Ur. 230. Abonnements-Bedingungen: WonnetntntS» Preis pränumerando: Pirrteljährl. S,30 9Rt, monaü. 1,10 Mk.. Ivächentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer S Pfg, Eonnlag-Z. Nummer mit illustrierter Sonntags. Seilage.Die Neue Seit- 10 Pfg, Post. ilbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Singetragen in die Post.ZcitungS. Preisliste. Unter Kreuzband skr Deutschland und Oesterreich» Ungarn » Mark, für das übrige Ausland 0 Mark pro Monat. SS. Jahrg. Cflfttist Vg»»»Btr tnonu», Devlinev Volksbl�kk. Die Tnlertlons-Gebabr beträgt für die sechSgelpaltene ktolone!. zcile oder deren Raum«0 Psg., stir politische und getverkschaslliche BereinS. und PersanimlungS-Anzeigen 2S Psg. „Uleine?n:«igen", das erste(seit. gedrucktes Wort 10 Psg.. jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über IS Buchstaben zählen sür zwei«orte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn, und Fesllagen bis S Uhr vormittag» gehssnel. Telegramm. Adresse! „S»Uld(ii»lint Berlin". Zentralonyan der fozialdcmokratifcben Partei Deutfcbtands. Redaktion: 8CQ. 68. Lindcnetraeec 69. Kernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 1. Oktober 1905. Expedition: 831. 68. Lindcnatraaae 69. {prrnfprcrfier: Amt IV. Nr. 1984. Parteigenolfen! Der Parteitag von Jena ist vorüber!. verdutzt und enttäuscht stehen unsere Feinde gegenüber jenen glorreichen Verhandlungen und wissen vor Zorn und Verlegenheit nicht, was sie zu dem Ausgange derselben sagen sollen. Ihre llrteile bewegen sich in schroffen Widersprüchen, verbrämt mit lächer- lichen Drohungen. Eine zerschmetternde Niederlage, wie sie das junlerliche Preuffen, der eingerostete Staat Friedrichs des Großen 1306 auf den Höhen bei Jena von Napoleon sich holte, so hofften und wünschten unsere Feinde, würden wir in kurzsichtiger Verblendung uns selber zufügen. Aber nicht für uns wurde die.rote Woche" in Jena eine Niederlage, sondern für unsere Gegner. Was sie erhofft, wurde zu Waffer und das alte Wort: Hoffen und Harren macht manchen zum Narren, hat sich an ihnen im vollsten Maße erfüllt. Um so selbstbewußter und selbstzufriedener kann die deuffche Sozialdemokratie, kann das klassenbewußte Proletariat auf die Tage von Jena zurückblicken. WaS dort beraten und beschloffen wurde, erfüllt unS nicht nur mit Genugtuung, jetzt handelt es sich auch darum, daS Beratene und Beschloffene in Taten umzusetzen. Es heißt sür uns alle: Auf, an die Arbeit I Wir dürfen nicht ruhen und rasten bis erreicht ist, was in Jena an Pflichten uns auferlegt wurde! In erster Linie handelt eS sich danim, daß die Parteigenoffcn überall sofort in Beratung treten, um, wo eS nötig ist, die vor- handenen Organisationen mit den neuen Organisationsbestimmungcn, die der Jenaer Parteitag mit großer Mehrheit gutgeheißen hat, in Uebereinstimmung zu bringen. Im weiteren müssen aber die vorhandenen Organisationen im weitesten Maße ausgebaut und wo solche noch nicht bestehen. raschestens gegründet werden. Innerhalb eincS Jahres die Zahl der organisierten Genossen in Deutschland zu verdoppeln, ist das mindeste, waS erreicht werden muß und erreicht werden kann. ES muß ein glühender Wetteifer unter uns entstehen, um das höchste zu leisten. Künftig darf eS nicht mehr borkommen, wie es bisher nicht selten vorgekommen ist, daß wenn der Zufall einen Wahlkreis in Nachwahl brachte, erst wieder von neuem organisiert werden mußte, weil man nach der Hauptwahl die Erhaltung oder den Weiterausbau der Organisation unterließ. Ein Wahlkreis, der künftig in ähnlicher Weise handelte, beginge ein Verbrechen an den Interessen der Partei. Ilm aber die geschaffenen Organisationen zu erhalten und zu erweitern, dazu muß der rechte Geist unter den Mitgliedern derselben vorhanden sein. Der Geist der Einigkeit und der Opferwilligkeit. der Eifer zu lernen, um sich über die großen Aufgaben und Ziele der Partei zu unterrichten und durch die gewonnene Erkenntnis immer neue Anhänger sür die Partei zu erobern. Wissen ist Macht! Unsere Macht darf nicht bloß auf der immensen Zahl der Köpfe beruhen, die wir für unsere Ideen und unsere Ziele gewinnen können, sondern sie muß vor allem auch auf dem Wissen und der Erkenntnis dieser Köpfe beruhen. Wir brauchen klare und zielbewußte Männer und Frauen, deren Kampfeslust und Begeisterung mit ihrem Wissen und ihrer Erkenntnis wächst. Ist aber die Verbreitung von Wissen und Erkenntnis über daS Wesen von Staat und Gesellschaft im Sinne der auf dem Jenaer Parteitag migenommenen Resolutionen, neben der mündlichen AufklännigSarbeit, vorzugsweise Aufgabe der Partelpresse und Parteiliteratur, so kann diese Art der Tätigkeit nur ihren vollen Wert erhalten, wenn die Parteipresse und Parteiliteratur auch gelesen und studiert wird. Die Verbreitung der Parteipreffe und Parteiliteratur unauS- gesetzt zu betreiben, ist also ebenfalls eine der vornehmsten Auf- gaben eines Parteigenossen! Keine Gelegenheit dazu darf versäumt werden. Bekanntlich fehlt eS häufig den Parteigenoffen in den mittleren und kleinen Orten an hervorragenderen geistigen Kräften, die zum Beispiel durch Vorträge den Stoff zu anregenden und belehrenden Diskussionen liefern. Hier muffen durch den Vortrag von Aufsätzen aus unserer wissenschaftlichen Zeitschrift„Die Neue Zeit" und der sonstigen Parteipresse und durch daS Vorlesen geeigneter Broschüren oder Abschnitte auS Büchern die fehlenden Kräfte ersetzt werden. Diese Vorlesungen bieten dann die Veranlassung zu Diskussionen, in denen die zu öffentlichem Reden veranlagten Parteigenossen am besten sich ausbilden können. Ein sehr wirksames Mittel zur AuS- bildung von Rednern ist auch, wenn die Parteigenossen eines OrteS einen auS ihrer Mitte beauftragen, in einer künftigen Zusammen- fünft in einem Referat über die stattgehabten Ereignisse von öffent- lichem Jntereffe zu berichten. In Orten, in denen die Zahl der Parteigenossen eine kleine ist oder in denen geeignete Räume zu Zusammenkünsten nicht zur Ver- sügung stehen, muß die Organisierung von Lese- und Debattierklubs, die in Privatwohnungcn zusammentreten, eine stehende Einrichtung werden. Die bevorstehenden Herbst- und Winterabende müssen zu diesen Zwecken gründlich anSgcnutzt werden. Wir sind bereit, den Parteigenossen an Orten, die auS eigenen Mitteln sich das nötige Material nicht zu beschaffen vermögen, mit Rat und Tat zu unterstützen. Parteigenossen! In Jena herrschte darüber nur eine Stimme, daß die theoretische Ausbildung der Parteigenoffen und dement- sprechend auch die Verbreitung unserer wiffenschastlichen Literatur in starkem Mißverhältnis stehe zu der Ausdehnung der Partei- anhängerschaft. Wir sind sehr in die Breite, aber ungenügend in die Tiefe ge- , wachsen. Wir wollen künftig allerdings noch mehr als bisher in j die Breite, aber noch weit, weit mehr auch in die Tiefe wachsen. Erst dann steht die Partei als ein mächtiger Baum, der dem stärksten Sturm trotzt, unausrottbar fest. Deshalb müssen wir alle, in welchen Stellungen wir immer sind, die gegebenen Winke beachten und ihnen gemäß handeln. Und noch ein anderes hat der Parteitag zu Jena für notwendig erklärt. Die gewerkschaftlichen Organisationen, die die Aufgabe haben, die Lage der Arbeiterklasse auf dem Boden der bestehenden Wirt- schaftsordnung nach jeder Richtung zu heben und zu verbessern und andererseits ungehörige Zumutungen der Unternehmer an die Arbeiter zurückzuweisen, sind eine unbedingte Notwendigkeit in der bestehenden sozialen Ordnung. Diese Organisationen erfüllen in umso vollkommenerem Maße ihren Zweck, je größer die Zahl der Arbeiter ist, die in einem be- stimmten Berufe ihrer GcwerkschaftSorganisation angehören. Sind sämtliche in einem bestimmten Berufe vorhandenen Arbeiter in ihrer Gewerkschaft organisiert, so hat dieselbe das Ideal einer GeWerk- schaftsorganisation erreicht. Es ist Pflicht eines jeden Parteigenoffen, wie eS in der vom Jenaer Parteitage über den politischen Massenstreik angenommenen Resolution heißt, für dessen Beruf eine Gewerkschaftsorganisation vorhanden ist oder gegründet werden kann, einer solchen beizutreten und die Ziele und Zwecke der Gewerkschaften zu unterstützen. DaS letztere ist selbstverständlich auch Aufgabe der Partei- presse, die dort, wo sie kritisch gegen Vorgänge in einer Gewerkschaft auftritt, nie vergessen möge, welche Aufgabe sie als Arbeiterpresse den Gewerkschaften gegenüber zu erfüllen hat. Parteigenossen! Die Zeiten sind ernst und sie werden emster. Die beiden Lager, in welche die moderne Welt geschieden ist, Kapi- talislen und Untemehmerklaffe auf der einen und daS mit der AuS- Weitung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung sich immer rascher vermehrende und stärker werdende Proletariat auf der anderen Seite. stehen sich immer schroffer gegenüber. Die Kapitalisten- und Nntemehmcrklasse will als herrschende und regierendeKlasse nicht nur kein Titelchcn ihrer auf Kosten des Proletariats angemaßten Rechte preisgeben, sie wird in ihren Anforderungen und HerrschaftSgelüsten immer ftechcr und unverschämter, indem sie die geringen Rechte und Freiheiten, die das Proletariat besitzt, diesem noch raubt oder zu rauben sucht. Sachsen, Hamburg, Lübeck sind Etappen in ihrem politischen Raubzuge, wie die Zoll- und gesamte Agrarpolitik den ökonomischen Raubzug an der Arbeiterklasse charakte- risiercn. Parteigenoffen I ES gibt nur ein Mittel, um künstig gegen ähnliche Raubzüge und Gewaltakte gerüstet zu sein, die möglichst vollständige Ausiiahme aller Proletarier und der mit diesen Synipathisterenden in die Organisationen der Sozialdemokratischen Partei. Gelingt es uns, in gewaltigem Maße unsere Organisationen zu füllen, die noch gleichgülttgen und darum ihrem eigenen Schicksal feindlich gegenüberstehenden Proletarier für unsere Ideen zu ge- Winnen, dann werden es unsere geschworenen Feinde femerhin nicht mehr wagen, das Proletariat wie bisher zu mißhandeln und zu ent- rechten, dann sind wir es, die ihre gerechten Forderungen stellen und auf deren Erfüllung bestehen können. Parteigenossen! Auf an die Arbeit! Ihr habt die höchsten Interessen zu vertreten, die höchsten Ziele zu verwirklichen. Ihr kämpft für die höchsten Güter, für die Menschen kämpfen können: Für die Herstellung eines freien, auf voller Gleichberechttgung aller beruhenden Gemeinwesens. Ihr kämpft für gleiches Recht und gleiche Pflicht, Ihr kämpft dafür, daß endlich auf dieser schönen Erde, die für Unzählige ein Jammertal ist, aber für alle ein Himmel- reich sein könnte, die Armut und das Elend verschwinden und der Mensch endlich ein freier Mensch und sein eigener Herr werde. Parteigenossen! Schließt die Reihen I Im Namen aller Unter- drückten und Enttechteten: Vorwärts! Hoch die Sozialdemolratiel ** • Parteigenossen! Die Konstittliennig des Parteivorstandes ist erfolgt. Die Adresse des Parteivorstandes ist wie bisher: I. Auer, Berlin SW. 68, Llndenstr. 69. An diese Adresse sind sämtliche für den Parteivorstand bestimmte Zuschriften zu richten. Geldsendungen sind dagegen nur an den Parteikassierer A. Gerisch. Berlin SW. 68, Lindenstt. 69 zu adressieren. Zur Kouttolle des Parteivorstandes und als Beschwerdeinstanz ist die aus neun Personen bestehende in§ 24 unseres OrganisationS- statutS vorgesehene Kontrollkommission gewählt. Dieselbe hat sich ebenfalls im Anschluß an den Parteitag in Jena konstituiert und sind alle Zuschriften, Beschwerden usw. für dieselbe an Heinrich Meister. Hannover, Langestt. 1, zu richten. Parteigenossen l Es gilt jetzt die in Jena beschloffene Organi- satton durchzuführen. Nach§ 4 deS Statuts müssen jetzt in allen Reichstagswahlkreisen, wo dieses nicht durch die Landesgesetze ver- boten ist, und solche noch nicht bestehen, Sozialdemokratische Vereine gebildet werden. Nach erfolgter Borstandswahl sind dem Partei- vorstände die Adressen des Vorsitzenden und des Kassierers mit- zuteilen. Wo auS gesetzlichen Gründen keine Vereinsorganisationen ge- schaffen werden können, haben die Parteigenoffen eine oder mehrere Verttauenspersonen zu wählen und deren Adresse sofort nach er- folgter Wahl dem Parteivorstand mitzuteilen. Die Art der Wahl bleibt den Parteigenoffen überlassen. Wir richten das dringende Ersuchen an die Parteigenossen, daS Ergebnis der Wahlen der Vorstände und der Verttauenspersonen an I. Auer, Berlin SW. 63, Lindenstraße 69. zu berichten. Der Um- stand, daß der bisherige Vorstand eines KreiSvereinS, wo solche schon bestehen, oder die Vertrauensperson wieder gewählt ist, darf kein Gnmd sein, die Neuwahl nicht zu melden. Auch die Bekanntgabe der Wahl in der Lokalpresse oder dem Zentralorgan der Partei enthebt nicht von der Verpflichung dem Parteivorstande so bald wie möglich die Adressen der Vorstände der Bezirks-, Landes- oder KreiSorganifattonen sowie die Adressen der Verttauenspersonen zu melden. Je zu- verlässtger unser Adressenverzeichnis ist, um so schneller lassen sich alle Parteiangelegenheiten regeln und desto wirksamer werden sich alle unsere agitatorischen und organisatorischen Maßnahmen erweisen. Parteigenossen! Die in Jena beschlossene Organisatton der Partei Deutschlands wird in vielen Kreisen eine Reorganisation der Vereine nötig machen. Wir fordern die Parteigenossen auf, so bald als irgend möglich mit der Reorganisation zu beginnen, damit die Periode deS UebergangcS möglichst bald überwunden wird. Wir lassen das in Jena beschloffene OrganisattonSstatut in großer Auflage drucken und werden eS den Parteiorganisationen und Vertrauenspersonen in der Zahl zustellen, wie sie in den einzelnen Orten bedürfen. Wir ersuchen deren Vorstände und Vertrauens- Personen, uns möglichst bald mitzuteilen, wie viel Exemplare sie für ihren Bezirk gebrauchen. Berlin, den 20. September 1906. Auer. Bebel. Eberhardt. Ebert. Gerisch. Molkenbuhr. Singer. Wenge! S. Nene Steuerplüne. l. Das Ende der Fiuanzreform. In der offiziösen Presse tauchen allerlei Andeutungen über neue Reichssteuerpläne auf— die ersten von den Steuerstrategen de? Reichsschatzamtes auSgesandten AufkläningSpatrouillen zur Sondierung des Terrains für den beabsichtigten Angriff. DaS Reichsschatzamt braucht notwendig neue Mittel, um den an seinen Säckel gestellten Anforderungen einigermaßen genügen zu können. Immer schneller steigen infolge der unablässigen HeereS- und Flottenvermehrungen die Ausgaben des Reiches: 1883 betrugen die etaiSmäßigen Gesamt- ausgaben nach Abzug der Ueberweisungen an die Bundesstaaten erst 742 Millionen Mark, 1393 bereits 1387 und für das RechnungS« jähr 1905 sind sie auf 2019 Millionen Mark veranschlagt. Während die Bevölkerung des neuen Deutschen Reiches preußischer Notton sich in diesem Zeitraum um 25 Prozent vermehrte, stiegen die Ausgaben um 172 Prozent— hauptsächlich infolge deS llnschwellens der MolochSopfer für Heer und Marine sowie der Aufwendungen für die Kolonialabenteuer der stetig wechselnden Welt- Politik. Im Jahre 1877, nach der Durchführung der neuen HeereS- organisation, betrugen die Ausgaben für Heer und Flotte insgesamt nur erst 435 Millionen Mark. 1888 stellten sie sich schon auf 590, 1898 auf 764 Millionen Mark und für 1905 sind sie auf daS nette Sümmchen von 954 Millionen Mark angesetzt. Noch rapider find die Ausgaben für die kolonialen Errungenschaften der imperialisttschen ReichSmittel-Verwässerungspolittk gestiegen. Sie stellten sich 1893 (1883 mußte sich Deutschland noch ohne Plätze an der Sonne be- helfen) erst auf 13 Millionen Mark, für daS Jahr 1905 sind sie aber im Budget mit 123 Millionen Marl veranschlagt: ein Bettag, der jedoch entschieden nicht ausreicht, denn die für die KriegSexpedittonen nach den südwestafrikanischen Sandwüsten angesetzte Summe von 8! Millionen Mark bleibt weit hinter den wirklichen Kosten des Hererofeldzuges zurück. Da die Einnahmen aus Zöllen, Steuern und Stempelabgaven, dem Postberkehr usw. diese steigenden Ausgaben nicht deckten, griffen alsbald nach der Begründung deS Deutschen Reiches Regierung und ReichStagsmehrheit zur Ausnahme von ReichSanleihen. Solche Anleihen boten ein probates Mittel, zunächst der Wählerschaft die Last der von der Mehrheit im.patriottschen' Eifer bewilligten Geld- forderungen weniger fühlbar zu machen und dadurch ihren Wider- stand gegen die stettge AuSgabensteigcrung zu schwächen. Hätte man zur Deckung der bewilligten Forderungen immer sofort neue Steuern erhoben, die Wähler würden der Bewilligungslust ihrer erwählten Vertteter entschieden ablehnender gegenüber gestanden haben. Das praktizierte Anleihesystem gestattete aber die Hauptlast der Ausgaben der Zukunft aufzubürden. Anstatt der ganzen bewilligten Sununen hatten die Wähler vorerst lediglich deren Zinsen aufzubringen. Dieses Shsteni der Zukunftsbelastung hat jedoch nach und nach zur Aufhäufung einer recht ansehnlichen Reichsschuldenlast geführt. Ende 1875 hatte das Deutsche Reich, wenn man die 120 Millionen Mark miverzinSlicher Reichskassenscheine außer Bettacht läßt, noch gar keine eigentlichen Schulden. Am Schlüsse des Rechnungsjahres 1884/85 betrug jedoch die Schuldenlast bereits 410 Millionen Mark, 1394/95--- 2081 Millionen Mark und Ende 1903/04 die respektable Summe von 3103 Millionen Mark, zu deren Verzinsung schon über 104 Millionen Mark erforderlich waren. Auf jeden deutschen Reichs- bürger kamen demnach im vorigen Jahre bereits 55 Mark Reichs- schulden, zu welchen natürlich noch die Schulden der einzelnen Staaten hinzugerechnet werden müssen. In Preußen stellten sich diese im vorigen Jahre auf 204 Mark pro Kopf der Bevölkerung, so daß auf jeden Preußen, vom Säugling bis zum Greise, nicht weniger als 259 Mark Reichs» und Staats« schulden entfielen. Tnmi deZhalö auf diesem Wege des fortgesefzten Schulden- tnachcuZ kaum weiter forkgewurstelt werden, zumal in den letzten Jahren das Neichsbudget regelniätzig mit gröberen Fehlbeträgen ge- schlössen hat. Allerdings liege sich durch die Einschränkung der �cercZ- und Flottcurüstungen, durch die Aufgcbnng der abenteuer« lichcn Kolouialpolitik salvie durch eine Reform des jetzigen Brannt- weinbcsteucrungöshsteniS, das den Schnapsbrcnnern eine jährliche Staatsdotation von über 40 Millionen Aiark in den Schoß wirft, leicht das bedenkliche Loch im 3!eich§säckel verstopfen? doch zur Er- greifnng derartiger Maßnahmen verspürt weder die Iiegicrung, noch die ihr zur Verfügung stehende RcichStagsmehrheit die geringste �e'gung. Mit einer Entziehung oder mich nur Herab- mindcruug der Liebesgabe an die schnapsbrenncnden Stützen des Preußischen Thrones und Altars vermag sich die preußische Regierimg in ihrer mütterlichen Besorgtheit um die Profitinteresscn des ostclbischen ��vßgrnndbcsitzcs absolut nicht zu befreunden, gehört doch die agrarische Licbcsgabcupolitik zu den altererbten hervorragendsten Eigentümlich- leiten des prcußisch-sozialen Königtums, lind noch weniger denkt die Regierung an eine Einschränkung der HcereS- und Flotten- rüstungcn i im Gegenteil sie hegt, wie verschiedene Andeutungen zeigen, den Plan, eine neue Nordseeflotte zn schaffen. Nun treten zwar im März nächsten Jahres die neuen Handels- vertrüge in Kraft, und es ist mit ziemlicher Sicherheit darauf zu rechnen, daß trotz der Zurücklegung eines Teils der Zolleinkllnfte für die projektierte Witwen- und Waiscnvcrsicherung die Einnahmen aus den Zöllen, die im Budget für 1905 mit 536 Millionen Mark tlngesctzt sind, in den nächsten Jahren um ungefähr 100 Millionen Mark steigen werden: aber dieser Betrag genügt der Regierung für ihre Zwecke nicht. Er würde bei einiger Einschränkung der ver- schicdenen Nessorts hinreichen, die Reichsfinanzen vorläufig auf eine sicherere Grundlage zu stellen, doch die Mittel für die Durchführung der im Kriegs- und Marineministerinm ausgebrüteten neuen Riistungsp.'äne liefert er nicht; und da auf diese die Iicgierung in keinem Falle verzichten will, so ergibt sich für sie die Notwendigkeit, auf irgend eine Weise die Einnahmen des Nieiches beträchtlich zu erhöhen. Um eine gründliche Ncichsfiiianzrcform im Sinne der Regierung und der reaktionären Parteien durchzuführen, wurde vor zwei Jahren, nachdem Herr v. Thielmaun abgesägt worden war, der bahcrische Finanzminister v. Stengel zum Leiter des Sieichsschatzamtes berufen. Seine Aufgabe sollte sein, d a S„ R e i ch i n b e z u g auf seine Finanzen selbständig" zn machen, das heißt die Stipendien, welche die deutschen Einzelstaaten alljährlich in der Form von sogenannten Matrülularbeiträgen an das Sieich zahlen, durch die Steigerung der Sieichseinnahmen aus— indirekten Stenern unnötig zu machen. Der in dieser Richtung unternommene Versuch ist jedoch, wie bekannt, im vorigen Jahr dem Reichsschatzsckretär nur zum Teil geglückt. Die Franckensteinsche Klausel, durch die alle Reichseimiahmen ans Zöllen und indirekten Steuern, die über 130 Millionen Mark hinausgingen, an die Einzelstaaten überwiesen werden mußten, wurde allerdings eingeschränkt, jedoch keineswegs so weit, wie Frhr. v. Stengel verlangte. Nur die Zölle und die Tabaksteuern wurden aus der Reihe der Ucbcrweisungsslcuern ausgeschieden, dafür aber diesen der Reinertrag der Maischbottich- und Branntwein- matcrial-Stcuer hinzugefügt. Ferner ivurde der eigentliche Kern der Regicrungsvorlage, der§ 2, der, wenn auch nicht formell, so doch faktisch auf die Aufhebung der Matrikularbeiträge hinauslief, in der Kommission wesentlich modifiziert und in dieser veränderten Fassung vom Reichstag am 9. Mai angenommen. Die Sozialdemo« kratie, die Freisinnige und die Süddeutsche Bolkspartci sowie die Freisinnige Vereinigung stimmten gegen diesen sogenannten„kleinen" Finanzreformversuch— vornehmlich aus zwei Gründen: erstens bildet unter den heutigen Verhältnissen die alljährliche Festsetzung der Matrikularbeiträge ein gutes Korrektiv gegen das bis jetzt aus- schließlich herrschende System der indirekten Reichsstcuern, und zweitens würde der Wegfall der Matrikularbeiträge den Reichstag vor den Zwang der Bewilligung neuer Stenern lselbstverständlich ebenfalls indirekter Steuern) gestellt haben, denn kann das Reich die Einzelstaaten nicht mehr zn Beiträgen für die ReichSausgabe» heranziehen, dann muß es notgedrungen in der einen oder anderen Weise selbst Deckungsmittel beschaffen. So wichtig denn auch die Modifizierung der Franckcnsteinschen Klausel durch das Gesetz vom 14. Mai 1904 in verfassungsrechtlicher Hinsicht sein mag, in finanzieller Hinsicht hat es nur geringe Bedeutung, denn seine Wirknng besieht im ivesentlichen nur darin, daß nicht mehr, wie früher, ungefähr 600 Millionen Mark jährlich zwischen dem Reichs schatzamt und den Finanz- Ministerien der Einzelstaaten hin- und hergeschoben werden, sondern nur noch zirka 200 Millionen Mark. Im Rechnungsjahre 1903 betrugen z. B. die Ueberweisungen an die Bundesstaaten 542 Millionen Mark, die Matrikularbeiträge der BupdeSstaaten au daS Reich 566 Millionen; im Jahre 1904 stellten sich die etatsmäßigen Ueberweisungen nur auf 196 Millionen Mark, dafür aber auch die Matrikularbeiträge nur auf 237 Millionen Mark. Biel ist also durch die„Reform" nicht gewonnen Ivorden. Noch bei der Beratung der„kleinen Finanzreform"(der eben er- wähnten Gesetzvorlage) hatte Herr v. Stengel in der Reichstags- kommission erklärt, daß an die Einführung direkter Reichsstcuern „in absehbarer Zeit" nicht zu denken sei. Im April dieses JahrcS hieß es plötzlich, daß er in seiner Bedrängnis bereits die Einführung direkter Sieichssteuem erwäge. Die „Köln. BolkSztg." wußte aus angeblich sicherster Luelle zn melden, daß der ReichSschatzsekretär eine ReichserbschastSsteuer nach dem Modell des elsaß-lothriugischen Erbschaftssteuergesetzes plane; jedoch derart, daß bei großen Erbschaftsbeträgen eine progressive Erhöhung der Steuersätze eintrete, die im elsaß-lothringischen System fehlt. Da die Erbschaftssteuer in Elsaß-Lothringen in den letzten Jahren durchschnittlich einen jährlichen Betrag von zwei Mark pro Kopf der Bevölkerung erbracht hat, würde eine derartige Reichs- erbschastsstcuer dem Reichssäckel wahrscheinlich jährlich die recht an- sehnliche Summe von 110—120 Millionen Mark liefern. Trotz dieses Ertrages kann das elsaß-lothringische System jedoch selbst nach bürger- lichen Begriffen nicht als hart gelten. Fast alle europäischen Kulturländer erheben weit höhere Erbschaftssteuern. England z.B., dessen Steuer- gesetzgebung, obgleich dort die Legende vom sozialen Königtum keinen Kurswert hat, sozialpolitisch auf einer viel höheren Stufe steht, als die der verschiedenen deutschen Vaterländer und besonders Preußen?, hat aus seiner dreigliederigen Erbschaftssteuer nach den Berechnungen von Professor Geheimrat G. Schanz in den Jahren 1894/96 einen jährlichen Steuerertrag von 6,60 M. pro Kopf der Bevölkerung gezogen, und in-Frankreich, wo bereits Kinder, die von ihren Eltern erben, l'/i Prozent, Ehegatten, die von einander erben, 3� Prozent, und Geschwister 8'/z Prozent zu zahlen haben, stellt sich der Ertrag pro Kopf auf beinahe vier Mark, also doppeltsohoch, wieim elsaß-lothringischen System. Neben der stufenweise steigende» Einkommensteuer ist entschieden die Erbschaftssteuer die der Billigkeit wie den Grundsätzen einer ver- nünftigen Sozialpolitik am meisten entsprechende Steuer. Sie be- lastet nicht, wie der Zoll und die Verbrauchssteuer, den am schwersten, der ohne Vermögensstütze in hartem, stetigem Kampf um das täg- liche Brot sich seinen Weg durchs Leben bahnen muß, sondern sie zieht den Sprößling au? sogen,„guten Hause" zur Sieuerpflicht heran, dem ganz unverdienterwhise— vorausgesetzt, daß man nicht seine Vorsicht bei der Wahl seiner Eltern, Onkel oder Tanten als genügendes Verdienst betrachten will— ohne jcg- liche Arbeit ein Vermögen zufällt. Und außer dieser prinzipiellen Erwägung kommt in Betracht, daß durch die Einführung einer Rcichserbschaftssteuer endlich im neuen Deutschen Reiche der geltende, für die herrschenden Klassen höchst profitable Grundsatz durchbrochen würde, daß die direkten Steuern den Einzelstaalen überlassen bleiben: ein Grundsatz, der bisher diese Steuerkategorie der Einwirkung der Rcichsgesctzgebung völlig entrückt und sie den Landtagen überlassen hat, die sie nieist so ausgestaltet haben, daß der große Grundbesitz möglichst geschont wurde. Gerade diese Gründe, die vom Standpunkte der Arbeiterklasse die ReichserbschaftSsteuer, lvenn>mn doch einmal neue Steuern er- hoben werden sollen, als die relativ vernünftigste erscheinen lassen, verekeln ihre Einführung aber den Vertretern des großen mobilen und immobilen Besitzes. Die Herren haben gegen eine Vermehrung des Heeres und der Flotte wie gegen eine imperialistische Aus- dehnungspolitik nichts einzuwenden, denn sie dient ihrem Interesse, da sie neuzubesetzende Stellen in der Armee und der Marine schafft, neue Licferungsaufträge einbringt und Gelegenheiten zur Erwerbung neuer Absatzmärkte und neuer Kapitalanlage-Märkte bietet, aber die Kosten für diese im Dienste ihrer eigenen Interessen stehende Politik wollen die Kapitalisten nicht tragen, die soll die große Maffe auf sich nehmen. So weit reicht der Prozent-PatriotismuS der Herren von Ar und Halm und der„königlichen" Kaufleute nicht, daß sie neben den Vorteilen auch die Nachteile der von der Negierung in ihrem Dienste befolgten Jntereffenpolitik auf sich nehme»— die Nachteile überlassen sie, generös wie sie sind, dem Plebs. Vor allem ist den Konservativen die NeichSerbschastssteuer höchst unsympathisch. Sie verspüren in ihren profitsüchtigcn Herzen nicht die geringste Neigung, die Steuersphäre des Reichs- tages gegenüber jener der Landtage, in denen sie herrschen, zu er- weitem und den Ausbau der direkten Steuern zu begünstigen. Warum auch? Sie stehen sich bei der Erhöhimg der Zölle und Ver- brauchsabgaben entschieden besser; denn erstens kommt von diesen auf sie ein weit kleinerer Anteil und zweitens haben sie von der Erhöhung der Zölle oder solcher schönen Verbrauchssteuern, wie die Branntweinsteuer, noch nebenbei ansehnliche Nebeuvorteilc, da durch diese Art der Zoll- und Steuerpolitik die fremde Konkurrenz vom deutschen Inlandsmarkt ferngehalten und der Preis ihrer landwirt- schaftlichen Produkte künstlich über das natürliche Maß hinaus ge- steigert wird. Zudem aber fürchte» sie, daß die NeichserbschaftSsteuer die Kontrolliernng ihres Einkommens erleichtern und bei der Ver- erbung die Steuer nach dem wirklichen VcrkaufSwert der Güter bemessen werden könnte. Und auf daS ihnen seit alters her in Preußen zu st ehe»de Privilegium des gesetzlichen und ungesetzlichen Steuerbetrugs möchten die Edel st en und Besten der Nation absolut nicht verzichten. Deshalb nahm denn auch, als die Gefahr der Einführung einer NeichserbschaftSsteuer zu drohen schien, sowohl die konservative lvie die liberale Presse sofort den Kampf gegen das„unmögliche" Stengelsche Projekt auf, indem sie alle die alten abgenutzten Argumente früherer Zeit aus der Rumpelkammer wieder hervor- suchte: die Behauptung, die Reichserbschaftssteuer hemme das Sparen, verstoße gegen den Begriff des alten germanischen Erb- rechts, beeinträchtige den deutschen Familiensinn, schädige in ein- seitigcr Weise den immobilen Besitz, beschränke das Steuerrecht der Einzelstaaten usw. Die meisten dieser sog. Gründe lassen sich einfach mit dem Hinweis darauf abtun, daß in all den Ländern, die seit Jahrzehnten weit höhere Erbschaftssteuern haben als sie für das Reich geplant wurden, nicht eine einzige der behaupteten unvermeidlichen Folgen eingetreten ist. Der einzige Gegengrund, der einige Berechtigung hat, besteht darin, daß bereits eine Reihe einzelner Bundesstaaten Landes- Erbschaftsstenern eingeführt haben, und diese Staaten also gezwungen wären, sich nach Ersatz für den Ausfall unkzuschauen. Das ist richtig; eine solche Ersatzbeschaffung bietet aber durchaus keine Schwierig- ketten, zumal der Gesamtertrag aller in den deutschen Einzelstaatcn erhobenen Erbschaftssteuern jährlich nur 25—30 Millionen Mark beträgt. Der Widerwille der Konservativen aller Schattierungen gegen das Stengelsche Projekt veranlaßte ihre Vertretung im Herrenhause, am 3. Juni d. I. die preußische Staatsregierung zn ersuchen, gegen die Einführung einer Reichserbschaftssteuer prinzipiell Stellung zu nehmen und ihren Einfluß im Bundesrat dazu zu benutzen, daß die Erbschafts- steuer den Einzelstaaten vorbehalten bleibe. Und die hohe Regierung hat sich, wie eS sich für sie als Sachwalterin der Interessen der Großkapitalisten und besonders der Edelsten und Besten Ostelbiens geziemt, willig dem besseren Ermessen jener Kreise untergeordnet. Wie die vermögenden Herren wünschen, hat die Regierung des sogenannten sozialen Königtums ihr Projekt einer Reichserbschafts- steuer dienstwillig kaltgestellt und sich wieder mal zu der Auffassung bekehrt, daß eS am rationellsten ist. sich die geforderten Mittel durch eine weitere Steuerbelastung des Verbrauchs der großen Masse zu verschaffen und die Steuerfähigkeit der herrschenden Klassen in zarter Rücksichtnahme ans den in diesen Klassen vorhandenen.germanischen Familiensinn" möglichst zu schonen. Das Reichserbschaftssteuer- Projekt ist in der Versenkung verschwunden. Statt dessen sollen die Steuern auf Tabak, Branntwein und Vier beträcht- l i ch erhöht werden. Im ganzen gedenkt man a l l e>n A n- ch e i n u a ch aus dieser neuen Steuerbelastung der breiten Volks masse einen jährlichen Mehrertrag von 200— 250 Millionen Mark herauszuziehen. Die Finanzreforin, über die in den letzten beiden Jahren unzählige Artikel zusammengeschrieben worden sind, ist pleite. Das Resultat der Stengelsche» Finanzkunst ist: eS wird fortgewurstelt— fort- gewurstelt nach dem alten Rezept, aus den ärmeren Volksschichten durch immer stärkere Belastung ihres Lebensunterhalts die Mittel für die ncureichsdeutfche Herrlichkeit herauszupressen. politische Geberlicht. Berlin, den 30. September. Bülotv— Agitator der Sozialdemokratie. Wäre die liberale bürgerliche Presse nicht so überaus kurzsichtig und so überaus feig, so würde sie mit ihrem heuchlerischen Weh- klagen, daß der Jenaer Parteitag den Scharftnachern„leider" neues Material geliefert habe, zu Hause bleiben und dafür den Ruf erheben: Fo r t mit B ü l o w I Für die besitzenden bürgerlichen Klassen ist doch die Aussicht auf eine schwere Zerrüttung aller wirtschaftlichen Verhältnisse und einen etwaigen politischen Massenstreik nicht an- genehm. Kein anderer aber als der geniale Reichskanzler hat mit seiner reaktionären Negiererei die Sozialdemokratie gezwungen, sich neben dem Kanipf im Parlament eine neue schärfere Waffe bereitzulegen. Im Reichstage sitzt gewissermaßen die Diplomatie der Arbeiterklasse, die, wenn eS gar nicht mehr anders geht, durch eine stets bereite Armee der Arbeiter selbst unterstützt werden muß. Allerdings keine Armee, die haut und schießt, sondern eine solche, die die Arbeit ver- weigert. Der Gedanke, daß der Reichskanzler diesen Erfolg glücklich erreicht hat, wirkt unendlich erheiternd, denn der nämliche Kanzler hoffte bekanntlich auf eine Spaltung der Sozialdemokratie. In seiner Phantasie sah er schon, wie„Revisionisten" von Bülows Gnaden Militär- und Marinevorlagen mit Hurra bewilligen, viel- leicht sogar ihre Töchter für patriotische Feste als weißgewaschene Jungfrauen ausleihen würden. Daß Fürst Biilow eine solche Spaltung wünschte, ist von seinem Standpunkt ans völlig begreiflich. Aber daß er zugleich eine Politik einschlug, die der Sozialdemokratie die Erbärmlichkeiten des Klassenstaatcs mit hanebüchener Deutlichkeit immer wieder vorführte, paßte ganz und gar nicht zu dieser Sehnsucht und zeigte nnt unheim- sicher Deutlichkeit, über welche Fähigkeiten der Mann, der momentan den deutschen Kanzler spielt, in Wahrheit verfügt. Er hätte doch wenigstens den Versuch machen sollen, seinen Phantasic-„Rcvisionistcn" Material zum Beweis zu liefern, daß der deutsche Klassenstaat nicht gar so ohne sei und man sich mit ihm wohl auf besseren Fuß stellen könne. Statt dessen ließ er die Reaktion sich wild austoben, half beim parlamentarischen Staatsstreich, durch den der Zolltarif durchgedrückt wurde, hinter den Kulissen mit, verletzte forsch das Budgetrecht des Reichstages, drohte den streikenden Bergarbeitern mit dem Schießeisen, ließ die kümmerliche Sozialreform vollends einrosten. Wohl fand er Worte großer Entrüstung gegen unsere Partei, aber niemals gegen die Verschwörer, die das R e i ch s t a g s w a h I r e ch t eskamotieren wollen, ja er lächelte ihnen sogar aufmunternd zn. Sein Lcibblatt, die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", versteht das Schimpfen in Marktweibermanier auf die Sozialdemokratie famos, gegen die Attentate auf das RcichStagSwahlrecht hat sie noch niemals solche Töne gefunden. Jeder Mensch, der nicht mit staatsmännischem Geist erfüllt ist, hätte vorausgesehen, daß eine solche Taktik den Bülowschen„Revi- fioniSmuS" nicht erwecken konnte, sondern der Sozialdemokratie die lleberzeugnng beibringen mußte, daß der Parlamentarismus allein nicht mehr genügt, um die kümmerlichen Rechte des Proletariats zu schützen. Und so sitzt denn der geistreiche Zitaten- Bernhard in einem riesengroßen Vlaniagclübel: Mit der Spaltung der Sozialdemokratie ist es nichts. Im Gegenteil geht die Partei daran, sich schärfere Machtmittel zu schmieden. Aber damit ist das Verdienst des Fürsten Biilow um uns noch lange nicht erschöpft. Er hat auch für die nächste Zukunft der Partei redlich gesorgt. Die Fleischnot arbeitet jetzt schon vortrefflich für uns. Sie trägt die Erbitterung! sogar in Kreise, auf die monarchische Regierungen sich zu stützen pflegen, vom Proletariat, das besonders schwer leidet, ganz zu schweigen. Welch herrlichen Tagen die deutsche Arbeiterschaft schon Ende 1905, also vor Inkrafttreten des Zolltarifs enigegengeführt ist, lehrt u. a. folgende Annonce, die wir neulich in unserem Chemnitzer Bruder- organ, der„Volkssiimme" fanden. Sie lautet: „Achtung! Empfehle heute wieder außergewöhnlich schönes, stiiigcS, zartes Mast-Roßfleisch sowie junges Huudcflcisch, auch alles andere in bekannter nur erster und bester Qualität. Alfred Schindler, Chemnitz, Roßschlächterei, Wurst- u. Fleisch- konservenfabrik mit elektr. Betrieb nur Brühl 23.— Tel. 3477. — Fil. Reitbahnstr. 17." Herrn Schindlers Geschäft geht also so gut, daß er, wie aus dem Schluß ersichtlich, sogar eine Filiale errichten mußte. Wird im nächsten Jahre der neue Zolltarif wirksam, so wird gewiß auch das Fleisch von jungen selbstgemästcte» Ratten und frisch geschossenen Spatzen darankommen. Dann sind wir glücklich so weit, daß deutsche Proletarier mitten im tiefsten Frieden das— salva venia— fressen müssen, was die Pariser im letzten Stadium der Belagerung von 1870/71 zu konsumieren gezwungen waren. Zn dem Fleischwucher gesellen sich dann noch die Tabaksteuer und die Viersteuer, wobei zu bemerken ist, daß daS Bier voraussichtlich schon durch den Zolltarif teurer werden dürste, weil die Gerstenpreise aufschlagen werden. Bessere Agitatoren als den Fürsten Bülow und sein Gefolge im Reichstage und in der Presse kann die Sozialdemokratie sich nicht einmal in der Phantasie konstruieren. Die Politik dieser Herrschaften ergänzt den theoretischen Unterricht, den die Sozialdeniokratte dem Proletariat und den nunderbemittelten Klassen erteilt, durch einen praktischen Kursus, der auch den Dümmsten die Augen öffnen muß. Wen Gott verderben will, den schlägt er mit Blindheit. Und so merkt es auch das deutsche Bürgerttim nicht, daß es vom Fürsten Bülow unter munteren Sprüchen in den Abgrund geritten wird.-- Die volle Kompottschüssel. Das gestern erwähnte Wort von der vollen Konipott- schüssel der Sozialpolittk scheint tatsächlich für unsere innere Politik richtunggebend. Die Offiziösen wenigstens schreiben bereits aus der anbetenden Inbrunst für die volle 5tompott- schüssel heraus. Ein Muster dieses vollen Kompottschüsseltoues ist die Sonntagsbetrachtung der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" über die Generalversammlung des Vereins für Sozialpolitik Dem Herrn Kirdorf, des Führers also der Jndustriefeudalen, die der Regierung so übel mitgespielt haben, widmet daS Vlat seine uneingeschränkte Hochachtung und findet nur seine Aeußerungen gelegentlich etwas schroff. Das etwas schrof, Klingende bestand, wie man lveiß, darin, daß der Gewaltige allen Heucheleien der christlichsozialcn Monarchie trotzig und verwegen ins Gesicht lachte. Auch den Kindlichkeiten SchmollerS rühmt das Regierungsblatt„eine reiche Fülle neuer staatswissenschaftlicher und philosophischer Ideen in geistreicher Form" nach. Dafür aber wird der Professor Brentano nüt den erdrückendsten Weisheiten der berühmt ge- bliebenen Denkschrift zur seligen Zuchthausvorlage tot ge- schlagen. Ueber Herrn Kirdorf wird zunächst bemerkt: „Neben den Arbeiterintcrcsscn fand aber auch der Standpunkt der Arbeitgeber auf der Generalversammlung eine entschiedene und zielbewußte Vetretung durch Darlegungen von Syndikats- führern und Generalsekretären der Jndustriellenverbände, vor allem aber durch ein anderthalbstündigeS Korreferat, in welchem der Generaldirektor des Kohlensyndikats, Geheimer Kommerzicn- rat Kirdorf, einer Einladung des Vereins folgend, seine An- schauungen über die Kartell- und Arbeiterfrage, unbekümmert um den seitens der Vereinsmehrheit zu gewärtigenden Widerspruch mit aller Schärfe darlegte." Dann aber geht es über Brentano her: „In Reden und Referaten, die in eine einseitig Unternehmer- feindliche und arbcitcrfrcnndliche Stimmung getaucht waren, fehlte es auch diesmal nicht, insbesondere der Bericht des Professors Lujo Brentano über das Arbeitsverhältnis in privaten Riesenbetrieben zeugt von einer totalen Verkennnng der wichtigen und unentbehrlichen Funktton, welche der Unternehmer als einheitlich leitende Intelligenz und zielsctzender Wille im modernen Wirtschafts- gettiebe ausübt. Er hat im wesentlichen nur zwei Farben auf seiner Palette, schwarz und weiß, von der ersteren macht er für die Betriebsleiter, von der zweiten für die„unterdrückten" Ar- bcitcr einen verschwenderischen Gebrauch. Die politischen Ziele der Gewerkschaften stellt er überhaupt nicht in Rechnung, obwohl der Jenenser Parteitag eben erst gezeigt hat. daß Gewerkschaften und Sozialdemokratie wohl getrennt marschieren, aber vereinig" schlagen»vollen, und daß die ersteren, soweit sie sozialdemokratisch sind, im letzten Grunde nicht weniger revolutionäre Ziele verfolgen als die letztere. Ein kurzer Blick in das moderne Geschästsleben mutz uns fem er ohne Iveiteres davon überzeugen, datz jede Schilderung einseitig und lückenhaft ist, die nur nach sozialdemokratischer Schablone eine Unterdrückung und Ausbeutung der Arbeiter durch die Unternehmer, nicht aber den durch das Drohmittcl des Streiks miszeübtcn TerrorismuS der Arbeiter gegenüber dem Unternehmer kennt, die in dem Arbeiter ohne weiteres den wirtschaftlich Schwächeren und eines erhöhten gesetzlichen Schutzes Bedürftigen sieht und nicht beachtet, datz uns vielleicht in nicht minderem Grade als der Schutz der Arbeiter ein Schutz der selbständigen wirtschaftlichen Existenz, vor allem auch der gewerblichen Mittel- betriebe, gegen Vergewaltigung seitens der organisierten Arbeiter- schaft not tut. Eine solche Matznahme besteht vor allem in dem Schutz der Arbeitswilligen gegen den üblichen Strcikterrorismus, Professor Dr. Brentano aber, der offenbar den Streik als solchen für eine wünschenswerte und berechtigte Sache betrachtet und sich nicht begnügt, ihn, wie matzvolle Sozialreformcr, als ein wenn auch notwendiges Uebcl anzusehen, kann sich nicht genug tun in Herabsetzung der moralischen Qualität der Arbeitswilligen, die er als Ausländer und abhängige, feige und ehrlose Kreaturen kenn- zeichnet. Bollkommen im Einklang mit dieser vorwiegenden Tendenz, das Licht bei den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern, den Schatten bei den Unternehmern zu suchen, ist auch die herab- setzende Kritik, die Brentano den„sogenannten" Wohlfahrts- cinrichtungen der Arbeitgeber angedeihen lätzt, in denen er nicht ein Mittel zum sozialen Frieden, sondern ein Kampfmittel zur Vergewaltigung der Arbeiterschaft sieht." Kompottschüssel I Kompottschüssel! Bereits wird das Lied geleiert, daß die Arbeiter jetzt genug haben, jetzt müsse man mal wieder den Mittclstaild retten. Und die Klagen über den mangelnden Schutz der Arbeitswilligen riechen bereits nach Zuchthausvorlage. Herrn Brentano und seinen Anhängern wird schließlich folgendes Zeugnis ausgestellt: „Jedenfalls ist Brentanos Referat, das bei einem großen Teile der Versammlung Znstinimung fand, ein Beweis, wie sehr manche Männer der Wissenschast auch heute noch trotz des Anwachsens der sozialdemokratischen Gefahr in sozialideologischen Utopien befangen sind. Auf den von Brentano an- geschlagenen Ton gingen z. B. Professor Dr. Bernhard»ug. Aber der Ab- schnitt c in der Einleitung zun» Vertrage spricht auch vom gegenseitigen Schutze„z»lr Ausrcchtcrhaltung der territorialen Rechte der Vertragsmächte in den Gebieten Ostasicns und Indiens und zur Verteidigung ihrer speziellen Interessen in den erwähnten Gebieten". Dann sagt Artikel IV:„Da Großbritannien spezielle Interessen hcit in allein, was die Sicherheit der indischen Grenzen be- trifft, so anerkennt Japan das Recht Großbritanniens, in der Nähe jener Grenzen solche Maßregeln zu ergreifen, die Groß- britannien für nötig hält, um die indischen Besitzungen zu sichern." Dieser Artikel scheint der»vichtigste des ganzen Vcr- tragcS zu sein. Denn um die indische Grenze zu sichern, be- trachtet es Großbritannien als absolut uvtlvcndig, daß der russische Einfluß von Afghanistan und Südpersieii ferngehalten »vird. Schon die Verlängerung der transkaspischen Eisenbahn nach Herat würde von Großbritannien als eine Verletzung seiner" speziellen Interessen betrachtet werden. Ebenso eine russische Festsetzung am Pe»-sischcn Meerbusen oder in Scistan(an der Südlvestgrenze Afghanistans). Auf diese Gebiete»vird die Aufmerksamkeit der politische»» Welt in den nächsten Jahren konzentriert sein. Jede Vorivärtsbclvegllng Rußlands nach jenen Gebieten wird von England als ein kriegerischer Angriff betrachtet»verde» und demgemäß Japan zum bündnismäßigcn Handeln verpflichten. Da Rußland allein nicht imstande ist, einen solchen Krieg zu führen, so»vird es sich,»venu es auf seine mittelasiatischen Ansdehnui»gspläne nicht verzichten will, nach Verbündeten umsehen müssen. Frankreich ist für derartige Abenteuer nicht zu haben. Bleibt nur Deutschland, dessen Hülfe Rußland suchen wird. Daß Deutschland sich verpflichten könnte, seine Söhne nach Seistan oder nach Afghanistan zu schicken, ist nicht anzunehmen. Und ailf eine andere Weise kann Deutsch- land in einen russisch-cnglischen Krieg nicht aktiv eingreifen. Daraus folgt, daß der Friede in Ost-, Mittel- ui»d Süd- asien a»lf lange Zeit hinaus gesichert ist und daß Rußlai»d sich nur den Dardanellen zuwenden kann,»venn es einen freien Abfluß nach dem Weltmeere haben will. Es ist indes stir einen Unbeteiligten viel leichter, diesen Gedankengang zu begreifen, als für Rußland, danach zu ha»»deln. Man darf deshalb annehmen, daß die russische Regienmg vorerst ver- schiedene Versuche machen wird, ihre Stell»ing in Asien einiger- maßen wieder zu erobern. Und diese Versuche»verden Deutschland Gelegenheit geben, seine Isolierung zu vcr- schleiern.— Veutfckes l�eick. Wie eil« gekröntes Hanpt i Der russische Mmifter Witte steht jetzt hoch in der monarchischen Gunst. Väterchen hat ihn in den Grafeustand erhoben. Aber auch der deutsche Kaiser schätzt Herrn v. Witte hoch ein. Als Witte in Rominten vor ihm erschien, übergab ihm der Kaiser nicht nur die Kette zum Grotzkreuz deS Roten AdlcrordenS, soi»dcrn sprach zu ihm,»vie Eugen Zabel in Petersburg von Witte selbst erfuhr »vvrtlich also: „Ich erweise Ihnen dieselben Ehren»vie gekrönten Häuptern, Sie haben außerordentliches geleistet. Ich gratuliere Ihrem Kaiser zum Besitz eines solchen Mannes. Wenn die Monarchen viele solche treue Diener hätte», würde man besser über die Monarchie denken." Eugen Zabel} ist nicht der Mai»n, der etlvas erflnukert, wie der erste Blick auf den sclsmnen Wortlaut vermuten lassen möchte. Es scheint also wirklich, datz der Kaiser die Monarchen im all- gemeinen»»icht besonders treu bedient glaubt, und datz er in dieser bedauerlichen Tatsache den Grund für die noch lveit bedauerlichere sieht, datz über die Monarchie nicht gut gei»ug gedacht»vird! Es ist neu, datz der Kaiser derart trübe Anschamingen über die Ei»»- schätzung hegt, die der Monarchie in unseren Tagen widerfährt!— RcichSfinanzen und Wchrstciicr. Die„Kol»». Ztg." glaubt mit Getvitzheit behaupten zu können, datz uirter den Steuervorlagen, die der Bundesrat im Monat Oktober beraten wird, die von verschiedenen Seiten euipfohlcne R ei ch s- W c h r st e u e r sich nicht befinde. Man begründe das damit, datz die ciftigstcn Bcfürlvorter der ReichS-Wehrsteuer mit dem Verlangen nach ihrer Einführung derartige Wünsche für die Verlvendung ihres Stericr- erträgnisses zu bestimmten Zlvecken verbinde»», datz schon mit Hinblick hierauf die ReichS-Wehrsteuer sin Verbände mit Ste»leri», die den allgemeinen Zweck habe»» sollen, unseren schwindsüchtigen Reichsfinanzen neue Kraft zuzuführen»md die Grundlage für die Gc- sundung unserer so sehr im Argen liegenden Rcichsfinanzivirtschaft zu bilden, nicht au» Platze zu sein scheine. Die ReichSrcgierung scheine auch die nochmalige Einbringung einer ReichSwehrsteuer, falls hierzu a»is parlamentarische»» Kreisen nicht eine erhebliche Uutcrstützuiig findende Anregung gegeben»vürde, aus dem Grunde fiir bedenklich zu halten,»veil die erste Vorlage einer Wehrstcuer im Reichstage eine einstimmige Ablehnung erfuhr. Der EtatS-Voran schlag fiir 1900 wird, wie weiter ber- lautet, trotz der allmählich sich bessernden Einnahmen der Brai»nt- wein-, Zucker- und Stempelsteuer cinen Ausfall bez. eine Vermehrung der nilgcdccktcn Matrikulardciträge bringe», die»och weit über die des Borjahres hinausgeht. DaS Etatsjahr 1003 ergab aber bereits einen Fehlbetrag von 73 Millionen, in denen 54 Millionen gc- stundctcr Matrikularbeiträge ei»thaltesi sind. Die jährliche» Zinse»» un serer Reichs schulden belaufen sich jetzt schon auf rund 130 Millionen. „Angesichts einer solchen Fsiiai»zlage, fügt das nationalliberale Blast hinzu, sollte sich doch jeder ReichstagS-Abgeordnete der Pflicht belvutzt»verde»», zur Gesundung der Re»chSfinaiize>i bei der Er- schlietzung neuer Ewnahmeguellen mitzuwirken, statt an dem grnnd- sätzlichen Widerspruche gegen alle Strnerprojekte sein Genüge zu finden. Ausgezeichnet gesprochen I Hoffentlich»verden sich»»»»N die nationalliberalen Abgeordneten der Pflicht bewußt »verden, nicht länger an dem grundsätzlichen Widerspruche gegen alle gerechten Steuerprojekte Genüge zu fiiidei», vielmehr endlich, statt der Vermehrung der indirekten Steuern, ReichSsteucri» zu Lasten der tragfähigen Wohlhabenden und Reichen zu bewilligen!— Zur Flcischnot. Wie die„Nordd. Allgein. Ztg." meldet, hat der Reichstagsabgcordnete Graf Udo Stolberg an den Reichs- kanzlcr eine Eingabe gerichtet, in tvelchcr er denselben ersucht, um die vorübergehende Flcischtcuerung in den großen Städten und den Industriezentren herabzumindern, eine Ermäßigung der Eisenbahntarife für lebendes Vieh herbeizuführen. Die Eingabe geht davon aus, datz der Eisei»bahntransport, durch»vclchen das Produkt dem Konsuincliten zugeführt»vird, als der letzte Akt der Produktion zu betrachten ist. Durch eine Erinätzigung der Trans- portkosten werde mithin eine Verbilliguirg der Prod»iksion herbei» geführt, tvelchc, ohne den Produzenten zu schädigen, dem Kon- sulncntcn zugute koirnne. Zugleich»nützte eine noch weitergehende Ermäßigung der Transportkosten für frisches Fleisch eingeführt »verden, damit die vom Gesetzgeber beabsichtigte„Freizügigkeit des Fleisches", die bisher mehr oder»venigcr nur auf dem Papier steht, ebenfalls eine verbilligeirde Wirkung auf den großstädtischen Fleisch- konsum ausübe» könne. Gegen die Forderung deS Führers der Agrarkonservativcn lätzt sich nichts einwenden. Gewiß würde auch in manchen Gegendeii die Ermäßigung der Eiscnbahntarifc zur Verbilligung der Vieh- und Fleischpreise bcirragcn: nur genügt diese Maßregel durchaus nicht, um irgend»vclchen stärkeren Druck auf die Preise auszuüben. Daz»» bedarf es einer wesentlichen Erleichterung der Vieh-»md Fleischeinfuhr auS den» Auslaiide durch Aufhebung der bestehenden Einfuhrbeschränkungen und-Verbote.■— Die Kölucr Polizcitnt gegen RitiiwenhuiS. An? Köln»vird»ins geschrieben: Domcla NiciüvenhiliS hatte gegen feine erneute Einkerkerung, zugleich»nit der telegraphischcn Beschwerde seines RechtSbeistandeS an den Minister, bei den» Polizeipräsidenten in Köln schriftlich Bcschlverde eingereicht. Darauf erschien am Freitagmorgen ein Polizeiinspektor bei ihm im Gefängnis und erklärte: Die Aus- weisiliigsverhandlmigei» seien noch im Gange; die Sache könne»vohl noch einige Wochen daucr». Kurz nachher aber erschien der nämliche Beamte und meldete, daß der Minister soeben Aniveisung gegeben habe, NienlvenhuiS sofort freizulassen. Er durfte sich bis gegen Abend ii�Köli» frei bewegen; dann»nutzte er mit dem V-Zuge 0.10 nach Holland abfahren. DaS'»st denn auch geschehen. Man hat in Berlin also vorgezogen, den bis zu der von uns berichteten persönlichen Schändung deS Greifes gediehenen internationalen Skandal nun doch so schnell wie möglich zu bcenden. Der Fall NiculvenhuiS»vird der preiitzischen Polizei unvergessen bleiben. Bei dieser Gelegenheit sei mich erwähnt, datz man auch die briefliche Korrespondenz des Verhafteten schikailierte: ein an» 21. Scp- tembcr von ihm datierter Brief an einen deutschen Bekannten gelangte erst am 29. September in die Hände des Adressaten.— Militaristische Mvrdgcscllcn. Nach der Bluttat eines betrimkenen Leutnants in Lissa, über die»vir gestern berichteten, wird heut eine ähnliche schändliche Missetat aus Gotha gemeldet: AlS der Rentier Perlet, der Sohn des früheren Landtags- Präsidenten, in der letzten Nacht von einem militärische» Abschieds- essen kam, hatte er ein Rcnkontcr m i t d r e i A r b e i t e r»». Er holte aus seiner Wohnung ein Gewehr, verletzte durch Schrotsä>us? alle drei Personen,»velche flüchteten und die Klinik a»lfs»ichei» mußten. Die Sozialpolitikcr und Genosse Molkcubnhr. In der„Frank- furter Ztg." ul»d nach ihr in der„Norddeutschen Allgemeinen Ztg." finden»vir aus Anlaß der Mamiheiiner Generalversammlung des Vereins für Sozialpolitik folgende Be- haupwng: „Neben den benifeiien Vertretern der nationalökonomischen Wissei»schaft beteiligten sich so an dem Nedeturiiier einzelne Führer der christlichen und der Hirsch-Dunckcrschen Gelverkvereine, und so- gar der sozialdemolratische Abgeordi»ete Mollenbuhr hatte ein Kor- referat zur Frage des Arbeitsverhältnisses in den Riesenbetrieben zugesagt, allerdings aber sein Vorhaben, und zwar ohne,»vie eS sich gebührt hätte, die Vereiirsleitung dabo»» in Kenntnis zu setze»», in letzter Ssiliide aufgegeben— offenbar auf höheren Befehl,»veil zun» neuel» Ton der Jenenser Tagung eine fried- liche Aussprache mit bürgerlichen Sozialpolitikerl» nicht zu passen schien." Die gai»ze schöne Geschichte ist freie Phantasie. Mollenbuhr wollte, natürlich im Einverständnis»nit der Parteileitung, auch an dem Kongreß teilnehmen: eS»var ihn» bei der ersten Einladung das Korreferat angeboten. Bereits ain 21. Jult aber teilte er dem Prof. Brentano ii»it, datz er nur dann komnlei» könne,»venu»»icht die Parteigenossen in Essen seine Aiilvesenheit in» Wahllampfe ver- langten. Weil die Teilnahme also in dem Augei»blick zlvcifelhaft wurde, wo die Essener Wahl gerade für die Zeit der Tagung des Kongresses angesetzt wurde, ist auchflicr Name Molkenbuhrs auf seinen Wunsch nicht, wie ursprünglich beabsichtigt»var, unter den Dis- ktlssionsrednem aufgeführt»vorden. Die Essener Genossen bestai»den dann auf der Anwesenheit Molkenbuhrs»u»d damit entfiel für ihn die Möglichkeit, an den Manuhesiner Debatten teilzunehmen.— Postdesraudatio» in» Zcitungswescn. Aus Breslau»vird uns geschrieben: Die Strafkammer in Breslau verurteilte ain Freitag den Verleger des„unparteiischen"„Breslauer General- anzeiger", W e r l e, zu 34 964 M. Geldstrafe, den Expedienten Raschle zu 17 482 M., solvie zwei Ehepaare vom Botcnpersoiial zu 2175,19 M. und 2195,49 M. Geldstrafe. Das geTtannte Blatt ist in Schlesien genau so allgemein verbreitet, wie es die Duminheit der Bevölkerung zuläßt. Die Beförderung nach den Orten, die an der Freiburger und Glatzer Bahnstrecke liegen,»var mittels„ex- presser Boten" erfolgt, und ztvar dergestalt, daß dieselben die cnt- sprechende Ai»zahl Billetts für ein ganzes Coupe kauften und dieses dem»»nit Zeitungspaketen füllten. Die Angelegenheit hatte die Strafkaininer bereits im August 1993 beschäftigt. Damals»var auf Freisprechung erkannt»vorden, und zwar aus objektiven Gründen. Auf erfolgte Revision des Staatsanivalts hob das Reichsgericht das Urteil auf, indem es feststellte, datz der Begriff„expresser Bote" von der Strafkammer verkannt worden war. In der erneuten Verhandlung, die im Juli vorigen Jahres stattfand, erkannte die Straf. kainmcr aberinals auf Freisprechung, und zivar aus subjektiven Gründen, indein sie die Frage, ob sich die Angeklagten in der Aus. legung deS Begriffs„exprcsscr Bote" in einem Rechtsirrtum oder cinein Tatsachenirrtum befunden hätten, in letztercin Sinne be- antwortete. Auf abermalige Revision wurde das Urteil von» Reichs- gericht wiederum aufgehobcn, indein dies die neue Entscheidung als auf einem Rcchtsirrtum beruhend erachtete. Die Post berechnete den ihr hinterzogcncn Betrag auf 4531,55 M. und beantragte der Staatsanwalt die Bestrafung des Verlegers mit dein achtfachen und die des Expedienten und der Boten mit dem füiiffacheil Betrage. Das Urteil lautete jetzt wie oben angegeben, wobei der acht- fache Betrag als Strafe des Verlegers, der vierfache als Strafe des Expedienten und ein Viertel in Höhe des auf die einzcwe Person entfallenden Teiles wegen Bcihülse auf die Boten gelegt wurde.— Kiel, 29. Scptcli»ber. Ein interessanter Zwischen» fall ereignete sich heute im hiesigen Schöffcngerichi. Dort war der Führer der streikenden Maurer. Genosse Bordhuhn,»vcgen Hausfriedensbruch angeklagt. Das Vergehen bestand darin, daß er einen mit dem bekannten Schild versehenen Neubau betreten hatte, um Feststellungen für die Statistik des Zentral-Vcrbandes zu treffen. Vor Eintritt in die Verhandlung erklärte Genosse Bordhuhn, datz er den Schöffen, ZiUmermeister Linde, als be- fangen ablchi»c. Zur Begründung»vies er auf den Zlvist im Bau- gewerbe und den Ztviespalt zwischen Meister und Gesellen hin. Nach kurzer Beratung schloß sich das Gericht diesen Gründen an. er- klärte sich für unzustcmdig und setzte die Verhandlung aus. Unsere bayerische Kanimerfraktion hat über die F l e i s ch n o t eine Interpellation eingebracht. Ferner verlangt ein Antrag für � alle volljährigen bayerischen Staatsangehörigen das direkte, geheime und gleiche Wahlrecht unter Anwendung der BcrhältniSloahl. Südwestafrikanische Verluste. Berlin, 89. Sept. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Reiter P a u lll h l m a»,»>, geboren am 29. 3. 83 zu Chemnitz, ain 26. Sep. tember d. I. im Feldlazarett 12 Lüdcritzbucht an Herzschwäche nach Typhus gestorben. Reiter Wilhelm Möller, gebore:» au» 7. 4. 33 zu Lübtheen, am 21. September d. I. beim Ileberfall der Station Sjainbockbcrg vcrlvundet, Schutz rechten Oberarm. Außerdem(verspätet gemeldet) Reiter Peter Nowack, geboren am 13. 11. 82 zu Rosniontau, am 28. April d. I. auf der Farm Voigtland infolge eigener Unvorsichtigkeit von einem Kameraden erschossen.— Huoland. Oesterreich-Ungarn. Dcinonstrationcn und Gegendeiiionstrationen. Budapest, 39. September. Die Anhänger der Koalition haben bei der Polizei die Abhalsimg eines Fackelzuges für den 3. Oktober augemeldet, der vor den Klub der Kossuthpartei ziehen soll. Gleichzeitig haben die Sozialisten für denselben Abend einen Fackelzug angemeldet, dessen Ziclpui»kt die i» der Nähe deS KosiuthklubS belegene Redaktion der sozialdcinokratischen Zeitung „NepSzava" ist. Die Polizei trifft»imfassende Matzregeln, un» einen Zusaimneustotz der gegnerischen Parteien zu verhüten. Schweden. Sozialistische Wahlsiege. Stockholin, 29. September. Bei der heute erfolgten Wahl von 22 Abgeordneten für die Ziveite Kammer hat die Linke einen vollkommenen Sieg davoi» getragen. Die Sozialist ei» haben zive» neue Mandate gewonnen: der Führer der schivedischcn Sozialisten, Vran- ting, ist»viedergeivählt»vorden. Die Revolution in Rußland. Die Scuistlvobciveguug. Moskau, 29. September.(Meldung der„Petersburger Telegraphen-Agcntur".) Der nächste Kongreß der Scmstwos und Städteverwaltnng»vird auf den November d. Js. einberufen werden; bis dahin»verden die Kandidaten für die Rcichsdmnatvahlcn bekannt sein. Zur Teilnahme an den» Kongreß sollen auch Vertreter der Bauern aufgefordert»verden. Moskau, 39. September. Während des SemstwokongrcsscS hat sich eine Sondergrnppe gebildet, die sich den Nainei» konstitutionelle Natio»aliste>»partei beilegte und der sich einige hervorragende Person- lichkeitcn angeschlossen haben. Die armenische Frage. Law, M. September.(Meldung der»Petersburger Telegraphen- Agenwr".) Hier besteht noch immer zwischen Armeniern und Tataren im Stillen eine feindselige Gesinnung, die zur Beunruhigung Anlaß gibt. Askhabad, 2g. September.(Meldung der„Petersburger Tele» graghen-Agenwr"). � Aus Mesched hier eingegangene Meldungen be« sagen, daß dort zwischen den Armeniern, die russische Untertanen sind, und den an Zahl bedeutend stärkeren Muhamedanern ein femdsellgeö Verhältnis herrscht, das starke Gefahren für die Armenier befürchten läßt. Die Lage sei sehr gespannt, und das russische Konsulat gebe den Christen den Rat, Pcrsien zu verlassen. Prozesse gegen das Wahlrecht. Man schreibt der»Russ. Korresp." aus Petersburg: Welchen Umfang die Monstreprozesse gegen die Verbände der Advokaten, Ingenieure usw. annehmen werden, ersieht man daraus, daß, wie jetzt mitgeteilt wird, allein gegen 90» Mitglieder des Verbandes der Ingenieure die Voruntersuchung geführt wird.— So wird auch auf die einfachste Art und Weise allen aktiven liberalen Elementen das aktive und passive Wahlrecht geraubt.— Ein Todesurteil gegen einen Privatdozenten. Der Privatdozent der Petersburger Universität, T a ch Tschoglo, wurde kurzlich vom Distriktgericht in Jckarterinoslaw zum Tode durch den Strang verurteilt. Er war eines Anschlages auf den Polizeileutnant Schischko angeklagt; der Polizeilcutnant ist mit leichten Verwundungen davongekommen. ,:?er Verurteilte, der auch Offizier der Reserve ist, nahm das Urteil nnt voller Kaltblütigkeit entgegen.— Gcwerh rchaftUchca. Der Kampf in der Elektro-Judustrie. Zug um Zug. Das Zentralstreikkomitee hat gestern früh die Arbeiterschaft auf gefordert, auf die Aussperrung ihrer Kollegen in sieben Betrieben der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft, der Siemens u. Halske und der Siemens- Schuckert- Werke dadurch Antwort zu geben, daß ruch die Nicht- Ausgesperrten die Betriebe verlassen möchten. Zin Falle der Nicht- Aussperrung sollte auch der Streik keine weitere Ausdehnung erfahren. Man konnte nun gestern auf das Verhalten der Unternehmer gespannt sein. Werden Sie die Aussperrung vornehmen oder werden sie dieselbe unterlassen? Diese Frage erregte den ganzen Tag die Gemüter. Und die AnSsperning ist erfolgt! Im Angesichte der Unterhandlungen, welche die»National-Ztg.' allerdings nur als.Besprechungen" bezeichnet, nahmen die Unter- nehmer die Aussperrung der SO 000 vor I Allerdings ging der Aussperrung ein kleine? Intermezzo voraus. Wenn die Arbeiter den Herren einen Handkuß verabzureichen geneigt waren, indem sie dieselben um Aufschiebung der Aussperrung baten, dann wären die Herrschaften nicht abgeneigt gewesen, die Aussperrung noch auszusetzen und in ihrer so unsäglich aufteizend wirkenden widerlich über« hebenden Manier die? der Welt durch ein Schriftstück mitzuteilen, daß mit der bekannten dünkelhaften Einleitung begann: „Einem Wunsche der bei uns beschäftigten Arbeiter folgend-c....* Bei aller Friedensliebe lehnten unter diesen Umständen die Ar- beiter ab. sich schriftlich an die Direktionen zu wenden, erklärten jedoch zu Protokoll des Gewerbegerichts, daß sie zu Verhandlungen bereit feien, gleichviel, ob ausgesperrt wird odernicht. Die Brrhaudlungen werden also trotz der Aussperrungen heute stattfinden. Ebenso aber werden am Montag die Nicht-AuSgesperrtm nicht mehr zur Arbeit gehen und die Betriebe werden stillstehen. Die A. E.-G. Die Siemens u. Halske-Gesellschast veröffentlichte neulich, um ihre streikenden Schraubendreher im Werner- Werk ins Unrecht zu setzen, eine Anzahl Lohnziffern— aus einem anderen Werke. Die Allgemeine Elektrizitäts-Gcsellschast macht eS sich noch bequemer. Sie hat an ihre Kundschaft ein Zirkular versandt, indem sie einfach behauptet, daß sie hohe Löhne zahlt, ohne sich lange mit einem zahlenmäßigen Nachweis zu quälen. Das Zirkular lautet: Allgemeine Elektrizität-- Gesellschaft. Kapital 8S Millionen Mark. Berlin NW., Schiffbauerdamm 22, den 80. September 1905. An unsere verehrliche Kundschaft. Betr. Arbeitsein st ellung. Au» den Tageszeitungen wird Ihnen bekannt fein, daß wir in unseren Fabriken, mit Ausnahme der für Glühlampen und Nernstlampen, die Arbeit einzustellen gezwungen sind. In zwanzig« jähriger, zu sehr großer Ausdehnung gediehener Fabrikations- tätigkeit ist das Einvernehmen mit unseren Arbeitern nie ge- stört gewesen: aber seit geraumer Zeit haben sie. trotz hohen Lohnes, immer neue, meist unberechtigte Ansprüche und zwar nicht allein auf Lohnerhöhung gestellt, so daß die dadurch verursachten Zustände für die Verwaltungen unserer Fabriken unerträglich wurden. Der Ausstand der Lagerarbeiter unseres Kabelwerks legte unS bei der bestehenden Organisation dieser Fabrik die Notwendigkeit zur Entlassung der in diesem Werk beschäftigten Arbeiter auf, und der Schließung deS Kabelwerks mußte die der übrigen Fabriken folgen, weil sie auf den Materialbezug von ihm angewiesen find. Wenn wir mit schwerem Herzen uns zu der tief einschneidenden Maßnahme entschlossen, geschah es nicht nur zur Währung der unS anvertrauten Interessen, sondern in der Ueberzeugung, daß der uns aufgezwungene Lohnkanipf zur Gesundung zunächst un,erer. sodann aber der gesamten, in ähnlicher Weise bedrohten Industrie bei- tragen werde. Wir hoffen, daß die Wiederaufnahme der Arbeiten in nicht zu langer Zeit gelingen werde und bitten bis dahin um die Nachsicht unserer Kundschaft. Hochachtungsvoll Allgemeine ElektrizitätS-Gefellschaft. Bei der A. E.-G. streiken bekanntlich die Lagerarbeiter. Da die Gesellschaft selbst cS verschmäht. diesen gegenüber mit Zahlen zu operieren, wollen wir unS freundlichst erlauben, das Versäumte nachzuholen. Wie bereits mitgeteilt, stellen sich die Forderungen der Lager« orbeiter des Kabelwerks folgendermaßen: Als Anfangslohn pro Stunde 33 Pf.(I). nach einem Monat 30 Pf., nach sechs Monaten 39 Pf., nach neun Monaten 42 Pf.. nach einem Jahre 45 Pf., nach eineinhalb Jahren 48 Pf. und nach zwei Jahren 50 Pf. Sie hatten bisher einen Anfangslohn von 30 Pf., nach drei Monaten 32 Pf., nach sechs Monaten 34 Pf., nach neun Monaten 30 Pf., nach einem Jahr 38 Pf. und nach zwei Jahren 40 Pf., steigend um weitere 2 Pf. bis 52 Pf. nach zehn Jahren. Die Frauen hatten bis 22 Pf. Stundenlohn. Da nur wenige Frauen in Betracht kommen, wurde deren Forderung von 25 Pf. bewillig;. Die Mitfahrer hatten bisher einen Anfangslohn von wöchentlich 21 M., nach einem Jahre 22 M.. steigend um jährlich pro Woche 1 M. mehr bis zum Höchstlohn von 27 M. nach sechs Jahren. Gefordert wurden als Anfangslohn 24 M., steigend bis nach zwei Jahren auf 27 M. Zugestanden haben die Direktionen: Für Packer und Ordermacher einen AnfangSlohn von 38 Pf., nach 1 Monat 34 Pf., nach 2 Monaten 36 Pf., nach 9 Monaten 38 Pf., nach 1 Jahr 40 Pf., nach l'/z Jahren 42 Pf., nach 2 Jahren 45 Pf., nach 3 Jahren 47 Pf. und nach 4 Jahren 50 Pf. Für HülfS- und Akkordarbeiter einen Anfangslohn von ebenfalls 33 Pf., nach 3 Monaten 35 Pf., nach 6 Monaten 36 Pf., nach 9 Monaten 37 Pf., nach 1 Jahr 33 Pf., nach!>/, Jahren 40 Pf., nach 2 Jahren 42 Pf. und nach 3 Jahren 45 Pf. Für AuSsegcr und Vierttäger sollen bis zu 40 Pf. und für die Frauen die geforderten 25 Pf. pro Stunde gezahlt werden. Mitfahrer sollen erhalten als Anfangs- lohn 22 M., nach sechs Monaten 23 M., nach einem Jahre 24 M., nach zwei Jahren 25 M., nach drei Jahren 26 M. und nach vier Jahren 27 M. Den Lagerarbeitern, die über ein Jahr im Be- triebe sind, soll Gelegenheit gegeben werden, auf Wunsch an die Maschine zu kommen, wo sie event. höhere Löhne erzielen. Man sieht, die hohen Löhne der A. E.-G. sind für Berliner Verhältnisse wahre Hnngerlöhne I Die Maschinisten und Heizer der elektrischen Kraftzentralen haben die Beschlußfassung über den eventuellen Einttitt in den Solidaritätsstreik zugunsten der Ausgesperrten bis heute, Sonntag« abend, wegen der schwebenden Verhandlungen ausgesetzt. Welche Bedeutung das Unternehmerttun und die Polizeibehörde einem Ausstände dieses Personals beimißt, geht schon zur Genüge daraus hervor, daß schon gestern in der Nähe der Kraftzentralen stark besetzte Polizeiwachen eingerichtet sind und ein regulärer Postendienst der Schutzmannschaft daselbststattsindet. Bei derZentrale an derSpandauer- straße ist eine solche Wache in einem großen leerstehenden Restaurations- lokal einquartiert. Die Schutzleute führen dort vorläufig eine Art Viwaksleben. Bei Speise und Trank lassen sie sichs ganz wohl sein. Ob die Direktion der B. E.-W. die Unterhaltungskosten trägt oder ob die Berliner Steuerzahler dafür aufkommen müssen, steht allerdings noch dahin. So viel aber ist sicher: Alle Polizeimannschaften Deutschlands würden die Maschinen der Zen- tralen nicht wieder in Gang setzen können, wenn die Maschinisten und Heizer wirklich in den Streik treten sollten. Da? dürste sowohl den Elektro-Unternehmern wie auch dem Polizeipräsidium schließlich einleuchten. Deshalb erscheint uns daS riesige Polizeiaufgebot auch vollständig überflüssig._ BerUn und(Imzegend. Die Lederarbeiter(Weißgerber, Färber) waren am Freitag im Marienbad" stark versammelt, um den Bericht über die vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts stattgefundenen Verhandlungen der Kommission mit den Arbeitgebern entgegenzunehmen. Der Berichterstatter legte dar, daß, nachdem am Donnerstag die Ver- Handlungen rcsultatlos abgebrochen worden waren, am Freitag noch- mals der Versuch gemacht wurde, nun zu einer Einigung zu ge- langen. Di« Fabrikanten seien aber auf die aufgestellten Forde- rungen nicht im geringsten eingegangen und hätten keinerlei Zu- geständnisse gemacht. Die Unterhandlungskommission empfahl des- halb der Versammlung, die Dinge an sich herankommen zu lassen, die gestellten Forderungen zurückzuziehen und ohne Vertrag weiter zu arbeiten. Die Diskussion war eine sehr erregte. Mehrere Redner sprachen sich entschieden gegen den Vorschlag der Kommission auS und befürworteten die sofortige Proklamierung des Streiks. In der geheimen Abstimmung stimmten 304 Kollegen für den Streik, 232 für den Vorschlag der Kommission. Da zu einem Streikbeschluß '/» der Beteiligten im Verbands swtut vorgesehen sind, so ist derselbe gefallen und es soll versucht werden, im losen Verhältnis weiter zu arbeiten. Die Versammlung� welche bis nach Mitternacht tagte, hat somit den Fabrikanten d,e Verantwortung für eine etwa ein- tretende Katastrophe zugeschoben.— Am Sonnabend ging der Or- ganisation folgendes Schriftstück zu: Infolge Vertragskündigung seitens der organisierten Arbeitnehmer endet das Arbeitsverhältnis heute Abend. Es ist somit, wie erwartet, die Aussperrung perfekt geworden. Es kommen 700 Arbeiter in Betracht, die sämtlich organisiert sind. Näherer Bericht folgt. Am Montagabend findet eine Versammlung statt. Deutfthea Rridi. Die Damenschneider und-Schneiderinnen in Köln stehen vor dem Streit. Sie hatten bei der Zwangsinnung, und als diese darauf nicht einging, bei den einzelnen Unternehmern ihre Forde- rungen eingereicht. Acht der größten Geschäfte vereinbarten auch einen Lohn- und Arbeitszeittarif mit der Organisation, und es war Aussicht vorhanden, daß mit den meisten anderen Geschäften eine Einigung zustande kam. Dies alles wurde aber von den Machern der Zwangsinnung hintertrieben, so daß auch die acht Geschäfte sich zurückzogen. Di« Arbeiter haben darauf das Gewerbegericht als EinigungSamt angerufen. Es ist möglich, daß eine am Montag- vormittag stattfindende Versammlung den Streik beschlieht. Ein schwerer wirtschaftlicher Kampf an Wz Unterweser ist glücklich vermieden worden. Die seit Wochen schwebenden Diffe- renzen der Modelltischler mit der Betriebsleitung der Aktiengesells cha ft„Weser" in Bremen sind am Frei. tag beigelegt worden. Zweimal drohte dieser eine einzelne Branche des großen Betriebes umfassende Streik zu einer Aussperrung der Arbeiter dieser und der weiteren dem Arbeitgcberverbande an- gehörenden Werften an der Unterweser sich auszuwachsen. Schon vor zirka einer Woche hatte die Werftleirung den Formern deS Betriebes zugemutet, nach auswärts hergerichteten Modellen zu ar- betten und im Falle der Weigerung die Aussperrung angedroht. Die Former hatten sich aber vom Wege der Solidarität nicht abbringen lassen und die Annahme der Modelle dennoch verweigert. Die Aus- sperrung erfolgte nicht. Man glaubt, daß die Werft ein in Arbeit befindliches Vermessungsschiff nicht halbfertig nach Wilhelmshaven aus den Händen geben wollte. Als am Donnerstag den Formern wiederum auswärtige Modelle angeboten wurden, verweigerten sie auch jetzt die Arbeit und kamen nach kurzer Beratung überein, ge- mcinsam die Kündigung einzureichen. Daraufhin fand sich vorgestern die Betriebsleitung zu Verhandlungen mit den Modelltischlern und zu Zugeständnissen an diese bereit. Die Verhandlungen nahmen einen beide Seiten befriedigenden Verlauf. Die Modelltischler nehmen die Arbeit am Montag wieder auf und auch die Former zogen ihre Kündigung zurück. Weite Kreise,— auch in der kleinbürgerlichen Geschäftswelt— die einer schweren wirtschaftlichen Schädigung entgegensahen, freuen sich dieser Wendung der Dinge. Die Handschuhmacherstreik in Halberstadt ist mit einem teilwcisen Erfolg beendet, nachdem von der Verbands- wie Streik- leitung schon vor 14 Tagen die Beilegung empfohlen worden war. Die Handschuhindustrie Teutschlands weist eine Anzahl Fabrikanten auf, die so bestellt sind, daß sie jetzt froh waren, von ihren Kollegen in Halberstadt Ordre? übertragen zu erhalten bezw. Handschuhlcber zum Verarbeiten auf Rechnung der bestreikten Firmen zu bekommen. Unter diesen Umständen ist es erklärlich, daß in Halberstadt ein von Woche zu Woche immer größer werdendes Quantum� fertiger und zugeschnittener Handschuhe einlief, so daß bei einer längeren Fort- dauer des Streiks zu befürchten war, daß nach Beendigung der aison eine größere Anzahl Streikender nicht wieder eingestellt werden könnte. Auf erneute Verhandlungen hin gelang es, für einige Spezialsorten einen I die bisher unentfchädigtcn Zuschlag zu erlzaltcn, llebeuarbeiten bezahlt und weiter sollen dczw. abgeschafft ! verden. Die Streikenden, Fabrikskommissionen und Verbands- funktionäre find vor Maßregelung laut Vereinbarung geschützt. In der größten Fabrik von S. Lasch tritt innerhalb acht Tage nach er- folgter Arbeitsaufnahme eine Kommission zusammen, um mit der firma über Beseitigung der vorhandenen Mißstände, die stark zum usbruch des Streiks beigetragen hatten, zu beraten. Die Streiken- den erhielten durch freiwillige Beisteuer der in Arbeit stehenden Verbandsmitglieder einen laufenden Wochcuzuschuß von 1— 2,50 M., sowie zur Bestreitung der Wohnungsmiete pro 1. Oktober eine Bei- steuer von 20 M. Abgefallen ist aus ihren Reihen trotz der awt- wöchentlichen Strcikdauer fast niemand. Leider aber fanden sich außerhalb Gehülfcn, die sich Leder schicken ließen und so als Haus- arbeiter zu Streikbrechern wurden; daß der Streik kein besseres Resultat erzielte, wurde dadurch mitverschuldet. Eine sonderbare Auslegung des Paragraphen über den Hans- friedensbruch haben nacheinander ein Schöffengericht und eine Straf- kammcr in Chemnitz fertig gebracht. Ter Ortsbeamte des Metallarbcitcr-Verbandcs, Krause, hatte die Frau eines polnischen Streikbrechers, die man ihm in sein Bureau geschickt hatte, nach dem vom Streik betroffcncii Betriebe geleitet, wo ihr Mann arbeitete. Als ihm am Tore geöffnet wurde, bezeichnete Krause wahrheits- gemäß als Zweck seines Kommens, daß er die Frau ihrem Manne zuführen wolle. Tarauf sagte der Pförtner:„Kommen Sie herein". Kaum hatte Krause� das Fabrikgrundstück betreten, als man in ihm den bekannten„Strcikführer" erkannte. Der Auf- fordcrung des Pförtners, die Fabrik wieder zu verlassen, kam Krause unverzüglich nach. Trotzdem erhielt er eine Anklage wegen Hausfriedensbruch und wurde vom Schöffengericht zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. In der Urteilsbegründung war ausgeführt worden, Krause hätte sich selbst sagen müssen, daß er eine Fabrik, in der gestreikt werde, nicht betreten dürfe. Er sei zwar mit Zu- stimmung des Pförtners, der ihn nicht kannte, aber gegen den Willen des Fabrikbesitzers in das Grundstück eingetreten. Dem Gericht erschien es unglaublich, daß Krause ohne Nebenabsichten die Fabrik betreten habe. Die Strafkammer, deren Entscheidung Krause anrief, hat sich die merkwürdige Auffassung des Schöffengerichts zu eigen gemacht und es bei der Strafe belassen. I» die Nesseln gesetzt hat sich das Nürnberger amtliche Streik- brecherbureau, mit welchem Namen der städttsche Arbeitsnachweis von den Arbeiten: getauft Ivurde. Man tat immer sehr enttüstet, wenn behauptet wurde, daß es die Hauptaufgabe des Arbeits- Nachweises sei, bei Ausständen für die Unternehmer Partei zu er- greifen und sie mit Arbeitswilligen zu versorgen. Hierfür hat nun das Amt selbst den Beweis erbracht. In der Maschinenfabrik von Chillingworth war ein Streik ausgebrochen; einer der streikenden Metallarbeiter fragte beim Arbeitsamt um Arbeit nach und der Vor- sicher bearbeitete ihn, zu Chillingworth zu gehen, aber nicht zu sagen, daß er vom Amt geschickt werde, wem: ihn ein Streikposten fragen sollte I Dieser Reinfall wird natürlich nicht hindern, daß man mich fernerhin die Streilbrccherlieferungen leugnen wird. SuvlANd. Kongreß der italienische« Arbeiterkammer». Der am 20. und 21. September in R o m zusammengetretene außerordentliche Kongreß hat den Erwartungen, die die Emberufer in ihn gesetzt hatten, nicht entsprochen Es waren 25 Kammern. weniger als die Halste der bestehenden, vertteten, und zwar hatten viele der bedeutendsten, so die Mailänder und Genueser Arbeiter« kammer, ihre Teilnahme abgelehnt. Der Zwiespalt in der polittschen Arbeiterbelvegung spiegelt sich auch in der wirtschaftlichen wieder, so daß die ausgesprochenen Reformisten und die Mailänder Shndlkattsten es abgelehnt hatten, den Vorschlag FerriS über die Maßnahmen im Fall emer neuen Arbeitermetzelei auch nur zu diskutieren. Der Kongreß hat trotzdein zu einigen wichtigen Fragen der Stellung genommen, über die zu t zustand. So hat er beschlossen, i italienischen Gewerkst. entscheiden ihm offenbar.....—------..-., daß die infolge des Eisenbahnerstreiks zurückgettetene General. kommission der Gewerkschaften bis zum 20. Oktober die Neuwahl«, ansagen soll, nötigenfall» die römische ArbettSkammer dst Wahl organisieren wird. Ferner wurde beschlossen, daß als Sitz der Kommission nur Rom, Bologna, Reg gi o Emrlia und Turin in Betracht kommen, nicht Mailand, daS bisher der Sitz der Generalkommission war._„. Ueber den eigentlichen Hauptgegenstand deS Kongresses wurde folgend« Tagesordnung angenommen: �..»„,... „Die in Rom zusammengekommenen Vertreter ver«rveitS- kämmen, beschließen, die sozialisttsche ParlamentSftaktton auf- zufordcrn, von der Regierung ausdrückliche Erklärungen zu ver- langen, daß nicht mehr bewaffnete Macht in den ftiedKchen Konflikten zwischen Kapital und Arbeit verwendet werden soll, und bereiten sich auf den Generalstreik vor. falls sich die Metzeleien von Proletarienl wiederholen sollen." Der Antrag, durch die Parlamentsfraltion Schadmersetz für die Hinterbliebenen der Opfer von Granmichele zu fordern, wurde ab- gelehnt. Letzte l�acbrlcbten und Dcpefcbca Die Differenzen in der sächsisch-thüringischen Textilindustrie. Greiz. 30. September.(W. T. B.) Der Verband der sächsisch-thüringischen Webereien teilt folgendes mit: Die neuen Lohntarife des sächsisch-thüringischen Webcreiverbandcs wurden trotz erheblicher Lohnerhöhungen und weitgehender Zu- geständnisse in den Arbeitsbedingungen durch die Arbeiterschaft ab, gelehnt. Die Revolution in Ruftland. Lodz. 30. September.(W. T. B.) Der Großindustrielle Julius Kunitzrr, Eigentümer einer der größten Fabriken hier, ist im elek- irischen Straßenbahnwagen von einem Arbeiter NamenS Schulze erschossen worden. Der Täter wurde verhaftet. Pari», 30. September.(W. T. B.) In einem heute vor- mittag unter dem Vorsitz d-S Präsidenten Loubet im Elysöe abgehaltenen Ministerrat wurde der Zusammentritt der Kammern auf Montag den 30. Oktoberr festgesetzt. Ministerpräsident Rouvier gab eine Uebersicht über die Verhandlungen betreff» Marokko und über das deutsch- ftanzösische Abkommen. Weiter teilte er mit. daß die russische Regierung Frankreich zu einer neuen Konferenz im Haag cingeladen habe. Frankreich hat die Einladung angenommen. Der Minister deS Innern Etienne machte Angaben über die Lage im AuSstandSgebiet von Longwy. Die Arbeit ist teilweise in den Fabriken wieder aufgenommen worden und eS ist aller Grund zur Hoffnung auf eine baldige Wiederaufnahme in vollem Umfange vorhanden. Auf Vorschlag dcs KriegSmin isterS beschloß sodann der Ministerrat, die Kom- Mandanten deS 8., 15. und 20. Armeekorps in ihren Kommandos zu belassen. Lüttich, 30. September.(W. T. B.) Heute wurde hier der internationale Anwaltskongreß unter zahlreicher Beteiligung dcS Auslandes durch den Justizminister van den Heuvel eröffnet. Es waren Vertreter auS Deutschland, Frankreich, Rußland, England, Dänemark, Holland und der Schweiz erschienen. Für den Berliner Anwaltsoercin begrüßte Justizrat Dr. Edwin Katz den Kongreß, für den Kölner Anwaltsverein und den deutschen AnwaltStag Justiznu Dr. Heiliger._ Verantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil vercwstv.: Tb.G'"«.Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärt» Buchdr.u.VerlagSanstalt Pz-ul Singer L-Co., Berlin SW. HierzubBeilagcnu.vnterhaltunasblalt Ur. 230. 22. Jahrgang. 1. ftiingf to„Hormärtf Snlim JnlWliift Sanutag, 1. Oktober 1905. Zirr Organisatiousfrage Grosz-B�rlms. Die zur Ausarbeitung eines neuen Organisations-EntwurfeS für Groß-Berlin eingesetzte Kommission übergibt uns folgende Dar- lcgungcn zur Veröffentlichung: Am Dienstag, den 26. September, nahm eine Versammlung de» 3. Kreises Stellung zu obiger Frage, obwohl sich die Vertrauens- leute vorher geeinigt hatten, dafür einzutreten, daß diese Ver- sammlungen über ganz Berlin am 17. Oktober stattfinden. Wir wollen an dieser Stelle weder untersuchen, welche Beweggründe den Vorstand des 3. Kreises hierzu veranlaßt haben, noch auch weshalb sich die Genossen gegen das neue Statut wenden, sondern nur die Ansicht der Majorität der Kommission klarlegen. Wir wollen damit der etwa einsetzenden Diskussion die Schärfe nehmen und den Genossen des 3. Kreises Gelegenheit geben, sich mit den Ansichten und den Gründen der Majorität vertraut zu machen. Stellt man sich allerdings auf den Standpunkt:»Es ging bis jetzt ganz gut, warum sollen wir ändern?" dann wäre eine Begründung unnötig. Es soll aber doch wohl auch bei uns das alte Sprichwort gelten: Das Bessere ist der Feind deS Guten. Und nun prüfen wir die Einwände: § 2 Absatz a heißt: Vorbereitung aller Wahlen und Aktionen, an denen die sozialdemokratische Partei beteiligt ist. Die Kommission ging von dem Grundsatz aus, daß es das ganz selbstverständliche Recht jedes Kreises ist, die Kandidaten für die Parteiämter aufzustellen und daß kein anderer Kreis dabei hin- einzureden hat. Doch sind vor jeder Wahl Arbeiten zu verrichten, die besser gemeinsam geregelt und dem Vorstand übertragen werden können. Um einige dieser Arbeiten zu bezeichnen, wollen wir nur hervorheben: Die Beschaffung der amtlichen Listen, Flug- blätter zur Einsichtnahme in die Wählerlisten, Regelung des Hausbesitzertums, daS erste Agitations- Flugblatt und dergleichen. Ist der Kandidat aufgestellt, dann wird die Agitation dem Kreis überlassen, da jeder KreiS die passendste Art der Agitation am besten kennt. Die Kommission hat Aenderungcn auch nur abgelehnt, weil obige Ansicht als selbstverständlich zu betrachten ist. Was die Herausgabe eines Korrespondenzblattes anbetrifft, so waren folgende Gründe maßgebend: Die Mitglieder der einzelnen Vereine haben das Recht zu erfahren, welche Gründe den Vorstand bei seinen Beschlüssen geleitet haben. Da aber doch nicht alle Augen- blicke General- Versammlungen stattfinden können, müßte der Vorstand sich auf die Berichterstattung verlassen. Nun wird aber jeder zugeben, daß auch beim besten Willen Irrtümer hierbei unter- laufen können, um so mehr ist daS aber möglich, da ja auch die Vertreter der Kreise nicht den Bericht an die Mitglieder geben, sondern die Bezirksführer, die Mitglieder den Bericht also erst auS zweiter Hand bekommen. Durch das Korrespondcnzblatt erfahren dagegen die Mitglieder direkt die Ansichten des Vorstandes und können sich darüber aussprechen. Ob das zum Schaden der Mitglieder ist? Tann aber sollen die Mitglieder Gelegenheit haben, Vorschläge zu machen über Aenderungen in der Organisation, Anregungen zu geben betr. der Agitation, über Partei-Veranstaltungen und dergleichen Dinge. Ausgeschlossen sind im Korrespondenzblatt DiS- kussioncn über allgemeine Parteifragcn und über Tagespolitik. Was die prozentuale Vertretung der Kreise betrifft, so können wir die Einwände summarisch behandeln. Da werfen wir nun die Frage auf: Sind wir Demokraten oder nicht? Gilt die Demokratie nur dort, wo wir hoffen, durch die Masse unserer Anhänger etwas zu erreichen, also bei den Stadtverordneten», Landtags- und Reichs- tagSwahlen? Oder sind wir Demokraten aus Prinzip? Beantragte aber der 3. Kreis nicht selbst zum diesjährigen Parteitag eine annähernd prozentuale Vertretung der Kreise? Dadurch, daß jeder Kreis in jeden Ausschuß einen Vertreter entsenden soll, hat der- selbe doch die Ucbersicht über alle Maßnahmen. Wir glauben auch nicht, daß die Kreiszugehörigkeit der Mitglieder der Ausschüsse entscheidet, welchem Vorschlag sie zustimmen. Hat ein Mitglied des 6. Kreises z. B. ein anderes Interesse an der Haltung des »Vorwärts", an der Sperrung von Lokalen, an der Agitation auf dem Lande, als ein Mitglied des 3. Kreises? Wenn in der General- Versammlung die Maßnahmen des Vorstandes kritisiert werden oder die Marschroute für die Zukunft festgelegt werden soll, ent- scheidet da wirklich nur, ob der Delegierte in Tcltow-BecSkow, im Norden Berlins, im Süden oder im Zentrum wohnt? Und kommen denn nur spezielle Kreisinteressen bei den Verhandlungen in Frage? O nein, jeder Delegierte wie auch die Vorstandsmitglieder werden bestrebt sein, das beste für die allgemeinen Parteiintcrcffen zu tun. Tie Sitzungen müßten ja sonst veröden in Krähwinkeleien. Wollen wir die Ungerechtigkeit der WahlkreiSeintcilung— gegen die wir doch sonst so lebhaft protestieren— in unserer Partei bei jeder Gelegenheit wieder einführen und verewigen? Soll das sein, dann lassen wir in Zukunft aber auch unsere Proteste gegen die Staats- rcgicrnng und gegen die Stadtverwaltung. Ob S Revisoren oder 8 gewählt werden sollen, ist an sich gleich- gültig. Oder entscheidet bei der Prüfung der Bücher auch Kreis- intercsse? Ob 2 oder 3 Kreise eine Extra-General-Versammlung beantragen können, ist eine Frage, über die sich die Kommission gleichfalls nicht streiten wird- Etwas anderes ist eS, ob die Reichstags-Abgeordneten resp. Kandidaten der Kreise, die Redaktion und die Vertretung der Partcidruckerei an der General-Versammlung teilnehmen darf. Vorweg wollen wir bemerken, daß wir die Stadtverordneten mit vermerkt hätten, wenn wir eine passende Form gefunden hätten. Denn waS den Berliner Stadtverordneten recht, ist den Gemeinde- Vertretern der anliegenden Kreise billig. Tann aber käme eine Vertretung von über 160 Genossen zusammen. Das ist der einzige Grund, der dagegen spricht. Nun stehen Wohl alle Genossen auf dem Standpunkt, daß unsere Vertreter unter der demokratischen Kontrolle der Genossen stehen sollen, ebenso notwendig ist, daß sie die Ansichten der Genossen kennen lernen. Da aber Gcldausgaben durch die Vertretung nicht entstehen, eine Majorisicrung der Delegierten auch ausgeschlossen ist, fallen alle Bedenken, die man gegen eine Vertretung anführen könnte. Unerquicklich für beide Teile ist aber gewiß, wenn sich die Vertreter oder die Redaktion erst an den Vorstand um Zu- lassung wenden sollen, wenn sie sich mit den Genossen aussprechen wollen. Nun kaun aber niemand vorher wissen, ob in der General- Versammlung Fragen diskutiert werden, die mit der Haltung der betreffenden Vertreter, der Redaktion usw. zusammenhängen. Daß in der General-Versammlung eine Beschlußfassung über allgemeine Partcifragen stattfinden soll, bedeutet doch nicht etwa, daß die Anschauungen schablonisiert werden sollen. Fragen, die Berlin gemeinsam berühren, sollen hier gründlich diskutiert und zur Klärung gebracht werden. Wir wollen auch nur darauf hinweisen, daß die Frage, ob Berlin sich an der LanbtagSwahl beteiligt, vor dem jetzigen Parteibeschluß in einer gemeinsamen Versammlung beraten und bc- schlössen wurde. Wir glauben, daß es in Zukunft mehr wie früher notwendig ist, daß Berlin in allen solchen Fragen geschlossen dasteht und ein« Macht repräsentiert, statt daß eS, in kleinere Republiken aufgelöst, keinen Einfluß ausüben kann. Wundern müssen wir uns über den Ausspruch: Jeder Genosse muß das Recht haben, sich zu organisieren, wo er.'will. 8 4 deS Partei- statuts heißt:»Die Grundlage der Organisation bildet für jeden Rcichstags-Wahlkreis kw Sozialdemokratische Berein, dem jeder im Wahlkreis wohnende Parteigenosse, sofern ihn nicht zwingende Gründe daran hindern, als Mit- glied anzugehören hat. Eine weitere. Begründung gegen obige Ansicht ist wohl überflüssig. Nun könnte die Frage entstehen, ob unsere geplante Neuorganisation nicht im Widerspruch mit der Partei- organisation steht.§ 5 sagt aber: D i e Sozialdemo- kratischen Vereine schließen sich zu Bezirksver- bänden sowie zu Landesorganisationen zu» sammen, denen die selbständige Führung der Parteigeschäfte nach eigenen Statuten ob- liegt usw. Das Recht zur Neuorganisation im Sinne des vor- geschlagenen Statuts hat Berlin also laut Parteistatut. ES kann demnach nur entscheidend sein, ob eS praktisch ist und ob die Partei- interessen dann besser vertreten werden können. Nun wenden sich noch verschiedene Genossen gegen die Anstellung von besoldeten Beamten. Da möchten wir den Genossen doch zu bc- denken geben, daß man auf die Tauer doch nicht etwa damit auS- kommen kann, den Parteispediteuren oder wirtschaftlich gutgestelltcn Parteigenossen die ganzen Parteiarbeiten aufzuhalsen. Denn wer nicht einigermaßen gut verdient, kann auf die Dauer heute schon die Arbeiten nicht leisten, die notwendigerweise erledigt werden müssen. Und ist man etwa der Meinung, daß in Organisation, Agitation und Aufklärung in Berlin nicht viel mehr geleistet werden könnte? Gerade Berlin mit seinen reichen Mitteln, in seiner Lage als Hauptstadt, mit seinem rege pulsierenden politischen Leben, sollte an der Spitze der Partei marschieren und mustergültig für die anderen Partriorte sein. Wie sieht es dagegen aus? Gibt es nicht sehr, sehr viel zu bessern bei unS? Wenn aber dieses Ziel erreicht werden soll, können dann die Parteigeschäfte im Nebenamt verwaltet werden? Sehen wir nicht sehr häufig, daß wirklich befähigte Parteigenossen ihre Posten verlassen, weil die materiellen Opfer, die sie bringen müssen, zu groß sind? Und da soll lieber die Partei leiden, damit nur keine Beamten an- gestellt werden? Nein, Parteigenossen, die Parteiarbeiten dürfen nicht leiden unter der Angst vor Bureaukratic. Gebt acht auf Eure Angestellten, übt strenge demokratische Kontrolle und die Gefahr des Bureaukratismus verschwindet. BerlinhatnocheinweiteSFeldinderOrgani» sation vor sich, hat noch eine Riesenarbeit in der Agitation und Aufklärung zu bewältigen. Da heißt es ruhig und objektiv prüfen, ob nicht unsere Vorschläge geeignet sind, hier Wandel zu schaffen. Nicht KreiSintrressen, sondern Partei- interessen sollen für«nS maßgebend sein. Die Kommission. Weltanschauung und Taktik des Proletariats. Am Freitag beschäftigte sich eine Generalversammlung des WahlvereinS für den sechsten KreiS zum drittenmal mit der DiS- kussion des obigen Themas. Die Versammlung war wieder sehr zahlreich, jedoch nicht so stark wie die beiden vorhergehenden besucht. Als erster Redner erhielt Metzle das Wort. Nach dem Worte: »Greif niemals in ein Wespennest, dock) wenn Du greifst, dann greife fest"— habe Friedcbcrg sich veranlaßt gesehen, eine derbe Sprache zu führen. Auch er, Redner, werde sich nicht bange machen lassen, sondern aussprechen, was er für nötig halte. WaS in der letzten Zeit geschehen sei, um Friedebcrgs Auftreten zu rechtfertigen, das brauche vor den Mitgliedern des WahlvereinS nicht in allen Einzelheiten erörtert werden, denn es müsse ihnen bekannt sein. Wenn sich jeder Parteigenosse von den Interessen der Allgemeinheit leiten ließe, dann hätte es nicht vorkommen können, daß Freythaler bei Eröffnung der ersten Versammlung dem©eiwssen Jriedeberg die Partei-Ehre abzuschneiden suchte, indem er ihn nicht als„Ge. nosse" bezeichnete.— ES sei ein bedauerliches Zeichen der Ver- flachung, daß selbst im engeren Kreise von Parteigenossen noch über Fragen diskutiert werde, worüber wir uns längst einig sein müßten, wie beispielsweise über die Maifeier. DaS sei bezeichnend dafür, wie tief unsere Bewegung in den Sumpf geraten sei. Daß eS dahin kommen würde, das habe der verstorbene Genosse Keßler schon vor vielen Jahren vorausgesagt. Die Genossen, welche die Agitation Fricdebergs unterstützen, wollen dieser Versumpfung entgegen- treten. Niemand habe verlangt, daß der Parlamentarismus ganz verworfen werden solle, nur sollen wir nicht unsere ganze Kraft auf denselben verwenden, denn das wüßten wir alle, daß wir durch den Parlamentarismus unser Ziel nicht erreichen können. AuS diesem Grunde sage Friedcberg, wir müssen unS nach anderen Kampfmitteln umsehen. Das dürfe man nicht, wie es geschehen sei, als Konfusion und dergleichen bezeichnen.— In Berlin spiele sich jetzt ein Kampf deS Unternehmertums gegen die Arbeiter ab, von dem man noch nicht voraussehen könne, wie er sich in acht Tagen gestalten werde. Hier zeige sich, daß die Bourgeoisie in der Ver. trctung ihrer Interessen viel radikaler vorgehe wie die Arbeiter. Es sei ein Glück, daß die Bourgeoisie in dieser Hinsicht so radikal vorgehe. Wenn sie Tausende von Arbeitern auf das Pflaster wirst, dann kommen diese Arbeiter zur Erkenntnis ihrer Klassenlage.— Aus dem Parteitag in Jena sei angekündigt worden, daß in Berlin die Verfolgung FriedebergS losgehen solle. Die Anhänger Friede- bergs fürchten sich davor nicht. Aber wenn man da» kräftige grüne Holz abholzen will, dann könne es vorkommen, daß auch das alte knubbige Holz dabei zugrunde geht. Der Vorsitzende verlas eine von Halfter angebrachte Reso- lution. Dieselbe fordert die Einsetzung einer Kommission, welche die Aufgabe haben soll, den alten revolutionären Geist in unserer Partei wieder zu wecken und zu entfachen. K n i e st ä d t erklärte, daß er im großen und ganzen mit den Ausführungen FriedebergS einverstanden sei, daß er aber Ledebour und besonders Rehbein nicht zustimmen könne. Man habe gesagt, die Lokalistcn seien unzufriedene Nörgler. DaS sei falsch. Wenn sie mit Jriedeberg zusammengehen, so geschehe daS deshalb, weil sie sich mit ihm eins wissen in der Vertretung des revolutionären Standpunkte? der Sozialdemokratie.— Der politische Massenstreik sei glcichbedeuteckd mit dem Generalstreik, den man früher als Gencralunsinn erklärte. In einigen Jahren werde man nicht mehr den Massenstreik, sondern den Generalstreik diskutieren. Dann werde man diejenigen, die den Weg dazu gezeigt haben, als Märtyrer verehren.(Unruhe.) Ein von Weber begründeter, von Müller bekämpfter An- trag auf Schluß der Diskussion wurde angenommen. Tarauf er- hielten der Referent und der Korreferent das Schlußwort. Friedeberg sagte unter anderem: Nachdem der Parteitag in Jena die Bedeutung der allgemeinen Arbeitseinstellung als eines politischen Kampsmittels anerkannt hat, könne er, Redner, und seine Freunde zusricden sein, denn sie hätten ja damit erreicht, was sie erreichen wolltm. Nunmehr ging der Redner auf die Debatte ein. Man habe gesagt, er hätte den Parlamentarismus und den Marxis- muS in Ruhe lassen und nur dafür eintreten sollen, daß die radikale Richtung unserer Partei mehr zur Geltung komme, dann hätte er sein Ziel erreicht. Das treffe nicht zu. Es komme ihm darauf an, daß der Sozialismus weiter entwickelt werde. Die Normen, die bisher galten, müßten kritisch untersucht werde». Deshalb stelle er neben den historischen Materialismus— nickst als Ersatz, son- dern als Ergänzung— den historischen Psychismus. Ter Ma- terialismus bedürfe dieser Ergänzung, denn er berücksichtige nur die Umwelt, aber nicht die Innenwelt des Individuums. Das Innenleben, die Psyche des Menschen, gewinne niit der Zeit eine immer größere Bedeutung gegenüber den Verhältnissen der Außen- Welt. Dinge, die früher rein ökonomischer Natur waren, seien umgestaltet worden zu psychologischen Momenten.— In der Diskussion sei die irrige Meinung zutage getreten, als ob Psychismus gleich- bedeutend wäre mit Idealismus. Der Psychismus besage, daß wir mehr Wert legen müssen auf die Bedeutung des Innenlebens. Wir dürfen nicht ökonomische Aenderungcn erstreben auf Kosten der psychologischen Jaktoren.— Man dürfe sich nicht durch Oppor- tunttätsgründe abhalten lassen, daS, was man für richtig hält, offen auszusprechen.— Redner betont, er habe nicht die Ansicht vertreten, daß der Marxismus abgewirtschaftet habe, er erkenne ihm viel- mehr noch ein« Berechtigung zu. Deshalb habe er sich auch nicht dem Anarchismus zugewandt. Er halte diesen für daS bis jetzt höchste Ziel der Kultur, da aber die Voraussetzungen des Anarchis- mus noch nicht erfüllt seien, so bezeichne er, Redner, sich als Anarcho- sozialist.— Wir müssen die Befreiung der Persönlicksteit in den Vordergrund stellen, aber wir brauchen auch starke Organisationen. — In der Sozialdemokratie sei, um ökonomisch« Macht für die Partei zu gewinnen, die psychologische Entwickelung zurückgestellt, der Kampf gegen Kirche, Militarismus usw. vernachlässigt worden. — Auch in den Gewerlschasten habe man sich zur Neutralität be° kannt, um viele Mitglieder zu gewinnen sowie aus Rücksicht auf die Kassen. Die Neutralität dürfe nicht benutzt werden, um daS Klassenbewußtsein der Arbeiter zu ersticken.— Der Parlamentarismus habe uns das gebracht, was Ledebour Entgleisungen nenne, was aber noch in der Natur des Parlamentarismus liege und uns nötige, die Geschäfte der Bourgeoisie mit zu betreiben.— Der Klassenkampf habe sich verschärft. Wir dürfen deshalb nicht ans dem Boden des Klassenstaates kämpfen, sondern wir müssen uns gegen denselben wenden. Das sei die wichtigste Aufgabe des Pro- letariats. Wir können politisch wirken durch unsere Presse, ohne daß wir dazu den tjkrlcnncntarismus brauchen. Wir müssen ökonomisch kämpfen und arbeiten. Der wirtschaftliche Kampf sei ebenso wichtig wie der psychologische. Die Gewerkschaften müssen deshalb die Grundlage für den Klassenkampf sein, aber die politi- schen Organisationen brauchen darum nicht verschwinden.— In Jena sei der Wert der allgemeinen Arbeitsverweigerung anerkannt worden. Jetzt, wo Bebel den Massenstreik befürwortet habe, sei derselbe zu einem Partcidogma geworden. Früher, wo andere die allgemeine Arbeitseinstellung als Kampfmittel unserer Partei propagierten, habe das als" Parteivcrrat gegolten. WaS früher als Generalunsinn galt, sei jetzt anerkannt. So werden wir auch in anderer Hinsicht weiter kommen.— Mögen Sie mich nennen wie Sie wollen, das ist mir einerlei. Ich bin Klassenkämpfcr, ich stehe auf dem Boden des Klassenkampfes. In der Stunde der Ge- fahr werden wir uns alle zusammenfinden. Wenn wir durch unsere Agitation den Klassenstaat erschüttert haben, dann ist unsere Arbeit getan.(Lebhafter Beifall.) Ledebour: Auf die Theorien Friedebcrgs über PshchiSmuS und psychologisch« Einwirkung, die er heute wieder vertrat, werde ich nicht eingehen, weil unS daS an der Erörterung der Sache, auf die«s ankommt, den Generalstreik, hindern würde. Theodor Fischer sagte in der vorigen Versammlung: FriedebergS Theorien kümmern unS nicht, wir verstehen davon nichts, es kommt uns nur auf seine praktischen Forderungen an.— Damit ist FriedebergS Theorie durch einen seiner Anhänger desavouiert worden, wir brauchen uns also mit der Erörterung derselben nicht aufhalten.— Ich sagte, Friedcberg könne die Massen deS Volkes psychologisch nicht richtig beurteilen. Das bezog sich darauf, daß Friedcberg glaubt, er könne unter Beiseitcschiebung oder gar unter gänzlicher Verneinung deS Parlamentarismus— er hat sich darüber verschieden ausgedrückt— nur mit der Idee deS Generalstreiks die Massen gewinnen.— Ich bin der Ansicht, daß man nur mit der Propagierung deS General- streikS die Massen nicht gewinnen kann. Der Parlamentarismus bot unS bis jetzt noch die besten Mittel, um unsere Ideen in die Massen der Indifferenten zu tragen.(Sehr richtig! Beifall.) Wenn Friedeberg dies Mittel verwirft, so beweist mir daS, daß er die Massenpsychologie nicht kennt.— Die vom Parteitage an- genommene Resolution Bebel verlangt etwas anderes, wie Friede- berg. Der politische Massenstreik ist schon 1836 durch den inter- nationalen Kongreß in Zürich befürwortet worden. Friedcbcrg war also nicht der erste, der diesen Gedanken anregte, und nicht auf seine Agitation ist es zurückzuführen, daß sich der Parteitag in Jena für den politischen Massenstreik erklärte.— Jriedeberg schädigt die Idee de» politischen Massenstreiks, wenn er sie m?t der Idee des anarchistischen Generalstreiks verknüpft.(Widerspruch.) Wir müssen uns jetzt gegen Friedcberg wenden, weil er durch seine Propaganda Verwirrung unter die Arbeiter bringt.(Beifall.)— WaS ich in Fricdeberg bekämpfe, daS ist daS Bestreben, der Arbeiterklasse den politischen Kampf zu verekeln. Diese Abficht muß umsomchr bc- kämpft werden, als sie in einer Zeit einsetzte, wo die Scharfmacher daran waren, für den Raub des allgemeinen Wahlrechts Stimmung zu machen. Friedeberg hat, indem er mit seiner antiparlamen- tarischen Propaganda begann, den Manteuffel und Mirbach für die Verwirklichung ihrer frechen Pläne den Weg geebnet.— Bei dem von uns propagierten Massenstreik handelt eS sich ja darum, daß wir durch die» Kampfmittel die Angriffe auf daS allgemeine Wahlrecht zurückschlagen wollen. Wenn das Proletariat zur Verteidigung deS Wahlrechts den Massenstreik anwenden soll, dann muß den Ar- beitern dieses Recht so viel wert sein, daß sie bereit sind, alles dafür einzusetzen. Wenn aber Jriedeberg sagt, wir weinen dem allge- meinen Wahlrecht keine Träne nach, so verekelt er de», Proletariat, vielleicht ohne es zu wollen, die Anwendung dieser Waffe.— Wenn Friedeberg über einen kleinen Kreis hinaus Erfolg haben sollte, dann könnten sich die Scharfmacher freuen, sie brauchten ja dann den Kampf um das Wahlrecht nicht zu fürchten.— Man muß die Waffe des Parlamentarismus ausnutzen, so gut es geht, oder man muß sie ganz aufgeben. Ein Mittelding gibt e» nicht.— Friedcberg sagt, der Parlamentarismus habe den Klassenkampf abgeflaut, und an einer anderen Stelle sagt er, der Klassenkampf hat sich ver- schärft. DaS ist ein Widerspruch. Wenn sich der Klassenkampf ver- schärft hat, kann er doch nicht abgeflaut sein. Friedcberg sagt, wir benutzen den Parlamentarismus nur, um ökonomische Macht zu be- kommen. Nein. Wir führen den parlamentarischen Kampf auf allen Gebieten. Jede Frage, die im Parlament behandelt wird, gibt unS Stoff zur Agitation und Gelegenheit zu psychologischer?luf- klärung. Wenn wir ökonomische Vorteile erringen können, nehmen wir sie natürlich auch.— Jriedeberg will nur den gewerkschaftlichen Kampf auf ökonomischem Gebiete. DaS Wahlrecht ist ihm nicht deS Kampfes wert. Da begegnet er sich mit Rehbein, der auch den Generalstreik für die Erhaltung des Wahlrechts nicht Willi Rchbcin sogt, keine Hand rührt sich, wenn unS das Wahlrecht genommen wird, und Friedeberg sagt, wir weinen dem Wahlrecht keine Träne nach. Wir bekämpfen Rehbcins Auffassung ebenso, wie die Friede- bergö.(Beifall.) Friedcberg befürwortete den allgemeinen Militär- streik im Falle des Krieges alS ein PressionSmittel, um Konzessionen von der Bourgeoisie zu bekommen. Gleichzeitig verurteilte er aber die Ansicht Heines, der Kanonen bewilligen will, um VolkSrechte dafür einzutauschen.(Friedeberg: Ich habe nicht von Heine gesprochen.) Jawohl, Sie haben den Gedanken der Bewilligung von Kanonen als Tauschobjekt für Volksrechte auch als ein Zeichen der Versumpfung angeführt. Das ist aber dasselbe, alS wenn man den Milltärstreik anwendet, um die Bourgeoisie zu Konzcssionen zu nötigen. DaS ist eine revisionistische Idee und keineswegs roo- luttonar. Etwas, das wir an sich für verkehrt halten, dürfen wir auch nicht als Tausch- oder Prcssitmsmittel benutzen.— Wenn wir uns nicht mehr politisch, sondern, wie Friedcbcrg irüll, nur gcwcrk- schafilich betätigen, so führt das gerade zu einer Vcrsimpclung des Klassenkampfes. Wir wollen die Waffe, die uns der Parlamcn- tarismus bietet, nicht aus der Hand lassen, sondern unseren Gegnern damit das Leben so schwer wie möglich machen. Wir dürfen deshalb nichts tun, was das Proletariat veranlassen könnte, den politischen Kampf zu mißachten. Um unsere politischen Rechte zu behaupten und neue zu erobern, haben wir den Massenstreik als neue Waffe unseren bisherigen Kampfmitteln hinzugefügt. Gewiß, auch die Freunde Friedebergs wollen das beste, sie sind nur auf dem Holzwege und es ist zu hoffen, daß FriedebeigS AnarchosozialiSmus nicht um sich greift. Vereint wollen wir kämpfen auf allen Ge- bieten, so ebnen wir der Sozialdemokratie den Weg zu ihrem Ziele (Stürmischer Beifall.) Persönlich bemerkte Friedeberg, er stehe auf dem Stand- Punkt, daß wir zuni Militärstreik aufzufordern haben. Den Gc brauch desselben als Pressionsmittcl meine er so, daß wir alles an- zuwenden haben, was die Herrschaft der Bourgeoisie erschüttern kann. M e i x beantragte, alle vorliegenden Resolutionen abzulehnen und der Resolution Bebel zuzustimmen. Ein von Gehl, Theodor Fischer, Dtetzke und anderen unter- zeichnctcr Antrag fordert, daß sich der Wahlvcrcin auf keine Reso lution festlege, sondern die in der Diskussion berührten Ideen weiter diskutiere. Der Vorsitzende Freyt Haler hält eS nicht für angängig, daß über diesen Antrag, weil er erst nach Schluß der Diskussion ein- gebracht wurde, abgestimmt werde.— Hieran schloß sich eine Ge schäftsordnungsdebatte, dann erklärte sich die Versammlung dafür, daß der Antrag nicht zugelassen werde. Nunmehr wurde die vom Vorstände eingebrachte, in Nr. 217 des „Vorwärts" abgedruckte Resolution gegen eine schwache Minderheit angenommen und das Ergebnis der Abstimmung mit stürmischem Beifall begrüßt. Unter Hinweis auf die Verschärfung des Klassenkampfes, wie fte sich auch in der großen Aussperrung der Elektro-Jndustrie arbciter zeigt, forderte Freythalcr die Anwesenden zur Verbreitung unserer Ideen unter den noch nicht klassenbewußten Arbeitern auf und schloß mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie, in das die Vcr- sammlung begeistert einstimmte. Hus der Partei. nicht so weit auseinander. Die Gewerkschaften sind ebenso wie die Partei willens, jede Volksentrechtung abzuwehren, und sie lehnen auch den Massenstreik nicht grundsätzlich ab; nur für dessen ständige Propaganda übernehmen sie keinerlei Verant- Wartung. Ob im übrigen dieses Kampfcsmittel gegebenenfalls zur Anwendung gelangt, das wird von den jedenfalls sehr sorg- fältigen und kritischen Erwägungen abhängen, die dann zu pflegen sind. Der Eintritt möglichst vieler Parteigenossen in die GeWerk- schaften kann ihnen nur willkommen sein. Eine Stärkung der Organisationen ist aber nur dann gewährleistet, wenn alle�darin tätigen Kräfte einig sind, im Sinne der Kongreßbcschlüsse zu handeln. Einer Propaganda des politischen Massenstreiks innerhalb der Gewerkschaften im Sinne der Unterbindung der systematischen Organisationsarbcit und der Erziehung zum Trachten nach Katastrophen werden die Gewerkschaften im eigensten Interesse, wie auch zum Wohl der ganzen Arbeiter bcwegung entgegentreten." Ihr Gesamturreil über den Parteitag faßt das„Correspondenz- blatt" wie folgt zusammen: „Der Verlauf des Jencnfcr Parteitages erweckt im all� gemeinen lebhafte Befriedigung. So wenig auch verkannt werden kann, daß zwischen Partei und Gcwerkschaftskreiscn in einer Reihe von Fragen verschiedene Auffassungen bestehen, die übrigens auch innerhalb nicht gewerkschaftlich organisierten Parteikreisen vorhanden und bei Massenbewegungen gar nicht zu vermeiden sind, so sind doch beide darin einig, die Rechte der Arbeiterklasse gemeinsam zu verteidigen.— Einig gegen den Feind, wo eS die Ehre der Arbciter gilt. Wenn da unsere Gegner aus den Ver- Handlungen von Jena zu ihrem Leidwescu erkannt haben, so kann unS das nur mit größter Befriedigung erfüllen. Für die Ar- beiter aber ergibt sich aus diesen Verhandlungen aufs neue die eindringliche Mahnung: Macht ist Organisation! Das bedenk- liche Mißverhältnis zwischen der Zahl der sozialdemokratischen Stimmen iind der organisierten Parteigenossen drängte die Sozialdemokratie zur Neugestaltung ihrer organisatorischen Grundlagen; dieses Mißverhältnis bietet auch die psychologische Erklärung dafür, daß so viele politische Theoretiker instinktiv auf die in den Gewerkschaften konzentrierte organisierte Macht rechnen müssen, um gegen reaktionäre Maßnahmen gerüstet zu sein. Wäre die Partei organisatorisch so stark entwickelt, wie dies ihrem Stimmenverhältnis entspricht, so brauchte sie nicht erst über politische Massenstreiks zu streiten: sie wäre auf alles vor- bereitet. In der EntWickelung der politischen und gewerkschaft- lichcn Organisation liegt einzig die Macht der Arbeiterklasse; sie ist der beste Schutzwall für die Erhaltung der Volksrcchte. Ganz anders als drohende Resolutionen flößen geschulte Arbeiter- bataillone der bürgerlichen Gesellschaft Respekt ein. Hoffen wir, daß„Jena" für die politische Arbeiterbewegung zum Symbol der Wiedergeburt ihrer Organisation und damit ihrer Unüberwind- lichkeit werde!" Eine Warnung vor einem Kaufmann Bcrthold Löwenthal vcr- öffcntlichtcn wir gestern nach einer Zuschrift des Sozialdcnio- kratischcn Wahlvercins in AdlcrShof. Heute teilt uns nun derselbe Mit dem Jenaer Parteitag beschäftigt sich auch die letzte Nummer des„C o r r e s p o n d e n z- B l a t t" der Generalkom- Mission der Gewerkschaften Deutschlands. Es begrüßt den Beschluß, der den Parteigenossen die Zugehörigkeit zur gewerkschaftlichen Organisation zur Pflicht macht, mit den Worten: „Dieser Beschluß, den die Gewerkschaften nur begrüßen können, bereitet sicher allen denen eine Genugtuung, welche vor......___________________ �_____ B_____ zwölf Jahren den Kölner Parteitag vergeblich zu einer gleichen! Wahi�jn mit, daß durch gegenseitige Verständigung mit den Anerkennung der gewerkschaftlichen Organisationspflicht zu Adlersbofer wie Stuttgarter Turnern und Genossen die ganze An- drängen suchten. Was damals den Gewerkschaften in mehrtägiger, gelcgcnhcit sich zum größten Teil zugunsten Löwcnthals erledigt erhitzter Debatte bestritten wurde, das bringt ihnen heute der habe. Der Wahlvcrcin ersucht uns daher, unsere gestrige Notiz Parteitag unaufgefordert und debattelos entgegen. Die Ver- pahm 3U berichtigen, daß sich die Behauptung bezüglich der straf Hältnisse haben sich eben von Grund aus geändert, und niemand Haren Vergehen und Erschwindeln von Geldbeiträgen nicht aufrecht vermag eben heute noch, wie vor einem Jahrzehnt, den Gcwerk- erhalten lasse. Es läge nunmehr kein Grund vor. L. in seinem schaften die Anerkennung der Gleichberechtigung zu versagen. Die weiteren Fortkommen zu schädigen. Wir kommen dem Wunsche nach Partei kann sich nicht mehr damit begnügen, der gewerkschaftlichen Veröffentlichung dieser Berichtigung gern nach, können aber die EntWickelung von außen zuzusehen; es ist für sie eist dringendes Mahnung nicht unterdrücken, Warnungen nur erst nach ganz gc Bedürfnis geworden, innerhalb der Gewerkschaften zu wirken. Wir nehmen keinen Anstoß daran, daß diese Erkenntnis erst durch erhebliche Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Maifeier und des politischen Massenstreiks zutage gefördert wurde und daß diese Organisationspflicht ausgesprochen ist in der Resolution, die die Anwendbarkeit des politischen Massenstreiks billigt, wie auch der Umstand, daß diese Erkennntis geleitet ist von der Absicht, die End Wickelung der Gewerkschaftsbewegung mehr im sozialistischen Sinne zu beeinflussen, an dieser Beurteilung nichts ändert. Wir haben stets den Standpunkt vertreten, daß jeder Arbciter gcwert schaftlich und politisch organisiert sein muß und daß die Personal- union der Genossen der beste Regulator für die Einheitlichkeit der Arbeiterbewegung ist. Im weiteren neigte der Parteitag gleich uns der Auffassung nauer Untersuchung aller in Betracht kommenden Umstände an die Parteipresse gehen zu lassen. Literatur.„D a s E l e n d d e s S t ra f v o l lz u g e s". Unter diesem Titel ist soeben im Verlag der Buchhandlung Vorwärts eine Broschüre ans der Feder unseres Genossen Gradnauer erschienen. In Anknüpfung an das Ergebnis des„Plötzcnsee-Prozesses" behandelt der Verfasser einige der wichtigsten Fragen des Straf- Vollzuges. Es sind dargestellt: Das Strafrecht der besitzenden Klassen.— Aus der Geschichte des Strafvollzuges.— Der Straf. Vollzug der Rache.— Tie Erfolglosigkeit des Strafvollzuges.— Die Disziplinarstrafen.— Krankheit und Krankcnfürsorge.— Geisteskranke und Minderwertige im Strafvollzuge.- Neue Wege. Die Probleme des Strafvollzuges sind in neuerer Zeit auf die gegen vier der Oldenburger Bank mit Dividendenberechtigung ab 1. Januar 1SV6 und bewilligt ferner 4 Proz.= 40 M.. nicht wie irrtümlich zuerst gemeldet, auf den Dividendenschein für 1905 der Oldenburger Bank. Für den verstorbenen Bankdirektor Winklcr von der Bank für Handel und Industrie wird Geh. Oberfinanzrat v. Klitzing von der Bank für Handel und Industrie in den Aufsichts- rat der Nordwestdeutschen Bank eintreten. Die Untersuchung der Equitable-Affäre. In New Dork fand gestern das erste Verhör vor dem parlamentarischen Komitee zur Untersuchung der Verhältnisse des Versicherungswesens statt. Maine, der Kontrolleur für die Equitable-Gesellschafr, sagte aus, daß die genannte Gescllswaft, die New Dorl Mutual Life Insurance und die New Aork Life Jnsurance-Gesellschaft die gesetzgebenden Körperschaften der Vereinigten Staaten und Kanadas in drei Gruppen geteilt und für jede einen Vertrauensmann bestimmt haben. Er bezifferte den Gesamtbetrag der in den letzten zehn Jahren bei der Eguitable- Gesellschaft auf das Konto eines dieser Agenten ge- zogencn Schecks auf über 50 000 Dollar, gab jedoch zu, daß die fraglichen Schecks nur einen Tci[_ der Zahlungen darstellten. Es wurde dargelegt, daß ein einziger Scheck sich auf 13 333 Dollar belief, und daraus die Vermutung gefolgert, daß die drei Gesellschaften an den Ausgaben gleichmäßig teilnahmen, da diese Summe ungefähr das Drittel von 40000 Dollar beträgt. zu. daß Meinungsverschiedenheiten zloischen der politischen und politische Tagesordnung gestellt und dürften nicht wieder von ihr �-----— M' verschwinden. Die Verbesserung der unseligen Zustande, die nn Strafvollzug herrschen, zu fördern, ist die Aufgabe der hier vor- liegenden Schrift. Der Preis für die sechs Bogen starke Broschüre beträgt 1,20 M., eine auf billigerem Papier hergestellte Ausgabe kostet 50 Pf. Die Schrift kann von jeder Parteibuchhandlung bezogen werden. „Alkoholfrage und Arbeiterklasse" von Dr. R. Fröhlich. Dieses 5. Heft der„Arbeiter-Gesundheits-Bi- bliothck" ist soeben in dritter Auflage erschienen. Der Verfasser war seinerzeit mitten auf einer Agitationstour in Deutschland, als er, nachdem er in mehreren Versammlungen über das obige Thema gesprochen hatte, als lästiger Ausländer ausgewiesen wurde. In der Broschüre sagt er nun den deutschen Arbeitern, was er Ihnen mündlich nicht mehr sagen konnte. Die Broschüre kostet 20 Pf. und ist in allen Parteibuchhand- lungen zu haben. gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung, wie sie nun einmal nicht völlig zu vermeiden sind, am ehesten jeder nachteilige Einfluß ent- zogen wird, wenn die leitenden Instanzen beider Aktionen sich von Fall zu Fall darüber verständigen. In diesem Sinne wurden einige Anträge dem Parteivorstand als Material überwiesen, die bei gemeinsamen Fragen der Partei und Gewerkschaften eine Verständigung zwischen deren Leitungen bezw. ein dauerndes Zu- sammcnwirkcn wünschten. Einige dieser Anträge schössen freilich weit über das Ziel hinaus, das für beide Bewegungen zweckmäßig ist. Es darf indes als selbstverständlich angenommen werden, daß in geeigneten Fällen der Weg der Verständigung beschritten wird, und wenn das, was schon bisher in dringenden Notfällen geschah, mehr zur Regel wird, so kann dies für beide Teile nur von Nutzen sein. Hinsichtlich der M a if e i e r f r a g e war eine solche Ver ständigung, wenigstens vorläufiger Natur, bereits erzielt worden Da der Gewerkschaftskongreß von einer Beschlußfassung Abstand genommen und es bis zum nächsten internationalen Arbeiter kongrcß(1908) bei den seitherigen bindenden Beschlüssen be Der deutsche Arbeiterverein„Vorwärts" in Kristiania, der noch Ende der neunziger Jahre 150 bis 100 Mitglieder zählte, hat rongreg �00°, oc, oen ,euyer,gen v.noenoen we,chlu,,en ve- 1 � �urch die bald darauf hereinbrechende und noch jetzt an- Irfiaften ein �aTr' s f T dauernde Krise, die den größten Teil der deutschen Arbciter ver- S~fU"T d'-ler Ir-ge mlaßte, Norwegen zu verlassen, starken Verlust an Mitgliedern nhr, ri!-.Rpn hL v„'? �5�'. erlitten, entfaltet aber noch immer eine rührige Tätigkeit zur Ver- � J61110"' 1 brcitung der sozialistischen Ideen, sowie allgemeiner Aufklärung E.and;ui, t �,�cii>e schärfere �urchfuhrnng der�.lrbeitsruhe am I �nter den deutschen und anderen ausländischen Arbeitern in der vi-»'k��v�llelegte norwegischen Hauptstadt. Der Verein gehört der norwegischen � rl sl i s w Generalkomm,ssion finden, wo- Arbeiterpartei an, unterstützt aber außerdem nach besten Kräften w» internationalen Kongreß erwarteten Qtfe großen Kämpfe der Arbeiterschaft Skandinaviens wie der alten Acndcruiig der Maidemonstration nicht vorgegrisfen werden soll, cjxjjstat �sichts dwser derzeitigen Ueber-instimmung hätte eine u.n-* Das Verkehrslokal befindet sich am O l a f R Y e s p l a d s S. II. fangreichc Auseinandersetzung über die Malseicr recht gut unter-«„.'ammcnkünste finden ieden Sonnabend statt bleiben können, zumal auch das Referat von Fischer sich im wohl-' iiusammenkunste k'Nden I-den �onnaveno statt. tuenden Gegensatz zu früheren Jahren von Ausfällen und schiefen Urteilen über die Gewerkschaften ziemlich freihielt...." Sodann wendet sich das„Correspondenz-Blatt" der Frage des politischen Massen st reiks zu und legt den Unterschied..... zwischen dem auf dem Kölner Gewerkschaftskongreß gefaßten Be- Reue Preiserhöhungen in der Eisenindustrie. Tie verhältnismäßig schlussc und der Resolution Bebel dar. Er liege darin, daß der günstige Lage des Eiscnmarktcs bietet den Eisenkartcllen Anlaß, Beschluß des Gewerkschaftskongresses die Anwendung des Massen- nacheinander ihre Preise hinaufzuschrauben. Nach telegraphischer streiks zur Abwehr nicht ausschließt, während die Resolution Bebel j Meldung aus Köln erhöhten die Vereinigten Rheinisch-Westfälischen die Aufmerksamkeit auf dieses Kampfmittel lenkte, und zwar l Bandeis'enwalzwcrke die Grundpreise um 2 und 21/3 M. auf 123 sowohl die der Arbeiterklasse im propagandistischen, als die der und 127'/z M. pro Tonne; Frachtgrundlage Köln und Dortmund. Wahlrechtsfeinde im abschreckenden Sinne.„Während die Gcwerk- schaftsvcrtrctcr es für untaktisch halten, im voraus zu erklären, >v a s im Falle einer Abwehr geschehen soll, und zum Teil auch über /Zug Industrie und ftandel. die Möglichkeit und den Erfolg eines politischen Massenstreiks skeptisch urteilen, erblickt man auf feiten der politischen Befürworter des Massenstreiks in diesem ein erfolgreiches Demonstrations- wie Kampfesmitiel und zum Teil sogar das einzige Abwehrmittcl, das der Arbeiterklasse unter den gegenwärtigen Verhältnissen möglich ist." Nachdem über die auf diesen Punkt bezüglichen Verhandlungen und die Annahme der Resolution Bebel berichtet, heißt es: „Damit ist der Massenstreik offiziell in die Reihe der Die Allgemeine Berliner OmnibuS-Akticngesellschaft hielt gestern eine außerordentliche Generalversammlung ab, um einen Beschluß darüber herbeizuführen, ob die Verwaltung den Pachtvertrag betreffs des Viktoriaspeichers kündigen solle. Die Gesellschaft erteilte ohne weiteres dem Vorstand die nachgesuchte Ermächtigung zur Kündigung dcS Vertrages. Darauf wurde von der Verwaltung mitgeteilt, die Gesellschaft gedenke in kurzer Zeit einen AutomobilomnibuS in Be- trieb stellen zu können. Die Einführung desselben habe sich dadurch verzögert, daß die Polizei eine Anzahl neuer Vorschriften erließ und daher ein ganz neuer Typ habe erbaut werden müssen. ____ Zu der Vereinigung der Oldenburgischen Bank mit der Nordwest- politischen Kampfesmittel aufgenommen worden. In formaler I deutschen Bank in Bremen, über die wir gestern berichteten, meldet Beziehung trifft für die Gewerkschaften hier selbstverständlich das der„Berl. Börsen-Courier". daß die Fusion derart durchgeführt gleiche zu, was der Referent zum Punkte Maifeier ausdrücklich lvird, daß die Oldenburger Bank als Ganzes ohne Liguidation in konstatierte: ES muß als ausgeschlossen gelten, daß die Partei die Nordwcstdcutsche Bank übergeht und als eine Zwcignicdcrlassnng den Gewerkschaften ihre Beschlüsse aufzwingen kann. Es kann sich dieser Bank weitergeführt wird. Die Rordlvestdeutsche Bank be- lediglich um eine Verständigung für den gegebenen Fall handeln, antragt zu diesem Zwecke eine Erhöhung ihres Grundkapitals um In der Wjrküng gehen dse beiderseitigen Beschlüsse auch gar i 1500 000 M. auf 0 500 000 M. Sie gewährt drei ihrer Aktien Hus der frauenbewegung. lieber„Die Revolution von 1848" sprach Dr. Maurenbrecher in einer Waiidcrversamnilung des„Vereins für Frauen und Bkädchen der Arbeiterklasse" in Moabit. Man studiere Geschichte, so leitete der Referent seine Ausführungen ein, um aus der Vergangenheit zu lernen, lliitcr diesem Gesichtspunkt sei die bürgerliche Revolution von 1843 nach mehr als einer Hinsicht auch für»ns interessant. Vor allem entsteht für nns die Frage: Warum hat sich das Bürgertum damals nicht der politischen Gewalt be- mächtigt? Der Referent entwickelte nun in anschaulicher Weise ein Bild der Klassciizusammensetzuiig in der damaligen Gesellschaft und der daraus entspringenden Jiitcresscnkrcise und Parteiverhältnisse während der Revolution, die stark an die Parteiverhältiiissc des heutigen revolutionären Rußland erinnern. Wie dort, so überwog auch damals inDeutschland noch bei weiteni die bäuerliche Bevölkerung: Kleinbürger- tum, Adel und städtische Intelligenz bildeten weitere Interessen- grnppen; dagegen waren die Großindustrie und iin Verein damit das städtische Proletariat erst in den deutschen Großstaaten. in Preußen und Oesterreich, in ihren Aiifängen vorhanden. Einen ernsten Machtkampf stellte aber die 48er Revolution nur für diese beginnende Großindustrie dar, die zu ihrer weiteren Entfaltung Auf- Hebung des bureaukratischcn Bevormundungssystems, volle Wirt- schaftliche und politische Freiheit brauchte. In den deutschen Klein- slaaten verzettelte sich dagegen die revolutionäre Bewegung in EiiipöruiigSausbrüchcn gegen den Kleindespotismus und per- sönliche Hcrrschertyraimei. So lähmte von vornherein die geschichtliche Vergangenheit des zersplitterten Deutschland die Tatkraft der RevoliitionShcldcn und-Führer. Die Wirt- schaftliche Eutwickelung war noch nicht Iveit genug vor- geschritten; hinter den revolutionären Parteien standeii zum großen Teile völlig unaufgeklärte Massen, auS denen heraus eben erst Anfänge einer kommunistischen und sozialistischen Bewegung sich zu entfalten begannen. Als nun im Fortgang der Revolution und nach deren ersten glücklichen Erfolgen sich von Frankreich her das drohende Gespenst einer proletarischen Revolution erhob, da wurde das revolutionäre Bürgertum in Deutschland völlig kopfscheu, und die anfangs siegreiche Bewegung nahm in den rückläustgen Strömungen der ReatnonSzeit einen kläglichen Ausgang. In ihrer Allwendnilg auf künstige geschichtliche Machtlämpfe lehrt uns deshalb die 48 er Revolution, daß revolutionäre Gewaltakte nur dort Aussicht ans Erfolg bieten, wo auf der einen Seite die Wirt- ' ch a f t l i ch e Eutwickelung bereits genügend vorgeschritten ist, auf der anderen die g e i st i g e Erkenntnis und die Aufklärung der Massen. Deshalb sei Aufklärung und Organisation das erste und wichtigste Erfordernis auch der heutigen gewaltigen Arbeiterbewegung niid deren größte Aufgabe, in immer weiteren Kreisen, vor allem auch niiter den Frauen in diesem Sinne zu wirken. Der äußerst fesselnde Vortrag hielt bis zuletzt das lebhafteste Jntercsse der Hörer wach. Leider war die Versammlung Verhältnis- mäßig schwach besucht. Steglitz. Der BildungSverein von Steglitz und Umgegend hält am Dienstag, den 3. Oktober, bei Grube in Friedenau, Kaiser- allce 85, seine Mitgliederversammlung ab. Ganz besonders sei auf den hochwichtigen Vortrag:„Die Schule im Banne der Kirche", Referent Herr Eichler. aufmerksam gemacht. Jeden, ob Mann oder Frau, dem das Wohl der Kinder am Herzen liegt, dem die heuttge Erziehung durch Stock und Bibelspruch nicht gefällt, muß der Vortrag interessicrcn. ES wird daher auch ein zahlreicher Besuch erwartet. Männer und Frauen als Gäste haben Zutritt.' Der Vorstand. Teltow. Der Frauen- und Mädchen-Vildungsverein von Teltoto hielt Mittwoch, den 27. d. M., eine Versaninilung bei Piekenhagen ab. Herr Dr. Sommerfeld hielt einen lehrreiche» Vortrag über ges undheitsmäßige Kinderernährung, Pflege und Erziehung. Die Versammlung war von 24 Frauen besucht. Diskussion fand nicht statt, nur unter Punkt Verschiedenes wurde darüber gesprochen, daß die Frauen von Teltow recht tüchtig agitieren mögen, damit die künfligeir Versammlungen besser besucht teien und der Verein sich verstärke. Wcißenscc. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 2. Oktober, findet im Lokale des Herrn Schmutz eine außerordentliche Versammlung statt, in welcher Herr Schmutz über: „Das Interesse der Frau an der Annen- und Waiscnpslege" sprechen wird. Die Mitglieder werden ersucht, zu dieser lvichligcn Versammlung recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Gäste willkommen. ___ Der Vorstand. Mocken-Spielplan 6er Berliner Cheatei». Opernhaus. Sonnlagnachmittag 2'/. Uhr: Hansel und Gretcl. Die Puppcnsee. Abends Ti3 Uhr: Mgnon. Montag: Tannhäuser. Dienstag: Das Fest auf Solhang. Mittwoch: Romeo und Julia. Donnerstag: Das Rhcingold. Freitag: Die Walküre,(iliisang 7 Uhr.) Sonnabend: Lost karr tutto. Sonniaa: Der Roland von Berlin. Montag: Carmen. Schauspielhaus. Sonntag: Der Schwur der Treue.(Ansang 7»/, Uhr.) Montag: Wilhelm Teil. Dienstag: Der Schwur der Treue. Mittwoch: Der Schwur der Treue. Donnerstag: Macbeth. Freitag: Der Schwur der Treue. Sonnabend: Göll von Berlichiugen.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Der Schwur der Treue. Montag: Prinz Friedrich von Homburg. NeneS Königl. Opemtheater. Sonntag: Faust.(Ansang 7 Uhr.) Von Montag bis Somlabend: Geschlossen. Sonntag: Die Räuber. Montag: Geschlossen. Lcsiiug-Theatcr. Sonntagnachinittag 3 Uhr: Die Weber. Abends « Uhr: Benignens Erlebnisse. HannclcS Himmelfahrt. Montag: Erziehung zur Ehe. Sittliche Forderung. Dienstag: BcnignenS Erlebnisse. Hanueles Himmelfahrt. Mittwoch: Elga. Donnerstag: Benignens Erlebnisse. Hanueles Himmelfahrt. Freilag: Erziehung zur Ehe. Sittliche Forderung. Sonnabend: Stein unter Steinen.(Anfang 7'/, Uhr.) Sonntagnachmittag 3�Uhr: Rofcniiiontag. Abends 7'/, Uhr: Stein nnter Steinen. Montag: Stein unter Steinen. Schfller-Thcater O.(Walliicr.Thcatcr.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Traum ein Leben. Abends 8 Uhr: Ein Wintcriiiärcheii. Montag: Der Eivisscnswurin. Dienstag und Mittwoch: Der Traum cm Leben. Donnerstag: Ein Winlennärchen. Freitag: Der Traum ein Leben. Sonnabend: FlachSmann als Erzieher. Sonnlagiiachniittag 3 Uhr: Der Traum ein Leben. Abends 8 Uhr: Flachsmann als Erzieher. Montag: Hofgunft. Schiller-Theater lt>.(Fricdrlch-Wilbclmstädtifchcs Theaters) Sonntag- »achniittag 3 Uhr: Fuhrmann HcnfchcL Abends 8 Uhr: Hofzunft. Montag»nd Dienstag: Nora. Mittivoch. Donnerstag und Freitag: FlachSmann als Erzieher. Soiinabtnd: Zum Einsiedler. Angen rechts. eooimlaguachmittag 3 Uhr: Die Ehre. Abends und Montag 8 Uhr: Zum Einsiedler. Augen rechts. Berliner Theater. Soiiiiabend 8 Uhr: Andalosia. Sonntag- nachmittag 3 Uhr! Andalosia. Abends ö Uhr und Montag: Andalosia. Kleines Theater. Soimiagnachinittag 3 llhr: Die Lore. Angele. Abends 3 Uhr: Hidalla. Montag: Nachtasyl. Dienstag bis Sonnabend: Hidalla. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Lore. Angele. Abends 3 Uhr: Hidalla. Montag: Unbestimmt. Lustspiclhans. sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Lumbcngcsindel. ZibendS 8 Uhr: Jahrmarkt in Pulsnitz. Montag: Der Iamilientag. Dienstag: Jahrmarkt in Pulsnitz. Mittwoch: Der Familientag. Donners- tag: Jahrmarkt in Pulsnitz. Freitag und Sonnabend: Der Familientag. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Lumpengesindel. Abends 8 Uhr: Der Jahrmarkt in Pulsnitz. Montag 8'/z Uhr: Der Familientag. Neues Theater. Sonntag und solgende Tage: Ein Sommcrnachts- träum. Residenz- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: HerluleSpillen. Mends 8 Uhr und Montag bis Sonnabend: Die Höhle des Löwen. Sonntagnachmittag 3 Uhr:' Seine Kammerzofe. Abends und Montag: Die Höhle des Löwen. Trianon-Theatcr. Sonntag bis Sonnabend: Madame Torera. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Ende der Liebe. Abends 3 Uhr und Montag: Madame Torera. Carl Wcist-Theater. Sonntag bis Freitag: Der Weltumseglcr wider Willen. Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Die sieben Naben. Abends: Das Aäthchcn von Hcilbronn. Sonntag und Montag: Der Weltumseglcr wider Willen. Theater des Weste»?. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. Abends: Der Opernball. Montag: Die neugierigen Frauen. Dienstag bis Freitag: Der Opernball. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Iphigenie aus Tauris. Abends Uhr: Der Opernball. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Undine. Sonntag und Montag: Der Opcrnball. Metropol- Theater. Allabendlich: Aus ins Metropol.(Ans. 8 Uhr.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Geisha. Abends Zentral- Theater Vj, Uhr und Montag bis Mittwoch: Zur indischen Witwe. Donnerstag- nachmittag 4'/. Uhr: Prinzehchen Goldstaub. Abends und Freitag VI, Uhr: Zur indischen Witwe. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Die Räuber. Abends: Zur indischen Witwe. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Geisha. Abends und Montag: Zur indischen Witwe. Thalin-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends und folgende Tage: Bis früh um Fünse. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Eharleys Tante. Abends und Montag: Bis früh um Fünse. Belle- Zllliauee- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr und all- abendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Luiscn-Theatcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tcll. Monds: Der Mann im Monde. Montag(Gastspiel des Theaters des Westens): Undine. Dienstag: Wilhelm Tcll. Mittwoch: Der Mann im Monde. Donnerstag und Freitag: Das Erbe. Sonnabend: Wilhelm Tcll. sonntagnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Das Erbe. Montag: Der Mann im Monde. Deutsch- Amerikanisches Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ueber'n grosten Teich. Abends und folgende Tage i Aber Herr Herzog. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Casino-Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Ein Sohn des Volkes. Mends und solgende Tage: Der Adelsnarr. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Ein Sohn des Volkes. Apollo- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Am HoihzeitSabend. Ein Abend in einem amerikanischen Tingel-Tangcl. Spezialitäten. Passage- Theater. Allabendlich: Poldi Augustin. Tacianu. Spe- zialitäten. Ansang 8 Uhr. Uranta-Theater. Taubcnstraße 48/43. Im Lande der Mitternachts, sonne. Montag, Mittwoch und Dounerstag: Mit der Camera im Ballon. Freitag: Tierleben der ostasrikanische» Steppe. Ansang 8 Uhr.— Jnvalidenstr. 57—62. Sternwarte. Montag, Mittwoch und Freitag: Die deutsche Rordsecküste. Dienstag, Donnerstag und Sonnabend: Tierleben in der Wildnis. Ansang 4 Uhr. Gebr. Hcrrnfeld- Theater. Sonntag und solgende Tage: Die Meyerhains. Reichshallen- Theater. Sonntag und solgende Tage: Stettiner Sänger. Wintergarten. Rosario Gucrrero. Spezialitäten. Aclriung Streikende! Sie streikenden Sehranbendreher werden ersneht, sieh am JAontagmittag 12 Uhr im Mate„Waldhans", am Tegeler Weg, die streikenden Lagerarbeiter von Ober-SehSneweide im Male„Steeherts Testsäle", Andreassir. 21, zur Kontrolle einzufinden. Sie ientral-Streikkommission. Wir machen hiermit öffentlich bekannt, daß wir von unserer verehrten Konkurrenz denunziert worden sind und können wir es uns nur denken, daß es lediglich geschah, da wir durch unsere enorme BUUgUeit der Konkurrenz das Geschäft aus der Hand nahmen. Wir werden nicht verfehlen, dem geehrten □ □ □ Publikum den Verlauf des Prozesses mitzuteilen. Um uns aber heute schon für die BeumtZiatUm zu revanehiereu, □ □ □ verkaufen wir von jetzt ab zu jedem nur annehmbaren Preise!! —............................... � UlfUHillli!»>»»! Durch ganz enorm große Posten sind wir in der Lage, kolossal billig verkaufen zu können. Total-Ausverkauf. Herren-Anzüge, b«w™......... 6.85 Mt.°d Herren-Paletots............ 6.65 ud.-d Herren-Loden-Joppen..... 3.65»-r Herren— Hosen, Bukstm.........n 2.10 ut..r = Ecke Aepst-Slraße,= Rosenthaler-StraSe 9. E. Süsskind& Comp. prima...... von Mk. ab ICüclbdl'PcllCtOtSj gefüttert. 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Bierbecher mit schwerem Boden 13pt Gambrinusbecher 9pt ivoiss' Porzellan dekoriert Speiseteller Dessertteller Compotteller Salatschalen Kuchenteller mit Hentei Saucieren Kaffeetassen mit Untertasse Kaffeekannen Suppenterrinen 14 pl 9 pf 6 pf. 3 5 pf. 25pt 45 pt 10 pt. 48 pt 1.45 TeetaSSen mit Untertassen 14 Pf Kaffeetassen mit Untertassen 17pt Dessertteller 20. 25 pt MÜChtÖpfe verschiedene Formen 15 Pt Kaffeetöpfe Kuchenteller 1 Salatschale mit< schlichen Milchtöpfe satz 6 stick 12 Pt 55 pf, 45 pt 1.35 Steingtit Salatschalen gerippt ig� Kaffeebecher 8pt Vorratstonnen blan Zwletelmnster 33pt Gewürztönnchen wan zwiebeim. l4Pt Essig- u. Oelf laschen zÄm.25pt Salatschüsseln sau 7 stick 1.25 Milchtöpfe blaÄerbeI-8at«68tck.l.65 Kaffeeservice fUr 6 Personen 1.95, 2.55 TafelSerVIC0 ßr 6 Personen, ISteilig 12.75 Tafelservice ßr Ii Personen, iö teiliz 23.75 Tafelservice ßr 1Z Personen, SSteilig 42.50 Waschgarnitur DnÄt. 1.95»AÄt 3.65 Waschgarnitur Bmkmusr°i5.25 ÄdM 9.CX) (Kücf sengarnitur visfsckigsssofm, gfUli dskorift Essig- und Oelflaschen Milchtöpfe Vorratstonnen Gewürztönnchen Salz-Mehlmesten Stick 42 Pt Satz 6 Stick 1.45 38pt 18 Pf. Stick 65pt Möbelstoffe Weinglasgamituren Rotweingläser Rheinweingläser Portweingläser Likörgläser Sektgläser Bierbecher Teebecher Portieren Portieren Garnituren i�Kuin 3.95, 4.75 Portieren Garnituren mzian-piisch 8.75, 10.75 Portieren ÄÄ ßtick 1.65. 1.95. 2.25 Portieren»»men-Ä ß">ck 2.25, 2.75, 3.50 Tischdecken 2.25, 3.50, 4.25 Tischdecken 2.75, 3.50, 4.75 Tischdecken PIbae8kc�b 5.25, 7.75, 9.75 Divandecken 4.15, 5.75, 8.25 Steppdecken?*££ stick 3.25, 4.75, 6.25 Steppdecken a«csil 6.50, 8.75,10.75 Ein Posten Spachtel-Tüll-Läufer 99„| Axminster Tapestry Velour Imitiert Perser, Teppiche Grosse ca. 160�30 200/300 4.75, 11.75, 19.75 7.25, 12.75, 21.75 11.75, 19.75, 30.75 4.25, 7.75, 11.75 zwel- eeitig Axminster-Vorleger stick 75 pt, 1.15f I.75 Velour-Vorleger stick 3.99, 4,75 Im it. Perser Vorleger 99 Pt, 1.15 Jute Läuferstoffe Met« 25, 38, 45 pt Tapestry-Läuferstoffe Meter 1.75, 2.25, 2.95 Velour-Läuferstoffe Meter 3.25. 4.25, 4.95 Cocos-Läuferstoffe Meter 95 pf, 1.25, 1.65 Zuggardinen-Einrichtung 35 Pf. Gardinen Tüll-Gardinen 0Ä#«.ter 30, 42, 55?� Tüll-Gardinen wei88 oderFÄ 2 noget 1.25. 1.85 Tüll-Gardinen Fuge. 3.50, 4.75 Scheiben-Gardinen weiS8 otlcMr� 23, 35, 45pt Congressstoffe 38, 45, 65 Pf Tüll-Stores � 1.65,2.25,3.50 Erbstüll-Stores Stack 4.75. 6.25. 7.75 Scheiben-Schleier:nÄde�me,miomapfe? 43, 65 pt. Tüll-Bettdecken wTrTBcert6tme 1.85. 2.35. 3.25 Tüll-Bettdecken ÄodÄe4.25. 6.50. 7.75 Köper-Rouleaux 2t$Äterl.85. 2.80. 3.25 1 Grosser Posten Tischdecken etick 1 .75 1 Emaille Eimer ca. 23 cm, neahlau Schmortöpfe oSÄfg Schmortöpfe mÄg Kasserollen Kasserollen ict"� Milchtöpfe oder weiss Durchschläge odS'weüs Elm rar dekoriert mit Deckel, 0 llllcr Messingbügel und Knopf o.ZU Wirtschafts-Artikel Emaille, welches beim erstmaligen Gebrauch ausspringt, wird bereit' willigst umgetauscht. 75 pt 42. 48pf. 55, 65 pf. 25. 28pf. 48, 60 pf. 38, 48 pt _ 45, 55 pt Waschgarnituren dtSt 2.95 Wannen 1.25,1.50,1.85 Wasserkessel 65. 75, 85 pt Sand-Seife-Soda-Garnitur 98pf. Leuchter 38, 48pf. Wasserkessel dekor-S«riDg- 3.25 Waschständer 48. 75, 95 pt Waschtische 2.25, 2.85, 3.50 Waschtische ge8Ätdeckei 16.50 Waschfässer zink 8.50. 10.00 Waschfässer 10.00, 12.00 Waschzober 9.50, 11.50 Ascheimer 43, 75, 95 pt Kohlenschaufeln 15, 20. 25pf. Messerputzmaschinen�?u5.50 Briefkasten 42, 43, 70pt Leitern ßtufe 35 pt Kohlenkasten Hob, 1.65, 1.95 Küchenrahmen 2.85, 3.75 Handtuchhalter 95pf.l.35, 1.75 Stuhlsitze 25, 35 pt Putzkomoden mit 8 Sohubkaaten 2.65 Küchenschemel 70. 90pf, 1.00 Küchenbänke 1.19, 1:35. 1.45 Plättbretter bezogen 2.25 Wäscheleinen 1.25. 1.95 2 Gasplätten m» Erhitz« 5.25 Verdichtungsstränge p.ct48pt Eiserne Gardinenstangen 9pt Gallerieeisen pa„ 5pt Rollenkästen o�nuneu pa« 15 pt Porzellan-Ringe iLoohlpt, s Loch 2pf. Porzellan-Quasten 4Pt Bürstenwaren Borstenbesen 48, 79, 95� Borstenhandfeger 28, 38, 55 pt Rosshaarbesen 98p/. 1.59, 1.75 Rosshaarhandfeger 48, 65, 85 pt Schrubber 18, 23. 28pt Scheuerbürsten 8. 12. 15 pt Ciosetbürsten 39, 49, 43� Teppichhandfeger 39, 35. 38 pt Teppichkehrmaschinen 6.75 Federwedel 25, 35, 45 pt Fensterleder Ausklopfer Stahlspähne Bohnerwachs 43, 79, 95 p/. 25, 35, 45pf. Pack 16 Pf. Dom 50pt fSernnfiu fflebat'eur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil veraritw.: TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwctrt»Biichdriickere> u. Berlaosannalt Panl Sinaer L- Co., Berlin SW. Ht. 230. 22. Iahtgavg. 2. KtilU dts.Amiills" Kerlim MM Solttckg, i. Oktober 1905. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 30. September IM. Heüer das Kartell hinweg zum Trust. Entstehung der amerikanischen Trusts.— Prophezeiungen der zünstigen Nationalökonomie über die Entwickelung der Kartelle.— Der Komzen- trationSprozeb im Kohlcnshndikat.— Hüttcnzechen und reine Zechen.— Vom Kartell zum Trust.— Die Sprengung der Kartellsesseln.— Herr Schmoller in der Generalversammlung der Soztalpolitiker.— Der historische Sinn der historischen Schule der Nationalökonomie. Im politischen Tageskampfe finden, wie die Wirtschaftsgeschichte veweist, selbst die wichtigsten Veränderungen der wirtschastlichen Struktur, wenn sie sich nicht plötzlich mit vehementer Kraft durch- setzen, sondern im täglichen Fortschritt allmählich herausbilden. zunächst stets nur wenig Beachtung, bis ihr Einflufz auf das gesell- schaftliche Leben sich in einem Mahe geltend macht, daß die Politik sie absolut nicht mehr zu ignorieren vermag. Ein treffendes Beispiel hierfür aus letzter Zeit bietet die Geschichte des Trustwesens in Amerika und des KartellwesenS in Deutschland. Als unter An- lehmmg an die ältere Form der amerikanischen„Trust-CompanieS" und„TrusteeS-CoinpanieS", die zuerst nichts weiter als einfache, sich nebenbei mit der Reorganisation und Revision von Aktien- zesellschaften befassende Kapitals- respektive Vermogensverwaltungs- gesellschaften waren, zu Anfang der achziger Jahre des vorigen Jahr- Hunderts in den Vereinigten Staaten der Oiltrusi entstand, und dann nach seinem Modell sich auch auf verschiedenen anderen Gebieten ähnliche kleinere Trustgesellschaften bildeten, fand die neue Form der Association zunächst selbst in den Kreisen der Wirtschaftspol, tiker wenig Beachtung. Im Grunde genommen war es ja auch gar nichts Absonderliches, das sich vollzog. Schon die alten Trusiecs- CompcmieS hatten die zeitweilige Verwaltung und Reorganisation nicht prosperierender Aktiengesellschaften übernommen. Nun gingen einfach verschiedene mit der Raffinerie und dem Transport von Petroleum beschäftigte Gesellschaften dazu über, dast sie es im freien Konkurrenzkampfe nicht erst bis zur Reorganisationsbednrftig- tcit kommen ließen, sondern schon vorher die Verwaltung ihrer Unternehmungen gemeinsam einem„Board of TrnfteeS" übertrugen und sich dafür in ähnlicher Weise, wie dies damals schon lange bei den englischen Jnvestment-TrustS üblich war, Anteilsbescheinigungen, Trustzertifikate ausstellen ließen. Der ganze Vorgang erschien nur als ein einfacher, logischer Schritt über die alte Form hinaus, so daß er als ganz natürlich angesehen wurde. Daß dieser Schritt im weiteren Verlaufe zu jenen monopolistischen Trustbildungen und eigenartigen Finanz- spekulationserscheimmgcn führen iverde, die heute dem Wirtschasts- leben der Union ihren Stempel aufdrücken, ahnte fast niemand. Erst als nach der Wirtschaftskrise der Jahre 1S93/9t der Puls deS wirtschaftlichen Lebens wieder schneller zu schlagen begann und unter dem Schutze deS neuentstandenen Zollsystems die industriellen Ver- schmelzungen, begünstigt von dem Spekulationstrieb der Hochfinanz, in rascher Reihenfolge immer größere Ausdehnung annahmen, also erst nachdem die Entwickelung des amerikanischen Trustwesens über die Jugendveriode hinauSgelangt war, begann sich die liebe Oeffentlich- teit intensiv mit den Trusts zu beschästigen. Und dasselbe Bild zeigt sich, wenn man die Geschichte der beut- scheu Kartelle und ihrer Beurteilung durch die deutsche Presse und nationalökonomische Wissenschaft verfolgt. Erst wurden die ver- emzelten Kartellbildungen wenig oder gar nicht beachtet. Etwas Neues waren diese„PreisfestsetzungS-Vercinigungon", als welche meist zuerst die Kartelle lediglich betrachtet wurden, ja auch nicht. Derartige Vereinigungen gab es schon im Mittel- alter und alten Rom. Als dann aber in den acht- ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Kartelle in einigen Industrien doch eme größere Bedeutung erlangten und speziell im rheinisch-westfälischen Kohlenbergbau mehrere sogenannte „Förderkonventionen" zustande kamen, begann auch die deutsche akademische Bolkswirtschaftschast sich mit der.Kartellfrage" zu be- fassen, aber in einer Weise, die heute, wenn man den Spuren ihrer Prophezeiungen folgt, geradezu zum Hohn herausfordert. Für sie bedeuteten die Kartelle nichts anderes als eine Regeneration des kapitalistischen Wirtschafts- systemS, seine Verjüngung und Verewigung, die Abtuung der Marxschen Theorie von der Selbst- abwirtschaftung des Kapitalismus, wenn nicht gar die Lösung der sozialen Frage. Und nicht bürger- liche Volkswirtschaftlicher dritten, vierten Ranges waren es. die auf dem Wege geschraubter Konstruktionen zu diesem Ergebnis gelaugten, sondern die Koryphäen der bürgerlichen Nattonalökononiie. So verkündete z. B. Professor K l e i n w ä ch t e r in seiner Schrift.Die Kartelle"(Innsbruck 1883), daß der Staat, indem er„ohne weiteres" den kartellierte» Unternehmungen die Verpflich- tuiig auferlegen könne, die Arbeiter lebenslänglich anzustellen und ihnen genügende, nach den Dien st jähren steigende Löhne, sowie Alters-, Witwen- und Waisen- Pensionen zuzahlen, damit der Agitation der Arbeiter der Boden entzogen werde,„denn mehr als eine bescheidene, aber gesicherte Stellung könnte ihnen(den Arbeitern) auch der sozialdemokratische Volks st aat nicht gewähren." Und noch 1899 erblickte Brentano, der„große" Brentano, in den Kartellen ein Mittel der Verjüngung und Stabilisierung des kapitalistischen WirtschäftSsystemS: ein Mittel, durch planmäßige An- Passung der Produktion an den Bedarf der Ueberproduktion und ihren Folgen:.dem Preis st urz, Bankrott, Kapital- ein Wertung, Arbeiterentlassung u n d Brotlosig- k e i t" vorzubeugen. Wörtlich sagt er in seiner Schrift.Ueber die Ursachen der sozialen Not": „Während die Theoretiker der� verschiedensten Richtungen sich so in unfruchtbaren Projekten erschöpften, hat sich im Leben aus den Bedürsirissen der Praktiker heraus eine Neuorganisation herausgebildet, welche gleichfalls die Beseitigung der Absatz st ockungen und ihrer Folgen zum Zwecke hat: die Kartelle. Der hennischen Industrie wird ein Absatz- markt gesichert, der für ihre ausgiebige und stete Beschäftigung zu lohnenden Preisen ausreicht. Wie die Ueberproduktion, so wird ihre Folge, die Asatzstockung, ver- mi e den." Die letzte Wirtschaftskrise, die gerade die beiden am besten kar- tellierten deutschen Industrien, die Kohlen- und Eisenindustrie, am schwersten heimsuchte, hat diese schöne Theorie der Verhinderung aller Absatzstockungen zwar so gründlich abgetan, daß sie nicht länger aufrecht erhalten werden konnte. Der Vcrjüngungstramn war jedoch zu schön und bot so herrliche Argumente für die These, daß die kapitalistische Gesellschaft selbst mit ihren eigenen Wider- sprüchen fertig zu werden vermöge, daß die Theoretiker vom Schlage Brentanos sich nicht zur Aufgebung des GeredeS von der Regulie- runa der Produkfton durch die Kartelle zu entschließen ver- mochten. Zwar sei, hieß eS nun, eine volle An- pajsung der Produktion an den Bedarf unter den heutigen Konjuukturverhältnissen nicht möglich, ivohl aber lasse sich eine lvcsentliche Abschwächung des Krisengcfahr erreichen. Voraus- sctznna sei allerdings, daß sich pje Kartellierung weiter und weiter ausdehne und die Kartelle selbst zu einander in nähere Beziehungen träten. Das Ziel, daS erstrebt werden müsse, sei der Bund der Kartelle, und er werde erreicht werden, denn er sei eine Wirtschaft- liche Notwendigkeit. Herr Arnold Steinmann-Bucher, Spezialtheoretiker für den toissenschaftlichcn Hausgebrauch der.Zentralverbandes deutscher Industrieller" und Chefredakteur der„Deutschen Jndustrie-Zeituug" schrieb sogar schnell eine eigene Schrift über den»Ausbau der Kartelle" m der er folgende Zukunstsperspektive zeigte: keineswegs hindere. nämlich alsbald daß die Syndikats „Wie die Errichtung der Berufsgenossenschaften für die Unfall- Versicherung die Genossen der verwandten Gewerbe sich näher ge- bracht und zur Bildung von Kartellen geradezu angeregt hat, s o müßte die Schaffung einer engeren, zunächst loseren Gemeinschaft der Kartelle, die Leiter dieser letzteren zu aenreinschaftlichen Er- wägungen der wirtschaftlichen Lage und der Be- Ziehungen zwischen den Kartellen der verschiedenen Produzentengruppen führen. Aus gelegentlichen Besprechungen dieser Art können sich regelmäßige Konferenzen herausbilden, die für das Wirtschaftsleben die allergrößte Bedeutung erlangen müßten. Man denke sich eine Beratung über die wirtschaftliche Lage, an der sich die Vertreter auch nur der wichtigsten Syndikate und Kartelle beteiligen, vergegenwärtige sich die Summe ihrer Sachkenntnis und praktischen Erfahrung sowie ihre organisatorische Befähigung l... Je weiter das Zusammenwirken der Kartellbesttebungcn sich ent- wickelt, um ss größeres Ansehen und Vertrauen werden die Träger dieser Organisation in den Kreisen der Industrie, aber auch darüber hinaus gewinnen, und um so weiter wird sich der Wirkungskreis der Gemeinschaft ausdehnen." Drei Vorteile des Kartelllvesens findet man gewöhnlich in der Literatur dieser Art angepriesen: 1. Die Verhinderung oder wenigstens Abschwächung der Wirtschaftskrisen. 2. Die Hemmung der Konzentration durch Aus- schaltung deS Konkurrenzkampfes zwischen den Betrieben des gleichen Industriezweiges und fester Beteiligung der minder leistungsfähigen Unternehmungen an der Kartellproduktton. 8. Verhinderung ähnlicher monopo- Ii st i scher Tru st betriebe, wie sie inden Verein igten Staaten von Amerika— angeblich infolge des Fehlens von Kartellorganisationen— e n t st a n d e n s i n d. Doch die wirtschaftliche Entwickelung quält sich nicht um solche zum Zweck des politischen Argumentationsbedarfs ausgeheckten Theorien. Die Richtung, welche verschiedene der wichtigsten In dustrien unter der Kartellorganisation eingeschlagen haben, und zwar gerade wieder am ausgeprägtesten die Kohlen- und Eisen industrie, bclveist im Gegenteil, daß die Kärtellierung die Kapitals lind Betriebskonzentration wie den Fortschritt zum Trust weit mehr gefördert als gehindert hat. Als 1903 das Kohlensyndikat gegründet wurde, legte sein Statut fest, daß die zum Zweck der Hochhaltung der Presie vorgesehene Produktionskontmgentierung derart durchgeführt Iverden solle, daß alljährlich der Anteil der einzelnen Mitglieder(Zechengescllschaften) an der Gesamtproduktion nach der veränderten Leistungsfähigkeit festgesetzt werde; wenn eine Zeche also in einem Jahr neue Schächte fertiggestellt hatte, solle sie im nächsten Jahr zur Be- anspruchung eines größere» Anteils an der Gcsamtförderung des Syndikats berechtigt sein. Auf diese Art glaubte man' sowohl den kleinen Zechen ein bestinunteS Fördcrquantum gesichert, als anderer- seits den großen leistungsfähigen einen gewissen Spielraum für ihr Ausdehnungsbestreben gewährt zu haben. Recht bald zeigte sich jedoch, daß diese Bestimmung die Verdrängung der kleinen Zechengcsellschaftcn durch die großen Die leistungsfähigen Zechen warfen sich energisch auf den Ausbau ihrer Betriebe, so leitung sich genötigt sah, die Gesamtbeteiliaungsziffer von 3S'/g Millionen Tonnen im Jahre 1893 auf C2,l.2 Millionen Tonnen im Jahre 1903 zu erhöhen, obgleich durchschnittlich der Absatz in dieser Zeit nur um ungefähr 4 Proz. pro Jahr zunahm. Die Folge toar die Verhängung beträchtlicher Fördereinschränkungen, die natürlich die Zechen, die ihre Betriebe nicht stetig auszudehnen vermochten, am härtesten ttafeii. Immer stärker stieg infolge dessen das Uebergewicht der großen Zechen im Syndikat; und als vor zwei Jahren der alte Syndikats- vertrag ablief, setzten deshalb die kleineren Zechen, indem sie mit ihrem Rückzug drohten, eine Neuerung durch. Die Anteile wurden für die ganze Zeitdauer des neuen Syndikats, das heißt bis 1915 festgesetzt. Eine Betriebsvcrgrößerung berechtigte nicht mehr zur Beanspruchung eines größeren Prodüktionsantcils. Nun war statutarisch die starke Konzentrationstendenz beseitigt. Doch diese spotteten der juristischen Zwirnsfäden des neuen Statuts und SyndikatSvertragcs. Der neue Modus hatte lediglich eine etwas veränderte Richtung der Konzentrationsbewegung zur Folge. Die großen Zechengescllschaften gingen, da ihnen eine Ausdehnung ihrer Produktion durch Bctricbsvergrößerung verwehrt war, einfach dazu über, die weniger rentablen, kleineren Zechen aufzukaufen, in diesen die Arbeit einzustellen und die bisher in diesen Betrieben geförderte Kohlenmenge in ihren besser rentierenden Gruben mitfördern zu lassen. ES begann daS Zcchenstillcgen. Doch noch in einer anderen Hinsicht kam die Kouzentrations tendcnz mit verstärkter Gelvalt zuin Durchbruch. Um die Hütten zechen(die Zechen, die mit Hüttenwerken verbunden sind) mit zum Syndikat heranzuziehen, ist diesen durch das neue Statut das Recht eingeräumt worden, daß ihre Produktion für den Eigenbedarf, daS heißt für den Bedarf ihrer Hochofen-, Stahl- und Walzwerke, der Festsetzung und Beaufsichtigung des Syndikats nicht untersteht. Diese Bestimmung benutzten alsbald die Hüttenzechen, um ihre Eisenwerke zu erweitern und sich neue Eisenhütten anzugliedern, indem sie verlangten, daß die ganze Produktion an Kohlen- und Koks für diese Werke als„ E i g e n b e d ar f" im Sinne des Syndikats Vertrages zu betrachten sei. Die Folge war die Durchfcchtung zweier Klagen vor dem Essener Landgericht, die jedoch beide zugunsten der Hüttenzechen aussielen. Dagegen hat das Kohlensyndikat appelliert. Es bestehen jedoch wenig Aussichten da- für, daß das Urteil der höheren Instanz im Sinne des Kohlen- syudikatS ausfallen wird. Doch auch hierbei ist die Kouzcnttation nicht stehen geblieben. Im August vorigen Jahres schlössen sich bekanntlich die Gelsen- kirchener Bergwerksgesellschaft mit dem Schalker Gruben- und Hüttenverein und dem Aachener Hütten-Aktienvereinzu einer sogenannten Hüttengemein- schast zusammen, einem trustartigen Gebilde, besten nominelles Aktienkapital zwar nur zirka 125 Millionen Mark beträgt, dessen Wert, nach dem Aktienkurs berechnet, sich aber auf über 300 Mill. M. stellt. Und doch kann diese.Jntercstengemciuschaft", wie wir im vorigen Jahr bei der Besprechung des neuen„Montantrustes"(Wochenbericht der Nr, 197 de?„Vorwärts") bemerkten, nicht als abgeschlossen gelten; seine Kohlenproduktion ist für seine Eisenwerke zu groß. Jetzt verlautet denn auch bereits, daß auch die Jlseder Hütte und noch einige andere Hüttenbetriebe in die Interessengemeinschaft aufge- nommen werden sollen. Finden die Essener Landgerichtscntschei- düngen durch die höhere Instanz Bestätigung, dann werden in den nächsten Jahren noch viel größere Trustbildungen als die Gelsen- kirchener entstehen. Und dieselbe Erscheinung erblicken wir auf dem Gebiete der Eisemndustrie, wo die großen durch die Preispolitik der Eisenkartelle geförderten„gemischten" Riesenbetriebe, die Vereinigungen von Zechen, Hochofen-, Stahl- und Walzwerken, Stahlformgießercicn, Kesselschmiedereien, Eisenkonstruktionswerkstätten usw., immer größere Dimensionen annehmen, ferner auf dem Gebiete der Elektrizitäts- industrie und neuerdings auch— vorerst allerdings noch in schwächeren Ausätzen auf dem Gebiete der chemischen Industrie und deS Maschinenbaues. So treibt die Entwickelung über die Kartelle hinaus zum Trust— wenn auch nicht völlig zum Trust nach amerikanischem Muster, denn die historische Entwickelung unserer Großindustrie wie unseres Aktien- und Bankrechts ist eine andere. Für manche Branchen paßt sicherlich auch heute noch die Kartell- organisation, in anderen, und zwar in den wichtigsten Industrie- zweigen, ist sie jedoch bereits mehr oder weniger durch die Ent- Wickelung überHoll. Mögen auch insofern die Syndikate noch den großen Zechen- und Eisenbetrieben einen gewissen Vorteil bieten, als sie die Konkurrenz auf dem einheimischen Markt einengen, so hemmen sie doch andererseits diese Betriebe durch ihre Produktions- einschränkungen und Absatzbestimmungen an der Geltend- machung ihrer Uev erleg enheit, an der Ausnutzung ihrer vollen Produktionskraft. Ihr eigener Vorteil treibt diese Riesen- betriebe sich Lust zu verschaffen, ihre durch daS Syndikat zurück- gestaute Energie zu betätigen, ihre größere Leistungsfähigkeit rücksichtslos zur Vergrößerung ihres Absatzes auszunutzen. Und der Exstansionstricb wird die Kartellfesseln sprengen— die >v eitere Stufe der Entwickelung besteht in der Zusammenschließung der leistungsfähigen Unter- nehmungen zu großen, ganze Jndu st riekomplexe umfassenden tru st artigen Riesenorganisationen. Dahin führt unsere Entwickelung. wie wir seit der Erneuerung des Kohlensyndikats wiederholt ausgesprochen haben und wie auch von den leitenden Köpfen der rheinisch-westfälischen Bergwerks- industrie und manchen ökonomisch gebildeten Beobachtern der Ent- Wickelungsvorgänge in unseren größten Jndustrierevieren immer deutlicher erkannt wird. Auch auf der dieser Tage in Mannheim abgehaltenen General-Bersanimlung des Vereins für Sozialpolitik fand diese Auffassung durch den Herausgeber der Finanzwochenschrift„PluwS" und den Abgeordneten Gothein ihre Vertretung. Aber die deutsche offizielle Nationalökonomie ist natürlich zu dieser Erkenntnis noch nicht gelangt. Wie sie, als die Kartelle auf- tauchten, von ihnen die Regeneration und Verjüngung des kapita- listischcn Wirtschaftssystems' erhoffte, so zeigt sie sich nun, nachdem die Entwickelung teilweise schon die Kartellbildung zu überholen be- gönnen hat, noch imnier befangen in den Anschauungen aus der Mitte der neunziger Jahre und erblickt immer noch in den Kartellen ein Mittel zur Abwehr der Trusts. Dafür lieferte den schönsten Beweis die jüngste Rede P r o s e s s o r§ S ch m o l l e r s, in der General- Versammlung der Sozialpolitiker. Ganz im Stile der profesforalen Kartell-Literatur aus dem Beginn der neunziger Jahre behauptete er, daß die Kartelle durch ihre Anpassung der Produktion an den Bedarf„die Krisen und Bankrotte beseitigen oder an Zahl und Intensität beschränken", und zog dann zwischen den deutschen Kartellen und den amerikanischen Trusts folgende Parallele: „Während die Kartelle edlen Zwecken dienen können, liegt die Gefahr vor, baß die Trusts der Allgemeinheit dienende genossenschaftliche Kartelle lahm legen. Während die Leiter der Kartelle nur wirtschaftliche Ziele im Auge haben, wird durch die Trusts nur dem Groß- spekulantentum an der Börse Vorschub geleistet. Die ivirtschaft- lichen Folgen der Trusts, die nur das egoistische Geldverdiencn im Auge haben, drohen geradezu zu einer so großen wirtschaftlichen Gefahr zu werden, daß der Staat verpflichtet ist, hier einzugreifen. DaS Trustsystem in Amerika ist das System des Raubes und viel- fach des Schwindels und Betruges, es braucht brutale Gewalt- menschen, Geldmacher, bei denen nicht Geist und Gemüt mitspricht. Männer wie Rockefeller und Konsorten. Das Kartensystem, wie eS sich bei uns ausgebildet hat, ist ein wichtiges Glied in der Erziehung kaufmännischen Beamtentums, das selb st los fremdes Geld und Eigentum ver- waltet." Allerdings so ganz ist Herr Gehcimrat Schmoller doch nicht von den„edlen Zwecken" der Kartelle überzeugt, wenigstens findet er, daß manchmal mit ihnen Mißbrauch getrieben wird. Deshalb empfahl er schließlich, daß in die Aufsichtsräte und Direktionen aller Aktiengesellschaften mit mehr als 75 Millionen Mark Akttenkapital die Regierung ihre Geheiniräte delegieren solle, um„die Interessen von Reich und Staat" wahrzunehmen— nicht, wie er in seinein Schlußwort erläuterte, als gleichberechtigte Mitglieder, sondern als„B e i r a t". Und ferner verlangte er, daß die Aktiengesellschaft„die Hälfte ihres zehn Prozent über- schreitenden Gewinnes an Reich und Staat ab- gebe n" sollen. Als Vertreter der historischen Schule hat der Herr Geheimrat Schmoller noch immer nicht aus der Wirtschaftsgeschichte gelernt, daß noch nie die wirtschaftliche Entwickelung über juristische Zwirns- fädcn gestolpert ist, und nun gar über derartige dünne Fädchen, wie die seinigen, die fchon beim Aufspannen reißen. Fast scheint eS, als wenn keine nationalökonomische Richtung unfähiger zur Begreifung der Eutwickelungstendenzen unserer gegenwärtigen Wirtschaftsepoche ist, als gerade die zünftige historische Schule, als wenn sie Wirt- schaftliche Vorgänge erst dann zu begreifen vermöchte, wenn diese einige Jahrhunderte zurückliegen. In einer Hinsicht sind allerdings SchmollerL Vorschläge interessant, nämlich insofern, als sie zeigen, wie sehr sich die zünftige Nationalökonomie von der Kartellentwickclung enttäuscht fühlt. Die richtigste Bemerkung in der ganzen Rede Schmollers war der Satz:„In Deutschland ist in der Beurteilung der Kartelle in den letzten paar Jahren ein erheb- l i ch e r Umschwung eingetreten." Wenigstens für die landläufige Volkswirtschaftslehre hat dieser Satz entschiedene Gültig- keit. Ihre Vertreter fühlen sich schmählich enttäuscht, tveil ihre Prophezeiungen über die Verjüngung des kapitalistischen Wirtschaftssystems so gründlich durch die tatsächliche Entwicklung eck absurdum geführt werden. Anstatt nun aber offen zuzugestehen, wie lächerlich es um ihre Prophetie bestellt war, reden sie davon, die Kartelle hätten eine andere Richtung eingeschlagen. Gerade als ob das Richtungeinschlagen ganz im Belieben der(Kartelle läge und nicht durch die wirtschaftlichen Verhältnisse bedingt und bestimmt würde. Die Kartelle gehen genau den Weg, den sie gehen müssen; nur hatte unsere zünftige Nationalökonomie nicht die Fähigkeit, diesen Weg zu erkennen! Vielleicht leisten wir uns gelegentlich den Spaß, die schönen Prophezeiungen aus der älteren Kartell- Literatur den wirklichen Entivicklungsvorgängcn gegenüberzustellen. Die Blütenlese bietet dem Humor den köstlichsten Stoff. Pat. WIttermigSüberlicht vom 30. Septemver 1905, morgen» 8 Uhr. Stationen Swlnemde. Snrnbiirg erlin Franks.a.M. München Wien üs « a B« s s S) s 751 SSW 753 WSW 753 SW 758 SW 7(30 SW 7581390 Wetter Lbcdeckt 2 Regen 2 bedeckt obeiter 5 Regen —'halb bd. & s p £ ei w& Stationen Ii a ö * I .5 5 8? Haparanda>753 S Petersburg 755 Still Scilly Werdeen Pari» 703 N 763 NNW 760, WS® Wetter 2, bedeckt — ibcdcckt 5,uolkig 4 Regen 2 bedeckt ttsi c?» ä!l S? n s- 1 5 13 7 11 Wetter.Prognole für Sonntag, den 1. Oktober 1905. Etwas kühler, zunächst meist trübe mit Rcgenfällen und frischen novit- westlichen Winden; später aufklarend. Berliner Wetierbureaii. Stiirmwnniuug. Wegen eines in Südschwedcn befindlichen tiefen barometrischen Münmums, daS mit stürmischen nordwestlichen Winden sndostwärts fortzuschreiten scheint, ist heute mittag die deutsche Küste von Borkum bis Rixhöft seitens der Seewarte gewarnt worden. Wasserstand am 23. September. Elb« bet Aussig— 0,23 Meter, bei Dresden— 1,63 Meter, bei Magdeburg+ 0,96 Meter.— U n st r u I bei Straußsurt+ 1,25 Meter.— Oder bei Ratibor+ 1,22 Meter, bei Breslau Obcrpcgcl+ 4,78 Meter, Bei Breslau Unterpegcl— 1,70 Meter, bei Franksurt+ 0,91 Meter.— Weichsel bei Brahemüiid« -ff 2,28 Nieter.— W a r t h« bei Posen+ 0,16 Meter.— Netze bei Usch -j- 0,76 Meter. Für de» Iiiftnlt der Inserate ii b mit in in t die Ncdaktion dem Publitiii» gegenüber keinerlei Bcraiitivortnng. HKeater. Sonntag, 1. Oktober. Freie BolkSbübne. Nachm. S'�UHr: 9. und 19. Slblcilmig im Metropol- Thcatcr: Nummer Achtzig und Der Panzer. 4. und S. Abteilung im Carl Weiß- Theater: Egmont. Neue freie Volksbühne. Nachm. ii'/- Uhr: 5. Abteilung im Neuen Theater: Ein SoinmcrnachtS- träum. Nachm. 3 Uhr: 9. Zwtcilung im Schillcr-Thealer kl.: Fuhrmann Henschel. Nachm. 3 Uhr: 2. Abteilung im Schiller-Theater 0.: Der Traum ein Leben. Ansang VI, Uhr: Opernhaus. Mignon. Nachm. 2>/, Uhr: Hansel u. Grete!. Die Puj'pcnscc. Montag: Tannhäufer und der Sängerkrieg auf Wartburg. Schanspielhans. Der Schwur der Treue. Montag: Wilhelm Tell. Neues Opcrntheatcr. Faust. Montag: Geschlossen. Neues. Ein Sommernachtstraum. Montag: Dieselbe Vorstellung. Westen. Der Opernball. Nachmitt. 3 Uhr: Der Freischütz. Montag: Die neugierigen Frauen. Mctropol. Auf— ins Mctropol! Montag: Dieselbe Vorstellung. Zentral. Zur indischen Witwe. Nachm. 3 Uhr: Die Geisha. Montag: Zur tndischm Witwe.. Reictistiallen. Stettincr Sänger. Montag: Dieselbe Borstellung. Walhalla. Line tolle Nacht. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ansang 3 Uhr: Schiller O.«Wallner-Theater.) Ein Wintermärchen. Nachm. 3 Uhr: Der Traum ein Leben. Montag: Der GMissenSwurm. Schiller N.(Friedrich Wilhelm. städtisches Theaters. Hosgunst. Nachm. 3 Uhr: Fuhrmann Henschel. Montag: Nora. Lessing. BenignenS Erlebnis. HannelcS Himmelfahrt. Nachmittags 3 Uhr: Die Weber. Wontag: Die Erziehung zur Ehe. Die sittliche Forderung. Berliner. Geschlossen. Residenz. Die Höhle des Löwen. Nachmittags 3 Uhr: Herkulcspillcn. Montag: Die Höhle des Löwen. Kleines. Hidalla. Nachmittags 3 Uhr: Die Lore. An- gcle. Montag: Nachtashl. Trianon. Madame Tora». Montag: Dieselbe Vorstellung. Thalia. Bis srnh um Fünse I Nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. Montag: Bis srüh um sünsc I Carl Weist. Der Wcltumsegler wider Willen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Bclle-Zllliaiice. Spezialitäten. Nachm. 3 Uhr: Spezialitäten. Luisen. Der Mann im Monde. Nachm. 3 Uhr: Wilhelm Tell. Montag: Undine. Deutsch- Zlmerikanisches. Aber, Herr Herzog l lach in. 3 Uhr: Teich. Ucber'n großen Montag: Aber, Herr Herzog l Kasino. Der Adclsnarr. Nachm. 4 Uhr: Ein Sohn deS Volkes. Montag: Der Adelsnarr. Llpo ll o. Ein Abend in einem amerika« nischcn Tingel-Tangel.— Am HochzcitSabcnd.— Spezialitäten. Nachm. 3 Uhr: Ein Abend in einem amerikanischen Tingeltangel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Hcrrufeld. Die MeyerhainS. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wintergarten. Loie Füller. Epe- zialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Folies Capriccs. Nach dem Zapsen- streich. Soll und Haben. Montag: Dieselbe Vorstellung. Vasiage. Poldi Augustin. Herr Tacianu. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ilrania. Tanbeiistrahr 4H/4D. Im Lande der Mitternachtssonne. Montag: Nachmittags 4 Uhr: Die deutsche Nordseekästc. Mends 8 Uhr: Pros. Poschel: Mit der Camera im Ballon. Jubalidrustraste 57/«S. Stent- warte. Täglich geöffnet von 7 bis!> Uhr. Ll'.stspiclhaus. Jahrmarkt in Puls- nitz.„.. Nachm. 3 Uhr: Das Lumpengesindel. Montag 8'l, Uhr: Der Familienlag. ieues Theater. Anfang VI, Uhr. Sin genunernaehtstram Morgen u. folgende Tage: Ei» Soulincrnachtstraum. kleines Theater. Nachmittags 3 Uhr: Die Lore. Hierauf: Angele. Ab ends 8 Uhr: ieislla. Montag: Nachtasyl. Trianon-Theater. Heute und jolgende Tage: Naclame Hörers (Jladamo L'ordonnanco). Schwank in 3 Akten v. Fules Chanccl. Deutsch von Max SchoelUi». Ansang 3 Uh. Ilrania T,,'e" 8 Uhr; str. 48/49. Im LamSe der Mitternaclitssoie. Montag 4 Uhr: Die deutsche Mordsceküsfe. 8 Uhr: Prof. P ö s o h e 1: Mit der Camera im Ballon. Sternwarte lnvaliden' slr. 57/62. ANOPTIGOMi Friodrichstr. 165. Joels Traum. !! PoBtipejü! Die Ijlire des Vaters! Bestaurant: Dresdener Sänger, j aOiQCISCHER Heute am ersten Sonntag im Monat dS stzi? pro Eintritt t®«* Person. ** K!"- Doppel-Kouzkrt. Morgen u. folg. Tage ab 4 Uhr: Großes Konzert. Eintritt ab 6 Uhr 50 Ps. Lustspielhaus. Nachm. 3 Uhr: TasLuiiiPengcsindcl. Abends 8 Uhr: Jahruiarkt in Pulsnitz. öerliver Thealer. Charlottenstr. 90—92. Sonnabend, den 7. Oktober 1905, abends 8 Uhr: Eröffnungs- Vorstellung Ändalosia* Dramatisches Gedicht in 5 Akten von Floria Endti. Vorverkauf täglich von 10—2 Uhr. Resiilöirc-Mös. Oirehtion: Richard Hieran der. Heute und folgende Tage Anfang 8 Uhr: Die Höhle des Löwen. Schlvanl in 3 Akten v. M. Hennequin und P. Bithand. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nerknlez- pillen.__ Luisen-Theater. Nachmittags: Wilhelm Teil. Abends; Der Mann im Monde. Montag: Gastspiel des Theaters des Westens: Undine. Dienstag: Wilhelm Tell. Mittwoch: Der Mann im Monde. Donnerstag zum erstenmal: Das Erbe. Nachmittags 3 Uhr bei bedeuiend ermäßigten Preisen: Ein Abend in einem amerikanischen gggr Tinscl-Tanecl."WH Lustballctt Grigolatis und die neuen Dkctoiher-iSpezInlltltten. Abends 8 Uhr: Große Uorstelimlg. Vorher: der Dklober-Sperialitalen. Budapester Possen-Theater 132 Linienstr. 132= Ecke Priedrichstraße. Kach dem Zapfenstreich. Militär-Humoreske von Satyr. Vorher: Soll und Haben und der ausgezeichnete Spezialitätenteil. Kasseneröffnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Ab 1. Oktober; Sonntag nach- m ittag 3 Uhr Vorst, zu halb. Pr. Passage-Theater. Das glänzende Oktober-Programm.| Ansang der Mendvorstell. 8 Uhr.» fipmarmofl I Nuss. Gesangs» und Tanztruppe.[ Georg und Gusti Edler, Tiroler- I Duo. Geschw. Meies, Trampolln-Akt., Fleurs d Orange, Gesangs- En-? scinble. Marschall und seine Höke:c.:c. t 1 fwwvwwwwwwwwwwmwwwwv Scliiller-Tlieater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). Sonntag, nachm. 3 Uhr: Doi» Trnnni ein l eihen. Dramatisches Märchen in 4 Auszügen von Franz Grillparzer. Sonntag, abends 8 Uhr: Ein Wintcrnilirchen. Schauspiel in fünf Auszügen von William Shakespeare. Montag, abends 8 Uhr: Der G'wissenstvnrni. Dienstag, a b e n d s 8 Uhr: Der Traum ein Ecbcn. Carl Weiß-Tlieatep. Gr. Frankfurtcrftr. 132. Der Mumsegler wider Willea. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung._ Zirkus Alberl Schumann Heute nachm. 3';» Uhr u. abends VI, Uhr: 2 ljr. Miaute ßala-forstelluip. Nachm. auf allen Plätzen ohne Ausnahme ein Kind frei. Jedes weitere Kind unter 10 Jahren halbe Preise außer Galerie, abds. jed. volle Preise. In beiden Vorstellungen uachunttags und abends zum 2. und 3. Male: Der Tag des JEngliscken Derby. Das Leben und Treiben nach dem Original, aus das Glänzendste inszeniert vom Dir. A!h. Schumann, einstudiert vom Ballettmeister Pralesi. I. Bild: Im Rcnnstall des Lord Weathcrdon. II. Bild: 1. Der Favorit. 2. Das Rennen. 3. Huldigung des Siegers. HI. Bild: Aus dem Heimweg. Ferner: In beiden Vorstellungen: Das neueste! Domen-Lust-Ringlmmpf, ausgeführt von 12 Engländerinnen u. Amerikanerinnen Die phänomenalen John nnd Eouls Doller mit ihren sensationellen Vor- und Riiekwärts-SailcinortaleQ mit dem Zweirad. Schiller-Theater H.(Friedr.-Wilh. Th.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: Enhrniann Henschel. Schauspiel in 5 Akten von Gerhart Hauptmann. Sonntag, abends 8 Uhr: Hofgnnst. Lustspiel in 4 Ausz. v. Thilo v. Trotha. Montag, abendsSUhr: Zsora. Dienstag, abendS 8 Uhr: Vorn. Gebrüder Herrnfeld-Theater. Zum 161. Male: Vis Xr Komödie in drei Akten mit den Autoren Inten und Donat Herrnfeld in den Haichtrollen. Anfang 8 Uhr. Borverk. 11-2 Uhr. In Vorbereitung: Der Eamlllenlax. Eine Erbschastskomödie von Anton und Donat Herrnfetd. Aadl-Thealel Meahl! Mt-Moabit 47/49. Gastspiel des Beruh. klose-TIieaters Familie Buchholz. Volksstück in 4 Akten v. Leon Treptow. Aas. t> Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. Nach her Vorstellung: Vir. Dali. Entrce 40 Ps., immer Platz 75 Pf., Sperrsitz und Balkon 1 M. Nächste Vorstellung: Donnerstag, den 5. Oktober. Der Miilimikiilimitr. Arnold Sebolz. flcue fileit Hasenheide No. 108/114. Sonntas, den 1. Oktober 1905: J{ Anfang; 5 Ehr. ♦ Anfang; 5 Ehr. J[ ü HorstsQuertettsänger u.Possen-Ensemble.>> ßrojles Bär-Xonzert Nach der Vorstellung: gr0|!k8 Emilien-7sn?llrän?cliev. V02n ilhr!"8 Großer Mittagstisch, 4 Gänge, Mark. _ Von A Uhr ab in den hinteren Sälen: Großer Ball.'HW Eutree 59 Pf. Vorverkauf 40 PL - ♦-- Mittwoch, den 4. Oktober: Bernhard Rose-Theater; Xamo FaL"h0Ser.der! Nach der Vorstellung: TatlZtS-TatlZCflGtl» Colosseum 9 DresdenorstraBe 07. Kettte zwei Vorstellungen"W des einzig dastehenden, nur humoristischen Programms. Nachmittags 3 Ehr. Abends 7 Ehr. 16 Spezialitäten: der urkomische Bendix, Littken Garisen, WalbOTg, der„gemütliche Sachse" Hochgemuth etc. etc. 43812* = Im Konzertsaal:„Schrammein4' u.a.== Nachmittags 3 Uhr u. 6 Uhr. X Abends 7 Uhr u. 1 Uhr. Friedrichsberg. Fernsprecher Nr. 8. Jeden l'v e* rs R f* t* RjllB unter Leitung des Sonntag DStBl ßca.„ q. Bürger. Jede» Mittwoch: Große Soiree der f Uhrmaiiti-Ülaldc-Saiigcr Nach der Vorstellung: 44281,*| WFamilieii �Kränzchen.'�E Bons habe» Gültigkeit. Dr. Dxtrs-WIitÄr-Ztreicb--Konzert ausgeführt von der gesamten Kapelle der Garde-Pionier«. Musildirektor 8. kühle. Donnerstag, den 6. Oktober: Nafeer* u. Operetten-Abend. Donnerstag, den 2. November: Populärer Abend. Donnerstag, den 7. Dezember: öoU ften- Hbcnd. Sau Familien- Kränzchen. Gebr. Arnhold. Metropol-Theater Präzise i/2S Uhr zum 23. Male: - 1! Kl Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Kapellmeister Max Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Bichard Schultz. Waiden a.D.xMißGlitford a.D. Bender x Giampietro jesephi x Massary x Frid-Frid Steidl x Lilly Walter. Rauchen in all. Räumen gestattet. _ Anfang'/.S Uhr._ Rosario Guerrero Spanische Tänzerin. Gebrüder Artois, kern. Rockkünstler. Die mysteriösen Husaren. Ludwig Amann, Mimiker. Harndins Elektrisches Ballett. Gölte de Losss Duo, Drahtseilakt. London bei Nacht, Pantom. v. Kamo. Lina Marrder, die Goldamazone. „In Japan", Ballettdivertissement. Coilins und Hart, amerikanische Exzentriks. Nora Moore, englische Sängerin. Der Biograph."TgBffl WaihallaTheater Weinbergsweg 19/20. Direktion: Richard Schnitz. Heute: Eröffnungs- Vorstellung. 6me toUe j�ackt. Vorher: Gr. Spezialitäten-Programm. Ans. l:18 Uhr. Rauchen überall gestattet. PiroBe» Konzert der 1. Wiener Original-Sebrammeln und der weltberühmten Tyrolergesellschast vis Odcrsteyrcr Ansang'1,9 U h r. Entree s r e L Ende 2 Uhr. W. Noacks Theater. Direktion: Roh. Dill. Bruniienstr. 16. Der Kkttklktident v. Kerlin. Voltsstück mit Gesang in 3 Akten von H. Busse. Ans. 7 Uhr. Entree 39 Ps. biS 1 M. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Montag: Wehlthäter d. Menschheit. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Tonntag, den 1. Oktober er.: Erste große Nachmiltags-Vorstellung: Familie Bnchholz. Ansang 3 Uhr. Kasseneröffn. 2 Uhr. Abends 7 Uhr. Die beiden Retdienmiiller. Posse mit Gesang in 4 Alten von Anton Anno. Anfang 7 Uhr. Kasseneröffn. 6 Uhr. Billettvorverkauf vorm. von 19— 1 Uhr. Dorltzplatz. Täglich O in den unteren Sälen<> Qottschalk-Konzert. —— Kegelbahn noch frei.—— Schweizer-garten. Am Königstor. Am Friedrichshain. Sonntag, den t Oktober: Extra-Ball bei großem Orchester. Anfang 4 Uhr.■ _. Wochentags ist der Saal au Vereine zu vergebet�_ Sanssouci Kottbuserstr. 4a. Direkt.: W. Reimer. Sonnt., Moni., Donnerst.: Im glänzend renoo. und elektr. beleucht. Etnblissem. BoNiaaan» ItDiddeutLDke 8gngkt und Tanzkränzchen. Sonntag Beginn 5 Uhr, wochentags 3 Uhr. Dienstag und Mittwoch: Gastspiel des Leewe-En- semlilos:„Anna Liefe." „DaS Schloß am Meer." •aDoaaawBBWDfto*****! elysium. Kommandantenstr. 3-4. Sensation Berlins.! Abends 8 Uhr: The belle Astorla.1 Liane Leischner, Eöi Blum. Renards russische Hunde Meute.| Leo Billward. The 3 Onleys. Rose und Man. Soi-Do. Hai. Opern-Parodislen. 1 Fidelio-Quartett. Geschw. Mertens. James und Maud Thomas. Wehlfried-Sextett. 37/31 ist Billetts sind an der Thealer- Kasse vorm. 10—2 Uhr u. bei A. Wertheim zu haben. Sonntags 2 Vorstellungen Nachmittags 3 Uhr: Halbe Preise. r % CliansseestruOe 103: Arnold Scholz Nachs. Carl Richter] Seien Sonntag u. Mittwoch: | Hamburger Sänger. G Stets wechselndes Programm. D Sonntags nach der Soiree:» Z Ramlllenhranzchen u. im weihen• • Saale(v. 5 Uhr ab): Gr. Ball.• Gustav Behrens Frankfurter- Allee 85. Der ganze Osten lacht Tränen über Die Kklliuer Kauge. Posse mit Gesang. Neu! Der kleine Mann und die grosse Frau sowie 20 Otto Pritzkows***. Berliner MUnastr. Skeiett=Mensch 2 der einzig exiftiereude. ohne Kon- « kurrenz, 22 Jahre ait. SöPsd.fchwer. Z �ine-�no-tNni??? I Bntree L« PI. Mitglied des Arbeiter-Radfahrer-Bundes„Solidarität". SoDDatienil, den I. Oktober, in der„Neuen Welt", Basenbeide 108-114, dem größton Lokale Berlins: Erstes Stiftungsfest. Reigen® und Kunstfahren, ausgeführt von den Arbeiter-Radfahrer-Vereinen: Luckenwalde, Rixoorf, der Vereinsriege, sowie dritten Abteilung(Damen u. Herren) des Berliner Vereins. Turnerische Anffilhrnngen. Mninoristlschc Vortrage. Festpolonaise mit Präsentverteilung etc. Im großen neuen Saale, sowie im Gartensaale: Großer Ball, bei drei stark besetzten Orchestern. ——— Eintritt SO Pf.— Anfang 9 Uhr.— Eintrittskarten in der Genossenschaft, Oderbergerstr. 30, erhältlich. Um recht zahlreichen Zuspruch bittet Das Festkomitee. Der Berliner Zlrbeiter-Nadfahrer-Verein, welcher zurzeit 1400 Mitglieder zählt, erhebt ein Eintrittsgeld von 75 Pf., wofür das Bundesnbzeichen geliehen wird, einen monatlichen Beitrag von 25 Pf. für weibliche und 35 Pf. für männliche Mitglieder, alles inklusive Bundesbeitrag. Die Gegen- leistung besteht in Unsallunterstützung, alle 14 Tage erscheinendem inhalt- reichen Organ, Rechtsschutz, Grenzkarten, ermäßigter Nadsahrerversicherung gegen Hastpflicht, Raddiebstahl zc. ec. Bereitwilligste Auskunft erteilen sowie Mitglieder nehmen aus: 27/1 A. O. Ritter, Ghriftmenftr. 33 I; Leo Ostrowsky, Gastwirt, Schilling- straße 24; Paul Lembeck, Usedomstr. 8; Karl Fischer, Waldstr. 8. Berliner Ressource Kommandantenstraße 57. Hierdurch den geehrten Vereinen, Gewerkschaften tc. zur Kenntnisnahme. daß ich obiges Etablissement übernommen habe. Die Räume sind gründlich renoviert und mit elektrischem Licht versehen. Die Thi>terbnhne, mit dreisachem Licht(rot, grün, weiß) ist für Aufführungen besonders empfehlenswert. 4423L,' Gleichzeitig stehen meine Säle zu Versammlungen zur Versügung. Achtungsvoll Mhsitnhra Wallner-Theaterstrahe 15.* Groier Ball Jeden Sonntag: Großes Orchester. Ztzisang Sonntags 5 Uhr. A. Keimöl tat. Cbarlgltenburg. Germania-Säle, Spreestr. 13. Dienstag, den 3. Oktober: Beginn der 2vireen der Zlsrdiirger Anger Mit dein so beliebten Damendarsteller Herrn Stangenfaerg. Ansang 8 Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. Entree 30 Ph. reservierter Platz 50 Pf. VorzugsbillettS sind im Restaurant zu haben mit20— 40 Pf. Nachzahlung. Nach den Soireen findet ein ge- mütliches �an2-I�rän2cken statt, Ivozu einladet 45S0L C. Wodrlch. Alexander-Straße 27 c. Habe noch Sonnabende zu Vergnügungen zu oergeben. Aax Queisscr. A. Freyer. Emil Donath (J. iß.), srüher Ewald,*t™üee,«n' __ vollständig renoviert~9>B 2100b* empsiehlt seinen Saal," 150 Personen lassend, den verehrten Vereinen und Gewerkschasten. stzrühitücks-, Ntittags-, Abendtisch. Fernspr. IV, 1391. I Andreas-Festsäle, Inhaber: Fritz Walter. Audrcasstraße 21. Allen Vereinen, Gewerkschasten und KlubS die ergebene Mitteilung, daß ich selbige Säle am 1. Oktober übernommen habe, stelle sie mithin zur Abhaltung von Festlichkeiten und Versammlungen unter günstigen Bedingungen zur Ver- sügung. Um regen Zuspruch bittet Frit® Walter. - General�Vortreui.- S'i�i�i: �üg�r,iShr1ii�:N0!Zö£listestr.ll8 « Mmgi Breuers Testsäle wum Gr. Frankfurterstr. 117„Zur ICSnigsbank" Gr.Frankfurterstr.117 Inhaber: Cnrt Brencr.■ Empfehle den geehrten Vereinen, Gewerkschaften und Klubs meine Qesamtraume ®nr Abhaltung von TcrHaiuuilungcn und Featlichkeiten jeder Art zu den kulantesten Bedingungen. 4434L* Jeden Sonntag: Großer Ball. Anfang 4 Uhr. Avis! Entree frei. Tom o. Oktober: jeden Freitag: Große humoristische Soiree „Harburger Sänger" der hier so beliebten Direktion Frick-Krause. Um recht zahlreichen Besuc. Anfang 81/. Ehr. ch bittet Nach der Soiree: Gemlitl. Tanrkränzchen. fort Breuer, Gastwirt. a STä Sophien-Säle K A. Festsäle des Berliner Hand werker- Vereins Berlin-Zentrum, Sophienstraße 17/18 Vier Säle hochelegante, der Neuzeit entsprechend erbaut, zwei Hoch- »eits- Utile, mehrere große sowie kleinere Vereinszimmer. Fünf k'pO'elhnhnAn nach Verbandsvorschrift, ab November 1905, auch Sonn- i um rvw�wii/cuuicil tags, unter den kulantesten Bedingungen zu vergeben. Näheres durch den Oekonom» 4177L* MAX HÖPFNER, Pankow, Breitestr. 21a. Arbeiter-Bildungs- Schule. Gewerkscbaftshaus, Engel-Ufer IS. Sehrplan für das 4. Quartal 1005. Montag: Max Grunwald, Nationalökonomie. Tatsachen der Weltwirtschaft. 1. Produktion der wichtigsten Nahrungs- und Genußmittel und der wichtigsten Rohstoffe der Industrie: Getreide, Vieh, Fleisch, Zucker, Kaffee, Tabak, Bier; Kohle, Eisen, Baumwolle, Wolle.— 2. Handel und Verkehr; internationale Handelsbilanzen, Geldverkehr, Post. Eisonbahnen, Schiffahrt.— 3. Konsumtion der wichtigsten Nahrungs- und Genußmittel. Dienstag: M. H. Baege, Naturork onntnis. Urgeschichte der Menschheit. Die Stellung des Menschen in der Natur und seine Abhängigkeit von derselben— Alter und Urzustand des Menschengeschlechts— die Grundlagen der Kultur — Naturvölker und Kulturvölker— Anfänge der Gesollschft— Anfänge des Staates— Die Entstehung des Sittengosotzes— Anfänge und erste Formen der menschlichen Wirtschaft—.Dio Anfänge der Technik(Waffen, Werkzeuge, Geräte, Schmuck irsw.) — Die Anfänge der geistigen Kultur oder die Entstehung der Sprache, Kunst, Religion, Wissenschaft usw. Mittwoch: Max Maurenbrecher, Geschichte. Deutsche Politik im neunzehnten Jahrhundert. 1. Der Ertrag der Napoleonischen Zeit.(1815).— 2. Keimender Liberalismus und blühende Reaktion.(1815— 1840).— 3. Ein demokratischer Versuch.(1840—1850).— 4. Reaktion und Konflikt.(1850— 1864).— 5. Die dynastische Revolution.(1864— 1871).— 6. Kulturkampf und Sozialistengesetz.(1871— 1880).— 7. Sozialreform und Kolonialpolitik.(1680—1890).— 8. Ein Versuch mit dem Liberalismus[Caprivi].(1690—1694).— 9. Anläufe der Reaktion [Hohenlohe].(1894—1899).— 10. Grundsätzliche Grmidsatzlosig» keit[Bülow].(1899-1905).*) Donnerstag: Simon Katzenstein, Gosetzeskunde. Gemeindeverwaltung und GemeindepoUtik(1. Teil). 1. Sozialer und rechtlicher Charakter der Gemeinde, Staatsgewalt und Selbstverwaltung.— 2. Die Entwickelung der Gemeinde. Die alte Markgenossenschaft. Entstehung der Stadt. Städte, wesen im Mittelalter, Niedergang des Städtewesens. Neuer Aufschwung. Moderne Großstadtentwickelung.— 3. Die' Rechts tellung der heutigen Gemeinde. Abhängigkeit vom Staate. Klassen herrschaft im Innern. 4. Die Organisation der Gemeindeverwaltung. Behörden und Bürgervertretung, 5. Dio Gemeinde als Staatsorgan. Selbstverwaltung. Soziale Aufgaben. 6. Der Boden als Träger des Gemeindelebens. Grundrente. Dozentralisations- bestrebungen. 7. Wohnungsnot und Wohnungsreform. 8. Gesundheitswesen. Körperpflege. 9. Kinderfürsorge. Donnerstag: Max Maurenbrecher, Redeühung für Fortgeschrittene., Uebungen im Disponieren und Halten von Vorträgen. Teilnehmerzahl beschränkt. Bevorzugt werden Funktionäre von Organisationen. Freitag: Max Maurenbrecher, Rednerschule. Uebungen im Halten von Vorträgen und in der Diskussionsrede. Freitag: Max Grunwald, Fortschritts- Kursus in Nationalökonomie. Finanzwissenschaftliohe Uebunge der Bundesstaaten. Die indi: reform. Der Unterricht he 16. Oktober; Katar- Geschichte Mittwoch, den 18. Oktober; Rcde-lJebnng für Fortgeschrittene Donnerstag, den 19. Oktober; Rcdncrschnle undFortschrlttskursus inKational- ükonoinle Freitag, den 20. Oktober. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um 9 Uhr und endet pünktlich um'hll Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8 bis 9 Uhr en. Die Finanzen des Reiches und irekten Steuern. Die Reichsllnanz- e ginnt in Katlonalükonomie Montag, den p-Erkenntnls Dienstag, den 17. Oktober; Gesetzcsknnde und to Monat 25 Pf.; das Unterrichts- urs us 1 Mark und ist am zweiten von 2 M. pro 5/3* t am besten nftshans, goöSnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt p: feld für jedes Fach beträgt pro Ku bend zu zahlen. Der erste Abend jedes Kursus steht jedermann zum unentgeltlichen Besuche frei. FUr die beiden Fortschrittskurse wird ein Schulgeld Kursus erhoben. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfol; bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Gewerkse Engel-Ufer 15, Hot links SJ Tr., und in nachstohendeii Zahlstellen; Gottft*. Schulz, Admiralstraße 40a; Real, Barnim- straße 42; Vogel, Demmiuerstraße 32; Kranze, Müllers troße 7a HorMch, Engel-Üfer 15. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann Eanini£, Berlin S. 69, Freiligrathstraße 3, 1. Querg. IV, Geldsendungen an den Kassierer H. KUnigs, Berlin S. 59, Hasen- beide 56, zu senden. Der Torztand. *) Im 1. und 2. Quartal 1906 worden behandelt werden: Die Geschichte der bürgerlichen Parteien und die Geschichte der Sozialdemokratie in Deutschland. Dieser erste Kursus soll dazu die Grundlage legen. Was in ihm gelehrt wird, wird in den beiden nächsten Kursen als bekannt vorausgesetzt werden. Bancht Presstoli 4479L* Zigaretten. Reichels Universal- Mageupnlver Magenstärkend, die iBerdanung unterstützend, stark appetitanreg. 8Iets prompt in seiner Wirkung. Dose M. f.—, übliche 3 Dosen M. 3.—. Otto Reichel, eiÄ»'4. ,- 10 Mark— liefere Anzüge, Paletots »ach Maß.* Per Kasse auch billigste Preise. 7. MpCrC«�Anzenstr5kS'. I-Magazin. Fr. Janitzkow, Polslerwaren. Eigene Tischlerei.[43132*] XW., Turmstr. 45._ Eigene Werkstatt. 4521L* 1 g!neSe Kaaftelegenlielt Eine Partie Inait. 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KnlM Ks Jürniirts" Derlim WIKsM Ssnutag, i Oktober 1905. Versammlungen. Eine Versammlung der Drechsler fand am Montag im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27, statt. Stich. Leopold Berichtete über die„Gründung einer neuen Vereinigung der Drechslermeister Deutschlands". Am 3. September hat eine Versammlung der Drechslermeister stattgefunden, in welcher nach einein Referat des Handelslehrers Hecht die Organisation beschlossen wurde. Ihr Zweck ist angeblich Hebung des Berufes, Bekämpfung der Schinutzkonkurrenz und Erzielung höherer Preise, sowie die Gründung von Einkaufsgenossenschaften. Als Vorbild wurde den Drechslermeistern die Arbeiterorganisation hingestellt. Die Be- Häuptling der Meister, daß man mit den Arbeitern Hand in Hand gehen würde, ward dadurch drastisch illustriert, datz man den Kollegen Pattloch aus jener Versammlung an. die Lust setzte. Charalteristisch für die Auffassung der Herren war u. a. die Ansicht, datz man einen Schmutzkonkurrenten, gegen den alle Mittel versagten, dadurch be- kämpfen will, datz man seinen Konkurrenten es ermöglicht, noch billiger zu verkaufen und ihm dadurch die Kundschaft wegzunehmen.(!) Der Referent kam zu dem Schluh, datz die Freie Vereinigung der Drechslermeister den Weg der anderen Unternehmerorganisattonen gehen Iverde, die zuletzt in der Bekämpfung der Arbeiter ihre Haupt- aufgäbe sehen. Das bedeute die Verschärfung der Gegensätze und für die Arbeiter die Notwendigkeit, ihrer Organiiation bei- zutreten. Dieser Auffassung stimmten alle Diskussionsredner zu, obwohl Herr Drechslermeister Richter aus Bernau die Versammlung vom Gegenteil zu überzeugen suchte. Hierauf sprach Pattloch über Arbeitsvennittelung und forderte. datz die Arbeiter nur vom paritätischen Nachweis in der Gorntannstratze in Arbeit genommen werden sollten. Dadurch würden die Arbeitsverhältnisse besser werden und die Lohnunterbietungcn verschwinden. Er legte eine Resolution vor, welche hinweist auf die Tatsache, datz in dem Berufe das Angebot die Nachfrage weit über- steigt und dadurch eine grotze Unsicherheit hervorgerufen ist, und ioeil ferner die Arbeitsvermitlclung eine der wichtigsten Grundlagen für den Ausbau der Organisation ist, es jedem Kollegen zur Pflicht gemach wird, den Nachweis zu benutzen. Nach längerer Diskussion wurde der Antrag einstimmig angenommen, desgleichen ein anderer, wonach die Kollegen, welche umschauen, der Kommission namhaft gemacht werden sollen. Den Drechslermeistern wird ein Zirkular zugehen, worin sie ebenfalls zur Berücksichtigung des Nachweises aufgefordert werden. Zum Schlutz wurde bekannt gegeben, datz bei Panitzsch, Brunnenslr. 7S, seit Montagmorgen gestreikt wird, da der Herr niedrigere Löhne zahlt als andere Werkstätten. Eine sehr zahlreich besuchte öffentliche Versammlung der Stell- machcr Berlins tagte am 28. September im grohen Saal des Rosen- tholcr Hof, Rosenthalcrstratze 11/12. Es galt. Kenntnis zu nehmen von den Scharfmachcrplänen der Wagenfabrikanten und der Jnnungs. nicister Deutschlands. Henke hatte das Referat. Die Wagen- sabrikanten Deutschlands waren die ersten im Stellmachergewerbe, die auf ihrer letzten Generalversammlung über„Maßnahmen gegen Streiks bei Mitgliedern" verhandelten und in allen Tonarten über die Begehrlichkeit der Arbeiter schimpften, um dann den Vorstand ihrer Vereinigung zu beauftragen, zwecks Gründung einer Interessen- gemeinschast in der Arbeiterfrage mit sämtlichen Luxus-, Automobil- und Waggonfabrikanten Deutschlands in Verbindung zu treten.— Der Verbandstag des Bundes deutscher Stellmacher- und Wagner- innungen, der im August in Magdeburg stattfand, hat nun ebenfalls gegen die Arbeiter mobil gemacht. Die Jnnungsmeister wollen auch organisiert den angeblich so ungerechten Forderungen entgegen treten. Sie beschlossen n. a. 1. eine Liste sämtlicher Arbeitsnach- weise aller Stellmacher- und Wagnerinnungen aufzustellen, um sich beim Ausbrechen von Streiks gegenseitig unterstützen zu können; 2. bei Ausbruch eines Streiks die Liste der Streikenden sofort drucken zu lassen und allen Arbeitsnachweisen umgehend zuzusenden, damit keiner der Streikenden eingestellt wird; 3. Arbeitskräfte, die sich meistens in den großen Städten anhäufen, vermittelst der Arbeits- nachtveise nach den Provinzen' zu verteilen, damit auch die Provinz- ineister in der Lage sind, bei Streiks Arbeitskräfte zu bekommen.— Um den Arbeitertrutzbeschlüssen Nachdruck zu verleihen, hat jetzt der Vorstand des Bundes deutscher Stellmacher- und Wagnerinnungen ein Flugblatt an alle Meister ergehen lassen, worin gegen die Ge- sellcn scharf gemacht und der Anschluß an den Bund propagiert wird.— Redner ließ den Verhandlungen und Beschlüssen der Arbeitgeber gebüh- rende Würdigung zuteil werden und schloß unter lebhafter Zustim- mung der Versammlung mit einem anfeuernden Aufruf, den Scharf- machern zu antworten dadurch, daß auch der letzte unorganisierte Kollege sich der Organisation anschließt, das heißt dem Deutschen Holzarbeitcrverband.— Die Diskussionsredner stimmten dem Sie- ferenten voll zu. Eine im Sinne seiner Ausführungen gehaltene Resolution wurde einstimmig angenommen. lieber das Resultat der letzten Statistik berichtete H i e b e l. Die Statistik umfaßt 1b9 Betriebe mit 746 Kollegen, von denen tvaren: Kastenmacher 168, Kastenmacherhelfer 34, Rad- macher 535 und andere Holzarbeiter 71. Die Betriebe zerfallen in 118 Innungsbetriebe mit 290 Beschäftigten, 11 Fabriken mit 376 und 39„diverse" mit 87 Kollegen. Die geringsten Löhne und die längste Arbeitszeit entfielen auf die Betriebe, wo der Prozentsatz der Organisierten der niedrigste ist. In den Fabriken steht es durch- schnittlich am besten. Nach Tarifen wurde in 13 Betrieben ge- arbeitet. In den anderen Betrieben herrscht die„freie Verein- barung" vor. Lehrlinge wurden nur 24 gezählt, und zwar nur in Jnnungsbetrieben, und dort wieder nur in den kleinsten. In den kleineren Betrieben waren die Löhne am schlechtesten. Der Durch- schnittsverdienst der gesamten Kollegen der berücksichtigten Jnnungsbetriebe betrug 27,99 M., der der Kollegen der„diversen" Betriebe 28,92M. und der der Fabriken 39,92 M. Diese Durchschnittsziffern kommen aber nur deshalb heraus, weil eine Anzahl Kollegen, besonders die sogenannten„Schieber"(Vorarbeiter Kolonnen- führer usw.) verhältnismäßig recht günstig abschneiden, nämlich mit Verdiensten bis zu 49 M. und darüber. Dem gegenüberzu- halten ist, datz in 14 Betrieben sogar Löhne von 21 M. und darunter vorkommen. Dann kommen � Löhne bezw. Verdienste Bon 22, 23, 24, 25 M. usw. Allein 41,02 Prozent der in Betracht kommenden 746 Kollegen verdienten nur zwischen 21 und 27 M.— Die Arbeitszeit betrug 52 Stunden in 4 Werkstätten mit 22 Kollegen, 53 Stunden in 9 Werkstätten mit 129 Kollegen, 53)4 Stunden in 5 Werk- statten mit 79 Kollegen, 54 Stunden in 193 Werkstätten mit 371 Kollegen, 55)4 Stunden in 1 Werkstatt mit 69 Kollegen, 56 Stunden in 2 Werkstätten mit 5 Kollegen, 57 Stunden in 19 Werk- statten mit 24 Kollegen, 58 Stenden in 1 Werkstatt mit 7 Kollegen, 59 Stunden in 2 Werkstätten mit 2 Kollegen, 59)4 Stunden in 1 Werkstatt mit 5 Kollegen und 69 Stunden in 21 Betrieben mit 51 Kollegen.— Die Statistik ergab weiter, datz die Löhne am höchsten stiegen, wo die Arbeitszeit am kürzesten war.— Der„Berliner Consum-Vcrein" hielt am Sonntag im Gewerk- schaftshause seine Generalversammlung ab, in der über das der- gangene Geschäftsjahr(Oktober 1994 bis 1. Juli 1905) Bericht erstattet wurde. Anwesend waren 116 Delegierte. Den Bericht des Vcrwaltungsrats gab der Vorstands-Vorsitzende W. Lamm, den zahlenmäßigen Geschäftsbericht an Hand der gedruckt vorliegenden Rechnungsübersicht der Geschäftsführer R. Junger. Der Gesamt- Umsatz im eigenen Geschäft betrug danach im letzten nur neun Monate umfassenden Geschäftsjahr nahezu 414 999 M., im Liefe- ranten-Geschäft zirka 61 999 M. Das bedeutet gegenüber denselben Monaten des Vorjahres einen Minderumsatz von 12 Proz. Einen geringfügigen Mehrumsatz erzielten nur 2 Verkaufsstellen im Osten und 1 in Moabit; alle anderen 9 Verkaufsstellen hatten einen mehr oder weniger erheblichen Minderumsatz, der sich bei der Verkaufsstelle in Neu-Lichienberg dermaßen steigerte, daß diese am 1. Juli' im Interesse des Vereins ganz geschlossen werden mußte. Wenn trotzdem der Reingewinn die Höhe von 5,2 Proz. erreichte, so ergab sich dieses günstige Siesultat nur aus verschiedenen Glücksumständen in Gestalt besonders günstiger Einkaufsabschlüsse. Die Ab- schrcibungcn, die Zuteilung zum Reservefonds, die Entschädigung an die Verwaltung wurden sehr niedrig bemessen, um eine Verteilung von 5 Proz. Rückvergütung zu ermöglichen und damit in dieser Be- ziehung der Berliner Bevölkerung dasselbe zu bieten, wie die ver- schiedenen Rabattsparvereine. Außerdem wird auch im laufenden Geschäftsjahr allmonatlich ein Rabatt von 5 Proz. verteilt.— Bei der Gesanitneuwahl von 21 Verwaltungsmitgliedern ergab sich die Wiederwahl von 29 bisherigen Mitgliedern; ncugcwählt wurde Frau Vollus(Moabit). Unter Verschiedenem wurde beschlossen, terrn. Vertreter Hoppe von der Grotzeinkaufsgesellschaft deutscher onsumvereine zu bitten, einen Vortrag über dieses Institut zu halten. Außerdem wurde des längeren debattiert über die wenig fördernde Haltung des„Vorwärts" gegenüber dem Konsum- genossenschaftswcsen und eine Resolution angenommen, in der die Preßkommission des„Vorwärts" gebeten wird, darauf hinzuwirken, daß der„Vorwärts" der Konsumgenosscnschaftsbcwegung eine größere Berücksichtigung zuteil werden läßt. Der Arbeiter-Sängerbund hielt am 17. September seine Ans- schußsitzung in der Brauerei Fricdrichshain ab. Der Vorsitzende machte zunächst bekannt, daß am 2. Dezember das Stiftungsfest des Bundes stattfindet. Zu diesem Fest beabsichtigt der Vorstand, nur künstlerische Leistungen zu Gehör bringen zu lassen. Eine Ver- losung der Vereine zur Mitwirkung beim Fest ist wieder in Aussicht genommen und werden deshalb die Vereine schon jetzt darauf hin- gewiesen. Der Eintrittspreis ist in diesem Jahre auf 29 Pf. fest- gesetzt. Die Angelegenheit der Luckenwaldcr und Brandenburger Vereine, die Provinzial-Sängerfeste betreffend, wurde in dieser Sitzung nochmals zur Beratung gestellt, weshalb auch Vertreter beider Orte erschienen waren. Meyer führte aus, daß der Vorstand es für nötig erachtete, persönlich mit den Vereinen beider Orte Rücksprache zu nehmen; er entsandte zwei seiner Mitglieder nach Brandenburg in der Voraussetzung, eine gütliche Beilegung dieser Angelegenheit durch Richtigstellung der Tatsachen herbeizuführen. Auch durch diese Delegation wurde nicht das Erhoffte herbeigeführt und somit steht diese Angelegenheit nochmals zur Beratung. Nach längerer Debatte empfahl Kaiser, die Angelegenheit nochmals in den Vereinen zur Beratung zu stellen und in der nächsten Zlus- schußsitzung zur Abstimmung zu bringen. Meyer machte noch bekannt, datz der Vorstand beabsichtigt, eine Statutenänderung vor- zunehmen, da das Statut den jetzigen Verhältnissen nicht mehr ent- spricht. Der Ausschuß erklärte sich damit einverstanden. Um dem Vorstand diese Arbeit zu erleichtern, wurde demselben eine Kom- Mission beigegeben. In die Kommission sind gewählt: Huth, Siaschc, Kaiser. Anträge zur Statutenänderung sind an I u l. Meyer, Urbanstratze 131, bis spätestens den 15. Oktober einzureichen. Die Vereine Echo, Walküre, Veritas und Linde haben sich zu einem Chor unter dem Namen„Freier Männerchor Berlin" verschmolzen. Die Vereine werden nochmals darauf hingewiesen, die Parti- turen zur Neubearbeitung unseres Liederbuches schnellstens an Gustav Schönthal, Andreasstrahe 57, einzusenden. Riesenhafte Auswahl prächtiger Stoft-Neuheiten für unsere vornehme Mass-Anfertigung- Uinler Paletots für Herren. UnObertroffen reichhaltige Auswahl in vielen Tausenden Exemplaren. Neuaste Moden in Stoffen, Fassons und Abfütterungen. »50 i M. 65.- 60.- 55.- 50.- 45.- 40,- 36.- 33.- 30.- 27.- 24.- 21.- 18.- 15.- 12.- ImitaU Feiner Eskimo, mit Astrach�BreKschwanz- C n DU m. 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Montag, de» 2. Oktober, abends 8 Uhr, im„Gewerkschafis- hanse", Engel-Ufer 15,(Saal III); Vertrauensmänner- Sitzung. Tages-Ordnung: WaS lehrt uns die letzte Bankontrollc? 93/16 Sämtliche Kollegen, die am Tage der Baukontrolle mit tätig waren sowie sämtliche Vertrauensleute unserer Branche werden ersucht, bestimmt und Pünktlich zu erscheinen._ per Obmann. Kleber! Mittwoch, den 4. Oktober, abends 3 Uhr, bei Augustin, Oranienfir. 103: Versammlung. Tages-Ordnung; 1.»Pflichten und Rechte der Kassenmitglieder". Reserent: O. Pönicke. 2. Vereinsangelegenhciten. 3. Verschiedenes. 179/13 Pflicht eines jeden Klebers ist es, zu erscheinen. __ Die Vcrbandsleitnns. ttr hi Zahlstelle Berlin. Mittwoch, den 4. Oktober, abends präzise 8 Uhr: jlnjlerordentlieheGeneral-Versaminliing im Gewerkschaftshause, Saal 4, Engel-User 15. Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Ergänzungswahl zur Ortsvcrwaltung. (1. und 2. Bevollmächtigter und 5 Beisitzer.) 3. Beratung des neuen Ortöstatuts. 25/6' 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ersucht um zahlreichen Besuch__ Die Ortsverwaltung. Verband der Sattler. Ortsverwaltnns Berlin. Mittwoch, den 4. Oktober, abends 8'/, Uhr. in den Zlrmiuhallcn, Kommandantenstrafte HO: Wgememe Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Die Aufgaben der nächsten Generalversammlung. Reserent: Kollege Lodulro. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. 157/13 Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Per Vorstand. Montag, den 2. Oktober, abends 8'/. Uhr, bei Graumann, Naunynstratze 27: Werkstatt- Delegierten- Versammlung. Tagesordnung: Berichterstattung der AgitattonSkommission und der Delegierten über die Verhältnisse in verschiedene» Betrieben. «p* Jede Werkstatt muB»ertreten sein I Wo ein Delegierter nicht , muß ein Mtglied die Vertretung übernehmen 142/5 Per Torstand. Verband der Dan-, Grd-«. gewerblichen Hnlfsnrbeiter Deutschlands. . Staklstelle Berlin und Umgegend.- Verbandsbureau: Engel-Nser 15, Zimm. 8. Telephon: Amt IV, Nr. 4493. Wm»! Flitsttilegn-MMbelttt Achwg! ßerluis und Umgegend. Montag, den 2. Oktober 1905. abends 8 Uhr, in den Industrie- Festsälen, Beuthstr. 19/2«: Allgemeine Rersammlnng aller FUesenleger-HMfsarbeiter Kerlins ll. Umg. Tages-Ordnung: 1.„Der Verlauf des Streiks der HülfSarbetter, der Vertrags- abfchlust und das Verhalten der Fliesenleger." Reserent: Kollege K. Heldemann. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 43/20 Zu dieser Versammlung sind Vorstände und Mitglieder der beiden bestehctlden Fliesenlcgcr-Organisationen sreundlichst eingeladen. Das Er- scheinen der am Streik beteiligt gewesenen Hülfsarbeiter ist ganz besonders erwünscht._ Die Verbandöleitung. I. A.: Karl Heidemann. Seidene Blusen. I und folgende Tage DM" L'mzngs-Ansvcrkanf"96) mehrerer hundert seidener Blusen direkt an Private. 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Kreises sind General- Versammlungen der Wahlvereine, Mitgliedsbuch legitimiert,-�s) Tages-Ordnung: 1. Die Brandenburger Provinzial-Konferenz. 2. Anträge und Wahl der Delegierten zu derselben. 3. Bericht vom Parteitag. 4. Diskussion. Zu recht zahlreichem Besuch laden ein omiu* Die Bertranenslente. (Genossinnen! Genossen! Montag, den 2. Oktober, abends 8 Uhr, in den ArminKsNsn» Kommandantenstraße 20: Oessentliche Versammlung. Tagcs-Ordnung: 1. Berichterstattung vom Parteitage. 2. Bericht der Vertrauenspersonen und Neuwahl derselben. 3. Wahl der weiblichen Delegierten zur Brandenburger Konserenz. 4. Dislussion. Verschiedenes. Ilm regen Besuch bitten Dl« TSi'traaoliapoi'Goa«!». Chsiselongue�Tip Top'(JJj� JjauflCr, Durch einen Griff In ein swei- schiafi-icres Bett verwandelt. Alto Schönhanserstr. 5. Bettstühle v-**'50 Bettsofas ein- auch zweischläfrig. Chaisel.-Bett„Herbert" v. 17 Mk. an, mit Bettbahälter bis 65 Mk. 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Sonntag, den 1. Oktober 1995, vormittags 11'/, Uhr: Oeffentlillje Uersammliing im Lokal von Bomke, Schönwalder-Strahe 89. Tagesordnung: 1. Vortrag des Schriftstellers A. Stern-Berlin über: Von der Tiefe zur Höhe, die Eni- Wickelungsgeschichte oeS Menschen. 2. Bericht der. Kommission betreffs Gründung einer freien Gemeinde. Zur Deckung der Unkosten werden lv Ps. Eintrittsgeld erhohen. 295/14 Die Kommisfion. Wirtshaus Moritz Uhle Krenzbergetr. 3. Sonntag: Frikassee vom Huhn, Gänsebraten, Eisbein m. Sauer- kohl(Spezialität). Großer Mittagstisch a Kuvert 60 Pf. Reichhaltige Abendkarte, kl. Preise. Vorzügliche Viere. Von 4 Uhr an: Frei-Konzert, Wcberftratze 17.[42882* L große Vcrcinszlmmer sind noch einige Tage in der Woche zu vergeben; auch ist am Sonnabend. den 30. September, mein großer «aal frei geworden. Ergebenst Anton Boeker, fÄe£. JJafe Sfeyer« Dresdener- StraBe 128/29. Kaffee IOii.IS, Bier, bcllu.dunl., 19Ps, ca. 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Tic iliristische Sprcchftuudc findet täglich mit ZlnSliahme de? Sonnabends ban?>/ biS»-/, llbr statt. G-öffii-t- abends 7 Nhr. Siirije. Fordern Sie unter Festsetzung einer Frist Beseitigung der Mängel, droben Sie, nach fruchtlosem ülblaus der Frist würden Sie aus �kosten des Verkäufers die Mängel beseitigen lassen und Schadenersatz fordern und führen Sie die Drohung aus. Die itoslen ziehen Sie vom Ncsikausgeld ab.— I. D. 32. Nein.— Königsberg Äl. Der von Ihnen vorgetragene Sachverhalt reicht nicht zu einer Scheidungsklage, sondern nur zu einer Klage aus Herstellung der ehelichen Gemeinschasi aus. — Sl. A.. Oranienburg. 1. Eine Berufung dürste wenig Aussicht aus Erfolg haben. 2. Kaiser Wilhclmstr. 46.— 5ro�P. Schriftliche Antworten lehnen wir ab, �ebenso Mitteilung des Wortlautes von Gesetzcsparagraphcn. Diese können Sie in den Gesetzen selbst einsehen.— O., Rominten. In der Regel besteht keine Beschränkung der Arbeitszeit. Geben Sie an, in welchem Berufe Sie arbeiten: allgemein! Beantlvortungen sind unmöglich. — E. 3. 34. Nein, aber die Ehefrau kann täglich zurückkehren. — Paukower Allee. 1. u. 2. Die allgemeinen Fragen ohne Schilde» rung de? Sie betreffenden Falles lassen sich nicht beantworten. 8. Da nichts vereinbart ist, steht Ihnen ein Anspruch nicht zu.— N. S. 33. 1. Ja. 2. ii. 3. Nein.— M. P. 20. Wenden Sie sich an das Polizeipräsidium. — Franz Kaiser. 1—4. Der Stiefvater haftet nicht für die Schulden des Stiessohncs. Gegen das Bersüumnisurteil müssen Sie Einspruch einlegen. ö. Ein Beispiel zur Einlegung eines amisgerichtlichen Einspruchs finden Sie S. 598 des Arbeiterrechts. 6. S. 67 bis 70 des dem Arbeiterrecht beigefügten Führers. Das Buch liegt in den össentlichen Bibliotheken aus.— Emilie. Als Finderlohn haben Sie ein Prozent des Wertes Ihres Hundes zu zahlen und die Aufwendungen(Fuiterkostcn usw.) zu bezahlen. Klage aus Herausgabe ist beim Amtsgericht anzustrengen.— O. R. S. Nein. —/, Uhr, sanft cntschlasen ist. 4559L! Die Beerdigung findet heute I Sonntag nachmittag 4'/, Uhr von der Halle des Parochial-Kirchhoses Borhagcuer Weg aus statt. Um stilles Beileid bitten, vertrauernde Gatte nebst Tochter. Zurückgekehrt. Tierarzt Philipp, Koppenstr. 9. Pol'fl. t Hundekrankh. 3— 10. 4-5. 41/1. Verein der Bohrer IJcrtins nnd L'iiigegciid. Die Beerdigung des Kollegen Herßisnn Krebs findet Sonntagnachm. 21ls Uhr, von der Leichenhalle des Nazareth- firchhofcs, Reinickendorf, Kugel- slraszc, aus statt. '90/13 Der Borstand. Ich bade mich In Charloitenburg, Wilmersdorferstr. 53/34(Nähe Kantsircche) als Augenarzt nieder- gelassen. Iis. Leo Brandt, früher I. Assistent bei Professor Silex. Sprechstunden: 8—10, o— Oft,. Telcphonamt Charlottenburg Nr. 5883. Dr. ScbQnemaDn, Spezial-Arzt für[41022* Hant- und Harnleiden, Fraaenkrankheltcn, Seydelstr. 9, dicht am Spill elmarkt. Wochentags-f,«-'/,». 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Fünfter Wahlkreis: Leo Zucht, Kcibelstrajjc 42 (Laden).— Sechster Wahlkreis(üloabit): Karl Anders, Snlzwedelerstr. 8, im Laden.— Weddlnx» und Oranienburger Vorstadt: Karl Meitze, Wiesenslratze 41/42.— Rosen- thalei' Vorstadt, Oesnndhrnnnen: Hernmnn Raschle, Rügenerstr. 24, vorn pari, links.— SchOnhnnser Vorstadt: Kar! Mars, Lychenersiratze 123.— 4.1t- Ollenicke: Rein hold Schul z, Rudowerstr. 72.— Charlotten bürg: Gustav Schar über g, Sesenheimerstr. 1, Ecke Goetheslratze, vorn I.— Bentseh-Wllaaaers- doff: 23. Nickel, Brandeuburgischestr. 110, HI r.— Qlehtenherg, Frledrlehsfelde, Wllhelrnsberg, Rönhagen, Stralau. und Raammelsbnrg: Otto Sei fei, O. 112, Kronprinzenstr. 50, I. — OrUnaa: H. B I u h m e, Viktoriastr. 2.— Rlxdorf: M. 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Die Damenhutsabriken von Hoffmaun � Kosknbtrg, Blnmenstrafte SV, sowie 294/5* Etök. Stntjl, Grüner Weg 90. find gesperrt. Ose Vorstand dar Filiale Berlin. u. Rohrer Douarbeiter! Unsere Forderungen ln vollem Um- ange bewilligt haben bis jetzt die Firmen Schrewe u. Co.. Schmidt ii. Brann, E. Schröter, E. K. Kirstein. O. Arndt«. Martin, FricderSdorf u. Co. Alle Kollegen erhalten die Arbeit jür die bewilligten Firmen ttttt? durch den Arbeitsnachweis, woselbst die Arbeitsbercchtigungskartcn aus- gegeben werden. Kollegen ohne solche haben ihre Pflicht nicht erfüllt und bitten wir alle Bauhaudwerker, die- selben daraus hinzuweisen. 295/12 Die Ltohnkommlssion. Bureau: Dragonerstr. 15. Achtung: ÄNllldinder! Küchbindtrei-Arl-cittttlinn'.! Die Firma D. KälSNtMz Kochstrahe«7. ist gesperrt. Ar- Veiten, welche diese Firma an andere Betriebe vergibt, sind wie Streik- arbeit zu betrachten. 2ö/ö Die Ortsverwaltung. Der Gesamt- Auflage unserer heutigen Nummer liegen Pro- fprktc bei von der Zeitschrift »Die neue Gesellschaft" mid der holläudifcheu Zigarrcnfabrik Klevcr& Werrcs in Geldern an der holländ. Grenze. kerantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Lnseratenteil ver-yllw.: Th. Glocke. Berlin, Druck u. Verlag: VorwörtH xi'I�ru�erei u. Berlagsanstalt Paul Singer& To.. Berlill SW. Redahtion und Expedition: Berlin, Cindcnltr. 69. ferniprecher: Amt If, 198$. Nr. 380. Sonntag, den 1. Oktober 1905. Inserate Sechkgekpsltene Kolonelzcile 26 Ptg. Bei größeren Butträgen enttpredjenden Rabatt. partci-Hngekgcnheiten. Die Parteikonferenz für Berlin und die Provinz Brandenbnxg findet statt am Sonntag, den 15. Oktober 1905, vormittags 10 Uhr, zu Berlin m den Arminhallen, Äomiuandantenstraße 20. Die Tagesordnuna lautet: 1. Bericht der Agitationskommission. 2. Organisation und Agitation. 3. Presse. 4. Zur Landarbeiterfrage. 5. Anträge. Anträge, welche auf der diesjährigen Parteikonferenz be- raten werden sollen, sind spätestens bis zum 9. Oktober bei dem Unterzeichneten einzureichen. Der Einberufer: Borgmann, Königsgraben 7. Der Wahlverrin Spandau ersucht uns, folgende Mitteilung be- kanut zu geben: Die Stadtverordneten Ducksch und Staar, welche auf Beschluh der auherordentlichen Generalversammlung vom 22. August 1905 aus dem Wahlverein ausgeschlossen wurden und der durch ein- geschriebenen Brief erfolgten Aufforderung, ihr Mandat niederzn- legen, bisher nicht nachgekommen sind, werden nunmehr auf diesem Wege aufgefordert, ihr Stadtverordneten-Mandat, welches sie auS den Händen der organisierten Genossen empfangen, niederzulegen, da sie das Vertrauen der Genossen nicht mehr besitzen. Als Stadt- verordnete und Vertreter der sozialdemokratischen Arbeiterschaft sind sie nicht mehr zu betrachten. Der Vorstand des sozialdemokratischen Wahlvereins Spandau. Spandau. Dienstag findet im Lokal von Köpnick, Pichelsdorfer- straffe 39, eine Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tages« Ordnung: Berichterstattung vom Parteitag. Zu dieser Versammlung können Gäste eingeführt werden. Auf Erscheinen aller Genossen rechnet Der Vorstand. Grünau. Dienstag, abends 8�/, Uhr, findet in der Grünen Ecke eine aufferordentliche Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt, die sich mit der Berichterstattung vom Parteitag und mit der Neuorganisation Groff-Berlins beschäftigen wird. Tegel. Der nächste Diskutierabend findet am Dienstag, abends S'/z Uhr, bei Geelhaar, Berlinerstr. 92, statt. Der Vorstand. Karlöhorst. Montag, den 2. Oktober, abends S'/z Uhr, bei IhiBsch, in Kanlsdorf bei Bobey: Zahlabend. Reinickendorf-West. Der DiSkutterabend des Wahlvereins findet im Dienstag, abends 8'/, Uhr, bei Franke, Eichbornstr. 18, statt. Steglitz. Zur Generalversammlung des Wahlvereins am Mitt- noch, abends S'/s Uhr, bei Schellhase, werden die Mitglieder um vollzähliges Erscheinen gebeten. Tagesordnung: 1. Berichte und Neuwahlen sämtlicher Funkttonäre. 2. vereinsangelegenheiten.— Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Vorort- l�ackricbten. Nttmmelsbnrg. Eine reichhaltige und wichtige Tagesordnung hatte die letzte Gemeindedertreterfitzung in NummelSburg zu erledigen. Punkt 1 der Tagesordnung betraf die Neuregelung des N a ch t w a ch t» wesenS dahin, daff an Stelle der sogenannten Nachtwächter, welche das horrende Gehalt von 680 Mark erhalten, Amtsdiener eingestellt werden. Da der Gemeindevorsteher über die Mehrkosten, welche durch diese UmWandelung entstehen, keine bestimmten Angaben machen konnte, es auch nicht klar ist, welche Verwendung die jetzigen Nachtwächter finden sollen, so wurde der Antrag des Gemeinde- Vorstandes abgelehnt, dagegen ein Antrag unserer Genosien, die gc- plante UmWandelung für den Ortsteil Boxhagen einzuführen, an- genommen.— Die Gründung zweier neuer Vorschulklassen am Realprogymnasium wird beschlossen.— Der Bau eines neuen Rathauses beschäftigt die Gemeindevertretung schon seit längerer Zeit, auch ist bereits ein Grundstück hierfür auf dem sogenannten Schweinemarktviertel erworben worden; die endgültige Bcschlufffassung war nun der heutigen Sitzung vorbehalten. Der Vorsteher führte zu diesem Antrage aus, daff die Räume deS jetzigen erst vor vier Jahren bezogenen Rathauses auf die Dauer nicht mehr ausreichen würden; die Einwohnerzahl habe sich von 17 000 im Jahre 1901 auf jetzt 81 500 erhöht, auch sei eine weitere starke Zu- nähme zu erwarten. Mithin sei jetzt die Stunde gekommen, um sich über ein neues Rathaus schlüssig zu werden. Genosse John, welcher gegen die sofortige Beschlufffaffung sprach, hält im Gegen- satz zu den Ausführungen des Gemeindevorstehers den augenblick- lichen Zeitpunkt für den ungeeignetsten. NummelSburg habe sich bereits durch den Bau des RcalprogymnasiumS eine laufende Mehr- ausgäbe von etwa 30 000 M. pro Jahr aufgeladen, ohne daff dieser Ausgabe eine Einnahme gegenübersteht; hierzu kommen die laufenden Mehrausgaben für das nerie Ricselverfahren im Betrage von 40— 50 000 Mark pro Jahr, wofür ebenfalls eine Einnahme nicht vorhanden ist. So könne fich die Gemeinde bei einem Ein- kommcnsteuer-Zuschlag von 150 Proz. zurzeit nicht noch eine laufende Ausgabe von etwa 50 000 Mark pro Jahr für ein neues Rathaus aufbürden.— In der Erwiderung erklärt der Gemeindevorsteher, _______ finanziellen ,, Bau auf mindestens zwc, Jahre vertagen müsse. Beschlossen wird. zurzeit von dem Bau eines neuen Rathauses abzusehen. Die zur Fleischteueruny von unseren Genossen gestellte, vom Genossen Ritter eingehend begründete Resolution, welche den Gemcindcvorstand beauftragt, bei der Staatsregierung betreffend Aushebung der Grenzsperre vorstellig zu werden, fand ohne Debatte einstimmige Annahme.— Zur Anschaffung eines Schlauch- tva gens nebst 500 Meter Schlauch wird für die freiwillige Feuer- wehr der Betrag von 1437 St. bewilligt.— Zur Bürgersteig- Regulierung wird einstimmig beschlossen, pcn Gcmeindezuschuff für II m Pflasterung der Bürgersteige nur noch an diejenigen Grund- bcsitzer zu zahlen, welche spätestens bis zum'1. Oktober 1906 diese liinpflastcrung vollzogen haben. Die Erhöhung der AlterSzulagen von 200 M. auf 250 M., lvie solche bereits in mehreren Vororten bestehen, hatte die Gemeinde- Vertretung der hiesigen Lehrerschaft schon seit längerer Zeit ver- sprachen. Erfüllt wurde das Versprechen bei der diesjährigen Etats- bcratung; nun aber kam die Regierung und versagte die Gc- nehmigung mit dem Hinweis, datz es für eine Gemeinde wie Rummelsburg, welche vom Staate zu den Lehrergehältern noch eine Extrabeihülfe von 6000 M. erhält, nicht>;crcchtsertigt erscheint, solch hohe Lehrcrgehältcr zu zahlen. Bei i)en hierzu von mehreren bürgerlichen Vertretern gemachten Ausführungen konnte man sich des Gefühls nicht erwehren, daff es diesen Herren nicht unangenehm war, daff die Erhöhung von der Regierung abgelehnt ist. Sie hatten denn auch für die Lehrerschaft kernen anderen Trost als den, daff sie selbst beim Minister Beschwerde führen solle». Ein von unseren Genossen hierzu gestellter Antrag, daff die Gemeinde gleichfalls Beschwerde führen möge, wurde abgelehnt. Wenn man schadenfroh genug wäre, so könnte mau den Herren Lehrern diese deutliche Absage der bürgerlichen Vertreter sehr wohl gönnen, waren es doch gerade die Lehrer, welche bei der letzten Gemeinde- vertretcrwahl so sehr für die bürgerlichen Kandidaten ein- traten.— In nichtöffentlicher Sitzung g«b der Vorsteher bekannt, datz der Schöffe Klempnermeister Conrad aus GeschäftSrücksichten seine sämtlichen Aemter in der Gemeinde niedergelegt habe. Diese Mitteilung erregte allgemeines Erstaunen. Conrad ist als eifrige Stütze für Thron und Altar eine sehr bekannte Persönlich- keit. Er weiß zu leben. Ober- Schöneweide. Einen tödlichen Verlauf nahm eine Messerstecherei, die sich in der gestrigen Nacht in Ober-Schöneweide abgesvielt hat. In der in der Nalepastraffe 3 gelegenen Restauration von Hauptvogel waren abends in später Stunde die Brüder Haberland auiZ Ober-Schöneweide eingekehrt. Kurz vor der Polizeistunde gerieten die beiden Brüder mit dem Besitzer deS Lokals in einen erregten Wortwechsel, der schliefflich in Tätlichkeilen ausartete. Plötzlich zog der ältere der Brüder Haber- laud ein spitzes, dolchartiges Messerhervorund stachmit diesem auf Haupt- Vogel ein. Der Messerstecher hatte mit solcher Gewalt gestoßen, daff die Klinge dem Gelroffeuen tief in den Unterleib drang und edlere Teile verletzt wurden. Als der Gastwirt bewußtlos zusammenbrach, flohen die Täter. Hauptvogel wurde sofort in ärztliche Behandlung genommen, sein Leben war jedoch nicht mehr zu retten; er starb im Laufe des gestrigen Tages an den Folgen der Stichverletzung. Die beiden Täter sind gestern nachmittag verhaftet und gefesselt in daS Amtsgerichtsgefängnis zu Köpenick eingeliefert worden. berliner jVachnchten» Wie es gemacht wird. Am Freitag schrieben eine Anzahl Berliner Blätter gleichlautend:„Wie ein Donnerschlag aus heiterein Himmel. hat das große Tunnelprojekt im Roten Hause ein- geschlagen, denn die wenigen Stadtväter, die davon hatten läuten hören, waren verschwiegen wie das Grab. In der Berliner Bürgerschaft aber hat die Initiative der Großen Berliner Straßenbahn befruchtend gelvirkt wie ein erfrischender Gewitterregen, man atmet überall auf." In dieser Tonart ging eS noch eine Weile weiter. Am Sonnabend waren etliche Berliner Redaktionen mit einem Male in den Besitz tief- gründiger Straßenbaukenntnisse gelangt; in abermals gleich- lautenden Zeilen setzten sie mit haarscharfer Logik auseinander, daß die Große Berliner— selbstverständlich nur diese— ohne wesentliche Einschränkung des Verkehrs den Tunnelbau in der Leipzigerstraße deichseln könne. Aehnliches hatte man schon einige Tage vorher ver- nommen. Wie kommt die Presse mit einem Male zu den nicht allein ihrem Gedankeninhalt nach, sondern wörtlich übercinstinnnenden Ausdrücken der Ueberzeugung vom hellen Jubel der Bürgerschaft, die doch bis dahin eigentlich nicht besonders gut auf die Große zu sprechen war? Wie kommen den Blättern die Offenbarungen von der technischen Leistungs fähigkeit derselben Großen Berliner, die bis dahin viel cinsachere Probleme, wie die Heizungssrage, die Frage der Schutzvorrichtungen, die der Donnerwagen entweder gar nicht oder doch nur höchst ungenügend zu lösen vermochtet Ei Nun, die Redakttonen haben eben technische Mitarbeiter, die um Rat gefragt wurden und unparteiisch, nach bestem Wissen und Gewissen über die technischen Fragen ihr Urteil abgaben. Die Redaktionen haben sich ferner in der Bevölkerung umgesehen, haben hier gehorcht und dort gehorcht, haben in kommunalen Kreisen kompetente Persönlichkeiten befragt, denen die befteiende Wirkung, welche das Projekt der Großen ausgeübt hatte, förmlich von den Augen abzulesen war. Kurzum, auch in diesem Falle hat sich die Presse als getreues Spiegelbild der öffentlichen Meinung bewährt. So sollte es sein, wenigstens in dem Falle, daß diese bürgerlichen Zeitungen nicht systematisch darauf ausgehen, ihr Publikum zu b e t r ü g e n. So sollte es sein, wenn Gewissen- haftigkcit in gewissen bürgerlichen Blättern ein Objekt mit Kurswert wäre. In Wirklichkeit war alles viel einfacher. Die Meldungen über den Jubel der Bevölkerung und über die technische Tüchtigkeit der Großen Berliner kamen einfach aus dem Preßbureau dieser Gesellschaft. Die Straßenbahndirektton hatte sich einen Berliner Journalisten hergenomnien, diesem die Phrasen vom Aufatmen der Bürgerschaft, vom erfrischen- den Gewitterregen und von ihrer technischen Fertigkeit in die Feder diktiert,' und der Journalist hat dann seinen Hekto- graphen hergenommen und die Abzüge den Redaktionen zu- gesandt. So klärt sich der überraschende Umstand auf, daß die Blätter gleichlautend das Loblied der Großen Berliner sangen. So wird öffentliche Meinung fabriziert. Der Großen Berliner nehmen»vir dies Verfahren wahr- haftig nicht übel. Wie alle anderen Unternehmungen, so will auch sie für ihre Zwecke Reklame machen, und ihre Sache ist es, diese Reklame mehr oder weniger geschickt herzurichten. Auch dem erwähnten Journalisten grollen wir nicht. Der Mann will und muß leben, und wenn ihm ein gesnndenes Fressen winkt, wie das von der Großen Berliner bereitete, warum soll er nicht zulangen? So einen Happenpappen gibt es nicht alle Tage. Also nach diesen beiden Seiten hin wären Vorwürfe übel angebracht. Was aber bei dieser Gelegenheit einmal aufgedeckt werden mußte, das ist die Gewissenlosigkeit, mit der die b ü r g e r l i ch e P r e s s e in ihrer Mehrheit öffentliche Meinung macht. Tag für Tag»Verden Artikel gebracht, in denen das Loblied einer Privatgesellschaft ertönt, die denn doch wahrhaftig bisher nicht allzuviel für das Publikum übrig hatte, Tag für Tag werden die offenkundigsten Tatsachen auf den Kopf gestellt,»vird gespottet, daß die Stadt Berlin mit ihren Verkehrsplänen nicht vom Fleck komme, daß sie sich von der Großen Berliner beschämen lassen müsse, daß der Regierung in ihrer Not nichts anderes übrig bleibe, als zum Heil der Bevölkerung die Trottel im Rathause Mores zu lehren, über den Kopf der Kommunalverwaltung hinweg der Großen die Konzession bis in die Puppen hinein zu ver- längern. Kein Wort verlautet in dieser Presse über die offen- kundige Tatsache, daß einzig die Regierung den Stillstand in Vertehrsstagen verschuldet, daß System in ihrem Streben liegt, der Stadt nach Kräften hinderlich zu sein, die Lösung der Aufgaben, welche die Kommune lieber heute als morgen in die Hand nehmen will, einer im Publikum schlecht akkreditterten Privatgesellschaft in die Hand zu geben. Und der durch solchen Tamtam wirre gemachte Philister nimmt alles für bare Münze hin, schwört auf die Unparteilichkeit seines Leib- und Magenblattes und ahnt nicht, daß die öffentliche Meinung, die lärmvoll in der Presse ich kundgibt, dieser Presse von der Straßenbahn und ihrem ffiziosus in die Feder diktiert wird. Ist eine niederträchtigere Irreführung denkbar? Jetzt zum Ouartalswechsel erscheinen spaltenlange Abonnements-Einladungen in der Presse, wird dem Bürger nahegelegt, daß. Thron und Altar und was sonst noch für höchste Gitter vorhanden, nur dann gegen den Umsturz geschützt werden können, wenn das Abonnement auf die Zeitung fortgesetzt werde. An dem Spiel, das die staats- erhaltende Presse in der Straßenbahnfrage mit dem Publikum treibt, möge ninn ermessen, was das staatserhaltende Phrasen- gewäsch wert ist. Wehe der Gesellschaftsordnung, die von solchen Trabanten der„öffentlichen Meinung" verteidigt wird! Die Furcht vor der Cholera läßt in der Bevölkerung Berlins und seiner Vororte allmählich wieder nach. Die vorbereitenden Abtvehrmatzregeln, die einen Einbruch der gefürchtetcn Seuche in die RcichShauptstadt oder ihre Umgebung verhüten sollten, dann die plötzliche Nieldung eines ersten Erlrankungs- und SterbefalleS, der auf einem hier eingetroffenen Kuhn festgestellt worden war, und hinterher die behördlichen An- ordnungen, die gegen ein weiteres Umsichgreifen getroffen wurden, hatten die Bevölkerung wachgerüttelt. Man erkannte, daff die Lage ernst werden könne, und daff jeder einzelne die Pflicht zur Vorsicht habe— zur Vorsicht, wenn nicht um seiner selbst willen, so doch im Interesse der Gemeinschaft, der er angehört. Inzwischen scheinen aber die Wirkungen des ersten Schrecks schon l nieder so ziemlich entflogen zu sein. Immer noch lvird auf eine zweite Erkrankung an Chölera gewartet; denn die.Fälle", die seitdem als choleraverdächtig in die Baracken deS Krankenhauses Moabit eingeliefert lvorden sind, haben sich vorläufig alle als harmlos erwiesen. Sehr bald hat da mancher die Gefahr verachten gelernt. ES ist unklug, sich vorzeitig in Sicherheit zu wiegen— aber so ist nun einmal der Mensch. So sind vor allem diejenigen, denen ihre soziale Lag«, ihre hastende Erlverböarbeit, ihr karger Verdienst, ihre dürftige Lebenshaltung nicht gestattet, viel danach zu fragen, ob sie in Gefahr sind oder nicht. Der Eifer, mit dem die cholerafürchtigen Behörden jetzt wieder einmal daran arbeiten, Groff-Berlin und seine Bevölkerung zu peinlichster Sauberkeit anzuhalten, ist gewiff sehr lobenswert, und den guten Lehren, die da in die Welt hinausgeschickt werden, wünschten wir demgemäffe Beachtung und Behcrzigung. Wer aber die elenden W o h- nungsverhaltnisse kennt, die in Berlin und Bororten viel- fach noch bestehen und einen nicht geringen Teil der unbemittelten Bevölkerung geradezu an den Schmutz gewöhnen müssen, der wird sich bei solchen Reinigungspredigtcn wohllöblicher Behörden des Lächelns nicht erwehren können, des Lächelns über den angstgeborenen GclegenheitSeifer, der nun sofort Berge versetzen zu können sich einbildet, und zugleich des Grimmes über die sträf- liche Kurzsichtigkeit, mit der in ruhigen Zeiten Staat und Kommune ihre sozialhygienischen Aufgaben abtun. ES gibt in Berlin und einigen seiner Bororte noch„Wohnungen", deren Ber- mietung unseres ErachtenS längst verboten sein mühte. Die Be- dauernswerten, die in diesen elenden, Acht- und luftlosen Höhlen zu hausen gezwungen sind, weil zur Beschaffung eines besseren fcilnS daS Einkommen nicht langt, soll einmal einer auf die holeragcfahr hinlveisen! Er soll ihnen mal erzählen, daff es jetzt Pflicht gegen sich selber und gegen andere sei, Reinlichkeit zu iibcnl Auslachen werden sie ihn. weil ihnen das Verständnis da- für fehlt. Im übrigen kann der Mensch ja nur einen Tod sterben, und Ivo das Leben keinen groffen Wert hat. da lernt sich's ohnedies rasch genug, gleichgültig gegen das Sterben zu werden. Als im Jahre 1892 Harnburg durch die Cholera verheert wurde, erlebten wir nicht nur in Berlin, sondern allerorten in ganz Deutschland dasselbe Schauspiel eines plötzlich anhebenden Reinlichkeitsrummels. Was aber geschah, als die Cholera an uns vorübergegangen war? Nichts geschah, sondern alles blieb, wie es aelvesen ivar. Vorbedingung einer durchgreifenden Sozialhygiene ist ja die Herbeiführung völlig anderer sozialer Zustände, als wir sie heute haben. Aber selbst unter-den geaenwärtigcn Zuständen könnte auf diesem Gebiet schon manches gebessert werden, wenn der Staat und die Kommunen in ruhigen Zeiten selber die guten Lehren befolgen wollten, die in Zeiten der Choleragefahr und der Cholerafurcht allem Volk gepredigt werden. WttS hat z. B. die Berliner Kommunalverlvaltung seit 1892 zur Lösung der Aufgaben getan, die die Sozialhygiene ihr stellt? Nicht das geringst«!_ Zu dem Eonp der Grosicn Berliner schreibt der Magistrats- Berichterstatter: Dem Biazistrat liegt das„kühne" Projctt der Groffen Berliner Straffenbahn-Geiellschast vor. Wer aber ettva tieglaubt hat, daß es sich dabei um ein fertiges, ausgearbeitetes, in seinen Einzelheiten vollständig zu übersehendes Projekt handelt, der ist enttäuscht. Der„kühne" Plan ist weiter nichts als eine Skizze, mit der nichts anzufangen und die, wie schon behauptet wurde, sechs Monate zu früh veröffentlicht worden ist. Der„Großen Wer- Huer" ist bekannt, daß die Firma Siemens u. Halske dasselbe Projekt schon einmal bearbeitet hat, um die Untergrundbahn vom Potsdamer Platz nach dem Spittelmarkt zu führen. Ihr ist ferner bekannt, daß seinerzeit dieser Plan an dem Widerspruch der Verkehrs Polizei, des Magistrats und der Aufsichtsbehörde gescheitert ist, ob gleich damals nur ein zweigleisiger und kein v r e r gleisiger Tunnel geplant war. Jetzt versucht die„Große Straßenbahn' denselben Plan nnt großem Tamtam aus» neue zur Er örterung zu stellen, obgleich jetzt, nachdem Siemens u. Halske die Konzession für die viel teuerere Linienführung unter der Kon ditorei Tellschow, den Leipziger Platz und Wertheims Wareir haus usw. schon in der Tasche haben, die Schwierigkeiten natürlich bedeutend größer geworden sind. Der„Großen" ist ferner bekannt, daß der Bahnhof der Untergrundbahn nach dem Spittelmarkt in die Wallstraße kommen soll. Trotzdem und obgleich kein Platz mehr für ein anderes Unternehmen dort vorhanden ist, will sie ihren Tunnel durch die Wallstraße legen. Nach der vorliegenden Skizze beabsichtigt die � Gesellschaft, eine Reihe von Haltestellen zwischen Potsdamer Brücke und Spittelmarkt zu erbauen. Es ist aber nicht ersichtlich, ob diese Haltestellen von den Bürgcrsteigen oder von den angrenzen- den Grundstücken aus, die nicht billig zu haben sind, zu erreichen sein sollen. Die Breite der Bürgerstcige in der Leipzigcrstraße läßt die Anlage von solchen Haltestellen mit Ein- und Ausgängen nicht zu. Weiter ist gesagt worden, daß der Bau des Tunnels, um Ver- kchrsstürungen usw. zu vermeiden, nicht im Tagebau, sondern unter Benutzung des neuen Gefner-Verfahrens oder mit Hülfe eines Vortrieb-Schildes ausgeführt werden soll. Die Gesellschaft gibt sich Illusionen hin oder sie kennt den Untergrund ani Potsdamer Platz nicht. Aber selbst für den Fall, daß die Behörden die Anwendung eines solchen Verfahrens gestatten, müßte die Kanalisation usw. ver- legt, hohe Spundwände eingetrieben werden. Daß dies nicht ohne eine Verkehrsstörung von längerer Dauer zu ermöglichen, weiß jeder Berliner aus Erfahrung.— Das„kühne" Projekt der Großen Berliner Straßenbahn-Gesellschaft wird ebenso schnell der Ver- gessenheit verfallen, wie der Plan von Siemens u. Halske vergessen worden ist. Er wird das Schicksal des„kühnen" Planes von der östlichen Linienführung des Groß-Schiffahrtwcgcs Berlin— Stettin teilen. Als dieser auftauchte, war auch der Kaiser dafür. Gegen den Widerspruch de» Ministers v. Thielen wurde der Plan r den Ostschiffahrts-Kanal ausgearbeitet, wobei sich dann seine . uaussiihrbarkeit herausstellte, aber auch der Bau der westlichen L:uic um vier Jahre verzögert wurde. Drei neue Polizcivcmdnmigcn treten am 1. Oktober in Kraft. Tie erste, für den Umfang des Regierungsbezirks Potsdam— mit Ausschluß der Stadtkreise Charlottenburg. Schöneberg und Nixdorf — gegebene Verordnung betrifft den Verkehr mit verflüssigten und verdichteten Gasen(Kohlensänre, Ammoniak, Chlor, Acctylcn, Gruben- und Leuchtgas, Wasserstoff, Sauerstoff:c.). Sie enthält einschneidende Aenderungen der Vorschriften über die Behälter, in denen die ge- fährlichen Gase aufbewahrt und transportiert werden, sowie die Gebührenordnung siir die Abnahme der Behälter.— Die zweite Polizeiverordnung betrifft die Ausdebmmg des Beschauzwangs auf solche Hausschlachtungen Privater, die in Schlachthäusern von Schlächtern vorgenommen werden; sie gilt für den Umfang des ganzen Regierungsbezirks Potsdam.— Als dritte ist die Polizei- Verordnung zu nennen, die die Anstellungs- und Entlassinigs« Verhältnisse sowie die Pflichten der Bezirksschornsteinfegermeister im Stadtkreise Berlin neu regelt. Das Thcatcrunternchme» am Nolleudorsplatz soll jetzt„greifbare Gestalt" gewinnen. Herr Alfred Halm, der frühere Direktor des Berliner Theaters, teilt uns mit, daß binnen Jahresfrist an der er- wähnten Stelle ein der Reichshauptstadt in jeder Beziehung würdiges Theater erstehen soll, mit dessen künstlerischer Leitung die vor kurzem begründete Theater- und Saalbau-Akliengescllschaft ihn betraut habe. Das Theater soll den Namen„Kronprinzcn-Theater" führen. In diesem Namen liegt ein Programm. Vielleicht wird Beyerleins„Zapfenstreich" für die Eröffnungsvorstellung erworben. Die Preußische Kronprinzessin und die deutsche Sprache. Ein Dankschreiben der Kronprinzessin, das am Freitag in der Sitzung der Potsdamer Stadtverordneten-Versanimlung verlesen wurde, hat nach der„Nordd. Allg. Ztg." folgenden Wortlaut: „Die mir seitens des Magistrats und der Stadtverordneten der Residenzstadt Potsdam, zugleich im Namen der Bürgerschaft, anläßlich meines Geburtstage» dargebrachten freundlichen Glück- lvünsche haben mich wahrhaft erfreut und s p r e ch e ich Ihnen allen ineinen aufrichtigsten Dank aus. Von den vielen mir ans allen Teilen des deutschen Vaterlandes zugegangenen guten Wünschen haben diejenigen der Stadt Potsdam meinein Herzen ganz besonders wohl- getan, um so mehr, als der unbeschreibliche Jubel, der mir bei meinem Einzüge am 20. Juni d. I. von allen Seiten entgegengebracht wurde, noch in frischester Erinnerung steht und diese Erinnerung unaus- löschlich in mir fortbestehen wird. Freue ich mich schon, in der von der Natur so überaus bevorzugten schönen Havelstadt Potsdam eine neue Heimat gefunden zu haben, so hat das mir bereitete, so be- sonders herzliche Willkommen die Stadt und Bürgerschaft meinem Herzen näher gebracht. Ich bitte den Magistrat und die Stadtverordneten, der Bürgerschaft gegenüber der Dolmetsch dieser meiner Gesinnungen sein zu wollen, die ich für die Stadt Potsdam hege und die ich derselben allezeit betvahren werde. Schloß Homburg v. d. H., den 2V. September 1S0S. Cecilie, Kronprinzessin." Das Deutsch der Kronprinzessin ist nicht in allen Stücken klassisch zu nennen. ReichStagS-Abgeordneter Bruhn ist gestern aus den Verlag der „Staatsbürger-Zeitung" ausgeschieden. Er hat sich sofort ein neues Organ geschaffen. In einer Versammlung seiner Anlsiinger in Kellers„Neuer Philharmonie" sprach er sich über seine Pläne aus. Schon am nächsten Mittwoch soll ein„radikal-nationales Wochenblatt" erscheinen, das den Titel„Die Wahrheit" führen wird. Die„Staatsb.-Ztg." wird nun von dem Oberleutnant a. D. Hans Frehtag geleitet werden, der schon früher einmal zusammen mit Bruhn Herausgeber des Blattes war. Vom Kampf der Vororte gegen Berlin. Gegen das Ueber- handnehmen sog.„auk�geh-Ätener Dameni" in Grünau hat der dortige Grimdbesitzer-Verein Stellung genommen. Es wurde darüber geklagt, daß die Berliner Lebemänner mit Vorliebe Grünau wählen, um hier im Sommer ihre„Freundinnen" einzumieten. Das dreiste Auftreten dieser Personen sei ein Schandfleck für den Ort und trage Schuld daran, daß die Zahl der anständigen Sommer- gaste von Jahr zu Jahr geringer werde. Es wurde beschlossen, den Amtsvorstand und die Gemeindevertretung des Ortes dringend zu ersuchen, gegen den das Ansehen! und den guten Ruf von Grünau schwer schädigenden Ucbelstand energische Maßnahmen zu ergreifen. Aber wie? Auch sollen die Vermieter aufgefordert werden, bei dem Vergeben möblierter Zimmer vorsichtiger zu sein. Das dicke Ende. Das„Verl. Tgbl." schreibt: Der Klub von 1900 kann nicht leben und nicht sterben. Das neueste ist, daß die noch aktiven und auck die früher ausgeschiedenen Mitglieder ein Rund- schreiben des Direktoriums erhielten, in dem sie aufgefordert wurden zur Begleichung der etwa 50 000 M. betragenden Schulden je 500 Mark beizutragen, wozu sie als persönlich haftende Gesellschafter verpflichtet wären. Diese Zumutung wurde fast einstimmig ab- gelehnt, und so wird wohl der Besitzer der ersten Hypothek, der sich bereit erklärt hat, die gesamten Schulden zu tilgen, das Grundstück unter Ausfall der vom Klub geleisteten Anzahlung von 120 000 M. übernehmen. Dann soll, wie es heißt, der Klub neu gegründet werden. Die Allgemeine Berliner Ouinibnsgcsellschaft will!m_ nächsten Vierteljahr auf der Strecke Ehausseeftraße— Hallesches Tor sechs Automobil-Omnibusse einstellen. Ein„Saisondieb" treibt wieder sein Unwesen. Fetzt ist es Zeit, die Heizungen für den kommenden Winter nachzusehen. Das nutzt ein Dieb aus, der u. a. auch einen Rechtsanwalt bcstahl. Er kam angeblich im Austrage einer Firma, um einmal nachzusehen, ob die Dampfheizung noch m Ordnung sei. Weil das Personal schon nach Hause gegangen war, so gab man ihm da» Dienstmädchen mit. damit er sich in allen Räumen zurechtfinde. Der Schwindler schützte plötzlich Durst vor und ließ sich von dem Mädchen ein Glas Wasser holen. Während es nach der Küche ging, eignere er sich eine Kassette mit barem Gelde und Stempelmarken von 1,50, 5 und 10 M. an und verschwand mit der Beute. Der Dieb ist noch jung. 1,60 Meter groß und dunkelblond. Er hat einen kleinen blonden Schnurrbart und ein längliches schmutzig blasses Gesicht und trug ein braunes Jackett und eine hellgraue Arbeitshose. Strafiensperrung. Die Taubcnstratze, von der Friedrich- bis zur Mauerstraße, und die Französischestratze, von der Mauer- bis zur Kanonierstraße, werden behufS Asphaltierung vom 2. künftigen Monats ab bis auf weiteres für Fuhrwerke gesperrt. Strafiensperrung. Die Schönhauser Allee von der Born- holmcrstratze bis zur Weichbildgrenze wird behufs Umpflasterung vom 2. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt, I» Pankow angefunden hat sich ein unbekannter Knabe, der nicht im geringsten angeben kann, woher er gekommen ist und wohin er gehört. Er ist etwa 2 Jahre alt, kam ohne Kopfbedeckung und trägt einen grauen Tuchanzug, eine blaue Schürze mit rotem Besatz und schwarze Strümpfe. Der blondhaarige kleine Nnbekaimte hat einstweilen bei Geppert in der Wollankstratze ein Unterkommen gefunden. 159 Beitragsmarken a 25 Pf. verloren hat eine Vertrauens- Person des Mctallarbciter-Verbandes am Freitag, den 29. Scp- tember, auf dem Wege von der Gotzkowskystraßc nach dem Bahnhof Beusselstraße. Der Finder wird gebeten, die Marken im Bureau des Mctallarbeiter-Verbandes, Engel-Ufcr 15 I, abzugeben. ZirkuS Busch. Am heutigen Sonntag finden zwei Vorstellungen statt; in beiden werden die Japaner auftreten. Den Schluß der Abendvorstellung bildet die Pantomime„Mexiko". Auf der Treptow-Sternwarte wird Direftor Archenhold am Sonntag, nachmittags 5 Uhr, den mit zahlreichen Licht- bildern ausgestatteten Vortrag über:„Die Forschungsergebnisse der Sonnenfinstcrnis-Expedition der Treptow-Sternwarte" wieder- holen, und um 7 Uhr über:„Das Geheimnis des Weltcnbaucs" sprechen. Das Thema für den Montag-Vortrag, abends 9 Uhr, lautet:„Der Mond und seine Gebirge." Volkstümlicher Bortragsobcnd im Gewerkschoftshansr. Auf dem von Marin HolgerS veranstalteten 9. volkstümlichen Vortragsabend im GewerkschaftshauS, 80., Engel-Ufer 15, fei hiermit nochmals hin- zewicsen. Zum Vortrag gelangen Puschkin. A. Tolstoj, Kolzoiv u. a. Russische Volksweisen singt Betsy Schot. Eintrittskarten zu 30 Pf. heute abend an der Kasse. Polikliuik. Vom 1. Oktober ab ist die Sprechzeit in Dr. G. Leun» hoffs Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenleiden iZiegelftr. 26) auf die Zeit von 1—2 Uhr verlegt. Gerichts-Leitung. Um umfangreiche Einbruchsdiebstähle, bei denen kolossale Werte gestohlen worden sind, handelte es sich bei einer Anklage, deren Verhandlung eine ganze Tagessitzung der 10. Strafkammer des Landgerichts I ausfüllte Zu den Nnklagcfällen gehörte u. a. auch der große Juwelenbieb stahl in der Frankkfurterstraße, dessen Urheber seinerzeit in Köln festgenommen worden sind. Auf der Anklagebank saßen zehn Personen. Ms kühne Einbrecher hatten sich der 2-1jährige Uhrmacher Hugo Schaefer und der Arbeiter Fritz S z o s d a k, als tatkräftige Helfer der Verputzer Peter G r ö s ch e n zu verantworten. Die übrigen standen unter der Anklage der Beihülfe bezw. der Hehlerei. Die Angeklagten wurden von den � Rechtsanwälten Arndt, Dr. M e V e r st e i n und Rich. Gold st'e i n verteidigt. Am Sonntag, 19. Februar, wurden den, Juwelier Otto Kocppen ans seinem Geschäft, Große Frankfurter- straßc 106 Goldwaren im Werte von zirka 35 000 M. gestohlen. Die Täter hatten die in der ersten Etage be- findlichen Räume betreten, die über dem Laden befindliche Decke durckchohrt, und hatten alles, was an Goldwaren im Laden vor- Händen Ivar, zusammengerafft und mit sich genommen. Mehrere am Tatorte zurückgelassene und zur Ausführung des Diebstahls be- nutzte Werkzeuge führten zur Ermittelung der Täter, deren Fest- nähme dem Kriminalkommissar v. Baeckmann sowie dem Wacht- meister Lange und dem Kriminalschutzmann Böhm in Köln schließlich daselbst gelang. Die Kriminalpolizei ermittelte, daß diese Werkzeuge von Hugo Schaefer und dem Schauspieler Aurel Zacharias gekauft worden waren, und daß S z o s t a g den Diebstahl mit ausgeführt haben mußte. Der frühere Schau- spieler Zacharias ist ein der Kriminalpolizei seit langem bekannter Einbrecher, der seinerzeit als unzurechnungsfähig in die Dalldorfer Irrenanstalt gesteckt worden ist, dort aber auszubrechen und zu ent- kommen wußte, bis er aus Anlaß der polizeilicher Maßnahmen in der Koeppenschen Einbruchssache wieder ermittelt und festge- lwmmen werden konnte. Die Diebcsbeute war von den Einbrechern mittelst Droschke in die Wohnung der Schwester des Szostag ge- bracht und dort sortiert. Ein Teil der Goldsachen wurde per Paket an Fritz Szostag nach Köln geschickt, und dorthin begaben sich die Spitzbuben bald nach der Tat. In Köln traten sie mit mehreren der Mitangeklagten in Verbindung, und von diesen hat sich insbesondere Peter Groschen fleißig bemüht, den Einbrechtrn die Vorteile ihres Verbrechens zu sichern. Er nahm sie in seiner Wohnung auf, verpflegte sie, gewährte ihnen Nachtquartier, und als sie von der Polizei in Köln verfolgt wurden, fuhr er mit der Droschke und einem Teil der Beute im Werte von 8000 M. weiter und brachte diese vorläufig in Sicherheit. Als man die Verbrecher von Köln nach Berlin gebracht hatte, ergaben die hier fort- gesetzten Ermittelungen der Kriminalpolizei, daß der jetzt geistes- kranke Zacharias auch an dem aufsehenerregenden Einbruchsdiebstahl beteiligt war, der im August v. I. in Brandenburg a. H. verübt worden ist. Auch hier hatte der Angeklagte Schaefer seine Hand mit im Spiele. Am 25. August 1904 wurde dem Gastwirt Heinrich in Brandenburg a. H., der daselbst eine Schankwirtschaft mit weiblicher Bedienung betreibt, aus einer verschlossenen Kommode mittelst Einbruchs eine Kassette gestohlen, in der sich für etwa 16 300 M. Wertpapiere, zwei Sparkassenbücher über 300 M. und etwas bares Geld befanden. Zacharias, Hugo Schaefer und zwei bisher nicht ermittelte Komplicen, von denen der eine den Beinamen„Spitznase" trägt, haben den Einbruchsdiebstahl bei einem Zigarrenhändler Otto, der sich jetzt wegen Gehirnerweichung in der Irrenanstalt befindet, besprochen und er wurde planmäsiig ausgeführt. Mit dem vom Angeklagten Schaefer erhaltenen Reise- gcld fuhren die drei übrigen nach Brandenburg, Hugo Schaefer blieb auf dem Bahnhof zurück, die drei anderen gingen unverzüglich an» Werk. Während die beiden Begleiter des Zacharias die im Lokal servierende Kellnerin dadurch beschäftigten, daß sie mit ihr eine Flasche Wein tranken, erbrach Zacharias im Nachbarzimmer eine Kommode und eignete sich die Kassette an. Mit dem Raube begab er sich schleunigst nach dem Bahnhofe, wo Schaefer wartete; die beiden Helfershelfer erschienen auch bald und alle vier dampften wieder nach Berlin. Von den Papieren find einige schleunigst ver- äußert worden, etwa 3700 M. blieben schließlich noch in den Händen des Hugo Schaefer, der sich vergeblich bemühte, sie los zu werden, da die Papiere inzwischen gesperrt worden waren. Auch wiederholte sich hier die Geschichte der betrogenen Betrüger: als er bei einem der Mitangeklagten erschien, um bei diesem die Papiere um» zusetzen, kriegte er es plötzlich mit der Angst, daß er verraten sein und festgenommen werden könnte, ließ die Papiere im Stich und suchte das Weite. Sein Komparent war schlauer: er fuhr mit den Papieren nach Brüssel und hat sie dort mit Hülfe von Mittels- Personen verkauft.— Zur Anklage stand ferner ein in der Nacht zum 7. Februar bei dem Ilrmacher Müller in der Fennstratze ausgeführter Einbruchsdicbstahl, bei dem Goldwarcn und Uhren im Gesamtwerte von2 0 0 0 M. gestohlen wurden. Eine der ge- stohlencn Uhren ist bei dem Angeklagten Schaefer vorgefunden worden. Schließlich wurde auch über einen in der Nacht zum 13. Fe- bruar bei dem Kaufmann W o l i tz c r in der Kaiser Wilhelmstr. ver- übten Einbruch verhandelt, bei ivclchem Seidenstoffe und Herren- und Dameniuche im Werte von 2 0 0 0 M. gestohlen worden sind. Ein Teil der Stoffe ist bei der Frau Lina Schaefer. der Mutter des Angeklagten S., vorgefunden. Sie will sie von einem nicht er- mitlelten Mann für 300 M. gekauft haben.— Auf Grund der sehr eingehenden Belueisaufnahme verurteilte der Gerichtshof den Angellaaten Hugo Schaefer, der nur ganz unbedeutend vor- bestraft'ist, zu 3 Jahren Zuchthaus. Szostak und G r ö s ch e n zu je 2 Jahren Z u ch t h a u s. Die übrigen An- geUagtcn kamen mit kleinen Gefängnisstrafen davon, zwei wurden ganz freigesprochen. Eine grausige Bluttat, so berichtet man uns unterm 28. September aus Halle, beschäftigte heute das Schwurgericht. Angeklagt war der göjährige Mechaniker Karl Martin, der beschuldigt wurde, am 16. August d. I. die jugendliche Kaufmannsftau Else Gull, weil diese sich ihm zu intimem Verkehr nicht gefügig zeigte, nnt einem Beil in seiner Wohnung erschlagen zu haben. Ein H,eb war m,t solcher Kraft geführt worden, daß das Beil bis zu der Oeffmmg, in der der Stiel befestigt ist, eindrang und der Stiel abbrach. Eine unglückliche Ehe Martins und der Alkohol waren m,t die Motive zur Tat gewesen. Die Anklage lautete auf Mord. Die Geschworenen verneinten aber die llebcrlegung, infolgedessen Martin zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt wurde. I» dem grossen Matcrialdiebstahlsprozess gegen den Bahnmeister Belke lind Genossen in Schlieidemühl wurde am Freitag das Urteil gesprochen. Belke erhielt 5 Jahre 2 Monate Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust. Frau Belke, Viktor Friedeberg und Materialienverwalter Geburczyk wurden sämtlich freigesprochen. Außerdem wurde Belke die Befähigung zur Bekleidung öffentlicher Aemter aberkannt. Der Prozeß hat trotz Belkes Geständnis 14 Tage gedauert. Das Schwurgericht Hannover verurteilte gestern nachmittag nach sechstägiger Verhandlung den früheren Postschaffner Paul Büther wegen Mordes, begangen an dem Schulmädchen Erna Schaare, zum Tode und dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, ferner wegen Totschlags, begangen an der sechsjährigen Else Kassel, sowie wegen Sittlichkeitsverbrechens, begangen an der Enia Schaare. zu einer besonderen Zuchthausstrafe von fünf Jahren und zehn Jahren Ehrverlust. Der wegen Mordes Mitangeklagte Schuhmacher Paul wurde der Begünstigung in zwei Fällen schuldig gesprochen und lmter Anrechnung anderer gegen ihn bereits erkannten Strafen zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten Gesangms verurteilt._ Vermischtes. Hereiugefallcue Byzantiner. Folgendes heitere Vorkommnis hat sich, wie gutgesinnte Blätter aus Thüringen berichten, in einem Städtchen an der Bahnlinie zwischen Pößneck und Gera dieser Tage zugetragen. Der Erbprinz von Reuß hatte seine Abreise von der betreffenden Station dem Stationsvorstand angezeigt. Alles wird hübsch zum Empfang deS hohen Herren vorbereitet, der Vorsteher und die Assistenten haben sich in Gala geworfen, der Zug ist schon eingetroffen und noch immer harrt man auf das Eintreffen Seiner Durchlaucht. Endlich, es ist schon die höchste Zeit, kommt ein Einspänner, gelenkt von einem braven Bäuerlein in Sicht, auf welchem sich noch ein Fahrgast befindet.„Das ist der Erbprinz, ich habe ihn schon einmal gesehen." meint ein Beamter. Plan wundert sich zwar ein wenig über das primitive Fuhrwerk, in welchem der hohe Herr ankommt,— doch kann man sich mit solchen nebensächlichen Dingen nicht weiter aufhalten, die Zeit drängt. Durchlaucht begibt sich an den Fahrkartenschalter und löst sich em Billett zweiter Klasse. Von den ihn umringenden Beamten höflich und respektvoll zum Zuge geleitet, will er bescheiden in ein Coups zweiter Klasse emsteigen, doch die Beamten komplimentieren ihn zu dem Salonwagen, helfen ihm einsteigen— ein Pfiff und ab geht der Zug unter strammem, militärischen Salutieren der Bahn- beamten. Da über die Identität des eben Expedierten doch einige leise Zweifel aufsteigen, fragt man das Bäuerlein, das den hohen Gast gebracht hatte, ob es auch wirklich der Erbprinz von Reuß gewesen ist.„J wo," sagte dieser,.das war ju d r Oberkellner von U.!"(nennt einen beliebten Gasthof für Sommerfrischler).— Tablcau! Ein Eisenbahnunglück hat sich Sonnabend bei N h k ö b i n g (Insel Falster) ereignet. Der vormittags lO1/« Uhr von dort ab- gegangene Personenzug stieß bei Eskildstrup mit einem Güterzug zulammen. Zwei Personen wurden getötet, mehrere erlitten Ver- letzungen..,. Ans der Industriebahn der Siebenbürger Holzindustrie-Gesell- schaft streß, wie aus Kc-dzi Vasarhely gemeldet wird, eine Lokomotive mit einem Personen befördernden Wagen zusammen. Von den 12 Insassen wurde eine Frau getötet, 5 Personen wurden schwer verletzt. Die Cholera in Rußland. In den Weichselprovinzen sind in der Zett vom 21. bis 27. September d. I. 47 Cholerafälle amtlich fest« gestellt worden, davon 25 mit tötlichsm Ausgang. Im ganzen sind bisher 50 Fälle, davon 23 mit tötlichem«nsgange, festgestellt. AuS Kopenhagen wird über ein Brandunglück gemeldet: In der letzten Nacht brannte der Krug in Höjslcv bei Skive nieder. Der Krugbesitzer, seine zwei Kinder und ein Mädchen verbrannten. Die Frau des Besitzers rettete sich durch einen Sprung auL dem Fenster. In einem Luzerncr Gasthofe wollte ein junger Mann seine Ge« liebte ditr» einen Revolverschuß töten und verletzte sie lebensgefährlich. Hierauf versuchte er sich selbst zu erschieße» und erhängte sich schließlich an einem Türpfosten. Nach den hditerlassenen Papieren handelt es sich um den Sohn eines Berliner Fabrikanten und die Gattin eines Fabrikanten aus Posen. Ein starkes Erdbeben ereignete sich gestern vormittag 10 Uhr 19 Min. in Mazzara del Vallo(Sizilien), welches unter der Be- völkcrung großen Schrecken verursachte, aber keinen Schaden an- richtete. Kapstadt, 30. September. In dem Zyklon am Donnerstag sind sieben Personen getötet und viele verletzt worden. Mehr al» hundert Hänser sind zerstört worden. Hunderte sind obdachlos. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direllion. Rindfleisch In 63-70 pr. 100 Pfund, IIa 56—62, lila 50-56, IVa 40-48. Kalbfleisch la 84-90, Na 72-84, lila 60—70. Hammelfleisch la 68-76, IIa 56-35. Schweineflciich 63—71. Kaninchen Stück 50-90 Pf. Rotwild Psnnd 23-42 Ps. Rcbliühner. junge la 0.90 dt? 1,10, junge Na 0,60-0,88, junge kleine 0,00—0,00. alte la 0,70—0.80, alte IIa 0,30-0,68. Hühner, alte 1,20-2,00, junge 0,50-1,20 das Stück. Tauben, junge 0,40—0,50. alle 0,00—0,00. Enten, junge 1,50—2,50. Gänse junge la, 3,50—4,20, IIa 2,50-3,00 per«Stück, la 0,53-0,62, IIa 0,40—0,52 per Psnnd. Hechte 94—119 M., Schleie 102-111 M.. Aale, groß—, mittel 86—87, Karpfen 76—77, Lachs 132—140, Schellsischc——. Flunder—. Plötzen 57 M pro 100 Psund. schottische Vollheringe(gcsaljen) 40—44 M Krebse, kleine, Schock ,030, unsortiert 3,50— 3,60. 81er, Schock 3,50—4,00. Butter pro 100 Psnnd la 120—124, lila 115—120, III» 110—115, abfallende 100— 108. Kartosseln pr. 100 Pjd. rote 1,60—2,00, Roicii 1,50—1,75, blaue 0,00—0,00, runde weihe 1,50—1,75. Wirsingkohl pr. Schock 3.00- 7,00, Weigkohl 2,00- 5,00, Roilohl 4,00-6,00, Saure Gurken, neue Schock 2,—. Die Insertionsgebillir beträgt für die sechsgespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 20 Pfennig. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends geöffnet. VORORT.ANZEIQEN Alt-Glienlcke: Rcinhold Schulz, Rudowerstr. 72. Britz: Hermann Schliebitz, Jahnstr. 2. Charloltenburg: Lust. Scharnberfi;, Lesenheim er- Strasse 1 F.cke Goethcstr. vorn 1. Dtsch.-Wilmersdorf: W. Nickel, Brandenburgischestr. 110 III. r. Lichtenberg» Friedrichsfelde-WilhGlmsbcrg« Boxhagcn Rummelsburg» Stralau: Otto Seikel, 0.112, Kronprinzenstrasse 501. Grünau: H. Bluhmc, Viktoriastr. 2. Rixdorf: M. Heinrich, Prinz Handjerystr. 7, im Laden; Conrad, Hermannstr. 50. Schoneberg: Willi. Bäumler, Martin Lutherstr. 51. Ober-Schoncweide: Otto Münzcr, Dculstr. 4 II. Annoncen-Annahmestellen: Nieder'SchSnesvcldet Bonakowsky, Hassef- wer derstr. I d. Johannistal: AIvfn Gammisch, Bismarckstr. 7. Adlerstiot: Paul Schmidt, Bismarckstr. 321. K3nlg;g.Wasterbaijsen: P. Körle, Berlinerstr. 19, Köpenick: Friedrich Woick, Grünste. 29. Friedenau. Steglitz: II. Bernsee, Schlossstr. 115, Gartenhaus I, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mahr, Düppelstr. 32, und Fr. Schellbase, Ahornstr. 15a. Marlendorf: Hermann Relchardt, Chausseestr 16. Baumschulensveg: Stock, Ernstste. 2 II. Treptow: R. Voigt, Elsenstr. 37, vom III. Meu.Weissensee: W. Reske, Sedanstr. 53, part. Welssensee: Jul. Schiller, König-Lhaussee 39a. Reinickendorf(Ost), Wilhelmsruh und Schön- holz: Paul Gursch, Provinzstr. 108 im Laden. Reinickendorf(West): Neuhoff, Eichbornstr. 54. Rummefsburg: 0 John, Karlshorsterstr. 2, Tegel, Borslsrwalde, Dalldorf und Waidmanns- lugt: Pau! Kienasl, Borsigwalde, Schubartstr. 43. Pankow: 0. Freiwaldt, Florastr. 66. Elchwaltfe. Zeuthen, Miersdorl und Hankels= Ablage: A. Grätz, Eichwalde. Kronprinzenstr.8211. Nowawes: Wilhelm Jappe, Fricdrichstr. 1, Spandau; Köppen, Jagowstr. 9, Inserateü-Mräge grösseren Umfangs nach besonderer Vereinbarung durch die Haupt-Expedition Lindenstrasse 69. größtes geschält am 6rte. WarewliailQ«lOSGtlH% y, krößtes geschält am Orte. Berlinerstraße 55 RIXDORF Ecke Jägerstraße Extra- Angebol; für eien Umzug.-Wg Gardinen. Engl. Tiiil-Gardinen renster 2 schais 3, 50 2, 35 l,75 l,'° Engl. Tßll-Gartiinen Fenster 2 schais 4, 50 6 7, 50 16, 50 extra breit und lang, elegante Dessins. Engl. Tüll-Gardinen Mtr. l,50 l,10 75 60 45 23 m Engl. Tüll- u. Erbstüll-Stores 9 6, 50 4, 25 2)75 l,90 Kongreß-Stoffe glatt und gemustert 1,— 75 60 45 Pf- Engl. Tüll-Bettdecken �Kn II,50 8, 30 5, 75 3, 50 2, 25 Köper-Spachtel-Vortiänge ascMs 5, 20 3, 75 2, 75 2,- W?" Gardinen-Reste"WZ weit unter Preis. B passend für 1—2 Fenster RouBeaux- Stoffe � WeVtr«seednaeUSÖld' �r. I,65 I,'° 75 60 45 Pf- Portieren. 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