Parteitag kann einberufen werden: 1. auf einstimmigen Beschluß des Parteivorstandes; 2. auf Antrag der Mehrheit der Reichstagsfraktion; 3. auf Antrag von mindestens 15 Wahlkreisen; 4. auf einstimmigen Beschluß der Kontrollkommission. � Falls der Parteivorstand sich weigert, einem gestellten Antrage auf Einberufung eines außerordentlichen Parteitages stattzugeben, so ist derselbe durch die Reichstagsfraktion einzuberufen. Als Ver- sammlungsott eines außerordentlichen Patteitages ist ein geo- graphisch möglichst günstig gelegener Ort zu bestimmen. _§ 17. Die Einberufung des außerordentlichen Parteitages muß spätestens 14 Tage bor dem Termin der Abhaltung desselben durch das Zentralorgan der Partei in wenigstens drei aufeinanderfolgenden Nummern mit Angabe der Tagesordnung erfolgen. Anträge der Parteigenossen sind spätestens 5 Tage vor der Ab» Haltung des Parteitages im Zenttalorgan zu veröffentlichen. Im übrigen gelten für die außerordentlichen Parteitage die. selben Bestimmungen wie für die ordentlichen Parteitage(§§ 11 und 12). Parteivorstand. § 18. Die Zahl der Mitglieder deS Parteivorstandes wirb vom Parteitag bestinimt. Der Parteivorstand besteht aus zwei Vor» sitzenden, einem Kassierer und den Schriftführern— die sich gegen» scitig�zu �vertreten berechtigt sind— sowie zwei Beisitzern. Die. erfolgt und heit zwischcff gefallen Die Nach crf Vorsitzenden, deS Kassierers und der Schriftführer atteitag mittels Stimmzettel in einem Wahlgange ""ehrheit. Hat ein Kandidat die absolute Mehr. Stimmen nicht erhalten, so findet Stichlvahl ndidatcn statt, auf welche die meisten Stimmen 'mmenglcichheit entscheidet das Los. isitzer erfolgt durch die Kontrollkommission. rt der Patteivorstand seine Konstituierung im Zcntralorgan der Partei bekannt zu vorzunehmen machen..... § 19. Scheidet tW Mitglied deS Parteivorstandes aus, so ist die Vakanz durch eine von der Konttollkommission vorzunehmende Neu- wähl zu ergänzen. § 20. Tie Mitglnder deS Parteivorstandes können für ihre Tätigkeit eine Besoldung beziehen. Die Höhe derselben wird durch den Parteitag festgesetzt. § 21. Der Partcivorstand verfügt nach eigenem Ermessen über die vorhandenen Gelder. Der Parteivorstano oder die Kontrollkommission können' durch erlei Rechtsgeschäfte die einzelnen Parteigenossen oder die Partei �ndlich machen. Auch erwirbt kein Parteigenosse oder ein anderer Verträge mit dem Parteivorstande oder der Kontrollkommission ägbarrs Recht gegen diese oder ihre Mitglieder. M§ 22. Kein Parteigenosse hat ohne ausdrücklichen Beschluß deS Parteitages ein klagbares Recht, die Geschäftsbücher oder Papiere des Parteivorstandes, der Kontrollkommission oder der Partei ein- zusehen oder sich aus ihUen Abschriften oder Auszüge anzufertigen oder eine Auskunft oder Ucbersicht über den Stand des Parteiver- mögens zu verlangen. Hierdurch wird das Recht der Delegierten, während der Tagung des Parteitages Einsicht in die Bücher zu nehmen, nicht berührt. § 23. Der Partcivorstand besorgt die Parteigeschäfte und kon- trolliert die prinzipielle Haltung der Parteiorgane. Der Parteivorstand entscheidet über Differenzen, die sich bei der Aufstellung von Reichstagskandidatnren zwischen der Organi- sation eines Wahlkreises und dem Bezirksverband bezw. der Landes- vrganisation ergebe». Kontrollkommission. Z 24. Zur Kontrollierung des Partcivorstandes sowie als Be- rufungsinstanz über Beschwerden gegen den Parteivorstand wählt der Parteitag eine Kontrollkommission von neun Mitgliedern. Die Wahl der Kontrolleure erfolgt nach einfacher Mehrheit. Bei gleicher Stimmenzahl entscheidet das Los. Zur Leitung ihrer Ge- schäfte wählt sich die Kontrollkommission einen Vorsitzenden, der Ort und Zeit der Sitzungen bestimmt, soweit die Kontrollkommission nicht darüber beschließt. Die Kontrolle muß mindestens vierteljährlich einmal statt- finden. Alle Einsendungen für die Kontrollkommission sind an den Vor- sitzenden derselben zu richten, der seine Adresse im Zentralorgan der Partei mitzuteilen hat. Auf Antrag der Kontrollkommission oder des Parteivorstandes finden gemeinsame Sitzungen statt. Zentralorgan der Partei. Z 25. Zentralorgan der Partei ist der„Vorwärts, Berliner Volksblatt". Die offiziellen Bekanntmachungen sind an hervorragender Stelle des redaktionellen Teiles zu veröffentlichen. Z 26. Zur Kontrolle der prinzipiellen und taktischen Haltung des Zcntralorgans sowie der Verwaltung desselben wählen die Parteigenossen Berlins und der Vororte eine Preßkommission, die aus höchstens zwei Mitgliedern für jeden beteiligten Reichstags- Wahlkreis bestehen darf. Die Preßkommission entscheidet in Gemeinschaft mit dem Partei- Vorstande über alle Angelegenheiten des Zentralorgans, insbesondere über Anstellung und Entlassungen im Personal der Redaktion und Expedition. Bei etwaigen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Parteivorstand und der Preßkommission entscheidet die Kontroll- kommission, der Parteivorstand und die Preßkommission in der Art zu gleichen Rechten, daß jedes dieser drei Organe je eine Stimme hat. Ausschluß. § 27. Im Falle des Z 2 entscheidet über die fernere Zugehörig- kcit zur Partei ein Schiedsgericht, das der Parteivorstand beruft. Der Antrag auf Einsetzung eines solchen Schiedsgerichts kann nur! durch eine Parteiorganisation gestellt werden. Das Schiedsgericht besteht aus sieben Personen. Die Hälfte der Beisitzer wählt der Angeschuldigte, die andere Hälfte die antrag- siellende Organisation, wobei die Auswahl auf die Parteigenossen des Bezirisverba.ndes zu beschränken ist, dem der Angeschuldigte angehört. Den Vorsitzenden bezeichnet der Parteivorstand. In Wahlkreise», in denen die Geschäfte der Partei durch eine Bcreinsorganisation geführt werden, ist der Ausschluß eines Mit- glicdcs aus der betreffenden Organisation dem Ausschluß auf Grund des 8 2 ans der Gesamtpartei gleichzuachten. Der Ausschluß darf daher nur im Wege des vorstehend festgesetzte» schiedsgerichtlichen Versahrcns erfolgen. § 28. Gegen die Entscheidung des Schiedsgerichts steht den Bc- teiligten binnen vier Wochen nach Zustellung des schriftlichen Urteils die Berufung arx die Kontrollkommission und gegen deren Eni- scheidung an den nächsten Parteitag zu. Verzichtet ein Parteigenosse, gegen den ein Ausschlußantrag gestellt wird, auf die schiedsgerichtliche Verhandlung, oder unterläßt er es, innerhalb einer vom Parteivorstand zu bestimmenden Frist von mindestens vier Wochen Schiedsrichter zu ernennen, so gilt er ohne weiteres als ausgeschlossen. Die Zustellung des schriftlichen Urteils sowie die Bekanntgabe des erfolgten Ausschlusses eines Genossen erfolgt durch den Partei- vorstand. Wiederaufnahme. § 29. Die Wiederaufnahme eines aus der Partei Aus- geschlossenen kann nur aus dem Parteitag erfolgen. Der Antrag auf Wiederaufnahme ist so zeitig beim Partef- vorstand anzumelden, daß er zugleich mit den übrigen an den Partei- tag gestellten Anträgen veröffentlicht werden kann. Vor der Eni- scheidung ist die Organisation, die seinerzeit den Ausschluß beantragt hatte, sowie die Organisation des letzten Wohnortes zu hören. Abänderung der Organisation. ß 30. Aenderungen an der Organisation der Partei können nur durch einen Parteitag vorgenommen werden. Anträge auf Abänderung der Organisation können nur beraten werden, wenn sie innerhalb der Fristen, welche die 88 14 und 17 vorschreiben, zur öffentlichen Kenntnis der Parteigenossen gelangten. Eine Abweichung von der letzten Bestirymung ist nur dann zu- lässig, wenn mindestens dreiviertel der anwesenden Vertreter auf einem Parteitag sich für die Abweichung entscheiden. » Die 88 1— 3(Parteizugehörigkeit) werden ohne Debatte an- genommen. Zu den 88 4—6(Gliederung) ergreift das Wort Dr. Lindcmann-Stuttgart: Sie haben schon vom Referenten gehört, daß in den Kreisen nicht nur der süddeutschen Genossen, der Genossen aus Baden, Hessen, Württemberg. Bayern und Elsaß-Lothringen, sondern auch der Genossen aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg und wenn ich nicht irre, auch Oldenburg, sehr schwere Bedenken gegen die in diesem Entwurf vorgeschlagene organisatorische Gliederung bestehen. Diese Genossen haben sich nun am Donnerstag in einer Zahl von 80 besprochen und sich dahin verständigt, daß sie keinen Widerspruch erheben wollen, weil sie in diesem Stadium die Verhandlungen nicht erschweren wollen. Sie haben zugegeben, daß der Statutenentwurf eine ganze Anzahl wichtiger Fortschritte enthält, mit denen sie ebenfalls einverstanden sind. Dagegen haben sie gerade gegen die organisatorischen Bestimmungen die schwersten Bedenken gehabt, einmal in bezug auf die.finanzielle Selbständigkeit ihrer Landes- und Bezirksorganisattonen, und serner dahin, daß die»ach langer Arbeit und Mühe geschaffenen Organi- sationen desorganisiert und daß dadurch die GciaMarlei aufs schwerste geschädigt werden würde.(Widerspruchs diesen Gründen sind die 80 Genossen nach übereinstimMMMmKht nicht in der Lage, dafür zu stimmen, sie werden M��'.Hbpkmmung über den Entwurf enthalten. iJgBiiHfcrF Diese Erklärung sollte hier abgegeben WktMtr�ojtt Genosse, der dazu beauftragt war, hatte sich mit Swsj�KMrömdung gesetzt. Singer hatte sich geweigert, diese ErklUMMMm Ausführlichkeit hier verlesen zu lassen: aus diesem Gruna f PHJ« ich mich veranlaßt gesehen, gegen die Enbloc-Annahme Widerspruch zu erheben, um in die Lage zu kommen, die Erklärung abgebet, zü können. Es schien mir notwendig, nicht nur den Parteitag hiervon zu unterrichten, sondern es schien nur das auch notwendig im Interesse unserer Genossen in, Lande, die es nicht verstanden haben würden, wenn ihre Vertreter nicht nochmals die Gelegenheit benutzt hätten, um aufs klarste ihrem Widerspruch gegen diese neue organisatorische Gliederung Ausdruck zu geben. Das waren die Gründe, die nnch veranlaßt haben, zu widersprechen und falls das- geschäftsordnungsmäßia möglich ist, würde ich nunmehr, nachdem'ch meine Erklärung am gegeben habe, meinen Widerspruch zurückziehen.(Lebhafte Aha I)*$391 Singer: Das letztere ist nicht zulässig... Nach den AuSführungeiriM Vorredners fühle ich mich verpflichtet, ein Wort zu sagen; seine Ausführungen könnten den Anschein erwecken, daß ich aus persönlichen und sonstigen Gründen ihn verhindert habe, die Erklärung zu verlesen. Da§ ist nicht der Fall. Ich habe nüch nur nicht für berechtigt gehalten, in der Fornr einer formalen Bemerkung zur Geschäftsordnung eine Kritik der Kommissionsbeschlüsse zuzulassen, ohne den Mitgliedern die Mög- lichkeit zu geben, ihrerseits darauf zu antworten.(Sehr richtig!) Das war der Grund, aus dem ich Lindeniann gesagt habe: Wenn Sie eine formelle Erklärung abgeben wollen, daß Sie sich deshalb der Abstimmung enthatten, so habe ich nichts dagegen, aber, wenn Sie eine Erklärung abgeben, in der die schwersten Bedenken gegen die Entwickelung der Partei geltend gemacht werden, so ist das eine sachliche Erklärung, die diskutiert Iverden muß, weil die anderen Gelegenheit bekommen müssen, ihre Ansichten darüber auszusprechen. (Sehr richtig!) Ich glaube, daß ein Vorsitzender, der die Rechte des Parteitages wahren will, auch in Zukunft nicht anders handeln könnte. (Lebhafte Zustimmung.) Die Debatte über den Abschnitt„Gliederung" wird g e- schlössen und die 88 4—6 angenommen. Die 88 7 und 8(Vcrtrauenspcrsonen) Iverden ohne Debatte an- genommen. Zum 8 9(Berichterstattung) bemerkt Adlcr-Kiel: Ich will den schweren Bedenken meiner Freunde gegen diesen Paragraphen nicht Ausdruck geben, bitte aber den Parteitag, dieS Schweigen nicht falsch zu deuten. 8 0 wird angenommen. Ohne Debatte iverden angenonimen die§8 10(weibliche Vertrauenspersonen), 11—17(Parteitag), 18(in der vom Referenten angegebenen modifizierten Fassung), 19—23(Partcivorstand), 24(Kontrollkonunission), 25(Zentralorgan), 27—28(Ausschluß). Zu 8 29(Wiederaufnahme) fragt Zubcil-Berlin, wie es in Zukunft mit denjenigen Genossen ge- hatten werden soll, die aus Lokalvereinen ausgeschlossen sind und ihre Beiträge direkt an den Parteivorstand zahlen. Pfnnnkiich-Berliii: Rückwirkende Kraft hat das neue Organi- sattonsstatut natürlich nicht; dazu wäre aber eine besondere De- klaration notwendig, die aber im jetzigen Augenblick wohl nicht opportun wäre. Den Lokalvereinen kann natürlich nicht zugemutet werden, sich jemand aufdrängen zu lassen. Hier muß alles der heilenden Zeit überlassen bleiben. 8 29 wird angenommen, ebenso 8 39(Aenderungen der Organi- sation). Darauf wird auch der Gesamtentwurf angenommen. De» Antrag 12 begründet Davidsohn-Berlin: Selbst unter den Delegierten dieses Parteitages ist eine nicht kleine Anzahl der Meinung, daß wir die Arbeiter von Partei wegen auf die Abstinenz verpflichten wollten. Das ist unglaublich, aber nicht wahr. Wir wünschen nichts weiter, als daß diese eminent wichtige Frage einmal auf unserem Parteitage erörtert wird, wie es in anderen Ländern bereits geschehen ist. Damit Sie sehen, welches unsere Bestrebungen sind, führe ich an, daß unsere Freunde s. Z. auf dem österreichischen Parteitag eine Resolutton eingebracht haben, die sich nicht für Abstinenz ausspricht, sondern zunächst die Förderung der alkoholgegnerischen Bestrebungen und die Abschaffung des T r i n k- Zwanges, nicht des Rechts zum Trinken fordert. Sollten die Punkte„Erziehung der Jugend" und„Reform des Strafrechts" auf die Tagesordnung des Parteitages 1906 oder eines späteren kommen, so würden die betreffenden Referenten— wollen sie ihrer Aufgabe in vollem Umfange gerecht werden— sich sozusagen gezwungen sehen, auch die Alkoholfrage in den Kreis ihrer Betrachttmgen zu ziehen. Die Annahme einer Resolution— wie im vorigen Jahre— kann nichts nützen, denn da würde die Mehrzahl' unserer Partciblätter sich höchst- wahrscheinlich— wie seit Bremen— um diese Resolution doch wieder nicht kümmern. Ich nenne keinen Namen. Ich will hier dem Genossen Bebel ein Blatt reichen, in dem er sogar eine der sonst in Parteiorganen verpönten S ch w i n d el- Annoncen zur„Heilung von Trunksucht" findet. Bebel in seiner Universalität wird hoffentlich auch dieser Frage genügend Verständnis abgewinnen, um zu erkennen, daß derlei(und schlimmere!) Dinge erst dann unmöglich werden können, wenn ge« nügend für Aufklärung gesorgt wird. Oder können wir es der- antworten, wenn Parteiblattcr dazu beitragen, daß ein armes Weib hingeht, ihre letzten Markstücke zu opfern, um ihren Mann aus den Klauen des Altoholismus zu erretten— durch Kauf eines von der sozialdemokratischen Zeitting empfohlenen Schwindel- „Heilmittels" I Auch dem Parteivorstande die Entscheidung wieder zu überweisen, empfiehlt sich nicht; dann erleben wir höchstwahr- cheinlich doch nur die zweite Beerdigung des schon in diesem Jahre vom Parteivorstande eingescharrten Antrages. Zum Schluß eine Erklärung: Die im Deutschen Arbeiter- Abstinentenbunde organisierten etwa 2000 Arbeiter und Arbeiterinnen haben Pfingsten dieses JahreS auf ihrer Generalversammlung in Berlin erklärt, daß sie in erster Linie Sozialdemokraten und dann erst Abstinenten sind, nicht umgekehrt! Sie haben ferner er- klärt, daß ihnen selbstverständlich jeder noch so alkoholfreundliche Parteigenosse lieber und näher ist als etwa ein abstinenter Bourgeois. Nach Abgabe dieser Erklärung bitte ich die Genossen und Ge- nossinnen: Diskutiert die Frage endlich einmal mit uns! Reicht uns wenigstens einen Finger! Wir werden dafür sorgen, daß er sich zu einer Hand auSwächst, die im gegebenen Moment ohne Zittern und Beben nach Art von Abstinentenhänden kräftig drein- chlagen hilft auf die Feinde des internationalen Proletariats. (Beifall.) Pfannkuch-Bcrlin: Wenn die Resolution des vorigen Jahres ziemlich wirkungslos geblieben ist, so würde die Wiederholung und auch die Verschärfung derselben kaum einen anderen Erfolg haben. Der Vorstand ist eben nicht in der Lage, die Durchführung solcher Beschlüsse zu erzwingen. Es muß aber rühmlichst Hervorgehoben werden, daß selbst von abstinenter Seite der Partei das Kompliment gemacht worden ist, daß man sich in Parteikrcisen zunehmend' mit der Alkoholfrage be- schästige. Wogegen ich mich wende, ist, daß die Alkoholfrage zu einer Parteisache gemacht werden soll(Sehr richtig!). und daß man versucht, einen Beschluß festzulegen, durch den die Frage aus die Tagesordnung des nächsten Parteitages gebracht werden soll. Es ist in den letzten Tagen iviederholt die Rede davon gewesen, wie schwer es ist, bei der Festsetzung der Tagesordnung den allgemeinen Partcibedürfnissen und den Wünschen einzelner Genossen Rechnung zu tragen. Wie richtig Vorstand und Kontroll- komniission diesmal bei der Festsetzung der Tagesordnung verfahren sind, dafür gibt ja wohl der Verlauf der Berhandlungen, der, wie ich hoffe, zu Ihrer aller Zufriedenheit sich abgewickelt hat, den besten Beweis. Soll das so bleiben, dann müssen Sie der Parteileitung vollständig freie Hand lassen, damit wir im gegebenen Augenblick die richtige Entscheidung treffen können. Durch solche Anträge, wie sie diesmal wieder in mehreren Exemplaren vorliegen, kann die Parteileitung nur evcnttiell in die Lage versetzt werden, Parteitags- beschlüsse nicht durchführen zu können, und in diese Verlegenheit sollten Sie sie nicht bringen. Lehnen Sie also alle in dieser Bc- ziehung gestellten Anträge ab.(Bravo I) Wisscl-Lübcck: Wenn natürlich uitvorhergesehene Ereignisse eintreten, werden IvMttOlWnentcii keine Einwendung dagegen erheben, daß die im nächsten Jahre noch nicht behandelt wird. Aber vorläufig sehen wir solche Ereignisse noch nicht, deshalb bitte ich den IteMlU anzunehmen Uns kommt es dabei nicht darauf an, für die »M»«riz Propaganda zu machen, sondern wir sind schon ganz zu- f»icden, wenn sich die Arbeiter nur einmal mit der Frage beschäftigen. «£ ist in der Tat so, daß der Alkohol in der kapitalistischen Gesell- -schaft wurzelt. Darüber müssen die Arbeiter aufgeklärt werden; für die Parteibewegung wird daraus großer Niitzeii»erwflchsen. Ein Schlußantrag wird angenommen. Antrag 12 wird dem Parteiborstande zur Erwägung überwiesen. Nunmehr gelangen die Anträge über den Ort des nächsten Parteitages zur Verhandlung. Den Aiittag 11, der M a n n h e i m vorschlägt, begründet Dreesdach-Mannheini: Wir wünschen seit langein, daß der Parteitag auch einmal in Baden abgehalten werde und ich hoffe, diesmal werden Sie unserer Einladung folgen, einnial den größten Binnenhafen Europas zu besuchen. Für die Verhandlungen steht uns der neu erbaute große Festsaal zur Verfügung, der 7000 Personen faßt. Wenn in der Nähe Mannheims allbekannte Weingegenden liegen, so haben Sie die beste Gelegenheit, dort abschreckende Beispiele des Alkoholismus zu sehen.(Große Heiterkeit.) Höfs-Stettin empfiehlt Stettin. Beharrlichkeit führt zum Ziel, deshalb haben Ivir unseren Vorschlag wieder eingebracht. Durch die Verlegung des Stettiner Vulkan ist der Stettiner Wahlkreis gefährdet; auch des- halb empfiehlt es sich, den nächsten Parteitag dort abzuhalten. Stettin liegt in Pommern(Große Heiterkeit) und wir können von da aus die schönsten Ausflüge in die Ostsee unternehmen. Müller-Köln empfiehlt Köln, ist aber damit einverstanden, daß der nächste Partei- tag in Mannheim stattfindet, da dort die Lokalitäten günstiger sind. Mit großer Mehrheit wird beschlossen, den nächsten Parteitag in Mannheim abzuhalten. Hierauf wird beschlossen, eine halbstündige Pause eintreten zu lassen, während der die Stimmzettel für die Wahlen zum Partei- vorstand und zur Kontrollkommission abgegeben werden sollen. Zur Geschäftsordnung bemerkt Südckum-Berlin: Auf der Vorschlagsliste, die soeben verteilt worden ist, ist der Name einer Genossin als Vorschlag für die Konttollkommission enthalten, die bereits ein Parteiamt bekleidet. Ich halte es nicht für zulässig, daß Angestellte der Partei in die Kontrollkommission gewählt werden, weil diese Genossen ja sonst die Aufgabe hätten, sich selbst zu kontrollieren. Hofmann-Hamburg scklägt Müller-Görlitz als Schriftführer vor. Äiihl-Leipzig enwfiehlt Kleemann-Leipzig für die Kontroll- kommission, damit endlich einmal einer der ältesten Parteiorte Ein- fluß auf die Parteiverwaltung gewinne. Ledebmir-Berlin: Ich halte die Bedenken Slldekums für un- zutreffend. Solche rein formellen Gesichtspunkte können für uns bei der Neuwahl nicht maßgebend sein. Nach unseren bisherigen Er- fahrungen wird die Selbständigkeit der Parteigenossen nicht dadurch beeinträchtigt, daß sie in irgend einer Beziehung zu Parteiämtern stehen. Sonst dürften wir schließlich auch keine Parteiredakteure in die Kontrollkommission wählen.(Siidekum: Das sind keine Partei- angestellte.) Für uns kommt in erster Linie der Charatter und die Tüchtigkeit der Parteigenossen in Betracht. Wcls-Berlin bittet, den Genossen Eugen Ernst in die Kom- Mission zu wählen, damit auch der größte Parteiort darin ver- treten ist. David-Mainz empfiehlt Ulrich für die Kontrollkommission, damit endlich auch Hessen wieder eine Vertretung in der Kommission erhalte. Frau Zictz-Hamburg: Ich möchte den Ausführungen Slldekums energisch entgegentreten. Die„Gleichheit" ist nicht erst seit heute Parteiorgan, sondern seit drei oder vier Jahren; bisher hat aber deswegen»och niemand Einwendungen gegen die Genossin Zetkin erhoben. Die Genossin Zetkin ist bereits seit Jahren in der Kon- trollkommission tätig, sie ist überall eingeweiht, außerdem ist es doch auch notwendig, daß wir Frauen in der Kontrollkommission ver- treten sind. Südekum-Berlin: Es ist in der Partei nicht üblich. Genoffen zu beauftragen, sich gewissermaßen selbst zu kontrollieren. Anders steht es mit den Parteiredakteuren, die durch die Preßkommission und nicht durch den Parteivorstand eingesetzt sind. Ich denke nicht daran, die Tätigkeit der Genossin Zetkin herabzusetzen. AuS formellen Gründen aber schewt es nicht angängig, sie in die Kontrollkommission zu wählen. Wurm-Berlin: Ich bestreite, daß solche formellen Bedenken vor- liegen. Weder im alten noch im neuen Statut steht darüber irgend etwas. Es ist auch nicht daran zu denken, daß die Redakteure, die vom Parteivorstand angestellt werden, abhängiger wären, als die von der Preßkommission angestellten. Wir alle wissen, wie unab- hängig die Genossin Zetkin gegenüber jedermann ihren Standpunkt zu wahren versteht. Wenn man den Standpunkt Südekums ein- nimmt, so könnte auch der Genosse Eugen Ernst nicht gewählt werden, weil er Angestellter des„Vorwärts" ist. Höfs-Stctttn enipfiehlt für die Kontrollkommission den Genossen Storch-Stettin, damit Norddeutschland vertreten sei. Richard Fischcr-Berlin stellt fest, daß Genosse Ernst nicht im „Vorwärts", sondern in einer Druckerei angestellt ist, die keinerlei Kontrolle des Vorstandes unterliegt, sondern Privatuntcrnehmen der Berliner Genossen ist. Damit schließt diese Diskussion. Schluß 1 Uhr. *" Nach l3/4 Uhr wird die Sitzung wieder eröffnet. Singer erklärt die Wahl für geschlossen. Die MandatsprüfungS- kommission stellt das Ergebnis fest. Es wird in die Tagesordnung eingetreten. Zur Verhandlung gelangt Autrag 13: Die Reform des Strafgesetzbuches auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen. Löbc-Breslau begründet den Antrag. Stadthagen-Bcriin bittet ihn abzulehnen, ihm auch nicht ein Begräbnis durch lleberweisung an den Vorstand zur Erwägung zu bereiten. Es sei falsch, die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu belasten. Auch müsse man sich davor hüten, Oberflächlichkeit zu verbreiten. Die Frage der Reform des Strafrechts dürfe nicht los- gelöst von dem allgemeinen sozialen Untergrunde behandelt werden. Auch der vorzüglichste Redner und ttefste Kenner des Gebietes könne in einem Referat vor dem Parteitag nur allgemeine Grund- sätze über diese Fragen bieten, die man allseittg kenne. Mit dem Wunsche Löbes, daß die Parteipresse stärker als bisher den Klassen- charakter der Justiz hervorheben solle, könne man sich dagegen voll- ständig einverstanden erklären. Liebknecht-Berlin: Es ist nöttg, einmal das ganze Problem der Klassenjustiz auf dem Parteitage zu erörtern. Ich bin überzeugt, daß eine solche Verhandlung sowohl praktische Früchte tragen als auch vor allen Dingen eine ungeheure agitatorische Wirkung haben würde. Abgesehen von den Militär- Mißhandlungen ist gerade die Frage der Klassenjustiz die alles auf- peitschende und auffegende für die Agitatton. Aus diesem Grunde bitte ich Sie, den Antrag dem Vorstande zur Berücksichtigung zu überweisen, nicht in den, Sinne, daß die Reform des Strafgesetzbuches auf die Tagesordnung kommt, sondern daß einmal die Klassenjustiz und Gesetzgebung in ihrem Wesen und ihrem Zusammenhang mit der kapitalistischen Gesellschaftsordnung behandelt wird. Der Antrag 13 wird dem Vorstande zur Erwägung über- wiesen. Die Anträge 14 und 15 werden gemeinsam behandelt. Schulz-Bremen: Ich verweise zur Begründung auf die Debatten vom Donnerstag, die gezeigt haben, daß in der Partei ein außerordentlich reges Interesse in der Erziehungsfrage herrscht, daß aber die Ansichten darüber auseinandergehen. Wer die Jugend hat. der hat die Zukunft, und darum ist die richtige Erziehung der Jugend von hoher Bedeutting. ES entsteht die Frage, wann soll die planmäßige Beeinflussung der Jugend für den Sozialismus beginnen, auch die Frage der Stellung der Sozialdemokratie zur Schule des Klassen- staates und eine andere Reihe von Einzelffagcn müssen erörtert. Iverden. Das Erfurter Programm enthält hierüber wenig oder garnichts. Früher ist sehr viel mehr über die Erziehungsfragen in der Partei geschrieben worden. Das Erziehungsideal des Proletariats hat ni V»s mit der hüraerlichen Erziehung gemein, es erwächst ebenso ou5 der Klassenlage des Proletariats wie das des Bürgertums aus der Klassenlage der Bourgeoisie. Es ist nötig, einmal ue Stellung des wissenschaftlichen Sozialismus zur Erziehungsfrage zu erörtern und Klarheit hierüber zn schaffen. Aus diesem Grunde haben Frau Zetkin und ich unseren Autrag eingebracht, den ich Sie dringend anzunehmen bitte. Glücklicherweise ist ja jetzt in weiten Kreisen der Genossen das Interesse an der ErziehnngSfragc erweckt, ich erinnere ""JL011 � Diskussion in der„Gleichheit". Wir dürfen die Schnlfrage nicht von der Erziehungsfrage loslösen, sondern müssen einmal das ganze Gebiet der Erziehungsfrage zur Debatte stellen. Gewiß hat es cttvas für sich nicht vorher auf eine Tagesordnung festzulegen, nocr andererseits kann man sich, wenn ein Punkt der Tagesordnung vorher bekannt ist, damit beschäftigen lind eine Diskussion herbei- fuhren. Ich bitte Sie nochmals, den Antrag anzunehmen. Frank-Manheim: Die Partei ist sich darüber einig, daß die Erziehnngsfrage cnicr praktischen Behandlung bedarf. Wir haben in Dresden bereits aiigefangen, die Probe aufs Exeinpel zu machen. low haben schon an mehreren Orten Jugendorganisationen gegründet, niid wenn der Parteitag nächstes Jahr in Mannheim zusammentritt, dann werden wir vielleicht Gelegenheit haben, dort eine Parade über unsere junge revolutionäre Garde abzuhalten. ... Hierauf werden beide Anträge dein Vorstand zur Erwägung ubcrlviesen. Da die MandatsprüstingSkommission ihre Arbeiten noch nicht beendet hat, aber weiter kein Material vorliegt, vertagt Singer die Sitzuirg auf unbestinnnte Zeit. Singer gibt nun das Resultat der Wahlen bekannt. Singer: Parteigenossen! Damit wären die Arbeiten des Parteitages bc- endet.— Ich. will zunächst— wie ich überzeugt bin, in Ihrer aller Namen— unseren Jenaer Genossen wärmsten Dank aus- sprechen für die Opferwilligkeit und für die Bereitwilligkeit, mit der sie dem Parteitag gedient haben. sBravo!) Die Feste, die sie ver- anstaltet haben, werden in dankbarer Erinnerung bleiben, und die Arbeit, die sie geleistet haben, deren Größe wir gewissernraßen rcuucn, wird ihnen ebenfalls unvergessen sein. Ich glaube aber auch cincin Wunsche des Parteitages zu genügen, wenn ich der Karl Zciß-Stifwng meinen Dank ausspreche für die schönen Räume, die wir benutzen konnten, und auch zugleich den Dank des Partei- tagcs dafür, daß sie während der Tagung einer großen Anzahl von Delegierten Einblick in ihre Betriebe gegönnt und damit diesen Genossen Gelegenheit gegeben hat, sich von der Größe, der Viel- faltigkeit, der Feinheit dieser Betriebe zu überzeugen. Ebenso glaube ich zu Dank verpflichtet zu sein und diesen Dank in Ihrem Namen aussprechen zu müssen der Firma Gutinann in Nürnberg, die die Vervielfältigung unserer Anträge und der sonstigen Sachen über- nouunen hat. Die Herren haben in dankenswerter Bereitwilligkeit ihre Dienste dem Parteitage unentgeltlich geleistet.(Vravo!) Ich darf es wohl aussprechen, daß lvir durch die Art, in der sie die Arbeit geleistet haben, die Ausführung, die sie ihr gegeben haben, uns in vollstem Maße befriedigt und zu wirklichem Dank verpflichtet haben. Ich muß aber auch denjenigen Genossen, die gerade auf diesem Parteitag in den Kommissionen stark beschäftigt und dadurch nicht in der Lage waren, sich au den Verhandlungen des Parteitags, so wie sie es wohl gewünscht hätten, zu beteiligen, in Ihrem Namen den Dank des Parteitags aussprechen. Nun, Parteigenossen, wenn wir am Schluß unserer Verhand- lungen einen kurzen Rückblick auf die rote Woche in Jena Wersen, so erinnere ich daran, daß, als wir zum Parteitag . nach Jena kamen, unsere Gegner darauf rechneten, daß wir hier ein inneres Jena für die Partei finden würden. Unsere Beschlüsse und unsere Debatten haben gezeigt, daß diese Hoffnungen gründlich enttäuscht sind und daß wir uns nicht ein inneres Jena, wohl aber unseren Gegnern ein Sedan bereitet haben. tHciterkeit und Sehr gut!) Die beiden großen Fragen, welche diesen Parteitag beherrscht haben: die Frage der Maifeier und die Frage des Mchsenstreiks, sie haben wieder einmal unWider- leglich bewiesen, daß die Arbeiterklasse grundsätzlich in diesen Fragen einig ist. Die Bedeutung dieser beiden Fragen jetzt noch einmal vor Ihnen aufzurollen, wäre überflüssig, aber ich darf mit ganz besonderer Genugtuung konstatieren, daß die beiden großen Ströme der Arbeiterbewegung: sozialdemokratische Partei und Gcwerk- schaftcn, einig sind in dem Streben, durch ihre Tätig- kcit das große Ziel der Sozialdemokratie: die Be- scitiguug der bürgerlichen Gesellschaft, die Zertrümmerung der kapitalistischen Gesellschaft, zu erreiche». sBeifall.) Wir sehen, daß diese beiden großen Bewegungen, gleich ragenden Säulen, jede auf besonderem Wege dem gemeinsamen Ziel zustreben, daß sie aber cutschlosscn sind— und dieser Parteitag hat das aufs neue bc- wiesen— vereint zu schlagen, vereint zu schlagen den gemcinsanicn Feind, den zu vermchten Partei und Gewerkschaften geschaffen sind. Wir haben unsere Waffen geschärft auf diesem Parteitage, lvir haben uns eine neue teste Organisation geschaffen in dem Bestreben, die Kräfte der Arbeiterklasse, soweit sie in der Sozialdemokratie organisiert sind, noch enger zusammen- zufassen, noch mehr zusammenzuschließen, um noch tatkräftiger noch schlagfertiger gegen den Feind loszugehen. Ich habe die lieber- zengnng, daß die neue Organisation dieselben Früchte zeitigen wird ivie die bisherige Organisation, denn, Parteigenossen, das wollen wir auch in dietem Augenblick betonen: mehr als das geschriebene Wort nutzt uns und muß uns nutzen der lebendige Geist, der in der Arbeiterklasse herrscht.(Lebhafte Zustimmung.) Und dieser Geist wird auch durch die neue Organisation gefördert werden, er wird neue Nahrung finden, und die Organisation wird dazu beitragen, die Kaders der Sozialdemokratie noch fester zu schließen, ihr den Sieg zu erleichtenr. Die beiden anderen Fragen habe ich bereits berührt. Wir haben in einer Reihe von Resolutionen bereits Stellung genommen zu den großen weltbewegenden Fragen der Jetztzeit und nanicntlich auch in einer Resolution Stellung genommen nnd den Empfindungen und dein Willen der deutschen Arbeiter Ausdruck gegeben, die, wie in allen anderen Fragen, mit den Gefühlen des Proletariats aller Länder übereinstimmen. Wir haben den rrlssischen Zarismus ge- brandmarkt, der russischen Revolution, der größten Erscheinung, die wir jetzt in der Welt beobachten, und die heldenmütigen Kämpfer in dieser Revolution unserer Sympathie, unserer Zustimmung versichert. Parteigenossen I Wenn wir in den letzten Monaten für die Opfer der russischen Revolution auch mit materiellen Mitteln eingetreten sind, so bin ich überzeugt, daß jeder von uns das getan hat mit dem glühenden Wunsche, daß diese materielle Hülfe den russischen Helden helfen möge, ihr Ziel zu erreichen und den Zarismus zu zerschmettern.(Lebhafter Beifall.) So haben wir auf diesen, Parteitage nützlich für die Partei gewirkt. Wir werden es fetzt erleben, daß unsere Gegner, die cnt- täuscht von diesem Partertage gehen, in ihren Blättern schreiben werden: Dieser Parteitag hat keine Bedeutung, er war langweilig, er war öde, denn es war ja kein leeres Gezänk auf ihm. Nun der Presse unserer Gegner werden wir es nie recht inachen können,«ud es ist ja auch gar nicht unsere Aufgabe, danach zu streben, es der Bourgeoisie recht zu machen.(Lebb. Zustimmung.) Wir aber wiffen, daß, wenn auf diesem Parteitag eine Reihe von Befürchtungen, die vielleicht auch in den Kreisen der Genossen vorhanden ivaren, sich nicht erfüllt haben, das darauf zurückzuführen ist, daß die Partei nach wie vor gefestigt und entschlossen ihren eigentlichen Zielen zu- strebt. Diese Befürchtungen sind deshalb nicht eingetroffen, weil. wie sich doch immer wieder zeigt, über allen persönlichen Mcinungs- Verschiedenheiten und persönlichen Streitereien, die manchmal vor- kommen können, weit erhaben ist die Ueberzeugung, die in jedem Genossen lebt, daß er seine ganze Arbeit, seine ganze Kraft, sein ganzes Wollen und Können daran zu setzen hat, um die Einheit und Geschlossen- hcit der Partei auch nach außen zu wahren.(Lebhafter Beifall.) Deswegen bin ich überzeugt, daß die Resolution, die lvir in dieser Bcziehüng beschlossen haben, reiche Früchte tragen wird. Wir werden zwar nach wie vor in gewissen Dingen Meinungsverschiedenheiten haben, die ja eine Lebensfrage für die Partei find und ohne die wir gar nicht existieren können. Es ist nicht unsere Aufgabe, uniform und schematisch einer dem andern nachzubeten.(Sehr richtig I) Wir werden nach wie vor über diese Meinungsverschiedenheiten bis- kutieren, wir werden uns gegenseitig aufklären. Wir alle können befriedigt auf diesen Parteitag zurückblicken, wir dürfen ohne jede Ucbcrhcbung sagen: die deutsche Sozialdemo- kratie hat gezeigt, daß sie imstande und gewillt ist, diesen weit- bewegenden Fragen nach ihren sozialdemokratischen Grundsätzen ins Auge zu schauen und die großen Fragen, die an sie herantreten, zu fördern und zu lösen einzig und allein entsprechend ihren Grund- sätzeu, ihrem Programm.(Lebhafte Zustimmung.) Daß das gerade in diesem Jahre so eklatant zum Ausdruck gekommen ist, führt mich zu einer kurzen Erinnerung daran, daß es in diesem Jahre 30 Jahre her sein wird, daß die sozialdemo- kratische Partei auf dem Kongreß zu Gotha sich geeinigt hat. 30 Jahre ist es her, daß die beiden großen Richtungen gemeinsam kämpfen, und wenn wir uns vergegenloärtigeu, daß damals die Trennung bestanden hatte aus prinzipiellen Gründen und daß trotzdem die Arbeiterklasse sich zusammengefunden hat, um einig und geschlossen den Kampf zu führen, so dürfen wir auch die Zuversicht haben, daß die auf dem Kongreß von Gotha voll- zogeue und seit 30 Jahren bestehende Einigkeit von Dauer sein wird und daß die Gegner in ihren Hoffnungen, die Partei durch Zer- splitterung zu schwächen, weiter so enttäuscht werden wie bisher. (Lebhafter Beifall.) Mit diesem Vorsatz, in diesem Bestreben verlassen wir diese gastliche Stadt, und wenn jeder einzelne von uns jetzt in seinen Kreis zurückkehrt, getragen und gestärkt von dem Bewußtsein, daß die rote Woche in Jena eine gute Woche für die Partei gewesen ist (Lebhafte Zustimmung), und wenn jeder einzelne seinen Partei- genossen, die ihn hierhingesandt haben, in diesem Sinne berichten wird, so ist, davon bin ich überzeugt, dafür gesorgt, daß ans dem Boden unserer Beschlüsse weiter agitiert und propagiert werden wird. Parteigenossen, in dem Schlußsatz unserer Maffenstreikresolution ist gesagt, daß die Voraussetzung unserer ganzen Aktion eine zielbewußte, unermüdliche Agitation ist, daß wir die Herzen und Köpfe revolutionieren müssen. Das was in diesen Sätzen als Richt- schnür gegeben ist, wollen wir jetzt alle, jeder an seiner Stell pro- pagiercn. Wenn dann wieder einmal ein Tag der Abrechnung kommt, Iveim wir wieder einmal zu den Wahlen aufgerufen werden. so habe ich keinen Zweifel, daß die deutsche Sozialdemokratie nach wie vor fortschreiten wird von Sieg zu Sieg, von Erfolg zu Erfolg. Und wenn wir dann beschloffen haben, zu er- wägen, welche Machtmittel die Arbeiterklaffe anzuwenden hat, um Attentate auf ihre Rechte abzuwehren, so wollen wir auch an diese Aufgabe herantreten, indem wir uns noch mehr als bisher rüsten mit dem geistigen Rüstzcuge unserer Partei, mit den Lehren unserer großen Denker, mit dem Nüstzeuge, welches auf Wissenschaft- licher Grundlage die Verrottetheit und Versumpftheit der heutigen Verhältnisse nachweist und welches wir in Versammlungen und in der Presse den Arbeitern vorzulegen haben, um durch diese Nach- Weisung die Köpfe zu gewinnen. Haben wir einmal diese, so werden wir mit den Köpfen auch ihre Hände gewonnen haben.(Sehr gut!) Das alles sind unsere Aufgaben und wir müssen alle durchdrungen sein von der Notwendigkeit, sie zu erfüllen. Wohlan denn, gehen lvir hinaus in unseren Kreis mit dem alten Rufe: Hoch die internationale Sozialdemokratie, die deutsche Sozial- demokratie, das revolutionäre Proletariat aller Länder I(Stürmischer Beifall.) Die Delegierten erheben sich von den Plätzen, stimmen be- geistert dreimal in das Hoch ein und singen den ersten Vers der Arbeiter-Marseillaisc. Singer: Der Parteitag ist geschlossen. Schluß 3-/« Uhr. Berichtigung. In der Nummer 224 des„Vorwärts" vom Sonntag hat sich als Folge der eiligen Herstellung ein sehr unliebsamer Fehler ein- geschlichen. Der letzte Teil der Rede Dr. S ü d e k u m s ist der Ge- nossin Luxemburg zugeschrieben worden. Es muß in der 1. Beilage, I.Spalte, IS. Zeile von unten nicht heißen: Ich bewundere die Kühnheit der Genossin. Rosa Luxemburg: Ich für meinen Teil usw., sondern richtig: Ich bewundere die Kühnheit der Genossin Rosa Luxemburg. Ich für meinen Teil usw. CkrieKts-Deining. Ist die Bezeugung der Pietät gegenüber einem verstorbenen Sozial- deuiokratcn und dessen Angehörige» in Preuße» strafbar? Der Arbeiter Sozialdemokrat Tetzlaff wurde ani 8. Juni be- erdigt. Bei dem Leichenzuge von dem Sterbehnuse in Hcrzfclde nach dem Kirchhof trugen sechs Leidtragende Kränze mit roter Schleife und die vordersten drei dieser Kranzträger erhielten darauf ein polizeiliches Strafinandat in Höhe von S M. wegen—„groben Unfugs". Das Amtsgericht zu Kalkberge(Rüdersdorf) bestätigte diese Strafe am 0. August. Es behauptete, das Tragen des Kranzes sei eine„beabsichtigte Provokation", der Verstorbene habe einem anderen Verein als die Angeklagten angehört. Es hätte das Begräbnis „offenbar" dazu benutzt werden sollen,„um durch eine Demonstration für die sozialdemokratische Idee Propaganda zu machen", die An- geklagten„mußten sich sagen, daß sie die zum großen Teile aus Landleuten bestehende Bevölkerung� von Hcrzfelde durch das demonstrative Tragen einer roten Schleife verletzen würden. Bei dieser Verurteilung beruhigten sich leider zwei Angeklagte. Der dritte, Glasarbeiter Stender ans Stralau, legte B e- r u f u n g ei». Vor dem Landgericht Berlin II wurde über diese Berufung am 25. d. M. unter dem Lorsitz des Landgerichtsdircktors, früheren Staatsanwalts E l l e n d t verhandelt, dem Angeklagten stand als Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Kurt R o s e n f e l d t zur Seite. Auf Befragen erklärte der Angeklagte: Keineswegs habe ich mich strafbar gemächt. Ich bin Parteigenosse des Verstorbenen, habe im Auftrage des sozialdemokratischen Vereins einen Kranz mit roter Schleife nnd mit Inschrift getragen. Von einer Demonstration oder Provokation kann' keine Rede sein, ich habe meine Pflicht als Parteigenosse dem Verstorbenen und seinen Verwandten gegenüber erfüllt.— Vorsitzender: Sie sind in Dänemark geboren?*— A n g e k l.: Ja.— Vors.: Sind Sic Däne? — A n g e k l.: Nein, ich bin preußischer Staatsangehöriger.— Vors.: Sie wissen doch aber, daß rot die Farbe der Revolution ist und daß z. B. in Berlin am 18. März die roten Schleifen im Friedrichshain von der Polizei nicht zugelassen werden?— A n g c k l.: Ei» Kranz mit roter Schleife und Jnschrikt ist Erfüllung der PietätS- Pflicht und in Rieder-Barnim durchaus üblich.— Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Curt Rosen selb: Welche Inschrift stand auf der Schleife?— A n g e k l.: Ruhe sanft!"— Verteidiger: Sind die„Landleute" in Hcrzfelde Gegner der Sozialdemokratie?— V e r t.: 1898 und 1903 hat die Sozialdemokratie in Hcrzfelde mehr als 2/8 Stimmen auf sich vereinigt: niemand kann an der Ausübung unserer GefühlSpflicht Anstoß genommen haben. � Verteidiger auf eine Bemerkung des Vorsitzenden: Die Polizei beseitigt keineswegs alle roten Schleifen am 18. März, sondern schreitet— ob mit Recht oder nicht, das soll dahingestellt bleiben— nur gegen Inschriften ein, die ihr anstößig erscheinen. Am 13. März handelt es sich ja auch nicht um ein Begräbnis. Unter Beweis stelle ich durch Bezugnahme auf das Zeugnis des ReichötagSvertreters des Kreises Nicderbarnim, daß eS üblich ist, rote Schleifen zum Begräbnis von Sozialdemokraten zn trägen und daß selbst Umtsvorsteher und Geistliche an solchen Begräbniffen nicht Anstoß genommen, sondern sich über das Pietätsgefühl der Sozialdemokraten anerkennend ausgesprochen haben.— Vor» sitzender: Das mag vorgekommen sein, deshalb kann aber dach an anderen Orten Anstoß genommen sein.— Der Am tsdiener von Herzfelde bekundet nach wiederholtem Eingreifen des Vorsitzenden nnd Verteidigers: Auf die roten Schleifen bin ich durch Gespräch von Kindern, die sich darüber unterhielten, aufmerlsain geworden. Der Gendarm und ich können niemand namhaft machen, der erklärt hat, er ärgere sich.— Vorsitzender: Nahmen S i e Anstoß?— Zeuge: Ja, denn ich kenne sonst nur schwarze und weiße Kranz- schleifen als üblich.— Verteidiger: Haben Sie in Herzfelde vor dem Gericht erklärt, daß Sie nicht imstande sind, an- zugeben, ob Sie Aergernis nahmen? Vorsitzender: Der Zeuge ist ja in erster Instanz gar nicht vernommen.— B e r- teidiger: Freilich steht im Protokoll darüber nichts, aber tatsächlich ist der Zeuge„informatorisch" vernommen.— Zeuge bestätigt die Darlegungen des Verteidigers.— Nach Schluß der Beweis- aufnähme beantragt der Verteidiger: Freisprechung und Aufbürdung auch der notwendigen Auslagen auf die Staatskasse. Eingehend legt er dar: Sämtliche Behauptungen des ersten Urteils sind haltlose Behauptungen, die ohne eine Spur eines Scheins von Wahrheit aufgestellt sind, mit Ausnahme der Tatsache, daß Angeklagter als Vereinsgenosse und Freund des Verstorbenen das Andeuten des Verblichenen in der üblichen Weise durch Niederlegen eines Kranzes mit roter Schleife geehrt hat. Das ist Erfüllung einer Pietäts- Pflicht, kein grober Unfug, keine Demonstration, keine Provokation. zumal festgestellt ist, daß der Kranz in üblicher Weise getragen und die nicht provokatorische Inschrift„Ruhe saust" getragen hat. Eine Ver- urteilung steht rechtlich in krassestemWiderspruch zu der ständigen Judikatur des Reichsgerichts und Obervcrwaltungsgerichts.. DaS legt der Verteidiger au einer Reihe Entscheidungen dar. Interessant ist besonders die Anführung der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts vom Juli 1892. Dort wird dargelegt: das Entfalten einer roten Fahne als Symbol der Sozialdemokratie ist ivedcr strafbar noch polizeilich angreifbar. Seit dem Fall des Sozialistengesetzes ist die Sozialdemokratie gleichberechtigt. Die früheren preußischen gegen revolutionäre Abzeichen gerichteten Gesetze sind von der Reichsgesetzgebung, die das Kapitel öffentliche Ordnung erschöpfend im Strafgesetz regelt, verworfen. Sie würden auch mit dem in der preußischen Auffassung und der Reichs- gesetzgebung aufgestellten Prinzip der Gleichberechtigung unvereinbar sein. Würde man, führt der Verteidiger ivciter aus, andere Grund- sätze für anwendbar erklären, so würde ja z. B. auch die Form eines Begräbnisses strafbar sein, wie sie farbentragcnde Studenten- Verbindungen üben. Nimmer kann das Publikum als solches in einer berechtigten Weise sich darüber beim- ruhigt fühlen, daß eine Pietätspflicht eincni Verstorbenen gegenüber erfüllt wird. Liegt demnach aus tatsächlichen und recht- lichen Gründen auch nicht die Spur eines strafbaren Verhaltens in dem Verhalten des Angeklagten, so ist es gerechtfertigt, auch die Auslagen dem Angeklagten, der völlig schuldlos strafrechtlich ver- folgt ist, aufzulegen. Der Staatsanwalt erklärt kurz: ich beantrage Verwerfung der Berufung. Verteidiger: Ich hatte nicht erwartet, daß der Staatsanwalt die Anklage bei dieser Sach- läge aufrecht erhalten wurde und möchte mein Erstaunen darüber ausdrücken. Vors.: Das ist überflüssig, der Staatsanwalt tut wasl er für richtig hält. V e r t.: Ich muß doch feststellen, daß auch nicht ein einziger Grund für den Antrag auf Ver- werfuug angeführt ist.— Vors.: Ich möchte doch bitten, die' persönlichen' Angriffe zu unterlassen, die Staatsanwaltschaft hält' eben das erste Urteil für zutreffend.— V e r t.: Aber das Urteil ist! in allen seinen Punkten aus tatsächlichen und rechtlichen Gründen' als haltlos erwiesen. Hält man das Urteil für zutreffend, dam? freilich hat Professor Baron mit seinem Ausspruch nicht so unrecht? „Die Rechtsprechung über den groben Unfug kann' leicht selb st zu einem grobe nllnfugwerd en." DasGe- richt erklärt nach kurzer Beratung: der Berufung ist stattgegeben, der Angeklagte freigesprochen. Die RechtSausführungen deS> Herrn Verteidigers sind zutreffend. Es I a n n freilich in dem Tragen eines Kranzes grober Unfug gefunden werden, aber doch nur wenn« der Kranz in demonstrativer, provokatorischer Weise getragen wird und durch dies Verhalten eine Gefährdung der öffentlichen' Ordnung eintritt. Keine dieser Voraussetzungen trifft zu. Angeklagter müßte deshalb freigesprochen werden. Vow der Befugnis nicht nur die K o st e n, sondern auch die' Auslagen der Staatskasse aufzulegen hat das Gericht aber keinen Gebrauch gemacht.— Der Angeklagte wird voraus- sichtlich nunmehr gegen die Beamten, die die haltlose Anklage herbeigeführt und aufrechterhalten haben, auf Ersatz auch seiner' Auslagen klagen. Vielleicht wird ein Erfolg seiner Zivilklage' vor ähnlichen völlig unberechtigten Anklagen andere Staatsbürger bewahren, oder— das Reichsgericht anerkennt: Was der Verstand des nicht juristisch vorgebildeten Staatsbürgers sieht, braucht ein! auch zur Verhütung unberechtigter Anklagen bezahlter Beamter nicht zu sehen._ flu 9 der Frauenbewegung. Britz. Donnerstag, 21. September, fand die Versammlung des' Frauen- nnd Mädchenvereins für Britz und Umgegend statt. Herr- Täter ow hielt einen Vortrag über:„Warum organisieren wir' uns"? Redner wies in kurzen Worten ans die Pflicht der Frauen, sich mehr zu organisieren, hin. Dem Referenten wurde Beifall gezollt. Aufgenommen wurden drei Mtglieder. Ncinickcndorf- Ost. Der Bildungsverein für Frauen und' Mädchen hält Dienstag, den 26. September, abends 8>/z Uhr, seine Sitzung ab._ Kontradiktorische Verhandlungen über deutsche Kartelle. Vierter Band. Eisen und Stahl. II. Teil. Preis 4,50 M. Verlag F. Siemenroth, Berlin, Eisenacherstr. 23. Amtliche Nachrichten des RcichsvcrsicherungSamtS, 21. Jahrgang. Nr. l>, Verlag A. Ashcr u. Co., Berlin, Unter den Linden 13. Weltall»nd Menschheit. Lieferung 91—94. PopuIärwifsenschastlichcS> Prachtwerk. Preis der Licfcrung 60 Pf.(Deutsches VcrlagshauS Bong u. Co., Berlin W. 57.) Oestcrreichischer Arbeiterkalender für das Jahr 1906. Herausgegeben im Auftrage der Parteivcrtrctung der üsterrcichifcheu Sozialdemo- kratie. Preis gebunden 80 Heller. Mit einer Gratislnnstbeilage:„Wir streiken". Wiener Volksbuchhandlung, Jgnaz Brand. ßrfefharten der Redaktion. Drachenphotographie.(W. B.) U.-Bl. des„Vortv.", 185.— I.Azimut ist ein dem Arabischen ciitnommcncs Wort. A. hcistt cliva: Weg, Pfad, Bahn. Als astronomische Bezeichnung bezieht sich A. auf den Laus bezw. die Stellung eines Sternes. Der, auch das A. ist der Winkel, den ein Vertikal- oder Höhentreiö mit dem Meridian, dem MittagSkrciS,> einschließt. Den A. eines Gestirnes nennt man auch den zwischen dem Höhen- und dem Mittagslreise enthaltenen Bogen des Horizontes. 2. Wie- viele„Vorw."-Leser den Sinn ohne oder auch mit Verdeutschung von A. verstehen bezw. verstanden habe», kann präzise nicht angegeben werden. 3. Der„Vortv." ist trotzdem allerdings nicht nur eine Zeitung für„Ge- lehrte", sondern auch für Laien, insbesondere für Arbeiter und Arbeiterinnen. — Bahnspurweitc. Die Gleise der Berliner Straßenbahnen haben dieselbe Spurweite, wie die Gleise der deutschen Eijenbatmen(VoUbahnen), nämlich 1,435 Meter. In der Skalitzer- und Gitschinerstraße benutzt die Straßenbahn noch das Gleis der alten Verbindungsbahn, aus dem noch jetzt die nächtlichen Kohlcnzilge vom Görlitzer Bahnhofe nach den GaS- anstallen sahrcn.— Ejie». Etwa 221 000, der ZicichstagswahlkrciS rund 400 000 Einwohner.— R. T. Nein.— A. F. Ja.— H. B. 1. Ja. 2. Nein. ■JnriftUchcr Ccil. Die lnrlsttsche Eprcchftiiude findet täglich mit glnSuayiiie deS Sonnabends von?'/> bis O'/i Hin- statt, vleosfuet; abends 7 Uhr. P.®. 100. Die angesetzten Gebühren sind zutreffend.— G. B. 01., O. K. M. 31., T. 10. Nein.— E. K. 148. Zur Zahlung sind Sie verpflichtet.— Zwei Wettende 88. Das Ncichsgeictz und das preußische Gesetz können Sie in den öffentlichen Biblioihckcn einsehen.— A. K. 100. Mit Ablauf dcS 14. Tages.— E. S. 98. Wiederholen Sie Ihre Anfrage unter Schilderung der Verhältnisse, über die Sle Ansknnst haben wolle». Allgemeine Anfragen lassen vielerlei Antwort zn.— 100. 1. und 2. ES müßte Sühnetermin beantragt und dann auf Rückkehr geklagt werden. 3. Solange die Hülisbcdürjtigkeit ckndauert.— L. L. Ja. kWÜkckSA QekgeihdbBaiS Iii ä« in den Faräcn rot, biau, oliv |isp pjso ScIlÄ'enPPI» qanz dick QßO /jÖO ...... Ü � fehlorhaftü Spczial- ßraiiieiistraUß M. Bcs.lln Miel-Halle Ifag}|Qldsc{i{ni!lt Moritzplatz 59. Nicht zu vergleichen mit Abznhlungs-Geschäften welche auch Konfektion führen. 4396L* LxtrK-WtsiTuKg verliehen gewesener = Möbeln wSchantliche oder monatliche Teilzaliluug gestattet! Kein Abzahlungs-Waren- haus, sondern nur Sperial-Möbcl-Qeschäft. ZiehUDO nächste Woche Oktober. 1*11 t Iii 11 Lose 10 M., Porto u. Liste 20 Pf . Pferde-Gewinne sofort verkäuflich gegen O&r Geld. 1500 Gewinne im Werfe von M. 23000. Hauptgewinn I. W. v. 5000 Mark. Lose versende! der Generai-Oebiteur Karl Krebs, Qaedllnbnpg. Zu haben:• in den Lotterie- u.ZigarrengeschSften. Ifer-Stoff-hat, Jcitigc Herrenanzug. 30 M., ohne irenfurrenz. seinstr Zutat.. 2 Anpr. Mr guten Sih bekam geld. Medaille. li�ndwizr Kugel, Prenzlaucr- 33, II.(Mexanderplatz).— Gegründet 1892. lC63ß* Berlin, den 26. September 1905, An unsere werten Kunden! Wir Veehren uns, Ihnen ergebenst nnzuzeigen, daß wir gezwungen sind, vom 1. Lktober er. ab unsere sämtlichen Rollgeld- und Laaergeldsätze «m je 5 Pfennige pro 50 Kilogramm, zu erhöhen(Rollgeld für ankommende Güter minimal 40 Ps. pro Sendung), sowie für sämtliches Lagergut eine Ein- und AuLlagerungsgebühr von je 5 pf. pro 50 Kilogramm in Anrechnung zu bringen. Diese Maßnahme ist durch die jüngste Lohnbewegung unserer Kutscher, Begleiter und Boden arbeiter notwendig geworden. Infolge jener Bewegung haben wir unserem Personal ganz bedeutende Lohnerhöhungen, eine Verkürzung der Arbeitszeit, höhere Bezahlung der Ueberstnnden sowie andere uns schwer belastende Vergünstigungen bewilligen müssen. Die großen Mehrausgaben, welche nnS ans diesen Zugeständnissen erwachsen, können wir aus den bisherigen Erträgnissen unseres Spedition?- nnd Lagergeschäfts nicht decken. Wir brachten aber diese Opfer zur Verhütung eines drohenden Streiks und auch mit Rücksicht auf die allgemeine Teuerung der Lebensbedürfnisse, welche die Forderungen der Arbeitnehmer bis zu einer gewissen Grenze rechtfertigte. Nichts liegt uns ferner, als unsere Kimdschäft übermäßig zu belasten. Mit der geringen Erhöhung unserer Sätze folgen wir iwr einer zwingenden Notwendigkeit, und wir hoffen um so mehr, daß unsere verehrlichen Auftraggeber die Unvermeidlichkeit unseres Schrittes anerkennen werden, als jetzt auf längere Zeit hinaus die Verhältnisse innerhalb unserer Arbeiterschaft geregelt sind und als gesicherte bezeichnet werden dürfen. Wir empfehlen uns Ihnen in vorzüglicher Hochachtung! Bcrgemann tt. Co. Berliner Abroll-Speditions-Berein, Otto u. Co. Berliner Paketfnhrt-Gcsellschaft, Starke tt. Co. Berliner Spediteur-Berein Akfien-Gesellschaft. Berliner SPeditionS-Hans, Georg Reiwald. Berliner Spedittons- und LagerhanS-Attien-Gesellschaft(vorm. Bitrtz n. Co.) BerNner Trnnsport-Bcrein, Knopf n. Goehrke. B. Bernhardt». Co. Borchardt tt. Frühfahrt. Max Brasch u. Co. Brasch tt. Rothen stein. Dentsch-Infernationale Tratisport-Gesellichaft Heinrich Beck tt. Co. Oskar Fahrenkrtig. I. R. Fischer. Förster, Nuttmann u. Co. Nächst. R. Frcudciifeldt. Gerhard tt. Hey. I. G. Henze. Adolf Hesse n. van Denren. Jacob tt. Balentiit. JnteniationnleS SpeditionS-Burcan Georg Silbcrstrin tt. Co. Georg Kempermann. Gustav Knaner. Kiichler«. Co. I. Luther u. Co. W. Marzillicr tt. Co. Matthey«. Markgraf. Montag tt. Schaeffer. A. Schäfer. Paul Schott tt. Co. August Schulz. Julius Schumacher, Berlin W. 35. Paul Schur. Spedittons-Gesellschast Jarobshof nt. 6. H. Transporf-Kontor der vereinigten Spedttenre attf dem Berlin-Anhalttschcn Bahnhofe, G. m. b. H. 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Elbe bei vlusfig— 0,19 Meter, bei Dresden— 1,50 Meter, bei Magdeburg+ 1,05 Meter.— II n st r u t bei Straußsurt+ 1,15 Meter.— Oder bei Ratibor-s- 0,83 Meter, bei Breslau Obcrpegel— 4,66 Meter, bei Breslau UnterPegel-s- 1,80 Meter, bei Frankfurt-j- 1,10 Meter.— Weichsel bei Brahcmünde 4- 2,36 Meter.— Warthe bei Posen— Meter.— Netze bei Usch + 0,75 Meter. Für de» Inhalt der Inserate iiberiiimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantmortiing. amamHmmmmamam Cbcatcr. Dienstag, 26. September. Ansang 71/, Uhr: Opernhaus. Das goldene Kreuz. Schauspielhaus. Der Schwur der Treue. Neues Operntheater. Geschlossen. Neues. Ein Sommernachtstraum. Westen. Die lustigen Weiber von WIndsor. KlSknes. Hidalla. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner.Theater.) Hosgunst. Schiller fi.(Friedrich Wilhelm. städtisches Theater). Nora. Lefsing. Benignens Erlebnis. Hau« neles Himmelfahrt. Residenz. Die Höhle de? Löwen. Xriauon. Das Ende der Liebe. Thalia. Bis srüh um Fünfe! Earl Weist. Wcltmnsegler wider Willen. Belle-Alliance. Geschlossen. Luisen. Wilhelm Tell. Zentral. Der BettelsMdent. Deutsch- Amerikanisches. Aber, Herr Herzog l Metropol. Aus— inS Metropoll Kasino. Der AdcISnarr. Apollo. EinSlbend in einem amerika- nischen Tingel-Tangel.— Slm Hochzeitsabend.— Spezialitäten. Herrnfcld. Die MeyerhainS. Wintergarten. Lote Füller. Spc- zialitätcn. Nolles Eaprice. Soll und Haben. Nach dem Zapsenstreich. Passage. Poldi Augustiil. Herr Tacianu. Spczialitülen. Reichshallen. Stettiiier Sänger. Urania. Taiibcnltrnste 48/4«. Im Lande der Mitternachtssonne. Juvalidenstraste 57/62. Slem» warte. Täglich geössnet von 7 bis 1t Uhr. Ansang 8ff, Uhr. LnftsPIclhaus. Jahrmarkt in Pulsnitz. Urania Tauben- Str. 48/49- 8 Mir: Kasino-Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. 9er Adelsnarr. Vorher: Die Kanbergcigo von Ossenbach. Original Rämbler Compagnie zum 1. Male in Berlin 0uo Seriian. Sonnt. 4 Uhr: ein Sohn des Volkes. Im LaDde der Mitternaelitssonne. Sternwarte ) CASTAN S anopticum; Friedrichstr. 165. Neu! Theätre lumiere! Pariser Schattenspielszenen| m. Musik u. Gesangbegleitung. Kinomatograph-Theater: Wanderung durch Pompeji. Sturm auf Port Arthur u. a. m. I Konzertsaal.- Oberbayr. Sänger j „die Kochelsee'r". ooincisrHER GARTEN Täglich ab nachmittags 4l Uhr: (ZroKes Militär-Konzert Eintrittspreis 1 M.; ab 6 Uhr 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Heues Theater. Anfang 71/, Uhr. Sin Sommernachtstraum. Morgen u. folgende Tage: Ein Sommernachtstraum. fröbeis ÄIIerieMiiesler Schönhauser Allee Nr. 148. Gastspiel des Bcrnb. Rose-Tbeaters Die Falschmünzer Drama in 4 Auszügen. Kassenerössnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Morgen Mittwoch: Spezialitäten- Vorstellung. Sonderabend. Ansang 8 Uhr. LustspieBhaus. Abends H'l, Uhr: Jahrmarkt in Pulsnitz. Scliiiler Schiller-Theater 0.(Walluer-Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: Hofgnnst. Lustspiel in 4 Ausz. v. Thilo v. Trotha. Mittwoch, abends 8 Uhr: vor Drau»» vi» Qvl»vn. DonnerStag,abendS8Uhr: XI. Berliner Saison.' Zirkus Busch. Zum O. Iklalc: Inexiko. Ausstattungs- Panto- iTci Große mime aus dem mexikanischen Pflanzerloben. Inszeniert vom Kommissionsrat Busch. Verfaßt und einstudiert von Herm Burkhardl- Foottit. Tänze vom italienisch. Hofballettmstr. Ottavi. Musik vom KapeUrastr. Taubert. Die Helden vom Yaluu. Port Aithap in ihren milit. Infanterie-Exerzitien. Japanische Infanterie. Ausgesuchte Repräsentanten der Armee des Mikado. Tier Soenrs Atlctas. r: Täglich: Ein Abend in einem afflerik.Tin5eI-Tangel Solch.: Hochzeitsabend, Spezialitäten. Sonntag, de» l. Oktober er.: Erste Nachmlttags-Vorslellung mit amerik. Tingel-Tangel u. Lusiballett Grigolatis zu bedeutend ermäßigten Preisen I Ansang S Uhr. veu-toiRMi'. Heute zum 25. Male: Jeden Sonntagnachmittag 3 Halbe Preise! „lieber"» grollen Deich. Jeden Abend 8 Uhr 1 Gastspiel Ad. Philipp ABER; Herr Herzog; Uhr: Tlieater. Schiller-Theater N.(Frledr.-Wilh. Th.) Dienstag, abends 8 Uhr: Nora.(Ein Puppenheim.) 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Abends: Der Mann im Monde. Montag: Der Mann im Monde. Trianon-Theater. Abends 8 Uhr. Das Cnde der �iebe. Donnerstag, den 28. Seplember, zum erstenmal: Madame Torera. Kleines Theater. Zum erstenmal: «ielslls. Schausp. in 5 Akten v. F. Wedekind Ansang 7>/z Uhr. Mittwoch, Donnerstag und Freitag: Hidalla. Thalia� Theater. Dresdenerstr. 72/73. Direktion Kren und Schönfeld. Täglich abends 8 Uhr: Durchschlagender Lacherfolg I Bis früh um Fünfe. Schwank m. Ges. l. 3 Akten v. Jean Kren u. Artur Lippschitz. Musik von Paul Lincke. Sonntag, 1. Oltober, nachm. 3 Uhr: Karla Stuart. Belle-Alliance! Theater. Vari6t6I w EröfTnungs- Programm � Sensation Berlins. 161» internationaler Künstler. Premiere SoimM. 90. SeplOr., abends 8 Uhr. Der Vorverkauf ist eröffnet! Billetts sind zu haben: An der Thoatorkasse von 10—2 Uhr u. bei A. Werlheim. Berliner Theater. Eröffnungs- Vorstellung Donnerstag, den 5. Oktober. SKndaiosla. Dramatisches Gedicht in 5 Akten von Florian Endli. Borverkaus täglich von 10—2 Uhr. Vaihaila Theater Weinbergsweg 19/20. Direktion: Richard Schultz, Sonntag, den 1. Oltober er.: Eröffnungs- Vorstellung: Sine tolle l�acdt. Vorher: Gr. Spezialitäten-Programm. Residenz-Theater. Dirchtion; Richard Hlcxander. Heule und folgende Tage Ansang 8 Uhr: Die Höhle des Löwen. Schwank in 3 Akten v. M. Hennequin und P. Bilhaud. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nerkulsa- pillen. Metropol-Theater Präzise 8 Uhr zum 18. Male: Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Kapellmeister Max Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Eichard Schultz. Waiden a.D.xMißClittorda.D. Bender x Giampietro ioseplii x Massary x Frid-Frld Steidl x Lilly Walter. Rauchen in all. Räumen gestattet. Anfang 8 Uhr. Berliner Illk-Trio. Felix Scheuer U Stnliudintt.k Hr. 225. B.ZchM» 3. Ktilllgt des.Amillts" Kttlllltl Dolkslllck. � b.ch«dtt Soziales. Bon der märkischen Automobilvcrordnung. Die Oberpräsidial- Verordnung vom 8. Juli 1901 über den Verkehr mit Kraftwagen in der Provinz Brandenburg bestimmt in ihrem§ 29, daß höchstens mit der Geschwindigkeit eines kurztrabenden Pferdes(etwa 9 Kilo- meter die Stunde) mit Kraftwagen an solchen Stellen gefahren werden darf, wo ein lebhafter Verkehr(Wagen, Reiter, Rad- fahrer, Fuhgänger) stattfinde, sowie auf Strecken, die derart schlüpfrig seien, daß die Wirksamkeit der Bremse in Frage gestellt wäre. Ter Autofahrer Wand, der von Charlottenburg nach Wann- see fuhr, sollte bei der Fahrt durch Beelitzhof diese Vorschrift durch schnelleres Fahren übertreten haben. Das Landgericht II verur- teilt« ihn auch zu einer Geldstrafe, indem es davon ausging, dah an der fraglichen Stelle ein lebhafter Verkehr zu herrschen pflege.— Das Kammergericht hob das Urteil wieder auf und verwies die Sache noch einmal an das Landgericht zurück. Das Landgericht gehe von einer falschen Auslegung aus, wenn es meine, es genüge schon die Feststellung, da st ein lebhafter Verkehr an der kritischen Stelle zu herrschen„pflege", zur Anwendung der Verordnung des Oberpräsidenten. Sie sei vielmehr nur an- wendbar, wenn zu der Zeit, wo der Automobilist die Strecke schneller durchfahre, dort faktisch ein lebhafter Verkehr statt- finde._ Kaufmanirsgericht. (Sitzung vom 26. September.) Die Frage der Zuständigkeit beschäftigte das Gericht längere Zeit in einer Klage gegen die Firma Schuft ermann, Adressen- Verlag und Nachrichtenbureau. Diese bestritt nämlich im Vorder- fahren, dast ein älterer Mann, den sie als„Expedient und Zeitungs- leser" angestellt und wegen Erkrankung ohne Kündigung entlassen hatte, ein kaufmännischer Angestellter sei. Sie stützte ihre An- nähme auf ein rechtskräftiges Urteil des Amtsgerichts, das in einem ganz ähnlichen Falle bei derselben Firma zu der Zeit ergangen war, als es noch kein Kaufmannsgericht gab. Von dem Amtsgericht war der damalige Kläger abgewiesen worden. Jetzt aber entschied das Kaufmannsgericht, dast dieser Kläger die Tätigkeit eines Handlungs- gehülfen in handelsgesetzlichem Sinne ausgeübt habe, infolgedessen auch das Kaufmannsgericht zuständig sei. Da ein Vertreter der beklagten Firma zum Termin nicht erschienen war, wurde ein Ver- säumnisurteil gefällt, laut dessen die Beklagte dem Kläger den ge- forderten Anspruch von 170,15 M. zu zahlen hat. Ein Großkausmann namens L i t m a n n hatte einen Lehrling. der für seine Tätigkeit pro Monat mit 30 M. entschädigt wurde, Knall und Fall entlassen, weil er mit ihm nicht zufrieden war. Der Vater des Lehrlings klagte deshalb auf einen Schadenersatz von 50 M. Wenn es nun nach dem Wunsche des Beklagten gegangen wäre, so hätte sich das Gericht wohl noch mehrmals wegen der von ihm beantragten umfangreichen Beweisaufnahme und Vernehmung auswärts wohnender Zeugen mit der Sache befassen müssen. Erst den sehr dringenden Ermahnungen des Vorsitzenden, der Beklagte möge als Grostkaufmann von einer solchen Bagatelle doch nicht so viel Wesens machen, gelang es, diesen schließlich zum Vergleich zu bewegen. Anscheinend schlveren Herzens zahlte er dem Kläger 25 M., womit sich derselbe auch einverstanden erklärte, um nur die Sache nicht noch wochenlang zu verzögern. Es war dies ein Schulbeispiel für die Notwendigkeit und Nützlichkeit des Kaufmannsgerichts. Wie lange würde es wohl gedauert haben, bis diese Schadenersatz- klage vor einem Amtsgericht erledigt worden wäre. Das Elend der Geschäftsreisenden illustrierte recht drastisch die Verhandlung einer Klage gegen die Firma Lasse Nach f.. In- haber Bley, Großdestillation, Weinbergs weg 23. Der Kläger war von der Firma als Reisender ohne Fixum engagiert worden. Er bekam pro Tag einen Betrag von etwa 4 bis 5 M., die er als seinen Verdienst ansehen sollte, wovon er aber auch noch die Spesen bestreiten mußte. Natürlich hatte der Kläger unter diesen Umständen kaum das Nötigste zum Leben. Er behauptete nun, der Beklagte habe ihm außerdem auch Provision zugesichert, und auf Zahlung einer Provisionssumme von 50 M. klagte er auch, nachdem seine plötzliche Entlassung erfolgt war. Tat- sächlich wiesen nun Auszüge aus den Kassabüchern der Firma nach, daß dem Kläger außer den 5 M. auch noch jeden Monat etwa 12, 19, 18 oder 10 M. gezahlt worden waren. Der Chef der Firma aber sagte im Termin, diese Beträge habe er dem Kläger rein aus gutem Willen heraus geschenkt; verdient habe ihm dieser eigentlich nicht einmal jene 5 M. Hierauf erwiderte der Kläger, es sei ihm allerdings nicht gelungen, den gewünschten Um- satz zu erzielen, jedoch liege dies zur Hauptsache daran, dast er nie genügend Spesengelder zur Verfügung hatte. Häufig habe er von feinen 5 M. bis zu 3,50 M. für Spesen verbraucht, so daß ihm nur noch 15 Groschen zum Lebensunterhalt geblieben seien. Da der Chef ihm wegen des ungenügenden Umsatzes aber fortwährend Vorwürfe machte, so habe er, um sich auf andere Art nützlich zu machen, noch morgens vor Geschäftszeit und auch des Abends bis gegen 10 Uhr Bureau- arbeiten unentgeltlich verrichtet. Der Chef bestritt dies auch nicht, erklärte sich aber bereit, den ihm vom Kläger zu- geschobenen Cid darüber zu leisten, daß er mit seinem Reisenden keine Provisionszahlung vereinbart habe. Vom Vorsitzenden wurde der Beklagte sehr ernst und eindringlich ermahnt, sich die Eides- leistung wegen der höchstwahrscheinlich eintretenden bitteren Folgen doch recht reiflich zu überlegen. Ebenfalls bezeichnete der Vor- sitzende die Entlohnung des Reisenden als eine durchaus un- genügende, wie sie gerade in dieser Branche niemals auskömmlich sei. Für eine derartige Bezahlung sei ja nicht einmal ein Handarbeiter zu haben. Unter der Einwirkung dieser Mahnung bequemte sich der Beklagte schließlich, dem Kläger im Vergleichswege 30 M. zu zahlen; „zu schenken", wie er sagte; aber auch hier bedeutete ihm der Vor- fitzende, daß er nicht die mindeste Urfache habe, von„fchenken" zu fprechen.— Dieser Fall zeigt, wie wenig Anlaß die kaufmännischen Angestellten haben, sich noch als„erhaben" über„gewöhnliche Ar- bester" zu betrachten._ Sanitätspolizeiliche Anordnung. Gegen ein übermäßiges und die Gesundheit der Anwohner gefährdendes Geräusch von Gewerbe- betrieben kann die Polizei einschreiten, und zivar auf Grund des Z 10 II 17 Allgemeinen preußischen Landrechts. So hat das Ober- Verwaltungsgericht entschieden und die an den Kessel- und Kupfer- schmied Peuker in Magdeburg gerichtete polizeiliche Verfügung ge- billigt, wodurch ihm aufgegeben worden war, geeignete Vorkehrungen zu treffen, um das übermäßige und die Gesundheit schädigende Geräusch in seinem Betriebe zu beseitigen. Der Kreisarzt hatte vor dem Erlaß der polizeilichen Verfügung in einem Gutachten erklärt, daß ein solches Geräusch von dem Betriebe P.'s ausgehe. Man höre in den Räumen der benachbarten Grundstücke laut und vernehmlich ein dumpfes Schlagen. Es wäre geeignet, die Gesundheit zu ge- fährden. Ganz sicher würden aber nervöse und kranke Leute Schaden erleiden. Schon letzteres erachtet das Ober-Verwaltungsgericht für maßgebend. Auf verschiedene Einwände des Klägers Peuker be- merkte das Gericht, daß für die Frage, ob die Verfügung der Polizei aufrecht erhalten werden müsse, maßgebend sei, ob sie zur Zeit ihres Erlasses begründet war. Das sei hier unbedingt der Fall. Eingegangene vrucksekritten. Von der„Neuen Zeit«(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 52. Heft des 23. Jahrganges erschienen. Slus dem Inhalt des Hestes heben wir hervor: Der Untergang des Agrarkommunismus in Frankreich und Deutschland. Von Ludwig Quessel.�— Die Bremer Lehrerschaft und der Religionsunterricht. Von Heinrich Schulz.— Kausmannsgerichie und Verhältniswahl. Von Paul Lange.— Pflichten und Rechte in der Arbeiter- Versicherung. Von Gustav Hoch(Hanau a. M.).— Wohlsahrtseinnchlungen. Von Paul Hirsch.— Literarische Rundschau: Joses Popper(Lynkcus), Fundament eines neuen Staatsrechtes. Von Dr. Siegsneda. Dr. Heinrich Pudor, Feideikommihschuh in Deutschland vorsus Landarbeiterheimschutz in Dänemark. Von 8.— Notizen: Die Ermittelung Lungenkranker. Von E. G. Die„Nene Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest tostet 25 Pf. Probcnummern stehen jederzeit zur Versügung. „Süddeutscher Postillou« Nr. 20. Leitgedicht„Aus dem Vulkan". — Zustände in dct Kolonialwarenamt.— Bureaukrati« und Schweinenot (Gedicht).— Das Malweibchen, eine interessante zoologisch-soziologische Studie von Dr. Biestrich.— Bruder Leichtsinn(Gedicht).— Das Lied von der Leuchtenburg(Gedicht).— So Drei(Gedicht von Zkaverl).— Die Titelseite bietet cm farbiges..... � bild zeigt uns Bülow alt Jnncntcil, darunter: Der Annale» des Deutsche» Reichs, Nr. 8. Begründet von Dr. Georg Sirih und Dr. Max v. Seydel. Herausgegeben von Dr. Karl Theodor heberg und Dr. Anton Dyroff. München 1S05. I. Schweitzers Verlag (Artur Sellier). Inhalt: Die Oberrheinschiffahrt von Pros. Dr. Gustav f. Schmidt in Bern. Die zugelassenen Kasseneinrichtungen im Rahmen er reichsgcsetzlichen Invalidenversicherung von P. Stieber, Halle a. S. Die Aktien- und ähnlichen Gesellschasten als Rechts- und Steuersubjekte von Pros. Dr. Friedrich Julius Neumann tu-Tübingen. Skizzen und Notizen. Die ungarische Gewerbeinspektion von Dr. Mr. Emil Krüger, Basel. Aus den Gesetzblättern. Plutus. Kritische Wochenschrist für Vokkswirtschast und Finanzwesen. Herausgeber: G. Bernhard. 38. Hest. Abonnement vierteljährlich per Post und Buchhandel 3,50 M., Kreuzband 4,— M. Verlag Berlin-Char- kottenburg, Goethestr. 69. „Der Städtebau." Von dieser bei Emst WaSmuih, Berlin W. 8, Markgrasenftr. 35, erscheinenden Monatsschrift bringt das neueste Hest einen beachtenswerten Artikel„Ueber nordamerikanische Parkanlagen", dem wertvolle Pläne und Illustrationen beigegeben sind. Auch sonst zeichnet das Hest sich durch reichhaltigen Inhalt aus.„Der Städtebau" ist die einzige Zeitschrist, welche den vielseitigen Interessen des Städtebaues dient. Die Monatsschrift tostet jährlich 20 M. Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen, mit besonderer Berück- sichttgung der Homosexualität. Herausgegeben unter Mitwirkung namhafter Autoren im Namen des wissenschastlich-humanitären Komitees von Dr. med. Magnus Hirschseid, VII. Jahrgang, 1905,(2 Bände, 1100 Seiten, Preis broschiert 18 M., elegant gebunden 21 M.). Paul Lohmar, lieber Reform und Vereinheitlichung unserer Arbeitervesicherung. 68 Seiten. Preis 1,25 M. Selbstverlag de» Per» sassers in Köln. Warenhaus Hermann Uetz L, eip zi gera trasae 46— SO.— IZrausenstrasse 44—49. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag. Soweit der Vorrat reicht. Vorzugspreise rar tebensmWtel Kolonialwaren fiemüse- Konserven Fisch-Konserven Kronen- Hummer, extra fein'/. Dose l85-/- Dose l05 Kronen-Hummer, prima>/. Dose I75'/- vose 95 Pf. Krabben-/. Dose 35 Pf.'/, Dose 65 Pf. l/, Dose P8 Lachs-Koteletten'/- Dose 85 Pf.'/. vose F Lachs in hohen Dosen t10 Gabelbissen'/« Dose 65 Pf. Dose Appetit-Sild per Dose 39, 5()pf. Anchovis•/, Dose 40 Pf. Va vose 60 Pf. Aal in Gelee per Dose 75 Pf. Dellkatessberlnge. Dose 78 Pf.'/, Dose 50 Pf. Glsmarok- und Bratheringe per Dose 45 Pf. Anchovis und russische Gardinen per Glas 23 Pf. 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Die Kollegen werden dringend er» sucht, bis zur Erledigung der Diffe- renzcn die Firmen und Bauten streng zu meiden. Die auf diesen Bauten beschäftigten Bauarbeiter ersuchen wir, uns in der Kontrolle zu unterstützen. Die Bauten sind erst dann srei, wenn dies im .Vorwärts" bekanntgegeben ist. Deutscher Metallarbeiter- Verband. 123/3 OrtSverwaltung Berlin. � Achtung! Zlischnridtr, WheriilUtN, ipttrriinu'u und sämtliche in der Branche be- schäftigt. Arbeiter u. Arbeiterinnen. Heber die Firma Gohr. Borchardt, Neue Königstr. 19, ist die Sperre ver- hängt. 251/ö* Zuzug ist streng fernzuhalten. _ Bio Ortsverwallung. Der Bau Grnnnu in Steglitz» Bcrlinikestraße 14/15, ist gesperrt. Tie Verwaltung 93/3* deS Holzarbeirer-Verbandes. Nr. 225. 22. IahrgW. cilM Ks.Amiiits" Derlim Msdick. Dienstag, 26. September KOS. partcl-Hnc|clegcnbcitcn. An die Parteigenossen von Berlin, Teltow-Beeskow, Nieder- Viirniin und Potsdam-Osthavelland. Am Sonntag, den 8. Oktober, erscheint. die nächste Lokal-Liste. Wir geben bekannt, dag die tri sie in anderer Fassung erscheint als bisher, und zwar sind sämt- lichc Ortschaften alphabetisch geordnet aufgeführt. Um aber heraus» zusuiden, zu welchem Kreise die Ortschaften gehören, sind die Anfangs- buchstaben des Kreises vorgedruckt, was übrigens auch am Kopf der Liste angemerkt ist. Wir ersuchen die Mitglieder der Lokal- kommissionen der genannten Kreise, die Neu-Austiahmen und die genauen Aenderungen bis spätestens Mittwoch, den 27. Sep- tember, einsenden zu wollen und zwar für: Teltow-Beeskow an den Genossen Robert G.r amenz in Baumschulen- weg. Kiefholzstr. 253, vorn HI; für Nieder-Bar nim an den Genossen Robert Rieck in Rummelsburg, Kantstr. 22, pari, i für PotSdam-Osthavelland an den Genossen Karl Linz in Spandau, Mittelstr. 13: für diverse Orte an den Genossen Gustav Nowag in Strausberg sStadt), Walk- mühlenstraße; für Berlin an den Genossen Karl Rott, O. 34, Straszmannstr. 29.— Die Lokalkommissions-Mitglieder wollen die genauen Aenderungen und Neu-Aufnahmen für die Liste umgehend mitteilen, da spätere Einsendungen keine Berücksichtigung finden können. Vielfach kommt es vor, daß Zuschriften in„Lokal- angelegenheiten" an die Redaktion des„Vorwärts" ge- sandt werden; zur schnellen Erledigung ersuchen wir die Genossen, alle Anfragen und Zusendungen nur an den Genossen Karl Rott, Berlin 0. 34, Straszmannstr. 29, zu richten und nicht an den„Vor- ivärts". Die Parteiblätter der genannten Kreise werden um Ab- druck ersucht. Die Lokalkommission. Erster Berliner Wahlkreis. Dienstag, den 26. September, abends 8V3 Uhr, ist eine Wählerversammlung der Stadtbezirke 1—6 bei Wiegel, Stralauerstr. 57. Vortrag des Stadtverordneten Gen. K 0 tz k e über die Frage:„Wem haben wir unsere Stimme zu geben bei der bevorstehenden K 0 mm u n a l w a h l?" Diskussion.— Zahlreiches Erscheinen wünscht Das Wahlkomitee� ßcrliner JNfacbncbtcn. Freisinnskandidatcn für die Stadtverordneten-Wahlen. In den Bezirksvereinen, den Organisationen des kam- mnnalsreisinnigen Bürgertums, ist man jetzt dabei, zu den bevorstehenden Stadtverordneten-Wahlen Stellung zu nehmen. Ilm die Mandate er st er und zweiter Abteilung braucht sich da niemand zu sorgen. Diese Posten sind un- bestrittener Besitz des Freisinns, und auch bei der Erörterung der Personenfrage handelt es sich hier gewöhnlich nur um die Bedingung, daß der Auserkorene den Hausagrariern die uötige Sicherheit für eifrige und nachdrückliche Vertretung ihrer Sonderinteressen im«tadtparlament bietet. Weniger leicht gestalten sich dagegen die Verhandlungen über die Bezirke dritter Abteilung. Da ist zunächst die Hauptfrage zu entscheiden:„Machen wir noch einmal mit oder nicht?" Es gibt Bezirke, die so sicherer Besitz der Sozialdemokratie sind, das; in ihnen kein Anhänger des Freisinns mehr eine Hand rühren mag. In anderen Bezirken wird wenigstens noch versucht, durch eine Jählkandidatur festzustellen, um wieviel seit der letzten Wahl das Säuflein der Freisinnigen— weiter zusammengeschmolzen ist. Tie Bezirke dritter Abteilung, in denen der Freisinn emsthaft noch„mitmacht", sind einige, die der Sozialdemo- kratie erst bei den letzten Wahlen zufielen, und dann vor allen Dingen diejenigen, die bisher von uns noch nicht erobert werden konnten. Hier aber wird für den Freisinn die Kan- didatenschau zu einer schwierigen Aufgabe. „Mehr rechts oder mehr links?" das ist hier die Frage. Mit einem Kandidaten, der„niehr links" steht, glaubt mancher den Arbeiterfang noch mit einigem Erfolg betreiben zu können. Die Schlaueren aber mahnen, einen „mehr rechts" stehenden Kandidaten zu nehmen. Die Arbeiter würde man doch nicht mehr kriegen, lieber solle man den Mittelstand und die Beamten zu gewinnen suchen. Es gelte, alle bürgerlichen Elemente gegen die sozialdemokratisch wählende Arbeiterklasse zusammenzubringen. Freilich eilt- steht dann wieder die neue Frage, ob der Auserkorene ein Kaufmann sein darf oder ein Handwerker sein muß. Und auch das will sorgfältig überlegt sein, ob man den Wählern einen Juden oder einen Christen präsentieren soll. Solche Erwägungen werden zwar nicht gern auf offener Schaubiihne, sondern lieber hinter den Kulissen gemacht. Aber gemacht iverden sie. Gegenüber diesen unsauberen Praktiken, durch die der Freisinn die rechts stehenden Wähler für sich einzufangen sucht, wird die Sozialdemokratie mit offenem Visier ihren Kampf durchfechten. Dieser Kampf wird in absehbarer Zeit, früher oder später, dazu führen, daß die dritte Abteilung in ihrem ganzen Umfange zum unantastbaren Besitz der Sozial demokratie wird. Mögen die diesjährigen Stadtverordneten Wahlen uns diesem Ziel um einen kräftigen Schritt näher bringen._ Die Ungleichheiten des Gemeindewahlrechts sind in Berlin so arg, wie in wenig anderen Kommunen Preußens. Hier strömt em Heer von Arbeitern zusammen, die nichts ihr eigen nennen als ihre Arbeitskraft. Hier häuft sich steuerpflichtiger Reichtum unter den Händen einiger weniger Unternehmer, die die Arbeitskraft der Arbeitenden sich dienstbar machen. Die drei Abteilungen, in die die Gemeindewähler zerlegt werden, geben ein anschauliches Bild dieses Gegensatzes der Klassen. Nach der diesjährigen Gemeinde- Wählerliste, die für die Stadtverordnetenwahlen ,m November zu- gründe gelegt wird, gehören zur 1. Abteilung nur 1829 Wähler, aber 336 301 Wähler zur 3. Abteilung, und dazwischen steht mit 32 303 Wählern die 2. Abteilung. Die Sozialdemokratie erstrebt für die Kommune das allgemeine, gleiche, direkte, geheime Wahlrecht. Bekämen wir es, so mühte hier in Berlin die steisinnige Mehrheit der Stadtverordneten-Versammlung im Handumdrehen auf ein klägliches Häuslein zusammenschmelzen. Bekämen wir auch uur die Gleichheit des Wahlrechts, so wäre es mit dem Uebergewicht und der Herrschast des Freisinns in der Gemeinde ebenso rasch vorbei. Das Gemeindewahlrecht, das heute dem Freisinn die Mehrheit im Berliner Stadtparlament sichert, ist belastet mit dem Bleigewicht der Oeffentlichkeit der Stimmabgabe. Es schließt auch die Schlafburschen aus, desgleichen die erst im letzten Jahre zugezogenen Einwohner, und es stopft schließlich die Gesamtheit der unbemittelten Wähler in eine 3. Abteilung, die auf die Zusammensetzung des StadtparlanUnts nicht mehr Einfluß hat als eine Handvoll Besitzender. So dürfen dann 1829 Wähler der 1. Abteilung 48 Stadtverordneten-Mandate vergeben, machl pro Stadtverordneten der 1. Abteilung im Durch- schnitt 33 Wähler. 43 Stadtverordnete werden aber auch von den ,336 391 Wählern der 3. Abteilung gewählt, macht pro Stadtver- ordneten der 3. Abteilung im Durchschnitt 7600 Wähler. Dazu kommt noch eine andere Ungleichheit. Berlin kann einen erheblichen Zuwachs an Bewohnern und Wählern nur noch in den äußeren Stadtteilen haben, die erst teilweise bebaut sind. Infolge- dessen wächst in einzelnen Wahlbezirken die Wählerzahl sehr rasch und bedeutend, während sie in anderen unverändert bleibt oder gar zurückgeht. Die Ungleichheit der Wahlbezirke, die hier- durch entsteht, findet sich in allen Abteilungen. Die 1. Abteilung ist in 16 Bezirke eingeteilt, deren jeder alle zwei Jahre wählt. Hier reicht die Wählerzahl jetzt von 195 hinab bis zu 65, dem dritten Teil von 195. Diese 65 wählen in dreimal zwei Jahren drei Stadtverordnete, macht pro Stadtverordneten rund 22 Wähler. Die 2. Abteilung zerfällt gleichfalls in nur 16 Bezirke, die sämtlich alle zwei Jahre wähien. Die Wählerzahl liegt hier zwischen 1003 und 4444, der größte Bezirk ist also über viermal so groß wie der kleinste. Am ärgsten ist aber die Ungleichheit in der 3. Abteilung. Von ihren 48 Bezirken, deren jeder nur alle sechs Jahre einmal herankommt, hat jetzt der kleinste nur 3918 Wähler, der größte 18 964, das ist fast das Fünffachr der Wählerzahl des kleinsten Bezirkes. Die Ungleichheit der Bezirke ist wiederholt durch Aenderung ihrer Grenzen korrigiert worden, zuletzt im�Jahre 1899. Nichts hindert die Gemeindebehörden, die Grenzenanderung in kurzen Zwischenräumen zu wiederholen, sobald das notwendig wird. Dieser Fall ist aber schon jetzt wieder eingetreten. Allerdings würde eine erneute Korrektur in der dritten Abteilung dem Freisinn sehr unbequem werden. Denn die großen und größten Bezirke, aus denen man zwei oder drei neue machen könnte, sind gerade die Domänen der Sozialdemokratie, während die kleinen und kleinsten meist noch Zufluchtsstätten des Freisinns geblieben sind. Da wird der Freisinn sich hüten, mit eigener Hand die Nester zu zerstören, in denen er vorläufig noch warm sitzt. Die Prüfung der Gemeindewählerliste ist diesmal, wie schon mehrfach mitgeteilt, von einer ganz ungewöhnlich großen Anzahl Wähler vorgenommen worden. Es zeigt sich jetzt, wie notwendig diese Vorsicht war. Wir hatten gemeldet, daß 80 Personen Berichtigung irriger Personalien in der Liste und 233 Personen ihre nachträgliche Auf- nähme beantragt haben. Tie 80 Berichtigungen(neue Wohnung, richtiger Vornamen, richtige Schreibung des Familiennamens, richtige Berufsangabe), sind von? R Magistrat ohne weiteres angeordnet worden, und der Wahlprüfungsausschuß der Stadtverordnctcn-Ver- sammlung hat in zustimmendem Sinne Kenntnis davon genommen. Bon den 233 Anträgen auf nachträgliche Aufnahme in die L i st c wollte der Magistrat nur 44 als begründet ansehen, aber der Wahlprüfungsausschuß schlägt der Versammlung vor, die beantragte Aufnahme in nicht weniger� als 161 Fällen zu be- willigen. Man sieht, wie wenig zuverlässig die Wählerlisten waren, und wie oberflächlich der Magistrat die Einsprüche geprüft haben muß. Die Ermittelungen haben jetzt ergeben, daß 67„Schlaf- burschen" tatsächlich„Chambregarnisten" sind, also das Wahlrecht haben. 6„Steucrrestanten" hatten gezahlt, müssen also nach- träglich aufgenommen werden. 23 Personen� die„in Preußen nicht stciatsangchörig" sein sollten, haben die Staatsangehörigkeit, sind also wahlberechtigt. Für 43 andere, die aus verschiedenen Gründen nicht aufgenommen worden waren, treffen diese Gründe nicht zu, so daß sie noch als Wähler in die Liste kommen. Auch 17 Wähler, denen man wegen„Unterstützung durch 5trankenhauspflege" das Wahlrecht hatte nehmen wollen, bleiben Wähler, weil sie die Kur- kosten innerhalb der ersten vier Wochen nach Aufforderung gezahlt Horben. Unter den 77 Personen, deren Antrag auch von? Ausschuß zurückgewiesen wurde, sind namentlich viele Steucrrestanten, ferner eine beträchtliche Anzahl von Unterstützten, auch etliche Schlaf- burschen usw., sowie einige Personen, die zu spät ihren Einspruch angemeldet hatten. Die Stadtverordneten-Versammlung wird nun über die Vorschläge des Ausschusses zu beschließen haben. Das Ergebnis der Ausschußverhandlungen zeigt, wie sehr es sich empfiehlt, daß möglich st jeder Wahlberechtigte alljährlich die Listen prüft. Diesmal find sie von 21 000 Personen eingesehen worden. Da die Zahl der Gemeinde- Wähler sich in der 3. Abteilung auf 836 391, in allen drei Ab- teilungcn zusammen auf 370 523 Wähler stellt, so kann man sich eine Vorstellung machen, eine wie große Zahl von Irrtümern und Lücken sich ergeben würde, wenn alle Wahlberechtigte die Listen prüfen. Und wie groß mag bei jeder Wahl die Zahl solcher Wahl- berechtigten sein, die zurückgewiesen werden müssen, weil sie gar nicht in der Liste stehen und das erst jetzt erfahren! Die Schwebebahn Gesimdbrnunen— Alcxanderplnb— Rixdors. Die städtische Verkehrsdcputation wird sich in einer der nächsten Sitzungen mit dem neuen Plane für eine Schwebebahn vom Gesundbrunnen nach Rixdors beschästigen. Die„Kontinentale Gesellschaft für elektrische Unternehmungen" in Nürnberg hat der Deputation einen neuen Plan übersandt. Nach diesem beginnt die Bahn am Bahn- Hof Gesundbrunnen und endet an der Britzer Grenze in Ripdorf. Es würde also eine nordsüdliche Verbindung des Nordrings und des SüdringS mit dem Bahnhof Älexanderplatz geschaffen. Der Stadt- und Ringbahnverkehr würde dadurch eine wesentliche Ausgestaltung erfahren. Die etwa 12 Kilometer lange Bahn soll 15 Zwischen- Haltestellen erhalten und mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit be- trieben werden, die noch etwas größer sein wird als die auf der Hoch- und Untergrundbahn. Eine Fahrt vom Bahnhof Gesund- brunnen bis zum Bahnhof Alerandcrplatz würde nach den Angaben der vorliegenden Denkschrift nur 7'/» Minuten, und eine Fahrt vom Bahnhof Gesundbrunnen bis Südringstation Rixdors 22'/, Minuten erfordern. Die größeren Speditionsfirmen Berlins, 33 an der Zahl, teilen ihrer Kundschaft mit, daß sie gezwungen sind, vom 1. Oktober er. ab ihre sämtlichen Rollgeld- und Lagergeldsätze un? je 6 Pf. pro 60 Kilogramm zu erhöhen(Rollgeld für ankommende Güter minimal 40 Pf. pro Sendung), sowie für sämtliches Lagergut eine Ein- und AnSlagernngsgebühr von je 6 Pf. pro 60 Kilogramm in Anrechnung zu bringen. Sie begründen diese Preiserhöhung mit den Mehrausgaben für Löhne, zu der sie durch die letzte Lohnbewegung der Rollkutscher ze. bewogen worden seien. Die Tagesordnung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag, den 28. September, enthält u. a. folgende Punkte: Berichterstattung über die Vorlage betreffend die gegen die Richtig- keit der Gemeinde-Wählerliste erhobenen Einwendungen; Berichterstattung über die Vorlage betreffend den Bau einer zweiten H e i m st ä t t e für weibliche Genesende in Blankenburg- Uystall; Vorlage, die im November d. I. stattfindenden S t a d t- verordneten- Ergänz ungs- und Ersatzwahlen be- treffend; Antrag Cassel und Genossen, den Magistrat zu ersuchen, in Gemeinschaft mit der Stadtverordneten- Versammlung bei den zuständigen Reichs- und Landesbehörden dahin vorstellig zu werden, daß auf dem Wege der Gesetzgebung bestimmt wird, daß die in Form von Krankenhansbehandlnng gewährten Armemmterstützungen für den Verlust des Wahl- rechts nicht in Betracht kommen sowie den demnächst cinzu- berufenden Städtetag zu einer Aeußerung im gleichen Sinne zu veranlassen; Vorlage betreffend den Erwerb des zur Freilegung der Straße 66b zwischen Bad- m?d Kristianiastraße von dem Grundstück Prinzen-Allee 82 erforderlichen Landes; Vorlage, die bauliche Instand- setzung und innere Einrichtung der im ehemaligen Erziehungshause am Urban einzurichtenden Krankenstafton. Eine Warnung für unsere, russischen Parteigenossen in Berlin veröffentlichten wir am Sonntag. Es ist einem Freunde unseres Blattes gelungen, über die Person des verdächtigen Herrn aus der Oranienstr. 87 näheres zu ermitteln. Der Mann ist unter den? Namen eines Photographen S i in s 0 n bei der Polizei angemeldet. Bemerkt sei noch, daß seit einigen Tagen ein Herr Eduard Talwig bei Simson wohnt. Einen Massenaustritt von Genossenschaftern der Milchzentrale kündigt ein an die Genossenschafter gerichtetes Flugblatt des Ver« bandes der Milchhändler-Genossenschaften für Molkereibetrieb zu Berlin wegen des Bekanntwerdens des Geheimvertrages der Milch- zentrale mit der Meierei Bolle an. Während bisher die Be- hauptung, daß die Meierei Bolle wesentliche Sondervorteile zu« gesichert erhalten habe und die Milch zu einem billigeren Preise be- ziehe, von der Leitung der Milchzentrale wiederholt als„grobe L ü g e" bezeichnet wurde, sei es nunmehr offenbar geworden, daß Bolle im Einverständnis mit Herrn Ring seit dem 1. April 1902 die Milch von den Ringmilchlandwirten zum Preise von 12 Pf. statt 13l/z Pf. bezogen habe, und ihm der Unterschied von IVz Pf. pro Liter als„Provision für Berarbeitungskosten" im Geheim« vertrage zugestanden sei, obwohl die Meierei Bolle doch die Ring- milch an die Berliner verkaufen, nicht etwa für Rechnung der Milch- zentrale verarbeiten sollte. Durch Zirkulare, welche den Inhalt des Geheimvertrages mit Bolle verschwiegen, seien zahlreiche Genossen verleitet worden, der Zentrale treu zu bleiben und hätten im Laufs der folgenden Jahre immer weitere und schwerere finanzielle Opfer für die Milchzentrale ohne jeden Erfoig bringen müssen. Zum Schluß wird den Genossenschaftern, die aus der Milchzentrale aus- scheiden wollen, Anweisung zu einer formgerechten Kündigung gegeben. In den Ruhestand tritt mit Ablauf dieses Sommerhalbjahres der gegenwärtig älteste Gemeindeschulrektor Berlins, Herr Rektor Karl Böhme von der 25. Knaben-Gemeindeschule in der Ruppiner- straße. Herr Böhme steht jetzt im 75. Lebensjahr. Er blickt auf eine Lehrtätigkeit von 54 Jahren zurück, wovon 44 Jahre dem Berliner Schulwesen gewidmet waren. Die Leitung der Schule in der Ruppinerstraße hat Herr Böhme 32 Jahre hindurch gehabt. Die neu erbaute Grünstraßcnbrücke hat einen Teil ihres Schmuckes, die acht Kugeln aus Sandstein, die auf den beiden Geländern an- gebracht worden waren, wieder hergeben müssen. Die Kugeln, die einen Durchmesser von einem halben Meter hatten, sind wieder ab- genonnnen worden. An den Punkten, wo sie auf den Geländern aufläge??, hat man Stücke Sandstein eingesetzt. Die acht Flicken heben sich von den Sandsteinblvcken der Geländer deutlich genug ab. Die Verminderung der Gasmotoren schreitet in Berlin unauf- haltsam fort. Bei den städtischen Gaswerken schloß das zweite Vierteljahr von 1905 mit nur noch 783 in Betrieb stehenden Motoren ab. Dagegen waren Ende des zweiten Vierteljahres von 1904, 1903, 1902, 1901 noch 922, 970, 1027, 1114 Gasmotoren in Betrieb gewesen, die von den städtischen Gaswerken gespeist wurden. An die Stelle des Gasmotors tritt innner mehr der elektrische Motor. Mit einer elfköpfigen Einbrecher- und Hchlerbande, deren letztes Mitglied in Altona festgenommen wurde, beschäftigt sich jetzt den Untersuchungsrichter beim Landgericht I. Ihren Sammelpunkt hatte die Gesellschaft in einem Barbicrladc»; von hier ans unternahm sie Streiszüge durch Verlin, Schöncberg, Steglitz und Rixdors. Dort verübte Einbrüche suchte die Kriminalpolizei längere Zeit vergeblich aufzuklären, bis ihr ein Zufall zu Hilfe kam. Die Bande war eines Tages so weit gegangen, am hellen lichten Tage ein Haus abzudecken. Mit zwei Wagen fuhren die Einbrecher vor einer nicht bewohnten Villa vor, rissen das Zinkdach ab und packten ihre Wagew voll. Ein Einwohner, der vorbei kam, fragte verwundert, ob demv das Haus abgerissen werde. Ruhig antwortete einer der Spitzbuben:? Sie sehen, es geht schon losl Jede Wagenladung brachte 70 M. Bei der Teilung aber glaubten einige Mitglieder der Bande, daß andere sie übervorteilt hätten, und darüber kam es in einer Kaschemme irr der Lützowstratze zu einer wüsten Schlägerei. Hierdurch erfuhr diu Kriminalpolizei von dem eigenartigen Abbruch in. Steglitz. Einst- weilen ließ sie die Spitzbuben, die sich gegenseitig windelweich ge. schlagen hatten, ruhig gewähren, beobachtete sie heimlich aber unr so schärfer, um die ganze Bande in das Netz zu bekommen. So wurde zunächst der Sammelpunkt bei dem Barbier Wilhelm Schläger, einem verheirateten Manne in der Möckernstraße 95, entdeckt. Schlägers Keller diente als Stapelplatz für alle möglichen gestohlenen Waren und als nächtlicher Unterschlupf für diejenigen Mitglieder der Bande, die keine Wohnung hatten. Er enthielt auch eine voll. standig ausgerüstete Werkstatt zur Ausbesserung und Unkenntlich. machung von gestohlenen Fahrrädern. Der Cholerafall in Berlin. Zu dem bereits festgestellten Todesfall durch Cholera wirdi amtlich noch folgendes mitgeteilt: Unter Leitung des Geheimen Med?- zmalrates Dr. Gaffkh wurde im Institut für Infektionskrankheiten. Sonnabend abend gegen 10 Uhr die Untersuchung der Leiche des Schiffers Wilhelm Lehmann beendet, die ergab, daß Lehmann an» apatischer Cholera gestorben ist. Lehmann hatte mit seinem Kahn den Weg durch die Plötzenseer Schleuse, den Spmidauer Schiffahrts- kanal, den Stichkanal und den Landwehrkanal genommen. Diese Wasserstrecken werden besonders überwacht werden. Der Urbanhafen ist unter Aussicht eines besonders angestellten Arztes gestellt worden. Der Kahn wird so lange überwacht werden, bis man zu der sicheren Ucbcrzeugung gekommen ist. daß keine weitere Gefahr vorliegt Von den Mitgliedern der Familie ist niemand erkrantt, sie werden noch etwa fünf bis sechs Tage in der Isolierbaracke verweilen müssen. Wünschenswert wäre es. wenn das Publikum sofort davon Mit« tcilung machte, wenn choleraverdächtige Erkrankungen sich zeigen. Ter Polizeipräsident erläßt im Anschluß daran folgende Bekannt» machmm:„Am 22. d. M. ist aus dem im Urbanhafen liegenden Kahn Berlin 1627 der Schiffer Wilhelm Lehmann aus Fichtwerder. Kreis Landsberg a. W., unter Choleraverdacht verstorben und am 23. d. M. ist im Institut für Infektionskrankheiten sicher festgestellt: worden, daß tatsächlich Cholera vorgelegen hat. Von feiten dev Behörden sind nach Möglichkeit alle Maßregeln getroffen worden um eine Weiterverbreitung der Krankheit zu verhüten. Es ist jedoch zu befürchten, daß in das Wasser des Urbanhafens, sowie auch anderer durch den Landespolizcibezirk Berlin gehender Wasscrläufe. so be- sonders des Landwehrkanals, des Spandaucr Schiffahrtskanals und des Verbindungskanals Cholerakeime gelangt sind. Ich ersuche daher die Bevölkerung dringend, das Masser der genannten Gewässer zu keinen häuslichen oder wirtschaftlichen Zwecken, vor allem aber nicht zum Trinken zu benutzen."— Die Behörde hat außerdem zu den schon bekannten Beobachtungsstationen noch weitere Vorkehrungen zur Verhinderung des llmsichgreifens der Seuche eingerichtet. Be- obachtungs- und Aufsichtsstationen sind noch in Saatwinkel und Sacrow errichtet. An beiden Orten sind wie in Köpenick Baracken gebaut und Aerzte mit dem erforderlichen Wärterpersonal statio- niert. Die Beobachtungsstation in Nonnendamm-Charlotteirburg ist gestern fertig geworden. Heute wurde die Station Schleuse bei Plötzensec eröffnet. Die fliegenden Ueberwachungsstellen sind gestern in Tätigkeit getreten. Heute wurde ein ständiger Uebcrwachungs- dienst am Urbanhafen und am Hafenplatz eingerichtet. Sämtliche Beamte der Strompolizei und der Ministerialbaukommission sind erneut mit besonderen Anweisungen versehen und streng verpflichtet worden, jede, auch die kleinste verdächtige Wahrnehmung unver- züglich und unmittelbar der Sanstätskommission oder dem Arzt der nächsten Station zu melden. Die„Ostdeutsche Rundschau" meldet über den Stand der Cholera im Bromberger Bezirk: Bei dem in Bromberg ver- storbenen Arbeiter Heyer ist nachträglich bakteriologisch Cholera fest- gestellt worden. Die Witwe und ihre fünf Kinder wurden isoliert. Bei einem Arbeiter in Adolfsdorf wurde Cholera festgestellt. Bei einem Dienstmädchen, das unter choleravcrdächtigen Erschei- nupgen erkrankt war, hat sich der Verdacht nicht bestät?� Wie die„Stettiner Montagszeitung" meldet, ist seit Sonnabend im Stadtbezirk Stettin kein neuer Cholerafall gemeldet worden. Das Befinden sämtlicher in der Beobachtungsstatjion unterge. brachten Personen ist gut. Die„Neuen westpreußischen Mitteilungen" melden: In den letzten 48 Stunden ist aus dem Regierungsbezirk Marienwerder nur ein choleraverdächtiger Fall zur Anzeige gebracht worden und zwar mis B ö h n h o f im Kreise Stuhm, wo die Frau eines Buhnen- arbeiterS am 22. September erkrankte und nach wenigen Stunden starb. Ein aus Goftoczyn im Kreise Tuchel gemeldeter choleraverdächtiger Fall hat sich nicht als Cholera erwiesen. Der Tod des russischen Arztes Dr. Joasa Maschin, der einen Patienten aus Moskau hierher in ein Sanatorium brachte, an der Gelbsucht erkrankte und in einer Klinik im Humboldthaus in der Oranienburgerstraße starb, ist auch durch die Obduktion der Leiche noch nicht ganz aufgeklärt. Die Todesart konnte auch durch sie nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden. Wahrscheinlich liegt eine Ver- giftung vor, es soll aber durch genauere Untersuchung einiger Leichenteile, die einein Gerichtschemiker übergeben wurden, versucht werden, diese Frage bestimmt zu beantworren. Die Leiche wurde zur Beerdigung auf dem russischen Friedhof in Tegel freigegeben. Auf dem Dache festgenommen. Der Einbrecher Friedrich Kiehnöhl aus der Münzstraße SS bot einem Trödler nach und nach so viele Sachen zum Verkauf an, daß der Trödler Verdacht schöpfte und sich an die Kriminalpolizei wandte. Kriminalbeamte beobachteten nun das Geschäft und erkannten in dem Verkäufer einen Einbrecher, den sie schon länger suchten. Er hatte sich gegen über dem Trödler einen falschen Namen beigelegt und ihm auch eine falsche Wohnung angegeben. Um die richtige Wohnung zu ermitteln, mutzten die Beamten den Einbrecher erst sicher machen Am Sonnabend abend gelang der Plan. Kiehnöhl kam wieder mit einer Menge Schuhwaren, die er in der Brunnenstraße gestohlen hatte. Das Geschäft kam glatt zustande, der Dieb fühlte sich so sicher, daß er mit dem Erlös gleich nach der Münzstraße ging. Hier hatte er sich als Junggeselle im vierten Stock eine Wohnung gemietet, die er als Lager für die Beut« und als Unterschlupf für seine Helfers- Helfer benutzte. Die Kriminalbeamten folgte� ihm mit einem Schlosser und ließen mit Gewalt öffnen, als sie keinen Einlaß er- hielten. Kiehnöhl war auf solchen Besuch vorbereitet und hatte mit einem Komplicen Willi Jannutta durch einen versteckten Ausgang bereits das Dach des Hauses erreicht. Die Beamten folgten den Verbrechern, deren Weg durch verlorene Beute kenntlich war, über die Dächer mehrerer Häuser hinweg und holten endlich Kiehnöhl ein. Dieser setzte sich anfangs zur Wehr, ergab sich aber bald in sein Schicksal, weil der Kampf doch aussichtslos war. Jannutta ent- kam und glaubte, daß auch sein Diebesgcnosse den Verfolgern ent- schlüpft sei. Um sich wieder mit ihm zu treffen, besuchte er noch in der Nacht die gemeinsame Stammkneipe, ein« Kaschemme in der Auguststratze. Die Beamten aber wußten, daß er dort verkehrte und nahmen ihn in Empfang. Heute wurden beide Einbrecher dem Untersuchungsrichter zugeführt. Wegen Straßenraubes wurden am Donnabend die Arbeiter Eugen Schlegewski, Anton und Franz Reiß und der Schlosser Max Grableski festgenommen. Die vier lernten in Müncheberg einen Arbeiter Emil Grunow kennen und gingen mit ihm von dort nach Hoppegarten, um ihn unterwegs zu berauben, da sie wahrgenommen hatten, daß er Geld besaß. Plötzlich fielen sie über den ahnungs- losen Mann her, mißhandelten ihn schwer und raubten ihm den Rock, das Geld und die Uhr. Grunow blieb bewußtlos liegen, bis ihn Leute auffanden und sich seiner annahmen. Als er sich erholt hatte, ging er mit seinen Helfern nach Hoppegarten und machte Anzeige. Die dortige Polizei benachrichtigte sofort die hiesige Krimi- nalpolizei, und so wurden bei Räuber sofort festgenommen, als sie mit der Beute auf dem Schlesischen Bahnhofe ankamen. Alle vier sind geständig und wurden nach dem Verhör auf dem Polizei- Präsidium noch am Sonnabend in das Untersuchungsgefängnis ab- geführt. Straßenspernmg. Der Georgenkirchplatz auf der Westseite von der Neuen Königstraße bis zur Asphallgrenze auf der Südseite ist behufs Asphaltierung vom SS. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhr- werke und Reiter gesperrt. In der Ostsee ertranken gestern bei Heringsdorf der in einem Heringsdorfer Geschäft angestellte 23jährige Handlungsgehilfe Ernst Schulz aus Berlin und der Zimmererlehrling Seeck. Die Leiche des Seeck wurde gestern mittag bereits gefunden. DaS Opfer eines NnsallS ist der 29 Jahre alte Maurer August Wasilge aus der Markusstr. 18 geworden. Der Mann ivohute hier in Schlafstelle und fuhr alle Sonnabende zu seiner Familie nach Mochow im Spreewald. Am Donnerstagnachmittag hatte er auf einem Fabriknenbau in der Köpenickerstraße 122 im vierten Stock an der Decke zu tun, trat auf dem Gerüst fehl, fiel drei Meter tief hinab und schlug auf eine Eisenschiene auf. Im Krankenhause Bethanien starb er an den Folgen eines Schädelbruchs. Der Ver- unglückte hinterläßt seine Frau mit drei Kindern im Alter von fünf Jahren bis drei Monaten. Mit Lysol zu vergiften suchte sich in der Sonntagsnacht die 2öjährige Ehefrau des Maurers Wilhelm Schenk aus der Hasen- Heide 53. In Abwesenheit des Mannes lief die Frau um Mitter» nacht aus ihrer im zweiten Stock des Ouergebäudes belegenen Wohnung auf den Hof hinab und trank hier Lysol. Sie wurde von Hausbewohnern bewußtlos aufgefunden und auf Anordnung eines schnell herbeigerufenen Arztes noch in der Nacht nach dem Kranken- hause Am Urban geschafft, wo sie schwer krank daniederliegt. Was die Frau zu der Tat getrieben hat, ist nicht bekannt. Fcuerbcricht. Sonntag nachmittag entstand in der Mohren- stratze 45 in einer Küche Feuer, oas den Fußboden und die Balken- läge erfaßte. Der 17. Löschzug beseittgte die Gefahr.— Ein Posten Preßkohlen brannte dann am Nlexanderufer auf einen, Spreekahn und eine Automobildroschke vor dem Hause Alexanderstr. 14. Im letzten Falle mußte eine Schlauchleitung vorgenommen werden, um die emporlodernden Flammen zu ersticken.— Ein größeres Lösch- aufgebot wurde infolge mehrmaliger Meldung nach der Andreas- siraße 45 �Warenhaus von Jandorf u. Co.) gerufen. Es handelte sich aber nur um einen Schornsteinbrand.— Außerdem hatte dann die Wehr noch in der Gitschinerstr. 9« und in der Lausitzerstr. 32 kurze Zeit zu wn, wo Möbel, allerlei alter Hausrat:c. Feuer gefangen hatten.— Dir Feuerwehr im Rrfidenz-Theater. Ein großes Löschaufgebot wurde gestern sMontag) abend gegen 7 Uhr nach dem Residenz. Theater gerufen. Es lag jedoch„Blinder Lärm" vor, der dadurch veranlaßt war, daß ein Unberufener an, Feuermelder gespielt und dabei diesen in Tätigkeit gesetzt hatte. Wie immer bei Theatern, galt diese Meldung auch sofort als„Mittelfeüer". Das Theater wurde sorgfältig abgesucht, doch mutzten die Löschzüge unvcrrichteter Sache wieder abrücken.— Die wirtschaftliche Entwickelung der Welfftadt schien eine Zeit- lang in den großen Warenhäusern ihren Gipfelpunkt erreicht zu haben. Ueber den Wertheimschen Palast, iu welchem alle nur denk- baren Waren für Geld zu haben find, ging nichts hinaus. Im ae- wissen Sinne ist aber doch eine neue Stufe erreicht worden. Neben dem großen Warenhaus richtet sich das große SpezialHaus auf, dessen Verkanfsgebiet mehr oder weniger begrenzt ist, das aber in diesem begrenzten Rahmen eine Herrschaft ausübt, die dem Waren- hause schwerlich möglich sein dürfte. Vor einiger� Zeit zeigten wir an der Entwickelung des Hauses Israel diesen Werde- gang, und heute liegt in der Eröffnung des neuen HauseS der Firma F. B. Grünfeld in der Leipzigerstr. 20/21 ein klassisches Exempel vor. Acht Stockwerke von oben bis unten mit Leinenwaren und Wäsche angefüllt, allein ein Verkaufspersonal von dreihundert Köpfen, im ganzen über tausend direkt für das Geschäft tätige Menschen, eine Telephon-Zenttale mit 75 Anschlüssen: das alles bedeutet, daß eine Personenzahl. die eine kleine Stadt bevölkern könnte, von einem einzigen Geschäft abhängt. Und wie erwähnt, nicht von einem Ge- schaft, das alles, was überhaupt an beweglichen Sachen zu verkaufen ist, umschließt, sondern von einem Untemehmen, das sozusagen nur eine einzige Warengattung führt. Vor zwanzig, dreißig Jahren galt in solchem Verhältnis ein Personal von zehn Personen schon für reichlich, heute sind in einem SpezialUnternehmen hunderte allein mit dem Verlaus der Waren beschäftigt. Eine derarttge Entwickelung der Dinge legt die Frage nahe, ob neben den großen Spezial- Häusern die Warenhäuser in ihrer heutigen Form auf die Dauer bestehen bleiben oder ob sie mit der Zeit gezwungen sind, sich ebenfalls zu konzenttieren, weil die wachsende Mannigfaltigkeit der Verkaussgegenstände Räumlichleiten verlangt, die über menschliches Maß hinausgehen. Die Eröffnung des Geschäftshauses der Firma Grünfeld war sozusagen zu einem öffentlichen Ereignis ausgewachsen; Einladungen waren weit und breit an Private und Korporationen ergangen, und die Aeltesten der Kaufmannschaft hatten in der Person ihres Vor- sitzenden, des Kommerzienrats Jacob, ihre offizielle Verttetung ab- gesandt. Es machte sich seltsam, als dieser Herr in einer Ansprache einen Trumpf gegen die Warenhäuser ausspielen zu können glaubte, indem er deren.Entwickelung die Entwickelung der großen Spezial-» geschäste gegenüberstellte. Als ob dem„Mittelstande" mit* einem solchen Hinweis irgendwie gedient wäre. Uns zeigen vielmehr Vorgänge. wie die hier gestreiften, daß der kleine Geschäftsmann auf keinen Fall neben dem großen Atem halten kann und daß es daher törickt ist, wenn er im Schelten auf die Warenhäuser sein Heil sucht. Die Kräftigung und Gesundung des Mittelstandes, die sozialpolitische Forscher alle Augenblicke ent- decken, ist eitel Gaukelspiel; was sich kräftigt, ist das Großkapital, das Geschäftshaus größten Stils, dessen Wachsen sich mit unabwend- barer Nottvendigkeit vollzieht. Die Masse der Bevölkerung hat diese Entwickelung nicht zu bedauern und ihre letzten Konsequenzen sehen wir Sozialilten bekanntlich mit innerer Genugtuung herannahen. zur Aufführung gelangen.— Im Theater des Westens geht am Dienstag, den 26. d. M., zum erstenmal in dieser Saison.Tue lustigen Weiber" in Szene. Die Partien sind wie folgt besetzt: Falstaff: Herr Stimmet, Fluth: Herr Geisler, Frau Fluth: Frl. Fischer, Frau Reich: Frl. Gaston, Fenton: Herr Hansen, Reich: Herr Barck, Dr. Cayus: Herr Ziegler, Spärlich: Herr Below.— Im Trianon-Theater findet die Erstaufführung von„Madame Torera" schon am Donnerstag, den 28. September statt.— Im Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater) wird heute. Dienstag, und Donnerstag„Hofgunst" wiederholt. Mittwoch wird GrillparzerS Märchen-Dichttmg„Der Traum ein Leben" gegeben.— Im Schiller-Theaterdl. sFriedrich-Wilhelmstädttschen Theater) wird heute, Dienstag,„Nora" aufgefühtt, Mittwoch gehen»Die Logen« brüder", Donnerstag«Krieg im Frieden" in Szene. Die große Extta-Galavorstcllung, welche KommissionSrat Busch für den kommenden Freitag in Aussicht genommen hatte und deren Reinertrag für die Opfer des Erdbebens in Calabrien(Italien) bestimmt ist, findet, neueren Disposittonen zufolge, bereits am kom- Menden Donnerstag, den 28. September statt. Zu der AuSstellmig von Reformkleidcrn im Architektenhause, über die wir uns mehrfach ausgelassen haben, wird uns aus Frauen- kreisen noch geschrieben: Der vom deutschen Verein für Volkshhgiene am Sonn- abend im Architektenbause in der Ausstellung gesundheitlicher und künstlerischer Frauenkleidung veranstaltete Vortragsabend bestärkte uns in der von anderer Seite im„Vorwärts" bereits ausgesprochenen Ansicht, daß die ganze Bewegung, die man mit hochtönenden Worten zu einer nationalen stempeln möchte, im Grunde nur einige Schichten der Damenwelt innerhalb der sogenanten besten Kreise beschäfttgt. Von den belanglosen Ansfiihrungen der Frau Oberstleutnant Pochhammer über das Thema:„Was' hat der Mann mit der Frauenkleidung zu tun?" ganz abgesehen, bewies dies vor allem die Vorführung einer großen Zahl von Reform-Toiletten, welche zum Teil von ihren Trägerinnen selbst erftmden waren. Die allermeisten der Straßen- und GesellsibaftSkleider, die man hier sah, waren so fein auf die ganze Individualität ihrer Besitzerinnen in Farbe, Schnitt und Ausstattung abgestimmt, daß man blind sein mußte, um sich dem künstlerischen Reiz dieser aus erlesenen Stoffen gefertigten Gewänder zu verschließen. Wer die Hundertmarkscheine nicht anzusehen braucht, fand hier einfach eine ideale, allen hygienischen und ästhettschen Anforderungen genügende Tracht. Das Bild ändert sich sofort, wenn es sich um die Vorführung einfacher, praktischer Kleider, wie man sie zur Arbeit in Küche, Haus. Kontor, Fabrik ec. braucht, handelt. Die verschwindend wenigen Exemplare dieser Gattung— von den sehr zweckmäßigen Krankenpflegerinnen- Kleidern wollen wir hierbei ausdrücklicki absehen— waren so un- glaublich nüchtern, daß sie schwerlich jemand zur Reformtracht be- kehren werden. Und doch wäre eine Reform der Kleidung gerade für breite Schichten der proletarischen und kleinbürgerlichen Frauen- kreise aus praktischen, hygienischen und anderen Gründen aufs leb- hafteste zu wünschen. Sie wird auch sicher kommen; Ansätze und Keime dazu sind in der neuen Reformbewegung auf dem Gebiete der Frauenkleidung— trotz ihrer Exklusivität— genügend vorhanden. Die vorgeführten Kinderkleider waren z. B. in jeder Beziehung mustergültig. Warum sollte sich nicht für Erwachsene etwas dem Gleichwertiges leisten lassen?— An den Vortrag und die Kleiderschau schloß sich eine lebhaste, aber ziemlich inhaltslose Diskussion, die hauptsächlich von drei Mitgliedern der— äußerst spärlich vertretenen— Herrenwelt besttitten wurde, die für die Kleiderreform der Frau zu gewinnen, der Zweck der ganzen Veranstaltung war. Los von Paris" war das mit Zustimmung begrüßte Motto einer dieser Reden. Man gibt also vor, in der Reform der Frauen- kleidung eine nationale Mode zu schaffen und damit eine nattonale Tat zu verrichten. Als ob der Reformbraten dadurch schmackhafter wird, daß man ihn mit einer„nationalen" Sauce begießt!— Der Schluß der Ausstellung gesundheitlicher und künstlerischer Frauenkleidung erfolgt am 27. September.— Das Goldene Rad in Steglitz. Trotz der unfteundlichen und sehr kühlen Witterung hatten sich gegen 20 009 Zuschauer ein- gefunden, um dem Kampf unserer besten Dauerfahrer Demke, R o b l, Günther und Walthour um das Große Goldene Rad (ein 100 Kilometer-Rennen mit Motor-Schrittmachern) beizuwohnen. Der Kampf schwantte lange zwischen Demke und Robl: ersterer hatte bis zum 50. Kilometer die Spitze, fiel dann aber von seiner Führung ab und mußte Robl, der dicht folgte, vorüberziehen lassen; der Münchener konnte nun unangefochten das Rennen bis zum Schluß behaupten; denn Demke, einmal im Verlust und durch das Fahren in der Dunkelheit bei elektrischem Licht unsicher geworden, blieb immer mehr zurück. Der Amerikaner Walthour fuhr anfangs sehr leicht, konnte aber doch den beiden anderen nicht standhalten; Günther marschierte stets als letzter und nur dem Umstände, daß Walthour beim 90. Kilometer durch Reifenschaden zu Fall kam, hatte er zum Schluß noch seinen dritten Platz zu verdanken. Das Kleine Goldene Rad(ein Stunden-Rennen mit Motorführung) wurde über- legen von A. H u b e r vor dem Berliner Alb. S ch i p k e, dem Belgier Goor, sowie Przyrembel und Glied ermann gewonnen. Letztere beiden kamen durch Motorschäden gar nicht zur Geltung und endeten weit zurück. In dem Hauptfahren, das von Theile vor Scheuermann, Kurzmeier und Wegener gewonnen wurde, endete W. Arend unplaziert; er hatte sich einschließen lassen und geriet auf den Sand. Der Schluß des großen Dauer-Rennens, sowie das Vorgabe- und Prämienfahren wurden bei elekttischem Licht gefahren; die Rennen endeten erst gegen 7l/2 Uhr. Nachstehend die kurzen zahlenmäßigen Angaben: Niederrad-. Hauptfahren. 1000 Meter. 120, 80, 60, 40 M. 1. Theile, 2. Scheuermann, 3. Kurzmeier, 4. Wegener. Unplaziert Arend und Conrad. In den Vorläufen 34 Fahrer. Kleines Goldenes Rad(Sttmdenrennen). 700, 600, 500, 400 M. 1. A. H. u b e r 78.590 Kilometer. 2. Schlipke 74,850 Kilo- meter, 3. Goor 71,070.Kilometer, 4. Przyrembel 60,250 Kilometer. Nicht plaziert F. Gliedermann. Großes Goldenes Rad(100 Kilometer- Rennen). 2000, 1500, 1000. 800 M. 1. T h. R o b l 1 Std. 12 Min. SIHk Sek.. 2. Br. Demke 9'/n Runden, 3. Günther 35 Runden zurück. B. Walthour bei 90 Kilometer 10 Runden zurück, gestürzt. Vorgabefahren. 820 Meter. 100, 60, 40, 20 M. 1. Rode <40 Meter Borg.), 2. Fr. Hoffmann, 3. Stol(30), 4. Wegener(20). In den Vorläufen 38 Fahrer. Arend im dritten Vorlmif gefallen. Prämienfahren. 6000 Meter. 40. 30, 20 M. t. Eon- r a d, 2. Scheuermann, 3. Fuchs. Rundenprämien gewannen Mthoff, Beyenburg und Süßmilch(3). 20 Fahrer im Rennen. Orgelkonzert. Am Mittwoch, den 27. September, abends 7'/, Uhr, veranstaltet der königl. Musikdirektor Bernhard Jrrgang in der St. Marienkirche das nächste Orgelkonzert unter Mitwirkung von Erl. Willi Kewitsch(Sopran), Frau Brigitta Thielemann(Alt) und errn Heinz Beyer(Cello). Der Eintritt ist frei. Theater.„Zur indischen Witwe", Operette in 3 Akten von Oskar Strauß, deren Premiere am Donnerstag im Zentral- Theater stattfinden sollte, wird erst am Sonnabend, den 30. d.M., Vorort- I�acKricKten. Charlottenburg. Die geplante architektonische Ausgestaltung des Neubaues der Charlottenburger Brücke leidet unter einem eigen« ttimlichen Mißgeschick. Die Charlottenburger Stadtverordneten hatten sich bereits im Oktober 1904 mit der Annahme eines von Prof. Schnede hergestellten Entwurfes einverstanden erklärt. Aber dieser Entwurf fand nicht in allen Teilen den Beifall des Kaisers. Er erfuhr eine zweimalige Abänderung; jetzt trägt der Entwurf, der der künstlerischen Ausgestaltung der Charlottenburger Brücke zu- gründe gelegt werden soll, bereits die Nr. IV. Die Kosten für die architektonische Ausgestaltung sollen nun 379 500 M. betragen. während früher nur auf eme Ausgabe von 275 000 M. gerechnet wurde. Die Gesamtkosten des Brückenbauwerks sind auf 1 334 000 M. veranschlagt. Hoffentlich wird man bald zur Ausführung eines Ent. wurfes schreiten können. Lichtenberg. In der Generalversammlung des Sozialdemokratischen Wahl« Vereins machte der Vertrauensmann Genosse Seikel Mitteilung von einem Schriftwechsel mit dem Genossen Rott über die in einer Ver» sammlung des Wahlvereins Osten(4. Kreis) von letzterem gemachte Aeußerung, nach der das in Lichtenberg, Gudrun- und Hagensttaßen- Ecke, belegene Lokal von Wolf zu meiden sei. Den Mitgliedern der Lokalkommission für den Ort Lichtenberg sowohl wie der Partei» leiwng am Orte sei nichts bekannt, was zu einer solchen Warnung berechttge. Diese sei auch nicht von den dazu Berufenen veranlaßt. Rott will die Angaben von einem Genossen erhalten haben und die Warnung nicht als Vorsitzender der Lokalkommifsion, sondern als Mitglied des Wahlvereins der Versammlung gemacht haben. Seikel teilte demgegenüber mit, daß in Lichtenberg zurzeit Lokale nicht gesperrt seien. Köpenick. Der letzten Stadwerordneten-Bersammlung lag folgender Dring« lichkeitsanttag unserer Genossen zur Beschlußfassung vor: Die Ver« sammlung eriucht den Magistrat, mit ihr gemeinsame Schritte zu unternehmen, welche den Bundesrat veranlassen, daß er die Sperrung der Grenzen gegen die Vieheinsiihr aufhebe, um dadurch unbeschränkte Zulassung ausländischen Schlachtviehes nach allen Orten Deutsch» lands zu ermöglichen. Die Dringlichkeit wurde anerkannt und der Antrag nach der Begründung durch den Genossen Woick mit großer Mehrheit angenommen. In geheimer Sitzung wurde in zweiter Lesung der Verttag mit der Gemeinde Friedrichshagen wegen Aus- bau der Köpenicker städttschen Straßenbahn bis Friedrichshaaen und den Berliner Wasserwerken angenommen. Ueber die Trace,, welche innerhalb des Köpenicker Gebietes eingeschlagen werden soll, soll erst später Beschluß gefaßt werden. Rixdorf. Aus dem Polizeigewahrsam befreit. In einem Rixdorfer Bier» lokal wurde von einem Gaste erzählt, das soeben ein alter, be- rüchttgter Einbrecher, der Händler Kleinschmidt von der Polizei er- griffen und nach der nahe belegenen Polizeiwache des dritten Reviers in der Bergstraße gebracht worden sei. Sofort erklärte der anwesende Kutscher Max Prüfer, es sei ihm ein leichtes, den Gefangenen zu befreien. Als die anderen ungläubig den Kopf schüttelten, ging er fort mit dem Ruf:„Das werde ich euch zeigen I" Prüfer, dem die Lokalitäten des dritten Polizeireviers jedenfalls genau bekannt ge- Wesen sein müssen und der wohl auch Beziehungen zu Kleinschmrdt unterhielt, hat sich dann in die Wache eingeschlichen und einen Augen- blick, als der Wachthabende seine Aufmerksamkeit anderen Dingen zuwendete, benutzt, um die Tür der Zelle, in welcher der Verbrecher interniert war, zu öffnen. Es gelang den beiden, glücklich zu ent- konimen. Kleinschmidt hat bereits lange Jahre hinter Zuchthaus- mauern zugebracht und wird von mehreren Staatsanwaltschaften steckbrieflich verfolgt, Prüfer, der.Befreier", hat auch mancherlei auf dem Kerbbolz. Rixdorfer Theater. In dem Lustspiele„Minna von Barnhelm", das als Eröffnungsvorstellung am 27. September in Szene geht, wirken die Damen Klara Gernod(Bcllevue- Theater in Stettin). Hedwig Hildebrandt(Stadttheater in Magdeburg). Jenny Müller (Berliner Theater), Max Sladek(Stadttheater in Stettin), Sieg- fried Böhm(Luisen-Theater), Rudolf Hock(Trianon-Theater), Paul Würthner(Theater des Westens) und Julius Türk mit. Die Regie führt Julius Türk. Mahlsdorf. Ueber Religion und Sozialdemokratie sprach in der im Lokale von Werneke abgehaltenen Mitglieder-Versammlung des Wahlverems Genosse G o ß l a u. In äußerst interessanten und mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen schilderte er die Entwickelung der Religion und die Entstehung des Götterglaubens, als ein Produkt der Angst vor den Unbilden und furchtbaren Ausbrüchen der Natur in den Urzeiten. An der Daskussion betefligten sich die Genossen O e r t e l und Weiß im zustimmenden Sinne.— Zum Schluß wurde noch darauf hingewiesen, daß alle Lokale im Orte — mit Ausnahme des Lokals von Werneke— der Arbeiterschaft nicht für Versammlungen usw. zur Verfügung stehen und infolge- dessen streng zu meiden sind. Mühlenbeck. Wahlvcrem Bezirk Pankow. In der Mitglieder» Versammlung am 24. d. M. referierte Genosse Sonntag über die neue Partei- Organisation. Der Besuch ließ leider sehr zu wünschen übrig. Die Diskussion war jedoch recht lebhast und anregend. Ein bedauerlicher Mangel an Disziplin wurde bei einzelnen Genossen gekennzeichnet, die immer wieder solche Lokale besuchen, die für Parteiversammlungen verweigert werden. Die betreffenden Genossen suchen ihr Verhalten sogar durch nichtswürdige Ausreden zu beschönigen, z. B. daß sie zu „kontrollieren" hätten. In der nächsten Mitglieder-Versammlung am letzten Ottobcrsonntag werden sie sich zu verantworten haben. Ferner wurde gewünscht, daß die in die Gemeindevertretung gewähllen Genossen einen zusammenfassenden Bericht über ihre Tättgkeit in der Gemeindeverwaltung geben. Die nächste Bereinsversammlung soll sich außerdem mit den Vorstandswahlen beschäftigen. Teltow. Ein Messerstecher wurde am Sonntagabend festgenommen. Er hatte einem angetrunkenen polnischen Arbeiter 25 M. und die Uhr geraubt. Als sicki der Dieb von anderen Arbeiten: verfolgt sah, ging er auf die Verfolger mit dem Messer los und brachte einem zwei und einem anderen einen Messerstich bei._ Betont». Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Budapester Possen-Theater 132 Linienstr. 132- Ecke Friedrichstraße. Kaeh dem Hapfenstreicti. Militär-Humoreske von Satyr. Vorher: Soll und Haben und der ausgezeichnete Spezialitätenteil. Kasseneröffnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Ab 1. Oktober: Sonntag nachmittag 3 Uhr Vorst, zu halb. Fr. Sanssouci, gpttbnffrdr. 4a Dir. W. Reimer. Heute Dienstag: Gastspiel d. Loewe- Ensemblcs: Die Waise aus Lawaod. Charakterbild v. Chart. Birch-Pseifser. Morgen, Mittwoch: Kabale und«iebe. Trauerspiel von Schiller. Sonntag, Montag, Donnerstag: Hoffmanns Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Sonntag Ansang 5, wochentags 8 Uhr. Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger. liloi-ItTptat�. Täglich � in den untere» Sälen+ Gottschalk-Konzert. Kegelbahn noch frei.— Gebrüder Herrnfeld-Theater. Zum 156. Male: die SP top 8�* Komödie in drei Men mit den Autoren ilnton und vonat tierrnkeld in den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Vorwerk. 11-2 Uhr. In Vorbereitung: ver Familicntag. Eine Erbschastskomödie von Anton rmd Donat Herrnseld. fassage-Theater. Anfang der Abendvorstell. 8 Uhr, nachm. Sonnt. 3, Wochent. 5 Uhr. Auyustin die fesche Soubrette. Herr TadailU Damen-Imitator. Das glänzende September-Programm. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. WalMer der Menschheit. Schauspiel in 3 Akten v. F. Philipp!. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Mittwoch: I-umpenmiiMers Lieschen. Donnerstag: Anna, zu dir ist mem liebster Gang. Sonnabend: Exlra-Vors tellung. Arbeiter-Bildungs- Schule. Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer IS. Sehrplan für das 4. Quartal 1905. Montag: Max Grunwald, Nationalökonomie. Tatsachen der Weltwirtschaft. 1. Produktion der wichtigsten Nahrungs- und Genußmittel und der wichtigsten Eohstoifo der Industrie: Getreide, Vieh, Fleisch, Zucker, Kaffee, Tabak, Bier; Kohle, Eisen, Baumwolle, Wolle.— S.Handel und Verkehr: internationale Handelsbilanzen, Geldverkehr, Post. Eisenbahnen, Schiffahrt.— 3. Konsumtion der wichtigsten Nahrungs- und Genußmittel. IHcnstug: M. H. Baege, Naturerkenntnis. Urgeschichte der Menschheit. Die Stellung des Menschen in der Natur und seine Abhängigkeit von derselben— Alter und Urzustand des Menschengeschlechts— die Grundlagen der Kultur — Naturvölker und Kulturvölker— Anfänge der Gesellschft— Anfänge des Staates— Die Entstehung des Sittengesetzes— Anfänge und erste Formen der menschlichen Wirtschaft— Die Anfänge der Technik(Waffen, Werkzeuge, Geräte, Schmuck usw.) — Die Anfänge der geistigen Kultur oder die Entstehung der Sprache, Kunst, Keligion, Wissenschaft usw. Mittwoch: Max Maurenbrecher, Geschichte. Deutsche Politik im neunzehnten Jahrhimdert. 1. Der Ertrag der Napoleonischen Zeit.(1815).— 2. Keimender Liberalismus und blühende Eeaktion.(1815— 1840).— 3. Ein demokratischer Versuch.(1840—1850).— 4. Eeaktion und Konflikt.(1850—1864).— 5. Die dynastische Eevolution.(1864—1871).— 6. Kulturkampf und. Sozialistengesetz.(1871— 1880).— 7. Sozialreform und Kolonialpolitik.(1880— 1890).— 8. Ein Versuch mit dem Liberalismus tCaprivil.(1890—1894).— 9. Anläufe der Eeaktion [Hohenlohe].(1894—1899).— 10. Grundsätzliche Grundsatzlosig» koit[BülowJ.(1899— 1905).*) Itonncrstag: Simon Katzenstein, Gesetzeskun de. Gemeindeverwaltung und Gemeindepolitik(1. Teil). 1. Sozialer und rechtlicher Gharakter der Gememde, Staatsgewalt und Selbst- vorwaltung.— 2. Die Entwickelung der Gemeinde. Die alte Markgenossenschaft. Entstehung der Stadt. Städtewesen im Mittelalter. Niedergang des Städtewesens. Neuer Aufschwung. Moderne Großstadtentwickelung.— 3. Die Eechtstellung der heutigen Gemeinde. Abhängigkeit vom Staate. Klassenherrschaft im Innern. 4. Die Organisation der Gemeindeverwaltung. Behörden und Bürgervertretung. 5. Die Gemeinde als Staatsorgan. Selbstverwaltung. Soziale Aufgaben. 6. Der Boden als Träger des Gemeindelebens. Grundrente. Dozentralisations- bestrebungen. 7. Wohnungsnot und Wohnungsreform. 8. Gesundheitswesen. Körperpflege. 9. Kinderfürsorge. Donnerstag: Max Maurenbrecher, Eedeübung für Fortgeschrittene. üebungen im Disponieren und Halten von Vorträgen. Teilnehmerzahl beschränkt. Bevorzugt werden Funktionäre von Organisationen. Freitag: Max Maurenbrecher, Kednersohule. üebungen im Halten von Vorträgen und in der Diskussionsrede Freitag: Max Grunwald, Fortschritts-Kursus in Nationalökonomie. Finanzwissenschaftliche Üebungen. Die Finanzen des Eeiches und der Bundesstaaten. Die indirekten Steuern. Die Reichsfinanzreform. Der Unterricht beginnt in IVatlonalükonomie Montag, den 16. Oktober; Katnr-JErkenntnis Dienstag, den 17. Oktober; Geschichte Mittwoch, den 18. Oktober; Gesetzesknnde und Rede-Uebung für Fortgeschrittene Donnerstag, den 19. Oktober; Redncrschnie undFortschrittskursns inNationalökonomie Freitag, den 20. Oktober. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um O Uhr und endet pünktlich um ll,ll Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8 bis O Flu- geöffnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichts- geld für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 Mark und ist am zweiten Abend zu zahlen. Der erste Abend jedes Kursus steht jedermann zum unentgeltlichen Besuche frei. Für die beiden Fortschrittskurse wird ein Schulgeld von 2 M. pro Kursus erhoben. 5/3* Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Gewerkscnaftshans, Engel-Ufer 15, Hot links Si Tr., und in nachstehenden Zahlstellen; Gottft-, Schulz, Admiralstraße 40a; Kcul, Barnimstraße 42; Vogel, Demminerstraße 32; Krause, Müllerstraße 7a Hör seh, Engel-Ufer 15. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann Eamm6, Berlin S. 59, Freiligrathstraße 1. Querg. IV, Geldsendungen an den Kassierer H. Königs, Berlin S. 59, Basenheide 66, zu senden. Der Vorstand. *) Im 1. und 2. Quartal 1906 werden behandelt werden: Die Geschichte der bürgerlichen Parteien und die Geschichte der Sozialdemokratie in Deutschland. Dieser erste Kursus soll dazu die Grundlage legen. Was in ihm gelehrt wird, wird in den beiden nächsten Kursen als bekannt vorausgesetzt werden. Carl Weiß-Theater. Gr. granffurterftr. 132. Der Welturaseiler wider ffilleD. Abenteuerliche Ausstattungsposse mit Gesang und Ballett in 6 Bildern von G. Raeder. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Erste Kindervorstellung: vis sieben Raben. CrMuogs- Programm. L.ol'e Füller die berühmte Phantasietänzerin. Louise Blot Pariser Sängerin. 4 Luckens amerik. Gymnastiker. Listers Lasch Akrobatinnen. Kapitän Woodward drcss. Seehunde u. Seelöwen. Sedini und Artur amerikanische Exzentriks. Die mysteriösen Husaren. Die Trombettas italien. Duett. Paul Spaden! KrafG Jongleur. „In Japan" Ballettdivertissement. Tina Clementa Pferd- und Hundedressur. Der Biograph. Palast-Theater Burgstr. 24, 2 Min. v. Bh. Börse. Anfang 8 Uhr. Entree 5V Pf. M brillante September-Programm. Les Miltons Reckpantomime Fred Steffi Ueberzirkus Per Rohrpost Schwank und 9 weitere Spezialitäten. Familientarten sind in allen Barbier-. Friseur- n. Zigarren- geschäften sowie im Theater- bnrean unentgeltlich zu haben. Otto Pritzkows Berliner m MUnzstr. 16. Skelet=Mensch der einzig existierende, ohne Kon- lurrenz, 22 Jahre alt, 55 Psd.schwer.| Mne-Mno-Mni??? Entree Sil) Pt. Zurückgekehrt 39/1 Dr. E. M. Simons, Frauenarzt, Königsberger- Straße Nr. 25. ELYSIUM. Kommandantenstr. 3-4. Vollständig neu renoviert.4tb Friederike Hanig nebst Kindern._ Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich der Freien Vereinigung selbständiger Barbiere, Friseure und Perückenmacher Berlins und Umgebung, dem Sozialdemo- kratischen Wahlverein, sowie samt- lichen Kollegen und Bekannten meinen herzlichsten Dank. f-127 Frau Koßmann, Hussitenstr. 45. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz« spenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes sagen wir allen Be- kannten und Verwandten unseren herzlichsten Dank. 4459L Heinrich Eidtner und Frau. Gustav Behrens Frankfurter- Allee S5. Neues Programm. Kolossaler Erfolg von Sine Berliner Hange. Posse mit Gesang. 16 Spezialitäten-Nummern. I tTt flfc T7> itBlff ITi FTi dTti ilül BTi(fi Flh ftl fih i H.& P. Uder,§»1: Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake. fialiläl; Nordhäuser Kautabak stets frisch zu billigsten Engros-Preisen. 3313L* Amt 4, 3014.--— Parteigenossen! finden am Mitwoch, den 37. September 1903, abends S1� Uhr, in nachsolgenden Lokalen statt: Kellers Festsäle, Koppeustr. 29, Graumanns Festsäle, Naunynstt. 27, „Zum Uolksheim" v°n Karl Miesenthal, Ackerstr. 123. Tages-Ordnung: Mkoholfrage und Mcitcrklaffc. Diskussion. Referenten: Genossen Davidsohn, Stürmer und Genossin Frau Dr. Wegscheider-Zieglcr. Arbeiter! Parteigenossen k„Wissen ist Macht I" Wollt Ihr Euer Wiffen bereichern, dann erscheint zahlreich in der Versammlung. 295/6 Die Ortsgruppe Kerlin des D. A.-A.-D. IMmWiiWImüJ« Berlins und Umgegend. Mittwoch, de» 27. September 1905, abends 8'/, Uhr, bei Patt,' Dragonerstraste 15: Baudeputiertcn'lferfammluna. Pflicht der Kollegen ist es, von jedem Bau einen Deputterten zu entsende». 130/8 Der Verstand. Verband der Seliueider u. Sehneiderinnen Filiale Berlin. 164/5 Mittwoch, den 27. September 1905, abends 8'/, Uhr, im Etabliffement Buggenhagen, Moritzplatz(Gr. Saal, 1 Tr.): Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vertrag des Kollegen»Itter über:„Das Programm«nserer Organisation und die Stellung der Mitglieder zu demselben�. 2. Diskussion. 3. Mitteilungen der Ortsverwaltung. DM- Die Mitglieder aller Branchen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Die Ortsverwaltnng. Deutscher Textilarbeiter-Verband. Mittwoch, den 27. September, abends 8 Uhr: AI Versammlung der Berliner Filialen im Gewerkschaftshanse. Engel-Ufer 15. Tages-Ordnung: 1. Ersatzwahl zu dem ZeniralauSschust. 2. Die Verschmelzung der Filialen. 3. Wahl des Vorstandes und der Revisoren. 4. Verschiedenes. DV Mitgliedsbuch legitimiert. 205/10 Zahlreichen Besuch erwarten Die Borstände. ko-lertliic i merossa BBsemslns"> v«| [Fahrrads und HulomobMusMungi BeRüm i�os SU>ls27.September lleue Weti SeSSuet voll 10 bis B Olli Tageskarten SOPfg.& Dauerkarten Mk. 3.- _ Täglich Itlilltar-Concgrt tn der ffusstcllung_ JAPANS PERLE EJeferant für alle 4295L* I Krankenkassen Friedr. Wilhelms-Bad Victoria-Bad Kottbuser Damm 75 vis-a-vis Hohcnstanfenplatz Amt IV 8152. Ghausseestraße 81 vis-a-vis LiiesenstraBe. Amt II 4496. Sämtliche Bäder. Auch für Damen täglich sämtliche Schwitz- und — Massage- Bäder. Acht, mg: 7 Yersaitstnlungen Acht»««: der Ausgesperrten der LlektriTitats-lZesellsckattea tÜMeine küMrmlsk'kWellzellzsl nnd Siemens& Halske 133120 UM Dienstag, den 36. September er., nachmittags 4 Uhr. Tages-Ordnung: 1* Mitteilttttgen über den Stand des Streiks nnd der Anssperrnng. A. Unsere weitere Stellung. Zu beachten ist nachstehendes: Sie Kollegen der Allgemeinen Glehtrizitäts-Gesellsehaft versammeln sich in nachstehenden Lokalen: Keller, Koppenstr. 29; Boekers Gesellschastshaus, Weberstr. 17; Andreas-Festsäle, Andreasstr. 21; Brauerei Friedrichshain; Kirdorf: Thiels Gesellschaftshaus, Bergstr. 152; Die Kollegen von Siemens& Kalske in den Lokalen: Krouen-Branerei, Alt-Moabit 47/48; Peters Gesellschastshaus, Wiclefstr. 24. Nie Lind erufer. Veutsoks Terwaltungsstelle Berlin. Haupt-Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3573. , Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. Mittwoch, den 27. September 1905, abends 8'l1 Uhr, im „Rosenthnlcr Hof", Roseuthalerstr. 11—12: nn ur Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Kngclbcvt tJraf über:»Japanische Kultur". 2. Dislussion. 3. Verbmidsangelegenheitcn und Verschiedenes. Zu dieser Bersammlnna sind die in technischen Hartgummi- Betrieben beschäftigte» Kollegen besonders eingeladen. Zahlreicher Besuch wird erwartet. NB. Die Kollegen der Firma Louis und H. Löwenstein werden ersucht, in obige Versammlung zu kommen. Mittwoch, den 27. September 1903, abends 8'/, Uhr, im Charlottenburger Bolkshans, Rosinenstr. 3: ZI� Ilir und Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen liTletlie über: „Neue Waffen im Befreiungskampse". 2. Diskussion. 3. Neuwahl des ersten Bezirksleiters. 4. Vcrbandsangelcgenheiten. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Msllsrdeiter-�eiverliZeiiast Vervnltnnsnntelle Berlin. Bureau und Hrbcitsnachwefs Roaenthalerstraße 57 (2. Eingang: Gormannstrasie 28). Geöffnet von 9'/»— 2 und 4—8 Uhr. Telephon: HI, Nr. 1235. Diesen Mittwoch, den 27. September 1905, abends 8 Uhr: Keschließende Mitglieder- Versammlung in Fiebigs Festsälen(Borussia), Alterstraffe S/7. Tages-Ordnung: 1. Die Aussperrung der A. C.-G. und der Siemens-Schuckert- Werner-Werke und deren Folgen. 2. Unsere Stellung zur Feenpalast- Resolution. 3. Anträge. 4. Gewerkschaftliches. bedarf wohl keiner Betonung', dafi angesichts der Situation kein Bitglicd fehlen darf. MF" Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt, für Streikende und Ausgesperrte gilt als lusweis die Streikkarte.— llio Vorssmmiung wird Punkt 8 Uhr eröffnet. Tf" 280/18_ I>ie Ortsverwultung. Mittwoch, de» 37. September 1905, abends 8'/, Uhr, im „Dresdener Garten«, Dresdenerstr. 45: Ve r s ammlimg; der Geld- id SilMeiier und m. BenUspossee. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen H. Faber über:„Unternehmer- und Gehülsenorganisationen im Goldschmiedegewerbe Berlins". 2. Diskussion. 3. Vcrbandsangelegenheiten. Die Kollegen werden er-fucht, recht zahlreich zu ericheinen.— Gäste willkommen._ Mittwoch, den 27. September 1905, abends 8'/, Uhr, im „Kolbergcr Salou«, Kolbergerstr. 23: ¥er Sammlung d. Former u. Berufsgenossen, Sllti Tages-Ordnung: 1. Bericht der Fünfer-Kommission: II. Kcrnlche. Ersatzwahl eines Mitgliedes. 2. Bericht über den AgitationssondS der Former und Beruss- genossen: A. KUraten. 3. Vcrbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Die Billetts für das Herbstvergnügen der Former und Berufs- genossen gelangen in dieser Bersammlung zur Ausgabe. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Mittwoch, den 27. September 1905, abends 8 Nhr, im Lokal„Birkenwäldchen" zu Lichterfelde: ZtoMeif ef-Versammlung f. Steglitz, Groll-Mierfelde n. Umgeg. Tages-Ordnung: 1. Vortrag de? Herrn Ba» Schütte über:„Zwei Lockspitzel". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 123/19 - Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist c» geboten, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Also aus, Kollegen, rüttelt die Säumigen, macht cS ihnen zur Pflicht, teilzunehmen an diesen Versammlunge». Die«rtnverwaltnng. teinuna! Kammacher! In der Jkorddentschen Kamiufabrlk, Köpenlckerstr. 128 (Kubisch u. Redlich) bestehen Dissercuze». 93,10 Zuzug ist fernzuhalteu. UM IHtr VeU Zahlstelle Berlin. Mittwoch. 27. Septbr., abends 8>/, Uhr. in Schmidts Gesellschastshaus. Gartenstrafte 0: Branchen»Versammlung der MUkll-- Fobrilltischltt>.«- Modkliilrechslcr Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission über ihre Tätigkeit vor und während deS Streiks. 2. Die Arbeitsvermittelungs-Frage. 3. Abrechnung über die ge- sammelten Gelder. 4. Verschiedenes. Die Kominisston. Stellmacher. Donnerstag, 28. September, abends 8'/» Uhr. im„Roscnthaler Hof". groger Saal, Rosenthalerstrage 11—12: Oeffklitliche NtchiiiillliW»» StfUinmlitt. Tagesordnung: 1. Was beabsichtigen die Fabrikanten und Fnnungsmcister gegen un§ zu unternehmen? Referent: Kollege Henlee. 2. Diskussion. 3. Belainitgabc des Resultats der Statistik: Kollege Hiedel. 4. Verschiedenes. 93/9_ Die Kommission. Beim Stiftungsfest am Sonnabend ist eine goldene Dainenuhr nnd ein Fächer gefunden und eine Dainenuhr verlöre» worden. Meldungen sind an 8. liummel, 0. 34, Eckertslr. 17, vorn IV zu richten._ Sozialderaohralischer Wahlverein für den 3. SerlinerKeichstags-Wahthreis. Dienstag, den 26. September, abends 81/- Uhr, im Gewerkschaftshause. Engel-Ufer 15, groffer Saal: Außerordentliche Oeueraloerfammluug. Tages-Ordnung: 1. Die Neuorganisation der Wohlvereine Berlins und Um- gegend. 2. Antrag aus Ausschluß eines Mitgliedes wegen Streikbruch. 3. Verschiedenes. •mmmmmm Mitgliedsbuch legitimiert._ Es ist Pflicht jedes Mitgliedes, in der Versammlung anwesend zu sein. 241,2« Der«orstaud. flchhiiig! aehtong! An die Arbeiterschatt Weißensees! Dienstag, den 26. September, abends S'/j Uhr; (Dtffctillidjc GkintrWifts-MrsamiIlW im„Prälaten", Lehderstraße 122. Tages-Ordnung: 1. Sind die Forderungen der«arbiergchülfen berechtigt, und welche Mittel müssen angrwaudt werden, denselben Geltung zu per- schassen? Referent Genosse Sobobart, Berlin. 2. Diskussion. 3. VerschiedencS. Zu dieser wichtigen Versammlung sind alle Barbierherren Wcißensces hiermit eingeladen. 222,19 ES ist Pflicht eines jeden Arbeiters und jeder Arbeiterin, zu erscheinen. Das Gewerkschaftskartell. I. A.: Kar 8obrooil«r. Achtimg! Dienstag, Höhlung! 26, Septbr., abends 8»/s Uhr. im Lokal des Herr» Wilkc- Brunnenftrnße 188 Üeffentliche Versammlung der in Berlin arbeitenden Genossen des Kuppln- Templiner Aahlkreises. Tages-Ordnung: 1. Bericht vom Parteitag in Jena. Berichterstatter: Unhrig Krasomann- Reu-Ruppi». 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 295,5 S0F~ Das Erscheinen aller in Berlin arbeitenden Genossen de» Kreises ist notwendig."MU I. A.: P. Dobrohlaw, AgitallonSkommiffar. Dr. Simtnel, Prlnien Str. 41, Spczialarzt sür 29,14« Bant- und Harnleiden. 10— 2,6— 7. Sonntag» 10—12, 2—4 Stuhtfiecht- rohr in vorzüglicher Qualität. Ltudlrodrlager dVallntr. 16.« ittrtttitii (Osten, frankfurter Viertel). Dienötag, den 26. September, abends 8'/z Uhr, in Bockers GesellschaftShaus, Weberstraßc 17: " Versammlung.—- Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen I>r. Manrenbrecher über:„Die Formen der Revolution in der deutschen Geschichte". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. sAufnahme neuer Mitglieder.) Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen.— Die Versammlung wird pünktlich eröffnet.—(Säfte haben Zutritt._ 244/19"_ l>cr Vorstand._ Ächtung! Fliesenleger. Ächtung! Mittwoch, den Ä7. September, abends 8 Uhr, im Gewerkschastshause, Gngel-Ufer 15(Saal 8)- Mitglieder- Versammlung der Sektion der Fliesenleger des Aentrnl-Nerdandes der Maurer. Tages-Ordnnng: 1. Der nette Bertrag der Freien Bereinigung der Fliesenleger nnd unsere Stellungnahme dazu. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.• ■ Mitgliedsbuch legitimiert. Werte Kollegen I Obige Tagesordnung sollte bei jedem im Fliesenlcgerberuse beschäsllgten Kollegen das größte Interesse erwecken. Es ist daher Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Bor Sektionnvoratniid. I. A.: Fe! ix Bi 148/11 »reiske. Versuchten Sie schon das vornehmste u. absolut lonkurrenz» lose Mittel zum Aus- oder Um- resp. Ncusärbcn von Knaben-, Mädchen-, Damen- und Herren- Garderoben, Portieren, Gardinen. Vorhängen, Bändern. Spitzen tc.? Eine kinderleichte Anwendung, kein Abfärben an Haut oder Unterzeug, saubere Hände und Töpfe sind Annchmlichkeiten, die Ihnen kein anderes Haussärbemittel bietet. Alle Farben sind untcrcin- ander mischbar und deshalb jede, auch die neueste Nuance bei einigem Farbenverständnis sofort herzustellen. Die gesärbtcn Stoffe find waschecht. Hr. Ed. Arnold'* Schottland- Farbseife erkalten Sie in den einschlägigen Ge- schäslen a 30 u. 50 Ps. Dr Ed.' Arnold, Chemische Fabrik, Berlin O. 54, Sophienstr. 8.• Dr. Schlinemann, Spczial-Arzt für(41022* Bant- und Harnleiden, Fraueiikrankhcitcu, Seydelstr. 3, dicht am Spiliclmarkt. Wochentags st.l-ö—'/.N,'/.,«—>/, 8. Gfraptw. Redakteur: OBaul Lüttuer. Berlin. Lür den LtnierateMtil vttiwtw.: Th. Gltzfkc, Bttlin. u. Bit loa; VorwärtHvuchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Sipgu& Co.. Berlin SW