Nr. 234. Abonnements- Bedingungen: 6 abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 8,30., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorort- Ausuabe Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel. geile ober beren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebruckte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Mr. 1983. Freitag, den 6. Oftober 1905. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Mr. 1984. Der Kampf in der Elektro- Induftrie. An die Arbeiter Berlins und der Umgegend! Genossen! Die Entscheidung ist gefallen! ,, Der vorliegende Fall ist ein klassisches Beispiel für eine Vielleicht aber ist es gestattet, an dieser Stelle auch folche Gewalttat," Heuchelt der Stribifar aus Arbeitgeber- eine kleine Lohnliste" von forche der anderen Seite einStreisen im Tageblatt" weiter: Das Zugeständnis der zuschalten. Wir brachten neulich einen Artikel über Firma besteht, der Verbandsdelegierte selbst er- die Gewinne der beteiligten Aktiengesellschaften. Zahlen tlärt es für ausreichend, ein Arbeiter stellt es ohne über das, was die einzelnen Direktoren, AufsichtsDie Einigungsverhandlungen zwischen den Vertretern der jeden Grund als eine bloße Vorspiegelung hin, und daraufhin räte 2c. beziehen, laffen sich aus den öffentlich gegebenen AbArbeiter und denen der Allgemeinen Elektrizitäts- und Siemens- wird der Streit beschlossen." rechnungen nicht herausziehen; sie sind absichtlich versteckt. u. Halske- Werken haben sich zerschlagen. Wo hat ein Verbandsdelegierter die Zugeständnisse der Der Zufall versetzt uns jedoch in die Lage, dennoch einige Die Unternehmer haben es abgelehnt, Zugeständnisse zu Elektro- Industriellen für ausreichend erklärt? Die Ver- interessante Ziffern mitzuteilen: machen. Nicht einmal im Prinzip wurde eine derartige Er- bands funktionäre haben den Arbeitern im Interesse des Friedens Die Direktion der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft er flärung abgegeben. Damit ist der Kampf heraufbeschworen. geraten, sich mit dem Zugeständnisse der Unternehmer zu hielt im legten Geschäftsjahre 1903/04 eine Zantieme von rund 40 000 Arbeiter sollen ausgesperrt bleiben, ausgesperrt begnügen; aber der Mißmut über die Baschawirt 900000 M. Siervon hat der Generaldirektor Rathenau allein erschaft der Kühnemänner ist zu einer solchen Höhe halten ca. 400 000 M.! Außerdem erhält der Herr von den Berliner ohne jede Schuld und Verbindlichkeit an dem Streit. gediehen, die Sprache, in der die Unternehmer ihr Ulti Elektrizitätswerken und den übrigen Gesellschaften, in Das ist der Herrenstandpunkt in schroffster Form. matum stellten, war so beleidigend, daß die Arbeiterschaft in deren Aufsichtsrat er sigt, auch noch kolossale EinMan frägt nicht nach den Schuldigen sofern es über der Ehrennotwehr handelte, als sie dies Ultimatum zurüdvies! nahmen. Im ganzen bezieht er jährlich knapp gerechnet haupt als Unrecht angesehen werden kann, wenn Arbeiter Die Gesellschaften der Berliner Elektrizitätsindustrie er zirka 750 000 M.! Bei solchen Bezügen läßt sich allerdings Löhne von 30 Pfennige pro Stunde auf 33 Pfennige erhöht flärten am Sonnabend, den 23. September: bequem und gemütvoll über die Begehrlichkeit der Arbeiter" berlangen eine Geißel über alle wird geschwungen, um Auf Anregung der Arbeiterausschiffe unserer Fabriken erflären philosophieren. durch Beeinflussung der Masse die angeblich widersetzlichen wir uns bereit, die vor Ausbruch der Streits von den Fabrik- Alle diese Riesensummen aber und die noch viel größeLeitungen gemachten Busagen aufrecht zu erhalten. Wir werden ren, die in die Tasche der Gesamtheit der Aktionäre fließen, zur Arbeit zurückzutreiben. den Betrieb der geschlossenen Werte am Mittwoch, den 27. Sep- müssen die Arbeiter im Schweiße ihres Angesichts erst tember 1905 früh aufnehmen und die Arbeiter nach Maßgabe erarbeiten. Wenn sie sich unter diesen Umständen dagegen der Betriebsverhältnisse wieder einstellen, vorausgesezt, daß uns Arbeiter Berlins! Sollen wir das ruhig mit ansehen? Nein! So leichten Raufes sollen die Arbeiter der Elektro- Industriellen nicht willfährig gemacht werden. Die Unternehmer haben durch ihr schroff ablehnendes Verhalten gezeigt, daß sie den Kampf wollen, sie haben ausgesperrt, bevor die Einigungsverhandlungen begannen! Zeigen wir ihnen nnn, daß hinter den Ausgesperrten nicht nur die Arbeiter Berlins, sondern ganz Deutschlands und darüber hinaus stehen! Ueber die Sammlungen wird öffentlich im Vorwärts" quittiert werden. Listen sind zu haben im Bureau der Berliner Gewerkschaftskommission bon 11-1 und 6-8 Uhr. Alle Gelder werden daselbst in Empfang genommen. Postfendungen find an Alwin Körsten, Engel- Ufer 15, zu senden. bis Montag, den 25. September, nachmittags 6 Uhr, durch die sträuben, daß man ihre Löhne auf einem Niveau beläßt, das nicht Obmänner unserer Fabrikausschüsse als Vertreter der gesamten ausreicht, die Arbeiter an allen Errungenschaften der modernen Arbeiterschaft erklärt wird, daß die Streits beendigt und alle Kultur und Technik teilnehmen zu lassen, wenn sie sich gegen übrigen feitens der Arbeiterschaft unserer diesen Raub an dem Produkte ihrer Arbeit wehren, dann sämtlichen Werte zurzeit aufgestellten Forde begehen sie und nicht die Unternehmer, die diesen Naub verrungen aurüdgezogen find. Wir fügen hinzu, daß wir teidigen, einen Att der Notwehr! übereingekommen find, jeder Beunruhigung unserer Betriebe durch Arbeitsniederlegung einzelner Abteilungen in Zukunft stets gemeinsame Maßnahmen entgegenzuseßen." ber Ein Musterbeispiel dafür, auf welchen Kampf sich die Berliner, nein die deutschen Einer für alle, alle für einen! Das sei unsere Losung. Die Gesellschaften berlangten also gegen die geringen Arbeiter aus Anlaß des Kampfes mit den Kühnemännern vorzuMit Zustimmung der Generalkommission der gemachten Zugeständnisse, daß alle seitens der Arbeiterschaft bereiten haben, bietet die Massenaussperrung in der schwedischen Gewerkschaften Deutschlands hat der Aus- auch in den übrigen Werken und Abteilungen gemachten auf- Metallindustrie. Diese dauert nun schon vier Monate. As schuß der Berliner Gewerkschaftstommission baß sie in Zukunft jede gewerkschaftliche Bewegung in ihren verführer Direktor Bernström, innerhalb 6 Wochen würden sie die gestellten Forderungen zurückgezogen würden und erklärten, Anfang Juni die Arbeitgeber sich dazu verleiten ließen, 17 000 Arbeiter auf die Straße zu werfen, da erklärte ihnen ihr Hauptbeschlossen, sofort Sammlungen zu veranstalten, um den Aus- Werken durch gemeinsame Maßnahmen niederknüppeln würden. Sieger fein; in dieser Beit wären die Kaffen der Arbeiterorganisation gesperrten hülfreich zur Seite zu stehen. Für das Linsengericht einer fünfprozentigen Lohnzulage sollte erschöpft, die Arbeiter würden um Arbeit betteln lommen. Als die die Arbeiterschaft ihr geseglich gewährleistetes Stoalitionsrecht Soffnung fehlschlug, wurden die Unternehmer auf die 10. Woche verkaufen! bertröstet. Man rechnete: 150 000 Sr. wöchentlich fostet es, um die Der Artikel im„ Tageblatt" schließt: Ausgesperrten vor dem Verhungern zu bewahren, macht in 10 Wochen " So ist denn der gewaltige Stampf entbrannt, der noch 1 Millionen; mehr fann die Arbeiterschaft unmöglich leisten. weiter um sich greifen fann. Es ist tein Lohntampf; aber man tannte offenbar nicht das seit Jahren vorzüglich wirkende ihn als solchen zu bezeichnen, wäre eine vollständige Berkennung Streitbeiträge in der Landesorganisation der obligatorischen außerordentlichen der Tatsachen. Es ist ein Kampf gegen den Grundsaz, daß an die Stelle rubiger Berhandlungen Opferwilligkeit der gesamten Arbeiterschaft Skandinaviens. schwedischen Gewerkschaften und man unterschätzte die Und Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. jederzeit die Gewaltmaßregel von unten herauf die Arbeitgeber mußten nochmals vertröstet werden, und nun gefegt werden foll" war es der 1. Oktober, der große Mietezahlungstag, der den ArZur Unterstütung der ausgesperrten Metallarbeiter sind Kühnemännern ist es geradezu abgeschmackt, davon zu reden, schlug fehl. Hunderttausende wurden aufgebracht, und schon am Im Angesichte der Kämpfe zwischen Metallarbeitern und beitern das Genid brechen sollte. Aber auch die Hoffnung für die dem Gewerkschafts- Karte II angefchloffenen dag die Arbeiter an die Stelle ruhiger Verhandlungen Tage vor dem Ersten war alles klar: jeber Ausgesperrte Organisationen von heute ab Sammellisten im Bureau des Gewaltmaßregeln gesetzt wissen wollen. Dubende Male war in den Stand gefekt, feinen Hauswirt zu befriedigen. Nach wie Startells, Dragonerstr. 15, Hof 1 Tr., zu haben. ist den Herren gerade von der Arbeiterschaft der Vorschlag bor stehen die Arbeiter einig da und denten nicht daran, sich den Gelder, die mit der Post eingehen, sind zu abressieren auf Abschluß von Tarifverträgen gemacht worden, die dazu Serrschaftsgelüften der Unternehmer zu unterwerfen. 2ährend an Albert Westphal, Dragonerftr. 15, Hof 1 Treppe. dienen sollen, an die Stelle von Gewaltmaßregeln ruhige Berber ganzen Dauer des Kampfes find taum sehn Mann abtrünnig geworden. Wohl haben einzelne Alle übrigen Mitteilungen an Theodor Fischer, ebenda. handlungen treten zu lassen, die es ermöglichen, im Gewerbe Fabriken anderweitig eine leine Anzahl Streifbrecher gefunden und ftabile Verhältnisse zu schaffen, die Lohnrevisionen ohne immer der Gelbe Joseph", der Vorsitzende von Svenska arbetareföre währenden Kleinkrieg vorzunehmen. bundet", der übrigens auch bei der Reichstagswahl in Stockholm Gerade dagegen haben die Unternehmer sich gesträubt fandidierte, aber durchfiel, hat sich redliche Mühe gegeben, den und die Arbeiter gezwungen, ihre Forderungen werkstatt- üblichen Ruf seiner Organisation als Streifbrecher- Verband zu wahren. Aber auch das hat den Unternehmern wenig genugt. Einweise vorzutragen und durchzufegen. delne Fabriten fönnen notbürftig arbeiten, aber alle übrigen liegen ganz oder fast ganz still. In der ganzen Landschaft Schonen gibt es überhaupt teine Streitbrecher, ist es auch gar nicht möglich, welche aufzutreiben, und die vielen großen Betriebe, die dem schlimmen Rat und Befehlen der Werkstattvereinigung" folgen, find tatsächlich zum Tobe verurteilt, wenn nicht bald die Vernunft und Ginsicht bei den Unternehmern siegt. Lange fann das nicht mehr währen. fummelt, Der Ausschuß. Wer übt Notwehr? Er Berliner Tageblatt" und" Berliner Börsen- Courier" Oder wollen die Herren glauben machen, sie hätten bemühen sich in holder Eintracht, den Nachweis zu liefern, freiwillig und ohne diesen Kleinkrieg den Arbeitern daß die Elektro- Magnaten, die über 30 000 Menschen auf die auch nur einen Pfennig zugelegt? Das höhnende Wort des Straße warfen, sich in der Notwehr befinden! Der Herrn Direktor Peteris an die jammervoll entlohnten Börjen- Courier" bertritt diese Ansicht als Redaktions- Lagerarbeiter: Lassen Sie Ihre Frauen mitarbeiten!" gibt meinung, das Berliner Tageblatt", in dessen Verlag auch Antwort auf diese Frage. Es wird den Arbeitern der Berliner noch die„ arbeiterfreundliche"" Bolts- Zeitung" erscheint, läßt Elektrizitätsindustrie noch lange in die Ohren gellen! Der Börsen- Courier" arbeitet auf andere Manier. sich die Verteidigung der Rathenau- Leute aus Arbeit. Die deutsche Arbeiterschaft wird sich von der schwedischen nicht geberfreisen schreiben. Den Raum für den Leitartikel schmiedet wieder das Märlein von den hohen Löhnen und be ihrer Macht sicherlich einen bösen Stoß versehen wird.- Noch beschämen laffen und den Kühnemännern eine Schlacht liefern, die Degradiert sie zur Eselswieje, auf der ein außerhalb der Re- ruft sich dabei auf die von der Firma Siemens u. Halste tönnen die beteiligten Organisationen ihre Ausgesperrten auf daktion stehender Interessent sein langohriges Grautier veröffentlichte Lohntabelle. Wir haben bekanntlich festgestellt, Wochen unterstützen, aber es gilt, sich auf einen langen daß diese Tabelle nicht die Löhne der Schraubendreher aus Kampf vorzubereiten. Darum fammelt schon jett „ Es ist merkwürdig," jammert der Sancho Pansa der dem bestreiften Werner- Wert wiedergibt. Aber auch die Munition! Kühnemänner, daß das große Publikum sich so leicht jede bort angegebenen Löhne sprechen immer noch zu Der Kampf gegen die Kühnemänner muß in der deutschen Maßregel, die ein Unternehmer zum Schute geordneter Be- gunsten einer Lohnforderung der Schraubendreher. Es sollen Arbeiterschaft eine Opferfreudigkeit hervorrufen, die ihresgleichen triebsführung ausführt, als brutale Gewalttat verschreien betragen die Löhne der Dreher 71,3 Pfennig, die der noch nicht gesehen hat! läßt, während man nur selten mißbilligenden Kritiken be. Schraubendreher 68,9 Pf.( in Wirklichkeit 62,5 Bf.), die der gegnet, wenn die Arbeiter in brutalem Stil vorgehen und, Mechaniker 65,3 Pf., die der Schlosser 67,3 Pf. und die der weil ihre Wünsche nicht sofort vollinhaltlich erfüllt sind, die Werkzeugmacher 73,5 Pf. Selbst wenn man diese PhantasieTätigkeit von Tausenden ihrer Kollegen löhne mit einander vergleicht, haben die Schraubendreher unmöglich machen." immer noch ein Recht auf Lohnaufbesserung, denn sie stehen Wir faßten uns an die Stirn. Wer hat zuerst die hinter den Arbeitern der anderen Kategorien zurück. Wenn aber 10 000 auf die Straße geworfen? Wer am Sonnabend der„ Börsen- Courier" von einer Jrreführung durch die in dem weitere 20 000? Wer hat angefündigt, daß am 14. d. Mts. Aufruf der Gewerkschaftskommission wiedergegebenen Zahlen rech weitere 20 000 bis 30 000 Arbeiter und Arbeiterinnen spricht, dann tennt er entweder die Verhältnisse nicht und entlassen werden? Wir glaubten immer, die Elektro- bann sollte er schweigen oder er begeht selbst eine Täuschung Industriellen, wir glaubten, der Kühnemänner Verband feiner Lefer und dann sollte er nicht andere irreführender und jetzt erfahren wir: die Arbeiter waren es, die Vorstellungen zeihen: Die Lagerarbeiter in Ober- Schöne Arbeiter haben die Tätigkeit von Tausenden ihrer weide wollen in der Tat ihre Anfangslöhne von 30 Pfennig Kollegen unmöglich gemacht! pro Stunde auf 33 Pf. erhöhen. Herr v. Schuls über die Aussperrung. Die Korrespondenz, welche die angeblichen Aeußerungen des Herrn Magistratsrats b. Schula in einem Interview verbreitete, versendet nun gegenüber seiner Erklärung eine Notiz: In eigener Sache. Herr Magistratsrat b. Schulz hat in einer Erklärung an hiesige Beitungen die Richtigkeit seiner mit einem unserer Mitarbeiter gehabten Unterredung über den Elektrostreit, die wir borgestern veröffentlichten, in Abrede gestellt. Dem gegenüber halten wir die von uns gegebene Darstellung über die Unterredung des Herrn Magistratsrat v. Schulz mit unserem Berichterstatter bollinhaltlich aufrecht und bemerken, daß die von unserem Berichterstatter wiedergegebenen, von Herrn v. Schulz bestrittenen Rebe wendungen fofort bei der Unterredung it enographisch . Politifche Ueberficht. " Berlin, den 5. Dktober. Der Redekanzler. " neu " gehandelt habe. Das Ein sozialpolitischer Fortschritt in Württemberg. diesem festgelegt worden sind und das Stenogramm uns im Original| fündet es der deutschen Nation, daß er reichlich verdiente, in den er 1 werde, etwa habe kaufen oder bestechen wollen, sondern daß er borliegt. habenen Rang der Fürstlichkeit emporzuſteigen. ihn auf sein eigenes Anerbieten zur Verrichtung der sog. niederen Dem gegenüber hält Herr v. Schulz seine Erklärung voll= Das Drama mit Donner und Blitz ist zur Idylle verwandelt. Wahldienste, wie Verteilung von Aufrufen, Stimmzetteln usw. inhaltlich aufrecht und wir müssen gestehen, daß uns dies Aus dem Maroffospektakel, der die Welt erregte, schuf Bülow die engagiert habe. Diese Darstellung bestritt nun wieder Hohnroth Dementi eines unparteiisch der gesamten Sachlage gegenüberstehen- tiefgreifende internationale Solidarität"! und es tam zu gegenseitigen Erklärungen, in deren einer vom den Mannes, der im öffentlichen Leben einen Ruf erworben hat, 19. Juni im Hannoverschen Courier" Hausmann den Hohnroth Wer die großen Probleme der internationalen Völkerbeziehungen durch Anführung bestimmter Tatsachen als moralisch defekt und doch beweiskräftiger erscheint, als die selbststenographischen Auf- im Geiste fortschreitender Menschheitskultur beurteilt und zu fördern durchaus unglaubwürdig charakterisierte. Hohnroth flagte wegen zeichnungen" eines Berichterstatters, dessen Arbeit während der sich müht, vermag nur mit äußerstem Widerwillen dieses Masten- Beleidigung und hatte sich deshalb Hausmann jetzt vor dem ganzen Dauer dieser Bewegung darin bestand, die Sache der Ar- spiel modischen Staatsmannstums zu ertragen. Bald erscheint die Schöffengericht in Lauenstein zu verantworten. Ein von dem Verbeiterschaft herabzusetzen, die der Unternehmer als rein und zweifels- Auliffe der Kriegsgefahr, bald die Kulisse des heiteren Himmels, treter des Hohnroth, Rechtsanwalt Leon- Hannover, angebotener ohne hinzustellen. und stets ist an allem llebel der andere der Schuldige und zu Bergleich scheiterte, da Hausmann wohl die Erklärung abdaß er nicht die Absicht gehabt habe, den allem guten Ausgang führt Bülows Kunst. Man darf natürlich geben wollte, den Diplomaten nicht zumuten, die Vorgänge der auswärtigen ohnroth zu beleidigen, nicht aber die Erklärung, daß er die in dem infriminierten Artikel enthaltenen Behauptungen als unrichtig zurückPolitik in ihrem Zusammenhange zu erkennen, den tieferen Ursachen nehme. Andererseits forderte Hohnroth gerichtliche Klarstellung der der nationalen Gegenfäße nachzuspüren und daher die Möglichkeiten der gegen ihn erhobenen Angriffe, um deren Unrichtigkeit darzutun. Ihm Lösung zu suchen. Unleidlich aber erscheint jene Oberflächlichkeit, die ivar Unwahrheit als besondere Charaktereigenschaft, Üntrene als mit den ernſteſten Fragen Spott treibt und jene Diplomatie der Kassierer der Krankenkasse, Vernachlässigung der Unterhaltungspflicht Der Redefluß des Fürsten Bülow überschwemmt die europäische Täuschungen, welche die verderblichen Jrrungen der deutschen Welt- feiner Familie, zerrüttete Vermögensverhältnisse 2c. vorgeworfen. ganzen Sache kam es überPresse. Zu den gestern besprochenen Darlegungen, die für den politik und Seerüstungspolitik hinter schönrednerischem Schwatz von der zu einer Erörterung der " Petit Paristen" gemacht wurden, erscheint nun nochmals fehr aus- Nervosität des Publikums zu verstecken glaubt, welche von inter- haupt nicht, da das Gericht lediglich die Frage führliches Bülow- Geplauder im Temps". Der Reichskanzler nationaler Friedfertigkeit und Solidarität der Nationen gaufelt, prüfte, ob Hausmann in Wahrung berechtigter Interessen in Gericht entschied hat seine neue Aera deutsch- französischer Liebenswürdigkeiten sofort während sie die deutsche Politik und die nationale Wehrkraft Sinne. Hausmann sei berechtigt gewesen, den Hohnroth als unstürmisch eröffnet, indem er die Fülle seiner Berebtsamkeit über die Deutschlands an den Erbfeind der Kultur, an den glaubwürdig zu schildern, um deffen Angriffe gegen seine eigene DarSchar der Bariser Zeitungsvertreter ausgoẞ. Die russischen 8arismus berschachert! stellung der in Frage kommenden Angelegenheit abzuwehren; und er gefestigte Franzosenfreundschaft regt sich also unbändig in fonnte das nur durch Anführung bestimmter Tatsachen. Auf Grund des Die sozialdemokratische Fleischnot- Interpellation in der bayrischen§ 193 des Strafgesetzbuches, da er auch in der Form nicht über das ihm, daß er er der französischen Presse unmittelbare und Abgeordnetenkammer. zulässige Maß hinausgegangen sei, wurde deshalb Hausmann reichliche Auskünfte erteilt, wie sie die deutsche Presse noch München, 5. Oftober 1905.( Eig. Ver.) freigesprochen. Während zumeist die Gerichte mit der Anniemals empfing, wie sie sonst der Leiter der auss Die sozialdemokratische Fraktion der Abgeordnetentammer inter- erkennung berechtigter Interessen als Strafausschließungsgrund wärtigen Politik nur vor dem Parlament seines Landes über die pellierte heute die Regierung, ob sie zur Abwehr des durch die hohen äußerst zurückhaltend sind, ist hier der§ 193 in ganz unmöglicher wichtigsten Lebensfragen der auswärtigen Politik zu geben pflegt. Fleischpreise hervorgerufenen Notstandes etwas tun wolle. Ab- Auslegung angewendet worden. Die Sache wird zweifellos noch Auch dem Mitarbeiter des" Temps" hat Fürst Bülow zunächst geordneter Segis ging mit großer Schärfe gegen die bisherige die Straffammer beschäftigen, da die Hauptsache der ganzen über die Marottoangelegenheit ungefähr dasselbe erzählt, womit der Haltung der Regierung vor. Wenn den Arbeitern für das Steigen vielumstrittenen Geschichte durch diese Verhandlung unerledigt und Berichterstatter des Petit Parisien" erleuchtet wurde. Dann plauderte der verschiedenen Lebensmittelpreise ein Ausgleich gegeben werden ungeklärt blieb. er über die weitere Gestaltung der Beziehungen zwischen Deutsch- folle, müffe man ihnen mindestens 35 Prozent Lohnerhöhung gewähren. Wie man aber dem Verlangen nach Lohnerhöhungen land und Frankreich und schließlich über die allgemeine Stellung begegne, zeige zurzeit die Aussperrung in Berlin. Wenn Stuttgart, 4. Oktober.( Eig. Ber.) Die württembergische Eisen Deutschlands in der auswärtigen Bolitik, über das Verhältnis zu ein Minister gefagt habe, daß sich die Löhne der Arbeiter um bahn- Verwaltung macht amtlich bekannt, daß seit dem 2. Oktober England und Rußland, über die europäischen Bündnissysteme. Der 100 Prozent erhöht hätten, so beweise das, wie sehr unsere Minister in den Betriebswerkstätten der Staatseisenbahnen " Temps" übermittelt die Anschauungen des Kanzlers über diese dem Boltsleben und besonders den Arbeiterverhältnissen entfremdet die neunstündige Arbeitszeit eingeführt ist. Ant Fragen wie folgt:. seien. Der preußische Landwirtschaftsminister habe zu dem Vor- den Vorabenden vor Ostern, Pfingsten, Weihnachten und Neujahr " Auf die Aeußerung des Juterviewvers, in Frankreich herrsche schlage des Vorwärts", die Stadt Berlin möge 100 000 Schweine wird die Arbeitszeit sieben Stunden betragen. Die Verkürzung wird die Besorgnis, daß Deutschland entgegen der Bismardischen mästen, um dem Notstande in Berlin abzuhelfen, geäußert, er hätte durch Früherlegung der Feierabendstunde herbeigeführt werden. Die Tradition nunmehr die koloniale Ausdehnung Frankreichs be- gar nichts dagegen. Wenn die Gemeinde Berlin dies nicht tun| Regelung der weiteren Einzelheiten soll erfolgen, wenn die Arbeiterhindern, daß man in Berlin Frankreich in eine antienglische wolle, so fönne dies der sozialdemokratische Parteivorstand tun. Er ausschüsse sich darüber geäußert haben. Politik hineinziehen und dazu vermittelst einer deutsch- russischen würde dem Herrn Singer die Ferkel dazu liefern. Segiz fuhr dann Dieser sozialpolitische Fortschritt ist sehr zu begrüßen und im Annäherung zwingen wolle, erwiderte der Reichskanzler: Alle fort: Ich halte es geradezu für eine historische Pflicht, festzustellen, wesentlichen der Tätigkeit der sozialdemokratischen Landtags- Abdiese Beunruhigungen sind unbegründet. Ja, es ist wahr, wie deutsche Minister über die Notlage des Volkes spotten, geordneten zu verdanken. Im Jahre 1904 hatten sie den Antrag dem Volke Schindluder spielen. daß Fürst Bismarck häufig die Berechtigung der französischen wie sie mit Nebenbei auf Einführung des Neunstundentages gestellt, waren aber von der Rolonialpolitik anerkannt hat, und ich selbst habe eines gesagt, wenn der sozialdemokratische Parteivorstand Schweine Regierung mit dem Entscheid abgespeist worden, daß die Frage noch Tages im Reichstage erklärt, daß es weder in Afrika zucht treiben würde, würde er von der Firma Podbielski die nicht spruchreif sei und Württemberg nicht allein in solcher Annoch in Afien einen Puntt gebe, wo unsere Interessen aufeinander- Ferkel nicht beziehen. Der Geschäftsführer dieser Firma ist schon gelegenheit vorgehen könne, ohne sich im Einverständnis mit anderen stoßen, aber diese Kolonialpolitik darf nicht wie in der Marokko- wegen Mitchverfälschung bestraft worden, so daß er hinreichend ver- deutschen Bundesstaaten zu befinden. Die sozialdemokratischen fache die Gelegenheit zu einem üblen Vorgehen gegen Deutschland dächtig erscheint, auch schlechtes Vieh zu liefern, und ein ehrlicher Vertreter ließen die Sache aber nicht ruhen und Genosse bilden. Vorausgesetzt, daß die franzöfifche Kolonialpolitik unsere Geschäftsmann wird mit einer so anrüchigen Firma teine Geschäfte Tauscher kam bei der letzten Etatsberatung in wirkungsvollen wachsenden Handelsinteressen und unsere Würde, die wir noch machen.( Beifall links.) Der Minister beantwortete die Inter- Ausführungen darauf zurück, ohne jedoch mehr als eine sehr zurüdhöher stellen, respektiert, werden wir Frankreich nicht bloß nicht be- pellation und gab, wie nicht anders zu erwarten war, die Erklärung haltende Antwort der Regierung zu erhalten. Nun erscheint, vers hindern, sondern nötigenfalls in Maroffo und anderwärts unter- ab, daß mit Rücksicht auf die angebliche Seuchengefahr an eine hältnismäßig unerwartet, die amtliche Verfügung mit der gleichstützen. Was den zweiten Grund des Mißtrauens anlangt, so weiß Deffnung der Grenzen nicht zu denken sei. Seine Ausführungen zeitigen Mitteilung, daß eine gleichartige Anordnung ich, daß es Leute gibt, die einen Krieg zwischen England und wurden nicht nur von der Agrariermehrheit, sondern auch von den am 2. Ottober auch für Bayern und voraussichts Deutschland als etwas Notwendiges prophezeien. Ich sage, daß es Liberalen mit großem Beifall aufgenommen. Morgen Freitag ist lich auch für Baden in Kraft getreten sei. Es ist flar, eine Albernheit ist, diesen Krieg als unvermeidlich anzufündigen. die Besprechung der Interpellation. daß dieses Vorgehen der staatlichen Eisenbahnverwaltungen auf das Deutschland und England würden einander zu viel Unheil antun. Verhalten der Betriebsleitungen aller sonstigen Staats- und Sie werden diesen Versuch nicht machen. Und wenn ich auch die Zum Fall Nieuwenhuis wird sogar der Köln. 8tg." aus städtischen Betriebe in den genannten drei Bundesstaaten nicht ohne Heftigkeit der Zeitungspolemiten und die Nervosität des Bublifums Amsterdam geschrieben:" Es kann nicht geleugnet werden, daß Einfluß sein und daß von einer ausgedehnteren Einführung des nicht verkenne, so behaupte ich doch, daß die Regierungen in London das Rechtsgefühl der hiesigen öffentlichen Meinung heftig erschüttert Neunstundentages demnächst zu berichten sein wird. Hoffentlich ist wie in Berlin sich zu sehr ihrer Verantwortlichkeit bewußt sind, worden ist und daß selbst in Kreisen, die sicher feine Sympathie für auch die Privatindustrie nicht abgeneigt, dem ihr von den Staatsals daß sie sich durch derartige Heftigteit beeinflussen ließen. Domela baben, jezt ganz offen Partei für ihn ergriffen wird. Wenn betrieben gegebenen Beispiel zu folgen. In Bayern ist, wie wir Frankreich fann da übrigens eine nigliche Rolle spielen, indem es wahr ist, daß ihm erst am elften Tage nach seiner Verhaftung seinerzeit mitgeteilt haben, die entsprechende Bekanntmachung schon es die Gemüter beruhigt anstatt aufzustacheln. Die internationale der Grund seiner Festnahme mitgeteilt worden sei, dann läge eine am 19. September erfolgt. D. R.) Solidarität ist zu tiefgreifend, als daß man sich schmeicheln Verlegung des nicht nur jedem preußischen Staatsbürger, sondern fönnte, der tertius gaudens( der lachende Dritte) zu sein. Wenn auch dem Ausländer verbürgten Rechts vor, innerhalb 24 Stunden zwischen England und Deutschland Voreingenommenheiten vor dem Richter vorgeführt zu werden. Noch unerklärlicher ist die aber berichtet: Am 18. März ds. Js. unterhielten sich im Gasthofe zu handen sind, so werden diese früher oder später schwinden. Frank- malige Verhaftung, nachdem ihm eröffnet worden war, daß die 2nisental mehrere Gäste über die Person des deutschen Staisers. reich fann mithelfen, fie zu zerstreuen. Sein Beispiel zeigt, daß auf die Uebertretung des Ausweisungsbefehls gesetzte Strafe burch Der 22jährige Fabrikarbeiter Johann Edbauer von Kolbermoor es immer möglich ist, sich mit England zu verföhnen. Was seine Untersuchungshaft als verbüßt zu betrachten sei; es hieß hier, nahm ebenfalls an der Unterhaltung teil und soll im Laufe des GeRußland anlangt, so stehen wir zu Ihrem Verbündeten in von Berlin aus hätte man bei der niederländischen Regierung zuerst nahm ebenfalls an der Unterhaltung teil und soll im Laufe des Geden denkbar besten Beziehungen. Das ist eine natürliche anfragen müssen, ob sie gegen die Zulassung von Domela Nieuwenhuis sprächs den Kaiser schwer beleidigt haben. Sechs Wochen waren traditionelle Situation. Warum sollten Sie daran Anstoß auf niederländisches Gebiet nichts einzuwenden hätte, und erst als berflossen und kein Mensch hätte mehr an den Vorfall gedacht, wenn Edbauer sich nicht mit dem Dienstknecht Josef Endreß in nehmen? Haben wir jemals am franzöfifch- russischen Bündnis vom Haag aus eine befriedigende Antwort eingelaufen fei, habe Luisental überworfen und ihn nicht einen gescheerten Tropfen" geman in feine endgültige Entlassung gewilligt. Dies ist aber kaum nannt hätte. Nun erst entdeckte dieser Endreß die vorgeschriebene Hatte dieses Bündnis uns gegen über jemals den aggressiven Charakter, den man, ich weiß nicht anzunehmen, da die preußischen Behörden doch sicher wußten, daß Entrüstung über die vor sechs Wochen gefallene angebliche Be warum, gewissen Annäherungen zugeschrieben hat, die, ohne den die niederländische Regierung gar nicht in der Lage gewesen wäre, leidigung des deutschen Kaisers und erstattete bei einem Gendarm Wert eines Bündnisses zu besigen, viel beunruhigender schienen? ihm, der doch niederländischer Staatsbürger ist, den Eintritt in ihr die Anzeige. Vor dem Landgericht München II bestritt Edbauer die Ein doppeltes System von Allianzen, die beide friedlich find, Gebiet zu verweigern, da das niederländische Strafgesetz eine fichert das Gleichgewicht Europas. Diesen Allianzen fönnten Landesverweisung ihrer eigenen Untertanen gar nicht kennt. Dazu ihm zur Last gelegte Aeußerung, er sei damals hochgradig betrunken und sollten sich Freundschaften beigesellen. Sie stehen, mit Italien fommt aber noch, daß der Brief, den er nach seiner zweiten Ver- gewesen, wenn er sie wirklich gebraucht habe, so könne er sich daran gut; nichts tann besser sein. Wir stehen mit Rußland gut. Bor- haftung an seinen Rechtsbeistand, Rechtsanwalt Schrammen, vom nicht mehr erinnern. Trotzdem die Trunkenheit des Angeschuldigten vom Wirt bestätigt wurde, erhielt Edbauer dennoch wegen trefflich! Man darf nur der französisch- italienischen Annähe Majestätsbeleidigung zwei Monate Gefängnis. rung keinen antideutschen und der deutsch- russischen Annäherung feinen antifranzöfifchen Charafter beilegen. Ich habe offen zu Ihnen gesprochen, denn die Offenheit ist die beste Politit. Es Vor dem Seeamt zu Hamburg sollten gestern die Ursachen des fann auf beiden Seiten unangenehme Augenblicke gegeben haben, seine Behandlung auch eine ganz andere gewesen sein würde, eine aber ein unnüßer Sonflikt ist vermieden und der Friede aufrecht Meinung, die natürlich in der Luft steht, da die preußische Polizei Todes eines Matrofen von dem zur Hamburg- Amerika- Linie gegeblieben. Das ist die Hauptsache. Ich wünsche, daß diese Bes mit einem den genannten Nationalitäten angehörenden Anhörenden Schnelldampfer Deutschland" festgestellt werden. endigung der Spannung das Vorspiel zu einem gegenseitigen archisten zweifelsohne ganz genau ebenso verfahren wäre. Zu be- der Ozeanriese sich im August dieses Jahres auf der Reise von Vertrauen bilden möge. Die deutsche öffentliche Meinung würde dauern ist nur, daß Demela Nieuwenhuis jetzt mit einer Art Hamburg nach New York befand, sah ein Passagier, wie der noch fich gern diesem Gefühle hingeben, sobald sie die Sicherheit hat, Märtyrerkrone umgeben scheint, und noch mehr zu bedauern ist, daß nicht 18 Jahre alte Matrose Janssen aus Oldenburg über daß in Paris niemand mehr daran denkt, uns zu isolieren, was dieser Zwischenfall entschieden dazu beiträgt, das durch weitere von Bord sprang. Der Mann konnte nicht gerettet werden. Unter den unter Stulturvölfern wie unter Unzivilifierten immer als ein übles der Polizei in der letzten Zeit verfügte Ausweisungen ohnehin schon Passagieren entstanden Gerüchte, daß J. kurz vorher schwer mißgereizte niederländische Nationalgefühl noch mehr zu erbittern. Daß handelt und deshalb über Bord gesprungen sei. Da ferner an Bord Vorgehen gelten wird." Wenn flangvolle Reden und überschwängliche Eigenbelobi- lepterer Umstand im Augenblick eine nicht zu unterschätzende Rolle nicht weniger als 27 Defertionen passiert waren, leitete das Wie bekundet wurde, soll gungen gute auswärtige Politik bedeuten würde, dann allerdings spielt, dabon fann fich jeder hier wohnende Deutsche, wenn er will, Seeamt eine Untersuchung ein. leicht überzeugen." der Matrose W. den Bootsmann Schmidt gereizt haben, weshalb wäre Herr v. Bülow ein Muster der Staatskunst. Redaktionell bemerkt die Köln. 3tg.". daß Nieuwvenhuis zwar dieser ihn geschlagen gabe. Der erste Offizier Selmar erklärte, der Wie liegen nun alle Gefilde der auswärtigen Politik in sonniger von Rechts wegen als vogelfrei behandelt fei in der Tat find Bootsman fei ein scharfer Vorgesetzter und ein leicht erregbarer Anmut ausgebreitet. Jenes düstere Gewölt, das jüngst noch sich ja die Rechtsgarantien der Strafprozeßordnung, die auch dem Mensch. Der Matrose Drewes fagte aus, daß der Bootsdem Vorfall wegen geivaltig zusammenzog, wie ist es zerstoben vor den tiefsten Strahlen Fremden gewährleistet find, insofern wertlos, als die Polizei die mann Schmidt schon zwei Tage vor Bülowscher Heiterkeit und Milde. Bor kurzem noch schien die inter- Justiz nach Belieben ausschalten kann, daß die Langfamkeit des eines nicht verstandenen Befehls dem Janssen Schläge versetzt habe, was von anderen Zeugen bestätigt, aber von dem Bootsnationale Situation aufs äußerste gespannt, es raffelte der Säbel Verfahrens aber doch peinlich berühre. und die Marine wurde in Bereitschaft gestellt, doch schnell ist Der Abgeordnete Dr. Stockmann hat infolge seiner Ernennung mann in brede gestellt wurde. Der Klempner Witt hat bemerkt, alle dräuende Gefahr beseitigt, Friedenswünsche und Freundschafts- aum Regierungspräsidenten in Gumbinnen nummehr feine daß der Bootsmann kurz vor dem Selbstmord den 3. in einem beteuerungen fliegen von Land zu Land. Alle Beunruhigungen sind Mandate zum Reichstage wie zum Abgeordnetenhause nieder- Vorderrann des Schiffes zu Boden gedrückt und mit Fäusten bearbeitete. Er wird in feinen Wahlkreisen( Reichstags- Wahlkreis Der Quartiermeister war Zeuge dieses Vorganges und brachte denselben unbegründet, verkündet Deutschlands Kanzler, die deutschen und gelegt. bie die französischen Interessen stoßen nirgends gegen einander, Deutsch- Schleswig- Holstein 9 und Landtags- Wahlkreis Segeberg) nicht wieder nach Begehung des Selbstmordes zur Anzeige. Diesen Bekundungen gegenüber erklärt der Bootsmann, dem J. nur einen Schlag ins Gesicht land werde Frankreich in nichts behindern, ja in Marokko und ander- Bei der Reichstagswahl am 16. Juni 1903 erhielt der freigegeben und ihn einigemale geschüttelt zu haben. Der Reichskommissar, wärts unterſtügen; aber die Voreingenommenheiten zwischen Deutsch- tonservative Dr. Stodmann im 9. Schleswig- Holsteinschen Wahl- Bizeadmiral z. D. Freiherr v. Bodenhausen, beschönigt die Brutalitäten des Bootmannes, indem er meint, zweifellos habe land und England, wie leicht können sie verschwinden; und die treise( Plön- Segeberg) 9186 Stimmen, der sozialdemokratische großen Allianzen endlich, fie dienen nur dem Frieden, fie sichern das Kandidat 4509, der nationalliberale 2597, der freifinnige 418 der Verstorbene durch sein Benehmen den Bootsmann schwer gereizt, und es erscheine verständlich, daß er ihn schüttelte und Gleichgewicht Europas. Die Nationen hatten sich eine furze Frist Stimmen. schlug, wenn dies auch selbstverständlich durchaus unstatthaft sei. beunruhigt, doch nun ist alles wieder fürtrefflich bestellt, dank der Hannover, 4. Dltober.( Eig. Ber.) Die Hausmann- Hohnroth- Es sei nicht aufgeklärt, ob ein Unfall oder ein Selbstmord vorliege, ebenso besonnenen wie freimütigen, ebenso friedlichen wie energie- affäre bei der Reichstags- Grjazwahl im Wahltreise sei aber das letztere der Fall, so sei dem Bootsmann kein Ver bollen, dank der genialen Politik des Herrn v. Bülow! Hameln- Springe im Juni dieses Jahres war am Montag in schulden beizumessen, denn die Mißhandlung sei nicht als Ursache Nur einige widrige Umstände hatten die nun überwundene trübe Lauenstein Gegenstand einer Verhandlung vor dem dortigen Schöffen des Selbstmordes anzusehen. Das Seeamt ist derselben Ansicht; der Beit herbeigeführt und könnten auch fernerhin das Friedenswert der gericht. Die Sache erregte feinerzeit großes Aufsehen und wurde in Spruch lautet in seinem entscheidenden Teile: Ob ein Unglüds Diplomatie stören, wenn sie nicht überwunden werden. Die Momente ber ganzen Breffe lebhaft erörtert. Der nationalliberale Kandidat fall oder ein Selbstmord vorliegt, hat nicht festgestellt werden können. der Friedensstörung, gegen welche des Kanzlers auswärtige Staats- Sausmann follte den welfischen Vertrauensmann Hohnroth aus Der Mann hat den Bootsmann Schmidt burch lärmendes und Daß funft ringen mußte, das sind die bösen Hintergedanken der Coppenbrügge durch 60 M. zu beſtimmen versucht haben, daß dieser renitentes Wesen so gereizt, daß dieser ihn geschlagen hat. bei seinen welfischen Parteigenossen dahin wirke, bei der Stichwahl diese Mißhandlung den Mann aber zum Selbstmord getrieben haben früheren französischen Regierungspolitik, das sind die heftigen mit dem sozialdemokratischen Kandidaten für Hausmann einzutreten. sollte, ist nicht anzunehmen." Diese Annahme ist für den schlagenden Zeitungspolemifen und die Nervosität des Bublifums bei uns in Diefer stellte, nachdem der" Courier" die ganze Sache zunächst Bootsmann sehr günstig. Das Sceamt ist weiter der Meinung, Deutschland und jenseits des Kanals. Doch gottlob, Herr Bülow überhaupt bestritten hatte, fchließlich diese so dar, daß er den daß die Massendesertionen nicht wegen schlechter Behandlung erfolgt ist all der bösen Feinde des Weltfriedens Herr geworden. Er ver- Sohnroth nicht, wie es in einem Teil der Presse dargestellt feien.Anstoß genommen? Gefängnis aus geschrieben hatte, gar nicht befördert worden ist, sondern ihm bei seiner Entlassung wieder zurückgegeben wurde. Ganz offen wird hier gesagt, daß, wenn Domela Nieuwenhuis ein englischer, französischer oder amerikanischer Bürger gewesen wäre, fandidieren. Chronik der Majestätsbeleidigungen. Aus München wird uns Wie deutsche Seeleute behandelt werden. Als Sektion Darmstadt.. Mainz " Gießen 1901 1902 1903 35,99 36,04 39,25 43,36 47,76 40,63 29,66 26,25 24,51 In Sektion Darmstadt und Mainz ist großenteils großstädtische Bauweise mit ihrer mörderischen Hast, hohen Gerüsten, Anwendung von Maschinerie 2c. üblich, daher die im Vergleich zu Gießen höhere Unfallziffern. Wegen Soldatenmißhandlungen in 49 Fällen und vorschrifts- bildet wird durch Verabreichung von Stipendien an die einzelnen Baustellen! Daher hohe Unfallziffern; es verunglückten pro widriger Behandlung Untergebener in 24 Fällen wurde der Unter- Bedürftigen qu forgen. Auf Antrag der Referentin tausend Arbeiter in der offizier Boß, 3. Komp. Garde- Fuß- Art.- Reg. in Spandau, von Mariani nahm dann der Rongreß eine Resolution dem dortigen Kriegsgericht am 28. September d. J. zu 6 Wochen für die Gleichstellung der Gehälter der Lehrer und Lehrerinnen an. Mittelarrest verurteilt. Wie wir vor etwa 6 Wochen mitteilen Nach Erledigung einer Reihe interner Fragen über den Unterkonnten, war Voß in einem anonymen Briefe bei seinem Kompagnie- ftigungs- und Pensionsfonds und ähnliches wurde Mailand als Chef, dem Hauptmann Maschte, arg verklagt worden. Die damals Siz des nächstjährigen Kongresses gewählt. eingeleitete Untersuchung hat die in jenem Briefe gegen Voß er- Bekanntlich kennt die italienische Volksschule keinen Religionshobenen Beschuldigungen reichlich bestätigt. Der militärische An- unterricht und ihr fünfjähriger Kursus ist die Voraussetzung für den fläger, Kriegsgerichtsrat Cörrenz, hatte für jeden Fall von Soldaten- Besuch der Mittelschulen. mißhandlung 5 Tage, für jeden Fall vorschriftswidriger Behandlung Untergebener 3 Tage Mittelarrest beantragt. Der Verteidiger des Boß forderte vom Hauptmann Maschte und den Unteroffizieren der 3. Kompagnie, die sämtlich geladen waren, ein Leumundszeugnis über Voß. Dem Umstande, daß dieses Zeugnis glänzend ausfiel, hat Voz seine milde Strafe zu verdanken. Das Garde- Fuß- Art.Reg. hat aber eine weitere Stapitulation mit Voß, dessen Dienst verpflichtung am 1. Oktober erloschen war, abgelehnt. Angebliche Schlappe in Südwestafrifa. Berlustliste. Dänemark. Kremser, Bauleiter der Zimmerer, führte in seinem Neferat 3 weidrittel aller Unfälle auf den Mangel von Schutz vorrichtungen zurüd: von 200 Unfällen falle nur einer dem Leichtsinn der Arbeiter zur Last und erst auf 400 entfalle einer, den Trunkenheit verschuldet. Ein Wahlrechtsreform- Betrug. Das Wahlrecht zum dänischen Folkething ist nominell für alle Wahlen gleich, ebenso wie das deutsche Reichstagswahlrecht; aber ebenso wie dieses, wenn auch nicht in Interessante Mitteilungen wurden in der Diskussion gemacht. So demselben Maße, wird es ungleich durch eine höchst ungerechte Wahlkreiseinteilung. Im Frühjahr dieses Jahres versprach der Minister famen beim Neubau des Kreisfrankenhauses in Langen mancherlei VerChristensen dem Folfething eine gerechte Wahlkreis einteilung Stöße vor, die der Berufsgenossenschaft angezeigt wurden. Der Name des Vertrauensmannes der Genossenschaft war nicht ohne weiteres zu mit gleichem Wahlrecht für alle wähler durch Ver- ermitteln, obwohl der Mann dem Gemeinderat angehört, an den In Kapstadt wird, den„ Central News" zufolge, eine faffungsänderung. Im dänischen Reichstage, der am Mon- die Arbeiter sich erst wandten! Die Genossenschaft hat allerdings die amtliche Meldung veröffentlicht, eine Hottentotten- Abteilung tag wieder eröffnet wurde, hat derselbe Minister am nächsten Tage Verstöße abgestellt. In Darmstadt froch ein Vertrauensmann unter Morenga und Morris habe am oder um den 30. Sep- einen Vorschlag zur Verfassungsänderung eingebracht, welcher lautet: der Arbeiter, der von den Gewerkschaften seinen Lohn ersetzt bekam, tember zehn nach Warmbad unterwegs befindliche Transport= wagen weggenommen, wobei zwei apburen des" Der erste Satz des§ 32 des Grundgefezes wird verändert in: neun Tage auf den Bauten herum; er stellte eine Menge Berstöße fest. In Worms büßten zivei Arbeiter bei einem Unfall das Leben Transportgeleites getötet worden seien. Ferner feien auf ber- Die Zahl der Foltethingsmitglieder ist 132." schiedenen Signalstationen zusammen 15 deutsche Soldaten Jetzt zählt der Folkething nur 114 Mitglieder, obgleich der ein, der nachgewiesenermaßen auf Nichtbeachtung der Schutzvorschriften getötet worden. geltende Grundsatz bestimmt, daß die 8ahl der Mitglieder zurückzuführen war. Eine Baupolizeiverordnung besteht; sie soll ungefähr dem Verhältnis entsprechen soll, daß auf den Bauten aushängen, aber viele Bauarbeiter haben sie nie zu Gesicht bekommen. Aus mehreren Orten wurde über miserablen auf 16 000 Einwohner ein Follethingsmann Zustand der Weißbinder-( Maler-) Gerüste geklagt. Im Tiefbau Berlin, 5. Oktober. Telegramme aus Windhut melden: kommt. Gerade diese Bestimmung ist es, die nun der Minister scheinen besonders schlimme Zustände zu herrschen. Im Branden Am 29. September d. 3. im Gefecht bei Aubes schwer ver- durch jenen Vorschlag ersetzen will. Die Wahlkreiseinteilung ist durch burgischen muß beim Ausschachten schon des nachſtürzenden Sandes wundet: Unteroffizier Karl Olschewski, geboren am 20. 2. 79 zu Arohau, Schuß rechten Fuß. Gefreiter Wilhelm ein besonderes Wahlgesetz festgesetzt. Was er versprochen hat, die wegen verschalt und versteift werden, in Hessen bei dem vielfach Reinsch, geboren am 25. 7. 80 zu Priedemost, Bauchschuß. Ungerechtigkeit der Wahlkreiseinteilung zu beseitigen, dazu hat der lehmigen Boden halten das die Unternehmer oft nicht für nötig, Beicht verwundet: Vizefeldwebel Richard Thiel, geboren Minister offenbar keine Neigung. Dagegen aber will er durch seinen 3. B. beim Bau kleinerer Kanäle. Wenn dann der schwere Boden 14. 4. 75 zu Görlik, Schuß rechten Fuß. Unteroffizier Richard Vorschlag die Bestimmung der Verfassung, wonach boch ins Rutschen kommt, ist das Unglüd um so größer. Sehr gut Reimann, geboren 4. 11. 82 au St.- Rimmersdorf, Streifschuß die Wahltreise ungefähr gleich groß sein sollen, ber Arbeiterpreise: die bloße Aussicht, daß etwas ins Blatt wirft nach den Bekundungen mehrerer Delegierten die Furcht bor rechten Fuß. Unteroffizier Wilhelm Schulz, geboren 2. 9. 78 zu beseitigen, anstatt ihr Geltung zu verschaffen. Burg( Spreewald), Fleischschuß linfe Schulter. Gefreiter Karl Wilhelm, geboren 26. 10. 82 zu Springstille, Fleischschuß linken Oberschenkel. Gefreiter Otto Schulz, geboren 6. 6. 82 zu Spandau, Eie fordert Ülebernahme der Bauarbeiterschutzgesetzgebung auf Zur inneren Lage Japans. Schuß rechte Ferse. Reiter Karl Hoffmann, geboren 12. 11. 81 das Reich, ungeachtet der Forderung, daß die Gemeinden folvie zu Elbing, Streifschuß linkes Ohr. Reiter Friedrich Graffen= Tokio, 5. Oktober.( Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die die Landesregierung in Hessen im Sinne eines ausreichenden Bauvorangehen. Die Hypothetengläubiger berger, geboren 5. 3. 84 zu Stallupönen, Streifschuß rechten offene Bewegung gegen den Friedensvertrag hat arbeiterschutes Oberschenkel. Reiter Anton Kaminski, geboren 11. 6. 83 zu tatsächlich aufgehört, dagegen ist ein Feldzug gegen die( Baugeldgeber) sollen haftpflichtig gemacht werden. Zur Aufsicht Wierzchucin, Schuß linten Oberschenkel. Reiter Karl Pellenz, Minister eröffnet worden, die einen sehr heftigen An- sollen technisch durchgebildete Beamte angestellt und praktisch gegeboren am 30. 8. 83 zu Trier, Geschoßsplitter rechten Oberarm. griff auszuhalten haben werden, wenn das zurzeit vertagte Barla Schulte Bauarbeiter sollen ihnen beigegeben werden. Behörden sollen Reiter Theodor Wloda, geboren am 11. 11. 82 zu Spandau, ment feine Sigungen beginnt. möglichst ihre Bauten in eigener Regie ausführen, wo dies nicht Fleischschuß Brust und rechten Arm. angängig, follen bei Submissionen die ortsüblichen oder tariflich festgelegten Lohn- und Arbeitsbedingungen bindend sein. Völlig freies Soalitionsrecht wird verlangt, da die Arbeiterorganisationen für den Arbeiterschutz unentbehrlich seien. Der hessischen Regierung wird Mißbilligung ausgedrückt, weil sie ihr Versprechen nicht erfüllt hat. Am 2. Oktober d. J. gestorben: Reiter Otto Behme, geboren 9. 3. 83 zu Bettmar( Oldenburg), im Feldlazarett MaltaHöhe an Lungenentzündung. Reiter Emil Sieger, geboren am 18. 9. 83 zu Arbon( Schweiz), im Lazarett Karibib an Ruhr. Husland. Frankreich. Alfien. Auftralien. Australische Arbeiterpolitik. tommt, hat schon Gerüstumbauten beranlaßt. Die Konferenz faßte Beschlüsse: Daß die Arbeiterpartei unter ihrem Führer Watson an Bedeutung und Einfluß in der Politik des australischen Staatenbundes außerordentlich gewonnen hat, ist schon oftmals berichtet worden. Die Aussichten für die bevorstehende Wahl zum Bundesparlament Einstimmig protestierte die Konferenz dagegen, daß in der sowerden als sehr günstig hingestellt. Es ist die Möglichkeit gegeben, eben erfolgten Ausschreibung der Bürgermeisterei Offenbach für daß Reform- Maßregeln zugunsten der Arbeiter in großem Maßstabe die Stelle eines Bautenkontrolleurs aus Arbeiter Der Kampf der sozialistischen Postbediensteten. eingeführt werden, und in den Arbeiterkreisen Australiens be- treisen mehrjährige Tätigkeit als Parlier zur Bedingung ge schäftigt man sich schon mit der Diskussion dieser Reformen. Es macht wird: Es wird Wahl durch die Arbeiterschaft analog der Baris, 2. Oftober.( Eig. Ber.) Die sozialistischen Postbediensteten foll beantragt werden, die Nationalisierung der Tabakindustrie und Wahl der Gewerbegerichtsbeisiger verlangt. Die Ausschreibung ist bleiben ftandhaft und geben das Recht der gewerkschaftlichen Ver- des Spirituosengeschäfts sofort vorzunehmen und dann die Stohlen allerdings befremdend; als die Stadtverordneten Versammlung den einigung nicht preis. Am Sonntag veranstalteten sie eine mächtige und Schiffsindustrie folgen zu lassen. Ein Uebelstand, unter dem Beschluß faßte, wurde lediglich gewünscht, die Bewerber sollten die Rundgebung. Zur selben Stunde, als in der Sorbonne der Unter- sämtliche australische Staaten leiden, ist ihre Verschuldung. Die Qualifitation als Parlier haben. Formell ist nach dem staatssekretär Bérard, der Chef der Post- und Telegraphenvereine. Arbeiterpartei ist dagegen, daß die Staaten weitere Anleihen auf- hessischen Gemeindegeses die Anstellung durch Wahl der Interessenten bei einem Fest des von der gewerkschaftsfreundlichen Minorität ver- nehmen, außer zu dem Zwecke, die Zinsen der vorhandenen Schulden nicht angängig, aber die Bürgermeisterei tönnte bei gutem Willen Laffenen Rumpffongresses präsidierte, hielten sie eine Versammlung zu bezahlen. Man will die Staatsausgaben aus der staatlichen die Wahl als Vorschlag betrachten und den Vorgeschlagenen dann ab, die von mehr als 4500 Bediensteten, darunter einer Anzahl Dele- Warenproduktion und durch die Einnahmen aus den öffentlichen anstellen. gierten der Provinz besucht war. Aus allen Teilen des Landes Ländereien decken und glaubt, daß man genügend Ueberschüsse aus Die Konferenz bestätigte schließlich einen im Jahre 1900 gewaren Zustimmungs- Telegramme eingetroffen. Bum Beginn der diesen Quellen ziehen kann, um ein großes System öffentlicher Werte faßten Beschluß, der Bildung von Bauarbeiterschutz KomDie Städte Mainz, Versammlung wurde mit Afflamation eine Resolution angenommen, errichten zu können. Es wird deshalb auch vorgeschlagen, daß der missionen für alle Baubezirke auregt. in der die Postbediensteten in der Geburtsstunde ihrer Getverkschaft Staat mit der Errichtung von Eisen- und Stahlwerken vorgehen Offenbach, Darmstadt, Gießen und Worms erhielten Auftrag, aus dem Weltproletariat ihren Gruß entbieten. Hierauf soll. Eine möglichst weitgehende Nationalisierung der bedeutenden ihren Schutzkommissionen je einen Vertreter zu einer 3entral wurden die Statuten der Gewertschaft angenommen. Industrien ist das Ziel, welches sich die Arbeiterpartei vorgesteckt tommission zu entfenden, die in Darmstadt ihren Siz hat. Die Der Sitz der Gewerkschaft soll die Pariser Arbeitsbörse fein. Ge- hat. Mit dieser Realpolitik ist man in den Kreisen der sozialisti Kommission hat die Aufgabe, Material über den Bauarbeiterschuh noffe Grouffier begrüßte die neue Rampforganisation im Namen fchen Parteiorganisation dagegen durchaus unzufrieden. Die Agitation zu sammeln und in geeigneter Weise zu verwenden zur Erlangung der sozialistischen Partei. Unter Hochrufen auf die Gewerkschaft und für den Sozialismus leidet darunter, so wird behauptet. Die Ar- von Bauarbeiterschutz- Bestimmungen sowie zu einer neuen Petition die Befreiung der Arbeiterklasse und mit dem Gefang der Inter- beiterführer seien emsig bemüht, den Sozialismus als eine harmlose an den Landtag. Diese Institution ist sehr zu begrüßen, leichter nationale wurde die Versammlung geschlossen. Erweiterung des Staatswesens den Massen mundgerecht zu machen. wie im Reich wird man in Hessen besseren Schutz erreichen können. Daß der jungen Gewerkschaft auch Kämpfe bevorstehen, geht Der Queenslander Worker" sagt:„ Die Koalition avischen Arbeiter. Wie man hört, will übrigens die Regierung noch in diesem Herbst aus der Rede hervor, die Herr Bérard beim Fest der alten Assoziation partei und liberalen Demokraten übt einen entnerbenden Einfluß eine Schutzverordnung herausgeben, es stehen nämlich Landtags. gehalten hat. Nachdem er Reformen zugunsten der Bediensteten in auf die meisten von uns aus. Die Vorsicht und Sicherheit, mit wahlen bevor! Aussicht gestellt hatte, erklärte er, es fönne nicht geduldet der wir immer nur einen Schritt vorwärts zurzeit wagen und das sind nun unsere Schlagwerden, daß die Berufsvereinigungen der Bediensteten in poli- lange Bausen inzwischen machen, tische Vereine verwandelt würden. Wenn diese Vereini wörter und Ideale. Mit gescheidter Miene debattieren wir geist In einem Rechtsstreite eines Landarbeiter- Ehepaares gungen verschwinden sollten, geschäbe das durch ihre reich über Evolution und schlafen dabei allmählich ein!" eigene Schuld, weil sie sich vom Wege der Weisheit und Ver- Rührigkeit der Gegner, die eine antisozialistische Stampagne durch spielte die Beschaffenheit der dem Ehepaare vom Gutsbesitzer nunft entfernt hätten. Die Bediensteten dürften nicht die Pflicht der alle Staaten des Bundes eröffnet haben, ist immerhin ein Zeichen, eingeräumten Wohnung eine Rolle. Dabei wurde festgestellt, daß die Wohnung schmutzig, dumpfig und feucht gewesen sei Disziplin verlegen und lärmende Manifestationen veranstalten." Das daß die Bewegung doch nicht ganz eingeschlafen sein kann. bedeutet also, daß der Chef des Postwesens die unbequemen Ver- Tom Mann, der englische Gewerkschaftsführer, der vor einiger und nahe beim Abort gelegen habe. Die Gerichte stellten sich einigungen verbieten will. Die Bediensteten haben indes schon ge- geit die Staaten bereiste, sprach sich freilich über den Stand der auf den Standpunkt, daß das nicht so schlimm sei; die zeigt, daß sie sich durch Drohungen nicht einschüchtern laffen. Die gewerkschaftlichen und politischen Bewegung unbefriedigt aus; er Wohnung sei wie die Wohnungen anderer Landarbeiter und Bariser Angestellten namentlich treten gefchloffen für die Gewert hatte weit mehr erwartet. Von Queensland erzählt er, daß dort die deshalb fei das Ehepaar nicht berechtigt gewesen, den Das fchaft ein. Ihre fonntägige Protests und Kampfversammlung war gewerkschaftliche Organisation sehr schwächlich sei. ein ebensolcher Triumph, wie das Fest der gewerkschaftsfeindlichen Orten hatte er den Eindruck, als erfenne er nur noch die Wellen Dienst vor Ablauf des Vertrages zu verlassen. Musterknaben und Angstmeier trotz des offiziellen Klimbims ein einer abgelaufenen Flut. Und wie steht es mit der politischen ist ebenso kennzeichnend für die Lage der Landarbeiter für die Auffassung der Gerichte, deren MitFiasko war. Organisation? Wohl, unzweifelhaft, politische Vereine bestehen in wie Italien. nahezu allen Orten, die ich besuchte, aber sie betätigen fich nicht glieder allerdings noch niemals dazu verdammt gewesen sind, viel für die Sache der Aufklärung. Steiner dieser Vereine hat in einer schmutzigen, dumpfigen und feuchten LandarbeiterLiteratur zum Verkaufe und es fänden wenig Versammlungen wohnung in der Nähe des Aborts zu wohnen. Die gelehrten zu erzieherischen Zwecken statt. Die kapitalistischen Parteien ver- Herren Richter würden es sich gewiß nicht gefallen lassen, stehen eine solche Schwäche und Untätigkeit zu ihrem Vorteil auszuwenn ihnen der Fistus eine solche angenehme Dienstwohnung nuzen. Seit Monaten schon hat die bürgerliche Presse das sozialistische Gespenst heraufbeschtvoren. Durch das gange Land er schallt das Wort„ Sozialismus", aber von seinem Wesen ist recht ivenig zu spüren." Der Rongreß der italienischen Bolfsschullehrer. Die Berichte über die Erdbebenkatastrophe in Calabrien hat die italienische Tagespresse davon abgehalten, die Verhandlungen des fünften Kongresses des Verbandes der italienischen Volksschul lehrer zu verfolgen, der am 11. und 12. September in Cagliari in Sardinien getagt hat. Wir entnehmen dem Organ des Lehrerverbandes, den ,, diritto della scuola" die nachfolgenden Angaben über den Kongreß und den Verband der Lehrer, der zu den bedeutendsten Berufsverbänden Italiens gehört. Soziales. Bauarbeiterschutz in Hessen. Die Ben anderen anwiese. Landarbeiterwohnungen. Unser Berichterstatter am Rammergericht berichtet uns über die Angelegenheit: Die Engelmannschen Eheleute, die ihre Stellung als Erntearbeiter auf dem Rittergut Denkar vor Vertragsablauf verTassen hatten, waren auf Grund des Gesetzes vom 24. April 1854, betreffend die Verletzungen der Dienst pflichten des Gesindes und ber ländlichent Von 51 160 amtierenden Volksschullehrern und Lehrerinnen find zurzeit 32 781 im Verband organisiert, in 513 Ceftionen in allen Für besseren Schutz der Bauarbeiter demonstrierte am Sonntag Arbeiter bestraft worden, nachdem der Gutsadministrator dies 69 Provinzen Italiens. Der Prozentsatz der Organisierten auf die Bahl der angestellten Lehrer ist in den verschiedenen Regionen sehr eine in Offenbach abgehaltene Konferenz hessischer Bau- beantragt hatte. Das Schöffengericht hielt diese Bestrafung wegen verschieden. An der Spize marschiert die Emilia, in der 95 Proz. arbeiter, die aus 30 Orten mit 75 Delegierten beschickt war. widerrechtlichen Verlassens des Dienstes aufrecht, worauf die Anorganisiert sind, dann Toskana mit 83, die Marten mit 82 Broz., Ajulien Es bestand früher eine Schußkommission für den ganzen Bezirk der geflagten Berufung einlegten. Sie machten hauptsächlich geltend, sie und Sardinien mit 75 Broz., Sizilien mit 74, Latium und Umbrien mit 72, hessen- nassauischen Baugewverts- Berufsgenossenschaft, die aber nach hätten die Stellung mit Recht aufgegeben. Nicht sie hätten vertragsVenetien mit 64, die Lombardei mit 60, Campanien mit 56, der Uebermittelung der Bauarbeiter- Beschwerden an die Landtage widrig gehandelt, sondern die Gutsverwaltung, indem sie ihnen Calabrien und Abbruzzen mit 56, die Basilienta mit 45, Ligurien sich aufgelöst hat. Die Offenbacher nahmen mun die Verfolgung der eine durchaus ungesunde Wohnung überwiesen habe, die mit 43 und schließlich der Piemont mit nur 43 Broz. Organisierten. Sache für das Großherzogtum Hessen in die Hand, um auf schmußig, dumpfig und feucht gewesen sei. Das Landgericht Stenda! Am Kongreß nahmen über 200 Delegierte teil; einige von Gemeindeverwaltungen und Kammern beffer einwirfen zu können. verwarf jedoch die Berufung und führte unter andermans: diesen hielten es für höflich, als der Minister Bianeti Das erscheint auch sehr notwendig. Wohl hat die hessische Re- Die Mängel der Wohnung seien nicht derart gewesen, daß zum Verlassen der Wohnung vorgelegen hätte. zu reden anfing, mit Dftentation den Saal zu verlassen. gierung in der Zweiten Kammer am 16. Dezember 1903, als über ein Grund hätten mehrere Zeugen ausgesagt, daß die Aus der Rede des Ministers ist hervorzuheben, daß er eine Petition wegen Erlaß einer Schußverordnung beraten wurde, Allerdings fich für den gemeinsamen Unterricht der Knaben und Mädchen ihre Sympathie mit den Forderungen der Arbeiter ausgedrückt und Wohnung schmuzig, dumpfig und feucht sei, und nicht aussprach und die unteren Klaffen ausschließlich Lehrerinnen sie hat von Verhandlungen mit Gewerbe- Inspektoren 2c. berichtet, weit vom Abort liege. Nach anderen Aussagen( z. B. der des anvertraut sehen möchte. Die Arbeiten wurden mit der Annahme hat auch Bläne entwickelt, wie Techniker herangebildet werden Administrators! Der Berichterst.) sei es aber nicht so sehr schlimm. einer Resolution eröffnet, in der der Kongreß den Opfern von fönnten, sei es zum selbständigen Wirken als Bauinspektoren, sei es Die Wohnung sei ebenso, wie die anderer Arbeiter. Die Angeals Hülfsorgane der Getverbe- Aufsicht doch bei den Beratungen, flagten hätten durch ausgiebige Lüftung und Reinigung selbst AbGrammichele seinen solidarischen Gruß entbieten. Es wurde darauf die neue Eramenordnung scharf fritisiert und Erwägungen und Versprechungen ist's geblieben, irgend etwas Greif hülfe schaffen müssen. Die Angeklagten legten Revision ein: Sie hätten auf dem Gute eine Tagesordnung angenommen, die sich gegen die Bureaukratifiering bares tam nicht heraus. Lediglich für einzelne Gemeinden und und den Schematismus in der Schule richtet. Ueber die Unterstützung Verwaltungsbezirke find Verordnungen erlassen worden, mit deren eine selbständige Haushaltung geführt. Nach§ 626 des Bürgerlichen der Waisen von Volksschullehrerit fam es zu einer lebhaften Einhaltung es mangels genügender Aufsicht auch schlecht bestellt ist. Gefeßbuches genüge deshalb schon ein wichtiger Grund", die Arbeit Diskussion. Der Sozialist de Robbia forderte die Errichtung Die zuständige Berufsgenossenschaft forgt gleichfalls nicht für die mit Recht zu verlassen. Dieser fei in der ihnen überlassenen Wohnung weiterer Erziehungshäuser und die Reformierung der beiden notwendige Kontrolle; für den großen Bezirk Großherzogtum und zu finden. Sie sei total verwahrloft gewesen. Ein Blick in das bereits für die Lehrerwaisen bestehenden. Er erklärte, die Familie Regierungsbezirk Hessen- Nassau find drei Aufsichtsbeamte angestellt, Protokoll zeige, daß die Zustände direkt standalöse gewesen seien. wäre fein erzichliches Milien, die moderne Erziehung läge den An die in der Hauptsache der Kontrolle der Lohnbücher sich widmen. Der Gutsadministrator werde sie natürlich für gut hinstellen. Das stalten ob. Es drang aber die gegenteilige Ansicht durch, die fordert, Auf Bauten kontrolle entfielen in den sechs Kreisen: Offenbach, Landgericht verkenne die Pflichten des Gutsbesizers, der den ländfür die Erziehung der Lehrerwaijen für die durch Einbehaltung Dieburg, Friedberg, Hanau, Schlüchtern und Obertaunus im Jahr lichen Arbeitern vertraglich eine Wohnung einräume. Solche Wohje eines Tagelohnes im Jahr von der Regierung ein Fonds ge- ganze 40 Tage, also rund eine Woche pro Kreis mit wohl tausend nungen dürften eben nicht dumpfig, feucht und schmutzig sein. Das Kammergericht BoB iaS Urteil auf und berwieS die Sache mit folgender Begründung an das Landgericht zurückst Die Angriffe der Revision feien allerdings unberechtigt. Die Aufhebung des land- gerichtlichen Urteils muffe indessen erfolgen, weil der Strafantrag nur vom Adniinistrator des Gutes unterzeichnet sei und Z 1 des Gesetzes über die Dienstverletzungen des Gesindes und der länd- lichen Arbeiter die Bestrafung von einem Strafantrag der.Herr- schaft" abhängig niache. Einen Administrator habe das Kamnier- gericht noch niemals als Herrschast angesehen. Das Landgericht müsse nachprüfen, ob der Gutsbesitzer bei dem Strafantrag mit- gewirkt habe und inwiefern, um dann festzustellen, ob der Straf- antrag vielleicht durch solche Mitwirkung ein Antrag der Herrschaft geworden sei. Wenn nicht, dann müßte allerdings wegen Nicht- Vorliegens eines gültigen Strafantrags Freisprechung erfolgen. SewerKlcKaftlieKes. (Siehe auch 1. Beilage). Blamierte Terroristen. Die Kölner Maler- und An. streichcr-Jnnung hatte bekanntlich am 8. September bc- schlössen, daß sämtliche organisierte Gehüisen, sowohl die Mitglieder der freien Gewerkschaft als die des„christlichen" Verbandes, aus- gesperrt werden sollten. Es handelte sich um die Erneuerung des bereits im April aus Anlaß des Kölner Malerstreiks gefaßten Be- scklusscL einer Unternehmer-Bersammlung, daß am 1. September alle Gehülfen auszusperren seien, die bis dahin nicht aus ihrer ge- iverlschafrlichen Organisation ausgetreten seien. Diese ebenso freche wie tolle Antastung des Koalitonsrechtes sollte eine Massenflucht aus den beiden Verbänden zur Folge haben und dadurch ein« Wiederholung der Lohnbewegung im kommenden Frühjahr unmöglich machen. Die beiden bedrohten Gehülfenverbände haben aber durch den Beschluß nicht ein einziges Mitglied verloren. Der Schreckschuß verfehlte vollständig seine Wirkung. Als der 1. September nahte, glaubte die Innung, um sich nicht lächerlich zu machen, den Beschluß vom April auch verwirklichen zu müssen. Die erste zu diesem Zwecke einberufene Jnnungsversammlung blieb beschlußunfähig; es kam vielleicht ein Dutzend Meister. Zu der erneut veranstalteten Versammlung erschienen der Jnnungslcute vier ganze Dutzend, wobei der durch sein Auftreten auf dem Münchener Malcrtag sattsam dclannte Obermeister Peter Maubach für zweie gezählt ist. Man beschloß trotz des keineswegs ermutigenden Besuches— es gibt in Wu gemäß dem Adreßbuch etwa 600 Malermeister— die Aus- sverrung durchzuführen. Den Kölner Meistern aber ist es nicht eingefallen, den Jnnungshanswürsten den Gefallen zu tun und den wahnwitzigen Beschluß auszuführen, der lediglich den„Obermeister" bor einer Blamage bewahren sollte. So kannte denn am Dienstag- abend in einer zahlreich besuchten Gchülfcnvcrsammlung berichtet l Verden, daß von einer Aussperrung in Köln nichts zu merken ist. Es haben sich bis jetzt, also nach vier Wochen, ganze zwanzig Mitglieder bei denr Verbände als ausgesperrt g e in e l d e t. So beschloß denn die Versammlung einstimmig, über den Beschluß der Innung einfach zur Tagesordnung überzu- gehen.— Wie man in Meisterkreisen über die Sache denkt, mag man daran ermessen, daß die„Berliner Maler-Zeitung", also ein Arbeitgeberblatt, schrieb, sie habe bei Bekanntwerden des Jnuungs- beschlusseS zunächst cm einen verspäteten Faschingsscherz geglaubt, Der Verband der sächsisch-thüringischen Webereien hat von der Ablehnung des neuen Lohntarifcs durch die Arbeiterschaft jetzt offiziell Kenntnis erhalten und seinerseits weitere Verhandlungen als zwecklos zurückgewiesen, weil die in den einzelnen Ortsgruppen gemachten Zugeständnisse das Ultimatum bildeten. Der Arbeiterschaft wurde zugleich eröffnet, daß alle Zugestand. nisse als zurückgezogen zu gelten haben, die der neue Tarif enthielt, daß aber dieser Tarif nebst den allgcmeiiicu Arbeitsbedingungen sofort in Kraft treten soll, sobald sich die Arbeiterschaft noch zur Annahme des Tarifcs in der endgültig fest- gesetzten Form bereit erklärt. Eine machtvolle Kundgebung des arbeitenden Volkes, eine Kundgebung für die Zehntausende von Arbeitern und Arbeite. rinnen, die das Herrschgelüste der Könige von Mmmnons Gnaden aufs Pflaster geworfen hat, waren die LS Volksversammlungen vom Donnerstag abend. Von Charlottenburgj über Moabct, Wedding und Gesundbrunnen, Roscnthaler und Schönhauser Vor- stadt, Königs- und Frankfurter Viertel nach Friedrichsberg und Rummelsburg hinunter zum Südosten bis Rixdorf und ostwärts über Obcrschönetveide und Köpenick bis nach Friedrichshagen hinaus— allüberall traten sie zusammen zu Hunderten und Tausenden, ein gewaltiges Heer von Männern und Frauen der Arbeiterklasse, und legten eirnnütig Protest ein gegen den toll gewordenen Ucbcrmut brutaler Magnaten des Kapitals. Ter Beginn der Versammlungen war auf%9 Uhr festgesetzt, aber schon vor �8 Uhr, ja vor 7 Uhr eilten Scharen von Arbeitern und Arbeiterinnen nach den Versau milrnigssälm In Berlin waren besonders die Straßen des Nordwestens und Nordens, der Stadt- teile, in denen die von der Aussperrung und Arbeitsniederlegung be- troffenen Werke der Elektro-Jndustrie liegen, von Tausenden belebt. Vorbei zogen sie an den Zwingburgen deS Kapitals, die jetzt einsam dalagen, bewacht nur von Schutzleuten und von Streikposten. Schon vor%0 Uhr waren die Stratzem leer und ausgestorben. Aber drinnen in den Sälen saßen und standen Schulter an Schulter und Kopf an Kopf die Tausenden und harrten des Beginns der Ver- sammlung. Mit wenigen Ausnahmen hatten die Lokale polizeilich gesperrt lverden müssen, meist schon in der achten Stunde. Vielfach war der Zudrang so gelvaltig, daß sehr bald die Tische hinausgeschafft werden mußten, um Platz für die Nachdrängenden zu schassen. Moabit. Wedding, Gesundbrunnen, Rosenthaler Vorstadt, Schön- hauser Vorstadt hatten Versammlimgen, so imponierend, wie wir sie dort seit langem nicht gesehen haben. Fast überall in diesen Stadttvierteln der Arbeit und der Arbeiterklasse wurde ein« Ab- sperrung nötig, besonders zeitig im Kolberger Salon, im Marienbad, in den Swinemünder Festsälen usw. Aber auch im Nordosten und im Osten war der Besuch sehr stark. Der große Saal der Brauerei Friedrichshain war bis auf den letzten Platz gefüllt, der Riesensaal von Keller in der Koppenstraße war überfüllt bis hinauf zu den Galerien. Von machtvoller Wirkung, wie da? äußere Bild dieser 5tund- gebung, war auch ihr ganzer Verlauf. In atemloser Spannung lauschten die Versammelten den Worten der Redner, vielfach unterbrach zustimmender Beifall ihre Ausführungen, ein Sturm der Be- geisterung bildete den Abschluß. Die Haltung war überall würdig— es ist lächerlich, daß man erst noch hervorheben muß, was ganz selbstverständlich ist für klassenbewußte Arbeiter und Arbeiterinnen, die im Lohnkampf stehen. Aber hier und da schien, man eS doch anders erwartet zu haben, das bewies das starke Schutzmannsanfgc- bot, das vor und neben einigen der Versammlungslokale bereit ge- halten wurde. In allen Sälen wurde einmütig der vorgelegten Resolution zugestimmt, die den Kampf, den die Kapitalherren der Elektro-Jndustrie ihren Arbeitssklaven aufgenötigt haben für eine gemeinsame Sache der gesamten Arbeiterschaft erklärt. Die Resolution» welche angenommen wurde, hat folgenden Wortlaut: Die heute virsaiffifteltLft Arbeiter und Arbeiterinnen Groß- Berlins nehmen Kenntnis von dem Stand der Streiks und Aus- sperrungen in der Berliner Eleltro-Jndustrie. Die Versammelten sehen in der rigorosen AuSsperrungZ- Maßregel nicht bloß eine Abwehr der Forderungen der Streikenden, sondern hauptsächlich einen von den vereinigten Unternehmern geplanten Schlag gegen die gesamte Arbeiterschaft und deren Organisationen. Die weitere angedrohte Aussperrung durch den Kühnemänner- ring zum 14. Oktober gibt zur Genüge den Beweis, daß die Kühnemänner durch ihre Aussperrungsmethode es nur auf eine Erdrosselung der Arbeiterorganisationen abgesehen haben. In Erwägung, daß ein bedingungsloses Aufnehmen der Arbeit nicht nur die Arbeiter und Arbeiterinnen der Elektro- Industrie treffen würde, sondern die Erdrosselungsgelüste der Unternehmer sich auch auf andere Jndustriegruppcn übertragen wird, verpflichten sich die Anwesenden, mit allen Mitteln dafür einzutreten und dahin zu wirken, daß das Vorgehen der Unter- nehmcr in gebührender Weise zurückgewiesen wird. Des weiteren erachten die Versammelten es für äußerst nötig, auf dem schnellsten Wege für materielle Hülfe zu sorgen und verpflichten sich, die eingeleiteten Sammlungen aufS eifrigste zu betreiben und zu unterstützen. • Bei der großen Zahl der Versammlungen können wir leider nicht aus allen Berichte geben und lassen deswegen nur solche über die wichtigsten Versammlungen folgen: Die Versammlung in.Marienbad" war vollständig über- füllt und schon lange vor Beginn polizeilich abgesperrt. Hunderte von Personen mußren infolgedessen wieder umkehren. Bemerkenswert war die große Anzahl von Frauen, die sich eingefunden hatten und teilweise stehend den Ausführungen des Referenten B ehrend vom Metallarbeiter-Verband zuhörten. Vor allem machte sich die Entrüstung der Anwesenden über die einseitige Partei- nähme der Behörden zugunsten der.Funkenprotzen" geltend. Diese Empörung kam auch in folgendem, ciiistimmig angenommenem Zusatz zu der allgemeinen Resolution zum Ausdruck. Er lautet: Des weiteren legt die Versammlung auf das energischeste Protest dagegen ein, daß sich wiederum die Behörde auf die Seite der Arbeitgeber begibt, indem sie Feuerwehrleute, Polizeimannschaften und selbst Eisenbahnangestellte, die auch von den Sieuergroschen der Arbeiter mitunterhalten lverden, willkürlich in den Dienst des Unternehmertunis stellt. Die öffentliche Vollsversammluna bei Wille war bereits um 8 Uhr polizeilich abgesperrt. Der Referent W i e s n e r schilderte den Ansang des Kampfes, die dann von den Unternehmern vor- genommene Aussperrung und geißelte im besonderen das Verhalten der Staatsbehörden in diesem Kampfe. Der Vortrag wurde mit starkem Beifall aufgenommen und die Resolution mit dem auch anderwärts hinzugefügten Zusatz einstimmig angenommen. Dem Antrage, eine Tellcrsammlung zugunsten der Ausgesperrten vorzu- nehmen, wurde ebenfalls einstimmig zugestimmt. Die Säle des Moabiter GesellschaftshauseS, Wiclef- straße, waren bis auf den letzten Platz von Männern und Frauen gefüllt, so daß der bekannte Apfel kaum zur Erde konnte, selbst die Bühne mutzte in Anspruch genommen werden, um einen erträglichen Aufenthalt zu schaffen. Z e r n i ck e sprach im grotzen Saale. P a g e l S im kleineren. Sie schilderten noch einmal kurz die Entstehung der Aussperrung. Bei der Gegenüberstellung der erbärmlichen Löhne der Arbeiter mit den über Ministergehälter hinausgehenden Tantiemen der Direktoren und Vorstandsmitglieder brach sich die Entrüstung der Versammelten in drastischen Ausrufen Bahn. Die Stimmung der Versammelten bestätigte die Worte eines Redners, als er bei der Schilderung der brutalen Unternehmcrclique und der Praktiken ihre? Arbeitsnachweises in der Gattenstratze, wo die Arbeiter wie Zuchthäusler behandelt würden, ausrief, daß der Haß gegen diese rücksichtslose Gesellschaft eüigewurzelt sei in die Herzen der Berliner Arbeiter. Mcht minder elementar kam die Empörung der Arbeiter« schaft zum Ausdruck bei der Verurteilung der Regierung, die Kasernenbetten und Streikbrecher stellt, die ihre Beamten zwingt, da? zu tun, was unter allen anständigen Menschen als ehrlose Handlung gilt. In beredten Motten fordetten die Redner auf zur llntcrsiützung der Ausgesperrten und zum Eintritt in die gewerkschaftlichen und politischen Organisationen, daß an der geschlossenen Kette der Arbeiterschaft die brutale Gewalt der Unternehmer zerbrechen mutz. Die Resolution fand ein- stinimige Annahme. Mit begeisternden Hochrufen auf die moderne Arbeiterbewegung fanden die Versammlungen ihr Ende. Die Versammlung in AhrenS Brauerei war gut besucht. Dort sprach Genosse Fiedler. Ein AuSgespertter berichtete noch über Vorkommnisse auS der Turbincnfabrik. wo die Polizei sich anbot, das Werk am AuSsperrungstage zu besetzen. Die Teller- sammlung wurde nach Schluß der Versammlung fortgesetzt. Die Versammlung bei Lipps am FriedrichShain war von über 1500 Personen besucht. Hier schilderte D o r n b l ü t h, Ver- treter des Gewerkvereins, die Entwicklung des großen Kampfes und das rücksichtslose Vorgehen des Unternehmertums, dem es, wie auch der Redner bemerkte, offenbar nicht um die Abwehr der geringen Forderungen der paar bundett Streikenden, sondern um die Unter- grabung der Arbeiterorganisationen zu tun ist. Als der Redner von der Streikbrecherlieferuug durch die Staatsbehörden sprach, gab die Versammlung in lauten Pfuirufen ihrer Erbitterung Ausdruck. tum Schluß seiner oft von Beifall ununterbrochenen Rede >rach er die Hoffnung aus. daß trotz der Lügen, durch die das Unternehmertum die Oeffentlichkeit zu täuschen sucht, die Berliner Bürgerschaft doch zu der Einsicht kommen werde, daß nicht die Arbeiterschaft, sondern gerade das Unternehmertum selbst eS war, daS den Kampf herauf« beschworen hat, und meinte ferner, auch die Behörden sollten nun endlich einmal einsehen, daß ihre Aufgabe hierbei nicht die Unterstützung der so brutal gegen die Arbeiter vor- gehenden Kapitalisten lein dürfe. Die Arbeiterschaft aber müsse jetzt fester als je zusammenhalten, damit die Airsgesperrten nicht unter- liegen.— Ein Diskussionsredner verlangte, daß man nicht toatten solle, bis die Kühnemänner die angedrohte neue Aussperrung durchführen, sondern sofort zum Angriff übergeben. Darauf erwidette der Referent, waZ in dieser Hinsicht geschehen solle, darüber dürfe in diesem grotzen Kampfe nicht der Einzelne ent- scheiden, daö müsse man der Zenttalleitung überlassen, die zu jeder Zeit genau erwägen werde, welche Maßnahmen notwendig und zweckmäßig seien. KellerS Saal bot das Bild einer imposanten VollSversammlung, wie wir sie zu sehen gewohnt sind, wenn außergewöhnliche Vorgänge das Interesse der Arbeiterklasse erregen. BiS in den letzten Winkel waren Saal und Galerien von einer dichtgedrängten Menge gefüllt. Eine Schar von Frauen und Männern, die schon durch ihre An- Wesenheit bekundeten: Wir find willens, unseren in den Kampf ge- triebenen Arbeitsbrüdern zu helfen, soweit unsere Kraft reicht, damit der Ansturm deS herrschsüchtigen Unternehmertums zurück» geschlagen wird.— Außerhalb des Saales, in verschiedenen Winkeln versteckt, eine zahlreiche Polizeimannschaft, und im dunkelsten Winkel des langen Hofes ein Trupp von zehn reitenden Schutzleuten, die sich die Frage vorlegen mochten: Weshalb eigentlich müssen wir uns seit vierzehn Tagen bei jeder Versammlung hier herumdrücken?— Nach Eröffnung der Versammlung nahm Busse vom Metall. arbeiter- Verband vaS Wort. Er schilderte den Hergang deS Kampfes, kennzeichnete unter allgemeiner Entrüstung der Ver- sammlung daS Eingreifen der Behörden zugunsten deö Unternehmertums und appellierte schließlich an die Solidarität der gesamten Arbeiterschaft, sie zur Unterstützung ihrer kämpfenden Klassen- genossen auffordernd.— Der stürmische Beifall, der den AuS- führungen deS Refetenken folgte, bewies, daß die Massen entschlossen sind, die von ihnen geforderte Solidarität in weitestem Maße zu üben.— Nachdem noch einige Diskussionsredner demselben Gedanken Ausdruck gegeben hatten, wurde die vorgelegte Resolution einstimmig angenommen. In den Andreas-Festsälen, AndrcaSstraße 21, hatten sich annähernd 1000 Personen eingefunden, denen K. W ü ck e vom Metallarbeiter-Verband eingehend Entstehung und Entwickclung des Kampfes schilderte und mit unwiderstehlicher Beweiskraft die Lügen aufdeckte, die der Kapitalistenklüngel durch seine KuliS in der Presse verbreiten läßt. Durch vielfache Zwischenrufe bekundeten die Versammelten, daß sie unter den obwaltenden Lohnverhältnissen, die Redner auf das objektivste darstellte, die Forderungen der Streikenden für das allermindcste hielten. Gewaltige Empörung durchbrauste den Saal, als Wücke durch einfaches Verlesen eines Artikels der„Arbeitgcbcr-Zeitung" die abgrundtiefe Heuchelei an den Pranger stellte, die einen Gewaltstreich der Arbeiter vor- spiegelt und von einer„leider notwendig gewordenen Aus- sperrung" spricht. Und diese Empörung flammte noch manchmal auf, besonders auch gegenüber dem Eingreifen der staatlichen Bc- Hürden und der neuen Aussperrungsdrohung der Kühnemänner. Als ein bedeutungsvolles Zeichen hob der Referent hervor, daß ein Polizeioffizicr in der Schlcgelstraße die„Arbeiterpolizei" weg- gewiesen habe. Das sehe aus, als ob jetzt die Provokationen loS- gehen sollten.(Stürmische Entrüstung. Zurufe: Russisch. Ein 22. Januar ä la Petersburg.) Den zur Unterstützung der Kämpfenden und Ausgesperrten anfeuernden Schlußworten folgte langanhalten- der Beifall.— Schlenker von der Mctallarbeiter-Gewerkschast fand ebenfalls treffliche Worte zur Kennzeichnung der Situation und der„Funkcnprotzcn". Seiner Meinung nach ist die Lehre aus dem Gang" der Dinge zu ziehen, daß die Organisationen schneller und kräftiger zugreifen müßten, wenn die Unternehmer wieder mal solchen Tanz wagen sollten. Diesen Wunsch richtete er auch be- züglich der neu angedrohten Aussperrung an das Zentralstreik- komitce. Auch seine Ausführungen fanden bei der Versammlung lebhafteste Zustimmung. Die Resolution wurde einstimmig an- genommen. Letzte f�acbncbtcii irnd Depefeben« Eiscnblihnunfall. Frankfurt a. M., 5. Oktober.(SB. T. B.) Heute mittag ent- t leiste, wie die„Frankfurter Zeitung" meldet, auf einem hohen )amm auf fteier Strecke bei Niederhausen zwischen Kirn und Münster am Stein die Lokomotive des Metz-Frankfurter Schnellzuges Nr. 143. Infolge einer Drehung nach links blieb die Lokomotive mit dem Zuge aus dem Damm stehen. Personen sind nicht verletzt. Der Zug wurde auf ein anderes Gleis gesetzt und traf mit l�siündiger Verspätung hier ein. Die Ursache der Entgleisung ist noch unbekannt. Wien, 5. Oktober.(W. T. B.) 5k b g e o r d n e t e n h a u S. Bei der Beratung der Dringlichkeitsanträge betreffend die Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts erklärt Kramarcz, der Dringlichkeitsantrag der Tschechen sei kein Agitationsmittel, er ergebe sich vielmehr aus der Notwendigkeit, die großen Massen im eigensten Interesse des Staates zur Mitwirkung der Gesetzgebung heranzuziehen. Redner widerlegt die gegen das allgemeine Wahlrecht erhobenen Einwendungen und bezeichnet namentlich die Furcht vor Nichtbewilligung der Staaisnotwendig- leiten, besonder» der Militärlastcn, als unbegründet. Auch der Ab- schluß des nationalen Friedens werde nicht eher möglich, als bis daS Privilegium im Parlamente aufgehört habe, denn ein Fttedens- schluß zwischen den Privilegierten und den Unterdrückten sei un- möglich. Er glaube nicht, daß der Ministerpräsident sich in die ungarischen Wahlangelegenheiten eingemischt habe, er nehme jedoch indirekt Einfluß darauf, wenn er sich hier gegen daS allgemeine Wahlrecht ausspreche. Redner erwartet von der Einführung deS allgemeinen Wahlrechts hüben wie drüben einen günstigeren Boden für die Regelung des Verhältnisses zwischen beiden Reichsteilen, bekämpft das Argument, als ob die deutsche Minorität im neuen Parlament durch die Slaben unterdrückt werden könnte und erklärt, die Tore der Volksvertretung müßten den breiten Volksmassen frei- willig geöffnet werden. Abgeordneter Schusterschitsch betont gleichfalls die Notwendigkeit, das Parlament durch die Einführung deS allgemeinen Wahlrechts unter gleichzeitiger Reform deS Herren- Hauses aktionsfähig zu machen. Ein solches Parlament werde energisch an die nationalen Fragen herantreten und eine Lösung für dieselben finden. Abg. Fresl(tschechisch-radikal) führt auS, die Deutschen seien die größten Feinde des allgemeinen Wahlrechts.— Abg. B re i st e r (Ruthene) erklärt, die Frage de» allgemeinen Wahlrechts dürfe nicht mißbraucht werden, um ein gewissenloses Spiel mit dem Volke zu treiben.— Abg. DaszynSki(Soz.) führt aus. Oesterreich sei als moderner Staat unmöglich, weil die großen Massen staatsfremd erhalten würden. Redner greift den Minister- Präsidenten und die Dynastie an und bezeichnet eS�alS ein� Zeichen deS Verfalls des Parlaments, daß der Ministerpräsident über die wichtigsten Fragen der Monarchie mit nichtssagenden Phrasen hin- weggehen dürfe. Hierauf wird die Verhandlung abgebrochen. London, 5. Oktober.nus zu unterstützen, der andere sei dessen noch(?) nicht würdig. Dadurch würden die Frauen allerdings zur Regeneration des Liberalismus beitragen können. Die Gegen- sätze gegen die Sozialdemokratie dürften niemals so scharf betont werden, daß ein eventuelles Zusammengehen unmöglich gemacht werde. Er wüßte sich nichts Wirkungsvolleres zu wünschen, als wenn bei Angriffen auf wichtige Frauenrechte einmal Frau Zetkin und Frau Cauer zusammengehen könnten, das würde ein großer Tag sein. Diese Möglichkeit darf nicht durch Verbitterung auS- geschlossen werdeil. Die Frauen müßten die Stellung des Zentrums auf dem Straßburger Katholikentage, die Rede des P. Auracher für ihre Bewegung entsprechend ausnützen. Auch Frl. L ü d e r s wendet sich ans taktischen Gründen gegen die Festlegung des Ver- bandes für Frauenstimmrecht für das liberale Lager. Frl. Hey- mann wendet sich in ihrem Schlußwort gegen die Kolonial- und Flottenrede des Frl. L i s ch n e w s k a und bedauert eS. daß schon in der Schule die Kinder durch Flottenlieder für eine emseittge politische Anschauung bearbeitet werden. Sie ist der festen Ueber- zeugung, daß die Frauen durch ihre Arbeit für den Liberalisnms viel dazu beitragen können, die Fahne des Liberalisnins hochzuhalten, sie setzt volles Zutrauen auf die jungen Elemente im Liberalismus. Die sämtlichen Ausführungen von Frau Rüben haben sie in der Ansicht be- stärkt, daß sie auf dem richtigen Wege sei. Wir können uns nur an die liberalen Parteien halten, weil wir nur in ihnen in der Lage sind, das besondere Moment, das wir in das politische Leben zu tragen fähig sind, zur Geltung zu bringen: die frauenrechtle- rischen Tendenzen.--- Es unterliegt für uns wohl keinem Zweifel, daß der Tag nie- mals kommen wird, au dem Frau Zetkin und Frau Cauer, will sagen die proletarische und bürgerliche Frauenbewegung zusammengehen werden, eS müßte denn sein, daß das Unmögliche geschähe, daß die bürgerlichen Frauen ihre Klasse verließen und zum Proletariat übergingen. UnS trennt eine ganze Welt von einander, wir können uns mit ein- ander nicht verständigen. Wir kämpfen nicht um fraucurechtlerische Tendenzen; wir kämpfen für die Menschenrechte aller Völker, aller der unterdrückten, entrechteten, enterbten Klassen, für die Männer, die Frauen, die Kinder. In unseren kleinen und kleinsten Kämpfen verlieren wir niemals dieses Ziel aus den Augen und deshalb haben wir nichts gemein mit der bürgerlichen Frauenbewegung, der es geht, wie ihrer Klasse: sie wird in den bevorstehenden großen Kämpfen der Menschheit zerrieben werden. Ihr kann nicht, aber uns wird die Zukunft gehören. Zlvölste Gtlterllloersainmlung des Tllbakllrbeiter- Ntlbllndes. DienStagvormittagS-Sitzung. AuS der Montagnachmittags-Sitzung ist nachzutragen, daß auf Vorschlag v. Elms eme siebengliedrige Kommission eingesetzt wurde, die alle auf Aenderung der Statuten gehenden Anträge und Vor- schlüge beraten soll. In der Dienstagvormittags- Sitzung wurde in der Diskussion des Vorstandsberichts fortgefahren, v. El in weist den Vorwurf zurück, daß die Sortierer ihr neues Organ bereits schon fertig in der Tasche hatten, als ihr Ausschluß vom„Tabakarbeitcr" erfolgte. Eine Ver- ständigung wurde damals pure abgelehnt, damals aber wäre sie leicht möglich gewesen. Es sei gesagt worden, die leitenden Per- sonen der Sortierer seien schuld, aber bewiesen habe man nichts. Gerade unter den Mitgliedern eben sei feindselige Gesinnung wegen des Verhaltens der Tabakarbeiter vorhanden. Wenn der Tabak- arbeiter- Verband gemäß den Beschlüssen von Berlin 1894 die fakultative Arbeitslosenunterstützung einführen wollte. um den Sortierern die Verschmelzung zu ermöglichen, so haben die letzteren recht daran getan, dies abzulehnen, denn die fakultative Form wäre der Tod der Arbeitslosenunterstützung gewesen. Man habe gedroht, wenn die Sortierer nicht wollen, dann werde man sich an die Generalkommission wenden; er sage, die Generalkommission werde über einen Verband, der L0 Jahre bestehe, nicht so ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen können. Der Protest gegen die Sortierer, der in einer Resolution Heising zum Ausdruck konime, werde auch nichts nützen, da eben die Sortierer auf dem Standpunkte stehen, daß sie im Rechte seien. Der Tabakarbeiter-Verband sei überhaupt im Grunde nur ein Zigarrenmacher-Berband, der auch Zigaretten- und Kautabak- arbeiter aufnehme. Die Resolution Henke sehe in dem Verlangen der Sortierer, alle Sortierer ihrem Verein zuzuführen, zu Unrecht eine Animosität, das Verlangen sei durchaus berechtigt; die wenigen Sortierer im Tabakarbeiter-Verbande könnten dem Verbände auch nichts nützen, wohl aber seien sie den Sortierern zur Einheitlichkeit ihrer Lohnbewegungen nötig. Mit Gewalt sei nichts zu machen. Was die Sektionsfrage angehe, so scheine man Sektion und Branchen- organisation zu verwechseln. Sektionen, die nach den örtlichen Ver- Hältnissen geschaffen werden, seien für die Sortierer durchaus nötig; in Hamburg z. B. würde man ohne Sektion nicht auskommen. Wenn aber Deichmann nur behufs Herbeiführung der Verschmelzung elite probiforische Gettionsbildung ins Auge faffe, bann tönne er tönne basselbe doch auch für die Sortierer gelten. Der Hamburger von größtem Werte; habe man fie aber erft, dann hielten fle tren feine Garantie dafür übernehmen, daß die Sortierer für eine Ver- Antrag, der die Resolution der Sortierer aufs schärfste verurteilt, und fest zu den eigentlichen gewerkschaftlichen Jdeen. fchmelzung zu haben sein werden. Wenn gefagt worden sei, man fei von der Vorausfegung ausgegangen, daß in der Einigungsfrage Lenz Hamburg: In der Frage, wie das Verhältnis der wolle nicht nur die Sortierer, fondern auch die Hirsch- Dunderschen überhaupt alles aus fei. Nach der heutigen Debatte wäre er wohl Bentral- Krantentaffe zum Verbande werden solle, fann es fich nur und die Christlichen im Verbande vereinen, so dürfe man nicht überhaupt nicht gestellt worden. um die Auflösung handeln; eine Verschmelzung fei aus gefeßlichen immer den sozialdemokratischen Charakter des Verbandes Geyer: So optimistisch wie Krohn sei er in der Sortierer- Gründen unmöglich. Es frage sich aber, ob der Verband an der betonen. Man wird damit bei den rückständigen Elementen nichts frage nicht, zumal nach der Art, wie Elm die Sortierer verteidigt Auflösung überhaupt ein Interesse haben könne. Die Mitgliederzahl erreichen. Arbeiterpolitik sollen die Gewerkschaften treiben, aber habe. Er wundere fich gerade darüber, daß Elm, der doch sonst so gehe jährlich zurück; von ben noch vorhandenen 7500 feien wenigstens nicht Parteipolitit. Redner fommt noch einmal auf den Minimal- fehr für die Einheitlichkeit der Gewerkschaftsbewegung eintrete, diese 8000 schon im Verbande, dazu kämen 2000 Nichtversicherungspflichtige Lohn. Man solle bedenken, daß die Herstellung einer Dreipfennig- separatistische Absonderung billige. Dies stamme doch nicht etwa und eine ganze Anzahl, die überhaupt nicht mehr dem Berufe ans Bigarre nicht möglich fei ohne Hungerlöhne. Durch die Einführung aus den letzten Jahren; erst war es der Lokalverein Freundschafts- gehören. Bestimmte Erflärungen fönne er nicht abgeben. Dafür sei eines Minimallohnes mache man es den Firmen, die den Mindest klub und aus ihm sei dann eine ganze zentralistische Gewerkschaft nur die Generalversammlung der Kaffe maßgebend. Hente Bremen: Wenn Elm die Interessen der Tabatarbeiter lohn einführen, unmöglich, Dreipfennig- Bigarren zu produzieren; erwachsen. Dadurch sei die Tabatarbeiterbewegung zersplittert worden, dadurch mache man aber gerade solche Firmen konkurrenzunfähig, der ganzen deutschen Arbeiterschaft sei ein schlechtes Beispiel gegeben bei den Sortierern so warm vertritt, wie er hier die Interessen der die organisationsfreundlich feien. Gerade die Konsumbereine seien worden. Und das verteidige Elm! Früher meinten die Sortierer Sortierer verteidigt, dann wäre zur Einigung viel erreicht. Die Hauptkonsumenten von Dreipfennig- und noch billigeren Bigarren, wohl, auf einer höheren sozialen Stufe zu stehen als die Bigarren Neutralität ist für die Agitation durchaus nicht so wichtig, wie Elm die nur in Zuchthäusern hergestellt werden fönnen. Hier können arbeiter, aber damit wird es bald vorbei sein, in wenigen Jahren sie hinstellt. Tarifverträge sind die notwendige Folge der Entauch die Leiter der Konsumvereine nichts tun, da muß die Auf- werden ihre höheren Löhne vorbei sein. Besondere Interessen, die wickelung, die dahin geht, daß organisierte Arbeiter organisierten flärung zu den Konsumenten getragen werden. Das Augenmerk der eine befondere Gewerkschaft rechtfertigten, haben die Sortierer nicht. Unternehmern gegenüberstehen. Besonders die Affordarbeiter haben Generalversammlung müsse noch auf die beabsichtigte Sigaretten Es fei nicht wahr, daß der Tabatarbeiter- Verband in Wirklichkeit ein großes Interesse an Tarifverträgen. Kizing tritt dafür ein, daß beim Unterstüßungswesen die fabrikatsteuer gelenft werden; fie fei nichts weiter als ein Versuch, fein solcher sei; die Reorganisation des Verbandes sei ja gerade Elm Dauer der Leistung sich nach der Länge der Mitgliedschaft richten die Fabrikatsteuer in der gesamten Tabakindustrie einzuführen. dahin gegangen, alle Tabalarbeiter aufnehmen zu können. Deshalb müßten die Tabatarbeiter energisch gegen die Zigaretten- habe den Sortierern feinen guten Dienst erwiesen, als er sagte, mit müsse. Länger wie 26 Wochen sollten Unterstügungen nicht gezahlt fabrifatsteuer Stellung nehmen, denn die Steuer werde nicht nur prinzipiellen Gründen tönne man die Sortierer nicht überzeugen. werden, für die Krankenunterſtügung feien 13 Wochen genug. Um auf die Löhne drücken, sie würde der Mord der ganzen Industrie fein. Gerade die prinzipielle Stellungnahme sei notwendig. Mit der die Unterstützungen in der bisherigen Höhe zu gewähren, reiche auch Langner Ohlau fann auch feststellen, daß in seinem Bezirke Neutralitätsduselei werde man nichts erreichen. Wir müssen unsere eine Beitragserhöhung von 5 Pf. nicht aus, daher müsse die Krankenfeit Einführung des Unterstüßungswesens die Mitgliederzahl gestiegen Brinzipien scharf in den Vordergrund treten lassen sowohl den christ- unterstügung beschnitten werden. Burgoldt Braunschweig erörtert die Frage einer Ver fei. Das sei erfreulich, weil in Schlesien die Löhne der Tabat- lichen Gewerkschaften wie den Hirsch- Dunderfchen gegenüber. Für arbeiter schlimmer feien als die der Weber im Eulengebirge. Falsch Minimallöhne fönne er sich nicht erflären, eher für Tarifverträge, schmelzung der Redaktion mit dem Vorstande. Gehe das nicht an, wäre es, die Krankemunterstügung zu beschränken, gerade bei den nur solle man von diesem nicht etwa alles Heil erwarten. Ueber die dann sollte ein zweiter Redakteur angestellt werden, damit Geyer Tabatarbeitern gebe es viele Krante, und wenn die Krantenunter- Sektionsbildung herrsche seiner Ansicht nach noch viel Unflarheit. mehr für die Agitation frei werde. Bei den Kollegen, die in der stilgung beschnitten werde, dann würden in Dhlau leider eine große Schon jetzt werde es doch den einzelnen Branchen ermöglicht, ihre Reichstagsfraktion figen, sollte man dahin wirken, daß sie bei den Anzahl dem Verbande den Rücken fehren. Man könne ja eine andere etwaigen besonderen Interessen in eigens dazu berufenen Ver- Budgetberatungen auch die Wünsche und Beschwerden der TabakStala aufstellen, die der Ausbeutung des Verbandes einen Riegel fammlungen zu besprechen, das genüge doch; übrigens wäre es arbeiter zum Ausdruck bringen. I'm verteidigt sich gegen Geher, er vertrete seinen Standpunkt, vorschiebe. Zur Sortiererfrage bemerke er, daß in Dhlau vor zwei ganz gut, wenn die Angehörigen anderer Branchen Gelegenheit Jahren die Sortierer einen Ausstand hatten. Es wurden Ungelernte haben, in folchen Beratungen sich ebenfalls mit den Verhältnissen weil er ihn für die Arbeiterschaft als den besten erachte, auch für die eingestellt. Diese sind nunmehr in den Sortiererverein aufgenommen ihrer Nebenarbeiter vertraut zu machen. Was die Zigarettenfabrikat Tabalarbeiter. Wenn man den Sortierern sage, sie schädigen durch worden. In den Tabafarbeiter- Verband hätte man sie nie auf- fteuer anlange, so möge. man ja nicht vergessen, daß die ihre Branchenorganisation die Einheitlichkeit der Gewerkschafts genommen. Auch das zeige, daß eine Einigung mit den Sortierern Monopolpläne der Regierung trotz aller Erklärungen noch bewegung, so sage er, daß man Branchenorganisationen bis zu lange nicht aus der Welt sind. dringend nötig sei. einem gewissen Zeitpunkte durchaus für zwedmäßig erachten Krohne Ottensen fann fonstatieren, daß die Hoffnungen, die Ebert Zwidau zweifelt daran, ob die Mitglieder in Sachsen tönne. Es tomme darauf an, wie viel Leute man mit der einen auf die Dresdener Beschlüsse gesetzt worden seien, in der Tat über- für eine Beitragserhöhung zu haben sein werden. Die Verschmel- oder anderen Organisationsform gewinnen könne. Durch die Branchenflügelt worden sind. Man habe dort die Unterstüßungseinrichtungen zung mit den Sortierern werde kommen müssen, und wenn diese organisation seien mehr Sortierer der Organisation gewonnen eingeführt, um möglichst viele Stollegen zum Verbande zu ziehen, das nicht wollen, dann werde der Gewerkschaftskongreß einmal ein Wort worden, als dies durch den Tabalarbeiterverband möglich gewesen wäre. Er habe nicht gesagt, die Sortierer fönnen mit Prinzipien fei gelungen. Bei Anstellung von Beamten dürfe nicht gespart mitzureden haben. werden, sonst gehen die besten Kräfte dem Verbande verloren. Auch Frau Brenert Dresden: Der Kampf in Dresden war nicht überhaupt nicht gewonnen werden, sondern mur, daß lediglich" Die Neutralität der Gewert vor einer Beitragserhöhung dürfe man sich nicht scheuen, wenn der zu verhüten, obgleich man den Wünschen der Fabrikanten nach Mög- Prinzipien nicht zum Ziele führten. Berband mehr leisten solle. Seine Bahlstelle habe daher eine Erlichkeit entgegengekommen ist. Der Trust gab den Ausschlag. Die fchaften sei feine Phrase, wohl aber sei der Vorwurf der Neutralitätshöhung von 5 Bf. beantragt. Man solle sich nicht scheuen, den Mit Fabrikanten hatten sich auch in den Arbeiterinnen getäuscht, fie duselei nichts als Phrase. Die Gewerkschaften seien nicht bloß gliedern offen zu erklären, daß die Beiträge immer höher werden glaubten, diese würden nach einem verlorenen Streit dem Verband Streiforganisationen, sie müssen auf alle Verhältnisse des Lebens müßten. Die höheren Beitragsklassen abzuschaffen, weil sie zuviel ben Rüden fehren, und darauf kam es ihnen an. Aber die Ar- Rücksicht nehmen. Die Neutralität nehme Rücksicht auf die Verhält an Unterstügung fosten, gehe nicht, es würden sich dann örtliche Zuschuß beiterinnen waren einfichtsvoller, ste wußten, daß dann die Löhne niffe, wie sie in den rückständigsten Bezirken liegen. Wenn im laffen bilden, die Herde der Sonderbündelei. Gewundert habe es noch mehr fallen würden. Schwer hatten die Streifenden unter den Reichstage die Beschwerden der Zabalarbeiter vorgebracht werden ihn, daß so viele Anträge auf Abschaffung des Arbeitsnachweises Hausarbeitern zu leiden; Frauen von gewerkschaftlich und politisch sollen, dann mögen die Kollegen für die Herbeischaffung des ergefommen feien. Sei etwas schlecht daran, dann solle man doch die organisierten Arbeitern, sogar in führender Stellung als Kartell- forderlichen Materials forgen. Es tritt die Mittagspause ein. bessernde Hand anlegen. Ein einziger gemeinsamer Nachweis für delegierte, Vertrauensleute, Gewerbegerichtsbeifizer haben Streitganz Deutschland genüge allerdings nicht. Von der Einigung mit brecherdienste geleistet. Dagegen haben die streifenden Mädchen den Sortierern scheine nur noch die ungelöste Sektionsfrage zu einen bewunderungswürdigen Mut gezeigt. Darum brauche Geyer trennen. Er meine, wenn man aus prattischen Gründen den sich auch nicht vor einer Weibergewerkschaft" zu fürchten. Die Unter- in dem Bürgersaale des Rathauses ein. Bigaretten, den Kautabatarbeitern Sektionen zugestehen wolle, dann stügungseinrichtungen seien für die Werbung unter den Kolleginnen alkoholfapitals an der Mäßigkeit". Jedermann willkommen. Eintritt frei. ט B D 0 0 0 D D 0 0 。 D O 0 D 0 D D 。 D D a Der Verband Berliner Abstinenz- Vereine ladet zu seinem ersten öffentlichen Vortragsabend am Sonnabend, den 7. Oftober, abends 8 Uhr, Thema:„ Das Interesse des Schulbedarfs Artikel S Von Freitag, den 6. Oktober bis Mittwoch den 11. Oktober soweit der Vorrat reicht Schreibhefte 20 Blatt Diarien Diarien mit Wachstuchdeckel, Octavhefte 32 Blatt Aufgabebücher Löschblätter Etiquettes Umschläge blan Löschblatt- Oblaten Bleistifte Joh. Faber, Rafael" Schulbleistifte Reissnägel Griffel Schul- Atlanten Dutzend 70Pt. 8, 18, 25 Pl. 18, 38 PL. 5Pf Tuschkasten Federhalter Schulfedern Echte ,, Perry" Federn 124, 6, 8PL 25 Stück 35 Pf. 6 Stack 10 PL 8 Dutzend 15 Pf. No.17 No.28 Dtz. 8, Diz. 10 PL. 5 Schulmappen für Knaben 100 Stack 10 PL 25 Bogen 10 Pt. 50 Stack 9 Pr 4PL Ledertuch Leder Rindleder 90, 1.10, 1.50 2.65,3.65 5.75, 6.00 Dutzend 22, 35. Schulmappen für Mädchen Karton, 8 Dutzend 7PL Dutzend 7Pt. Ledertuch Leder 95 PL. 20PL Rindleder Bleistiftanspitzer„ Kosmos" Federbüchsen Butterbrodpapier 100 Blatt Kaisertinte 3, 4PL. 18 Pt. Radirgummi To Toff, Blitz Ordnungsmappen Censurenmappen 5, 10, 25 Pr. Federkasten Schiefertafeln Reisszeuge 88 18, 22 pr., pollert 45 PE 1.10, 1.75 25, 45 pr. bis 20.00 Reissbretter Reissschienen, Winkel Frühstückstaschen Cheviot 33, 45 PL 42,90 PL Knaben Jockey- Mütze 35 PL. Velvet 48,95 Pf. Knaben- Schirmmützen 48, 75 Pt. 1.25 Knaben- Matrosen- Mützen 60. 95 Pt. 1.60 mit Feder- 75, 95 pose Mädchen Matrosen- Mützen mit FederSchul- Schirme für Knaben u. Mädchen 1.25 Kinder- Hänger schwarz, farbig besetzt Länge ca. 55 60 63 70 75 80 cm. 1.25, 1.35. 1.50, 1.65, 1.85, 2.00 Reform Kinder- Hänger schwarz, hübsch besetzt Länge ca. 60 65 90,1.35 2.85,3.45 5.75 6.00 5, 10, 15 PL 22,38,55 Pt. 35,55, 75 PL 9,18,35 PL Länge ca. 55 70 75 80 cm 1.45, 1.60, 1.75, 1.95, 2.15 Reform Kinder- Hänger schwarz elegant ausgeführt 60 05 70 75 80 cm 1.75.1.90, 2.10, 2.25, 2.45 2.65 A.JANDORF& Co SPITTELMARKT 16/17 BELLE ALLIANCE- STR. 1/2 GROSSE FRANKFURTER STR. 113 BRUNNEN- STR. 19/21 Ecke Leipziger Strasse Am Blücherplatz Ecke Andreas- Strasse Ecke Veteranen- Strasse Berantwo. Redakteur: Baul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantwo.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Suchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 234. 22. 2. Mm ks Jorrirls" Strlintr ünllisMatt. Fttttag, 6. Oktober 1905. dem Mantel und dem am Tatorte aufgefundenen Beil Blut s\ch befunden habe. Dr. Jeserich hat auch die zwei Haare untersucht, die an dem Schweißleder der am Tatorte vorgefundenen Müge auf- gefunden worden sind. Nach einer eingehenden Darlegung der von ihm angewandten llutersuchnngsmethode lommt er zu dem SelMtz, daß an der unteren Kante des Beils Blut vorhanden war. Was die j �aare anbetrifft, so könne nie gesagt werden, daß das untersuchte Haar vo r, einer bestimmten Person herrühren m ii s s e. Der Untersuchende könne immer nur sagen, daß die Haare bis ins kleinste Detail mit den a/.s Ver- gleichsobjekte vorliegenden Haaren übereinstimmen. Dies sei der Fall. Die an der Mütze vorgefundenen Haare stinnnen in Farbe, Aufbau, Größenverhältniffen und Farmenanordnung mit den Haaren des Angeklagten überein.— Bert.: Können nicht in B-erlin und an anderen Orten noch viele Leute existieren, bei denen eine solche Uebereinstimmung auch vorliegen kann?— Sachverst. Dr. I. e s e r i ch: Der Ueberfall auf der Untergrundbahn. Die Gerichtsverhandlung, die nrit der F r e i s p r e ch u n g deS Angeklagten endete, nahm gestern ihren Fortgang. Nach Eröffnung der Sitzung durch Landgerichtsdirektor P u s ch finden zunächst Erörterungen über die Weckeruhren der Zeugin Frau Howedel statt. Es handelt sich bekanntlich darum, die Aussage dieser Zeugin zu kontrollieren, die dahin ging, daß der Angeklagte Schön- born in der Rächt deS Ueberfalles nicht schon um 1 Uhr nach Hause gekommen sei. wie er behauptet, sondern erst gegen 2'/z Uhr. Die Zeugin hatte bekundet, daß sie mit einem Streichholze nach der Weckeruhr geleuchtet und sich überzeugt gehabt habe, daß Schönborn um 2 Uhr noch nicht zu Hause war. Die gestern Mrbeigeholten zwei Weckeruhren waren während der Nacht an Gerichtsstelle ge- blieben. Es stellte sich aber heraus, daß die Neinmacbesrauen bei ihren Hantierungen an die Uhren herangekommen waren. Die Frauen werden als Zeugen darüber vernommen. in welchem Umfange dies geschehen ist. Die Möglichkeit, daß sich Frau Howedel in der Stunde getäuscht haben könnte, gibt noch Veranlassung zu weiteren Diskussionen.— Der Angeklagte protestiert gegen die gestrige Aussage des Zeugen Brlliam, welcher behauptet hatte, daß er bei seiner Nach- haniekunft in der fraglichen Nacht Licht angezündet und gesehen habe. daß Schönborn mit offenen Augen im Bett gelegen habe. Der An- geklagte tritt an die im Saale aufgestellte große Tafel und sucht an der Hand des Situationsplanes nachzuweisen, daß es nach der Lage der Betten gar nicht möglich sei, daß der Lichtstrahl bis zu seinem Bette fiel. Als der Vorsitzende dem Angeklagten Vorhaltungen über seine plötzlichen Einwendungen gegen eine beschworene Zeugen- aussage macht, beantragt Rechtsanwalt Dr. Werthauer die Ab- Haltung eines Lokaltermins an Ort und Stelle unter Zuziehung der sämtlichen Geschworenen. Der dem Angeklagten jetzt gemachte Vorwurf sei ein so schwerer, daß es unbedingt nötwendig sei, einmal an diesem Beispiel festzustellen, wie sich die Angaben eines Angeklagten zu den Aussagen eines Zeugen verhalten. Der Gerichlshoj hält sich eine Beschlutzfassung vor. Eine ganz neue Wendung nimmt die Beweisaufnahme bei der dann folgenden Vernehmung des Betriebsinspektors R o s e n f e l d von der Hochbahn. Er be- kündet, daß der Angeklagte, der auf seinen Wunsch abgegangen, im Dienste gut, aber vorlaut und dreist gewesen set.— Rechtsanwalt Dr. L ö w e n t h a I bezeichnet dem Zeugen eine Anzahl von Hochbahn- schaffnern und Zuafiihrern nach ihren Dienstnummern, die ihm auf seinen Fahrten auf der Hochbahn in der letzten Zeit wegen ihrer Aehnlichkeit mit dem Angeklagten aufgefallen seien. Der Zeuge gibt in allen Fällen eine gewisse Aehnlichkeit zu, die sich jedoch bei einzelnen dadurch einschränkt, daß die Betreffenden ein stärkeres Ge- ficht, dunkleres Haar usw. haben. Rechtsanw. Dr. Karl Löwenthal: Ist dem Zeugen der Postschaffner Adolf Kühn bekannt, der auch unter dem Verdachte der Täterschaft stand?— Zeuge: Ja.— Ver t.: Die Polizei hat seinerzeit festgestellt, daß dieserKnhn schwarz sei. Ist das richtig?— "euge: Er ist blond.— Bert.: Wir behaupten, daß die Polizei ich mit einem ganz anderen Kühn befaßt hat. Ist es nicht Ihnen und anderen Beamten aufgefallen, daß dieser Kühn am Morgen nach dem Ueberfall mit einer neuen Mütze in den Dienst kam?— Zeuge: Jawohl, das war uns aufgefallen.— V e r t.: Wo ist jetzt dieser Kühn?— Zeuge: JnSüdwestafrika. Er hat den Dienst am 81. Mai verlassen, nachdem er selbst vorher gekündigt hatte.— V e r t.: Sie kennen doch auch Frl. Effenberg. Was können Sie über diese sagen?— Zeuge: Sie war eine Durchschnitts- beamttn.— Verl.: War sie nicht eine sehr erregte und nervöse junge Dame?— Zeuge: Nach dem Borfall erst zeigte sich dies. Bert.: Ist die Zeugin nicht mit der Hochbahnverwaltimg in Diffe- renzen geraten?— Zeuge: Frl. Effenberg sollte nach Beendigung ihres Urlaubs Schalterdienst am Stralauer Tor tun, da ihre Ar- beiten im Bureau nicht befriedigten und eine Stelle im Bureau auch nicht ftei war. Frl. E. erklärte, daß sie zunächst mit ihrer Mutter sprechen müsse. Sie legte bald darauf«inen Brief auf meinen Tisch. wonach sie die Tätigkeit am Stralauer Tor nicht aufnehmen könne. Die Frage, ob dies als Kündigung anzusehen sei. hat sie bejaht & und ist dann aus dem Dienst geschieden. Sie ist am 29. Mai ab- gegangen und erhebt Entschädigungsansprüche gegen die Hochbahn- Verwaltung.— Bert.: Wieso fiel es eigentlich so auf. daß Kühn am Morgen eine neue Mütze hatte?—Zeuge: Kühn versäumte am nächsten Morgen seinen Dienst. Er kam dann ins Bureau und sagte, daß er Malheur mit dem Rade gehabt habe. Es fiel auf, daß er einen zerrissenen Mantel und eine funkelnagelneue Mütze trug. Den Mantel hatte er erst kurze Zeit vorher bekommen und nun war er an der Naht zerrissen.— Bert.: Wissen Sie. daß Kühn erzählt haben soll, daß er Fräulein Effenberg schon lange kennt?— Zeuge: Nein!— Bert.: Was war denn Kühn für ein Mann?— Zeuge: Er war dem Trünke ergeben und zu Gewalttätigkeiten geneigt.— Präs.: Wo hat denn der Verteidiger alle diese Notizen her, die er hier plötzlich vorbringt?— Rechtsanw. Dr. Löwen- I b a l: Darüber möchte ich das Amtsgeheimnis bewahren.— Präs.: Seit wann ist es Ihnen denn bekannt geworden, daß das Tragen der neuen Mütze den Beamten aufgefallen war?c.:c.— Bert.: Seit einiger Zeit.— Präs.: Dann begreife ich nicht, daß Sie nicht früher damit hervorgetreten sind, denn dann würde doch eigentlich eine Vertagung und die Herschaffung des Kühn aus Siidwestafrika notwendig erschienen sein I— Rechtsanw. Dr. Werthauer wendet sich gegen diese Vorhaltung und meint, daß nach seiner Meinung dies' alles ziemlich unerheblich sei; denn wenn das Belastungs- Material überhaupt schlüssig wäre, könnte es dadurch nicht entkräftet werden.— StaatSanw, Schmidt: Sieht denn der Kühn dem Angeklagten überhaupt ähnlich?— Zeuge R o s e n f e l d: Die Größe ist ebenso, aber Kühn ist etwas stärker und dunkler blond als der Angeklagte. Kriminalinspektor Krause: Nach den Feststellungen der betreffenden Beamten hatte Kühn nachgewiesen, wo er in der bestimmten Nacht gewesen.— Präs.: Schönborn stand ja wohl zuerst überhaupt nicht in Frage, er wurde vielinehr erst hineingezogen, als der Droschkenkutscher sich meldete und von einem Manne sprach, den er zuerst irrtümlich.Schönrock" genannt halte. Ist denn mit den Polizeibeaimen auch erörtert worden, daß der Kühn im Dienste mit einer neuen Mütze und einem zerrisseneu Mantel erschienen sei?— Zeuge Kriminalinspettor Krause: Meines Wissens ja!— Rechtsanw. Dr. W e r t h a u e r: Wir wollen ja gar nicht behaupten, daß Kühn der Täter gewesen ist!— Präs.: Dann setzen Sie sich aber in Widerspruch zu dem Angeklagten, der gestern doch behauptet hat, daß Kühn als Täter in Betracht kommen könne.— Rechtsanw. Dr. Werthauer: Meines Wissens hat er dies gar nicht behauptet.— Präs.: Gewiß hat er diese Behauptung aufgestellt.— Rechtsanw. Dr. Werthauer: Dann beantrage ich, den Rechtsanwalt Dr. Löwemhal darüber zu vernehmen, daß der Angeklagte gestern nicht behauptet hat, daß er aus eigenem Wissen sagen könne, daß Kühn den Mordversuch gemacht hat. Das konnte er doch gar nicht sagen, den» sonst hätte er ja dabei gewesen sein müssen I Der An- geklagte hat nur bcbauptet, daß auch Kühn zu den vielen Leuten gehöre, die ihm ähnlich sehen und gegen die der Verdacht mindestens ebenso gerechtfertigt wäre, wie gegen ihn.— Der Gerichtshof lehnt die Vernehmung des Rechtsanwalts Dr. Löwenthal ab, da es darüber keiner Beweisaufnahme bedürfe, was zur Kcnnwis des Gerichts in der Verhandlung gelangt sei.— Rechtsanwalt Dr. W e r t- Hauer: Meint der Zeuge Rosenfeld aus seiner Kenntnis der Ver- Hältnisse denn, daß der Ueberfall auf Frl. Effenberg überhaupt vorgekommen ist oder hält er es für möglich, daß vielleicht ihr Bräutigam, den sie nicht nennen will, mit ihr Streit bekommen hat und dann auf- gebauscht worden ist?