Ur. 23h Hbonnements-Bfdingungcn: BbonnementS- Preis prinumerando: Pierleljährl. 3,30 Sit., monatl. 1,10 Sit., wöchentlich 28 Psg. frei WS Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. Hummer mit illustrierter Sonntags. Beilage»Die Neue Welt' 10 Psg. Post. Abonnement: 1,10 Start pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn i Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat, ««»>1»«ig»» iUBtt Ol«!«», Vevltnev Volksblakk. 22* Jahrg. vi« TnlertlonS'Gebaijr getrügt für die sechsgespaltene Nolonel. »eile oder deren Raum 40 Psg., sllr politische und gewer tschaslltche Bcrein». und BcrsanlinIungS.Auzeigen 2S Psg. „Ateine Snrelgen", das erste ssett. gedrultte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über IS Buchstaben zühlen für zwei Worte. Inserate sür dt« nüchslc Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr bormitlags geössnet. Telegramm. Adre»«: „SsilalKoitkrat»«tili". Zcntralorgan der rozialdcmokratifchcn parte» Deutfcblands. Redaktion: 8CQ. 68, Lindenstrasa« 69. Z?er»sprec»>er: Am« IT, Nr. 1988. Dienstag, den B. Oktober 1905. Expedition: SM. 68, Lindcnstraeee 69. Fernsprecher: Jlmt IV, Nr. 1984. Oer Kampf In der 61cfttro-Xndurtrle Wir, Könige von Mammons Gnaden! So wurde denn am Sonntag zum so und so dielten Male in diesem Kampfe verhandelt, verhandelt, obgleich die Herren Elektro- Industriellen, die den einfachen Arbeitern unter dem Beistande von zivei Juristen entgegentraten, von vornherein durch einen von ihnen bezahlten Wortführer erklären lieben, daß sie die Zu- sammenkunst nur als eine Besprechung ansähen. Zu einer privaten Unterhaltung waren natürlich die Vertreter der Arbeiter nicht erschienen und wenn auch die ganze Unterhandlung wieder auslief, wie das bekannte Hornberger Schießen, nahinen die Organisationsvertreter nach Kräften die Interessen der Arbeiter wahr. Es sei ausdrücklich festgestellt gegenüber dem offiziösen Wasch- zettel des Unternehmertums, der von einer Besprechung zwischen den Vertretern der Werke und den Delegierten der Ar- beiterausschüsse spricht, daß die Vertreter der O r g a n i- sationen, so unangenehm den Herren die Sache war, keineswegs als Zuschauer erschienen waren, sondern recht kräftig in die Vcr- Handlungen eingriffen. Die Verhandlungen zogen sich am Sonntag 4% bis 5 Stunden hin, ohne zu einem Ergebnis zu führen. Daß sie ein solches überhaupt nicht haben würden, war schon an diesem Tage so klar, daß die Maschinisten und Heizer in ihrer Abendversammlung ohne Rücksicht auf den weiteren Verlauf der.Besprechung" den Soli- daritätsstreik beschließen konnten. Am Montag morgen erschien der unparteiische Vorsitzende Herr v. Schulz, um einen Vermittelungsvorschlag zu machen. Die Herren Direktoren lehnt en dies jedoch ab und erklärten, nur einen Vermittelungsvorschlag der Streikenden entgegen- nehmen zu wollen. Die Vertreter der Arbeiter waren dazu bereit, verlangten aber eine prinzipielle Entscheidung darüber, daß die Herren auch geneigt seien, ihrerseits Zugeständnisse zu machen. TaS lehnten die Herren Direktoren rund heraus ab und gaben folgende Erklärung ab: .Die Vertreter unserer Arbciterausschüsie haben in der gestrigen Sitzung auf die in derselben vorgebrachte Begründung ihrer Forderungen eine Antwort gewünscht. Die gestrigen Ausführungen haben uns keine neuen Gesichts- punkte gebracht, auf Grund deren wir unsere Auffassung der Sachlage ändern können. Wir erklären daher, daß wir über die vor Ausbruch des Streikes eingeräumten Zugeständnisse bezüglich Höhe der Lohn- sätze nicht hinausgehen." Arbeiter und Unternehmer standen sich bei den Verhandlungen gegenüber, daß Cohen erklärte, es scheine ihm, als wenn man zwei Sprachen rede. Aber selbst die Vertreter des Unternehmer- tums waren sich nur einig in dem. was sie abzulehnen hatten, nicht in der Begründung ihrer Ansichten. So wies Herr Direktor Dr. Franke die Forderungen der Schraubendreher damit zurück, daß die Gesellschaft dann den gelernten Arbeitern noch höhere Löhne bewilligen müßte, Herr Direktor P e i e r l s aber verwies die streikenden Lagerarbeiter mit ihren 17, 18 und 19 M. pro Woche einfach— auf die Mitarbeit ihrer Frauen! Während so noch die Verhandlungen schwebten, tobte draußen der wirtschaftliche Kampf ungcschwächt weiter, ja, er gewann an Ausdehnung. Ohne Rücksicht auf die Verhandlungen hatte das Unternehmertum am Sonnabend noch weitere 20 000 Personen aufs Pflaster geworfen und provozierte so den Beschluß der Maschinisten und Heizer vom Sonntag, nun auch ihrerseits in den Kampf ein- zutreten. Soweit sich übersehen läßt, wurde diesem Beschluß in großem Umfange entsprochen. In der Untcrkontrolle in der Zossencrstraße trat allerdings nur ein Teil der Arbeiter aus. Das Kraftwerk Brunnenstraße dagegen lag bald vollständig still. In der Zentrale in der Mauerstraße war in der Nacht Herr Direktor Dettcrer in höchsteigener Person anwesend, der spähend die Straße nach Streikbrechern entlang blickte, bis um 0% Uhr ein Schutzmann mit 15 Mann der gesuchten nützlichen Elemente erschien. Um 6 Uhr morgens kamen ihrer noch >< oder 7. Im Glühlampenwerk Schlegelstraße warfen alle Maschinisten und Heizer die Arbeit hin. Die Zentrale Oberspree war die Nacht hindurch von einem starken Polizeiaufgebot bewacht, das freilich die Arbeit nicht fördern konnte. Beim Schichtwechsel um 6 Uhr morgens trat nicht ein Mann an! Man sperrte nun die Zentrale vom Kabelwerk durch einen Zaun, und etwa 16 Techniker, Kauflcute und andere Personen begannen ihre Tätigkeit als Streikbrecher. Die Kaufleute, Techniker und Ingenieure spielen bei diesem Kampf zwischen Kapital und Arbeit eine geradezu jammervolle Rolle. Nach ihrer Bezahlungsweise, ihrem Dienstverhältnis usw. sind sie vielleicht schlimmer daran, als das eigentliche FabrikS- Proletariat der großen Elektrizitätsfirmen. Zum modernen Proletarier fehlt ihnen nur das Klassenbewußtsein, das Klassen- bcwutztsein, das den modernen Arbeiter über sie erhebt. Diese Herren, denen die Spuren ehrlicher Arbeit auf Hand und Kleidern herabwürdigend dünken, schämen sich doch nicht, sich an dem Schmutz der Streikarbeit zu besudeln! Oder aber gar: sie sind zu feige, diese zu verweigern! . TaS Kapital bleibt sich in seinen Maximen nämlich auch diesen „besseren" Angestellten gegenüber getreu. Wer von den kauf- mäuuischen oder technischen Angestellten sich weigert, die Arbeit zu verrichten, welche ehrliche Arbeiter aus Solidarität mit ihren aufs Pflaster geworfenen Kameraden liegen ließen� der wird sofort b e- urlaubt und bekommt die Kündigung ins HauS gesandt! Und um— selbst Sklave!— die elend bezahlte Be- aufsichtigung anderer Sklaven nicht entzogen zu bekommen, darum scheut man den Schmutz der Streikarbeit nicht, der doch auch moralische Flecke zurückläßt. Dazu holt man dann noch junge, un- erfahrene Leute direkt von der Schulbank: aus dem Technikum Mittweida wird ein Trupp solcher Leute als Streikbrecher erwartet. Natürlich sucht man auch unter den Arbeitern nach Streik- blechern. Gestern morgen gegen 11 Uhr erschien an den Anschlag- säulen folgende Bekanntmachung: „Infolge des Streiks bei den Großen Elektrizitätsgesellschaften werden Heizer und Maschinisten unserer Kraftstationen gehindert, ihre Arbeit zu verrichten. Um die an der Lohnbewegung unbeteiligte Einwohnerschaft gegen Schädigungen, die aus der geplanten Unterbrechung der Stromlieferung entstehen könnten, zu schützen, sind Vorkehrungen getroffen. Insbesondere haben Ingenieure, Meister und andere Angestellte der Elektrizitätsfirmen sich bereitwillig zur Verfügung gestellt. Wir beabsichtigen jedoch, um die Fortführung des Betriebes in vollem Umfang dauernd zu sichern, weitere geeignete Kräfte als Maschinisten und Heizer unter günstigen Lohnbedingungen einzustellen. Meldungen werden entgegengenommen im Bctriebsburcau Louisenstraße 35. Berliner Elektrizitäts-Werke. Ob die Bekanntmachung Erfolg haben wird, muß man ab- warten. Zweifellos ist die Arbeit, für die da ungeübte Leute ein- gestellt werden sollen, keine leichte und einfache. Man kann den Arbeitern, die sich etwa verleiten lassen sollten, an ihre Ausübung auch nur zu denken, nur zurufen: Achtung, Starkstrom! — Die nächste Zeit wird ja lehren, welche ungeheuerliche Verant- Wartung die Gesellschaft durch die Verwendung unausgebildeter Leute in diesem so gefährlichen Betriebe auf sich geladen hat. Uebrigens hat die Gesellschaft sich noch zu einer Publikation entschlossen. Sie versandte nachmittags an ihre Abnehmer folgendes Zirkular: Berlin NW., Louisenstraße 35, Datum des Poststempels. P. P. Wie Ihnen aus den Tagcsblättern bekannt sein dürfte, wird versucht, die Arbeiter unserer Werke in den Ausstand zu ziehen. Obwohl wir hoffen, daß diese Bemühungen erfolgreich nicht sein werden, so haben wir doch mit Unterstützung der Staatsbehörden Vorkehrungen getroffen, um Unter- brechungen der Stromerzeugung hintanzuhalten. Wir bitten jedoch unsere verehrten Abnehmer, vielleicht vereinzelt auftretende Störungen unter den obwaltenden Verhältnissen nachsichtig be- urteilen zu wollen, da wir binnen wenigen Tagen die Strom- lieferung mit der Pünktlichkeit wieder aufzunehmen im Stande sein werden, durch die unser Unternehmen sich in Lljährigcr Arbeit seinen Weltruf erworben hat. Hochachtungsvoll Berliner Elektrizitäts-Werke. Dieser Hinweis auf die„Unterstützung der Staatsbehörden" spricht Bände. Die.Herren haben Recht: Wie in allen Fällen, wo cS sich um den Kampf der Arbeiter gegen die Kapitalistenklasse handelt, hat auch diesmal wieder prompt der Staat die Partei des Unternehmertums ergriffen. Daß 60 000 Arbeiter von dem protzigen Unternehmertum auf das Straßenpflaster geworfen werden, daß über Hunderttausende von Proletariern Not und Elend ver- hängt wird, das vermag der Staat ruhig und ohne mit den Wimpern zu zucken mit anzusehen. Aber daß auch für die Unternehmer die Sache unangenehm wird, daß auch bürgerlichen Elementen Un- bequemlichkeiten aus dem Kampfe erwachsen, das darf der Staat nicht dulden! So hat er denn als getreuer Hüter der öffentlichen Wohlfahrt und der Ordnung ihm unterstellte Beamte bereits dem Unternehmertum als unfreiwillige Arbeitswillige zur Verfügung gestellt. Gestern früh wurden von jeder Kompagnie der Feuerwehr zehn Mann abkommandiert, also 5 0 Mann im ganzen, die als Heizer und Kohlenschippcr in den verschiedenen Kraftstationen Unterstützung leisten müssen. Als Ersatz für diese Mannschaften mußten dienstfreie Feuermänner Dienst tun, und zwar gegen sechs Mark für den Tag. Die Mannschaften sind recht unwillig darüber, daß sie als Streikbrecher verwandt werden. Nachts um 1 Uhr wurden die Feuermänner aus den Betten geholt; darüber waren sie so empört, daß einzelne die Feuerkappen weggeschleudert und geäußert haben— wir möchten unter diesen Umständen nicht bei der Feuerwehr bleiben. Einige schützten vor, daß sie kranke Frauen zu Hause hätten und wurden daraufhin von dem Abrücken in die Kraft- zentralen entbunden. Die anderen wollten anfangs auch nicht, mußten aber schließlich, da es Befehl war. Auch die Polizei griff tatkräftig ein. In der Zentrale in der Markgrafenstraße luden die Schutzleute höchst eigenhändig Betten ab. In der Boltastratze, wo um 7 Ubr 100 Betten abgeladen wurden. war die Polizei nur„passiv" tätig; sie sah nämlich nicht, daß der betreffende Möbelwagen keine Firma hatte, ein sonst schwer zu ahndendes Vergehen. Die Mauerstraße wurde völlig gesperrt und auch den Angestellten einer Reihe von Fabriken daselbst der Durchgang nicht gestattet, Dazu kommen noch die Scharfmacher anderer Gruppen der Metallindustrie. Der„Bund der Arbeitgeber-Verbände Berlins" sowie die„Vereinigung der Berliner Metallwarcn-Fabrikanten" versenden an ihre Mitglieder folgendes Rundschreiben: „Die Arbeiter der Allgemeinen Elcktrizitätsgescllschast sowie der Aktien-Gesellschaft Siemens u..Halste und die Siemens- Schuckertwerke befinden sich im Streik. Wir ersuchen niemanden. der zuletzt bei diesen Werken in Arbeit gestanden hat, einzustellen und ganz besonders die Meister darauf hinzuweisen." So stehen die Arbeiter der Berliner ElektrizitätS- Industrie nicht mehr gegen die Elcktromagnaten allein, sondern gegen e l n e Welt von Feinden! Mit Spannung sieht das Proletariat nicht nur Berlins und Deutschlands, sieht das Proletariat der ganzen Welt auf diesen Kampf.— Schon hat er Wunder der Solidarität gezeitigt.— Mag die Solidarität die Wackeren zum Siege führen. Die Solidaritätserklärung der Maschinisten und Heizer. Am Soimtagabend fand die beschließende Versammlung der Maschinisten und Heizer aus den elektrischen Kraftzentralen bei Voigt in der Ritterstraße statt. Es waren etwa 700 Mann erschienen, von denen zirka 180 in den Kraftzenttalen als Tagschichtarbeiter be- schäftigt waren. Die Nachtschicht war naturgemäß nicht vertreten. Von den übrigen Versammlungsteilnehmern waren die meisten in anderen Fabrikbetrieben tätig; sie kamen also bei der Abstinunung nicht in Betracht. Ihre Teilnahme an der Versammlung erklärte sich aus der allgemeinen Erregung über die brutal verhängte Riesen- ausspcrrnng und aus der Spannung. mit der sie als OrganisationSmitglieder der Beschlußfassung ihrer Berufs« kollcgen aus den Kraftzenttalen entgegensahen. Von dem Zentral- Streikkomitee waren Siering, Schumann und Pawlowitsch anwesend. Sie richteten begeistemde Ansprachen an die Anwesenden und führten ihnen die Notwendigkeit der Be- teiligung am Stteik unter Hinweis auf die 30 000 Ausgesperrten und deren Familien treffend vor Augen. Es sei sehr tvahrscheinlich, bemerkte Schumann, daß die Verhandlungen vom Sonntag nur deshalb auf Anregung der Unternehmer zum Montag vertagt worden seien, tveil die Herren abivarten wollten, ob die Arbeiter auch über» Haupt in der Lage seien, ihrerseits die äußersten Konsequenzen der Gegenmaßregeln gegen die Aussperrung zu ziehen. ES scheine nur zu sehr, als glaubten die Unternehmer, die Maschinisten und Heizer der Kraftzentralen würden der Arbeiterschaft ihre tatkräfttge Hülfe versagen. Deshalb auch schon das Jubilieren der Unter- nehmer in der bürgerlichen Presse. Sie vertrauen auf die alten, langjährig in den Werken bcschäfttgten, sogenannten „treuen" Arbeiter, von denen sie annehmen, daß sie ans Besorgnis, ihre„sichere Brotstelle" nebst den baldigen Ansprüchen an die PensionSkasse usw. zu verlieren, sich an dem Streik nicht beteiligen würden. Jetzt müsse eS sich deshalb entscheiden, ob die Maschinisten und Heizer das Berttauen, das die gesamte Berliner Arbeiterschakt in diesem schwerwiegenden Moment in sie setzt, auch zu rechtfertigen verständen. Paivlowitsch verivie» ebenfalls auf die gering« fügigen Ursachen dieser BewaltauSsperrung. Trefflich illustrierte er dann zahlenmäßig den kolossalen Unterschied zwischen den Riesen» cinkommen der Direktoren, Aufsichtsräte usw. dieser beiden Gesell- schaffen und den Hungerlöhnen der dortigen Arbeiter. Werden doch heute noch bei beiden Firmen an die Hülfsarbeiter Stundenlöhne von 27>r„ Pfennig gezahlt. Es sei also lediglich der Machtkitzel des Uilternehmertumö und der nackte Herrenstandpunkt, der in dieser AuSspcrning zum Ausdruck kommt. Angesichts dessen aber hätten sämtliche Arbeiter die Pflicht, sich gegen den gemeinsamen Feind zusammenzuscharen. Auf die Maschinisten und Heizer richte sich jetzt der Blick der 30000 Ausgesperrten. Wohl sei eS möglich, daß wenn diese Gruppe in den Solidaritätsstreik trete, Söhne von Maschinisten und Heizern, die gegenwärtig bei der Eisenbahnbrigade dienen, von den Militärbehörden kommandiert würden, dieselben Maschinen zu bedienen, die ihre Väter verlassen hätten. Man könne sich also darauf gefaßt machen, daß die Söhne auf Kommando ArbeitSwilligendienste verrichten und somit ihren eigenen Vätern al« Stteikbrecher in den Rücken fallen müßten. Doch selbst diese Möglichkeit dürfe keinen ehrliebenden Arbeiter abhalten, hier zugunsten der Ausgesperrten die Arbeit niederzulegen. Wenn die Unternehmer erst sähen, daß in den Zentralen kein Schlot raucht und keine Maschine sich beivegt, dann würden sie es sich in Zukunft wohl nicht wieder einfallen lassen, ein so frivoles Spiel mit Zehn» taufenden von Arbeitern zu tteiben. Gewaltigen Eindruck machte es dann auf die Versammlung, als der alte Genosse Kirsch nick, der Agitationslciter des Verbandes der Maschinisten und Heizer. darauf hinwies, daß jetzt der Verband in diesem Riesenkampfe ge» wijsermaßen seine Feuertaufe erhalten solle. Er schloß seine An- spräche mit den Worten: Kollegen, unsere Arbeiterehre gebietet es uns, den Ausgesperrten jetzt energisch zu Hülfe zu kommen. Wir würden Schimpf und Schande auf uns laden, wollten wir jetzt nicht unsere Schuldigkeit tun. Wenn je, dann muß hier das Wort zur Wahrheit werden: Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm eS will!(Lebhafter Beifall.) Die vorgenommene Auszählung ergab sodann, daß von sämt- lichen 13 Zentralen und Untcrstationen Vertreter anwesend waren. Von diesen stimmten 174 für und 5 gegen die Arbeitsniederlegung. DamitwarderStreikbeschlossen. Die Polizei im D i e n st e des KapitaliSinus. Kaum war das Resultat verkündet, so erhob sich der Lber wache»de Polizeileutnant mit seinem Hülfs- Beamten und verließ merkwürdig eilig das Lokal. Welche Bedeutung die Polizeibehörde dieser Versammlung überhaupt beimaß, bewie-Z die große Zahl von Schutzleuken, die unter Führung von mehreren Polizeileutnants vor dem Versammlungslokal in der Ritterstraße auf und ab patrouillierten oder in den Nischen der Haus- türen einer ganzen Häuserreihe Posto gefaßt hatten. Kurz nach der Verkündung des Abstimmungsresultats aber waren sie plötzlich ver- schwunden. Es ist kaum zu bezweifeln, daß die Polizei sich hier direkt in den Dienst des Unternehmertums gestellt hat und die Verwaltungen der Krafrzentralen eilfertig von dem Verlauf der Ver- sammlung unterrichtete. Bald nach Schluß der Versammlung entfaltete sich denn auch an den Zentralen ein emsiges Leben und Treiben. Streikposten zogen auf, um die Nachtschichtarbeiter bei der Ablösung sofort von dem Streikbeschluß zu unterrichten. Sic fanden aber bereits vor allen Ein- und Ausgängen Schiitzmanus-Doppclpostcn stehen. Vor den Zentralen der Mauer- und Markgrafenstraße sahen sie, wie Schutz- leute komplette Betten von Wagen abluden und dieselben in das Innere beförderten. Nicht lauge, so nahten sich Trupps von Menschen zu etwa 9, 13 oder 1ö Mann unter Führung von Polizei- Mannschaften.„Kollegen, hier wird gestreikt I" riefen ihnen die Streikposten zu. Doch still und stumm gingen die Trupps weiter und verschwanden geheimnisvoll in den Zentralen. Es waren dies angeworbene Arbeitswillige, die schon seit Tagen irgendwo auf- gegabelt und in sicherem Gewahrsam in Reserve gehalten worden waren, um bei Ausbruch des Streiks sofort ihren Judasdienst an- treten zu können. Als um 6 Uhr morgens die Nachtschichtarbeiter ihre Arbeits- stellen verließen, nahm der größte Teil von ihnen die Proklamation des Streiks in freudiger Erregung entgegen. Ein Teil jedoch ging mit abgclvandtem Gesicht eilig seines Weges. Vielleicht gelingt es noch, diese Leute ebenfalls zu überzeugen, daß sie vom Standpunkte der Arbeiterehre ans verwerflich handeln, wenn sie dem Unter- nehmertuin jetzt Handlangerdienste leisten. Der hohe Kragen rettet das Kapital. Nicht lange dauerte es, so kamen die eigentlichen Hülfstruppen des Unternehmertums. Ingenieure, Meister, Elektrotechniker, sie alle stehen ja im Sold ihrer Unternehmer, auch haben sie wegen der Aus- spcrrnngjaZeitgenug, um in den Zentralen als Streikbrecher tätig zu sein. Es fragt sich nur, ob ihnen die eigentliche Schmutzarbeit, wie das Schmieren der Maschinen, das Kohlenfördern oder das Versorgen der Feuerung besonders behagen wird. Schon gestern vormittag hat ein Teil der Elektrotechniker, denen solche Arbeiten zugemutet wurden, die Arbeit wieder eingestellt. Auch der größte Teil der Elcktromonteure weigerte sich, Arbeitswilligendienste zu verrichten. DieZahl der streikendenHeizerundMaschinisten. Bis gestern mittag befanden sich 270 Heizer und Maschinisten der Kraftzentralen und Unter- stationen im Streik. Die Zahl dürfte sich bis heute früh aber noch vergrößern. Nicht mit eingerechnet sind hier die entsprechenden Hiilfsarbeiter. Die Wirkung dieser Arbeitsniederlegung zeigte sich gestern morgen bereits in einer erheblichen Becinträchli- gung des Straßenbahnverkehrs. Von 6 bis T'/* Uhr morgens mußte die elektrische Straßenbahn den Verkehr wegen Mangel an Strom einstellen. Erst nach dieser Zeit konnte der Verkehr in beschränktem Maße wieder aufgenommen werden. Es liefen den ganzen Tag nur etiva die Hälfte der sonst verwendeten Wagen. Tausende von Per- sonen mußten deshalb in den ersten Morgenstunden auf rechtzeitige Beförderung verzichten. »« Neue Solidaritätsbeweise. Nachdem die Elektromagnaten am Sonnabend in rücksichtsloser Brutalität neue Zehntauscnde von Arbeitern auf die Straße ge- warfen und die meisten ihrer Werke geschlossen haben, sind sich auch die Arbeiter und Arbeiterinnen der Glühlampenwerke beider Firmen der Solidaritätspflicht bewußt geworden. Auf diese Werke hatten die Unternehmer die Aussperrung nicht mit ausgedehnt, weil dort außerordentlich viel Arbeit zu bewältigen ist und die Aufträge drängen. Gestern abend waren nun die Arbeiter und besonders die Arbeiterinnen dieser Werke in zwei stark besuchten Versamm- lungen zusammengekommen, um ihrerseits Stellung zu der Aus- sperrung zu nehmen; und zwar vom Werke der Schlegel- und Huttenstraße der A. E.-G. in den„Germaniasälen" und vom Werke Helmholtzstraße der Siemens u. Halste A.-G. im Moabiter Gesell- schaftshaus. Referenten waren P a w l o w i t s ch vom Metall- arbeiter-Verband und Bruns vom Fabrikarbeiter-Verband. Beide Redner legten die Ursachen und die bisherige Ausdehnung der Aus- sperrung sowie der damit zusammenhängenden Solidaritätsstreiks dar und appellierten an die im ganzen etwa 2809 Anwesenden, nun ebenfalls zugunsten der Ausgesperrten die Arbeit niederzulegen. Bei dieser Gelegenheit ging Pawlowitsch auch auf die VerHand- lungen ein, die am Sonntag und Montag unter der Leitung des Gewerbegerichtsdirektors v. Schulz wegen der Aussperrung stattgefunden haben und die völlig resultatlos verlaufen sind. Redner bezeichnete diese Verhandlungen einfach als eine Komödie, durch welche die Arbeitervertreter lediglich an der Nase herumgeführt seien. Nachdem stundenlang um den eigentlichen Kern der Sache herumgegangen worden sei, hätten die Unternehmer am Montag von ihrem Separatzimmer aus durch Herrn v. Schulz die Frage an die Arbeitervertreter richten lassen, welche Forderungen diese denn nun eigentlich stellen wollten. Darauf habe Cohen die Gegen- frage gestellt, welche Zugeständnisse die Herren auf die bekannten Forderungen hin zu machen geneigt seien. Diese Gegenfrage sei er- folgt, weil die Annahme bestand, die Herren Direktoren würden jede Forderung als angeblich zu weit gehend von vornherein ab- lehnen. Deshalb habe man es den Unternehmern überlassen wollen, zuerst positive Vorschläge zu machen. Die Antwort des juristischen Beirats der Direktoren habe dann fast höhnisch gelautet: Die Herren erklären, außer den bereits bekannten Zugeständnissen nichts weiter bewilligen zu wollen. Damit sei die Verhandlung zu Ende gewesen. Dieser eigenartige Abbruch der Verhandlungen beweise zur Genüge, daß sich die Herren überhaupt nur deshalb darauf eingelassen hätten, um Zeit zu Gegenmaßrcgeln gegen das Vorgehen der Arbeiterschaft zu gewinnen, und das sei den Herren leider nur zu gut gelungen. Beide Versammlungen nahmen alsdann einstimmig folgende Resolution an: „Die versammelten Arbeiter und Arbeiterinnen erklären, daß nachdem sie Kenntnis von den Ursachen der„Streiks" und dem der- zeitigen Stand der Aussperrung genommen haben, sie es für ihre Pflicht erachten, ihre von den Elcktrizitätsfirmen ausgesperrten Arbeitsgeuosscn zu unterstützen. Die wirksam st e Art der Unter st ützung erblicken dt« VerlgmmsJten darin, daß such sie bit Arche it. niederlegen und keiner von ihnen morgen zur Arbeit geht." Damit treten also heute morgen zirka 4999 weitere Arbeiter und hauptsächlich Arbeiterinnen der beiden Elektrizitätsfirmen in den Solidaritätsstreik ein, wodurch nun auch die Glühlampenwerke lahmgelegt werden. ".» Die Kopfproletarier als Streikbrecher. In ihren Säulenanschlägen brüsten sich die Elektrizitätswerke damit, daß sich die Ingenieure und andere Angestellte bereitwilligst als Streikbrecher zur Verfügung gestellt hätten, um die Arbeiten der Maschinisten zu verrichten. Das ganze Elend unseres Kopfproletariats spiegelt sich in dieser Anzeige. Diese Leute, die meist elend bezahlt sind, s löst schlechter als die Arbeiter, die in Deutschland eine schlimmere Kulirolle spielen als in irgend einem anderen Lande, halten es mit ihrer oft betonten Staudeswürde vereinbar, Dienste zu verrichten, zu denen sie nicht verpflichter sind, bloß um den Unternehmer gegen die handarbcitenden Proletarier zu schützen. Tun sie das etwa aus idealen: Interesse, im Dienste des„All- gemeinwohls"? Davon hat man nichts gehört, als die Acrzte ihre Interessen gegen die Krankenkassen vertraten und sogar vor Aerzte- streiks nicht zurückscheuten. Nein, es ist vielmehr die Sklaven- empfiiibung einer ohnmächtigen bürgerlichen Schicht, die noch nichts von Solidarität weiß, und deren Klassenbewußtsein gegenüber dem Unternehmertum, auch wenn es im einzelnen lebendig sein mag. doch um der individuellen Erwerbsrücksicht willen zur Unwirksamkeit verurteilt ist. Diese geistigen Lohnsklaven der Jndustrietrusts müssen sich mit Haut und Haaren für ein paar Silberlinge verkanfen, sie sind recht- los, daß sie selbst ihr geistiges Eigcntmn, ihre Erfindungen, an das Kapital hingeben müssen, ohne daß man auch nur ihre Nanicn nennt. Bisher ist es ein unerfülltes Ideal dieser Kreise, daß ihnen auch nur der Erfinderschutz, das Recht der Vereinigten Staaten zu- teil würde. Und aus„Dankbarkeit" für ihre Rechtlosigkeit und Mißhandlung, für ihre schlechte Entlohnung und ungenügenden Schutz leisten sie dem Unternehmertum Streikbrecherdienste, wie sie selbst die besseren Elemente des Lumpenproletariats verschmähen würden. Wahrlich mit Stolz und Verachtung können die klassenbewußten Proletarier, denen Solidarität das Ein und Alles ist, auf diese „besseren",„gebildeten" Leute blicken, die ihre ganze Würde darin sehen, dem Kapital jeden gewünschten unsauberen Dienst bereitwilligst zu leisten I *** Streikbilder. Wird der Kampf in der Elektro- Industrie, den Unternehmer- Brutalität den Arbeitern aufgezwungen hat, zu einem„Elcktrizitäts- streik" in des Wortes wahrer Bedeutung werden? Wird bei den Heizern und Maschinisten der Kraftwerke das Gefühl der Solidarität stark genug sein, sie zu veranlassen, daß sie Mann für Mann ihren Betrieben den Rücken kehren? Wird die Kraftguclle, von der nicht nur die Straßenbahn und ein Teil der Straßenbeleuchtung, sondern auch Tausende von kleinen Gewerbebetrieben abhängen; zum Versiegen gebracht werden? Der Montag sollte noch keine volle Entscheidung über diese Zweifel, noch keine bündige Antwort auf diese Fragen bringen. Auf die Aussperrung vom Sonnabend folgte am Montag der Streik der nichtauSgesperrten Arbeiter. Auch die Maschinisten und Heizer der Kraftiverke stellten größtenteils die Arbeit ein, und nur eine Minderheit hielt sich noch abseits und blieb. Am Morgen schon erhielt die Bevölkerung durch rote Säulenanschläge, die für die in den Ausstand getretenen Heizer und Maschinisten Ersatz suchten, Kenntnis von dieser Wendung.„Infolge des Streiks bei den großen Elektrizitätswerken," so begann der Appell an die Arbeitswilligen,„werden Heizer und Maschinisten unserer Kraftstationcn verhindert, ihre Arbeit zu verrichten." Das war ein Notschrei, der eine deutliche Sprache redete. Einstweilen hatte die Feuerwehr, dieses Berliner Mädchen für alles, aushelfen müssen. Im Morgengrauen hatte man die dienstfreien Leute aus den Betten herausgeholt, damit sie an den Kesseln und Maschinen der Kraftwerke ihre Mutzarbeit verrichteten. Ob sie sich gern dazu hergegeben haben mögen? Auch Meister und Ingenieure mußten heran, um die ungewohnte Arbeit zu versuchen. Der Notbehelf reichte nicht ans, und die Straßenbahn mußte zunächst ihren Betrieb teilweise einschränken. Nachher griff sie zu dem Mittel, die schweren Motorwagen in größeren Zcitabständcn als sonst verkehren zu lassen, und dafür mehr von den leichteren Anhängcwagen mitzugeben. In manchen Straßen fuhr man, wie am Sonntag, in Zügen zu drei Wagen, und selbst die geheiligten „Linden" durften jetzt plötzlich von Anhängewagen gekreuzt werden. Auch das Ueberfüllungsverbor schien am Montag in Vergessenheit geraten zu sein. Man fuhr mit Ueberzähligen, wie wenn es in Berlin keine Polizei gäbe, die solchen Frevel mit harten Strafen zu ahnden pflegt. Ganz anders noch machte der Streik sich Bemerkbar in den Außen vierteln der Stadt, den Sitzen der Elekro- Industrie. In Verlin-Nord war das Straßenbild voll- ständig umgelvandelt. Vom frühesten Morgen an waren die dortigen Werke von Polizei umstellt, aber die Hunderte und Tausende von ausgesperrten oder streikenden Arbeitern, die an ihnen vorüberzogen, gaben ihnen keine Gelegenheit,„ihres Amtes zu walten". Die durch weiße Armbinden gekennzeichneten Arbeiter- Polizisten, die überall vor den Werken aufgestellt waren, sorgten dafür, daß die blauuniformierte Polizei überflüssig blieb. In der Mittagstunde wiederholte sich das Schauspiel vom Morgen. Tausende von Arbeitern strömten zusammen und zogen vorüber. Sic hofften, sie könnten um diese Zeit die paar Arbeitswilligen zu sehen kriegen, die Braven, die den Mut gehabt hatten, im Kanipf gegen die Unter- Nehmerbrutalität ihren Arbeitsbrüdern in den Rücken zu fallen. Aber niemand von ihnen schien Lust zu haben, die Mittagspause draußen zu verbringen. Speise und Trank, ohne die auch ein Arbeitswilliger nicht bestehen kann, werden hineingeschafft. Lieferant war nicht nur Aschiugcr, sondern auch mancher kleine Gastwirt, der von Arbeiterkundschaft lebt. Am lebhaftesten ging es in der Umgebung des Riesenwerkes an der Brunnen- und Voltastraße zw Hier sollen ganze 159 Manu zur Arbeit angetreten sein. Für diejenigen, die nicht hinter den Mauern der Fabrik zu übernachten wünschen, scheint man dort eine Hintertür bereit zu halten. Von dem angrenzenden Wohnhaus Voltastraße 14, da? vor kurzem von der A. E.-G. angekauft wurde, kann man auf Leitern in das Werk hineingclaugcn. Diesen Weg zog schon im Laufe des Montags mancher vor, der den geraden Weg durchs Fabriktor fürchtete. Am Abend wurden in verschiedene Werke Matratzen und Betten hineingeschafft. Auch die Polizei beteiligte sich an diesem Umzug. Sie will offenbar den Arbeitswilligen über Nacht Gesell- schast leisten. poUtifcde Qcbcrlubt. Berlin, den 2, Oktober. Zentrmlls-Schmerzen. Die„G e r n: a n i a" beschäftigt sich in einem Leitartikel mit der Tagung des Vereins für Sozialpolitik und dabei entschlüpfen dem Blatte der Partei, das den Arbeiterbetrug und Arbeiterverrat in ein Shstem gebracht hat, einige gewiß nicht genügend überlegte, aber darum gerade erst recht kennzeichnende Aeußerungen. Die„Germania" empfindet nämlich Schmerzen darüber, daß in dieser Versammlung von Sozialpolitikerir gemischtester Sorte einige kräftige Töne gegen die Ausbeutung geredet wurden. Sie hält es für angemessen, ihr „tiefstes Bedauern" darüber auszusprechen, daß Diskussionen gepflogen wurden,„die gleich sozialdemokratischen Reichstagsreden als AgitationSreden gedacht sind und auch in diesem Sinne vorgetragen wurden". Das seien Reden gewesen,„die in sozialdemokratischen Agitationsversannnlungen frenetischen Beifall gefunden haben würden". Für die Wiederholung„solcher Szenen" droht die„Gennania" dem Verein für Sozialpolitik die gänzliche Entziehung ihrer Achtung an. Das könnte auch ebenso gut die„Rheinisch-Westfälische Zeitung", das Blatt der Grnbenbarone, schreiben, oder vielmehr, dies Blatt könnte es mit besserem Recht schreiben, da es noch niemals den Glauben zu erwecken versucht hat, daß es Arbeiterinteressen vertrete. An einer anderen Stelle bedauert die„Gennania", daß auf die Veröffentlichungen der Bergarbeiterverbände über die Zustände im Kohlenbergbau nicht näher eingegangen worden sei, da Herr Regierungsrat L e y d i g sich„mit umsangreichem Material zur Entzgegnung versehen hatte" und da auch Herr Kirdorf„es gleich- falls an der nötigen Richtigstellung nicht würde haben fehlen lassen." Die„Germania" bedauert also, daß die Vertreter der Unter- nchmer keine Gelegenheit gefunden habeit, den Klagen der Berg- arbeiter die„nötige Richtigstellung" angedeihen zn lassen. Darum verdient auch das Zentrum den Namen einer Vertreterin von Arbeiterinteressen!—_ Die Durchbrechung des sächsische» WnhlnnrcchtS. Der kraftvolle Protest, den die sächsische Arbeiterklasse bei den Wahlmännerwahlen durch bedeutend vermehrte Stimmenabgabe in der dritttcn Wählerklasse erhoben hat, wird nun auch tatsächlich durch einen Mandatserfolg gekrönt. Bei der am Montag erfolgten Abgeordnctenwahl wurde unser Parteigenosse Reichstags- Ab- geordneter Hermann G o l d st e i n im 37. ländlichen Wahlkreise mit 52 Stimme» gegen 44 konservative Wahlmännerstimme» zum Landtags- Abgeordneten gewählt. Im Jahre 1991 mußte der letzte Sozialdemokrat aus dem sächsischen Parlament weichen, jetzt zieht die Sozialdemokratie von neuem ein. In das schäm- lose Wahlunrecht, das dem sächsischen Volk aufoktrohiert wurde, ist Bresche gelegt und die Absicht der Reaktion, die Sozialdemokratie aus der gesetzgebenden Körperschaft fernzuhalten, ist durchkreuzt. Es versteht sich, daß dieser erfreuliche Mandatssicg nicht im geringsten das Urteil der Arbeiterklasse über die Schmach der 1896er Entrechtung und den Kampf gegen sie ändern oder schwächen kann. Im Gegenteil, es ist lediglich eine neue gute Position gewonnen worden, um diesen Kampf mit gesteigerter Wucht fortzuführen. Der Wahlsieg im 37. ländlichen Kreise beweist natürlich nicht das geringste für das sächsische Drciklasjen-Wablsyslem. Wurde doch bereits bei der Schaffung dieses Wahlsystems von der sächsischen Regierung die Möglichkeit ins Auge gefaßt, daß iit einigen wenigen Wahlkreisen, in denen fast ausschließlich arme Arbeiterbevölkcrung vorhanden ist, die Sozialdemokratie die Schranken des getürmten Klasscnnnrcchts durchbrechen könne. Ins- besondere in dem 37. und 40. ländlichen Wahlkreise(industrielle Um- gegend von Zwickau) wählen zahlreiche Arbeiter in der zweiten und selbst ersten Wählerklasse. Jetzt ist der eine dieser beiden Kreise von unserer Partei genommen, der andere wäre ebenfalls bereits vor zwei Jahren um ein Haar genommen worden und wird uns sicher bei der nächsten Wahl zufallen. Diese Ansnahmemöglichkeit eines einzigen MandatSerfolgcs ist aber nun erst recht geeignet, die Schändlichkeit des herrschenden Wahlsystems zn brandmarken. Der einzelne Vertreter, den die Arbeiterklasse Sachsens in den Landtag sendet, kann nur die Ausgabe haben, andauernd den Parteien der Entrechtung die Schamlosigkeiten ihrer Gewaltpolitik vorzuhalten. Daß diese Aufgabe gründlich besorgt wird, dazu ist der Erfolg im 37. Wahlkreise hoch willkommen zu heißen und dafür bürgt die Tüchtigkeit des gewählten Genossen, der schon in ftühercn Jahren gegen die konservative Landtagsmehrhcit scharfe Klinge geführt hat. • Dresden, 2. Oktober. Bei den heutigen Wahlen zur Zlveiten Kammer des sächsischen Landtages wurden, an Stelle der aus- geschiedenen 39 Abgeordneten gewählt: 19 Konservative, 8 National- liberale, 1 Reformpartei, 1 Freisinniger und 1 Sozialdemokrat. Die Zweite Kammer setzt sich demnach aus 33 Konservativen, 24 National- liberalen, 2 Mitgliedern der Reformpartei, 2 Freisinnigen und einem Sozialdemokraten zusammen. Damit sind die Konservativen aus ihrer bisherigen Zwcidrittel- Majorität gedrängt worden.—_ Dir Beleidigungsklage des Snchscnkönigs vor den ivnrttcmbcrgischcn Geschworenen. Stuttgart, den 2. Oktober 1993. (Privattelegramm des„Vorwärts"�) Vor dem Stuttgarter Schwurgericht wurde heute gegen den politischen Redakteur der„Schwäbischen Tagwacht", Genossen Keil, wegen Beleidigung des Königs von Sachsen verhandelt. Der Anklage lag ein Artikel der Nummer vom 23. Dezember 1904 zu- gründe, welcher die Ueberschrift trug:„Die Königin auf dem Schub" und welcher die bekannten Vorgänge behandelte, die sich tags zuvor in Dresden vor dem TaschcnbergpalaiS abgespielt hatten. Der Artikel war in seinem ersten Absatz in Form einer Märchen- erzählung gekleidet: Die Dresdener Residenz hat, so heißt es— wir zitieren in mildernder Form— auch ihr richtiges Weihnachtsmärchen, daß die frühere Gemahlin deS Königs heimlich und verkleidet zurück- gekehrt. Nun steht sie vor der Tür und fleht um Einlaß zu ihren Kindern. Sie erzählen sich drinnen heimlich, wenn sie in ihren Bettchen liegen, von der guten Maina, die so weit, weit fort mußte, und ahnen es gar nicht, daß diese vor der Tsir steht. Aber die Schloßwache hat vom König Befehl, die Sünderin nicht einzu- lassen, und bleibt für alle Bitten taub. Da... ja. das Märchen muß auch ein Ende haben.... Nach dem einleitenden Absatz ging der Artikel zur Winlichkeit über. Aber die Handlung, so heißt es, geht nicht wie in diesem oder jenem traulichen WcihuachtSgcschichtchcn aus, wie es das deutsche Gemüt so liebt, der König konnnt nicht auf hohem Schinnnel mit seinem Jagdgcfolge in den Schloßhos gesprengt, um der Büßerin zu verzeihen, sie in die Arine zu nehmen, um unter dem strahlenden Tannenbaum ein rührendes Bild deutsch-christlichen Familienlebens zu bieten. Der König sei allerdings auch gerade auf der Jagd gewesen und der äußere Vorgang stimme somit mit dein des Märchens übcrcin, aber das innerliche Moment deS Märchens habe gefehlt: der märchenhafte Edelmut des Königs. � Dann heißt es: das Ganze wäre schließlich eine private Familienangelegenheit, die niemand etwas anginge als die Nächst« Beteiligten, die als hochgestellte Personen SaS Unglück haben, gleich- sam in einem Schaufenster leben zu müssen. Aber der König selbst habe die Angelegenheit zu einer politischen gemacht, indem er sich zur Erledigung seiner Familienangelegenheit in unbedenklicher Weise der staatlichen Organe bedient hätte. Wenn er �seiner geschiedenen Frau das Haus verschließe und seine Hausknechte auf diese dressiere, so sei das seine Sache. Er habe sich auf solche Maßnahmen aber nicht beschränkt, sondern eine ganze Armee von geheimen Polizisten und Gendarmen gegen sie aufgeboten und mit Hülfe seiner staat- lichen Organe die Gräfin Montignoso gezwungen, Dresden zu ver- lassen. Das aber sei eine Ausnutzung der Staatsgewalt, für den die sächsische Negierung die volle verfassungsmäßige Verantwortung trage. Dieser Umstand zwinge aber auch dazu, die ganze menschliche Ver- cmtwortung des Königs, den Ehezwist mit seiner Frau in das Gebiet der politischen Erörterung hinüber zu ziehen. Der Zwist eines Königs mit seiner Frau gebe ihm noch lange kein Recht, die menschlichen Freiheitsrechte dieser Frau aufzuheben. Würden zur Abschiebung aller weiblichen Personen, die hohen Herren lästig werden, alle Beamte in Anspruch genommen, so ginge das zu weit. Man dürfe auch eine Frau, ob sie die ehemalige Frau eines Königs sei oder irgend wer sonst nicht wie eine Ware einpacken und an einem anderen Ort bringen. Die Person der Gräfin Montignoso sei hierbei ganz gleichgültig. Andere Mütter, über deren Unschuld an ihrer traurigen Lage kein Zweifel bestehe, würden gewiß noch traurigere Weihnachten verbringen, aber eine Ehefrau in solcher Lage habe das Recht auf die Wohltaten des Gesetzes und wenn man sie mit Gendarmen und Polizisten aus dem Lande treibe, so fei und bleibe das, ob sie die frühere Gemahlin eines Königs oder eine russische Studentin sei, verwerflich. Derselbe Geist, der im Vorjahre den streikenden Webern von Crimmitschau ihr Weihnacht»- fest nahm, habe in diesem Jahre die Mutter deS künftigen Königs von Sachsen von Tür und Schwelle gejagt, Es sei also eine echt sächsische Weihnachtsgeschichte I Als Zeugen waren zu dieser Verhandlung von der Staatsanwaltschaft der Polizeipräsident Köttig und Kriminalinspektor Unger von Dresden geladen, während der Verteidiger des Angeklagten Rechtsanwalt Dr. Elsas den Antrag auf Ladung der Gräfin Montignoso, des Rechtsanwalts Dr. Zehme- Leipzig und des Kämmeres des sächsischen Königs Generalmajors von Criegern ge- stellt hatte. Herr von Criegern war erschienen, während Dr. Zehme sich mit einer Kur entschuldigte, die er augenblicklich in Karlsbad nehme und nicht unterbrechen dürfe. Die Verhandlung fand unter sehr zahlreicher Anteilnahme der Oeffentlichkeit statt. Zuhörerraum und Journalistentribüne waren ständig überfüllt. Die Verhandlung währte sieben Stunden und endete mit der kostenlosen Freisprechung des Angeklagten Keil. Die Verkündigung des Urteils wurde lebhaft applaudiert, lieber die Einzelheiten der Beweisaufnahme und die Plaidohers tragen wir morgen das notwendige nach.— Fleischnot- Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion des bayerischen Landtages. Gleich der preußischen hat auch die bayerische Regierung sich bisher in hochwohllveiser Mäßigung darauf beschränkt, sogenannte„Erhebungen" über die Ursachen der Fleischteuerung zu veranstalten. Allem Anschein nach nimmt Graf Feilitzsch sich den edleu Pod zum Muster. Diesem gemütlichen Schlendrian auf die Sprünge zu helfen, haben unsere Genossen im bayerischen Landtag folgende Interpellation gestellt: „Ist es der Regierung bekannt, welche enorm hohen Fleischpreise zurzeit auch in allen größeren Städten Bayerns herrschen, und was gedenkt die Regierung zur Abwehr des durch die hohen Fleischpreiie hervorgerufenen Notstandes zu tun?" Den bayrischen Agrariern gefällt das recht wenig. Um der Regierung das Rückgrat zu steifen, hat die Zenwalversanimlung deS Landwirtschaftlichen Vereins in Bayern folgenden Antrag Veckh augenomnten: Die Staatsregierung möge in dem Bundesrate daraus hinwirken, daß die Schutzmaßregeln zur Verhinderung der Einschleppung von Seuchen durch ausländische Schlachttiere nicht abgeschwächt und in dieser Richtung der Agitation für die Oeffnung der Grenzen keine weiteren Zu- geständnisse gemacht werden mögen; ferner möge die Regierung entsprechende Vorkehrungen treffen, damit das nach dem neuen Handelsvertrag zugelassene Einfuhrkontingent österreichischer Schweine an der Grenze geschlachtet und nur solche Schweine eingeführt iverden können, die sich vor der Schlachtung als gesund erwiesen haben. Die Regierung möge außerdem die eine Oeffnung der Grenze beantragenden Städte veranlassen, bis zur Wiederkehr normaler Preisverhältnisse die gemeindlichen Aufschläge auf Fleisch und die Schlachthausgebühren aufzuheben beziehungsweise herabzumindern.— Der AusrottungSparagraph wider die Sozialdemokratie. Ein Staatsanwalt Schmitlendorff aus Guben legt in der„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung" eine funkelnagelneue, von ihm selbst ausgeheckte Entdeckung dar, wie man auf die einfachste Weise, nur mit dem Berichtigungsparagraphen 11. die Sozialdemokratie tot kriegen könnte. Der Herr Staatsanwalt denkt sich die Sache so: „Will man einen praktischen Erfolg erzielen, d. h. eine Ein- Wirkung auf die irregeleiteten Massen' selbst ausüben, sie von dem Wahn, in welchem sie von ihren Führern gehalten werden, befreien, will man die Parteigrößen in gleicher Weise wie sie sich im Reichstage blamiert haben, vor ihrer Gefolgschaft sich blamieren lassen, dann muß man den Feind im eigenen Lager aufsuchen, d. h. der Sozialdemokratie tu ihrer eigenen Presse zu Leibe gehen. Wie das zu erreichen? Durch eine einfache Er- gänzinig des§ 11 des Preßgesetzes dahin, daß der Presse all- gemein die Berpflichtnng auferlegt wird, auf jede Auslassung jeglicher Art— also auch auf Reichstags- und Landtagsberichte, Inserate und dergleichen— eine Erwiderung der Regierung oder einer bestiiniuteu Regierungsstelle in der nächsterscheinenden Nummer der Druckschrift an gleicher� Stelle und in gleichem Druck aufzunehmen, und zwar bis zu gleicher Zeilen- zahl unentgeltlich, darüber hinaus gegen Zahlung der üblichen Jnsertionsgebiihren. Um zu verhindern, daß unter dem Vorwande, eS handle sich um keine Erwiderung, der Verpflichtung nicht nach- gekommen wird, ist der Presse schlechthin anfzuerlegen, jede Auslassung der betreffenden Regierungsstelle aufzunehmen, vorbehält- lich des klagbaren Anspruches auf Zahlung von JnsertionS- gebühren für eine als Erwiderung nicht anzusehende Auslassung. Der Annahme der vorgeschlagenen Ergänzung des Preßgesetzes iverden von seilen der gesetzgebenden Faktoren sicherlich keine Schwierigkeiten entgegengesetzt iverden," Die Sozialdemokratie bedarf nicht einmal der Ergänzung des § 11. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat es selbst am eigenen Leibe verspüre» müssen, welche Waffe wir in dem Para- graphen haben, um offiziösen Schwindel an den Kragen zu gehen. In der Tat, würde die Sozialdemokratie mit dem§ 11 die gegnerische Presse zwingen, alle über n»S verbreiteten Lügen, Fälschungen, Verleumdungen zu berichtigen, wir würden ihr rasch das Handwerk für immer verleiden. Der Staatsanwalt aus Guben hat aber die dunkle Ahnung, daß mit den Richtigstellungen nichts getan sei. Die sozialdemo- kratische Presse berichtigt auch ohne Zwang aus freien Stücke» jeden Irrtum, den sie begangen. Dagegen wäre es tödlich, wenn wir den Spieß umdrehten und unsererseits mit dem ß 11 die Offensive er- griffen. Und so verfällt der Aermste ans den geradezu unheilbaren Einfall, daß man der Regierung das Recht geben müsse, in jedem Blatt die Veröffentlichung jeden Artikels zu erzwinge», zu dem sie Lust hat. Darauf ist selbst der Zarismus bisher nicht gekommen, der begnügt sich noch mit der Verhinderung von Veröffentlichmigen, fordert aber nicht die Aufnahme gewisser Artikel. So angenehm uns natürlich die Mitarbeit der Herren Mnister und Geheimräte wäre, so können wir natürlich ohne Prüfung ihre geistigen Ausgeburten nicht aufnehmen. Ein Aufnahmezwang für Regierungsartikel aber würde bedeuten, daß die Redaktionen aus ihrem eigenen Besitz expropriiert würden. Und warum soll die Regierung schließlich allein das Recht haben, für die sozialdemokratische Presse zu schriftstellern. Was den Ministern recht ist. muß den Junkern und Jndustrieherren und schließlich auch den Sozialdemo- kraten billig sein. Erweitern wir also den 8 11 in der Weise, daß jeder Staats- bürger das Recht erhält, in jedem Blatt die Aufnahme seiner literarischen Ergüsse zu erpressen, WaS uns anlangt, werden wir dann gewiß nicht verfehlen, auch an dem Regierungsblatt, der„Kreuz- Zettung" und allen Kreisblättern fleißig mitzuarbeiten. Was meint der prächtige Staatsanwalt aus Guben zu- dieser kleinen Verbesserung seiner epochalen Entdeckung?— Ein nörgelnder Herzog. Ueber die„Kunst des RegiereuS" seine Meinung zu sagen, erachtet der frühere Oberpräsident von Schlesien Herzog zu Trachenberg, Fürst von Hatzfeldt— nebenbei auch Oberstschenk am kaiserlichen Hof— an der Zeit. Was er in der„Deutschen Revue" darlegt, ist zwar keinerlei be- sondere Einsicht, sondern Selbstverständlichkeit für jeden Politiker, der überhaupt auf diesen Namen Anspruch erhebt, und doch erscheint das an sich Selbstverständliche in unserer Zeit der Junkerherrschaft und Polizeibevormundung als bare Weisheit, wenn ein sehr hoher Beamter, der einmal als Anwärter auf den Reichskanzlerposten galt, es ausspricht. Fürst Hatzfeldt führt zunächst aus, daß mit dem„Stock" heute nirgends mehr regiert werden dürfe, daß„eine gewaltsame Unter- drückung von Ideen und Bestrebungen nicht nur ein erfolgloses Beginnen wäre, sondern auch das Gefäß, worin dem Volke eine be- kömmliche Speise Bereitet werden soll, zum Ueberlaufen bringen würde". Er verlangt von der Regierung und den Verwaltungs- Behörden, sich fortgesetzt vor Augen zu halten,„nicht nur einer einzelnen Klasse der Bevölkerung oder einer einzelnen Partei zu dienen, sondern der Gesamtheit". Daß Fürst Hatzfeldt dies Verlangen ausdrücklich stellt, scheint zu zeigen, daß er gegenwärtig seine Forderungen nicht als erfüllt betrachtet. Weiter wendet er sich gegen„mißverstandene Schneidigkeit":„Selbst bei großen Streiks, einer Erscheinung, die die Folge und das Komple- ment der modernen Assoziationen ist, erscheint einschneidiges, gewalt- sames Eingreifen nur dann angezeigt, wenn es sich um den Schutz der Personen und des Eigentums handelt." Sodann tadelt der herzogliche Kritiker das Erlassen von zu viel Polizeiverordnungen. Schließlich fällt er über die allgemeine politische Situation dieses Urteil: „Sie ftagen mich weiter, ob ich die Befürchtung teilte, daß bei uns tu Deutschland beziehungsweise Preußen Politiker und p o l i t i s ch e P a r t e i e n, die ein rein gewaltsames Unterdrücken von Ideen und Stimmungen der Volksseele für das Allheilmittel halten, mit dem regiert werden müßte, die Oberhand gewinnen könnten. Wäre dem so, so müßten wir verzweifeln an der Zukunft unseres Vaterlandes, das, neu geeinigt, in der jüngsten Zeit einen Aufschwung genommen hat, für den in der Geschichte kaum eine Analogie zu finden ist. Daß dabei einige unerfreuliche Er- scheinungen zutage getreten sind, kann nicht überraschen. Sie sind die natürliche Erscheinung unserer modernen wirtschaftlichen EntWickelung, Aber auch diese unerfteulichen Erscheinungen werden mit der Zeit überwunden werde», sosern wir diese nicht rein mechanisch- gewaltsam zu unterdrücken, sondern die wirtlich vorhandenen Schäden zn heile» suchen,.." Die Lektion ist natürlich nicht nach dem Geschmack der konser- vativen Herrschaften, welche den einzigen Beruf der Regierung gerade darin sehen, einer einzigen Klasse auf Kosten aller anderen zu dienen, und welche die mit solcher Regierungskunst llnzufriedenen gewaltsam zur Ruhe verweisen wollen. Die„Deutsche Tagesztg." ist sehr unwillig, nennt die Aeußerungen des Fürsten Hatzfeldt„recht schief" und belehrt den Kritiker, daß es in Deutschland„eine Bewegung gibt, die nicht nur die Regierung selbst, sondern auch die Kultur und die Freiheit bedroht, jene Be- wegung, die bereits so kühn geworden ist, den Gedanken einer Revolutton und die Vorbereitungen zu einer solchen öffentlich zu erörtern". Das mag allerdings Fürst Hatzfeldt noch nicht ge- wüßt haben, daß das schreiende Agrariertum der„Deutschen Tages- zeitung" die Kultur und die Freiheit in sich verkörpert. So- bald er dies begriffen, wird er sicherlich den Schluß ziehen, daß zum Schutz so heiliger Güter wie Brotverteuerung und Rechtsraub die Mittel der Gewalt berechtigt und nötig sind! Anntutig ist's, daß die., P o st" die Darlegungen des Fürsten Hatzfeldt wiedergibt, ohne ein Wort darüber zu bemerken. Die .iPost" muß dem Fürsten äußerst verpflichtet sein, daß sie diese Ver- urteilung ihres blöden Treibens widerstandslos erträgt I— Ein Zentrumsmann. In unseren Betrachtungen über den Ausgang der Stichwahl in Essen wiesen wir schon aus die erstaunliche geistige Gelenkigkeit hin, mit der Herr GieSberts, der jetzige Abgeordnete für Essen, alle Hindernisse wirtschaftlicher Gegensätze zu überwinden versteht, um Wähler aller Klassen für sich zu gewinnen. Zur genaueren Charak- terisierung dieses kühnen Springers erhalten wir von unserem Korrespondenten noch eine Zuschrift, die das Bild des waschechten Zentrumsinannes, als welchen wir Herrn Giesberts bezeichneten, vervollständigt. Unser Korrespondent schreibt: Als Arbeitersekrctär und Redakteur eines Arbeiterblattes muß cr natürlich zunächst den Arbeitern gerecht werden. Nun hat Herr Gies- Berts aus Angst vor dem Durchfall in der Stichwahl aber so vollständig den Arbeiterrock ausgezogen, seine Reden trieften so von Vaterlands- liebe und Patriotismus, daß die auf Flottenvergrößerung und Armee- lieferungen spekulierende Großbourgeoisie in Essen völlig befriedigt war. Der rechte Flügel im„nationalen Verein" unter Führung der Scharfmacher Syndikus Hirsch, Bergmeister Engel, Fabrikant Gold- schmidt und Genopen haben in der Vcrtrauensmännerkonferenz alle Hebel in Bewegung gesetzt, um für Giesberts Stimmung zu machen. Also ist Giesberts auch der Erwählte der Scharfmacher, deren Führer Kommerzienrat Kirdorf auf der Mannheimer Versammlung des „Vereins für Sozialpolitik" noch erklärte:„Keine Verhandlung mit Arbeiterorganisationen! Die christlichen Gewerkschaften sind gesähr- lichcr als die sozialdemokratischen". Herr Giesberts ist christlicher Gewerkvereinsführer und zugleich Favorit der Essener Scharfmacher- gesellschaft. Ter Essener Wahlkreis ist ein fast rein industrieller. Die In- dustriearbeiter leiden sehr unter der Nahrungsvcrteuerung durch die agrarpolitischen Regierungsmaximen. Herr Giesberts hat den Ar- beitern versprochen, für eine Entlastung der schwächeren Schultern einzutreten, d. h. er will der Sozialdemokratie helfen, das System der indirekten Steuern zu bekämpfen. Gleichzeitig ist Herr Giesberts aber nicht nur„Schutzzöllner", sondern er hat in einer Kölner Agrarierversammlung die Landwirte angefeuert, für eine aus- reichende Erhöhung der Zölle auf landwirtschaftliche Erzeugnisse zu agitieren. Da ihm wohlbekannt ist, wie die indirekten Steuern gerade die äimsten Volksschichten am stärksten drücken, hat Herr Giesberts seinen Arbeiterwählern versprockien, für eine Steuerreform im Sinne eine- direkten, progressiven ReichSsteucr zu sorgen. Auch hierin will er der Sozialdemokratie helfen. Im wunderlieblichen Gegensatz zu diesem Versprechen des Herrn Giesberts erklärten verschiedene seiner im Wahlkampfe rednerisch tätigen Parteigenossen, z. B. Herr Kaplan Brauns, Direktor des„Katholischen Voltsvereins", eine direkte Reichssteuer sei undurchführbar, die Sozialdemokraten forderten sie nur aus agitatorischen Gründen. Wie Herr Giesberts der Zentrums- fraktion seine Steuerpläne aufnötigen wird, darauf warten jetzt seine Wähler. Den christlichen Arbeitern behagte die Agitation fü� den neuen Zolltarif nicht. Darum argumentierte für ihn Herr Giesberts: den Landarbeitern geht es so schlecht, weil die Landwirtschast not. leidend ist. Erhöhen wir den Zoll, dann helfen wir auch den Land- arbeitern. Außerdem werden wir christliche Gewerkschaftsführer nunmehr uns mit aller Kraft an die gewerkschaftliche Organisation der Landarbeiter begeben. Alle gesetzlichen Organisationshindernisse müssen fallen.— Vier Jahre später wird Herr Giesberts zum Zentrumskandidaten in Essen erklärt. Die rheinischen katholischen Landwirte, denen Herr Giesberts wegen ihrer Feindschaft gegen das Vereinsrecht der Laudarbeiter noch kurz vorher„politische Nieder- tracht" vorgeworfen, beschlossen Stimmenthaltung. Dann hielt Herr Giesberts seine Kandidatenrede, worin er sich„prinzipiell" für das Koalitionsrecht der Landarbeiter aussprach, aber gleich darauf er- klärte, er habe„weder Zeit noch Lust, sich nun Hals über Kopf in die Landarbeiterorganisation zu stürzen". Ja, nunmehr forderte Herr Giesberts die— Bauernbündler auf, die Organisation ihrer Ar- beiter zu fördernIII Diese Rede beruhigte die Bauernbündler derart, daß ihr Organ schrieb, jetzt ließe sich bis zur Wahl die„ver- fahrene Karre" noch deichseln. Von der Organisation der Land- arbeiter war dann nicht mehr die Rede. Ueber den Lebenslauf des neuen Reichstags-Abgeordneten teilt die Zentrumspresse mit: Er ist 186ö an der holländischen Grenze als Sohn eines mit vielen Kindern, aber mit keinen anderen Glücks- gütern gesegneten Bäckermeisters geboren. Da er schon als Kind mitarbeiten mußte, als Schulentlassener nicht beim Handwerk bleiben konnte, sondern als Ziegeleiarbeiter sich verdingen mußte, um seine Familie zu ernähren, so hat er erfahren, wie der„goldene Boden des Handwerks" aussieht und wer das Kleinhandwerk vernichtet. Er ist dann nacheinander Ziegeleiarbeiter, Oelmühlenarbeiter, Hülfs- arbeiter in einer Brauerei gewesen, kam 1891 arbeitslos nach Köln, erfuhr am eigenen Leibe die Leiden einer mehrmonatlichen Arbeits- losigkeit und kam endlich unter als elend bezahlter Hülfsarbciter in der Zentral-Eisenbahnlverkstatt Köln. Von hier kam er als Kessel- Heizer zur Firma Bachem-Köln, wo er zum katholischen Arbeiter- führer ausgebildet wurde. Herr Giesberts hat demnach reichlich Gelegenheit gehabt, die Ursachen des Unterganges der Kleinhandwerker und die Not der Proletarier kennen zu lernen. Manchmal klingt deshalb eine revo- lutionäre Saite in seinen Auslassungen, aber stets wird sie erstickt von der klerikalen Dressur, der Giesberts seine heutige Lebensstellung verdankt. Daß er ganz gut weih, welche wirtschaftlichen Ursachen die Proletariermassen verstärken, hat er häusig bewiesen, wenn cr in seinem Blatt die Ignoranz der Jnnungsbrüder kennzeichnete. Er stellte sich in den schärfsten Gegensatz zu dem Zünftlcrtum in den Innungen. Dies hat ihm den Zorn der rheinischen Jnnungsbrüder zugezogen. Im„Handwerkerblatt" schrieb Herr Philipp Krieger, Jnnungsführer und Mitglied des Vorstandes der Düsseldorfer Zentrumspartei über Herrn Giesberts: Seine Artikel seien„unter aller Kanone", gehässige, von „wissentlichen Unwahrheiten wimmelnde" Leistungen.„Welch' ein Abgrund von Fanatismus gähnt einem da entgegen", ruft Zentrums-Jnnungsbruder Krieger aus.„Bis ins Lächerliche steigende Ueberhebung und Anmaßung",„Gemisch von pharisäischer Heuchelei und Frechheit",„Notlüisp",„mit Frechlwit kann man alles erreichen",„niederträchtige Verleumdung", eine„Schmach für den christlichen Namen." So charakterisierte der Jnnungsführer Krieger seinen Partei- genoffen Giesberts. Unsere Genossen im Essener Kreise haben diese Blüten des guten Zentrums nicht benutzt, während das Zentrum sich überbot in persönlicher Besudelung der Gegner. Doch auch den von ihm sonst hartnäckig bekämpften Jnnungs- leuten wußte Herr Giesberts sich angenehm zu machen, als die Stich- Wahl drohte. In einer Konferenz der Essener Jnnungsvorstände wurden dem«ingeladenen Herrn Giesberts folgende Fragen vor- gxlegt: Wie stehen Sie 1. zum Schutz des selbständigen Handwerks; 2. zur Beseitigung oder mindestens Einschränkung der Gefangenen- arbeit auf Landeskultur-Anstalten; 3. zur Beseitigung der Konsum- nnstalten; 4. zur Beseitigung der Militärwerkstätten; 3. zur schärferen Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs; 6. zur energischen Stellungnahme gegen die Fleischnot. Herr Giesberts beantwortete alle Fragen„den Wünschen der Versammlung ent- sprechend", worauf die Innungen beschlossen, für Herrn Giesberts zu stimmen! Endlich einmal ein Parlamentarier, der auf Prinzipien hält und es allen, recht machen kann. In seiner Parteizeitung wird die Fleisch- not bestritten, es handele sich nur um Geschrei der Freihändler und Sozialdemokraten. Den Handwerkern verspricht Herr Giesberts aber für Abstellung der nach seiner Parteiprcsse gar nüht existierenden Fleischnot zu sorgen. Ten Agrariern verspricht Giesberts Aufrecht- erhaltung der tzungerzölle und Grenzsperren, den Arbeitern und Handwerksmeistern verspricht er Maßregeln gegen die Nahrungs- mittelvertcuerung. Ein Schauspiel für Götter. „Beseitigung der Konsumanstaltcn" forderten die Innungen von dem neuen Reichstagis-Abgeordneten; cr gab eine Auskunft, die die Konsumgegner veranlaßte, für ihn zu stimmen. Herr Giesberts ist aber selbst Gründer und Anreger zahlreicher Arbeiterkonsumvereine auf„christlich-nationaler Grundlage". Er hat noch kürzlich in seinem Blatte bedauert, daß die Konsumgenossenschaftsbewegung nur lang- sam vorwärts ginge und lebhaft aufgefordert, ein ganzes Netz von Konsumvereinen in den Jndustriebezirken zu schaffen, die auch im Falle großer Streiks den Arbeitern Stützpunkte liefer» müßten! Hunderttausende Mark haben christliche Arbeiterorganisationen in Konsumvereinen angelegt, nicht zuletzt auf Drängen Giesberts! Jetzt hat er iregen der Wahlstimmen den Konsumvereinstötern„be- friedigende" Versprechungen gemacht, die nach der mildesten Auf- fassung auf eine starke Besteuerung der Arbeiterkonsumvereins hinauslaufen. Das ist der parlamentarische Wunderdoktor, den der Wahlkreis Essen in den Reichstag sendet. Ihm ist es gelungen, das widrigste zusammen zu bringen. Er hat allen Wählerschichten Versprechungen gemacht, die einander aufheben. Er stellt sich mit seinen Ver- sprechungen zugleich auf die äußerste Rechte und auf die äußerste Linke. Eine ganze Reihe politischer Fragen hat er beantwortet in dem entgegengesetzten Sinne, wie die Zentrumspartei im Reichstage darauf antwortet. Auf die parlamentarische Tätigkeit dieses Wunder- dokiors darf man darum mit Recht gespannt sein.— Essen(Ruhr), 2. Oktober. Amtliches Wahlergebnis. Bei der am 23. September stattgehabten Reichstagsersatzwahl für den Wahlkreis Düsseldorf 5(Essen Stadt- und Landkreis) sind im ganzen 79 323 gültige Stimmen abgegeben worden. Davon ent- fielen auf den Kandidaten des Zentrums, ArbeitersekretärJoh. GieSberts in M.-Gladbach, 41 799, auf den Kandidaten der Sozialdemokraten, Redakteur Wilh. Gewehr in Elberfeld 37 524 Stimmen. Giesberts ist somit gewählt.— HusUnd. Schweden. Großer Wahlsieg der Sozialdemokratie und Linken. Glänzeuder Fortschritt der Sozialdemokratie, starkes Wachstum der bürgerlichen Linken, das ist das Ergebnis der am Sonnabend beendeten Wahlen zur Zweiten Kammer des schwedischen Reichs- tages. 14 Sozialdemokraten— 10 neugewählt und dazu die 4 alten Vertreter der Partei mit gewaltigem Stimmenzuwachs wiedergewählt— das hätte man mit Rücksicht auf den Umstand, daß es durch die noch immer andauernde Massen auSsperruug in der Metallin du st rie so vielen Tausenden si, schwer gemacht wurde, durch Bezahlung ihrer Steuern sich das Wahlrecht zu sichern, kaum erwarten können. Nach vorläufiger Feststellung, die allerdings bei der zweifel- haften Parteirichtung mancher bürgerlichen Abgeordneten nicht absolut zuverlässig sein kann, wird die bürgerliche Linke in der neuen Kammer 116 Mandate zählen, dazu kommen die 14 Sozial- demokraten, die selbstverständlich überall, wo es den demokratischen und kulturellen Fortschritt gilt, die Linke kräftig unterstützen und vorwärts drängen werden; die Konservativen und Moderatcn werden über 100 Sitze verfügen. In Hinsicht auf di« vttnnendste Frage, die der neue Reichstags Das Bureau befindet sich im Gewertschasthaufe. Enael-Ufer IS. lösen soll: die Wahlrechtsfrage, haben mehrere der Kon- Zimmer 24, und ist täglich vormittags von 9—1 Uhr geöffnet. (TO � � � t_ r. ri_ Ueberzeugt von der Wichtigkeit dessen, daß die Lage auf der skandinavischen Halbinsel, die durch den Beschluß des Storthing vom 7. Juni geschaffen worden ist, baldigst durch geordnete Verhälwiffe aogeiöst werde, habe ich Sie zu einem neuen Reichstag einberufen, um diese ernste Angelegenheit einer Beratung zu unterziehen. Ueber- cinstinnnend mit dem von dem letzten Reichstage gefaßten und vom König sanktionierten Beschlüsse wurden zwischen Dele- gierten Schwedens und Norwegens Verhandlungen geführt, und das Ucbcrcinkommen vorgeschlagen, das, nachdem es der Staatsrat einer Prüfung unterzogen hat, Ihnen jetzt zur Erledigung vorliegt. Es ist mein aufrichtigster Wunsch und meine sehnlichste Hoffmmg, daß. ivcnn der Reichstag und der Storthing das Vorgeschlagene annehmen. dies eine Verminderung der Gefahren und der Schwierigkeiten mit sich führen wird, welche als Folge der Auflösung der Union entstehen könnte.— Italien. Sozialisten, die den König empfangen. Rom, 28. September. Der„A v a n t i" kommentiert mit bitteren Worten die von seinem Mailänder Korrespondenten berichtete Tatsache, daß drei Mailänder Reformisten als Mitglieder des Verwaltungsrates der„U m a n i- t a r i a" bei einem Empfang des Königs in diesem Wohltätigkeits- institut zugegen waren und 2200 Lire für die Empfangskosten be- willigt haben. Der„Avanti" drückt die Hoffnung aus, daß die Mailänder Reformisten den Mut haben möchten, dieses Vorgehen öffentlich zu desavouieren.— Gegen die Arbeiterhymne. Rom, 28. September. Obwohl man in allen Teilen Italiens ungestraft die Arbeiterhymne— den Sozialistenmarsch der hiesigen Partei— singt und spielt, hat sich der Ouästor(Chef der Polizei) von Rom bemüßigt gefunden, einen Erlaß zu veröffentlichen, der alle Leierkastenmänner, die die Arbeitrrhymne spielen, mit Strafe und mit Einziehung ihr es Leierkastens bedroht. Das wird jedenfalls dem Sozialismus in Italien den Garaus machen.—> Die Revolution in Rutzlnud. Die Stndentenbewegimg. Petersburg, 2. Ottober. Laut Meldung aus Toms! fand dort gestern im Universitätsgarten eine Studcntcnversammlung statt, an der sich auch Militärpersonen der aktive» Armee be- teiligten. Beim Erscheinen von Kosaken löste sich die Ber- sammlung auf. Vier Personen wurden verhastet. Dynamit. Warschau, 2. Ottober.„Kuryer WarszawSki" meldet: In der Eisenfabrik Ostrowiec ist der ganze Dynamitvorrat von 180 Pfund samt Kapseln gestohlen worden. Die Tat ist von einem bewaffneten Hausen unter Anwendung von Gewalt verübt worden. Ein Arbeiterkongrest. Moskau, 2. Oktober. In verschiedenen Städten sind Vor- bereitungen für einen Arbeiterkongreß im Gange, der im De- zember in Moskau stattfinden soll. * Die Petrolenmindnstrie in Baku. Der nach Baku entsandte Vertreter des FinanzministerS berichtet, daß bei den Unruhen im Petroleumgebict 1772 Petroleum- quellen in Balachani, Sabunischi, Romani, Bibi-Eibat und Zabrad zerstört wurden. Von diesen Quellen waren 910 in Betrieb, 366 waren in der Erbohrung oder der Ausbesserung begriffen und 499 Ivarcn außer Tätigkeit. Die Anzahl der übrig gebliebenen Petra- leumquellen ist 1219, von denen 222 in Betrieb. 282 in der Er- bohrung oder der Ausbesserung begriffen und 412 außer Tätigkeit sind. Die Petroleumqucllen in Romani und Bibi-Eibat haben am wenigsten gelitten. In Romani sind 25 Proz. und in Bibi-Eibat 40 Proz. der Betriebe intakt geblieben. Dies ist für die slukunft der Petroleumindustrie besonders wichtig, da sie in diesen beiden Gebieten erst jung entwickelt ist und die Quellen dort nicht sehr zahlreich, aber sehr ergiebig sind. 6cwerhrchaftUd)Cö. Berlin und tlmgegend. Verband der Portefeuiller und Ledergalanteriearbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands, Filiale Berlin. Zu der bevorstehenden Schulcntlaffung erlauben wir uns Eltern und Vormünder darauf aufmerksam zu machen, daß, falls sie ihre Söhne die feine Lederarbeit erlernen lassen wollen. eS verschiedene Heimarbeiter gibt, welche in geradezn gewiffenloser Weise Lehrlinge auf drei oder vier Jahre in die Lehre nehmen auf Artikel, welche derartig einseitig und minderwertig sind, daß der junge Mann, wenn er später ausgelernt hat, nur sehr schwer in der Lage ist, sich ernähren zu können. Deshalb empfehlen wir den Betreffenden, vor Abschließung des LehrvertrageS sich bei der am Orte bestehenden Organisation(Verband der Portefeuiller) Auskunft zu holen. Eltern, welche in den Vormittagsstunden keine Zeit haben, wird auch an den Wochentagen abends von 6—8 Uhr und Sonntags vormittags von 11—1 Uhr Görlitzerstr. 73 Hof 4 Tr. bei Johannes Heimig bereitwillig Auskunft erteilt. Die Ortsverwaltung. Zur Lohnbewegung der Spcicherarbcitcr. Am Sonntag befaßte sich eine stark besuchte Versammluvg der Speicherarbciter im Ge- werkschaftshause mit den Zu g e st ä'n dni ss en. die von den Unternehmern gemacht worden sind. Wie bereit? mitgeteilt, waren die Forderungen der Arbeiter den Unternehmern überniittelt worden, mit Dem Ersuchen, bis spätestens zum Freitag vergangener Woche Antwort darauf zu erteilen. Die Unternehmer haben darauf eine Komniission gewählt, die mit einem Vertreter des Transportarbeiter- Verbandes Rücksprache nahm und einige Zugeständnisse in Aussicht stellte. Da sich diese Kommission auch zu weiteren Verhandlungen bereit erklärte, so beschloß die Veriammlung. das Resultat der Ver- Handlungen, die am gestrigen Montagabend stattfinden sollten, bor- erst noch abzuwarten und den bereits zu gestern geplanten Streik so lange zu vertagen. Am heutigen Dienstag soll endgültig Beschluß gefaßt werden, ob die noch zu erwartenden weiteren Zu- geständnisie al? genügend anzusehen sind, oder ob die Forderungen mittels Arbeitseinstellung durchgesetzt werden sollen. An der Be- wegung sind jetzt auch die Arbeiter vom Hamburger Getreidespeicher beteiligt, weil dort an Stelle der bisherigen Akkordarbeit größten- teils die Lohnarbeit eingeführt worden ist und diese Lohnbewegung eben die Lohnarbeiter betrifft. Streik in der Gips- und Zementbranche. Die Rabitzputzer, Spanner und Putzerträger (Sektion der Gips- und Zementbrauche des Maurer-VerbandeS) sind am Montagmorgen in den Streik getreten. Beschlossen wurde der Streik in einer von zirka 2260 Personen der Branche besuchten Ver- sammlung. die am Sonntag im Fecnpalast stattfand. Der Sektions« leiter F r i tz s ch faßte in seinem Referat nochmals kurz die Ursachen zusammen, die zum Ausstände geführt haben. Demnach hat die Arbeiterschaft den bisherigen Tarifvertrag rechtzeitig gekündigt und die bekannten Ncuforderungen auf Verkürzung der Arbeitszeit und Lohnerhöhungen gestellt. Begründet wurden diese Forderungen mit dem Hinweis auf die bereits bestehende Teuerung und die mit dem Inkrafttreten der neuen Handelsverträge auf Grund des neuen Zolltarifs zweifellos auch ferner zu erwartende«Steigerung der Lebensmittelpreise. Eine Verhandlung zum Abschluß eines neuen Tarifvertrages auf der Basis der eingereichten Forderungen lehnte die Hauptgruppe der Arbeit- geber, der„Berliner Betonverem", indessen ab. Die Herren wollten sich nur dann aus Verhandlungen einlassen, wenn die Arbeiter ihre Forderungen wieder zurückziehen würden. Natürlich gingen die Organisationen auf ein derartiges Ansinnen nicht ein. Vom Vor- sitzenden deS„Betonvereins" wurde daraufhin ein sogenannter„offener Brief" an die OrgamsationSleitung gerichtet, worin u. a. auSge- sprachen war. daß die Arbeitgeber auf Einführung der allgemeinen Akkordarbeit an Stelle der Lohnarbeit dringen würden. Obwohl die Herren wußten, daß die Organisation prinzipiell gegen die Akkordarbeit ist und eine Generalversammlung der GipS» und Zemcntarbeiter auf das entschiedenste gegen das Projekt des Vor- sitzenden der Arbcitgeberveremigung Stellung genommen hatte, so ließen sie dennoch ihren„offenen Brief" auf seder Baustelle gedruckt unter die Arbeiter verteilen, um diese für das geplante Akkordsystem zu gewinnen, sie womöglich uneinig zumachen und damit gleichzeitig gegen die OrgamsationSleitung aufzustacheln. Ja auf einigen Baustellen gingen die Arbeitgeber sogar soweit, die Arbeiter in den Baubuden zu versammeln, ihnen dort den„offenen Brief" feierlichst vorzulesen und eine Abstimmnng darüber vorzunehmen. Doch lachend erklärten die Arbeiter darauf, fie seien gewöhnt, Ab- stimmungen nur in ihren eigenen Versammlungen vorzunehmen. Die Herren erlitten mit ihrer BeeinflussungStaktik denn auch aus der ganzen Linie ein klägliches Fiasko! überall wurden sie mit ihrem „wohlwollenden" Plan einmütig abgewiesen. So ist denn der bisherige Tarifvertrag am Sonnabend, den 3 0. September, abgelaufen, ohne daß eS zu Verhandlungen gekommen wäre. Die Arbeiter waren somit gezwungen, das äußerste Mittel in An- Wendung zu bringen, um ihre Forderungen durchzusetzen: den Streik. Bereits im vorigen Jahre, als der abgelaufene Tarif ver- längert wurde, ließen es die Unternehmer dieser Branche zum äußersten kommen, ehe sie sich zur Anerkennung der damaligen t orderungen bequemten. Erst vier Tage vor Ablauf des früheren arifs erklärten sie sich zu Verhandlungen bereit, als sie sahen, daß die Arbeiter mit der Arbeitsniederlegung Ernst machen wollten. In diesem Jahre aber lassen sie es vollends darauf ankommen, erst durch den Streik zum Abschluß eines neuen Tarifvertrages gezwungen zu werden. In der Versammlung herrschte eine ausgesprochene Kampf- stimmung. Am deutlichsten kam dieselbe zum Ausdruck, als der Sektionsvorstand den au? taktischen Ursachen wohlerwogenen Vor- schlag machte, vorläufig erst nur die Arbeiter der Gips brauche, die Rabitzputzcr, Spanner und Putzerträger, die Arbeit einstellen zu lassen, während die Arbeiter der Zement brauche, die Zementierer, Flechter usw. vorerst weiterarbeiten und gleichsam in der Reserve bleiben sollten. Es bedurfte der ganzen Beredsamkeit der Sektions- leitung, die letztere Gruppe davon zu überzeugen, daß nur talische Erwägungen zu diesem Vorschlage geführt hatten. Am liebsten wären gleich sämtliche Gruppen in den Streik getreten. Bei der Abstimmung wurde dann aber der Vorschlag des Sektionsvorstandcs einstimmig angenommen und damit die beabsichtigte Taktik der Leitung von der ganzen Versammlung gutgeheißen. Beschlossen wurde, daß die Gipsarbeiter am Montagmorgen die Arbeit bei allen denjenigen Unternehmern niederlegen sollten, die den neuen Tarif nicht untcrschriftlich anerkennen würden. Da am Sonnabend von einigen Firmen aber auch ein Teil der Zementarbeiter entlassen worden sind, so wurde eS als selbstverständlich angesehen, daß bei diesen Firmen auch die übrigen Zemcntierer die Arbeit einstellen. Bewilligt hatten bis zum Sonn- tag 18 Firmen mit zirka 620 Arbeitern. Am Montag ist der Streikbeschluß auf der ganzen Linie mit außerordentlicher Präzision ausgeführt worden. Die Gipsarbeiter begaben sich zum gewöhnlichen Beginn der Arbeitszeit zu ihrer Arbeitsstelle. Bevor sie jedoch die Arbeit begannen, verlangten sie die unterschristliche Anerkennung deS Tarifs. Wo die Unterschrist Seleiftet wurde, lag der Weiterarbeit nichts im Wege. Wo die Unter- hrist jedoch verweigert wurde, da verließen die Arbeiter sofort ein- mütig den Bau. Bis gestern abend hatten 39 Finnen mit 1002 Arbeitern die Fordenmgen unterschriftlich anerkannt. Bei zirka 70 Firmen stehen noch 1122 Arbeiter im Streik. Da« ist ein außerordentlich günstiges Resultat am ersten Streiktage. ES ist deshalb mit Sicherheit zu erwarten, daß auch die übrigen Unternehmer in den nächsten Tagen wohl oder übel nachgeben müssen. Achtung, Bautischler! Kollegen, die Verwaltung ist unserem Beschluß beigetreten, der dahin geht, daß vom 1. Oktober ab wir eine Branche für uns bilden und Berlin in vier Bezirke geteilt wird. Jeder Kollege ist daher verpflichtet, sämtliche Differenzen nur an die B r a n ch c n- O b I e u t e zu melden. Die Kollegen der Bautischlerbranche sind verpflichtet, die Bezirksversammlungen nach wie vor zu befuchen. Die Adressen der BezirkS-Oblcute sind folgende: Bezirk I umfaßt die Bezirke Süden, Süd-Osten, Westen, Süd-Westen; BezirkS-Obmann i st Kollege Breitkopf, U r b a n st r. 66. Bezirk 11 umfaßt die Bezirke Osten, Nord-Osten, Friedrichsberg, Stralau-Rummelsburg; BezirkS-Obmann ist Kollege Ullrich, Kreutziger st r. 7. Bezirk III umfaßt die Bezirke Rosenthaler und Schönhauser Vorstadt und Gesundbrunnen; Bezirks-Obmann ist Kollege Merrettig. Lychener- straße 104. Bezirk lV umfaßt die Bezirke Wcdding und Moabit: Bezirks-Obmann ist Kollege Reiche, Pankow,'' Schulze st r. 22; als Vertreter für Moabit Kollege Kecker, Waldenserstr. 18. Alle Branchenangelegenhciten sind an den Branchenleiter Kollegen Reiche zu melden. Die Branchenkommission. Oiutkd,» Reick). Der Kölner Holzarbeiterstreik hat am Montag eine bedeutende Verschärfung erfahren. Die Unternehmerorganisation weigert sich immer noch, mit dem Holzarbeiter-Verband zu verhandeln. Der Unternehmerverband behauptete in einer Resolution, daß die„über- große Mehrzahl" der vom Ausstande getroffenen Betriebe„mehr oder weniger vollständig" mit„Arbeitswilligen, christlich or- ganisicrten oder keiner Organisation angehörigen, versehen sind und voraussichtlich in nächster Zeit weiterer Z'u zug von Ma« schinenarbeitern und Bautischlern stattfinden wird". Die letztere Hoffnung stützt sich daraus, daß der Unternehmer- verband in allen Gegenden D e u t sch l a n d S in Zeiwngs- inseraten Maschinentischler und Bankarbeiter sucht. Am Schluffe deS Inserates heißt eS:„Schriftliche oder münd- liche Meldungen von christlich und nicht Organi- sierten sind zu richten" usw. Die„christlichen" Unternehmer- handlanger und Streikbrecher werden gebührenderweise andauernd in einem Atemzuge mit den unorganisierten Arbeitswilligen genannt. Um den Streik wirksamer zu gestalten und den Trotz der Unter- nehmer zu beugen, hat eine Mitgliederversammlung des Deutschen Holzarbeiterverbandes beschlossen, allen Zwischenmeistern, die vor den: Streik keine eigene Werkstclle hatten, die Arbeitskräfte zu ent- ziehen; wo auch nur der Verdacht begründet erscheint, daß Streik- arbeit gemacht werde, wird ebenfalls sofort die Arbeit niedergelegt, ebenso in allen gemischten Betrieben, das heißt, wo neben Möbeln, Ladeneinrichtungen und dergleichen auch Bauarbeit gemacht wird. Diese Maßnahmen müssen die Arbeitgeber zur Nachgiebigkeit zwingen; denn die gelobten und geliebten Arbeitswilligen sind meist unbrnnch- bare Elemente, Stümper, die die Arbeit verpfuschen und sich an den Maschinen die Finger abschneiden. Der Unternehmerverband hatte den Deutschen Holzarbeiter« verband öffentlich aufgefordert, eine geheime Abstimmung der' Streikenden herbeizuführen:„Das Resultat würde für das Publikum eine große Ueberraschnng sein, da die Mehrheit der Streikenden unserer Ueberzeugung nach für die Beendigung des Streiks stimmen dürfte." Daraus hat der Holzarbeiterverband am Sonntag unter den Ausständigen durchStimmzettel geheim abstimmen lassen. Das Ergebnis ist eine ungeheuer klatschende Ohrfeige für die Unternehmer. Ganze neun Stimmen waren von den mehr als 200 Streikenden, von denen etwa 300 an der Abstimmung teil- nahmen(die anderen standen meist Posten) für die Beendigung des Streiks. Der GaSarbeiterstrcik in Pforzheim endete nach dreizehn- tägiger Dauer mit einer Niederlage der Arbeiter. Ter städtischen Gasvcrwaltung gelang eS, für 10 M. pro Tag, 7 M. Lohn und 3 M. Entschädigung für das Uebernachten in den Anstaltsräumen, so reich- lich Arbeitskräfte, meistens Kleinbauern und Tagelöhner aus den benachbarten Dörfern, heranzuziehen, daß der Betrieb nach und nach notdürftig weitergeführt werden konnte. Die wesentlichen Merkmale dieses Kampfes dürften das öffentliche Interesse erregen: 1. Der Streik wurde bekanntlich provoziert durch Nichteinlösung eines vom Stadtrat Maier gegebenen Wortes(Wiedereinstcllung eines Gemäß- regelten); wahrscheinlich sollte diese Gepflogenheit vieler Scharf» macher auch auf die Praxis der Stadtverwaltung übertragen werden. 2. Der scharfmacherische Stadtrat wollte offenbar durch diese Provo- kation nicht nur gegen die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft Pforzheims im allgemeinen und die Gasarbeiter im besonderen einen Schlag führen, sondern auch der sozialdemokratischen Vertretung im Stadtparlamente das Uebergewicht der bürgerlichen Vertretung be- weisen. 3. Mangel jedes sozialen Empfindens der bürgerlichen Mehrheit im Stadtparlamente und der Stadtverwaltung; selbst die angebotenen Verhandlungen vor dem EinigungSamte wurden zurück- gewiesen. 4. Mangel einer genügenden Arbeitervertretung im Stadtparlamente. 2. Die Verwendung öffentlicher Mittel der Ge- meindc gegen die eigenen stcuerzahlenoen Arbeiterbürger läßt sich' vom sozialpolitischen Standpunkte aus nie und nimmer rechtfertigen, hier geschah es in unverantwortlicher Weise. Während der ordent- liche Lohn der Gasarbeiter 4,20 M. pro Tag betrug, zahlte die Ver- waltung aus öffentlichen Mitteln der Steuerzahler 10 M. an die' Streikbrecher. Eine Lohnforderung war nicht gestellt, es handelte sich in der Hauptsache um Einlösung des gegebenen Wortes betr. Zurücknahme der Maßregelung des Vorsitzenden der Verbandsfiliale. Die weiteren Nebenforderungen kommen nicht in Frage, weil ihret- halben dieser Streik nicht ausgebrochen wäre. 6. Die hinterlistige, streikbrecherische Taktik der„Christlichen". Dasselbe Bild wie über- all: Vor dem Streik wird's Maul voll Solidarität genommen. Nach zwei oder drei Tagen gibt der„christliche" GewerkvereinSvorstand das Signal zum Streikbruch, um mit den eigenen Mitgliedern die Stellen zu besetzen und so in den Sattel zu kommen. Endlich sei nicht ver- schwiegen, daß der Bürgermeister nach Beendigung des Streiks die Ausständigen aufforderte, sich wegen etwaiger Wiedereinstellung an Amtsstelle zu melden. Die unter Einfluß des Scharfmachers und Kommerzienrats Maier stehende städtische GaSdirektion wies die sich Meldenden zurück mit dem Bemerken, sie habe genügend Arbeits- kräfte. Trotz der Erklärung gegenüber einigen Stadtverordneten, denen man übrigens den Zutritt zum Gaswerke während des Streiks verwehrte, daß die Streikbrecher keine vollwertigen Arbeitskräfte seien! Die Schlußfolgerungen aus diesem Kampfe kann jeder Leser leicht ziehen. Letzte Nachrichten und Deperchca Zum schwedisch-norwegischen Konflikt. Stockholm, 2. Oktober.(W. T. B.) Die Regierung brachte heute im Reichstag einen Antrag ein, in dem sie den Reichstag ersucht, gut zu heißen, daß der in Karlstad ausgearbeitete Entwurf zu einem Ilebereinkommen bindende Kraft erhalten soll, sobald die im Karlstader Entwurf aufgestellten Bedingungen über die Art und Weise der Unionsauflösung erfüllt sind, unter der Voraussetzung, daß in Norwegen ein ähnlicher Beschluß gefaßt wird. Leipzig, 2. Oktober.steglitz, Forsterstr. 8. Theodor Schworst, M. d. ist. Bilder aus Lübecks Vergangenheit. 336 Seiten. Verlag: Fricdr. Meher u. Co., Lübeck. Unsere Haustiere. Lieserung 6—10(jede 60 PI) Herausgegeben von Dr. R. Klett und Dr. L. Holthos. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. Die neue Frauentracht. Mitteilungen der Freien Vereinigung sür Verbesserung der Frauenkleidung. Herausgegeben von Ella Law in Dresden. Verlag: G. D. W. Callwcy, München. Monatlich 1 Hest. Preis: Halbjahr 1,50 M. „Annale» des Deutsche» Reichs«(München, I., sArtur Sellierj, Hest Nr. 9) veröffentlichen soeben geschichlliche zum Entwürfe einer baherischen Kirchengemeinde-Ordnung aus des Prosessors Dr. Anton Dyross in München. Jährlich Abonnementspreis: Halbjährlich t0 M. 12 Hefte bilden einen Band. Die Ohrenkranklicrte» und ihre Behandlnng unter Berücksichtigung einer neuen Massage-Meihode des Trommelselles und de? Gehörganges und einem Anhange: Die Nasen- und Rachenkrankheiten. Von Dr. Totanus. II. Nnstage.(1,50). Verlag von Edmund Demme. Leipzig. Mädchen- und Franeugruppe für soziale Hülfsarbelt zu Berlin. Jahresbericht und Programm sür das Arbeitsjahr 1905/06. Frl. Marie Badt. Berlin IV. HabSburgersw. 13. v. Hübner. Gcographisch-statistische Tabellen für 1905. Herausgegeben von Pros. Dr. Fr. v. Juraschek. Preis geb. 1,50. Wandtasel-Ausgabe 60 Ps. Verlag H. Keller, Frankfurt a. M. Protokoll über die I. Konserenz der Krankenkassenvorstände der Provinz Brandenburg 1901, und Protokoll über die II. Konserenz der Freien Ver- eimgung der Krankenkassen der Provinz Brandenburg 1905. Preis jedes einzelnen Protokolls 30 Ps. Verlag, Zentralkommission der Krankenkassen Berlins und der Vororte. Berlin, Engel-User 15. Die Rationalökonomie des Saint> SimouismuS. Von Prosper Ensantin. Aus dem Französischen übersetzt von Dr. Albert Villavet. Mit einer Einleitung von Georg Adler(Hauptwerke des Sozialismus und der Sozialpolitik. Herausgegeben von Dr. Georg Adler). Verlag C. L. Hirsch« seid. Leipzig. 1905. Dr. Matthaei. Die Förderung der EnthalisamkeitSbcwcgung durch die Arbeiter-Antialkoholschristen. Nr. 1. 16 Seiten. Preis 0,20 M. F. Hajts Verlag. Jena. 1905. Das europäische Ruhland. Eine Studie zur Geographie des Menschen. Von Alsrcd Hcltner. Mit 21 Textkarten. Gr. 8.(VII u. 221 S.) Preis geh. M. 4,00, geb. M. 4,60. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. 1905. er Verlag aterialien der Feder 12 Hefte. Wltterniigsiibcrstcht vom 2. Oktober 1905, morgen» 8 Uhr. Stationen Swincinde. erlin Franks.a.M. München Wie» »•S .5 H m« Wetter 3 wolkig 3halbbd 2 wolkig 3 bedeckt 5 wolkig 3bedcckt lSK eSf a" s? w a. 8 Stationen §£■ w s apara»dal717 N etersburg 738 SO Scilly Aberdeen Paris 764 WNW 756 WNW 758 W — 0 6 11 6 g 749 WSW 751 WSW 751 SW 755 SW 757 SW 755 W Wetter-Proanoie für Dienstag, den 3. Oktober 1905. Ziemlich kühl, zeitweise heiter, aber noch veränderlich mit etwas Regen und mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Weller 2 heiter 1 bedeckt öwoikig 2 halb Bd. 2 halb bd. 14S = 5° m a Für den Jnhalst der Inserate übernimmt die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinevlei Bcrantwortiing. Zhcater. Dienstag, 3. Oktober. Ansang T/, Uhr: Opernhaus. Das Fest auf Sot- Schauspielhans. Der Schwur der Treue. Neues Opernthcater. Geschlossen. Reueö. Ein Sommernachtstraum. Westen. Der Opernball. Berliner. Geschlossen. Zentral. Zur indischen Witwe. Walhalla. Eine tolle Nacht. Ansang 8 Uhr: Schiller«. kWallner-Theater.) Der Traum ein Leben. Schiller?k.(Friedrich Wilhelm. städtisches Theater). Nora(Ein Puppenheim). Lessing. BenignenS Erlebnis. Hanncles Himmelfahrt. Residenz. Die Höhle des Löwen. Kleines. Hidalla. Triano». Madame Torera. Lustspielhans. Jahrmarkt in Puls- Nitz. Thalia. Bis früh um Fünse! Carl Weih. Der Wellumsegler wider Willen. Belle-Alliance. Spezialitäten. Luisen. Wilhelm Till. Deutsch- Amerikanisches. Aber, Herr Herzog I Kasino. Der AdcISnarr. Apollo. Ein Abend in einem amerika- Nischen Tingel-Tangel.— Slm Hochzeitsabend.— Spezialitäten. Mrtrouoi. Aus— ins Metropol! Hcrrnfcld. Die Meyerhains. Wintergarten. Löte Füller. Spe- zialitaten. Folies Caprices. Nach dem Zapfen- streich. Soll und Haben. Rrichshalirn. Stetüner Sänger. Passage. Poldi Augustin. Herr Tacianu. Spezialitäten. Urania. Ta»be»strnhr 48/49. Im Laude der Mitternachtssonne. Nachm. 4 Uhr: Ticrlcben in der Wildnis. Jnvalidenstrahe 57/02. Stern- warte. Täglich geöft'net von 7 bis 11 Uhr. Berliner Theater. Sonnabend, den 7. Oktober 1305, abends 7'/, Uhr: Eröffnung s- Vorstellung Andalosia. Dramatisches Gedicht in 5 Akten von Florian Endli. Sonntag nachm. u. abends: /lnilalozis. Heues Theater. Anfang 7'/, Uhr. Lin Sctntnemachtstraum. Morgen u. folgende Tage: Ein Sommernachtstraum. Kleines Theater. A b e n d s 8 U hr: Hidalla. Mittwoch, Donnerstag, Freitag: Hidalla. ValhallaTheater Weinbergsweg 19/20. Direktion: Richard Schalt«. Heute und folgende Tage: Eine tolle f�ackt. Vorher: Gr. Spezialitälon-Programm. Ans.'1,8 Uhr. Rauchen überall gestattet. «»roßes Konzert der 1. Wiener Orpal-Seinneln und der weltberühmten Tyrolergesellschast vis Ansang'/-9 Uhr. Entree frei. Ende 2 Uhr. Debüts der Ohtohcr-Spczlnllttltea mit: Daisy Jerome Amerikas bester weiblicher Komiker, der Liebling Amerikas! Dazu: Ein Abend in einem amerikanischen mr Tingel-Tangel."M Hochzeitsabend und bieOktober- Spezialithten. Nächste Nachmittags- Vorstellung: Sonntag, 8 Oktober, nachm. 3 Uhr: Bedeutend ermäßigte Preise. Kaslno-'I'keatei' Lothriiigerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Glänzender Erfolg! „der Udelsttarr." Xeu! Rhclngold-Trlo. Asia mit dressiertem Pfau ic. JC. Sonntag nachmittags 4 Uhr: „Ein Sohn des Volkes." Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: Der Tranm ein Lieben. Dramatisches Märchen in 4 Auszügen von Franz Grillparzer. Mittwoch, abends 8 Uhr: ver Traun» ein Liehen. SonnerStag,abends8Uhr: Ein Wlntermilrchen. Theater. Schiller-Theater H.(Friebr.-Wikh. Th.) Dienstag, abendS S Uhr: Kor». Schauspiel in 3 Aufz. v. Henrik Ibsen. Deutsch von Wilhelm Lange. Mittwoch, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Flachsmann als Erzieher. Donnerstag, abendS8Uhr: Flachsmann als Erzieher. Zirkus ilbert Schumann ficute abend präzise 7'/, Uhr: a- Torstellung und zum 6. Male: Die größte Novität I Der Tag des EEnxliscken Derby. DaS Leben und Treiben nach dem Original aus das glänzendste in- szeniert vom Dir. Lid. Schumann, einstudiert vom Ballettmeister Pratesi. I. Bild; Im Rennstall des Lord Weatherdon. II. Bild: a) Der Favorit. d) Das Rennen, c) Huldigung des Siegers. III. Bild: Aus dem Heimweg. Vorher das Seusationsprograinm. U. Das einz. existierende einen halb. Neu und höchst originell! Damku-Fust-Kingkampf, 12 Amerikanerinnen n. Englanderinnen John and Eoals Boller mit ihren noch nie gesehenen w-ullliKijMi'ta-NWlii'tale!! mit dem Zweirad. Residenz-Theater. Oirehtion: Richard Hlcxandcr. Heute und folgende Tage Anfang 8 Uhr: Hie Höhle des Löwen. Schwank in 3 Akten v. M. Hennequin und P. Bilhaud. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Seine Kammerzofe. Theater des Westens. Station Zoolog. Garten. Kantstr. 12. Dienstag bei ausgehob. Abonnement: Der Opern ball. Mittwoch: Der Opernball.'' Donnerstag: Der Opernball. Freitag bei ausgehob. Abonnement: Der Opernball. Sonnabendnachm. 3 Uhr, kl. Preise: Iphigenie auf Tanris. Abends Tl, Uhr: Der Opernball. Sonntagnachm. 3 Uhr, halbe Preise: Ilndine. Mends 7'/, Uhr: Der Opernba». XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. Knin 13. Tlale: �Hit Mexiko. Große Ausstattungs- Pantomime ans dem mexikanischen Pflanzerleben, Inszeniert vom Kommissionsrat Busch. Verfaßt und einstudiert von Herrn Burkhardt- Foottit. Tänze vom italienisch. Hofballettmstr. Otlavi. Musik vom Kapellrastr. Taubert. Die Helden vom Yalua.Port Arthur in ihren milit. Infanterie-Exerzitien. Japanische Infanterie. Ausgesuchte Repräsentanten der Armee des Mikado. Tier Soeurs Atletas. Metropol-Theater Präzise 8 Uhr zun» 25. Male: Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jnl. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Kapellmeister MaxKoth. In Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Waiden a.D.xMiBClifford a.D. Bender x Giampietro Joseph! x Massary x Frid-Frid Steidl x Lilly Walter. Rauchen in all. Räumen gestattet. _ Anfang 8 Uhr._ V. Hoacks Theater. Direktion: Rob. Olli. Brninienstr. 16. Der Dettklstitdent v. Kerlin. Volksstück mit Gesang in 3 Akten von H. Busse. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Ps. Mittwoch: Wfohitäter der Menschheit. Donnerstag: Gr. Eätravorsteliung. Urania 8 Uhr; Tauben- str. 48/49. Im Lande der ilternaelilssiiiine. Nachmittags 4 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Sternwarte str. 57/62. JCASTANS ANOPflCU/W. Friedrichsir. 165. Joels Traum. !! Pompeji!! Die Ehre des Vaters! Restaurant: Dresdener Sänger. »MMaMiMMi Passage-Theater. J Das glänzende Oktober-Programm. Ansang der Abeiidvorstcll. 8 Uhr. Aquamarinoff Russ. Gesangs» und Tanztruppe. Georg und Gusti Edler, Tiroler- Duo. Geschw. Neiss, Trampolin-Akt. Fleurs d'Orango, Gesangs- Ensemble. Marschall und seine Hüte ze. jc. Fröbels Ällerlei-Tlieater Schönhauser Allee Nr. 148. Heute: Gastspiel des Bemb. Rose-Theaters DerMillionenbauer. Volksstück in 4 Ausz. v. Max Kretzer. ~"" lnung 7 Uhr. Ans. � Uhr. Entree 5V Ps., numer. Platz 59 Pf. (Abonnement 40 Ps.) In Vorbereitung: Der Glinde v. Paris. Morgen Mittwoch: Sondor-Abend. Neue erstklassige Spielsolge. Ehren- und Vorzugskarten gültig. ELYSIUM. Kommandantensir. 3-4. P Vollständig neu renoviert, iv Auftreten v. 36 erstklassigen intern. Spezialitäten. Geöffnet von 16 Uhr frllh bis 12 Uhr nachts. Luisen-Theater. AbendS 8 Uhr: Wilhelm Teil. Mittwoch: Der Mann im Monde. Donnerstag zum erstenmal: Da» Erbe. freitag: Das Erbe. -onnabend: WUhelm Tell. Sonntag nachm.: Maria Stuart. Abends: Das Erbe. Montag: Der Mann im Monde. Trianon-Theater. Heute und folgende Tage: Msclsrne Torera (Madame L'ordonnance). Schwank in 3 Akten v. Jules Ehancel. Deutsch von Max Schoenau. Ansang 8 Uhr. ltoii Weiß-Theater. Gr. Franksurtcrftr. 132. Der Veltuiusegler wider Willen. Ansang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung: Die sieben Raben. Abends 8 Uhr: Das lläibchen von Heilfaronn. Ic Heute Jeden Abend 8 ührl zum Gastspiel Ad. Philipp 32. ABERi Male: Herr Herzog Jeden Sonntagnachmittag 3 Uhr: Halbe Preise! „Eebcr'n großen Teich." Budapester Possen-Tb eater 132 linienstr. 132= Ecke Friedrichstraße. Kaeh dem Zapfenstreich. Militär-Humoreske von Satyr. Vorher: Soll und Haben und der ausgezeichnete SpezialitätenteiL Kasseneröfinung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Ab 1. Oktober: Sonntag nach» mittag 3 Uhr Vorst zu halb. Er Sanssouci, Pottiiuf(r|tr.4a Dir. W. Reimer, Heute Dienstag: Gastspiel Loewe-Ensemble. Tie Anne Liese. Lustspiel von Hermann Hcrsch. Morgen Mittwoch: Das Schloß am Meer. Schauspiel in i Sitten 0. O. Walther. Jed. Sonntag, Montag, Donnerstag: Hossmanns Norddeutsche Danger und Tanzkränzchen. Sonntag Beginn 5, wochent. 8 Uhr. Belle-Alliance! Theater. Eröffnungs- Programm. Sensation Berlins.! The belle Astoria. Leo Billward. The 3 Onleys. j Rose und Jehan. Renards russische Hunde-Meute. Wehlfried-Sextett. Liane Leischner. Sol-Do. James u. Maud Themas, j Ed! Blum. Geschw. Mertens, Fldelio-Quartett. Anfang 8 Uhr. 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Es war dies kein besonderer Tagesordnungs- Punkt, sondern die gehabten Auseinandersetzungen nahmen ihren Ausgangspunkt aus einer von uns als unqualifizierbar empfundenen Lleußerung des erst seit kurzer Zeit angestellten und auch im„Post"- Artikel genannten Kollegen. Die langen Ohren deS Geheim- berichterstatters der„Post" haben hier, wie schon oft, wieder einmal vorbeigehört. Auch haben wir auf die Mitwirkung der„Post" und dessen GeheimberichterftatterS nicht gerechnet. Die Behauptung, daß die„VorwSrts"-Druckerei in der betr. Versammlung als ein „Zuchthaus ersten Rr-ges" bezeichnet wurde, ist ebenso unwahr als die hieran geknüpften Schlußfolgerungen unrichtig bezw. die weiteren Behauptungen falsch sind. Die Hineinziehung der Person Singer? finden wir mehr als unverantwortlich, weil gerade in dieser Versammlung von den Beteiligten der Person Singers und besten strenger Recht- lichkcit den Arbeitern gegenüber unter Zustimmung der Versammlung lobend gedacht wurde.— Die allerdings vorhandenen und auch vor- geführten Differenzen mit der Geschäfislcitung sind rein persönlicher Ratur, haben mit der Partei und deren Institutionen garnichts zu tun und richteten sich die Ausführungen lediglich gegen die oben be« zeichnete Person und den derzeitigen Geschäftsleiter. Und hierbei sind wir allerdings der Meinung, daß die rein konstitutionellen Verhöltniste andere sein könnten. Die im Schlußsatz des ,Post"-Artlkels enthaltene Wendung: .... So haben sie sich denn, wie schon früher, wieder einmal an uns gewaildt.. ist,„wie schon früher" auch diesmal eine V e r- leumdung. Die Maschinensetzer der„BorwärtS"-Druikerei. Smcbts-�eitiing. Ein Umzug mit Hindernissen lag einer Anklage wegen versuchter Erpressung, Betruges' und Unterschlagung zugrunde, welche gestern den Fuhrmann Paul Kuhnert, den Arbeiter Max Böhmer und den Arbeiter Alois Görlitz vor die vierte Strafkammer des Landgerichts J führte. Im Juni d. I. beabsichtigte der Restaurateur T. von der Waldstraße nach Rixdorf zu verziehen. Der in seinem Lokal verkehrende Böhmer versprach, ihm den Umzug für 10 M. zu besorgen. Als Anzahlung erbat er sich sofort 3 M. auS. Böhmer setzte sich mit dem Angeklagten Kuhnert in Verbindung. Inzwischen hatte sich Görlitz schon den Restbettag von 7 M. von T. aus- händigen lassen, wobei er sich als der„Rixdorfcr Fuhrherr" vor- stellte. Der Umzug ging bis zu der neuen Wohnung glatt von statten. Hier aber verlangte Kuhnert von Frau T. zwanzig Mark. die ihm Böhmer angeblich versprochen hatte, anderenfalls die Möbel nicht abgeladen werden. Görlitz zog es vor. mit den schon erhaltenen sieben Mark zu verschwinden und überließ die Mit- angeklagten ihrem Schicksal. Als sich Frau T. weigerte, ohne Zu- stinunung ihres Mannes noch etwas zu bezahlen, fuhren die An« geklagten mit einem Klavier und einem Schrank schnurstracks zu einem Kaufmann Reiwald, dem sie die Sachen für 40 Marl ver- pfändeten. Das Geld wurde geteilt.— Bor Gericht bestritten die Angeklagten jede Schuld. Der Gerichtshof kam bezüglich des An- geklagten Kuhnert zu einer Freisprechung, da dieser nach« iveisen konnte, daß er im guten Glauben gehandelt hatte. Gegen Böhmer und Görlitz lautete das Urteil auf sechs bezw. zwei Monate GefängnrS. Die Bestie im Menschen zeigte sich in abscheulichster Gestalt bei einem empörenden Vorfall, der gestern das Schwurgericht am Land- gericht II beschäftigte. Der Viehtreiber Paul Lange, der Arbeiter Willy Fielsch und der Bäckergeselle Paul Pötsch trafen am Abend des 6. Juni v. I. auf der Rummelsburger Feldmark die Dienstmagd Marta Stabow aus Pankow. Sie verschleppten das noch junge und unerfahrene Mädchen nach einem einsamen, menschen- leeren Platz, fielen über ihr Opfer her und warfen es zu Boden. Das Mädchen wurde in der brutalsten Weise vergewaltigt, so daß sie schließlich bewußtlos am Boden liegen blieb. In diesem hülflosen Zustande wurde ihr von Pötsch auch noch ihr Portemonnaie mit 16 M. Inhalt gestohlen. Da? Geld verjubelten die drei Unholde gemcinschast- lich. Die in so brutaler Weise gemißbrauchte S. schleppte sich, nachdem sie wieder zu sich gekommen, nach Berlin, wo sie der Polizei Mitteilung von dem Vorfall machte: letzterer gelang es bald, die rohen Pattone festzunehmen. Das unglückliche Mädchen ist infolge der uninenich- lichen Behandlung, die ihr zuteil geworden, lange Zeit krank ge- wesen und bat noch heute an den Folgen der rohen Tat zu leiden. Die Verhandlung vor dem Schwurgericht fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der Gerichtshof verurteilte Lange zu sechs Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust, Fielsch zu zwei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust und Pötsch zu 6>/z Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehr« Verlust. Die„ausländische" Lotterie. In einer kurzen Lokalnotiz hatte eine hiesige Zeitung mitgeteilt, daß das große LoS der hessisch- thüringischen Staatslotterie im Betrage von einer Viertelmillion Mark auf eine in der Nottz wiedergegebene Nummer gefallen sei. Daraufhin wurde der verantwortliche Redakteur wegen Uebertretung des Z 6 des Gesetzes vom 29. August 1904, welcher die Veröffent- lichnng von Gewinnergebnissen einer in Preußen nicht zugelassenen Lotterie verbietet, vom Schöffengericht zu 10 M. Geldstrafe ver- urteilt. Vor der Berufungsstrafkammer beantragte Rechtsanwalt Masse die Aufhebung des ersten Urteils und Freisprechung des Angeklagten. Er führte aus, daß die Bekanntgabe eines einzelnen Gewinnergebnisses eine Lotterie- Polizeikonttavention nicht darstelle, denn der§ 6 des Gesetzes vom 29. August 1904 sage ausdrücklich„wer Gewinnergebnisse zc. veröffentlicht", verlange also wort- und sinngemäß die Bekanntgabe mindestens mehrerer Gewinnergebuiste. Die Tendenz des angezogenen Gesetzes gehe doch nur dahin, einer Anreizung zum Spielen in solchen nicht zugelastenen Lotterien zu steuern, in der hier in Frage stehenden kleinen Notiz könne aber doch unmöglich die Absicht erblickt werden, das Spielen in einer nicht zugelassenen Lotterie zu fördern.— Der Gerichtshof schloß sich nach beiden Richtungen hin den Ausführungen des Verteidigers an, hob das erste Urteil auf und erkannte auf Frei- sprechung. VernriCckres. Eisenbahnunglück. Auf der Sttecke Ratibor— Kattowitz entgleiste, wie wir bereits in der Sonntagsnummer meldeten, am Sonnabendabend der Personenzug 858 bei Czernitz infolge einer falschen Weichenstellung. Wie uns weitere Telegramme mitteilen, sind der Lokomottvführer sowie ein Heizer tot. Der Packmeister Fuchs ist schwer verletzt. Von den Passagieren, namentlich der vierten Wagenkjasse, wurden viele schwer verletzt. Die amtliche Meldung über den Eisenbahnunfall lautet folgender- maßen: Ein größerer Unfall ereignete sich am 30. Sepleniber abends 8 Uhr 43 Minuten auf dem Bahnhof Czernitz. Der Personen- zug 353 sNendza— Kattowitz) fuhr bei der Ausfahrt unter Nicht- beachtung des Haltesignals auf ein stumpfes Gleis und zertrümmctte den am Ende stehenden Prellbock. Die Lokomotive, der Packwagen und drei Personenwagen 4. Klasse stürzten die Böschung hinab. Der Lokomotivführer Stephan und der geprüfte Heizer Popratz, beide aus Kattowitz, wurden getötet, ein Zugführer und zwei Reisende schwer, mehrere Personen leicht verletzt. Der Verkehr ist nicht gestört. Die Beulenpest in Sibiriern Nach Telegrammen, die aus T s ch i t a und Werchne-UdinSk sSibirien) in Petersburg ein- getroffen find, sind auf den Bahnstationen Dalainor und Man- dfchuria Fälle von Beulenpest festgestellt worden. In Dalainor sind 20 Fälle vorgekommen, von denen 10 tödlich verliefen. Die Ver« waltung beantragte, Transbaikalien für pestbedroht zu erklären. Aus Tschita wird noch berichtet: Der erste Pestkranke m Dalainor war ein von der Statton Mandschuria eingettoffener Kosak, der einen Monat lang in der Steppe gelebt hatte. In Aerzte- kreisen ist deswegen die Annahme aufgetaucht, der Kosak sei durch Murmeltiere infiziert gewesen, unter denen mehrfach Pestepizootien beobachtet worden sind. Der letzte Ausbruch der Pest aus dieser Ursache erfolgte im Jahre 1902 in der Nordmongolei und raffte über 200 Menschen hin. Die Behörden der an die Mongolei und Mandschurei angrenzenden Kreise sind beauftragt worden, fest- zustellen, ob unter den Murn, elfteren die Pest herrscht. Nach einem Telegramm aus JrkutSk findet auf der Transbaikalbahn eine Be- sichtigung der von Osten kommenden Reisenden und Militärchargen statt. Das Zollanlt beantragte die Einstellung der Pakelsendungen vom Osten. Schiffsunfälle. Nach einer Drahtnieldung aus Helsingborg, t. Oftober, ist der Göteborger Dampfer„Ntvrd" Sonnabend abend in der Nähe der Insel Hven mit dem Stockholmer Dampfer„Robert" zusamniengestoßen. Der„Niord" traf den„Robert", der mit SchwefellieS von Huelva nach Stettin unterwegs war, mittschiffs Backbord. Der„Robert" sank sofort. Die Besatzung, be- stehend aus 19 Mann und zwei Frauen, sämtlich schwedischer Nationalität, ertrank, mit Ausnahine eines Zimmermannes, welcher von der Besatzung des„Mord" gerettet wurde. Die Ursache deS Zusammenstoßes ist noch nicht aufgeklärt. Das Wetter war vollkommen klar.— Dem Londoner„Standard" wird aus Shanghai gemeldet, daß der Dampfer„Hfieho" bei Schantung-Vorgebirge Sonnabend morgen auf eine unier Wasser befindliche Mine stieß und innerhalb 10 Minuten sank: 1b Personen kamen dabei ums Leben.— Aus Jbiza f Provinz Baleares), 1. Oktober, meldet die„Agence Havas": Zwei ausländische Dampfer, deren Heimatsort man noch nicht kennt, stießen zusammen: einer sank; die ganze Besatzung, ausgenommen drei Mann, sind ums Leben gekommen. Einbruch im Pistamt. Aus Heinrichswalde, Ostpreußen, wird berichtet; In der vergangenen Nacht sind Diebe in der Postageutur von M o tz i s ch k e n eingebrochen und haben etwa 1000 M. gestohlen; die Täter sind bis jetzt noch nicht ermittelt. Unwetter in Mexiko. Wie„Daily Chronicle" unter dem 1. d. M. aus New Dork meldet, teilen aus den Baumwolldistriften eingegangene Depeschen mit, daß die Reis- und Zuckerernte durch ein furchtbares Unwetter, da« gestern am Golf von Mexiko wütete, stark gelitten hat. Nach den bisher vorliegenden dürstigen Nachrichten wurden auch die Baumwollpflanzer sehr schwer ge« schädigt. Brand einer japanischen Militärwerkstätte. Nach einem Tele« gramm aus Tokio ist um 1 Uhr in der Nacht zum Sonntag in der Militärwerkstätte von Hiroschima ein Feuer ausgebrochen, das bis Sonntag nachmittag 27 Gebäude zerstört hatte. Man hält Brand- stistung für wahrscheinlich. Srlekkaften der Redahtfon. Abel. Nein.— 1020. Ja.— H. B. Bei London.- Schule. l. Ihrer Wohnung zunächst liegt die Fortbildungsschule Zehdenickerstr. 17/18. 2. Auch für Anfänger, l Warum gaben Sie uns nicht Vorbildung und Berus an? Für AuSkünste über Fortbildungswesen ist das nötig.— B. 000. 1. Unterschreiben Sie nur, daß Sie davon KeNntniS genommen. 2. Alles Nähere durch die Adresse: Herrn Friedcrici, Südende(bei Berlin), Mittel- sttaße 3. Auch durch A. Hofsman», M. d. R., Blumenstr. 14. hier.— Rieb. Danzigerstr. 93. Parteilag 1892 in Berlin, Konto cdia-Säle. Wo Quittung?— Krankenknfsc. Schon früher beantwortet. Wenden Sie sich deshalb an das Sekretariat der Berliner GewerkschastS-Kommission, Engel« User 15, parterre. P. St., Rixdorf. Sie haben recht. Wir wollen hoffen, daß dle Un« annehmlichkett nicht wieder vorkommt. >rtrtirchcr Ceti. 3Me luriftlsch« Sprcchftinidc flildr» täglich mit Ausnahme d«s Sonnabends dt»,?>/ bt»»>/. Uhr statt, weöfsnet- abend»? Illir. L. G. Soweit ersichtlich, scheint Ihrem Wirt ein ExmissivnSrecht nicht zuzustehen. Aber es ist unmöglich, eine bestimmte Antwort ohne Einsicht in den Verttag zu erteilen. Wir wiederyolen die schon so häusig ausgesprochene Bitte, Anträgen über Rechte und Pslichten aus einem Vertrage oder auS Urkunden zu uirter lassen, salls der Anfrage nicht der Vertrag oder die Urkunde im Original oder in Abschrift beigefügt wird. Die Sprechstunde steht jedem Abonnenten offen.— K. 100. Per- ttäge, gleichviel in welcher Form sie abgeschlossen sind, sind nngüllig. der Vertragsabschluß möglicherweise auch strasbar, wenn die Verträge in der Abficht geschlossen sind, Gläubigern BefriedigungsobjeNe zu entziehen. Gläubiger ist jeder, der eine Forderung hat. nicht nur der, der Klage er« hoben hat. Liegt solche Absicht nicht vor, so ist sür einen Srl.eakungsvertrag der Eltern den Kindern gegenüber die notarielle oder gerichtliche Form zu empfehlen. In der Regel ist von ewem solchen Bertrag abzuraten. Wollen die Eltern, daß ihre Kinder»ach ihrem Tode in bestimmter Weise sie be- erben, so sollten sie die Form eines Testaments wählen. Beispiele sür eigen- händige Testamente sinden Sie aus den letzten Seiten deS dem.Arbeiterrecht" beigcniglen Führers. Das Buch liegt in de» öffentlichen Bibliotheken aus. — Wörlttz. Hat ein Bürgermeister Unterschlagungen begangen, so hastet zunächst er, beziehentlich seine Erben der Stadt. Es haften ferner die- jenigen, die ihm bei der Unterschlaguna Bcibülse geleistet, und endlich die Personen, welche die ihnen nach der Städte-Ordnung oder nach dem OrtS- stalut oder sonstigen gültigen Satzungen obliegende Aufsichtspsiichi unter- lassen und dadurch die Unterschlagung ermöglicht haben. Ob in dem von Ihnen geschilderten Fall eine dieser Voraussetzungen zutrifft, vermögen wir nicht zu entscheiden. Keineswegs hasten ohne weiteres die Stadt- verordneten oder die Mitglieder der Aussichtsbehörde.— Waidmar.iiolait. Liegt der Sachoerhalt so, wie Sie ihn schildern, so besteht für Sie lciiic Verbindllchleil zur Zahlung und können der Klage mll Ruhe entgegensehen. — W. D. Der Magisttat ist keineswegs zur Zahlung des Fahvgetdes oder deS Schulgeldes verpflichtet, es sei denn. Ihnen ist in rcchisivcrbiiidllchcr Form"eine dahingehende Zusage vom Magisttat gemacht. Das möchsc,, wir entgegen Ihrer Ansicht bezwciseln! was etwa«in Gckrelär oder Kanzlcibeamter Ihnen erklärt hat, ist sür den Magistrat und die Stadt ohne jede Rechtswlrkung.— Bi. 40. Nein - N.«. 4. Ist Ihre Nichte großjährig(2l Jahre alt), so ist st- an den von ihr geschlossenen Vertrag gebunden, sonst nicht.— A. S. 100. Den Unterstützungswohnsitz erwirbt ein Deutscher durch mindestens zweijähriwni ununterbrochenen, ohne Unterstützung perbrachten Ausemhaii an dein Orte seines Ausenthalls. Der Ort, in dem die Person unterstützt wird, ist»e. rechtigt, statt Bargew Ausnahme in ein Krankenhaus zu verlangen. Begibt sich die Unterstützte an einen Ort, an dem sie nicht untcrslützungSberechtigt ist. so hat zunächst dieser Ort ihr im Bedürsnissalle Unterstützung zu geben. Diese Unterstützung Ist von dem Unlerstützuiigswohnsitz zurückzuverlangen. Die Gemeinde des Unterstützungswohnsttzes kann begehren, daß die Unter- stützte zu ihr zurückkehre, und kann dies Verlangen durch Ausweisungsbefehl durchsetzen. Es bleib! in Ihrem Falle deshalb nlchlS weiter übrig, als daß Sie die alte Frau zwei Jahre lang ohne Armcnunterstützung hia über Wasser halten. Würde die alte Frau nach ihrer Heimat abgeschoben so steht ihr gegen den AbschicbungSbeschl ein Einspruch zu. dem aber'nur unter ganz besonderen Umständen(falls besondere Härte voriiegen würde) stattgegeben würde. wird nicht im Wege des Handwerks- betriebes hergestellt, sondern sie ist das Produkt der chemischen Groß- industrie, welche ihre Fabrikation unter Zugrundelegung der Ergeb- nisse der neuesten Forschungen und Erfindungen nach streng wissenschaftlichen Methoden eingerichtet hat. 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Berliner Bock-Brauerei, iminWer sng. Berliner Ressource, Ko»w»»dMt«ßr. 57. Gewerkschaftshaus,(mmt is. Schützenhans,{inimir. 5. Germania-Festsäle, ti/mMt- m. Teltow-Beeskow: Gharlottenburg, Volkshaus, Rosinrnstr. 8. (�ic Veefammtnngen des Ä., F. nnd 6. Kreises sind General- versammluagen der Wahlvereine. Mitgliedsbuch legitimiert,-w) Tages-Ordnung: 1. Die Brandenburger Provinzial-Konferenz. 2. Antr'äge und Wahl der Delegierten zu derselben. 3. Bericht vom Parteitag. 4. Diskussion. Zu recht zahlreichem Besuch laden ein 209/11._ Die Bertranenslente. Zentral-¥er band der Handels-, Transport-, Verkehrsarbeiter 11. Arbeilerinnen Deutscbl. Ortsvenvaltung Serlin 1. DonnrrStag, den 5. Oktober, abends S'/a Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15, gr. Saal! Fortsetzung prhentlichen General-Bersammlung. der Tages-Ordnung: . V8. tztmg Berichterstattung der"4. Haupt» Generalversammlung in Frankfurt a. M."6. Berichterstattung vom Kölner GewerkschastS-Kongrefi. v«! der ttuder,t wlebtfgeu l'ugeu-vrduungt l»t«ublreleber Nvsueb vrfarderlleb. Mitgliedsbuch ist milzubringen und am Eingang zur Versammlung vorzuzeigen. Wer mit seinen Beiträgen über 10 Wochen im Rest ist, hat keinen Zutritt. 71/12 Die Vertrauensmänner werden ersucht, dir einen wirklich guten Besuch Sorge zn tragen. Die Ortsverwaltung. Zur Beaehfnng für die berliner Meitersehaftl Seit fünf Wochen stehen die Arbeiter und Arbeiterinnen der Liegnitzer Hutsabrik vormals Klein u. Co., G. m. b. H., Im Streik, um eine Lohnkürzung bis zu 50 Prozent abzuwehren. Die Firma verkauft ihre Pro- dukte in eigenen Verkaufsstellen und befinden sich ihre Läder in Berlin: 294/6. Wilsnackerstraße 63, Ritterstraße 19 a, Friedrichstraße 250, Große Frankfurterstraße 94. Die Firma rechnet besonders mit der Arbeiterkundschast. Die Streikenden appellieren an das DolidarllSls. e der Berliner Arbeiterschaft und erwarten, daß sie nicht eine Firma unterstützt, die wöchentliche Durchschnitts- von 6 Mark für Arbeiterinnen nnd 12—16 Mark für Arbeiter bis zu 50 Prozent herabdrücken will. Der Aciltratverelll für Hutarbeiier und ArbeittrikUtU. Filiale Berlin. Rauchet RlSt. ISIS beste 2-Pfennig-Zigarette Bist ft Co., JfiUnchen. aus der Fabrik 4469L* 15 Stück 11 Monate alte fßtt- CphmoinD mit 19 M. unterhöchster bCDWbllll! Verl. Notiz, statt sonst mit 14 M., stehen zum Verlaus. Lehngut Mot/Iewe b. Schneiderniihl. Dr. Sirnmel, Spczinlarzl für 29/14» Iluut- und Harnleiden. 10—2,5—7. Sonntag« 10—12, 2-4 Vereinssäle (Bühne), 200 Personen, sind Sonnabend. 11., resp 18. November, Totensonntag, noch zu vergeben. Kom»ia»dantenstr.7S, Klubhaus Ktnhlflecht- rohr in vorzüglicher OnalitSt. stubleohrlsger Wallstr. 16.* W.«Ic P. Udler, Engel- oter"! _ Tabak-Großhandlnne u. Tabakfabrik. 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Semhard Rose-Theater, Badstr. 58. SKSarienbad, Badstr. 36. Wernau, Schwedterstr. 23. Kellers 7estsäle, Koppenstr. 29. Kndreas-Säle, Andreasstr. 21. Seohers 7estsäle, Weberstr. 17. Verbandshaus, Greifswalderstr. 222. Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. Suggenhagen, Oranienstr. 147. Viktoria-Brauerei, Lützowstr. 112. Kronen-Branerei, Alt-Moabit 47—48. Veters Gesellschaftshaus, beide Säle, Mieles- straße 24. Rhrens Brauerei. Turmstr. 25—26. Artnshof, Perlebergerstr. 23. Ober- Schöneweide. Restaurant Wilhetminenhof.- Rixdorf. Restaurant Thiel, Bergstr. 152. CHarlottenbnrg. Volhshans, Rosinenstr. 3. Die Versammlung der EldttonmlM findet im Gewerhschaftshause, Engel-Ufer 15. Saal 4. statt. Die Versammlung der Nil Hchrr findet bei Voigt, Ritterstr: 75, statt. Tages-Ordnung: i Kerichtcrstiiltilng übet den Stund der Streiks und Anssperrunge». 2. Kekanntgabe wie nnd«« die ßsn- trallc anszeübt wird. Einteilung der Ans- gesperrten nach Kclricbcn. Mm- Wir machen bekannt, baff alle ausgesperrten SM- Kollegen und Kolleginnen sich möglichst vor-"MQ SM" mittags zur Kontrolle zu melden haben."MM Die nächsten Versammlungen finden nur nach Betrieben, wie sie auf den Kontrollkarten der- merkt sind, statt. Das Zeniral-Stpeikkomitee. Der einberufet: Ad. Cohen. r ud Mittwoch, den 4. Oktober, abends 3'/, Uhr: r- Südosten M»n«», Manteuffelstr.»5. TageSordnlmg: 1. Bericht über die Tätigkeit der Kommission. 2. Werk- stattangslegenheiten. 3. Verschiedenes. N0rd0St6n I 6" Mann, Strauftbergerftr. 3. Osten I. Osten II: Bti L1ierzu sordern wir die Kollegen von Posewerl, Franksurter Chaussee 7, von Scheller, Friedrich Karistratze 33, und von Trumps, Müllerstratze 3, aus zu erscheinen. Die Verbandskollegen werden gebeten, die Kollegen dieser Werkstellen von der Annonce in KennwiS zu setzen. bei 8 e h n I«, Kant- und Gocthestraßen-Ecke. Tagesordnung: 1. Bericht der Kontrollkommission. 2. VerbandSange- legenheiten. 3. Verschiedenes. Bezirk Rummelsburg: z Möbelpolierer. Für(j�flrn bei Kubat. Blnmenstratze 38. Für KÜdosteU bei Beier. Tkalttzerstrafie S«. Für Uordeu bei Maafi, Brunnenftrafie SS. Jede Werlstatt mutz vertreten sein I"MB Die Kollegen, die Adressen von Heimarbeitern und Heimarbeiterinnen wissen,, wollen diescweu dem Kollegen A. Niese, Landsberger Allee lül, mitteilen. Der Obmann. Branche der Kistenmaeher bei Bandacb, BreSlauerstr. 28. DM- Jede Werkstatt mutz vertreten sein.-MM e = BUderr ahmemnacher= bei Ladewlg, Alte Jakobstr. 83. Branche der Stellmaeher bei Wohlfahrt, Rosenthalerftr. 57. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Vertrauens« leute. 3. Verschiedenes, In Anbetracht der Wichtigkeit ist es notwendig, datz jede Werkstatt ver« treten ist._' Achtung, Bautischler. Die Vertrauensmänner-Versammlung der Bezirke Schönhauser und Rosenthaler Worftadt und Gesundbrunnen findet bei Wttnten- hagen, Kopenhagenerstratze 75, statt. Der Obmann Paul Merettlg, Lychen erstratze 104. Die Adresse der Branchenletter ist Karl Reiche, Pankow, Schulzenstr. 25. MudtltWer, Modell- n. Fobriktistyler, Mobellbrethsttt bei Wlonvnthal, Ackerstratze 123. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission und der Vertrauensmänner. 2. Verschiedenes. MeiHstn«lib Trkppcitgeläitbcrbroilihc. 92120 0St6n: bei Bark, Koppenstratze 41. NOrden: bei Bergmann, Brunnenstr. 79. Südosten und Westen: bei»tramm, Ritterstratze 123. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Werkstattdisserenzen. Z. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. DM- Jede Werkstatt mutz vertreten sein: auch die in Tischlereien be- schäjtiglen Drechsler haben einen Delegierten zu entsenden. Aus Treppen« geländer-Werkslellen hat jede Branche einen Delegierten zu entsenden. Im Gewerkschaftshause, Saal V! Kromhk der Mitsikitiftrnmeiilriiorbtiter. richt Tagesordnung: 1. Unsere gegenwärtige partielle Bewegung. 2. Be» der Kommission und Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Jede Werkstatt mutz vertreten sein.-MD Die Branchentommisfion. Branche der Korhniaeher Bei Bark, Koppenstratze 41. Donnerstag, de« 5. Oktober. adendS 8'/, Uhr: Vertranensmäuner-Versammlnng. Tagesordnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. Verschiedene». Jede Werkstatt mutz vertreten lein.-M> UnBerem lieben Mitglied Albert Robert und seiner Gattin die herzlichsten Glückwünsche zur heutigen Silbertioebzeit. Lese- und Diskatlerklub „Säd-Ost". Kranken-«. Kegräbniskaffe des Nereins d. deutschen Kntscher und verwandten Berufsgeuossen. Eingeschr. Hülsskasse Nr. 83 zu Berlin. Montag, den 6. Nov., abends S'/i Uhr: Ordentliche" General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Mitteilungen. 2. Entlastung des Vorstandes aus Beschlutz des AuS- schusseS. 3. Erledigung von Be- schwerden über den Vorstand. •1. Regelung der Entschädigung sür oen Vorstand. 5. Wahl des gesamten Vorstandes und des Ausschusses. S. GeschästlicheS und Fragen. 22635 Der Borstand. Gust.»lisch. Statt jeder besonderen Anzeige. Heute entschlies ht Stettin nach langen schweren Leiden unser guter Vater, Schwieger- vater und Großvater Ken Louis Grunwald, Um stilles Beileid bitten Friedenau, d. 30. Sept. 1905. Max u. Anna Grunwald. Am Sonnabendnachm. 4'/, Uhr verschied nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau Anna Lang geb. Brosek im 35. Lebensjahre. 22606 Albreeht Lang, Urbanstr. 65. Die Beerdigung findet DIenZ- tag, den 3. Oktober, nachmittags i'j, Uhr, von der Leichenhalle des St. Michaelis-Kirchhoses, Mariendorser Weg, aus statt. IMs Ui Kahlatolle Berlin. Mittwoch, den 4. Oktober, abends präzise 8 Uhr: WororäeMeke Kmersl-VersMmwg im Gewerkschaftshause, Saal 4, Engel-Ufer 15. TageS-Ordnungi 25/6« 1. Geschäftsbericht. 2. Srgänzungswahl zur Ortsderwaltung. (1. und 2. Bevollmächtigter und 5 Beisitzer.) 3. Beratung des neuen Ortsstatuts. 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ersucht um zahlreichen Besuch Die Ortsverwaltung. Dsutsehs Msllsrlieiler-�eWkrllsellsst Ver-waltnngUntelle Berlin. Bureau und Hrbeitonachwets Roocnthaleretraßc 57 (2. Eingang: Gormannstratze 28). Geöffnet von 9'/,— 2 und 4—8 Uhr._ Telephon: IN, Nr. 1296. Bekanntmachung. Hierdurch teilen wir den Mitgliedern mit, datz laut Beschluß der Mitgliederversammlung vom 27. September der Beitrag vom 1. Oktober d. I., also von der 40. Woche ab, bis aus weiteres für männliche Mitglieder 1 Mark, für weibliche Mitglieder 50 Pfennig pro Woche betlägt. ES find zu diesem Zweck die neuen Beitragsmarken an den be- kannten Stellen umgehend in Empsang zu nehmen. 280/19 Ble Ort. Verwaltung. Die Möhel-Pahrik von 44552* Ai Schulz, 5 Relchenbergerstr. 5 empfiehlt Wohnungö-Einrichtungen von 210—10 000 M. In nur anerkannt gediegener Ausführung in jeder Holz- und Stilart sowie auch Polsterwaren eigener Fabrikation zu äußerst billigen Preisen. Streng reelle und gewissenhaste Be- dienung. Kulanteste Zahlungsbedingungen. Tel. Amt IV 6877. 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Redlich). bestehen Differenzen. 93/10 .�uzug ist fernzuhalte». «. -Mm!|tohrer Kauarhriter! Unsere Forderungen w vollem Um- sänge bewilligt haben bis jcdt die Firmen Schrewe u.(?»-. Schmidt «. Brau», E. Schröter, ffi. K. Kirstein, O. Arndt n. Martin. Friedersdorf u. Go-- Fr. Reu- maun. Rixdorf.. 295,16 Alle Kollegen erhalten die Arbeit für die bewilligten Firmen NNv durch den Arbeitsnachweis, woselbst die ArbcitSbercchiigungskarlen auS- legeden werden. Kollegen ohne solche abcn ihre Pjticht nicht ersüllt und ittcn wir alle Bauhandwerker, die- sclben daraus hmzuwcise«. vi« lioiliikoninilsstan. Bureau: Dragonerstr. 15. fttWJÖfc. Ksdaveur: Ka«l Büiiner. Berlin. Für den Inseratenteil veraviv.: Tjl. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: BtorwSrt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SM Redaktion und Expedition» Berlin, Cindenltr. 69. fernfpreÄer; Amt IT, 1983. | Nr. 231. Dienstag, den 3. Oktober 1905.| Inserate Sedisgelpaltene Kolonelzcile 20 Pfg. Bei grSßercn Aufträgen entsprechenden Rabatt. I partcx-Hngelcö{cnbeitm Der Obman» der Lotalkommisfion des Kreises Tcltow-Beestow- Storkow, Parteigenosse G r a m e n z. teilt uns mit. dab sich jetzt seine Wohnung in Treptow sLV. 36), Krefholzstr. 412. pari, Ecke Elsenstrabe befindet. Steglitz. Zu der Generalversammlung des WahlbereinS am Mittwochabend Sl/3 llhr bei Schellhase ersuchen wir die Genossen nochmals um recht zahlreiches Erscheinen, welches zu der Tages- ordnung: Neuwahl aller Funktionäre, dringend nötig ist. Die Mit- glieder werden gebeten, den letzthin im.Vorwärts" erschienenen Entwurf des Organisationsstatnts des Verbandes sozialdemokratischer Vereine Berlins und Umgegend zur Diskussion mitzubringen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Bezirk WaidmamiSlust. Sonntag, 8. Oktober, früh 8 Uhr. findet eine Flugblattverbreitung statt. Treffpunkt: Tegel: Gehlhaar. Berliuerstrabe; Borsigivalde: Kube? Waidmannslust: Grochow, Waidmaiinstraße; Hermsdorf: Forsthaus Dümke; Dalldorf: Lehnigkeit, Bahuhofftratze. Wilhelmsruh. Heute abend S'/s Uhr: Diskutierabend bei Willmerodt. Themas: Die Partei-Organisation von Grofi-Verlin' DerParteitag. Vorort- I�admcbten. Schöneverg. In der VereinS-Bersammlung des Sozialdemokratischen Wahl- Vereins zu Schöncbcrg referierte Gen. Baske- Rixdorf über den Parteitag in Jena. Verfolge man die bürgerliche Presse, welche Mit dem Parteitage durchweg nicht zufrieden sei, so müsse man sich sagen, daß der Parteitag ganze Arbeit gemacht habe. Der Haupt. gegenständ der Tagesordnung:..Das Organisationsstatut der Partei" hat eine ausgedehnte Debatte im Plenum hervorgerufen, trotzdem vorher in der Koinmission eine Uebereinftimmung erzielt wurde. Nach dem Referat des Gen. Vollmar muffte man der Ansicht sein, datz das Statut ein Kompromis zwischen Nord- und Süd- deutschland sei. Aus dem Bericht des Vorstandes ist erwähnenswert die Beschwerden der Genossen wegen nicht genügender Ueberweisung von allgemein bekannten Referenten, sogenannten Zugkräften. Gen. Molkenbuhr als Referent über diesen Punkt schlug vor, datz die Genossen allerorts mehr jüngere, talentierte Genossen zu Referenten heranbilden mögen. Jt> der Maiseierfrag« gab Gen. Böske die Ausführungen des Referenten Gen. Fischer wieder, welcher betonte, datz ein grotzer Teil Gewerkschaftsführer ihre Mit- glieder wegen der Maifeierfrage nicht vorher befragt habe, ehe sie auf dem Gewerkschaftskongretz in Mln Stellung zu dieser Frage nahmen. Ebenso sind Aeutzerungen von Gewerkschaftsführern wiedergegeben worden, welche, das müsse betont werden, nicht aus prinzipiellen Gründen Gegner der jetzigen Form der Maifeier sind. Zu den Ausführungen des Gen. Bebel zum pokiksschen Massenstreik meint Gen. Böske, datz die Gegner aus dem Referat unsere Taktik, welche im Falle eines Ereignisses einzuschlagen wäre, nicht ersehen tonnten. Daher auch ihr Geschrei, der Parteitag habe nichts geleistet. Zum Schlutz seiner Ausführungen kommt Böske noch auf die Anträge zu sprechen und bcgrüfft mit Freuden die Annahme der Resolution betr. den„Literatenstreit". Er ist der Ansicht, datz die organisierte Arbeiterschaft mit den Arbeiten des Parteitages zufrieden sein kann.— In der Diskussion erklärt sich zunächst Gen. F r i tz s ch mit den sehr objektiven Ausführungen des Referenten einverstanden. Die Maifeier entspricht nicht dem, was sie sein soll. Die Gewerkschaftsführer müssen, eingedenk ihrer verantwortungs- vollen Stellung, darauf bedacht sein» die Gewerkschaften nicht durch ungeheure Matzregelungsunterstutzungen zu schwächen. Ich habe auf dem Parteitage nicht sagen wollen, datz die grössere Beteiligung an der Maifeier in diesem Jahre darauf zurückzuführen ist, datz der 1. Mat auf einen Montag fiel, um damit der Arbeiterschaft den Vorwurf des„BlaumachenS" zu machen, sondern ich habe sagen wollen und bin nur durch die kurze Redezeit daran gehindert worden, dieS auszuführen, datz. das Unternehmertum die Aus- spcrrungen zum 1. Mai, wenn dieser auf den Anfang der Woche fällt, nicht so rigoros vornimmt, als wenn er auf den Schlutz der Woche fällt. Nichts hat mir ferner gelegen, als die Arbeiterschaft zu verdächtigen. Die Organisationsfrage ist die Hauptarbeit gc» wcsen. welche der Parteitag geleistet hat. Wenn die Partei auf «dem Lande, in kleinen Orten. Erfolge erzielen und gedeihen will, mutz sie, wie die Gewerkschaften, über angestellte Organisatoren verfügen. Das zeitweilige Hinausgehen auf das platte Land bringt nicht den erhofften Vorteil.— Gen. V al I e n t i n kann sich mit den Ausführungen des Gen. Fritzsch über die Maiseierfrage nicht einverstanden erklären. Das Unternehmertum ist brutal biS zum äutzersten.— Gen. Kü t e r ist der Ansicht, datz die Parteigenossen und die Bürgerlichen dem Parteitage mit gemischten Gefühlen ent- gegengesehen haben. Datz der Parteitag richtige und gute Arbeit geleistet hat, beweisen uns die bürgerlichen Blätter mit ihrem Geschimpfe. Die bürgerlichen Blätter sind sozusagen der Spiegel in bezug auf geleistete Arbeit unseres Parteitages. Bezüglich der Maifeier ist Küter nicht der Ansicht des Gen. Fritzsch. Man kann die Mebrbcteiligung an der diesjährigen Maifeier nicht darauf zurückführen, datz der 1. Mai auf einen Montag fiel. Man darf es den Gewerkschaftsführern nicht verargen, wenn sie bremsen; ist dieses doch ein Beweis, datz sie sich ihrer verantwortungsvollen Stellung bcwufft sind. Es mutz in Zukunft viel mehr Agitation getrieben werden. Wenn man die Rede des Gen. Bebel gelesen hat. kann man sich der Ansicht nicht verschlietzen, datz er im ent- scheidenden Moment mit seinen Ausführungen zu„Wenn" und ..Aber" überging.— Ferner beteiligten sich noch an der Diskussion die Gen. K a u l f u tz und Karl Klein. Unter Vereinsangelegenheiten teilte der Vorsitzende mit, datz die Stadtverordnetenwahlen am 2. November statt- finden. ES wird im 3., 5., 6., 7. und 10. Bezirk gewählt. Am Sonntag, den 8. Oktober» beginnt die Wahlarbeit; die Genossen werden ersucht, sich vollzählig zu beteiligen. Treffpunkt wird noch bekannt gegeben. Zur Aufnahme gelangten b6 Parteigenossen. Ausgeschlossen wegen Nichtbeteiligung bei der Stadtverordneten- wähl wurden MatschkowSki und Lücke. Ripdorf. Ter Wahlverein hielt am TicuStag im Lokal von Thiel, Berg- stratze, eine sehr gut besuchte MUgliederversamnlkuug ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Opfer der zarischen Henkerregicrung, den Genossen Martin Kafprzak, durch Erheben von den Plätzen. In gleicher Weise wurde auch daS Andenken der kürzlich verstorbenen Wahlvereinsmitglieder, Genossen Jarozewsky, Dühring, Seidel und Volkmann geehrt. Zum Partei- tagsbcricht nimmt nunmehr Genosse Fritz Z u b e i l das Wort. Er führt u. a. aus: In der M a i f e i e r f r a g e wurden die Hoffnungen einmal auf den Gewerkschaftskongretz in Köln gesetzt; wir haben darüber gestaunt, wie einige Delegierte in höhnender und geschmack- loser Weise zur Maifeier Stellung genommen haben. Demgegcn- über steht fest, datz die Partei noch niemals bei grotzcn gewerkschaft- lichen Kämpfen versagt hat; der Krimmitschauer Streik sowohl wie der Bergarbeiterstreik wären nicht möglich gewesen, wenn nicht die Partei Mittel aufgebracht hätte. Robert Schmidt hat einen Rück- zug auf dem Parteitag angetreten. Eine Klärung ist dennoch ge- schehen: mit bedeutender Majorität haben die Delegierten die Rcso- lution angenommen. Es ist anzunehmen, datz demzufolge die Mai- feier im nächsten Jahre imposant sein wird, trotzdem einige Ge- nossen auf den Standpunkt stehen, datz die regere Beteiligung in diesem Jahre nur dem Umstand zu danken ist, weil der 1. Mai auf einen Montag fiel. Ucber den General- bezw. Massenstreik hat die Genossin Roland-Holst in Wort und Schrift Vortreffliches geleistet. Es sei ja nebensächlich, ob es General- öoer Massenstreik hcihe, das Wesen bleibe doch dasselbe. Bis jetzt haben wir noch in keinem Lande eine» Erfolg durch den Massenstreik gesehen. Wenn diese Waffe in Nutz- land angewendet wurde, so blieb doch ein durchschlagender Erfolg aus und führte in vielen Fällen dazu, datz sich die Demonstranten von der Soldateska abschlachten lietzen. Das Mittel kann, wie Bebel richtig ausführte, nur angelvandt werden, wenn alle anderen Mittel, die uns zur Verfügung stehen, versagen. Schlägt nun daS neue Mittel fehl, so sind wir um Jahrzehnte in unserer Bewegung zurückgeworfen. Sind wir gezwungen, dieses Mittel anzuwenden, so müssen wir unter allen Umständen, selbst unter Einsetzung unserer eigenen Person, einen Erfolg verzeichnen können. Redner kommt noch auf die„ V o r w ä r t s"- A n g e l e g e n h e i t, die Wohl jeden einzelnen Genossen angewidert hat, zu sprechen. ES gab wohl niemand auf dem Parteitag, der nicht damit einverstanden war, datz diese Angelegenheit in einer Kommission erledigt wurde. Gc- nosse Dietz habe in seinen Ausführungen Recht, wenn er sagte, datz es nötig sei, in die Pretzkommission solche Genossen hineinzuwählen die etwas vom Pressewesen verstehen. Wäre die Kommission auf dem Posten gewesen, so hätte ein derartiger unleidlicher Zustand nicht cinreitzen könnm. Nachdem Redner noch über einen Teil weiterer Anträge und Resolutionen berichtet, schlotz er seinen Vor- trag unter grossem Beifall. In der Diskussion kam Genosse Franke auf die Maifeier zu sprechen und führte aus, daß sich die Parteigenossen im all- gemeinen zu wenig um die Gewerkschaften kümmern; diese verflachen immer mehr; es sei die höchste Zeit, datz hierin Wandel geschafft werde. Auch in bezug auf wichtige Abstimmungen über die Handels- vertrage findet es Redner unverantwortlich, datz ein grotzer Teil unserer Vertreter im Reichstage bei der Mstlmmung der russischen Handelsverträge gefehlt haben. Genosse Tesche nimmt die Ge- wcrkschaftsführer in Schutz, indem diese nicht gegen die Maifeier sind. Er brgrüht im übrigen, datz auch für die Jugenderziehung mehr gekan werden soll, als es bisher der Fall war. Genosse Hoffmann bezeichnet die Annahme des Organisationsstatuts als seht erfreulich und polemisiert gegen den Genossen Robert Schmidt. Er wundert sich über dessen Ansichten, die man als Genosse nicht verstehen kann; wenn er Anhänger des Nationalsozialismus wäre, so könnte man dies entschuldigen. Ein Herr W i n k l e r, welcher sich nicht als Parteigenosse bezeichnet, führt aus, datz er die Aus- sührungen des Referenten begrützt habe, er hofft, datz Znbeil auch innerlich so denkt, wie er mit Bezug auf den Generalstreik aus- geführt habe. Die heutigen Leiter der Gewerkschaften gehörten nicht an die Spitze und Robert Schmidt gehöre in den alten Eisen- kästen. Nachdem noch Genosse Zubeil in seinem Schlutzwort die Unter- stcllung des Vorredners, er sei nicht bei txr Wahrheit geblieben, energsich zurückgewiesen, kam er auch noch auf die lokalen Ge- werkschaftcn zu sprechen die durch ihre Sonderkastenstellung eine Zersplitterung der Kräfte herbeiführen. Unsere Gegner sind in dieser Beziehung ganz anders: es gibt dort keine konfessionelle oder politische Gegensätze, alles ist sich darüber einig, geschlossen gegen die Arbeiter vorzugehen. Dies beweist auch wieder die neueste Aus- sperrung in der ElektrizitätS-Branche. Wenn Genosse Tesche meint, i«tz die grossen Werke am 1. Mai nicht feiern könne», so teilt Redner nicht dessen Ansicht; auch diese Arbeiter könnten einmal erklären, wir machen Maifeiertag. Redner verweist noch darauf, datz die Meinung, der Parlamentarismus sei überflüssig, wohl von keinem Genossen geteilt wird; es würde allerdings niemand unter unS geben, der den Parlamentarismus als Endziel betrachtet. Wir haben durch das Parlament ein gut Teil Erfolge zu verzeichnen und könnten der bürgerlichen Gesellsckaft keinen gröheren Gefallen tun, als den Parlamentarismus in die Rumpelkammer zu werfen. Genösse Heinrichs weist hierauf noch auf daS am 21. Oktober stattfindende H e r b st f e st in der„Neuen Welt" hin und er- sucht um rege Beteiligung. Genosse Lehmann verwahrt sich gegen die Behauptung des Genossen Zubeil in der Kreis-Generalversammlung. datz die Maurer daran schuld seien, datz für die Partei in den kleinen Ortschaften der Mark keine Versammlungslokale vorhanden sind. Genosse Zubeil hält dagegen seine Ausführungen auf der Kreis-Generolversammlung aufreckt und sagt, es werde dem Ge- nossen Lehmann Gelegenheit gegeben werben, sich an die Kr«iS- Generalversammlung zu wenden. Bor der SanitStSwnche sich zu erschieffen versuchte gestern Montag morgen der 17 Jahre alte HandlungSgehiilfe Hermann Scköne aus der Bergstr. 76 zu Rixdorf. Der junge Mann lebt mit seinen Angehörigen, die in Spandau wohnen, in Zwist. Nachdem er die Nacht in Berlin verbracht hatte, schaff er sich um 4 Uhr morgens auf offener Strohe vor der Sanitätswache am Grünen Weg eine Revolverkugel in die Brust. Der Arzt der Wache legte dem Sckwervcrwundeten einen Verband an und ließ ihn dann nach dem Krankenhanse am Friedrichshain bringen. Tempelhof. Ein genmliisfct' Fabrikbrand kam Montag nachmittag hier in der Fabrik für Buch- und Steindruckfarbcn von C. K n u e p p e l, an der Ringbahn, zum Ausbruch und beschäftigte die Wehren von Tempelhof, Schöneberg und Berlin über drei Stunden. DaS Feuer wütete in dem Gebäude für Buchdruckfarben und zerstörte dasselbe grösstenteils. Ter entstandene Schaden bcläuft sich ans über 25 000 Mark. Eine Betriebsstörung wird nicht eintreten. Ueber die Entstehungsurjache ist nichts ermittelt, doch scheint Selbstentzündung vorzuliegen. Steglitz. Ein kühner Einbruch in das Hauptpostamt in Steglitz wurde in der Nacht zum Sonntag versucht. Der bei dem Postamt seit einiger Zeit als Postbote beschäftigte Alfred G i r n d t, ein 23 Jahre alter Mann, verabredete mit seinem 5 Jahre älteren Bruder Artur einen Einbruch in dem Postamt, und wählte zur Ausführung der Tat die Nacht zu gestern, in welcher der Kassen- bestand an S5 000 M. betrug. Nach einer Version sollen die Brüder auch einen Postschaffner für ihre Tat gewonnen haben, der aber schlietzlich dt? Sache verriet; nach einer anderen Meldung hatte sich letzterer nur scheinbar auf ihr Anerbieten eingelassen, um den Plan der Einbrecher zu erfahren und zu verhindern. Er erstattete die Anzeige und das Postamt wurde in der Nacht zu gestern polizeilich besetzt. Während Alfred Girndt Schmiere stand, schlich sich Artur in den Kassenraum ein und begann seine Arbeit. Nun griffen die Kriminalbeamten, die sich bisher versteckt gehalten, ein. Aber der Einbrecher, ein sehr starker Mann, setzte sich auf daS heftigste zur Wehr. Bei dem Ringen wurde die elektrische Laterne zertrümmert, und in der Finsternis wurde die Situation ernst. In der Verwirrung wäre Girndt beinahe entkommen, wenn ihm nicht der Kriminalkommissar Hoffmann entgegengetreten wäre. Da fielen zwei Schüsse, die ein Beamter abgegeben hatte, um den Fluchtversuch Girndts zu vereiteln. Während die eine Kugel fehl- ging, verletzte die zweite den Dieb am Kopf und auch den Kommissar Hoffmann an der Hand. Jetzt erst konnte der Verbrecher über- mannt werden. Inzwischen war sein Bruder Alfred durch den Lärm des Kampfes gewarnt, hatte seine Wohnung aufgesucht und sich ins Bett gelegt. Er wurde festgenommen. Weistettsee. Eine öffentliche Gewerkschaftsversammlung beschäftigte sich am Dienstag mit den Forderungen der Barbiergehülfen in Weitzensee, Referent war der Parteigenosse Schobert auS Berlin, der überzeugend darlegt«, datz die geriiigfiigigcn Forderungen der Gehülfen keineswegs unerfüllbar sind; den besten Beweis für ihre Durchsührbarkeit bilde die Tatsache, datz bereits 050 Bewilligungen vorliegen. Nur die Innung will nichts von Arbeiterfreundlichkeit wissen. Pflicht jedes Arbeiters sei es,»ur solche Gcschäste zu be- suchen, die die Forderungen der Arbeiterschaft ersllllt haben. Der mit der Freien Vereinigung vor dem Berliner Gewerbegericht festgelegte Tarif habe nur sür Berlin Gültigkeit; in den Bororten mutzten die Gehülfen selbständig vorgehen. In Weihensee müsse es der Arbeiter- schaft ein leichtes sein, den Barbiergehülfen zum Siege zu ver- helfe». Nach dem Referate erging die Aufforderung, datz die Barbier- Herren, die gegen die Forderungen etwas vorzubringen hätten, her- vortreten mochten; doch meldete sich niemand, trotzdem verschiedene der Herren anwesend waren. TS wurde hervorgehoben, datz bis jetzt nur sechs Geschäfte in Weitzensee die Forderungen der Gehülfen bewilligt haben. Diese sind: Olschak, Lehderstr. 28; Heilig, Lang- hansstr. 151; Jank, Streustr. 4; Koch, Gustav Adolsstr. 24; Simon, Straffburgstr. 24; Hermann, Sedanstr. 74. Es wurde eine Resolution angenommen, in welcher sich die Arbeiter verpflichten, die Forderungen der Gehiilsen z» fördern. Alle andern Geschäfte sind streng zu meiden. tum Schlutz wurde»och bekanntgegeben, datz der Gastwirt Brewitsch, Iratzburgstratze 25, einen sogenannten„Zentral-ArbeitsnachweiS" er- öffnet hat, in welchem jede Arbeit vermittelt wird. Ueber die Frage, wie er sich die Bermittelnna denkt, konnte der Herr dem Ge- werkschastskartell keine Auskunft geben. DaS einzige, was er nnt- teilte, war, datz die Bermittelung feine Frau besorgt, während er seinem Maurerberufe nachgeht. Der Mann ist Wahlvereinsmitglied und lokalorganisiert. Von der Arbeiterschaft ist diese Art Nachweis streng zu meiden.— Aufmerksam gemacht wurde noch auf die Gc- tverbeaerichtswahl, welche im November stattfindet, und aus die Delegiertenwahl zur hiesigen Orts-Krankentasse. Adlershof. Die Angelegenheit Loewcnthal. Wir haben bereits Sonntag mit- geteilt, datz die vom Wahlvcrein Adlershof gegen den Kaufmann Berthold Locwenlhal erlassene Warnung nicht aufrecht erhalten werden kann. Inzwischen ist uns gemeldet worden, datz die ganze Angelegenheit lediglich infolge ciiicö unliebsamen MitzvcrständnisseS von vornherein falsch anfgefatzt wurde. Es bleibt davon nur bestehen, datz Loewcnthal sein Geschäft in Adlcrshof ausgeben mutzte. Er ist während seines achtjährigen dortigen Aufenthalts in der Arbeiterschaft rege tätig gewesen, insbesondere hat ihm der dortige Arbeitertumvcrem, dessen Vorsitzender er war, sein Aufblühen zu verdanken. Da keinerlei Vorwurf gegen Loewcnthal zu erheben ist, bitten wir diejenigen Zeitungen, welche von unserer Warnung Notiz nahmen, auch das Vorstehende zu veröffentlichen. Zossen. „ReligionSgcschichtliche Streifzüge" lautete das Thema, über das Genosse S ch o l t e r in der am Mittlvoch stattgehabten MonatS- versammlnng deS WahlbereinS unter starkem Beifall rcfelicrte.— Die Abrechnung vom 3. Ouartnl ergab ein Defizit von 1,30 M., welches jedoch die Hauptkasse übernimmt; daS Sommerfest hat mit einen» Ueberschutz von 6,73 M. abgeschlossen. Die Delegierten G. Schulze und Greulich erstatteten bon der Generalversammlung in Teltow einen ausführlichen Bericht. Der Antrag aus AuSschluff eines Genossen wurde von der Versammlung nicht für stichhallig be- fnnden und demzufolge eine Resolution, in der die Mißbilligung des Verhaltens dieses Genossen festgelegt war, mit allen gegen 6 Stimmen angenomnien. Dann teilte Rakoio mit. datz numnehr auch die Gastwirte Richter sGaslhof zu den 7 Linden) und Hansche fGasthof zur Eiche) den„Vorwärts" auslegen; er ersuchte die Ge- nossen, diese Lokal« wie auch das von Schenk und Ende in Neu- Dabendorf bei Ausflügen berücksichtigen zu wollen. Genosse Saupe bemängelte noch das Restantenunwefen. verlmer I�acbricbten. Einer unserer älteren Parteigenossen, der Steinmetzmeister Adolf Zabel aus der Schönhauser Allee 167s, ist, wie uns gemeldet wird, auf einer Reise Sonnabend vormittag in Chemnitz plötzlich am Herzschlag gestorben. Die Leiche wird in Jeim eingeäschert werden. Zabel gehörte zur alten Garde und hat in den siebziger Jahren mit dem Eifer, der damals die Agitation kennzeichnete, der Sozialdemokratie in der Reichs- Hauptstadt den Boden geebnet. Ein wie schwieriges Werk dies war, das wissen wohl nur diejenigen, die zn der Zeit juacnd- frisch Mitten im Kainvf gestanden haben. Als 18<8 die Tage von Deutschlands tiefster Schmach anbrachen, gehörte Zabel zu den ersten Opfern des Sozialistengesetzes; er wurde aus- gewiesen. Familienverhältnisse zwangen ihn später, um Aufhebung der Ausweisungsmaßregel einzukommen, die dann schließlich bewilligt wurde. Wenn Zabel auch unter diesen llmständen für die fernere Dauer des Ausnahmegesetzes nicht weiter wirken konnte, so blieb er doch überzcugungsvoll seinen Idealen treu, und bis an sein Lebensende gehörte er zu den stillen Förderern der Sozialdemokratie. Wer den wackeren Mann gekannt hat. wird niit uns sein Andenken in Ehren halten. Eine Sitzung der Stndtvcmdnetcn- Versammlung findet diese Woche nicht statt. Die Theatcrgarderobe. In einem Zivilstreit gegen den Pächter einer T h e a t e r g a r d e r o b e ist ein für weitere Kreise be- merkenswertes, rechtskräftig gewordene? Urteil ergangen. Ter Besucher eines hiesigen Theaters hatte seinen Hut und Uebcrzieher in der Garderobe abgegeben und dafür die übliche Garderobenmarke erhalten. Nach Schluß der Vorstellung gab der Herr diese Marke an dem Garderobenplatze an eine dort beschäftigte Frau ab, erhielt aber seine Garderobe nicht, vielmehr war diese von einer anderen Person, die die Hand danach ausstreckte, in Empfang genommen worden. Der betr. Herr verlangte Schadenersatz in Höhe von 67 M. und beschritt den Klagewcg gegen den Pächter der Garderobe. Sein Vertreter, Rechtsanwalt Rudolf Hahn, hielt den Gar- derobenpächter auch unbedingt zum Ersatz des Schadens für ver- pflichtet, während Rechtsanwalt Dr. Werthauer diese Pflicht bestritt. Durch die Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß der Kläger als einer der letzten Theaterbesucher an der Garderobe er- schienen war und die Marke einer dort angestellten Frau übergeben hatte. Diese hatte die Sachen geholt und die Rümmer der Marke laut ausgerufen; dann wurden die Sachen einem danach greifenden Herrn überlasten. Rechtsanwalt Dr. Wcrthaucr war der Ansicht, daß bei dieser Sachlage die Hingabc der Sachen an eine nicht berechtigte Person lediglich der Unachtsamkeit des Klägers zuzu- schreiben sei und dieser auch den selbstverschuldeten Schaden zu tragen habe. Das Gericht stellte sich auf denselben Standpunkt: ES wäre Sache des Klägers gewesen, unter den obwaltenden Umständen, wo ein Gedränge oder Lärmen, das seine Aufmerksamkeit hätte abwenden können, nicht vorhanden war, auf das Ausrufen der Nummer zu achten, nachdem er diese au» der Hand gegeben, bevor er iin� Besitze seiner Sachen war. Der Kläger habe hiernach den i'.'erlust seiner Garderobe im wesentlichen selber verschuldet und ?:ußte mit seiner Klage abgewiesen werden. Das ist ein sehr befremdlicher Standpunkt. Wir möchten wissen, ob der Nichter, der dies Urteil gesprochen, sich schon einmal die Nummer der Gargerobemnarke gemerkt hat, wenn er ein Theater besuchte. Eine Bekanntmachung betreffend Erhebungen über di e Arbeitszeit in Wasch- und Plättanstalten erläßt das Polizeipräsidium: Am 2. und 3. Oktober d. I. werden seitens einer größeren Zahl von Polizeirevieren in allen Plättanstalten und in den nicht zu den Fa- hriken oder Motorwerkstätten gehörigen Waschanstalten, in denen gelverbliche HülfSpersonen, Lehrlinge oder Lehrmädchen beschäftigt sind, Fragebogen verteilt werden. Die Fragebogen werden in der einen Hälfte der Betriebe den Arbeitgebern und in der anderen Hälfte einem der Arbeitnehmer eingehändigt werden, die sie c»t- sprechend dem Vordrucke und mit der größten Sorgfalt auszufüllen und alsdann bis zur Wiederabholung in Verwahrung zu nehmen haben. In Betrieben mit mehreren Arbeitnehmern erfolgt die lieber- gäbe des BogenS an denjenigen von ihnen, der von den übrigen hierzu bestimmt wird, und, falls eine solche Einigung nicht zustande kommt, an den am längsten in dem betreffenden Betriebe tätigen Arbeittlehmer. An Lehrlinge und Lehrmädchen unter 13 Jahren werden indes Fragebogen nicht übergeben. Die Scheidung der Betriebe wird nach ihrer örtlichen Lage in der Weise erfolgen, daß die Aushändigung der Bogen immer in einem um den anderen an den Arbeitgeber und in den übrigen an einen Arbeiwehmer geschieht. Die Bogen müssen am 16. Oktober, morgens, ausgefüllt fein und werden an diesem Tage wieder abgeholt werden. Zum Landrat des Kreises Niederbarnim ist mmmehr endgültig der bisherige kommissarische LandratSamtS-Verwalter, Graf v. Rödern, ernannt worden.— Der Kreistag hatte im vergangenen Monat bekanntlich auf sein Vorschlagsrecht bei der Besetzung des Postens verzichtet, den Minister deS Innern aber gebeten, die Ernennung des Grafen v. Rödern zum Landrat beim Kaiser zu empfehlen. Gestern teilte nun Graf v. Rödern den Gemeindebehörden folgendes mit: „Se. Majestät der König haben durch Allerhöchsten Erlaß vom 17. September diese? Jahres geruht, mich zum Landrat zu ernennen. Auf Grund dieses Allerhöchsten Erlasses ist mir das bisher kommissarisch verwaltete LandratSamt des Kreises Niederbarnim end- gültig übertragen worden."— Der Kreis Niederbarnim ist der größte in der Monarchie und seinem früheren Verweser hat in seiner Eigenschaft als Sozialistentöter die Sozialdemokratie viel zu danken gehabt. Wir dürfen uns wohl der Hoffnung hingeben, daß Herr v. Rödern die Bahnen seines Vorgängers wandelt. AschingerS Hotel in Nöte». Gestern, Montag morgen, begann die Räumung der von der Aktiengesellschaft Aschinger angekauften neun Grundstücke Leipziger Platz 1—4 und Königgrätzerstr. 124—129, auf welchen bekanntlich ein Ricsenhotel nach amerikanischem System erbaut werden soll. Einige den Berlinern wohlbekannte Etablisse» ments sind infolgedessen gezwungen, ihre alten Räume zu schließen und sich nach neuen Heimen umzusehen, so das bekannte Hotelrestaurant„Leipziger Hof", die besonders in Damen- und Backfisch- kreisen beliebte Konditorei Telschow, in welcher im Laufe der Jahre so manches zärtliche Stelldichein stattgefunden, und der Ausschank des Gerold-Kognak. Ein Betrieb aber will der Aktiengesellschaft Aschinger durchaus nicht weichen, welcher sich inmitten des an- gekauften Gebäudekomplexes. Königgrätzerstr. 128, befindet. Es handelt sich nm das Restaurant„Potsdamer Bierhallen", dessen Eigentümer schon seit Jahren im Streite mit der Aschingcr- Aktiengesellschaft liegt. Diese hat wiederholentlich ver- sucht, die RestaurattonSräume zu mieten, was jedoch daran scheiterte, daß der Inhaber der„Potsdamer Vierhallen" einen immer höheren MictSpreiS zahlte. Er wollte dann, um sich gegen die Konkurrenzfirma zu schützen, das HauS kaufen und der Wirt erklärte sich damit einverstanden, eS ihm für 700 000 M. zu überlassen. Dennoch erwarb die Afchinger-Gcsellschaft das Grund- stück für den Preis von 820 000 M.; jedoch hatte der Inhaber der Potsdamer Bierhallen noch vorher einen langfristigen Mietsvertrag abgeschlossen, der jetzt noch drei Jahre läuft. Er fordert nunmehr von der Aktiengesellschaft Aschingcr für die Auflösung deS Vertrages einen Abstand m Höhe von 300 000 M. Falls eine Einigung nicht erfolgt, so wäre der Hotelbau nur durchznführen. daß, wie vor etwa 20 Jahren bei dem Bau deS Grand-Hotel Alexanderplatz, in welchem zivei konzessionierte Fleischerscharren eingebaut werden mußten, eine Ilm- und Ueberbauung der Potsdamer Bierhallen erfolgt. Eine neue Einrichtung für Schncllfahrversuche wird zurzeit im Grunewald bei der dortigen Hauptwcrkstatt errichtet. Tie neue Versuchsstelle bedarf jedoch keiner Fahrstrecke. Die zu prüfenden Lokomotiven arbeiten unter Volldampf, bleiben aber an ein und derselben Stelle. Man hat sich die Einrichtung ungefähr so vorzustellen wie bei den Wettläufen zwischen Pferd und Slad- fahrer auf den Spczialitätenbühnen. Die Lokomotive ruht eben. falls auf Rollen. Ter Reibungswidcrstand der Achsen kann durch Reibungsbremsen vermehrt werden. Arbeitet die Lokomotive, so mutz sie nicht nur den Widerstand der Tragrollen, sondern�auch den der Bremsen überwinden, ohne daß sie sich von der stelle bewegt. Die Schnelligkeit der Lokomotive, der Widerstand der Trag- rollen wie der Bremsen läßt sich genau berechnen und daraus Schlüsse auf die Leistungen der Lokomotive ziehen. Besondere In- strumcnte werden für die Messung der Zugkraft, der Temperatur, Redakteur; Paul Büttner, Berlin. Für den der Feuerkästcn usw. aufgestellt. Eine solche Prüfung an Ort und Stelle ergibt lehrreiche Feststellungen für den Bau und die Ver- Wendung von Lokomotiven. Das Probefahrcn der Maschinen auf freier Strecke kann dadurch natürlich nicht vollständig ersetzt und muß deshalb beibehalten werden. Die neue Anlage im Grunewald wird nach den Plänen des Geheimen Regierungsrats Professors A. v. Borries ausgeführt. Schon auf der Weltausstellung in St. Louis war ein derartiger Prüfungsstand in Betrieb. Wisscuschaftliche Ballonfahrt. Am Donnerstag, den 2. Oktober, findet in den Morgenstunden eine internationale wissenschaftliche Ballonfahrt statt. Es steigen Drachen, bemannte oder unbemannte Ballons auf in Grinau, Trappes, Jtteville, Guadalajara, Rom, Pavia, Lissabon, Zürich, Straßburg. München. Barmen. Hamburg, Berlin. Lindenberg, Wien, Petersburg, Moskau, Kasan, Blue Hill fU. S. A.j te. Ter Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung. wenn er der jedem Ballon bcigegebenen Instruktion gemäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und an die angegebene Adresse sofort tclegraphisch Nachricht sendet. Auf eine vorsichtige Behandlung der Instrumente zc. wird besonders aufmerksam gemacht. Kiekcmal bleibt Kiekemal. Abschlägig beschieden hat das Land- ratsamt die Eingabe des Grimdbesitzervereins Sleu-Hirschgarten um Abänderung des Namens der Kolonie Kiekemal in„Königstal". Die Petenten wollen sich aber bei dem abweisenden Bescheide nicht beruhigen und werden noch im Laufe dieser Woche dem Landrat durch eine Abordnung in persönlicher Rücksprache die Gründe ihres Verlangens und der Notwendigkeit einer Namensänderung für Kieke- mal darzulegen versuchen. Acht Schwestern des jüdischen Krankenhanscs an Fischvergiftung erkrankt. Als am vorigen Sonnabend 30 Schwestern des jüdischen Krankenhauses an einem Fischessen in dem angrenzenden Schwester- heim teilnahmen, erkrankten unmittelbar darauf acht Schwestern, darunter drei sehr schiocr. Die Erkrankung war auf F i s ch g i f t zurückzuführen. Von den drei schwer Erkrankten befinden sich zwei auf dem Wege der Besserung, doch ist das Befinden der dritten noch besorgniserregend. Eine Untersuchung über den traurigen Vorfall ist eingeleitet. Amerikanische Romantik in Verlin. lieber den Abschluß eines angeblichen anierikanischcn Duells wird folgendes mitgeteilt: Gestern nachmittag benachrichtigte man das 42. Polizeirevier, daß der bei einer Witwe in der Oranicnstraßc wohnhafte amerikanische Staatsangehörige, der Tylogroph Theobald von Borens, am 22. November 1836 zu Leipzig geboren, sich anscheinend ein Leid zugefügt habe, da er die Tür zu seinem Zimmer gegen seine Gc- wohnheit verschlossen und trotz mehrfachen Klopfens nicht geöffnet habe. Herbeigeeilte Polizeibeamte fanden den alten Mann tot in seinem Bette liegend vor. Er hatte sich mittels Chankali, wie Reste davon in einem Trinkglase zeigten, vergiftet. Aus hintcrlassenen Papieren stellte man fest, daß v. B. sich nach einem vor 20 Jahren stattgehabten amerikanischen Duell am 1. Oktober 19

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