Kr. 239. flbonnemenfS'Btdlngung«): Abonnements• Preis bränulnermido: Pierteljährl. s,30 MI., monafl. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Psg. frei ins Hau», Einzelne Stummer 5 Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Tonnlogs- Vellage.Die Sieue Welt' 10 Pfg, Post- Ubonncment: 1,10 Mail pro Monat, Eingetragen in die Post- Zeitung». Pretslisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland S Marl pro Monat. SS. Jahrg. VI« Tnfertlons*6(bfll)r »etritgt sür die lichsgespaltene Kolonel- gelle oder deren Raum»0 Psg„ sür politische und gewerlschoftliche Vereins- und VersainmInngS-Anzeigen 25 P?g, „Kleine Hnieigen". das erste(feil- gedruckte) Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zühien sür zwei»orte, Inserate sür die nöchst« Rümmer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Fesltagen bi» 8 Uhr vormittag» geössnct, cm, In, ligil» luSer tnontaat. Devlinev Volksblatk. Zelcgramm- Adresse! „Z,»l»I»tA»»s»I ktllld". �entralorgan der fozialdcmohrati fchcti Partei Deutfchlands Redaktion t 8M. 68, Lindenetrasde 69. Fernsprecher: Amt IV, Sir. 1983. Expedition: 8 AI. 68, lUndenstrasse 69. sssernsprechcr! Amt IV. Nr. 1981. Die gemeuchelte China-Wahrheit. DaS Reichsgericht hat das Urteil des Landgerichts Halle bestätigt, durch welches unser Parteigenosse K u n e r t wegen Be- leidigung der Mitglieder des einstigen ostasiatischen Expeditionskorps auf drei Monate dem Kerker überantwortet wird. DaS Reichs gericht hat damit noch einmal mehr und eindringlicher denn je be- stätigt, daß es im gegenwärtigen Klassenstaate keinen gefähr- kicheren Feind der Wahrheit und der Kultur gibt als die Justiz. Im„Rechtsstaates sind Wahrheit und Kultur nicht Rechtsgüter, die zu schlitzen und zu wahren Aufgabe der Justiz wäre, wohl aber ist die Justiz, die Strafgesetzgebung und die Nonnen de? Strafprozesses, ein wundersam gebildetes Werkzeug, um die Wahrheit zu begraben und die kulwrellen Bestrebungen zu töten. Die Chinaprozesse sind in ihrem Ursprung politische Prozesse. Die Kritik, welche in der sozialdemokratischen Presse und im Reichstag am chinesischen Feldzug der Rache geübt worden ist, wurde durch die Militärbehörde als unberechtigt und unwahr zurückgewiesen. Als die Sozialdemokratie dabei beharrte, gegen die Untaten der Verwilderung, zu denen die Weltpolitik der gepanzerten Faust geführt hat, schärfsten Protest einzulegen, erklärte die Militärbehörde, eS solle an Gerichts st ätte Wahr heit und Klarheit geschaffen werden. Es erfolgten die Anklagen gegen niehrere Redakteure unseres Blattes, zuletzt gegen Kunert. Kunert soll nach der Aussage zweier Polizeibeamtcr in einer Wählerversammlung geäußert haben:»Unsere Soldaten haben das Land dort verwüstet und geplündert und die Frauen geschändet". Der Kriegsminister stellte den Strafantrag wegen Vergehens gegen 8 18k des Strafgesetzbuches. Die Staatsanwaltschaft in Halle er- hob die Anklage auf Grund derselben Gesetzesbestimmung, welche besagt:„Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht die Tatsache erweislich wahr ist. wegen Beleidigung mit Geldstraf«... und, wenn die Beleidigung öffentlich oder... begangen ist, mit Geldstrafe bis zu 1500 M. oder mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft." Kriegsminister und Staatsanwaltschaft waren der Ansicht, der sozialdemokratische Kritiker der China-Expedition habe bestimmte Tatsachen behauptet, welche der Wahrheit widersprechen. Sie forderten den von ihnen Beschuldigten auf. den Beweis der Wahrheit anzutreten, wenn er dazu imstande sei,' sie forderten vom Strafrichter, daß er den An- geklagten bestrafe, wenn er diesen Beweis zu erbringen nicht im stände sei. Sinn und Zweck des Prozesses sollte sein, Klarheit herbeizuführen. ob jene Behauptungen der Wahrheit entsprechen oder nicht. Und mit dieser Auffassung deS Sinnes und Zieles des Prozesses stimmte vor allem der Angeklagte selbst und seine Partei überein. Am 11. September 1003 fand der erste Termin vor dem Land- gericht Halle statt. in dem zunächst der Angeklagte erklärte, jene Aeutzerung nicht wörtlich so getan zu haben, wie die Anklage behauptete, in dem er aber zugleich sich, für den Fall der Annahme dieses Wortlautes durch das Gericht, zur Erbringung de« Wahrheit«- beweise» erbot. In einem folgenden Termin am 23. Oktober 1003 beschloß das Gericht nochmalige Vertagung, um eine Beweis- aufnähme im vollsten Uni fange zu ermöglichen. Es sollte Beweis erhoben werden über sämtliche Fälle von Raub, Plünderung und Schändung von Frauen, begangen von Mitgliedern deS ostasiatischen Expeditionskorps, Der Beweis hierüber sollte ge- führt werden einmal durch Einforderung aller Strafakten gegen Mitglieder deS ostasiatischen Expeditionskorps vom Kriegsministerium, sodann durch Vernehmung, eventuell aus kommissarischem oder diplomatischem Wege, aller Zeugen, die der Angeklagte binnen be- stimmter Frist mit ladungsfähiger Adresse benennen würde. Der Angeklagte beantragte nun die Ladung einer großen Zahl früherer Soldaten, die an der Expedition teilgenommen hatten und aussagen sollten, was sie als Augenzeugen erfahren hatten. Außerdem tvurde die Ladung von Persönlichkeiten beantragt, welche entweder in amtlichen Stellungen oder als Kriegsberichterstatter die Expedition in Petfchili miterlebt haben, des Gesandten a. D. v. Brandt, des obersten Leiters des chinesischen Zollwesens Sir Robert Hart, des Generalleutnants v. Lesfel, der Kriegsberichterstatter der„Boss. Ztg.", der„Franks. Ztg.". der.Times"-c. Die China-Wahrheit schien aus dem Marsche! Die beginnende ReichStagSsession unterbrach die Fortführung deS Prozesses. Als dann der Reichstag am 30. Mai dieses Jahres geschlossen wurde, erhielt der Angeklagte nicht nur die Ladung zu der schon auf den 26. Juni angesetzten neuen Hauptverhandlung. sondern zugleich die überraschende Kunde, daß der Landgerichts- direktor, der zuvor diesen Prozeß geführt hatte, erkrankt sei und daß sein Nachfolger die Ladung aller Zeugen ablehnt. ES blieb dem Angeklagten nur übrig, den nunmehr vom Gericht verweigerten Wahrheitsbeweis durch selbständige H-rbeiziehung von Zeugen zu versuchen. Der Angeklagte hatte nicht annehmen können, daß er in die Lage kommen ivürde, selbst und in so großer Hast die Zeugen- laduug ausführen zw müssen. Es ist bekannt, daß im Mai die Ver- tagung des Reichstag« als gewiß galt und wie sehr der plötzliche Schluß allgemein überraschte. Unter diesen Umständen war es nur möglich, einen Teil des Zeugenmaterials an Gerichtsstelle zu schaffen. da das Gericht selbst unter Umsturz deS früheren Beschlusses völlig versagte. In der Gerichtsverhandlung am 26. Juni bestand der An- geklagte auf der Erbringung deS vollen Wahrheitsbeweises, er be- antragte die Ladung von über 30 wichtigen Zeugen, die ihm gänzlich unentbehrlich waren. Der Gerichtshof wich dem erneuten Antrag aus und vemahm die vom Angeklagten zur Stelle geschafften Zeugen, deren Vernehmung nach der Strafprozeßordnung unum« � gänglich war. Durch die eidliche Vernehmung dieser Zeugen, welche Teilnehmer der China-Expedition gewesen sind, wurde bereits in weitem Maße bestätigt, was die Sozialdemokratie über den Charakter jenes FeldzngeS behauptet hatte. Nachdem so, gegen den Willen des Gerichts, der Anfang des Chinamaterials und der China Wahrheit aufgerollt war, stellte der Verteidiger nochmals den dringenden Antrag aus Wiederherstellung des früheren Gerichts beschlusses und Vervollständigung des Wahrheitsbeweises. Der Ver- teidiger wies auch darauf hin, daß die vollständige Vorführung de« Zeugenmaterials auch deshalb unentbehrlich sei. weil davon, auch im Falle der Nichterbringung deS Wahrheitsbeweises, jedenfalls daS Strafmaß abhängig fei. Der Gerichtshof aber setzte die Besdbluß- fasiung über diese Beweisanträge noch immer aus, ließ vielmehr Staatsanwalt und Verteidiger die Plädoyers halten. Der Staats- anwalt beantragte Bestrafung aus jj 186. Er versuchte die Nicht- zulasiung der Beweisanträge mit der wundersamen Behauptung zu begründen, daß der Wahrheitsbeweis doch niemals geführt werden könnte, weil die Truppen„in ihrer Allgemeinheit" beleidigt worden seien. Aber jedenfalls blieb er dabei, daß unwahre Tatsachen behauptet waren. Erst nach den PlaidoyerS zog sich der Gerichtshof zurück zur Be- ratung über die Beweisanträge. Er verkündete darauf ihre Ab- lehnung und erklärte zugleich: Er betrachte den Fall nicht nach § 186, sondern aus H 185! In§ 185 behandelt das Strafgesetzbuch den milderen Fall der Beleidigung, die nur formale Beleidigung, die durch ehren- kränkende Worte geschieht ohne Behauptung unwahrer Tatsachen. Kriegsminister und Anklagebehörde hatten immer und immer erklärt: durch Behauptung unwahrer Tatsachen shat die Sozialdemo- kratie die Mitglieder deS Expeditionskorps geschmäht. Der An- geklagte erklärte: Ja, ich habe Tatsachen behauptet, ich lverde jedoch beweisen, daß sie wahr sind. Zahlreiche Zeugen enthüllen ein Stück dieser grausigen Chinawahrheit und der Angeklagte stellt noch weit mehr in Aussicht. Da erkennt der Gerichtshof: Tatsachen sind überhaupt nicht behauptet worden, der Angeklagte hat nur eine Meinung, ein Urteil geäußert: es ist daher nur die mittlere Straf- bestimmung in Betracht zu ziehen, doch einBeweis der Wahr- heit ist daniit ausgeschlossen! DaS Reichsgericht hat diese Rechtsprechung endgültig be- stätigt. ES hat auch eine letzte Schwierigkeit überwunden, welche durch das Urteil des Landgerichts entstanden war. DaS Reichs- gericht hat in früheren Entscheidungen festgestellt, daß auch im Falle deS§ 185 insofern der Wahrheitsbeweis erhoben werden muß, als fein Ergebnis die Bemessung der Strafhöhe beeinflussen kann. Gleichwohl hielt das Landgericht den auch ans diesem Grunde be- antragten Beweis der Wahrheit fern, inden, eS erklärte: Wie immer der Beweis ausfallen würde, selbst wemi er die Wahrheit der behaupteten einzelnen Vorkommnisse erbringe» würde, so würde er doch gegenüber den„völlig allgcniein den sämtlichen Teilnehmern" gemachten Verwürfen nicht in irgend einer Weise Einfluß auf das Strafmaß üben können. Das Landgericht wußte also vor Erhebung des Beweises, daß alles, was er auch erbringen könne, völlig einflußlos bleiben würde. Wenn bewiesen worden wäre, was von uns natürlich niemals behauptet ist, daß von 100 Soldaten 09 geplündert, geraubt und geschändet haben, so wäre das nach Ansicht des Gerichts nicht im geringsten von Einfluß auf die Höhe des Strafniaßes. Ob 5, 10, 50 oder 99 von 100 geplündert, geraubt, geschändet haben, daS ist für diese interessante Rechtsprechung völlig nebensächlich I Nun hat aber das Landgericht an anderer Stelle des Urteils, im offenbaren Widerspruch zu dieser Gleichgültigkeit gegen die Zahl der beweisbaren Fälle, ausgeführt, die Strafe müsse„ganz empfindlich bemessen werden mit Rücksicht auf die Schwere der Beleidigung und die sehr große Anzahl der durch sie verletzten Personen.. Einmal waren die an- gebotenen Beweise für die Abmesiung der Strafe gleichgültig, gleich danach wird die Strafe besonders empfindlich gestaltet, weil so viele Personen verletzt seien. Erst wird verhindert zu be- weisen, daß die Zahl der Personen, die sich als beleidigt ansehen könnten, eine geringe ist, dann wird die Strafabinessung auf die Behauptung gegründet, daß die Zahl eine sehr große sei! Doch. wie bemerkt, auch dieser totale Widerspruch, der allein nach den Darlegungen deS Verteidigers unbedingt zur Aufhebung deS erst- instanzlichen Urteils hätte führen müssen, wurde vom Reichsgericht verdeckt, indem eS. nach dem vorliegenden Teil der Urteilsbegründung, erklärte,»die unter Beweis gestellten Tatsachen habe die Straf- kammer augenscheinlich als wahr anerkannt und auch geprüft, ob dieser Nachweis nicht das Strafmaß zugunsten des Angeklagten ver- mindere". Durch diese Behauptung hat die betreffende Kammer zivar eine äußerliche Uebereinstimmung mit den früheren Entscheidungen des Reichsgerichts geleistet, es ist uns jedoch unerfindlich, wie diese Behauptung angesichts des klaren, das Gegenteil sagenden Wortlauts deS landgerichtlichen Urteils gerechtfertigt werden soll. Genug— die RechtSauffassungen der Landrichter und Reichs- richter triumphieren über alle Bemühungen, die Wahrheit in einer der ernstesten Kulturfragen festzustellen. Der politische Prozeß ist in eine elende Bagatellbeleidignng verwandelt. Aller Sinn und Zweck, den der Prozeß haben sollte, ist v o l l st ä n d i g auf- gehoben. Es ist, soweit cS auf die Justiz ankommt, nichts übrig geblieben, als daß jemand einige beleidigende Worte gesprochen hat und auf drei Monate die Gefängniszelle beziehen soll. Natürlich vermögen keinerlei Ncchtsai Chinawahrheit zu beseitigen. dokumenten jenes RachefcldzugeS,' zivilisierte Europa ein ewiges Denkm der dem Gericht in Halle mühevoll. Wahrheitsbeweises die Richtigkeit der Politik gegen jenen Feldzug glänzet �ngcn der Justiz die Hosen Hunnen- daS christliche und de errichtete, hat ine Beginn eines atischen Kritik und vollständig erwiesen. Nur die deutsche Justiz sieht sich in diesen Kämpfen um Wahrheit und Kultur in die erbärmliche Rolle der Wahrheitshinderung und Kulturschädigung genöttgt. Wie das militaristische System der ge- panzerten Rache Hunnentaten erzeugt, so erzeugt das„Recht" des .Rechtsstaates" den Schutz des HunnentumS durch Verheimlichung des Unrechts und Einkerkerung der Mutvollcn, welche die Wahrheit sagen und der Barbarei trotzen I Der Kampf in der Elektro-Industrie. Bürgerliche„Neutralität. Die Behörden fühlen sich in dem Kampfe zwischen Kapital und Arbeit ganz als Vertreter des Kapitalisnms. Wenig große Kämpfe sind wohl mit einer solchen Ruhe geführt worden, wie dieser Kampf in der Elektro-Jndustrie, wo der begreifliche Ingrimm der aufS Pflaster geworfenen Zehntaufcnde bisher noch nicht zu der leisesten Ausschreitung geführt hat— trotz der gegenteiligen Lügen der bürgerlichen Presse, die wir ja aufs bündigste zurückzuweisen im stände waren. Nichts destoweniger trat vom ersten Tage des Kampfes an die Polizei in Aktion. Und ob ihre Vertreter sich sträflichst in Ausübung deS Unternehmerdienstes langweilen, die Polizei zieht rastlos Tag für Tag auf ihren Posten, bewacht die leeren Fabriken und schützt die wenigen Arbeitswilligen vor angeblich drohenden Exzessen der Ausgesperrten, in Wirklichkeit vor der mora- tischen Einwirkung deS gesprochenen Wortes. Derweilen werden in den elektrischen Zentralen Hunderte von Leuten ihrer persönlichen Freiheit beraubt. Man läßt die Leute nicht über die Schwellen der Zenttalen hinaus, so daß vielfach die Angehörigen der Betroffenen in schwerer Sorge um deren Schicksal waren und noch heute sind. Vor den Toren dieser .Arbeitshäuser" aber, in denen nicht freiwillige, sondern Zwangs- arbeit verrichtet wird, stehen die SchutzmannSposten mrd geben acht auf die Ausgesperrten und Streikenden, die sich schon deshalb nichts zu schulden konimen lassen, weil ihre schärfste und schneidigste Waffe die Gesetzlichkeit ist! In den Zentralen aber stehen neben den freiwilligen und den gepreßten Arbeitswilligen der Elektto-Jndustriellen die kaufmännischen Angestellten der Gesellschaften, denen man mit der Hungerpeitsche der Entlassimg drohte, und waS dann noch an Lücken vorhanden war, da« füllte der Staat mit seiner Disziplin unterworfenen Bürgern. Da stehen die Feuerleute neben den Lokomotivheizer», und noch ist es unbestritten, daß auch Soldaten des EisenbahnrcgimentS Kohlen schaufeln und den Schiirhaken ziehen. Und da nun die sozialdemokratischen Stadtverordneten Berlins den Magistrat wegen dieser Parteinahme der Behörden interpellieren und fragen, was er zu seinem Teile tun will, um eine unparteiische Behandlung der beiden streitenden Parteien zu ermöglichen, da kommen die liberalen Blätter, die Blätter der Stadtverordneten- Mehrheit, und fälschen diese Mahnung zur Unparteilichlcit um in eine Aufforderung, zugunsten der Arbeiterschaft einzuschreiten. Ach nein: die Arbeiterschaft fühlt sich stark genug, ihre Kämpfe ohne staatliche oder städtische Unterstützung durchzuführen; aber wie der alte Derffliuger den lieben Gott bat, wenigstens nicht den ver- fluchten Feinden beizustehen, so fordern die Vertreter der Arbeiter- schaft im Rathause von den Behörden stengste Unparteilichkeit. Wenn in diesem Kampfe die Interessen der Gesamtheit aufs schwerste geschädigt worden sind, so sind sie eS durch die rigorose Aussperrung der 83 000 Menschen, weil 450 andere Forderungen ge- stellt hatten, von denen selbst die Unternehmer sagen, daß sie an sich keine Rolle spielen. In dem Augenblick, als diese Aussperrung vor sich ging, als taufende völlig Unschuldiger, wenn man den Arbeitern das Fordern als eine Schuld anrechnen will, auf die Straße ge- warfen wurden, da erfordert eS das öffentliche Interesse, daß man sich dieser Opfer des Kapitalismus annahm, daß die Behörden den Be- troffenen zur Seite standen und nicht sie durch ihre Organe lediglich observieren ließen, ob sie sich nicht durch Ingrimm und Hunger zu Handlungen hinreißen ließen, die das deutsche ReichS-Strafgesetzbuch an irgend einer Stelle mit einer Strafe bedroht. Nichts ist geschehen, die Opfer des kapitalistischen Schreckens- regimentes vor dem Aenßerstcn zu schützen. Wenn irgendwo in der weiten Welt ein Erdbeben, eine Ueberschwcmmung eintritt, dann ist die Stadt Berlin gern und schnell zum Helfen bereit. Ihren eigenen Mitbürgern zu helfen, rät die liberale Berliner Presse ab, weil— nun, weil sie sich als gehorsame Dienerin des Kapitalismus fühlt und dieselbe Untertänigkeit gegen das Kapital bei der Vertretung des Bürgertums im„Roten Hause' ebenfalls als selbstverständlich voraussetzt. Die„Vossische Ztg." gibt dabei den Ton an. Sie meint: „Daß die Stadtverordnetenversammlung den Antrag ablehnen wird, kann nicht bezweifelt werden. Seine Annahme im gegen- wältigen Zeitpunkt würde notwendig die Deutung erfahren, daß die Stadtverordneten zugunsten der Arbeiter Partei ergreifen. Dazu kann für die städtischen Körperschaften kein Anlaß vorliegen. Sie sind nicht berufen, zu Gericht zu sitzen und zu entscheiden. auf welcher Seite das größere Maß von Recht,« das größere Maß von Schuld ist." Natürlich soll die Stadtverordncten-Vebsammlung nicht entscheide». auf welcher Seite Recht oder Unrecht liegt. Sie soll fragen, o b ein Not st and von solcher Bedeutung vorhanden ist, daß ein Eingreifen mit öffentlichen Mitteln notwendig erscheint. Auch beim Bergarbeiterstreik— einem Streik, nicht einer Aussperrung— haben zahllose Stadtverttetungen eine Unterstützung der Betroffenen beschlossen, StadtBrtrcwngcn. deren eigene Mitbürger dabei gar nicht in Frage kamen. In Berlin hat das Kapital Taufende und Abertausende Arbeiter aller religiösen und politischen Richtungen, organisierte und unorganisierte an freiwilliger Arbeit gehindert. Niemand schreit nach einem ZuchthauSgesetz gegen diese himmelschreiende Tat; aber wer den Opfern seine Sympathie versagt, wer die Hand von ihnen abzieht, macht sich zum Mitschuldigen an diesem Gewaltstrcich! * * Verhandlungen. Die Vertrauenslommission der Berliner Metallindustriellen, in deren Hand jetzt die Leitung der Bewegung auf Unternehmerseite ruht, hat den Streikenden ein neues Ultimatum gestellt. Im Anschluß an eine Sitzung der Vertraneuskomniission, der auch Vertreter der drei großen Elektrizitätsfirmen beiwohnten, wurde gestern mittag die Streikleitung aufgefordert, Vertreter zu entsenden. Als solche erschienen der zweite Bevollmächtigte des Deutschen Metallarbeiter-BerbandcS Zcrnickc und die beiden Obleiter der Arbeiteransschüsse der Streikenden. Diesen wurde erklärt, daß die den Streikenden gemachten weitgehendsten Zugeständnisse aufrecht erhalten würden. Dieselben erfuhren dabei eine recht liberale Auslegung, so daß beispielsweise die s ch l e ch t e st e n Akkorde der Schraubendreher eine Ausbesserung bis zu 15 Proz., die besten allerdings gar keine Aufbesserung er- fahren würden, wobei an einer durchschnittlichen Aufbesserung von 5— 6 Proz. festgehalten wird. Die zugestandenen Löhne der Lagerarbeiter sollen als Minimallöhne gelten. Aussperrungen sollen nicht stattfinden. Die Streikenden möchten sich bis Freitag, nachmittags 4 Uhr, erklären, ob sie gewillt seien, unter diesen Umständen die Arbeit aufzunehmen. Die Streikenden werden am Freitagvormittag in ihren Versamm- luiigen zu diesem Vorschlag Stellung nehmen. Die Vertrauensleute der Streikenden und Ausgesperrten waren gestern im Gewcrkschaftshause versanimelt, mn von dem Zentralstreikkomitee nähere Mitteilungen über den derzeitigen Stand der Aussperrung entgegenzunehmen. Jedoch in Anbetracht dessen, daß sich auch hier wieder die Polizei mit konnnißmäßiger Pünktlich- keit zur Ueberlvachung eingefunden hatte, verzichteten die Vertreter des Komitees auf ausführlichere Darlegungen. Einige der An- wesenden wandten zwar ein, daß dann die Einberufung der Sitzung ja völlig nutzlos sei; fie monierten auch die mangelhafte Jnfor- mation, die ihnen auf den Kontrollstellen zu teil Ivürde. Als aber auf die in dem gegenwärtigen Kampfe so besonders grell zutage tretende iuuige Verbindung zwischen Polizei und Unternehmertum verwiesen wurde, da gab sich die Versammlung mit den kurzen dürren Mitteilungen des Vorsitzenden zufrieden. Weniger befriedigt dürfte allerdings der überwachende Polizei-Offizier gewesen sein. An sich ist es nur zu begreiflich, daß bei den Arbeitern ein immer stärker werdendes Mißtrauen gegen die Polizei Platz greift. Wenn man tagtäglich an hundert Beispielen sieht, wie die Polizei bei dieser Aussperrung lediglich im Interesse des Kapitals tätig ist und völlig einseitig gegen die Arbeiterschaft Partei nimmt, dann ist auch anzunehmen, daß dieselbe Polizei ihr Uebcrwachungsrecht ausdehnt und dem Unternehinertlnn über die Vorgänge und Beratungen in internen Arbeiterversammlnngen ebenfalls Mitteilung macht. Wie war es z. V., als die Maschinisten und Heizer in ihrer Vcr- sammlung den Streik beschlossen? Kaum war die Verfaminlung be- endet, so wußten die Unternehmer schon von dein Beschluß Bescheid und trafen noch in derselben Nacht unter der tätigen Hülfe der Polizei ihre Gegenmaßnahmen. Noch heute stehen vor jeder Pforte der ge- sperrten Werke und Zentralen Schutzmannspoften, und Polizeipatrouillen üben sich Tag und Nacht im Wachtdienst zur höheren Ehre des Kapitals. In den elektrischen Zentralen müssen Polizeibeamtc sogar Pförtnerdienste verrichten. Mit dein Schlüsselbunde in der Hand öffnen und schließen sie die Tore, mn so stets eine Kontrolle über die ein- und ausgehenden Personen zu haben. Anfangs schien es wenigstens, als lvolle die Polizei den Streikposten ihr geietzliches Recht nicht in dem- selben Maße wie früher einschränken. Die Streikposten blieben auch tatsächlich eine Zeitlang unbehelligt. Jetzt aber scheint auch hier der Wind wieder umgeschlagen zu sein. Wurden doch am Dienstag iu kurzer Zeit nicht weniger wie SV Streikposten verhaftet, und dabei wird auch der verbittertste Arbeiterfeind anerkennen müssen, daß die Haltung der Streikenden und Ausgesperrten in jeder Hinsicht würdig und»msterhaft ist. Noch niemand von der großen Masse hat sich in diesem Kampfe auch nur irgendtvie Gesetz- Widrigkeiten zu schulden kommen lassen. Während so die Polizei als Hüterin der Kapitalsinteresscn auftritt, scheinen die znm Streikbrecherdienst gezwungenen Fenerwehrlente mit ihrer traurigen Rolle als Arbeitswillige durchaus nicht ein- verstanden zu sein. So erhielten die Organisationen Karten von Feuerwehrleuten aus den Kraftzentralen, worin diese ihrem auf- richtigen Bedauern Ausdruck gaben, daß sie zu einem so ent- würdigenden Dienst kommandiert worden seien. Sie baten gleich- zeitig, die Arbeiterschaft möge doch dieselbe gute Meinung über sie bewahren wie bisher, denn nur die Rücksicht auf ihr Brot und ihre Stellung bestimme sie, auf Befehl jetzt eine Arbeit zu verrichten, die mit ihrem eigentlichemBeruf auch nicht das geringste zu tun habe.— Eine eigenartige Rolle spielen dagegen die kaufmännischen Zlngestellte» der Elektrizitäts-�irmen. Diese Herrchen, die sonst jeder Handarbeit als mit ihrer„Würde" unvereinbar meilenweit aus dem Wege gehen, sind jetzt teilweise in blauen Blusen als Packer in den Betrieben tätig. Meistens sind es solche Leutchen, die bisher bei den Gesellschaften noch nicht fest augestellt waren. Jetzt aber hat man ihnen die feste Anstellung versprochen, falls sie Streikarbcit machen lvürden. Drollig war es mitanzusehen, wie sich diese„Herren Koofmichs" ausstaffiert hatten, um z. B. in der Brunnenstraße unerkannt in das Werk zn gelangen. Mit den obligaten schiefen Lackschuhen, Schlangengreiferrock und Zylinder, dazu einen Fiinfzigpfennig-Kneifer mit Fensterglas und einer gelben Aktenmappe unter dem Arm, so stolzierten sie mit klappernden Beinen an den Streikposten vorbei, noch scheue Blicke hinter sich werfend, als sie auf dem Fabrikhofe waren. Selbst den Meistern muß die Angst dieser Art Streikbrecher belustigend erschienen sein, denn sie rüsteten die bejammernswerten„Bleich- gesichter" zu ihrer etwaigen Verteidigung mit langen dicken Gummi- Schläuchen aus. Uneinigkeit nntcr den Kühnemännern. Aufgefallen ist es den Arbeitern, daß in mehreren Fabriken, die dem Kühneinänner-Verband angehören, jetzt mit einem Male jene Plakate entfernt worden sind, auf denen die znm 14. Oktober au- gcdrohte Aussperrung bekannt gegeben war. Als die Arbeiter sich nach der Ursache dieser auffälligen Beseitigung erkundigten, wurde ihnen von den Meistern zur Antwort, ihre Firma sei aus dem Jndustriellen-Ringe ausgetreten und wolle nicht mehr mit- aussperren. Es scheint jedoch, als sei dieser Bescheid nur auf eine Differenz unter den Kühnemännern zurückzuführen. Denn ernstlich gegen den Stachel des Jndustriellen-Vervandes zu lücken, das heißt die Zahlung der enorm hohen Konventionalstrafen auf sich zu nehme», das dürfte diesen Firmen wohl außerordentlich schwer werden, io sicher sie im Falle einer langdauernden Aussperrung auch ihr?» Ruin vor Augen sehen. Den Großindustriellen ist es natürlich herzlich egal, wie die kleinen Firmen bei der Aussperrung fahren werden. Gehen diese nämlich infolge der Aussperrung zugrunde. so haben die Großen den Vorteil davon; sie sind die kleinere Konkurrenz los. Sollen die Kleinen aber, weil sie nicht mit aus- sperren wollen, die Konbentioilalstrafe zahlen, so ist das womöglich ebenfalls ihr Ruin. Also so oder so pleite gemacht— die Großen sind stets die lachenden Erben. Dafür haben die Kleinen dann mal das Vergnügen gehabt.„Herren im eigenen Hause" gewesen zu sein.— Wie die Sache am Sonnabend aber auch kommen inng, ioviel ist sicher: Wo die Aussperrung erfolgt, geht die ganze Arbeiterschaft hinaus. Wenn schon einmal Zehntausende von Arbeitern am Hungertuche nagen sollen, so legen die übrigen paar Tausend ebenfalls keinen Wert mehr auf daS Weiterarbeiten, umsoweniger, als sich niemand von ihnen als Notnagel zur Anfertigung der Eilarbeiten gebrauchen lassen will. Mit welchem Eifer das Unternehmertum dahinter her ist, wenigstens einen Teil der gedachten 10 Proz. der Arbeiter in den Betrieben zu halten, rep. wieder hineinzubekommen, geht daraus hervor, daß die Elektrizitätsfirmen Karten an die Ausgesperrten versenden, um sie zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. Da sich natürlich immer einige Herausreißer finden, so haben sich auch der Firma Siemens u. Halske einige Unorganisierte wieder zur Verfügung gestellt. Die gewünschte Zahl ist jedoch� bei iveitem nicht erreicht, wenn auch bürgerliche Blätter das Gegenteil behaupten. Uebrigens dürfte für die Uliorganisierteu auch kein Anlaß gegeben sein, sich auf Gnade oder Ungnade dem Unternehmertum auszu- liefern, denn das Zentral-Strcikkomitce hat im Einverständnis mit den beteiligten Organisationen beschlossen, auch Streikunterstützung an die Unorganisierten zu zahlen. Dadurch haben auch sie einen kleinen finanziellen Rück- halt und können es infolgedessen getrost mit ansehen, wie sich die Unternehmer selbst über die Zahl der bereits tätigen Arbeiter in ihren eigenen Betrieben hinivegtäuschen, indem sie, wie in dem Werke Brunnenstraße die Maschinensäle hell erleuchten, um der Außenwelt glauben zu machen, eS werde dort gearbeitet. In Wirklichkeit mnrxcn in den hellen Räumen nur ein paar Meister und Lehrlinge umher und das schöne Licht erweist sich bei näherer Betrachtung lediglich als Irrlicht. Ter �abrikarbeiterverband beschäftigte sich iu seiner letzte» Versainmlung zu Eharlottenburg mit der Aussperrung, von der Pohl einen Ueberblick gab. In einem Schreiben des Haupivorstandes in Hannover werden die Mitglieder aufgefordert, für die Dauer von 10 Wochen zur Stärkung des Streikfonds doppelte Beiträge zu eutrichtcu. Bis jetzt schon hätten Ans- stände und Aussperrungen d i e i e S I a h r c S 200 000 T> t. verschlungen. Diesem Antrag gemäß wurde einstimmig beschlossen. Mitgeteilt wurde noch, daß die Firma Gebr. Siemens an dem Tage, wo sie nach dem Beschluß der Scharfmacher ihre Arbeiter aussperren sollte, diesen eine Lohnzulage zubilligte und aus dem Kühne männer- Verbände unter Zahlung von 30 000 M. Konventionalstrafe austrat. polltifcbc Qcbcrficbt. Berlin, den 11. Oktober. Die Sozialisten als Hüter des Weltfriedens. Ein Teil der Presse hat die Enthüllungen des„Matin" über den Angriffsplan Englands als unglaubwürdig behandelt, In Wirklichkeit war für die Urteilsfähigen von vornherein tlar, daß die Enthüllungen in ihrem Kern wahr sein mußten. Solche Pläne paßten vollkommen in die Situation, die durch den Zusammenbruch Rtißlands herbeigeführt war. England sieht in den deutschen Flottenrüstungen lediglich die Absicht eines zukünftigen Angriffs auf die englische Weltmacht. Welchen Zweck sollte denn auch sonst diese ungeheuer wachsende Flotte Teutschlands haben? Tie deutschen offensiven Pläne, die um die letzte Jahreswende mehr in der diplomatischen Well als in der Oeffentlichkeit debattiert wurden, mußten diese Tendenzen in England stärken, seinerseits durch einen Angriff allen zukünftigen Eventualitäten zuvorzukommen. Ter brüske Gesinnungswechsel der deutschen Regierung in der Marokko- frage, die gleichfalls aus der Lähmung Rußlands profitieren wollte, kam hinzu, um die Erbitterung der konkurrierenden Völker aufs höchste zu treiben. DelcaM scheint in dieser Situation tatsächlich die Zlbsicht gehabt zu haben, den Bismarck zu spielen. Und wenn bürgerliche Blätter ihn jetzt deswegen einen Menschen nennen, der schlimmer sei als ein Raubmörder, so treffen sie mit dieser sittlichen Entrüstung alle bürgerlichen „Heroen" der nationalen Völkerverhetzung und Völker- schlächtereien. Ein Privat-Telegrannn aus Paris, das wir hellte abend erhalten, bestätigt nun im vollen Umfange die Ent- hüllungen des„Matiil". Es lautet: Paris, 11. Oktober.(Privatdcpesche des„Vorwärts".) Die„Humanite" veröffentlicht die Rede, die Jaures am Sonntag in Limoges gelialten dat. Innres bestätigt die Ent- liüllnngcn des„Viatin" hinsichtlich des Angebotes Englands, in Schleswig-Holstcin Truppen zu landen. Drei Minister haben diese Tatsache Innres während der letzten Regierungskrise bc- stätigt. Darum betrieben die Sozialisten den Fall Delcaffes. Die französischeil Sozialisten, insbesondere Genosse Jaurds, haben, wie man sieht, mit ihrer Politischen Aktion gegen die Bismarckschen Pläne DelcasM ein großes Verdienst um die gesamte Kulturcntwickelung Europas erworben. Er kannte die Gefahr und trotzte ihr. Tie unter dem Einfluß der Sozialisten stehende Mehrheit der französischen Nation erwies sich als reif genug, um allen abeuteuerlicheit und verbrecherischen Stöniilgeu des Weltfriedens entgegenzuwirken. Tie sranzösischeu Sozia- listen haben sich in diesem Falle als die energischen und klugen Hüter des Weltfriedens bewährt. Sie sind deshalb von den bürgerlichen Parteien des Landes als Vaterlandslose und Vaterlandsverräter mit demselben Ingrimm gescholten worden, mit dem die deutschen Sozialdemokraten gehetzt werdeil, wenn sie in der gleichen Tendenz wie ihre französischen Brüder die tolle imperialistische Politik des Deutsche n Reiches be- kämpfen. Ter deutsche Reichskanzler Fürst Bülow hat es seit jeher verstanden, sich eine gute Presse im In- und Auslande zu schaffen. Mau feiert ihn jetzt als das große Genie, dessen seichte Plaudereien mit französischen Berichterstattern die Ent- hüllungen Dclcassäs hervorgelockt hätten. Die geistigen An- spräche unserer Herrschenden sind wahrhaft bejammernswürdig niedrig. Wenn Bülow tatsächlich, was wir für eine Fabel halten, die Enthüllungen provoziert haben sollte, so hätte er damit nur sich selbst und seine Politik tödlich bloßgestellt. Denn genau dasselbe, was die Telcassös in Frankreich und die Jingos in London tun, genau dieselbe Politik treiben auch unsere Bülows in Teutschland. Sie sind stets bereit, in dem Konflikt der kapitalistischen Interessen der Vvalisierenden Nationen mit dem Blute des Volkes genau so ihr Spiel zu treiben, wie sie eS in der inneren Politik mit dem Gute des Proletariats tun. Tie französischen Enthüllungen bedeuten im Grunde die schärfste Verurteilung der deutschen Politik, und die deutsche Sozialdemokratie hat nicht minderen Anlaß, ihre Delcassäs aufs äußerste zu bekämpfen, wie die französischen Genossen die ihrigen. Es kann teiiiem Zweifel unterliegen, daß die unzu- verlässige ZickzackWUnr des Deutschen Reiches, die zwischen Fanfaren und Sch�m�Ii' taumelt, die imgqfceuere Rüstungen vornimmt, um daltti iü versichern, daß mit alledem nichts Ernsthaftes gcplatik— es m u ß. sagen wir, die not- wendige Wirkung dMk' Pplslit sei», daß man im Auslände uns der ärgsten Pläne für fähig hält, und daß mau deshalb wohl daran denkt, die Offensive zu ergreifen, ehe es zu spät ist. Der Fürst Bülow hat also gar keinen Anlaß, sich über die Bloßstellung DelcaMs zu freuen. Die Veröffentlichung wirkt wie ein greller Scheinwerfer, der aber sein Licht nicht nur auf die blutigen Bestrebungen der Herrschaftsklasseu iu England und Frankreich, sondern auch auf die Deutschlands wirft. Wenn jetzt Teutschland wieder mit aller Inbrunst sich dein Zarismus in die Arme zu werfeir sucht, so kann das nur ein Grund mehr sein, um die zivilisiertcren vorgeschrittenen Nationen des Westens in eine noch viel erbittertere Stimmung gegen Teutschland zu treiben. Stellt sich Deutschland in dem politischen Juteresseustreit zwischen England und Rußland uu- bedingt auf die Seite des Zarismus, so kann es nicht aus- bleiben, daß der englische Imperialismus auch iu Zukunft mit der Notwendigkeit eines Angriffes ans den deutschen Im- perialismus rechnet. Das deutsche Proletariat, auf dessen Rücken diese diplo- matisch-kapitalistischen Brutalitäten ausgefochtcn werden, muß alle seine Aufmerksamkeit der Festigung eines friedlichen Ber- hältnisses zu Frankreich und England widmen, und wir müssen mit derselben Entschlossenheit, wie die französischen Genossen, die Vertreter des deutsche n Imperialismus unschädlich zu machen suchen. Freilich, die wirkliche und endgültige Lösung dieses furcht- baren Problems kann erst herbeigeführt werden dadurch, daß die deutsche Sozialdemokratie den völligen Sturz der kapita- listischen Reaktion herbeiführt, die nach außen nur wirkt, was sie im June r n verbricht. Inzwischen aber ist es cm uns, alle Mittel anzuwenden, um einer kriegerischen Explosion in West- und Mitteleuropa entgegenzuwirken.- Wahlrechtsdebatten in Bayern. München, 11. Oktober 1003.(Priv.-Tel.) In der Bayrischen Abgeordnetenkammer begann heute die Geueraldebatte über die von dem Zentrum, den Liberalen und von der sozialdemokratischen Fraktion gestellten WahlrechtSanträge. Der Zentrumsabgeordnete Geiger erteilte bei der Begründung des Zentrumsantrages, der im wesentlichen mit dem in der vorigen Session zu Fall gebrachten Autrag der Regierung uberein- stimmt, dem Minister des Innern im Auftrage seiner Partei ein Mißtrauensvotum. Die Regierung habe bei der Wahlkreiseinteilung bei der letzten Wahl die in der vorigen Session gegebene Zusicherung so schlecht eingehalten, daß seine Partei das Vertrauen zum Minister des Innern verloren habe. Der liberale Abgeordnete Dr. Hammerschmidt begründete den Autrag der liberalen Fraktion auf Einführung des Proportional- Wahlsystems, erklärt aber ausdrücklich, daß seine Partei dem Minister gegenüber den ultramontanen Angriff nicht verteidigen könne, da die Regierung ganz unnötigerweise in der vorigen Session dem Zentrum Zusagen gemacht habe. Die sozialdemokratische Fraktion beantragt, die Regierung solle einen Gesetzentwurf vorlegen, der allen volljährigen bayrischen Staatsangehörigen das direkte, geheime und gleiche Wahl- recht unter Anwendung der Verhältniswahl sichert. Sie müsse es der Regierung überlassen, in der jetzigen politischen Situation die Konsequenzen zu ziehen. Die sozialdemokratische Fraktion müsse ihre prinzipiellen Anforde- rungen bei dieser Gelegenheit stellen, sei aber bereit, wenn ihr Antrag abgelehnt werde, dafür einzutreten, daß die gegnerischen Anträge so viel als möglich im Sinne ihrer prinzipiellen Forde- rungen verbessert werden. Der Ministerpräsident v. Podewils übernahm im Austrage des gesamten Ministeriums die Verantwortung für die Wahlkreis- einteilungen und suchte das Vorgehen der Regierung zu verteidigen, gab aber zu, daß man bestrebt gewesen sei, den berechttgten Besitz- stand der Liberalen zu wahren, da man doch unmöglich einer Partei ihre Wahlaussichten verkümmern könne. Auch der M i n i st e r des Innern suchte seine Wahlkreiseinteilung zu rechtfertigen und hielt dem Zentrum vor, daß es bei dieser Wahlkreiseinteilung doch nicht schlecht abgeschnitten habe. Auf die von sozialdemokratischer Seite erhobenen Beschwerden ging er nicht ein und behauptete nur, die Regierung habe sich von den Prinzipien der Gerechtigkeit leiten lassen. Im übrigen hätten Schwierigkeiten entgegengestanden, die in dem vorjährige» Wahl- gesctz begründet seien. Auf die Anfragen, wie die Regierung zu dem neuen Wahlrechtsautrag stehe, ging weder er noch der Minister- Präsident ein. Die B a u e r n b tt n d l e r gaben, was einige Sensation erregte, die Erklärung ab, daß sie nunmehr bereit seien, für die ursprüng- liche Regierungsvorlage einzutreten. Es scheint also, daß das Er- gebnis des letzten Wahlkainpfes für die Bauernbündlcr doch etwas belehrend gewesen ist. Die Debatte wird fortgesetzt.— •* * Deutfcbca Reich. Die Staatsstrcichlcr. Das Nahen der parlamentarischen Session benutzen unsere Reaktionäre wiederum, um ihren Ingrimm über das Reichstagswahlrecht Luft zu machen. Die„Deutsche Tages- zeituug" des Bundes der Landwirte erörterte gestern den Gcdaulcn einer Äcichstagsauflösung und führte aus, daß es damit allein nicht getan sei: Gegebenenfalls müßten andere Maßregel» folgen. Welcher Art diese seien, brauche nicht besonders gesagt zu werden. Frech wird damit ans eine Diktatur der Zollwucherer angespielt, die zu einer Vernichtung der VolkSrcchte schreiten müsse. Heute philosophiert einer der Sonntagsgeueräle Scherls, Herr Keim, über das„Naive in der Politik". Der Generalmajor vom „Tage" gestattet sich den Satz niederzuschreiben:„Daß das Reichs- tags-Wahlgesetz von vielen Seiten als eine politische Naivität an- gesehen wird, sei nur nebenbei bemerkt." Der Scherlide spricht dann»och von„übel angebrachter Humanitätsduselei". Der General- niajor Scherls kann sich bcruhigem Die von ihm gescholtene Naivität des deutschen Volkes nimint unter der sozialistischen Aus- klärimg von Tag zu Tag ab, und ist sie erst ganz ausgerottet, dann haben die Herren mit den Säbelhirncn ausgespielt und mau wird alle„Keime" dieser militaristische» Junkerwirtschaft vernichten.— Der preußische Justizministcr Schönstedt soll nun endlich gehen. Schade! Man hat sich so an ihn geivöhnt, ihn, die lebende Rechts- mumie des mumifizierten Rechts in Prcußen-Deutschland, unmittel- bar als Repräsentanten de-s ganzen JnslizelendS zu empfinden I— Zur Fleisch»»». M ü u che», 11. Oktober.(Privatdepcsche d.„V."> Zur Fleischteuerimg teilt die„Müncheuer Post" mit, daß heute au der Freibank, wo beanstandetes Fleisch z» habe» ist, um zehn Uhr bereits aiisvcrlanft war. In der Kultclhalle ist eine Verkaufsstelle für Kaninchenfleisch eingerichtet worden, Pferdefleisch ist im Preise gestiegen und Hunde fleisch nicht mehr auszu- treiben. � Dresdener Fleischpreise. Nach den, neuesten Dresdener Markt- bcricht vom 0. Ollober sind die besten Fleischsorlcn pro Zcntncr Schlachtgewicht weiter gestiegen: Rindflcich von 70 ans 30, Kalbfleisch von 84 ans 85, Bullen von 79 ans 82, Ochsenflcisch von 85 ans 88 und Schweinefleisch nus 82(II) Mark. Für das Pfund Schnitzelfleisch muß im Laden jetzt 1,40 Mark gezahlt werden, gegen 80 und 90 Pk vor der Fleischteuernng!!— Prcßkorruptiou. Die Konkurrenz auf dem Gebiete der Presse hat einen findigen Verlag auf ein Mittel verfallen lassen, das der im übrigen Geschäfts- leben so blühenden Bestechung der Angestellten verteufelt ähnlich sieht. Die Zahl der Korrespondenzen, die die Redaktionen mit „Stoff" versorgen, ist namentlich in Berlin sehr groß und die Absatz- Möglichkeiten für die immer noch neu entstehenden Korrespondenzen Iverden stets schwieriger. Eine uns zum erstenmal zugehende ge- druckte umfangreiche Wochenkorrespondenz scheint nun der Gediegenheit ihres Inhalts weniger zu trauen als folgendem Angebot, das sie auf der ersten Seile veröffentlicht: Preisausschreiben für unsere Verehrlichen Abonnenten! Das ständige Wachsen der Abonnentenzahl auf unsere Zeitschrift „Die Neueste Korrespondenz" beweist uns zur Genüge, daß dieselbe eine grope Lücke im Zeitungswesen ausfüllt. In Anerkennung dessen haben wir nun für die Förderer unseres Unternehmens Weihnachtsprämien von je 100 Mark in bar ausgesetzt, und zwar soll für jedes 100. Jahresabonnement obige Prämie von 100 Mark gezahlt werden. Maßgebend sind hierbei folgende Bedingungen: 1. Zur Berücksichtigung bei der Prämiierung kommen die Abounementsschlüsse für das Jahr 1906, die bis 20. Dezember d. I. bei uns einlaufen. 2. Die Prämie erhält die- jenige Redaktion der bei uns abonnierten Zeitung, durch welche das Abonnement bestellt wird. Vorheriger Eingang des Abonne- ments-Betrages ist selbstverständlich vorausgesetzt. 3. Die Aus- zahlung der Prämien erfolgt am 23. Dezember d. I. in unserer Geschäftsstelle. Auf Wunsch senden wir den Betrag am 22. De- zember per Postanweisung ein. Es soll uns freuen, recht viele dieser Bonifikationen unseren verehrlichen Abonnenten auszahlen zu können und empfehlen wir uns inzwischen hochachtungsvoll Redepenning u. Co., Zeitungsverlag. Berlin SW., den 12. September 1905. Alexandrinenstr. 27. Das korrupte an diesem„Preisausschreiben" besteht darin, daß die Spekulation offenbar auf die Redakteure gerichtet ist. Auf den Verleger gerichtet müßte sie unwirksam sein, denn ein Zeitungs- berlagsgeschäft muß selbst in kleineren Verhältnissen mit so großen Mitteln arbeiten, daß ihr die Aussicht, möglicherweise 100 M. zu verdienen, doch auf keinen Fall verlocken kann, eine Korrespondenz zu abonnieren, wenn sich nicht ihres Inhalts wegen das Abonnement empfiehlt. Auch die Verbindung mit Weihnachten läßt darauf schließen, daß ein arnicr Teufel von kleinem Redakteur durch die Aussicht auf eine Aufbesserung feinet mageren Weihnachtskasse verlockt werden soll, ohne Rücksicht auf den Wert des Inhalts das Abonnement zu veranlassen. Da aber das Abonnement vom Verleger und nicht vom Redasteur bezahlt wird, so verdient das Verfahren lediglich die Bezeichnung: Kormption.— Rücktritt des hessischen Justizministers. Offenbach, 11. Oktober. lPriv.-Tel.) Justizminister Dittmar ist aus der Regierung ansge- schieden. ES ist anzuerkennen, daß er kein Scharfmacher der Staats- anwälte gewesen. Als kürzlich in Oberhesscn Strafgefangene als Sweikbrecher verwandt wurden, hat er auf die Beschwerde ,der Arbeiter sofort Abhülfe angeordnet. Dittmar war vorher Rechts- anwalt, ein tüchtiger Jurist und Mitarbeiter am Bürgerlichen Gesetz- buch. Sein Ausscheiden hat mit der Politik nichts zu tun. Vom militärischen Strafvollzug. Stuttgart, 10. Oktober.(Eig. Ber.) Die Erörterungen über den Strafvollzug in den deutschen Gefängnissen erreichten ihren Höhepunkt im bekannten Plötzcnsee- Prozeß, der die Reformbcdürftigkeit des bürgerlichen Strafvollzuges erwiesen hat. Aber auch dem militärischen Strafvollzug wird man seine Aufmerksamkeit zuzulvenden haben, denn was soeben an die Oeffentlichkeit gelangt ist, läßt grauenhafte Schlüsse auf das zu, Was man nicht erfährt und daher nicht zn kontrollieren vetmag. In der freisinnigen„Ulmcr Zeitung" wird eine längere Schil- derung veröffentlicht, der wir folgendes entnehmen: Ein nach den Aussagen seines Feldwebels kräftiger und gut genährter Mann kam wegen Fahnenflucht auf vier Monate ins Gefängnis. Nach semer Entlassung wurde er wieder in die Kompagnie cingeftellt, von seinem Hauptmann aber sofort in die Rettierkrankenstube ge- schickt, da er so schlapp sei, daß nichts mit ihm anzufangen wäre. Bei der Untersuchung sah man dort„ein Skelett vor sich zittern, das lebhaft an die bekannten Bilder von der Hungersnot in Indien erinnert". Die Augenhöhlen sind hohl und tief, die Wangen ein- gefallen, die Haut hängt wie ein weiter Sack über dem Skelett und läßt sich in Falten abheben. Die Wirbelsäule ist L-förmig nach den Seiten gekrümmt und scheint jeden Augenblick einzuknicken. Der ganze Mann befindet sich fortwährend in taumelnder Betvegung rind heult in einer Weise, wie man es oft in Erschöpfungszuständen findet. Der Darm kann normale Mengen von Speisen überhaupt nicht mehr vertragen, die erhaltene Nahrung geht unausgesetzt in zehn bis zwölf Stühlen täglich ab. Nur durch reichliches Opium- geben ist zu erreichen, daß der Mann etwas bei sich behält. Es ergibt sich, daß der Mann nach den vier Monaten Gcfängnishaft körperlich nnd geistig gebrochen ist. Ein furchtbares Bild wird in dieser Schilderung entrollt, das dringend nach Untersuchung und Feststellung desjenigen schreit, der eine solche Vernichtung eines blühenden Menschenlebens verschuldet hat. Leider beschränkt sich das Ulmcr Blatt darauf, diese Schil- derung zu geben ohne hinzuzufügen, w o sich der Vorgang abgespielt hat. Sein Artikel trägt nur die Ueberschrift:„Aus einem Festungsgesängnis". Indessen wird die Militärverwaltung auch ohne nähere Bezeichnung des OrteS einen derartigen Bericht nicht passieren lassen können, ohne der Sache auf den sGrund zu gehen, denn sonst könnte leicht die Vorstellung in der Oeffentlichkeit ent- stehen, daß die gegebene Schilderung richtig ist und die Militär- Verwaltung eine Klarstellung zu scheuen hat. Das wollen wir nicht ohne weiteres annehmen und sehen daher einer amtlichen Unter- suchung des Falles entgegen.— Genosse Schippe! schreibt uns: Ich habe mich anfangs voriger Woche bereits mit der Redaktion unseres Parteiwochenblattes in Verbindung gesetzt, um auch über die S ch l u ß f o l g e r u n g e n. die sich meines ErachtenS aus den von mir dargestellten T a t s a ch e n für die Partei st ellung- nähme ergeben, das Nötige zu sagen. Ich komme dann auf Bernsteins vollkommen unbegründete Befürchtungen— � die er loyalerweise selber als seine Befürchtungen, nicht als meine An- schauungen bezeichnet— zurück. Vorläufig scheinen mir die Tat- fachen noch weitaus das wichtigste bei der Frage; das übrige findet sich schließlich ganz von selber, wenn die Beteiligten erst einmal wisse», wir die Tinge in Wirklichkeit liegen. Diese Erkenntnis zu fördern— und Weiler nichts— ist die Aufgabe meiner Schrift. Die Zumntmig, Tatsachen, und zwar in der Partei bisher sehr wenig bekannte und erörterte, auch von Bernstein in keiner Weise angefochtene nnd anzufechtende Tatsachen zu verheimlichen, zu ver- schleiern oder gar zu verdrehen, bloß weil aus ihnen von Gegnern unliebsame Schlüsse gezogen iverden köuuten— diese Zumutung würde Bernstein selber als erster entschieden zurückweisen. Sie wäre der sichere Tod jeder wissenschaftlichen Forschung und Darstellung, jeder ernstlichen Aussprache und jeder geistigen Weiterentwickelung in der Partei. Jede Kritik sollte deshalb glaube ich, auch die schwächlichen Rücksichten auf die g e g n e r i s ch e n Schlußfolgerungen als vollkommen g l e i ch g ü l i i g beiseite lassen und sich einfach der Frage zuwenden: sind die von mir wiedergegebenen nnd auf ihre Ursachen zurückgeführten Tatsachen richtig oder unrichtig?» Daß die erste Partcikrilik hier zur Förderung der Sache irgend- wie beilrage, vermag ich nicht zu finden. Berlin, 11. Oktober 1905. Max Schippe l. HusUud. Frankreich. Der„antipatriotische" Radau. Paris, 9. Oktober.(Eig. Ber.) Wie sich voraussehen ließ, hat die mit solchem Jahrmarktslärm in die Welt gesetzte„anti- militaristische" Aktion der Syndikalisten und Anarchisten mit einer Blamage geendet, die die Reaktion mit vergnügtem Eifer gegen die ernsthafte, von der sozialistischen Partei betriebene Propaganda gegen Chauvinismus und Militarismus auszuspielen beginnt. Es fällt einem wirklich schwer, zu glauben daß lediglich Verbohrtheit, Ein- fältigkcit und Mangel an Verantwortlichkeitsgesühl bei der frag- würdigen Veranstaltung im Spiele gewesen seien. Zumindest ist es höchst ausfällig, daß die bekannten Gewerkschaftsführer von der Arbeitskonföderation, die den Aufruf an die Rekruten unterschrieben haben, beteuern, von dem anonymen Plakat, das die Angehörigen der Rekruten zur Demonstration beim Ostbahnhof einlud, keine Kenntnis gehabt zu haben. Ist da der Verdacht so leicht von der Hand zu lveisen, daß die edle Zunft der aZerits provocateurs ihren Anteil daran gehabt habe? Allerdings sind gestern abend auch ein paar wirkliche Anarchisten nach dem Ostbahuhof gekommen. wo sie aber nach ihren ersten Rufen von den das„patriotische Publikum" markierenden Gcheinipolizisten geprügelt und hernach den uniformierten Schutzleuten überliefert wurden. Im ganzen lvurden gestern etwa 30 Lente verhaftet, darunter der anarchistische Poseur Libertad. Die meisten sind wieder auf freien Fuß gesetzt worden, doch Ivird gegen sie wie gegen die Unterzeichner des Plakats der antimilitaristischcn Vereinigung die Anklage erhoben werden. Der Effekt der gestrigen Veranstaltung wäre wohl auch für die Polizei die außerordentlichen Vorbereitungen nicht wert gewesen, wenn es der Regierung nicht vor allem darum ge- handelt hätte, recht auffällig zu demonstrieren, daß sie in Sachen des Patriotismus und der Armee keinen Spaß versteht. Zn diesem Zwecke war der Bahnhof in ein wahres Kriegs- lager verwandelt worden. Mindestens 1000 Polizisten und republikanische Garden hielten die Flanken des Gebäudes besetzt, vor der Hauptfront war berittene Garde aufgestellt und Infanterie- abteilungcn führten auf dem Boulevard de Strasbourg allerlei kunstvolle Manöver aus. Im allgemeinen aber bekamen die hinzu- geströmten Neugierigen nichts zu sehen, als was auch sonst der Tag der Rekruten zeigt: Junge Leute mit ihren Mädchen, oft auch schon mit ihrem Nachwuchs und recht viel Angeheiterte oder regelrecht Betrunkene. Auch in der Provinz hat die anarchistische Propaganda versagt, Nur in ChälonS-sur-Marne gab es einen Lärm in einem von Rekrnten besetzten Eisenbahnzuge. Die Szene endete damit, daß der Leutnant vom Dienst den Zug anhalten und die Demonstranten verhaften ließ. In den Kriegshäfen Brest und Cherbourg ließ die Polizei eine Menge Hausdurchsuchungen bei revolutionären GeWerk- schaftlern und auf der ArbeitSbörsc vornehmen, wobei die Plakate der antimilitaristischen Liga und auch Briefschaften mit Beschlag belegt wurden. Heute, nachdem die von der reaktionären Presse anfgcbanschte „Demonstration" vorüber ist, sieht man erst so recht, wie weit dieser erkünstelte Radau von einer wirklichen, aufklärenden, Zeit und Ort erwägenden Agitation entfernt war. Man muß sich auch fragen, welche Veranlassung vorgelegen hat, ein Manifest für die Armee- revolte im Kriegsfalle just in dem Augenblicke loszulassen, wo die deutsch- französische Verständigung die Kriegsgefahr beseitigt hat, und warum der Appell für den Streikfall gerade vor einer Kammer- tagung erhoben wird, in der dem Kriegsminister heftige Anklagen der kapitalistischen Parteien bevorstehen, weil er zum erstenmal der Gerechtigkeit Raum gegeben, die Unparteilichkeit der Armee bei ökono- mischen Konflikten vorgeschrieben und wegen gehässigen Vorgehens gegen streikende Arbeiter hohe Offiziere eingesperrt hat. Die Propagandisten der „direkten Aktion" erklären freilich, daß sie sich um das Parlament nicht scheren. Die Masse der französischen Arbeiter wird darüber doch anderer Meinung sein und eS nicht für die beste Taktik im Interesse des Proletariats halten, wenn vor der Wahl eines Parla- ments, dem ja doch auch der Ansturm der von der Arbeits- konföderation vorbereiteten Achtslundenbewegung zugedacht ist, eine Propaganda m Formen eröffnet wird, die die Instinkte und Vor- urteile der kleinbürgerlichen Massen dem Kapitalismus zunutze auf- rühren müssen. Und wahrlich, diese Propaganda sieht nicht imposanter aus, wenn man sie auf die Persönlichkeit ihrer Veranstalter prüft. Man hat die Gewissenhaftigkeit dieser Leute aus einer Erklärung des anarchistischen Schriftstellers Trilhada kennen gelernt, der jetzt in den Blättern bekanntgibt, es sei ihm nicht eingefallen, das Manifest zu unter- zeichnen. Man habe ihm vielmehr einen Allzug schon mit seiner Unterschrift zugesandt, allerdings mit dem Vermerk, er möge, wenn er nicht einverstanden sei, seinen Namen streichen. Er habe aber den Prospekt ebenso wenig beachtet, wie etwa den eines KleidermagazinS, und so sei er, der Schüler Tolstois, unter die Propagandisten des Mordes an den Offizieren gekommen. Und wenn sich auch hier und da Namen von zweifellos makellosen Revolutionären auf dem Schriftstück finden, so wird z. B. die Wendung, daß jeder Krieg— ob Angriffs- oder VerteidigungS- krieg— ein Verbrechen sei, schwerlich dadurch gewinnen, daß sie der alte Haudegen C i p r i a n i unterschreibt, der, Ivo immer in der Welt ein Krieg los war. unfehlbar dabei gewesen ist, zuletzt noch, als Greis, in dem Angriffskrieg Griechenlands gegen die Türkei. Freilich, die naive Gläubigkeit des tapferen Garibaldianers ist denn doch etwas anderes als der Eifer, der Herrn Urbain G o h i e r, einen Skandalliteraten, der eine Zeitlang von dem inneren Zwist im Sozialismus feilt Leben gefristet hat, jetzt dazu treibt, dem nationalistischen„Eclair" zu schreiben, er habe seinen Internationalismus von Jaurös gelernt und er werde auch gewissen Leuten aus der Umgebung des Kriegs- Ministers, die diese Gesinnung teilen, vor Gericht zitieren. Der „Anarchist" Gohier hat hier den Kreislauf, den er bei der monarchischen Presse begonnen hat, glorreich vollendet.— Ein sozialistischer Wahlsieg. Paris, 9. Oktober.(Eig. Ber.) Bei der Stichwahl in Revers wurde, wie vorauszusehen war, der Soziali st Nobles gewählt. Er erhielt 6228 Stimmen gegen 2896 des Progressisten. Die Wahl ist besonders darum von Bedeutung, weil sie ein Erfolg der Organisationsarbeit und der prinzipiellen Taktik ist. Ursprünglich wollten die sozialistischen Wähler für den Dr. Brouillon stimmen, einen Gencralrat des Bezirks, der bisher für einen Sozialisten gegolten hat. Aber Brouillon weigerte sich, das Parteiprogramm zu plaka- tiercn und wollte ein Kandidat aller Republikaner sein. Darum entschlossen sich die Genossen, ihm einen Gegenkandidaten entgegenzustellen und sie führten den Wahlkampf unter dem Schlag- wort des Klassenkanipfes siegreich durch. Brouillon trat indes nach der Hauptwahl zugunsten unseres Genossen loyal zurück.— Ter Kricgsminister erklärte einem Berichterstatter, daß er zur Aufrechtcrhaltung der Ordnung in A u s st a n d s g e b i c t c n in Zukunft keine T? u p p e n, sondern ausschließlich Gendarmerie verwenden werde. Die Kosten für eine erhebliche Verstärkung des Gendarnicrickorps würden zwar ziemlich bedeutend sein, doch müßte die Geldfrage angesichts der Wichtigkeit der Angelegenheit in den Hintergrund trelen. Ein Gesetzentwurs darüber, der von den Leitern der Ministerien des Krieges, des Innern, der Justiz und der Finanzen geprüft werden werde, solle schon zu Beginn der nächsten Session dem Parlamente unterbreitet werden. Spanien. Die spanischen Wahle» und die Sozialdemolratic. Die dürftigen Nachrichten, welche der Draht über die allgemeinen Wahlen in Spanien gebracht, können wir jetzt nach den in „Sozialista" veröffentlichten Einzelheiten in etwas ergänzen. Da- nach konnten unsere Genossen einen anderen Ausgang der Wahlen gar nicht erwarten. Bei den letzten Wahlen waren die Konservativen an der Macht; sie brachten 250 Ministerielle durch gegen 150 Mau- date, die anderen Parteien und Fraktionen zufielen. Diesmal waren die Liberalen an der Regierung und auch nun wurden 230 Ministerielle gewählt gegen 100 Konservative, 27 unabhängige Liberalen, 30 Republikaner, 8 Separatisten und 6 Karlisten. Man sieht, es ist dieselbe Mehrheit, nur ein anderes Etikett. Die Rc- gierung bringt in Spanien ihre Kandidaten fast immer durch; neben Gewalt, Bedrohung, Unterdrückung und Ungesetzlichkeit wird mit Bestechlichkeit und Korruption gearbeitet. Bei dieser Sachlage ist es nur zu natürlich, daß die Sozialdemokratie keinerlei Erfolge er- zielen konnte. Ihre Gegner sind nicht etwa die Konservativen oder Liberalen, sondern die Republikaner, z. B. �-olacgui, der in Wilbau mit überwältigender Majorität gegen Jglesias gewählt wurde. Auch in Madrid standen 12 Republikaner Morote und Cathalina— zwei sozialistischen Kandidaten— gegenüber und die ersten erhielten 17000 Stimmen gegen 1800 Stimmen, welche aus die Kandidaten unserer Partei fielen. Aehulich war das Verhältnis überall, die sozio- listischen Kandidaten brachten es meist nur auf wenige 100 Stim- men. Doch läßt sich, da die Nachrichten aus den entfernten Pro- vinzcn nur spärlich einlaufen, nicht ganz genau übersehen, wie viele Stimmen insgesamt für die sozialistische Partei abgegeben wurden, je- doch ist ihre Zahl gegenüber der für die Republikaner abgegebenen äußerst gering. Der größte Teil der spanischen Arbeiterschaft hängt heute noch den Republikanern an. Schuld hieran tragen wohl in erster Linie die anarchistischen Wühlereien gegen die Sozialisten, unserer- seits soll nicht verkannt werden, daß die spanischen Republikaner ziemlich weitgehende sozialdemokratische Forderungen vertreten und auch ihr soziales Reformvrogramm ein den Arbeitern günstiges genannt werden kann.— Während der Wahlbewcgung und bei den Wahlen selbst haben selbstverständlich die Behörden sowohl als die anderen Parteien alles mögliche getan, um unsere Genossen zu unterdrücken. Dem„Sozialista" gehen zahlreiche Berichte aus der Provinz zu, in denen über Gewalttätigkeiten aller Art geklagt wird. In vielen Fällen wurden unsere Genossen, welche in.den Wahl- lokalen erschienen, um die Wahlhandlung zu überwach«!, hinaus- gewiesen und verhaftet. Wohlhabende Kandidaten übten ganz offen Stimmenkauf; so wurde z. B. in Bich jede gegnerische Stimme mit 25 Pesetas gekauft und 7000— 8000 Pesetas dafür ausgegeben. Trotz all dieser Willkür und Bestechung ist doch ein erheblicher Stimmen- zuwachs für die sozialistische Partei zu merken gewesen und es steht zu hoffen, daß auch in jenem von der Pfaffenherrschaft nicderge- drückten, ausgebeuteten Lande das Licht der sozialistischen Auf- klärung langsamen, aber stetigen Fortschritt machen wird. Die Thronrede, welche der König heute bei der Eröffnung der Deputiertcnkammer verlesen wird, bezeichnet die Beziehungen Spaniens zu den fremden Mächten als herzlich und der Aus- arbcitung von Handelsverträgen günstig. Die Rede erwähnt die be- züglich Marokkos stattgehabten Verhandlungen. Spanien habe, heißt es in der Rede, sich an diesen Verhandlungen lebhaft beteiligt; es habe dem Plane einer internationalen Konferenz, welche über die zwischen den Mächten streitigen Punkte entscheiden soll, zugestimmt und sich damit einverstanden erklärt, daß die Konferenz auf spanischem Boden abgehalten wird. Die Rede kündigt eine Reihe von Gcsetzcsvorlagen an, darunter ein Gesetz betreffend Reform des Wahlgesetzes, ein Gesetz betreffend den Be- trieb der Banken von Spanien, ein Gesetz betreffend die Sch a f- sunjj einer neuen Flotte, ein Gesetz betreffend die B c- s ch a f f u n g von Kriegsmaterial u. a. Dänemark. Kopenhagen, 10. Oktober. aus, der deutsche und der englische Flottcubcsuch im vergangenen Sommer dürfe nicht übersehen werden; er habe für Dänemark die Notwendigkeit einer Politik nach außen dargelegt, die unabweislich auf Neutralität be- gründet sei; er habe ferner gezeigt, daß Deutschland und England auf Freundschaft niit Dänemark großen Wert legen, die dieses gern erwidern wolle. Bevor aber ein Freundschaftsverhältnis zwischen Dänemark und Teutschland in rechter Weise sich ausbilden könne, müsse eine Acuderuug in der Politik in Nordschlcswig erfolgen und die Optantcnfrage gelöst werden. Im dänischen Bolke würde es mit Freude begrüßt werden, wenn es sich zeigte, daß die wachsende Freundschaft zwischen Täneniark und Deutschland eine Aussicht anft zufriedenstellende Lösung dieser Fragen böte. Ter Minister deS� Auswärtigen Graf Raben-Levetzau erklärte, das Bestreben der Regierung sei immer darauf angegangen, an den guten Be- ziehungen zu anderen Staaten festzuhalten; er wolle hoffen, daß dies gelungen sei, und er glaube im besonderen aussprechen zu können, daß das Verhältnis Dänemarks zu seinem südlichen Nach- barn sich gebessert habe; er wolle hoffen und wünschen, daß dieses gute Verhältnis bald gute Früchte trage. Norwegen. Ehristiania, 10. Oktober.(W. T. B.) Staatsminister M i ch e l s e n schloß heute gemäß der Vollmacht, die durch Beschluß des Storthing vom 7. Juni der norwegischen Regierung erteilt ist,. die Storthingssession. Egede. Nissen stellte die Anfrage, ob der Staatsminister sich an das dänische Königshaus gewandt habe. Der Storthingspräsidcnt bemerkte, daß der Staatsminister jedenfalls' nicht als Chef der Regierung einen solchen Schritt getan habe und führte dann aus, daß das Storthing in der heute zu Ende gehenden Tagung bedeutungsvolle, weitreichende Beschlüsse zur Wahrung von! dem vollen Recht Norwegens als souveränen Reiches habe fassen müssen.— Die neue Session des Storthings beginnt morgen. Amerika. Deutsche Wähler in Rew Uork. In Groß-Neiv Uork mir seinen vier Millionen Einwohnern und buntem Völkergcmisch spielt zu Wahlzcitcn die richtige Abschätzung der Wählerschaft, ivelche die verschiedenen Nationen stellen, eine große Rotte für die Politiker. Diese wägen ihre Chancen ab nnd wollen gern wissen!, wie weil sie' mit der einen�odcr der anderen Nation rechnen müssen. Diese Ab- schätzung ist nicht leicht und so hat man, sich z. B. über die Anzahl der deutschen Wähler in New Uork schon viel gestritten und stark voncina>?dcr ablveichende Schätzungen aufgestellt. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Angehörigen mancher Nationen mehr nnd andere wieder weniger geneigt sind, das amerikanische Bürgerrecht zu erwerben. Zu den letzteren gehören besonders die Söhne Eng- lands(nicht die Jrländer und Schotten). Die Deutschen bewerben sich zahlreich nnd gern nach, dem erforderlichen fünfjährigen Auf- enthalt um das Bürgerrecht. Die Zabl der deutschen Wähler ist nicht gering in Groß-New Uork und wird von der„New Aorler Aolkszcituiig" ans 100 000 geschätzt. Diese Stimmen verteilen sich auf alle Parteien, ausgenommen die Prohibitionisten, die dem deutsche» Mann das Bier streitig machen wollen. Ein kleiner Teil nur, vielleicht ein Fünftel, wenn es hoch kommt, stimmt für die sozialistische Kandidatenliste. Nach dein Zensus von 1900 lebten in dem Territorium des jetzigen.(Äroß-New Uork 322 3-13 geborene Deutsche(Ocsterreichcr und Schweizer mitgerechnet), ferner 658 912 in Amerika Geborene, deren beide Eltern Deutsche waren, und weitere 150 000 batien entweder einei" deutschen Bater oder eine deutsche Mutter. Man sieht, es mangelt nicht an Deutschen in New Jork und eine Siimmenzahl von 100 000 ist sicher nicht zu hoch geschätzt.—■ Die Revolution tu Rußland. Die Ansstandsbewegnng in Moskau. Moskau, 10. Oktober.(Petersburger Telegraphen- Agentur.) In den meisten Werkstätten»nd Fabriken sind heute abend die Ar- beiter ausständig. Die Beamten der elektrischen Straßenbahnen vcr- harren im Ausstand, der auch die zweite Strastenbahu-Gesellschaft zu bedrohen scheint. Die Arbeiter im Stadtviertel jenseits der Moskwa sind unter sich über den Ausstand uneinig, den die einen wollen, die anderen nicht. Die Ausständigen kommen in Menge, um sie zu zwingen, die Arbeit niederzulegen. Die Polizei zerstreute sie. Die Ingenieure der Stadtverwaltung fahten eine neue Erklärung ab, in der sie verlangen, daß eine sofortige Untersuchung der For- deruugen der Arbeiter und deren rasche Erledigung vorgenommen sowie das; keine Bergewaltignng ausgeübt werde, noch daß Arbeiter ivegen des Ausstandes entlassen werden. Moskau, 11. Oktober.(Offizielles Telegramm.) Der Fabrikarbciterausstand nimmt immer größeren Umfang an. Die Arbeiter inehrcrer Fabriken zlvangen einen Teil der Ar- beiter in den Fabriken der Brestbahn, die Arbeit einzustellen. Diese Werkstätten lvurden mit Militär umstellt. Die Setzer Nrotesticren gegen die Behauptung, an den Unruhen beteiligt zu sein; sie beschlossen zu Hause zir bleiben und nicht gruppen- lvciss in den Straßen zu erscheinen. Moskau, 11. Oktober.(B. H.) Die Behörden haben die ge- troffeucn Vorsichtsmaßregeln noch erweitert. Polizei und Truppen- abteiluiigcn sind im Zentrum der Stadt allenthalben aufgestellt. Die Arbeiter von sechs großen Mctallfabriken haben sich nunmehr init den Streikenden solidarisch erklärt. Moskau, 11. Oktober.(V. H.) Infolge des Väckerstreikö macht sich der Brotmangel bereits stark fühlbar. Infolge des Ausstandes der Straßenbahner mußte der Betrieb teilweise eingestellt werden. Eine Störung der Wasserversorgung, welche man befürchtete, konnte bisher abgewendet werden! die Lage ist jedoch nach wir vor sehr ernst. Moskau, 11. Oktober.(B. H.) Die Arbeiter der ineisten Fabriken streiken. Es finden noch täglich Zusammenstöße statt, wobei eS beiderseits zahlreiche Verwundete gibt. Im Stadtviertel Sretealc fand gestern eins revolutionäre Kundgebung statt. Mit roten Fahnen an der Spitze durchzogen die Arbeiter die Straßen. Die Kosaken schritten ein und zerstreuten die Kuudgeber. Die Straßenbahnwagen wurden angegriffen und an der Weiterfahrt verhindert. ♦« # Einem Privattelcgramm des„Tag" entnehmen wir noch folgende Einzelheiten über die Vorgänge in Moskau: Beratungen der Arbeiter ivie der Arbeitgeber dauern an, ohne daß bis jetzt ein Einvernehmen erzielt wäre. Der Setzerstreik dürfte noch lange andauern, da die Druaereibesitzcr absolut nicht nachgeben wollen. Dagegen kann der Bäckerstreik' als»ußlungeil bezeichnet werden: obgleich die Bäckermeister keine Konzession machten, haben die Gesellen die Arbeit wieder aufgenommen. Eine drohende Haltung nehmen neuerdings die Arbeiter der Wasserleitung an. Sie verlangen vom Stadtamt den Achlstundentag, Erhöhung der Löhne, literarische Abendvorlestmgcn, Bildungskurse und Einrichtung einer Bibliothek. Die Mehrzahl der Moskauer Fabriken und Werkstätten stehen still. *** ttebcr die Moskauer Bluttage berichtet der„Standard" nach einer Laffan-Meldung zusammen- fassend: Am Sonnabend sammelte sich, nachdem bereits vorher Ruhe- störnngen sich ereignet hatten, eine Volksmenge vor einem Cafb an, das in der Mitte des TwerSkoi-Bonlevard gegenüber dem Amtshaus des Präfekten liegt. Darauf kamen ans beiden Straßen- richtnngcn Kosaken und trieben die Leute dicht zusammen, wobei sie von ihrenSäbeln ausgiebig Gebrauch machten. Inzwischen hatte eine Kompagnie Infanterie mit dem Rücken gegen die Präfcktnr Aufstellung genoimnen. Ein Hornsignal ertönte, und die Kosaken zogen sich nach links und rechts zurück. Darauf ertönte ein zweites Horn- signal, und dies war für die Infanterie daS Zeichen, auf die Menge z» schieße», die nicht fliehen konnte. Das Schießen dauerte fort, bis ein drittes Hornsignal Schluß befahl. Darauf zogen Kosaken und Polizei einen Ring um die Ucberlebendrn und die Zugänge zum Boule- vard wurden geschlossen. Die Straßenlaternen waren erloschen, und Feuerwehrleute»>it Fackeln sammelten die Toten und Verwundeten ans und brachten sie in das erwähnte Ense und in den Hof der Präfektnr, wohin auch die Unverwundeten getrieben wurden. Viele von ihnen lvurden freigelassen, nachdem sie Gelegenheit gehabt hatten, die Brutalität der Polizei kennen zulernen. Unter ihnen waren Personen, dir sich keinerlei Ucbertretung hatte» zuschulden kommen lassen, und zur Zeit der Rnhestörnngen gerade Kaffee tranken. Alles geschah so plötzlich, daß sie nicht fluchten konnten. Die Wegschaffnng der Toten ans dem Cafa und ans der Präfektnr begann erst um zwei Uhr morgens, nachdem die Ruhe völlig lvieder hergestellt worden war. Zuschauer wurden dabei so weit wie möglich au?- geschloffen, indem man nieinand auf den Boulevard ließ. Die An« wohner auf beiden Seiten jedoch konnten alles beobachten. An, Sonntag bot die Tloerskoistraße das Bild der Entfaltung einer gewaltigen Militär», acht. Die streikenden Bäcker hatten Steine in die oberen Rälime einer Bäckerei geschafft und schleuderten sie von dort a»f die Truppen hinab. Auch wurden dabei einige Rcvolverschüsse abgefeuert. Das Miliar antwortete mit mehreren Salven. Dann drangen die Soldaten in die Häuser ein und schleppten die arniseligcn Bäckergesellen aiis ihren Bcrstcckc» hervor. ES war, wie ein Soldat sagte, als ob man.junge Krähen aus dem Nest hole. Die Bäckcrgchülfen sind zun, Teil noch gcrndcz» Kinder, aber sie wurden alle, Jnng und Alt, in den Präfckturhof gebracht, wo sie den Peitschen der Kosalcn und de» Gewehrkolben der Jiifaiiteristen preis- gegeben waren. Roch mehr Polizcidiktatur. Petersburg, 10. Oktober.(Meldung der Petersburger Telegrabhen-Ageutur.) Aus Regierungskrcisen verlautet, daß die Gründnug eineS Polizeimiiiistrrimns, welchem die Polizei und die Gendarmerie unterstellt werden sollen, geplant sei. Für den Posten des Polizeiministers kandidiere der Minister- gchülse Trepow. �* Die Hungersnot. London, 10. Oktober.(„Bureau Lassan".) Von autoritativer Seite erfährt der Moskauer„Standaid"-Korrespondent, daß die Hungersnot in Rußland sich über 138 Bezirke erstreckt, die sich auf 23 Provinzen verteilen. Die notleidende Be- völkerung zählt 18 Millionen Köpfe, die bis Mitte Juli n. I. unterhalten werden müssen. *»" Eilt„Schlachtbencht". PclcrSburg, 11. Oktober. Während der letzten Unruhe,, im Kaukasus hatten die Armenier in Baku 185 Tote und Berwundctc, die Tataren Kol) Tote und Verwundete. SewerKfcKaftUcKeg. Berlin und vlmgegcnd. Streik der Etniarbeiter. Gestern abend waren die Arbeiter und Arbeiterinnen der Berliner Etuibrariche im Gewerkschaftshause versammelt, um den Bericht der Lohnkommission über die Ver- Handlungen mit den Fabrikanten entgegen zu nehmen. Die Forde- rungcn sind an 20 Fabrikanten eingereicht worden. Danach sind 18 derselben der neugegründeten Vereinigung der Berliner Etui- fabrikanten beigetreten. Gestern nachmittag kam eine Vertretung der Fabrilanten-Vereinigung unter Assistenz des Herrn Hasse, Sekre- tär des Arbeitgeber-Verbandes mit der Lohnkommission der Arbeiter zusammen. Die Verhandlungen hatten jedoch kein Resultat, denn die Fabrikanten lehnten die Forderungen der Arbeiter in allen wesentlichen Punkten ab, zeigten sich aber geneigt, die Verhand- lungen später fortzusetzen. Die Versamnielten sprachen sich übereinstimmend dahin aus, daß man auf das ablehnende Verhalten der Fabrikanten mit der sofortigen Arbeitsniederlegung antworten müsse. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, welche be- sagt: Die Versammlung nimmt Kenntnis von den VerHand- lungen, sie ersieht daraus, daß die Herren Fabrikanten nicht willens sind, aus die Forderungen der Arbeiter einzugehen. Die Vcrsamm. lung hält die weiter in Aussicht gestellten Verhandlungen für eine Verschleppung der ganzen Angelegenheit und macht es deshalb allen Kollegen und Kolleginnen zur Pflicht, am Donnerstag, den 12. Oktober, die Arbeit einzustellen.— Das Abstimmungsresultat wurde mit lebhaftem Beifall begrüßt. Achtung, Automobilführer! Wegen Differenzen ist die Garrage Kühl mann, Paulstr. 20, Anton, obildroschken-Fnhrwcrk gesperrt. Zuzug ist fernzuhalten. Achtung, Schuhmacher! Wegen Lohnabzug, unpünktlicher Lohn- zahlung und sonstiger Mißstände haben die Arbeiter der Schuhfabrik von F. Grohsmann, Chausseestr. 07, die Arbeit niedergelegt Die OrtSverwoltung Verlin des Zentralverbandes der Schuhmacher. veutkllies Reid*. In den Ansstand getreten sind in Leipzig die im lithographischen Gewerbe tätigen Lichtdrucker, Photographen un d Re« t o u ch e u r e. Der Senefelderbund hatte für sie die Beseitigung der Akkordarbeit, des Prämien- und Tantiemenshstems und der Heimarbeit gefordert und dafür Unterstützung bei der in Aussicht genommenen PrciSkonvention und dem Kampfe gegen die Schmutz- konkurrenz zugesagt. Eine Firma hat die Forderungen bewilligt, die übrigen aber mitgeteilt, daß die Sache vor das Tarifamt bezw. TaritschiedSgericht gehöre, sie könnten deshalb eine Antwort nicht erteile». Die Verbandsmitglieder stellten sich unter Zustimmung ihres HauptvorstandcS dagegen auf den Standpunkt, daß es sich hier nur um Beseitigung von Mißständen handle, die mit dem Tarif nichts zu tun habe; durch Anrufung der Tarifiiistanzen wollten die Prinzipale die Bewegung bloß über die gegenwärtige günstige Ge- schäftskonjnnktur hinwegschleppcn. Die Gehlllfei, haben deshalb vom 10. Oktober an den Streik proklamiert. Bis jetzt haben sich 72 Streikende gemeldet, nur Ivenige Kollegen arbeiten weiter. Die Situation ist für die Streikenden günstig, sie sind enischlosscii, die Arbeit erst nach völliger Bewilligung ihrer Forderungen wieder aufzunehmen._ Der Kampf in der sächsisch-thnringischcn Textilindustrie. In sämtlichen Webereien zu Gera ist gestern durch die Orts- grnppe Gera de? Verbandes sachsisch-thüringischer Webereien durch Anschlag bekannt gegeben worden: „Nachdem bei vier Firmen Kündigungen seitens der Arbeiter in größerem Umfange vorgekommen sind, geben wir hiermit be- kannt, daß wir uns genötigt sehen, am 13. Oktober d. I. gegen- über allen unseren Stuhlarbeitern die Kündigung für den 27. Ok- tober auszusprechen, falls nicht bis Donnerstag, den 12. Oktober, abends in den betroffenen vier Betrieben eine genügende Zahl von Arbeiten, sich zur Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses bereit erklärt hat." Gestern abend fanden in Greiz und Ronneburg starkbcsuchte Arbeiterversammlungen statt. In beiden Versammliingen wurde der Lohntarif abennals als unannehmbar bezeichnet. In Greiz sprachen die Arbeiter in einer Resolution ihr Einverständnis mit dem Vorgehen der Geraer Arbeiterschaft ans und beschlossen, die weitere Behandlung des LohnkampfeS vertrauensvoll in die Hände des �entschen Textilarbeiter-Verbandes zu legen. Hier und da auf- tretende Stimmen für die Annahme des neuen TarifeS und andere für sofortige Arbeitsniederlegung wurden von den Organisations- organen immer unter Hinweis darauf beschwichtigt, daß alle Maß- nähmen vom Zentralburea» Berlin auszugehen hätten, und man sich nicht übereilen solle. Die Resolution wurde gegen einige Stimm«, angenommen. HusUnd. Ein Kollektiv-Vertrag ist zwischen den Buchbindermeistern und der Gehülfenorganisation von Basel unter Ver- Mittelung des Genossen Regierungsrats W u l l s ch l e g e r ab- geschlossen worden. Derselbe enthält u. a. folgende wichtige Be- stünmungei,: Die tägliche Arbeitszeit beträgt Ö>/., Stunden, an den Vorabende» von Sonn- und Feiertagen ö Stunden: die Mindest- löhne sind für die verschiedenen Arbeiterkategorien ans 27 bezichent- lich auf 22 und 2 t Frank pro Woche festgesetzt: für lieber- stnildei, werden 23 Proz., für Svnntagsarbcit 30 Proz. Lohnzuschlag bezahlt; der Lohn wird wöchentlich nmerhalb der Arbeitszeit a»S- gezahlt: die Arbeiter sind kostenlos gegen Unfall versichert; es steht den Arbeitern frei, den 1. Mai zu feiern. Die Gießer der Pariser Miiuze befinden sich seit einiger Zeit in, Ausstand. Da sie die Wiederanfnahme der Arbeit verweigerten, wurden sämtliche Werkstätten der Münze geschlossen, doch erklärt eine amtliche Note, daß die Jnwressen deS Staates durch den Ausstand vorläufig keine Einbuße erfahren, da gegcnlvärtig keine neue Münz- Prägungen notwendig seien und auch keine dringenden Medaillen« bestellnngen seitens der Privatindustrie vorliegen. Versammlungen. Die Bäckergesellen, deren HülfSarbritcr und-Arbeiterinnen von Berlin und Umgegend veranstalteten eine große Protestkundgebung in, Vereinshause Berliner Musiker, Kaiser Wilhcliiistraße. In der öffentlichen Versammlung, die von 1000 Personen besucht >var, lautete der Hauptpurilt der Tagesordnung:„Das Attentat der Bückerinnungen und ihres Verbandstages in München gegen unseren gesetzlichen Maximalarbcitstag und die Sonntagsruhe, und Iva» hoben wir zu tun, rnu die Beseitigung oder Verschlechterung unseres gesetzlichen ArbeiterschntzeS abzutvehren?" In seinem Referat geißelte H e tz s ch o l d das Verhalten der Innungen i» scharfen Worten. Diese versuchten es wieder,„ach neunjährigem Bestehen des Marimalarbeitstages de» mehr als dürstigen Schutz der Gesundheit dcr Bäckcrei-Ärbeiter zu beseitigen. Es sei geradezu«in Hohn, die gesetzlich gewährleistete höchst zulässige Arbeitszeit von 12 resp. 13 Stunden bis ins U n c n d I i ch e verlängern zu wollen, während in allen Fabriken nicht mehr als 10 Stunden und auf Bauten meist nur noch 8� Stunden ge- arbeitet werde. Er rief den Anlvesenden zu:„Zeigt, daß Ihr das Attentat auf Euren gesetzlickien Arbeiter- schlitz,'auf Eure und Euer Na ch kommen Gesund- heit, aus Euer und Eurer Familie Wohlergehen nicht ruhig hinnehmen wollt! Zeigen wir, daß irnr gewillt sind, uns unser heiligstes Recht, nicht länger arbeiten zu müssen als höchstens 12 Stunden, mit aller Eni« schiedenheit und mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln wahren wollen." Darauf gelangte folgende Resolution zur ein- stimmigen Annahme:„Die Versammlung protestiert gegen den aus die Beseitigung bezw. Verschlechterung der Bundesratsverordnung von, 4. März 1890 betrefscnd den Maximalarbeitstag und die Sonntagsruhe für Bäckereien und Konditoreien hinzielenden Be« schluß des Germania-Verbandstages in München. Die Versamm- lung hält unbedingt fest an der gesetzlich festgelegten Maximal- arbeitszeit und verwirst jeden Versuch, diese in eine Minimalruhc- zeit umwandeln zu wollen. Sie ist der Ueberzeugung, daß die fest« gelegte Höchstarbeitszeit wegen ihrer langen Dauer und in An- bctracht der erhitzten mchlstanbgcsckstvängertcn Luft, in welcher die Bäcker nachts und im der Woche sieben Nächte arbeiten müssen, Überaus schädigend auf Geist und Körper wirken muß und dringend der Verkürzung auf täglich höchstens zehn Stun- den bedarf. Die Versammlung vrotestiert gegen die durch nichts bewiesene Behauptung der Bäckermeister, jene Verordnung sei schuld„an der Zerrüttung des guten Einvernehmens zwischen Meister und Gesellen". Solches gute Einvernehmen hat in Wirk- lichkeit nie bestanden; eS konnte der Oeffentlichkeit nur vorgegaukelt werden, solange die Bäckerci-Arbciter ohne starke gewerkschafrliche Organisation auch mit den schlechtesten Löhn- und Arbeits- bedingungen zufrieden sein mußten. Die Versammlung vrotestiert mich gegen die erlogene Behauptung, jene Verordnung sei schuld an der fortschreitenden„Auflösung der Kleinbetriebe durch die Groß- betriebe", dein, diese wird lediglich durch die Leistungsfähigkeit der letzteren, erzielt durch Kapitalkraft und Ausnutzung technischer Hülfsmittcl, herbeigeführt. Die Versammlung protestiert schließlich gegen die zus der Luft gegriffene Phrase, durch das Verlangen der Bäckerei-Arbeitcr nach einem wöckientlichen Ruhetage werde„dem ohnehin schwcrbelastetcn Kleinbetrieb die Existenzmöglichkeit nahezu abgeschnititcn", und hält an dieser berechtigten Forderung nach einem wöchentlichen Ruhetage von 30 Stunden unabänderlich fest, wie diesen die Arbeiter aller anderen Berufe schon immer haben. — Ter geforderte Ruhetag belastet das ganze Gewerbe gleichmäßig, die 5tlcinbctriebe wie Großbetriebe, im Verhältnis zur'Menge der Produktion an Backwaren, und diese geringe Belastung wird durch bessere Einteilung der Arbeit, wie dadurch, daß durch den Ruhetag die Arbeiter erholt und neu gestärkt nach solchem die Arbeit wieder aufnehmen, wieder ausgeglichen." Deutscher Biichbindcrvcrband. Eine außerordentliche General- Versammlung der Zahlstelle Berlin tagte am 4. Oktober im Gewerkschastshanse. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurden aus lokalen Mitteln 1000 Mark zur Unterstützung derAnS- gesperrten und Streikenden der Elektrizität S- iv e r k e bewilligt; außerdem fordert der Vorsitzende die Anwesenden auf, eifrigst Gelder auf den von der Gewerkschaftskommission aus- gegebenen Listen zu sammeln und dann fiir schnelle Ablieferung der Gelder z» sorgen.— Dann gab der Vorsitzende Schade den Geschäftsbericht über das verflossene Vierteljahr. Der Bericht konnte kein vollständiger sein, da noch nicht alles Material vorlag und auch die Abrechnung noch nicht fertig gestellt werden konnte. Wegen der Amtsnieder- legung der beiden Vorsitzenden und 5 Beisitzer hatte man sich ent- schlössen, den Bericht schon jetzt in einer außerordentlichen, statt in der ordentlichen Generalversammlung zu geben. Es haben im dritten Vierteljahr 2 ordentliche, 2 außerordentliche Generalversamm- lungen und 2 Mitgliederversammlungen stattgefunden: ferner 13 Sitzungen der Orrsverwaltung und 4 kombinierte Sitzungen. Die Hauptarbeiten, die in diesen Sitzungen fertiggestellt wurden, waren der Entwurf zu einem neuen Ortsstatut und zu den Anstellimgsbedingungen. Der Redner bedauerte, daß diese Arbeiten in den Mitgliederversammlungen nicht endgültig erledigt werden konnten. Sodann teilte der Redner mit, daß der neun Jahre im Bureau tätig gewesene Kollege Bergmann seine Stellung mit Zustimmung der Ortsverwaltung bereits am 23. September verlassen hat. ihni jedoch anständigerweise das Gehalt bis zum Monatsschluß ausbezahlt wurde, und daß sein Nachfolger Klar die Stellung bereits ain 11. September angetreten hat, was von der Ortsverwaltuug gebilligt wurde, damit sich der Kollege gründlicher mit den Arbeiten vertraut machen konnte. Ans den Berichten über die Tätigkeit in den einzelnen Branchen ist besonders zu erwähnen, daß durch die Lohnbewegung in der Alb umbr auch e teilweise zufriedenstellende Bedingungen erzielt wurden: was nicht erreicht wurde, soll später nachgeholt werden. Im Übrigen haben in den verschiedenen Branchen Verhandlungen mit einzelnen Arbeitgeber» stattgefunden, in der Buchbinder- brauche glicht weniger als 15. Die Lohnbewegung der Porte- feuiller hat keine besonderen Vorteile gebracht, doch wurden bestimmte Stundenlöhne festgesetzt und ein Akkordtarif soll ebenfalls eingeführt werden. Die Etniarbeiter stehen in ein erLohnbewegung und sind auf einen Lohnkampf vorbereitet. Die Unternehmer suchen jetzt bereits aus der Buchbinderbranche Arbeitswillige heranzuziehen. An deil Bericht schloß sich eine Diskussion, die sich hauptsächlich auf die Zwistigkeiten in der Zahlstelle bezog. Verschiedene Versuche, den ersten Bevollmächtigten zur Weiterführung seines Amtes zu be- wegen, blieben erfolglos. Die Maßnahmen der Ortsvcrwaltung bei dem Personenwechsel im Bureau wurden ohne Einwendung gebilligt. Für die bereits in der vorigen Versammlung vorgelegten Abrech- irnngen vom Guten Montag und von der Dampferpartie wurde dem Kassierer einstimmig Decharge erteilt, was in jener Ver- saminluug lediglich deswegen nicht erfolgt war, weil keiner der Revisoren auweseud war.— Zur Ergänzungswahl der Orts- Verwaltung wurde ein Antrag eingebrachr. wonach der erste Bevoll- mächtigte sofort fest angestellt werden sollte; der Antrag wurde jedoch später zurückgezogen. In die Ortöverwaltung wurden gewählt als erster Bevollmächtigter Hanke, als zweiter Wilhelm und als Beisitzer Ernst Wolf, K n n a t h, Klemm, Reiche und Karl Friedrich. Als Revisor wurde Schnabel gewählt.— Sodann verlas der Vertrauensmann Teutsch eine Erklärung, wonach lämtliche Branchen- Vertrauensmänner bis ans vier ihre Aemter (ofort niederlegen, zwei zum l. Januar: die anderen zwei haben sich der Erklärung nicht angeschlosien.— Wegen vorgeschrittener Zeit könnten die Übrigen Punkte der Tagesordnung, darunter der Entwurf des neuen Ortsftatuts, nicht mehr zur Verhandlung tommen. Eingegangene vruckfckriften. „Kommunale PraxiS". Wochensch eist für Kommunal. Politik und Gemein desozialisvluS. Herausgeber Dr. Albert Südekum. Die Nr. 27 der„Kommunalen Praxis-, mit der das vierte Quartal des fünsten Jahrgangs der Zeitschrift beginnt, bringt zunächst einen sehr instruktiven Artikel über die Berliner VerkehrSsragen, die zurzeit im Mittel- Punkt des öss-iitlichen Interesse« stehen. DaS Gebiet des kommunalen Per. kehr« berührt serner ein anderer Artikel dieser Nummer, in dem I. Meerscld die Strahcnbahntariflämpfe in Köln schildert. Auch eine warmherzige Studie von Haverkamp Über eine SchiilauSstellung in Oldenburg wird die Freunde unseres Volks- und FortbildungSschulwesenZ fesseln. Der Notizcnteil bringt eine Reihe wichtiger Nachrichten aus allen Teilen de? NcicheS. In Hinblick aus die überall bevorstehenden Gemcmdewahlen ist ein Abonnement der Wochenschrlst dringend zu empfehlen. Probenummern versendet der Verlag der.Kommunalen Praxis", Berlin W. 15, überallhin kostenlos. Letzte l�achvichtcn und Dcpcfcbcn« Die Kompottschüssel. München, 11. Oktober. g":„Der diesjährige Parteitag der sozialdemokratischen Partei hat für die Gewerkschaften eine weit größere Bedeutung als irgend einer seiner Vorganger. Nicht nur wegen der Frage der Maifeier und des politischen Blassen- streikS, sondern auch in anderer Hinsicht. Seit dem Kölner Ge- wcrkschaftskongreß werden einzelne Parteiorgan«, darunter vor allem die„Leipziger VolkSzeitung", nicht müde„nachzuweisen, daß die deutschen Gewerkschaften einer Verflachung und Versumpfung entgegengehen. Dieser„Nachweis" geschah mitunter in einer nicht immer einlvandSfreien Form. An die niedrigsten Instinkte der Massen wurde appelliert und die Beamten der Gewerkschaften in einen künstlichen Gegensatz zu den Mitgliedern gestellt. Was Wunder, wen» die unerquicklichen Auseinandersetzungen auch aus die Gewerkschaften abfärbten und dies« in ihrer Agitations- und Erziehungsarbeit beeinträchtigen. Ja, es schien noch kurz vor dem Parteitag die Befürchtung nicht unbegründet zu sein, daß sich der- selbe zu einem zweiten Dresdener„Jungbrunnen" gestalten könne. Diese Befürchtung ist glücklicherweise nicht eingetroffen. DaS Saupttnteresse der Gewerkschaften an den Verhandlungen nahm naturgemäß die Maifeier und der politische Massenstreik in An- spruch. Zur Maifeier erstattete Richard Fischer das. Referat. Das- selbe war konzilant in der Form, aber scharf abweisend in der Sache selbst gegen die Stellung der Gewerkschaften." Die„E i n i g k e i t", Organ der Freien Vereinigung deutsche Gewerkschaften:„Die Maifeicrresolntion ist zwar mit Einstimmig- keit beschlossen, trotz alledem werden sich gewisse Kreise, wie schon seit jeher, sehr wenig oder gar nichts aus diesem Beschluß machen. Sic werden, wie sie dicS in und nach Amsterdam erklärten—„auf unserem Gewerkschaftskongreß wird es sich entscheiden, welche Stellung die freien Gewerkschaften zur Maifeier einnehmen"— ihren seitherigen- Standpunkt zu dieser Frage nicht ändern, sondern nach wie vor gegen die Arbeitsruhe am ersten Mai, wenn nicht öffentlich, dann im geheimen agitieren, und wenn dies nicht, dann wenigstens nickts dafür tun, daß der Sinn für die Arbeitsruhe geweckt wird. Es ist ja auch auf dein Parteitage klar ausgesprochen worden, daß bis dahin, da der nächste Internationale Arbeiter- kengreß tage, man sich dcutscherseirS soweit einig wird, um ge- schlössen für eine andere Maiseier eintreten zu können. Ter Rcfe- rcnt zum Punkte Maifeier bat freilich die ü-egner der ArbeitSruhe am ersten Mai inständigst, doch von ihrem Standpunkt der Gegner» schaft abzulassen, und das, was hier beschlossen wurde, auch immer aufrecht zu erhalten. Gute Worte und Schmeicheleien sind übrigens auf diesem Parteitage nach unserer Auffassung gerade so viel zuviel nach gewisser Seite hin verschwendet worden, wie in Dresden zuviel im entgegengesetzten Sinne geschehen ist. Mit dem alles über- kleistern werden die vorhandenen Geschwüre auch nicht geheilt, sie brechen doch immer wieder daneben oder in anderer Weise auf." WaS die Resolution zum politischen Massenstreik anbetrifft, so sagt die„Einigkeit" sachlich sehr wenig. Lese man die Resolution richtig durch, dann bekomme man das Gefühl,„als sei an Länge nichts zu wünschen übrig und an Inhalt trotzdem nicht viel vorhanden". Zum Schluß wendet sich die„Einigkeit" gegen die von Bebel in Jena gemachten Aeußerungen über die Feenpalastvcrsammlung und meint, daß ihre Bewegung seit jeher ohne Dr. Friedeberg guriz genau aus demselben Standpunkt stand wie heute, auch wenn in letzter Zeit dies deutlicher zum Ausdruck kam. Das„Correspondenzblatt" für Vergolder hält eine Maifeier am Abend für ein Leichenbegängnis erster Klasse. Die Aufhebung der Arbeitsruhe hieße der Maifeier den revolutionären Charakter nehmen und bedeute für die moderne Arbeiterbewegung eine verlorene Schlacht. Der„Töpfer" betrachtet die in Jena gefundene Lösung der Maifeierfrage nur als eine vorläufige, die dem Amsterdamer Be- schlusse und auch der Resolution Fischer anhaftende Halbheit, nur dort, wo die„Möglichkeit der ArbeitSruhe vorhanden ist, die Arbeit ruhen zu lassen," muß der nächste internationale Kongreß zu beseitigen suchen. Entweder man verpflichtet jeden Partei- genossen zur Maifeier oder man schafft eine andere Form, die eine u ni s a s s ende Maifeier ermöglicht. Zum Massenstreik äußert sich der„Töpscr" dahin: „Wir sind der Meinimg, daß das deutsche Proletariat heute zur Vornahme eines solchen Experiments noch nicht reif ist. Der Jndifferentismus ist noch in erschreckender Weise vorhanden, des- halb möge zunächst und immer in der AufNärungs- und Organi- sationsarbeit nie erlahmt werden und die Arbeiter zur Ausführung einer solchen durchgreifenden Aktion in ausgiebiger Weise vor- bereitet und erzogen werden." Die„Ameise", das Organ der Porzcllanarbeiter, erklärt: „Wir haben immer der Beibehaltung der Maifeier das Wort ge- redet und freuen uns über die geänderte Ansicht der General- kommission." lieber den Massenstreik wird gesagt:„Wir meinen, die Gedanken, die Bebel in Jena entwickelte, werden über den engen Rahmen der Resolution herauswachsen.... Unserer Auffassung nach hätten selbst alle Gewerkschaftler dafür stimmen können. Denn im Grunde erinnert die Resolution die Parteigenossen bei der Gelegenheit der Massenstreik-Tcbatten nur wieder einmal an alte Pflichten: zu organisieren und zu agitieren." Ter„Proletarier", Organ des Verbandes der Fabrik-, Land-, Hülfsarbciter und Arbeiterinnen: „Die Erörterung der Maifeier rollte gleichzeitig die Frage des Verhältnisses zwischen der Partei und der Gewerkschaften auf, eine Frage, die eigentlich überslüfsig sein sollte, deren öffentliche Besprechung aber das Gute gezeitigt haben dürfte, die Bedenken oder Befürchtungen zu zerstreuen, tvelche hüben und drüben gehegt wurden. Es kmm eben keinen Gegensatz geben zwischen den freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratie; beide sind aufeinander angewiesen, beide ergänzen einander, sind bis zu einem gewissen des Verhältnisses zwischen der Partei und der'Gewerkschaft auf, die Rede sein. Die Annahme der Maifeier-Refolution erfolgte ein- stimmig. Völlige Uebereinstimmung war in der Sache nicht minder über den politischen Massenstreik vorhanden. Dieser Einklang wäre auch bei der Abstimmung über die diesbezügliche Resolution zum Aus- druck gekommen, wenn der Antragsteller sich bereit gefunden hätte, dem Antrage des Genossen Legten entgegenzukommen, der die Streichung des Absatzes 3 wünschte." Zu dem Beschluß über die Maifeier sagt die„Holz- a r b e i te r-Ze i t un g". die bisher stets für Beibehaltung der ArbeitSruhe eingetreten ist, daß nunmehr bis zum nächsten inter- nationalen Kongreß genügend Zeit und Gelegenheit geboten sei, nochmals„den Versuch einer Neubelcbung und wuchtigeren Ge- staltung der Maifeier zu machen". In der Massenstreikfrage könne von einer tiefgehenden Meinungsverschiedenheit zwischen dem Ge- wcrkschaftskongreß und Parteitag nicht gut gesprochen werden, wenn man die beiden Resolutionen miteinander vergleiche. Aber auch die Debatte hierüber habe in Jena auf keiner anderen Höhe gestanden wie die Kölner." Die„Satt ler- Z e i t u n g" kann- de,, Worten Fischers, daß gerade die Maifeier das gemeinsame Bett des internationalen Klassenkampfes ist, nur bedingt beistimmen.„Gerade das ist der springende Punkt, weil es nur Teutschland ist, das bis jetzt dem Maifeier-Grdankcn in der würdigsten Weise Rechnung getragen hat. Jn� England, Belgien, Frankreich liegt die Sache sehr im argen. Oesterreich, Täncinark und die Schweiz sind säst die einzigen Länder, die neben uns die ArbeitSruhe am 1. Mai durchzuführen suchten. Und das war es gerade, das unseren Genossen Robert Schmidt auf die Schanzen trieb." Die Debatten über die Maifeier hätten aber der Verständigung zwischen der Partei und Gewerkschaften die Wege geebnet. Was die Bcbelsche Resolution, den politischen Massen- streik betreffend, anlange, so sei auch hier nicht mit einem ganz freien und klaren Nein geantwortet. Mit Recht habe Legien die einzelnen fraglichen Sätze, insbesondere, wo es heißt:„gegebenen- falls" usw. bemängelt. Das sei es gerade, worauf es ankomme. Die„Fachzeitung für Schneider" meint, daß be- züglich der Maifeier eine Form gefunden werden müsse, die der großen Menge die Teilnahme ermögliche. Dies und nichts anderes habe der Kölner Gewerkschaftskongreß gewollt. In der Arbeiter- bcivcgung gefaßte Beschlüsse seien kein Dogma, an dem nicht ge- rüttelt werden dürfe, sondern sie unterstehen jederzeit der Kritik der Genossen. Das nächste Wort in dieser Frage habe der nächste internattonale Kongreß zu sprechen. Was die Massenstreik-Reso- lution betreffe, so decke sie sich im Grunde genommen mit der von Köln Der„Verein Sanze ige r". Organ der Maler usw., hält die Frage der Maifeier heute noch nicht für spruchreif. Auch er findet, daß in der Massenstreik-Resolution genau derselbe Standpunkt zum Ausdruck komme wie in der in Köln angenommenen. In ähnlicher Weis« äußern sich noch die„Allgem. Steinsetzer- Zettung",„Bildhauer-Zeitung" und eine Reihe anderer Gciverk schaftsblätter. � Der„Steinarbciter" gibt seiner Genugtuung Ausdruck über die Objektivität, mit der Genosse Fischer die Maifeierfrage behandelte; sie ließe darauf schließen, daß auch die Partei das ernst- liche Bestreben zeigt, mit aller Gründlichkeit die Frage zu diskutieren und das sei auch geschehen. Zu der Annahme der Resolution über die Maifeier sagt das Blatt:„Diejenigen, welche die Maifeier ab- würgen wollten, haben also ein großes Fiasko erlitten." Ucber die Resolution, die sich auf den politischen Massenstreik bezieht, wird gesagt:„Die in Köln verursachte Unklarheit ist durch die Debatte in Jena beseitigt worden. Gewiß wird nun in der Partei- sowie in der GcwerkschaftSpresse über diesen Punkt eine eingehende Tis- kussion entstehen. Dieses ist selbstredend sehr notwendig." Schließ- lich heißt es:„Der Parteitag in Jena, der in größter Ruhe der- lief und die Gegner enttäuschte, hat der Sozialdemokratie wieder neuen Kampftsmut eingeflößt. Die deutsche Arbeiterschaft, organi- stert in Partei und Gewerkschaft, hat immer um die ihr zustehenden Rechte, gleichgültig, welchen Namen sie tragen, S ch u-H er an Schultcrzu kämpfen. Leider wird die Betonung des politischen Moments, selbst wo es sich um Arbeiterfragen handelt, in den Ge- werkschaften vielfach zu wenig betont. Auch hier hat Jena Klärung gebracht." Gehen auch die Meinungen über den Jenaer Parteitag in der Gewerkschaftspresse auseinander und mag man manches Urteil für schief halten, eins muß man aber anerkennen, nämlich: daß die Diskussion sich in sachlichen Grenzen hält und das Bestreben verrät, die politische Vertretung der Arbeiterklasse, die Sozialdemc- kratie zu fördern. Nur ein Gewerkschaftsblatt macht hiervon eine Ausnahme und das ist der„C o r r e s p o n d e n t" für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer. In vier Artikeln, überschrieben „Maifeier und Generalstreik", beschäftigt sich die Redaktion mit den Jenaer Verhandlungen. Ein„kritisches Nachwort zum Parteitage" sollen die dort gemachten Darlegungen sein. Nu:, sind wir gewiß nicht der Meinung, daß die Jenaer Verhandlungen ein Rühr mich nicht an sind»nd wir halten auch eine Besprechung derselben für recht nützlich. Soll aber eine solöve Besprechung einen Wert haben, so muß sie von sachlichen Gesichtspunkten geleitet fein. Davon ist aber in den vier Artikeln keine Rede. Das ist keim. Krittk mehr, sondern ein Herunterreißen. Besonders die Person des Genossen Fischer, des Maifeier-Referenten, scheint eS dem Redakteur des„Corre- spondent" angetan zu haben. Da wird so viel Gift und Galle verspritzt, daß man unwillkürlich zu der Meinung kommt, dem Redakteur kommt eS nicht mehr aus eine sachliche Würdigung der Verhandlungen an, sondern er benutzt die ihm willkommene Gelegen- heit, der sozialdemokratischen Partei eins auszuwischen. Ha läßt sich nicht mehr zitieren, man kann auch nicht polemisieren, sondern man hängt eine solche„Kritik" niedriger. Schließlich kann niemand aus seiner Haut heraus und der Stil ist der Mensch! Euq der Partei. Politische Gerechtigkeit. Einen seltsamen Aufruf an die sozialdemokratischen Kommunal- Wähler der zweiten Klasse in Mannheim veröffentlicht die Mannheimer.V o l k s st i m m e". Er lantet: Wähler der zweiten Klasse! Der„liberale Block" versucht die am Dienstag, den 1». d. M., von mittags 12 Ubr bis abends 8 Uhr stattfindende Wahl der sogenainltcn Mittelbesteuertcu zur Etablierung einer einseitigen Parteiherrschaft auf dem Rathaus zu benutzen. Nachdem es ihm nicht gelang, in der dritten Wählerklasse die Sozialdemokratie zu überwinden, sucht er in der zweiten das Zentrum gänzlich oder doch nahezu gänzlich uni seine Gemeindevertretung zu bringen. Dazu die Hand zu bieten, lehnen wir Sozialdemokraten aus Gründen der politischen Gerechtigkeit aufs entschiedenste ab. Wir verzichten auf die Anfftellluig einer eigenen Liste, die lediglich den Erfolg hätte, den Sieg des Blocks zu garantieren und die Nieder- läge des Zentrums unverineidlich zu machen, und empfehlen unseren Anhäiigern, statt dessen am Dienstag von dem ihnen morgen in Kuvert zugehenden Stimmzettel Gebrauch zu machen, der alle mittleren Berufsstände, das Handwerk, den Gewerbe-, Kauftnanns- und Beaintenstaiid, ohne Rücksicht auf polittsche und religiöse Anschauung in gleicher Weise berücksichtigt. Wir tun dies, wie gesagt, ans politischem Gerechtigkeitsgefühl und ohne jeden irgendwie gearteten Gegendienst.?!nr das eine soll verhütet werden: daß sich auf dem Rathaus wieder eine einseitig herrschende Partciclique breit macht, die die Wünsche und Inter- essen der Minderheit der Bürgervertretung mit Füßen tritt. Nach Lage der Sache brauchen wir, wenn unserer Liste der Sieg beschieden sein soll, die Stimme jedes einzelnen unserer Porteifreunde. Versniime also keiner seine Pflicht und gebe jeder den ihm zugehenden Stimmzettel unverändert und, wenn irgend möglich, schon vor 2 Uhr nachinittagS ab. Mannheim, Anfang Oktober 1906. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Der Aufruf scheint u»S zunächst verschiedene Widersprüche zu enthalten. Erst wird erklärt, daß die Partei davon absehe, eine sozialdemokratische Liste ailfziistelleii, um nicht eine Niederlage des ZeutrumS herbcizufiihrcn, wodurch es den Anschein gewinnt, als ob es sich um die Empfehlung der Z e n t r u m s l i st e handele, und dann wird darauf hingewiesen, daß die Liste ohne Rücksicht auf politische und religiöse Anschauung aufgestellt sei. Danach könnte es scheinen, als handele es sich um eine ge» m e i n s a ni e Liste, das Ergebnis eines Kompromisses zwischen Zentruin und unserer Partei.. Aber auch das kann nicht zutreffen, denn gleich darauf erklärt. wiederum der Aufruf, daß er die Unterstützung der Liste„ohne jeden irgendwie geartete»Gegen dien st' empfehle, rein aus„p o l i t i s ch e m Gerechtigkeitsgefühl". Der Aufruf erscheint uns danach in seiner ganzen Fassung und Begründung seltsam Unklar und sehr wenig geeignet, eine klare und grundsätzliche Kominüiialpolitik zu fördern. Wir können uns ja wohl eine Situation denken, in der es geboten erscheint, bei Konimunalivahlen eine gegnerische. Partei zu unterstützen. Namentlich bei Wahlen in der zweiten Klasse, tvo kein positiver Erfolg für die Partei, wohl aber eine dein schlimmeren Teil der Gegner zugute koiniiiende Stimmenzersplitterung zu erwarten ist. Aber dann ist es nötig, auch in einem Wahlaufruf. nicht nur in etwaigen Wählerversammlungen, die Gründe für die Unterstützung der als kleineres U e b e l anzusehenden Gegner klar und unzweideutig auseinanderzusetzen! Die Uiiterstützung des betreffenden Gegners aus„politischem Gerechtigkeit»- gesühl' zu fordern, dünkt uns eine höchst bedenkliche Gefühlspolitik zu sein, die nur schlimmste Verwirrung anrichten kann. Wir sind eine Partei des Klassenkampfes, weil wir auf dem Standpunkt stehen, daß in der Politik, der großen wie der kleinen, einzig die Klasseninteressen eine Rolle spielen, nicht aber irgend ein vages Gerechtigkeitsgefühl. Wie unsere Gegner, mögen sie nun dein Groß- kapital oder dem Mittelstand angehören, nur ihre Klasseiiinteressen vertreten, so hat auch die Sozialdemokratie unentwegte Klassen- Politik, proletarische Politik zu betreiben. Auch wenn sie ein Kompromiß schließt oder, eine bürgerliche Partei der anderen als kleineres Uebel vorzieht, hat sie sich bei ihren Erwägungen und ihrer Agitation einzig vom Klasseninteresse des Proletariats leiten zu lassen._ Das Erscheinen der„Rcmschcidcr Arbeiterzeitung" hatten wir dieser Tage mit folgenden Worten mitgeteilt: „Ein neuer Streiter im proletarischen Klassenkampfe ist am 1. Oktober in Gestalt der„Remscheider Arbeiterzeitung" auf den Plan getreten. Hoffen wir. daß sich daS Blatt günstig entwickele und das Streben, Remscheid zu einer Hochburg deS Sozialismus zu machen, von Erfolg gekrönt werde." Diese paar Zeilen veranlassen nun die„Elberfelder Freie Presse", uns in folgender Weise anzufahren: „Daß die Genossen einzelner Orte keine Zeitung für sich gründen sollten, namentlich wenn sie sich damit in Widerspruch setzen mit einem einstimmig gefaßten Beschluß der KreiSkouferciiz, könnte nachgerade auch der„Vorwärts" kapieren. Wenn wir nicht irren, hat der„Vorwärts" jenen Beschluß der Kreis- konferenz selbst mitgeteilt. Außerdem kann er sich über die Eni- stehung des„neuen Streiters im proletarischen Klassenkampfe" Be- lchrung holen bei dem Partcivorstande, der rechtzeitig seine warnende Stimme sowohl»ach Reinscheid, wie nach dem Verlage in Solingen vernehinen ließ. Freilich vergeblich. Wir haben hier wieder einmal die von uns schon ftiiher, wenn auch mit weniger derben Worten, festgestellte Tatsache zu verzeichnen: fast jedesmal, wenn der„Vor- wärts" etwas über rheinische Parteiverhältnisse schreiht, begeht er eine Dummheit. Endlich muß man einmal deutsch reden." Wir wollen nicht mit gleicher Münze heimzahlen, sondern nur bemerken, daß uns der Beschluß der KreiSkouferciiz wohl bekannt war. Wir sind auch der Meinung, daß bei Blattgriiiidungen die nötige Borsicht beobachtet werden soll, und billigen leichtsinnige Gründungen durchaus nicht. Als daS Blatt aber erschienen war. mußten wir mit dieser Tatsache rechnen und glaubten imS verpflichtet, unsere Genossen von dieser Tatsache in Kenntnis zu setzen. Darin liegt doch keineswegs, daß wir uns gegen den Beschluß der KreiSkonfereiiz gewandt hätten. Zu der oben zitierten Aeußerung der„Freien Presse" bemerkt die„Bergische Arbeiterstimme':„Daß die„Freie Presse" von der Gründung der„Remscheider Arbeiter- zeitung" nicht erbaut ist, wird den nicht wundern, der die Folgen der Gründung des Remscheider Blattes für die„Freie Presse" zu würdigen versteht. Den„Vorwärts" wegen der un- schuldigen und gutaeuieinten Notiz anzuranzen, wnr doch wirklich nicht nötig. Die beste Widerlegung der Deduktionen der „Freien Presse" ist wohl die'Tatsache, daß die„Remscheider Arbeiter- zeitung" es im, erhalb einer Woche auf 3509 Abonnenten gebracht hat, während die„Freie Presse" selbst in der Zeit der politischen Hochflut nur 900 bis 1000 Abonnenten aufweisen konnte, und augenblicklich etlva nnr noch einige hundert Leser in Remscheid hat. Die Gründung eines eigenen Lokalorgans war nach den bisherigen Erfolgen doch wohl eine Notwenhigleit. Es wird im Laufe der Zeit der Partei und ihren Aufgaben die besten Dienste leisten." Huq Indurtrie und Handel. Kartcllgcsch. Einzelne Anzeichen ließen in letzter Zeit darauf schließe», daß die Regierung, nachdem die Enquete über die lvichtigsteu Syndikate der Kohlen- und Eisenindustrie beendet ist, die Vorlegung emes Kartellgesetzes plant. Das Auftreten Professor Schmollers gegen die Kartelle in der Generalversammlung des Vereins für Sozialpolitik machte das Bestehen eines derartigen Planes noch wahrscheinlicher, denn bei den bekannten guten Beziehungen Schmollers zur Regierung, besonders zum Reichskanzler, hätte er sich schwerlich seine Angriffe und Vorschläge geleistet, wenn er wußte, daß sie den höheren Orts verfolgten Absichten widersprechen, Tatsächlich wird denn auch jetzt halb offiziös gemeldet, daß die kontradiktorischen Verhandlungen über das Wesen der Kartelle vor- läufig znnr Abschluß gebracht werden sollen und sich bereits eine Denkschrift über den Nutzen und Schaden der Kartellbildungen in der Ausarbeitung befindet, Viel Gescheidtes wird sicherlich nicht dabei Heranskommen, be- sonders wenn Herr Schmoller bei dem Opus Geburtshelferdienste leisten soll. Deutsch-Luxembiirgische Bergwerksgesellschaft. Endlich lüftet sich em Zipfelchen des Schleiers, der bisher die hinter den Kulissen betriebenen Fusionierungspläne deckte, doch ist es keine große sen- sationelle Transaktion, die bekannt wird, sondern ein Fnsiönchen dritten, vierten Grades. Es soll nämlich zunächst nur die Friedrich- Wilhelmshiitte, ein Unternehmen mit einein Aktienkapital von nicht mehr als? 4 Millionen Mark, der Deutsch-Luxembnrgischen Bergwerks- Aktiengesellschaft angegliedert iverden, und zwar sollen die Aktionäre der Friedrich-Wilhelinshütte für je zwei ihrer Aktien eine deutsch- luxeniburgische Aktie erhalten nebst 200 M, in bar. Da die Aktien des BergwerisvereinS„Friedrich-Wilhclnishütte" einen Kurs von löt Proz. haben und die dentsch-luxemburgischen mit 283 Proz, notiert werden, springt für die Aktionäre der„Friedrich Wilhelms- Hütte" ein kleiner Vorteil bei dem Umtausch heraus, Eine größere Bedeutung hat die Vereinigung nicht, denn die „Friedrich Wilhelmshiitte" zu Mülheim a. d, Ruhr ist, wie schon gesagt, ein ziemlich kleines Unternehmen, das, abgesehen, von einigen unbedeutenden Nebenbetrieben nur 3 Hochöfen, 72 Koksöfen, 3 Gießereien und eine Maschinenfabrik umfaßt. Allem Anschein nach sind jedoch damit die Fusionspläne der Deutsch-Lnxembnrgischen Bergwerks- und Hiitten-Aktiengesellschaft nicht erschöpft, sondern eS dürften noch einige weitere Fusionen nachfolgen. Wie es heißt, sollen mit dem Eschweiler Bergwerksverein bereits Untcrhand- lnngcn schweben. Klnisiim von Tabak in der Welt. Von dem statistischen Bureau dcS Amtes für Handel und Arbeit in Washington wurde die folgende Tabelle über den jährlichen Verbranch von Tabak in der Welt jüngst veröffentlicht. Die Vereinigten Staaten stehen nicht nur im Konsum, sondern auch in der Produktion von Tabak an erster Stelle. In Belgien allein entfällt ans den Köpf der Bevölkerung mehr Tabak als in den Vereinigten Staaten: Jahres-Gesamtverbranch: Pro Kopf: Vereinigte Staaten.. 440 000 000 engl. Pfd. 5,40 engl. Pfd. Deutschland..... 201 783 000„„ 3,44„„ Rußland...... 150244000„„ 1,10„„ Frankreich...... 84 393 000„„ 2,10„ Großbritannien.... 83 378 000„„ 1,95„ Ocsterreichische Länder. 78 755 000„„ 3,02„ Ungarn...... 47 905 000„„ 2,42„ Belgien...... 44 273 000„„ 0,21„„ Italien....... 34 540 000„„ 1,05„ Kanada...... 15 400 000„„ 2,74„ Meyiko....... 18 870 000„„ 1,39„ Australien...... 10158 000„„ 2,59„ Bei der Berechnung für den Kopf der Bevölkerung ist zu be- denken, daß der wirkliche Verbranch viel höher ist, weil nur etwa ein Drittel der Bevölkerung Tabak konsumiert. Deutschland und Rußland sind große Konsumenten, aber der Verbranch pro Kopf scheint sehr gering. Schwer inS Gewicht fällt die Verschiedenheit der Preise für Tabak in den angeführten Ländern, In Belgien ist die Tabalstener nur gering, ebenso in Mexiko. Italien hat nur einen kleinen Konsum, aber eine hohe Steuer. Frankreich und Groß- britannien ziehen große Einnahmen aus der Besteuerung des Tabaks, ebenso Deutschland, und doch soll er bekanntlich in Deutschland noch inehr„bluten", um dein Reichsschatzamte höhere Erträge abzu- werfen. Rußlands Finanzlage, Zurzeit, wo in Petersburg Unter- Handlungen über eine große neue russische Anleihe stattfinden, an der auch der deutsche Geldmarkt mit 300 Millionen Markt beteiligt iverden soll, ist eine Aeußerung Professor Delbrücks in den„Preuß, Jahrbüchern" über die russische Finanzlage von entschiedenent Interesse. Delbrück gelangt in seinen Ausführungen zu folgendem Resultat: „Es ist mit der allergrößten Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß Rußland binnen nicht zu langer Frist Bankrott machen und sich seine Zinsverpslichtungen um einen größeren oder geringeren Prozentsatz verkürzen wird. Schreitet die Revolution fort, so wird diese Wendung eintreten, Iveil die Anarchie den Staat zahlungsunfähig macht; cnt- wickelt sich ein mehr friedliches, konstitutionelles Leben, so werden dessen Anforderungen zu demselben Ergebnis treiben. Aber selbst wenn die Autokratie sich wieder befestigt, so wird auch sie dem Volke den ungeheueren Tribut an das Ausland nicht auf die Dauer abdrücken können. So weit ist also der Pessimismus iin Recht, Im Unrecht aber ist er mit dem Schluß, daß der finanzielle Bankrott auch den politischen und militärischen Bankrott Rußlands bedeute. Im Gegen- teil, indem Rußland sich durch den finanziellen Gewaltstreich er- leichtert, wird es sich politisch stärken und rangieren und dadurch auch sehr bald wieder Kredit gewinnen. Von dem Zusammenbruch seiner Großmachtstellnng ist es trotz Niederlagen, inneren Revolten und finanziellen Nöten noch sehr weit entfernt," Die Beteiligung des deutschen Kapitals an der Anleihe wird durch derartige Erwägungen natürlich nicht im geringsten gehindert; denn die Kapitalisten' rechnen anders, wie Herr Professor Delbrück. Sie rechnen aus, daß Rußland schließlich eine Art liberale Ver- fassnng erhält, wenn auch eine recht gemäßigt liberale, und daß dann das Parlament eine seiner ersten Aufgaben darin erblicken wird, den Kredit Rußlands sicher zu stellen und neue Einkünfte zu erschließen. Amerikas Wcizeuerute. Nach dein Bericht des AckerbauburcauS betrug am 1, Oktober d, I, der Durchschnittsstand für Mais 89,2 Prozent. Der Statistiker der New Uorker Produktenbörse schätzt den Ertrag des Mais auf 2 707 517 000 Bushels. Der Durchschnitts- ertrag per Acre betrug.für Frühjahrsweizen 14,7 Bushels, für Roggen 16.6 Bushels, für Hafer 33,9 Bushels und für Gerste 26.7 Bushels._ Soziales. Laiidstraffenelend und 6f)riftcirlic6c. In einem kleinen Heftchen, das dieser Tage im Verlage von Strecker u. Schröder in Stuttgart unter dem Titel: „W ändernde K a u f l e u t e" erschienen ist, schildert der Verfasser, Peter Stelkens, das Elend der Landstraße, das besonders schwer auf dem wandernden Kaufmann lastet, weil dieser von der Landstraße weg in seinem Berufe begreiflicher- weise viel schwerer wieder Beschäftigung findet, als der Hand- werker und Fabrikarbeiter. Ter Verfasser hält sich an eine Reihe wirklich vorgekommener Fälle, die er gesammelt hat, und gewinnt aus ihnen zunächst die richtige Einsicht, daß, von ein- zelnen Ausnahmen abgesehen, die Landstraßenproletarier Opfer der Not sind. Er tritt der faulen Redensart von der Arbeitsscheu energisch entgegen und findet herzliche Worte des Mitleids für diese Armen. Sozialdemokrat ist er nicht und die tiefere Einsicht in die Zusammenhänge der kapitalistischen Wirtschaftsordnung fehlen ihm. Aber er schildert wahrheits- gemäß ohne jede llebertreibung, was er erfahren hat. Da ist nun beachtenswert, was er in dem Kapitel:„Wohltätig- k e i t und U n t e r st ü tz u n g s w e s e n" über christliche Wohltätigkeit an den Wanderarmen sagt: „Wer arm ist und die Mildtätigkeit anderer in Anspruch nehmen muß, merkt so recht, daß so vieles am Leben nur christlicher Schein ist, Tic christliche Idee präsentiert sich in der Hauptsache in einem blendenden Zeremoniell, aber im Innern ist das menschliche Leben und Wollen egoistisch. Die Herren iGeistlichcn stehen, mit rühmlichen Ausnahmen natürlich, dem Elend gleichgültig gegen- über, Sie hocken in ihren stattlichen, von parkähnlichcn Gärten umgebenen Pfarrhäusern und kümmern sich den Teufel um die Annen da draußen. Wenn ein Wandersmann den Pastor ans- suchen will, so braucht er nicht lange zu fragen, wo er wohnt; er braucht sich nur das schönste und größte Hans im Dorfe oder ertädt- che» auszusuchen und er kann sicher sein, daß es das Pfarrhaus ist. Die meisten geben wohl etwas, aber sie suchen doch den Petenten sobald wie möglich wieder losznlverden. Viele geben auch nichts und entschuldigen ihre Ablehnung mit der Begründung, daß die Wandersleute doch alle nur Tagedieb seien und das Geld sofort vertränken. In Bayern haben viele Pfarrer als drastisches Symbol christlicher Nächstenliebe neben der Hanstür einen großen Hund liegen, der so fein dressiert ist, daß er jedesmal ein furchtbares Gebrüll erhebt, wenn sich ein Armer dem Hause nähert. Was von den Geistlichen gesagt ist, gilt im allgemeinen auch von den Klöstern, Auch sie werden immer egoistischer. Manche geben, weil es ein- mal so die christliche Sitte verlangt, eine dünne unergründliche Wafferjnppe dem müden Wanderer, Nur vereinzelt erhält der Hungernde an der Klostcrpforte etwas Ordentliches zu essen. Ein Mann, der wegen eines Alters und seiner Gebrechlichkeit nicht mehr arbeiten kann und daher gewerbsmäßig dem Bettel obliegen muß, erwähnte, daß er in den zehn Jahren, die er jetzt auf der Landstraße zubringe, nur zweimal von einem Pastor mit wirklich christlicher Liebe behandelt worden sei. Als er um Mittag um etwas Essen angehalten, sei er in diesen Fällen zu Tische gezogen worden und habe inmitten der ganzen Familie gegessen. Sonst sei er schon froh gewesen, wenn ihm ein„Treppendiner" verabreicht worden sei, d. h, wenn ihm einige übrig gebliebene Brocken gegeben worden seien, die er dann auf der Treppe sitzend verzehrt habe. Von„wohlgemeinten" Ratschlägen, die namentlich von geist- sicher Seite den Wanderern erteilt werden, ist diejenige die be- liebtcstc, sie in die Arbeiterkolonic zu weisen. Um sie zu bewegen, dort hinzugehen, werden ihnen die Anstalten in dem glänzendsten Farben geschildert. Dort gibt es nach den priesteclichen Aussagen für jeden Stand eine angemessene Beschäftigung und ausreichenden Verdienst. Ein Kaufmann, der die von den Trappisten in West- falen geleitete Arbeiterkolonie aussuchte, um darin Aufnahme zu finden, schilderte seine Erlebnisse in folgender Weise: „Nachdem ich einige Monate gewandert war und immer noch keine Aussicht auf Beschäftigung hatte, entschloß ich mich, um vom Elend des Landstraßcnlebcns erlöst zu werden, in die Arbeiter- kolonie zu gehen. Es war im Winter und bitterkalt, als ich des Abends in Coesfeld zu Fuß eintraf, um nun den Zug nach der Station Mariaveen zu bemitzen. Einige Minuten entfernt davon in einer tveitcn öden Heide liegt die Kolonie, Die ganze Gegend war mit einer dichten weißen Schneedecke überzogen, aus welcher das sehr einfach und nüchtern gebaute Kloster und die noch viel primitiveren Anstaltsgebäude still und armselig hervorragten. Ich begab mich ins Kloster. Alsbald erschien ein Pater, der mein Ge- such um Aufnahme entgegennahm. Nachdem derselbe meine Per- sonalien kannte, richtete er die Frage an mich:„Haben Sie noch Geld? Wenn Sie noch Geld haben, müssen Sie es abliefern." Als ich zögerte, meine paar Pfennige herzugeben, sagte er:„Nun, Sie brauchen sich nicht sofort zu entschließen. Sie, haben das Recht, einen Tag als Gast unter nns zu weilen, und wenn es Ihnen dann noch gefällt, können Sie eintreten." Hierauf wurde ich in dew Per- sammlungsranm gewiesen. Diesen stellte eine Art großer Stall dar, dessen Inneres denselben dumpfen, Herz zusammenziehenden Eindruck machte wie die ganze Anlage, Ein großer Ofen in der Mitte verbreitete notdürftig Wärme, Von den Decken hingen einige Lampen herab und am Boden ringsum an den Wänden zogen sich Holzbänke hin. Auf diesen saßen einige hundert Kolonisten. Ich habe noch nie im Leben eine so stumpfsinnige Gesellschaft gesehen wie diese armen Arbeitslosen. Die meisten brüteten, den Kopf in die Hände gestützt, schwermütig vor sich hin, einige rauchten, und einige wenige suchten ein Stück Zeitungspapier zu lesen. Eine Unterhaltung fand nirgends statt, nicht weil das Sprechen verboten war, sondern offenbar weil aus den Leuten jeder Lebensmut in diesen frostigen Verhältniffen gewichen war. Der Mönch, welcher die Aufsicht in diesem Räume führte, sprach eine Weile freundlich mit mir und forschte vor allem danach, ob ich etwa ein entlassener Verbrecher sei. Als wenn jeder arme Wanderer ein Verbrecher sein müßtet Aber viele Manschen glauben das. Nachdem man mir einiges Essen gereicht hatte, wurde von dem Mönch das Signal zum Schlafengehen gegeben. Diese entsetzliche Nacht I Sic gehört zu den schauerlichsten Erinnerungen meines Lebens. Ter„Schlaf- saal" befand sich wieder in einem anderen Gebäude, in demjenigen, dessen untere Räume die Küche und das Etzzimmer bildeten. Es war der nackte Dachraum; wenn man im Bett lag, sah man zu den rohen Ziegeln hinauf. Die kleinen schmalen Betten standen ziemlich dicht nebeneinander. Da ich zum Zudecken nur ein un- zureichendes Material erhielt und daher fror, stand ich' wieder auf und packte noch meine ganzen Kleidungsstücke auf das Bett, Nach langer Zeit des Sinnens und Träumens gelang es mir endlich ein- zuschlafen. Aber kaum hatte ich die Augen zugemacht, als ich durch heftige Stimmen in meiner Nähe geweckt wurde. Zwei Kolonisten, ein alter und ein junger, waren in Streit geraten. Zuerst be- schimpften sie sich und dann standen sie auf und schlugen auf- einander ein. Mit Mühe gelang es dem herbeieilenden Mönch, die Streitenden zu beruhigen. An ein Schlafen war nun die ganze Nacht nicht mehr zu denken. Endlich, gegen 5 Uhr, wurde geweckt. Zum Waschen begab man sich zu einem großen, in einer Ecke des Daches befindlichen Faß, Um diesen mächtigen, mit Wasser ge- füllten Kübel stellten sich alle herum und wuschen sich, natürlich ohne Seife. Eine unzureichendere und zugleich ekelhaftere Ein- richtung zum Reinigen läßt sich kaum denken. Dann wurden wir in die Kirche, die sich am Kloster befand, geführt. Hierauf gab es im Etzzimmer den Morgenimbiß: eine Suppe mit Brot. Zuerst wurde gebetet. Ich hatte aber meine Portion noch nicht zur Hälfte gegessen, als bereits die Morgcnmahlzeit von dem überwachenden Mönch für beendet erklärt wurde. Was half's, ich mußte meine Suppe halb stehen lassen und steckte das Brot in die Tasche, Dann wurde wieder gebetet, wonach sich die Anwesenden in den Ver- sammlungsranm begaben. Während bisher aller Aufsichtsdienst von den Mönchen versehen worden war, erschien jetzt in.der Tür ein stämmiger, wild aussehender Knecht und schrie:„Herausl Heransi", als wenn er Hunde herausjagen wollte. Das war das Signal zur Arbeit, Mit Schippe und Hacke bewaffnet zog die Schar langsam ins Freie. Ich hatte genug. Das Ganze machte auf mich einen derartig niederdrückenden Eindruck, daß ich froh gewesen bin, als ich wieder außerhalb des Bereiches dieser von den Trappisten geleiteten Anstalt war." Damit diese Tarstellung nicht etwa abgetan werden kann mit der Redensart, daß sie ja dock nur von einem„Hetzer" her- rühre, sei mitgeteilt, was der Verfasser über die„moralische Mission" der Wanderbettler sagt: „Die meisten Menschen glauben nun, daß es keinen über- flüssigeren Mann auf der Welt gebe als einen Bettler, der verzehrt. obwohl er nicht arbeitet, und jedermann zur Last ist. Das ist richtig. Aber wer tiefer schaut, wird zur Erkenntnis kommen, daß, wie alles in der Welt, auch der Bettelmann seine Mission hat. Man denke sich nur einen reduziert aussehenden, stellenlosen Kaufmann, der in einem Bureau erscheint, um eine Unterstützung zu erbitten. Welch einen Eindruck macht die Erscheinung eines solchen Armen auf den Prinzipal und die Angestellten l, Die Mehrzahl der An- wesenden glaubt, in ihm einen entlassenen Verbrecher zu sehen, der -ine Unterschlagung begangen hat und nun für seinen bösen Streich Nxütcr büßen muß. Wird ein solcher Mann nicht abschreckend ans diejenigen ivirken, die noch in Stellung sind? Wird nicht so mancher junge, zum Leichtsinn neigende Mann, der vielleicht auch schon mehrmals den dämonischen Gedanken einer Veruntreuung in sich genährt hat, durch den Anblick des bettelnden Kollegen daran ge- mahnt, welch schreckliche Folgen eine schlechte Tat hat? Wird ihm nicht die plötzliche Erscheinung des Heruntergekommenen wie ein Fingerzeia, wie eine ernste Mahnung Gottes vorkommen, bestimmt. ihn von"einem sündhaften Treiben abzuschrecken,? Und ferner: Richtet sich nicht so mancher im Unglück Befindliche an dem Anblick eines noch Aermerew und Unglücklicheren auf? Und würden die ohnehin so kalten Herzen der Menschen nicht ganz verhärten, lvenn sie nicht beim Erscyeinen eines Armen erweicht und zur Wohltätig- keit gestimmt würden?" Daß dies kein Sozialdemokrat schreiben kann, ist selbst- verständlich. Wer das schreibt, lebt ganz in den Vorstellungen eines frommen christlichen Gemütes ohne ökonomische Klarheit. Um so wirksamer aber seine Kritik an dem Scheinchristentum. Organisation der NahrungSmittelkontrolle. Die beteiligten preußischen Ministerien richten ckn die Ober- Präsidenten einen Erlaß, worin sie ausführen, daß die Nahrungs- mittclkontrolle bisher nicht wirksam genug ausgeführt worden ist, weil sie meistens der nötigen Organisation entbehrt. Es wird des- halb den Oberpräsidenten eine solche Organisation unter Anlehnung an vorhandene Beispiele in einzelnen Bezirken empfohlen. Haupt- sächlich wird die Schaffung öffentlicher Untersuchnngsanstalten empfohlen, die mit wissenschaftlich geschulten Kräften besetzt sind und sich ans den Untersuchungsgebühren erhalten. Uevcr die Tätigkeit der Kaufmannsgerichte sollen nach mini- sterieller Anordnung ähnliche amtliche Feststellungen gemacht wer- den, wie sie bisher schon über die Gewerbegerichte gemacht wurden. Bcrgpolizeibcstimmungcn als Ausfluß des Aufsichtsrechts der Bergbehörden über„den Bergbau" gemäß§ 196 des Berggesetzes finden nach einer Entscheidung des Kammergerichts nicht bloß auf den Grubenbau an sich Anwendung, sondern auch auf Einrichtungen. die diesem dienen, z, B. das Schachtgerüst. Das Kammergericht billigte die Verurteilung des Betriebssührers Flesch von der Hütte „Gute Hoffnung" zu Oberhausen wegen llebertretung einer solchen Bergpolizeiverordnnng, weil er beim Umbau des Schachtgerüstes einer Zeche Kabel ohne die vorgeschriebene Bremsvorrichtung benutzen ließ. Arbeiter der Hütte fiihrten unter seiner Aufsicht die Arbeit auf der Zeche durch, welche die Hütte damit beauftragt hatte. Das Kammergericht führte noch aus: Das Schachtgerüst mit der Fördervorrichtung diene zweifellos dem Betriebe des Bergbaues. Zur Sicherheit des Bergbaues gehöre auch die des Schachtgerüstes. Unterstehe demnach dieses der bergpolizeilichen Aufsicht, so müßten ihr auch die Arbeiten zum Aufbau oder zum Umbau des Schacht- gerüstes unterstehen. Gleichgültig sei. von wem derartige Arbeiten ansgesührt würden. Für die Nichtbefolgung der bergpol, zersichen Vorfchriften beim Umbau hafte der Betriebsführer der Hütte, unter dessen Leitung die Arbeit erfolgte.— Die JahreSkonfcrenz der bayerischen Gewcrbe-Jnspektoren, die jetzt in München abgehalten wurde, behandelte folgende Gegenstände: 1. Mitteilung über die Lage der Industrie und der Wirtschaft- lichen Verhältnisse im allgemeinen. 2. JnspektionStätigkeit im Jahre 1905, Stand der Beziehungen der Gewerbe-Aufsichtsbcamten zu den Arbeitgebern und Arbettern. 3. Welche Beobachtungen wurden bei den Inspektionen der tech- nischen Betriebe der tgl. Staats-Eisenbahnverwaltung gemacht. 4. Beratung des Entwurfes zu den Sicherheitsvorschristen für Aufzüge. 5, Erscheint eS wünschenswert oder notwendig, eine einheitliche Regelung der Aushänge in den Werlstätten der Kleider- und Wäsche- konfektion, Putzmachereien usw. vorzunehinen? 6. In welcher Weise wurden von der höheren Verwaltungs- behörde in Bade- und anderen Kurorten die Ruhezeiten für Ge- hülfen und Lehrlinge über 16 Jahre in Gast- und Schankwirtschaften während der Saison festgesetzt, und besteht ein Bedürfnis, hierin eine Aenderung eintteten zu lassen? 7. Welche Erfahrungen liegen über das vom Reich erworbene Verfahren zur Herstellung von Zündhölzern vor, besteht die Absicht, das Verfahren anzuwenden oder zu anderweitiger Fabrikatton über- zugehen? 8. Beratung über den Entwurf oberpolizeilicher Vorschnften für die Aufstellung und den Betrieb von Sauggasmotoren. 9. Welche Erfahrungen wurden gemacht beim Vollzuge des Kinderschutzgesetzes vom 30. März 1903? 10. Welche Schwierigkeiten ergeben sich jetzt noch be, der Durchführung der Bestimmungen über den Betrieb von Bäckereien vom 4. März 1896, welche Erfahrungen liegen über das Lehrlings- verhälttiis und die Ausbildung der Lehrlinge in Bäckerei- betrieben vor? 11. In welcher Weise sollen die Streiknachweisungen im Jahres- berichte künftig verwettet werden? Bauernlegen. Der Herzog Engelbert von Arenberg hat abermals ein im Kirchspiel Lüdinghausen gelegenes, 240 Morgen großes Kolonat käuflich erworben. So kaust Herzog Engelbert in der Umgebung seiner neuen Residenz Nordkirchen nach und nach alle Bauerngüter an. Die Arbeitszeit im Buchhandel. Nach den Feststellungen des Beirats für Arbeitcrstatistik soll in Leipzig, der Metropole des deut- schen Buchhandels, eine tägliche Arbeitszeit von 9 bis dVi Stunden bestehen. Auf der am Sonntag in Leipzig abgehaltenen Landes- Versammlung„Königreich und Provinz Sachsen und Thüringen" der allgemeinen Bereinigung deutscher Buchhandlungsgehülfcn, die durchaus nicht im Gerüche eines allzu radikalen Bertrctens von Handlungsgehülfen-Fordernngen steht, wurde indessen festgestellt, daß die Arbeitszeit im Leipziger Buchhandel in der Tat, namentlich in den Kommissionsgeschäften und Zcitungscxpeditioncn, 10 bis 12 Stunden beträgt. Es ist aber auch eine allgemein bekannte Tat- fache, daß während der Weihnachtszeit und vor der Kantatemcsse in vielen Geschäften oft wochenlang eine Arbeitszeit von 14, ja 16 und 13 Stunden üblich ist, für die es keine Ueberswnden- bezahlung, sondern nur eine magere Gratifikation gibt, die aber so spät zur Auszahlung gelangt, daß oft der Gehülfc in dem betreffen- den Geschäft nicht mehr tätig ist und ihrer deshalb verlustig geht. Die oben erwähnte Landesvcrsainmlung stellte folgende Forderungen auf: 1. Gesetzliche Festlegung der neunstündigen Maximalarbeitszeit beztv. der dreizehnstündigen Minimalruhezeit bei zweistündiger Mittagspause: 2, gesetzlicher Siebenuhr- bezw. bei durchgehender Arbeitszeit Fünfuhr-Geschäftsschluß; Beschränkungen sind nur ge- mäß 8 165c der Gewcrbe-Ordnung zulässig; 3. völlige Sonntags- ruhe ohne irgendwelche Nusnahmen; 4. ein gesetzlicher Urlaub von mindestens vierzehn Tagen; 5. Handelsinspcktorcn aus dem hülfensiande mit gleichen Vollmachten wie die Gewcrbeinspektoren. )Uus der frauenbewe�ung. Der Verein für Franc» und Mädchen in Adlcrshof hielt Montag bei Wöllstein seine Mitgliederversammlung ab. Der Vortrag des Herrn Braun über die Feuerbestattung war sehr lehrreich und wurde mit vielem Beifall anfgenommen. Im Verein wurde be- schlössen, im Januar' 1906 einen Maskenball abzuhalten. Wilhelmsruh. Die nächste Sitzung des Bildungsvereins für! Frauen und Mädchen findet Donnerstag, den 12. d. M., bei Lieber.1 mann, abends 8V3 Uhr, statt. Gäsre willkoimncn. Der Vorstand. Tviir de» Jnlialt der Jnierate iibciniiiimt die Redaktio» de», Pnblikui» gegenüber teiuerlci Bera»»vortt»ig. HKeater. Donnerstag, 12. Oktober. Sinsang l'l, Uhr: OPoruhauS. Die Heirat wider Willen. TchauiPielhmiS. Götz von Vcr- lichingen mit der eisernen Hand. Zins. 7 Uhr. Neues. Ein SommernachtSIraum. Weste». Der Zigcuncrbaron. Sliifaiig 8 Uhr: Schiller t». lWnlliicr-Theater.) Der Traum ein Leben. Schiller>.(Friedlich Wilhelm- ilädlischcs Theater). Flachsmann als Erzieher. Zentral. Zur indischen Witwe. "eisiiig. Stein unter Steinen. Residenz. Die Höhle des Löwen. Walhalla. Eine tolle Ztacht. Kleines. Hidalla. Trialio». Madame Torcra. Lustibielliaus. Der Famtlientag. Thalia. Bis srüh um Fünse I Carl Weist. Der Weltumseglcr wider Willen. Luiian. Das Elbe. Deutsch- Zluicrikauisches. Aber, Herr Herzog! Kasino. Ter Sldelsnarr. Apollo. EinZlbend in einem amerika- iiischcn Tingcl-Tangel.— Am Hochzeilsabend.— Spczialiiätcn. Meeropot. Zins— ins Mctropol l Hcrrufcld. Die MeverhainS. Wiiitergartc«. Rosario Guerrero. Spezialitäten. Bellc-Zllliauce. Spezialitäten. Folics CapriccS. Nach dem Zapfen- streich. Soll und Haben.— Spezialitäten. Rcirlishallr». Stettiner Sänger. Passage. Robert Koppel. Marshall, der Mann mit den Hüten. Georg und Gusti Edler. llrania. Tnnbrustrastr 48/tS. Abends 8 Uhr: Im Lande der Mittelwachtsfonne. 8 Uhr: Dr. Thefing: Das Wissen vom Leben. Jupalidcustraste 57/02. Stein- Warle. Täglich geölstiel von 7 bis 1l Uhr. Serlinerlliester. Donnerstag, den 12. Oktober: Eröffnungs- Vorstellung Andalosia. Dramatisches Gedicht in 5 Akten von Florian Endli. Ansang l'l, Uhr: Freitag u. folgende Tage: /lnilalori». Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr: Andalotla. Heues Theater. Ansang T'/s Uhr. Sin Senunemaehtstraum. Morgen u. solgende Tage: Ein SommernachtStraum. llleines Theater. AbcndS 3 Uhr: »!«»-,»«. Freitag, Sonnabend: Uilialia. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Lore. Hieraus: Der zerbrochene Krug. ' Abends 8 Uhr: Hidalla. Theater des Westens. Station Zoolog. Garten. Kantstr. 12. Donnerstag: Der Zigeuncrdaron. Ansang 7'/, Uhr. Freitag: i. Vorstellung im Freitags- Abonnement; Der Qpernball. Sonnabend nachm. 3 Uhr, kl. Preise: Nathan der Weise. Abends VL Uhr zum erstenmal: Die Zaubcrstöte. Sonntag nachm. 3 Uhr, Halle Preise: Der Troubadour. Abends 7'/z Uhr: Der Opernball. Montag: Der Lpcrnball._ Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Das Erbe. Freitag: Kean. Sonnabend: Der jüngste Leutnant. Sonnlag nachm.: Wilhelm Teil. Abends: Kean. Montag: Das Erbe._ Trianon-Theater. Heule und solgende Tage: �adarne Torera (Madame L'ordonnance). Schwank in 3 Akten v. Jules Ehancel. Deutsch von Mar Schoenau. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm.: v»» k!iid« der Liebe. Walhalla Theater Weinbergsweg 19,20. Direktion: Richard Schnitz. Heute und solgende Tage: Eine tolle j�ackt. Vorher: Gr. SpezialilSIen-l'rograimn. Ans. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. ö.us�spislksus. Zlbcnds 8 Uhr: Oer familientag. (Jrania Ä 8 Uhr: Im Lamle lier Mittemaehtesomie. 8 Uhr: Dr. Theshig: Das'Wissen vom Leben. Sternwarte ,,,,a"den- str. 57(62. Frietlriohstr. 185. Joels Traum. £1 Pompeji n Die Ehre de» Vater»! Restaurant: BBp- Dresdener Sanger.<9%$ 9'/, Uhr der Liebling Amerika? I »Jerome Amerikas bester weiblicher Komiker! 10 Uhr i Gebr. WilU die besten Akrobaten der Welt! 10>/«Uhr:�E M»" 10'/« Uhr: I�etTte Woche! Ein Abend in einem amerikanischen iHfT" Tinarel-Tmijiol.~�H1 Nur»och bis 15. Oktober! Metropol-Thealer Präzise 8 Uhr zum 34. Male: I Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Kapellmeister Max Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Waiden a. D.x Miß GIM a.D. Bender x Giampietro Josephi x Massary x Frid-Frid Steidi x Lilly Walter. Rauchen in all. Räumen gestattet. Anfang 8 Uhr. KasinosTheater Lotbringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Glänzender Erfolg! „Ver Adelsnarr" h'eu! Rheingold-Trlo. Slsia mit drcsicrtem Pfau zc. er. Sonntagnachmittags 4 Uhr: ,,llin Soda des Volkes." Ussiilelii-IliesISs. Oirehrisn: Richard Htexander. Heute und folgende Tage: Ansang 8 Uhr: Die Höhle des Löwen. schwank in 3 Akten v. M. Hennequtn und P. Bilhaud. Sonntag nachm. 3 Uhr: Herkulespillen._- dSebrildcr Herrnfeld-Theater. Zum»78. Male: Sie Ä» Komödie in drei Akten mit den Autoren »nton und Donai Herrnfeld in den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Borverk. 11-2 Uhr. In Borbercitung: Den Eanilllentag-. Eine Erbschastslomödic von Anton und Donat Herrnfeld. Gsr! Weik-skesler. Gr. Frantjurlerslr. 132. llep Veiturnzeglei' willei' Willen. Ansang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend nachm.: Kinder- Vor- stellung: Die sieben Raben. Abends: Der Widerspenstigen Zähmung._ Otto Pritzkows Uorliucr .IfUnzHir. IG. Skelett-Mensch der einzig eMicrcnde, ohne Kon- kurrenz, 22 Jahre alt, SSPsd.schwcr. , Mne-Mny-Mni??? |_____ Knti-cr.4» Ft. Schiller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). D o n» e r S t a g, a b e n d S 8 U h r: Der Traani ein Leben. Dramatisches Märchen in 4 Aufzügen von Franz Grillparzer. Freitag, abends 8 Uhr: Flaclisiuann als Erzieher. Sonnabend, abends 8 Uhr: Kin Wliitcriniirehen. Schiller-Theater H.(Friedr.-Wilh. Th.) Donnerstag, abendSOUHr: Flaehamann als Erzieher. Komödie in drei Auszügen von Otto Ernst. Freitag, abends 8 Uhr: ■Augen recht». Hieraus: Zum Einsiedler. Sonnabend, abends 8 U b r: Elaclismaiin als Erzieher. mmmmmmmmm® reit Volksbühne.* L'raufiührung für Berlin, III. Serie: Die Wölfin. Von Giovanni Verga. Fräulein Freschbolzen. Komödie von Klara Piebig. Darstellerin der Titelrollen: Frau Rosa Berten». Sonntag, den 15. Oktober, nachmittags Z'/e Uhr: Mcfropol-Theafer. Carl WeiO-Theater. 13. 14. Abteilung: Der Panzer und 8./0. Abteilung: Egmont. Trauerspiel in 5 Akten von W. Goethe. Nummer Achtzig 9. Kunst-Hbend Dienstag, den 17. Oktober er., abends SVs Uhr, �chnmanii-Heine Vortragender: Dr. Max llirschbcrg:, Dozent der Musikgeschichte an der Humboldt-Akademie. Sonnabend, den 14. Oktober, abend» 8'/: Ehr, in der Brauerei Priedriohshain: & Herbst» Fest. � Festmarken a 60 Pfg. inkl. Programm in allen Zahlstellen. Gastkarten a 75 Pfennig. JVHtwu'hcnde: gemischte Battkesche Chor. Leitung; Max Batike. Konzertmeister Alexander Wittenberg. Fräulein Ellinor Westa, Konzertsängerin. Fräulein Olga Pommerenk, Pianistin. Herr Alexander Oallmann, Oratoriensänger. Herr Kapellmeister Hans Hochapfel. Zur Aufführung gelangen u. a.: Die Kreuzersonate.......... L. v. Beethoven. Schön Ellen(Battkcscher Chor).... Max Bach. Loreley Finale(Battkeschcr Chor.) Der Vorstand. 229/19 Die Geschäftsstelle und Kassenverwaltung: G. Winkler. Der ge Solisten: ' XI. Berliner Saison.' Zirkus Busch. DM- Zum%£. Male:"W Mexiko. Große Ausstattungs- Pantomime aus dem mexikanischen Pflanzerleben Inszeniert vom Kommissionsrat Busch. 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Schneidebohnen Vi Dose 24 pf., ca. 3 Pfd.- OjX Dose OvJ Pf, ca. 5 Pfd.- CQ Dose Pf. Wachsbohnen Wachsbohnen PfefFerlinge Spinat Spinat Kaiserschoten I Kaiserschoten I Kaiserschoten II Kaiserschoten II Vi Das« 42 Pf. 28 pf. 48 pf. 45 pf. 28 pf. 1.25 68 pf. 1.10 60 pf. v. », >/. v. Vi V, Vi V, Stachelbeeren Stachelbeeren Preisseibeeren Vi Dose 65 Pf. V, Dose 38 Pf. V, Dose 58 Pf. ca. 5 Pfd. ca. 10 Pld. Preisseibeeren 1.40, 2.70Mk. Reineclauden v. Dose 63 pf. Schoten extra fein v. Do» 90 pf. Schoten extra fein>/,.. 50 pt. Schoten I>/... 80 pf. Feine Schoten v,.. 52 pf. Junge Schoten v... 48 pf. Schoten v,.. 38 pf. Schotenu-Karottenv.„ 60 pr. Stangenspargel II v.„ 1.20 Stangenspargel II«/.Dose 65 pf. /, D. Vi D. Stangenspargel III«/. Stangenspargel III>/. Riesenbruchspargel Riesenbruchspargel Bruchspargel es� Bruchspargel Bruchspargel Bruchspargel«/. Abschnittspargel«/. Saure Kirschen �„,„65, 38 pf. Dunstfrüchte Stachelbeeren, Johannisbeeren Pflaumen Ohne Steinen Kirschen mit Steinen Heidelbeeren, Birnen pf. 80 Pf. 45 pf. 1.35 73 pf. 1.20 65 pf. 58 pf. 34 pr. 38 pc D. V, D. Bratheringe dos. 47 pr. Bismarckheringe dos. 47 pr. Delikatessheringe d. 52u.83 pr. Russ. Sardinen«-.25 pr. Anchovis«-.25 pr. Oelsardinen La Rose � 35 pr. Oelsardinen La Martell 45 pr. Saure Kirschen ZU*. 95, 53 pr. Dunstfrüchte m zucken KirSChen ohne Steinen Glas 72 Pf. Aprikosen, Pfirsiche«--> 1.40 Himbeeren«-. 90 pc. Französische Oelsardinen V« Dose'/, Dose Chancer.lle freres 8 5 Pf. 1.40 Mk. Amieux freres 90 Pf. 1.50 Mk. „» in Tomaten 85 Pf. EiTüIsen- frücl\te Grosse Linsen Pfund Mittel Linsen„ Victoria-Erbsen. Kleine Erbsen„ Grosse Bohnen„ Mittelbohnen.. Kleine Bohnen Rangoon-Reis» Japan-Reis„ Java-Reis pr-nd 24». 36 pr. 30 pr. 1 6 pr. 14 pr. 24 pr. 20 pr. 1 8 pr. 1 6 pf. 20 pr. 30 pr. Deutsche Maccaroni stark und fein Pfd. 32 Pf. Italien. Maccaroni stark und fein Pfd. 40 Pf. Schnittnudeln pfd,40pf. Gebrannter Kaffee Mischung II III IV Pfd . 95 Pf. 1.10 1.35 Mk. Deutscher KakaO<"*■ 90-f.. 1. 15 Holländisch. KakaO p«. 1.30. 2.10 Block-Schokolade Pfd. 70 pf. Haushalt-Schokolade Pfd. 80 pf. Vanille-Schokolade Pfd. 1 Mk, 1.20 Dessert-Schokolade Pfd. I.eo Junge Gänse pfd, 60 pf. Geräueh. Gänsebrust Pfd. I.40 Moselwein Rlieinwein Pfalzwein Bordeauxwein ■/, Fl. inkl. Obermoseler 55 pr. 1902" Burger 70 pf. 1 902" Ernster Mark 75 pc 1 902" Reiler Sorentbg. 1 Mk. 1 903" Zeltinger 1.1 o 1902" Enkircher StefTansberg 1.40 1901"Dhroner 1.40 1 902" Berncastler 1.40 KönigU Gymnasium Trier, Puder 20. 1 903" 1 902« 1900" 1 902" 1 902" 1900" 1 902" 1 900" Vi Fl. inkl. Alsheimer 10 Ft. Lorcher 80 pc Niersteiner l.io Oppenheimer l.io Rüdesheimer 1.20 Geisenh. Decke 1.40 Binger Rochusbg.l.40 Rüdesheimer Rottland 1.80 ■/, Fl. inkl. 1900" Deidesheimer 1.40 1902" Königsb.Riesling 1,40 1 900" Neustädter Kies 1.so 1 902" Deidesh. Schloss 2.40 OriginalfUllung von F. P. Buhl, Deidesheim. 1 900"„ Vogelgesang 3.50 Originalfüllung von F. P. Buhl, Deidesheim. 1 902" Forst. Kirchenstück Riesling 3.70 Originalfüllung von F. P. Buhl, Deidesheim. 1 900" Forst. Pechstein Riesling �crnV0rs.Kirchen' 4.95 1901" 1900" 1900" 1 899" 1 899" 1 899" 1900" 1900" V, Fl inkl. Pauillac 80 pr. St. Vivien 95 pr. Latresne 1 Mk. Libardac Listrac 1.25 St. Julien I.30 Beychevelle 1.40 Chat. d'Agassac 1.60 Chat. Desmirail 1.80 Südwein y Madeira v. n. inu. 1.25 Alter Madeira„ l.eo Feiner alter Madeira.. 2.60 Samos II„ 80 pt Samos I.. 1 Mk- Tarragona-Portwein.. 90 pf. Englisch Porter Portwein Ilj>/, inkt 1.25 Portwein I„ 1.70 Alter Portwein.. 2Mk. Feiner alter Portwein.. 2.50 Sherry II 1.20, Sherry I 1.50 Alter Sherry. 2 Mk. Imperial stout, Flasche 35 Pf. inkl. Cog'imc, Rum, ArraK '/, Fl, inkl. Deutscher Cognac 1.20»». Feiner deutsch. Cognac 1.75 Französischer Cognac J. Dupont& Co, Goldetikette 3 Mk. IJas. 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Werin verlangt worden sei, dab die Frauen sich sämtlichen Klassen anschließen können, so liege ja eine gewisse Berechliguug darin, aber zugleich auch eine gewisse Gefahr der Ausniltzung. Einen eigenliiinlicheren Grund gegen eine Beitragserhöhung als den. man könne sie vor den Mitgliedern nicht verantworten, könne er sich nicht denken. Der Verband sei um der Mitglieder vorhanden, und wer sich hier überzeugt habe, daß der Verband ohne die höheren Beiträge Schaden leide, der müsse für diese slimmen, das sei seine Pflicht, das Buhlen um die Gunst der Mitglieder könne für den Verband verhängnisvoll sein. Die Kämpfe werden größer und schwerer lverden, das sei sicher, und die Mittel werde» immer mehr in Anspruch genommen werden! deswegen könne niemand die Garantie geben, daß in der Zukunft Extra- beitrüge und Beitragserhöhungen nicht mehr kommen lverden. Deswegen stimme er persönlich auch für 10 Pf. Erhöhung. Auch die Kommission war nach langeni Rechnen z» der Meinung ge- kommen, daß eigentlich 10 Ps. nötig sind, und sie hat die 10 Pf. nur nicht beantragt, weil die Wirkung der Siatutetiänderung erst einmal abgewartet werden soll, deswegen sei man lieber ans 2lb- striche an den Unterstützluige» zurückgekommen. Bewillige die Generalversammlung aber auch dte 5 Pf. nicht, dann müsse die Kominission ihren Entwurf zurückziehen, weil er trotz der Abstriche dann nicht durchführbar sei. Die Bestimmung, daß nur diejenigen, die entlassen werden, als arbeitslos im Sinne der Untersiützungs- bcrechligung anzusehen sind, aus dem Statut herauszunehmen, sei unmöglich, weil dann die Unterstützungen auf die doppelte Höhe steigen würden, und weil dann der Willkür Tür und Tor geöffnet würde. Wenn gesagt worden ist, daß auf die einzelne» Mitglieder- antrüge keine Rücksicht genommen worden sei. so ist das falsch; jeden Antrag hat die Kommission in Erwägung gezogen und nianche Anregung benutzt. Redner geht dann auf verschiedene Aenderungen des Statuts ein, die er in seinen ersten Ausführungen nicht berührt habe. So ist in§ 17 der Vorstand von 5 auf 7 erhöht, um eine» besoldeten Sekretär und einen Beisitzer. Auch können solche Personen künftig gewählt lverden, die nicht auf der Generalversannnlung an- wesend sind, so daß man besoldete Vorstandsposten auszuschreiben in der Lage sein wird. K 17a sieht im Statut die Gauleiterorgani- ation gemäß der von der Generalversammlung angenonnnenen Ne- olution vor. In Z 19 ist die Bestimmung gestrichen, daß der Aus- schuß über Streiks entscheidet! dies bleibt künftig dem Vorstande überlassen. In 8 22 ist das Vertretungsshstcm zu den General- Versammlungen geändert, statt auf 300 sollen auf 400 Mitglieder je ein Delegierter kommen, jedoch nicht mehr als fünf für einen Wahl- kreis, damit die kleinen Zahlstellen nicht einmal von den großen majorisiert werden können. Er hoffe, daß in der Spezialdiskiission tiltd bei der Abstimmung sich die Delegierten ihrer Verantwortung für das Wohl des Verbandes und der Gesamtarbeiterschaft Delitsch- lands bewußt sein werden. Der Entwurf müsse einstimmig angenommen werden. Es folgt die Spezialdiskussion. K 2. Schmidt- Nauen frägt, warum die provisorisch Aufge- nommenen im„Tab.-Arb." veröffentlicht werden. v. Elm: Das sei erforderlich, weil dadurch die Arbeit des Vor- standes entlastet werde. Ausnahmen da, wo Maßregelungen zu be- fürchten sind, können gemacht werden. KrauS- Lippstadt ist auch gegen die Bestimmung, bezw. daß gemäß der Erklärung Elms vorgegangen wird. K 2 wird in der Kommissionsfassung angenommen. § 8, zugleich der Antrag Krohn, den Beitrag um 10 Pf. zu er- höhen. Frau Behnert erklärt, daß die Dresdener Zigaretten- arbeiterinnen sich von der Notwendigkeit der Beitragserhöhung über- zeugen lassen und deswegen dem Verbände nicht den Rücken kehren werden. Sa f t m a n n- Seishennersdorf stellt den Antrag, daß auch iche Mitglieder der Klasse I bettreten können, dann könne man auch Beitragserhöhung annehmen. Banz- Lübeck empfiehlt den Antrag Krohn, aber Ablehnung jeder Herabsetzung der Leistungen. L a n g n e r- Ohlau: Seine Mandatgeber stehen auf dem Stand- punkte, daß sie entschieden nicht höhere Beiträge leisten können! das seien Leute, die nur von Kartoffeln und Hering leben und sich als Delikatesse für 1b Pf. Knochen kaufen. Trotzdem werde er für b Pf. Erhöhung stimmen, weil der Verband sie nach seiner Ueberzeugung unbedingt brauche. Krohn- Ottensen empfiehlt seinen Antrag. U h l i g- Dresden ist nur deswegen aus agitatorischen Gründen gegen die Beitragserhöhung, wenn mit ihr eine Bcschnciduiig der Leistungen Hand in Hand gehe. Dann sei er lieber für 10 Ps. D e i ch m a n n widerspricht der Bcsiirchtung. daß die Beitrags- erhöhung eine Verminderung der Mitglieder zur Folge habe. Es komme alles auf die Agitation an. Er ivolle lieber vor die Mit- glieder treten und von ihnen 10 Pf. Beitragserhöhung verlangen, als im Kampfe ihnen sagen: Ahr müßt zurück in die Fabriken, wir haben keine Mittel mebr. So müßten alle Delegierten denken, dann wird auch kein Mitglied verloren gehen. Schmidt- Schwedt ist gsgen 10 Pf., aber für b Pf. Erhöhung. Müller- Berlin tritt dafür ein, den Kolleginnen den Beitritt zur Klasse IV zu ermöglichen. Henke- Bremen: Wir haben bei unseren Beschlüssen nicht auf die schlechtest gestellten Kollegen, sondern auf die Leistungsfähigkeit des Verbandes Rücksicht zu nehmen. Es wird immer Kollegen geben, die ihrer schlechten Lage.wegen dem Verbände nicht beitreten können. Erhöhen wir die Kampffähigkeit des Verbandes, dann dienen wir auch den schlecht gestellten Kollegen, da der Verband erst dann in die Lage kommt, für die Verbesserung der Lage auch der schlechtest- gestellten Kollegen wirksam einzutreten. Daß Kollegen und Kolleginnen sich zum großen Teil in den höheren Klassen versichern, das beweist doch, daß sie in der Lage sind, höhere Beiträge zu leisten. Der Blick muß nicht nach unten und nach rückwärts ge- richtet sein, sondern immer nach oben und vorwärts. Auch er sei für 10 Pf. Erhöhung. Es ist ein Antrag Müller eingegangen: Weibliche Mitglieder haben das Recht, in den Klassen I, II und Na, die einzuschieben find, einzutreten. M ü l l e r- Berlin begründet den Antrag. Die Klasse Ua hätte 45 Pf. Beitrag zu leisten. v. Elm: Die große Mehrheit der Kommission ist mit dem Antrage Müller einverstanden. Die Krankcnunterstützung würde in dieser Klasse pro Woche 5,25 M. betrogen. D i e k e« Frankcnberg und S t c lt e r S- Oftersheim sind für die Konimissionsvorlage. Bei 10 Ps. Erhöhung werde man auf un- überwindbaren Widerstand bei den Mitgliedern stoßen. Nachdem weitere Redner ihre Stellung zu den Kommissions- und Zusatzanträgen präzisiert hatten dahin, daß man lieber für 10 Pfi Erhöhung ohne Abstriche an den Leistungen als für 5 Pf. mit Abstrichen fem möge, weist Deich mann nach, daß es auch bei 10 Pf. Erhöhung nicht ohne Abstriche gehen werde, daS bisherige Defizit bei den Unterstützungen werde wohl beseitigt, für den Kanipf werden aber wesentliche Mittel nicht gewonnen werden können. Auch er sei der Ueberzeugung, daß es immer Kollegen geben werde, die auch die niedrigsten Beiträge nicht leisten können. Daß sie eS einmal können, das sei ja eine der Kampfaufgaben des Verbandes, zu deren Lösung beizutragen die Pflicht der bessergestellten Kollegen sei. v. Elm legt dar, daß auch bei 10 Pf. Beitragserhöhung die Krankeiinnteistiitzung nicht höher als im Verhältnis 1: 21 werden könne, der bisherige Satz von 1: 27 sei auf jeden Fall undurch- iiikrbar, wenn nicht die für gewerkschaftliche Zwecke bestimmten Mtttel geschmälert werden sollen. Seiner Ueberzeugung nach sei es besser. Abstriche bei der Kraiikeinmterstiitzung zu machen und die Beiträge nicht zu hoch zu schrauben. Kitz ing- Gera warnt davor, durch Schaffung einer Klasse IIa nach dem Antrage Müller die Krankeauntersiützung, das Schmerzenskind dieser Generalversainmlnng, noch mehr zu belasten. Darauf wird in namentlicher Abstimmung der Antrag Krohn, l0 Pf. Beitragserhöhung bei einer Krankenunterstützung im Ver- hällnis 1: 21 mit 50 gegen 20 Stimme» abgelehnt, der Komimsfions- mittag, 5 Pf. Beitragserhöhung hei derselbe» Leistung im Verhältnis 1:2l. mit 05 Stimmen gegen 5 angenommen. Der Antrag Müller-Berlin auf Schaffung einer Klasse Ha für weibliche Mitglieder mit 45 Pf. Wochenbeitrag wird mit 39 gegen 22 Stimmen abgelehnt. Der ganze§ 3 wird dann gegen 5 Stimmen angenommen. Mittagspause. Sonnabend Ii achmittag-Sitzung. Es folgt die Diskussion über ß 7— Streikuntersiützimg. Banz- Lübeck beantragt, für jedes Kind statt 50 Pf. wieder 1 M., wie bisher, als Zuschuß zur Streikniilerftützmig zu geivähren. Deich mau»: Es ist nötig geworden, die Streikunterstützung gleichmäßig festzusetzen, wenn auch vorkomme, daß manche Personen iveniger verdiene», als der Höchstsatz der Streiklnitersiüyuitg be- tragen soll. Aber das kam auch schon unter den alten Bestimnmngen vor. Dadurch, daß künftig nach dem Verdienste gezahlt werden soll. wird dieser Uebelstand vermieden. Es ivird beantragt, an Stelle der Worte»für Kinder unter 14 Jahren" zu setzen«für Kinder, zu deren Eriiähruug oder Unterhaltung der Streikende ve, pflichtet ist", zusetzen. Niendorf beantragt. statt„Kinder" überhaupt„Personen" zu setzen. Der Paragraph wird angenommen, mit der ersten Abänderung. Der Antrag Banz, ebenso Niciidorfs sind damit abgelehnt. KS— Gemaßregeltenunterstützliiig wird ohne Diskussion an- genommen. § 9— Arbeitslosenunterstützung. Ein Antrag will die Unter- stütziing am Tage nach der Meldung beginne» lasse»! ein weiterer untersagt die Gewährung von Arbeitsloseiiiinterstlitzung an Invaliden. Vogel- Kottbus begründet den ersten Antrag. Uhlig-Dresden den zweiten. Dem ersten Antrage widerspricht v. Elm. weil dadurch die Verbandskasse zu stark belastet werde. Der zweite Antrag sei eigentlich selbstverständlich. Es sei besser, ihn im Statut ausdrück- lich festzulegen. Auch Deichmann ist gegen den Antrag Vogel. Der Antrag Vogel wird abgelehnt, der Antrag Uhlig an- genommen, ebenso der durch diesen Antrag veränderte ganze ß 9 gegen 2 Stimmen. § 10— Reiseunterstützung—- wird ohne Debatte ange- nommen. ZU— Krankenunterslützung. Ein Antrag will die Zahlung vom Tage nach der Meldung beginnen lassen. Er wird nicht ge- niigend unterstützt Keller- Freiberg beantragt, an Stelle des Kalenderjahres das Krankenjahr zu setzen. D e i ch m a n n widerspricht, weil das eine weitere Streichung zliungunsteit der Kranken wäre. Der Paragraph wird in der Kommissionsfassung angenommen. Z 12— Wöchnerinnenunterstützung— ebenfalls. § 18— Sterbeunterstüpung. Banz beantragt, daß die alten Sätze bleiben mögen. Deichmann protestiert dagegen, daß die neue Fassung als eine Beschneidung angesehen werde. Es ist nur eine andere Regelung. Der Paragraph wird angenommen. Z 17— Verwattllng— wird ohne Debatte angenommen. Z 17a— Gnuleiter— desgleichen. Z 19— Allsschuß.— Die Kommission beantragt, den alten Absatz 3 betreffend die Tätigkeit des Ausschusses bei Streiks zu streichen. Dies geschieht. Z 22— Generalversammlung— wird in der KotnmissionSfassung angenommen. Beim Streikreglement besagt ein Passus, daß bei Ab- lehnung von Streikanträgen durch den Vorstand Ausschuß und Vor- stand gemeinsam entscheide» solle». Dem widerspricht Meister! es sei ein Unikum, daß der Vorstand bei Beschlußfassung über die Berufungen gegen seine Entscheidung mitwirken solle, v. E l m erklärt, daß die Koinmisston der Meinung war, der Vorstand als die am besten unterrichtete Instanz müsse auch bei Berufiingen gegen Streik- ablehnuugen mitwirken. Geyer incint, der Vorstand' iverde durch die Neuerung zu schwer belastet, außerdem werde die Bernfungs- instanz damit eigentlich aus der Welt geschafft. Der Vorstand möge bei Berufungen mündlich mitberaten, aber der Ausschuß müßte die letzte Entscheidung herbeiführen, v. E l in führte ans, daß es eben die Absicht sei, dem Vorstande die volle Verantwortung für Streiks zu überlassen. Deichmann weist darauf hin, daß bisher der Vorstand bei Streiks recht glücklich dran war, er konnte sich immer auf den Aus- schuß berufen. Aber der Vorstand habe schließlich slir die Mittel zum Streik zu sorgen, und deswegen muß er das Mitentscheidungs- recht haben� Geyer: Die Sache liegt doch so: Bisher hatte der Ausschuß in erster Instanz zu entscheiden. Das ist durch Annahme des Z 19 des Statuts anders geworden, in Z 1 des Streikreglements ist diese Funktion dem Vorstande übertrage».§ 3 des Reglements würde nun eine ilppellinstanz schaffen, wenn bei Beschwerden über vom Vor- stände abgelehnte Streiks der Ausschuß in gemeinsamer Beratung mit dem Vorstand über die Beschwerde befindet, dann aber dem Ausschuß die alleinige Entscheidung überlassen bleibt. v. Elm tritt noch einmal für die Kommissionsfassung beS§ 3 des Strcikreglements ein, da es sich hier nicht um Beschwerden handle, für die eine AppeNinstanz da sein müsse. Das Recht des Ausschusses, auf Beschwerden hin zu entscheiden, werde dadurch nicht berührt. Deichmann: Wird die Sache so gemacht, wie sie Geher will, dann wird der Vorstand in allen Fällen, wo er sich nicht sicher fühlt, den Streik ablehnen und nun die Entscheidung und damit die Verantwortung dem Ausschuß überlassen. Die Anregung Geyers wird als Antrag eingebracht. Henke- Bremen: Die Konnnission ist von der Ansicht geleitet worden, daß dann, wenn Vorstand und Ausschuß gemeinsam über einen vom Vorstand abgelehnten Streik entscheiden, etwas anderes herauskommen werde als bei der ersten Entscheidung des Vor- siandeS. Durch den Antrag Geher werde die eben geschaffene Verantwortlichkeit des Vorstandes schließlich wieder beseitigt. Das Streikreglement mit der von Geyer angeregten Abänderung des Z 3 wird angenommen. Es folgt der Bericht der B e s ch w c r d e k o m m i s s i o n. Es haben viele Beschwerden vorgelegen, die betveisen, daß viele Mitglieder das Statut nicht verstehen. In einer Zahlstelle war eln Mitglied ausgeschlossen werden, weil es Reste hatte. Der betreffende Kollege hat sich Marken zu beschaffen gewußt, durch die er beweisen wollte, daß er keine Reste habe. Es hat sich herausgestellt, daß dies sogar alte, verbrauchte Marken waren. Auf Antrag der Beschwerde» komlnission wird der Ausschluß von der Generalversammlung als zu Recht bestehend betrachtet. Einei» Mitglied in Verden wird auf Antrag der Beschwerdekommission das verweigerte Krankengeld bewilligt. Zwei Fabrikanten, Mitglieder des Verbandes, hatten für ihre bei ihnen als Tabakarbeiterinnen beschäftigten Frauen vom Verbände zu llnrecht Krankengeld erhalten. Der Vorstand hat beschlossen, das Geld zurück zu verlangen, widrigenfalls die Mitglieder allsgeschlossen lverden sollen. Der Vorstand steht auf dem Standpunkte, daß für Fianen von Selbständigen Krankengeld nicht gezahlt werden soll. Auf Antrag der Beschwerdekommission wird der Vorstandsbeschluß gebilligt. Beim Dresdener Kampf haben Frauen von Berbands« niitgliedern Streikbruch bcgatige». Die Mitglieder wurden ausgeschlossen. Die Kommission ist der Ansicht, daß die Mitglieder ihren ganzen Einfluß auf die Frauen hätten geltend inachen sollen, die Frauen zur Niederlegnng der Arbeit zu be- wi-aeN. Dafür, daß sie es nicht taten, verdienen sie wohl einen Tadel, ober ihr Ausschluß sei eine zu harte Strafe. Die Kommission befürwortet die Znrücknahme des Aus- schlnsseS und die Erteilung eines Tadels. Die GeneralversammUnig beläßt es beim Ausschluß. Dann werden die Statuten in ihrer Gesamtheit gegen eine Stimme angenommen und ihnen Wirkung vom 1. Januar 1900 erleilt. Die auf Antrag von Bremen I der Tagesordnung eingefügten Punkte 8 und 9 werden von der Tagesordnung wegen Zeitmangels abgesetzt. Folgende Resoliition lvird angenommen:„Die General- Versammlung beauftragt den Vorstand, geinnß dem Beschluß der Dresdener Generalveriamnilintg den von den Kautabalarbeitern Nordhansens in Gemeinschaft mit dem Vorstand aufgestellten Minimaltarif weiter zu beraten." Der Antrag Schkeuditz: Die Generalversammlung möge beschließen: den Minimallohn nicht unter 8 M. bei vollständig freier Zurichtung festzllsetzen, wird dem Vorstand zur Berücksichtigung über- wiesen. Der Antrag, den Vertrauensmann und die Delegierten zum internationalen Tnbakarbeiter-Kongreß auf der Generalversammlung zu wählen, wird abgelehnt. Zum letzten Punkt der Tagesordnung wird zunächst die Gehalts- frage berate». Henke als Berichterstatter der Siebener-Kommission empfiehlt für den ersten Vorsitzenden das Gehalt von 1900 auf 2100 M. zu erhöhen, das des Kassierers auf 2000 M.; da« Gehalt des ersten Sekretärs soll 1900 M. im Anfang betragen, für den zweiten Sekretär sollen 1800 M. festgesetzt werden. Das Anfangs- geholt von Hülfsbeamten soll 1000 M. betragen, das der Gauleiter 1800 M. Die Hälfte der Beitrage für die Unterstütziingsgenosfen- schaft des Vereins Arbeiterpresse und die vollen Jnvaliditätsbeiträge sollen vom Verbände getragen werden. Die Reisediäten der Vorstands- beamtcn sollen auf 7 M. festgesetzt werden. Die Anträge der Kominission lvurden fast einstimmig an- genommen. Ortsbeamte bekommen t300 M. Ihre Anstellung erfolgt durch den Vorstand; der betreffende Ort hat das Vorschlagsrecht, die nächste Generalversammlung hat die erfolgten Anstellnngen zu sanktionieren. Es erfolgt die Wahl des Vorstandes. Zum ersten Vor- sitzenden lvird Deichmann, als Kassierer Nieder- Welland, ersterer mit 65 von 68, letzterer einstimmig wiedergewählt, zum ersten Sekretär wurde E b e r l e- Nordhausen mit 41 Stimmen gewählt, Witirock erhielt 11, Kropfs 13 Stimmen; zweiter Sekretär wurde Tledcrmann-Brcmen mit 55 Stimmen. Zum Vorsitzenden des Ausschusses wurde, da Meister entschieden eine Wiederwahl ab- lehnte. H e y s i n g- Ottensen bestimmt. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nach den üblichen Schlußworten erfolgt der Schluß der XII. Generalversammlung. Fflr die«Mgespmttu Arbeiter und Arbeiterinnen der Elektro-Industrie Serlins und Umgegend gingen ein: Kollegen der Firma Reiher u. Link 4,—. Kollegen der Firma Nutzte u. Co., Nevolvcrdreher I. Rate 56, KS; Kernmacher 1. Rate 24,05; Dreherei I. Rate 46,85; Destoßeret I. Rate 10,40; Gießerei I. Rate 22,85. Koll. d. Kammfabrir Streich, I. Rate 7,—. Bauanlchläger der Beamten- Häuser Rummetsburg t3,—. Kollegen d. Tischlerei Gronau 14,60. Koll. d. Firma Matern 12,35. Tischler und Maschliieuarbeitcr der A.-G.(flv Bauausführung, Charlottcnburg 23,85. Stellmacher d. Firma BeermanN 17,50.' Töpser Tracks 8,25. Koll. d. Firma(5. tzossinarni 10,60. Maler vom Bau Kursürstendamm III, 11,70. Liste 1727 11,70. Möbclpoücrer imd Beizer von Hülsenbeck, Kroll u. Co. 20,60. Bnutischlerei Sawatzll, Filiale und C. Federhart 19.20. Töpfer v. eschuppmann, Charlottenbnrg 7,95. Kollegen d. Bnchdruckerei v. P. Stankicwlcz 7,80. Koll. d. Finna iomincrfcld 30,70. Bau Roscnstr. 2 6,15. Kollegen d. Mübelsabril Stein 12,20. Kollegen d. Firma I. AbramolvSty 7,10. Bautischler und Einsetzer v. Moll, L Male 17,50. Kollegen der Treppeiigeländersabrik von Engel, I. Rate 15,50. Kollegen der Bautischlcrc! Lübnitz u. Reese, l. Rate 14,20. Koll. v. Bichl, FlIIalc Pappelallee, 1. Rate 22,— Koll. Kretschmcr 13,40 Kollegen von Frost u. Sohlte 50,50, Tischler und Stukkalcnrc von Britz, Werderstr, 34 9,55. Koll, v. Fuhrmann, Geldschraiitsabrik 24,50. Arbeiter von Lange u. Gutzeit 35,40. Personal von I. MiSler u. Co., Luisen-Ufer lt 38,55. Koll. v. Tellschoiv 35,50. Metallarbeiter v. Flatow, Rixdorj 16,50. Tischler v. Flatow 8,20. tilermania-Säle, Finna Borsig, TcUersammlung 202.17. BnuNeinpiier der Firma Kunitz 42.—. Baullempner der Firma Dietrich t0,50.„Berliner Tageblatt", Zeitung 38,80. Firma Borsig aus Liste» a Konto 500,—. Bautischler von Kühn, Luisen-User 12, 1. Rate 12,—. Familie Kahler, Geburtstagsfeier 10,50. Lungeickrankc Proletarier einer Heilstätte 28,70. Kollegen von Sentker, Maschinenbau 81,55. Liste 1607 59.-. Koll. d. Firma Boß 12,50. Koll. d. Möbelfabrik Lücke, 1. Rate 4,50. Von Räthir Liste 4951 32.40. Liste 4948 iilrb. d. Nivbclrollciisäbrik von Kiieiscl 10,-. Arb. d. Tischlerei Hüttcr>,. Urban, Britz 12,30. Liste 5303 Rohrleger u. Heiser d. Firma Hugo Feist 18,35. Listen 4499/4500 Beyer 20,90. Liste 4950 von d. Bauklempiicin, Rohrlegern u. Helfern d. Firma Hugo Feist 24,70. Liste 3888 von FablonSky 16.35. Liste 4523 Arbeiter dl Lcistensabril Geiislchcn u. Co.. t. Rate 47,10. Durch Sammlung bei den Gesellen von Gebr. Schirrmeister, Langestrahe 23,50. Arb. d. Möbclsabrik Nickel, Kcrnicke u. Lehmann(davon 30,— Bl erProzente d. Tischlers 45,40. Arb. d. Wertstatt G. Klug, Warschaucrstraße 53.05. Liste 200 d. Paschte 15,60. Liste 5898 vom Personal d. Firma Kabut, Stralau, t.Ratc l7,75. Liste 3627 Arb. d. Tischlerei Heim u. Gerten 13,50. Liste 3653 Kolleg, d. Mübelsabril v. Vetter 10,25. Liste 3657 Tischleret u. Budiker Sachs u. Helle 16.80. Liste 1774 Polierer Sachs u. Helle 11,—. Liste 3638 Tischlerei Kukuleuz, Kochhanustraße 3,70. Liste 3632 von Adols Jacobs 19,60. Liste 2831 Arb. d. GaSineNcrsabrll S. Elster 2795. Liste 2830 desgl. 38,60. Kollegen der Werkstatt H. MatthcS u. Co., gcs. in einer Werkstctttbesprechmig 9,55. Liste 4450 Gohiniann, SudikatiS 60,70. Liste 5411 KobS, Subltatls 22,80. Listen 149—53 Personal Norddeutsche Druckeret 132,—. Tellersammlmtg in einer Fabrikvcrs. d. Arb. v. Mix u. Genest 73,—. HauSdicncr P. Blumen- thal, �pandaucrstraße 4,50. Verband der Banarbcitcr. Bez. 8W. 11,70. Liste 2832 gesammelt durch Friedrich, Zorndorserslraße 3,70, von den Rrb. II. Arbelterinnen der Firma Siedner 4,—, zus. 7,70. Abt. Lcrm II. Ludcwig. Weberei 17,30. Listen 1436, 1443, 1454, 1445 Arb. d. GaSmessersabr. Julius Pillisch 416,35. Liste 1330 durch P. M. 23,70. Liste 1334 Kupserioci!« Deutschland 38,—. Liste 2117 do. 20,85. Liste 2118 do. 36,95. Liste 1333 Deutsche Telcphonwcrtc, Zeughosstraße 33,65. Liste 2156 Neubau Kahlbanm, AdlcrShos 33,55. Liste 4486 M. L. 39.10. Liste 5012 R. FricdrichShagen 13,76. Liste 5027 I. 20,30. Liste 5045 A. P. 41.-. Drechslerei P. Blumenthal. Schöneberg, 1. Rate 7,15. Liste 135 Personal Buchdritckcrei W. Köble, Alexandrinclislraße 7,50. Listen 1710117 Wcrlstatt der Gasanstalt ll 35,60. Liste 4724 voll den Kollegen der Finna Guggen» blchler 11,75. Ueberschuß v. StistungSscst der Bauarbcller, Bezirk Rosen- thaler Vorstadt 20,00 Liste 4543 von Ttschlcrci Metzucr, Wienerstraßc 15,35. Arb. d. Holzbearbcitungssabr. Feibig, Pallisadenstr. 6, außer einem 14,10. Arb. d. Reichsdruckerei Liste 180 15,80. Liste 45i3 von den Tischlern, Polierern u. Gürtlern Harris u. Chclion 41,25. Listen 5893/5 von den Arbeilern der Firma Dewltt n. Herz, Gcorgcnkirchstraßc 95,25. Arb. der Mübelsabril von Franz Behrendt, Warschauerstraß«, 1. Rate 43,20. Arb. u. Arbeiterinnen d. Firma Busse u. Co. 33,10. Von d. Gürtlern d. F. Thiel u. Bertling 7,75. Liste 3592 von d Tischlerei d. Firma Franz, Weberslraße 5.70. Arb. d. Tischlerei Paul Heller 14.00. Liste 3259 v. d. Slrb. d. Deutschen Tclcphonwcrke. Elisabeih-User 42,50. Von mehreren Kollegen aus der Alexandrinenslraßc 8,00. Liste 3865 Gerson, Hollmannstr. 17 20,23. Liste 173 vom Personal d. vuchdruckerel Gulenbcrg, Wallstraße 8,75. Maler von Poliklinik, Zicaclslraße 6.80. Arbeiter der Tischfabrik" Richter 27,15. Arb. der Tischlerei von Jomtlctt U. Pfaff, 1. Raie 20,'10. Liste 1316 v. d. Vers, der OrtSgrupp» Berlin des Deuischcii Arbeiter- Abstlnenteiibundes 15,20. Von 3 Tapezierern d. F. Ludwig u. Gerlach 3,—. Liste 1497 M,-. Liste 51S7 v. d. Tischleret von Dunsti) 25.50. Lifte 192/4 von Scherl(Zeitung) 35.35. Liste 152 Setzerei.Tng" 13.25. Liste 153 Setzerei.Gartenlaube" und„Woche", Scherl 18,—. Liste 151 von Setzerei gewisses Geld 12,50. Vom Personal der Buchdruckern Maurer u. Dimmig, 1. Rate 11,70. E. S. 0,75. Liste 151 Buchdruckerei Billig Nachsolger, 1. Rate 21,10. Liste 6511/5 von den Arbeitern der Firma Speck 35,15. Pom Bau am Fricdrichsbain, Firma Jacob, Steinsctzmeistcr 3,85 Arb. d. Tischlerei Borniann, Grünauerstrab«, nutzer einem Ledigen, 1. Rate 5,30. Von Möbeltischlern Gebr. König, Dcmniinerstr. 6, 1. Rate 9,55. Von Weston u. Co. aus Liste 4722 15,75. Liste 1385 von Tischlerei Lippert, Haberland, Prächtel, Krausenstratze, 1. Rate 33,50. Arbeiter d. Tischlerei Mcllner u. Co., Köpenickerstr. 11—. Liste 4515 Von A. Psitzner gcs. 11,15. Liste 1127 v. Weber, Hermannstr. ges. 29,05. Liste 5114 16,35. Ges. in d. Buchdruckern Godcckc u. Gallineck 4,05. Liste 2538 v. den Kollegen� d. Firma Stolzenberg, Rcinickcndors 45,—. Von d. Arbeitern der Elrma Schabeck, Drontheimerstr. 28.7�, Von d. Arbeiten: d. Motorwagen brik Goltschalk, Temvclhof 119,25. /Von?lugust Dalg, Skalitzerstr. 5,— Ges. in Halle V, Grabowsee 8,50. Lottericvercin„Gemütlichkeit", Feld schlötzchen 31,25. Liste 4515 Arb. d. Möbelsabrik Fischer 20,05. Liste 4812 Arb. d. Baubeschlagsabrtk Fr. Spengler 17,30. Arb. d. Möbelsabrik Heinz, Beyer u. Co. 25,25. Liste 1516 Arb. d. Werkstatt Rauke 11.—. Liste 5900 Werlstatt Wols n. Co. 25,60. Von Dachdecker Erich Förster 22,—. Liste 4858 Arb. d. Firma Hanke u. Mitlag 31,20. Arb. d. Möbelsabrik E. Trebs 9,50. Arbeiter der Möbelsabrik Stern, seeleigcr u. Co., I.Ratc 51,50. Liste 2853 Mictusch 10,55. Liste 3831 Ausbau Henscl 4,50. Liste 3833 Neubau Leibniz stratze 11,30. Personal der Buchdruckerci Moriz u. Kummer 12,25. Liste 2721 Arb. d. Ledcrwarensabrik Gg. Dietrich, 1. Rate 12,95. Liste 3909 Personal d. Buchdruckerci Klockow 14,30. Arb. d. Möbelsabrik Ostend 22,50. C. P. Görz-Friedenau. Liste 1311 Abt. Werkzeugbau 105,25. Liste 1342 Abt. Salllerci 25,—. Lifte 1313 Abt. Scheuer 30.25. Liste 1316 Abt. Stiege 38,—. Liste 1317 Abi. Fischer 102,80. Liste 1350 Abt. Brimmcr 121,30. Listen 1351, 1357, 1359 Abt. Busch 106,45. Liste 1352 Zlbt. Klinke 15,— Liste 1354 Abt. Fischer 57,75. Liste 3979 Arbeiter der Werkstatt Lade, Rir. dors 26,10. Liste 1312/15 Arbeiter der Firma F. W. Müller 52,90. Liste 5292 Perlmutterarbeiter v. Münch u. Co. 5,85. Liste 2123 Arb. d. Metall� warcnfabrik Braun u. Wols 30,—. Mitgliedcr-llntcrstützungssonds d. GlaS� arbeitcr Stralau 100,—. Liste 5420 v. den Tischlern von Stabernack u. Co., Tempclhos 29,05. Arb. d. Tischlerei Tcichcrt, Memelcrstr. 11,—. Vom Ge- sangvcrein Frisch aus 10.—. Bierprozente der Gictzcrei Zemmlin 9,—. Ge- samtpers. d. Buchdr. Licbbcit u. Thicsen, außer 15 Gutenbergbllndlern 21,90. Liste 5117 Arb. d. Werkstatt Tietzc 15,10. Liste 3625 9,—. Laubenkolonie Berg u. Tal, nni Verlorenen Weg 100,—. Arb. d. Werkstatt Keller, Königs- bergerstratze 27,85. Liste 1.59 Gesamtes Personal der Buchdr.„Wilhelina" 13,30. Tapezierer 0. Wcigl 5,—. Tapezierer v. Schimming 5,—. Liste 1457 Arb. der Metallwarcnsabrik Aug. Ehnes 45,35. Liste 1788 Arb. d. Tischlerei Sauerwein 20,50. Töpser vom Bau Peschke, Carmen Sylvastratzc 11,10. Anglcrklub Rndols Gacdc, Untcrspree 30,—. Arb. d. Tischlerei Eichhorn, Blumenstraße 4,20. Liste 1851 Kollegen d. Gramophon A.-G. 32,90. Liste 4850 Kollegen von G. Leander 14,95. Arbeiter v. Pardemann u. Co. 41,35. O. L. 99 11,30. Liste 3123 19,50. Liste 4955 Kollegen von MnSkc 19,—. Liste 4956 desgl. 10,05. Liste 175 Setzcrfaal„Nationat-Zeitung" 45,50. Gesammelt bei Strangscldt 5,20. Liste 4524 Tischler u. Maschinenarbeiter der Firma R. O. Dischlcit 31,—. Liste 3396 vom Bau Grunewaldstr. 42 16,10. Einige Kollegen der Firma Lowinski 7,—. Arb. d. Tischlerei Treps, Pankow 7,50. Aiste 5131 Giegcrei SchwielinSki u. Co., Abt. 2 11,75. Liste 5096 Bau Heinritze 15,55. Trudelklub Urbanstr. 35 3,—. Liste 3018 Ges. v. Losansky 17,15. Rohrleger u. Klempner, Langestr. 46 25,50. Fuhrhos Kroll, Sechserkasse 15,—. Schlosser v. Rcichelt, Stralauerstr. 11,—. Arb. d. Möbelfabrik A. S. Ball 20,—. Vom Personal d. Firma E. Harnisch 8,25. Kollegen von W. Detlc 13,30. Liste 2008 Arbeitcr d. F. Stein 40,20. Liste 146 Personal der Buchdruckerci Bernstein 19,25. Liste 5387 Arb. d. Pianosabrik Hirschseid 9,25. Von Cousin, Werkstatt Vorwärts 50,—. Liste 1567 v. Anschlägern, Lack. 51,55. Pntzerkolonne Suarczstr. durch Fröhlich 13,—. Liste 3263 Kollegen u. Kolleginnen v. C. A. Münchmeyer u. Co. 25,95. Tanzlchrcrverein „ Solidarität 1892" 1. Rate 15,—. Liste 5303 Kollegen der Kronleuchtersabr. Schlesinger, Oranienstr. 29,—. Arb. d. Wöbelsabr. Zach 23,— Liste 4501 Arb. d. Mübelsabr. R. Schmidt 7,25. Liste 5072 Arb. d. Möbelsabr. Wanderer 20,15. Liste 5128 Pianosortesabr. Gg. Klinkmann 15,55. Liste 3970 Arb. d. Emaillier- Werks Rixdors 10,—. Liste 5051 Arb. d. Tisch!. K. Müller, Köpenickerstr. 33,35. Voni Verband der an Holzbearbeitungsmaschinen beschästigten Arbeiter aus Liste 3976 4,30. Liste 3978(Treppcngcländcrsabrik Geister, Diessenbach- stratze) 27,45. Liste 3981 14,10. Liste 3982 15,10. Liste 3984(gesammelt bei Marggras». Tau) 13,55. Liste 3987 14,25. Liste 3989 8,65. Liste 3991 11,05. Liste 3992(gesammelt bei Zelder u. Plothen) 3,45. Liste 3993 (Fräserei Schulz, Bellcalliancestratzc) 14,90. Liste 3996 7,30. Liste 3997 26.55. Liste 4003 22,75. Liste 4005 33,—. Liste 4006 10,75. Liste 4010 8,40. Liste 4013(Fräserei Schneider Nachf.) 18,95. Liste 4016 19,45. Liste 4018 10,70. Liste 4019 9,10. Lifte 4020 11,10. Liste 4021 21,45. Liste 4023 15,85. Arb. d. Küchenmöbeltischlcrci Wellenberg 8,50. Personal der Buchbinderei Ferd. Ashelm 79,35. Firma Mix u. Genest: Liste 3798 21,— Schlciscrei; Liste 3799 83,30 Schraubendreherci; Liste 3800 35,50 Werkzeugbau; Liste 3817 40,— Schlosserei; Liste 3818 17,30 Fräserei. Gesammelt durch Ammcdick Liste 3813 17.80: 3814 21,55. Durch Engert Liste 3438 10,30. Liste 1539 Arb. d. Tischlerei Burgitzkn 9,75. Listen 136-140 Personal der Buchdruckerci Mittler n. Sohn, I. Rate 101,10. Tellersammlung bet Wille (Saal) 38,—. Kollegen d. Firma Eggert 20,—. Arb. d. Pianosabrik W. Menge 43,35. Liste 1496 Arb. d. Firma Goliasch u. Co., Lindcnflratze, 32,10. Liste 5380 Kollegen der Firma Ochmigke u. Schröder 20,50. Liste 3406 LouiS u. H. Löwenstein, 1. Rate 28,05. Liste 5401 Arb. d. Möbelsabrik Weise. 1. Rate 9,50. Liste 5405 gesammelt durch Dähnst 22,60. Liste 187 Arb. v. Harrwitz Nachslg. außer einem 9,60. Liste 6511 durch Weitzhaar 12,50. Liste 5061 Kollegen der Tapezierwerkstatt Albrecht u. Noll 17,85. Vom Nirdorfer Gewerkschaslskartell 500,—. Von d. Schmieden d. Wagen- fabrik Dittmnnn 16,90. Tischler v. Aug. Schröder, Jerusalemerstr. 8,50. Liste 1775 Tischler u. Polterer v. Thomas, Adalberlstr., 1. Rate 29.85. Liste 1776 17,60. Von einem Photograplien-Licserantcu 10,—. Kollegen der Gießerei Dewitz 14,50. Liste 1818 Arb. d. Schleiserci Bcrgseld 11,10. Liste 1501 Saal Koppe der Firma Gurlt 15,25. Arb. d. Möbelsabr. Union 15,25. Personal d. Pianosortesabrik Schicmann u. Massen 21,—. Liste 1813 Von den Kollegen Arnim u. Jenner 37,75. Personal der Druckerei Simion, Liste 175 11,10. Von den Kollegen der Firma Medow u. Co. 16,65. Liste 1158 Von den Lackierern o. Frisier u. Rotzmann 19,60. Liste 1159 Aon den Kollegen der Firma Frisier». Rotzmann, Expedition t5,95. Liste 1371, Volksversammlung im Friedrichshaui durch Spann 12,80. Liste 1373 Schleifer v. Butzke 23,40. Personal d. Akzidenzabt. R. Mofsc 9,55. Pom Zcntralvcrband der Stukkateure, Filiale Berlin, Konto aus Listen 150,—. Liste 2829 Arbeiter von Paul Bischost u. Comv. 29,50. Personal des Handtuch- Bcrleih-Jnstituts Bach 10,—. Liste 3917 Personal der Buchdruckerei Gebr. Unger 22,35. Kollegen von R. Saalscldt 6.—. Pnllisadeiistr. 14 3,50. Liste 1388 Arbeiter der Silbcrwarensabrik von Gebr. Pilcrseld 18,50. Listen 1337, 1338, 1310 durch Klecmaun 53,50. Von de» Töpscrn Bau Lindower- stratze d. Dornbusch 11.70. Arbeiter der Tischlerei Karl Müller u. Eo., Blnchcrslratze 35,30. Liste 1322 Arbeiter der Tischlerei Bendix u. Eo. 6.10. Ti/chlerei Ebcrdardt. Holzmarktstrntze 1,60. Ges. bei der Gcsellenseier Rolle u. Jordan 17,50. Listen 3571—73'Arbeil er der Lanipenfabrik Olto Müller 86,15. Liste 1187 Kollegen der Firma Elster und Lokalsammlung 18,10. Liste 6683 Max Bensch 19,85. Liste 5085 Arbeiter der Kionensabrik Möhring 13,30. Liste 1525 d. Kummer 15,50. Arbeiter der Bautischlcrei Dcimitzcl 9,—. Arbeiter der Bautischlern Heinrich, Bergmannstraß« 10,—. Liste 151 Verband der Buchdrucker, Setzer von Büxenstcin 35,10, Chirurg. Branche des Metaltarbeiter-Verbandes, Konto aus Listen 200,—. Personal der Schrift- gießerei Gursch. 1. Rate 88,90. Durch Fitzncr, Liste 5958 22,55. Liste 1613 Arb. d. Schlosserei Bichl d. Neumann 29,65. Liste 7510 durch Sicbert 12,10. Liste 176 Personal d. Buchdruckerci Scholcm 36,55. Durch Sperling 11,40. Liste 6657 Tischlcrei-Arbciter v. Glatzer, Blücherstr. 8,35. Vom Berliner Radfahiuerein, Abt. II 11,—. Arbeiter d. Knopssabrik Ha- mann 22,05. Liste 1111 Arb. d. Metallwarensabrik Ebel u. Lohmann 28,90. Liste 6730 Arb. d. Metallgießerei Secgcjetd b. Spandau>6,25. Deutsche Telephonwerke, Abt, Pnsch 25,—. Durch Hcmann 8,55. Arbeiter d. Tischlerei C. Mau, Memelerstr. 7,15. Liste 186 Personal d. Buchdruckerei Hartmaiin 10,—. Liste 3918 Arb. d. Tischlerei Heim u. Gehrkcn, PeterSburgerstr. 9,25. Liste 5356 Maler v. Bodenstein 8,15. Liste 201 Arb. d. Buch- u. Stein- druckerei Rob. Winkelmann 20,20. Liste 5129 Eisengießerei Spatzicr 16,50. Liste 5355 Bautischlcrei Walz 16,50. Liste 1361 d. Lewin 21,00. Liste 1362 durch Lcibling 10,80. Personal der Buchdruckerci Julius Rosenbaum 4,—. Liste 5377 Kollegen der Fabrik Rcchewitz 5,15. .Liste 1l14 24,25, Liste 1616(darunter von der Brauerei Ciigelhardt 14,30) 20,30. Arbeiter der Eisenmöbelfabrik Lhnhard 5,50. Zentral-Kranken- und Sterbckasse d. deutschen Wagenbauer, Bez. 4 25,—. Von der Finna Jcmdors, Bruiinciistraße, durch Herrn Blanke 150,—. Liste 5141 Zimmermann u. Buchlo, Gießerei 20,65. Von den Zimmerern Bau Gicsebrechtslratzc 7,—. Listen 3576, 13 531 vom Kollegen Wolfs 49,55. Liste 1391 Firma s. Stern d. Henschke 13,—. Liste 190 Personal der Buchdnickcrei Langcnschcidt, Schöneberg 35,45, Liste 5099 Arbeiter v. F, Schwarz, Chaussccstratze 18,—. Von den Kollegen d. F, SzimaNzig 8.45, Möbcltischlerciarbeiter o. Lüdtke, Pankow, 1. Rate 46,25. Liste 3936 vom Rarichklub„Balleteuse" 13,—, Listen 3935/3590 Arbeiter der Tischlerei M. H. Wegner, Schönebcrg 33,30, ?lrbeitcrschaft von Bechstcin, Grünaucrsiratze, aus Listen 179,25. Liste 6600 Arbeiter der Firma Gebrke, Wassertorstratzc 32,70. Liste 7061 Arbeiter der Firma Robert Schulz, Grotzgörschciistratzc 9,—. List? 1804 Bautischlerci Bunzeck 8,—. Liste 1803 Bautischterei Lassen 13,20. Liste 1805 Bau- tischlcrei Budig 10,—. Liste 1800 Bautischlerei Kussin, Dollinerslratze 68,25. Bautischlerei Rachsall 23,30. Bautischlerei Grunert u. Ko, 20,—. Merretig aus Liste 1806 18,—, Don den Schiebern Kochstr. 67 4,—. Arbeiterschaft der Kartonagensabrik Chausscestr. 11,10. Verband der Buchbinder auf Listen: 527.Heuer, Kontofabrik 14,75; 528 Buchbinderei Freitag 23,—; 535 Albumsabr.. A. Dittmar 25,60; 533 Gcischer, Kartonsabrik 14,15; 515 Weigert, Albumsabr. 23,—; 551 Schreiber u. Ko. 30,—; 551 Sitten- scld 17,60; 562 Littaucr u. Bogsch 19,15; 566 Wiltlops u. Ko. 7,35; 568 Zllbrecht u. Schiptcr 12,20; 1560 Joachim u. Ko. 10,15; 1561 Rollhaas u, Apel 8.—; 1580 Schlunk 11,75; 1581 Franz iülbrccht Aachs, Buchb. 20,15. Gesammelt aus Liste 4135 durch Beutze 26,20. Arb. d. Schildcrsabrik Otto Rütcrbusch, 1. Rate 11,30. Von den Arbeitern und Arbeiterinnen d. F. Michel u. Levin l8,50. Liste 1511 16,20. Lifte 6697 21,55 Tischlerei von Berger, Wicnerftratze 6,—. Tischlerei Knüttel u. Klaar 3,50. Boin Verein deutscher Böttcher, Konto 300,—. Vereinigung der Maler Filiale Potsdam 100,—. Durch Brasch, Raumerstratze 26,85. Restaurateur Dyhr. Hutten- stratze 20,—. Kollegen v. HanS Fischer u. Co. 13,15. Von Dr. Herz, Altona-Allee 15,—. Tapeziererwerkstatt GroschknS 28,80. Radsahrocrcin .Frisch aus" 25,—. Arb. d Tischlerei Stoltt, Anlonstratze 10,—. A. Wahle, Oberschöiieweide, Edisonstratze 10,—. Kunst- u. Bautischlerei von Kleinseld, Pankow 7,—. Blaue Brüder des Sanatorium Beelitz 8,55. Vom Bau ftnesebecksttatze 6,—. Baiianschläger der Firma Spengler, Lindenstr. 11 5,—. H. Schulzke. Schwedtcrstiatze 7,50,„Wir sind dabei" zu quittieren 9,15. Aus der Werlslelleiikasse der Tieppengetäiidersabrik Griese, Steglitz 6,05. Hochzeitsseicr, Krislianiastratze 4,10. Munition v. 2 aus der Backstube von Karl Rindt 2,05. I. Wolfs, C. 51 4,05. Lehnbar, Oranienstratze 2,—. Me- lallwaren-Fabrik©.Soviel, Sebastianstratzc 4,50. Militärmützenmacher N. W. 2—, Von den Tapezierern der Möbelfabrik Gebr. Retzlaif 5,—. Arb.- Nadsahr.-Berein„Wanderer", Fricdrichshagen 5,—. Personal der Firma Noak, Bildgietzerci, Friedenau, d. Spcrrling 7,—. Bautischlerci Stabcrow 4,—. Bierprozente der Baulischlerci Kirschstcin, Spandau 5,—. Parkett- schuft er 3.05. Berichtigung. Statt 13,368,17 M. mutz es heitzen 13 865,17 M. Bereits quittiert 13 865,17 M., hierzu 11609,57 M., Gesamtsumme HS 174,74 i»l. Weitere Sendungen werden eiitgeaengeliommen im Gewerkschaftsbureau von>1—1 und 6—3 Uhr, Somiabencs und Montags von 4—8 Uhr im Saal lll. Poslsenduiigen sind an A. K ö r st e n, Engel-User 15, zu richten, Ter Zlusschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. Belm GewerkschnftSknrtcll für Berlin und Umgegend gingen ein: Verein der Zimmerer Berlin? und Umgegend 1300,—. Zigarettenfabrik Josetti, Neue Friedlichstr. 9/10 300,—. Dr. R. F. 20,—. D, W, Cöln 10�. Käsereipersonal stuba-Elbing 10,—. Liste 308 Arbeiter der Finna e. A. Locvy 38,25. Städtiichc Markthallen-Arbeiter, 1. State 50,—. Werner 50,—. Lifte 765 d. Eugnoth 14,75. Liste 677 d. Stögnitz 37,—. Liste 302 d. Fiankenstein 10,40. Liste 315 durch Lauscld 18,—. Liste 912 Maurer Bau Pankstr. 20/21 6,10. Maurer u. Arbeiter Bau Jakob Gebr., Ehar- lottcnburg 12,65. Liste 883 d. H. Graack l2,72. Liste 16 d. Wasch 20,85, Zahlstelle Schöneberg des Vereins der Zimmerer Berlins u. Umg. 9,50. Liste 86t 32,20. Liste 85t 2l,55. Liste 247 13,25. Liste 851 15,20. Liste 237 23,—. Liste 228 15,30. Liste 226 10,50. Liste 233 27,75. Liste 239 27,-. Liste 251 22,90. Liste 213 6,30. Liste 230 43,50. Liste 231 8,—. Liste 211 23,90. Liste 235 7,95. Liste 897 durch Holzhüter 31,75. Liste 250 38,40. Liste 219 37,65. Liste 685 Maurer u. Arbeiter d. Firma Fränket, jüdischer Kirchhof, Weitzenscc, 8,80. Liste 759 Maurer. Technische Hochschule Charlottenburg, 21,95, Liste 310 d. Fritz Schultz 20,90. Gesamnicit in der Malerwerkstatt Rettig u. Sohn 10,—. Verband der Kürschner Berlins u. Umg. aus Listen 172,30. Listen 96, 97, 98. 100, 581 durch Otto Knauer 39,90. Maurer Bau Kriminalgcricht Listen 761, 762, 763 32,10. Liste 312 d. Godau 15,05. Liste 311 tv Bevicr 12,—. Liste 757 Bau Leipzigerslr. 75/76 14,30. Lifte 778 d. Sommerfeld 8,90. Durch W. Ramp 3,50. Fachvercin der Musikinstrumenten- arbeitcr ans Listen, 1. Rate 200,— Liste 676 d. Franke 7,70. Liste 703 Kontorpersonal von Jul. Meklenburg, Kaiscrstr. 6/7 2,75. Liste 701 Palmen- arbeitcr d. Firma Jul. Meklenburg 9,15. Liste 896 d. Mätzchen 5,50, schuh« fabrik Svorkert, Gricbcnowstr. 2 8,—. Liste 776 d. Gcnat 1,80. Liste 777 d. Wendt 18,15. Gesangverein„Freiheit-Ost" d. Schwarz 11,—. Bauarbeiter Wernigerode 7,10. Rckruten-Abschiedskränzchen Wernigerode 4,60. Schreiner Nürnbergs 150,—. Leonhard Cordt, Gastwirt Rostockerstr. 21 10,—. Wahl- vcrein Driesen 20,—. Stiiktalcure, Bau Lehmann, Mommsenstratze 6,—. Personal der deutschen Buch- u. Kunstdruckerci Zossen 30,—, Liste 670 d. Slcumann 12,50. Isolierer LudwigShasen, Liste 332 13P5. Verein der Zimmerer Erkner u. Umg. 8,50. Verein der Zimmerer Spandau u. Umg. 21,—. Organisierte Zimmerer Oderbergs 50.—, Liste 773 durch I, Klink 10,90, Isolierer, Heizer u. Maschinisten der Irrenanstalt Buch, Liste 331 14,50. Liste 779 d. Adomeit 16,30. Liste 101 durch Metzle 6,50. Liste 102 Bau Dresdner Bank durch Eiinoleit 38,30. Liste 115 Bau Amtsgericht Friedrichsberg d. Wegncr 10,35, List- 116 Bau Wollankstr. d. Köppen 25,80. Liste 118 Bau Wertheim, Sophienstr, 25,45. Liste 119 Bau Brüderstr. 11/12 7,90. Liste 120 Bau Charlotteiistr. 65 9,15. Lifte 121 Bau Wilmersdorf, Berliner- u. Augustastr.-Ecke 5,60. Liste 123 Bau Schreiner- u. Voigtstr.-Ecke d. Lcglin 12,75. Liste 121 d. W. Weslphal 12,25. Liste 131 Brauerei„Tivoli" d. Fricke 12,—. Liste 150 Klinik, Hauspersonal, Hardenbergstratze 12 21,30. In Summa 3513,97 M. Berlin, bei? 11. Oktober 1905. Weitere Sammlungen werden entgegengenommen km Bureau de» Kartells, Dragonerstr. 15 Hof 1 Tr., täglich von 9—1 und 1—8 Uhr. Gelder, die mit der Post eingehen, sind zu adressieren an Albert West- phal, Dragonerstr. 15. Die Sammelliste Nr. 131 ist auf dem Bau Lindowerftratze verloren ge- gangen. Dieselbe ist anzuhalten und im Bureau des Kartells abzuliesern. Der Ausschuß. SozialdemoMeherWahlvereiii far Weißensee und Umgegend. Nachruf. Am Freitag, den 6. d. M, ver- starb plötzlich unser Mitglied, der Restaurateur tlbert Schmidt. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. 18/11 Der Vorstand. Ki'itöirä der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Stralau- Rummelsburg. Am Dienstag, den 9. Oktober, verstarb nach langen Leiden die Frau unseres Kollegen P. Jahnke Anna Jahnke geb. Uebel. Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, den 12. Oktober, nachmittags 1 Uhr, von der Leichenhalle des Rummclsburger Gemeindc-FriedhoseS statt. 70/3 Tie Ortsverwaltung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes sage ich allen Verwandten, Freunden und Bc- kannten sowie dem Gesangverein der Putzer meinen herzlichsten Dank. 2510b Wit«e Alwine Kielblack. Ich habe mich in Berlin als-[256/3 Rechtsanwalt niedergelassen. Mein Bureau befindet sich S«. Wleneesti'. 14B (zwischen Görlitzcr Bahnhos und Hoch- bahn(Oranienstratze). Fernsprecher Amt IV. Nr. 2899. lli'. js.»udolf Silberberg. Orts-KrMcilkajsc Wrißtickt. Durch die am 1. Oktober 1905 ab- gelaufene Wahlzeit ist eine Neuwahl sämtlicher Vertreter erforderlich. Es sind zu wählen Vi'i Arbeituchmer-Bertreter 5S Arbeitgeber-Vertreter. Die Wahlen finden im Restaurant „Zum Prälaten-' in WeiBensee, Lheder- slrntze 122, statt und zwar wählen die Arbeitnehmer am Donnerstag, den 19. Oktober 1905, abends von Uhr. die Arbeitgeber am Donnerstag, den 19. Okioder>905, abends*en 8—9 Uhr. Wahlberechtigt und wählbar find nur diejenigen Kassenmitglieder und Arbeitgeber, welche großjährig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind. DaS Ouittiingsbuch ist bei der Wahl vorzuzeigen. 275/19 Die Arbeitgeber werden gebeten, zwecks Legitimation sich ebenfalls mit einem Ausweis zu versehen. Weißensce. 5. Oktober 1905, Ter Vorstand. I, A.: Vi. Heeke, Vorsitzender, 5 Fr. Gaule. Restanration Brreinszinimer. Jetzt: Mcliönliau«er Allee 57. Freunden u. Bekaniiteii cinvsohlcn. Armin- Hallen. KoinmandantciiMtralle SO. Telephon: Amt I, 8985. stestsale, große u. ticine, noch bis März 1906 Sonnabende u. Sonntage[tei. 46622* Sonntag, 15. Oktober: Erstes diesjähriges risehe i6'k- Wurst-Sssen unter Mitwirkung der itauskapelle. 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September solgcnden Schiedsspruch gefällt, dem beide Parteien sich unter- morsen haben: § 6 des Tarlfcs: „Bei Arbeiten außerhalb der Post- grenzc von Grotz-Bcrlin wird Fahr- geld und Fahr- und Lauszeitentschädi- gung von der Postgrcnze zur Arbeits- stelle und zurück gezahlt. Mindestens ist dafür täglich eine Stunde Lohn zu vergüten", ist dahin auszulegen: ,?lls Orte innerhalb der Postgrcnze gelten diejenigen Vororte, die beim Abschluß des Vertrages zum Postgebiet Groß- Berlin gehört haben." Gründe: Nach Sluskunst der Poslbehördc ge- hören seit dem 23. Mörz d. I, Grötz- Lichtcrselde wie Lankwitz zum 2 Pf.° Postvertchr, d. h. die Ortschaften liegen innerhalb der Poslgrenzc von Groß- Berlin. Da nun der Tarifvertrag im August d. I. beraten und am 1. scp- tcinbcr d. I. in Kraft getreten ist, so sind nach dem Wortlaut des Per- trageS Arbeiten in Lankwitz und Groß- Lichterselde keine Arbeiten außerhalb der Postgrcnze. so daß die Arbeit- nehmer Fahrgeld und Fahr- und Laufzeitentschädigung gemäß§ 6 nicht zu verlangen berechtigt sind. Das Emigungsaint ist bei dem Spruche ausdrücklich davon aus- gegangen, daß beide Parteien bei der Verhandlung über den K 6 guten Glaubens gewesen sind. gez. v. Schulz. Paul Lucht. E. Bernhard. A. Körsten, Si, Zalcjskt. Spar-ünterstützußgsv.CharLte. Freitag, den 13. b. 9)1., abends 7 Uhr, 128/7 Alt-Moabit,»ronen-Brauerei: 2. außerorden». Oencralversamml. Tagesord.: Auslösung des Vereins, ' Obne Mitgliedsbuch kein Zutritt, ellltkelverlcauk ru sebr niedrigen Preisen, ca. 100 verschiedenen Sorten Colliers u. Stolas in »Ile» modernen Pelzarten. Grosses Lager in Mutten, Kinder-Garnituren, Herren u. Knaben-Krageu u. Pelzmützen 6scar Arnold HQte. 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Möller, Bruchsal str. 14 r se s»«® s»oee«©«®oec-®©©s»©««»«»««# "I n■■ a».— Uinarbellung ichlechlfttzeiider Gebisse. Reparalureo. Ploiiibeii 1,50 M, ZaHnope- I-.,,,-_ ralionen mit srllicher Betäubung IM. Zahl- Illl gl:■.} reiche Aiierleimungen. Beliebige Teilzahlung. v» � � Garanlie für ladelloscu Sitz. Gmil Schaefer. Seit 9 Jahren nur llrbanstr. 133, vis-a-vis der Fichtcstratze. d©©SO©O©»©«O«©OGOOOG©©O©©©OOO©O0©©H©O©GG Spar- u. f roduktiw- Qenossensehafi B erlin-Rixdorf. G.©. tn. ft. in Liqin Frcitnii, LO. Oktübrr, abds. 8 Uhr, in Bcrlin, GewerkschastshiuS, Engel- Ufer 15:' lZeversl- Versswinluug. Tagcs-Ordnung: V�rlrgun« und Genel»nigu»n dcrTchluhbilanz.») Kr», eit. fr. Schulze. l>ie I�lqnidatorpn. L. Breslauer. H. Kunze. C. Gehrmann. ♦) Die Schluhbilanz liegt im Kontor, Rixdovf, Kiclenstrahe 54, zur Einsicht. Nur Mitgliedsbuch legitimiert. Ikntllll-Kranken- u. Iterbe- kaffe der Maler E. H. 71. lb'ilial« 3, Siid. freltag, llen 13. d. M, abls. 8'/, Uhr, Im Kassenlokal Alle Jakobstr.'eg: Uitglkder- Verfmmlllllg. Tnges-Ordnung: 1. Kossen- bericht. 2. Bericht von der General- vcrsammwiig. Ter Borst«nd. Zjillisl' pliiVWvkM I» KataUe Wilk Berlin X., 140 Pappel- Allee 140| Eckhaus Schönhauser Allee. Damen- Kinder- u. Trauerhüte. Gro8e Auswahl. Billige Preise. Zentral'Verband der Kanrer fientseblands. Zweij vereio Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Zmuierstag, den IL. Oktober, vomittoo« Uhr, im lokal von Keiler, Kopvenßr. L9: N General-Berfammlnng für«llc iii der Gips- inib Zcmtlltbriliilhe licfdiäfliocn Ardeitcr. Tages-Ordnuitg: Endgültige Beschlußfassung über die vom„Berliner Betollvercin" gemachten Zugeständnisse. 148/lg XL.?luch die Kollegen müssen an der Bersammlung teilnehmen, die bei den ihirmen arbeiten, welche bereits unsere Forderungen bewilligt baben. Die StrcilikomniiuHlon. Zar Leseiltung für die Berliner Arbeiterschaft! Seit süns Wochen stehen die Arbeiter und Arbeiterinnen der Liegiiicher Hutfabrik vormalö Klein u. Co.. ty. m. b. H., im Streik, um eine Lohnkürzung bi? zu 50 Prozent abzuwehren. Die Firma verlauft ihre Pro- dukte in eigenen Verkaufsstellen und befinden sich ihre Lader in Berlin: 234/6» ViiSsnsvkoi's�nskv E3, Biitansh'sko 19 a, Friedpichstraße 250, Große Frankfurterstraße 94. Die Firma rechnet besonders mit der Arbeiterkundschast. Die Streikenden appellieren an das Solidaritäts- gefühl der Berliner Arbeiterschaft und erwarten, dag sie nicht eine Firma untersticht, die wöchentliche Durchschnitts- löhne von 6 Marl für Arbeiterinnen und 12—16 Mark für Arbeiter bis zu 50 Prozent hcrabdrückcn will. Der Zrntralvkrrin für Hntarbtiter und Arbeiterinnen. Plllnle Berlin. Erkner. Freitag, de» 13. Ottober, abends'S'1/. Uhr, in Degebrodts Gesellschaftshaus: Uolks Uersammwng. TageS-Ordnung: l. Tie Aussperrung in der Elektro- Industrie. 2. Diskussion- 8. Verschiedenes. Arbeiter, Parteigenossen, erscheint zahlreich in dieser Bersamuilung! Der ElndernTer. Einladung zur anßerordentliclien General- Verftammlnng der Zigaretten- Produktiv- Genossenschaft Dresden für TonnerStag, den IS. Oktober ISS», abends 8 Uhr, im Restaurant DM-.Trei Falken«, Dres«lea.-WW Tages-Ordnung: Einige Statuten-Acndenmgen. 25/8b ____________ Der Aaf.lchtHrat. Mütze. ttfnholJiifclllt'llt»«t tager koepletler JIIUIII#! jilllVEt» Wotinungs-Einriehitingen jeu Fabrikpreisen— Eigene Werkstatten— empfiehlt julius Apelt, Skalitzerstr. 6, Verband der Sattler. Ortsverwaltnng Berlin. Sonnabend, den 14. Oktober, im Gewerkschaftshausc, Engel-Ufer 15: seier öe; 17. Stiftung;-seites. Sluftrcten von tiorsts Noriiiieutschen tiumcnisten uml yuarteNsSngern.— Konzert.— kleigentahren, ausgesührt v. Mitgl. d. Beil. Arb.-Rads.-Verems. l-rober Batl. Daran teilnehmende Herren zahlen 50 Ps. nach. Ansang präzise 8'/, Uhr. Entree 30 Ps. Ilm rege Beteiligung ersucht Tas Bergnügungskamitee. Achtung! Achtung! Uerbaud der Fabrik-, Fand-, Hülfsarbeiter und Arbeiteriunen Deutsch tauds. Zahlstelle Ober-Schöiieweide. Donnerstag, 12. d.M., abends KNhr, im Schlosspark Wilhelminenhof, zu Ober-Tchöneweide: Köiikfgl-Vefsaimnlling. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Die Anträge des Hauptvorstandes. 3. Verbands- angelegenheiten und Verschiedenes. Da wichtige Beschlüsse gefasst werden, ist eS Pflicht rineS jeden Kollegen in der Versammlung zu erscheinen. Die Ortsverwaltnng. Deutsciier Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Montag, den 16. Oktober, abendS S'/a Uhr: Dnterjamilnng;nr btnorfithendkn Delkgitrtenninht der Orts-Krankenkasse der Tisöfler nnd Niiinltflirtenrdelttr. Für den Bezirk des Kassierers Lost(links der Spree 80., S. u. SW.) im„Märkischen Hof", Admiralstr. 18. Für den Bezirk des Kassierers Schulzo(icchts der Spree 0., NO., N. U, NW.) in den„Andreas-Festsälen", Andreasstr. 21. Tages-Ordnung: 1. Die Zlufstellung der Kandidatenliste. 2. Verschiedenes. Die Kandidaten Haben sich über ihre Zugehörigkeit zur Organisation auszuweisen. Mitgliedsbuch legitimiert.' 34/10» Die Drtsverwaltunx. 5. Zweigverein Berlin u. Umgegend. -Wmü! Dachdcdicr- hülfsarbeiter. Sonntag, den 15. Oktober, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshausc (Saal 7), Engcl-Ufer 16: Große Sektions- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Karl Drägcr. 2. Diskussion. 3. Das Vorgehen bei einzelnen Firmen und das Ncsuliat desselben. 4. Verschiedenes. SW Die Dachdecker werden ersucht, ihre Hülssarbeiter aus die Vcr- sammlung ausmerlsam zu uiachen. Achwg! Hülfggrbtittr da Mllkütciireil. Sonntag, den 15. Oktober, vorm. 10 Uhr, in den Jndustrie-Fcstsälen, Bcuthstr. 19— SO: Versammlung aller bei Stukkateuren beschäftigten Hillfsarbeiter. Tages-Ordnung: 1. Die Lohnbewegung der Gips- und Zementbranche und welche Lehre ziehen die Hlllssarbeitcr der Stukkateure aus dieser? Reserent: Kollege W. Krib o w. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. MM- Die Stukkateure werden ersucht, ihre Hülssarbeiter aus diese Versammlung ausmcrksam zu machen. Arbeiter der Firme H. Reebel, Sonntag, den 15. Oktober, vormittags 10 Uhr, in dcn Jnscl-Fcstsälr», Jnselstr. 10 II: M Firmon-�vrSammlung. Tages-Ordnung: 44/3* 1. Unsere Arbeitsverhältnisse nach dem Streik imd die Jnnehalwng des Vertrages. 2. NegeUmg des Pertrauensmännerwcscns. 3. Verschiedenes. Oqy Das Erscheinen aller Arbeiter(Träger, Einschalcr und Hülss» arbeiter) der Firma H. Zi a c b e l(Ges. m. b. H.) ist crjordcriich. Die Vertmndsleltunz:. I. 81.: Karl Heidemann. Maschinisten nnd Heizer. Berlins und Umgegend. Donnerstag, den 12. Oktober, abends 8ll2 Uhr: Yersammiung der Maschinisten und Heizer in Voigts Fcstfdlcn, Ritterftrahe 75. 133/17 Tagcs-Ordnung: Ter gegenwärtige Stand des Streiks in den Berliner Elektrizitätswerken und die angedrohte weitere Aussperrung in den Betrieben der Kühncmäuner. Reserent wird in der Versammlung bekannt gemacht. vor Einberufer. 2. Ziehung 4. Kl. 213. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 11. Oktober 1905. vormHtogs. ■Nur die Gewinne Uber 192 Mark sind den betreflenden Nummern in Klammern beigeliigt. (Ohne GtwÄhr.) Nachdruck verboten. 90 365 76[10 0001 657 869 86 1652 834 f4001 «75 2049 106 14001 271 359 675 3508 4868 5003 246 1400) 02 471 509 853 961 6122[5001 68 91 575 948 99 7223 64 407 10 62 79 80 562 655 871 977 8042 266 95 326 64 575 617 823 67 9002 462 663 734[500] 877[400] 10112 311 512 35 796 902 11072 322 468[30001 504 53 681 845 48 1 2315 479 593 617 803 9 1 3095 239 56 78 373 951 82 1 4123 222 534 977 1400] 15092 96 338 948 1 0092 300 458 540 097 976[4001 17207 95 386 691 740 978 1 8281 323 522[4001 637 902 65 .,19021[500] 313 834 920 i 20117 30 58 89 491 576 893 2 1 463 717 803 22149[1000] 62 426 78[4001 560 78 608 723 974 23.(27 40 86 610 747 985[5001 24195 324[1000] 689 94 718 42 882 934 2 5 057 103 250 450«45!4>X>1 28019 171 291 499 2 7108 330 88 480 618 47[5000] 84 968 28167 247 414 533 673 911 29002 90 91 17, 212 334 422 81 602 „ 30099 104 474 92[30001 517 822 989 3 1520 867 §3[400] 934[41« 1 32082 254 336 502 666 33210 '94 990 3 4005 54 89 119 209 68 344 48 518 59 633 75 906 361 83 35155 4IS 509 79 30006 10 60 159 79 643 738 865 89 343 37107 260 93 731 3 8005 108 16 95 352 489 555 646 906 3 9053 123 416 565 615 21 93 237 848 53 *0048 70 73 168 363 99 596 606 34 705 29[4001 50 [S?0! f»4 961 68 4 1038 79 239 4 2202 576[4001 687 WO 43170[400] 543 892 951 14001 44122 44 228 801 ,on M AN 51 666 98 723 819 8 1026, ISO 242 50 575 82 97 763 905 5 3034 500 918 5 3011 W»2 591 840 75 927 80 5411« 3R4 523 601 55U6 S-Jl«>&> W[50001 51 570 725 818 35 907 58087 g 7 rSÖOMiS 713 14001 35 833 35 920 5 7079 457 008 23«SS2« 2r.l 229 783 827 5 9029 60 473 716 96u ... 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A SOOO, Ö 4 10-0, 22 4 500, 71 4«00/ 2. Ziehung 4. Kl. 213. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 11. Oktober 1005, uacbmlllags, Nur die Gewinne Uber 192 Mark elnd den betrefkenden Nummern In Klammern beigefügt. (Ohne GewSUr.] Nachdruck verboten. 85[4001 303 528 45 70 621 712 46 1005 96 103 302 509 2212 68 86 469 617 3179 265 1500] 371 82 447 705[10001 4017 77 90 189 277 318 446 14001 523 51 78 649 3287 96 308 645 021 6089 240 651 701 973 7003( 4001.30 77 III 205 20 388 460 571 914 8024 332 57 825 61 9116 54 512 822 10449 722 32 11108 458 65 523 78 640 709 814 12003 73 284 804 814 76 968 1 3057 420 31 14001 607 784 944 77 80 93 14271 306[500] 474 521 641 733 928 15454 58 603 613 SO 14001 724 902 1 6066 94 357 598 644 765 70 872 1 7036 37 66 304 11 67 536 600[4001 738 1 8417 38 652 805 1 9077 170 215 33 307 477 827[3000] 20221 488 568 21013 31[4001 241 90 340 595 [5000] 822 2 2042 195 575 98 026 54 23169 81 365 415 521 99 614 849 71 901[4001 76 2 4067 110 251 571 650 84[1000] 795 966 25176 472 510 709 816 50 2 6274 341 62 00 496 639 85 703 810 27108 260 332 80 415 585 690 2 8025 40 318 521 41 901 29254 871 (4001 73 998 30008 82 339 505 48 775 917 38 3 1016 102[ 400] 43 953 3 2039 148 295 304[ 4001 48 72( 4001 459 588 740 43 922 33040 444 615 40 950 34010 137 361 845 93 857 35163 85 310 438 551 733 88 813 36088»5 179 218 373[400] 578 691 717 26 93[400] 909 15001 46 52 37245 377 38085[50001 322 43 58 473 723 29 48 817 063 3 9055 75 247 336 423 849 54 40413 686 803 32 41322 540 913 42117 64 533 85 634 64 94 711 045 43133 56 478 590 4 4297 782 872 98 907 4 5080 84 232 82 397[10001 567 763 88 858 057 88 46705 47120 50 218 326 75[75 0001 408 812 65 48239 375 635 49434 1400] 556 643 48 14001" 753 800 11 50679 783 51177 222 718 5 2159 310 77 488 685 53136 81 88 473 81 769 54170 397 731 34 55051 199 1400] 304 475 616 21 97 868 052 5 6812 5 7229 322 64 85[4001 690 5 8057 195 98 349[.5001 54 68 427 700 5 9008 219 51 336 423 43 92 14001 660 60188 344 505 41 012[5001 916 6 1019 319 56 632 39 722 54 969 6 2094 405 389 63197 200 451 536 769 64193 836 6 5064 184 479 553 943 738[4001 880 86 66116 540 714 20 92 854 908 67183 240 67 386 604 68031 287 379 639 826 69109 519 754 70296 571[4001 627 1400] 58 722 805 99 7 1 048 7 2044 590 696 788 872 74 910 7 3031 62 84 141 91 449 692 895 994 7 4030 168 94 284 401 49 519 39 74 622 42 45 70 7 5572 711 868 7 6335 75 486 717 850 77057 492 866 78310 514 803 988 79146 210 63 447 60 569 82 754 014 110 0 001 � � 80076 153 67 215 393[4001 578 788 822 8 1238 402 698 740 89 8 2314 422 500 731 35 815 959 8 3005 10 204 71 442 8 4245 67 82 529[4001 678 800 20 52 85077[30001 336(10001 553 8 6282 494 597 664 88 867 927 8 7012 8 8217 470 568 787 876 970 8 9296 467 515 39 671 74 90352 453 527 670 830 972[4001 9 1364 73 97 00-3 852 85 93 92137 201 24 841 55 93128 74 212 676 728 896 9 4089 260 96 469 8« 513 24 679 93 95069 212 82 333 420 40 541 96079 380 82 417 869 978 9 7081 282 327 41 490 589 940 9 8051 23t 321 502 850 050 9 9057 136 250 331 43 717 919 36 100365 475 845 973 78 1 0 1229 441 593 870 71 906 102931 60 139 373 431 632 36 830 947 95 1 03060 292 603 716 80 853[4001 91 104073 180 214 40 56 67 825 75 613[4001 731 XO5010 76 148 60 539 91 94 658 730 42 1 06213 80 535 70 1 07278 355 82 94 722 a 08084 248 709 886 109152[4001 89 283 433 521 007 110005 309 433 54 62 715 111021 268 385 704 112154 514 35 632 792 974 95 113101 400 541 CS 114364 648 672 92 93 991 115017 158 237 116024 91 136 82 222 323 07 560 820 130001 117055 60 81 83 427 574 856[ 4001 913 38 118289 370 763 849 119063 233 71 324 94 748 79 830 120010 97 139 72 338 1 2 1 251 415 93 818 122031 60 79[500] 371 1400) 425 40 587 668 792 A 23149[400J 348 441 549 869 ,124065 138 579 125418 54[4001 912 23 48 1 26077 983 1 27000 74 118 56[4001 609 79 754 889 960 1 28147 483 523 637 1 29220 580 130318 015 37 830[400] 94 945 1 3 1 487 510 54 873 977 1 32045 551 133126 520 603 702 811 134006 283 482 546 980 1 35127 74 247 314 620 13 6452 62 790 1 37116 406 76 519 773 1 38129 389 688 1 39284 322 32 59 601 922 14O029 94 214 99 355 415 82 572 509 72 841 99 14 1011 15001 152 473 513 1 42149 726 927 57 143024[4001 719 876 1 44196 251[30001 474[4001 145073 84 202[4001 46 74 844 64[4001 146052 88 [4001 406 76 656 80 851 147286 449 1400] 590 918 148107 80 255 643 78 841 140103 19 43 229 475 [4001 798 150966 1 5 1 033 108 284 305 14[60 0001 703 00 958 1 5 2621 39 992 1 53080 203 86 307 491 533 630 50 97 1 54009 25[400] 320 90 604 16 981 155153 295 496 564[4001 81 621 79 798 874[4001 78 90 156009 80 83 137 233 30 376 97 443 93 613 703[4001 833 903 93 1 57006 28 133 67[4001 207 390 622 71 840 939 1 58362 500 29 52[400] 637 832 926 159034 392 464 830 068 160000 122 514 606 84- 161147 580',55 1 62173 233 487[4001 568 667 15001 950 1 63011 185 461 752 56 851 958 1641» 291 4:"[5001 973 16500? 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KSnlgllch Preu« esiseben Klassenlotlerio findet Statt vom I, Koveabw bis 1. Dezember 190}. Achtung! Achtung! 4, Wahlkreis(Osten). Am Somtllg, den lZ. Oktober, in Fouis Kellers FeMlen, Ksppenstraße Nr. 39: Stiftungsfest des rozialdemohratircbcn Makwerems. A- Grosses Konzert, ausgeführt tiont UTencn Rcrllncr Konxcrt-Orchestcr(Dirigent: Herr R. Tiet«.) Auftreten von Mitgliedern des Turnvereins„Fichte" und der Volkssänger-Gesellschaft Sitc-cic�ic,. Im oberen Saale von 6 Uhr an 7an?. Nach dem Konzert im großen Saale: fpSp"' Ball. Herren, die dorn» teilnehmen, zahlen 80 Pjenuig nach, Ervfsnung 4 Uhr, Anfang 5 Uhr. Billetts 85 Pfennig, an der Kasse 80 Pfennig, _ Zahlreichen Besuch erwartet_[262/ä]_ Das Komitee. �Hygienische MllWi Rohrer! Mtung! Freitag, de» 18. d.M., abends«Uhr. in N. Bocke rdFestsSlen, Wcberstr. i?: Ilißnerdeiltl. Mitfllichcr- Ncrslillllilliiilji. Tagesordnung wird in der Persammluna kekanntgegeSeN. VS ist dringende Pflicht aller Kollegen in dieser Berfammlung pünktlich zu erfcheine». 296/2 Der Voi-atand. smw Bedulsarniel. Katalog m. Empfehl.viel Aerzte u.Prof. grat. u.fr. H. üoger. Gummiwar enfabrü Berlin NW.. Friednchs rasse 9171». Dr. Simmei, Spczinlarzl für 29/14* Hunt- tand Harnleiden. >0— 2,5— 7. Sonntag« 10— ta, 2—4 II. Wahlkreis. Iteitag, den 13. OUtofoer, abends SV« Uhr, im Kofiager-�alasf, HaNcnhelde»S SS: Außerordenlliehe General-Versammlung. Tages-Ordnung: Fortsetzung der Tagesordnung vom 10. d. M. Aufstellung der Kandidaten zu den Stadtverordneten-Wahlen. Zahlreichen Besuch erwartet 269/6 Mitgliedsbuch legitimiert i Der Vorstand. 6. Wahlkreis. Sonntag, den 15. Oktober, abends 6Nhr, im Kolberger Salon, Kolbergerjlr. 33: Oeffentliche Uersammlnng kür Männer und Frauen. Tagesordnung: 1. Vortrag de? Redakteur« Genoffen Dani Sohn über: Erklärung der Relkgkoi, zur Privatsache. 2, Diskul/ion, 260/5* War Nach bei Versammiung: Oemtttlichcs Bclsammensoln mit Tan», mumm Zu recht zahlreichem Besuche ladet ein__ Der Borslnltb. Stnhlflecht- rohr in vorzitgltcher O.ualität. Lludlroiirlager HVailste. 1k.* Vis alte orogsrls Willst XoMtv llogrünilst tSSZ früher Relchenbergerstrasze 164, itottbuser Damm 106, besinM sich jetzt 4672:1* itaiinischnlemvejf, Baumschul«nstra8e 70. IWMW ftleine ßnzeigen. M F alt 15 Buchstaben zahlen doppelt. JKHMHB r limsseö Verkäufe. Gardlneiibaiiö Grobe Franksurtcr« strahe 9, parterre.__ If Tedbett, linterbelt, Kissen mit glattrotcm Fnlelt, zusammen 10,50, nur(Pfandleihe) Slndreasstratze 68,* Rotrosa-gcslreislcs Deckbett, Unterbett, zlvei Kissen, 18,00, Andreas- strabe 38,_ 8I7K* PommerlcheS vauernbett, Deck- beii, Unicrbeit, zwei Kissen, 27,00, Großes 1/alen, Stuck 1,00, Pfandleihe ?lndrensstrajje 38. Elektrische nach überall.__ SILK' Bettenlagrrci. 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Tages- ordnung�.Die Aussperrung, ihre Bedeutung für den Ort und die Stellung der Gemeindevertretung dazu". Reger Besuch wird erwartet. Der Vertrauensmann. Mahlsdorf. Sonnabendabend 8V2 Uhr findet bei Werneke, Hönowerstr. 6, die Mitgliederversannnlung des Wahlvereins statt. Genosse P i n s e l e r wird über den Parteitag in Jena referieren. Waidmanuslnst und Umgegend. Sonnabendabend 8 Uhr findet die kombinierte Versammlung der beiden Wahlvereine statt. Tages- ordnung: Bericht vom Parteitag. Referent: Herr Ku b i g- Pankow. Diskussion. Bericht des Vertrauensmannes und Nemvahl desselben. Antrag Tegel. Beschlugfassung über das neue Berbandsstatnt. Partei- angrlegenheiten. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. In der Charlotteniiirgcr Stadtverordiieten-Bersaniimung erfolgte am Mittwoch zunächst die Einführung deS neugclvähltcn Stadtrats Cas sirer. Der Herr hat bereits früher dein Magistrat angehört, er war Dezernent der Gasanstalt zur Zeit, als der große Gnsarbciter- streik ausbrach und hat sich durch seine ablehnende Haltung gegenüber der Forderung der Einsetzung eines ArbeitcranSschusses uiglerblichen Ruhin erworben. Wie verlautet, soll er sein früheres Dezernat wieder erhalten.— Nach Erledigung einiger unbedeutender Vorlagen nahm die Versammlung in geheimer Sitzung den Bericht des Ausschusses über die Vorbereitung der Stadtbmiratswahl entgegen. Unser Autrag, die Angelegenheit in öffentlicher Sitzung zu beraten, winde abgelehnt. Die Wahl selbst erfolgte rn öffentlicher Sitzung, sie fiel auf den Vaurat Profeffor Schmalz, der zurzeit im Ministerium der öffentlichen Arbeiten beschäftigt ist und schon zahlreiche staatliche Bauten geleitet hat. Dem Antrag auf Einsetzung einer gemischten Deputation zur Beratung der Matznahmen gegen die Fleischteuerung ist der Magistrat, wie er der Versammlung mitteilt, beigetreten. Von sozialdemokratischer Seite tvurden die Stadtvv. Dr. Z e p l e r und Vogel in diese Deputation delegiert. Eine längere Debatte knüpfte sich an die Vorlage betr. Fort- setzuna der Milchliefernng durch die Säuglings- Fürsorge st eilen. Unsere Genoffen Vogel und Dr. Z e p l e r wandten sich namentlich dagegen. daß die Errichtung eines SäuglingSpflegeheimS nicht m die Wege geleitet' wird und daß die gemischte Deputation den Antrag Zepler betreffend Gewährung von Bethülfen aus städtischen Mitteln an unbemittelte Schwangere und unbemittelte Mütter behufs Ermöglichung des SttllenS abgelehnt hat und sich lediglich auf die Weitergcwährung von Milch durch die Säuglings- filrsorgestellen beschränkt. Insbesondere benutzte Genosse Dr. Zepler die Gelegenheit, ans Anlaß einer Petition des Charlottenburger Acrzte- Vereins an die Aerzte den Appell zu richten, sich auf die Seite der Arbeiterklasse zu stellen, da sie genau so ausgebeutet sind, wie alle übrigen Proletarier. Auch die Frage der Einführung der freien Arztwahl für die Armcnverwaltung schnitt der sozialdemokratische Redner an. Die Debatte endete»lit der Annahme der Vorlage mit einem Amendement Dr. Bauer, daö den Magistrat ersucht, eine Dienstanweisung für die Aerzte der SäuglingSsürsorge- stellen zu erlassen. Weiler wurde auf Antrag deS Stadtv. Dr. Spiegel beschlossen, daß die gemischte Deputation sich weiter mit der Frage beschäftigen solle, in welcher Weise eine Unterstützung stillender Mütter durchgeführt werden kann. Die Vorlage betreffend Erweiterung de« stäbttschen Elektrizitätswerks wurde nach kurzer Debatte einem Ausschuß überwiesen, dem unter anderen die sozialdemokratischen Stadtverordneten S e l l i n und Vogel angehören. In der Versammlung deS WahlvereinS am Dienstag referierte Genosse Paul Hirsch über die Sozialdemokratie und die Stadtverordneten-Versammlung. In ausführlicher Rede zeigte er, wie die Liberalen Charlottenburgs, die noch vor sechs Jahren als kleine MinderhcitSpartci im Stadtparlament volköfreundliche Anträge und Forderungen vertreten haben,.sich mit ihrem Wachstum zur ausschlag- ebcnden Partei auch zugleich zur arbeiterfeindlichsten rntivickelt aben: die Liberalen sind der gefährlichste Feind des werktätige» Volkes, um so gefährlicher, als sie nicht offen auftreten, sondern in der heuchlerischen Maske freiheitlich gesinnter Männer schöne RedenS- arten von sozialer und demokratischer Entwickclung im Munde führen und von liberalen Grundsätzen sprechen, welche sie in ihrem prakti- scheu Wirken dauernd mit Füßen treten. Sie haben unseren Antrag auf Ersetzung des Drciklassen-WahlrechtS durch das RcichStagS-Wahl- recht abgelehnt, selbst für die Erhaltung deS Privilegs der Haus- cigcntümrr sind sie eingetreten. Ebenso haben die Liberalen bei den sozialdenrokralischen Anträgen zur Verbesserung der Verhältnisse der städtischen Arbeiter versagt, die Arbeitszeit ist eine zehnstündige geblieben, ein täglicher Mindestlohn von 4 M. ist nicht zugestanden worden, bei Uebcrarbeit soll auch in Zukunft die erste Ueberstunde, fallS keine zweite darauf folgt, nicht bezahlt werden. Den� schnöden Versuch der Leitung der städtischen Gasanstalt, den Arbeitern das Versammlungsrecht zu nehmen, haben die Liberalen mit keinem Worte gerügt, sie dulden es vielmehr, daß der Magistrat die Antwort auf die diesbezügliche Anfrage unserer Genossen nun» mehr schon ein halbes Jahr lang als nicht besonders eilig hinaus- schiebt. Geschenkt wird ihnen unsere Kritik freilich nicht werden; falls keine Antwort erfolgt, wird bei der Etatsberatung die An- gelcgcnheit gründlich erörtert werden. Unvergessen soll den Liberalen auch bleiben, in wie feiger Weise sie, nachdem sie anfänglich große Worte gemacht hatten, die Volks- schule nach den Wünschen der Regierung an die Kirche auslieferten. Die Sünde» der Freisinnigen gegen das Wohl de« Volkes. speziell gegen die Interessen der Ardeiter, sind Legion; ihnen die Mandate der dritte» Klaffe zu entreißen, vor aller Welt deutlich zu machen, daß das arbeilende und werktätige Vask von dieser ver- heuchelte» Partei nichts mehr wiffen will, muß das Ziel des gegen- wärtlgen WahlkampfeS sein. In der D i S k u s s i 0 n, die sich an den mit lebhaftem Beifall aufgenominenen Vortrag anschloß, brachten die Genossen Dickinann und Viereck die unvollkommenen Schulverhältnisse, speziell die eKAA. Donnerstag, den 1Ä. Oktober oft ganz sinnlosen Unislvillnngen zur Sprache. Genosse Vaake betonte, daß im Wahltampfe die Volls'cbnle, der Mietwucher, der FlrHrvwncher in erster Linie stehen müssen. I» gleichem Sinne spract, siw auch Genosse Böget aus. Dann wurde zur Anisiellung der K a n d i d a t c n für die am 6. November stattfindenden Sladtverordnetenwahlen geschritten. Es wurden aufgestellt: Im 1. Bezirk der ausscheidende Genosse Vaake zur Ergänzung. Genosse F l e in in i n g als Ersatz. Im 2. Bezirk Genosse Klick(Hausbesitzer). Im 3. Bezirk Genosse Klick lHansbesitzer). Im 4. Bezirk der aiisicveidende Genosse Dr. Borchardt. Im 5. Bezirk Genosse Bartsch. Im 6. Bezirk Genosse Bogel(Hansbcsitzer). Im 7. Bezirk Genosse Hirsch lHansbesitzer). Im 3. Bezirk Genosse Hirfch(Hausbesitzer) zur Ergänzung, Genosse E ck a r d t als Erlatz. Es folgte die Aufnahme neuer Mitglieder. Eine Beschwerde des Genossen Viereck wurde vertagt, da sie noch beim Vorstände schwebt. Genosse Flcmming forderte in wannen Worten auf, der ausgesperrten Arbeiter der elektrischen Industrie zu gedenken, für die am Ausgang eine Tellcrsanimlung veranstaltet wurde. Um 12 Uhr erreichte die Versammlung ihr Ende. Schöneberg. Die Sektion lV deS Verbandes der städtische» Arbeiter(Englische Gasanstalten) bat in einer gut besuchten Versammlung am Montag bei Obst in Schöneberg Stellung genommen zur kraftvollen D u r ch f ii h r u n g eines K a m p f f 0 n Der Sektionsleiter Kollege Polenske gab eine Uebcrsicht übec die bisherigen Ver- sannnlnngen und die Erfolge der Agitation, und führte den er- freulichen Nachweis, daß die Mitgliederzahl der Sektion IV bei annähernd 1300 Beschäftigten bereits auf SOO angewachsen sei. Nachdem die Kollegen der städtischen Gasanstalten und des Röhren- systemS, wie auch diejenigen von Lichtenberg und Nixdorf feit dem 1. September einen Kampffonds gegründet haben und zu diesem Zwecke einen wöchentlichen Beitrag von 15 Pf. erheben, müffen auch die Kollegen der Englischen Gasanstalten dieser Frage näher treten. Der ablehnende Standpunkt der Direktion in allen wichtigeren Forde- rungen mache es zur Pflicht, mit mehr Nachdruck aufzutreten. Die' Aussichten auf eine Verständigung mit der Direktion in den Lohn- und Arbeitszeitfragen werden von Tag zu Tag geringer. Die Kollegen mögen deshalb beizeiten gerüstet sein. S t e n z c l, Hauptvorstandsmitglied, machte darauf aufmerksam, daß es den Gasarbeitern auch einmal so gehen könne wie den Kollegen in der Elektro-Jndusttie und sie auch einmal ansgesperrt werde» können. Haben doch die jüngsten ArbeiterauSschußsitznngen, die über die Forderungen der Arbeiter zu beraten hatten, gerade kein günstiges Resultat gezeitigt. Zu einer wirksamen Durchführung sei aber eine gute Kasse die Haupwedingung; er hoffe, daß die Er- höhung des Beitrages von 25 auf 40 Pf. die Mitglieder noch fester als bisher zusammenlitten werde. Dem Antrage auf Errichtung eine? Kampffonds in der an» gegebenen Höhe und einer Resolutton betreffend die Agitation für Einführung des Achtstundentages wurde einhellig zugestimmt. Der Antrag auf Ausschluß eines Mitgliedes wegen Verstoßes gegen die Verbandsvorfchnften wurde zurückgezogen, nachdem der Betreffende eine öffentliche Erklärung abgegeben hatte. Nixdorf. Ei» schwerer Unglücksfall ereignete sich beim Bau deS Teltow- kanals am Mariendorfer Weg. Der Arbeiter August Ccderle war mit dem Transport von eisernen Blöcken beschäsligt. Hierbei«nt- glitt ein solcher Block seinen Händen und fiel ihm aus das rechte Schienbein, das bis zum Fuße von der scharfen Kante des Eisen- blvcks bis auf den Knochen aufgerissen ward. Nach Anlegung eincS Notverbandes wurde der Schwerverletzte nach dem Rixdorfer Kranken- haus geschafft. Von der Lokomotive«ineS Güterzuges erfaßt und zur Seite ge- schleudert wurde auf dem Rixdorfer Güterbahnhof der Weichensteller Franz Thiele aus der Knesebeckstr. 102. Der Bedauernswerte erlitt schwere innere Verletzungen und erhebliche Schädelverletzungen, so daß seine Ueberführung nach der städtischen Krankenanstalt erfolgte, wo er bedenklich darniederlicgt. Von einem Geschäftswagc» überfahren und tödlich verletzt wurde der sechsjährige Sohn Richard dos Metallarbeiters Bendin. Mahlower« straße 3. Während beide Eltern außerhalb ihrer Wohnung auf Arbeit waren, blieb ihr einziges Kind der Obhut seiner 71 jährigen Großmutter anvertraut. Diese machte einen Besuch bei Bekannten in der Prinz Handjerystraßc und nahm den kleinen Richard dorthin mit. Auf seinen Wunsch ließ die alte Frau den Knaben auf der Straße, wo er spielen wollte. Als er über den Fahrdamm lief, kam gerade ein Gcschäftswagen des Kaufmanns Fritz Mnth von der Hermannstraße her gefahren, in welchen das Kind blindlings hinein- lief und unter die Räder geriet, welche ihm über den Unterleib gingen. Der an dem Unglücksfall unschuldige Kutscher brachte das Kino sofort zur Unfallstation, dort starb es aber an innerer Ver- blutnng unter den Händen des Arztes. Die Leiche wurde nach der elterlichen Wohnung gebracht, wo die bedauernswerten Eltern bei ihrer Heimkehr ihren Liebling entseelt vorfanden. Ober-Schöneweide. Die Aussperrung i» der Elektrizitätsindustric vor der Gcmcindr- Vertretung von Ober-SchSurwride. Auf der Tagesordnung der letzten Sitzung stand eine Jnier- pellntion unserer Genosfeii: WaS gedenkt die Gcniriiidcvcrtrrtuiig angesichts der durch die Aussperrung hcrvorgcrufcuc» Schädigung der Gcmeiiidc-Jiitrreffe» zu tun? Besonderes Interesse gewannen die Verhandlungen dadnrch, daß der Vertretung die beiden Direktoren des Kabelwerkes sowie Herr H e g e iv a l d t, der Vertrauens- mann des Kühneniänner-Verbandes, angehören. Eine ungeivohnliche Anzahl Zuhörer füllte den großen Saal der Aula. Genosse G r u n 0>v begründete die Interpellation und führte aus, in wie eminenter Weife die Gemeindc-Jntereffen von der Aussperrung berührt würden. Um dringendster Not entgegenzutreten und die Br- troffenen nicht indieLagezuversetzen, enttvllrdigende Armenunterstützung in Empfang»ehmen zu müffen, beantrage er, 20000 M. aus Gemeinde- Mitteln znr Unterstützung von Ausgesperrten bereit zu stellen. Die Herren Kott meier, Hegewaldt, Lehmann. Feldt- mann suchten in recht unschöner, wenig objektiver Weise ihren ablehnenden Standpunkt zu begründen Die abgedroschensten f hrasen vom T e r r 0 r i s m n s der Arbeiter, g e m ä st e t e n ll h r e r n, hohen Organisationsunkosten mußten her- halten. Unbegreiflich't, wie Herr Kottmeier behaupten kann. >03.) Inserate Sechsgelpallene Kolonelzcllc 20 Pkg. I Bei größeren HulirSgen entsprechenden Rabatt/� die Mehrzahl der Betroffenen fei von den Streikenden aus den Be- trieben hernusaezogen. Dem Genoffen G r u n 0 w war es ein leichtes, diese Redensarten in nichts auszulösen. Er bestritt den Herren das Recht, die Forderungen der Arbeiter auch nur zu kriti- stiren, wenn sie andererseits nicht die Rechnung aufmachen könnten, wie ein Arbeiter init 10 M. Wochenverdiciift feine Familie menschen- würdig durchbringen soll. Herr S t e l l e r meinte naiv, durch die Strcilkontrolle wolle man nur zur Arbeit Bereite von der Arbeit abhalten. Die Herren Direktoren des Kabelwerkes Weber und Peierls hielten sich reserviert. Letzterer beschränkte sich darauf zu beweisen, daß die A. E.°G. aus Anlaß des Streiks gezwungen war, die übrigen Arbeiter wegen Betriebsstörung zu entlassen. Auch sei seinerseits die ihm im„Vorwärts" zur Last gelegte Aoußerung: „Man solle die Frauen zur Arbeit senden", nicht getan. Der Antrag unserer Genoffen sowie der des Herrn Lehmann auf Gewährung von Darlehen an Ausgesperrte wurde natürlich abgelehnt. Die Verhandlungen haben klar bewiesen, wie schlecht sich Jnter- essen von Kapitalgesellschaften niit denen einer G e- m e i n d e vereinen lassen. Unsere Parteibewegung am Orte kann mit dem Erfolge der Verhandlungen vollauf zufrieden sein. Spandau. Eine Beerdigung mit Hindernissen. Im Walde bei Falkenhagen wurde am Sonntag, den 24. September, der Maurer Albert I u d e ma tz tot aufgefunden. Die Leiche wurde von der Staats- anwaltschaft beschlagnahmt. Am 26. September war die Leichen- schau, und der Untersuchungsrichter teilte hierbei dem anwesenden Vater deS Verstorbenen mit, daß er seinen Sohn am 29. September beerdigen könne» An diesem Tage war die Leiche jedoch noch nicht freigegeben. Auf eine telegraphische Anfrage bei der Staatsanwalt- schalt in Berlin kam die Antwort, daß die Schuld nur an Spandau liegen könne. Sonnabend erhielt der Vater vom Amtsgericht Spandau schriftlich die Bestätigung, daß die Leiche freigegeben sei und händigte dies Schriftstück dem Amtsvorsteher von Falkenhagen aus. Der Amtsvorsteher erklärte aber, daß er noch ohne An- Weisung sei und die Leiche nicht aushändigen werde. Als der Vater nun auf dem Postamt in Spandau Nachfrage nach dem amtlichen Schriftstück hielt, wurde ihm der Bescheid, daß die Anweisung schon in den Händen deS AmtSvorftehcrs sein müsse. Darauf ging der Vater wieder nach Falkenhagen; dort aber wies ihn der Amtsvorsteher aus dem Amtsbureau mit der Erklärung, daß er, der Amtsvorsteher ihm die Mitteilung von der Freigabe am Montag znsenden werde. WaS aber Montag nicht eintraf, war daS zugesagte Schriftstück. Abermals ging der Vater zum Amtsgericht Spandau, wo ihm ein an den Amtsvorsteher aus- zuhäudigendeS Schreiben übergeben wurde. Endlich konnte jetzt die Beerdigung vor sich gehen, zu der sich, da Judcmatz politisch und gewerkschaftlich organisiert war, auch eine Anzahl Spandauer Partei- genossen mit Kranzspenden eingefunden hatten. Merkwürdigerweise war auch die Gendarmerie auf dem Friedhof vertreten. Immerhin hat Falkenhagen jetzt, wenn auch unter sehr erschwerenden Umständen eine Beerdigung mit roten Kranzschleifen gehabt. Tegel. Mit der Frage der Konzcssionsvcrlängcrung, die die Große Ber- liner Straßenbahn beantragt hat, beschäftigte sich als erste Vororts- gemeinde gestern die Gemeindevertretting in Tegel. Die Gemeinde- Vertreter waren der Ansicht, daß die von der Gesellschaft gestellte Forderung von so weittragender Bedeutung sei, daß man von einer Beschlußfassnng vorläufig absehen müsse. Der Amtsvorsteher schlug vor, von einer Verhandlung über den Antrag abzusehen, um ge- meinsam mit den anderen Vororten nach den Vorschlägen des Ma- gistrats von Rixdorf später mit der Großen Berliner Straßenbahn zu unterhandeln. Die Stadtgemeinde Rixdorf werde eine Ver- samnflung von Verttetimgen der Vorortsgemeinden einberufen um eine einheitliche Regelung der Straßcnbahnverhältniffe eventl. ge- meinsam mit dem Magistrate von Berlin herbeizuführen. Tegel müsse, wenn c8 den Antrag auf Konzessionsverlängerung genehmige, wesentliche Vorteile erzielen und sowohl einen Zuschuß zu den Kosten der Slraßenpflasterung, als auch mindestens eine zweite Straßen- bahnverbindung erhalten. Es wurde dann auch beschlossen, die Angelegenheit zu vertagen und zu der von der Stadt Rixdors ein- zuberufenden Versammlung Vertreter zu entsenden. berliner j�ackrickten. Ein Sohn deS Kaisers, Prinz Eitel Friedrich, hat sich mit der Herzogin Sophie Charlotte von Oldenburg in GliickSbnrg verlobt. Der Prinz ist 22 Jahre alt, die Vrant über vier Jahre älter. Dies Ereignis gibt dem Ullsteinschen MittagS- blatt Anlaß, dem Publikum mit folgenden' Daten aus dem Leben des Prinzen zu kommen: „Der Prinz, der im 22. Lebensjahre steht, ist bereits wieder- holt in der Ocffentlichkeit genannt Ivorden. Im Jahre 1902 fand seine Immatrikulation an der Universität in Bonn statt, nachdem er ein Jahr vorher in feierlicher Weise in das erste Garde- Regiment zu Fuß eingestellt ivorden war. Vor zwei Jahren er- krankte der Prinz auf einer Steife, die er mit dem Kronprinzen nach Aegypten nnternomrnen hatte, an Masern und die Reise mußte unterbrochen werden. Der Prinz erholte sich bald. Ernster war die Erkrankung de» Prinzen Eitel Friedrich im Januar diese? JahreS. Am Tage vor dem Geburtstage des Kaisers erkrankte der Prinz an Lungenentzündung, doch überwand die kräftige Natur de» Prinzen auch diese Krankheit bald und die Besserung machte verhältnismäßig rasche Fortschritte." Ueber die Braut aber erzählt dasselbe Blatt folgendes:»Die Braut des Prinzen ist biSher nur ivcuig hervorgetreten. Im vorigen Jahre stand sie im Mittelpunkt eines häßlichen Prozesse», der mit der Vernrteilung eines Redakteurs, der schwere Beleidigungen gegen die Herzogin veröffentlicht hatte, endete." Sehr stinnnungSvoll ist auch, was der„Lokal-Anzeiger" über das Brautpaar bringt:„Die hohen Verlobten sind durch ihre Freude am Wassersport zusammengeführt worden. Vom Kaiser ist eS bekannt, welche Freude er an dem nassen Element hat, die Kaiserin selbst ist eine unerschrockene und ansdauerndc Seglers». Der Großherzog Friedrich August von Oldenburg aber ist einer der Vorkämpfer deS deutschen FlottengedankenS." Für ein Linsengericht will die»Große Berliner" von den Vor- orten Borteile einheimsen. Die„Große" hat den Gemeindeverwalwngen von Charlotten- bürg, Wilmersdorf und Schöneberg mitgeteilt, daß sie eine Er« teeltmmfl der Lime 4. des„Jimcn-RingcZ«. plane. Dieser solle unter der Bezenlniung.Ost-West-Ring" durch das Gebiet der sienannten Bororte geleitet und ain Groben Stern von der schon bestehenden �lnicnnihnmg abgezweigt werden. Er solle die Lichtenstein-Allee, Eoriieliud>lrage, Kurfürstendamm. Hardenbergstraße. JoachimSthaler Straße. Kaiser-ANee. Rosberitzer Straße und Motzstraße bis zum .'tollcndorf.Platz durchlaufen und dort in die alte Strecke wieder eininiindcn. Natürlich wird dafür eine Verlängerung der Verträge verlangt. In den ivestlichen Vororten verspürt man aber wenig Neigung, sich aberinals die Hände binden zu lassen. Es wird auch schon die Meinung laut, die„Große" wolle durch kleine Zugeständ- mste die Vororte gewinnen und gegen Berlin ausspielen. Hoffent- lich wird dieser Plan durchschaut. >�iir die Bolkszählung ani 1. Dezember sind von der Regierung folgende allgemeine Bestimmungen erlassen worden: Die Zählungs- ronimiisionen müssen bis zum 9. November, die Zähler� bis zum 16. November bestimmt sein. Das gesamte Zählmatcrial muß bis spätestens zum S. Dezember sich in den Händen der Ortsberwaltniig befinden und nach erfolgter Sichtung und vorläufiger Feststellung bis zum 2. Januar bei der Zentralstelle eingeliefert werden. Da zu dem Zählerdienst in vielen Ortschaften die Lehrer herangezogen Iverde», wild am 1. Dezember der Schulunterricht ausfallen. Zur Choleragcfahr. Wie nunmehr amtlich festgestellt wurde, ist in Stolpe an der Nordbahn die Cholera ausgebrochen. Die beiden ungarischen Arbeiter vom Rittergut, deren Unterbringung in der Cholerabaracke bei Oranienburg wir meldeten, waren tatsächlich an Cholera erkrankt. Der eine starb bald nach seiner Einlieferung, während der zweite sich auf dem Wege der Besserung befindet. Die Frau des einen Arbeiters, die ebenfalls unter iholeraverdächtigen Erscheinungen gestorben ist, hat, wie amtlich festgestellt wurde, nur aii der ungefährlichen Llrolsr». nostra gelitten. Zwei Personen, die mit den Erkrankten in Verkehr gestanden haben und beobachtet werden, sind sogenannte Bazillenträger, ohne eigentlich krank zu sein. Auf Anordnung der Regierung werden in Stolpe schleunigst Cholerabaracken errichtet und gleichzeitig sind jetzt die strengsten Maßnahmen ergriffen, um eine weitere Ausdehnung der Seuche zu verhindern. Die Bewohner und Arbeiter des Rittergutes Stolpe sind isoliert, und durch gründliche Desinfektion der von den Arbeitern bewohnten Räume sowie durch Kalksichcrung der Straßen und Chausseen ist jede Gefahr der Weiterverbreitung der Krankheit beseitigt. lieber die Zustände, unter denen sich die furchtbare Krankheit entwickelte, wird der„Voss. Ztg." von zuverlässiger Seite, wie sie meldet, geschrieben: „Als ein Wunder kann eS bezeichnet werden, daß in dem Haufe, aus welchem die Fälle mitgeteilt werden, nicht schon früher ansteckende Krankheiten zum Ausbruch gekommen sind. In den, einstöckigen Hause leben etiva 129 Menschen, und allein in dem nicht heizbaren Dachraum hausen achtzig galizische Männer und Frauen, welche zur Kartoffelernte eingetroffen sind, bei dem bösen, andauernden Regenwetter abends durchnäßt vom Felde heimkommen und mit durchnäßten Kleidern das Strohlager aussuchen. Das Wohnhaus bieteH äußerlich schon einen abschreckenden Anblick: geweißt ist e's seit Jahren.nicht mehr, die Fensterscheiben sind z nm großen Teil zerschlagen und die Oeffnungen notdürftig mit Bretten: vernagelt oder mit Pappe der- klebt worden. Die Aborte sind vielleicht noch nie gereinigt worden. Scheuer- und Wischtücher find u n- bekannte Begriffe: vor der Tür lagern Haufen von Küchen- abfüllen und Auskehricht, und wenige Schritte davon befindet sich ein Graben, der die Abwässer aus der Brennerei und dem GutShof aufnimmt und jahraus jahrein die ü b e l st e n G e r ü ch e a u s- st r ö m t und ei» Aufenthaltsort für Ratten ist. Nach dem be- kannten Sprüchwort:„Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, deckt man den Brunnen zu", ist jetzt das Haus geräumt und abgesperrt, und sind sanitäre und polizeiliche Maßnahmen ge- troffen worden, um die weitere Ausdehnung der Krankheit zu ver- hindern." Man inuß die unbrünsttge Liebe der preußischen Regierung zum Krautjunkertum kennen, um zu verstehen, daß eine solche Pesthöhle überhaupt geduldet werden konnte. Ob jetzt der Besitzer des Cholera- Herdes gebührend zur Verantwortung gezogen wird? Der Einbruch und Totschlag bei dem Schankwirt Fritz G r a b o Iv in der Schönhauser Allee 63 wird nunmehr am nächsten Montag daS Schivurgericht des Landgerichts I beschäftigen. Am 11. März in aller Frühe ivurde bei Grabow ein Einbruchsdiebstahl verübt. Durch ein Geräusch wurden die beiden Kinder des Herrn G. wach und als sie laut aufschrien, trat der Einbrecher auf sie zu, ergriff ein auf dem Tische liegendes langes Gemüsemesser, stieß es mehrere Male nach dem Mädchen und stieß es auch dem Knaben in den Arm: so daß die Schlagader durchschnitten wurde. Der Knabe, der an seinen Verletzungen gestorben ist, hat noch, bevor er die Be- sinnung verlor, den mehrfach vorbestraften Kellner Alfred Ramm als de» Täter bezeichnet. Dem Einbrecher war eine Beute von 7ö M. zugefallen. Stamm hielt sich längere Zeit verborgen und komtte erst am 2. April in einem Hause der Slalitzerstraße ergriffen werden. Er wird sich nun wegen schweren Diebstahls und Tot- schlages zu veranttvorten haben. Ein Schwindler hat wieder niehrcre Geschäftsleute im Norden der Stadt geprellt. Er kommt angeblich im Auftrage des Rabatt- und Sparvereins„Norden", bietet den Leuten Umtauschstellen dieses Vereins an und verlangt dafür 20 bis 30 M. Mehrere Geschäfts- leute gaben auch das Verlangte, um zu erfahren, daß sie betrogen Ivaren. Der Schwindler ist ein schlanker 1.76 Meter großer Mann mit blondem Haar und Schnurrbart und länglichem blassen Gc- ficht. Er trägt einen schwarzen steifen Filzhut und einen hellgrauen Ueberzieher. In das UntersuchuiigsgefSiignis eingeliefert wurde der Reisende Kordes, der den Ranbanfall gegen Fräulein Drescher verübt hat, nachdem die Angegriffene ihin gestern gegenübergestellt war. Der Vater des Frl. Drescher, der sie nach dem Polizeipräsidium begleitet hatte, wurde von solcher Wut ergriffen, daß er dem Verbrecher Faustschläge in das Gesicht versetzt hätte, wenn er nicht vom Kriminalkommissar daran verhindert worden wäre. Die Vermutung der Kriininalpolizei, in KordeS den vielgesuchten Pompadourräuber gefaßt zu haben, bestätigt sich, wie die„Allgem. Fleischcr-Ztg." mit- teilt, nicht, da die sämtlichen Überfallenen Damen, die gestern auf vas Polizeipräsidium geladen waren, erklärten, daß Kordes nicht der Attentäter sei. Eine Kupplerin vor dem Reichsgericht. In einer eleganten Wohnung Berlins zum Preise von 2000 M. wohnte eine distinguiert aussehende Dame, die„Privatiere" Franziska L ö w y aus Wien. Sie konnte nobel auftreten, da ihr Jahreseinkommen sich auf 12—13 000 M. belief. Die Quellen dieses Einkommens waren aller- dings eigener Art. Madame Löwy hatte früher ein weites Herz gehabt oder hatte es vielmehr noch, und die Dankbarkeit ihrer Ver- ehrer äußerte sich in regelmäßigen Zuschüssen zu ihren Einnahmen. Um auch ihrerseits nicht müßig zu sein, nahm sie junge Damen>n Pension, mit Vorliebe junge Schauspielerinnen. So kam auch ein Fräulein E. aus Wien zu ihr, daS die Schauspielerlaufbahn ergriffen hatte und sich in Berlin weiter ausbilden wollte. Die junge- Dame zahlte monatlich 250 M. für die Pension bei Frl. Löwy. Da sie aber keine Stellung fand und außerstande geivesen wäre, die teure Pension zu zahlen, so brachte Frl. Löwy sie nack, und nach dahin, sick auf bequeme Art.Nebeneinnahmen" zu verschaffen. Die erforderliche Herrenbekanntschaft vermittelte Frl. Löwy mit ihrer reichen Erfahrung und ihren vielseittgen Verbin düngen. Natürlich erloartete sie dafür auch Dankbarkeit jungen Dame. Ihre„Einnahmen" betrugen wöchentlich 100 die Hälfte dabo« mußte sie an Frl. Löwy liefern. Endlich aber nahm das Leben im Sumpfe ein Ende. Frl. Löwy wurde am 31. Oktober v. I. vom Landgericht I in Berlin wegen Kuppelei zu Gcfäichnis verurteilt. Heute wurde ihre R e Vision vom Reichsgericht als unbegründet verworfen. Durch einen Sturz von der Treppe ist der 63 Jahre alte Kriegs Veteran Ernst Rothkopf aus der Hirtenstraße 6 tödlich verunglückt. Rothkopf, der die Feldzüge von 1866 und 1870/71 beim 2. Garde Feldartillerie-Rcgiment mitmachte, sich als Markthallenfeger und Bote ernährte und seit einigen Jahren einen Ehrcnsold erhielt, litt an Schlvindelanfällen. Vor acht Tagen bekam er einen Anfall, als er auf seinen Sohn gestützt die Treppe zu seiner im zweiten Stock des Vorderhauses gelegenen Wohiimig hinaufging. Er stürzte, riß seinen 21 Jahre alte» Sohn mit sich und zog sich beiin Aufschlagen auf den Treppenabsatz einen Schädelbruch zu. An den Folgen dieser Verletzung uiid einer Gehirnerschütterung starb er jetzt im Kranken- Hause am Friedrichshain. Ein englischer Scheckfälscher, der Bankbuchhalter William Gates. ist hier festgenommen worden. Gates entfloh nach Verübnng seiner Fälschung von Sussi nach Berlin und nahm bei einem jungen Mann in der Genthinerstraße Wohnung unter dem Namen Franklin. Als ihm nun sein Geld ausgegangen war, schrieb er als„Franklin" an die Angehörigen des Gates, also seine eigenen, dieser sei in Berlin gestorben und habe Franklin mit seiner Beerdigung beaustragt. Die Angehörigen möchten so freundlich sein, ihm zu diesem Zlvccke das erforderliche Geld zu senden. Die Hinterbliebenen wollten das auch tun, aber die cnglifchc Polizei, die auf diese Weise von Gates wieder hörte, erkundigte sich bei der hiesigen Kriminalpolizei, waS es mit dessen Tod auf sich habe. So kam der Schwindel heraus und Franklin-Gatcs wurde verhaftet. Eine Explosion, bei der zwei Personen verletzt wurden, hat gestern abend gegen 7 Uhr in der chemischen Fabrik von Adalbert Vogt u. Co., Blumenthalstr. 37/38, stattgefunden. Bei einem Kessel, welcher leicht entzündliche Flüssigkeit enthalten hatte, lvar während des Abhebens vom Herde plötzlich der Boden herausgebrochen. Der Inhalt des Kessels stürzte unten durch und kam mit dem Feuer in Berührung. Es entstand nun eine Explosion, bei welcher ein in der Nähe weilender junger Arbeiter und eine Arbeiterin verletzt tourden. Der 24 jährige Georg Weinand aus der Rotherstr. 4 erlitt an beiden Armen, an den Händen, am Kopf und im Gesicht erhebliche Brandwunden. Er mußte sofort in einer Droschke nach der Unfall- station in der Warschauerstratze geschafft werden, wo ihm die erste Hülfe zu teil wurde. DaS gleiche geschah mit der Arbeiterin Lncie Falk, Wartenburgstr. 52 wohnhaft: sie hatte durch Stichflammen Verletzungen am linken Unterarm davongetragen. Die Feuerwehr hatte sich nur noch mit dem Ablöschen des Brandes zu beschästigen. Große Aufregung verursachte gestern nachmittag um 1 Uhr ein Zwischenfall in einem Vorortzuge, der vom Stettiner Bahnhofe nach Bernau fuhr. Zwischen den Haltestellen Röntgental und Zepernick war auf einer Ueberfahrt ein Steinwagen zusammengebrochen und auf dem Gleise liegen geblieben. Weil die Strecke hier eine Biegung macht, so konnte der Lokomotivführer das Hindernis nicht so zeitig sehen, daß er den Zug1, noch vor ihm hätte zum Stehen bringen können. So gab es denn einen durch Bremsen zwar gemilderten, aber immerhin noch ziemlich heftigen Zllsainmenstoß. Die Pferde hatte der Kutscher schon abgeschirrt, der Wagen aber wurde zer- trümmert. Der Eisenbahnzug kani ohne Schaden davon, die Fahr- gäste wurden nur durcheinander geschüttelt, fönst geschah ihnen zum Glück nichts._ Zum Beste» der ausgesperrten Elektrizit ätsarbeiter veranstalten die Gesangvereine„Solidarität" und Buchbinder- Männerchor /zk2 Uhr. Billetts ä 30 Pf. sind zu haben bei Augustin, Oranienstr. 103: Hahn, Adalbertstr. 4, Manzey. Reichenbergerslr 16, und an, Sonnabendabend in allen Zahlstellen des Buchbinder- Verbandes. Zahlreicher Besuch ist zu wünschen. Gebiete der Geschlechtskrankheiten könne eine solche Ausübung deS ärztlichen Berufes leicht zu gemeingefährlichen Zuständen führen. Vermifckres. von der -200 M.: aus Dankbarkeit ab- Gencbts-Leitung. Wegen Beleidigung deS sächsischen Kriegsminisieriums stand gestern der Redakteur der„Zeit am Montag", Karl S ch n e i d t vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I.. In der Nummer vom 4. Juli v. I. besprach die„Zt. a. M." unter der Spitzmarke„V o m g e f r ä h i g e n M o l o ch" die Tatsache, daß in der Umgegend des Truppen-Uebungsplatzes Zeithain in Sachsen Geländevermessungen zu einer Vergrößerung des Uebungsplatzcs stattfänden. Es wurde gesagt, daß ein Teil des Dorfes Jakobsthal sowie das ganze Dorf Lichtensec von der Bildflächc verschwinden müßten, wenn das Pro- jekt zur Ausführung gelangte. Das sei aber„dem Moloch und seinen Dienern" völlig gleichgültig usw. Die 7. Strafkammer erkannte seinerzeit auf Freisprechung des wegen dieses Artikels Angeilagrcn; nach der Urteilsousfertigung wurde ihm der Schutz des ß 193 zu- gebilligt, da er, der früher selbst Landwirt gewesen, hier für die Interessen der Landwirtschaft eingetreten sei. Auf die von der Staatsanwaltschaft eingelegte Revision hob das Reichsgericht das erste Urteil auf, weil die Anwendung des 8 193 in diesem Falle eine irrige gewesen sei. Im gestrigen Termine beantragte Rechts- anwalt Dr. H a l p e r t die Vorlegung des ersten Urteils im Original. Dasselbe würde ergebe n„ daß die schlietzlichc Fassung nach einer vorgenonimenen Korrektur sich in Widerspruch gesetzt habe mit der mündlichen Publikation, nach welcher der Freispruch nicht auf Grund des 8 193 erfolgt sei, sondern weil der Gerichtshof ein subjektives Verschulden des Angeklagten nicht für vorliegend er- achtete. Der Verteidiger hielt wiederum eine Freisprechung für geboten, da der Angeklagte nicht dem sächsischen Militarisznus Vorwürfe-gemacht habe, sondern dem Moloch im allgemeinen, da er später den„Moloch Militarismus" nannte, was eine ganz generelle, internationale und keine partikularistisch-sächsische Bezeichnung sei. Ter Gerichtshof lehnte den Antrag des Verteidigers ab und ver- urteilte den Angeklagten zu einem Monat Gefängnis. Eine Berhandlung, die in ärztlichen Kreisen größere Beachtung verdient, fand Montag vor dem Schöffengericht zu Düsseldorf gegen den praktischen Arzt Dr. med. W., der dort eine Anstalt für Haut- und Geschlechtskrankheiten unterhielt, sowie gegen den csnd. med. R., der an jener Anstalt eine selbständige ärztliche Tätigkeit ausübt, statt. Die Anklage gegen beide lautete auf Betrug, indem die Kranken des Dr. W. der Meinung sein mußten, von diesem behandelt zu werden, während sie in Wirklichkeit von dem Assistenten R. behandelt worden waren. Eine Reihe von Zeugen erklärte nach der„Rhein.-Westf. Ztg." in der Beweisaufnahme, daß sie, falls ihnen dieser Ilmstand bekannt gewesen wäre, von einer ärztlichen Be- Handlung in der genannten Anstalt Abstand genommen hätten. Der Rcchtsbeistand des Angeklagten machte geltend, daß bei R. ein prak- tisch gebildeter Mediziner in Betrackst komme, der seit Jahren unter der unmittelbaren Leitung des Dr. W. tätig sei. Solche Ver- tretungen seien im ärztlichen Berufe recht häufig und eine Ver- urteilung würde zu ganz unhaltbaren Zuständen führen. Möge man eine solche Ausübung in der Praxis beurteilen wie man wolle, strafrechtlich könne sie nicht als Betrug gekennzeichnet werden. Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten Dr. W. zu zwei Mo- naten, den Angeklagten R. zu einem Monat Gefängnis; den letzteren außerdem wegen Ausübung der Heilkunde �ohne Approbation zu 100 Mark Geldstrafe oder 20 Tagen Haft. Die Urteilsbegründung führte aus, daß die BeHandlungsweise des R. völlig selbständig ge- Wesen sei und bei den Kranken, denen nichts anderes mitgeteilt worden sei, den Glarwen hervorgerufen habe, von Dr. W. selbst be- handctt zu werden. Eine Vorspiegelung falscher Tatsachen und eine VermögenSschädignng seien damit als vorliegend zu erachten, wobei es schließlich glcickigültig gewesen sei, daß R. minder hohe Gebühren als Dr. W. sich habe zahlen lassen. Besonders auf dem wichtigen lieber einen schlagscrtigcn Polizeipräsidenten bringt das„Berk. Tgbl." nach der in Stettin erscheinenden antisemitischen„Hoch- wacht" eine kaum glaubliche Mitteilung. Wir würden sie mit Still- schweigen übergehen, wenn die Schriftleitung des Blattes sich nicht selbst dafür verbürgte. Es handelt sich um den Polizeipräsidenten von Stettin, v. Wuthenau. Das erwähnte Blatt richtet an den Polizeipräsidenten einen„offenen Brief", in dem es zunächst erzählt, daß die Stettiner Schntzleute jeden Tag frisch rasiert sein müssen, wenn sie nicht Arrest oder Geldstrafe gewärtigen wollen; es fährt dann fort: „Am 29. September d. I. ging der Schreiber dieser Zeilen so gegen 4 Uhr des Nachmittags durch die Breitestraße. Da sah er einen Schutzmann dicht am Bürgerfteige stehen, der mit einem jüdischen Manne sprach. Der Mann gestikulierte lebhaft; er sah sehr ausländisch aus und konnte sich wohl dem Beamten nur sehr schwer verständlich machen. Dieser gab sich offenbar Mühe, den Frager zu befriedigen; er sah durchaus nicht danach aus, als hätte er Neigung gehabt, sich mit diesem wenig zugänglichen Herrn freundschaftlich zu unterhalten. Was sollen wir Ihnen sagen, Herr Präsident; da kommt ein stattlicher Herr von vornehmem Acußeren, in Zivilklcidung, die Straße herunter, hebt einen dicken, knüppelartigen Stock und haut dem Schutzmann ein Ding über die Gcnickgegciid, das sich gewaschen hat! Der Schreiber dieser Zeilen dachte, er solle auf den Rücken fallen und erwartete, der Schutz- mann werde in der ersten Bestürzung blankziehcn und den Angreifer niederschlagen. Statt dessen knickte der Schutzmann ein wenig zusammen, wurde leichenblaß und— stand stramm! Was sagen Sie dazu, Herr Präsident? Und der Zivilist, ein höherer Polizeibcamter, fuhr den Schutzmann an mit gewiß nicht schmeichel- haften Worten, von denen der Ausdruck:„Sind Sie verrückt?" auf weite Entfernung hin hörbar war. Einige Leute aus� dem Publikum sahen das mit an, schüttelten den Kopf und gingen weiter. Der Schutzmann, dessen Nummer wir uns notiert haben lNummer 168), trug einen Trauring, woraus wir schließen, daß er Familienvater sein könnte. Von sonstigen Ausdrücken des höheren Beamten erwähnen wir die Worte: Geldstrafe, Arrest, Entlassung. Als der höhere Beamte weitergegangen war, ließ der geschlagene Schutzmann die Schulter hängen und rie&_ sich dabei, wobei er kein freundliches Gesicht machte. Derselbe höhere Beamte, Herr Präsident, hat nun, wie wir nach eingehender Er- kundigung erfahren haben, dergleichen Dinge schon früher be- liebt; er scheint dies Verfahren für allgemein zulässig zu halten. Wir nicht I" Die Pointe der Geschichte ist natürlich, daß die rhetorische Frage nach dem Namen des Beamten mit folgendem Satz beant» wortet wird:„Der höhere Beamte, dessen Verhalten wir hier ge- schildert haben, sind Sie, Herr Präsident I" Eisenbahnunglück in Ungarn. Bei Zsolna stieß ein von Trentschin kommender Schnellzug mit einem Güterzuge zusammen, wobei ein Eiscnbahnbcamter getötet und zwei schwer verletzt wurden. Mehrere Waggons wurden zertrümmert. Opfer deS Seekrieges. Ein Telegramm aus Moji in Japan meldet: Der britische Dampfer„Leho" stieß am- 30. September 90 Meilen vom Leuchtturm von Schantung auf eine treibende Mine. 15 Personen werden vermißt, darunter zwei fremde Ingenieure. Zu seiner heutigen Meldung aus Tokio von dem am 30. Sep- tember beim Schantung-Vorgebirge erfolgten Untergang des Dampfers„Leho" bemerkt das Reutersche Buremi, daß diese Nach- richt vermutlich den Untergang des Dampfers„Hsieho" betrifft. von dem bereits eine Standmd-Depesche aus Schanghai vom 2. Oktober Kunde gegeben hat. Arbeiter-Samaritcr-Kolonne. Heute abend 9 Uhr: Bcgmn des Kursus in der 3. Abteilung, Schöneberg bei Obst, Mciningcrstr. 8. Vortrag über'Anatomie(Bau deS menschlichen Körpers). Einschrcibcgeld 25 Pf. Monatsbeitrag 25 Ps. Gäste haben einmaligen stcien Zutritt. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Marklballcn-Direktion. Rindfleisch la 05—71 pr. 100 Psund, IIa 58—63. III» 52-57, IVa 43-50. Kalbfleisch la 86-93, IIa 75-85, lila 62-72, Hammelfleisch la 66— 76, IIa 52—64. Schweinefleisch 68—75. Rotwild Psund 40—48 Ps. Hasen Stück 2,80—3,40. klein 1,00—2,50. Kaninchen Stück 50—80 Ps. KrammctSvögcl 17—20 Ps. Rebhühner, junge la 1,00 bis l,30, junge IIa 0,60—0,90, junge kleine 0,00—0,00, alte la 0,70—0,80, alte IIa 0,00—0,00. Hühner, alle 1,40—1,80, junge 0,50—1,10 das Stück. Tauben, junge 0,35—0,50, alte 0,00—0,00. Enten, junge 1,20—2,50. Gänse junge la, 3,50—4,20, IIa 2,50—3,00 per Stück, la 0,55—0,60, IIa 0,30—0,52 per Psund. Hechte 100 M.. Schleie, unsort. 120 M., Aale, groß 81—85, mittel 00-00 M. Plödcn 00-00 M. Karpfen 68. Lachs 00—00.«chcllfilche 00—00, Flunder 00—00 M. pro 100 Psniid. Schottische Bollheringe(gesalzen) 36—38 M Krebse, lleine. Schock 00— 00, unsortiert 00—00. Eier, Schock 00—00. Butter pro 100 Psund la 120—124, IIa 115—120, lila 110—115, abfallende 100—108. Kartoffeln pr. 100 Pfd. rote 1,60—2,00, Roscil 1,50—1,75, blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,50—1,75. Wirsingkohl pr. Schock 4.00—7,00, Weißkohl 4,00— 6,00, Rotkohl 4,00—6,00, Saure Gurken, neue Schock 2,—._'_ «Zetter. Prognose für Donnerstag, de» 12. Oktober 1905. Kühl und vorherrschend wolkig mit etwas Regen und ziemlich frischen nordwestlichen Winden. Berliner Welte rbureau. fettestes Kon?. Leibhaus Charlottenbnrg, Wilmersdorferstr. 40 1. Hohe Beleihung. Diskr. Sprechzimmer. mBBHWSHBUaSB Ctiarlottenliupg! Die Canerstralle und die OsnabrflckerstraBe kaust ihre Herren und Knaben Konseltion bei Hoirmana Schlesinger, Berlin, Turrnstraße 58. ES wäre im eigenen Interesse nller Charlottenburger ganz gleich, wo sie wohnen, wenn sie dies auch tun würden; die Q-Baiin, McV-Bahn und die 8 fahren hin! Dasselbe bezieht sich auch auf die anderen Vororte; sie haben alle Straßenbahn- und Ringbahn- verbiiidunz zu mir. Fahrgeld wird vergülct. Korinrareii, Bettstellen GrösstesLaier Berlins Andreasstr. 23, Brunnenatr. 95 Beumlstr.67, Lelpzigerstr. 54-55 Verkauf Bof In fabrfkgtbäudcn. I OOO Marlt»ahl« jedem, dar mir in BMohnnniF verlw ein grosseres "nonnoTig SpMilj.Qesch-4ft in der Brancbe als das m einige nachweist.' ——— Kataloc xcatls.— Köpenick. Echten alten Kottbnscr Korn zu haben bei.4 n e;. Gastwirt, Müggel- 46229» T n u c h c P t, hcimcrstr. 4. CttflntlcT Redaktcur: Paul Püttncr, Berlin. Für dm Inseratenteil verantw. l TH. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SV/.