Kr. SS?. flbonnementS'Redlngungen: Wonncmcntä■ Preis pränumerando: «erteljährl. 8,80 SD», moitoO. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei in« Hau«, Einzelne Nummer K Psg. Sonnlag«. Nummer mit illustrierter Sonntag«, Beilage»Die Neue Welt" 10 Psg. Post- «donncment: 1,10 Marl pro Monat. «ingetragen in die Post-geitting«. Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich. Ungarn H Marl, sür das ädrige ilusiand 8 Marl pro Monat. SS. Jahrg. VI» InlerNonz-LedUhr beträgt sür die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Psg., sür politische und gewerlschaftliche BereinS- und Bersammlungs.slnzcigen 28 Psg. „Kleine Hnieigen", das erste(sett- gedrucktei Wort 10 Psg, jede» wettere Wort k Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 8 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bt» 8 Uhr dormiltag« geössnet. CriMbt Uglich außer Moiilag». Derliner VolksblÄtb Telegramm-iidreff«: „SMlaltleiMlirat«erlin". Zentralorgan der rcztaldemohratifchen parte» Deutfchlandd. Redaktion: 8Rl. 68» Lindenstraese 69. Kcrnsprcchcr: Amt IT, Nr. 1983. Donnerstag, den 28. September 1905. Expedition: 8M. 68, Lindenstraeae 69. afcriifPrrrfiet: Zlint IV, Nr. 1084. Der englisch-japanische Vertrag. Der Wortlaut des neuen englisch-japanischen Vertrages, der gestern veröffentlicht wurde, bestätigt im allgemeinen voll- inhaltlich die Mitteilungen, die bereits vor einigen Wochen darüber bekannt geworden sind. Der Vertrag, den wir nur in einem Teil unserer gestrigen Auflage veröffentlichen konnten, besteht aus einer Einleitung und acht Artikeln. Die Ein- leitung besagt, die Ziele des Abkommens seien die Befestigung und Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens in Ostasien und Indien und die Erhaltung der gemeinsamen Interessen aller Mächte in China durch die Sicherung der U n- abhängigkeit und Integrität Chinas und des Prinzips der Gleichberechtigung des Handels aller Nationen, ferner die Aufrechterhaltung der territorialen Rechte Großbritanniens und Japans in Ostasien und Indien und die Ver- teidigung ihrer besonderen Interessen in diesen Gebieten. Artikel 1 besagt: Die beiden Regierungen werden, wenn immer ihre oben bezeichneten Rechte und Interessen gefährdet sind, mit einander in vollem Umfange und offen in Verkehr treten und gemeinsam die Maßnahmen erwägen, die zur Wahrung derselben zn ergreifen sind. Artikel 2 bestimmt: Wenn infolge eines nicht herausgeforderten Angriffs oder eines aggressiven Vorgehens, das wo immer seitens irgend welcher Macht oder Mächte erfolgen mag, einer der beiden vertragschließenden Teile in der Verteidigung seiner Rechte und Interessen in einen Krieg verwickelt wird, so wird der andere Teil dem Verbündeten sofort zu Hülfe kommen und mit ihm den Krieg gemeinsam führen sowie in wechselseitigem Einvernehmen Frieden schließen. Artikel 3 besagt: Da Japan die vorherrschenden politischen, militärffchen und wirtschaftlichen Rechte in Korea besitzt, so erkennt Großbritannien Japans Recht an, solche Maßregeln zur Leitung, zur Kontrolle und zum Schutze Koreas zu ergreifen, als es geeignet und notwendig erachten mag, um diese Interessen zu schützen und zu fördern. Artikel 4: Japan erkennt das Recht Großbritanniens an, in der Rühe der indischen Grenze solche Maßregeln zu ergreifen, welche nötig sein mögen, die indischen Besitzungen zu schützen. Artikel S: Beide Teile kommen überein, daß keiner, ohne die andere Macht zu befragen, in besondere Abmachungen eintreten wird, welche den in der Einleitung des Abkommens bezeichneten Zielen nachteilig sein könnten. Artikel 6 bestimmt, daß im Falle eines russisch- japanischen Krieges Großbritannien es übernimmt, strenge Neutralität zu wahren und Japan, im Falle es von einer anderen Macht an- gegriffen wird, zu Hülfe zu kommen. Artikel 7 setzt fest: Die Bedingungen, unter denen der er- wähnte Beistand geleistet werden soll, werden durch die Militär- und Marinebehörden der vertragschließenden Teile vereinbart, die miteinander von Zeit zu Zeit anSgiebig und offen in Beratung treten. Artikel 8 besagt: Das gegenwärtige Uebereinkommen gilt für eine Frist von zehn Jahren, ist aber mit einjähriger Kündigung aufhebbar. Von dem Vertrage war seinerzeit bekanntlich behauptet worden, daß er seine Wirksamkeit bis zum 51. Grad östlicher Länge erstrecken, also auch Pcrsicn und Afghanistan einschließen werde. Ist in dem Vertrage auch von diesem Grade mit keinem Wort die Rede, so entspricht doch der Artikel 4 des Vertrages völlig dieser Auffassung. Nach diesem Artikel er- kennt Japan das Recht Englands an, in der Nähe der indischen Grenzen alle Maßregeln zu ergreifen, die zum Schutze der englischen Besitzungen notwendig sind. Das heißt, daß England nicht zu dulden braucht,"daß eine fremde Nation durch Anncktion der Grenzgebiete die indischen Besitzungen bc- droht. Würde eine fremde Macht(und hier kann nur Ruß- land in Frage kommen) etwas gegen P e r s i c n und Afghanistan unternehmen, so würden die Bestimmungen des Artikels 2 erftillt sein, der vorsieht, daß im Falle eines agrcssiven Vorgehens einer fremden Macht der andere Teil dem Verbündeten sofort zu Hülfe kommen und mit ihm den Krieg gemeinsam zu führen verpflichtet ist. Artikel 2 besagt ferner, daß auch England verpflichtet ist, Japan Hülfe zu leisten, wenn sein Besitzstand in O st a s i e n durch eine fremde Macht bedroht wird. In einen» gewissen Widerspruch zu dem Artikel 2 scheint der Artikels zustehen, der für den Fall eines russisch- japanischen Krieges Großbritannien zur strengen Neutralität verpflichtet und nur für den Fall die Unter- stützung Englands vorsieht, daß Japan noch von einer anderen Macht angegriffen werde. Dieser Widerspruch löst sich aber sofort, wenn man berücksichtigt, daß dieser Vertrag bereits am 12. August abgeschlossen worden ist, also zu einer Zeit, wo der russisch-japanische Krieg noch nicht beendet war. Dieser Arflkel C also bezieht sich nur auf den nunmehr durch den Frieden von PortSmouth geschlichteten Krieg. Sollte es später n o ch e i n m a l zu einer kriegerischen Auseinander- fetzung zwischen Rußland und Japan kommen. so rr i t t zweifellos der Artikel 2 in Geltung. Auch noch ein anderer Artikel des Vertrages bezieht sich offenbar auf den zur Zeit des Vertragsschlusses noch nicht beendeten russisch-japanischcn Krieg, nämlich der Artikel 3, der die vorherrschenden politischen, militärischen und Wirtschaft- lichen Rechte Japans in Korea anerkennt. Man wird nicht fehlgehen, wenn man diesen Artikel als ein Mittel betrachtet, um Rußland bei dem Friedensvertrag zur Anerkennung der japanischen Rechte auf Korea zu zwingen. Wir haben schon, als der Inhalt des Friedensvertrages bekannt gegeben wurde, mehrfach die außerordentliche Bedeutung des englisch-japanischen Bünd- nisses für die ganze asiatische Politik her- v o r g e h o b e n. Es ist kein Zweifel, daß dieser Vertrag für absehbare Zeit den Ltakuo guo in ganz Ostasien jenseits des 51. Grades östlicher Länge sichert. Nicht nur bietet der Vertrag die Gewähr, daß der englische und der japanische Besitzstand in Ostasien unangetastet bleibt, sondern auch die Integrität Chinas und das Prinzip der Gleichberechtigung des Handels aller Nationen wird als das Ziel der Verehr barung der beiden Mächte unzweideutig betont. Damit ist allen etlvaigen Erober ungsgelüsten der anderen Nationen in Ostasien ein Riegel vorgeschoben. Deutschland muß auf alle möglicherweise gehegten Expansionspläne in Schantung verzichten. Ebenso ist Frankreich die Möglichkeit genommen, von Süden her erobernd in China einzudringen. In unserer weltpolitisch angehauchten Presse erregen die die Integrität Chinas garantierenden Bestimmungen des Ver- träges denn auch bereits Anstoß. So behauptet das„B e r- liner Tageblatt", daß der Vertrag sich gegen das Deutsche Reich richtet, da er Deutschlands Besitzungen und Aus sichten in China auf die kleine Landzunge von Kiautschou beschränke. Dadurch seien die deutschen Interessen aufs ernst lichste gefährdet. Nicht besser ergehe es Frankreich in Süd china. Auch Amerika müsse sich durch den Vertrag im Besitze der Philippinen gefährdet fiihlen. So sei der englisch-japanische Vertrag ein Schlag gegen die europäischen Interessen. Es werde sich deshalb mit Naturnotwendig- keit eine Koalition der in ihren asiatischen Interessen bedrohten Großmächte ergeben, die einigermaßen in her Lage wären, der englisch-japanischen Entente ein Paroli zu bieten. Die Klage des„Berliner Tageblattes" wäre nur dann berechtigt, wenn Deutschland wirklich beabsichtigte, seinen Besitz- stand in Ostasien auszudehnen. Daß Deutschland einen der- artigen Plan nicht hege, ist aber unzähligcmale von der deutschen Regierung beteuert worden. Auch enthält ja be- kanntlich, was das„Berliner Tageblatt" völlig übersieht, der Friedensvertrag der Mächte mit China die ausdrückliche Be stimmung, daß Chinas Integrität zu wahren sei. Es kann also den Mächten, die damals den Vertrag geschlossen haben, speziell also auch Deutschland, nur angenehm sein, daß nun auch durch den englisch-japanischen Vertrag die Integrität Chinas ausdrücklich gesichert wird. Der englisch- japanische Mrtrag ist umsoweniger eine Verletzung der deutschen-Anter- essen, als ja durch ihn das Prinzip der Gleichberechtigung des Handels aller Nationen für ganz China aufrecht erhalten »verden soll. In derselben Lage»vie Deutschland befindet sich auch Amerika. Eine Gefahr für die Philippinen durch Japan ist ftir absehbare Zeit nicht vorhanden;»vohl aber hätte Amerika alle Ursache, das Prinzip der offenen Tür für China möglichst zu unterstützen. Das Prinzip der offenen Tür aber steht und fällt mit der Integrität Chinas. Mit der Gegen- koalition gegen das englisch-japanische Bündnis wird es also noch seine guten Wege haben. Die deutsche Arbeiterklasse vollends hat,»vie wir schon unlängst hervorhoben, alle Ursache, mit dem englisch-japanischen Vertrage zufrieden zu sein. Er bietet einen sicheren Schutz»vall gegen etwaige Eroberungsgelüste unserer Weltpolittker, die dem deutschen Volke noch einmal hätten sehr teuer zu stehen kominen können. Allein das Chinaabenteuer mit seiner Vicrtclmilliarde Kosten hat ja beiviesen,»vie rasch die ostasiatische Eroberungspolitik Deutschland in unabsehbare Häitdel zu verivickeln vermag. Freilich verringert der englisch-japanische Vertrag mit seiner Bekennung der Integrität"Chinas nur die ostasiatischcn Ge- fahren für das deutsche Volk, ohne sie völlig zu beseitigen. Bei der fortschreitenden ökonomischen Zersetzung Chinas, die höchst»vahrscheinlich im Lause der Zeit noch zu polisischen Umtvälzungcn von un- absehbarer Bedeutung führen wird» sind Wieder- holungen des sogenannten BoxerkriegeL keineswegs ausgeschlossen. Solange aber Deutschland den famosen„Platz an der Sonne" besitzt, ist bei den Neigungen unserer Negierung, überall dabei zu sein,»vo etwas auf dem Erdbälle passiert, nur zu wahrscheinlich, daß eine neue Auf- läge von Boxeraufftänden dem deutschen Volke auch eine neue Auflage des Waldersee- Abenteuers beschert. Der Besitz von Kiautschou bildet also eine st ä n d i g e schwere Kriegsgefahr für Deutschland. Sache der deutschen Arbeiterklasse ist es deshalb,»nit allen ihr zu Gebote stehenden Machtmitteln dahin zu drängen, daß Deutsch- land mit seiner ostnsiatischen Weltpolitik ein Ende macht. Da die Pachtung von Kiausichou nach dem englisch-japanischen Vertrage doch niemals zu einer Pachtung von Schantung er- »vettert»verde» kann, niüßte, sollte man meinen, auch die deutsche Regierung Einsicht genug haben, sich rechtzeitig genug aus einer haltlos gewordenen Situation zurückzuziehen. Die Hoffnungen auf die Entwickeluug Kiautschous haben sich nicht erfüllt. Der Platz au der Sonne fordert Jahr für Jahr bedeutende Reichszuschüsse, ohne daß irgend»velchcr handelspolitische Gewinn dabei heraussprängc. So ist für das 1905 wiederum ein Reichszuschuß von 14'/, Millionen ark notwendig getvorden. Dagegen hat die famose Kolonie an Verwaltungseinnahmen und Steuern eine ganze halbe Million Mark aufzuweisen, und der Wert des Gesamthandels beträgt nur etwa die Hälfte des Reichszuschusses. An eine Entivickelung des Handels ist schon deshalb nicht zu denken, weil das industriell aufstrebende und nach der ökonomischen Nutzbarmachung Koreas sicher noch rapider sich entwickelnde Japan dem deutschen Handel eine platterdings nicht zu schlagende Konkurrenz bereitet und für alle Zukunft bereiten wird. So besteht der Wert unserer ostasiatischei» Kolonie schließlich nur in der„Sommerfrische", zu der nach der offi- ziellen Denkschrift Kiautschou gemacht lvorden ist. Um das Erholungsbedürftiis der in Ostasien befindlichen Europäer zu befriedigen, sollte man doch aber nicht jährlich Dutzende von Millionen für die Kolonie zuin Fenster hinausiverfen, nament- lich nicht zu einer Zeit, wo der Finanzsekretär des Deutschen Reiches sich im Schiveiße seines Angesichts abmüht, zur Deckung des immer größer»verdenden Reichsdefizits neue Steucrprojekte auszuhecken. Die Losung für das deutsche Volk muß also lauten: Nieder mit unserer abenteuerlichenKolonial- Politik, fort aus Ostasienl *•# Earl of LanSdowne über das Abkommen. Minister des Aeutzern Earl ofLanSdowne hat in einem Schreiben vom 6. September, welches gleichzeitig mit dem Vertrag veröffentlicht worden ist, den englischen Botschafter in Peters- bürg Hardinge angewiesen, den Text des Abkommens zur Kenntnis der russischen Regierung zu bringen. Landsdowne spricht in diesem Schreiben die Hoffnung aus, daß die russische Regierung an- erkennen werde, daß daö neue Abkommen eine inter- nationale Urkunde sei, gegen welche die in den Angelegenheiten des fernenOstens interessierten Mächte keine Einwendungen machen können, und weist besonders auf die in der Einleitung erwähnten Ziele,»velche 'iir die Politik der vertragschließenden Parteien bestimmend gewesen cien, hin. Die brittsche Regierung glaube, daß sie in dem Be- streben, den Frieden in Ostasien, die völlige Unabhängigkeit Chinas und das Prinzip gleicher Berechtigung des Handels für alle Völker aufrechtzuerhalten, auf daS Wohlwollen und die Unter« stützung aller Mächte rechnen könne. Andererseits seien die Interessen der vertragschließenden Parteien solche, aus welchen zu bestehen sie vollauf berechtigt seien, und die Erklärung, daß diese Interessen gewahrt werden müssen, können keinerlei Ueber- raschung hervorrufen und solle keinerlei Besorgnis er« regen. Ferner wird in den» Schreiben besonders darauf hin- gewiesen, baß in der Fassung des Artikels 2 ausdrücklich gesagt ist, daß nur im Falle eines nicht provozierten Angriffs auf eine der vertragschlicßendeu Mächte durch eine andere Macht oder andere Mächte, und wenn diese Partei territoriale Rechte und besondere Interessen gegen ein aggressives Vorgehen verteidigt, die andere Partei verpflichtet ist, ihr zu Hülfe zu kommen. Ferner wird Artikel 3 hervorgehoben und besonderes Gewicht auf die Stellung Japans in Korea gelegt. Endlich führt Lansdowne in den» Schriftstück aus. die britische Regierung glaube annehmen zu dürfe»», daß dieses Bündnis, welches mit ausschließlich fricd« lichen Zielen ui,d zum Schutz von Rechten und Interessen, deren Gültigkeit u>»anfechtbar sei, abgeschlossen»vorden sei, die Billi- gung der russischen Regierung finden werde. Die britische Regierung sei berechtigt, zu glauben, daß der Abschluß dieses Bündnisses nicht ohne Einfluß auf die Er« möglichung des Abkommens gewesen sei, durch welches der Krieg so glücklich beendet worden sei, und vertraue fest darauf, daß es aus viele Jahre hinaus den Frieden der Welt in de»»Gegenden, welche in seinem Wirkungskreis liegen, sichern»verde. Urteil eines japanischen Diplomaten. London, 27. September. Der japanische Gesandte Vikomte Hayashi erklärte einem Vertreter des»Reuterschen Bureaus': Der neue englisch-japanische Vertrag bildet einen wirk« samen Schutz gegen einen neuen Krieg in Ost» a s i e n, und das»st sein Zweck. Wir»verden nicht sagen können, daß ein daucr»»der Friede gesichert ist, aber wir»verden sagen können, daß für lange Jahre Ruhe sicher ist. Ueberall soll man wohl verstehe»», daß der Vertrag»n keiner Weise eine Drohung bilden soll. � Die Gegner über den Parteitag. (Schluß aus Nr. 22S und 223.) Das Blatt des Kanzlers. Seit etwa Jahresfrist hat die„Norddeutsche A l l g e m. Zeitung" den Auftrag, den Vorgängen in der Sozialdemokratie ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Seitdem erfahren wir allwöchentlich aus einem ausgedehnten Rückblicksartikel des Blatte», wie in den offiziösen Kreisen über die Sozialdemokratie gedacht wird. Leider ist die Aufinerksamkcit, die man unserer Partei widmet, nur eine quantitative geworden, qualitativ ist die Leistung äußerst mäßig geblieben. Das beweist das Regierungsorgan auch in seiner Besprechung des Jenaer Parteitages. Bittere Klage führt die„Nordd. Allg. Ztg.", daß der Par.eitag die nach ihrer Ansicht wichtigsten Fragen der Oeffentlichkqit ent- zogen habe: „Immerhin darf man der Sozialdemokratie das Kornpliment nicht vorenthalte»», daß sie jetzt ihr diploinatifcheS Talent eirtdeckt zu haben scheint, dein» die Art, wie die der Lösung dtlrch den Parteitag varretiden Schlvicrigkeiten mit tascheuspielerinäßiger Ge« schivindigkeit hinwegcSkamoticrt worden sind, hätte wirklich etwas Imposantes,»venu die Aiiivcndung solcher gehenncn Künste seitens einer Partei, die sich a»f die unbedingte Oeffentlichkeit ihres Bor» gehens»»ich» genug zu gute zu tun»veiß, nicht doch stark ver- wundem müßte." Die„Nordd. Allg. Ztg/' führt dann aus, daß man die Organi- fationsfrage und die Streitigkeiten der Preßorgane in Kommissionen »ergraben und den Parteitag in die Lage versetzt habe,„nur noch Ja und Amen zu dem Ergebnis der Kommissioiisberatung sagen zu können".„Nachdem man so. ruft sie enttäuscht, die internen Streitigkeiten, ohne daß die Oeffcntlichkeit davon erfährt, fein säuberlich unter sich abgemacht, steht nachher die Einigkeit der Partei natürlich in glänzendem Lichte da." Es sei, sagt sie weiter,„ein trauriges Armutszeugnis für die Partei, daß sie ihre eigenen, bei so vielen Gelegenheiten mit Eniphase verkündeten Grundsätze auf diese Weise verleugnen mnh". Wir begreifen die Verstimmung des Regierungsorgans, daß sie und ihr Gebieter im Reichskanzlerpalais nicht dasjenige aus dem Parteitag zu schöpfen vermögen, waS sie gewünscht und erwartet hatten und Iva? der politischen Oberflächlichkeit Anlaß zu billigen Schein- triumphen geben kann. Die begreifliche Verstimmung sollte jedoch die Wahrheit nicht allzusehr verletzen. Unwahr sind die Aussnhrnngcn der„Nordd. Allg. Ztg." bezüglich des Organisationsstatuts, das nach gründlicher Vorbereitung auf dem Parteitag in Jena und reichlicher Besprechung in der Presse, in der vor aller Oeffentlichkeit alles gesagt worden ist, was jemand zu sagen auf dem Herzen hatte, auch in Jena nochmals mehr als einen ganzen Sitzungstag lang erörtert worden ist. Es gab da nicht das mindeste zu verbergen, aber es ist prattisch undurchführbar, ein Organisattonsstatut mit der Fülle der Anträge, die dazu vorlagen, in einer Plenar- Verhandlung von fast vierhundert Menschen in allen Einzelheiten sachgemäß zu erledigen. Nicht anders lag es auch mit den Preßstreitigkeiten, deren Ausnutzung das offiziöse Blatt im be- sonderen Maße erhofft hatte. Wie wir bereits ausgeführt haben, gab es auch in dieser Hinsicht nichts zu verheimlichen; aber es wäre unmöglich gewesen, die Debatte auf die wichtigsten Einzelfragen, die in Betracht kamen, zu konzentrieren. Wenn dann die Fünfzehncr- Kommission eine so glückliche Lösung der Angelegenheit fand, daß niemand auf dem Parteitage Neigung hatte, weiter darüber zu debattteren, so mag das die„Nordd. Allg. Ztg." verdrießen, bedeutet aber keineswegs die Verleugnung früher verkündeter Grundsätze � tatsächlich haben unsere Parteitage schon häufig ähnliche Angelegen- heiten in Kommissionen beraten und vorbereiten lassen. In der Sache selbst würdigt die„Nordd. Allg. Ztg." den Partei- tag als einen„vollständigen Sieg der radikalen Richtung". Dies spreche sich am deutlichsten in der einstimmigen Annahme der Resolution Fischer zur Maifeier aus und ebenso in der Resolution zum Massenstreik. Mit der letzten Entschließung des Parteitages sucht das Bülowblatt sich also abzufinden: „Die Annahme dieser Resolution, die jenen„Genossen" so scharf desavouiert, der seinerzeit den Generalstreik als Generalunsinn erklärte, legt aufs neue den revolutionären Charakter der Partei fest. Revolutionär ist aber dieser Charakter vorerst nur in den Worten, in der Theorie, die Bebelsche Resolution hat nicht die Be- dcutung einer Tat, sondern einer Drohung, von der aber sehr fraglich ist, ob sie ihren Zweck erfüllt, da allzu deutlich ist, daß die Sozial- demokratte nicht gewillt, vor allem aber nicht im stände ist, diese Drohung auszuführen. Mit einem gewissen Wohlgefallen meinte Bebel m seinem Schlußwort, noch auf keinem Parteitag sei man so blutrünstig gewesen. Also gab cS auch Genossen, die in ihrem simplen Laicnverstande die Revolution mit dem Barrikaden- kämpf verwechselten, das aber lehnt' Bebel mit milder Vornehmheit ab revolutionär sei die Sozialdemokratte in den Zielen, nicht in den Mitteln, sie sei gesetzlich, die Verantwortung für die Gewalt trügen die Gegner. Diese Erklärung ist loiedcr bezeichnend für den alten Brausekopf. Denn, wenn etwas, so ist doch gewiß der Massenstreik ein revolutionäres Mittel. Wenn Bebel also offen hätte reden wollen, so hätte er sagen müssen, wir find zwar nicht Revo- lutionäre der Tat, aber wir lieben es, mit dem Gedanken deS revolutionären Massenstreiks zu spielen, um den eigenen Reihen Mut zu machen und ihnen eine papierene Anweisung auf eine bessere Zukunft zu geben, den Gegnern aber Furcht einzujagen. Die Rede Bebels trägt diesmal ganz besonders den Charakter einer agitatori- schcn Brandrede. Widerspruchsvoll in sich, wie sie ist, hält sie der nüchternen Betrachtung in keinem ihrer wesentlichen Punkte stand, wie sie denn in der Debatte gleich nachher durch den Rechtsanwalt Heine jämmerlich zerpflückt worden ist. Auch sonst schon hat Bebel immer den Mangel an Logik durch den Ueberfluß an Temperament zu ersetzen gesucht. Diesmal aber war seine Rede mit bewußter Absicht darauf angelegt, daS revolutionäre Feuer in den Gemüterir zu entflantmen und die unklare Gärung der Arbeitermassen zu befördern. Zu welchen bitteren Konsequenzen das führen kann, ist Bebel und seinem Anhang auf dem Parteitag selber von nüchterner denkenden Genossen mit allem Ernst zu Gemüte geführt worden. Dieser Versuch, die Massen zu berauschen durch Bilder von Katastrophen, die eintreten können, man weiß nicht wann, von einem Massenstreik, der irgend einmal in der Zukunft bevorstehe, verfolgt seinen bestimmten Zweck. Die Partei soll im Feuer radikaler Phrasen und eines revolutionären Scheiutemperamentes zusammengeschmiedet und die revisionistischen Ansätze sollen vollends zerstört werden. Nach dieser Richtung hat der Parteitag allerdings ein Resultat ergeben, mit dem man wird rechnen müssen." Es ist fast erheiternd, wie toll es in den Hirnen unserer Gegner durcheinanderwirbelt, sobald sie die Handlungen der Sozialdemo- kratie zu beurteilen suchen. Der„alte Brausekopf" Bebel, welche merkwürdige Politik betreibt er: er ist sehr radikal und revolutionär und dann wieder lehnt er milde jede Gewalt ab; er bekundet den revolutionären Charakter der Partei schärfer denn je und dann wieder hat er nicht offen genug geredet; er hält eine agitatorische Brandrede, die jämmerlich zerpflückt wurde, die aber von dem ganzen Parteitag und der deutschen Arbeiterklasse jubelnd als das rechte Wort zu rechter Zeit begrüßt wird; er erfindet den Massen- streik als radikale Phrase, um die Partei zusammenzuschmieden, und keineswegs meint er es ernst mit dieser Phrase, aber die Masse ist so lächerlich dumm, daß sie sich auch von dieser Phrase berauschen läßt. Alles, WaS wir tun, ist widerspruchsvoll, unlogisch, unfähig und doch endet es mit einem Ergebnis,„mit dem man allerdings wird rechnen müssen" l Solch' unsägliches Kunterbunt berichtet das Regierungsblatt, um nur ja nicht den sonnenklaren Tatbestand zu sehen, um ihn erst recht zu verdunkeln. Die„Nordd. Allg. Ztg." deutet kaum mit einem Wort an, um was eS sich überhaupt in der Frage des polittschen Massenstreiks handelt, aus welchen Ursachen die Frage entstanden und brennend geworden ist. Sie redet allerlei Durcheinander von Radikalisierung der Sozialdemokratte, von Brandreden, von Zerstörung der revisionistischen Ansätze, aber sie sagt nichts von der Gestaltung der politischen Zustände Deutsch- lands, nichts von der Enttechtung des Volkes in verschiedenen Bundesstaaten unter wohlwollender Duldung der maßgebenden Berliner Kreise, nichts von der schweren Bedrohung des einzigen politischen Rechts, das eine geordnete EntWickelung garantieren kann. Die Diplomaten unter unseren Gegnern lieben es nicht, von diesen Dingen zu reden. Dann müßten sie schließlich offen bekennen, was sie wollen, und hierdurch würde die Natton vorzeittg gewarnt und erregt. Sie schleichen im dunkeln und warten vorsichttg, bis die Gelegenheit günstig wird, die letzten Volksrechte zu beseitigen, die Entwickelnng zur Freiheit und sozialen Gerechttgkeit zu ver- sperre», die Herrschaft der Junkerei und des Kapitalismus zu verewigen. Weil sie von alledem nicht reden wollen, so müssen sie die Rüstung der Arbeiterklasse gegen diese Gefahren in allerlei Schmähungen als unsinnig und als Phrasenradikalismus zu ver- dächttgen trachten. Für den Bülowschen RcichstagSbedarf mag die politische Weis- heit der„Norddeutschen Allgemeinen" hinreichend vorgearbeitet haben. Die sozialistische Aktion der deutschen Arbeiterklasse geht über diese Dürftigkeiten und Unzulänglichkeiten offiziösen Politikbettiebes zu ihrer Tagesordnung über.— Politische OebciTicht. Berlin, den 27. September. Ungeschüftte und geschlitzte Sluslander. Der skandalöse Fall N i e u w e n h u i s hat nunmehr vorläufig seine Erledigung gefunden. Am 11. d. M. bereits verhaftet, ist er, lvie ans Köln telegraphiert wird, von, dortigen Schöffengericht wegen Uebertretung des Ausweisungsbefehles vom 29. November 1890 zu fünf Tagen Haft verurteilt worden, die als durch die Untersuchungs- hast verbüßt erklärt wurden. Rieuwenhuis, der angab, er habe geglaubt, wieder berechtigt zu sein, nach Deutschland zu kommen, nachdem er wiederholt unbehelligt zurückgekehrt sei, wurde sofort freigelassen. Der Fall Rieuwenhuis ist wiederum ein krasses Beispiel fiir die völlige Rechtlosigkeit im Deutschen Reich. Dasselbe Deutschland, das Panzerschiffe und Soldaten aussendet, wenn in China oder Venezuela einem Deutschen ein Härchen gekrümmt wird, stellt Aus- länder in Deutschland unter das Recht der Vogelfreihcit. Freilich nicht a /l e Ausländer werden im Deutschen Reich derart mißhandelt. Während ausländische Fremde, die nichts verbrochen haben, alle Tücken polizeilicher Willkür zu kosten haben, werden rnssischc Spitzel mit allen Ehren und allen Würden im Deutschen Reiche aufgenommen, und die deutsche Gastfreundschaft fiir diese Hallunken geht sogar so weit, daß diese Edlen des Zarismus sich anmaßen, ihrerseits die deutsche Polizei kommandieren zu können. Am letzten Sonntag veröffentlichten wir eine Warnung vor einem Russen, von dem anzunehmen sei, daß er im Dienste der Petersburger Regierung stehe und seine LandSlente hier ausspioniere. Dieser Sanders, Limberg oder Photograph S i in s o n kam nun, wie dem„B. T." geschrieben wird, zu einem hiesigen russischen Schriftsteller und behauptete, er habe die Notiz im„Vorwärts" ver- anlaßt. Zugleich drohte er, er werde nunmehr daftir sorgen, daß dieser sein Landsmann binnc» drei Tagen von der preußischen Polizei ausgewiesen werde. Bei dieser Drohung blieb Sanders- Limberg-Simson, obgleich der heimgesuchte Schriftsteller, um sich keinen Scherereien auszusetzen, der Wahrheit gemäß nachdrücklich er- klärte, er habe mit jener„VorwärtS"-Nottz nicht das geringste zu ttm. Wird nun der Staatsanwalt sich dieses gemeingefährlichen Burschen annehmen, der zum mindesten die preußische Polizei durch jene Drohung aufs schwerste beleidigt hat? Denn gibt es eine ftechere Verhöhnung der preußischen Behörde als die Behauptung, er könne nach Belieben ihre Maßnahmen beeinflussen? Oder sind bereits russische Spitzel die Herren Deutschlands? Sicher ist, das Gesindel weist Deutschland nicht aus. Diese Repräsentanten des russischen ErbftcnndcS fchützt es väterlich, das sind die einzigen Fremden, die in Deutschland nichts zu fürchten haben. Auch sie stehen allerdings außerhalb des Rechts, aber nur insofern, als die Strafgesetzbuch-Paragraphen ihnen zu Liebe außer Kurs gesetzt werden.—_ Tie österreichisch-!, ngarische Krise. Wie», 27. September.vic üblich grundver'logenen Bemerkungen der„Freien Deutschen Presse" nichts an unserem Hin- iveis, daß die Freisinnige Volkspartei eben nur insofern sich zum Gesamtliberalismus bekennt, als sie alles ablehnt, was Licralis- mus ist. Inzwischen wendet sich der Vorsitzende de? Wahlvereins der Liberalen Schräder gegen den, wie man zugeben muh, in der Gc- schichte der Parteien noch nicht erlebten Versuch, daß eine fremde Partei der anderen vorschreibt, welche Führer ihr gestattet seien. Schräder erklärt sich solidarisch mit Naumann. Er be- zeichnet den Beschluß der Nationalsozialen als„unverständlich", „da die nattonalsoziale Partei sich vor jetzt zwei Jahren aufgelöst hat, und ihre Vereins- und Einzelmitglicder nahezu vollzählig dem Wahlvcrein der Liberalen beigetreten sind. Seit dieser Zeit haben Sie selbst und Ihre vormaligen Parteigenossen loyal und treu im Rahmen unserer Organisation an den Aufgaben des ent- schiedcncn Liberalismus tätigen Anteil genommen und eine so enge Arbeitsgemeinschaft herbeiführen helfen, daß bereits auf der letzten Generalversammlung des Wahlvercins der Liberalen ein Unter- schied zwischen altlibcralcn und ehemals nationalsozialen Mit- gliedern in allen sachlichen Fragen nicht mehr zu erkennen war. Bei dieser Lage halte ich es für ausgeschlossen, daß der Beschluß der Wiesbadener Versammlung eine Störung unserer Geistes- und Arbeitsgemeinschaft bewirken konnte. Wir werden vielmehr in Zukunft wie seither allen Angriffen gemeinsam entgegentreten und durch die Tat beweisen, daß>vir keinen Unterschied zwischen alt- liberalen und ehemaligen nationalsozialen Mitgliedern des Wahl- Vereins der Liberalen machen." Ohne uns dieser„entschiedenen" Liberalen �twa annehmen zu wollen, müssen wir doch wieder auf die alte. Tatsache aufmerksam machen, daß die freisinnige Vollspartei so ziemlich die schäbigste Partcibildung ist, die jemals existiert hat. Geburtsanzeige eines Gesetzgebers. In das Herrenhaus berufen ist durch Königlichen Erlaß vom 17. September Friedrich Wilhelm Fürst zu Dscnburg und Büdingen in Wächtersbach auf Grund erb- lichen Rechts als Nachfolger seines ani ö. Juni 1903 verstorbenen Vaters, des Fürsten Ferdinand Maximilian zu Isenburg und Büdingen, in dem Besitze des ehemals reichsunmittclbaren Amtes Wächtersbach und Anteil an Rückingen. Tic Kaserne. Von Ende Juni bis Ende September 190ö wurde die gericht- liche Aburteilung von 10 Soldatcnmißhandlern bekannt, wobei zu bedenken ist, daß während der Manöver die Militärgerichte nur ausnahmsweise Sitzungen abhalten. An Strafen wurden ausgesprochen 11 Jahre 3 Monate 21 Tage Gefängnis, 11 Monate 15 Tage mittlerer Arrest, 3 Monate 7 Tage gelinder Arrest, 1 Monat 28 Tage Stubenarrest. 0 Degradattoncn. Im ganzen 12 Jahre 8 Monate 11 Tage Freiheitsentzug. Auf Preußen treffen 10 Jahre Gefängnis, 7 Monate 16 Tage mittlerer Arrest, 2 Monate 11 Tage gelinder Arrest, 12 Tage Stuben- arrest, 5 Degradationen(27 Vorgesetzte, darunter 1 Offizier); auf B ach e r n 23 Tage mittlerer Arrest, 26 Tage gelinder Arrest. 22 Tage Stubenarrest(6 Vorgesetzte. darunter 2 Offiziere); ans Sachsen 1 Jahr 3 Monate 21 Tage Gefängnis, 3 Monate 1 Tag mittlerer Arrest. 21 Tage Stubenarrest, 1 Degradation(6 Vorgesetzte, darunter 1 Offizier und 1 Mann deS 2. Jahrganges). Die bestraften Offiziere sind: Hauptmann Alfred B ö n i n g vom preußischen Infanterie- Regiment Nr. 48 mit 12 Tagen Stubenarrest, Major Max H u b e r vom bayerischen 15. Jnfantcric-Negiment mit 11 Tagen Stubenarrest, Oberleutnant Karl H e r m a n n von der 1. bayerischen Maschinengewehr-Abteilung mit8 Tagen Stubenarrest undHauptmann Frhr. v. Hodenberg vom sächsischen Schützcn-Regiment Nr. 103 mit 21 Tagen Stubenarrest. Der Letztgenannte hat Unteroffiziere schwer beleidigt. Wäre eS nicht gerichtlich festgestellt, so würde es niemand glauben, daß sich unter vier wegen Soldatenniißhandlung verurteilten Offizieren ein Major und zwei Hauptleute befinden. Der bayerische Major wird vorauSsichilich nicht mehr laug akttv sein. Vielleicht wird er nach seiner Pensionierung in Preußen wieder angestellt werden. Hier nimmt man ja Offiziere, obscho» sie in Süddeutschland wegen Soldatenquälerei aus der aktiven Armee entfernt wurden, freudig auf. Siehe den Fall Haupt. Trotzdem aber herrscht im preußischen Kriegsministerinm die allergrößte Sehnsucht nach der Ausrottung der Soldatenmißhandlungen. Zu dem früher von uns behandelten Fall Haupt müssen wir uns bei dieser Gelegenheit eine Frage ge- statten. Wie ist die Wiederanstellung des Leutnants, der unter anderem wegen 59 Mißhandlungen bestraft worden war, mit der KabincttSordcr, wonach selbst mit llnteroffizicren, die wegen Miß- Handlung von Untergebenen verurteilt wurden, nicht mehr kapittiliert werden darf, vereinbar?_ Das brandstifteiidc Kohlcnsyndikat. Zu den gestern schon behandelten Vorgängen vor dem Seeamt in Flensburg wird uns ans seemännischen Kreisen geschrieben: Die Praktiken des Kohlensyndikats, die in der Verhandlung vor dem Sccamt in Flensburg ans Licht gezogen worden sind, verdienen weit schärfere Krittk und erfordern ein ganz anderes Eingreifen der Staatsbehörden, als durch den bloßen Zeugniszwang. Das Gefttz betreffend die Untersuchung von Seennfällen verpflichtet die See- ämter, die Ursache eines Unfalls und insbesondere ein etwaiges Verschulden festzustellen. Ausdrücklich wird in§ 4 Nr. 5 des Gesetzes vorgeschrieben, daß festgestellt werden soll, ob Mängel in der Beladung eines Schiffes den Unfall veranlaßt haben. Daß das hier zutrifft, geht aus dem durch die Verhandlung schon Festgestellten hinreichend hervor, und es ist nicht so wesentlich, daß auch noch festgestellt wird, welche 20 Zechen die Kohlen geliefert haben, die sich auf der Seereise selbst entzündeten. Da die Kohlen, die für die russische Ostsecflotte gc- liefert worden sind, nach den Feslstellmigen vor dem Sccamt durch die Bank zur Entzündung neigende, für die Verschiffung gefährliche waren, dies aber den Zechen und auch dem Syndikat bekannt gewesen sein muß.— man hat offenbar die Gelegenheit benutzt, schlechte Kohlen ab- zuschieben— so ist das Seeamt in Flensburg verpflichtet, von Amts- ivcgen die Akten an die Staatsanwaltschaft abzugeben und eine Untersuchung gegen das Kohlcnsqndikat zu veranlassen, das schamlos genug gewesen ist, für seinen Profit das Leben von Hunderten von Seeleuten aufs schwerste zu gefährden. Man kann unter diesen Umständen den Vertretern des Kohlen- shudikats zugestehen, daß sie einen gesetzlichen Grund zur Ver- Weigerung des Zeugnisses haben; denn nach Z 54 der Strafprozeß- ordnung kann man die Aussage verweigern auf Fragen, durch deren Beantwortung man sich strafrechtlicher Verfolgung aussetzt. Diesen berechtigten Grund hat ja freilich der Syndikatsvertreter nicht angegeben, als er sich weigerte, die zwanzig Zechen zu nennen, welche die Kohlen geliefert haben, sondern einen sehr lächerlichen Vorwand. Er scheute sich nicht bei den Haaren die„nationalen Interessen" herbeizuziehen: diese erfordern nach der Ansicht des Syndikatsvertreters, daß die ausländische Konkurrenz des Kohlensyndikats von dem verbrecherischen Verfahren bei der Beladung der Kohlendampfer der russischen Ostseeflotte nicht unterrichtet werde. Die Verschwcigung der einzelnen Zechen gegenüber der ausländischen Konkurrenz ist um so gleich- gültiger, als das Ausland ja nicht mit diesen Zechen, sondern mit dem Syndikat verkehrt und konkurriert. Aber nicht die Rücksicht auf die Konkurrenz, sondern die Absicht, das freche Attentat des Kohlensyndikats auf dasLeben deutscher See- leute zu vertuschen, veranlaßt die Schweigsamkeit des Syn- dikats. Nicht durch ein Zeugniszwaugsverfahren vor dem Seeamt, das höchstens 300 Mark Geld st rase verhängen kann, sondern durch eine gerichtliche Untersuchung gegen das Syndikat und die schuldigen Zechen muß diese skandalöse Angelegenheit aufgehellt werden.— TlnsUnd. Oesterreich-Ungar». Ein Manifest der ungarischen Koalition. Die koalierten Parteien haben ein Manifest erlassen, in dem sie in Erwiderung auf das von dem König vorgelegte Pro- gramm erklären, daß einige Punkte desselben mit der Verfassung nicht übereinstimmen. Namentlich wird von der Erklärung des Königs, daß bezüglich der Kommandosprachc Konzessionen aus- geschlossen seien und bleiben, gesagt, daß diese Erklärung das Sclbstbestimmungsrecht der Nation tatsächlich ausheben oder doch ohne gesetzliche Grundlage verstümmeln würde. Die Blätter bc- zeichnen die gestrigen Erklärungen des österreichischen Minister- Präsidenten Freiherr» von Gautsch als eine unbefugte Einmischung in innere ungarische Angelegenheiten, welche er, wenn auch mit allerlei Vcrklausulierungcn, zugestanden habe.— Asien. Zur Lage in Japan. Der„ M a t i n* berichtet aus Tokio: Der Kaiser beschäftigt sich persönlich mit dem Memorandum, welches ihm unterbreitet worden ist und in dem verlangt �wird, daß er die Ratifizierung des Friede nsvertrage's nicht vornehme. Die Zahl der diesbezüglichen Petitionen beläuft sich auf zirka 100. Die Haupt- fiihrer des Volkes suchen die Ratgeber des Mikado für sich zu ge- Winnen, um so eine Ratifizierung des Friedensvertrages zu ver- hindern.— Die Zeitung„ A ja h i" ist nach zweimonatlichem Verbot wieder erschienen.— Baron Komura wird nun bestimmt am Mitt- woch die Heimreise antreten. Tokio, 26. September. Die Anklagen, welche seitens der Russen gegen die Japaner erhoben worden sind, betreffend Mord und Plünderung auf Sachalin werden japanischerseits als vollständig grundlos bezeichnet.— Die Revolution in Rußland. Der Moskauer Semstwo-Kongreß. Moskau, 26. September.(Petersb. Telegr.-Agentur.) Die heutige Sitzung der Vertreter der Semstwos und der Städte befaßte sich ausschließlich mit dem politischen Pro- gramm für den kommenden Wahlfeldzng. Das Programm bestimmt, daß die Vertreter der Semstwos und der Städte folgendes zu verwirklichen suchen sollen: Die obli- gatorische Gleichheit für Bürger und Vertreter der öffent- licheu Gewalt, die in gleicher Weise vor den gemeinen Gerichten verantwortlich sein sollen, ferner die Anerkennung der unbedingten Gleichheit der persönlichen Rechte aller Bürger des Reiches sowie der Gleichheit der Rechte der Bauern mit denen aller anderen Klassen. Andere Progranimpunkte sind: DieBefrciung der ländlichen Bevölkerung von der administrativen Bevormundung, die unaufschicbbareForderung derUnverletzbarkeit der Person und des Wohnsitzes, die Freiheit des Gewisicnö, der Presse, des Wortes und der Versammlungen, die Abschaffung der Pässe, die Organisation einer Volksvertretung, die an der gesetzgeberischen Gewalt und an der Aufstellung des Staats- budgets beteiligt ist und Kontrolle übt über die Gesetzlichkeit und Richtigkeit der höheren und niederen Verwaltungsakte. Das Programm enthält serner das Prinzip der Organisation einer universellen russischen Vertretung ohne Klasicnnntcrschicd. Die Sitzung befaßte sich zum Schlüsse mit den Wahlrechten der Frauen, ohne jedoch zu einem endgültigen Ergebnis zu gelangen. Bisher haben sich von 266 Abstimmenden 165 sür dieses Programm erklärt. Bei der weiteren Beratung trat der Semstwo-Kongreß für die völlige Trennung der Justiz von der Verwaltung, für die Nnabsetzbarkeit der Richter und die Wiederherstellung des Wahlrichterinstituts ein, ferner für die ausnahmslose An- Wendung des Geschworenengerichts, die Abschaffung der Todes- strafe, die Aufhebung der administrativen Bestrafung, des ver- stärkten Schutzes und des Kriegszustandes, sowie für die Er- teilung einer Amnestie für Verurteilte. Der Antrag, einen Aufruf an die Bevölkerung zu richten, sowie den Frauen das Wahlrecht zu erteilen, wurde abgelehnt. '-' Die Bewegung auf de» Hochschule». Dein„Tag" wird aus Petersburg telegraphiert: Der Unterricht an den russischen Hochschulen hat immer noch nicht wieder begonnen. Ueberall werden große Studcntenmeetings abgehalten. An der hiesigen Universität fand eine Studenten-Ver- sammlung statt, an der 2000 Studenten teilnahmen. Mit 1700 Stimmen wurde folgende Resolution beschlossen: 1. Die Verkündung neuer Studentenstreiks soll bis zu dem Zeitpunkt aufgeschoben werden, der aus Erwägungen revolutionärer Taktik dazu geeignet erscheinen wird; 2. ausschließlich in diesem Sinne soll die Universität wieder eröffnet werden, also namentlich um die Entfaltung der großen vorbereitenden Arbeit für den herannahenden entscheidenden Kampf innerhalb wie außerhalb der Universität zu ermöglichen; 3. alle Mittel zur Verstärkung der revolutionären Taktik �der Studentenschaft sollen angewendet werden, insbesondere sollen allgemeine VolksmcetingS veranstaltet sowie die Organisation einer akademischen Legion in Angriff genommen werden, als eines Truppen- teils, der sich an die Armee anschließt, die für Bolksfrriheit und Be- freiung der Arbeiterklasse kämpft. Konstitntionelle und Revolutionäre. Aus Petersburg wird der„Rufs. Corresp." geschrieben: In dem Bestreben, eine Bereinigung der gesamten oppositionellen Elemente herbeizuführen, ist hier gerade jetzt eine„Liga für das allgemeine Wahlrecht" in das Leben gerufen worden. Das Programm dieser Liga ist das folgende: „Die Liga für das allgemeine Wahlrecht" bezweckt die Ver- einigung sämtlicher oppositionellen Gruppen, sowohl der organisierten wie der unorganisierten auf folgender Plattform. 1. Tie einzige Aufgabe der auf Grund des Gesetzes vom 6. August 1905 einzuberufenden Gossudarstwennaja Duma mutz die Konstituierung einer Volksvertretung auf Grund des all- gemeinen, gleichen, direkten und geheime» Wahlrechts sein, die Zu- erkennung gesetzgeberischer Macht an die Volksvertretung, die Dckretierung der Freiheit der Presse, Versammlungen und Vereine, die Unantastbarkeit der Persönlichkeit und die politische Amnestie. 2. Die Bildung der Liga, welche nur ein temporäres Ziel ver- folgt, beseitigt keineswegs die Gruppierung in Parteien und Ver- bände. 3. Als Organe der Liga dienen das Zentralwahlkomitec und die lokalen Wahlkomitccs. Das Zentralwahlkomitec besteht aus den Vertretern der Vorstände der Parteien und Verbände. Die lokalen Komitees werden aus den örtlichen Vertretern der von der Liga umfaßten Verbände und Parteien gebildet. 4. Die Kandidaten zur Gossudarstwennaja Duma werden für die verschiedenen Bezirke nach erfolgter Vereinbarung zwischen Lokal- und Zentralkomitee aufgestellt. Für Petersburg bezeichnet jede in die Liga eintretende organisierte Gruppe alle Kandidaten; die endgültige Entscheidung steht dem Zentralkomitee zu." Die Anschauung gewinnt mehr und mehr an Boden, daß es auch den gemäßigtsten politischen Elementen unmöglich sein wird. mit der jetzigen russischen Regierung an einem friedlichen Ausbau des russischen Staates zu arbeiten. Es mehren sich die Zeichen, daß reaktionäre Rücksichtslosigkeit heute wieder das ausschließliche Programm ist. Flugschristen, Broschüren usw. werden wieder, wie in den schlimmsten Zeiten, massenhaft konfisziert. Die Oberpreß- Verwaltung verhindert nach Möglichkeit jegliche politische Diskussion und man übergibt die Zensur der Blätter Leuten, die als literarische Henkersknechte bekannt sind. Die Generalversammlung der Sozial- Politiker. Mannheim, 26. September. Professor Lujo Brentano faßte seinen gestern skizzierten Vortrag über„Das Arbeitsverhältnis in den Riesenbetrieben" in folgenden Leitsätzen zusammen: I. Das heutige Arbeitsverhältnis beruht auf einem Vertrage zwischen gleichberechtigten, freien Personen. Doch kennt das Recht nur erst den individuellen noch nicht den kollektiven Arbeitsvertrag. Dieser unfertige Zustand des Rechts ist die Hauptursache der heutigen Arbcitsstreitigkeircn. II. Das Arbeitsverhältnis in den Riesenbetrieben beruht auf einseitiger Festsetzung der Arbeitsbedingungen durch den Arbeitgeber. Von diesem Standpunkt aus erscheint schon das bestehende Recht als revolutionär, noch revolutionärer das Streben, das Grundprinzip des heutigen Arbeilsvertragsrechts durch Einführung des kollektiven Arbeitsvertrags zur Wahrheit zu machen. III. Teils aus technischen, teils aus ökonomischen Gründen sind die Arbeitsbedingungen, um deren Festsetzung es sich im kollektiven Arbeitsverträge handelt, weder individuelle, noch können sie individuelle sein. Bei Ablehnung des kollektiven Arbeitsvertrags ist es daher nicht die Freiheit des Arbeiters, nach seinem besten Er- messen zu handeln, die man wahren möchte, sondern die Freiheit des Arbeitgebers, durch Verhandeln mit einzelnen Arbeitern deren Gr- snmthrit seinen Wille» aufzuzwingen. I V. Nicht anders verhält es sich mit dem Schutz der sogenannten Arbeitswilligen. Diese pflegen entweder fremde Arbeiter zu sein, die meist ohne Kenntnis der Streitfrage während einer Arbeits- streitigkeit erst herangezogen werden, um die eigenen Arbeiter zum Nachgeben zu nötigen, oder jene Minderheit von Arbeitern, die durch Wohlfahrtscinrichtungcn bestimmter Art gefesselt, außerstand gesetzt sind, von den ihnen von der bestehenden Gesetzgebung eingeräumten Rechten Gebrauch zu machen. V. Die Abneigung der Vertreter der Riesenbetriebe gegen den kollektiven Arbeitsvertrag hat ferner zur Organisation der Haupt- stelle deutscher Arbeitgeberverbändc durch den Zentralverband deutscher Industrieller geführt. Seitdem ein energisches Auftreten der Arbeitgeberverbändc gegen Tarifverträge und zahlreiche Aus- spcrrungen wirklich Arbeitswilliger, weil diese von ihrem Organi- fationsrecht Gebrauch gemacht haben. VI. Gegenüber solchen Bestrebyngen erscheint die gesetzliche An- erkennung der Berufsvereine als unzureichend, um den erwünschten sozialen Frieden zu sichern. Als nolwendig erscheint außerdem: 1. Ersetzung der Ausnahmcgesetzgebung des 8 153 der Ge- wcrbe-Orduung durch die Bestimmungen des deutschen Strafgesetz- buchs über körperlichen Zwang und Drohung. 2. Gesetzlicher Schutz des Sich-Koalicrens, nicht nur des Sich- nicht-Koalicrcns. 3. Der Erlaß von kasuistischen, zwingenden Vorschriften, durch welche der Mißbrauch der Wohlfahrtscinrichtungcn als Machtmittel ausgeschlossen wird. 4. Die Statuicrung eines Zwangs für Arbeitgeber und Ar- beiter mit Vertretern der Organisationen der Gegenpartei über die Arbeitsbedingungen zu verhandeln. 5. Zur Durchführung des Vcrhandlungszwangs die Be- stimmung, daß Stantsaufträge und Arbeiten anderer öffentlicher Korporationen nur an Unternehmer vergaben werden dürfen, die sich verpflichten, alle Arbeitsstreitigkeite» in ihren Betrieben vor Einigungsamt und Schiedsgericht zum Austrag zu bringen und, die keinerlei Verbindung angehören, lvelche das Verhandeln mit Arbcitervcrtrctern verweigert. 6. Zu dem gleichen Zweck muß für jedes Gewerbe eine Organi- sation der Arbeiter geschaffen werden, die unter Wahrung des Fortbcstands der bestehenden Berufsvcreine sämtliche Arbeiter des betreffenden Gewerbes umfaßt. 7. Die frei gewählten Vertreter beider Parteien, als welche auch Personen, die weder als Arbeitgeber, noch als Arbeiter dem Gewerbe angehören, gewählt werden können, haben unter Vorsitz eines Unparteiischen alle Streitfragen über abzuschließende Ar- beitsverträge zu regeln. Als Unparteiischer hat, wo eine Wahl des letzteren durch die Parteien selbst nicht zustande kommt, der Vorsitzende des Gewerbegerichts des Bezirks zu fungieren. 8. Was im kollektiven Arbeitsverträge vereinbart wird, muß für alle an dem betreffenden Gewerbe Beteiligten die gleiche recht- kiche Gültigkeit habe» wie die Bedingungen des individuellen Ar- bcitsvcrtrags. Aus der Debatte, die dem sozialreformerisch vorgeschrittenen Vortrag Brentanos folgte und die wir auch gestern bereits skizziert haben, seien nach einem Bericht der„Franks. Ztg." noch folgende Einzelheiten wiedergegeben: Regierungsrat a. D. Dr. Leidig vom Zentralverband deutscher Industriellen bezeichnete die Aussperrungen als Abwchrmaßrcgcln der Industriellen gegen die neuere Taktik der Gewerkschaften, welche sie durch Einzelstreiks mürbe machen wollen. Das Arbeitsverhältnis ist allerdings eine private Angelegenheit des einzelnen Unter- nchmers und des einzelnen Arbeiters. Die Gewerkschaften sind nur ein kleiner Teil der gesamten Arbeiterschaft und haben des- halb keinen Anspruch für die große Mehrheit derer, die sich nicht organisieren wollen, Bestimniungcn zu treffen. Sic stehen zudem im engen Zusammenhang mit politischen Parteien, namentlich der auf Umwälzung der bestehenden Wirtschaftsordnung abzielenden Sozialdemokratie, wie namentlich der Parteitag in Jena wieder bewiesen hat. In den Arbeitgeberkreisen ist mix niemals die Behauptung begegnet, daß das Koalitionsrccht beschränkt werden sollte. (Heiterkeit.) Wohl aber wenden sie sich gegen Agitationen in ihren Betrieben und wahrheitswidrige Behauptungen der Agitatoren. Nach dem Ruhrstreik haben die Unternehmer keinen Arbeiterverein zerstört.(Heiterkeit.) Die bestehende Rechtsordnung enthält keine Anerkennung der Bcrufsvereine. Im Betrieb muß die autoritäre Stellung des Unternehmers geschützt werden. Die Tarifverträge sind dadurch von geringem Wert für den Unternehmer, weil die Arbeiterorganisation keine Gewähr dafür übernehmen kann, daß ihm zu den vereinbarten Sätzen Arbeiter zur Verfügung stehen. Brentanos Vorschlag fordert als notwendiges Korrelat eine neue Art der Erbuntertänigkeit.(Lebhafter Beifall eines Teils der Versammlung.) Untcrstaatssekrctär a. D. Rottcnburg-Bonn ironisiert die Harm- losigkeit, welche Leidig zur Schau getragen hat. Die Riesenbetriebe haben eine Achnlichkeit mit dem Feuer, welches ohne Bezähmung und Bewachung verheerend wirkt. Diese Bewachung lege man m die Hände des Staates.(Beifall.) Arbeitcrjekretär Giesberts: Auch der Arbeiter hat ein Interesse an dem Gedeihen des Betriebes, aber er verlangt, daß seine Organi- sation als gleichberechtigter Faktor bei der Vereinbarung des Arbeitsvertrages angesehen werde. Im Gegensatz zu der Be- hauptung Leidigs haben die Unternehmer in vielen Fällen, wie beim bayerischen Metallarbcitcrstreik, den Arbeitern das Koalitionsrecht nehmen wollen. Die jetzt im Bergbau eingeführten Arbeiteraus- schüsse müssen zu paritätischen Bergarbeitskammcrn entwickelt werden. Gicsberts nimmt Brentano gegenüber die Wohlfahrts- einrichtungen der Unternehmer, die zum Teil unsere Sozialgesctz- gebung vorbereitet hätten, in Schutz; richtig sei freilich, daß sie zuweilen die von Brentano geschilderten Wirkungen hätten. Bcrgmeistcr Engel verwahrt sich gegen die Charakteristik der Arbeitswilligen durch Brentano. Die Wohlfahrtseinrichtungen seien keine Kampfmittel der Arbeitgeber, sondern zum Besten der Arbeiter geschaffen. Die deutschen Arbeitgeber entlassen ihre Arbeiter auch bei sinkender Konjunktur nicht. Pfarrer Naumann- Berlin: Solange ein Streik das einzige Ventil ist, kann die Denkweise des Arbeiters nur radikal sein. Hier- mit hängt die— wie wir seit Jona sagen müssen— dauernde Niederlage des Revisionismus in der Sozialdemokratie zusammen. Die Großindustrie sagt, wir können mit den Arbeitern nicht ver- handeln, weil sie so radikal sind! Der wahre Kausalzusammenhang ist umgekehrt. Der Radikalismus liegt nicht im Naturell der beut- schen Arbeiter, sondern ist das Erzeugnis der wirtschaftlichen Not- wendigkeit. Staatserhaltend sind diejenigen nicht, welche den Radikalismus unserer Arbeiterschaft durch Unnachgiebigkcit mit kaltem Bewußtsein stärken.(Bravo!) Die Unternehmer behaupten, deshalb nicht mit der Sozialdemokratie verhandeln zu können, da die Sozialdemokratie die Gesellschaftsordnung umstürzen will. Das aber, was man als Umsturz bezeichnet, ist gerade dasjenige am sozialdemokratischen Programm, was heute durch die kartellierte Großindustrie verwirklicht wird, nämlich die Aufsaugung der Privat- betriebe durch zentrale Leitung der Produktion. Die Kartelle ver- wirklichen den Marxismus auf absolutistisch-aristokratische Weife. Der Sozialdemokrat ist für dieselbe Organisation nur in d c n> o- k r a t i s ch e r Gestalt. Daher heute der Kampf, ob die neue Produktion aristokratisch oder demokratisch geleitet werden soll. In diesem Kampfe sind die Arbeitswilligen Hülfskräfte der staats- zcrstvrcudc» Mächte. Wir müssen den Arbeitern empfehlen, hinein» zugehen in die Organisation.(Lebhafter, anhaltender Beifall.) Arbeitersckretär Fischer-Treutlingen beklagt es, daß die Fabrik- direktoren oftmals die Bildung vou evangelischen Arbeitervereinen verhindern. Selbst der evangelische Pfarrer, der vielfach unter der Botmäßigkeit des Divektors stehe, trete oftmals der Bildung von evangelischen Arbeitervereinen hindernd in den Weg. Man könne sich alsdann nicht wundern, wenn die Arbeiter sagen: Die Kirche ist eine Klasscninstitution, die im Dienste des Großkapitals stehe. Derartige Borkommnisse machen es erklärlich, wenn die Sozial- demokratie immer größere Fortschritte mache. Dr. Tille-St. Johann: Die Tätigkeit der modernen deutschen Riesenbetriebe hat am allermeisten geleistet für die Schaffung beut- scher Arbeitsgelegenheit. Nirgends sind die Arbeitslöhne so hoch, wie in ihnen. Im Saarrevier ist der Durchschnittslohn 1200 M. Unsere Großbetriebe besorgen auch die technische Ausbildung der Arbeiter kostenlos; die leistungsfähigsten von ihnen werden gehoben. Die gemeinsamen Arbeitsbedingungen eines Riesenbetriebes leisten mehr als Tarifverträge. Niemand wird Mietsvcrträgc unter dem Zwange eines Schiedsgerichtes schließen.(Lachen.) Würde vielleicht eine der anwesenden Damen damit einverstanden sein, daß sie durch Schiedsspruch gezwungen würde, ein Dienstmädchen zu engagieren. (Widerspruch und Heiterkeit.) Man schmäht arbeitswillige Arbeiter und preist die„Outsider", die nicht ins Kartell gehen.(Widerspruch.) Die Kathedersozialisten treiben zum Sozialismus! Ich vermisse Gründe für Einführung des konstitutionellen Fabrikbetriebs. So lange 195 00» Bergarbeiter kontraktbrüchig werden, so lange fehlt diesen Kreisen die sittliche Reife.(Lebhafter Widerspruch.) Bon einer Gleichstellung von Arbeitern und Unternehmer» kann über- Haupt keine Rede sein.(Vereinzelter Beifall, vielfaches Zischen.)O Max Weber-Heidelberg: Der Kontraktbruch der 195 000 Arbeiter sei allerdings eine auffallende Erscheinung, noch auffallender aber die Sympathie der ganzen Ocffcntlichkeit ohne Unterschied der Parteien für die Arbeiter. Für Dr. Tille sei jetzt auch der Reichs- kanzler nicht mehr verkchrsfähig. Mich interessiert an den Groß- betrieben vor allem die Frage: Was wird charakterologisch aus den Menschen, die in diese Bedingungen hineingestellt sind, mit denen wir uns heute beschäftigt haben? In den Blättern des Saarrcviers erschienen zur Zeit der RcichStagswahlcn Annoncen, in welchen Arbeiter versichern, daß sie nicht für eine bestimmte Partei gestimmt haben. Kanaillen! sage ich. Aber wer erzieht diese Kanaillen? Das System, das Tille vertritt. Ich kenne die Stickluft, welche im Saar- rcvicr herrscht, ans eigener Erfahrung. Alles zittert vor der Groß- industrie. Die einzige Macht, die ihr entgegensteht, ist die katholische Kirche— nicht der preußische Staat. Unsere Unternehmer kommen vielfach über den spießbürgerlichen Herrcnkitzcl nicht hinweg. Der Redner erörtert dann den gegenwärtigen Rcchtszustand, nach welchem der Arbeiter bestraft wird, wenn er einem Arbeitswilligen sagt: „Meine Minna tanzt nicht mehr mit Dir!" Das ist glatt und einfach eine Schande! Das Recht auf Feigheit wird geschützt. An dem Fortbestehen der Gewerkschaften haben wir ein starkes Jnter- esse; denn sie find innerhalb der Sozialdemokratie, mit der wir auf Generationen hinaus zu rechnen haben, und für deren Fortcxistenz der tägliche Kleinkrieg mit dem preußischen Staate sorgt, die ein- zigcn, welche sich nicht ducken vor den Partcipfründnern, bei denen, wie jeder Parteitag mehr zeigt, jeder Idealismus ertrunken und begraben ist.(Lebhafter Beifall.) Assessor Oppcnheimcr(Ludwigshafen): Exzellenz v. Rotten- bürg habe angeführt, die Anilinfabrik von Bayer in Elberfeld habe Arbeiter entlassen, lveil sie einem Berufsvercin angehörten. Er habe deshalb telcphonifchc Erkundigungen eingezogen. Es fei ihm van der Firma Bayer mitgeteilt worden: es seien nur diejenigen Ar- beiter entlassen worden, die der sozialdemokratischen oder Hirsch- Duncker'schen Gewerkschaft angehörten.(Rufe: Nur!). Exzellenz v. Rottenburg sagte aber: es seien alle Arbeiter entlassen worden', die einer Organisation angehörten. Siegierungsrat a. D. Dr. Leydig(Berlin): Er müsse wieder- holt aussprechen, wenn das, was ein großer Teil der Redner ver- langte, zur Ausführung komme, dann gelange man mit beiden Füßen in de» sozialdemokratischen Zukuuftöstaat.(Beifall und Wider- spruch.) Brentano polemisiert sehr scharf gegen Tille. Professor v. Philippovich-Wien als Vorsitzender gibt einen kurzen Ueberblick über die Diskussion. Es gab früher zwei Wege für die Unternehmer, sich zu ruinieren: nickst zu verstehen, wie man pro- duziert, und nicht zu verstehen, wie man Produkte absetzt. Es gibt heute noch einen dritten: nicht zu verstehen, wie nian mit Menschen umgeht. Ter Vorsitzende wendet sich auch gegen den engherzigen Geist, in dem heute das geltend: Recht von den Richtern ausgelegt wird.(Lebhafter Beifall.) Die Verhandlungen wurden auf Mittwgch vertagt. GcwcrblcbaftHcbeo. Der Kampf in der Elektro'Jnd»strie4 Die Slntwort der Unternehmer. Ms Antwort auf den Beschluß der Streikenden, welcke die Wiederaufnahme der Arbeit unter den von den Direktionen fest- gesetzten Bedingungen verweigerten, wurde nach der bürgerlichen Presse in den in Betracht kommenden Werken durch Aushang folgendes bekannt gemacht: Durch unsere ArbeiterauSschllsse wurde uns mitgeteilt, daß die im Ausstand befindlichen Arbeiter des Kabelwerkes Oberspree und deS Werner-WerkeS die Wiederaufnahme der Arbeit a b- gelehnt haben. Zu unserem Bedauern sind wir hierdurch ge- zwangen, folgende Fabriken am Sonnabend, den 3V. September lüvS nachmittags zu schließen: 1. Apparatefabriken Ackerstratze und Huttenstraße, 2. Maschinenfabrik Brunnenstraße, 3. Turbinen- fabrit Huttenstraße der Allgemeinen ElekttizitätS-Gesellschaft, ferner 4. Blockwerk Helncholtzsttuße der Siemen? u. HalSke ElekttizitätS-Gesellschaft, endlich S. Dynamowerk Franklinsttatze, S. Kabelwerk Nonnendamm der Siemens- Schuckcrt- Werke G. m. b. H. Ein Depeschenbureau verbreitet dazu folgende Mitteilung: .Durch die Maßnahme der bei dem Stteik in der Elektrizitäts� industrie beteiligten Firmen, wonach am Sonnabend sämtliche Betriebe geschlossen werden sollen, werden 33 000 Arbeiter ge- zwungen, die Arbeit niederzulegen. Die Arbeitgeber sind fest ent- schlössen, nicht mehr zu bewilligen, als in dem Ultimatum am ver- gangenen Sonnabend zugestanden worden war. Die vereinigten Firnren haben sich indessen bereit erklärt, um die angekündigte all- gemeine Aussperrung zu vermeiden, bis zum Sonnabend mit den Vertretern der Arbeiterschaft in Verhandlungen einzutteten, falls diese es wünschen." Unbegreifliches. Die„National-Zeitung" steht vor einer verkehrten Welt, wenn sie sich in die Entwickelung des Kampfes hineindenken soll. In der Welt, in der sii e lebt, ist alles wohl geordnet. Da sind die führenden— na sagen wir mal—.Geister", denen gute Einsicht- und weiter Blick entweder angeboren sind oder bei denen diese Führcreigenschaften mit dem Bankdepot kongruent emportvuchsen. Je nachdem diese von der guten Einsicht und dein weiten Blick beein- flußt werden, wechseln bei ihnen Meinungen, Stimmungen, Absichten und Wünsche. Eins nur bleibt unveränderlich: sie haben die Massen zu kommandieren und diese haben univcigerlich zu gehorchen, haben nicht zu fragen, warum und weshalb bei ihren geborenen oder emporgekommenen Führern Meinungen und Stimmungen, Absichten und Wünsche beständig nur das eine haben, imnierwährend zu wechseln. Da haben nun die streikenden Arbeiter trotz Abraten» ihrer Führer beschlossen, im Streik zu beharren und die„National-Zeitung" jammert über das Unbegreifliche: „Ihr Mißmut über vermeintlich schlechte Behandlung gilt mehr als alle Einsicht und aller Ueberblick der„Führer" und der„Ver- bandsleitung". Um dieses Mißmuts willen feiern zunächst 10000, vielleicht m wenigen Tagen auch die dreifache Zahl von Arbeitern. Nicht in die Hand der 10 000 ist eS g sieben, zu beschließen, ob die 500 ihren Mißmut gütigst noch für sich behalten möchten, bis etlva ein ttiftiger Grund zum Kampf sich ergeben hat, bis die Mittel gesichert sind, den Kampf auch durchzuführen. Nein, die 500 und ihr„Mißmut" entscheidet über das Wohl und Wehe der 10000." Die„National-Zeitung" hat schon nach wenigen Tagen ver- gessen, daß die 10 000 von den Unternehmern auf di? Straße ge- warfen wurden und sich ausdrücklich weigerten, den Entschluß der 500 zu beeinflussen. Und die Einsicht und den Ueberblick der Ver- bandSleiter in allen Ehren; aber in Arbeiterkreisen entscheidet eben die Masse über ihre Schritte selbst. Im übrigen merken wir uns das Loblied auf die Einsicht der Führer für den Augenblick und er kommt!— wo die„National-Zeitung" statt von den einsichttgen Arbeiterführern von den„Hetzern" schreiben wird! » Sine schurkische Bcrlenmdung. Die«Deutsche Tageszeitung" verbreitet die„Vermutung", der Brand im Kabelwerk zu Ober- Schöneweide sei auf Brandstiftung seitens der Streikenden zurückzuführen. » * Ein originelle» Arbeiterführer-Porträt enttvirst die„Deutsche Tageszeitung". Wir lesen da: „Cohen ist ein Anhänger der scharfen Tonart, des General- streiks, des fortwährenden Kampfes und der Beunruhigung. Als Cohen vor nicht langer Zeit von einem der bekanntesten Arbeit- Iieberbeisitzer des Gewerbcgerichtö bei einer Besvrechung des AnStandes in der Berliner'Metallwaren-Jndustrie auf seine Verantwortung als Arbeiterführer hingewiesen wurde, bemerkte er hohnlachend:„Ich habe schon mehr erreicht als mein Vor- gänger Naethcrl'" Auf den Hinweis, daß die Arbeit- geber zugrunde geben müßten, erwiderte er zyyisch: ,28a"8 gehen mich d i e Krauter an, meiner- wegen können sie alle zugrunde gehen." AIS er dann weiter eindringlich darauf aufmerksam gemacht wurde, daß die Berliner Industrie durch die fortdauernden langen Streiks ruiniert würde, da gab er schnell zur Antwort:„Deshalb wird auch nicht ein Stück weniger angefertigt." Schließlich appellierte man an sein Mitgefühl für die Familien der Arbeiter. Auch das verfing nicht.„Ich bin der Führer einer Kampfes- organisation, und das Geld haben wir auch nicht zum Vergnügen der Einwohner gesammelt/ In die Hände dieses Mannes ist das Schicksal unzahliger Familien gelegt." Gewiß werden die Leser der„Deutschen Tageszeitung" gruselnd zu der Ucberzeugung kommen, baß nur dieser Cohen und kein anderer den Brand im Kabelwerk angelegt haben kann. Die Arbeiter aber, die Cohen persönlich kennen, werden beim Lesen dieser geilen einige heitere Augenblicke über den Gedanken an Cohen als Anhänger des Generalstreiks«. empfunden haben. Von sämtlichen Arbeitnehmern im Vorstände der Betriebskrankenkasse der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft erhalten wir folgende Zuschrift mit dem Ersuchen um Veröffentlichung: Die gestern im„Vorwärts" abgedruckte Aufforderung des Aerzte-AusschusseS unserer Kasse könnte die Deutung zu« lassen, als ob der Kaffenvorstand mit dieser Aufforderung irgendwie in Verbindung stände, wonach bekanntlich ans Anlaß der Sperrung der Betriebe die Aerzte bei Erklärung der Arbeitsunfähigkeit sich krank meldender Kaffenmitglieber„mit ganz besonderer Vor« ficht verfahren' sollen. Wir erklären demgegenüber, daß wir als Vertreter der in diesem Falle ansschlichlich zuständigen Körperschaft dem Aerzteausschuß keinerlei Auftrag gegeben haben, irgendwie anders als bis- her bei der Untersuchung sich krank meldender Mitglieder zu ver- fahren. Von dem Pflichtbewußtsein der in unserer Kasse tätigen Aerzte erwarten>vir bestinimt, daß sie unter diesen Umftänden die Aufforderung des AerzteauSschusses alS einen ungesetzlichen Perantw. Bedakteur.: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: ' und ungerechtfertigten Uebergriff betrachten und sie in keiner Weise beachten werden. Es ist selbstverständlich, daß wir alles tun werden, um die Aerzte, die als Mitglieder deS AerzteauSschusses sich des erwähnten Uebergriffs. schuldig gemacht haben, in geeigneter Form zur Rechen- s ch a f t zu ziehen. Wir hoffen, daß diese Veröffentlichung den Mit- gliedern der Betricbsttankenkaffe der A.-E.-G. zur Beruhigung dienen wird. Die Arbeitnehmer im Vorstande der Allg. Elekttizitäts-Gesellschaft. Franz Rovak. Otto Allert. Hermann Milarg. Hermann Bredereck. Karl Anders. Nepomuk ZalejSki. Zu der Lohnbewegung in der Elektrizitätsindnstrie wird von der Firma Siemens u. HalSke A.-G. mitgeteilt. In den Berichten der Blätter über die Ursachen der Lohnbewegung bei Siemens u. Halskc A.-G., Siemens- Schuckcrtwerke und A. E.-G. taucht fort- Währung die Behauptung auf, daß es für die Firmen ein leichtes gewesen wäre, den Gegenstand des Streikes, welcher zu einem Kampf von noch nicht vorauszusehender Ausdehnung führen könne, aus der Welt zu schaffen, indem sie Forderungen der Arbeiter nach Lohn- erhöhung, die für die Firmen nur ein geringes Opfer bedeuten würden, befriedigten. Es finden sich Darstellungen der bei den Firmen herrschenden Lohnvcrhältnisse, nach denen diese Hungerlöhne zahlen. An einer Stelle heißt es sogar, ein Arbeiter gehe mit 15 M. und einigen Pfennigen Wochcnlohn nach Hause. Der Oeffentlichkeit soll der Glaube beigebracht werden, Siemens n. Halske und die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft zahlen ihren Arbeitern offenbar so geringe Löhne, daß den Arbeitern gar nichts anders übrig bleibt, als sich die notwendigsten Bedingungen zur Fristung ihres Lebens durch Arbeitsniederlegung zu erzwingen. Um der Oeffentlichkeit die Be- urteilung der Zuverlässigkeit solcher Darstellungen zu ermöglichen. geben wir. nachstehend einige der offiziellen Lohnstatistik der Siemens u. Halske A.-G. entnommene Mitteilungen der bei der Firma an einzelne Arbeiterkategoricn gezahlten Löhne. Es wird zunächst interessieren, zu sehen, wie die durchschnitt- lichen Löhne einzelner Arbciterkategorien in den letzten Jahren gestiegen sind. Es betrugen die durchschnittlichen Stundenverdienste im Akkord in einem der Werke der Siemens u. Halske A.-G. im Jahre 1897: Dreher 66 Pf., Schraubendreher 59 Pf., Mechaniker 60 Pf., Schlosser 56 Pf., Werkzeugmacher 66 Pf., Arbeiterinnen 27 Pf. Dieselben Kategorien von Akkordarbeitern verdienten im Juni 1963: Dreher 71,3 Pf., Schraubendreher 63,9 Pf., Mechaniker 65,3 Pf., Schlosser 67,3 Pf., Werkzeugmacher 73,5 Pf., Arbeiterinnen 32 Pf. Aus den statistischen Aufzeichnungen der Tagesverdienste der- selben Kategorien desselben Werkes aus dem Sommer des Jahres 1905 ergeben sich ebenfalls bei Akkordarbeit folgende tägliche Ver- dienste: Dreher 6,40 M., Schraubendreher 5,20 M.. Mechaniker 5,50 M., Schlojser 5,75 M.. Werkzeugmacher 6,15 M., Arbeiterinnen 2,40 M. In einem Zeitraum von 4 Wochen dieses Sommers verdienten im Akkord im selben Werke: Dreher 159,50 M., Schraubendreher 130,50 M., Mechaniker 137 M., Schlosser 144 M., Werkzeugmacher 153 M., Arbeiterinnen 60,50 M. Es scheint sich also bei dem Vorgehen der Arbeiter gegen die Firmen doch nicht, wie der Oeffentlichkeit fälschlicherweise mitgeteilt wird, um berechtigte Forderungen der Arbeiter zu einer in den Verhältnissen liegenden notwendigen Verbesserung ihrer gedrückten wirtschaftlichen Lage zu handeln, vielmehr dürfte die aus Gcwcrk- schaftskreisen mitgeteilte Erllärung, daß der Leitung der Organi- fation die gegenwärtigen Kämpfe sehr willkommen seien, um eine möglichst große Zahl von Mitgliedern hinter ihren Fahnen zu scharen, eine bessere Handhabe geben, um auf die wahre Ursache dieser offenbar von langer Hand seitens der Organisation vor- bereiteten Lohnbewegung schließen zu lassen. Berlin und(Imgegend. Zur Lohnbewegung der Speichrrarbriter. Der Ausstand Bei der Frankfurter Bahngütergesellschaft in der Fnlchtsttaße ist beendet. ES fanden Verhandlungen statt, in denen sich der Vertteter der Gesellschaft bereit erklärte, von jetzt ab dieselben Lohnsätze zu zahlen, wie sie die Akkordttäger der übrigen Speicher nach Matzgabe der anläßlich des Streiks im Frühjahr getroffenen Vereinbarungen er- halten. Daraufhin wurde die Arbeit gestern wieder aufgenommen. — Auf dem Viktoriaspeicher hatten die Lohnarbeiter mit dem Stteik gedroht, weil daselbst aus Anlaß der jetzigen Forderungen ein Lohn- kommisstonsmitglicd entlassen worden war. Gestern erklärte sich die Speicherverwaltung nun bereit, den Entlassenen wieder einzustellen, st? daß dadurch diese Differenz als erledigt gilt. Achtung, Schuhmacher! Infolge Maßregelung eines Kollegen haben vir Arbeiter der Schuhfabrik von Buller. Brunnenstr. 53, die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Zenttalverband der Konditoren. Bei der Firma Greiser u. Dobritz, Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik, Mariannenstr. 6, sind infolge Maßregelung Differenzen ausgebrochen. Wir ersuchen, jede» Zuzug fauch Arbeiterinnen) fernzuhalten. OcutM?» Ret dl. An die im Baugewerbe beschäftigten Arbeiter Deutschlands t Die in der Gips- und Zementbranche beschäftigten, im Zenttal- verbände der Maurer Deutschlands organisierten Arbeiter stehen vor einem Stteik. Seit dem Jahre 1903 waren für die Arbeiter dieser Branche die Lohn- und Arbeitsbedingungen im Wege eines Tarifverttages mit den Unternehmern der Branche geregelt. Für da? Jahr 1905/06 lehnten dt» Unternehmer den Abschluß eines Tarifvertrages ab. Schon feit geraumer Zeit annoncieren nun diese Unternehmer in auswärtigen Zeitungen und verlangen Arbeitskräfte nach hier. In Dresden und Unigegend werden Zimmerleute und in anderen Orten HülfSarbciter verlaugt. Wir möchten an dieser Stelle vor weiterem Zuzug nach hier warnen und die organisierten Arbeiter des Bau- Berufes ersuchen, bei Gelegenheit den Agenten der Unternehmer unserer Branche die gebührende Antwort zu geben. Alle Arbeiterzeitungen werden um Nachdruck gebeten. Zentralverband der Maurer Deutschland». Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. I. A.: Wilh. Fritzsch. Kürschncrstreik i« Markranstädt. Am 23. September legten die gesamten Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma L. Walters Nachf., Nauchwaren-Zurichterei und Färberei Markranstädt, die Arbeit nieder, nachdem vorher sämtliche dem Kürschner-Berbande angehörenden Ge- sellen die Arbeit kündigten. Die Firma sucht schon seit März d. jj. ein billiges Fell fKanin) auf den Markt zu bringen, vielleicht weil die übrige Wildware im Preise kolossal gestiegen ist. Um aber für sich nicht zu wenig an diesem Artikel zu verdienen, verlangt die Firma von dem Kürschner-Verbande, er soll Felle, die laut Tarif von 1900 mit 8 Pf. pro Stück vereinbart sind, zu einem billigeren Preise zurichten. Es wurde dieses selbstverständlich trotz monatelanger Verhandlungen, an denen sich mich die hiesige Behörde beteiligte, cmfach mit Recht verweigert. Run wurde seitens der Fabrikleitung eine Filialzurichterei in Unkel iRheinprovinz) gegründet, in welcher ungelernte Arbeiter beschäftigt werden; aber sie scheint nicht zu prosperieren. Weiter wird versucht, diese Ware bei anderen Firme» unterzubringen. Diese letzten Maß- nahmen brachten die Kürschncrgesellen dahin, am 22. d. M. die Arbeit niederzulegen, und es folgten ihnen dann die durch Kartellvcrtrag angeschlossene» Fabrikarbeiter am 23. d. M. ES kommen in Be- TH.Giolke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt ttacht 58 Gesellen und zirka 200 Arbeiter und Arbeiterinnen.<55 wird ersucht, alle Arbeitswilligen von Markranstädt zurück- zuhalten. Eventuelle Anfragen sind zu richten für den Kürschner- Verband an Emil Kemnitz, Hänelstt. 9, für den Fabrikarbeiicr-Verband Eduard Nolden, Leipzigerstr. 21 I, Markranstädt. Die Lohnbewegnng der Weder im Gera-Greiz-Vogtläuder Bezirk ist in ein ernstes Stadium getreten. Es haben vergangenen Freitag die Schlußverhandlungen der Tarifkommissionen stattgefunden. Die Fabrikanten erklärten, die gemachten Zugeständnisse seien das äußerste. das sie bewilligen könnten, und wenn die Weber dies nicht an- nehmen, würden sie gar nichts bewilligen, sondern die Zugeständnisse zurückziehen. Es sind seitens der Fabrikanten drei Tarife vor- gelegt beziehungsweise die Lohnhöhe in drei Abstufungen festgesetzt, und zwar für die kleineren Orte des Be- zirks, für Greiz und für Gera, besonders für die letzteren Orte, speziell für Gera, ist die Lohnerhöhung eine recht minimale; sie erreicht nach den Berechnungen der Arbeiter kaum die Höhe von 5 Proz., wobei der Trick angewandt ist, daß die höhere Bewilligung nur für die seltener vorkommenden Artikel vorgefehcn ist. Für die kleineren Orte hat man allerdings eine höhere Zulage in Aussicht gestellt. Das kommt daher, weU der Tarif von 1902 in diesen Orten nicht innegehalten worden ist, sondern viel niedrigere Löhne gezahlt wurden. Leider ivar die Orgamsation der Textilarbeiter in diesen Orten früher zu schwach, um gegen das geübte System der Lohndrückerei Front machen zu können. Bei manchem Artikel und in manchen Fabriken wird bereits jetzt ein höherer Lohn gezahlt, als der neue Tarif vorsieht. Dieser soll ein Mindesttarif sein und es sollen höhere Löhne weiter gezahlt werden. Aber auf Grund der Erfahrungen, welche die Arbeiter bezüglich der mit den bei Inkrafttreten des Tarifes von 1902 ge- machten selben Versprechungen gemacht haben, herrsckit auf feiten der Weber gegenüber solchen Zusicherungen das größte Mißtrauen. Sie befürchten, daß statt der Lohnerhöhung eine Reduktion der jetzigen höheren Löhne eintritt. Die lvichtigcren der übrigen Forderungen der Arbeiter, wie Garantte eines Mindestverdienstcs, Schaffung einer Tarifkommission unter unparteiischem Vorsitz, wurden grundsätzlich abgelehnt. Es sollen nur VerttauenSinänner-Ansschüsse eingesetzt werden. Für jede Weberei soll nun ein solcher eingeführt werden und zwar sollen von den Webern nur die Hälfte gewählt werden, die andere Hälfte wollen' die Fabrikanten selbst ernennen. WaS solche AuSschüffe für die Arbeiter leisten können, weiß jeder, der die Verhältnisse kennt.— Die Arbeitszeit soll ausschließlich der Pausen zehn Sttinden betragen, jedoch sollen während der Pausen die Dampfmaschinen im Betrieb erhalten iverden, so daß cS gewissen Elementen unter den Arbeitern möglich ist, die Arbeitszeit freiwillig zu verlängern. Der Zweck dieser Maßregel ist die Absicht, die Arbeiter untereinander zu verfeinden.— Es soll die wöchentliche Lohnzahlung eingeführt werden.— Für daS Warten auf Schußmatertal und die Maschinenkarten soll, wenn es länger dauert als fünfStunden, eine Entschädigung gezahlt werden, ebenso bei kurzen Web- ketten.— Die Weber haben noch vor den Schlußverhandlungen die Zugeständnisse als gänzlich unzureichend erklärt. Die definitive Be- schlußfassung kann erst nach den Vorberatnngen der Vertreter der verschiedenen Bezirke erfolgen. Inzwischen versuchen die Fabrikanten die öffentliche Meinuna durch ihre Presse zu beeinflussen. Sie er- klären das Bewilligte für w e s e n t l.i ch e Zugeständnisse. Die Ab- ficht der Gera-Greizer Fabrikanten ist aber nicht, die Lage ihrer Arbeiter zu verbessern, sondern die bisherige Schmutzkonkurrenz der kleineren Orte zu vermindern. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Die Leipziger Guminidrrchsler befinden sich seit sechs Wochen iin Angriffsstreik. Einig und geschlossen ließen dieselben die Arbeit liegen, ebenso wie auch bis heute kein Abtrünniger sich gefunden hat. Die Gummiindustriellen versuchen jetzt mtter Bersprcchung hoher Löhne, dauernder Stellung, Abschließen zlveijähriaer Kontrakte usw. durch Inserate in fast der gesantten bürgerlichen Presie Deutschlands Arbeitswillige auch aus anderen Branchen der Drechslerei heran- zuziehen. Den Arbeitswilligen werden, wie in analogen Fällen, hohe Löhne versprochen, doch dürsten Drechsler anderer Branchen unter den bestehenden Berhnltnissen nur 3 bis 12 M. verdienen. Wir ersuchen deshalb alle Kollegen, auf diese Versprechungen nicht einzugehen und dadurch den Leipziger Kollegen zum Siege zu ver- helfen. Die Branchcnkommission des Holzarbeiter-VerbandeS. Eine Versammlung der Gemeindcarbeiter in Nürnberg be- schäftigte sich mit dem Verhalten der Stadt als Arbeitgeberin. Es wurde in einer Entschließung lebhaft bedauert, daß die Stadt« Verwaltung eine im Mai gestellte Bitte um Gewährung von Teuerungszulagen unberllcksichügt gelassen hat und an die städtischen Kollegien die Aufforderung gerichtet, angesichts der fortgesetzt steigenden Preise für die notwendigsten LebeiiSmittel in allen Gemeindcbetrieben eine durchgreifende Lohnaufbesserung eintreten zu lassen, da die derzeitigen Löhne zum Unterhalt einer Familie absolut unzureichend sind. Für eine gänzlich unsoziale Maßregel wurde es fernerhin erklärt, daß den Kanalisationsarbeitern an- gekündiat wurde, sie sollten sich für anfangs Dezcinber nach anderer Beschäftigung umsehen, da in Zukunft diese Arbeiten an Privat- Unternehmer übertragen werden sollen. eingegangene Dnickrcbriften. Bon der„Neuen Gesellschaft», Sozialistische Wochenschrist. Herausgeber- Dr. H. Braun und!Aly Brau».(Verlag: Berlin W. 15. Preis für das Einzelheit 10 Pf., pro Monat 40 Ps., pro Vierteljahr 1,20 M.) ist soeben da« 26. Hell erschienen. Die Arbeiter-Berficherung im Nnslande. Hest Vlla und Villa. Herausgegeben von Dr. Zacher, Geheimer Regicrungsrat. Grunewald- Berlin, Verlag der Arbciler-Vcrsorgung. A. Troschel(Hest Vll», Oester- reich, Preis 4.50 M., Hest Villa. Ungarn, Preis 1 M i Ist die Kultur ein Fluch oder ein Segen? Bn Beitrag zur Lebenskunst von O. Eppaii-Penegal. 8°, 208 Seiten. Preis geh. 3 M., geb. 3,80 M. Verlag von Sirecker u. Schröder in Sinttgart. Letzte INtoebnebten und Depcfcbca Paris, 27. September.(Meldung der Agence Havas.) Bezüglich der Verzögerung der Unterzeichnung des marokkanischen Abkommens wird versichert, daß keine ernstliche Schwierigkeiten entstanden und daß die Verständigung als erfolgt anzusehen sei. Die noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten beträfen Detailpunkte, ferner Fragen der Abfassung des Textes, besonders bezüglich der deutschen Anleihe, und würden, wie man absolut überzeugt sei, leicht behoben werden. Kristiania, 27. September.(W. T. B.) Zehn SthortingS-Mit- glieder brachten heute im Storthlng einen Bitttag ein. der im Prinzip darauf ausgeht, daß vor Mitte November ein konstituierendes Storthing einberufen werden soll, um die zukünftige Staatsform Norwegens zu bestimmen und der im Falle der Ablehnung dieses AnttageS verlangt, daß die Frage der zukünftigen StaatSform Norwegens bis nach den Wahlen 1906 ausgesetzt wird. Washington» 27. September.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Ueber das Unwetter, von dem Manila am 25. Sep- tcmber heimgesucht worden ist, wird von dort telcgraphisch gemeldet. Das Unwetter war das heftigste, das seit'Jahren hier vorgelounnen ist. Bei vielen Häusern sind die Dacher abgedeckt worden. Der Militärposten Malahi ist dem Vernehmen nach gänzlich zerstört worden. Das Kanonenboot.Letzte", das ehemals tn spanischem Besitze, jetzt außer Dienst gestellt war, ist gesunken. Tokio, 27. September.(W. T. B.) In der Stadt herrscht freudige Aufregung wegen des neuen Allianzvertrages mit England; die großen Geschäftshäuser und die öffentlichen Gebäude haben illuminiert. Paul Singer L-Co., Berlin LW. Hierzn3Beilagen».Unterhalt»ilgSl'lett. Nr. 227. 22. Jahrgang. 1. MW i>ks.Awiick" Krlim WsdIM Donnerstag, 28. September 1903. Die Parteipresse über den Jenaer Parteitag. Soweit sich bisher die Parteipresse über den Jenaer Parteitag geäußert haß ist sie mit dem Ergebnis der Verhandlungen außer- ordentlich zufrieden. Das allgemeine Urteil geht dahin, daß in Jena gute Arbeit geleistet worden ist und daß er in seinen positiven Er- gebnissen als einer der wichtigsten Kongresse der deutschen Partei bezeichnet werden kann. Er bildet den Ausgangspunkt für neue Kräfte, für vermehrte Schlagfertigkeit und für verstärkte Einheitlich- keit der Partei. Wir geben im Nachfolgenden eine Anzahl Preßstimmen wieder, die sich über die einzelnen Tagesordnungspunkte des eingehenderen verbreiten. Das„Hamburger Echo" referiert über die Verhandlungs- gegenstände und sagt unter anderem folgendes: „Eine rednerische Glanzleistung, auch physisch, der Clou dieses Parteitages, war das fast vierstündige Referat Bebels über den Massenstreik, deren reichhaltiger und vielseitiger Inhalt in der von den Gegnern bloß in einem Satz angefochtenen Resolution gipfelte. So schroff sich aber beide Lager gegenüberstanden, so wenig über- schritt die Kontroverse im allgemeinen die Grenzen würdiger Sachlichkeit.. Es war auch im Grunde gar nicht nötig, sich auf- zuregen, denn Bebels Rede hatte nur die Tendenz: Gegebenen- falls, wenn die Situation es heischt und günstig ist,„wenn unerträglich wird die Last" und jedes andere Mittel versagt, ein Notwehr-Massenstreikl „Erbärmlich ist die Klasse, die sich wie Hundsfotte behandeln läßt und nicht alles daran setzt, ihr Recht zu hüten"— wer von uns würde diesen flammenden Laprdarsatz nicht unterschreiben, den Bebel in die Versammluüg schleuderte? Einstweilen indessen hat die Empfehlung des Generalstreiks nur platonische Bedeutung und die Resolution pointiert praktisch zunächst in der Verpflichtung aller Genossen, die Organi- sation unablässig zu stärken und ihr Pulver für alle Fälle trocken zu halten. Nicht das Schwert zu zücken gilt es vorerst, sondern es parat zu halten. Merken die Gegner, daß das Proletariat auch vor diesem letzten Mittel nicht zurückschreckt, so werden sie sich vielleicht dreimal be sinnen, ehe sie es zum äußersten reizen. Die gegensätzlichen Ans lassungen m der Debatte ergänzen und berichtigen einander wechselseitig und haben die beiden Seiten des Problems von un- geheurer Tragweite und nnberechenbarer Wirkung auseinander- gefaltet. Mit der Massenstreik-Debatte hatte der Parteitag seinen Höhepunkt erreicht. Der Organisationsentwurf, der aus der Retorte der Kommission in verbesserter Form hervorging, wurde am Sonnabend durch debattelose Annahme erledigt. Und fast ebenso glatt— zur abermaligen grausamen Eni- täuschung der Bürgerlichen— wurde der sagenaunte„Literaten- streit" erledigt durch eine Resolution, die ihn dieses aus- schließlichen Charakters entkleidet und auf prinzipielle Meinungs- differenzen zurückführt, aber mit allem Nachdruck die Gehässigkeit in der Polemik verurteilt und zur Wahrung würdiger Formen mahnt. Wir dürfen hoffen, daß diese kategorische Willenskundgebung des Parteitages, die in der Kommission einstimmig beschlossen, vom Plenum gegen ganz wenige Dissidenten akzeptiert wurde, die erhoffte Wirkung haben und allseitige Nachachtung finden wird. Zu Ziffer III dieser Resolution, wonach kritische Untersuchungen des Parteiprogramms tunlichst in der„Neuen Zeit" zu veröffentlichen seien, machte der Berichterstatter Dietz eine berechtigte Zusatz- bemerkung, indem er den Wunsch äußerte, in der„Neuen Zeit" auch abweichenden Meinungen Raum zu gewähren."... Die„Sächsische Arbeiterzeitung" schreibt: „Das Ergebnis der Massenstreikdebatte ist wohl geeignet, uns mit Stolz und Zuversicht zu erfüllen. Wenn in der großen Mehr heit der Zustimmenden auch einige sind, die unter innerem Vor behalte gestimmt haben, so ist doch kein Zweifel, daß eine im- panierende Mehrheit sich klipp und klar für die Einreihung des Massenstreiks in das Arsenal unserer Waffen erklärt hat. Das ist das Ergebnis eifriger innerer Parteiarbeit. Noch vor einigen Jahren würde dieses Resultat nicht möglich gewesen sein. Aber die Sozialdemokratie lernt aus der Geschichte, aus den Er- fahrungen der Bruderparteien, und darin liegt die Gewähr ihres Sieges. Alles hat diese Debatte freilich nicht leisten können, was wir von ihr erhofft haben. Der Unterschied von Demonstrations- und Kampfstreik ist in den Erörterungen nicht klar genug heraus- gearbeitet worden. Aber es war vom Parteitag auch wohl zu viel verlangt, daß er schon diesmal, wo es sich zunächst um die Lösung der Frage im Prinzip handelte, diese Einzelheiten klären sollte. Die Partei wird weiter daran arbeiten und die Zukunft wird bringen, was Jena noch nicht bringen konnte. Wohlttiend ist die Lösung der Streitfrage„Borwärts"-„Neue Zeit", „Leipziger Bolkszeitung". Die Anerkennung, daß der Streit ein prinzipieller war, daß er nicht Literatenkrakeel Ivar, ist ein Sieg klarer Erkenntnis über unklare Gefühle und Stimmungen. Die Einsicht der Genossen hat hingereicht, den bcgreifllichen Aerger über die Störung der Werbearbeit durch die Erkenntnis von der Not- wendigkeit prinzipieller Auseinandersetzlingen zu überwinden. Daß wir der Forderung, diese Streittgkeiten in parteigenössischer, brüderlicher Form zu führen, lebhaft zustimmen, erhellt aus unserer ganzen Haltung zu jenen Auseinandersetzungen. Daß die Verurteilung der gehässigen Form in der Resolution der Kom- Mission so scharf ausgefallen ist, resulttert wohl mehr aus der Erinnerung an ftühere Kämpfe, als aus den Betrachtung des letzten, in dem Entgleisungen in viel geringerem Matze als früher zu verzeichnen waren. Möge es in dieser Beziehung in Zukunft noch besser werden. Denn Prinzipienlänipfe wird sie uns nicht ersparen. Der Jenenser Parteitag ist ein Tag der Auseinandersetzung mit den Gewerkschaften gewesen. Aber nicht ein Tag der bitteren Vefehdung, sondern der brüderlichen Aussprache. Der Kölner Gewerkschaftskongreß und die Tendenzen, die sich auf ihm gespiegelt haben, standen im Mittelpunkt der Erörterungen der Maifeier- debatte. Hier hätte Vertuschung nur Schaden bringen können, die Aussprache allein kann die Schäden heilen. Wir zweifeln nicht, daß bei ehrlichem Bestteben auf beiden Seiten die Aussprache zu Jena von Nutzen für die Arbeiterbewegung sein wird. Sie hat gezeigt, daß auf keiner Seite die Absicht herrscht, die andere in ihrer Bedeutung herabzusetzen, daß Entgleisungen, die in dieser Richtimg vorgekommen sind, vereinzelt bleiben loerden. Es Ivird die Kraft der deutschen Arbeiterbewegung nicht durch ernstlichen Konflikt zwischen den beiden großen Heerläulen des Proletariats geschwächt werden." Die„Bremer Bürgerzeitung" sagt: „Die von der Fllnfzehnerkommission vorgeschlagene und vom Parteitage ohne Debatte gegen vereinzelte Stimmen mit über- wältigender Majorität angenommene Resolution zu dieser Frage gibt in ihren einleitenden Sätzen der von uns stets vertretenen und in unserem Begrüßungsartikel zum Parteitage mit besonderem Nachdruck ausgesprochenen Anschauung recht, daß die Preß�hden der jüngsten Zeit nicht als„Literatengezänk" anzusehen sind, sondern daß ihnen vielmehr ernste sachliche, insbesondere'auch prinzipielle Meinungsdifferenzen zugrunde liegen. Das ist eine wichtige Feststellung,.die dadurch eine wichtige Akzentuierung enthält, daß in einem späteren Teile der Resolution klar und deutlich verlangt wird, daß die prinzipielle Aufklärung entsprechend dm Grundsätzen des Parteiprogramms im Sinne der Dresdener � Resolution zu erfolgen hat. Da sich Kautskh, der Verfasser der I Dresdener Resolution, gewiß nicht von ihren Grundsätzen entfernt hat, sondern im Gegenteil ihre strikte Auftechterhaltung forderte. so geht daraus unzweideutig hervor, welchen von den streitenden Teilen der Parteitag in der Sache recht gegeben hat. Freilich mißbilligt der Parteitag auch aus das schärfite die Form, in der die Diskussionen zum Teil geführt wurden. Er hebt entschiedensten Einspruch gegen eine gehässige, die persönliche und die Parteiehre von Genossen verletzende Art der Diskussion. Dagegen ist natür lich nichts einzuwenden.... Die bedeutsamste Angelegenheit der Plenarverhandlungen des Parteitages war seine Stellungnahme zum Problem des politischen Massenstreiks. Nachdem die Bebeische Rede kurz skizziert, fährt die „Bürgerzeitung fort: „Der Parteitag schloß sich in seiner übergroßen Mehrheit dieser Empfehlung(der eventuellen Maffenarbeitseinstellung) an Nur vereinzelte Genossen, besonders Gewerkschaftsführer, glaubten sich durch den Beschluß des Kölner Gewerkschaftskongresses ge- Kunden und enthielten sich der Abstimmung oder stimmten gegen die Resolution. Soweit sie sich vorher in der Debatte zu der Sache geäußert hatten, hatten sie kaum einen Zweifel darüber gelassen, daß sie im gegebenen Falle im Sinne der Resolution zu handeln bereit sein würden. Besonders glückliche Worte in der Diskussion fand Genosse v. Elm, einer der ältesten und be währtesten Gewerkschaftler. Was er sagte und wie er es sagte. das war eine wuchtige Warnung an die herrschenden Klassen, den Bogen nicht zu überspannen. Ueberhaupt wird die Debatte des Parteitages über den Massenstteik und die einmütige Beschluß' fassung über diese Frage der Regierung und ihren scharf- macherischen Einbläsern gezeigt haben, daß sie ein tolles, ver- brecherisches va bangus-Spiel unternimmt, wenn sie die Hand leichtfertig an die vorhandenen Grundrechte des Volkes legt. „Die Maifeier bleibt in ihrer alten Form bestehen. Ihr wesentlicher Inhalt ist die Arbeitsruhe. Sie soll nicht eingeschränkt, sondern so viel wie möglich erweitert werden. Der Widerstand, den Regierung und Unternehmertum dem Ruhenlassen der Arbeit entgegensetzen', kann für die Arbeiterschaft bei der Durchführung der Maiseier nicht in Bettacht kommen. Die nächste Maifeier wird zeigen, ob diese Entscheidung des Parteitages, die nach langer Debatte mit den gewerkschaftlichen Gegnern der Maifeier und schließlich in Uebereinstimmung mit ihnen zustande gekommen ist, eine anfeuernde Wirkung ausgeübt hat." Die Magdeburger„Volks stimme' meint bezüglich der Organisationsfrage, daß die neue Organisationssorm im großen und ganzen wohl einen Fortschritt darstelle, doch hätte sie es gerne ge sehen, wenn z. B. die beachtenswerten Vorschläge Kautskys zur Be setzung des Parteivorstandes mehr Beachtung gesunden hätten. Aber die Rolle des Parteivorstandes als verwaltendes Organ scheine nun einmal als dessen Hauptaufgabe betrachtet zu werden. Die Diskussion über die M a i s e i e r habe sich um die Frage des Verhälttnsses der Partei zu den Gewerkschaften bewegt, aber man könne nicht sagen, daß dieses wichtige Thema die Be' Handlung erfahren hätte, die ihm gebührt. Wörtlich heißt es weiter: „Die Ueberzeugung, daß trennende Gräben vorhanden sind, die ausgefüllt werden müssen, ist allgemein. Es soll hier kein Versuch gemacht werden, zu zeigen, wie. Aber das muß doch gesagt werden: die Gewerkschaftsführer beschweren sich mit vollem Reckt über die Art und Weise, in der manche Kritiker und Kritikerinnen mit ihnen umzuspringen für gut fanden, und wenn die Gräben nicht zu ttefen Schluchten erweitert werden sollen, dann muß vor allem den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern gezeigt loerden, daß die herabwürdigenden Aeußerungen über die Gewerkschaftsarbeit einzelnen Parteimitgliedern, aber nicht der Gcsanitpartei zur Last fallen. Die Debatte über die Maifeier hat leider nichts zur Klärung der Situation beigettagen. Man stimmte ab über Selbstverständliches und erzielte daher Einstimmigkeit, die Streitfragen, um die sich die Diskussion drehte, konnten aber nach der gegebenen Sachlage nicht zum Gegenstand einer Ent schließung gemacht werden. Wenn daher auch die Resolution einstimmig angenommen wurde, so bedeutet das doch noch lange nicht, daß der Parteitag auch alles billigt, was über die Gewerk schaften gesagt wurde. Zur Frage des Generalstreiks macht die„Volksstimme" Ausführungen, die uns nötigen, aus dem rar unterzeichneten Artikel einen längeren Auszug wiederzugeben. Es heißt da: „Bebel hat in seinem langen Referat gewiß viel Beherzigens wertes über die politische Lage und die Aufgaben der Arbeiterklasse gesagt, aber die Frage, wie der Generalstreik zu unserer Anschauung von der organischen Weiterentwickelung des kapitalistischen Klassen staates zuni sozialistischen Staate und zur Ablehnung aller revolutio uären Mittel paßt, hat er nicht bcanlwortet. Mit Recht wies David darauf hin. daß der Generalstreik nicht zu vereinbaren ist mit unserer Anschauung von der Selbstanflösung der bürgerlichen Gc sellschaft. Er kann höchstens ein Mittel sein, um eine Minderheit in den Stand zu setzen, einer Mehrheit ihren Willen aufzudrängen. Das ist aber eine Methode, die uns als Demokraten und Sozia listen gleich fremd sein soll und ihre nunmehrige Akzeptierung böte zu großen Bedenken Anlaß, wenn nicht die Resolution Bebels zum Generalstreik in eine Form gebracht wäre, die sie recht un- gefährlich macht.„Gegebenenfalls", wenn so und so viele Voraus setzungen erfüllt sind, soll unter Umständen die„umfassendste MassenarbeitSeinstelluug" Anwendung finden. Das ist wirklich nicht der Generalstreik, den Fricdeberg und die Anarcho- sozialisten meinen. Aber trotzdem halte ich die Stellungnahme des Parteitages in dieser Frage nicht für eine glückliche. Man muß, um sie zu teilen, die nächste politische EntWickelung Deutschlands ungeheuer pessimistisch, die Stärke der Position des Proletariats aber ungeheuer optimistisch beurteilen, was im Grunde genommen ein Widerspruch in sich selbst ist. Wenn das Proletariat in der Lage ist. durch Mnssenarbeitseiiislellungen die bürgerliche Gesellschaft unter seinen Willen zu beugen, dann muß notgedrungenerweise die Bourgeoisie eine schwache Position haben, daß ihr schon des- halb die Entrechtung des Proletariats unmöglich wird. Zu was soll da der Generalstreik noch notwendig sein? Auch bei Erörterung des Generalstreiks hat sich der Parteitag in Widerspruch zu der Entscheidung des Gewerkschaftskongresses gesetzt� lehnte dieser es schon ab, das neue Kampfesmittel nur zu diskutieren, so mußte er erst recht gegen seine Anwendung sein. Das ist bedauerlich, wird aber dann keine nachteiligen Folgen haben, lvenn die Genossen allerorts den vorletzten Absatz der Resolutton Bebel für den wichtigsten halten und danach handeln. Die Literaten fehde fand ihren Abschluß durch Annahme einer Resolution, die— alles beim alten läßt. Nach wie vor hängt es von dem Taktgefühl einzelner Parteischriftsteller ab, ob sie eine Diskussion über sachliche Meinungsverschiedenheiten in persönliche Beschimpfungen auslaufen lassen wollen. Der Hm oeis auf die Preßkommissionen und den Parteivorstand wirkt nich' im geringsten vorbeugend und einschränkend, denn in der Macht der ersteren hätte es bisher schon gelegen, dem Treiben einzelner Redakteure Einhalt zu tun, was ihnen aber gar nicht einfiel. Da sich an den Bericht der Kommission keinerlei Debatte knüpfte, ivar es den Genossen aus der„Provinz" unmöglich zu sagen, was sie über den Sttcit denken, wodurch die einzige Möglichkeit, auf die Parteigenossen in den Orten, in denen die Hauptschuldigen des parteischädigenden Treibens sitzen, einzkiwirken, abge- schnitten wurde. � Wir befürchten, daß es bei dieser Hal- tung des Parteitages gar nicht lange dauert, bis die Väter- lichen Ermahnungen der Kommission in den Wind geschlagen werden und der Streit irgendwo von ncucni ausbricht. Die Resolution trifft eben nicht die Grundursachen des bedauerlichen Konflikts, weder hier, noch in dem Absatz, der sich mit der Mit- arbeit an der„Neuen Zett" beschäftigt. Es läßt sich leicht delre- tieren, in Zukunft die„Neue Zeit" als Publikationsorgan zu benutzen, aber schwer wird ihr Redakteur zu der Toleranz gegen wissenschaftliche Ueberzeugungen anderer zu erziehen sein, die der Redakteur eines Organs, das allen Richtungen, die wir ja nun einnial haben, seine Spalten öffnet, notwendigerweise haben muß. Wir haben es verlernt, den Parteigenossen, der es ehrlich mit der Partei meint, auch in dem zu achten, der glaubt, nicht mehr in allen Punkten in den durch Marx und das Erfurter Programm gewiesenen Bahnen wandeln zu können. Diese wissenschaftliche Intoleranz ist die letzte Ursache aller bedauerlichen Vorgänge in unseren Reihen in den letzten Jahren, und so lange sie nicht verschwindet, werden wir auch unter ihren Folgen zu leiden haben." Die„Leipziger Volkszeitung" sagt in einem Leit- artikel über den Massenstreik: „Der feste und unerschütterliche Entschluß, dem reaktionären Ansturm der herrschenden Klassen, in dem Maße, wie er stärker anwächst, einen um so stärkeren Damm entgegenzuwerfen, gab der gesttigen Sitzung des Parteitages ihre Signatur und Ivird diesem Parteitage seine Stellung in der Geschichte der Partei sichern. Er wurde in keiner Weise dadurch erschüttert, daß von den Gegnern des politischen Massenstreiks die Gefahren beschworen wurden, die auf dem neuen Wege drohen könnten. Solche Gefahren gibt es sicherlich, und es war eine etwas wohlfeile Beredsamkeit, davor zu warnen, daß mit dem Blut und den Knochen der Ar- beiter kein frivoles Spiel getrieben werden dürfe. Wer denkt denn daran, ein solches Spiel zu spielen? Es sind ja die Arbeitermassen selbst, die nach neuen Kampfmethoden verlangen, und wenn sie entschlossen sind, mit ihrer ganzen Existenz für die Menschen- Würdigkeit dieser Existenz einzutreten, so ist es eine Torheit an- zunehmen, daß sie zu solcher Aufopferung durch einige„Literaten" und„Theoretiker" verführt worden sein könnten. Das läuft am letzten Ende doch nur auf die reaktionäre Mär von den„Fran- zosen, Juden und Polen" hinaus, die einst die Berliner März- revolution gemacht haben sollten... Das überflüssige Drohen mit der Revolutton ist gewiß eine Kinderei, aber es steht nicht besser mit dem bloßen Warnen vor Gefahren, die das Proletariat laufen könnte, wenn es sich ent- schließt, seine Rechte mit dem nötigen Nachdruck zu vertreten. Es fragt sich doch immer, ob der Lohn des Kampfes eines hohen Ein- satzes wert ist. Mit dem historischen Fortschritte sähe es übel aus» wenn sich niemals eine unterdrückte Klasse hätte bereit finden lassen, Fleisch und Knochen einzusetzen, sobald die Last der Unterdrückung für sie unerträglich wurde. Kein Verteidiger des Generalstreiks, auch der eifrigste nicht, hat je verlangt, daß mit dieser scharfen Waffe gespielt werden sollte. Aber daraus, daß sie ttefe Wunden schlagen kann, folgt doch nicht, daß sie im ernsten Falle nicht ver- wandt werden dürfe. Der Parteitag hat in reiflich erwogenem Entschlüsse sich ent- schieden, den politischen Massenstreik in die Kampfmethoden der deutschen Arbeiterklasse aufzunehmen, und es wird nunmehr die Aufgabe namentlich auch der Parteipresse sein, ihn methodisch zu studieren._ Nkuorglttlisation der sozialdemokratischtn Mchlvereme Sellins. Die Frage einer zeitgemäßen Umwandlung der Berliner Partei» organisationen wird bekanntlich seit längerer Zeit durch eine von den Parteigenossen eingesetzte Kommission beraten. Die Konnnission hat einen Statutenentwurf fertiggestellt, der nunmehr den einzelnen Wahlvereinen zur Beratung vorliegt.— Der Entwurf lautet: Statut des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereint Berlins und Umgegend. ß 1. Die sozialdemokratischen Wahlvereine der sechs Berliner Wahlweise und der beiden Vorortkreise Teltow-Beeskow-Storkow- Charlottenburg und Nicder-Barnim bilden einen gemeinsamen Ver- band unter dem Namen:„Verband der sozialdemokratischen Wahl- vereine Berlins und Umgegend". 8 2. Aufgabe des Verbandes ist die Förderung aller gemein- samen Parteiinteressen der obigen acht Wahlkreise. Dahin gehören insbesondere: a) Vorbereitung aller Wahlen und Aktionen, an denen die sozial- demokratische Partei beteiligt ist;, b) Veranstaltung von Versammlungen und Herausgabe von Flugblättern, die gemeinsamen Zwecken dienen; o) Verwaltung und Verwendung der nach 8 8 von den KreiS- wahlvereinen eingehenden Gelder; 6) Herausgabe eines Korrespondenzblattes; e) Beschaffung von Referenten; f) Verwaltung gemeinsamer Institutionen; g) Kontrolle dcS„Vorwärts" durch eine Preßkommission kaut Parteistatut. 8 3. Mit der Leitung deS Verbandes wird ein aus mindestens iö Mitgliedern bestehender Vorstand betraut, der alljährlich zu wählen ist. Die Mitglieder desselben werden von den Kreiswahlvereinen prozentual ihrer Mitgliederzahl gewählt; jedoch muß jeder Kreis« Wahlverein durch mindestens vier Mitglieder in demselben ver- treten sein. Der Vorstand bildet aus seiner Mitte den VerwaltungS- und Aktionsausschuß, die Preßkommission, die Agitationskommission und die Lokalkommission. In jeden dieser Ausschüsse muh jeder Kreis durch mindestens einen Delegierten vertreten sein. Der Verwaltungs- und Aktionsausschuß besteht auS 1t Mit- gliedern, und zwar: 2 Vorsitzenden, 2 Kassierern, 2 Schriftführern, 5 Beisitzern und je einen Vertreter der Preß-, AgitattonS- und Lokal- kommifiion. Die Generalversammlung bestimmt auS den von den Kreiswahl- vereinen gewählten Vertretern den ersten Vorsitzenden, ersten Kassierer und ersten Schriftführer. 8 4. Zur Kontrolle des Vorstandes sind alljährlich von der Gcneralveriammlnng S Revisoren zu wählen. 8 b. Halbjährlich findet mindestens eine Generalversammlung statt, zu welcher jeder KrciSwahlvercin prozentual seiner Mitglieder- ahl Delegierte zu entsenden hat. Auf je 50 Mitglieder ist ein Delegierter zu wählen. Maßgebend für die Delegation ist die Mitgliederzahl, welche sich aus den im vorhergehenden Jahre ein- gegangenen Mitgliederbeiträgen ergibt. Sitz und Stimme haben in der Generalversammlung außer den Delegierten: die Mitglieder des Vorstandes, die Revisoren, die ReichStags-Abgeordneten resp. Kandidaten der acht Kreise, je eine Vertretung der Redaktion des„Vorwärts" und der Berliner Partei- druckerei. Außerordentliche Generalversammlungen können einberufen werden durch Beschluß deS Vorstandes oder auf Antrag von drei Kreiswahlvereinen. Die Tagesordnung der Generalversammlungen und Anträge zu denselben müssen vorher im Korrespondenzblatt bekanntgcmacht werden. 8 6. Zu den Aufgaben der Generalversammlung gehören: 1. Entgegennahme der Berichte des Zcntralvorstandes und der Revisoren. 2. Beschlußfaffung über Parteiftagen und gemeinsame Agitation. 3. Wahl des ersten Vorsitzenden, des ersten Kassierers, des ersten Schriftführers(siehe§ 3 letzter Absatz) und der Revisoren. 4. Festsetzung der Zahl der Mitglieder des Vorstandes und die prozentuale Verteilung derselben auf die einzelnen Kreise. v. Beschluhfassnng nber eventuelle Anstellung und Besoldung von Vorstandsmitgliedern. Die gefaßten Beschlüsse der Generalversammlung sind bindend für die acht Kreiswahlvcreine. 8 7. Die Parteigeschäfte in den einzelnen Kreisen werden vor den Kreiswahlvereincn selbständig geregelt. Jeder Kreiswahlvercin hat seine Bezirkseinteilung den Grenzen der Reichstagswahlbezirke anzupassen. Das in den Kreiswahlvereincn zu erhebende Eintrittsgeld be trägt 10 Pf., der monatliche Beitrag 25 Pf. Jeder Parteigenosse hat sich der Organisation seines Kreises a>r zuschließen; dauernde Tätigkeit in einem anderen Kreise ist einzeln oder gruppenweise nur mit Genehmigung des Vereinsvorstandes ge stattet. Z 8. Mitgliedsbücher und Beitragsmarken sind für alle Kreis Wahlvereine einheitlich. Für jede vom Kassierer entiioinmene Bei tragsmarke sind von den Kreiswahlvereinen S Pf. zu zahlen. Alle in den Kreisen vereinnahmten Gelder, die nicht zur Deckung eigener Ausgaben Verwendung finden, sind an den Verbandsvorstand abzuführen. 8 9. Das Geschäftsjahr beginnt am 1. Januar und endigt mit dem 31. Dezember. Nach Schluß eines jeden Geschäftsjahres ist ein gedruckter Jahres- bericht herauszugeben und muß derselbe mindestens vier Wochen vor der stattfindenden Generalversammlung den einzelnen Kreiswahl- vereinen zugestellt sein. 8 10. In dem vom Vorstande herausgegebenen Korrespondenz- blatt hat derselbe allnwnatlich über die wichtigsten Vorgänge im Verbände sowohl wie in den Kreiswahlvereinen zu berichken. Das Korrespondenzblatt ist sämtlichen Vorstandsmitgliedern, Abteilungs- und Bezirksführern der Kreiswahlvereine unentgeltlich zuzustellen. 8 11. Anträge auf Aenderung dieses Statuts sind mindestens vier Wochen vor der Generalversammlung dem Zentralvorstande einzureichen und bedürfen zu ihrer Annahme der Zustimnmng von zwei Dritteln der auf der Generalversammlung Anwesenden. Der Wahlverein für den dritten Kreis war der erste, der sich in seiner am Dienstag abgehaltenen Generalversammlung mit der Beratung des Entwurfs befaßte.— Der Vorsitzende F r i tz legte denselben der Versammlung vor und bemerkte, der dritte Wahlkreis habe unter der alten Organisation sehr gut gearbeitet, er habe die Frage der Reorganisation noch nicht aufgerollt und habe auch kein Bcdürf- nis nach einer neuen Organisation. Es sei nun Sache der General Versammlung, zu dem von der Kommission angcnonimenen Entwurf Stellung zu nehmen. Der 8 1 des Entwurfs wurde hierauf von der Versammlung ohne Debatte angenommen. Dann sprach K r ä ck e r den Wunsch aus, daß Fritz bei jedem Paragraphen über die Kommissionsberatungen referiere.— Fritz kam dem Wunsche nach und gab zunächst zum 8 2 einige Erläute- rungen. Das im Absatz ck vorgesehene Korrespondenzblatt solle monatlich einmal erscheinen und den Bezirksführern geliefert werden, um sie über die Angelegenheiten der Gesamtorganisation zu informieren.— K r ä ck e r führte aus, durch die Bestimmung des Absatzes a scheine die Selbständigkeit der einzelnen Kreise be- droht, denn wenn auch die Wahlen vom Gesamtverband vorbereitet werden sollen, dann wolle dieser wohl auch in der Kandidatcnfrage das entscheidende Wort haben. Das Recht über diese Frage selb- ständig zu entscheiden, müsse aber dem Kreise erhalten bleiben. Redner hätte gewünscht, daß zu diesem Punkt des Entwurfes Ver- bcsserungsanträge gestellt worden.wären.— Hoch bemerkte darauf, die Vertreter des Kreises in der Kommission hätten in der von Kräcker angegebenen Richtung zu wirken versucht. Sie hätten in der Kommission beantragt, im Absatz a die Worte,, Wahlen und" zu streichen, und daß im 8 7 ausdrücklich gesagt werde, sämtliche Kandi- daturen werden vom Kreise selbst aufgestellt.— Diese Anträge wurden nun in der Versammlung erneuert. Die 88 2, 7, 8, 10 wurden, weil sie dieselben Gegenstände betreffen, gemeinsam diskutiert.— Kräcker beantragte, den letzten Absatz des§ 7 zu streichen. Es müsse jedem Parteigenossen überlassen bleiben, selber darüber zu entscheiden, in wekfrem Kreise er mitarbeiten will. Dies selbstverständliche Recht der Parteigenossen dürfe nicht von der Genehmigung des Gesamtvorstanhcs abhängig ge- macht werden.— Fritz und Hoch bemerkten dazu, daß auch in der Kommission dabingchcnde Anträge gestellt worden seien. Von den Befürwortern des letzten Absatzes des 8 7 sei jedoch bemerkt worden, diese Bestimmung werde in der loyalsten Weise gchandhabt werden, es handele sich nur darum, daß der Gcsamtvorstand einen Ueberblick über die in jedem Kreise verfügbaren tätigen Genossen habe. In der Regel solle es jedoch so gehandhabt werden, daß die beiden größten Kreise, der 4. und 6., die nötigen Hülfskräfte an die kleineren Kreise abgeben.— H e i l m a n n führte aus, die Selb- ständigkeit der einzelnen Wahlkreise sei in dem neuen Organisations- statut der Partei, welches der Parteitag in Jena angenommen hat, ausdrücklich festgelegt.' Danach bilde der Wahlvcrein die Grund- läge der Organisation. Zur Frage der Kandidatenaufstellung habe der Referent, Genosse v. Wollmar, namens der Kommission aus- drücklich bemerkt, daß die Aufstellmig der Kandidaten ein selbst- verständliches Recht jedes Kreises sei, was von keiner Seite bestritten werde. Wenn nun in dem Statuten-Entwurf für Berlin Be- stimmungen enthalten seien, wonach die Entscheidung über Kandida- turen dem Gesamtverband übertragen werde, so widerspreche das dem Parteistatut und könne schon aus diesem Grunde nicht angenommen werden. Weiter wandte sich der Redner gegen den Absatz 2 des 8 6, wonach die Beschlußfassung über Parteifragen und gemeinsame Agi- tation zu den Aufgaben der Generalversammlung des Gesamt- Verbandes gehören. Der Wahlkreis könne nicht damit einverstanden sein, daß ihm die Entscheidung über Parteifragen genommen werde. Jede Richtung und jede Anschauung innerhalb der Partei niüsse nach Möglichkeit zur Geltung kommen. Das sei aber ausgeschlossen, wenn der Gesamtverband über Parteifragen entscheide. Das Recht der kleinen Kreise würde dadurch stark beschnitten werden. Redner trat dafür ein, daß der dritte Kreis seinen Beitritt zum Gesamtverband für Berlin davon abhängig mache, daß ihm das«elbstbestimmungs- recht in den angeführten Punkten gelvahrt bleibe.— Nachdem sich die Diskussion noch weiter in dieser Richtung be- wegt hatte, ging eine von H e i l m a n n und Jonas gestellte R e- solution ein. Sie lautet: „Die Generalversammlung erklärt: Das Statut des Ver- bandes der Sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins beschränkt, entgegen den Parteiintercssen und dem neuen Parteistatut die Selbständigkeit der einzelnen Kreise in übermäßigem Grade. Es ist für den dritten Kreis nur annehmbar, wenn die Aufstellung sämtlicher Kandidaturen und die Beschlußfassung über Partei- angelegenheitcn dem Kreise verbleibt." Die Abstimmung über die 88 2, 7, 8, 10 ergab die Annahme aller im Laufe der Debatte gestellten Abändcrungsanträgc. Dann wurden die übrigen Paragraphen der Reihe nach diskutiert. Be- sonders wandte man sich gegen die Bestimmungen des Entwurfs. welche die Zahl der zur Generalversammlung und zum Vorstande des Verbandes von den einzelnen Kreisen zu entsendenden Vertreter nach dem Verhältnis der Mitgliederzahl der einzelnen Kreise fest- gesetzt wissen wollen. Es wurde für jeden Kreis die gleiche Zahl von Vertretern gefordert und auch demgemäß beschlossen. Das Ergebnis der Einzelabstimmungen ist folgendes: Im 8 2, Absatz a, werden die Worte„Wahlen und" gestrichen. Absatz ck: Herausgabe eines Korrespondenzblattcs, wird ebenfalls gestrichen.— Im 8 3, zweiter Absatz, werden die Worte„prozentual ihrer Mitgliederzahl" gestrichen. Ferner werden im vorletzten Absatz desselben Paragraphen je zwei Vertreter in der Preß- und der Lokalkommission gefordert.— Im 8 4 werden statt 5 Revisoren deren 8— für jeden Kreis einer— verlangt.— 8 5, erster Absatz, soll lauten:„Halbjährlich findet mindestens eine General- Versammlung statt, zu welcher jeder Kreiswahlvercin 25 Delegierte zu entsenden hat."— Im zweiten Absatz wird die Vertretung der Kandidaten, der Redaktion des„Vorwärts" und der Berliner, Parteibruckerei gestrichen. Im dritten Absatz werden statt 3 Kreis- wahlvereine deren 2 gesetzt und im letzten Absatz wird statt „Korrespondenzblatt"„Vorwärts" gesagt. Im 8 6 werden im Absatz 2 die Worte„über Parteifragen", im Absatz 3„und der Revisoren", im Absatz' 4„und die prozentuale Verteilung derselben auf die einzelnen Kreise" gestrichen. Im 8 7 wird hinter„die Partcigcschäfte" eingeschaltet„sowie die Aufstellung sämtlicher Kandidaturen".— Der letzte Absatz dieses Paragraphen wird gestrichen. Im 8 � wird der letzte Absatz gestrichen.§ 10 wird ganz gestrichen. Die Versammlung nahm in der Gcsamtabstimmung das so ge- änderte Statut an, sah von einer Abstimmung über die Resolution Hcilmaun-Jonas ab und überwies dieselbe dem Vorstande, Smckts-Deining. Preußische Husarenleutnants. Ein umfangreicher Wucherprozetz gelangte gestern zur Verhand- In. ig vor der 4. Strafkammer unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Qua st. Die Anklage richtete sich gegen den Vermittler Gustav H i e t e und den Trainer Hermann S t r u w e und lautete auf Wucher bezw. Betrug und Unterschlagung. Zwei Husaren- l e u t n a n t s benötigten gegen Ende 1903 bares Geld und ver- suchten, sich ein größeres Darlehen zu verschaffen. Sie wurden durch einen Verwandten auf Hiete hingewiesen und kamen durch diesen mit Struwe in Verbindung, der ihnen 12 000 M. zu verschaffen versprach. Sie erhielten das Geld unter eigenartigen Umständen. Die Offiziere übergaben den Angeklagten drei Wechsel zu 6000 M. und zwei Wechsel zu 3000 M. Dafür erwarben sie die dem Struwe gehörigen Renn- Pferde„Harsegyll" und„Schöngeist" für zusammen 12 000 M. Die Pferde wurden als völlig fehlerfrei hingestellt. Für die anderen Wechsel sollten die Offiziere alsbald 12 000 M. mit Abzug von 6 Proz. Diskont durch Struwe erhalten. Hiete sollte 5 Proz. Provision von der ganzen Summe von 24 000 M. erhalten. So behauptet er wenigstens, während die Offiziere behaupten, daß die Provision sich nur auf die bar zu leistenden Summen beziehen sollte. Ferner sollte Struwe, der die Pferde gegen je 120 M. monatliche Vergütung in Pension behalten sollte, 15 Proz. der durch dieselben zu erzielenden Renngewinne erhalten. Nach Ansicht der Anklagebchörde stellte sich dieses ganze Geschäft als ein grob wucherisches dar, weil die den beiden Angeklagten gewährten Vorteile für das Darlehen unver- hältnismäßig hohe gewesen seien und außerdem die beiden Pferde einen viel geringeren Wert gehabt hätten, als an Struwe dafür be- zahlt wurde. Die Anklage führte ferner ins Feld, daß es sich um junge Offiziere handele, die sehr leichtsinnig das ganze Geschäft ab- geschlossen und leichthin 24 000 M. Wechsel aus der Hand gegeben hätten, ohne sich von dem Wert der Pferde überzeugt und ohne von der Wechselvaluta einen angemessenen Betrag zu erhalten. Gegen Hingabc der Wechsel soll Struwe nur 300 M. bar und am nächsten Tage 1000 M. gezahlt haben. Mit dem Rest wurden die Offiziere, wie behauptet wird, vertröstet. Struwe soll dann allmählich an Hiete die Wechselvaluta bis auf 4500 M. ergänzt und Hiete sich noch einen namhaften Betrag von über 600 M. für seine Provision zurück- behalten haben. Ein Teil des entstandenen Schadens ist dadurch wieder gut gemacht worden, daß es dem Vater des einen Offiziers gelang, einen Wechsel von 6000 M. von Struwe zurückzuerhalten. Der zweite Wechsel von 6000 M. ist mit Damnum weiter begeben worden und der Vater hat ihn für 4600 M. einlösen müssen. Die beiden Wechsel über 3000 M. mußten voll eingelöst werden. Für die letzten Wechsel hatte Struwe eine Vollblutstutc gekauft, die aber an Lungenentzündung einging. Nach Ansicht der Anklage hat sich Struwe bei diesem Darlchnsgcschäft nicht nur des Wuchers, sondern auch des Betruges schuldig gemacht, indem er die Pferde für tadcl- �rei erklärte, während sie Fehler an den Beinen gehabt hakien sollen. Hiete soll sich, als die Heiden Offiziere wegen verzögerten Abschlusses des Darlehnsgcschäfts mit ihm einstweilen ein anderes kleineres Tarlehnsgeschäft eingingen, noch der Unterschlagung eines Betrages von 300 M. schuldig gemacht haben. Die Angeklagten bestritten jede Schuld und hatten durch die Rechtsanwälte Morris, Dr. Braß und Dr. Davidsohn sowohl bezüglich der Güt� der Pferde, als auch bezüglich manch anderer mit hinein spielender sportlicher Ver- Hältnisse einen Entlastungsbeweis antreten lassen. Die Erörterung der ganzen Angelegenheit dehnte sich bis zum späten Nachmittag aus und entging nur mit knapper Not der Vertagung. Als Sach- verständiger war der Rittmeister a. D. und Vertreter des U n i o n- Klubs Franz W o l f f vernommen worden. Die Angeklagten ver- langten aber in letzter Stunde noch die Vernehmung eines Herrn von Schleinitz, der bezeugen sollte, daß das Pferd„Schöngeist" nicht minderwertig war, er es vielmehr auf der Rennbahn in bester Ver- 'assung gesehen habe. Da Herr v. S. aber nicht zur Gerichtsstelle geschafft werden konnte, wurde schließlich auf seine Vernehmung verzichtet. Auf Grund der Ergebnisse der Beweisaufnahme kam der Gerichtshof zu einem Schuldigspruche im Sinne der Anklage und ver- urteilte Hiete zu neun Monaten, Struwe zu 1 Jahr Gefängnis, beide auch zu je 500 M. Geldstrafe. Hiete wurde ofort in Haft genommen, Struwe befand sich schon in einer anderen Sache in Haft._ Ein Meineibsprozeß spielte sich gestern vor dem Schwurgericht am Landgericht I ab. Die jetzt 21jährige Anna Diemitz hatte schon als 17jähriges Mädchen sich ein„Verhältnis" angeschafft und war, da ihre ordentlichen Eltern dies nicht litten, in eine Zwangs- erzichungsanstalt gebracht worden. Von dort kam sie als Dienst- mädchen in die Familie eines Kaufmanns, und als sie eines Tages beim Bettmachen unter dem Kopfkissen des Dienstherrn ein Porte- monnaic mit fast 500 M. vorfand, stahl sie das Geld und suchte das Weite. Sie kaufte sich gute Garderobe, flanierte die Fricdrichstraße auf und ab und besuchte gewisse Cafes. Dort lernte sie den An- geklagten Simons kennen, der als Erpresser, Betrüger, Kuppler, Dieb und Hehler jahrelange Zuchthaus- und Gefängnisstrafen ab- gesessen hat und zurzeit wieder eine ihm vor kurzem wegen Dieb- tahls zudiktierte fünfjährige Zuchthaus st rafe verbüßt. Simons etablierte sich bald als ihr Zuhälter und es wiederholte sich auch hier wieder der typische Fall, daß das Mädchen in eine sklaven- artige Abhängigkeit von dem Vampyr geriet. Er unterwies sie in ihrem schamlosen Gewerbe, indem er ihr alle Schliche und Kniffe beibrachte, durch welche diese Mädchen der Straße Männer anzu- locken und der Polizei ein Schnippchen zu schlagen verstehen, trieb ie immer wieder auf die Straße und nahm ihr täglich fast das anze Sündengeld ab. Wenn es ihm nicht genug war, setzte es Stockschläge und Fußtritte. Durch die Drohung, sie wegen des ihm bekannt gewordenen Diebstahls anzuzeigen, hielt er sie völlig in 'einem Banne und sie vermochte es nicht, die Sklavcnkctten zu zer- prengen. Der Zufall wollte es, daß beide an demselben Tage von ihrem Schicksal ereilt wurden: sie wurde wegen des Diebstahls an ihrem Dicnstherrn, e r auf die Anzeige eines anderen Mdächcns hin wegen Zuhälterei festgenommen. Der Zufall wollte es weiter, daß beide sich in demselben„grünen Wagen" widerfandcn. Hier hatte er Gelegenheit, während des Transports der Drewitz vor- zuhalten, daß sie nichts gegen ihn aussagen dürfe.„Wenn sie etwas gegen ihn aussagte, würde er ihr die Knochen zerschlagen und wenn er zehn Jahre Zuchthaus bekommen sollte." Das Mädchen machte die ihr wegen des Diebstahls zuerkannten 2 Monate Gefängnis ad und kam dann ins Erziehungshaus„Saleb" zu Lichtenrade. Als Simons wegen Kuppelei angeklagt war, wurde sie als Zeugin ver- nommen und aus Furcht vor ihrem Pciniger sagte sie zu dessen Gunsten unter ihrem Eide falsch aus und rettete ihn so vor der ihm drohenden schweren Strafe. Sie trat auch wider besseres Wissen unter ihrem Eide den Aussagen der Belastungszeugen entgegen. Dann aher bekam das Mädchen eines Tages beim Bibcllcscn Ge- wisscnsbisse; sie hatte des Nachts keine Ruhe mehr und veranlahte die Oberin, der sie sich entdeckte, bei der Staatsanwaltschaft die Anzeige wegen Meineides zu erstatten. Sie kam denn auch vor die Geschworenen und gestand dort reuevoll ihr schweres Unrecht ein. Da sie den Meineid unter einem unwiderstehlichen Zwange leleistet hatte, wurde sie nur zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt, sie sie am 15, d. M. abgebüßt hat. Der Angeklagte hatte sich einige � ' Zeit unsichtbar gemacht und wurde dann endlich als„Pferdehändleii Willy Berg" festgenommen. Unter diesem Namen hatte er Bekannt- schasten mit Mädchen angeknüpft und diese dann in raffinierter Weise bestohlen. Wegen dieser Straftaten ist er zu 5 Jahren Zucht- Haus verurteilt worden.— Gestern trat seine ehemalige Sklavin als Anklägerin gegen ihn auf. Er versuchte zwar, sie unglaubwürdig zu machen, da aber deren Aussage durch andere Zeuginnen voll bestätigt wurden, so war sein Schicksal besiegelt. Sein Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Coßmann mußte sich darauf beschränken, den Angeklagten, der sich in einer gewissen Zwangslage befunden habe, einer möglichst milden Beurteilung zu empfehlen. Der Gerichtshof verurteilte ihn zusätzlich zu 2 Jahren Zuchthaus, so daß dem Vampyr auf 7 Jahre das Handwerk gelegt ist. 8 175. Vor dem Landgericht München l wurden die „Schriftsteller" Rudolf und Hans Scherer, zwei mißratene Sprößlinge eines hohen Regierungsbeamten im Elsaß, wegen eines an einem Münchcner Aristokraten nach 8 175 verübten Erpressungs- Versuchs zu je 1 Jahr 2 Monate Gefängnis, ein dritter im Bunde, ein Edler Sauer von Sauersperg, wurde von der gleichen Anklage aber freigesprochen. Die beiden Ge- brüder Schcrer verfaßten über den Aristokraten eine Broschüre, deren Erscheinen sie in Aussicht stellten und erklärten sich bereit, gegen eine Abfindung von 4000 M. von einer Anzeige an die Staats- anwaltschaft abzusehen. Die Kammerfrau der Herzogin. Vor dem Schöffengericht Kiel wird Donnerstag die Privatbeleidigungsklage der Kammerfrau und Gesellschafterin der verstorbenen Herzogin Amalie von Schleswig- Holstein, Fräulein Anny M i l e w s k y, gegen die Prinzessin Henriette von Schleswig-Holstein, die Gemahlin des Geheimrats von Esmarch, verhandc'lt werden. Der Fall Milewsky hat schon im September v. I. das Berliner Landgericht beschäftigt, vor dem sich Fräulein Milewsky in einem sehr merkwürdigen Prozeßverfahren wegen Diebstahls an Schmucksachen dcr Herzogin Amalie zu verantworten hatte. Die Verhandlung wurde vertagt, Fräulein Milewsky aber wegen Fluchtverdachts in Haft genommen. In dieser Verhandlung gelangte ein Brief der Prinzessin Henriette an den Herzog Ernst Günther zur Kenntnis des Fräulein Milewsky. Iii diesem Brief wird Fräulein Milewsky als eine große Verbrecherin hingestellt, sie wird des Diebstahls bezichtigt und es wird die Wen- duiig gebraucht, daß alles, was den Namen Milewsky trage, schon an sichVerbrecher sei. Wegen dieses Briefes hat Fräulein Milewsky gegen die Prinzessin Henriette die P r i v a t- B e l e i d i- gungsklage erhoben._ Vermilcktes. Die Cholera. Aus Bromberg wird berichtet: Bei dem unter choleraverdächtigen Erscheinungen gestorbenen Kinde des Ar- beitcrs Fürst in Adolfsdorf< Kreis Wirsiy) ist Cholera als Todes- Ursache festgestellt. Die fünfjährige Schwester des verstorbenen Kindes ist gleichfalls an Cholera erkrankt. Bier Personen im Polizei-Arrest erstickt. Aus Ratibor meldet der„Obcrschles. Anzeiger": Das Polizci-Arrestgcbäudc birgt in seinem Parterre einen Raum, der als Unterkunftsraum für Aus- Wanderer benutzt wird, die, wegen Krankheit oder aus anderen Gründen von der Weiterreise ausgeschlossen, die Nacht über in Ratibor bleiben müssen. Gestern wurden fünf Auswanderer, und zwar die 27 Jahre alte Pauline Kopecz aus Gronkow, Bezirk Nowitarg in Galizicn und deren drei Kinder Johann, 3 Jahre alt, Marie, 6 Jahre alt und Stanislaus, 4 Jahre alt, sowie die 55 Jahre alte Marie Blaczonsky aus Kassa in Ungarn, welche nach Amerika reisen wollten, infolge infektiöser Augenkrankheit hier zurückgehalten und sollten heute nach ihrer Heimat zurückbefördert werden. Sie wurden über Nacht in dem obenerwähnten Raum untergebracht. Auf ihren Wunsch ließ der Stockmeister die in dem Raum an- gebrachte offene Gasflamme brennen. Um 10 Uhr abends re- vidierte der Stockmcister zum letztenmal den Raum und fand alle noch bei bestem Wohlsein. Als er dagegen um 5% Uhr die Leute wecken wollte, fand er alle fünf leblos auf den Strohsäcken. Der Unterkunftsraum war mit Gas angefüllt, die Gasflamme tvar ver- löscht, der Hahn jedoch nicht geschlossen. Die Untersuchung der beiden Frauen und der jüngsten Kinder durch die Acrzte ergab, daß hier jede Bemühung vergebens sei, alle vier waren bereits tot. Die Aerzte bemühten sich daher weiter um den achtjährigen Knaben, der soweit hergestellt wurde, daß er ins Krankenhaus geschafft werden konnte. Wodurch die Flamme zum Erlöschen gebracht wurde, ohne daß der Hahn zugedreht worden ist, das läßt sich nur vermuten. Die Gerichtskommission kam zu dem Schluß, daß lediglich die Verunglückten selbst an dem Unfall schuld sind II Offenbar störte sie bei ihren kranken Augen das Gaslicht. (Aber sie hatten doch angeblich das Licht gewünscht! R. d.„V.") Sie brachten es deshalb zum Verlöschen, und zwar, wie sie es in ihrer Heimat mit Talg- bezw. Pctrolcumlicht gewohnt waren, durch einfaches Ausblasen. An ein Abdrehen des Gashahnes haben sie natürlich nicht gedacht. Das Gas strömte aus und bereitete den Leuten ein jähes Ende.— Sollte in diesem Fall nicht wirklich eine sehr gründliche Untersuchung am Platze sein? Aus Göteborg wird berichtet: In L u n d b y auf der Insel Hisinge fand gestern mittag ein starkes Erdbeben st a t t. Um IV, Uhr vernahm man ein unterirdisches Getöse, gleichzeitig begannen die' Häuser so stark zu zittern, daß die Wände und Mauern Risse erhielten. Die Erderschüttcrung dauerte etwa eine Minute. An mehreren Stellen entstanden tiefe Risse, die mehrfach einen Fuß breit waren. In dem östlichen Teile der Insel ist der Erdboden bedeutend eingesunken. Neun Häuser wurden durch das Erdbeben beschädigt. Beim Spielen verschüttet. Aus Franksiirt a. M. wurde ge- meldet: Im badischen Dorfe Laudenbach wurden während des SpielenS auf einen Sandhaufen fünf Kinder verschüttet. Zwei von ihnen sind tot. Eine Feueröbrunst hat, wie aus Paris gemeldet wird, das dortige Warenhaus der Galerie de Mattiere total zerstört. Der angerichtete Schaden ist sehr groß. Die neue Tätigkeit deö BesuvS, die feit vorgestern abend sehr stark ist, hat, wie aus Neapel gemeldet wird, unter der dortigen Bevölkerung große Unruhe hervorgerufen. Man befürchtet Katastrophen. Ein Taifun hat, wie das New Dorker Blatt„Evening Sun" meldet, Manila heimgesucht. Die Ängeboreneu-Mertel wurden zerstört. 8000 Menschen sind obdachlos; 6 Filippinos sind getötet und 200 verwundet worden. WttterunftSüderslckit vom 27. September ISOS, morgens 8 Nhr. Stationen Swliiemde. Berlin Franks.a.M. München Wien .5= 0? Wclter 759 S 758 ,D 759 Still 757 N 756 NO 756 SO 1 Dunst Llvolkig jNcbcl 1 Ncgcn 2 Nebel jNcbcl >SSZ C 5? H& Stationen L c »■= Haparimda 769 Still Petersburg. 769 OSO HZ Scilly Abcrdeen Paris 749 OSO 759 NO 757 OSO Welter d Ä » II «a bedeckt Ichedeckt 5 Regen 2Rcgen 1 wolkig 3 7 13 g 0 ivetter-Proauoic für Donnerstag, de» 28. September lvvä. Ein wenig kühler, zunächst trübe mit Regensüllcn und schwachen Süd- winden, später Aufklaren. Berliner Wetterbureau. kriefkalten cler Expeäition. Patienten in EbcrStvaldc. Unterweisungen sind nur an bestimmte Personen zulässig. Wir bitten um Angabe eineS Namens, unter dem die Exemplare vom Postamt abgeholt werden. Nr. 227. 22. IchrMg. 2. WIM ki„Horinirls" Üttlintr MMM Donnerstag, 28. September 1905. Hus der partei Die sözialbemokratischc Partei des Kantons Zürich hielt am letzten Sonntag in Ilster ihren ordentlichen Parteitag ab, der von 117 stimmberechtigten Delegierten usw. und von zahlreichen Gästen besucht war. Erfreulicherweise war auch eine hübsche Anzahl Partei- genossinnen als Delegierte wie als Gäste anwesend. Der kantonalen Partei-Organisation gehören nur 4417 �Mitglieder an, tatsächlich dürften die in Betracht kommenden Arbeiterunionen und andere Verbände gegen 12 000 Mitglieder zählen. Die Zugehörigkeit mit nur einem Teil der Mitglieder zur Partei-Organisation erklärt sich aus finanziellen Gründen. Der Parteitag beschloß die Erhöhung des Jahresbeitrages von 20 auf 25 Rappen pro Mitglied; zugleich erhielt die Geschäftsleitung den Auftrag, die wirkliche Mitglieder- stärke der Arbeiterorganisationen durch eine Umfrage zu ermitteln und sodann dem nächsten Parteitage Vorschläge betreffend Fest- setzung eines niedrigeren Beitrages zu machen, um die Anmeldung sämtlicher Mitglieder zu ermöglichen. Die Parteikasse hatte seit 1. Januar 1S05 1600,30 Fr. Einnahmen und 1525,95 Fr. Ausgaben. Der Vermögensbestand beträgt 374,35 Fr. Gegen ein empörend drakonisches Klassenurteil, das das Züricher Obergericht gegen sechs Schreinergehülfen fällte wegen angeblicher Bergehen während des verflossenen Streiks lzwei Tage bis vier Wochen Gefängnis nebst Geldbußen von 50 bis 80 Fr. und Ausweisung des deutschen Ge- nassen Lang) wurde ein Protest beschlossen. Bezüglich der National- ratswahlen wurde den Genoffen empfohlen, in allen vier Wahl- kreisen des Kantons mit eigenen Kandidaten in den Wahlkainpf einzutreten. In Sachen der Ständeratswakssen wurde beschlossen, einen sozialdemokratischen Kandidaten aufzustellen, falls die Demo- Iraten Dr. Stößel fallen lassen sollten. Schließlich hielt Genosse Lang noch ein Referat über die Aufgaben des Ende Oktober zu Wählenden neuen Nationalrats. Totenliste der Partei. In Seon(Kanton Luzern) ist unser Parteigenosse Dr. Eduard Graf infolge eines Unfalls plötzlich gestorben. Er ist auch den deutschen Parteigenossen nicht un- bekannt, da er eine Zeitlang in den Redaktionen der„Münchener Post" und des„Vorwärts" tätig war; auch in der Redaktion des Züricher„Volksrechts" arbeitete er und ferner war er Mitarbeiter der„Neuen Zeit", in der er(unter dem Pseudonym„Rusticus") einen sehr wertvollen Beitrag über das schweizerische Armenwesen veröffentlichte. Das„Volksrecht" widmet ihm einen warinen Nachruf, in dem es besonders betont, daß Dr. Graf bei allem Heimatsgefühl ein geradezu leidenschafllicher Internationalist war, der den dummen Äirchturms-Patriotismus glühend haßtö. polizeiliches, Oerichtliches uCw. — Wegen Beleidigung durch die Presse wurde Genosse L e i n e r t, Redakteur des„Volkswillen" zu Hannover, mit drei Wochen Gefängnis bestraft. Leinert hatte die Beschäftigung eines Schulknaben mit Gläsereinholcn als eine Uebertretung des Kinder- schutzgesetzes kritisiert, wodurch sich der betreffende Wirt beleidigt fühlte und Strafantrag stellte. In der Verhandlung blieb es un- aufgeklärt, in wessen Auftrag und für wen der Junge gearbeitet hatte. Das Gericht nahm an, daß der Artikel nur veröffentlicht sei, weil der Wirt ein gutes Geschäft gemacht habe und des- halb sollte gegen ihn nur Erbitterung hervorgerufen werden. Eine recht sonderbare Begründung!_ Sozialed. Kanfmannsgericht. Buchhalter auf Tagelohn. Gegen die Firma Lehmann, S chu hw a r en- Han d I u n g engros, Große Frank- furter st ratze 70, klagte ein verheirateter Buchhalter auf eine Entschädigungssumme, weil er angeblich zu Unrecht ohne Jnne- Haltung der gesetzlichen Kündigungsfrist entlassen worden sei. Der Vertreter der Beklagten bestritt, daß der Kläger fest engagiert worden wäre; vielmehr sei die Abmachung so getroffen, daß sich der Kläger verpflichtet habe, gegen eine tägliche Entschädigung von 5 M. bis auf weiteres die Bücher zu führen. Mit der Leistung des Klägers sei der Chef aber nicht zufrieden gewesen, weshalb die Eni- lassung erfolgte. Ganz anders stellte der Buchhalter die Sache dar. Er will auf Probe unter Zugrundelegung eines Gehalts von 175 M. pro Monat engagiert worden sein. Da dieser Satz dem Chef an- fänglich zu hoch erschien, so habe der Chef zu ihm gesagt, er möge nur vorerst darauf los arbeiten, sie würden sich wohl einig werden. Später soll sich dann der Chef mit dem geforderten Gehalt ein- verstanden erklärt haben. In den Tagen aber, wo die definitive Vereinbarung noch nicht erfolgt war, sei er, der Kläger, nun in Geldverlegenheit gewesen; er habe um Vorschuß gebeten, und da seien ihm für mehrere Tage je 5 M. ausgehändigt worden. Damit sei er auch zufrieden gewesen, weil er in dem Glauben war, daß ihm das andere Geld am Monatsersten ja doch ohne weiteres werden müsse. Ehe aber der Erste kam, habe der Chef angeblich wegen schlechter Leistung in der Buchführung„Krach" mit ihm ge- macht. Da Kläger sich aber keiner Fehler in seiner Arbeit bewußt gewesen sei, so habe er gegen den Chef opponiert. Dieser habe ihm jedoch Ohrfeigen geboten und auf die Füße zu treten gesucht. Schließlich sei er zum Verlassen des Geschäfts aufgefordert und als sofort entlassen erklärt worden.— Da der Kläger hinsichtlich der Engagementsvereinbarungen keine Beweismittel in der Hand hatte, es aber auch unterließ, den Beklagten den Eid darüber zuzuschieben, so mutzte seine Klage abgewiesen werden. Eine fatale Nebcrraschung wurde dem Kaufmann Moses zu- teil, als er siegessicher die heiligen Hallen des Gerichts betrat. Er war von seiner früheren Verkäuferin auf Zahlung von 60 M. verklagt worden, weil er sie wegen Erkrankung ohne Kündigung entlassen hatte. Das Fräulein war im Termin pünktlich zur Stelle, der Beklagte jedoch nicht. Die Folge war ein Versäumnisurteil. Kaum aber war das Urteil gesprochen, so erschien der Beklagte. Mit zienilich verblüfftem Gesicht konnte er noch gerade sehen, wie das Fräulein beim Hinausgehen ihm etwas schelmisch zulächelte. Lriekkaften 6er Rcdahtion. Ofuriftifeber Ceil. Die furlstlsche Eprechstimde findet täglich mit ZluSuahme deS SamiabelldS von?-/, bi?»>/, llbr statt. G-äffilet- abendS 7 Nhr. Hermann N. Der Bierwagenkutscher wäre schabenersatzpflichtig.— S. P. 57. Sie hätten rechtzeitig aus gerichtliche Entscheidung antragen sollen.— K. E. 100. 1. Ja. 2. Ihr Vater braucht nicht zu Ihnen zu kommen.— Minna 100. Enthält Ihr sogenannter Slbzahlungsvertrag nichts Gegenteiliges, so liegt Verjährung vor.— O. B. l. und 2. Nein. 3. Keins.— P. Kl. Die Kündigung entspricht den gesetzlichen Vorschriften, nicht aber der Anspruch aus Ersatz.— 11. L. 25. Aus Antrag des ob- siegenden Klägers hätte das Gericht die Kosten festzusetzen, dadurch erhöht sich aber Ihre Kostenlast. Zahlen Sie also, falls die Kosten erwachsen sind. — H. G. 12. Bis am 15. zum Ersten.— A. B., Gartenftrafte 50. Schildern Sie den Sachverhalt.— E. M. 52. Nur eine Rente ist zu zablen.— G. 55. Ein gesetzliches Verbot, Ihre Cousine zu heiraten, besteht keineswegs, salls� sie Sie will.— M., Köpenick. Landgericht II. — Erbe 35. Sind Sie Erbe, so haben Sie zu zahlen. Sie können innerhalb der Entsagungsstist entsagen.— M. 20. 10. 1. Hat Ihre s�rau den Vertrag mitgeschlossen: ja. 2. Außer Gütergemeinschast. 3. Das hangt von baupolizeilicher Genehmigung im Einzeljall ab. 4. Unpsändbar ist, was unentbehrlich ist. Darüber hat im Einzelsall aus Anrufen das Gericht zu entscheiden.— Anfragen. 1. Wo nichts ist, hat auch der Fiskus sein Rechr verloren: Gerichtskoftensorderungen verjähren in vier Jahren. 2. Das ist möglich: 3. Nein. 4. Ja.— G. E. 54. Wenn Sie Ihren und Ihrer Familie Unterhalt beeinträchtigen müßten: nein.- M.®. 100.«ie können gegen den Wirt aus Entscrnung des Unrats, gegen den Verwalter wegen Beleidigung klagen.— Otto O. Die Beamten haben durchaus be- rcchtigt gehandelt. Weil Sie nicht zum Termin erschienen, war Ihre Vorführung angeordnet. Diese ist von den Beamten ausgesührt. — ist. Z. 99. Ihren Vertrag kennen wir nicht in seinem Wortlaut, können also auch seine Gültigkeit nicht mit Sicherheit beurteilen. In der Regel sind sogenannte Serien- und Anteils-Los-Vereine ungültig. Sie könnten also der Klage mit Ruhe entgegensehen.— W. 2. Sie müßten kündigen. Die kündigungslose Aiishebimg des Vertrages wegen Mßbrauchs der Wohnung durch die von Ihnen geschilderten Zwecke kann Erfolg haben, aber die Rechtsprechung ist schwankend und richtet sich nach den Verhältnissen des Einzelsalles.— St. K. 2. Haben Sie ausdrücklich die Zeichnung als Weihnachtsgeschenk bestellt oder erklärt, Sie nehmen sie nicht ab, sallt lls sie nicht bis am... gcliescrt ist, so sind Sie keineswegs zur Abnahme ver- vielmehr Ihrerseits Anspruch aus Schadenersatz erheben.— pflichtet, könnten-,.,. Engel. Rixdorf. Die Frau braucht lediglich nachzuweisen, daß ihr Mann bestimmt hatte, daß die Kinder evangelisch erzogen würden, so ist ihr Verlangen zu crsüllen. Gegen einen abweichenden Gerichts- beschluß ist Beschwerde zulässig.— H. E. Unseren besten Dank. — A, O. Ein Rechtsmittel steht dem Zeugen, der sich dagegen wenden will, daß trotz seiner Aussage ein anderer verurteilt ist, nicht zu. Das Recht Bcrusung einzulegen steht allein dem AngeNagten und der Staatsanwalt- schast sowie einem etwaigen Nebenkläger zu.— Pacholski. Bespreche» Sic die Sachlage mit Ihrem Anwalt; eS ist unmöglich, über Aussicht oder Aussichtslosigkeiten von Einzelheiten eines schwebenden Prozesses ohne genaue Kenntnis der Akten Auskunft zit geben. Ihr Anwalt hat insbesondere in Ihrem Fall leinen Anlaß, andere als Ihre Ansprüche und Interessen wahr- zunehmen._ Für den dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion' Udeater. Donnerstag, 28. September. Ansang VI, Uhr: OPernhanS. Bajazzi. Coppelia. Schauspielhaus. Der Schwur der Treue. NeneS. Ein Sommernachtstraum. Westen. Der Opernball. Kleines. Hidalla. Ansang 3 Uhr: Schiller O.(Wallner-Theater.) Hosgunst. Schiller W.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Krieg im Frieden. Lessing. Benignens Erlebnis.— Hanneies Himmelsahrt. Residenz. Die Höhle des Löwen. Triauou. Madame Torera. Thalia. Bis früh um Fünfe l Carl Weift. Weltumsegler wider Willen. Luisen. Kabale und Liebe. Zentral. Die Geisha. Deutsch> Amerikanisches. Aber, Herr Herzog l Metropol. Aus— ins Metropoll Kasino. Der AdcISnarr. Apollo. Ein Abend in einem amcrika- Nischen Tingel-Tangel.— Am HochzeitSabend.— Spezialitäten. Herrnfeld. Die MeycrhainS. Wintergarten. Löte Füller. Spe- zialitaten. Folies CapriceS. Nach dem Zapfen- streich. Soll und Haben. Passage. Poldi Augustin. Herr Tacianu. Spezialitäten. NeichshaNen. Stettiner Sänger. Urania. Tanbenstrnfte 48/49. Im Lande der Mittcrnachtssoime. Jnbalidenftrafte 57/02. Stern» warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Ansang 8'/, Uhr. Luftspielhaus. Jahrmarkt in Puls- nitz._ Neues Theater. Ansang 7>/z Uhr. Lin Scmmernachtstraiun. Morgen u. folgende Tage: Ein Sommernachtstrauln. Kleities Theater. A b e n d S 8 U hr: Hidalla. Freitag. Sonnabend: Hidalla. Sonntag nachm. 3 Uhr: Hidalla. Abends 8 Uhr: Hidalla. Montag: Nachtasyl._ Triauon-Theater. Heute zum erstenmal: �tedarne Torera (Madame I/ordonnanoo). Schwank in 3 Akten v. Jules Chance! Deutsch von Max Schoenau. Anfang 8 Uhr. Urania T au b en- str. 48/49, 8 Uhr: im Laoöe der MmuMz«. Sternwarte ) CASTAIM'S ANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Neu! Theatre lumiere! Pariser Sohattenspielszenen m. Musik u. Gesangbegleifcun�. Kinematograph-Theater; Wanderung durch Pompeji. Sturm auf Port Arthur u. a. m. Konzertsaal; Oberbayr. Sänger „die Kochelsee'r". OOlflCISCHER GARTEN Täglich ab nachmittags 4 Uhr: (Zroßes Militär-Konzert Eintrittspreis 1 M.; ab 6 Uhr 50 Ps. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Kabale und Liebe. Freitag: Der Mann im Monde. Sonnabend: Fiesco. Sonntag nachni.: Wilhelm Tell. Abends: Der Mann im Monde. Montag: Der Mann im Monde. Kasino-Tkeater Lothringer str. 37. Täglich 8 Uhr. Der Adebiarr. Vorher: Die Zaubergelge von Offenbach. � Original Rämbler Compagnio zum 1. Male in Berlin One Serdan. Sonnt. 4 Uhr: Ein Sobn des Volkes. Berliner Theater. Eröffnungs- Vorstellung Donnerstag, den 5. Oktober. Andalosia. Dramatisches Gedicht in 5 Akten von Florian Endli. Vorverkauf täglich von 10—2 Uhr. 'nmüa-'n,eater. DreSdenerstr. 72/73. Direktion Kren und Schlinfeld. Täglich abends 8 Uhr: Durchschlagender Lacherfslg! Bis früh um Fünfe. Schwank m. Gel. i. 3 Akten v. Jean Kren u. Artur Lippjchitz. Musik von Paul Lincke. Sonntag, 1. Oktober, nachm. 3 Uhr: flarl» Stuart. Zirkus ilbert Schumann Heute abend präz. 7st, Uhr: Eliteabend! Galaprogramm. U. a. Stur noch kurze Zeit k Madina Slawlanska und ihre Russen aus Afi der Mandschurei. Die größte Sensation Berlins! Noch nie.gssehen l"96 John nnd I.onis Boller mit dem phmiotnenalen Vr UDd Rlickwärts-Saltnortale mit dem Zweirad. 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Belle-Alliance Theater. Varistö! us Eröffnungs- 1 Programm» Sensation Berlins.! Premiere SmU, 90. SepUrJ abends 8 Uhr. The belle Asloria.! Liane Leischner. Edi Blum. Renards russische Hunde-Meute.| Leo Billward. The 3 Onleys. Rose und Jeliao. Sol-Oo. Ital. Opern-Parodisten. I Fidelio-QuarteU. Geschw. Mertens. James und Maud Thomas. Wehlfrled-Sextelt. 37/3! BiUetts sind an der Theater- 1 Kasse vorm. 10—2 Uhr u. bei| A. Wertheim zu haben. Sonntags 2 Vorstellungen! Nachm. 3 Uhr halbe Preise. Budapester Possen-Theater t32 Linienstr. 132= Ecke Friedrichstraße. Kach dem Zapleustreicb. Militär-Humoreske von Satyr. Vorher: Soli und Haben und der ausgezeichnete Spezialitätenteil. Kassen eröffnunj» 7 Uhr. Anfang 8 Ohr. Ab 1. Oktober: Sonntag nachmittag 8 Uhr Vorst, zu halb. Pr. LustspieBhaus. Abends 8'/. Uhr:. Mrmarkt in Pulsuilz. In kkinein nndtttii fnllc dürste der direkte Bezug vom Produzenten dem Käufer so sehr in die Augen springende Vorteile gewähren, wie beim Einkauf von Zigarren und Tabak, voraus- gesetzt, daß man sich reeller Offerten renommierter Firmen bedient. Holländische Fabrikate nach bewährtesten Rezepten ersreuen sich seit langen Jahren in den weitesten Kreisen allgemeiner Beliebtheit; aus garantiert rein überseeischen und durchaus reisen Tabaken hergestellt, gewährleisten die- allgemeiner Beliebtheit; » � i-stät, g... selben durch ihren Wohlgeschmack den Genuß des Rauchens, woraus eS doch in erster Linie ankommen mußt beheben, erscheint es in unseren Beweise zu erbringen, Veranlassung gegeben hat Um nach dieser Richtung jeden Zweisei zu i Zeitläuften wdesien wohl angebracht, waS auch zu der solgenden notariellen Beurlimdung „Dem unterschriebenen Doktor Maximilian Löffler in Geldern wurden „heute von der Firma Klever ck Werves in Geldern 8000 „schriftliche Original-Anerkennungsschreiben betreffend die von besagter „Firma gelieferten Waren zur Einsichtnahme vorgelegt. (gez.) Der königliche Notar: Dr. Löffler." Diese Bestätigungen, welche durch ungezählte, bis in die neueste Zeit cingclauscne Schreiben ergänzt werden können, sind gewiß ein untrügliches Zeiche» dafür, daß die genannte Firma es verstanden hat, ihre Abnehmer in vollem Maße zufrieden zu stellen, und dars eS unter solchen Umständen selbstverständlich erscheinen, daß auch die Leser dieser Zeitung den Offerten ihre Aujmerksamkeit widmen und zu einem Versuch bereit sein werden! Stadt-Theater Moabit Alt-Moabit 47/49. Gastspiel des Bemh. Rose-Theaters Der Falschmünzer oder: Nacht und Morgen. Drama in 4 Akten von Charlotte Birch-Pseisser. Ansang 8 U hr. Entree 59 Ps., immer. Platz 50 Ps. VorzugSkarten haben Gültigkeit. Sonntag, den 1. Oktober: Famllia Buchholz. XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. zum Besten der bei dem Erdbeben In Calabrien helmgesuchten notleidenden Familien. Der Reinertrag wird der kgl. italien. Botschaft überwiesen. DM- Znm 7. Haie:"Mg Iffexiko. Große Ausstattung«- Pantomime aus dem mexikanischen Pflanzerleben. Inszeniert vom Kommissions- rat Busch. Verfaßt und einstudiert von Herrn Burkhardt- Foottit. Tänze vom italienisch. Hofballettmctr. Ottavl. Musik vom Kapellrastr. Tauberf. Die Helden vom Yalu u.Port Artltor in ihren milit. Infanterie-Exerzitien. Japanische Infanterie. Ausgesuchte Repräsentanten der Armee des Mikado. Vier Soenrs Atletaa. Residenz-Theater. Oirehtion: Richard HUxander. Heute und folgende Tage Anfang 8 Uhr: Die Höhle des Löwen. Schwank in 3 Akten v. M. Hennequin und P. Bilhaud. Sonntag nachm. 3 Uhr: Herkules- plllen._ Bernhard Rose-Thealer Gesundbrnmien, Badslraßc 58. Heute: Ocschlosscn. Freitag, den 29. September er.: Tie Falschmünzer oder: Nacht iind Morgen. Drama in 4 Abteilungen s8 Bildern) von Charlotte Birch-Psciffer. Ansang der Vorstellung 8 Uhr. Preise der Plätze wie gewöhnlich. Sonntag, den 1. Oltober: vis beiden ReiohenmQller. mmnmmmt » Passage-leater. Anfang der Abcndvorstell. 8 Uhr, nachm. Sonnt. 3, Wochent. ö Uhr. Poldi Augiistin die fesche Soubrette. Nerr Iscianu Dameu-Jmitator. Das glänzende September-Programm. Mwwwwwwwwwm* wwmwm palast-Theater Burgstr. 24, 2 Min. v. Bh. Börse. Anfang 8«Hr. Entree 59 Pf. Das brillante Septeinber-rrograim Les Miltons Reckpantomime Fred Steffi Ueberzirkus Per Rohrpost Schwank und 9 weitere Spezialitäten. Familienkarte» sind in allen Barbier-. Friseur- u. Zigarren- geschürten sowie im Theater- purean««entgeltlich zu habe«» Schiller- Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). DonnerStag.abcndSSUHr: Hofcnniit. Lustspiel in i!(u|ä. 0. Thilo B. Trotha. Freitag, abends S Uhr: vor ir?«««, vla Qvdvo. Sonnabend, abends S Uhr': Kai-». Theater. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th) Donnerstag, abendSS Uhr: Iti-Io« In, W-i-l«»!«». Lustspiel in ö Akten von G. b. Moser und F. b. Schönthan. Freitag, abends 8 Uhr: ZkAI-». Sonnabend, abends 8 N h r: Vai- O-wlsHonHnnrin. Freie Tolksbühne. Sonntag, den I. Oktober, nachmittags Z'/z Uhr: Mcfropol-Thcater. O./IO. Abtcllnne Nummer Achtzig nnd Der Panzer von Herrn. Heyermans. Carl Weiß-Theater, 4./5. Abtellnng Egmont. Trauerspiel in 5 Akten von W. Goethe. Musik von L. v. Beethoven. 9. Kunöt-Hbend Dienstag, den 17. Oktober er., abends S'/z Uhr, im Kathaus: S c h u in a ii n-Heine ■Vortragender: Dp. Mbx IHrachbcrg, Dozent der Musikgeschichte an der Humboldt-Akademie. Alle neuen Mitgliedskarten müssen aus den Zahlstellen abgeholt werden und müssen 2 Marken a 80 Pf. enthalten. Sonnabend, den 14. Oktober, abends S'/i Uhr, in der Brauerei Priedrichshain: � Herbst= Fest.& Festmarken a 60 Pfg. inkl. Programm In allen Zahlstellen. Vokal- u. Instrumental- Konzert. . IWtwirhencie: Oer gemischte Battke sehe Chor unter Loitg. seines Dirigenten Direktor Max Battke. Solisten: Konzertmeister Alexander Wittenberg. Fräulein Anna Dlttmar, Opemsängerin. Fräulein Olga Pommerenk, Pianistin. Herr Alexander Dallmann, Oratorionsänger. Herr Kapellmeister Hans Heohapfel. Zur Aufführung gelangen u. a.: Die Kreozersenate.......... L. v. Beethoven. Schön Ellen(Battkescher Chor).... Max Bach. Air............... Sebastian Bach. Souvenir da Meseou......... Wioniawski. Lereley Finale(Battkescher Chor.) Arle der Agathe a. d. Oper„Der Freischütz". Der Vor»t»nd. 229/17 Die Qesehäftsstollo nnd Kassenverwaltung: G. Winkler. � Heue freie Volksbühne Achtung I Mitglieder! Wegen Umbaus de« Deutschen Theaters, dessen Eröffnung nicht wie ursprünglich geglaubt Ende September, sondern erst ansangS Oktober erfolgen kann, müssen die Bon unS sür Tonntag, de» 1. und Tonntag. den 8. Oktober, angekündigte» Sxtra-Vor- stellnnge« ausfallen. Die sür Sonntag, den 1. Oktober, aus- gegebenen Karten zu.Kabale und Liebe" behalten ihre Gültigkeit sür Sonntag, den 15. Okiober, an dem die genannte Porstellung stattfindet.'Die sür Sonntag, den 8. Oktober, ausgegebenen Karten werden an den Zahlstellen gegen solche sür den 15., 22. oder 29. Ok- tober mngetlmscht. Auf Wunsch werden Karten der auSsallenden Vorstellungen auch an den Zahlstellen zurückgekaust. Di« ordentliche« VereinS-Borstellungen des begonnenen SpielsahreS finden abwechselnd im heiltLCilöfl Theflter, im Schiller- Theater 0., w Schiller- Theater N°nd im Neuen Theater statt. Mitglieder können nur noch zur X. Nbteilung anf. genommen«erden. Da» Ewschreibegeld beträgt 1 Mark, der vorstevungSbeitrag 89 Ps. Der Borftand. I. A.: Heinrieh tiett, Crcnttrflr. 59. Fernsprecher: Ami II Nr. 4241. 150/1« Carl Weiß-Theater. Gr. Franksilrlerstr. 132. Der Weltesealer wider Willen. Abenteuerliche RnSstattnngSposse mit Gesang und Ballett in 6 Vtldeni Bon G. Raeder. Ansang S Uhr. Morgen und folgende Tag«: Die- selbe Vorstellung. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Erste Kindervorstellung: Die sieden Kaden. Eröffnangs- Programm. Loie Füller die berflbmte Phantasietäazerln. Louise Biet Pariser Sängerin. 4 Lockens amerik. Gymnastiker. Sisters Gaset, Akrobatinnen. Kapltlln Woodward dress. Seehunde u. Seolöwon. Bedini und Artur amerikanische Exzentriks. Die mysteriösen Husaren. Die Trsmbettas itnlion. Duett. Paul tpadeni Kraft-Jongleur. „Ii«uBn" Ballottdivertissemaut. Tina Clementa Pferd- und Hundedressur. Der Blograpb. Ocbrflder Herrnfeld-Thealer. Zum 158. Male: Die $ JCD� Komödie in drei Akten mit den Autoren Anten und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Ansang 8 Uhr. VorBerk. 11-2 Uhr. In Vorbereitung: Der Familiontag. Eine Erbschastskomödie Bon Anton und Donat Herrnseld. Walhalla Theater Weinbergsweg 19/20. Direktton: Richard Schultz. Sonntag, den 1. Oktober er.: Eröffnnngs- Vorstellung: Eine tolle l�aedt. Vorher: Gr. Spezialitäten-Programm V. Noacks Thealer. Direktion: Rod. Dill. Vrimnenstr. 16. Anna, zu dir ist mein liebster Gang! Auf. 8 Uhr. Entree 30 Ps. Ball. Sonnabend: Extra- Elitevorstellung: Der Bettelstudent»on Berlin. Prädeis Mlerlei-Thealer Schönhauser Allee Nr. 148. Sonntag. Montag. �LDLU Mittwoch: Konzert, Theater, Spezialitäten. Nach der Vorstellung: Gr. Tanz. Ansang Sonntags 6 Uhr abends. Ansang wochentags 8 Uhr abends. Nächste Vorstellung: 8onntag, den 1. Oktober. Gustav Behrens Spezialitäien- Tlieatep Frankturler- Allee 85. Neues Programm. Kolossaler Erfolg von Sine Serliner Hange. Posse mit Gesang. 10 Spezialitäten-Nummern. , Otto Pritzkows—, Berliner » in minzittr. 10. Skelet=Mensch der einzig eystierende, obne Kon« turrenz, 22 Jahre alt. 55 Psd.schwer. Mne-Mno-Mni??? Entree JJO PI. 00000000000000000000 clysiumTI Kommandantenstr. 3-4. tv Vollständig neu renoviert., Hasselwerderstr. Id.— Johannisthal: Franz H ü n o l d, BiSmarckstr. 7.— Adlershof: P.Schmidt. Bis- marckstr 32,1.— Bdnlgs- Wusterhausen: Körle, Berlinerstr. 19. — Htitpealck: Friedrich W o i ck, Grünstt. 29.— Erlcdennu- Steglitv;: H. Seins ce, Schlohstrahe 115, Gartenbaus I, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstrahe 8, und Fr. Schellhase, Ahornstrahe 15a.— Baricn- dorf: Hermann R e i ch a r d t, Ehausseesttahe 16.— Banrnsehnlea- weg: Stock, Ernststr. 2,11.— Treptow: 91. Voigt, Elsenstr. 37, Born III l.— iVon- Wroißcnsec: W. R e S k e, Sedanstt. 53, Part. — llelnlckendox-f- Wrest; Emil N e u H o s s, Eichbornstr. 54. — Beiaiekendorf- Dst, Wilhelmsruh und Sch«n- holz: P. G u r s ch, ProBinzstraHe 108.— Tegel, Borsigwalde, Dalldorf und Waidmnnnslnst: Paul Kienast, Borsigwalde, Schubartstt. 43.— Pankow- �iiedersehiinhansea: G. F r e i w a l d i, Florastt. 66.— Elchwalde, Zeuthen, Miors- dorf und Bankeis Ablage: A l s o n s Gräfe, Eichwalde, Kronprinzenstr. 82, I.— Xow nwcs: Wilhelm Jap p e, Friedrichstrahe 1.— Spandan: K ö P P e n. Jagowstr. 9. tzluherdem ist sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschastlichen Weile dort zu haben. Zlttd) tUCt'bCtt Inserate fÜl* den„Vorwärts" entgegengenommen. Gründung 1874 HonfcktionS'iaus Gründung 1874 Leopold Lohllkeich, Berlin C. Köiiigstraße 30, Größtes Spezialgeschäft der Branche. Ecke der Neuen FriedrichstraBe, schrägllber Bahnhof Alexanderplatz Herbst- nnd Winter-IVenheiten. Havelocks m. PaletOtS aue nur engl. Stoffen 10, 15—30 M. Winter-Jacketts, nur"TTis-so m. 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M., j unser Mitglied, der«chiosser 0. Hapke im Alter Bon 36 Jahren Ber- j sterben ist. (Khre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donners- tag. den 28. d. M., nachmittags I 4 Uhr, von der Leichenhalle der! Heilands-Gemeinde in Plötzen- 1 see statt. 253/9 1 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsvertvaltung. Deutscher �elallarheiter-Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Todew-A n zeige. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Metallarbeiter It/Isx ttLknv am 25. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 28. September, nachm. S'/, Uhr, bou der Leichew halle dcSKrankcnhauscs Friedrichs Hain nach dem Kirchhos der Andrcas-Gcmcinde in Wilhelms bcrg statt. Rege Beteiligung erwartet 152/2 Die Drtsverwaitung. | Verein zur Wahrung d. Interessen| der Maurer Berlins u. ömg. Den Kollegen zur Nachricht, dah| unser Mitglied August Rückerl Nuppinerstrahe 25 wohnhast, am| 26. September oersiorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet aml Freitag, den 29. d. 21., nachmittags l 4 Uhr, von der Leichenhalle in Nieder-Schönhausen, Nordend, aus I statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 130/9_ Ter Vorstand. komplette vekoratiou (host. ans2Flägelnu.lQuerb.) inViktoriatuch- 525 � schwor.WoHserge ö85� m Plüsch... 105O(i6,W) Eine Partie Wollportieren mit 1 allerliebster Blumenkante per Schal L Mark. Teppich-Spezialltaus Emil Leime Oranienslr. 158. Nach auswärts per Nachnahme. Pracht-Katalog"L™ gratis u. franko. Extra billig! div. Teppiche mit kleinen Webefehlern! Sanssouci Kottbuseistr. 4a. Direkt.: W. Reimer. Sonnt., Moni., Donnerst.: Im glänzend renoo. und elektr. beleucht. Eiabliffem. Boffmann« ttorddöütsehe Gänger und Tanzkräiizchen. Sonntag Beginn 5 Uhr, wochentags 8 Uhr. Sonnabend, 3». Septbr.: Grolle Extra- Soiree der Norddeutschen Säuger und Tanz. 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Schon in den letzten Tagen zeigte sich an der hiesigen Börse eine ziemlich lebhafte Nachfrage für die Aktien der Großen Berliner, die zu nichrfachen Kurserhöhungen führten, so daß am letzten Dienstag der Kurs, der sich acht Tage vorher noch auf 188,75 Proz. gestellt hatte, bereits offiziell mit 200.10 notiert wurde. Wie immer in solchen Fällen, hatte die Kombinationsgabe einiger Börsianer als- bald für diese bemerkenswerte Nachfrage eine Erklärung gefunden. Die einen wollten wissen, daß zwischen der Direktion der Großen Berliner und dem Berliner Magistrat Vorverhandlungen über eine Verstadtlichung verschiedener Linien eingeleitet worden seien, die anderen rieten auf eine baldige Fusion der Hoch- und Untergrundbahn mit der Straßenbahn. Als gestern mittag das von der Verlvaltung der Großen Berliner erfaßte Projekt der Herstellung einer Untergrundbahn von der Potsdamer Brücke bis Spittelmartt und vom Brandenburger Tor bis Operw Platz, das wir im lokalen Teile unseres Blattes ansführlich mit teilen, bekannt wurde, setzte sofort eine erneute sprungweise Erhöhung der Kurse ein, die bis zu 210 Proz. stieg, wenngleich der Kurs per Kassa offiziell nur mit 205 Proz. in den Kurszettel eingestellt wurde. Zwar vermag noch niemand zu sagen, ob die Er Öffnung der neuen Untergrundlinien. deren Kosten auf 00 Millionen Mark veranschlagt werden, die Rentabilität der Großen Berliner Straßenbahn erhöhen oder schmälern wird, ja es ist selbst noch nicht gewiß, ob die Verwaltung die nachgesuchte Kow zessionierung auf 00 Jahre erhalten wird, und ebensowenig ist be- kannt, wieweit die 60 Millionen Mark durch Vermehrung des Aktien- kapitals oder durch Anleiheaufnahmen beschafft werden sollen; doch in der opttmistischen Stimmung, in der sich seit einiger Zeit die Börse befindet, hielt man sich mit solchen Vorfragen nicht auf, son dem nahm einfach an, daß die Konzession bei den Behörden nicht aus Schwierigkeit stoßen und sicherlich der weitaus größte Teil der erforderlichen neuen Mittel durch eine Mehrausgabe von Attien erfolgen werde. Von diesem Standpunkt aus aber ge langte man dann zu der Folgerung, daß die neuen Aktien wieder zu 103 Prozent den alten Aktionären angeboten werden würden, und also die alten Aktten durch das Bezugsrecht beträchtlich an Wert gewinnen. Ganz unberechtigt sind allerdings alle diese Annahmen nicht. Die Große Berliner hat so gute Konnexionen und erfreut sich in den maßgebenden Kreisen einer so weitgehenden Berücksichtigung, daß mit der Konzessionierung der neugeplanten Linien auf 90 Jahre als recht wahrscheinlich gerechnet werden kann, und ferner wird auch voraussichtlich die Beschaffung der neuen Mittel nicht durch Ausgabe von Obligationen, sondern durch eine Neuausgabe von Attien erfolgen— indes ist doch heute noch alles recht vage und unbestimmt. Erhöhung der Roheiscnpreise. Die„Köln. Ztg." wußte schon oor vier Wochen zu melden, daß eine Steigerung der Eisenpreise durch die Roheisensyndikate bevorstehe. Damals wurde die Meldung von einigen Untcrnehmerblättcrn bestritten. Seit gestem ist jedoch tatsächlich eine Erhöhung der Preise von Puddel- und Stahleisen, Bessemer Eisen und Walzengußeisen in Kraft getreten, die 3 M. für die Tone bettägt. Verkäufe werden nur für das erste Viertel- jähr 1906 abgeschlossen. Von einer Preiserhöhung für Gießereil roheisen hat man zunächst Abstand genommen. Für die Preispolitik der Kartelle ist es außerordentlich charak- teristisch, daß diese sofort die bessere Lage des Eisenmarktes zu Preis- steigerunaen ausnutzen. Ob und inwieweit dadurch der Geschäftsgang aus dem Eisenmarkt beunruhigt wird, erscheint ihnen ziemlich gleichgültig. Sobald aber die Arbeiter ebenfalls versuchen, einigen Vorteil aus der günstigeren Konjunktur zu ziehen und mit Lohnerhöhungsforderung kommen, weiß dieselbe Unternehmerschaft nicht genug über die„frivole Beunruhigung des Marktes" durch die un- vernünftigen Ansprüche der Arbeiter zu klagen. Die Schlachtvieh-AuSfuhr Oestcrrcich-UngarnS im ersten Halb jähr 1905. Der ungünstige Ausfall der Futtermittclernt? im Herbst vorigen Jahres hat auch in Oesterreich-Ungarn zu einer Steigerung der Viehpreise und als weitere Folge dieser Steigerung zu einer Abnahme der Viehausfuhr geführt. In der Zeit vom Januar bis Juni dieses Jahres hat die Schlachtvieh-Ausfuhr Oesterreich-Ungarns nur 136 444 Sttick im Handelswerte von 43 594 654 Kronen<— 85 Pf.) gegen 153 715 Stück im Handelswert von 52 554 758 Kronen im gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres betragen. Es ergibt sich dem- nach ein Rückgang von 17 271 Stück und von 9 040104 Kronen dem Handelswerte nach. Wie der nachfolgenden UebersichtStabelle zu entyehmen ist, wurden in diesem Halbjahre rund 9000 Ochsen und 6000 Kühe weniger ausgeführt als im ersten Halbjahre 1904. Vergleicht man den in den statistischen Nachweisungen eingestellten rechnungsmäßigen Handelswert der Mcngeneinheit für die einzelnen Vichkategorien, so findet man für die Zeit vom Januar bis Juli dieses Jahres gegen- über derselben Periode des Vorjahres eine Erhöhung des Stück- Preises bei Ochsen um rund 24 Kronen, bei Stieren um 19 Kronen nachgewiesen. Insgesamt ergibt sich für das erste Halbjahr 1905 folgende Vieh ausfuhr Oesterreich-Ungarns: Stückzahl 1904 1905 60 335 51 126 6 213 5 974 27 655 21 415 16 641 14 160 7 562 6 252 28 292 25 303 170 107 2 079 9 412 559 1 508 Schweine. 2 425 989 Spanferkel 1 784 198 Schlachtvieh 153 715 136 444 52 554 758 43 594654 Stark abgenommen hat vornehmlich der Rinderexport nach Handelswert in Kronen Ochsen. Sttere.. Kühe.. Jungvieh Kälber. Schafe. Ziegen. Lämmer. 1904 33 787 600 3 106 500 10 094 074 3 993 840 589 836 707 300 2 720 16 632 4 472 230 375 21408 1905 28 074 650 3 004 760 7 753 705 3 442 295 487 656 632 575 1712 75 296 12 064 107 565 2 376 Deutschland und der Schweiz. Bom englischen Arbeitömarkt. Wie der deutsche, zeigt auch der englische Arbeitsmarkt seit Monaten einen stetigen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Während von 1903 auf 1904 die Zahl der Arbeits- losen sich um 0,9 Proz. erhöht hatte und im August 1904 6,4 Proz. betrug, fiel sie im August des laufenden Jahres auf 5,4 Proz. oder um 1 Proz. In erster Linie ist diese Abnahme durch den Geschäfts- gang im Eisengewcrbe hervorgerufen. Im Kohlenbergbau war die Beschäftigung ziemlich gleichmäßig. Da England seinen Kohlenexport nach Deutschland noch imnicr kräftig forciert, konnte die Förderung trotz der Verzögerung des Herbstgeschäfts auf normaler Höhe er- halten werden. Die Textilindustrie war lebhaft beschäftigt und er- zielte befriedigende Resultate; im Baumwollgewerbe wurden trotz der hohen Rohstoffpreise nicht unbeträchtliche Lohnaufbesserungen vor- genommen. Im Bekleidungsgewerbe kam die übliche Abschwächnng weniger scharf als im Vorjahr zum Ausdruck. Auffallend flott ge- staltete sich die Beschäfttgung im Eisengewerbe. Die lebhafte Nach- frage nach Halbfabrikaten und Fertigerzeugnissen rief eine Rückwirkung auf die Roheisenproduktion hervor. Die Zahl der Hochöfen, die im Betrieb waren, zeigte gegenüber Juli eine Erhöhung um 4, gegen- über dem Vorjahre aber eine solche um 27. In allen Zweigen des Eisengewerbes, besonders im Maschinen- und Schiffbau, sank die Arbeitslosigkeit ganz beträchtlich. Der Aufschwung im Eisengewerbe, der schon seit einigen Monaten andauert, zeigt sich in den meisten Industrieländern._~ Partel-Hngclcgenbeiten. Die Kreiskonfercnz für de» Reichskagswahlkreis Nieder Barnim tagt Sonntag, den 1. Oktober, nachmittags 3 Uhr, in Rummelssturg, Cafe B e l l c v u e. Tagesordnung: 1. Bericht vom Jenaer Parteitage und Diskussion über den- selben. 2. Die bevorstehende Provinzialkonferenz für die Provinz Brandenburg. 3. Anträge zu derselben. 4. Kreis- angelegenheiten. UB. Die Delegierten müssen sich durch Mandate ausweisen. I. A.: G. Freiwaldt, Pankow. Kreisvertrauensmann. berliner JMacbncbten. Mit einem abenteuerlichen Projekt überrascht die Direktion der Großen Berliner Sttaßenbahngesellschaft die Oeffentlichkeit, mit einem Projekt, von dem man noch gar nicht sagen kann, ob es ernst gemeint ist, weil seine Ausführung an Be- dingungen geknüpft ist, die sich nicht werden erfüllen lassen. Die Große will im Verein mit den von ihr abhängigen Gesell- schaftcn der Charlottenburger, Westlichen und Südlichen Vorortbahnen die Gleise im Zuge der Leipziger Straße vom Potsdamer Platz ab bis zum Dönhoffplatz vollständig beseitige» und für die Linien, die den starken Verkehr zwischen dem Westen von Berlin und wichtigen westlichen Vororten in der Richtung nach dem Spittelmarkt und darüber hinaus vermitteln, eine Untergrundbahn herstellen. Sie soll von der Potsdamer Brücke abzweigend, unter der Pots- damer Straße, dem Potsdamer und Leipziger Platz und der Leipziger Straße b i s z u r Charlotten st raße viergleis ig gehen, wo das eine Glcispaar abzweigen und am Gendarmenmarkt wieder das Niveau der Sttaße gewinnen soll, während das andere Gleispaar unter die Leipzigerstraße, weiter unter den Spittelmarkt und die Wallstraße unterführt werden und in der N o ß st r a ß e den Anschluß an das oberirdische Netz gewinnen würde. Die gegenwärtig in der Potsdamerstraße vorhandenen Gleise würden von der Brücke ab, entlastet von dem zu unterführenden Verkehr, alsdann nur noch dem Berkehr dienen, der sich vom Westen in dot Richtung nach dem Brandenburger Tor einerseits und dem Askanischen Platz andererseits bewegt. Die Linien, die den Verkehr zwischen Moabit und dem Spittelmarkt und darüber hinaus über die Leipzigerstraße vermitteln lzurzeit Nr. 9 und Nr. 6) würden von der Königgrätzerstraße abzweigend durch die Voß- und Kronenstraße geführt werde». Außerdem beabsichtigen die Gesellschaften ihre oberirdischen Anlagen am Brandenburger Tor und am O p e r n p l a tz in Untergrnndstrecken umzuwandeln und gleichzeitig durch eine zweigleisige Untergrundbahn in der Sttaße Unter den Linden zu verbinden. Nach den uns gewordenen Mitteilungen liegen die Projekte für diese gewaltige Umgestaltung der Straßenbahnanlagen den klein- bahngesetzlichcn Genehmigungsbehörden bereits vor. So lautet der Vorschlag der Großen Berliner, dem es zwar, wie der Prozeß zwischen Stadt und Sttaßenbahn lehrt, an Origi- n a l i t ä t gebricht, der aber dennoch vielleicht nicht von ungefähr kommt. Doch vprab wollen wir unseren Lesern das wesentliche, nämlich die Bedingungen mitteilen, an die die Große die Aus- führnng des Planes knüpft. Man halte die Lust an. Es heißt weiter in der offenbar von der Direktion inspirierten Mitteilung: „Die Kosten, die die Ausführung der geplanten Anlagen er- fordern würde, erreichen bei den zu überwindenden, außerordent- lichen technischen Schwierigkeiten eine bedeutende Höhe; sie würden, wie wir erfahren, nicht unter 6V Millionen Mark be- tragen. Es leuchtet ein, daß eine so hohe Summe, die das An- lagekapital der Gesellschaften auf rund 200 Millionen Mark erhöhen würde, neu beschafft werden kann, wenn den Gesellschaften eine sichere Existenz für einen längeren Zeitraum als bisher gewährt wird. Bei Bemessung der neuen KonzcssionSdauer kommt auch noch besonders in Betracht, daß die geplanten Umgestaltungen sich im wesentlichen nur als BetriebSverbesscrungen in bereits erschlossenen Verkehrsgebieten darstellen, daß neue Gebiete im großen und ganzen nicht hinzutreten, daß es sich vielmehr hauptsächlich dann» handelt, den Verkehr in bereits vor- handcnen Gebieten schneller und sicherer zu gestalten. Die Ge- sellschaften haben daher, wie die„Rcichshauptstädt. Korr." hört, an ihre Anttäge die Voraussetzung geknüpft, daß ihre Unternehmungen eine Konzession von 90 Jahren erhalten; es ist dies der- selbe Zeitraum, der bekanntlich auch der Hoch- und Untergrundbahn gewährt worden ist. Die den Gesellschaften erteilte Konzession läuft, ivie man weiß, nur bis zum 31. Dezember 1949. Die Gesellschaften haben sich in diesem Sinne auch bereits an die in Betracht kommenden w e g e u n t e r h a l tu n g S p f l i ch t i gen Gemeinden gewandt nnd um Mitteilung derjenigen Bedingungen gebeten, unter denen sie bereit sein würden, ihre'kleinbahngcsetzliche Zustimmung für 90 Jahre auszusprechen. An ihnen und den staatlichen Ge- nehmigungsbehördcn wird es nun liegen, ob sich die Ausführung der großen Projekte ermöglichen läßt." Nach den bisher mit der Straßenbahn-Gesellschaft gemachten Erfahrungen nehmen wir an, daß dies Projekt trotz seiner Abenteuer- lichkeit nicht aus dem Handgelenk heraus ausgearbeitet worden ist. Bei den innigen Beziehungen zwischen der Staatsbehörde und der Direktion, bei der Lust und Liebe, nnt der diese Behörde weiter darauf aus ist, der Stadt Berlin vor allein in Verkchrsangelegen- heften e i n B c i n z u st e l l c n, gehen wir wohl nicht fehl in der Annahme, daß das Untergrundvahnprojckt oben grundsätzlich gebilligt ivorden ist und gebührende Förderung erfahren soll. Gerade der für die Stadt günstige Ausgang des bekannten Prozesses mag die Re- gierung des preußischen Staates zu neuer Beihülfe für die Große bewegen. Auf einem anderen Blatt steht natürlich die Frage, ob die wcgennterhaltungSpflichtigen Gemeinden, also die Stadt Berlin sich auf diesen Plan einläßt. Diese Frage kann nur mit einem ent- fchiedenen Nein beantwortet werden. Die Stadt Berlin würde den Untergrundplan der Großen unter den gestellten Be- dingungen selbst dann nicht fördern können, wenn sie nicht die bekannten Erfahrungen mit dieser Gesellschaft gemacht, wenn sie nicht aus diesen Erfahrungen heraus den Entschluß gefaßt hätte, keinerlei Erweiterung des Herrschaftsbereiches der Großen zuzulassen. Sie müßte auch beim beste» Einvernehmen mit der Straßenbahndirektion den Vorschlag ablehnen, weil es eine u n- verantwortliche Handlung ohne Gleichen wäre, auf neunzig Jahre hinaus die Gemeinde einem, ivie auch immer ge- leiteten Privatunternehmen zu überantworten. Mag der preußische Staat in seiner Feindschaft gegen eine gesunde Kommunalpolitik, in seinem Eifer, den privaten Riesenbetrieben mit ganzer Seele dienstbar u sein, so volksfeindlich handeln wie nur immer: die Stadt Berlin ann eine solche Gewissenlosigkeit nicht ver- antworten. Wir nehmen an, daß die kommunalen Körper- chaften, die bekanntlich nicht bis 1949, wie in der offiziösen Mit- Teilung gesagt wird, sondern nur bis 1919 an die„Große" gebunden ind, deni Plan dieser Gesellschaft und den abenteuerlichen Be- dingungen, die daran geknüpft sind, mit der einzig möglichen Antwort, einem entschiedenen Nein begegnen. Pretzstimmen zu dem Projekt der Großen Berliner sind erst spärlich vorhanden und diese stimmen legen sich weder nach der einen noch nach der anderen Seite fest. Beachtenswert ist, was der „Lokal-Anzeiger" über eine Unterredung berichtet, die sein Bericht- crstattcr mit Herrn Oberbürgermeister� Kirschner in der An- gelegenheit pflog. Das Berliner Stadtoberhaupt sagte dem Journalisten, daß er von einem derartigen Projekt nicht das ge- ringste wisse. Wie die Stadt sich dazu stellen werde, vermöge er daher nicht zu sagen. Bezüglich der Konzessimrsverlängerung ver» möge er auch nur für seine Person eine Meinung auszusprechen, und die gehe allerdings dahin, daß er nicht glaube, die Stadt werde darauf eingehen. Was die städtischen Projekte betreffe, so sei er für seine Person überzeugt, daß sie durch den neuen Plan der Großen Berliner in keiner Weise berührt werden dürsten, und daß die Kommune davon unbeeinflußt an die Durchführung ihrer eigenen Verkehrsentwürfe gehen werde. Aber selbst gesetzt den Fall, das Projekt wäre allen Schwierigkeiten zum Trotz durchgeführt. Was hätte die Große Berliner-und was der Verkehr damit erreicht? Nichts oder doch so gut wie nichts. Denn schon motorisch kann die Schnelligkeit der den Tunnel passierenden Straßenbahnen keine bedeutend größere werden. Die Wagen der Hochbahn fahren mit einer Kraft von 100 Pferdestärken, die Wagen der Straßenbahn besitzen deren dagegen nur 15—20. Aber selbst wenn hier irgendwie ein Ausgleich gefunden werden sollte, so würde auch dies nichts zu bedeuten haben. Denn wenn auch die Wagen der Straßenbahn auf den angegebenen Strecken auf einer Untergrundbahn sich be- wegen, so doch eben nur auf diesen Strecken. Im übrigen zählen sie zu einer- Niveaubahn im Straßengewirr Berlins und müssen des Anschlusses und des allgemeinen Fahrplanes willen ihre Schnelligkeit so einrichten, daß sie eben in den allgemeinen Fahr- plan hineinpassen. Es hätte aber kaum einen Zweck, einen Wagen unterirdisch mit der Schnelligkeit der Hochbahn z. B. von der Pots- damer Brücke bis zum Gendarmenmarkt fahren zu lasten, da er sich doch in das soviel langsamere Getriebe des oberirdischen Straßen- bahnnetzes wieder einiügen muß. Magistratsotfiziös wird zu dem Plan geschrieben: Die Große Berliner Straßenbahn-Gesellschaft soll beschlossen haben, zur Entlastung des Potsdamer Platzes, der Leipzigerstraße und so weiter einen Tunnel in der Potsdamerstraße zu erbauen, der sich in der Richtung nach dem Gendarmenmarkt und der Charlotten- straße gabeln soll. An seinem Anfangspunkt müßte der Tunnel vier glcisig und an seinen Endpunkten zweigleisig werden, d. h. er müßte, um die großen Wagen der Straßenbahn in vier Gleisen aufnehmen zu können, von geradezu ungeheurer Dimension werden. Ob eine solche Gabelung der Linien zweckmäßig ist, erscheint Zweifel- Haft. Noch mehr aber mutz die Ausführbarkeit dieses keineswegs neuen Projektes bezweifelt werden. Als es seinerzeit auftauchte, ist es reiflich erwogen worden. Die Potsdamerstratze erwies sich nämlich bei näherer Prüfung als nicht breit genug. Die Kosten würden auch in gar keinem Verhältnis zu dem Nutzen einer solchen Anlage gestanden haben. Die technischen Schwierigkeiten sind außer- dem ganz bedeutend. Die Höhenverhältnisse der Potsdamcrstraße und so weiter zu dem Wasserspiegel der Spree und dem Grund- Wasserstand bedingen es, daß sich die gesamten Anlagen der Kanalisation in der Höhenlage befinden, die von dem Tunnel in Slnspruch genommen werden müßte. Es müßte eine vollständige Acndcrung in der Führung der Hauptsammelkanäle und ihrer Zu- leitungen erfolgen. Ferner müßten sämtliche Leitungen der Gas- und Wafferwerke verlegt werden. Die Untergrundbahn Potsdamer- bahnhof-Spittelmarkt müßte von dem Tunnel der Straßenbahn unterfahren werden. Kurz, die technischen Schwierigkeiten wären geradezu enorm. Und ob die Stadt Berlin der„Großen Berliner" gegenüber ein so weites Entgegenkommen zeigen würde, wie diese es wünscht, erscheint zum mindesten heute noch zweifelhaft, denn dieser Gesellschaft zu Gefallen einen großen Teil des Berliner Ent- Wässerungsnetzes noch einmal neu herzustellen, würde sicher den meisten Berlinern kaum in den Sinn kommen. Selbst dann würden sich noch große Schwierigkeiten ergeben, die näher auseinanderzu- setzen hier zu weit führen würde. Wir stehen deshalb diesem Projekt der Großen Berliner Straßenbahn-Gesellschaft jetzt noch recht skeptisch gegenüber. Mit der Verlängerung der Konzessionsdauer wird es diesmal wohl nicht so glatt gehen wie früher. Dir städtische Schuldcputation beschloß am Mittwoch eine Herabsetzung der Frequenz in den unteren Klassen der Gemeinde- schulen. Das neue Schulgebäude für das Fricdrich-Realghmnasium in der Mittenwalderstraße wird zu nächsten Ostern ferttg. Der Umzug dieser Anstalt soll zu diesem Zeitpunkt stattfinden. In die dann frei- werdenden Räume dieser Anstalt in der Albrechtstr. 26 soll dann das Friedrichs-Gymnasium in der Friedrichstratze am Oranienburger Tor verlegt werden. Wilhelm II. und die Knust. Auf Veranlaffung des Kaisers wird gegenwärttg, wie die Zeitungen melden, ein umfangreiches Werk vorbereitet, dessen Zweck es ist, einen Ueberblick zu gewähren über alle K u n ft s ch ö p f u n g e n, zu denen der Kaiser während der Dauer seiner Regierung bisher Anregung und Auftrag gegeben hat. Das Werk, zu dem die ersten Vorarbeiten schon längere Zeit zurück- liegen, wird in prächtigster Ausstattung hergestellt werden und außer den bildlichen Reproduktionen der einzelnen Denkmäler, Bauten, Gemälde usw. auch einen erläuternden Text enthalten sowie eine ausführliche, von fachmännischer Seite geschriebene Darlegung des Standpunktes, den der Kaiser zu den Kunstfragen der Jetztzeit, ins- besondere den Bestrebungen und Zielen der modernen Richtung gegenüber einnimmt. Zwei der ältesten Hänser der Lindcnstraße, die Nummern 24 und 25, werden nach dem 1. Oktober vom Erdboden verschwinden, um einem Erweiterungsbau der Lebensversicherungsgesellschaft„Viktoria" Platz zu machen' Sie stehen über 150 Jahre. Die Grundstücke haben tiefe Höfe, die bis zur Alten Jakobstraße hinunterreichen. In dem Haufe Nummer 24 bestand über sechzig Jahre lang der Gasthof „Zur Stadt Halle" mit einer großen AuSspaununy. Hier kehrten besonders die Landlcute ein, die aus der südlichen Umgebung Berlins ihre Erzeugnisse nach dem Markt auf dem Dönhoffplatze brachten. Seit der Errichtung der Markthalle in der Ltndcnsttaße ließ der Besuch allmählich nach, vor siinf Jahren ging der Gasthof ein. Werkstätten und kleine Wohnungen traten an seine Stelle. Das Haus Nr. 25 enthält die Collanische Fabrik, kleine Mietswohnungen, Läden und Werkstätten aller Art. Zwei Eiscnbahnunfälle haben sich gestern in Berlins Um- gebung ereignet. Ueber einen Eisenbahnunfall auf Bahn hos Charlottenburg liegt folgende amtliche Meldung vor: Heute früh 6 Uhr 21 Min. fuhr auf Bahnhof Charlottcnburg der Personenzug 1413(Charlottenburg— Grünau), der um 0 Uhr 26 Min. seine Fahrt dort antritt, von dem Fahrgleis 1 nach dem Bahnsteig C vor. Hierbei stieß er auf den Schlußtvagen des Zuges 2241, der nach Erkner fährt, und schob diesen Schluß- wagen(ein Packwagen) mit einer Achse aus dem Gleise. Um Uhr 5 Minuten war der Wagen wieder aufgegleist. Ber» lctzungen von Personen sind nicht vorgekommen, Wetter zur Zeit des Unfalles starker Nebel. Einen Zusammenstoß zweier Eiscnbahnzüge gab es ferner gestern morgen zur selben Zeit auf dem Bahnhof Zehlendorf. Als der 6 Uhr 40 Minuten fällige Personenzug von dort ausfuhr, kam ihm von Lichterfelde her ein Arbcitszug ent- gegen. Beide Züge stießen leicht zusammen, doch erhielt der Zugführer des Arbeitszuges eine klaffende Kopfwunde. Der rnjammenstoß wird dem Umstand zugeschrieben, daß der der- Icfcle Zugführer das Haltesignal übersehen hat. Der Verkehr geht weiter. Ei» zweiter Cholerafall in Berlin. Zur Choleragefahr teilt das königl. Polizeipräsidium mit, daß auch bei der Frau des kürzlich an der Cholera verstorbenen Schiffers Wilhelm Lehmann Cholerabazillen festgestellt worden sind; sie sei ein sogenannter Bazillenträger, fühle sich aber völlig wohl. In- folge dieser Entdeckung ist eine weitere Isolierung der Frau sowie der übrigen Familienmitglieder nottvendig geworden. Der Kahn wird bereits heute oder morgen freigegeben werden. _ Mit dem Tode des dänischen JligcnicnrS Jakob Hansen be- schäftigen sich noch immer die Kopenhagener und die hiesigen Be- Horden. Hansen wohnte hier vor einigen Monaten in einem Hotel, ging eines Tages fort, um geschäftliche Angelegenheiten zu besorgen, und wurde spater, wie wir damals mitteilten, bei Steglitz tot und verstümmelt auf dem Bahndamm aufgefunden. Seit seinem Tode, der auf einen Unfall oder Selbstmord zurückgeführt wird, werden Zeichnungen und Papiere vermißt, die Hansen ans seiner Heimat nach Berlin mitgenommen hatte. Die Kopenhagen« Polizei hat jetzt das hiesige Polizeipräsidium ersucht, noch einmal nach dem Lcrbleib dieser Sachen zu forschen. Vielleicht liegen sie in einem Patent- bureau oder in einer elektrischen Fabrik.. Die Zeichnungen und Papiere betreffen die Erfindung eines Apparates zur Negulierniig des elektrischen Stromes einer elektrischen Anlage, die mit Wind be- trieben wird, und in die ein Widerstand eingeschlossen wird, der bezweckt, daß das Dynamo ungeachtet der verschiedenen Stärke des Windes beständig gleichförmigen Strom abgibt. Hansen wollte diese Erfindung und die zugehörigen Zeichnungen und Papiere in Berlin bei einem Patentbureau oder bei einem Elektrizitätswerk anbringen. Mitteilungen über ihren Verbleib nehmen die Kriminalpolizei und alle Polizeireviere entgegen. Großfeuer im Kabelwerk Ober-Schönewride. Mittwoch ftüh kurz nach 6 Uhr kam a»f dem Kabelwerk Ober Schöneweide ein großes Schadenfeuer aus und zwar in dem erst im vorigen Jahr neuerbauten Lagergebäude. In den ge samten Dachräumen dieses etwa 100 Meter langen und 15 Meter breiten Gebäudes lagerten große Posten Baumwolle, Seide und Jute. Auf dem gegen 5 Uhr erfolgten Rundgange ist nun noch nichts Verdächtiges bemerkt worden, erst eine Stunde später beobachtete man, daß Rauch aus der Mitte des Gebäudes herausdrang. Es wurde daher sofort Lärm geschlagen und für die Alarmierung der Feuerwehr gesorgt. Die Berliner Wehr konnte nicht gleich um Hülfe angegangen werden, weil zwischen Obcr-Schöneweide und Berlin keine Nachtverbindung besteht. Nach kurzer Zeit waren außer der Ortsfeuerwehr auf den Alan» hin noch die Wehren ans Nieder-Schöneweide, Treptow, Köpenick und Karlshorst, die Löschmannschaft der Kuhnheimschen Fabrik und später auch der sechste Löschzug der Berliner Wehr unter Brandmeister Berg herbeigeeilt. Das Feuer hatte sich init unHeim licher Schnelligkeit ausgebreitet, so daß nach etwa 10 Minuten das Dach in seiner ganzen Ausdehnung ein einziges Flammen meer bildete. Etwa ein Dutzend Schlauchleitungen wurden in Tätigkeit gesetzt und nnt vereinten Kräften wurde dann von verschiedenen Seiten aus über Treppen und große Leitern hinweg gegen den Brandherd vorgegangen. Zur Mittagszeit wurde noch aus acht Rohren Wasser gegeben. Die Ablöschung war des- halb so schwierig, weil die gropen Juteballen einzeln auseinander- gerissen werden mußten— eine Arbeit, die viel Mühe machte und viel Zeit in Anspruch nahm. Die vollständige Ablöschung war erst m den späten Nachmittagsstunden beendet. Der verursachte Schaden ist, da das ganze Lager ausbrannte, ganz bedeutend, indes durch Versicherung gedeckt. Ueber die Entstehungsursache des Feuers ist nichts ermittelt. Vielleicht liegt Selbstentzündung von Baum- wolle vor. Zum Brand in den Kabelwerken werden uns von anderer Seite noch einige Einzelfälle mitgeteilt. Das Feuer wütete in einem großen langgestreckten Gebäude von vier Stockwerken, das in der Wilhelininenhofstraße, gleich hinter dem DirsktumSgebände liegt. Dieser Bau ist durch eine Brandmauer in zwei Hälften geteilt. Im Dachgeschoß des einen Teiles lagerten für etwa 200 000 M. Stoffe, meist Seide, zur Umwickelung des Drahtes auf Spulen frei oder in Schränken. In diesen Räumen brach um C1/, Uhr morgens das Feuer aus, nachdem die Wächter den letzten Rundgang gemacht hatten und kontrolliert worden ivaren. Die Flammen schlugen gleich auS den Fenstern nach dem Hofe des Direktionögebäudes hinaus und liefen an den freiliegenden Vorräten entlang in kurzer Zeit durch den ganzen Raum. Bald stand das Dachgeschoß in hellem Brand. Die Wacht- Mannschaft der Fabrikfeuerwehr alarmierte diese und die Feuerzeichen riefen bald auch die Wehren von Ober- und Nieder-Schöneweide, von Adlershof usw. herbei. Direktor Perler erbat und erhielt aber auch von der Berliner Feuerwehr noch Hülfe. Von hier rückte der sechste Zug mit der Dampfspritze aus. Diese und die Dampsspritze von Nieder-Schöneweide sandten im Berein mit den übrigen Wehren gewaltige Wassermassen in die Feuersglut hinein. Nach dreistündiger Arbeit war der Brand bewältigt und auf seinen Herd beschränkt. Ungeheuer war die Hitze, die er entwickelt hatte. Die eiserne Kon- strüktion des Dachstuhles war ganz verbogen und zum Teil geschmolzen. die starke Brandmauer, die ein Uebcrgreifen auf die zweite Hälfte des Gebäudes verhinderte, schwer beschädigt. Die Aufräumung wird noch tagelang dauern. Große Mengen Seide, Jute und Baumwolle sind vom Fener vernichtet oder vom Wasser unbrauchbar gemacht worden. Das herablaufende Wasser hat auch viele Maschinen schwer be- schädigt. Der Gesamtschaden, der durch Versicherungen gedeckt ist, beläuft sich auf etwa MV 000 bis 400 000 M. Bis die Stoffe neu beschafft und die Maschinen wieder hergestellt sind, wird eine un- freilvillige Arbeitspause von vier bis fünf Tagen unvermeidlich sein. Die Gerüchte über eine böswillige Brandstiftung vcranlaßten den Amtsvorsteher von Ober-Schöneweide, mit Hülfe der Feuer- wehren der Entstehung des Brandes sofort nachzuforschen. Hierbei erwiesen sich alle Momente, die für eine Brandstfftuna hätten spreche» können, als durchaus hinfällig. Die Gerüchte sind also auch nach dem Ergebnis der weiteren Untersuchung durchaus haltlos und unbegründet. Andererseits ließ sich aber auch die Ursache des Feuers nicht feststellen. In gutgesinnten Kreisen hatte man sich nicht entblödet, die Ausgesperrten mit dem Brande in Verbindung zu bringe»._ Da? gestrige Gewitter war wohl das schwerste, das in diesem Jahre über Berlin niedergegangen ist. Es setzte bald nach 7 Uhr ein und erreichte seinen Höhepunkt in der neunten Stunde. An den Stellen, Wo sich die Straßen senken, fehlte es denn auch nicht an Ueberschwemmungen. Besonders die Gegend am Rosenthaler Tor bei Schöneberg und an der Kaiser Wilhelmstrahe waren vom Wafier hart bedrängt. Unausgesetzt liefen bei der Feuerwehr Meldungen ein, so daß zeitweise der größte Teil der Löschzüge unterweg» war. Ueberall handelte eS sich um Wasscrsgesahr, jedoch leistete die Wehr nur in den dringendsten Fällen Hüffe. Im Königscafe in der Münzstraßestand das Wasser in den Kellereien über ein Meter hoch. Der Betrieb dieses erst renovierten Lokals wird wegen der durch die Ueberschwemmung verursachten Beschädigungen mehrere Tage eine Unterbrechung erleiden, wie bei dem Unwetter vor drei Jahren. Auch die Polizei wurde bei den Rettungsarbeiten in Anspruch ge- nommen und in der Friedrichstraße mußten Feuerwehr und Polizei nicht weniger als 17 Mal eingreifen. Bei dein Gewitter, welches den wolkenbruchartigcn Regen begleitete, zündete der Blitz mehrere Male, ohne jedoch glücklicherweise größeren Schaden anzurichten. In einigen Stadtteilen waren die Ueberschwemmungen so stark, daß jeglicher Verkehr zeitweise vollständig ruhen mußte. In der Aork- straße, die, wie stets bei Ueberschwemmungen, ganz besonders in Mitleidenschast gezogen wurde, waren die Wassennengen derart hoch gestiegen, daß die Pferde bis an die Knöchel im Weisser standen. Vor dem Bahnhof Groß Eörschenstraße hatte sich ein förmlicher «mmttv. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. See gebildet, der den Zutritt zur Station versperrte. In der Königgrätzcrstraße, in der gegenwärtig Tiefbauarbeiten vorge- nommen werden, hat das Unwetter bedeutenden Schaden verursacht. Ebenso werden aus dem Norden, besonders aus der Invaliden- und Ackerstraße, zahlreiche Kellcrüberschwemmungcn gemeldet. Erst gegen%10 Uhr endlich legte sich allmählich das Unwetter, das zwei Stunden hindurch gedauert hatte. Selbstmordversuch durch Hungern. Eine schreckliche Entdeckung wurde vorgestern abend in dem Hause Auguste Viktoria-Allee 33 ge- macht. In einem leeren Zimmer des HauseS wurde auf einer Matratze die 27jährige Frau des Kohlenarbeiters Mündt dem Hunger tode nahe aufgefunden. Aus Furcht vor Mißhandlungen durch ihren Mann hatte sich die Unglückliche durch Hungern das Leben nehmen wollen. Am Montag voriger Woche war Frau Mündt nach dem Boden geflüchtet, da sie fürchtete, von ihrem Manne geschlagen zu werden. Dort verbrachte sie die ganze Nacht. Um aus dem Bereiche ihres Mannes zu kommen, bat sie am Donnerstagmorgen die Hausverwalterin um den Schlüssel einer leerstehenden Wohnung unter dem Vorgeben, daß jemand gekommen' sei, um sich die Zimmer anzusehen. Die Frau erhielt die Schlüssel; jetzt brachte sie die Matratze ihres Bettes in die leere Wohnung und schloß diese hinter sich ab. Als vorgestern nachmittag die Wohnung besichtigt werden sollte, entsann sich die Verwalterin, daß sie den Schlüssel der Frau Mündt übergeben hatte. Diese war jedoch nirgends zu finden. Schließlich wurde die Korridortür der leer- stehenden Wohnung gewaltsam geöffnet. Als man in die leere Stube eintrat, bot sich den Eintretenden ein furchtbarer Anblick. Bleich und abgemagert lag auf der Matratze regungslos die vermißte junge Frau; sie vermochte keinen Laut von sich zu geben. Die Un- glückliche hatte sich seit Donnerstag vormittag dem'Hungertode ausgesetzt. Ein Arzt ließ die Frau sofort nach dem Kraulcnhause in der Gitschinerstraße bringen, wo sie bedenklich darniederliegt. Ein internationaler Hoteldieb, der auch in Berlin Gastrollen ge- geben hat, wurde in Wien festgenommen. Es ist ein Mann namens Anton Nowakowski aus Warschau. Bei ihm fand man noch eine Anzahl Brillanten und Schmucksachen, über deren Herkunft er jede Angabe verweigert. Vielleicht hat er sie in Berlin erbeutet. Die wertvollsten Sachen sind ein Damenring, der oben in zwei Enden ausläuft, deren jedes mit einem großen Saphir und einem Brillanten geschmückt ist(beide Steine werden durch Rauten ge- halten), ein Damenring mit Brillanten aus Rubinen und einer schwarzen Perle in der Mitte und einer goldenen Damenuhr in der Größe eines Markstückes, in den äußeren Deckel der Uhr ist kunstvoll ein Enmilbild eingearbeitet: Ein Herr in der Tracht am Ausgang des 18. Jahrhunderts steht vor einer Dame in Rcifrocktracht uno überreicht ihr Blumen aus einem Korbe. Vielleicht findet sich der Eigentümer dieser und der anderen Sachen in Berlin. Feuerbericht. Mittwoch früh wurde die Wehr nach der Forster- straße 7 gerufen, wo in einer Küche Feuer ausgekommen war. Die Gefahr konnte bald beseitigt werden.— Längere Zeit gab es aber in der Zimmerstr. 21 zu tun. Papier, Kartons ,c. brannten hier im vierten Stock des OucrgebäudeS unter starker Rauchentwickelung.— In der Tresckowstr. 56 gingen dann Möbel und Decken in einer Wohnung in Flammen auf, während in der KranSnickstr. 2 allerlei Gerumpel und Verpackungsmaterial eingeäschert wurde.— Außerdem brannte in der Mendelssohnstr. 11 noch Bohnermnsse und in der Eberswalderstr. 44 Teer. Theater. Durch den Trauerfall, der Fräulein Frieda Brock be- troffen hat. sieht sich das S ch i l l e r- T h e a t e r genötigt, die für Sonnabend im Schiller-Thcater N. angekündigte Erstaufführung von Otto ErnstS„Flachsmann als Erzieher* um einige Tage zu der- schieben und den Spielplan wie folgt zu ändern: Sonnabend wird im Schiller-Theater 0. Ibsens„Nora", im Schillcr-Theater dl. Anzengrubers„G'wissenswurnr" gegeben. Sonntagabend im Schiller-Theater O. Shakespeares„Ein Wintermärchen", im Schiller- Theater dl. Trothas„Hofgunst". Die erste Aufführung von„Flachs- mann als Erzieher" ist auf Mittwoch, den 4. Oktober, festgesetzt. Die bereits gelösten Eintrittskarten werden auf Wunsch der Käufer bis Sonn- abendabend 7'/z Uhr für Mittwoch umgetauscht oder zurückgenommen. — Im Theater des Westens wird am Freitag als Wonne- ments-Vorstellung zum erstenmal in dieser Spielzeit„Der Freischütz" aufgeführt. Die Hauptparticn liegen in den Händen von Miß King und Frl. Grünwald und der Herren Haxthausen und Stammer.— Im Kleinen Theater wird„Hidalla" von Frank Wcdekind in Abänderung des Spielplans an allen Abenden dieser Woche, ein- schließlich Sonntag, wiederholt. Die für Sonnabend zum„Zcr- brochenen Krug" und der„Laune des Verliebten" gelösten Billetts können bis Sonnabendvormittag 11 Uhr gegen solche zu„Hidalla" umgetauscht oder zurückgegeben werden. Die Hauptrolle in„Hidalla" wird m samtlichen Wiederholungen des Stückes von Franz Wedekind selbst dargestellt werden. � Im Walhalla-Theater, dessen Eröffnung am kommenden Sonntag, den 1. Oktober, bevorsteht, beginnt die Vorstellung der vom Direktor Richard Schultz neuinszenierten Frenndschcn GcsangS- und AuSstattunaspoffe:„Eine tolle Nacht" um 8>/z Uhr, doch wird der ganze Theaterabend mit einem Spezialitätenprogramm ein- geleitet, welches bereits um �1|t Uhr beginnt. In dem frei zugänglichen großartigen Tunnel andererseits findet in den Stunden von abends 8'/« bis 2 Uhr nachts ein großes Konzert und Spezialitätenprogramm besonderer Art statt, an welchem sich die berühmten Wiener Original- Schrammels und die erstklassige Tiroler Sängergesellschaft„Die Obersteyrer" beteiligen. Die T h e a t e r- Eintrittspreise be- wegen sich im Parkett zwischen 2,10 M.(Orchester-Sessel), 1,85 M. (Lrchester-Fauteuil), 1,60 M.(Parkett-Fautcnil) zu 1.10 M. (Tischsitz). Promenoir- Entree auf Sitz beträgt 75 Pf., nach 0 Uhr 50 Pf. Die Programme sind kostenfrei.— Im Carl Weiß-Theater findet am Sonnabend die erste Kindervorstellung start. Zur Aufführung gelangt das reizende Märchenspiel„Die sieben Raben".— D)as Repertoirstück„Der Welt- umseglcr lvider Willen" geht lustig der 25. Aufführung entgegen.— Die erste Nachmittagsvorstellimg ist im A p o l l o- T h c a t e r am Sonntag, den 1. Oktober, nachmittags 3 Uhr, zu erniäßigten Preisen. In denr großen Programm werden außer dem amerikanischen Tingel-Tangel und dem Luftballett Grigolatis auch die neuen Oktober- Spezialitäten austreten. Zirkus Busch will zu der heutigen Wohltätigkeitsvorstellung zu- gunsten der vom Erdbeben in Italien Betroffenen ein ganz aus- gewähltes Programm aufführen. Der Berliner Volkschor veranstaltet am Sonntag, den 1. Oktober, abends V»? Uhr, im Gcwerlschaftshcnise einen Haydn-Abend mit Vortrag. Kammermusik, Solo- und Chorgesang. Im Osten Berlins ist die Fachschule für Maschiiiciibaucr, Schlosser, Kunstschmiede und Mechaniker in der Straßmnnnstr. 6, wo auch die Tagesschule für Maschinenbauer und die städtischen Uebungswerk- stätlen sich befinden. Es wird in den Abend- und Souiitagoklassen den Gehülfen und Lehrlingen Gelegenheit gegeben, sich im Zeichnen auszubilden und an folgenden wissenschaftlichen Fächern zu beteiligen: Mathematik(Rechnen und Geometrie). Mechanik, Maschinenlehre, Berusskunde und Elcklrotechuil. Schüler, denen zwei Stunden Zeichnen in der Pflichrsortbildungsschule nicht genügen, finden Kurse vor, die ihrem Streben nach weiterer Ausbildung entsprechen. Das Winter- semester beginnt am Donnerstag, den 12. Oktober. Anmeldungen beim Dirigenten, Straßmannstr. 6. In der Fachschule für Schuhmacher in Berlin, Albrcchtstraße 20, Gemeindeschule, beginnt ein neuer Kursus 1. im Modellschneiden und Warenkunde am Sonntag, den 3. Oktober, vormittags 9—12 Htjv und Dienstag, den 10. Oktober, abends 7—10 Uhr; 2. in der Klasse für Schaftfabrikation Montag, den 0. Oktober und Donnerstag, den 12. Oktober, abends 7—10 Uhr; 3. Herrichten von Leisten Minwoch, den 11. Oktober, abends 8—10 Uhr. Anmeldungen an den Unter Vorort-j�ackrickten. Schö»«eberg. Die Auslosung der Stadtverordneten zu den diesjährigen Sr» gänzungswahlen hat auch, wie aus der Bekanntmachung des Magistrats ersichtlich ist, zu einer Verschiebung derjenigen Bezirke geführt, welche bisher durch je einen Hausbesitzer und Mieter vertreten waren. In Gemäßheit des§ 16 der Städteordnung hat nämlich der Magistrat ebenfalls durch das Los entscheiden laßen, in welchen Bezirken Eingesessene und Nichteingesessene zur Aufftellung gelangen sollen, wodurch natürlich der Fall eintritt, daß in manchen Bezirken beide Stadtverordnete entweder Hausbesitzer oder Mieter sind. Dies würde nun für den dritten und fünften Bezirk zutreffen. An Stelle der im ersteren ausscheidenden Genossen M a s u ch, dessen Wahlperiode überhaupt mit Ende' d. I. abläuft, muß zu dem bereits bestehenden Hausbesitzermandat ein weiteres hinzukommen, während im fünften Bezirk, wo Brauereidirektor F i n ck e ausscheidet, noch ein zweiter Mieter zu wählen ist. Außerdem stehen noch zur Wahl der zehnte Bezirk(je ein Hausbesitzer und Mieter), sowie der sechste und siebente Bezirk(beide Hausbesitzer). Unser Haupt» augenmerk dürste demnach in erster Linie auf den fünften und den zehnten Bezirk zu richten sein. Da der fünfte Bezirk der dritten Abteilung bereits vor Jahren unseren Genossen K ü t e r ins Stadtparlament entsandt hatte, so ist zu hoffen, daß unser Kandidat auch diesmal als Sieger her» vorgehen wird, vorausgesetzt, daß die Arbeiterschaft ihre volle Schuldig- keit tun wird. Der zehnte Bezirk ist leider seiner Konstellation nach— daS „Villenviertel" duldet keine freie Arbeiterschaft— für die Sozial- demokratie ein schweres Feld, wenn auch trotzdem unsere Stimmen- zahl dort im Wachsen begriffen ist. Rummelsburg. Bei dc» am letzten Sonntag vollzogenen Wahlen der Beisitzer dem Stande der die Schneidigkeit des Vorsitzenden bewundern. Die die Frage, wer betrachten sei. daß die Liste au» I DMWWW für das Kaufmannsgericht zu Rummelsburg aus HandlungSgehülfen konnte man wiederum einmal und Gesetzesunlenntnis deS Herrn Assessor Köhler, des hiesigen Gewerbe- und Kaufmannsgerichtes, kaum glaubliche Unkenntnis dieses Herrn über nach dem Gesetze als Handlungsgehülfe zu hat es denn mich zuwege gebracht, des Zentralverbandes der HandlungSgehülfen misficl. Wähler, welche auf Befragen als Beschäftigungsart„Expedient" an- gaben, wurden vom Vorsitzenden nicht als HandlungSgehülfen an- gesehen und ohne Widerrede von der Wahl ausgeschlossen. Hierbei passierte dem Vorsitzenden leider das Malheur, einen Unterstellten, einen von der Wahl ausgeschlossenen Expedienten, weil er als Be- schästigungöart Lagerverwalter angab, zuzulassen. Durch diese geradezu unverständliche Art der Wahlleitung kamen fünf Wähler um ihr Wahlrecht, trotzdem sämtliche fünf Wähler von ihrem Arbeit- geber eine Legitimation als Handlungsgehiilfe vorweisen konnten. Diese Zurückweisungen und die Frage des Vorsitzenden an den einzelnen Wähler, ob er gelernt« Kaufmann sei, empörte die An- wesenden und erzeugte bei ihnen die ganz selbstverständlichen Zwischenrufe wie„unzulässig",„unbegreiflich". waS den Vorfitzenden veranlaßte, im echten A s s e s s o r t o n zu bemerken, wer niit seiner Geschäftsführung nicht zufrieden sei, möge Beschwerde beim Bezirks- ausschuß führen. Was selbstverständlich auch ohne diesen Hinweis geschehen wird. Rixdorf. Eine Ruhegehalts- und Hinterbliebenenversorgung für städtische Arbeit« und Angestellte beabsichtigt der Magistrat einzuführen. Zwar sagt er, daß er sich schon)eit einigen Jahren mit dieser Fräße beschäftige; wunderbar ist eS doch, daß davon so gar nichts m dieser langen Zeit verlautete. Mag dem sein, wie ihm wolle: die treibende Kraft sind— zugestandenermaßen— auch hier in Wahr- heit wieder unsere im Gtadtparlmnent sitzenden S o z i a l d e ir,o- traten. Die von diesen im März dieses Jahres gelegentlich der Etatsberatung eingebrachte diesbezügliche Resolution hat erst recht eigentlich den Anstoß zu diesem„schon seit einigen Jahren" von MagistratuS„erwogenen" Akt sozialer Fürsorge gegeben. Eine von dericlben Seite' noch kurz vor den Ferien an den Magistrat gerichtete Interpellation hat schließlich wohl das Tempo der„Erwägungen" erheblich beschleunigt, so daß die Stadtverordnetenversammlung in ihrer heute abend stattfindenden Sitzung zur Vorberatung eine Deputation niedersetzen soll. Nun, hoffentlich macht diese ganze Arbeit und bringt nicht etwa ein Flickwerk zur Welt, das allem echten sozialen Empfinden Hohn zu sprechen geeignet ist. Die Fortführung dcS Stichkanals soll jetzt angebahnt werden, damit so die gewiß wünschenswerte Verbindung mit dem Teltow- kanal herbeigeführt werde. Der neu anzulegende Teil hat eine Länge von etwa 2210 Meter, wovon 1700 Meter auf Rixdorf, der Rest auf Britz« Gebiet entfallen. Sowohl die mit der letzt- genannten Gemeinde, ivie die wegen der notwendigen Bahnunter- führungen mit dem Eisenbahnfiskus gepflogenen Unterhandlungen lassen den Schluß zu, daß— wenn nicht noch die beteiligten Grund- besitzer Schwierigkeiten machen— das Projekt bald wird verwirNicht werden können. Die neu zu bauende Trace wird an der Teupitzer Brücke die Ringbahn durchbrechen und— die Johannisthal« Bahnlinie, die Tann« Chauffee und die Grenz-Allee kreuzend— mit geringen Abweichungen dem Zuge des Wiesengrabens folgen, um schließlich dort in den Teltowkanal zu münden, wo sich aus diesem der in die Spree führende Arm abzweigt. Von den Baukosten ent- fallen auf Rixdorf rund 1 280 000 M., aus Britz 250 000 M. Steglitz. Auf Anordnung des Schularztes, Herrn SanitätSrat Dr. Heidenhain, wurde die 6. Mädchenklasse der Gemeindeschule I(Schloßstraße) zu Steglitz geschlossen, da in den letzten Tagen mehrere Kinder von einer Augenkrankheit befallen worden sind. Wie uns versichert wird, sind auch unter den Schülerinnen der Gemeindcschule in der Plantagenstraße einige Fälle zu verzeichnen.— Pflicht der Eltern ist es, streng auf etwaige An» zeichen von Erkranlungen bei ihren Kindern zu achten und für ärztliche Hülfe zu sorgen. £iiis der frauenbewcgiing. Genossinnen! Genossen! Da gestern(Mittwoch) wegen Un» weiter die Versammlung mit dem Thema: Berichterstattung vom Parteitage usw. nicht abgehalten werden konnte, findet dieselbe am Montag, den 2. Oktober in den Arminhallen, Kam- mandantenstraße 20, statt. Um rege Agitation wird gebeten. Die Vertraucnspersonen. Zentrolvcrbond der handlungsgehiilfe»„nd-Gchülftnnen Deutlchlands.(Bczirl B e r I i n.) Donnerstag abend 9 Uhr: Sitzung in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Marklhallcn-Dircklion. Rindfleisch la 63—70 pr. 100 Pfund, IIa 56—62, ilta 50-56,[Va-!0— 18. Kalbfleisch la 81-90, IIa 72-84, lila 60—70. Hammelfleisch la 68—76, IIa 56—65. Schweinefleisch 65—73. Kaninchen Stück 60—100 Ps. Rvtwild, Pfund 30—50 Ps. Rebhühner, junge la 0,90 bis l,05, junge IIa 0,50—0,75, junge kleine 0,30—0,50, alte la 0,70—75, alte IIa 0,50—0,60. Hühner, alle 1,20—2,00, junge 0/50—1,30 das Stück. Taudcii. junge 0.10— O.aO, alte 0,30—0,10. Enten,»mgc 1,50—2,50. Gänse junge la, 3,50—1,20, IIa 2,50—3,00, In 0,50—0,00, IIa 0,10—0,48 dasPsd, Hechte 115—130 M., Schleie, 118—119 Aale, groß 90, mittel 90, dänische 00—00, Sin-pfen 00- 00, Lachs 161, Schellfische 21—28, Flunder 8—13, Plötzen 27—31 M pro 100 Pfund. Schottische Vollhering«(gesalzen) 10—14 M Krebse, kleine. Schock 3,00—3.50, unsortiert 0,00-0,00. Eier, Schock 3,50 Buttel', pro 100 Psund la 120-121, fla 115-120, lila 110 15t* bis 1)5, absallcnde 100 lud. Karwsseln, pr. 100 Pfd. rote 1,60—1,80, Rosen , 1 50—1,75, blaue 0,00-0,00, runde weiße 1,30— 1,75. Wirsingkohl, pr. Schock richtstagen oder vorh« bei dem Unterzeichneteu W. Peschel, Dirigent, 3,00 6,00. Weißkohl 2,00-5,00, Rotkohl 3,00—6.00, Saure Gurken, neue Kanonierstr. 12, I.' Schock 2,—. Berlin SWi" Für den Inseratenteil verantlv.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt* Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Achtung! Achtung! Achtung! Ausgesperrte und Streikende Allgemeinen Elektrizitäts-Werke 152/3 sowie Siemens& Halske..»d Siemens& Schuckert- Werke. mm 9 im Die bot SO«. 3c�tC)l(Bcr beginnenbe Wiche Kontrolle kt Slrriliniöfn m» Alisgrherckn fütbct in der Zeit von 8-13 Uhr vormittags und 3-F Uhr nachmittags in folgenden Lokalen statt: iSiiSen: Südosten: Osten: Nordwesten: KmcÄmttch Alt-MiM 47-49. Waldkater, Tegkler Wcz 49. Charlottenburg: Uolkshans. UolincnlltnSc 8. Spandau: Köhle, Nemiitistttßriiße 5. Schöneberg: Okst- Festsäte. Meiiiiiizcrjir. 8. kixdors: Thiele. Kttgliroße 1S1. Oberseböneweide: Wilhelmwenhof. Jeder Streikende oder Ausgesperrte hat freie Wahl unter diesen Kontrollstellen, die er dann stets zur ferneren Kontrolle benutzen muß. Sämtliche auf die Aussperrung bezugnehmende Bekanntmachnngen erfolgen nur noch in den Kontrollstellen! Das Zentral-Streikkomitee. I. A.: id. Cohen. Uoigt, Mttcrßrsße 71-75. Südost, WMtiimjlreßc 75. Andreas Festsäle. Aiidreesstreße 21. Tempel.|teiic Kehiihosjir., Hordosten: Uerdandshans, Gmfsilieidcrstr. 222. Horden: Kernhard Rose, Kedstraßc 58. ,, Uolksheim, Alkcrjtllift 128. Arbkiter tilid Arlikiteliilllk» der Wäscht- n. KrmvMtitdmcht! Donnerstag, 38. September, abends 8>/z Uhr: VeffenMebe Versammlung in L. Kellers �cstsälen, Koppenstr. 29. Tages-Ordnung: 2Si/l1 1. Die Beilegung des Streiks bei der Firma«vdr. Borchardt und die Vorlegung unseres Tarifs. Referent: P. Keller. 2. Diskussion. Kollegen und Kolleginnen! Erscheint alle in obenstehender Versamm- lung, es ist eine der wichtigsten sür unseren Berus. ES ist die letzte Ber> sammlung, welche endgültig Beschluß darüber fassen soll, wann wir den Taris vorlegen wollen. Der Vorstand. ganze AohnungS« Einrichtungen, Zimmer« und Küchen-Einrichtungen, sowie jedes stück einzeln zu den billigsten Preisen in guter, gediegener Arbeit empfiehlt ftOSOL» Wilh. Sambrechf, Berlin SW., SlmconstraUc 10, t Verlangen Sie, bitte, illustr. Preisliste, an der Alten Jakobstraße. »i» lv Wir hUit Filiale Berlin. Freitag, den 29. September 1905, abends 6'/, Uhr: Mitglieder-Versammlung im GcwcrkschaftShansc, Engel> Ufer 15(großer Saal). Tages-Ordnnng: 1. Stellungnahme zum Gautag, Wahl der Delegierten. 2. Wie hat sich nach dem 1. Oktober 1905 unser Arbeitsnachweis zu gestalten? 3. Stellungnahme zur Fensterfrage. ES ist Pflicht jedes Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen. 19, p?« Ewald, MehOnlein- straße O, vollständig renoviert"UBÖ 21006* empfiehlt seinen Saal, 150 Personen fassend, den verehrten Vereinen und Gewerkschaften. Frühstücks«, Mittags-, Zlbendtisch. Fernspr. IV, 1391. Orlskrankenkasse der Graveure, Ziseleure und anderer künstlerischer Cewerbebetriebe.= Telephon: Amt IV. Nr. 2297. Nachfolgende Aenderung dcS Statuts ist durch Genehmigung des Bezirksausschusses vom 30. August 1905 in Krajt getreten: 13. Abilndcrnng: des Statuts der Ortskrankenkasse der Graveure, Ziseleure u. anderer künstlerischer Gewerbebetriebe zu Berlin. Artikel I G. 49, Abs. 1, erhält sol« gendcn Zusatz: „Die Wahlversammlungen finden immer Ansang Oktober eines jeden Jahres statt.' Artikel II:„Diese Abänderung tritt mit dem 1. Oktober 1905 in firasi." Berlin, im September 1905. Der Vorstand. 275/4 Brnst Brückner, Friedrich Schiefer, Vorsitzender. Schristsührer. Dr. Simmel, sTT Spezialarzt für 29/14* Haut- und Harnlcldun. 10— 2, 5— 7. Sonntags 10—12, 2—4. Hoeli Herniaiin Tuscöer, 61 Jahre Sind eine volle runde Lage wert, Hoch alter Pauer, den im grauen Haare Ein jeder, der Dich kennt, auch ehrt. Ob Du auch panschst, daß oft ein kalter Schauer UnS Armen durch die Glieder jährt, So wird von uns. Du alter Paner, Stets Labung doch bei Dir begehrt. Heine Freunde aus der 2. Abteilung. Ellern. die beabsichtigen, ihro Söhne 1 oder Töchter dem kaul'in.> Berufe zuzuführen, wenden j sich vertrauensvoll an Leipzigerstr. 39 (nahe Charlottenstraßo). ::: Anfang Oktober::: Beginn neuer Kurse. (Damen u. Herren getrennt.)| X Man verlange Prospekt! X Zum bevorstehenden I lBIZllJ*' empfehle mein gl*Oße8 I in 4liai*/,I Gaszuglampen I 9,00 1 Salongaskronen 1 15,00 1 Schau- fensterlicht! Gaslaternen I Gaswand- arme I spottbillig! Wohlauer, Wallncr- thcaterstraße 32._ 851K* Mahagonibnfett, diverse Vertt- kos, Bücherschrank, Küchcnschrank, Küchentisch, diverse Stühle, Bett- stellen, Schränkchen, Spiegel mit Spind, Zylinderbureau im Austier- kauf Zentrum, Gormannstraße 23.* Teppiche mitFarbenschlern Fabrik« ulcderlage Große Franksurlerstraße 9, p ar I erre._ fl Bett, spottbillig. 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