N». 283. Hbenncmcnts-Bedingungen: «Sonncment«. Prei» pränumerando: »nteljdhrl. 3.30 MI, mono», 1,10 MI, wöchentlich S8 Pfg. frei ins Haus, einzelne Nummer 5 Psg, Sonntags. nummcc mit illustrierter Sonntag?. Beilage.1iZie Neue Welt' lo Psg, Post. ilbonnemenlt 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung». Preisliste. Unter Nreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 3 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 22* Jahrg. ClfittlBt UgllA iuStr montagi. Vevlinev VolKsblAkk. Die Intcrtions'Gebilljr »«trügt für die fechSgespaltene Nolonel. zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und VersainntlungS-Anzeigen 26 Pfg. „Klein» Hnieieen", das erste fsett- gedruckte) Wert 10 Psg,, jedes weitere Wort 3 Pfg. Worte über IS Buchstaben zühlen für zwei»orte. Inserate sür die nächst« Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn, und Festlagen bis s Uhr vormittag» geöffnet. Telegramm- Adreffe: „Sozialilenioknt RtrllD". Zentralorgan der rozialdemokratilcben Partei Deutfcblands. Rcdahtiom 8M. 68, Lindenetrassc 69. fternftircdieir: Slmt IV, Nr. lüHlt. Donnerstag, den 5. Oktober 1905. Expedition: 803. 68, Lindcnstraeec 6g, ?per»sl>rrckiert 9(mt IV. Nr. 1084. Der Kampf in der Elektro-Jndustr:?. Die Beamten der Jndnstrietrnsts. Die„Vossische Zeitung' hat unter der Maske süßlicher Objek- tivität sich mit anerkennenswerter Deutlichkeit in den Dienst des Ratenautrusts gestellt. Bereits hat sie entdeckt, daß der„Vorwärts" der eigentliche Schuldige in dem zwischen den Elektrizitätsfiirften und den Arbeitern ansgebrochenen Streit ist. Besonders fühlt sich das Blatt verpflichtet, für die Ingenieure einzutreten, weil wir sie auf das Unwürdige ihrer Stellung hingewiesen haben, die sie bei Strafe des Hungers sogar zu Streikbrecherorbeiten nötigt. Das Blatt behauptet, wir hätten die Mitglieder des Kopfproletariats beschimpft. Wir wissen genau, daß die armseligen Kopfproletarier durchaus unserer Meinung sind und es sich ebenso höflich wie energisch von der„Vossischen Zeitung' verbitten würden, mit ihrem Wohlwollen bedacht zu werden. Jeder anständige Beamte der Elektrizitätsindustrie fühlt das innere Elend seiner Lage und hoffentlich ist niemand von ihnen so ehrlos, daß er ohne Zähneknirschen die ihm zugemuteten Dienste leistet. Zur höheren Ehre der Ratenaufippe lügt die„Vossische Zeitung', daß wir den zu Streikbrecherdienstcn kommandierten Ingenieuren deshalb Vorwürfe gemacht hätten:„weil sie nicht an einem Streik teilnehmen wollten, über den kein Mensch sie befragt hat, den sie nicht gebilligt haben. Sie wollen nicht ihre Existenz aufs Spiel setzen, ihre Familie vielleicht in die schwerste Not bringen, weil einzelne Arbeitergruppen es auf einen Kampf ankommen lassen, über dessen Notwendigkeit die Ansichten zum mindesten auseinander gehen können. Verdienen diese Männer deshalb gebrandmarkt zu werden', fragt die„Vossische Zeitung' wehleidig. Man kmin mit weniger Worten nicht mehr Lügen zusammenhäufen. Selbstverständlich hat der„Vorwärts' von den Ingenieuren nicht verlangt, daß sie an deni Ausstand teil nehmen. Er hat nur von ihnen gefordert, daß sie nicht tun, was nicht ihres Amtes ist, daß sie gegen ihre kontrakklichen Verpflichtungen Streikbrecherdicnste leisten. Die Ingenieure sind zum Kohlenschippen und dergleichen nicht engagiert. Gerade vom Standpunkt des bürgerlichen Rechtes, das die Pflichten der An gestellten begrenzt, ist es eine nichtswürdige Zumutung, wenn man von ihnen verlangt, daß sie Dienste verrichten, zu denen sie nicht verpflichtet sind, um ehrlichen Arbeitern in den Rücken zu fallen. Und wenn die„Vossische Zeitung' behauptet, die Herren wollten eben ihre Existenz nicht aufs Spiel setzen, so spricht sie damit das schärfste Urteil über das Unternehmertum, das so brutal ist, Leute aufs Pflaster zu werfen, die nichts weiter tun, als Dienste abzulehnen, zu denen sie kontraktlich nicht verpflichtet sind. Es scheint Kurzschluß in der Intelligenz der„Vossischen Zeitung' eingetreten zu sein, daß sie dermaßen aus blindem Eifer für die Elektrizitätsmillionäre die ganze Fabel von der Humanität dieser Jndustriegruppe preisgibt. So tief ist die.Vossische Zeitung', dies freisinnige Blatt, ver- kühuemannt. daß sie sogar eine Bewegung diskreditiert, die gerade von freisinnigen Führern protegiert wird. Die .Vossische Zeiwng' meint, die Ingenieure seien nur„angeblich' noch schlimmer dran, als das eigentliche Fabrikproletariat. Sie empört sich darüber, daß wir von ihrem Kulitum und ihrer Lohnsklaverei gesprochen haben. Ist denn der„Vossischcn Zeitung' unbekannt, daß gerade einer der Abgeordneten des Freisinns, der Herr Dr. P o t t h o f f, der Wortführer dieser ausgebeuteten Kopfproletarier ist. die gezwungen sind, sich an die Großindustrie zu verkaufen? Angeblich soll ihre Lage vielfach noch schlimmer sein, als die der Arbeiter, meint die.Vossische Zeitung', und doch hat erst in der Reichstagssitzung vom 6. März 1905 der Abgeordnete Potthoff eine längere Rede über das Elend der technische» An- gestellten in der Privatindustrie gehalten. Er wies auf eine im Oktober 1903 im Kreise dieser Beamten veranstaltete Enquete hin. Aus 4800 Fragebogen bearbeitete der deutsche Technikcrverband das Material. Es ergibt sich daraus, führte Potthoff aus, daß fast ein Viertel aller Beamten unter 1800 Mark jähr- liches Gehalt bezieht. Erwähnt sind noch 44 Fälle unter 1200 Mark, 85 Prozent der Angestellten beziehe» 1800 bis 2400 Mark, 24 Prozent zwischen 2400 und 3000 Mark und nur 19 Prozent haben mehr als 3000 Mark Einuahme». Dabei sei noch zu be- rücksichtigen, führte der freisinnige Potthoff aus, daß unter den Befragten auch eine Reihe von Beamten sich befinden, die bei Behörden beschäftigt waren, dadurch werde das Bild im gilustigen Sinne beeinflußt, weil dort die Gehaltsstufen von 2100 bis 2700 M. vorwiegen, während in den Privatbetriebe» die Stufen von 1500 bis 2100 am stärksten besetzt sind. Rur 4öV2 Proz.. also noch nicht einmal die Hälfte der befragten Beamten hatten schrift- liche Dienstverträge, in Privatstellungen waren dies sogar nur 29>/z Proz. Dabei ist über die Hälfte dieser Beamten verheiratet. Bon Bedeutung ist auch noch die Stellenlosigkeit. Es hat sich ge- zeigt— wir folgen immer den Ausführungen des Dr. Potthoff— daß 27 Proz. in den letzten 5 Jahren ein- oder mehreremal stellen- los waren und zwar kommen auf jeden Angestellten innerhalb dieser 5 Jahre vier bis fünf Wochen Stellenlosigkeit. Auch da sind wieder die Angestellten bei den Behörden mitgerechnet, bei denen Stellen- losigkeit sicher viel ivenigcr häufig ist als bei dem privaten Betrieb. Und Potthoff faßt seine Ausführungen zusainmen: »Angesichts solcher Tatsachen muß man sagen, daß diese Er- werbsverhältnisse zweifellos unbefriedigend sind, umsomchr, wenn man E.enkt, daß die Mitgliedschaft des Technikerverbandes doch vorwiegend wohl bessergestellte Beamte umsassen wird und ein großer Teil der am allergeringsten besoldeten sich für solche Ver- bandsbcstrebungen. insbesondere, auch Hülfslassen und dergleichen wenig interessiert!' Unlängst hat sich ein„Bund der industriellen Beamten' gebildet, der lediglich die Interessen dieser in der Industrie Angestellten gegen das Unternehmertum verWitt. In einem Aufruf dieses Verbandes, der auf dem Umschlage eines von Dr. Potthoff gehaltenen Vortrages abgedruckt ist, heißt es: i„Noch niemals ist dieser Interessengegensatz klarer zum Aus druck gekommen als in der Gegenwart. Unter seinem Einflüsse haben sich zuerst die Arbeiter zusammengeschlossen und dadurch eine große Machtstellung errungen. Ihrem Beispiel sind dann die Angehörigen anderer, namentlich kaufmännischer Berufe gefolgt. Nur die technischen Beamten der Industrie standen bisher abseits, teilnahmslos dem Streite zusehend, der sich mit wechselnden Erfolgen aus der sozialen Weltbllhne abspielt. Und doch hätten sie allen Grund, zur Wahrung ihrer Interessen wie ein Mann zu sammenzustehen.' Es wird dann weiter darauf hingewiesen, daß der Wert technischer Arbeit tief gesunken sei und noch weiter sinke. Dauernd ungewiß, gefahrvoll schon für den einzelnen ledigen Mann, absolut un- zureichend aber sei die Lage für den Verheirateten. Die Gründung dieses Bundes der industriellen Beamten ist nach dem erwähnten Aufrufe„der scharfe Protest dagegen, daß die geistigen Arbeiter der Industrie im Erwerbskampf der großen Klassen bisher überhaupt nicht gehört wurden, der Protest gegen ihre vollständige Willensimfreiheit und die unbedingte Abhängigkeit den Arbeitgebern gegenüber und im weiteren gegen ihre fortdauernde Benachteiligung im Erwerbsleben". Dieser Aufruf, durch den sich die industriellen Beamten nach der Logik der„Vossischen Zeitung" also selbst beschimpft haben— denn sie haben nichts anderes von sich selbst gesagt, wie wir von ihnen— ist vom Januar 1905 datiert, schildert mithin unmittelbar aktuelle Erscheinungen. Auch darauf wird in dem Aufruf hingewiesen, daß der. Durchschnitts- verdien st besser gestellter Arbeiter den der Techniker erreicht und ihn vielfach übersteigt. Die soziale Erkcnnwis in dem Bunde der industriellen Beamten ist sogar soweit gediehen, daß sie die Scheidung zwischen Handarbeitern und geistigen Arbeitern vollständig aufgeben.„Diese Scheidung mag", so heißt es in dem Januaraufrufe,„gesellschaftlich zu Recht be stehen, in sozialwirtschaftlicher Hinsicht ist sie un- begründet. Ein Interessengegensatz besteht nicht zwischen Hand arbeiten! und geistigen Arbeitern, sondern zwischen Arbeit- gebern und Arbeitnehmern. Er ist so stärk. daß die geistigen Arbeiter der Industrie von ihren Arbeitgebern trotz gesell- schaftlicher Gleichstellung sozial immer gelrennt bleiben werden, alle Arbeitnehmer selbst bei gesellschaftlicher Trennung in einer Linie stehen müssen. Mit anderen Worten, die Organisation der technischen Beamten sieht s e l b st ein, daß sie mit den Arbeitnehmern, nicht mit den Arbeitgebern gemeinsame Interessen haben. Und wotzdem zwingt man sie nun unter Mißbrauch ihrer ungenügenden Organi sation, denen in den Rücken zu fallen, mit denen sie nach ihrer eigenen Auffassung gleiche Interessen haben, und denjenigen in ihren brutalen Machtkämpfen zu helfen, von deren Interessen sie durch eine weite Klust getrennt sind. Es ist auch von Wichtigkeit, die Forderungen der Organi- sation der technischen industriellen Beamten kennen zu lernen, die sie auf ihrer ersten Generalversammlung formuliert haben: achtstündige Arbeitszeit, Vergütung der Uebcrstunden, Verbot der Sonntagsarbeit, Sonntagsruhe von mindestens 36 Stunden, Kündigungsfrist mindestens sechs Wochen zum Quartalsschluß, monatliche Gehaltszahlungen, Beseitigung der Konkurrenz- klausel.„DaS Patentrecht ist einheitlich zu gestalten. Auf die Er- findungen des Angestellten hat der Arbeitgeber keinen Anspruch. Ihm wird nur ein Vorkaufsrecht aus die praktische Verwertung der Erfindung innerhalb einer kurzen Frist zugestanden I" Diese For- derung ist aus den vorgestern bereits von uns erwähnten ungeheuer- lichen Zustand zurückzuführen, daß die technischen Beamten für ihre miserablenLöhne auch noch ihr geistiges Eigentum an die Unternehmer verkaufen müssen. Der Verband vertritt rein gewerkschaftliche Interessen. Er weist die„Anlehnung an wohlwollende Chefs und ältere Kollegen' zurück. Die Wohlfahrtseinrichtungen haben die Mitglieder in ihrer Hohlheit erkannt. Nach einer Aufstellung dieses Bundes haben von der halben Million technischer Arbeiter etwa die Hälfte ein monatliches Gehalt von 100 und 120 Mark und darunter! In der blühenden Industrie ein erschreckendes Elend' heißt es mit Recht. Mit diesen Angaben wollen wir uns vorläufig begnügen. Wir begreifen wohl, daß es der„Vossischen Zeitung' unangenehm ist, wenn man darauf hinweist, daß auch die Arbeiter im Nock ebenso jämmerlich und noch jänmierlicher gestellt sind von der millionenreichen Industrie, wie die Proletarier in der Bluse. Mutet man noch gar diesen Leuten zu. daß sie ihre Leidens- genossen in der Ausbeutung durch das Kapital verraten, so ist allerdings das Maß des sozialen Elends dieser Kategorie von Angestellten erschöpft. Wir bleiben dabei: Kein Lumpcnprolctarier ist mehr genötigt, so würdelose Handlangerdienste dem Kapital zu leisten, wie diese gebildete» Kopfprolctarier, die ihrer ganzen sozialen Stellung nach zur Arbeiterklasse gehören und die dennoch rat- und hülslos zwischen den Klassen zerrieben werden. Wir würden es angesichts dieser Lage begreifen, daß auch die technischen Beamten einmal zum Mittel des Streiks greife» würden, Daran hindert sie die mangelnde Organisation und das ungenügende Solidaritätsgefühl. DaS eine aber sollte man auch heute schon von ihnen verlangen können, daß sie g e- schlössen gegen die Z u in u t u n g s i ch auflehnen, im Dienste des Kapitals, das sie fast noch grausan: er ausbeutet als die Handarbeiter, feige Streikbrecherdicnste zu leisten! Und ferner wird die Frage der ernsthaften Orga- n i s a t i o n dieser Ausgebeuteten immer mehr von dringender Be- deutung nicht nur für sie selbst, sondern auch für die allgemeine Arbeiterbewegung. Dieser„neue Mittelstand", wie ihn die Schmeichler der kapitaliischsten Ordnung genannt haben, bildet durch seine jetzige Zerfahrenheit als eine Art willenloser Söldnertruppe des Kapitals in kritischen Situationen auch eine Gefahr für die Lebcnsinteressen des Proletariats. Eine weitere Ausdehnung der Aussperrung! Die Kühnemänner nehmen nun den Kampf in vollem Umfange auf. In den Betrieben des Verbandes Berliner Metallindustrieller wird heute durch Anschlag folgendes be- kannt gegeben: Eine Anzahl von Arbeitern, der unserem Verbände an- gehörigen Firmen Siemens u. Halske, A.-G., und A. E. G. haben die Arbeit niedergelegt, weil von ihnen gestellte Forderungen nicht in vollem Nmfnnge bewilligt werden konnten; sie haben dadurch den Weiterbetricb großer Werke unmöglich gemacht. Ter Vorstand Berliner Metallindustrieller hat nunmehr be- schlössen, sich mit den betroffenen Firmen solidarisch zu erklären, und die Schließung der Betriebe der übrigen Berbandsmitglieder zum 14. Oktober angeordnet. Es werden also am 14. d. Mts. weitere etwa 20 000 Personen auf die Straße geworfen! Mit den vom Metall- arbeiter-Perbaiid, den Maschinisten und Heizern und den anderen Verbänden aus den Betrieben herausgezogenen Leuten feiern jetzt schon etwa 40 000, so daß vom Zeitpunkt der völligen Aussperrung an 60 000 Personen arbeitslos sein und mit den Angehörigen 200 000 bis 300 000 Per- sonen(die Einwohnerschaft einer Großstadt!) am Hungertuche nagen müssen, wenn nicht die Arbeiterschaft Deutschlands hinter den brutal auf die Straße Geworfenen steht. Arbeiter Deutschlands! Die Taktik der Unternehmer geht darauf hinaus, die Ausgesperrten durch eine mehr- wöchige Aussperrung mürbe zu machen, dann die Fabriken zur bedingungslosen Wiederaufnahme der Arbeit zu öffnen. Sorgt für Munition, damit auch am Tage der O e f f n u n g der Fabriken die Ausgesperrten nach wie vor noch wie die Mauern stehen! » Der Solidaritätsstreik der Maschinisten und Heizer hat bisher noch keine wesentlichen Veränderungen gezeitigt. Wenigstens ist es nicht gelungen, die letzten 60—70 Berufskollegen noch aus den Zentralen herauszuziehen. Dagegen offenbart sich die Ungeschick- lichkeit der„höheren" Streikbrecher von Tag zu Tag in vermehrtem Maße. S o ist in Ober-Schöne weide gestern bereits die zweite Kraftmaschine in Brand gejagt worden. Zu spät wurden die technisch-theorctisch gebildeten Ueber-Streikbrecher gewahr, daß an der Maschine Rosten und Rohre geschmolzen waren. Selbstverständlich mußte auch diese Maschine außer Betrieb gesetzt werden. Wenn es so weiter geht, dann dürften sich die Herren Arbeitswilligen mit den hohen Stehkragen bald selbst samt und sonders überflüssig machen. Natürlich machen die Herren Direktoren jetzt gute Miene zum bösen Spiel Einem wirklichen Maschinisten oder Heizer aber würden sie in solchem Falle zweifellos sagen, er ver- diene nicht das tägliche Brot. Jedoch jenen Maschinenverderbern lassen sie das Essen sogar gratis und franko aus Restaurationen im Arbeitssaal servieren.— Wie der Staat in diesem Kampfe einseitig zugunsten der Unternehmer eingreift, das konnten die Streikposten gestern nacht an der Zentrale in der Mauerstratze beobachten. Dort leisten nämlich sieben Heizer von der Stadtbahn Streik- brecherdienste. Natürlich sind die Leute„auf höheren Befehl' zu dieser Dienstleistung beordert. So findet sich denn in den Zentralen so nach und nach Personal aus allen StaatSressorts zusammen: Schutzleute, Feuerwehrleute, Eisenbahnheizer usw. Sie alle müssen Arni in Arm mit den Schnapsbrüdern, die aus den Herbergen„Zur Heimat' zum Kohlenkarren engagiert worden sind, jetzt durch die Tat beweisen, daß sie auch wirklich„die für den Staat so besonders nützlichen Elemente' sind. Würdige Repräsentanten!— • Herr Magistratsrat v. Schulz hat dem„Lokal-Anzeiger" folgende Zuschrift zur Veröffentlichung zu« gehen lassen: «In verschiedenen Tageszeitungen wird heute der Inhalt einer Unterredung zwischen dem Vertreter eines hiesigen Korrespondenz- Bureaus imd mir wiedergegeben. Es wird zunächst darin be- hauptet, daß ich geäußert hätte: Der resultatlose Verlauf der Einigungsversuch» hat seine Ursache darin, daß die Arbeitgeber erklärten, über das Maß ihrer bisherigen Koitzessionen unter keinen Umständen weiter hinaitsgehen zu können, während die Arbeiter wiederum auf der Durchsetzung der gestellten Forderungen beharrten. Hiervon Ivar nicht im entferntesten die Rede, und konnte auch nicht die Rede sein, weil mich die Arbeiter während der Verhandlungen beauftragt hatten, für sie und für die Arbeitgeber geeignete Vorschläge zu machen. Ferner ist es nicht richtig, daß ich den Eindruck gewonnen habe, daß diesmal die Aroeitgeber tatsächlich an die äußerste Grenze des Entgegenkommens gegangen seien'; denn ich habe erst jüngst wieder versucht, Borschläge zu unterbreiten, welche in ver« schiedenen Punkten über das Ultimatum hinaus- gehen. Wenn ferner in jenem Berichte gesagt wird, ich hielte die Arbeiter in diesem Kanipfe für die Schtvächeren, so muß ich das ebenfalls nur als ein grobes Mißverständnis meiner Worte auffassen. Schließlich habe ich auch keine Aeiißemng dahin getan, daß Berlin, was den Verkehr und die Beleuchtmig anbelangt, unter keinen Umständen leiden werde, auch dann nicht, tvenn der Streik fortdauere. Eine solche Aenßerung kann ich schon deshalb nicht getan haben, weit ich zurzeit gar nicht in der Lage bin, mir über diese Verhältnisse ein Urteil zu bilden." Die Aeutzerunge» des Herrn Schulz sind also offenbar durch entsprechende.Redaktion" im Interesse des Unternehmertums mißbraucht worden. » Die Firma Nanck u. Hartman» üb c ihre Zensur weiter. In den Plakaten, die zu dem Besuche der heutigen Versammlungen auffordern, waren u. a. folgende Worte enthalten: Arbeiter, Mitbürger, Parteigenossen! Erscheint recht zahlreich in obigen Versammlungen, um Stellung zu nehmen zu der Ungeheuerlichkeit der verschiedenen BeHorden, � die in der offensten Weise bei der gegenwärtigen Aus- sperrnng für die Unternehmer Partei ergreifen. Die Arbeiter sollen durch die Millionenfirmen an die Wand gedruckt werden und die Behörden helfen dabei nach Kräften mit Dagegen gilt eS Protest einzulegen und ist deshalb der Besuch der obigen Versammlungen dringend geboten. . Wenn dieser Aufruf der Firma Nanck u. Hartmann auch nicht gefallen mag. so findet er hoffentlich desto größeres Verständnis bei der Arbeiter! chnft. » Der Zentral-Arbeitsnachweis II in der Rückcrstraße veröffentlichte gestern an den Anschlagsäulen folgendes Plakat: Arbeitcriniien werden verlangt Zentral-ArbeitSnachweis Rückcrstraße. Das Plakat erregte in Arbeiterkreisen ganz allgemein die Be- fürchtung, daß der bekanntlich mit städtischer Unterstützung arbeitende Jtachwcis S t r e i k b r e ch e r i n n e u für Siemens u. Halske und die Allgemeine ElcltrizitätSgesellschaft suche. Wir haben sofort bei der Vcrlvaltung des Nachweises Auskunft erbeten und erhalten. Es wurde uns versichert, daß es grund- sätzlich ausgeschlossen sei, daß der Nachweis durch Lieferung von Arbeitswilligen in Lohnkämpfen eingreife. Die in Frage kommenden Firmen hätten sich seit Monaten und auch jetzt'nicht an den Nachweis gewandt. DaS Plakat sei überdies schon am Sonnabend bestellt»iiib_ nur wegen Uebersüllung des zur Verfügung stehenden Raumes erst jetzt an den Anschlagsäulen erschienen. Gesucht würden Arbeiterinnen für Blcch-Emballagcn, galvanische Anstalten, für die Luxuspapier- und Nahrungsurittelbranche und allerdings auch für einige nicht bestreikte kleinere Elektrizitätsfirmen. Für die Lohnzahlung waren von den Gesellschaften besondere Vorkehrungen getroffen worden. Die Arbeiter wurden nicht in die Fabriken selbst hinein- gelassen, sondern in den Vorhöfen abgefertigt, um ihnen jeden Einblick in die leeren Fabriken und jede Berührung mit den paar Arbeitswilligen unmöglich zu machen. Zu diesem Zwecke wurde auch die Absperrung der Arbeitswilligen und auch der im Betriebe tätigen Beamten noch.strenger als sonst durchgeführt. Alle wurden in den Arbeitsräumen zurückgehalten. Damit sie und— die Polizei keine Not leiden mögen, hatte die Firma Aschinger nach dem Werk der Brunnenstratze 200 Portionen Schweinebraten und 3000 belegte Brötchen geliefert. Für alle Fälle waren noch in den verschiedenen Teilen der Fabrik Schutzleute verteilt. Eine Abteilung befand sich in der ehemaligen Tischlerei, eine zweite Abteilung von 8 Mann Ivar in der Hausverwaltung untergebracht, in der Mitte des Fabrikgebäudes gar 40 Mann! Die Lohnzahlung fand an dem Eingang von der Brunnenstraße aus vor dem Fabrikgebäude statt au Tischen, die auf dem Hofe plaziert waren. Jkachdem die 7000 Mann des Werkes abgefertigt waren, konnten auch die Schutzleute wieder abrücken, ohne daß zum Gluck einer von ihnen der tödlichen Lange- weile zum Opfer gefallen wäre. Die kaufmännischen Angestellten der A. E.-G. sind aus Anlaß der Aussperrung vom Zentralverband der Handlungs- gehülfcn zu einer Versammlung geladen worden, die gestern in Fibigs Saal, Ackerstraße, tagte. Das kaufmännische Personal der A. E.-G. war dem lliufe in großer Zahl gefolgt. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt.— Der Referent K a l i s k i wandte sich mit kräftigen, eindrucksvollen Worten an das Ehrgefühl der kauf- männischen Proletarier, um sie zur Solidarität niit den streikenden und ausgesperrten Arbeiter aufzurufen. Nachdem das Unter- nehmertum der Elektrizitäts-Jndustrie Zehntausende von Arbeitern auf die Straße geworfen hatten, kam die Kunde, daß Handlungs- gehülfen schamlos genug waren, um Streikbrecherdienste zu leisten. (Pfui!) Und die Handelsangestclltcn, die sich so weit vergaßen, den Unternehmern diese Schanddienste zu erweisen, sind nicht etwa solche, die bei Rathenau zu Tische geladen waren, sondern es sind Handlungsgehülfcn, die mit einem Stundenlohn von 30 Pf., mit einem Monatsgehalt von 75 M. bezahlt werden. Die kaufmännischen Angestellten, die sich so weit erniedrigt haben, stehen moralisch tief unter der Straßendirne, denn diese prostituiert sich doch nur ihres eigenen Nutzens wegen, aber nicht zuni Gefallen anderer.(Beifall.) Tic kaufmännischen Angestellten müssen es unter ihrer Würde halten, Arbeiten der Streikenden und Ausgesperrten zu verrichten. Wenn aber bei dem einen oder anderen das Ehrgefühl nicht aus- reichen sollte, um Streikbrecherdienste zu verweigern, so mögen sie daran denken, daß sie nach dem Gesetz zu keinen anderen als kauf- männischen Arbeiten verpflichtet sind.— Einer jener Handlungsgehülfcn, die als Streikbrecher arbeiten, sagte, als er deswegen zur Rede gestellt wurde mit zynischer Dreistigkeit:„Ist denn Kohlen- schippen eine ehrlose Handlung?"— Nein, das nicht. Kohlcnschippen ist eine ehrenwerte Arbeit, aber eine Schmach und Schande ist es, Kohlen zu schippen an Stelle ausgesperrter Arbeiter.(Beifall.) Nach dem Willen des Unternehmertums sollen die Ausgesperrten dem Hunger überantwortet werden. Sagte doch ein Lagerchef mit Bezug auf die Ausgesperrten:„Die Hunde müssen auf der Straße vcr- recken."(Pfui!) Daß die schamlose Absicht der Unternehmer und ihrer Helfer nicht gelingt, dafür müssen, so weit es an ihnen liegt, auch die kaufmännischen Angestellten sorgen. Niemand von ihnen darf Streikbrccherdienste verrichten, jeder muß auch unter seinen Kollegen dafür wirken daß die Solidarität mit den ausgesperrten Arbeitern gewahrt wird und daß keiner die Hand rührt, um als Streikbrecher tätig zu sein.— Die Rede des Lieferenten fand stür- mischen Beifall, dann wurde ohne Debatte die folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die in Fiebigs Festsälcn versammelten kaufmännisch tätigen Angestellten der Elcktro-Jndustrie erklären im Bewußtsein ihrer Stellung als Proletarier ihre volle Solidarität mit den aus- gesperrten und streikenden Arbeitern. Sie weisen jede Zumutung, Streikbrccherdicnstc zu verrichten, als beschimpfend und ehrlos auf das entschiedenste zurück. Die Versammelten verpflichten sich, die Arbeiterschaft in dem durch das koalierte Unternehmertum er- zwungeuen Kampfe in jeder Beziehung tatkräftigst zu unterstützen." 5)oUtil*cbe QcbeiTicbt. Berlin, den 4. Oktober. Auswärtiges Sclbstlob. Fürst B ü l o w hält die Zeit für gekommen, der Welt seine märchenhaften Verdienste um die Beilegung deS Marokko- z w i st e s anzuzeigen. Dem Vertreter eines Pariser Blattes hat er anvertraut, wie er über die deutsch-ftanzösischen Geschehnisse des letzten Halbjahres und die gegenwärtige internationale Situation denkt, wie er aus ernsten Schwierigkeiten zu herrlichen Lösungen ge- führt hat, welche Ansprüche er hat an dem Dank Deutschlands, ja Europas. Aus dem„Petit Parisien" erfährt die deutsche Oeffeiitlich- keit alle diese interessanten Dinge. Also lautet das bescheidene Geständnis glorreicher Diplomatie: »Zu gewissen Zeiten war Frankreichs Politik in einer Weise ge- lertet worden, daß man es für ihr wesentlichstes Ziel halten mußte, Deutschland zu isolieren, und daß ihr leitender Grundsatz schien, uns mit allen Mitteln feindselig zu sein. Ich möchte schlechterdings niemand angreifen, aber ich erinnere daran, daß ich vor l'/z Jahren, als das französisch-englische Abkommen betreffs Marokko abgeschlossen wurde, im Reichstage die Erklärimg abgab, das französisch-englische Abkommen scheine keineswegs gegen Deutschland gerichtet zu sein, jedoch hinzufügte, daß inir keinerlei offizielle Mitteilung davon gemacht worden sei. Glauben Sie nicht, daß man mir damals diese Mitteilung, die ich für notwendig hielt, hätte machen sollen? Nichts dergleichen geschah, und wir hatten einen Beweis mehr, daß die französische Politik uns nicht nur isolieren, sondern sogar verletzen wollte. Es kam der Tag, wo zweifellos zur Krönung ihres Werkes diese Ansschließungspolitik eine Tendenz verriet, Marokko in ein zweites Tunis umzugestalten. Deutschland. daS an Marokkos Handel interessiert ist, und das ein Recht hatte, seine berechtigten Interessen zu verteidigen, sah sich genötigt, dies Recht geltend zu machen. Frankreich, zeigte die Absicht, sich eme Sonderstellung in ganz Marokko zu schaffen. Dies war unvereinbar mit der lluabhängigkeit Marokkos, die durch internationale Verträge bekräftigt war, unvereinbar auch mit der Ivirtschastlichen und handelspolitischen Freiheit, kurz eine ernste L a g e war das Ergebnis und es schien schwer, aus dieser Lage herauszukommen, ohne daß die Würde eines der beidenLänder darunter litt. Wer hat dies verschuldet? Und wie kann man sagen, daß Deutschland durch seine Intervention irgendwelche Vor- eingenommenbeit oder Hintergedanken an den Tag legte, daß eS Frankreich feindselig Ivar, während Deutschland doch nur für seine Staatsangehörigen und ihre Interessen sorgte, während eS doch nur seine Pflicht als große Nation erfüllte wie Frankreich selbst es getan hätte! Um derartiges zu behaupten, muß man absichtlich vergessen, daß die Politik Deutschlands seit langem den Wunsch hegt, die Beziehungen mit Frankreich zu verbessern. Zeigen die soeben statt- gefundenen Unterhandlungen nicht, daß wir uns darauf beschränkt haben, in Marokko das Regime der offenen Tür zn sichern, daß wir keine Vorteile besonderer Natur territorialer oder sonstiger Art für uns verlangten? Wir haben uns beeilt, die besondere Situation Frankreichs an- zuerkennen; im Vertrauen auf die Loyalität der französischen Negierung haben wir zugegeben, daß die Konferenz sich nicht mit der Polizeifrage an der algerisch-marokkanischen Grenze zn be- schäftigen habe. Frankreich wiederum hat den Abschluß neben- sächlicher Geschäfte, die zwischen dein Maghzen und deutschen Bankiers und Unternehmern vereinbart wurden, anerkannt. Da unsere Wirt- schaftlichen Interessen, die zu ihrem Schutze in Marokko nur des freien Wettbewerbs bedürfen, nunmehr nichts zu befürchten haben, und unsere nationale Würde vor jeder Verletzung sicher ist, haben wir Frankreich die besondere Stellung zuerkannt, die eS seiner Grenze verdankt. Beznglick, der marokkanischen Frage selbst haben wir es gleichfalls und mit Rücksicht auf alle irgendwie be- teiligten Nationen der Konferenz überlassen, diese Frage zu studieren und Abhülfe zu finden. Die eben stattgehabten Verhandlungen, das jüngst abgeschlossene Abkommen, haben den Deutschen gezeigt, daß ihnen gegenüber in Frankreich sich etwas ge- ändert hat, und daß man seit einiger Zeit ihnen gegenüber eine loyale Politik verfolgt. Das ist ein für beide Völker glückliches Ereignis; ich freue mich, das Verdienst daran zum großen Teil Herrn Rouvier beizumessen, der die Lage von einem höheren Gesichtspunkt aus beurteilt und aufrichtig an dem Aufhören der Spannung mitgearbeitet hat. Ich weiß wohl, es gibt Unzufriedene, das war vorauszusehen. Einige deutsche Blätter haben sich beklagt, daß Deutschland nicht versucht hat, besondere Vorteile zu erlangen. Sie vergessen, daß das niemals Zweck der deutscheu Politik war. In Frankreich könnte bei Ihren Frondeuren der Verdacht bestehen, daß die gegenwärtige Politik Deutschlands in Marokko trotz alledem einen aggressiven Charakter behalte, und daß neue Schwierig- leiten vor, während oder nach der Konferenz hervorgerufen werden konnten. DaS heißt vollständig vergessen, daß die deutsche Aktion seit Beginn der marokkanischen An- gelegenheit eine ausschließlich defensive Aktion war. Ein Mißtrauen, wie es sich in dieser Annahme zeigt, ist durch nichts gerechtfertigt. Der Presse der beidenLänder liegt eS ob, zwischen unseren beiden Völkern ein Gefühl des Vertrauens zu schaffen, die beiden Regierungen wünschen dies auf- richtig. Mit Beruhigung und mit Freude würde man die künftigen Zeiten erwarten können, wenn gewisse Franzosen und gewisse Deutsche sich nicht mehr als notgedrungen traditionelle Feinde betrachten würden, wenn sie einsehen würden, wie fruchtbar der aufrichtige völlige Friede zwischen zwei großen Völkern ist, wieviel Großes er verbürgt. Die bereits errungenen Verbesserungen der deutsch- französischen Beziehungen werden nicht durch unsere Schuld ver- lorcn gehen, denn wir wollen in Algeciras dieselbe Aufrichtigkeit zeigen wie in Paris, Auf den Einwand, was geschehen würde, wenn der Maghzen de» Beschlüssen der Konferenz nicht Rechnung tragen sollte, antwortete der Reichskanzler: Die Aufrcchterhaltung und Befestigung einer loyalen und offenen Politik zwischen Frank- reich und Deutschland gestatte, dieser Eventualität sowie niancher anderen ohne Besorgnis entgegenzusehen. Auf die Frage, was er über die russisch-deutsche Annäherung denke. antwortete der Reichskanzler: Alles mögliche Gute, die russisch- deutsche Freundschaft besteht und ich glaube, daß eS Frankreich nur angenehm sein kann, Rußland mit uns in guten Beziehungen zu sehen. Die Franzosen haben ein Interesse daran, daß ihr Vcr- bündeter einen Freund mehr hat; wir beglückwünschen uns aus demselben Grunde zu der französisch-italienischen Freundschaft." Der Marokko-Zwist, der im Frühjahr Frankreich und Deutsch- land erregte, scheint»ach langwierigen Verhandlungen beigelegt, und man darf allerdings erwarten, daß diese Angelegenheit auch fernerhin ernstere Komplikationen nicht herbeiführen wird. Gleich- wohl dürfen die Darlegungen des Fürsten Bülow nicht mit heiterem Verständnis ftir ungewöhnlich entwickelte Selbstzufriedenheit eines Staatsmannes ertragen werden. Nicht nur um der geschichtlichen Wahrheit willen, sondern ebenso wegen der nicht mit einigen wohl- feilen Wendungen zu beseitigenden bösen Folgen, welche die Bnlowsche Marokko-Politik, trotz der Hinwegräumung des besondere» Streitgegenstandes, für das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland herbeigeführt hat. Nach der Darstellung deS Reichskanzlers ist seine Politik gegen- über Frankreich völlig tadelfrei, und lediglich die feindselige Haltung des früheren französischen Ministers deS Auswärtigen Delcassö habe Deutschland zur Abwehr genötigt. Die französische Politik habe Deutschland isolieren und sogar verletzen wollen, sie habe schließlich den deutschen Handel von Marokko ausschließen wollen. Nun hat Delcassö allerdings eine Politik betrieben, die von denen aufs höchste verurteilt werden nmß, welche ein gutes Vcr- hältnis zwischen Frankreich und Deutschland hvünschen. Es war eine lächerliche Torheit, das englisch-französische Abkommen der deutschen Regierung nicht offiziell mitzuteilen. Es war mehr als Torheit, es war ein Verbrechen, daß Dclcasss später, als der Konflikt sich zugespitzt hatte, es auf gewaltsame Lösung ankommen zu lassen gedachte. Frankreich selbst vollbrachte die Züchtigung dessen, der solche Pläne hegte: vor dem zornigen Unwillen ganz Frankreichs niußte Delcassö mit Schimpf und Schande seinen Posten verlassen. Aber DelcassöS Schuld bedeutet nichts weniger, als daß auf deutscher Seite nicht ebenso schwere Fehler begangen wären! Fürst Bülow befleißigt sich einer maßlosen Nebertreibung der Fehler Dclcassös, um seine eigene Politik im reinsten Lichte er- strahlen zu lassen. Er stellt es so dar, als habe Delcassö Deutsch- land mit vollständiger Isolierung bedroht, gegen welche Bedrohung � die ernsteste Abwehr nötig gewesen sei. Diese Darstellung ist jedoch äußerst befremdlich, wenn man sich erinnert, was der Reichskanzler am 14. April 1904, alS gerade das englisch-französische Abkommen im Reichstage besprochen wurde, über die Gefahr einer deutschen Isolierung geäußert hat. Bebel hatte damals auf eine solche Ge- fahr hingewiesen, indem er bedauerte, daß die deutsche Politik es nicht verstanden habe, England die deutsche Seite zu halten. Da erklärte Fürst v. Bülow, damals noch Graf v. Bülow:„Ich erwidere ihm, daß ivir mit zwei griMen Mächten in einem festen Bündnisvcrhältnis stehen, zu fünf anderen großen Mächten stehen wir in freundschaftlichen Beziehungen, während unser Ver- hältnis zu Frankreich ein ruhiges und friedliches ist und, soweit das von uns abhängt, auch bleiben wird." Gerade als Frankreich jenes Abkommen geschlossen hatte, das später als Beweis des JsolierungSplaneS angesehen worden ist, gerade in der Zeit, da Bülow zu der vollen Erkenntnis jenes Planes hätte gelangt sein müssen, damals ahnte der Arglose noch nichts von dem nahenden Verderben, damals sah er keinerlei Gefahr der Isolierung, er sah die Situation Deutschlands rosenrot, wie er sie auch jetzt wieder rosenrot sieht. Es ist das Spiel der hohen Diplo- matte, den Völkern bald die schwärzesten Gefahren, bald die lichtesten Ausfichten vorzuzaubern! Aber auch die Darstellung vom Ursprung des Marokko-Konflikts ist falsch. So töricht die Unterlassung der offiziellen Bekanntgabe des euglisch-französischen Abkommens war, so war sie doch keines- IvegS das, was nachher die deutschen Offiziösen daraus gemacht haben und was jetzt Bülow wiederholt:„ein Beweis mehr, daß die französische Politik uns nicht nur isolieren, sondern sogar verletzen wollte". Schon die Tatsache, daß Delcassö auch den Vereinigten Staaten den Text des Abkommens nicht offiziell übermittelt hat, beweist, daß die Dinge nicht so gelegen haben. Und daß jene Unterlassung damals auf die deutsche Politik keineswegs den erschütternden Eindruck gemacht hat, wie es jetzt vorgegeben wird, das zeigen die bekannten Worte Vülows im Reichstage am 12. April 1904, daß er„leine Ursache habe, an- zunehmen, das englisch-französische Kolonialabkommen enthalte eine Spitze gegen irgend eine andere Macht", und daß er«keinen Grund habe zu befürchten, daß unsere Interessen in Marokko von irgend einer Macht mißachtet oder verletzt werden könnten". Nach dem „Petit Parisien" soll Fürst Bülow jetzt sogar gesagt haben, er habe damals schon hinzugefügt, daß ihn keinerlei offizielle Mitteilung von dem Abkommen gemacht worden sei, welche Behauptung offenbar beweisen soll, daß Fürst Bülow damals schon recht dedenklich gegen die Haltung Frankreichs gewesen sei. Tat- sächlich gelingt es uns nicht, eine derartige Aeußerung des Reichskanzlers aufzrt finden! So standen die Dinge im April 1904. Damals sah die deutsche Politik in dem Marokko-Abkommen nicht die geringste Möglichkeit eines Zwistes, fand keinen Anlaß, gegen Beeinträchtigung des deutschen Handels in Marokko Vorstellungen in Paris zu erheben, wozu sie berechtigt und verpflichtet war. Aber im März 1905 war urplötzlich das Bild völlig verwandelt. Fürst Bülow sucht jetzt jenen jähen Umschwung damit zu begründen, daß Frankreich gezeigt hätte, es wolle in Marokko eine AuS- schließuugspolitik betreiben. War dies der Fall, so mußten die üblichen diplomatischen Vorstellungen v o I l- au f genügen und u m s o m e h r, als Frankreich nun- mehr, infolge der furchtbaren Niederlage des alliierten Rußland, selbst in eine äußerst schwierige Situation geraten war und ganz gewiß nicht länger darauf spekulieren konnte, gegen Deutschland Ränke zu schmieden. Statt diplomatischer Machtstellungen wurde nun jedoch der größte diplomatische Theater- den bösen französischen Nachbar. Schließlich kam die Tanger- denb ösen französischen Nachbar. Schließlich kam die Tanger- reise des Kaisers und die Anfrage des Reichskanzlers bei dem Gcneralstabe, ob die Armee kriegsbereit ist! Wir haben niemals gemeint, daß die deutsche Regierung es sich gelüsten lassen werde, wegen Marokko einen Krieg zu beginnen, für den im deutschen Volk, ganz abgesehen von der Sozialdemokratie, nicht das geringste Empfinden vorhanden war. Das Verderbliche der Bülowschcn Politik lag darin, daß in Frankreich mit Notwendig- keit der Eindruck entstehen mußte, Deutschland beabsichtige, unter irgend einem Vorlvand über Frankreich herzufallen oder mindestens Frankreich in der Freiheit seiner auswärtigen Politik zu beeini- trächtigen und zu demütigen. Unter Vorantritt der französischen Sozialdemokratie, welche schon längst zuvor die Politik Delcassös aufs schärfste bekämpft hatte, beseitigte die Dcputicrtenkammer den Minister Delcassö und räumte damit jeden Anlaß fort, den Deutsch- land weiter hätte ausnutzen können. Alle jene Ereignisse aber, auf die wir jetzt nicht nochmals näher eingehen können, mußten im französischen Volke die größten Zweifel an der deutschen Friedlichkeit und Aufrichtigkeit erwecken. Alles was der französische Sozialismus in langer Zeit gegen den Chauvinismus ausgerichtet hatte, drohte in Frage gestellt zu werden durch die Alarmpolitik der deutschen Diplomatie! Wenn nach langen Wirren die Marokko-Angelcgcnheit jetzt endlich auf den Stand gelangt, den sie bei einiger politischen Vcr- nunft niemals hätte verlassen können, so beweist dies das Gegenteil des Selbstlobcs, das sich Fürst Bülow erteilt. Es beweist, wie schwere Gefahren den Nationen erwachsen, wenn sie die internatio- nalen Beziehungen, wenn sie das hohe Gut des Friedens dem Spiel der Diplomaten überlassen. Und vollends wird die Vc r d e r b l i ch k e i t der Wege, welche die auswärtige Politik Deutschlands tvandelt, durch die kurzen, aber inhaltsschweren Schlußbcmcrkungcn des Fürsten Bülow erwiesen. Die auswärtige Staatskunst Bülows hat Deutschland in stets verschärften Gegensatz zu den Kulturstaaten Westeuropas, zu England und Frankreich gebracht, sie hat dafür eingetauscht die russische Freundschaft!— Ein Bnrcnkomplott in Siidwcstafrika. Tie„Windhuker Nachrichten" bringen eine höchst sensationelle Enthüllung über ein Burcnkomplott in Süd- westafriia. Der in der Kolonie ansässige A n d r i e s d e W e t, der Neffe des bekannten Burengeusrals, hat danach mit einer Reihe anderer Buren in allem Ernste den Plan gehabt, eine Erhebung von Buren in Südwestafrika zu inszenieren. Tie Verschwörer beabsichtigten, sich mit den Witbois in Verbindung zu setzen und auch die bis jetzt neutralen Bastards zur Erhebung gegen die Deutschen zu veranlassen. Die an dein Komplott beteiligten Buren ge- hörten zn den„national sconts", jenen Burenelementen, die während des Burenkrieges auf die Seite der Engländer übergingen und gegen ihre eigenen Landslcute fochten. Die Zahl dieser„nationalen Spione" belauft sich in Südwest- afrika auf 13 00(1 Mann. Da sie von den übrigen Buren ge- ächtet worden seien und auch von England nicht den er- warteten Dank erhalten hätten, bestanden sie zum guten Teil ans Desperados, die jedem beutevcrheißcnden Gewaltstreich geneigt seien. Die Gefahr für die deutsche Kolonie sei infolge- dessen eine außerordentlich schwere gewesen, sofern es gelungen wäre, einen Teil dieser Burenelemente für die Verschwörung zu gewinnen. Tie„Windhuker Nachrichten" erklären, ihre Enthüllungen von amtlicher Seite er- halten zu haben. Am Dienstag, den 22. August, sei der Polizeibehörde in Windhuk die Anzeige zugegangen, daß seit einiger Zeit in dem Hause von Andries de Wet geheime Per- sammlungen abgehalten würden, um eine Erhebung und einen Handstreich aus Windhuk und andere Orte vor- zubereiten. Am 23. August sei das Nest der Verschwörer ausgehoben worden. Fünf Buren, Führer der Verschwörung, seien verhastet worden, ein sechster sei entkommen. Tie„Windhuker Nachrichten" veröffentlichen gleichzeitig eine Erklärung einer Anzahl anderer Buren, in denen jede Gemeinsamkeit mit den Verschwörern abgelehnt und die herbste Verurteilung über den Plan ausgedrückt wird. Die Unterzeichneten bitten die Deutschen, sie nicht fiir die Handlungsweise der Verschwörer verantwortlich machen zu wollen. Es kann nach alledem kaum ein Zweifel unterliegen, daß eine derartige Verschwörung tatsächlich vorbereitet war. Daß die„Windhuker Nachrichten" die Sache so bitter ernst nehmen, beweist, daß ni a» tatsächlich m it der Möglichkeit einer solchen Erhebung r c s p. e i n es solchen B u r e n a u f st a n d e s in S ü d w e st- a f r i k a rechnet. War die Verschwörung wirklich ernst gemeint und bestand wirklich die Gefahr einer Erhebung, so müssen die Zustände in Siidwcstafrika in Wirklichkeit n o ch viel trostloser liegen, als man bisher angenommen hatte. Wenn trotz der 13 000 Mann, die sich in Südwest- afrika befinden, und trotz aller„Niederlagen", die den Eingeborenen bisher bereitet sein sollen, eine Anzahl mit dein Lande und den Verhältnissen genau vertrauter Buren einen so abenteuerlich erscheinenden Plan fassen konnte, so muß der Widerstand der Eingeborenen noch lange nicht nieder- gebrochen s e in, im Gegenteil muß die O h n m a ch t der deutschen Truppen derartig zutage getreten sein, daß die Verschwörer die Hoffnung hegen konnten, mit Hülfe der auf- ständischen Eingeborenen wirklich etwas gegen die deutschen Truppen ausrichten zu können. Die Burenverschwörung wirft deshalb ein außerordentlich trübes Schlaglicht auf die Lage in Südwestafrika. Sie beweist aber gleichzeitig, daß selbst dann, wenn der Aufstand der Hereros wirklich nieder- geworfen oder friedlich beigelegt sein würde, unsere südwest- afrikanische Kolonie von einer anderen Seite Gefahren drohen, au die bisher noch kaum jemand gedacht hat. Man hat ja so viel von der nationalen Bewegung der südwest- afrikanischen Eingeborenen gesprochen, die man als eine schwere Gefahr für die weiße Bevölkerung überhaupt dargestellt hat. Solltcu die„untionnl scouts" einmal daran denken, sich diese Bewegung der Eingeborenen zunutze zu machen, so könnte in Südwestafrika ein Krieg ausbrechen, der unsere Herrschaft in Südwestafrika in erster Linie völlig in Gefahr brächte. Es wäre deshalb das vernünftigste, wenn man die unglückselige Sandwüste, die man mit dem Blute Tausender Deutscher gedüngt hat und für die man Hunderte von Millionen zum Fenster hinausgeworfen hat, sich selbst über- ließe, statt sich fiir ein fast völlig wertloses Stück Land neuen wertlosen Opfern an Gut und Blut auszusetzen!— Dcutfcheo Reich. Ein Zwanzigtausendmark-Schwindel. Im„Berliner Tageblatt" ist zu lesen: „Eine unerquickliche Auseinandersetzung über die finanziellen Nachwehcn des großen Bcrgarbeitcrstreils wurde gestern in Essen begonnen. Ein Privat-Tclegramm aus Essen meldet uns darüber: „Heute nachmittag begann die angekündigte Sitzung der Sicbenerkoinmission, der die Leitung des großen Bergarbeiter- ausstandes oblag. Als einziger Verhandlungspunkt stand die Generalabrechnung auf der Tagesordnung. Die einzelnen Zahlen sollen vorläufig geheim gelpltcn werden. Ter christliche Gewerkvercin wie der alte(sozialdemokratische) Bergarbeile» vcrband werden getrennt in ihren Blättern Abrechnung geben. Die Verrechnung der rund V« Millionen betragenden Gelder, die gemeinsam verwaltet wurden, erfolgte glatt. Die Abrechnung der Gesamtsumme, die bedeutend höher ist, wird von jeder Or- ganisation einzeln erfolgen', da nach dem 7. März d. I. die gemeinsame Kasse aufgelöst wurde. Die bekannte 20 000 Mark- Affäre— bekanntlich sind 20 000 M. zur Unterstützung der russischen Revolutionäre verwendet worden— kam nicht zur Verhandlung. Der christliche Bergarbeiterführer Effert erklärte nur, es sei Sache der sozialdemokratischen Partei, sich wegen dieser Sache zu rechtfertigen. Im übrigen solle man den Aus- gang des Prozesses, den der Vorstand des alten Bergarbeiter- Verbandes gegen den Redakteur des Zentrumsorgans„Essener Volks-Zeitung" in dieser Sack)« angestrengt hat, abwarten." Es ist nicht ohne Interesse, zu erfahren, in welchem Zu- sammenhang eigentlich der Ausstand der Bergarbeiter mit den russischen Revolutionären gestanden hat." Das„Berliner Tageblatt" scheint den Essener Wahlkampf ver- schlafen zu haben; es redet von der bekannten Affäre, hat aber offenbar selbst nicht die geringste Kenntnis davon. Im Essener Wahlkampfe hat der Schwindel schon eine Rolle gespielt, Herr Effert, der christliche Bcrgarbeiterführer, hat auch Flugblätter unterzeichnet, in denen die Geschichte der 20 000 M. in ähnlicher Weise ausgeschlachtet worden ist und Herr Effert wird nun als Schutzzeugc für den Bcrgarbeiterverband in der in dieser Sache an- gestrengten Beleidigungsklage gegen den Zentrumsredaktcur Han- kamer auftreten und unter Eid die mit seinem Namen unterzeich- netcn Flugblätter verleugnen müssen. Mit den 20 000 M. hat der Bcrgarbeiterverband und der Berg- arbciterstreik gar nichts zu tun. Wie es sich mit diesem Gelde ver- hält, ergibt der Bericht unseres Parteivorstandes an den Parteitag in Jena. Tarin heißt es wörtlich in der Darstellung über die russische Revolution. „Zunächst bewilligte der Partcivorstand 10 000 M. zur Unter- stützung der Opfer. Wiederholt wurden dann den russischen Ge- nassen kleinere Beiträge zur Verfügung gestellt. Als dann der Bergarbciterstrcik beendet war und'noch ausstehende Beträge eingingen, wurden diese den Brüdern in Rußland zugewiesen. Im ganzen an 20 000 M." Daraus haben die Zentrumskämpcn dann destilliert, daß die hungernden Bergarbeiter um 20 000 M. hätten bluten müssen und daß der Bcrgarbeiterverband das getan habe. Wie gesagt, hat dieser gar nichts damit zu tun. Was unser Parteivorstand aus noch ausstehenden Beträgen, die aus Parteikrcisen stammten, für die Opfer der russischen Revolution gegeben hat, das hat er ge- geben, nachdem die Siebenerkommission längst aufgelöst war und nach vorheriger Zustimmung der Geber. Und das waren überdies uichi 20 000 M., so groß war vielmehr die ganze Summe einschließ- lich der 10 000 M. und der verschiedenen kleineren Beträge. Du das„Berliner Tageblatt" bei seinen Lesern Interesse vor- aussetzt für den angeblichen Zusammenhang der 20 000 M. mit dem Bergarbeiterstrcik, so wird es ihnen wohl unsere Aufklärung, die im Wahlkampfe in Essen wiederholt gegeben wurde, nicht vor- enthalten. Auch der Bergarbeiterverband hat allerdings streikende russische Bergarbeiter mit 5000 M. unterstützt, aber nicht aus Verbands- Mitteln und auch nicht aus Mitteln, die für den Ruhrstreik gegeben worden sino, sondern aus besonderen Sammlungen. Der Segen des„Borwärts"-Aboilnements. Das„Berliner Tageblatt" hatte im Wortlaut den Vortrag wiedergegeben, den Professor Brentano auf der Mannheimer Generalversammlung des Vereins für Sozialpolitik gehalten. Um diesen Sündenfall zu sühnen, der durch die gleich mitgegebene einschränkende Fußnote noch nicht genügend widerrufen lvar, veröffentlicht das Mosseblatt jetzt von einem„Praktiker" energische kapitalistische Betrachtungen„wider Lujo Brentano". Hatte Brentano einige Fragen ins gerade gerückt, so z. B. den Wohlfahrtsschwindel, so leiert dieser Praktiker das ganze Evangelium des Kapitalismus wieder her, der praktisch ebenso zielbewußt ist wie er„theoretisch" sich konfus geberdct. Der famose Praktiker aber hat auch in das„Berliner Tageblatt" eine Bomben- Ouartalsreklame für den—„Vorwärts" hineingeschmuggelt, auf die das dümmste Organ des freigesinnten Bürger- tums richtig hineingefallen ist. Der Praktiker hat nämlich in dem Blatte„ein kleines Erlebnis a«s den letzten Tagen" aufgetischt. Er will von einer Arbeiterfrau die Aeußerung gehört haben:„Wir denken gar nicht daran, Sozialisten zu sein, aber mein Mann muß eine Operation durchmachen und für den Fall, daß diese mißlingen sollte, muß ich auf den„ V o r w ä r t s" abonnieren; dann bekomme ich U n t e r st ü tz u n g. Ich selber brauche ihn zwar nicht zu lesen,.aber man hat mir gesagt, wenn ich etwas Ivollte, müßte ihn mein Sohn jedenfalls lesen!" Diese schöne Geschichte, daß Menschen, die 1,10 M. monatlich für den„Vorwärts" bezahlen, gleichzeitig sich eine Art lcbens- längliche Rente erwerben, müßten wir eigentlich, wenn wir nach dem Rcklamesystem der Jnscratcnsirma Mosse verfahren wollten, in alle» Zeitungen inserieren. Wir sind sicher, daß wir uns dann vor den Millionen Abonnenten nicht inehr retten können. Wir glauben so- gar, daß schließlich der Praktiker des„Berliner Tageblatt" und der Redakteur, der diese„Vorwärts"-Reklaine aufgenommen hat. wenn sie sich einer Gehirnoperation unterziehen sollten, auch auf den„Vor- ivärts" abonnieren müßten, da ihr Fall so schwer liegt, daß die Operation auf jeden Fall mißlingen wird. Sie bekommen dann wenigstens eine Unterstützung von uns.— Die Tarif„rcform". Der„Kölnischen Zeitung" wird aus Karls- ruhe vom 3. Oktober telegraphiert: Schon vor einigen Wochen war die Veröffentlichung einer Denkschrift über die Personentarifreform und die Einberufung des EisenbaHnrateS zu deren Beratung an- gekündigt worden. Wir wir neuerdings von unterrichteter Seite hören, ist die Denkschrift, die unter Durchführung eines ausführlichen statistischen Materials die Notwendigkeit der Reform begründet und zu der Frage der Kilometerhefte und der vierten Wagenklasse Stellung nimmt, fertiggestellt. Mit der Versendung soll jedoch gewartet werden, bis sich die Ergebnisse der in der nächsten Woche stattfindenden Betriebsmittelkonferenz übersehen lassen, die insofern von besonderer Bedeutung sein dürften, als dabei über die neuen von der bayerischen Regierung ausgehenden Vorschläge beraten werden soll. Bei dem engen Zusammenhange zwischen Betriebs- mittclgemeinschaft und Personentarifreform wird voraussichtlich das Schicksal der ersteren mitbestimmend auch für die Personentarifreform werden. Wie erinnerlich ist diese ganze„Reform" nichts wie eine burcan- kratisch-fiskalische Verpreußung des deutschen Eisenbahnwesens.— Wilhelm II. und der große Schweiger. Als Schlußstein des neuen Moltke-Denkmals in Berlin dient eine Graiütplatte, die folgende Inschrift trägt: „Was dieser Marmorkern einbindet, Wohl keines Menschen Auge findet, Solange dieses Denkninl steht. Doch wenn es einst in Trümmern geht, Lobpreise noch in letzter Stund' Der Felsen hier, aus unser'm Mund: Wie immer sich wenden des Schicksals Wege, Moltke war und bleibt der größte Stratege. Gott gebe in seinem gnädigen Walten Uns Deutschen stets solche Heldgcstalten. Graf v. Schlicffcn, Exz.'. Chef de-Z Generalstabes. Bildhauer I. Uphues. Architekt O. Schinalz. Aktiengesellschaft für Marmor- Industrie Kiefer." Es ist nicht ersichtlich, wer dieses so beredte Poöm auf den großen Schweiger verfertigt hat. Vielleicht einer der Unterzeichner? Der Graf Schlieffen oder die Aktiengesellschaft Kiefer? Immerhin sollte der Autor der Verse Wie immer sich wenden des Schicksals Wege, Moltke war und bleibt der größte Stratege sich nennen. Wie übrigens die Blätter melden, geht die Anregung zu dieser Moltke-Huldigung von Wilhelm IL aus.— Ein Landardciter-Lcbc». Ans dein Jnsterburger Kreise meldet uns ein unbedingt zuverlässiger Berichterstatter auf Grund eigener sorgfältiger Recherchen einen Vorgang, der dringend der amt- lichen Aufklärung bedarf. Am 27. August Nmrde auf dem Gute Kutkehmen im Kreise Jnsterburg der 27 Jähre alte ledige Frciarbeitcr Adolf Wolter von dem Inspektor N e u f a n g mit dem Jagdgclvehr erschossen. Der Tod trat zivar nicht sofort ein, aber am folgenden Tage ist Wolter im Krankenhaufe in Jnsterburg an der Schußwunde gestorben. Der Vorfall soll sich folgendermaßen abgespielt haben. Auf dem Gute, das zu den herzoglich anhaltischen Besitz- tümern gehört und von dem Obcramtniaitn B e t s ch beWirt- schaftet wird, klagen die Arbeiter allgemein über ungewöhnlich schlechte Behandlung. Die Königsberger„Volkszeitung" hat schon mehrfach Fälle schlechter Behandlung der Arbeiter auf diesem Gute behandelt. Auch Wolter, ein nüchterner und fleißiger Arbeiter, war mit der Behandlung nicht zufrieden. Er hörte auf und besorgte sich in der Nähe andere Arbeit. Einige Tage danach, Sonntag, den 27. August, kaimer nachmittags auf das Gut, um sich seine Jnvalidenkarte zu holen. Vor dem Gutshofe begegnete er dem Inspektor Neufang, der ihn nach seinem Begehr fragte. Wolter sagte, er wolle den Pächter selbst sprechen und seine Jnvalidenkarte fordern. Zwischen beiden entspann sich nun ein Wortwechsel, den der Inspektor mit den Worten beendete: Warte, ich will Dir geben, was Du brauchst. Danach ging der Inspektor in den Hof und kam bald darauf mit dem Jagdgewehr zurück. Und nun soll er ohne weiteres auf den Wolter angelegt und ihn niedergeschossen habe. Wolter habe noch vorher erschreckt gerufen: Herr Inspektor, schießen Sie doch nicht. Der schwer getroffene Arbeiter wurde von einem dancbcnstehendcn Kameraden aufgefangen. Ueber den Inhalt des Wortwechsels, ob etwa der Inspektor berechtigten Grund zur Abwehr gehabt, ob er vielleicht bedroht worden sei, wird uns nichts berichtet. Sicher scheint auf alle Fälle, daß Wolter keine Waffe gehabt hat, so daß selbst im Falle einer Drohung gegen den Inspektor dieser zum Schießen kein Recht gehabt hat. Ja, wenn es richtig ist, daß er erst sein Gewehr herzugcholt hat, dann kann von Notwehr überhaupt keine Rede mehr sein. Nachdem die Tat geschehen, kam der Pächter und andere Arbeiter hinzu und der Verwundete wurde auf ein Bett gelegt. In der Nacht kam der Arzt und ordnete die Ucbcrfiihrung nach dem Jnsterburger Krankenhause an. Das wurde Montag früh mit deni ersten Zuge ausgeführt und im 5krankenhause ist dann Wolter nach wenigen Stunden gestorben. Die Arbeiter benachrichtigten den Gendarm in Norkitten, und dieser erkundigte sich bei dem Pächter nach dem Hergange der Sache. Der Inspektor war auf sein Zimmer gegangen. Montag früh erschien der Inspektor wie gewöhnlich auf dem Felde zur Beaufsichtigung der Leute. Diese iveigerten sich jedoch, unter seiner Aufsicht zu' arbeiten und der Pächter mußte ihn schließlich nach Hause schicken. Montag abend ließ der Pächter den Inspektor nach dem Bahnhofe fahren und dieser reiste ungehindert ab. Es muß insbesondere befremden, daß der Täter abreisen durfte. Zweifellos liegt auch bei der mildesten Beurteilung eine Körperverletzung mit tödlichem Ausgange vor. Ob der Täter in Notwehr gehandelt, ist eine Frage, die erst nach sorgfältiger Untersuchung gelöst werden könnte. Die Behörde hätte sich also auf alle Fälle des Täters versichern müssen. Das ist nach der uns gewordenen Darstellung nicht geschehen. Wir bringen den Fall deshalb zur öffentlichen Kenntnis in der Absicht, eine authentische Aufklärung namentlich darüber herbeizuführen, was geschehen ist. um die Tat nach dem Maße der vorhandenen Schuld zn sühnen.— Soldatenmis-handlunqcii. Aus u l m ivird der„Frankf. Ztg." berichtet: Ein Soldatenschindcr erster Güte hatte sich vor dem hiesigen K r i e g s g e r i ch t zu verantworten in der Person des Unteroffiziers Franz August Carl von der 5. Batterie des 3. tvürttembergischcn Feldartillerieregimcnts Nr. 49. Wenn auch die Verhandlung unter Ausschluß der Oeffentlichkcit stattfand und das Gericht sogar soweit ging, dem Vertreter der Presse den Zutritt zn dem Gebäude(Militärarresthaus), in dessen erstem Stock sich das Verhandlungszimmer befindet, zu verwehren, sind wir dennoch in der Lage, über die Verhandlung eingehend zu be- richten. Carl war zahlreicher, teils einfacher, teils fortgesetzter Mißhandlungen angeklagt, die er im Dezember 1900 begangen hat. Erst jetzt kamen dieselben zur Kenntnis der Behörde, tveil die Angehörigen des Kanoniers Schlipf aus Aalen, der von Carl zum siechen Menschen gemacht lvorden ist, Entschädigungs- anspräche geltend machten. Schlipf ist ganz fürchterlich gequält lvorden. Gegen zehnmal mußte er den Lafettenschwanz halten, während das Geschütz im Galopp durch den Kasernenhof gefahren wurde, wodurch er bald auf diese, bald auf jene Seite geschleudert wurde. Sehr oft mußte er auch mit 30pfüiidigen Geschosse» so lange strecken, bis er ohnmächtig zu Boden fiel oder die Geschosse seinen Händen, entglitten. Bei fast jeder Turnübung mußte Schlipf gegen eine halbe Stunde hin- und herlaufen und darauf bis zur völligen Erschöpfung in der Kniebeuge die Arme st r e ck e n. Wenn er nicht mehr konnte, mußte er wieder auf- und abspringen, worauf dann abermals eine Portion Knie- Jjeuge folgte. Am Querbauni war Schlipf ebenso der Peinigung ausgesetzt. Carl ließ ihn mehrfach mehrere Minuten hängen, und wenn er herunterfiel, wurde er wieder heraufgehoben. Fiel er nochmals, dann mußte er zur„Erholung" auf dem Kasernenhof herumspringen, bis er abermals am Querbaum„üb«>l" mußte. Etlva vier- bis fünfmal hat Schlipf von 9— 12 Uhr nachts die Zimmer aufwischen müssen und bei jeder Gelegenheit kniff Carl ihn derart in den Arm, daß fortgesetzt blaue Male vorhanden waren. Infolge solcher Behandlung erkrankte Schlipf, der al s blühen- der junger Mann zum Militär gekommen war, dem aber dennoch der Dienst schwer f«l, schon nach einem Vierteljahr derart, daß er entlassen werden mußte. Jetzt ist er so heruntergekommen, daß er zu keiner geregelten Arbeit mehr fähig ist. Der ärztliche Sachverständige bekundete, daß der Zustand des Schlipf aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Mißhandlungen des Unteroffiziers verschuldet worden sei, sicher sei aber, daß er dadurch mit veranlaßt wurde. In ähnlicher Weise hat Carl auch andere Kanoniere behandelt, lvenn auch nicht in so zahlreichen Fällen. Insgesamt bekundeten acht- zehn Zeugen, mehr oder weniger arg von ihm„geschlaucht" worden zu sein. Mehrere Zeugen gaben auch an, der Wacht m ei st er Völ- f ch o w habe e s noch ärger getrieben, sie wurde» aber daran gehindert, gegen diesen Anklagen vorzubringen. Dennoch wurde fo viel Gravierendes gegen ihn vorgebracht, daß jedenfalls eine Untersuchung diescrhalb eingeleitet werden muß. Der heutige Angeklagte Carl erhielt sieben Monat Gefängnis und wurde sofort in Haft genommen. Die Riickbcriifiing Trothas soll nach einer Meldung auf mehrere Wochen verschoben worden sein. Nach den bisherigen Dispositionen sollte Trotha sein Kommando am 12. Noveniber abgeben, an dem Tage, den der neue Gouverneur v. Liiidcquist für seinen Amtsantritt bestimmt hatte. Die Abreise Lindcquists sei nun vorläufig um zwei Wochen verschoben worden. Der Grund hierfür sei der, daß nian Trotha noch Zeit lassen wolle, vielleicht doch noch im letzten Augenblick den geplanten Schlag gegen die WitboiS auszuführen. Der Kaiser speziell soll erklärt haben, wenn er einem General einen Auftrag erteilt habe, so müsse er abwarten, bis der General ihm melde, daß er den Auftrag ausgeführt habe, oder er(der Kaiser) müsse zu der Uebcrzeuguna gelangen, daß der General der ihm gestellten Aufgabe nicht gewachien sei. Da es unwahrscheinlich sei, ob die vierzehn- tägige Frist ausreiche, den erwünschten Erfolg noch zu erzwingen, liege es, so heißt eS in der Meldung, sehr nahe, daß der Chef des Militärkabinetts Graf Hülsen-Häscler, dem Trotha auch verwandt- schaftlich nahe steht, alleS aufbieten werde, um d e in General einen möglich ft großen Zeitgewinn zu verschaffen. Wenn diese Mutmaßungen und Behauptungen zn- treffen, so müffen Ivir also damit rechnen, daß die Kriegssührung des General Trotha, die bisher nichts als Mißerfolge und Skandale gebracht hat, noch auf unbestimmte Zeit fortgesetzt wird!— Verlustliste. Berlin, 4, Oktober. Telegramm aus Wä n d h u k: An T y p h u S gestorben Sergeant Karl R o t h a u g, geboren 10. 12. 78 zu Neu-Ulm am 1. Oktober im Lazarett Keetmannshoop. Htisland. Die norwegische Sozialdemokratie und das Uebercinkouimc» von Lkarlstad. Mit 12 gegen 0 Stimmen hat das Spezialkomitee des Storthings, wie bereits telegraphisch gemeldet wurde, die Annahme des Ucbcreur- kommens von Karlstad empfohlen, und es ist wohl kaum daran zu zweifeln, daß das Storthing in demselben Sinne beschließen Ivird und ebenso der schwedische Reichstag. Damit wäre der gefährliche Konflikt glücklich beseitigt, und man darf wohl erwarten, daß vor allem die sozialdemokratischen Parteien der beiden Länder dafür sorgen werden, daß die Mängel des Schiedsgerichtsvertrages ruid die namentlich nach norwegischer Auffassung vorhandenen Mängel der Gestaltung der neutralen Zone von den militaristischen Parteien nicht zu neuen Wettrüstungen, Festungs« oder Flottenstatioiisanlagen mißbraucht werden. Unter den sechs Mitgliedern des Spezialkomitees, die gegen die Annahme deS Uebereinkommcns stimmten, war auch das einzige sozialdemokratische Mitglied des Komitees Dr. A. E r i k s e n. Unserem Bruderorgan„Social-Deinokratcn" hat Eriksen erklärt, er habe dagegen gestimmt, weil er einen Vor- schlag unterstützen wolle, der daraufhinauslaufe, das U�ber» e i n k o m m e n s e l b ft mit den„Bedingungen" einem Schiedsgericht zur Beurteilung vorzulegen. Bereits einige Tage zuvor hatte Eriksen in„Social-Dcmokraten" seine Au- ficht über die„Bedingungen", besonders über die Schleifung der Grenzfestungen klargelegt.' Er schrieb unter andcrm: „Die Forderung der Schleifung der Festungen ist in den Kreisen Schwedens entstanden, Ivo die Kriegsmoral die größte Stärke hat und die Lust einen bewaffneten Ucberfall zu versuchen, am brennendsten war. Es find nicht FriedenSgedanken, sondern KriegSgedankcn, die dahintersteckten, wenn die schwedischen Unterhändler mit Schrecken und Drohung diese Forderung durchsetzten. Wenn Norwegen wirklich auf diese schwedische Forderung eingeht, so geschieht das nicht frei- willig und nicht mit Freude. Gezwungen, hart gepreßt dazu. unter Pein und Scham, werden wir die nor» w e xu s ch e l» Festungen niederreiße it." Man 1111115 wirklich Mitleid haben mit denjenigen unserer nor- wegischen Parteigenossen, die so bittere Seelenqualen leiden, wenn nun die geliebten Festungen ein nach nationalistischen Begriffen„un- rühmliches" Ende nehmen. Wir meinen, daß kein Volk Scham zu empfinden braucht, wenn es seine Kriegsrüstungen einschränkt, am allerwenigsten, wenn es wie hier auf Grund eines Friedensvertrages mit dem Nachbar geschieht. Noch mehr nach Nationalismus schmeckt der Artikel, den ein anderer norwegischer Parteigenosse, Gjösteen, in„Social-Demo- kraten" unter dem Titel„Die Kränkung" veröffentlicht und der ebenfalls auf dem für einen Sozialdemokraten etwas sonderbaren Gedanken fußt, daß„Norwegens Ehre" durch das llebereinkommen „gekränkt" iverde. In heftigen Worten macht Gjösteen den sozial- demokratischen Mitgliedern des schwedischen Reichstages und namentlich Lranting einen schweren Vorwurf daraus, daß sie für die schwedischen„Bedingungen" stimmten. Tarauf, daß sie gegen die 100 Millionen Kriegsanleihe stimmten, legt Gjösteen gar kein Gewicht. Leider hat Branting recht, wenn er seine Antwort auf diese Angriffe mit den Worten einleitet:„Innerhalb der norwegischen Sozialdemokratie gibt es auch einen chauvinistischen Flügel".— Anders als Gjösteen und anders als Storthingsmann Eriksen denken die übrigen drei Sozialdemokraten im norwegischen Storthing über das llebereinkommen. Jörg Berge, Foshaug und Lind I o h a n s e n haben bereits erklärt, daß sie dafür stimmen werden und Foshaug bemerkte unter anderem: ..Jetzt haben wir nur zwischen zwei Dingen zu wählen: entweder wir nehmen das llebereinkommen an oder wir stellen uns in Oppo- sition dagegen und gegen die Regierung, und, vorausgesetzt, daß das ehrliche Politik sein soll, verschaffen wir uns die Mehrheit und stürzen die Regierung. Aber die Verantwortung kann ich in dieser Situation nicht übernehmen, und ich sinde auch, d a h e s n i ch t mit unserem Parteiprogramm übereinstimmt, aus unionspolitischen Gründen e i n e B ü r g e r r e g i e r u n g zu stürzen, wenn grotzeinternationaleVer Wickel un gen daraus ent- st e h e n können. Unsere Arbeit muß zunächst u n d V o r allem nach innen gerichtet sein, auf die soziale Befreiung der Arbeiterklasse. Einntal müssen wir doch endlich Schluß machen mit den uniellen Streitigkeiten. Die Zoll- erhöh ungen von gestern geben uns auch einen Fingerzeig in dieser Richtung." Das Storthing hat nämlich ant Freitag in geheimer Sitzung Z o I l e r h ö h n n g e u auf Lebensmittel beschlossen, die jährlich ungefähr drei Millionen Kronen einbringen sollen, unter anderem eine Erhöhung des Zuckerzolls um zehn Oere pro Kilo. Am Sonntag haben Storthingsmann Eriksen und der der Sozialdemokratie sehr nahe stehende Dr. Scharffenberg in einer Protestversammlung in der Turnhalle Kristianias gegen das Karftäder llebereinkommen gesprochen. Es wurde hier, allerdings bei weitem nicht einstimmig, eine Protestresolution angenommen, in der die Schleifung der Festungen als eine„Entwürdigung" Nor- Wegens, eine Quelle fortgesetzter Reibungen mit Schweden und als eine Gefahr für Norwegens Sicherheit und Unabhängigkeit be- zeichnet wird. Eine Versammlung des Soziale nt akratischen Vereins von Kristiania hat dagegen nach einem Vortrage des alten Führers' der Partei, Buchdrucker Chr. Knud seit, über„die Befreiung von der Union und Norwegens zuküilftige Staatsform" eine Resolution angenommen, die die Billigung des llcbcreinkommens und ferner daS Verlangen ausspricht, daß durch Volksabstimmung über die Staatsform entschieden werde.— Oesterreich-Nugar». Die Neubildung des Kabinetts Fejervary soll nach Meldungen aus Budapest und Wien unmittelbar bevorstehen. Da auch der Minister Kristoffy an den mehr- ständigen Audienzen beim Kaiser teilgenommen hat, ist man der Ueberzeugung, daß das Programm des Kabinetts Fejer- Vary auch das allgemeine Wahlrecht enthalten wird. Eine definitive Entscheidung hat allerdings trotz der ein- gehenden Konferenzen mit Fejervary, Kristoffy und �anay der Kaiser noch nicht getroffen. Wie man weiß, steht der Hof dem Gedanken einer Wahl- rechtsrefornl an sich sehr abgeneigt gegenüber; da er jedoch durch die Art der Verhandlung oder vielmehr des Nichtverhandelns mit den Kossuthianern die ungarischen Nationalisten so heftig vor den Kopf gestoßen und zum weiteren Kampfe gedrängt hat, wäre es nicht ausgeschlossen, daß er sich jetzt zu dem Schritte genötigt sieht, dem er noch vor kurzem völlig ablehnend gegenüber stand. Jedenfalls ist anzunehmen, daß Fejervary und Kristoffy nur unter der Bedingung, daß das allgemeine Wahlrecht eingeführt wird, mit der Reaktivierung des Kabinetts Fejervary einverstanden sind. Die endgültige Entscheidung steht indessen noch aus. Wie ein letztes Telegramm aus Wien meldet, wurde Fejervary heute abermals vom Kaiser in Audienz empfangen. An der Audienz nahm auch der Minister Golochowsky teil. Nach der Audienz erklärte Fejervary. daß die Entscheidung noch immer nicht gefallen sei. Die ungarischen Minister Kristoffy und Lanay sind heute früh nach Budapest zurückgekehrt.— Man erwartet, daß der. Zteubildung des Kabinetts Fejervary die Auflösung oder mindestens die Vertagung des Budapester Reichstages atis dem Fuße folgen würde.— Tschechische AtiSschreituugcn i» Brünn. Im Wiener Abgeordnetenhaus verbreitete sich Ministerpräsident v. G a u t s ch über die Brünner Szzefse. Er erklärte, er wolle die Ausschreitungen in Brünn durchaus nicht auf Rechnung der Parteien stellen, müsse jedoch konstatieren, daß ein Teil der Briinner Bevölkerung durch gewissenlose Agitatoren, die sich im entscheidenden Moment der Verantwortung zu entziehen wußten, fortgesetzt zu Ruhestörungen und Angriffen auf fremdes Eigentum hinreißen ließ, die selbstverständlich unter allen Um- ständen auf das schärfste verurteilt werden müßten. Die ein- geleitete Untersuchung werde völlig unparteiisch die Wahrheit fest- stellen und die Schuldigen der verdienten Strafe zuführen. Die umfassendsten Matznahmen zur Verhinderung weiterer Aus- schreitungen seien getroffen, doch sollten zunächst die..bürgerliche.n Freiheiten nicht eingeschränkt werden; nötigenfalls werde die Rc- gierung jedoch auch zu außerordentlichen Maßnahmen schreiten. Der Ministetpräsident verwahrt die Regierung gegen der. Vorwurf mangelnder Voraussicht und appelliert an die moralische Macht der Parteien, die allein die nationalen Leidenschaften einzudämmen vermöge und erklärt, die Regierung begegne dein ihr in der Nationalitätenfrage bei derartigen Gelegenheiten gemachten Vor- lours, die Schuld an dem Ereignisse zu tragen, mit um so größerer Ruhe, als sie sich bewußt sei, allen Parteien gegenüber gleiches Recht walten zu lassen. Auf die festgegründcte sachliche Auffassung der Regierung aber würden die Argumente der Straße in keiner Richtung und in keiner Weise Einfluß üben.(Beifall.) Während der Rede des Ministerpräsidenten entstand ein heftiger Wort- Wechsel zwischen Tschechisch-Radikalen und Deutsch-Radikalen.— In fortgesetzter Verhandlimg der Regierungserklärung sprechen Abg. S chr affl(christlichsoz. Vereinigung) und Abg. Barlo li (italienische Vereinigung), worauf die Debatte geschlossen wird. Graf Sternberg wird zum Geueralredner gewählt. Er beginnt seine Rede mit einer Polemik gegen de» Mimsterprästdenteit und den Abg. Lecher und wird wiederholt von dem Abg. Wolf durch Zwischen- Verantw. Redakteur: Paul Biittncr, Berlin. Inseratenteil verantw. rufe unterbrochen. Er fordert denselben mit drastischen Ausdrucken auf, ihn nicht länger zu unterbrechen. Abgeordneter Sternberg, welcher in seiner Rede gerade den Baron Ludwigstorff angegriffen hat, erhält vom Präsidenten einen Ordnungsruf. Einen Augen- blick später schleudert Stern berg gegen Wolf, der ihn neuerlich unterbrochen hat, das neben ihm stehendeWasserglas, worauf ein unbeschreiblicher Tumult e n t st e h t. Die Abgeordneten schreien, drohend gegen Sternberg gewendet. Der Präsident läutet vergebens; er er- klärt, er glaube das Benehmen Sternbergs hinreichend qualifiziert zu haben und verfüge leider über keine stärkeren Disziplinarmittel. Er ersucht den'Redner, seine Rede fortzusetzen. (Anhaltende Rufe: Er darf nicht sprechen! DaS Wort entziehen!) Da der Tumult fortwährend anhält, unterbricht der Präsident die Sitzung. Der Lärm dauert noch einige Zeit an, bis Abgeordneter Sternberg den Saal verläßt. Nach einstündiger Unterbrechung wird die Sitzung wieder er- öffnet. Der Präsident spricht zunächst sein tiefstes Bedauern über das Vorgehen des Abgeordneten Sternberg aus und erwartet, daß derselbe das Haus um Entschuldigung bitten werde. Er richte daher an das Haus die dringende Bitte, die Redefreiheit nicht zu stören. (Beifall rechts. Stürmische Protestrufe der Deutschen.) Abg. Sternberg, welcher neuerdings das Wort erhält, spricht dem Hause das Bedauern darüber aus, daß er in der Notwehr (Stürmische Unterbrechungen) sich zu einer unparlamentarischen Handlungsweise hinreißen ließ.(Andauernder Lärm.) Stern- berg erklärt, seine Handlungsweise sei nur Notwehr gegen die Terroristen des Parlaments gewesen.(Stürmische Entrüstungs- rufe, andauernder Lärm.) Der Präsident entzieht Sternberg das Wort. Dieser ruft, den Präsidenten unterbrechend: Ich appelliere an das Haus! Der Präsident erklärt, der Appell gegen seine in Ausübung der diskretionären Gewalt verfügte Maßregel sei unzulässig. Unter anhaltendem Lärm schließt der Präsident die Sitzung.(Stürmische Pfuirufe der Tschechisch-Radikalen und Tschechen.) Die Abgeordneten bleiben noch längere Zeit in großer Erregung im Saal. Nächste Sitzung morgen. Frankreich. Bestrafte Arieitcrmörder. Paris, Ende September.(Eig. Ber.) Herr B erteaux hat stch's mit den Scharfmachern gründlich verdorben, fast wie wenn er ein wirklicher Sozialdemokrat wäre. Das ist er nun beileibe nicht, aber er ist ein überzeugter Demokrat, der der Meinung ist, die Armee sei zum Schutze des Landes da und nicht zur Drangsalierung der Arbeiter in ihren Kämpfen gegen das Kapital Darum hat er seinen Streikerlaß herausgegeben, der den Offizieren die bisher be- liebte Intimität mit den Unternehmern, das Schmarotzen in den Fabrikantenvillen untersagt und Unparteilichkeit und Kaltblütigkeit bei Konflikten vorschreibt. Darum ist er auch, nachdem trotz dieses Erlasses, oder vielmehr. weil der reaktionäre Korps- kommandant ihn gar nicht weiter gegeben hatte, in L o tt g w y ein Arbeiterleben der Brntalirät der Soldateska zum Opfer gefallen war, unangemeldet auf dem Streik- schauplatz zu einer gründlichen Jnspektton erschienen, wohei er sich nicht nur von den Ansbentern nud von der mit ihnen versippten Beamtenschaft, sondern auch von sozialistischen Arbeitern informieren ließ. Und darttin hat er endlich, um den Mord zu sühnen und an der frondierenden Offiziersklique ein Exempel zu statuieren, die Schuldigen ohne Rücksicht auf ihre Stellung empfindlich bestraft. Das mag nun freilich den Traditionen des miliiaristischen Staates ins Gesicht schlagen und gar in anderen, strenger noch int heiligen Ordnungsgedanken regierten Ländern geradezu nntstürzlertsch erscheinen. Man denke: Es hat einen Znsamntenstoß zwischen streikenden Arbeitern, die gegen„Arbeitswillige" demonstrierten und dem Militär gegeben und die Folge ist nicht, daß man einfach etliche Arbeiter herausgreift und ans einige Monate oder Jahre ins Gefängnis schickt, sondern, daß die Offiziere, die das blutige Ereignis veranlaßt haben, abgesetzt oder eingesperrt werden. Bertcaux hat den Leutnant Godronde Conrcel in Disponibilität versetzt, weil er Arbeiter mit einer Nilpferdpeitsche geknutct hat. Er hat ferner dem Kommandanten des 20. Armee- k o r p s. General M i ch a l, einen offiziellen Tadel mit Eintragung in die Konduite erteilt, weil er den Streikerlaß nicht an seine Truppen weitergegeben hat. Weiter hat er den Ober st Labet von den Neuner-Dragonern zu 15 Tagen Arrest verurteilt, weil er entgegen der ministeriellen Jnstruktiom zwei Eskadronen mit ihren Lanzen ins Streikgebiet gesendet hat. Dieselbe Strafe bekam der Rittmeister diktiert, der das halbe Regiment dort kommandiert und den Mannschaften nicht befohlen hat, ihre Lanzen in den Kantonneinents zurückzulassen. Dagegen hat der Minister einen Jägerhauptmami, der durch seine Kaltblütigkeit einen gewaltsamen Zusammenstoß verhindert hat, öffentlich belobt. Die kapitalistische Presse ist über den gerechten Minister wütend. Besonders laut kläffen die von inehr oder minder anrüchigen Gründern ausgehaltenen nationalistischeit Blätter. Die„Patrie" hat ein Interview mit dein aus dem Dreyfns-Prozeß berüchtigten General M e r c i e r veröffentlicht, der natürlich findet, daß sein demo- kratischer Nachfolger die„Armee ruiniere". Wenn das Heer nicht zur Aufrechterhaltung des Unternehinervrofits verwendet werden soll, ist für diese Leute das Vaterland in Gefahr.— Der sozialistische Parteitag. Der zweite Kongreß der geeinigten sozialistischen Partei wird vom 29. bis zum 31. Oktober in Chälons-sur-Saöne tagen. Die provisorische Tagesordnung umfaßt außer den Berichten des Nationalrates und der Fraktion folgende Punkte: Die Wahl- aktion der Partei bei den Kammer- und Seuatswahlen im Jahre 1906, der A ch t st u n d e n t a g und d e r 1. M a i(bekannt- lich hat die Arbeiterkonföderation in den Gewerkschaften eine Agitation eingeleitet, daß vom 1. Mai 1906 angefangen die Arbeiter nicht länger als acht Stunden arbeiten sollen), Organisation und Propaganda.— Schweden. Oskar II. und die Norweger. Nach einer Mitteilung in_„Politiken" hat Staatsministcr M t ch e l s e n unter der Hand erfahren, daß Oskar II., sobald der schwedische Reichstag daS Karlstäder Neboreinkommen angenommen hat, eine endgiiltige Antwort auf das Thronangebot Norwegens geben wird. Wie erwartet und in Norwegen auch allgemein ge- wünscht wird, soll die Antwort die sein, daß er seine Zu- stintmung dazu, daß ein Beritadotteprtnz den norwegischen Thron b e st e i g t, verweigert. Der König wird daim auch einige Abschiedsworte au Norwegen richten. Das mag rührend werden, Zweck wird es nicht haben. Oskar weiß ja, wie wenig die Norweger auf seine wohlgenteititen Worte geben. Im übrigen können sie zufrieden sein, daß ihr übereifriges Entgsgeiikommeu abgelehnt worden ist. Die königslose Zeit, die sie seit dem 7. Juni durchgemacht haben, könnte wohl auch die prinzipiellen Moitnrchtsie» unter ihnen darüber belehrt haben, daß das Suchen nach einem neuen König überhaupt zwecklos ist.— Die Revolution in Rußland. Ansstandsbewegung. Moskau, 4. Oktober. Hier begann gestern der Ausstand der Nngestellten der elektrischen Straßenbahnen, Die Angestellten der Straßenbahnen versuchten gestern morgen die Ausfahrt der Wagen aus den Depots zu verhindern.— Der Aussiaitd der Schriftsetzer nimmt zu; er umsaßt bereits sieben große Druckereien. Die Lage im KankasuS. Wie dem„Tag" telegraphiert wird, beginnt im Finaiizininisteritint unter dem Vorsitz des FinanzministerS Kokowzew der Kongreß der Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: VorwärtsBuchdr.u. Verlagsanstalt Naphtha-Jndustriellen aus dem Bezirk von Baku. Die Vertreter erklären, die scheinbare Versöhnung der Tataren und Armenier habe durchaus kein Ergebnis gehabt. Sobald der Statthalter Baku ver- ließ, begannen die Feindseligkeiten aufs neue, wobei die Kämpfe auch lvührend der Nacht fortdauern. An ein Weiterarbeiten in der Naphtha-Judustrie kann nur gedacht werden, so äußern die Vertreter, wenn wirksame Schutzwachen von der Regierung aufgestellt und Mord, Diebstahl und Gewalttätigkeiten, die zu den alltäglichen Erscheinungen gehören, auch wirklich regelmäßig bestraft werden. Sonst würden sich in zwei bis drei Monaten die furchtbaren Greuel des verflossenen Monats tmbedingt wiederholen. *•* Russische Willkür. Man schreibt der„Russ. Korr." aus Petersburg, 27. Sep- tember: Vor einem der bekanntesten Rechtsanwälte hier erschien in diesen Tagen eine Dame, die gegen den Polizeimeister von Charbin eine Klage wegen Freiheitsberaubung anstrengen wollte. Es war Fräulein Smolka, die im mandschurischen Heere und auch früher schon in der Zeit der chinesischen Wirren als Dolmetscherin fungiert hat/ Fräulein Smolka hatte in einem Restaurant zu Eharbin dem Polizeimeister v. Zieglcr Bestechlichkeit nachgesagt. Als der Herr dieses erfuhr, ließ er sie unter der Beschuldigung, unberechtigt Männerkleider getragen zu haben, verhaften. Tatsächlich hatte Fräulein Smolka sich auf dem Kriegsschauplatz einer der männlichen ähnlichen Tracht bedient, ohne daß sie deswegen irgendwie belästigt worden wäre. Der Polizeimeister setzte seiner Brutalität die Krone auf dadurch, daß er ihr die Oberkleider abnehmen und sie in Unter- kleidcrn in der Abteilung der männlichen Gefangenen bringen ließ. Hier saß Fräulein Smolka drei Wochen lang. Und sie hatte es nur der Humanität der Gefangenen zu danken, daß ihr Los einiger- maßen gemildert wurde. In dieser Zeit wurde das Gefängnis ver- schiedentlich revidiert, Fräulein Smolka aber wurde jedesmal vor der Revision beiseite gebracht, und erst als die übrigen, Gefangenen den inspizierenden General auf ihr Vorhandensein aufmerksam ge- macht hatten, erlangte sie ihre Freiheit wieder. Die Leistungen des Polizeimeisters sind damjt noch nicht er- schöpft. Er hat der Dame eine ganz ungeheuere Summe geboten, wenn sie mit ihm leben wolle. Wie kann ein Polizeimeist'cr über einen so großen Betrag für solche Zwecke verfügen? Die Er- klärung ist sehr einfach; es gibt in Charbin eine ganze Anzahl von Opiumhäusern, die täglich eine bedeutende Summe für die Kon- zefsion an das Oberhaupt der Polizei abführen muffen. Selbstverständlich kann Fräulein Smolka auf eine Genug- tuung nicht rechnen: Die vorgesetzte Behörde versagt die Genehmi- gung zur gerichtlichen Verfolgung des wackeren Beamten. Soziales. Ein Schulstreik beschäftigte das Kammergericht. Für Völzin und Karlshof in Pommern bestand eine Gemeinde-Volksschule. Die Re- gieruug hob diese eiuseitig auf mid es lvurde schließlich von den Familienvätern verlangt, daß sie ihre Kinder zum Unterricht nach dem nächsten Orte Kukan schicken sollten. DaS taten sie nicht. Es wurden darauf Schinaling und Genossen wegen nicht genügend entschuldigter Schulversäuminsse ihrer Kinder angeklagt. Das Landgericht Stnrgard sprach sie jedoch schon deshalb frei, weil es der Meinung war, daß die einseitige Aufhebiiug einer besteheitden Gemeinde-Volksschule durch die Regierung(ohne Zustimmung der Gemeinde) unstatthaft sei. Das Kammergericht hob am 2. Oktober das Urteil ans und verwies die Angelegenheit noch einmal an das Landgericht zurück, abgesehen von den'Sachen zweier Angeklagter, die ohne Zweifel vor der Bestrafung nicht verwarnt worden waren, wie es der sogenannte Landtagsabschicd für Pommern vorschreibt. Das Kamniergericht führte zur Hauptsrage aus: Nack dem preußischen Landrecht müßten die Eltern dafür sorgen, daß ihre Kinder den nötigen Schulunterricht erhielten. Wenn nun die Angeklagten ihre Kinder nach Aufhebung der Volksschule im Orte nicht ztun Unter- richt in den Nachbarort schicken wollten, dann hätten sie eben andere Aorkehruiigen treffen müssen, den erforderlichen Unterricht zu er- möglichen. Darum komme es gar nicht darauf an, ob es ihr Recht war, zu verlangen, daß die Voltsschule für Völzin-Karlshof bestehen bleibe.— Soweit die Sachen an das Landgericht zurück- verwiesen seien, märe nachzuprüfen, ob die im Landtaasabschied für Pommern vorgeschriebene Verwarnung richtig erfolgt sei. Das Land- aericht könne aber auch etlvaige Entschuldigungsgründe(weiter Weg bei Winterwetter usw.) berücksichtigen. Zur Fleischnotfrage lag dem Nürnberger Gemeinde- kollegium ein Antrag des Magistrats vor, wonach an den Reichs- kanzler und an das bayerische Ministerium das Ersuchen gerichtet werden soll, dahin zu wirken, dasi sofort die Einfuhr von SchKcht- Vieh und Schweinen aus Oesterreich, Italien, Rußland, Holland und Dänemark freigegeben, die Zollsätze aus Vieh und Fleisch wesentlich herabgesetzt und die Einfuhr von Fleisch und Fleischteileu, sowie von Wurstwaren usw. nach denjenigen Orten, wo eine geregelte Fleisch- und Trichinenschau besteht, gestattet werde. In der dem Antrags beigelegten Begründung wird der Rückgang des Fleischkonsums in Nürnberg durch die statistischen Aufstellungen der Schlachthofvertoal- tung veranschaulicht. Danach haben die Ochsenschlachtungen im Januar 2183, im August 1755, die Schweineschlachiungen im Januar 16 493, im August 19 924 betragen. Dem Antrage des Magistrats lvurde zugestimmt. Bei dieser Gelegenheit stellte der Demokrat Mirsberger den Antrag, den Magistrat zu eriucheu, er möge Seefische im großen bezichen und zum Selbstkostenpreise an die Bevölkerung abgeben. Verschiedene Freisinnige erhoben dagegen Bedenken, die eigen, weil die Verkchrsvcrbindungen Nürnbergs mit der See zu ungünstig seien, um den Seefischbezug zu ermöglichen, dje anderen meinten, die Bevölkerung Nürnbergs sei an den Seefisch, gemiß noch nicht gewöhnt. Nur der Vorsitzende Hesse hatte den Mut, den wahren Grund zu sagen: er bemerkte, es sei doch fraglich, ob die Stadt das Recht habe, in das Erwerbsleben einer Anzahl Steuerzahler derart einzugreifen und sie geschäftlich zu schädigen. Damit meint er die paar Delikatefsenhändler, denen dadurch Kon- kurrenz gemacht würde und deren Interesse für die freisinnigen Stadträte Nürnbergs schwerer wiegt als das von Zehntausenden anderer Steuerzahler, die durch die Fleischteuerung Not leiden. Ter Antrag iourdc' schlichlich angenommen, nachdem er' dahin abgeändert lvar, daß der Magistrat nur ersucht wird, die Frage zunächst einmal zu„erwägen". letzte ISachncbten und Vepelcben. Hamburg, 4. Oktober.(SB. T. B.) Die Bürgerschaft hat heute den Senatsantrag betreffend Herstellung eines Werftplatzes für die Stettiner Maschineitbau-Attieugesellschast Vulkan angenommen. Die Revolution i» Rußland. Kiew, 4. Oktober.(V. H.) Der Kongreß der Psychiater hat zahlreiche Verhaftungen zur Folge gehabt. Bei 59 Studenten wurden Haussuchungen vorgenommen. Loubo», 4. Oktober.(B- H.) Ter englische Dampfer„Roddaw" ist an der Mündung des Uonissoi(Sibirien) gesunken. Ter Kapitän teilt telegraphisch mit. daß das Schiff verloren, die Mannschaft aber gerettet sei. Pola, 4. Oktober.(B. H.) Das Kriegsschiff„Habsburg" kolli- dierte im hiesigen Hafen mit einem Landungsboot, wobei letzteres kenterte. Die Mannschaft wurde gerettet. Sidnrh, 4. Oktober.(B. H.) Die Wejgeruny der Bundes- regierung, die Legung eines Kabels von Hohenlohe(Deutsches Schutzgebiet) nach Kooktown(Queensland) zuzulassen, wird in Brisbane, der Hauptstadt Queenslands, sehr abfällig beurteilt. Paul Singer LiCo., Berlin L W. Hierzu 3Beilagen u. Unterhaltungsblatt 8t. 233. W-ZchMg. 1.|sfil(|(|f JlfÖ ,||)rilliltt0" Iftlillft Pülbllllllt S-mn-Ilis.S.VN-bnlM. Die Berichterstattung vom Jenaer Parteitag wurde am Dienstagabend in den für die einzelnen Kreise ein- berufenen Versammlungen entgegengenommen. Es liegen die folgenden Berichte vor: Im ersten Kreise war die Parteiversammlung gut besucht und nahm zuerst die Bc- richterstattung des Parteitagsdelegicrten Wolderski entgegen. Aus- führlich berichtete Wolderski über das neue Partciorganisations- siatut, ging aus die von ganz Berlin gesrellten Anträge des näheren ein und legte die Gründe für die Ablehnung derselben klar. Auch der Antrag, den„Vorwärts" zum Organ der Berliner zu machen, sei leider abgelehnt worden, nachdem Bebel ihn namens des Vor- standeS bekämpft hatte. Bebel habe aber gleichzeitig zugesagt, den Berlinern einen noch größeren Einfluß auf die Gesamthaltung des Blattes einzuräumen. Zur Maifeier übergehend freute sich Wol- derski, daß die Anschauung der Genossen des ersten Kreises sich mit der in der von Fischer eingebrachten und einstimmig angenommenen Resolution decke. Durch die Annahme der von Bebel eingebrachten Resolution zum Punkt Generalstreik habe der Parteitag den Genossen die Aufgabe gestellt, für die Stärkung der politischen und gewcrk- schastlichen Organisation mit aller 5traft einzutreten, den Gegnern aber zeigen wollen, daß wir uns rüsten, um etwaigen Staatsstreich- gelüsten mit Energie entgegen zu treten. Im Sinne aller Genossen habe der Parteitag wohl gehandelt, daß er die Differenzen zwischen „Vorwärts".„Leipziger Volkszeitung" und„Neue Zeit" einer Kom- Mission von 15 Personen überwiesen habe. Aber auch mit dem dort erzielten Resultat können die Genossen zufrieden sein. Noch kurz auf den parlamentarischen und Vorstandsbericht ein- gehend, schloß Wolderski seine Ausführungen mit der Bemerkung, nicht nur unsere Gegner sondern auch zum Teil in unseren Reihen wurde angenommen, daß schwere Gegensätze zwischen Partei und Gewerkschaft dort zum Austrag kommen werden; er als alter Parteigenosse sei mit den Verhandlungen sehr zufrieden gewesen; es habe sich gezeigt, daß Partei und Gewerkschaft einig und fest stehen auf dem Boden des Klassenkampfes. An der sich anschließenden Diskussion beteiligten sich die Ge- nossen Broh, Oppel, Bohn, Knoop, Lucht, Wilde, Benada, Kunze, Karl Liebknecht, Dieseler. Ein Antrag, der erklärt, daß die Genossen des 1. Kreises sich mit den in Jena gefaßten Beschlüssen einverstanden erklären und sich verpflichten, diesen Beschlüssen nachzukommen, findet ein- stimmige Annahme. lieber die Bedeutung der Brandenburger Konferenz referierte Genosse Schuster. Zu Delegierten wurden die Genossen Fischer, Lucht und Strehl gewählt. Nachdem der Vorsitzende auf die kommenden Stadlverordnetenwahlen und die Flugblattvcrbrcitung am kommenden Sonntag hingewiesen hatte, schloß er die Vcrsamm- hing um 1 Uhr. Zweiter Wahlkreis. Die Generalversammlung des Wahlvereins tagte in der Bock- brauerci. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Mitgliedes Schiimbach in der üblichen Weise. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: Die Brandenburger Provinzialkonferenz machte Werner einige einleitende Bemerkungen. Anträge lagen zu diesem Punkt nicht vor.— Als Delegierte wurden die Genosten Schwemke, Kilian und Ringel gewählt. Hierauf folgte die Berichterstattung über den Parteitag in Jena, den die drei Parteitagsdelegicrten er- statteten. Zwanzig gab eine Darstellung der Verhandlungen über das Organisationsstatut, den Geschäftsbericht des Vorstandes und der Kontrollkommission.— B u ch h o l z referierte über die Punkte: Parlamentarische Tätigkeit und Maifeier. Er schloß mit dem Wunsche, daß die Genossen für die Durchführung der Maifeier im Sinne der vom Parteitage angenommenen Resolution wirken mögen.— Mewes besprach die Debatte über den Massenstreik und die Behandlung der sonstigen Anträge. Der Redner gab der Ansicht Ausdruck, daß wir mit den Arbeiten und dem Verlauf des Parteitages voll zufrieden sein können. Der erste Diskussionsredner H e n s e l nahm auf die Massen- streik-Rcsolution Bezug und führte aus, mit den, politischen Massen- streik habe es eine andere Bewandtnis wie mit einem gewerkschaftlichen Streik. Es sei deshalb notwendig, daß die Parteigenossen über das Wesen des politischen Massenstreiks aufgeklärt werden. Ueber die Einzelheiten desselben dürfe natürlich im voraus nichts gesagt werden, damit die Gegner nicht die Möglichkeit haben, sich darauf einzurichten, denn sonst könnte es so koininen wie bei den preußischen Landtagswahlen, wo wir auch vorher sagten, lvelche Schwächen des Wahlverfahrcns wir ausnutzen tvürden und dann kam die Regierung her und half sich über alle diese Schwächen hin- weg, ohne daß wir die Möglichkeit hatten, unsere vorher bekannt gegebenen Pläne auszuführen. Richard Fischer, zu einer Darlegung über das allgemeine Bild des Parteitages aufgefordert, führte unter anderem aus: Nicht ohne eine gewisse Befürchtung habe man dem Parteitage entgegen- gesehen. Namentlich die Preßdebatte war eS, von der unsere Gegner glaubten, daß sie zu heftigen Auseinandersetzungen auf dem Partei- tage führen würde. In diesem Punkte sind die Gegner enttäuscht worden. Die Beratung der Preßdcbatte sei in die Kommission ver- wiesen worden, nicht weil wir Heimlichkeiten hatten, die wir ver- bergen mußten, sondern weil die Debatte einen stark persönlichen Anstrich angenommen hatte und das umfangreiche Material nur in einem kleineren Kreise gründlich geprüft werden konnte. Es kam nicht darauf au, zu untersuchen wer Schuld hat, sondern Mittel und Wege zu finden, wie es in Zukunft besser gemacht werden könne. In diesein Sinne ist denn auch die Entscheidung ans- gefallen. Wenn jetzt in der bürgerlichen Presse eine Episode aus den Kommissionsverhandlnngcn besprochen wird, um zu zeigen. Iver in der Kommission recht bekommen hat, so ist das ein törichtes Beginnen, ebenso wie es töricht ist, zu fragen, wer in der Preß- dcbatte recht und wer unrecht hat. Man kann sagen, niemand hat recht bekommen, man kann auch sagen, alle haben recht be- kommen. Man hat sich darüber geeinigt, in lvclcher Form Meinungö- Verschiedenheiten zum Austrag zu bringen sind.— Auch die Mai- frier war eine heikle Frage. Die Debatte auf dem Parteitage hat gezeigt, daß zwischen Partei und Gcwerlschaft in der Grund- ausfasinng volle Uebereinstinrnning herrscht. Das ist das Erhebende des diesjährigen Parteitags, daß er sich nicht ans den Standpunkt stellte, die Partei beschließt und die Gewerkschaften habe» zu folgen, sondern daß beide gemeinsam den Weg suchten, der in der Frage der Maifeier einzuschlagen ist. Niemals ist die Gemeinsamkeit zwischen der Partei und den Gewerkschaften, die man. was die Grund- anschauung betrifft, getrost sozialdemokratische Gelverkschaftcn nennen kann, so deutlich zutage getreten wie auf diesem Parteitage.— So auch in der Frage des Massenstreiks. Die Resolution des Kolner Gewerkschaftskongresses hat ja großen Widerspruch gefunden. Ich glaube nicht, daß der Gewerkschastskongreß hat ausdrücken wollen, über den politischen Massenstreik darf nicht gesprochen werden. Damals war ja die Frage des politischen Massenstreiks noch nicht geklärt. Die Friedebergsche Generalstreik-Jdee stand da- mals im Vordergrund der öffentlichen Erörterungen. Was der Ge- wcrkschaftskongreß wollte, das war. es sollte dieser Gedanke nicht propagiert, seine Verwirklichung nicht empfohlen werden. Dabei konnte sich der Gewerischaftskongreß sehr wohl auf den Beschluß des uiternationalen Kongresses zu Amsterdam stützen.— Durch den Beschluß des Parteitages haben wir nun den Massenstreik unter unsere Kampfmittel aufgenommen. Damit ist nicht etwa gesagt, wenn uns an einem bestimmten Zeitpunkt das Wahlrecht genommen wird. dann machen wir den Massenstreik. So etwas läßt sich nicht voraus bestimmen. Es wird immer von der jeweiligen Situation abhängen, ob man es für zweckmäßig hält, ein bestimmtes Kampfmittel anzu- wenden. Was Bebel in seinem Referat gesagt hat und was durch die Annahme seiner Resolution ausgedrückt wird, ist das: Es gibt Momente, wo der Arbeiterklasse nichts anderes übrig bleibt, als den Kampf für ihre politischen Rechte auf wirtschaftlichem Gebiet zu führen. Der Bourgeoisie ist durch unseren Beschluß gesagt: Treibt die Sache nicht zum äußersten. Wir sind keine Hammel- Herde, die sich ruhig abschlachten läßt. Wenn ihr uns das Wahlrecht nehmen wollt, das ihr selbst als ein Sicherheitsventil bezeichnet habt, so probiert es nur, wir werden uns das nicht ruhig gesallen lassen. Das ist es, was der Parteitag der Regierung und der Bourgeoisie gesagt hat. Er hat aber auch der Arbeiterklasse gesagt: Macht euch mit diesem neuen Kampsinittel vertraut. Es ist notwendig, daß ihr wißt, der Moment kann kommen, wo die deutsche Arbeiterklasse ein Kampfmittel gebrauchen inutz, das man in Deutschland bisher noch nicht angewandt hat. Wann und unter lvelchcn Umständen das geschehen wird, läßt sich heut noch nicht sagen. Die Geschichte lehrt uns, daß oft an sich kleine Ursachen zum Ausbruch großer revolutionärer Bewegungen geführt haben. Es können Situationen eintreten, wo die Arbeiterklasse einen großen entscheidenden Kampf ausnehmen muß.— Auch ans wirtschaftlichem Gebiete sind schon Streiks geführt worden, welche die Führer für aussichtslos hielten, und dennoch wäre es in Anbetracht der Um- stände ein Verbrechen gewesen, den Streik zu unterlassen. Die Arbeiterklasse hat ja Erfolge nicht nur durch ihre Siege, sondern auch durch Niederlagen. Jede Niederlage stärkt die Widerstands- krafi der Arbeiter. Wenn auch mancher revolutionäre Ansturm der Arbeiterklasse zurückgeschlagen wurde, so ist sie doch nie hinter den Ausgangspunkt des Vorstoßes zurückgeworfen, immer hat sie an Boden gewonnen, wenn auch das jeweilige Ziel des Kanchfes nicht erreicht wurde.— Gewiß ist der Massenstreik kein Allheilmittel, aber er ist eine Waffe, die, richtig benutzt, dem Gegner Wunden schlägt, die nicht wieder heilen. Indem wir den Massenstreik als Kampf- mittel zur Verteidigung unserer politischen Rechte aufgenommen haben, haben wir der herrschenden Klasse gesagt: Bis hwrher und nicht weiter reicht unsere Geduld. Wollt ihr unS ein wertvolles Recht nehmen, so versucht es, wir geben es nicht ohne Kampf aus der Hand. In diesem Sinne hat der Parteitag den Geist des Widerstandes gegen das Unternehmertum und die Regierung gestärkt, und dadurch wird er eine Bedeutung in der Geschichte der Partei haben, wie kein anderer. sLebhafter Beifall.) Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an, welche sich mit der Haltung der Delegierten des Kreises sowie mit den Ve- schlüssen des Parteitages einverstanden erklärt und die Durchführung derselben als Pflicht der Parteigenossen erklärt. Im dritten Wahlkreis tagten die Genossen in der Berliner Ressource, Kommandantenstraße. Vor Eintritt in die Tagesordnung machte der Vorsitzende Hoch davon Mitteilung, daß der parlamentarische Vertreter des KreiseS, Genosse Wolftzang Heine, es bedauert habe, wegen eines Prozesses in Stuttgart m der Versammlung nicht anwesend sein zu können. Genosse Heine hatte gern vor den Genossen des Kreises seine Stellung zu den Verhandlungsgegenständcn des Parteitages dar- gelegt. Er sei erbötig, dies in einer späteren Versammlung des Wahlvereins zu tun. Nachdem Genosse Di mm ick eine Uebcrsicht über die Tages- ordnung der Provinzialkonferenz gegeben und den Organisations- entwurf für die Provinz Brandenburg(„Vorwärts" vom 3. Oktober) zur Lienntnis der Versammlung gebracht hatte, ohne daß jemand dazu das Wort wünschte, wählte man als Delegierte zur Konferenz die Genossen Engelicht, Loge und G e h r m a n n. Die Berichterstattung über den Parteitag lag dem Genossen Büttner allein ob, da der eine Mitdelegierte, Genosse F ü g n e r, an der Influenza erkrankt ist und der andere, Genosse Wuschik, total heiser war. Genosse Büttner beschränkte sich im wesentlichen darauf, in großen Umrissen die Verhandlungen und Beschlüsse des Parteitages zu skizzieren. Er glaubt behaupten zu können, daß die großen Fragen, die ihn beschäftigten, zur Zufriedenheit der über- großen Mehrzahl der Parteigenossen erledigt worden seien. Was die spezielle Berliner Frage der Lokalisierung des „Vorwärts" angehe, so hätten die Berliner darauf verzichtet im Interesse des Zustandekommens des neuen Organisationsstatuts. Die„VorwärtS"°Frage, hoffe er, werde auch so gut erledigt werden. Nach dem, was der Parteivorstand in der Richtung versprochen habe, würden Vorkehrungen getroffen werden, die den Berliner Genossen einen größeren Einfluß gestatteten.— Die Frage der Maifeier fand nach einem vorzüglichen Referat Fischers durch die einstimmige Annahme der mit Zustimmung der Generalkommission gestellten Resolution eine für alle Beteiligten befriedigende Lösung. Eine Meisterleistung war die vierstündige breit angelegte Rede Bebels zum politischen Massenstreik. Trotz der vielfach auseinauder- gehenden Meinungen wurde die Resolution zu dieser für eventuelle Fälle ein neues Kampfmittel vorschlagenden Frage gegen wenige Stimmen angenommen. Auch die Erledigung des sogenannten Literaten- strciteS, dem in- Wirklichkeit sachliche' Differenzen zu- gründe gelegen hätten. hat den Redner befriedigt. Er er- wartet davon Fortschritte»ach der Richtung theoretischer Ver- tiefmig. Zum Schluß sprach er nochmals seine Befriedigung über die Elgebiiisse des Parteitags und über diesen selbst aus. Jetzt wäre es nun Pflicht der Genossen, energisch im Sinne der Beschlüsse deZ Parteitags zu wirken, insbesondere sich den Ausbau und die Stärkung der Organisation angelegen sein zu lasse».(Beifall.) Auf eine Anfrage des Genossen K r ä ck e r, betreffend die Ab- stimnmng des Delegierten Wuschik gegen die Resolution über den politischen Massenstreik, erwiderte Genosse Wuschik, bei seiner Heiserkeit kaum verständlich, daß er ohne gebundenes Mandat ge- wesen sei nud den Mut gehabt habe, nach seiner Ileberzeugung zu stimmen. Er wünsche, daß im dritten Wahlkreis die Frage des Massenstreiks einmal für sich diskutiert werden möge. Genosse H e i l m a n n äußerte sich in längeren Ausführungen über die verschiedenen Vcrhandlungsgegenstände des Parteitages. Er ist besonders erfreut über den sachlichen ruhigen Verlauf des Parteitages. Er hoffe, daß dies in der Partei so bleiben möge bei Streitfragen und ein Dresden, das wegen seiner Debatten nicht als Jungbrunnen der Partei gelten könne, nie wiederkehren werde. Die Genossen müßten stets freundlich und brüderlich mit einander reden.— Zur jetzt angekündigten Reorganisation der Redaktion des.Vorwärts" sieht Redner keinen Anlaß. Die An- gclcgenheit„Vorwärts"-„Neue Zcit"-„Leipziger VolkSzeitnng" er- scheint ihm durch den Konmiissionsbcricht auf dem Parteitage und durch dessen Beschlutz vollständig erledigt. Die Art, wie jetzt die Redaktion deS„Vorwärts" geführt werde, finde seine vollste Billigung. Wenn eine Reorganisation notwendig iväre in der Parteipresie, dann nicht in erster Linie im„Vorwärts". Der Bericht der Fünfzehnerkommission habe absolut keinen Anlaß dazu gegeben. Wenn im Zentralorgan sich wirklich mal in gewissen Fragen neben der Mehrheit auch noch besonders die Minderheit äußere, wäre das gar nicht schlimm. Ein Zentralorgan, das ein richtiges Bild geben wolle, müsse allen Anschauungen, die innerhalb der Partei Raum hätten, auch innerhalb des Blattes Raum geben.— Von einer großen Begeisterung für die Maifeier in heutiger Form ist Redner weit entfernt; er billigt die Gründe verschiedener Ge- iverkschaftSführer, die sich dagegen wandten, hält aber doch mit Rücksicht auf da» einmal geschichtlich Gewordene den Be- schluß deS Parteitages für das in der gegebenen Situation allein richtige. Dagegen erachtet er die Festlegung auf den politischen Massenstreik nach eintägiger Debatte für einen Fehler, wobei er die nötige Klärung vermißt. Er suchte dies eingehender nachzuweisen. Er geht davon aus, daß ein poli- tischer Massen- oder Generalstreik ohne Blutvergießen durch die Machthaber nicht in Deutschland möglich sei und daß er deshalb nur ein Mittel sein könnte, wenn es noch möglich wäre, Straßenkämpfe Ivie früher durchzuführen. Das sei aber ausgeschlossen. Im übrigen brauche gerade der, der ökonomisch-historisch denken gelernt habe, nicht allzu große Schreckgespenster der Entrechtinig des Volkes sehen. Die Rechte, die in der Ivirtschaftlich-sozialc» Entwicklung Deutschlands begründet seien, könnten nicht ohne weiteres genommen werden. Wenn das so leicht wäre, hätte man uns längst das ReichstagSwahlrecht genommen. Selbst wenn aber dies und jenes am heutigen Reichstags- Wahlrecht und am Koalitionsrccht gekürzt werden würde, könnte die stille Agitation— er erinnere an das Sozialistengesetz— doch niemals unmöglich gemacht iverdeu. Die Resolution Bebel sei kein guter Schritt gewesen, möglich aber sei, daß sie unschädlich bleibe. Genosse Gottfried Schulz wandte sich gegen Hcilmann, dessen Ausführungen ihn ganz Perplex gemacht hätten. Wenn cS eben nicht mehr weiter gehe, dann müßten alle Räder stillstehen. Bebel meine auch nur, daß der Generalstreik das letzte Mittel sei. Genosse Gehrmann: So nebensächlich, wie Heilmann den Berliner Antrag aus Lokalisierung des„Vorwärts" hinstelle, sei er durchaus nicht, denn sonst hätten nicht so viel Berliner dafür ge- stimmt. Es müsse anders werden. Trotz der Ablehnung hätten oie Berliner einen Sieg erfochten, denn ihre Meinung solle mehr zum Ausdruck kommen, als bisher. Man stehe schon in Verhandlungen mit dem Parteivorstand, die die Regelung bezweckten. Heilmann sage, das Zentralorgan mühte alle Auffassungen bringen, auch die gegenteilige». Ja, daß es nicht so war, seien ja zum Teil die Streitpunkte. Entweder seien andere Meinungen nur auszugsweise gebracht wotden, oder mit üblen Polemiken. Genosse Dr. Friedeberg schließt sich dem Vorschlag Wuschicks an, in der nächsten Versammlung des Vereins einen Vortrag über politischen Massenstreik und Generalstreik halten zu lassen und dazu ein Korreferat. Hier wolle er nur erklären, daß er mit dem Jenaer Beschluß zufrieden sei insofern, als er darin ein Fortschreite» der von ihm vertretenen Ideen sehe. Er sehe aber doch n i ch t in dem politischen Massenstreik, wie er in Jena vertreten sei, das richtige/ sondern nach wie vor in dem Generalstreik, wie er ihn propagiere, der sich dem anarchistischen Generalstreik nähere und seinen Ausdruck finde in der Erklärung des AnarchosozialismuS. H e i l m a n n erklärt gegenüber Gehrmann, daß er viele Partei- blätter lese und danach feststellen könne, eS sei in Deutschland keine Parteizeitnng. die jede Auffassung so loyal zu Worte kommen lasse wie der„Vorwärts". Insbesondere erinnere er an den vollständigen Abdruck der Artikel KautSkhS und der„Neuen Zeit" und der Mehrings aus der„Leipziger VolkSzeilung". Die„Leipziger Volks- zeitung" dagegen habe aber nicht ein Wort gebracht von dem, waS in der fraglichen Angelegenheit der„Vorwärts" schrieb. Genosse K r e p I i n führte aus, daß der Generalstreik in einem anderen Sinne ans dem Parteitage besprochen sei, wie es Heilmann nehme. Es sei durchaus nicht richtig, daß ein Generalstreik not- wendig mit Straßendemonstrationcn und Blutvergießen verbunden sein müsse. Bebel habe gerade darauf Hingewiese», daß bei einem Generalstreik Straßenkrawnlle nicht notwendig seien, und dabei auf den Bergarbeiterstreil verwiesen. Der politische Massenstreik im Sinne der Beschlüsse von Jena sei nur zu verstehen als ein tvirk- sicher Generalstreik. Genosse Büttner: Die Gewerkschaften seien sehr wichtige Faktoren in der Arbeiterbewegung. Ihre jetzige Hauptlätigkcit: die Erringung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungelt, werde in Zukunft aber etwas beeinflußt werden durch die großen Kämpfe, die dem Proletariat bevorständen. Diese Kämpfe würden größer und heftiger sein als in den letzten 30 Jahren und würden den Charakter rein gewerkschaftlicher Kämpfe verlieren. Sie würden sich answachse» zu Kämpfe» um die Macht. Da seien neben starken gewerkschaftlichen auch starke politische Organisationen notwcndiy. Das ineine die Resolution Bebel in erster Linie. Es sei auch nicht gesagt, daß der politische Massenstreik zu einem bestimmten Zeitpunkt einzutreten habe, sondern man solle die Köpfe revolntioniercu und organisieren, damit im äußersten Moment eingegriffen werden könne. HeilmannS Deduktionen seien falsche.— Fröhlich schloß sich dein an. Genosse E. D i t t m e r: Die Resolution Bebel sei so mit Eventuali- täten gespickt, daß wir ruhig die Dinge an uns herankommen lassen könnten. So seien übrigens die Verhältnisse nicht, daß man tag- täglich jahrzehntelang sich nur immer mit der Frage des politischen Massenstreiks beschäftigen und darüber anderes vergessen Ivcrde. Eine Schädigung in dieser Richtung sei nicht zu befürchten; dazu gäbe es denn doch in der Arbeiierbeweaung zu vielerlei und dringendes zu tun. Die Frage des Generalstreiks aber in Bausch und Bogen mit ja zu beantworten, lehne er für seine Person vor- läufig ab. Der Ivichtigste Teil an der Resolutton Bebel sei der Auf- ruf zur Stärkung der gewerkschaftlichen und politischen Organisation. Und sehr richtig sei, daß infolge des AufwerfcnS der Frage wieder mal ein lebhafter Geist in die Massen der Genossen ein« dringe. Die Diskussionslilst, die Lust zur theoretischen Vertiefung habe schöne Anregungen erfahren. Es sei ein empörender Zustand, daß die ArbeiterbildnngSschule in den letzten Jahren mit so wenig Mitgliedern existieren mußte. DaS werde hoffentlich besser werden. Als bcweislosc Behauptungen bezeichnet es Redner, daß angeblich von GewerlschaftSführcrn kein Versuch gemacht werde, die Mitglieder mit sozialistischem Geist zil infizieren. Das geschehe sehr wohl. Weiter sagte er feine Meinung zu einer Reihe kleiiierer Angelegenheiten, die den Parteitag be- schäftigten. Die technische Herstellung der„Nene Welt" rügte er als geradezu miserabel. Nachdem H e i l m a n n noch auf die Einwürfe gegen seine Ausführungen geantwortet und Kreplin die hohe Bedeutung der Bildungsfrage betont hatte, wurde gegen neun Stimmen folgende Resolution angenommen:„Die Versammlung erklärt sich mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden, insbesondere mit den Ausführungen des Genossen Bebel und seiner Resolution über den politischen Massenstreik."*)— Mit einem dreifachen Hoch auf die internationale Sozialdemokratie schloß die Versammlung. Vierter Wahlkreis. Der vierte Kreis hielt seine Versammlung im GewcrkschaftS- hause ab. Die bevorstehende Provinzialkonferenz gab zu einer Dcbatte keinen Anlaß. Zu Delegierten wurden gewählt G o e r k e. Büchner und Schenk. Ueber den Parteitag berichtete zunächst B a r e n t h i n. Der Parteitag habe das größte Interesse bei den Genossen wachgerufen. Die Gegner seien allerdings grausam enttäuscht worden. Der Streit zwischen„Vorwärts",„Leipziger VolkSztg." und«Neue Zeit" sei aus Rücksicht auf die Zeit des Parteitages in die Kom« Mission verwiesen Ivorden. Diese habe in ihrem Bericht keinen Zweifel darüber gelassen, daß dem Streite ernste prinzipielle Differenzen zugrunde gelegen hätten. DaS lci für uns Veranlassung, uns mehr mit prinzipiellen Fragen zu beschntigen. damit alle Ge- nossen reif werden, solche Differenzen richtig zu beurteilen, lieber die Eiiuveiidungen, welche gegen das Organisationsstatut gemacht worden sind, bemerkte der Redner, daß eö nicht so sehr auf den Buchstaben ankomme, als vielmehr ans den Geist, der eS durchflutet. Auch die Verhandlungen über die Maifeier seien zum befriedigenden Abschluß gekommen. Diese sei historisch geworden nnd könne doch nicht nach Wunsch einzelner Gewerkschaftsführer wieder beseitigt werden. An uns sei es nun gelegen, den *) Die neun Stimmen gegen die Resolution richteten sich nur gegen den zweiten Teil betreffend die Anerlennung oeS politischen Massenstreiks. sozialistischen Geist in die Massen zu tragen.— I e n t s ch berichtete detaillierter über die einzelnen Punkte der Tages- ordnung des Parteitages. Das Referat über den Organisations- Entwurf habe ihn nicht in allen Punkten befriedigt. Die Berliner seicil mit allen ihren Anträgen hinuntergerutscht. Sie hätten aber für Enbloc-Annahme des Entwurfs gestimmt, um ihn unterzubringen, da man von den Genossen ans Süddeutschland und Schleswig- Holstein, die nach Landesorganisationcn verbunden sind, Opposition zu erwarten gehabt habe. Für die Streichung der§8 28 und 20 habe er nicht gestimmt, da der Kreis keinen diesbezüglichen Antrag gestellt habe. Der Z 15 sei eigentlich vom demo- kratischen Standpunkte nicht zu akzeptieren. Durch den neuen Organisationscntwurf erwüchsen dem vierten.Kreise bedeutende Konseguenzen, daß er nun auch eine einheitliche Organisation schaffen müßte. Nachdem Zeutsch auf die Fortschritte der Partei hingewiesen, die im Kassenbericht und im Abonnentenstand der Parteipresse zumAusdrnck kommen, und auf die bedeutsame Differenz zwischen der sozialistischen Stimmenzahl manches Kreises, besonders auch in Süddeutschland, und der Zahl der organisierten Genossen aufmerksam gemacht hatte, behandelte er die Maifeierfrage, die durch den Kölner Gctocrkschafiskongreß ein eminentes Interesse erregt habe. Auf die Teilnehmer des Kongresses habe das Marxsche Wort zu- getroffen, daß das gesellschaftliche Sein das Bewußtsein des Menschen bestimmt. Nur dadurch sei es zu erklären, daß Gewerkschaftsführer sagen könnten, die Gewerkschaft ist alles, die Partei nichts. Redner verlas eine Anzahl Sätze aus dem Referat von Bringmann bei Keller. Ein Parteigenosse kann nicht so sprechen.(Sehr richtig!> Wenn diese Worte auf der Tribüne dem Munde entfließen, ist das verzeihlich, wenn inan sie aber unberichtigt drucken läßt, so ist das doch sehr bedenklich. Hier sei der Beweis geliefert, daß einflußreiche Gewerkschaftsführer die Partei herabzusetzen suchen. Richard Fischer habe ein sehr sachliches Referat gehalten, das man bei seinem Temperament nur bewundern könnte. Robert Schmidt habe die Mai- frier dagegen nur vom rein rechnerischen Standpunkte behandelt, lieber die Aeußerung Schmidts, daß eS gut sei, daß die„Neue Zeit" nicht viel Abonnenten unter den Arbeitern habe, wolle er öffentlich kein Urteil fällen. Wenn ein Reichstags-Abgcordneter das sagt, ist es doppelt bedauerlich. Wenn er Schmidt privatim antworten könnte, würde diesem die Antwort sicher nicht gefallen. Die angenommene Resolution habe keine engere Fassung bekommen, weil sonst ver- schiedene Parteigenossen aus wirtschaftlichen Gründen ihr nicht immer folgen könnten. Das Referat wurde mit Beifall aufgenommen. Darauf referierte Kupfer über die Verhandlung des Massenstreiks. Sie sei der Höhepunkt des Parteitages gewesen. Das ausgezeichnete Referat Bebels sei auch dadurch nicht beeinträchtigt worden, daß einige Redner recht kleinliche Bemerkungen daran geknüpft hätten, n. a. auch Südekum mit der Frage, an welchem Nachmittag der Massenstreik losgehen sollte. Durch die Resolution sei der Massen- streik unter unsere Knmpfesmittel aufgenommen worden, unsere Pflicht sei es, ihn zn diskutieren und zu propagieren.(Bravo!) In der Diskussion sprach zunächst Eugen B r ü ck n e r: Viel von der literarischen Diskussion sei Gezänk gewesen. Es gebe manche Leute, die einen jeden Genossen niederknüppeln möchten, der eine andere Meinung habe. Aus der Fünfzehnerkommission habe die„Volkszeitung", jedenfalls von einen? Vertrauten, er verurteile den Verräter, die Mitteilung gebracht, daß Kautskh und Mehring gegen einen angeblichen Artikel Eisners polemisiert hätten, den Kautskh vor 13 Jahren selbst geschrieben habe.(Rufe:„Umvahr!"> Ich halte es vorläufig für wahr.(Unruhe.) Von einer Neutralitätsduselei der Gewerkschafter könnte keine Rede sein. Wer von einem Verwischen des Klassen- kampfstandpunkteS angesichts der letzten großen Kämpfe, der hohen Aufwendungen für Streiks und des gewaltigen Kampfes in der Elektro-Jndlistrie reden könnte, sei mit Binden vor den Augen durch das wirtschaftliche Leben gegangen.(Lebhafte Zwischenrufe. Linse:„Aussperrung I Aussperrung!") Die Gewerkschaften seien der Partei nicht in den Weg getreten, der Vorwurf Znbeils gegen die Maurer in der Mark Brandenburg treffe nicht zu. Die Mai- feicrresolution des Gewerkschaftskongresses lasse ja alles beim alten bis zum internationalen Kongreß. Der Parteitag habe es auch nicht allen Genossen zur Pflicht machen können, zu feiern, da er auch mit den wirtschaftlichen Verhältnissen rechnen müßte.(Während der Rede herrscht große Unruhe. Der Vorsitzende bittet, die Zwischenrufe zu unterlassen.) Bezüglich des Massenstreiks habe man in Köln nur bc- schlössen, in Berücksichtigung der Tatsache, daß die Verhältnisse die Taktik regeln, sich nicht von vornherein auf eine bestimmte Taktik festzulegen. Aus der Rede Bringmanns dürfe man nicht einzelne Sätze anS dem Zusammenhange reißen. Es könnte kein Gegensatz konstruiert werden zwischen Partei und Gewerkschaft, da in beiden Organisationen vielfach dieselben Personen ständen. (Lebhafte Stufe„Führer".) Er unterstreiche das Wort Bebels, wenn wir vorwärts kämmen wollten, müßten wir vor allem organisieren und agitieren.(Beifall.) E r n st Brückner: Er sei der Meinung, daß der ZeitungSstreit Literatengezänk gewesen sei. Ob denn Kautskh der Meinung sei, daß er die Massen aufgeklärt habe durch die Diskussion in der „Neuen Zeit". Man solle vgr allen Dingen populärer schreiben, dann würden die Genossen auch Lust zu prinzipiellen Er- vrterungcn bekommen. Richard Fischer habe im Maifeierreferat einen eigentümlichen Standpunkt eingenommen, als er meinte, daß nicht jeder Parteigenosse gewerkschaftlich organisiert sein könnte. Robert Schmidt habe sachlicher gesprochen als Fischer, Frau Zietz oder Rosa Luxemburg. Man habe in der Maifeier immer ein Ideal gesehen, aber die Verhältnisse seien stärker, trotzdem man nun 15 Jahre dafür gearbeitet habe.(Rufe:„Gegen!"„Führerl") Es müßte möglich sein, zwischen der Vertretung der modernen Arbeiterbewegung und der Partei eine Verständigung in der Maifeier herbeizuführen. Redner bezweifelte, daß die Gencralkommission der Parteitags- resolution ihre Zustimmung erteilt habe. In den GeWerk- schaftcn würde ständig gearbeitet für den Klasscngedanken.(Un- ruhe.) Manche Parteigenossen seien dagegen nicht zu bekommen, wenn sie den Mitgliedern die Theorie übermitteln sollten. Aus dem Referat Bebels-über den politischen Massenstreik habe er viel gelernt, aber Bebel sei nicht auf die Konsequenzen eingegangen. Bebel müßte doch zugeben, daß man in konservativen Kreisen nur darauf wartete, die Arbeiternrassen vor die Bajoirctte zu treiben. Es sei viel der Person Bebels zuzuschreiben, daß manche Parteigenossen dem Massenstreik zugestinmrt haben. Die Propagandieruna des Massenstreiks sei heute unmöglich. Man könne solche Mittel nicht Plötzlich festlegen. ES fehle in beiden Kreisen noch gewaltig an der Aufklärung. Wenn es sich jeder zur Pflicht machte, ein Agitator für seme Sache zu sein und seine Söhne zu Klassenkämpfern zu erziehen, so könnte uns die Reaktion nicht mehr niederschlagen.(Beifall.) Treu: Ihn habe die Verhandlung über den Organisations- entwnrf nicht befriedigt. Bezüglich der Maifeierfrage dürfe man sich nicht der Illusion hingeben, daß keine Gegensätze zwischen Partei und Gewerkschaft vorhanden sind. Letztere behandeln die Maifeier von einem anderen Standpunkte als wir. Charaktcristisch sei eS auch.daß manche Gewcrkschaftsredaltenre prinzipiell keine Maifeicrartikel bringen. Dem Streit Kautskys, Mehrings und Eisners haben sachliche Momente zu- gründe gelegen und seiner Meinung nach sei das Recht mehr auf feiten Kautskys gewesen. Allerdings sei er nicht damit einverstanden, daß mau die Sache stillschweigend übergangen habe. Im allgemeinen habe der Parteitag gute Arbeit geleistet.(Bravo!) P o c tz s ch: Zn den literarischen Streitigkeiten sei Sachlichkeit und Gezänk durcheinandcrgelaufen. Er sei nicht so optimistisch, um anzunehmen, daß sie nun aufhören Werden. Die Masse der Partei habe daran aber keinen Gefallen. Das Schlimmste an der Maifeier sei, daß man sie habe. Die Gewerkschaft nur und nicht die Partei habe heute dafür die Verantwortung und Unterstützung der Feiernden bei Maßregelungen. Sie sei darum auch in einer sckiwierigen Lage. Wenn aber die Feier auf den Abend verlegt würde,' so müßte sie einschlafen. Man solle alle Einwendungen ehrlich prüfen und bis zum internationalen Kongreß einen Modus finden, vielleicht in der Form, daß die Partei einen Teil der Unter- stützung übernehme. Das Referat Bringnranns habe er ganz'gelesen. Er wolle ihm die Parteizugehörigkeit nicht absprechen, aber es befänden sich bedauerliche Entgleisungen darin. Man dürfe nicht einseitiger Gewerkschaftler sein, sondern müsse auch sich durchdrungen fühlen von der Not- wcndigkeit sozialistischer Aufklärung. Das Referat Bebels über den Massenstreik könne man nur unterschreiben. Die Resolution dürfe nur nicht so ausgelegt werden, daß nun nur der Massenstreik propagiert werden solle. Er könne den großen politischen Führern den Vorwurf nicht ersparen, daß sie die Arbeiterschaft vielfach über- schätzen. Nur durch Aufklärung könne sie dahin gebracht werden, den Massenstreik richtig anzuwenden. In den Gewerkschaften müsse der sozialistische Gedanke mehr gepflegt werden. Partei und Gewerkschaft seien gleich wichtig für den Klassenkampf.(Bravo!) Nach dieser Rede wurde ein Vertagnngsantrag eingebracht mit der Begründung, daß bisher nur Vertreter der Gcwcrk- schaftcn gesprochen haben und den anderen Diskussionsrednern dadurch die Möglichkeit genommen worden ist, noch an diesem Abend ebenso ausführlich zn sprechen wie die Vorredner. Die Rednerliste wies noch eine stattliche Anzahl Redner auf und so wurde die Versammlung einstimmig vertagt. Fünfter Wahlkreis. Die Generalpersammlung des Sozialdemokratischen Vereins, die im Alten Schützenhause tagte, war leider nicht so zahlreich besucht, Ivie mau das der Tagesordmmg entsprechend hätte erwarten können. Zunächst verlas der Kassierer L e p m a n n die Namen von 16 Per- sonen, die sich seit der vorigen Versammlung zur Aufnahme gemeldet hatten. Gegen eine der Aufnahmen wurden später Ein- Wendungen erhoben, die der Vorstand prüfen wird. Dann teilte der Vorsitzende Zucht mit, daß eines der ältesten VereinSmitglicder, der Parteigenosje Max Lindemanu vor 11 Tagen verstorben ist: die Anwesenden ehrten sein Andenken durch Erheben von den Plätzen. lieber die Aufgaben der Brandenburger Prodi nzial- konferenz sprach Genosse D a v i d s o h n. Er wies zunächst darauf hin, daß in der Veröffentlichung der Tagesordnung im„Vorwärts" insofern ein Fehler enthalten ist. als die Konferenz mit Rücksicht auf die bekannte polizeitcchnische Auffassung nicht um 10 sondern erst um 12 Uhr beginnen wird. Der Redner hob dann hervor, wie wichtig die zur Verhandlung kommende Landarbeiterfrage, und wie nicht minder wichtig die Ve- ratung der Organisationsftage und die Beschlüsse darüber sein Werden. Nachdem er die hauptsächlichsten Bestimmungen des Statutenentivnrfes erläutert hatte, sprach der Redner die Erwartung aus, daß durch Annahme des Entwurfes endlich etwas Festes, Dauerndes für die Organisation geschaffen werde.— Als Delegierte zur Konferenz wurden einstimmig die Genossen Bernhard Wolf, Robert Fischer und Ehrhardt gewählt. In die Berichterstattung über den Parteitag teilten sich die beiden Delegierten in der Weise, daß Wels über alle Punkte mit Ausnahme der Maifeier und des politischen Massen- streiks berichtete und diese beiden Punkte dem Genossen Davidsohn überließ. Genosse Wels bemerkte einleitend, daß die Hoffnungen der Gegner, der Parteitag werde ein„Jena" für die Partei werden, zu- schänden geworden seien; innerlich gestärkt und gefestigt stehe die Partei da. Der Bericht des Parteivorstandes habe kaum Veranlassung zu irgendwelchen wichtigen Einwendungen gegeben: mit Genugtuung könne man auf die Steigerung der Opfcrwilligkeit der Parteigenossen hinweisen. Was den Antrag der Berliner Parteigenossen, die Welt- Politik auf die Tagesordnung zu setzen, betreffe, so habe gerade auch Bebel in seiner Begrüßungsrede bewiesen, wie außerordentlich wichtig die Erörterung dieser Frage gewesen wäre. Nur der Not gehorchend hätten die Berliner Delegierten sich entschlossen, den An- lrag fallen zu lassen. Auf die Beschlüsse über das neue Organisations- statnt eingehend bemerkte der Redner, daß gerade der fünfte Kreis einer derjenigen gewesen sei, der hinsichtlich der neuen Gliederung der Partei auf der Grundlage der sozialdemokratischen Vereine bahnbrechend vorgegangen sei. Der Redner beschäftigte sich sodann mit den wichtigsten der neuen Bestimmungen. Daß der Antrag, den„Vor- lvärts" zum Lokalorgan der Berliner Genossen zu gestalten, in der Kommission begraben wurde, bedauerte er. Die Gründe, die der Parteivorstand mit so großer Schärfe dagegen vorgebracht habe, könne er nicht als stichhaltig anerkennen. Durch ein an alle Parteiblätter zu versendendes Korrespondenzblatt würde der Parteiborstand besser in den Stand gesetzt werden können, auf taktische Fehler in der Presse hinzuweisen und seiner Auffassung Geltung zu verschaffen, als durch das Zentralorgan. Damit sollten selbstverständlich die Redaktionen der einzelnen Parteiorgane nicht des eigenen Denkens und Arbcitens enthoben werden. Im allgemeinen aber könne man sich, obwohl jener Antrag nicht angenommen sei, mit dem Organisationsstatut einverstandeu erklären. Die Art der Er- lediguiig der Preßstreitigkeiten auf dem Parteitag bezeichnete der Redner als eine recht glückliche. Namentlich sprach er seine Genug- tunng darüber aus, daß die ungefähr 80 Berichterstatter bürgerlicher Blätter auf diese Weise um eine mit Spannung erwartete Sensation gebracht wurde». Eine Behandlung der Angelegenheit im Plenum hätte bei der Schlvierigkeit und Vielseitigkeit der Fälle nur Ver- wirrnng hervorgerufen, wäre zu einem Gezänk von Literaten aus- geartet, ohne ein brauchbares Ergebnis zu zeitigen. Das wichtigste in der angenommenen Resolution sei, daß den Parteigenossen nahegelegt werde, bei Pretzdebatten stets das Parteigefühl und nicht andere Empfindungen überwiegen_ zu lassen. Theoretische Diskussionen seien notwendig, sie gäben erst die rechte Grundlage für die praktische Arbeit in der Partei, dürften aber nicht in Flohknackereien ausarten._ Man solle aber solche Fragen in der Tagespresse in populärer Form behandeln. Von den»0 000 Abonnenten des„Vorwärts" hätten Wohl kaum 500 die Preßdebatten mit der„Leipziger Volks- zeitung" verfolgt, noch richtiger verfolgen können. Nachdem der Redner noch kurz erwähnt hatte, daß der Antrag Davidfohns zur Alkoholftage ein Begräbnis erster Klasse erfahren habe, der Antrag des fünften Kreises auf Gründung eines internationalen Korrespondenz- blattes aber nicht die zur Verhandlung nötige Unterstützung gefunden hatte, bemerkte er zum Schluß, daß der Parteitag mit allgemeiner großer Begeisterung die Nachrichten von der Essener Reichstagswahl und von der Wahl eines Vertreters zum sächsischen Landtag auf- genommen habe. Hierauf nahm Genosse Davidsohn zu seinem Bericht über die Maifeier- und die Gcneralst reiksfrage das Wort. Er hob hervor, daß der fünfte Kreis seine beiden Delegierten in dieser Hinsicht mit einem gebundenen Mandat keinerlei Berflauung zuzustimmen, versehen hatte. Die Maifeier-Resolution sei nun diesmal so abgefaßt worden, daß nicht nur sie, sondern auch der Abgeordnete des Kreises, Genosse Rob. Schmidt, dafür stimmen konnten und dafür stimmten. Der Redner er- läuterte diese Resolution in ihren einzelnen Abschnitten und ihrer gesamten Bedeutung und hob es als ganz besonders erfreulich hervor, daß Genosse Fischer dem alten, bekannten Teil seiner Resolution einen so kräftigen neuen Passus vorangestellt habe, Man müsse die Rede Fischers gehört haben, um den stürmischen Beifall, der ihr folgte, und die Einstimmigkeit der Annahme der Resolution zu verstehen. Besonders beachtenswert sei es auch, daß Fischer, indem er seine Ansichten über die Maifeier darlegte, hinzu- fügte, daß man diejenigen Parteigenossen, die etwas anderer Mei- nung seien, nun keineswegs deswegen als minder gute und opser- freudige Genossen ansehen dürfe. In überaus loyaler Weise habe der Parteitag dann dem Genossen Robert Schmidt zu einer aus- führlichen Darlegung seiner Ansichten Redezeit gewährt. Schmidts Position in der Debatte sei zu Anfang durchaus nicht ungünstig ge- Wesen, er habe sie dann aber verschlechtert durch seine Bemerkungen über die„Neue Zeit", mit denen sich auch die Genossen des fünften Kreises nicht einverstanden erklären könnten. Ganz besonders wichlig sei, daß die Gencralkommission der Gcwerkschafteu und der Partei- vorstand sich über Form und Inhalt der Resolution geeinigt hatten. lieber die Massenstreik- Resolution sagte Redner � daß es Legicn, Schmidt und den auf ihrer Seite stehenden Genossen nicht gelang, die.beste Rosine" aus der Bebclschen Resolution herauszuklauben. Bebel babe in seiner vierstündigen, einen unendlich weiten Rahmen umspannenden Rede wohl nicht immer und überall das Richtige ge- troffen. Aber man habe diese Rede mit dem Gefiihl aufgenommen, sollten die in der Resolution erwähnten Zustände eintreten, alle Parteigenossen ihren Mann stehen werden. Besser sei es wohl ge- Wesen, wenn dem Genossen Schmidt zu dieser noch wichtigeren Frage, statt zur Maifeierfrage, eine Stunde Redezeit gewährt worden wäre. Man dürfe nun aber nicht glauben, daß alle die, welche für die Resolution stimmten, auch begeisterte Anhänger der Massenstreiksidee seien, lieber mancheDelegierte, die jahrelang dagegen gewesen seien, habe man sich wundern müssen, als sie nun plötzlich mit cineni schüchternen Ja stimmten. Auch sei nicht anzunehmen, daß�ctwa die Genossen, die mit Nein stimmten, nicht, wenn der Gedanke der Resolution einmal verwirklicht werde, ihr Alles einsetzen würden, um dem Proletariat zum Siege zu verhelfen. Im allgemeinen müsse mau sich freuen, daß der Parteitag so war, wie er war, und auch in dieser Hinsicht einen konsequenten und scharfen Ruck nach links ge- macht habe. Die Diskussion, die nun folgte, bezog sich größtenteils auf die Angelegenheiten der Presse und den Streit zwischen„Vorwärts" und„Leipziger Volkszeitung". Genosse Mohrmann erklärte sich damit einverstanden, daß der„Vorwärts" Zentralorgan bleibt, aber nicht ganz einverstanden mit dem Beschluß der Fünfzehner-Kommission, durch den die Diskussion über die bekannten Streitigkeiten abgehauen worden sei. Der„Vorwärts" habe mit Recht und in der Abwehr gegen die „L. V." gehandelt. Redner wünscht dringend, daß der Beschluß der Kommission nun auch befolgt werde. Die Aeußerungen Schmidts über die„Neue Zeit" seien nicht ganz unberechtigt. Genosse Scholz ist über den Pressestreit entgegengesetzten An- ficht. Man glaube einseitig daS, was im„Vorwärts" darüber bc- richtet Wurde. Ohne Not sei die„Volsztg." gereizt worden. Der Beschluß des Parteitags beweise, daß der„Vorwärts" nicht so ganz recht gehabt hat; er sei schlechter dabei weggekommen. Genosse H i r s ch f e l d hält den Ton dcr„Volksztg." nicht für richtig. Besser wäre es, wenn all diese theoretischen Streitigkeiten aufhörten, wenn diese Genossen doch lieber in die ländlichen Wahlkreise gehen und agitieren möchten. Genosse Friedmann wundert sich, daß nianche Artikel des „Vorwärts" so ganz ohne Widerspruch geblieben seien, und ver- steht nicht, wie man über die ganze Streitfrage und die so fach- liche» Artikel Kautskys als Parteigezänk aburteilen könne. Die Berliner Parteigenossen müßten sich mehr mit der Theorie befassen. Man müsse die„L. V." und den„Vorwärts" lesen, um sich ein eigenes Urteil zu bilden. Die Artikel seien allerdings zu lang. Es könnte alles kürzer ausgedrückt werden, damit es den Genossen überhaupt möglich werde, solchen Diskussionen in der Presse zu folgen. Genosse Wels erklärte, die Auffassung, daß die„L. V." gerade als Sieger aus dem Streite hervorgegangen wäre, sei nicht richtig. Er habe den Eindruck gewonnen, daß die Kommission sehr un- parteiisch geurteilt habe. Der Ton der Preßdevatten sei im all- gemeinen verurteilt worden. Zum Beweis dafür verlas der Redner die betreffende Resolution. Genosse Ehrhardt findet. daß manche? Beherzigenswerte in den polemischen Artikeln gestanden habe, manches, was für die Berliner Parteigenossen von großem Vorteil war. Heute schon bringe der„Vorwärts" Artikel, die viel besser als die ftühercn seien. Die'Diskussionen hätten schon ihre Wirkung getan, so daß man damit zufrieden sein könne. Genosse Wels bemerkte, auch in der Preßkommission sei man keineswegs mit dem„Vorwärts" immer zuftieden gewesen, und das sei auch dort zum Ausdruck gebracht. Genosse Herz er äußerte zur Frage des M a s s e n str ei ls, daß noch viel mehr Aufklärung nötig sei, um ein solches Kampf- miltel mit Erfolg gebrauchen zu können. Bebel habe allzu stark aufgetragen. Er, Redner, glaube nichr, daß die Massen, die doch zum Teil so schwer zn bewegen seien, bei den Wahlen ihren Stimm- zcttcl abzugeben, so leicht für einen solchen Streik zu haben seien. Auch müsse man sich bei einer solchen Aktion sehr in acht nehmen vor der Art von Leuten, die da hinterher laufen, wenn die Wache auf- zieht. Es sei leicht gesagt, 11 Tage hungern, aber keiner könne es, und auch die Familie müsse ja mit hungern. Genosse Ritter findet, daß Bebel ganz recht hatte, als er in jenen Worten ausdrückte, daß man Entbehrung tragen müsse und werde, wenn es Großes zu erreichen gelte. Man sage wohl, incht alle würden am Generalstreik teilnehmen; wenn aber das Gefühl der Rechtlosigkeit, das Gefühl, daß es darauf ankomme, unsere Rechte zu verteidigen, die Masse ergreife, dann sei gewiß, daß keiner, der fiir den Sozialismus bisher ehrlich gekämpft habe, zurücktreten werde. Genosse Mohr mann bezeichnete den Genossen Scholz als fanatischen Anhänger der„L. V." Redner erklärte, daß er nun mehrere Wochen die„L. V." gelesen habe, und er müsse der Legende entgegentrete», daß sie das beste Blatt sei. Er müsse sagen, daß der „Vorwäl�s" viel besser und dienlicher schreibe. Wer jene polemischen Artikel richtig gelesen habe, werde wohl wissen, wer der Haupt- stänker war. Genosse Scholz trat der Ansicht Hcrzers über die Massenstreik- frage entgegen. ES handle sich ja augenblicklich noch nickt um den Streik selbst, sondern zunächst um die Propaganda. Der gegen- wältige Kampf in den Elektrizitätswerken habe übrigen? auch bc- wiesen, wie in Leuten, von denen man es durchaus nicht erwarten konnte, plötzlich ein instinktives Klassengefühl die Oberhand gewann, so daß sie sich mit ihren Klassengenossen solidarisch erklärten. So werde es auch bei einem Massenstreik sein. Genosse B a r t k c meint, daß bei dem Streite zwischen„V." und„L. V." wohl auf Heiden Seiten parteiisch vorgegangen worden sei. Mit der Resolution kann man zufrieden sein. Die theoretischen Artikel müßten so abgefaßt sein, daß einem das Lesen nicht durch Schimpfereien verckelr werde. Durch die KommissionSberatuug sei die Sache in sehr glücklicher Weise erledigt worden.— Um als Beispiel für den Erfolg des Massenstreiks zu dienen, dazu dauere der Kampf in den Elektrizitätswerken denn doch noch nicht lange genug, mau müsse erst den Ausgang desselben abwarten. Bei dieser Frage müsse man bedenken, daß doch erst ein geringer Teil des Proletariats organisiert sei und daß gerade daS deutsche Untcrnehmertnm zur Anwendung der allergemeinstcn Mittel bereit sein loürde. Besser sei es, wir suchten auf ruhigem Wege vorwärts zu kommen, uns Klarheit über die ökonomischen und organisatorischen Kräfre zu verschaffen. Hierauf wurde um'/ei2 Uhr ein Antrag ans Schluß der Debatte angenommen. In seinem Schlußworte antwortete Genosse Davidsohn auf verschiedene seiner Meinung eutgegcnstehcnde Aeußerungen über den politischen Massenstreik und sprach sich mit Begeisterung über dieses Kampfmittel aus, was starken Beifall hervorrief. Der Vorsitzende gab noch bekannt, daß der Reichstags-Ab- geordnete Schmidt in allen Abteilungen des Vereins über die Massenstreiksrage referieren wird, so daß auf diese Weise allen Mit- gliedern Gelegenheit zu gründlicher Aussprache darüber gegeben wird. Wie Genosse Wasser bemerlte, wird der_ erste Vortrag Schmidts am nächsten Mittwoch bei Schulz, Belforterstr. 15, für die erste Ab- teilung abgehalten. Der Vorsitzende forderte zu eifriger Beteiligung an der Flugblatt- Verbreitung am Sonntag auf. Im sechsten Kreise wurde die Berichterstattung vom Parteitage in einer anßerordent- liehen Generalversammlung vorgenommen. Zum ersten Punkt, Wahl von Delegierten zur Provinzialkonferenz, erstattet Mars zunächst den Bericht von der Konferenz zur Aus- arbcitung eines Organisationsstatutcs für die Provinz Brandenburg. Redner legt dar, daß erfreulicherweise das Mißtrauen der Provinz- delegierten, das noch im vorigen Jahre in der Kommission vorhanden war, geschwunden sei. Ter im„Vorwärts" veröffentlichte Entwurf habe einstimmige Annahme gefunden; die aus der Provinz gestellten Anträge zu dW Entwurf jeien zurückgezogen worden. Kie von der Kreiskonfercnz vorgeschlagenen Genossen Heinrich Metzke, Hermann Guttmann und Max Richter werden als Delegierte zur Pro- vinzialkonfercnz gcwählr. Die Berichterstattung vom Parteitage hatten sich die Delegierten geteilt. Freyt Haler behandelte das neuge- schaffcnc Organisationsstatut. Tie aus dem vorjährigen Parteitage gewählte Kommission, zusammengesetzt aus Vertretern aller Landes- teile, hatte sich in mehreren Sitzungen mit der Schaffung des Organisationsstatuts beschäftigt; aber doch kamen zum diesjährigen Parteitage eine Unmenge von Anträgen, ein erfreulicher Beweis für das rege Interesse der Parteigenossen allerorts. SVq Tage hatte sich auf diesem Parteitage die Kommission mit der Durchberatung der Abänderungsanträge zu befassen. Im ivesentlichen ist jedoch der Entwurf so geblieben, wie ihn die Kommission dem Parteitage zur Annahme empfohlen hatte. Redner erläutert eingehend die einzelnen Paragraphen des Statuts. Es sei nicht möglich gewesen, den von Berlin gestellten Abänderungsanträgen Rechnung zu tragen. Die Hauptpunkte: Gliederung der Organisation und Regelung der Bei- tragsleistung, seien in der Kommission scharf bekämpft worden, allein die Mehrheit der Kommission einigte sich schliesslich auf die jetzige Fassung. Gegen die Anträge, die eine gewisse proportionelle Ver- tretung auf dem Parteitage verlangten, wurde eingewandt, daß diese Forderung zwar sehr bescheiden sei, aber dann müsse erst über die Uebernahme der Dclegationskosten auf die Partcikasse beschlossen werden. Ebensowenig war es möglich, eine Aenderung in der Ver- tretung der Reichstagsfraktion auf dem Parteitage zu erreichen. Der Antrag der Berliner, der die Möglichkeit einer grösseren Einwirkung auf die Gestaltung der Tagesordnung verlangt, fand dahin seine Erledigung, dass dem Partcivorstande anHeim gegeben wurde, bei strittigen Punkten Korreferenten zu ernennen. Ablehnung fand gleichfalls der Antrag der meisten Berliner Kreise, den„Vorwärts" den Berlinern zum Lokälorgan zu geben, damit eine grössere Einwirkung auf die Haltung des Blattes den Berliner Genossen gewährt ist. Dagegen hat sich der Parteivorstand bereit erklärt, den Wim- scheu der Berliner Genossen in betreff der Haltung des Blattes weitgehend entgegenzukommen. Wenn wir unsere speziellen Wünsche nicht vorangestellt haben und für cn bloc-Annahmc des Statuts eingetreten sind, so haben wir es getan in der Ueberzeugung, dass wir mit diesem Organisationsstatut einen grossen Schritt vorwärts kommen, da wir den Hauptwert in der Gliederung der Organi- sation erblicken. Ernst gab den Bericht aus der Kommission, die sich mit den Polemiken und Differenzen zwischen„Vorwärts",„Leipziger Volks- zeitung" und Kautskh z« beschäftigen! hatte. Er wünschte, dass allen Parteigenossen die Möglichkeit geboten worden wäre, diese Aus- führungen anhören zu können, die bei aller Schärfe in strengster Sachlichkeit von statten gingen. Wäre die Diskussion in der Presse immer so geführt worden wie in der Fünfzchnerkommission, dann wäre sie ein großer Gewinn für die theoretische Vertiefung der Partei gewesen. Die Kommission hat ihre Aufgabe nicht so eng umgrenzt, nur zu untersuchen, ob der Ton, der in den Press- Polemiken durchklang, immer der richtige war. Wir mußten den sachlichen Kern der Differenzen herausschälen, ob die Polemiken sich in den Grundsätzen bewegten, die in der Dresdener Resolution fest- gelegt sind. Ten Ausgangspunkt der Differenzen gab der Artikel des „Vorwärts" über die Broschüre der Genossin Noland-Holst. Hier vertrat nach Ansicht Kautskys der„Vorwärts" eine Auffassung, die eine Diskussion über den Massenstreik für überflüssig erklärte. In der Kommission standen sowohl Kautskh wie Eisner von ihren der- schicdenen Standpunkten aus auf der Höhe. Gegenüber der Auffassung des„Vorwärts" über die russische Revolution, die die Taten Ein- zelner besonders hervorhob, vertrat Kautskt) den Standpunkt, dass nicht die Taten der Einzelnen in Betracht kommen, sondern dass man der gesamten Volksbewegung mehr Bedeutung beilegen müsse. Im Gegensatz zum„Vorwärts", der dem Dresdener Parteitag keine Bedeutung beilegte und nur das persönliche Gezänke bedauerte, wies Kautskh die Wichtigkeit der Dresdener Tagung für die prinzipielle Klärung der Parteigenossen nach. Nicht Literatengezänk war es, das die Gemüter in der Presse erhitzte, sondern tiefe sachliche Gegen- sätze. Wir waren in der Kommission der Meinung, daß Partei- diskussionen notwendig sind, daß aber diese Diskussionen nicht aus- arten dürfen. Als die Genossen sahen, wie diese Artikel von den Gegnern ausgeschlachtet wurden, hätten sie stutzig werden müssen; man mutz auch in der Diskussion Matz tind Ziel kennen. Däneben muß aber jeder in unserer Partei das Recht haben, sachliche Kritik üben zu können. Die Aufgabe unserer Redakteure mutz es sein, Klarheit in den Köpfen der Genossen über die Aufgaben und Ziele unserer Bewegung zu schaffen. Nicht theoretische Diskussionen sollen aus der Presse verschwinden, wohl aber sollen Programm- kritische Erörterungen nicht in der Tagespresse, sondern in der „Neuen Zeit" erscheinen. Die Resolution der Fünfzehnerkommission spricht auch von den Pretzkommissionen und deren Besetzung. Nicht Literaten, wie es vielleicht den Anschein hat, sollen in diesen Kommissionen sitzen, wohl aber Arbeiter, die sich Kenntnisse angeeignet haben, und die einen klaren Blick für das Notwendige im Interesse der Partei besitzen. Man lächelt manchmal über die Kleinarbeit, über die schlechte Ortho- graphie der Genossen. Sollen doch diejenigen, die seitwärts stehen und lächeln, sich in Reih und Glied stellen und Besseres leisten. Hoffen wir, daß auch nach der Resolution gehandelt wird. Diese Auseinandersetzungen waren nützlich, denn sie haben unsere Waffen zur Befreiung des Proletariats geschärst.(Lebhafter Beifall.) Ueber die sonstigen Tagesordnungspunkte des Parteitages rcfe- riert K r ö h n. Die Debatte über die Maifeier hat gezeigt, dass die Genossen die Stellungnahme der Gewerkschaftsführer zu dieser Frage nicht billigen. Die Annahme der Resolution mache es den Genossen zur Pflicht, nun auch eifrig eine würdige Maifeier zu propagieren, die Arbeitsruhe, da wo es möglich, zur Geltung zu bringen. Zum Punkte Massenstreik haben wir ja schon Stellung genommen. Leider sei es eine Tatsache/ dass die Unternehmer mehr Klassenbewuhtsein haben wie die Arbeiter. Das gegenseitige Befehden der Arbeiter ,st wizKich nicht notwendig. Schaffen wir Klarheit in den Köpfen, dann lönnen wir sagen: Frisch auf zum fröhlichen Kampf! In der Diskussion wendet sich K a s ch c w s k h gegen den Aus- spruch Richard Fischers, dass er es nicht als unbedingt notloendig für sich als Geschäftsführer erachtet, dem Buchdruckerverband anzu- ßC')U@ u ttmann spricht zu den Ausführungen Ernfts, die einen Bruch mit der bisherigen Praxis bedeuten. Leider lege man der Theorie zu wenig Bedeutung bei. Bisher habe man immer der Kleinarbeit das größte Gewicht zugeschoben E r n st wendet sich gegen die Ausführungen Kaschewskhv. Durch die Verhältnisse sei es bedingt, dass die meisten unserer Führer ihren speziellen Gelvcrkschaftsorganisationen entfremdet seien. Es sei auch unrichtig, wenn Guttmann sage, dass wir der Theorie zu wenig Bedeutung beilegen. Wenden müsse man sich aber gegen Pseudowisscnschaft, daß Genossen, die viel gelesen und das Gelesene nicht verdaut haben, über Theorie sprcchm. Nicht nur wer viel gelesen hat, sondern wer ein klares llrteil hat, gehöre>n die Press- kommissionen. Halfter ist mit der Ablehnung der Berliner Antrage ein- verstanden. Es sei falsch, dass den Anträgen bei der Veröffent- lickmug von den Genossen keine Begründung beigegeben werden iöiinc. Die Stellung zur Maifeier sei eine befriedigende. Das Fallenlassen der Arbeitsruhe wäre die tiefste Verbeugung, die wir vor der Kapitalistcnklasse machen könnten. M i e t h k e polemisiert gegen die Ablehnung der proportio- nellen Vertretung, die durchaus nicht eine Uebernahme der Dele- gationskostcn auf die Partcikasse bedeute. Es scheine ihm, als wenn man diejenigen, die die Maifeier schwächen wollen, mit Glacehandschuhen anfasse. Bei dem Referat Bebels über den Massenstreik das ja vorzüglich war, konnte man doch zum Schluh das„Wenn" heraushören. Der Massenstreik werde nicht lange auf sich warten lassen; er wird unS aufoktroyiert werden. Dann müssen wir ge- rüstet sein, dass der Satz„Alle Räder stehen still" zur Wahrheit wird. Metzke wendet sich gegen die Ablehnung der Kommunali- sierung des„Vorwärts". Dieser alte Wunsch der Berliner wird immer wieder kommen. Er sei der Auffassung, dass die Preß- dem Verlauf des Parteitages könne man einverstanden sein. Unsere heiligste Pflicht sei as, die in Jena gefasstcn Beschlüsse zur Durch- führung zu bringen. Gehl gibt seirrer Ueberzeugung Ausdruck, daß dieser Partei- tag einer der besten war. Redner findet einen Widerspruch in den Ausführungen Wels über die Kommunalisierung des„Vorwärts" und den Ausführu rgen des Partcivorstandes, der von Ueber- rumpelung mit diesem Antrage spreche. Bei der Abstimmung über den politischen Massenstreik habe sich der Gegensatz unter uns ge- zeigt. Gewerkschaftllw waren es, die gegen die Resolution stimmten. Wirken wir darauf hin, dass die Gewerkschaftsführer sich diese Resolution zur Richtschnur nehmen. K r i b o ist mi, der Tätigkeit der Delegierten wie mit dem Verlaufe des Parteitages einverstanden. Lcdebour meint, daß es ein Irrtum Gehls sei, daß nur Gewerkschaftler gegm die Resolution Bebels gestimmt haben. Wäre der Gewcrkschaftskov.gress nicht vorausgegangen, durch den sich ein- zelne gebunden glaubten, hätten wohl alle Delegierten für die Resolution gestimmit. Es scheine ihm als wenn die Gegensätze zwischen Partei unk' Gewerkschaften im Schwinden begriffen sind. In seinen weiteren Ausführungen geht Lcdebour auf die Unter- schiede, die zwischen Generalstreik und politischem Massenstreik zu machen seien, ein rrnd definiert das Wesen derselben. Wir gehen zweifellos revolutionären Zeiten entgegen. Darum müssen wir den revolutionären Eiieist stärken und unser Bestes für die Befreiung der Arbeiter einsetzen. Zum Schluß der Diskussion sagt E r n st, wenn er dem Wunsche nachkommen sollte, über die Verhandlungen der Kom- Mission zu referiercm, er sehr lange sprechen müsse. Leider sei es nur möglich, einen Extrakt der Verhandlungen zu geben.— Auch er bedaure lebhaft, das; in der gewerkschaftlichen Bewegung zwei Richtungen bestehen,. Wer diese Richtungen zusammenführen könnte, würde sich ein großes Verdienst erwerben. In den Gewerk- schaffen müsse der sö;;ialistische Geist, das Klassenbewußtsein gehegt und gefördert werden. Wem es je einfallen sollte, den Arbeitern vorzureden, alles sei durch die Gewerkschaften zu erreichen, wer sich in den Gewerkschaften mit der kapitalistischen Gesellschaft ab- findet, würde geradezu Verrat an seinen Klassengenosseu üben. Die Anfrage Gehls betreii fs des„Vorwärts" beantwortet Ernst dahin, daß der Partcivorstm id, resp. Mitglieder desselben, Kenntnis von diesem Antrage hatten. Für uns war matzgebend, daß die Haltung des„Vorwärts" mit der Ansicht der Berliner Genossen überein- stimmen soll. Wir kö nnen kein Konzept für Leitartikel geben, wohl aber verlangen, daß die Anschauung der Berliner im„Vorwärts" zur Geltung komme. Abgelehnt hat der Parteitag diesen Antrag, aber er wird immer. wieder kommen. Vor Schluß der Versammlung fand noch folgende Resolution e i n st i m m i g e Ar? rahme: „Die am 3. Okiwber in den Gcrmaniasälen tagende außer- ordentliche General!»usammlung des sozialdemokratischen Wahl- Vereins für den 6. Berliner Reichstagswablkreis verurteilt das rigorose Verhalten>:r Unternehmer der Elektro-Jndustrie. Die Versammelten prote stieren gegen die Unterstützung, welche oben bezeichnete Handlur qswcise der Unternehmer seitens der Rc- gierung gefunden hat und erblicken darin ein einseitiges Vorgehen gegen die um ihr liecht kämpfenden Arbeiter und Arbeiterinnen. Zugleich spreche n die Versammelten den im Kampf befind- liehen Arbeitern und Arbeiterinnen ihre vollste Sympathie aus und verpflichten sich hie.cmit, denselben die weitgehendste moralische und tatkräftige pchn.aiäre Unterstützung zu teil lverdcn zu lassen." GeiiverkfckaftU�es. Eine Militärbehörde als Arbeitswilligenvermittlerin. In dem Geb Hude des Bezirkskommandos in Aachen befindet sich ein Anschlag folgenden Inhalts: „Arbeitsnachweis für Bauschreincr, Möbelschreiner, Bankschreiner, Maschineirarbeiter! Lohnende und dauernde Arbeits- gelegenheit in und» bei Düsseldorf. Es werden 800 bis 900 Arbeiter verlangt. Man Ivende sich an den Vorsitzenden des Arbeitgebcrvereiins der Holzindustrie oder an den Obermeister der Schreinerinnung." Dann folgen tme genauen Adressen der beiden Ober- scharfmacher. In Düsseldorf sind bekanntlich seit einigen Monaten die Holzarbeiter ausgesperrt. Wir erheben auf das entschiedenste Einspruch dagegen, d»aß ein Bezirkskommando in dieser Weise der Sache der um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen kämpfenden, ja sogar im Berteidigungskampfe sich befindenden Arbeiter in den Rücken fällt. g erlin und Qmgcgend. Die Lohnbewegung der Speicherarveitcr ist, ohne daß es zum Streik zu kommen brauchte, im Verhandlungswege zugunsten der Arbeiter beendet. Am Dienstag wurden die Verhandlungen zu Ende geführt mit dem Resultat, daß die Unternehmer sämtliche Forderungen der Arbeiter bewilligten. Demnach erhaljen dije Wäger jetzt einen Mindestwochenlohn von 37,S0 M. Der Stundenlohn für Lohnarbeiter beträgt mindestens öö Pf. Arbeiter, die noch nicht auf Speichern tätig waren, bekommen anfangs 50 Pfennige und später ebenfalls 55 Pf. pro Stuntde. Für Arbeiten, die außerhalb des Speichers verrichtet werden müssen, wird täglich eine Extra- zulage von 1 M. gezahlt, lieberstunden werden mit 10 Pf. Zuschlag, SonntagSarbeit aber mit 1 M. pro Stunde vergütet. Die durch die jetzigen Vereinbarungen bewirkte Lohn- erhöhung beträgt für jeden Arbeiter durchschnitt- lich sechs Mark.pro Woche. An den Tagen vor den hohen Festen wird zwei Stunden friiher Feierabend gemacht ohne Lohn- abzug. Die Arbeitszeit ist eine zehnstündige. Falls wegen Arbeitsmangel Entlassungen stattfinden, sollen immer nur die zuletzt eingestellten Arbeiter entlassen iverden. Jedoch steht es den Unter- nehmern frei, unter dim während der letzten drei Monate eingetretenen Leuten die Auswahl nach Belieben zu treffen. Schließlich wurde noch zugestanden die Freigabe des er st en Mai. Da somit alle wesentlichen Forderungen der Arbeiter bewilligt worden waren, lag keine Ursache vor, in den Streik zu treten. Die Vereinbarungen wurden deshalb am Dienstagabend in der Ver- sammlung der Speickjorarbeiter einmütig gutgeheißen. In diesem Falle zeigte es sich mal wieder zur Evidenz, was eine gute Organisation wert ist. Nur weil die Speicherarbeiter fast sämtlich organisiert sind, war es den Vertretern des Transportarbeiter- Verbandes möglich, eine derartige Aufbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen für sie lediglich im Verhandlungswege durch- zusetzen. Zur Lohubcwcgnng der Lederarbeiter(Weißgerber und Färber) erhalten wir vom Vorsitzenden des Vereins der Glace- und Weiss- leder-Jndustriellen folgendes Schreiben: „1. Es ist nicht richtig, daß die Arbeitgeber keinerlei Zu- geständnisse gemacht h ätten. Dieselben haben bereits in der Sitzung des Einigungsamtes r om 28. September Lohnzuschläge von 3 bis 4 Proz. anbieten lassen. 2. Eine A u s s p errung seitens der Arbeitgeber ist nicht erfolgt. Die Arbeitnehmer haben den Tarifvertrag per 30. Sep- tember gekündigt und das Arbeitsverhältnis am Abend des genannten Tages gelast. 3. Der Vorsitzende des Vereins hat den Arbeitnehmern nicht erklärt, daß sie sich eine andere Kommission wählen sollten." Wir möchten hierzu, bemerken, dass die Zuschrift offene Türen einrennt. Wir haben gar nicht behauptet, daß die Arbeitgeber keinerlei Zugeständnisse g emacht haben, sondern in unserer gestrigen Nummer berichtet, daß das Angebot ein solch minimales war, daß es von den Arbeitern al s ein Hohn auf die gestellten Forderungen kcmmission nicht die Macht habe, die ihr zustehen müsse. Mit betrachtet worden ist.% Beim weiter gesagt wird, daß seitens der Arbeitgeber keine Aussperrung erfolgt fei, so ist dies ein Spie? mit Worten. Nichtig ist, daß der T a r i f v e r t r a g am 30. Sep- tember ablief. Wenn aber die Arbeitgeber erklären, entweder arbeitet Ihr in Zukunft auf Grund eines Vertrages oder das Arbeits- Verhältnis ist gelöst, so gehört schon eine ziemliche Dosis Naivität dazu, zu behaupten, man habe nicht zu dem Mittel der Aussperrung gegriffen. Wenn dies Arbeiter täten, so sind wir nicht sicher, ob nicht ein findiger Staatsanwalt auf Grund des berüchtigten Nötigungsparagraphen gegen sie vorgehen würde. Wir wollen aber die Hoffnung nicht fallen lassen, daß es baldigst gelingen möge, die Lohnbewegung zu einem befriedigenden Ende zu führen. Tie Stukkateure haben als Lohnbewegungszicl und Richtlinie im gegenwärtigen Lohnkampf der Rabitzputzer und-Spanner nebst ihren Hülfsarbeitern mrd als Grenzscheide für ihre Brufstätigkcit folgendes mit der Streikleitung und dem Vorstand des Bauhülfs- arbeiterverbandes vereinbart: 1. Alle Arbeiten, welche eine Woche und länger vor dem zweiten Oktober durch Stukkateure hergestellt wurden, gelten nicht als Streikarbeit, sofern die Arbeitsbedingungen und die dafür ge- zahlten Löhne nicht unter denen der Streikenden stehen. 2. Wenn jedoch die Arbeitsbedingungen niedriger sind- als die Lohnforderung der Streikenden, müssen auch die Stukkateure die Arbeiten verweigern zur Erringung der allgemein aufgestellten Forderungen. 3. Tie Stukkateure verweigern jegliche Fertigstellung oder den Neuanfang von Arbeiten, die durch Streikende liegen gelassen wurden oder die bisher in dem Betrieb durch Streikende ausgeführt Wut den, obgleich sie imstande wären, die Arbeit auszuführen, und selbst, wenn ihnen ein. höherer Lohn gezahlt wird als die Streikenden fordern. 4. Da die Stukkateure laut Tarifvertrag zum Heranschaffen des Materials entsprechender Hülfskräfte(Bauhülfsarbeiter) be- dürfen, so ist allen denen die Arbeitsberechtigung zuzusprechen, tvelche sich nur als Hülfsarbeiter der Stukkateure ausweisen und welche nicht unter den Löhnen arbeiten, die die Organisation der Bauhülfs- arbciter vorschreibt. 5. Die Stukkateure versprechen, im Kreise ihrer Hülfskräfte dahin zu wirken, daß sich jeder im Verband der Bauhülfsarbeiter organisierr, um die dort aufgestellten Arbeitsbedingungen einzu- halten." Bei irgend welchen Zweifeln werden darum die Kollegen er- sucht, sich streng an diese liebe reinkunft zu halten und sind Streit- fälle sofort der Verbandsleitung zu melden. Ortsverwallung Berlin des Zcntralverbandcs der Stukkateure Deutschlands. I. A.: P. Krebs. Die Etnisarbeiter Berlins sind in eine T a r i f b e r a tu n g eingetreten. Die Fabrikanten, denen der Tarifvorschlag unter- breitet wurde, suchen Arbeitskräfte ans der Provinz herauzu- ziehen. Es wird vor Zuzug nach Berlin gewarnt. Die Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Textilarbeiter! Die Filialen Berlin l, III, IV und die Filiale Rixdorf des Zentralverbandes deutscher Textilarbeiter haben sich mit dem t. Oktober zu einer Filiale verschmolzen. Die neue Filiale führt den Namen„Filiale Berlin". Vorsitzender derselben ist W. Prillwitz, 0. 34, Ebertystr. 10, erster Kassierer B. Weymann, Liebigstr. 45. Zuschriften sind an ersteren zu richten. Der Vorstand. Oeiitsdics Reich. Wieder eine Metallarbeitcr-AnSsperrung. Aus Hannover meldet uns ein Privattelegranun: Die Maschinenfabrik Georg E g e st o r f- Hannover- Linden sperrte gestern und heute 800 Mann ans, weil 10 Fräser sich keine Lohnabzüge gefallen lassen wollten. Weitere Aussperrungen sollen folgen.__ Der Streik der Damenschneider in Köln. Am Dienstag befanden sich die Damenschneider nahezu sämtlich im Ausstande. Die Damen- schneiderinnen in erheblicher Zahl zur Arbeitsniederlegung zu ge- Winnen, ist der Organisation bisher nicht gelungen. Die Forderungen lauten: Für selbständige Arbeiter Mindestwochenlohn in der ersten Klasse 39, in der zweiten 33 M., für Anfänger 30 bezw. 27 M., für selbständige Arbeiterinnen 24 bezw. 13' M., für jugendliche Arbeiterinnen in beiden Klassen 0 M. Die Arbeitszeit beträgt neun Stunden ausschließlich je einer Viertelstunde Frühstück- und Vespcrpause. Für Ilebcrstunden wird bis zur Dauer von drei Stunden 50 Proz., für Nacht- und SonntagSarbeit 100 Proz. Aufschlag gezahlt. Die Akkordarbeit soh abgeschafft und Ar- beit ans der Werlstatt darf nicht nach Hause mitgenommen werden. Die Arbeitgeber erkennen an, daß diese Forderungen nicht zu hoch sind, weigern sich aber, sie durch Tarifabschluß und Unterschrift an- zuerkennen,©ine von der Schneider-Zwangsinnung einberufene Unternehmerversammlnng beschloß, einer Einladung der Arbeiter vor das Einigungsamt des kgl. Gewerbegerichts nicht Folge zu geben. Der Deutsche Schneidervcrband und die„christliche"'Gewerkschaft führen den Kampf gemeinsam. Bedingungslose Wiederaufnahme der Arbeit beschlossen ein- stimmig die Tischler in Düsseldorf. Den Vertrag mit den Arbeit- gebern lehnten sie ab. Rusl»»d. Der Generalstreik in Rorschach ist»ach fiiufzchnwöchigcr Dauer mit dem Siege der Arbciter beendet worden. Sie verlangten minimale Stundenlöhne für die verschiedenen Arbeiterkategorien von 55, 50, 42 und 40 Rappen, letztere für Handlanger, die Freiwilligkeit der Akkordarbeit, Lohnzuschlag von 25 Proz. für Ileberstunden, 15 Proz. Werkzeugentschädigung für Gießer, Freigabe des 1. Mai, An- crkennung des Organisationsrechtes der Arbeiter, ferner sollen Waschvorrichtnng, genügende Aborte, hinreichende Heizvorrichtungcn und Trinkwasseroinrichtung erstellt, der Akkordtarif revidiert, die schwarzen Listen zurückgezogen und alle streikenden Arbeiter wieder eingestellt werden. Hätten die Unternehmer diese Zugeständnisse Mitte Juni gemacht, wäre der ganze Streik nebst den Demonstrationen, Militärausacbot, Verhaftungen:c. vermieden worden. Die französi- schen Streikbrecher werden nun Wohl auch wieder verschwinden müssen, nachdem sie ihre schuftige Rolle der Rausreißerei vergeblich gespielt haben. Die Gewerkschaftsbewegung der französische» Postbeamten. Man schreibt uns aus Paris: Die Unterbeamten des Post- und Telegraphendienstes haben Donnerstag und Freitag einen Kongreß abgehalten, auf dem der Antrag verhandelt lvurde, die bisherige Vereinigung„Association Generale" in eine Gewerkschaft zu ver- wandeln. Die höheren Beamten, namentlich der Provinz, hatten eine starke Pression auf die Bediensteten ausgeübt und so kam es, daß die Mehrheit dem gewerkschaftlichen Prinzip feindlich war. Die am elendesten entlohnte Kategorie, die Landbriefträger, waren in der Ver- sammlung äußerst schwach vertreten. Nach äußerst stürmischen Debatten wurde die Resolution des bisherigen Vorstandes der Vereinigung, die die Aufrechterhaltung der„Association Generale" ausspricht und das Recht der gewerkschaftlichen Organisation nur„im Prinzip" an- erkennt, mit 444 gegen 189 Stimmen angenommen. Die Opposition, die zumeist aus Pariser Delegierten bestand, verließ die Versamm- lung und hielt hierauf in einem benachbarten Cafe in Anwesenheit von 600 Postbeamten, die dem Kongreß als Gäste beigewohnt hatten, einen improvisierten Protestkongreß ab. 77 Pariser und 30 Provinz- delegierte beschlossen, unverzüglich an die Gründung der GeWerk- schaff zu schreiten. Interessant ist, daß von sämtlichen Pariser Sektionen alle bis auf zwei entschiedene Anhänger der Gewerkschaft zum Kongreß delegiert hatten. Die„Association Generale" bei der Herr Miller and so eine Art Protettor ist, ist heute somit nur ein Verein von Beamten der Provinz.— )Zus der frauenbewegung. Berem für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 0. Oktober, abends Uhr, in den„Arminhallen". Kommandantenstr. 20: Vortrag des Herrn Dr. H. Lux über das Thema:„Chemie in der Küche". Gäste willkommen. fßerantw. Redakteur; Paul Büttner. Berlin. Für den£M«atentejl versistw.; Th. Glucke, Berlin. Krück u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Perlagsgnjtalt Paul.Singer& Co., Berlin SW A1EM1MJ C7 Taghemden Ä�,US81.45, Ää?u"1.55 Taghemden Ä�'Ü1 Taghemden mit Handlangetten Taghemden»» s,ickerei- Motiven und Taghemden T aghemden üiÄTSurchbr. Beinkleider dazu passend Taghemden Beinkleider daz» passend Taghemden SaÄng Beinkleider dazu passend Ballhemden SaÄng Beinkleider dazu passend 2.40, 2.50 Mk. 2.25 Mk. 2.1 5 Mk. 2.25 Mk, 2.1 5 Mk. 2.40 Mk. 2.45, 2.60 Mk. 2.80, 2.60 Mk. 2.50 Mk. 2.75 Mk. 3.25 Mk. 3.25 Mk. Dimiti mit Besatz 1.85 Mk. Mk., 2.50, IT 2.60 Nachtjacken Nachtjacken SensÄei 2 Nachtjacken®!trcBecsatz 1.55, 1.60 Mk. Nachtjacken �suckweiS.io, 2.25 Mk. Beinkleider EJsSär« 1.25, 1.80 Mk. Beinkleider LTÄm" stiel""i 1.65, 2 Mk. Beinkleider lari� 1.40, �.„1 1.50, 2.10 Beinkleider?S.h fo™ s,ickerei 1.55, 1.85 Nachthemden?deJÄmr.?esatz 3.35 Mk. Nachthemden mit Stickerei-Volant 3.80 Mk, Stickerei-Röcke 2.90, 3.65, 4.1 0, 6.75 Spitzen-Röcke 3.85, 6.75, 7.75 weisse Barchent-Röcke 1.60, 2.15, 2.60 Taghemden 1.70 T aghemdenSÄaÄenl.60,2.45,2.85 Beinkleider kKrer 2.20 Nachthemden �.5�� 4.50 Ein Posten Morgenjacken a aus dicken, bunten Baumwollstoffen TT Mk. 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Auf diesen Standpunkt werde sich die ReorganisationS« kommiffion, die sich mit der Vorlage befassen werde, zu stellen haben. Das Verhältnis von Zahlung zu Leistung sei jetzt 1: 27, nach der Vorstandsvorlage schwanke cS zwischen 1: 13 und 1: 3S; setze man ein Verhältnis von 1: 23 fest, dann werde man ein Plus von 22 000 M. jährlich erzielen, während jetzt ein Minus von 9000 M. zu verzeichnen sei. Die Dresdener Angelegenheit sei ein rechtes Schmerzenskind gewesen. Abermanmüssc anerkennen, daß die Zigaretten- arbeiterinnen, so wie die Verhältnisse lagen, der Meinung sein dursten, in die Bewegung einzutreten. Bei wenigen Streiks sei mit so viel Mut und Begeisterung gekäinpft worden. Der Friede habe zwar keinen Erfolg gebracht, aber er sei ein ehrenvoller gewesen. U h l i g- Dresden tritt zunächst für eine Erweiterung des Vor- standcs ein. Auch er betont, daß erst die UnterstützungSeinrichtungen es ermöglichen, den Kampfcharakter voll zum Ausdruck zu bringen! aber die Grundprinzipien des Verbandes müßten immer im Vorder- gründe bleiben. Die Krankenunterstützung müsse beschnitten und da- für die viel wichtigere Arbeitslosenunterstützung ausgebaut werden. Die Sektionsbildung veriverfe er, sie bedeute eine Durchbrechung des Prinzips der Zentralisation. Meister wisse nicht, ob er über Dresden als von einem Streik oder Aussperrung sprechen solle; in Dresden wenigstens wisse jede Zigareltenarbeirerin, daß vom Ver- bände versucht worden ist, mit allen Mitteln die Aussperrring zu verhindern. Es sei Tatsache, daß seitens der in Frage kommenden Fabrikanten die Forderungen zunächst genehnrigt waren, aber dann habe sich der Zigarettentrust dahinter gesteckt, und weil er die Sache nur als Vorwand benutzte, so wäre die Aussperrung auf jeden Fall gekommen. UebrigenS habe für den Verband der Ausgang der Affäre nicht so großen Schaden gehabt, da nur ein kleiner Bruchteil der Streikenden dem Verbände den Rücken ge lehrt habe. E b e r l e- Nordhausen: Die Kautabakarbeiter seien auch der Meinung, daß der Kampffonds gestärkt werden müsse. Die Unter stützungseinrichtungen haben gezeigt, daß weit mehr, als man erwartet hatte, errungen werden kann, nnt ihnen sei ein besserer Geist in die Agitation gekommen. Die Frage der SektionSbildung berühre auch die Kautabakarbeiter. Hier sei die Maschine ein zu beachtender Fattor. In einigen Fabriken habe man die Maschine eingeführt, nur um den Arbeitern damit ein Paroli zu bieten. Aber tatsächlich scheine die EntWickelung der Maschine nicht den Erwartungen der Kautabakindustriellen zu entsprechen, und so sei das Kapital in dieser Beziehung sehr vorsichtig geworden. Minimallöhne würden für die Kautabakarberter von größtem Vorteil sein. Nachdem die Mandatprüfungskommission durch ihren Bericht sämtliche 70 Mandate für in Ordnung erklärt hatte, wendet sich R e ck e l- Altona gegen die jetzige Forni der Krankenunterstützung, die soviel Geld verschlungen habe, daß für den Kampf nichts übrig geblieben sei. Auch Heising« Ottensen ist der Meinung, daß die Krankenunterstützung abgeändert werden müsse; die Leistung sei aus 1:24 herabzusetzen. Den Arbeitsnachweis dürfe der Verband nicht wieder aus den Händen geben. In der Sortiererfrage liege dre Schuld bei den Sortierern bezw. an der Abneigung der leitenden Personen gegen eine Verschmelzung. Der Redner versteht Elm nicht, daß er gegen Mnimallöhne sei, da doch in Hamburg gerade die Einführung des MinimallohneS der Ursprung der Lohn erhöhungen in den letzten Jahren gewesen sei. Henke- Bremen ist der Ansicht, daß es bei Beurteilung der Unterstützungseinrichstingen darauf ankomnie, ob diese als Selbst- zweck betrachtet werden oder als Rtittel, unr den KampfeScharakter einer Gewerkschaft zu stärken. In letzterem Falle seien sie sehr zu begrüßen. In bezug auf die Vorstandsfrage empfehle er, den Vor- stand nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ zu verbessern. Man soll keine Zufallswahlen veranstalten, sondern Ausschreibungen vornehmen, um die tüchtigsten Kräfte zu erhalten. Diese müßten aber gemäß den Beschlüssen des Stuttgarter Kongresses besoldet werden, wenn sie nicht dem Verbände verloren gehen sollen. Was gegen die Sektionsbildung gesagt werden könne, verstehe er nicht bei den Metallarbeitern, den Holzarbeitern habe sie sich sehr gut bewährt. Sonderbündelei sei dabei durchaus nicht zu fürchten. Elm habe Unrecht daran getan, hier zu erklären, die Gründung deS „Organisator" habe den Sortierern nur genützt, denn durch wiche Erklärungen werde in die Einigungsbestrebungen nrir ein tren- ncndeS Moment hineingetragen. So sehr die ablehnende Haltung der Sortierer den Tabakarbeitern das Recht gebe, selbst nur größte Zurückhaltung zu üben, so empfehle er doch, noch etnmal die Hand zur Einigung anzubieten. Er bitte eine von ihm eingebrachte Resolution anzunehmen, die den Vorstand beauftragt, noch einmal eine nnindliche Auseinandersetzung den Leitern des Sortierervercins anzitbicten. Die Sortierer müßten nun endlich klipp und klar sagen, was sie hindere, zu den Tabakarbeitern überzutreten. Daß ein Sortierer bei den Tabakarbeitern sehr gut bestehen könne, dafür sei Elm selbst ein redendes Beispiel. Wegen Dresden brauchten die Tabakarbeiter keine blutigen Tränen zu weinen, dort fei nichts passiert, was nicht in jedem Verbände schon einmal vorgekommen sei. Nicht klagen solle man, sondern versorgen, daß für die Zukunft der Verband solchen Vorkommnissen gegenüber geschützt dastehe. Wenn man den Arbeitsnachweis zu einem Kampfmittel machen wolle, so dürfe man nicht übersehen, daß die Unternehmer dann das gleiche tun können; allerdings lägen bei den Tabakarbeitern die Verhältnisse insofern etwas günstiger, als man der Kleinunternehmer und Zwischen »neister sicher sei. Nachdem Krause- Finsterwalde sich dahin ausgesprochen hatte, daß die Unterstützungseinrichtungen sich nicht auf der Höhe gehalten hasten, die man eigentlich erwarten durfte, sucht der Vorsitzende T e i ch m a n n die gegen seine Aussührimgen gemachte» Einwendungen zu widerlegen. Wenn man Mitglieder nur um der Unterstützungs- einrichtungen bekomme, so schade das nichts: die Arbeiterschaft au' dem Platten Lande sei oft gar nicht anders zu gewinnen; habe man sie erst, dann sei es leichter, sie mit den gciverkschaft- lichen Zielen vertraut zu machen. Die Dresdener Aussperrung zu hintertreiben, sei unmöglich gewesen, da der Trust auf die Fa- brttanten einen unwiderstehlichen Druck ausgeübt habe. UebrigenS hätte die ganze Affäre vermieden werden können, wenn der Verband, entgegen feinen Prinzipien, die ungelernten Arbeiter hätte im Stiche lassen wollen. Die Schuld an der nnmer noch ungelösten Sortierer frage tragen diese, der Tabakarbeiter-Verband habe stets loyal ge handelt und sich an die Beschlüsse von Erfurt und Berlin gehalten Daö gespannte Verhältnis bestehe seit jeher und liege in den eigen- artige» Arbeitsverhältnissen zwischen eigentlichen Tabakarbeitern und Sortierern begründet. Die Einräumung einer Sektion werde m.ht zum Ziele führen; er frage Elm. ob bei Einräumung emer Sektion die Sortierer einer Verschmelzung geneigt sein wurden? Die Anfftellung spezialisierter Minimalforderungen für die einzelnen Branchen werde mmdostenS ein vortreffliches Agitationsniittel sein. ' rtivendig sei die Erhöhung der Streikliuterstütziing, ebenso der .'.veiiSloieimnterstützung, die ebenso hoch werden müsle wie die Oieniaßregoltei, Unterstützung. Die UntcrstützimgSskala deS Verbandes jci eine gerechte, da sie der Beitragsleistung angepaßt sei, Müller- Berlin weist auf die Erfolge hin, die man in Berlin mit dein Verbai, ds-Arbeitönachweise erzielt habe. Bei der Kranken- Unterstützung müsse eine Aeirderung eintreten. Mit Sektionen lasse ich eine bequeme Agitation entfalten. Wilde mann- Stuttgart kann konstatieren, daß der Verband mit seiner Reorganisation lveiter wäre. wenn die Kämpfe der letzten Zeit nicht zu viel Kraft in Anspruch genommen hätten. Er wundere stch, daß der Gedanke an SektionSbildung in, Verbände aufgetaucht sei, da dieser gar nicht so stark sei, um Sektionen nötig zu machen. Für Dresden hätte mehr getan werden können; er verweise zum Vergleiche nur auf Crimmitschau. Auch daß man die weiblichen Mitglieder den männlichen in bezug auf die Beitragsleistung gleich- tellen wolle, verstehe er nicht; man habe den Kolleginnen doch die niedrigeren Beiträge vor allem zugestanden, um sie überhaupt zu gewinnen. Daß dieser Gedanke ein richtiger war, habe der Erfolg gezeigt. Und wenn die Zahl der Arbeiterinnen im Berufe immer großer werde, dann habe man noch mehr Pflicht, alles zu tun, um >ie Kolleginnen in den Verband zu bekommen. Darauf wird die Sitzung auf Dienstag vormittag vertagt. Huö der parteu l Wegen Erkrankung hat Genoffe Wurm einen längeren Urlaub angetreten und ist für dessen Dauer Genosse L e d e b o u r als sein Vertteter in die Redaktion der„Neuen Zeit" eingetreten. Die Breslaurr Parteigenossen nahmen am Montag den Bericht vom Parteitage entgegen. Es entspann sich darauf eine längere Debatte, in der bedauert wurde, daß der Parteivorstand nicht mehr als um eine Person verstärkt worden ist. Auch für Verbreitung unserer Presse müsse diel mehr getan werden. Es würde nur von Vorteil sein, wenn die Partei besondere Beamte anstelle, um die Propaganda für die Presse zu organisieren. Die Parteigelder würden werbend besser angelegt. Die Frage der Anstellung eines Parteibeamten für Breslau wurde gleichfalls mit erörtert und soll diese Anstellung auch erfolgen. Der Vorsitzende zog am Schluß das Resümee, daß die Breßlaucr Genossen im allgemeinen mit den Ver- Handlungen des Parteitages und dem Verhalten der Breslauer Delegierten einverstanden sind. Einer von den Alten. Rechtsanwalt Otto Emil Frehtag in Leipzig beging dieser Tage unter großen Ehrungen seiner Berufs genossen seinen 70. Geburtstag. Otto Emil Freytag, der Vor sitzende des Leipziger Anwaltvereins und seit einer langen Reihe von Jahren Vorstandsmitglied der sächsischen Anwaltskammer, ge- hörte in den Jahren 1877 bis 1883 auch der Zweiten Kammer des sächsischen Landtages an, in die er als Vertteter des Wahl- kreiseS Stollberg-Land von der Sozialdemokratte gewählt wurde. Er war der erste sozialdemokratische Landtags- Abgeordnete. Nach Verhängung des kleinen Belagerungszustandes über Leipzig trat er vom politischen Leben mehr und mehr zurück. Er galt jederzeit als ein überaus schneidiger Verteidiger in Strafsachen und ist vielfach in politischen Prozessen hervorragend tätig gewesen. Vom Anwaltverein wurde ihm anläßlich seiner GeburtSfeier ein namhaftes Kapital als Grund stock zu einer Otto-Emil-Freytag-Stiftung überreicht, deren Zinsen zur Unterstützung hülfsbedürftigcr Angehöriger der Leipziger Rechts- anwaltschaft verioendet werden sollen. Die Leipziger Anwälte ver anstalteten zu Ehren Freytags ein Festmahl. Bon der„Ostschwrizerischen Arbciter-Ztg." in St. Gallen ist nun die erste Nummer erschienen, um von nun an wöchentlich zweimal je am Mittwoch und Sonnabend zu erscheinen. Die Redaktton wird vom Genossen Pctzold, Schriftsetzer, besorgt. Wir begrüßen den neuen Mitkämpfer und wünschen ihm bestes Blühen und Ge- deihen. pollrellicbes, vericbrlicbes tito. Sein SittlichkcitSvergehcn. Wegen Vergehen gegen das Vereins- gesetz, so berichtet man uns auS Halle vom 2. Oktober, hatte sich der Abgeordnete Genosse Thiele vor dem hiesigen Schöffengericht zu veranttvortcn. Er hatte, einer polizeilichen Aufforderung zuwider, die Mitglieder des Vereins Gewerkschaftskartell aufgefordert, das Versammlungölolal nicht zu verlassen. Der Eingriff der Polizei stellte sich aber als ungerechtfertigt dar und Thiele wurde frei- gesprochen. Staatsanwalt und Gericht hatten sich aber in dem Falle große Mühe gegeben. So war Thiele, der zur vorigen Verhandlung nicht erschien, von einem Polizisten vorgeführt worden. Der Schöffcnrichter stellte peinlich und gewissenhaft ThieleS samt- liche Vorstrafen— es waren 15 bis 20, die natürlich wegen Preß- vergehen erfolgt waren— fest. Auch wegen Sittlich- keitsvergehen sind Sie mit fünfzig Mark be- straft, sagte er. Wie verhält es sich nun aber mit Thieles SittlichkeitSvergchen? Ein alter agrarischer Lüstling hatte einem jungen Mädchen mit recht dreisten Andeutungen zu einem bestimmten Zivecke in einem Briefe Geld geboten und Thiele hatte den Brief veröffentlicht. Er wurde deshalb wegen Erregung eines öffentlichen«ergernisseS verurteilt und hat nun eine Vorstrafe ivegen Sittlichkeit»» ergeh i«S auf dem Kerbholze. Es verhält sich mit der Sache ähnlich wie mit der„Unterschlagung" des Abgeordneten Genossen Kunert.— Der Herr OberlandeSgerichtS- Präsident Hagen sagte aber gestern bei der Einweihung des neuen JustizgebäudeS:„Das Goethesche Wort aus Faust:„ES erben sich Gesetz und Rechte wie eine ewige Krankheit fort«." habe seine Berechtigung verloren und am Eingänge des JustizgebäudeS befinde sich der Spruch:„Recht muß Recht bleiben".— Na also l Eigentümliche Ansichtc» bekundeten in einer Sitzung des Schöffen- gerichts Neurode i. S. der Amtsanwalt und der Gerichtshof. � Ein organisierter Bergmann sollte in einer Versammlung die Militär- vereinler beleidigt haben. Der Amtsanwalt beantragte 10 M. Geld- strafe mit der sonderbaren Begründung, daß der Angeklagte ein sozialistischer Agitator sei, denn daß der Bergarbeiterverband sozial- demokratisch, das beweise zur Genüge die Rede Bebels in Jena. Der Gerichtshof war derselben Ansicht; aber da der Angeklagte ein sozialdemokratischer Agitator sei, so fühle er die Strafe nicht, denn diese zahle der Verband oder die Partei, deshalb sei auf drei Tage Gefängnis erkannt worden. als 1 021 175 Registertons. Dieses gewaltige Berkehrsplus fällt ausschließlich der Dampfschiffahrt zu, die Segelschiffahrt ist sogar um ein geringes schwächer gewesen. Die amerikanische Baumwollernte verspricht nach dem gestern vom Washingtoner Ackerbaubureau veröffentlichten amtlichen Bericht ein besseres Resultat als fast allgemein vor einem oder zwei Monaten erwartet und berechnet wurde. Das Bureau schätzt nämlich den Durchschnittsstand der Baumwolle auf 71,2 Proz. einer Normalerntc. Zur gleichen Zeit des Vorjahres lautete die amtliche Schätzung auf 75,3 Proz. gegen 65,1 Proz. am 1. Oktober 1903 und 58,3 Proz. 1902, Die Schätzung am 1. September d. I. lautete auf 72,1 Proz. Es hat sich also danach der Stand der Baumwolle im September um 0,9 Proz. verschlechtert. Aber dieser Rückgang ist ein außerordent- lich niedriger. Gewöhnlich beträgt die Verschlechterung im September an 10 Proz. und mehr, im vorigen Jahr z. B. 8,2 Proz. Da im Jahre 1904 die nordamerikanische Union bei einem Stand von 75,8 Proz. die reichste Ernte hatte, die sie bisher gesehen hat, ist auch diesmal auf ein verhältnismäßig gutes EngergebniS zu rechnen. In den letzten vier Jahren stellte sich die Schätzung zum Endresullat folgendermassen: Oktoberschätzung Emtcresultat 1901 61,4 1901/02= 10 701 000 Ballen 1902= 58,3 1902/03--- 10 800 000, 1903--- 65,3 1903/04= 10 124 000, 1904= 75,8 1904/05--- 13 566 000. Danach ist bei einer Schätzungsziffer von 71,2 Proz. auf einen Ertrag von mindestens llh/z Millionen Ballen zu rechnen. Die Lage des amerikanischen EisenmarkteS hat sich in den letzten Wochen noch günstiger gestaltet, doch fehlen, toie der„Franks. Ztg." aus New Uork berichtet wird, in manchen Zweimen Anzeichen der Schwäche nicht. Ein Gegensatz ist vorhanden zwischen der Festigkeit im Rohmaterial, in Schienen, Baueisen und Platten und dem Da- niederliegen des Geschäfts in den meisten Zweigen der Blech- und Röhrcnindustrie. Im Vergleich zu der Lcbhasttgkeit im Stahl- geschäft hatte Roheisen bisher verhältnismäßig ruhig gelegen. Die Roheisenproduktton im August war zwar 1,84 Millionen Tonnen, das sind zirka 100 000 Tonnen höher als im Juli, aber 122 360 Tonnen niedriger als im Mai, Erst seit kurzem machen sich Zeichen einer stärkeren Belebung geltend. Aus allen Zentren werden größere Aufträge gemeldet, und die Nachfrage dauert an, wovon ein guter Teil die beiden ersten Quartale des nächsten JahreS betrifft, so daß die Preise namentlich für Terminlieferungen anziehen. Es wird erwartet, daß der Stahltrust gegen Ende des Jahres als Käufer für Roheisen auftritt. Das Stahlgeschäft liegt gut und das Rohmaterial beginnt knapp zu werden. Am stärkste» war die Nachfrage nach Schienen. Die Aussicht auf eine gute Ernte in allen Produkten und die Hebung des Eisengeschäfts selbst haben die Eisenbahnen veranlaßt, große Bestellungen zn machen. Huö Industrie und Handel. Neue russische Anleihe. Nach langen Bemühungen scheint es nu» doch der russischen Regierung gelungen zu sein, die srauzösische Bank- finanz zur llebernahme einer neuen russischen Anleihe zu bewegen. Wie der„Temps" berichtet, sind von einem Pariser Komitee von Bankiers und Kreditinstituten kürzlich die Bedingungen einer neuen russischen Anleihe erörtert worden. Die Anleihe soll 1300 Millionen Frank betragen, und gleichzeitig in Frankreich. Deutschland. England, Nordamerika und Holland zur Emission gelangen; die Hälfte. 900 Millionen, soll Frankreich vorbehalten werden. Fall« infolge der Kursdifferenzen der rnssischen Rente ans den verschiedenen Plätzen nicht überall derselbe Emissionskurs festgesetzt werden könnte, würde die Anleihe auf den französchen Markt beschränkt werden und dann nur eine Milliarde betragen. Hamburgs Seeschiffahrt hat seit Beginn deS laufenden Jahres sich mehr und mehr gehoben. Bis Ende September sind in Hain- bürg„ach Mitteilung deS Handelsstatistischen Bureans 23 006 See- schiste mit insgesamt 15 583 387 Netto-ReaistertonS Rauminhalt an- gekommen und abgegangen. Das ist ein Ueberschuß gegen die gleiche Zeit des Vorjahres von 320 Seeschiffen und nicht weniger VermiscKtes. Sturmwarnung. Wegen eines bei Schottland erschienenen, sehr tiefen barometrischen Minimums, das mit stürmischen Süd- west- und Westwinden in östlicher Richtung fortschreiten dürfte, ist gestern mittag die deutsche Küste von Borkum bis Greifswalder Oie seitens der«Zeewarte gewarnt worden. Vom Zuge überfahren. Amtlich wird aus Stendal gemeldet: Ans dem am westlichen Ende des Bahnhofs Miste gelegenen Weg- übergange wurde Mittwoch vormittag 5 Uhr 19 Minuten ein zwei- spänniges Fuhrwerk vom Schnellzuge 11 überfahren. Personen iind nicht verletzt. Die beiden Pferde wurden getötet. Die Schuld trifft den Schrankenwärter, der die Schranken für jenen Zug zu schließen verabsäumt hatte. Amerikanische Bahnräubcr. Aus Washington, 3. Oktober, meldet ein Kabel-Telegramm: Der ostwärts fahrende Zug der Ereat-Northern-Bahn wurde von drei Räubern aufgehalten. Sie sprengten den Postwagen mit Dynamit auf und raubten 50 000 Dollar. Der von dem Vorfall benachrichtigte BezirkS-Scheriff ist mit 100 Bewafsncten zur Verfolgung der Räuber aufgebrochen, hat die Räuber gestellt und zum Kampfe gezwungen. Mehrere Mann wurden bereits getötet oder verwundet. Theaterbrände. Aus Coimbra wird gemeldet: In Figueira da Foz(Portugal) brannten gestern zwei Theater während der Vor- stevung nieder. Der Brand entstand durch den Kinematographen. Drei Personen sind verunglückt. Bulkan-Eruptton auf Samoa. Nach einer Drahtmeldung aus San Francisco, 3. Oktober, ist der Gouverneur von Deutsch-Samoa, Dr. Solf, auf der Heimreise dort eingetroffen. In einem Gespräch teilte er mit, daß aus dem Vulkan Matautu aus Samoa seit zwei Monaten Ausbrüche erfolgen, die gegenwärtig noch andauern. Die Lava hat bereits einen 500 Fuß hohen Hügel gebildet. Der Gouverneur glaubt, daß die Topographie der Insel durch die Aus- brüche vollständig derändert werden wird. Um einen Pfennigs Der Sergeant Wolf vom Bezirkskommando in Meißen jagte sich mit seinem Dienstgewchr in der Kammer eine Kugel in die Schläfe, so daß auf der Stelle der Tod eintrat. Furcht vor Sttafe soll das Motiv zu der unseligen Tat gewesen sein. Wolf hatte vor Jahresfrist eine Quittung über einen kleinen Bettag. bei der er sich um einen Pfennig(!) geirrt hatte, durch den kürzlich zur Reserve entlaffenen Soldaten Scheunemami neu anfstellen und gleichzeitig die Unterschrift nachmalen lassen. Der Reservist brachte den Vorfall erst jetzt zur Kenntnis der Militärbehörde, weil er vom Sergeanten Wolf wegen einer Dienstvcrnachlässigung gemeldet worden lvar. Mord und Sclbsimordversuch. Auö Oberhause»(Rheinland) wird gemeldet: Im benachbarten Dümpten feuerte gestern der Arbeiter Gellesch drei Revolverschüffe auf seine Frau ab, die/ in den Unterleib aetrofien, zusammensttirzte. Sodann gab er auf sich selbst zwei Revolverschüffe ab und verletzte sich schwer. Die Frau starb bald darauf. Das Ehepaar hinterläßt sieben unmündige Kinder. Der Grund der Tat liegt in fortgesetzten ehelichen Zivisttgteiten. Der Mann war ein Trunkenbold, die Iran führte einen liederliche?! Lebenswandel. Anderthalb Millionen gestohlen. Aus New gork wird berichtet: Einer der größten Bankendiebstähle, die je bekannt geworden find, beschäftigt gegenwärtig die hiesige Polizei. Es handelt sich um einen Betrag von rund 1 500 000 M. in Bonds, die der 24 jährige Bnreanbcamte Henry Ainbrose von der Banksirma Halle u. Steig- litz gestohlen hat. Ambrose, der auf dem Wege zur Kirche ver- haftet wurde, hat bereits ein Geständnis abgelegt, welches die Wiedererlangung der Hälfte der entwendeten Wertpapiere crmög- lichte, und auch die andere Hälfte dürfte bald den rechtmäßigen Eigentümern zugestellt werden können. Der Fall erregt in der Bankwelt das größte Aufsehen, da aus den Umständen hervorgeht, daß das bei den New Uorkcr Banken herrschende System geradezu zu solchen Verbrechen herausfordert, die durch die einfachsten Vor- fichismaßregeln verhindert werden könnten. Von seinem Pult>» der Hanover National Bank nahm Ambrose einfach den Scheck, den er fälschen mutzte, um die betreffenden Papiere in seinem Besitz zu bekommen. Anstatt des vorgeschriebenen Stempels verwendete er zur Numerierung des gefälschten Sckicckö Feder und Tiffte. Da er Entdeckung bei der Präsentierung k>efnrchtete, sandte er einen kleinen Jungen von der«tiatze mit dem über 12 000 M. lautenden Scheck zur National City Bank, die ihn indessen anstandslos an- nahm. Kie Entdeffung Ambroses gelang der.Polizei, die keinen enScrcn Anhaltspunkt hatte, schließlich durch methodische Ver- folgung der einzigen Spur, die von ihm vorhanden war. Ambrose hatte sich zur Beglaubigung' des Schecks einen Stempel anfertigen lassen, und das Papier damit abgestempelt. Die Polizei stellte nun Nachforschungen bei sämtlichen Stcmpclschneidern in New Dort an, und schließlich entdeckten sie auch den Verfertiger des Stempels, den Inhaber einer kleinen Wcrkstätte. Dieser gab ihnen eine Bs- schreibung des Bestellers, und dadurch gelang es schließlich, Ambrose auf die Spur zu kommen. Alle, die ihn kennen, sind durch diese Entdeckung aufs höchste überrascht, denn Ambrose war„das Muster eines jungen Mannes, Mitglied des Christlichen Vereins junger Männer, regelmäßiger Kirchenbesucher und tief r e l i g i L s ge- sinnt". Der Verhaftete redet sich jetzt darauf hinaus, er habe nur zeigen wollen, wie leicht man die Banken betrügen könne, und sei überzeugt, dadurch der Oeffentlichkeit einen Dienst erwiesen zu haben. Ein schweres Grubenunglück. Aus Kohlscheidt wird gemeldet: In E i g e l s r o p e n stürzte gestern vormittag infolge Wasser- einbruches ein Schacht ein. Drei Personen wurden getötet, zwei Leichen konnten geborgen werden. sehr bedeutend. Der Schaden der Gesellschaft ist Liebesdrama im Variete. In Niart(Frankreich) erschoß der Unterleutnant Rene Thomas in der Eldorado-Musikhalle während der Vorstellung seine frühere Geliebte, die Sängerin Rose Noel. Der Unterleutnant verfolgte das Mädchen, das ihn verlassen hatte, seit langem mit Drohungen. Er wurde deshalb wiederholt von seinem Regimentskommandeur bestraft. Vorgestern ließ er sich den Schnurrbart abrasieren, ging in die Musikhalle, nahm in einer Loge Platz und ließ der Sängerin durch einen Theaterdiener sagen, einer ihrer Verwandten lasse sie bitten, in die Loge zu kommen. Als das Mädchen erschien, reichte er ihr einen Brief, den sie lesen sollte, und während sie las, erschoß er sie. Der Leutnant ver- tcidigte sich wie ein Rasender gegen die Theaterbesucher und Gendarmen, die ihn festnehmen wollten. Er verbarrikadierte sich und drohte mit dem Revolver. Aber endlich ließ er sich auf Zu- reden eines Priesters verhaften. eingegangene DruchlcKHften. Tie blutigen Ereignisse i» St. Petersburg in den Tagen vom 9. bis 1l.<22. bis 2-t.) Januar 1905. Dargestellt auf Grund von Zeugen- aussagen und juristisch beleuchtet durch den Ausschuß der Petersburger Nechlsanwältc. Herausgegeben von der Redaktion der„Russischen Kor- respondcnz". Berlin 1905. Verlag Siegfried Cronbach. Preis IM. Trittrr Jahresbericht 1904 der Deutschen Bibliographischen Gesell- schaft. Berlin. 40 Seiten. Verlag Dr. Houben. Berlin- Schönebcrg, Kolonnenstr. 34. Tie Aristokratie in der Weltpolitik. Von Dr. Karl Mehrmann. Verlag von C. A. Schweh'chke u. Sohn. Berlin 1905. Preis 2 M. Tie Sozialdemokratie im Müucheuer Rathaus betitelt sich ein bei Birk u. Co. in München erschienenes Handbuch für Gemeindewählcr, das bei dem Mangel an Literatur über sozialdemokratische Gcmcindcpolitik mehr als ein lokales Interesse besitzt und daher den Genossen wegen der Fülle des interessanten Materials cmpsohlen werden kann. Die 128 Seiten um- fassende Schrift ist von allen Kolporteuren und Parteibuchhandlungen zum Preise von 75 Pf. zu beziehen. Geschäftsbericht des Konsumvereins Leipzig-Plagwiv und Umgegend 1904/05. 32 Seiten. Verlag Leipziger Buchdruckcrei Aktien- Gesellschaft, Leipzig. Für de» Julialt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikni» gegenüber keiuerlet Bcrantwortung. Zheater. Donnerstag, 5. Oktober, Ansang 71/, Uhr: Opernhaus. Das Rheingold. Schauspielhaus. Macbeth. Neues. Ein Sommernachtswaum. Westen. Der Opcniball. Walhalla. Eine tolle Nacht. Nnsaitg 8 Uhr: Schiller O. tWallner-Thealer.) Ein Winterniärchcn. Schiller(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Flachsmann als Erzieher. Zentral. Zur indischen Witwe. Lesjing. Bentgnens Erlebnis.— Hanneles Hinnnclsahrt. Residenz. Die Höhle des Löwen. Kleines. Mallä. Trinnon. Madame Torera. Luftsptelhans. Jahrmarkt inPulsnitz. Thalia. Bis früh um Füusc! Carl Weist. Der Wcltumsegler wider Willen. Bclle-Alliauce. Spezialitäten. Luise». Das Erbe. Deutsch- Amerikanisches. Aber, Herr Herzog! Kasino. Der Adcksnarr. Apoll». EinSlbend in einem amerikanischen Tingcl-Tangcl.— Am Hochzcilsnbciid.— Spcziäsitäte». Wketropol. plus— ins Mctropol! Hcrrnfeld. Die Meherhains. Wintergnrtc». Rosario Gucrrero. Spezialitäten. FolieS CapriceS. Nach dem Zapfen- streich. Soll und Haben. NeichShalle». Stcttiner Sänger. Passage. Marschall, der Mann mit den Hüten. Georg und Gusti Edler. Urania. Tanbeiistraste 48/49. Mit der Camera im Ballon. Nachm. 4 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Jupnlidenstraste 57/02. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 1 1 Uhr._ Neues Theater. Anfang TU Uhr. Sin Scmmernachtstranm. Morgen u. folgende Tage: Ein Sommernachtstranm. Kleines" Theater. Abends 8 Uhr: Hidalla. Freilag, Sonnabend: Hidalla. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Lore. Hieraus: Der zerbrochene Krug. Ab ends 8 Uhr: Hida lla._ Theater des Westens. Station Zoolog. Garlen. Kantstr. 12. Donnerstag: Ter Opernball. Ansang 7st, Uhr. Freitag bei ausgchob. Wonnement: Der Opernball. Sonnabendnachm. 3 Uhr, kl. Preise: Iphigenie aiif TanriS. Abends 7>/z Uhr: Der Opernball. Sonniagnachm. 3 Uhr, halbe Preise: llndine. Abends TU Uhr: Ter Opernball. Montag: Der Opcrnball�_ Luisen-Theater. Zum erstenmal: Oas Erbe. Freitag: Das Erbe. Sonnabend: Wilhelm Tell. Sonntag nachm.: Maria Stuart. ?lbends: Das Erbe. Montag: Der Mann im Monde. Triauou-Theater. Heute und folgende Tage: Madame Torera (Madame L'ordonnance). Schwank in 3 Alten o. Jules Chance!. Deutsch von Max Schoenau. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm.: va» Hacke ckve il-le4»v._ "Residenz-Theater. Direktion: Richard Hlcxandcr. Heute und folgende Tage Ansang 8 Uhr: Die Höhle des Löwen. Schwank in 3 Alten v. M. Hcniicguin inid P. Bilhnud. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Somo Kammerzofe. Urania Tauben' str. 48/49. 8 Uhr: Prof. Pöschel: Mit der Camera im Baiton. /Nachmittags 4 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Sternwarte ln,ali,len" str. 57/62. ANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Joels Traum. !! Pompeji!! Die Ehre de» Vaters! Restaurant: Dresdener Sänger. Berliner Theater. Sonnabend, den 7. Oktober 1905, abends 71/j Uhr: Eröffnungs- Vorstellung AntSaSossam Dramatisches Gedicht in 5 Akten von Florian End Ii. Sonntag naäjm. u. abends: Andalosia. Weinbergswog 19/20. Direktion; Richard Schnitz. Heute und solgeiidc Tage: Eine tolle l�acdt. Vorher: Cr. Speziaiitäten-Programm. Ans. 8 Uhr. Rauchen überall gestaltet. Im Mitlla-toeTt-siiuiie!: C-roOcs Konzert der und der weltberühmten Tyrokergcsellschast „Der Dherstez-rer". Ansang 9 Uhr. Entree frei. Ende 2 Uhr. Debüts der Dlztoher-lSpezialltilten mit: Daisy Jerome Amerikas bester weiblicher Komiker, der Liebling Amerikas! Dazu: Ein Abend in einem amerikanische» AM- Tlngel-Tangel."aBÖ Hochzoitsabend und die Oktober- 8pczlali tüten. Nächste Nachmitlags- Vorstellung: ionntag, 8 Oktober, nachm, 3 Uhr: Bedenkend crmätzigte Preise._ Metropol-Theater Präzise 8 Uhr zum 27. Male: J Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Kapellmeister Max Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Waiden a. D.x Miß Glifford a.D. Bender x Giampietro Joseph! x Massary x Frid-Frid Steidl x Lilly Walter. Rauchen in all. Räumen gestattet. _ Anfang 8 Uhr._ Budapester Possen-Theater 132 Linienstr. 132 Ecke Friedrichstraße. Kach dem Zapfenstreich. Militär-Humoreske von Satyr. Vorher: Soll und Haben und der ausgezeichnete Spezialitätenteil. Kasscncröffnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Ab 1. Oktober: Sonntag nachmittag 3 Uhr Vorst, zu halb. Pr- Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theaters. Dolinerstag,abcndS8Uhr: Ein Wlntermlirehcn. Schauspiel in füus Aufzügen von William Shakespeare. Freitag, abends 8 Uhr: Dci» Traum ein I-cbcn. Sonnabend, abends 8 U h r: Flachsniann al» Erzieher. Theater. Schillep-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Donnerstag, abends8Uhr: Flach»niaiiii al» Erzieher. Komödie in drei Auszügen von Otto Ernst. Freitag, abends 8Ubr: Elach»n>ann al» Erzieher. Sonnabend, abends 8 Uhr: Znm Einsiedler. Hieraus: Angen rechts. XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. Znm 15. TIalc: üejdko. Große Ausstattnngs- Pantomime aus dem mexikanischen Pflanzorloben. Inszeniert vom Kommissions- rat Busch. Verfaßt und einstudiert von Herrn Burkhardt- Foottil. Tänze vom italienisch. Hofballettmstr. Ottavi. Musik vom Kapellmstr. Taubert. Die Helden vom Yaluu. Port Arthur in ihren milit. Infanterie-Exerzitien. Japanische Infanterie. Ausgesuchte Repräsentanten der Armee des Mikado. Vier Socur» Atieta». KasinosTheater Lotbriiigcrsw. 37. Täglich 8 Uhr. Glänzender Erfolg! „Dsr MslZnsvr" Von! Rheingold-Trio. Afia mit dressiertem Psau:c. jc. Sonntag nachmittags 4 Uhr: „Ein Sohn des Volkes." Passage-Tlieater. Ansang der Mendvorstell. 8 Uhr. Miall der Mann mit den Hüten. ß.us'tspivßhsus. Abends S'/i Uhr: Jahrmarkt in Pulsnitz. Carl Weiß-Theater. Gr. Franksurterstr. 132. Der ffelturaseglep wider Willen. Ansang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend nachmitlag 3'/, Uhr: Kindervorstellung: Die sieben Raben. Abends 8 Uhr: Das Käthchen von Heilbronn. UM- WM«öf. Jeden Abend 8 Uhr! Gastspiel Ad. E'hilipp ABER! Male: 1 Herr Herzog Jeden Sonntagnachmittag 3 Uhr: Halbe Preise! „Ueber'n großen Teich." Heute zum 34. Stadt-Theater Moabit Alt-Moabit 47/49. Gastspiel des Beruh. Rose-Theaters DerMillionenbauer. Volksstück in 4 Ausz. v. Max Kretzer. Ansang 8 Uhr. Kassenerössn. 6 Uhr. Entrcc 5V Pf, mimer. Platz 50 Pf Vorzugskarten babcn Gültigkeit. In Vorbereitung: Die Blinde von Paris.____ Gustav Behrens Theater Frankfurfer- Allce 85. Der ganze Osten lacht Tränen über Die Kerliner Rttntje. Posic mit Gelang. Neu! Ter kleine Mann und die graste Frau wi- 20 Spezialitäten-NuDiDiern. zum Zirlcus Albert Schumann Heute abend präzise 71/2 Uhr: Elite-Abend, Gala-Programm und m 7. Male: Die größte Novität! Der Tag des Einxlisdien Derby. Das Leben und Treiben nach dem Original aus das glänzendste in- szcnicrt vom Dir. Alb. Sehumann, einstudiert vom Ballettmeister Pratesi. I. Bild: Im Ncnnstall des Lord Weatherdon. 11. Bild: a) Der Favorit. bj Das Nennen, c) Huldigung deS Siegers. III. Bild: Aus dem Heimweg. Vorher: Die groUarligen neuen Spezialitäten. U. a.: Das einzig existierende einen halben NM« stBapile M. Neu und höchst originell! Dlliittu-Lust-Rinllhltmpf, 12 Amerikanerinnen u. 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Bruders, Schwagers und Onkels, des Nestaurateurs 2325b Wilhelm RAlldeio« sagen wir allen Freunden und Bc- kannten für die überaus zahlreich teiliiehmendc Beteiligung, dem Verein „Berliner Weitzbierwirte-,„Bcerdi- gungsverein Berliner Ziinmcrlcute", Verein der Berliner Reftauratcurc und Gastwirte, der Vereinigung der uiibesoldeten isiemeindebeainten im Stadtbezirk 149, den Mitgliedern der 83. Armenkoniniission und Ein- schätzungslommission 149 1 unseren herzlichste», tiefgesühltcslen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Tanksagnng. Für die vielen Beweise innigster Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben guten Frau, unserer teuren Schwester, Tante und Schwägerin, Frau Auguste Wache geb. Oöpelmann sagen wir allen Freunden und Bekannten sowie für die zahl- reichen Kranzspenden, und dem Gesangverein„Wilmersdorser Liedertasel" sowie dem„Verein Eharlollenburger Schankwirte" unseren herzlichsten Dank. 2340b Die trauernden Hinterbliebenen. 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Arends Rranerel, Turmstr. 25-26. Anninhallen, Kommandantenstr. 26. Fipps Brauerei, FviedrichsHam 22. Kellers Festsäle, Koppeustr. 26. Andreas-Festsäle, Andreasstr. 21. Boekers Festsäle, Weberstr. 17. Fitllns Festsäle, Memelerstr. 67. Aerbandshans, Greifswal derstr. 222. Rixdorf. Rummelsburg. Friedrichsberg. Friedrichshagen. Köpenick. Oberschöneweide. Charlottenburg. Thiels Feftfiile, Kergstr. 151. Vv. V/eigels Fkststle, Tmrschmidt-Straße, Ecke EoetHe-Strafte. Slnrseh' Festliile, liaukf. CHausske 138. Gefellschaftsl/aus. Ktadttl/eater. WilHelmmetchof. Uolksl/aus, Koftnenstr. 3. T a g e s- O r d n u n g: Die Aitsfperrnng in der Elektrizitäts- Industrie«nd die Uttterftütznng der Unternehmer durch die Behörden. Arbeiter, Mitbürger, Parteigenossen! Erscheint zahlreich in obigen Versammlungen, um Stellung zu nehmen zu der Ungeheuerlichkeit der verschiedenen Behörden, die in der offensivsten"Weise bei der gegenwärtigen Aussperrung für die Unternehmer Partei ergreifen. Die Arbeiter sollen durch die Atillionen-Firmen an die Wand gedrückt werden und die Behörden helfen dabei nach Kräften mit. Dagegen gilt es Protest einzulegen und ist deshalb der Besuch der obigen Versammlungen dringend geboten. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskouunissiou. Alwin Kttrstcn, Engel-Ufer 15. 152/11 Aellwng! Klempner! Achtung! Sonnabend, den 7. Oktober, abends 8'/, Uhr: Versaullnlllllg aller bei Innungsmeistern Kerlins und Umgegend beschäftigten Kollegen im G c w e r k s ch a ft s h a n s e. Engel-Ufcr 15. Saal 3. T a g c s- O r d Ii« n g: Ersabwahlen zum Gcscllenausschiifi und zum JnnnngS- Schiedsgericht.>52/10 Kollegen! Da diese Wahlen bei dem heutigen Stand der Verhältnisse sür die gesamte Kollegcnschast von grögter Wichtigkeit sind, wird das Er- Icheinen eines jeden aus das besliinmtcste erwartet. Im Austrage des GescllenausschusscS: Max Gallroin. Freitag. 6. Oktober, abds. 8 Uhr, bei Franko, Sebastianstr. 39: InfkrorMlidic llchiniiiiiliiiig M nur für Zug- u. Weißarbeiter. � Tages-Ordnung: Der Streik der Rabitipuhcr und unser Berhalten dazu. Die Anwesenheit aller in diesem ifach tätigen Kollegen ist Ehrensache. Die Borstnndsmitglieder werden gcb'cten, zu einer Sitzung an demselben Tage Pünktlich S Uhr bei Weihnacht anwesend zu sein! Zentralverband der Stukkateure Deutschlands. 101/5 Filiale Berlin. I. S(,: p, Krebs. Zentral-Verband der Töpfer. Filiale Berlin. 196/17 Wir machen Misere Kollegen noch einmal auf die am Freitag, den v. Oktober, abends 7 Uhr, im Gewerkschnftshanse, Engel-Ufer 15. Saal 4. stattfindende VcrssmmUmg der OrtshranUen' UaSSC deV 75pf6£ ausmerksam. in welcher die Delegierten- Wahlen slattsinden. Kraiikcnkasscnbuch oder Bescheinigung des Arbeitgebers gilt als Legitimation. Wir erwarten, daß unsere Kollegen vollzählig er- scheinen. Der Vorstand. Ardeiter-Wungszellule Berlin Sonntag, den 8. Oktober, abends 7 Uhr, in den„ArminhaNen", Konnnandantcnstr. 20: Vortrag des Schriftstellers Iii. Manrcnbrcchcr über: Arbeiter- Bildung. 5/5 Eintritt 20 Ps. Garderobe frei. Nach dem Konzert: Gemütliches Beisammensein und Tnnz. �Hygienische Bcaarlsarukel. i>.suostK2tai08 m. Empfehl. viel. Aerzte u.Prof. grat. u.lr. B. ünger, Gummiwarenfabrür Berlin NW.. Fhodrichstraase dl/92. Stuhlflrcht- röhr in vorzüglicher Qualität. Studirotirlagor>Vall!,tr. 1<>.' Är SeselltM für Sie Serliner Jtrbeitersehaft! Seit sünf Wochen stehen die Llrbeitcr und Arbeiterinnen der Licgnther Hutfabrik vormals Klein n. Co.» G. m. b. H., im Streik, um eine Lohnkürzung bis zu 50 Prozent abzuwehren. Die Firma verkanst ihre Pro» dukle in eigenen Verkaussstellen und befinden sich ihre Lader in Berlin: 294/G* lAfilsnackerstraße E3, Ritterstraße 89 a, Friedrichstraße 250, Kroße Frankfurterstraße 94. Die Finna rechnet besonders mit der Arbeiterkundschaft. Die Streikenden appellieren an das SokidaritätS- gesühl der Berliner Arbeiterschaft und erwarten, dag sie nicht eine Firma unterstützt, die wöchenilichc Durchschnitts- lohne von 6 Mark sür Arbeiterinnen und 12—16 Mark sür Arbeiter bis zu 50 Prozent hcrabdrückcn will. Der Ztntralvtkkiu für Knwhlter mid Arbellmuntu. Filiale Berlin. 0 llohnnnan( 9- ,0- l»il<>bek 2 s 30. u. 31. mute jületzer Sombau- lield Lotterie B. n p t g o w 1 n n e Mark: 100900 10000 10000 Für beide Ziehnngen gültige Loso ä 5 M., Vt ä 2.50 M.,"Porto und Liite 60 Pf extra, empfiehlt Carl Heintze, Berlin W., Unter den Linden 3. Eigene WerlrfttUttcn! Möbelfabrik Die besten nnd billigsten -- TSr bestes u. trockenes Material garantiert W o h n n ii g/ s• E) i n r I c Ii t n n g/ e n kaufen Sie bei 41l)8L* Julius Apelt, Tischlerineister, , Berlin SO«. Skaliizerstraße 6, am Rotibuser Tor. ChaiseioBsm.TipTop' ghf. �auflCP, Durch einen Griff in ein zwei- »clilllfi'igew Bett, verwandelt. Alte Schönhauserstr. 5. 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Der Vor- sitzende wird sich wegen der möglichst frühzeitigen Entlassnng des Dr. Jeserich telegraphisch mit dem dortigen Schwurgerichts- Vorsitzenden in Verbindung setzen. Als Sachverständiger ist Professor Dr. Lassar anwesend.— Die auf versuchten Mord und versuchten schweren Raub lautende Anklage richtet sich gegen den 27 Jahre alten, noch unverheirateten Bauarbeiter Karl Schönborn, der einmal mit einer kleinen Geldstrafe von 3 Vtark wegen Körperverletzung vor- bestraft ist. Der Ueberfall auf die Fahrkartenverkäuferin ereignete sich in der Nacht des 2S. Februar auf der Fahrkarteuverkaufsstelle am Zoologi- schen Garten. Die Tat wird dem Angeklagten zur Last gelegt. Dieser bestreitet auf das entschiedenste, der Tater zu sein. Die am Tatorte gefundene Mütze sei nicht sein Eigentum. Er gibt genaue Daten über seinen Verbleib am Abend deS 25. Februar. Den verschiedenen Einwürfe», die der Vorsitzende auf Grund der Bekundungen mehrerer Zeugen in der Voruntersuchung gegen die Angaben des Angeklagten über seinen Aufenthalt am 25. Februar abends und die Vorgänge an den darauf folgenden Tagen macht. begegnet der Angeklagte wiederholt mit einem solchen Wortschwall und solcher Dretstigkeit, daß der Vorfitzende ihn wiederholt sehr energisch in seilte Schranken zurückweisen und ihn dringend auf- fordern mußte, sich aitständig vor Gericht zu benehmen. Er scheine zu glauben, daß er hier die Verhandlungen zu leiten habe, und ver- teste wohl ganz, daß er Untersuchungsgefangener sei, gegen den mit )isziplinaritrafen vorgegangen werden könne. Die erste Zeugin ist die Ueberfallene, Fräulein Hedwig Effenberg. Die jetzt 22 Jahre alte Zeugin gerät beim Betreten des Saales und beim Anblick des Angeklagten in eine hochgradige Erregung, die sich durch lautes Schluchzeil kundgibt. Sie bekundet auf Befragen des Vorsitzenden, daß sie im Dezember v. I. bei der Hochbahn an- gestellt worden sei; sie habe erst im Bureau gearbeitet, und da sie eine gute Rechnerin sei, sei sie mit dem Schalterdienst auf der ver- iehrsreichen Station Zoologischer Garten betraut worden. Infolge des UeberfolleS und der Beschädigung ihrer Gesundheit sei sie jetzt existenzloS, denit sie sei auS dem Dienste der Hochbahn entlassen worden. Als sie am 25. Februar nachts kurz vor 2 Uhr mit dem Kastemacheit und dem Einbeuteln des Geldes beschäftigt gewesen, klopfte es plötzlich an die Tür und eine Stimme rief:.Mache» Sie doch mal aus?" Sie glaubte, daß es der Aufsichtsbcamte sei, als sie aber die Tür öffnete, stand nicht dieser vor ihr, sondeni ein Mann in der Uniform eines Hochbahn- schaffners, der in den kleinen Raum trat und sagte:„Ach, ich habe ja so starke Zahnschmerzen. Haben Sie nicht ein bißchen Watte da?" Sie antwortete:.Ja, gewiß I" Sie ging an ihr Täschchen und »ahm dort etwas Watte heraus. Plötzlich erhielt sie einen heftigen Schlag auf den Kopf, sie weiß nur, daß ihr die Sinne schwanden. Als sie wieder aufsehen konnte, sah sie den Menschen; sie schrie wieder laut und der Mensch lief eiligst zur Tür hinaus. Auf Anordnung des Vorsitzenden muß der Angeklagte aus dem Anklageraum heraustreten, sich den Uuiformmantel anziehen und die Dienstmütze aufsetzen und an die Zeugin herantreten. Er tut dies in sehr dreister Weise und sagt zu der Zeugin:.Nun bitte, Fräu- lein, sehen Sie mich recht genau an!" Weitere, recht dreiste Rede Wendungen deS Angeklagten unterbricht die Zeugin plötzlich mit den, krampfhaften Aufschrei: „Ja. Sie find's l" Der AngeNagte sucht sie mit einem großen Wortschwall davon zu überzeugen, daß sie sich entschieden irren müsse. Fraulein, wie können Sie denn so was sagen? Sehen Sie mich hübsch anl Woran wollen Sie mich denn erkennen? Zeugin(erregt): Sie sind'sl Ich erkenne Sie an dem großen Schnurrbart und den Augen! Angekl. ldreist): Ach so. also jeder, der einen großen Schnurr- bart hat, ist verdächtig! Der Angeklagte war dabei so dicht an die Zeugin herangetreten, daß der Vorsitzende den anwesenden Schutzmann beorderte, sich dicht neben den Angeklagten zu stellen.— Gegen die Zuverlässigkeit der Rekognoszierung des Angeklagten durch die Zeugin erhebt Rechts- anwalt Löwenthal verschiedene Einwendungen, indem er auf deren Erregung, die mangelhafte Beleuchtung:c. hinweist und daraus aufmerksam macht, daß die Zeugin bei den früheren Gegenüber stellungen immer gesagt habe, sie könne den Angeklagten mit Bestimmtheit nicht erkennen, wenn es ihr auch so sei, als ob er es sein könnte. Es werden die betreffenden Protokollierungen bekannt- gegeben. Der Staatsanwalt stellt fest, daß die Zeugin m der Nacht, als um dieselbe Stunde, zu welcher der Ueberfall geschehen, ein Lokaltermin an Ort und Stelle stattfand, bei der Vorführung des Angeklagten gesagt hat: sie könnte es fast beschwören, daß es der Täler ist I Jetzt ist die Zeugin der Ansicht, daß sie im Innern daö Gefühl habe, daß es der Angeklagte ist. Frau Effenberg, die Mutter der Neberfalleuen, kann nur sagen, daß ihre Tockster, als sie nach dem Ueberfall nach Hause gebracht wurde, sagte: sie würde den Täter nicht bestimmt erkennen können. Ihre Tochter sei nach dem Ueberfall sehr nervös geworden, sie sei sehr aufgeregt, schreie bei Aufregungen plötzlich auf, falle auch manchmal um. Auf eine Frage des Rechtsanwalts Löwen- thal bestätigt die Zeugin, daß ihre Tochter von der Direktion der Hochbahn entlasten worden sei, keine Rente von dieser erhalte und Enischädigungsansprüche gegen sie zu haben glaube. Bei Frau H o w e d e I hat der Angeklagte ebenso wie noch zwei andere Schlafburschen gewohnt. Anfang Februar wollte er rücken. sie inhibierte jedoch seinen Wegzug, indem sie mit Erfolg die Jnne- Haltung eine» Kündigungstermins geltend machte. Als sie von dem Ueberfall in der Zeitung gelesen, habe sie nach der Personalbeschrei- bung des Täters, ebenso wie ihr« Tochter, das Gefühl gehabt, daß cä am Ende Schönborn gewesen sein könnte. Dieser ist an demjiuf den 25. Februar folgenden Sonntag von ihr weggezogen. Am Tage darauf, also drei Tage später, sei die Polizei in ihre Wohnung ae- lommcn und habe sich nach Schönborn erkundigt. Da habe sie si l auf Befragen genau erinnert, daß Schönberg in der kritischen Freitag- I Nacht erst nach 2 Uhr nach Hause gekommen sei. Es sei nicht wahr. i daß er schon um 1 Uhr zu Hause war. Seitdem bei ihr ein Ein- 'wuchsdiebstahl vorgekommen, handhabe sie die Sache so, daß, wenn die Schlafburschen später ausbleiben, sie den Schlüstel von innen in der Küchentür stecken lasse. Die Schlafburschen müssen dann. wenn sie heimkehren, durch die Küche durch und sie müsse ihnen die Tür öffnen. In der Freitag-Nacht sei sie aufgewacht und habe sich gewundert, daß Schönborn noch nicht zu Hause sei. Sie habe ein Streichholz angezündet und durch einen Blick auf die Weckeruhr sich überzeugt, daß es schon 2 Uhr war. Erst nach einiger Zeit sei Schönborn nach Hause gekommen und sie habe ihm im Dunklen die Küchentür geöffnet. Ob er eine Mütze oder einen Hut aufgehabt, oder im bloßen Kopf gekommen, könne sie nicht sagen. Sie weiß auch nicht, wann der Angeklagte seine Uniform zu seinem Bruder geschafft hat. Ein Beil hat sie nie in seinem Besitze gesehen. Die Zeugin bleibt trotz mehrfacher Vorhaltungen dabei, daß sie sich in der Zeit nicht täusche. Rechtsanwalt Dr. Werthauer hält es für auffällig, daß eine Frau, die drei Schlafburschen beherberge, die doch ziemlich unregel- mäßig nach Hause kommen, sich so genau erinnern wolle, wenn einer von diesen drei Tage vorher nach Hause gekommen sei. Wenn eine aus dem Schlafe erwachende Frau bei dem Lichte eines Streichholzes einen Mick auf eine kleine Weckeruhr werfe, so sei es doch auch leicht möglich, daß sie die Zahl eins für eine Zwei ansehe. Auf Antrag des Verteidigers wird die Frau beauftragt, diese Weckeruhr an Gerichtsstelle zu schaffen.— Während der Aussagen dieser Zeugin schlägt der Angeklagte erregt und kopfschüttelnd mit der Hand auf die Schranke.— Präs.: Sie regen sich ja merkwürdig auf! Wenn Sie sich unschuldig fühlen, brauchen Sie sich doch nicht so aufzuregen. — Angekl.: Da soll man sich nicht aufregen, wenn einem vielleicht zehn Jahre Zuchthaus drohen und man hat nichts gemacht! Der Zeuge Gastwirt S ch i e p e r weiß, daß an dem fraglichen Abend Schönborn mit zwei anderen Arbeitern in sein Lokal ge- kommen sei und dort bis etwa 10 Minuten nach 11 Uhr sich auf- gehalten habe. Er hat mehrere Male den Besuch des Schönborn erhalten und bekundet, daß nach seiner Meinung dieser zwei Mützen besesten habe, von denen die eine mit Kalk bespritzt und die andere noch neuer war. Ob er an dem kritischen Abend eine Mütze oder einen Hut getragen, weiß der Zeuge nicht, behauptet dagegen be- stimmt, daß Schönborn ein größeres Paket bei sich gehabt habe. Große und Manilowski haben von einem solchen Paket nichts gesehen. Das Paket soll übrigens, wie Zeuge Sch. auf Befragen bekundet, kleiner gewesen sein, wie der zusammengelegte Dienstmantcl des Angeklagten. Der Angeklagte bestreitet entschieden, ein Paket bei sich gehabt, oder gar, wie der Zeuge Sch. behauptet, mit diesem über das Paket gesprochen zu haben. Zeugin Pochnow, die Braut des Angeklagten, war früher Dienstmädchen bei einem Rentier Schulz. Sie hat öfter den Besuch des Angeklagten erhalten. Das auf dem Gerichtstische liegende Beil kennt sie nicht. Den Angeklagten habe sie seit seinem Ausscheiden aus dem Dienst am 1. Februar nie mehr in Uniform'gesehen, von seinem Mantel wisse sie nichts, ein Paket habe er nie zu ihr mit- gebracht. Weitere Erörterungen mit anderen Zeugen drehen sich um die Frage, ob vielleicht das Motiv zu dem Raubmordversuch darin zu finden sei. daß der Angeklagte befürchten muhte, von seinem Schuld- ner, dem er seine Spargelder geborgt, nicht die 600 M. zu erhalten, die er von diesem zum Zwecke der Heirat zurückverlangt hatte. Dem Angeklagten kann nicht widerlegt werden, daß er die Hoffnung haben konnte, das Geld von dem Schuldner zurück zu erhalten. Ein als Sachverständiger herbeigeholter Kürschner aus der Kruppstraße stellt durch Messungen fest, daß wohl die Mütze, die in der Baubude beschlagnahmt wurde, dem Angeklagten passe, aber die am Tatort zurückgelassene Mütze ihm zu klein sei. (Die Anklage nimmt nicht an, daß der Angeklagte diese letztere Mütze sich angeschafft habe, um sie zu tragen, sondern, daß er sie sich zu dem verbrecherischen Zweck verschafft habe.) Frau H o w e d e l stellt nunmehr ihre herbeigeholten beiden Weckeruhren, an deren Zuverlässigkeit, Gangart usw. die Verteidiger verschiedene Betrachtungen knüpfen, aus den Gerichtstisch nieder. Große Heiterkeit erregt es. als in demselben Augenblick der Wecker der einen Uhr laut zu tönen beginnt. Frau H. soll zum Schluß der heutigen Sitzung beide Uhren genau gleich stellen und an Ge- richtsstellc belassen, und dann soll morgen festgestellt werden, ob sich Differenzen zeigen. Architekt S ch ö n b o r n, ein entfernter Verwandter des Ange-> klagten, hat seinerzeit, als er die Geschichte von dem Ueberfall und die Personalbeschreibung des Täters las, an den Angeklagten gedacht und vermutet, daß dieser auch vernommen werden würde. Er schilderte den Angeklagten als einen fleißigen und sparsamen Menschen, der zu der kritischen Zeit bei ihm noch etwa 300 M. gut stehen hatte und auch von seinem(des Angeklagten) Bruder das nötige Geld zum Anschaffen der Hochzeitsmöbel bekommen haben würde. Zeuge P r e u ß. der Halbbruder des Angeklagten: Der Mantel des Angeklagten sei seit Anfang Februar dauernd in seiner(des Zeugen) Behausung gewesen. Es sei ganz ausgeschlossen, daß er ohne sein Wissen während der Nacht einmal herausgenommen sein könnte. Kriminalinspektor K r a u se hat die»n der Mutze vorgefundenen Haare sorgfältig oerpackt und an die Staatsanwaltschaft eingesandt. Tie Recherchen haben sich speziell auch auf einen Mann namens Kühn erstreckt, von dem der Angeklagte behauptet hatte, daß me Personalbeschreibung auf diesen Paste. Es habe sich jedoey ergeben. daß nach der Meinung der Beamten, die mit dieser Recherche wnter betraut wurden, dieser Kühn gar nicht m Frage kommen könne. ES folgen noch mehrere Zeugen ohne wesentliches Interesse. Einige bekunden, daß der Angeklagte bei der Arbeit nur e.ne MüA gehabt und beim Nachhausegehen stets einen Hut ausgesetzt habe Alsdann wird die Sitzung auf Donnerstag SM Uhr vertagt, partd-Hngclegcnbciten. Groß Lichterfelde- Steglitz- Friedenau. Donnerstag, abends 8 Uhr, findet im B i r ke n w ä l d ch e n. Schützenstrabe, Steglitz, eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Die Genosten der genannten Orte werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Mittenwalde. Sonntag, nachmittags 4 Uhr, findet bei E. Schmidt zu Mitteuwalde eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen statt; wir bitten die Parteigenossen, zu dieser Versammlung auch ihre Frauen mitzubringen, denn die letzte Versammlung wurde gerade wegen der Frauen aufgelöst. Boxhagcn.RummclSburg. Heute(Donnerstag) abends S Uhr im Lokale der Witwe Weigel, Tiirrschmidtstr. 43: Volksversammlung. Tagesordnung: Der Kampf in der Elektrizitätsindustrie. Um zahl- reiches Erscheinen ersucht Das GelverkschastSkartell. Vorort- l�acdricbten. Charlottenburg. Tie Kreisversammlung für den Reichstagswahlkreis Teltow- BceSlow-Storkow-Charlottenburg, die sich mit der Berichterstattung vom Parteitage beschäftigte, fand am Dienstag in Charlottenburg im dortigen„Polkshause" statt. Genosse G r u h l-Nowawes als erster Berichterstatter referierte im besonderen sehr ausführlich über die Verhandlungen, die sich auf das Organisationsstatut beziehen. Es entspricht nach seiner Annahme in der Hauptsache den von unserem Kreise gefaßten Beschlüste, namentlich die viel umstrittene Frage, den Ausschluß eines Genossen aus der Partei betreffend, sei jetzt in zufriedenstellender Weise geregelt.— Der zweite Delegierte, Genosse Boxheimer- Groß-Lichterfeldc, berichtet über die Verhandlungen in dem Streit zwischen„Leipziger Volkszeitung" und „Vorwärts". Prinzipielle Verstöße gegen die Grundanschauungen der Partei seien von keiner Seite gemacht. Der Redner ist der Meinung, daß Stretigkeiten trotz der gefaßten Beschlüste in Jena in dieser Hinsicht auch nicht verschwinden werden; nur möge man nicht immer eine so große Empfindlichkeit an den Tag legen. In bezug auf die Frage der Maifeier und die des politischen Massen- streiks ist der Redner der Ansicht, daß die Gewerkschaftsmitglieder einen Teil ihrer Führer zu anderer Ucberzeugung zu bringen haben. — Genosse B ö s k e» Ripdorf als dritter Delegierter hob zunächst den Punkt aus der Rede des Genossen Mollenbuhr hervor, der sich mit der Referentenfrage befaßte. Man solle nicht immer »große" Redner bevorzugen, um volle Säle zu bekommen, sondern junge Kräfte ausbilden. Die Maifeier habe durch die Rede des Ge- nassen Fischer genügende Würdigung auf dem Parteitage erhalten. Die einzelnen Gewerkschaftsmitglieder denken ja auch ganz anders wie verschiedene Führer der Gewerkschaften, das haben zur Genüge die Debatten, die sich an den Kölner Gewerkschaftskongreß an- schlössen, bewiesen. Bei der Frage des politischen Massenstreiks sei der Standpunkt von Bernstein und Friedeberg genügend kritisiert worden.— Die Delegierte der Frauen des Kreises, Frau Jäger- Rixdorf, verbreitete sich über die Frage der Jugendorgani- sati on und trat für Verbreitung der„Gleichheit", sowie �ür eine intensive Agitation unter den Frauen ein.— In der Diskusston trat zunächst Genosse Fenske für den„Parlamentarismus" ein und kritisierte das Bestreben der lokalen Gewerkschaften, die nur Un- einigkcit in die Masten einführen. Die Leute, die sich jetzt um Friede» berg schaaren. werden das Schiff auf den Grund bringen. Genosse F l c m m i n g ist unbedingt dafür, daß jetzt die Einigkeit zwischen Partei und Gewerkschaft überall geschaffen werde.— Genosse Schmidt bedauert, daß die proportionelle Vertretung der Wahl- kreise auf den Parteitagen nicht in das Organisationsstatut aufge- nommen sei. Bei dem jetzigen Beschluß haben Wahlkreise mit noch nicht 500 Wählern ebensoviel zu sagen, wie die Berliner und andere große Wahlkreise. Die Regelung der Maifrage sei nur zu begrüßen. Auch mit der Aufklärung der Frauen, die naturnotwcndigcrweise mit der Aufklärung der Kinder zusammenhängt, müssen sich die Ge- nosscn mehr befassen.— Genosse Schiffer meint, daß man dem Genossen Friedeberg Dank schuldig sei, denn ohne seine Agitation für den Generalstreik wäre die Frage des politischen Mastenstreiks nicht in Jena verhandelt worden, Friedeberg suche nicht den Parla» mentarismus zu beseitigen, sondern er wolle nur dessen Schäden heilen. Schiffer bekennt sich als Lokalorganisierter und beklagt leb- Haft, daß man seinen Freunden die Parteiehre nehmen Ivolle.— Genosse Habicht ivendet sich gegen den Vorredner. Dieser bc- urteile die Verhältnisse in den zentralorganisierten Gelverkschaften ganz falsch, eine Versumpfung sei nicht vorhanden. Man solle nicht unnütz übertreiben. Wir mühten jetzt mehr für die Durchbildung der Masten sorgen, deshalb sei der Beschlutz mit Freuden zu konstatieren, daß die„Neue Zeit" an die leitenden Genossen zu billigcrem Preise abgegeben werden soll.— Genosse G r u h l erklärt mit Genugtuung, daß sämtliche Redner sich mit den Beschlüssen von Jena einverstanden erklärt haben und verbreitet sich zum Schluß noch über die pro- portionelle Vertretung auf den Parteitagen, wie sie Genosse Schmidt wünschte.— Der weitere Tagesordnungspunkt:„Wahl einer Delc- gierten zur Brandenburger Provinzialkonferenz" wird dadurch er- ledigt. daß Frau Bäumler- Schönebcrg als solche ohne Wider- spruch gewählt wurde.— Frau Thiel- Tempelhof als weibliche Bertraueusperson des Kreises teilte mit, daß am Mittwoch, den 11. Oktober in Charlottcnburg eine öffentliche Frauen ver- s a m m l u n g zwecks Gründung eines Frauen- und Mädchen- BildungsveremS für Charlottcnburg, stattfindet. Der Vorsitzende, Genosse Paul Hirsch, berichtete ferner, daß am Sonntag, den 3. d. M. in Berlin nebst Bororten eine Flugblattverbrei. t u n g als Protest gegen den Fleischwucher erfogt; er ersuchte um zahlreiche Beteiligung. Ferner weist er auf die Parteitagsprotokolle hin, die jedenfalls an den nächsten Zahilabenlen schon verausgabt werden und zum Preise von 10 Pf. für Wahlvereinsmitglieder zu haben sind. Auch sollen die Genossen den Ausgesperrten der Elektro- Industrie ihre volle Sympathie entgegenbringen und sie nach Kräften unterstützen. Mit einem dreifachen Hoch auf die Partei endete die Versammlung. Schmargendorf. Dir Gemeindcvertretnnz im B»r»rt Schmargendorf hat die An- stellung eine« Gemeinde- und AmtSbanmeisterS mit einem Anfangs- gehalt von 4500 M. beschlossen. Für den Posten ist der bisherige technische Beirat Regierungsbaumeister Schulz ausersehen. Die Ge- meinde beabsichtigt auch, elektrische Dtraßenbeleuchtunz einzuführen. zu welchem Zweck ein Berttag mit dem Elektrizitätswerk Süd-West abgeschlossen werden soll. Friedrichsfelde. Mit Lysol vergiftet hat sich der Saitlenneister K. Habermann in der Berlin«rstt.'55 zu Friedrichsfelde. Habermann ist eiu beliebter und geachteter Mann und scheint die Tat in einem Anfalle von geistiger Störung vollbracht zu haben. Er war Mitglied der frei« willigen Feuerwehr und wohnte nm Montagabend noch einer Ver- smnmlung der Wehr bis 311111 Schlüsse bei und verlies; als letzter den Versammlungsrauiii. Bald aber kehrte er um, angeblich um nachzusehe», ob alles verschlossen sei. Im Spritzeuraume hat er bann sein Vorhaben ausgesührt, dort wurde die Leiche früh morgens gefichideii: neben ihr stand die Lysolflasche, Infolge der C h 0 l e r a g e f a h r hat die Sanitätsbehörde hiesige Grundstücke besichtigt. Es sollen dabei beträchtliche sanitäre Mängel sich herausgestellt haben. Wenn Gefahr borliegt, dann wird besichtigt imd wenn die größte Gefahr vorüber ist, bleibt alles beim alten. Hätten wir eine Gesimdheitskoinmission, die ständig Kontrolle ausübte, so könnten grobe Mißstände nicht einreißen, Einer der Herren soll sich beim Anblick eines Hofes ge- äußert haben, daß er, trotzdem er vom Lande wäre, so etwas nicht gelvöhnt sei. Der Brunnen auf dem Grundstück wurde geschlossen und der Anschluß an die Wasserleitung veranlaßt. Das betreffende Grundstück gehört der katholischen Kirchengemeinde, Nowawes-Ncuendorf. Einen Selbstmordversuch untenrahm in dem an der Stahnsdorfer- ftraße in Neuendorf gelegenen Walde der in den zwanziger' Jahren stehende Schriftsetzer K i l e ck i. Cr verließ freiwillig am Montag- vormittag seine Arbeitsstätte in Ncu-Babclsbcrg, nachdem er seinen Kollegen mitgeteilt hatte, daß er sich das Leben nehmen werde, welche Aeußernng diese aber nur als Scherz auffaßten. Tatsächlich kaufte er sich einen Revolver, begab sich in den Wald und schoß sich eine Kugel in den Kopf, die ihn nur ungefährlich verletzte. Da der Genannte stark dem Alkohol ergeben war, dürfle ihm die Resignation über seinen Zustand zu diesem Schritte verleitet haben, Eine I n d u st r i e- A u s st e l l u n g im Jahre 1906 in Nowawes stattsinden zu lassen, beschloß der Verein für Handel und Gewerbe in seiner kürzlich abgehaltenen Sitzung, Ist schon für eine Groß- stadt ein derartiges Unternehmen, wenn es etwas Gediegenes werden soll, mit bedeutenden Schwierigkeiten verbunden, so muß ein solches Projekt in einem Orte von kaum 12 000 Einwohnern geradezu ein herzhaftes Lachen hervorrufen. Allerdings hatle der genannte Verein bereits im Jahre 1901 ein derartiges Experiment ausgeführt, aber jeder Besucher dieser„Ausstellung" wird sich erinnern, daß er in jedem Potsdamer oder Berliner Warenhause bessere Sachen in geschmackvollerer Auslage gratis zu sehen bekommen konnte, als in dieser sogenannten Industrie- Ausstellung, Zwar wird jetzt in Potsdamer Zeitungen behauptet, die damalige Ausstellung sei o änzend verlaufen. Für die Kasse des genannten Vereins mag !- j wohl der Fall gewesen sein, da der Besuch ziemlich � r! lvar, im übrigen war eS nichts anderes als ein gewöhnlicher hrniarktsrnmmel; daß es im nächsten Jahre etwas anderes i vedei: wird, dafür sind gar keine Aussichten vorhanden. Der Zweck der Veranstaltung wird für die Arrangeure auch erfüllt sein, wenn dieselbe mit demselben„glänzenden" Resultat abschließt wie die erste„Jndnstrie-Ausstellung". Potsdam. Die gesicherte Existenz. Der Arbeiter Flemming, der bei der Potsdamer Speditions- und MöbeltrauSportfirma B e u st e r n. Sohn beschäftigt war, erhielt nach 32jähriger Tätig- keit daselbst plötzlich seine Entlassung mit der Motivierung: man könne ihn nicht mehr brauchen. Nachdem der Mann also seine besten Jahre dem reichgewordcnen Unternehmer für einen Lohn zur Verfügung gestellt hatte, der ihm nie mehr als das karge Leben zu fristen erlaubte, wird er zum Dank dafür jetzt auf die Straße geworfen,— Leider ist der Bedauernswerte nicht einmal organisiert, da er sich, wie so viele seiner Berufskollegen, von den schonen Worten seines Arbeitgebers betören ließ und der Organisation fernblieb. Mögen andere hieraus lernen! Ucbcr„Die Bedeutung der politischen Parteien" sprach Genosse Max 51 i e f e l- Berlin am Montag in einer Potsdamer G e- w e r k s ch a f t s v e r s a m m l u n g, die von den Malern einberufen lvar. Der Redner schilderte in charakteristischer Weise Entstehung, Zweck und Ziele der konservativen Partei, der Zentrumspartei und der Nationalliberalen, die er als die schlimmsten Feinde der Arbeiter- bcwcgung kennzeichnete. Auch die anderen kleineren Parteigruppen, besonders die der Freisinnigen, wurden von dem Vortragenden auf ihren wahren Wert resp. llinvert für die Arbeiterklasse zurückgeführt, die nur einePartei als ihre berufene Vertreterin in dem Emanzipations- kämpfe des Proletariats anerkennen könne.- die sozialdemokratische Partei, Im eigenen Interesse ist es daher Pflickit aller Gewerkschaftsmitglieder, sich der einzigen Arbeiterpartei anzuschließen, sich also auch politisch zu organisieren, um gemeinsam den großen Befreiungskampf gegen das Kapital zum Siege zu führen.— Der reiche Beifall, der dem Redner zu teil wurde, und die auf den Vortrag folgende Diskussion erbrachten den Beweis, daß derartige Vorträge eine gute Aufnahme bei den Gewerkschaften finden, weil sie eine oft empfundene Lücke im politischen Wissen des Arbeiters ausfüllen. Mögen andere hiesige Gewerkschaften das hiermit gegebene gute Beispiel bald nachahmen. Auf diese Weise wird der s 0 z i a- t i st i s ch e G e i st, der den Gewerkschaften auf dem Parteitage in Jena mit Recht empfohlen wurde, bald seine Auferstehung feiern— zum Segen der gesamten Arbeiterbewegung. Reinickendorf. Der Wahlvcrein von Reinickendorf sOst) hielt bei Kirsch(See- park) eine Mitgliederversammlung ab, in welcher Genosse Sassenbach über Monarchie und Demokratie sprach. Der Vortrag wurde mit vielem Beifall aufgenommen. An der Diskussion beteiligten sich Lorenz und Gursch im Sinne des Referenten, Letzterer forderte die Versammelten auf, auf die„Hohenzollern-Legeude" zu abonnieren. Nachdem beschlossen war, das Herbstvergnügen am 18. November in Leders„Schützenhaus" abzuhalten, schloß um ll'/z Uhr der Bor- sitzende die zahlreich besuchte Versammlung. Zehlendorf. Welch jchwcren, harten Boden die meisten westlichen Bororte Verlins siir die Agitation darbieten, ist in Parteikrcisen der Pro- vinzen verhältnismäßig wenig bekannt, Sie gehören in den Augen der meisten ferner wohnenden Genossen ebenso wie die anderen Vororte zu Berlin, Grotz-Berlin— und ganz Berlin gilt eben als sozialdeniokratische Hochburg, Wer selbst im Westen wohnt und mitarbeitet, weiß, wie falsch das ist. Das macht natürlich, daß eine vorwiegend nicht proletarische Bevölkerung hauptsächlich hier ihre Wohnsitze hat. Auch von Zehlendorf gilt das Gesagte, doppelt und dreifach so- gar. Bis vor wenigen Jahrzehnten war es ein kleines und reines Bauerndorf. Seitdem hat es sich mit seinem Ortsteil Schlachtcnsee immer mehr zu einem großen, jetzt über 10 000 Einwohner zählen- den Villenort verwandelt. Man kann diese Einwohnermasse Wirt- schaftlich und sozial in vier Gruppen teilen: die erste besteht aus der alten bäuerlichen Bevölkerung des Ortes mit ihrem Anhang aus Handwerker- und 5taufmannskreisen, Die zweite setzt sich aus den Billcnbesitzern, Villenbcwohncrn und Baugrundstücksinhabern zu- sammen, eine schwer reiche, einflußreiche und an Zahl von Jahr zu Jahr wachsende Gruppe. Die dritte wird gebildet aus der großen Schar staatlicher, kommunaler und vor allem auch privatindustrieller Beamten und Angestellten jeden Ranges, die beinahe alle in Berliner Bureaus arbeiten, aber hier draußen wohnen. Und erst die vierte Gruppe bilden die Arbeiter und„kleinen Leute", im Vergleich zu den anderen an Zahl wohl kaum den vierten Teil ausmachend. Da- bei ist diese Gruppe durchaus nicht homogen, d, h. in ihrer Zu- sammensetzung aus sozial gleichartigen Elementen bestehend. In ihr sondern sich deutlich Untergruppen ab, die schwer zugänglich sind. So diejenige der bei den Bauern und bei der Gemeinde arbeitenden Tage-, Land- und Gartenarbciter. Ferner die der Ausländer, Italiener, Tschechen, Polen, die namentlich neuerdings infolge des Teltowkanalbaues sich zahlreich hier angesammelt haben. Dann diejenige der Portiers, Gärtner, Post- und Eiscnbahnarbcitcr. So bleibt nun ein verhältnismäßig kleiner Bruchteil wirklicher, mo- dornen Ideen zugänglicher, industrieller Arbeiter. Und auch der ist für die Organisation nur wieder teilweise zugänglich. Denn unter ihnen gibt es eine nicht unbeträchtliche Anzahl sogenannter fluk- iuierender Elemente, d. h, solcher, die teils durch ihre Arbeits- gclegenheit, teils aus Rücksicht auf kranke Fainilicnglicder, teils aus Neigung zum Nomadisieren, nur auf kurze Zeit, d, h. ein bis zwei Jahre am Orte bleiben, und, da sie damit bewußt gleich bei ihrem Anzüge rechnen, überhaupt am Orte nicht einwurzeln und fiir das, was in ihm vorgeht, kein Interesse bezeugen. Diejenigen, die für Agitation, Organisation und tätiger proletarischer Mitarbeit in Beiracht kommen, sind namentlich Bauarbeiter: Maurer, Zimmer- lcute, Bauhülfsarbeiter, Bautischler, Bauklempncr usw. Doch auch unter denen war anfangs die Arbeit teilweise nicht ganz leicht. Denn auch sie, namentlich politisch schon Interessierte und Aufgeklärte, liebten es, ihre politische Anregung und Förderung in Berlin zu suchen und zu finden. Dazu kam noch in den neunziger Jahren ein— wie noch heute erzählt wird— mitunter geradezu rücksichtsloser Druck seitens der Polizei, die es fertig gebracht haben soll, sieben Jahre lang jede Versammlung am Orte unmöglich zu machen. Aus alledem wird es verständlich, daß bis Ende der neunziger Jahre nur einige wenige gewerkschaftliche Zahlstellen existierten, Einen Wahlverein gab es nicht. Die paar Genossen, die miteinander Fühlung hatten, waren in Lichterfelde organisiert. Erst 1900 ist auch hier ein sozialdemokratischer Wahlverein gegründet worden, Er hat sich durch böse und gute Tage gehalten und heute die Zahl von 100 Mitgliedern überschritten. Um ihn herum haben sich dann die weiteren Organisationen konsolidiert. So fünf Gewerkschaften mit, wenn wir nicht irren, zurzeit über 300 Mitgliedern; so ein Konsumverein mit 160— 170 Genossen; so endlich auch einige sport- liche und sonstige Vereine: ein Rauchklub, der noch aus alten Tagen her besteht, ein Gesangverein und ein Nadfahrerverein. Selbst ein kleines Gewerkschaftskartcll existiert bereits. Seit 1902 beteiligen wir uns an den Gcmcindewahlcn, ohne natürlich schon einmal ge- siegt zu haben. Doch sind die dabei errungenen Erfolge durchaus ermutigend. Alle diese Fortschritte haben auch— der beste Gradmesser dafür, daß es wirklich Fortschritte sind— schon ihre Wirkung am Orte getan. Es besteht auch hier ein Ortsverein, der namentlich der Sammelpunkt hiesiger Villenbesitzer sowie der Bcamtenkreise ist, Es soll nicht geleugnet werden, daß er im einzelnen manches Nütz- liche geleistet hat, das auch zu einem kleinen Teil der Arbeiter- bevölkcrung zugute kommt. Im großen und ganzen nützt und will er nützen natürlich dem hiesigen„besseren" Bürgertum, Dieser Ortsvcrein veranstaltete noch in den Jahren von 1900 bis 1903 von Zeit zu Zeit öffentliche Gemeindewähler-Versammlungcn. Da wir noch nie über einen größeren VcrsammlungSsaal im Orte ver- fügen konnten, aber auch aus anderen Gründen benutzten unsere Genossen stets sehr ernsthaft und lebhaft die Gelegenheit dieser von anderer Seite einberufenen Versammlungen, Es kam zu oft recht interessanten und tiefgehenden Auseinandersetzungen, die aber den gegnerischen Herren doch allmählich auf die Nerven fielen. Seit einigen Jahren haben sie nicht mehr den Mut, solche öffentliche Ge- mcindewähler-Versammlungen zu veranstalten. Statt dessen haben sie sich immer enger mit dem Haus- und Grundbcsitzcrverein einer- feits und dem inzwischen auch entstandenen Handwerkerverein andererseits verbunden, um bei jeder Gelegenheit gemeinsam gegen uns zu operieren. Natürlich unter der Parole, daß sie alle un- politisch seien und verhüten wollten, daß die Sozialdemokratie Parteipolitik im Orte und in der Gemeindevertretung triebe. Aber sie haben damit nur auch ihrerseits die Erkenntnis in unseren Ge- nossenrreisen geschärft, daß es auch in unserem Orte nur ein Hüben und ein Drüben, also Klassengegensätze, gibt, die nicht vertuscht, sondern nur ausgekämpft werden können. Darum lebt je länger desto mehr eine fröhlicke und zuversickckliche Kampfstimmung in den Kreisen unserer Genossen, die zu pflegen und zu vertiefen die Hauptaufgabe ist, da sie gerade an Orten wie Zehlendorf das Not- wendigste ist. Denn bei der oben geschilderten BevökkerungS- zusammensetzung wissen wir alle, daß wir noch auf lange Zeit in der Minorität bleiben werden. Aber die Genossen wissen auch, und es wird von Zeit zu Zeit immer von neuem wiederholt, daß auch Minoritäten große Aufgaben haben. Ist unser Wahlkreis Teltow-Becskow-Storkow-Charlottenburg einem sehr ausgedehnten Schlachtfclde vergleichbar, wo zwischen unserem und dem gegnerischen Heere ununbrochen gekämpft wird, so stehen wir hier in Zehlendorf gewiß nicht an einem besonders entscheidungsreichen Punkte des Schlachtfeldes, wo Massen kämpfen; aber wir haben dennoch eine nicht unwichtige detachierte Feldwachtstellung innc, die wir energisch und voll Kgmpffreudigkeit halten und verstärken werden. öerUner JVaebnebten. Die Verwendung von Fenerwehrmannschaften im lstreikbrecherdienst zeigt aufs neue, wie sehr es zu wünschen ist, daß die Feilerwehr Berlins nicht„königlich", sondern städtisch wäre. Heute gebietet über die Feuerwehr der Polizeipräsident. Wäre sie städtisch, so hätte der Magistrat zu entscheiden, ob Feuer- Wehrmannschaften abkommandiert werde» dürfen, um den im Lohnkampfe stehenden Arbeitern in den Rücken zu fallen und zugunsten des Unternehmertums Strcikbrecherarbcit zu verrichten. Nun setzen wir beim M a g i st r a t ganz gewiß nicht viel mehr Synipathien für die kämpfenden Arbeiter voraus als beim Polizeipräsidium. Aber der Magistrat steht wenigstens unter ständiger Kontrolle der Stadtverordneten- Versammltmg, und wenn auch die freisinnige Stadtverordneten- Mehrheit mit solcher mißbräuchlichen Verwendung der Feuer- wehr wahrscheinlich einverstanden wäre, so würden doch unsere Parteigenossen im Stadtparlament einem unternehmerfrcund- lichen Magistrat derb genug auf die Finger klopfen. Nach der gegenwärtigen Sachlage kann die Gemeinde nichts gegen die Abkommandierung der Mannschaften tun. Sie hat zwar die Kosten der Feuerwehr zu bezahlen, aber alles übrige bestimmt der Branddirektor bezw. als sein Vor- gesetzter der Polizeipräsident. Magistrat und Stadtverordneten- Versammlung sind machtlos dagegen, daß durch die Streik- brecherdienstc der Feuerwehrleute die Fcuersichcrheit Berlins beeinträchtigt wird. Ueberflüssig groß ist das Feuerwehrkorps in Berlin gewiß nicht, und auch über zu lange Erholungspausen kann sich kein Feuerwehrntann be- klagen. Wenn Mannschaften nach den Werken der A. E.-G. usw. abkommandiert werden, so muß ein Teil der Leute sich eine Schmälerung der dienstfreien Tage gefallen lassen. Es liegt aber auf der Hand, daß Mannschaften, die bei ihrer Rückkehr zur Feuerwache etwa nicht völlig ausgeruht sind, auf der Brandstelle nicht so leistungsfähig sein können, wie nach dcni ungeschmälerten Genuß der ihnen zukommenden Ruhe- pause. Wofür eigentlich bezahlt die Stadt ihre Feuerwehr, wenn sie sich das bieten lassen muß? Auch für die Mannschaften selber ist die Mehrarbeit, die ihnen jetzt aufgenötigt wird, nicht unbedenklich. Ein unvollständig aus- geruhter Mann, der zur Brandstelle ausrücken muß, kommt dort leichter als sonst in Gefahr, zu verunglücken. Wer sorgt dann für ihn und die Seinen? Er kann dann sehen, wie weit er langt mit der elenden Pension, die er bei seiner vielleicht erst kurzen Dienstzeit bewilligt erhält. Wissen möchten wir, wie der neue Branddirektor über die Strcikbrechcrarbeit seiner Leute denkt. Man rühmt ihm nach, daß er sofort den Gamaschendienst eingeschränkt habe, mit dem sein Vorgänger Giersberg die Lente zu quälen pflegte. Brand- direktor Reichel wird bald merken, daß die Unzufrieden- heit, die er kaum erst um einiges gemilder! zu haben meinte, rasch anfs neue auflodert. Man fährt schlecht in Berlin, diese Behauptung ist schon oft aufgestellt worden,� besonders von Fremden, denen der Unterschied zum Nachteil Berlins sofort auffällt. Und es sind nicht etwa die Kleinstädter, die an einer größeren Sicherheit im Straßenverkehr daheim ge- wohnt sind. Lente, die aus London, New Uork, Chicago und anderen großen amerikanischen Städten kommen, klagen darüber, wie gefährlich es hier sei, den Fahrweg zu kreuzen; man könne sich des Gefühls nicht erwehren, als habe der Kutscher das Pferd nicht in seiner Gewalt. Sind die Berliner Kutscher wirklich so schlechte Fahrer? Wenn man sieht, wie Passanten mitten im Wagengewühl an einem beliebigen Punkte die Straße zu kreuzen versuchen, so kann man sich nicht wundern, wenn die Kutscher dem Publikum die Hauptschuld an den vielen Unglücksfällen bei- messen. In den amerikanischen Städten ist der Wagenverkehr außerordentlich groß; jeder Dienstmann hat Pferd und Wagen, jeder Geschäftsmann hat sein„Buggy" und jeder ist in großer Eile. Trotzdem haben die Straßenpassanten nirgends das Gefühl der Unsicherheit. Es ist ein bestimmtes System da, eine Ordnung, die von den Kutschern wie vom Publikum respektiert wird. Niemals kreuzt eine Person die Straße an einem beliebigen Punkte, sondern immer nur an den Straßenecken, wo es mit ruhiger Sicherheit geschehen kann. An jeder Ecke geben die Kutscher streng acht, fahren langsam und haben bis zur nächsten Ecke wieder den Fahrweg allein für sich. An vielbefahrenen Kreuzimgspunkten, wo endlose Wagenreihen niemals eine Oeffnung fiir die Passanten gestatten würden, steht in der Mitte der Straße ein Polizist oder auch deren zwei, die durch einfache Hand- bewegnngen bald der einen Wagenreihe, bald der anderen lind bald dem Publikum das Signal für den freien Weg geben, alles prompt und systematisch, ohne Gefahren und ohne langes Warten. Den Anordnungen der Polizisten wird unbedingt und unweigerlich Folge geleistet lind sie stehen auf ihrem gefahrvollen Posten in vollständiger Sicherheit. Es könnte nicht vorkommen, was kürzlich in Berlin passierte, als eine Greisin auf Krücken sich von einem Schutzmann über die Straße geleiten ließ und mitsamt ihrem Fuhrer überfahren wurde. Wenn man hier die Schutzniannsposteit beobachtet, so erscheint es, als stehen sie oft ratlos da gegenüber plötzlichen großen Anforderungen im Straßenverkehr, als müßten sie selbst acht geben, daß sie nicht unter die Räder kommen. Es fehlt da an zweckentsprechenden Instruktionen, Man ist doch in allen möglichen anderen Dingen immer sehr versessen auf Disziplin und Ordnung. And der Berliner Wagenverkehr nimmt stetig zu und wird immer gefährlicher, besonders in den.großen Geschäftsvierteln. Obligntorische Fleischschau für Wild. Die„Allgemeine Fleischer- Zeitung" schreibt: Die obligatorische Beschau des gesamten Wild- fleisches, die wiederholt von uns gefordert wurde, erweist sich immer mehr als eine dringende Notwendigkeit zum Schutze der Gesundheit des konsumierenden Publikums. Bisher ist die Beschau nur für Wildschweine eingeführt; aber die Erfahrung hat gezeigt, daß anderes Wild, z. B. Hirsche und Rehe, in viel stärkerem Maße mit Finnen behastet sind als Wildschweine. Neues interessantes Material zur Beurteilung dieser Frage liefern die Unter- suchungen des kgl. Polizei-Tierarztes K. Borchmann in Berlin: Der- selbe fand am 23. September er. im Blatte eines Edelhirsches, und am 2. Okiober er. im Rücken eines Rehes gesundheitsschädliche Finnen— Cystercus cellulosae(die sonst hauptsächlich beim Schwein vorkommende Finne)— bei der Revision der Wildstände in der Zcniralmarkihnlle, Im letzteren Falle wurden zahlreiche lebende Finnen angetroffen. Bereits im Verlaufe eines Wappen Jahres wurde vom Tierarzt Borchmann 18nial die ge- snndheitsschädliche„Schweinefiime" in dem Fleische von Rehen und Hirschen gefunden. Ferner gelang es demselben, ans diesen Finnen bei cmenr Versuchshunde den dazu gehörigen Bandwurm de? Menschen— Paenia soliurn— zu züchten und damit den ein- wandsfreien Beweis zu erbringen, daß die Rehfinne mit der Schweinefiime identisch ist. In Anbetracht dessen, daß die Kontrolle des Wildes in der Markthalle nur eine kursorische sein kann und die Polizei-Tierärzte auch nur einen Bruchteil desselben dabei zu Gesicht bekommen, ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die große Mehrzahl des finnigen Wildes unenideckt bleibt und dürfte der berechnete Prozentsatz von mindestens vier Prozent eher zu niedrig als zu hoch bemessen sein. Dies ist aber im Ber- hälinis zu dem Prozentsatz finniger Schweine, der an den Schlacht- Höfen ermittelt wird, ein außerordentlich hoher. Zum Beispiel sind am Berliner Schlachthof in einem Jahre nur 0,033 Proz., im König- reich Preußen 0,045 Proz, und im Königreich Sachsen nur 0,020 Proz. aller Schweine finnig befunden worden. In Anbetracht dessen er- scheint die Einführung der obligatorischen Beschau des Wildfleisches ein unabweisbares Gebot der Hygiene einesteils, andernteils jedoch auch eine Forderung der Gerechtigkeit gegenüber dem gesetzlich vor- geschriebenen Beschauzwange der Schlachitiere. Eine„Falle" nennen die Kutscher die Ecke an der Jerusalems- Kirche und Lindenstraße, gegenüber der Oranienstraße, Es vergeht k e i n T a g, an dem dort nicht ein oder mehrere Zusammenstöße mit Fuhrwerken, besonders mit Straßenbahnwagen und Omnibussen erfolgen. Die Klagen, Beschwerden und Beschädigungen:c,, die schon dadurch entstanden sind, nehmen kein Ende, Die Unfälle, die täglich dort entstehen, sind weniger auf die Unvorsichtigkeit der Kutscher als auf die Schwierigkeit der Passage, besonders wcmr Straßenbahnwagen mit Anhängen! von der Jerusalemerstratze um die Ecke kommen, zurückzuführen. Um den Unfällen vorzubeugen, müßte zunächst durch die Verkürzung des Bürgcrstciges an der Kirche ein breiterer Fahrdamm zum Ausweichen geschaffen werden, jetzt werden die Wagen förmlich wie in einer„Falle" gefangen. Die braven Krieger und die Wissenschaft. Die„Poisd, Korr." meldet: Der Kaiser wird in den nächsten Tagen der feierlichen Ein- weihung des äronautischen Observatoriums zu Lindenberg bei Becskow beiwohnen. Nach Mitteilung der„F. Od.-Z." sollen bei dieser Gelegenheit die Landwehr- und Kriegervereine des Kreises Becskow-Slorkow Spalier bilden, Arbeitcrübcrfluß in„guten" Zeiten. Im„Reichs-Anzeiger" steht zu lesen: Aus Anlaß der beborstehcndcn Volkszählung laufen im königlich preußischen Statistischen Landesamt nichi nur täglich zahlreiche Anfragen und Gesuche wegen Beschäftigung sowie Empfehlungen solcher Gesuche ein, sondern eS werden Beamte der Behörde auch mündlich, sowohl während der Dienststunden wie selbst in ihrer Häuslichkeit oder bei anderen Gelegenheiten forlgesetzt in oft dringender Weise dafür in Anspruch genommen. Es wird daher mitgeteilt, daß durch die borhandeneii Meldungen der Bedarf der gedachten Behörde an Hiilsskräften bereits überreich gedeckt ist. Mit Rücksicht hierauf wird zugleich gebeten, von Meldungen und Empfehlungen der bezeichneten Art Abstand zu nehmen. Sollten sie sich trotzdem weiter häufen, so kann ihre einzelne Beantwortung nicht in Aussicht gestellt werden,— Die Existenz der industriellen Reservearmee wird bekanntlich nicht allein dem preußischen Staiistischen Landekaml zu Gemüte geführt. Sie bilde: die Waffe des Untern ehmertinns, Ivcim Arbeiter sich bessere Lebensbedingungen erkämpfen wollen, Allerneuestes über den Streik wurde am Mittwoch in den Straßen ausgebrüllt. Die Extrablatt-Fabrikation, die— gleich gewissen bürgerlichen Zeitungen— stets«auf der Höhe der Zeit" zu sein sich bemüht, hatte mit gewohnter, oft bewährter Fixigkeit den Kampf in der Elektro-Jndiistrie auszuschlachten gewußt. Am Abend stürmten durch Berlin- Ncrd die bekannten Gestalten und briillten:„Aufruf der Arbeiter der A. E.-G. 1" Die liebe Neugier, die ihnen nacheilte und froh war, für die üblichen 10 Pf. ein Exemplar des interessanten«Allerneuesten" zu erbeuten, sah mit Enttäuschung, daß nur Altes darin stand, was seit gestern und vorgestern aller Welt bekannt war.„Aufruf an die Arbeiter Berlins und Umgegend" verkündete in Riesenlettern die Ueberschrift des Wisches, und der Schwmdel tat dann auch feine Wirkung. Es versteht sich von selber, daß die Arbeiter- schaft keine Aufrufe das Stück zu 10 Pfennig in den Straßen ausbrüllen läßt. Als Redakteur und Verleger des Extra- blattes zeichnete«Oskar Gebcl, Berlin K 65". Den Druck hatte„A. Donat, Berlin, Bernauerstr. 48" besorgt. Ungefähr auf gleicher„Höhe" mit dieser Schivindelleistung steht die Darstellung, die von bürgerlichen Blättern über den Radau in Moabit verbreitet wird. Die einen sprechen von Zusammeurottuugeu der Streikenden, die andern nennen diesen albernen Krakeel eine Demonstration zugunsten der Streikenden. Daneben wird frischweg gelogen, daß nicht nur in Moabit, sondern auch in der Brunucnstraße Unruhen vor- gekommen seien. In der ganzen Umgegend des Werkes an der Brunnenstraße ist hiervon nicht das geringste bekannt. Die Brötchenfrage, d. h. die Forderung der Bezahlung des im Gasthause bei Tische verzehrten Tischgebäcks ist, wie gestern in einer Gastlvirteversanunlung mitgeteilt wurde, noch keineswegs abgetan. Ticjeuigen Inhaber größerer Restaurants der Friedrichstadt, an deren Weigerung bisher die Einführung der Bezahlung für das Ge- blick scheiterte, haben nachträglich ihre Unterschrift gegeben, so daß jetzt alle Beteiligten sich verpflichtet haben, einmütig vorzugchen und falls in einer demnächst, speziell zur Entscheidung dieser Frage ein- bernseiien, großen Gastwirteversammlung der Beschluß gefaßt wird, das Tischgcbäck nicht mehr gratis zu liefern, dem geschlossen nach- zukommen. Betont wurde noch, daß die hohen Flcischpreise zwar den Anstoß der Bewegung gegeben, sie aber keineswegs veranlaßt hätten. Der Gastwirt sei Geschäftsmann und könne nichts schenken und noch länger ruhig zusehen, wie verschiedene seiner Gäste ihren Hunger mit Gratis- Brötchen stillen. In Süddeutschland muß das Brot in den Wirtshäusern auch bezahlt Iverdcn und ztvar in München und anderen großen Städten mit drei Pfennigen für das übrigens recht ansehnliche Stück.— Wenn die Berliner Nesranratcure diesen Brauch nachahmen wollen, so kann das Publikum ihnen dazu in dem Fall behülflich scin� daß in Berliner Lokalen auch andere süddeutsche Bräuche befolgt werden. In Süddeutschland kostet der halbe Liter Bier zwölf Pfennige, in Berlin zwanzig Pfennige! wenn das Bier„echt" ist, dreißig Pfennige. Ja, verschiedene große Lokale geben nur vier Zehntel Liter für diesen Preis und etliche Wiener Cafös gar nur drei Zehntel. Daun zahlt man in München der Kellnerin zwei oder drei Pfennige Trinkgeld; in Berlin wird der Gast zuweilen schief angesehen, wenn er„nur" zehn Pfeimiae gibt. Solauge solche Zustände in„besseren" Lokalen gang und gäbe sind, sollten die Wirte sich über das Gratis- brot, das noch keinen der Herren arm gemacht hat, nicht weiter auf- regen. Ei» Revolvcrattentat auf seine Nichte beging gestern mittag IL'/z Uhr im Amtsgebäude zu Nieder-Schönhausen, Kaiser Wilhelm- straße 5, der ain 29. August 18öS zu Letschin im Kreise Lebus gc« boreue Biirstcimmcher Friedrich Engel, In dem erwähnten Hause wohnt sein Stiefbruder, der Grünkrainhändler Stein, bei dem der Bürstenmacher sich aufhielt, nachdem er infolge des Todes seiner Frau sein Hauswesen in Heinersdorf verkauft hatte. Er ist trunk- süchtig und zeigte seit einiger Zeit ein verstörtes Wesen. Als. die Familie beim Mittagbrot saß, sprang Engel plötzlich auf, zog seinen Revolver und feuerte von hinten einen Schuß auf seine Nichte ab. Bevor die Familie sich noch von ihrem Schreck erholt hatte, richtete Engel die Waffe aus sich selbst und sank, von zwei Schüssen ins Hirn schwer verletzt, nieder. Die Nichte soll nur leicht am Hinter- köpfe verwundet fein. Während Engel als Pollzeigefangcner nach der Charits befördert wurde, brachte man Grete Stein nach dem ikrankenhause in Wcißensee. Ein Rfiulmufall im Eisenbahnzuge, der noch der Aufklärung be- darf, beschäftigt seit gestern die Behörde». Ein junges Mädchen, das von Heidelberg kommend, sich auf der Fahrt nach Danzig de- fand, wurde kurz vor der hiesigen Endstation von Herzschwäche befallen. Die Reisende hatte sich in bewußtlosem Zustande befunden und war infolge dessen beim Eintreffen des Zuges in die Bahnhofs- halle mit den übrigen Fahrgästen nicht ausgestiegen. Bei einer Revidicrung des leereu Eisenbahnzugcs wurde das junge Mädchen aufgefunden und sofort in einem Krankenwagen nach dein städtischen Krankenhaus in der Gitschinerstraße gebracht. Als es wieder zur Besinnung kam, vermißte es seine Barschaft in Höhe von 32 M. Es ist anzunehmen, daß der jungen Reisenden das Geld auf der Fahrt während der Bewußtlosigkeit gewaltsam entwendet worden ist. Ob das Mädchen vorher betäubt ivorden ist und ob vielleicht hierauf der krankhafte Zustand zurückzuführen ist, dürfte die Unter- suchung ergeben. Eine unheiniliche Geschichte ist der hiesigen Kriminalpolizei von der Behörde in Bernau mitgeteilt ivorden. Am 26. September morgens um 3 Uhr fuhr ein Schlächterlehrling mit dem Rade von Bernau nach Schönow. Am Meilenstein 2,9, in der Nähe von Schönow, rief ihn der Kutscher eines Fuhrwerkes an, der auf der Chaussee hielt. Der Schlächterlehrling stieg ab, ging um den Wagen herum und sah, wie der Kutscher sich im Chausseegrabe», ans den, er eben seine Peitsche aufnahm, mit der Leiche eines drei bis vier Jahre alten Kindes zu schaffen machte. Die Leiche lag in dem flachen Grabe», in der Näbe eines kleinen Gehölzes, nur mit dem Hemde bekleidet, auf den, Rücken. Das Hemd war an der Vorder- feite saudig, als wenn es erst mit dieser Seite unten gelegen hätte. Der Hinterkopf der Leiche war blutig, das Blut oben anscheinend schon geronnen, nicht mehr frisch. Der Kutscher_ forderte den Lehrling auf, die Leiche mit anzufassen und auf den Wagen zu legen, tveil er sie nach Bernau mitnehmen wolle. Vorher wickelte»,a» sie in eine Pferdedecke ein, die innen mit einem wasserdichten Stoffen gefüttert war. Mit seiner unheimlichen Ladung fuhr der Kutscher im Trabe nach Bernau, wohin seine Pferde bereits gerichtet standen. Als der Schlächterlehrling von Schönow nach Bernau zurückkam, erkundigte er sich, wo die Leiche geblieben sei, und erfuhr nun, daß der Kutscher sie in Bernau nicht abgegeben hatte. Auf seine Mitteilungen bin forschen nun die Behörden nach ihrem Verbleib. Es wird angenommen, daß man sie beseitigt hat, um ein Verbrechen zu verheimlichen. Das Fuhrwerk war ein Ar- bcitswagcn, ein Sand- oder Steinwagen, der nur an einer Seite ein Brctr hatte. Die Pferde waren beide abgetrieben, das linke hatte an beiden Hinterfüßen weiße Fesseln, Der Kutscher war ein Mann von etwa 25 Jahre». Er hatte blondes gescheiteltes Haar und einen blonden Schnurrbart und trug einen grauen Anzug, Schaft- sticfcl mit) eine Mütze mit Schirm und großem Deckel. Jede Mit- tciluiig, die zur Aufklärung der dunken Angelegenheit dienen kann, nimmt die Kriminalpolizei entgegen. Ei» Dlmibttttfafl ist vorgestern hier am hellen Tage verübt worden. Die Verkäuferin in der Berliner Wurst- und Flcischwarenfabrik G. m. b. H., Petersburger Platz 8, Fräulein Drescher, die täglich nachmittags 4 Uhr die Knsseiieiimahmc nach dem Viehhof zur Vieh- koinmissious- und Wechsclbank trägt, wurde am Dienstag, wie die „Allgcm. Fleischerzeituug" berichtet, als sie eine Tasche mit 2000 M. in Gold. Silber und Papier bei sich hatte, unterwegs in der Zorn- dorferstraßc von eine», eliva 22jährigen Manne angehalten, der sie fragte, ob sie Fräulein Drescher sei. Auf ihre bejahende Antwort teilte ihr der Fremde mit, daß ihr Vater— ein Viehhändler von auswärts, der gerade in Berlin war— plötzlich einen Blutsturz gehabt habe und beim Viehkommisfionär Voigt, Zorndorferstr. 31, 3 Treppen, sich befinde und dort im Sterben liege. Der Kranke habe den sehnlichen Wunsch, seine Tochter noch einmal zu sehen! er sei der Sohn des Viehkommissionärs Voigt. Fräulein Drescher begab sich zu ihrem Vater, wobei sie der junge Mann begleitete. Als sie auf der zweiten Treppe des bezeichneten HauseS ankamen, stürzte sich der junge Mann auf Fräulein Drescher, würgte sie am Halse, schlug sie mit der Faust ins Gesicht und versuchte, ihr die Geldtasche zu entreißen. Das kräftige Mädchen wehrte sich, schlug auf den Angreifer� ein und stieß Hülferufe aus, wodurch der Räuber von seinem Opfer losließ und die Treppe hinabeilte und entkam. Der Räuber ist ein schlanker, kräftiger Man», mit schwarzem, kleinen Schnurrbart. Er trug einen modern gestreiften Anzug. Schon seit einigen Tagen trug er sich offenbar mit dem Plan; er ist wiederholt am Geschäft vorübergegangen, hat auch in der Fabrik unter allerhand Ausreden nach dem Geschäftsführer Meister LäSke gefragt; er hat sich augenscheinlich mit den Verhältnissen deS Ge- schäfts näher vertraut gemacht. Fräulein Drescher ist schwer erkrankt. Einen Selbstmordversuch unternahm gestern abend die 77jährige Arbeitcrwitwe Karoliue Sch., bei ihrer Tochter in der Markusstraße wohnhaft. Sie sprang vor dem Hause Neu-Kölln a. W. 25 in den Spreekanal, wurde aber von dem Diener Hugo Schmidt aus RummelSbnrg von einem Fischerkahn aus gerettet. Ein Schutz- mann brachte die Lebensmüde sodann nach dem Krankenhause am Fricdrichshain. Ein Zerwürfnis mit ihrer Tochter hatte die alte Frau zu der Tat veranlaßt. Ein schwerer Betriebsunfall ereignete sich vorgestern nachmittag in der Buchdruckerei von Möser in der Stallschreibcrstraße. Der Maschinenmeister Harzer hatte an einer im Betrieb befindlichen Schnellpresse zu tun und griff mit der rechten Hand in das Lager der Maschine. Hierbei geriet er mit dem rechten Arm in das Getriebe, wodurch ihm dieser total zermalmt wurde. Der Ver- unglückte wurde nach der Klinik der Unfallstation am Marianncnplatz gebracht, wo ihm das verstümmelte Glied sofort abgenommen werden mußte. Ein»euer„Spezialist" macht jetzt die Tanzböden unsicher. Es ist ein Mann von 27 bis 29 Jahre», der flott tanzt, die Auserwähltc des Abends nach Hause geleitet, ihr galant Schirm und Pompadour trägt und die Gelegenheit benutzt,»m daraus das Portemonnaie des Mädchens zu stehlen. Die Bcstohlenen entdecken ihren Verlust erst, wenn sie wieder zu Hause sind. Der Dieb ist schlank gewachsen, hat dunkelblondes Haar und lückenhafte Zähne und trägt einen dunklen, gestreiften und punktierten Jackcttanzug und eiuen hohen Stehkragen mit rotschwarzkarierter Krawatte. Einem Mädchen stahl er aus dem Pompadour auch noch Uhr und Kette. Gewöhnlich ver abredet er mit der Bestohlenen noch ein Stelldichein. Im Familicnobdach tödlich verunglückt ist der 40 Jahre alte Arbeiter Michael Utecht aus Knabendorf im Kreise Dt.-Krone. Utecht, dessen Frau tot ist, kam am 18. v. Mts. vom Dominium Linde hinter Weißcnsee hierher und fand mit seinen drei Kindern im Alter von 5 bis 8 Jahren in, Familienobdach an der Frvbelstrnße ein Unterkommen. Am Sonnlagnachmittag um Uhr kehrte er schwerbetrunken zurück. Als er nun ans der Treppe zun, zweite» Stock des Hofgebäudes einen Arbeiter Koslowski anrempelte, ver- setzte ihm dieser einen Stoß, der an sich nicht heflig Ivnr, aber dock, genügte, den Betrunkenen zu Fall zu bringen. Uiecht stürzte rücklmgS acht Stufen hinunter und schlug mit dem Hinterkopf auf den Steinbelag des TrepveuavsatzcS auf. Scheinbar hatte er sicki nur wenig verletzt. Jedoch schon nach wenigen Stunden erkraukle er bedenklich, und gestern morgen um 7>/z Uhr starb, er. Di« Revierpolizei beschlagnahmte die Leiche, während die Asylverwaltung die drei Kinder de», städtischen Waisenbause überwies. Wegbi, eines größeren Tachstnhlbrandcs wurde am Mitiwoch nachmittag gegen 4 Uhr die 1. Kompagnie nach der Marienburger- straße 2 gerufen. Tos Feuer war aus noch nicht ermittelter ilr- fache in den Bodenverschlägen ausgekommen und hatte an dem In- halt derselben reiche Nahrung gefunden, so daß die Feuerwehr bei ihrer Ankunft schon eine» ausgedehnten Brandherd Vorsand. Ueber die Treppenaufgänge und eine mechanische Leiter wurden mehrere Schlauchleitungen vorgenommen und damit durch kräftiges Wasser- geben innerhalb zlvei Stunden die Gefahr einer weiteren Aus- dehnung beseitigt. Einem Gaunertrick ist eine Kassiererin eines großen Warenhauses in der Leipzigerstraße gestern zum Opfer gefalle». An der Kasse er- schien ein elegant gekleideter Herr, wies eine Geldrolle, die au- geblich tausend Mark in Zivauzigniarkstücken enthalte» sollte, vor und bat die Kassiererin, ihm das Geld gegen einen Tausend- marlschein einzutauschen. Die Kassiererin öffnete die Rolle an einer Seite und fand auch wirklich echte Goldstücke. Als dann nach Ge- schäflsschluß die Rolle ganz geöffnbt wurde, stellte sich heraus, daß nur an den beiden Enden einige echte Goldstücke vorhanden waren, der übrige Inhalt der Rolle sich aber aus wertlosen Spielmarken, die genau die Größe von Zwanzigmarkstücken hatten, zusammensetzte. Von dem Gauner fehlt bis jetz, jede Spur. Ein Geisteskranker als Brandstifter. Gestern sMittwoch) gegen abend wurde die Feuerwehr„ach den, Hrnrfe Friedrichstzracht 61 gerufen. Es brannte dort im zweiten Stock des Ouergcbäudcs die Wohnung der Witwe Bartusch. Ihr 18jährigcr Sohn, der schon einige», ale im Jrrenhause ivar, hatte in ihrer Abwesenheit KleidungS- stücke mit Petroleum getränkt und dann in Brand gesteckt. Zum Glück wurde die Gefahr von Hausbewohnern schnell bemerkt und so gelang es, die Flammen bald zu ersticken. Der junge Mann wurde polizeilich festgenommen und wird jedenfalls wieder einer Anstalt überwicseu werden.— Im übrigen hatte die Feuerwehr in den letzten 24 Stunden dann noch mehrere andere Brände abzulöschen. In der Warschaucrstr. 30 stand ein Bäckereikeller in größerer AuSdehuung in Flammen, so daß es kräftigen Wassergebeus bedurfte, um diese zu ersticken und auf den Keller zu beschränken.— Ein zweiter Kcllerbraud mußte weiter in der Wilhelmstr. 46 unterdrückt werden; er war durch die Explosion einer Aetherlampe entstanden und vernichtete Hölzer, BekleidnugS- stücke sc.— In, Schiller-Theater N., Chausseestraße, kam während der Abendvorstellung auf offener Szene durch Kurzschluß Feuer aus, das den Schirm einer Tischlampe erfaßte. Die Gefahr wurde leicht beseitigt.— Außerdem mußten„och in der Straß», anustr. 2, Zieten- straße 16, Mexandriuenstr. 31 und noch an einigen anderen Stelleu kleine Brände erstickt lverden. Das den, Bauunternehmer Schultheiß gehörige Restaurant, gegen dessen Eröffnung die Behörde im baupolizeilichen Interesse ringe- schritten ist, wird jetzt abgerissen, nachdem die Klage ein volles Jahr gedauert hat und Schultheiß in allen Instanzen abgewiesen worden ist.._ Die Freie Volksbühne. In der gestrigen Notiz über das Herbst- fest der Freien Volksbühne � das am 14. Oktober stattfindet— hat der Druckfehlerunhold gewütet. Es ist der bekannte Batike sche Chor, der in diesem Konzert mitwirkt. Gerichts-Leitung. Pastor lind Lehrer. Der Pastor Leistikow als Ortsschnlinspektor hatte den Lehrer G. in einem amtlichen Gespräch vor dem Verkehr mit dem Schiffsführer Flügel geivarnt. Diese» nannte er einen Trinker und Krakeeler, erläuterte dies aber gleich dahin, daß er als Trinker schon den ansehe, der, wie Flügel öfter stundenlang hinter einander in der Kneipe sitze und Bier uinke, daß er deshalb Flügel für einen Krakeeler halte, weil er ihm, den, Pastor, zweimal in uuangciiiesscnerWciseOpposition gemacht habe, einmal an einem offenen Grabe und einmal in der Schulgemeinde. Als der Lehrer erklärte, er iverde seinem Freunde Mitteilmig machen, äußerte der Pastor: „Das können Sie", und:„Ein schöner Freund l"—-- Der Schiffsführer erhielt durch den Lehrer Kenntnis von der An- gelegenheit und verklagte Pastor Leistikow wegen Beleidigung.— Nun erhob die Regierung den Konflikt zugunsten des Pastors als Ortsschulinspektors und machte geltend, er habe sich im Rahmen seiner Amtobefugnisse gehalten. Das Ober-Perlvaltungsgcricht erklärte auch den Konflikt für begründet, so daß das Verfahren gegen Pastor Leistikow e n d- gültig einzustellen ist. In der Begründung wurde gesagt: Das Oberverwaltungsgcricht habe nur darüber zu befinden, ob dem Privatbeklagten in seiner Eigenschaft als Ortsschnlinspektor, in welcher er Vorgesetzter des Lehrers G. sei, eine Ueberschrcituug seiner Amts- bcfugnifse oder eine Unterlassung einer Aintshandlung zur Last falle. Die Vorgesetzten hätten das Recht, den ihnen nachgeordneten Per- soncn Rügen zu erteilen und Vorhaltungen zu machen. Der Be- Nagte hätte also den Lehrer auch vor ciuc», uugeeigueten Verkehr warnen dürfen. Der Vorgesetzte dürfe dabei auch die Dinge mit dem seines Erachtens richtigen Namen bezeichnen und könne auch Vorgänge zur Sprache bringen, die auf eiuen dritten ein schlechtes Licht lvürfen und objektiv ihn in der Achtung der Mitmenschei, herabsetzen könnten. Nur dürfe der Vorgesetzte in den Ausdrücken und in den Behauptungen von Tatsachen nicht über das Maß des im öffentlichen Interesse durchaus Notwendigen hinausgehen. Das sei hier in den fraglichen, vom Pastor selbst erläuterten Ausdrücken nicht geschehen. Eine Ueberschreitung der Amtsbefuguisse liege nicht vor. Sie würde jedoch vorliegen, wenn Leistikow den Lehrer ermächtigt hätte, dein Kläger Flügel alles mitzuteilen, was amtlich erörtert wurde. Es sei jedoch auzu- nehmen, daß der Pastor die Worte:„Das können Sie," nicht ernst gemeint habe, sondern daß sie ihm nur so herausgefahren leien. Wären sie ernst gemeint gewesen, dann allerdings hätte der Konflikt verworfen werden müssen. Arbeiter- Samariterkolonne. Heute abend 9 Uhr: 4. Abteilung (Lichtenberg) bei Gebr. Arnold, Frankfurter Chaussee 5: Vortrag des Herrn Dr. Hirschscld über:„Transport Verunglückter mit praktischen Hebungen». Tie Deutsche Bibliographische Gesellschaft hält an, Sonnabend, den 7. Oktober, ihre diesjährige Mitgliederversammlung ab. Tagesordnung: Vorstandswahl und Besprechung der weiteren Pttbiikationcn. Vcrsanmstuiigsort: Restaurant„Großer Kurfürst", Berlin W., Potsdamerstraße 124. Beginn abends 81;, Uhr. ßriefhaften der Redahtton. F. B. 14. 1. Nicht zu empfehlen. 2. Organisieren Sie sich in dem Zcnlralverband der HandlmigSgehülscn und Gehülsimici, Dcuischlands. OrtSverwalwng Berlin, Neue Friedrichstraße 20.— P. R. Moskau.— T. Ich. Nein.— W. B. Ja.— Neuman», Zldlershof. Wir bitten Sie, die Angelegenheit jetzt erledigt sein zu lassen. Furiktikcber Ceil. Die(Hilf, tick, c Sprecht,»»de findet täglich mit ZlnSiialiiiic de? Eoilnabends von 7'l, bif»>/- Uhr statt. Gciisi»-«: aliend??»l,r. C. Cr. K. Ihre Frau, ober auch Sie haste» aus dem Vertrage.— P. 1. Sic haben lein Recht aus Finderlohn, da kein„Fund" vorliegt. Die Höhe des FmderlohncS bcirägt sonst bis 600 M. S Pro;., darüber hlnaus 1 Proz.— Mo». 1. Ja. 2. Nein.— F. G-, Weistcnsee. l. Strasborkcit liegt nicht vor. 2. Die Verse sind uns nicht bekannt.— N. 5i..TS. Nach der herrschenden Rechtsprechung Ivärc ein Prozeß leider „nSsichtslo?.— Sich. Itztt. Der Mann ist voll schadenersatzpflichiig. Bei» spiele jür solche Klagen sind«, Sic in den, dem„Arbeiterrcchl" beigefügten Führer. Dos Blich liegt in den öffentlichen Lcscliollen aus.— Moabit 1000. Die Kündigung wäre rechtmäßig, eine Klage daher kalzm. aussichtsreich. Das Kewervegerichi befindet sich Zimmerstraße 90. —■&. B, Gegen etwaige Vertagungen in einem Prozeß weg.» Un- »dkömmlichkcit, Uiiaussindborleit eines Zeugen u. dcrgl. ist die Parte! und das.Gericht in der Regel»mchtlos. Im Irrtum befänden Tie sich mit der Annahm«, Ihr AmvaU könne irgend ein Interesse an einer Verschleppung durch den Gegner haben. Zunächst berechnen sich die Gebühren nicht noch der Zahl der' Termine: ob 2 oder 109 Termine slaiisinden, ist für die Gebührenhöhe gleichgültig, der Anwalt hat schon aus diesem Grunde ein Interesse an schleunigster Beendigung der Sache und damit seiner Täilgleit. >6 r u n d s a I s ch ist die h ü u s i g a n z u t r c s s e n d c A» s i ch t. d i e Anzahl der Termine habe in Z i v i I p r o z c s s c n ans die Kosten höhe Einsluß. Die Gebühren des Anwalts beruhen nicht aus Zeit-, sondern aus Aklord-Lohnsystem, dessen Grundlagen die Fragen bilden: Ist verhandelt? Ist Beweis erhöbe»? Um welche Objcktshöhe streiten sich die Leute? Ein sogcnauutcr Armcnanwalt erhall keineswegs vom Sioate oder der Gemeinde Zahlung, sondern hol, abgcschc» von einem etwa später entstehenden Anspruch gegen seinen Klienten, irnr einen Anspruch gegen den unterliegenden Gegner. Eine objektive Grundlage zum Mißtrauen gegen einen„Armenanwalt" besteht aiio keineswegs. Vielleicht kann in Ihrem Prozeß Ihr Anwalt eine einstweilige Verfügung im Jrneresse des Kindes erwirken. Nehmen Sie mit ihm Rücksprache. — Müller. 1. Sic müssen zahlen. 2. Am 17. November iäujl die Frist ab. 3. Das Gesuch ist an das Ebescheidungsgericht zu Achten. 4. Die Gc» mcinde hat mit Erstaliung oder Einziehung von Armcurechtskostcn nichts zu schaffen. Der Auwalt lristel seine Dienste uncnigeltlich.—<£. R. 78. 1. und g. In allen Fällen, i» denen mehrere Personen Anspruch aus die Miete erheben, cmpsichii sich die Hinterlegung der Miete. Hintcrlegungs- stelle hier ist Jnpalidenstraße 52."3. Ob durch die Nichlhintcriegung Urnen Nachteile erwachsen sind und ob E. zur Klage aus dem Vertrage berechtigt ist, läßt sich nicht ersehen.— P. L. Die rechtliche Stellung ist eine niedrige nach Ihrer Bcschäsligung.(Dienstbotc? Gewerbegchülse? Handlungs» gehülst?) Den, Gewerbegehülse» gegenüber ist Abzug des Kranken- gcidcs zulüsstg, dem HandiungSgehülse» gegenüber nicht.— Bnchd. Nein. — Dt. Dtorsholl». Darüber, wo cm dort geborenes Kind anzumelden ist, entscheiden die dortige:, Wesehe, deren Einzelheiten nach dieser Richtnng uns nicht bekannt sind. Wenden Sie sich an dortige Genossen um Anikunst.— Z..t>. 122. 1. Ja. 2. Doch.- Maier A. B. 114. 1. und 2. Ja.— W. K, 41. 1. Ja. 2. An..das Polizeipräsidium.— F. R. 04. 1. Die Kosten sind zutreffend berechnet. 2. Der Anspruch aus eine Rate der GratI- fikation ist kaum durchführbar.— E. R. W. New.— H. D. L. DaS Urteil behält 30 Jahre lang(von der letzten Psändung gcrcchncti seine vollstreckbare Kraft. Wieviel vom Lohn abgezogen werden kann, ist von Fall zu Fall durch das Gericht zu entscheiden.—-H. D. 48. Jugend oder Alter allein befreien keineswegs von der Sieuerpslicht. wenn die Voraussetzungen zur Besteuerung voliiegen.— 1001. Die von Ihnen geschilderte Hnndlling kann als Wilddieberei, strafbar nach Z 294, nicht unter 3 Monaten Gefängnis(Verjährungszeii 5 Jahre) beirachtct werden.— M. B. 77. Nur zur Rückgabe(Aiistausch) dc§ Ringes und anderer VerlobungSzcichcn sind Sie verpflichtet.- F. 1800. 1. und 2. Ja.- 0088. Nein. — 100 Robert K. Nein.— Ausland 1006. 1 Die Kosten sind nicht zu erstatten. 2. Unverständlich.— St. M. 0. 6 bis 20 M. für den Bei» stand bei der Entbindung, 1 bis 2 M. für einen Tage», 2 bis 3 M. für einen Nachtbefnch, 5 bis 8 M. für eine Nacht- und 8 bis IV M. für eine Tag- und Nachtwache werden vom Gericht als angemesjenc Hebammen- gebühren erachtet.— 100. Einigen Sie sich nicht, so können Sie sich an das Nachlaßgericht wenden.— T. BS. in R. 1. Gefängnis ist zulässig. 2. Vcrjährungssrist süns Jahre.— I. Z. 1. u. 2. Ja, falls kein Ehevcrirag vorliegt. 3. Die Verjährung läuft dam, erst von dem Zeitpunkt der Kenntnis. «vttieriinfiSUderfich» vom 4. Oktober 1905. morgens 8«Hr. Stationen a c »•= Swüiemde Hamburg Berlin Frankf.a.M Msiiiche» Wien 1 S S S 753 W 753 SSW 756» 759,®® 762 SW 760 W Weiler »wolkig 3.bedcckt Lwolkig 3bedeckt 5wolkig 2wolkcnl eos; C-r s? W 40 Stationen Z c c a *— i« Haparanda, 750 NN® Petersburg 743 NNW Scilly Aberoeen Paris 758 W 738 WSW 759, SW Wetter 2 wölken! > Regen 5 bedeckt 2 halb bd. 2 bedeckt >-»« s: � s» s& W.a -4 4 13 7 12 Wetter-Prognose für Donnerstag, de» 5. Oktober 1005. Etwas wärmer, veränderlich, vorwiegend trübe mit Rcgensällen ziemlich starken westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. und Wafferstand an, 3. Oktober. Elbe bei Aussig— 0,27 Meker, bei Dresden— 1,64 Meier, bei Magdeburg+ 1,10 Meier.— U» st r u I bei Sstaiißjiirt-st 1,20 Meier.— O d e r bei Ratibor-st 1,02 Meter, bei Breslau Obcrpcgcl-st 4,83 Meter, bei Breslau Ilntcrpegcl— 1,54 Meter, bei Franksnrt-st 0,90 Meter.— Weichsel bei Brahemünde -st 2,30 Meier.— Warthe bei Posen-st 0,16 Meter.— Netze bei Usch -j- 0,99 Meter, Die InsertlonsgebOlir beträgt für die sechsgespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 20 Pfennig. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends geöffnet VORORT-ANZEIÜEN Alt'GIlenlcke: Reinhold f-chulz, Rudowerstr. 83. Britz: Hermann Schllebitz, Jahnstr. 2. Charlottenburg: Gust. Sei: arnberg, Sesenheim erStrasse l Ecke Goethestr. vorn L Btsch.-Wilmersdorf: W. Nickel, Brandenburgischestr. 110 III. r. Lichtenberg- Frledrlchsteldc-Wllhelmsberg- Boxhagen» Rummelsburg» Stralau: Otto Seikel, 0. 112, Kronprinzenstrasse SOI. Gi'tinau: H. Bluhme, Viktoriastr. 2. Rivdorf: M. Heinrich, Prinz Handjerystr. 7, im Lad,en; Conrad, Hermannstr. 50. Sch«>n cberg: Wilh. Bäumler, Martin Lutherstr. 51. Obei-S.chöneweide: Otto Müazer, Dculstr. 4 II. Annoncen- Annahmestellen: Nieder■ Schöneweide: Bonakowsky, Hassel- werderstr. I d. Johannistal: Franz HOnold, Bismarckstr. 7. Adlershof: Paul Schmidt, Bismarckstr. 321. Königs-Wusferhausen: P.Körle, Berlinerstr. 19. Köpenick: Friedrich Woick, Grünstr. 29. Friedenau-Steglitz; H. Bernsee, Schlossstr. 115, Gartenhaus I, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. Schellhase, Ahornsir. 15a Marlendorf: Hermann Reichardt, Chausseestr 16. Baumschulen weg: Stock, Ernstsir. 2 II. Treptow: R.Voigt, Elsenstr. 37, vorn III. Neu-Wefssensee: W. Reske, Sedanstr. 53, part. Weissensee: Jul. Schiller, K5aig=Chaussee 39a. Reinickendorf(Ost), Wilhelmsruh und Schön* holz: Paul flursch, Provinzstr. 108 im Laden. Reinickendorf(West): Neuhoff, Eichbornstr. 54. Rummelsburg: 0. John, Karlshorsterstr. 2. Tegel, Borsigwalde, Dalldorf und Waidmnnns. lust: Paul Kienast, Borsigwalde, Scbubartstr. 43. Pankow: 0. Freiwaldt, Florastr. 66. Elchwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankels* Ablage: A. Grätz, Eichwalde. Kronprinzenstr,821I. Nowawes: Wilhelm Jappe, Friedrichstr, 1. Spandan: Koppen, Jagowstr. 9. Inseraten-Aiifträge grösseren Umfangs nach besonderer Vereinbarung durch die Haupt-Expedition Lindenstrasse 69. Korbirareii, Bettstellen IDrösstes Lager Berlios 1 Andreasstr. 23, Brunnensir. 95 Beusselstr.67, Leipzigerstr. 54-55 i Verkauf lief in fabrikgebiuden. IQOQ Mnrte zahle jedem, der mir in Branche als das meinige nachweist —— Kotaif; gratis.■* Etempel- ftahrft von[1707£* Robert Hecht, Berlin S., Crniiirnftr. 14Ä, licsert schnell und billiq alle Arten Ttenipel tu bester Aussührung. Kaulschnr- Tupc»»Persekt� zmnZtisanimeiisetzen einzelner Wörter owie ganzer Sätze von 1 ,.50 M.an h Baer Bä-!slr.28,priMzcl Ii vi 1111 n II• ÜU) an der Friedrichstraße. Rauscher& Fabisch, ■■■■■■■BKBHnHMi AnnfUlirl. Preisliste franko. I tepvdecken tauft man am prel«- loetlcflfn btretl w bcrffabiit, HraUt7-i, wo auch«I,, Gtepvdcifen aufgcaibeitet werben. 0. Strobmandel, Berit» 1A Illustrierter Pretstatalog grast». Ks»ob-Potli»g»n enipsichii sei» Lager in Bruohbandagen, Leibbinden, Geradehaitorn, Spritzen. Suspensors sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. OBJF- Eigene Werkstatt. üicjcc. f. Orts- u. 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