Dr. 228, Bbonncmcnts-Rcdinaungcn: Abonnements. Preis pränumerando: «ierleljährl. Z.M Mr. nionatl. 1,10 MI., wöchentlich 28 Pffl. frei inS Haus. Einzelne Numincr S Pfg. Sonntags» nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingelragen in die Post-Zeitungs» Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich, Ungarn S Marl, sür das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. AÄ. Jahrg. Die TntertionS'Gcbüljr beträgt sür die sechSgespallene Kolonel» zcile oder deren Raum«0 Psg., sür politische und gewerlschaslliche BereinS» und Versaninilungs. Anzeigen 25 Psg. „Ateine Mnzeigen", das erste(feit» gedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Numnier müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen» tagen biS 7 Uhr abends, an Son». und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Erfditlnt tüsHldj auCcr Elontagt. Vevlinev Volksblnlk. Telegramm-Adrcffe: „Zsataliliwslilat Kcr»i>". �entralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 6UJ. 68, Lindenötraasc 69. afcrnfprcdier: Zlnit IV. Str. lilSX. Polizei-Absolntismns. Die Angelegenheit dcS holländischen Politikers Domela NicnlvenhuiS entwickelt sich in einer Weise, die alles übertrifft, was wir bisher auf dein Gebiete der Polizeiwillkllr, die in Deutschland ein zivilisiertes Fremdenrecht ersetzt, bisher erlebt haben. Gäbe p" so etwas wie ein kulturelles Gewissen in den kapitalistischen Staaten, so würden alle Kulturstaaten nach den jetzigen Vorkommnissen ihre Beziehungen zum Deutschen Reiche lösen. Die kapitalistische Soli- darität der herrschenden Klassen aller Länder aber ist natürlich stärker als das Kulturinteresse. Immerhin ist der Kölner Polizei- skandal geeignet, den deutschen Namen der Verachtung aller gesitteten Menschen auszuliefern. Welchen Anspruch dürfen Deutsche noch er- heben, die ins Ausland gehen, daß sie dort des Schutzes genießen, wenn man einen alten Mann, der ahnungslos eine Uebertretung be- gangen hat, zum Spielball dreister polizeilicher Willkür macht I Die Kölner Geschehnisse sind viel ärger als selbst russische Frevel. Rußland hat überhaupt kein Recht. Der Zar, die Bureaukratie, die Polizei regiert, wie es dieser Dreieinigkeit gefällt. Deutschland aber ist ein Rechtsstaat. Jeder Deutsche und auch jeder Fremde muß den deutschen Gesetzen unterworfen sein. Die Polizei steht nicht über dem Recht. Was in Köln aber geschehen ist, be- deutet schlechthin eine Auflehnung der Polizeiwillkür, der administra- tiven Rechtlosigkeit gegen die Justiz. Schon in den früheren Fällen, welche die Mißhandlung der Fremden im Deutschen Reiche aufzeigten, war wiederholt auf die gänzlich unsinnige Erscheinung hingewiesen worden, daß nur der Ausländer, der im Deutschen Reiche ein Verbrechen begeht, der Rechtsgarantien teilhaftig wird. Wir wiesen deshalb darauf hin, daß es für einen Ausländer am zweckmäßigsten sei, wenn er des Rechtsschutzes teilhaftig werden will, irgend ein kleines Verbrechen zu begehen. Der Fall Nieuwcnhuis lehrt nun, daß auch diese Auffaffung noch zu optimistisch war. NieuwenhuiS w a r in der glücklichen Lage, eine leichte Uebertretung des Strafgesetzbuches begangen zu haben. Er hatte sich des Bannbruchs schuldig gemacht. Man hätte nun annehmen sollen, daß ihm in demselben Augenblick der Rechtsschutz der deutschen Gesetze zuteil würde, in dem feststand, wessen er sich schuldig geniacht hatte. Aber die Polizei spottet der Gerichte und des Strafprozesses. Sie behelligte nicht den Richter, sondern brachte Domela Nieuwenhuis zunächst in ihre eigene Gewalt, setzte ihn fest und es fiel ihr nicht ein, ihn an die bürgerliche Justiz auszuliefern. Erst das Eingreifen von Freunden wurde der Anlaß, daß der Verhastete einem ordent- lichen Richter vorgeführt wurde. Mit diesen Heldentaten hätte nun die Polizei zuftieden sein können, sollte mein meinen. Weit gefehlt! Die Kölner Polizei hat es fertig gebracht, auch nach der Aburteilung das Spiel von neuem zu beginnen. Während es das Gesetz als ein schweres Verbrechen ahndet, wenn ein Verurteilter über die Zeit seiner Strafe hinaus festgehalten wird, so hat sich die Kölner Polizei nicht gescheut, den nach dem Richterspruch aus der Haft Entlassenen wieder aus eigener Machtvollkommenheit festzunehmen. Das„Recht" dazu mag sie freilich haben. Denn die Polizei darf ja mit Fremden treiben, was sie will, sobald sie die Sphäre der Justiz verlassen haben. In welcher schamlosen Weise aber diese Tat ausgeführt wurde, zeigt die folgende Korrespondenz unseres Kölner Mitarbeiters: Köln, 27. September.(Gig. Ber.) Ain Mittwochvormittag wurde Domela NieuwenhuiS gemeinsam mit einer Prostituierten und anderen Häftlingen im dunklen Gefangencnwagcn dem Schöffengericht in Köln zugeführt. Bei dem Verlassen des Transportwagens packte ihn ein Schutzmann beim Rockärmcl, so daß man den Eindruck gewann, der Greis befinde sich an der Handfessel. Dann sperrte man ihn hinter die enge Ab» trcnming, wo meistens Dirne», Landstreicher und sonstige Glieder der bürgerlichen Gesellschaft sitzen. Man behandelte also den holländischen Gelehrte» in allem, wie man selbst einen gemeinen Verbrecher nicht traktieren sollte. Das Ergebnis der Gerichtsverhandlung haben wir bereits telcgraphisch gemeldet. Der dem Angeklagten von unfern Kölner Parteigenossen gestellte Verteidiger, Herr Rechts- anwalt E. Schrammen, beantragte die Freisprechung. Da ein Berliner Rechtsanwalt Nieuwenhuis die Auskunft gegeben habe, der am 20. November 1890 seitens der Bielefelder Polizei ergangene Ausweisungsbefehl sei verjährt, und da ihn die Polizei schon drei- mal sich in Preußen habe aufhalten lassen, ohne ihn zu belästigen, habe N. annehmen müssen, die Verfügung sei in der Tat erledigt. Demnach habe der Angeklagte sich über eine der Voraussetzungen, die die Anwendung des Strafgesetzes bedingen, im Irrtum befunden. Weiter warf der Verteidiger der Polizei vor, daß sie den§ 115 der Strafprozeßordnung, wonach der Verhaftete spätestens am Tage nach seiner Einlicserung in das Gefängnis durch einen Richter über den Gegenstand der Beschuldigung gehört werden muß. verletzt habe; denn man habe N. erst elf Tage nach der am 11. September voll- zogenen Festnahme dein Richter zugeführt. Darauf erwiderte der Vorsitzende. bei ihm sei die Sache erst am 2 ö. September eingegangen und er habe sie heute, am 27., schon zur Verhandlung gebracht. Das Gericht erkannte auch gemäß dem Antrage des Vertreters der Staatsanwaltschaft auf keine höhere Strafe, als der Angeklagte sich in gerichtlicher Haft befand: auf fünf Tage, dt-- durch die fünftägige Vorhaft für verbüßt erklärt wurden. Auch hob das Gericht, nachdem Angeklagter und StaatSanlvalt daS Urteil anerkannt hatten, sofort den Haftbefehl vom 22. September auf. Es war klar, daß Staatsanwaltschaft und Gericht wollten, daß der Verurteilte sofort in Freiheit gesetzt werde, und die Urteilsbegründung bezog sich bei der Bemessung der Strafe ausdrücklich auf die seit dem 11. September während Gefangenschaft. Niemand ziveifelte auch daran, daß man den alten Mann, dem die Einkerkerung, die Trennung von der Familie und die Auf- regungen bestimmt schwer an der Gesundheit geschadet haben, noch am nämlichen Tage an die holländische Grenze schaffen werde. tatt dessen hat man dem unerhörten Spiel die Krone aufgesetzt. Nachdem die gerichtliche Haft aufgehoben war, hat die Polizei den Greis wieder in ihren Gewahrsam genommen, wie es heißt, zur Ver- fügung des preußischen Ministers des Innern. Und wie man weiter annimmt, soll der holländische Staatsbürger noch eine Zeitlang in polizeilicher Gefangenschaft bleiben, bis die Anordnungen des Ministers über die AuSIveisung den ganzen Instanzenweg durchgemacht hätten. Man sieht, die Polizei versteht eS auch das Hindernis zu über- winden, daß ein Fremder, der ein Delikt begangen, in das Bereich deutscher Rechtsgarantien gerettet wird. Für die Polizei ist die richterliche Aktion nur eine flüchtige Episode. Vorher und nachher tut sie, waS sie will. Sie raubt einem von Gerichtswegen Frei- gelassenen wiederum die Freiheit, sie mißhandelt einen alten gebrech- lichen Mann, der sich in der ganzen Welt großen Ansehens erfreut. Sie kennt keine Scheu vor dem Ausland, ihre eigene Laune ist ihr das einzige und das höchste Gesetz. Bereits hat man in Amsterdam eine Entrüstungsversamm- lung gegen die Verhaftung von Nieutvcnhuis veranstaltet. Man wird in der holländischen Kammer über die Angelegenheit die Re- gierung interpellieren. Das hat man schon getan, ohne daß man die letzten nichtswürdigsten Vorgänge gekannt hat. Was wird erst die Oeffentlichkeit der zivilisierten Länder zu dieser neuesten Tat preußischer Polizeiwillkür sagen? Die wildesten Völkerschaften haben mehr Achtung vor der Pflicht der Gastfreundschaft, und sofern sie selbst in fanatischem Fremdenhaß die weißen Teufel totschlagen, so ist das noch immer ehrlicher, als diese nutzlose Brutalisierung eines Fremden unter dem Schein des Rechtes. Die Kölnischen Vorgänge sind eine Provokation an alle Staaten, deutsche Reichsbürger auch ihrerseits für vogelfrei zu erklären. Wenn wieder einmal wilde.Patrioten" zu den Waffen heulen, weil irgendwo ein Deutscher im Ausland angeblich verletzt letzt sein soll, so wird man ihnen mit dem Fall Nieuwen- huis antworten. Welchen Anspruch kann ein Deutscher auf den Schutz des Auslandes erhebeu, wo in seinem eigenen Vaterlande die Polizei Fremden jede Unbill, jede Schädigung, jede Beleidigung zufügen kann. Deutschland hat kaum noch ettvaS in der Achtung der Welt zu verlieren. Seine wirre und zerrissene auswärtige Politik hat das Mißtrauen aller Länder erweckt. Mit seinen frevel- haften Mißhandlungen von Ausländern aber hat es sich selbst aus der Kulturgemeinschaft der Völker ausgeschlossen. Das Verlangen nach einem Fremdenrecht. daS bereits in der letzten Session des Reichstages dringend erhoben wurde, muß nun- mehr ohne Verzug erfüllt werden. ES ist nicht länger mehr zu dulden, daß jeder Schutzmann über das Leben und die Sicherheit eines Ausländers frei verfügen kann. poUtifcde Gebcrftcbt. Berlin, den 28. September. Der Parteitag und die ausländische Presse. London, 25. September.(Eig. Ber.) Obgleich der Parteitag der deutschen Sozialdemokratte den bürgerlichen Blättern nichts Sensationelles bieten konnte, wurden seine Verhandlungen viel ernster genommen als in früheren Jahren. In der konservativen Presse erregten Bebels Ausführungen über die äußere Politik besondere Aufmerksamkeit. Eine ernste Diskussion von Fragen der äußeren Politik hebt jede politische Versammlung auf ein höheres Niveau, und unisomehr eine Konferenz einer großen politischen Partei. Die„Times", der„Spectator", der„Outlook" ze. stimmten im wesentlichen mit dem Urteile Bebels über die deutsche Diplomatie überein, hielten aber manche Einzelheiten für übertrieben, ivie dies übrigens bei einem Führer der Opposition zu erlvarten sei. WaS den Gesamteindruck betrifft, sei hier bemerkt, daß man über den ruhigen Verlauf des Parteitages enttäuscht ist. Abgesehen von den gewöhn- lichen journalistischen Phrasen, läßt sich der Gesamteindruck in den Worten des Berliner Korrespondenten der«Daily Chronicle" wieder- geben:„... Bebel steht ohne einen Nebenbuhler da. nicht nur in der Partei, sondern im ganzen politischen Deutschland. Die Re- visionisten, geführt von Heine und Bernstein, haben eine unwichtige Rolle auf dem Parteitage gespielt. ES scheint, daß eS ihnen an Ueberzeugung fehlt, sicherlich aber an Führung. Ihre Politik des Opportunismus und deS Kompromisses hat nur wenige Anhänger von Bedeutung.... Im großen ganzen zeigten die Verhandlungen. daß die Partei nichts von ihrer Stärke und nichts von ihrem Ein- fluß auf die Massen eingebüßt hat. Die alten Kampfparolen haben ihre Zauberkraft behalten. Die Verhandlungen zeigen, daß die Sozialisten als zerstörende Kritiker nichts von ihrer Kraft verloren haben, aber sie zeigen auch dfe Schwäche der sozialistischen Führer als konstruktive Staatsmänner." Der letzte Satz könnte, nebenbei bemerkt, ebenso gut von Mr. Chamberlain auf die englische Opposition angewendet werden. Die Hauptaufgabe einer Opposition ist— wie Lord BeaconSfield einmal bemerkte— zu opponieren. Rein politisch gesprochen handelt die deutsche Sozialdemokratie ganz genau wie eine englische Oppositionspartei.„Konstruktiv arbeiten" heißt, sich an der Regierung beteiligen. Aber keine englische Opposition wird in diesem Sinne konstruktiv arbeiten, so lange sie nicht die Mehrheit hat. Dann aber hört sie auf, Oppositionspartei zu sein. Sie übernimmt die Macht Expedition: 8M. 68, �.indenvtrasse 69. Kef»wreck»er: Sliiil IV Nr. 1984. und damit auch die Verantlvortlichkeit. Ein gutes Beispiel findet sich auch in der parlamentarischen Geschichte der letzten Jahre. Am Vorabend des südaftikanischen Krieges lud Chamberlain den liberalen Führer Sir Henry Campbell-Banncrman ein, mit ihm bei der Vorberei- tung des Krieges mitzuarbeiten, da sich England in einer Krise befände. Sir Henry blieb aber bei der„zerstörenden Kritik". und lehnte jede „konstruktive Staatsmannschaft" ab. Verantwortlichkeit und Macht müssen zusammengehen. Nur dann kann mau konstruktiv schaffen. * U e b e r den Jenaer Parteitag bringt der Brüsseler „Pcuple" einen Artikel aus der Feder des Genossen Vnndcrvclde. Die Parteitage der� deutschen Sozialdemokratie— so heißt eS ein- gangs— haben durch die Macht der Tatsachen eine internationale Bedeutung. Der älteste und bedeutendste Zweig der Internationale wirke noch heute befruchtend und vorbildlich auf die Parteien der anderen europäischen Länder und das Erfurter Programm sei nach und nach die Charte des internationalen Sozialismus geworden. Ueber den Generalstreik sagt Vandervelde: „Auch diesmal hat Bebel in seinem Referat die richtigen Worte gefunden. Die vom Kongreß angenommene Resolution ist von wünschenswertester Deutlichkeit. Kein Zweifel, die Reaktio- näre, die mit der Absicht umgehen, das allgemeine Wahlrecht anzugreifen, werden es sich zweimal überlegen, che sie einen Kampf wagen, der ein ungeheuerer sein tvird."... Aber, so fährt V. fort, soll im gegebenen Falle der Kampf de? Proletariats ein siegreicher sein, so muß die Sozialdemokratie in engster Fühlung mit der Gewerkschaftsbewegung bleiben. Er äußert sodann seine schweren Bedenken gegen die bekannten Beschlüsse des Kölner Kongresses. Schließlich verbreitet sich Vandervelde noch über die Frage des Friedens und die internationalen Beziehungen. Er meint, daß über den Internationalismus der deutschen Sozialdemokratie bei den Bruderparteien aller Länder kein Zweifel obwalten könne. Der Parteitag habe in dieser Beziehung nichts Neues gesagt und sagen können. Nach der Rede Fischers in Berlin und der Rede Bebels in Straßburg müßten eigentlich die französischen Chauvinisten, die gegenwärtig wieder einmal das allbekannte Spiel treiben, die einheimischen Sozialisten als Verräter. die ausländischen und zwar die deutschen als nationalistisch hin- zustellen, entwaffnet sein. Da diese aber weiter hetzten, so sei eine etwas deutlichere Absage in Jena am Platze gewesen. „Nur kann man sich fragen, ob diese in allgemeinen Formen gehaltene Prinzipienerklärung eine genügende Antwort sei auf die Angriffe der Gegner und ob diese den Erwartungen der Freunde entspricht. Man kann bedauern, daß die französischen Zeitungen, wie z. B. der„Temps" und die„Debats", die Ab« lehnung der Resolution Bernstein zur Marokko-Frage dazu benutzen können, um zu behaupten, der Internationalismus der deutschen Sozialdemokratie sei lauer als der der französischen Sozialisten. Man kann befürchten, daß die Haltung des Jenaer Kongresses in diesem Punkte in Frankreich zu Mißverständnissen oder zu unangenehmen Interpretationen Anlaß gibt." Bis auf diesen Punkt— auch er hat zu der Beanstandung unseres Erachtens keinen Anlaß gegeben— gibt V.. wie schon eingangs erwähnt, seiner vollen Befriedigung übce den Verlauf deS Jenaer Parteitages Ausdruck. ... Deutsches Kelch. Die oldcnbnrgischen Landtagswahlen. Das Ergebnis der oldcnburgischen Laudtagswahlen ist jetzt erst vollständig zu überblicken. Von Anfang an war klar, daß sich unsere Stimmen außerordentlich stark vermehrt haben. Die so�ialdcmo- kratischen Stimmen sind nach unserem Banter Parteiorgan in den sechs Wahlkreisen I bis Va auf 4748 gestiegen, mehr als doppelt so viel gegen das Vorjahr, wo 2167 Stimmen abgegeben worden sind. Allerdings haben die bürgerlichen Stimmen sich in noch höherem Maße vermehrt und die Zahl unserer Wahlmänner hat sich etwas verringert, weil alle Bürgerlichen diesmal vereint zu- sammcn gingen. Was die Zahl der Mandate anbetrifft, so werden unsere Partei» genossen voraussichtlich mit fünf(bisher vier) Mandaten in das Parlamentchen Ruhstrats einziehen. Im Fürstentum Lübeck haben die vereinigten Sozialdemokraten und Nationalsozialen die Mehrheit, auf unsere Partei fallen hier zwei Mandate. Unsere Stimmen- zunähme im einzelnen wird durch folgende Ziffern bewiesen: In Oldenburg Stadt sind unsere Stimmen von 205 auf 338 gestiegen, in Delmenhorst von 437 auf 822, in Nordenham von 0 auf 143, in Neuenende von 131 auf 252, in Bant von 541 auf 744, in Heppens von 220 auf 408. Auch in Landorten, wo keinerlei Industrie sich befindet, sind diesmal zum erstenmal sozialdemokratische Stimmen abgegeben worden. Daß schließlich nicht noch mehr erreicht worden ist erklärt sich daraus, daß diesmal alle Bürgerlichen einmütig gegen die Sozial- dcmokratic Front gemacht haben, daß sie selbst alle Kräfte aufgeboten haben, daher denn der geringere Erfolg, den die Sozialdemokratie er- zielt hat, nichts weiter ist, wie das letzte Aufgebot der Bourgeoisie, die nunmehr am Ende ihrer Kraft angelangt ist und einem künftigen Ansturm der Partei nicht mehr standhalten wird.— Agrarische Preistreibereien. Trotz des hohen Profits, den die Großgrundbesitzer aus der jetzigen Vieh- imd Fleischteuerung ziehen, sind sie doch nicht zufrieden: denn die Kartoffelernte ist in diesem Jahre eine so reichliche, daß infolge des verstärkten Angebots nach ihrer Ansicht ein weiterer Rückgang der Kartoffelpreise zu befürchten ist. Damit sind aber die ewig Notleidenden nicht einverstanden. Gegen gute Ernten haben sie nichts einzuwenden, nur dürfen die Preise nicht fallen, sondern müssen stetig sieigen. Um solchen Preis- rückgang abzuwehren, empfiehlt ein agrarischer Gemütsmensch, Herr Schulz-Wulkow, in der„Deutschen Tageszeitung" folgendes Rezept: „Wir müssen uns auf der ganzen Linie rühren und durch ver- stärkten Konsum daS Angebot vermindern, den Markt entlasten! Zwei Mittel seien zunächst vorgeschlagen: 1. Starke Mtterung an baZ Vieh! Kartoffeln, tnZLcsondere auf dem Aübcnschncidcr gemahlen und mit Häcksel vermischt, erlauben eine starke Fütterung; dieses Verfahren ist bei dem verregneten Rauhfutter und den hohen Kraftfutterpreisen höchst rationell und empfchleiiöwcrü L1. Die Erfindung dcS Kartoffel» »valzmehlS ermöglicht es imS, den Ilcberschust dieses JahreS mif das nächste Jahr!tit übertragen: inöge jeder grösjere Landwirt sich 200 Zentner(die Masse von 1000 Zentnern frischer Kartoffeln enthaltend) auf den Futterboden legen und im nächsten Sommer verfüttern. EZ ist nicht erforderlich, daff man die Ware sofort zu Boden nimmt. eS genügt, d. h. der Markt loird schon genügend eutlastet, wenn man sofort sich das Kartoffelwalzmehl zur Lieferung im Laufe des Winters bestellt: dadurch würden Hunderttausende von Zenl u er n Kartoffeln aus dem Markte genommen/' Herr Schulz zeigt soviel Verständnis für die hehren Aufgaben der agrarischen.Heimatspolitik", das; er in die Leitung des Bundes der Landwirte gehört. Tatsächlich besteht in der Hinauftrcibung der Preise für landlvirtschaftliche Produkte, sei es durch Zölle, durch Einfuhrverbote, durch Erschwerung der Transporte oder durch künst- liche Zurückhaltung des Angebotes, die ganze Quintessenz der agrarischen Politik.— Flrischnot-Jntcrpellationcn. Am Mittwoch abend verhandelte die Hamburger Bürger» schaft über folgende Anträge: 1. Antrag Stöttenvird sorgsam be- hütet, bis ihn das besondere Ehrgefühl seines Standes treibt, die Flinte zu ergreifen, auf die Straße zurückzueilen und einen be- liebigcu Vorübergehenden niederzuknallen!— Die Schuldigen der Soldatcnmißhaiidlungc«. AuS Dresden wird un-Z vom 27. September geschrieben: Vor dem hiesigen Kriegsgericht spielte sich am Mittwoch ein Prozeß ab, dessen skandalöie Einzelheiten wieder einmal beweisen, daß alle Erlasse von„oben" und Bestrasuiigen von Leuteschindern die Soldatemnißhandlungen nicht ausrotten iverden, solange das bisherige System der Heeresorgmiisation beibehalten wird. Anfang Juli d. I. wurde der Unteroffizier Erler von der 7. Kompagnie des Schützen-Regiments Nr. 108 wegen fortgesetzter unglaublicher Miß- Handlungen der Leute seiner Korporalschaft zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis und zur Degradation verurteilt. In der damaligen Ver- Handlung, über die wir berichtet haben, beschuldigten mehrere Zeugen den Kompagniechef, dieser habe von dein schändlichen Treiben des famosen Stellvertreters Gottes Kenntnis gehabt, habe eS jedoch still- schweigend geduldet. Diese Behauptungen führten zu der Einleitung einer Untersuchung: der Kompagniechef, Hauptmann Ludwig Max F e l l e r. 1862 in Dresden geboren, wurde unter Anklage gestellt. Er ist der mangelhaften Beaufsichtigung von Untergebenen, der Unterlassung der Meldungen strafbarer Handlungen eines Unter- gebencn und der Mißhandlung und Beleidigung von Untergebenen beschuldigt. Die Verhandlung ergab folgendes: Eines TageS im Winter 1901/05 hat der Angeklagte, nachdem er erfahren hatte, daß der Unteroffizier Erler trotz Verbots die Leute seiner Korporalschaft unmittelbar vor dem Schießen längere Zeit mit Kinebeuae und(tzewehrstrccken traktiert hatte, so daß sie nachher schlecht schössen, eS unterlassen, gegen den„Stellvertreter Gottes" einzuschreiten. Am 4 Februar hatte Erler mehrere Leute durch eine Pfütze m i r S ch l a m m kriechen lassen, der Angeklagte hat aber, ob- wohl ihm der Vorgang mitgeteilt wurde, weder eine Untersuchung eingeleitet, noch den Schuldigen bestraft. Hauptmann Faller ist ferner beschuldigt, den Unteroffizier Erler im allgemeinen Mangel- hast beaufsichtigt sowie den Rekruten Hunger und Pohlei beim Exerzieren einen Stoß in den Rücken versetzt und den Schützen Speck, durch den das Treiben des Korporals aufgedeckt wurde, einen Spion genannt zu haben. Mit Ausnahme des Schimpfwortes bestritt der Herr, der bereits wegen Mißhandlung und Beleidigung Untergebener 1001 mit 6 Wochen Stubenarrest bestraft worden ist, seine Schuld. Er behauptete. Erler habe es in der raffiniertestcit Weise verstanden, seine Roheiten vor den Augen der Vorgesetzten zu verbergen. Dabei mußte er selbst zugeben, daß er dem Unteroffizier wegen seines schroffen Auftretens wiederholt Vorstellungen gemacht und deshalb sogar seine Ablösung in Erwägmig gezogen hat, auS der mangels eine» passenden Ersatzes aber nichts habe werden können. Was den Fall mit dem Hinlegen der Leute in eine Pfütze anbelange, so habe er davon erst durch die Hmiptverhandlung gegen Erler gehört. Seinerzeit habe er von einem Gerücht, wonach sich ein Unterosfizier seiner Kompagnie einer Unzuträglichkeil schuldig gemacht haben sollte, gehört, von einer Untersuchung sich aber nichts versprochen. weil bei einer Befragung der Unteroffiziere aus leicht begreiflichen Gründen nichts herausgekommen wäre, während eine B e- frag un g der Leute die Autorität der Unter- Offiziere geschädigt haben würde. Die Zeugenverneblming gestaltete sich recht interessant. Erler. der jetzt seine Strafe verbüßt, hat als Zeuge in der Voruntersuchung erklärt:„Ter Hauptniaun hat öfters gcjchcil, daß ich mich an den Leuten vergriff und hätte schon längst gegen mich einschreiten müssen, dann wäre es auch nicht so weit gekommen. Aber nichts geschah, ich wurde nicht mir nicht getadelt oder bestraft, sondern gelobt, weil es in meiner Korporalschaft immer so stramm zuginge. Als er mich kurz vor meiner Verhaftung doch einmal be- strafen mußte, rief er mich zu sich und sagte zu mir in freundlichstem Tone:„Rehmen Sie sich die Sache nicht zu Herzen, in meinen Augen sind Sic genau wie zuvor ein tüchtiger und fleißiger Unteroffizier l" Erler war auch zugegen, wie sich der Hauptinann an dem Schützen Pohlei vergriff, und bemerkte darauf zum Feldwebel:„Da steht in an's doch, daß eS nicht so s ch l i m in ist, der H a n p t in a n n gibt u n S doch das d e n t- l i ch st e Beispiel!" Leutnant v. Lossow hat auS dem gleichen Anlaß zu den Unteroffizieren bemerkt, sie sollten sich an dem Hauptmann kein Beispiel nehmen! Hauptmann Feller war wegen seines rigorosen Auftretens bei Mannschaften und Unteroffizieren gleich unbeliebt. Die Leute wagten gar nicht, sich beim Angeklagten wegen schlechter Be- Handlung seitens ErlerS zu bellagen. Daraus erllärt sich auch eine gelegentliche Aeußcrung des Feldwebels Brendler:„Ehe sich Mrnnd von den Rekruten beschwert, muß schon sonst was passieren!" In einem sehr eigenarttgen Lichte erschien auch der Leutnant v. Lossow, der als Zeuge unter Eid zugeben mußte, daß er oft den Roheiten Erlers zugesehen hat, ohne jedoch einzuschreiten, v. L. ist inzwischen gegangen worden. Man wird ihm sein Verhalten in- dessen weniger schwer anrechnen können, daß er bei den ihm be- kannten Charaktereigenschaften des Hauptmanns eS als junger und unerfahrener Offizier unterlassen hat, von dem Gesehenen dem Kompagniechef Mitteilung zu machen. Er wird wohl seine guten Gründe hierfür gehabt haben. Der Angeklagte erklärte hierzu, eS könne ihm nicht als Schuld angerechnet werden, wenn Offiziers- mnngel geherrscht und der einzige ihm zur Ausbildung der Rekruten zugeteilte Offizier versagt habe. DaS Urteil fiel verblüffend mild aus. Es lourden„in i n d e r- schwere" Fälle angenommen und auf— sechs Wochen Stubenarrest erkannt I Solveit eine mangelhafte Beaufsichtigung in Frage kam, ist eine Bestrafung nicht eingetreten.— Wie militärische„Verbrechen" eutstchcii. Vor dem Kriegsgericht der I. Marine- Jnspcmon in Kiel hatte sich ani Dienstag der Torpedoheizcr Brimthagen vom großen Kreuzer„Prinz Adalbert" ivegen„tätlichen Angriffs auf Vorgesetzte" zu verantworten. Der schweren Anschuldigung lag folgender eigenarlige Tatbestand zugrunde. B. befand sich im August im Schiffslazarett und sollte operiert werden. Vor der Operation hatte er heillose Angst, die der SanitätSmaat Wangemann noch durch allerlei Redereien und besonders dadurch steigerte, daß er ostcutativ die chirurgischen Instrumente auf dem LperafionSttsch ausbreitete. Ein Lazarettgehülfe hatte Mitleid mit B. und versprach ihm, einen Trank zn präparieren, der die Schmerzen der Operation lindern würde. DaS Getränk. 96 p r o z e n ti g er Weingeist, mit Wasser gemischt, hatte aber eine ganz andere Wirkung. Der Kranke fing an zu toben, sang Reservistenlieder und schlug alleS kurz und Ilein. Gegen den Sanitätslinteroffizier und den herbei- gerufenen Stabsarzt erging er sich in den wüstesten Schimpfereien, spuckte ihnen ins Gesicht, bedrohte sie mit dem Messer und schlug wie wild um sich, als ihm die Zwangsjacke angelegt wurde. Auch in der Arrestzelle, in die er geworfen wurde, trieb erS noch eine Zeit« laug ähnlich. Die Folge war eine Anklage wegen tätlichen Angriffs aufVor gesetzte in vierFällen. Der Vcrtteter der Anklage beantragte zwei Jahre Gefängnis. Der Gerichtshof ging, obwohl er minder schwere Fälle annahm und dem Angeklagten mildernde Umstände bewilligte, über diesen Antrag noch beträchtlich hinaus und erkannte auf drei Jahre Gefängnis.— DaS Urteil erscheint direkt unverständlich, wenn man bedenkt, daß der Angeklagte seine Exzesse doch zweifellos unter der Einwirümg einer schweren, dazu nicht von ihm selbst verschuldeten akuten Alkoholvergiftung, die seine Zurcchnungsfähigkeit aufhob, begangen hatte. Noch un- verständlicher war es, daß keine psychiattischcn Sachverständige ge- laden waren, überhaupt dem Gerichtshofe kein auf eingehender Beobachtung des Angeklagten beruhendes Sachverständigengutachten vorlag. Hoffentlich wird das schwere Urteil von der höheren Instanz gründlich revidiert!— Die„dunklen Punkte" eines Pastors. Aus Halle berichtet man uns unterm 27. September: Leget die Lüge ab und redet die Wahrheit. Ueber dieses für gewisse Kreise sehr zeitgemäße Thema wurde auf Veranlassung des Pastors und Schul- inspeltors Weiland in Alslebcn im Juli 1904 auf einer Lehrer- konserenz, an der auch eine ganze Reihe Pastoren teilnahmen, katechisiert. Man sagte, der Lügner gehöre dem Teufel. Ein Be- soffener, der in der Gasse liege, sei immer noch viel besser als ein Lügner, denn ans einem Betrunkenen sei immer noch I etwas zu machen. Da auf einmal erhob sich der Volksschullehrer Wilhelm Spengler von Alsleben, der seit längerer Zeit von dem Pastor Weiland gepeinigt sein will und sagte: Meine Herren, wir brauchen mit dem Kapitel„Leget die Lüge ab" nicht bis auf Jakob zurückzugehen. Selbst in unserem engen Zirkel sitzt ein Mann, der sein VertrauenSamt mißbraucht, Angriffe ans dem Hinterhalt schleudert und schon viel gelogen hat. Dieser g...... Mensch ist Pastor Weiland." Die Rede schlug wie eine Bombe ein; der Staatsanwalt klagte im Interesse des Pastors wegen Beleidigung und Lehrer Spengler wurde vom Landgericht zu 300 M. Geldstrafe verurteilt. Aus eingelegte Revision bei dem Reichsgericht wurde die Sache an die Voriustanz zurückgewiesen. Das erste Urteil wurde wegen Beschränkung der Verteidigung für unhaltbar erklärt mit dein Hinweise, es müsse dem An- geklagten gestattet werden, auch bezüglich der Behauptung„der Pastor sei ein Lügner" den Wahrheitsbeweis zu erbringen. Die zweite Verhandlung entrollte noch ein schöneres Bild über das Treiben des Pastors als die erste. So bekundeten mehrere Zeugen, daß der Pastor in Geldsachen durchaus unzuverlässig war. So„vergaß" er einmal 19 Ratenzahlungen a 5 M. abzuzahlen. Legatgelder und Gelder zur Reise nach der Synode behielt er so lange in seinem Besitz, bis man sie ihm abforderte. Der Gerichts- Vorsitzende, der die Buchführung des Pastors als miserabel bezeichnet, sagt, als der Mann als Zeuge vor ihm stand:„Nun sagen Sie einmal, ist denn das nur Bummelei?" Der Staats- anwalt bezeichnet den Pastor als«nur nicht gewandt in Geldsachen" und der Verteidiger des Lehrers, Justizrat Keil, meint, eine Anklage gegen den Pastor wegen Untreue wäre jedenfalls nicht ohne Erfolg gewesen. Die herzogliche Hofkammer(Anhalt) und das Konsistorium hat aber k e i n e S ch u l d an dem Pastor gefunden und den Lehrer Spengler ersucht, er möge dem Pastor künftig mit mehr Hochachtung und Ehrerbietung begegnen. widrigenfalls ein Disziplinarverfahren folge. Der Amtsbruder des Pastors. Pastor Aesternitz sagt aus, als einmal Gemeiudemitglieder in der Kirche waren, die Pastor Weiland tüchtig auf die Finger schauten, sagte Weiland: Siehe Bruder, heut sind die Gottlosen ii» der Kirche. Der Bürgermeister von Alsleben bekundet, er habe den Pastor gelegentlich einer Feier öffentlich Lump genannt und der Paffor habe nicht geklagt. DaS Gericht verurteilte den Lehrer Spengler trotz des Wahrheitsbeweises wieder zu 300 Mark Geldstrafe. In der Urteilsbegründung hieß eS, einen dunklen Punkt habe wohl jeder im Leben. In der Verhandlung konnte man aber an dem Pastor schwer einen hellen Punkt entdecken. Eröffnung des bayerischen Landtages. München. 23. September.(W. T. B.) Heute mittag um 2 Uhr wurde in der Residenz durch den Prinzrcgentcn der Landtag eröffnet. In der Thronrede heißt es: Die unverkennbare Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse hat es möglich gemacht. trotz des Rückganges einiger Einnahmequellen und abermals ge- stcigcrtcr Anforderungen, eine Erhöhung der direkten Steuern zu vermeiden. Da jedoch beträchtliche Eriibrigungen aus früheren Jahren nickst mehr zur Verfügung stehen, mußte zur Deckung einmaliger Aus» gaben die Ausnahme eines Anlehens in Aussicht gc- nominell werden. Die Thronrede kündigt sodann die Verbesserung der EinkommenSvcrhältnissc zahlreicher Kategorien von Beamten. sowie im Staatsdienst beschäftigter Arbejter an. Ferner werden Denkschriften über die Reform der StcueLgesetzgebung, über die Er- richtung einer Zentralstelle für Handel und Gewerbe sowie die wiederholte Einbringimg des WasiergesetzeS angekündigt. Wetter werden eine Denkschrift über die Erwerbung der Pfälzischen Eisen- bahnen und andere Entwürfe auf deni Gebiete der Verkehrsverwaltung angekündigt. Ueber die Schäden, welche durch elementare Er- eignisie einige Bezirke der Pfalz mit umfassendem Wein- und Tabaks- bau erlitten haben, sind umfangreiche, eingehende Erhebungen an- gestellt worden. Bon der Frage der Wahlrcform sagt die Thronrede, wie es scheint, nichts. Die Regierung will in dieser Frage offenbar die Initiative des Parlaments abwarten.—> Heftige Angriffe gegen die Kolouialvcrwaltung hatte' vor einigen Tagen die„Köln. Polksztg." erhoben. Die„Nord d. Allgemeine Zeitung" hatte gegen die verschiedenen Bc- haupiungcn der„Köln. Volksztg." ausführliche Entgegnungen ge- bracht, woraufhin wiederum die„Köln. Volksztg." spalrcnlange Entgegnungen brachte. Nun hat schließlich die„Köln. Volksztg." den Rückzug angetreten. Sie erklärt in ihrer letzten Nummer, daß sie keinen Anstand nehme, auszusprechen, daß ihr der Beweis für ihre Behauptung, die Vertreter der Kolonial- abteilung hätten unrichtige Angaben gcinacht, nicht erbracht zu sein scheine. Ihr Gewährsmann verweise auf den Austrag der Sache im Reichstage. Es werde also abzuwarten sein, ob dort die Kolonialverwaltung in der Lage sei, sich von den ver- schicdcncn gegen sie erhobenen Vorwürfen zu reinigen. An weiteren Erörterungen in der Presse dürfte die Ocffcntlichkcit vorläuftg kein Interesse haben. Nach dieser Erklärung der„Köln. Volksztg." wird auch die unbeteiligte Presse die weitere Entwickclung der Polemik im Reichstage abwarten müssen.— Abschluß der Marokko-Vcrhandlungcn. DaS„Wolffsche Bureau" meldet offiziös: Tie Verhandlungen zwischen Teutschland und Frankreich über den Programmentwurf für die Marokko-Konferenz sind soeben abgeschlossen worden. Ueber das Programm, über daS sich beide Regierungen geeinigt haben, umfaßt die Einrichtung der Polizei. die Regelung der Ueberwachung und Unterdrückung des Waffen- schmuggelS. die Finanzreform. die besonders in der Errichtung einer Staatsbank, der Steigerung der Steuerträge und der Erschließung neuer Einnahmequellen bestehen soll, endlich die Festsetzung gewisser Grundlinien zur Sicherung der wirtschaftlichen Freiheit. Für das algcrisch.marokkanisck)- Grenzgebiet soll die Polizei, Organisation wie bisher unmittelbar und ausschließlich zwischen Frankreich und dem Sultan geregelt werden. Tasselbe soll für dieses (tzebiet gelten in beziig auf die Anivendiing der allgemeinen Vor- schriftcn über den Waffenschmuggcl. Nach dem Uebercmkommcit werden ferner beide Regierungen Spanien um seine Zustimmung dazu giigehcir. das) dir Stadt Algetuas als V'c i s a rn m- kungZort der Konferenz gewählt wird. Ter Programm- cntwurf r:»d der Vorschlag wegen des Versammlungsortes der Kon- fcrenz sind ohne Verzug von de» beiden Regierungen dem Sultan und denjenigen Mächten zur Annahme zu unterbreite», die das Ab- kommen von Madrid unterzeichnet oder ihm zugestimmt haben. So- bald die Vorschläge iiber� das Programm und den Versammlungs- ort der Konferenz dem Sultan zugegangen sind, werden die beiden Missio»eli Zcz verlassen, um nach Tanger zurückzukehren.— Aies Paris wird hierzu telegraphiert: Die Unterzeichnung des Marokko-Abkommcns fand im Kabinett Rouviers im Ministerium des Aeugervn statt. An die Unterzeichnung schlotz sich eine Unterredung zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Fürsten Radolin, in welcher l>cide sich zu dem Abschlüsse der Verhandlungen beglück- wünschte»—- Husland. Das Ucbercinkommcn von Karlstad. Nach den krirzen telegraphischcn Mitteilungen aus dem langen Mtenstück, das als Frucht der Verhandlungen von Karlstad nun den Parlamenten der beiden Länder zur Entscheidung vorgelegt wird, gewinnt man nicht den besten Eindruck von dem ersten Teil, dem SchicdSgerichtsvertrag mit der unglücklichen Klausel, dafc St reitigkeiten, die die Unabhängigkeit, Jntegri- tät oder vitaleJn leres sen berühren, von der Ent- scheid un g durch das Haager Schiedsgericht aus- geschlossen sein sollen. Nun ist es freilich bei parlamen- tarisch und einigermaßen demokratisch regierten Ländern nicht an- zunehmen, daß es jemals zu wirklichen, groben Angriffen auf die Unabhängigkeit und die vitalen— die Lebensinteressen eines Volkes kommen kann. In Ländern, wo ein Einzelner, die Laune eines Monarchen unverantwortlich über Krieg und Frieden entscheidet, mag es geschehen, daß das Nachbarland plötzlich überfallen wird, Teile des Landes besetzt oder irgendwelche anderen Gewalttaten verübt werden. Es kann jedoch unter„vitalen Interessen" alles Mögliche verstanden werden und darum wäre es gewiß besser gewesen, man hätte jene Ausnahme weggelassen und sich dabei den jüngst zwischen Dänemark und Holland abgeschlossenen Vertrag zum Vorbild dienen lassen. Glücklicherweise wird aber jene Ausnahmebestimmung zum Teil wieder beseitigt durch den zweiten Artikel des Schiedsgerichts- Vertrages, der bestimmt, daß in solchen Fällen nicht das sich bedroht fühlende Land selb st, sondern wiederum das Schiedsgericht zu entscheiden bat, ob tat- sächlich vitale Interessen in Gefahr sind, und man kann wohl annehmen, daß, wenn eine solche Entscheidung bejahend ausfällt, das ins Unrecht gesetzte Land und seine Kriegspartei so bloßgestellt werden, daß dadurch der Krieg unmöglich gemacht wird. Und ein Volk derartig aufzuhetzen, daß es in seiner Mehrheit den Krieg will und trotz solchen Urteils darauf beharrt, die Lebens- intercssen der Nachbarn zu verletzen, das ist ja glücklicherweise in der Zeit der„sozialdemokratischen Massenvergiftung" nicht mehr möglich. Urteilt aber das Schiedsgericht, daß vitale Interessen nicht berührt werden, so wird es selbstverständlich auch genötigt sein, den Streitfall selbst zu entscheiden. Der Artikel 2 bietet also immerhin eine gewisse Garantie dafür, daß der Krieg unter allen Umständen vermieden werden kann. Der Artikel Z des Schiedsgerichtsvertrages, der in der Depesche ziemlich unverständlich erwähnt wird, hat folgenden Wortlaut: „Dieses Ucbereinkommcn kommt auch in dem Fall zur Anwendung, daß ein entstehender Zwist seinen Grund in tatsächlichen Verhält- wissen hat, die vor dem Abschluß des UebereinkonnnenS entstanden sind, bezieht sich jedoch nicht auf Streitigkeiten, die die Auslegung oder Anwendung von Uebereinkommen berühren, welche besondere Schiedsgerichtsklauseln enthalten, also nicht auf Streitigkeiten, die die Auslegung oder Anwendung der Uebereinkommen berühren, welche in Verbindung mit der Auflösung der Union zwischen beiden Reichen getroffen werden." Die Bestimmung enthält keine Einschränkung des schieds- iterichtliche» Verfahrens überhaupt. Die Karlstäder Vorschläge bc- tehen ja außer dem Schicdsgerichtsvcrtrag noch aus vier vcr- schiedenen Uebereinkominen: Dem über die neutrale Zone und die Schleifung der Festungen, dem über die Weiderechte der nomadisierenden Lappen, dem über den Transithandcl und dem über gemeinsame Landseen und Wasserzüge. Jedes dieser Uebereinkommen hat seine besondere Schiedsgerichtsklausel, die, in gleicher Weise für alle vier, bestimmt, daß bei Streitigkeiten aus dem betreffendeir Uebereinkommen, wenn sie auf diplonialischem Wege nickt zu lösen sind, ein Schiedsgericht von drei Mitgliedern entscheiden soll, von denen jedes der beiden Reiche eines wählt und diese zwei entweder selbst das dritte Mitglied wählen oder, wenn sie darüber nicht einig werden, es durch den Präsidenten des schweizerischen Bundesrates, oder schließlich auf die Weise wählen lassen, wie eS die beiden letzten Sätze des Artikels 32 der Haager Konveiitivn vom 2V. Juli 180g bestimmen. ES ist also auch hier Vorsorge getroffen, daß nicht etwa gar aus den Einigungsverträgen selbst ein blutiger Zwist entstehen kann. Man kann darum wohl unserem Stockholmer Bruder- organ zustimmen, wenn es trotz der Ausnahmebestimmung von den „vitalen Interessen" den an erster Stelle der Vorschläge stehenden Schiedsgerichtsvertrag'„ein gutes Schiedsgerichts- Abkon, inen, von besserem als dem gewöhnlichen TypuS", nennt. Unser Bruderorgan von Kristiania steht allerdings den Vorschlägen noch ziemlich zweifelnd gegenüber und schreibt: „Sicherlich ist das Uebereinkommen, das unsere Unterhändler in Karlstad erzielt haben, nicht geeignet, in Norwegen irgendwelche Freude zu crlvccken. Es zeigt deutlich, daß Schwedens Forderungen im großen ganzen erfüllt sind, ohne daß Norwegen irgendwelchen Vorteil erreicht hat. Wir haben die Untonsauflösung mit Zugeständnissen erkaiifen müssen, auf die einzugehen einem souveränen Volk gewiß schwer werden muß. Das Schiedsgericht ist eingeschränkt auf das mindest Mögliche, kann ivohl kaum ein Schiedsgericht ge- nannt werden, und daß die neutrale Zone unter diesen Umständen zu einer Garantie für den Frieden lverden wird, ist auch zweifelhaft. ES liegt die Gefahr vor, daß da-Z Uebereinkommen wegen seiner großen Einseitigkeit die Rüstungen auf beiden Seiten vermehrt. Inzwischen tun wir gut daran, diese Sache genau zu erwägen, und finden wir, daß wir den Bedingungen zustimmen können, so muß die norlvcgische Sozialdemokratie mit aller Kraft dafür arbeiten, daß sie zu Trägern des Friedens werden."—_ Die norwegische Sozialdemokratie und das Uebereinkommen von Karlstad. Der Zentralvorstand der norwegischen Arbeiterpartei hat auf Vorschlag von Redakteur Klingen folgende Erklärung beschlossen: „lieber das in Karlstad zustande gekommene, die Unions- anflösung betreffende Uebereinkommen ist die Meinimg der Sozial- demokratie die. daß der SchiedSgerichlSvertrag viel zu wenig um- fassend ist. daß Norwegen gezwungen wird, seine Landes- verteidigungsmitlel zu schwächen, während das auf Schwedens Seite durchaus nicht der Fall sein wird, und daß im allgemeinen die getroffenen Bestimmungen einseitig zuungunsten Norwegens wirken werden.* N n r im Vertrauen aus den Fortschritt der demokratischen Ideen u n d ans d a S Wachstum der sozialdemokratischen Parteien, was wir als die einzige Garantie für die Bewahrung des Friedens und die Ausrottung des National- Hasses sowie für die Ausgleichung der Jnteressengegensä�e an- sehen, sind wir gleichwohl der Ansicht, daß wir dem vorgeschlagenen Uebereinkommen unsere Zu- stimmung geben sollen. Unter dem Gefühl der Verant- wortung. die wir in der parlamentarischen Politik zu tragen habe»,"köniicii wir uns nicht auf Grund der Einwendungen. ivclche wir gegen das Uebereinkommen anzuführen haben, an Handlungen teilhaftig machen, deren Folge Friedensbruch sein würde, der zu größerem Unglück führen könnte. Indem wir dem Uebereinkommen unsere Zustimmimg geben, stehen wir bereit zu versuchen, durch unsere politische Arbeit alles zum bestei? zu wenden und damit den Frieden und die gemeinsame Arbeit zu fördern, die den beiden Böllern der Halbinsel zum Glück gereichen müssen. Hierbei erwarten wir, daß uns unsere schwedische Bruder- parter immer tatkräftig unterstützen, und stets dagegen auf der Hut sein wird, daß der Stachel, den der schwedische Konser- vatismuS in das Uebereinkommen gelegt hat, nicht gegen unser Volk gewendet wird,— und mit uns dahin wirken wird, daß wir eines Tages gemeinsam dahin kommen, daß jedes derartige Uebereinkommen überflüssig ist und die rote Fahne des Friedens und des Sozialismus über beiden Ländern weht."— Wiederholung der Haagcr FncdcnSpossc. Die„Petersburger Telegrap�-'-Agcntnr" erfährt, daß untenn 21. d. M. die russischen Vertrete,»n Auslande in einem Rund- schreiben die Anweisung erhalten haben, den Regierungen, bei denen sie beglaubigt sind, eine Einladung zum Zusammen- tritt einer zweiten Friedenskonferenz im Haag zu übermitteln. Außerdem erhielten sie den Auftrag, für den Fall, daß die fremden Regierungen die russischen Vorschläge an- nähmen, zu erklären, daß die Vorschläge der russischen Regierung sich auf eine Konferenz richten werden, deren Arbeiten nach ihrer Auffassimg einen streng praktischen Charakter haben müßten i sie müßte hauptsächlich oder sogar ausschließlich die ernsten Fragen be- handeln, die sich während des letzten Krieges erhoben haben und deren unverzügliche Lösung erforderlich sei. Minister Witte soll Delegierter Rußlands auf der nächsten Haager Friedeiislonferenz werdeu.—_ Schweiz. Volksabstimmungen. Zürich, 25. September.(Eig. Ber.) Tie Bürger der Stadt Zürich hatten gestern über die Erleichterung der Einbürgerung der Einwohner aus anderen Gemeinden des Kantons Zürich, aus Gemeinden anderer Schweizer Kantone und aus dem Auslaiide abzustimmen, und sie verwarfen mit 4334 gegen 2154»stimmen die vom Stadtrat unterbreitete und von allen Parteien dringend zur Annahme empfohlene Borlage. Das Zopf- und Spießbürgertum hat gesiegt. Hätten die sämtlichen MCKio Stimmberechtigten der Stadt Zürich zu entscheiden gehabt, wäre das Resultat wahrscheinlich ein anderes. Ein starkes Stück Reaktion ist gestern auch im Kanton A a r g a u vollbracht worden, in dem seit Jahrzehnten ein empörendes plutokratisches Regiment herrscht, das der demokrati- scheu Republik zur höchsten Unehre gereicht. Auf Antrag der Re- gicrung und des Kantonsrates haben die Stimmberechtigten in der Volksabstimmung mit 18 759 gegen 11 959 Stimmen beschlossen, den Artikel aus der Verfassunfl zu streichen, der die Verstaatlichung der Salinen fordert. Deren Besitzern ist damit die Konzession bis 1989 verlängert, während sie demnächst dem Staate anheim- gefallen wären. Für diesen Verrat an der Demokratie zahlen die Salzbarone 5999 Fr., indem sie ihre bisherigen jährlichen Abgaben an den Staat von 45 999 auf 59 999 Fr. erhöhen. Leider ist in diesem industriell bedeutsamen Kanton wie alles so auch die Arbeiter» bcwegung rückständig. Eine starke sozialdemokratische Partei hätte diesen.neuesten Streich der herrschenden radikalen Geldsackspartei verhindern können. Gleichzeitig wurde mit 24 938 gegen 6678 Stimmen das Initiativ- begehren betreffend die Abschaffung der sogenannten Referendums- gemeinde angenommen. Statt an der Urne wurden nämlich im Kanton Aargau bisher die Wahlen und Gesetzcsabstimmungcn in Gemeindeversammlungen vorgenommen, wo gewohnlich einige Stadt- und Dorfmatadore die Wähler haranguierten. Bielleicht bringt auch die Neuerung der Urnenabstimmung eine allmähliche Verbesserung der auf den Hund gekommenen Politik.— Frankreich. Sozialistische Siege. Am vergangenen Sonntag haben eine Anzahl Wahlen stattgefunden, die alle im höchsten Grade günstig für die sozialistische Partei ausgegangen sind. In Toulouse waren drei Gemeindcräte zu wählen; alle drei Sitze waren bisher von Radikalen besetzt. Am Sonntag siegten die Kandidaten unserer Parteigenossen mit 11 774 Stimmen über die der Gegner, die es nur auf 8599 Stimmen brachten. Dabei ist zu beachten, daß die Reaktion gar keine eigenen Kandidaten aufgestellt hatte.— In Revers, in einem rein ländlichen Bezirk, in welchem die Holzfäller den Aus- schlag geben und wo noch nie ein sozialistischer Kandidat aufgestellt gewesen war, kam der Genosse R o b l i n mit 4271 Stimmen an die Spitze der Liste; der Radikale erhielt 3898, der Reaktionäre 2199 Stimmen.— In Rosieres, im Tarngcbiete, siegte die ganze sozialistische Liste bei den Kantonratswahlen und in T o u lo n end- lich wurde ebenfalls ein Genosse in den KantonSrat gebracht.— Es sind das günstige Anzeichen für die kommenden allgemeinen Wahlen.— England. Der Kampf um den Stillen Ozean. London, 25. September. Wie planmäßig die englische Regie« rnng jetzt am Ausbau ihrer Seemacht arbeitet, zeigt die gestern von „Observer" gebrachte Nachricht über die Einrichtung einer Flotten- station in Singapur. Die Straße von Singapur, die auch von Roschdjestwenskh benutzt wurde, beherrscht den Zugang zum Südchinesischen Meer und damit auch zum Stillen Ozean von Europa aus. ebenso wie der Panamalanal, wenn er einmal fest- gestellt ist, den Zugang zum Stillen Ozean voni Wasser her be- herrscht. Die Straße von Singapur wird nunmehr in der Macht der Engländer sein, wie der Panamakanal in der Macht der Amerikaner. Die Einrichtung der neuen britischen Flottenstation ge- schieht im Einverständnis mit Japan.— Der englisch'japanische Vertrag keine Drohung gegen die auderen Mächte. Der Standard schreibt: Es ist eine mißverständliche Auffassung, wenn man annimmt, der britisch-japanische Ver- trag sei feindselig gegen Rußland, ebenso itt es eine reine Fiktion, ihn antideutsch zu nennen. Wir vermögen nicht einzusehen, inwiefern irgend ein berechtigtes Interesse Teutschlands dadurch betroffen würde; der Bertrag ist keine Be- drohung des Pachtverhältnisses in Kiautschou oder der Stellung, die Deutschland in Schantung einnimmt. Er läßt den Besitz Deutschlands im ferne» O st e n unberührt und hat keine Beziehungen auf etwaige Bestrebungen der Berliner Regierung in Klcin-Asien.— Afrika. Drohende Haltung der Basutos. London, 28. September. Daily Mail meldet aus Kapstadt unter dm heutigen Datum: Tie hier verbreitet gewesenen un- richtigen Nachrichten über eine Niederlage der Deutschen hat unter den Basutos große Unruhe verursacht. Alle jungen Anführer und Häuptlinge predigen ein« Art heiligen Krieg nicht so sehr gegen die Engländer als vielmehr gegen die Buren. Der britische Resident in Maseru hat an den Obcrtommissar eine dringende Bot- schaft gesandt, in der Einzelheiten über den unruhigen Zustand des Landes enthalten sind und in der die Behörden ersucht werden, die Ansiedler an der Grenze von Basutoland zu bewaffnen. Eine fliegende Kolonne ist von Pretoria nach der Basutolandgrenze auf, gebrochen. Weitere Truppensendungen sind verlangt worden.— Amerika. Die politischen Parteien und die Reger. Die republikanische Partei nützte gelegentlich zu politischen Zwecken ihren alten Ruf aus, daß sie die Pefreikijv und Freundin der Neger sei. Tie demokratische Partei dagegen hielt mit ihre« Feindschaft gegen die Neger nicht zurück und versäumte keine Ge» legcnheit, den Negern die politischen Rechte wieder zu nehmen, welche ihnen die republikanische Partei 1868 und 69 durch ent- sprechende Amendements zur Verfassung gesichert hatte. Die Rc- publikancr sind zu der llcbcrzcugjmg gekommen, daß sie sich mit den Negern arg verrechnet haben, schon vor zwei Jahren sagte Elihu Root, der jetzige Staatssekretär, daß das Experiment, den Negern das gleiche Wahlrecht einzuräumen, ein Fchlschlag gewesen wäre. Im Süden, wo neun Zehntel der Ncgcrbcvölkcrung der Vereinigten Staaten leben, berrschtcn die Demokraten unumschränkt, die Feinde der Neger, und die Republikaner, die sich politisch als ihre Freunde aufspielten, könnten nicht aufkommen. So unsichcre Bundesbrüder wollen die Republikauer nicht länger um sich dulden. � In einer Konvention der Partei im Staate Maryland wurde kürzlich erst in der angenommenen Platform offen erklärt, daß die rcpublila- nische Partei nicht für die gesellschaftliche Gleichberechtigung der Neger eintrete und gegen jeden überwiegenden Einfluß der Farbigen über die Weißen sei. Im Süden, wo die Republikaner nichts zu verlieren haben, wird eine solche Erklärung aus die weihe Bc- völkerung ihre Wirkung nicht verfehlen. Im Norden dagegen werden die Neger stutzig werden. Dort machen sie vielfach von ihrem Stimmrecht ausgiebig Gebrauch und es würde, auf eine bestimmte Seite geworfen, in manchen Orten ausschlaggebend sein. In den Staaten New Dork und Ohio beträgt das Negcrvotum je 199 999, in Illinois 99 999, in New Jersey 79 999, in Indiana und Kansas 69 999 Stimmen.— Es besteht hier für die sozialistische Partei eine Chance, daß die Neger, von den Demokraten wie von den Rcpubli- kauern verlassen, sich ihr zuwenden. Die Sozialisten haben schon verschiedene Versuche gemacht, die Neger zu gewinnen. In San Franziska wurden in den letzten Jahren einige Neger zu Agitatoren erzogen, die als Straßcnredner für den Sozialismus sehr Tüchtiges leisteten. In sozialistischen Versammlungen wurde manchmal ein Neger demonstrativ als Vorsitzender gewählt, was für die Amcri- kancr ctloas ganz Außergewöhnliches war. Im allgemeinen ist freilich von dieser Seite noch nicht viel für die Partei zu er- warten.— Der Semstwo-Kongretz. Moskau, 27. September. Der Semstwo-Kongrcß erkannte die Notwendigkeit an, allen Nationalitäten des Reiches durch Grund» gesetz das SclbstbestimmungSrccht in KAltusangelegenheiten, volle Freiheit des Gebrauches ihrer Sprache» und Dialekte im öffentlichen Leben, sowie das Versammlungs- und Vercinsrecht zu gewährleisten. Die russische Sprache müßte die Sprache der Zentralinstitutionen, der Armee und der Flotte bleiben. Bezüglich der Dezentralisierung der Gesetzgebung beschloß der Kongreß, zu erklären, daß nach Fest- stellung der Rechte für die bürgerliche Freiheit und bei einer normaler» Volksvertretung mit konstitutionellen Rechten für das ganze Reich ein gesetzmäßiger Weg zur Herstellung der lokalen Autonomie er» öffnet scu Ferner wurde einstimmig eine Resolution angenommen, wonach das Zartum Polen nach Herstellung einer demokratischen Volksvertretung für das Reich als besondere autonome Einheit mit eigenem Landtag auf Grundlage des allgemeinen, direkten und ge- Heimen Wahlrechts auszuscheiden sei, jedoch unter Wahrung der Staatseinheit und unter Regulierung der Grenzen Polens und der anstoßenden Gouvernements, entsprechend der Nationalität der Be- völkerung und deren Wünschen. kommunales. Stadtvcrordnetcn-Versammluug. 27. Sitzung vom Donnerstag, den 28. Scptemeber, nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher JTr. Langcrhans eröffnet die Sitzung um öVi Uhr. Vor der Sitzung haben die Abteilungen u. a. zehn Mit» glicdcr zur gemischte» Deputation für die Beratung der anläßlich des bevorstehenden silbernen Hochzeitsfestes des Kaiserpaares zu treffenden Maßnahmen gewählt; es befinden sich darunter auch die sozialdemokratischen Stadtvv. Borgmann und Singer. Der Stadtv. F r i t s ch(N. L.) hat das M a n d a t n i e de r» gelegt. Nachträglich auf die Tagesordnung gesetzt ist ein d r i n g l i ch e r Antrag A r o n S u. Gen.(Soz.): „Ten Magistrat zu ersuchen, in Verfolg einer bei der letzten Etatberatung gefaßten Resolution ihr das spezielle Projekt zur Ausgestaltung dcS A r n i m p l a tz c s vor der Ausführung zur Beschlußfassung vorzulegen." Ein Widerspruch gegen die Dringlichkeit erhebt sich yicht. Ucber die gegen die Richtigkeit der Gemeiiidcwählerliste in diesem Jahre erhobenen Einwendungen hat der Wahlprüfungsausschuh beraten und einen umfangreichen schriftlichen Bericht erstattet, der vom Stadtv. Michelet vertreten wird. Von insgesamt 318 Reklamanten haben 89 lediglich Korrekturen der sie betreffenden Eintragungen verlangt; der Ma- gistrat hat diesen Anträgen lurzerhand entsprochen und der Aus- schuß dieses summarische Verfahren gebilligt und für die Folge bei- zubehalten empfohlen. Die übrigen 238 Protesterhcber beantragen ihre Aufnahme in die Liste. Von 73 derselben, die als Schlafstellen- inhabcr nicht eingetragen waren, ist ermittelt worden, daß 68 tat. sächlich Chambregarnistcn, also tvahlbercchtigt sind; einer davon büßt allerdings, weil Steuerrestant, sein Wahlrecht wieder ein. Der Ausschuß beantragt die nachträgliche Eintragung der übrigen 67. JSbenjo haben von 30 als Stcuerrestantcn Ausgeschlossenen 6 die Steuer bezahlt und sollen nachträglich in die Liste aufgenommen werden. Desgleichen haben von 23 Reklamanten, die in Preußen nicht staatsangehörig sein sollten, 22 ihre preußische Staatsangehörigkeit nachgewiesen. 33 Protcsterhebcr hatten keine Auf- nähme in die Liste gefunden, weil sie als durch Kranken- hauspslege unter st ützt gemeldet waren; von diesen haben indessen 17 tatsächlich die Kurkosten bezahlt und cS soll ihrer Rckla» mation stattgegeben werden. Hierzu liegt ein Antrag Cassel» Kämpf und weiterer 27 Mitglieder der Alten Linken vor: „Ten Magistrat zu ersuchen: 1. in Gemeinschaft mit ihr bei den zuständigen Reichs, und Landesbehörden dahin vorstellig zu werden, daß auf dem Wege der Gesetzgebung bestimmt wird, daß die in Form von Kranken- Hausbehandlung gewährten Armenunterstützungen für den Vcr- lust des Wahlrechtes nicht in Betracht kommen; 2. den demnächst einzuberufenden Städtetag zu einer Aeußerung in gleichem Sinne zu veranlassen." Bei weiteren 62 Reklamanten sind eine Reihe anderer Gründe für die Llusschließung matzgebend gewesen. In nicht weniger als 49 Fällen haben sich aber diese Ausschließungsgründe als hinfällig erwiesen; nur bei 13 wird Abweisung des Protestes beantragt, u. a. auch desjenigen unseres Redpttcurs Julius Kaliski. der noch nicht ein Jahr in Berlin wohnhast sein soll, da er vom 2. Mai bis 8. November 1994 im Ttrafgesängnis in Tegel gewesen I Der Bericht führt aus, daß Kalisli als Ehambrcgarnist am 2. Plai 1994 die Wohnung seiner Wirtin endgültig verlassen habe, von dieser nach Tegel abgemeldet und nicht wieder zu ihr zurückgekehrt sei, also seinen Wohnsitz für diese Zeit in Berlin vollständig aufgegeben habe. Daß die Unterbrechung des Wohnsitzes eine unfrenvillige gewesen, komme nicht in Betracht, da z 5 der Städte-Ordnung be- stimme, daß er„seit einem Jahre' Einwohner des Stadtbezirkes sein müsse.— 6 Proteste sollen als verspätet eingegangen zurückgewiesen werden. Stadtv. Stadthagen(Soz.): Der Redakteur Kaliski hat gegen seine Nichtaufnahme in die Liste protestiert, und wir bitten, diesen Einspruch für gerechtfertigt zu erachten event. den Protest in den Wahlprüfungsausschuß zurückzuweisen. Es ist eir Irrtum, daß Kaliski in den sechs Monaten in Tegel g e w o hn t hat; er hat Wohl dort seinen Aufenthalt geljabt, aber nickst freiwillig, sondern der Not gehorchend, weit ihn die Stoatsanwaltschast dringend er» suchte, seine hxruflich« Tätigkeit ausstrahlen zu lassen bis nach fffgcl. Solche„Erholungsreisen' können an tem Wohnsitz Se§ Redakteurs nichts ändern. So gut wie jemand von uns Berlinern, der in die Sommerfrische geht, sein Wahlrecht dadurch nicht vcr- licrt, hat auch Kaliski seinen Wohnsitz nicht aufgegeben, noch dazu, wo die Veränderung des Aufcuthaltes eine unfreiwillige war. An dem Wohnsitz ist durch diese Luftveränderung nichts geändert worden. Das ist auch ständige Judikatur. Unser Kollege Leid, der ein Jahr außerhalb Berlins unfreiwilligen Aufenthalt nehmen mußte, ist in dieser Zeit in die Versammlung wiedergewählt und die Wahl für gültig erklärt worden. Ick darf auch auf Ent- schcidungcn des Landgerichts hinweisen, welche sich durchaus in der- selben Richtung bewegen. Einen Unterschied, der darin liegen soll, daß es sich um einen Unverheirateten handelt, vermag ich nicht an- zuerkennen; im übrigen gedenkt Kaliski sich demnächst zu ver- heiraten. Kaliski ist auch die Steuerquittung in der kritischen Zeit präsentiert und diese von ihm bezahlt worden. Wir beantragen daher prinzipiell, dem Protest stattzugeben, eventuell den letzteren an den Ausschuß zurückzuverweisen. Referent Stadtv. Michclct: Der Ausschuß ist durchaus auf dem gesetzlichen Standpunkt verblieben. Nach polizeilicher Meldung ist Kaliski am 2. Mai 1904 nach außerhalb verzogen und am 1. De. zcmber wieder gemeldet. Eigene Möbel hat er nicht besessen. Tat- sächlich ist also, daß er seinen Wohnsitz während des letzten Jahres nicht dauernd in Berlin gehabt hat. Die Versammlung lehnt den Antrag Stadthagcn ab und gc- nchmigt durchweg die Ausschußanträge. Die Vorlage betr. den Bau einer zweiten Heimstätte für weibliche Genesende in Blankenburg-Upstall hat im Ausschuß nur von einer Seite eine allerdings desto lebhaftere Bekämpfung erfahren, ist aber schließlich mit allen gegen eine Stimme angenommen worden. Danach ist die Anstalt für öd Betten einzu- richten und der Ausgabcbetrag auf 433 500 M. veranschlagt. Gleich- zeitig ist im Ausschuß auf Betreiben des einzigen Opponenten eine Resolution angenommen worden, wonach der Magistrat er- sucht werden soll, in gemischter Deputation mit der Versammlung eine Revision der Leit- und Grundsätze für die Aufnahme in die Heilstätten vorzunehmen. Referent ist Stadtv. Wallach (Alte Linke). Stadtv. Wepl(Soz.): Wir werden der Vorlage zustimmen und auch die Resolution annehmen. Ich muh aber darauf hinweisen, daß die Auffassung, von der wir und die Mehrheit des Ausschusses ausgehen, mit derjenigen des Urhebers der Resolution sich nicht deckt. Die geltenden Grundsätze von 1887 sind allerdings in den letzten Jahren nicht mehr so befolgt worden, wie ihr Wortlaut besagt, weil inzwischen eine Reihe von Dezernenten sozialpolitisch Fortschritte gemacht haben, so daß eine große Anzahl der Aufgenommenen nicht mehr im eigentlichen Sinne des Wortes„Genesende" waren, sondern Leute, die schon längere Zeit krank waren, ohne aber ein längeres 5irankculagcr bereits hinter sich gehabt zu haben Wir wollen mit der Zustimmung zur Resolution also nichr bekunden, daß die heutigen guten Gepflogenheiten etlva wieder zurückgeschraubt werden sollen; wir wollen gerade die andere Auffassung der wissenschaftlichen Medizin auch hier zur Geltung bringen, indem diese jetzigen Ge. pflogenheiten nunmehr Rechtens werden sollen. Die Heimstätten für Genesende können nach unserer Auffassung einen trefflichen Schutz vor der Ausbreitung der Tuberkulose abgeben, eine wirksamere als die sogenannten Lungenheilstätten; eS würde damit eine der Quellen der Zunahme der Tuberkuloscerkrankungen verstopft werden. ES kommt hinzu, daß die Kosten pro Kopf bei diesen Heimstätten nur etwa die Hälfte derjenigen in den Lungenheilstätten betragen. Vor- beugen ist mehr wert als heilen. Die Heimstätten sollen nicht bloß eine Entlastung für die Krankenhäuser sein; es sollen in jenen auch besserungsfähige chronische Kranke aufgenommen werden. Tie Vorlage wird mit der Resolution- angenommen. Für die auf den 8., ö. und 10. November angesetzten ErgänzlingS- und Ersatzwahlen zur Stadtverordneten-Besammlung wird letztere ersucht, für jeden Wahl- bezw. AbstimmungSbezirk Bei- sitzer und Stellvertreter für diese zu ernennen, lieber die in Betracht kommenden Wahlbezirke III. Abteilung haben wir bereits eingehend Mitteilung gemacht; in den Wahlbezirken 1, 3, 8, 20, 21, 26 und 46 ist ein Hausbesitzer zu wählen. Stadtv. Borgmann: Die der Vorlage beigegebene Erläuterung zeigt, wie sich in den letzten Jahren die Verhältnisse hinsichtlich der Wählerzahl der einzelnen Abteilungen und Wahlkreis« gestaltet haben. Trotzdem erst vor wenigen Jahren eine Neueinteilung der Wahl- bczirle stattgefunden hat, sind bereits wieder Verschiebungen von 2000 bis 10 000 Wählern in den Wahlkreisen der dritten Abteilung eingetreten. Diese Verschiebungen haben sich auch auf die zweite Abteilung erstreckt. In die erste Abteilung gehören nur 1829, in die zweite 32 000, in die dritte 336 000 Wählerl Die ganze Misere unseres Dreiklasseuwahlrechts ist aus diesen Zahlen wieder erficht- lich. Hingewiesen werden mutz auf die nicht mehr berechtigte Un- gleichheit, daß die dritte Abteilung 48 Wahlkreise hat, die beiden anderen aber nur je 16. Es liegt kein Grund vor, diese Ungleichheit beizubehalten. Ich beantrage, den Magistrat zu ersuchen, für die Zukunft auch für die dritte Abteilung 16 Wahlbezirke festzusetzen. Es würde dann nicht so leicht eine so beträchtliche Verschiebung der Wählerzahl eintreten und ferner würden alle 16 Bezirke alle 2 Jahre zur Wahl schreiten können. Heute kommt die Gesamtheit der großen Masse der Wählerschaft der dritten Abteilung nur alle 6 Jahre in die Lage, wählen zu können, was dem Wähler dieser Abteilung sein Wahlrecht tatsächlich erheblich einschränkt. Die Beteiligung ist oft sehr gering, geht über 35 Proz. überhaupt nicht hinaus. ES ist doch nur erwünscht, der Bevölkerung öfter Gelegenheit zu geben, sich am öffentlichen Leben zu beteiligen. Technische Hinderungsgründe für diese unsere Anregung können heute nicht mehr vorhanden sein. Er- suchen Sie daher den Magistrat, ein« Neucinteilung der Wahlbezirke der dritten Abteilung dergestalt vorzunehmen, daß wie für die erste und zweite auch für die dritte Abteilung 16 Wahlbezirke gebildet werden. Wir ersuchen ferner, diesen Antrag durch einen Ausschuß vorberatcn zu lassen. Di« städtisthen Behörden sind sehr wohl be° fugt, ohne Einspruch von außen befürchten zu müssen, eine solche Neueinteilung vorzunehmen. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.) hat gegen Ausschußberatung nichts einzuwenden. Die Versammlung beschließt demgemäß und verweist im übrigen die Vorlage an den Ausschuß für Unbesoldete. Hierauf greift die Versammlung auf den oben mitgeteilten Antrag Cassel-Kaempf wegen der Beeinträchtigung des Wahlrechtes infolge der Gewährung von Krankenhaus- pflege zurück. Stadtv. Kacnipf: Seit 20 Jahren tritt die Versammlung für die Auffassung ein. welche der Antrag zum Ausdruck bringt; der Magistrat hat sich nicht solvohl der gegenteiligen Anschauung an- geschlossen, als sich vielmehr auf den Standpunkt der geltenden gesetzlichen Bestimmungen gestellt. DaS OberverwaltungSgcricht hat die Klage der Versammlung 1000 endgültig abgewiesen. Auch spätere Maßnahmen zur Gewinnung eines Ausweges, die 1602 versucht wurden, sind ergebnislos geblieben; eS bleibt nichts übrig, als die Gesetzgebung hinsichtlich des Punktes.Armenunterstlltzung" selbst zu ändern; mit der Interpretation ist nichts mehr zu machen. Der Versuch einer solchen Einwirkung auf die Gesetzgebung erscheint dem Redner nicht aussichtslos, da ein reichskanzlerischer Erlaß betr. die Bekämpfung der Tuberkulose an die preußischen Minister deS Innern und des Kultus ausdrücklich die Anregung für die Kommunen enthält, Stiftungen zu errichten, um die Aufnahme Tuberkulöser in Heilstätten zu bewirken, ohne das Wahlrecht der Betreffenden zu tangieren. Darin liegt nach der Auffassung des Antragstellers ein Anerkenntnis der Fehlerhaftigkeit der bestehenden Gesetzgebung, mit deren jetziger Auslegung in dem zur Besprechung stehenden Punkte sich das öffentliche Rechtsbcwußtsein niemals abfinden dürfte. Man könne also die Hoffnung hegen, daß der Sturmlauf gegen die Gesetz- gebuug von Erfolg sein werde. �< Stadtv. Stadthage»: Wir sind alle darüber einig, daß d,e be« stehenden Zustände mit dem öffentlichen Rechtsbewußtsein sich nicht im Einklang besinden. Die Versammlung hat früher einstimmig be- schlössen, daß Krankeuhauspflege nicht als Armenunterstützung gelten soll. AuS den erwähnten Darlegungen des Reichskanzlers geht keineswegs hervor, daß die Gesetzgebung geändert werden soll; es wird dort im Gegenteil darauf hingewiesen, daß die Gemeinden selbst in der Lage sind, die ungünstige Lage der Gesetzgebung zu paralisieren. In Charlottenburg ist bereits in diesem Sinne ent- gegen dem Standpunkt des Berliner Magistrats vorgegangen worden. Die Kommunalverwaltung kann aber in ihren sozial- politischen Maßnahmen weiter gehen, als die Gesetzgebung ihr auf- erlegt. Was hätte es für einen Sinn, an den agrarischen Liebes- gabcn-Reichstag oder Landtag zu gehen? So optimistisch bin ich nicht. Das Gute an der bestehenden Rechtsprechung ist, daß zweifellos ein Rechtsanspruch auf Rückerstattung der Kosten nicht be- steht. 1807 hat das Oberverwaltungsgericht ausdrücklich ausgesprochen, daß die A u f n a h m e in das Krankenhaus die Armenunterstlltzung darstellt. Trotzdem fordert, wie mir sehr wohl bekannt ist, der Berliner Magistrat die Betreffenden oft zur Erstattung auf, aber eine Erstattungs Pflicht besteht in Preußen nicht. Geht man heute ans preußische Abgeordneten- und Herrenhaus, so wird nur erreicht werden, daß selbstverständlich auch diese Zahlungspflicht noch statuiert wird. Der Reichstag kann auch nicht in die preußische Gesetzgebung so direkt eingreifen. Vom Distelstrauch kann man nicht Rosen pflücken. Sehr wohl aber können wir den Weg Charlottenburgs gehen, zu erklären: solche Hülfcleistung ist keine Armen- Unterstützung. Man gehe auf unsere früheren Anträge zurück, den Anstaltsbedürftigcn ein Recht auf Aufnahme ins Krankenhaus einzuräumen. Der Kostenpunkt kann da doch nicht entgegenstehen. Lehnen Sie den gestellte» Antrag ab und ersuchen Sie dafür den Magistrat, der Versammlung eine Vorlage zu machen, wodurch denjenigen Personen, welche den Unterslützungswohnsitz in Berlin besitzen, das Recht zur unentgeltlichen Aufnahnie in einem Krankenhause verliehen wird, und zwar mit denselben Vorbehalten, mit welchen 1001 der Ausschuß denselben Antrag annahm, den dqs Plenum dann leider ablehnte. Berlin sollte sich doch nicht von seiner Nachbarstadt Charlottenburg beschämen lassen. Wahrscheinlich würde, wenn die Geisteskranken und die Krankenkassenmitglieder ausgenommen sind, wirklich kaum Vg Million erforderlich sein; und einer so geringen Summe wegen soll die Selbstverwaltung ohn- mächtig zurücktreten müssen? Der alte Vorwand. daß man damit den Reichen eine Begünstigung zuwende» würde, ist hinfällig; denn schon heute kann der Wohlhabende in ein Krankenhaus gehen und sich täglich für 2,50 M. verpflegen und ärztlich behandeln lassen, während er in Privatbehandlung vielleicht das Vielfache leisten müßte. Die Erhebung von Krankenpflegekosten in den öffentlichen Krankenhäusern, Charit« usw. ist an sich ein ungeheuerliches Unrecht, da diese Anstalten vorwiegend im Interesse des medizinischen Unterrichts getroffen sind; es handelt sich hier um eine Klasieneinrichtung zugunsten der Wohlhabenden; die Stadt ist imstande, gegen das Wahlunrecht einzuschreiten, sie will aber den Weg der Selbstverwaltung nicht gehen, auf den Reichs- kanzler und Minister hinweisen! ES ist schwer, demgegenüber ernst zu bleiben. Jährlich werden 4000 voni Wahlrecht aus diesem Grunde ausgeschlossen, auch wenn sie bezahlt haben, auch wenn nur die Frau krank war, ja, auch wenn bloß der Armenarzt für 70 Pf. Milch verschrieben hat II Der Weg des Antrags Cassel ist ungangbar; die Mehrheit aber kann den Magistrat zwingen, auf die Vorschläge ein- zugehen, die sie selbst in den 80er Jahren vertreten hat. Selbst linier weitergehender Antrag von 1001 würde noch keine ganze Million erfordern. Der letzte Ueberschuß des Stadtetats beträgt 10 Millionen; verwenden Sie doch den 20. oder 10. Teil davon zur Durchführung einer Maßnahme, die zeigen würde, daß Sie sozial empfiiiden, die 4000 Mitbürgern ihr Wahlrecht läßt. Jetzt, wo die Gefahr der ansteckenden Krankheiten auch auf die Reichen über- zugehen beginnt, heißt es, prophylaktisch wirken I(Beifall.) Stadtv. Kreitling(N. L.): Das Dreiklassen- Wahlrecht ist längst genügend gekennzeichcet als ein Unrecht, das unter allen Umständen beseitigt werden muß. Für seine Beseitigung besteht aber sehr wenig Aussicht: im Landtage werden wir damit keinen Anklang finden. Der Vorschlag des Vorredners, dem Beispiel Charlottenburgs zu folgen, ist nicht ohne weiteres akzeptabel, dort ist der Magistrat mit der Maßregel vorgegangen, bei uns soll die Initiative aus der Versammlung heraus erfolgen. Da bedarf es zunächst der AuSschußberatung. An den Landtag mit einer Petition zu gehen wird sich trotzdem empfehlen, weil eS der einzige Weg ist, auf dem zurzeit überhaupt eine AbHülse denkbar erscheint. Stadtv. Dr. Nathan(soz.-fortschr.) vermag auch nicht den Optimismus zu teilen, daß ini Junkerparlament etwas zu erreichen wäre; der Reichstag biete ebenfalls nur eine schwache Hoffnung. Man solle den vom Reichskanzler angedeuteten Weg gehen. Stadtv. Dave(A. L.): Im Jahre 1902 hat die Mehrheit den erwähnten Antrag abgelehnt; dem Wunsche einer erneuten Prüfung des Inhalts läßt sich nichts entgegenstellen. Des- halb aber erscheint die Annahme des Antrages Cassel nicht überflüssig. Ein Reichögesetz gemäß diesem Antrag würde völlig genügen; aber selbst eine Petition an die beiden Häuser des Landtags erscheint nicht aussichtslos. Stadtv. Singer: Wie kann Herr Dove so zuversichtlich auf den Reichstag hoffen? Zentrum und Agrarier würden mit Wonne Kompctenzbedcnken geltend machen und auf den preußischen Landtag verweisen. Wie nun gar aber eine Petition an Herrenhaus und Abgeordnetenhaus nicht aussichtslos sein soll, ist mir vollends un- erfindlich. Wenn wir nicht innerhalb unserer eigenen Kompetenz Mittel und Wege finden, die Sache zu ordnen, dann nützt Ihnen alles nichts, wenn Sie auch noch jahrzehntelang petitionieren. Bis der schwerfällige Apparat der preußischen Gesetzgebung in Gang gebracht ist, dauert die krasse Ungerechtigkeit fort. Sind aber die beiden städtischen Behörden einig, so kann im Augenblick Ab- hülfe geschaffen sein. Die Million für die Stiftung zum Andenken an den ersten preußischen König wäre viel besser zu diesem Zweck verwendet worden. Stiften Sie doch zur silbernen Hochzeit des Kaisers einen solchen Fonds, damit keiner sein Wahlrecht verliert, dessen Frau oder Kinder einmal Krankenhaus-Unterstützung empfangen haben I Wir können nur empfehlen, zunächst unseren Antrag in einem Ausschusse zu beraten, in den er nach der Ge- schästsordnung, weil er eine Geldbewilligung involviert, verwiesen werden muß, die Abstimmung über den Antrag Cassel aber zu ver- tagen, bis der Ausschutz beraten hat. Was den Städtetag betrifft, so wird ein solcher ja vom Magistrat berufen werden— ob noch in diesem Jahre, ist mir zweifelhaft nach der Schnelligkeit, mit der solche Sachen vom Magistrat betrieben werden— und der mag ja dann auch über diese Frage beraten.(Beifall.) Nach längerer GeschäftsordnungSdebatte wird schließlich in die zweite Beratung des Antrages Cassel eingetreten und dieser angenommen. Der Antrag Dtadthagen geht an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern. Die Vorlage wegen Erwerbs des vom Grundstück Prinzen- Allee 82 zur Freilegung der Straße 66b X' zwischen Bad- und Christianiastraße erforderlichen Landes wird entgegen einem vom Stadtv. Hintzc(Soz.) gestellten und mit dem Hinweis auf den enormen hier zu zahlenden Preis von 65 M. pro Quadratmeter Hinterland lebhaft befürworteten Antrage auf Ausschußberatung von der Mehrheit angenommen. Schließlich kommt der zu Beginn deS Berichts erwähnte drin g- l i ch e Antrag zur Beratung. Stadtv. Borgmann: Eine der bittersten Klagen ist zweifellos die, daß in manchen städtischen Bezirken viel zu wenig Raum für Bewegungsspiele von Kindern vorhanden ist. Die bisherige Misere einigermaßen zu beseitigen, haben wir Schulhöfe hergegeben. In neuerer Zeit sind an der Peripherie eine Reibe von Plätzen neu an- gelegt worden, und die Deputation für das Turn- und Badewejen hat versucht, bei deren Anlage Raum für solche Bewegungsspiele zu schaffen. Am 3. November 1904 hat die Deputation bei der Bau- Verwaltung einen entsprechenden Antrag bezüglich des Arnimplatzcs gestellt. Die Rücksicht auf die umwohnenden Grundbesitzer und auf. das Verkehrsbcdürfnis soll nun eine solche Ausgestaltung unmöglich machen, es soll lediglich ein Schmuckplatz angelegt werden. Das Ver- kehrsbedürfnis spricht aber tatsächlich nicht mit. Bei der letzten Etatsberatung hat eine Resolution des Etatsausschusses, die Ausge- staltung solcher Plätze der Beschlußfassung der Versammlung zu unter- breiten, einstimmige Annahme gefunden. Die Deputation für das Turn- und Badewescn hat wiederholt entsprechende Anregungen gc- geben. Trotzdem wird jetzt der Platz ohne Rücksicht auf diese aus- gestaltet. Das ist ein willkürliches Verfahren Die dortigen Bezirke sind ungemein dicht bebaut; es muß also auf den Plätzen das nötige vorgesorgt werden. Mit der Errichtung eines Schmuckplatzcs steigert man nur den Wert des umliegenden Grundbesitzes. Die Versamm- lung hat unzweifelhaft auch bei der Ausgestaltung der öffentlichen Plätze mitzureden., Stadtv. Haberland(A. L.) stimmt dem Vorredner bei und bittet, zukünftig die betreffenden Pläne für alle Plätze der Ver- sanunlung vorzulegen. Der Antrag wird a n genommen. (DOverKsdiaftUcKes. (Siehe auch 1. Beilage.) Streik der Rohrcr. Die Rohrer Berlins beschlossen gestern abend in einer vollzählig besuchten Versammlung, am heutigen Frei- tag in den Streik zu treten. Sie hatten vor zwei Jahren mit ihren Arbeitgebern einen Tarifvertrag abgeschlossen, der infolge Ver- längerung am 1. Oktober dieses Jahres ablaufen sollte. Ter Tarif war jedoch, wie in der Versammlung mitgeteilt wurde, von den Unternehmern nicht in allen Teilen innegehalten worden, weshalb es zu vielfachen Klagen vor dem Gewerbegcricht gekommen ist. Nun versuchten die Rohrer zlvar den Tarif rechtzeitig zu kündigen; es war ihnen dies aber formgerccht nicht möglich, weil sich die tariflich vor- gesehene Unternehmerkommission in Wohlgefallen aufgelöst hatte und das Gewerbcgericht die Kündigung nicht annahm. Aus diesen Gründen stellten die Rohrer jedem Arbeitgeber ihre Neufordcrungen schriftlich zu, mit dem Ersuchen, bis zum gestrigen Donnerstag end- gültig Antwort zu geben. Die Arbeitgeber wählten nun allerdings schleunigst eine Kommission und luden die Lohnkommissionsmitglieder der Rohrer auch zum vergangenen Montag zu Verhandlungen ein. Dieselben verliefen jedoch resultatlos, weil die Arbeitgeber zu wenig Entgegenkommen bewiesen. Gefordert ist ein Aufschlag auf die Akkordpositioncn von durchschnittlich 10— 12 Proz. und Erhöhung des Stundenlohns von 70 auf 80 Pf., außerdem eine Verkürzung der Arbeitszeit von 0 auf 8 Stunden. Bis �gestern abend hatten zwei Firmen bewilligt. Heute sollen von der Streikleitung Arbeits- berechtigungskarten ausgegeben werden. Alle Bauhandwerker und -Arbeiter werden ersucht darauf zu achten. Die Essener Neichstagswahl. Nach einem beispiellos leidenschaftlichen Wahlkampf ist nun die Entscheidung gefallen. Die Hauptwahl schloß mit dem glänzenden Ergebnis ab, daß unsere Partei in dem noch vor wenigen Jahren völlig unzugäng- lichen Kreise nicht nur den überraschenden Stimmenzuwachs von 1003 behauptete, sondern ihn sogar um 6000 übertraf— ein Erfolg, der dadurch nicht geringer wurde, daß die Zahl der Wahlberechtigten um 12 000 zugenommen. Bei der Hauptwahl wurden insgesamt 86 020 Stimmen abge- geben. Davon erhielt Johann GieSberts, Arbeitersekretär in M.-Gladbach(Z.) 35 500, Wilhelm Gewehr, Redakteur in Elberfeld (Soz.) 23 728 und Dr. Niemeyer, Rechtsanwalt in Essen(natl.) 17 866 Stimmcu. Die 17 866„nationalen" Stimmen gaben den Ausschlag. Zwar hatten die„antiklerikalen Kulturkämpfer" nicht den Mut, sich offen dafür zu erklären, dem„Römling" die Stimme zu geben, aber sie verpflichteten ihre Anhänger doch, jedenfalls keinen Sozial- demokraten zu wählen. Unter solchen Umständen hatten unsere Genossen ilre ganze Kraft aufzuwenden, um die Klassengenossen, die trotz des an den Bergarbeitern verübten Verrats noch dem Zentrum nachliefen, zu gewinnen. Ueber das Ergebnis berichten uns folgende Telegramme: Essen ci. R., 28. September.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) DaS fast endgültige Resultat der heutigen Stichwahl lautet: Gewehr(Sozialdemokrat) 37 391, Giesberts(Zentrum) 41 776 Stimmen. Essen a. Ruhr, 28. September. Bei der heute im Stadt- und Landkreis Essen stattgehabten ReichstagSstichwahl wurden inS- gesamt 80165 Stimmen abgegeben; davon entfielen aus Arbeiter- sckretär Johann GiesbertS(Zentrum) 42 047 und auf Redakteur Wilhelm Gewehr(Sozialdemokrat) 38 058 Stimmen. Ersterer ist mithin gewählt. Dies glänzende Ergebnis überbietet noch den Triumph der Haupt- wähl. Zwar ist es uns noch nicht gelungen— wenn die vorstehende Depesche das Endresultat gibt—, das Mandat zu gewinnen, wir haben aber unsere Stimmenzahl aufs neue gewaltig vermehrt. Da es kaum zweifelhast ist, daß die„Nationalen" sich entweder der Stimme enthalten haben oder für das Zentrum eingetreten sind, so muß unser Stinimcnzuwachs gegenüber der Hauptwahl— fast 10000 Stimmen— daher rühren, daß es uns möglich geworden ist, noch Proletarier, die in der Hauptwahl für das Zentrum gewählt, in der Stichwahl für uns zu gewinnen. Bei der Stichwahl 1903 erzielte das Zentrum noch 6500 Stimmen mehr, diesmal ist der Vorsprung auf 4000 zusammengeschmolzen. Essen noch 1893 eine uneinnehmbare Burg des Industrie- feudaliSmus, ist in naher Zukunft sicherster Besitz deS Proletariats. Letzte)Vacbncbtcn und Dcpcfcbcn. Die Marokko-Berständigmig. Berlin, 28. September.1) ob und inwieweit die Kartelle ein ungleiches Recht für ihre Mitglieder statuieren dürfen. 3. Außerdem hat das Deutsche Reich die Pflicht, soiorr eine Aenderung der Aktiengesetzgebung in dem Sinne eintreten zu lassen, daß die Aktiengesellschaften mit 75 und mehr Millionen Mark Aktien- und Obligationskapital verpflichtet werden, in ihrem AufsichtSrat ein Viertel der Stimmen Personen zu übertrage», welche der Reichs- kanzler und die Landesregierung(je zur Hälfte) als solche be- zeichnen, daß sie geeignet und verpflichtet seien, die politischen und wirtschaftlichen Interessen von Reich und Staat zugleich mit denen der Gesellschaft wahrzunehmen. Ebenso find von einem Viertel der Direktoren dieselben Eigenschaften zu fordern. Das Gesetz hat ferner zu bestimmen, daß diese Gesellschaften die Hälfte ihres 10 Proz. überschreitenden Gewinnes an Reich und Staat (je hälftig) abgeben müssen. Auch auf andere Rechlsformen, Korporationen, Privatgeschäfte von gleichem Umfange, welche als Geschäftsunternehmungen erscheinen, bntz-n die Bestimmungen sinn- gemäße Anwendung zu finden. Die erstere hat den Zweck, derarugeu Rieseninstituteu den Charakter als gemischte Unternehmungen mit einem Beisatz öffent- licher Pflichten aufzuprägen, den Reichs- und Staatsinteressen, den internationalen Gefamtinteresscn eine gewisse, aber nicht ausschlag- gebende Vertretung in der Leitung dieser Institute zu sichern und so indirekt monopolistische Mißbräuche und falschen Machtgebrauch zu hindern resp. schwieriger zu machen. Die zweite soll der Ge- samtheit einen kleinen Anteil an den Gewinnen geben, welche durch ihre Höhe die Vermutung monopolistischer Verursachung an sich tragen. Durch beide Bestimmungen soll und wird eine ge- sunde und zweckmäßige Vergrößerung unserer großen Aktien- gesellschaften nicht gehindert, wohl aber einer trustartiqen, rein spekulativen, monopolistische Zwecke verfolgenden Schaffung von Rieseninstitutcn ein gewisser Zügel angelegt' werden." Gegenberichterstatter ist der Generaldirektor des Kohlen- syndikats und des Deutschen Stahlwerksverbandes, Geheimer Kam- merzienrat Kirdorf-Gelscnkirchen: Ich muß zunächst auf den großen Unterschied hinweisen, etwas vom Katheder herunter zu be- fürwortcn oder eS praktisch durchzuführen. Wenn der Staat den vierten Teil des Aufsichtsrates der Aktiengesellschaften wählen solle, dann muß er notwendigerweise auch die Verantwortung und alle Lasten mittragen. Ich bin der Ansicht, der Staat hat nur die Auf- gäbe, darüber zu wachen, daß die Privatgesellschaften mit dem ihnen anvertrauten Kapital nicht M'ßbrauch treiben. Die Herrschaft von Privatgcselltchaftcn, die ihre wirtschaftliche Macht mißbrauchen, wäre nicht von langer Dauer. Die Macht des Kohlcnsyndikats wird viel- fach überschätzt. Die Preisfestsetzung des Kohlcnsyndikats hat es aber bewirkt, daß die früheren fortwährenden Prcisschtoankunßen beseitigt und auf mittlerer Linie eine stabile Preisfestsetzung getreten ist. Da die Lohnsätze sich naturgemäß nach den Verkaufspreisen richten, so liegt diese stabile Preisfestsetzung im wesentlichen Interesse der Arbeiter. Tie Herren, die stets für die Arbeiterfürsorge ein- treten, können daher die Syndikate nur als eine wohltätige Ein- richtung begrüßen. Es ist der Vorwurf erhoben worden, daß die Großindustriellen sich zu wenig am Parlamentarismus beteiligen. Mir selbst ist gesagt worden: Sie gehörten auch ins Parlament. Aber, meine Herren, in den Reichsta,, wählt man mich ja �«ch nicht. (Heiterkeit.) Man hat mir allerdings ein Lyndtagsmandat an- geboten. Ich wäre aber alsdann genötigt gewesen, einer Partei beizutreten,, der ich aus vollem Herzen nicht angehören kann. Im übrigen bin ich der Meinung, niemand kann zweien Herren dienen. Ich bin als bezahlter Leiter eines großen industriellen Werkes nicht in der Lage, mich sechs Monate im Jahre in Berlin aufzuhalten. Die gesamte wirtschaftliche EntWickelung drängt mit Notwendig- keit zu gemischten Betrieben. Eine Gesellschaft kann nur dann auf die Dauer prosperieren, wenn sie neben Herstellung von Fertigfabrikaten auch ihre Rohstoffe erzeugen kann. Es ist für ein Eisenlverk von größter Wichtigkeit, wenn eS in genügender Weise Kohlenfelder besitzt. Da schwache Betriebe dies nicht ausführen können, so rufen diese den Schutz des Syndikats an. Wollte das Syndikat den schwachen Betrieben ihren Schutz versagen, dann würde man über die Hartherzigkeit der Syndikate schreien. Professor Schmoller führte aus, daß durch die Kartelle der Großhandel seine dominierende Stellung verloren habe. Ich frage: ist es nicht erfreulich, daß die Industrie, der doch in der Hauptsache das Einporblühen unseres Wirtschaftslebens zu danken ist, sich von der Herrschaft des Großhandels losgelöst und sich zu einer domi- nieren den Höhe aufgeschwungen hat? Ohne Verbände wäre eS der Großindustrie allerdings nicht gelungen, eine solche Stellung zu erringen. Professor Schmoller fordert das Eingreifen de? Staates. Ich muß offen gestehen, ich würde dem von Herrn Professor Schmoller empfohlenen Eingreifen des Staates in die Privatbetriebe eine voll- ständige Veriiaatlichung vorziehen.(Rnfe: Sehr richtigl) Denn ein solch staatliches Eingreifen würde die freie Entwickelung allen Wirtschaftslebens vollständig unterbinden.(Rufe: Sehr richtigl) Ich für meinen Teil würde mich bedanken, noch ferner meine Stellung beizubehalten, denn ich könnte die Veraptlvortung nicht weiter über- nehmen. Ob die alsdann an unsere Stelle tretenden Staatsbeamten eS besser machten, möchte ich allerdings bezweifeln. Daß die Großbanken Einfluß in den Aufsichtsrnten der In- dustriegesellschaften haben, ist ein Irrtum. Ich kann Ihnen nur die Versicherung geben: die Großbanken buhlen um die Gunst der In- dustriegesellschaften, aber nicht umgekehrt. Die Erzählung von Herrn Thyssen erscheint mir wenig glaubhaft. Wenn Herr Thyssen gesagt haben soll:„Ich wähle mir selbst." dann hat er diese Aeußerung jedenfalls nicht getan.(Heiterkeit und Rufe: Sehr richtigl) Das Wort Ausfuhrvergütung hat ja einen etlvas häßlichen Beigeschmack. Im Grunde genommen liegt aber die Ausfuhrvergütnng im Interesse der Allgemeinheit, denn, in dem Maße, wie wir in der Lage sind, Fertigfabrikate billiger dem Auslände zu verkaufen, in demselben Maße erhalten wir zu billige,. Preisen Rohmaterialien und Halb, fabrikate. Durch die Kaltstellung des Großhandels ist der Ueber- kapitalisiernng und lleberprodnktion ein Riegel vorgeschoben. Um diesen Zustand beizubehalten, sind eben gemischte Betriebe notwendig. Anderenfalls gelangen wir zu Trusts, die Sie ja doch nicht wollen. (Rufe: Dochl) Meine Herren, das ist Gesclynacksache. Ob sich bei uns einmal Trusts nach amerikanischem Muster bilden werden, bängt von der zukünftigen wirtschaftlichen Entwickelung ab. Es ist z» bedauern, daß unsere Arbeiter jederzeit ihre Stellung wechseln könne». Ein Betrieb kann nur gedeihen durch einen stabilen Arbeiterstamm Ich will nicht, daß die Gesetzgebung uns hierbei zu Hülfe kommt. Wir müssen uns aber das Recht vorbehalten, gegen das häufige Wechseln der Arbeitsstelle» Masniahmeu zu treffe». Es ist ja sogar der Vorschlag gemacht worden, sänitliche Arbeiter in Organisationen zu zwängen und die Arbeitgeber zu verpflichten, mir dieser Organisation zu verhandeln. Ich bemerke, daß ich eS für meine Person ablehne, mit irgend einer Arbeiterorganisation zu ver- handeln.(Rufe: Sehr bedauerlich!) Die Arbeiterorganisationen sind sämtlich Kampfvereinigungen, die in der Hauptsache politische Zwecke verfolgen.(Widerspruch.) Ich lehne es ab, sowohl mit den sozial- demokratische» als auch mit de» sogenaimteii christlichen Arbeiterorganisationen zn verhandeln, den» ich halte die christlichen Gewerk- schaften für noch viel gefährlicher als die sozialdemokratischen. Während die sozialdemokratischen Organisationen wenigstens offen sagen, wohin der Weg geht daß sie den Unisturz der heutigen Gesellschaftsordnung bezwecken, kämpfen dir christlichen Gewerkschaften unter falscher Flagge. Sie kämpfe» unter dem Deck- mantel des Christentums. Sie ivissen sehr genau, daß der von den Sozialdemokraten beabsichtigte Umsturz auf die Daner nicht haltbar ist und daß sie alsdann, die Großindustrie unter die Herrschaft der Geistlichkeit bringen können.(Heftiger Widerspruch.) Das Kapital, das sich der Industrie entzieht, wird vollständig in Ruhe gelassen, aber diejenigen Kapitalisten, die ihr Vermöczeii in den Dienst der be- fruchtenden Industrie stellen, werden unaufhörlich angegriffen und ver- däcytigt. Daß zur Leitung eines industriellen Werkes eine gewisse Intelligenz gehört, wird vollständig außer acht gelassen. Durch solche Angriffe und Eingreifen des Staates wird man die Männer, die Talent und Neigung besitzen, industrielle Werke zu leiten, veranlassen, sich da- von zurückzuziehen. Ich für meinen Teil hätte mich längst zurück- gezogen, wenn ich glaubte, dies verantworten zn können. Da Geld- gewinne immer locken, so wird an Werksleitern niemals Mangel sein. Ob Leute, die des bloßen Geldgewinnes halber sich zu Stellungen als Werksleiter drängen, geeignet sind, durch ihre Tätig- keit das Wirtschaftsleben zu befruchten, möchte ich bezweifeln. Ich bedauere auch, daß der Staat in die Arbeiterverhältnisse eingreift. Dadurch ist es keinem Arbeiter mehr möglich, sich zn einer höheren Lebensstellung emporzuschwingen. Sie werden sagen, das ist eine Utopie.(Rufe: Jawohl!) Ich kann Ihnen aber die Versicherung geben, daß es doch eine ganze Anzahl Leute gibt, die sich vom ge- wöhnliche» Arbeiter zu einer hohen Stellung emporgearbeitet haben. Ach habe allerdings eine glänzende Kinderstube gehabt. Seitdem ich aber ins praktische Leben trat, hatte ich mit größter Not zu kämpfen. Wäre damals schon der achtstündige Normalarbeitstag eingeführt gewesen, dann wäre ich heute nicht Generaldirektor und Geheimer Kommerzienrat, sonder» noch einfacher Arbeiter.(Beifall.) Ich schließe mit der Bitte, die befruchtende Tätigkeit der praktischen Werksleiter auf die Entwickelung der Industrie nicht zu unterschätzen. (Lebhafter Beifall.) Bergmeister Engel-Essen: Von 1835 bis 1892 betrug der Ver- dienst an der Tonne 1,139 M., von 1893 bis 1904 1,042 M. Trotzdem stiegen die Arbeitslöhne ohne Schichtvermehrustg von 2,71 M. pro Tonne 1880 aus 4,69 M. pico Tonne im Jahre 1904. Die Arbeitslöhne der Kohlenarbeiter überhaupt stiegen von 1887 bis 1904 im Ruhrrevier um 56 Proz., in Oberschlesien um 70 Proz., im Saarrevier um 35 Proz., in Belgien um 54 Proz,, in Frank- reich um 23 Proz., in England um 49 Proz. ES darf dabei nicht außer acht gelassen werden, daß dabei die VersicherungSgelder nicht mit inbegriffen sind. Und trotzdem verlangt man, der Staat muß das Recht haben, au dem Verdienst der Gesellschaften zn partizipieren. Ich kann Herrn Professor Brentano nicht zn- stimmen, daß der Mensch bloß Selbstzweck ist. Jeder Mensch hat staatsbürgerliche Pflichten. Auch die Arbeiter haben Pflichten gegen Staat und Gesellschaft. Die Preisbildung des Syndikats beruht aus sorgfältigster Erwägung. Wir arbeiten alle, einer mit dem Kopf, der andere mit den Händen, je nach der. Besähigmig, Eö ist auch falsch, daß durch die Kartelle der Mittelstand beseitigt worden ist, der Mittelstand hat bloß eine Umbildung erfahren. Ich muß die Herren bitten, sich die Verhältnisse einmal in der Nähe an- zusehen. Sie haben durchaus nicht nötig, durchs Schlüsselloch zu sehen, Sie können ruhig hineinkommen und sich den Betrieb an Ort und Stelle ansehen. Sie werden sehr willkommen sein.(Lebhafter Beifall.) HandelSkammer-ShndikuS, Abg. Gothein-BreSkau: Die Kartelle, die notwendigerweise zu Trusts führen werden, sind die Folge der Schutzzollpolitik. Man befinde sich bereits in der Vertrustung. Da» durch werde aber die Freizügigkeit vollständig aufgehoben. Nach Durchführung der Trusts seien die Arbeiter den Arbeitgebern auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Herr Geheimrat Kirdorf sagte: Wenn man mit den Arbeiterorganisationen verhandelte, würden un- heilvolle Zustände eintreten. Die Junker in Hiuterpommern riefen ebenfalls: ihre Güter kommen in Gefahr, wenn die Bauernbefreiung durchgeführt werde. Die Unteruehmer lehnen eS lediglich deshalb ab, mit den Arbeiterorganisationen zu verhandeln, weil sie befürchten, ihr Herrenstandpunkt könnte dadurch leiden. Redakteur Oleorg Bernhard-Berlin: Ihm erscheine nicht, daß der Weg der wirtschaftlichen Entwickelung in§ Dunkle führe. Die Kartelle seien etwas Halbes; sie müßteni auf die schwächeren, öko- nomisch oft nicht mehr existenzberechtigten Betriebe Rücksicht nehmen und wirkten deshalb oft vreiserhöhend. Der Trust sei das Wirtschaft- lich höhere Gebiet. Schmoller sehe hinter den Syndikaten immer nur den Finauzmann. Er sei als Sozialdemokrat gewiß kein Börsen» ftftmb, aber er müsse bim entgegentreten, bah man sich über Spctu lauten und Jobber so sehr entrüste. Der Spekulant sei in der heutigen Wirtschaftsordnung ein unentbehrliches Glied. Ethisch ästhetisch ist ja das Treiben an der Börse abstohcud.(Ruf: Also dochl) Gewiß, darüber sind wir uns doch einig, aber man hat keinen �nlQB, so verächtlich auf die Börsenjobber vom ökonomischen Stand- Punkte aus zu blicken. Was sich heute abspielte, sei nichts als die okonomisch-tcchnische Durchführung des Zieles der Sozialdemokratie. Gegenüber dieser revolutionären Entwickclung seien die Forderungen Schmollers geradezu winzig, teilweise auch unmöglich. Solche Gesetze werden leicht umgangen, da unsere Geheimräte sich daran gewöhnt haben, keine Definition in die Gesetze zu legen.(Ruf: Das macht die Sozialdemokratie.) Die Sozialdemokratie ist doch noch nicht in der glücklichen Lage, Gesetze zu machen. Als Sozialdemokrat ver- lange ich absolute Koalitionsfreiheit und dah man nicht gleich vorgeht, wenn mal ein Zwang von einem einzelnen Arbeiter ausgeübt wird. Ein organisierter Arbeiter ist mit tausendmal lieber als ein un- organisierter.(Beifall.) Aber andererseits soll man dasselbe Recht den Unternehmern zubilligen. Ein kartellierter Untcnehmer ist auch schätzenswerter als ein unkartelliertcr.(Zustimmung.) Ter Staat könnte nur gegenüber dieser EntWickelung das tun, daß er sorgt, dah die Massen als Produzenten und als Konsumenten den Trusts organisiert gegenüberstehen.(Lebhafter Beifall.) Privatdozeut Dr. Willbrandt-Berlin: Er sei der Ansicht, nach einer Verstaatlichung der Bergwerke werde die Bernfsfreudigkeit der Werksleiter nicht erkalten. Er habe dem sozialdemokratischen Partei- tag in Jena beigewohnt und ganz hervorragende Gewerkschaftler vorgefunden. Er verlange die Erhaltung des allgemeinen Wahl rechts und des Koalitionsrechts. Exzellenz Dr. v. Rottenburg(Bonn): Ich muh der Behauptung entgegentreten, dah Fürst Bismarck die Verstaatlichung der Berg- werke durchgeführt hätte. Bei den Mitgliedern des Kohlensyndikats habe größte Entrüstung geherrscht, weil die Bonner Professoren einen Aufruf für die kontraktbrüchigen Arbeiter erlassen hätten. In den Berichten der Enquetekommission ist aber wiederholt festgestellt, dah die Arbeitgeber gegenüber den Produzenten ihre Verpflichtungen nicht eingehalten haben.(Ruf: Das ist nicht wahrl Unwahr! Grohe Unruhe.) Lesen Sie doch erst die Akten, ehe Sie das rufen.(Zuruf: Mein Nanre ist Dr. Klamm aus Essen ich werde mich nachher vorstellen. Stürmische Heiterkeit.) Daß die Syndikate ans die Löhne Einfluß ausüben, ist nicht zu leugnen. Ich bedauere, dah Herr v. Kirdorf es ablehnt, mit Arbeiterorganisationen zu verhandeln und er die christlichen Verbände beschuldigt hat, unter falscher Flagge zu segeln, ohne irgend einen Beweis dafür zu er- bringen. Es ist eine alte Erfahrung, dah Revolutionen sich cnt- wickeln, wenn man die Forderungen verweigert, die die moderne Zeit erheischt. In Deutschland würden die Trusts ganz andere Folgen haben Ivie in Amerika. Er ersuche, den Männern der Wissen- fchast ihre Anerkennung nicht zu versagen. Wenn das allgemein geschähe, dann würde das auch den sozialen und wirtschaftlichen Frieden fördern.(Stürmischer Beifall.) Nach längeren Erörterungen wurde die Verhandlung auf Donnerstag vormittag S Uhr vertagt. * Mannheim, 23. September.(Telegraphischer Bericht.) Am heutigen vierten Tage wurde die Debatte über den Vortrag des Professors Schmoller-Berlin.Das Verhältnis der Kartelle zum Staat" aufgenommen. Es sprach zuerst Geheimrat Lneg-Düsseldorf. Er bestritt das Vorhandensein eines Gegensatzes zwischen Wissenschaft und Praxis in der Sozialpolitik und meinte, Ivo ein solcher Gegensatz bestehe, sei es Pflicht, diesen zu beseitigen. Wenn der Referent gemeint habe, das Zusammengehen mit dem Agrariertum sei unnatürlich, so meine er, Redner, daß im Gegenteil das Zusammengehen der großen Erwerbsstände der Landwirtschaft, der Industrie und des Handels das Natürlichste sei. Alle diese Erwerbsstände seien durch gemeinsame Interessen verbunden. Der Zusammenschluß dieser Gruppe» sei notwendig zur Erfüllung der sozialpolitischen Aufgaben, vor die die heutige Gesellschaft sich gestellt sieht. Professor Wcber-Herdelberg wendet sich gegen den Vorschlag Schmollers, dem Staat einen Einfluß auf die Aktiengesellschaften durch staatliche Direktoren und Aufsichtsräte zu gewähren. Dieser Lorschlag sei nicht dazu angetan, die Aktiengesellschaften zur Erfüllung ihrer höheren sozialen Aufgaben zu bringen. In Preußen könne heutzutage kein Minister den Anspruch er- hebe», ei» Staatsmann zu sein. Er halte deshalb den Anspruch auf staatlichen Einfluß auf die Aktiengesellschaften für be- dcnllich und meinte, daß der staatliche Einfluß fernzuhalten sei. Jedes Anschwellen der Sozialdemokratie auf. Kosten des sozialen Liberalismus bedeute für dre Industrie Verlust an barem Beide. Lotz-München: Die Trusts in Amerika hätten auf sozialem Gebiete viel geringere Leistungen aufzuweisen als in Deutschland. Andererseits seien die Arbeitsleistungen in Amerika erheblich größer als in Deutschland, weil uns der kaufmännische Geist fehle. Er stimme mit Schmoller darin überei», dah eine absolute Ver- staatlichung der Betriebe nicht in Betracht kommen könne. Man müsse die Trustbildung nach Möglrchkeit zu verhindern suchen. Wicdcnfeldt-Köln: Eme große Gefahr liege darin, daß die besten Beamten den Staatsdienst aufgeben und in gut bezahlte Stellungen in der Industrie und in den Banken gehen. Auf diese Weise würden auf die Dauer dem Staate die besten Elemente ent- zogen. Erkelenz-Düsseldorf kommt auf verschiedene Ausführungen Pro- fessor Schmollers vom vorhergehenden Tage zurück uns weift es insbesondere scharf zurück, dah Professor Schmoller den nicht an- wesenden Pastor Naumann einen Demagogen genannt habe. Es würde für ihn ausgeschlossen sein, den Verhandlungen künftig bei- zuwohnen, wenn derartiges nicht gerügt würde. Professor Schmoller erwidert, er habe den Ausspruch„Demagoge" nicht so schroff gemeint, der Ausspruch solle nur bedeuten, demagogische Beredsamkeit. Nach weiteren Ausführungen zu diesem Punkte wendet sich der Arbeitersekretär Fischer- Reutungen gegen Ausführungen Kirdorfs. Wenn Geheimrat Kirdorf gesagt habe, daß die Gewerk- schaften die Arbeitsfreudigkeit den Arbeitern rauben und die Grund- lagen der Industrie unterbinden, so sei daS eine ungeheuerliche Behauptung. Es hört sich gerade so an, als ob die Gewerkschafts- sekretäre charakterlose Beamten seien, die nicht wüßten, dah die Arbeiter ein großes Interesse an dem Gedeihen der Industrie hätten. Nach weiteren Ausführungen verschiedener Redner wird die De- batte über diesen Punkt geschloffen. Darauf erreichten die Verhandlungen des Kongresses mit den üblichen Dankes- und Schlußworten ihr Ende. Die Parteipresse über deu Jenaer Parteitag. Die„Rheinische Zeitung" bemerkt, nachdem sie über das Bebeische Referat über den politischen Massenstreik berichtet hat: „Entschlossenheit nach oben. Besonnenheit nach unten— von diesem Standpunkte aus mag die Frage weiter diskutiert werden, wir sind sicher. daß wir so am besten die Männer erziehen, die dereinst die Stunde der Tat erfordert. Die Frage der parteigenössischen Polemik(„Leip- ziger Wolkszeitung",„Neue Zeit".„Vorwärts") ist vernünftigerweise einer Kommission übergeben worden. Wir hoffen, dah die von der Kommission vorgeschlagene und vom Parteitag fast einstimmig angenommene Resolution allgemein befolgt wird. Es wäre schade, wenn es in der Partei in Zukunft keine Meinungsverschiedenheiten mehr geben sollte: aber diese können und müssen in einer Weise ausgetragen Iverden, daß die Sache, dah die Partei, daß das genossische Zusammenarbeiten keinen Schaden leidet. Das ist nicht nur noiweildig, es ist auch möglich, wenn die vom Parteitag ge- gcbene Amveisung befolgt wird." «Volksblatt für Harburg": „Genau ivie wir bereits vor dem Parteitage in dem Be grühnngsartikel schrieben, kam auch die Fünfzehner- Kommission zu dem Schlüsse, dah es sich hier nicht allein um ein„Literaten gezänk" handelte, sondern, daß der Debatte ernsthafte Motive zugrunde lagen. Daß die„Vorwärtsfrage" als solche bereits vorher davon geschieden wurde, erleichterte ohne Zweifel die Aufgabe der Kommission bedeutend. Vorläufig hat ja diese Frage ihren Abschluß darin gefunden. daß der „Vorwärts" Zentralorgan bleibt und den Berliner Genossen neben der Eriveiterung ihrer Rechte über den„Vorwärts", vom Parteivorstande das loyalste Entgegenlommen zugesichert wurde. Damit hat man sich vorläufig begnügt. Wie lange das vorhält, muß abgewartet werden. Unserer Ansicht nach wäre es zweck- mäßiger gewesen, der Parteivorstand hätte sich ein Korrespondenz- blatt mit parteiamtlichem Charakter geschaffen. Wenn sich die Berliner Genossen aber mit dem Dualismus ihres Organs ans- söhnen können, ist es natürlich um so besser... Als die würdigste Form der Maifeier wurde nach wie vor die allgemeine Arbeitsruhe betrachtet. Dannt ist auch dieser Differenzpunkt, der seit dem Kölner Gewerkschaftskongreß nickt zur Ruhe kommen konnte, beseitigt; wenigstens besitzt dieser Beschluß bis zum nächsten internationalen Kongreß, der die Frage der Maifeier wohl aufs neue regeln wird, Gültigkeit. Wie auch spätere internationale Kongresse sich zu der Maifeier stellen werden, so viel kann heute schon als sicher angenommen werden: Wird der Maifeier der revolutionär- demonstrative Charakter durch die Aufhebung der Arbeitsverweigerung genommen, dann ist es mit der internationalen Demonstration am erstenMai endgültig vorbei. Mit einer Feier des ersten Mai am Abend würde man keinen Hund vom Ofen locken, weil es Gelegenheiten zu fidelen Bier- abeuden genug gibt." Die Chemnitzer„Volks stimme" ist ebenfalls mit den Beschlüssen einverstanden. Bezüglich der Resolution der Fünfzehner- kommisfion sagt sie: „Die Resolution der Fünfzehner-Kommission findet unsere volle Zustimmung. Sic sagt den Schriftstellern und Redakteuren, die sich in ungehöriger Art bekämpften, freilich nur, was dieselben nicht hätten vergessen sollen: Daß nicht die eigenen Parteigenossen, sondern die Gegner der Arbeiterklasse zum Draufschlagen da sind. Die an sich schon manchmal schwierige Stellung der Redakteure ist nicht dadurch verbessert worden, daß die Preßkommissionen vom Parteitage nun direkt aufgefordert worden sind, ihnen schärfer aus die Finger zu sehen. Der Parteivorstand hat übrigens auch in- direkt seinen Wischer abbekommen. Das Recht zum Einschreiten gegen die Blätter, die in parteischädigender Weise über die Stränge schlugen, hat er bisher schon gehabt und wir haben uns manchmal im stillen darüber gewundert, weshalb er nicht davon Gebranch gemacht hat... Der„Vorwärts" bleibt Zentralorgan. Mit großer Entschieden- heit hat der Parteivorstand die Beibehaltung des bestehenden Zu- standes gefordert. Der Parteivorstand hätte allerdings am meisten verloren, wenn er jeden Einfluß ans den„Vorwärts" aufgeben müßte. Wir haben öfter das Gefühl gehabt, daß der Partei- vorstand seinen Einfluß auf den„Vorwärts" nicht ausgeübt hat. Wie wäre es sonst möglich gewesen, dah ein anderes Parteiblatt wiederholt sich auf Aeuherungen von Mitgliedern des Partei- Vorstandes gegen das Zentralorgan beziehen konnte. Dah die Berliner Genossen locker lassen werden mil ihrem Verlangen, dah der„Vorwärts" ihnen allein überlassen bleibt, ist nicht sehr wahr- scheinlich. Aus der Frankfurter„Volks stimme" geben wir die Auslassung über die M a i s e i e r s r a g e wieder: „Die Maifeierdcbatte lieh einerseits keinen Zweifel über die Entschiedenheit, mit der wir an Demonstration auch durch Arbeitsruhe festhalten wollen, und dieser Entschiedenheit fügten sich erfreulicherweise auch die an Disziplin gewöhnten GewerlschastSsührer, die einen anderen Standpunkt vertreten hatten. Andererseits gab Robert Schmidts ungeschicktes Auf- treten den Anlah zu einer Diskussion über die theoretische Vertiefung der Gewerkschaftsbewegung, die starl an der Oberfläche blieb. Der„Neuen Zeit" ist nicht vorzuwerfen, dah sie nicht auch gewerkschaftliche Fragen behandelt, wie Rosa Luxemburg mit über- flnisigem Eifer nachzuweisen suchte, sondern dah ihr Herausgeber wie unser Parteivorstand nicht die verschiedenen Arme der deutschen Arbeiterbewegung und ihre Kräfte besser politisch zu einigen und zusammenzuführen verstehen. Das ist der richtige, freilich von den Gewerkschaften selbst noch mangelhaft erkannte und ausgesprochene Kern der Frage und der Grund der Reibungen." „Schwäbische Tagwacht" bemerkt zu der DiSlussion über den politischen Massenstreik: „Wenn wir aber auch sachlich mit dem Beschluß durchaus einig gehen können, so hätten wir doch gewünscht, daß er ohne einen so großen Redekampf zustande gekommen wäre, wie er ihn nun gekostet hat. Dadurch würde seine Wirkung nur erhöht worden sein. Wenn das nicht zu erreichen war, so hat das seinen Grund inZden taktischen und prinzipiellen Differenzen, die zweifellos in unserer Partei herrschen, und in der demonstrativen Art, in der die abweichenden Meinungen sehr oft vertreten werden. Darüber vielleicht ein andermal. Für heute genüge es, der Befriedigung über die Stellung des Partei- tages zum politischen Massenstreik Ausdruck zu geben. Dieser Be- schluß mag den herrschenden Klassen zeigen, dah sie, wenn sie die Hand an die Rechte deS deutschen Volkes legen sollten, ein ver- hängniövolleS Wagnis unternehmen... Der„Literatenstreit" ist einer ernsten Untersuchung gc- würdigt worden, die mit dem Ergebnis schloß, daß die Forin der Preßauseinandersetzungcn zu ivünschen übrig lasse, daß ihr Inhalt aber doch mehr als ein bloßes Gezänks ist. ES handelt sich um ernste Meinungsverschiedenheiten, und wenn die Kommission die Mahnung ausgesprochen hat, daß die prinzipielle Aufllärung der Arbeiterklasse im Sinne der Dresdener Resolution erfolgen lolle, so ist das in erster Linie ein deutlicher Wink für den„Vorwärts". Andererseits kann es nur heilsam wirken, wenn der Rat befolgt wird, dah programmatische Untersuchungen und Diskussionen möglichst im offiziellen Organ der Partei und nicht in allerhand privaten Zeitschriften erfolgen sollen. Die„Neue Zeit" wird nötigenfalls zu diesem Zweck erweitert werden und die Redaktion derselben wird abweichenden Auffassungen ihre Spalten nicht verschließen." Die„ M ü n ch e n e r Post" faßt das Ergebnis der roten und guten Woche dahin zusammen: „Der Parteitag hat in Jena sich selbst eine neue Arbeitstaktik geschaffen, die nicht wieder außer Hebung gesetzt werden sollte. Wir meinen die Art und Weise, wie er die Polemik Mehring- Kautsky'„Vorwärts" und die Organisationsfrage mit ihrem Bündel Abänderungsvorschlägen erledigt hat. Nicht, dah wir sachlich mit der Erledigung einverstanden wären, nein, wir meinen nur die jetzt angewandte parlamentarische Methode. Sie bestand in der Verweisung aus dem Plenum in die Kommission, womit sowohl die Gründ- lichkeit der Auseinandersetzungen verbürgt, als auch für die Beratung anderer Dinge die nötige Zeit geschaffen wurde." Was den angenommenen Organisationsentwurf anbetreffe, so ühlten sich nicht nur die Süddeutschen, sondern auch die Vertreter jon Sachsen, Braunschweig, Schleswig-Holstein in ihrer BelvegungS- reihest eingeschränkt, man habe aber nickt dagegen gestimmt in ver poffnung auf eine baldige Revision, die sich doch nötig machen werde. Ueber den politischen Massenstreik sagt die„Münchcner Post": „Der politische Massenstreik ist in die Rüstkammer der deutschen Arbeiterbewegung als neue Waffe eingestellt worden, nicht um bei jeder Gelegenheit daraus zum Angriff und zur Abwehr heraus- geholt zu werden, sondern um ste bereit zu halten, falls andere Kampfmittel nicht geeignet erscheinen oder bereits verbraucht sind. In die Rüstkammer gestellt, darf jedoch dieses neue Kampfmittel nicht verrosten und stumpf werden, sondern eS muh durch Beobachtung seiner Wirkung in anderen Ländern, wie durch Studium und Diskussion immer scharf geschliffen bleiben." k Der„ V o l k S f r e u n d" in Karlsruhe rechnet die Debatte über den Generalstreik zu den glänzendsten, die auf unseren Parteitagen geführt wurden. Mit Bezug darauf heißt es: „In meisterhafter Rede schildert� Genosse Bebel die politische Situation in Deutschland, um zum Schlüsse zu betonen, das; das deutsche Proletariat fest entschlossen ist, gegen etwa geplante Wahl- rcchtsräubereien sich mit a l l e n M i t t c l n zur Wehre zu setzen. Gewiß gibt es Genossen, die auch in dieser Frage anderer Meinung sind als die energischen Befürworter der Propaganda für die eventuelle Anwendung des politischen Massenstreiks als Abwehrmittel gegen Verfassungsbruch und Wahlrechtsraub. Allein die Differenzen in den Ansichten beschränken sich in der Haupt- fache darauf, ob es opportun sei, im gegenwärtigen Augenblick über unsere„letzte» Mittel" zu diskutieren. Daß das deutsche Proletariat etwaigen Angriffen aus seine Grundrechte den entschiedensten Widerstand entgegensetzen muh, darüber herrscht vollste Uebereinstimnmng. DieDebatre» über diesenPnnlt bildeten denHöhe- punkt der Verhandlungen des diesjährigen Parteitages. Eine Rede wie die des Genossen v. Elm mutz man gehört haben, um sich ihre Wirkung zu vergegenwärtigen, der Bericht kann diese Wirkung unmöglich wiedergeben. Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, daß gerade die Verhandlungen über den politischen Massenstreik ihre Wirkung nach außen nicht verfehlen werden. Die Scharfmacher werden es sich wohl überlegen, das deutsche Proletariat zu einem Kampfe, wie ihn der Massenstreik mit sich bringt, herauszufordern." „Schleswig-Holsteinische VolkSzeit nn g": „Der Generalstreik ist als ein Kampfmittel des klaffen- bewußten deutschen Proletariats offiziell anerkannt worden. Deutlich ist festgestellt worden, dah das Proletariat nicht so närrisch ist, seine Hoffnungen auf den deutschen Bruch- Parlamentarismus zu setzen und daß es in seiner Benutzung nur eins von den vielen Mitteln zum Zweck, zur Er- oberung der politischen Macht sieht. Scharf ist ausgesprochen worden, dah die Sozialdemokratie Deutschlands nicht gewillt ist, sich und das Voll so um die wenigen vorhandenen Rechte prellen zu lassen, wie es der liberalen Opposition in Deutschland in ihrer Blütezeit geschah. Aber nicht leichtsinnig nach romanischer Art hat man gemeint, die Hauptsache sei, sich für den General- streik zu entscheiden, sondern klug und besonnen zog man die Konsequenzen und Voraussetzungen des Generalstreiks nach allen Seiten in Betracht. Den Generalstreik als Waffe anerkennen, das heißt auch zur rechten Zeit diese revolutionärste aller Waffen des Proletariats schmieden.... Die„Vorivärts"-Fehde war kein ödes Literatengezänk, so hat der Parteitag verkündet, und mit Recht. Schwere und berechtigte Kritik an der Haltung des Zentralorgans der Partei hatte einen Streit entflammt, der in der ganzen Parteipresse, und selbst im Inneren der Berliner Redaktion die Geister erhitzte. Das Streben nach Reinheit der Parteilehre, der Wunsch nach klarer Predigt unserer Ideale war der Vater der Fehde, und die dabei aufgetretenen unschönen Ausartungen des Kampfes waren nur Begleiterscheimingen. Selbstzucht unserer Redakteure und Journalisten soll und wird in Zukunft die persönlichen Trübungen beseitigen und denen, die es gar zu leicht� mit den Grundsätzen der Partei nehmen, lvird ruhig, aber ernst erklärt, dah literarische Gewandtheit zwar etwas Gutes ist, daß sie aber für die Sozialdemokratie nur dann etwas Wertvolles bedeutet, wenn sie sich unbedingt in den Dienst des wissenschaftlichen Sozialismus stellt. Zurück zu' Marx lautet die Mahnung, die der Parteitag hier denen zugerufen hat, die eS angeht. Ernste Parteigenossen werden die Mahnung verliehen und es den Prehlommissionen wie dem Parteivorstande ersparen, in die Arbeit der einen oder anderen Parteiredaktion einzugreifen." Volle Zustimmung und uneingeschränkte Befriedigung über den Verlans des Parteitages äußern der„Vollswille"-Hannover,„Bolls- wocht"- Breslau,„Märkische Volksstimmc". Erfurter„Tribüne", Kasseler..Volksblatt",..VolkSblatt"-Halle,„Brandenburger Zeitung" und noch eine Reihe anderer Partciblätter. Die„Fränkische Tagespost" fällt dieses allgemeine Urteil: „Seit langen, langen Jahren hat die deutsche Sozialdemokratie nicht die Einhelligkeit der Anschauungen und deS Strebens gezeigt. wie auf dein Parteitag in Jena. Noch niemals war es so klar, dah der Flügel der Schwachmütigen, der Revisionisten, Opportu- nischen, der„Vor-allcm-Gegenwartspolitiker" ein kleines Häuflein ohne erheblichen Anhang in der Partei ist. Auf keinem Parteitage seit St. Gallen sind die Verhandlungen so stark unter dem Zeichen des Klassenkampfes, der proletarischen Energie und des Selbst- bewuhtseins gestanden wie in Jena. Damit soll nicht gesagt werden, dah für die deutsche Sozialdemokratie dieser Standpunkt etwas Neues bedeutet, der Unterschied besteht darin, dah der Gegen- satz gegen diesen natürlichen Standpunkt völlig abgeschwächt war, dah er sich zivar noch herauswagte, aber jede Hoffnung auf Be- deutung und Gewicht für die Entscheidungen der deutschen Sozial- demokratie verloren hat. Noch stärker würde dieser Eindruck in Erscheinung treten, wenn man beim Lesen der Berichte die Reden der Reichslags-Abgeordneten, die ohne Mandat erschienen waren, überschlagen würde. Es ist ein nicht hoch genug anzuschlagender Nutzen diese? Parteitages, dah er, ohne dies besonders aussprechen zu müssen, den letzten dicken Abschluhstrich unter die Parteidebattcn der letzten Jahre, die an den Namen Bernstein anknüpften, machte. Wenn diese Debatten nun noch nicht völlig zum Stillstande gelangen werden, so dürften sie im allgemeinen mehr als private Aenhe- rungen wie als bedeutungsvolle Parteierscheinungen zu be- werten sein. Die Gesamtpartei hat einen gewaltig hörbaren Ruck nach links gemacht, sie hat klaren Ausdruck dem verliehen, was die Köpfe und die Herzen des deutschen Proletariats erfüllt. Die deutsche Sozialdemokratie hat den politischen Scharfmachern, den vor Treu- und Verfassungsbruch nicht zurückscheuenden Feinden der Arbeiterklaffe deutlich gezeigt, dah ihre Politik mit schweren Gefahren verbunden ist. Die Sozialdemokratie ist keinen Fuß breit von dem gesetzlichen Boden gewichen, sie hat aber deutlich ausgedrückt, daß sie sich durch die Gesetzlichkeit von dem Augenblicke nicht mehr gebunden fühlt, wo die Gegner mit verfassungswidrigen Mitteln die organisierte Arbciterllaffe bekämpfen, sie mundtot machen und knebeln wollen. Hierin liegt die gewaltige Bedeutung dieses Parteitages nicht bloß für die Arbeiterllaffe, sondern auch für ihre geschworenen Gegner."_ Hua der Partei. Mit den Beschlüssen deS Jenaer Parteitages erklärten sich die Leipziger Genossen in folgender Resolution einverstanden:„Die Parteiversammlung für den 12. und 13. sächsischen Reichstags- Wahlkreis erklärt ihre volle Zufriedenheit mit dem Verlauf des Parteitages in Jena. Sie nimmt mit besonderer Genugtuung Kenntnis von der Stellung, die der Parteitag in der Frage des politischen Massenstreiks und der Maifeier eingenommen hat und erblickt darin eine glänzende Rechtfertigung der Haltung, die di- „Leipziger Volkszeitung" wie die Leipziger Parteigenossen diesen beiden Fragen gegenüber stets eingenommen haben." Bei der Berichterstattung und der sich anschließenden Besprechung wurde darauf hingewiesen, dah die Leipziger Genossen trotz der vielen Anfeindungen doch daS Vertrauen der Partei in reichem Maße besähen, das beweise die große Zahl von Stimmen, die der zur Kontrollkommission vorgeschlagene Leipziger Genosse Klccmann auf sich vereinigt habe. Ans dem Jenaer Parteitage werde man wohl zum letztenmal den Versuch gemacht haben, den Genossen Franz Mehring zu beseitigen. Die dem Parteivorstande eingeräumte gröhcre Machtbefugnis sei imbedenllich, da der Parteivorstand in seiner Zusammensetzung die Gewähr einer loyalen Handhabung seiner Befugnisse biete. Die Mainzer Genossen resolviertcn sich in einer am Dienstag stattgehabten Parteiversaminlung dahin: „Die heutige Parteive'rsammlung erklärt sich mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden. Sie erkennt mit Freude an, daß die zur Erledigung gestandene Tagesordnung mit tiefem Ernste und großer Sachlichkeit erledigt wurde. In der neuen Organisation für die Gesamtpartei erblickt die Versammlung einen großen Fortschritt, hofft jedoch, daß den einzelnen Landes- organisationen ihr selbständiges Leben nicht unterbunden wird. Sodann spricht die Versammlung ihren Delegierten Adelung und Dr. David besondere Zustimmung zu den Darlegungen über die Vorgänge bei den letzten Stadtverordnetenwahlen aus." Früchte der Agitation. Unsere Essener Organisation, der ein Hauptanteil an dem große» Erfolg vom lg. September zuzuschreiben tst, hat in den letzten Wochen, im Drange der Wahlbewegung, über 300 neue Mitglieder aufgenommen. Der Verein zählt jetzt weit über 3090 Mitglieder und ist die stärkste und man kann auch sagen, die ain besten funktionierende Organisation in Nheinland-Westfalen. Gute Organisation und prinzipielle Aufklärung der Masse, das sind die Geheimnisse der verblüffenden Wahlerfolge in Essen. Vor fünf bis sechs Jahren wurde die Mitgliedschaft zum sozialdemokratischen Verein vielfach noch als ein streng zu hütendes Geheimnis betrachtet, heute ist jede Aengstlichkeit überwunden. Auch im ilvnigreich Krupp hat man sich mit der Tatsache abgefunden, daß sich ohne Sozial- demokraten keine Millionen verdienen lassen. Hud Induftnc und Kandel. Die Aktien der Grossen Berliner a» der Berliner Börse. Der Rausch, in dem vorgestern die Börse den Kurs der Aktien der Großen Berliner Straßenbahn sprunglveise hinauftrieb, hat schon gestern wieder einer Ernüchterung Platz gemacht. ES fanden große Positions- lösungen statt, die einen starken Druck auf den Kurs übten, so daß dieser auf 201 Proz. zurückfiel. Die Gründe des Umschwunges be- stehen in denselben Bedenken, die wir bereits in gestriger Nummer erhoben haben. Man fragt sich, ob die Durchführung des Projektes auch eine der Kapitalscrhöhung entsprechende Einnahmesteigerung zur Folge haben wird und hält ferner die Konzessionierung jetzt doch noch nicht für so sicher, als man im ersten Jubel über das Projekt anzunehmen geneigt war. Ter Aufsichtsrot der Teutsch-Luxemburgischcn Bergwerks- und Hlltten-Akticngesellschaft bestätigt, daß, wie schon jüngst gemeldet wurde, die Dividende auf 8 Proz. festgesetzt ist. Der reine Betriebs- Überschuß stellt sich nach Abzug der Obligations- und Hypotheken- zinsen auf 4 133 634 M. Davon sollen verwendet werden für Ab- schreibungcn 2 000 000 M. fi. V. 1787 678 M.), zur Auffüllung der Reserven 60 019 M., für 3 Proz. Dividende 1 620 000?N., für Tantieme des Aufsichtsratcs 78 816 M. und als Vortrag auf neue Rechnung 474 793 M.(430 937 M.). Ter Schaden, den die Gesellschaft durch den Bergarbciterstrcik erlitten hat, wird von der Verwaltung auf 1,2 Millionen Mark geschätzt— wohl etwas reichlich I Tie Bank von England, die erst am 7. September den Diskont von 2sh auf 3 Proz. erhöhte, hat ihn nochmals hinaufgesetzt, und zwar gleich um ein volles Prozent, von 3 auf 4 Proz. Ter Anlaß zu der nochmaligen Erhöhung ist darin zu suchen, daß zurzeit dkr Metallschatz der Bank ziemlich niedrig ist und man infolge der starken Inanspruchnahme des Goldbestandes durch das Ausland, vornehmlich durch die Vereinigten Staaten von Amerika, einen noch weiteren Abfluß der Goldmittel befürchtet. Durch die Diskont- erhöhung soll der Goldbedarf abgelenkt und teilweise nach Paris verwiesen werden. Freie Konkurrenz gegen die Roheisensyndikatc. In Lübeck wird, wie bereits berichtet worden ist, ein großes Hochofcnwerk er- richtet, an dem sich auch der Lübecker Senat mit 1,3 Millionen Mark beteiligt, lieber die Konkurrenz, die dadurch dem rheinisch-west- fälischcn Roheisensyndikat entsteht, veröffentlicht die„Köln. Volksztg." au» fachmännischer Feder einige interessante Aus- führungcn, die, wenn sie auch unseres Erachtens die Widerstands- sähigkeit des Rohciscnsyndikats zu niedrig einschätzen, doch recht bemerkenswert sind. „Das Eisenwerk„Krasft" in Stettin, das außerhalb der Roh- eisenverbände steht," schreibt das rheinische Blatt,„hat bisher schon den Syndikaten viel zu schaffen gemacht, indem es in die Absatz- gebiete derselben eindringt und den Syndikaten einen großen Teil des Absatzes streitig macht oder wegnimmt. Das Syndikat steht daher in fortwährendem Kampf mit diesem unbequemen Wctt- bewerb. Dieser aber wird nach der Erbauung des Lübecker Werkes noch schärfer hervortreten. Es hat einen Frachtvorsprung von etwa 2 M. nach dem rheinisch-westfällschen Großgewerbe-Bezirl und wird diesen auch zweifellos ausnutzen. Die geographische Lage des neuen Werkes mutz doch als recht günstig bezeichnet werden. Es kann auf billigem Wasserwege schwedische und spanische Erze beziehen, auf demselben Wege mit englischen Kohlen sich versorgen und vom rhcinisch-westfälischen Kohlensyndikat sich völlig unabhängig machen. Das sind Vorteile, die ihm vor den Werken, welche nur auf Bc- förderung mit der Eisenbahn und auf das Kohlensyndikat an- gewiesen sind, einen bedeutenden Vorsprung sichern. Und für den Absatz in Norddeutschland ist das Werk gewiß nicht schlecht gelegen — es wird sich gegen den rhcinisch-westfälischen Wettbewerb leicht behaupten können und diesem Schwierigkeiten bereiten. Man versteht es dahe�. wenn das neue Unternehmen in den Kreisen des rheinisch-westsälischen Großgewerbes nicht wohlwollend beurteilt und mit scheelen Augen angesehen wird. Wir haben aber die Ueberzengung, daß auch dieses neue Werk, das die leider schon übergroße Erzeugung in Roheisen noch weiter steigert, nur eine Frucht und Folge unseres Verbandswesens ist. Ohne unsere Ver- bände mit ihren verderblichen Begleiterscheinungen würde man vielleicht nie auf den Gedanken gekommen sein, in Lübeck ein neues Hochofenwerk, noch in so vielen anderen Zweigen des Eisen-Groß- gcwerbcs neue Werke zu errichten oder die bestehenden zu ver- größern. Wenn jetzt das Roheisensyndikat die Preise für Paddel- und Stahleisen um 3 M. erhöht, diejenigen für Gießerei-Eisen aber bestehen läßt, so können die Eisengießereien für diese Bevor- zugung jedenfalls bei dem Eisenwerk„Krasft" sich bedanken, dessen Wettbewerb das Syndikat mit seiner Prcisstellung sehr beeinflußt und stellenweise in Schach hält. Ist erst einmal das Lübecker Werk in Betrieb, so wird das Noheisenst?ndikat im norddeutschen Absatz- gebiete und vielleicht auch an der ganzen Wasserstraße des Rheine» nicht nur vielleicht in Schach gehalten, sondern zuweilen auch„matt gesetzt" werden, d h. wenn das Roheisensyndikat alsdann noch besteht." Tie Entwickelnng der Automobilindustric in Amerika. Die Herstellung von Automobilen hat in den Vereinigten Staaten von Amerika sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Industrie- zweige entwickelt. Beim Zensus im Jahre 1900 wurde nur eine ganz winzige Produktion von Motorwagen festgestellt, und man kann annehmen, daß damals die in der Union verwendeten Auto- mobile zum weitaus größten Teil ausländische Erzeugnisse waren. Im Fiskaljahr 1903/04 wurden für 1 294 160 Dollar bicfcr Kraft- wagen eingeführt, aber schon für 1 895 009 Dollar zur Ausfuhr gebracht. Im Kalenderjahr 1904 wurden in den Vereinigten Staaten von Amerika bereits ungefähr 17 500 Automobile im Werte von 22 Millionen Dollar hergestellt. Eine ganz erheblich: Ausdehnung erfuhr die Industrie jedoch in der ersten Hälfte des Kalenderjahres 1905, wo in 14 Staaten von 100 Fabriken 26 601 solcher Fahrzeuge im Werte von 34 650 500 Dollar verfertigt wurden. Zur Zeit der Zensusaufnahme im Jahre 1900 erreichte die Produktion von Automobilen in den Vereinigten Staaten noch nicht einen Wert von 5 Millionen Dollar. Ter wichtigste Staat für die Produktion ist Ohio, dann folgen Michigan, Connecticut, New Jork, Wisconsin, Massachusetts und Pennsylvanien. Fast nach allen Berichten wird die Leistungsfähigkeit der Fabriken im vollcnMaße in Anspruch genommen, um den Bedarf an Automo- bJJm der sorttvqhrend zunimmt, zu befriedigen. Soziales. Mit dem Glockcnschlage hat nach der Arbeitsordnung der Finna Hirschkorn die Arbeit zu beginnen. Der Metallarbeiter G., der nur vier Tage dort beschäftigt war, kam ein paarmal ganz kurze Frist zu spät. Er wurde deshalb entlassen. Da3 erste Mal war er ver- warnt ivorden. G. klagte ans Gewährung einer Lohnentschädignng. Die Kammer 5 des Berliner Gewerbegerichts wies ihn jedoch mit der Begründung ab, daß es ja an sich hart sein möge, wegen so kurzfristigen Zuspätkommens entlassen zu werden, daß aber nach der Arbeitsordnung die Entlassung als berechtigt erachtet werden müsse, da diese ausdrücklich vorschreibe, der Beginn der Arbeit habe mit dem Glockenschlage zu erfolgen. Entscheidend sei indessen besonders, daß Kläger trotz Verwarnung wieder zu spät gekommen sei. Darin sei vor allem die Beharrlichkeit zu finden, die erst nach Z 125 der Gewerbeordnung die Verweigerung der nach dem Arbeitsvertrage dein Arbeiter obliegenden Verpflichtungen zum Entlassungsgrund mache. Ikber die Gültigkeit einer Negiernugs-Polizeiverordnung be- treffend die Abgrenzung von Fleischbcschaubezirlc» hatte das Kammer- gericht in einer Strafsache gegen Brüggenwirt zu befinden. Die Verordnung vom 9. Dezember 1994 regelt für ihren Geltungsbereich die Bezirkseinteilung für Zwecke der Trichinenschau und bestimmt, daß der amtliche Fleischbeschauer nur in dem bestimmten Bezirk, für den er bestellt ist, die ihm obliegende Untersuchungstätigkeit ausüben dürfe. Mit Strafe bedroht wird auch jeder, der ein geschlachtetes Schwein von einem anderen amtlichen Fleischbeschauer als dem, der für seinen Bezirk bestimmt ist, untersuchen läßt. Brüggenwirt hatte gegen die letztere Vorschrift verstoßen und war deshalb in zweiter Instanz verurteilt worden. In seiner Revision da- gegen focht er die Gültigkeit der Verordnung an. Er meinte, sie sei deshalb ungültig, weil die fraglichen Bestimmungen nur aus finanziellen Gründen getroffen seien. Sie hätten nur den Zweck, jede», amtlichen Fleischbeschauer ein ausreichendes Einkommen zu sichern. Deshalb die Bezirkseintcilnng und die Abgrenzung der Zuständigkeit der einzelnen amtlichen Fleischbeschauer.— Das Kannnergericht erklärte jedoch die Verordnung am 23. September für rechtsgültig und verwarf die Revision mit folgender Begründung: Es könnte polizeilich angeordnet iverden, daß die Trichinenschau in genau bestimmten Bezirken, durch bestimmte, amtlich für jeden Bezirk bestellte Fleischbeschauer vorgenommen werde, wie hier vorgeschrieben. Die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit der Vorschriften zu prüfen, sei nicht Sache des Gerichts. Im übrigen wäre wohl anzunehmen, es solle durch die angezogenen Vorschriften bezweckt werden, zu ver- hindern, daß einzelne Fleischbeschauer zu sehr überlaufen würden und es dann an Sorgfalt fehlen ließen. Folgen der bayerischen Landtagswahlen. Der Miinchener Magistrat gab am Dienstag einen, Beschlüsse des Gemeinde- kollegiums seine Zustimmung, wonach die Biirgerrechtsgebühr für Personen mit einer Steueranlage bis zu 30 M. auf 65 M. und für solche mit einer Steueranlage von 30 vis 60 M. auf 75 M. herab- gesetzt wird. Damit ist also ein Gesamtbeschlnß der beiden städtischen Kollegien erzielt, der nur noch der Bestätigung ourch die Regiernngen bedarf. Bisher betrug die Bürger- rechtsgebühr, von deren Entrichtung das kommunale Wahlrecht abhängt, mindestens 85 Mk. Alle Bemühungen unserer Gemoindevertreter, eine Ermäßigung herbeizuführen, sind bisher vergeblich gewesen. Der Ausfall der letzten Landtagswahlen scheint jedoch auf gewisse Leute einigen Eindruck gemacht zu haben, und so hielt man es für geraten, einen neuerlichen sozialdemokratischen Antrag zum Anlaß zu nehmen, um lvenigstenS, wem, auch recht wenig, etwas zu tun. Im Dezember finden nämlich in München Gemeindewahlen statt! Das Bestreben der Sozialdemokratie wird es natürlich bleiben, die skandalöse Entrechtung der Arbeiter und aller Minderbemittelten durch die Bürgerrechtsgebühren gänzlich zu beseitigen. Se�erkfcdaftlicbes. Berlin und Umgegend. Ter Kampf in der Elektro-Jndustrie. Wie umn„Stimmung" macht. Im Werner-Werk der Aktiengesellschaft Siemens u. Halske streiken die Schraubendreher. Die Gesellschaft bombardiert nun fortdauernd die Presse mit Notizen, in denen bewiesen werden soll, daß die paar hundert Streikenden im Unrecht sind, die Elektrizitätsgesell- schaften aber in, Recht, welche 10000 Renschen auf die Straße warfen und dadurch insgesamt 50 000 Menschen brotlos machten. Wir veröffentlichten gestern ein der Presse zugegangenes Schrift- stück der Firma, das so spät in unsere Hände kam, daß wir die not- wendige Kritik an demselben nicht mehr üben konnten. Unsere Leser werden selbst die Beweisführung der Firma schon gewürdigt haben. Es sei deswegen nur gesagt, daß sie zwecks Stimmungsmache mit- einander vergleicht: den durchschnittlichen Stundenvcrdienst im Jahre 1397, den Stundrnverdienft im Juni 1902. den Tagesverdienst im Sommer 1903 und den Gcsamtverdienst von vier Wochen dieses Sommers. Mit diesen Zahlen, die in gar keiner Weise mit einander kor- respondieren, will die Firny, beweisen, daß es sich doch nicht,„wie der Oeffentlichkeit fälschlicherweise mitgeteilt wird", um berechtigte Forderungen handelt. Bei einer solchen Methode der Beweisführung erlauben wir uns aus den Bächen, der Firma alles mögliche nachweisen zu können. Man braucht nur neben den Jahres durchschnitt den Durchschnitt des g ü n st i g st e n Monats, neben den Stunden verdienst den Tages verdienst eines Tages mit U e b e r st u n d e n, ja, wenn man wirklich zwei Monate mit einander vergleicht, einen Monat m i t und einen ohne Feiertage zu vergleichen. Das mag eine Methode sein, die ihrem Urheber imponiert, der Oeffentlichkeit aber nicht. Die Direktion nimmt aber selbst ihren Zahlen völlig jeden Wert, indem sie exemplifiziert aus einem Werke, das für den Streik gar nicht in Frage kommt.» Um was handelt eS sich denn? Wir wiederholen noch einmal: Im Werner-Werk streiken die Schraubendreher! Die Veröffentlichung der Direktion spricht aber von einem Werke der Siemens u. Halske A.-G., von einem Werke, das nicht mit dem W e rn er- Werke, wo gestreikt wird, identisch ist. Bei dem urteilslosen Leser aber wird natürlich der Anschein erweckt, daß es sich um das bestreikte Werk handelt. Eine hahnebllchenere Irreführung der öffentlichen Meinung läßt sich nicht vorstellen! Wir stellen die wirklichen Zahlen des Werner- Werkes neben die der imaginären eines Werkes der Direktionspublikation: Nach der Veröffentlichung der Direktion verdienen die Schrauben- dreher täglich 5,20 M., in Wirklichkeit verdienen sie im Werner- Werk 5,15 M.: nach der Veröffentlichung der Direktion verdienen sie in vier Wochen(dieses Sommers sagt die Direktion allerdings vorsichtigerweise!) 130,50 M., im Durchschnitt haben sie im Werner- Werk in vier Wochen 123,75 M. Aber, wenn die Direktion durchaus mit Zahlen operieren will, bitte! Hier sind noch einige: Die Schraubendreher verdienen: in Nürnberg..... pro Stunde 63 Pf. im Charlottenburger Werk„„ 06„ v Werner-Wert..,,.» 02'F„ Hier hat die Direktion in drei Ziffern den Beweis, daß erstens die Schraubendreher ein Recht auf Lohnerhöhung haben und zweitens, daß die Direktion höhere Löhne zahlen kann, denn sie zahlt sie schon! M Die fehlenden Schrauben. Die Siemens u. Halske A.-G. versendet an ihre Kundschaft ein Zirkular, in dem sie die Schließung ihrer Werke darauf zurückführt, daß ihr— die Schrauben fehlen! Aus Mangel an Schrauben also, nicht aus Scharfmacher-Uebermut, sind nun außer der Siemens u. Halske- Gesellschaft auch die Siemens-Schuckert- Werke und die A. E.-G. genötigt, am Sonnabend 33 000 Personen ans die Straße zu werfen. Dem, der das glauben soll, muß doch auch eine Schraube fehlen! Im übrigen erbietet sich die Firma, Aufträge auf listen- mäßige Apparate, soweit der Vorrat reicht, prompt zu erledigen und bittet im übrigen um eine Hinausschiebung der Liefertermine. Bei dem industriellen Teil ihrer Kundschaft rechnet sie dabei auf volles Verständnis und weitgehendstes Entgegen- kommen. » Eine weitere AuSdehmmg der Aussperrung! Gestern nachmittag 6 Uhr tagte in'der Berliner Börse einl außerordentliche Hauptversammlung des Verbandes Ber Ihrer M e t a l l i n d u st r i e l l e r. Die Versammlung wa außerordentlich stark besucht; namentlich waren alle Großbetrieb! vertreten. Die Vertreter der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft Sienrens u. Halske und Siemens-Schuckert-Werke unterbreiteten der Anwesenden das dem Streit zugrunde liegende Material.' In de Diskussion nreldete sich niemand zum Worte. Einstimmig wurd> nach dem Antrag der VertrauenSkommrssion beschlossen: 1. den Arbeitsnachweis des Verbandes sofort von Freitag ai zu schließen. 2. die Vertrauenskommission zu ermächtigen, sobald di Allgemeine Eleltrizitäts-Gesellschaft und Siemens u. Halske un' Siemens-Schuckert geschlossen haben werden, die Schliessung de sämtlichen übrigen VcrbandSbetriebe innerhalb einer ihr an gemessenen Frist anzuordnen, sofern nicht inzwischen von den drc im Streik befindlichen Firmen der Wunsch ausgesprochen wird die Schließung zu unterlassen oder hinauszuschieben. Die Annahme des Beschlusses wurde natürlich von den Scharf machern mit Beifall begrüßt. Die ganze Versammlung dauerte nu etwa 40 Minuten. Die Unternehmer denken sich den Kampf folgendermaßen: An kommenden Sonnabend schließen die Allgemeine Elektrizitäts-Gesell schaft, Siemens u. Halske und die Schuckert- Werke, wodurc 33 000 Arbeiter ausgesperrt werden. Dann folgt innerhalb a/ Tagen die Aussperrung der übrigen Berliner Metallarbeiter, soweit sie von Verbandsangehörigen beschäftigt werden, wodurch dann etwa 50 000 Arbeiter ausgesperrt sind. Diese gewaltigen Betriebsstil.i legungen müssen unweigerlich auch andere Betriebe zur Ruh zwingen, so die Gießereien usw. Welche Gcgenmaßregeln die Streikleitung ergreifen wird, sie noch dahin. Wo bleibt das Einigungsamt? Die„Volkszeitung" behauptet, das Einigungsamt würde< eigener Initiative nicht eingreifen. Im ersten Gürtler- und Drüc-' streiks im Jahre 1903 hätte der Vorsitzende der Arbeitgeb' Beisitzer, Ingenieur Bernhardt, den Versuch gemacht, r Metallwarenfabrikanten zur Verhandlung zu bewegen, sei aber: und schroff abgewiesen ivorden. Eine Verärgerung sollte allerdings kein Grund sein, rM wichtige Funktion des Gewerbegerichtes als Einigungsamt r.r zu lassen. Die Arbeitnehmerbeisitzer haben sich übrigens mit der Ans. an das Zentralstreikkomitee gewandt, ob dasselbe bereit sei, dr. Gewerbegericht anzurufen. Das Streikkomitee hat geantwortet, da' es nichts dagegen habe, wenn das Gewerbegericht eingriffe; seinen Maßnahmen ließe sich das Komitee jedoch nicht beeinflussei Das Zcnlral-Streikkomitee meldet: Berlin, 28. September. TaS Zeutralstreikkomiice der streikenden und ausgesperrten Arbeiter der Elcktrizitätsgesellschaften A. E. G. und Siemens u. Halske sowie S. n. S. hat beschlossen, nachdem es von den arbeitnehmenden Beisitzern des Gcwcrbcgericküs aufgefordert wurde, die von den Arbeitern mitgcschaffene und be- fürwortete Institution des Einigungsamtcs des Gewervegerichts in Sachen des Streiks und der Aussperrung als Einigungsamt anzu- rufen. Wem: auch nun das EinigungSamt angerufen tst, so wird ausdrücklich erklärt, daß weder die getroffenen Massnahmen, noch deren Ausführungen in irgend einer Art dadurch Aufschub erleiden, so. der» es werden alle verfügbaren Massrcgeln ergriffen werden, die auszuführen das Zentralkomitee für gut befindet und die zur Er- rcichung der gestellten Fordbrungen zweckdienlich erscheinen. G Genosse Cohen ersucht uns um Aufnahme folgender Zuschrift: In den verschiedensten Berliner Zeitungen wird eine Notiz über meine Person veröffentlicht, die alles andere nur nicht zutreffend ist. In eine Preßfehde kann ich mich mit diesen Leuten jetzt nicht einlassen; dazu fehlt es mir an Zeit. Eigentlich ist es ja auch nicht nötig, denn vernünftige Leute werden ohne weiteres die Absicht dieser Notiz erkennen. Die bürgerliche Presse muß eine sehr niedrige Meinung von ihrem Leserkre� haben, wenn sie glaubt, diesem derartiges Geschreibsel vorsetze: können. Aber das kümmert mich nicht; das mögen die Herre: sich selbst abmachen. Der Schreiber der Notiz geht offenbar dem Grundsatz aus: Das Dümmste ist für unsere Leser r dumm. ES muß vor der Hand geniige«, wenn ich erkläre, was mich geschrieben, ist z» dumm um wahr zu sei». Der Metallarbeiterstreik bei der Firma Baumami, Fal hauswirtschaftliche Maschinen in der Koloniestraße, ist jex zehntägiger Dauer beendet. Im Wege gegenseitiger Ver* konnte eine Einigung dahin erzielt Iverden, daß die Firma s erklärte, die Abzüge größtenteils wieder rückgängig zu machen übrigen Mkordreduktionen werden durch eine verbesserte& Methode wieder ausgeglichen. Infolgedessen wurde gestern die im ganzen Betriebe wieder aufgenommen. Die Direktion der Flaschciifavrik in Stralau, welche de beitern eine Arbcitszeitverlängerung um'/« Stunde für die? schickst angekündigt hat, scheint auf ihrem Standpunkt behu, wollen. Die Verlängerung soll vom Montag, den 2. Oktn in Kraft treten. Die Arbeiter haben dagegen einstimmig bes jede Verlängerung der Arbeitszeit strikte abzulehnen. Besi. die Direktion aus ihrem Standpunkt, so muß dieselbe am Montag die gesamten dreihundert beschäftigten Flaschenmacher aussperren. Die gegenwärtig bestehende Arbeitszeit ist seit Gründung der Fabrik eingeführt worden; besteht also 15 Jahre. Der Direktor der Fabrik, welcher erst seit einiger Zeit in Stralau angestellt ist, war bisher Direktor in der Flaschenfabrik von Siemens. Bei dem in diesen Fabriken herrschenden willkürlichen Regiment ist zu erwarten, daß dieser Herr auch hier in Stralau seine Schneidigkei. durchzusetzen versucht. Es dürste ihm dies jedoch nicht so leicht gelingen. denn die Arbeiter sind sämtlich organisiert und gewillt, jedes Attentat ans die Verlängerung der Arbeitszeit unter allen Umständen zurück- 'weisen. ES fkT)t also ein schwerer Kampf für die Glasarbeiter- .)aft in Anssicht, der für die Arbeiter um so schwerer zu führen ist, 'dl sämtliche Arbeiter sich in Wohnungen befinden, die der Fabrik ehören. Trotz der für die Arbeiter zum Teil ungünstigen Situation nrd der Kamps aufgenommen werden. Es werden alle Flaschen- nacher des In- und Auslandes auf den bcborstehcndcn Kampf auf- nierksam gemacht und ersticht, den Zuzug nach Stralau zu unterlagen. Alle Arbeitcrblättcr werden um Abdruck gebeten. Der Hauptborstand des Zentralvcrbandcs der Glasarbeiter. Oeutkchcs Reich. 91(5 Laudstrcichcr pcrhaftct wurden in dem oberpfälzischen Dorfe emnathcu ziuei reisende Buchdrucker, Mitglieder des Deutschen 'uchdruckerberbandcS, die konditionslos waren. Der Gendnrin führte eide geschlossen ins Gefängnis nach Neunburg v. Wald ab, wo sie cht Tage lang festgehalten wurden, obwohl sie durch ihr Mitglieds- uch nachwiesen, dast sie vom Bcrbande Unterstützung erhalten und noch ingcre Zeit bezug.zbcrcchtigt�seien.j Erst auf die' Intervention des iüucheiierGnuvorstandcs hin, der ihre Mitgliedschaft bestätigte, wurden e wieder entlassen, das Mitgliedsbuch scheint man nicht als hillreichenden ieleg für die Mitgliedschaft angesehen zu haben. Der Gendarm cheint nicht besonders glimpflich mit ihnen umgegangen zu fein, renn noch nach zehn Tagen bemerkte man an ihren Handgelenken ue Spuren von den Fesseln. Für reisende VerbandSmitglicdcr ist > also nicht ganz ungefährlich, in Bayern zu reisen, weil man dort cht wegen„Landstreicherei" eingesteckt iverdcn kann. HuaUna. Ter dänische Tcxtilnrbcitcrstrcik. In der vorigen Woche hat wieder einmal eine Verhandlung tischen Vertretern des Textilarbeitcr-Verbandcs und der Fabrikanten- ganisation stattgefunden; sie verlief jedoch wie die früheren Ver- lndlungen ergebnislos, weil die Fabrikanten keinerlei Entgegen- nmien zeigten. Derjenige, dem die Hauptschuld au diesem Ver- lten beigemessen wird, ist derVorsitzcnde derllntcruehmerorgauisation, c aus Deutschland stamlnende Fabrikant Daverkosen, r steinreicher Mann, der in einer fürstlich auSgestatleteii Villa 'hnt, während er feinen Arbeitern elende Hütten zur Verfügung llt, aus denen sie nun allerdings infolge des Streiks vertrieben üben sind.„Social- Demokraten" hat in einer Reihe illustrierter tikel die glänzenden Verhältnisse, unter denen dieser Scharfmacher c Tcxtilfabrikanteil Dänemarks lebt, soivie die elenden, menschen- würdigen, unter denen er seinen Arbeitern zumutet, zu vegetieren, schildert. Die Versuche Daverkosens, Streikbrecher zu werben, sind wie l der übrigen Fabrikanten, obgleich der Streik nun schon drei onate währt, ohne daucrudeu Erfolg geblieben. Ein anderer brikaut, Advokat Christensen, von der Firma Holm u. o i g t in A arhuS hatte dieser Tage d e u t s ch- p o l n i s ch e er s ch l e s i s ch e, sowie schwedische Arbeiter und Arbeiterinnen angezogen, hat aber damit auch kein Glück gehabt, obgleich er .ir vor Freiheitsberaubung nicht zurückschreckte, um einige von inen festzuhalten. Diese Leute hatte er in seiner zu einem Streikbrecher- ogis umgestalteten Privatwohnung eingesperrt, aber obgleich er ve Fenster mit Eisengittern versehen hatte, entwischten ihm doch. Um ihr erbärmliches Gepäck zu ver- »gen, mustten sie die Hülfe des Gerichtsvoll- : h c r S in Anspruch nehmen. Bei diesem Streikbrecherimport hat wieder ein Deutscher : Hand im Spiele gehabt, der Direktor O p p e r n b a ch, der in 'chland war und den Leuten, die keine Ahnung von dem hatten, erzählte, sie sollten in einer neuen Fabrik arbeite». Lohn, der ihnen versprochen wurde, haben sie auch erhalten; einer, dem neun Kronen wöchentlich versprochen i, erhielt nur(3 Kronen;-in anderer statt 10 Kronen nur neu. Auch sonst wendet man alle möglichen Mittel an. um idische Arbeiter zu täuschen. So berichtet ein 15 jährigeS icn, dast der Direktor, als sie zusammen mit einigen anderen ubencn in Kopenhagen ankamen, ihnen weistmachte, das sei borg, und in Aarhus, sie seien in Kopenhagen. ah erscheint unter diesen Umständen um so dringender not- dast alle deutscheu Textilarbeiter und f -•niterinncn von dem Lohn kämpf in Dänemark koarichtct werden, und sich nicht durch die Lügen und Versprechungen haisenloser Streikbrccheragenlen aus Dänemark von„neu- dc ründete n" Fabriken usw. verführen lassen. Bisher ist es eii Dänischen Textilarbciter-Berband gelungen, so gut lvie alle w kindischen Arbeitswilligen wieder heimzusenden. Der Lohnlampf sw noch lange dauern. Die dänischen Textilarbeiter sind fest ent- wci-n, vor den Fabrikanten nicht zu Kreuze zu kriechen und für Arlcnden Löhne zu arbeiten, die sie ihnen zumuten. de un- ge! dir M. Gcncbts-Zcltung. o'Giite 13 jährige Mutter hatte gestern vor der 2. Strafkammer ! Landgerichts I Zeugnis abzulegen gegen den eigenen Stief- w, Maurer Karl A o r n h o l z, der unter der schweren An- ldigung des Sittlichkeitsvcrbrechens stand. Tie Frau des An- geklagten hatte ihm ein Mädchen mit in die Ehe gebracht, welches demnächst in ihr 14. Lebensjahr eintritt und in nächster Woche kon- firmiert werden soll. Ter Unmensch hat daS Kind in der schänd- lichsten Weise mißbraucht und es durch Ausübung seiner väterlichen Gewalt gezwungen, sich diese Schändlichlciten gefallen zu lassen. Das Mädchen hat fast gleichzeitig mit ihrer Mutter einem Kinde das Leben gegeben. Tie Verhandlung dieses trüben Sittenbildes ging unter Ausschluß der Oeffentlichleit vor sich. Der Staatsanwalt deautragre 2¥j Jahr Zuchthaus, der Gerichtshof hielt diese Strafe jedoch nicht für ausreichend und verurteilte den Angeklagten zu 4 Jahren Zuchthaus und 8 Jahren Ehrverlust. Ein Ehrdrama beschäftigte gestern wieder einmal das Schwur- st des Landgerichts II unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors h. Unter der Anklage der v c r s u ch t e n T ö t u n g stand der ichtermeister Gustav Dickoff in Zossen vor den Geschworenen. »geklagte steht schon.r vorgeschrittenem Lebensalter. Er ist ahrc verheiratet, betreibt seit vielen Jahren in Zossen eine ei und besaß früher Haus und Hof und eigenes Fuhr- ,r ist dann, teils infolge des Trunks, dem er sich immer ergab, teils infolge anderer widriger Uinstänt«, in seinen E.xsien etwas zurückgekommen und schließlich ganz abhängig er Ehefrau geworden. Der eheliche Frieden ist schon längst gestört und es kam wieberholt zu heftigen Szenen zwischen den Eheleuten. Wie der gestern als Zeuge und Sachverständiger ver- nommene Sanitätsrat Dr. v. Ubisch in Zossen vor Gericht be- kündete, ist der Angeklagte wiederholt mit Wunden, die von Schlägen mit dem Feuerhaken oder von Begießen mit kochendem Wasser her- rühren sollten, zu ihm gekommen und hat ihm-rklärt, daß ihm „sein Gustchen" dies beigebracht habe. Er hatte seine Ehefrau schon lange im Verdacht, daß sie mit einem Arbeiter Lindemann, der in demselben Hanse wohnt, ein unerlaubtes Verhältnis unterhalte. Schließlich ist seine Frau ganz von ihm gegangen und hat ihn ziem- lich hnlflos seinem Schicksal überlassen. Er suchte nun noch mehr als friiycr Trost beim Alkohol. Am 8. Mai abends trank er mit einem Bekannten wieder viel Schnaps und klagte diesem seine Not, dast er so ganz verlassen sei, keine Ordnung habe und gar nicht wisse, was er machen solle. Er sprach auch den Verdacht deS Ehebruchs wieder aus und erhielt von seinem Brannten den Rat, vor allen Dingen seine ruhige Ileberlegung nicyt zu verlieren. Der Rat wurde von ihm schlecht befolgt. Am nächsten Morgen in aller Frühe lauschte er, ob er etwa von einem sträflichen Verkehr seiner Ehefrau mit Lindemann etwas bemerken könnte. Da trat seine Frau aus der Wohnung des letzteren und nun kam die Katastrophe. Er trat a» seine Frau heran und forderte sie auf, doch zu ihm wieder zurückzukehren, erhielt aber-ine abweisende, höhnisch- Antwort, die ihn sehr kränken muhte. ES entwickelte sich im Anschluß hieran eine sehr erregte Szene, die damit endete, dast die Ehefrau, die in- zwischen von dem Arbeiter Lindemann Sukkurs erhalten hatte, blutüberströmt und mit dem Ausruf:„Hülfe I Ich sterbe I" zu Boden sank. Es stellte sich heraus, dast sie von dem Angeklagten einen Messerstich unterhalb des rechten Schulterblattes erhalten, der eine 6 Zentimeter lange und 2 Zentimeter tiefe Wunde verursacht hatte. Der Angeklagte war in höchster Erregung, entfernte sich vom Tat- orte und wurde später verhaftet, als er mit feinem Gespann auf der Chaussee fuhr. Bei seinem ersten Verhör soll er sich sehr danach erkundigt haben, ob seine Frau tot sei und seine Bemerkungen sollen darauf hingedeutet haben, dast er hoffte, sie würde nicht mit dem Leben davonkommen.— Vor Gericht bestritt der Angeklagte die Absicht der Tötung und behauptete, dast er nicht wisse, was er in seiner grenzenlosen Erregung getan, ob er mit dem Messer um sich geschlagen, ob er eS gegen seine Frau geschleudert, oder Ivas sonst gefchehen sei. Nach einer eingehenden Vernehmung des Amtsrichters Schneidereit, der Gendarmen Nasche und Goldbach, deS Gefangcnenwärtcrs B r a t j e, des Polizcisergeanten I a n i ck e und des Arbeiters Lindemann, der den sträflichen Umgang mit der Ebefran des Angeklagten bestritt, folgte ein längeres Gutachten des Sanitntsrats Dr. v. Ubisch, über den psyckfischen Zustand, in dem sich der Angeklagte bei der Tat befunden. Danach ist der Angeklagte ein geistig minderwertiger, etwa? psychopaibisch veranlagter Mensch, der sich in der Erregung zur Tat hat hinreisten lassen.— Die Ehefrau des Angeklagten, die vielleicht nicht mehr am Leben wäre, wenn der Messerstich nur ganz wenig tiefer in den Rücken eingedrungen wäre, batte ihre Aussage verweigert.— Die Geschworenen gaben ihren Spruch in Gemähheit des Antrage? des Verteidigers Rechts- anwalts Boitze nur auf Schuldig der gefährlichen Körperverletzung ab. Das Urteil des Gerichts lautete auf zwei Jahre Ge- f ä n g n i s. Eine überaus frivole Handlungsweise führte gestern den Wusch- anstaltsbcsitzer Franz Klawitter unter der Anklage der wissentlich falschen Anschuldigung vor die dritte Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte harte auf dem Hofe seines Grund- srücks und unter einer Treppe alte Bretter und Balken aufbewahrt, die als Brennholz dienen sollten. Ein in demselben Hause bei einem Professor H. bedienstctes Dienstmädchen fragte eines Tages den Angeklagten, ob sie sich nicht hin und wieder eine Kleinigkeit von dem Holz zum Feneranmachen nehmen könne, um dadurch einen Weg zu ersparen. Klawitter gab ohne weiteres fein- Einwilligung und äußerte noch dabei, er wäre zufrieden, wenn er den ganzen Kram los sein würde. DaS Dienstmädchen nahm deshalb wiederholt kleine Holzstückchen und verschenkte auch an eine arme Waschfrau geringe Quantitäten Holz. Nachdem es eines TageS zwifchen ihr und dein Angeklagten zu einer Auseinandersetzung gekommen war, wurde sie bald darauf aufs höchste erschreckt, als sie zum Polizeiburcau beordert wurde, wo man ihr mitteilt«, daß sie von Klawitter wegen Diebstahl angezeigt worden war. der sich in dieser Weise zu rächen gedachte. Ein Verfahren gegen das Dienstmädchen wurde bald wieder eingestellt, da es ihr glücklicherweise gelang, genügend Zeugen zu ibrcr Entlastung zu benennen. Nunmehr dreht« die Staatsanwalt- schaft den Spiest um und eröffnete ein Verfahren wegen wissentlich falscher Anschuldigung gegen Klawitter. Nach dem alten Sprich- wort: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein, muß Kla- witter nun seine Handlungsweise mit einer Gefängnis st rafe von sechs Wochen büß�n. Pokern ist ein Glücksspiel?— so entschied gestern die Straf- kammer des Landgerichts in M ü n ch e n l. vor der sich ein Gastwirt wegen Duldung dieses Spieles zn verantworten hatte. Der An- geklagte bestritt, sich schuldig gemacht zu haben, da nach seiner An- ficht Pokern kein Glücksspiel sei, weil hierbei die Geschicklichkeit und Intelligenz des Spielers von wesentlicher Bedeutung sei. Als er in seiner weiteren Beweisführung auf den„Fall Rnhstrat" hinwies, entzog ihm der Vorsitzende das Wort mit der Erklärung, daß die „Ruhslrat-Angelegenheil"� mir dem zur Anklage stehenden Fall absolut nichts zu tun habe(Nanul) und das Gericht selbst in der Lage sei, zu entscheiden, ob es sich beim Polern um ein Glücksspiel handele oder nicht. Hieraus wurden drei als Zeugen geladene Gäste jener Wirtschaft veranlaßt, zur Veranschaulichung dem Gerichtshofe im Sitzungssaale eine Probe des Pokerspiels zu geben, wobei einer der Spielenden den„Erklärer" abgab. Nachdem noch ein als Sachverständiger geladener Polizeikonimissar auf Grund seiner Wahrnehmungen und Umfragen in größeren Städten Deutsch- lands das Pokern als ein Glücksspiel erklärt hatte, kam der Gerichts- hos zu derselben Ueberzeugung und verurteilte den Angeklagten zu einer kleinen Geldstrafe.— Welch ein Glück, daß Ruhstrat nicht in München als Minister pokerte! Ein Skandalprozest in Dresden nahm gestern vor der fünften Strafkammer des Landgerichts seinen Anfang. Aus der Unter- suchungshaft, in der er sich seit dem 15. März diese? Jahres befindet, wurde der ehemalige Direktor der Dresdener Allgemeinen Versichc- rungsanstalt. die jetzt mit der„Augusta"-Berlin und der„Arminia"- München verschmolzen ist, Konrad Hermann Lehileithner vor- geführt, um sich wegen zahlreicher Fälle von Untreue, begangen in seiner Stellung als Leiter der genannten Anstalt, zu verantworten. Der Prozeß wird das Landgericht etwa acht Tage in Anspruch nehmen, 46 Zeugen und ein Sachverständiger sind geladen. Kammerfrau und Prinzessin. Die Beleidigungsklage des Frau« lein Milewski- Charlottenburg gegen die Prinzessin Henriette von Schleswig-Holstein ist, wie aus Kiel gemeldet wird, nicht zum Abschluß gelangt. Längere Vergleichsverhandlungen scheiterten. Das Gericht beschloß Vertagung, um den Gewährsmann der Prinzessin, den nach Korea abkommandierten Leutnant Eichborn, kommissarisch darüber zu vernehmen, ob der Inhalt des Briefes der Prinzessin mit seinen Angaben übereinstimme. Tie Prinzessin war nicht erschienen. Dagegen war Fräulein Milewski anwesend. Vsrlarnmiimgen. Der Zentralverband der Schmiede(Zahlstelle Berlin) hielt am 25. September im großen Saal von Keller, Koppenstraste, eine zablreich besuchte antzerordentliche Mitgliederversammlung ab. Der Zentralvorsitzende Lange- Hamburg referierte über die Kämpfe der letzten Zeit und ihre Lehren. Er liest die großen Streiks und Aussperrungen namentlich des letzten Jahres Revue passieren und zog daraus den Scblust. dast die kommenden Kämpfe an Umfang und Schärfe zunehmen werden. Kampfbereit müsse man dastehen. Die Taktik der Arbeiter werde eine solche der Beunruhigung werden müssen. An jeder Stelle, wo es notwendig wäre, sei vorzugehen. Komme eine Aussperrung, dann nehme man sie hin. Aber auch daran müsse man sich gewöhnen bei einem solchen Kampf, dast, wenn der Erfolg ausbleibe und der Kampf aussichtslos erscheine, dann an einem bestimmten Tage die Arbeit wieder geschlossen aufgenommen werde. Dann warte man bis zu geeigneter Zeit, um wieder die Arbeit einzustellen. Und so weiter. Unter lebhaftem Beifall schloß Redner mit einem Aufruf zum Rüsten, zum Agitieren und Organi- sieren. Dann verhandelte die Versammlung über die Anträge auf Er« höhung des Lokalbeitrages und des Lokalzuschlages zur Streik- Unterstützung. Nach sehr lebhafter Debatte wurden die Anträge mit 264 gegen 245 Stimmen abgelehnt.— Ein Antrag Schlinsty. in einer der nächsten Versammlungen einen Vortrag eines Anarchisten über„das Wesen deS Anarchismus im Verhältnis zur GewerkschaflS- bewegung" halten zu lassen, wurde abgelehnt. Vermifcdtes. Eisenbahnunglück. Aus Straßburg 1 Elf. wird vom Donnerstag berichtet: Heute früh 4 Uhr 17 Minuten stieß in Wingen ein Saargemünder Güterzug mit einer Rangierabteilung zusammen. Ein Lokomotivführer wurde getötet, ein Zugführer verletzt. Der Materialschaden ist erheblich. Der Zugverkehr ist nicht gestört. Lriekkasten der Redahtion. Abonnent Forstcrstrasse. Läßt sich so nicht beantworten. Die Ver« zollung erfolgt nach Gewicht. JuriftUcher Cell. Tic siiristischc Eprechstmide findet täglich mit AuSnabMe deS ToUliabtNdS bo»?>/, bi»»>/, Übe statt.(Ocofinct- adcndS 7 Übt. F. A. 100. Einstellung nach zurückgelegtem 42. Levensjahre ist auS- geschlossen, wohl aber ist Bcstrasung möglich.— C. Zt. Die Ellern.— H. B. 52. Die Schwester soll eine Anfrage an das Gericht richten.— R. Z. 1. Ob und wann Lohn für Feiertage zuzahlen ist, hängt von der Art der Lohnzahlung ab. Näheres finden Sic lichingen mit der eisernen Hand Neues. Ein SommcrnachtStraum. Weste». Der Freischütz. Kleines. Hidalla. Ansang 8 Uhr- Schiller v.(Wallner-Thealer.) Der Traum ein Leben. Schiller Si.(Friedrich Wilhelm- städtisches Thealer). Nora. Lessing. Clan. Residenz. Die Höhle des Löwen. Trianon. Madame Torera. Thalia. Bis srüh um Fünse l trarl Weis!. Wcltumsegler wider Willen. Luisen. Der Mann im Monde. Zentral. Die Geisha. Deutsch- Amerikanisches. Wer, Herr Herzog! Metropol. Vluf— Iiis Metropol I Kasino. Der Adelsnarr. Apollo. Eni Abend in einem amerika nischen Tingcl-Tangcl.— Am Hochzeitsabend.— Spezialitäten. Hcrrnfeld. Die MeherhainS. Wintergarten. Lote guller. Epe- zialitäten. Folios CapriceS. Nach dem Zapfen- streich. Soll und Haben. Passage. Poldi Auaustin. Herr Taciann. Spezialitäten. RelchshaNon. 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Montag: Der Mann im Monde. r Täglichkill Abend in einen) . afflerik.Tingel-Tansel Vorh.: Hochzeitsabend. Spezialitäten. Sonntag, den 1. Oktober er.: Erste tlaotimittags- Vorstellung mit amcrik. Tingol-Tangel u. Lustballelt Grigalatis zu bedeutend ermäßigten Preisen I An fan g S Uhr._ Trianon-Thealer. Heute und folgende Tage: �scZsrne Tfarers (Madame L'ordonnanco). Schwank in 3 Akten v. Jules Chancel. Deutsch von Max Schoenau. _ Anfang 8 Uhr._ LustspieGBiaus. Abends SV, Uhr: Per f amüicntag. Heute Jeden Abend 8 Uhrl zum Gastspiel Atl. Philipp 28. ABER» Male: Ilcvr Herzog Jeden Sonntagnachmittag 3 Uhr: Halbe Preise! »Ueher'n gioUen Teich," (.Trauia Tauben str. 48/49. 8 Uhr: Im lande der Mitti Sternwarte ilÄ Friedriehstr. 165. Neu! Tiieätre lumiere! Pariser Schattenspielszenen I m. Musik u. Gesangbegleitung.| Kinematograph-Theater: Wanderung durch Pompeji. Sturm auf Port Arthur u. a. m. Konzertsaal: Oberbayr. Sänger i „die Kochelsee'r". Täglich ab nachmittags 4 Uhr: (ZroKss Mililär-Konzert Eintrittspreis 1 M.; ab 6 Uhr 50Pf. Kinder unter 10 Jahren die Halste. Metropol-Theater Präzise 8 Uhr zum 21. Male: IM Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Kapollmeister Max Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Waiden a.D.xMißGiifford a.D. Bender x Giampietro Joseplii x Massary x Frid-Frid Steidi x Lilly Walter. Rauchen in all. Räumen gestattet. _ Anfang 8 Uhr._ Belle-Alliance Theater. Vari£t£I w Eröffnungs-j Programm» Ssnsation Berlins.! Premiere SgiMj.Ssplr.,! abends 8 Uhr. Iiis belle Äslnria.! Liane Leiscbner. Edi Blum. Renards russische Hunde-Meuto. j Leo Biliward. The 3 Onleys. Rose und Jehan. Sol-Do. Ital. Oporn-Parodisten. j Fidelio-fluartetl. Gesohw. Mertens. iames und Maud Thomas. Wehlfricd-Scxtett. 37/3 1 Billetts sind an der Theater- Kasse vorm. 10—2 Uhr u. hei A. Wertheim zu haben. Sonntags 2 Vorstellungen Nachm. 3 Uhr halbe Preise. Walhalla Theater Weinfaergsweg 19,20. Direktion: Richard Schultz. Sonntag, den 1. Oktober er.: EröffnnngS- Vorstellung: Sine tolle flacht. Vorher: Gr. Spezialitäten-Programm. Bernbard Rose-Theater Gcsinidbruniic», Badflrasje 58. Heute Freitag, 29. September er.: Die Falschmünzer oder: Nacht»nd Morgen. Drama in 4 Alten von Charlotte Birch-Pseiffer. Kasscncröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Entree Ztt Pf., numer. Platz CO Ps. (Abonnement 40 Pj.) Sonntag, den 1. Oktober, nach- Mittags 3 Uhr: Familie Guehholz. AbcndS: Die beiden Rejchenmliller. SeMller' Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Ree Traum ein lieben. Dramatisches Märchen in 4 Auszügen von Franz Grillparzer. Sonnabend, abends 8 Uhr: Xoca. Sonntag, nachm. 8 Uhr: Der Traum ein liehen. Sonntag, abends 8 U h r: Diu Wintermärchcn. Theater. Schiller-Theater H.(Friedr.-Wilh. Th.) Freitag, abends 8 Uhr: Xrnra. Schanspicl in 3 Aufz. v. Henrik Ibsen Deutsch von Wilhelm Lange. Sonnabend, abends 8 Uhr Der Ci'u'issentnvucm. Sonntag, nachm. 3 U b r: Fuhrmann Henschel. Sonntag, abends 8 U h r: Hofgnnst. Colosseum V Drcsdcncrstraßo 07. ch Morgen, Sonnabend, 8 Uhr Premlere des einzig dasteiienden, nur humoristisolien Programms. 16 Spczialitttten: der urkomische Bend!*, Littken Carlsen, WälfeOr�, der„gemütliche Sachse" Hochgemuth etc. eto. 43842* Zirkus Albert Schumann Heute abend präz. Tj, Uhr: DaS gr. internationale Programm. U. a.: Nur noch kurze Zeit! Russen in ihren aus 40 gezeichneten Leistungen Neu und höchst originell I Diertilapf In d.\M auögesührt von 12 Engländerinnen u. Amerikanerinnen Neu I Die phänomenalen •lohu und lioniei Boller mit Ihren hier noch nie gesehenen Vor- imil BliekwäPts-Saltoniortaie mit dem Zwcirad. Neu! Bim-Born, mus. Clown.— Neu! The Wally linste, Kombinations- Akt.— Neu I Le* Ronanis.— Neu! Mlll Cashmore mit ihrer Hundemeute. Ferner: Die großartigen Spe< zialitäten und Dir. Aid. Schumanns neue und moderne Dressuren. Sonntag: 2 Vorst, nachm. 3'/, Uhr (ein Kind frei) und abends 7'/, Uhr. Residenz-Theater. Direktion: Richard Htexandcr. Heute und solgende Tage Ansang 3 Uhr: Bie Höhle des Löwen. Schwank in 3 Akten v. M. Hennequin und P. Bilhaud. Sonntag nachm. 3 Uhr: tterkiiles- pillen._______ Carl Weiß-Theater. Gr. Franksurterstr. 132. Der WeltGrasegler wider Ansang 8 Uhr. Morgen: Gastspiel Paula Klär und Lill» Klehn: Goborah. Nachmittags: 1. Kindervorstellung, kleine Preise: Bio sieben Raben. Sonntag und folgende Tage:»er Weltumsegier«ider Willen._ W. Noacks Theater. Direktion: Roh. Dill. Brnnnenstr. 16. Zum letztenmal: £»tnpentnü31ers Pieschen. Nach d.Karlenlaubenroman bearbeitet. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Sonnabend: Extra- Elitevorstellung: Der Bettelstudent von Berlin. isaiast- Theater Burgslr. 24, 2Min. V.BH. Börse. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Das bFillante Septeiniier-Prograiiini. Les Miitons Reckpantomime Fred Sleffl Ueberzirkus Per Rohrpost Schwank und 9 weitere Spezialitäten. 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Nach der Vorstellung: Gr. Tanz. Ansang Sonntags(> Uhr abends. Ansang wochentags 3 Uhr abends. Nächste Vorstellung: Sonntag, den 1. Oktober. Rsssege-Tbesles. Anfang der Slbendvorstell. 8 Uhr, nachm. Sonnt. 3, Wochent. 5 Uhr. Fold! Augustin die fesche Soubrette. «err Tacianu Damen-Imitator. Das glänzende ISeptember-Programm. MMMMMMMMMVIMMMMMM»TW) II. Zimmermann Berlin SO. Juwelier Osgliionsts. 206 GoId= und Silberwaren-Fabrik, Uhren-Großhandlung. 4122L* Eigene Werkstat« für Neuarbeil u. Reparatur. Streng reell.— Billigste Preise. Koslilmstotfe, MäntetsloIFe, UsiW» Astrachan Konfektion: Jacketts t Röcke i Blusen C* PELZ� Kottbuserstraße 4. Budapesfer Possen-Theater 132 ünienslr. 132- Ecke Friedriohstraße. Kach dem Hapfenslreieh. Militär-Humoreske von Satyr. Vorher: Soll und Haben und der ausgezeichnete Spezialitätenteü. Kasseneröffnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Ah 1. Oktober: Sonntag nach- mittag 3 Uhr Vorst, zu halb. Pr. Eröffimiigs-Prooramm. LoVe Füller die berühmte Phantasietänzcrln. 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Witwe Torotbea Kurzmann nebst Kindern. 45052 MHU MM' firbeitff- WAA Rsiüahrer�Ereia4 Mitglied des Bundes „Solidarität". Touren am Sonutaz. 1. Oktbr.: 1. Abt. srüh 8 Uhr nach Strausberg, mittags 1-/2 Uhr nach Alt-Landsberg. Start Bülowstr. 59. 2. Abt. mittags 1 Uhr nach Teltow (Plekeuhageu). Start Urbanstr. 1. 3. Abt. srüh 7 Uhr Itreifzüge durch den Blunieuthal, 12 Uhr noch iitraus» berg(Rotkäppchen). Start Mariannen« park. 4. Abt. srüh 6 Uhr nach Eberswalde (Neue Mühle), mittags 12'/. Uhr nach Biesenth«!. t-tart Andreasplatz. 5. Abt. mittags 2 Uhr Familientou? nach Hirfchgarte»(Waldschlößchen). Start Elysiuni. 6. Abt. srüh 7 Uhr nach Nauen (Schützenhaus), mittags 1 Uhr nach Spandau(Kumke). Start Oderberger- straffe 39(Genossenschast). 7. Abt. mittags P/. Uhr nach Beelitz- hos(Kazorat). Start Kösliner Hos. 8.?tbt. mittags 12lU Uhr nach Velten (Paris). Start Waidstr. 8. 9. Abt. mittags 1'/,Uhr nach PichelS« werder. Start Braudenbttrger Tor. Gäste willkommen. KB. Heute. Freitag abend, Fahr- wartfitzung bei Ostrowsih, Schilling- straffe 24, pünktlich 9 Uhr. 25/20 Orts-Krankenkaste für das Töpfergewevbe z» Berlin. Hierdurch laden wir die Mitglieder unterer Kasse sowie diejenigen Arbeitgeber des Töpsergewerbes, welche Beiträge zu unserer Kasse aus eigenen Mittel» ieisten, zu einer am Freitag, den 6. Ottober, flattsind enden General-VerLanmiuny ein. Die Versammlung findet für die Arbeitgeber im Saal II und diejenige sür die Mitglieder im Saal IV deS Gewerlschajishauses, Engel-User 15, abends 7 llhr, statt. 275/5 Tages-Ordnung: 4. DelegiertenwahL 2. Vortrag des Herrn Dr. Christeller, Es sind nach der Gesamtzahl unserer Mitglieder zu wählen: 36? deit- geber, 74 Arbeitnehmer. Glei.-zeit!, geben wir bekannt, daff die Kasten stunden vom 1. Oktober ab geändeu werden. Die Kasse ist von dem Tags ab nur noch vormittags von 8—1 Uh» geöffnet. Der Torstand. Hugo lohn, Vors. Max Huhn, Schristj. Wir empfehlen unseren Lesern folgende 235/13* Neiicrslhciiülilgci! zur Anschaffung: Intime Briefe ferd. LafTaUes an€ltcrn und Bcbwefterr Herausgegeben von Ed. Bcrnstel? Preis 3 ll vas Slend des Strafoollzugi Von Dr. Georg Gradnaner. Preis 50 P, CHie follcn wir unferc Kinder ohne Prügel erziehen? Von Im. Borchardt. Preis 30 Pf. Sszialdemohratikche Semeinde- politik. Hest 1. Das kommunale Wahlrecht. Von Paul Hirsch und Hugo Linde- mann. Preis 36 Pf. Hest 2. Kominunale Arbeitcrpolitik. Aon Hugo Lindcmann. 40 Ps Die OebensmittelzSlle und d'l indirekten Steuern, wer s. zahlt und wem sie nützen? Zweite umgearbeitete Auslage. Preis 10 Ps. Seneralktreik und Sozial» demohratie. Von Roland-Holst. Mit einem Vor» wort von Karl Kautskh. Preis 1,20 M. Oer politische fassen streik. Vortrag, gehalten in Breslau, von Ed. Bernstein. Konfisziert gcwese» Preis 20 q' 1 '' Berlin SW, 68, I-indenstr. 69, I-ndcn.' Droßs Ketten 12 M) (Odertet,. 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Die Versammlung stimmte gestern allen Beschlüssen des Ausschusses zu; an der Wahlentrecht u n g der Schlafburschen, der durch Krankenhanspflege Unterstützten k. ließ sich ja nach der gegenwärtigen Rechtslage nichts ändern. Gestritten wurde nur- um einen Wahlrechtsverlust, der durch Uebersiedelnng in das Gefängnis Tegel herbeigeführt worden war. Es handelt sich zufällig um einen Redakteur des„Vorwärts", unseren Genossen K a I i s k i. Die sozialdemokratische Fraktion beantragte, Kaliski in die Wählerliste aufzunehmen. Genosse Stadthagen führte aus, daß Kaliski durch jene„unfreiwillige Erholungsreise" des Jahres 1304 nicht seinen Wohnsitz in Berlin ausgegeben habe. Das habe auch die Steuerbehörde anerkannt, indem sie ihm für die fragliche Zeit Steuern abgefordert habe. Die frei- sinnige Mehrheit der Versammlung ließ sich dadurch nicht hindern, den Antrag abzulehnen. An die vom Magistrat vorgelegte Aufstellung über die Wahlbezirke und ihreWählerzahl knüpfte Genosse B o r g m a n n kritische Betrachtungen über die Ungleichheit des Gemeindewahlrcchts. Er kam schließlich zu dem sehr beachtenswerten Vorschlag, daß man die dritte Wähler- abteilung, die jetzt auf 48 Bezirke verteilt ist, künftig auf 16 Bezirke verteilen solle, wie das mit der zweiten und der ersten Abteilung von vornherein geschehen ist. Es würde dann in der dritten Abteilung ebenso, wie jetzt in der zweiten und der ersten, jedesmal die gesamte Wählerschaft an der Wahl teilnehmen und zwar alle zwei Jahre. Jeder Bezirk wäre durch drei Stadtverordnete vertreten, und alle zwei Jahre juäre einer davon zu wählen. Borgmann sprach die Ueber- Zeugung aus, daß dann die Teilnahme amkommu- r.alcn Leben auch in der dritten Abteilung viel lebendiger sein werde. Das dürfte auch die Ueber- zcugung der Freisinnigen sein, aber eben deshalb werden sie ,ich für diesen Gedanken kaum sehr begeistern. Aeußcrn wollte sich gestern niemand von ihnen. Der Antrag unserer Genossen muß zunächst in einen Ausschuß wandern, der vermutlich heraustüftcln wird, daß die Sache„unawsfiihr- bar" ist. Es folgte dann die Beratung des von der„Alten Linken" ein- brachten Antrages, der auf Verhütung des Wahl- , e cht sverlustes durch Krankenhauspflege abzielt. Auch dieser Punkt der Tagesordnung erinnerte uns an die bevorstehenden Stadtvcrordnetcn-Wahlen. Wäre der An- trag von sozialdemokratischer Seite eingebracht worden, so hätten die Redner des Freisinns wahrscheinlich gespöttelt, er sei darauf berechnet, für die Wahlen zu agitieren. Bei freisinnigen Stadtverordneten darf natürlich eine gleiche Absicht nicht vorausgesetzt werden, nicht wahr? Unsere Parteigenossen bereiteten übrigens den Frei- 'innigen die Ueberraschung, ihren Antrag nicht zu unter- stützen. Herr K a e m p f, der ihn begründete, will dem gegen- värtigen, mit den Rechtsanschauungen des Volkes nicht mehr 'n Einklang stehenden Zustande„ein Ende machen". Genosse vtadthagcn erwiderte ihm, daß von der„Gesetzgebung", «uf die der Antrag verweist, herzlich wenig zu erwarten »i. Abhülfe könne nnr die S c l b st V e r w a l t u n g er Gemeinden schaffen. Die Wahlcntrechtung durch rankcnhauspflege könne nur beseitigt werden, wenn die Ztadt jedem, der in Berlin den Unterstützungswohnsitz habe, in Recht ans unentgeltliche Behandlung im tranken Hause zuerkenne. Gegenüber dem Antrag, den hierzu die sozialdemokratische Fraktion eingebracht hatte, versicherten die Redner des Frei- sinns, daß ihr eigener Vorschlag doch nicht so ganz hoffnnngs- los sei. Genosse Singer stellte ihnen in Aussicht, daß sie Dutzende von Jahre hindurch warten würden, und so lange werde die alte Ungerechtigkeit f o r t b e st e h c n. Seine Anregung, die Beschlußfassung über den freisinnigen An- trag zu vertagen, bis ein Ausschuß den Antrag unserer Genossen -.eprüft habe, fand keinen Beifall. Der Freisinnsantrag wurde .ngcnonimen, aber daneben mußte auch der Antrag der sozial- demokratischen Fraktion zunächst mindestens einem Ausschuß über- wiesen werden. Genosse Singer hatte spottend vorgeschlagen, die Stadt möchte zur silbernen Hochzeit des Kaisers ihren Widmungscifer dadurch betätigen, daß sie einen großen Fonds zur Gewährung unentgeltlicher Krankenhansbehaudlung stifte. Vielleicht überlegt sich das der Ausschuß? Oktobcrunizug. „Wcnn's doch erst überstanden sein nwchte", so seufzt mancher brave Hausvater, der in den letzten Wochen keine ihige Stunde in seinem Hause hatte. >„Wenn's nur nicht regnet und die Betten nicht naß 'erden," denkt besorgt die Hausfrau, die sich zu Seufzern gar -ine Zeit läßt, weil sie die Hauptlast der UmzugZplage auf .,re Schultern nehmen muß. Sic packt nicht nur ein, sie cheucrt, putzt und poliert an den alten Sachen herum von rüh bis spät. Man konnte es nicht länger aushalten in der ilten Wohnung voller Mängel, man hofft, sich ganz gewiß in er neuen Wohnung ein wenig zu verbessern. Und nüt den- zlben Hoffnungen ziehen andere Leute in die verlassene alte zohmmg hinein l Schon feit zwei Wochen ist der Oktoberumzug ini�Gange. roße, wohlgeschützte Möbelwagen ziehen durch die Straßen, meben hochbeladene. klapperige Fuhrwerke ohne Verdeck; man sieht auch Hundewagen mit allerlei Hausgerät, nach- geschoben von einem hülfsbercitcn Nachbar. Wer cS irgendwie vermag, zieht schon vor dem Ersten um. weil der TrarKport sich dann etwas billiger stellt. Ein guter Möbelwagen ist teuer. Das Mobiliar von zwei Zimmern und Küche zu transportieren, kostet mindestens 30 M.. Trinkgelder extra. Diese sogenannten Trinkgelder spielen große Rolle bei jedem Umzug, sie bedeuten zum großen Teil die Entlohnung für die Lastträger, die wenigstens 1,50 M. pro Mann erwarten und auch fordern. Diese Forderung erheben sie freilich an unrechter Stelle. Für die schwere Arbeit ist 1,50 M. als Lohn sehr wenig, als Trinkgeld sehr viel, wenn der Umziehende mit vier bis sechs Lastträgern rechnen muß und dem Transportunter- nehmcr schon einen hohen Preis bezahlt hat.— Selten geht ein Umzug so vonstattcn, daß nichts zerbrochen oder beschädigt wird, daher es auch im Volks- munde heißt, daß dreimal umziehen einmal abbrennen gleich- kommt.— Immer mehr Berliner ziehen nach den Vororten hinaus. Dort mehrt sich die Zahl der Neubauten stetig; viele neuen Straßcnzüge werden angelegt und ausgebaut. Durch das Fahrgeld wird aber die Miete bedeutend erhöht, und die Miete ist durchaus nicht billig in den Vororten. Die Sorge um eine gute Wohnung für sich und seine Familie hat schon manchem Arbeiter viel Kopfschmerzen gemacht und er probiert es gelegentlich immer wieder mit dem Umzug als Mittel dagegen, ein trügerisches Mittel freilich nur. Das 60 Mlllioiicliprojckt der Strasiclivah!» wird in der Presse lebhaft besprochen und findet, was immerhin beachtenswert ist, in verschiedenen Blättern lvarme Befür- !v o r t n n g. Besonders verdient vermerkt zu werden, daß die offiziell inspirierte S ch w e i n b u r gs ch e Korrespondenz dem Plan frcnndlim gesinnt ist. In einer Betrachtung meint sie: Ter Große des Planes cntspriclit auch der Nachdruck, mit dem er betrieben wird. Sein Fortgang hängt nunmehr, abgesehen von der Prüfung durch die Staatsaufsichtsbehörde, hauptsächlich von der Erledigung der Zustimmungsfrage ab. Für deren sachgemäße Er- ledigling können aber weder Stimmungen oder Verstimmungen, noch kleinliche Nücksichtcu fiskalischer oder sonst pluZmacherischer Natur den Ausschlag geben; für sie kann allein der Gesichtspunkt maßgebend sein, daß endlich die VcrkchrSbcdürstiisse befriedigt werden und zwar in dein Sinne einheitlicher Gestaltung des Verkehrs von Groß-Bcrlin, auf die der Oberbürgermeister der Rcichshauptstadt mit Recht so großes Gewicht legt. Welchen Verlauf auch die An- gelcgcnhcit weiter nehmen mag, so viel ist sicher, daß durch die kräftige Initiative der Großen Straßenbahn betreffs endlicher Be- fricdigung der VerkchrSbedürfnisse der Reichshauptsland der Stein ins Rollen gebracht und der Anstoß gegeben ist, der auf die eine oder andere Weise zum Ziele führen muß. Begeistert ist der„Berliner Börsen- Courier": Wenn die Stadtverwaltung auch einem solchen Anerbieten gegenüber aus kleinlichen Vorurteilen sich ablehnend verhielte, so wäre dies eine Kurzsichtigkcit, die man unseren städtischen Bc- Hörden nicht zutrauen darf. Außerdem hätten sie zu erwägen, daß der Gesellschaft die Genehmigung nach den Bestimmungen des Kleinbahiigesetzes auf dem Wege des Ergänzungsverfahrens von der Regierung erteilt werden könnte. Eine solche Zustimmung würde mit Sicherheit zu erwarten sein, da die Regierung die Rc- gelung der Berliner VerkehrSvcrhältnisse als eine dringliche und unaufschiebbare Ausgabe ansieht. Unter diesen Umständen wird man annehmen dürfen, daß die weitausschauenden Projekte der Großen Berliner Straßenbahn die Zustuununig aller b c- teiligten Organe finden werden. Daß sich damit für die Aktionäre glänzende Perspektiven eröffnen, bedarf keiner langen Auseinandersetzung. Und die Perspektiven der Aktionäre sind natürlich da? Wesentlichste I Die„Fr eis. Ztg." ist zurückhaltend: Im wesentlichen handelt es sich bei diesem Projekt nur uin den Sturmlauf zweier Gesellschaften und zloar der Hoch- und Untergrundbahngcscllschaft und der Großen Berliner Straßenbahn, einander bei der Erlangung einer Untergrundbahnkonzession den Rang abzulausen. Wenn es nun auch dcni Publikum an und für sich gleich sein kann, welcher von den beiden Gesellschaften die Einnahmen aus dieser neuen Bahn in die Taschen fließen, so hat sich doch wegen der wenig kulanten Behandlung des Publikums bei der Berliner Bevölkerung ein Schwergewicht zn Ungunsten der„Großen Berliner" in der Schale des Mißmutes gehäuft. Die„VolkS-Ztg." nimmt die Gelegenheit wahr, den städtischen Behörden ob dcS Schneckenganges in VerkehrSfrageu die Wahrheit zu geigen: Durch die Langsamkeit und Energielosigkeit, durch den Mangel an einem großen Zuge in der städtischen Verlehrspolitik hat sich die„Große" förmlich in den Gedanken hineinschieben lassen, daß sie trotz ihrer Unpopularität in Berlin inuner noch die Berufenste sei, die Verkehrsansprüche der Berliner Bevölkerung zu be- friedigen. Nur weil die Sladtverwallnng Berlins selbst als ver- kehrsfördcrndcr und vcrkehrSregulierender Faktor bisher so gut wie ganz versagt hat, nur darum konnte auch bei den Aussichts- deHörden die große Liebe zn der„Großen" ciitstchen, während cS an Vertraue» und Zuncignng zu der Initiative der städtischen Be- Hörden anscheinend gänzlich gebricht. Es ist zweckmäßig, aus diese? „psychologische Moment" aufmerksam zumachen, da eSden Schlüssel bietet für manches, was mif dem verkehrspolitischen Gebiete in Berlin passiert und— nicht passiert, also nnterbleibt. Achnlich äußert sich das„Berk. T g b l.": Es ist längst kein Geheimnis mehr, daß im Ministerium dcS Innern ein sehr beschleunigtes Tcinpo in puncto Verkehr dringend gewünscht wird. Die Verwaltung der Stadt Berlin darf sich da- her heute darüber nicht mehr beschweren, wenn sie übergangen wird; der Zllstaud ist zwar zn beklagen, aber nicht zn ändern, so- lange nicht ein frischer Hauch iu unserer städtischen Verlehrspolitik weht. Mit den fünf städtischen Straßenbahnliiiien ist cS wirklich nicht getan. Potsdamcrslraße, PotSdnnicrplatz, Leipzigerstraße und Spittelmarkt müssen vom Verkehr entlastet werden; diese Binsen- Wahrheit steht seit Jahren fest. Wer diese Entlastung herbeiführt, kann der Bevölkerung an sich gleich sein; traurig aber bleibt eS trotzdem, daß das Prinzip der Selbstverwaltung, das immer mit cineni so tiefen Brustton der Ueberzeugung im Roten Hause proklaiiiicrt wird, durch die von der Bürgerschaft Gewählten immer von neuem infolge der vollkommen nnzulänglicheil Verlehrspolitik erschüttert wird. BeachlcnSwert ist. was die„ V o s s. Z t g." über die An- schaumigen im N a t h a n s e zu melden weiß; nicht minder interessant sind ihre Vcinerkuiigen über die Haltiing der Staats- Behörden den von der Stadt eingereichten Projekten gegenüber: Man vermutete schon lange in städtischen Kreisen, namentlich soweit sie sich mit VerkehrSangclegenhciten befassen, daß die Straßenbahngcscllschast etwas Besonderes plane. Da" Steigen ihrer Aktien trotz des gegen die Stadt verlorenen Prozesses, trotz des immer näheren Hcranrückens de? Ablaufs der städtischen Konzession erregte einiges Befremden. Räm glaubt nun in dem jetzt veröffentlichten Plan die Ursache für diese befremdende Erscheinung gefuilden zn haben. Aber man ist in städtischen Kreisen, wenigsteilS auf Grinid der bisherigen Mitteilungen, nicht geneigt zu glauben, daß die Durchführung dieses großzügigen ÜnternehmenS wirklich ernst gemeint sei. Vielmehr Grund zn der Annahme zn haben, daß man damit nur eine Verzögerung der Ausführung der geplanten städtischen Straßenbahnen imd der Fort- fllhrung der Hoch- und Untergrundbahn in das Innere der Stadt als Untergrundbahn herbeiführen will. Zn dieser Annahme glaubt man sich in jenen Kreisen umso eher berechtigt, als die Stadt bereits selbst einen ähnlichen Plan für eine Unter- pslasterbahn im Zuge der Leipzigerstraße gehabt hat. Aber be» allen Perhandlungen, die die Vertreter der Stadt im Polizeipräsidium pflogen, wurde von feiten des Polizeipräsidiums betont, daß eine Untertnnnelung der Lcipzigcrstraße als einer Hauptverkehrsader des gesamten Wirt- schaftlichen Lebens Berlins eine Unmöglichkeit wäre. Das würde das völlige Ausschalten der Lcipzigcrstraße ans dem Berliner VerkchrSleben auf zwei bis drei Jahre� bedeuten. Auch gegen einen Antrag der Stadt, die PotSdainerstraße zu unter- iunnclii, wurden die gleichen Einwände vorgebracht. Die be- treffenden Anträge der Stadt wurden abgelehnt. In städtischen Kreisen verhehlt man sich auch nicht, daß diese Ablehnung sachlich vollkommen berechtigt war, da die Wirtschast- lichen Schädigungen, naniciitlich der Geschäfishänscr in der Leipzigerstraße, wahrend der mehrjährigen Bauzeit ganz ungeheuer groß sein würden. Die„B. Z. am Mittag" weiß zn melden, daß der Kaiser von dem UntertunnelungSplan vollständig unterrichtet ist. Geheimrat R a t h e n a n von der Allgemeinen ElcktrizitätSgcsellschaft und Vize- admiral H o l Im an n, der bekaimtlich Vorsitzender des Au nichts- r a t e s dieser Gesellschaft ist, haben den Kaiser davon in Kenntnis gesetzt, und dieser soll„ganz entzückt" davon sein. Diese Mitteilung verhält sich merkwürdig zu der hier erwähnten Stcllllligliahme, die die staatlichen Behörden den früheren Unter- tiiilneliingSprojekten gegenüber cingenommen haben. Auch luird sich, falls überhaupt etlvas ULahrcS an der Meldung sein sollte, das Entzücken wohl nicht auf die 90jährige BertragSvcrlängerung erstrecken lönncii. Nach der bürgerlichen Presse zn urteilen, muß also in kommunalen Kreisen es nicht ganz an Neiglnig fehlen, niit der daß der Straßenbahn-Direklion am Ende ans dem Grunde schon die Konzession bis zu dicscin entfernten Zeitpunkte zu bewilligen sei, weil ja doch kein vernünftiger Mensch anliehme» kann, daß der Bestand der liculigen Ordnung der Dinge bis dabin anhält. Man denke sich eines der wirtschaftlichen Monopole anS der Alten Fritzen-Zeit noch heute zn Recht bestehend! Auch die Leute, die den Bestand der göttlich genanten kapitalistischen Weltordnnng noch für einigermaßen sicher halten, Ivcrdcn nicht so verni essen sein, ihr noch fast ändert- halbhlindertjährige Dauer zuzuerkennen. Um übrigens ein weit näher liegendes Beispiel hcranznzichen, erinnern wir nur daran, lvie die achtzig Jahre alte Konzession an die Englische GaS-Gc- sellschafi, die übrigens der preußische Staat und nicht die Stadt verschuldet hat, der Gcnicinde Berlin lvie ein Pfahl im Fleische sitzt. Alles in allem dürfen wir wohl wiederholen, was wir gestern bereits sagten, daß nämlich eine Gewissenlosigkeit ohnegleichen dazu gehört, ans fünf Generationen hinanS die Einwohner- schaft Groß-Berlins an eine Privatgesellschaft zn binden, und solche Gewissenlosigkeit trauen wir selbst der Mehrheit deS Berliner Kom- milnalfrcisinnS nicht zn. Bemerkt muß noch werden, daß die Straßenbahn-Direklion bereits mit Zuckerbrot und Peitsche zu wirtschaften anfängt. Sie läßt verkünden: Was die Z n st i m m»» g s e r k l ä r nn g der Stadtgcmeinde anbetrifft, so scheint man nicht daran gedacht z>l haben, daß snach § 7 des KleinbahiigesetzeSl die Zustimillung der wegennterhaltinigS- pflichtigcn Gciiieinde durch den Oberpräsidenten ergänzt werden kann und daß der sin der Veschlverdeinsianz vom Minister der öffentlichen Arbeiten bestätigte) ErgänzuiigSbeschlnß den R e ch t s« weg ausschließt. Die in Frage koliimendcn Instanzen haben aber seit Jahren ans Beseitigung der Bcrkehrskalamität in der Leipziger- und PotSdainerstraße hingewirkt und wiederholt beut- lich zum Ausdruck gebracht, daß eine rationelle Abhülfe nur von Uilterpflasterbahnen zn erwarten sei. ES sprechen aber, ganz ab- gesehen hiervon, auch andere Gründe dafür, daß die Stadt- gemeinde sich mit dem Antrage der Straßenbahn schließlich doch noch befreunden wird. ES ist Sache der kommunalen Körperschaften, zn zeigen, daß auch dieser Wink mit dem Zaunpfahl euidriickSlos bleibt. Wenn die Sozialdcinolratie nicht ohnedies Uevcrfluß an AgitatioiiSmaterial zu den Stadtverordileteilwahlen hätte, so würde eine Aeußerung im Rathause ziigililstcn deS Projekts der Großen ihr im Fluge auch noch die Sympathien derer in der Masse der Bevölkerniig sichern, die jetzt noch zum Freisinn halten. Unter dem Zeiche» der Petitionen wegen GehaltS- und Lohn« erhöhiing stand die KuratoriniilSsitzilllg des B i e h- n n d S ch l a ch t- Hofes, welche am 27. September stattfand. Glatt abgelehnt wurde» die Gesuche dcS Vichmarkts-JiispektorS, der Oberansscher, Bodenmeister, Aufseher, des WagenmeisterS und Vorstehers der Tischlerwerlslatt und zwar meist mit Rücksicht ans die erst erfolgten Lohnerhöhungen. Dagegen lvinde auch dieses Jahr wieder be- schloffen, das Gehalt von»MV bis 1700 M. auf 1500 bis 1000 M. zu erhöhen, also daS Aiifaiig- und Höchstgehalt um 200 M. zu verbessern, in der Hoffnung, daß die? Jahr endlich die Pförtner dcS Vieh- und Schlachthofes den Pförtnern der Markthallen gleichgestellt werden. Auch wurde vom Kuratorium beschloffen, nachträglich dieselbe Erhöhung für die Stempler zu beantragen, für die in voriger Sitzung bis 1300 M. gefordert wurden. DaS Gesuch der Trichilienbcschailer nn»„Sicherung ihres Einkommens", das heißt Anstellung gegen festes Gehalt, wurde mit allen Stimmen gegen die unseres Genossen abgelehnt. Alk- Gegeiigriiiide wurden natürlich wieder die fadenscheinigsten Dinge und rückständigsten An- sichten geäußert.„Den Beschauern läge gar nichts an dem festen Gehalt, sie wollen dadurch nur Beamte werden". DaS Ivar der Trumpf, obwohl der Vorsitzende und der juristische Beirat zugestehen mußten, daß das feste Gehalt dicS nicht herbeisühren würde, war die Furcht vor den Lasten, welche der Stadt durch 600 neue Beamte erwachsen würden, doch anSschlaggebend. Der Rückgang des Verdienstes der Fleisch- beschaucr um 200 M., welcher wohl besonders auf Konto der Teuerung zn setzen ist. wurde mit dem HinlveiS auf die angeblichen Nebenbeschäftigungen der Flcischbcschauer bekämpft. Ganz besonders interessant war aber die Mitteilung eines bürgerlichen Stadt- verordneten, daß die Triebfeder der ganzen Bewegung der Fleisch- beschauer wegen festen Gehalts die„Frauen" dortsclbst sein sollen; diese wollten gern Beanitinnen werden. Noch kurioser Ivar der Einwand von gleicher Seite gegen das feste Gehalt, daß sich dann die Fleischheschaner bei jeder Kleinig- keiten, Kopfschincrzen usw. krank melden ivürden; dem Ganzen setzte aber die Krone auf die ans gleichem Muiide kommende Erklärung,„daß man gar keine Ursache habe, die in e i st durch P r o t e k t i o n Z w i r t s ch a f t h i n e i n g e k o m ni e n e n F l e i s ch- beschauer noch besser zu st e l l e n". Der einzige Sozialdemokrat im Kuratorium versäumte nicht, die sonst immer bestrittene Tatsache gebührend festzunageln und zn verlangen, alles zn tun, daß solche.Protektionswirtschaft" zu beseitigen Pflicfit des Kuratoriums sei, daß diesem aber kein Recht zustehe, die Sünden der Protektoren an den Fleischbeschanern zn strafen. Worauf natürlich eilfertig versichert lvurde,„daß jetzt so etwa? nicht mehr vor komnien könne". Ein Gesuch der Stempler(ehemalige Feuerwehrleute) wurde bis nächste Sitzung zurückgestellt, ebenso daZ Gesuch eines entlassenen Maurers um Wiedereinstellung. Zum Schluß wurde noch eine Snbkommission gewählt, welche die Vorarbeiten machen soll zur Errichtung cineS städtischen Pferde- Schlachthofes mit Schlachtzwang. Ansichtspostkarten. Wie jetzt bekannt wird, werden fortan An- fichtspostkarten mit brieflichen Mitteilungen auf der Vorderseite h\ BctTcfir zwischen 6cm ganzen europaischen Kontinent zllgelassen. Wie wir nutgeteilt haben, hatte das Reichk-post- amt mit sämtlichen europäischen Postverwaltungen Verhandlungen aiigckuiipft, um die Verschiedcnartigkcit der Bestimmuugen über die Zulassung von Mitteilungen aus der Bordcrseile von Bildkarten zu beseitigen. Am 1. September wurden denn auch diese Mitteilungen fast im ganzen europäischen Verkehr zugelassen. Abgesehen von Großbritannien, das sich gänzlich ausschloß, konnte lediglich die niederländische Postvcrwaltung von allen europäischen dem Ab- kommen vorläufig nicht beitreten. Es geschah dies nur deshalb, weil eine derartige Vergünstigung dort auch im inneren Verkehr nicht bestanden hatte. Das Fehlende ist jetzt nachgeholt worden, so daß auch nunmehr im Verkehr mit den Niederlanden fortan An- fichtspostkarten mit brieflichen Mitteilungen auf der Vorderseite gegen die Postkartcntaxe zugelassen sind. Eine entsprechende Vcr- fügung ergeht soeben von feiten des NcichSpostamtS an sämtliche Verkehrsämter. Der Zentralausschuß hiesiger kaiismäliiiischer, gewerblicher und nidlistricllrr Vereine hat beschlossen, beim ReichSpostamte zivei An- träge zu stellen, welche für weitere Kreise von Interesse sein dürften. Zurzeit besteht in bezug auf die Abholung von Postsendungen die Bestimmung, daß Einschreibsendungen, Briefe mit Wertangabe, Postanweisungen und Wertpakete eine zusammenhängende Gruppe bilden, so daß derjenige, welcher sich Postanweisungen abholen läßt, ge- zwungcn ist, sich die anderen erwähnten Sendungen gleichfalls ab- holen zu lassen; und zwar können Wertpakete lediglich vom Haupt- postainte in der Königstraße abgeholt werden. Infolgedessen sind dicsenigen Kaufleute, welche regelmäßig Wertpakete erhalten— wie dies besonders bei den Toldwarenhändle« der Fall ist— und welche sie infolge des iveiten Weges und des mit ihrem Transport verbundenen Risikos nicht abholen wollen, gezwungen, die für sie eintreffenden Postanweisungen gleichfalls sich bringen zu lassen. Es ist ihnen daher nicht möglich, die Bestellgebühr hierfür, welche bei größeren Geschäfteil erhebliche Summen beträgt, zu sparen. Das Bedürfnis nach dieser Ersparnis besteht besonders in bezug auf die auf Licichsbank-Girokonto zu übertragenden Postanweisungen, deren Abholung, da ja nur eine Verrechnung stattfindet, durch jeden untergeordneten Angestellten besorgt loerden kann. ES soll daher seitens des ZcntralauSschusses beim kaiserlichen ReichSpostamte beantragt werden, daß die Gruppe der Wertsendungen geteilt werde der Art. daß die Wertpakete einerseits und die Einschreibsendungen, Postanweisungen nud Sendungen mit Wertangabe andererseits je eine Gruppe für sich bilden. Hiernach würde derjenige, welcher sich seine Postanweisuugen usw. abholen läßt, berechtigt sein, sich die Wertpakete ins HauS senden z» lassen.— ES wurde ferner beschlossen, beim kaiserl. Reichspostault anzuregen, daß bei Ausgabe neuer Po st paketadressen- F o r nl u l a r c auf dem für die Mitteilungen des Absenders be- stiminten Postabschnitt der Vermerk„Stückzahl" ans der Vorderseite aufgedruckt lverdc. ES wird sich dann schnell die Gepflogenheit beim Absenden von Paketen einbürgern, die Anzahl der mit einer Paket- adrcsse abgesandten Pakete anzugeben. Da mit einer Paketadresse drei Pakete abgesandr werden können, so fehlt es zurzeit für den Empfänger, welcher lediglich jenen Postabschnitt zurückbehält, an jeder Kontrolle einmal darüber, ob die angegebene Anzahl von Paketen auch tatsächlich abgeliefert worden ist, und andererseits darüber, ob die Bestellgebühr richtig in Anrechnung gebracht ist. Berliner Adreßbuch 1906. Die HauSlistcn für den Jahrgang 1906 des Adreßbuch? für Berlin und seine Vororte sind nunmehr den Herren Hauseigentümern bezw. Verwaltern zur Verteilung an die Haushaltungsvorstände zugegangen. Im Interesse der Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Eintragungen ist es dringend geboten, daß die HauShaltungSvorstände die Listen persönlich ausfüllen. Nur auf diese Weise wird die genaue Schreibweise de? Namens verbürgt, und können die Wünsche der Eintragenden betr. Zusätze zur Berufs- oder Standesbezcichnung, Angabe der Sprechstunde usw. korrekt und zuverlässig zur Kenntnis der Adretzbuch-Nedaktion gelangen. Die Abholung der HauSlisten beginnt bereits am Dienstag, 3. Oktober. Es ist daher erforderlich, daß die Ausfüllung der Listen sofort ge- schieht. Wir verweisen auf das betreffende Inserat in der heutigen Nummer. Durch sechs Rcvolvcrschüsse hat sich gestern in der Nähe des Bahnhofes Grunewald der 41 Jahre alte Bauwächter Emil B ü l o w aus der Belzigerstr. 6Z in Schöneberg getötet. Vorher soll Büloto vergeblich versucht haben, sich zu erhängen. Arbeitslosigkeit soll die Ursache des Selbstmordes gewesen sein. Zeugen gesucht. Die Witwe Auguste Franz benutzte am 1. Juni kHimmclfahrtSlag) den Vorortzug JohanuiSthal�Schlesischcr Bahn- Hof. Als sie dort um 9 Uhr ankam, konnte sie da» Abteil des Gedränges wegen nicht schnell genug verlassen. Sie kam zu Fall als der Zug schon wieder in Bewegung war und wurde schwer verletzt. In einer Eutschädigungsklage ist eS von Wert, daß die Zeugen dieses Vorganges sich bei Witwe Auguste Franz. Landsbergerstr. 15, Oucrgcb. 4 Tr.(Blume) melden. Ein Wüterich.■ Seiner Braut den Hals abzuschneiden versuchte in der gestrigen Nacht der L9 Jahre alle Klempner Karl T r i h l e r aus der Skalitzerstr. 146. Er verletzte sie auf offener Straße mit einem Rasiermesser lebensgefährlich und ergriff dann die Flucht. Trißlcr lernte vor sechs Jahren die jetzt 34 Jahre alte Tochter Elisabeth deö Tischlers N. aus der Forsterstraße ans einem Tanz- kränzchen kennen und hatte seitdem ein Liebesverhältnis mit ihr. Weil er aber schon seit drei Jahren mehr und mehr ein aus- schweifendes Leben führte, so wollten seine Braut und deren Eltern, bei denen sie wohnt, von einer Verbindung mit ihm nichts mehr wissen. Trißler aber glaubte das Mädchen verschmähe jetzt ihn, weil es einem anderen zuneige, und wurdcniaßlos eifersüchtig. Schon vierzehn Tage lang lauerte er jeden Abend seiner Geliebleu vor den» Hause, in dem sie wohnt, auf. Vorgestern schrieb er ihr einen liebevollen Brief und bat sie, abends um 10 Uhr zu einer letzten Aussprache zu ihm auf die Straße herunter zu kommen. Der Ton des Briefes bewog sie, ihm mit Wisse» der Eltern dieses letzte Stelldichein zu bewillige», weil sie glaubte, daß es zu einer gütlichen Auseinandersetzung kommen werde. Bis kurz vor Mitternacht gingen beide auf der Straße der Nachbarschaft ans und ab. Dann vor dem Hanse in der Forsterstraße Ivieder angelangt, forderte Trißler eine bestimmte endgültige Erklärung. Das Madchen blieb dabei, daß es die Beziehungen zu ihm als gelöst betrachte und sie nicht wieder anknüpfen wolle. Nun zog Trißler plötzlich ein Rasiermesser ans der Tasche und stürzte sich auf die Ahnungslose. Bei dem Versuch, es ihm zu entwinden, verletzte sie sich an den Händen, aber nicht gefährlich. In der Todesangst rief sie den Gastwirt Freund, der im Erdgeschoß des Hauses sein Geschäft hat, und ihre Mutter um Hülfe. Aber während Freund und ihr Bruder, der auf ihr Geschrei ans Fenster der Vorderwohnnng ge- stürzt kam, ihr zu Hülfe eilten, gelang es Trißler, ihr einen tiefen Schnitt tu den Hals beizubringen, so daß sie blutüberströmt zu- sammenbrach. Dann ergriff er. von dem Gastwirt und seinen Gästen verfolgt, die Flucht, warf das blutbesudelte Messer auf �den Straßen- dämm und lief nach dem Landwehrlanal zu davon. Schutzmänner, die jetzt dazu kamen, brachten die Schwerverwundete nach der SamtätSwache am Görlitzer Bahnhof und von dort nach dem Krankenhause am Urban. Hier wurde sie sofort operiert. Gestern mittag lebte sie noch, die Verwundung ist aber lebensgefährlich. Trißler entkam seinen Verfolgern und ist»och nicht ergriffen. Er trägt einen geladenen Revolver bei sich und cS wird vermutet, daß er sich das Leben nehmen werde oder bereits genommen habe. Ihren Verletzungen erlegen sind zwei Verunglückte, der 14>/'z Jahre alte Laufbursche Emil Wendell aus der Wolgasterstr. 2, der Sohn eineS Maurers, und der 2'/, Ja/t» alte Sohn Richard des Schutz- manns Schulze ans der SiemenWr. 4. Wendell wurde ans dem Spittelmarkt von einem Leichenwagen überfahren und starb im Lnzaruökrankcnhaiise an UnterleibSguctschuiigeu, der kleine Schulze stieß eine Kanne mit bcißcm Kaffee vom Küchcntisch, so daß sich ihr Inhalt über seinen Körper ergoß, und verschied im Krankenhanse Moabit an den Folgen ausgedehnter Verbrühungen._ öerMllv. Bepgtteur; Pmil Pftitne;, BerLo. Für dko Unser schwerem Verdacht ist der 23 Jahre alle Vriesträger Wilhelm Hecker aus der Westfälischen Straße zu Haleusce in Unter- suchimgshaft genommen lvorden. Er lvird beschuldigt, auf dem Postamt, auf dem er beschäftigt war, Briefe und andere Sendungen unterschlagen zu haben. Unter Hinterlassung einer Schuldenlast von 30000 M. ist der aus Russisch-Poleu stammende Klciderhändler David E b e r t, der in der Chaussccstr. 72 einen Laden inne hatte, ans Berlin verschwunden. Eücrt verstand eS. obwohl er sein Geschäft ohne nennenslvertes Kapital gegründet hatte, sich durch sein sicheres Auftreten und durch allerhand'Vorspiegelungen bei hiesigen und auswärtigen Groß- konfektionären Kredit zu verschaffen. Den größten Teil der Waren soll der Durchbrenner sofort nach ihrem Eintreffen verpfändet haben. Zur Warnung für fremde Mädchen. Verschleppt wurde gestern ein von außerhalb hier auf dem Stettincr Bahnhof angekommenes Mädchen von einem fein gekleideten Manne in mittleren Jahren. Als das Mädchen sich nach dem Wege zur Lindenstraße erkundigte, gesellte sich der Mann hinzu und erklärte, ihm den Weg zeigen zu wollen. Das unerfahrene, fremde, junge Mädchen folgte dem Manne, der mit ihm in cutgegengesetzrer Richtung mit einem Straßenbahnwagen, der Beschreibung nach über Moabit nach Plötzcnsee, fuhr. Dort verließen beide den Wagen. Als der Mann mit dem Mädchen die Jniigfernhcide betreten ivollte, wurde das Mädchen ängstlich und fing an zu weinen, was Aufsehen erregte. Der Mann kehrte deshalb mit ihm um. Das Mäochcn, mißtrauisch geworden, wandte sich dann an einen Schaffner der Straßenbahn, der ihm den richtigen Weg zeigte. Nach einer dreistündigen Verspätung kam dann das Mädchen ganz aufgelöst nach der Lindenstraße. Der Mann hatte es vorher vorgezogen zu verschwinden. Der Vorfall sollte allen jniigcn Mädchen zur Lehre dienen. Wenn nicht zufällig andere Personen das auffällige Weinen deS jungen Mädchen? bemerkt hatten, wären dem sauberen Patron wahrscheinlich seine Absichten nicht durchkreuzt worden. Ein Eholcrafall ist bei E b e r? w a l d e festgestellt worden. Wie au? Steinsurt am Finowkanal gemeldet wird, hat bei dem Ziegelei- arbeiter Becker die amtliche Untersuchung Cholera al? Todesursache ergeben. Seine Frau und seine drei Söhne, die gleichfalls erkrankten, sind zu BcobachtuugSzwecken isoliert worden. Straßelieinfiurz am Teltowkanal. Der wolkeubruchartige Ge- wittcrrcgen, der Mittwochabend niederging, hatte zur Folge, daß sich in der stark abschüssigen Chausscestraße in Britz große Wasser- massen ansammelten, durch die der Straßenteil umnittelbar an der großen Teltowkanalbrücke, die im Mai d. I. dem Verkehr übergeben wurde, schnell unterwaschen wurde. Gegen 9 Uhr begann die Straße auf einer Zwecke von zirka 14 Meter allmählich wegzusiiiken. Kurz vor 9 Uhr stürzte der ganze Straßenteil bis dicht an die Straßenbahn- schienen und plötzlich mit Donnergcpolter in den hier jäh abfallenden Teltow-Kaual hinab, große Wassermeugcn auf beiden Seiten über die Ufer schleudernd. Glücklicherweise war die Gefahr des Einsturzes rechtzeitig bemerkt worden, so daß Personen und Fuhrwerke von der gefährdeten, sehr besuchten Stelle ferngehalten wurden. Auch hielt zum Glück das große Wasserrohr, das in die Längsachse der Brücke verlegt ist, dein Einsturz stand. Von der Brücke wurden an der einen Seite zum großen Teil die Fundamente durch den Ein- stürz bloßgelegt, so daß sie aus dem tiefen Wasserspiegel des Kanals frei aufragen. Die sofort nach dem Einsturz alarmierte freiwillige Feuerwehr von Britz arbeitete stmidenlana im strömenden Regen, um die notwendigsten Sicherbeitsvorlehrnngen für die Passage zu treffen. Aller Verkehr, besonders der Straßenbahn- verkehr wird vor der Einsturzstelle, die ein ungeheueres Loch im Straßenkörpcr von zirka 14 Meter im Durchmesser darstellte, inhibiert. Noch in der Nacht erschienen Arbeiterkolonnen der Firma Holzmann und der Charlottenburger Wasserlvcrke, die bis zum lNorgen durch- arbeiteten. Gestern vormittag konnte erst der eine Strang der Straßenbahn wieder in Betrieb genommen werden. Der Teltow- kanal muß an der Einsturzstelle wieder ausgebaggert werden. DaS schwere Gewitter, das Mittwoch abend über Berlin nieder- ging, hat auch in anderen Gegenden Deutschlands mannigfachen Schaden angerichtet. Wie aus Jena berichtet wird, schlug dort der Blitz in den wellbekannten Fuchsturm ans dem Hausberg und ent- zündete ein dort befindliches Holz- und Kohlenlager. Im Laufe der Nacht ist der Turm vollständig ausgebrannt. In Tautenberg demolierte der Blitz ein ncugebautes Haus. Mehrere Stück Vieh wurden getötet. Ter Besitzer'deS HauscS verlor durch den Blitz- schlag die Sprache. DaS Gerücht von einem Morde war gestern morgen in einem Teile der Stadt verbreitet. ES entstand dadurch, daß auf de» Stufen der EmmauSkirche am Lausitzerplatz ein Mann erschossen aufgesunden lvurde. Weil man die Waffe nicht bei der Leiche fand, so dachte auch die Polizei zunächst an einen Mord. Dann glaubte man, es mit dem entflohenen Trißler zu tun zu haben. Beide Annahmen aber treffen nicht zu. Der Tote ist festgestellt als ein Arbeiter Hermann Günther ans der Waldemarstr. 32. Nach Lage der Sache, nach der Art der Wunde von einem kleinkalibrigen Geschoß und nach der Lage der Leiche hat sich Günther selbst ent- leibt. Der Revolver wurde dann später gestohlen, sonst nichts. Neben der Leiche stand eine SchnapSflaschc. Ein Schuß auf ein Schulkind. Auf dem Schulhof wurde gestern morgen um 7 Uhr die acht Jahre alte Tochter Käthe des Schneidermeisters Schmidt aus der Lottuinftr. 2 angeichosscn. Sie besuchte die 53. Geineiudeschule in der Chorincrstr. 74. Hier versammelten sich die Kinder 5 Minuten vor dem Schulanfang auf dem Hofe und wurden dann geschlossen in die Klassen hineingeführt. Gestern morgen nun erhielt Käthe Schmidt mitten im geschlossenen Zuge einen Schuß in das rechte Ohr. Der Schnldiener brachte sie nach der Rettungs- Ivache in der Kastanienallee und von dort zur elterlichen Wohnung. Die Verletzung erwies sich zum Glück als nicht gefährlich. Ihr l!r- Heber wurde auf Anzeige des Rektors Schmidt von der Kriminal- Polizei ermittelt als der 15jährige Arbeitsbursche Waldemar Lemm, der Sohn eines Schneidermeisters aus der Kaftanien-Allce 57. Der Junge hatte mit einem Tesching auS der im zweiten Stock des Hinterhauses gelegenen Wohnimg auf den Schulhof hinabgeschosse». um einmal zu hören— ob es auch tüchtig knalle.— Wann wird der Unfug, daß Eltern den Besitz von Schießprügeln in den Händen ihrer Kinder dulden, endlich aufhören! Zu den Morden in Zeuthen nnd Eichwolde wird mitgeteilt, daß der geisteskranke Arbeiter Stöpper, der sich jetzt in der Irrenanstalt zu Senftenberg befindet, schwer belastet erscheint, die Frau Schumi ermordet zu haben. Es ist festgestellt, daß er sich an dem Tage deö Mordes von Wildau, wo er dem Gendarmen Moldenhauer die Kehle abschneiden wollte, über Miersdorf nach Zeuthen begeben hat. Stöpper machte den Chinafeldzug mit und wurde dort wegen Tot- schlag-? zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. In der Strafanstalt wurde er geisteskrank, daher überwies man ihn einer Irrenanstalt, aus der er später als gebessert cutlasien wurde. Seitdem war er bald z» Hanse in Wildau, bald lies er in der Umgegend umher. Nachdem er in einem neuen Anfalle den Gendarmen vergeblich in seiner Wohnung gesucht hatte, ging' er, wie durch Zeugen festgestellt ist, von Wildau nach MierSdorf. Hier besucbte er einige Gastwirtschaften, dann verließ er Miersdorf zu derselben Zeit, als Frau Schnrm mit einem Reisenden, der ermittelt ist, ebenfalls von dort ivcgging. Der Reisende ging die Ehnnssce entlang, während Frau Schnrm den Richtweg durch den Wald ein- schlug. Eine halbe Stunde vor dem Anffinden der Leiche Ivnrde Stopper in Zeuthen gesehen. Ain nächsten Tage fand man ihn dort — in Neu-Zeuthen— ans einem Gehöft in einem Versteck wieder. Er hatte Kopfbedeckimg, Rock und Weste abgeworfen t sie wurden später mit Blut befleckt wiedergesunden. Stöpper machte verworrene Angaben. Er wurde in Gewahrsam genommen nnd wird darin be- hallen, bis alle VrrdachtSnmstände nachgeprüft sind. Einsiweilen ivnrde er in der Irrenanstalt untergebracht. Durch die Rachforschnnge» in dieser Angelegenheit ist der Berliner Kriminalkommissar WannowSli auch wieder auf den Mord an der Schifferftau GraSnick Fvtoatkllteil veriotw-: ih Qliiti gstilic. v. P-rlsg; Aorwörtt zurückgekommen, der am 22. März 1960 in Eichwalde berübt wurde. Der früher einmal verhaftet gewesene Schlächter Teichmann hat sich durch sein auffälliges Gebaren lvieder verdächtig gemacht, so daß er auch in der neuen Mordsache als der Täterschaft verdächtig fest- genommen wurde. Tcichmann ist ein verbummelter trunksüchtige' Mensch. Am Sonntag, den 10. d. M.. am Tage nach der Ermordung der Frau Schnrm, besuchte er die Kirche in Köpenick, sprach während des Gottesdienstes von dem Morde an der Frau Grasnick und benahm sich derartig, daß man ihn aus der Kirche hinauswies. Dieser Auftritt veranlaßte die Polizei, ihn wieder festzunehmen, weil er möglicherweise auch mit der Ermordung der Frau Schnrm zu tmi hatte. Nach dem Mord an der Frau Grasnick wurde Teichinann festgenommen; belastet erschien er, lvcil er an jenem Tage eine Kuh von Deutsch-Wusterhansen nach Schmöckwitz getrieben haben sollte, also in der Gegend der, Mordstclle gewesen sein müßte nnd die Beschreibung, die ein Dienst- mädchen Günther von dem mutmaßlichen Mörder gab, ans ihn genau paßte. Teichmann Bestritt, an dem kritischen Tage in jener Gegend gewesen zu sein, und bot neue Alibibeweise an, die aber alle nicht sicher nachzuprüfen waren. Nur das eine wurde festgestellt, daß das Kuhtreiben nicht am Mordtage, dem 22., sondern schon am 14. März stattgesuudcn hatte. Schon an diesem Tage hatte sich Teichmmm auch die Kratzivundcn zugezogen, die daS Mädchen Günther an dem verdächtigen Manne gesehen hatte, der in ihrer Nähe einige Schritte von der Mordstelle plötzlich ans dem W�ide heraus- getreten lvar. Tcichmann galt in der ganzen Gegend als der Mörder der Frau Grasnick und machte sich auch nach seiner Entlassung durch Gespräche in der Trunkenheit noch weiter verdächtig.' Das Gerücht, daß Teichmann gestorben sei und vor seinem Tode ein Geständnis abgelegt habe, lvar in seinem zweiten Teile nicht unbegründet. Den ersten Teil konnte er allerdings widerlegen, indem er persönlich auf der Redaktion von Zeitungen erschien, die das Gerücht verbreitet hatten. Teichmann ging so weit, die Redaktionen zu belangen, begnügte sich aber mit einer Abfindung von je 5 Vi. Seinem besten Freunds, dem Schlächtermeister Hönolv in Teutsch-Wusterhausen, den er in Königs- Wusterhausen einmal traf, hatte er jedoch tatsächlich bekannt, daß er den Mord ans dem Gewissen habe. Teichmann war bei dieser Ge- legenheit, als er mit Hönow auf dem Wagen fuhr, sehr nieder- gelchlagen und bemerkte, mit seiner Freisprechung sei es nicht ab- gemacht, er hätte eS doch nicht tun sollen. Er könne so nicht wciicr- leben und werde sich lieber aufhängen. Hönow versuchte, aus ihm, noch mehr herauszubringen, Tcichniann schwieg aber nun beständig nnd schlug auch ganz gegen seine Gewohnheit eine Einladung zu einem GlaS Bier ab. Hönow erzählte von diesem Erlebnis anderen Schlächtermeister», die Teichmann ebenfalls kennen. Diese rieten ihm, mit Rücksicht auf TeichmannS Frau und Kinder zu schweigen. DaS tat er dann auch trotz der Belohnung von 3000 M. Auch die anderen Schlächtermeister schwiegen. Stur einiges sickerte durch und daraus entstand seinerzeit das Gerücht von dem Tode und dem Geständnis TeichinanuS. Erst jetzt nach der Er- niordung der Frau Schumi teilte einer der Schlächter- meister den Vorfall der Behörde mit. Daraufhin wurde Hönow ver- nommen und auf Grund seiner Aussagen das Ermittelungsverfahre gegen Teichmann Ivieder aufgenommen. Die emelAm Nachsorschuugel stellten fest, daß Teichmann am 22. März in Dentsch-Wusterhaus« einer Beerdigung beiwohnte. Von dort ging er»ach Ausweis l, Hcrbergsbücher über Eichwalde und Schmöckwitz nach KönigS-Wnste c Hausen' zurück. Die Wirtsleute der Herbergen entsinnen sich an. noch, daß jener Mann damals Kratzwundcn im Gesicht hatte. Teich mann hatte aber immer behauptet, daß er um diese Zeit in dep dortigen Gegend überhaupt nicht gewesen sei. Solange er r.ui in der Zcuthcner Sache vernommen wurde, blieb er ganz ruhig, sobald aber die Rede auf die Ermordung der Frau Grasnick kam und man ihn deshalb zur Rede stellte, änderte sich sein ganzes Wesen. Jetzt versuchte er es mir dem„wilden Mann". Zeugen, die ihn jetzt wiedersahen, erkannten ihn als den verdächtigen Mann vom Mordtage wieder, nur meinen sie, daß er etwas dünner sei. Inder Tat hat Teichinann seit jener Zeit körperlich etwas abgenommen. Der dringend Verdächtige sitzt vorläufig im LintSgerichtsaefängnis zu Königs-Wusterhausen. Die Voruntersuchung gegen ihn ist bereits eröffnet worden._ Im nnssrnschaftlichen Theater de? Urania wird am Montag, den 2. Oktober, abends 8 Uhr. Herr Professor Porschel über das Thema „Mit der Äaincra im Ballon" einen Vortrag halten. Die die Dar- bietungen begleitenden Aufnahmen sind auf einer Ballonfahrt vor Berlin bis zum Ricsengebirge, an der der Vortragende teilnahm, vo. dein sächsischen Artilleriehauptmann Härtel gemacht worden un stellen in technischer und wissenschaftlicher Hinsicht ciiic hervorragend� Leistung dar._ Vorort- J�aebnebten. Erkuer. Wege» NaudaufallS sind gestern zwei Handwerkeburschen c der Chanssee bei Erlner verhaftet worden. Die beiden Festgenommene die Arbeitsgesellen Löchert und Barnschky waren aus der Wandcc schaft nach Berlin begriffen und ihnen dabei das Geld auSgegangei Sie versuchten solches sich nun mit Gewalt zu verschaffen. Eine an, WaldeSrand unterm Gebüsch schlafenden jungen Handwerk«. hatten sich die Burschen als Opfer ausersehen. Sie überfielen de. Ahnungslosen und raubten ihm gewaltsam die Taschenuhr und em Portemonnaie mit etwa 7 Mark Inhalt. Der Ueberfallene lvar den beiden Räubern gegenüber machilos. In der Herberge in Erkner wurden die Täter jedoch von ihrem Schicksal ereilt. Sie trafen dori mit dem Beraubten zusammen, und nun komite die Festnahme der gefährlichen Handwerksburschen erfolgen. Sic wurden in das Amts- gcricht in Kalkberge-Rüdersdorf eingeliefert. Spandau. Das Spanbaucr Gewerkschaftskartcll, welches am 2l. Scptembei tagte, hatte sich mit einer sehr wichtigen ssachc zu beschäftigen. Schon seit Jahren beschäftigen die Metallarbeiter infolge ihrer Beitrags- leistung(sie zahlen 10 Pf., die anderen angeschlossenen Gelverk- schaftcn 36 Ps. pro Mitglied und Jahr) das hiesige Kartell. Da nun die hiesigen Metallarbeiter keine eigene Zahlstelle besitzen 'oildern Berlin unterstellt sind, gehören sie auch der Berliner C wcrkschaftskommission an. Da sich nun infolge dieser ungleich. Beitragsleistung Unzufriedenheit bei den anderen Gcwerlsckxiftc geltend machte, ist das Kartell mehrere Male bei der Gewerkschaft kommission vorstellig geworden, hat jedoch stets ablehnenden Beschs. erhalten. Da nun im zuletzt eingelaufenen Schreiben dem Karte ogar noch Vorwürfe gemacht wurden, daß es das Geld gar nick o nötig brauchte, indem noch nicht einmal die 10 Pf. abgehobc würden, so wurde der Antrag gestellt, die Metallarbeiter aus bei Kartell auszuschließen. Ter Antrag wurde mit schwache Majorität angenommen. Gleichzeitig wurde beschlossen, da fc: Zentralisation der hiesigen größeren Krankenkassen bevorsteht, eine Kommission zu bilden, welche die eventuellen Wahlen zur zentralisierten Kasse zu leiten haben. Auch wurde beschlossen, einen vom Parteigenossen Karl Thiel auS Dresden offerierten wissenschaftlichen Lichtbildervortrag stattfinden zu lassen, und zwar an Montag, den 16. Oktober. Ter Antrag, die im Jahre 1902 fallengelassene Bantenkoniroll wieder aufzunehmen, wurde bis zur nächsten Sitzung vertagt. Friedrichshagcn. Als choleravrrdächtig wurde am Donnerstag der Arbeiter Robert Bratz aus der RahnSdorferstraße iu das provisorische Eholeralazarett eingeliefert. Wie weit der Verdacht deS Cholera- anfalleS berechtigt, ließ sich bis zur Stunde nicht ermitteln, wie jedoch verlautet, soll ein Anlaß zu Lcmiruhignngen nicht vorliegen. - LuchdruSerei u. Berlggsanstalt Uaul Zwger&!&?., Perlw SM Tisehtev-Verein zu Serttn. (£•• H. Sir. 89. 199/6 ©omtßBcub, Seit 30. Se|>icmDcr, abcndZ 8'/� Uhr, Melchiorsir. 15: Mir Wensaimislmrag/."WH Tages-Ordnung: Vortrag des Serni Krempe:»Die Enlilchiinxi religiöser Begriffe". Diskussion. Vcreinsangelcgci, Helten, klusnnhmc neuer Mitglieder. Ausgabe der Billells zum 34. Slistungsseft i».Sanssouci" am Sonnabend, den 28. Ottober. Ter Borstand. Deyisclior Holzaiiisitsr-VerbaRd. Zahlstelle RixAorf. Achtnng! � Aehtoi-a! Montag, den 2. Oktober, abends 8-.. Uhr, bei Vkilsie, Ocrmannsiragc 213: 3rANekLN-Ve?SKmmwnK dzv BöbstpeUerer. Das Erscheinen aller Kollegen am Orte erwünscht.— Tagesordnung Kollegen Wird in der Versammlung bekannt geuiacht. — Tagesordnung [93/12] Ter Obmann Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute Freitag, abends 8Vz Uhr, im Gcwrrkschastshause, Engel-Ufer 12: Sl�TUNg SZSS» Aclttnng! Aehtnng! Färber mib WeLßgerber. Freitag, den 29. September, abends 3 Uhr, im Aiarienbad, Badsir. Z5/Z6: Versa in m l u n g.'HW T a g c s- O r d n u n g: Bericht der Mitglieder des EinigungsanitcS. Die Kollegen werde» ersucht, recht zahlreich und püulllich zu erscheinen. Ter Vorstand der Filiale I der Lederarbeiter Berlins. Parter- Speditionett: Rerlli» Zweiter Wahlkreis: Hermann Werner, Mitten lvalder- ftrage 30, V.Part.— vnitter>VahlIt,-elx: St. Fritz, Prinzenftr. 31, Hof rechts Part.— Vierter �Vahlhrels O.: Robert W e n g e l s, Frankfurter Allee 79.— MO.: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/1!» (Laden). Fiinfter Wahlkreis: Leo U u ch t, Ucibelstrafze 42 (Laden).— Meolister Wahlkreis(ktleahlt): Karl Ander», Salzwedelerstr. 8, im Lade».— We! o h r, x ppeiskaße 8, und Fr. S ch e! 1 h a j c,««Krabe 15a.— Zlarlen- .>rf: Hermann Reich ardt, Chaussceslrasie 16.— Banmschulen- Veg: Stock, Ernststr. 2,11.— Treptow: R. Voigt, Elsenslr. 87, bor» IN l.— Aken- WelKensee: W. Re s ke, �edansir. 53, pari. — Reinickendorf- W"e«t: Emil Sleuhoss, Eichbornsw. 54. — Reinickendorf- Ost. Wllhelinsrnh und Schön- holz: P. Gursch, Provinzstrasie l08, II.— Tegel, Borsigwalde. Balldorf und Waldinannslnst: Paul Kienasl, Borsigwalde, Schnbartstr. 43.— Pankow- Kicderschönhanseu: G. F r e i w a l d t, Florastr. 66.— Richwald«, Zeuthen, lllers- dorf und Rankels Ablage: Alsons Grätz, Eichwalde, Kronprinzens. r. 82, I.— Zsowawe«: Wilhelm I a p p e, Friedrich. ftrafje 1.— Spandau: K ö p p e n. Fagowslr. 9. Tlubordem ist jänitlichc Parteiliteratur sowie alle wissenschastlichen Werke dort zu haben. Ltttlh werde« Jtlserate für den„Vorwärts" entgegeitgenommen. Bitte nnssehnelden. LoÄÄÜLmokrsAseksr VMvsrÄn für üen S. SsrUner Beichstags-Walilkrels. Freitag, den 29. September, abends 8 Uhr: M Ksn«p«>WV«p««i»imIung IM in den Germania-Sälen, Chausseestr. 103. TageZ.Ordnung: Fortsetzung der Diskussion über: „WSttÄNZkkZMRZ md Taktik des Proletariats(Generalstreik)." Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 249/19 Zahlreichen Besuch erwartet»er Vorstand. KB. Der Ausschuu der Eewerkschaslskommission ist unter Angabe der vorliegenden Gründe über die aus- uahmsweise Slbweichung vom Dienstag verständigt worden. D. O. Zentral'Verband der Maurer Bentseblands. Zweitwerein SerUn. Sektion des« Gips- und Zemeaitbpauclie. Sountagz den 1 Gktober> vormittags W Uhr. im»Jatast-Tt/eattr«, Wolfgang- nnd Burgstraste Ecke: gSF General-Berfaiumlung. � TageS-Ordnung: Endgültige Beschlufifalfung zur Turchführung unsrrer für das Jahr 190S/V an die Unternehmer gesteUtcn Forderuiigen. 148/12» ajS�- Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Zutntt.'NC Oer Vorstand. KB. Da es der..Berliner Belonverein" abgelehnt hat, mit den Vertretern unserer Organisation wegen unserer Forderungen zu unterhandeln, so bcaustragte die General-Versaminlung am 15. d. M. den Vorstand, den Arbeitgebern unserer Branche die Forderungen nochmals einzeln zu unterbreiten. Im weiteren erklärte die Versammlung, dasi am Montag, den 2. Oktober, bei allen Unternehmern, welche die Forderungen bcasilligt haben, weitergearbeitet werden soll. Aus Grund dieses Beschlusses halten wir es für notwendig, dab Misere Kollegen im Lause der Woche, hauptsächlich am Sonnabend, den 30. September, ihrem Unternehmer nochmals die Frage, ob er die Forderungen bewilligen will, vorlegen. In der Versammlung am Sonntag werden die Unternehmer, welche die Forderungen bewilligt haben, bekanntgegeben. Die Kollegen sind nun verpflichtet, uns bis Sonnabend abend 7 Uhr jeden Unternehmer, der die Forderungen bewilligt hat, zu melden. D. O. i SozialöemokratiscIierWaliiveFeiii tue den 2. Berliner ReietetagswaliWs. Am 26. d. M. verstarb unser Mitglied, der Maurer UildeiA Scbllnibacti. Ehr« seinem Andenken! Die Beerdigung findet am L-onntag, den 1. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Luther-Küchhvfs in Maricnscldc aus stall. Zahlreiche Beteiligung erAz artet 239/3 Der Vorstand. PÜF' Neu eröffnet! I. Eltge Rosentiialerstr. 57 1. Etage Gelegenheitskäufe Spezialhaus Gardinen, Teppiche, Bettdecken, Stores, Ronlcanx, KongrcBstoffe ftujiergewölmlieh billige freisei Bitte genau auf Nr. 57 zn achten! sMk KM ioii M" Am Sonntag, den 1. Oktober 1005 aus vielseitigem Wunsch: Letzte Rerbst-Perlenfahrt !iach.n"2''/, uhr)"achd°rSLr!iner 5eiiwm.?wiebu8eb. Konzert und Tanz, Höhenfencr und Alpenglühen. Abfahrtsstellr: Ncstanrnnt zum Ichnltheist, Januowitz-Briicke. Preise hin und zurück nur AG Pfl, Kinder 23 Pf- Es ladet ergebenst ein 4507L Herrn. Gürtncr. Erklärung. Wir erklären hiermit, dasi wir die beim Zcmmerfest des sozialdemo- kratischen Wahlverelnü zu Ziunimelsburg am 16. Juli d. I. und später ge- sallenen beleidigenden Zleusjerungen unsererseits bedauern und zurücknehmen. Stralau, den 26. September 1905. 4478L Witwe R. Schonert. Georg Hochstein und Frau. Einladung zur General-Vernnluiig am Montag, den 9. Oltober 1905, abends S'/a Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15. 128/3 TageS-Ordnung: 1. Jahresbericht und Nechnnngs- legung. 2. Bericht über die statt- gehabte Revision durch den Genossen- schaftSrevisor. 3. Festsetzung des Oochslbetrages von'Anleihen und «varelnkanri, 4. Stalutenändermig 6. Verschiedenes. SilU', Zxar- Wohlnuigsverkin „Zolidalitiit" Eing. Genvssensch. m. beschr. Hastpslicht. BrnuoPoersch. Heinrich Bürger. Spareinlagen. 5. Neuwahlen. Möbel-Magazin. Fr. Janitzkow, Klgcne Tischlerei.[43i32«l XW., Tnrmstr. 45. Polsterwaren. Kigene Werkstatt. SozialäemoiiratiseiiJatiiifereiii für den iierlinerReieiistasswalitkreis. Todes-Anzeige. 3(tii 26. d. M. verstarb unser | Mitglied, der Maurer ! Auousl Rückerf Ruppinerstr. 21. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmitlagS 4 Uhr, von j der Halle des Friedens-Kirchhofes I in Niederschönhansen('Nordend) > aus statt. Um rege Beleiligung ersucht >249/20 Der«orstaud. Nach kurzem, aber schwerem > Krankenlager verstarb am 28. Sep- leniber, früh 12'/, Uhr, mein iuniggeliebter Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Grosivater > mch Bruder, der Restaurateur LliSlAV LossMNIN im Sllter von 47 Jahren. Dies zeigt tiesbetrübt an Im Namen der lrauernden Hinter- bliebeneu Ida llokkmsvn, geb. Kowalkowsk/. Berlin, 28. September 1905 Lldatbertstr. 24. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. Oktober, nach. mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Thomas- Kirchhofes in Nixdorf. Hcrinannstrasic, aus stall. Mal-ferW de? Masirer Deßtseiilaiils. Still Dienstag. 26. September, I verstarb unser Ehrenmitglied Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am ioimtng, den 1. Oktober, nachmittag 4 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Luther-Kirchhoss in Marienseide aus statt. 148/13 Zahlreiche Beteiligiing erwartet e örtliche Veruialtnng. Charlottenburg*. Allen Freunden und Genossen die Mitteilung, daß ich mit dem heutigen Tage das Schankgeschüft vpn Karl Sellin, Km»imcstr. 48, übernommen habe. 14500L Um geneigten Zuspruch ersucht Alfred Hertens, Wastwirt» _ früher Schloßstr. 22. WeraiBissäle (Bühne), 200 Personen, sind Svilli, nbend, Ii., resp. 18. November, Totensonntag, noch zu vergeben. «ommapdantenßr. 7L,»lnbbaR». dLer Umzugs»Tage von Freitag, den 29. September bis incl Mittwoch, den 4. Oktober verabfolgen wir auf samtliche Einkäufe* Doppelte Anzahl Sparmarken Wir geben sonst bei einem Einkauf von I Mark 4 Sparmarken, an diesen Tagen jedoch i� 3 Sparmarken, s W&räähsm o ffierioini 1. ieests0, □ • Ausgenommen sind einige Artikel; ■r.1..-j- I, riTii'yiiV'niir in-asai ilSnpS Elgouo Werkstätten! ------- C'n ...______________ Möbelfabrik. Die besten and billigsten Wuii siiiii��-Kiu rieht uugreu taufen Sie bei Julius llpeltg Tisohlermsisfer, FQr bestes u. trcckones Material garantiert! B© S0 H 21 SO,, SkalitZCrStraße 6, SM 801(01136? TOI'. a«9 vs ruf SN ist Piobnars pafeniierte unentbehrlich. Mit nrobartigem Erfolqe angewendet bei Ohrensausen. nervösen Ohrenleiden und tcilw. Wiedererlangung und Verbesserung! des Gehörs, wenn nicht voltsländig taub. Acrztl. Atteste. Trominel im[ Ohr fast nicht sichtbar. Preis t>ro Stück M. S.—. Zu beziehen per s Nachnahme durch � PiObiiEf IIiäl!c!!C" A 51' Uarwlstr. 26. 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Zieglcr. granlsurtcr Allee 82. Vau Charlottenbnrg, Wielandstr. 18. nnd Franlsurtcr Allee 141. F. Seifert». Co., Köpcnickcr- straße 154a. Bau Tegel Gasanstalt und Gcwchrsabrtl Spandau. Zentrale Teltow Neubau. Tcnipclhoj Ningbahnstr. 41. Vclvet- Fabrik Köpcnickcrstr. 13—20. Lcder-Fabrii Stcinlein, Thaerstr. 29/30. Gasglühlicht- Gesellschaft Auer, Jalobstrabc 139. Zl. Ghristophi, Chorinerstratze 23. Bau Rixdors, Siegsricd- und Ncisse- straßen-Eckc. Rcinickendors, Amcndc- stratze 82. Berlin, Sotdincrstr. 113. Janschtow. Wilmersdorf, Halen- fce, Bomstädtcrstr. 5. Bau Hirsch- seid. Rixdors Juliussir. 27, Sparr- stratze 16—17. Pippow, Fchrbellinerstratze 91. Bau Roslockcrsir. 2. Emil Lüding, Berlin, Wilhelm- straße 132, Slreckenarbcit Wannsce- Bahnhof. Die Kollegen werden dringend er- sucht, bis zur Erledigung der Diffe« rcnzcn die Firmen und Bauten streng zn meiden. Die aus diesen Bauten beschäftigten Bauarbeiter ersuchen wir, uns in der Kontrolle zu unterstützen. Die Bauten sind erst dann srei, wenn dies im „Vorwärts" belnmitgegcbcn ist. Deutscher Metallarbeiter- Berband. 123/8 Ortsvcrwaltung Berlin. Der Bau<,i-aiiaa in Stegliß» Berlinikesiraße 14/15, ist gesperrt. Tic Berwaltuug 93/3* des Hoizarbeitcr-BerdandeS. üedlllvg! SehiMg! IkMWcligt! In der o r d d e u t» e b e i» lliumm Fa briie. jiöpenlcker- straße l'iS(Kubisch«i. Redlich). bestehen Dissercnze». 93/10 Zuzug ist fernzuhtilteu. UchösitchZsdsitös-Vördgnti Zahlstelle Itcvlin. ! Tischler d. Einsetzer! Die Äantischlerei Schneider. vlörliticr llscr, nnd der Bau Schneider, Lichterscldcrstraße. Ecke Potsdamerstratze, sind wegen Differenzen gesperrt. 93/ U Die Orlsvcrwaltung. verantw. Redakteur: Paul Butiner, Berlin. Für den Inseratenteil veraatlv.: Th. Ässckr, Berliu. Druck u. Verlag: Borwärt» Kuchdrusscrei n. Verlagsanstalt Paul Sit'ger L- Co., Berlin SW.