Ur. 838. flbonncmcnts-Bcdingungcn: NboniiemenIS. PrciZ prkniiiiierando' Bierteljährl. 3,30 SR!., niansB. 1,10 M!,, »vöchentllch 28 Pfg, frei inS HauS, Elnzelne Slnmmcr 5 Pfg, Sonntags. innnmer m>t illustrierter Sonntags- Betlage.Die Nene Well' 10 Pfg, Poft- Ubonnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Poft-ZeitungZ- Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daö übrige«uSIand L Marl pro Monat, vlttKim täglich JuHir OloDlag«. Devlinev Volktsbl�tk- SA. Jahrg. Die TnfertlonS'Gebültr betrügt für die sechSgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum SO Pfg,, für politische und gewcrlschaftliche Vereins- und VerfaunuInngS-SInzeigen 2S Pfg, „steine Unreigen", das erste ssett- gedrultte) Wort lO Pfg,, jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nuiiuner müsse» bis 5 Uhr nachiuIltagS in der Expedition abgegeben werben. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis 8 Uhr vormittags geöfsnet, Telegramm- ildress«! «ssslsltltmslint Nu»»". �eniralorgsn der rozialdemokrati feben Partei Deutfchlands. Redahtion: 8M. 68, Lindenetraese 69. ffenispredfer: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 11. Oktober 1905. Expedition: 8M. 68, Lindenstraeae 69. Zternsvrecher: Amt IV. Nr. 1984. Oer Kampf In der Elektro-InduftHc. Unseren Feinden! Der Riesenkampf, der sich gegenwärtig in der Elektro Industrie von Berlin und Umgegend abspielt und möglicher. weise in Bälde sich auf die gesamte Berliner Metallindustrie ailc-dehnt, wenn das Unternehmertum seinen brutalen In stiukten gegen die Arbeiterklasse folgt, hat bis jetzt für die Sozialdemokratie große Vorteile gezeitigt. Dieser Kampf hat auch dem kurzsichtigsten und Vertrauens seligsten Arbeiter, der noch an eine gewisse Harmonie der Interessen zwischen Kapital und Arbeit, das heißt zwischen Unternehmer und Arbeiter glaubte, ein Licht aufgesteckt, wie es die beste sozialdemokratische„Hetzrede" nicht besser ihm auf stecken konnte. Was sehen wir? Nahe an 500 Arbeiter(Schraubendreher und Lagerarbeiter) fordern von ihren llnternehmcrn eine Lohn. Erhöhung, die auch der rigoroseste Protz nicht als unbeschoiden ansehen kann. Darauf erklären die Unternehmer beziehungs. weise ihre geistigen Handlanger, die Fabrikleiter, daß sie eine solche Forderung nicht bewilligen wollen und daß, wenn die Arbeiter nicht sofort die mittlerweile hingelegte Arbeit wieder aufnähmen und zwar zu den alten Bedingungen, sie ihre gesamten Arbeiter aufs Pflaster werfen würden. Gesagt, getan I Da die streikenden 470 Arbeiter, wie sich von selbst verstand, sich einer solchen schamlosen Zumutung sticht fügten, müssen heute 40000 Arbeiter, die an dem Streik gänzlich unbeteiligt sind, für sie mitbüßen und sind mit ihren Familien dem Elend der Verdienstlosigkeit preisgegeben. Wir fragen jeden ehrenhaften Menschen: kann es einen gewalttätigeren, rücksichtsloseren und ungerechteren Standpunkt geben, als ihn hier die Unternehmer ihren Arbeitem gegen über einnehmen? Ueber 4l)<)vv Arbeiter werde» nnt der Preisgabe ihrer Existenz bestraft, weil einige hundert Arbeiter ihre berechtigten und bescheidenen Forderungen nicht auf ei» Machtgebot der Unternehmer aufgeben und wie geprügelte Hunde z« Kreuz kriechen wollen. Man muß sich diese wenigen nackten Tatsachen vergegen wärtigen, um die Ungeheuerlichkeit der Zustände, unter denen wir leben, zu begreifen. Aber nicht genug damit. Wollen die ausgesperrten Arbeiter nicht bis zum 14. d. M. wie reuige Sünder in die kapitalistischen Bagnos zurückkriechen, so sollen weitere 20000 Menschen aufs Pflaster fliegen und mit ihren Familien ebenfalls der Verdienstlosigkeit, d. h. dem Hungern preis gegeben werden. In welchen Zuständen und in welchem Zeitalter leben wir? Weil es einer kleinen Handvoll ungeheuer reicher Leute, die aus der Arbeitskraft ihrer Arbeiter Jahr für Jahr Tonnen roten Goldes erpressen, beliebt, einigen hundert Arbeitern eine kleine Lohnerhöhung zu verweigern, die ihre Profitrate nicht um ein Viertel Prozent kirrzte, werden weiter Zehntausende von Arbeitern, die mit ihren Familienangehörigen die Be- völkerung einer respektablen Großstadt bilden, zum Hungern verurteilt. Car tel est nostre plaisir!(Das ist so unser Vergnügen I) sagten die absoluten Könige des Regims vor der großen Revolution. Diese kleine Handvoll Großkapstalisten schädigt selbst- verständlich mit der Durchführung ihres Herrenstandpunktes zunächst auch Tausende von Mittelstandsleuten auf das aller- schwcrste. Denn mit den hungernden Arbeitern und ihren Familien müssen büßen die Wohnungsvermieter, die Krämer und Kaufleute, Wirte, Schneider, Schuhmacher usw. usw., mit einem Wort die kleinen selbständigen Existenzen, die von dcni Arbeitsverdienst der ausgesperrten 40000, nächstens vielleicht der 60000 Arbeiter leben. Und da die Regierung, wie sich das für eine Regierung, die namentlich auf das Wohl ihrer reichen Untertanen bedacht sein muß, von selbst versteht, die Protzen in der Ele riro-In d u stri e unterstützt, so können sich diese tausends kleiner Geschäftsleute bei dieser Regierung, die auch besonders die Mittclstandsrctterei betreiben will, bedanken. Rufen wir also fröhlichen Herzens: Hoch lebe die Mittel- standsretterei! Die allerdings an diesem Berliner Vorgang gemessen als der reinste Humbug erscheint. Aber noch andere Lehren lassen sich aus diesem Riesen- kämpfe ziehen, Lehren, die nicht den Magnaten in der Elektro- Industrie und ihren Hintermännern in der Regierung zugute kommen, sondern der von beiden aufs äußerste gehaßten Sozialdemokratie. Ein Charakteristikuin dieses Riesenkampfes ist, daß die gesamte bürgerliche Presse Berlins, von der„Vossischen Zeitung" und dem„Berliner Tageblatt" bis zur„Nordd. Allg. Ztg.", der„Deutschen Tageszeitung" und der„Kreuz- Zeitung" auf feiten der Unternehmer steht. Als es sich nm die Arbciteransstände in Hamburg, Crimmitschau, dei- Ruhrgebiete usw. handelte, stand die Berliner Presse weit vom Schuß, d. h. ihre kapitalistischen Interessen wurden von jenen Arbeitcrausständen nur wenig berührt, und so sah es sehr schön aus, daß ein Teil derselben in Arbeiterfreundlichkeit machte und den betreffenden Unter- nehmern ins Gewissen redete ihren Arbeitern entgegenzukommen und sich mit ihnen zu verständigen. Diesesmal liegen aber die Dinge ganz anders. Bei der Aussperrung der Arbeiter in der Berliner Elektro-Jndustrie und verwandten Betriebe ist das gesamte Berliner Großkapital einschließlich der Eigentümer der bürgerlichen Presse direkt oder indirekt mit dem eigenen Geldbeutel engagiert. Wo aber die eigenen finanziellen Interessen der Presse oder ihrer Klientel in Frage kommen, da läßt sie die Maske des Liberalismus, der Arbeiterfreundlichkeit und des Christentums fallen und haut mit der ganzen Wut des in seinen Interessen bedrohten Kapitalisten aus die Arbeiter los und nimmt die Gewaltakte der Unternehmer in Schutz. Auch das trägt dazu bei, einem weiteren großen Kreis von Leuten den Star zu stechen und sie über die wahren Ge- sinnungen der bürgerlichen Presse aufzuklären. Das kommt wieder der gehaßten Sozialdemokratie zugute. Das weiß natürlich auch die gegnerische Presse und da sie sich der Erbärmlichkeit ihrer Rolle sehr wohl bewußt ist, so muß sie die Sachlage vor ihrer Leserwelt verdrehen und lügen und verdunkeln, daß die Balken brechen. Und wie kann sie leichter ihre Stellungnahme rechtfertigen, als daß sie frech und dreist erklärt: An dieser ganzen Kalamität sei wieder nur die Sozialdemokratie schuld; sie allein sei das Karnickel, das angefangen habe und nur um i h r Partei interesse zu fördern, habe sie den Streik vom Zaun gebrochen und das brave, harmlose Unter nehmentum zu einem„Akt der Notwehr" gezwungen. In dieser verlogenen Weise schallt es unisono von der äußersten Linken bis zur äußersten Rechten der bürgerlichen Presse Verlins. Allen voran das achselträgerischste Blatt der Berliner Presse, das sich liberal nennende„Berliner Tageblatt", das in seiner Morgenausgabe vom 9. Oktober dieses Thema ganz besonders zu Tode reitet. Das„Berliner Tageblatt" heult darüber Ströme Krokodils tränen, daß die armen von der Sozialdemokratie verführten Arbeiter die Zeche bezahlen müßten. Denn daß die Arbeiter in dein ihnen aufgedrungenen Kampfe unterliegen, steht für das Mossesche Kapitalistenblatt von vornherein fest. Nachdem es die Hoffnung ausgesprochen, daß man hüben und drüben seine wahren Interessen werde kennen lemen, fährt das Mosscblatt also heuchlerisch und verlogen fort: „Auf der Arbeitcrseite ist der Einfluß der Sozialdemokratie, die die Streiks und die 5triegserklärungen an die Unternehmer überhaupt aus parteipolitischen Gründen braucht, ein Hemmnis für diese Erkenntnis und auf der Seite der Arbeitgeber ist das gleiche der Fall. Solange dieArbeiter, wie jetzt i» Verlin, Streiks im Jnter- esse der Sozialdemokratie inszenieren werden, >v erden die bürgerlich fühlenden Unternehmer sich dagegen wehren, und mit Recht. Wenn aber die Arbeiterschaft die sozialdemokratischen Parteikinderschuhe abgelegt haben wird, dann wird auch das Unternehmertum in dem Bewußt- sein, daß dieArbeiter aus sachlichen, nicht aus parteipolitischen Gründen ihnen mit ihren Forderungen kommen, diese Forderungen mehr berücksichtigen als jetzt! Dann aber wird der Streik und die Aussperrung nicht, wie heute, das alltägliche Kampfmittel, sondern nur die ultima ratio sein, die ebenso selten in An- Wendung kommen wird, wie die ultima ratio ro�um, die Kanone." Schade um jeden Satz, der diesem blöden Gewinsel als Widerlegung gewidmet würde. Die Sozialdemokratie hat— wie aus der Darstellung des Sachverhalts in diesem Artikel für jeden, der ehrlich ist, hervorgeht— mit dem Streik in der Berliner Elektro- Industrie genau so viel zu tun, wie das„Berliner Tage- blatt". Was sich auf diese ni Gebiete in den letzten Wochen abspielte, hat die Sozial- Demokratie und ihre Leitung auf demselben iege erfahren wie das„Berl. Tageblat t". Aber wenn die Sozialdemokratie mit dem Streik und Massenausschluß in der Berliner Elektro-Jndustrie bisher nicht das geringste zu tun hat, ist damit nicht gesagt, daß sie auch k ü n f t i g mit diesen Vorgängen und ihrer Konsequenzen nichts zu tun haben will. Wir können den Rudolf Mosse, Rathenau und Genossen verraten, daß die gesamte Sozialdemokratie Deutschlands den jetzt hier in Berlin sich abspielenden Kämpfen mit ge- spanntester Aufmerksamkeit folgt und daß sie mit allen ihr zu Gebote stehenden Kräften und Mitteln in diesen Kampf eintreten wird— selbstverständlich zugunsten der schnöde mißhandelten Arbeiter— sobald sie glaubt, daß die Stunde dazu gekommen ist. Zunächst ist eS Sache der beteiligten Gcwerkschafts- organisationen, vor allen Dingen in Berlin, diesen Kampf im Interesse ihrer Angehörigen bis zum äußersten zu führen, und die Gewerkschaften werden ihren Mann stellen. Das Weitere wird sich finden. Eins aber mögen sich die Rathenau, Mosse und Genossen, mit einem Wort der ganze Berliner Kapitalistenklüngel schon letzt merken: Wenn die Herren glauben, mit einem Kampfe gegen ihre Arbeiter, denen sie ihre Millionen verdanken, die Sozialdemo- kratie zu schädigen und zu schwächen, so irren sie sich: sie schädigen s e l b st dann nicht die Sozialdemokratie, sondern stärken sie nur, wenn die Arbeiter— was wir nicht glauben— in diesem Kampfe unter- liegen sollten. Dafür haben die Rathenau und Genossen mit ihrer blöden Politik zu gut gesorgt. Wie diese Kapitalniagnaten Tausenden von Mittelstands- leuten klar gemacht haben, daß nicht der Arbeiter, sondern das Protzentum in der Großindustrie ihr Todfeind ist, so haben sie auch schon jetzt durch ihre Massenaussperrung Zehntausenden von Arbeitern klar gemacht, daß nicht die Sozialdemokratie, sondern der Kapitalismus— gehören seine Träger zu den bc- schnittenen oder unbeschnittenen Mammonsbesitzern—- der grimmigste Feind der Arbeiter ist. Indem sie Zehntausende von Arbeitern auf die Straße werfen, einerlei ob es rote Sozialdemokraten oder patriotische Kriegcrvereinler, liberale Gewerkschaftler oder fronnne Zentrums- anhänger sind, also ohne Rücksicht auf politische Gesinnung und Religion, sondern nur weil es ein Ardeiter ist, so begreifen nunmehr auf einmal die Arbeiter, daß sie als Arbeiter gleiche Interessen haben und sie Dummköpfe sein müßten, sich künftig noch von ihren sozialen Feinden weiter am politischen Narrenseil herumführen zu lassen. Sie begreifen jetzt mit erschreckender Deutlichkeit, daß es für sie nur noch ein Drüben gibt, d. h. auf feiten der Sozial- demokratie zu stehen und zu kämpfen. In diesem Sinne haben einnial wieder die Rathenau, die Mosse und Genossen, unsere größten Feinde, sich als unsere besten Freunde gezeigt und so rufen wir aus Herzensgründe ihnen zu: Vivont nos arnis, les ennernis! Es leben unsere Freunde, die Feinde! Was sich auch eine wohlweise Regierung bis in ihre obersten Spitzen hinter die Ohren schreiben mag l •*'* Herr Rathenau verlangt nichts umsonst! Die Darstellung der drei Werke über ihre Auffassung von der Entwickelung des Kampfes hat natürlich in der bürgerlichen Presse bereitwillige und beifällige Aufnahme gefunden. Nicht alle Zeitungen wurden aber von dem Eleltrizitäts-Concern gleichmäßig be- handelt. Gerade die Blätter, die derartige im Interesse des Unternehmertums verfaßte Darstellungen mit Kußhand in breitester Form ihrem redaktionellen Teile einverleiben sollten, haben dieselbe als Belohnung für treue Dienste als Inserat überwiesen bekommen. Die Firma Mosse, die sich unter- fängt, neben dem unternehmertreuen„Tageblatt" auch noch ein Blatt für Arbeiter-Lesekundschaft herauszugeben, ist von der Alimen- tation ausgeschlossen: dagegen werden„Post" und„Neueste Nach- richten",„Börsen-Courier",„Tägliche Rundschau" und einige andere Blätter" jetzt in noch tieferem Brustton der Ueberzeugung das Elektro-Unternehmertum preisen, das seine Angestellten so gut be- zahlt I Die streikenden Maschinisten und Heizer haben in den letzten beiden Tagen wieder einigen Zugang an Aus- ständigen erhalten, so daß die Zahl der Streikenden gegenwärtig 380 beträgt. Wenn auch noch immer ein beträchtlicher Teil der alten Leute in den Zentralen stecken geblieben ist, so geht doch aus der Zunahme der Zahl hervor, daß die moralische Wirkung des Streiks einen steigenden Einfluß auf die bislang am Ausstände nicht beteiligten Maschinisten und Heizer auszuüben scheint. Dieser Umstand ist vor allem auf die jetzigen Betriebszustände in den Zentralen und Neben- stationen zurückzuführen. Zivar bekommen die Streikbrecher größtenteils einen erhöhten Lohn: vielen sind die Löhne sogar verdoppelt ivorden. Auch an Speise und Trank ist keinerlei Mangel; die Direktionen lassen es sich eben etwas kosten. Jedoch die Tatsache, daß die meisten der wirklich brauchbaren Arbeitswilligen die Betriebs- räume weder Tag noch Nacht verlassen dürfen, also wie in einer Art Gefängnis gehalten werden, ist einem Teil der alten Leute mit der Zeit doch unangenehm geworden. Hinzu kommt noch, daß von ihnen verlangt würbe, die in den Herbergen zur Heimat oder im Scheunenviertel aufgegabelten gewerbsmäßigen Streikbrecher freundschaftlichst anzulernen und so gewissermaßen Brüderschaft mit ihnen zu machen. Der übrige Teil der nicht mit in den Ausstand getretenen Maschinisten und Heizer läßt sich jetzt wohl hauptsächlich nur noch durch den erhöhten Lohn zur weiteren Arbeitswilligentätigkeit bewege». Mitgeteilt zu werden verdient noch, daß eine Anzahl Streikbrecher in verschiedenen Zentralen auf ihre Art rebelliert haben, iveil ihnen bei ihrem jetzigen Verdienst daö haftähnliche Verblerben in den Betricbsräumen langweilig wurde. So ist einigen von ihnen denn am Südufer ge- stattet worden, des Abends truppweise den Betrieb auf einige Stunden, gewissermaßen zum„Auslüften" zu verlassen. Ilm nun jedes Zusammentreffen mit Streikposten zu vermeiden, haben die Leutchen die Erlaubnis bekommen, gleich über das Bahn gleise nach dem Bahnhof Pntlitzstraße zu gehen. Wenn sonst ein gewöhn- licher Zivilmensch daS Bahngleife betritt, hat er eine Strafe von 6 M. zu gewärtigen. Solche Strafparagraphen scheinen aber für die Herren Streikbrecher außer Kraft gesetzt zu sein. Auch in der Zentrale Mauerstraße hat man in sinniger Art für zweckentsprechende Anslllftuiig der lieben Arbeitswilligen gesorgt. Vom Markthallen- restanrant führt jetzt nämlich eine funkelnagelneue Holztreppe nach dem Fenster des Kloscttraumeö der' Zentrale. sodaß die Streikbrecher auf diesem etwaS ungewöhnlichen Wege je nach Gutdünken ihrer Vorgesetzten das Freie gewinnen dürfen. Ja, uns wird sogar berichtet, daß in der Zentrale Spandauerstraße die Brandmauer nach dem Hildebrandtschen Schoko- lndengeschäft durchbrochen worden ist, um die Streikbrecher durch dieses Wondloch und don da durch den Bonbonladcn unerkannt hinauszulassen. Derartige Maßnahmen beweisen zur Genüge, welchen Wert die Unternehmer nebst den Behörden auf die Erhältung von Arbeitskrästen in den Zentralen legen und welche enormen Kosten ihnen der Streik des Maschinenpersonals verursacht. * IGine Differenz im Kabelwerke von Dr. Cassirer, C h a r l o t t e n b u r g, hat ihre Ursache in der Aussperrung. Die dortigen, fast durchweg im Fabrikarbeiterverband organisierten Arbeiter haben nämlich die starke Vermutung, daß in diesem Werk Streikarbeit für die Allgemeine Elektrizitätsgcsellschaft an- gefertigt werden solle. Da die Firma in einem Tarifvertrags- Verhältnis zu ihren Arbeitern steht, so wurde im beiderseitigen Ein- Verständnis die Entscheidung des E i n i g u n g s a ni t e s des Berliner Gelverbegerichts eingeholt. Gestern konnte die Differenz vor den, Einlgnngsamt denn auch zur Zufriedenheit der Arbeiter beigelegt werden, ohne daß es zur Arbeitsniederlegung zu kommen brauchte. * Solidarität. Aus Che m 11 i tz meldet ein Telegramm vom 10. Oktober: Gestern abend tagte hier eine etwa von 1000 Arbeitern besuchte Versammlung von Arbeitern der sächsischen Maschinenfabrik vorm. Hartmann. Insbesondere wurden die Lohnbcdingungen einer scharfen Kritik unterzogen. Im Anschluß daran wurde auch über den großen Streik in der Berliner Metallindustrie diskutiert. Es wurde später folgende Resolution beschlossen: „Die heute im Gasthaus„Adler" tagende Metallarbeiter- Versammlung nimmt Kenntnis von dem Rieseukampf in der Berliner Metallindustrie. Die Anwesenden erwarten, daß von Chemnitz ans niemand nach Berlin fährt, um dort als Streikbrecher zn arbeiten. Desgleichen verspricht die Versammlung ihre kämpfenden Kollegen moralisch und nratericll zn unterstützen und bittet den Vorsitzenden, Schritte zu unternehmen, um möglichst schnell Mittel zu verschaffen zur Unter- stützung der durch den Nebermut der Unternehmer ausgesperrten Berliner Kollegen."_ Politische Oebcvricbt. Berlin, den 10. Oktober. Ter Fall Nieuwenhuis. Domcla Nieuwenhuis sendet an uns einen Brief, in dem er dem Jenaer Parteitag, den Parteigenossen und der sozialdemokratischen Partciprcsse seinen Dank ausspricht für den Eifer, mit dem die deutsche Sozialdemokratie sich seiner Sache, obwohl es sich um einen politischen Gegner handelt, angenommen habe. Nieuwenhuis sendet uns weiter eine Abschrift des Briefes, den er an den preußischen Minister des Innern gerichtet hat. Er lautet: An Sc. Exzellenz den Minister des Innern. Infolge Ihrer Depesche vom Freitag, den 29. September, bin ich aus dem Strafgefängnis in Jiölii entlassen worden, wo ich 18 Tage verweilt habe. Se. Exzellenz hat gemeint, damit seine Pflicht zu erfüllen und ich erstatteJhnen dafür meinen aufrichtigen Dank. Aber auch ich habe eine Pflicht zu erfüllen, die ich mit diesem Schreiben in der Hoffnung betätige, daß Se. Exzellenz dieser Sache seine volle Aufmerksamkeit schenken wird. Ich erhebe gegen das Polizeipräsidium in Köln Anklage tvegen ungesetzlicher und ungerechter Freiheitsberaubung, und stelle die Frage, ob ein Staat den Anspruch erheben kann, sich einen Rechtsstaat zu nennen, wenn die Potizciwillkür derartige Maßnahmen treffen kann und darf, ohne deswegen von der Rc- gierung bestraft zu werden. Ich werde meine Anklage begründen. Am 11. September bin ich in Köln verhaftet und in das Polizeigefängnis gebracht worden. Ich bin dorr geblieben bis zum 22,, ohne verhört zu werden, ohne zu wissen warum und wofür ich verhaftet worden bin. lind das, obwohl das Gesetz jedem Gefangenen das Recht gibt, innerhalb 21 Stunden von dem Richter verhört zu werden. Als Ausländer war diese Bestimmung mir unbekannt. Aber aus alle Fälle, wenn das Gesetz diese Ae- slimmung gebietend vorschreibt, wäre es die Pflicht gewesen, mich innerhalb 21 Stunden dem Richter vorzuführen. Elf Tage Freiheitsberaubung im Widerspruch zum Gesetz! Man hat mich Ivie einen gemeinen Verbrecher in daZ Gefängnis geschleppt, in eine Zelle geschlossen und dort verwahrt, und das alles, weil ich, wie ich nach elf Tagen hörte, über die Grenze gegangen lvar, ohne dazu das Recht zu haben. Ich bin wegen Bannbrilchs verfolgt worden, weil ich vor 15 Jahren aus Preußen ansgetviesen worden bin. lieber die Rechtsfrage schweige ich, da die Auslegung des Gesetzes natürlich verschieden sein kann. Vvr�dem Schöffengericht erschienen, bin ich am Mittwoch, den 27. September, zu fünf Tagen verurteilt worden, aber die Richter erklärten meine Strafe für verbüßt wegew der Zeit, welche ich schon im Gefängnis als llntersuchungsgefangener gewesen war; ich wurde vom Richter entlassen. Der Polizeipräsident scheint jedoch eine Persönlichkeit zu sein, die sich über die Gesetze stellt irnd die sich gar nicht bekümmert um das Urteil der Richter. Er ist allmächtig. Das hat er in meinem Fall gezeigt. Denn statt mich zu erttlassen, bin ich wiederum als Polizeigefangeuer zurückbehalten worden. Und wiederum geschah das gleiche. Ohne zu wissen, tvaruin, blieb ich verhaftet, hat man mich festgehalten. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hat man weder einen Brief von mir an den niederländischen Konslll in Köln, noch einen Brief an meinen Rechtsanwalt an ihre Adressen befördert. Wiederum ein Rechts- bruch, denn ich hatte das Recht, zn erwarten, daß meine Briefe direkt befördert werden sollten, wie das Gesetz es befiehlt. Mein Rechtsanwalt, Herr Schramm aus Köln, wußte also nichts bon meiner neuen Verhaftung und lebte in der festen Ucberzeugung, daß ich sofort nach meiner Heimat zurückgekehrt wäre. Ich füge als Beilagen die Belveisstücke an, nämlich die zwei Briefe, die man glücklicherweise so unvorsichtig war, mir einzuhändigen. Se. Exzellenz gewinnen dadurch die seltene Gelegenheit, sich zu überzeugen, baß sich die Sache so verhält. Man hat mich wiedermn ungesetzlich ins Gefängnis gesetzt und dort behalten, bis die Depesche Sr. Exzellenz mich endlich erlöste. Hoffentlich werden Se. Exzellenz ohne Ansehen der Person handeln; denn es gilt hier die Ehre Preußens auch dem Auslande gegenüber. Wo der Boden des Rechtsstaates verloren ist, da herrscht Willkür und Tyrannei. Was würde Se, Exzellenz>dazu sagen, wenn ein Deutscher im Auslande so behandelt würde, wie ich in Köln! Ich erhebe gegen den Polizeipräsidenten die Anklage des Amtsmißbrauches und gebe mich der Hoffnung hin, daß solche Dinge niemals wieder vorkonunen werden. Und ich fordere weiter von der Regierung einen Schaden- crsatz für meine Freiheitsberaubung während so vieler Tage. Selbst wenn Sc. Exzellenz sich dazu entschließen sollten, wie es Recht ist und wie ich erwarten darf, so bleibt das Unrecht dennoch bestehen, es wäre nur ein schwacher Versuch von Ihrer Seite, das gut zu machen, was ein Beamter, der seine Machtbefugnisse über- schreitet und seine Rechte mißbraucht, übel getan hat. Ich loerde also sehen, ob das Rechtsgefühl Sr. Exzellenz stärker ist, als die Macht eines Polizeipräsidenten, dessen Willkür eine Gefahr ist für alle Staatsbürger aller Länder und eine Schmach für Preußen. Ergebcnst F. Domela Nieuwenhuis, niederländischer Staatsbürger. Hilverfum, Holland, 2, Oktober 1905. Was der preußische Minister, wenn er den Mißhandelten überhaupt einer Antwort würdigt, crlvidern wird, läßt sich unschwer voraussagen. In der„Kölnischen Zeitung" wird bereits von„amt- licher Stelle", d. h. wahrscheinlich vom Kölner Polizeipräsidenten, der ungeheuerliche Vorgang„erklärt". Es wird in dieser Cr- klärung darauf hingewiesen, daß die Voraussetzung der Rechtsverwahrimg des Nieuwenhuis hinfällig ist: Der holläu- dische Politiker nahm eben fälschlich an, daß Preußen ein Rechtsstaat sei, und diese Annahme ist falsch. Preußen ist kein Rechtsstaat, sondern ein Polizeistaat. Preußen schafft zwar Rechtsgarantien innerhalb des Gebietes der Justiz, ober die Polizei ist stärker als die Justiz nud insbesondere für Ausländer gibt es keinerlei NechtSgarantien, sondern nur Polizei- Willkür. Selbst wenn der Ausländer so glücklich ist, ein Verbrechen begangen zu haben, genießt er erst die Garantien des Rechts in dem Augenblick, wo es der Polizei beliebt, seine Sache an die Justiz weiter zu geben. Sie kann ihn vorher und nachher, so lange eS ihr beliebt, in Polizeigewahrsam halten, ohne daß der Verhaftete überhaupt erfährt, warum und wozu. Das ist in der amtlichen Erklärung der„Kölnischen Zeitung" mit allem wünschenswerten Zynismus klar ausgedrückt:„Nieuwen- huis ist nicht zum Zwecke der Strafverfolgung," so heißt es da, „sondern lediglich zur Sicherung der Answeistmg in Pvlizei- gewahrscun genommen worden. Erst nachher stellte sich heraus, daß er schon früher ans Preußen ausgewiesen war und sich des- halb durch die unerlaubte Rückkehr einer strafbaren Handlung schuldig gemacht habe. Sobald diese Tatsache der Polizei bekannt wurde, hat sie Nieuwenhuis unverzüglich dem Amtsrichter vor- geführt und damit dem§ 123 der Strafprozeßordnung Genüge ge- leistet." Mit anderen Worten: die Polizei kann einen Ausländer solange nach Willkür festnehmen, bis ihr„bekannt" wird, daß er sich eines Deliktes schuldig gemacht hat. Wäre die strafbare Handlung der Polizei erst nach 8 Wochen„bekannt" geworden oder hätte über- Haupt Nieuwenhuis nicht das Glück gehabt, eine Gesetzesübertretung begangen zn haben, so wäre er überhaupt niemals dem Nichter vor- geführt worden und hätte niemals die NechtSgarantien der Straf- Prozeßordnung genossen. ES ist Ausländern hinfort zu raten, wenn sie nicht in die Falle der Polizei geraten wollen, ein so deutliches Verbrechen zu begehen, etwa einen Mord, daß selbst der Polizei e? sofort bekannt werden muß, der betreffende sei unverzüglich dem Richter vor- zuführen. Ein frecher Zynismus spricht auch au-Z der„amtlichen" Ve- gründung, warum man denn Nieuwenhuis auch nach gesetzlicher Ab- urteiluug und gerichtlicher Freilassung nochmals verhaftet habe:„Die wiederholte Festnahnie nach Erledigung des Strafversahrens ließ sich nicht umgehen, weil damals die Aufnahmeerklärimg der niederländischen Regierung noch nicht eingegangen war." Natürlich, der Polizei war eben nicht bekannt, daß Nicnlvenhuis ein angesehener holländischer Staats' bürger ist. Diesem famosen Kölner Polizeipräsidenten braucht es ferner nicht bekannt zn sein, daß in Holland wie in jedem Kultur- land Staatsbürger„angenommen" werden müssen, da es keine Ver- bannung von Inländern gibt. Der preußischen Polizei braucht gar nichts bekannt zn sein, und sie kann verhaften wen und solange sie Lust hat. Das ist nun einmal der Rechts zustand in Deutsch- land. Dagegen läßt sich gar nichts machen und nur das Ausland selbst kann dieses barbarische Polizeipreußen zur Ordnung und zur Scham rufen, indem es nun seinerseits Deutsche ebenso für vogelfrei erklärt, wie eS in Preußen mit Ausländern geschieht. Kein Deutscher im Auslande kann sich hinfort mehr beklagen, wenn er mißhandelt wird. lind wenn sich die amtliche Erklärung der„Kölnischen Zeitung" auf eine„Praxis" beruft, die teils auf„bcsoudcver Vereinbarung". teils auf dem„SolidaritätSgcfühl aller Kulturvölker" beruht, daß „Anarchisten" im Wege des„unmittelbaren Zwanges" an die heimatliche Grenze abgeschoben werde», so wird man hinfort alle preußischen Staatsbürger reaktionärer Gesinnung im Aus- lande auf dem Wege unmittelbaren Zwanges an die deutsche Grenze befördern dürfen. Denn wenn Anarchismus im Polizeisinue Rechtlosigkeit bedeutet, Auflösung des Rechts, so ist jeder preußische Staatsbürger, der die preußische Polizeipraxis, die alles Recht auf- löst, unterstützt, im blutigsten Sinne ein Anarchist. Wie man sieht, beruft sich der„Anarchist" Nieuwenhuis naiv auf de» Rechtsstaat Preußen und die Vertreter des Rechtsstaates Preußen antworten ebenso naiv, daß Preußen, kein Rechtsstaat sei, sondern daß die Polizeianarchie höchstes Gesetz sei!— Amsterdam, 10. Oktober.! Fritz Hobler. Herr Hobler ist Sekretär der Bundesanwaltschaft. Im National- rat hatte er vorige Woche bestritte», daß er einen solchen Brief ge- schrieben; da aber das Corpus delicti vorliegt, mußte er es. doch anerkennen. Das tat auch Bundesrat Brenner, natürlich nicht, ohne die ganze Affäre zu verWedeln und abzuschwächen und schließlich sogar das Recht dafür in Anspruch zu nehmen, Versammlungen und Beloegnngen zu überwachen. Damit wäre die Schwcizerfreiheit glücklich zur Freiheit von Bundesrats Gnaden geworden, lind ebenso verhält es sich mit der Verletzung des Postgeheimnisses; das elende plutokratische Regiment in der Schweiz wird mit jedem Tage reaktionärer. Zwei bürgerliche Abgeordnete, Zürcher- Zürich und Ritschard-Bern. schwangen sich diesmal zu einer Mißbilligung der erbärmlichen Praktiken des Bundesrates und der Bundesanwaltschaft aus. Von unserer Fraktion übten die Genossen Dr. B r ü st l e i n und Brandt scharfe Kritik, letzterer protestierte insbesondere gegen die Ueberwachung der Eisenbahner durch die politische Polizei. Am 29. Oktober hat die schweizerische Arbeiterschaft Gelegenheit, bei der Neumahl d�s Nationalrates mit dem herrschenden Schand- regimcnt abzurechnen. Ob sie es tun wird? Frankreich. Die Frauen von Bangiii. Unter diesem Titel setzt der Genosse Ronane t seine Eni- hüllüngen über die im französischen Kongogcbiete v ej- Übten Greueltaten in der„Hnmaiiitu" fori. Als die Fälle Gmid und Taynö bekannt wurden, suchten sich die Verteidiger des kolonialen AuSbentungSsystemS damit zu entschuldigen, daß es sich um Ausnahmefälle handele. Nun kommen aber immer mehr Be- weise von dein unmenschlichen Wüten der weißen Abenteurer gegen die Eingeborenen, daß diese Ausflucht nicht mehr hilft. Jetzt macht die klcrikal-patriotische Presse Nouauct Vorwürfe, er hätte warten sollen, bis der Minister die betreffenden Dokumente veröffentlicht. Roumiet aber zeigt keine Lust, diesen Rat zu befolgen; er ist der durchaus richtigen Meinung, daß die Berichte der UntersuchungS- kommission nicht dazu da sind, in den Schränken der Ministerien zu verstauben. Und in der Tat, gar nicht schnell genug kann die Oeffentlichkeit unterrichtet werden von dem Treiben der französischen Zivilisatorcn am Kongo, So grauenvoll sind die Schilderungen, welche Röuaiiet anZ den Berichten eines Arztes wiedergibt, daß man sich in die Zeiten des finstersten Mittelalters versetzt fühlt. Man höre: Der Arzt Dr. F n l c o n i S kam im Mai 1991 direkt von Frank- reich nach der Station Bangni. Da er seine Ankunft nicht an- gemeldet hatte, war auf dem Posten keine Vorsorge für seine Unter- kunft getroffen; er mußte mit einem engen Raum in der Apotheke fürlicb nehmen. Dieser Umstand ftibrte aber dazu, daß er eine grauenvolle Entdeckung machte. Er schlief nur schlecht, erhob sich am frühen Morgen, um einen Spaziergang zu machen. In der Nähe des Stationsgebäudes hörte er Wimmern und Stöhnen, das ans einer Hütte drang, deren Tür von außen geschlossen war; er öffnete sie und eS bot sich seinen Augen ein schrecklicher Anblick dar, Frauen, nein weibliche Skelette, abgezehrt, die Augen brennend von Fieber und Hunger, lagen dort durcheinander, in Finsternis und Gestank, Die eine— diejenige, deren Wimmern der Doktor gehört— lag im Blute schwimmend am Boden; sie hatte einem Kinde das Leben gegeben. Hier in dieser Grabeshöhle rang das Leben mit dem Tode in vcr- zweiflnngsvollem Kampfe. An der Seite dieser Unglücklichen lag eine andere, die der Tod schon vor einigen Stunden von ihren Qualen erlöst hatte. Wieder andere, deren Atmen nur noch ein schwächliches Röcheln war, hielten in ihren abgemagerten Armen kleine Wesen, die vergebens der Mutter Brust suchten. FiilconiS, starr vor Entsetzen, eilte zum Kommandeur der Station. Dieser berichtete ihm, daß die Frauen und Kinder als Gefangene aus einem Gebiete—. etwa fünf Tagereisen entfernt— entführt worden waren. ES waren ihrer 53 gcweicn; davon mehrere in schwangerem Zustande. Die Zahl der Kinder betrug 10, wovon einige in zartestem Alter. Die Hütte war 6 Meter lang und 4'/» Meter breit und hatte außer der Tür keine weitere Oeffnung. In den letzten 13 Tagen waren von den Frauen 25 gestorben; ihre Leichname hatte man einfach in den Fluß geworfen. Am 12. Mai waren die Gefangenen in Bangui angelangt, bis zum 17. Juni war ihre Zahl auf 13 Frauen und 3 Kinder zusaminengeschmolzen; man batte sie buchstäblich der- hungern lassen. Das letztere hat Dr. Fnlcoiiis durch Uiitersuchimg der lebenden sowohl als einiger der verstorbenen Frauen festgestellt und in einem Dokument unanfechtbar niedergelegt. Woher kamen diese Frauen und Kinder und warum hatte man sie aus ihrer Heimat in die Gefangenschaft geführt, wo man sie elendiglich verhungern ließ? Was hatten sie verbrochen? Ihr HeimatSdorf halte den habgierigen Beamten der 5eo!oiiialgesellschaft nicht genügend Kautschuk abgeliefert und so Ivurdcn die Frauen als Geißeln entführt, um die Männer zu größerem Fleiß zu zwingen. Auch diese Schilderungen versucht man mit Berichtigungen und Dementis zu bekämpfen. In der Presse der Kautschukiiitcresscnten wird es so dargestellt, als ob der französische Agent Culard die Frauen aus reinster Humanität hinweggeflihrt hat. Das Dorf sei von den Mniinern verlassen gewesen; diese seien auf belgisches Territorium entwichen und die Frauen zurückgelassen. Das ist richtig. Ronanet weißt aber durch Aufzählung ganz bestimmter Einzelheiten folgendes nach: Der Generalkommiffär Gcntil hat an seine Unterbeamten die Aufforderung erlassen, vor allein für Eintreibung der Steuern zu sorgen. Die Uiitergcbeiien suchte» mit Eifer dieser Order nach- zukommen, wohl wissend, daß hiervon ihr Avancement abhängt. Immer wenn die Funktionäre des Staates oder der Kolonial- gcscllschaften mit ihren sHorden einireffen, fliehen viele der Ein- geborenen in die Nachbargebietc. So war auch das Dorf Ngouaiikombo von einem Teil seiner Einwohner ver- lnssen und der Häuptling benachrichtete Culard, daß es ihm wegen Mangel an Männern nicht möglich sei. die verlangte Menge von Kautschuk zu liefern. Deshalb wurden aus diesem Dorfe die Frauen fortgeführt und zunächst nach Mongonmka gebracht, iim den Anführer deS Dorfes zur Mlieferung der verlangten Menge von Kautschuk zu zwingen. Von seiner Emilie selbst waren seine Mutter, seine Frau und ein Kind mit in die Gefangenschaft geführt. Zweimal lieferte der Häuptling Kautschuk ab und verlangte die Herausgabe der Seimgen. Das erste- mal war die Ouantität dem Beamten noch nicht groß genug und das zweitemal waren die Frauen mittlerweile schon nach Bangui gebracht, weil in der Nähe von Mongonmba Unruhen aus- gebrochen waren. Dort in Bangui fand dann der Dr. Fulconis jene Frauen in der obengcschildcrten grauenvollen Lage vor.— Norwegen. Das Storthing über das Karlstader Uebcreinkominen. In der Fortsetzung der Storthingsdebatte vom Sonn- abend, über deren ersten Teil bereits eine Depesche berichtet hat, erhielt zlinächst Dr. E r i k s e n das Wort, der nach Hin- lveiS auf die schwachen Punkte des Schiedsgerichtsvertrages, besonders auch auf dessen nur zehnjährige Dauer, und auf die vermeintliche Kriegsgefahr durch die Schleifung der Festungen� verlangte, daß die schwedischen Bedingungen dem Haager Schiedsgericht zur Beurteilung vorgelegt werden sollten. Ihm antloortete der Minister des Aeutzern L ö v l a n d unter miderm: „Wenn ein solcher Vorschlag wirklich vom Storthing an- genommen werden sollte, wozu doch glücklicherweise keine t'lussicht vorhanden ist, würde das unfehlbar dazu führen, daß wir von Schweden die Antwort erhalten, daß Schweden dafür sei, den nor wegischen Beschluß vom 7. Juni (die Ilitionsauflösung) dem Schiedsgericht in Haag vorzulegen. Aber wird Norwegens Storthing mtf so etwas eingehen I Ich für meinen Teil werde niemals dafür zu haben sein, unsere Selbständigkeit und unser nationales Recht irgend einem Schiedsgerichtsnrteil zu unter- werfen.— Wenn man die gegenwärtige Situation beurteilen will, muß man wohl beachten, wie die schwedische Auffassung von der Union beschaffen war, nicht um sich vor dieser Auf- fassnng zu beugen, sondern um zu begreifen, gegen was man zu kämpfen hatte. Der Beschluß vom 7. Juni ivirkte in Schweden fast so, als ob Schonen beschlossen hätte, sich von Schweden loszureißen. Man muß auch hierbei nicht vergessen, was die schtvedischen Sozialdemokraten unter Hjalmar Brantings kraftvoller Leitung ausgerichtet haben, um die schwedische Kriegs lust zu dämpfen. Das verdient die größte Anerkennung sowohl hier, ivie in Schweden. Der Vergleich schniälert nicht unsere Selbständigkeit. Was »vir wollen,»venu wir die Bedingungen annehmen, ist d i e friedliche und gesicherte Ent Wickelung unserer Verfassung. Nehmen wir sie nicht an. so riskieren wir einen chronischen Konflikt, wobei die Schweden fortdauernd behaupten werden, die Union sei nicht aufgelöst. Wäre man in Karlstad nicht zu einem Uebcreinkommen gelangt, so wäre wahrscheinlich der Krieg ausgebrochen. Es gab Augenblicke in Karl- st ad, daß ich mit derUhrinderHanddasaß, um sozusagen genau zu konstatieren, wann der Krieg ausbrach. Des Friedens wegen fanden wir, daß wir dem Uebercinkommen zustimmen sollten.— E g e d e Nissen sprach gegen das Uebercinkommen.— Kriegsminister O ls s o n bemerkte, daß die Regierung keines- Wegs, wie Konow anzunehmen scheine, unvorbereitet auf einen Krieg gewesen sei. doch seien jenseits der Grenze der- schicdene übertriebene Gerüchte über die norwegischen militäri- scheu Maßnahmen aufgetaucht.— Staatsrat A r c t a n d e r erklärte, daß die gesamte Regierung einmütig an dem Vorschlag auf Annahme des Uebereinkommens festhalte.— Die Revolution in Rußland. Die Nachrichten aus Moskau werden von der russischen Zensur zurückbehalten und verstümmelt. Man ist nach wie vor auf farblose offizielle Telegramme angewiesen, die aber trotz aller Zensur beweisen, daß der Schrecken in Moskau herrscht. *»* Tic Kosaken in Moskau. Petersburg, 10. Oktober.(Offizielles Telegramm.) Telcphonbcrichtcn hiesiger Blätter ans Moskau zufolge ist der gestrige Tag dort unruhig verlaufen. Auf dem Nikitskij- Boulevard bewarf die Volksmenge Kosaken, die zum Hanse des Gcncralgouverneurs ritten, mit Steinen. Tic 5losakcn gaben daraufhin eine Salve ab, durch die zehn Personen, darunter zwei Schutzleute, getötet und mehrere Personen verwundet wurden. Schengewordcne Kosakcnpfcrdc rannten den Bvule- vard hinab und verletzten mehrere Personen. Gegen Abend verursachte eine ans Schriftsetzern und anderen Arbeitern be- stehende Menge am Twcrskoj-Platze Ruhestörungen. Sic führte rote Fahnen mit Aufschriften mit sich. Die Menge zer- störte das Innere einiger Wirtshäuser, stürzte eine» Pferde- bahnwagcn um und warf Scheiben und Laternen ein. Da die Moskauer Blätter nicht erscheinen, fehlt hier die Möglichkeit, die von dort einlaufenden Meldungen nachzuprüfen. Moskau, 10. Oktober.(Offizielles Telegramm.) Der Ausstand in den mechanischen Fabriken dehnt sich ans. Ein Teil der Bäcker hat die Arbeit wieder aufgenommen. Die Stadt ist äußerlich ruhig. MoSkan, 10. Oktober. Das Telczraphcnamt wird von einer Kompagnie Soldaten bewacht. Moskau, 10. Oktober.(Meldung der„Petersburger Telegraphen- Agentur".) Heute mittag fand hier ein Zu- sammeustoß zwischen Ausständigen»nd Polizisten statt, bei dem zuehrere Personen verwundet wurde». »* Nnniheu im Kankasns. TifliS, 10. Oktober.(Offizielles Telegramm.) In mehreren Teilen der Stadt wurden gleichzeitig Bomben geschleudert. Eine von ihnen explodierte vor einer Kaserne in der Nähe des Palastes de? Statthalters, wobei ein Kosak getötet und 11 verwundet wurden. In der Nähe einer anderen Kaserne wurden sechs Bomben ge- schleudert, von denen vier explodierten; drei Kosaken wurden der- wundet. Ferner wurde an dieser Stelle ein durch eine Gewehrkugel getöteter Georgier aufgefunden und ein anderer Georgier unter dem Verdacht verhaftet, die Bomben geschleudert zu haben. Bei einer dritten Kaserne explodierten drei Bomben, wobei drei Soldaten der- letzt wurden. Hier wurde ein verwundeter Armenier unter dem Verdacht verhaftet, der Urheber des Anschlags zu fein. Aus den Fenstern zweier Häuser wurden Schüsse abgegeben, durch die eine Person verwundet wurde. Um Mitternacht wurden 12 weitere Ver- Haftungen vorgenommen. » In den Ostseeprovinzen. Liban, 10. Oktober. Im Keller eines Hauses entdeckte gestern die Polizei eine Gehcinidruckcrei dcS lettischen sozialdemokratischen Komitees sowie eine Anzahl Proklamationen, Revolver und Patronen. Schließung der Universität Kasan. Kasan, 10. Oktober. Der Professorenrat hat gestern beschlossen, die Universität bis zum 19. Oktober zu schließen. Der Stadtverordneten- Wahlkampf hat begonnen. Gestern abend beschäftigten sich die Berliner Genossen in acht Versammlungen mit der Kandidatcnfrage. lieber den Verlauf der Versammlungen gehen uns folgende Berichte zu: Im ersten Kommunalwahlbezirk, zugehörig zum ersten Reichs- tagswahlkreis, tagte die von den sozialdemokratischen Vertrauens- leuten des Kreises für diesen Bezirk zum Dienstag einberufene Kommunaltvählerversammlung bei Miegel in der Stralauer- straße 57. Stadtverordneter R ich a r d A u g u st i n würdigte in einem kurzen, aber treffenden, mit Beifall aufgenommenen Referat die Bedeutung der bevorstehenden Wahl.— Wie er, ermunterte auch Stadtverordneter B o r g m a n n zur Anwendung aller Kräfte in der Agitation, um den Gegner aus dem Sattel zu heben, wozu bei der Gestaltung der Dinge im ersten Wahlbezirk ebenfalls alle Aussicht vorhanden sei. Eiwstimmig wurde der Genosse Paul Schulz. Raumerstraße 11, zum Kmididaten bestimmt. In das Wahlkomitee wählte man die Genossen Seiler, Fischer, Weihnacht, Oppel und Schwabedal. Aufgelöst wurde die sehr gut besuchte Generalversammlung des Wahlvereiiis für den zweiten Kreis, die in Habels Brauerei, Bergniannstraße, tagte. Der Referent Genosse Dr. Alfred Bernstein wies zimächst darauf hin, daß trotz der vielen dringenden Fragen die Stadt- Verwaltung es nicht für nötig gehalten hat, am Donnerstag eine Sitzung abzuhalten. Er erläuterte dann die von unserer Fraktion gestellten Anträge zur Aussperrung in der Elektro- Industrie, zeigte, daß der Fleischnot für Berlin durch Ausnutzung der städtischen Rieselfelder zum größten Teile abgeholfen werden könne, daß auch die Milchversorgung von der Stadt in die Hand genommen und der Milchring gesprengt werden könne. Redner kritisierte ferner die mißlichen BcrkchrSvcrhältnisse, das Monopol der Straßenbahngesellschaft und deren Pläne in bezug auf Unter- timnelung der Leipzigerstraße und der Linden. Er wies darauf hin, daß erst auf das Drängen der Sozialdemokraten hin die Stadt sich entschlossen habe, Straßenbahnen zu bauen. Weiter bringt Redner die hygienischen Mißstände zur Sprache in der Krankenhaus- und Jrreiipflege. ärztlichen Ucberwachnng der Schulkinder, Säuglings- und Waisenpflege und fordert dann auf. mit aller Kraft in die Wahlagitaton einzutreten. In der Diskussion sprechen Herzog und Lankow im Sinne des Referenten. Als Kandidaten werden vorgeschlagen für den dritten Bezirk Sassenbach, für den sechsten M ö hr i ng, für den siebenten Bezirk Herzfeld t. Aus der Versammlung wird noch Lankow für den siebenten Bezirk vorgeschlagen. M ö h r i n g und H e r z f e l d t erklären die Wahl annehmen zu wollen. Während der folgenden Debatte, an der sich die Genossen Berger, Lankow, Kindermann, Rengert, C. Werner, Weberus u. a. beteiligten, und die sich im wesentlichen um die Person des Genossen Lankow drehte, wurde die Versammlung so unruhig, daß die Auflösung erfolgte. In der Brauerei Friedrichshain sprach Stadtver- ordnctcr Genosse H e i m a n n vor einer sehr zahlreichen Zuhörer- schaft. Nachdem er einleitend auf die Bedeutung der Kommunal- Wahlen im allgemeinen hingewiesen hatte, besprach er die besonderen Aufgaben, welche die Stadtverwaltung im Interesse der Allgemein- hcit zu erfüllen hat. Im einzelnen zeigte der Redner, wie weit die liberale Mehrheit in der städtischen Verwaltung von der Er- füllung dieser Aufgaben entfernt ist. Im weiteren Verlaufe seines Vortrages wies der Redner an zahlreichen Beispielen avch, daß der Liberalismus, wie bisher, so auch ferner nicht daran denken wiro, die Pflichten zu erfüllen, die einem großstädtischen Gemeinwesen obliegen. Aufgabe der Arbeiterklasse ist es deshalb, dafür zu sorgen, daß der Einfluß des rückgratlosen Liberalismus gebrochen wird. Dazu bieten die bevorstehenden Wahlen Gelegenheit. Sie müssen von den Parteigenossen ausgenutzt werden, um den Libe- ralen zu zeigen, daß sie nicht die Vertreter der Massen des Volkes sind. Wenn unsere Parteigenossen sich in diesem Sinne an dem Wahlkampfe beteiligen, dmin werden dieselben der Sozialdemokratie neue Siege brmgen.— Die Ausführungen des Vortragenden fanden lebhasten Beifall.— In der Diskussion sprach Genosse A d o l f H o f f m a n n. An bekannten Vorgängen aus kommunalem Gebiet kennzeichnete er unter lebhaftem Beilall der Zuhörer die Charakterlosigkeit des Freisinus, der wo er die Mehrheit hat, ebenso reaktionär ist wie die Konservativen. Auch die Mißstände auf dem Gebiete des Schulwesens sowie in anderen Zweigen der städtischen Verwaltung kritisierte der Redner an der Hand von Beispielen. Schließlich plädierte er für die Wahl von Parteigenossen, damit den Leuten im roten Hause die Wahrheit gesagt werde.— Ohne weitere Debatte wurden die Stadtverordneten Hugo H e i m a n n für den 20. und A d o l f H o f f m a n n für den 27. Bezirk wieder als Kanditaten aufgestellt.— Zum Schluß erfolgte die Wahl eines Komitees von neun Personen zur Betreibung der Wahlarbeiten in beiden Bezirken. Die Versammlung für den 15. Bezirk in der Waldemar- straße 75 war leider nicht so zahlreich besucht, wie es die Wichtig- keit der Tagesordmmg erfordert bätte. Das Referat hielt Stadt- verordneter Bernhard Bruns. Sein Vortrag gewährte einen interessanten Einblick in die wichtigsten Aufgaben und die Tätigkeit der sozialdemokratischen Gemeindevertretung. Er schloß mit der Bemerkung, daß eS im 15. Bezirk bei der Wahl nicht mehr darauf ankomme, eine gegnerische Partei zu überwinden, sondern bielmehr die Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit vieler Wähler, die ihrer sozialen Lage nach zur Sozialdemokratie gehörten.— Hierauf nahm der Genosse Tolksdors, der seit nunmehr 12 Jahren als Stadtverordneter des Bezirks tätig gewesen ist, das Wort unv berichtete besonders auch über einen Teil der umfangreichen Ar- beitcn der Gemeindeverwaltung, denen er selbst vor allem seine Kraft z» widmen hatte.— In der weiteren Diskussion sprach noch Genosse Kunzend or f. der unter an,derem auf den Mißbrauch der Feuerwehrleute zu Äreikbrecherdicnstcn und auf die Anträge der sozialdemokratischen Fraktion dagegen hinwies.— Dann wurde Genosse Tolksdors einstimmig von der Versammlung wieder als Kandidat aufgestellt. Als Wahlkomitee wurden die Genossen Lusche, Langhof, Peschel, Groß und Kahl gewählt. Die Kommunalwähler-Versammlung für den 1k. und 19. Bezirk, sehr niäßig besucht, fand im Dresdener Kasino, Dresdenerstr. 97, statt, Genosse Dr. Zadel hatte das Referat übernommen. Redner behandelte die Aufgaben der Gemeinde auf dem Gebiete der Schule, des Kranken- wxsens, der Wasser- und Lichtversorgung zc., hierbei die Tätigkeit der sozialdemokrat.schen Vertreter hervorhebend, und schloß mit der Mahnung, dafür zu sorgen, daß immer mehr Vertreter unserer Partei ins Stadtvcrordneten-Kollegium einziehen.— In der Diskussion berührte Genosse Ewald die Projekte der Großen Berliner Straßen- bahn auf Untertunnelung einiger Straßenzüge und Verlängerung ihrer Konzession auf weitere 90 Jahre, er kritisierte scharf die Verwendung städtischerseits bezahlter Feuerwehrleute als Streik- brecher und zog die Ungültigkeitserklärung der Wahl unseres Genossen Kerfin in den Kreis seiner Betrachtungen. Genosse P o l e n s ke sprach über die ungenügende Bezahlung der städtische» Arbeiter in den Gasanstalten, der Straßelireiniger sowie der Rieselseldarbeiter. Auch die Genossen Gottfried Schulz und Zickel forderten, wie der Borredner, zur cistigen Agitation für die Stadtverordnetenwahlen auf. Als Kandidat für den 16. Bezirk wurde Genosse Dr. Zadel aufgestellt, die Ausstellung des Kandidaten für den 19. Bezirk wurde bis zu einer späteren Versammlung ausgesetzt. In der„Alhambra", Wallncrtheatcrstratzc 15, hatten sich die Wähler des 20. und 21. Kommunalwahlbezirks eingefunden, um zu den bevorstehenden Wahlen Stellung zu nehmen. Genosse Fritz Wille, der bisherige Vertreter des 2l. Wahlbezirks im roten Hause, hatte das einleitende Referat übernommen. In sarkastischer Weise schilderte der Redner das Verhalten der sr-isiniiigen Mehr- heit in der Kommune Berlin. Das zaghafte Vorgehen bei der E i n g e m e i n d u n g s f r a g e, die K u r z s i ch t i g k e l t bezüglich der K o m m n n a l i s i e r u n g des Verkehrswesens haben genügend bewiesen, daß den meisten Vertretern der besitzenden Klasse das Verständnis für das Entwickelungsbedürsnis der Mil- lionenstadt vollends abgeht. Nachdem er noch die Krankenhaus- mil'ere, die Schulfrage und das famose Wahlrecht in den Kreis seiner Betrachtungen gezogen, schloß er seine Ausführungen niit dem Appell an die Anwesenden, dafür zu sorgen, daß die 3. Abteilung der Sozialdemolratie gehört. Nachdem noch Genosse Waldeck M a n a s s e in überaus interessanter Weise diese Ausführungen in den Schulfragen ergänzte, wurden M a n a s s e und Wille einstimmig zu Kandidaten für die beiden Bezirke nominiert. Zu Komitecmitglicdcrn für den 20. Bezirk wurden die Genossen W. Will e, Nickebuhr, Frese und Weise, für den 21. Bc- zirk Büchner, Bischoff und P i l a s k i gewählt. Die Wählerversammlung für den 30. ltommunalwahlbezirk fand in Lchdeckers Saal in der Sophicnstraße statt. Das Referat hielt Genosse Karl Liebknecht. Redner erinnert? daran, daß die sozialdemokratische Arbeiterschaft Berlins, so tüchtig sie sich auch bei den ReichlSagslvahlen zeige, hinsichtlich der Betätigung an den Koni- munalwahlcn noch lange nicht genügend ihre Schuldigkeit getan habe. Sonst hätte es längst ausgeschlossen sein müssen, daß eine Anzahl Wahlbezirke der 3. Wählerklasse immer noch von freisinnigen Spießbürgern im Stadtparlament vertreten werde. Umsomehr sei es bei den bevorstehenden Wahlen Pflicht jedes einzelnen Arbeiters, dahin zu wirken, daß di? jetzt zu besetzenden Mandate den Kan- didätcn der sozialdcmorratischen Partei zufallen. Unter dem leb- haften Beifall der Versammlung übte Redner sodann eine an vielen Beispielen illustrierte treffende Kritik an der energielosen, silzigen Haltung der Freisinnsmajorität auf allen Gebieten der kommunalen Praxis und legte im Gegensatz dazu programmatisch unsere kom- munalpolitischcn Forderungen klar.— Hieraus hielt der Genosse Sassen bach, der auch diesmal als Kandidat ausgestellt worden ist, noch eine kurze anfeuernde Ansprache an die Versammlung. Große Heiterkeit erregte es, als der Redner eine Postkarte vorzeigte, auf deren Rückseite ein regelrechter freisinniger Wahlaufruf aus- gedruckt lvar. Derartige Postkarten versendet„das liberale Wahl- komitee" jetzt in Form einer Bersammlungseinladung an die„Mist- bürgcr" mit der Aufforderling,„einen Mann zu wählen" usw. Denn dadurch würden auch die Interessen der Arbeiter besser gc- wahrt, als dies von jenen geschehen kann, die den Klafsenhatz schüren und auf den Zusammenbruch des Staates und der Mo- narchie hinarbeiten." Großer Beifall wurde dem Redner zuteil, als er in richtiger Würdigung dieser Freisinnsmähchen darauf hin- wietz, daß wohl niemand den Klasscnhah mehr schüren könne, wie das dem Berliner Kommunallibcralismus so nahestehende Kühne- männertum mit seiner gegenwärtigen Massenaussperrung. Im übrigen ermahnte auch er die Anwesenden, rege ihre Schudigkeit zu tun, damit die wenigen Stimmen, die bei der letzten Nachwahl cur unserem Siege fehlten, diesmal mit Leichtigkeit aufgebracht werden. Nach beendeter Diskussion, an der sich Gegner trotz mehrmaliger Aufforderung nicht beteiligten, schloß der Vorsitzende L i e p m a n n mit einem kernigen Schlußwort die Versammlung. Im sechsten Kreise, der mit vier Mandaten der dritten Abteilung an der diesmaligen Stadtverordnetenwahl beteiligt ist, fand die Aufstellung der Kandidaten in einer außerordentlichen General- Versammlung des Wahlvereins statt. Das einleitende Referat gab der bisherige Vertreter für den 10. Bezirk, Genosse Leo A r o n s. Der Referent gab den Anwesenden ein Bild des Tätigkeitsfeldes der' einzelnen Stadtverordneten, eine Tätigkeit, die in der Hauptsache in den verschiedenen Deputationen und Ausschüssen zur Geltung kommt Durch die Vergewaltigung der Regierung und der freisinnigen Mehrheit sind wir jedoch in einer der wichtigsten Deputationen, der Schuldeputation. nicht vertreten. Redner verbreitet sich in seinen folgenden Aussührungen des näheren über die be- dauerlichcrweise so miserablen Schulverhältnisse unserer Kommune. Während der Freisinn im Landtage, wo er keinen Einfluß hat, mit großen Worten für bessere Schulen und höhere Besoldung der Lehr- kräste schwärmt, drückt er sich in der Gemeinde nach Möglichkeit um die geringsteu Verbesserungeu herum. Genau so bildungsfeindlich wie zur Volks schule steht der Freisinn zur F o r t b i l d u u g S schule. Nach einein kurzen Hinweis auf die Aufgaben der Gemeinde gegen- über den Angestellten der Kommune schließt Arons seine beifällig ausgenommenen Ausführungen. In der sich anschließenden Diskussion geißelt Hintze die Knickrigkeit der Mehrheit des Roten Hauses den städtischen Arbeitern gegenüber. Metzle gibt seiner Entrüstung über die Ungerechiigkeit der Entziehung des Wahlrechtes bei Krankcnhausbehandlung, die nicht gleich bezahlt werden kann, Ausdruck. Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten wurden die Genossen Koblenzer für den 33. Bezirk, Mars stir den 38., AronS für den 10. und Hintze für den 16. Bezirk als Kandidaten normiert. Nach einem warmen Appell des Vorsitzenden Freythaler findet die Versammlung ihr Ende. Letzte JVachriebten und Depefebem Landtags-Ersadwahlen in Wien. Wien, 10. Oktober.(W. T. B.) Bei der heutigen RcichSratS- Ergänzungswahl für den verstorbenen Abgeordneten S t r o b a ch im süuften Wiener Gemcindebezirk wurde der christlichsozialc Pro- fcssor Sturm mit 5181 Stimmen gewählt; der Sozialdemokrat Reumann erhielt 3215 Stimmen. Die Landtags-Ersatzwahl im neunten Wiener Bezirk, ebenfalls für S t r o b a ch, ergab die Wahl des christlichsozialen Professors Wolny mit 6006 Srimmen; der Kandidat der Freisinnigen, Dr. Zemann, erhielt 2351 Stimmen. Eine Kundgebung für das allgemeine Wahlrecht. Prag, 10. Oktober.(W. T. B.) Der Landtag wurde wieder eröffnet. Nach Erledigung der Tagesordnung wurde die Sitzung ohne jeden Zwischenfall geschlossen. Vor Beginn der Sitzung ver- anstalteten die Sozialdemokraten eine Kundgebung für das allgc- meine und gleiche Wahlrecht, an der sich etwa 50 000 Arbeiter bc- teiligten. Die meisten Fabriken feierten. Die Manifestanten be- gaben sich in langem Zuge zum Oberst-Landmarschall sowie zum Stadthalter, denen eine Deputation den Protest gegen die beab- sichtigte Wahlordnung für den böhmischen Landtag und dax. Kurien- system überreichte. Die beiden erwiderten, daß einer so wichrigcn Frage volle Aufmerksamkeit geschenkt werde, und daß die Bcstrc- bungcn zur Erweiterung des Wahlrechts mit den gebotenen Jntcr- essen verfolgt würden. Hierauf löste sich der Zug in voller Ruhe auf; der Verkehr, welcher vorher unterbrochen worden war, wurde wieder aufgenommen, die Läden, welche geschlossen hatten, wurden wieder geöffnet._ Grubcnuiifälle. Bochum, 10. Oktober. Auf der Zeche„Prinzrcgent" wurde ein Bergmann durch herabstürzendes Gestein erschlagen.— Auf der Zeche „Dannenboum" wurden zwei Bergleute verschüttet und konnten erst nach 31 Stunden befreit werden. Schlägerei zwischen Soldaten und Zivilisten. Hanau, 10. Oktober.(B. H.) Im benachbarten K e s s e l st a d t kam es vorgestern abend zwischen Soldaten und Zivilisten zu einer blutigen Schlägerei. Wie sich jetzt herausstellt, haben die Soldaten dabei umfangreichen Gebrauch von ihren Säbeln gemacht und drei Zivilisten tödlich verletzt. Ein Postkutscher erhielt einen schweren Hieb über den Kopf, so daß er den Verlust eines Auges zu beklagen haben wird. Verantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagScmstalt Demi Singer Mio.. Berlin LVV. HierzuZBeilagenu.UnterhaltungSblatt Nr. 238. 22. Jahrgang. 1. ßfilnif i>cs.Amiirts" Öttlinct Ucksblall. Mittwoch, 11. Oktober 1905. Ein Buch über Amerika und die Handelsvertrags-Politik. Am 1. März 1306 treten die Handelsverträge in Kraft, welche da-Z Deutsche Reich vor Jahresfrist mit Belgien, Italien, Oesterreichs Ungarn, Rumänien, Rußland, Schweiz und Serbien abgeschlossen bat. Grundlage dieser Handelsverträge ist deutscherseits der in Einzelpunkten modifizierte neue Zolltarif von 1902. Auf Grund der MeistbegünstigungSklausel hat jeder dieser Staaten Anspruch auf die jenigen Zollvergünstigungen, die den anderen eingeräumt sind. Diese Vergünstigungen bezw. Zollabschläge zusammen bilden von nun an bis auf weiteres den deutschen Vertragstarif im Unterschied zum „ursprünglichen— autonomen"— Tarif mit seinen wesentlich höheren Zollsätzen. Außer denjenigen Staaten, nrit denen Deutschland tarifmäßig ausgearbeitete Handelsverträge schließt, hat es noch Handelsverträge mit einer ganzen Reihe von Staaten, denen kein Tarifvertrag, sondern ein einfacher Meistbegünstigungsvertrag zugrunde liegt, kraft dessen jedes der vertragschließenden Länder ohne weiteres die Zoll- Vergünstigungen genießt, die das andere dritten Ländern gewährt. Wieder ein anderes Handelsabkommen besteht zurzeit zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika. Ursprüng- lich bestand auch hier nur eine einfache Meistbegünstigung, und zwar auf Grund von Gegenseitigkeitsverträgen, welche die nordamerikanische Union in den Jahren 1827/28 und 1347 nrit Preußen und den kleineren deutschen Küstenstaatcn abgeschlossen hatte und die nach Gründung des Deutschen Reiches von diesem stillschweigend über- nommcn wurden. Nach allerhand handelspolitischen Zivistigkeiten zwischen beiden Ländern infolge der hüben und drüben getriebenen Schutzzöllnerei kanr jedoch am 11. Juni 1900 ein neues Abkommen zustande, dessen Artikel II folgendermaßen lautet: „Als Gegenleistung sichert die kaiserlich deutsche Regierung den Erzeugnissen der Vereinigten Staaten von Amerika bei der Einfuhr nach Deutschland diejenigen Zollsätze zu, welche durch die in den Jahren 1891—1894 zwischen Deuftchland einerseits und Belgien, Italien, Oesterreich-Ungarn, Rrmränien, Rußland, Schweiz und Serbien andererseits abgeschlossenen Handelsverträge diesen Ländern zugestanden worden sind." Wenn diese Klausel unverändert bliebe, so würden vom 1. März 1906 ab u. a. alle Agrarprodukte. für die der neue deutsche Ver- tragstarif höhere Zollsätze enthält als der bisherige, von den Ver- einigten Staaten zu den jetzigen gemäßigteren Sätzen nach Deutsch- land eingeführt werden können. Da das nun ganz und gar nicht in die Rechnung unserer Agrarier paßt und in seinen Konsequenzen den ganzen neuen Zolltarif über den Haufen werfen würde, so ist es so gut wie sicher, daß die Reichsregierung schon in der nächsten Zeit das erwähnte Abkommen, das auf drei Monate Kündigung ge- schlössen ist, kündigen und mit den Vereinigten Staaten einen neuen Vertrag abzuschließen suchen wird. Eventuell könnte sie eS auch bei der einfachen Kündigung bewenden lassen, da alsdann das niemals außer Kraft gesetzte alte Meistbegünstigungsverhältnis wieder maß- gebend sein würde. DaS bat aber auch seinen großen Haken. Bei der ungeheueren Wichtigkeit, die der deutsche Handelsverkehr mit der nordamerikanischen Union für unsere Volkswirtschaft hat— es handelt sich um einen Warenaustausch von jährlich über 1400 Millionen Mark im Wert—, ist eine Untersuchung, welche die Handelspolitik und die handelspolitische Lage der Vereinigten Staaten im großen geschichtlichen Zusammenhange durch Zurückgreifen auf das beste einschlägige Material festzustellen sucht, von vornherein sicher als ein höchst verdienstliches Unter- nehmen zu bezeichnen. Äne solche Arbeit hat der Genosse Max Schippe! in der soeben erschienenen Schrift„Amerika und diesH a ndelSvertrags-Politik*(Verlag der„Sozialistischen Monatshefte") geleistet. Es ist ein von großem Fleiß und tiefem Eindringen in die sehr schwere Materie Zeugnis ablegendes Buch. Schippe! hat sich bemüht, dem Leser die Zollpolitik der Vereinigten Staaten geschichtlich wie pragmatisch vorzuführen, und ist dabei methodisch den Gründen nachgegangen, welche für die verschiedenen Wandlungen dieser Politik in letzter Instanz maßgebend waren: die Veränderungen deS inneren WirtschaftlebenS der Union, die Aenderungen der Marktlage, das Aufkommen und die Handels- politische Seite der panamerikanischen Tendenzen— ein sehr wich- tigeS und von Schippel besonders eingehend behandeltes Kapitel, das wechselnde Verhältnis der Vereinigten Staaten zu Kanada und dem britischen Weltreich, und anderes mehr. Er führt eine große Fülle äußerst interessanter Tatsachen zur Geschichte der Handelspolitik der Vereinigten Staaten vor und belegt sie durch Zitate aus amtlichen Urkunden, die bisher nur den wenigsten bc- kannt waren, und deren Ausgrabung und Extrahierung an sich schon als eine nicht unbedeutende Leistung bezeichnet werden mutz. Kurz, sein Buch ist für denjenigen, der diese wichtige Frage genauer zu studieren wünscht, geradezu eine Quellenschrift und insofern aller Anerkennung wert. Leider können wir nicht das Gleiche von der Tendenz des Buches sagen. Schippel verwahrt sich allerdings im Vorwort da- gegen, daß sein Buch„zu irgendwelchen konkreten oder gar schon zu endgültigen Entscheidungen drängen" wolle. Er wolle nur„die für künftige Entschlüsse grundlegenden und maßgebenden Wirtschaft- lichen und politischen Tatsachen klarer und eindringlicher als bisher zum öffentlichen Bewußtsein bringen". Die Worte„maß- gebenden" und„Tatsachen" sind von Schippel selbst unterstrichen. Heißt aber nicht, gewisse Tatsachen als„maßgebend" herausheben, in der Regel schon auf eine ganz bestimmte Politik hinwirken, auch wenn über deren Einzelheiten nichts Genaueres empfohlen wird? Schippels Schrift erinnert in dieser Hinsicht an gewisse unvollendete Sätze, wie sie Lehrer ihren Schülern zur Ausfüllung diktieren, um ihr logisches Denken zu erproben. Wenn ein solcher Lehrer seinen Schülern den Satz diktiert:„In unserem Garten steht ein Pflauinenbaum. an dem hängen im Sommer viele..... und das letzte Wort offen läßt, lo iveiß er, daß kein normales Kind— um ein beliebtes Scherz- rätsel heranzuziehen— ausfüllen wird:„lebensmüde Offiziers- burschen". In gleicher Weise kann kaum ein Zweifel darüber be- stehen, daß der normale Leser von Schippels Buch, sobald er dessen Prämissen folgt, ein provozierend scharfes zollpolitisches Vorgehen Deutschlands gegen die Vereinigten Staaten außerordentlich leicht nehmen, loeim nicht mit einer gewissen Genugtuung begrüßen wird. Nun wird kein Mensch behaupten wollen, daß die Handels- politischen Beziehungen Deutschlands mit den Vereinigten Staaten durchaus befriedigende wären und daß nicht Deutschland Grund habe, Abstellung einer ganzen Reihe von Beschwerden seitens der Ver- einigten Staaten zu erstreben. Aber Schippels Buch stellt die Dinge in einer Weise dar, die nur geeignet ist, Wasser auf die Mühle der- jcuigcn zu leiten, welche bei uns am liebsten einen frischen und fröhlichen Zollkrieg mit der nordamerikanischen Union herbeiführen möchteii, und geht über die Gefahren eines solchen Konflikts außer- ordentlich leicht hinweg. Schippel hat z. B. ganz recht mit seinem Nachweis, daß die Vercinigten Staaten den handelspolitischen GegcnseitigkeitSverträgen, die sie in der ersten Hälfte— meist sogar im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts abgeschlossen haben, später eine Deutung gegeben haben, die nicht nur deren Wortlaut, sondern auch. waS noch mehr ins Gewicht fällt, dem Sinn, den sie seinerzeit nach damaliger Lage der Dinge vernünftigerweise nur haben konnten, stark wider- spricht. Seine bezüglichen Ausführungen sind ebenso interessant wie überzeugend. Indes welchen Zweck hat diese retrospektive Betrachtung? Soll sie uns die moralische Minderwertigkeit der VanIce-StaatSmänucr vor Augen führen? Aber Schippel weiß sehr gut und führt selbst genug Tatsachen dafür an, daß nicht bloße Laune» diele neuen Interpretationen diktierte, sondern daß sich in der Zwischenzeit eine völlige Umwand- lung der handelspolitischen Zustände diesseits und jenseits des Ozeans vollzogen hatte, der gegenüber die alte Lesart in der Tat ungenügend [wurde, darunter die Aufnahme des Panamerikanisnius sowie die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten sich in Europa Ländern gegen- , über sahen, die untereinander spezialisierte Zolltarifverftäge ab- j schlössen. Da die Vereinigten Staaten nun ihrerseits den Stand- Punkt des autonomen Zolltarifs nicht verlassen wollten, blieb ihnen dieser veränderten Sachlage gegenüber kaum etwas anderes übrig als die Gegcnseitigkeitsklauseln zu ändern. Wenn sie dies auf dem Wege der Interpretation taten, statt gerade heraus die alten Verträge zu kündigen, so ist das gewiß nicht sehr anmutend, es stand doch aber dann ihren Partnern frei, die Verftäge nunmehr ihrerseits zu kündigen. Wenn sie das nicht taten, sondern die Interpretation duldeten, so doch wesentlich deshalb, weil sie nach Lage der Dinge das letzte für das bessere hielten. Es geht nun einmal nicht, ein Land zu einer anderen Handelspolitik zwingen zu wollen als diejenige, welche es für die seinen Verhältnissen angemessenste betrachtet. Selbstverständlich wird jeder Staat beim Abschluß von Verträgen möglichst günstige Bedingungen für seinen Handel zu erlangen suchen und in dieser Welt des Schachers nicht jedes Wort sofort für ein Ultimatum hinnehmen. Aber ebenso wenig wird und darf er es leichtherzig auf einen Zoll- krieg ankommen lassen, zumal wo so bedeutungsvolle Interessen der eigenen Wirtschaft auf dem Spiele stehen, wie für Deutschland in seinem Verkehr mit den Vereinigten Staaten. Schippel kommt immer wieder auf den Umstand zurück, daß Deutschland, welches doch ein so großartiger Abnehmer von AuSftihr- artikeln der Vereinigten Staaten sei, sich seinerzeit nicht mehr Ver- günstigungen von diesen erwirken konnte, als Frankreich, das viel weniger von ihnen abnimmt. Indes England ist ein noch sehr viel besserer Kunde der Vereinigten Staaten und erhälr auch nicht mehr Vergünstigungen. Solchen Vorhalten können die Vereinigten Staaten immer mit der Autwort begegnen:„Ihr kauft unsere Produkte nicht uns zuliebe, sondern Euch zuliebe." In der Tat kamst ein Land von einem andern Waren schließlich immer nur deshalb, weil es sie von ihm billiger oder besser bekommt wie von andern. Gehen wir die Reihe der großen Posten von Waren durch, die Deutschland von den Vereinigten Staaten bezieht, so stoßen wir teils aufRohprodukte, die für unsere Industrie vorläufig gar nicht zu ersetzen find, wie Baum- wolle, Kupfer, Petroleum, gewisse Nutzhölzer usw., oder außerordentlich wichsige Nahrungsmittel der großen Volksmasse, wie Schweineschmalz bezw. Futtermittel für unsere Viehzucht wie Oelkuchen und Mais. Diese Liste zeigt schon, wie irreführend es ist, die Sache so hinzustellen, als hätte Deutschland mehr Pressionsmittel gegen die Vereinigten Staaten in der Hand, als andere Länder. Einen Teil unserer Einfuhr von den Vereinigten Staaten können wir gar nicht entbehren, ohne große Massen von deutschen Arbeitern zur Arbeitslosigkeit zu verurteilen. Sie mit Strafzöllen zu belegen, hieße uns selbst, d. h. die deutsche Volkswirtschaft mindestens ebenso zu strafen, als bestenfalls die amerikanische. Nach Schippel möchte man z. B. glauben, es läge nur an uns, unser Petroleum nach Be lieben von irgend welchen anderen Ländern her zu beziehen, als von den Vereinigten Staaten. Wenn man aber aus unserer Handels- statistik ersieht, daß wir jahraus jahrein mehr als 75 Pro z. unseres Petroleums von Amerika kaufen, so zeigt das allein schon, daß das mit dem Beziehen von anderwärts her eine sehr kostspielige wenn überhaupt mögliche Sache sein würde. Wollen wir unsere Volkswirtschaft nicht selbst schädigen, so könnten wir den Vereinigten Staaten gegenüber an solchen Artikeln Vergeltung üben, deren Ausfuhr für sie keine nennenswerte Bedeutung hat. Schippel mag es nicht für ungut nehmen, aber wir sind überzeugt, daß den Drohbildern gegenüber, die er den Amerikanern vorhält, von drüben die nicht sehr höfliche Antwort einlaufen wird: Bluff. Und wenfts sich nur um die Amerikaner handelte I Die werden selbst wissen, was sie wollen und können. Ein bißchen Bluff kann da nicht viel schaden. Aber wir haben es bei uns selbst mit Leuten zu tun, die seit langem und in nicht zu verkennender Absicht auf einen Zollkrieg mit den Vereinigten Staaten losarbeiten. Und was unsere Agrarier dabei im Auge haben, ist zu bekannt, um viel Worte darüber zu verlieren. Daß es nicht Sorge für die Arbeiter unserer Exportindustrie ist, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Wie wenig Schippel mit ihnen gemein hat, zeigt seine Note aus Seite 125, wo er sehr energisch gegen die von den Agrariern propagierte Aufhebung aller amerikanischen Meist- begünstigungsverträge zu Felde zieht. Indes lassen unsere Agrarier zur Not auch mit sich handeln und würden schon froh sein, wenn ein Teil der überseeischen Nahrungs- ec. Mittel vom deutschen Markt ausgeschlossen würden. Darum muß jede Publikation aus dem sozialdemokratischen Lager ihnen erwünscht erscheinen, die, wenn auch unbeabsichtigt, ihrer SsimmungSmache zugute kommt. Schippel zitiert u. a. Ssimmen gegen die Warentaxatoren— Appraisers—, welche die Amerikaner in ihren Zollhäfen be Hufs Abschätzung deS Wertes der eingefiihrten Waren an- gestellt haben. Aber er sagt nichts davon, welcher Unftig auf europäischer Seite mit falschen Fakturen beim Export nach Amerika getrieben worden ist. Wir sind Gegner der ganzen Schntzzöllncrei und wir können eS nur unterstützen, wenn in verständiger Weise darauf hingewirkt wird, daß die Amerikaner, so lange sie überhaupt an den Schutzzöllen festhalten, die Wertzölle durch spezifische Zölle ersetzen. Aber so lange sie Wertzölle haben, kann man es ihnen auch nicht verdenken, wenn sie Maßregeln treffen. sich gegen betrügerische Deklaranten zu schützen. Diese Vorbehalte waren notwendig, um jeder Ausschlachtung des Schippelschen Buches seitens der Hochschutzzöllner und Agrarier von vornherein entgegenzutreten. Schippel nimmt in Zollfragen einen anderen Standpunkt ein wie die große Mehrheit der Partei. Damit muß man sich abfinden. Immerhin können wir es nur bedauern, daß sein an wertvollen Untersuchungen so reiches Buch den bezeich- neten Beisatz enthält. _ Ed. 33 ernst ein. Gewerkschaften und Parlament. London, 6. Oktober.(Eig. Ber.) Diese Woche hielten der Ver- band der Bergleute von Großbritannien und die Vereinigte GeWerk- schaft der Eisenbahner ihre Jahreskonferenzen ab. Die Berg- leute tagten in Blackpool, wo 88 Delegierte 516 600 organisierte Arbeiter vertraten. Zwei Fragen beschäftigten die Konferenz: daS Gewcrkschaftsrecht(Trade Disputes Bill) und der gesetzliche Schutz der Bergleute gegen Exmissionen. Zur ersten Frage wurde folgende Resolutton angenommen:„Wir müssen auch fernerhin darauf dringen, daß die Trade Disputes Bill aiigenommen wird, um unseren Kassen die Sicherheit zu geben, die sie auf Grund der Gesetze vom Jahre 1871 und 1876 hatten". Begründet wurde die Resolution durch den liberalen Bergmann von Uorkshire, I. Wads- Worth, der sagte:„Diese Frage ist so wichtig, daß wir weder Geld noch Anstrengungen sparen müssen, um fiir uns die gesetzliche Gleichheit mit den Unternehmern zu erhalten. Die kapitalistische Klasse ftohlockte über den Taff-Vale-Entscheid. Sie glaubte uns alle vor das KonkurSgericht bringen zu können. Niemand kümmert sich um die schwarzen Listen, die die Kapitalisten unter einander zirku- lieren lassen. Die erste Aufgabe der Arbeiter ist jetzt, diese Regierung zu stürzen und die nächste Regierung zu zwingen, die Bill anzu- nehmen." Unterstützt wurde der Antrag durch- Genossen Smillie, den Führer der schottischen Bergleute. Er sagte: „Unsere Konferenz darf kein Jnseratenbureau für die liberale Partei sein. Die schlechten Unternehmer gehören beiden Parteien an. DaS Kapital ist überall gegen die Arbeiter koaliert. Der einzige Weg zur Durchführung der Bill ist die Entsendung einer starken Arbeiterfraktion in das Parlament und die Warnung an das HnuS der Lords, sich nicht fernerhin dem GewcrkschaftSrccht zu widersetzen." In der weiteren Debatte schlug Stanton von Südwales den General- streik als PressionSmittel vor, aber der Vorsitzende hielt diesen Bor- schlag für nicht in Ordnung. Der schottische Bergmann Stanley meinte, eS sei ja begreiflich, daß die bisherige Behandlung der Bill machen Mann zur Verzweiflung bringen könne, aber in einem konstitutionellen Lande wie England müsse man alle gesetzlichen Mittel erschöpfen, ehe man in einen so schrecklichen Kampf eintrete. Die Konferenz beschäftigte sich sodann mit den streikenden Bergleuten von Hcmsworth, die von den Bergbesitzern aus ihren Häusern exmittiert wurden. Die Bergbesitzer besaßen dort nur etwa 80 Häuser, aber sie kauften auch während des Streiks so viele Häuser als ihnen möglich war, um eine Massen- aussieibung vornehmen zu können. Im Laufe der Debatte machte Genosse Smillie die interessante Mitteilung, daß schon seit 15 Jahren eine Bill vor dem Pnrlameitte ist, die den Arbeitern gegen Exmissionen Schutz bieten sollte, aber kein Abgeordneter kümmert sich um die Bill. Und doch zahlen die Bergleute ihren liberalen Parlamentsabgeordneteu regelmäßig Diäten. Der Berg- arbciterführer Horlvey meinte, wenn in Irland derartige Austreibungen vorkommen, so schlagen die irischen Abgeordneten großen Lärm, aber um ausgettiebene englische Arbeiter kümmere sich nie- mand. Hartvcy, der selber liberal ist, konnte allerdings den Grund dafür nicht einsehen', er sah nicht, daß die Iren eine selbständige Fraktton im Parlainente bilden, während die Vertreter der Berg- leute im Parlainente nur ein Anhängsel der liberalen Partei bilden. Der Verband der Bergleute hat sich der neuen Arbeiterpartei(Labour Representation Committee— L. R. C.) nicht angeschlossen. Die Konferenz bewilligte schließlich 1000 Pfund Sterling für die Behausung der exmittierten Arbeiter. Die Konferenz der Eisenbahner tagte in Sheffield. Es waren 60 Delegierte anwesend, die rund 55 000 Arbeiter vertraten. Diese Gewerkschaft umfaßt kaum den zehnten Teil der im Eisenbahn- verkehr des Vereinigten Königreichs beschäftigten Arbeiter. Die Hauptbeschwerde der Eisenbahner besteht darin, daß infolge der wachsenden Fahrgeschwindigkeit der Bahnen und infolge der Zu- nähme technischer Verbesserungen und Hülfsmittel die Anforderungen an die Geistesgegenwart der Bahnangcstellten bedeutend gewachien sind, während dieselben Ursachen die Arbeiterzahl relativ ver- mindern und lohndrllckend wirken. Die Eisenbahner wollen keineswegs den technischen Fortschritt verhindern, nur ver- langen sie höhere Löhne, kürzere Arbeitszeit und bessere Behandlung. Die Gewerkschaft leidet einigermaßen an inneren Zwistigkeiten infolge des Verhaltens ihres Generalsekretärs Mr. Richard Bell, der sich den Statuten der Arbeiterpartei(Labour Representation Committee— L. R. C.) nicht fügen will. Er lehnt es ab, sich als Parlamentsabgeordneter von den Liberalen zu trennen, verlangt aber trotzdem vom L. R. C. die Anerkennung seiner Kandidatur. Auf der Konferenz wurde ein Antrag gestellt, die Gewerkschaft der Eisenbahner möchte aus dem L. R. C. austreten; der Antrag wurde indes mit allen gegen drei Stimmen verworfen. Einer der Delegierten kündigte aber an, daß er die ganze Angelegenheit vor das Gericht bringen werde, da es nach den Statuten nicht gestattet sei, Gewerkschasts- gclder für politische Zwecke zu verwenden. Es ist kein Zweifel, daß hinter diesem Delegierten liberale Politiker stehen, die im L. R. C. den Beginn einer selbständigen politischen Arbeiterpartei sehen und sie deshalb im Keime ersticken möchten.— Für die«nisgcherrttn Arbeiter nud Arbeiterinnen der Elektro-Indnstrie Sellins und Umgegend gingen weiter ein: Von den Arbeiten, der Firma Lerch, Koffer- und Leder- warensabrik, 9,70. Liste 4723 Firma Spinn u. Sohn v. d. Gürtlern 12,05. Liste 5387 Arbeiter der Tischlerei Vtarciwtcz 26,40. Bon den Tischlern d. Firma Dittmar, Boxhagcn 33, 10,25. Tischler bei Schön u. Grünthal 16,50. Arbeiter v. Poctsch, Zwietusch u. Co., Charlottenburg, 10,40. Liste 3567 Arbeiter der Firma Grund, Adalbertstr. 63, 21,50. Liste 199 Arbeiter der Buchdruckerei Moeser 26,55. Schulz 1,—. Liste 3587 Möbelfabrik Modern 22,25. Arb. d. Meßabteilung NeuenLurgerstr. 31 8,—. Buchdruckcrei C. Rosen 10.—. Liste 1796 Saal I I. C. Psass, 1 Rate 24,60. Liste 4512 Zischlerei Reinle, Königsbergcrsir. 28, 9,25. Tischlere! Anders, Königsbergerstr. 29, 11,45. Arbeiter der geteilten Weltsirma, Krauistr. 33a. 9,—. Werkstatt Borowsli), PetcrSburgersw. 3 10,—. Arbeiter v. Schubert u. Wörth, 1. Rate 73,25. Pianosabrik Knabe u. Thal, 1. Rate 19,—. Goidleistensabril Anders, Beuth- straffe 4, 1. Rate 9,—. Liste 5082, Blankcnburgcr Schnabel, Möbclsabrik. 1. Rate 20,35. Pianosabrik Laurinat, Liste 1364 15,30. Arb. d. Stocksabril Retzlaff 6,75.. Liste 4695 u. 96, Arbeiter d. Bogcnlanrpensabrik K. Wcinert 29.60. Liste 4404, Werkstatt Bröker, Rüdersdorferstr. 26, Tischlerei 31.—. Liste 4470, Nähmaschinensabrik Lütke, Luisen-User 8 7,30. V. d. Angestellten der Jnnungskrankciikassc d. Tiichler 16,—. V. d. Schleifern d. Firma Jacob 8,—. V. Musikverein Musiksreunde in Rixdors 30,—. Arb. d. Telephon- tischlerci Becker 19,15. Liste 3852, Arb. d. Firma Kurz, Simeonstr. 13 17,50. Liste 1481. 1476 von den Kassenbeamten der Steindrucker und Allg. O.-Kr.-K. 42,65. Von den Kollegen der Firma Ritsch, Bellcalliancestr. 3 6,—. Von den Arbeitern der Firma Hoffmann 16,—. Von dem Fabrikperjonal der Firma 51. O. Huff 24,60. Von den Kollegen der Goldleistensabrik 51. Spiescckc 12,30. Von Tapeziererwerkstatt Flatow u. Biewer 20,—. Ziselicrwcrkstati Stärzel. 51lte Jakobstr. 48a, 1. Rat« 5,—. Von den Lackierern der Wagen- sabrik Klicmt durch Kolosinski, 1. Rate 5,—. Liste 2540 Schuchhardt Saal Blankenburg 72,—. Liste 2541 Schuchhardt Saal Gaute 61,—. Liste 341t Schuchhardt Saal Wille 43,75. Liste 3412 Schuchhardt Saal Gramer 23,75. Liste 3413 Schuchhardt Saal Mafewsly 27,40. Von der Firma„Germania" Fabrik für 5lutoniatcn-Restauranrz 14,50. Liste 3827 von den Kollegen der Firma Krüger, illtichaclkirchsw. 41 43,50. Stocksabril Rennert u. Co. 12,70. Möbclsabrik Gebr. Ncukirch, Langestr. 9, 1. Rate 7,60. Listen 1366/7 Firma Lindswöm, 1. Rate 106,25. Liste 1386 Doboschwitz, Mclchiorstr. 8 9,50. Rosophot, Buchb>ndcrci-51bt. 12,—. Von den Mechanikern der Firma Eck 11,—. Liste 1317 Baiitischlerei 51. H. Hoffmann, Prinzenstr. 47 24,—. Gesammelt aus d. Banstellc Liste 5513 Oranicnstr. 24 10,05. Von den Tapezierern und Näherinnen d. F. DunSkv, Krauscnstr. 11, 1. Rate 40.—. Von drei Gieffcrei-5Irbcitern, Max Behrendt 4,00. Von den Kollegen der 'Möbelfabrik Kümmel, 1. Rate 120,00. Arbeiter der Möbelfabrik Schuster u. Böhme, Weidenweg 37 17,00. Bau Achtmann Liste 2679 6,70. 51rbeiter der Werkstatt P. Thomas, Boxhagcncrstr. 16a Liste 5105 5,50. Berliner Elektro- Platet-Waren-Fabrik 22,00. Von den Arbeitern der Firma Boas 12,50. Von den Arbeitern der Firma E. Notier, Grünauer- straffe 20 18,00. Liste 539 Personal der Kartonsabrik Sturzebeckcr Rachs. 7,85. Kollegen d. Tischlerei Hoop, 1. Rate 13,15. Liste 3586 Kollegen der Möbelsabrik 5l. Hübner 12,00. Liste 1794 Kollege» der Bau- tischlerci Heuke, Mariendors 26,50. Liste 179 Kollegen der Buchdruckern Eichler, 1. Rate 11,75. Liste 4452 87,20. Kollegen d. Tischler Netzband u. Ranilow 7,00. Schlosserei v. Karl Scrrn und Gebrüder Ludwig 12,50. Sechserkasse der Firma Wisnewsli 20,25. Tischlerei Müller, Pallisadenstraffe 6,25. Bau- tischlcrei Harms 16,—. Liste 1383 Schultheis Brauerei, 5lbt. 4 v. d. Hand- werkern 23,20. Arbeiter deS Maschinenbau v. Brodnitz u. Seidel 19,60. Metallarbeiter v. Bruggemann aus Liste 3887 30,80. Liste 4467 Tischlerci Siebert u. Ankenbach 26,45. Liste 204 Lichtdruckcrei Paff u. Garleb 40,—. Stempelsabrik von Koke u. Weiland, 1. Rate 5,15. Schuhmacher- Werkstatt Mohr u. Speyer, Jägcrstr. 14 16,50. Liste 5133 Rohrleger und Heiser von Eigendorff 15,10. Liste 5310 Anschläger u. Polierer von Frister rr. Roff- inann, 1. Rate 18,20. Pers. der Buchdr. Janiszewskt 27,80. Liste 5135 7,—. Liste 5359 19,50. Liste 5367-68 Tischlerei Gebr. Faul, Hauplgcschäst 53,50. Liste 5l27 d Paul Körsten 23,75. Liste 7393 Tapezierer v. Se. Schg.-Straffe U.50. Liste 1503 Wolff, Sorauerstr. 109 53,50. Liste 1500 Arbeiter von Wagner u. Suiinebeil>9,00. Liste 1499 Werkstatt Frenz«! 10,80. Liste 1498 Arb. d. Firma Wohlsahrt u. Goldschmidt 10,95. Arb. d. Bautifchlcrct von Gebrüder Rüge 12,—. Liste 5070 Leipziger Buchb. A.-G., Fritsche durch R. Schwabe 28,85. Buchdruckerci Gebhardt, Jahn u. Landt 19,65.— Ver- band der Töpscr, Filiale Berlin, ans Listen: 2717 Bau Heinritz 26,—, 2713 Bau Ledcrmanir 1t,l0, 4056 Bau Schuppmanir 14,50, 2702 Barr Peschke, Kuglerslraffe 6,05, 4038 Bureau Engcluser 9,90, 4055 durch Scholz 18,50, 4046 durch Loos 5,—, 4066 durch Jedock 7,50, 2705 durch Kundi 14,25, Van Gielow, Liebcnwalderstraffe 15,65, Bau Schwarz, Kreseldcrstraffc, durch Hein 10,—, 4047 durch Gaede 19,10, Summa 157,65 M.— Liste 3569, v. d. Graveuren der Firma Heinrich Thiele u. llo. ll,75. Ge- sellengeschenk deS konsequenten Kollegen 2,50. Liste 4549, von d. Tischlern u. Polierern der Werkstatt Simon 17,35. Von den Korbmachern n Lackierern v. Schmidt u. Brückmann 7,—. Lifte 1705, Tischlerei Alsred Wilhelm, Riltcr- slraffc 8 8,—. Liste 4709, Arbeiter der Maschinensabrik Skriwan u. Co., Elisabcth-Ufer 55 13,25. Von den Kollegen der Firrnn Gatuwski u. Co. 2,50. Kollegen der Tischlerci Üiuh. Koppcnstr. 9 16,25. Arb. der Tischlerci Klug, Skalitzcrstr. 10 9,—. Liste 760, Buchdrucker von der Firma Krause, Alrxan- drinenstr. 93 5,10. Tischler d. Firma Bartsch, Boxhagenerstr. 26 23,20. Liste S957, Arbeiter der Firma Henniger u.(To., Alte Jakobstrr 10S 43.—. Lifte 3262, Arbeiter d. Firma Kruger. Mctallw., Muskauerftr. 43 27.—. Krause, Falckensteinstr. 4.-. Liste 198, ges. i. d.„Koiiseltionär"-Abt. O. Elsner 17,33. Möbelfabrik Michel u. Ncumann 20,10. Personal Gcnz u. Co. 21,60 Liste 3950 Arbeiter Werner, Lübowfw. 6, Saal 3 Tr. 71,23. Liste 3949 Arbeiter Werner, Lützowslr. 6, Saal Part. u. 1 Tr. 42,23. Liste 4530 Ver- bandskollcgeii von der Firma Lubitz, Fruchtstr. 36 10,70. Zlrb. d. Tischlerei Peutcr, Elisabeth- Ufer II 11,—. Arb. der Tischlerei Lux u. Engbucht, Waldemarstraße 4,30. Arb. von Böhnicke u. Co., Schönhauser Allee 13,23. Gcschustsbllchcrfabrik Jürgens, Neue Königstr 4, 1. Rate 13,—. Tischler von Bollm, Poscnerstr. 23, 1. Rate 8,10. Liste 4811 von den organisierten Kollegen der Firma Niemann u. Co., Kronleuchtersabrik 26.—. Liste 3333 Neubau Postgebäude Nixdorf 17,63. Liste 4314 von den Arb. der Tischlerei Wengler n. Morrmann 31,83. Liste 1426 Bautischlcrei Poeb, Neichenberger- ftrasje 114, I. Rate 26,45. Personal d. Buchdrnckerei H. S. Hermann (darunter Z. J. Z. 3,—) 188,43. Von den Vcrbandsmitgliedcrn der Buch- druckerei Trowitzsch 3,—. Vau Dunckerstr. 86 durch Lehmann 7,30. Liste 3667 .iischler d. Möbelsabrik Daum u. Guischkau 7,—. Tischer v. Priebenow 6,—. Liste 3337 1. Telephon K. L. 30,30. Liste 2828 3.30. Liste 3080 Bau Viltoriastr. 16/17, 11,—. Arbeiter der Gießerei Flügel, Wöhlertstr. 4,30. V. d. Tapezierern u. Näherinnen Jacob u. Braunfisch 13,—. Telephon- Werkstatt von Gärtner, Elisabeth-User 6,33. Kollegen von Schönwetter, Memclerstraße, 6,83. Von den Zcmmlinschen Drehern 21,30. Personal der Buchdruckcrei Bänsch W. R. Hamberg d. 16,40. V. Bautischlerci Wolst, Markgrafendamm, I. Rate 13,30. Vom Sparverein„Guter Wille" 10,—. Von d. Kollegen d. Firma Mier u. Taulin, Rixdors 7,40. Von den Buch- druckern der Firma C. W. Schade 24,60. Bon den Maschinenmeistern der .Mational-Zeitung" 23,30. Von d. Kostümschneidern d. Firma C. A. Herpich Söhne 16,60. Liste 4036 Personal der Steglitzer Werkstatt für Druck und Verlag 10,30. Kollegen der Werkstatt G. Micklei, Blüchcrstr. 33. 11,50. Kollegen der Firma Gcffert, Brunnenslr. 123, 10,10. Kollegen von Klaus, Rixdors, Knesebeckstraße 61, 10,23. Kollegen der Kisten- sabrik Rummelsburg 12,00. Von einem Siemcnsschen Außcnmontcur durch tz. 10,20. Tischlerei von Wcidner, Reichenbergerslr. 142, 4,—. Kollegen d. Firma Henschke u. Buchholz 31,—. Liste 3433, Tischler der Möbclsabr. Weise u. Nenmann, Petersburgerstr. 77, 23,—. Kollegen der Firma Rüster u. Gerlinger 10.—. R. D. 1,50. Listen 4306 und 4307, Tischlern der Firma Grün u. Hcttwig 33,70. Liste 3410, Gebrüder Simon 20,33. Bnuklcmpnerei Mulack 11,—. Aus Listen, Konto, Verband der Ver- golder(Filiale Berlin) 200,—. Liste 143, Buchdrnckerei Barschall 14.20. Kollegen der Kronleuchtersabrik Max Krey u. Co. 33,23. V. d. Tapezierern u. Näherinnen I. C. Psaff 21,40. Liste 4496, Tischlerei Zach u. Söhne 12,—. Liste 3424 18,73. Liste 6603, Tischlerei Klein, Dresdenerstr. 2 8,—. Liste 1371, Möbelsabr. v. Seifert u. Wolfs 27,15. Liste 3676, Tischlerei E. Gossow, Teltowerstr. 33 26,33. Liste 6837, Genossen o. Palerski 18,83. Kollegen d. Schlosserei Krüger, Jorkstr. 59 60,40. Tischlerei Nohdc 7,30. Verband d. Bauarbeiter(Zahlstelle Adlershos) 10,—. Liste 4489 23,83. Parlophon 10,—. Liste 4503, Werkstatt Wicnicke, Grünauerstraße 14,70. Perlonal Buchdruckerei Sittenscld, Kantinenwirt 10,—, 126,60.- Aus eigene Faust singen, Schiegelstraße 1.—. Personal der Berliner Musikalien- druckerei 6,70. Listen 3079 12,73. 3964 Otto Gockel 12,35. 2844 Otto Gockel 11,80. 6861 Bau Quint it. Hartwig, Ecke Calvinstraße, durch Lenz 9,73. Von den Kollegen der Modelltischlerei C. A. Lucas, Pallisadenstr. 77 10,—. Listen 4710 13,30. 3673 Ferd. Henk. Lichtenbergerstr. 6 10,—. .Klaviatursabrik Wernicke 13,70. Sozialdcmökratischcr Wahlvcrcin Ziixdors 300,—. Listen 3829 Gustav Mclzcr 6,90. 4822 Maschinensabrik F. H. Zimmermann, Cyausseestraße, 23,40. 1120 Tischler und Tapezierer von Hitzler u. Hosmann 16,03. 4841/4842 39,19. 4849 12,50. 571 812. Tischlerei Zander, Rüdersdorserftr. 48, 3,30. Listen 3311 19,93. 3624 16,20. Buurischlerei Koch, Eldenaerstr. 23 10,—. Bautischlerei Koch, Frankfurter Allee 20 11,10. Liste 5313 Firma Klaar n. Schulz, Waldemarstr. 14 20,—. Wendisch.-Rietz am Scharniützel-Sec 8,33. Liste 4720 Metalldrückerei Preibisch, Mariannenstraße 31/32 18,73. Einsetzer von H. und F. Mittag u. Herrn Prill 23,23. Tischlerei v. Ernst Billig, Pallisadenstr. 32 4,30. Bautischlerei Hoffmann, Wollinerstr. 27 7,30. List? «786 39,93. V. d. Arbeitern d. Firma Heise Nächst. 18.—. Liste 1432 16,23. Liste 6608 Tischlerei Borrmann. Ad-niralstr. 1«b 17,40. Liste 5104 Bautischlerei Ihme, Rummelsburg, Goethcstr. 18 10,13. Liste 3330 Bau Leipzigerstr. 10,20. Liste 153, Maschinenmeister Abt.„Woche", A. Scherl 18,-. Listen 4916 u. 4915 Von den meisten Kollegen der Firma Schmidt, 5tundenschneider 23,20. Liste 3682 Tischlerei Oelschlägel, Gncisenaustr. 41 33,75. Tischlerei Körner, Kreuzbergstr., 1/ Rate 3,33. Bautischlcrei Reif, Stralsund erstr. 7 11,30. Atelier Oppenheim u. Stern, durch Rösling 13,30. Liste 3337 Drägerhos u. Schmidt, 1. Rate 29,23. Liste 3338 Dr. Paul Meyer, Saal A. u. B, 1. Rate 36,60. Liste 1434 13,10. Liste 5356 9,30. Liste 1363 Arbeiter der Kronenfabrik Beiswenger 16,—. Liste 628 Bautischlerei Gustav Meyer 23,35. Liste 3863 Lcderwarenfabrik Rudolf Dietrich, Ritterstr. 46, 11,40. Liste 4436 Mollcnhauer, A. Metzdors, Waldcnmrstr. 29. 26,—. Hülfsarbeiter d.„Woche", Zahlstelle 2, 1 Rate 20,—. Durch Golize 1,—. Von den Drechslern der Wcrkstelle Müller, Königs- bergerstraße 26—27, außer einem, mit Budiker 12,—. Tapezierer u. Tischler der Sitzmöbcl-Jndustrie, Dirckscnstraße, 33,30. Liste 4823 lllodrecht, Elisabeth- User, 12,—. Liste 3467 Piano-Fabrik Dreher u. Co., 1. Rate 12,30. Listen 166, 67. 63 Deutsche Verlags-Buchdruckerei 75,63. Listen 3399. t{400, 3401 von d. Arbeitern und Arbeiterinnen d. Telephonsabrik E. Zwietusch, Charl., Salzufer 7, 166,60. Liste 3831 Berliner Sluszugsabrik von Müller, Hohen- schönhausen 17,—. Liste 1431 O. Dietrich u. Co., Bohr- u. Klemmsutter- sabrik, Gitschinerstr. 79, 13,30. Listen 3370, 71 durch Wendlcr 40.75. Arbeiter der Stocksabrik A. Ludwig u. Co. 8,33. Tischlerei G. u. H. Schütze, Neuen- burgerstr. 13, 23,—. Nietwarensabrik Wols u. Co., Alerandcrstr. 19,95. Liste «680Kleinschessky, Ratiborstr. 4, 13,30. Firma Flugradt, Lausitzerstr. 44, 12,33. Kofserwcrkstelle E. A. Müller. Adalberts�. 41 3,-. Liste 3133 Schwabe u. Co. und Zirkus Busch 35,43. Liste 1373 Hanke u. Käser, Memeler- straye 13 21,93. Liste 1376 Memelerstr. 13 14,43. Kollegen d. Metall- warenfabrik Sonncnbcrg, Westend 10,30. Koll. v. Otto u. Co., Elbinger- straßc 33 10,—. Liste 3671 Werkstatt Friedrich, Fruchtstr. 36 46,73. Schleifer v. Köhler, Wassertorstr. 46 II 4,30. Liste 4483 Maschinenarbeiter u. Tischler v. Frister u. Roßmann 27,10. Liste 3084 Arb. d. F. Beling u. Lübke, Admiralstr. 16 21,—. Liste 136 Buchdruckcrei Karl Warschauer, Alexandrinen- straße 110 11,23. Liste 1363 Buchbinderei H. Schuckar, Hollmannstr. 16 18,20. Ges. d. Kunz, Bau Grunewald, Bundschuhstraße 4,73. Von Härtung 2,—. Listen 1378/79 Kaserneubau Papestraße 12,40. Durch Klunker 1,—. Liste 3334 Prenzel 10,30. Arb. d. Lederfabrik Salomon, Nixbors 13,—. Arb. d. Firma Becker d. Schilt 13,13. Unbekannt 30,—. Liste 5073 Tapezierer d. Firma Dort u. Krisch, 1. Rate 18,50. Piano- sabrik M. Grabau 4,—. Liste 6529 Firma Ebers, Manteuffelstr. 22 11,30. Liste 3074/75 Arb. v. Zwietusch u. Co., Saal 4 Treppen 45,40. Von den Kollegen ber Firma Reichel u. Co., Fmmanuelkirchstr. 6 24,30. Liste 4807 Firma Hermann u. Co., Grüner Weg 117 19,70. Paul Hintze, Schinke- straße 8/9 3,30. Bertuch, Mohrenstr. 39 10,90. Liste 4343 Schecke, Box- Hagenerstraße 32 10,30. Liste 4110 Kollegen von Scelig 26,30. Bautischlerei Bendix, Elbingerstr. 12 12,30. Liste 3620 Tischlerei Jost, Neuenburger- straße 30 und 1 Klempner 30,—. Von den Kollegen der Firma Psennig- Iverth 10,—. Liste 1039 Schraubendreher Frister u. Roßmann 26,73. 4460 Frister u. Roßmann, Saal 36 11,30. Liste 4461 do., Saal 9 15,80. Liste 4462 do., Saal 8 20,—. Liste 4463 do. Schleiferei 10,30. Tischler von Kaiser, Kreuzbergstr. 30 21,30. Tischlerei H. Alschner, Hagelsbergerstr. 52 22,—. Liste 5100 Firma Runge, Landsbcrgerftr. 9 20,90. Liste 1608 Schlosserkasse 34.—. Lifte 4940/41 Kollegen von Möwes, Bauguß-Fabrik, Prinzenstraße 29,75. Kollegen der Firma Aron, Saal Stüber, Charl. 60,—. Liste 3334 Aushülsssalzer der„Morgenpost" 69,23. Liste 3333 5,93. Tellersammlung der Mitgliedervers, der Fahrstuhlarbeiter 8,70. Kunststeinarbeiter der Firma Bochmann 13,70. Kunststeinarbeiter, Tempel- hos 10,—. Tellersammlung von der Vers, der Droschkensührer Berlins und Umgegend 14,64. Droschkensührer voni Fuhrhcrrn Jagert, Gcrichtstraße 22,23. H. Stolzenberg 1,—. Möbelfabrik Volke!, Königsbergerstr. 26/27 4,60. Anstalt Röpach, Bclfortcrstr. 23, Langettierer 3,50. Gesangverem „Immergrün", Tegel, durch Wilh. Spieß 12,20. Fabrikveriammlung Cyklop durch R. Bahn 19,—. Bauhandwerker, Pankow, Eintrachtstraße 7,30. Von 6 Bäckern, Heidelbergers�. 76 6,50. Maler von Fabricius 7,30. Liste 3939 Einige kleine Geschäftsleute, Ackerstraße 72,00. Tischlerei Budgereit, Zlnklamerstr. 33, 1. State 4,30. Von den Zimmerern auf Bau Fröhlich u. Ludwig, Tegel 9,30. Wilhelm Mantel bei der Firma Nichterlein 13,10. Antomatensnal Mehlich, Sophienstraßc 14,95. Vom kleinen Schlosser Karl 14,05. Bau Steglitz, Birkbusch-, Ecke Erlenstraße, Finna Otto Gebert, Lichtenberg 6,—. Aus einer roten Hochzeit aus der Neuen Königstr. 22, gesammelt durch Böcker 4,30. Metaüarbeiter-Vcrband Luckenwalde 100,—. A. B., Schöneberg- Berlin 100,—. Bautischlcrei Müller, Tegel 29.—. Möbelsabrik Schirn, Weißensce 40,—. Heinrich Kottke, Schuhmachermcister. Reinickendorfer. straße 18-r 20,—. Paul Krohlich, Spandau. Bergstr. 13 20,—. Vcrwaltungs- stelle Berlin W. des Allgemeinen Deutschen Gärtncrvereins 20,—. Tischlerei Bock, Fruchtstr. 37 17,—. Bautischlerci Knoll u. Bittner, Lynarstr. 13 17,70. Von den Maurern und Bauarbeitern Krankenhausbau Britz 11,63. Von den Malern Bau Kaiser-Allee 18 3.35. Vom Arbeiter- Schwimmklub „Neptun", Weißcnsee 13,—. F. B., lönigStrcue Arbeiter der Artillerie- Werkstatt Spandau 13,40. Arbeiter der Treppengeländer-Fabrik Voigt U. Söhne, Stendalerflr. 6 13,—. Für die ausgesperrten Kabelbrüder am Nonnendamm durch H. Schulz 4,03. Drei Tischler aus der Schliemann- straße 37 7,30. Von den Porzellanarbeitern von Richter, neue Fabrik 8,—. Tapeziererwerkstatt Matschte 3,03 Elektroingenieur 13,—. Munition zum Kamps, Adolf Seifert, Friedrich Klatt und Frau Klatt 10,—. Personal der Druckerei M. Noster, Rixdors 4,50. Putzerträger Bau Mutschke, Ilhland- straße 118/119 2,90. Stiller Rentenempfänger 2,—. Maschincnarb. der Schneidemühle R. Gaberer 3,—. Bureaupersonal von y. Neuendors, Bülowstraße 4,20. Bautischlerei Hischer u. Conradsen, Wilmersdorf, 1, Rate 31,30. Porzcllanarbeiter Tiesenfurt, Schlesien 30,—. Familie Rauke, Char- lottenburg 3,—. I. Schneider, Elbingerstr. 74 3,—. Vom deutschen Buch- binderbervand, Zahlstelle Berlin 1000,—. Max.Janisch 10,—. Von der Geburtstagsfeier Wöllstein: Arb.-Turnverein, Arb.-Radfahrervercin„Vor- wärts", Ringsportverein„Deutsche Kraft", organisierte Frauen und Mädchen Adlershof. Privat- Doppelquartett Adlershos 28,61. Liste 3860 23,35. Liste 3859 7,50. Liste 3858 47,50. Liste 3857 17,05. Liste 3856 20,40. A. Z. durch Wiescntbal übermittelt 500,—. Von Wiesentbai 20,—. Liste 3873 von Trapp, Edelweiß 1,30. Liste 3869 von den Arbeitern von Gebrd. Del>kledt 41,63. Liste 1739 Tischlerei«tritzke, Köpenickerstraße 36 6,50. Liste 1760 von den Hausfrauen Schönhauser Allee 64 10,70. Von Ernst Mittag, Bautischler, Bellealliancestr. 70 30.—. Liste 5069 vom Personal der Fa. H. Baruch u. Co. 37,—. Rote Hochzeit, Prosa, Weidenwcg 76 6—. Krastdroschtenkutscher der Automobilbetriebs-Gesellschast 15,00. Liste 3779 Willy Gut 30,73. Liste 1486 von den Kasscnbcamten der Ortskrankenkasse d. Mechaniker 18,—. Von d. Tapezierern u. Näherinnen, K. Müller, Zimmerstraße 11,30. Von Eschenborn, Firma Probst u. Böckcr 6,80. Liste 4468 v. d. Modellfabrik Jahn u. Zinke 6,23. Handtuchvcrleih-Jnstitut Emcnsior, Stralauerstr. 11, 1. Rate 20,—. Liste 4647 von Herrn Nowy 20,20. Von der Hochzeitsfeier durch R. Müller 3,50. Ges. b. d Flugblatlver- breitung 106. Bezirk bei Gossel 4.—. Kollegen d. Fa. Steinbock, außer drei 8,13. Gesammelte Listen vom Deutschen Buchbinder-Vcrband 429,93. Werkstatt Goldbach 6,73. Liste 4329 Noak 17,20. Liste 4697 Buchdruckcrei Selmar Beyer 9,33. Von den Dachdeckern der Firma Kopp u. Cie. 15,—. Bau tischleret Traxel, 1. Rate 8,80 Von Hildesheim 7,60. Tischlerei Nissen 4,30. Durch Brehmer(Warschaucrstr. 70) 10,—. Pianosortcsabrik Ernst Jacob, Abt. Nadlerei 7,20. Möbelfabrik Ncuniann u. Bruar 52,23. Von Thiele u. Co. 31,93. Arbeitsloscn-lluterstützung. Kirmse 13.—. Von Alwin Kirmsen aus Liste 4083 16,33. Liste 4495 Bautischlcrei Kühn 13,90. Lille 2893 Paul Broßer 10,90. Kollegen der Firma Schröder 9,—. Von Werkstatt Messerer 3.—. Von Firma Jacob, Liste 3673 Bohrersaal 11.80. Desgl., Liste 1318 Maschincnsaal 16.30. Möbelfabrik Bode u. Heister 24,30. Möbelsabrik Emil Schmidt(Gr. Franksurterslr. 16) 8,30. Liste 1302 Kirchbau Grünau 16,—. Summa 10 041,72 M. Bereits quittiert 3823,43 M. Gesamtsumme bis Montag abend 13 868,17 M. Berichtigung. In der Sonntagsnummer des„Vorwärts" sind bei der Namhastmachung der Spenden einige Irrtümer geschehen. Nicht Marquardt ist der Absender der angegebenen 15 M., sondern der Ver- band der Kupier schmiede Deutschlands, Filiale N c u e n d o r s- P o t s d a m. Die Sunnne aus Liste 3100 ist nicht gegeben von der Firma Runge, sondern von Kollegen der Firma Runge, Landsbergcrstr. 9.— Statt Männerchor„Georgima 93"(1. Rate 100 M.) muß es heißen: Männerchor „Georginia 1879". Weitere Sendungen werden entgegengenommen im Gewerkschastsburcau von 11—1 und 6—8 Uhr, Sonnabends und Montags von 4—3 Uhr im Saal IH. Postsendungen sind an A. K ö r st e n, Engel-Uscr 13, zu richten. Der ülnsschus? der Berliner GcwerkschastSkominission. Beim Rixdorfer GewerkschaftS-Kurtell gingen aus Listen folgende Beiträge ein: Daymlers Motorwagensabrik, Marienselde, Abt. 6, Liste 43 32,10. illbt. 7. Liste 46 31,50. Abt. 8, Liste 41 80,75. Abt. 9. Liste 44 72,13. Abt. 11, Liste 47 23,95. Abt. 17, Liste 45 117,—. Ferner gesammelt aus Liste 30 Tischlerei Laborenz 24, 10. Liste 31 Pianosabrik Jaschinski 21,60. Liste 55 Tischlerei Marquardt 16,33. Liste 146 Haase 3,50. Weitere Beitrüge nimmt entgegen, ebenso werden weitere Sammellisten ausgegeben durch den Obmann Hendrischke, Thomas st raße 16, abends von 7—3 Uhr. Boxhagen-Nummelsburg. Für die ausgesperrten Arbeiter und Ar- bciterinnen der Elektro-Jndustrie Berlins und Umgegend gingen ein: Gießerei-Abt. Grauert, Stralau, Liste 421 63,30. D. K. W. Rummels- bürg, Liste 494 14,23. Maurer u. Arbeiter der Gasanstalt Lichtenberg, Liste 306 14,95. Liste 431 2,70. Liste 313 14,80. Gaswerk Mmiendors, Liste 440 17,33. Liste 469 12,93. Zusammen 140,70. Bereits quittiert 110,20. Gesamtsumme 250,90. Weitere Beiträge nimmt entgegen und Sammellisten find zu haben beim Gewerkschasiskartell Boxhagen-Nummelsburg. I. A.: Karl Brüschke, Neue Bahnhojstr. 32. II._ Huö der Partei. Die in Jeua geschaffene Neuorganisation der Gcsamtpartei greift auch in die Verhältnisse der Landesorganisation der sozialdemo- kratischen Partei Bayerns ein und bedingt die Ilmgestaltung wesent- licher Bestimmungen ihrer Satzungen. Der Landesvorstand teilt nun mit, datz unter diesen Umständen eine frühere Einberufung des Landesparteitages zur Notwendigkeit wird. Der Landesvorstand ist bereits mit dem Entwurf der neuen organisatorischen Bestimmungen beschäftigt und wird diese Arbeit so' weit beschleunigen, als es die Wichtigkeit der Sache und die dadurch bedingte Sorgfalt der Behandlung gestatten. Nach Fertigstellung des Entivurfes wird dieser den Gau- vorständen zur Begutachtung übergeben und das Ergebnis der Vereinbarungen nachher veröffentlicht werden. Sobald dann die Organisationen und die Parteiprcsse die erforderliche Zeit zur Besprechung der Vorlage gehabt haben werden, wird um- gehend die Einberuffing des Landesparteitages erfolgen. Bis der Landesparteitag neue organisatorische Bestimmungen beschlossen haben wird, bleiben selbstverständlich die Satzungen der derzeitigen LandeLorganisation unverändert in Kraft.— Der Parteitag für den Agitationsbezirk des westlichen Westfalen hatte sich im Vorjahre mit der Organisationsfrage beschäftigt. In Rücksicht auf die beabsichtigten Aenderimgen des Gesamtorganisations- statuts der Partei durch den Jenaer Parteitag wurde die endgültige Beschlußfassung über die Organisationssrage überhaupt bis zum diesjährigen Provinzialparteitag vertagt. Die Kommission hat nun einen neuen Entwurf, der dem Gesamtstatut angepaßt ist, ausgearbeitet und unterbreitet ihn jetzt den Parteigenossen. Sozialdemokratische Gemeindepolitik. Um unseren in der Ge- meindeverwaltung tätigen Genossen Material an die Hand zu geben und die breite Masse des Volkes über die Bedeutung einer plan- mäßigen, vom sozialdemokratischen Standpunkt aus betriebenen Gemeindepolitik aufzuklären, gibt die Buchhandlung Vorwärts eine Sammlung kommunaler Abhandlungen heraus, die unter dem Sammeltitel„Sozialdemokratische Ge- m e i n d e p o l i t i k" in zwanglosen Heften erscheinen. Das Werk, mit dessen Leitung Genosse Paul Hirsch-Charlottenburg betraut ist, legt, ohne daß die Theorie dabei zu kurz kommt, das Hauptgewicht auf die Praxis, es bildet gewissermaßen ein Gegenstück zu dem Sozialdemokratischen Reichstags-Handbuch und zu den Landtags- Handbüchern, wie sie von unseren Genossen in einer Reihe von Einzelstaaten herausgegeben sind. Es arbeiten durchweg Partei- genossen mit, denen eine langjährige praktische Erfahrung auf kommunalem Gebiete zur Seite steht. Heft 1, das eine kurze Charakteristik des„Kommunalen Wahlrechts" in Deutschland aus der Feder von Paul Hirsch und Hugo Lindemann enthält, und Heft 2, in dem Lindemann eine Darstellung der„Kommunalen Arbeiterpolitik" gibt, sind soeben erschienen. In Vorbereitung befinden sich weitere Abhandlungen über „Kommunale Wohnungspolitik" und„Steuern und Gebühren". Ab- Handlungen über die kommunale Schulpolitik, über die öffentliche Gesundheitspflege, über Armen- und Waisenpflege u. a. m. Von Mitarbeitern seien u. a. Hugo Lindemann, Max Quarck, Emanuel Wurm und Paul Singer genannt. Die Sammlung, die an Hand eines vielseitigen Beweismaterials den Nachweis erbringt, daß die Besitzenden wie im Reich und in den Einzelstaaten so auch in den Gemeinden die nackten Jntereffen ihrer Klasse vertreten und die Forderungen der Arbeiter aufs schmählichste vernachlässigen, wird aufklärend und belehrend wirken und unseren Genossen als Waffe im Kampfe gegen die Feinde der Arbeiterklaffe dienen. Jedes Heft ist einzeln zu beziehen und in jeder Parteibuchhand- lung erhältlich. Der Preis für HeA 1 ist 50 Pf., Agitatiousausgabe 30 Pf. Heft 2 kostet 60 Pf., Agitationsausgabe 40 Pf. PoUzcUichcs, OericbtUche« ulVr. Polizeiplackcreien in Ostclbien. Bei einer Haussuchung beschlagnahmt wurde am Montag, den 9. Oktober, das Mit- gliederverzeichnis der Zahlstelle deS Deutschen Metall- arbeiterverbandeS in Königsberg in der Wohnung deS Genossen Fränzel, des Angestellten deS Metallarbeiterverbandes.. Diesem Genossen war von der Polizei aufgegeben worden, das Mitgliederverzeichnis einzureichen. Er war dem auch nach-- gekommen, hatte aber nicht die Vornamen ausgeschrieben, auch nicht die Berufe der Mitglieder angegeben. Zu letzterem fühlte er sich auch nicht verpflichtet. Die Polizei erachtete die Liste für unvollständig und verlangte Ergänzung. Dein kam Genosse Fränzel aber nicht nach und so schritt denn die Polizei zu einer Haussuchung und beschlagnahmte das Verzeichnis— insgesamt 756 Karten. Gleichzeitig ist wegen dieses„Verbrechens" gegen Fränzel ein Versahren eingeleitet worden and das Gericht wird zu entscheiden haben, ob dies Verlangen der Polizei gerechtfertigt ist oder nicht.— Ein anderes Bild. Am 1. Mai d. I. bezogen die Partei und Gewerkschaften ein größeres auf längere Zeit gemietetes Lokal. Gleich darauf wurde dem Oekonom des Lokals die Polizei- st uu de auf zehn Uhr abends herabgesetzt. Oeffentlichc Versammlungen müssen um diese Zeit geschlossen werden, wenn nicht die Polizei auf vorheriges Ersuchen die Polizeistunde verlängert hat. In Königsberg hat das nicht viel Ent- rüstung hervorgerufen, da man in Ostelbien an solche Polizei- Plackereien gewöhnt ist. Aber jetzt hat die Polizei zum Schutze der Versammlungsbesucher etwas Neues ausgeheckt. Mitten im Saale haben nämlich Barrieren, die sich fast durch den ganzen Saal ziehen, angebracht werden müssen, damit die Menge beim Verlassen des Lokals sich nicht allzu sehr drängen soll. Jeder, der die Schutzvorrichtungen sieht, schüttelt den Kopf. Setzt man den Versammlungsbesucheni aber die Bedeutung dieser von der Polizei angeordneten„Vorsichtsmaßregeln" auseinander, ist eine Lachsalve die Antwort. Bei näherer Ucber- legung muß aber doch zugegeben werden, daß die Polizei wieder einmal recht weise gewesen ist und eine Erfindung gemacht hat, die nur dem Wohle der sozialdemokratischen Arbeiterschaft dienen soll. Diese Aufmerksamkeit wird der Arbeiterschaft aber auch nur in den eigenen Lokalen entgegengebracht. Sonst ist das anders. So wissen wir, daß es in Königsberg fast nirgends gute Gerüste und Schutzvorrichtungen auf den Bauten gibt. Es gibt zahlreiche Verordnungen zum Schutze der Arbeiter, wie in der Gastwirtsbranche, in den Bäckereien, in den Geschäften, aber von einer Einhaltung und einer gründlichen U c b e r w a ch n n g ist wenig zu spüren. Es gibt auch ein Kinderschutzgeseh und sogar auf der Straße sieht man, wie dieses Gesetz übertreten wird, aber die Polizei hat mit der Ueberwachung der Arbeilerbewegung so viel zu tun, daß für solche Kleinigkeiten sehr wenig Zeit übrig bleibt. Die Ordnung muß doch geschützt werden. Hus Industrie und Handel. Streik- Reservefonds. Die„National- Zeitung", die seit einiger Zeit noch mehr als ffüher bestrebt ist, durch allerlei Gefälligkeiten sich die Gunst des Großuntcrnehmertums zu erwerben und ihrem dürftigen Abonnenten- stand aufzuhelfen, macht den Verwaltungen der großen Aktien- gesellschaffen einen niedlichen Vorschlag. Bisher schon war es bei vielen Aktiengesellschaften Gebrauch, hohe Reserven aufzuhäufen, um in Jahren der Krise und starker Einnahmeausfälle Deckungsmittel zur Hand zu haben. Auch in Streikfällen boten solche Reserven einen guten Rückhalt, da sie gestatteten, die Abschreibungen niedriger zu halten und nötigenfalls einen Teil der Reserven mit heranzuziehen. Diese Rückstärkung genügt jedoch der„Nüt'onal- Zeitung" nicht, sie schlägt vor, besondere Streik- Reserve- fonds zu bilden— damit die Aktiengesellschaften in der Lage sind, sogenannten„unberechtigten" Forderungen der Arbeiter energischer entgegentreten zu können. „Leider", schreibt das Blatt,„ist die Aussicht auf Beseitigung dieser Nachteile(durch Streiks) ebenso ungewiß wie die allgemeine Abrüstung. Hat sich aber der Industrielle dies einmal klar gemacht, so mutz er die Streikgefahr in seine Kalkulation ebenso mit ein- beziehen, wie er dies hinsichtlich der Möglichkeit des Eintritts irgend eines anderen schadenbringenden Ereignisses, wie etwa die Feuersgefahr, tut. Jeder Industrielle hält es für seine selbstverständliche Pflicht, jährliche Beträge für die Versicherung gegen Feuer zu opfern. Diese Ausgaben sind unvermeidliche Unkosten, wie andere, die ans dem laufenden Betrieb entstehen. Hinsichtlich der Möglichkeit des Eintretens von Streik- Verlusten beobachtet man aber einen merkwürdigen Optimismus, welcher bei der fast mathematischen Sicherheit, mit der jeder Be- trieb innerhalb einer bestimmten Periode auf erzwungene Arbeits- einstellungen zu rechnen hat, nicht aufrecht erhalten werden sollte... „Eine Heranziehung der gesetzmäßigen Reserve zur Deckung von Streikverlusten könnte nur auf Kosten anderer Bilanzposten geschehen. In der Tat denkt ja auch keine solide Gesellschaft daran, den durch Streik geschmälerten Jahresgewinn aus der Reserve aufzufüllen. Ganz anders lagen indes die Dinge bei dem Vorhandensein eines für den Streikfall angesammelten Fonds. Ihn bei derartigen Aus- fällen zur Verteilung des Gewinnes heranzuziehen, wäre ebenso berechtigt, wie es fiir Arbeiterorganisationen natürlich ist, den lange Jahre hindurch angesammelten Streikfonds anzugreifen. Bei der zunehmenden Wahrscheinlichkeit unfreiwilliger Betriebseinstcllungen erscheint es immer notwendiger, vom Jahresergebnis eine Summe in Abzug zu bringen, deren Ausfall in kürzerer oder längerer Frist zu gewärtigen ist. Die in Reserve gestellte Summe dürfte ebenso- wenig zur Verteilung an die Aktionäre gelangen wie die Beträge, welche für dubiose Forderungen zurückgehalten werden. Wenn man will, kann man diesen so geschaffenen Posten als eine Art Streik- fonds betrachten, der den Gesellschaften gestattet, unberechtigten Forderungen ihrer Arbeiter mit Ruhe entgegenzusehen." Ein recht nettes Projekt— fraglich ist nur, ob die Aktionäre sich zu derartigen Beschneidungen ihres Entbehrungslohnes verstehen werden: sie eisern heute schon gegen die hohen Rückstellungen. Den Gewerkschaften kann es übrigens ziemlich einerlei sein, ob die Mittel der Unternehmer zum Widerstand gegen Arbeiterforderungen aus offenen oder versteckten Streik-Rescrvcfonds stammen, oder ob aus den Verbands« und Unterstützungskassen der Kartelle und Verbände. Vergrößerung des Conccrns der Tarmstädtcr Bank. Seit einiger Zeit wurde von Verhandlungen zwischen der Bayrischen Bank in München und der Darmstädtcr Bank(Bank für Handel und Industrie) gemunkelt. Da die Deutsche Bank, die Diskonto-Gesellschuft und die Dresdener Bank in letzter Zeit ihre Gcschäftssphären in Bayern mit aller Kraft weiter auszudehnen bestrebt sind, war die Bayrische Bank, die trotz einer inzwischen erfolgten SanierungSkur, noch immer unter den Nachwirkungen der Krise leidet, in eine gewisse Bedrängnis ge- raten; und um dieser zu entgehen, so hieß es, suche sie Anschluß und Stütze an die Darmstädter Bank. Tatsächlich ist denn auch jetzt ein solcher Anschluß erfolgt und zwar, wie die beteiligten Banken verkünden, unter folgeuden Bedingungen: „Die Firma der Bayrischen Bank soll einen Zusatz erhalten und fortan Bayrische Bank für Handel und Industrie lauten, sowie das Geschäftsjahr auf das Kalenderjahr verlegt werden. Der Bahrischen Bank für Handel und Industrie wird sodann das laufende Geschäft des altangesehenen Münchener Bankhauses Gut- leben u. Weidert angegliedert. Zur Durchführung dessen wird den Aktionären der Bayrischen Bank vorgeschlagen werden, behufs weiterer Kräftigimg der Bank das Aktienkapital auf 3 Millionen Mark herabzusetzen und den dadurch entstehenden Buchgewinn ebenso wie den Gewinnvortrag der Reserven zuzuführen. Demnächst ivird das Aktienkapital durch Ausgabe von 12000 Stück vom 1. Januar 1905 ab dividendenberechtigter Aktien a 1000 M. auf den Betrag von 20 Millionen Mark erhöht. Bon den neuen Aktien werden 7 Millionen sogleich voll eingezahlt, von denen 6 Millionen den Kaufpreis ftir das laufende Geschäft von Gullcbcn n. Weidert bilden. während die Bank für Handel und Industrie eine Million zum Preise von 110 Prozent übernimmt. Durch letztere Abmachung wird den Aktionären der Bayrischen Bank für Handel und Industrie eine an- gemessene Bewertung ihre» Aktienbesitzes gewährleistet. Der Bank für Handel und Industrie ist auf die Ausführung dieser Verein- kaning und auf die künstige Entwickekung der Bayrischen Bank für Handel und Industrie ein entscheidender Einfluß ein- geräumt. Erstere wird dadurch, insbesondere auch durch die Zweig- Niederlassungen des afflliierten Instituts in Nürnberg, Bamberg, Fürlh und Wllr�burg in die Lage versetzt, ihre alten Beziehungen in Bayern zu stärken und zu erweitern, während die Anlehnung an die in Bayern altbekannte und angesehene Darmstädter Bank der Bayrischen Bank für Handel und Industrie neue Anhänger ge- Winnen wird." Die Bayrische Bank ist erst 1898 gegründet und verteilte in den beiden ersten Jahren 6 Proz. Dividende. Schon im Geschäftsjahr 1901'02 ergab sich jedoch nach Aufzehrung des Reservefonds eine Unterbilanz von 3 Millionen Mark, die zur Reduktion des Aktien- kapitals von 12 auf 9 Millionen Mark durch Zusammenlegung der Aktien führte. Die„Sanierung" hatte aber keine wesentliche Besse- rung der Geschäftslage zur Folge, denn in den letzten drei Jahren verinochte sie nur 2, 2l/z und 3 Proz. Dividende auszuschütten. Neue Schatzschcinbcgebung. Die Reichsbank hat gestern wieder. wie vor einigen Tagen, 25 Millionen Mark Reichsschatzscheine, das heißt Wechsel, die vom Deutschen Reiche ausgestellt sind, an der Börse verlaust. Damit hat sie den Privatdiskontsatz wieder um ein Achtel Prozent in die Höhe gesetzt und die Differenz zwischen dem gegenwärtig recht hohen Banksätze und dem Privatdiskontsatze etwas verringert. Die Reichsbank tut das aus zwei Gründen: Einmal liegt es in ihrem Interesse, die Differenz zwischen den beiden Diskontsätzen nicht so hoch zu halten. Denn ist die Differenz sehr groß, so wird ein Teil der Wechsel, die sonst von den Provinzbankiers an die Reichsbank verkaust werden würden, an die Privatbanken geschickt, diese nehmen die Papiere zu einem Satze ab, der etwas höher ist als der Privatsatz der Börse, aber nicht so hoch als der Zinsfuß der Reichsbank. Dadurch entgeht der Reichsbank ein gutes Geschäft. Gleichzeitig aber kann das Deutsche Reich immer Geld brauchen und so ist es ja auch ganz angenehm, bei dieser Gelegenheit sich von der Börse für den Reichsschatzsekretär etwas Geld zu leihen. Kuxe an der Berliner Börse. Schon lange besteht die Absicht an der Berliner Börse, Bcrgwerkskuxe, d. h. die Anteile sogenannter Gewerkschaften, zur offiziellen Einführung zu bringen. Bisher wurden sie nur im freien Verkehr gehandelt und die Bankiers konnten ihrer Kundschaft Preise normieren, wie sie es wollten. Als das Bestreben auftauchte, eine offizielle Notiz herbeizuführen, erhoben sich diese Bankierkreise und protestierten, natürlich offiziell nicht im eigenen Interesse, gegen die Einführung. Sie machten geltend, daß das Börsengesetz dem widerspreche, und in der Tat ist die Frage juristisch sehr zweifelhaft. Nachdem aber in Frankfurt a. M. die Börsenbehörden die Einführung beschlossen hatten und nachdem auch andere Städte ähnliche Absichten hegen, hat heute der Börsen- vorstand der Berliner Börse sich eingehend mit der Frage beschäftigt. Die Ansichten waren sehr geteilt und man wußte darum nicht recht, wie man beschließen soll. Man hat daher den Ausweg gewählt, ab- zuwarten, welche Stellung die Berliner Zulassungsstelle, d. i. diejenige Börsenbehörde, bei derdieAnträgeauf offizielle Notierung gestellt werden müssen, einnehmen wird, wenn ein solcher Antrag auf Zulassung ge- stellt worden ist. In den Kreisen der Rheinisch-Westfälischen Groß- industrie sträubt man sich ebenfalls gegen die Notierung, weil man befürchtet, Herr Möller könne, wenn die Börse einmal in den Kuxen offiziell Handel treibt, leichter zugreifen, als wenn die Herren die Majoritäten in der eigenen Hand behalten. GewerKscKaMicKes. Berlin und amgegend. Die Lederarbeiter, Weißgcrber und Ledcrfärber nahmen gestern den Bericht der Kommission entgegen. Nach diesem sind etwa 700 Mann ausgesperrt, davon sind 50 Mann abgereist resp. ander- wärts untergekommen. Ein erfreuliches Zeichen der Solidarität haben 14 Arbeiter(Bockstoßer), 19 andere Arbeiter und 5 Mädchen gegeben, indem sie einmütig die Arbeit niedergelegt haben, ohne Forderungen zu stellen. Auch zwei Zipfel lzweite Werkführer) haben sich in letzter Stunde der Bewegung angeschlossen. Ferner Ivird berichtet, daß man den Fabrikanten die Adresse des Streik- Komitees mitgeteilt habe, diese aber dies als Wunsch, in Verhandlimgen einzutreten, aufgefaßt haben. Die Streikkommission ist daraufhin von den Unternehmern geladen und haben am Sonntag Verhandlungen stattgefunden, die jedoch ohne Resultat verlaufe» sind. Der Hauptpunkt, gegen den sich die Unter- nehmer sträuben, sei die Verkürzung der Arbeitszeit, an der von den Arbeitern entschieden festgehalten wird. Die Verhandlungens die Sehr sachlich geführt werden, lassen die ganze Situation günstig er- cheinen. Die Kommission empfiehlt den Kollegen, unter allen Um- ständen an ihren Forderungen festzuhalten. Es gäbe keine Ursache, irgend davon abzugehen. Es wird dann noch eine scharfe Kritik an dem Verhalten der übrigen sogenannten Zipfel geübt, welche es— statt mitzukämpfen— vorgezogen haben, ihren Kollegen in dep Rücken zu fallen. Allgemein ist die Meinung vorherrschend, daß man nach einem günstigen Ausgang der Lohnbewegung mit diesen Elementen nicht wieder zusammen arbeiten könne. Verband der Wäsche- und Krawattenbranchc. Bis auf weiteres sind die Firmen Stein Söhne, Grüner Weg 5, Paul Isaak, Michael- kirchstr. 23a, A. Wertheim, Rosenthalerstr. 28, Carstens u. Lachmann, Zimmerstr. 29, und Kirchstein u. Michaelis, Märkischer Platz 1, für alle Zuschneider. Näherinnen, Plätterinnen sowie alle Arbeiterinnen gesperrt. Die Sperre über die Firma Gebr. Borchardt, Neue König- straße, ist aufgehoben._ Die Ortsverwaltung. Oeutkehee Reich. Auf der Hannoverschen Maschincuiau-Akticngcsellschaft in L i n d e n bei Hannover ist die G e s a m t a u s s p e r r u n g erfolgt. Dieser Abschluß war vorauszusehen, nachdem schon am Sonnabend die Zahl der Ausgesperrten auf 1400 gestiegen war, da die Direktion systematisch eine Abteilung nach der anderen, die sich weigerte, die Arbeit der vorher Ausgesperrten zu tun, sofort entließ. Am Montag- morgen ist auf diese Weise der Rest, zirka 400, entlassen. Der Be- trieb ruht vollständig. An eine friedliche Beilegung des Konflikts ist einstweilen nicht zu denken. Zum Wcbcrstreik in Reichenbach i. Schl. wird uns ge- schrieben:,.... Die Unternehmer erklären jetzt, daß Artikel, für die es bisher schon höhere Löhne gab. als im Tarif festgelegt worden ist. auch weiter in bisheriger Höhe bezahlt werden sollen. Ferner soll eine Schlichtuiigskommission gewählt werden, die über Streitigkeiten be- ziiglich des Tarifs entscheiden soll. Schließlich erklärten die Unter- uehmer»och, daß sie für den Zehustliiideiiiag seien. Die Bewilligung des Zehnstundentages müsse indessen erst vom Verbände der Textil- industriellen genehmigt werden, doch sei an diese Bewilligung nicht zu zweifeln. Die von den Textilbaronen auf die schwarze Liste ge- letzten 36 Weber sollen aber weiter gemaßregelt bleiben. In einer ungemein stark besuchten Versammlung nahmen die Streikenden und Ausgesperrten am Montagnachmittag Stellung zu den neuen Bedingungen der Unternehmer. Die Abstimmung erfolgte mittels Stimmzettel. Mit 1047 gegen nur 4 Stimmen wurde nach- stehende Resolution angenommen: Die heute am 9. Oktober er. tagende Versammlung der Aus- gesperrten und Streikenden erkennt'an, daß der neue Lohntarif Verbesserungen bietet: die Versammlung bedauert, daß einige Hauptforderungen, z. B. die Entschädigung für das Warten auf Malerial. ferner das Verarbeiten von schlechtem Material in Stundenlohn, Einführung von ArbeiterauSschüssen u. a. m. nicht berücksichtigt worden sind. Die Bersammluiig beschließt auf die letztgenannten Forderungen zu verzichten und den Lohntarif anzunehmen. Die Versammlung erlvartet. um die Wiederaufnahme der Arbeit zu ermöglichen, daß der Verband schlesischer Textil- industrieller in seiner morgigen Generalversammlung die Reichen- bacher Wevereivesitzer veranlaßt, die ausgesprochenen Maßregelungen zurückzunehmen. Das Abstimmungsresultat wurde mit großer Begeisterung auf- genommen. Im Lohnkampf der Bauhandwcrker zu Kiel sind dem Gewerbe- gerichts-Vorsitzenden Vorschläge für den Abschluß eines neuen Tarif- Vertrages gemacht worden. Die Maurer sind bereit, die Arbeit wieder aufzunehmen, fordern einen Stundenlohn von 63 Pf. und sind bereit, die Forderungen betreffend Verkürzung der Arbeitszeit neuen Verhandlungen zu Anfang des Jahres 1907 zu überlassen. Die Zimmerer dagegen fordern die neunstündige Arbeitszeit und einen Stundenlohn von 65 Pf. Die Innung Bauhütte und die Freie Vereinigung der Bauunternehmer lehnen diese Forderungen ab, erklären sich aber bereit, ab 1. Januar 1907 die neunstündige Arbeitszeit und einen Stundenlohn von 65 Pf. zuzugestehen. Der Ausstand der Damenschneider in Köln hat erfolgreich geendet. Die Schneider-Zwangsinnung hatte die Gehülfen zunächst an die einzelnen Arbeitgeber verwiesen, und als die Lohnkommission dem folgte, hintertrieb der Obermeister trotzdem die Verhandlungen mit den einzelnen Unternehmern, so daß diese rundweg jede Ver- Handlung mit der Geblllfenorganisation ablehnten. Jetzt aber haben sie sich genötigt gesehen, angesichts der Geschlossenheit der Aus- ständigen die Lohnkommission um Verhandlungen anzugehen, und so kam es zur Vereinbarung eines vollständigen Tarifs. Es erhalten selbständige Arbeiter pro Tag 6,50 M., Anfänger 4 50 M., Aenderungsschneider 4 M. Die Arbeitszeit beträgt zehn Stunden, wovon je eine Viertelstunde als Vor- und Nachmittagspause abgehen. Ueber- und Sonntagsarbeit wird mit 50 Proz. Zuschlag vergütet. Die Lithographen und Stcindrncker in Offenbach(Main) stehen in einer Tarifbelvegung, die den Neunstundentag und Lohnerhöhung anstrebt. Mit Ausnahme der Firma Sauer haben alle Unternehmer den eingereichten Tarif abgelehnt mit der Erklärung, sie seien wohl bereit, einem Vertragsabkommen für das ganze Reich zuzustimmen, aber Offenbach allein könne nicht vorangehen. Dabei unterliegt keinem Zweifel, daß nur von Ort zu Ort vorgegangen werden kann, auch bestehen bereits örtliche Tarifverträge, u. a. in Mainz, Stuttgart, Nürnberg und Kaufbeuren. Einer späteren Zu- sammenfassung und Verallgemeinerung der lokalen Tarifverträge steht jedenfalls nichts im Wege. Die Offenbacher Lithographen haben nun beschlossen, bis spätestens zum 14. Oktober die K ii n d t- gung einzureichen. Es bestehen in der Tat teilweise sehr üble Zustände, so im selben Geschäft für Lithographen O�stündige, für Buchdrucker nur 9stündige Arbeitszeit. Auch die'Lohnverhältnisse sind vielfach traurige. Fabrikant S ch ö m b s drückte als Stadt- verordneter seine Verwunderung ans, wie ein Arbeiter nnt 18 M. Wochenlohn auskommen könne, in seinem Betriebe aber müssen am Zahltage Lithographen mit 8 und 6 M. Wochenlohn heimgehen, in einem Falle gar mit 2,50 M.I Zum Holzarbeitcrstrcik in Fürth. In dem schon seit Wochen währenden Ausstände spitzt sich die Lage noch mehr zu. Bekanntlich haben die Arbeiter sich dem Schiedssprüche des Einigungsamtes ge- fügt, während die Unternehmer dies ablehnten und auf ihren mini- malen Zugeständnissen bestehen blieben. Nun hatten die Streikenden über die Frage zu entscheiden, ob der Streik fortzuführen oder zu beendigen sei. Die Mitglieder des Deutschen Holzarbeiter-Verbandcs und des Zentralvereins der Bildhauer erklärten sich entschieden für Fortsetzung des Ausstandes, die Christlichen und die Hirsch- Dunckcrianer für Wiederaufnahme der Arbeit. Ob sie wirklich wieder in die Fabriken gehen, muß erst abgewartet werden, da viele von ihnen erklärt haben, daß sie sich dem Beschlüsse nicht fügen wollen. Der K 153. Bor dem Schöffengericht Nürnberg ist wieder ein Streikbrecher abgeblitzt. Während des großen Metallarbeiter- Ausstandes im vergangenen Sommer hatte der Maschinenmeister Müller den Schlosser Wichert mehrmals einen Streikbrecher genannt, was dieser so übel nahm, daß er den M. beim Staatsanwalt wegen Vergehens wider den§ 153 der Gewerbe- Ordnung anzeigte. Das Gericht entschied dahin, daß das Wort Streikbrecher zweifellos eine Beleidigung sei, in diesem Falle sei aber nicht nachgewiesen, daß M. den W. zum Anschluß an eine Lohnbewegung habe gewinnen wollen. ES liege also nur einfache Beleidigung vor, da aber W. dahin keinen Strafantrag gestellt habe, sei der Angeklagte frei- zusprechen. Bustand. Streik jüdischer Schlächtermeister in Amsterdam und Lohnbewegung ihrer Gesellen. In der vorigen Woche hat sich zu Amsterdam ein eigentümlicher Streik abgespielt. Die zirka 50 jüdischen Schlächter- meister der Stadt hatten nämlich jede Lieferung von Fleisch ein- gestellt. Der Flcischverkauf hat in zwei von der israelitischen Ge- meinde verwalteten großen Fleischhallen, wo jeder Meister seinen Laden hat, unter Aussicht des Rabbinats zu geschehen. Die Schlächtermeister hatten bisher von jedem Fleischstück, das sie in ihren Laden brachten. 3,75 Gulden an die Gemeindekasse zu zahlen. Diese Abgaben wollte nun der Gemeindevorstand auf 4 Gulden erhöhen. Man versuchte es zuerst mit zwei Meistern. Diese weigerten sich, die höheren Abgaben zu zahlen und wurden dann aus der Halle hinauSgewiesen.' Sie meldeten es sofort ihrer Organisation und nun traten sämtliche jüdischen Schlächternieistcr in den Streik. Ihre Gesellen schickten sie zum Streik- p o st e n st e h e n. Sie sollten namentlich aufpassen, daß kein rituell geschlachtetes Vieh von auswärts eingeführt werde. Unter den jüdischen Schlächtergesellen waren aber einige, die ihrer Organisation nicht an- gehörten, und mit diesen wollten die organisierten Gesellen nicht zu- sanjmen auf Streikposten stehen. Um nun einem Streik des größten Teils ihrer Streikposten vorzubeugen, sahen sich die Meister genötigt, nur organisierten Gesellen dieses Amt zu übertragen. Der Streik der Meister endete nach wenigen Tagen mit dem Erfolg, daß die Er- höhung der Abgaben vorläufig rückgängig. gemacht wurde, über die. Angelegenheit selbst aber mit den Meistern verhandelt werden soll Die jüdischen Schlächtergesellen haben ihren Meistern bereits im Februar dieses Jahres Forderungen auf eine bessere Regelung ihrer Lohnverhältnisse zugestellt, warteten aber bisher vergeblich auf eine entscheidende Antwort. Jetzt erst, nachdem die Meister selbst mit Erfolg gestreikt haben, gaben sie ihren Gesellen— das Versprechen, daß die Sache in kurzer Zeit zufriedenstellend geregelt werden solle. Soziales* In BallinS Diensten. Wir berichteten dieser Tage über eine Verhandlung vor dem Seeamt in Hamburg, die den Selbstmord eines Matrosen auf dem Dampfer„Deutschland" der H.-A. P.-A.-G. betraf. Dies veranlaßt einen befahrenen Heizer, uns seine Erfahrungen auf diesem Schiffe mitzuteilen. Er schickt seinen Mitteilungen voraus, daß, ob- gleich die Lage der Maschinenarbeiter auf all den großen, mit raffi- niertem Luxus für die Kajütpassagiere ausgestatteten Ozeandanipfern erbärmlich ist, die„Deutschland" doch von allen Schiffen der Hamburg- Amerika-Linie bei allen befahrenen Leuten als eine Art Strafschiff gilt. Befahrene Leute nehmen nach unserem Gewährsmann nur in der höchsten Not Dienste auf der„Deutschland". Auch von der Gesellschaft werden Leute zur Strafe auf dieses Schiff geschickt, loenn sie sich z. B. auf einem anderen Schiffe einer kleinen Verfehlung schuldig gemacht haben. Auf dem Schiffe werden 180 Heizer und Trimmer gebraucht. Sie werden in drei Wachen zu 60 Lllann für je vier Stunden ein- geteilt. Das Logis der Leute liegt fo tief, daß kein Fenster geöffnet werden kann. Die Ventilation funktioniert häufig nicht. Der Raum ist zwei Meter hoch und darin stehen drei Bettstellen übereinander. Die Gänge zwischen den Betten sind 60 Zentimeter breit; darin sollen sich sechs Mann an- und auskleiden. Ein besonderer Umkleideraum ist nicht vorhanden. Der an den Arbcitskleidern haftende Schmutz wird also in den Schlafraum geschleppt. Dazu kommt meist noch der dem Körper anhaftende Schmutz. Denn der Waschraum ist äußerst mangelhaft. Für die 60 Mann sind in einer mäßig großen Stube vier Brausen, doch, meint unser Gewährsmann, da müßte wohl etwas im Rohre stecken, denn Wasser käme da nicht heraus. Man wäscht sich also notdürftig im Kübel. Man kann sich denken, daß da der Schlafrnum und die Betten einladend aussehen. Dazu gesellen sich die unerträgliche Luft und unzählige Schwaben»nd Wanzen. Doch der Heizer und der Koblenzieher schläft trotzdem in diesem Loche. Erstens ist es darin immer noch besser als in der furchtbaren Glut des Heizraumes, und dann ist er von seiner vierstündigen Arbeit zum Sterben müde, und nur ganz besonders kräftige und gesunde Männer können das ertragen. Manch einer wirft sich mit den schmutzigen Kleidern aufs Bett. Von den Wirkungen dieser Arbeit auf Unbefahrene hat unser Gewährsmann auf einer Fahrt Ende Mai dieses Jahres ein grauen- Haftes Beispiel erlebt. Als das Schiff auf der Heimreise einen Tag aus dem New Dorker Hafen weg war, wurde ein Trimmer ver- mißt, ein„Rüberarbeiter", deren es auf der„Deritschland" immer etliche gibt. Nach fünf Tage» fand man ihn zwischen Backbordkcsscl und Bordwand gebraten tot auf. Ver- mullcch hatte er sich während der Arbeit einen Augenblick verschnaufen wollen, ist darüber eingeschlafen und in den engen Rauni zwischen Kessel und Bordwand gefallen. Als man ihn herausholte, wurde ihm ein Arm abgerissen. Von dem Ergebnis der Verhandlungen vor dem Seeamte über den Todesfall ist uns nichts bekannt. Bei all ihrer schweren Arbeit müssen sich die Leute die ärgsten Beschimpfungen und Priigeldrohnngen gefallen lassen, ivenn sie nicht flott genug arbeiten. Ein Kohlenkorb, der schwingend in die Lowry befördert wird, enthält einen Zentner Kohlen. Eine Lowry enthält vier Körbe. Die auf Schienen laufende Lowry muß ein Mann schieben. Dabei muß er oft Absätze hinauf und hinunter springen, da die Räume nicht in einer Ebene liegen. So geht er zeitweilig erheblich unter dein Niveau des Schienengeleises. Dabei sind Kurven zu überwinden und da das Schiff ja auch seirliche Bewegungen macht, so reiben die Räder bald an der einen, bald an der anderen Seite; daher erfordert die Fortbewegung der Lowry ganz erhebliche Anstrengungen. Das Essen wird als höchst eintönig und mangelhaft bezeichnet. Es bekommt zudem nicht etwa jeder Mann seine Portion zugeteilt, sondern das Essen kommt in großen Gesäßen für alle gemeinsam und so entsteht namentlich um das Fleisch oft eine wüste Balgerei. Wer da nicht mitmacht, für den bleibt eben nichts übrig. Unser Gewährsmann schreibt, daß es dabei zugehe wie in einem Raubtierkäfige des Zoologischen Gartens; er hat vergessen, daß da jedes sein Teil für sich bekommt. Während oben in den Kajüten die Passagiere mit den auserlesensten Speisen überreichlich bewirtet werden, müssen sich die Sklaven, die unten im Räume für die Fort- bewegung des Schiffes in Glut und Schmutz ihre Lebenskraft aus- schwitzen, um den dürftigen Bissen Fleisch raufen wie wilde Tiere I Und die Aktionäre und Leiter des Unternehmens sacken Millionen über Millionen ein! Vertretung vor dem Kaufmannsgericht. Vom Kaufmannsgericht in Hannover wurde ein R e- ferendar, der als bevollmächtigter Vertreter des Klägers auf- treten wollte, als solcher zurückgewiesen. Der Vorsitzende des Kanfmannsgerichts begrünidete diese Entscheidung mit 8 38 des Ortsstatuts für das Gewerbegericht Hannover, wonach Rechts- anwälte und Personen, die das Verhandeln vor Gericht geschäfts- mäßig betreiben, als Prozeßbevolünächtigte und Beistände vor dem Gewerbegericht nicht zugelassen werden dürften. Nach 8 33 des Ortsstatuts für das Kaufrnannsgericht findet aber jener 8 38 auch Anwendung auf das Verfahren vor dem Ltaufmannsgericht. Der betreffende Referendar war Generalvertreter eines beurlaubten Rechtsanwalts, und er wurde auch abgewiesen, obivohl er erklärte. daß er aus freien Stücken ohne jede Gebühr auftrete, weil der Kläger am Erscheinen verhindert sei und er(der Referendar) die Streitsache genau kenne._ Gewerbliche Arbeiter und Fortbildungsschule. Der Meister Tatschke hatte einen Arbeitsburschcn, der in seinem Reftaurationsbetriebe tätig war, nicht die zum Besuch der Fortbildungsschule erforderlichst freie Zeit gewährt. Er luuvde deshalb in zweiter Instanz auf Grund des 8 120 Nummer 4 der Gewerbe-Ordnung wegen Uebertretung des Breslauer Ortsstatuts über den obligatorischen Fortbildungsunterricht zu einer Geldstrafe verurteilt. In seiner Revision machte nun T. geltend, die im Restaurationsbetriebe tätigen Personen seien keine„gciOerblichen Arbeiter"; zum Besuch der Fortbildungsschule in Breslau seien aber nur solche verpflichtet.— Angeklagter berief sich auf ein Urteil des Kammergerichts. Das Kammergericht verwarf indessen am 9. Oktober die Rc- Vision und führte aus: Arbeiter im Restaurationsbetrieb seien zweifellos geiverbliche Arbeiter. Das vom Angeklagten erwähnte Urteil des Kammergerichts beziehe sich auf ein ganz anderes Orts- statut, durch das eben Arbeiter in Restaurationsbetriebcn von der Fortbildungsschulpflicht ausgeschlossen gewesen seien, weil jenes Statut der Stadt Halle nur anführte: die gewerblichen Arbeiter usw. in Fabriken sowie in Handlvcrks- unid Handelsbetrieben. Dazu gehörten natürlich Gastwirtschaften nicht. Hier indessen seien ganz allgemein die gewerblichen Arbeiter in dem gewissen Alter der Fortbildungsschulpflicht unterworfen. Angeklagter sei also mit Recht bestraft.'_ Arbeitcrwohninigen in Rom. Roni, den 6. Oktober. Dieser Tage hat das hiesige„Institut für volkstümliche Wohnungeu" die ersten vier Häuser eingeweiht. Es sind Fünf- faniilicnhäuser mit parterre, erster und zweiter Etage. Jede Wohnung enthält eine große Küche, vier große Räume, einen kleinen Garten und eine große Terrasse, die das ganze Haus bedeckt. Der Miet- preis beträgt 32 Lire"im Monat für das HanS, das in 25 Jahren Eigentum des Mieters wird. Das Institut, denr die Stadt Rom 700 000 Lire überwiesen und große Bauplätze gratis gegeben hat, bezieht außerdem ein Drittel der Steuer auf den Bauplätzen sdie ein Prozent des Wertes beträgt, etwa 100 000 Lire im Jahre). Es beabsichtigt mit diesen Mitteln in sechs Jahren für 732 Arbeiterfamilien 2422 Räume zu bauen, deren monatliche Miete pro Raum 4,50 Lire kosten wird. Außerdem sollen 528 Räume für bürgerliche Familien gebaut werden, deren jeder 10 Lire monatlich kosten soll. Da das Institut wenig Kapitalien hat, versucht es, möglichst viele der Häuser sofort zum Selbstkostenpreis, vermehrt durch den Wert des Grundstückes zu verkaufen. � Wenn ihm das gelingt, werden natürlich entsprechend mehr Häuser gebaut. Als Käufer kommen nur Arbeitervereine, Ge- nossenschaften und verwandte Verbände, nicht Spekulanten in Betracht. Bei dem gewaltigen Unterschied zwischen dem Mietpreis der „Bolkswohnungen" und den in Rom üblichen Preisen ist sehr zu befürchten, daß sich indirekt die Spekulation einschleicht, wenn nicht strenge Maßnahmen gegen da-s Abvermieten durchgeführt werden. So hübsche, geräumige und gesunde Wohnungen würden hier normalerweise etwa 85 bis 95 Lire im Monat kosten. Der Arbeiter zahlt für sein einziges Zimmer in den häßlichsten Stadtteilen 20 Lire. Vielleicht wäre es besser gewesen, weniger vollendete und dafür mehr Wohnungen zu bauen. Sicher ist, daß, wenn das Proletariat Roms in solchen Häusern untergebracht wäre, der Staat und die Stadt Millionen jährlich an Gefängnissen und Krankenhäusern sparen würden. Aber was sind 732 Familien in einer Stadt mit mehr als einer halben Million Einwohner I Die ersten Häuser liegen auf dem C o r s o M a n z o n i, in der Nähe von San Giovanni in Latcrano, einem hohen und gesunden Teil der Sladt. Könnten an der Peripherie Roms auch nur 10 000 solcher Häuser entstehen, so hätte die„elvige Stadt" eines ihrer größten und wichtigsten Probleme gelöst. Die hausbesitzcnden Banken werden Sorge tragen, daß das nicht geschieht. nsn Seltener Getegenlieitskauf. Nach dem Umzüge 5'lial- TeWiche a SO, 65 � 90«" Salon- Teppiche a 30, 40 w» 65«k Speise- Teppiche a 25, 30 � 50 Wohn- Zmum- Teppiche a 20, 25»is 38 m. 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Geyer gibt Aufklärung, warum die ReichstagZfraktion für paritätische Arbcitskammern sei. Diese werden ihren Beschlüssen mehr Anerkennung verschaffen als Arbeiterkammern, deren Stand- Punkt die Gegner immer als einen einseitigen werden bekämpfen können. Lehnen die Arbeiter die Arbcitskammern ab, dann können sie sich ebensogut mit den Gewerkschaften begnügen, auf die Rc- gierung werden die Beschlüsse der Arbcitcrkammern ebensowenig Einfluß haben wie die der Gewerkschaften. V o g e l- Kottbus tritt für die Resolution Niendorf ein. Die Anerkennung des 1. Mai bei den Fabrikanten durchzudrücken sei nicht so schwer. U h l i g- Dresden: Er müsse den Ausführungen Rakurows widersprechen. Seine, Rakurows Ansicht, sei nicht die der Dresdener Zigarettenarbeiter. Diese bleiben der Arbcitsruhe nicht fern, weil ihnen der gute Wille fehlt, sondern weil sie nicht feiern können. Wildemann in seinem Schlußworte führt aus, daß die fakultative Arbeitsruhe an Stelle der obligatorischen der Maifeier ihre große Bedeutung genommen und das Interesse an ihr erlahmt habe. Wenn die Arbeitsruhe nur da eintritt, wo sie der Unter- nehmer gnädigst gestatte, dann sei der demonstrative Charakter gleich null. Trotzdem könne er der Resolution Niendorf zustimmen, weil er auch die Maifeier auf der Höhe sehen möchte, die ihr der Pariser Kongreß zugewiesen habe. Die Diskussion wird noch mal eröffnet, weil der Siebener- kommission die Niendorfschc Resolution nicht ganz richtig erschien. Henke- Bremen begründet die abgeänderte Resolution. Der politische Massenstreik ist für die Gewerkschaften deshalb von Wich- tigkcit, weil, wenn er gelingen soll, die Mitwirkung der Gcwerk- schaften von wesentlicher Bedeutung ist. Redner begründet einen weiteren Antrag, daß der Vorstand des Verbandes auf jeden Fall auf dem Gewerkschaftskongreß durch ein Mitglied vertreten fei» müsse. Geyer empfiehlt, die Resolution der Siebenerkommission ab- zuändcrn, weil sie der Debatte nicht konform sei; diese habe sich auf den Standpunkt gestellt, daß der politische Massenstreik durch den Jenaer Parteitag erledigt sei. Henke vertritt noch einmal die Resolution der Siebener- kommission, weil hier nur der Standpunkt der Generalversammlung zu den Kölner Beschlüssen in Frage komme, mit denen die General- Versammlung nicht einverstanden sei. Niendorf zieht seine Resolution zugunsten der der Siebencr- kommission zurück. Nach einer weiteren Bemerkung Geyers wird in namentlicher Abstimmung über die Resolution der Siebencr- kommission abgestimmt. Die Annahme ist einstimmig. Die Rc- solution lautet: .Die 12. Generalversammlung des Deutschen Tabakarbeiter- Verbandes hält den Standpunkt des Kölner Gewerkschaftskongresses in den Fragen des politischen Massenstreiks und der Maifeier für falsch. Die Versammlung erkennt nach wie vor in der Arbcitsruhe die wirksamste Form der Maifeier. Der politische Massenstreik ist der Versammlung unter gewissen Vorbedingungen ein äußerstes Kampfmittel, das dazu dient, neue Rechte für die Arbeiterklasse zu erobern oder reaktionäre Angriffe auf bestehende Rechte der letzteren abzuwehren. Die Generalversammlung steht demnach in Bc- urteilung deS Kölner Gewerkschaftskongresses der Maifeier und des politischen Massenstreikes auf dem gleichen Standpunkte, der vom „Tabakarbeiter" eingenommen wurde." Die Anträge über die Vertretung und Wahl der Vertreter für die Gewerkschaftskongresse werden mit der Maßgabe angenommen, daß bei 24 000 Mitgliedern 7 Delegierte von den Mitgliedern und einer von dem Vorstände gewählt wird. ES folgt die Berichterstattung der Siebenerkommission. v. E l m t An§ 1 des Statuts ist keine Aenderung vor°> genommen worden, aber dem Vorstande solle das Recht bleiben, redaktionelle Aenderungen vorzunehmen. Bei K 2 ist eine Aenderung vorgenommen worden dahin, daß mit Beitragsresten ausgetretene oder ausgeschlossene Mitglieder bei Wiedereintritt außer dem Ein- trittSgcld vier Wochenbeiträge der Klasse, der sie sich anschließen, zu zahlen haben.§ 3 bringt eine Erhöhung sämtlicher Beiträge um b Pf. und eine neue Klasse. Bei größeren Streiks und Aus- sperrungen ist der Vorstand zur Erhebung von Extrabeiträgcn bc- rcchtigt in beliebiger Höhe ohne statutarische Begrenzung. Bei Arbeitslosigkeit und Krankheit sollen künftig die Mitglieder aus- drücklich das Recht haben, die Beiträge weiter zu zahlen. Man habe während der KommissionSberatungen viel gegen die Beitrags- crhöhungen gesprochen, die Kommission wollte sie auch vermeiden, und doch sei sie einstimmig zu der Erhöhung gekommen, und sie sei der Ucberzeugung, daß mit b Pf. der Verband noch nicht so gerüstet sein werde, wie cS eine Kampfcsorganisation sein muß. So wie bisher gehe es nicht weiter. Die Kommission beschränke sich auf 6 Pf., um eine recht große Majorität für die Erhöhung zu bekommen. Bei den ZZ 4, 6 und 6 sind keine Aenderungen nötig gewesen. In Z 7 waren die Streikunterstützungen nur Darlehen des Vorstandes gegen Wechsel. Diese Bestimmung ist zu streichen, weil praktisch ohne Bedeutung. Ferner ist die Festsetzung der Streikunterstützungen nicht mehr vom Ausschuß, sondern vom Vor» stände vorzunehmen; der Ausschuß bleibt Berufungsinstanz gegen Entscheidungen des Vorstandes, mit dem er in solchen Fällen ge- meinsam zu beschliehen hat. Gegen diese Beschlüsse soll aber weiter kein Rekurs, bisher durch Urabstimmung, mehr möglich sein. Die erste Entscheidung über die Genehmigung von Streiks bleibt also von nun an Sache deS Vorstandes. Die Streikunterstützung wird festgelegt, und sollen 26 Wochen dem Verbände angehörende Mit- glicder den Durchschnitt der letzten 4 Wochenlöhne erhalten, aber höchstens verheiratete Männer 12 M., unverheiratete 10,50 M., weibliche Mitglieder 9 M. wöchentlich, für Kinder sind 50 Pf. zu zahlen. Diete Unterstützungen werden allerdings Mehrausgaben bereiten. Die Gemaßrcgeltcnunterstützung soll in gleicher Höhe und nach gleichen Grundsätzen wie die Streikunterstützung gezahlt werden, aber ohne Karenzzeit. Die Arbeitslosenunterstützung soll betragen in den Klassen I und II 60 Pf., III 80 Pf., IV— VII 1 M., VIII 1,25 M., und zwar auch für die Sonntage. Die Dauer soll sein bei 26wöchcntlicher Mitgliedschaft 21 Wochen, bei 52 Wochen- beitragen 28 Wochen, bei 104 Wochcnbctträgen 35 Wochen und bei 156wöchcntlicher Mitgliedschaft 42 Wochen. Darin liegt eine wesentliche Erhöhung der Unterstützung. Freiwillig aus der Arbeit scheidende Mitglieder sollen Arbeitslosenunterstützung erhalten, wenn sie innerhalb 3 Tagen nach der Arbeitsaufgabe den Ort ver- lassen. Ferner wird abreisenden Kollegen, denen wo anders Arbeit nachgewiesen ist. nach 26wöchentlicher Karenzzeit Fahrgeld 4. Klasse bczw. 3. Klasse, wo keine 4. besteht, gewährt. Umzugsgeld und Fahrgeld 4. Klasse soll gezahlt werden, wenn die Entfernung nicht weniger als 12 Kilometer ist. Familienmitglieder, die unorgani- sierte Tabakarbeiter sind, erhalten kein Fahrgeld. Unterstützung an erwerbsunfähige Mitglieder soll gezahlt werden: l. Klasse 35 Pf., II. Klasse 70 Pf.. III. Klasse 50 Pf.� IV. Klasse 70 Pf., V. Klasse 1,05 M.. VI. Klasse 1,20 M., VII. Klasse 1,00 M., bei 26 Wochen Mitgliedschaft 42 Tage lang, bei 52 Wochen 78, bei 101 Wochen 120. bei 156 Wochen 156 Tage lang Neu eintretende weibliche Mitglieder treten ohne weiteres in die männliche in die III. Klasse ein. Wollen sie später in eine höhere Klasse, dann ist ein ärztliches Attest nötig. Wer innerhalb der ersten drei Jahre invalid wird, erhält als weibliches Mitglied die Unterstützungen der 1.. als männliches der III. Klasse. Bei unheilbaren Kranken unh in Anstalten Unter« gebrachten ruhen nach 26 Wochen alle Rechte und Pflichten, bei ihrem Ableben kann aber das Sterbegeld gezahlt werden. Hierin liegt eine notwendig gewordene Herabminderung der Leistungen. des Jirnrnls" Nachzutragen ist, daß die weiblichen Mitglieder nur in den Klassen I und II beitreten können. Die Wöchnerinnenunterstützung soll als Krankenunterstützung 6 Wochen lang gezahlt werden und bei eintretender Erwerbsunfähigkeit an gerechnet werden. Das Sterbe- geld soll betragen nach 26 Wochen in Klasse I 15 M., II 20, III 20, IV. 25, V 30, VI. 35. VII 40 M., bei 52 Wochen je 5 M. höher, bei 104 Wochen abermals und bei 156 Wochen noch einmal um 5 M. höher. Redner schließt mit der Versicherung, daß eine Beitrags- erhöhung von 5 Pf. das Mindeste sei, was der Verband unbedingt brauche, denn die Kämpfe der Zukunft werden immer heftigere werden, und ihnen muß der Verband gerüstet gegenüberstehen. Die Debatte wird ausgesetzt und inzwischen werden die An- träge 290 und 291 beraten. 290 besagt, daß den besoldeten Beamten, die auf der Generalversammlung anwesend sind, der Teil der Arbeitsentschädigung von den Diäten in Abzug zu bringen ist. 291 will 8 Ml. Diäten pro Tag und Fahrt 3. Klasse. Den Antrag 290 begründet L i n g n e r- Dessau. Nieder» W e l l a n d erklart, daß die Verbandsbeamten 6 M. Diäten liqui- dieren, das sei nicht zu viel. L i n g n e r zieht den Antrag zurück. Anne- Speyer spricht gegen den Antrag 291. Ueber den An- trag wird zur Tagesordnung übergegangen. Es folgen die Anträge 299 und 300, Lieferung der„Gleichheit" an die weiblichen Mitglieder durch den Verband. Geyer weiß nicht, was mit dem Antrag bezweckt wird. Der Verband würde da- mit eigentlich zwei Organe haben. Wenn der„Tabakarbeiter" den Antragstellern für die Jnteressicrung der Frauen an der eigenen Industrie nicht genüge, so sei das ein schwerer, aber, wie er hoffe, unberechtigter Vorwurf. Der„Tabakarbeiter" versuche die sozial- politisch« Aufklärung der Frauen nach größter Möglichkeit zu för- dern, und das sei das wichtigste. Die große Ausgabe für die„Gleich- heit" könnte vielleicht dazu verwendet werden, Schriftstellerinnen für die Mitarbeit am„Tabakarbeiter" zu gewinnen. Frau Jähnichen empfiehlt Ablehnung des Antrages, gibt aber anHeim, daß der„Tabakarbeiter" noch mehr auf die weiblichen Mitglieder Rücksicht nimmt. M e i st e r: Bei aller Anerkennung der Leistungen des„Tabak. arbeiter" sei er für Lieferung der„Gleichheit", wenigstens da, wo Mann und Frau beide Mitglieder sindl Die speziellen Frauen- interessen werden in der von einer Frau geleiteten„Gleichheit" den Frauen besser klargelegjt. als in dem von einem Manne geleiteten „Tabakarbeiter". Der Mann soll den„Tabakarbeiter", die Frau an dessen Stelle die„Gleichheit" erhalten. N i e d e r- W c l l a n d ist vor allem in Anbetracht des Kosten» punkte? gegen die Anträge. U h l i g- Dresden hält die Lieferung der„Gleichheit" nicht für Aufgabe deS Verbandes. L i n g n e r empfiehlt Uebergang zur Tagesordnung. W i l d e m a n n ist für Abstimmung. Die Antrage werden abgelehnt. Die Beratung der Anträge 301 bis 304, Inserate, die gegen die Interessen der Arbeiter sind, im„Tabakarbeiter" nicht aufzunehmen, führt dazu, daß nnt der befriedigenden Erklärung der Redaktion die Anträge als erledigt angesehen werden. Ein Antrag Osnabrück, die Zusammensetzung des Vorstandes so vorzunehmen, daß alle im Berufe vertretenen Branchen vertreten sind, wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Der Antrag Nonneberg, die Delegierten zum Gewerkschafts- kongreß sollten dahin wirken, daß Mitalieder. die von einer GeWerk- schaft ivegen Reite oder Verstöße gestrichen wurden, entweder die alten Beitragsreste zu begleichen oder eine hohe Aufnahmegebühr zu zahlen haben, wenn sie sich einer anderen Gewerkschaft an- schließen, wird bei starker Stimmenenthaltung angenommen. Ein Antrag Magdeburg, daß selbständige Mitglieder, so- bald sie dauernd Arbeiter beschäftigen, verpflichtet sind, dafür Sorge zu tragen, daß diese Verbandsmitglieder werden, wird einstimmig angenommen. ES tritt die Mittagspause ein. Freitag-NachmittagS-Sitzung. Es ist folgende Resolution eingegangen: „Die XII. Generalversammlung des Tabakarbeiter-Verbandeö protestiert mit aller Entschiedenheit gegen die angekündigten, seitens der Reichsregicrung geplanten Tabaksteuer-Entwürfe, überhaupt gegen jede Mehrbelastung des Tabaks, die die Ausbreitung der � allgemein schädlichen Heimarbeit fördert und die Herabdrückung der Arbeitslöhne bcgiinstigt, den Konsum an Tabakfabrikaten ein- schränkt und darum Arbeitslosigkeit. Not und Elend für die Tabak- arbeiter zur Folge haben muh. Die Generalversammlung pro- testiert um io schärfer gegen die geplante Mehrbelastung des Tabakö, als der Staatssekretär des Innern, Graf v. PosadowSky. in der Zolltariskommission deS Reichstages im Jahre 1902 aus Anfrage erklärre, die Regierung denke nicht an eine höhere Be- steuerung des Tabaks. Sie protestiert gegen die trotz dieser Er- klärung deS Staatssekretärs durch die neuen Steuerprojekte und die veränderte Stellung der Regierung betriebene Beunruhigung der Tabakindustrie und fordert alle Beteiligten der Tabakindustric auf. mit allen Kräften den Kampf gegen jede Mehrbelastung des Tabaks aufzunehmen und zu führen." Meister. M e i ft e r: Unter den zu erwartenden Steuern wird auch wieder der Tabak bluten müssen. Was das für die Tabakarbeiter bedeutet, weiß jeder von uns. Jede Stenererhöhung wird zunächst die treffen, die mit der Produklion in nächstem Zusammenhange stehen: die Arbeiter. Denn es ist Tatsache, daß die Fabrikanten die Lasten der Zollsteuererhöhnngen auf die Schultern ihrer Arbeiter abwälzen. Die Großfabrikanten haben darum auch nichts gegen Steuererhöhung. Und auf deren Gutachten wird sich die Re- gierung stützen. Wenn aber die schon heute so traurige Lage der Tabakarbeiter durch solche Pläne noch schlimmer wird, was das heiße, brauche er nicht auszuführen. Wir haben deshalb alles daran zu setzen, um den Tabakarbeitern diese Pläne vom Halse zu halten. Ob es freilich von Erfolg sein wird, sei sehr fraglich z bei den gesetzgebenden Körperschaften helfen den Sorgen der Arbeiter gegenüber das Verständnis und auch der gute Wille. Und das wird sich auch bei dem neuen Steuerbukett wieder zeigen. Die sozialdemokratische Fraktion aber wird alles in Bewegung setzen, um die drohende Gefahr von den Arbeitern abzuwenden. Zunächst hieß es, der Tabak solle ein Mehr von 60 000 000 einbringen, dann sollte wieder bloß die Zigarette daran glauben usw., das aber sei sicher, daß die Tabakarbeiter werden daran glauben müssen. Des- halb muß diese Generalversammlung als die Vertretung der Tabak- arbeiter ihre� Ansicht laut kundgeben, denn die Arbeiter haben mehr Interesse daran, als die Fabrikanten. Er empfehle daher seine Resolution. Noch ein Punkt muß erwähnt werden. Viele Zigarrenarbeiter stehen der Zigaretten- iudustrie nicht sympathisch gegenüber, sie freuen sich vielleicht über die Neubelastung. Aber es sei zu beachten, daß die Zigarettensteuer nur ein Fühler ist, daß es sich im Hintergrunde um eine Heran- ziehung der gesamten Tabakinoustrie handele. Darum nmß die Organisation gegen die Regiernugspläne eine ganz intensive sein: es handelt sich um die Existenz der Tabakarbeiter.(Lebhafter Beifall.) Geyer: Man hat mit einer Zigarettenbestenerung begonnen, um zunächst das Zentrum zu gewinnen. Wenn man sagt, es handele sich um eine Lnxnsstener. so ist da? eine Täuschung, denn eine Steuer auf LnxuStabake bringt nichts ein, das ist jedermann bekannt. Dem Zentrum soll die Verantwortlichkeit vor der Oeffentlichkeit nur dadurch leichter gemacht werden. Denn im Hintergründe stehen noch andere Steuern, die das wieder angewachsene Neichsdefizit decken sollen. Volkswirtschaftliche Gründe sind bei Steucrprojekten noch nie ausschlaggebend gewesen. So wird es diesmal wieder sein. Der Militarismus braucht Geld, und die Folge ist die Besteuerung von Konsumartileln. In der Tabak- industrie kommen als Luxusartikel doch nur die Importen und die ganz teuren Zigarren und Zigaretten in Frage, und das würde !0Ul9ulU!i Mlttmch. 11. Oktober 1905. nichts einbringen. Man wird deshalb in der Tat herabgehen und schon Zehn-, ja Achtpfennig-Zigarren als Luxuösabrikate bezeichnen. Das Zentrum ist ausschlaggebend. Und darum wird man, besonders in Westfalen und Süddeutschland, dem Zentrum tüchtig auf die Finger sehen müssen, indem man die christlichen Tabakarbeiter zum Kampfe gegen die Steuerprojekte gewinnt. Die Kleinfabrikanten zum Kampfe gegen die Projekte zu gewinnen, werde nicht allzu schwer fallen, wenn die Arbeiter sich nur einige Mühe geben. Die Kernfrage in diesem Kampfe ist die Organi- sierung des Kampfes. Dadurch wird der Verband auch neue Mitglieder gewinnen. Könnten wir in diesem Kampfe in einem Vierteljahre 5000 Mitglieder gewinnen, so würde das dem Vorgehen der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstage einen gewaltigen Nachdruck verleihen.(Bravo.) Die Resolution wird einstimmig angenommen. Nun folgt die Diskussion über die Vorschläge der Siebencr- Kommission. Müller- Berlin empfiehlt, den Vorschlag im allgemeinen so anzunehmen, wie er vorliegt. Bei Z 3 moniert er, daß den Frauen nicht der Beitritt zu allen Klassen gestattet werde, wie es die Vorstandsvorlage borsah, sondern nur Klasse I und II. Zu ß 9 vermißt er, daß der Antrag Berlin auf eine redaktionelle Aenderung, die Härten in der Auslegung vermeiden wolle, Berücksichtigung gefimden habe. Warum sollen die Beiträge heute nur um 5 Ps. erhöht werden, wenn eS ganz sicher ist, daß die nächste General- Versammlung eine weitere Erhöhung bringen mutz. Da ist es besser, schon heute 10 Pf. zu bewilligen. A n n 5- Speyer: Ein Antrag Speyer sei nicht berücksichtigt worden, wonach ein vollberechtigtes Mitglied, wenn eS aus einem anderen, der modernen Arbeiterbewegung angeschlossenen Verbände in den Deutschen Tabakarbeiter- Verband eintritt, in die vollen Rechte und Pflichten des Verbandes eintritt. Das sei wichtig für die Arbeiterinnen in Speyer. Wildemann empfiehlt zunächst, sich über die Beitragserhöhung zu verständigen. Lang n er- Ohlau: Nach den Verhältnissen in Schlesien könne er für eine Beitragserhöhung nicht eintreten. Man würde in Ohlau einen großen Rückgang zu verzeichnen haben. Auch hätte er gewünscht, daß der Antrag Ohlau betreffend die Gewährung von Arbeitslosen- Unterstützung an Mitglieder, die durch die Schuld des Fabrikanten länger als drei Tage arbeitslos sind, Berücksichtigung gefunden hätte. H o f f m a n n« Leipzig: Er sei auch gegen Beitragserhöhung, zumal in Verbindung mit Leistungsbeschueidung. Die Kollegen können darauf nicht eingehen. Die Klasse II o hätte gestrichen werden sollen. Er könne sich mit der Klasseneinteilung bei der Arbeitslosen- Unterstützung nicht einverstanden erklären. V o ge l-Kottbus: Die Arbeitstosenunterstützluifi sollte vom ersten Tage der Meldung an gewährt werden. Beitragserhöhung sei unannehmbar. K r a u s e- Finsterwalde hätte auch gewünscht, daß die Arbeits- losenunterstützung vom ersten Tage nach der Meldung gezahlt wird, das würde im Interesse der reisenden Kollegen liegen. Banz- Lübeck kritisiert die Neuordnung des UnterstützungS- Wesens, durch sie wird dem Simulantentnm Vorschub geleistet. Die Bcschneidung der Unterstützungen könne er nicht mitmachen, da stimme er lieber für 10 Pf. Beitragserhöhung. D e i ch m a n n wendet sich dagegen, daß der Vorstand die Be- schlüsse der Generalversammlung von Dresden falsch ausgelegt habe. Darin, daß nur diejenigen, die arbeitslos gemacht werden, nicht die- jenigen, die sich selbst arbeitslos machen, die Unterstützung erhalten haben, liege eine Schonung der Kasse. Andernfalls müßte die Beitragserhöhung noch viel höher sein, als sie vorgeschlagen ist. Und doch ist schon bei 50 Pf. jetzt ein Sturm der Entrüstung aus- gebrochen. Wenn der Verbandsvorstand etwas leisten solle, dann muß man ihm auch größere Einnahmequellen zur Verfügung stellen. Der Antrag Speyer sei unannehmbar, weil er dem Verbände großen Schaden zufügen würde. Was die Beitragserhöhung betreffe, so habe er auch geglaubt, es werde bei Abstrichen an den Unter» stützungen ohne Beitragserhöhung abgehen. Aber da die Delegierten für wesentliche Abstriche nicht zu habe» waren, war er schon eher der Erhöhung zugeneigt. In der Kommission aber sei er zur Ueber- zeugung gekommen, daß trotz der Abstriche eine Beitragserhöhung unbedingt nötig sei, um den Kampfcharakter nicht zu ge- sährden. Wird die Beitragserhöhung nicht bewilligt, dann bleibt nichts übrig, als noch ganz andre Abstriche zu machen. Und man solle auch nicht vergessen, daß in dem Augenblick, wo die Tabaksteuerpläne zur Tatsache werden, die Arbeitslosigkeit enorm steigen werde, dann werden Lohnkürzungen kommen und da inutz der Verband gerüstet sein. Deshalb hoffe er, die Beitragserhöhung werde bewilligt werden.(Beifall.) B a r ch m a n n- Deuben: Seine Mandatgeber haben ihn be- auftragt, gegen die Beitragserhöhung zu stimmen, die Debatte habe ihn aber von der Notwendigkeit überzeugt, er werde die Kon- seqnenzen ziehen und glaube, sich vor seinen Mandatgebern recht- fertigen zu können. U h l i g- Dresden: Er sei mit den Besdjneidungen der Leistungen einverstanden, aber man hätte die Klasseneinteilung unter- lassen sollen. Krohn: AuS den Abrechnungen hätten die Mitglieder schon vor der Generalversammlung ersehen können, daß es ohne Beitrags- erhöhung nicht mehr gehen könne, so überraschend könne also die Sache mcht kommen. Er stelle sogar den Antrag, den Beitrag um 10 Pf. zu erhöhen. Auch Gräbner- Hanau und Esser» Minden sind für Er- höhung des Beitrags uni 6 Pf. E b e r l e- Nordhausen: Jeder Delegierte, der sich auf der Generalversammlung von der Notwendigkeit der Beitragserhöhung überzeugt habe, werde seinen Mandatgcbern gegenüber sich schon ver- antworten können. Müller- Berlin widerspricht den Ansichten DeichmannS darüber, daß nur solchen Arbeitslosen Unterstützung zu gewähren ist, die vom Unternehmer entlassen werden, nicht auch denen, die selbst aufhören, weil das Arbeitsverhältnis unleidlich geworden ist. Es tritt Vertagung auf Sonnabend friih ein. Die Wahl des Genossen Kerfin vor dem Ober-Verwaltnngsgericht. Im 17. Kommunal-Wahlbezirk Berlins wurde am 27. November 1003 der Genosse Kerfin mit 788 von 1532 abgegebenen gültigen Stimmen zun, Stadtverordneten gewählt. Er hatte eine Majorität von 21 Stimmen. Die Abstimmungsliste des ersten Abstimmungs- bezirks enthielt unter den Namen in 9 Fällen ähnlich klingende Namen loie der Kerfins, z. B. Kefrin, Kerffin, Kostrin-c., während in der Liste das anderen Abstimmungs- bezirks ähnlich klingende Namen nicht aufgeführt waren. Die Wahl wurde angefochten und von der Stadtverordneten-Versammlung auch für ungültig erklärt, worauf Genosse Kerfin im Verwaltungs- streltverfahrcn gegen die Stadtverordneten-Versammlung klagte. Der Bezirksausschuß erhob einen umfangreichen Beweis und erkannte dann dahin, dotz die Wahl KerfinS für gültig zu erklären sei. — Unter den Einwänden gegen die Gültigkeit der Wahl, über die der Bezirksausschutz zu befinden hatte, befanden sich folgende: Der Wahlvorsteher soll Wähler behufs Erkundigung nach dem Namen deS zu Wählenden an die Parteitische im Wahllokal verwiesen haben. Eine Anzahl Wähler, die verschiedene Namen als Kandidaten genannt hätten,>vie Persin, Perfin, Passin. Karpin, soll der Wahlvorsteber gefragt haben:„Sie meinen doch wohl Kerfin?" oder: Sic wollen doch wohl Herrn Emil Kerfin wählen? Darauf soll der Name Kerfin in der Abstimmungsliste eingetragen fein. Es soll insofern Wahlagitation getrieben sein, aI5 die Listenführer der Sozial- demokraten und andere Personen den Wählern während der SluS- üöilng ihres Wahlrechts in vielen Fällen laut den Namen Kersin zu- gerufen hätten. Der Bezirksansschust führte dazu unter anderm aus: Die Vcr- Weisung an die Partcitische könnte nur dann in Betracht kommen, wenn die Verweisung an den Parteitisch einer bestimmten Partei erfolgt wäre, nicht aber, wenn, lvie hier, ganz allgemem eine Anweisung des Wahlvorstehers ergeht, und dem Wähler die unbeein- slustte Wahl bleibt, ob sie den Ncuiien des zu Wählenden von den liberalen oder sozialdemokratischen Parteivertretern erfragen wollen. Was nun die Zurufe betreffe, die im Wahllokal in der Prinzenstraste vorgekommen seien, so seien sie zweifellos Un gehört gleiten, könnten aber als erhebliche Unregelmäszigkeilen nur in Frage kommen, soweit sie tatsächlich von unverkennbarer Bedeutung' für das Resultat der Wahl gewesen seien. Die Mehrzahl der Zeugen stimme darin übercin, dag die häufigsten Zurufe an Personen geschehen seien, welche einen Kerfin ähnlichen Namen bereits genannr"hatten. Nach den übrigen Aussagen könne nicht als nachgewiesen erachtet werden, das; durch bis dahin nicht geschlafen hatte, kam mit dem Ehemann in Wort Wechsel und geriet in höchste Erregung, als ihr der Mann eine Rose überreichte, die ihm, wie sie von dem Aftermieter erfuhr, an- gcblich von einer zweifelhaften Dame geschenkt worden war. Als der Mann um 7 Uhr aufstand, bat sie ihn um Geld, da sie nichts mehr besitze und die Leute ihr nichts mehr borgen. Der Mann machte einige witzelnde Bemerkungen und versprach dann, um 11 Uhr Geld zu bringen. Er kam aber erst um 3 Uhr und als er zurücklain, war ihr ihr ganzes entsetzliches Los und das Benehmen ihres Mannes durch den Kopf gegangen; sie war sehr erregt und erhielt auf ihre Frage, ob er Gel» mitgebracht habe, eine höhnische Antwort. Ihre Aufregung stieg und sie war in voller geistiger Depression, als sie sich aus dem Bestellbuch ihres Manne? überzeugte, das; er so gut wie gar keine Geschäfte in der Zwischenzeit gemacht hatte und jedenfalls wieder in Damenkneipen war. Der Mann legte sich unbekümmert um ihren Schmerz ins Bett und nun kam der lange aufgespeicherte Zorn bei ihr zum Ausbruch. Mit den Worten:„Du sollst doch einen Denkzettel erhalten!" zog sie das Deckbett weg, griff nach einer auf der Maschine stehenden Flasche und gost einen Teil des Inhalts ihrem Manne über die Beine bis die Zurufe das Resultat beeinflutzt sei.' Bezüglich der Stimmabgabe j hinaus zum Unterleib. In' der Flasche war Karbol, welches die bei Nennung von dem Namen Kerfin ähnlichen Namen meinte der Frau als Mittel gegen Wanzen sich gekaust hatte. Der Mann Nennung von dem Namen Kerfin ähnlichen Bezirksausschuß, daß es Pflicht und Rechr dc-Z Wahlvorstehers sei, nach pflichtmäßigem Ermessen dafür Sorge zu tragen, daß der Wille des Wählers klar erkennbar und unbeeinflußt in der Stimmabgabe zum Ausdruck kommt, und bei Ziveifeln über die Person der Gewählten durch Fragen die Klarstellung herbeizuführen. Der Wahlvorsteher darf aber nicht stillschweigend in der Annahme einer ungenauen Ausdrucksweise des Wühlers einen nicht genannten Namen au Stelle des wirklich genannten in der Abstimmungsliste eintragen lassen. Demnach seien die Fragen:„Sie meinen ivohl Kersin zc. zulässig. Im übrigen müsse unter Berücksichtlguna alles Beweis Materials das Wahlergebnis als Ausdruck des wahren Willens der erschienenen Wähler angesehen werden. Die Stndtverordnetcn-Lersammlung legte Berufung ein, die gestern(Dicustag) vor dem Ober-Berw altungsgericht zur Verhandlung kam. Justizrat Cassel vertrat die Stadt- Verordneten-Aersammlung und rügte an den: Urteil des Bezirks- auSschusses, neben einer mangelhaften BeweiZwürdigimg, daß zu Unrecht Fragen dcS Wahlvorstehers, wie:„Sie meinen wohl Kerfin 1" und die entsprechenden Einstagmigen in die Stimmliste für zulässig erklärt seien. Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht als Vertreter des Genossen Kerfin trat dem entgegen und legte eingehend dar, daß das Urteil dcS Bezirksausschusses durchaus zutreffend wäre. Der ziveite Senat des Ober-VerwaltnngS- gerich ts änderte indessen das Urteil des Bezirksausschusses ab und erkannte auf Abweisung der Klage des Genossen Kcrfiit. Begründend wurde ausgeführt: Es komme nicht darauf an. wen die Wähler wählen wollten, sondern darauf, wen sie gewählt hätten, da nach der Städteordnung jeder deutlich den Namen lfessen zu bezeichnen hnbe, den er wählen will. Bei dialektischen Pcrfchiedeiiheitcn, wo zum Beispiel Vokale verschieden klängen, wäre der Wahlvorstand allerdings befugt, den Namen, den er als den genannten ansehe, emzutragen. Aber anders sei es, wo ein anderer Name genannt werde und nicht bloß dialektische Verschiedenheiten vorlägen. Jsn vorliegenden Falle sei nun nicht feststellbar, wieviel Wähler, bei deren Namen in der Liste nachher doch der Name Kerfin eingetragen sei, einen anderen Namen als Kerfin genannt hätten. DieBeiveiSerhebnng ergebe das nichtmfiz das Lßahlprotokoll sei in der Beziehung auch kein genügendes Beweis- mittel. So sei der Gerichtshof zu einem noa. liqu»t gekommen. Es sei nicht erwiesen, daß Kerfin weniger als die Hätfts der Stimmen erhalten habe, aber auch nicht, daß er mehr als die Hülst« erhielt. Mangels der Möglichkeit, letzteres fcstzilstelleit, müsse die Wahl für ungültig erklärt werden._ Geriedts-Teilung. Eine unglückliche Ehe. Wieder war eS die Geschichte einer unglücklichen Ehe, mit deren Schlußkapitel gestern da? Schwurgericht am Landgericht Berlin l beschäftigt war. AuZ der Untersuchung?- hast wurde die. göjährige Witwe Amanda Wenzel vorgeführt, eine sauber gekleidete, abgehärmte und in ihrem ganzen Wesen sehr sympathische fr u, die unter der sckchoeren Auflage der Körperoer- letzung mit BodcSerfolg stand. Ter Verletzte war ihr eigener Ehemann. Was sie auS ihrer Ehe, der ein jetzt 9 Jahre altes Töchterchcn entsprossen ist, den Geschworenen erzählte, war eine fortgesetzte Leidensgeschichte, die wiederholt von den: lauten Schluchzen der Angeklagten unterbrochen wurde. Sie betrieb früher mit ihrem Ehemann in Tanzig ein Hotel, das ganz gut ging, dann aber durch die Schuld des Mannes immer mehr in den Erträgen hcrabging. Auch hier war wieder der Trunk die Wurzel alles Hebels. Der Mann ergab sich dem Trünke, geriet in liederliche Gesellschaft, wurde seiner Frau vielfach untreu und cS kam zu mancherlei Zwistigkeiten zwischen den Eheleuten. Die Frau halte die Hölle auf Erden und erlitt auch erheblichen Sctoden an ihrer Gesundheit, denn der Mann hatte sie durch eine büke Krankheit infiziert. Nachdem das Geschäft in Tanzig ausgegeben war, zog das Ehepaar nach Berlin und betrieb hier mehrere Schankgesckstiste ohne Erfolg. Dann� mieteten sie sich eine ganz fleine,«tnS Stube und Küche bestehende Wohnung. Die Stube wurde cm einen Be- kannten des Ehemannes vermietet, die Familie wohnte in der Küche. Der Ehemann hatte eine Stellung als Reisender für eine Groß- desiillation angenommen, wo er ein festes Gehalt von 75 R. und 6 M. Spesen erhielt. Diese Beschäftigung brachte cZ mit ficb, daß der Ehemann noch mehr in Kneipen, namentlich in Damenkneipen umherlag und sehr oft erst frühmorgens nach Hause kam. Das Wirt- schaftsgeld, welches er der Frau gab, gab er nur widerwillig und in so unzureichendem Rkaße, daß die Frau in Wirklichkeit darbte und sich zur Hcrbeischafftmg der notwendigsten Lebensmittel wiederholt Geld borgen mußte. Am 21. Juni kam der Ehemann wieder erst morgens um 4 Uhr in Begleitung des Aftcrmieters nach Hause. Die Frau, welche auch in dieser Nacht, wie schon mehrere Nächte vorher, empfand sofort sebr heftig? Schmerzen, das Fleisch rötere sich auf- fallend und der Rann mußte das Bett verlassen. Als die Frau sah, waS sie emgerichtet hatte, bekam sie einen furchtbaren«efireck und bemühte sich, ihm durch Ei und Oel Linderung zu verschaffen. Als dicS nichts nutzte, wurde schleunigst zu einem Arzt gescbickt und dieser ordnete die Uebcrführung des Ehemannes in ein Kranken- hauS an. Tort ist der Mann nach ftins Tagen gestorben. Die Rechtsanwälte Dr. Philipp und Justizrat W r o n k e r schil- derten in warmherzigen Worten daS Seelenleiden der Angeklagten und dei: Zustand, in welchem sich diese befunden als sie die Tat vollbrachte. Sie habe sicher kein Bewußtsein in diesen: Augenblick gehabt und deshalb müsse sie frcigesprock?cn werden.— Die Geschworenen gaben ihren Spruch«ls Nichtschuldig ab, worauf die Freisprechung der Angeflagtcn erfolgte. Die Stiefel des Herrn v. Tossotv. Polizei-Jnspektor v. Dossow sendet uns zu dem am 27. September gebrachten Gerichtsbericht im Einverständnis mit seiner vorgesetzten Behörde, wie er besonders bemerkt, die folgende Zuschrift: „Der Artikel de»„Vorwärts" enthält eine tendenziös entstellte Wiedergabe der fraglichen Gerichtsverhandlung. Der wahre Sachverhalt ist folgender: Gegen den Polizeikommissar K riebe! hatte ich eine DiSziplinarnnterfuchimg zu führen, welche mit seiner Amtsenthebung endete. Ferner war ich als Mitglied des Offiziers- ehrenrats genötigt, eine Anzeige über eine ehrlose Handlung Knebels zu verfolgen, so daß er auS dem Offizierssfimde entfernt wurde. Ilm sich an mir zu rächen, behauptete er in öffentlicher Gerichtsverhandlung, ich hätte ein Paar Stiefel unterschlagen. Wegen dieser Beleidigung erhob die königliche Staatsanwaltschaft gegen Ltriebel Anklage. In der SchösfenierichtSverhandlung vom 21. Sep- tembcr er. wurde Äriebel freigesprochen, weil er die beleidigende Aeußerung zur Wahrnehmung berechtigter Interessen getan habe. Das Gericht lehnte den für die behauptete Unterschlagung ange- botenen WahrheitsbelveiS ab, weil der Beweis für die Unwahr- hcit dieser Nachrede schon wiederholt erbracht war. Der Gerichtsvorsitzende stellt« aitenmäßig fest, daß sowohl der Herr Re- gierungspräsident als auch der Herr Oberpräsibent und der Herr- Minister auf Knebels Denunziation hin die Stiefelangelcgenheit untersucht und die Beschuldigung als„vollkommen u n b e g r ü ii d e t" befunden haben. Zu gleichem Ergebnis war der Offizierschrenrat gekommen. Der Stiefelangelcgenheit liegt folgender Sachverhalt zugruntze: Durch ein Versehen waren ohne meine Kenntnis anstott eine» Paares Dien stlaikreitstiefel ein Paar andere Lackstiefel, deren ich mehrere besitze,«bgeliefert worden. Alle von Knebel zum Beweise einer«bsichttichen Verwechselung, also einer Unterschlagung, vorgebrachten Tatsachen beruhen auf freier Erfindung. Es ist unrichtig, wenn Knebel behauptet, die abgelieferten Stiefel seien„unansehnliche rindsledcrne" gewesen. ES waren vielmehr erst sechsmal benutzt« L a ck reitmefel. Es ist ferner unrichtig, wenn Knebel sagt, der eine der abgelieferten Stiefel habe einen Riester genau an derselben Stelle„aufge- kleistert" gehabt wie der Dienststtefel. Vielmehr wie? von den Dienststiefel der rechte einen 20 Zentimeter langen genähten Riester in der Wadengegend auf, während von den versehent- lich abgelieferten Stiefel der linke einen nur 2 Zentimeter großen geklebten Riester zur Verdcckung eines kleinen Schadens am Fuß- ballen ttug. Allein diese Verschiedenheit der Riester schließt jeden auf absichtliche Verwcckssclung der Stiefel hinzielenden Verdacht voll- ständig auS. Dies sagten sich auch alle Instanzen, bei denen Knebel mich wegen Unterschlagung denunziert hatte. Allein schon der Umstand, daß ich im Befitze meiner Stellung als Be- amter und als R e f er v e- O ff i z i e r bin, muß jeden denkenden Menschen von der Haltlosigkeit der gegen mich erhobenen Berdächtigung überzeugen. Wenn Knebel, obwohl ihm diese Tatsachen bekannt sind, sich erboten hat, den in allen früheren Fällen mißglückten Wahrheitsbeweis zu erbringen, so liegt es auf der Hand, daß er bei seiner Behauptung nur verharrt, um sich den Schutz des Gesetzes, die Beschuldigung im guten Glauben und nicht in beleidigender Absicht ausgesprochen zu haben und somit Straflosigkeit zu sichern. Achtungsvoll v. Dossow." Wir haben diese drollige Berichitgung mit vielem Vergnügen aufgenommen. Ter Kassierer mit dem Lumpengehalt. 32 000 M. unterschlagen und in einem Jahre verpraßt, wurde dem jetzt 24 Jahre alten Kassierer Georg L e S n i e w s k i vorgeworfen, der gestern von der zehnten Strafkammer des Landgerichts I stand. Der junge Mann hatte seine kaufmännische Ausbildung bei der Aktiengesellschaft Panzer" erhallen und war dann nach Beendigung seiner Lehrzeit zu dem Posten dcS Kassierers avanciert. Er versah dieses vcr- antwortliche Amt bei einem Monatsgehalt von anfangs 75 M. u n d z u l e tz t 110 M. und erfreute sich eines ungewöhnlichen Vertrauens, welches er in unverantwortlicher Weise mißbraucht hat. Es ist ihm gelungen, in Jahresfrist nach und nach 32 009 M. zu unterschlagen, ohne daß bei verschiedenen Revisionen seine Un- treue entdeckt worden wäre. Er geriet in schlechte Gesellschaft und brachte seine Abend- und Nachtstunden in Tingeltangeln und im Verkehr mit Chansonetten zu, die es vortrefflich verstanden, ihn auszuplündern. Mit dem ersten Griff in die Kasse, bei welchem er sich 50 M. aneignete, geriet er auf die schiefe Ebene und dann ging es mit ihm unaufhaltsam bergab. Dem Gerichtshof schien cS nicht recht glaubhaft, daß der Angeflagte in so kurzer Zeit die Riefensumme von 32 000 M. ans die geschilderte Weise verpraßt haben könne; der Angeklagte versickerte aber, daß er nichts davon beiseite gebracht habe.— Mit Rücksicht au ff sein offenes Geständnis und die Tatsache, daß die zweifellos unzureichende Kontrolle dem Angeklagten fein Treiben erleichtert haben muß, verurteilte ihn der GcrichtSbof nur zu einem Jahre Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust.— Ob die Attiengescllschaft jetzt einen anständig entlohnten Kassierer hält? 3u9 der frauenbewegung. Steglitz. Der Bildungsvcrein für Frauen und Mädchen von Heglitz und Umgegend hielt am 3. Oktober bei Grube, Friedenau, äser-Allee, seine Mitgliederversammlung ab. Herr Dr. Eichler Mitgliederversammlung ab. -.j(gG11......... U,. W I D;c Versammlung konnte hielt einen Vortrag über„Die Schule im Banne der Kirche", der mit großem Beifall aufgenommen wurde------ r-----'—*" JUll iJLUkjW.l■s.'Lilltll IWl iViltCC-. � tU-vj t[ 1 1 t m l'. l II 1 1 y aber noch besser besucht sein wie sie war, denn von den Mitgliedern fehlten über die Hälfte. Die nächste Versammlung findet am 10. Oktober bei Wahrendorf in Steglitz statt. Vriefkasten cier K.eclaktio». Juilttilcber Oeit. I-Ic ftitiflifflc Tvrkchftnildi! findet täglich mit ZlusiiahiiiedeZ EonnadciidS von 7tzz blS Atz, Ilbr statt. GellfTiict: adeilds 7>lh«. 25. N. Altersrente hat zu beanspruchen, wer das 70. Lebensjahr voll- endet hat und eine Wartezeit von mindestens 1200 Beilragswochcn hin- durch versichert gewesen ist. Die Länge der Wartezeit ist für diejenigen Versichcttrn erheblich hcrabgejetzt, die zn der Zeit, als die Versichern:!,;S- Pflicht für ihren DerusSzwcig in Krajt trat, daS 40. Lebensjahr vollendet haben. Geben Sie also an. wann Sie geboren sind, damit Ihnen mit« geteilt werden kann, wieviel Sie zu kleben haben. Oder lesen Sie S. 408—500 des in den össenllichen Bibliotheken ausliegenden„Ärbeiter- rechiZ' nach: dort finden Sie eine Tabelle zur Berechnung der Mindesizahl der Marken für Mersrentner.— 18K0. 1. und 2. Ja.— E. V. Nein. — Höchste.«1. Nicht daraus, welche Lohnbcrcchnungsart stattfand, sondern ob Kündigungsfrist ausgeschlossen oder vereinbart ist. kommt es an. — Blifie. 1. Ein Ausländer fNichldeuischer) hat ein Recht aus Nawrali- sation nicht; Anträge aus Naturalisation sind an das Polize Präsidium zn richten. Die Ablehnung kann obne Grund ersolgen. Das Stattgeben kostet 50 Mark. 2. Nein.— K. K. 83. Wollen Sie Kosten erstattet haben, so müssen Sie an�daS� Gericht einen Kostensestsetzungsantrag richiem Ein Beispiel finden Sic S. 538 Nr. 78 des in den Bibliotheken auSliegendcn „lürdeiterrechtS". Kosten, die durch Nebcrwcisung an Einziehungsbureaus U. dgl. entstanden find, gelten in der Regel nicht als crstattungSsähig. — I. B. IS», Sibanerstr. 18. Nein.— Pollitt. �Leider steht nach Ihrer Schilderung Ihrem Bruder lediglich gegen den Schläger selbst ein Aulvruch aus Entschibigimg zu.— Kols III. 1. Der Vertrag ist gültig. 2. Nein. 3. Nein Sie könnten nur aus Erfüllung des Vertrages klagbar werden.— A. Fr. R. 21. Wahrscheinlich. Aber ohne Einsicht in die Urkunden selbst oder eine?lbschrist derselben(Ofserte und Vcrpflich- imigsscheiu) ist eine sichere Beantwortung der Frage, welche Rechte aus denselben folgen, unmöglich.— M. Ä. 42. Ist uns nicht bekannt. — H. Z. IVB. Der Austritt ans der Landeskirche crsolgi durch Erklärung dcS Aus tretenden in Person zu Protokoll dcS Amtsgerichts, in dessen Bezirk der Austretende wohnt. Der AuStritlS-rklärnng ist ein(schnstlichcr) Antrag aus Ausnahme der Erklärung voranzuschicken. Zwischen der Ausnahme des Austritts uud Eingang des Antrages bei Gericht muß ein Zeitraum von 4—6 Wochen liegen. Sie schreiben also an das Amtsgericht etwa: Ich beabsichtige aus der... Kirche auSznttclcn, ich beantrage meine AuSttittS- erktärung auszunehmen. Dann ocgcbcn Sie sich— ohne besondere Ein- ladung erhalten zu haben— innerhalb des 29. und 42. Tages nach Ein- Sang dieses Antrages bei Gericht zum Gericht und erklären dort Ihren iuStritt zu gerichtlichem Protokoll. Tun Sie da? in diesem Jahre, so haben Sie vom 3t. Dezember 1306 ab persönliche Kirchensteuern nicht mehr zu zahlen. — K. Die Bücher müssen Sic annehmen.— P. G. 90. Ja.—(£. L. C. ~"............"*"•"s. will ein befreit sein, ..., ae Weg, um eine Doppclzahlung zu vcr- meiden.— F. P. 28. Das Gericht kann den Zeugen beeiden. Sie können lediglich in der von Ihnen geschilderten Art versuchen, den Beweis der Wahrheit zu erbringen oder sich zu einigen.— O. X. 9. Nein. — H. R. N. Wenn KündigungSsrist ausgeschlossen war, sind Sie im Recht, sonst nicht.— E. 190. Nur wenn der Ehemann i n s o l g e des UnsalleS gestorben ist, hat die Witwe aus Witwenrente Anspruch.— H. W. 100. Sie haben keinerlei auch nur moralische Verpflichtung.— P 100. Die Höhe der Unterstützung hängt von der Höhe deS Krankengeldes und etwaiger Vereinbarung mit der Krankenkasse ab. Setzen Sie sich mit Ihrem Kassenvorstand in Verbindung.— P. N.o»i 10. Oktober 1905, morgens 8 Uhr. Stationen Swinenide. erliii Franks. n.M. München Wien v! ? 3 i= c 5 S)— 5~ S« Wetter 766 O 768 NNW 765 NNO 767 N 764 NW 761 Still I heiter 2wolkcnl 3 bedeckt 2 bedeckt 4 Regen -bedeckt Wetter-Prvgnoie für Mittwoch, den 11. Oktober 1905. Zeitweise heiter, aber knbl und veränderlich mit geringen Niederschlägen und mäßigen nördlichen Winden. Berliner Wetlerbureau. Für den Jiipull oer Juierare iibcrniiiimt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Vernntiuortuiig. Zheater. Mittwoch, 11. Oktober. Ansaug 7'/, Uhr: Opernhaus. Der Ring des Nibe. luiigen. Sicgsried. Ans. 7 Uhr. Schauspielhaus. Der Schwur der Treue. Neues. Ein Sommcrnachistraum. Westen. Die lustigen Weiber von Windsor. Anfang 8 Uhr: Schiller<».«Wallner-Theater.) Flachsiuann als Erzieher. Schitier X.(Friedrich Wilhelm. slädiisches Theater«. Augen rechts! — Zum Einsiedler. Zentral. Zur indischen Witwe. Nachmittags 4'/, Uhr: Priuzeßchen Goldttnitt. Sesiiiig. Stein unter Steinen. Residenz. Die Höhle deZ Löwen. Walhalla. Eine lölle Nacht. Kleines. Hidalla. Triauvn. Madame Torera. Lnftspielhaus, Jahmarkt in Pulsnitz. Thalia. Bis jrüb um Fünfe! Carl Weist. Der Weltumsegler wider Willen. Luisen. Kcan. Deutsch- Zlmerikauisches. Wer, Herr Herzog! Kasino. Der AdclSnarr. Apollo. Ein-Abend in einem amcrika Nischen Tingcl-Taiigel.— Am HochzcilSnbcnd.— Spezialitäten. Metropol. Aus— inS Metropoll Herrnfeld. Dt« Mcyerhains. Wintergarten. Rosario Guerrero. Stezsalitäten. BeNe-Sllliance. Spezialitäten. FotieS EapvieeS. Nach dem Zapfenstreich. Soll und Haben.— Spezialitäten. ReickiStzatlen. Stettincr Sänger. Passage. Robert Koppel. Marshall, der Mann mit den Hüten. Georg und Gusti Edler. llrauin. Taudcu strastr 48/19. Wends 8 Uhr: Im Lande der MiiiernachlSsonne. Jilvalideujtto ste 57,02. Slern- ivnrle. Täglich geöjsnel»on 7 bis Ii Uhr, Neues Theater. Anfang 7'/, Uhr. Sin Scmwentößhlsfram Morgen u. solgende Tage: Ein Soiumcrnachtstziaum. BeFlinei' Thealer. I Urania Donnerstag, den 12. Oktober: Eröffnungs- Vorstellung Dramafisches Gedicht in 5 Alten von Florian Endli. Anfang 7tz. Uhr: Freitag u. folgende Tage: Arnkslosia. Ansang S Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr: ünckslozia. Kleines Thealer. Abends 8 Uhr: Donnerstag, Freitag, Sonnabend: flldaila. Luise»-Theater. Abends 8 Uhr: Gastspiel Adalbert MalkswZkh: S Q N. Donnerstag: Das Erbe. Freitag: Kran. Sounubcnd: Dcrjilngste Leutnant. Sonntag nachm.: Wilhelm Tcll. Ab«idS: ittan. Wontag: Das Erbe. Taiiden- «anaaaa str. 48/49. 8 Uhr: Iß] Lanslö öer Mitteraaclitssom Sternwarte ,nvi,lidon- str. 87/62. ■•' A TAN'ii INf rt». UM, Trianon-Theater. Heute und solgende Tage: �iadsrne Torera (Madame L'ordonnanco). Schwank in 3 Akten v. Jules Chance!. Deuifch von Mar; Schoenau. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm.: v»» UnS« der Liebe. Frleelriehstr. 163. Joels Im. EEPGmissjilSS Die Ehre des Vaters! _ Hestaurant: EScT- Orosdoner Sünffer."VI Weinfcopgsweg 19/20. Direktlon: liioliard ScbuUa. Heute und solgende Tage: Eins tolle s�acdt. Vorher: lle. Losrlalitblea. Programm. Av«. 8 Uhr. Rauchen über" ae stattet. Fröbels Allerlei-Thealer Schönhauser Allee Nr. 148. Heute: l!>«»»der.A.bem1. Hochkomische Spielsolge. Konzert, Theater u. Spezialitäten. Der kleene dicke Buddel, Berlins populärster Komiker. ?lnsaiig 8 Uhr. Entree 30 Pf. Ehren- und VorzugSlarten güllig. Ä. kJl&c&L Tbealer. Dtrektio«: Hob. Dill, ömmieiite. 16. Muttersegen oder: Die neue Fmicho». Schauspiel mit Gesang in 5 Allen. Ansang L Uhr. Enlree 30 Ps. Donnerstag Sxkavorstcllung: Eva. Schauspiel in 4 Akten von N. B o ß. Rssiilenz-Ilieater. Virekrion: Richard Hlwander. Heute und folgende Tage: Ansang 8 Uhr: vis Oolilö des Löwen, Schwank in 3 Akten v. M. Hcimcquin und P. Bilband. «onntag nachm. 3 Uhr: Herluilea- plllen. ÜCIJ| Heute Jeden Abend 8(Ihr-! zum Gastspiel Ad. t'biljpp 40. ABER! Male; Herr ilerz, ojr Jeden Sonrungnaohmittag 3 Uhr: Halbe Preise! „Ueber'u grollen Teich." ScMller Sehiller-TlieaterO.(Wallner-Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: !FIi»cI»4niiinn als Erzlclicr. Komödie in drei Auszügen von Otto Ernst. S o n n e r S t a g, a b e n d S 8 U h r: Oer rraan» vli» Oelien. Freitag, a b e il d S 8 U b r: Elaeiisninii» als Erzilelivr. MZrl Zeiiumsiiil Heute abend präzise 71/, Uhr: Grande Soirbo equestre. Elile-Progr. nnd zum 14. Male: Die gr. Novität! Der Tag des EEn�HscKen Derby. Das Leben und Treiben nach dem Original, aus das giaiizcndste in- szcuicrt vom Dir. Alb. Schumann. I. Bild: Im Nemistall des Lord Weathcrdon. II. Bild: a) Der Favorit. b) Das Rennen, cl Huldigung des Siegers. III. Bild: Auf dem Heimweg. Die phänomenalen' John und Eonis itoller mit ihren noch nie gesehenen M''V!ZM!iMz-8ll!lSWckie!! aus dem Zwcirad. Die höchst originellen Damtv-Fust-Ringkämpft, 12 Amerikanerinnen U.Engländerinnen Direktor Aib. Lobumanna neueste Monsterdressuren ec. Theater. Schiller-Thealer N.(Friedr.-Wilh. Th.) Mittwoch, abends 8 Uhr: ,4.»{jnn rechts. Komödie in 3 Akten v. Jon Lehmann. Hierauf: Kam Einsiedler. Lustspiel in 1 Ausz. v. Benno Jacobson. D o n n e r s t a g, a b e n d s 8 U h r: Elaehsmann als Erzieher. Freitag, abends 8 Uhr: Äugen rechts. Hieraus: Kam Einsiedler. Theater des Westens. Station Zoolog. Garten. Kantstr. 12. Mittwoch: Die lustigen Weiber von Windsor. Ansang 7>/z Uhr. Donnerstag: Der Zigeunerbaron. Freitag i 4. Vorstellung im Freitags Abonnement: Der Opernball. Sonnabend nachm. 3 Uhr, kl. Preise: ?Iathaii der Weise. Abends 7'/, Uhr zum erstenmal: Die Zanberslöte. Sonntag nachm. 3 Uhr, halbe Preise: Ter Troubadour. Abends 7Li Uhr: Der Opernball. Montag: Der Opernball. Q'l, Uhr der Liebling Amerikas I TZassy sletrome Amerikas bester weiblicher Koniiker l 10 Uhr: Gebr. Wille die besten Akrobaten der Welt! 10'/« Uhr--NC WMO'/rUhr: Letzte Woche! Ein Abend in einem amerikanischen Tlngcl-Tangcl. Nur noch bis 13. Oktober! ktelropiiITtiester - Präzise 8 Uhr zum 33. Male Große Jahresrevne mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Kapellmeister Max Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Waiden a. D.x Miß Ciitford a.D. Bender x Giampietro Josephi x Massary x Frid-Frid Steidl x Lilly Walter.' Rauchen in all. Räumen gestattet. Anfang 8 Uhr._ LustspiGlhaus. MendS 8 Uhr: Jahrmarkt in Pulsnitz. KaslnosTheater Lotbringerstr. 37. Täglich 8 Ubr. Simander Erfeig! „Per MMMrr." Xcu! RhelngoSd-Trlo. Asia mit dressiertem Pfau m.:e. «onntag nachmittags 4 Uhr: „Ein Sohn des Volkes." Sanssouci, KMuserjk. 4a Dir. W. Roimer. Heute Mittwoch: Pi'sziosa. Schauspiel mit Gesang. Ansang 8 Uhr. Jeden Sonnt, Moni., Donnerst.: Hluttmnnns Horddeutsolie Sänger. Der grohe Festsaal ist noch einige Theaterkasse v. 19—2 u. 6 Uhr.| Sonntags 2 Vorstsliungenl Nachm. 3 Uhr; Halbe Preise.) Jeder Besuehor 1 Kind frei. Gustav Gehrens Theater Frankfurter- Allee 85. Der ganze Osten lacht Tränen Über Die Keltiutr Rangt. Posse mit Gesang. Neu! Der kleine Mann und die groste Frau s°wi° 2D Spezialitäten-Nümmefii. Cotosseum Theater u. Konzerf-EtaUlissement. Dresdenerstr. 97 äJ�*an der Prinzenstraßc-WV Di« scnsntionellcn Nttraktioncn des EröstiiungS-Programms I Im Konzertsaal: .Sohrammeln" u. ungar. Kapelle. Anfang 8 Uhr. Ende des Konzerts 1 Uhr. Sonntags 2 Vorstellungen. keichshatlen. Täglich: Stettiner Sänger. äfih* ELYSIUM. 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Todesanzeige. Am 7. Oktober entschlies saust nach langem, schweren mit Geduld ertragenen Leiden mein innig ge- liebter Mann, mein guter Vater, unser Onkel, Schwieger- und Großvater, der Metalldrechsler Germatm Leisky im 79. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbettTibt an Die trauernden Hinterbliebenen Frau Agnes Leisky geb. Kühn nebst Sohn nnd Verwandten. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den lt. Oktober, nach- mittag 4 Uhr von der Leichen- halle des Neuen Jakobikirchhoss aus statt.___ 2494b Allen Verwandten nnd Be- kannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn und Bruder, der Kontorist 248bb Otto Schumann am 9. Oktober im Alter von 23 Jahren nach langem, schwerem Leiden entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 12. Oktober, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle de? Dorotheenstädtt- scheu Kirchhofs(Reinickendorf- West), Schantweberstraße 1—2 au» statt. Eharlottendurg, 19. Oktober 1995. Die tranernden Eltern und Geschwister. Allen Freunden und Belannten sagen wir hiermit sür die vielen Bc« weise der Teilnahme bei der Beerbt- gung unserer unvergcblichcn Tochter Iledxviji unseren herzlichsten Dank. Lranz Treder 24836 und Frau. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines imvergeblichen Mannes sagen wir allen Kollegen der Firma Schirn, den Kollegen der' Firma Geifiler sowie den Mitgliedern de? Holzarbeiter- Verbandes, Ortsverwaltting Weiben- see, unseren herzlichsten Dank. Witwe IflaHe nonuoberger 2476b und Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS, unseres guten Vater», GroboaterS und Schwiegervaters, des Putzers Wilhelm Schi Imbach sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank. 249Sb Die trauernden Hinterbliebenen. ?lls ein durch taufende von Dankes- schreiben ancrlannteS Mittel gegen Magenleiden empfehlen wir den echten Intteeii Kräuter- Magen-Ifldlp. Allein zu beziehen: 34/17* Gebr. Kleba, Hannover, In d. 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Amt IV, 3353._ Tonnerstag, den IL Oktober 1903, aveubS 6'/, Uhr: OeffentUche Versammlung aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter u. Arbeiterinnen von Teinpelhof, Mariendors»nd Mariciifcldc im Lokale des Herr» Koaclr, Tempelhof, Berlincrstr. 9. TageS-Ordnung: 152/16 1..Die Unorganisierten und der Herrenstandpunkt der Unternehmer." Reserent: Genosse A. Pagels. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um recht rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Uerband der Fabrik-, Kand-, Klfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutsch lands. Slahlstelle liei'Ii». Bureau: Linienstr. 215. Geöffnet von 8—1 u. 4—8 Uhr. Tel.: Amt 3, 338. Tonnerstag, den 13. Oktober 1903, abcndS 8'/, Uhr: Ausserordentliche Mitglitdtt-Geitmlvklsinimilllilg im Lokale„Mnsikcr-Säle", Kaiser Wilhelmstr. 18m. Ta aes-Ordnung: 1. Stellungnahme znr ZluSsperrung in der Elektro-Jiidnstrie. 2. Diskussion. BW Die Versammlung wird pünlilich crössnct, sohlen darf niemand. Mitgliedsbuch oder Streikkontrolllarte legitimiert. 64/17 Dir Ortsverwaltung. I. A.: 0. Beuns� ZZ Charlofttenburfg.™ Freitag, den 13. Oktober 1Ö05, abends S'/a Nhr: Oeffentl. Versammlung im Volkshanse, Rofinenstr. 3(grofter Saal). TageS-Ordnung: Fortsetzung der Diskussion vom 14. 9. 05 über: Wkltonstatmg und Taktik des Proletariats. Neserent: Genosse Df. Friedeberg. 2484b Die Agitatlonskommisslon der vereinigten Gewerkschaften. Adttiü �Ctttmaeher! ifai Donnerstag, den IS. Oktober, abends 8 Ehr, bei IlOtzoWj Prenzlauer Allee 247: Mitglieder- Versammlung. T a g e s Ordnung: 1. Die bevorstehende Urabiiimmung, Stellungnahme zu dem Lnckenwalder Antrag. 2. Verschiedenes. 234/7 Der Vorstand. Oer WlcMIgkelt der Tages-Ordnimg wegen ist es Pflicht aller 1 Mitglieder, zu erscheinen. pif Ortskrankentmste der Kürschner ete. sucht eine jüngere Person zur Er- ledigung der Bnreanarbelten als Aushilfe zum 1. November. Bc- Werber oder Bewerberinnen, welche mit schriftlichen Arbeiten vertraut sind, wollen ihre Gesuche bis zum 29. Oktober unter Angabe der Gc- haltZansprüche aus der Kasse, Barnim- streike 19, niederlegen. Der Vorstand. G. Seidenkrauz. 4523L' SofasW Riesonauswahl aller Qualitäten. Wolle- Dnetat Mocguettes. Plüsch- NVStv!' Satteitaseden. Muster h. näher. Angah e franko. Emilleiivre, RÄI58. Orts-Krankenkaffe der Graveure, Ziseleure u. anderer künstlerischer Gewerbebetriebe. Berlin SO. 16, EngcI-Mcr1S,Zimm.23. Am Montag. 23. Oktober 1903, im Restaurant �veosdener Garten�, Dresdenerstr. 45: WM-VsrZSWmwnn. Abends 5—6 Uhr: Wahl für Arbeit- aeber. Wahl von 73 Arbeitgeber» Vertretern fiir daS Jahr 1996. Abends von 6'l,-7'l, Uhr: Wahl ür Arbeitnehmer. Wahl von >47 Arbeitnehmcr-Verttcter» sür daS Jahr 1396. 275/3 lieber Wahlberechtigimg und Wähl- barkcit siehe ß 43 des Statuts. Der Vorstaad. E. Brückner, 1, Vorsitzender. MM"' Das Mitgliedsbuch legitimiert. teppdeckett 0!............ wertesten nur direkt tu der Fabrik, 7!i Wall» ftrafie?«, woauch alt, Steppdecke» aufgearbeitet werden. v. Steohmandel, Berit» 14. Jllullrlerter Preiskatalog gratis. Paul Litfins Gessilseliaftshaus Ostend Memelerstr. 67.— Amt VH 1975. Empfehle den geehrten Vereinen»nd Gewerkschaften meine Säle und Vercinszimmer. Jeden Sonntag: Ball. Sonnabend, 4. November u. Totensonntag frei geworden. 4679L Ergebcnst Paul Eitfin. » w ywy-»www MW»» Möbel-Hapzin. Fr. Janltzkow, Polstervaren. Kift-one Tischlerei.[48135*] XW., Tnrmstr. 45.__ Eigene Werkstatt. Achtung! Achtung! Sonntag, den 13. Oktober 1903: Große Matinee znm Kesten der ausgesperrten LlvIrtmUais- Hrdsiter veranstaltet vom Duchblnder-Münnerchor, Gesangvertin„Solidarität"(Mitglieder d. A.-S.-B.), Majikverein„Harmouie�-Kerlill, unter gütiger Mitwirkung des Jnstrumental-Humoristen Hci-rn Ott« Ilvlnrtel», w Kellers l�estsalen, Koppenstr. 29. Anfang prttzise'/,»« Uhr, Eintritt 30 Pfennig. NV Keine tiiTentlictae Kasse. Billetts sind zu haben bei allen Mitgliedern der Gesangvereine sowie im Bureau des Buchbinder-Verbandes, Gewcrkschaftshaus, bei Manzey, Rcichenbergcrstr, 16, Hahn, Adalbertstr, 4; Sonnabendabend in sämtlichen Zahlstellen des Buchbinder- Perba»des. 25112* Deutscher Holzarbeiter-Verband. Donnerstag, den IS. Oktober, abends S'lt Uhr, bei Glleslng. Wassertorstrasie 68 s 94/9 Branchen-Yerfammlung der LuxussTischler. Deutsche Ifaallarbeiter-�ewerkseliaft Terwaltnngsstello Berlin. Bureau und Hrbettsnachweie Roaenthalcrstraße 57 (2. Eingang: Gormannstratze 28). Geöffnet von 9'/g— 2 und 4—8 Uhr._ Telephon: IN, Nr. 1296. Donnerstag, den 12. Ottober 1005, abends 8 Uhr: Keschließende Mitglieder-Versammlung in Fiebigs Festsälen(Borussia). Ackerstr. 6/7. TageS-Ordnung: 1. Stand der Aussperrung. Anträge. 2. Dis- kussion. 3. Gewerkschaftliches. 289/20 DM- Mitgliedsbuch oder Kontrollkarte legitimiert.-MO! Da wichtige Beschlüsse gefaßt werden sollen, erwartet vollzähliges und pünktliches Erscheinen__ Die Ortsver waltung. ■Pre-Ussina" Pre-Ussina Pre-Ussina Pre-Ussina Zigarren hh lan W 1« ■l überall käuflich Für Wiedcrvcrkäuser zuhaben bei 4292L* H. Preuss, Swinemunderstr. 66, I. Zigarren- u. Tabak-Fabrik und Engroslager. Bekannte, billigste u. reellste Bezugsquelle nur für Wiederverkäufer. Ncuetablierungen unter tu lautesten Bedingungen und sachmännischcr Anleitung. D Tel.: TU, 6949. Ich eröffne am heutigen Tage in der Timeonftr. S5 ein l!.olcsl und bitte um gütigen Zuspruch. 2386b' Paul Dunkel. Achtung! Achtung! Reichstags- Wahlkreis. Freitag, den 13, Oktober, abends S1� Uhr, in der„Urania", Wrangelstr. 10—11: Partei-Versammlung. Tages-Ordnung: 262/4' Fortsetzung der Diskussion über den Parteitag zu Jena. Recht zahlreichen Besuch erwarten Die Vertrauensleute. Zentral-Verband der Zimmerer Zahlftclle BcrUn und Clmgegend. Bureau: Engel-Ufer 1.?, v. III, Zimmer 32. Fernsprecher: Amt 4, Nr. 2789, Donnerstag, den 13. Oktober 1905, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshanse(gr. Saal), Engel-Ufer 15: Allgemeine Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Pülll OÖlll*G über: „Probleme der Kinder- LrÄsbung". 2. Berussangelegenheiten. Bei der für jeden einzelnen so interessanten Tages- Ordnung erwarten wir, dass diesmal alle Mitglieder vollzählig erscheinen. 255/17 Ter Borftand. Achtung!"1" Ü? T ü Hchtmig I Donnerstag, den 12. Oktober, abends 6 IlHr, bei Keller, Koppenstraste SS: OOnlIiche Ntrsammliiiig der Töpftr Lcrliiis»»d Kmgrpii. Tages-Ordnung: Bericht der Lohnkommisston und weitere Stellungnahme der Töpfer Berlins u. Umg. zur Dariffragc. , Das Erscheinen sämtlicher Kollegen wird envartet.—— Die Dohnkommlssion. I. St.: Alphons Pech._ I. Ziehung 4. KI. 213. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 10. Oktober 1005, vormittags. Nor die Gewinne Uber 192 Mark sind den helreflenden Nummern in Klammern beigefügt, (Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten. ... 28 23? 313 14 20 506 755 1028 92 128 64 420 14601 218'300Ü, 2047 86 158 78 242 314 437 834 933 3167 S,�3,�62�.64 888 816 4133[400] 34 241 824 977 £ we 5? 69 619 l400! 891 0019 14001 07 M V, 5£i68 704 /500]«64 67 7085 142 269 484 ®', ßäSJWl?02 8034 85 146 497 670 14001 732 800 9177 �7 305 485 37 526 600 703 31 94 888 iqä oa9�l-, HU W, 231 47 93 384 445 810 11069 310«KI 707 Ö70 1 2023 44 59 68 125 411 oi 13077 203 457 547 74 613 910 II itüo 26i 99 dl2 93 775 1 5152 85 509 687 717 Jl0�..102 289 376 433 530 852 911 14 34 404 81 19003 14 243 304 110001 sa»AL 229 381 93 2 1063 134 428 612 37 07 919 0?« 02?» 715 983 23182 452 570 82 711 ü im'lKR�SL�/P'L320 27 436 670 877 960 25004 Äa»�9,b26 611 725 50 2 62U 48 310 597 13000] �oro2?«5 90 M 396 509«36 37 42 32 2 8013 m imf sn 800 914 2 9008 172 291 363 ... 30304 64 478 89 577 787 31042 60 161 230[300] S"4r788. 32072 92 343 50 80 14001 522 734 832 932 K �.llMO] 3 3021 81 831. 800 35 934 98 3 4027 ?0 2p9 53 545 694 974 35039 110 214 56 87 378 4001 J* 821 36215 07 75 454 540 688 854 999 3 7077 143 249 314 827 50 608 87 97 773 994 3 8458 724 40 900 44 39121 251 410 503 68 786 832 ooo A.?410 20 640 637 732 14001 897 963 4 1006 83 280 323 27 29 454 607 42336 441 879 43619 52 97 743 73 878 900 4 4480 606 10 671 827 4 5040 118 473 87 6Z1 82 029 46129 339 61 437 48 65 523 09 095 97 118 417 502 36 707 75 808 991 48116 44« SU flOOJ 45 781 49160 214 364 421 1400] 30 üü 850 50015 26 84 131 259 372 556 753 834 914 18 55 63 �.nÄ1221 471 865 5 2011 75 144 404 566 666 752 870 53059 234 69 78 324 42 56 533 691 865 948 5 4091 474 234 52[5001 53 344 577 689 933 5 5280 531 87 659 «5 66 5 6069 251 89 337 56 93 428 80 505 744 930 63 57321 697 800 58150 64 379 428 861 957 90 5 9003 43 102 233 373 460 616 94 713 84 832 003 14 20 35 75 . 60000 22 29 117 71 387 958 74 01124 35 80 484 74 581[400] 798 887 931 62213 461 550 078 704 60 834 992 63106 20 215 39 362 421[5001 598 764 934 95 64022 271 320 37 85 479 85[4001 531 667 780 885 907 65100 202 364 439 93 702 21 15001 823 924 [15 0001 66010[5001 74 206 389 553[4001 098 740 «7099 209 329 628 59 802 47 66 73 613 6 3090[10001 352 78 649[400] 69087 216 86 331 436 80 731 984 70213 687 7 1 433 009 78 736 7 2085 159 95 257 372 606 753 87 989 73135 205 37 88 414 564 1 1000] 739 856 68 82 74024 54 98 365 557 97 085 756 802 88 979 75171 202 7 24 59 308 76 490 518 67 96 676 849 60 908 73 7 6000 107 308 26 663 790[6001 77116 668 782 858 7 8017 55 78[10001 215 356 96 501 46 781 79019 34 97 342 446 523 99 854 703[400] 80038 90 04 140 230[5001 74 314 406 802 903 5 [4001 81119 20 398 566 91 976 90 8 2055 356 71 83 04 608 24 98 799 865 8 3032 341 209 22 50 406 73 110001 620 873 84232 321 471 531 719 04 8 5570 82 993 8 6489 638 768 80 815 933 50 8 7042 73 93 502 768 88155 64 207 324 57 401 90[4001 640 667 764 806 8 9002 110001 31 60 79 89 182[4001 88 274 308 411 730 66 844 84 967 90261[400] 375 436 9 1055 106 48 211 31 40 308 95 600 768 9 2073 125 36 292 868 81 402 51[4001 64 15001 602 32 89 604 99 870 908 24 9 3034 140 396 427 29 521 28 618 91 874 921 94226 353 409 542 1400] 739 861 77 9 5163 206 22 319 638[10001 858 924 96191 226[10 ODO 1 334 636 62 70 840 944 53 09 97173 371 401 510 59 602 765 803 9 8637 731 80 831 56 59 966 99214[400] 412 752 14001 53 818 23 74 980 100978 343 506 15 57 14001 622 52 60 81 765 908 17 101175 208 334 434 39 578 608 15001 102133 273 88 343 555 62 604 49[4001 93 936 07 1 03124 39 50 297 339 530 634 909 1 04047 63 137 681 602 769 900 105191 334 65 583 857 1 06013 252 380 637 90 107074 399[4001 400 15 20 585 715 1 08007 197 445 604 22 715 21 32 885 109031 312 443 596 637 711 27 811 58 63 110066 194 348 553 646[400] 789 111120 62 90 91 213 759 112006 141 332 449 65 580 734 62 113043 126 253 381 481 97[4001 501 18 973 84 98 114045 350 541 772 805 64 14001 925 97[400] 115152 527 116047 205 91 386 WH 580 615[4001 736 SüO 14001 55 919 117030 318 64 407 21 09 990 118110 288 JS90] 454 556 613 737 119117 21« 59 62 340 471 778 860 120205[4001 22 325 553 721 868 1 21189 228 746 81« 28 122009 112 306 549 993 123032 231 484 528(4001 775 805 38 969 1 2 4371 83 96 411 12 556 717 125)01 53[4001 364 598 653 785 98 875 910 1 26323 493 631 56 770 973 127035 103 40[10001 365 87 415 31 42 502 30 897 993 06 1 2 8007 44 203 97 419 500 24 W 833 129235 302 33 728 941 95 131152 228 431�4»� M 130380 706 13 öl 823 31 62 032 700 55 88 839 948 1 3 2014 334 488 539 PUR 28 00 850 71 13 3981 363 417 614 047 75 832 1 34731 [4001 76 364 452 87 505 929 1 35179 299 335 62 494 65? 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Im Oewinnrado verblieben: 1 Gewinn t 100 000 1 k 73 000, I k 60 000, 1 k 40 000, 1 k 20 000, 1 A 16 000, 2 5 10 006, 9 i 5000! 14 4 2000. 33 k 1000, 74-7 CO* 220 k 400. 1. Ziehung 4. Kl. 213. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 10. Okiober 1905, nnchmlllags. Nur die Gewinne über 192 Mark sind den betreffenden Nummern In Klammern beigefügt. fObne Gewähr.) Nachdruck verboten. ... 81 135 565 916 1 331 426 71 70 97 613 83 93 734 a®, 2054 107 26 31 I4O0I 49 308 739 47 820 044 64 3194 2'2 92 440 594 036 14001 802 56 919 42 60 71 88 tfä 100 3/9 583 065 756 5037 124 500 600 707 37 «y0?6 347 628 637 827 1400 1 032 7134 14001 228 347 54 962 15001 8290 385 494 527 85 733 96 916 9060/4 107 251 466 71 755 60 934 89 10023 115 39 366 524 11121 15001 38 412 732 902 78 1 2017 226 35 05 415 517 660 776 906 7[500] 13031 42 91 438 99 067 704 7/ 14030 I50Ö| 65 302 400 509 86 664 1 5104 215 401 78]4001 706 974 90 16181 247 48 494 618 690 865 1 7021 611 710 78 18145 343 557 615 60 774 829 31 62 915 18 19031 339 412 53 61 73 20236 81 1600] 357 508 646 21137 22030 306 22 51 673 93 648 98 23116 616 830 24131 347 64 493 593 008 98 807 26 985 2 5009 195 672 770 803 961 2 6260 325 38 430 589 737 75 77 93 2 7033 156 97 98 205 25 09 472 758 92 876 2 8007 733 867«26 8 9015 67 201 373[4001 686 711 95 800 30125 211 46 48 324 601 19 709 938 70 31148 205 399 704 15001 26 57 14001 894 052 32190 219 [4001 20 82 750 80 986 33111 56 64 243 79 671 604 042[4001 55 34118 541 73 838 995 3 5335 39 450 565 734 865 911 36184 97 314 825 898 3 7018 115 28 42 60 236 66 81 310 22 578 634 701 38022 30 171 320 74 83 434 653 56 3 9210 542[4001 84 606 40082 384 436 681 826 88 4X103 293 525 052 54 830 00 4 2010 101 36 497 615 726 78 856 917 4 3245 87[4001 322 443 14001 55 84 623 744 962 4 4027 67 83 134 45 353 477 874 4 5063 I60UI 161 331 62 68 579 721 803 83 902 4 6009 608[4001 98 1 47095 164 220 90 378 483 551 307 4 8610 128 202 302 513 07 73 93 711 51 819 63 4 9060 145 350|40u| 96 43« 645 809 987 50223 555 001[4001 840 099 51120 308 90 604 13 040 733 14001 52136 48 221 408 72 828 53U19 14001 65 87 207 50 80 318 479 616 33 717 6 4075 438 95 706 50 821 25 5 6027 182 207 98 481 89 708 23 931 89 98 5 6011(4001 17 26 154 427 74 611 95 766 944 5 7034 143[4001 60 448 592 06 14001 99 614 00» 1)7 5 8074 126 01 261 407 86 696 733 1400] 59092 174 372 434 557 60242 316 23 72 78[400] 565 620 28 65 706 832 61130 72 418[4001 580 95 985 6 2008 275 383 89 610 699 768 845 6 3018 14001 313 403 590 756 868 921 64166 276 310 429 500 54 1500] 91 65214 381 512 96 «72 098 6 6048 67 96 534 67137 828 35 452 68139 398 453 611 15 885 924 1400) 71 69124 48 208 430 548 61 92 920 70146 231 46 385 620 50 747 89 886 71013 103 10 71 231 455 590 761 934 72182 271 558 95 721 57 951 73008 130 303 10 429 664 84 74020 156[4001.?» 404 81 601 648 721 1500] DUO 73163 604(» 613 86/ 08 67 94 896 7 6187 242 380 413 30 94 615 38 928 56 79 77120 1400) 39 243 45 387 451 88 675?1 957 77 84 78129 60 375 444 618 36 753 90 7 9307 13[400] 36 93 629 69 15001 780 15001 841 917 80(173 752 58 872 993 8 1 407 65 535«21 35 729 817 8 2041[4001 106 57 85 375 551 690 951 83020 143 208 427 526 676 830 8 4031 31? 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Verantw. Redakteur: Paul Süttncr, Berlin. Für de» Inseratenteil v-rmitw.: Tfu Glocke, Berlin. Druck u. Verlag:'Vortvärt»Ivuchdrucker-i u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Redaktion und Expedition: Berlin, Cindcnltr. 69. Fernlprccüer: Bmt IT, 1983. Nr.»38. Mittwoch, de» 11. Oktober 1905. Inserate Sedisgefpaltene Kolonelzeile 20 Ptg. Bei größeren Bufträgen entipredienden Rabatt. partcl-Hngelegcnbclteiio Wilmersdorf. In der heutigen Versammlung des Wahl- Vereins bei Solomon, Berlinerstr. 40, erstattet Genosse Gruhl, Nowawes, vom Parteitag Bericht. Auch sonst stehen wichtige Angelegenheiten auf Tagesordnung. Adlcrshof. Donnerstag, den 19. Oktober, abends 8�2 Uhr, findet im Lokale des Herrn Wöllstein die Generalversammlung des Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: Statuten- änderung Z§ 4, 5, 6, 7, 8. Beschlußfassung über eine neue Biblio- thckordnung. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre und Neu- Wahl. Beratung des Statuts des Verbandes der Wahlvereine Berlins und Umgegend. Wahl der Delegierten zur Kreis-General- Versammlung. Mit Rücksicht auf die wichtige Tagesordnung ist pünktliches Erscheinen jedes Mitgliedes erforderlich. Vorort- f�admcdten. Charlottenburg. Vermögen und Schulden der Stadt. Am 81. März 1905 belief sich das Vermögen der Stadt auf 96 890 000 M., das Jahr 1904/05 brachte einen Vermögenszuwachs von 4 139 915 M. Von dem Zuwachs entfallen 2,4 Millionen Mark auf die allgemeine Verwaltung, 828 000 M. auf die Kanalisations- Verwaltung. 413 594 M. auf die Ladestrahei, Verwaltung, 378 776 M. auf das Elektrizitätswerk, 78 248 M. auf die Gasanstaltsverwaltung. Dem Vermögen von fast 97 Millionen Mark stehen aber Schulden von nahezu 75 Millionen Mark gegenüber. Hiervon entfallen auf die allgemeine Verwaltung 46,6, auf die Kanalisationsverwaltung 8,6, auf die Ladestraßenverwaltung 0,3, auf das Elektrizitätswerk 5. auf die Gasanstaltsvcrwaltung 1,4 Millionen Mark. Allein im letzten Rechnungsjahr sind die Schulden um nicht weniger als 10,6 Millionen angewachsen, was in der Hauptsache auf das BiSmarckswaßen-Untcruehmen zurückzuführen ist. Den Aufwendungen für dies bekannte Döberitzer Hcerstraßenprojekt in Höhe von 10,9 Millionen stehen als Vermögenswerte nur 2,25 Millionen für Restgrundstücke gegenüber. Die Entwickelung dcS Elektrizitätswerks hat sich in den letzten Jahren in einer stetigen, den gehegten Erwartungen entsprechenden Werse vollzogen. Das im Jahre 1899/1900 errichtete Werk eröffnete den Betrieb am 1. August 1900 mit einer Maschinenanlage, die für den Anschluß von 25 000 Glühlampen oder deren Gleichwert aus- reichte. Der Anschlußwert der angeschlossenen Apparate betrug am 1. April 1901 rund 33 000 Lampen, am 1. April 1902 rund 60 000 Lampen, am 1. April 1903 rund 93 000 Lampen, am 1. April 1904 rund 131 000 Lampen, am 1. April 1905 rund 182 000 Lampen. am 1. September 1905 rund 201000 Lampen. Dieser Zunahme der Anschlußanlagen entsprechend ist auch die Kraftanlage von Jahr zu Jahr vergrößert worden, so daß der in den Ge- bäuden zur Verfügung stehende Raum völlig ausgenutzt worden ist und bereits in diesem Jahre die kleinste der ursprünglich aufgestellten Kraftmaschinen von 250 Pferdestärken entfernt werden mußte, um Raum für eine Dampfdyuamomaschine von 2000 Pferdestärken zu schaffett. Die letztere Maschine wird in nächster Zeit in Betrieb ge- nommen werden und dainit für den kommenden Winter und Sommer die erforderliche Betriebskraft und Reserve zur Deckung deö auf- tretenden Strombcdarfs geschaffen sein. Für den Winter 1906 auf 1907 reicht die vorhandene Kraftanlage unter keinen llmständen mehr aus. Es müssen vielmehr sowohl eine neue Dainpfdynamomaschinc, wie neue Kessel nebst allem Zubehör aufgestellt werden. Da aber die vorhandenen Gebäude, das Kesselhaus sowie das Maschinenhaus, voll besetzt sind, machen die vorzunehmenden Erweiterungen des Werkes umfangreiche Neubauten erforderlich. Eine entsprechende Vorlage, die mit einem Kostenanschlag von 1 669 000 M. abschließt, ist der Stadtverordnetenversammlung bereits zugegangen. Wilmersdorf. Die Wilmcrsdorfer Gemeindevertretung beschloß einstinimig die Gründung eines zweiten humanistischen Gymnasiums und einer zweiten Realschule zu Ostern». I.; die gymnasiale Anstalt wird mit der Sexta und der dritten Vorschulklasfe, die Realanstalt mit der Sexta eröffnet werden. Für die in der Entwickelung begriffene zweite höhere Mädchenschule, die C e c i li e n- S ch u l e, die vor- läufig die Räume der katholischen Gemeindeschule in der Düffel» dorferstraße mitbenutzt, wird ein eigenes Gebäude auf dem Gemeindegelände in der Württcmbergischen Straße errichtet werden. Was den Namen dieser Schule betrifft, so wird mancher sich fragen, wo denn in aller Welt eine Dame namens Cecilie vorhanden ist, die mit dem Schulwesen oder sonstwie mit der Pädagogik irgend- wie in aktivem Zusammenhange steht. Aber zur Ausklärung dieses Falles dient es vielleicht, wenn wir berkhten. daß in Wilmersdorf auch bereits eine Victoria Luisen-Schule vorhanden ist. Es genügt in unserem Vororte in dieser Hinsicht offenbar, nicht Subiekt, sondern Objekt der Erziehung zu sein oder einst gewesen zu sein.— Die Gemeinde- Arbeiter und-Gärtner sollen mit den Kanalisations- arbeitern gleichgestellt werden und durchschnittlich einen um 25 Pf. höheren Lohn als bisher erhalten.— Da in der Nähe der Wilhelms- aue und des Rathauses der Verkehr dauernd wächst, so genehmigte die Versammlung die Einschränkung des mit Wagen betriebenen Straßenhandels für eine Reihe von Straßenziigen.— Zur Errichtung eines Schuppens auf dem Gemeindegruudstück Wilhelmsaue 39 wurden 6000 M. benötigt, zur Beschaffung von Sitzgelegenheit in der Friedhofskapelle 400 M. Johannisthal. Ter Wnhlvcreiu hielt am Sonntag im Lindenhof gemeinsam mit dem Wahlverein von Rudow und Nieder-Schöneweide eme öffent- liche Parteiversannnlung ab, in welcher Reichstag«- Abgeordneter Genosse Zub ei l den Bericht vom Parteitag in Jena gab. An der Diskussion beteiligten sich die Genossen Diesener und Bcngsch im Sinne des Referenten. Darauf wurde folgende Resolution ein- stimmig angenommen: „Die Parteiversammlung erklärt sich mit den Beschlüffen des Parteitages in Jena einverstanden. Die Versammelten versprechen. mit allen ihnen zu Gebote stehende» Mitteln im Rahmen der auf dem Parteitag gefaßten Beschlüsse für die Sozialdemokratie zu wirken, und soivcit sie noch nicht Mitglieder der Wahlvcreinc sind, sich diesen anzrischlicße».- Zuin Schluß der ziemlich gut besuchten Versammlung ersuchte der Vorsitzende Genosse D ü h r i n g die Anwesenden, an dem Besuch der Urania am 15. d. M. rege teilzunehmen sowie ebenfalls am 12. Stiftungsfeste des Wahlvereins am 21. Oktober. Streikende und ausgesperrte Mitglieder haben zum Stiftungsfeste freien Eintritt. Steglitz. Der gerüffelte Schularzt. Herr Sanitätsrat Dr. Heidenhain hatte vor einiger Zeit im Mietervcrein einen Vortrag über„Säug- lin g s st e r b l i ch ke i t und M i l ch v e rs o r g u n g" gehalten und dabei auch die Wohnungshygiene in den Kreis seiner Betrach- tungen gezogen. Seine Ausführungen lauteten nach einem veröffent- lichten Stenogramm wörtlich: „Es müßte ferner für Wohnungshygiene in ganz anderer Weife gesorgt werden, wie es geschieht. Wir haben neulich erst in der Gemeindevertretung eine große Debatte über das Wohnungs- amt gehabt. Wir stehen noch weit von der Vollkommenheit ab. Ich kann dem Redner in unserem Roten Hause, der sagte: Auch wir haben noch unglaublicheWohnungs- Verhältnisse! nur b e i st i m m e n. Ich möchte Sie mal in solche Wohnungen hinführen. Wir haben namentlich in Kellern Verhältnisse, daß es überhaupt nicht auszu- drücken ist. Ich sage den Leuten immer: Lieber fünf Treppen hoch, als im Kellerl Gott sei Dank ist es nicht mehr so schlimm, wie vor 15 Jahren, als ich hierherkam, aber schlimm genug ist es noch. Es ist recht traurig, wenn man sieht, wie in ein- zelnen Häusern die Leute zusammengepreßt sind. Vater, Mutter und Schlafburschen, alles zusammen in der Küche mit zwei Kindern 1" Das war für unsere Hausagrarier, die immer und immer wieder das Lob ihrer Wohnungen singen, zu viel. Und daß es nun gar noch ein Arzt, der einige Hundert Mark für seine Tätig- keit als Schularzt von der Gemeinde bezieht, gewagt hatte. solche Wahrheiten öffentlich auszusprechen, das durfte nicht un- gerochen bleiben. Der Gcmeindevertreter Fischer hing der Katze die Schelle um und interpellierte in der Gemeindevertreter- Sitzung vom letzten Freitag den Amts- und Gemeindevorsteher mit einem großen Aufwand von sittlicher Entrüstung. Er verlangte, daß der Arzt amtlich aufgefordert werde, den Beweis für seine „ungeheuerlichen Behauptungen" zu erbringen. Daß Herr Fffcher von einigen Mitgliedern der Haus- besitzermchrheit wirksam unterstützt wurde, ist selbstverständ- lich. Bürgermeister B u h r o w antwortete.. daß ihm amt- l i ch von solchen Mißständen nichts bekannt sei; er be- zweifle auch deren Vorhandensein, da die baupolizeiliche Aufsicht sehr streng ausgeübt werde. Im übrigen habe er sich mit Herrn H e i d e n h a l n in Verbindung gesetzt, und er habe aus dessen AuS- fuhrungen entnommen, daß er seine Behauptungen nicht aufrechterhalten könne. Man habe seinen Worten einen anderen Sinn untergelegt. Auch Schöffe Flemming gab die Erklärung ab, daß thm gegenüber Herr Heidenharn unauf- gefordert seine Behauptungen widerrufen habe. Dem gegenüber erklärt Gemeindeverordneter W e i n h a u s e n, der als Vorsitzender des Mietervereins jene Versammlung geleitet hat, daß Herr Dr. Heidenhain in der Diskussion nach jenem Vortrage seine Ausführungen ausdrücklich aufrecht erhalten habe, es könne also nicht so hingestellt werden, als ob es sich um eine rednerische Entgleisung handele. Deshalb bezweifle er auch, daß die gegenüber dem Herrn Gemeindevorsteher und Herrn Flemming ab gegebene Erklänmg iui Sinne eines Widerrufs ausgelegt werden könnte. Herr Weinhausen behauptet, im Besitze von Material zu sein, welches nicht nur das Vorhandensein der augeführten Mißstände b e st ä t i g t, sondern auch erweist, daß die Baupolizei nicht so streng gehandhabt werde, wie immer behauptet wird. Bei einem Spaziergang von einigen Stundenin den Straßen unseres Ortes sei es einem seiner Freunde möglich gewesen, 20 Wohnungen zu ermitteln, die den bau- polizeilichen Vorschriften nicht entsprechen. Herr Buhrow bat, ihn« das Material zu überlassen, er werde dann eine gewissenhafte Untersuchung veranlassen. Das Resultat der Interpellation war, daß Herr Fffcher und seine Freunde als festgestellt betrachteten, daß Herr Dr. Heidenhain seine Behauptungen widerrufen habe— folglich gibt eS in Steglitz keine„unglaublichen WohnungSverhält- niffe".— Herr Dr. H e i d e n h a i n wird nicht umhin können, öffentlich den Sinn feiner Ausführungen ausdrücklich festzustellen. Potsdam. Zugunsten der Ausgesperrten in der Berliner Elektrizitätsinduswie haben die Potsdamer Maler, Maurer, Metallarbeiter, Handels- und Transportarbeiter entsprechende Unterstützungsresolutionen gefaßt resp. beschlossen, wöchentliche Exlrabeiträge für die Opfer der kapita- listischen Gewaltherrschaft zu erheben. Die anderen Gewerkschaften werden in den nächsten Tagen dasselbe beschliehen. Mariendorf. Der Wahlvercin für Mariendorf und Umgegend hielt bei Reichhard seine Generalversammlung ab. Der Vorstand und die Funktionäre berichteten über die Tätigkeit im letzten Geschäftsjahre. Es fanden im letzten Halbjahre statt eine Generalversammlung, drei Mitaliederversaminlungcn, eine Maiversammlung und elf Vorstands- sitzungen. Diese wurden größtenteils durch die häufigen Verstöße, die gegen die Lokalliste von mehreren Mitgliedern begangen waren. veranlaßt. Ferner wurde eine Agitationstour veranstaltet, zu der sich die Genossen zahlreich zur Verfügung stellten. Die Mitglieder- zahl beträgt 143 gegen 139 im Vorjahre. Der geringe Auf- schwung ist auf die ungenügenden Lokalverhältnffse in unserem Orte zurückzuführen.' Nach Berufen verteilen sich die Mitglieder: Ungelernte Arbeiter 60, Maurer 23. Tischler 7, Klempner 6, Dreher 5, Schmiede und Zimmerer je 4, Bäcker, Buch- drucker, Heizer, Mechaitiker und Schlosser je 3, Gastwirte und Töpfer je 2, Barbiere, Bildhauer, Buchbinder, Zigarrenhändler, Fliesenleger, Kaufleute, Maler, Modelltischler, Schriftgictzer, Silberarbeiter, Stukkateure, Tapezierer, Schuhmacher und Steinsetzer je 1. Die Einnahmen vom dritten und vierten Quartal betrugen 506,72 M. Dem gegenüber steht eine Ausgabe von 126,91 M. An die Zentral- lasse wurden 341,22 M. abgeliefert, somit bleibt ein Bestand von 38,59 M. am Ort. AuS der Bibliothek wurden von 125 Werken 45 in Gebrauch genommen. Der Bibliothekar ermahnte die Genossen. im Winter sich mehr mit dem Lesen zu beschäftigen. Der„Vorwärts" hat 330 Abonnenten. ES ivurde die Hoffnung ausgesprochen, daß diese Zunahme eine ständige sein werde. Der Spediteur konnte einen Ueberschuß von 283 M. an den Kassierer überlveiscn. Der Revisor bekundete, daß bei der letzten Revision alles in bester Orb« nung gefunden wurde und stellte den Antrag, den Gesamtvorstand zu entlasten, was die Versammlung einstimmig beschloß. Die Wahl des neuen Vorstandes ging sehr schnell vor sich. Es wurde der alle Vorsitzende Genosse Reichhard tviedcrgelvählt. Als zweiter Bor- sitzender Genosse Hampel. als Kassierer Hermann Lehmann, als erster Schriftführer Enril Müller, als Revisoren Haunemüller und Spannberg gewählt. Bibliothekar; wurden Komn'l und Hanne- müller. Als Sympathie- Kundgebung für den inhaftierten Genossen Greulich wurde folgende Resolution angenomnien: Dier General- Versammlung erklärt, daß der Genosse Greulich nach wie vor das größte Vertrauen bei den hiesigen Parteigenossen besitzt. Sie ver- urteilt es ganz entschieden, daß der Genosse einer Denunziation zum Opfer gefallen ist. Der Vorsitzende ermahnte darauf die Genossen zur wetteren Agitation. Köpenick. In Köpenick fand in der Angelegenheit der Aussperrung in der Elekrizitäts-Jndustrie ebenfalls eine Volksversammlung statt. Genosse Jacobsen schilderte unter großem Beifall die Entwickelung der Angelegenheit. In der Diskussion erzählte ein Heizer aus der Zentrale der Berliner Elektrizitätswerke, was alles den Streik- blechern an Schweinebraten, Bier und Zigarren versprochen worden sei; selbst Telegramme an die Frauen über das Befinden ihrer Ehe- männer wollte man absenden. Die biekannte Resolution wurde ein- stimmig angenommen. Genosse Woik forderte die anwesenden Frauen auf, sich dem Frauen- und Mädchen-Bildungsverein anzuschließen. Der Frauen- und Mädchen-BilduugSverrcin Köpenick hält Mitt- woch eine Versammlung ab, in der Herr Eichler über Erziehungs- kunst in der Familie sprechen wird. Das Gewerkschaftskartell von Köpenick veranstaltet wie in früheren Jahren so auch jetzt wieder Theaterabende, deren erster morgen, Donnerstag, 8 Uhr im Stadttheater, Hotel Ringeltaube, abgehalten wird. Es kommen drei Einakter von Hartleben zur Auf- führung. Der Eintrittspreis für diese von tüchttgen Schauspiel- kräften veranstaltete Aufführung beträgt 40 Pf. Karten sind noch bei Gühne, Grünstraße 11, und Weber, Bahnhofstraße 15, zu haben. Neu- Babelsberg. Der Berbaud der deutschen Buchdrucker ersucht uns, folgendes aufzunehmen:„Die am 7. Oktober d. I. stattgefundene Versammlung des Ortsvereins Neubabelsberg des Verbandes der deutschen Buch- drucker bittet, den Bericht von NowaweS-Ncuendorf in Nr. 233 dahin zu berichtigen, daß der Kollege Edmund Kilecki seinen Selbstmord- versuch nicht in Ergebenheit zum Trunk vollführt hat, daß dagegen unbekannte Motive demselben zugrunde liegen und der betreffende Kilecki stets seine Arbeit zur Zuftiedeuheit erledigt hat." Spandau. DaS Spandauer GewerkfchaftSkartcll macht bekannt, daß die zwei Bolksversammlnngen mcht bei Teßnow, Hakenfelde, sonder» bei Kumke, Schönwaldersttaße, und Köpnick, Pichelsdorferstraße. stattfinden, und zwar heute abend ö'/z Uhr. berliner f4acbrlcbten. Hcrbstwetter. Wie griesgrämig die Menschen werden bei anhaltendem Regenwetter! Sie erzählen sich nicht umsonst so gern und so viel von der«scheenen Witterung", sie fühlen, wie ihre Stimmung dadurch beeinflußt wird. Freilich, als geistreich gilt es nicht, vom Wetter zu reden, aber der Spott darüber ist billig geworden. Seit Ende September nichts wie trübe, nasse Tage, das wirkt niederdrückend auf jeden, der nicht gerade Regenschirme und Gummischuhe verkauft. Wie zum Hohn blickt Frau Sonne gelegentlich um eine Wolkcnccke, aber gleich darauf verschwindet sie wieder, tim sich tagelang nicht sehen zu lassen. Die Armen empfinden ein solches Wetter als eine besondere Bürde, die ihnen aufgepackt wird, aber die Reichen sind nicht minder unwirsch darüber, obgleich sie weit weniger Grund dazu habeil. Sie können auch die Poesie des Herbstes kosten, während für die Armen meist nur die Prosa übrig bleibt. Ein Spaziergang, froh und sorgenlos durch den herbst- lichen Wald, wenn es auch stürmt und wettert, ist ein Genuß. Das bunt gefärbte Laub bietet ein prächtiges Farbenspiel, stimmungsvoll lagern sich die Nebel, der 5lampf gegen Regelt und Wind macht Vergnügen.— Unbegreiflich, daß die bösen Menschen in der Stadt so lästerlich darüber schimpfen. Diese Kutscher, Dienstleute, Stadtreisende, Händler, Straßenarbeiter, Verkehrs- und Transportarbeiter, die Arbeiter ans Werkplätzen, Bauten, alle, die ihr Beruf auf die Straße wirft, jammern, stöhnen und seufzen und fluchen; auch die Schutzmänner sehen ganz wehleidig aus und nehmen Teil an der Unzufriedenheit der Arbeiter. Da draußen vor'm Tor, beim Müßiggänge, da ist der Herbst ganz anders als drinnen in der Stadt, wo er den Kampf ums Dasein erschwert und stört. Hier stimmt das viele Regenwetter nicht bloß trübselig; es macht auch krank. Da blickt mancher kummervoll auf sein Schuhwerk und läuft mit nassen Füßen hemm. Ueberall wird geklagt über Husten, Schnupfen, Reißen, Asthma und wie die Plagegeister alle heißen, die der Herbst wachruft. Treffen sich zwei Bekannte auf der Straße, dann sagt der eine zum Gruße nur:„Ein Sauwetter!" Und der andere antwortet zum Gcgengruß mit kräftiger Betonung ebenso:„Ein Sauwetter!" Eilend geht jeder und mißmutig seines Weges. Bedauernswerte Geschöpfe sind die Frauen mit ihren langen Kleidern, die sie häufig durch den Schmutz schleifen. Jeder Omnibus, jede Elektrische ist stark besetzt, und laufen muß mancher, der gern einen Nickel für die Fahrt geopfert hätte. Aber es kann ja nicht immer so bleiben, man hofft auf morgen und wieder auf morgen, bis endlich ein langer Sonnenblick sich zeigt und wie mit einem Zauberschlage auf Millionen Gesichtern wiederstrahlt. Man glaubt so gern, was man wünscht und wird so leicht enttäuscht. Die Hoffnting ist vergeblich,— da kommen schon wieder dicke, schwere Wolken angeschoben, und Petrus, den viele Christen zu ihrem Regenhüter gemacht haben, öffnet von neuem alle Schleusen,— es ist Herbstwetter. Trotz alledem kann noch ein schöner Herbst werden. Nur einige sonnige Tage, und schnell sind die langen Regenwochen vergessen. DaS Vertrauen zum Reichskanzler. In der gestrigen vertrau- lichen Sitzung des Borstandes des deutschen StädtetageS, zu dem die Bürgermeister der bedeutendsten Städte DeutscklandS gehö-en. wurde veschloffen, wegen der herrschenden Flcischnot und mange� efttcS Eingreifens des landtvirtschaftliKen Ministeriums eine Sonder- deputation der Oberbürgermeister von Berlin, Frankfurt a. M., Mün chen, Stuttgart und Stratzburg iElsastj an den Ncichskanzler zu eni senden, um wegen der dringlich notwendigen Schritte in der Fleisch- frage vorstellig zu werden. Es wurde diesem Beschlüsse entsprechend sofort ein T e l e g r a m m an den Reichskanzler abgesandt mit der Anfrage, wann F ü r st B ü l o w diese Deputation des Städtetages empfangen wolle.— Die Bürgermeister, die vom Fürsten Bülow hoffen, daß er sich der Not des Volkes annehme, sind sehr naive Leute._ „Reichsglöckncr" Gchlscu. Der Schriftsteller Joachim G e h l s e n in Charlottenburg stand gestern vor der 5. Strafkammer des Landgerichts II unter der An- klage der Beleidigung deZ Kreisarztes Medizinalratcs Dr. Klein i>i Charlottenburg. Der Angeklagte wurde durch Rechtsanwalt Dr. I ü n g st verteidigt. Es handelt sich um einen Artikel in der „Stadtlaterne", in welchem auf Grund mehrerer näher bezeichneter Fälle dem Dr. Kleiir schwere Vorwürfe nach der Richtung hin ge- macht wurden, daß er seine Amtspflichten gröblich vernachlässigt habe, so daß er als„gemeingefährlich" zu bezeichnen sei. Zuin Termin war eine große Anzahl von Zeugen geladen, mit deren Hülfe der Angeklagte glaubt, den Wahrheitsbeweis für seine Be- schuldigungen erbringen zu können. Er vertrat auch gestern den Standpunkt, daß in jedem der in Frage stehenden Fälle dein Medizinalrat Dr. Klein der Vorwurf der Pflicht- Vernachlässigung unbedingt gemacht werden müsse. In einer längeren Zeugenvernehmung wies Medizinälrat Dr. Klein alle Beschuldigungen teilweise sehr erregt zurück, behauptete, daß die Tatsachen in dem Artikel völlig entstellt seien und er in allen diesen Fällen durchaus nach seinen Pflichten, nach dem Gesetz und seinen Instruktionen gehandelt habe. Der Angeklagte be- hailptete da? Gegenteil und beantragte weitere Beweiserhebung, ins- besondere über das Verhalten des Zeugen bei dem bekannten Fall der Laboratorium-Pest des Dr. Sachse, der ohne besondere Vor- sichtsmaßregeln in das Charlottenburger Krankenhaus eingeliefert und dann nach der Charitö gebracht worden sei. Auch diesen Fall suchte der Zeuge ausführlichst aufzuklären und darzulegen, daß i h m jedenfalls kein Vorwurf irgend welcher Art zu machen fei. Er legte vielmehr ein feine Tätigkeit lobendes Anerkennungsschreiben des Ministers vor. Der Angeklagte wollte auch noch mehrere von ihm in der„Stadtlaterne" veröffentlichte Briefe des Zeugen, die dieser vor 30 Jahren an seine Schwester geschrieben, zum Gegenstand der Verhandlung gemacht sehen, da aus diesen Briefe» ungünstige Schlüsse ans dem Charakter des Zeugen zu ziehen seien. Der Gerichtshof setzte die Entscheidung darüber, ob die Beweisaufnahme nach dieser Richtung hin auszudehnen sei, aus, da er aus einem anderen Grunde zur Vertagung kam. Da der Angeklagte speziell in Sachen des PestfalleS die Richtigkeit der Behauptungen des Zeugen bekämpfte, hielt es der Gerichtshof für geboten, die Akten über diesen Fall von der zuständigen Behörde einzufordern und die daraus sich ergebenden Personen als Zeugen zu laden. Die BnhnhofSgcSiihr für WagenladungSgiitcr in Sendungen von und nach der Zentralinarkthalle in Berlin wird, wie die Berliner Handclskamnier erfährt, mit Gültigkeit vom 1. Dezember d. I. ab von 2 auf 3 M. für jede Achse erhöht. Der Geschäftsreisende Artur Kordes, der wegen des Raub- anfalles auf das Geschäftsfräulein Drescher in der Zorndorfer- straße verfolgt wurde, ist gestern früh 7 Uhr in Berlin festgenommen worden. KordeS sagte vor einigen Tagen zu einem Bekannten, daß er nach der Gegend von Löwenberg fahren wolle. Er fuhr auch wirklich ain Donnerstagabend dorthin ab und nahm seine Geliebte r»it. Nach mehrtägigem Aufenthalt in Löwenberg, Gransee und Neu-Ruppin ging ihm das Geld auS. Daher fuhr er mit Marie Siebert nach Verlin zurück und brachte diese bei Bekannten in Chartottenburg unter. Gestern früh kam er wieder zu dem Be- kannten in der Füsilierstraße, der die Kriminalpolizei auf seine Reise in die Provinz aufmerksam gemacht. hatte, und bat ihn um Geld, damit er mit seiner Geliebten ins Ausland reisen könne. Der Mann gab ihm jedoch nichts, sondern ließ ihn fest- nehmen. Vor der Kriminalpolizei legte KordeS sofort ein Geständnis ab. Der bisher unbestrafte junge Mensch sagte, er habe den Raub- versuch nur auS übergroßer Liebe zu Marie Siebcrt unternommen. Er habe mit ihr auswandern wollen, um sie zu heiraten, der Raub sollte die Mittel dazu liefern. Den Vorgang schildert KordeS so, Ivie er von uns schon dargestellt wurde. Er saß auf dem Petersburger Platz, bis Fräulein Drescher, die er dem Namen und Aussehen nach, nicht aber persönlich kannte, herankam. Den Namen Voigt nahm er an, weil er wußte, daß ein Mann dieses NamenS früher in dem Hause der Zorndorserstraße gewohnt hatte. Schon vor der Ausführung habe er das verbrecherische Unternehmen bereut. Nur um an dem Mädchen vorbeizukommen, habe er es nochmals geschlagkn. Tann habe er einer Frau, die ihm begegnete, gesagt, oben liege ein Mädchen, das einen Blutsturz bekommen habe. Diese Darstellung ist wohl nicht mehr als eine Ausrede, wenn Kordes auch jetzt Reue bekundet. Seine Behauptung, daß Marie Siebert von seiner Tat erst aus den Zeitungen erfahren habe, erscheint sehr zweifelhaft. Selbsterkenntnis ist der Weg zur Besserung. Die„Staats- b ü r g e r- Z e i t u n a" teilt mit:„Mit dem heutigem Tag� übernimmt Herr Dr. Ernst Wachler, früher Chefredakteur der„Weimari- scheu Zeitung", die Chefredattion der„Staatsbürger-Zeitung". Im Einklang mit unserer progranimatischen Erklärung vom 30. September wird Herr Dr. Wachler sich angelegen feiit_ lassen, die Zeitung zu einem nationalen Tageblatt vornehmen Stils auSzu- bauen." Damit gibt auch die„StaatSbllrger-Zeitnng" die nun einmal offenkundige Tatsache zu, daß sie bisher kein Tageblatt vornehmen Stils war. Aber was nicht ist. kann noch werden, lvenn's einenl auch schwer fällt. Bom guten To» in der bürgerlichen Presse. Der Ueberbyzantinis- muS hat einige arbeiterfeindliche Blätter auS dein Häuschen gebracht. Sonntag veröffentlichten wir einen so leidenschaftslos und sachlich wie nur denkbar gehaltenen Bericht über die Sitzung der städtischen Deputation, die sich init der Angelegenheit eines Geschenks zur silbernen Hochzeit des KaiserpaareS zu befassen hatte. Diesen Bericht benutzt daS Stöckersche„Reich" u. a. z» dem Ausfall, daß die Wahl unseres Parteigenossen Singer in die Deputation ein Schimpf für Berlin ser und die„Tägliche Rundschau" spricht von einer„sozialdemokratischen Unanständigkeit" und von„ A n p ö i e l e i e n der Genossen".— Und diese staatserhaltende Gesellschaft hat den traurigen Mut, über sozialdemokratische Roheit zu jammern I Benutzung dcS Telephons durch Fremde. Gasttoirte, Kolonial- wareuhändler usw., welche Fernsprechanschluß haben und Pauschal- gebühr bezahlen, erheben, wie aus Beschwerden, die in letzter Zeit bei der Oberposidirektion eingegangen sind, hervorgeht, für Be- Nutzung des Fernsprechers durch Fremde bei Ortsgesprächen fünf, bei Vorortsgesprächen 20 Pf. Verschiedentlich haben auch Geschäfts- leute Zettel mit Angabe dieser Gebührensätze neben den Fernsprech- apparaten angeheftet.— Tie Pauschalgebühren bezahlenden Fernsprechteilnehmer dürfen jedoch, ivie besonders hervor- zuheben ist, für die Benutzung des Telephons durch andere Personen sich Einzelgespräche nicht bezahlen lassen. Bei Uebertretung dieser Bestimmung ist die Oberpostdireklion be- rechtigt, dem betreffenden Teilnehmer die Verbindung abzuschneiden. Dieses Recht steht der Postverwaltung auch zu, wen» die Erhebung einer EinzelgesprächSaebühr von dem Fernsprechteilnehmer durch ein neben dem Apparat befindliches Plakat angekündigt wird. Dagegen hat der Angeschlossene, der sein Telephon der Kundschaft zur Ver- sügung stellt, das Recht, die Benutzung des Fernsprechers einem Fremden zu verweigern, falls sich dieser nicht zum Kaufe eines be- stimmten Ouantums Ware verpflichtet. Diejenigen Fernsprech- tcilnehmer, loelche Einzelgespräche bezahlen, sind dagegen verechttgt, sich die Gebühr für das geleistete Gespräch ersetzen zu lassen._ Kercmtlv Redakteur: Paul Lüttncr, Berlin. Für den Inseratenteil vcrantw.: Th. Glocke. Berlin, Zur Choleragcfahr. Auch der zweite in Stolpe an der Nord bahn erkrankte, unter Choleraverdncht eingelieferte ungarische Arbeiter ist nunmehr in der Baracke in Oranienburg gestorben. Die bakteriologische Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen, die bisherigen Feststellungen waren ergebnislos. Bei den unter Be obachtnng gestellten Personen sind Erkrankungsfälle bisher nicht eiw getreten. Bei dem in Rathenow erkrankten Arbeiter Bardeck hat sich der Choleraverdacht nicht bestätigt. B. befindet sich außer Lebensgefahr und auf dem Wege der Besserung. Cholerngcfnhr und Abstinenz. Während die Temperenzler sonst nicht müde werden, die Gefahren des Alkohols in den grellsten Farben zu schildern, haben die m ihrer Existenz bedrohten Brauereien und Großdestillateure jetzt den Spieß umgedreht. Sie erklären in ihren Versammlungen und Fachblättern, namentlich im Hinblick air die Choleragefahr, den Genuß von Selterwasser und Limonaden sowie sonstigen alkoholfreien Getränken für in hohem Grade gesnndheitsgefährlich und fordern die Polizeibehörde allen E r n st e S auf, eine amtliche Warnung vor dem Genuß dieser Getränke zu erlassen. Begründet wird dies Ersuchen mit dem Hinweis darauf, daß die Gärung das Wasser von allen schädlichen Keimen befreit, während dies bei den alkoholfreien Getränken nicht der Fall, zumal diese zumeist aus undestilliertem Wasser zubereitet werden und ihre Herstellung keiner strengen polizeilicven Kontrolle unterliegt. Die zuckerhaltigen Limonaden sollen in Cholcrazeitcn besonders schädlich wirken. Dies Vorgehen der Alkoholinteressentcn hat in den Kreisen der Abstinenzler, noch mehr aber in denen der Mineralwasser- und Limonaden-Fabrikanten große Entrüstung hervor gerufen und Protestkundgebungen veranlaßt. Schwindel dciiii vornchuistc« Sport. In letzter Zeit häuften, sich die Fälle, in denen A n t o m o b i l i st e n falsche, ihnen nicht ge hörige Nummern für ihre Wagen benutzen, und es ist auch bereits beobachtet worden, daß nianche Automobilfahrcr Doppelnummern führen, um auf der Chaussee eine Umwechselung der Kontroll- nummern vorzunehmen. Von den Regierungspräsidenten sind zur tenerung des gefährlichen Unfuges die Anweisungen ergangen, gegen die Ueberireter der Bestimmungen auf das entschiedenste vor- zugehen. In allen Fällen, in denen sich Aulontobilisien falscher Nummern bedienen, werden, sobald sichere Feststellungen gemacht sind, die Nummern in den Amtsblättern veröffentlicht und die Polizei- Beamten sind angewiesen, vorkominendenfallS die Automobilisten anzuhalten und ihre Personalien festzustellen. Ein Kindcsmord im Eisenbahnzug beschäftigt außer anderen Behörden auch die hiesige Kriminalpolizei. In der Nacht zum Sonntag wurde aus einem Einwandererzuge, der von Hamburg kam, auf der Station Klcdcn in der Nähe von Stendal ein neu- geborenes Kind zum Fenster hinausgeworfen. Es wurde festgestellt, daß da? Kind gelebt hat und an den Folgen dieser Behandlung ge- storbcn ist. Die hiesige Kriminalpolizei stellt jetzt Nachforschungen in Niihlebcn an, um vielleicht dort die grausame Mutter zu er Mitteln. Die Bestie im Menschen. Einen schrecklichen Austritt gab ei Montag nachmittag in dem Hause Brunnenstr. 13t. Hier wohnt seit 1ö Jahren der 60 Jahre alte Schuhmacher Robert Graßhoff, der in der letzten Zeit mit seiner 02jährigen Frau Zeitungen austrug, im vierten Stock des Seitenflügels. Graßhoff ist, so lange er nüchtern bleibt, ein anständiger, ruhiger Mensch, in der Trunkenheit aber wird er zum Tier. Im vergangenen Jahre stürzte er sich in einem Anfalle von Delirium von der Gcrtraudtcnbrücke in den Kanal, wurde aber gerettet und lag vier Wochen im Krankenhause. Als er am Montag nachmittag um 1 Uhr betrunken nach Hause kam, empfing ihn seine Frau mit dein Verwürfe:„Aber Robert, Du bist ja wieder betrunken!" Sofort Ivollte er sie fassen, griff aber mit der rechten Hand den schadhaften Rand einer Porzellankanne, die sie trug, und riß sich einen Finger blnttg. In der Trunkenheit glaubte er nun, seine Frau habe ihn mit einem Messer in den Finger ge- stochcn. Wütend ivollte er über sie herfallen, aber es gelang ihr noch, sich seiiieni Angriff durch die Flucht zu einer HanSgenossin zu entziehen. Nach einigen Stunden kehrte Frau Gratzhoff in ihre Wohnung zurück, weil sie glaubte, ihr Mann werde sich wieder be- ruhigt haben. Hierin täuichte sie sich jedoch. Er gab ihr sofort einen Stoß, daß sie die Treppe nach dem dritten Stock hinunter fiel und dort auf dem Absatz bewußtlos liegen blieb. Auf den Hlllferuß den sie im Fallen noch ausstoßen konnte, eilten Hausgenossen herbei und brachten sie mit einer Droschke nach der Rettungswache in der Kastanienallee, die sie dem Lazaruskrankenhause zuführte, dort liegt die Frau, die sich eine 5 Zentimeter lange klaffende Schädelwnnde zugezogen hat und viel Blut verlor, bedenklich danieder. Dienstag vormittag war sie noch besinnungslos. Beim Einbruch abgefaßt wurde der 23jährige Schlosser Albert Boß in der Straußbergerstr. 11. Er öffnete mit einem Nachschlüssel die Hintertür zum Kleidergeschäst von Nathanson, trat aber auf eine bewegliche Treppenstufe, die ein eleklrisches Läutewerk in Tätigkeit setzl." Aus tiefem Schlaf erwacht, eilte der Geschäftsmann au das Borderfenster und rief nach der Straße um Hülfe. Ein Schutzmann Hörle ihn, eitte herbei und nahm den Einbrecher fest. Voß behauptet, er habe lediglich für sich selbst einen neuen Anzug holen wollen, weil sein alter gar zu schlecht geworden sei. Schon wieder ist Tcmpclhof von einem grossen Brande heim- gesucht worden. Am Dicnstagnachmittag um 4 Uhr stand das Wohn- Haus Dorfstraße 49 in Flammen. Es ist das ein älteres dreistöckiges Gebäude von geraumer Ausdehnung, umgeben von einem schönen alten Garten. Als die Gefahr bemerkt wurde, schlugen die Flammen schon an verschiedenen Stellen aus dem Dache empor. Mit unheimlicher Schnelligkeit griffen die Flammen.um sich, und ats die Wehren aus Tempelhof,«chöneberg, Mariendorf, Britz, Rixdorf usw. an der Brandstelle erschienen, war der Dachstuhl nicht mehr zu retten; er bildete ein Flammenmeer. Die Tempelhofer Wehr, unterstützt von einem Tampfspritzcnzug der Schönebcrgcr Feuerwehr, nahm sechs Schlauchleitungen vor und gab kräftig Wasser. Die alarmierte Berliner Feuerwehr entsandte den 11. T-ampfspritzenzng unter Brandmeister v. d. B o r ch. Ten vereinten Anstrengungen gelang es schließlich, nach mehrstündiger Tätigkeit die Flammen zu löschen. Die Entstehung des Feuers, das weithin sichtbar war, ist nicht er- mittelt. Der Schaden ist ganz bedeutend. Die Mieter werden wahrscheinlich das Haus, das bedeutenden Wasserschaden erlitten hat, räumen müssen. Nur dem tatkräftigen Eingreisen der Schöne- bcrgcr Wehr ist cS zu verdanken, daß das Feuer keine größere Aus- dehnung erlangt hat._ Zum Beste» der Ausgesperrten veranstaltet der Schanspielklub „Adalgisa" Donnerstag eine Vorstellung in Wernaus Fcstsälen, Schwedterstr. 23. Billetts a 20 Pf. sind zu haben bei L. Bartel, Mctzerstr. 0, v. IV, und A. Tiedemann, Hilssitenstr. 15, H. III. Abendkasse findet nicht statt. Zur Aufführung gelangt:„So sind sie Alle". Anfang 8 Uhr. Das wissenschaftlich-huumnitäre Kolnitee schreibt uns: Zu der Jahresversammlung des iviffenschaftlich-hnmanitären Komitees, welche am vergangenen Sonnabend und Sonntag ini Hotel Prinz Albrecht stattfand, hatten sich zirka 300 objektiv Interessierte ans allen Teilen Deutschlands eingefunden. In seiner Begrüßungsansprache wandte sich der Vorsitzende Dr. Magnus H i r s ch f e l d scharf gegen die Zeloten in den Sittlichkeits-Vereinen, welche nicht nur die Freiheit der Wissenschaft und die Freiheit der Kunst, sondern auch die Frei- heit der Persönlichkeit in ihren ureigensten Rechten zu knebeln trachten und dadurch, daß sie die Aufklärung aus sexuellem Gebiet verhinderten, in erster Linie mit stir das zurzeit herrschende Geschlechtselend verantwortlich gemacht werden müßte». Den Hauptvortrag hielt Dr. med. Ernst B u r ch a r d über die Stellung- nähme der Homosexuellen in ihrem Befreiungskämpfe, in welchem er besonders dafür eintrat, daß die Homosexuellen in höherem Maße als bisher, auch ohne in Konflikte geraten zu sein, sich ihren An- gehörigen, Hausärzten:c., anvertrauen sollten. Sonntag vormittag fand die geschäskliche Sitzung statt; aus dem Jahresbericht war ein Druck u. Verlag: Vorwärt» stetes Anwachsen der Bewegung ersichtlich. Vom 1. Januar bis 1. Oktober 1905 wurden allein über 18 000 M. für die Auf- klärungsarbcit verausgabt. Die Petition behufs Abänderung des% 175 R.-Str.-G.-B. soll weiter versandt werden, ferner siitd Vorträge in den Provinzen in Aussicht genommen, welche Dr. med. Burchard halten wird. Die Anträge wegen Fort- setzting der Statistik über die Anzahl der Homosexuellen wurden einer statistischen Kommisfion überwiesen. In der Nachmittagssitznng sprach Dr. incd. Hirschfeld über die Bisexnalität. Davon ausgehend, daß sich erst in neuerer Zeit auch die Wissenschaft eingehender mit dem Liebcsproblcm beschäftigt, welches bisher als eine Domäne der Kunst angesehen wurde, setzte er die Beziehungen zwischen Geschlechts- trieb, Liebe, erotischer und nicht erotischer Anziehung auseinander. Trcptow-Stcrnwartc. Mittwochabend 8 Uhr findet ein Vortrag des Herrn Ingenieur Zacharias über: Die wirklichen Grundlagen elektrischer und magnetischer Erscheinungen unter Vorführung zahl- reicher Lichtbilder statt. Vermischtes. Aus Jena meldet uns eine Privatdepesche: Großes Aliffehen erregte am Dienstag die sofortige Entlassung zweier Angestellten eines Betriebes der optischen Anstalt von Zeiß. Die im Glaswerk der Firkna beschäftigt gewesenen Leute wurden entlassen, nachdem sie bei dem Versuch, lvichtige Geschäftsgeheimnisse zu verraten, ertappt worden waren. Ucbcr ein schweres Schiffsunglück wird aus Budapest be- richtet: Dienstag nacht stieß auf der Donau unter der Elisabeth- brücke ein Schleppdampfer der Donan-TampsschiffahrtSgesellschaft mit einer stromab fahrenden Zille zusammen, ans der sich 20 Per- sonen, Bauern und Bäuerinnen befanden, die Obst zum Verkaufe hierher brachten. Die Zille, die unbeleuchtet war, wurde mitten entzweigeschnitten und sank mit ihrer Bemannung. Drei Personen sind tot, sieben sehr schwer verletzt aus dem Wasser gezogen worden, die übrigen werden noch vermißt. Sie dürften untergegangen sein. — Von den bei dem SchiffSznsainmenstotz verunglückten Obstfrauen sind noch zwei schwer verletzt geborgen worden; acht, die noch ver- mißt werden, sind wahrscheinlich ertrunken. Der Kapitän imd zwei Steuerleute des Schleppdampfers sind verhaftet worden, da sie nach der Aussage von Zeugen, die von dem Obstschiff gegebenen Latenieu- siguale nicht beobachtet haben sollen. Die schweren Nordsccstiirine der letzten Tage haben großen Schaden angerichtet. In K u x h a v e n ist eine ganze Anzahl nament- lich schwedischer, dänischer und russischer Seeschiffe wegen schwerer Schäden eingeschleppt lvorden. Bei Borkum treibt ein großes, anscheinciid von der Mannschaft verlassenes Schiff. Ein Schlepp- dampfer ist daraufhin sofort nach den Borkumer Gewässern ab- gegangen. Bei der Insel W a n g e r o o g ist ein Schiff gestrandet. Der Seeschleppcr„Simson" befindet sich mit einem weiteren Wrack unterwegs nach der Elbe. Von der Hochseefischerflotte fehlt zur Stunde noch jede Nachricht, während de? Unwetters befanden sich acht Fischer- fahrzeuge ank See. Der Flensbnrger Dampfer„Gratje" hat auf der Reise von Riga nach Amsterdam beide Masten und die Decklast ver- loren. Die Brigg„Ella" wurde durch Sturzseen leck geschlagen und hatte bereits zwei Meter Wasser, als es gelang, die aus acht Per- sonen bestehende Mannschaft zu retten. Auf der Rettungsstelle Hirtsgals wurden nachts Notzeichen bemerkt. Ein ausgesandtes Boot fand eine norwegische Bark auf Grund in sehr gefährlichem Wasser. Kaum war die Mannschaft geborgen, als die Bark von der See vollständig zerttnmmert wurde und versank. Der Nordwest- stürm hatte in der Nordsee die Stärke 10. Der Nmerikadampfer „Pretoria", der nach Kuxhaven unkerwegs war, mußte stunden- lang beidrehen und traf mit zwanzigstündiger Verspätung ein. Gegen die Heilsarmee werden jetzt auch in England die gleichen Klagen wie in Deutschland erhoben. Die„Times" ver- öffentlichen heute einen Brief von einem ihrer Abonnenten, worin der Heilsarmee Sensationsmache vorgeworfen wird, ohne die man sich kaum um sie kümmern würde. Anstatt kostspielige Auto- mobiltouren und Gedächtniskundgebungen„für unsere Offiziere im Himmel" zu veranstalten, solle„General" Booth lieber seinen armen verhungernden Offizieren und Exoffizieren Helsen, die noch nicht im Himmel sind, sondern Höllenanalen unter Not und Hunger leiden. Der Schreiber des Brieses, Mr. David T. LumSden, führt dann zwei besonders krasse Fälle an. Ein Mann, der 14 Jahre lang Offizier in der Heilsarmee gewesen war, ein gediegener Charakter, mußte den Dienst verlassen, da er unter den ihm aufgebürdeten Lasten zusammenbrach. Während seiner Dienstzeit hatte er ein Gehalt von vier bis fünf Schilling wöchentlich bezogen. Er steht jetzt vor dem Verhungern. Die Heilsarmee lehnt es ab ihm zu helfen. Ein anderer bedauernswerter Mann, der ver- krüppclt ist, Frau und drei Kinder hat, wurde, nachdem er ebenfalls 14 Jahre für einen Hungerlohn in der Heilsarmee gearbeitet hatte, entlassen, um die Ausgaben zu ermäßigen. Der Mann war vor 14 Jahren in die Heilsarmee aufgenommen worden, wo er seine Tängkeit mit Holzhauen begann. Jetzt nach 14 Jahren wirft man ihn in schlimmerer Lage als in welcher er sich damals befand auf die Straße. Mr. Lumsden sagt, weitere Mitteilungen ständen zur Verfügung und bittet um Unterstützung für die beiden Leute. Achttausend Meter hoch. AuS C a l c u t t a, 15. September, wird geschrieben: Am 1. d. M. war die kleine Gesellschaft, die versuchen wollte, den 8380 Meter hohen Kanchinjunga(Kanchanjanga) zu er- teigen, der Spitze schon ziemlich nahe' gekommen, sie hoffte in pätens zwei Tagen das Ziel zu erreichen. Die drei Reisenden Guillarmond, NizHi und Pache hatten sich mit den drei eingeborenen Begleitern untereinander durch Seile verbunden. Da wurden sie beim Ausstieg von einer Lawine niedergeworfen und 250 Meter in die Tiefe gestürzt. Pache fand mit den drei Eingeborenen dabei den Tod, während Rizhi und Guillarmond gerettet werden konnten. Die Unternehmung ist also mißlungen, weitere Versuche werden jetzt nicht gemacht, die Ueberlebenden sind bereits auf dem Rückwege nach Darschiling. So hat sich also unser nächst dem Mount Evcrest höchster Gipfel der Erde abermals als nnbesieglich erklärt, Trcbcr- Schmidt. Der ehemalige Direktor der Kasseler Treberttocknung Adolf Schmidt ist nach Verbüßung seiner Strafe aus dem Zuchthause wieder entlassen worden.' Schmidt war durch Urteil des Schwurgerichts vom 7. Juli 1003 wegen betrügerischen Bankrotts und Betrüge? zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren acht Monaten Zuchthans und Geldbuße von 3000 M. oder im NichtbeitreibuugSfalle zu weiteren 200 Tagen Zuchthaus und in die Kosten des Verfahrens verurteilt worden. Von der erkannten Strafe waren jedoch acht Monate durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet.__ Berliner Marktpreise. Aus dem anülichen Bei cht der städtischen Marklhallen-Direllion. Rindfleisch In 65— 71 pr. 100 Psnud, IIa 58—03. lila 5-1-57, IVa 43-50. Kalbfleisch la 86-93, IIa 75-35, lila 62—72, Hammelfleisch la 66—76, IIa 52—64 Schmeinesleisch 68—75. Notwild Pfund 40—46 Ps. Hasen Stück 2,80-3,50, ll.in 1,25—2,50. Kaninchen Stück 50—80 Ps. KrammctSvögcl 17—22 Pf. Rebhühner, junge la 1,00 bis 1,30, junge lla 0,60—0,90, junge kleine 0,00— 0,00, alte la 0,70—0,80, alte IIa 0,00—0,00. Hühner, alte 1,40—1,80, junge 0,50—1,10 das Stück. Tauben, junge 0,35—0,50, alle 0,00—0,00. Enten, junge 1,20—2,50. Gänse junge la, 3,50—4,20, IIa 2,50—3,00 per Stück, la 0,55—0,00, IIa 0,30-0,52 per Pfund. Hechte 93—102 M., Schleie 109 M., Aale, groß 00-- 00, Nuttel 00-00 M. Plötzen 00—00 M. Karpfen 00—00, Lachs 00-00, Schellchche 00-00, Flunder 26 M. pro 100 Pfund. Schottische Vollheringe(gesalzen) 36—38 M Krebse, kleine. Schock 00—00, unsortiert 00— 00. Eier, Schock 00—00. Butter pro 100 Pfund la 120—124, lla 115—120, lila 110—115, absallende 100—108. Kartosscln pr. 100 Pfd. rote 1,60—2,00, Rosen 1,50—1,75, blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,50—1,75. Airsingkohl pr. Schock 4,00—7,00, Weißkohl 4,00—6,00, Rotkohl 460—6,00, saure Gurken, neue ock 2,—.______________ Buchdruckerei u. Verlagscmsiait Paul Singer& Co., Berlin SW.