Ur. iiS7. HbonnemtntS'Beltngunatn: SbonnemtNtK- Preit pränumerando h BierteljSdrl. 3L0 Mk. monatl. l.lv Mk., wöchentlich LS Pfg. frei in» H-uZ. «inzelne Nummer k Pfg. Konntag;. uummer mit illustrierter Konnlag;. Beilage»Die Neue Welt' 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung;. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 3 Wart, für da; übrig« Ausland i Wart pro Monat. SS. Jahrg. Crffttlst tlsli*»uBtr Oontin. Vevlinev Volkslrlatk. Ol« fnftrtionS'Gebaifr »«trägt für die sechsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Kaum 40 Psg,, skr politische und gewerlschastliche BercinS- und LersanimlungS. Anzeigen 26 Psg, „titeine Unreigen". da; erste(sett- gedruckte) Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 1° Buchstaben zähle» für zwei Worte, Inserate siir die nächste Nummer müsse» bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Eon», und Festtagen bis 8 Uhr dormittag» gebssuct, relegramm- Adresse: ,,SuIi>äeii!»>iHl Raiin". Zcntralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: 803. 68. Lindenetraeee 69. ffernsprechrr: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: 8M. 68, �.indenstrasse 69. Ker»sprrck,rr! Amt IV. Nr.>984. (Zmttimg. Monat September gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Aachen, sozialdemokr. Berein Aachen Land Eupen, 8. Quartal 6.80. Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 2. Kreis 1000,—. 3. Kreis 600,—(darunter vom Arbciterausschutz der deutschen Telephonwerke 10,—). 4. Kreis Südost 2600,—(darunter Tischlerei Wolf 26,—, Bierprozente von den Bautischlern der Firma Bartsch, Boxhagener- strasze 20 25,—). 4. Kreis Ost 2000,—(darunter Möbelfabrik Groschkus 29,—, Putzerkolonne Nonnendamm durch F. Kerber 14,40, A. F.—.60, C.-B. d. Maurer Bez. Osten I Festr, d, Koll. Silber- schmidt 10,—, amerik. Aukt. d. 168, Stadtbezirkes 2,80, ges. beim 25 jährigen Gesellenjubiläum b. Drechsler. Gubenerstr. 33 11,30, Ueberschuß v. Kinderfest des Bezirkes 190», d, c 59,45). 5. Kreis 500,—. 0. Kreis 0000,—(darunter Bierprozente Bau Charlotten- burger Hochschule 5,—, Kranzübersch. der A. E.-G., Abt. Wernicke 12,—, bei der Einsegnung eines Elenden durch einen Elenden A. D. 10,—, unbekannt und doch bekannt, Kochstr. 23 5,—, Kranzkasse 454. Bezirk 9,05, B. B. Mister 1,—, v. Erntekomitee Nordkap 11,—, lieber- schuh der Kranzspende Bezirk 040 9,15). Berlin, diverse Beiträge: Kegelklub.Thräne" 30,—. Bon d. Bauten Boswau u. Knauer, Warschauerstrahe, Bierprozente 0,—. Personal der Buchdruckerei „Vorwärts" Abt. Buchbinderei 10,—.„Junggesellen" 10,—. Bon d. organisierten Hutmachern Berlins, abgelief. durch E. Streich 100,—. Durch Oesterle 3.—. Bon Freunds Gieherei 3,—. Dr. L. A. 100,—. . Von Mitgl. d. U.-Dr. 5,30. Jule, Ritterstraße, 3. Quart. 22,40. nry. V., 6. Wahlkr. 6,—. P. S. 60,—. A. B. 50,—. Munition zum ' w�nmpfe für Wahrheit u. Recht 5,—. Tischlerei Adalbertstr. 59 25,—. 1 s�lassenrestbestand des ehem. Gesangvereins„Lerchensang" d. Paul Koch rejl,—. Bierprozente der Tischlerei von Tauchert, Waldemarstr. 69 25,—. fc-Au« der Sechserkasse der Bautischlerei Rüge 10,—. C. D., Guhrau, Xi Raten 2,—. B. Qu., Glogauerstrahe 3,—. Porth, Königsberger- s)straße 3 8,50. Sechs Hutmachet, Königstr. 25 15,—. B. W. und B. L., Alexandrinenstr. 27 21,00. Möbeltischlerei von Werner, Stral- sunderstr. 7 15,85. Bleistegs Bierkasse 4,45. Die Kontobucharbeiter vom Wedding 5,—. Bern 50,—. Bremen, von den Parteigenossen 500,—. Beuthen(Oberschl.), von den Parteigenossen 5,—. Chemnitz, Brutus in Essen 25,—. bQMwreins 100,—. Cassel. Wahlkreis Cassel- Melsungen 50,—. Chemnitz, 10. sächsischer NeichstagSwahlkreiS 1500,—. Dresden, 4. sächsischer Reichstags- Wahlkreis 1000,—. Donaueschingen, 2. badischer Reichstags- Wahlkreis 10,—. Falkenberg(Oberschl.) 2,—. Gotha, durch den Vertrauensmann 30,—. Hagen i. W., Buchgenosse 2,—. Hamburg, im Monat September in der Expedition des„Hamburger Echo" eingegangen 154,00. Hamburg, 1. Wahlkreis 3000,—. Luckenwalde. RufuS 5,—. Meißen, Jahresbeitrag von R. B. 3,—. München(Jena), V.— r 20,—. Nürnberg, L. Richter 3,—. Nürnberg, Dr. S. 5,—. Rixdorf, Bierprozente der Werkst. Marquardt 1. und Tellow-Beeslpw-Charlotten- I■ von Hilsts«!, sozialdemokr. Arbeiter-Wahlverein 25,—. Württemberg 100,—. Bonn Parteigenossen B. B. sind uns für Parteizwecke 46 000 M. zur Berfügmng gestellt worden, darunter für die UnterstützuiigS- Vereinigung der in der modernen Arbeiterbewegung tätigen An- gestellten 1000)0,—, für die proletarische Frauen-Agitation 5000,—. Berlin, den 7. Oktober 1905. FüO- den Parteivorstand: 0. Gerisch, Lindenstr. 09. Die Neu�ruppierung Europas. London, 7. Oktober.(Eig. Ber.) Wer sich für äußere Politik interessiert, hat jetzt gute Gelegen- heit, einen Blick In ihr« Werkstätte zu werfen. DaS Werden der Neugrltppiening Europas tiollzieht sich fast ganz vor Miseren Augen, da die StagtSmänner sich gegenwärtig in einer solchen Lage be- finden, daß sie gezwungen sind, sich in die Oeffentlichkeit zu flüchten. Die Ereignisse der letzten Jahre haben eine Neugruppierung Europas notwendig gemacht. Die wichtigsten Elemente in diesem Prozesse der Neugruppiernng sind England und Deutschland. Jedes dieser Länder sucht so viel, minder starke Staaten um sich zu gruppieren, um angeblich imstande zu sein, ein politische« Gleich- gewicht herzustellen und den allen so teure» Frieden aufrechtzuer- halten. England nimmt an, Deuttchland» ganze Politik lause darauf hinaus, den gegenwärtigen Besitzsiaud der Mächte zu stören. Deutsch- land wolle ein Kolonialreich, ein Weltreich gründen. Da nun aber die Welt nicht mehr herrenlos sei, so könne Deutschland sein Ziel nur durch Eroberungen erreichen. Zu diesem Zwecke baue es eine große Flotte. Allerdings behaupten deutsche Staatsmänner, sie wollen einzig und allein den Frieden schützen. Worauf England sagt: ja. cS liege kein Grund vor, an den guten Absichten zu zweifeln, aber der Weg zum Kriege sei oft mit guten Absichten gepflastert. Die Hauptsache sei nicht das Wort, sondern die Tat. Und in ihren Taten sei die deutsche Politik kriegerisch. Denn indm, sie eine große Flotte baue, schaffe sie gleichzeitig eine kriegerische Läge. Eine Flotte sei kein Verteidig ungs» mittel, souiern ein AngriffSmittel. Der erste Grundsatz der Scepolitil l-ritet:„Eine Flotte hat nichts zu verteidigen, sondern den Feind anzugrifen." Hinzu komme, daß die deutschen Küsten so beschaffen seie.. daß sie sich selbst verteidigen, wie dies die deutschen Marineleirr v. Stosch und Hollinann zugegeben haben. ES liegen also zwei uüiestreilbare Tatsachen vor: 1. d a s S t r e b e n Deutschlands nch einem Kolonialreich; 2. der Bau einer groien deutschen Flotte. Nach der gegen- wältigen Weltlage köiie Deutschland nur zu guten Kolonien kommen, wenn es sie entwederyon Frankreich oder von England erobere. Der Friedenspreis na: einem Siege Deutschlands über Frankreich l Jtoäre nicht mehr ein Stück französischen Bodens, sondern die fran- »zösischen Kolonien und die französische Flotte. Einen ähnlichen Friedenspreis würde England zahlen müssen, ebenso«ine sehr hohe Kriegsentschädigung. In England sind mindestens neunzig von hundert englischen Bürgern der Ueberzeugung, daß Deutschland sich auf einen umfassenden Eroberungskrieg vorbereite. Deshalb ver- sucht England, Frankreich zu gewinnen und sich mit Rußland in Asien auszugleichen. Deutschland betrachte seinerseits das britische Reich als ein dem Frieden gefährliches Uebergewicht in der Weltpolitik. Daun sei Deutschland geographisch so gelegen, daß eS notwendigerweise von der englischen Flotte und den englischen Küsten beherrscht werde. Deutschlands Einflußsphären in Kleinasien und im fernen Osten seien durch die englisch- französische Beherrschung des Mittelineeres und durch die englisch-jopanische Beherrschung deS Gelben MeereS stets von der englischen Macht abhängig. Das Verhältnis zwischen Deutschland und England sei also dieses: entweder aufrichtige Freundschaft zwischen beiden herzustellen oder Vernichtung eines derselben. Deutschland wolle aber keine Freundschaft, wie dies die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Mächten in den Jahren 1893 bis 1901 be- wiesen haben. England könne Deutschland mattsetzen, wenn Frankreich der Lntonto cordiale treu bleibe. Deutschland könne England schädigen, wenn es der deutschen Politik gelänge, einen neuen Dreibund— Deutschland-Frankreich« Rußland— herzustellen. Das Zünglein an der Wage der europäischen Politik sei Frank- reich. Deshalb die Liebenswürdigkeit deS deutschen Reichskanzlers gegenüber französischen Journalisten. Deshalb die Flucht in die Oeffentlichkeit. Denn französische Politik werde schließlich von der öffentlichen Meinung Frankreichs gemacht. Die Ansichten der fran- zösischen Presse über diese ganze Angelegenheit seien sorgfältig zu notieren, um auf dem Laufenden bleiben zu können. Das noch einigermaßen andauernde sranzösisch-rusfische Bündnis mache auch Rußland in Europa zu einem wichtigen Faktor. Jedoch geht jetzt die russische Politik ihre eigenen Wege und mache den Versuch, den englisch-deutschen Gegensatz in ihrem eigenen Interesse auszu- nutzen. Es sei merkwürdig, daß in dem Momente, als Fürst Bülow von der deutsch-russischen Freundschaft spreche, die russische Presse— „Nowoje Wreinja" und„Ruß"— sich einem allgemeinen Abkommen mit England günstig zeige. Ebenso bestehe zwischen Witte und Lambsdorff ein Gegensatz: jener sei deutsch- freundlich, dieser für einen russisch- englischen Ausgleich. In Petersburg sei offenbar noch nschts entschieden. Man wolle die deutsche Freundschaft zur Aufrechterhaltung der inneren Reaktion; gleichzeitig strebe man»ach einem leidlichen Abkommen mit England, um sich finanziell erholen zu können. Die« scheint gegenwärtig die Lage Europas zu sein, soweit die Diplomatie in Betracht kommt. Aber auch die deutsche und französische Sozial« d e in o k r a t i e spielen da eine bedeutende Nolle. Indem sie entschlossen sind, es zu keinem Kriege zwischen Deutschland und Frankreich kommen zu lasse», schwächen sie die Kraft der diplo- inatischen Intrigen. Delcassä und mit ihm viel« andere sind der Ansicht, daß deutsche Politiker den Franzosen erklären:„Entweder seid unsere Brüder oder wir erschlagen Euch I" Die Sozial- demokratie aber macht der zweiten Möglichkeit ein Ende. Will auch das offizielle Deutschland mit Frankreich freundschaftlich leben, so soll es sich freundschaftlich betragen.— #• Zur Frage der zukünftigen Gestaltung ber deutsch- französischen Beziehungen sind Aeußerungen der„Nordd. Allg. Ztg." und des der französischen Negierung nahestehenden„Temps" zu verzeichnen. Die„Nordd. Allg. Ztg." übertrifft noch ihren Meister Bülow in überschwänalichem Jubel über die plötzlich überaus herrlichen Aussichten, die aus der Beseitigung deS Marokkozwistes und der sich anbahnenden deutsch-französijchen„Annäherung" sich eröffnen: „Für die weitesten Kreise des deutschen Volke« sind die alten Akten der Marokko- Angelegenheit und deren Nebenerscheinungen geschlossen und neue Akten eröffnet, an deren Spitze d i e hocherfreulichc deutsch-französischc Vereinbarung steht. Die Verständigung, die die deutschen Interessen wahrt, ohne den be- rechtigten Ansprüchen Frankreichs zu nahe zu treten, weist ihrem ganzen Wesen nach in die Zukunft hinaus, in eine Zukunft, die für beide Nationen dankbare Auf- gaben gemeinsamen Wirkens in ihrem Schöße birgt. Erweist sich der aufrichtige gute Wille, dem der Ausgleich schein- bar nicht zu vermittelnder Gegensätze zuzuschreiben ist, als dauernder Faktor der europäischen Politik, so werden der Aussaat gegenseitigen Vertrauens wertvolle Früchte entsprießen zum besten nicht nur der beiden Nachbar« Völker, sondern der gesamten Kulturmenschheit. Vorerst sind viele Franzosen offenbar noch in dem Argwohn befangen, daß sie zewissermaßen mit verbundenen Augen aewistermatzen mit verbundenen fremder Interessen gezwungen werden in den Dienst Genügt ihnen die loyale Versicherung des leitenden StaatSmaime« Deutsch- landS noch nicht, daß dieses Mißtrauen ein durch nichts begründetes Vorurteil zum Untergrimde hat, so gibt eS für sie keinen besseren Weg, sich von der Irrigkeit ihrer Anschauungen zu über« zeugen, als eine rückhaltlose Auseinandersetzung mit Deutschland über alle künstig auftauchenden Fragen, die zu Differenzen Anlaß bieten könnten, sowie ein vertrauensvolles Zusammengehen mit der deutschen Politik überall da. wo gleichartige Interessen dies zweckmäßig erscheinen lassen. Unschwer werden alsdann auch die jetzt noch Widerstrebenden, sofern der Widerstand gegen eine freundschaftliche Annäherung bei ihnen nicht Selbst- zweck ist. zu der Ansicht gelangen, daß es dem Wesen der deutschen Staatskuust durchaus zuwider ist, andere Nationen ihrer eigenen Dascinssphäre zu entreißen und sie selbstsüchtigen Anschlägen welcher Art auch immer dienstbar zu machen." Vor kurzem noch wurde von denselben Offiziösen das deutsch- französische Verhältnis in der entgegengesetzten Ueberschwänglichkcit behandelt. Da war alles düster und es drohten ernsteste Gefahren. Das jähe Umschlagen in das andere Extrem mahnt alle ernsten de deutsche'' nüchterner Prüfung und ruhiger Aufmerksamkeit" Freunde deutscher und französischer Verständigung erst recht zu In Frankreich bleibt man vorläufig recht zurückhaltend gegen- über der stürmischen Werbung der deutschen auslvärtigen Politik. DaS Säbelrasseln von gestern klingt noch in den Ohren. Der „Temps" sagt: Die einzige Allianz, die Frankreich wünsche, sei die russisch- f r a n z ö s i) ch e Allianz. Die Freundschaft Frankreichs mit England und Italien sei aus den jüngsten Ereignissen intakt hervorgegangen, und wenn jeniond Verzicht auf diese Freundschaft fordern sollte, so müßte Frankreich mit katc- gotischer Weigerung antivorten. Eine Umwaydelu»g der fran« zösiich-eiiglischen Freundschaft in eine Allianz wäre dagegen zlvar für England, aber nicht für Frankreich nützlich; sie würde Frank- reich koniproiinttieren, ohne ihm im Falle eines Konfliktes ge- nügende Garantie zu bieten. Die Politik Frankreichs müsse, abgesehen von der russischen Allianz, die Politik höflicher Selb- ständigleit bleiben. Der Kampf m der Elektro-Industrie. Also doch eine Machtprobe der Unternehmer! Die drei beteiligten Gesellschaften versenden eine Darstellung des Kampfes Won seinem Anbeginn an, die sie loyalerweise auch nnS zur Verfügung stellen. Anders zu verfahren hätte ja auch keinen Zweck; denn im.schlimmsten Falle hätten wir durch die bürgerliche Presse morgen davon Kenntnis gehabt oder aber— wenji man es „geheim" versandte— kam's umgekehrt, und die„Post" als Organ der Scharfmacher hätte die Auslassungen der Elektrizitätsfirmen ebenso erst dem„Vorivärts" entnehmen müsse», wie die Kenntnis von dem Zirkular des Herrn Bueck. Was die Darstellung der Firmen sagt, ist offenbar richtig; schief wird das Bild der Aussperrnng nur durch das, was in dem Aktenstück der Gesellschaften verschwiegen wird. So heißt es beispielsweise an einer Stelle: „Am 20. September machten wir nunmehr in unseren Fa- briken bekannt, daß wir das Kabelwerk Oberspree und daS Wernerwerk am 21. September abends schließen würden, falls nicht bis zum Mittag des 21. September die im Ausstand befind- lichen Arbeiter sich bereit erklären würden, die Arbeit am 22. Sep- tember wieder aufzunehmen." Hier fehlen nur die paar Zusatzworte: „und zwar zu den alten Bedinguugen!" Ein paar Worte, loie gesagt; aber diejenige», die den Arbeitern die Wiederaufnahme der Arbeit unmöglich nrachtenl— An einer anderen Stelle heißt eS: „Der durch die Arbeiter erfolgten Änrufung des Berliner Gewerbegerichts als Einigungsamt konnten wir nnS nicht anschließen. Wir haben dagegen Besprechungen mit den Arbeiter- auSschüssen unter Zulassung einiger von ihnen erwählten Berater und unter dem Vorsitz eines Unparteiischen, des Herrn Magistrats- rat v. Schulz, vorgeschlagen. Diese Besprechungen haben statt- gefunden, sind aber zunächst ergebnislos verlaufen, da die Ar- bester von vornherein erklärten, sie könnten Einignngsvorschläge nur dann vertreten, wenn die Firmen noch andere als die vor dem Streik gemachten Zugeständnisse gewährleisten wollten. Roch während dieser Besprechungen wurde seitens der Arbeiterschaft eine weitere Aus« dehnung des Streiks veranlaßt. Auch hier enthält die Darstellung der Direktionen eine Lücke. Es muß nämlich an paffender Stelle in diese noch eingefügt werden: „Am 29. September verabredeten wir mit unseren Arbeiter» Verhandlungen, wie diese es nannten, oder Besprechungen, wie das in der Unternehmersprache heißt, für Sonntag, den 1. Oktober. Aber mitten hinein i» diese Besprechmige» oder Nnterhaudliiiigeu platzten wir mit der RuSsperrung von über 20000 nnbeteiligteu Arbeitern, obgleich für Unterhandlungen Waffenstillstand selbst- verständliche Boraussetzung ist und obgleich die Arbeiter für den Fall friedliche» Verhaltens von unserer Seite ausdrücklich die Unter- lassung weiterer Maßnahmen ihrerseits selbstverständlich angekündigt hatten." Wie gesagt: das fehlt in der Darstellung der Direktionen und deslvegcn kann das historische Bild des Kampfes, daß sie geben, keinen Anspruch auf Bollstäudigleit machen. Aber die Direktionen knüpfen an ihre geschichtliche Darstellung auch noch eine Reihe von Betrachtungen, aus denen wir den einzige» Satz entnehmen und festhalten wollen: „Die Frage der Lohnerhöhung spielt nur in ihre» Konsequeozc» eine Rolle." Die bürgerlichen Pressevertreter de: Rathenau-Gruppe werde« vor Wut heulen über diese kaltblütigen Zugeständnisse ihrer Herren. Sie haben bisher in deren Siune zu handeln geglaubt, wenn sie von„unerfüllbaren Forderungen" der Arbeiter faselten— und nun baSI Die Frage der Lohnerhöhung spielt in der Tat keine Rolle in dem gegenwärtigen Streit; ihretwegen hätten die Eleltromagnaten nicht Tausende und Abertausende von Arbeitern auf die Straße ge« worfen. Die Lohnforderung der 450 Mann diente ihnen als Vor- wand zu einer Machtprobe; die unbequeme Organisation der Arbeiter will man vernichten, deren Selbstbewußtsein zerstören I Ob das gelingen wird, hängt nicht von den Metallarbeitern allein, hängt von dem tatkräftigen Eingreifen der Gesamtarbeiterschaft Deutschlands ab! Die Stadtverordueteil-Bersammlung und die Aussperrung. Die sozialdcniokrntischc Fraktion der Stadtvcrorduetcil-Bcrsamiii� lung hat beschlossen, szu der am Donnerstag stattfindenden Sitzung folgende Anträge einzubringen: I. Die Bersamnilung ersucht den Magistrat, Mittel zu ergreifen, um die Beschäftigung von Feuerwehrleuten aus Anlag der Aussperrung in der Berliner Elektro-Jndustrie zu verhindern. II Die Versammlung ersucht den Magistrat, aus bereiten Mitteln SOOOOO Mark zur Unterstützung der Familien der in der Berliner Elektro-Jndustrie ausgesperrten Arbeiter den beteiligten Arbeiter-Organisationen zur Verfügung zu stellen. Der olle ehrliche Schweinburg ärgert sich in seinen„Berliner Polit. Nachrichten" darüber, dast Ivir am Sonntag nach unserer Gewohnheit anstandslos eine Nichtigstelluug der Berliner Elektrizitätswerke brachten. Er destilliert aus diesem Vorgange— einen Mang e l an Wahrheitsliebe I Herr Schwcinburg bringt natürlich nie eine Richtigstellung seiner Lügen über die Sozialdemokratie! Zentralverband der Maschinisten nnd Heizer. Seit dem 2. Oktober d. I. befinden sich die Maschinisten und Heizer der Berliner Elektrizitätswerke im Streik und zwar aus Solidarität, weil die hiesigen Metall-Jndustriellcn über'30000 Arbeiter auf das Stragenpslaster geworfen haben. Bis jetzt haben Feuer- wehrlcute, Maschinisten und Heizer der Staatsbahnen, Ingenieure, Techniker und andere Betriebsbeamte au Stelle der Maschinisten und Heizer Streikbrecher gespielt. Da diese Herrschaften schon Blasen in den Händen bekommen haben und trotzdem immer zwei Mann vor einem Kessel stehen, können sie auf die Dauer diese Arbeit nicht leisten. Die Unternehnierpressc aller Orten ist jetzt bemüht, Maschinisten und Heizer als Streikbrecher nach Berlin zu dirigieren. Wir bitten davon Kenntnis zu nehmen, das; der Streik in Berlin nach wie vor besteht und der Zuzug von Maschinisten und Heizern unter allen Umständen fern zuhalten ist. Zentralverband der Maschinisten und Heizer. Achtung, Elektromonteure nnd Bauarbeiter! Die Elektromonteure der A. E.-G., V. E.-W., SiemenS-Schuckert Werke, Siemens u. Halske und Elektro-Motor stehen seit dem 2. Oktober im Solidaritätsstreik. Es wird versucht, die Arbeit von anderen Firmen fertigstellen zu lasten. Unter folgenden Deckadressen werden Monteure gesucht: Kestcl, Steinmetzstr. 46, Alt-Moabit 16, Krüger, Lübcckerstr. 22. Deutscher Metallarbeiter-Verband, Ortsverwaltung Berlin. * Tie Herren Aussperrer auf der Suche nach Verfertigern von Streikarbcit. Bekanntlich lag eS in der wohlberechnetcn Absicht der Elektro� Magnaten,„nur" 90 Prozent der Arbeiter und Arbeiterinnen auszu- sperren. Die letzten 10 Prozent wollten sie dagegen gnädigst in den Betrieben behalten, und zwar zu dem eingestandenen löb lichen Zweck, mit diesen Leuten die notwendigsten und dringendsten Arbeiten fertig stellen zu lassen. Man hatte hier auch unter andern, besonders die Werkzeugmacher im Auge. Die Direktionen waren jedenfalls der Meinung, diese 10 Proz. würden herzlich froh sein, weiter arbeiten zu können, wenn man ihnen den Verbleib in den Betrieben nur überhaicht gestatte. Als dann aber die Organi sationen beschlossen, als Antwort auf die frivole Aussperrung auch die letzten 10 Proz. aus den Werken herauszuziehen und die Arbeiter diesem Beschlutz auch fast einmütig Folge leisteten, da waren die Herren Auösperrer doch ziemlich unangenehm über rascht. Sie resp. ihre Kreaturen versuchten dann, wie immer wenn sie in der Klemme sind, durch ihre bekannte„leutselige Schwatzkunst und durch Versprechungen wenigstens einen Teil der Arbeiter zu bewegen, in„alter Treue" bei ihnen zu bleiben, weil es diesen, wie sie meinten, doch persönlich ganz egal sein könne, ob die übrigen ausgesperrt seien oder nicht. In de», Werke Brunnen stratze der A. E.-G.„erniedrigten" sich einige Meister resp. Ab tcilungschefs sogar soweit, die dortigen Werkzeugmacher höflichst zu bitten, es möchten doch wenigstens 40 von ihnen im Be triebe bleiben, da sie doch so notwendig gebraucht würden. Wie nicht anders zu erwarten, zeigten diese organi' sierten Arbeiter jedoch absolut kein Verständnis fiir eine derartige Unternehmerlogik. Sie lehnten das Ansinnen, den Herren aus der Patsche zu helfen, während Zehntausende ihrer Arbeitsbrüder skrupellos auf die Straße geworfen wurden, kurzerhand ab und verlietzen ebenfalls die Betriebe. In den letzten Tagen hat es sich nun aber herausgestellt, datz die beiden Elektrizitätsfirmei, verschiedentlich versucht haben, Werk zeuge in den Spczialbetricbei, derWerkzeugbranche her- stellen zu lassen. Für gewöhnlich herrscht sonst bittere Spannung zwischen den Grotzfirmen der Metallindustrie und den Inhabern der Werkzeug-Spezialbetriebe, weil jene längst dazu übergegangen sind, den Bedarf an Werkzeuge in den eigenen Betrieben anfertigen zu lassen und dadurch den Spezialbetrieben allmählich das Grab graben. Die Existenz der Spezialbetriebe dient den Grotzfirmen heute nur noch zur Hauptsache dazu, den Lohn der eigenen Werk- zcugmacher zu drücken. So wird den Werkzeugmachern fast ständig in den grotzen Fabriken gesagt, wenn sie die Arbeit nicht schneller fertig stellen würden, dann die Arbeit an die Spezial- betriebe vergeben werden müsse, weil sie dort billiger werde. Zu den Inhabern der Spezialbctriebe aber sagen dieselben -irotzindustriellen wieder, wenn sie nicht billiger produzieren könnten, dann hätte es keinen Zweck bei ihnen zu kaufe», es wäre pslichten sich ferner, falls von der Zentral leitung der Ruf an sie ergehen sollte, sofort di Arbeit niederzulegen. Auch die Werkzeugmacher der auswärtigen Spczialfirmen werden ersucht, auf etwaige Strcikarbcit acht zu geben. » Die bürgerliche Presse traktiert die Oeffentlichkeit während der letzten acht Tage unauZ gesetzt mit Nachrichten über„neu angebahnte Friedensverhandlungen. Notizen wie:„Wiederaufnahme �der Arbeir in Sicht" usw. wollen augenscheinlich den Eindruck erwecken, als seien die Unternehmer auf dem besten Wege, den Streikenden vermehrte Ziigeständnisse zu niachen. Wie uns jedoch mitgeteilt wird, gehen die Vermittel, ings- versuche lediglich von privater Seite aus. Das Zentralstreikkomitee hat mit denselben nichts zu tun. Es ist auch durchaus kein Ge- heimuis, datz die privaten Friedcnsvermittler von den Kühne», ännern zwar sehr freundlich und liebenswürdig empfangen, aber auch ebenso liebenswürdig wieder abgeschoben werden. Irgend welche greifbaren Anhaltspunkte dafür, datz die Elektromagnaten und mit ihnen die Grotzeisenindustriellen etwa zur Einsicht von der Unsinnigkeit dieser Aussperrung gekommen wären, sind bisher nicht vorhaudeu. Dagegen lvächst die Erbitterung unter de» Arbeitern über das frivole Spiel des Uiiteriiehinertums von Tag zu Tag Bald rückt ja der Termin heran, an de», die Aussperrung„och aus gedehnt werden soll. Am 14. Oktober wolle» bekanntlich auch die übrigen Mitglieder des Verbandes Berliner Metallindustrieller zur Unterstützung der Elektromagnaten den größten Teil ihrer Arbeiter ebenfalls aufs Pflaster setzen. Kein Wunder, datz sich da in den Arbeitern dieser Werke der Wunsch regt, bereits vorher die Betriebe zu verlassen und gar nicht erst so lange zu warten, bis sie von den Kühnemännern den Tritt bekommen. Aus diesem Grunde fanden am Sonntag eine Anzahl von' stark besuchten Fabrikversnm», langen der größeren Werke statt, woselbst den Arbeitern cinpfohlen wurde, nicht unzeitig die Arbeit niederzulegen, sondern sich so lange zu gedulden, bis von der Zentralleitnng der Ruf an sie ergehen würde. Hiermit erklärten sich die Versammelten denn auch einverstanden. Zu Streikbrecher-Gefängnissen haben sich die elektrischen Kraftzentralcn nach und nach ausgewachsen Die dortigen Arbeitslvilligen niit und ohne Stehkragen kommen gar nicht mehr ans Tageslicht. Sie bleiben Tag und Nacht in den Betrieben und werden von ihren„Vorgesetzten" bald mit Schmeichcl- Worten, bctld durch sanften Druck zu bewegen gesucht, doch um Gotteswillcn nicht hinauszugehen. Man scheint in einer geradezu abergläubischen Ffunhl leben, datz die Arbeitswilligen doch mit den Ausständigen gemeinsame Sache machen lönuten. sobald sie mit den Streikposten irgendwie in Berührung kämen. Es sind auch schon wiederholt Briefe von Streikbrechern an Eltern oder Bekannte gerichtet worden, worin sie diesen mitteilen, datz sie aus den Zentralen gar nicht herausgelassen würden. Der Vater eines jungen Elektronionteurs, dem es offenbar auch zu lange dauerte, daß sich sein Streikbrechersöhnchen gar nicht mehr zu Hause sehen lictz, richtete einen Brief an die Verwaltung der Zentrale am Südufer, worin er verlangte, datz sein Sohn der nebenbei bemerkt pro Tag 9,60 M. Streikbrecherlohn erhält— endlich einmal nach Hause kommen solle. Er erhielt darauf nur die dürre Antwort, datz sein Sohn bis auf weiteres noch nicht kommen könne. Währenddessen sind Beamte, Meister, Ingenieure usw. tätig. un, Streikbrecher für die Zentralen anzuwerben. Besonder" au Heizer haben sie es abgesehen, weil die„höheren" arbeitswilligen Stehkragenproleten in den Zentralen die etwas schmutzige» Arbeiten der Heizer nicht gerne verrichten mögen. Haben die Meisterwerber in irgend einer Kneipe dann mal einen arbeitslosen Heizer auf- gegabelt, dann beordern sie ihn nach der Luisenstr. 35, damit er von dort seiner zukünftigen Wirkungsstätte überwiesen wird. Ver schiedene der auf solche Art Angeworbenen sind aber rechtzeitig wieder umgekehrt und haben ihre«Bestellungsorder" den Organisationsleitungen überbracht. Der Streik der Maschinisten und Heizer scheint also demnach mit der Länge der Dauer seine Wirkung auszuüben. dann vorteilhafter, die Werkzeuge im eigenen Betrieb zu verfertigen. Die Grotzfirmen treiben also stets nach beiden Seiten. Jetzt aber scheint man die Spezialbetriebe wieder mit eine», mal brauchen zu können. Die Arbeit häuft sich dort in ganz auffallender Weise, und es konnte auch bald ernnttelt Iverden, datz es sich bei verschiedenen Bestellungen und Aufträgen um Streikarbeit für die Elektrizität s- Firmen handelte. Mit diesem Faktum beschäftigte sich am Sonntag eine Kon- ferenz der i», Metallarbeiter-Verband organi- Herten Werkzeug», ach er aller Spezialbetriebe. Es wurde dort u. a. festgestellt, datz die A. E.-G. durch ihren Meister Knospe bei mehreren Spezialfirmen Streikarbeit in Auftrag gegeben hatte. Skizzen von den betreffenden Mustern und Modellen jagen der Konferenz zur Ansicht vor. Natürlich ist die Anfertigung dieser Arbeit strikte verweigert worden. Da die Werkzeugmacher aber durch verschiedene Umstände in dem sehr begründeten Verdacht bestärkt worden sind, datz die Elektrizitäts- Firmen, sowohl die A. E.-G. wie auch die S.-H. A.-G., jetzt ihre Streikarbeit unter versteckter Marke in den Spezialbetrieben unterzubringen versuchen, so wurde beschlossen, für jeden Betrieb sofort eine Kommission zu wählen, die ihr Augenmerk speziell auf die Prüfung aller nicht einwandfrei erscheinenden neuen Arbeiten zu richten hat. ES wurde u. a. auch auf den Anschlag der Firma Kaiser u. Schmidt verwiesen, aus dem ebenfalls deutlich hervorgeht, datz auch die übrigen Kühnemänuer die Werkzeugmacher dazu benutzen möchten, ihnen während der Dauer der Aussperrung die Kastanien aus dem Feuer zu holen. In richtiger Würdigung aller dieser Umstände nah», die Versammlung einstimmig folgende Resolution an: Die Konferenz der Merkzengniacher ans den Spezialbetriebe» nimmt Kenntnis von den Versuchen des Iliiternehmcrtnnis der Elektro- indnstric, Werkzeug für dringende Arbeiten in den Spezialbetriebe,, der Werkzc.!gbra»che anfertigen zu lassen. Die Versammelten ver- pflichten sich, in ihren Betrieben dafür z» sorgen, daß alle derartigen Versuche auf das energischste zurückgewiesen werden. Sie ver- Schaucrnachrichten über die Schlechtigkeit und Niedertracht der Aus esperrten und Streikenden werden fort und fort durch ie bürgerliche Presse verbreitet. Ein tolles Stück finden wir im Lokalanzeiger". Dort steht zu lesen, am Nonne„dämm habe eine„Ausschreitung ausgesperrter Arbeiter" statt- gefunden, bei der ein„Arbeitswilliger" schwer verletzt worden sei, weil er nicht„reine Wäsche" nachweisen konnte. Ein Monteur Bauer aus Französisch- Buchholz, der nach er- folgter Aussperrung im Kabelwerk Nonnendamm Beschäftigung behalten habe, sei nach Arbeitsschluß in das benachbarte Schanklokal von Mutz am Nonnendamm gegangen, habe dort streikende Arbeiter getroffen, habe sich von diesen wegen seiner Arbeitswilligkeit" Vorhaltungen machen lassen müssen, sei schließlich von ihnen ,n,t Bierseideln bearbeitet worden, und so weiter. An dieser ganzen Schilderung ist nur wahr, datz der Monteur Bauer im Lokal von Mutz in einen Wortwechsel über die Aussperrung verwickelt worden ist, durch seine Grobheit eine Schlägerei provoziert hat und dabei mit einem Bierglaö verletzt worden ist. Bauer i st aber weder ein„Arbeitswilliger" noch überhaupt ein E l e k t r i- zitätsarbeiter, sondern ein Eisenkonstruktions- Monteur, der bei Steffens u. Nölle Beschäftigung hat. Auch der Schläger ist weder„Ausgesperrter" noch über- Haupt Elektrizitätsarbeiter, sondern Bauarbeiter, und dasselbe gilt für seinen Begleiter. In dem Lokal von Mutz war während des ganzen Streites und der sich an- schließenden Schlägerei überhaupt kein Elektrizitäts- arbeiter, weder ein ausgesperrter oder streikender noch ein weiterarbeitender. Die Geschichte spielte am Freitag gegen �10 Uhr abends, und um diese Zeit war weit und breit in der Umgebung des Lokals auch kein Streikposten zu sehen. Von ähnlichem Kaubcr sind ein paar andere Nachrichten, die die bürgerlichen Blätter ihren Mitteilungen über die Aussperrung in der Elektro-Jndustrie angehängt haben, damit der Leser, der zwischen den Zeilen zu lesen Lust hat, sie mit der Niedertracht der Aus- esperrten in Verbindung bringe. Im Berliner Theater, o wird da behauptet, seien Kabelleitungen vorsätzlich durchschnitten worden, so datz bei der Generalprobe plötzlich die elektrische Beleuchtung erlosch. Auch sei dort von ver- brecherijcher Hand ein Flugapparat beschädigt worden, so datz ein Schauspieler, der ihn benutzte, ans den Teppich fiel. DaS allerneueste aber und ärgste ist, datz in demselben Theater, wie das„Berliner Tageblatt" erzählt und andere Blätter gläubig nacherzählen, ein Brand angelegt worden sei, den man glück- licherweise rasch entdeckt und im Keime erstickt habe. Hierzu haben wir im Theater selber Erkundigungen eingezogen. In Gegenwart von Personen, in deren Händen die Leitung der Umbauarbeiten im Theater ruht, hat ierr Oberinspektor Schikower uns folgende Mitteilungen gen, acht: tabelleitungen seien durchschnitten worden, doch sei es möglich, datz ein Arbeiter, dem die Leitungen bei der Arbeit im Wege waren, sie nur a»S BequemlichkeitSgrüudcn durchschnitten habe. Ein Flugapparat sei beschädigt worden, so datz ein Schnuspiclcr aus Meterhöhe herab- fiel, doch sei nicht ersichtlich, wie dieser Streich mit de», Streik in Verbindung stehen solle. Ein Brand sei im ArbcitSraum der Wasserrohrarbeiter ausgebrochen, doch liege die Anuahmc nahe, datz er durch Wegwerfen eines ZigarettenresteS oder durch ähnliche Fahrlässigkeit verschuldet worden sei. Welche Gründe kann die bürgerliche Presse haben. diesen sensationell zugestutzten Nachrichten Aufnahme zu gewähren? Sollte da nicht der Wunsch der Vater des Gedankens sein?! In der Volta- stratze proiucuicrteu kürzlich ein paar Gcutlcmen und nuterhicltcu sich über die Aussperrung.„Wenn wir nur erst zu tun kriegten!" seufzte der eine. poUttfcKe Qcberficbt. Berlin, den 9. Oktober. Der„Wiederaufbau" Tüdtvcstafrikas. Einer der letzten Vorträge tdes Kolonialkongresses be« schäftigte sich mit den,„wirtschaftlichen Wiederaufbau Afrikas". Der Referent über dieses Thema, ein Dr. Hartmann- Hamburg, er- klärte, datz als die Hauptaufgabe des landwirtschaftlichen Aufbaues die landwirtschaftliche und bergniän nische E r s ch l i e tz u„ g der Kolonie zu erachten sei. Es sei eine planmäßige deutsche Besiedelung für Afrika im grotzen Stil zu betreiben. Voraussetzung dieser Besiedelung sei die Wasserbeschaffnng, fenrer die Ausstattung der Kolonie mit den»otweudigsten modernen Verkehrsmitteln, wie Eisenbahnbauten und H a f e n a n l a g e„. Wir haben bereits darauf hingewiesen, wie sehr der Kongreß von der Regierung begönnert worden ist. Nun hat auch der Kaiser ein Begrützungstelegramm des Kongresses durch ein Telegramm beantwortet, in den, er„allen Kongretzmitgliedern für diese Kund- gebung. wie für ihre in jetziger Zeit besonders wertvolle Mitarbeit an den grotzen und schwierigen Aufgaben des Vaterlandes auf kolonialem Gebiet" seinen Dank ausspricht. Man geht also nicht fehl, wem, man die Vorschläge des Kolonialkongresses mit den Absichten der Regierung im grotzen und ganzen identifiziert. Was nun den wirtschaftlichen Aufbau SüdwestafrikaS anlangt, so ist das eine Sache, die dem Deutschen Reich ungeheuere Kosten auferlegen wird. ES ist ja leicht gesagt, daß die landwirtschaftliche und bergmännische Erschließung in, grotzen Stile zu erfolgen habe. Aber schon die landwirtschaftliche Erschließung und Besiedelung wäre nur möglich, wenn die nötige Menge Wasser verschafft werden könnte. Unsere Kolonialfexe sprechen freilich von Bohrungen im grotzen Matzstabe und von Dammbauten, durch die große Sammcl- becken geschaffen werden könnten. In Wirklichkeit aber haben so- wohl die Bohrungen als auch die Dammanlagcn ihren großen Haken. Die Vohrversuche nach Wasser haben bisher im grotzen und ganzen ein recht ungünstiges Ergebnis gehabt. Wie die letzte amtliche Denkschrift ausführt, besitzt kaun, ein Drittel des ganzen Landes ge- „ügeud Wasser, un, Vieh darauf zu erhalten. Aber„selbst von diesem übrig bleibenden Drittel hat unS die Erfahrung der letzten durch Rcgenarmut ausgezeichneten Jahre gelehrt, datz keineswegs durchweg sein in normaler Weise vorhandener Wasservorrat als gesichert angesehen werden kann". Mit Trockenjahren und-Perioden müsse immer gerechnet werden. Wie weit durch Bohrungen Wasser beschafft werden könne, sei e r st noch f e st z u st e l l e n. Die geologischen und meteorologischen Untersuchungen könnten noch keineswegs als abgeschlossen gelten.„Nur wissenschaftlich einwandfrei geführte, zahlreich und planmäßig organisierte meteorologische Beobachtungen werden uns in den Stand setzen, diejenigen Punkte verhältnismäßig rasch und mit einiger Sicherheit zu bestimmen, wo wirtschaftliche Unternehmungen zur Wasserbeschaffung durch Aufstauen vorteilhaft rud und wo nicht." Und an anderer Stelle heißt es, datz zur Zeit halbwegs fundierte Vorstellungen von der Verttefung und Strömungsrichtungen der unterirdischen Wasservorräte von ihrer Tiefe, Zugänglichkeit und allgemeinen Beschaffenheit, von den Kosten ihrer Erschließung und der Methode ihrer etwaigen Ausnutzungen überhaupt noch vollkommen fehlt. Ohne solch künstliche Wasserbeschaffung aber wäre an eine Besiedelung der Kolonie über- Haupt nicht zu denken I Ob aber Wasser in genügender Menge über- Haupt beschafft werden kann, ist, wie die amtliche Denkschrift selbst ja erklärt, eine ein st weilen noch gar nicht zu beant- wortende Frage! Es wäre also sehr leicht möglich, datz die Hoffnungen auf künstliche Wasserbeschaffung sich überhaupt nicht erfüllen und daß dann alle die Riesensummen, die für die Kolonie ausgegeben sind, vollständig nutzlos vergeudet gewesen wären! Aber selbst im a l l e r g ü n st i g st e n Falle werden nach der Denkschrift de« Dr. Rohrbach in Südweftafrika überhaupt nur 5000 Ansiedlerfamilien untergebracht werden können. Bis diese Zahl aber vorhanden wäre, dürften nach der Auffassung des Dr. Rohrbach „och mehrere Jahrzehnte vergehen. Rechnet derselbe doch damit, datz jährlich nur 100 Viehzüchterfamilien angesiedelt würden. Da nun aber Südlvestasrika jetzt schon 400 Millionen Mark gekostet hat, und bis zur Erreichung des von Dr. Rohrbach an- gebenen Zieles noch weitere Hunderte von Millionen für die Kolonie ausgegeben werden müßten, so würde die Ansiedelung eder einzelnen Familie in Südwestafrika den deuffchen Steuerzahlern mehr als 100000 M. kosten! Ä Nicht besser steht es mit den bergbaulichen A u S s i-Ig t e n in Südwestaftika. Auch auf dem Kolonialkongretz hat man wiederum von den reichen Mineralschätzen gesprochen, die die Berge desj Landes beherberge». Dieselben Behauptungen— denn um mehr als« Behauptungen handelt es sich nicht— wurden aber sckhon vor mehr als einem Jahrzehnt aufgestellt. Schon"-892 wies man in der Budgetkommission des Reichstages ein kleines Goldklümpchcn vor, das in Südwestafrika gefunden fein folii. Seitdem ist es von Goldfuuden recht still geworden. Dagegen h örte man, datz an ver- chiedenen Punkten Kupfer gefunden worden fei, und datz die Kupfererzfunde vielversprechend zu sein„schieben". Etwas Genaueres aber wurde in den folgenden Jahren niemals berichtet. Wenn wirklich größere Erzlägcr mit Bestimmtheit ermittelt worden wären, so würde man nicht gezögert haben, diese Funde rcklamehast auSzuschreieu. Die letzte Denkschrift erklärt denn auch, daß der ganze Nord- st e n des Landes geologisch noch gänzlich unerforscht ei. Auch die privaten bergmännischen Untersuchungen der letzten Jahre hätten nichts Neues ergeben. Ob also jemals der Bergbau i Südwestaftika irgend nennensiocrte Erträgniffe liefern wird, eht noch völlig dahin. Wären tatsächlich die Funde so verheißungsvoll, wie von unseren Kolonialferen behauptet wird, so würde schon längst das Kapital die nötigen Verkehrsmittel geschaffen haben, statt vom Staate den Bau von Eisenbahnen oder wenigstens die ZinSgarantien für die angelegten Kapitalien zu verlangen! Für das arbeitende Volt gibt eS also nur eine Parole: Fort auS Südwestaftika! Wer sich in der Sandwllste ansiedeln oder Erz chürfen will, mag es tun, aber auf eigene Kosten und eigenes Risiko I—___ Weitere Steigerung der Bichprcise. Wie Preußens große Auwrität auf dem Gebiete des Landbau und speziell de> Schweineziichierei, Herr v. Podbiclski, am 11. August bei dem bekannten Notstandsdiner im Kaiscrhof unter Berufung auf eine Sachvcrständigkeit versicherte, werde bereits nach virr Wochen ie Viehteuerung vorüber sein. Seitdem sind acht Wochen»ergangen! att zurückzugehen, sind aber die Vichprcise immer weiter gestiegen. Damals kosteten z. B. nach den offiziellen Notierungen auf dem Berliner Schlachtviehmarkt: Schweine, bester Qualität 69 N., zweiter Qualität 64— 68 M. pro Zentner, am letzten Soniobknd 71 M. bczw. 69— 70 M. Beste Mastkälber kosteten damc-s 84—-83 M., mittlere Mastkälber 73— 80 M. pro Zentner Scbachtzewicht. Am Sonnabend stellte sich der Pr-is für beste Mastkälbr am 87—91 M., für andere auf 77— 84 M. In Wirklichkeit wurde« aber vielfach vor- gestern für beste Ware noch beträchtlich höhere 0 reise bezahlt. Die �.Deutsche Fleischer-Zeitung" benutzt diesen Anlß, um an Preußens großen viehverständigcn Sachkenner folgeudo' ironischen„offenen Brief" zu richten: Ew. Exzellenz! Ter Auftrieb von 11 131 Schweinen au dem Berliner Viehhof am 7. Oktober d. J. gegen den Austrieb vo 11 126 Schweinen aui 8. Oktober tm Vorjahr wird voraussichtlich wieder zu der Be- hauptung führen� daß gegenüber eines solchen Auftriebes von einer Schweincnot nicht die Rede sein kann, und dennoch hat gerade der Markt am Sonnabend, den 7. Oktober, zunächst in bezug auf Schweine den Beweis gegeben, in welch unsäglich traurigem Zu- stand die deutsche Schweinezucht sich zurzeit befindet, denn von den 11 131 Schweinen waren kaum SM Stück erstklassige Ware und wurden zu Preisen verkauft, welche die Willkür der Verkäufer beliebig feststellte. Die Läger an Dauerwurst und Dauerwaren aller Art sind geräumtl Wie soll sich die deutsche Wurstfabrikation für die jetzt kommende Fabrikationsperiode gestalten, wenn die Beschickung der deutschen Schweinemärkte in gleicher Weise in bezug auf Qualität des Rohmaterials geschieht? Gute Ochsen wurden bis M Pf., gute Kälber bis 9S Pf. pro Pfund Fleischgcwicht bezahlt, die besseren Schweine erzielten 79—80 Pf. pro Pfund gegen 56 Pf. im Vorjahr. Das ist Fleischnot im wahrsten Sinne des Wortes. Wir bitten, Ew. Exzellenz wollen, wenn dieselben sich den Berliner Viehhof nur gelegentlich der Mastvieh-Ausstellung an- sehen, durch andere geeignete Sachverständige vor allem die Schweincauftriebe in bezug auf Qualität besichtigen lassen, um zu erfahren, daß von einem solchen Auftrieb, wie derselbe am 7. Ok- tober stattgefunden hatte, der allergrößte Teil desselben nicht auf den Markt für Schlachtvieh, sondern nach Fricdrichsfelde auf den Markt für Rtagcrvieh gehört. Welche Konsequenzen aber aus diesen Tatsachen für die Landwirtschaft selbst, für das Fleischer- gewerbe und für die Konsumenten zu ziehen sind, brauchen wir Ew. Exzellenz nicht weiter vorzuführen, diese unerhörten Zustände rufen dringend nach der allein möglichen, Ew. Exzellenz wohl- bekannten Abhülfe— Grenzöffnung und Zollermäßigung. Zweierlei Ausländer. Die Aachener Blätter berichten: Ein in Aachen zur Badekur tvcilender englischer Staatsangehöriger, ein älterer Mann, verübte hier mehrere Sittlich keits- verbrechen und würde verhaftet, jedoch einige Tage nachher gegen Hinterlegung einer kleinen Kaution(es sollen 3000 Mark gewesen sein I) wieder auf freien Fuß gesetzt. Wie sich jetzt herausstellt, hat der Engländer die Kaution im Stich gc- lassen und ist nach England geflüchtet. Als am 21. September der Rechtsbeistand des holländischen Staatsangehörigen D o ni e l a N i e u!v e n h u i s dessen Haft- cntlassung beantragte, wurde diese von dem Amtsgericht Köln ab- gelehnt, weil der Angeschuldigte ein Ausländer sei und begründeter Zweifel bestehe, daß er sich auf Ladung vor Gericht stellen und dem Urteil Folge leisten wcrdp Der Engländer hat S it tl ich k e i t s ve rbr e che n be- gangen, auf die mindestens sechs Monate Gefängnis stehen. Er wurde aus der Haft entlassen. Tomela Nieuwcnhuis hat eine simple polizeiliche Verfügung von vor fünfzehn Jahren übertreten, worauf als Mindeststrafe ein einziger Tag Haft steht. Das Urteil lautete bekanntlich auf fünf Tage. Der holländische Politiker wurde im Gefängnis festgehalten, der englische Sittlichkeitsvcrbrecher wurde auf freien Fuß gesetzt!— Kranke im Gefängnis. Als am Freitag vor dem Schwurgericht in Köln gegen den 33jährigen Kaufmann Emil Wagner, einen wegen Diebstahls, Hausfriedensbruch, Körperverletzung, Wider- standsleistung und neunmal(I) wegen Beleidigung vor- bestraften Mann, verhandelt werden sollte, wurde der Angeklagte von furchtbaren hysterischen Krämpfen befallen. Die Anklage lautete auf Meineid, Verleitung zum Meineid in zwei Fällen, versuchten Meineid in einem Falle und wider hcsseres Wissen erhobene Beschuldigung des Polizeipräsidenten von Köln. Gleich zu Beginn des zweiten Tages der Verhandlung befielen den Mann entsetzliche Krämpfe; er stieß langgezogene schauerliche Töne aus. Das Gericht ließ sofort den Gerichtsarzt tclcphonisch herbeirufen. Dieser erklärte, daß ein Ver- handeln wegen des bei dem Angeklagten herrschenden D ä m m e r- zustand es nicht möglich sei. Der Kranke schrie oft:„Ja, ja. ich habe Zuchthaus, ich habe mich so lange gehalten wie es ging." Der Verteidiger bemerkte, der Angeklagte h a b e in der Unter- suchungshaft häufig solche Anfälle gehabt. Der Gerichtsarzt er- widerte, daß ihm das erst heute gemeldet worden sei, nachdem die Krankheit des Angeklagten sich in der vergan- genen Nacht verschlimmert habe. Der Gerichts- Präsident sagte darauf, daß das Nichtrapportieren der Gefängnisangestellten über den Krankheits- zustand des Angeklagten ihn befremde. Die Sache wurde dann vertagt. Der goldene Knopf in Leipzig. Ein städtisches Fest, das der stadtischen Bevölkerung recht gleichgültig ist, wird in diesen Tagen. wie uns von dort geschrieben wird, in Leipzig- gefeiert. Das neue Leipziger Rathaus ist am 7. Oktober eingeweiht worden. „Bunte Wimpel wehen heute von den Dächern und Zinnen unserer Stadt herab." Mit diesen Worten leitet das„Leipziger Tageblatt", das Amtsblatt des Rates der Stadt Leipzig, seine Berichterstattung über die Einweihung des neuen Rathauses ein. Wahr ist an dieser Salbaderei nur das eine, nämlich daß das neue Rathaus mit dem bei solchen Gelegenheiten üblichen Pomp eingeweiht worden ist. Feststimmung herrschte nur bei den Auserwählten, die zu der offi- ziellen Feier hinzugezogen worden waren; deren Stimmung konnte um so festlicher sein, als es galt 50 000 M. klein zu bekommen, die Rat und Stadtverordnete zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt hatten.„Unsere Bevölkerung" steht solchen Ereignissen äußerst kühl gegenüber, aber in dem vorliegenden Falle hat sich sogar wegen der bewilligten 50 000 M. eine arge Mißstimmung bis tief in die bürgerlichen Kreise bemerkbar gemacht. Schrieb"doch seinerzeit selbst das Organ der Krämer und Mittclstandsretter, die„Nachrichten des Schutzverbandes für Handel und Gewerbe":„Die große Mehr- zahl der Bürgerschaft ist mit dieser Verwendung der Gelder der Steuerzahler nicht nur nicht einverstanden, sondern im höchsten Grade darüber aufgebracht." Das hinderte natürlich die Vertreter der Mittelständler im Stadtverordnetenkollegium keineswegs, mit besonderem Eifer für die Bewilligung der außer- ordentlich hohen Summe einzutreten und heute gibt es immerhin eine Anzahl der Mittelständler, die es als eine Zurücksetzung empfinden, weil ihnen nicht ebenfalls die Möglichkeip gegeben worden ist, auf Kosten der Steuerzahler sich einige fette Tage zu bereiten. Wenn aber die große Masse der übrigen Bevölkerung einen Blick auf die für die Festlichkeit aufgestellte Speisenkarte wirft, die, wie zum Hohn, ebenfalls im Amtsblatt abgedruckt wird, so wird sie sich gewiß der Eingabe erinnern, die erst vor kurzem von den städtischen Körperschaften wegen der zurzeit hestehenden Fleisch- teuerung an die Regierung gerichtet worden ist und in der es heißt, datzauchinLeipziglebhafteKlagenüberdieherr- sche nde Fleisch not geführt werden, daß eine ganz erhebliche Belastung der Fleischverbraucher eingetreten und namentlich die ärmere Bevölkerung gezwungen ist, ihren Fleischbcdarf so viel als möglich einzuschränken. Am 15. September war die städtische Einkommensteuer fällig. Hoffentlich haben diejenigen, die trotz der nassen und kalten Witte- rung in der Nähe des Rathauses verharrten, ohne von der Ein- weihungszeremonie selbst etwas zu bemerken, ihre Steuern bereits bezahlt, damit sie in den nächsten Tagen neben einem tüchtigen Schnupfen nicht noch mit der Zwangsvollstreckung bedacht werden, denn bei solchen Summen, wie sie zuni Beispiel für die Einweihung eines Rathauses von der Stadtverwaltung bewilligt werden, ist schnelles und reichliches Zahlen doppelte Pflicht der Bürger. Selbstverständlich ist es bei der Rathauscinweihung nicht ohne die üblichen Reden abgegangen. Wiederholt wurde dabei auf die „Gottesfurcht und Vaterlandsliebe"� und auf die„in Leipzig stets gepflegte vaterländische Gesinnung" hingewiesen. Der Erbauer des Rathauses erwähnte unter anderem auch den goldenen Knopf auf der Spitze des Rathausturmes. Er tat recht, "hieran zu trienern, denn in diesem Turmknopf ist für spätere Ge- schlechter eine Urkunde aufbewahrt, in der es also heißt:„Zum ersten Male seit der Wicdcraufrichtung des Deutschen Reiches ist bei der ReichStagswahl am 25. Juni 1903 der Wahlkreis Leipzig- Stadt den bürgerlichen Parteien entrissen worden." Das ist das beste am neuen Leipziger Rathaus, denn diese Urkunde wird ein dauernder Beweis für die wahre Stimmung der Bevölkerung sein, auch wenn der Glanz aller Feierlichkeiten längst verblaßt ist. Der wcimarischc Landtag wird Anfang Dezember zu einer kurzen Tagung zusammentreten, nachdem der am 13. November einberufene Rcchnungsausschutz des Landtages seine Arbeiten, die Prüfung der Staatsrechnungcn für 1904, erledigt haben wird. Dem Landtag wird ein neues Separationsgesetz unterbreitet. Eine be- sondere Kommission, die die Zusammenlegung der Grundstücke für 371 Gemeinden erledigt hat, verbrauchte dazu gegen Ilb Million Mark. Die Regierung glaubt, daß es von einer preußischen Be- Hörde schließlich billiger gemacht wird. Da noch in 254 Gemeinden die Zusammenlegungen zu erledigen sind, soll der Landtag darüber entscheiden, ob zur Regelung der Angelegenheit eine„ausländische" Behörde beauftragt wird. Das ist eine herrliche Satire auf die Klcinstaatenwirtschaftl_ Eine Sache und zwei Urteile. In einer Beleidigungssache ergingen Urteile zuerst vom Schöffen- gericht, dann vom Landgericht als Berufungsinstanz, die einander so entgegengesetzt sind, daß sie einer Gegenüberstellung und Besprechung wert erscheinen. In der Eisengießerei und Maschinenfabrik der Firma Friesicke in Neuruppin war seinerzeit ein Formerstreik ausgebrochen, dessen Ursache teilweise auch auf das den Arbeitern sehr unsympathische Verhalten des Meisters Hegermann zurück- zuführen war. Die Streikenden setzten als organisierte Arbeiter natürlich gleich die Berliner Gauleitung von dem Aus- stände in Kenntnis und wünschten, daß der Angeklagte Pawlowitsch nach Neu-Ruppin kommen möge, um dort in einer Versammlung über den Streik zu referieren und außerdem bei dem Chef der Firma wegen Beilegung der Differenz vorstellig zu werden eventuell die Vermittelung des Bürgermeisters als Vorsitzenden des Einigungs- amts anzurufen. In der Streikversammlung brachte Pawlowitsch nun zur Sprache, daß der Meister H e g e r m a n n besonders an den Gießtagen häufig stark betrunken gewesen sei, sodaß er in der Trunkenheit bei der gefährlichen Gießarbcit unsachgemäße Anordnungen traf, wodurch einmal sogar der Former Balzcr einen Unfall durch Verbrennen des Fußes mit flüssigem Eisen erlitt. Mit der Behauptung sollte Pawlowitsch den Werkmeister beleidigt haben. Das Gericht fand ihn schuldig und verurteilte ihn zu 450 M a r k G e l d st r a f e oder 150 Tagen Gefängnis. Ans der schriftlichen Begründung des Urteils seien einige charakteristische Stellen nntgeteilt: 'Es wird zunächst„festgestellt", daß der Meister„wegen seines Fleißes, seiner Zuverlässigkeit und seiner Nüchternheit bei seinem Arbeitgeber das größte Vertrauen genießt". Er gehöre jedoch „nicht dem Metallarbeiter« Verbände, sondern dem Werkmeister- Verbände" an. Schon als der Meister seine Stellung in der Friesicke- schen Fabrik antreten tollte,„haben die dem Metallarbeitcr-Verbande angehörigen Former der Fabrik erklärt, sie wollten ihn hier bald herausbringen." Die„Wühlereien" gegen ihn hätten vor dem Streik ihren„Höhepunkt" erreicht. Der Wahrheitsbeweis des An- geklagten betreffs der häufigen Trunkenheit des Meisters und dessen Schuld an dem Unfall des Formers Balzer sei„nach jeder Richtung hin mißglückt". Ein Lehrling habe zwar ausgesagt, der Meister habe„an de» Gicsftagcn 1 bis l'/g Liter Schnaps getrunken". Doch habe der Zeuge das Trinken nicht gesehen, sondern dies daraus geschlossen, daß er dem Meister den Schnaps in Seltcrflaschcn ä Vi Liter— im ganzen 1 bis l'/g Liter in 4 bis 0 Gängen— holen mutzte. Andere Zeugen aber hätten den Meister nie betrunken oder angetrunken gesehen, sondern ihn als einen ruhigen nüchternen Mann bezeichnet, und„einen solchen Ein- druck habe er auch auf dasGericht gemacht". Ein Zeuge habe nur angeben können, daß der Meister zum Frühstück wohl„einen Schluck" getrunken habe. Nach den Bekundungen des Fabrikanten aber könne beim Gießen wegen der großen Hitze auch kein Wasser getrunken werden. da man sonst Nheilmatismns bekäme. Die den Meister„schwer beleidigenden Aeußerungen" seien von dem Angeklagten auch nicht in Wahrung berechtigter Interessen gemacht worden, wie er glauben machen wolle.„Eine öffentliche Arbeitervcrsammlung ist nicht der Ort, wo der Angeklagte zum Schutze der streikenden Former Miß- stände zu rügen und sich insbesondere des Balzer(des Verunglückten) anzunehmen hatte. Wenn Angeklagter lediglich berechtigte Interessen wahrnehmen wollte, so hätte er sich an die Staatsanwaltschaft, die Polizei, den Gewerbe-Jnspektor oder an Friesicke selbst wenden müssen." Aus dem ganzen Verhalten des Angeklagten ginge mithin hervor, daß er„gemeinschaftlich mit den dem Metallarbeiter-Berbande angehörigen Fri'esickcschen Formern lediglich darauf ausging, den ihnen nicht gefügigen Meister zu verdrängen und an seine Stelle einen ihnen gefligigen, dem Mciallarbeiter-Verbande angehörigen Mann zu setzen." Nun sei aber der Angeklagte ein Mann, „der den öffentlichen Frieden durch Auf- reizungen gefährdet. Ihm ivar es auch hier nur darum zu tun, die ausständigen Former zu verhetzen und den Meister, einen bestbeleumundeten Mann, aus Lohn und Brot zu bringen und dies unter gröbster Ehrabschneidung. Zu seinem und der anderen Former Vorgehen lag kein anderer Grund vor, als der, daß der Kläger kein gefügiger Anhänger des Metallarbcitcrverbandcs war. Gegen ein derartiges Verfahren mußte der Kläger energisch geschützt werden. Es liegt aber auch im allgemeinen Interesse', einen solchen unter Verletzung der Ehre eines anderen geübten Terrorismus strenge zu ahnden." So die objektiven Feststellungen und die objektiven Gründe eines auf Grund des Gesetzes gefällten Urteils. Der Verurteilte legte Berufung ein. Die Bcrufungskammer erhob einen umfassenden Beweis sowohl über das, was der Angeklagte in jener Streikversammlung gesagt hatte, als auch darüber, inwieloeit seine dortige» Behauptungen auf Wahrheit beruhten. Von der Mehrzahl der Zeugen wurde be- kündet, daß der Angeklagte sich in der Versammlung über den Meister Hegermann nur sehr zurückhaltend geäußert habe. Auch wurde festgestellt, daß der vom Schöffen- gericht wegen seiner geradezu vorbildlichen Nüchternheit so hoch gepriesene Meister sehr häufig bei der Arbeit schwer betrunken gewesen ist. Ein Zeuge bekundete darüber, daß Heger- mann auch beim Gießen, wobei er abzustechen hatte, häufig be- trunken war, so daß er bald mal zu spät, und bald zu früh abstach oder schloß. Auch konnte er dann nicht mehr ordentlich sprechen, sondern nur noch lallen. Er habe dann auch die einzelnen Arbeiter verwechselt, sei umhergetaumelt und habe die Ocffnung des Gieß- osens nicht mehr richtig treffen können. So sei sein Zustand auch an dem Tage gewesen, wo der Former Balzer verunglückte. Der Ofen war von Hegermann nicht wieder ordentlich geschlossen worden, so daß das glühende Eisen nach allen Seiten u m h e r s P r i tz t e. Das Verhalten des Meisters infolge seiner Trunkenheit sei für die Arbeiter vielfach geradezu gefährlich ge- Wesen. Auf Grund der ganzen Beweisaufnahme konnte der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Heinemann, denn auch kon- statieren, daß der Wahrheitsbeweis in vollem Umfange erbracht sei. Die häufige Trunkenheit des Meisters fei erwiesen worden, wie auch, daß dieser in seinen Anordnungen und Handlungen gegen die Unfall- verhütungS- Vorschriften verstoßen habe. Dem Angeklagten müsse aber auch der Schutz des§ 193 zugebilligt werden, weil er als Vertreter der Organisation von den Streikenden nach Neu- Ruppin geholt wurde, um das Einigungsamt anzurufen und bei der Dar- legung der Ursachen des Streiks das Verhalten des Meisters nicht unerwähnt lassen konnte. D n s G e r i ch t s ch l o ß sich d c n A u S f ü h r u n g e n der Verteidigung p o l l st ä n d i g an mit dem Hinzufügen: Selbst wenn der Angeklagte gesagt hätte, daß durch die Trunkenheit des Meisters der Unfall des Formers Valzer verschuldet wäre, f« würde auch dies keine der Wahrheit wider» sprechende Behauptung gewesen sein. Das Urteil lautete auf Freisprechung. Wie war es nur möglich, daß das Schöffengericht gerade in dem Hauptpunkte, das Verhalten des Meisters betreffend, zu solchen der Wirklichkeit vollständig widersprechenden Feststellungen kommen konnte, trotz der bewiesenen Tatsache, daß sich der Meister IVz Liter Schnaps hatte holen lassen? Das Gericht ist doch dazu da, die Wahrheit zu erforschen und nicht bloß dazu, den Angeklagten zu verurteilen, wenn er nicht selber bis auf das Tipfelchen nachweisen kann, daß seine Behauptungen richtig sind. Hätte der Angeklagte nicht noch das Rechtsmittel der" Berufung gehabt, so daß er auf Grund der schriftlichen Urteilsgründe der ersten Instanz seinen Beweis� ver- vollständigen konnte, dann blieb er verurteilt, obwohl er tatsächlich nur Wahres behauptet hatte._ Südwrstafrikanische Verluste. Berlin, 8. Oktober. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am 24. September am oberen Tsaob-Revier leicht verwundet: Wachtmeister Julius G ö b e l s m a n n, geboren am 20. 6. 74 zu Haßlinghausen, Fleischschuß rechte Schulter. Berlin, 9. Oktober. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am 23. September beini Ueberfall der Signalstation O a s gefalle»: Reiter Friedrich Kühne, geboren am 13. 9. 82 zu Eisleben. Am 29. September bei Naruchas von Kaffern erschossen: Reiter Karl Voigtländer, geboren am 10. 12. 83 zu Pappen- dorf, und Gefteiter Paul Boecker, geboren 19. 11. 83 zu Minden. Am 3. Ottobcr bei N a r u d a s auf Pfcrdelvache leicht- Verlvundet: Gefreiter Albert Barfuß, geboren 20. 0. 83 zu Winterbeck, Weichteilschuß linker Unterarm. Brrstorbcu: Gefreiter Johann Bremer, geboren 25. 7. 82 zu Trochtelfiugen, am 5. Oktober auf Krankensammelstelle Gibeon an T y p h u s. Reiter E r i ch G e n s e r i ch, geboren 27. 3. 84 zu Stargard, am 0. Oktober auf Krankensaminelstelle Berseba infolge Schlangenbisses. �uslancl. Oeftervcich-Ungarn. Die befürchteten deutschfeindlichen Kundgebungen inPragund O l m ii tz sind verhältnismäßig ruhig verlaufen. In Prag wurde ein Umzug der Tschechen nach dem Graben durch die Absperrungsmaßregeln der Polizei verhindert, die fünf Verhaftungen vornahm. Ein Kouleurstudent wurde von Tschechen mißhandelt. In Olmütz erwiderten die Deutschen eine Dcmonstrationsversammluug der Tschechen mit einem großen Umzug, doch wurden auch hier größere Zusannneustöße verhütet. Bei einigen kleineren Zusammen- stoßen wurden mehrere Personen verletzt. Frankreich. Die antimilitaristische Agitation. Paris, 7. Oktober.(Eig. Ber.) Seit einiger Zeit hat die„anti- militaristische" Agitation, die in den um die Arbeitsbörsen gruppierten„revolutionären Gewerkschaften" eine ansehnliche Zuhörer- schaft— Anhängerschaft wäre wohl zu viel gesagt— besitzt, ziemlich heftige Formen angenommen. Ihr Anschwellen trifft in auffallender Weise mit dem Bemühen der reaktionären Parteien zusammen, im bevorstehenden Wahlkampf das Schlagwort des„Patriotismus" gegen die geeinigte sozialistische Partei auszuspielen, deren be- rufenste Wortführer, ohne Unterschied ihrer sonstigen Meinungs- Verschiedenheiten, die Phantastereien und leichtfertigen Phrasen des von der Reaktion Gnaden so berühmt gewordenen Gymnasial- lehrers Herve einmütig zurückgewiesen haben. Was schiert es die„patriotischen" Zeitungen, daß Jaurös in der „Humauits" eine ganze Kampagne gegen Hervo geführt, daß Guesde ihn einen„Literaten ohne Literatur" genannt hat? Der „Tenrps" nennt ihn trotzdem noch immer einen„offiziell anerkannten Chef der sozialistischen Partei" und hört nicht auf, zu verkündigen. daß der Sieg des Sozialismus den Untergang Frankreichs, seine Unterjochung durch das Ausland zur Folge hätte. Und die anti- militaristische Propaganda erfteut sich in der bürgerlichen Presse einer Aufmerksamkeit, die einer Reklame oft zum Vertvechseln ähnlich sieht. Bisher ist nicht das leiseste Anzeichen dafür vorhanden, daß die konfusen Tiraden der„Antimilitnristcn" eine über den Ver- sammlungsapplaus hinausgehende Wirkung erzielt hätten, aber die Patrioten schlagen mit aller Macht Alarm, um dem Spießbürger Angst zu machen und schreien nach dem Staatsanwalt, nach Kon- fiskalionen und kriminellen Verfolgungen. Die Regierung hat sich gegenüber diesen Aufforderungen bisher recht vernünftig verhalten und sich darauf beschränkt, den anti- patriotischen Fanfaronaden patriotische Ministerreden entgegenzusetzen, die anscheinend ebensowenig tragisch genommen worden sind. In den letzten Tagen aber griffen die Antimilitaristen zu einem Agitations- mittel, das den Scharfmachern eine bessere Situation schuf. Eine „internationale anttmilitaristische Arbeiterassoziation"— eine eigentlich nur fiktive Vereinigung, deren Sprecher selbst zugestehen, daß sie weder einen Ausschuß, noch einen Sitz hat— ließ anläßlich des Einrllckens der Rekruten einen Aufruf in angeblich 200 000 Exemplaren verteilen. Sie vergaß auch nicht, ihn der bürger- lichcn Presse zuzustellen, deren reaktionärer Flügel ihm mit sichtlichem Vergnügen Verbreitung gibt. In der Prokla- mation stehen neben ganz richtigen Ausführungen über den Bour- gcoifiestaat und den Militarismus blutrünstige Aufforderungen im anarchistischen Jargon, z. B. daß die bei einem Streik aufgebotenen Soldaten ihre Offiziere erschießen mögen und der Avpell, im Falle der Mobilisation in jedem Falle— ohne Rücksicht auf die aggressive oder defensive Natur des Krieges— den allgemeinen Streik und den Aufstand zu beginnen. Das Manifest ist von etlichen „Sektionen" und von einer Reihe einzelner Personen unterzeichnet. unter denen einige aus der Bewegung der revolutionären Geiverk- schaften bekannt sind. Von Mitgliedern der sozialistischen Partei haben nur Herve und der alte Cipriani unterschrieben, dessen naive Begeisterung wieder einmal mißbraucht worden zu sein scheint. Auch der marxistische Literat Tailhade hat unterschrieben. Gleichzeitig wurde noch ein anderer Aufruf herausgegeben, der von„einer Gruppe Proletarier" unter- zeichnet ist, an der Spitze die Parole„Nieder mit der Armee I" aus- gibt uud die Familien der Konskribierten auffordert, am morgigen Sonntag zu einer Protestdemonstration zum Ostbahnhof zu kommen. Die Bourgeoispresse macht aus dieser Propaganda, die unter gewöhnlichen Verhältnissen wahrscheinlich nicht den geringsten Ein- druck gemacht hätte, eine Haupt- und Staatsaktion und es ist schon leicht möglich, daß morgen ein paar Tausend Neugieriger und Radaulustiger, von ihren Andeutungen verlockt, zum Rendezvous der Antimilitaristen kommen. Die Regierung hat auch, in echter oder gespielter Unruhe, ihr vernünftiges Zuschauen aufgegeben. In der vergangenen Nacht wurden zwei Leute, die die revolutionären Plakate aufklebten, verhaftet und an zwei Stellen wurden Depots von Aufrufen durch die Polizei aufgehoben. Jedenfalls haben die reaktionären Parteien für die nächste Zeit wieder einen Agitations- stoff und der Chauvinismus, der erst in den letzten Tagen durch die friedliche Wendung des Marokko-Handels eine Schwächung erlitten hat, kann vielleicht im leichtgläubigen und von der Gloire-Eitelkeit noch nicht verlassenen Kleinbürgertum eine Auffrischung bekommen, die man bis zu den Wahlen zu erhalten bemüht sein wird. Eine andere Wirkung konnte der Einfall der„Antiparlckmentarier" von Anfang an nicht haben, als die Chancen jener zu bessern, die den Parlamentarismus in den Dienst der kapitalistischen Ausbeuter stellen wollen. Es ist eine„direkte Aktion"— für die reaktionäre Bourgeoisie. Paris, 9. Oktober.(W. T. B.) Bei den von antimilitaristischer Seite gestern am Ostbahuhofe versuchten armecfciudlichcn Straßen- kundgebungen wurden von der Polizei gegen 30 Personen wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt uud wegen aufrührerischer Rufe festgenommen, kluter den Verhafteten befanden sich mehrere Ausländer. Nach Aufnahme eines Protokolls wurde die Hälfte der Ntrhasteten wieder fre�elasien. Diese Denionstration. an der sich übrigens nur wenige Menschen beteiligten, gab den Rekruten und den sie begleitenden Angehörigen und Freunden Anlaß zu patriotischen Kundgebungen. Wie aus Chalons gemeldet wird, wurden dort vier Rekruten, die den diensthabenden Leutnant beschimpften, durch die Polizei dem Platzkommandanten übergehen. Italien. Sozialistischer Wahlfleg. Rom. V. Oktober.(Eig. Ber.) Die verbündeten Sozialisten und Republikaner haben in C a r r a r a bei den Stadtverordnctenwahleu alle 32 der Mehrheit reservierten Plätze erobert, mit SOO Stimmen Majorität gegenüber der Liste der Libe- raleu und Konservativen. Die Berwaltung Carraras lag bereits seit drei Jahren in Händen der Voltsparteien, mit einem sozialistischen Bürgermeister, Gen. Garteschi.— Gegen die sozialistische Propaganda im Heere. In Turin wurden am 4. d. M. sünf Parteigenossen verhaftet, weil sie auf- rührerische Schriften im Heere verbreitet haben sollen. Ein sechster Genosse, Ranni, entkam den Polizisten nach erfolgter Verhaftung. Die Verhafteten sind zwei Arbeiter, zwei Studenten und ein Handlungsgehülfe.->_ Die Kosakenschlacht in Moskan. Nach den blutigen Greueltagen zu Petersburg, Warschau, Lodz, Schitomir, Baku hat nun auch in Moskau der Zarismus das Blut seiner teuren Untertanen getrunken. Die offiziellen Telegramme über den Moskauer Blutsonntag sind ebenso dürftig, wie die privaten Meldungen sensationell gefärbt scheinen. Sicher ist, daß die Kosaken wie die wilden Tiere gehaust haben. ».. Die offizielle» Meldungen. Moskau. 9. Oktober. In der Nacht zum Sonntag wurde auf dem Twerskoi-Boulevard eine Versammlung abgehalten. Die Truppen feuerten blinde Schüsse ab, worauf die Menge mit Revolverschnssen antwortete. Den ganzen Tag über zogen Arbeiter durch die Hrnchtstraßen, doch kam es nur bei einer Bäckerei in der Twerskaja zu Unruhen. Die Bäcker warfen vorn Dach ans Ziegelsteine auf die Kosaken; diese feuerten. Nachdem die Trverska abgesperrt worden war, wurde» 299 Persouen verhaftet. Petersburg, 9. Oktober.„Russ" meldet aus Moskau: Bei dem gcstrigeu Zusanimenstosr zwischc» Bäckern und Kosaken lvnrden acht Bäcker getötet und zwei verwundet, ausierdcm wurden ein Schubman», ein Revieranfscher und ein Kosak ge- tötet. Viele Polizisten und Privatpcrsoncu sind mehr oder weniger schwer verletzt worden. Ein vorübergehender Professor naincnS Chornlski wurde durch eine» Nagaikahieb verletzt. Die Hanptstrasten und»Plätze find durch Polizisten, zwei Regt- ineuter Grenadiere, eine Schwadron Dragoner und acht Sotnien Kosakc» besetzt. Moskau, 9. Oktober.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentnr.) Während der letzten Unruhen lvnrden ins» gesamt sünf Kosaken, vier Gendarmen und einige Polizisten verwundet. Gestern abend 11 Uhr war die Wuhe in den Straßen wiederhergestellt. *•* Schlachtbcrichte. Moskan, 0. Oktober. Zwischen Kosaken nnd ausständigen Bäckern kam cS zu einem furchtbaren Zusammenstoß. Etwa 590 Bäcker hatten baS Dach der Bäckerei von Pctrowolowo bestiegen, von wo fie die Polizei mit Pstasterstrinci» und Dachziegeln bom- barbierte». Kosaken forderten znr Uebergabe ans, wurden jedoch mit Steine» beworfen, worauf das Militär eine Salve abgab. Das Hans würbe schließlich erstürmt, wobei 193 Bäcker verhaftet wurde«, darunter 28 Verwundete. Zwei Bäcker waren tot. Private Telegramme melden von Exzessen wahnsinniger Brutalität: Es kau, auf dem Bouleward TwerSkoi zu einer regelrechten Schlacht zwischen Truppen und streikenden ArbeNern. Aus der einen Seite kämpften gegen 10999 Streikende, auf der anderen Seite ein Bataillon Jnsanterie. Das Militär gab wiederholt Salven ad, zuerst in die Luft und danach in die Volksmenge. Viele Personen wurden getötet, darunter Frauen und Kinder. Eine noch größere Anzahl«urde schwer«er» wuudet. In allen Richtungen sah man Ambulanzwagen, welche die noch lebenden Opfer in die Krankenhäuser schleppten. Die Zahl der Getöteten wird ainiähernd auf fünfzig geschätzt, die Zahl der Ber- wuudeten auf 999. Mehrere hundert Personen wurden verhaftet. Die bei den Zusammenstößen zwischen Soldaten und Arbeitern verhafteten Personen wurden zum Exerzierplatz einer Militärbaracke geführt, wo fünfzig Soldaten in zwei Reihen aufgestellt waren. Dir Arbeiter wurde» durch Knutenhicbe gezwungen, zwischen diese» beide» Reihen auf u«d ab zu lausen, wahrend dir Soldaten sie mit den Gewehrkolben schlugen. Einige huutzert Zuschauer applaudierten, und spornten durch ihre» Beifall die Soldaten zu neuen Brutalitäten an. Zahlreiche auf diese Weise behandelte Arbeiter wurden getötet oder erheblich verwundet. »»» Neue Unruhen im Kaukasus. TifliS, 9. Oktober.(Offizielle Meldung.) Gestern nachmittag wurden hier mehrere Bombenanschläge gegen Kosaken(!) verübt. Es wurden sofort andere Truppenteile aufgeboten, die ein Gewehrfeuer aus die Angreifer eröffneten. Allgemeine Panik entstand, zahlreiche Personen wurden getötet oder verwundet. Der Chinaprozetz vor dem Reichsgericht. Leipzig, den 9. Oktober IVOS.(Eig. Ber.) Heute, Montag, steht vor dem Reichsgericht in Leipzig die Ver- Handlung der Revision an, die der Abg. K u n e r t gegen das ihn zu drei Monaten Gefängnis verurteilende Erkenntnis des Landgerichts Halle in dem bekannten Prozeß wegen B e» leidigung des o st asiatischen Expeditionskorps eingelegt hat. Die Verurteilung erfolgte bekanntlich, obwohl in der Prozeßverhandlung vor der Strafkammer in Halle eine Reihe che- maliger Teilnehmer des Chinafeldzuges Aufsehen erregende AuS- sagen über die dabei vorgekommenen Plünderungen und Schandtaten Wachten. Das Urteil stützt sich aber auch nicht auf den tz 186 des Reichs-Strafgesetzbuches(Behauptung nicht erweislich wahrer Tatsachen), sondern auf ß 186(formale Be- leidigung). Das Erkenntnis des Hallenser Landgerichts nahm zunächst als erwiesen an. daß die inkriminierte Aeußerung de« Abg. Kunert, die in einer Versammlung zu den ReichStagswahlcn 1993 gefallen ist, so gelautet habe, wie die beiden überivachenden Gendarmen sie wieder- gaben, nämlich:.Unsere Soldaten haben das Land dort ver- wüstet und geplündert und Frauen geschändet", während Kunert und neun Versammlungsteilnehmer und-Leiter bekundeten, daß ihrer Er- innerung nach von der ganzen JnvasionSannce, nicht ausdrücklich von den deutschen Truppen die Rede gewesen sei. Das Urteil erklärte weiterhin den vom preußischen Kriegsminister gestellten S t r a f a n t r a g für r e ch t s>v i r k s a m, da die Be- leidigung der Chinakrieger in Bezug auf ihren Beruf begangen worden sei, und der Kriegsminister, obwohl zur Zeit der Beleidigung daS Expeditionskorps schon aufgelöst war, doch Borgesetzter seiner meisten Teilnehmer geblieben sei. Was die Nichtanwendung des§ 186 angeht, so führte das Ge- richt aus, daß der Angeklagte gar keine spezielle»Begeben- h e i t e n habe behaupten wollen. Vielmehr sei es ihm in seiner Stellimg als Wahllandidat der sozialdemokratischen Partei nur darauf augekommen,.die Maßnahmen der Regierung, den Militarismus nnd ganz besonders die Armee in den Augen seiner Wähler herabzusetzen"..Ans den angebotenen Wahr- heitsbewcis komme cS deshalb nicht an, da»nr dargetan werden solle, daß einzelne, übrigens auch nicht einmal bestimmt und in konkret greifbarer Weise behauptete, sondern erst noch aus den gengenaussagen und den Alten zu entnehmende Vorkommnisse in einer mehr oder minder, ja sehr großen Anzahl von Fällen sich ereignet haben sollen, wodurch die ehrverletzende Aeußerung keines- wegs beseitigt werden konnte." Auch könne der Wahrheitsbeweis „gegenüber dem ungeheuren, unierschiedslos allen Teilnehmern ge- machten Vorwurf der Disziplinlosigkeit, Roheit, Habgier und Sitien- lofigkeit* keinen Einfluß auf das Strafmaß habe». Für die Strafabmessung wird weiter daraus Bezug genommen, daß der Angeklagte wegen Beleidigung wiederholt und auch wegen Unterschlagung mit sechs Monaten Gefängnis vorbestraft ist.(Bei der„Unterschlagung" handelt es sich bekanntlich um die Veröffcut- lichimg eines geheimen Aktenstückes durch Kunert.) Schließlich müsse die«träfe besonders schioer sein„wegen der schamlosen und niedrigen Gesinnung des Angeklagten, welcher sich nicht gescheut hat, seine eigenen Volksgenossen, welche zum Schutze, für die Ehre ihres Vater- laudes freiwillig in einen gefahrvollen Krieg gegen einen grausamen Feind in ein weit entferntes Land gezogen waren, vor aller Welt init Schmutz zu bewerfen". Gegen dieses Urteil hat Kunert durch seinen Verteidiger Rechts- onwalt Dr. H e i n e m a n n- Berlin Revision einlegen lassen. die sich nach den beiden umfangreichen Revisionsschriften hauptsächlich aus folgende Punkte stützt: In der ersten Hauptverhandlung der Anklage am 23. Oktober 1993 beschloß der Gericktshof, amtliche Auskunft über die Stellung des preußischen KriegSministers zum ostasiatischen Expeditionstorps ein- zuholen. Diese erteilte Auskunft ist nie verlesen worden, obwohl es sich um ein herbeigeschafftes Beweismittel handelt. Ebensowenig ist der Beschlutz des Gerichtshofes vom selben Tage auS- geführt worden, eine große Reihe von Chinakriegern und Journalisten als Zeugen zu laden, vielmehr hat nur der Angeklagte einige davon im letzten Augenblick selbst laden lassen, In der stillschweigenden Nichtbefolgung dieses Gerichtsbeschlusses, der nicht aufgehoben worden ist, sieht die Revision eine unzulässige Beschränkung der Verteidigung. Ebenso darin, daß der Gerichtshof vom LS. Juni Fragen über die Zerstörung von Leib und Leben nicht zugelassen, Anträge auf weitere Zeugenveniehmuiigen abgelehnt und obendrein über diese prinzipalen Anträge erst nach Schluß der Beweisaufnahme entschieden habe. Es sei unzulässig, wenn der Gerichtshof von vornherein, schon vor der Beweisaufnahme erkläre, auch die volle Erbringung des Wahrheitsbeweises werde nicht zur Ansetzung eines geringeren Strasmaßes führen. Es sei ein immöglicher Rechtszustand, sich vor Erhebung eines Beweises ein Urteil über desien Tragweite zu bilden. Personen, die wirklich die behaupteten Verbrechen begangen hätten, könnten durch den Hin- weis darauf nicht gut„mit Schmutz beworfen" werden. Deshalb wäre es erforderlich gewesen, Beweis darüber zu erheben, ob die vom Angeklagten behaupteten Tatsachen der Wahrheit entsprechen. Die Revision bemängelt weiter einige formale Ungenauigkeiten bei dem Ausschluß der Oeffentlichkeit und schließlich die Zulässigkeit des kriegsministeriellen Strafantrages. Keine Amtsdelikte, sondern nur Verletzung der allgemeinen Sittengesetze sei den Chinakriegern vorgeworfen worden. Wenn sie aber schon in amtlicher Tätigkeit beleidigt seien, so doch nur als Mitglieder des Expeditionskorps. Nur a(s dessen Borgesetzter, nicht sonst als Vorgesetzter derselben Personen habe deshalb der Kriegsminifter Strafantrag stellen dürfen. Und da zur Zeit der Straftat das Expeditionskorps schon aufgelöst war. sei dieser Strafantrag unzulässig. Die Revisionsschrist gipfelt in dem Antrag, das Urteil des Landgerichts Halle aufzuheben und das Verfahren einzustellen oder den Angeklagten freizusprechen oder die Sache zur erneuten Verhandlung an ein anderes Landgericht zu überweisen. Die Verhandlung der Revision findet vor dem 3. Strafsenat unter dem Borsitz des Senatspräsidenten Dr. Treplin statt. Die Anklage vertritt der ReichSanwalt Dr. Nagel. Außer dem An- geklagten Reichstagsabgeordneten Kunert selbst ist auch sein Ber- teidiger Rechtsanwalt Dr. Heinemann zugegen. Zunächst gibt der Referent Reichsgerichtsrat Sbermaher eine Ueberficht über die oben wiedergegebenen Urteils- und Revisions- gründe. Er stellt zunächst durch einen Vergleich zwischen dem früher gefaßten Beweisbeschluß, der Auskunft des Kriegsministeriums und dem Verhandlungsprotokoll der Hallenser Strafkammer fest, daß in der Tat— gemäß den Behauptungen der Revisionssrist— der erste Teil der amtlichen Auskunst betreffend die Stellung des Kriegs- »nnisteriums zum Expeditionskorps in der Hauptverhandlung nicht verlesen worden ist. Auch die weiteren Behauptungen der Revision: daß erst nach Schluß der Beweisaufnahme über Beweisanträge entschieden worden ist. die die Verteidigung als prinzipiell bezeichnet: daß zum Ausschluß der Oeffentlichkeit dem Ver- teidiger wiederholt das Wort nicht gegeben worden ist. werden aus dem Sitzungsprotokoll als zutreffend erwiesen. Die weiteren Rügen vorzutragen überläßt der Referent dem Verteidiger Rechtsanwalt Dr. H e i n e in a n n. Dieser führt aus: Der Straf- anlrag scheint mir rechtlich ungültig aus doppeltem Grunde. Ein- mal ist gar nicht die Berufstätigkeit der Soldaten vom Angeklagten zum Gegenstand der Beleidigung gemacht worden. Freilich meint das Jnftanzgericht, im Kriege seien die Soldaten stets in der AuSsüllung ihres eigentlichen Berufes und die Vorwürfe des Angeklagten umfaßten auch schwere Verfehlungen gegen die militärischen Disziplinargesetze. Die Folge der elfteren Ausführung wäre die ganz abwegige Folgerung, daß die Soldaten im Felde keine anderen Handlungen als amtliche begehen könnten. Ein derartiger Grund entbehrt der juristischen Klarheit und Präzision. Auch das Vorhandensein be- sonderer Disziplinarbestimmungen reicht nicht aus. um die Voraus- setzungen der Beamtenbeleidigung zu erfüllen. Wenn vom Reichs» gericht der Vorwurf geschlechtlicher Exzesse selbst bei Geistlichen, an deren moralischen Levenswandel ganz besondere Anforderungen zu stellen sind, noch nicht als Vorwurf in bezug auf die Berusstätigkeit angesehen wird, so sei dies bei Soldaten noch viel weniger zuläisig. Es fehlt also an der Feftstellung der Beziehung der Beleidigung auf die Berufstätigkeit. Aber auch sonst hätte der Kriegsminister keine Antragsberechtigung. Räch der Auslösung des ExpeditionslorpS kam der Kriegsminister als amtlicher Vorgesetzter der nur als Teilnehmer des EhinafeldzugeS Beleidigten nicht mehr in Betracht. Sonst müßte zum Beispiel auch der Justizminister Strafantragsbesugnis haben, wenn vielleicht ehemalige Chinakrieger jetzt zufällig ihm als Affessoren unterständen. Die Nichtzulassung der Fragen nach Zerstörung von Leib nnd Leben der Chinesen hat die Verteidigung außerordentlich erschwert. Im Urteil ist aus» driicklich hervorgehoben, die Strafe müsse so empfindlich aus- fallen, weil eine sehr große Zahl von Perionen mit Schmutz beworfen worden seien, das heißt Unwahres von ihnen behauptet worden sei. Deshalb ist der Wahrheitsbeweis in der Tat sehr wichtig für den Angeklagten und das Strafmaß. Wenn das Gericht ausführt, der Angenagte hätte dieselbe Strafe erfahren, gleichviel, was der angetretene Beweis ergeben hätte, so ist eine solche Abschätznng de« Beweises vor seiner Erhebung unzulässig. Materiell ist die Anwendung des g 185 statt des§ 186 zu rügen. Wenn auch nicht in spezialisierten Einzelheiten, so hat der An- geklagte doch konkrete Tatsache» behauptet, nicht Schimpf- Worte gebraucht. Schließlich ist auch der Begriff der„öffent- lichen" Beleidigung verkannt. Nicht auf den Ort. an dem die Belci- digung gefalle» ist, kommt es an. sondern auf die Möglichkeit einer unbesttminten Anzahl von Personen, sie zu hören. Reichsanwalt Dr, Nage!: In materieller Beziehung steht das Hallenser Urteil durchaus auf dem Standpunkte der Rechtsprechung des Reichsgerichtes. Prinzipiell ist bei 8 133 der Wahrheitsbeweis unzulässig; es muß dem Pflicht- gemäßen Ermessen des Jnstanzrichters überlassen bleiben, wie weit er ihn inr Hinblick auf das Strafmaß zulassen will. Was die prozessualen Rügen angeht, so enthält die zu Unrecht nicht verlesene Auskunft über die amtliche Stellung des Kriegsministers zum ostasiatischen Expeditionskorps nur Dinge, die für das Urteil belanglos sind. Ein Antrag auf Ver- lesung dieses Passus war nicht gestellt. Es kann auch zweifelhaft sein, ob die Ablehnung der Fragen betreffend Schädigung der Chinesen an Leib und Leben zu- lässig war. Nach 8 259 Absatz 2 der Strafprozeßordnung dürfen Fragen au erschienene Zeugen nur abgelehnt werden, wenn sie ungeeignet zur Verhandlung sind oder nicht zur Sache gehören. Dies letztere hat die Hallenser Strafkammer offenbor von dem Begriff'„unerheblich" nicht scharf genug geschieden. Aber wenn darin auch ein prozessualer Verstoß liegt, so doch keiner, auf dem irgendwie das Urteil beruht, weil für dieses der angebotene Wahrheitsbeweis gar nicht in Frage kam. In unanfechtbarer Weise ist vielmehr festgestellt, daß alle diese Beweise für die Strafzumessung ohne Einfluß seien. Die Verteidigung rügt, daß der Beweisbeschluß betr. kom- missarischer Beniehmnug weiterer Zeugen aus der ersten Haupt- verhandkmig nicht ausgeführt, noch ausgehoben worden ist. Sie über- sieht, daß die Hauptverhandlung nicht unterbrochen, sondern ab- gebrochen wurde, daS neue Gericht in seinen Entschließungen also völlig frei war. Durch Ablehuung der wiederholten Beweis- anträge gab es deutlich zu erkennen, daß es sich an die früheren Gerichtsbeschlüsse nicht binden wollte. Nach dieser Ablehnung ist übrigens— laut Sitzuugsprotokoll— den Beteiligten ausdrücklich nicht einmal das Wort ver- stattet worden. Wesentlich von den Einwendnngen der Verteidigung bleibt nur die Bemängelung des Strafantrages. Aber auch hier können die Zweifel nicht durchgreifen. Die Be- leidigung ist zweifellos in bezug auf den Beruf der Chinakrieger begangen worden, denn was der Angeklagte den Angehörigen der Expeditionsarmee vorgeworfen hat. gibt den Tatbestand besonderer militärischer Verbrechen nach 8ß 127 ff. des Militärstrafgesetzbuches wieder. Die Antrngsoefugnis des Kriegsminislers schließlich hätte allerdings zessieren müssen, wenn er nur zufällig wieder Vorgesetzter der Angehörigen deS Expeditionskorps geworden wäre. Es läßt sich aber staatsrechtlich und verfassungsrechtlich nachweisen, daß das Verhältnis der Militärpersonen zur Zeit der Beleidigung mit ihrer späteren Unterstellung unter den preußischen Kriegsminister in innerem Zusammenhange steht, der das neue Verhältnis als ununterbrochene Fortsetzung des früheren Verhält- nisses erscheinen läßt. Der Reichsanwalt erläutert diesen Gedanken sehr eingehend aus dem hierauf bezüglichen kaiserlichen Armee- Verordnungsblatt und an einer Parallelstellung des Expeditionskorps und der jetzt bestehenden ostasiatischen Brigade. In der Replik bemerkte der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Heine mann: Der Reichsanwalt hat anerkarmt, daß die Frage nach den Mißhandlungen hätte gestellt werden müssen. Dann ist ihre Nichtzulassung eine unzulässige Beschränkung der Ver- teidigung und das Urteil muß kassiert werden, gleichviel, ob das Urteil hierauf beruht oder nicht. Die Zulassung des Wahrheits- beweises unterliegt im Falle deS§ 185 allerdings dem pflichtgemäßen Ermessen des Jnstanzrichters. Aber im vorliegenden Urteile hat dieser durch den Hinweis auf die vielen unschuldig Verletzten gerade seine Erheblichkeit anerkannt und ihn doch nicht erhoben.— Der Hinweis auf das Militärstrafgesetzbuch beweise so wenig wie der auf besondere Disziplinargesetze bei Beamten. Er reiche nicht aus. um eine Beziehung der Beleidigung zur dienstlichen Tätigkeit herzustellen. Angeklagter Reichsiags-Abgeordneter Kunert: Au» dem Armee-Verordnungsblatt, das der Reichsanwalt gegen mich in» Feld geführt hat. folgt umgekehrt, daß der Kriegsminister niemals zur Stellung eines Strafantrages für das Expeditionskorps be- rechtigt war. Denn zur Zeit seines Bestehens war es der General- feldmarschall Graf Waldersee, während seiner Liquidation das Generalkommando des Gardekorps. Die jetzige ostastatische Brigade hat mit dem Expeditionskorps nicht das mindeste zu tun. Zur Sache bemerke ich. daß es natürlich gar nicht auszudenken, daß es geradezu eine Ungeheuerlichkeit ist, daß ich das ganze Expeditionskorps in allen seinen Teilen und Gliedern, in allen seinen Offizieren be- leidigt haben soll. Hierauf schließt der Vorsitzende die Verhandlung mit dem Be- merken, er hoffe noch heute das Urteil verkünden zu können. Gegen 2M! Uhr findet die Urteilsverkündung statt: Die Revision deZ Angeklagten gegen das Urteil vom 26. Juni wird verworfen. Der Senat ist in der Hauptsache den Ausführungen des Reichs- anwalts gefolgt. Besonderer Prüfung bedurften folgende Punkte: Die Ablehnung der Fragen betreffend die Mißhandlungen ist erfolgt. weil die inkriminierte Aeußerung davon nicht spricht. Das steht gleich der gesetzlich zugelassenen Ablehnung wegen Nichtzugehörigkeit zur Sache. Die unter Beweis ge st eilten Tatsachen hat die Strafkammer augenscheinlich als wabr anerkannt. und auch geprüft, ob dieser Nachweis nicht das Strafmaß zugunsten des Angeklagten vermindere. Daß sie diese Frage verneint hat. beruht auf Feststellungen lediglich tatsächlicher Natur, die hier nicht nachzuprüfen sind. Die Beleidigung ist auch in bezug auf den Berus erfolgt. Es gehört zu den Aufgaben des Soldaten, die im Militär- strafgesetzbuch 8s 127, 1L8, 129 umschrieben sind, sich der Hand- lungen zu enthalten, in deren Vorwurf eben die Beleidigung besteht. Für die Zulässigkeit des kriegsministeriellen Strafantrages war allerdings der Nachweis einer kontinuierlichen Zugehörigkeit der Beleidigten zum Heere auch nach Auflösung des Expeditionskorps notwendig. Eine solche ergibt sich aber auch, denn nach der Auflösung dieses Korps sind seine Mitglieder entweder Angehörige der ostasiatischen Brigade geworden oder zu ihren Truppenkürpern zurückgekehrt oder zur Reserve beurlaubt worden, aber jodenfalls nach wie vor dem Kriegsminister als Vorgesetzten unterstellt geblieben. So ist die vom Gesetz gewiesene notwendige ununterbrochene Fortsetzung der früheren Stellung, auf die sich die Beleidigung bezieht, gewahrt. Ter angeblickt Wider- spruch in der Begründung der Höhe des Strafmaßes kann nickst als vorliegend anerkannt werden. Die Strafkammer hat offenbar sagen wollsn: Wenn auch die Zahl der Mißhandlungen nicht unerheblich war, bleibt immer noch ein so beträchtlicher Teil von Beleidigten übrig, daß das Strafmaß danach gerechtfertigt ist. Demnach war, wie geschehen, zu erkennen.— Letzte j�acbnchten und Depefeben. Eisenbahn-Unglück. Berlin, 8. Oktober. Amtliche Meldung. Der heute. Montag, den 9. d. Mts., vormittag» 19 Uhr 69 Minuten vom Görlitzer Bahnhof in Berlin abgelassene Schnellzug III uberfuhr vor Königswuster- hausen auf dem Chauffeeübergange bei Bude 19 das Geschirr des Gastwirts Pätel rus Neumühle bei Königswusterhausen. Hierbei wurde der Kutscher vom Wagen geschleudert und so schwer verletzt, daß er nach einigen Stunden im Kreiskranken Hause zu Königswusterhausen starb. Der Schrankenwärter, welche die Wegeschranke nicht rechtzeitig geschlossen hatte, erhielt leickst« Verletzungen am Kopf durch die Wagentrümmer und befindet sich außer Dienst in ärzllicher Behandlung. Die Pferde blieben unbeschädigt. Der Zug konnte seine Fahrt nach kurzein Aufenthalt fortsetzen. Verantw. Redakteur: Paul Büttner Berlin. Inseratenteil vcrantw.: Th.Glocke, Berlin. Drucku.Verlag: VorwärtsBuchdr.u.Verlagsanstalt PaulSingerLcCo., Berlin ZV/. Hierzu IBeilagen u.UnterhaltungSblatt Nr. 337. 22. Jahrgang. nlage des.HmSlts" Kerliun KIKsM Dienstag, W. Oktober MZ. Das summarische Versahren. X. Die Reform der Strafprozeßordnung.*) Aus dem dilcttantcnhasteften und traurigsten Machwerk, das je die Bureaukratie ersonnen hat, dem vom Reichstag zurückgewiesenen Entwurf zur Strafprozeßordnung von 1894, entlehnt die Strafprozeß kommission die exorbitante Erweiterung des sogenannten a b■ gekürzten oder summarischen Verfahrens. Was hier dem deutschen Volke zugedacht wird, kann auch die kühnste Phantasie nicht für möglich halten. Die an Schneidigkeit und Rücksichtslosig keit gegen den Verdächtigen alles nur Denkbare übertreffenden Vor- schlage der Kommission gehen dahin: Bei Uebertretungen ohne jede Ausnahme und bei allen Vergehen, sofern der Beschuldigte auf frischer Tat betroffen und vorläufig festgenommen ist oder sofern der Beschuldigte die ihm zur Last gelegte Tat eingesteht,— einige weitere, hier nicht interessierenden Fälle lassen wir unerwähnt— ist auf Verlangen der Staatsanwaltschaft der Angeklagte in einem ab- gekürzten Verfahren abzuurteilen. Dieses findet in allen Fällen, also auch für jede Art von Vergehen, vor dem Amts- richter ohne Zuziehung von Schöffen statt. Die Staatsanwaltschaft führt den Beschuldigten ohne E i n r e i ch u ng einer Anklageschrift dem Amtsrichter mit dem Antrag auf sofortige Aburteilung vor. Dieser teilt dem Angeklagten mündlich mit, was ihm zur Last gelegt wird, und schreitet sodann sofort oder spätestens am zweiten Tage nach der Vorführung zur Haupt Verhandlung, wobei er zugleich auch über die Verhaftung oder Freilassung des Angeklagten entscheidet. Ob dieser seine Zustimmung zu der mit ihm vorgenommenen Prozedur gibt oder nicht, ist ohne Bedeutung. Sie findet auch gegen seinen ausdrücklichen Widerspruch statt. Die zur Beratung der Lex Rintelen vom Reichstag gewählte Kom- Mission machte nach reiflicher Beratung die Anwendung des sunima- rischen Verfahrens von der Einwilligung des Angeklagten ab- hängig. Diese Voraussetzung sollte sich in einem Rechts st aat von selbst verstehen. Man werde sich nur klar, wie das summarische Verfahren nach den Vorschlägen der Strafprozeßkommission in der Praxis vor sich gehen wird. Ein Redner in einer Versammlung tut einen Ausspruch, in dem der überwachende Schutzmann eine Straftat, etwa eine Majestätsbeleidigung, Aufreizimg, Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze, Beleidigung oder dergl. findet. Der auf frischer Tat ergriffene Redner wird vorläufig festgenommen und sodann dem zuständigen Amtsgericht vom Staatsanwalt zur sofortigen Aburteilung vorgeführt. Als einzigen Tatzeugen ladet der Staatsanwalt zur Hauptverhandlung den Schutz mann. Namen von Gegenzeugen oder sonstiges Verteidigungs Material kann sich der seiner Freiheit Beraubte nicht beschaffen. Auch einen Verteidiger sich anzunehmen ist er nicht in der Lage, denn innerhalb 24 Stunden findet die Hauptverhandlung statt. Ungefähr aber so viel Zeit dauert eS bei unserem bureau- kratischen Geschäftsgang, bis die Bitte des Angeklagten um Brief- p ap ier, auf dem er einen Rechtsanwalt um seinen Besuch ersuchen will, an die zuständige Stelle gelangt ist. So herrlich für den An- geklagten vorbereitet, gelangt die vielleicht in tatsächlicher und noch mehr in rechtlicher Beziehung äußerst kompliziert liegende Sache zur Hauptverhandlung. Hier kann dann der Einzelrichter, oft ein ganz junger Assessor, eine GesängniSstrafe bis zu fünf Jahren verhängen. Und aus welchem inneren Grunde soll diese ganze überhastete, alle sonst für notwendig erachteten Garantien eines geordneten Gerichtsverfahrens außer acht lastende Prozedur zur Anwendung ge- langen? Allein aus dem zufälligen und rein äußerlichen Grunde, weil der Angeklagte auf frischer Tat betroffen ist— übrigen? ein Rechtsbegriff, der der schärfsten begrifflichen Präzision bedürfen würde, sofern seine Annahme nicht in das völlig subjektive Belieben der Anklagebehörde gelegt werden soll. Um solche Kleinig- leiten kümmert sich natürlich die Strafprozeßkommission nicht. Ihr wissenschaftlicher Sinn gestattet eS ihr, nicht einmal den Versuch der Aufftellung einer Definitton zu machen. Noch viel bedenUicher ist eS, an die Tatsache des Geständnisse? ohne weiteres die Zulastung des summarischen Verfahren» zu knüpfen. Die Kommission ist so entzückt von ihrer eigenen Schneidigkeit, zu der sie sich hier endlich voll durch« gerungen hat, daß sie selbst für ihre Arbeiten das summarische Verfahren anwendet, über die von einzelnen Mit- gliedern schüchtern vorgebrachten Einwendungen im Husarenritt- Tempo hinwegjagt und in der Eile ganz vergißt, daß sie eine Rechts ordnung schaffen sollte. Sie hätte sich sonst wohl klar werden müssen, daß zu der Beurteilung einer Strafsache oft auch die Lösung sehr schwieriger rechtlicher Zweifelsfragen gehört, so daß damit, daß der Angeklagte die ihm zur Last gelegten Tatsachen zugibt, der Fall in keiner Weise entschieden und es daher wenig angebracht ist, nur wegen des ZugeständnisteS der Tatsachen der Anklage jede Verteidigungsmöglichkeit mit Stumpf und Stiel auszurotten. Mag allenfalls bei den sogenannten ge« meinen Verbrechen ein abgekürztes Verfahren im Falle des Ge- ständnisteS des Beschuldigten unter Umständen unschädlich sein, so liegt die Sache sofort anders bei allen in das politische oder gewerk- schaftliche Gebiet hinübergreifenden Anklagen. Wir wissen, welche außerordentliche Ausdehnung die Auslegung der gesetzlichen Tat- bestandSmerlmale gerade bei den hier einschlägigen Delikten erfahren hat, wir wissen, daß auch der scharffinnigste Jurist oft nicht vorauszusehen vermag, ob eine bestimmte Tat als eine durchaus gesetzmäßige von den Gerichten angesehen oder alz das niedrigste und gemeinste Delikt gebrandmarkt, iverden wird, welches da» unverfälschte Rechtsbewußtsein deS Volkes kennt, als Erpressung. In jener berühmten Entscheidung deS Reichs- gericht», welche den Anfang mit der Anwendung de» Erpressung«- begriffs auf die Ausübung des Koalilionsrechts gemacht hat, sind eS in erster Linie die von den Arbeitern dem Arbeitgeber gegenüber angenommenen dreisten und herausfordernden Mienen, welche die Grenzlinie zwischen vollkommenem Recht und schwerem Unrecht gezogen haben. Oder man denke an die ungeheuere und ungeahnte Ausdehnung, die der§ 1S3 der Gctverbe-Ordnung im Laufe der Zeit allmählich erfahren hat, bis endlich sogar das Reichsgericht den letzten Schritt getan hat, ihn auf den von den Arbeitern den Arbeit- gcbern gegenüber geübten Willeuszwang anzuwenden, worin eine Reihe höchster Landesgerichte mit Recht die Bestrafung der Ausübung der Koalitionsfreiheit als solcher erblicken zu müssen vermeinen. WaS hat ferner nicht alles die Rechtsprechung als Majestätsbeleidigung, als Aufreizung zum Klassenhaß. als Beschimpfung religiöser Ein- richtungen angesehen, oder welche der herrschenden Gewalt scharf gcgenübergetretene politische oder gewerkschaftliche Betätigung ist nicht irgendwann und irgendwo einmal als grober Unfug bestraft worden? In allen diesen Fällen stehen die den Angeklagten zur Last ge- •) Vergleiche 170, 185, 191, 196, 200, 206, 208, 215, 219 des »Vorwärts*. legten Tatsachen durchaus fest, die rechtliche und soziale Wertung, die ihnen die Anklagebehörde geben will, allein ist eS. wogegen sich die Angeklagten mit Energie sträuben. Und wer will hier wirklich den Mut haben, den Propheten zu spielen und vorauszusagen, welche Rechtsauffastung schließlich zum Siege gelangen wird, die des An- geklagten oder die der Anklagebehörde? Denn in allen den vor- genannten und ihnen analogen Fällen sind die Grenzlinien zlvischen Recht und Unrecht bis zur vollkommenen Unkenntlichkeit verivischt. Die Strafprozeßkommission weiß von diesen tiefernsten Er- schemungen nichts, sie ist so beneidenswert unschuldig, daß für sie eine Tat, die der Angeklagte zugibt, keinerlei Schlvierigkeiten mehr bietet. Wozu braucht der Angeklagte dann noch Zeit und Möglichkeit, seine Verteidigung vorzubereiten, er ist geständig I Nun kann der Einzelrichter ruhig zur Aburteilung schreiten. Gegen die Flachheit dieser Auffassung und ihre Gefährlichkeit bat die von der schneidigen Sttafprozeß-Kommission einer Beachtung nicht gewürdigte Wissenschaft in energischster Weise Front gemacht. Insbesondere hat B i n d i n g bereits im Jahre 1895 da gegen mit Entschiedenheit angekämpft und mit bitterem Hohn den Vorschlag gemacht, man möchte doch auch ja nicht die Errichtung gerichtlicher Nacht st ationen vergesten, denn wacht der Ver« brecher, so muß auch das Gericht wachen, und, ehe der Tag graut, kann dann der Verbrecher seine Strafe zu verbüßen beginnen. Vielleicht würde sich auch, worauf schon einmal Profestor von Bar hingewiesen hat, die gesetzliche Einführung der Lynch- justiz empfehlen, sie ninimt noch kürzere Zeit in Anspruch und bietet keineswegs geringere Garantien, als das von der Kommission beabsichtigte summarische Verfahren, welches, da es alle zugunsten des Angeklagten und seiner Verteidigung im Laufe der Zeit errungenen Rechte vernichtet, dem Richter die Möglichkeit, ein fach- geniäßes Urteil zu fällen, von Grund aus versperrt. Die Kommission beruft sich für ihre Regelung auf das eng- l i s ch e Recht. Allein wenn die Kommission einmal wissenschaftlich sein will, so passiert ihr stets das Mißgeschick, daß sie sich gründlich irrt. So wie sie die Fristen, die das österreichische Recht für die Dauer der Kollusionshaft kennt, ungenau angibt, so täuscht sie sich auch hier,— übrigens für eine Kommission von.Sachverständigen* eine nicht sehr anerkennenswerte Leistung. In Wahrheit verlangt Eng- l a n d für die Anwendung des summarischen Verfahrens ausdrücklich die Zustimmung des Angeklagten, womit natürlich der Bestimniung der Stachel genommen ist. Gerade diese entscheidende Voraussetzung aber will die Strafprozeßkommission nicht gelten lassen, im angeblichen Interesse der Würde und der Autorität deS Gerichts, welche wirklich keinen Eindruck mehr machende Phrase stets herhalten muß, wenn es sich darum handelt, den Angeklagten rechtlos zu stellen und ihm die Möglichkeit der Verteidigung zu nehmen. Wirkt auch das summarische Verfahren bei Vergehen mit Rücksicht auf die Höhe der hier in Frage kommenden Strafen in seiner ganzen Ungerechtigkeit besonders sinnfällig und abstoßend, so ist eS nicht minder gefährlich bei der Gattung der geringfügigsten Delikte, den Uebertretungen. Gerade wir Sozialdemokraten haben alle Ursache, an dieser Stelle besonders auf der Hut zu sein. Hier ist das Gebiet, auf dem alle die kleinen polizeilichen Nadelstiche der aufftrebenden oppositionellen Arbeiterbewegung versetzt werden: Von der straffen Heranziehung de« Vereinsgesetzes an bis hinunter zu dem Sttaßenpolizeireglement gegen die Streikposten, der Sonntagsheiligungs-Verordnung gegen die Flugblattverteiler u. s. f. bis ins Unendliche. So sehr wir auch über den besonders in Preußen verbreiteten Glauben subalterner Polizeigeister, auf diesem Wege die größte Kulturbewegung der Zeit ersttcken zu können, lächeln, so energisch werden wir dennoch zu protestteren haben, daß auf diesem Gebiete, auf dem ganz besonders intensiv der Kamps gegen die Arbeiterbewegung geführt wird, und auf dem, insoweit e» sich um Polizeiverordnungen handelt, die Polizei sogar der einzige gesetzgebende Fattor ist, nicht irgend eine der sonst für notwendig erachteten Garantien fortfällt. AuS diesem Grunde müssen wir uns mit Entschiedenheit gegen den Kommissionsvorschlag wenden, in allen UebertretungSsachen die Aburteilung ausnahmslos dem Einzelrichter, ohne Zuziehung von Schöffen, zu übertragen und uneingeschränkt das summarische Verfahren zuzulassen. Wir werden vielmehr im Gegenteil verlangen müssen, daß nicht bloß diese beiden erheblichen Verschlechterungen de« geltenden Rechtes unterbleiben, sondern auch daß da« allein einer wirklichen Rechtspflege entsprechende Prinzip des Zwange» zur Vernehmung der sämtlichen vom Angeklagten geladenen Zeugen auch auf das Ver- fahren in UebertretungSsachen uneingeschränkte Anwendung findet. Die Strafprozeßkommission erhofft von der Einführung des summarischen Verfahrens eine Einschränkung der Dauer der Untersuchungshaft. Daß sich dieses gewiß erstrebenswerte Ziel auf andere und bessere Weise leicht erreichen läßt, haben tvir im Anschluß an die von der Kommission völlig ignorierten Vorschläge der Wissenschaft bereits in den früheren Artikeln betont. Die Ab- kürzung der Untersuchungshaft mit einem tumultuarischen und daher sicherlich zumeist zuungunsten deS Angeklagten ungerechtenMteil zu erkaufen, ist ein zu teurer Einsatz. Selbstverständlich, wenn man nicht untersucht, sondern sofort verurteilt, kann e» auch keine Untersuchungshaft geben. In Wahrheit wird diese übrigen» trotz der Ueberhastung des Verfahrens an Dauer kaum verlieren. Denn da sich das deutsche Volk das Recht, sich gegen eine ungerechte Anklage zu wehren, niemals rauben lasten wird, so wird eben die zweite Instanz zur ersten, hier daS ganze Verteidigungsmaterial vorgebracht werden und daher daS Verfahren in dieser Instanz umso länger währen. Endlich werden es auch gar nicht die einfachen Fälle sein, in denen das summarische Verfahren zur Anwendung ge- langt. Der ganze schwerfällig und bureaukrattsch arbeitende, auf Beschleunigung nicht zugeschnittene Geschäftsgang unserer Staats- anwaltschaften und Gerichte wird dahin führen, daß in normalen Zeiten und in normalen Fällen diese ganze Prozedur auf dem Papier stehen wird. Man kann die« schon aus dem geltenden Recht schließen, das bereit« in beschränktem Maße ein solches Verfahren kennt, ohne daß eS jemals in irgendwie nennenswertem Umfange zur Anwendung gebracht ist. Um so üppiger aber wird eS in politisch oder wirtschaftlich�erregtenZeiten empor- schießen und seine zersetzende, jede sorgfältige Erforschung der objektiven Wahrheit zerstörende Wirkung ausüben gegen einen Redner, der ein vor- eiliges Wort spricht, einen Redakteur, der eine unvorsichtige Wendung braucht, einen Flugblattverteiler, einen GeiverlschaftSsührer, der sich in einer Versammlung für die Proklamierung eines Stteiks ausspricht, einen Streikposten, der Arbeitswillige auf da« Bestehen eines Streiks aufmerksam macht usw. Für die Gewerkschaftsbewegung liegt hier eine eminente Gefahr vor und Aufgabe jedes dazu Berufenen ist es, un- verzüglich die Arbeiterschaft mit aller Entschiedenheit über den ge- planten Angriff auf eine sachgemäße und geordnete Rechtspflege aufzuklären, damit verhütet wird, daß die Regierungen den Volks- feindlichen Bestrebungen der Strafprozeßkomnussion in dem zu er- wartenden Gesetzentwurf folgen. In der„Deutschen Juristenzeitung*, deren bisherige einseitige Stellungnahme zugunsten der fast überall gegen den An- geklagten gerichteten Vorschläge der Strafprozeßkommission bei einem unabhängigen Fachblatt nicht scharf genug verurteilt werden kann, nennt der Oberlandesgerichtspräsident Hamm die Regelung, die von der Kommission vorgeschlagen ist, die„glücklichste* Lösung, welche die abschreckende Wirkung der Strafe erhöhen werde. Richtiger würde niau wohl von der abschreckenden Wirkung deS deutschen G t ras- Verfahrens sprechen, daS jede unbequeme polittsch» oder gewerkschaftliche Betätigung zu verhindern geeignet ist. Man steht, was die glück' ch begrabene Umsturz- und ZuchthauSvorlage nicht vermochte, läßt sich auch auf dem Umwege des Strafprozesses erreichen, sofern daS deutsche Volk nicht rechtzeitig gegen die Be- strebungen seiner reaktionären Juristen auf der Wacht steht. Huö der Partei. Heber den Jenaer Parteitag gab in der gutbesuchten Versamm- lung deS Wahlvereins in Jena am 6. Oktober der Vorsitzende Leber einen ausführlichen Bericht, indem er die einzelnen Be- ratungsgegenstände durchging und daran kritische Bemerkungen knüpfte. Mit dem Verlauf deS Parteitages kann die Jenaer Organisation zufrieden sein, ihre Darbietungen haben die An- erkcnnung der Gäste gefunden, den Komiteemitgliedern und den Mitwirkenden wird der besondere Dank deS PartcivorstandeS ab- §estattet. In der Diskussion wurde der Wunsch ausgesprochen, zur rage der Frauenagitation eine besondere Frauenvcrsammlung ein- zuberufen. Eine vom Vorstand eingereichte Resolution, die sich mit den Beschlüssen deS Parteitages einverstanden erklärt, wurde zum Beschluß erhoben. Der vorläufige Kassenabschluß vom Parteitag, den Kassierer Hörschelmann vortrug, läßt statt des mutmaßlichen Defizits einen beträchtlichen Ueberschuß erwarten. Einer voraussichtlichen Ausgabe von 4300 M. steht eine Voraussicht- liche Einnahme von 5400 M. gegenüber. Dieser Abschluß erweckte lebhafte Genugtuung, lieber die Verwendung deS UeberschusseS wird in nächster Versammlung Beschluß gefaßt. In der Versammlung wurde auch mitgeteilt, daß es nicht gelungen ist. die Persönlichkeit deS Buben festzustellen, der die Obelisken vor dem VolkShauS zu Beginn deS Parteitages durch Begießen mit einer Säure beschädigt hat.— Der Wahlverein zählt jetzt 638 Mitglieder. DaS neue Organisationsstatut veranlaßt den Landesvorstand für Württemberg, zum 26. November eine außerordentliche Landesvcrsammlung nach Stuttgart einzuberufen. Ausgabe der- selben soll sein, daS Statut der württembergischen LandeSorgani- sation dem allgemeinen Organisationsstatut anzupassen. Im Zu- sammenhange damit findet am 25. November eine Konferenz aller sozialdeniokratischen Gemetndevertreter Württemberg? statt.— Die neu geschaffene Parteiorganisation macht auch eine Umgestaltung der Landesorganisation der sozialdemokratischen Partei deS Herzog- tums Brau«schweig notwendig. Der Vorstand deS Arbeiter- Vereins Braunschweig, dem auch die Regelung der LandeSangelegen- heiten obliegt, veröffentlicht einen diesbezüglichen Statuten-Entwurf. der auf dem demnächst stattfindenden Landesparteitage erörtert und beschlossen werden soll. Das AgitationSkomitce für den Niederrhein erstattet alt den Ende Oktober in Essen stattfindenden Provinzialparteiwg seinen Geschäftsbericht. Daraus ist zu entnehmen, daß daS Geschäftsjahr in einer verhältnismäßig ruhigen Zeit begann, im Laufe desselben gaben aber der Bergorbeiterstreik und die ReichstagSersatzwahl in Essen der Bewegung einen besonderen Impuls. WaS die Organi- sation anbetrifft, so ist im Agitationsbezirk eine Zunahme von 2509 Mitgliedern zu verzeichnen. In den Kreisen Kleve, Geldern und Siegen war eS auch in diesem Jahre nicht möglich, festen Fuß zu saßen. Um gründlicher die Agitation betreiben zu können, wurde für den nicderrheinischen Agitationsbezirk ein besoldeter Partei« sekretär in der Person des Genossen Faure angestellt, außerdem haben die Wahlkreis« Essen und Mühlheim-DuiSburg besoldete Partei- sekretäre. Die mündliche und schriftliche Agitation war eine sehr rege. An Flugschriften wurden 600 000 im Berichtsjahr« verbrettet. darunter 124 000 Kalender, lieber die AgitattonSschrift„Morgenrot" soll auf der Konferenz berichtet werden. Die Parteiprcss« ist durch die Gründung der„Remscheider Arbeiterzeitung", die ein Kopfblatt der..Bergischen Arbeiterstimme" in Solingen ist, vermehrt worden. Diese Neugrundung hat aber auf argen Widerspruch gestoßen und auf dem Parteitage werden sich an diese Gründung wohl weitere Erörterungen knüpfen. Auch der Kommunalpolitik ist die nötige Aufmerksamkeit ge- schenkt worden. Am 1. Oktober hat eine in Barmen stattgefundene Gemcindevertreter-Konferenz eine Programm-Vorlage für den Parteitag fertiggestellt. Zurzeit sind in LI Orten des Agitation?- bezirkes 67 sozialdemokratische Gemeindevertreter vorhanden. All. gemein ist die Klage über die Abtreibung der Versammlungslokale. Wo die Schwarzen in Betracht kommen, verstehen diese im Verein mit der Polizei die Saalabtreibereien erfolgreich durchzusetzen, kommen aber die Freisinnigen in Frage, so stehen diese den Schwarzen darin nicht nach. Die Agitationskommisston für die Provinz Schleswig-Holstein veröffentlicht ihren Bericht für den Zeitraum vom 1. Juli 1904 bi» 31. Juni 1905, der dem zum 15. und 16. Oktober m Elmshorn tagenden Provinzialparteitag als Grundlage für seine geschäftlichen Beratungen dienen soll. Dem Beschluß des vorjährigen Provinzial- Parteitages auf Anstellung eines besoldeten Agitationsleiters für die Provinz, das Fürstentum Lübeck und da» Herzogtum Lauenburg ist durch Anstellung deS Genossen E. Saatfeld aus Hamburg Rech- nung getragen worden, der sein Amt als Vorsitzender der AgitationS- kommission Anfang Januar diese» JahreS antrat. Um den Arbeiten der Kommission eine sichere finanzielle Grundlage zu geben, wird ein Etat über die voraussichtlichen Ausgaben und die notwendigen Einnahmen aufgestellt, den der Provinzialparteitag zu prüfen hat. In den beiden letzten Quartalen de» vergangenen Geschäftsjahre» erhob die Kommission von den ihr unterstellten Wahlkreisen 20 Proz. der eingegangenen Mitgliedcrbeiträge; den Prozentsatz für da» kommende Geschäftsjahr wird der Provinzialparteitag nach dem Etat festsetzen. Eine von der Kommission veranstaltete Agitation für die„SchleSwig-Holsteinische VolkSzeitung" hatte nur teilweise Erfolg, die Auflage des ProvinzialorganS«st jetzt 16 000. Di« Zahl der Abonnenten der„Gleichheit" ist von 228 auf 1415 in die Höhe Seschnellt. Für Agitation auf dem Landgebict wurde eine Flug- hrift in Zeitungsformat, der„Rote Landbote*, herausgegeben und bis jetzt in drei Nummern in dänischer und in deutscher Sprache verbreitet. Von der ersten Nummer wurden 155 000 Exemplare in deutscher Sprache, 12 000 Exemplare al» dänischer„Röoe Postbud" verteilt. Die zweite Nummer wurde in kleinerer Auflage durch die Post verschickt, mit der dritten Nummer wird zurzeit wieder eine allgemeine Verbreitung vorgenommen. Außerdem wurde in der Mehrzahl der Kreise die Broschüre„Grundsätze und Forderungen" verbreitet. Das wirkungsvollste AgitationSmatcrial ist der„Nord- deutsche VollSkalender", der in deutscher Sprache in 150 000 Exem- plaren, als dänischer„SozialdemokratietS nordslcSvigske Folke- Almanak' in 10 000 Exemplaren seinen Weg bis in die entlegensten Dörfer und Gehöfte der Provinz fand. Ferner wurden noch 305 000 Flugblätter, 20 000 Maizeitungen und sonstige» Schriftenmaterial verbreitet. Der Maifcicrgcdanke hat in der Provinz weitere Fort- schritte gemacht. Von 55 Orten, in denen der Weltfeiertag der Arbeit festlich begaiigen wurde, demonstrierten 42 durch Arbeits- ruhe. Sogar in so kleinen Orten wie-Sonderburg auf der Insel Aljen und Kade.rsleben wurden 300 bezw, 800 Feiernde gezählt. Dei boriahrige Probinzialparteitag hatte sich prinzipiell �für die Zentralisation der Wahlkreise erklärt. Infolgedessen haben sich im abgelaufenen Geschäftsjahr der 3., 4.. S., 6., 7., 8. und 10. Kreis eine Zentralorganisation geschaffen; der 8. und 10. Kreis l?lltona und Lauenburg) besitzen einen gemeinsamen Verein. Die Zahl der sozialdemokratischen Ortsvercine in der Provinz ist von 62 auf 67 gestiegen, die Gesamtzahl der Mitglieder beträgt 17 444. Außer- dem sind zirka 2300 Genossen und Genossinnen, die regelmäßige Beiträge, teils als Einzclmitglieder, zahlen, vorhanden. Weibliche Vcrtrauenspcrsoncn gibt es in der Provinz 16. Der monatliche Mitglicdcrbeitrag beträgt in einem Ortsvercin 10 Pf., in acht 20 Pf., in dreiundfünfzig 30 Pf. und in sieben 40 Pf. Die ge- samte, durch Mitgliederbciträge aufgebrachte Einnahme der Vereine betrug 63 688 M. An den Stadtvcrordnetcnwahlcn nahmen du Parteigenossen in 16 Orten teil und gewannen 7 Mandate. In den Landgemeinden beteiligte sich die Partei in 2g Orten an den Gemcindevertreterwahlen und brachte es auf 71 Mandate. Die Abrechnung der Kommission weist eine Einnahme von 20 166 M. eine Ausgabe von 18 713 M. auf. Unter den Einnahmen finden sich 6000 M., die die Hamburger Wahlkreise an die Kommission gezahlt haben. polizeilicbes. Gerichtliches uh». Das Versammlungsrecht in Sachscn-Wcimar wird wieder ein» Wal durch folgenden Vorgang grell beleuchtet: In Waltcrsdorf bei Neumühlc a. d. Elster, dem Wohnsitze des nationallibcralen Ab- geordneten Lehmann, sollte eine Versammlung stattfinden, in der Genosse Oswald Fischer aus Greiz über„Die Fleischnot und die Arbeiterklasse" und„Warum stellen die Arbeiter Lohnforderungen? sprechen sollte. Die Themata schienen dem Gemeindevorsteher in Waltersdorf nicht staatsgefährlich zu sein, wohl aber die Person des Referenten Dem Einberufer der Versammlung ging folgendes Schriftstück zu: Die von Ihnen angemeldete öffentliche Volksversammlung wird, wie hiermit geschieht, untersagt, da der als Redner auf- tretende sozialdemokratische Agitator Oswald Fischer aus Greiz als aufreizender Redner bekannt ist und die Behandlung der gc- wählten Themata in der Hand eines solchen Mannes eine dringende Gefahr für die öffentliche Ordnung in sich zu schließen geeignet ist. Waltersdorf, den 29. September 1905. Der Gemeindcvorstand. Kästner. Mit dieser Begründung haben sich schon eine Anzahl Behörden in Sachsen-Weimar unsterblich geniacht; sie ist die bequemste und immer brauchbar. Entweder ist das Thema staatsgefährlich— und welches wäre es nicht— oder die Person des Referenten gibt zu Bedenken Anlaß. Ist quch das Versammlungsrecht in verschiedenen deutschen Bundesstaaten noch recht reaktionärer Natur, so dürfte doch keines so willkürlich gehandhabt werden wie das von Sachsen- Weimar. /Zug Inäustrie ursci Dandcl. Die Fleischpreise sind in den wichtigsten Städten Preußens nach der Statistischen Korrespondenz im Monat September wiederum ganz beträchtlich gestiegen— trotz der bekannten sachverständigen Verheißung des preußischen Landwirtschaftsniinisters und genialen Schweinezüchters, des Herrn von Podbiclski, daß mit Beginn des Septembers die Vieh- und Fleischpreise bestimmt fallen würden. Eine Uebersicht der Preisbewegnng seit Januar d. I. zeigt, daß im Durchschnitt der 23 Marktorte 1 Kilogramm in Pfennigen kostete: im Januar April Juli August September Rindfleisch v. d. Keule 142 144 150 155 159 von, Bauche 121 123 127 133 137 Schweinefleisch..... 135 146 157 167 172 Kalbfleisch....... 143 144 152 158 166 Hammelfleisch..... 138 140 150 154 156 Inland, geräuch. Speck 153 160 170 179 185 Jnl. Schweineschmalz 158 164 168 175 178 Es ist demnach im Durchschnitt seit Januar dieses Jahres der Preis für Schtveinefleisch um 37 Pf., für Kalbfleisch um 23 Pf., für Speck um 32 Pf. und für Schmalz um 20 Pf. pro Kilogramm ge- stiegen._ Die Dortmunder Union, die wasscrköpfige Schwcrgcbnrt der Diskontogesellschaft, kränkelt trotz aller im Laufe der Jahre mit ihr vorgenommenen Sanierungsknren noch immer recht bedenklich. Nach dem soeben von ihr veröffentlichten Geschäftsbericht hat sie im letzten Geschäftsjahre nur einen Bruttogewinn von 3 330 565 M. erzielt gegen 3 632 252 M. ine vorigen Jahre, also ungefähr 352 000 M. iveniger. Von diesem Rohgewinn sind zu Abschreibungen insgesmnt 2 153 911 M.(im borigen Jahre 2 522 267 M.) verwendet, so daß ein Reingewinn von 1 176 654 Dl.(im Vorjahre 1 552 984 M.) bleibt, der nach dem Vorschlag der Verwaltung folgende Verwendung � finden soll: Reservefonds 53 833 M.(im Vorjahre 77 649 M.), 5 Proz. Dividende auf die Aktien Ott. O 540 000 M.(wie?m Vor- jähre), 2 Proz. Dividende auf die Aktien Isit. C 504 000 M.(wie im Vorjahre) und Vortrag 73 822 M. Trotz geringerer Rückstellungen ist also der Reinertrag lveit niedriger als im vorletzten Gejchäftsjahr Die Verwaltung führt für diesen Rückgang in ihrem Rechenschaftsbericht als Gründe den großen Bergarbciterausstand und die verspätete Lieferung von Hoch- ofengasmaschinen für ihre Hüttenbetriebe an. Wie sie meint, wäre das Ergebnis ein besseres gewesen, wenn nicht durch den allgemeinen Ausstand der Bergarbeiter in den Monaten Januar und Februar 1905 ein Verlust eingetreten wäre, der sich in den verbleibenden vier Monaten des Geschäftsjahres nicht mehr ausgleichen ließ. „Der Ausstand traf die Union als Hüttenwerk mit Kohlen- gruben insofern doppelt schwer, als nicht nur auf den drei Zechen ein barer Ausfall in den Betriebsergebnissen von rund 380 000 Mark entstand, sondern auch in den Eisen- und Stahlwerken zu Dortmund und Horst der Hochofenbetrieb sehr verlustbringende Störungen erfuhr und andere Betriebe aus Mangel an Kohlen ein- geschränkt und zum Teil stillgelegt werden mußten, Maßnahmen. die der Union einen tveiteren unmittelbaren Schaden voni etwa 450 000 M. brachten. Zu diesen durch den Streik zugefügten Ver- lusten wirkte auf das Jahresergebnis noch ungünstig der Umstand zurück, daß die Lieferantin der rechtzeitig bestellten Hochofengas- Maschinen, die vertraglich am 2. Januar bezw. 15. März 1905 be- triebsfertig übergeben werden sollten, ihren Verpflichtungen bis heute erst teilweise nachgekommen ist. Mangels genügender Ge- bläsekraft ist daher die Roheisenerzeugung in Dortmund außer- ordentlich zurückgeblieben, und eine neue Schnellstraße mit elektri- schem Antrieb, die seit Monaten fertig steht, war überhaupt nicht in Betrieb zu nehmen. Auch mußte das neue Walziverk in Horst ein- gestellt werden, weil die Beteiligung am Stahlwerks-Verbande nicht ausreichte, um einen lohnenden Weiterbetricb daselbst ausrecht zu erhalten." Die Gründung eines deutschen. MühlcnsvndikatS beschäftigte eine in Leipzig abgehaltene Versammlung deutscher Mühlenbesitzer. Ein Ausschutz wurde beauftragt, geeignete Vorschläge darüber aus- zuarbeiten, welche Form des wirtschaftlichen Zusammenschlusses für die deutschen Mühlenbesitzer die beste sei.— Also nach den Junkern der Müllerl Warum auch nicht? Wenn uns die Junker scheren, warum sollen uns die Müller nicht barbieren? Das täglich« Brot kann ja�m deutschen Volke nicht teuer genug gemacht werden. Die Unruhen in Bakn und die Naphtha-Jndnstrie. Die durch das Verhalten der russischen Regierung provozierten Kämpfe zwischen Armeniern und Tataren im Bakuer Bezirk haben eine schwer- Schädigung der dortigen Naphtha-Jndustrie zur Folge gehabt. Wie die omn russischen Finangministerium nach Baku entsandte Kam- Mission berichtet, sind von den 1435 vor den Unruhen in Betrieb gewesenen Bohrtürmen nicht iveniger als 910 verbrannt, und außer- dem verbrannten 3.66 noch nicht fertige oder in Reparatur befind- liehe sowie 490 außer Betrieb gesetzte Bohrtürme. Fast zwei Drittel sämtlicher Bohrtürme find vernichtet, ganz unversehrt ge- blieben sind nur in Balachany 32 Proz., in Sabuntschh 33 Proz., in Romanh 55 Proz. und in Bibi-Eibat 40 Proz. Folglich hat am Nx'iiigsten gelitten das Oelfeld von Romanh, sodann das von Bibi- Eibat. Allerdings können die in Betrieb gewesenen, durch das Feuer vernichteten Bohrtürme wieder ziemlich leicht produktiv ge- macht werden, da nur die abgebrannten Türme wiederhergestellt und die Schöpfapparate repariert' zu werden brauchen, während die Tiefe der Bohrlöcher genügt, so daß neue Bohrungen nicht erforder- lich sind. Nach der Angabe der Kommission betrug die durchschnittliche monatliche Naphtha-Ausbeute im vorigen Jahre: Balachany 6 800 000 Pud, Sabuntschh 18 100 000 Pud, Romanh 11 100 000 Pud und Bibi-Eibat 15 000 000 Pud. Berücksichtigt man für die jetzt folgende Ansbenteperiode nur die produktiven, unversehrt ge- bliebenen Bohrlöcher, so würde die Ausbeute pro Monat ungefähr betragen: in Balachany 2 200 000 Pnd, in Sabuntschh 6 000 000 Pud, in Romanh 6 100 000 Pud und in Bibi-Eibat 6 000 000 Pnd, im ganzen also 20 300 000 Pud. Riissisch-französischer Handelsvertrag. Nach Mitteilung des HnudelsvertragsvereiuS sind einige russische Organe� in der Lage, bereits nähere Angaben über den neuen französisch-russischen Handelsvertrag zu machen, dessen Verein- bariingen ans Grund des Meistbegünstigungsrechtes, das wir in Rußland wie in Frankreich genießen, natürlich auch den gleichen Waren deutscher Herkunft zugute kommen würden. Danach würden künstig an Stelle der(eingeklammerten) Sätze des neuen General- tarifs die russischen Zollsätze betragen für: Rubel Mandeln............. pro Pud 3,—{ 4,50) Trüffeln und Champignons.......„ 10,80( 16,20) Senf sowie Fleischkonserven.....„„ 4,—( 10,—) Konfekt.............„„ 12,24( 15,—) Kognak, Rum, in Fässern.......„„ 13,50( 25,—) „ in Flaschen.......„ 10,40( 30,—) Wein a) in Fässern bis 13 Grad Alkoholstärke„„ 5.—< 9,—) .„„ 13-16„ ,.„.. 9,-( 9,-) „ b) in Flaschen, moussierender.„„ 14,—( 25,—) .,„„ nicht moussierender..„„ 6,—( 12,—) Käse...............„ 7,20( 9,-) Sardinen............„„ 5,—( 7,50) Heilmittel............„„ 24,—( 40,—) Kosmetische Artikel..........„ 16,80( 24,—) Parfümerien...........„„ 36,75< 52,50) Toilettenseife............„ 10,80< 12,60) Lederne Schuhwaren......... Pfund 2,55( 3,90) Lederne Handschuhe..........„ 3,80( 4,50) Seidenwaren............„ 10,—( 12,40) Wollwaren........„ 4,—( 4,50) Seidene Spitzen...........„ 10,—( 10,—) Automobile, viersitzig......... Stück 220,—(288,—) mit iveniger Sitzen.„„ 140,—(192,—) Motorfahrräder, zlveiräderig......„„ 20,—{ 36,—) „ dreiräderig.......„ 70,—( 72,—) „ vierräderig.......„ 140,—(192,—) Filzhüte ohne Garnitur........„ 1,35( 1,80) Der Weltkonsnm von Kaffee und Tee.' Die letzte Veröffent- lichung der statistischen Abteilung des Handelsdepartements der nordamerikanischen Union bietet eine interessante Uebersicht über die Zunahme des Kaffee- und Teeverbrauchs. Nach diesen Mit- tsitungen wird nahezu die Hälfte von allem aus'den Weltmarkt gelangenden Kaffee in den Vereinigten Staaten und nahezu die Hälfte allen Tees in Großbritannien konsumiert. Die Produktion wie der Verbrauch dieser beiden Stimulantien weist stetige Zu- nähme auf, und zwar hat sich der Totalkonsum von Kaffee in den Bereinigten Staaten, Deutschland, Großbritannien, Holland, Bel- gien, Frankreich und Oesterreich von 1 140 740 000 Pstmd(10 englische Pfund— 9 deutsche) in 1884 ans, 1 816 447 000 Pfund in 1904, somit nahezu um 60 Proz. gesteigert, während die Be- völkerung genannter Länder in der gleichen Periode sich nur um 30 Proz. vermehrt hat. Ter Kaffeeverbrauch in den Vereinigten Staaten hat sich nahezu verdoppelt; er ist pro Kopf der Bevölkerung in der bezeickmetew Periode von 9,26 auf 11,75 Pfund oder um 27 Proz. gestiegen. Ter Konsum von Tee hat sich in der gleichen Periode in Groß- britannien, Rußland, den Vereinigten Staaten, Deutschland, Holland und Frankreich von 317 982 009 in 1884 auf 595 233 009 Pfund in 1904, somit um 58,9 Proz. gesteigert, während die Be- völkerung dieser Länder sich um 27 Proz. vennehrt hat. In Groß- britamnen ist der Teeverbranch in den zlvanzig Jabren vro Kopf der Bevölkerung von 4,9 auf 6 Pfund, oder um 22,5 Proz. ge- stiegen. Während der Jahre 1885 und 1903 hat sich die Tee- Produktion Indiens verdreifacht, die von Ceylon um 59 Proz., und die von Java um 169 Proz. vermehrt. Ter Durchschnittspreis des in die Vereinigten Staaten importierten Tees ist pro Pfund von 37,7 Cent in 1873 ans 12,3 Cent in 1904 gefallen. (Ze�verksebaftlickes. Berlin imae» 10. Oklober l!MI5. Zeitweise ciusklaecnd, vorwiegend tilwe und reguerisch bei frischen westlichen Winden, etwas wärmerer Nacht und wenig veränderter Tagestcmperatur. B.- r I i ii e r Wetterbureau. !¥ür bcii Julialt der J»> A-tahe. »■ Ende Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee Rr. 148. Heute: Lustspiel de« Bernh. Rose-Theaters Die Klivde von Paris. Drama i» 6 Abt. v. F. Hermann. Kasseneröstnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Entree 30 Ps., numerierter PI. 50 Pf. (Abonnement 40 Pf.) In Vorbereitung: Berliner Kinder. Morgen Mittwoch, abends 8 Uhr: Gondvi'-.ArlheBd. Konzert. Theater u. Spezialitäten. Ehren- und y-CASTANS ANOPTICUM. Friedrlohstr. 165. Joels Trauiii. !! Pompeji!! Die Ehre des Vaters! Kostaurant: VW" Dresdener Sänger.*70)3 Q'l, Uhr der Liebling Amerikas 1 Daisy Jerome Amerikas bester weiblicher Komiker! 1« Uhr: Gebr. Wille die besten Akrobaten der Welt l 10'/« Uhr:"MW SM- 10'/« Uhr: Letzte Woche! Ein Abend iu einem amerikanischen SM- Tingol-Tanccl."GM Rur noch bis 15. Ottober k Metropoi-Theater Präzise 8 Uhr zum 32. Male; -I Große Jahresrevua mit Qosang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor UoUaender. Dirigent Kapellmeister Max Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Waiden a.0.xMiQGIirforda.D Bender x Giampietro Josephl x Massary x Frld-Frld Steidl x Lilly Walter. Bauchen in all. Räumen gestattet _ Anfang 8 Uhr. Walhalla Theater Weinbergsweg 19/20. Direktton: Richard Sehnltst Heute und folgende Tage: Sine tolle flacht. Vorher; Gr. SpezialiUten-Programm. Ans. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Rssidsiß-TIieslks. Direhtion: Richard Hlejcandtr. Heute und folgende Tag«: Ansang 8 Uhr: Ois Höhle des Löwen, Schwank in 3 Akten v. M. Hcnnequtn und P. Bilhand. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Seine Kammerzofe. Carl Weiß-Theater. Gr. Franksurterstr. 132. Ansang 8 Uhr. Morgen: Diescwe Vorstellung. Sonnabend nachm.: Kinder. Vor> stellung: stefhäppchen. AbendS: Der Widerspenstigen Zähmung._ V. Noacks Theater. Direktion: Hob. Dill. Brunnenftr. 16. Der Kkttelstvdevt o. Kerliv. Volksstück mit Ges. w 5 Ast. v. Busse. Ansang S Uhr. Eintrilt SD Ps. Mittwoch: Muttersegen. Donnerstag: Gxtravorstellung. KasinO'Theater Lothrwgerstr. 37. Täglich 8 Ubr. Glänzender Erfolg! „Der Aüelsnarr." Men! Rhelngold-Trlo. Asin«tt dressiertem Pfau ee. ic. Sonntag nachmittags 4 Uhr: „Ein Sohn des Volkes." Badapester Possen-Theater = 132 Linlenstr. 182 i Ecke Friedrichstraße. ;(ach dem Zapfenstreich. Militär-Humoreske von Satyr. Vorher: Soll und Haben und der ausgezeichnete Spezialitätenteil. Kasseneröffnung 7 Uhr Anfang 8 Uhr. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Vorstellung zu halben Preisen. Schiller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-THeater). Dienstag, abends 8 Ubr: Dp? Tramn ein Lieben. Dramatisches Märchen in 4 Auszügen ven Franz Grillparzer. Mittwoch, abends 8 Uhr: Elnebarnann als Erzieher. Do»nerStog,abeuds8Uhr: Der Trantn ein Ecben. Zirkus Albert Schumann Heute abend präzise VI, Uhr: DaS große internationale Programm und zum 13. Male: Die gr. Novität! Der Tag des Unxliscken verb�. Das Leben und Treiben nach dem Original aus das glänzendste in- szenicrt vom Dir. Aid. Schumann. I. Bild: Im Rennstall des Lord Weatherdcn. II. Bild: a) Der Favorit. b) Das Rennen, c) Huldigung beä Siegers. IU. Bild: Aus dem Heimweg Die phänomenalen dalin nnd Lonis Itoller mit ihren noch nie gesehenen ?Q!'' und Riickwärts-Ssllonioridlsn aus dem Zweirad. Die höchst originellen DitiNkN-Lllst-LinBämpfe, �Amerikanerinnen n. Engländerinnen Direktor Alb. Schumanns neueste Monfterdrefsuren je. Passage-Theater. Ansang der Wendvorstell. 8 Uhr. Xio1o»»a!«r Erlolg! Robert Koppel in seinem neuen Repertoire. kAsrshs!! der Mann mit den Hüten. Georg 11. Gusti Edler Tyroler. 14 erstklassipe NuminerD. t»MMMVMMMMMMMMMMMMMM4 Deutsch-Aiiieriliaii. Theater. Heute Jeden Abend 8 Uhr I zum Gastspiel Ad. Philipp 89. ABER; Male: Herr Herzog Jeden Sonntagnachmittag 3 Uhr: Halbe Preise! „Eeber'n großen Teich." palast-Theater Gorgstr. 24, 2Mw.v.Bb. Börse. Täglich 8 Uhr. Entree 50 Pf. 8errs Compagnie Berlins bester Illusion»- Akt und elf erstflassige Rmnmern. D°zu: Nin Kater. Schwank in 1 Ast. Familienkarten sind in allen Barbier-, Friseur-». Zigarren- eschästrn sowie i« Theater- «rrau unentgeltlich zu haben. Baranzeig« k Sonntag, 16. Okt., nachm. präzise 3 Uhr: Gastspiel des William LSws-Ensembles: Der Hßttcnbeaitzer. Schauspiel in 6 Affen van G. Ohnet. GehrUder Herrnfeld-Theater. Zum 170. Male: 'V* Komödie w drei Mm mit den Autoren Anton und Donat ttarrnksld in den Hauptrolle«. Ansang 8 Uhr. Vorverk. 11-2 Uhr. In Vorbereitung: Der PanHllentag. Sine erbschastSkomödie ooallnton und Donat Herrnfeld. Sohlllsr-Thoater st.(Friedr.-Dilh. Th.) DienSlog, abend» 8 Uhr: Elaohamann al» Erzieher. Komödie m drei Auszügen von Otto Emst. Mittwoch, abends 8 Uhr: Angen rechts. Hieraus: Znm Einsiedler. Donnerstag, abendSSUhr: Flach smann als Erzieher. XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. jMF Zum 20. Haie: TQ Mexiko. Große Ausstattungs- Pantomime aus dem mexikanischen Pflanzorleben. Inszeniert vom Konunissions- rat Busch. Verfaßt und einstudiert von Herrn Burkhardt- Foottit. Tänze vom italionisoh. Hofballettmstr. Ottavi. Musik vom Kapellrastr. Taubert. Die Delden vom Yaluu. Part Ärtlrnr in ihren miiit. Infanterie-Exerzitien. Japanische Infanterie. Ausgesuchte Repräsentanten der Armee des Mikado. Tier Soenr« Atlctas. Rosario Guerrero Spanische Tänzerin. Gebrüder Ariels, kom. Rockkünstler. Die mysteriösen Husaren. Ludwig Amann, Mimiker. Htrndlns Wundersterne. Celle de Lots» Duo, Drahtseilakt London bei Nacht, Pantom. v. Komo. Lina Marrder, die Goldamazone. „In Japan", Ballettdivertissement. Collins und Hart, amerikanische Exzentriks. Nora Moore, englische Sängerin DM- Der Biograph.-M Belle-Alliancel Theater- Varlet«. Eröffnungs- Programm. Sensation Berlins. Anfang 8 Uhr. Liane Leisehoer. Rose u. Jehan, Pariser Duett. I Leo Billward, urkom. Jongleur. „Fidelios", humor. Quartett. James u. MaudThomas, Equilibr. Wehlfried-Sextett. Geschw. Mertens. The belle Astoria u. d. KegertSnzer. 1 EdiBlum, der Liebling Berlins, Renards sibirische Hunde. The 3 Onleys,. plast. Marmor-Gruppen I Sol-Do, italienische Minstreis. I Vorverkauf ohne Aufschlagt bei A. Wertheim und an der Theaterkasse v. 10—2 u.6 Uhr. I Sonntags 2 Vorstellungen I Nachm. 3 Ubr: Halbe Preise, j Jeder Besucher 1 Kind frei. Cotosseum Thealer u. KoHzert-EUbllssement. DreSdenerstr. 97 DM-an der Prinzenltrasie.-MD Die fensationellen Attraktiouen des ErössnungS«Programms l Im Konzertsaal: .Schrammeln" u. ungar. Kap«»«. Anfang 8 Uhr. End« de» Konzerts 1 Uhr. Sonntags St Vorstellungen. Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger. ISsla S|'l- Cigarrenhandlnngen liefert zu Origlnalprelaen alle gangbaren Cigaretten (GnrbAty, PhHnomen, Joacttl, Hanoll, Bolero, KapItHn etc.) 466412« die seit Jahren hier eingeführte Firma Carl Rocker, Grüner Weg 112« (Fernsprecher: Amt VD, 3861.) SpenlalltAt: Dänischer Kapitän-Kautabak, KM Kordhäuser Kautabak, w Kaueh- und Sehnupftabake, Zweigverein Berlin. ZeDtral-Ferliauil der Maurer HeMIM. Am 8. Okiober verstarb unser Mitglied HoguLl Gehwuedow im Alter von 46 Jahren an Herz- leiden. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mitt- ivoch, den lt. d. M., nachmittags 3 Ubr von der Leichenballe des Kirchhofes derFriedenS-Gemeinde, Rieder-Schönh ausen, aus statt. Um recht rege Beteiligung ersucht 148/17 Die Verhandslsitung. Lustspielhaus. Nachm. 3 Uhr: Das Lumpengesindel. Abends 8 Uhr: Ter Familientag. 8sll5S0llel.KoMiistrstr.4a Dir. W. Reimer. Dienstag und Mittwoch: Im glänzend renov. und elettr. beleucht. Etablissem. Gastspiel des Üowö'taltkle: Dienstag: 'sLorleoi�DorfuM. Mittwoch: Preziosa. Gustav Behrens SpezialittSteg- Tlsater Frankfurter- Allee 85. Der ganze Osten lacht Tränen »ber Die Kertiuer Dangt. Posse mit Gesang. Neu! Der kleine Mann und die grofte Frau s°wie zg Speziltäten-liuiiraerii. • Otto Pritzkows � Berliner HUnzatr. 10. Skelett-Mensch der einzig«ristierende, ohne Kon- kurrenz, 22 Jahre alt.SSPsd.schwer. Mne-Mno-Mni??? Eatree iöv il?t. MMZKZKMM ELYSlUNi. Kommandantenstr. 3-4. W Vollständig neu renoviert. W Auftreten v. 36 erstklassigen intern. Spezialitäten. Geöffnet van 10 Uhr früh bis 12 Uhr nachts. EUisseiiiit Bugpliap Horltzplatz. Täglich in den unteren Sälen ♦ Gottschalk-Konzert. —■ Kegelbahn noch frei. Nathan Wand 189«kalitzerstr. 189.■ Die schönsten 46142* Herren-Winter-Paletots und Anzüge, f�ua Monats-Garderobe von Kavalieren getragene Sachen, säst neu. für jede Figur Vassend. speziell Bauch anzüge find in großer Auswahl stets zu staunend billigen Preisen zu haben._ athan Manck Das älteste ftesfer-Gesehätt de» S.-O. von 44462» Hill). Mltblbach empfiehlt Rester von Plsischen, Krimmer, SSkimoS zu Damen- und Kinber-JackettS zu den billigsten Preisen. GrHte Auswahl in fertiger � Koniektlon. � v-v III Oppeinerstr. IU Bruch-Pollmann «mpstehlt sein Lager in Bruchdandagen, Leibbinden, Geradehallern, Spritzen. Suspensers sowie sämtliche Artikel zur Krankenpllege. Der Eigene Werkstatt Lies er? f. Or». u. 30. tx. öüIfa-Äranfcn faffen rfin C., Linien-Ztraßt 80. MB. Alle Bruchbänder mit elasti- chen Pelotten, angenehm und weich Körper. 44622' am rserem Parteigenossen und Streik- Restaurateur 46SSL loliann DOhring nebst Frau zu ihrer» silberne» Hochzeit» ein dreifach donnerndes Hoch! Tie ausgesperrten Rundniacher der Siemens-Schuckert- Werke, Franklinstra6e. ZllMernoktäMeT WskIvM � für den 8. Berliner Reieiistags-Walilkreis. Todes- Anzeige. Den Genossen zur Nachricht, daß imser Mitglied, der Putzer Hennann Xielblock am Sonnabend, den 7. Oktober, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet beute nachmittag 4 Uhr von der Leichen- halle deS Golgatha- Friedhofes (Barsusstraße) aus statl. Um zahlreiche Betesligung ersucht Der Vorstand. ta Sozialdemokratischer WahlvereiE Schöneberg. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß am 7. d. M. unser lang- jähriges Miglied, der Buchdrucker öernliard Kradel (7. Bezirk) an der Proletarierkrankheit ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigimg findet heute ">) nachmittag 4 Uhr vonl enhalle des Friedhofes| statt. 15/16 apitraße aus sfi Der Vorstand. Slüiallleiiiliiit'Mii.MIvei'eiii «iXÄvR't'. Todez-Anzelge. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglled, der Maurer Hermann Kloß (15. Bezirk) verstorben ist. 286/14 Ehre seinem Andenken l Di« Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Rixdorfer Friedhofs(Mariendorfer Weg) aus statt. Der Vorstand. hnWeM der Maurer Deutsebianiis. (Zahlstelle Hlxdorf.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Hsnmsnn Klos am Sonnabend, den 7. Offober, nach langem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet statt am Dienstag, den 10. Offober, nachmittag« 3'/, Uhr, von der Leichen. Halle des Ripdorser Kirchhofes (Mariendorfer Weg). Zahlreiche Beteiligmig erwartet 148/18 Der Vorstand. Am 7. Oktober, abend« 8 Uhr. verschied nach langen schweren Leiden mein innigst geliebter Mann, unter guter Bater, Bruder, Schwiegersohn und Schwager, der Schriftsetzer 247tb Arthur Sehellart im 39. Lebensjahre. Dies zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme im Namen der trauernden Hinterbliebenen an Anna«chellart geb. Sebastian. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 11. d. R., nachmittag» 4 Uhr, von der Leichen halle-- am .IUU7** M*/«« V wv tft.VIUjt.SS« le der Aujersiehungs-Gemeinde Weißenseer Wege aus statt. Gesang. Verein MOnnerchor. Hierdurch die traurige Nachricht, daß unser treues Mitglied und Schristsührer unseres Vereins Arthur Sehellart am 7. Oktober lsvb verstorben Ist. Wir werden sein Angedenlen stet» in Ehren halten. 2470b Die Beerdigung findet am Mittwoch, den U. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle de» AumtehungS-KirchhoseS, Weißens«, Lichtenbergerstraße, aus statt. Der Vorstand. Das pöte Dral m 50 PI. Backware: 6 Stück 10 Pfennig in Albrechts Bäckereien: Wrangelftr. 138, Krautstrafte 19. Folckcnsteinstr. 88, Lansitzerstr. 8» Marktballe Pücklerftr., Stand 222/23, Marfflmllc AndreaSstr., Stand 16/18, Zentrale: Voxhagenerstr. 13. tTmin-nsIlell. Hoxninandantenstx-aLe 89. Telephon: Amt I, 8985. Festsäle, große u. kleine, noch bi« Mar, 1906 Sonnabende u. Sonn. tage sreL 4S62L- BorzugSkarten grilttg. � � �--------------------•----------.—. ' ksantw. Nkdalteur: Pgul Biittn». Nkrtio. Ur d» Ssilu-ttNtcil vtr-ntw.: Ii, Glicke. Buliii. Knick u. Berlog: PorwärttLuchdru-ferki u. BerlggsgnWt Paul®»'H«& fo. Berlw SW. 9.237. W. Mg«, Z. Ktilllge lies Imiirts" Kelliner WldsIllM. SoMlistifche Presse Deutschlands. IV. Quartal 190S. Zcntral-Organ. „Vorwärts" Berliner Bolksblatt, SW. 68, Lindin- (tvage 69. Täglich erscheinend. Wissenschaftliche Wochenschrift. „Die Neue Zeit". Revue des geistigen und össcnwchen Lebens. Stuttgart. Furthbachstr. 12. Redaktion: Berlin-Friedenau. Saarstr. 19. Drei- Täglich erscheinende Zeitungen. Altenburg„Wenburger VolkszeiNmg' Kunstgasse 12. Zlngsburg„Schwäbische Volkszcitung" Maximilian- straste B 31. Bau.. Norddeutsches Volksblatt" Neue WilhelmZhavener- swage 82. Bayreuth.fränkische Volkstribüne' Knlmbachcrstr. 20. Bielefeld..Volkswachl' Schulstr. 20. Bochum„LolkSblatt' Südhellweg 1. Brandeiiburq„Brandenburger Zeitung, Märkisches Voiisblatl' Kurstr. 73. Brau» schweig„Braunschwciger Volksfreund' Kleine Burg 16. .....------- 21-22. Magdeburg„Volksstimme" Jakobsstr. 43. Redaktion Münzstr. 3. Mainz„Mainzer Volkszeitung'(„Hessische Volksstimme') Margarethengasse 13. iMannheim„Volksstimme' R 3, 14. Mülhausen i. E.„Mülhauser Volkszeitung' lönigSstr. 37. München.Münchener Post' Wittcksbach erplatz 2. Nürnberg„Fränlische Tagespost' Luitpoldstr. 9. Offenbach„Ossenbacher Abendblatt' Große Marktstr. 2S, Rostock„Meckleiiburgischc VollSzeitung' Doberanerstr. 6. Saalfeld.Volksblatt" Rosmaringasse 16. St. Johann„Saarwacht' Hascnstr. 7—9, Solingen„Bcrgische Arbciterstimme' Hohegaste 7. Stettin„Volks-Bote' Schillerstt. 10. Strasburg i. E.„Freie Presse sür Elsaß-Lothringen' Fiiilinattftaden 2. Stuttgart„Schwäbische Tagwacht' Furthbachstt. 12. Zwickau t. S.„Sächsisches Vollsblatt' Richardftr. 15. Wöchentlich zweimal erscheinende Blätter. Delmenhorst„Delmenhorstcr Vollsblatt" Schulstr. 8. Langenbtelau„Der Proletarier aus dem Eulengebirge" Ober-Langenbielau, 2. Bezirk. Wöchentlich einmal erscheinende Blätter. Cassel„Der Wegweiser" Hohenthorstt. 2. Dresden„Der arme Teufel" Falkcnstr. 10. Bremen Bremer Bürger.Zei�g' HMMftt ��he».Mitteldeutsche Sonntasss-Zeitung" Kttchenplatz 11 Bre�lau Vo�kswachl'�Neue Grmwenftt 6 �' � i�l»„Rheinische Zeitung'(Wocheuausgabc) Ursulaplatz 6. Cassel„Bolksblaii fir Hessen und Waldeck' Töpsermarkt 6. Chemnitz.Volksstimme' Userstr. 14. Crefcld„Niederrheinische Bollstribün«'. Breitestr. 62. Dessau.Bollsblatt jur Anhalt" Ballenstedterstr. 5. Tortmund„Arbeiter-Zeitung" Kielstr. 5. Dresden„Sächsische Arbcilcr-Zeituna" Zwwgcrstr. 22. „Sächsischer Volkssrcund" Zwingerstr. 22. Düsteldorf„VolkS-Zeituug" Bcnratherftr. 6. Elberfeld-Barmeii„Freie Presse" Friedrichstr. 37. Erfurt„Tribüne' Kleme Arche 1. Jorst i. L.„Märkische Volksstimme' Franks urterstr. 11. Frankfurt a. M.„Volk� stiiume' Groger Hirschgraben 17. Jürth.Fürther Bürger-Zeirung' Moftstr. 7. Gera„Rcußiiche Tribüne" Alte Schlosigaste 11. Görlitz„Görliher Volkszeitung" Teich|trJ5. Greiz'.Reußn he Volkszeitung" Untere Silberstr. 2. Gotha„Vollsblatt für die Herzoglümer Coburg und Gotha" Wohrcnberg 7. Halle a. S.„Vollsblatt sür Halle' Geiststr. 21. Hamburg Hamburger Echo", Hamburg I, Fchlandstr. 11. Harburg„Vollsblatt" Großer Schippsce 4, Part. Hannover.Volkswille" Burgstt. S. -Hof„Lbcrftänkiichc Volkszeitung' Karolinenstr. 39. Karlsruhe„Volkssieund" Loustenstt. 24. Kiel.Schlcswig-Holsteinische Volks-Zeiwng' Bergstt. 11. Köln„Zlheinische Zeitung" Ursulaplah 6. Königsberg i.Br. �tömgsbergerVollS-Zeitung' Vordcr- Rotzgarlcn 50. Leipzig„Leipziger Volkszeitung' Tauchaerstr. 19—21. „Volkszeitung sür das Muldenthal' Tauchaer- sttaße 19—21. Ludwigshafeu„Psälzische Post' Marstr. 65. Lübeck„Lübecker Bolksbote' Johannisstr. 50. Lüneburg„Lüneburger VolkSblatt" Schröderstr. II. -Stuttgart„Schwäbischer Volkssreund' Furthbachstt. 12. Aller 14 Tage erscheinend. Stuttgart„Die Gleichheit' Zeitschrist sür die Interessen der Arbeiterinnen, Furthbachstr. 12 Monatlich zweimal erscheinend. Königsberg.Der Ostpreußische Landbote' Knochenstt. 32. Monatlich einmal erscheinend. Berlin„Die Fackel'!7. 31 Vollastt. 45. Elberfeld„Das Morgenrot' Friedrichstr. 37. anau„Der Bauernsreund' Philipp LudlvigS-Anlage 9. tcttin.Der Pommer' Schillerstt. 10. Witzblätter(Erscheinen aller 14 Tage). München„Süddeutscher Poslillon' Senesclderstr. 4. Stuttgart»Der wahre Jacob' Furthbachstt. 12. Illustrierte UnterhaltnngSblätter. Berlin„In freien Stunden'!3?7. 68, Lindenstr. 69. Er- Icheütt in Wochenhesten. Hamburg„Die Reue Weit' Hamburg l, gehlaudstr. 11. Erscheiut wöchentlich einmal. Geiverkschastspresse Deutschlands. IV. Quartal 1905. Dreimal wöchentlich erscheinend. Leipzig �„Correspondent sür Deutschiands Buchdrucker und Schristgicßer', Salomonstt. 8. Wöchentlich erscheinend. Zlltenburg„Correspondeut sür die Arbeiter und Ar- beiterinnen der Hut- und Filzwaren- Industrie' Wllhelmstt. 2, parterre. 9 Berlin.Bildhauer-Zeitung', SW. 29, Solmsstt. 33. „Buchbinder-Zeitung" SO. 28, Elisabeth-User 40 I. „Correspondenzblatt der Generalkommission der Gewerk schasten Deutschlands", 80. 16, Engel-User 15. „Die Einigkeit", Organ der freien Vereinigung deutscher Gewcrtschajten, SO. 16, Franzstr. 2. Part. „Allg. Fahr-Zeitung", SW. 12, Schützenstt. 58. „Der Gastiuirtsaehilse", 0. 25, Dircksenstt. 39 I. „Allg. deutsche Gärtner-Zeitung", bi. 37, Metzerftt. 3. „Der Handschuhmacher", O. 34, Tilstterstt. 40, II. „Fachzeilung für Schneider', SO. 33. Köpemckerstt. 32. „Der Töpser', SO. 16, Engel-User 15. Bochum„Deutsche Berg- und Hüttenarbelter-Zeitung'. Wiemelhauserstt. 42. Bremen„Deutsche Böttcher-Zeitung', Hankenstr. 21/22. Charlottenburg„Die Ameise', Organ deS Porzellan- arbeiter-Verbandcs, Rosinenstt. 3. Chemnitz„Der Texttiarbciler', Ufcrftr. 14. Gotha.Schuhmachcr-Fachblatt', Mohrcnberg 7. Hamburg„Deutsche Bäcker-Zcitung", Organ des Bäcker- Verbandes, Hamburg 23, Maxstt. 27. „Der Bauhilssarbetter", Bremerrcihe 15, Part. „Der Grundstein'(sür Maurer), Hanlburg 5, St. Georg, Brenn erstr. 11, I. .Schmiede-Zeitung', Uhlenhorst, Herderftt. 2. „Der S.wkkateur', Hamburg 22, Barnibcck, Am Holsten- kamp 39», II. „VereinS-Anzeiger sür Maler jc.*, Hamburg 22, Barmbeck, Schmaleubeckerstr. 17. „Der Zimmerer', Hamburg 22. Bannbeck, Feßlerftr.28, 1. Karlsruhe„Glaser-Zeitung", Schützenstt. 8» Leipzig„Der Steinarbeiter'. Gr. Fleischergaffe 14. I. „Der Tabakarbeiter'(sür Zigarrcnarbeiter), Tauchaer- sttaße 13/21. Leipzig-Schkeuditz„Graphische Presse', Schkeuditz. Li»den-Ha»>»over„Brauer-Zeitung", Burgstt. 9. Löbtau-DreSden.DerFachgenoste'(sürGlaS-, Porzellan- und Thonwaren-Arbeiter), Reisewitzerftt. 34. Stuttgart„Holzarbeiter-Zeitung", Adlerstt. 43. „Metallarbeiter- Zeitung', Druckerei d«S deutschen Metallarbeiter-Verbandes, Rötestt. l6d„ „Der Schläger', Druckerei des deutschen Metallarbeiter- Verbandes, Monatlich dreimal erscheinend. Altcnburg.Müller-Zeitung', Publckationsorgan des Verbandes deutscher Mühlenarbeit«, Zwickauerstt. 12. Berlin„Zeilschrist sür Graveure und Ciselcure', 80. 26, Marianncnplatz 5, Hos I. „Lederarbeiler-Zeitung', SO. 16, Engel-User 15, IV. Monatlich zweimal er/scheinend. Berlin„Der Fleischer', 0. 54, Dvagoncrstt. 15. Hamburg.FnseurgehüIsm.Zeiwttü'. Hamburg 19, Oster- sttaße 166. Aller 14 Tage orscheinend. Berlin«Der Courier', Zenttalorgan sür die Interessen der imHandelS-, Transport-- in VcrkehrSgcwerbe beschäftigten Arbeiter Deutschlands, 80. 16, Engel-User 15 „Correspondenzblatt deS Verbandes der Vergolder Deutschlands", NW. 5, Wilsnackerstt. 39. „Deutscher Maschinist und Heizer', Organ der Ma» schinisten und Berussgenossen Deutschlands, SO. 33, Pücklerstr. 55. „Die Gewerkschaft", Organ für die Interessen der Arbeiter in Gasanstalten und sonstigen städtischen Betrieben, Berlin W. 67, Bülowstt. 21. „Lederarbeiter-Zeitung", SO. 16, Engel-Ufer 15, IV. „Sattler-Zeitung", SO. 16, Adalbertstt. 56. „Allg. Steinsetzer-Zeitung", NW. 21, Wiclesstr. 16. „Solidarität", Organ aller im graphischen Berufe be» schästigten Arbeiter und Arbeiterinnen, NO. 18, Elbingerstr. 27, v. IV. „Solidarität"' Publikationsorgan der deutschen Metall» arbeitcr-Gewerlschast, S. 59, Urbanstt. 83. „Der Wäsche-Bote", Organ sür alle in der Wäsche» und Krawatienbranchc, Dampswäschereien und Plättcreien bcschästtgten Arbeiter und Arbciteritmen, NO. 65, Greiiswalderstr. 218, II, Bremerhaven„Der Werftarbeiter', Am Hasen 49. Frankfurt a. M.„Neue Deutsche Dachdecker-Zeitung", Brückenstr. 31. Hamburg„Die Biene", Organ deS ZenttalverbandeS der Konditorgehiisen 2C., St. Pauli, Seilerslr. 32. „Correspondenzblatt der Tapezierer", Steindamm 39. „Der Hasenarbeiter', Hainburg 1, Gänsemarkt 35, II. „Handlungsgehülsen-Biatt", Hamburg 6, Marktftt. 136. „Der SchistSzimmcrer", Etwcck, Konventftt. 5. „Der Kupserschmied", Hamburg 23, EUbcck, Maxstt. 6, I. „Der Seemann", Hamburg 4, St. Pauli, Hascnstr. 116. „Weckruf der Eisenbahner", Hamburg 27, Ausschläger- Alle« 32. Hannover„Der Proletarier"(sür Fabrik- tc. Arbeiter und Arbeiterinnen) Burgstt. 9, I. Leipzig-Möckern„Der Lithograph', Kirschbergstr. 54. Redaktion Bayreuth, Kasernenstt. 2. Ostenbach„Porteseuiller-Zeitung", Waldstt. 8, I. Monatlich einmal erscheinend. Berlin„Die arbeitende Jugend' Organ deS Vereins der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins, N. 54, Vetcranenstr. 8. Redaklton W. 50, Slnsbacher- sttaße 58, Hos part. „Der Asphaltarbeiter', Organ deS Verbandes deutscher Asphaltcure, Pappdecker und sämtlicher HülsSarbeiter, NW. 87. Beustelstt. 19 parterre. „Der Bäcker", Organ sür die Jnteresten der Bäcker- gesellen Berlins und Umgegend, 0. 54, GiPSstt. 2. „Der Bureau-Angestellte", NW, 81, Emdenerstt. 4. »Der steie Gastwirt" N. 54, Brunnenslr. 164. „Kürschnerwacht", N0. 43, MendelSsohnstt. 9. „Zestschrist für Tylographcn", Organ der Zylographen des deutschen Sprachgebietes, Schüneberg- Berlin, Hauptftt. 110 I. Hamburg„Fachzeiwng für Zivilmusiker', Hamburg- ÄmSbüttcl, Hellkamp 33, II. Etage. „Der Organisator", Schäfcrstt. 19. Leipzig„Monats-BIätler" des Lagerhalter-BerbandeS, Connewitz, Marienstt. 5. Obige Zusammenstellung veröffentlichen wir zu ginn jedes Quartals. In der Zwischenzeit sich ergeb_____ Adreß- oder sonstige Veränderungen bitten wir uns zur Be- ergebende Vornicrkung mittellen zu wollen. Berlin, dm 4. Oktober 1905. Der Parteivorftand. Vom keirUdien Kricgahccr. Jnli. 2. Nnteroff. Erler vom Jnf.-Rcg. Nr. 1v8 in Dresden für zahl- lose schwere Mißhandlungen, wodurch u. a. schwere Erkrankung eines Opfers verursacht. 1 Jahr 3 Monate Gefängnis und Degradation. S. Die Landlvchrleute Strauer und Krogmann vom 9. Pionier- bataillon in Altona, die in schwerer Trunkenheit„gemeutert" haben, 7 Jahre 3 Monate und 6 Jahre 2 Monate Gefängnis. Der An- kläger hatte 12 Jahre 7 Monate und 10 Jahre 6 Monate beantragt. Einer der Verurteilten begeht Selbstmordversuch. 6. Todesmärsche i» München und Gruppe(Westpreutzen). In München 17 Hitzschlagfälle, wovon einer tödlich, in Gruppe 25, davon 2 tödlich. 2 Mann geistesgestört. 7. Leutnant v. Winterfeld vom Husaren-Negiment Nr. 12 in Halle wegen Mißbrauchs der Dienstgewalt und Fahnenflucht 4 Monate Gefängnis. Völliger Ausschluß der Oeffentlichkeit. 8." Der Zehnmillionenbettel, durch den dem Kaiser zwecks Unter- stützung von Offizieren, die mit ihrer Gage nicht auskommen, von der Hochfinanz 10 Millionen gestiftet werden soll, wird fortgesetzt. 9. Unterkanonier Geiger vom Art.-Reg. Nr. 49 in Ulm wegen tätlichen Angriffs 1 Jahr 7 Monate GesäuaniS. 11. Sergeant Ahlfeldt und zwei Gefreite vom Kürassier- regiment v. Seydlitz inj Halle wegen zahlloser fortgesetzter Peini- gungen der Mannschaft, wodurch ei» Selbstmordversuch verursacht iourde, 3 Woche» Mittelarrest resp. 10 Tage bis 6 Wochen Mittelarrcst. Der Verteidiger Oberleutnant v. GerSdorff hatte zuvor ausgeführt: Der Selbstmörder sei der eigentlich Schuldige, denn er habe sich dem Heeresdienste entziehen wollen. Für das deutsche Baterland wäre es jammerschade, wenn die deutsche Faust nicht ein- mal im Aerger dazwischen schlagen sollt«. 16. Der Füsilier Sclffert vom 3. Garderegiment in Berlin, der dem Unteroffizier Austinat seinen Eßnapf nicht leihen wollte, wegen Ungehorsams 4 Wochen strengm Arrest, der Unteroffizier, der ihn deshalb mißhandelt hat, 3 Wochen mittleren Arrest. 19. Gefreiter Forstmann vom 2. Garderegiment z. F. in Düsseldorf, der u. a. seine Leute aufhängte und sie erst wieder herunter- nahm, bis sie bewußtlos waren. 3 Jahre Gefängnis, sein Helfer Siegel 3 Monate Gefängnis für 73 Fälle. 21. Sergeanten Zilz und Brasse vom 21. Infanterieregiment in Thor» für 59 und 11 Fälle 5 und 6 Monate Gefängnis. Im ersten Falle leine Degradation. 22. Zwei Soldaten vom 4. Gardegrenadierregiment in Berlin hen Selbstmordversuche. 23. Freisinnige Blätter stellen fest, daß die Zahl der Regimenter. die ausschließlich adelige Offiziere haben, zunimmt., Sie beträgt jetzt 37. 1901 34. 23. Unteroffiziere Nickel, Kraffert und Zellmann vom 118. Jnfanlerieregiment in Darmstadt wegen zahlreicher Mißhandlungen, wodurch unter anderem Geistesstörung eines Opfers verschuldet wurde, drei Wochen Mittelarrcst, zwei Wochen gelinden Arrest, zwei Wochen Mittelarrcst. 25. Feldwebel Bastian vom 52. Infanterieregiment in Frank- furt a. O. für einen Fußtritt in den Bauch, wodurch Bruch entstand, zwölf Tage aelinden Arrest. 26. Infolge der beiden Selbstmordversuche im 4. Barde- grenadicrregiment wird Untcroffizicr Tau verhaftet. 29. Der württembergische Leutnant Haupt, der wegen Miß- handluiig in w> Fällen mit neun Monaten Festung bestraft und nnt schlichtem Abschied entlassen worden war, wird als Leutnant in die preußische Armee aufgenommen. Jügitatfons-KaletuUr. August. 8. Freiherr v. Hodenberg, Hauptmann im Schützenregiment Rr. 108 in Dresden, wegen vorschriftswidriger Behandlung 3 Tage Stubenarrest. 4. Leutnant v. Prittwitz vom 10. Ulanenregiment in Glogau, der seine Leute in der Reitstunde zur Strafe 60— 80mal ohne Steigbügel aufsitzen läßt, wodurch ein schlverer Unfall verursacht wurde, freigesprochen. 5. Unteroffizier Kircher in Ulm, der seine Leute mit den Stiefel- absätzen und mit dem Seitengewehr mißhandelte. 20 Tage Mittel- arrest. 10. Unteroffizier Paul vom 6. CheveaulegerSregiment in Nürn- bcrg 10 Tage gelinden Arrest: Wachtmeister Heß für Behandlung Untergebener mit Fußtritten 2 Tage gelinden Arrest. 10. Unteroffizier Müller vom 36. Infanterieregiment in Halle wegen Ohrfeigcns eines Untergebenen 10 Tage Mittelarrest; Unter- offizier Vüttge vom 36. Infanterieregiment in Halle wegen Bc- raubung Untergebener 6 Monate Gefängnis. 11. Die Strafe der Landwehrleute Strauer und Krogmann in Altona wird vom Ober-KriegSgericht auf 14 und 13 Monate er- mäßigt. 24. Leutnant Graf WolffSkeek in München wegen Verheiratung (mit einer Schauspielerin) ohne HeiratskonsenS 45 Tage Hast. 25. Bei einer der üblichen Kaiscr-Kavalleriealwcken in Senne überreiten die bayerischen Ulanen hessische Dragoner, wodurch schwere Unfälle entstehen. 26. Gegen Redakteure und Berichterstatter in Berlin, die über geheime Kriegsgerichtsverhandlungen zweiter Instanz auf Grund der öffentlich geführten Verhandlungen erster Instanz berichteten, wird Aullago erhoben, 27. Unteroffizier Duch vom 108. Jnfanterie-Regiment wegen AuSpeitschenS und Würgens eines Untergebenen 6 Wochen Mittel- arrest. keine Degradation. 30. Kanonier Schneider vom 25. Art.-Reg. in Halle, der sich gegen fortgesetzte Quälerei zur Wehr gesetzt und geflüchtet ist, 2 Jahre 1 Tag Gefängnis. September. 1. Ein Unteroffizier vom 69. Jnfanterie-Regiment in Koblenz toegen täglicher Mißhandlung semer Leute sechs Wochen gelinden Arrest. 14. DaS freisprechende Urteil zweiter Instanz, da« über den gottcslästernden Militärpfarrer in Mrnden. Bachstein, gefällt worden ist. wird vom RcichS-Militärgericht aufgehoben und eine neue Wer- Handlung angeordnet. 16. Nachdem er sechs Monate seiner Strafe verbüßt, wird der wegen Angriffs aus einen Vorgesetzten zu zwei Jahren einem Monat Gefängnis verurteilte Mattose Lehndorf in Kiel alS geisteskrank er- kamst und freigesprochen. 16. Unteroffiziere Becker und Glenzer vom 15. Fußartillerie- Regiment in Thon, sechs Wochen Mittclarrest und acht Monate Gc- fängnis ivegen schlverer Mißhandlung. 2t. Gegen den Verband der Mlitäraittvärtervereine erläßt der Kriegsminister v. Einem einen geheimen UkaS, weil dieser Verband geeignet sei, Unzufriedenheit zu wecken und die Disziplin zu unter- graben. 23. Von Ende Juni bis Ende September wurden 40 Soldaten- mißhandler zu insgesamt 12 Jahren 8 Monaten und 11 Tagen Freiheitsentzug verurteilt. 29. Leutnant v. Lekow in Lissa erschießt in der Trunkenheit vom Ballon seiner Wohnung aus einen Passanten. Nüchtern ge- worden, begeht er Selstmordversuch. Er soll ans seinen Geistes« zustand untersucht werden. 29. Hauptmann Feller vom Schützenregiment 103 in Dresden wegen„minderschwerer Fälle" 6 Wochen Stubenarrest. 29. Torpedoheizer Brunshogen in Kiel war ins Lazarett ein- geliefert worden und hatte vor der Operation Weingeist als Be- täubungSmittel zu trinken bekommen. Da er in diesem Zustande getobt, wird er wegen tätlichen Angriffes auf Borgesetzte zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt. krolonlales. Juli. 22. Hänge- PeterS begnadigt. Peters hatte einen Neger- jungen, den er für den Liebhaber seiner schwarzen Konkubine hielt, und ein Negermädchen widerrechtlich aufhängen lassen und war wegen dieser und ähnlicher Schandtaten vom Dienste enthoben worden. Jetzt darf er wieder den Titel»Reichskommissar" führen. August. 1. Herr v. Trotha drangsaliert südwestafrikanische Zeihingen und verbleiet heimkehrenden Offizieren Mitteilungen über die Kriegs- läge zu machen. 2. Ein weißer Arbeiter in Swakopmund, der in der Trunken« heit eine Maiestätsbeleidigung beging, wird auf Befehl eines Haupt« manns mit Knutenhieben bestraft. 4. Baron v. Nettelbladt, der jahrelang in Südwestafrika Wirt- schastlich tätig gewesen, schreibt im„Tag": Ich... mache das Geständnis,... daß nach meiner Meinung ganz Südwestafrika nicht mehr als 40—50000 Menschen ernähren kann, und daß die 400 Millionen Mark, die Deutschland schon an die Unterdrückung des Aufstand-s gewendet hat, so und soviel mal den Wert der ganzen Kolonie betragen." 8. Bom Reichstag nicht bewilligte neue Trnppenverstärlung für Südwestafrika. 12. Die deutschen Verluste in Südwestafrika betrugen bis zum 31. Juli 1l22 Tote und 570 Verwundete. 15. Ein Erlaß Trothas an die Hereros wirb bekannt, worin „Ich, der große General" ankündigt, daß Frauen und Kinder nicht geschont werden sollen. In einem Erlaß an die Soldaten fordert er diese aus, keine männlichen Gefangenen zu machen, Weiber und Kinder aber durch Schreckschüsse in den Busch zurückzutreiben. 16. Eine Gesellschaft bürgerlicher ReichStagS-Abgeordneter unter- nimmt auf Kosten des Koloiliaiiiitcreffente» Wönnann eine Studien- reife nach Afrika. 16. Die Sterblichkeit der Gefangenen im KonzenttationSlager zu Swakopmund betrug nach dem"in der„Südwestafrikanischen Zeitung" veröffentlichten Polizeibericht in den Monaten Februar bis April auf« Jahr berechnet 720 auf Tausend. 18. Der„Köln. Zeitung" schreibt ein hervorragender Kenner SüdwestasrikaS: „Die Aachrichten aus Südwestafrika lauten eigentlich schlechter als je. Sie werden sehen, daß wir doch dazu kommen müssen, mehrere Hundert Wasserstellen zu besetzen, was mit Berproviantierung auf Monate allerding« ein Jahr dauern mag. Aber sonst kämpfen wir noch 5 Jahre, oder man schließt einen faulen Frieden." 20. Aufstand in Ostasrika. September. 1. Bier Reiter in Sivakopmund Ivegen Tötung eines Eingeborenen 1'/»— S Jahre Gefängnis, zwei Pioniere wegen Angriffs auf einen Borgesetzten 8 und 10 Jahre Gefängnis. 24. Die„Zukunft' veröffentlicht geheime Menstücke über die südlvestafrikanische.KricgSführung, darunter einen Brief v. Throthas an den Reichskanzler, darin es heißt:„Euer Exzellenz haben, glaube ich, keine Veranlassung, von mir eine schwächliche Kriegsfiihrung oder solche Politik vorauszusetzen. Ich muff aber mit den Etappen rechnen und mit den Schwierigkeiten, die ich übersehe. Deshalb erschien mir ein Abschluh mit dem einzigen anständigen Krieg sührenden Morenga nicht nur erwünscht, sondern geboten. Die Lage ist durchaus nicht so, daff eine Becndigmig des Aufstandos vor der Tür steht." Unsere Richter und Staatsanwälte. Juli. 5. Zwei Danziger Genossen waren in Putzig wegen Kalender- Verbreitung„zur Warnung und Abschreckung" zu je 4 Wochen Haft verurteilt worden. In zweiter Instanz ivird der eine freigesprochen, der andere zu 30 M. Geldstrafe verurteilt. 7. Ein Hoch auf die revolutionäre Sozialdemokratie, aus- gebracht in geschlossener Vereinsversanunlung, kostet in Berlin als „grober Unfug" 30 M. 11. Der Postbote Karl H. in Berlin, der mit 7V M. Monats- gehalt sich und seine sterbenskranke ssrau nicht erhalten konnte und in der Verzweiflung Briefe unterschlugt 5 Monate Gefängnis. 13. Genosse Metzke in Berlin für e.in Hoch auf die revolutionäre Sozialdemokratie 8 Tage Haft. 18. Kellner Meyer, der als Zeuge erklärt hatte, der oldew burgische Minister Ruhstrat habe die lustige Sieben gespielt und der infolge dieser Aussage wegen angeblichen MeineidsverdachtS ein- gesperrt worden war, von den Geschworrnen in Bückeburg frei- gesprochen. 13. Der Gutsbesitzer Hoffmann in Halle, der eine Arbeiterfrau und ihren Sohn mit einem Knüttel mißhandelt und verletzt, 50 M. Geldstrafe. 21. Zeugniszwangsberfahren gegen den Redakteur Genoffen Brüschke vom„Courier" in Berlin. 27. Genosse Jvcrs von der„Schlesw.-Holst. Volkszeitnng" in Kiel 3 Monate wegen Beleidigung des Köller-Kurses. 23. Der Autrag des in Biickeburg freigesprochenen Kellners Meyer auf Entschädigung für unschuldig erlittene Uirlersnchungshaft abgelehnt. August. 10. Die Strafkammer des Landgerichts Bochum verurteilt den sozialdemokratischen Redakteur Agnes wegen öffentlicher Beleidigung der staatlichen Untersuchungskomniissiou und der Direktion der Ge- werkschaft Hibernia zu 200 M. Geldstrafe. Der Angeklagte be- bauptete, auf Shamrock III— IV seien Bergleute wegen ihrer Ans- sagen vor der Untersuchungskommission entlassen worden. Die Beweisaufnahme ergab, daff zwei Arbeiter wegen„grobbcleidigcnder Angaben vor der Kommission entlassen worden sind. 18. Wegen Beleidigung durch die Presse muß der Redakteur der Magdeburgischen„Volksslimme", Genosse Ritsch, 5 Monate Ge- fängnis verbüßen. Der Oberstaatsanwalt verweigerte ihm sowohl die Selbstbeschäftigung wie die Selbstbeköstigung. 29. Im Frühjahr ist die angebliche Verfasserin anonymer Schmähbriefe, Frau Kracht, in Leingo auf Grund der Aussagen der Schreibsachverständigen zu l'/z Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Da nach ihrer Verhaftung neue Schmähbriefe versendet werden, wird das Verfahren wieder aufgenommen. 31. Der Gauleiter des Bauarbeitervereins in Nürnberg, Roth- Mund, hatte mit dem organisierten Steinhauer Roth eine Unter- redung, worin er diesen und dessen Kollegen zur sofortigen Nieder- legung der Arbeit veranlassen rbollte, während diese erst die An- toeisung des Hauptvorstandes abwarten wollen. Ein vorbeigehender Gendarm erstattet Anzeige wegen„Bedrohung". Obwohl die Arbeiter erklären, daff sie sich durchaus nicht bedroht gefühlt hätten, wird Rothmund zu 7 Tagen Gefängnis verurteilt. September. 5. In hohem Grade geistig minderwertig, erblich stark belastet und durch Alkohol entartet ist der Schlächter Schirmann in Berlin der seine Geliebte in die»Spree gestoßen hat. 0 Monate Gefängnis 6. Unschuldig wegen Meineids verurteilt wurde im Juni v. I der Schlosser Max Rudolf Schuster in Dresden, der bereits reichlich drei Monate von der ihm zuerkannten dreijährigen Zuchthausstrafe im Zuchthause zu Waldheim verbüßt hatte, als sich seine Unschuld herausstellte. Er beantragte nun für die unschuldig erlittene Strafe und die vorausgegangene Untersuchungshaft eine Entschädigung in der Höhe des ihm entgangenen Arbeitsverdienstes, der auf 700 M. angegeben wurde. Statt dessen wurden ihm aber vom Landgericht nur 50 M. Entschädigung zugebilligt, außerdem erhielt er aber eine Anklage wegen versuchten Betruges, weil ihni nachgewiesen wurde. daff er vor seiner Verhaftung keine Arbeit gehabt hatte. 3 Monate Gefängnis. 7. Eine Frau in Berlin, die ein zweijähriges Kind mit dem Rohrstock unmenschlich gezüchtigt, 60 M. Geldstrafe. 8. Zwei Streikende in Plauen sollen Arbeitswillige geschlagen haben. 4 und 6 Monate Gefängnis, obwohl keinerlei Verletzung entstand. 9. Drei Streikende in Schkeuditz, die einen Arbeitswilligen ge schlagen haben, je 4 Monate Gefängnis. 15. Genosse Pens wegen Beleidigung des Akener Magistrats 600 M. Geldstrafe. Peus hatte den Beschluß des Akener Magistrats sdem der frühere nationalliberale Abgeordnete Placke angehört kritisiert, worin die Behauptung aufgestellt war,„der Bau einer ze- nossenschaftlichcu Seifenfabrik verletze das Staatswohl und das Ge- meindeinteresse, die Fabrik bedrohe einen großen Teil des sogenannten Mittelstandes mit Untergang und verletze somit das Staatsloohl und das Bestreben der Regierung, den Mittelstand, insbesondere den Handwerkerstand zu schützen". 16. Genosse Metzke wegen eines Hochs auf die revolutionäre Sozialdemokratie in der Berufungsinstanz freigesprochen. 20. Zeugniszwangsverfahren gegen Redakteur Gen. ZielowSki in Frankfurt a. M. 21. Redakteur Gen. Jvers in Kiel wegen Kritik an dem Altonaer Schwurgerichtsurteil, wodurch vier junge Bourgeois trotz erwiesener Notzucht freigesprochen worden Ivaren, 400 M. Geldstrafe. 21. Redakteur Gen. Thomaser in Hannover wegen Beleidigung der königlichen Bergverwaltung in Barsinghausen 400 M. Geldstrafe. Zur Aussage eines Bergmannes, er habe an manchen Tagen schon 4 Mark verdient, meint der Vorsitzende:„Das ist ja ein kolossaler Verdienst I" 22. Ein 21 jähriges Mädchen in München, wegen Diebstahls wiederholt verurteilt, als geisteskrank erkannt und freigesprochen. 22. Gen. Redakteur Ritsch in Magdeburg erhält nach vier- wöchigem Schuhbesohlen endlich die Erlaubnis zur Selbstbeschäftigung. Hus dem Zuchthausftaat. Juli. 6. Um der deutsch-ftanzösischeu Konfliktshetze wegen Marokkos entgegenzuarbeiten, haben die Berliner Arbeiter Jaures eingeladen, einen Vortrag in Berlin über den Weltfrieden zu halten. Nun teilt die„Post" mit, daff das Auftreten von Jaures in Berlin verboten werden wird. 7. Die„Norddeutsche Allgememe Zeitung" veröffentlicht nun tatsächlich ein Schreiben des Fürsten v. Bülow an den Botschafter Radolin in Paris, wodurch das Auftreten des Genoffen Jaures in Berlin verboten wird. 9. Jaurösversammlung ohne Janrös. Protest gegen Kriegshetze und Polizeiwirtschaft. 11. Auf einer internationalen sozialdemokrattschen Friedens- Versammlung in Konstanz wird das Auftreten der Genoffen Adler (Oesterreich). Greulich(Schweiz) und Todeschini(Italien) verboten. Die gestörte Versammlung wird auf schweizerischen Boden verlegt und nimmt dort ungestörten Verlauf. 13. Die sächsische Eisenbahndirektion erläfft einen UkaS, wonach jeder Arbeiter, der dem EisenbaHnerverbande beitritt, entlassen werden soll. 15. Nach Mannheimer bürgerlichen Blättern ist das Konsianzer Redeverbot durch einen besonderen Schrcibcbrief des Fürsten Pulow an den badischcn StaatSmiuistcr Dusch veranlaßt worden. 15. Neue RnssenauSweisungen in den Vororten Berlins. August. 4. Das Kainmeraericht entscheidet in letzter Instanz, daß der Vorsitzende des 60 000 Mitglieder umfassenden Fabrik- und Land- arbeiterverbandeS zur Einreichung und Instandhaltung der Mit- gliederliste bei der Behörde verpflichtet sei. 5. Oeffcniliche Geldsammlimg für ausgesperrte Fabrikarbeiterin Gera verboten. 9. In Berga(S.-Weiinar) wird eine Versammlung über die Aussperrung verboten. Es liege gegenwärtig dazu keine Ver- anlasfung vor, da die Aussperrung zur Zeit noch nicht erfolgt ist. 29. Der Berliner Korrespondent des Amsterdamer„Handels- blad" Catz van Aalen aus Preußen ausgewiesen. Ihm ist schon früher einmal die Ausweisung angedroht worden, wenn er künftig „antideutsche Artikel" schreibe,»sein Hauptverbrechen besteht in der Behauptimg. daß in Deutschland nur die sozialdemokratische Presse anständig sei. September. 1. Der russische Gendarmerie-Offizier Baron Crüdner tritt in Berlin als agent provocateur in der Rolle eines„meuternden" Garde-Offiziers auf. 1. Dein polnischen St. Varbaraverein in Bochum wird Polizei- lich verboten, die Vereinsfahne mit weißen Schleifen zu schmücken, weil das eine polnische Denioiistration sei. 5. Aintliche Störung des Leichenbegängnisses des Genoffen Härder wegen Acrgernis erregenden roten Kranzschleife». 14. Der Regierungsrat Martin, der in einem Aufsehen erregenden Buche den wirtschaftlichen Znsannnenbruch Rußlands prophezeit hat, wird in Disziplinaruntersuchung gezogen. 16. Die Elberfelder„Freie Presse" veröffentlicht Gehcimaktcn betreffend die Bespitzelung der sozialdemokratischen Bewegung. 19. Der Karlsruher„Volksfreund" veröffentlicht einen Geheim- erlaß, aus dem hervorgeht, daff auch die badische Regierung Ge- finnungSschnüffelei bei Militärpflichtigen treibt. 21. Domela Nieuvenhnis in Köln verhaftet. 21. Die Frau des JnstmamiS K. in Paschwentschen(Kreis Labiau) wird von einem gelvalttätigen Mitarbeiter mit Totschlag bedroht. Der Mann, der zunr Schutze der Frau zu Hause bleibt, erhält wegen Verlassens des Dienstes 60 M. Geldstrafe, eine Kosten- rechnung von 28,20 M. und 23 Tage Haft. K. wird völlig ausgeplündert und eingesperrt, die Familie völlig ruiniert. 24. Domela Nieuvenhuis seit zwölf Tagen in Haft, ohne dem Richter vorgeführt worden zu sein. 27. Aus den Schulvorstands-Wählerlisten in Eißendorf bei Harburg werden die Sozialdemokraten gestrichen. Auf ihre Be- schwerde wird ihnen geantwortet, sie hätten„durch ihren politischen Lebenswandel öffentlich Acrgernis erregt". 28. Nienwenbuis wegen Bannbruchs zu 5 Tagen Haft der- urteilt, die ftär verbüßt erächtet werden. 28. Ein russischer Spitzel namens Sanders, Limburg oder Simson, vor dem der„Vorwärts" gewanit hat. nimmt an dein ver- mcintlichcn Urheber der Warnung, einem russischen Schriftsteller, Rache, indem er ihm androht,' er werde dafür sorgen, daff er binnen 3 Tagen ausgewiesen werde. 29. Nieuvenhuis, der im Arrcstwagen� in Gemeinschaft mit Dirnen und anderen Häftlingen nach dem Schöffengericht gebracht worden war, wird nicht entlassen, sondern soll zwangsweise nach Holland abgeschoben werden. Eine Volksversanunlung in Amsterdam protestiert gegen die polizeiliche Mißhandlung deS greisen nieder- ländischen Freiheitskämpfers. Soziale Streiflichter. Juli. 2. Die Münchener Bauherren versuchen ihre Kollegen zur all- gemeinen Aussperrung zu zwingen, indem sie die Lieferanten von Baumaterialien veranlassen, die Lieferungen nach München einzu- stellen. 4. Fortgesetzte Steigerung der Fleischpreise, die schon am 20. 30 Pf. pro Pfuird höher sind als zur selben Zeit des Vorjahre?. 6. Die Gesamtzahl der Betriebsunfälle im LandeSpolizeibezirk Berlin betrug 1904 23 409 Fälle, mehr gegen das Vorjahr 2863, davon 77 tödlich. 12. Die Bauunternehiner Essens, die ihre Arbeiter unter Tarif- bruch ausgesperrt hatten, sind vom Oberbürgermeister Zweigert als „schnöde Kontraktbrecher" bezeichnet worden. Ferner ist ihnen vom Oberbürgermeister angedroht worden, sie würden ersatzpflichtig ge macht werden, wenn sie sich auf eine Einigung nicht einließen. Nun beschließen sie, Zweigert wegen Beleidigung und Nötigung zu ver- klagen. 14. Brandkatastrophe auf der Zeche„Borussia" im Ruhrrevier. 39 Tote. 14. Der Reingewinn von 16 Bergbau-Miengesellschasten rm Ruhrrevier beträgt für 1904 28,3 Millionen, der Rohgewinn 56,3 Millionen, die Dividende durchschnittlich„nur" 11,5 Proz. gegen 13,3 Proz. im Vorjahre. 21. Zahlreiche Fleischer der Berliner Vororte haben, da ihnen wegen der Steigerung der Fleischpreise die Arbciterkundschaft aus- blieb, das Geschäft schließen müssen. Eine Versammlung der Berliner Fleischer fordert die Aufhebung der Grenzsperre. 28. Eine Broschüre„Deutsch-Sibirien" von Elmbeck erregt Aufsehen durch die Schilderung der schauerlichen Verlvahrlosung des mecklenburgischen Schulwesens. August. 4. Färberciarbeiter in Glauchau und Meerane streiken. Sie ver- langen— 15 M. Wochenlohn I 8. Weitere Steigerung der Berliner Schlachtviehpreise. Ochsen und Schweine steigen pro Zentner um 2 M. 9. Eisenbahntatastrophe bei Spreniberg. 18 Tote, 6 Schwer- verletzte. Die vielbefahrene Strecke wird eingleisig betrieben. 9. 26 sozialdemokratische Versammlungen in Berlin protestieren gegen die Fleischnot und fordern Oeffnung der Grenze. 12. Die Vorsitzenden der preußischen Landwirtschaftskammern versammeln sich anläßlich einer Fleischnotkonferenz im Berliner Kaiserhof, wobei Podbielski ein Fallen der Schweinepreise binnen 4— 5 Wochen ankündigt. Der Vorschlag, daß die Stadt Berlin selbst Schweine züchten solle, sei ihm sehr sympathisch. Er werde Herrn Singer die nötigen Ferkel besorgen. 16. In Berlin sind in den Monaten April bis Juni 3556 Per- sonen wegen Bettelns aufgegriffen, im Juni haben 54 667 Personen die Asyle für Obdachlose ausgesucht. 17. Bülow weigert sich, eine Deputation der Fleischhauer in Sachen der Fleischnot zu empfangen. 19. Die Grubenherren des Ruhrrevicrs haben infolge des Streiks erhöhten Gewinn. So beträgt der Ueberschuß von„Harpen" im zweiten Quartal 1905 über vier Millionen gegen drei Millionen im Vorjahre. Auch sonst vielfache Steigung der Ueberschüffe um 30 Prozent und darüber. 31. Der berg- und hüttenmännische Verein in Kattowitz, der ich wegen der Fleischnot an den Reichskanzler wendet, wird von diesem an den Schweinezüchter und LandwirtschnftSministcr v. Pod- bielsft gewiesen. September. 5. Der Ausschuß der Berliner Gastwirtsvereinigung spricht beim Handelsminister Möller vor, der ihnen rät, die Preise der Fleischspeisen um 10 Pf. zu erhöhen. Podbielski erklärt: Mit der Einführung des neuen Zolltarifs würde alles noch um etwas teurer werden, also sei das jetzige Geschrei ganz unnötig. 8. Die Berliner Stadtverordnetenversammlung beschließt Einberufung eines deutschen StädtetageS, der sich mit der Frage der Fleischaot beschästigen soll. 10. Podbielski erklärt, die Oeffnung der holländischen Grenze und die Erhöhung des russischen Schweiiieloutingei'ts erwägen-u wollen. Gegen ihn schreibt jetzt sogar schon die„Köln. Zeitung": „Bei einer solchen volkswirtschaftliH und staatspolitisch höchst gefähr- lichen Lvge drängt sich von selbst die Frage auf, ob es cineS modernen hochkultivierten Staatsgebildes würdig und angemessen ist, daff ein einzelner Mann, der leitende Ressortminister, in der Lage ist, allein eine solche Lage zu schaffen und sie trotz des über- wältigenden Protestes des Volkes zum offensichtlichen Schaden des Staalsganzen aufrecht zu erhalten." 19. Ziveck der Untersuchwigen über die Fleischnot, die die Landwirtschaftskammern zu führen haben, ist»ach ministerieller An- Weisung,„der maßlose» Agitation in den großen Städten sowie in den Händler- und Schlächterkreiseu" entgegenzutreten. 20. Eine Klage des preußischen Kronprinzen auf Freistellung von den Kreisabgaben in Oels(5000 M.) abgewiesen, da nur der König steuerfrei. 22. Bei der A. E.-G. und in den Siemenswerken streiken 300 Lagerarbeiter und 170 Schraubendreher. Nun erklären die vereinigten Direktionen ihre Arbeiter auszusperren, wenn sich die Streikenden nicht bedingungslos unterwerfe». 23. 8500 Arbeiter der Elektro-Jndustrie ausgesperrt. 30. 33000 Arbeiter der Berliner Elektro-Jndustrie ausgesperrt. Unfere Gegner. Juli. 1. Der Gemeindewahlrechts-Raub in Dresden ist vorläufig mißglückt. 5. Der Zentrumsführer Gröber hält im württembergischen Land- tage eine Rede gegen das allgemeine Wahlrecht. Das Wachstum der Sozialdemokratie rechtfertige die veränderte Haltung des Zentrums. 9. Nur die französischen Sozialdemokraten sind vaterlandslose Gesellen, schreibt die Pariser„Patrie" gegen Jaures,„es wäre kindisch, eS zu leugnen: die deutschen Sozialisten sind alle sehr chauvinistisch. Dies ist es, was unsere Sozialisten stets verschweigen, unsere Sozialisten, welche die einzigen find, die das Gefühl der Vaterlandslosigkeit nähren". 12. Generalleutnant v. Lieb er t schreibt im„Tag": „Es bleibt wohl zu beachten, daß wir es im Kriegsfalle nicht mit der aktiven Friedensarmee, sondern mit einer Masse von 3 bis 4 Millionen Soldaten zu tun haben, die, aus allen Bevölkerungs- schichten zusammengewürfelt, zumeist vom Gifte des Sozialisnrns durchtränkt sind. Deshalb sollte jeder Patriot beizeiten mitwirken an der Arbeit, unser Volk von jener schon allzuweit um sich greifenden Seuche zu befteien." August. 2. Nach der aintlichen Statistik waren in Preußen im Jahre 1903 7 101 963 Urwähler vorhanden, das sind nur 206,02 auf 1000 Einwohner. Von dieser Verhältniszahl entfielen 6,93 auf die erste, 24,36 auf die zweite und 174,23 auf die dritte Klasse. In absoluten Zahlen entfielen auf die erste Klaffe 238 845 Wähler, auf die zweite 856 914 und auf die dritte Klasse 6 006 204 Wähler. Für die beiden konservativen Fraktionen, die den Landtag beherrschen, wurden 22,26 Proz. der Stimmen abgegeben, für die Sozial- demokratie, die kein einziges Mandat hat 18,79 Proz. 3. Der Vorstand der Freisinnigcir in Fürth_ richtet an den Reichsverband gegen die Sozialdemokratie ein Dankschreiben, worin dem Verbände bester Erfolg gewünscht wird. 4. Die„Freisinnige Zeitung" findet die zwangsweise Auflösung der Allgemeinen Krankenkasse in Brandenburg a. H.„bezeichnend für die sozialdemokratische Wirtschaft". In Wirklichkeit war die Kasse freisinnig geleitet. 9. Annahme der Wahlrechtsraub- Vorlage in Lübeck. DaS Wahlalter beträgt statt 21 jetzt 25 Jahre. Die Wähler unter 1000 Mark Einkommen wählen 15 Abgeordnete, die besser Situierten 105. September. 1. Das Organ der„Christlichen", der„Holzarbeiter", fordert tüchtige Schreiner und Maschinenarbeitcr nach Köln zur Streikbruch- arbeit. 15. Die fteisinnige Stadtverordnetenmehrheit in Breslau stimmt einen sozialdemokrati>chen Antrag auf Aufhebung der städtischen Schlachtsteuer nieder. Eingegangene Druckschriften. Von der„Neuen Zeit-(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben da? 2. Hcst deS 24. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Jena. Mannheim, Wiesbaden.— Die Legende vom neuen Mittelstand. Von F. van der GoeS.(Schills!.)— Die erste� Epoche der russischen Revolution. Von L. Martoff.(Schlusj.)— Die Stichwahl in Essen. Von W. Düwell.— Oberschlesischc Schulverhältnisse. Von Ludwig Radlos.— Literarische Rundschau: Alexander Ular, Die russische Revolution. Von Leo Deutsch. Dr. jur. Richard Freund. Die Vereinheitlichung der Arbeiterversichcrung. Von Gustav Hoch.— Notizen: Die Wahrheit über die„Wahrheit"(»l-rarvstir"). Bon Veras. Die llnsallgesahr bei Gärtnerei, Landwirtschast und Forstwirtschaft. Von rts. Die„Neue Zeil" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Posianstaltcu und Kolporteure zum Preise von 3,2S M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hcst kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Vom„Süddeutschen Postillou- erschien die Nr. 21, deren farbenreiches Titelblatt uns nach Oesterrich führt. Ein Reibe von Bildern mit köstlicheni Text zeigt den herrlichen liberalen Wahlersolg in Bayern. Bertas Friedens- iverkzcugc sind auf nächster Seite im schönen Himmelsblau zu bewundern. In beängstigender Schwüle malt auf letzter Seite der Künstler die gelbe Gefahr, wie sie in Wahrheit aussieht. Aus den Liedern und Erzählungen des unverwüstlichen Postillon heben wir hervor: Deutsche Kultur in Afrika. — Die Mär von der Fleischnot.— Das unterirdische Berlin.— Die Strafe des Himmels.— Die betrübte» Zentrumsmannen— Die neue Friedens- konserenz im Haag.— Modernes strasienidyll. Noch andere Witze und Zeichnungen mehr erfreuen den Leser. Die Nummer kostet 10 Pf. und ist durch jede Parteibuchhandlung oder direkt vom Verlag M. Ernst, München zu beziehen. Jul. H. West. Technische Angestellte und ihre Erfindungen. Berlin 1905. Druck: Deutsches Druck- und BerlagShauS, G. m. b. H., SW. 68, Lindenslr. 26. Jul. H. West. Richtige Selbstkostenberechnung in abrikbet rieben. Berlin 1905. Druck: Deutscher Verlag, G. m. b. H. erlin 81V., Köliiggrätzerslr. 41/42. »Jung Teutschland zur See" vom Deutschen Flottcn-Vcrein heraus- gegeben. 10 in Kunstdruck ausgeführte BUdcr unserer Kriegsschiffe. Preis SO Pf. Verlag, Berlin SW. 11, Königgrätzerstr. 41/42. Entstehung und Verhütung der körperliche» Mißgestalt(Ent- stehung des runden Rückens, der Wirbelsäulenverkrümmung, der hohen Hüfte, der hohen Schulter, der X- und 0-Beine, des Plattsutzes ic.) Prof. Dr. F. Lange und Dr. I. Trumpp(Universität München). 120 Seiten Text mit 126 Abbildungen, darunter 3 Tafeln. Brosch. 1,60 M. In Lcinw. geb. 2.— M.(Bibliothek der Gesundbeitspfiege Bd. 14.) MtobusOA Hülineraugenmittel von Or. H. Unger-Sürzlmrg.— 20 Pf. In Herl in: Solomon-Apotheke, Charlottenstratze, Greif-Apotheke, Barnimstr. 33. In 36121,« Victoria.Apotheke,Friedr.Wilhcmstr.43 iuiiiil» und Slniiitlilnndem von Köder! Klefer,. nur Wnrjunueu-Strusjt 2. Vereins-Kränze, Palmen->>. Blumen- Arrangements, Buketts. Gnirlandcn. � usw. werden sein». preiswert geliefert. Zsnknsis-Ääder krennabor-�Ääer lellradlung l 5vel ladrs«srslltte! 8o!igl-ll3l!öi m 65 Sozial-Luxus-, FrAlauf. M. 100.-, Gebrauchte Räder billig! Bitte genau auf Hausnummer„A3" zu achten. 23. R. Groskurth, m c, Miinzstr. 23. 2. Wahlkreis. Äußerordentliehe General Yersammlung am Dienstag, den IO. Oktober, abends Uhr, in Kabels Srauerei-Husschank, Bergmannstraße 5/7. Tagesordnung: 1. Die djesjiihttgtll StlldtverordNktkWahlkU(für den zweiten KretS stehen zur Wahl der 3., 6., 7. Kommimalbeziry. Referent: DF, AlfF. fiBFUStdU. 2. Disrussio«. 3. Aufstell lmg der Kandldateu. 239/4 Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet vor VorstnnS. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reiehstags-Wahikreis. Dienstag» den 10. Oktober, abends 8Va Uhr, in den Germania-Festsälen, Chaussecstrabe 193: AHerordentliehe Reneral-Versatnndung. TageS-Ordnung: Die bevorsteheitden Komnumalwahlen. Referent: Stadtb. Genosse l,v«» 1. Diskussion. 3. Ausstellung der Kandidaten sür die Stadtbezirke 33, 38, 49 und 46.— Zahlreichen Besuch erwartet_[269)3*] Der Vorstand. Zur Beaehtung für die Berliner Meitersehaft! Seit fünf Wochen stehen die Arbeiter und Arbeiterinnen der Licguitzer Hutfabrik vormals Klein«. Co., G. m. b. H» im Streik, um eine Lohnkürzung bis zu 59 Prozent abzuwehren. Die Firma verkauft ihre Pro- dukte M eigenen Verkaussjtellen und befinden sich ihre Läder in Berlw: 294/6* Mlsnackerst�aße 63, Ritterstraße 19 a, Friedrichstraße 250, Große Frankfurter straße 94. Die Finna rechnet besonders mit der Arbciterkundschast. Die Streikenden appellieren an daS SolidaritätS- gesühl der Bertwer Arbeiterschaft und erwarten, das, sie nicht eine Firma unterstützt, die wöchentliche Durchschnitts- löhne von 6 Mark für Arbeiterinnen und 12—16 Dtark sür Arbeiter bis zu 59 Prozent herabdrücken will. Der Zentralvereiu für ßutarbeiter und Arbeiterinnen. Filiale Berlin. Spar- und Produktiv- Genossenschaft Berlin-Rixdorf. ein.y.iDiii|,. Freitag, den 20. Oktober, abends 8 Uhr, in Berlin, Gewertichaftshans, Engel.User 15: General- Versammlung. Tages-Ordnung: Vorlegung und Genehmigung der Schlustbilan z.»> Der ilafHielitsrat. Die Liionidatoren. Fr. Schulze. L. Breslauer. H.Kunze. C. Gehrmann. ») Die Schlußbilanz liegt im Kontor, Rixdors, Zictenstraße 54, zur Einsicht. Nur Mitgliedsbuch legitimiert, 23606 Arbeilmkrtreter-Uereill Sellin. Donnerstag, 12, Oktober, abends 8>/, Uhr, im GewerkschaftShause, Engel-User 10: AuJSerordenilietie Generalversatumlung. TageS-Ordnung: Fortsetzung der Diskussion vom 7. September d. I., eventuell Beschluß saffung über das Weiterbestehen des Vereins und Neuwahl des Vorstandes und der Revisoren.' 53/1 l ES ist unbedingt Ehrenpflicht eineS jeden Kollegen, auch in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Möi'teitoplBZetrcediilt „PARADIES" zu Berlin. Eingetragene Genossenschaft mit be- schränkter Haftpflicht. Nachtrags-Bckanntmachung zur Bilanz per 31. März 1905. Das Geschäftsguthaben der Ge- nassen vermehrte sich im Lause des Geschästsjahres um 3522,99 Mark. Der Vorstand. H. Schlettler, Vorsitzender. G. Oerner. P. Stempel. Deutsciier Holzarbeiter-Verband. Bezirks-Yerlrauensmanner-Yersammlang d» Möbelbranche m MMisf, Gesniiiiiiriiiiiitii unb llloabit am Donnerstag, den 12. Oktober er., abends S'/i Uhr, im Lokale des Herrn Bilbrodt, Miillerstr. 7. Tages-Ordnung: I. Bericht der Kommission und der Vertrauensleute. 2. Verbands, und Wertstattangelegenhciten. 3. BerschtcdencS. 94/8 Die DrtGverrraitnnx. Achtung k Achtung! ShMeitern.-Arbeiterinnen! Mittwoch, den 11. Oktober, abends 8 Uhr: Oeffeutliche Uersammlimg im„P!erveril»ellakt!sl>an«e", Engel-Ufer 15(Saal I). Tages-Ordnung: 1. Die Slntworten der Fabrikanten auf unsere Forderungen. 2. Diskusston. 25/1 l Wir erwarten, daß s ämtl ich e Kollegen und Kolleginnen zu dieser Verjammltmg erscheinen. Niemand darf fehlen: Die I,ol>niton>nii»«ion. Die Möbel-Fabrik Möbel-Halle KaßÄE Moritzplatz 59. Nicht zu vergleichen mit Abzahlungs-GeschSften welche auch Konfektion führen. 439CL* Sxtra- Abteilung verlieben gewesener � Möbeln wöchentliche oder monatliche Teilzahlung gestaltet! Kein Abzahlungs-Warenhaus, sondern nur Spezial-Möbcl-Qcschäff. Hardes yereins-§äle. Neue Kv:iigstras«e 7. Fahrverbindungen nach allen Stadt- teilen. Empfehle meine Säle sür Per- sammlungen, Gewerkschaftssitzungen und sür Vereinssestlich keilen. Kulante Bedienung. ildolf Hardc.• von 44552* A, SchulZ, 5 Reichenbergerstf. 5 empfiehlt Wohniinas-Eiiirichtunge» von 240-19 999 M. in nur anerkannt gediegener Ausführung in jeder Holz, und Stilart sowie auch Polsterware» eigener Fabrikation zu äußerst billigen Preisen. Streng reell« und gcwissenhaste Be. dicnung. Kulanteste Zahlungsbedingungen. Tel. Amt IV 6877. 5 teppdeeken Gelegenheitskauf! 2® Ersatz f. Deckbett in den Farben rot, blau, oliv JläjjlS {j?5JSH SehlÄ'enFPä58 SS" Eli öranienstraße 158.%rUn I. Wahlkreis! —= Erster Kornmunalwablbczivb.= Dienstag, den 10. Oktober, abends 8V2 Uhr, bei Miegek, Stralauerstrahe 87: ÜOMMMAlWMsr-VkrZMWlNg. Tages-Ordnung: 1. Die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen. Referent: Stadtverordneter H. Dorgmann. 2. Diskussion. 3. Ausstellung eines Kandidaten. 236/19 Zahlreichen Besuch erwarten___ Die Vertrauensleute. Vierter Wahlbreis Sud-Ost. 15. Kommunalbezirk. Am Dienstag, den 10. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokal•Siid-Ost, Waldemarstr. 75: Kommwialmähler- Vers ammlnng. Tages. Ordnung: 262/2« 1. Vortrag des Stadtverordneten llernbard llruns. 2. Aufstellung eines Kandidaten. 3. Wahl eines Wahlkomitccs. Recht zahlreichen Besuch erwarten_ Die Vcrtrancnslente. 41. Wahlkreis(Ost). Dienstag, den 10. Oktober, abends 8 Uhr: Zlvki Kommilnliviihlet-Vnslimiillnngkn in der vrauerel ftiediiehZhaln, Referent: Stadtv. Heimann und in der Älhanihra, Wallnertheaterstr. 15, Referent: Stadtv. Fritz Wilke. Tages-Ordnung: 1. Die bevorstehende Stadtverordnetenwahl. 2. DiSlussion. 3. Ausstellung von Kandidaten. 4. Wahl ctueS Komitees. Da die Kommunalverwaltung in Berlin von tief einschneidender Bedeutung ist, erwarten zahlreichen Besuch 262/3* Dl«'Vvrtran«n!,l«ntv. Kommunalwähler des 16. und 19. Wahlbezirks! Dienstag, den 10. Ottober, abends S'/s Uhr, i«„Dresdener Kasino", Dresdeiierstraße 96: Versammlung Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Zadek:.Die bevorstehenden Stadtverordneten. Wahlen. 2. Diskussion. 3. Vorschläge cvent. Ausstellung von Kandidaten. 241/3 Um zahlreiches Erscheinen ersucht 241/3* Das Komitee. 30. Kommunal-Wahlbezirk. (5. und 6. Wahlbreis.) Dienstag, den 19. Oktober, abends 8 Uhr, bei L e yd eck er, Sophienstraße 34: W ähler= Versammlung:. Tages-Ordnung: 1. Die Berliner Kommune«nd die Sozialdemokratie. Referent: Stodtverordneter Genosse Df. Karl Liebknecht. 2. Diskussion. 3. Ausstellung eineS Kandidaten sür den 39. Bezirk. 4. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch bittet 245/29* Da» Komitee. Sechs populäre Volks-Vorträge frei nach Ern.t Httckcl(jedesmal derselbe Vortrag) über vis Abstammung des Menschen mit 40 künstlerischen Siehfölldem gehalten von Herrn ,A.ug:ust Kahl s Jena. aep. ihm mit dem Priidikat voetrervieii belegt worden. Zutritt für jedermann. Lntree nur 20?f. Die Vorträge finden statt abends Punkt 0 Uhr und zwar:«2/2* Donnerstag, de» 19. Oktober, bei Keller fGroßer Saal), Koppenstr. 39. Freitag, de» Z9. Oktober, bei Ballschmicder, Oesundbruilne«. Sonnabend, de» 31. Oktober l~ofare h,cr�ert noch Bekannt gegeben. Saalbesiker, � on mli l welche diese Tage noch frei haben, mögen sich bei Sonntag, den 33. Oktober I de» Unterzeichneten melden. Montag, den 33. Oktober, im Volkshaus, Charlottenbnrg. Dienstag, den 34. Oktober, im Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 13. ÜflT Es finden nur diese sechs Vorträge statt."MW Ter ein. vorstünde werden irans beaonder« auf diese V orträge anfmcrksain gemacht. Billetts im Vorverkauf an den Billettstelleu der Ztzreireligiösen Gemeinde und bei ,1. Hoff- mann, Blumenstr. 14 1, W. Mohs, Dilfiterstr. 79 II und B. Schrüdcr. Passauerstr. 3, Laden. Gegen Einsendung des Betrages nebst Porto auch brieflich. Rauchet RlSt s ISIS beste 2-Pfennig-Zigarette Eist 4 Co., München. aas der Fabrik 4169L* Arbeiter vBildungs-Sehule. Oewerks chaftshaus, Engel-Uter IS. Sehrplan für das Quartal 1905. 9Iontag: Max Gmnwald, Nationalökonomie. Tatsachen der Weltwirtschaft. 1. Produktion der wichtigsten Nahrun gs» und Genuß tnj ttel und der wichtigsten Bohstoffe der Industrie: Getreide, Vieli, Pleisoli, Zucker, Kaffee, Tabak, Bier; Kohle, Bisen, Baumwolle, Wolle.— 2. Handel und Verkehr: internationale Handelsbilainsen, Geldverkehr, Post. Eisenbahnen, Sohiöahrt.— 3. Konsum tion der wichtigsten Nahrungs- und Genußmittel. Dienstag: M. H. Bi.ege, Naturerkenntnis. Urgeschichte der Menschheit. Hie Stellung des Menschen in der Natur und seine Abhängn;keit von derselben— Alter und Urzustand des Menschengesch lechts— die Grundlagen der Kultur — Naturvölker und Kulturv ölker— Anfänge der Geseilsohft— Anfänge des Staates— D ia Entstehung des Sittengesetzes— Anfänge und erste Formen> ler menschlichen Wirtschaft— Die Bprache, Kunst, Keligion,_______ nlttwoch: Max Maure pbrecher, Geschichte. Deutsche Politik im neunzehnte) i Jahrhundert. 1. Der Ertrag der Napoleonischen Zeit.(1815).-- 2. Keimender Liberalismus und blühende Reaktion.(1815—1840).— 3. Ein demokratischer Versuch.(1840—1850).— 4. Reakt ion und Konflikt.(1860—1864).— 5. Die dynastische Revolution.(1864— 1871).— 6. Kulturkampf und Sozialistengesotz.(1871— J880).— 7. Sozialreform und Kolonialpolitik.(1880—1890).—.8. Ein Versuch mit dem Liberalismus TOaprivi].(1890—1894).— 9. Anläufe der Reaktion [Hohenlohe].(1894—1899).— 10. Grundsätzliche Qrundsatzlosig« keit[Bülow].(1899—1905).*) Donnenstag: Simon Katzen stein. Gesetzesknnde. Gemeindeverwaltung und Gemeindei'olitik(1. Teil). 1. Sozialer und rechtlicher Charakter der Gememde, Staatsgewalt und Selbstverwaltung.— 2. Die Entwickeln ng der Gemeinde. Die alte Markgenossenschaft. Entstehung der Stadt. Städtewesen im Mittelalter. Niedergang des Städtswesens. Neuer Aufschwung. Moderne Qroßstadtentwiokelung.— 3. Dio Rechtstellung der heutigen Gemeinde. Abhängigkeit uom Staate. Klassenherrschaft im Innern. 4. Die Organisation der Gemeindeverwaltung. Behörden und Bürgervertretung. 5. Die Gemeinde als Staatsorgan. Selbstverwaltung. Soziale A nfgaben. 6. Der Boden als Träger des Gemeindelehens. Grundrente. Dozentrolisations- bestrebnngen. 7. Wohnungsnot uml Wohnungsieform. 8. Gesundheitswesen. Körperpflege. 9. Kinderfürsorge. Donnerstag:: Max Mauronbreclier, Redeübungfü Fortgeschrittene. Uebungen im Disponieren und Halten von Vorträgen. Teilnehmer- zahl beschränkt. Bevorzugt werden Funktionäre von Grgani estionen. Freitag:; Max Maurenhreoher, Rednersohule. Uebungen im Halten von Vorträgen und in der Diskussionsrede. Freitag: i Max Grunwala, Forts c h ritts-Kursus in Nationalökonomie. Finanzwissenschaftliche Uebungen. Die Finanzen des Reiches und der Bundesstaaten. Die inmrekten Steuern. Die Reichefinanz' refonn. Der Unterricht beginnt in MatlonalOkonomlo Montag, den 16. Oktober; Natnr-jErkenntnJ» Dienstag, den 17. Oktober OeBchlclite Mittwoch, den 18. Oktober; Geaetseakande unc Rede-IJebang für Fortgeschrittene Donnerstag, den 19. Oktober; Reduerachnle nndFortschrittaknran« mXatlonal- dkonomle Freitag, den 20. Oktober. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um 9 Uhr und endet pünktlich um ViH Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8 bis 9 Uhr geöffnet. Der Sld für jedes )end zu zahien. Der erste Abend jedes Kursus steht jedermann zum unentgeltlichen Besuche frei. Für die beiden Fortschrittskiirse wird ein Schulgeld von 2 M. pro Kursus erhoben. 5/3* Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Gewerkacnaftshans, Engel- Ufer 15. Hot links L Tr., und in nachstehenden Zahlstellen: Gottflr. Schulz, Admiralstraße 40a; Real, Barnim- straße 42; Togel, Demminerstraße 32; Kranse, Müllerstraße 7a Borsch, Engel-Ufer 15. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann EammS, Berlin S. 59, Freiligrathstraße 3, 1. Querg. IV, Geldsendungen an den Kassierer R. Königs, Berlin 8. 59, Hasen- Steide 5B, zu senden. Der Torstand. *) Im 1. und 2. Quartal 1906 werden behandelt werden: D,:e Geschichte der bürgerlichen Parteien und die Geschichte der Sozialdemokratie in Deutschland. Dieser erste Kursus soll dazu die(ifnmdlage legen. Was in ihm gelehrt wird, wird in den beiden nächsten Kursen als bekannt vorausgesetzt werden. SMlMe Meiiea!ür fiel Mst h. lief iräH. M.ScliulMsler Schneidermslsfer Berlin SO., ITÄ am Kottbuser Cor. Spezial= Raus feiner Herren- und Rnaben-I Garderobe fertig und nach Maß. geöffnet. Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichts- jedes Fach beträgt pro Kursus 1 Mark und ist am zweiten □ □ □ □ □ Konkursmassen-iusYerkauf □ Die zur W. Davldowitzflchen Konknraniaaae gehörigen Läger in: 4660L* Uhren-, Gold- und Silbenearen werden täglich von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 8 Uhr zu billigen Taxpreisen ausverkauft Wir verkaufen: □ Goldene Ringe. von 30 Pf. an Herren-Tasebefliiiirenv. OH. aJ □ fiiekel-Ketten. von«Pf. an| Brosehen, iadeln von 50 Pf. an Ä S Damen-Ölirketten von75PI.an Kmf Ä (Fächerketten) uOlO. UHIüeniltlPen v. 10,50 H. Wecker.. von IM an Gold. HerrenDtiren von! usw., all« Waren zur Hälfte der früher ausgezeichneten Preise. □Verkauf nur Gertraudtenstr. 24 im Laden. □ Elegante Winler-Paleiols von Z Jackett-Anzüge. 17 5 Rock-Anzüge. 26- Gehrock-Anzüge, 32 5 Loden-Joppen, 6 Berufskleidung für alle Gewerke. Nur eigene Konfektion. 50 iinck Gustav lustig s f'OmpmM (gesetzlich geschützt) Kenner rauchen Zenilh Zigaretten. 254/8* Bestes ,. deutsches Är Fabrikat Uebcrall erhältlich. Damen-Psileiof«. giften günstige Gelegenheit zu billigem Einkauf! Schicke Paletot«, neueste Fasten» in schwarz ESkimc u. Ecoer-Toat. aus Selbenfuttcr 7, 8, 9, 12—46 M. Reueste Havelock« und Cape« 7, 9, 11—25 M. Herbat-Kosttime, jefet 9,11. 15—58 M. Kinder- nnd Backfl«ch-Paletots 5. 6. 8» 12—16 M. Ein großer Posten Pel«-8tola« enorm billig I Täglich bis abends 9 Uhr, Sonntags bis 2 Uhr geöffnet. «einrieb Rackwitz, Niederwallstr. 30 A, Part., Ecke Kreuzstraße(Nähe Sbittelmarkt).— Abonnenten d..Vorm.- erhalt. 5*/„ Rabatt. «sß«««ostümstosse, ßdänteistosse, LSvH»».Astrsclian Konfektion: Jacketts t Röcke ♦ Blusen C« Kottbuserstraße 4. Beste deutsche Fabrikate Ueberau cv haben. Die fojinfen Verhältnisse, nicht die Unfähigkeit der Mütter zu stillen, find sehr oft der Grund, wenn die Kinder nicht mit Muttermilch ernährt werden. Ein sehr guter Ersatz derselben ist KufekeS Kindermehl mit oder ohne Kuhmilch, da eS die in der Muttermilch vor« handenen Nährstoffe im richtigen Verhältnis enthält, von den Kindern seines Wohlgeschmackes wegen gern ge» nommen wird, leicht zuzubereiten, im Gebrauch sehr ausgiebig und daher billig ist. stets gleichförmig her« gestellt wird und nicht verdirbt. 1.& P. Uder, eZlunr'l. Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake. II; Nordhäuser Kautabak stets frisch zu billigsten Engros-Preison. 4465 L* Amt 4. 8014. das Pfund 2.85 Mark. Die BMdttMrik mit elektrischem Betriebe Gustav Lustig Berlin S.9 Prinzenstr. 45 n. 46, führt nnr Bettfedern in O.SS. 1,00, 1,25, 1,50, 1,75. 2,00, 2,25. 2,50. 3,00, 3,50 btS 5,00 Mk. per Psd. Daunen 'a'AÄ'--' Fertige Betten, brftehend a»S Qberbett, Unterbett. 8 Kissen. 1% 15, 19, 28. 25. 28. 86. 43, 51,«O, 75. 90 bis 105 m, § Bettinlets tah andere Bettartlkel« Grösstes Spezial- Gesehäft Deutsehlands. Umsatz tm Jahre 1904: veden 20vv vtr. Briisedera und Daunen— elwa 800«tr. mehr alS in Jahre 1903— voa feinem anderen Seiten« und Bett federn» Geschält annähernd erreicht. KS kM NikMlil BtttN>. BkWtkl billiger siitt btjstt liesnii als die Mm Klislsv iuslix, 1« tvett die Airma sich««r mit dem Artikel Bette« und Bettfeder« befatzt» St, weil kein zweites Geschäft» das Bette««u'a Bettfeder» führt, i« 1 Jahre'4000 Ceutuer Bettfeder« und Daunen umsetzt. A. weil die Firma QualiL von erste» Jmportenre«, vo« erste» rusfischeu» öfter- reichischea»nd inländische« Sammler« und vo« Geflügel mäster« kauft nnd 4» Rohwaren i« 1 eip« BMniflbeif derarbritet. Sandte. Siedatteur: Paul Büttner. Berlin. Jür dm Snftratenteil oerantw.. Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: vorwärtü Bucydruckerei u. Berlagsänstalt Paul Singer& So.. Berlin SW. Nr. 237. 22. Jahrgang. 3. gtilnflf ilcs.Mwiirts" Ittlintt JolWIntl Dienstag, 10. Oktober 1905. Zwölfte Generalversammlnng des Tabakarbeiter- Derbandes. Donnerstagvormittags-Sitzung. Die Verhandlungen schreiten weiter zu Punkt 4:»Die Heimarbeit in der deutschen Tabakindustrie Referent Börner- Berlin: Die Heimarbeit in der Tabakindustrie hat schon die meisten Verbandstage beschäftigt. Daß sich die Regierung nicht um die Frage kümmert, zeigt das Fehlen jedes amtlichen statrstischen Materials. Das beweist, das; die Tabakarbeiter sich auch politisch betätigen müssen. Die Tabakarbeiter müssen daher auch für das nötige Material sorgen. Schon der Erfurter Kongreß habe eine entsprechende Resolution angenommen, die ein völliges gesetzliches Verbot der Heimarbeit verlangen event. die Unterstcllimg der Heim- arbeit unter die Bundesratsverordnungen und die Fabrilinspeltoren. Die Regierung hat daraufhin nichts getan. Die Tabakarbciter müssen trotzdem weiter fordern. Auch die Schutzmarke war ein Mittel, da sie den Fabrikanten, die mir Hausindustrie arbeiten, nicht verliehen wurde. Aber die Arbeiterschaft war für die Schutzmarke nicht hinreichend zu interessieren, es fehlte die Solidantät. 18g3 auf denr Berliner Kongreß wurde ebenfalls eine Resolution angenommen, die auf die Schäden der Hausarbeit hin- wies und völliges gesetzliches Gebot forderte. Auch diese Resolution fand nicht das Ohr der Regierung. Die Bundesratsverordnung von 1833 war durchaus wirkungslos. Die Fabrikanten über- trugen die ihnen zufallenden Lasten einfach auf andere Schultern. Zum Hennarbeiterschutz-Kongreß von 1S<)4 haben die Hamburger und Berliner Kollegen ein Material bei- gebracht, das trotz der Mangelhaftigkeit— die Heimarbeiter selbst halten mit ihrem Elend aus Furcht hinter dem Berge— ein er- schreckliches Bild ergab. Verdienste von 6 M. für Einzelarbeiter. 10, 12 M. für Ehepaare: dabei eine Arbeitszeit bis zu K7Vz Stunden pro Woche und höher; dazu die schlimmsten Wohnungsvcrhältnisse. Noch schlimmer sieht eS in der Zigarettenbranche aus. Hier waren die Auskünfte noch zurückhaltender. Fälle wurden ver- zeichnet, wo in einer Stube gearbeitet, geschlafen und gekocht wurde. Treffliches Material tragen auch gegenwärtig die Bremer Kollegen im„Tabakarbeiter" zusammen, die auch die Kinderarbeit berücksichtigen. Danach werden 19S Kinder bis herab zu sechs Jahren von den eigenen Eltern mit beschäftigt, trotz aller Verbote. Bei solchen Verhältnissen müssen die organisierten Tabakarbciter ein- greifen, schon wegen der Schinutzkonkurrenz der Heimarbeit in bezug auf die Löhne. Der Heimarbeiterschutz- Kongreß zeigte. daß auch die Wissenschast die Heimarbeit, vor allem vom hygienischen Standpuntte aüö. verurteilt. Die Sozialreformer werden sich bei ihrem Kampfe vor allem an die Konsumenten, die durch die Produkte der Heimarbeit gefährdet werden, besonders bei Tabak fabrikaten. Der Vorwurf, daß die Arbeiter im Kampfe gegen die Heimarbeit sich mit den Bürgerlichen zusammengetan haben, ist ungerechtfertigt, man muß das Gute nehmen, woher es immer kommt. Auf dem Heimarbeiterschutz- Kongreß wurde eine Resolution angenommen, die aber leider dasvöllige Ver bot der Heimarbeit nicht enthielt. Daher haben die auf dem Kongreß vertretenen Tabakarbeiter eine dahingehende ergänzende Er klärung abgegeben. Eine weitere Resolutton erwartet von den Konsumveremen eine Bekämpfung der Heimarbeit dadurch, daß sie keine Tabakfabrikate aus der Hausarbeit beziehen. Hier haben die Tabakarbeiter noch viel Aufklärungsarbeit zu ttm. Auf dem inter- nationalen Taka'arbeiterkonareß von 1S04 in Amsterdam hat die deutsche Delegation eine Resolution eingebracht, die daS gesetzliche Verbot der Heimarbeit fordert; sie wurde angenommen. Redner empfiehlt der Generalversammlung, der Resolution des Kölner Gewerkschaftskongresses und den Resoluttonen von Erfurt, Berlin und Amsterdam zuzustimmen. Von der Regierung und den herrschenden Klassen sei nicht viel zu erwarten, trotzdem müsse e« immer wieder versucht werden, aber ebenso sehr müsse die Auf klärung in die Reihen der eigenen Kampf- und Massengenossen ge> tragen werden. U h l i a- Dresden: Dieser Punkt sei der wichttgste der Tages- ordnung. denn die Hausarbeit sei der Ruin der Tabakindustrie. Es müssen bestimmte Vorschläge gemacht werden, um von der Regierung zu fordern, daß durch gesetzliche Maßnahmen die Pro- dukte der Hausarbeit äußerlich, vielleicht durch Ettquetten, als solche gekennzeichnet werden. In der Zigarettenbranche ist die Hausarbeit eine ungeheuer gefährliche Konkurrentin der Fabrikarbeit. Ein wich- tigeS Kanipfinittcl wäre eine gut angelegte Statistik, auch die Presse könnte viel Einfluß ausüben. L e h m a n n- Wernigerode: Vor allem müssen die Heimarbeiter selbst über die Schäden der Heimarbeit aufgeklärt werden. Redner schildert dann die Verbälnisse in der Leipziger Heimarbeit. Von den 1000-�1200 für Leipziger Firmen tätigen Tabakarbeitern sind nicht viel mehr als 100 in Fabriken tättg, Löhne bis herab zu 8 M. pro Woche für männliche Arbeiter kommen vor, die größere Hälfte verdient unter 12 M., die weiblichen verdienten bis herab 4— 5 M., Höchstlöhne waren 12—14 M., Durchschnittslohn 7 M., alles in der Heimarbeit, während bei den Fabrik arbeitem in Leipzig ein Durchschnittslohn von IS M. gezahlt wird. Der größte Teil der Heimarbeiter sind über 13 Stunden tättg. Die Kinderarbeit, 3— 7 Stunden pro Tag. ist sehr ausgebreitet. Auch das Pcämicnsystem schädigt die Löhne. Bon jedem Tausend werden SO Pf. einbehalten und nur ausgezahlt. wenn der� Arbeiter mit seinem Tabak auskommt; ans diese Weise büßte eine Frau für ein fehlendes Pfund Tabak 75 M. ein. Frau Behnert: Beim Dresdener Kampfe konnte man Be obachwngen machen, welche Zustände bei den zu Hause arbeitenden Zigarettenarbeiterinnen herrschen. Wenn das die Konsumenten wüßten, sie würden sich hüten, noch jemals ein solches Fabrikat in den Mund zu nehmen. Schmidt- Schwedt: Zuerst haben die Kollegen in den Groß städten die Heimarbeit zu bekämpfen. Der Kölner Gewerkschafts kongreß hat mit seiner Resolution nur halbe Arbeit getan. Alle Kollegen, die ihre Fabrikarbeit heimlich niederlegen, um Haus arbeit zu verrichten, müssen aus dem Verbände gestrichen werden. G r ä b n e r- Hanau: Die Regierungen sind ohnmächtig gegen den Kapitalismus, wir müssen unsere Geschicke selbst in die Hand nehmen. daS haben ihm seine Ersahrungen bei den Beratungen im Reichsamt des Innern im Jahre 1901 bewiesen. Sogar sjigarrenarbeiter haben dort erklärt, unter der Eimvirkung ihrer brikanten. daß die Heimarbeit unschädlich sei.(Psuirufe.) Niendorf. Kiel: Wenn eS besser werden soll, dann muß man die Heimarbeiter ihre Lage mehr empfinden lassen. DaS Bedürfnis, ihre Lage zu verbessern, muß bei den Tabakarbeitern mehr ge- weckt werden. Die Resolution des Hcünarbeiterschutz-KongresseS wird prakttsche Erfolge nicht zeitigen, sie sei ein lahmer Kompromiß. Ein vorzügliches Mittel der Selbsthülfe sei die Gcnossenschaftsbe- wegung. Vielleicht könnte diese Frage einmal auf die Tages- ordnung einer der nächsten General-Versammluirgen gesetzt werden. Geher verspricht, daß der„Tabakarbeiter" sein Augenmerk aus die Heimarbeit richten werde. Aber die Kollegen müssen die Redaktton dabei unterstützen. Ueberhaupt muß in diesem Kampfe mehr geschehen als bisher. Die Regierung wird von den Unternehmern beeinflußt, nichts in der Heimarbeitstage zu unternehnren, deshalb ist von den für 190S von der Regierung versprochenen Er- folg«» der von Gräbner erwähnten Reichsenquete von 1901 nichts zu spüren. Angeblich beabsichttgt die Regierung eine Be- schränkung der Heimarbeit; die Tabakarbeiter sind damit nicht zustieden, weil sie wissen, daß diese Beschränkungen doch durch- krochen werden. Deshalb sei die völlige Veseittgung nötig. Die Erklärung der Tabakarbeiter-Deleglerten zu der Re- solutton des Heimarbeiterschutz-KongresseS war der einzige Ausweg, dort den entschiedenen Willen der TabakarbeUer zur Beieitigung der Heimarbeit zum Ausdruck zu bringen. Wenn ein Entwurf auf Beschränkung der Heimarbeit dem Relchstag vor- gelegt werden sollte, werde es seiner Ansicht nach die sozial- demokrattsche Fraktton ebenso machen; sie wird ihren prinzipiellen Standptinkt zum Ausdruck bringen, aber, wenn nichts anderes zu erreichen ist, für den Entivurf stimmen. Müller- Berlin geht auf die Verhältnisse in der Berliner Zigarettenindustrie ein, Ivo die in der Fabrik arbeitenden Kollegen vom Unternehmer selbst Hausarbeit für den Abend verlangen. Auf dem Wege der Sclbsthülfe ist hier allerdings vom Verbände, zum Teil gegen den Willen der Mitglieder, eme Besserung erreicht worden. Mittagspause. DonnerStagnachmittag-Sitzung. u r g o l d- Braunschweig: Das wenigste, tvas wir heute schon von der Regierung oerlangen können, ist die Unterstellung unter die Gewerbe-Fnspettion; das wäre besonders nötig für die Harzer und die Gegend des Eichsfeldes. Claßen-Bielefeld: Auch in Westfalen herrschen in der Hausindustrie erschreckende Zustände; leider war es bis jetzt nicht möglich, statisttsches Material zu beschaffen. Die Heimarbeiter aus dem Verbände auszuschließen, gehe nicht, da viele Kollegen gern in den Fabriken arbeiten würden, wenn die Fabrikanten nur wollten. Auf die Konsumvereine müsse mehr eingewirkt werden. Der Vorstand müsse sich an den Verbandslag der Konsumvereine wenden. W e h r u m- Verden: Die Heimarbeiter gestatten einen Einblick in ihre Verhältnisse nicht, weil sie sich ihrer tiefen sozialen Lage schämen. In der Verdener Gegend sind die Kollegen, selbst die organisierten, Anhänger der Heimarbeit, weil sie meinen, sie könnten dabei ihre Arbeitskraft besser ausnützen. Sie vergessen dabei, daß sie sich aber auch viel schneller völlig ausgeben. Hartmann- Delitzsch: In Delitzsch hat sich die Heimarbeit immer mehr ausgebreitet. Wer einmal in die Heimarbeit hineiw- gekommen ist, der ist für die Fabrik verloren, weil er sich bei der Heimarbeit freier fühlt. Am schlimmsten sind bei der Heimarbeit die Wohnungsverhälttrisse. Als der Generalinspcktor von Halle einmal die Wohnungen der Delitzscher Heimarbeiter besucht hatte, erNärteoimei*Ntag geben wir Doppelte Anzahl Ilabatt=Mafken. In den oberen Räumen nachmittags: Ktttlsiler'Kottze rt.. 46 4i Hygienische Beflinsanwei.!>ivuo>t. Katalog I. Empfehl. viel Aerzte«.Prof. g�rat- uÄ. H. ünger, Gummi wai enlabrik Berlin NW.. Prieäricd»:rasse 01/83. Stuhiflecht- rohr i« vorzll«licher Qualität. Studll'olirlsgo' HViiII»tn. lk.* Dr. Simmet, � SpeziolnvAl für 29/14* Hunt- und llui-nlcidcn. 10—2.5—7. goimtnn« 10-12, 2—4 ssma Dr. Sehünemann, Spczial'ZIrzt füv[41022* 17 xi Iii- u Ii<1 17 ii i'n I«1 1«Ion, rfuiienki'ankheitcn, Seydelstp. g, dicht am Spiliclmarkt. Wochentags 8. Ich eröffne am heutigen Tage in der Simeonstr. 25 ein_ fßT Lokaä und bitte um gütigen Zuspruch. 23866* Paul Unnkel. Reinickendorf. Baustellen, vor» jügüih gelegen, mit gcnrlimigtcr Zrtchnuiig, u»t. günslge» Bcdingun- gen zu vcrk. Off. lT. 2 Expd. d. Bl. KSZWÄ ßleine Anzeigen. M uchstaben zählen doppelt. Mw �rtrir" si.rasse6 A irr**« /tir di* aächste Anzeigen �umnier werdet In den Annahmestellen für Berlin bis/ Uhr, für die V ordne bis i 2Vbr> in der hauptexpedition Linden Strasse 69 bis 6 Uhr angenommen \chste A werden jM 'erlin JsSSt M Verkäufe. GardinenhnnS GrobeFranksnrler. flvaBe 9, parterre. If Deckbett. Unterbett, Kissen mit glattrotem Inlett, zusammen 10,50, nur sPsandleihe) ülndreasslraffc 38.* Notrosa-geslreisleS Deckbett, Unter- bett, zwei Kiffen, 18,00, Andreas- straffe 38. 817K* PommerscheS Bauernbett, Deck- bett, Unterbett, zwei Kissen. 27,00. GroffcS Laken, Stückt, 00. Psandleihe t'lndrcasstraffe 33. Elektrische nach überall. 818K* Äcttenlagerei. Brautleute, Privat- Icute, AuSnahmepreise. Psandleihhaus, Weidenwcg neunzehn. f30* Brautbetten, Bettinlettc, Aus- stcucrwäsche spottbillig. Pfandleihhaus, Weidenwcg neunzehn. i30* tttardinenverkanf, Steppdecken, Tischdecken, Teppichvcrkaus. Psandlcih- Haus, Weidcnweg neunzehn. f30* Bckanntinachung. Spicgclocrkaus, Regulatoren, Freischwinacr, Taschen- uhren, Uhi ketten. Psandleihhaus, Weidcnlveg neunzehn. f30* (Sarderobcn, Verschiedenes, ver- fallcne Psändcr spottbillig. Psandleih- hauS, Wcidenweg neunzehn. f30* BcrmietnngSbett neun Mark, Möbelstücke, verkaust Psandleihhaus, Weidcnlveg neunzehn. f30* Teppiche! lsehlerhaste) in allen Gröben sür die Hätste des Werte? im Teppichlager Brünn, Hackescher Markt 4, Bahnhos Börse. 254/ j 2* Fahrräder. Teilzahlungen. Jn- »alideustraff« 148(Eingang Berg- slrnffc), Groffe Franksurtcrsttaffe 56, Sknlibcrslraffe 40. 889K* Zprechmaschinen, straffe 42. Prenzlauer- 888K* Gardinen, StoreS, Bettdecken, enorm billig. Reste 1 bis 3 Fenster Extracrmäffigung. Gardinen-Vcrsand- hauS Jerusalemerstraffe 11/12. 837K* LcihhauS Küstrinerplatz 7, billige Einkaussquelle sür Waren aller Art, groffcs Lager in Wäsche, Betten, Uhren, Goldsachen, Tepplche, Stepp- decken, Gardinen, Hosen, Anzüge:c.* Tteppdecke» billigst Fabrik Groffe Franksurterstraße 9, parterre. fl Herren- Garderobe nach Maff saubere Arbeit, groffeS Stofflager Paletot, Anzug 36 Mark an. Kaust beim Handwerker, lasset den Hand- wcrkcr verdienen. Teilzahlung gc- stattet. F. Dörge. DreSdeiierstraffe 109. Möbclgelegcnheit. Die in meinen drei groffen Speichern lagernden Waren müssen wegen Uebcrsüllung schnell geräumt werden. Es sind bc- sonders prachtvolle Schlaszimmer, Salonzinime r, eichene Herrenzimmer, Wohnzimmer, speiseziinmer, im ganzen, auch jedes Stück einzeln, spottbillige Büsette, Kleiderschränke, Wälcheschräiike, Salonschränke, Bücher- schränke, Anklcideschränke, Schreibtische 26,00 Waschtoilctten, Bettstellen, Aus- ziehtische, SäuIentrumcauS 30,00, PaneelsosaS, Salongarnituren, Pracht« volle Ruhebetten mit Chaiselongue- decke 22,50, Küchcnmöbcl, Zimmer- teppichc 8,00, extragroffe Salonlcppiche 18,00 an, reichZestickte llebergardinen, Diwandeckcn, Steppdecken, Gardine», Spachtelstorcs, Plüschlischdecken 5,00, Speisezimmer, eoalonkroncn, Pracht- lampcn, Wanduhren, salonbilder. Alles neue GelegenheitS- Verkäufe. Otto LidekeS Anhalter Bahnspcicher Möckernstrabe25, direkt Hochbahnstation Möckernbrücke. Ankaus ganzer Waren- lagcr, Konkursmassen, Wirtschastcn, Nachlässe und sonstige Gelegen- heilen.__ 802K* Möbelfuchende kaufen preiswerte Möbel unter Garantie in.der Möbel- sabrik Hirschowitz, Mariannenstraffe 7a. Besichtigung erbeten._ 801K* Pfandlethe, Orantenstraffe 177, Ecke Adalbcrtstraße, verkaust billig Uhren, Betten, Betttväsche, Steppdecken, Tcppiche. 847K* Abfall-(sehlerhaste) Teppiche in allen Gröffen zu Spottpreisen. Wciffen- bergs Teppichhaus, Groffe Frank- surterstraffe 125. 863K* Teppiche, Gardinen, Portieren, Diwandeckcn, Plüschttschdecken, Fell- vorlagen, Steppdecken, Möbelstoffe, Läuscrstoffe, spottbillige Räumungs- preise. Fabriflager Conrad Fischer, PotSdamerstraffc 100. 864K' Nähmaschinen, hohe Vergntigung, wer kaust oder nachlveist Ziingschisschen, Bobbin, Schnellnäher, Woche 1,00, Postkarte genügt. Köpnickcrstraffc 60/61, Groffe Fraiilsicrlerstraffe 43, Prcnz- lauerstraffe 59/60._+88* Taschcnsofas, auch gebrauchte, reell gearbeitet in eigener Werkstatt, sowie englische Bettstellen mit Matratzen spottbillig Stallschreiberstraffe 43. Kahlen. 24396 Beabsichtige, meine im besten Zustand befindliche Parzelle, Preis 1200 Mark bei 500 Mark Anzahlung, zu verknusen. Größe 70 Ruten, ein- gezäunt, 14 Obstbäume, Laube und Brunnen. Krause, Pankschloff, Zeper« nick, Stcttincrbahn._ 2448b Vercinözimmer sür 60 Personen, sür Wcrkstattsitzungen, Vereine, cm- pfiehit Wolff, Niederbarn imstraffe 3. AtteS Kleiderspind, Kommode, Ans. ziehtisch kaust Krugmann, Blumen- straffe 28. 2469b Schlesinger, Turin straffe 85, hat die besten Arbeitssaiben, weit, beguein. gut genäht, waschccpt._ 898K* Hochelegante Herrenanzüge und Paletot? ans seinstenMaffstosfen 25—40 Mark. Verlans Sonnabend und Sonn- tag. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. Keine Filialen. 918K' Steppdecken. Gelegenheitskauf. (Seidenkloth) statt 8 Mark durchweg 3,75. Posten hocheleganter Damen- jackettS, Paletots durchweg 8 Mark. Posten eleganter Kostümröcke. Julius Neumann, Bellc-Alliancesttaffe 105.* Malzkraftbicr, blutbildend, sür Blutarme, Brustkranke. Schwächliche, Gewichtszunahme, bessere Gesichts» sarbe, überraschend, 14 Flaschen 3 Mark,>/„ Tonne 3,50 exklusive. Nicht Flaschenzahl. Qualität ent- scheidet. Porter-Kellcrei Ringler. Bernauerstraffe 119. gl9K* Schleunigst verkaust Dame ver- schiedene Möbel, noch neu, Kleider- spind, Vertiko, Spiegel 5, elegante Garnitur 65, Plüschsosa 45. Stühle. Bilder 4, Steppdecken, Verschiedenes. Köpenickerstrahe 39a, I. 2467b Kanarienroller. Vorschläger, Weibchen. Weiß, Ravenästtaffe 3. Kleiderschrank, Vertiko, csosa 10,00, Bettstellen, Kommode 10,00, Trumcau, Garnitur 20,00. Dräger, Landsbergerstraffe 17. 228/16 Zigarrengeschäft. Existenz sür Zigarrcnmacher, verkaust mit Ware sür 400 Mark. Rixdors, Kaiser Friedrich. straffe 24. 2461b Sofas, gröffte Auswahl, von 21 Mark an, direkt in der Fabrik AndrenSstraffe 38. 890K* Teppiche milFarbensehlernFabrik» Niederlage Groffe Franksurterftraffe 9, parterre._ fl Sofa wie neu 21,00. Meicke, Groffe Hamburgerstraffe 18/19. 255/20 Möbelfuchende, Brautleute, empfehle meine Möbeltischlerei sür WohnungS- Einrichtungen sowie einzelne Möbel. Bunte Küche. Eng fische Schlafzimmer. Groffe Auswahl. Kein Laden. Nur Keller und Hinter- räume. Teilzahlung. Harnack, Tischler- meistcr, Dresdenerswaffe 124.|902K� Zigarrengeschäft, 14 Jahre bc- stehend, verkauft Friedrichsberger- straffe 10. 43/5' Möbelfabrik, Oranicnstraffe 58, direkt Moritzplatz. In meinen drei Etagen stehen komplette Wohnungs- einrichlunge» in jeder Preislage vom Eiiisachste» bis zum Elegantesten. Besondere Gelegenheit biete ich in den verliehe» gewesenen, fast neuen Möbeln, die bedeutend herabgesetzt sind. Besichtigung erbeten, ohne Kauf- zwang. Auffallend billig verlause ich neue Chaiselongues 17, Losa 20, Satteltaschensosa 35, Paneelsofa 55, Garnitur 50, hochelegante Plüsch- oarnitur 75, Säulcntrumcau 29, Bettstelle mit Matratze 18, Schreib« tisch 15. Gekaufte Möbel können drei Monate kostenfrei lagern. Teil- zahlung gestattet. Auch Sonntags geöffnet. 77414' Möbelberkauf. In meiner Möbel- sabrik Gneisenaustraffe 15, am Halle- scheu Tor, stehen viele Wohnungs- Ecnrichtungcn, verliehen gewesene und neue Ausstattungen zu sehr billigem Verkauf. Teilzahlung bei ganz geringer Anzahlung gestattet. Beamten ohne Anzahlung. Ich fiesere gediegene Einrichtungen sür 150, 200, 300, 400 Mark, hochelegante von 500 bis 10 000 Mark. Besonders cmpsehlenSwert ist der groffe Vorrat verliehen gewesener und zurückgesetzter Möbel, die noch säst neu und im Preise bedeutend herabgesetzt find. Klcidcrspind 24, Kommode 18, Sofa mit Auszug 30, Bettstelle mit Ma- kratze 20, Muschelspinde, Vertikows 36, Salongarnilur, Plüschgarniturcn 105, Muschclbeltstellen mit Malratzen 40, geschnitzte Büsetts, Bücherspinde, PaneelsosaS mit Sattcltaschcn 85, Schreibtisch 30, englische schlaszimmer, Speisezimmer, Salons, auch Jugend- stil. Gckanfte Möbel werden drei Monate kostenfrei ansbcwahrt, durch eigene Gespanne geliefert. Muster- buch gratis. Sonntags von 8—10 und 12—2 Uhr geöffnet. 7gSK* Wringmaschinen, Zinkwaschsässcr. Waschmaschinen, Zober, Sitzwannen beste Ware. Teilzahlung gestattet. Postkarte. Kottloff, skalitzerstr. 108.* BroiizegaSkrone»! dreiflanimig! 6,00 1 Kaslyren!'/,> Gaszuglampen l 9,00 1 SalongaSkronen l 15,00 1 Schau- sensterlichtt Gasiatcrncn I Gaswand arme! spottbillig l Wohlauer, Wallner- thcaterstraffe 32(Gaskocherhaus ani Schiller-Theater!)._ 9215t* Teilzahlung! 50 Psennig wöchentlich Möbel, Uhren, Steppdecken, Tisch- decken, Gardinen, Teppiche, Portteren, Bettbezüge-c. Besuch eventuell Post- karte. Goldstein, Gipsswaffe 22.* Salongarnilur, Umbausosa.Büfctt, Paneelsosa, Ausziehtisch, Bücherspind, Schreibtisch, Kleid eiffpind, Vertiko, Säulcnwumeau, Bettstellen spottbillig. Landsbergerstraffe 77, Beletage.» Kinderwagen, Kinderbettstellen Sportwagen, gebrauchte, zurückgesetzte spottbillig. Schneider, Kursürsten- swaffe 172._ 2253b* Betten, Stand 11, zweischläfrig 16 Mark, Gubencrswaffc 3, Psand- leihe.___+32* �entralleihhaiiS, Abteilung Damen Konsektton, Jäacrstraffe 70(Laden). Groffe Auswahl in Paletots, Jacketts, Röcken, Blusen, Pelzstolas zu sehr billigen Preisen._ 23446* Borort-Grundslück mit Restauration und Badeanstalt wegen Todesfalles verkäuflich, eventuell Baderei zu ver- pachten. Auskunft erteilt Lusch, Berlin, Fennstraffe 10. parterre. 2449b Restanratton krankheitshalber zu verkaufen Wichertswaffe 3. f50* Restauration umständehalber zu Jnventarpreis von 850 Mark, Miete 1000 Mark, sosort zu vcrkausen Togo- straffe 5. 2367b* Abzahlung 0,50 wöchentlich Gardinen, Steppdecken, Teppiche, Bilder, Spiegel, Uhren, Kronleuchter. Brecht, Zorndorserstraffe 7.__ s33* Leranttv. Redakteur: Kur sofide Bauhandwerker habe sehr ergiebige Baustellen unter gün- stige» Bedingungen. Reflektanten sab„Bauhandwerker" Postamt 5.* Paul Büttner, Berlin, giir den Restauration, Baugcgend.Wochcn» markt, gute Einrichtung, muff sofort verlaust werden. AuSkunst erteilt Paradzik, Bücherrevisor, GabelSbcrgcr» straffe 5._ 280/17 Bett 17,00. Michel, swaffe 38._ DreSdener- 2406b* Stand gute Betten, einige Gar- dincn, zwei elegante Steppdecken, GnSkrone, llebergardinen, sosort billig. Hoffmann, Naunhnswaffe 52. Mahagoni-Trumeau, Kleiderspind, Zylinderburcau, Taschcnsofa, Chaise- longue, Muschelbetten, elegante Ma- trotzen. Andreasswaffe 57, vorn Keller, Lazarus._ 9365t* Nähniaschincn. Vergüte biS 10,00, wer Teilzahlung kaust oder nachweist. Woche 1,00 ohne Anzah- lunä. Alle Systeme. Postkarte. Brauser, Tilsitcrstraffe 90. 33* Vogelhandlung. Winterseldtstraffe 19, am platz._ Sinterseldt- +104* Junge Frau verkaust 3 Zimmer Möbel, wie neu, elegantes Plüschsosa 44,00, Paneelsofa 70,00, Salonbilder 5,00, Trumcau, Steppdecken, Stores, Pcrscrtcppich 5.00, Verschiedenes jeden Preis. Landsbergerstraffe 42, II. Möbelvrrkanf in meiner Möbel- sabrit Wallstraffe 30/81, nahe Spitlel markt. Jnsolge des groffen Umzugs befinde» sich am Lager viele zurück- gesetzte und verliehen gewesene Möbel, die ivic neu sind, Kleiderspiud, Vertiko 27,00, Ausziehtisch 16, Muschel bettslelle mit Federmatratze und Keilkissen 36, Taschcnsosa 50, Paneelsosa 70, Waschtoiletle 20, Ruhe bett 25, ganze Einrichwuge» billigst. Transport frei._ 43/15* Schöne groffe Federbetten, Stand 20 Mark. Dresdenerstraffe 38, vorn II. links. 43/16* Versckieclenes. Ecke Pfandleihe HeincrSdorserstraffe, ke Greisswalderswaffc. 1-135* Pfandleihe, Prinzenstraffe 63, täglich 8—8, Sonntags bis 2. 892K* An fpo l jiernug! sojab, 00, Matratze 4,00, auch aufferm Hause. Bachinaiin, AndreaSstraffe 38. 891K* Knnftstopserei von Frau Kokosky. Charlotlenburg, Goclheswaffe 84, 1.' Bclcihnng, allerhöchste, Möbel, Wirtschastcn, Pianinos, Fahrräder, Nähmaschinen, Warenposten, Lagcr- jpcicher, Schwedtcrstraffe 11. M Bücherankauf und Büchcrbeleihung Kochstraffe 56. I. Amt I 8831. Bier VcreinSzimmer, 20 bis 130 Personen. Kegelbahn, zu vergeben. Sonntags groffer Familicnverkchr. Musikalische Unterhaltung. Engel, Seydelstraffe 30. 2063b* Pfandleihe Schönhauserallce 35, Franseckistraffen-Ecke. f50* Pfandleihe Markusswaffe 27. Wohne jetzt Türrschmidtstraffe 27, neben dem Rathause. Frau Mischko, Hebamme._ tl30* Schreibmaschine, Buchführung. Stenographie, Sprachen. Salomon, Karlswaffe 26. 909K* Herrenanzüge nach Maff fertigt aus modernsten Stoffen, besten Zu- taten von 30 Mark an, Schneidermeister Boczek.Müuzswaffe 17. Groffcs 255/9* Nähmaschinenreparaturen werden schnell und billig in meiner eignen Werkstatt ausgeführt. Bell« mann, Gollnowstraffe 26, nahe der Landsbergerswaffc. 907K* Bercinszimmer(100 Personen) frei. Enders, StettinerstraffeIO. Fem- jprcchcr._ 1-93 Wer Stoff hat! Fertige Anzüge nach Matz 18, 20 Mark. Tadel» loser Sitz, haltbare Futterfachen. Franke, Ackerftraffe 143, Ecke Jn- validenstratze. 2472b Restauration mit Zahlstellen zu verkaufen. Zu erfragen bei R. Wen- gels, Franksurter Allee 79. 1-33 Hobelbank verkaust.Klär.Gubcner straffe 24, Hos IV rechts._ f33 Restauration wegen Krankheit zu verlausen Rixdors, Reuterswaffc 52, bei Spiekermann. 1-119* Junge Iltisse, Frettchen verknust Hamann, Exerziersiraffe 8,_ f81 M a troscn-Hiensongeffenz(echte I), HarzgcbirgStee, Cholcratropfen. Vor- teilhasteste Einkaussquelle l Handels- leutc verlangt: Schönhauser Allee 141, Ostermann._ f50 Kanarienroller, Hohl-, Knorr-, fllingelroller, spottbillig Schloffplatz 2. Gelegenheitskäufe: Paletots, An- lüge, Hosen, Koffer, Revolver, Deschings, Uhren, Goldsachen, Kessel, spottbillig. Lnckc, Oranicnstraffe 131. Rciscgläscr, Operngläser, Reiff- zeuge, Regulatoren, Meischwinger, Harmonikas, Geigen, Zithern, Betten, Tcppiche, spottbillig. Lücke, Oranien- straffe 131._ 2454b Herrenanzüge, Ueberzieher, wenig gewogene MonatSgarderobc von 5 Mark an, groffe Auswahl, für jede Figur, auch neue, elegante, nicht ab- geholte Maffsachcn kaust man am billigsten aus erster Quelle direkt nur beim LchueiderinelsterFürstenzel«, Rosenlhalci straffe 15 nur 3. 256/1* Laut Richterspruch nehme ich die Beleidigung gegen Herrn E. Lobe, Brunncnswaffe 38, zurück und erkläre ihn hiermit als Ehrenmann. Emil Rcinbotha._+50 Die Aeufferunaen, durch die ich Frau Domwisch beleidigt haben soll, nehme ich hiermit zurück und erkläre Frau Dommisch sür eine anständige Frau. Frau Gauvain. >ndige 245p6 weiche Tnbaisten, Klarinettisten, wl gewillt sind, einem Verein beizuweten, können sich melden Dienstag 9—11 Naunhnswaffe 6. Linkescher Bläser- Chor. 2457b I Vermietungen. Wohnungen. Soldiuerftraste 16 an der Prinzen Allee: Wohnungen von 2 Zimmern sosort zu vermieten. 1-32* Kleinmohnungen, gesunde, aller- billigst, sofort, später, Rixdors, Kops- straffe 15, Wanzlickswatze 12(Her- niaun-Platz). 280/16* Prachnvohnung, große Stube, Küche, Schlicnrannswatze 8. 228/17 Zimmer, Möbliertes Zimmer sofort oder später zu vermieten. Steinicke, CothcniuSswaffe 8, vorn Hl. 2456b Vorderzimmer, leeres, sosort oder 1. zu vermieten Lychenerswatze 16, vorn I geradezu_ 150 Schlafstellen. Teilnehmer zur möblierten Schlafstelle gesucht, JrauJacobey, Kolberger- stratze 26. IIb_ 820b* Bessere Schlafstelle sür anständigen Mann, Blumenswaffe 44, Kärger. 110 �rbeitsmarkt. Stellengesuche. Rezitator und Souffleur Paul Gent, DreSdenerswatze 107/103. VolkSsänger- Gesellschaft Lewa». dowsky, Beusselswaffe 28. 172* Geübter Drabthester aus Konto- bücher verlangen Bachmann u. Göbel, Spandauerstraffe 76._ 2462b Bauklempner, der persett selb- ständig arbeitet. Wegner, Krön- p rinzcustraffe 5._ 24606 Bronceur oder Bronceuse auf Kronleuchter sofort verlangen Rüster u. Gerlinger, Blumenstraffe 79. Tüchtige Schlosser bei gutem Lohn verlangt Lindenswaffe 31. 2455b Lehrling verlangt Metalldruck- waren-Fabnk H. Zicglcr, Bocckh- swatze 25. 2453b ArbeitSburschen verlangt Metall- waren-Fabrik, Boeckhstratze 25. 2451b Forinerlehrling sürMetallgietzerci verlangt Leop. Ziegler, ReWicken- dorserswatze 22. 935K Buchdructerlehrling verlangt öchiftan, Stallschreiberswatze 27. Tüchtige Polierer aus Gaswoncn bei dauernder Beschäftigung. Hirsch- Horn, Köpenickerswatze 149. 2468b Frontenpolierer und einen Lehr- fing verlangt R. Meitze, Rixdors, Pflügerswahe 26, I vorn. 2468b Farbigmacher Goldleistenfabrik Dresdenerstratze 41/42. 43(17 Rahmenmacher und Zuschncider Rahmensabrik DreSdenerswatze 41/42. Ziseleur-Lchrling verlangt I.«tärzl, Alte Jakobstratze 48a. arzl, 163 Galvanoplastiker sür dauernde Stellung bei gutem Lohn zu so- sortigcm Eintritt gesucht. Bewer- bungen unter A. R. 375 an tzaasen- stcin u. Vogler A.-G., Berlin W. 8.• Schürzennäheri« verlangt Ebc- lingswatze 6._ 133* Nachtjacken- Arbeiterin verlangt Repke, Lychenerswatze 105._ 150* Knaben-Reversblusen, Jacken-Arbeiterin in und aufferm Hause. Dauernde Beschäftigung. Laaser, Brunnenswaffe 84, Fabrikgebäude. Schmeltzer, Bolkshumorist. auch mit Gesellschaft, Stettincrstraffe 57. 193* Bolkshumorist Henry Balzö, auch mit Gesellschaft, Manteuffelswatze 41. Bierabzieher sucht noch Stellen, Schulz, Lychenerswatze 17. 147 Blinder Stuhlflcchtcr bittet um Arbeit. Sttihle werden abgeholt und zurückgeliesert. A. Gläser, Mulack- swatze 27. 1463b Flickschneider, spottbillig, gut sitzend, schnell, geübt, Aendenmgen, Reparaturen, Garderobcnreinigung, sucht Kundschaft, Ebert, Frucht- straffe 31, vorn_ 133 Stellenangebote. Nebenverdienst sür jedermann. Auskunst kostenlos. H. Wolf, Zwickau, Elsässcrswaffe 40. 881K* Laufenden hohen Nebenverdienst erhält jeder für Nachweisung von Feuer- und DiebstahlS-Versichermigen jei Subdirektiön, Ritterstratze 61, I, an der Lindcnslratzc. 2039b* Größere Anzahl Rohrstühle sind zu flechten. Brauerei Karl Gregory A.-G., Hochswatze 21/24._ 133* Geübte Zaunanssteller werden ver- langt. Hugo Wolff u. Paul Friedrich, Drahtzaunsabrik, Friedrichshagen. Knabenpaletot-Ärbciter verlangt Laaser, Brunncnslratze 84. 929K* Graveurlehrltng verlangt Albert Wolter, Kommandantenswatze 53. Holzbildhaucr-Lehrliug verlangt Oranienswaffe 58 bei Hirsch u. Thiede. Goldleistcn-Walzer wird verlangt Köpenickerswatze 109». 2458b Zu möglichst baldigem AnWitt wird sür Maadcbmg ein p'lrbeitcrsekretär gesucht, der vorwiegend die sozialpolitischen Arbeiten aus dem Gebiete der Ärbeitcroersicherung, des ArbeilerschutzeS usw. auszusührcn und daneben Auskunst zu erteflen hat. Verlangt wird rednerische Befähigung, gcwerk- schastlichc Erfahrung und Kenntnis der Arbeiterschutzgcsetzgebung. Anfangs- geholt 2000 M., das mit jedem Jahre um 100 M. bis 2500 M. und von da an jährlich um 75 M. bis zur Höchstgrenze von 3000 M. steigt. Be° Werber wollen einen Schriftsatz über die Aufgaben der Arbcitcrsckretariate aus dem Gebiete der sozialen Gesetzgebung bis zum 20. Oktober d. I. an bVIIIi. OroUkopf. Magdeburg, Pfätzerstr. 13, einreichen und dabei ihre Organisattonszugehörigkeit angeben._ 295/20* junge Mädchen, die das ...m von Knaben-Anzügen er- ........ wollen sich melden bei Gustav Laaser, Brunncnswaffe 84. g31K* Zwei tui | Zuschneiden lernen wolle Lehrmädchen zur leichten Hand- arbett, monatliche Vergütung, ver- langt Laaser, Brunnenswatze 84.» F» Arbeitsmarkt burch befanderen Druck hervorgehoben» Anzeigen kosten 40 Pf. pro Zeil«. Holzfärber. Ein in der Holzsärberei, besonders im Färben schwarzer Hölzer durchaus geübter, zuverlässiger Mann, welcher sür tadellose schwarze Farbe garantieren kann, findet bei hohem Lohn angenehme und dauernde Stel- lung. Offerten mit Lohnansprüchen unter kst K. 4083 an Rudolf Rosse, Berlin 8�V. 41/19* Parteisekretär gesucht! Für die Wahlkreise Reuß ä. L., Renß j. L. und Sachscn-Alten- bürg wird ein Parteisekretär gesucht. Gehalt vorläufig 2200 M.— Bewerber müssen organisatorische, sowie rednerische und schriftstellerische Fähigkeiten besitzen und mit der Partcigcschichtc genau vertraut sei». Bewerbungen find unter„Parteisekretär" bis zum 20. Oktober zu richten an JBmil Vctferlein, ttera. Alte Schloßgasse 11. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Parkettlioilenlfiöep! Der Bau€>rnnun m Steglitz, Berlinikefwaffe 14/15, ist gesperrt. Tischler 11. Einsetzer! Die Bautischlerei Schneider. Görlitier Ilfcr, und der Bau Schneider in Züdende, Lichter- felderftraste. Ecke PotSdamerstraffc, find wegen Differenzen gesperrt. � Kaimiiacher, Schnitzer! In der KorddcutHclien Kamm Fabrik. Köpenickerstrahe 188(Kubisch u. Redlich), bestehen Differenzen. 93/10 Zuzug ist fernzuhalten. Die OrtSverwaltung. Stukkateure! Infolge Differenzen aus Anlatz des Streiks der Rabitzputzcr und Spanner find die Firmen II. C-rr-icli«!, Dcrfflingersw. 16, und Kaller-Allee(Ecke Hildegard- straffe), sowie KrUZrcr& I/anerniann, Brunnen str. 71 und 106 a, Wart- burgstr. 16 oder Eiscnacherstr. 103 sür sämtfiche Arbeiten({68p6rrt! Ortsverwaltnug Berlin des ZentralvcrbandeS der Ztukka. teure Deutschlands. st81/7* Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Redaktion und Expedition: Btrlln, Cindcnttr. 69. fcrntprcttjcr; Brnt If, 1983. | Nr. 337. Dienstag, dcu 10. Oktober 1905.| Inserate Secfisgefpaltcne Kolonclzcilc 20 Pfg. Bei grO&eren BultrOgen enUprctDcnden Rabatt. Parteigenossen! Mitwoch ist Zahiadenü in Keriin unä äen Vororten! s)artei-)Znge!egendeiten. Charlottcnburg. Heute Dienstag, abends 8ll2 Uhr, ist- Wahl- bercinsversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtverord- netcn Genossen Hirsch. 2. Diskussion. 3. Aufstellung der Kan- didaten zur Stadtverordnetenwahl. 4. Vereinsangelege»- heiten. Sämtliche Mitglieder wollen pünktlich erscheinen. Schöneberg. Heute Dienstag abend Flugblattverbrei- tung. Treffpunkt abends 7 Uhr in den Vezirkslokalen. Neiienhageu sOstbahn). Sonntag nachmittags 4 Uhr findet in Wunsches Lokal in Neueuhagen die Generalversammlung des Wahlvereius statt. Bericht von der Krciskonfcrenz. Bericht der Vereiusfuuktionäre und Neuwahl. Das Orgauisaliousstatut für Groff-Berlin. Vcreinsangelcgenheiten. Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Stiedcr-Schöncweide. Dienstag abends 8'/z Uhr ist bei Fischer, Berlinerstr. 17b, die Generalversammlung. Obcr-Schöncwcide. Mittwoch abends Z'/z Uhr findet im Nestau- rant Kaufhold, Wilhelminenhofftr. 18, die G e n e r a l v e r s a m in- I u n g des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes, der Funktionäre und Neuwahl. Anträge, Verschiedenes. Wahlvercin Groß- Lichtcrfclde- Lankwih. Morgen Mittwoch, abends 3 Uhr, bei Reisen, Chausseestr. 104: Ordentliche General- Versammlung. Tagesordnung: Bericht vom Parteitage in Jena. Diskussion. Bericht der Vereinsfunktionäre und Neuwahl. Vereins- angelcgenheiten. Mit Rücksicht auf die wichtige Tagesordnung ist zahlreiches und pünktliches Erscheinen erforderlich. Der Vorstand. Vorort- 1>sackrickten. liharlottenbnrg. Charlottenburg als Hafenstadt. Bekanntlich macht der Groß- schiffahrtsweg Berlin-Stettin neue, dem zu erwartenden Schiffahrts- verkehr entsprechende groffe Hafenanlagen in Grost-Berlin notwendig. Gelegentlich der Beschlußfassung über die Kostenbeteiligung der Stadt Berlin hat vor kurzem die Berliner Stadtverordnetcn-Ver- sammlung an den Magistrat'das Ersuchen gerichtet, schleunigst Mo notwendigen Vorarbeiten für die Errichtung eincr Hafenaulage im Norden Berlins in Angriff zu nehmen. Es wurde dabei der Befürchtung Aus- druck gegeben, daß sonst Charlottenburg der Stadt Berlin zuvorkommen könnte. Dies ist, wie die magistratsoffiziöse Charlottenburger»Neue Zeit" meldet, soweit es sich um die Vorarbeiten handelt, bereits der Fall. Im Schöße des Charlottenburger Magistrats iverden schon seit längerer Zeit die Projekte für den Bau eines großen, mit dem Staatse'isenbahnnetz in Verbindung stehenden Handelshafens erwogen. Eine Kommission mit dem Oberbürgermeister an der Spitze ist mit der Besichtigung einer größeren Anzahl Binnenhäfen betraut worden und hat sich Ansang voriger Woche auf die Reise begeben; sie soll die Hafenanlagen in Stettin, Breslau, Frankfurt a. M., Mannheim, Köln, Düsseldorf, Duisburg. Ruhrort und Magdeburg besichtigen. Die in diesen Haienaulagen gesammelten Erfahrungen solle» für die endgültige Ausgestaltung der Projekte für den geplanten Charlotten- burger Hafen als Unterlage dienen, um für diesen die zweck- mäßigsten, der Neuzeit entsprechenden Anlagen zu schaffen. Mit diesem Hafenprojekt in Verbindung steht auch das Projekt für eine Industriebahn im Stadteile nördlich der Spree. Sobald die Projekte fertiggestellt sein werden, sollen sie der Stadtverordneten-Versamm- lung zur Beschlutzfassung vorgelegt werden. Schöueberg. Die Erhöhung der Löhne der städtischen Arbeiter, deren Ab änderung durch den Magistrat wir bereits gedacht haben, stand auf der Tagesordnung der gestrigen Stadtverordneten- sitz un g. Hier sollte die Zustimmung der Versammlung zu den magistratlichen Abänderungen erfolgen. Ob denn der' Magistrat wirklich an eine solche geglaubt hat, indem er in seiner famosen „Begründung" auf die teilweise Uebereinstimmung mit den ge faßten Beschlüssen bezüglich der Erhöhungen hingewiesen hatte? Der Referent Prof. M e II ni a n n beschränkte sich im allgemeinen auf die„Gründe", die den Magistrat zur Reduzierung der fest- gesetzten Löhne bewogen haben, auch er kann dieselben nur als sehr unglückliche bezeichnen, wenn z. B. gesagt wird, daß man durch eine langsame Zulage bis zur Erreichung des Höchstgehaltes— wanzig Pfennige alle zwei Jahre!— eine gewisse Kategorie um so fester an die Arbeitsstätte fesseln könne. Genosse Küter zerpflückte denn auch mit Leichtigkeit die magistratlichen„Gründe" und Einwände. Trotz des einstimmig gefaßten Beschlusses durch die Versammlung, trotz der vielen und eingehenden Ausschußberatungen ist, wo eS sich um Zustinimung des anderen Teiles der Körperschaften handelt, wohl noch nie mit so nichtigen Gründen operiert tvorden. Unser Redner wies zunächst auf die schwere und gefährliche Art der Beschäftigung der KanalisationS- arbeiter und Straßenreiuiger hin und wies an der Hand von Einzelfällen auf die ganz besondere Gefährlichkeit der Kanalisationsarbeit hin. Hatte man infolge der„Ueberlastung vor den Ferien" nicht Zeit genug, sich im Ausschusse über die vorliegende Materie zu unter- richten, um sich nachträglich von den Dezernenten über Arbeitslöhne „beraten" zu lassen, so» wären jedenfalls die beteiligten Arbeiter selbst die geeignetsten Stellen gewesen, sich über die Art der Beschäftigung aufklären zu lassen. Statt z» erhöhen, gebe man sich Mühe, die Löhne herabzusetzen, trotzdem die von ihm(Küter) vorgelegte Haus- Haltungstabelle ein Defizit von öl M. aufweist. Seinem sozial- politischen Verständnis setze aber der Magistrat die Krone auf, wenn er aus den von ihm vertretenen Gründen ein Festhalten der Gärtner erwarte. Daß sogar noch die ohnehin niedrige Entlohnung der in städtischen Betrieben beschäftigten Frauen unter den Ausschußantrag herabgedrückt werden soll, sei ebenfalls nicht zu verstehen, wenn man erwäge, daß in Berlin bereits höhere Löhne gezahlt iverden. Glaubte nun der Stadtv. Speck die Gärtner als qualifizierte Arbeiter in Schutz nehmen zu müssen, so äußerte sich der Stadtv. Hecht(der Herr macht sonst„öffentlich" gern in Wohlfahrt) im Sinne der Herabsetzung der Löhne. Er hat sich den Gedankengang oeS Magistrats vom„gerechten Ausgleich" zu eigen gemacht, trotzdem er vom Genossen Küter daran erinnert wurde, daß unser Antrag auf gleichmäßige Erhöhung nicht durch unsere Schuld zu Falle kam.— Unter Zurückziehung des sozialdemokratischen Antrages auf Wiederherstellung der Ausschußvorlage wurde auf Antrag des Stadt- verordneten Mellinann die Angelegenheit einer gemischten Deputa- tion, bestehend aus 3 MagistratSmitgliedern und ti Stadtverordneten, überwiesen. Mit dieser Möglichkeit scheint der Magistrat in seiner Vorlage auch bereits gerechiiet zu haben. Die Vorlage des Magistrats betr. Erhöhung der Miets- entschädig ung der Beamten wurde ohne eigentliche Debatte eines„Formfehlers" wegen an den Petitionsausschuß zurückverwiesen, die Frage der Einführung des orthopädischen Turnunter- r i ch t s aber dem Etatsausschuß überlassen. Unter den gleichen Vergünstigungen wie im Vorjahre wurde auch diesmal dem Verein zur Förderung d e r K u n st die Ueberlassuug einer Schulaula sür das Winterhalbjahr beschlossen. Dem Volksküchen verein wird sodann auf sein Gesuch eine außerordentliche Veihülfe von IVO) M. bewilligt und zur Heraus- gäbe einer wissenschaftlichen Abhandlung zu den Schul- Nachrichten des Hohenzollerngymnastums 300 M. zur Verfügung gestellt. Auf den zur Erledigung gelangten Nachtrag zum Orts- st a t u t, betreffend die A n st e l l u n g und Versorgung der Beamten und Bediensteten der Feuerwehr kommen wir, da sozialdemokratischerseits hierzu eine Reihe Abänderungsanträge gestellt wurden, später zurück. Nixdorf. Verhängnisvolle Explosion. Der Materialwarenhändler Wilhelm Kipper, Mahlowerstr. 2, war am Sonnabendabend im Laden mit dem Abfüllen von Petroleum aus einem größeren Behälter in Flaschen beschäftigt, wobei er neben sich zur Seite ein offenes Licht gestellt hatte. Plötzlich entglitt eine Flasche seinen Händen, zerbrach. und im Nu entzündete sich das Petroleum an den: Lichte. Im nächsten Augenblick explodierte auch der größere Behälter, so daß in wenigen Minuten der ganze Laden in Flammen stand. Glücklicher- weise konnten sich alle im Laden befindlichen Personen noch recht- zeitig retten, so daß niemand verletzt wurde. Die alarmierte Frei- willige Feuerwehr löschte den Brand in kurzer Zeit, doch ist der entstandene Schaden sehr groß, da die gesamten Warenvorräte ver- nichtct sind, ebenso die gesamte Einrichtung. Spandau. Das Spandauer Gcwerkschaftskartcll macht darauf aufmerksam. daß Sammellisten für die in der Elektro-Jndustrie Ausgesperrten im Lokale von Fritz Böhle, Neumeisterstraße, zu haben sind; auch findet dort Montags von 6—10 Uhr abends die Abrechnung statt. Gleichzeitig bitten wir, die am Mittwoch, den 11. Oktober, bei Kumke, Schönwalderstraße, und Teßnow(Volksgarten), Hakenfelde, stattfindenden Volksversammlungen mit dem Thema:„Die Aus- sperrung in der Metallindustrie" recht zahlreich zu besuchen. Nowawes- Neuendorf. Der fromme Meister. Selbstmord aus Furcht vor Strafe beging der zirka 40jährige Weber Paul Thomas Hierselbst. Er war schon in früheren Jahren ein pünktlicher Kirchenbesucher, eifriges Mitglied des JünglingSvereins, überhaupt einer derjenigen, die man als die festen Stützen von Thron und Altar bezeichnet; als Altgeselle der Weber-Jnnung hatte er auch deren Krankenkasse zu verwalten, was er mit einem so vortrefflichen Geschick tat, daß sich die Staats� anwaltschaft seiner annahm und ihn wegen verschiedener Unter schlagungen, die er sich in seinem Amte hatte zuschulden kommen lassen, auf ein halbes Jahr Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen verschaffte. Nach Verbllßung seiner Strafzeit schloß sich Thomas sofort wieder der hiesigen christlichen und patriotischen Bewegung an und eS gelang ihm, durch Vermitteluug der Geistlichkeit eine Meisterstellung in der Klinderschen Netzfabrik in Neu-Babelsberg zu erhalten. Diese Firma ist in letzter Zeit übrigens bei den Arbeitern dadurch berüchtigt geworden, daß sie einen Anschlag erließ, wonach sie jedem Arbeiter und jeder Arbeiterin eine wöchentliche Lohnzulage von 25 Pf. versprach und ihnen eine mindestens fünfjährige Beschäfügungs- dauer garantierte, wenn sie aus dem Textilarbeiter- verbände austreten würden, welchem unsittlichen Ver- langen leider eine große Zahl der Organisierten nachkam. In dem Betriebe war vom Chef die Anordnung getroffen, daß die dort Arbeitenden ihren Lohn in Düten von dem jeweiligen Meister aus- bezahlt bekommen; diese Anordnung wurde aber vom Meister Thomas seit langem nicht mehr befolgt, sondern es wurde den Arbeiterinnen das Geld lose ausgezahlt, wobei fast regelmäßig ein gewisser Betrag abgezogen wurde. Da die in der Fabrik geltende Arbeitsordnung verschiedene Strafbestimmungen enthält, so waren die Arbeiterinnen der Meinung, daß sie gegen diese Be- stimmungen verstoßen hätten und der abgezogene Betrag die Strafe dafür sei, bis eine vor kurzem eingestellte Arbeiterin den Mut fand, sich im Kontor über diesen Abzug zu beschweren. Als hierauf der Chef die Lohndüte von dem Mädchen verlangte, erklärte diese dem erstaunten Unter- nehmer, daß sie i h r G e l d lose bekommen habe. Da bei den nun angestellten Recherchen auch die anderen Arbeiterinnen erklärten, ihr Geld lose erhalten zu haben, wurde Meister Thomas ins Kontor gerufen. Statt dort Rede und Autwort zu stehen, zog er es— nachdem er erfahren, um was es sich handelte— vor, schleunigst aus dem Kontor und dem Betriebe zu verschwinden. Da die Unterschlagungen, die dieser Musterchrist an dem schwer ver- dienten Lohne der armen Arbeiterinneu verübte, wahrscheinlich scheu jahrelang betrieben wurden und der Betrüger eine schwere Strafe zil erwarten hatte, erhängte er sich in den Waldanlagen hinter der Klinderschen Fabrik, wo seine Leiche am Freitag voriger Woche gc- funden wurde. Potsdam. Mit der Wurst nach der Speckseite. Die„Potsd. Korresv." meldet ganz harmlos: Zum Ehrenbürger der Stadt Potsdam wutde von den städtischen Behörden der Rkinister des Innern Fr-cherr v. Bethniaun-Hollweg ernannt, welcher bekanntlich als Oberprasident der Provinz Brandenburg verschiedene Jahre in Potsdam seinen Wohnsitz gehabt hat. Man knüpft in Potsdam an diese Ehrung die H o f f n u n g, daß der neue Ehrenbürger seinen ganzen Einfluß gellend machen wird, um den Kaiser zu bewegen, die noch immer nicht erfolgte Genehmigung zur Ueberfühwng des elektrischen Betriebes der Straßenbahn über die Langenbrücke zu erteilen. Ober- Schöneweide. Heute Dienstag, abends 6 Uhr, findet in der Schulaula, Ober- schöneweide, Frischenstraße, eine öffentliche Sitzung der Gemeinde- Vertretung statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die Interpellation unserer Genossen:«Wie stellt sich die Gemeinde- Vertretung zu der Aussperrung?" SerUner j�ackrickten. Die gegenwärtige Fleischteuerung und deren Ursachen behandelte ein Flugblatt, das am Sonntag von unseren Genossen der Bevölkerung Berlins und der Kreise Nieder- Barnim und Teltow-Beeskow ins Haus getragen wurde. Das Flugblatt geißelt in entschiedener Weise die Politik der Reichs- regierung, die lediglich die Geschäfte der Junker besorge, und legt dar, daß dem kulturfeindlichen Treiben der Agrarier nur durch Anwachsen der sozialdemokratischen Partei Halt geboten werden kann. Wie immer, wenn unsere Partei zu einer Aktion auf den Plan tritt, so waren auch diesmal unsere Parteigenossen schon früh auf den Beinen, um ihrer Parteipflicht zu genügen. In verhältnismäßig kurzer Zeit war die Arbeit getan. Diese Arbeit könnte aber noch mehr erleichtert werden, wenn eine ganze Anzahl derjenigen, die am Sonntag fehlten, sich das nächste Mal mit zur Verfügung stellen würden. Die bevor- stehenden Arbeiten zur Stadtverordnetenwahl bedingen, daß die Genossen recht zahlreich dem Rufe nach Mithülfe folgen. Je mehr sich daran beteiligen, desto schneller ist die sür unsere Erfolge doch so notwendige Arbeit getan. Eine gute Vor- bereitung des Kampfes verbürgt uns den sicheren Sieg I Für Stadtbahnpassagiere. Offen st ehende Stadtbahn- zc. Wagentüren haben in letzter Zeit wieder recht häufig zu Be- schädigungen des Betriebsmaterials geführt; sie gefährden auch bei Einfahrt der Züge in die Stationen die auf den Bahnsteigen wartenden Reisenden in hohem Maße. Die Staatsbahnverwaltung hat sich daher veranlaßt gesehen, an die strenge Durchführung der bezüglichen Vorschriften mit dem Hinzufügen zu erinnern:„Ebenso ist daraus zu halten, daß Fahrgäste, die während der Fahrt ein- oder aussteigen, festgestellt und wegen Uebertretung bahnpolizeilicher Vorschriften bestraft werden." In einzelnen Fällen mögen die Türen ja auch durch die dazu bestellten Beamten nicht ordnungsgemäß ein- geklinkt werden, meist sind diese aber schon geschlossen gewesen und durch später in den schon fahrenden Zug einsteigende Fahrgäste wieder geöffnet worden, so daß die Beamten die offene Tür im letzten Augenblick nur noch zuwerfen konnten. Da die Beamten für die Beschädigungen von Wagentüren mit verantwortlich gemacht und die Aufeuthaltszeiten im Interesse eines flotten Verkehrs auf das not- wendigste Maß beschränkt werden müssen, so wäre es dringend zu wlliischen, daß das Publikum, wie in anderen Großstädten, sich selbst der kleinen Mühe unterzöge, die Wagentüren hinter sich zu schließen, namentlich dann, wenn der Wagen an dem betreffenden Türschließer schon vorbeigefahren ist. Es gehört wirklich nicht zu den Annehmlichkeiten des Stadtbahuverkehrs, wenn man, wie dieser Tage ein Herr, durch eine schwere Wageutür umgestoßen und auf den Bahnsteig geworfen wird. Der Vorstand des Deutschen Städtetages trat am Montag unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner im Rathause zur Beratung von Matznahmen zur Linderung der durch die andauernde Fleischteuerung entstandenen Not und zur Beseitigung der Ucbel- stände, die sich immer mehr fühlbar machen, zusammen. An den Beratungen nahmen Bürgermeister Dr. R e i ck e, Stadtverordneten- Vorsteher Dr. L a n g e r h a n s, die Oberbürgermeister v. Borsch« München, A d i ck e s- Frankfurt a. M., Becker- Köln a. Rh., B e u t l e r- Dresden u. a. teil. Ein Abendessen vereinte die Herren im Ratskeller. Im Anschluß an das Untergrundbahn-Projekt der Großen Ber- liner Straßenbahn ist, wie bereits mitgeteilt wurde, die Betriebs- gesellschaft auch an die Gemeindevertretungen der Vororte wegen Verlängerung der Verträge herangetreten. Der Magisttat der Stadt« gemeinde Rixdorf hat nunmehr an die benachbarten Vorortgemeinden, die durch Straßenbahnlinien mit ihr verbunden sind, das Ansuchen gerichtet, zu dem Antrage der Straßenbahngesellschaft auf Grund einer gemeinschaftlichen Basis Stellung zu nehmen. Der Rixdorfcr Magistrat ist der Ansicht, daß die Interessen der Berliner Vororte untereinander fast gleichmäßig sind und demgemäß auch die Ver- träge der Berliner Straßenbahn mit den Nachbargemeinden möglichst gleichmäßig umgestaltet iverden müssen. Uns soll verlangeil, ob die gemeiusanle Gefahr das Gewissen der Vororte schärft. Noch aus den letzten Jahren war zum Teil von Verträgen zu berichten, in denen das Interesse der Bevölkerung so wenig geivahrt wurde, als ob sie von der Straßenbahndirektion und der preußischen Regierung gemeinsam diktiert worden wären. Eine außerordentliche Verteuerung des Brennmaterials ist für den Winter zu erwarten. Der Verband der Berliner Kohlen-Groß- Händler erläßt soeben folgende Bekanntmachung:„Durch den Ein- tritt der höheren Winterpreise, sowie durch die Erhöhung der Fuhr- und Arbeitslöhne sehen wir uns zu einer Erhöhung der Brenn- matcrialienpreisc gezwungen, und erlauben uns, dem geehrten Publikum ergebeust davon Mitteilung zu machen, daß die Preise für Salou-Briketts sich um 25 Pf. per 1000 Stück, bczw. 5 Pf. per Zentner erhöhen. Berlin, den 9. Oktober 1905. Der Verband der Berliner Kohleu-Großhändler."— Daß die Arbeitslöhne so mächtig gestiegen sind, dürfte wohl allgemeine Heiterkeit unter den in Be- tracht kommenden Arbeitern erregen. Die Steigerung des Preises für Briketts, Steinkohlen usw., die in Berlin hauptsächlich als Feucrungsmatcrial gelten, wird auch eine Verteuerung des anderen Brennmaterials zur Folge haben. Besonders die kleinen Leute, die keine Vorräte im Sommer eingekauft haben, werden durch diese plötzliche Preiserhöhung aufs empfindlichste getroffen. Uever einen Brillantentiebpahl bei einer Tchanspielerin berichten die Blätter:.Eine Schauspielerin vom Metropol-Theater erhielt in der vergangenen Nacht in ihrer Wohnung in der Mohrenstraße einen unerwarteten Besuch. Als die Dame mitten in der Nacht plötzlich auswachte, sah sie zu ihrem Schrecken ein paar wenig vertrauen- erweckende Männer in ihrem Speisezimmer. Sie erhob sich leise, eilte an ein Fenster und rief um Hülfe. Die Einbrecher ergriffen darauf die Flucht über die Hintertreppe und entkamen. Sie hatten aber bereis eine ansehnliche Beute gemacht. Zwei Brillantkolliers, die ihnen auf dem Speisetisch gerade zur Hand lagen, nahmen sie mit. DaS eine Kollier ist 4000 M. wert. Es hat im Mittelstück eine von zwölf Brillanten umgebene rosarot- Perle, die so groß ist wie ein Fünfpfennigstück, und einen Brillanttropfen als Anhängsel. Die beiden Sckiweifungen, die sich gegenüber liegen, sind mit kleinen Brillanten geschmückt. Der zweite Halsschmuck, eine Perlenkette in dreieckiger Form mit kleinen Brillanten, hat im Mittelstück ebenfalls einen Brillanttropfen als Anhängsel und ist 2000 M. wert. Bon den Dieben fehlt bis jetzt noch jede Spur." „Hoffentlich bewahrheiten diese Mitteilungen sich"... So wollten wir schreiben, als uns einfiel, daß dies ein recht häßlicher, unschicklicher Wunsch sei. Für viertausend Marl Brillanten haben und nicht haben, ist auch für eine Schauspielerin am Metropol- Theater ein Unterschied. Aber man muß sich des Umstandes er- innern, daß Mitteilungen über solche Diebstähle bei Schauspielerinnen so oft in der Presse wiederkehren, daß Sindbad der Seefahrer in seinem Reichtum nicht genug der köstlichen Steine heranschaffen könnte, un» das angeblich gestohlene Gut zu ersetzen. Schau- spielennnen sind ein abergläubisches Bölkchen und bilden sich ein, daß es eine Bombenreklame für sie und ihren Kredit sei. wenn die Zeitungen über Brillantendiebstähle in ihren Schlafstellen be- richten. Der Arieiter-Rancherbund ersucht uns, mitzuteilen, daß die Generalversammlung beschlossen hat. an die Z e n t r a l- S t r e i k k o m m i s s i o n als erste Rate 600 M. abzusenden. Die einzelnen Klubs erheben im kommenden Monat von ihren Mitgliedern doppelte Beiträge. Tie Cholera. Sonntag abend gegen 12 Uhr stellte sich auf der Unfallstation VI in der Lindowerstrahe der wohnungslose, 66 Jahre alte Schiffer Wilhelm Freitag ein. Der diensthabende Arzt stellte Durchfall und allgemeine große Körperschwäche fest und ließ den alten Mann als choleraverdächtig nach dem Krankenhause Moabit überführen. Freitag erklärte, bis zum 3. d. M. auf einem Kahn, der in Stralau lag, beschäftigt gewesen zu sein. Unter dem Verdacht der Choleraerkrankung ist die Arbeiterfrau Lina Krause aus der Birkenstraße 22 in die Isolierbaracke deS Moabiter Krankenhauses eingeliefert worden. Sie hatte die Reinigung eines Beamtenhauses in Moabit übernommen und er- krankte während dieser Beschäftigung unter Symptomen, die auf Cholera schließen ließen. Ter an der Cholera erkrankte Schiffer Schülke, dessen Ein lieferung in die Cholerabaracke zu Brandenburg an der Havel wir gemeldet hatten, ist als geheilt von dort entlassen worden. Ebenso ist auch das zur Beobachtung untergebracht gewesene übrige Schiffs personal wieder entlassen worden mit Ausnahme des Schifferknechtes Horn, der sich damals der Jnternierung entzogen hatte. Später wurde Horn festgenommen und nach der Beobachtungsbaracke ge bracht, jedoch gelang es ihm, sich abermals der Beobachtung zu ent- ziehen. Er wurde wiederum festgenommen und unter ärztliche Auf ficht gestellt und muß einige Tage in Quarantäne bleiben. Ein Zug ohne Klinken. Ein dreister Diebstahl ist auf dem Bahn hose Groß-Lichterfelde-Ost der elektrischen Vorortbahn verübt worden. Auf dem Hauptgleise stand ein zur Abfahrt fertiggestellter Zug, der am Sonntagmorgen in Betrieb genommen werden sollte. Obwohl sich in dttn Zuge Wächter befanden, gelang es einigen Dieben, an den Wagen sämtliche Messingklinken und Ouerstäbe abzuschrauben und zu stehlen. Der fahrplanmäßige Zug erhielt eine nicht un bedeutende Verspätung, denn eS mußte ein neuer Zug zusammen- gestellt werde». Von den Tätern fehlt jede Spur. Solche Diefr stähle sind in diesem Jahre auf den Berliner Bahnhöfen häufiger vorgekommen. So wurden vor erst zwei Monaten auf dem Bahn- hof'Norkstraße von einem Reservezuge sämtliche Messinghandgriffe t zirka 60 an der Zahl) gestohlen. Damals wurden die Diebe von dem Wächter, als sie die gestohlenen Handgriffe in Säcken über die Gleise schleppten, bemerkt und verfolgt, entkamen aber unter Zurück lajsung der Beute über die angrenzenden Kohlenplätze. Ein Bauunfall ereignete sich gestern(Montag) nachmittag in der Luisenstr. 21. Hier wird ein großer Neubau aufgeführt, der schon bis zur zweiten Etage gediehen ist. Das benötigte Material wird nicht durch Steinträger, sondern auf elektrischem Wege in die Höhe befördert. Die hierbei benutzten kleinen Wagen werden über Feldschienen gerollt, die über einen noch nicht abgedeckten Keller gelegt sind. Wahrscheinlich war der Schienenstrang nun nicht gehörig abgesteift! er verbog sich unter der Last und zwei mit Mauer- steinen beladene Wagen stürzten in den Keller hinab. Hierbei wurde auch ein Arbeiter mitgerissen und von den Steinmassen teilweise verschüttet. Man alarmierte sofort die Feuerwehr, doch brauchte sie nicht mehr in Tätigkeit zu treten, da der Verunglückte inzwischen schon von seinen Kameraden aus der gefährlichen Lage befreit war. Glücklicherweise sind die Verletzungen, die er davongetragen hat, nicht sehr schwere, so daß er nach seiner Wohnung gebracht werden konnte. lieber einen Selbstmordversuch wird unS berichtet: Der 26 Jahre alte Tapezierer Löschte hatte vor kurzem im Hause Barbarossastr. 64 zu Schöneberg einige Wohnungen renoviert und sich bei dieser Ge- legenheit in ein Dienstmädchen verliebt, das dem jungen Manne jedoch keine Beachtung schenkte. Als der Tapezier am Sonntag dem Mädchen einen Blumenstrauß bringen wollte, wurde er abgewiesen. Einer Freundin des Mädchens erklärte der junge Mann nunmehr, daß er sich erschießen wolle: diese nahm die Sache jedoch nicht ernst und riet dem unglücklichen Liebhaber, solches unten auf dem Hofe abzumachen. Bald fiel ein Schuß: der Tapezierer wurde, schwer am Hinterkopf verletzt, auf dem Hofe aufgefunden. Man brachte ihn in ein Krankenhaus. Straßensperrung. Die Roßstraße von der Schornsteinfegergaffe bis zur Aoßstraßenbrllcke wird behufs Befestigung mit Holzpflaster vom s. d. Bits, ab bis auf weitere» für Fuhrtoerke und Reiter gesperrt. Zu dem Raubanfall auf Fräulein Drescher wird mitgeteilt, daß eS der Kriminalpolizei gelungen ist, die Person deS Täters fest- zustellen. ES ist ein Reisender Artur Kordes, am 24. Juli 1882 zu Berlin geboren, der bis zum Tage der Tat bei seiner Mutter in der Christburgerstr. 30 wohnte, seitdem aber verschwunden ist. KordeS versuchte, einen ihm befreundeten jungen Mann zu über- reden, ihm bei dem Raubanfall zu helfen. Er erzählte ihm vor ungefähr 14 Tagen, er habe eine„feine Sache", die sehr leicht zu machen sei. Er kenne eine Angestellte eines Geschäftes, die jeden Tag 2000— 3000 M. auf die Bank trage. Dieses Mädchen hänge sehr an seinem Vater, der jeden Dienstag nach Berlin komme. Auf diese Anhänglichkeit baue er seinen Plan, das Mädchen von der Straße wegzulocken. Der junge Mann solle nun in das HauS, das er ihm bezeichnen werde, vorausgehen und das Mädchen, mit dem er folgen wolle, auf der Treppe anrempeln, Er werde es dann mit dem Gummi- schlauch niederschlagen. Einem anderen Bekannten sagte Kordes, er müsse eine größere Summe Geldes haben, komme eS, wie eS komme, weil er nach Brüssel fahren wolle. Jener Freund, der ihm helfen sollte, wies seinen Vorschlag zurück und hörte nichts mehr von KordeS, bis er am Dienstag, zwei Stunden nach dem Ueberfall, zu ihm kam und in großer Auftegung erzählte, er habe seinen Plan versucht, aber kein Glück damit gehabt. Er machte ihm heftige Vorwürfe, daß er ihm nichck geholfen habe. Hätte er das getan, so wäre der Plan ohne Zweifel gelungen. Jetzt solle er ihm wenigstens 4 Mark geben, denn er müßte machen, daß er wegkomme, weil die Zeitungen jedenfalls über den versuchten Raub berichten und seine Person beschreiben würden. Gleich nach diesem Besuche holte KordeS seine Geliebte ab, um sich zusammen mit ihr zu verbergen. Es ist dies eine am 10. Februar 1834 zu Treptow geborene Putzmacherin Marie Siebert, die in der Lands- bergerstraße 153 arbeitete und in der Straußbergerstraße 40 bei Graf wohnte. Marie Siebert lebte hier ftllher bei Verwandten und war verlobt. Kordes aber wußte sie so zu betören, daß sie die Ver- lobung aufhob, von den Verwandten wegzog und ihm ganz zu Willen war. Da er nun nach dem mißlungenen Anfall kein Geld hatte, so benutzte er seine Geliebte, um sich von seiner Schwester wenigstens etwas zu erschwindeln. Er fälschte ein Telegramm seines Schwagers, der Kassierer in einem hiesigen Geschäft ist, dieses Inhalts:„Heute bruchs nach sich ziehen konnte. Rechtsanwalt Bahn verwies auf die Jugend des Angeklagten, der an sich schon dadurch bestraft worden sei, daß er den Verlockungen einer so viel älteren Frau nicht Stand gehalten und ihr sein ganzes Lebensglück geopfert habe. Die Blind- heit, mit der er geschlagen worden sei, könnte und müßte fast das Mitleid mit ihm erregen. Die Geschworenen sprachen den Angeklagten des Meineides unter Anwendung der mildernden Strafbestimmung des§ 157 St.-G.-B. schuldig. Der Staatsanwalt beantragte 9 Mo- nate Gefängnis, der Gerichtshof erkannte auf 6 Monate Ge» f ä n g n i s unter Anrechnung von 3 Monaten Untersuchungshaft. Ter Gerichtshof hielt es für erwiesen, daß der Angeklagte durch Kassenrevision. Benötige sofort 25 Mark bei eventuellem Verlust der 1 Frau P. verführt worden und hielt ihm dies als Milderungsarund Stellung. Bitte jungem Mädchen sofort Geld geben." Bald nach dem Telegramm kam ein junges Mädchen Marie Siebert, und die trau des Kassierers fiel auf den Schwindel hinein. In großer orge um ihren Mann gab sie den, Mädchen sogar 30 Mark und noch eine Mark Fahrgeld. Marie Siebert ist seit Dienstag ebenso wenig mehr in ihre Wohnung zurückgekehrt wie Kordes. Alle ihre Sachen hat sie im Stich gelaßen. In der Angelegenheit wird weiter berichtet: Der Räuber KordeS scheint nach den neuesten Ermittelungen der Kriminalpolizei mit seiner'Geliebten, Marie Siebert. Berlin doch verlassen zu haben. Am Donnerstag traf ein Herr v. B., mit dem er ftiiher zusammen „in Haussegen und Kreideporträts" reiste, das Pärchen und unter- hielt sich mit ihm. Kordes stellte Marie Siebert als„seine Kleine" vor und erzählte, daß er nach der Gegend von Löwenberg fahren wolle, um wieder„in Porträts" zu reisen. Am Abend desselben TageS war er bei einen, Bruder v. SS.% der sich um eine Invaliden- reute belverben will, und stellte ihm eine eidesstattliche Versicherimg ans. Diesen Herrn bat er, seiner Mutter seinen neuen Aufenthalt nicht anzugeben, ihr dagegen zu sagen, daß er, v. B., ihm 10 M. geborgt habe. Spät abends schrieb er ihm noch von. Stettiner Dahnhof eine Postkarte. Hiernach scheint Kordes, der einen schwarzen steifen Hut, einen dunkelen, glatten englischen Ueberzieher mit schrägen Taschen und Knöpfstiefel mit Lackspitzen ttug, nach 10 Uhr abends vom Stettiner Bahnhof abgefahren zu sein und hält sich vielleicht in der Gegend von Nen-Ruppin und Löwenberg auf. Möglich ist aber auch, daß er durch seine Erzählungen und die Karte die Kriminalpolizei irrefiihren will. Marie Siebert trug einen schwarzen Hut mit Feder, ein schwarzes Winterjackett und ein schwarzes Kleid._ Ost-Krankenha»S für Haut- und Geschlechtsleiden. Tie Oberin Elise Schönner ersucht uns folgendes belannt zu geben Im Osten der Stadt Berlin, Tilsiterstr. 22, wird in der zweiter.'Hälfte des Monats Oktober ein neues, größeres Krankenhaus für Hautkrankheiten und Geschlechtsleiden eröffnet, welches bestimmt sein soll, den seit Jahren bestehenden fühlbaren Mangel an geeigneten Unterkunfts- stälten ftir solche Kranke abzuhelfen. In der Klinik, welche zunächst Kassenkraiike und Stadtarme aufnehmen soll, werden auch selbst- zahlende Kranke in eigens dafür eingerichteten Räumen Unterkunft finden. Das Kranlenhaus, welches den Namen„Ost-Kranlenhaus für Haut» und Geschlechtsleiden führt", ist mit den modernsten hygienischen Einrichtungen versehen und wird geleitet von den Spezialärzten Dr. Hermann Jsaae, Sanitätsrat Dr. Palm und Dr. E. v. Chrismar. Theater. Im Schiller-Theater 0. wird heute Dienstag Grillparzers dramatisches Märchen„Der Traum ein Leben" mit Georg Paeschle, Max Pategg, Franz Rolm, Gusti Becker und Paula Sitten in den Hauptrollen wiederholt. Mittwoch gelangt„Flachs- mann als Erzieher" zur Aufführung.— Das Schiller-Theater 17. gibt heute Dienstag„Flachsmann als Erzieher", am Mittwoch die neu einstudierte polittsch-satirische Komödie„Augen rechts" von Jon Lehmann in Verbindung mit Benno Jaeobsons eiualttgem Lustspiel „Zum Einsiedler", das auch am Schiller-Theater zahlreiche Freunde gefunden hat.— Im Lu st spielhause wird„Der Herr Haus- Hofmeister" von dem englischen Schriftsteller Barrie Sonnabend zum erstenmal gegeben._ Gmcbtö-Zcitung. Wegen Nichtaufnahme einer Berichtigung im„Vorwärts" tyttte sich gestern unser Kollege Rehbein vor dem Schöffengericht in Moabit zu verantworten. Der Anklage lag ein Artikel über das derzeitige Gelseukircheuer Grubenunglück zugrunde, der unter der Stichmarke„Grubenkapital und Menschenopfer" die Ur- fachen jenes Maffenunglücks kritisch behandelte. Die betreffende „Vorwärts"nuinmer hatte Rehbein vertretungsweise verantwortlich gezeichnet. Von der Gelsenkirchener BergtverkS-Gesellschaft war hierauf unter Berufung aus§ 11 des Pretzgesetzes eine Berichtigung eingegangen, deren Ausnahme Rehbein verweigerte, weil die Be- richtigung wesentlich über den Rahmen des§ 11 hinausging. DaS Glicht schloß sich dieser Auffassung an und erkannte auf Frei» s p r e ch u n g. Der Roman eineö jungen Hauslehrers beschäftigte gestern daS Schwurgericht de-s Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichts- dircktors Schmitz. Aus der Untersuchungshaft wurde der jetzt 23 jährige Student der Mathematik Heinrich W. vorgeführt, um sich wegen Meineides zu verantworten. Der Roman spielt teils in Hannover, teils in Berlin und enthält so viele pikante Kapitel, daß während der gerichtlichen Verhandlung die Oeffentlichkeit ausge- schloffen werden mußte. Der Angeklagte besuchte die technische Hoch- schule in Hannover. Er wurde von dem sehr wohlhabenden Kauf- mann P. als Hauslehrer zur Ueberwachung der Schularbeiten der vier Kinder engagiert. Die 46 jährige Mutter dieser Kinder fand sich häufig zu den Nachhülfestuuden ei», fand Wohlgefallen an dem damals 21 jährigen Jüngling, und dieser wurde das Opfer des nur schlecht verhüllten Liebeswerbens der alternden Frau. Zuerst ver- stand er deren Andeutungen und Aufmerksamkeiten überhaupt nicht, als es bei ihm zu dämmern begann, glaubte er so viel Widerstands- kraft zu besitzen, um der Versucherin entschlüpfen zu können— es war aber alles vergeblich. Auf dem Schützenfeste führte ihn der Zufall mit seiner C�-bieterin in einem lauschigen Weinzelt zusammen und in der animierten Stimmung, in welcher et sich befand, geriet er völlig in die Netze der Frau. Es entwickelte sich in der Folge zwischen ihm und der um ein Vierteljahrhundert älteren Dame ein ver- trauteres Verhältnis, als dies zwischen einem Hauslehrer und der Mutter der ihm anvertrauten Zöglinge der Fall zu sein pflegt, und aus diesem vertrauten Verhältnis wurde bald ein regelrechtes Liebesverhältnis, das den bedauernswerten jungen Mann auf eine ganz schiefe Ebene und völlig in die Gewalt der Frau brachte. Er kam erst wieder zur Besinnung, als er infolge dieser Pflichtvergessen- heit, hinter die der Ehemann der Frau P. mit der Zeit gekommen war, von der Hochschule relegiert wurde. Da wurde es ihm klar, welchem Abgrund er entgegeneilte und er suchte sich vor dem völligen Untergang dadurch zu retten, daß er Hannover verließ und nach Berlin übersiedelte. Hier gelang es ihm, Beschäftigung in einer Versicherungsgesellschaft zu finden. Di« ersehnte Ruhe war ihm aber auch hier nicht beschieden, denn bald war Frau P., die ihrem Mann eine Reise zu Bekannten vorgespiegelt hatte, auch in Berlin und soll hier die Wohnung mit dem Angeklagten geteilt haben. Dieser behauptet, daß er schließlich ein ganz willenloses Werkzeug in den Händen dieser Frau wurde, daß er ihretwegen sogar Ncst gelitten habe, da er alles, was er verdiente und von Hause bezog, ihr opfern mußte. Der Ehemann P. hatte inzwischen die Ehescheidungsklage gegen seine Frau eingeleitet und in einem Ende November v. I. vor dem hiesigen Amtsgericht angestandenen Termin wurde auch der An- geklagte als Zeuge vernommen. Er hat dabei wahrheitswidrig jeden intimen Verkehr mit Frau P. unter seinem Eide abgeleugnet. Er will hierzu teils aus einem gewissen Anstandsgefühl, teils durch ge- wisse Versprechungen und Drohungen der Frau P. bewogen worden sein und vor Ableistung des Eides sich durch ein Uebermaß von Alko- hol gestärkt haben. Staatsanwalt Dr. Lehmann beantragte das Schuldig gegen den Angeklagten unter Anwendung des tz 157, da-die Angabe der Wahrheit gegen ihn selbst die Verfolgung wegen Ehe zu gute.— Die Geschworenen erklärten sich dem Verteidiger gegen- über bereit, ein etwaiges Gnadengesuch zu unterstützen. Die Praktiken eines bürgerlichen GemeindekollegiumS wurden in einer am Freitag vor dem Amtsgericht Geestemünde statt- gehabten Verhandlung grell beleuchtet. Angeklagt war Genosse Heinrich Kurth, Vorsitzender des Sozialdemokra. ischen Vereins für Bremerhaven und Umgegend. Er soll das furckchare Verbrechen der Beleidigung begangen haben und zwar an dem Magistrat und Bürge rvorsteherkollegium von Geestemünde. Das letztere setzte sich bis vor kurzem nur aus bürgerlichen Vertretern zusammen. Im Frühjahr fanden ordnungsgemäße Ersatzwahlen statt, bei denen die sozialdemokratische Kandidatenliste unterlag. Bei einer notwendigen Ersatzwahl wurde indes schließlich Genosse Vieth gewählt. Merk- würdigerweise wurde seine Wal# vom Bürge rvorsteherkollegium für ungültig erklärt und zwar angeblich wegen beim Wahlakt vor- gekommener Unregelmäßigkeiten. Tagegen nahm man in der Oeffent- lichkeit, mich im bürgerlichen Lager, allgemein an, die Wahl sei für ungültig erklärt worden, weil Vieth Sozialdemokrat sei. In- zwischen ist im Verwalttingsstreitverfahren das Mandat Vieths für gültig erklärt worden. Damals aber und namentlich weil die Ungültigkeitserklärung unter ganz eigenartigen Umständen erfolgte, bemächtigte sich der beteiligten Kreise eine große Erregung, die in einem Flugblatt zum Ausdruck kam, das zum Protest verbreitet wurde. In diesem Flugblatt wurde dem Gemeindekollegium der Vorwurf gemacht, die Wahl Vieths aus ungesetzlichen Gründen und in ungesetzlicher Weise kassiert zu haben, sowie ferner, daß im Geestemünder Gemeindekollcgium eine Privatinteressen- Wirtschaft bestehe und viele Mitglieder ihr Amt und die ihnen kraft ihres Amtes anvertrauten Kenntnisse zu persönlichen Erwerbszwecken mißbrauchen. Das Hauptinteresse der jetzigen Gerichtsverhandlung drehte sich um die sogenannte Landkaufs- geschichte. Während nämlich die Gemeinde Geestemünde wegen Ankaufs eines bestimmten Grundstücks noch in Unterhandlung stand, wurde dasselbe von den Bürgervorstehern Namendorff und Lange in gewissem Sinne als Spekulationsobjekt betrachtet und Lange kaufte das Land durch Namendorfss Vermittelung für 51 000 M. an dem gleichen Tage durch einen Notcrriatsakt, als auch die Gemeindekollegien darüber beschließen sollten. In den Kollegien- sitzungen, von denen sich drei mit der Sache befaßten, traten Namen- dorff und Lange als eifrige Befürworter des Ankaufs durch die Ge- meinde auf, die Tatsache anfänglich verschweigend, daß Lange schon notarieller Besitzer sei. Als dies Namendorff in der zweiten Sitzung schließlich mitteilte, verschwiegen beide wieder die Höhe des von Lange gezahlten Kaufpreises, so daß die Gemeindekollegien an- nehmen mußten, Lange gebe das Grundstück ohne Verdienst her. In Wirklichkeit aber berechnete Lange den Kollegien einen Preis, der sich um mehrere 1000 M. höher stellte. Auffallend ist weiter, daß die Auflassung des schließlich von der Gemeinde gekauften Grundstücks nicht von Lange, sondern vom ursprünglichen Besitzer erfolgte und dieser auch den Kaufpreis von 53 800 M. von der Ge- meinde ausbezahlt erhielt. Die Differenz von 2800 M. zahlte der Verkäufer an Lange. 500 M. Provision für die Verkaufsvermitte. lung an Namendorff. Um diesen Betrag, den die beiden Bürger- Vorsteher erhielten ohne Kenntnis der Kollegien, hat aber die� Gemeinde das Grundstück zu teuer gekauft. Den beiden Stadtvätern ist übrigens ihre mindestens eigentümliche Rolle nur anscheinend bewußt geworden. Beide haben bei den beteiligten Personen auf Schweigen gedrungen. Namendorff hat sogar der Haushälterin des GrundstückverkäuferS, die den Kaufunterhcrndlungen beigewohnt hatte, zugesagt, dafür sorgen zu wollen, daß sie von der Kaufsumme ein paar Tausend Mark oder ein Legat abbekommen solle, wenn sie Stillschweigen bewahre. Dem Sohn des Verkäufers gegenüber, der auf Mitteilung des Kaufpreises drang, machte Namendorff allerhand Ausflüchte und versprach ihm eine Stelle als Versicherungsinspektor besorgen zu wollen in einem auswärtigen Ort. Der Sohn ließ sich aber darauf nicht ein, sondern hat gegen die beiden Strafanzeige er- stattet Das Verfahren hierüber schwebt noch. In der werteren Be- Weisaufnahme wurde festgestellt, daß im Geestemünder Gemeinde. Parlament allgemein der Grundsatz galt, daß das Jnuchaben ernes städtischen Ehrenamtes nicht ausschließe, mrt der Ge. meinde recht gute Geschäfte zu machen. Senatoren und Bürgervorsteher hielten eS mit der Eigenschaft ihres Amtes ganz gut i.nh für»nbedenklick. sich an den Submissionen zu be» daß merkwürdigerweise gerade sie vereinbar und für unbedenklich, teiligen, meist mit dem Erfolg, W>. die Mindestbietenden waren und den Zuschlag erhielten, selbst wenn sie kein diesbezügliches Geschäft besäßen, sondern Vertreter anderer Firmen im„Nebenamte" waren. Der Vertreter der Anklage ließ angesichts dieser Tatsachen ine» selbe fallen, soweit verleumderische Beleidigung in Frage kam und beantragte das Schuldig nur aus§ 185 und 186 heraus, da das Flugblatt schwere Beleidigungen enthielt. Der Amtsanwalt hielt eine Geldstrafe von 200 Nt. für ausreichend. Der Verteidiger Dr.Herz würdigte in glänzendem Plaidoyer die Ergebnisse der Beweisaufnahme und beantragte die Freisprechung des Angeklagten Kurth da der Wahrheitsbeweis in allen wesentlichen Punkten er» bracht sei. Nach längerer Beratung erging das Urteil dahm: der Angeklagte Kurth wird wegen formaler Beleidigung zu 300 M. Geldstrafe verurteilt. Der Gerichtshof kam nur zu einer Verurteilung auS-Z 185 l— Wie die Polen zu Preußen gemacht werden. Wegen ficht- baren Tragens einer weißroten Kranzschleife bei einer Beerdigung war Frau Mizgalska auS der Provinz Posen � zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Angewendet wurde die Pollzei- Verordnung des Regierungspräsidenten zu Posen vom 17. April 1801, welche eS unter anderem verbietet, öffentlich Abzeichen in anderen Farben als den Landesfarben zu tragen. DaS Kammergericht ver. warf die Revision der Angeklagten und erklärte die Verordnung mit Rücksicht auf die gespannten Verhältnisse in der Provinz Posen für rechtsgültig. Sie finde ihre Stütze im Polizeiverwaltungsgesetz und im§ 10 II 17 deS Allgemeinen Landrechts. In Dresden wurde der ehemalige Direktor der Allgemeinen Versicherungs-Gesellschaft Lehleitner nach achttägiger Hauptverhand- lung wgen Untreue zu einem Jahre 8 Monaten' Gefängnis und 2000 Mark Geldstrafe, eveiit. 200 Tagen Gefängnis, dazu 3 Jahren Ehrverlust, verurteilt. 5 Monate Untersuchungshaft gelten als verbüßt.____ Wasferstiind am 7. Oktober. Elbe bei Aussig— 0.09 Meter, bei Dresden— 1.57 Meter, bei Magdeburg ff- 1,21 Meier.— U» ft r u t bei Strauhsurt-I- 2,55 Meter.— O d e r bei Ratibor ff- 0.91 Meter, bei Breslau Oberpegel ff- 4,83 Meter, bei Breslau Unterpegel— 1,70 Meter, bei Franksurt ff- 1.10 Meier.— Weichsel bei Brahemünde ff. 2,38 Meter.— Warthe bei Posen— Meter.— Netze bei Usch — Meter. c�rlottellburg. f. Kiinstmgnn. nnr Wallntr. 1 Uhren und Goldwaren. GroUc» I-NRor jBUllgt; ä'relsc. 1S9B' Repareluren achnell unii billig. «erantw. Redakteur: Paul«iittmr. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Xh. Glocke, Berlin. Druck u.«erlag: Borwär!» Buchdrücke«» u. LerlasSanstalt Kanl Singer&(So. ""Berlin, Alte Jakobetr. 124.' Elektro-Teclinikainj gegr. 1874. Ei gn. Fabrik. Elektro-, j Ma chincn-. Lau-, Ingenieur-, Techniker-, Werkmeister., Mon- teur-AuSblldung. lisugs Abendkursus. Berliv SW.