Nr. 340. RbonaeinnitS'Bedinanngen: «SomietncntS■ Prei» drinumerand»: BtntfljflfjtL S,50 Ml. monaiL 1,10 Mk, wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Siuouner S Pfg. EonntagS- Nummer mit illustrierter EonntagS- Vellage.Di- Neue«ein 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark t>ro Monat. Eingetragen in die Post-ZeiNingS. PreiSIille. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich. Ungarn 3 Mark, für da» übrige Ausland 8 Mark pro MoiuL SS. Jahrg. CrfWit tiallA außer ciontia*. Devliner Volksblakk» Dir Tnterlions-firtilljr betrügt für die fechSgespaltene Nokonel. »eil» oder deren Raum«0 Psg.. für politische und gewerlschaltliche Verein»- und VcrsanlMlungS.iliizeigen 26 Plg. „Kleine Hnnfgcn", da» erst«(fett- gedruckte! Wort tO Psg.. jede» weiter« Wort 5 Psg Worte über 1b Vuchstaben zählen sllr zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» 6 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden Die Expedition ist an Woche». lagen bi» 7 Uhr abend», an Eon»- und Festtagen bi» 8 Uhr«orniittag» geOffnet. Telegramm.»ldresfe: „SosiaUinoSMi Btrlli". Zentralorgan der fozialdemohratt feben Partei Deutfchlande. Redaktion: SCQ. 68, Lindenetraasc 69. Zhernsprcchcr: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 1B, Oktober 1905. Expedition: 831. 68, Lindenetraeoe 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. Frevel der Diplomatie. Selten Tonnten die furchtbaren Gefahren, welche das Ränkespiel der internationalen Diplomatie heraufbeschwört, den Völlern so eindringlich zu Bewußtsein gelangen, als durch die Ereignisse des letzten Halbjahres, durch den Marokkokonflikt und die jetzt fast voll ständige Enthüllung der Hintergründe dieses Konflikts. Da der marokkanische Streitfall zwischen der französischen und deutschen Regierung zu vorläufigem Ausgleich gelangt ist, glaubt der frühere französische Mnister des Auswärtigen die Stunde gekommen, die Politik, die seinen Sturz herbeigeführt hat, öffentlich zu recht fertigen. Es erfolgte die Enthüllung des„Matm", daß Delcassö bereit war, als Antwort auf das Eingreifen Deutschlands in die Marokkofrage ein Bündnis mit England einzugehen, durch welches sich England zum Angriff auf die deutsche Marine und zur Besetzung Schleswig- Holsteins mit IlX) 000 Mann verpflichtet habe. Es war unzweifelhaft, daß Delcasis selbst hinter dieser Offenbarung des außerordentlichen „Staatsgeheimnisses" steckte, und eine Erklärung, die er soeben gegen die über ihn hereinbrechenden Verdammungsurteile an den„Figaro" richtet, bestätigt nur feine Urheberschaft; er sei, so erklärt er.„nicht Richter über die Zweckmäßigkeit einer Erklärung" und er bittet, sein Schweigen zu entschuldigen. Der letzte Ziveifel aber an der Tatsache jener unsinnigen und verbrecherischen Politik Delcassös erscheint be- seitigt durch die Mitteilungen, welche I a u r s s in einer Rede zu LimogeS und in einem ergänzenden Artikel der„Humanitü" soeben macht. Wir konnten schon gestern die entscheidende Stelle der Dar stellung Jaurds' mitteilen und haben bereit» einige Lehren gezogen, die sich aus dieser neuen Aufhellung diplomatischer Gehetmpolitik ergeben. Bei der Beurteilung des Geschehnisses ist cS nötig, den Vorgang in den Ausführungen unseres französischen ParteiftenndeS vollständig kennen zu lernen. In der Rede zu LimogeS führte er aus: „Gestern hat der„Matin" über die Ereignisse, die den Sturz DelcossöS herbeiführten, Eröffnungen gemacht, die nur von Delcaffä selbst ausgehen können. Ich bin in der Lage zu bekräftigen, daß ich in der ernstesten Minute der KrisiS von drei Ministern erfahren habe, daß die Dinge sich in der Tat so zugetragen haben. Ich habe bisher noch niemals so deutlich gesprochen, aber da jetzt die Presse durch Dclcassö selbst damit befaßt ist, so darf ich eS aussprechen, daß e« m den Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland einen Moment von solcher Spannung. gab, daß die Gefahr des Krieges zwischen den beiden Ländern unmittelbar drohte. Und warum, Genoffen? Wie ist es möglich, daß drei große Völker. England, Deutschland und Frankreich, welche drei Mächte der Zivilisation bedeuten, unmittelbar vor der Gefahr standen, ohne sie zu ahnen, in den heillosesten und fürchterlichsten Krieg verstrickt zu werden? Wie war eS mögllch? ES ist möglich geworden durch die schweren Fehler der Diplomatie der drei Länder. Zunächst, eS ist sicher, daß Delcaffö die Gewohnheit angenommen hatte, seine Handlungen, feine ganze Führung der auswärtigen Politik der Aufsicht de? Parlaments und der öffentlichen Meinung zu entziehen. An dieser absoluten, unverantwort« lichen Macht hatte er sich allmählich berauscht, und als eS ihm gelungen war, Frankreich in vertraulichere Be- Ziehungen mit Italien und England zu bringen, gab er sich in diesem Rausch dem Gedanken hin, der Mann der Revanche werden und Deutschland zu isolieren und zernieren zu können. Er sah sich am Ziele feiner Träume in einer zugleich dunllen und blendenden Perspektive als Sieger und als Rächer des Rechts, der die Integrität und die Oberherrschaft Frankreichs wiederherstellte. So zog er uns unwissend und mit ge- buiidenen Händen hinter sich her auf die schlimmsten Kata- strophcn loS. England hatte den Plan erraten, der das Gehirn unseres leitenden Ministers beschäftigte, und sich gerüstet, ihn in der Stille auszubeuten. Die deutsche Industrie, der deutsche Handel bedrohen in stets höherem Matze auf allen Märkten der Welt den englischen Handel und Export. Es würde ein skandalöser Zynismus sein, wollte England Krieg gegen Deutschland erklären, lediglich weil eS die deutsche Kriegsflotte zerstören und den deutschen Handel auf dem Grunde'der Ozeane begraben will. Doch wenn eine? Tages ein Streit zwischen Frankreich und England ausbräche, wenn Frankreich Gründe des Rechts, Forde- rungen der nationalen Unversehrtheit erhöbe, dann könnte die Be- rechnung der kapitalistischen Klassen Englands sich hinter solchem vortrefflichen Borwand verbergen und erfolgreich werden. So kam eS, daß, als Marokkos wegen Schwierigkeiten zwischen Frankreich und Deutschland ausbrachen und Deutschland, die geheime Absicht einer englisch-französischen Koali- t i o n ahnend, barsch eingriff, um die beiden Völler zu Erklärungen zu nötigen, England— ich bin gezwungen, dies zu sagen � nur zu sehr geneigt erschien, zum Kon- flikte anzureizen. Es ist wahr, daß England sich an Frank- reich in dem Augenblick, wo diese Ereignisse sich vollzogen, mit einem Defensiv- und OffensivbündniSantrag gewandt hat, worin eS uns seine volle Hülfe versprach, worin es sich verpflichtete, nicht allein die deutsche Flotte zu vernichten, sondern auch den Nordostsee-Kanal und Kiel zu besetzen sowie 100000 Mami englischer Truppen in SchleSwig-Holstein zu landen. Wenn dieser Vertrag unterzeichnet wurde— und Delcassö wollte, daß er unterzeichnet werde—, so war das der sofortige Krieg. Deshalb haben wir Sozialisten den Rücktritt Delcaffös gefordert und dadurch Frankreich, Europa und der Menschheit einen Dienst geleistet. Ich sage nicht. daß im Verlaufe dieser Ereigniffe der deutschen Diplomatie nicht ihr Teil an Ver- antwortlichkeit zuzumessen ist. Sie war zuerst bestürzt, dann anmaßend und voreilig. Sie war lange Zeit blind gegenüber den geheimen Plänen Delcassäs und sie gab vor, daß sie ihnen keine Bedeutung beilege. Dann, als sie die Gefahr ahnte, hat sie, anstatt den Knoten zu lösen, anstatt in höflichen Formen die nötigen Er- Närungen von Frankreich zu fordern, es vorgezogen, ein brutales Vorgehen einzuschlagen sowie die sensationelle und drohende Reise des Kaisers nach Tanger zu veranlassen, welche in der Tat geeignet war, den Konflikt zu vergiften. Also gewiß, die deutsche Diplomatie hat durch ihre Blindheit in der ersten Zeit, durch ihre Brutalität später, ihren Anteil an der Krise gleich der französischen, gleich der englischen Diplomatie Doch es ist nötig, die ganze Wahrheit zu sagen und die Verantwortlichkeit aller festzustellen". In der„Humanitü" ergänzt JauröS seine Rede in LimogeS durch folgende, vom„W. B." übermittelte Ausführungen: »Entweder hat Delcaffü durch die verbrecherischste und tollste Erfindung versucht, seine Kollegen zu täuschen und sie zum Wider- stand zu ermutigen,— doch diese Hypothese ist zu kraß—, oder England hat sich in der Tat dazu verstiegen, dem beginnenden und ungelviffen Konflikt zwischen Frankreich und Delitschland eine furcht bare Bestimmtheit und einen furchtbaren Umfang zu verleihen. Das ist die Wahrheit, und Frankreich hat das Recht und die Pflicht, über diese nunmehr unzweifelhafte Tatsache nachzudenken. So lange England seine Flotte versprach, konnte Frankreich miß- iranisch sagen: Was setzt England aufs Spiel? Seine Flotte wird leicht der deutschen Flotte Herr werden und wenn England den deutschen Handel vernichtet hat. wird eS sich zurückziehen können und wir allein werden fast die ganze Last des Krieges zu wagen haben. Dagegen gab England durch sein Anerbieten, 100 000 Mann gegen die deutsche Armee ins Feld zu stellen, Frankreich ein gewichtiges Unterpfand und nichts konnte auf die Einbildungskraft der Franzosen besser einwirken. Wir haben es also mit einem wohlüberlegten Plane zu tun. Dieser Plan erfüllt mich mit Entsetzen. So haben wir das Einvemehmen mit England nicht verstanden. Der Ernst des von Delcaffü enthüllten Zwischenfalles kann nicht geleugnet werden. Delcassü hat bei der englischen Regierung den Eindruck hervorgerufen, daß er zu allem bereit wäre, und die englische Regierung hat bei dem eitlen Exminister die Rolle des Versuchers gespielt. Die englischen Liberalen beginnen nunmehr die Gefahr zu begreifen. DaS fr a nz ö s isch- en glis che Einvernehmen tvird nur durch diejenigen gerettet werden, die in ihm ein Werk zeug deS Friedens, der allgemeinen Freiheit und des Gleich- gewichtes, aber nicht des Angriffes sehen." Nach diesen Enthüllungen ist vollends offenkundig, daß der europäische Friede tatsächlich auf das alleräußerste bedroht gewesen ist. ohne daß die Nationen, welche ihr Gut und Blut opfern syllten, davon ahnten. Die ungeheuerliche Tatsache zwingt sich in ihrer ganzen Entsetzlichkeit auf, daß die Ränke der Diplomaten die großen Nationen Westeuropas in das blutigste Verderben zu stürzen bereit waren. Die deutschen Offiziösen nicht nur. auch die sonstige bürgerliche Presse überstürzt sich in Denunziationen gegen die englische Politik, welche durch ihre Zusage an Delcaffü den Krieg zwischen Frankreich und Deutschland habe entzünden wollen, um aus dem furchtbaren Ringen der Kontinentalstaaten den eigenen Nutzen gewaltig zu fördern. Schon ziehen die„Post" und andere Zeitungen die einzige Lehre aus den bedrohlichen Vorgänge», daß Deutschland seine Flotte„auf die Höhe bringen" müsse, um gegen Gefahren gesichert zu sein. Gerade aber diese AuS- nutzung der auswärtigen Ereignisse der letzten sechs Monate birgt den Keim zur Erneuerung und Verschärfung der Gefahr, der man nur mühevoll entronnen ist. Es ist ungemein kennzeichnend, daß die deutschen „patriotischen" Blätter, welche die Mitteilungen deS Sozialisten Jaurös und seine Kritik, so weit sie sich gegen Delcaffü und gegen die englische Regierung richtet, eifrig auf- nehmen, vor der frech st en Unterschlagung derjenigen Acußerungen nicht scheuen, welche die deutsche Regierung treffen. Jene oben zitierten Sätze, in denen die Verantwortlichkeit auch der B ü l o w s ch e n Diplomatie feststeht, werden in dreister Schamlosigkeit aus der Welt gefälscht! Nicht ein Wort unternimmt man, das die Wirklichkeit der deutschen auswärtigen StaatLkunst beleuchtet! Diese Methode der jedesmaligen Be- schuldigung des Auslandes und der feigen Verheimlichung der eigenen Verfehlungen ist ein charakteristisches Symptom des kapitalistischen Chauvinismus, der die internationalen Zwistigkeiten und Gefahren entstehen läßt. Ss ist die Großtat der französischen Sozialdemokraten, daß sie die falsche und verderbliche Politik ihrer eigenen Staatsmänner und der Staatsmänner des ihrem Staate befreundeten Englands un- erbittlich befehdet haben, daß sie Delcasses Sturz herbeigeführt, das Netz englischer Jntriguen zerrissen und so den europäischen Frieden gesichert haben. Es ist die n ä ch st e A u f g a b e der internationalen Sozialdemokratie, eine der entscheidenden Ursachen der nationalen Konflikte, insbesondere des englisch- deutschen ZwisteL mit allem Nachdruck zu bekämpfen und zu beseitigen: die weltpolitischen Macht- Pläne und die ihnen dienenden Flottenvermehrungenl Die Revolution in Rußland. Die revolutionäre Situation in Moskau dauert fort. Der Generalstreik der Verkehrsarbeiter ist vollständig. Keine Straßen« bahn verkehrt. Auch die Zeitungen erscheinen nicht. Offiziell wird das Blaue vom Himmel gelogen, um die scheußliche Niedennetzelung von Wehrlosen in einen an Kosaken und' Gendarmen begangenen Massenmord zu verwandeln. Der amtliche.Streckenbericht" gibt 10 verwundete Polizisten und 10 verwundete Kosaken an, von denen einer gestorben; dagegen seien vom Publikum sechs Personen ver- wundct. Die zahlreichen Opfer der blutigen Tage werden offenbar deshalb nicht gezählt, weil sie nicht unter„Publikum" gebucht werden. ««» Amtliche Lüge» über die Moskauer Vorgänge. Moskau, 11. Oktober.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Die Unruhen tragen keinen wirtschaftlichen, sondern einen politischen Charakter, da die Arbeiter an der Rcichsduma teilnehmen wollen. Nach amtlichen Nachrichten fand der erste Zusammenstoß am 0. d. Mts. auf dem Strastniplatz statt, wobei ein Gendarmeric-Offizier, ein Unteroffizier und ein Gendann durch Steine und ein Soldat durch eine Kugel verwundet wnrden; von der Menge wurde niemand verletzt. Am 7. d. M. fanden neue Zusammenstöße statt. Nahe bei der Re- dattion des„MoSkowski Listok" wurden drei Polizisten verletzt, bei dem NikitSki-Tor einer; aus dem Nikitski-Boulevard warf die Menge mit Steinen auf eine Eskadron Dragoner, von denen einer schwer verletzt wurde. Auf dem Twcrschen Boulevard wurde Gewehrfeuer abgegeben, eine Zivilperson lvurde verletzt, zwei Kosaken er« hielten schivere Verletzungen, niemand ivuroe getötet. Der Präfekt ließ den Boulevard zweimal absuchen, es wurde keine Leiche gefunden. Zwei Personen, die verwundet wurden, entfernten sich nach Anlegung eines Verbandes. Am 8. Oktober wurde in der Nähe eines PnvathauseS geschossen. Dabei wurden ein Kosak, ein Polizeiagent und ein Kommissar verwundet. Mehrere Bäcker erlitten Verletzungen durch Steinwürfe. Am 9. Oktober fanden keine Zusammenstöße statt. Am 10. d. M. erfolgte ein Zu- sammenstoß in der Nähe einer Möbelfabrik, wobei ein Konunissar tödlich verletzt und zwei Agenten verwundet wurden. Am 11. d. M. wurden bei einem Zusammenstoß zwei Agenten und ein Kutscher verwundet. Getötet worden ist nieiuand während der ganzen Dauer der Unruhen. ". Ausdehnung des Streiks. Moskau, 11. Oktober.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Die Stadt ist ruhiger und uimnit in den zentralen Vierteln, in denen keine Ansammlung von AuS- ständigen und Studenten stattfindet, ihr normales Aussehen an. Die Arbeiterbelvegung entwickelt sich hauptsächlich in den Vorstädten, wo lebhafte Streitigkeiten zwischen den Ausständigen nnd der Polizei herrschen. Tansend Arbeiter der Moskan-Brestcr Eisenbahn sind im Ansstand, die Erregung greift um sich. Die Arbeiter aller mechani- scheu Fabriken nnd die Mechaniker der städtischen Trambahnen fahren fort z« feiern. Ein Ausstand der Arbeiter der Gas- fabrik und der Pferdcbahnschafsner wird für nahe bevor- stehend gehalten. In einer Versammlung der Besitzer der vom Ausstände betroffenen Fabriken wurde anerkannt, daß der Ausstand weit mehr politischen als wirtschaftlichen Charakter hat. Aus Wolkowyschki wird von heute gemeldet, daß dort die staatlichen Brannttvcinlädcn geplündert werden. Im Flecken Dembowa Buda wurden elf solche Läden geplündert; auch in der Provinz Kowno kommen ähnliche Ans- schreitungen vor. Moskau, 11. Oktober.(Petersb. Telegr.-Ag.) Die Zeitungsvcrlcger beschlossen, alle Forderungen der Schriftsetzer zu bewilligen. Die Blatter werden wiedcrerscheinen, wenn die Buchsetzcr sich damit einverstanden erklären, ihre Forde- rungen von jenen der Zeittingssetzer zu trennen. Auf dem Pretschistcnsky-Boulevard kam es heute zu einer Ansammlung von Leuten, welche von Kosaken auseinander- getrieben wurde. *»• Glückliche Flucht. Der finnländische Freiheitskämpfer Hohenthal, der den Prokurator Johnson hinrichtete, ist aus dem Kerker entroimen. Ein offizielles Telegramm berichtet darüber aus Helsingfor«: Die Flucht HohenthalS erfolgte früh etwa um 0 Uhr. Ein Mitgefangener, welcher die Flucht beobachtet hat, berichtet darüber folgendes: Nachdem Hohenthal das Fenstergitter durchfeilt hatte, kletterte er mittels einer Strickleiter aus seiner im zweiten Stock- werk gelegenen Zelle in den Hof hinab; von da aus mit Hülfe einer von einem Helfershelfer herbeigeschafften Holzleiter über die Gefängnismauer. Der Gefängnisaufseher befand sich zu dieser Zeit auf einem Rundgange auf der andere» Seite des Gebäudes. Auf dem Korridor vor HohenthalS Zelle war ständig ein Posten auf- gestellt. BtS jetzt fehlt sowohl von dem Flüchtling alS auch von seinen Helfer» jede Spur. � Beschwichtigungsversuche für Finnland. Die revolutionäre Gärung ist für den Zarismus besonders in Finnlgnd gefährlich. Man arbeitet deshalb mit papiernen Scheinkonzeffionen. In dieser Richtung meldet ein Telegramm der„Nowoje Wremja" ans Helsingfors, daß die Regierung Finnland„ivichtige Zugeständnisse in der Sprachen- und Budget- frage" gemacht habe. poUHfcbe Gebevficbt. Berlin, den 12. Oktober. Die Knickung des langen Möller.' Ein paar Jahre lang hat im preußischen Handelsininisterium ein reich gewordener Lederindustrieller verantwortlich gesessen. Wer erfolgreich Schweine züchtet, erwirbt damit den Befähigung�- Nachweis, Landwirtschaftsminister zu werden. Wer sich auf den Leder- Profit versteht, hat damit das Anrecht auf den Posten eines Handels- Ministers erworben. Niemand wußte, warum gerade der lange Moll« würdig be- funden wurde, die preußische Sozialpolitik der christlichen Monarchie zu leiten. Aber er geriet einmal ins Amt und erreichte damit auch den ministeriellen Aichstrich des Verstandes. Dieser langweilige Pedant blieb der erfolgreichste Klcinkrämer, den irgend ein Ohngefähr in die Bureaukratie gelocht hat, der nun dadurch zum komischen Zwitter wurde. Die berufsmäßige Bureau- kratie nahm ihn nicht für voll und seine ehemaligen Klassengenossen verließen und verhöhnten ihn in dem Augenblick, wo er gewissen Ansprüchen der Bureaukratie gerecht zu werden versuchte. Der lange Möller hatte gerade daS Pech, in einer Zeit «regierend" zu werden, wo sich die„Staatsgewalt" mit dem Groß- kapital in einem kleinen Konflikt befand. Das Kohlenshndikat wuchs der staatlichen Bureaukratie über den Kopf. Daraus entspann sich die Hibernia-Affäre. Als Kapitalist fühlte Möller mit dem Syndikat, als Minister mußte er in Staatsgewalt machen. Er vereinigte diese beiden Bedürfnisse auf die täppischste Weise und verließ mit dem Erfolge eines von allen Seiten begossenen Pudels den Kampfplatz. Eine ähnliche Doppelstellung nahm der lange Möller in dem großen Bergarbeiterstreik ein. Seine erzkapitalistische und erz- reaktionäre Scharfmacherseele schlvankte bejammernswürdig hülfloS unter den Anforderungen der christlich- monarchischen Sozial- Heuchelei. Nun hat man die Posse und die Possensigur satt. Möller darf zu seinem Leder lverktätig zurückkehren, das er figürlich während seiner Ministcrzeit bloß redete. Man kündigt an, daß der Nachfolger nicht auS der Industrie genommen werden soll. Herr Möller verkörperte zwar das Schmollersche Ideal, daß der Staat seine Bertrauensleute in die großkapitalistischen Unternehmungen schicken solle— denn das war eigentlich die Nolle, die er spielte, nur daß die NufsichtSräte ihn als Eindringling empfanden und ihn kläglich düpierten—, aber man hat ein Haar in dem Experiment gefunden. Der schlichte Mann auS der Werkstatt ist ein Typ, der dazu ver- urteilt scheint, die ganze Regiererci lächerlich zu machen. So will man wieder zur„gelernten" Bureaukratie zurückgreifen. Der Ober- Präsident der Provinz Wcstpreußen, ein Liebling Wilhelms II., Herr Delbrück, soll in das Handelsministerium einziehen, um den Kampf mit den Syndikaten aufzunehmen und die volle Kompott- schüssel der Sozialpolitik in unbewegten Händen zu halte». Die Ausweisung deutscher Söldner. Vor einigen Monaten berichteten wir, daß in Königs- b e r g von knrländischen Baronen und Grafen deutsche Söldlinge— ehemalige Unteroffiziere und Offiziere— angeworben wurden, um in Kurland die„deutschen Güter" zu beschützen. Sie sollten Henkersdienste verrichten und auf die Revolutionäre schießen. Sechs Monate sollten sie in Ruß- land bleiben und Gehalt, Essen und die nötigen Schuß- Waffen erhalten. Eine große Anzahl von Deutschen gab sich für diesen Zweck her. Jetzt hat man aber diese Leute aus Rußland ausgewiesen? Die russischen Behörden wollen nun einmal von der Preußischen Freundschaft nichts wissen. Der Graf James Lambsdorff in Fregenhof in Kurland hatte 40 Deutsche zu„seinem Schutze" engagiert, und sie alle sind ausgewiesen worden. Der eine Söldling hat ein Zeugnis über seine Tätigkeit verlangt, und darauf hat ihm der Herr Graf folgendes ausgestellt: f s Kurland. Fregenhof. „Bescheinige hiermit zu Ende Unterzeichneter, daß Vorzeiger dieses H.... G..... einen Monat zum persönlichen Schutz bei mir in Stellung gewesen ist und sich in dieser Zeit zu meiner Zufriedenheit geführt hat. Der Grund der frühzeitigen Kündigung war die Erklärung des Kriegszustandes und das polizeiliche Verbot Preußen ferner zn halten. Graf James Lambsdorff." (Siegel.) Das ist verdienter Lohn und Hohn. In Preußen be- finden sich massenhaft Leute, die das„Deutschtum" in Ruß- land beschützen und die Revolution totschlagen wollen. Sie fahren zu Väterchen, riskieren ihr Leben, aber in dessen Augen findet das keine Gnade. Hinaus mit den verfluchten Preußen! so heißt es in Rußland. Ob sich Bülow jetzt endlich merken wird, daß man in Rußland von der preußischen Freundschaft durchaus nichts wissen will? Oder wird man dem Zarat weiter die Freund- schaft aufdrängen. Uebrigens gibt es aus diesem Anlaß für Bülow Arbeit. Man hat die deutschen Söldlinge nicht gerade sehr zuvor- kommend behandelt. Obwohl man sie auf sechs Monate fest engagiert hat, hat man ihnen nicht das Gehalt für diese Zeit gegeben, sondern man hat sie mit einer Monatsgage ab- gespeist. Auch war vereinbart worden, daß die Leute Kleidung erhalten sollten. Doch man hat sie ihnen nicht gegeben. Und endlich hat sich einer von den„Beschützern", ein Musiker, drei Monate Gefängnis für mir nichts, dir nichts besorgt, die er jetzt absitzenmuß. Er„diente" bei dem Baron F i r k s und hatte auch Waffen erhalten. Eines Tages befand er sich in einer kleinen Stadt in Rußland und zeigte den Einwohnern seinen Revolver. Das wurde der Polizei hinterbracht, die steckte ihn ein und bald darauf brummte man ihm— man behauptet, nach russischer Manier ohne Verhör usw.— drei Monate Gefängnis auf, weil er im Besitze von Waffen gewesen ist I Ob sich Bülow dieses Menschen jetzt annehmen wird? Das sind doch wenigstens Germanen, die den guten Willen gezeigt haben, den höchsten Chef Bülows, Nikolaus II., gegen seine eigenen schnorrenden und verschwörenden Untertanen zu schützen. Uebrigens scheint Rußland wirklich zivilisierter als Preußen. Doch will man wenigstens keine aus- I ä n d i s ch e n Henkersknechte dulden, bei uns aber sind die einzigen Russen, die wir schützen und fördern, Polizei- spitze! I—_ Unternehmerwiiusche. Der Verein mit dem langen Namen im Rheinlande er- örtert in seinen von Herrn Dr. B e u m e r redigierten„Mit- teilungen" in Nr. 4 des Jahrganges 1903 die sozialpolitischen Aufgaben der nächsten Reichstagstagung. Dr. Beumer ist der Meinung, daß die sozialpolitische Hauptanfgabe dieser Tagung die Regelung der Rechtsfähigkeit der Berufs- vereine sein werde. Der Gesetzentwurf soll schon seit längerer Zeit fertig sein. Dazu schreibt Herr Beumer: „In industriellen Kreisen legt man den Hauptwert auf Bestimmungen, die eine Sicherheit dafür gewähren, daß die Rechte der Minoritäten durch die Vereine nicht vollständig unterdrückt werden. Die Industrie wünscht ferner, die Frage einer zivilrcchtlichen Haftbarkeit der Berufsvereine eingehend geprüft zu sehen. Ein Urteil über die Zweckmäßigkeit oder Unzweckmäßigkeit des zn erlvartenden Entwurfes wird natürlich erst gefällt werden können, wenn sein Inhalt bekannt gemacht sein wird. Jedenfalls kann man darauf rechnen, daß die Mehrheit des Reichstages, die einen solchen Entwurf schon seit Jahren gewünscht hat, sich nicht nur mit ihm in der nächsten Tagung eifrig beschäftigen, sondern auch alles versuchen wird, ihn zur Verabschiedung zu bringen. Auf sozialpolitischen Gebieten dieser Art arbeitet ja dw Reichstags- Mehrheit mit einer bewundernswerten Exaktheit." Das heißt also, das Unternehmertum hat gegen die Er- teilung der Rechtsfähigkeit an die Berufsvereine der Arbeiter nichts einzuwenden, wenn sie dazu dient, die Gewerkschaften in ihrer Bewegungsfreiheit einzuengen und wenn die Kassen der Gewerkschaften den Unternehmern ausgeliefert werden. Das ist aber gerade das, wofür die Arbeiter sich schönstens bedanken werden. Die Arbeiter wünschen Rechtssicherheit für ihre Organisationen; au Unternehmerschutz leisten Gesetz, Rechtsprechung und Verwaltung bereits mehr als genug.— •* • Oeutlckes Reich. Ganze Arbeit. Wie der„Frankfurter ZeiUmg" aus Berlin gemeldet wird, sind die meisten der bundesstaatlichen Finanzminister, die zum Zwecke der Beratung der sogenannten Reichsfinanzreform in Berlin anwesend waren, wieder von Berlin abgereist. Man kann daraus schließen, daß in der Hauptsache nun ein Einverständnis erzielt ist und daß es sich um die Ausarbeitung im Einzelnen handelt. Wenn auch noch nicht bekannt ist, in welcher Form die höheren Stenererträge aus dem Tabak, dem Bier, der Erbschaftssteuer und der Stempelsteuer gewonnen werden sollen, so geht doch aus Acußerungen der an der Beratung Beteiligten hervor, daß diesmal ganze Arbeit gemacht werden soll, d. h. daß der Gesamtbetrag der neuen Steuern und Steuererhöhungen so hoch sein soll, daß er dem Finanzbedürfnisse deS Reiches aus lange Zeit hinanS genügen kann. Man scheint sich mit Kleinigkeiten nicht abzufinden und auch nicht abfinden lassen zu wollen und wird wahrscheinlich die verschiedenen Stenerprojekte als ein Ganzes zu behandeln suchen, aus dem einzelne Teile nicht herausgenommen werden können, ohne daß für gleich- zeitigen Ersatz gesorgt wird. Ganze Arbeit gegen die— Arbeiter! Freiherr v. Hehl auf dem Kriegspfade gegen die hessische Regierung. Man schreibt uns aus Hessen: Der Abg. v. H e y l, der zugleich Mitglied der hessischen Ersten Kammer ist, hat nun der Darmstädter Regierung offen den Kampf angesagt. Als Berichterstatter des Ausschusses über die neue, von der gtveiten Kammer in» wesentlichen nach der Regierungsvorlage angenommene Gemein de st euerreform verurteilt er das Werk des Finanzministers G n a u t h in Grund und Boden hinein und beantragt im Namen der Mehrheit des Ausschusses, die Vorlage der Regierung zur—„Umarbeitung" zurückzugeben. Erhebt, waS zu erwarten ist, das Plenum der Ersten Kanimor diesen Antrag zuni Beschluß, so ist das Reformwerk für diesen Landtag gescheitert. Die Gnauthsche Gemeindesteucrreform bedeutet insofern einen großen prinzipiellen Fortschritt, als sie die kommunale Besteuerung auf die- selbe Grundlage wie die Staatssteuer stellt. Die hessische Staats- steuer ist der Miquelschen nachgebildet; sie geht aber insofern über dieselbe hinaus, als die Progression der allgemeinen Einkommen- steuer bis auf 5 Proz. steigt und auch der zurzeit geltende Satz der Vermögenssteuer(75 Pf. pro 1000 Mark) über den preußischen hinausgeht. Während man nun in Preußen für die Gemeinde- besteuerung das alte System der„Realsteuern" beibehielt, will der hessische Finanzminister auch die Gemeindeabgaben im wesentlichen auf Ein- kommen und Vermögen basieren. Die kommunale Vermögens- besteuerung soll freilich nicht, wie die staatliche, eine für alle Arten von Vermögen einheitliche sein, sondern die Unterscheidung von Grundbesitz, landwirtschaftlichem und gewerblichem Betriebskapital und reinem Kapitalvermögen wird beibehalten. Dabei ist leider eine weitgehende Minderbesteuerung der letztgenannten Vermögens- anlogen vorgesehen. Diese Begünstigung der reinen Kapitalrenten ist eine Jnkonseqnenz der Vorlage, gegen welche in der Zweiten Kammer von sozialdemokratischer Seite scharf protestiert wurde. Die zweite, ebenfalls von unseren Ab- geordneten heftig bekämpfte Inkonsequenz ist das Verbot des Schuldenabzuges bei der VerniögenSberechnung, das in seiner Wirkung besonders schwer die wirtschaftlich schwachen Elemente in Handwerk, Handel und Landwirtschast trifft. Frhr. v. Heyl will nun ebenfalls nichts von der Besteuerung der Schulden wissen. Insofern deckt sich seine Kritik mit der von sozialdemokratischer Seite geübten. Allein der übrige Inhalt seines Berichts verrät allzu deutlich, daß er sich dieses Arguments nur be- dient, um seiner Opposition ein populäres Mäntelchen unizu- hängen und Dumme einzufangen. Während die Sozialdemo- kratie nur die Beseitigung der erwähnten Steine des An- stoßeS fordert, im übrigen aber die prinzipielle Grund- läge der Reform billigt, den großen Fortschritt, der darin gegenüber dem heutigen System liegt, anerkennt und daruni für das Ganze der Reform eintritt, nimmt Heyl das Verbot des Schuldenabzuges zum Vorwand, um seine prinzipielle Verurteilung der Reform auch den kleineren Landwirten und Gewerbetreibenden schmackhaft zu machen. Er will überhaupt nichts von einer kommunalen Vermögensbesteuerung nach dem„gemeinen Wert", d. h. heutigen Verkaufswert des Grundeigentums wissen. Er fordert vielmehr die Beibehaltung des alten landwirtschaftlichen Grundbesteuerungssystems, das auf starre Bonitätsklassen nach einem sogenannten„mittleren Reinertrag" aufgebaut war. Dabei sollen die Oekonomicgebäude und das landwirtschaftliche Betriebskapital ganz steuerfrei bleiben. Den Vorteil davon hätten die großen Land- wirte. Mehr noch als die Landwirte aber würden die Besitzer von herrschaftlichen Landsitzen, Schlössern. Luxusgärten, Parks und Jagd- gründen durch die Besteuerung nach dem„mittleren Ertragswert" geschont. DeS weiteren läuft Heyl Sturm gegen die Besteuerung der städtischen Grund st ücke nach dem gemeinen Wert. Die in Aussicht genommene W er t zu w a ch S st e u e r bezeichnet er direkt als„verfassungswidrig", da sie die feierlich verbürgte Un- verletzbarkeit des Eigentums antaste. Wenigstens will er den „legitimen Familienbesitz" vor der„Konfiskation" auf dem Wege der Zuwachssteuer geschützt wissen. Ob er daS ausgedehnte Gelände, das er selbst im Wormser BcbauuugSgebiet angekauft hat, zum alten „legitimen" Besitz rechnet, sagt er nicht. Für die G e w e r b e st eu ern will Heyl ebenfalls ein Tarif- system nach dem„mittleren Ertrag" ausgearbeitet wissen. Die Be- steuerung nach dem im Betriebe steckenden Vermögen ist ihm be- sonders auch deswegen verhaßt, weil die Deklarationspflicht damit verbunden ist. Schließlich legt er noch eine Lanze ein sür eine noch weitergehende Schonung der reinen Kapital- r entner, als sie der Entwurf vorsieht, damit diese so„leicht- beweglichen" Leute nicht den hessischen Staub von den Pantoffeln schütteln. Der Zielgedanke der ganzen Heylschen Oppo- sition ist also die Schonung der Reichen und Reichste» i» Stadt und Land. Den Beruf zur Führerschaft in dieser Kampagne kann man dem Herrn v. Heyl nicht absprechen. Ist er doch der reichste Mann des ganzen Großherzogtums, der in allen seinen Eigenschaften als Großindustrieller, Großgrundbesitzer und vielfacher Millionär den größten Vorteil davon hätte, wenn das Gnauthsche Reformwerk zum Scheitern gebracht würde. Schon gelegentlich der letzten Budgetberatung hatte Frhr. v. Heyl den Finanzminifter wegen des zu hohen Satzes der staatlichen Ver- mögeussteuer heftig angegriffen und den Vorwurf gegen ihn ge- schleudert, er schädige nnt seiner Steuerpolitik das„monarchische Be- wußtsein". Daraufhin erschien in dem Darmstädter Regierungsorga» eine Erklärung des Großherzogs selbst, in der der Person und der Steuerpolitik des Finanzministers das besondere Vertrauen des Fürsten ausgesprochen wurde. Dieser Schlag hat offenbar den Wonuser Mitregenten in grimmen Zorn versetzt. Er läßt seit Monaten seinen ganzen politischen Apparat spielen, um gegen die Steuerpolitik der Regierung mobil zu machen, und hofft nun, durch ein ablehnendes Votum der Herrenkammer das Werk und mit diesem die Person des Finanzministers zu Fall zu bringen. Dieser hat so- fort dem Heylschen Bericht eine Denkschrift an die Erste Kanrmer entgegengesetzt. Ob sie die gewünschte Wirkung hat auf die hoch- mögenden Vertreter des großen Grundeigentums und der industriellen Hochfinanz, erscheint uns sehr fraglich. Am IS. d. M. tritt die Erste Kammer zusammen. Auf den gleichen Tag ist die Zweite Kammer einberufen, um ihrerseits die letzte Auseinandersetzung mit der Privilegierteukammer wegen der Wahlreform resp. des B u d g e t e r lv e i t e r u n g s a n t r a g S zu erledigen und zugleich Stellung zum Scheitern der Gemeinde- steuerreform zu nehmen. Der Heylsche Vorstoß trifft auch die Führer der nationalliberalen Landtagsfraktion und bedeutet den Krieg innerhalb der nationalliberalen Partei und Presse Hessens. Voraussichtlich wird auch in den Reihen der Bauernbündler die Flamme der Zwietracht emporlodern, da der Bund der Landwirte auf feiten Hehls steht, während die Abg. Köhler, Hirsche! und Gc- Nossen der Steuerreform zugestimmt haben. Für die derzeitige Darmstädter Regierung handelt eS sich bei diesem Kampfe aber um Siegen oder Fallen. Sie kann nach der Verfassung die Vorlage im nächsten Landtage auch ohne Zu- stimmung der Ersten Kammer durchsetzen. Ob sie dazu den Akut hat, wird sich zeigen. Um im Kampfe gegen die Erste Kammer einen zuverlässigen Rückhalt zu gewinnen, wäre die als- baldige Durchsetzung des allgemeinen, gleichen, direkten Wahlrechts für die Zweite Kammer notwendig. Auch das könnte der Regierung, wenn sie ernstlich wollte. Allein hinter Heyl steht die kapitalistische Jnteressentenschaft in Stadt und Land. Diese Macht wird sich ver- mutlich auch innerhalb der Regierungskreise stärker erweisen als die sozialpolitische Tendenz des Ministeriums Rothe-Gnauth. Die Sozialdemokratie kann mit dieser Gestaltung der Situation sehr zufrieden sein. Die Einficht, daß der von ihr gezeigte Weg: Abschaffung der Privilegierten- kammer und kautclenfreies Wahlrecht für die Volkskammer, notwendig beschritten werden muß, wenn ernsthafte sozialpolitische Fortschritte durchgesetzt werde» sollen, wird durch die reaktionären Quer- treibereien der Heyl und Genosse» in weiteste Kreise getragen. Der bevorstehende stürmische Ausgang der LandtagSperiode wird das Signal zu einer Wahlkampagne sein, deren Vorbereitungen unsererseits allerwärts getroffen sind und deren Verlaus den in Worms residierenden Herren von Geldsacks Gnaden die wenigste Freude bereiten dürfte.—_ Militaristischer Kirchcnfang. lieber eine ganz tolle Geschichte berichtet ganz harmlos das .Evangelische' Gemeindeblatt". In Preußen besteht bekanntlich Religionsfreiheit. Es muß dem Staat gleichgültig sein, ob jemand getaust, konfirmiert oder in der Kirche getränt ist, und eS geht ihn auch nichts an, ob jemand religionslos oder dieser oder jener Religionsgemeinschaft angehört. Im ersten Armeekorps (Ostpreußen) aber ist das anders. Da wird wohl darauf gesehen, daß die Rekruten alle getauft, konfirmiert und die verheirateten in der Kirche getraut sind. Es wird geachtet, daß„Versäumnisse" nach- geholt werden, obwohl in der deutschen Verfassung kein Sterbenswörtchen enthalten ist, daß die Soldaten irgend einer Religionsgemeinschaft angehören oder kirchlich getraut sein müssen. Höchst eigentümlich mutet uns an, WaS wir zn unserem Erstaunen im„Evangelischen Gcmeindeblatt" lesen. So heißt es da: „Unter den im Herbst 1004 eingestellten Rekruten evangelischer Konfession waren 100 bereits verheiratete, darunter 24 nicht kirchlich getraute; 21 dieser letzteren haben bereits im ersten Dienst- jähr die Trauung nachgeholt.... Gelegentlich der Trauung wurden denn auch die etwa schon vorhandenen Kinder getauft, wenn sie nicht schon früher die Taufe empfangen hatten. Ferner gab es unter den evangelischen Rekruten von 1904 an Nichtgetauftcn 9, an Nichtkonfirmicrtcn 24; ihrer 7 bezw. 22 sind inzwischen schon getauft bezw. eingesegnet worden, und zwar nach mehrmonatlichem kirchlichen Unterricht in feierlichem Gottesdienst. Entschiedene Ablehnung von Taufe und Trauung ist nur je einmal erfolgt. DaS g ii n st i g e Ergebnis, daß so zahlreich die kirchlichen Versäumnisse nachgeholt sind— 88 Proz.—, ist ebenso dem Entgegenkonnucn der militärische» Vorgesetzten wie den gewissenhaften Bemühungen der Militärgeistlichen zuzuschreiben. Be- merkt werde noch, daß in unser ostpreußisches Armeekorps nicht bloß Ostpreußen, sondern sehr zahlreich auch Leute aus anderen Gebieten eingestellt werden, darunter auS solchen, jn denen die Sozial- demokratie erschreckend ausgebreitet ist. wie namentlich aus Berlin und Schleswig-Holstein. Allermeist bei diesen Mannschaften finden sich denn auch jene Versäumnisse." Für die christliche Kirche ist diese Zusaunncnstellung tief be- schämend. Es zeigt sich hier deutlich, in welch tiefem Ver- fall sich die Kirche befindet. Glaubt ein Mensch, daß die Rekruten freiwillig die kirchlichen„Versäumnisse" nachgeholt haben? ES wird ja offenherzig zugegeben, daß die militärischen Vorgesetzten mitgeholfen haben, die verlorengegangenen Schäfchen wieder in den Schoß der Kirche zurückzuführen. Und nian kann sich ungefähr vorstellen, wie da vorgegangen wurde. Welch ein Rekrut wagt de» W ü n s ch e n des Vorgesetzten— von einem Befehl kann ja nicht die Rede sein— nicht nachzukommen! Fürchterliches würde ihn erwarten; und nur zwei von 57 haben den großen Mut gehabt, ihrer Ueber- zeugung treu zu bleiben. Die übrigen 55 sind entweder fromm geworden oder haben heucheln müssen. Wir befürchten leider, daß zu den letzteren sehr viele zn rechnen sind. Aber was tut's! Die evangelische Kirche hat einen„Erfolg" erzielt. Die katholische wird auch nicht müßig gewesen sein. Es muß verlangt werden, daß in Zukunft derartiges im Heere zu unterbleiben hat, Ivenit man nicht Heuchler statt Christen heran- bilden will.— Die Kompottschüssel. Fürst Bulow hat, wie gestern als Tele- gramm gemeldet wurde, erklärt, Wilhelm IL habe zu ihm nicht das Wort von der vollen Kompottschüssel gesprochen. Die Erklärung trifft ein wenig daneben. Behauptet wurde lediglich, daß der Kaiser zu einem anderen gesagt, er hätte den Fürsten Bülow in dem Sinne der Kompottschüssel instruiert. Daß die ganze Sozialpolitik nur die Rolle von„Kompott" spielt, mit dem das Proletariat gnädigst beglückt wird, ist durchaus richtig. Es kann deshalb auch ziemlich gleichgültig sein, ob man von dem Kompott noch mehr spenden loill oder nicht. Die Arbeiter kämpfen nicht um Kompott, sondern um Brot und Leben. Es klärt nur die Situation, wenn man künftig die süßen Verzierungen des brutalen Hungers, die in dem Staate der monarchisch-christlichen Sozialreform beliebt wurden, als immer noch zu kostspielig wieder streicht!— Wahlrcchtsdebatte in Bayern. München, 12. Oktober.(Depesche.) Kammer der Abgeordneten. In der fortgesetzten Beratung der Wahlrechtsanträge erklärt Lerno sZentrllm), daß seine Partei von den gestrigen Ausführungen der Negierung nicht befriedigt sei. Die letzte Wahlkreiseinteilung ent- spreche nicht den Grundsätzen des Reckits und der Gerechtigkeit. Auch in vielen Einzelheiten bei Bildung der Urwahlbezirke und bei Durchführung der Wahlen liege eine Beeinträchtigung der Rechte der Wähler und eine Begünstigung der Liberalen. Das Zentrum wolle lediglich ein gerechtes Wahlrecht die Einführung der Proportionallvahl sei nicht möglich i dazu würde auch Wahlzwang und anderes kommen müssen. Redner richtet sodann an die Re- gicrung die dringende Bitte, daß sie den ZcntrumSantrag. welcher der letzten Regierungsvorlage entspreche, auch jetzt unterstütze. Müllcr-Meininge» slib.) verteidigt die liberalen Anträge unter lebhafter Polemik gegen Sozialdemokratie und Zentrum. Dem Zentrum gefalle seine jetzige Stellung in Bayern, gleichzeitig Re- gicrungs- und Oppositionspartei zu sein, daher habe es seine früheren Bestrebungen, Minister Graf v. Feilitzsch zu stürzen, ein- gestellt. Die Regierung habe alle Wünsche des Zentrums erfüllt, auf Dank dürfe sie aber nicht rechnen. Aus der Wahlstatistik hätte der Minister die Konsequenz ziehen müssen, daß die Regierung ein Wahlrecht mit Proportionalwahl ihrerseits vorschlagen mußte, statt jetzt dem Zentrum die Initiative zu überlassen. Nur die Proportional- wähl sichere den Minoritäten genügenden Schutz. Auch eine Reform der NeichSratskammer sei notwendig, eS müßten dort auch Städte, Handel und Industrie vertreten fein. Unbedingt müßten die Liberalen an der in ihrem Eventualantrag geforderten absoluten Mehrheit festhalten. Redner, bei dessen Ausführungen eS wiederholt zu lebhaften Zwischenrufen und Auseinandersetzungen kommt, schließt mit einem Appell an das Haus in der Hoffnung, daß in der Wahlrechtsfrage noch ein Kompromiß zustande kommen möge, dem auch die Kämmer der ReichSräte zustimmen könnte. Wollmar(Soz.) verteidigt das Wahlbündnis mit dem Zentrum, in welches die Sozialdemokraten durch die ablehnende Haltung der Liberalen gegenüber dem Wahlgesetz geradezu hineingedrängt worden seien. Diese ablehnende Haltung habe die politische Situation so verworren gemacht. Die gestrigen Minister- erklärungen bewiesen, daß die Regierung bei der Wahlkreiseinteilung nicht objektiv vorgegangen sei. Um so dringender sei die gesetzliche Festlegung der Wahlkreiseinteilung. Das bayreische Volk erwarte die baldigste Schaffung eines neuen Wahlgesetzes und dann sofortige Neuwahlen. Hierauf wird die Weiterberatung auf Freitag vertagt.— DaS Zentrum obstruiert! Ein Telegramm meldet aus München: Nachdem bereits am 28. September die Wahl zweier Rechtsräte im Gemeinedekollegium wegen Fernbleibens der Mitglieder der Zen- trumspartci ergebnislos verlaufen war, blieb auch die heutige Wahl wiederum erfolglos, da der größte Teil der Zentrumsmitglieder fehlte und deshalb die notwendige Zweidrittelmehrheit nicht er- reicht wurde. Einem Privattelegramm entnehmen wir, daß die beiden sozial- demokratischen Mitglieder weiße Zettel abgaben. Nack de in das Re- fultat bekannt war, beantragte der Vorsitzende Seyboth, die un- entschuldigt ausgebliebenen Mitglieder in Shafc zu nehmen, was auf der Galerie lebhaften Widerspruch erweckt-. Schließlich wurden die zum erstenmal Fehlenden zu einer Geld- büße von 20 M., die zum zweitenmal Wcgzeb.iebenen zu einer solchen von 45 M. verurteilt. Zugleich bemerkte der Vorsitzende, am nächsten Montag würde die Wahl wiederholt werden— sollten die Zeutrumsmitglieder auch da nicht erscheinen, so müßte er ihren Ausschluß aus dem Geineiiidekollegium beantragen. Wie verlautet, wollen die Zentrumsmitglieder gegen die zuerkannten Strafen Ein- fpruch erheben. Man sieht: Das Zentrum, das Geschäftsordnung und Verfassung umstürzte, weil die Sozialdemokratie eine B-ratung des Zolltarifs forderte, versteht sich selbst aufs Obstruieren, trotz aller sittlichen Entrüstung über angebliche sozialdemokratische Obstruktion. Polizei u»d Kirche. Zwar sind die edlen Herren der katholischen Kirche in hoher Gunst, aber die Polizei traut ihnen doch nicht. Der Straßburger„Kurier" schreibt: Ein günstiger Zufall hat u»S in den Besitz eines hektographiertcn Blattes gesetzt, wie solche anscheinend in Lothringen den Polizei- organen ausgehändigt wurden, mit politischen Notizen über die ein- zelnen Geistlichen. Die Notizen stellen offenbar das Resümee der Berichte dar, welche von den unteren Polizeiorgancn über die über- wachten Geistlichen eingegangen waren. Wir lesen darin folgende Zensuren: N. N. agitiert gern; angesehen im Klerus. N. N. bestrebt seinein Pfarrer nachzuahmen. N. N. leitet den deutschen Gottesdienst. N. N. wandelt in den Fußstapfcn seines Pfarrers. N. N. ohne Einfluß. N. N. treibt keine Politik; bezieht Unterstützung aus Landes- fonds. N. N. gilt für gemäßigt: ruhiges Verhalten. N. N. beschäftigt sich lediglich mit der Pflege seines Gartens in Plantiöres. N. N. sehr gefügig; mit Vorsicht zu nehmen. Zt. N. treibt keine Politik; ein würdiger Priester, der den M- deutschen gern ihr Recht gibt. N. N.... Junge Geistliche, die politisch bis jetzt nicht ve- merkbar geworden sind. N. N. zuweilen Verwandtciibcsnch aus Frankreich; politisch nicht bemerkbar. N. N. deutsch gesinnt, treibt aber keine Politik. N. N. Verwandte in Frankreich; politisch nicht bemerkbar ge- worden. Die Polizei übertrumpft noch die Politik des Beichtstuhles. Hier werden doch wenigstens die Geständnisse von den Beichtkindern selbst erpreßt, der polizeiliche Beichtstuhl arbeitet mit Spitzeln, die genau festzustellen haben, was jeder denkt, fühlt, treibt, ißt und trinkt.— Verhängnisvolle Kolonialtrciberei. Unsere Kolonialfexe setzen ihr gefährliches Handwerk, in dem Kreise der Kolonialmächte Besorgnisse über die Absichten der deut- schen Kolonialpolitik zu verbreiten, törichterweise fort. So heißt es in einem Leitartikel des„H a m b u r g i s che n Korrespon- den t", daß es klar sei, daß unser koloniales Interesse s i ch n i ch t auf unsere Schutzgebiete beschränkt. Ter Gedanke, irgendwo noch ein förmliches Kolonialreich zu gründen, sei allerdings phantastisch und gefährlich, aber noch gäbe es Gebiete, wo dem Äraftübcrschuß des deutschen Volkes lohnende Arbeit bereitet werden könne, ohne daß man diese Kräfte in einem fremden Volkstum aufgehen zu lassen brauche. Diese Gebiete seien vor allem in Südamerika und Vorder- a s i e n zu suchen.. � � Der Verfasser dieses Artikels scheint sich gar rncht bewußt zu sein, wie gefährlich seine eigenen Auslastungen sind. Gerade das Deutsche Reich bietet ja den Beweis dafür, wie wenig Staaten geneigt sind, Enklaven fremder Nationalität in ihrem Gebiet zu dulden— man denke nur an die berüchtigte„Germanisierungs- Politik" gegen Dänen, Polen und Elsässer. Und diese brutale Entnationalisierungspolitik b treibt das Deutsche Reich, obwohl diese nichtdeutschen NeickMugehöri�en nicht eingewandert, sondern ein- fach unter dem Rechtsiitcl der gepanzerten Faust annektiert worden sind! Und da glaubt man. südamerikanische Staaten würden es sick gefallen lassen, daß eingewanderte Deutsche sich in ihrem Lande als Staat im Staate etablierten? Ja, bildet man sich auch nur ein, die Vereinigten Staaten würden es dulden, daß sich große deutsche Siedelungcn auf amerikanischem Boden bildeten, die später eine Möglichkeit böten, in Brasilien oder Argentinien ein„förmliches Kolonialreich" zu gründen? Derartige Kolonialtrciberclen können nur das eine Ergebnis haben, Amerika gegen die deutsche Ein- Wanderung und die deutsche Politik mit wachsendem Mißtrauen, wachsender Erbitterung zu erfüllen. Das offizielle Deutschland hätte doch wahrhaftig alle Ursache, die Zahl seiner Feinde nicht noch zu vergrößern!—_ Ncber die Unruhen in Ostafrika hat sich der Generalleutnant v. Liebert in sehr optimistischer Weise ausgelassen. Der ostafrikanische Aufstand könne mit dem südwcstafrikanischen gar nicht verglichen werden. In Südwestafrika habe man es mit einer wohlbelvaffneten und kriegStüchtigcn Bevölkerung zu tun. In Ostafrika seien die Eingeborenen schlecht be- Waffnet und unkriegerisch. Der Aufstand werde also leicht nieder- geschlagen werden können. Wenn es sich um die Stämme des Hinterlandes gehandelt hätte, so wäre die Gefahr allerdings eine unendlich größere gewesen. Der Herr Generalleutnant übersieht, daß auch bereits im Hinterlande, im Seen gebiet, der Aufstand ausgebrochen i st. Ist auch die Bewaffnung der Ostafrikaner mit modernen Hinterladern nur eine sehr mangelhafte, so kommt ihnen doch andererseits das Klima und die schlechte Verbindung des Hinterlandes mit der Wüste zustatten. Der„Deutsche Bote" stellt denn auch auf Grund neuer Privatmitteilungen aus der Kolonie die Lage im Seengebiet als sehr ernst dar. Die erfolgte Entsendung eines kleinen Kom- mandos werde nicht genügen. Es gäre im ganzen Usuknma und Nyanrwesi. Besonders die Station Tabora sei bedroht. ES sei dringend notwendig, daß die Regierung mindestens 1000 Mann lv e i ß e r Truppen znr Besetzung der Küste und der inneren Stationen entsende und ferner beim Zusammentreten des Reichstages, mit dessen schleuniger Einberufung nicht gezögert werde» dürfe, eine B o r l a g e über die Aufnahme einer Anleihe des ostafrikanischen Schutzgebietes von hundert Millionen Mark zum Bau der Bahnen Mombo-Muanza und Kilwa-Wiedhafen einbringe! Diese Nachrichten klingen also ganz anders als das wohlgemute Gerede des Herrn v. Liebert. Wir fürchten in der Tat, daß der Aufstand in Ostafrika noch eine ganz erhebliche Ausdehnung annehmen und uns noch ganz gewaltige Summen Geldes kosten wird!— Amtlich wird gemeldet: Berlin, 12. Ottober. Der älteste Offizier der in Ostafrika ver- sammelten Seestreitkräfte, Fregattenkapitän Glatzel, meldet aus Dar-es-Salam unter dem 10. Oktober: Am 6. Oktober hat„Seeadler" das Thetis-Detachement(Leutnant zur See Köhler und 20 Mann) in K i s s i d j u gegenüber der Insel Kwale ausgeschifft, zum Schutz der Einwohner und der Telegraphenlcitung gegen die Aufständischen. In S a m a» g a zwei Tetacheinents sowie Ober- leutnant zur See Sommerfeldt und 40 Mann zum Schutz der zeit- weise zerstörten Telegraphenleiiungen ausgeschisft.„Bussard" hat das Süd-Tctachcment ausgetauscht und in Zansibar Kohlen ergänzt. Wird heute abend nach K o n d u t s ch i und B u e n i gehen, weil dort Unruhen sind. Ter Gesundheitszustand ist durchweg gut. (Vom Grafen Götzen liegen seit dem bereits veröffemlichten Telegramm vom 5. Oktober weitere Meldungen nicht vor.) Wie aus diesen Meldungen hervorgeht, ist es bisher nicht ein- mal gelungen, die Unruhen unmittelbar an der Küste zu unter- drücken. Der Aufstand scheint vielmehr auch hier noch fortwährend an Ausdehnung zu gewinnen. Wie will man da mit den Auf- ständischen im Binnenland fertig werden I— Eine Bcschwcrdcschrift von Kameruner Häuptlingen? Nach einem Telegramm der„Täglichen Rundschau" veröffent- licht das„Hamburger Fremdenblatt" auszugsweise eine Beschwerde- schrift, die sämtliche Oberhäuptlinge und Häuptlinge Kameruns an den Reichskanzler und den Reichstag abgesandt haben sollen. In der Beschwerde, die die durchaus loyale Haltung der Eingeborenen gegen die deutsche Regierung betont, werde unter Ausführung ein- gehend geschilderter Einzelfälle lebhaft Klage geführt gegen das Regierungssyftem des Gouverneurs von P u t t- ka m e r und Mißgriffe einzelner namhaft ge- m a ch t e r Beamter. Da die jahrelangen Beschwerden beim Gouverneur erfolglos geblieben seien, sähen sich die Häuptlinge ge- zwungcn, direkt in Berlin Schutz zu suchen. Die Eingabe fordert die so fortige Zurückberufung des Gouverneurs als einziges Mittel zur Beruhigung der erbitterten Bevölkerung. Die„Tägliche Rundschau" bemerkt dazu, daß die Mitteilung sehr phantastisch klinge. Es erscheine von vornherein lächerlich, daß sämtliche Oberhäuptlinge und Häuptlinge eine gemeinsame Bcschwerdcschrift abgefaßt hätten. Darin dürfte die„Tägliche Rundschau" allerdings recht haben. Im übrigen halten wir die Be- schwerdeschrift an sich umfoweniger für unmöglich, als uns wieder- holt von Leuten, die Kamerun ganz genau kannten. Schilderungen über die Zustände in Kamerun gegeben worden sind, die sich mit dem angeblichen Inhalt der Beschwerd. schrift vollständig deckten. Man wird also den Inhalt der Beschwerdeschrift abwarten müssen. Sehr verhängnisvoll aber wäre es, wenn man dieselbe leicht nehmen würde. Eine ausgedehnte Erhebung auch der Kameruner Eingc- borenen gegen ihre Bedrücker würde die Antwort auf die fernere Duldung des bisherigen aufreizenden Systems sein!— Hueland Italien. Rom, 9. Oktober. Die„Avanguardia" über den Parteitag in Jena. Während die Tagespresse aller Parteien — der„A vanti" mit einbegriffen— den Parteitag in Jena ganz unbeachtet gelassen hat, bringt die„Avanguardia" in ihrer letzten Nummer einen fast 8 Spalten laugen Artikel über ihn. Das Organ der Mailänder.Shndekalisten der Fraktion L a b r i o l a schreibt dem Kongreß von Jena eine ausschließlich nationale Be- deutung zu. Seine Verhandlungen hätten nur für die besonderen politischen Verhältnisse in Deutschland Wert und Gültigkeit. Viel- leicht iverde gerade von diesem Kongreß der Verfall der moralischen Hegemonie datieren, die der deutschen Partei seit Jahren im inter- nationalen Sozialismus zugefallen ist. Die Art, wie über den Generalstreik diskutiert worden ist, haben für die Syndekalisten keinerlei Interesse. Für diese sei der General- streik das Werkzeug der großen proletarischen Eroberungen. In Deutschland hätte man ihn als eine Hülfswaffe der parlamentarischen Aktion, als ein Mittel znr Verteidigung deS allgemeinen Stimm- rechtes in Erwägung gezogen. Der Artikel gibt zu, daß in einem halb� absolutistischen Staate wie Deutschland diese Auffassung be- rechtigt ist, sie käme aber in politisch entwickelten Ländern nicht in Betracht. Aber auch in der deutschen Partei beginne die Ucberzeugung sich Bahn zu brechen. daß die ganze politische Tätigkeit der Partei sich in.einem unheilbaren Widerspruch bewegt. Die politische Lage in Deutschland nötigt die Partei, die demokratischen Institutionen des Parlamentarismus und des allgemeinen Stimmrechts zn vertreten. aber der Erfolg dieser Taktik könnte nur der sein, der Bourgeoisie endlich das Ruder in die Hand zu geben, das bis heute in Händen der Hofcliquen und der Burcaukratie liegt. Andererseits aber würde die zur Herrschaft gelangte Bourgeoisie dem Proletcriat eine viel schwerere Last auf- legen, als es heute schon trägt. In dieser Situation sieht sich die Partei zn einer Politik der Vorsicht und der Sammlung gezlvuiigcn. „Die politische Hülle der mächtigen Reiche steht in vollem Wider- spruch nicht nur zu den Hoffnungen der sozialistischen Partei, sondern auch zur gegenwärtigen Wirklichkeit, zu dem krustvollen Kulturleben des ganzen Landes; andererseits fehlt der Masse voll- ständig die psychologische Vorbereitung(und dies zum großen Teil infolge der Art der Propaganda, die die sozialistische Partei in Deiilschland getrieben hat), um daS Bedürfnis zu dem Kraft- aufwand zu fühlen, der die bestehende Ordnung der Dinge um- gestaltet," So fei die deutsche Partei trotz ihrer drei Millionen Stimmen zu einer puren Defcnsivaklion verurteilt. Dieser Znstand der Im- potenz mache sich in der Politik ganz Europas geltend. Der Artikel schließt mit folgenden Worten:„Uns bleibt nur übrig, zu wünschen, daß die deutsche sozialistische Partei eines TagcS in ihrer Kühnheit und ihrem Wagen so weit gehen möge wie heute in ihrer Vorsicht. Ihre Beranttvortling gegenüber dein zivilisierten Europa ist außerordentlich groß, sicherlich großer als die irgend einer anderen parlamentarischen Partei der Welt." Augenscheinlich rührt der Artikel aus der Feder Arturo Labrioläs.—_ Die Organisation der italienischen Klerikale». Rom, 6. Oktober. So lauge der Vatikan in dem Wahn lebte, die weltliche Herrschast des Papsttums wieder herzustellen, konnte er nicht daran denken, seine Getreuen au den politischen Kämpfen des geeinigten Königreichs teilnehmen zu lassen. Einzig eine Eroberung der städtische» Verwaltungen wurde von dem heil. Stuhl gebilligt. Daß es unter dem neue» Papst anders geworden ist, ist bekannt. Pius X. hat den Klerikalen die Teilnahme am politischen Leben des Landes freigestellt. Diese Annahme der neuen Machtverhältnisse ermöglicht dem Vatikan, sich offen zur Eroberung der politischen Macht in Italien, Ivo er bereits eine starke wirtschaftliche Macht besitzt, zu rüsten. Wie sich die Kirche die Organisation der Klerikalen in Italien denkt, ersieht man aus dem unlängst dem Papst vorgelegten Statut, das bereits als Ganzes die Billigung Pius X. gefunden hat. Dieses Statut erkennt als autonome klerikale Organisationen nur den Verein der katholischen Jugend und den Verband der katholischen akademischen Vereine an; beide unterstehe» der Kontrolle der Bischöfe. Alle anderen Energien im klerikalen Lager haben sich einer der drei neu zu schaffenden großen Landcsorganisatiouen einzuordnen. Die erste dieser Organisationen ist die„Katholische Bolls- Vereinigung", die in jedem Orte einen Zwcigverein haben soll und deren Zweck es ist,„in der sozialen Ordnung die christliche Kultur nach den Lehren der Kirche und den Leitsätzen des heil. Stuhles zu verfechten und in den Institutionen und dem praktischen Leben der Italiener zu verwirklichen," Im den Vorstand sind nur Nichtpricster wühlbar, aber in den Beiräten können die Priester Sitz und Stinune habe». Der„Katholische Verband der wirtschaftlichen und sozialen Institution" ist der zlveite dieser großen Vereine. Es handelt sich hier darum, katholische Gewerkschaften, Genossenschaften, Hülfskassen, Banken, Sparkassen ec, zu gründen und zu fundieren. Mit den pekuniären Mitteln, über die der Vatikan verfügt, wird er gerade auf diesem Gebiete erfolgreich sein, da man die organisatorifchc Befähigung der Klerikalen nicht gering anschlagen darf. Die dritte Organisation ist der„Katholische Verband der Wahl- vereine", der die bestehenden Wahlvercine verbinden und neue orga- nisieren soll. Alle drei Organisationen unterstehen der Kontrolle der Bischöfe. Ihre drei Präsidenten wählen alle drei Jahre den Prä- sidenten der allgemeinen katholischen Kongresse Italiens. Mit diesen Mitteln hofft die„besiegte" katholische Kirche ihres Siegers Meister zu werden. Sie glaubt Italien zurückzuerobern auf dem Wege der„friedlichen Penetration". Vielleicht wird dieses neue Element dem KonfusioniSmuS im politischen Leben Italiens entgegenwirken, zn einer festeren Abgrenzung der Parteien führen und der heuchlerischen freisinnig-klerikalcn Politik der Regierung ein Ende machen. Damit wäre schon etwas gewonnen,— Fcrri über die italienische Abgalienresorm. Rom, 7. Oktober.(Eig. Bcr.) Für die bevorstehende Diskussion über eine radikale Abgabcnrefori», die die italienische Partcifraktion beschäftigen wird, zeichnet F e r r i im„ A V a ii t i" die Grundlinien vor, die seiner Ansicht nach die Partei ihren Forderungen zugrunde legen sollte. Zunächst sei weniger an der Entlastung der direkten Steuerlast der kleinen Gnindbesitzer gelegen, als vielmehr daran, diesen die Möglichkeit zu geben, die Produktion zu heben und zu verbessern. Daher sei die Organisierung des landwirtschaftlichen Kredits zu fordern, um den von den Wucherern ausgesogenen 8 800 000 kleinen Grundbesitzern(init weniger als 2 Hcktor Land) Geld zu 2 Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Zweitens inüssc die Reform nicht auf Kosten deS lokalen Finanzwesens, das sehr zerrüttet ist, sondern auf Kosten des staatlichen beginnen, da das Staatsbudget jährlich einen Uebcrschuß von 25 bis 30 Millionen aufweist. Drittens müßten die Erleichterungen deutlich und vor allein sofort von der Masse fühlbar sein. Diesen drei Grundsätzen entsprechen für Fern die folgenden Forderungen: -r) Herabsetzung des Kornzolls von 7,50 Lire auf 3,50 pro Doppelzentner, Herabsetzung des Petrolcumzolles von 43 auf 24 Lire den Hektoliter, der Zuckerfabrikationssteuer von 70 Lire pro Doppelzentner auf die Hälfte und schließlich Reduktion des Kochsalzes(StaatSregie) von 40 auf 20 Cent das Kilo. Ausfall für das Staatsbudget gleich 130 Millionen im Jahr. b) Aufnahme einer iieiien Staatsanleihe zu 4 oder 4 h/z Proz. in der Höhe von 1 Milliarde, die der landivirtschaftlichen und industriellen Produktion zu 2 Proz. Kapitalien liefern. Die Zinsen dieser neuen Staatsanleihe— die zur Hälfte durch die Zinsen der diese Kapitalien Entleihenden gedeckt würde, erhöhen die Mehr- belastnng des Staatsbudgets aus 155 Millionen. Um diese Mehrbelastung auszugleichen, hält Fern es für utopistisch, auf die Konvertierung der Rente zu hoffen. Er schlägt vor, die Steuer auf der aus den 4 proz. Konsols kommcuden Kapitalrente zu erhöhe», so daß die Zinsen effektiv von 4 auf 3 Proz. sinken. Dies ergibt eine Ersparnis von 100 Millionen in, Jahre: 20 weitere Millionen werden durch den jährlichen lleberschuß gedeckt, 20 Millionen aus dem normalen Wachstum der Staatseinnahmen. Die zum Gleichgelvicht des Budgets noch fehlenden 15 Millionen will Ferri durch höhere Versteuerung der höchsten Einkommen— über 10 000 Lire jährlich— sowie durch Verstaatlichung verschiedener Uttterilehini, ngen, namentlich des Versicherungswesens, aufbringen. Es ist leicht zu schen. daß dieser Entwurf der Kritik viel Au- satzpunkte bietet. Er vergißt, daß dieselben Interessen, die der Kon- vertierung der Rente entgegeustehen, sich der denselben Zwecken dienenden Erhöhung der Kapitalrcntensteuer widersetzen. Wenn diese Erhöhung nur für die jetzt bestehenden 4 proz. Konsols gilt, so ist nicht einzusehen, warum die neue Milliarde wieder zu 4 Proz. ausgegeben werden soll. Gilt aber die Erhöhung für- alle Slaatspapicre, so stimmt die Rechnung nicht; es sind dann 10 Millionen zu viel dem Staatsbudget zur Last gelegt. Soll ferner die Milliarde aus dem Inland konmrcn, so hebt sie den beklagten Kapitalmangel nicht, da ja heute die Kapitalien auch nicht in den Kassenschränken schlafen. Kommt sie aus dem Ausland, so ist eS unerhört, daß der finanziell so große Garantien bietende italienische Staat vierprozentige Staate Papiere ausgibt bei dem beutigen niedrigen Stand des Zinsfußes. Zu einem so umfassenden Projekt der wirtschaftlichen Regeneration eines Landes sind tiefgehende Studien nötig, snr die in unserer Parlanientsfraktion wohl noch die Kräfte fehlen und wozu inaii billigerweise von einer so kleinen Partei wie der unseren nicht die Initiative erwarten darf.— Norwegen. Das Karlstädcr llebercinkoiilmen ist vom Storthing in der Nacht vom S. zum 10. Oktober Ve2 Uhr mit 101 gegen 10 Stimmen angenommen worden. Es stimmten dagegen 12 von der linken Partei, 2 von der Rechten, 1 Saunnlungsparteiler und 1 Sozialdemokrat sEriksen).— Am Montagabend hatte sich eine große Volksmasse vor dem Storthingsgebäude versammelt und als in so-später Nachtstunde endlich die Entscheidnug fiel, standen noch mehrere hundert Personen dort. Die Mitglieder der Regierung und Präsident Berncr verließen unbemerkt von der Menge da-s Gebäude auf einem Nebenwege. Konow, der Führer der Opposition, wurde, als er auf die Straße trat, teils mit Hochrufen, teils mit Mitzfallsäußerunaen und dem Ruf:„Nieder mit ihm l" empfangen Daß nur 16 Abgeordnete gegen das Uebereinkommen stimmten, ist übrigens ein Beweis dafür, daß die heftigen Reden der Opposition wenig Eindruck gemacht haben. Die Eröffnung des Storthing fand am Donncrstagmittag statt. Staatsminister M i ch e l s e n verlas im Namen der norwegischen Regierung die Eröffnungsrede, in der es heißt: Der neu zusammen- getretene Storthing wird in erster Linie seine Aufmerksanikeit'auf die Arbeit zur Errichtung und Konsolidierung deö neuen Norwegens zu lenken haben. So werden die Repräsentanten der Nation nun das Unabhängigkeitswerk zu voll ziehen haben, indem sie Beschlüsse fassen, welche dasselbe voraus- gesetzt und notwendig macht. Norwegen wird jetzt offiziell in die Reihe der absolut unabhängigen Staaten eintreten und konsularische Vertretung zu ordnen haben. In Uebereinstimnmng hiermit wird dcm� Storthing ein Gesetzentwurf zur endgültigen Regelung des Konsularwesens vorgelegt werden. Aber auch nach innen liegen große und wichtige Aufgaben zur Förderung der geistigen und materiellen EntWickelung des Landes und der nationalen Arbeit vor. Unsere Aufgabe muß sein, auf allen Gebieten mit vereinigten Kräften die Arbeit aufzunehmen und fortzusetzen, welche auch kleinen Völkern Ansehen und Rang unter den Nationen gibt. Von neuen Gesetzentwürfen, welche dem Storthing vorgelegt werden sollen, werden genannt ein Steuergesetz, Handels- g e s e tz und ein Gesetz betreffend die neue Heeresorganisation. � Asien. lieber die Lolkserhcbiing in Japan erhält das Scherlblatt aus Uokohama einen ausführlichen Bericht. Danach wären die eigentlichen Exzesse und Straßenkämpfe auf das allzu schneidige Vorgehen der Regierung, namentlich aber die provozierende Haltung der Polizei zurück- zuführen. Die Protestbewegung gegen den Friedensvertrag würde niemals so lebhafte Formen angenommen habe», wenn die Regierung nicht durch Versammlungsverbote Erbitterung in die Be- Völle rung getragen hätte. Hätte man die Leute protestieren lassen, so wäre alles gut gewesen. Statt dessen habe man das Volk durch Versanimlungsverbote gereizt. Der Bewegung hätten sich nunmehr allerhand Elemente angeschlossen, denen die polittsche Bedeutung des Friedensvertrages an sich gleichgültig gewesen sei. Die Rikscha-Kulis seien längst über die elektrische Straßenbahn, die ihnen den bis- herigen Erwerb genommen habe, empört gewesen. Sie hätten die Gelegenheit benutzt, um die Straßenbahnwagen in Brand zu setzen. Dieser Ausschreitung seien dann andere gefolgt. Da nun die Polizei urit besonderer Schneidigkeit vorgegangen sei und im Eifer des Ge- fechtes auch Unschuldige niedergesäbelt habe, sei die Erbitterung immer größer geworden, man habe die hölzernen Wacht- Häuschen der Polizisten mit Petroleum begossen und angesteckt. Zu- sammenstöße zwischen dem Volke und dem Militär seien nirgends erfolgt. Die Bevölkerung habe mit den Soldaten shmpathisiert, und die Soldaten umgekehrt hätten wohl ver- standen, daß die Bestimmungen des Friedensvertrages. die Unzufriedenheit des Volkes zu erregen geeignet gewesen seien. Ja das Militär selbst sei von derUnzufrieden- heit ergriffen gewesen. So sei es auch keines- Wegs unmöglich, daß nicht der leidenschaftliche Fanatismus die Ur- fache an der Katastrophe des Panzerschiffes ,. M i k o s a" gewesen sei. Dies Ereignis habe denn auch seinen Eindruck auf die Regierung nicht verfehlt, und der Be- lagerungszustand sei so mild als möglich gehandhabt worden. Die versöhnlichere Politik der Regierung habe das ihrige dazu bei» getragen, daß wiederum die Ruhe in den Hauptstädten ein- gekehrt sei. Diese Darlegungen klingen nicht unwahrscheinlich. Sie wider- legen allerdings durchaus nicht unsere Auffassungen, daß die ganze soziale Lage und die ganze politische Gestaltung des Landes im Grunde die Ursache der Unruhen gewesen seien.— Versammlungen. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer hielt am Sonntag eine Generalversammlung ab. in der zunächst die Dis- kussio» über die in der Feenpalast-Versammlung angenommene Resolution fortgesetzt wurde. Der erste Redner Ludwig bemerkte unter anderm, mit dem ersten krittschen Teil der Resolutton könne man einverstanden sein, der zweite Teil aber fordere die Kritik heraus. Es sei zweckmäßig, lvenn die Resolution so geändert werde, daß der Generalstreik nicht gleichsam als Allheilmittel, sondern als wichtiges Kampfnuttel bezeichnet werde.— W c s ch k e wünschte dem- gegenüber die Resolution unverändert zu erhalten. Friedeberg habe nicht gemeint, daß der Parlamentarismus überhaupt abgeschafft Iverden solle. Für den Generalstreik müsse mehr Propaganda gemacht werden; den Massen müsse man klar machen, was er bedeute. Die Kinder müßten im sozialistischen Geiste er- zogen werden; selbst christlich gesinnte Mütter könnten wohl ihre Kinder lehren, daß das vierte Gebot auch verbiete, auf Vater und Mutter zu schießen.— Kling meinte, es sei be- zeichnend für die Zentralverbände, daß ihre Führer nicht für Bebels Massenstreik-Resolution gestimmt hätten. Allerdings sei der Parlamentarismus immer noch eine gute Waffe, besonders in zurück- gebliebenen Gegenden; der Generalstreik aber müsse mehr propagiert werden und dazu müßten mehr öffentliche Versammlungen ein- berufen werden. Ferner müsse unter den Mitgliedern mehr für den Anschluß an die politischen Organisationen gewirkt werde»; zu be- dauern sei es, daß einzelne sich anderen Organisationen und auch dem Anarchismus angeschlossen hätten.— Zechlin bemerkte, viele Versammlungen hätten sich mit dem Generalstreik befaßt, auch der Tabakarbeiter-Kongreß; in den Berichten aber gehe man darüber hinweg. In der Feenpalast-Resoluiion stehe nicht, daß man den Parlamentarismus durchaus ablehnen solle. Die Kräfte aber, die heute im Parlament sitzen, sollten herausgezogen werden, um zu agitieren und für die Vekctiefung der proletarischen Ueberzcugung zu Ivircken. Der Redner stellte dann den Antrag, daß die Ver- samnilung sich neben der Fecnpalast-Resolution auch mit der in der Sitzung des Gewerkschastskartells vom 31. August angenommenen Resolutton einverstanden erkläre. Er führte weiter noch aus, Lcdebour habe die Frage in der Generalversammlung deS sechsten Kreises nicht mit dem nötigen Ernst behandelt, mit ganz gewöhn- lichcr Ironie Rehbein mit Friedeberg berglichen und diesen lächerlich zu machen gesucht. Mit StröbelS Ausführungen könne er sich, ab- gesehen von dem Rat auf Anschluß an die Zentralverbände, ein- verstanden erklären. Mit dem waS>>er Parteitag über den General- streik beschlossen habe, könne man vorläufig zufrieden sein; wenn die Idee in derselben Weise Fortschritte mache, werde man bald zum Ziele kommen.— Ernst Witte erklärte, wenn die Arbeiterschaft ihr Ziel erreichen wolle, müsse sie den Kampf mehr ans das Wirtschaft liche Gebiet verlegen. Es komme darauf an, kraftvolle Persönlichkeiten zu bilden, und an Stelle der Disziplin müsse der Charakter treten, daZ loünfche Friedeberg. Die bayerischen Genossen, die für Zentrums inänner stimmten, hätten damit ebenso disziplinfest Ivie charakter los gehandelt. Wenn die Führer der Zentralverbände auch noch so sehr gegen den Generalstreik seien, sie würden doch, wie man jetzt wieder sehe, von den Unternehmern dazu gezwungen. Wenn nun nicht mit aller Kraft der Gedanke der Solidarität propagiert werde, müsse man mit Zittern und Zagen in die Zukunft blicken. Der Redner erklärte sich für volle Zustimmung zur Feenpalast-Nesolution, — Panzer nieinte, man müsse nun in öffentlichen Versammlungen die Ideen in die Massen schleudern. Zwei Herren könne man nicht dienen. Gegen den Parlamentarismus, wie er in den achtziger Jahren war, wäre nichts einzuwenden. Nun aber müsse man reinen Tisch machen. Der Redner sprach sich im übrigen fiir die Feenpalast Resolution ans.— Nachdem die Diskussion nun ungefähr eine Stunde gedauert hatte, lourde ein Antrag auf Debatteschluß angenommen Der Referent Gehl bemerkte in seinem Schlußworte, die Dis kussion habe gezeigt, daß die Generalstreikidee noch viel mehr dis kutiert werden müsse, es müsse noch viel mehr untersucht werden ob man sich damit identifizieren könne. Mit dem Beschlüsse des Parteitages über diese Frage könne man, wie Friedeberg mit Recht gesagt habe, vorläufig zufneden sein. Man habe keine Ursache, sich von der Partei abzuwenden, im Gegenteil müsse man innerhalb der Partei wirken. Man sei nun auf bestem Wege und habe keine Ursache, von der Feenpalast-Resolutton irgend etwa? zurückzunehmen Die Idee des Generalstreiks marschiere. Die Unternehmer würden die Führer der Gewerkschaften dazu dränge» und, wenn man da noch ein bißchen nachschiebe, werde die Arbeiterschaft wohl dahin kommen — Hierauf wurde die Feenpalast-Resolutton samt der im Kartell angenommenen gegen eine Stimme gutgeheißen. Dann befaßte sich die Generalversammlung mit einigen An trägen des Ausschusses und Vorstandes. Eine längere Debatte rief die Frage hervor, ob den Mitgliedern, die auf dem Bau in der Lindowerstraße die Arbeit ohne Genehmigung des Vorstandes ein- gestellt hatten, Streikunterstützung gewährt werden solle. Im Vor stand und Ausschuß war man darüber nicht einig geworden und hatte sich entschlossen, der Generalversammlung die Entscheidung zu überlassen. In der Debatte wurde nun auch die allgemeine Frage erörtert, ob das geltende Regulativ, das die Streikunterstützung vo der Genehmigung des Streiks abhängig macht, zweckmäßig sei oder nicht. Unter Hinweis auf Aeußerungen Friede bergs und auf einen Artikel der„Einigkeit", in dem verlangt wird, daß Solidaritätsgefühl und Charakter an Stelle der Disziplin trete, Disziplin als„Hundsfötterei" be zeichnet wird, wurde jene Bestimmung des Regulativs belänipft. Der Vorsitzende Metzle brachte einen Antrag ein, wonach das Regulativ in Zukunft streng innegehalten werden, in diesem besonderen Fall aber wegen der eigenartigen Verhältnisse die Unterstützung dennoch gezahlt iverden sollte.— Dieser Antrag wurde in seinem ersten Teil abgelehnt, der zweite Teil jedoch angenommen. Der Vorsitzende er- klärte hierauf, die Versanimlung habe mit der Abstimmung be kündet, daß das Regulativ nicht mehr zutreffe. Gehl stellte den An- trag, in der nächsten Versammlung das ganze Regulativ zur Dis- kussion zu stellen. Dieser Antrag kam jedoch nicht mehr zur Ab ltinimnng. Der Verein der Lehrlinge und jugendlicher Arbeiter Berlins und Umgegend hielt am Sonntag, den 8. Oktober, seine General Versammlung ab. Als erster Punkt auf der Tagesordnung stand der Bericht des Vorstandes über dessen Tätigkeit im letzten Viertel- jähr. Das Wirken des Vereins war in dieser Zeit ein mehr inner- liches, organisatorisches. Durch Abhalten zahlreicher Abteilungs Versammlungen und Diskuticrabenden wurde die Vereinsarbeit neu belebt. Auch für Bildung und Aufklärung der Mitglieder hat der Vorstand Sorge getragen. Lehrreiche Vorträge wurden abgehalten, Museumsbesichtigungen veranstaltet. Der Plan des Vorstandes, vom Oktober ab selbständige Unterrichtskurse einzurichten', konnte leider noch nicht verwirklicht werden, die enormen hohen Miets preise, sowie die Honorare der in Aussicht genommenen Lehrer machten dies vor der Hand unmöglich. Um aber den Mitgliedern Gelegenheit zur möglichst billigen Ausbildung zu geben, hat der Vorstand mit der„Arbeiter-Bildungsschule" ein Abkommen ge troffen, dahingehend, daß die Mitglieder des Vereins an allen Kursen dieser Schule— ausgenommen die Fortschrittskurse— gegen eine Hörgebühr von 1 M. pro Kursus teilnehmen können.— Zur besseren Pflege des Jugendschutzes hat der Vorstand eine Be- schwcrdestclle, in der Klagen über das Arbeitsverhältnis entgegen- genommen und für Abhülfe der Mißstände gesorgt wird, errichtet Dieselbe befindet sich im Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15, II, Zimmer 16, und ist geöffnet an jedem Sonntag, vormittags von 11 bis 12 Uhr.— Der Vorstandsbericht wurde beifällig ohne Dis. kussion entgegengenommen.— Tarauf gab der Kassierer den Kassen. bcricht des 3. Quartals. Die Einnahme betrug leinschließlich eines Kassenbestandes von 118,43 M. am 1. Juli) 634,43 M., die Ausgabe 668,20 M., so daß ein Kasscnbestand von 266,23 M. verbleibt. Auf Antrag der Revisoren wurde dem Kassierer Dccharge erteilt.— Zum Punkt„Ersatzwahlen" wurden in die Biblüjthekslommission die Kollegen Blasing, Bollreit und Liebrandt und in die Bildungskommission die Kollegen Willi Schulz und Lübnitz gewählt. Die Kollegen Bardeleben, Helbig, F. Schnei- der und Wenzel, die als provisorische Abteilungsleiter von der Verwaltung eingesetzt waren, bestätigte die Versammlung.— Unter „Verschiedenes" wurde auf einen Antrag von 12 Kollegen beschlossen, die Vereinszeitung„Arbeitende Jugend" achtseitin erscheinen zu lassen.—.Noll. Paul Heinrich brachte arge Mißstände, die bei dem Schneidermeister Petz, Kraurstraße 15, herrschen, zur Kenntnis der Versammlung. Dies Lehrlingsidyll wird in nächster Nummer der„Arbeitenden Jugend" näher betrachtet werden.— Auch wurde von mehreren Anwesenden geklagt, daß Lehrer in den Fachschulen während deS Unterrichts die Schüler vor den Eintritt in den Lehr- lingsverein warnen, weil er nur„hetze" und„wühle". Der Bor- stand wird diesbezügliche Schritt« unternehmen und den Lehrern klarmachen, wozu die Fachschulen da sind.— Der Kampf in der Elektro-Industrie. Die Stellung der Vertrauensleute zu dem Ergebnis der letzten Verhandlungen. Gestern abend befaßten sich die Vertrauensleute der Streikenden und Ausgesperrten mit dem Resultat der Verhandlungen, die am Mittwoch nochmals zwischen den Obleuten der Arbeitcr-Ausschüjse und den Direktoren der Elektrizitäts-Gesellschaften geführt worden sind. Wie bereits mitgeteilt, haben die Direktionen erweiterte Zugeständnisse nicht gemacht. Dies bestätigten auch die Teilnehmer an den Verhandlungen bei ihrer Berichterstattung. Es ist von den Direktoren geradezu Wert darauf gelegt worden, auf das be- stimmteste zu erklären, daß sie über den Rahmen der bisherigen Zu- gcständnisse auf keinen Fall hinauszugehen gewillt seien. Dagegen haben sie zugesichert, daß bei Wiederaufnahme der Arbeit Maß- regclungen nicht stattfinden und keine betriebsfremden Arbeiter eher eingestellt werden sollen, bevor nicht nach Lage der Betriebsverhält- nisse die Streikenden und Ausgesperrten wieder in den Betrieben plaziert worden sind. Die Zugeständnisse haben jetzt jedoch eine präzisere AuS- l e g u n g erfahren wie bei den früheren Verhandlungen. So sollen die zugestandenen erhöhten Löhne der Lagerarbeiter im Kabelwerk Schöneweide als M i n d e st l ö h n e betrachtet werden und auch die Erhöhung der Akkordsätze für die Schraubendreher um 6—6 Proz. eine Durchschnitts erhöhung darstellen. Im übrigen aber haben die Verhandlungen keinen Zweifel darüber gelassen, daß am Sonnabend die Aussperrung auch auf die anderen Betriebe der dem Metallindustriellen-Verbande angehörigen Fabrikanten ausgedehnt werden soll, falls die Arbeiter diese Zugeständnisse bis Freitagabend nicht akzeptieren würden. Von den Vertretern der Zentralstreikleitung sprachen sich Cohen, Bruns, Brey- Hannover und Z e r n i ck e dafür aus, das) die Vertrauensleute den Streikenden die Wiederaufnahme der Arbeit zu den jetzt formulierten Bedingungen empfehlen möchten. Begründend führten die Redner aus, daß es ihnen lediglich Pflicht und Gewissen gebieten, als verantwortliche Organisationsleitcr den Vertrauensleuten den Vorschlag der Arbeitsaufnahme jetzt zu machen. Maßgebend für diesen Vorschlag sei die rein sachliche Er- wägung, daß das wirkliche Kampfobjckt mit den Opfern und Eni- behrungen eines ins Ungemessene ausgedehnten Riesenkampfes tat« sächlich in keinem Verhältnis stände. Auch müsse den streikenden Schraubendrehern und Lagerarbeitern sehr ernsthaft die Frage vor- gelegt werden, ob sie es vor sich selbst verantworten könnten, daß wegen ihrer etwa nochmaligen Ablehnung der wenn auch minimalen Zugeständnisse noch weitere Zehntausende von Arbeitern und Ar- beitcrinnen aufs Pflaster gesetzt würden. Bei objektiver Würdigung der ganzen Sachlage und bei richtiger Abwägung der Kräfteverhält- nisse müsse sich jeder Klardenkende sagen, aus rein taktischen Gründen sei es richtiger, den Abbruch dieses Kampfes jetzt zu em- pfehlen. Die Wiederaufnahme der Arbeit bedeute auch durchaus keine Niederlage für die Arbeiter, sondern lediglich einen geordneten Rückzug, wie er mitunter auch für die besten Heere zeitweilig not- wendig wäre. In der sehr ausgedehnten Debatte wandte sich ein großer Teil der Diskussionsredner gegen den gemachten Vorsckilag, teilweise unter scharfen Angriffen auf die ganze bisherige Taltik der Streikleitung. Vor allem wurden Garantien dafür verlangt, daß auch die Maschi- nisten und Heizer, sowie sämtliche andere Arbeiter und Arbeite- rinnen, die an den Solidaritätsstreiks zugunsten der Ausgesperrten teilgenommen haben, wieder an ihre alten Plätze gestellt würden. Es erfolgten hierzu beruhigende Zusicherungen. Die vorgenommene geheime Abstimmung aber ergab, das) 326 Stimmen für die Emp- fchlung der Arbeitsaufnahme und nur 147 Stimmen dagegen waren. Damit haben also die Bertranenslciitr beschlossen, den Streikenden die Annahme der Zugeständnisse der Direktionen und damit die Wiederaufnahme der Arbeit zu empfehlen. Am heutigen Freitag tverden nun die streikenden Lagerarbeiter und Schraubendreher in ihren Versammlungen über Annahme oder Ablehnung des Vorschlags der Vertrauenslentc endgültig Beschluß fassen. � Die Maschinisten»nd Heizer »ahmen gestern abend in einer vollzählig besuchten Versammlung einstimmig folgende Resolution an: Die heutige Versammlung der Maschinisten und Heizer fordert ihren Verbandsvorstand auf, bei der Eenttalstreikkommission dahin zu wirken, daß. sollte die Arbeit in den Elektrizitätswerken wieder aufgenommen werden, die anderen Verbände ihre Kollegen die Arbeit nicht eher aufnehmen lassen, bis alle Maschinisten und Heizer wieder an ihre alten Plätze eingestellt sind. An der komischen Oper am Schiffbauerdamm haben heute sämtliche Bauarbeiter die Arbeit niedergelegt und zwar handelt es sich darum: Au« Schwerin wurden acht Arbeitswillige herübergeholt, um die elektrischen Leitungen zu machen. Die Bau- arbeiter verlangten, daß die Streikbrecher nicht aus dem Bau arbeiten sollten. Da diesem Verlangen nicht nachgegeben wurde, haben sämtliche Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Die acht Arbeits« willigen arbeiten noch. Die Firma Gebrüder Siemens u. Co. in Charlottenburg soll. Ivie in einer Versammlung des Fabrikarbeiter-Lerbandes zu Char- lottcnbura berichtet wurde, unter Zahlung von 30000 M. Kon- ventionalstrafe aus dem Kühnemänner- Verbände ausgetreten sein und ihren Arbeitern eine Lohnzulage zugebilligt haben. Die Firma ersucht uns, unseren Lesern mitzuteilen, daß diese Angaben unrichtig sind. Sie sei aus dem Verband der Berliner Metallindustriellen nicht ausgetreten, habe demgemäß auch keine Konventionalstrafe ge- zahlt und sei bis jetzt überhaupt nicht in der Lage gewesen, an irgend einem Tage Arbeiter aussperren zu sollen. Herr Moffe. Herr Masse bedenk: uns im„Tageblatt" wieder einmal mit einer Blütenlese von Höflichkeiten wegen unseres die Berliner Elektrizitäts-Aussperrung behandelnden Artilels in unserer Mittwochs- ausgäbe. Unsere Ausführungen müssen also den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Da Herr Masse sich ihnen gegenüber nicht anders zu helfen weiß, greift er, wie stets in solchen Fällen, zu persönlichen Verdächtigungen und Unterstellungen. Dabei passiert dem Blatt des Herrn Masse das Mißgeschick, in seinem ohnmächtigen gonr uns als ein dem„Kapitalisten" Singer dienstbares Blatt zu bezeichnen. Herr Masse vom„Tageblatt" ist aber selbst Kapitalist. Herr Masse, der Großkapitalist, täte besser daran, damit zu beginnen, vor der eigenen Tür zu kehren. Es ist noch nicht allzu lange her, daß die Angestellten deS Herrn M o ss e in unserem Blatt bittere Klage über„konstituttonelle Unzuträglichleiten" im Ver« kehr zwischen der Firma Masse und ihren Arbeitern führen mußten. Im„Tageblatt" oder in der„Volkszeitung" dürfen sie das natürlich nicht. Wer im Glashause sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Letzte JVaebriebten und Dcpclcbcn. Kattowik, 12. Oktober.(Privat-Depesche des„Vorwärts".)' Pole 23 200, Zentrum 8102, Nationalliberal 7614, Sozial- d c mo k r a t 4780. Korfanty gewählt. Berlin, 12. Oktober. Amtliche Meldung. Heute am 12. Oktober mittags streifte eine offenstehende Wagentür des Steinschlagzuges, der zwischen Erkner und Fangschleuse auf seiner Strecke entladen wurde, den vorüberfahrenden Posener Personenzug. Dabei wurden die Türgriffe 2. Klaffe abgerissen und mehrere Fensterscheiben zer- brachen. Durch die umherfliegenden Splitter wurden zwei Reisende, Herr Kohu aus Fürstenwalde und Frau Superiutendent Niese aus Perleberg, leicht verletzt. Trieft, 12. Oktober.(Meldung des Wiener Telegraphen- Corrcspondenzbureaus.) Nach einer Meldung aus Port Said stieß der aus der Fahrt von Trieft nach Durban begriffene Lloyddampfer „Afrika" mit dem englischen Dampfer„Goentoer" zusammen. Der der„Afrika" zugefügte Schaden ist bedeutend. Auch die„Goentoer" wurde leicht beschädigt. Beide Dampfer konnten die Reise fortsetzen. Dover, 12. Oktober.(Meldung des Reuterschcn Bureaus.) Der neue Dampfer der Hamburg-Ai»enka-Lmie„Amerika" lief aus einer ersten Reise nach Amerika heute den hiesig n Hafen an. Eine große Menschenmenge erwartete das Schiff am Pier. Ter Bürgermeister und andere Amtspersonen begaben sich an Bord des Schiffes Nach Vi stündigem Aufenthalt fuhr der Dampfer wieder ab, nachdem er 143 Passagiere aufgenommen hatte. Gibraltar, 12. Oktober.(W. T. B.) Das Werkstattschiff Assistance" ist in der Tetuanbucht gestrandet. Ein Linienschiff und Schlepper sind zur Hülfeleistung dahin abgegangen. Das Schiffs befindet sich wegen des stürmischen Wetters in einer gefährlichen Lage. � Verantlv. Redakteur: Paul Büttncr, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: PprwärtsBuchdr.u.BerlagDcvijtalt Paul Singer«-Eo., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen».«nterhaltuiigSblatt Nl. 240. 22. Jahrgang. 1. Kkillize te Jorairts" Kerlim NcksM Freitag, 13. Oktober 1903. kommunales. Stadtverordneten-Bcrsammlnng. 28. Sitzung vom Donnerstag, den 12. Oktober, nachmittags S Uhr. Der Vorsteher Dr. Langer Hans eröffnet die Sitzung um Uhr. Die Tribünen sind überfüllt. Die Ausschüsse zur Vorberatung der Anträge ArcmS betr. die Bildung von 18(statt 48) Wahlbezirken auch für die 3. Abteilung und betr. die Berechtigung zur unentgeltlichen städtischer. Kranken- bauspflege sind gebildet; dem elfteren gehören unter anderem die Stadtvv. Borgmann, Bruns und Singer, dem letzteren bte Stadtvv. Bernstein, Heimcknn, Stadthagen (Soz.) an. Die Wahl des Herrn 5kerfin(Soz.) zum Stadtverordneten ist vom Ober-Vertnaltungsgericht für ungültig erklärt worden. Am S. dieses Monats sind folgende Anträge Dr. Arons und Genossen eingereicht worden: 1. Die Versammlung ersucht den Magistrat, Mittel zu er- greifen, um die Beschäftigung von Feuerwehrleuten aus Anlast der Aussperrung in der Berliner Elektro- I n d u st r i e zu verhindern. 2. Die Versammlung ersucht den Magistrat, aus bereiten Mitteln 808 ovo M. zur Unterstützung der F a m i l i e n der in der Berliner Elektro-Jnduftrie ausgesperrten Arbeiter der beteiligten Arbeiterorganisationen zur Ver- füguna zu stellen. Stadtv. Singer: Wir haben erfahren, dast behufs Beilegung der Differenzen zwischen den Interessenten Verhandlungen schweben. Da wir keine Neigung haben, in irgend einer Weise störend darin einzugreifen(Beifall), würden wir, wenn der Gegenstand auf der Tagesordnung herankommt, die Absetzung beantragen, unter vollem Vorbehalt unserer Entschliestungen als Antragsteller.(Beifall.) Stadtv. Cassel(A. L.): Wir unsererseits hatten beschlossen, diese Anträge noch heute zu verhandeln, weil wir uns ihrer Ver. Handlung nicht entziehen wollen. Wenn aber Herr Singer es mit Rücksicht auf schwebende Vcrgleichsverhandlungen für angemessen findet, die Anträge heute abzusetzen, so werde ich dem persönlich zu- stimmen, denn ich glaube nicht, dast es gut ist, eine Debatte statt finden zu lassen, wenn Aussicht besteht, die Differenzen durch Ver Handlungen zu beenden.(Beifall.) Ohne Widerspruch wird darauf die Beratung der beiden Anträge von der heutigen Tagesordnung abgesetzt. Die lebhafte Unterhaltung, welche im Saale herrscht, dauert auch nach diesem Beschlüsse fort und übertönt trotz wiederholter Glocken- signale des Vorstehers die folgende Verhandlung zeitweise vollständig. Ueber die Verhältnisse des Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster und des bei diesem vorhandenen KommunitätSfonds hat der Magistrat aus Anlast eines vor beinahe Jahresfrist von der Versammlung zum Beschlust erhobenen Antrage? Arons eine aus sührliche Denkschrift übersandt, welche auch daS betreffs der künf tigen Verwaltung des Fonds mit dem Direttor Bellcrmann neu vereinbarte Statut enthält. Stadtv. Wallach(A. L.) beantragt AuSschustberatung. Stadtv. AronS(Soz.): Im Jahre 1901 fiel der Kommunitäts kasse ein groster Geldbetrag, 1% Millionen, zu durch Verkauf eines Grundstücks. Die Kasse hatte bis dahin keinerlei Statut, es stand aber fest, dast ihre Einkünfte zu Stipendien für besähigte mittellose Schüler Verwendung finden sollten. 1901 waren nun Direktor und Magistrat in schöner llcbercinstimmung der Meinung, dast eine solche Summe unmöglich zu diesem Zweck verwendet werden könnte. Wir haben diese Unmöglichkeit nicht anerkennen können. Eine Million lvurde zu anderen Zwecken verwendet, im wesentlichen zu Bauzwecken. Von dieser Sachlage haben wir Jahre hindurch nichts erfahren können; erst 1904 erfolgte eine Vorlage, als sich ergab, dast aus dem Verfahren des Herrn Direktors gewisse Ausgaben erwuchsen, welche durch die Versammlung zu genehmigen waren. Bedauern müssen wir, dast auch in der neuesten Vorlage behauptet wird, der Stadt seien tatsächlich erhebliche Kosten erspart worden, denn diese Vor- teile sind eingetreten auf Kosten der Unbemittelten, denen diese Summen mit Recht gehören. Das uns jetzt vorgelegte Statut scheint uns nur zur Kenntnisnahme unterbreitet zu sein; immerhin wäre möglich, in dem AuSschust, für den wir stimmen tverden, Aendc- rungen an diesem Statut vorzunehmen. Wir müssen vor allem dagegen protestieren, dast der Magisttat als Patron der Anstalt bezeichnet wird. Das Patronat über Kirchen ist ein völlig anderes als das Patronat über eine Schule. DaS„Graue Kloster" ist ein städtisches Gymnasium wie alle anderen, nur dast man ihm die Recht« einer juristischem Person belassen hat. Was den Inhalt des Statuts betrifft, so hätte ich für richtiger gehalten, tvenrn der Magistrat Mittel und Wege gesunden hatte, daö für 880 000 M. ekworbene bisher ertraglose Grundstück selbst zu übernehme,,. Di« Stadt würde damit gewist ein gutes Geschäft machen und dazu besser in der Lage sei« als die Kasse. Vielleicht kommen wir im Ausschuß in diesem Punkt« zu einem positiven Ergebnis. Auch muh geprüft werden, ob es richtig ist, Stiftungsfonds auf Grundstücke auyerhalb Berlins, z. B. in Dalldorf, hypothekarisch anzulegen, wie es jetzt der Fall ist. Empört hat uns seinerzeit die seltsame doppelte Buchführung über das Ver- mögen der Kasse durch den Direktor und die städtische Haupt- siiftungskasse. Jetzt soll die Verwaltung der Kasse dem Direktor und den beiden ältesten Professoren übergeben werden, so dast der Magisttat gar nichts mitzureden hätte! Damit können tvir auch nicht einverstanden sein. Besondere Bedenken haben tvir gegen die neu« Bestimmung, dast die Schüler der Anstalt mirndestens ein halbes Jahr derselben angehören sollen, che sie Anspruch auf Unter- stützung aus dem Fonds hätten. Damit ist die Möglichkeit, Kinder von der Volksschule dem Gymnasium zuzuführen, aufgehoben I Wir schliehen uns den, Antrage aus Einsetzung eines Ausschusses von 15 Personen an.(Beifall.) Stadtv. Wallach hält Ausschuhberatting ganz besonders auch aus dem Grunde für notwendig, um die vom Direktor Bellermann gegebene Abrechnung einer gründlichen Kritik zu unterziehen. Er legt dann ausführlich dar, dast u. a. die Herstellung des Lehrer- Wohngebäudes, ivic sie unter Verantwortung des Direktors Beller- mann erfolgt sei. sehr stark zur Bemängelung herausfordere, und dast die Verwaltung des KommunitätSfonds nicht stiftungsgemäst wahrgenommen werde. Es liege ihm natürlich jede Absicht des Angriffs fern; für die unhaltbaren Zustände sei der Magistrat ver- antwortlich zu machen. Nachdem StadtsyndikuS Weise den Magisttat gegen die Vor- redncr in Schuh zu nehmen versucht hat, wird nach dem Antrage Wallach beschlossen. Die Gymna�.______.... gymnasiums in der Albrechtstrahe wird von den Stadtvv. ESmann (Fr. Fr.) und Roscnow(N. L.) bestritten. Stadtschulrat Michaelis ist der Meinung, dast sich in der beantragten Nusschustberatung die vorgebrachten Zweifel beseitigen lassen werden. Stadtschulrat Gerstcnbrrg tritt ebenfalls den Zweiflern entgegen, wobei er sich auf sein« achtjährige Erfahrung als Direktor der Anstalt in der Albrechtstrahe beruft. Nachdem Stadtv. Cassel noch empfohlen hat. dast der Ausschust seine Beratung an Ort und Stelle abhalten möge, wird ein Ausschust für die Vorlage eingesetzt. Zur Verhandlung steht hierauf der Antrag Arons: Die Versammlung ersucht den Magisttat, die Errichtiing von Waldschulen für schwächliche Kinder in Erwägung zu ziehen, und sieht einer bezüglichen Vorlage entgegen-. Zweckmäßigkeit der Verlegung deS > s i u m s in die Räume des bisherigen Friedrichs- "riedrichS-Real I Vom Stadtv. Jacobi(A. L.) ist Ausschuhberatung beantragt. Stadtv. Heimann(Soz.): Unser Antrag ist schon in der letzten Sitzung vor den Ferien in Gestalt einer Resolution hier zur Sprache > gebracht worden. Aus Geschäftsordniingsgründen, die wir unserer- seits nicht für stichhaltig ansehen, wurde damals die Debatte dar- über nicht zugelassen. Bekanntlich hat Charlottenburg vor zwei Jahren als erste Kommune eine sogenannte Waldschule errichtet. Zweifellos ist es für jede Gemeinde von gröstter Wichtigkeit und grösttem Interesse, sämtlichen Gemeindeschülern das nötige Mast von Wissen und Bildung zukommen zu lassen und dieses planmäßig ab- zuschliehen und nicht an irgend einer Stelle abzubrechen. Gerade in diesem Punkte aber ist es bei uns und anderswo schlecht bestellt. Wiederholt ertönt lebhafte Klage darüber, dast ein so groster Prozentsatz der Volksschüler die Schule verläht, ohne das Ziel der Schule erreicht zu haben. Man gibt zum Teil dem achtklassigen Schulsystem die Schuld. Demgegenüber hat schon Kollege Borg- mann mit Nachdruck hervorgehoben, dast nicht sowohl dieses System, als die Ucberfüllung der unteren Aufnahmcklasscn die Schuld an diesem Uebelstand trägt. Daneben, kommt in Betracht, dast sehr viele unserer Volksschüler in so schlechten wirtschaftlichen Verhält- nissen leben oder von Hause aus so schwächlich sind, daß man sie als minderwertig bezeichnen muh. Um diesen körperlich etwas auf. zuhclfen, ist man in vielen Gemeinden zu den sogenannten Ferien kolonien übergegangen. Die Zahl der 5Vinder, die einer Erholung bedürfen, ist aber stets unendlich viel größer als die Zahl der in diesen Kolonien vorhandenen Plätze. Sehr viele Kinder bleiben also unversorgt. Ter Ausweg der Vor- und Nachkolonien hat wieder den Nachteil, dast die Kinder Wochen- und monatelang der Schule entzogen und unfähig werden, die entstandenen Lücken jemals aus- zufüllen. Alle diese Verhältnisse haben in Charlottcnburg gründliche Erwägung gefunden und zur Einrichtung der ersten Waldschule ge- führt. Der Stadtschulrat Neupert äuhert sich über die Ergebnisse sehr günstig, namentlich auch über die gute Wirkung der geringen Klassenfregucnz von 20.(Redner zitiert einzelne?lb schnitte des be- treffenden Berichts.) Auch die Schulärzte sind von den Erfolgen sehr befriedigt. Die äußere Einrichtung der Waldschule habe ich schon im Juni geschildert, die Schule wird auch von den Charlotten- burger Herren gern gezeigt. Die Kinder bleiben von früh Uhr bis Sonnenuntergang in der Schule und erhalten täglich fünf Mahl- zeiten. Die Kosten der ersten Einrichtung betrugen 21 000, die laufenden Kosten für die ersten drei BctriebSmonate 9380 M. Wir wollen mit unserer Resolution anbahnen, dgst dem guten Beispiele Charlottenburgs Berlin bald nachfolgt. Wir sind uns wohl bewußt, dast man hier kaum etwas Dümmeres tun kann, lvenn man neue Ideen zum Durchbruch bringen will, als auf das Beispiel anderer Städte hinzuweisen.(Hört! HörtI und Heiterkeit.) Trotzdem hebe ich hervor, daß Schuldeputation und Magistrat den Plan des Herrn Neupert sofort einstimmig angenommen haben, und daß die Stadtverordnetcn-Versammlung den entsprechenden Magistrats- antrag auf Bewilligung von 32 000 M. ohne Ausschustberatung votierte, so dast schon nach kaum drei Monaten die Schule mit 95 Kindern eröffnet werden konnte.(Beifall.) Stadtschulrat Gcrstenberg: Dast durch die Waldschule eine Ab nähme der Frequenz in den unteren Klassen eintreten wird, glaube ich nicht.(Zuruf: Ist ja auch nicht gesagt worden!) Wir gehen planmäßig mit der Verminderung der Frequenz in den untersten Klassen vor. Wir haben 800 Aufnahmeklassen, 700 siebente Klassen; wenn wir auch nur 10000 Kinder annehmen, die in Waldschulen untergebracht werden sollen, welche Schwierigkeiten würden da ent- stehen und wie wenig Einfluß auf die Frequenz würde das haben! Die Ferienkolonien dürfen durch die Waldschule nicht geschädigt werden. Was man in Charlottenburg machen kann, können wir in Berlin noch lange nicht.(Bewegung.) Wo soll die Waldschule hin? In den Plänterwald geht es nicht; man könnte an die Rieselgütcr oder an Buch denken. Der Gedanke der Kinderheilstätten mit städtischem Unterricht ist mindestens ebenso erwägenswert. Die Ausschustberatung wird die auch uns erwünschte Klärung bringen. Stadtv. Jacobi(A. L.): Wir geizen gewist nicht mit Mitteln, zurückgebliebene Kinder zu fördern. Die dem Antrage entgegen- stehenden Schwierigkeiten sind aber nicht zu unterschätzen. Wir halten deshalb Ausschustberatung für angezeigt. Stadtv. Ullstein(soz.-fortschr.) ist dem Antrage geneigt und be dauert die scharfe Opposition des Stadtschulrates dagegen. Stadtv. Prof. Hartman»(A. L.) verweist auf die günstigen Resultate der Betätigung der Schulärzte. Für die Walderholungs- stätten gebe die Stadt Berlin schon jetzt über 20 000 M. aus. Stadtv. Roscnow fragt, wann denn die Berichte der Schulärzte der Versammlung zugänglich gemacht werden würden. Stadtschulrat Gerstrnberg: Bisher liegt erst einer derselben dem Magistrat vor. Im Schlußwort führt Stadtv. Heimann aus, dast es ihm natürlich nicht in den Sinn gekommen sei, zu behaupten, daß durch die Einrichtung der Waldschulen die Frequenz in den Aufnahme- klaffen herabgedrückt werde. Was die Platzfrage betreffe, so liege ja auch die Charlottenburger Schule nicht auf städtischem Terrain. Buch komme tatsächlich seiner guten Luft wegen in Betracht, aber auch Tegel, Johannisthal oder die Jungfernheide. Der Antrag geht an einen Ausschust. Hierauf stellt Stadtv. Dr. Preuh einen Antrag, die Vorlage wegen der Projekte der Grossen Berliner Strassenbahn vor den nächsten 19 Gegenständen der Tagesordnung vorwegzu- nehmen. Der Magistrat hat den Schriftwechsel zwischen der Großen Berliner Straßenbahn und der Verkehrsdeputation betr. den Antrag auf Erteilung der Konzession für die Unter- nehmungen der erstcrcn und der Bcrlin-Charlottenburgcr Straßen- bahn auf die Dauer von 90 Jahren und betr. die Her- stellung von Untergrundbahnen im Zuge der Leipziger- st r a st e und der Straße Unter den Linden zur Kenntnis unterbreitet. Wir haben das bez. Material in der Sonntags- nummer vollständig veröffentlicht. Am 9. Oktober hat inzwischen die Direktion der„Großen" der Vcrkchrsdeputation geantwortet, dast sie die rechtlichen Schluhfolgerungen der letzteren aus den be- stehenden Verträgen nach wie vor als unzutreffend bezeichnen müsse; die Absicht, der Stadtgemxinde den Betrieb von Ende 1919 an als städtisches Unternehmen �u ermöglichen, sei nie zu erkennen gegeben worden, denn sie habe nee bestanden. Die„Große" vermöge daher das verlangte Anerkenntnis(daß die Stadt zu diesem Zeitpunkt daS Unternehmen in eigenen Betrieb zu nehmen berechtigt sei) nicht auszusprechen.— Gleichzeitig teilt sie mit, sie habe dem Schreiben der Deputation„mit Interesse entnommen, daß die geehrte Ver- kehrsdeputation gern bereit sein würde, die beabsichtigten Um- gestaltungen unserer Unternehmungen nach Möglichkeit zu fördern. falls sich nach Prüfung der— inzwischen übersandten— Pläne ihre Nützlichkeit und Ausführbarkeit ergeben sollte". Stadtv. Preuss meint, die Beratung sollte heute noch erledigt werden, wozu keine Aussicht sei, wenn man in der Tagesordnung fortfahre. In der Bürgerschaft sei die Ansicht verbreitet, dast in dieser Angelegenheit die Versammlung überhaupt zu wenig sich habe vernehmen lassen. Stadtv. Cassel: Die Erörterung des Gegenstandes soll und muß mit aller Gründlichkeit erfolgen; dagegen ist es durchaus unrichtig, daß es Eile hat, die Beratung heute vorzunehmen. Eine Ver- 'ögerung entsteht in keiner Weise, wenn die Verhandlung einen ufschub von 8 Tagen erleidet. Wie diese Versammlung zu dem Schreiben der Vcrkchrsdeputation steht, darüber wird niemand einen Zweifel haben. Die Klage im Publikum geht auch nicht dahin, daß hier in der Frage zu wenig verhandelt worden ist, sondern dahin, daß hier nicht zeitiger Beschlüsse gefaßt worden sind. Nach unerheblicher weiterer Debatte beschließt die Versamm- lung, in der Reihenfolge der Tagesordnung fortzufahren und nimmt schließlich einen Antrag an, wonach die Strastenbahn-Angelegcnheit für heute abgesetzt wird. Zur Entlastung des Blücherplatzes und der Bellealliance-Brücke soll zwischen Mittenwaldcr- und Alexandrinen- st r a st e eine geradlinige Verbindung von der B I ü ch e r- zur Johanniter st raste geschaffen und die Festsetzung der Fluchtlinien tunlichst beschleunigt werden. Die Versammlung stimmt zu. Nachdem ohne Diskussion eine weitere lange Reihe kleinerer Vorlagen angenommen sind, schließt die öffentliche Sitzung um 8 Uhr._ Hus der Partei. Eine HauSagitation unternahm am Sonntag der sozialdemo- kratische Verein in Breslau. Die Genossen suchten straßenweise die Abonnenten der„Volk-wacht" auf, die noch nicht organisiert waren, um ihnen die Notwendigkeit der politischen Organisation klarzulegen. Diese Tätigkeit war auch insofern von Erfolg gekrönt, als 523 neue Mitglieder gewonnen wurden. Die Augsburger Genossen haben beschlosscu, sich an der dies- maligen Gemeindewahl zu beteiligen. Nachdem bei der letzten Gemeindewahl die Genossen sich ivegen zu geringer Aussicht auf Erfolg an der Wahl nicht beteiligt hatten, erscheint diesmal ein Erfolg nicht ausgeschlossen, nachdem das liberale Stadtregiment die Gebühr für Erwerbung des Wahlrechtes ein klein ivenig er- mästigt hat. Zur Taktik der amerikanischen Sozialdemokratie. Seit einigen Monaten wird innerhalb der sozialistischen Partei eine heftige Polemik über die bei Wahlen einzuschlagende Taktik geführt. Viktor Berger, Redakteur des„Socialdemokratie Herald" von Milwauke, war bei einer lokalen Wahl für den republikanischen Kandidaten ein- getreten. Berger wurde hierauf aus dem Nationalkomitce der Part«: (Parteivorstand), dessen Mitglied er war, ausgeschlossen. Nach heftigen Auseinandersetzungen hat nun eine Urabstimmung stattgefunden über folgende zwei Fragen: Soll Berger aus dem Nationalkomitee aus- geschlossen tverden? und: Sollen die Parteigenossen von Wisconsin ans der allgemeinen Partei-Organisation ausgeschlossen bleiben, bis sie sich den allgeniein geltenden Grundsätzen bezüglich der Organi- sation sc. gefügt haben? Die erste Frage wurde mit 4718 gegen 4215 Stimmen verneint, die zlveite mit 4518 gegen 4496 Stimmen bejaht. Die Genossen von Wisconsin haben selbst an der Ab- stinimung teilgenonnnen und in beiden Fällen zirka 1000 Stimmen zu Bergers und ihren Gunsten in die Wagschale geworfen. An der Abstimmung nahmen zirka 60 Prozent teil. Die Partei-Organisation von Wisconsin hat gegen die Abstimmung Protest eingelegt, weil diese dem Statut widerspreche. Ein treuer Genosse und eifriger Getvcrkschaftler ist vorige Woche in Köln in der Person des Hutmachers Wilhelm K i n z e l zu Grabe getragen worden. Dienäheren Umstände des Tode? des Genossen Kinzel scheinen uns eine schlvere Anklage gegen die Kölner Polizei zu ent- halten, die leicht geneigt ist, aus der Straße plötzlich Erkrankte mit Betrunkenen zu verwechseln. Ein Freund und Kollege des Ver- storbenen teilt unserem Kölner Parteiblatt über diesen Fall folgendes mit: „Am Sonntag früh gegen 6 Uhr schickte die Frau meines Kollegen Kinzel zwei ihrer Kinder in meine Wohnung und ließ fragen, ob ich nicht wisse, wo ihr Mann geblieben sei; er sei diese Nacht nicht nach Hause gekommen. Für mich stand sofort fest, daß Kinzel entweder ein Unglück zugestoßen oder er überfallen worden sei, da er stets ein solider und pünktlicher Mensch und zu Ausschreitungen durchaus nicht veranlagt war. Kurz nach 9 Uhr erfuhr ich auf dem Polizeipräsidium auf meine Nachfrage und nachdem ich das Portemonnaie Kinzels, das nach meiner Schätzung etwa 80 bis 100 M. an vereinnahmten Vereinsgeldcrn enthalten haben mußte, und den vorgelegten Schlüsselbund gesehen hatte, daß Kinzel die Nacht auf dem Präsidium zugebracht hatte. Gleichzeitig wurde mir dort mitgeteilt, daß der Ge>uchte soeben ins Augustahospital übergeführt lvorden sei. Im Augusta-Hospital fand ich Kinzel noch vollständig ohne Bewußtsein im Bette liegend, und der diensttuende Arzt er- klärte mir, Kinzel sei gerade ins Hospital eingebracht lvorden, er sei dem Polizeipräsidium als total betrunken auf der Straße auf- gefunden übergeben worden. Nach einer ziemlich eingehenden Unter- suchung konstatierte der Arzt Gehirnschlag. Ich protestierte natürlich sofort dagegen, daß Kinzel betrunken gewesen sein könne. Der Arzt erklärte jedoch, er könne nichts anderes sagen, als was ihm initgeteilt lvorden sei. Weitere Untersuchungen ergaben aber, daß sich kein Alkohol im Körper des Patienten befand. Der Sachverhalt ist nun folgender: Kinzel verließ am Sonn- abend gegen halb 10 Uhr, nachdem er als Kassierer des Zentral- Vereins deutscher Hutarbeiter seine Kassenstunde beendet hatte, das Lokal zur Glocke auf dem Waidmarkt, um nach Haufe zu gehen. Alkoholische Getränke hatte er nicht genossen! Weit ist er nicht ge- gange», denn an der Ecke der Hohepforte und Agrippastraße ereilte ihn schon das Unglück, und trotzdem er seinen Kollegenkreis in völlig nüchternem Zustande verlasseii hatte, wurde er als total Betrunkener den, Polizeipräsidium übergeben, als solcher bis zum anderen Morgen liegen gelassen und dann erst, da er noch nicht zum Bewußtsein gekommen— i» welchem Zustande er auch, nebenbei bemerkt, ver- blieb, bis er in der Nacht vom DieiiZtag zun, Mittwoch seinen Geist aufgab— ins Hospital gebracht. Es ist dies jedenfalls eine Hand- lnngsweise, � die scharf gerügt werden muß und die Polizei schwer belastet. Wäre hier zeitig genug ärztliche Hülfe zur Stelle gewesen, eS wäre fraglich, ob dies Mißgeschick zu einem so schnellen und traurigen Ende geführt und die Familie in so großes Elend ge- kommen wäre. Hierbei ist noch weiter zu erwähnen, daß Kinzel mehrere Legitimationen über seine Person bei sich führte, aber weder auf dem Präsidium noch im Hospital fand man es der Mühe wert, danach zu sehen, man nahm ihm lediglich Geld und Schlüssel ab." pollzcillchcs, Gerlchtlicbcs uss». Echt sächsisch. Aus dem sächsischen Versammlungsleben wird wieder ein originelles Stückchen bekannt. Im Schützenhause zu Annaberg sollte eine Buchbindereiarbeiter-Versammluug statt- finden. Als die Versammlungsbesucher erschienen, war im Saale noch inchts vorgerichtet, auch kalt war es, da nicht geheizt worden war. DaS Versäumte wurde nachgeholt, auch ein Ofen geheizt. Etwa zehn Minuten vor der zum Beginn der Versammlung angesetzten Zeit erschien der zur Ueberlvachung beorderte Beamte. Er fand die Temperatur im Saale zu ungemütlich und erklärte dem Einberufer und dem als Referenten anwesenden Gauleiter für Sachsen vom deutschen Buchbinderverband, es sei zu kalt im Saale, da könne er nicht schreiben. Es wurde der Vorschlag gemacht, den Beginn der Versammlung um eine halbe Stunde hinauszuschieben; ivährend dieser Zeit könne auch der zweite Ofen geheizt tverden. Darauf ging aber der Beamte nicht ein. Er sagte kurz, er lasse die Versammlung nicht stattfinden(!) und wenn doch versucht würde, die Versaniinlung stattfinden zu lassen,� so werde er sie einfach auf- lösen(!!). Die Versammlung konnie nicht abgehalten tverden. Was ist da weiter dabei. Wenn den lleberwachenden friert, wird die Bersammlmig einfach verboten. Das ist eben einfach sächsisch! Hus Industrie und Ftandel. Kaiionenfadrikatioo. Die Beendigung des rnssisch-japanischen Krieges und der durch sie entfachte Eifer für Neurüstungen hat den Kruppschen Werken große Aufträge eingebracht. Die Gußstahlfabrik in Essen ist äugen- itlicklich mit so reichlichen Aufträgen versehen, daß der Betrieb«och «!e flotter gmg. Auch in der ersten großen Aufschlvungsperiode der Firma, in den Jahren nach dem deutsch-franzvsischen Kriege, war der Geschäftsgang nicht reger als jetzt. Nach der Aufnahme vom l._ April 1904 betrug die Gesamtzahl der auf allen der Firma Krupp gehörigen Werken tätigen Arbeiter und Beamten 45 289; cmt 1. April 1905 ivar die Zahl 55 816, Davon waren auf dem Hauptwerl in Essen 29 903 beschäftigt, gegen 23 041 im Vorjahre, Wöchentlich werden in dem Kanonenressort an 2 oder 3 Tagen je einige Ueberstunden gemacht. In den Hammer- und Walzwerken ist allgemein Doppelschicht mit verstärkter Belegung eingeführt. Die Aufträge an Kriegsmaterial sind so erheblich eingelaufen und müssen auch wohl noch derart umfangreiche Bestellungen in Aussicht gestellt sein, daß d i e E r richtung einer neuen Kanonenwerkstatt geplant wird. In dem Kanonenressort herrscht Mangel an Spezialarbeitern, Der Bedarf an Hülfsarbeitern kann durch den Zentralarbeitsnachweis des Etablissements reichlich gedeckt werden, Die Firma Krupp hat sich als eine der ersten die Vorteile des kombinierten Betriebes zunutze gemacht. Seit 1863 besitzt sie eigene Gruben und Hochöfen i die große Kohlenzeche„Hannover" bei Gelsenkirchen mit etwa 4000 Arbeitern erwarb Krupp 1868, Das Martinverfahren führte die Firma 1869 ein, 1889 kaufte sie die Kohlenzeche„Sülzer und Neuack" mit guter Kokskohle. 1892 gliederte sich das Grusonwcrk bei Magdeburg der Gußstahlfabrik an. womit eine bedeutende Anlage für die Wcitervcrarbreitung und Fertig- fabrikation gewonnen wurde, 1896 kam die Schiffswerft und Maschiuenbau-Aiistalt„Germania", Berlin und Kiel, hinzu: damit wurde Krupp unabhängig von den Schiffbau-Anstalten und trat in die Reihe der großen Schiffbauer ein. Nachher ist noch das große Hochofenwerk„Rheinhausen" errichtet worden, das seit 1904 zu einem modernen Stahl- und Walzwerk ausgebaut ist und vier der größten Hochösen besitzt. Zu der Gußstahlfabrik, dem Mutterwcrk, gehören jetzt drei Kohlenzechen im Ruhrgebiet, zahlreiche Eiseustenigruben in Siegen-Nassau, Lothringen und in Spanien, Kalkstein- und Dolomitgruben am Mittelrhein, vier Hüttenwerke mit Hochöfen, Bessemer-, Thoinas-, Martin- und Siemensöfeu, Eisengießereien, Walzwerken und Maschinenbau- abteilungen in Rheinlaiid-Westfalen: ferner die Maschinenbau- und Schiffsbauwerke in Magdeburg, Kiel, Berlin, Die Firma Krupp hat sich so gut wie unabhängig von den Rohstofflieferanten gemacht; in ihren Werken wird das eigene Erz verarbeitet bis zum restlos vollendeten Fertigfabrikat, In den Kruppschen Werken ist die zur- zeit vollkommenste Gestalt eines gemischten kombinierten Betriebes erreicht._ Tie Maschinenbananstalt Humboldt in Kalk bei Köln schließt ihr Geschäftsjahr 1904/05 mit einem guten Ergebnis ab. Der in der gestrigen Aufsichtsratssitzung vorgelegte Abschluß weist einen Bctriebsgewinn von 1 898 196 M. gegen 1 673 460 M. im Vorjahre auf. Nach Bestreitung der Unkosten sowie Abschreibungen in Höhe von 402109(390103) M. verbleibt ein Reingewinn von 868 062 (452 041) M. Es wird eine Dividende von 7 Proz.(i. V. 5 Proz.) verteilt. Außerdem wurde beschlossen, eine Erhöhung des Aktienkapitals um nominal 4 300 000 M. durch Ausgabe von ab 1. Juli 1905 dividendenberechtigtcn Aktien vorzuschlagen, von welchen den Aktionären durch Vermittelung des A. Schaaffhauscnschcn Bank- Vereins etwa 4 000 000 M. zufallen. Die Verhaiidlungen über den»nie» russischen Ricscnpuinp, die die bisher in Petersburg stattfanden, haben noch mimer zu keinem Ergebnis geführt und sollen deshalb in Paris fortgesetzt werden. Wie die„Franks. Ztg." aus Petersburg meldet, handelt eS sich um eine 4prozentige Anleihe von 2 Milliarden Frank, Hiervon sollte anfänglich Frankreich 1200 Millionen übernehmen, jedoch sei von der französischen Regierung der Wunsch ausgesprochen ivorden, den Be- trag auf 900 Millionen Frank herabzusetzen. Von derselben Seite wünschte nian auch die Zurückzahlung der seinerzeit in Deutschland begebenen Schatzscheine inr Betrage von 300 Millionen Mark, Der Restbetrag der ganzen Anleihe würde auf Deutschland, Holland, Eng- land und Amerika entfallen. An Stelle von Rothschild solle das Bank- haus Daring BrotherS in London in das Uebernahme-Konsortium eintreten und an Stelle von Lippmann Rosenthal u. Co, in Amster- dam die Firma Hope u. Co. In Amerika würde Morgan an der Emission teilnehmen. Vorläufig gehen die Ansichten über die Modalitäten der Anleihe-Emission noch weit auseinander. Man beabsichtigt, für die verschiedenen Länder verschiedenartige Bedingungen fest- zusetzen, damit nicht wieder besonders Amerika und England die dort gezeichneten Beträge auf andere Länder abschieben können. Die deutschen, holländischen und englischen Beteiligten möchten die Emission wegen der schwierigen Geldverhältnisse bis Januar der- schieben, während die französische Gnippe für sofortige Subskription ist. Es sei, heißt eS in der Meldung der„Franks, Ztg.", leicht möglich, daß sich die Besprechungen noch in die Länge ziehen werden, wodurch sich naturgemäß der gegenwärtige Stand der Verhandlungen verändern könnte, Nene japanische Anleihe. Auch Japan sucht, wie schon seit längerer Zeit bekannt ist, eine neue Anleihe aufzunehmen, und zwar sollen nach einer Londoner Meldung die Verhandlungen bereits so weit gediehen sein, daß der Abschluß bevorsteht, wenn er nicht gar schon erfolgt ist. Wie der„Franks. Ztg." berichtet wird, steht an der Spitze des intörnationalcn Bankenkonsortiums, das die Anleihe auflegt, das Londoner Haus Rothschild. Auch der Brüsseler „Moniteur des Jntcrcts" nennt als führende Firmen die Häuser Rothschild in London und Paris. Ferner sollen vornehmlich die Hongkong and Shanghai Banking Corporation, die Parr's and Alliance Bank und die Yokohama and Specic Bank beteiligt sein. Wie hoch sich die neue Anleihe stellt, ist noch nicht bekannt, niedrig wird jedoch die Summe kaum sein. Zum mindesten wird sie auf 30 Millionen Pfund Sterling(zirka 600 Millionen Mark) der- anschlagt. Die Schuldenlast Japans schwillt dadurch immer mehr an.' Sie beträgt ohnehin schon 1870 Millionen Den(ungefähr 3927 Millionen Mark) und zu ihrer Verzinsung sind jährlich über 200 Millionen Mark erforderlich. Da trotz der in den letzten Jahren eingeführten Monopole die Jahrcseinnahmen Japans nur zirka 300 Millionen Jen betragen, hat also schon jetzt Japan fast ein Drittel seiner Reichseinnahmen für den Zinsendicnst aufzuwenden. Indiens Baumwollernte. Nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika haben sich die Aussichten der Baumwollernte wesentlich günstiger gestaltet, auch in Indien rechnet man mit einem guten Er- trag. Der Direktor der Abteilung für Landwirtschaft in den Zentral- Provinzen erhofft für dieses Jahr eine sehr ergiebige Baumwoll- ernte. Man berechnet, daß dieses Jahr 8 Proz, mehr Land mit Baumwolle bepflanzt worden sind, als im vorigen Jahr. Das späte Einsetzen des Monsuns hat zur Folge gehabt, daß die Aussaat später als sonst stattgefunden bat, im übrigen sind jedoch die Aus- sichten gute._ GcwerkfchaftUcbea. „Christlich-nationale" Arbeiterführer. Ter neugewählte ReichstagZ-Abgeorduete für Essen, Herr Giesberts, hatte sich in seinen Wahlreden mächtig ge- rühmt als prinzipieller Freund und praktischer Förderer der Tarifverträge. Unser Genosse H u e teilte darauf mit, die „Westdeutsche Arbeiterzeitung" des Herrn Giesberts sei bis >1900 von unorganisierten Setzern in einer tarif- widrigen Druckerei hergestellt worden, obgleich Giesberts in feiner Zeitung schon vor 1900 den Buchdrucker-Tarif als nach- ahmenswert und unterstiitzungswert gerühmt habe. Herr Giesberts stritt diese Darstellung nicht nur ab und nannte Genossen Hue einen„Liigner", sondern bestellte sich auch ein „Oeffentliches Dankschreiben" von dem Setzerpcrsonal der .„Westd, Arbeiterzeitung" des Inhalts: Giesberts sei stets ein cisxiger Tariffreund gewesen, was Hue behaupte, sei unwahr. Diesem Dementi hat nun die Versammlung des Ori Vereins M.-Gladbach, Verband der deutschen Buchdrucker, einen kalten Wasserstrahl folgen lassen. In der Buchdruckerversamm lung wurde konstatiert, daß nicht etwa schon 1900, wie Hue angenommen, sondern erst ab 190Z die Druckerei des Gies bertschen Organs den Buchdrucker-Tarif anerkannt hat! Also hat Herr Giesberts noch zwei Jahre länger den„unentwegten Befürworter des Buchdrucker-Tarifs und den unerbittlichen Kritiker der tarifwidrigen Druckereien gespielt, obgleich ihm bekannt war, daß sein eigenes Blatt tarifwidrig hergestellt wurde. Die M.-Gladbacher Buchdruckerverjammlung beschloß folgende Resolution: „Die heutige Versammlung des Ortsvcreins M,-Gladbach des Deutschen Buchdrucker-Verbandes hält die von Herrn Hue aufgestellte Behauptung, daß die„Westdeutsche Arbeiterzeitung seinerzeit(bis zum Jahre 1902) in einer nicht tariftreuen Druckerei von Nichtorganisierten Gehülfcn hergestellt wurde, voll- ständig als der Wahrheit durchaus entsprechend, aufrecht: sie er- klärt sich mit der von neun Kollegen der„Westd, Arbeiterztg." abgegebenen, in der„Essener Volksztg." veröffentlichten Eo Ilärung nicht nur nicht einverstanden, sondern verurteilt dieselbe ganz entschieden," Damit ist Herrn Giesberts attestiert, daß er wissentlich die Unwahrheit verbreitet und Personen der„Lüge" bezichtigt hat, die die Wahrheit sagten. Giesberts ist ein waschechter Zenirumsmann. Ein noch schöneres Früchtchen„christlich-nationaler" Ar- beitererziehung ist der Z e n t r u m s- A b g e o r d n e t e A. B r u st, bis vor dreiviertel Jahren Vorsitzender dt „Gesamtverbandes christlicher Gewerkschaften Teutschlands". Dieser Mustermensch ist bekanntlich plötzlich als Vorsitzender des christlichen Bergarbeitergewerkvereins abgesägt worden. Die Generalversammlung des Gewerkvereins setzte ihm über raschenderweise 1300 Mark Jahrespension aus, ohne daß dies in den Gesundheits- oder Vermögensverhältnissen begründet wäre. Jetzt koinmt heraus, warum Brust die 1500 Mark erhält. Der durch den Generalstreik bekannt gewordene christ liche Gewerkvcrcinssekretär Effert hat nämlich erklärt: „Brust bekommt das Geld, solange er den Mund hält!" Worüber Brust den Mund halten soll, hat er angedeutet in einer internen Versammlung von Gewerkvereinsmitgliedern; hier sagte Brust gegenüber den Vorwürfen, die ihm wegen seiner Vereinsführung gemacht wurden: „Sie dürfen nicht glauben, das- ich die von mir geschaffene Schöpfung(!) so leicht verlasse. Ich habe auch Minen gelegt, die zur gegebenen Zeit platzen werden!!!... „Wenn ich reden will, ich habe Briefe von vor zehn Jahren, die ich als Waffe benutzen kann.(!!!) Aber schweigen wir' lieber davon im Interesse des Gewerkvercins." Das läßt tief blicken. Ohne Zweifel wird Brust manchen Beitrag liefern können zur Naturgeschichte der Arbeiterpolitik des Zentrums. Da er aber nun 1500 Mark bekommen, wird er wohl dafür den Mund halten, Welche sittliche Höhe die„christlich-nationalcn" Arbeiter- führer erkletterten, erhellt die Ausplaudernng eines anderen christlichen Bergarbeiterführers, der Herrn Brust vorwarf: er habe gesagt:„Ein Arbeiterführer darf nie- mals die Wahrheit sagen, auch wenn er u n- recht hat!!!" Brust erwiderte, mit diesem Sittenkodex müßten seine Ankläger doch wohl nicht unzufrieden gewesen sein, denn sie hätten ihm(Brust) vor wenig Monaten noch Gehaltserhöhung angeboten! Das ist ja eine saubere Sipp- schaft. Diese Enthüllung erlangt aber erst die rechte Be- deutung für die Oeffentlichkeit, indem ferner herauskommt, daß Brust gegangen wurde, weil sein„Ton" zu rauh sei. Darauf verteidigte sich Brust mit folgenden klassischen Worten: „Ter To», den ich im„Bergknappen"(Organ der christl. Bergleute) schrieb, ist nötig, um die christlichen Arbeiter von der Sozialdemokratie fernzuhalten. Wenn die Sozialdemokraten nicht so geschildert werden, dann gehen die christlichen Arbeiter über zur Sozialdemokratie.511 »raubaus. Alien Kottbnser - Wielom fichlt H. nrosc. Nauniitt- strastc 07. Amt IV. 3444.» engros □ □ Diese hervorrajcende Sumatra- Zigarre □ □| kostet pro IOD Stttek SlS 5 Wik."�SÄiSirWSMStÄK� Bewilhrte Qnalitttten für Konsnm- nnd Kaniinen-Ktvecke. Reinhard Hellmich tngros-uger Berlin V. 64 ——• Kein I-aden.— P.iniganK im Flur reclits.— Kein Traden. Behrenstraße 52. inaiien FTWGv Preislagen. K.Weidner, Jfutmacher Dresduerstr.lOO�Xettr. Stuhlflecht- röhr in vorzüglicher Orualität. 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M., in der Expedition des.Offenburger e'�endblatieS' eingegangen 23,4t. Forst i L.> gesammelt m der©cschaii�totle der»Mark. Volksstimme" 210,—. Breslau, gesammelt dura) die Redaktion der„Volkswachl", 12. Rate 100,—. Haniburg, eingegangen in der Expedition des„Hamburger Echo", 2. Rate 3000,—. .Runden, durch die„Münchener Post" S6,9ö. Stuttgart, gesammelt von der Expedition der„Schwäbischen Tagwacht" 500,—. Berlin, Sammlungen der Wahlkreise: Zweiter Kreis, Listen: 15702 15708 4,70; 15709 7,85; 15710 11,25; 15711 0,50; 15712 3,50; 15715 7,70; 15717 3,75; 15718 5,20; 15719 16,—; 15731 8,70; 15785 7,05; 15737 4,40; 15740 5.—; 15741 9,25; 15746 6,26; 15748 7,70; 15749 Buch- druckerei H. S. 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Mai u. Co.. 3. Rate 8,05; Werkstatt Friedrich. Fruchtstr. 30 20,-). S e ch st e r K r c i S. 2023,55. Moabit: Listen 5541 1,30; 5542 4,45; 5544 2,20; 5571 5,05; 5572 3,70; 5650 4,45; 5651 31,50; 5657 7,10; 5653 2,50; 5697 11,40; 5706 2,90; 5708 5.—; 5711 5,75; 5712 1,20; 5714 11,—; 5715 4,50; 6740 4,85; 5750 4,70; 5760 2,30; 5762 3,70; 5803 8,10; 5833 David u. Grave, Charlottenburg 16,75; 5834 11,50; 5839 13,70; 5860 2,—; 5863 18,50; 5881 5,30; 5891 15,35; 5892 10,95; 5900 6,70. Oranienburger Vorstadt: Listen 4514 3,55; 4525 0,95; 4529 3,25; 4530 31,80; 4596 4,60; 4597 1,75; 4604 1,25; 4607 13,75; 4608 5,90; 4612 6,35; 4619 7.35; 4685 6.-; 4712 1.—; 4744 4,50; 4795 1,75; 4808 2,40; 4594 1,50; 4595 3,55; 4714 7; 4719 3,25. Rosentbaler Vorstadt: Listen 4033 0,75; 4066 4,15; 4064 5,—; 4074 durch Buricke 3,50; 4111 7.30; 4113 9,20; 4114 1,25; 4137 1.—; 4149 4,85; 4202 1,20; 4207 1,20; 4214 4,55; 4215 von den Maurern Bau Held u. Franke, Spandauerstr. 9 15,80; 4239 2,50; 4240 9,90; 4241 0,80; 4251 8,25; 4274 1,50; 4233 1,—; 4308 9,15; 4316 durch Peetze 3,60; 4333 2,—; 4346 12,95; 4348 5,60; 4363 4,50; 4364 9,15; 4368 6,95; 4376 21,35. Gesundbrunnen: Listen 3005 8,45; 3015—,50; 3018 1,75; 3033 3,60; 3044 2,30; 3050 5,55; 3146 4,90; 3151 7,—; 3153 1,26; 3161 3,70; 3162 2,50; 3163 15,60; 3169 12,25; 3172 2,90; 3173 5,60; 3198 9,75; 3201 2,45; 3202 6,20; 3221 22,70; 3222 3,30; 3223 22,85; 3224 2,45; 3252 14,40; 3253 6,15; 3254 2,20; 3263 8,95; 3273 17,40; 3274 2,70; 3283 19,20; 3300 2,70; 3301 1,—; 3315 5,85; 3316 1,90; 3318 2,90; 3320 2,95; 3328 8,10; 3332 0,80; 3334 2,40; 3338 5,95; 3341 1,95; 3343 8,80; 3344 4,—; 3345 0,75; 3356 0,60; 3358 5,80; 3368 1,80; 3370 3,85; 3379 10-; 3385 3.50; 3389 1,—; 3392 1,50; 3393 4,70; 3391 2,50; 3396 4,50: 3400 1,05; 3402 2,40; 3404 1,50; 3466 2,10; 3467 4,16; 3477 0,85; 3478 8,50; 3479 1,75; 6601 12,15; 6602 7,25; 6603 7,10; 6601 6,55; 6612 3,95; 6616 1,—; 6618 9,60; 6619 8,50: 6620 10,90; 6222 2,65; 6625 13,—; 6816 12,10: 6843 23,25; 6777 Abt. Schwittau 11,30; 6778 desgl. 15,80; 6998 Abt. Horn 2,45; 6949 Abt. Krause 3,35; 6980 Abt. SchibuS 1,85; 6982 Abt. Giefferei 9,30; 6934 Abt. Priebc 1705; 6972 Abt. Stommel 10,60. Schönhauser Vorstadt: Listen 3542 2,75; 3546 10,05; 3547 7.—; 3560 3,35; 3567 3,30; 3592 4,70; 3594 5,50; 8597 5,05; 3598 5,35; 3599 4,50; 3627 5,05; 3629 Generalversammlung in Gotha durch Fabig- Berlin 9.50; 3656 1,60; 3658 2,05; 3659 1,65; 3660 2,20; 3661 1,60; 3662 1,70; 3663 4,85; 3665 9,70; 3667 2,30; 3668 3,90; 3670 4,20; 3672 4,70; 3674 4,30; 3675 8,85; 3699 14.20; 3700 1,20; 3704 3.—; 3733 1.—; 3746 5,25; 3742 6,15; 3743 2,50; 3744 4,05; 3745 1,70; 3756 2,85; 3757 12,—; 3758 0.50; 3760 4,30; 3781 2,20; 3783 1,—; 3785 0,80; 3901 0,73; 3923 2,95; 3924 1,40; 3925 1,05; 3930 2,45; 3940 5,50; 3955 1,80; 3957 durch Puschcl 11,10; 3960 1,30; 3963 Scholz U. Jost 9,35; 3976 2,30; 3977 5,10; 3979 5,75; 3981 2.—; 3988 4,55; 3990 7,55; 3992 2,85; 3998 0,40; 6403 2,10; 6408 7,65; 6409 4,50; 6427 4,65; 6428 5,05; 6449 7,50 I 6013 3,40; 6035 3,20; 6042 3,85; 6043 11,95; 6054 ges. d. Max Laut 13,30; 6071 0,50; 6078 5.20; 6109 3,40; 6144 2,50; 6150 3,80; 6197 1.—; 6224 1,95; 6232 3.65; 6271 1,50; 6289 2,90; 6290 18.50; 6294 8,65; 6297 5,40; 6300 1,40; 6314 2,70; 6316 4,65. W ed din a: Listen 5017 1,70; 6056 1,—; 5075 1,50; 5081 3,60; 5101 2,50; 5103 5,55; 5106 6,10; 5109 10,70; 5120 9,20; 5138 2,75; 5139 1,—; 5140 6,15; 5169 0,85; 5184 2,—; 5186 8,25; 5191 2,40; 5193 4,75; 5195 9,70; 5196 0,50; 5197 1.75; 5212 7,45; 5231 1,20; 5235 7,30; 5237 9,60; 5238 7,30; 5239 4,75; 5242 3,65; 5248 0,75; 5250 0,25; 5262 3,45; 5270 9,50; 5273 7,10; 5281 6,55; 5282 10,90; 5284 1,10; 5285 1,65; 5290 3,80; 6293 3,—; 5297 3,95; 5298 2,05; 5305 5,40; 5310 4,90; 5314-7,15; 6382 3,70; 5385 8,30; 5391 3,95; 5395 2,20; 5396 2,30; 5397 2,50; 5102 5,10; 5405 1,45; 5406 3,25; 5419 4,20; 5425 2,-; 5130 2,50; 5431 1,—; 5432 1,50; 5433 von den Kollegen der Firma Gebrüder Bolzaui 17,65; 5434 7,95; 5435 11,75; 5440 15,75- 5441 3,85; 5446 10,—; 5479 1,50; 5481 14.40; 5495 6,75; 5498 5,70; 7015 4,15; 7016 5,65; 7017 4,—; 7051 5,20; 7060 5,50. A. E.. G., Brunnenstraffe: Listen 6703 Abtetlung Lehmann 2,45; 6758 Mi. P riebe 14,35; 6755 Abt. Steffen 5,80; 6754 desgl. 5,05; 6930 desgL 4,90; 6947 Abt. Pietsch 9,55; 6769 Abt. Tbicdemann 10,70; 6942 Abt. Schurig 15,90; 6964'Abt. Daffdors 4,95; 6967 Abt. Scharnow 7,85; 6966 Abt. Kienscherpcr 6,35; 6963 Abt. Franz 6,90; 6962 Abt. Wernicke 18,95; 6965 Ab,. Becker 18,40; 6975 Abt. Nahrstcdt 15,-; 6721 Abt. Kühn 3,15; 6798 deSgl. 12,45; 6928 Abt. Horn 3,70; 6926 Abt. Jänicke(Ml.> 6,25: 6997 desgl. 4.40; 6927 desgl. 6.45; 6986 Abt. PoheliuS 14,75; 6587 Abt. Handröck 6.25; 6760 Abt. Thicme 3.20; 6761 desgl. 4,55; 6780 Abt. Corth 15.35; 6779 Abt. Kirstcin 9,80; 6776 Abt. Schwittau 12,60; 6713 deSgl. 4,25; 6925 Abt. Müller 6,95. Wahlkreis Teltow- Charlottenburg, Zentral- Wahtocrein. aus Listen und Einzrlbeiträge: 1663,30(darunter Zehleudors aus Listen 26,25; Grünau aus Listen 15,85; Rixdors aus Listen 560,50, Bau Lcipztgerstr. 10 Zerler 12,40, deSgl. 6.85.- Tischlerei W. Gien 12,25, Ges. d. Schuck 6,—, Summa 600,—; Rixdors Wahlverein 100,—; Steglitz aus Listen 116,65; Wannsee aus Listen 24,50; Königswusterhausen aus Listen 51,10; Rudow aus Listen 21,95; Wilinersdors auf Listen 104,50, Putzer Bau Kriegsakademie 11,50, Schwciduitzer Paulsbornerswaffe Bau Martens u. Sohn 20,95, Tellcrsammluug v. 8. 8. 05 9.85, Summa 146,80; Schöncverg aus Listen 515,55, Tischlerei A. Stavenow, 4. Rate 10.25, Buch- druckerei Kettenbeil, 1. Rate 11,75, desgl. 2. Rate 8,10, Buchdruckerei Schoiem 13,75, Tglographen ges. d. P. Franke 5,80, Summa 565,20; bereits abgeliesert 1616,75, im ganzen 3285,05.) Berlin, diverse: Klempner Mar 1,—. Vergolder von Raschig, 5. Rate 6,20. Durch Oesterle 10,—. Von den Kollegen der Firma Ehstädt u. Robert, Brandenburgstr. 35 10.20. Möbelsabrtk Otto u. Co, Elbingersir., 2. Rate 12,—. Sechserkasse Herm. Feye u. Co. 5,—. Franz Henschel 1,—. Nich. Henschel 0,50. Druckereihülfsarb. deä„Vorwärts", Abt, RotationSsaal, 10.—. Gesangverein Seneseider 25,—. Bereinigte Gesang- u. Sparvercine i. d.„Reuen Welt" 11,77. Ges. am 27. Sept. bei einer roten Hochzeit 6,10. I. M. 1,—. i!es Jornirls" Sonstige Eingänge: Luckenwalde durch Emil Scharschmidt 81,65. Torgelow, O. I. 3,—. Schwarzenbach a. S., sozialdemokr. Verein 10,— Stendal, vom Wahlverein 39,—. M.-Gladbach, ges. d. d. sozial- dcmokr. Wahlverein Filiale M.-G. 43,60. Bunzlau t. Schl., Wahlverein Bunzlau-Lübcn 20,—. Freiburg i. Br., sozialdemokr. Verein 20,—. Meißen, Orlsgruppe M. der Parteigenossenschast d. 7. sächs. RelchStagswahlkreises 100.—. Hamburg-AIiona-Otiensen, aus Listen gesammelt 5000,—. West- licheS Westjalen durch König, Dortmund, t. Rate 1000,—. Elbing, sozialist. Aibeiter ihren Brüdern im Zarenreiche 2. Rate 20,—. Horstermarl(Kr. Rccklinghausen i. W.), v. Parteigenossen durch Sch., Bachum, 13,88. Johannistbal b. Berlin, Laubenoerein Transvaal 10,—. Tolulsa(Mexiko), deutsche Glasarbeiter(durch den Zentralvcrband der Glasarbeiter) 100,—. Mitterteich, vom sozialdemolratischen Verein 10,—. Aachen, durch P. C. 50. Ichwikbus, v. d. Schw. Parteigenossen ges. durch d. Zentralwahlverein des Kreises Züllichau-Schiviebus 61,60. Stett!n, Zenlralverband der Maurer, tweigverein St. 100,—. Züllichow, v. Verband d. Hülssarbelter, Zahlstelle . 50,—. Randow- Krcifcnhageii Wahlkreis aus Listen ges. 90.85. Trier, gesammelt v. Parteigenossen 5,—. Witlenberge, d. d. Kreisvertrauensmann aus Listen ges. 51,30. Hann.-Münden, aus Listen gesammelt, übei-sandt durch F. A. 56,62. Flensburg durch E. L. 103,60. München, I. M. 10,—. Rix- dors, ges. durch Kr. in der Brauerei Happold 5,—. Darmstadt, von den Parteigenossen 2. Rate 143,—. Arnstadt, v. d. GelvcrlschastSkvmmijsion 30,—. Cbarlolieiiburg, Verb. d. Bauarbeiter 5,—. PolSdam- Spandau> Osthavel- iand, Krciswnhlverein 3. Rate 500,—, Magdeburg, sozialdemokr. Verein 1800—. Güstrow, vom Gewerkschastskartell gesammelt 51,10. Marburg, A. K., Kandidat der Theologie 10,—. Weimar, sozialdemokr. Volksverein 2. Rat- 25.—. Summa 20 862,68 M. Bereits quittiert 95 528,03 M. Im ganzen 116390,76 M. Berlin, den 10. Oktober 1905. A. G e r t s ch, LIndenstr. 69. Für die ansgesperrten Arbeiter und Arbeiterinnen der Elektro-Industrie Kerlius und zlingegeud gingen ein: a Conto aus Listen gesammelt von Fricke 179,05. Gesammelt Warschaucrstr. 15 6,—. Werkstatisibung Horn u. Hummel 15,l0. Liste 5983 27,35. Kall. d. Kroncnsabrik v. Witte u/PinSker, auffcr Schleiser, l. Rate l3.60. Fechner, Liste 1763 16,15. Kall, der Firma Fritz Schindler 12,40. Liste 6513, d. Noack gesammelt 16,65. Kall. d. Tischlerei Schwarz u. Fröh- lich 20,20. Kall, von Baschwitz. Seydelslr. 25 47,30. Koll. der Möbelfabrik Stern 25,25. Von Freund 100,—. Koll. der Möbelsabril Röthling 26,85. Arbeiter der Klavtatursabrik Bohn u. Co. 19,05. Ges. Abendiisch d. Rauch- tlubs.Neuer Hain" M. d. A.-N.-B. 6,50. Zentr.-Verb. d. Töpfer aus Listen: Bau Giclow, Liebenwalderstraffe 15,65. Liste 2705 14.25. Liste 4047 19,10. Liste 4066 7,50, Liste 4046 5,-. Liste 4055 18,50. Liste 4038 9,90. Liste 2702 durch Frohber 6,05. Liste 4056, Bau Schuppmann 14,50. Lifte 2713, Bau Ledermann 11,10. Liste 2717 26,—. Bau Creselderstr., Finna Emil Schwartz 10,—. Liste 2006 von d. Firma Steiner 30,60. Tischlerei Boyenstr. 41 11,—. Ardeiter d. Möbelfabr. Schnar u. Hanke 17,50. Psefferberger-AuSschank d. Katzke 2,20. Schlosser. Mücke Nächst 10,—. Verb. d. Bauarbeiter, Bez. Alt- Glienicke 20,—. Verb. d. Hascnarbeiter, Sektion d. Bretterträger 50,—. Mix u. Genest, Saal Stein 44,—. Koll. d. Firma Antrick 38,75. Bau- tischlerei Wegner, Wilinersdors 70,75. Ges. b. Schäser, Lützowstr. 107, 14,60. Daimler Mvlorengesellsch., Abt. 5 142,50, Abt. 3 u. 4 129,—. Fltclenlcger v. Schmalifch u. Böhlow am 7. 10. 05 37,50. Reubau Reimer. Hardenberg- straffe, 23,50. Gewerkschastskartell Schöneberg Listen 62, 75, 77, 78, 81 49,05. August, laff los 7,—. Von Änaucr 5,—. Arbeiter d. Möhelsabril Eiche 19,40. Ges. b. Bergmann, Gerichtstr. 74, 13,45. Seidenschnur 15,65. Koll. v. Schuster u. Baer 50,30. Koll. d. Firma Freese 27.50. Buchdruckerei Krebs 19.10. Möbelsabril Vittoria 15,25. Werkstatt v. Ww. Eichel, Stettinerstraffe, 9,—. Prächiel, Boeckhstraffe 25, 14,05. Tischlerei Gabbert, Wassertorslraffe 8,80. Armin u. Tenncr, Reue Königstr. 5 22,70. Tischlerei Körner, Chaussecstraffe 18,80. Engel u. Wegener, 1. Rate 23,50. Hölscher, Masch.-Fabrik 12,—. Waffen- und Munillonssabrtk 73,15. Buchdruckcrei Drewitz 14,10. Tischlerei Baucke 8,—. Metallarbeiler-Verband, Bauanschläger, ges. 8.110. 05 74,85. Verb. Bauanschläger, Ueberschuff Dampser- Partie 50,—, Paul Meyer 13,85. Dünhöltcr«chölzei 43,30. Personal der Schristgiefferei u. Messingliniensabrik Berthold 141.50. Tischlerei Lüdtke, Gttschinerstraffe 23,80. Arbeiter v. Kilian, Lichtenberg 82,—. Kollegen und Kolleginnen v. Falkson 26,25. Polierer o. R. O. Dischleit 8,40. Werkzeug« macher v. Projahn 14,—. Bierprozente Tischlerei Koppermann l0,—. Bautischlerei Faber 7,15. Tischlerei Lochet 12,85. Tischleret LecyjewSky 14,70. Kollegen v. Schneider, Stuhlbau 33,20. Desgl., Taxameterbau 57,20. Zlus der übervollen Kompottschüssel einiger Elender 16, bO. Stistungssest des Berliner Radfahrer< Verein«, gesammelt durch Seidenschur 13,75. Pianinosabrik Glese, Reinicke u. Co., auffer zwei 11,60. Personal der Buchdruckeret von B. Boll 40.05. Möbelsabril Maus, Raunynstraffe, 14,—. Arbeiter der Bergmannschen Masch.-Fabrik 14,25. Arbeiter der Bcermannschen Masch.-Fabrik, Liste 1998 22.95. Listen 2000, 2001, 3414, 3415, 3416, 3417, 3418, ges. v.«rbeileni der Bcermannschen Masch.-Fabrik 139,90. Polster- und Dekorations-Werkstatt der Firma Gerson 33,—, Buchdruckerci„Post" 31,05. Tapezierer der Firma Jäkel 13,—. Arbciter-Raucher-Bund Berlin und Umgeg. 500,—. Haud, Liste 4912 12,75. Maler der Firma Redlin 21,15. Arb. d. Masch.-Fabrik Uhlmann 21,—. Arb. d. Tapeiensabr. Putzrath 6,15. Lange u. Gulzeit, Lackierer 23,25; Stellmacher 44,30. Noack u. Co. 12,50. Mustkvercin„Gemütlichkeit" 9,—. Kollegen d. Firma Lind Nächst., Genthlnerslr. 3, 39,—. Möbelsabr Barth. Urbanstr., 27,85. Kollege» v. Pinkus, DreSdenerstr., 22,20. Kammacher 10,25. Tischlerei der Firma Hütsenbcck, Listen 6>07— 5110 93,35. Tischlerei Röffler u. Schmidt 18,60. Kollegen v. Speierer u. Co., Marien- seid« 131,35. Kmoz 9,10. Buchbinderei Büttner, Oraiiicnburgcrstr. 1—3, 17,50. Arbeiter d. Firma Koch u. Bein 15,45. Neubau Wildau 12,70. Koll. der Firma Krönmg 4,—. Koll. v. Gerhardt, Oranienburgcrstr. 20,40. Amelung 15,85. Atelier Blumeshof 8,—. Arb. v. Schuchknecht I1,A>. Arb. v. Taust 4,25. Koll. d. Metallgiefferei Kletie 28,65. Baulischlerei Hollslcin, l. Rate 7,60. Pianosabril Ouandt d. Bischof 31,25. Koll. d. Firma Haupier, Luisenstraffe 28,50. Arb. d. Mützenjabrik Fräntel u. Röhr 11,—. Koll. d. Firma Lüben d. Busse, Listen Nr. 4889- 4894, 123,95. Ges. im Verein d. jugendl. Arb. 19,—. Koll. d. Firma Arnheim, Abt. Schlohbau u. An- schlägerei 85,25. Liste 5892 5.60. Liste 4552 10.—. Vom Koll. Vollmar aus Listen a konto 610,—. Ueberschuff v. allgemeinen Bundesscst Spandau 245,—. Liste 5899 9,15. Mitgl. d. Metallarb.-Krankeukasse. Fit. Friedrich«. fverg 30,—. Fricke aus Listen a konto 545,80. List- 6694 24.05. Rauchklub Psälzer, M. D. A.-R.-B. 10,—. Ges. b. Hoffmann, Pasewalkerstraffe 16,10. enlraiverband der Maurer, Sektion der Putzer: Liste 3131 10,—. Liste 115 11,50. Liste 3105 20.75. Liste 3103 38.80. Liste 3085 9.-. Liste 3080 15,—. Liste 3074 5,—. Liste 3070 12,—. Liste 3068 13,10. Liste 3065 7,—. Liste 3064 20,85. Liste 3059 11,50. Liste 3057 19.50. Liste 3056 26,75. Liste 3050 13,99. Verband der Saltler, OrtSoerwaltung Berlin, auf Listen gesammelt 446,25(darmiter: Wagcnsahrik Leuschner 60,—. GaSmessersabrik Baumgartcn u. Sohn 37,20. Bildhauer u. Stukkateure d. Firma Miecker 13,75. Einsetzer Bez. 3 Moabit 13,75. Koll. d. Byrophonwerke Ad. Lieban u. Co. 33,25. Kühnle, Liste 4551 8,76. Rote Hochzeit, Groh-Lichterselde 4,45, Rohrleger u. Heiser der Firma Hempcl u. Zinner 17,50. Möbelsabr. Stent, Liste 5388 80,—. Riesel u. Kammer, Tischlerei 2>,50. Tellersammlung bei Fröbel durch Mors 26,80. Liste 6715 R. D. V. 23.50). Aus Listen vom Zentralverband der Maurer(Zweigverein Berlin): Liste 5511 von den Maurern und Arbeitern Bau Luiscnstr. 20, 1. Rate 58,75. Llste 3019 Bau Pariser Platz, darunter 6,20 von den Bauarbeitern 27,30. Listen 3009/3010 vom Bau Lindowerslraffe, Firma Mittag 4t, 05. Liste 3016 vom Bau HeinerSdorserstr. 17 13.65. Liste 2895 Bau Schultheis II, Firma Holland 20,85. Liste 5530 Schulbau Reinickendors-Weft 12,80. Liste 5527 Bau Kriminalgerichl Moabit 19,50. Aus Listen 2892 14,70, 3015 14.—, 3014 11,—, 3013 14,50. Liste 3830 vom Bau Sophienstr. 17/18(Liste v. and. Gewerkich.) 24,70. Liste 3021 vom Bau Flolowstr. 9 17,10. Liste 3018 8,25. Liste 3023 2,70. Vom Bau Koppen, Wollankstraffe, von Maurern und Bau- arbeitern 13,25. Liste 5503 21,05. Liste 2850 voin Bau Elberfelderstr. 38 20,05. List« 2851.17,40. Liste 2903 vom Haiipt-Telegradhenamt Französischcslraffe 13.80. Liste 290l vom Bau Patentamt, v. Maurern u. Lauarbeitern 25,45. Liste 2900 Bau Tempelhos, durch Andersch 10,90. Liste 3020 12,—. Liste 2997 Kirchenbau Birkenstraffe 21,55. Liste 2994 vom Bau Birken- straffe 53 12,30. Liste 2999 15,55 Liste 2995 22,70.- Verband der Topser (Filiale Berlin) aus Liften: Liste 2696 Bau Pslcger, Hennigsdorserstraffc 10,—. Liste 2698 Bau John 10,50. Liste 2719 Bau schwarz, Hohenlohe- straffe 12,50. Bau Thiele, Monumenlenstraffe 11,50. Liste 4050 Bau Schirmer 12,50. Liste 2715 Lau Hanaske 9,—. Liste 2711 Bau Naasch 26,15. Liste 4057 durch Kühlhorn 5,—. Liste 2673 Bau Dornbusch, Moabit 16,50. Bau Ohlemann, Mariendors 6,25. Aus Listen 5745 10,70. 5749 5,55. 5750 17,15. 6805 8,40. 68!0 9.79. Akkumulatorcnwert Rapid, Schöneberg 16,50. Siebert, Oranienstrnffe, erste Rate 6,—. Schütze u. Freund, Skcu-Lichtenberg 29,80. Aiexanderivale, Neue Jakobstraße 50,30. Drechslerei I. H. Krohn. 1. Rate 5,25. Liste«654 6,90. Berliner Messingwerke, Alexandrinenstrafft 32,75. Hülssarb. der„Woche", Zahlstelle III 5,50. Tischleret Kraft, Fürstenstraffc 9,50. W. Wernicke, Grase- straffe 16,25. Männerchor„Süd-Ost" 10,—. Tischlerei Küster, Grcisswaider- straffe 20,95. Liste 4560 3,55. Tischlerei Hausmann, Grünniierstraffe 9,85. Gesangverein..Nordstern" 10,—. Tiichlerei Sänger, Maucrftrahe, 1. Rate 22,50. Liste 3628 11,75. Möbeisabrit GroschkuS, 1. Rate 80,70. Personal von Hopp u. Kurzweg 24,—. Arbeiter d- F. Werner, Saal x. 2S,15. Liste Freitag, 13. Oktober* 5403 17,45. Former und Gleffereiarbeiter Weberstr. 7 16,55. Maurer A. Schröter, Kopernlkusstraffc 8,—. Desgleichen 9,20. Riedel 6,85. Tischlerei Rahtt, Brunnenstraffe 35,10. Desgl. Bierprozenle 50,—. Möbel- jabrik Dibbelt U.Rothe 10,50. MöbelsabrilVater 9,—. Dekorateure v. Dupke9,—. Gewerkschastskartell Spandau: Listen: 1274 7,10. 1276 11,—. 1277 6,60. 1279 17,20. 1280 13,60. 1281 29,70. 1282 10,—. 1283 2,70. 1286 11,75. 1287 8,85. 1288 14,40. 1289 6,50. 1290 6,95. 1291 18,65. 1292 10— 1293 16,—. 1294 6,70. 1295 13,—. 1296 4,95. 1297 3,05. 1298 14,65. 2542 25,50. 2547 1095. 2555 6,—. 2556 14,30. 2557 18,25. 2558 30,40. 2559 36,50. 2563 10,60. 2566 3,45. 2568 4,10. 2569 2,20. 2570 32,15. 2571 1,50. 2573 1,25. 2574 9,—. 2575 17,10. 2576 21,25. 2577 25,80, 2579 19,55. 2581 6,85. 2589 18,65. 2593 5,20, 2594 7,55. 2596 7,60. Liste 5399 25,25. Verb, der Schmiede a Konto 200,—, Kollegen d. F. Hulh u. Co. 29,25. Liste 47,55. Zimmerer der Irrenanstalt Buch 7,—. Teppichs. Salomon, Ober-Schönewe>de 20,40. Slllumulatoreu-Tischler Pflügcr 15,80. Liste 2137 d. B. 30,95. Liste 2133 Töff-Töff 29.45. Liste 2139 E. F. 13,40. Liste 2134 E. F. 10.-. Näherei d. D. G. A. Alte Jatobstr. 8,50. Otto Fenske, Schwedterstr. 15 13,—. Tellersammlung 5. 10. bei Giersch 10,—. Listen 3487, 88 u. 89 57,95. 5982 22,35. Deutsche W a s s e n- und Munitionsfabrik. Auf Listen: 1394 Abt. Orban 43,40. 1395 Abt. Beljer 44.75. 1396 Abt. Neubauer 33,80. 1397 Abt. Christenson 64,35. >398 Abi. Kugelbau 46,60. 1899 Abt. Hitzler 60,95. 1400 desgl. 48,55. 1401 Abt. Heinemann 78,25. 1402 Abt. Roloff 176,60. 1403 Abt. Roloff 44,40. 1404 Restaurateur Hircher, Antonstr. 4 12,15. 1405 Abt. Hennig 92.25. 1406 Abt. Will 99,-. 1407 Abt. Revision 35,15. 1408 Llbt. Betrieb 39,30. 1410 Abt. Betrieb 26,50. 1411 Abt. Groß 50,50. 1412 Abt. Bülow 91,15. 1416 Abt. Ulbrich 137,50. 1417 Abt. Lindner 53.—. 14l9 Abt. Will 30,70. 1420 Abt. Bahr 103,90. 1421 Abt. Orban 92,50. 1423 Abt. Schleiserei 19,—. Abthcilung Kastenbau d. G. Berliner, Uferstraße 52,—. Gesammelt in der Schlosserherberge 14,40. Llrb. d. Firma Gnegcl, Koloniestr. 11,05. Arb. d. F. Alias 20,50. Arb. d. F. Schule 5,85. Bautischlerei Weiß, Schöncbcrg 16,50. Katholisches VercinshauS 9,—. Fr. Henschel 2,—. R. Henschel 1,—. Schulze u. Berg 15,50. Arb. d. F. Max Busse 13,40. Arbeiter der Firma Küstermann u. Co. 22,25. Kollegen d. F. Navolny 12,60. GienkcS Bier- haus 23,55. Kollegen d. F. Hollmann 5,50. Lederwarcnsabrik Neuen- burgerstraffe 18,55. Bautischlerei C. Richter 9,50. Pohl, Liste 3851 20,55. Baulischlerei Pohl, Liste 3350 17,40. Göblichers Tanzschule 6,—. Neumann, Liste 4251 20.65. Neslaurateur Lehman», Grimmstr. 5,—. Firma E. K. 20,—. AuS den Katakombe», Passage 8,50 Arbeiter der deutschen Nieles» werke 213,45. Verband der Schneider a Konto 100,—. Milgl. d. Allgcm. Krrankcn- und Sterbekasse Nr. 29, Filiale 4 63,—. Geburtstag Borsig- straffe 3,25. Bäckermeister Schubert 3,—. Handelsarbeiter und Stamm- tisch l und ll K. Risch, Koppenstraße 14,60. Hochzeitsgesellsch. A. D. Drynke 2.—. Buchdruckerei Jsleib 9,60. Schlosserabteil. Jakob 13,60. Liste 1320 22,75. Bauarbeiter vom Vikloriaspeichcr 15.85. Liste 9126 14,55. Die Richards- dorser d. Gliccker 50.—. Liste 6516 15,40. Arbeiter d. F. Kärger 67,-. Nähmaschinensabrik Gutmann, 1. Rate 24,85. Arb. d. F. Bastuba 35,50. 4 Monteure aus Essen 21,—. Katschinski 20,35. Tischlerei Zi. Töpke, 1. Rate 24,75. Schäffer u. Walcker Liste 4815 19,65. DeSgl. d. P. Lange Liste 4813 17,85. Desgl. d. Eilemann Liste 4814 35,30. Slocksahr. Gebr. Goidmann 5,85. Möbelfabrik K. u. A. Schulz, Boxbagenerstr. 58,35. Buchdruckerei B. Paul, Wtlhelmstr. 12,—. Buchdrnckerel Rosenthal u. Co. 13,75. Bergas Gebr.. Schillingstr. 25,45. Bau S. Wehl, Ecke Elsasserstr. 19,15. Tischlerei Kämmling 8,80. Aus Listen: 4837 23,80. 2501 13,-. 2507 14,20. 2509 22 00. 3377 10,—. 3382 11,70. 3384 20,35. 3385 12,50. 3387 16,20. 3388 30,95. 3391 9,50. 3395 17,10. 3397 83,15. 4428 24,65. 4432 5,—. 4434 14,55. Kassenbeamten: O.-Kr.-K. der Töpfer Lifte 1457 1,—. O.-Kr.-K. der Gürtler Liste 1459 8,—. O.-Kr.-K. der Klempner Liste 1461 6,50. O.-Kr.-K. der Maler Liste 1463 13,—. O.-Kr.-K. der Bäcker Liste 1464 4,50. O.-Kr.-K. der Saltler Liste 1466 2.-. O.-Kr.-K. Mariendors Liste 1474 17.-. O.-Kr.-K. d. Drechsler Lifte 1475 26.—. O.-Kr.-K. d. Maschinenb. Liste 1487 22,75. O.-Kr.-K. sürWäschesabr. Liste 1489 5.10. O.-Kr.-K. d. Kaufl.zc. Liste 6720 200—. Personal der Firma Nauck u. Hartmann 26,65. M. H. 1000,—. Töpser von Bär, Rixdors 8,50. Koll. d. Firma Borsig a Konto 1090,01. Koll. v. Panzer, Badstraffe 77,30. Koll. v. Arnheim, Schrankbau 20,70. Ritter, Grünauer- straffe 19 9,—. Koll. v. Arnheim, Sascs u. Schranwau 31,95. Koll. d. Maschinensabrik Hummel 54,—. Hcncke 23,—. Koll. v. F. Gäbert(dar. v. Hummel 5,—) 94,50. Listen 4706 u. 4707 32,25. Koll. v. Golz u. Brant- mann 25,25. Koll. v. Fritze m. Budiker v. Runimelsburg, 1. Rate 17,—. Koll. v. Haffe, Lindowerslraffe 91,55. Koll. v. Bolzani 100,—. Liste 3832 16.80. Kcllerarbelter, Sektion Handeis- u. Transportarbeiter 10,—. Stell- macher der Wagensabrik Ditlmann 23,—. Schlosser von Dittmann 23,05. Bereits qutitiert 25 474,74 M., hierzu 15181,56 M., Gesamtsumme 4V«S«.»0 M. Wettere Sendungen werden entgegengenommen im Gewerkschastsburcau von 11—1 und 6—8 Uhr, Sonnabends und Montags von 4—8 Uhr im Saal HI. Postsendungen find an A. Körst en, Engel-User 15, zu richten. Der AuSschuft der Berliner Gewerkschaftstommtsfion. Siebente taußerordentlilhe) Genernlnersammlung des Aentscheu Merstnebeiter-Zleebandes. (Abgehalten am S. Oktober und folgende Tage in Bremerhaven.) Die Generalversammlung tritt um 9� Uhr morgens im Saale des Gasthofs„Zur Eiche' zusammen. Anwesend sind 27 Delegierte, zwei Vertreter des Vorstandes, ein Vertreter des Verbandsausschusscs sowie von der Gcneralkommission der Genosse Silberschmidt- Berlin. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache durch den Obmann des Lokailountees, Schlüter, eröffnet der Verbandsvorsitzende Oellerich die Verhandlungen. Als einziger Vcrhandlungsgegenstand steht auf der Tagesordnung: „Auflösung des Verbandes und Anschluß der Mitglieder an andere Organisationen." Nach Erledigung der sonst üblichen geschäftlichen Angelegenheiten erhält das Wort zum einleitenden Referat Oellerich(Bcrbandsvorsitzcnder): Ein gedruckter Geschäfts- bericht von feiten des Vorstandes liegt nicht vor. Die Situation, in der sich der Verband zurzeit befindet, wird klar genug beleuchtet werden, wenn ich den der im Juni d. I. stattgefundenen ordentlichen Generalversammlung vorgelegten Geschäftsbericht für die letztver- flossenen paar Monate mündlich ergänze. Es sind im Laufe des Jahre« fast sämtliche Mitgliedschaften in mehr oder minder starkem Matze an Lohnbewegungen beteiligt ge- wesen; einige Orte sogar mehrere Male, so datz, wenn man dies in Betracht zieht, über 190 Proz. der Mitglieder sich im Kampfe bc- funden haben. Und unter diesen Kämpfen lvaren sehr schwere. Der Flensburger Streik hat beispeilsweise über 15 Wochen gedauert. Datz selbst eine finanzkräftige Organisation, wie es der Werftarbeiter- Verband zu Anfang des Jahres war(er verfügte über einen Kassen- bestand von fast 29 M. pro Mitglied), eine derartige Belastung auf die Dauer nicht auszuhalten vermag, liegt auf der Hand. Der Vorstand hat dann auch nicht mehr Kämpfe bewilligt, als die Kassen- Verhältnisse gestatteten. Die Taktik de« Vorstandes ging darauf hinaus, im verflossenen Halbjahr zunächst aus den Werften, wo noch die tägliche Arbeitszeit 19 Stunden überstieg ,den Zehnstundcntag durchzudrücken. Die sür diesen Zweck inszenierten Bewegungen wurden gut und pianmätzig vorbereitet und endeten auch ohne Aus- nähme nach höchstens kurzem Kampfe mit vollem Erfolg. Mit der großen Neptunwerft in Rostock wurde sogar ein Tarifvertrag ab- geschlossen; das ist das erste Mal, datz eine deutsche Werft eine Gewerkschaft als vertragsfähigen Faltor anerkannte. Andererseits wurde aber der Verband durch andere Gewerkschaften in Kämpfe verwickelt, die von vornherein aussichtslos waren und auch höchst unglücklich verliefen, dabei aber die Kosten des Werftarbeiter-Ver- bandes völlig erschöpften. In erster Linie ist hierher zu rechnen der Flensburger Streik. Auch dort waren die Verhältnisse so un- günstig für einen Kampf, datz jeder einsichtige Mensch den Arbeitern eine sichere Niederlage vorher sagen konnte. Die in Frage kommenden Lrganisationsleiter waren sich auch einig, datz alles aufgeboten werden müsse, um den Streik zu vermeiden. Nur die Vertreter des Metallarbeitcr-Verbandes, die zwar auch bezüglich der Aussicht auf Erfolg den Standpunkt der übrigen Gewerkschaftsleiter teilten, htmdelterr bei der Inszenierung der Lohnbewegung unsolidarisch. Mitgliedern freie Hand!" Am nächsten Morgen wurde die Bot- Mitgliedern freie Handi" Am nächsten Morgen wurde diese Bot- schast von den an der Sitzung, Ivo diese Erklärung gefallen, beteiligt gewesenen Vertrauensleuten des Metallarbeiter-Vcrbandes aus der Werft publik gemacht, es wurden in der Frühstückspause in den Werkstätten Versammlungen abgehalten, Abstimmungen borge» nommen� und im Laufe des Vormittags noch liefen die Arbeiter, soweit sie streiken wollten und konnten, aus der Werft hinaus. Stehen blieben etwa 600 Arbeiter, Lehrlinge usw.; also nahezu ein Drittel der auf der Werft überhaupt Beschäftigten. Die Werft war also durchaus imstande, alle dringenden Arbeiten zu erledigen, zu- mal sie vorzügliche technische Einrichtungen besitzt. Andererseits waren die von den Arbeitern, namentlich unter Anweisung des Be- zirksleitcrS vom Metallarbeiter-Verband, Gotthnsen-Hamburg, aus- gearbeiteten und ohne Vorwissen der übrigen Vcrbandsvorstände ein- gereichten Forderungen derartige, dah ein so planlos begonnener und so unvollkommener Streik, wie der in Rede stehende, die Werft niemals veranlassen konnte, die Forderungen zu bewilligen. Man forderte beispielsweise auher Lohnerhöhungen bei Akkordarbeiten die Sicherung eines Akkordüberschusses von 3t> Proz. usw. Dabei konnte die Werftlcitung in Flensburg Jahresverdienste erzielen, wie auf keiner anderen deutschen Werft. Alles in allem war, wie bemerkt, an einen Erfolg nicht zu denken. Und so bemühten sich denn die Leiter der beteillgten Verbände, den Streik möglichst schnell zu beenden. Dabei tanzten aber auch wiederum die Metallarbeiter außer der Reihe, respektive waren sie'eS, die die Mitglieder anderer Verbände zum Widerstand gegen ihre Führer aufreizten. Zu derselben Zeit gingen auch die im Metallarbeiter-Verband organisierten Kesselschmiede der Schiffswerften in Bremerhaven mit Lohnforderungen vor, obgleich ursprünglich von den maßgebenden Personen unter den beteiligten Verbänden vereinbart worden war, daß bis zur Beendigung des Flensburger Kampfes weitere Kämpfe, insbesondere in Bremerhaven vermieden werden sollten. Die For- derungen der Kesselschmiede waren nicht übertrieben. Auch die Werftleitungen machten Zugeständnisse, so daß es sich nur um ein ganz winziges Kampfobjekt handelte. Trotzdem trieben die ver- antwortlichen Leiter der Kesselschmiede die Dinge bis zur Aus- sperrung sämtlicher Arbeiter der großen Werften in den Unterweser- orten, in Bremen und in Vegesack. Wegen zirka IlKI Kesselschmieden, die die Werften durch Streik zwingen wollten, ihre Zugeständnisse noch um einige Pfennige zu erhöhen, mußten 8—-ll) 000 Arbeiter aufs Straßenpflaster fliegen. Und dabei wußten die Metallarbeiter ganz genau, daß der Kampf zuungunsten der Arbeiter ausfallen mußte; wenn nicht aus anderen Gründen, so doch, weil der stark beteiligte Wcrftarbeitcr-Verband infolge der vielen bereits überstandenen Kämpfe nicht mehr finanzkräftig genug war, um eine Wochen- oder monatelange Machtprobe, an der etwa ein Drittel der gesamten Mitglieder beteiligt waren, aushalten zu können. Diese Dinge lvaren den Metallarbeitern bekannt. Und es handelte sich für die verantwortlichen Leiter der Bewegung auch weniger um einen Erfolg gegenüber dem Unternehmertum, vielmehr sollte durch den Kampf nur der Werftarbeitcrverband aktionsunfähig gemacht werden. Das hat der BezirkSlciter Gotthusen(Metallarbeiter) gegenüber dem Bezirksleiter des Holzarbeiter-VcrbandcS, Genossen RöSke, auch un- zweideutig genug erklärt. Und der Geschäftsführer der Metall- arbciter in Bremerhaven hat zu einem hier im Saale anwesenden glaubwürdigen Kollegen ohne Sckieu gesagt:„Wenn Euch Flensburg nicht das Genick umdreht, geben wir Euch in Bremerhaven noch etwas zu knacken, dann wirds wohl kommen I" Auch bei der Beendigung des FlcnSburger Streiks hat man seitens der Metallarbeiter noch mit den perfidesten Mitteln gearbeitet, um den unglücklichen Kampf zu verlängern, so daß schließlich die übrigen Verbände gezwungen waren, die Unterstützung den Streikenden zu entziehen. Vollends schofel war das Benehmen der Leiter des Mctallarbeiter-Vcrbandes, die die Aussperrung an der Unterweser durch Aufhebung des Kessel- schmiedestreiks aus der Welt schaffen mußten. Diese verbreiteten geflissentlich, der Kampf würde zweifellos mit einem Siege geendet haben, wenn er nicht lediglich wegen Betreiben des bankrotten Werftarbciter-Verbandes hätte abgebrochen werden müssen. Ter Ge- schästsführer der Bremerhavcner Metallarbeiter versuchte dann noch, die Ortsverwaltungen anderer Gewerkschaften scharf zu machen zur Einreichung von Forderungen auf den Werften, nur um das be- gonnene Werk der Vernichtung vollständig zu machen. Nun, das letztere ist den Leuten auch so gelungen. Wie aus der letzten Quartalsabrechnung ersichtlich, sind die Kassen völlig er- schöpft. Die ausgeschriebene Extrasteuer hat eine nennenswerte Besserung der Finanzlage nicht ergeben. Wir sind somit nicht in der Laae. unsere Mtglieder nötigenfalls ausreichend zu unter- stützen. Zwar haben wir in einer Konferenz von Vertretern der Vorstände der für die auf Werften beschäftigten Arbeiter m Frage fommenben(�ttvczl�dyciftcxi erfud�t,ei endgültig cinzustelleli. Nochmals die Stiefel deS Herrn v. Dossotl.'. Zu der„Berich. tigung" des Herrn v. Dossow in dieser Angelegenho.'t erklärt uns unser Gewährsmann, daß er das, was er über die Verhandlung nach den Behailptuiigen des Leiltnants Kriebel und �seines Ver- teidigers berichtet hat, vollinhaltlich Punkt für Punkt aufrecht erhalte und die ihm von dem Polizeiinspektor unter- schobene tendenziöse Entstellung mit aller Entschiedenheit zurück- weise. Auch der Rechlsbeistaud Kriebels, dem er jenen Berhandlungsbericht vorgelegt habe, habe ihm bestätigt, daß der Bericht wahrheitsgemäß sei. Sehr auf- fällig erschauen muß es, daß Herr v. Dossow die Hallenscr-Presse nicht mit seiner Berichtigung beglückt hat. Wie man unserem Gewährsmann mitteilt, wird Leutnant Kriebel nunmehr wieder gegen o. Dossow klagen, weil dieser ihn in der augeblicken Berichtigung beschuldigt hat, er, Kr. habe eine ehrlose Handlung begangen. Im übrigen wird sich auch nächstens das Siadtverordneteii-Kollegium recht eingehend mit Herrn v. DossowS Lackreitstiefel beschäftigen. Ein Konsiimvereiiistöter vor Gericht. Au§ Halle berichtet man uns iinterin 11. Oktober: Schlecht abgeschnitten hat heute vor dem Schöffengericht der bekannte Konsiimvereiiistöter Prof. Suchsland, der gegen den Reichstags- Abgeordneten Genossen Thiele wegen Preßbeleidigung klagte. Suchsland hätte in einer Versammlung Lagerhaltern von Konsumvereinen den Vorwurf der Bestechlichkeir und der Unterschlagung gemacht. Als er darauf von dem Bereine der Lagerhalter aufgefordert wurde. Beweise zu erbringen, entschuldigte er sich mit lendenlahineu Ausreden. Hieraus veröffentlichte Redakteur Thiele einen Artikel im„Volksblatt", in dem er�uchsland vorwarf, dieser verleumde erst und zeige sich dann als Drückeberger. Herr Suchsland hatte den Staatsanwalt zmn Einschreiten ersucht; er war auf den Privatllageweg verwiesen worden. Genosse Thiele hatte wegen Be- leidigung Widerklage gegen Suchsland erhoben, weil Suchsland ihm öffentlich durch die Presse vorgeworfen hatte, Thiele habe einen Volkskalender au§ pekuniären Gründen herausgegeben und persönlich SOOO M. dabei verdient. Dann habe'Thiele ihn. Suchsland, rn einer Versammlung niedergeschrien, um die Gegenrede«uchslands nicht hören zu wollen. Thiele konnte in der vierstündigen Verhand- lung nachweisen, daß Suchsland ihn ohne Grund verdächttgt hat. Auch ein Regierungsbauführer Heyne, früherer Logenbruder Suchslands, bekundete, daß Suchslaud in einer Logenangelegenheit mit Unwahrheiten operiert hat. Das Gericht verurteilte Suchsland wegen Beleidigung Thieles zu 30 M. Geldstrafe und brachte in der Urteilsbegründung zum Ausdruck, daß der Wahrheitsbeweis bezüglich der Behauptung, Herr Suchsland habe sich der Drückebergerei und gewissermaßen auch der Verleumdung schuldig gemacht, erbracht worden sei. Thiele wurde allerdings, aber nur mit Rücksicht auf seine wegen Preßvergehens erhaltenen Vorstrasen zu 300 M. Geldstrafe verurteilt. Megen unbefugter Veranstaltung einer Ausspielung bezw. Steuerhinterziehung hatte sich gestern der Kaufmann Carl Schlegel, Inhaber des Vcrsandgeschäfts Bach u. Co., vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten. Der Angeklagte vertrieb vom Oktober v. I. ab eine aus vier Bänden bestehende so» genannte„Hausbibliothck", zu welcher u. a. ein Kochbuch und ein Bürgerliches Gesetzbuch gehörten, zum Gesamtpreise von 2 M. Um Käufer anzulocken, erließ er große Relläme-Jnserate, in welchen er mitteilte, daß die Käufer der Hausbibliothck, die gleichzeitig eine mit der Annonce veröffentlichte Bilderaufgabe lösten, Anrecht auf Teilnahme an einer Prämienverteilung haben sollten, zu welcher der Angellagte 500 Prämien angekauft habe. Die Aufgabe bestand in der richtigen Auflösung eines Vexierbildes unter deni Titel„W o ist die Mama?" Man mußte in dem Bilde die versteckte Figur der Mama herausfinden und mit Bleistift ganz genau um- rändern, wenn man Anspruch auf eine Prämie erringen wollte. Als Prämien waren u. a. ein Piano, ein Regulator, ein Zweirad, eine Wringmaschine und neben noch anderen größeren Gewinnen zahlreiche kleinere Gewinne angegeben. Die Bewerbungen gingen ganz massenhaft ein und zeiaten, daß die„Hausbibliothek" sich eines kolossalen Absatzes erfreute. Die eingehenden Lösungen wurden sortiert und die als richtig befundenen in ein besonderes Fach gelegt. Dann trat eine Art hoher Rat zusammen, bestehend aus dem An- geklagten und mehreren im Geschäft angestellten Damew; diese prüften, welches wohl die besten Lösungen wären, und auf ihren Vorschlag wurde den einzelnen je nach der Vortrefflichleit der Lösung eine der zur Verfügung stehenden Prämien zuerkannt.— Staatsanwalt Fiege hielt dies für eine unbefugte Veranstaltung einer Ausspielung und einen Verstoß gegen das Stempelgesctz und beantragte 500 M. Geldstrafe. Rechtsanwalt Lconh. F r i e d m a n n führte dagegen jus, daß hier nur von einer Auslobung im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches die Rede sein könne, da die Lösung der Aufgabe, die erst zur Teilnahme an der Prämienverteilung be- rechtigte, keineswegs leicht, sondern recht schwer gewesen sei. Der Gerichtshof schloß sich der Auffassung des Staatsanwalts an und erkannte auf 500 M. Geldstrafe. Ein gefährlicher Kinderfreund wurde gestern in der Person des Geschäftsführers Friedrich Leitzow der 3. Strafkammer des Land- gerichts I vorgeführt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der des Verbrechens wider den Z 176,3 St.- G.-B. angellagte L. war Geschäftsführer in einem größeren Waren- Hause in Moabit. Hier fiel es auf, daß der Angeklagte mit schul- Pflichtigen Mädchen, die in dem Warenhause Einkäufe machten, in einer mehr als freundlichen Weise verkehrte und ihnen kleine Ge- schenke machte. Ties geschah besonders bei einer Schülerin R. Durch eine anonyme Anzeige wurde schließl-ch die Kriminalpolizei auf- nierksam gemacht, die weitere Ermittelungen anstellte, die dazu führten, daß der Kriminalwachtmeister Riedel einen Schutzmann beauftragte, den Angellagten unter dem Verlacht des wiederholten Sittlichkcitsvcrbrechens zu verhaften. Ter hiermit �betraute Be- amte begab sich in die Geschäftsräume des Warenhauses und fragte nach dem Angeschuldigten, der ihm persönlich nicht bekannt war. Zufällig traf er auf diesen selbst und teilte ihm dcn Grund seines Erscheinens mit. Ter Angeklagte verleugnete sich mit einer ge. wissen Kaltblütigkeit und teilte dem Beamten mit,„Leitzow wäre soeben zu Tisch gegangen und komme erst in zwei Stunden wieder." Nach diesem Bescheide entfernte sich der Schutzmann, um erst nach zwei Stunden wieder zu kommen. In der Zwischenzeit raffte L. seine Wertsachen zusammen und entfloh nach London. Erst durch einen Steckbrief gelang es, den gefährlicken Kinderfr-'und festzu- nehmen.— Der Gerichtshof bedachte den Aug klagten mit Rücksicht auf dessen bisherige Unbescholtenheit und das oisene Geständnis mit einer Gefängnisstrafe von nur sechs Monaten. Mordversuch an einem Pastor. Vor dem Sckwurgericht in Ham- bürg gelangte am Mittwoch und Donnerstag ein Prozeß zur Ver- Handlung, dem ein M o r d a n s ch l a g auf den Pastor Körner von der St. Panli-Kircke zugrunde liegt. Augeklagt dieses schweren Verbrechens ist der bisher noch völlig»ubescholtene jetzige Reisende I s e rm a n n, der in den letzten Jahren von Schicksals- schlügen aller Art schwer heimgesucht worden ist. Bis zum Jahre 1893 als Eckauermann bei der Amerika-Linie tätig, sing er mit seinen Ersparnissen in Höhe von 2000 M. eine Krämerei an, die nach einiger Zeit gut reüssierte. 1902 wurde der rastlos schaffende Mann von einem in sittlicher Beziehung nicht ciuwands- freie» Mädchen beschuldigt, sich au diesem vergangen zu haben, was sich als unwahr herausstellte. Wie es in solchen Fällen immer der Fall zu sein pflegt, so blieb auch hier etwas hängen: viele Kunden. namentlich solche, die Kinder haben, hielten sich von I. fern, dessen Geschäft nun rapide zurückging. Hinzu kam noch, daß seine Frau erkrankte, und er entschloh sich daher, sein vor kurzem noch so blühendes Geschäft für 3(XX> M. zu verkaufen. Er erstand darauf eine Schankwirtschaft, die so schlecht ging, daß er, von allen Mitteln entblößt, mit seinen zwei kleinen Kindern das Lokal im Stich lassen mußte, nachdem seine Frau im Krankenhause verstorben war. Nun suchte er sich kümmerlich als Reisender durchzuschlagen und bc- mühte sich um eine Anstellung in Dresden, um wieder einen eigenen Hausstand führen und feine bei den Schwiegereltern untergebrachten Kinder zu sich nehmen zu können. Die Erlangung dieser Stelle war mit Schwierigkeiten verknüpft, weshalb er zu deren Beseitigung nach Dresden zu reisen beabsichtigte. Da es ihm hierzu an dem nötigen ll.teisegeld fehlte, suchte er am 26. Oktober 190i der Pastor Körner ans, der früher Arme mit Bons zur Entnahme von Waren zu Jier- mann geschickt hatte. Er schilderte dem Pastor seine Absicht und bat um b M. Reisegeld. Der Pastor hielt die Stellung nicht für günstig und überreichte I. eine Mark mit dem Bemerken, er solle sich um einen anderen Posten bemühen, wobei er ihm behülflich sein wolle. I. verließ erregt das Pastorat und fand einige Schritte entfernt eine eiserne Schienenlasche, mit der er den Pastor abermals aufsuchte, ihn bittend, ihm ein Zeugnis auszustellen. Als der Pastor dieses ausfertigte, zog I. die Lasche hervor und versetzte ihm damit vier oder fünf Schläge auf den Kopf, so daß der Getroffene, laute Hülfe- .rufe ausstoßend, zu Boden stürzte. Auf die Hülferufe eilte Frau Körner hinzu, die das Dienstmädchen zu einem Schutzmann schickte uwb den Täter beim Genick packte. Als dieser hinauseilte, geriet er am Türeingang in Haft. Der Verletzte wurde nach einigen Wochen wiederhergestellt. Der jetzt 42 Jahre alte Angeklagte ist beinahe ein ganzes Jahr von niehreren Physici und hervorragenden Psychiatern auf seine geistige Verfassung untersucht worden; ein Teil der Sachverständigen hält ihn für zurechnungsfähig, ein anderer Teil erachtet die Voraus- setzungen des Strafbefreiungsparagraphen für vorliegend. Der An- geklagte will an dem genannten Tage durch die Abweisung so erregt gewesen sein, daß er nur unklare Vorstellungen von der Affäre habe. Wie bekundet wird, hat der unglückliche Mann seit der falschen Be- schuldigung unter einem psychischen Druck gestanden und hat wieder- holt an epileptischen Anfällen gelitten, die ebenfalls erst von dieser Zeit datieren._ Bmfhaften der Redaktion. Jlf. I. 19. Petroleum hin und her. Sehr mühsam und zeitraubend sestzustellen. Auffindbar in einer größeren Dibliotliel. Nachschlagen unter „Statistik des Deutschen Reiches" und zwar unter„Großhandels- und Börsenpreise" Das muß man selbst machen. Uns fehlt es an Zeit dazu. — 100. Städtisch. Wo Quittung?— Stralau Sch. Frage unklar. Antwort unmöglich.— Pauli 10. Das Sekretariat der Gewerkschasts- lommission zu B-rlin, Engel-User 15 park., gibt darüber beste AuSkunst.— Arbeiter-B ildungSschule. Quittung? Rat durch H. Lamm», Freilig- rathstr. 3.— D. 11. Spielsragcn erledigt die Redaktion nicht.— Player. (Dichter?) 1. In mein P. 2. Auch inhaltlich falsch, weil_bei Mondschein „Flut", nicht Ebbe in d erblasse sein müßte. 3. Wenden Sie sich an einen Poeten von Profession.— St. 10. Ja.— H. 101. Nein.— P. 177. Ja. C. 100. Eine Ouadralrute hat etwa 14 Quadratmeter, ein Morgen hat 180 Ouadratruten. Iurillikckrer Qeil. Sie lurlstlschc Sprcchstuudc findet täglls, mit ZlnSttahltte des Sonnabends vo» 71l1 bis O'/j Udr statt. Geöffnet: abends 7 Uhr. Gesetz. 1. Ja. 2. Wenden Sie sich an die Versicherungsanstalt Köllnischer Park oder an das Polizeirevier. Ersteres ist vorzuziehen.— P. O. 16. Ja. Eine Klage aus Erfüllung des Versprechens, einen Ofen setzen zu lassen und aus Schadenersatz hat Aussicht auf Erfolg.— C. 40. Der Antrag auf Erlaß eines Zahlungsbcsehls ist an das Gericht des Wohn- sihcs des Schuldners zu richten. Beispiele und Anleitung dazu finden Sie Seite S97/S8, 542 des in den öffentlichen Bibliotheken auslicgendcn„Arbeiterrechts". Die Kostenhöhe richtet sich nach der Objekthöhe. — 21c. Spielen mehrere gemeinsam ein LoS und haben nicht vereinbart, daß für den Fall nicht rechtzeitiger'Zahlung der Säumige ausscheidet, so bleibt der Säumige mit den aus der Spielkompagnic folgenden Rechten und Pflichten Mitspieler.— 8. 100. Ob bestimmte Pflichten aus Ihrem Vertrage solgen, ist ohne Einsicht in denselben nicht zu beantworten.— A. G.!t. Soweit ohne Einsicht in den Vertrag die Sachlage sich über- sehen läßt, hätte ein Einspruch etwa zu einem Viertel der gesorderlen Summe vielleicht Aussicht aus Erfolg.— H. K. 100. 1. Ist nichts anderes vereinbart, so können Sie bei monatlicher Mietszahlung bis am lö. zum Ersten kündigen. 2. Ausgeklagte Forderungen verjähren in 30 Jahren. Die Verjährungssrist beginnt von jeder Psändung ab von neuem. — A. X. 17. U n f a l l z u s ch u ß. Mit dein Uusallzuschuß verhält es sich folgendermaßen. Vom Beginn der fünften Woche nach Eintritt des Unfalls bis zum Ablauf der 13. Woche hat unter Umständen der Arbeitgeber an die Krankenkasse den sogenannten Unsallzuschuß zu zahlen. Nicht der Arbeit- geber, fondern die Kaffe hat dielen Unsallzuschuß an den U n s a I l- verletzten zu zahlen. Wann wird Unsallzuschuß gezahlt? Beträgt Jen, also im allgemeinen' des ortsüblichen Tagelohnes, so ist das Krankengeld bis aus diese ff, zu erhöhen; die Differenz zwischen diesen ff, und dem Krankengelde zähst der Unternehmer an die Krankenkasse zurück. Dieser Unsallzuschuß ist vom 2g. Tage nach Eintritt des Unfalles(der Unsall- tag zählt nicht mit) ab zu zahlen. Beträgt das gesetzliche oder statutcn- mäßige Krankengeld, das der Verletzte aus einer oder mehreren Kranken- kassen zusammen zu beanspruchen hat, bereits ff, des bei der Berechnung des Krankengeldes zugrunde gelegten Arbeitslohnes oder mehr, so steht dem Verletzten ein Anspruch aus Unsallzuschuß nicht zu. Ist der Verletzte in einem Krankenhause untergebracht und hat er Angehörige, dessen Unterhalt er bisher aus seinem Arbeitsverdienste bestritten hat, so ist demselben ein Unsallzuschuß dann insoweit zu leisten, als das neben der Kur und Vcr- pslcgung gewährte Krankengeld ff, des bei der Berechnung des Kranken- gelbes zugrunde gelegten Arbeitslohnes nicht erreicht. Ob Ihnen ein Unfall- znschuß zusteht, richtet sich also nach Ihren Kaffenstatuteii, der Höhe des Krankengeldes und seiner Grundlage. In der Regel wird der„ortsübliche Tagelohn" der Berechnung des Krankengeldes zugrunde gelegt. Auf der Kasse erhalten Sic zutreffenden Bescheid! die Kassenverwaltung hat kein Interesse an der Vorenthalwng des Unsallzuschuffes, zumal sie diesen von dein Unternehmer ersetzt erhält.— C. M. 8(5. Nein— H.(£. Ja. — 100 Ober-Schönrwoido. Zum Unterhalt seiner Schwiegermutter ist der Schwiegersohn gesetzlich nicht verpflichtet. Warten Sie eine etwaige Klage ab.— M. H. 10. Innerhalb eines Jahres.— Streit A. Ä. A. hat recht.— H. Z. 7. 1. Einer Privatllage würde die Annahme der Wahrnehmung berechtigter Interessen hindernd ini Wege stehen. 2. Leider ist solche Eintragung zulässig.— Tausend. Ja. WttteriinastiberNcttt vom 13. Oktober 1005,»torgciis 8 Uhr. Stationen Stvinemde. 767'Still Hamburg 768 Still Berlin 767 NO Frnnks.a.M. 768 N München>768 W Wien 767 Wl L si 5- c 5 s=- S 3 K« Wetter — sNcgcn — Nebel 1/bcdcckt chbedeckt 5 bedeckt 4wollig w& Stationen o g c 2 c !§ B K � Haparanda!763 SW Petersburg 766 NW Scilly i 7 73 NNO Aberdeen 769 WSW Paris 1 771 NO i I Wetter 2 heiter 1 bedeckt 4 bedeckt 1 wolkig Ibedcckt 6» r a M 5- Wetter-Prognole für Freitag, den 13. Oktober 1005. Ein wenig wärmer, vorherrschend wolkig mit leichten Rcgcnsällcn mäßigen westlichen Winden. Berliner W e 1 1 e r d u r e a — 2 6 12 11 3 und u. Für den Jnbatt der Inserate tibernintnit die Redaktion dein Publikum gegenüber keinevlei Beranttvortnng. UKeater. Freitag, 13. Oktober. Ansang 7ff, Uhr: Opernhaus. Manon. Schauspielhaus. Der Schwur der Treue. Neues. Ein SommernachtStraum. Westen. Der Opcrnball. Deutsches. Das Käthchen von Hcilbronn. Ansang 8 Uhr: Schiller O.( Wallner-Theater.) Flachsmann als Erzieher. Schiller HI.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Augen rechts. Hieraus: Zum Einsiedler. Bertiner. Andolosia. Zentral. Zur indischen Witwe. Lcssing. Die Erziehung zur Ehe. Die sittliche Forderung. Residenz. Die Höhle des Löwen. Walhalla. Eine tolle Nacht. Kleines. Hidalla. Trianon. Madame Torera. Oustipielbaiio. Der FamUIentag. Thalia. Bis früh um Fünse I C,. rl Weist. Der Weltumfegler wider Willen. Lutten. Kcan. Deut sch- Amerikanisches. Aber, Herr Herzog I Kasino. Der AdelSnarr. Apollo. Ein Abend in einem amerika- nischen Tingel-Tangel.— Am Hochzeiteabend.— Spezialitäten. Metropol.'Aus— ins Mcwopoll Herrnfeld..Die Meyerhains. Wintergarten. Rosario Guerrero. Spezialitöteu. Bellc-Zllliance. Spezialitäten. Folirs CaPrieeS.. Nach dem Zapfen- streich. Soll und Haben.— Spezialitäten. Reichshallen. S.'ctstner Sänger. Paffage. Robert Kovpel. Marshall, der Mann mit den Hüten. Georg und Gnsli Edler. Urania. Tanbenstraste 48/40. Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Hörsaal 5—7 Uhr: Dr. Schwahn: Die Vorausbercchmmg der Himmelscrlcheinungen. Jnvalidenslraste 57/63. L-tcrn- warte. Täglich geöffnet von 7 bis l t Uhr. verlioer Iiiester. Charlottenstr. 90/92. tindalosia* Dramatisches Gedicht in 5 Alten von Florian Endii. A n s a n g 8 U h r. Morgen u. folg. Tage:(tnitalosis. Sonntag nachm. 3 Uhr: Anitalosia. Neues Theater. Anfang 7 ff, Uhr. Gin Scnunernachtstraum. Morgen u. folgende Tage: Eiu Sommernachtstraum. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Hidalla. Sonnabend: Hidalla. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Lere. Hierauf: Der zerbrochene Krug. Abends 8 Uhr: Hidalla. Montag: Nachtasyl._ Car! Weiß-Theater. Gr. Franksurterstr. 132. Der MliiMgler wider Wen. Anfang 8 Uhr. Margen: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend nachm.: Kinder- Vor- stellung: Die sieben Raben. Abends: •er Widersaenstlgen Zähmung. Urania I"."»: 8 Uhr; Im Lande der MitternaclitssonQe. Hörsaal 5— 7 Uhr: Dr. Schwahn: Die Vorausberechnung der Himmels- Erscheinungen. Sternwarte ) CASTAN S ÄNOPTICUM. Friedrichstr. 165. Joels Traum. !! Pompeji!! Die ISIire des Taters! Restaurant: Dresdener Sänger. Theater des Westens. Station Zoolog. Garten. Kantstr. 12. Freitag: 4. Vorstellung im Freitags- Abonnement: Der Opernball. Sonnabend nachm. 3 Uhr, kl. Preise: Nathan der Weise. Abends 7ff, Uhr zum erstenmal: Die Zauberflötr. Sonntag nachm. 3 Uhr, halbe Preise: Der Troubadoitr. Abends 7 ff» Uhr: Der Opernball. Montag: Der Opernball. Trianon-Theater. Heute und selgende Tage: ATsdsrne Torera (Madame L'ordonnance). Schwank in 3 Akten v. Jules Chance!. Deutsch von Max Schoenau. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm.: Das Ende der Lilebc. Hur noch tinige Toge! Letzte Woche! Ein Abend in einem amerikanischen AM- Tluxel-Taoxel. Dazu: Hochzeitsabend und Spezialit. Sonntag, den 15. Oktober, nachm. 3 Uhr, bedeutend ermäßigte Preise: Ameriltanisehsr Tingel-Tangel und das groBe Spezialitäten• Programm. WalhaflFTheater Weinbergsweg 19/20. Direktion: Kichard Schnitt. Heute und folgende Tage: Eine tolle j>Tackt. Vorher: Gr. Spezialitäten-Programm. Ans. 8 Uhr. Zstnichen überall gestastet. lL.ustspisl!hsiis. Abends-«'/, Uhr: Oer f amiUentag, Residenz-Theater. Oireklion! Richard Hlejcander. Heute und folgende Tage: Ansang 8 Uhr: Hie ttiihle des Löwen. Schwant in 3 Akten v. M. Hennequin und P. Bilhand. Sonntag nachm. 3 Uhr: Herltules. pillen._ Hell liier Schiller-THealer 0.(Wallncr-Thcater). Freitag, abends 8 Udr: ITaclisinaiin als Erzieher. Komödie in drei Auszügen von Otto Emst. Sonnabend, abends 8 Uhr: Ein WlntermUpchcn. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Traam ein Eeben. Sonntag, abends 8 Uhr: Krieg im Frieden. Theater. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Freitag, abends 8 Uhr: tilgen rechts. Komödie in 3 Akten v. Jen Lehmann. Hieraus: �mu Einsiedler. Lustspiel in 1 Zlufz. v. Benno Jacobson Sonnabend, abends 8 Uhr: Elnehsntann als Erzieher. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Fnlirmann Hcnschel. Sonntag, abend? 8 Uhr: Flachsmanu als Erzieher. Hasenheide. NeUC Welt# «onntag, den 15. Oktober 1005 Große Vohltätigkeits- Matinee _____ T>. TT.1 O zum Besten der 2342b Streikemlen u. Ausgesperrten der in der Elektro-lndustrie beschält. Arbeiter und Arbeiterinnen veranstaltet von dem Gesangverein„Sorgenfrei", M. d. A,-S.-B. und dem Musikverein„Echo", Bixdorf. ErgffnunyJI Uhr.___ E � 3k__ Anfang 12 Uhr. 'XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. Komischer Cialaabend. Mexiko. Große Ausstattungs- Pantomime aus dem mexikanischen Pflanzerleben, Besonders hjrvor/uheben: Der hochinteressante Bärenrutsch. Die Beiden vom Yaluu. Port Arthur in ihren milit. Infanterie-Exerzitien. Japanische Infanterie. Ausgesuchte Repräsentanten der Armee des Mikado. Tier Soenrs Atletas. Zworgclowu Franpois mit dem Zwergpferd. The 3 Brooklyns als lustige Scherenschleifer. Metropol-Thcater Präzise 8 Uhr zum 35. Male: Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Kapellmeister Max Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Waiden a. D.x Miß Giifford a.D. Bender x Giampietro Josephi x Massary x Frid-Frid Steidl x Lilly Walter. Bauchen in all. Räumen gestattet. __ Anfang 8 Uhr. Palast-Thealer Burgstr. 24, 2 Min. v. Bh. Börse. Täglich 8 Uhr. Entree 50 Pf. DasseiisätioneüeOlttolierprosraiiiffl Serra CoDipagole Berlins bester JllusionS- Akt und elf erstklassige Nummern. Dazu: EJin Kater. Schwank in 1 Akt. Familienkarte» sind in alle» Barbier-, Friseur- u. Zigarren- geschaften sowie im Theater- bureau unentgeltlich zu habe». Boranzeige: Sonntag, 15, Okt., nachm. präzise 3 Uhr: Gastspiel des P/Mliam Lowe- Ensembles Der HUttenbesitzer. Schauspiel in 5 Akten von G. Obnet. Zirkus Albert Schumann Zum 16. Male: Sensationeller Erfolg. Die gr. Novität l Der Tag des EtnxHscken Derby. Das Leben und Treiben nach dem Original, ans das glänzendste in- szemert vom Dir. Alb. Sohumann. Einstudiert vom Ballettmeister Pralesi. I. Akt: Im Rcnnstall des Lord WcatHerdon. II Akt: a) Der Favorit. b) Das Rennen, c) Huldigung des Siegers. III. Akt: Ans dem Heimweg. Vorher: Das vorzügliche Programm. U. a.: Neu I Herr Hanser, der urkomische Humorist. DaS einzig existierende einen halben Sältnortale sehlapde Pferd. Die höchst originellen Damkn-Fust-Rtugkämpft. 12 Engländerinnen u. Amerikanerinnen Die phänomenalen .Jahn und Eoals Boiler mit ihren noch nie gesehenen Vor-lii!lIM«ärt8-8aIlWgrtaIeii ans dem Zweirad. Direktor Alb. Schumanns neueste Monsterdrefsuren:c. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Kean. Sonnabend: Der jüngste Leutnant. n.: Willn Sonntag nachm. Abends: Kcan. Montag: Das Erbe. Ihelm Tcll. KasinosTheater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Glänzender Erfolg! „Der AdelSnarr." Neu! Rheingold-Trio. 3lfia mit dressiertem Pfau zc.«. Soimtagnachmiitags 4 Uhr: „Ein Sohn des Volkes." Bernhanl Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraßo 58. Heule Freitag, den 13. Oktober er.: Die Klinde von Poris oder: Die llilekkohr dos Verbannten. Tchaujp in 5 Abi v. F. Hermann. Ans. 8 Uhr. Kasscneröftnung 7 Uhr. Preise der Plätze: Entree 30 Ps., numerierter PI. 50 Ps. Sonntag nachm 3 Uhr, bei kleinen Preisen: Die Blinde von Paris. Gebrüder Kerrnfeld-Theater. Zum 173. Male: Vis "f! ssb tV* äv** Komödie in drei Akten mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Vorverl. 1t-2 Uhr. In Vorbereitung: Der Famllientag. Eine Erbschaftskomödie von Anton und Donat Herrnseld. Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee Nr. 118. Tonntag, Montag, Mittwoch: Konzert, Theater u. Spezialitäten. Stets wechselnde Spieisolge. N. d. Vorstell.: Gr. Extra-Danz. Ansang Sonntag? 6 Uhr. Wochentags 8 Uhr. W. Noacks Theater. Direktion: Roh. Dill. Brumienstr. 16. Eva. Schauspiel in 4 Akten von R. V o ß. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Ps. Sonnabend: Herbstoergnügen der Stellmaoher. Zur Aufführung gelangt: Der Getieistudent von Berlin. Budapester Possen-Theater = 132 ünienslr. 132== Ecke Pricdrichstraße. Kach dem Hapfenstreieh, Militär-Humoreske von Satyr. Vorher: Soll und Haben und der ausgezeichnete Spezialitätenteil. Kasseneröffnnng 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Vorstellung zu halben Preisen. garjjes Vereins-Kaie. Nene Königstratze 7. Fahrverbindungen nach allen Stadt- teilen. Empfehle meine Säle für Ver- sammlungen, GewerkschaftSsitzungen und für Vereinssestlichkeiten. Kulante Bedienung. A.doll' Barde.• Lrfuri. Köln. Wir empsehlen Parteitags Protokolle die ein reiches Material zur Geschichte der Partei, ihrer Kämpfe, ihrer Grundsätze, ihrer Taktik bieten. Nachstehend heben wir die Hauptpunkte der Verhandlungen aus der jeweiligen Tagesordnung in summarischer Inhalts- an gäbe hervor. Vergriffen find die Protokolle von 1892, 1896, 1901—1903. VaM«' 1890. Neuorganisation; Programmrede Liebknechts; Stellung zu Streiks und Bohkotts: Auseinander- setzung mit den„Unabhängigen". M.-"0 1891. Festsetzung des Programms: Programment:.: so; Ausschluß der„Unabhängigen": Taktik d>i Partei. SN.—(r,ü. 1893. Gewerlschastsbewegmig; Antisni Ismiis/ Wahl- recht und Beteiligung an prenusichen Landtags- wählen. M.—,40 VraDlilurl 1891- BudgetbewilligungSsrage in den Landtagen: � J Agrarfrage; Trusts, Ringe und Kartelle. M.—,25 �IrP�laU 1895. Llgrarprogramm; Hausindustrie. ny—.Zg 1897. Preußische Landtagswahten: Militarismus. Broschiert M.—,35 1898. Koalitionsrecht; Bergarbeiterschutz; Preußische Landtagswahlen; Zoll und Handelspolitik. Broschiert M.—,35, gebunden M.—,60 ttaftHOttSr 1899' Bernstein-Debatte; ZuchthauSvorlage: Militär. frage. Broschiert M.-.50 WfolN? 1900, Weltpolitik; Verkehrs- und Handelspolitik: Taltik � bei dm Landtagsivahlen: Anhang: Bericht über die Frauenkonserenz. Broschiert M.—,50 ÄrßMlßM. 1901- Maifeier; Amsterdamer Kongreß; Organisations- frage; Fall Schippe!: dritte Frauenkonserenz. Broschiert M.—,70, gebunden M. 1,— 1905. Neuorganisation: Massenstreik; Maiseier: Jugend- erzichung. Broschiert M.—,70, geb. M. 1,— Kamdurg. Stuttgart. 5ena. ßuchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindcnstr. 69, Blitz8 Schnell 235115 kemml man mit der Hochbahn bei IVclngartcn, Gitsohlnerstr. 72, Station im Hause. Empsiehlt: 1 Fo8tsn htungt8-In!l!gö, I Foulen AAongk-pglelols, !!! Fo8lkn htong!8-Be!nldg!dös zu staunend billigen Preisen, ——— auch für korpulente Herren paffend.> Dieselben sind von seinen Kavalieren und Reisenden, die nur einen Monat ihre Garderobe tragen. 3866L� Fahrgeld wird vergütet. G Bitte auf Hausnummer zu achten. 000000 -Magazin. Pr. Janitzkow, Polsterwaren. Kigenc Ti»clilcrcl. 14313g*] XW., Tnrmatr. 45._ Eigene Werkstatt. Rosario Guerrero Spanlscbe Tänzerin. Gebrüder Artois, kom. Rockkünstler. Die mysteriösen Husaren. Ludwig Amann, Mimiker. 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tne-�no-/ilni??? s_____ En tree ÄO Pt. Breuer8 Feslsäle zur KänigSdank, Brache Franksurterstr. 117. Jod. t'reiteg: Drlgln»!- Harburger Sänger. (Dir. C. Frick u. F. Karcha» W Krause.) Ans. 8»/,. Entree 30 Ps. Jnhab.vonVor. zngSkart. 28 Ps. Kinder 10 Ps. Nachher: Tana-Kranaelien. Dr. Simmel, Sx Speziala.rzt für 29/14* Unat- and H arnleiden. 10—2,5—7. SonntaqS 10—12, 2—4 Freie Vereinigung der Sauarbeiter Serlins und Umgegend. Sonniag, den 15. Oktober, vormittags 10 Uhr, im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27c: ' General-Bersammlung.' Tages- Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal 1903 und Bericht der Revisoren. 2. Diskussion. 3. Antrag des Vorstandes wegen Acnderung der Statuten. 4. Vereinsangelegenhciten und Verschiedenes. Wegen der Wichtigkeit der Dagesordnung ist es Pflicht jeheS Kollegen zu erscheinen. ZUtxUedndnel» loffUlmlert, Ohne dasselbe kein Zutritt. 3118 Der Borstand. I. A.: Berinnnn Norgel. Vereinipng der Zimmerer Deutschlands. Bureau: Berlin C. 54, Dragonorstr. 15, H. I.— Telephon; Amt III. Nr. 5028. Sonntag, den IS. Oktober er., vormittags 10 Uhr, in den„Jndnstrie-Festsälen", Beuthstraste Nr. SO: iußerordentliclie Versammlung des Vereins der Zimmerer Berlins u. Umgegend. TageS» Ordnung: A. Juppenlatz über:»2 Arbeiterbewegung und die Stellung unserer Organisaliou zu den lebten Ereignissen« 4. Vertrag des Kameraden A. juppenlatz über:«Wandlungen innerhalb her deutschen 258/10 2. DlSlujsion. 3. Verschiedenes. AUgernrine Kranken- n. Sterhekaffe der Metallarbeiter. (E. H. 19, Hamburg.) Piltale Berlin V. Sonnabend, den 14. Oktober, abends 8'/, Uhr, bei Patt, Oragonerstr. 18: Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Ausnahme von Mitgliedern In die für die Frauen unserer Mitglieder gegründete Sterbekasse. 3. Verschiedenes. Zahlstellen sind geschleflcn. Beiträge werden tn der Versammlung entgegengenommen. 2517b MtglledSbuch legttimiert. Ter Vorstand. I. Sl.: A. Jiippenlat«. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltnng. Tischler-Verein zn Serlin. ffi. H. Nr. 89. Sonnabend, den 14. Oktober, abends S'/i Uhr, Jfelchlorstr. 15; General- Versammlung. TageS-Ordnung:' Kassenbericht vom dritten Vierteljahr 1905. Vortrag deS Herrn Stripp über:»Maxim Gorki- mit Rezitationen aus seinen Werten.— Ausgabe der Billetts zum 34. StistungSfest w.Sanssouci", Kotibuserstr. 4a. ••»«»» TaS O.uittu»gsbuch legitimiert. 199/7 Der Vorstand. Aktiva (S. G. m. b. H.) Bilanz-Konto am 30. Juni 1905. Pniiiua An W. Waren-Konto Kassa-Konto.., Bank-Konto.., Efselten-Konlo., Städtische Spar» lassen-Konto., Inventar-Konto Bestand M. 30 559,12 10°/, Slb» schreibung» 3 055,91 54 919,97 15 072,49 19 878.08 2 770,20 1013.07 27 603,21 Dedltoren-Konto I M. 4 527,54 Slammanicil-Kente, 5181,— Fastagen-Konte., 769,70 (HaSanstalls-Konte» 665,— Darlehn-Konte.. 51672,05 Bau- und Spar» vereins-Konto. 300,— Per GeschästZantell- Konto.... » ReservesendS» �Konto.... , SparfondS. Konto , Lieferanten»Konto , KautienS-Konte. , DispositienSsondS» Konto.... , Dividenden-Kente. Reingewinn.... M. 59 905,87 , 8 026.01 » 55 747,35 , 24 352,58 , 5 220,40 522,62 . 1305,20 , 18 081,48 M. 184 172,41 M. 184 172,41 Der Torstand. Max Menzel Paul Müller F. Tutzauer H. Rietz H. Reitzmann. CMrenliMiIIuHHen ** liefert zu Orig:lnaIpreIaen alle gatigbavcn Cigaretten (Garbdty, Pbttnomcn, Josetti, ttanoll, Bolero, Kapitbn etc.) 45641»* die seit Jahren hier eingeführte Firma Carl Röcker, Grüner Weg 112. (Fernsprecher: Amt VH, 3881.) Spezialität: Dänischer Kapitän-Kautabak, AM Kordhäuser Kautabak, mich Kauch- und Schnupftabake, Cijarelfen Bürstenmacher. Sonnabend. 14. Oktober, abends 8'/., Uhr, im Lokale deS Herrn Pfeffer, Rosenthalerstr. 57: Bvatichcti»Versammlung. TageS-Ordnun 1. Forts Statistik. 3. ES ist Pflicht eineS jeden Kollegen, in der Versammlung zu erscheine». Die Braneben-Kommlaslon etzung der Diskussion über die Konscrcnz. 2. Bericht über die iskusfion. 4. Branchenangelegenheiten. Sonntag, de« 15. Oktober, vormittag« 10 Uhr, in Ahrens Brauerei, Turmstr. 25—28: BezIrkS'Uerfammluns für Ifloabit TageS-Ordnung: 1. Borhag des Genossen Simon Katzenstein über: Venofleu- schaft und Produktion. 2. DiSlussion. 3. Verbands, und Werlstatt» Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Der Elnbernfer. 94/U Branche der Kistenmacher. Zonnabend. den 14. d. MtS., findet bei Boeker, Webcrftr. 17, unser diesjähriges = Herbstfest statt. Einen zahlreichen Besuch erwartet Der Obmann. Zur Beachtung! Die OrtSvenoaltungSfitzung fällt heute auS! Verband der Sattler. Ortsverwaltnnc Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Kranchen'Nersammiungen an folgenden Tagen stattfinden: Geschirrbranche: Mittwoch, den 18. Ottober. Treibrieuienbranche: Achtung: Des Stistungsseftes wegen fällt die Versammlung am l4. Oktober aus und findet dafür am «1. Oktober statt. Taschen-, Koffer- und Galanteriebranche: Donnerstag. den t9. Oktober. Linolenmleger und Teppichnäher: Donnerstag, den l9.OUober. Wagenbranche: Mittwoch, den 18. Oktober. Achtung! Die Versammlungen der Wagenbranche finden nicht mehr in den.Armin-Hallen", sondern regelmässig bei A u g u st i n. Oranienstr. 103, statt. Eisenmöbel und Lederstuhlpolsterer: Mittwoch den 18. Oltober. Sektion Charlottenvurg: Diensiag. den 17 Oltober. »lch'una l Militürsattler! ��»3 1 Montag, den 16. Cftoter, itt den„Armin Ballen-: Außkrordentliche Kranchrnvtrsammlnng. Zahlreiche« Erscheinen der Mitglieder in allen diesen Versammlungen erwartet 157/14 Die Ortsverwaltung. Sonnabend, den 14. Oktober, im Gewertschaftshause, Engrl»Ufcr 15: feier des 17. Ltiitungs-seites. Austreten von ttorot, ttorddeutsehen Humoristen und Ouartottsängera.— Konzert.— Relgentabren, ausgeführt v MItgl d Verl. Arb.-Rads.-Vereins GreRer Ball. Daran Idiiichmende Herren zahlen 50 Ps nach. Ansang präzise 8',. Uhr.-frD Um rege Beteiligung ersucht iUT Enlree 30 Ps. DaS Vergnügungskomitee. ZentrMand der Handels-, Transport- o. Verkehrsarbeiler B Deotschlands. Verwaltungsstelle Berlin 1. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser alles, tteueS Mitglied, der Hausdiener kluxo Lekultx am 11. d. M. plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der EmmauS» Gemeinde, Rixdorf, Hermami- stratze, aus statt. 71/14 Recht rege Beteiligung der Kollegen erwartet Die Ortsverwaltung I. Zentralferband der Handels-, Transport- und Vertehrsarbeiter Deutsehiaods. Verwaltungsstelle Berlin I. Hierdurch diene den Mitgliedern zur Nachricht, datz der auögesderrte � Hülfsarbeiter der SL S.-G., Kollege§ Otto Schwielbai versterben ist. 71/13 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute. Freitag, nachmittags 4 Uhr. von der Leichenhalle des Friedhofes der Friedensgemeinde. Nordend- Rieder-Schönhausen, aus statt. Um recht zahlreiche Beteiligung bittet Die Ortsverwaltung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Ver- wandten. Freunden und Bekamite» sowie dem Schöneberger Wahlverein für die mir gewordene Unterstützung meinen herzlichsten Dank. Witwe Berts Kradel 25266 und Kinder. Sichtung! Achtung! ing: Sicht, 6 uiladung zur IMAmmsdl zum Moutag. den SS. Oltober, im Restaurant Zloaeb, Wilhelmsgarten, in Tempelhos, Berlincrsiratze 9. �''«nd'"'6Kllssrnmltglitdtr. Die Wahl findet von 5'/, Uhr bis 7 Uhr abends statt. Wahlberechtigt und wählbar find nur diejeuigeu Kaflenmitglieder, welche grohsährig und im Besitz der bürgerlichen Ehren- rechte find. 275/1 AIS Legitimation ist da« Krauken- kasten-Quiltungsbuch mitzubringen. Tempelhos, den II. Otteber 1905. Der Vorstand cter gemeinsamen Orts- ger Kr rankenkasse für Dempelhof und Haseuheide. _ W. Kunze, Borfitze, ider._ „BerliMT irbeiter- RatUabrer-lerein" Mitglied de» Arbetter- Radsahrer-Bunde« „Solidarität». Touren am Souutag, IE. Oktbr.: 1. Abt. früh 6 Uhr nach Luckenwalde, mittag« l Uhr nach Teltow(Pieken- Hagen). Start BÜIowstr. 59. 2. und 7. Mi. srüd 9 Uhr nach Schenlendors, bei Grast< Beeren. Psiichttour. Start an den belannteii Plätzen. 3. Abt. miltagS1'/,Uhr FamIIIentolir nach Hirschgatten(WUhelinShos). Slart Mariannenpart. 4. Abt. früh 8 Uhr nach Blesenthat (Flora), nistlag« 2 Uhr nach Franzö- sisch-Bilchholz(Kühne). Statt An- dreasplatz. 5. Abt. früh 7 Uhr nach LIepnItz. see(Forsthau«), miüag« 2 Uhr nach 'ranzösijch.Buchholz(Kühne). Start iltzstum. 6. Abb früh 9 Uhr Streif, üge im Osten. Start Oderbergerstraste 30 (Genossenschast). 8. Abt. mittag« 1 Uhr Damentour nach Hennigsdorf(Brahe). Start Waldftt. 8. Herrentour Stteiszüge im Nordwesten. Statt 1 Uhr Kriminal» gettcht. 9. Abt. mittags 1 Uhr Statt bei Wieke, Schillingslr. 22. Tour wird dott bekannt gemacht. Große Ketten 12 M. ivberd»». Un,nd«>«,»w-t KM-ni mit ft-renitgten neu n ik«dern»et »ufiek tinfiia.iveeUn U.,Piligen. fit«»« 46.«tci.Upe taftenlrei. Biete V Wneekepnnngvtfbreiben. � 4521 L* Ein Kicsenpostcn Mocketplüsch 130 Cmlr. Ualnn von i 66 breit, b InCICr, Mk.•»an ballbarster buntfarbiger Möbel- statt. Reste spotibilltg! m» Proben fkanbo. ans Teppicbhans Emil Lefevre, BE5UN Oranienstr. 158. k-erantw. Nedukt-nr: Paul Büttner, Berlin. Mir de» Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin, l�rvek u. Verlag: B-'-narts Buchdruckerei u. VerlagsanLalt Paul Swg-r& Co., Berlin SW. Redahtion und 6xped{ttom Berlin, Cindenftr. 69. fernfprecber: Amt IT, 1983. | Nr. Ä40. Freitag, den 13. Oktober 1905.| �nfcratc SeAsgetpaltene Kolonelzeile 20 Pia. Bei aröBeren Huttragen entsprechenden Rabatt. Partei-Hngclcgcnbclten. Lichtenberg. Sonnabend, den 21. Oktober, veranstaltet der Wahl- verein in den Gesamträumen der Herren Gebr. Arnhold, Frankfurter Chaussee b, sein diesjähriges K ü n st l e r f e st. Ein reichhaltiges und gut gewähltes Programm verbürgt einen genutzreichen Abend. Billetts sind bei den Bezirksführern und in der Spedition, Krön prinzenstr. 50 zu haben. der Vorort- I�admcbten. Charlottenburg. Die Mitgliederversammlung der Zahlstelle der Vereinigung Maler ic. in Charlottenburg hörte zunächst einen Vortrag des Herrn Ingenieur Walter Behrendt über die Bedeutung der von der Wilden- schaft der Technischen Hochschule inszenierten„Freie Fortbildungs lurse für Arbeiter". Die Darlegungen des Referenten gipfelten in einem Appell zum Eintritt in diese Kurse, wo der Arbeiter, ganz gleich welchen Alters, sich elementare Kenntnisse auf den notwendigsten ge- bräuchlichsten Gebieten des täglichen Lebens erwxrben kann. Nach dem beifällig aufgenommenen Vortrage erstattete Jost als Beisitzer zum Gewerbegericht Bericht über dessen Tätigkeit in der Zeit vom 1. April 1904 bis 31. März 1S05. Eine wesentliche Diskussion knüpfte sich an den Bericht nicht. Die hierauf von Rebel gegebene Abrechnung vom Sommerfest ergab an Einnahme 153,50, an Ausgabe 133.05 M., so datz ein Ueberschutz von 22,55 M. zu verzeichnen ist.— Nunmehr erläuterte Flemming die einzelnen Positionen des neuen Lohntarifs der an die in Betracht kommenden Innungen von Berlin, Char- lottenburg, Rixdorf, Grotz-Lichterfclde und Friedrichsberg-Rummels bürg eingereicht wird. Er wie die nachfolgenden Redner traten für eine noch weitere Stärkung der Organisation ein, damit es auch diesmal möglich werde, den neuen Tarif auf friedlichem Wege vollends durchzuführen. Eine Petition, die sich auf die SäuglingS-Fürsorgestellen bc zieht, hat der Charlottenburger Acrzteverein an die städtischen Bc- Hörden gerichtet. Die Herren haben folgende Wünsche: 1. Es möge für die leitenden Aerzte der Fürsorgestellen eine Dienstanweisung erlassen werden, in der ausgesprochen� wird, datz seitens dieser Aerzte eine ausschließlich auf die Ernährung der Säug- linge bezügliche beratende, aber keine behandelnde Tätigkeit aus- geübt werde. 2. Die städtischen Behörden wollen dafür sorgen, datz die Fürsorgestellen nicht auch von dem Teil der Bevölkerung in An> spruch genommen werden, der seinen wirtschaftlichen Verhältnissen nach imstande ist, selbst für die zweckentsprechende Ernährung der Säuglinge und für deren ärztliche Beratung zu sorgen. 3. Die städtischen Behörden mögen dahin wirken, datz in den Fürsorge stellen nur eine solche Milch verabfolgt werde, welch« nach den sanitätspolizeilichen Bestimmungen als Säuglingsmilch bezeichnet werden darf. Zur Begründung der Forderungen wird angeführt: ad 1. Wie mir jeder sozialhygienischen Einrichtung sind mit der der Säuglings-Fürsorgestellen Schädigungen der Aerzte ber. bunden. Diese Schädigungen ertragen die Aerzte willig, wenn sie davon überzeugt sind, datz dem Gemeinwohl genützt wird. Ist dies aber fraglich, so kann der Aerztestand, dessen Lage, wie be- kannt, eine sehr schwierige ist, verlangen, datz man auch auf ihn als einen wichtigen Bestandteil der städtischen Bevölkerung Rücksicht nimmt, und datz namentlich den jungen Aerzten die Ertverbsverhält nisse nicht unnötigerweise erschivcrt werden. Dies geschieht jedoch, wenn in den Fürsorgtzstellen nicht ausschlietzlich eine beratend«, sondern, wie es nachgewiesen und zugestandenermaßen vorgekommen ist, auch eine behandelnde Tätigkeit seitens der leitenden Aerzte aus geübt wird. Ties müßte durch eine Dienstanweisung an letztere festgelegt werden. aä 2. Eine Kontrolle der wirtschaftlichen Verhältnisse der Be- sucher der Fürsorgestcllen findet bisher nicht statt. Es ist daher möglich und nachweislich vorgekommen, datz wirtschaftlich gut ge- stellte Personen diese gemeinnützig« Einrichtung benutzen, die aus. schließlich, wie in Berlin, nur für die bedürftige Bevölkerung ge- schaffen sein sollte. ad 3. Die in den Fürsorgestellen verabfolgte Mich entspricht unzweifelhaft nicht den Anforderungen, die an eine einlvandsfreic Säuglingsinilch zu stellen sind. Ob überhaupt der Erfolg, den man von den Fürsorgestellen erwartete, erreicht worden ist, erscheint nach der Tatsache, datz der aufgestellten Statistik zufolge 48 Proz. der Besucher nach ein- bis zweimaligem Besuche von den Fürsorge- stellen fortgeblieben sind, zweifelhaft. „lieber alle diese Punkte würde eine Beratung mit den Aerzten eine Klärung herbeigeführt haben. Deshalb bitten wir die städti- schen Behörden, in Zukunft bei ähnlichen Einrichtungen den Char- lottcnburger Aerztevcrein als Vertreter der hiesigen Acrzteichaft zur Beratung zuziehen zu wollen, der stets bereit fein wird, bei hygieni- schen Fragen mitzuwirken." Wir haben die Petition deshalb ausführlich wiedergegeben, weil sie in ihren ersten beiden Punkten ein Zeugnis ablegt von dem kurz- sichtigen Standpunkt der Vertreter der Aerzteschaft. Zunächst ist es überhaupt zweifelhaft, ob die Errichtung der Säuglings-Fürsorge- stellen eine Schädigung der Aerzte bedeutet, denn die Personen, die von dieser Einrichtung Gebrauch machen, gehören zum weitaus größten Teil jenen Kreisen an, die sonst auf ärztliche Hülfe über- Haupt verzichten würden. Aber selbst wenn' eine Schädigung vor- liegt, hätten die Aerzte alle Ursache, derartige soziale Einrichtungen zu fördern, denn das Interesse auf die Gesamtheit steht höher als das auf einzelne Erwcrbszweige. Wir geben ohne weiteres zu. datz namentlich die jungen Aerzte schwer um ihre Existenz zu kämpfen haben, llmsomchr sollten die Aerzte endlich zu der Einsicht kommen. datz sie, wenn anders sie wirklich ihre Lage bessern sollen, nicht gegen Windmühlen kämpfen dürften, sondern sich einreihen müßten in die Schar der Kämpfer um die Beseitigung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, der einzig und allein die Schuld an der Not- läge der Aerzte beizumessen ist. Charlottenburg, seine Geschichte und seine Kunst ist da? Thema des ersten diesjährigen Charlottenburger VolkSkunstabends am Sonn- tag. den 15. d. M.. abends 8 Uhr. in der Kaiser Friedrichschule am Savignyplatz. Erste Kräfte haben sich zur Verfügung gestellt. Karten a 0,50 M., einige numerierte Plätze a 1 M. sind in allen Char- lottenburger Buchhandlungen, im Dürerhaus. Kronenstr. 18 und im Verein zur Förderung der Kunst, Genthinerstr. 17, I zu haben. Tchöneberg. Bürgerlicher Wahlterroriswus. Man schimpft.in bürgerlichen Kreisen so gern auf den Arbeiterterrorismus. Wie aber bei jener Gesellschaft die Mandatsjägerei mit obligater Verbindlichkeit be- trieben wird, dafür liefert uns die augenblickliche Wahlkampagne im zehnten Bezirk zu Schöneberg ein anmutiges Beispiel. Neben den beiden Mandaten der dritten Abteilung steht auch eines der ersten Abteilung zur Neuwahl. Von dieser sind im genannten Bezirk 56 Wähler vorhanden. Durch Zufall ist uns zu Ohren ge- kommen, datz ein früherer Stadtrat, der seinerzeit nicht mehr ins Magistratskolleginm gelangen konnte, jetzt als Stadt- verordneter kandidiert und sich 50 Wähler durch Unterschrist verpflichtet haben soll, am Tage der Wahl ihm die Stinime zu geben. Ob man den Mut haben wird, dies eben- falls als„Terrorismus" zu bezeichnen? Bei den Wahlen zur dritten Abteilung will man dem bürgerlichen Stadtverordneten und Hausbesitzer Schellack, der Anfang dieses Jahres als Ersatz- mann eingetreten war, sogar mit einem bürgerlichen Gegenkandidaten kommen, und zwar in der Person des Stadtv. Treugebrodt, der dafür aber als„ein Vertreter berechtigter Jnter- essen" gilt. In voller Erinnerung steht noch, daß gerade jener Herr vor kaum einem Jahre durch plötzlich erfolgte Niederlegung seines Mandats und Annahme eines Mandats in einem anderen Bezirke von sich reden machte. Weil er nicht in allen Stücken so will, wie seine bürgerlichen Kollegen, soll dem Stadtv. Turnlehrer Zobel, der nicht reaksionär ist. die Wiederwahl ins Stadtparlament erschwert werden. In ge- wissen Kreisen— sollte da nicht der allgewaltige HauS- und Grund- besitzerverein dahinter stecken?— sucht man für die Kandidatur des Mittelschullehrers Kunze Stimmung zu machen; mit diesem hofft man den verhaßten bisherigen Vertreter aus dem Felde zu schlagen. Die Sozialdemokralen werden die Augen offen halten. Zehlendorf. Nachwirkungen des Kirchenbaues. Anfang dieses MonatS wurde in Zehleudorf eine neue, architektonisch übrigens ganz erträgliche Kirche eingeweiht. Die alte, ein kleines nettes, alttnärkisches Bauwerk, sollte den„modernen" Ansprüchen nicht mehr genügt haben insbesondere für den stark wachsenden Ort zu klein geworden sein Dabei wird allgemein und glaubwürdig versichert, datz selbst diese kleine Kirche bei den Gottesdiensten gähnend leer und nur an besonderen Festtagen einigermaßen gefüllt gewesen sei. Trotzdem das dringende Bedürfnis nach der neuen, großen, in der es, wenn die erste Neugier und Sensation der Thron« und Altar- erhaltenden gestillt sein wird, vermutlich bald ebenso leer wie in der alten sein wird. Gleichwohl wurde die Einweihung natürlich mit dem jeden Berliner wohlbekannten üblichen Pomp und Zeremonien vollzogen. Ein Prinz, die„Spitzen" der Behörden, Vertreter deö„hohen" Konsistoriums, alle Lokalgrötzen ivaren dabei. Nur die Ehrenkompagnie fehlte. Noch jetzt ist der Ort, soweit die bürgerlichen Kreise in Bettacht kommen, voll von den Nachwirkungen dieser„Feier". Ein Ordenssegen ist in den Ort ein gezogen, das Lokalblättchen ist voll Rühmens. Rur ein Doppeltes ist bei alledem wohlweislich verschwiegen worden, was wir deshalb hier nachträglich feststellen wollen, nämlich datz erstens von nun an die K i r ch e n st e u e r n erheblich erhöht werden sollen, eine sehr erfreuliche Tatsache für alle opferbereiten Christenherzen in den Tagen der Fleischnot, und zweitens datz gelegentlich der Ein- Weihungsfeierlichkeiten 21 Mitglieder unseres hiesigen sozial- demokratischen Wahlvereins und eine Frau ihren Austritt aus der Landeskirche erklä-rt und voll- zogen haben. Potsdam. Zur Gewerbegerichtswahl in Potsdam kommt für die Arbeiter schaft einzig die Liste Nr. 2 in Betracht, die folgende Arbeitnehmer namen enthält: 1. Maurer Wilhelm Werner, 2. Arbeiter Hugo Krakau, 3. Schneider C. Rüdiger, 4. Tabakarbeiter Max Flohr, 5. Schlosser Otto Matthies, 6. Kutscher Karl Wietina, 7. Steinmetz Karl Jähnert, 3. Töpfer Otto Rogge, 0. Schneider Reinh. Albrecht, 10. Arbeiter Franz NennhauS. Der W a h l t e r nr i n ist festgesetzt: für die Beisitzer der Arbeitnehmer auf Dienstag, den 24. Oktober er., von 11—1 Uhr vormittags und von 6—3 Uhr nachmittags; für die Beisitzer der Arbeitgeber auf Mittwoch, den 25. Oktober er., von 11—1 Uhr vormittags. Das Wahllokal für beide Wahlen befindet sich im Rathause, 1 Treppe, Zimmer 16. Zur Wahl werden nur diejenigen Personen zugelassen, welche in die Wählerlisten eingettagen sind.— Die Stimmabgabe bleibt auf die in den Vorschlaglisten enthaltenen Namen beschränkt. Im Kasernenhof verschüttet. Auf dem Kasernenhof des 3. Ulanen- regimentS in Potsdam hat sich gestern ein bedauerlicher Unfall ereignet. Der 13 jährige Gemeindeschüler Gustav Trenne hatte durch seine Schwester, die Frau eines Vizewachtmeisters, Zuttitt zum Kasernenhof gefunden und vertrieb sich gestern seine Zeit damit, mit einem kleinen Mädchen Höhlen und Tunnels in einen Sandhügcl zu graben. Der eine Tunnel war so groß, datz der Knabe hindurch- zuknechen versuchte. In der Mitte des Tunnels brach der Sand in sich zusammen und verschüttete den Kitaben, der später als Leiche aus dem Sand herausgezogen wurde. Pankow. Parteiversammlung in Pankow. Am Mittwoch fand hier eine öffentliche Versammlung statt, welche von zirka 150 Personen besucht war. Genosse T a u b m a n n- Weitzensce gab einen umfangreichen Bericht vom Parteitage in Jena und wies darauf hin, daß dieser Parteitag den Gegnern eine arge Enttäuschung brachte. Wenn der Parteitag auch nicht alle Wünsche der Genossen von Nieder-Barniin erfüllt habe, so könne man doch mit dem zufrieden sein, was erreicht worden ist. Nachdem Taubmann die einzelnen Punkte der Tages- ordnung des Parteitages gestreift und die dazu gehörigen Reso- lutionen verlesen hatte, meinte er, eS müsse jetzt Aufgabe eines jeden Parteigenossen sein, ernstlich zu agitteren. In der Diskussion nahm zunächst Genosse K u b i g das Wort, um einige ergänzende Mitteilungen zu machen. Die Genossen Freiwaldt, Witte und Neumann sprachen sich im Sinne des Referenten auS; zum Schluß wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die Versammlung hat den Bericht vom Parteitage mit Genugtuung ent- zegengenommen und erklärt, daß die Arbeiten, welche in Jena ge- eistet wurden, nur zum Nutzen und Wohl des deutschen Proletariats ein können.— Sodann kritisierte Genosse Koths das hierorts bo- tehende System, datz die Steuerbehörde bei den einzelnen Arbeit- lebern Nachfrage über den Verdienst der Arbeiter hält; er meinte, sie Gewerkschaften müßten die Arbeitgeber veranlassen, in Zukunft keine Auskünfte mehr zu erteilen. Zum Schluß machte Gen. Freiwaldt noch auf unsere Parteispedition aufnierksam und ersuchte die Genossen, fleitzig zu agitieren, damit sich die Zahl der Abonnente» bald erhöht und das erste Taufend erreicht wird. Stralau- Rummclsburg. Wohl selten bat sich ein Vorort so schnell entwickelt, wie Sttalau-Rummelsburg. Vor drei Jahren war erst eine Einwohner- zahl von 17 000 vorhanden und Ansang Oktober dieses Jahres zählte man 33 332 Einwohner. Der letzte Umzug brachte all ein einen Zuwachs von etwa 3000 Personen. Eine erftenliche Entwickelnng nimmt hier auch die Arbeiterbewegung. Die Mitgliederzahl des Wahlvereins hat sich in kurzer Zeit fast verdoppelt, die Ge- werlschaftsbewegung ist hier eine äußerst rührige und auch der Verband der fteien Gast- und Schankivirte Deutsch- lands, welcher hier eine Zahlstelle errichtete, hat einen guten Boden gefunden. Während früher nur 4 Mitglieder der Zahislelle Berlin angehörten, sind jetzt bereits 30 Genossen dem Verbände beigetreten. Allerdings liegen die Verhältnisse für die Schankwirte wohl nirgends so ungünstig wie hier. Die Steuerlast ist fast unerttäglich; der Gemeindesteuerzuschlag beträgt 150 Proz., die Gewerbesteuer 240 Proz., die Betriebssteuer 150 Proz. Die Bier- steuer mit 65 Pf. für 100 Liter, die Lustbarkeitssteuer kommt hinzu, und sogar eine Musikautomatensteuer gibt es in der Höhe von 36 M., so datz der Schankwirt hier 300— 400 M. mehr Steuer bezahlt wie in Berlin. Der Verein wird in nächster Zeit in eine rege Agitation gegen diese Steuerverhälttnsse eintteten. Die nächste Versammlung findet heute. Freitag, nachinittags 5 Uhr, bei Tempel, Alt-Box- Hagen 53 statt. Der Wahlverein Rummelsburg delegierte, nachdem er sich mit dem Parteitage beschäftigt hatte, die Genossen Berger, John, Höhne, Janssen, Schultz und Müller zur Kreiskonferenz. SerUuer J�acbrlcbten. Der Choleraherd bei Berlin. Gestern teilten wir nach der„Voss. Ztg." einiges über die Zu- stände mit, unter denen die Cholera in der Nähe von Stolpe an der Nordbahn ausgebrochen ist. Wir können diese Mitteilungen heute ergänzen; sie geben ein Bild von der unumschränkten Macht, die die Agrarier selbst in der Nähe der Reichshauptstadt in Preußen aus- üben und von der Gewissenlosigkeit, mit der die matzgebende Schicht in Preußen den Lebensinteressen der Gesamtbevölkerung entgegenhandeln darf. Das Gut, auf welchem der Krankheitsherd sich gebildet hat, ist im Besitz eines Kammerherrn v. Velt« heim. Von diesem hohen preußischen H o f b e a m t e n hat ein preußischer Hauptmann a. D. namens R. G r a v e n st e i n das Gut seit zwei Jahren in Pacht. Während der vorige Pächter am Orte beliebt war und nur einheimische Arbeiter beschäftigte, glaubte Herr Gravenstein mit Ausländern viel profitabler zufahren. Bor einigen Wochen sind für ihn etwa achtzig Männer. Frauen und halberwachsene Kinder aus Galizien am Orte angekommen; Leute, die kein Wort Deutsch können und auf einer nach unseren Begriffen außerordentlich niedrigen Kulturstufe stehen. Mögen diese zum Kartoffelbuddeln herangeholten Ausländer an sich schon den Begriff der Reinlichkeit kaum anders als vom Hörensagen kennen, so wurden sie durch die Zustände auf dem Gute fönnlich gezwungen, schlimmer zu hausen als ein ordentlicher Landwirt es seinen Schweinen zumuten inag. DaS Dach des ArbeiterwohnraumeS ist so schadhast, datz der Regen ungehindert ins Innere Zuttitt hat; die Fensterscheiben sind vielfach durch alte Lumpen ersetzt, und wenn die Leute nach des Tages Last und Mühen endlich nach Hause kommen, so müssen sie sich in einein stinkenden Räume, lvo von Ventilation nicht gut die Rede sein kann, auf altem Stroh zur Ruhe legen, oft ohne etwas ordentliches im Leibe zu haben. Männer, Frauen und Kinder von 13—14 Jahren wühlen in diesem Schlaf- räum durcheinander; man kann sich vorstellen, was da in dem- selben christlichen Junkerstaat, der bereits durch die geistvolle Satire des„Siniplizissimus" die gute Sitte gefährdet sieht, sich für ein Wandel herausbilden mag. Die Leute sind in dieser Pcsthöhle derart mit Ungeziefer behaftet, daß Einwohner des Dorfes, die in dem Hause aus kurze Zeit beschäftigt waren, ihre liebe Not hatten, sich von den unwillkommenen Gaben zu befreien. Aber selbst das notwendigste, das Wasser, wird in dem Menschcnstall in einem Zustande ge- braucht, der selbst unter sonst erträglichen Verhältnissen mit Natur- Notwendigkeit Krankheiten hervorrufen mutz. Der Brunnen in der Nähe des Schnitterhauses hat den ganzen Sommer über kein Wasser gegeben und ist erst vor etwa drei Wochen in Stand gefetzt morden. Der Boden ringsherum ist mit allerhand Unrat förmlich übersät und zu allem fließt am Hause auch»och ein Jauche- graben vorüber, der das Gift in den nicht einmal richtig ab- gepumpten Brunnen durchsickern läßt. DaS ekelhafteste Wasser von der Welt mutz von den Galiziern zum Waschen und Trinken be- nutzt werden. Der Pächter deS Gutes, Hauptmann a. D. Gravenstein, ist .etzt natürlich in tausend Aengsten. Er hat dieser Tage folgendes Rundschreiben an seine Kundschaft versandt: Meiner geehrten Kundschaft teile ich hierdurch ergebenst mit, datz von den bei mir beschäftigten ungarischen Schnittern einige Leute— wahrscheinlich an Cholera— erkrankt sind. Diese Leute sind sofort in die Cholerabaracke bei Oranienburg gebracht. Der Rest dieser Leute, die absolut gesund sind, be- findet sich unter dauernder ärztlicher Kontrolle und ist durch Gendarmen dafür gesorgt, datz sie mit niemand in Be- rührung kommen. Mit der M o l k e r e i des Rittergutes haben und hatten diese Leute niemals etwas zu tun und ist es daher gänzlich ausgeschlossen, datz durch die Mi Ich irgend wie Krankheits- erreger übertragen werden. Die Medizinalbehörde hat daher auch ohne weiteres den Milchverkauf gestattet. Indem ich meiner geehrten Kundschaft hiervon Kenntnis gebe, bitte ich, mir das bisher geschenkte Vertrauen in dieser für mich besonders schweren Zeit zu bewahren. Nach den Versicherungen, die wir von Einwohnern des Dorfes Stolpe erhalten, mutz hier ein Irrtum des Herrn Graben- stein berichtigt werden. Wenn er sagt, datz die jetzt unter ärztlicher Kontrolle stehenden Ausländer mit der Molkerei niemals etwas zu tun hatten, fo mag das insoweit zutreffen, als sie nicht bei der Milchbercitung beschäftigt sind. Wohl aber war und ist es vielleicht heute noch unvermeidbar, datz die Milchkutfcher mit den Schnitter» in Berührung kommen; die Vcantivortung der Frage, ob bei dem grauenhaften Schmutz im Schnitterhause nicht doch Krankheitskeime der Milch zugeführt tvurden. möge gewissenhaften Sachverständigen vorbehalten bleiben. Zurzeit drängt die höchste Not natürlich die preußische Re- gierung zu Sichcrheitsmatznahmen. Datz sie von Erfolg seien, toollen wir im Interesse der Bevölkerung hoffen. Aber das, lvas jetzt ge- schieht, nachdem das Unheil ausgebrütet, hätte längst geschehen sollen. Und, so gestchen wir iveiter, die in Stolpe geübte Einzel- Maßnahme ist insoweit von geringem Werte, als ähnliche Zustände, wie dort, noch auf mancher anderen Stelle des platten Landes herrschen mögen. Das Gut des Kammerherrln v. Veltheim liegt zwei Meilen von hier, also fast unter den Augen der Reichs- Hauptstadt. Wenn hier Schmutz und Elend gefährlicher Art an der Tagesordnung war, wie mag es da erst in den Schnitterhäusern des eigentlichen Junkerparadieses aussehen, wo der Gutsherr selbst Polizei ist und sozusagen mit vollendeter Gewissen- losigkeit seinem Profit nachgehen darf? So schlimme Sünden das städtische Hausagraricrtuin auf dem Gewissen hat, so notwendig vor allem in den Mietskasernen der Reichshauptstadt eine strenge Wohnungskontrolle ist, so können hier die Mißstände doch unmöglich so schlimm sein als im Herrschaftsgebiet des preußischen Agrarier tumS, dessen Habgier die einheimischen Landbelvohncr in die Stadt treibt und dessen Patriotismus sich in der systematischen Heran ziehung von Ausländern klassisch bekundet. Die Cholera auf dem Gute Stolpe hat sich weiter aus- gedehnt. Donnerstag waren an Cholera erkrankt zwei Knaben im Alter von lS und 14 Jahren sowie ein Arbeiter, bei dem die Seuche schon Mittwoch festgestellt war. Die Frau dieses Mannes liegt mit ihrem dreijährigen Söhnchen zwar krank danieder, beide sind söge- nannte Bazillenträger, doch ist bei beiden die Cholera nicht aus- gebrochen. Nicht verwandt mit dem cholerakranken Arbeiter sind die beiden vorhin erwähnten Knaben, die an der Seuche schwer danieder liegen. Ein anderer Arbeiter wurde gestern in die Baracke des Krankenhauses zu Oranienburg eingeliefert. Dort befinden sich auch die vorher aufgeführten Kranke». Weiter wurde festgestellt, daß bei der am Mittivoch unter verdächtigen Erscheinungen verstorbenen Arbeiterfrau Cholera nicht vorlag. Auf dem Gute selbst, wo eine besondere Cholcrabaracke eingerichtet ist, sind gestern sieben erwachsene Arbeiter und Arbeiterinnen als choleraverdächtig erkrankt unter be- sondere Beobachtung gestellt worden. Der Schloßpark in Buch soll nunmehr dem Publikum geöffnet werden. Gelegentlich der diesjährigen Etatsbcratung nahm die Stadtverordneten Versammlung einen darauf hinzielenden Antrag unserer Ge nassen Heimann. Bruns und Borgmann an; und jetzt hat die Deputation für die städtischen Rieselfelder beschlossen, den Park im unteren Teile herrichten zu lassen und nur im oberen Teile, am Schloß, einen kleinen Platz für die Gutsbcivohner abzugrenzen, so daß so ziemlich der ganze Park dem Publikum zur Verfügung steht. Durch Plakattafeln soll auf den Park aufmerksam gemacht und sollen ferner die Anlagen dem Schutze der Besucher empfohlen werden. Außerdem will man beim Magistrat die Anstellung eines ständigen Wächtexs beantragen. Neben den königlichen Gärten in Potsdam gibt es wohl in der ganzen Mark Brandenburg keinen schöneren Park als den in Buch, und mancher Bewohner des Nordens, der erst einmal dort gewesen ist, dürfte dies herrliche Stück Erde immer von neuem wieder aufsuchen. Ein anderer Beschluß noch ist gefaßt worden, der fi'ir die Bewohner des Nordens ebenfalls von Interesse ist. Es handelt sich um die Erhaltung des Waldes bei Buch. Ob- Ivohl der Wald seinerzeit zur Anlegung von Rieselfeldern gekauft wurde, sollen doch die Bäume nicht weiter niedergelegt werden. Vielmehr will die Stadt einzelne Flächen neu aufforsten, so daß ein geschlossener Waldkomplex von 1800 Morgen Größe entsteht. Diese Sorge um den Wald war aus ethischen Gründen schon notwendig, da der Fiskus systematisch in der Umgegend von Berlin abholzen läßt und durch sein Volks- feindliches Treiben höchstens die Interessen der G r u n d st ü ck s- speku lauten fördert. Mitten durch den Wald soll die neu anzulegende Kreis- chaussee von Französisch-Buchholz und Schönerlinde führen. Die Stadt Berlin gibt hierzu den Grund und Boden her und zahlt außerdem noch 31 000 M. Beitrag. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß den hauptsächlichen Anlaß zur Erhaltung des Waldes die bereits errichteten und erst in Aussicht genommenen städtischen Bauten bilden. Diese Bauten kosten der Stadt etwa 33 bis 40 Millionen Mark. Sind sie fertig, dann wird sich erst völlig zeigen, welch ein Gewinn in der Erhaltung des Waldes von Buch liegt. Vorab dürfen wir wohl die Hoffnung aussprechen, daß die Bewohner des Nordens die neue Erholungsstätte fleißig und mit ge- bührender Pietät in Anspruch nehmen werden. Die„Uebergangencn". Die Witwe Albertin e Kittel geborene Cuno bat, wie seinerzeit gemeldet, die Stadtgemeinde Berlin zur Universalcrbin eingesetzt. Die Nachlaßmasse sollte dem Fonds der bereits bestehenden W e i s h a n schcn Stiftung für hülfsbedürftige Berliner Privatlehrer und Lehrerinnen einverleibt werden. Da meldeten sich, wie es leider häufig zu geschehen pflegt, zwei„Ueber- gangene", Kinder eines verstorbenen Neffen der Erblasserin, welchen, Ivenn ein Testament nicht vorhanden wäre, nach der gesetzlichen Erbfolge der Nachlaß der Frau Kittel hätte zufallen müssen. Die „Uebergangenen" sind ein Gelegenheitsarbeiter in Hamburg und eine Hauöreinigerfrau in Berlin, welche beide in sehr ärnilichen Verhättnissen leben. Der Oberpräsident hat die Herbeiführung der landesherrlichen Genehmigung zur Annahme der Erbschaft an die Bedingung geknüpft, daß die beiden �Uebergangenen" mit je SOOO'Mark abgefunden werden. Mit Rücksicht auf die hülfs- bedürftige Lage der Leute und weil sich aus dem Testament nicht ergibt, ob sie aus Absicht gänzlich übergangen worden sind, haben sich die städtischen Behörden bereit erklärt, jene Bedingung zu erfüllen. Aus der„Simou, Herman» und Ella Boehm-Stiftung" werden alljährlich am 10. Januar, 31. Mai, 12. Juni und 5. August einmalige Unterstützungen in Höhe von 100 bis 400 M. an solche alleinstehende, ganz oder teilweise erwerbsunfähige weibliche Per- souen gewährt, die noch nicht der öffentlichen Armenpflege anheim- gefallen sind. Insbesondere sollen aber auch Familien unterstützt werden, die ihres Ernährers beraubt sind und denen durch Ge- Währung einer Unterstützung die Möglichkeit zur Begründung oder Wiederaufrichtung einer Existenz geboten wird. Das zinstragend angelegte Vermögen der Stiftung bettägt zur Zeit 204 017,91 M. Aus den Einnahmen dieser Stiftung sind im Jahre 1905 insgesamt 71 Unterstützungen im Gesamtbetrage von 7926 M. gezahlt worden. Die Stiftung steht unter Verwaltung eines Kuratoriums, an welches Gesuche um Unterstützung aus den Mitteln dieser Stiftung zu richten sind._ Havanna- Schuß. Für Raucher dürfte eine Gerichtsentscheidung von Interesse sein, welche Rechtsanwalt Dr. L u b s z y n s k i in der Monatsschrift „Unlauterer Wettbewerb" mitteilt. Dem Inhaber einer Partiewarenhandlung war vom Amtsgericht verboten worden, in öffentlichen Anpreisungen seine Zigarren— 100 Stück für 2,50 M. I— als„Havanna- Schuß" zu bezeichnen. Das Be- rufungsgericht hat indes entschieden, daß jene Anpreisung nicht geeigucr sei, den Anschein eines besonders günstigen Angebots hervorzurufen, und demzufolge die Klage des Schutzverbandes gegen unlauteren Wettbewerb abgewiesen. Der Sachverständige hatte erklärt, daß es in vielen Geschäften üblich sei— drei Pfennig- Zigarren als„Havanna- Schuß" zu verkaufenl In der Urteilsbegründung heißt eS u. a.:„Ein Raucher, der Zigarren zu 2,50 Mark oder 3 Mark das Hundert kauft, weiß ganz genau, daß in diesen Zigarren kein Havannatabak, überhaupt kein besserer, überseeischer Tabak, sondern in der Hauptsache inländischer Tabak enthalten ist; derselbe wird auch, wenn er solche Zigarren nicht in einen» Zigarrengeschäft, sondern in einer Partiewaren- Halle kaust, keine bessere Qualität erwarten." Es komme ihm nur darauf an, eine preis- werte Zigarre zu erhalten und das sei die vorliegende; daß der Käufer durch die Anpreisung in einen falschen Glauben versetzt werden konnte, sei nicht nachweisbar zc. Rechtsanwalt Dr. Lubszynski bemerkt hierzu: Wollte nmn diese Sache verallgemeinern, so müßte man zu der Konsequenz gelangen, daß gerade die größten Unwahrheiten der Verfolgung entzogen bleiben, weil sie vom verständigen Publikum am wenigsten geglaubt werden. Dann könnte man auch„Talmi" als Gold bezeichnen, denn auch hierbei müsse sich ja das verständige Publikum sagen, daß echte Sachen für einen so geringen Preis nicht zu haben seien! Im Großhandel bezeichnet man als Havannazigarren keineswegs solche Zigarren, die ausschließlich aus Havannatabak angefertigt sind. Unerläßliche Bedingung ist nur, daß das Deckblatt aus Havanna besteht; des leichteren Brandes wegen wird die Einlage zumeist mit anderen überseeischen Tabaken gemischt. In Detail- g es ch ästen jedoch wird dieser Grundsatz selten beobachtet. Weltbekannte Berliner Firnren verkaufen zu Preisen, für die sich sehr wohl auch eine Havannazigarre herstellen ließe, ungeschent Zigarren mit Sumatradeckblati. Tabakkenntnisse sind auch unter Gewohnheitsranchern verhältnismäßig wenig ver- breitet; macht aber ein Kenner den Verkäufer auf die Irreführung aufmerksam, so hat dies kaum einen Zweck, da der Mann fast nie Fachkennttrisse besitzt und beleidigt tut, wenn seine berühmte Firnia einer unreellen Handlung bezichtigt wird. In dieser Hinsicht wäre manchem Zigarrenfabrikanten etwas mehr Gewissen- h a f t i g k e i t anzuraten._ Was zu erwarten war. Die Große Berliner Straßen- bahn-Gesellschaft hat gestern in einem Schreiben dem Magistrat angezeigt, daß sie sich der für die Prüfung des neuen 60 Millionen-Planes gestellten Bedingung, das Recht der Stadt auf Uebernahme des Bahnkörpers und Betriebes der bisherigen Linien mit Ablauf des Jahres 1919 anzuerkennen, nicht fügen und sich den von der städttschen Verkehrs- deputation geltend gemachten Rcchtsanschauungen nicht an- schließen könne. Es ist jetzt Pflicht der Staatsbehörden, der Großen Berliner in ihrem Kampfe gegen die Stadt Berlin mit altgewohntem Eifer beizustehen. Sollte dieser Eiser, was an sich ja schwer anzunehmen ist, irgendwie versagen, so hat die„Große" ein Recht, die Staatsbehörden daran zu erinnern, daß sie doch auch in den Kämpfen gegen die Arbeiterschaft dem Großkapital alle nur erdenkbare Unterstützung leihen. Der Herausgeber der„HeiratSzeitung", PodzuS, war, wie wir seinerzeit berichteten, in dem Strafverfahren, welches auf Anzeige des Prof. Dr. v. Bamberg gegen ihn anhängig gemacht worden war, wegen fahrlässigen Meineids und strafbaren Eigennutzes vom hiesigen Landgericht I verurteilt worden. Auf die vom Rechtsanwalt Dr. Richard Schmidt eingelegte Revision hob das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache zur anderweitigen Verhand- lnng an die Strafkammer zurück. Das Gericht schloß sich nach dem Ergebnis der erneuten Verhandlung der Ansicht des.Verteidigers dahin an, daß der Angeklagte in gutem Glauben gehandelt habe. Es erfolgte daher die Freisprechung. Heilsarmee und Staatsanwalt. Das„Verl. Tgbl." meldet: Im Reiche der Heilsarmee kriselt es bekanntlich seit längerer Zeit. Der großen Reklameschau auf dem Tempelhofcr Felde folgten Eni- hüllungcn, die der Verein ehemaliger Heilsarmee-Offiziere veröffcnt- lichte und die ein besonders ungünstiges Licht auf die Finanzwirt- schaft der Armee warfen. Langatmige Entgegnungen, die die Armee- leitung drucken ließ, konnten die Vorwürfe in keiner Weise ent- kräften. Im Gegenteil, das Unheil zog sich noch dichter zusammen. Jetzt scheint sich auch der Staatsanwalt näher mit der HeilS� armee zu befassen. Er ließ gestem bei dem Verfasser einer gegen die Heilsarmee gerichteten Broschüre auflagen, ob der Berein ehe- maliger Heilsarmee-Offiziere die Strafverfolgung beantrage. Spielende Schlächtergcscllen. Unerwarteten polizeilichen Besuch erhielt gestern abend eine in der Dragonerstraße an der Ecke der Schendelgasse belegene Gastwirtschaft. In der Mulackstraße be Inden sich eine Herberge und ein Arbeitsnachweis für Schlächter. Der Kriminalpolizei war zur Kenntnis gekommen, daß gewerbs mäßige Spieler in den Gastwirtschaften der Nachbarschaft stellungS: lose Schlächtergeselle ausbeuteten. Gegen abend um O'/z Uhr umstellten 16 Kriminalbeamte vom Polizeipräsidinin und 8 Schutzleute die in der Dragonerstraße an der Ecke der Schendelgasse belegene Gastwirtschast und nahmen 53 Gäste nach der Wache. 52 wurden von dort nach dem Verhör wieder entlassen, 6 dagegen wurden unter dem Verdacht des gewerbsmäßigen Glücksspiels der Kriminal- Polizei zugeführt. Der Wirt will von verbotenen Spielen nichts gesehen haben. Vielleicht benutzt die heute leider noch nicht besonders starke Gewerkschaftsorganisation der Schlächter diesen Vorfall zur Agitation. ES ist ja eine bekannte Tatsache, daß Spiel leidenschast und andere Laster besonders massenhaft unter Schlächtern und Bäckern angetroffen werden, also unter Arbeitern, die noch der alten patriarchalischen Ausbeutung unterworfen sind und dank dem Einfluß der Meister den segensreichen Einfluß der Gewerkschaftsorganisation noch nicht kennen gelernt haben. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern auf der Britzer Versuche station für drahtlose Tblegraphie. Der auf dieser Station beschäftigte Monteur Emil Hn'tel aus der Liniensfl. 16 in Berlin war gestern vormittag damit beschäftigt, Knpfcrrohr zu biegen. Er hatte es zu diesem Zweck mit Kolophonium gefüllt. Als Hütel nun das Rohr wieder über die Flamme hielt, platzte es plötzlich mit einem lauten Knall und ein großer, heftiger Feuerstrahl schoß dem Monteur in das Gesicht. Die ganze GcsichtShant hing in Fetzen herunter. DaS rechte Äuge wurde so schwer verbrannt, daß eS ver- loren ist, das linke hoffen die Acrzte retten zu können. In be sinnungSlosem Zustande Ivurde der Schwerverletzte in die Rixdorfer Augenklinik gebracht. Mit der Heugabel erstochen. Einem entsetzlichen Unfall ist der 17 Jahre alte Sohn Paul dcS Arbeiters Lehmann aus der Schön- hauser Allee 80 zum Opfer gefallen. Der junge Mann half mit dem ebenso alten Sohn Willi des Molkereibesitzers Schulze, einem Hausgenossen, dem Fuhrherrn Bernetat, der ans dem Hofe des Grundstücks seine Stallungen hat. beim Hcuabladen. Schulze stand auf dem Heuboden an der Luke und warf dem loeiter entfernt stehenden Lehmann jedesmal eine Gabel voll von der Ladung zu. Plötzlich brach Lehmann mit einem gellenden Auffchrei zusammen. Die rechte Zinke der Gabel des Schulze war ihm in das linke Auge eingedrungen und durch die Schädeldecke aus dem Kopfe wieder herausgetreten. Der Verunglückte, der sich wohl gebückt haben muß, als Schulze ihm eine Gabel voll zureichte, wurde belvußtlos vom Boden getragen und nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht. Dort ist er jetzt nach vierzehntägigem Schmerzenslager gestorben. Er war das älteste von neun Kindern. Dir auf dem Bau Bernaucrstraße 81f6eschäftigteii Maurer teilen uns mit, daß ein armer Handelsmann mit Zigarren auf dem Bau hausieren gegangen und hierbei in Krämpfe gefallen sei. Der Polier sorgte dann für Uinerbringung dcS Kranken, seine Zigarren aber wurden auf dem Bau in Verwahrung genommen. Da der Mann unbekannt ist, ersuchen die Maurer ihn auf diesem seine Ware bei Krahlisch, Schönhauser Allee 133a, Seitcnfl. Tr., abzuholen�____ Einer LeuchkgaSvcrgiflung wären in der städtischen Irrenanstalt Dalldorf in der Nacht zu gestern beinahe einige Personen zum Opfer gefallen. Im Zimnier 24 des Hauses l war der Gashahn nicht ordentlich verschlossen gewesen und der Pfleger Nietschke sowie fünf Kranke hatten sich zur Ruhe begeben, als das Zimmer sich allmählich mit Gas füllte. Der Zufall wollte es, daß der Pfleger Rogge erst spät nach Hause kam. Dieser öffnete sofort die Fenster und rettete so die Bewohner des Zimmers vorm Vergiftnngstode. Ein Opfer der Benzine. Der Stadtälteste von Berlin, Geheime Baurat Hermann B l a n k e n st e i n, der jetzt in Charlottenburg, Kalkreuthstr. 4 wohnt, hat gestern einen bedenklichen Unfall erfahren. Der 73jährigc Herr wurde abends vor dem Hause Potsdamersir. 22 von einer Kraftdroschke angefahren und umgestoßen. Er klagte über heftige Schmerzen im rechten Knie und mußte in einer Droschke nach filier Wohnung gefahren werden. Ein junger Lebemann wurde vorgestern abend im Zirkus fest- genommen. Der 17 Jahre alte Kontorist Karl Bläsing, der bei einer Firma in Steglitz angestellt war, hatte früher schon einmal in einem anderen Geschäft eine Veruntreuung begangen, um den großen Mann zu spielen. Vorgestern erhob er für die Steglitzer Firma in Berlin auf einen Check 1200 Mark, lieferte aber das Geld nicht ab, sondern ging damit in eine Mädchenkusipe in der Augnststraße. Hier lebte er flott, gab Wirtin, Kellnerin und Gästen zu trinken, was sie nur verlangten. Das Trinkgeld, das die Kellnerin erhielt, war fürstlich. Nachdem er eine große Zeche gemacht hatte, lud der Lebemann Wirtin und Kellnerin ein, mit ihm den Zirkus zu be- suchen. Als die beiden Damen erwiderten, daß ihre Garderobe wenig zu einem ZirkuSbesuch in so vornehmer Gesellschaft passe, führte Bläsing beide zunächst in ein Geschäft in der Roienthaler- stratze und ließ sie von Kopf bis zu den Füßen neu einkleiden. Dann ging es nach dem Zirkus. Dort saß aber zufällig schon der Prokurist aus Steglitz, ohne daß Bläfing ihn sah. Er ließ den jungen Mann in einem geeigneten Augenblick unauffällig festnehmen und nun Ivar eS mit der Herrlichkeit vorbei und die beiden Damen ivnnderten sich, daß ihr Kavalier auf einmal verschwunden war, wußten es sich nicht zu erklären und gingen etwas enttäuscht nach Hause. Noch mehr aber erstaunten sie, als gestern morgen zwei Kriminalbeamte kamen und von beiden die neuen Garderoben ab- holten. Die Kellnerin, die die Nacht bei der Wirttn geblieben war, mußte erst Ersatz holen lassen und sich bis auf das unterste Gewand wieder umkleiden. Ein schwerer Straßcnbahnnnfall trug sich gestern vormittag an der Ecke der Adalbert- und Oranienstraße zu. Dort wollte der 19jährige Chauffeur B. Kunz aus der Glogauerstr. 4 mit einem Motordreirad an einen Kohlenwagen vorbeifahren, als im selben Augenblick ein Straßenbahnwagen der Linie 11 daherkam. Er wurde von der Elektrischen erfaßt und gegen den Kohlenwagen gepreßt, wo- bei das Dreirad in Trümmer ging und K. selbst schwere innere Verletzungen und Beinquetschungen erlitt. Der Verunglückte wurde auf der nahen Rettungswache in der Adalbcrtstraße verbunden und dann in die Wohnung seiner Eltern geschafft. Wer die Schuld an dem bedauerlichen Unfall hat, ist noch nicht festgestellt. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird ain Dienstag, den 17. Oktober, der Geologe Herr Dr. Wehrli aus Zürich einen Vortrag über die Alpen- und Wllstenfahrten halten, welche Kapitän Leo Spelterini im Ballon in den letzten Jahren unternommen hat. Bei dieser Gelegenheit iverden die hochinteressanten Originalauf- nahmen des Kapitän Spelterini vorgeführt werden. Zum Besten der streikende» und ausgesperrten Arbeiter und Arbeiterinnen in der Elcktro-Jndusttie veranstaltet der Gesangverein „Sorgenfrei"(M. d. A.-S.-BY mit dem Musikvercin„Echo"-Rixdorf eine Matinee am nächsten Sonntag im großen Saale der Neuen Welt, Hasenheide. Anfang des Konzerts 12 Uhr, Entree 20 Pf. Billetts sind in den mit Plakaten belegten Handlungen sowie an der Kasse zu haben. Da der Eintrittspreis nur gering ist, so ist wohl ein zahlreicher Besuch zu erwarten. Vermiscdtes. Hausfriedensbruch auf offener Straße. Der Bezirksamtmann Pracher in Mallersdorf(Nieder-Bayern), der Schlvicgcrsohn des ehemaligen Finanzmimsters Riedl, hat die Entdeckung gemacht, daß man aus offener Stratze einen Hausfriedensbruch begehen kann. Einem Gemeinde bevollmächtigten, der im vorigen Jahre Schnee auf die Stratze schaufeln ließ, um sie für Schlitten befahrbar zu machen, drohte er, ihn wegen Hausfriedensbruchs zur Anzeige zu bringen. Dieser und ähnliche Ilebergriffe veranlaßtcn die sozial- demokratische Partei, in dem im Bezirksamt Mallcrsdorf gelegenen Marktflecken Pfaffenberg eine Versammlung einzuberufen, die der Bczirksamtmann mit allen Mitteln zu hintertreiben suchte. Er gab an die Bürgermeister einen Erlaß heraus, in dem er verlangte, daß die Versammlungsplakate wegen Ausreizung zum Klassenhatz zu konfiszieren feien, er versuchte, den Saal ab- zutreiben, und als ihm dieses nicht gelang, ließ er den Saal, in dem allwöchentlich Tanzmusik stattfindet, untersuchen, ob er nicht baufällig sei. Als auch dieses Mittel versagte, ließ der Be- zirksamtmann von drei Gendarmcriestcttionrn die abkömmliche Mannschaft zusammenkommen und stationierte sie neben dem Ver- sammlungslokal, um gegebenenfalls„eingreifen" zu können. Die Versammlungsbesncher waren vernünftig genug, hierzu keinen An- laß zu geben. Ter Referent der Versammlung, der Redakteur der„Münch. Post" G r u b e r, deckte eine Reihe von Eigenmächtig- leiten des Bezirkspaschas mif, er verwies darauf, daß der Bezirks- amtmann ohne Recht einen Gemcindebcvollmächtigtcn vom Amte suspendiert hatte, daß er ohne gesetzlichen Grund die Ausstellung einer Jagdkarte verweigerte, daß er bei der Eidesabnahme rauche, in seiner Amtsstube eine Anzahl Hunde halte, aber die Bauern an- fahre, wenn beim Betreten des Amtslokals ihre Stiefel nicht ge- wichst sind, daß er eine mit 45 Unterschriften versehene Petition, statt sie deni Distriktsrate vorzulegen, in den Papierkorb warf, ja daß er den Pfaffenberger Armen die sozialdemokratische Versamm- lnng entgelten lassen wollte, indem er meinte, die Pfaffenberger Gemeinde brauche keine Zuschuß, denn sie habe für Versamm- lungcn übriges Geld. Eine die Haltung des Bezirksamtmanncs verurteilende Resolution fand einstimmige Annahme, rmd die An- kündigung, daß demnächst eine sozialdemokratische Versammlung mit politischem Schema stattfinden werde, wurde von der von Bauern des Bezirks besuchten Versammlung mit lautem Beifall auf- genommen. Die Agitation, die der Bezirksamtmann gegen die Sozialdemokratie veranstaltete, hat also für diese gute Früchte ge- tragen. Von dem Bezirksamtmann aber wundert uns, daß er in Bayern und nicht in Preußen zu Hause ist. Wasserstand am 10. Oktober. Elbe bei Aussig-f 0,67 Meter, bei Dresden— 0,70 Meter, bei Magdeburg ch 1.90 Meter.— N» st v u t bei Straußsurt+ 2,20 Meter.— Oder bei Ratibor ch 1,21 Meter, bei Breslau Oberpegcl ch 4.90 Meter, bei Breslau UiNcrpegcl— 1,52 Meter, bei Frankfurt ch 1,34 Meter.— Weichsel bei Brahcmünde ch 2,42 Meter.— Warthe bei Posen ch 0,40 Meter.—«ehe Bei Usch— Meter. Charlotleuburg. F. 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