Dr. 241. nbonnemcnts-Redlngungen: TOonnemcntä, Preis pränumerando! «ierteljährl. z�o fflH, monoU. 1.10 Ml. wSchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer S VfB- EonntagS- uummer mit illustrierter Sonntag». Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post» Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen w die Post> geimng». Preisliste. Unter Kreuzband kür Deuischland und Oesterreich. Ungarn S Mark, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. SÄ. Jahrg. kkschtlil liglich auß«r monlag». Devlinev Volksblsetk. Ble TnJcrtlons-Gcbüljr telrägl für die sechSgespaltcne Kolonel- zeile oder deren Raum 10 Pfg., für politische und gewerlschnstliche Verein». und VersanimIungS.Anzcigcn 2L Psg. „Ateine ZZn-e0 Psg., jedes weitere Wort b Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmiilngS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Lesttagen bis 8 Uhr vormittags geöfsnet. Zelegramm. Adresse: ,.!»s>aliltl»o>tkal Ktklii". Tentralorgan der rozialdemohratifcbcn parte» Deutfchlands. Redaktion: 8 AI. 68, Lindenstraeae 69. TteriitPrcrtirr: Slin» IV,»tr. IHSlt. Expedition: 8M. 68, Lindenatraaee 69. Ttmiilirffher: Amt IV'. Nr. Reform der öffentlichen Zlrmenpflege. Dem Verciu für Armenpflege und Wohltätigkeit unterbreitet Dr. B u e h l, der bekannte Leiter des Hamburger Arinenwesens. einen ausführlichen Bericht über die heutigen Anforderungen an die öffentliche Armenpflege im Verhältnis zur bestehenden Armengesetzgebung. Buchl schildert, wie sich das Prinzip der Zloangsarmenpflege geschichtlich entivickelt hat und wie dieses Prinzip in der gesetzlichen Normierung der Unterstützungspflicht seinen Ausdruck findet, dergestalt, daß >ung diese einerseits nach Inhalt und Umfang ihre feste erhält, andererseits ihre Erfüllung unabhängig von dem Maß der vorhandenen Mittel gesichert wird. Er weist nach, daß die sich in neuerer Zeit geltend machende Tendenz einer Erweiterung der an die öffentliche Armenpflege gestellten Anforderungen in der bestehenden Gesetzgebung ihre Rechtfertigung findet. Die Gesetzgebung ist nicht etwa, wie'sich dies vielfach auf anderen Gebieten zeigt, durch die Verwaltungspraxis überholt, vielmehr bleiben die Leistungen der meisten Armenverwaltungen in bezug auf dasMaß der Unterstützung chinter denjenigen An- forderungen zurück, welche bei richtiger Auslegung der Gesetze in dieser Hinsicht zu erheben sind. Mit Rücksicht darauf nun, daß die Mehrzahl der Armenverwaltungen sich einer solchen Erweitening ihres Aufgabenkrcises gegenüber anz oder teilweise ablehnend Verhalten, hält Buchl eine eform der Armengesctzgebung für dringend notwendig. Ins- besondere ist seiner Ansicht nach hierbei zu der Frage Stellung zunehmen, in welcher Weise in höherem Maße als bisher eine Gewähr dafür geschaffen werden kann, daß die den Bedürf- nissen der Zeit entsprechenden Anforderungen an die öffentliche Armenpflege, soweit sie gesetzlich begründet sind, unter allen Umständen erfüllt werden. Die Reformgedanken von Buehl verdienen die weiteste Beachtung, auch seitens derjenigen, die sich nicht in allen Punkten damit einverstanden erklären können. Buehl verlangt einmal, daß alle Aufgaben auf dein Gebiete der sozialen Wohlfahrtspflege, die an sich auch außerhalb der Armenpflege erfüllt werden können, aus dieser ausgeschieden werden. Auf der anderen Seite hält er eine Abgrenzung der Armen- pflege gegen die Sozialpolitik für nötig. Soll die Armenpflege nicht im Laufe der Zeit zu schwer belastet werden, so ist darauf Bedacht zu nehmen, daß die schon bestehenden sozial- polittschen Einrichtungen weiter ausgebaut und das System der- selben den neuen Bedürfnissen der Zeit entsprechend ergänzt wird, vor allem in der Richtung einer umfassenden kommunalen Sozialpolitik. Buehl nähert sich, wenn er das auch nicht offen ausspricht, sehr der wiederholt von sozialdemo- kratischer Seite aufgestellten Behauptung, daß unsere ganze Sozialpolifik im Grunde genommen nur eine etwas verbrämte Art der Armenpflege ist. Er erkennt die sozialpolitischen Schöpfungen des Reiches und ihre Bedeutung für die Be- kämpfung der allgemeinen Arinenfürsorge an, erblickt aber die Möglichkeit einer Ablösung der Armenpflege durch die Sozial- Politik vorwiegend nur auf der Grundlage einer g e m e i n d- lichen, neben der Armenversorgung stehenden Fürsorge. Die Basis der vom Reich inaugurierten Sozialpolitik ist zu breit, die sie beherrschenden Gesichtspunkte sind zu allgemein, ihre Organisatton ist zu schlverfällig, als daß sie den außer- ordentlich mannigfachen, nach Ort und Zeit wechselnden Be- dürfnissen des Lebens allseitig entsprechen könnten. Eine Reihe wichtiger sozialpolitischer Maßnahmen können in befriedigender Weise gar nicht anders als auf begrenzter Grundlage in Angriff genommen werden. Natürlich bedürfen trotzdem auch die sozialpolitischen Ein- richtungen des Reiches dringend eines weiteren Ausbaues, die Invalidenrenten machen bisher, wenigstens in den Groß- städten, noch keineswegs ein Eingreifen der Armenpflege über- flüssig, sondern stellen nur allzu oft einen Beitrag zu der im übrigen der Armenpflege obliegenden Versorgung der Erwerbs- unfähigen dar. Ebenso reichen die Leistungen der Kranken- Versicherung in der Regel nicht aus,� um die Kosten der Krankenhauspflege voll zu decken, so daß auch hier die Armen- pflege eintreten muß. Dazu kommt, daß von der Kranken- Versicherung noch immer die landwirtschaftlichen Arbeiter, das Gesinde, die Heimarbeiter, zum Teil also die bedürftigsten Kreise der Bevölkerung ausgeschlossen sind, daß die Voraus- setzungen für den Bezug der Invalidenrente so strenge sind, daß sehr oft armenrechtliche Hülfsbedürftigkeit schon vorliegt, wo ein Anspruch aus Rente noch nicht begründet ist, daß endlich die Probleme der Witwen- und Waisenversicherung und der Arbeitslosenversicherung noch ihrer Lösung harren. Ferner regt Buehl an, daß eine künftige Gesetzgebung auch über den Rahmen der eigentlichen Sozialpolitik hinaus darauf Bedacht nehmen möge, daß gewisse Fürsorgeveranstaltungen aus dem Pflichtenkreis der Annenverbände ausscheiden. Das gilt vor allem für diejenigen Ver- anstaltungen, welche, weil erheblich im öffentlichen Interesse gelegen, auf staatlicher Zwangsvorschrist beruhen. So müssen unbedingt die aus sanitätspolizeilichen Rücksichten notwendige Behandlung an ansteckenden Krankheiten, die Unterbringung gemeingefährlicher, zu verbrecherischen Handlungen neigender Geisteskranker, vor allem aber Aufwendungen zu Er- ziehungszw ecken jeder Art aus der Armenpflege aus- scheiden. Wird doch z. B. die unentgeltliche Gewährung des Schulunterrichts in einigen Staaten noch heute als Armen- Unterstützung behandelt! Ist so auf der einen Seite eine engere Umgrenzung des Aufgabenkreises der öffentlichen Armenpflege zu erstreben, so wird eine Reform der Armengesetzgebung andererseits bemüht sein müssen, durch eine präzisere Formnlicrung der die Unter- stützungspflicht der Annenverbände normierenden Bestimmungen die im Rahmen der Armenpflege auszuübende Fürsorgetätigkeit genauer zu umschreiben. Es ist ein unhaltbarer Zustand, �daß Heilstättenbchandlung, Unterbringung in Ferienkolonien, Ge- Währung von Krankenkost und dergleichen von einer Reihe von Armenbehördcn als Armenunterstützung angesehen wird und den Verlust des Wahlrechts zur Folge hat. Hier muß dem freien Ermessen der in Betracht kommenden Organe durch Gesetz eine Grenze gezogen werden. Um auch den kleineren Gemeinden die Möglichkeit der Er- füllung ihrer Aufgaben auf dem Gebiete der öffentlichen Armenpflege zu erleichtern, schlügt Buehl die Bildung leistungsfähiger Verbände vor. Er warnt aber davor, wie cS die Reichsregierung anscheinend durch die an- gekündigte Novelle zum Ilnterstützungswohnsitzgesetz beabsichtigt, den Städten, die ohnehin auf dem Gebiete der Armenpflege unendlich viel mehr leisten als das platte Land, zum Teil die armenrechtliche Versorgung der ländlichen Bevölkerung auf- zubürden. Vor allem hält Buehl es für erforderlich, die Er- füllung der durch das Gesetz den Armenverbänden auferlegten Unterstützungspflicht in höherem Maße als bisher mit recht- lichen Garantien zu umgeben. Heute besteht für den Annen ein Rechtsanspruch auf Hülfe nicht, er ist lediglich Objekt der Unterstützung und daher niemals berechtigt, eine solche zu fordern. Die Folge davon ist, daß die Leistungen der Armenpflege vielfach als etwas minderwerttges, ja als etwas entwürdigendes erscheinen und ferner daß die zur Ausübung der Armenpflege berufenen Personen zu dem Glauben gelangen, daß die Gewährung oder Versagung der Unterstützung gewissermaßen in ihr Be- lieben gestellt sei. Andererseits ist die Schaffung eines sub- jettiven Rechts auf Armenunterstützung, welches nicht nur auf dem Papier stehen soll, unter den heuligen Verhältnissen technisch sehr schwer durchzuführen. Für praktisch bedeutsamer erachtet Buehl daher eine bessere Organisatton und vor allein die Zenttalisation der Aufsicht über die Ausübung der Armen- pflege. Das Reich hat zwar die Unterstützungspflicht der Armenvcrbände gesetzlich geregelt, aber keine Möglichkeit ge- schaffen, nötigenfalls die Erfiillung dieser Pflicht zu erzwingen. Nur so ist eS zu erklären, daß die Art, wie die auf die Armen- Versorgung bezüglichen gesetzlichen Vorschriften seitens der einzelnen Armenverwaltungen gehandhabt werden, die denk- bar größte Verschiedenheit aufweisen— man denke nur an die Armenpflege in der Großstadt und auf dem Lande— ja daß sogar Städte mit annähernd gleichen wirtschaftlichen Ver- Hältnissen ihre Unterstützungspflicht nach den verschieden- artigsten Gesichtspunkten ausüben und daß selbst prinzipiell über den Umfang der Unterstützungspflicht und die Aufgaben der Armenpflege die weitestgehenden Meinungsverschieden- heiten obwalten. Buchl regt daher an, dem Reich ein mit den nötigen Machtbefugnissen ausgestattetes Aufsichtsrecht über die Ausübung der Armenpflege beizugeben; man könnte entweder im Reichsamt des Innern eine besondere Abteilung hierfür schaffen oder das Bundesamt für das Heimatwesen zu einer Reichsanfsichtsbehörde erweitern, welche in der Art, wie das bei dem Reichsversicherungsamt der Fall ist, neben ihrer richterlichen Tätigkeit auch die Aufsicht über die materielle Ausübung der Armenpflege auszuüben hätte. Den Einwand, daß die Schaffung einer solchen Zentralinstanz einen Eingriff in das Sclbstverwaltungsrecht der Gemeinden bedeuten würde, sucht Buehl mit dem Hinweis auf England zu widerlegen, wo durch das Local Government Board eine weitgehende Auffichtsbefngnis sowohl in administrativer wie in finanzieller Hinsicht ausgeübt wird, wo aber ttotzdem die Handhabung der Armenpflege vollkommen in den Händen der Ortsbehörden liegt. Auch mit der einzelstaatlichen Autonomie würde eine Reichsaussicht nicht in Widerspruch stehen. Schließlich empfiehlt Buehl noch eine gründliche R e- Vision der auf den Verl u st der politischen Rechte infolge Bezugs öffentlicher Unter- stützung bezüglichen Gesetze. Mit Recht führt er aus, daß die Bestrebungen vorgeschrittener Armenverwaltungen, ihre Leistungen innerhalb des durch das geltende Recht ge- schaffenen Rahmens den Bedürfnissen der Zeit entsprechend auszugestalten, nicht selten an der ablehnenden Haltung der Bedürftigen scheitern, welche die Vorteile der Unterstützung nicht mit einer Minderung ihrer Rechtsstellung, insbesondere dem Verlust der politischen Rechte zu bezahlen wünschen. Ob eine solche Revision sich darauf beschränken muß, gewisse Leistungen von den den Wahlrechtsverlust bewirkenden Fällen auszuscheiden oder ob dabei mit der durch das heuttge Rechts- bewußtsein kaum noch gerechtfertigten und auch in ihrer armen- politischen Bedeutung wahrscheinlich einigermaßen überschätzten Bestimmung, daß die öffentliche Unterstützung den Verlust der politischen Rechte nach sich zieht, allgemein zu brechen ist— diese Frage läßt Buehl offen. Tatsächlich dürfte kein Zweifel darüber bestehen, daß der Grundsatz, daß Unterstützung aus öffentlichen Mitteln niit der Entziehung der politischen Rechte zu bestrafen ist. endlich verlassen werden muß. Das liegt sowohl im Interesse der Gemeinden selbst, als auch in dem der Hülfsbedürftigcn. Eine Reform der Armengesetzgebung, die der Armut nicht den Charakter eines Verbrechens nimmt, das mit dem Verlust des höchsten Rechts des Armen zu be- strafen ist, ist keine Reform im modernen Sinne- politifche Ocbcrficbt. Berlin, den 13. Oktober. Die enthüllte Diplomatie. Die Londoner Offiziösen bestreiten die Zusage Englands an Frankreich, im Falle der Zuspitzung deS marokkanischen Konfliktes die Flotte gegen Deutschland zu niobilisieren und mit 100000 Mann in Schleswig- Holstein einzufallen. Der„Standard" erklärt aus» drücklich. Fürst Bülow lvisse genau, daß während der ganzen Marokko- Krisis Frankreich niemals Hülfe gegen Deutschland verlangt und Großbritannien niemals Hülfe angeboten hat. Auch nach einem Pariser Telegramm der«N. Fr. Presse", das die„Köln. Ztg." übernimmt und zu bestätigen scheint, hat die britische Regierung zur Zeit der Verschärfung deS Marokkokonfliktes der deutschen Regierung förmliche Erklärungen folgenden Inhalts abgegeben: 1. habe England Frankreich gegenüber seinen Beistand in der Marokko-Angelegenheit ausdrücklich auf diplomatische Unterstützungen beschränkt; 2. sei die Frage eines deutsch-französischcn Krieges zu keiner Zeit und in keiner Form zwischen den Regierungen Eng- lands und Frankreichs erwogen worden; 3. sei keinerlei nichtdiplomatische Hülfe f r a n z ö si s ch e r s e i t s begehrt worden; 4. sei keine solche Hülfe englischerseitS in irgend einer Form angeboten worden. Von einer Absicht, ein Bündnis zwischen England und Frankreich zu schließen, sei vollends keine Rede. Diese Erklärungen seien auch noch in der jüngsten Zeit wiederholt worden. Diese Meldungen scheinen im unversöhnlichen Widerspruch zu den Artikeln des„Matin" und zu den Mitteilungen Jaurds' zu stehen. Die Lösung des Widerspruches kann zunächst derart gefunden werden, daß die englische Regierung als solche die kriege» rischen Versprechungen an Dclcassü nicht gemacht hat, daß ober König Eduard selbst, in dessen Gunst Delcassä hoch stand, Aeußerungen getan hat, auf Grund deren Delcasts seine Berufung auf die sichere englische Hülfe im Ministerrate ausspielte. Aber auch im offiziösen Pariser Telegraphenbureau erfolgt jetzt eine Erklärung. Eine Note der„Agence Havas" meldet: „Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß die in den Blättern erschienenen Erzählungen über die Zwischenfälle, die den Rücktritt Delcassüs begleiteten, und besonders über die Einzel« heiten bezüglich der Sitzung des Ministerrates, die dem Rücktritt Delcaflös voranging, unzutreffend sind." Eine Erklärung in so allgemein gehaltenen Wendungen gleicht einer Ausflucht und kann nur die Bedeutung haben, daß die fran» zösische Regierung das wesentliche des Falles nicht zu be« streiten vermag. � � Sonst liegen die folgenden Meldungen vor: Paris, 13. Oktober. Der„Figaro" gibt eine neue, von den stüheren Meldungen etwas abweichende Darstellung der Umstände, unter denen die Demission Dclcassös sich bollzogen habe. Die englische Regierung habe vor der Marokkoangelegenheit drei- mal die französische Diplomatie ausgehorcht, um zu erfahren, ob Frankreich bereit wäre, einen endgültigen Allianzvertrag abzu- schließen. Die stanzösiische Regierung habe jedoch zweifellos aus Rücksicht auf Rußland sich geweigert, diese Frage in Erwägung zu ziehen. Als jedoch der französisch-deutsche Konflikt einen akuten Charatter annahm, sei es die französische Diplomatie gewesen, welche diese Frage wieder aufnahm, und der stanzösische Botschafter Cambon habe von Lord Landsdowne die mündliche Zusicherung eines effektiven englischen Beistandes für den Fall eines Krieges erhalten. Cambon habe Delcaffü mitgeteilt, daß, sobald der- casus foederis eintreten würde, England seine Zusicherung schriftlich wiederholen werde. Deutschland, welches durch den Botschafter Grafen Wolff- Metternich hiervon unterrichtet worden sei, habe die italienische Regierung wiffen lassen, daß eS den Abschluß einer derartigen englisch- französischen Allianz als einen casus belli ansehen würde. Die italienische Regierung teilte dies am 4. Juli dem französischen Bot» schafter Barrere mit, welcher sofort nach Paris telegraphiert habe. Am 5. Juli war die Demission Deleassös entschieden. Im Laufe des am S. Juli stattgehabten Ministerrats wollte Deleasss unter der Erklärung:„ich habe überdies die formelle Zusicherung deS englischen Beistandes", ein Dokument aus seinem Portefeuille nehmen. Doch fiel ihm Rouvier sofort ins Wort und sagte:„Ich habe die Depesche Barröres, welche besagt, daß Ihre Politik den Krieg herbeiführen wird", und alle Minister sprachen sich einstimmig gegen Deleasse aus. Paris, 13. Oktober. I a u r d S erklärt heute abermals in der „Hnnianits", eS sei kein Zweifel möglich, daß Deleassö im Ministerrat, um seine Kollegen zur Ablehnung von Verhandlungen über die Marokko-Angelegenheit zu bewegen, behauptet habe, England wäre bereit, Frankreich mit seiner Flotte durch Landung von 100 000 Mann zu unterstützen. Die Enthüllungen, so meint JaureS, könnten, so- weit sie Frankreich betreffen, Deutschland in nichts aufregen, sie zeigten im Gegenteil die Aufrichtigkeit der FriedenserklSrungen Frankreichs. Wenn Frankreich wirklich einen Revanchekrieg wünschen würde, hätte sich ihm seit 3S Jahren niemals eine so günstige Ge- legenheit geboten._ Die internationale Politik. Die Rede JaureS' in Limoges, deren wichtige Ausführungelt über die Vereinbarungen Englands mit Deleasse wir zitiert und besprochen haben, enthält auch sonst mannigfache bedeutsame Er. örterungen. Unser Pariser Korrespondent übermittelt unS noch die folgenden Darlegungen: JaureS behandelt in seiner großen programmatischen Rede baS Verhältnis des Sozialismus zur Republik, das sozialistische Ideal und die Methoden seiner Verwirklichung, die Ratlosigkeit des bürger- lichen Radikalismus und schließt mit einer umfassenden Betrachtung der Aufgabe deS Sozialismus in der internationalen Politik. Er aebt von dem plumpen Kniff der Reaktion aus, dem vorwärts. schreitenden Sozialismus das„Problem des Patriotismus" zwischen die Beine zu werfen, ein Manöver, das bei den Radikalen Düpierte und Komplizen gefunden hat. JaureS sagt: Es gibt da kein Miß- Verständnis. Die Nrbeiterinternationale will keine Nation erniedrigt und geknechtet sehen. Alle Verleumdungen werden durch den Wortlaut des Antrages Vaillant, der der Nationalrat der Partei kürzlich einstimmig beschlossen und dem internationalen sozialistischen Bureau übermittelt hat, zunichte gemacht. Dort ist die Aufgabe der Sozialisten bei Ausbruch einer Kriegsgefahr auf das klarste dargestellt. Was die Arbeiterinternationale will, ist v o r e r st eine dauernde und allgemeine Propaganda des Friedens und hernach, wenn der Ehrgeiz und die Machtgier der Regierungen einen Krieg wahr- scheinlich oder möglich machen, eine Aktion des gesamten inter- nationalen Proletariats, die allen Regierungen der kapitalistischen Staaten klar macht, daß die Arbeiter keine Schlächterei wollen. Es gibt keine einzige Frage ztuischen den Völkern, die heute nicht durch ein Schiedsgericht, durch Vernunft, Ver- söhnlichkeit, Billigkeit gelöst werden könnte. Sicher ist es schwierig, die besondere Art, wie diese allgemeine Regel im einzelnen Fall angewendet werden soll, im voraus zu bestimmen. Eben erst hat man ein merkwürdiges Beispiel der offenkundigen Verschiedenheit der Lösungen gesehen, die die sozialistische Partei verschiedener Länder in der gemeinsamen Sorge um die Freiheit, die Gerechtigkeit und um den Frieden anstreben kann— nämlich bei den Differenzen Schweden? und Norwegens. Wäre der von der schwedischen Bonr- geoisie einen Augenblick lang ins Auge gefaßte Krieg trotz der Be- mühungen der norwegischen und schwedischen Sozialisten aus. gebrochen, so ist es klar, dah die norwegischen Sozialisten, die eben erst für die Unabhängigkeit Schwedens eingetreten waren, ihr Land gegen den Einbruch der schwedischen Oligarchie hätten ver- t e i d i g e n müssen. Gleichzeitig aber hätten die schwedischen Sozialisten das Recht und die Pflicht gehabt, sich dem Ver- such einer Vergewaltigung und Eroberung selbst durch P r o k l a- mierung des General st reiks zu widersetzen. Und gerade diese in der Form verschiedene, aber auf e i n Z i e l gerichtete, ver- bundene Aktion der schwedischen und norwegischen Sozialisten hat die herrschenden Klassen gezwungen, zu verhandeln und statt des Krieges einen Schicdsgerichtsvertrag zu wählen. Jaurös spricht dann über den üblichen Trick, den„unpatrio- tischen" Sozialisten des eigenen Landes die„patriotischen" des Auslandes entgegenzuhalten.„Es vergeht kein Tag, ohne dah der deutsche Reichskanzler unseren Patriotismus gegen den AntiPatriotismus der deutschen Sozialisten ausspielt. Und ich bin zu meiner V�rwun. derung genötigt, zu gestehen, dah der Kanzler mich ohne Uuterlah deu deutschen Sozialisten als Muster französischen Patriotismus hinstellt. In Frankreich ist der Handschuh umgedreht. Man ruft da: Ihr schlechten Franzosen, wäret Ihr doch so patriotisch wie die deutschen Sozialisten!" Ter Redner geht dann auf die infamen Lügen ein, die von den Nachrichtenbureans über den Kongreß zu Jena, besonders über die Motive der Ablehnung der Bernstein- schcn Resolution verbreitet worden sind und weist auf die Unredlich- keit hin, mit der der Radikale Clcmenceau das bekannte Dementi V o l l m a r S als eine Absage an den Internationalismus hingestellt hat. Jaures sagt von der deutschen Sozialdemokratie: ..Ich gehöre nicht zu jenen, die ein abergläubisches Vor- urteil für die deutsche Sozialdemokratie haben. Sie hat ihre Stärke, aber sie hat auch ihre Schwächen. Sie hat die Macht der Zahl, der Methode, der Organisation, aber es fehlt ihr ein wenig jener Kampfgeist, die revolutionäre Tradition, die bei uns von der Aktion eines Proletariats geschaffen worden ist, die dreimal die Barrikaden bestiegen hat. Ich weiß, dah der scbwere Mechanismus des Reichs auf die Aktion der deutschen Sozialisten drückt, aber es heißt sie beleidigen und verleumden, es heißt die Wahr- hcit gröblich verzerren, wenn man behauptet, dah sie nicht die Idee des Internationalismus tvahrcn und dah sie Chauvinisten seien, die unsere internationalistische Sanftmut mihbrauchcn." Diejenigen, die die Debatten von Jena fälschen und so, unter einer anderen Form, die historische Fälschung der Emscr Depesche er» ueuern, um zwischen den beiden Völkern ein bleibendes Mihver- ständnis zu schaffen, das von den Mächten des Militarismus und der Oligarchie in beiden Staaten ausgebeutet werden könnte, bc- laden sich mit einer großen Schuld. Nimmt die radikale Partei die Verantwortung für diese Politik auf sich, die sie zum traurigen Erben des in Zersetzung befindlichen Nationalismus machen würde? Wir, im Gegenteil, wollen daran arbeiten, um die Mißverständnisse zu zerstreuen, das absurde Mißtrauen zu�besiegcn, die Völker durch die erstarkende Aktion und die wirksame Solidarität des internatio- nalen Proletariats einander näher zu bringen. In diesem Sinne beurteilen wir die Wcltereignisse. JaureS hebt nun die Bedeutung des e n g l i s ch- j a p a n i- schcn Vertrages hervor:„In der allgemeinen Haltung Eng- lands gibt eS zwei Prinzipien, die wir durchaus gutheißen. Das erste ist, daß die gelben Nationen als große Nationen behandelt und zur Gleichberechtigung in der internationalen Familie zugelassen werden sollen. Wenn England Japan die Hand reicht, so ist das eine große Tat, die wohl den Interessen Englands dienen mag, aber auch der ganzen Zivilisation nützt I" Ter Redner weist darauf hin, daß Frankreichs Servilismus gegen den Zarismus schuld daran hat, daß das um die Erfolge des chinesischen Krieges gebrachte Japan, angesichts der Gefahr zur Mandschurei auch noch Korea an Ruhland zu verliere», zum Kriege greifen mußte, und er zeigte die Notwendigkeit, eine Politik aufzugeben, die während des Krieges die dauernde Ver- letzung des Völkerrechtes und der Neutralitätspflichten zum Gehalt gehabt hat. Auch gegen China wird man nun eine andere Politik einschlagen müssen. An Stelle der ZerreißungSpolitit wird eine loyale Politik der offenen Tür treten müssen, lind diese wollen wir auch für alle Länder und für alle Weltteile proklamieren.„In diesen Fragen sind wir mit England vollkommen eins und wenn inan versuchen sollte, den Streich von 1895 zu wiederholen und Frankreich von neueni mit Rußland und Deutsch- land zu verbünden, nicht um eines FricdeikSwerks willen, sondern um Japan noch einmal zurückzudrängen und Ruhland eine Revanche an der gelten Rasse zu verschaffen, so würden wir unS mit allen Kräften widersetzen." ES folgen sodann die Darlegungen über die Stellung zu Deutschland, in denen erklärt wird, daß Frankreich auf keinen Fall sich in irgendwelche Kombinationen hineinziehen lassen darf, die gegen Deutschland gerichtet sind. Weiter folgen die von uns schon wiedcrgegebencn Ausführungen über den Marokkokonflilt und die deutschfeindlichen Verhandlungen Delcasses mit England. Jaures schließt: Wenn man so die Verantwortlichkeit aller kennt, so muß man sich beglückwünschen, daß nach einer Periode des Herumtastcns, des Zauderns und des gegenseitigen Mißtrauens Frankreich und Deutschland zu einer Verständigung über Marokko gelangt sind, die sich auf der internationalen Konferenz erhalten muß. Aber damit ist noch nicht genug getan. In Zukunft muß Frankreich zeigen, daß cS, mit England befreundet, mit Deutsch- kapd im Frieden, niit keinem Volk Streit sucht, sondern im Gegenteil, mit allen seinen Kräften und mit seiner moralischen Macht, der große Vermittler und Versöhner, der große Apostel deS allgemeinen Friedens sein will. Aber es ist vor allem die inter- nationale Aktion des Proletariats in seiner die Grenzen überspringenden politischen und gewerkschaftlichen Vereini- gung, die in steigendem Maße die Bürgschaft des Frieden?, der Kultur, der Menschheitsversöhnung wird.— Deutlcbce Reich. Die Berprenßung der Eisenbahnen� KZln, 13. Oktober. Der„Kölnischen Zeitung" wird rniS Berlin telegraphiert: Die Betriebsmittelkonferenz, die am 10. Oktober in Berlin tagte, hnt zu dem erfreulichen Ergebnis geführt, daß man über den einzuschlagenden Weg, insbesondere bezüglich der organi- satorischen Einrichtungen, zu einer vollständigen Einigung gelangte. Die Grundlage der Konferenzvcrhandlungcn, die in Ausschuß» berntnngen sofort ihren Fortgang nehmen werden, wird der bayerische Vorschlag bilden, der sich als eine Abänderung des ursprünglichen Heidelberger Programms darstellt, aber, unter Aufrcchterhaltung dieses Programms in seinen Grundzügen, dem „nationalen" Gedanken eine» einheitlichen deutschen Betriebes voll Rechnung trägt. Die jetzigen Hauptpunkte sind: 1. Einheitliche Hnndhabung auf national-deutscher Grundlage, aber ohne Beeinträchtigung der HoHeit-Z- und Besitzrichte der einzelnen Staaten. 2. Größtmöglichste Bescitignng der wirtschaftlich schädlichen Leerläufe. 3. Unbeschränkte gegenseitige Benutzung des GütcrwagenparkeZ. Da Württemberg und Baden, wie bekannt, ihre Zustimmung zu der Personentarifsrage von der Einigung über die Betriebsmittel- gemeinschaft abhängig gemacht haben, so ist der jetzige erfreuliche Stand der Berhandlimgcu über die Bctricbsnnttelgemeinschaft auch fiir die Personciitarlfreform von günstiger ausschlaggebender Bedeutung. Wenn die Maßgebenden von„national" reden, so steckt allemal eine reaktionäre Tücke dahinter. Die„nasionale Einheit" der Eisenbahnen,»ach bayerischem Vorschlage, bedeutet genau so eine Vcrpreußung der Eisenbahnen Deutschlands, wie 1871 die deutsche Einheit, ebenfalls aus bayerischen, allerdings recht unfreiwilligen Antrag, das vergrößerte Preußen.national" schuf.— Die Wahl in Kattswitz-Zabrze hat wider Erwarten schon im ersten Wahlgange zum Siege des Nationalpolen Korsanty geführt. Korfanty erhielt von 41 860 überhaupt abgegebenen Stimmen 23 408 Stimmen. Der Zentrumskandidat Pfarrer K a p i tz a erhielt 9100 Stimmen. der nationalliberale Kandidat Generalsekretär Dr. Voltz 7682 und nnser Genosse M o r a w S k i 4780 Stimmen. Die für die ein- zelnen Kandidaten abgegebene Stimmenziffer variiert sehr von der Stimmenzahl, die für die Kandidaten der belreffcnden Parteien im Jahre 1903 abgegeben wurde. Dainals erhielt Korfanty 11538 Stimmen, das Zentrum 19 002 Stimmen. die Sozialdemokratie 10 044 Stimmen und der deutschnationale Kandidat 3033 Stimmen. Korfanty hat also seine Stimmen- zahl verdoppelt, während sowohl das Zentrum als auch die Sozial- demokratie mehr als die Hälfte ihrer Stimmen eingebüßt haben. DaS Zentrum verlor 10 882 Stimmen, die Sozialdemokratie 5264 Stimmen. An die Stelle des deutschnationalcn Kandidaten war diesmal der nationalliberale Kandidat getreten, der 4649 Stimmen mehr erhielt. Der gewaltige Verlust des Zentrums und der Sozialdemokratie und der überraschende Stimmenzuwachs für den nationalpolnischen Kandidaten Korfanty ist zweifellos ein Erfolg der berüchtigten Hakati st enpolitik. Sie hat sich auch im Wahlkreise Kattowitz-Zabrze bis auf die Knochen blamiert und furchtbar verhaßt gemacht. Daß speziell die Sozialdemokratie mehr als 50 Proz. ihrer Stimmen einbüßte, ist außer auf die Unterdrückungspolitik gegen die polnische Bevölkerung auch auf die skrupellose Hetze Korfantys und seiner Heiser gegen die Sozialdemokratie zurück- zuführen. Alles was an Verleumdungen»nd Lügen gegen die Sozialdemokratie jemals vorgebracht worden ist, wurde von Korfanty und seinen Helfershelfern diesmal ins Gefecht geführt. Und leider war die Sozialdemokratie nicht in der Lage, diesen er- bärmlichen BerleumdungSfeldzug durch ihre Agitation erfolgreich durchlreuzen zu können. I» dem ganzen riesigen Wahl- kreise mit seinen 300 000 Bewohnern stand ein einziges, kaum 300 Personen fassendes VersaminlungSlokal der Tozialdemo- kratie zur Verfügung. Die Flugblattagitation allein aber hat sich gegenüber der durch Wort und Schrift betriebenen Verleumdung der Korfauty-Partei nicht als ausreichend erwiesen. Auffallen konnte es, daß der nationalliberale Kandidat eine relativ so hohe Stimmenzahl erreicht hat. Die nationalliberale Stimmenzahl erklärt sich aber sehr leicht, wenn man bedenkt, daß die Agitation für den Dr. Voltz nicht nur von den Werksleitern mit sanftem Druck auf die Arbeiter ausgeübt wurde, sondern daß auch der ganze RegierungSapparat sich in den Dienst der nationalliberalen Agitation stellte.— Bayerische Wahlrechtsdebatten. München, 13. Oktober.(Depesche.) Kammer der Abgeordneten. In der fortgesetzten Beratung der Wahlgcsetzanträge erklärt Minister Graf Feiliysch, die Regierung wünsche das Zustandekommen des Wahlgesetzes und habe dicS durch die Vorlage l*:s Entwurfs in der letzten Session bewiesen. Sie stehe noch heute auf der Basis jenes Entwurfs; sie werde im Ausschuß ihre Stellung vertreten und ent- sprechende Anträge stellen. Der Minister betont nochmals die Grund- sähe, nach denen die letzte WahlkrciLcinteilung gemacht' wurde, und rechtfertigt das Verhalten der Regierung in der ganzen Wahlsrage. Die Regierung werde wie bisher so auch künftig bemüht sein mitzu- wirken, daß em neues Wahlgesetz zustande komme. Abg. Gerstcnbcrgrr(Z.) beschwert sich, daß der Ministerial- erlaß über die Bildung kleinerer UrWahlbezirke von den Bezirksamtmännern vielfach als Luft behandelt worden sei, und daß die späte Bekanntgabe der Urwahlbezirkseinteilung die Erledigung von Be- schwerden unmöglich machte. Wenn der Minister so schwach sei, daß er aus die Bezirksamtmänner nicht mehr einwirken könne, so wäre cS an der Zeit, daß er einer stärkeren Kraft Platz mache. Casselmann(liberal) führt aus, das Ministerium werde das Zentrum niemals zufriedenstellen, wenn es ihm nicht sämtliche Mandate verschaffe. Das Nürnberger Programm der bayerischen Liberalen bedeute die Einigung aller liberalen Richtungen zum Kampfe gegen den gemeinsamen Gegner, ohne die Selbständigkeit der einzelnen liberalen Organisationen aufzugeben. Der Redner be- kämpft in längerer Ausführung die Sozialdemokratie und das Zen. trum, das Wahlbündnis dieser Parteien und die politische Agitation der katholischen Geistlichen. Die unverantwortliche Verquickung von Religion und Politik, die maßlose Agitation der Zcntrumsagita, toren im geistlichen Gewände, die selbst ein Gebetbuch zum politischen Kampfe mißbrauchen, haben dem Zentrum seine jetzige Macht verschafft. Abg. Dr. Heim(Z.) wendet sich in scharfen Worten gegen Casselmann. Die Liberalen seien bei den Wahlen dezimiert worden, aber nicht durch die Agitation der Geistlichen, sondern infolge der Fehler ihrer eigenen Partei. Bei den Liberalen herrsche Uneinigkeit, das Zentrum dagegen sei in den Grundsätzen stets einig. Für ein neues Wahlgesetz müßte jener Vertrag, den 1903 die Kammern der Abgeordneten und der Reichsräte abgeschlossen haben, auch jetzt noch die Grundlage bilden; daher sei eine Proportionalwahl unmöglich. Der Minister Gras von Feilitzsch habe durch zu späte Verössentlichung der Einteilung der UrWahlbezirke die Ausübung des Wahlrechts aus dem flachen Lande erschwert und der Bevölkerküt-z ihr Beschwerderecht verkürzt. Die Wcitcrberatung wird heute nachmittag erfolgen.— In der Nachmittagssiiinng wird die Beratung über die Wahl- rechtSanträge fortgesetzt. Ehrhart(Soz.) polemisiert in andcrthakbstündiger Rede gegen die Liberalen. Ministerpräsident Freiherr v. PidewilS wendet sich gegen Casselmann, durch dessen Drohungen er sich nicht«inschüchtern lasse. Das Zentrum habe nicht versucht, durch Drohung mit Budget- Verweigerung die Minister in der Frage der Wablkreis-Einteilung zu beemflussen. Tie Zeitungsnachricht, daß ein Ohrenzcuge Mit- teilungen über Aeußcrungcu im Ministerrat gemacht habe, sei bereits in der Presse dementiert worden. Auf die Anfrage CasselmannS, ob er oder einer seiner Kollegen einen solchen Vertrauensbruch begangen habe, erwidert der Minister« Präsident, daß er auf solche Anfrage keine Antwort gebe.(Bravo! rechts.) Reeb(Z.) betont, daß die Regierung in der Pfalz stets das Zentrum durch die Wahlirciseinteilung niedergehalten habe. � Die Schlußreden der Antragsteller D a l l e r(Z.), M ü l l c r- Meiningen (lib.) und S e g i tz(Soz.) bringen nochmals lebhafte Auseinander- sctzungen zwischen den verschiedenen Parteien. Hieraus wird der Antrag der Sozialdemokraten gegen die Stim- mcn der Sozialdemokraten und Liberalen ab- gelehnt, ebenso der Primärantrag der Liberalen auf Proportionalwahk. Dagegen werden der Zentrums- antrag und der Eventualantrag der Liberalen einstimmig einem be- sonderen Ausschuß überwiesen. Die neueste Heldentat des liberalen bayerischen Polizeiministers. Man schreibt uns aus München: Seit Herbst des vorigen Jahres besteht in München ein„provi- sorisches allgemeines Staatsbcamtcnkoniitce", das sich aus Vor- ständen verschiedener Beamtenverbände zusammensetzt und die Wünsche und Bitten der Beamten in bezug ans die Schaffung eines neuen Beamteugesetzcs, Aendcrung der'Pensiousgcsetze usw. sachlich bearbeiten und der Regierung in Vorlage bringen will. Diesem Komitee gehört auch ein Polizcibeamter an, dem jedoch eines Tages plötzlich verboten wurde, sich an den Beratungen zu beteiligen, ja es wurde ihm von seinem Vorgesetzten sogar verwehrt, mir einer Bcamtendcputation beim Finanzm miste r vorstellig zu werden. Bald darauf ging aber die Polizei noch einen Schritt weiter und er» klärte das Beamte nkoncilee für einen politischen Vereini Zur Begründung dieser kaum glaublichen Maßnahme wurde angcfiihrt, die Tätigkeit des Komitees wolle zu einzelnen Maßregeln der Verwaltung und Gesetzgebung, speziell auf dem Gc- biete des Staatsdiencrrechts, zu Gesctzesänderungen und zur Neu- schaffung von Gesehen den Anstoß geben. Hiergegen wurde der Beschwerdeweg beschritten, jedoch erfolglos. Das Ministerium des Innern erklärte, daß es keinen Anlaß habe, der Beschwerde statt- zugeben. Interessant ist, daß dieses merkwürdige Vorgehen veranlaßt wurde durch die Zugehörigkeit des erwähnten Polizcibeamtcn zum Komitee. Als nämlich der Vorsitzende des Komitees bei einem höheren Beamten vorstellig wurde, soll ihn dieser gefragt haben. warum man gerade Herrn X.(eben jenen Polizcibeamtcn) dabei baben wolle, er glaube, daß gerade hierdurch der Stein ins Rollen kam, da sich sonst die Polizei gar nicht um das Komitee gc- kümmert hätte I Man muß schon sagen, daß dies recht hübsche Verwaltungs- grundsätze sind, die da entwickelt werden. Aber wir wissen ja aus Erfahrung, daß im Reiche des Grafen Feilitzsch nichts unmöglich ist und so licgr auch kein Grund vor, an der Zuverlässigkeit dieser Mitteilungen zu zweifeln. Das Vorgehen, das hier beliebt wurde, geht noch über die Matznahmen hinaus, die man seinerzeit gegen die Münchener Schutzleute ergriffen hat, die von dem ihnen zu- stehenden Versammlungsrecht Gebrauch zu machen versuchten. Da- malS schützte man die angeblich gefährdete Disziplin vor. Da das im vorliegenden Falle nicht anging, hat man zu einem Mittel ge- griffen, das mit den bestehenden Gesetzen auf keinen Fall in Ein- klang zu bringen ist. Besonders unerhört aber ist es, daß man den Polizcibcamten— es handelt sich um einen Kommissar— verbieten, will, sich an einer derartigen Vereinigung zu beteiligen. Mit dem- selben Rechte könnte man dann auch jedem anderen Beamten das gleiche Verbot auferlegen. Daß man dies gern möchte, daran ztveifelt niemand, der nur einigermaßen die. Verhältnisse kennt. Die Re- gierung würde eS gar nicht unangenehm empfinden, wenn sie den Beamten und Bediensteten„das ewige Petitionieren" verbieten könnte. Im übrigen wird die Geschichte wohl noch ein Nachspiel im Landtage haben.—__ Ueber die Laze in Tcutschsudwestafrika gibt General vonFranyoiS im„Militärwochenblatt" eine sehr wenig rosige Schilderung. Nachdem er dargelegt hat, mit wie außer- ordentlich großen Schwierigkeilen die Verproviantierung der Truppen im Hottentottengebiet verbunden sei und daß es infolge dieser unglaublichen Schwierigkeiten kein Wunder sei, daß die Ver- p f l e g u n g unserer Truppen eine schlechte sei, schildert er die Situation im Süden des Kriegsschauplatzes. In den Kämpfen gegen M o r e n g a seien seit April gefallen 43. verwundet 53. an Krankheiten gestorben 60 Mann. Die Pferdesterbe herrsche un- gewöhnlich stark und mache einen Teil der Reiter marschunfähig. Schließlich sagt er wörtlich: „Die Besetzung einiger Orte an der Grenze, allmähliche Füllung der dortigen Magazine und Bereitstellung einer Kompagnie in KeetmanShoop scheint vorgesehen zu sein und dürfte gegen ihn genügen. Bollstäudige Aufgabe des Südens bis zum 26. Grad für einige Monate, D e S- infizierung der zu verlassenden Wasserstellen könnte auch nichts schaden. Irgendwelche namhaften Werte in Magazinen, an Bauten oder Einrichtungen stehen nirgends dort auf dem Spiele. Morenga wird sich dann irgend- wo sammeln und ein greifbareres Angriffsobjekt bieten. Das gleiche gilt von dem nach dem äußersten Südeil geflüchteten Cornelius." Nach der Ansicht deS Generals v. FranyoiS wäre also zurzeit gegen Morenga uichts auszurichten! Die südwestafrikanische Leitung scheint indes trotz aller bisherigen Fehlschläge und Enttäuschungen den Kampf fortsetzen zu wollen. Folgende amtliche Meldung liegt heute vor: Berlin. 13. Oktober. Durch eine Erkundung wurden stärkere feindliche Kräfte, anscheinend unter Hendrik Witboi und Simon Kopp er, östlich A u b e L festgestellt. Major v. Estorff versammelte am 7. Oktober die 1., 2., 6., 7., 8. Kompagnie Regiments 2, 7. Kompagnie Regiments 1. '/z 5. und 7. Batterie in der Linie Persip— Amadab— Harncha-Z gegen sie zum Angriff. Morenga und Morris sind aus den Großen KaraSbergen nach Süden abgezogen. Elfterer hatte früher verschiedentlich Ver- Handlungen wegen seiner Unterwerfung angeknüpft. Jetzt soll er aber erklärt haben, daß er bis zum letzte» Mann kämpfen werde. Weiber und Kinder will er auf englisches Gebiet nach Pella, etwa 75 Kilometer südöstlich Warmbad, bringen. Zum Angriff gegen Morenga und Morris ist Oberstleutnant v. S e m m e r n im Bonnnrsch begriffen, n»d bat am 7. Oktober mit 2. Komp. Regiments 1, 9., 10., 11., 12. Komp. Regiments 2, Vj 3. Ersatz-Kompagnie. Ersatz-Kompagnie 3». 5. Gc- schützen der 9. Batterie, Vj 3. und 2. Batterie und 4 Maschinen- gewehren die Linie AmaS—Hudab—-Dawiguab erreicht. Cornelius hat sich von Morenga und Morris getrennt und ist aus den Gr. KaraS-Bergen in nordwestlicher Richtung an Keet- manShoop vorbei abgezogen. Er hatte angeblich die Absicht, sich niit Hendrik Witboi zu vereinigen, über dessen Flucht nach Osten er nicht unterrichtet war. Er wird durch eine Abteilung von 70 Mann und 1 Geschütz unter Hauptinan» v. Lettow von KeetmanS- hoop aus verfolgt, während die Liiiic Bethanien-Berseba durch ein- zelnc Posten gesperrt wird.— Ein Telegramm a u S W i n d h u k meldet: Am 4. Oktober an der Wasserstelle G o b a S südwestlich Kcttmaiishoop gesellen: Reiter Otto Hoffmann, geboren 24. Februar 1883 zu Lauk. Am 5. Oktober aus Patrouille am Kutiprivier leichtverwundet: Sergeant Karl Boß. geboren 3. August 1877 zu Wißmar, Schuß linke Schulter, rechte Wade. Gefreiter Ad albert K o w a l e lv's k y. geboren 1l. April 1877 zu Tkolki, Schuß rechte Schulter. Gefreiter Heinrich Prange, geboren 1. Januar 1832 zu Barm- stadt, Schuß linke Schulter. Am 9. Oktotzer auf Patrouille bei Bcsondermaid verwundet: Reiter Karl Seeber, geboren 22. August 83 zu Rohr, schwer, Knochenschuß rechten Unterschenkel. Ge» freiter Hermann Börner, geboren 13. Januar 82 zu Ruhnthal, leicht, Fleischschub linken Unterschenkel. Gestorben: Am 0. Oktober im Lazarett Swakopmund an ThphuS und Darmbluten: Militär- Sirankenlvärter G u st a v Jung, geboren 18. November 81 zu Strasburg i. E. Tiskreditimmg der liamernner Beschwerdeschrift. Die„Kölnische Zeitung", die ja betauutlich öfter als halb offiziöses Sprachrohr benutzt Ivird, erhält ein Telegramm ans Berlin über die Besch Werdeschrift der Kameruner Eingeborenen. In diesem Telegramm wird über die Naivität derjenigen gespottet, die es wirklich für möglich hielten. datz sämtliche Obcrhäuptlinge und Häuptlinge in Kamerun die betreffende Beschwcrdeschrift unterzeichnet hätten. Wie der Korrespondent aus bester�Ouellc erfährt, liege dieser bombastischen, wieder einmal die Gefahr eines Aufstandcs in Kamerun an die Wand malenden Nachricht ein recht geringfügiger Vorgang zugrunde. Die Beschwerdeschrift stamme nämlich von dem sogenannten King Aqua Bell und sei von dessen Untcrhäuptlingen unterkreuzt. Man habe sich auch„amtlich die Müh« gegeben", diese Beschwerde- schrift dem Kameruner Gouverneur zur Bericht- e r st a t t u n g zu überweisen. Unter der Oberherrschaft Aqua Beils ständen im ganzen nur ctlva 2000 Dualaneger. Der alte Sing Bell sei ein etwas zu trunkfreudigcr Herr und habe bei den Dualas nur noch geringen Einfluh. Tie führenden Häuptlinge der Tuala, wie Manga Bell, ständen der Unterschrift völlig fern. Tie treibende Kraft der Beschwerdebewegung sei der leider in Deutsch- land sich aufhaltende Bungo Bell, der zurzeit in Hamburg wegen Betruges und Zechprellerei verfolgt werde. Run scheine er dort aucki als Zeitungspreller aufgetreten zu sein. Der geriebene schwarze„Bummler" verdiene, daß man ihn nach Verbüßung der ihm jetzt drohenden Strafe aus Teutschland entferne und einer anderen Kolonie, nicht seinem Heimatlande, zuführe. Ter Reichstag wird die Beschwcrdeschrift hoffentlich nicht in so spöttischer und leichtfertiger Weise abtun, wie der anscheinend offiziös inspirierte Korrespondent des Kölnischen Blattes. Eine bequemere Art, die Beschiverde ab, zutun, kann es freilich nicht geben, als dafz man die Bcschwerdcschrift, die sich gerade gegen den Gouverneur von Kamerun richtet, diesem Gouverneur s e l b st zur Begutachtung unterbreitet! Herr v. Puttkamer wird es ja selbstverständlich verstehen, alle Beschiverden als un- begründet darzustellen und umgekehrt das denkbar ungünstigste Leumundszeugnis über Aqua Bell und die übrigen Unterzeichner der Beschwerdrschrift abzugeben. Es ist aber geradezu ungeheuerlich, daß man dem?lng>cklagten zum Richter seiner eigenen Sache machen will. Soll die Angelegenheit wirklich untersucht werden, so müßte eine vollständig unabhängige parlamentarische lintersnchungskommission eingesetzt werden, der Gelegenheit gegeben würde, sich an Ort und Stelle über die Berechtigung oder Nichtbcrechtigung der Beschwerde durcb tveitgehcndc Zeugenvernehmungen ein Urteil zu bilden.— Inwieweit Bungo Bell mit der Schrift in Verbindung steht und ob derselbe wirklich ein schwarzer Hochstapler ist, wäre eine Frage für sich. Allem Anschein nach aber ist dieser Tuala der Regierung und speziell der Kameruner Verwaltung h ö ch st unbequem. Aber deshalb hätte die Regierung noch lange kein Reöbt, den„schwarzen Bummler" selbst dann in eine andere Kolonie abzuschieben, wenn er sich in Deutschland einige Vergehen hätte zuschulden kommen lassen. Die weihen Kulturträger, mit denen man die Ein- geborenen beglückt, haben zum guten Teil noch ganz andere Dinge aus dem Kcrbholzl— liebet die füdwestafrikanischcn Butenmaunschaften urteilt xin Kriegsteilnehmer, der fünf Viertel Jahre lang die Vor- gänge in Südwcstafrika verfolgte, in einer Zuschrift an die„Augs- burger Abendzeitung" überaus ungünstig. Bei seinem ersten Zusammentreffen mit den Mannschaften der Schutztrnppc, so erzählt er, habe er zu seinem grohen Erstaunen Urteile über die Burenmannschaften geHort, die von ivcnig Sympathie gezeugt hätten. Im Laufe der fünf Viertel Jahre, die er dann in Siidwesiafrika zugebracht habe, habe er reickilick, Gelegenheit gehabt, mit Buren zu- sammen zu sein. Seine heutige Meinung über dieselben sei die. daß die bisherigen Auslassungen über die Burenmannschastcn noch viel zu ge- linde für das„Gesindel von sogenannten Buren" seien. Jeder deutsche Soldat, der mit den grohen Vieh- und Pferdetransporten ins Innere zu tun gehabt habe, wisse zu erzählen von der Auflehnung. den Gewalftaten, der Faulheit und Unverschämtheit der Buren, die die Transporte als Führer und Treiber begleitete». Es handele sich hier nicht um die Meinung einzelner, sondern um das Urteil aller deutschen Soldaten, die mit dem betreffeiideil Gesindel zu tun gehabt hätten. Der gefallene Leutnant v. Marwitz habe in seinem Tagebuch von einem ihm bcigegcbcnen Buren, der ihm als praktischer Ratgeber habe dienen sollen, aus besserer Familie stammte und bOO Mark monatlich bezog, geschrieben, dah er weniger als nichts leiste. Die bei den Transporten be- schäftigtcn Burcnmannschaften verdienten in nichts jene Sympathie», die man während des Burenkrieges in Deutschland dem stamm- verwandten Bolle so überschwänglich entgegengebracht habe. ES scheint danach, als ob die Personen, die seinerzeit in Britisch Südafrika die Burenmannschasten angeworben haben, bei der Auswahl der Mannschaften eine sehr unglückliche Hand be- wiesen hätten. Oder sollten erst die Erfahrungen, die die Buren ihrerseits in Deutschsüdweftaftika zu machen Gelegenheit hatten, dazu beigetragen haben, die Buren zu einer Art passiven Widerstandes zu veranlassen? Diese Prehäuherungen. die auch in Süd- afrika bekannt werden dürften, werden natürlich nicht zu einer Besserung des Verhältnisses zwischen den Burenelementen und den deutschen Elementen in Siidwesiafrika beitragen. Im übrigen schejncn die Buren selbst zu der Ansicht zu kommen, dah D e u t s ch- S ü d w c st a f r i k a sich für eine Burenkolonisation nicht eignet. Aus Pretoria wird wenigstens gemeldet, dah der Unter- s u ch u n g s a u S s ch u h der Buren, der beauftragt war, die Lebensverhältnisse in Deutsch- Südwcstafrika zu prüfen, zurückgekehrt sei und seinen Bericht veröffentlicht habe. In diesem Bericht heiße es, dah die Auswanderung in das deutsche Gebiet gleichbedeutend sei mit dem R u i n f ü r d i e A u S w a n d e r e r. Trotz der günstigen Angebote der deutschen Behörde würden die Burenführer entschlossen sein, mehr als je zu verhindern, dah ihre Landsleute sich in jener Kolonie niederließen. Der UntcrsuchimgSauSschuh muh also die denkbar ungünstigsten Eindrücke ans unserer Kolonie mit nach Hause genommen haben I— Hueland. Oesterreich»U«garn. Die„politische Polizei". Unsere ungarischen Genossen Habens gut: Sie können sich die Mühe und Kosten für Herausgabe von Partcibcrichten ersparen, denn diese schwere und kostspielige Arbeit nimmt ihnen die gütige Polizei ab l In den nächsten Tagen wird der von der Budapester Staats- Polizei herausgegebene Bericht über die Tätigkeit der sozialdemo- kraftschen Partei im verflossenen Jahre erscheinen— ein Werk von 540 Druckseiten, das unsere ungarischen Genossen sich natürlich schon im Voraus zu verschaffen verstanden haben!— Das dickleibige Buch enthält die Berichte über sämtliche Parteiversammlungen, über Partei« und Gewerkschaftskongresse, Demonsftatione» usw.— für unsere Genossen also nichts NeneS, aber immerhin doch eine Zusammenstellung aus Protokollen, Nachrichten und Notizen, die hier und da verstreut waren. Ein Abschnitt dcS Buches besaht sich mit den Lohnbewegungen, und eS werden in ihm die zwischen Arbeitern und Arbeitgebern gc- schlossenen Lohnveit rüge veröffentlicht. Früher erschienen dergleichen Berichte zusammen mit dem all« aememen Polizeibericht, unsere Parteiverhältnisse wurden also in einem Atem mit den Angelegenheiten der ungarischen Verbrecher, Chantaiftsängerinnen, Prostituierten und Bordellwirte behandelt! Jetzt erscheint der Bericht über die Arbeiterbewegung wenigstens für sich. Und doch find die ungarischen Genossen ungehalten über diese Handhabung der Dinge, weil sie meinen, dah so wichtige staatliche Lebensfragen nicht ins Ressort der Polizei, sondern in das des Handelsministeriums oder irgend einer anderen ernsten und berufenen Spezialinstanz gehören.— Schweiz. Ei» preußisch-schweizerischer NuslieferiiilgSskaiidal. Aus Zürich wird uns geschrieben: Das„Volksrecht", unser hiesiges Parteiorgan, veröffentlicht soeben einen Fall, in dem ein italienischer Arbeiter in Berlin wegen D i e b st a h l s verhaftet und vom 27. Juli bis 5. Oktober, da er endlich nach Zürich kam, in Untersuchmigshaft behalten wurde, unschuldig, wie sich nun ergebe» hat. Das„Volksrecht" gibt folgende talsächliche Schilderung: „Am 19. Juli 1905 zeigte eine Frau Dalcol in Zürich HI beim Pvlizeikommando Nn. cS seien ihr in der Nacht vom 18. auf den 19. Juli mehr als 700 Fr. gestohlen worden, und sie habe Verdacht, der Täler sei der Maurer Sassi Giuseppe. Am 22. Juli wurde dann in Zürich eine Karte mit Beschlag belegt, die Sassi geschrieben hatte. Am 20. Juli 1905 nachmittags war sie angekommen und trug den Poststempel Adlershof bei Berlin. I» Adlershof war sie am 19. Juli zwischen 6 und 7 Uhr morgens aufgegeben worden. Am 24. Juli wurde von Zürich aus von der Berliner Kriminal- Polizei die Berhaftimg Sassis verlangt, am 27. Juli wurde der Mann festgenommen. Am 31. Juli stellte die B ez i r ks a n w a l t s ch a f t von Zürich das Aiislieferiiiigsbeoehren. Die Staatsanwaltschaft unterstützte es, die kaiftonalc Jnstizdirektlon über- mittelte die Akten nach Bern ans eidgenössische Justiz« un d P o li zc i d e p a r t c m e n t; auf dessen Bemühungen hin wurde die Auslieferung vollzogen, bis aber die Formalitäten im Staate Preußen erledigt waren, verfloß so viel Zeil, daß Sassi erst am 5. Oktober nach Zürich kam. Am 7. Oktober wurde er vor den Untersuchungsrichter geführt, der dann auch sofort die Freilassung anordnete." - Der Fall lag so einfach als nur möglich und eine sofortige ernste Prüfung hätte den Mann in kürzester Zeit wieder die Entlassung aus dem Gefängnis bringen müssen. Wenn der Mann am 19. Juli morgens in Adlershof bei Berlin eine Karte au'gab, so konnte er nicht in der Nacht vom 18. auf den 19. Juli in Zürich einen Dieb« stahl verübt haben. Zweifellos war er in der Lage, auch noch auf andere Weise den Alibibeweis zu erbrürgen. Nim aber ist Sassi, wie das„V." weiter konstatiert, in Berlin»icuialS vcrnomuic» worden! Ter Züricher Untersuchungsrichter muhte aber die in seinen Händen befindliche Postkarte zur Entlastimg, nicht zur Belastimg und 72rägigen Inhaftierung eines armen italienischen Arbeiters benutzen. Alle Behörden, die hier mitgehandelt haben, sind auch mit« schuldig. Aber unwillkürlich fragt man: Wo bleibt da der Rechts« staat, wo die Rechtsgarantien, wo die Achtung vor der persönlichen Freiheit? Da kann man von Vogelfreiheit reden. Der Mann hat mm unschuldig die günstigste Zeit der Bausaison im Ge- sängniS zubringen muffen, statt dah er hätte arbeiten und verdienen können. Wir sind begierig, ob und wie er für die unschuldig erlittene L'/zmonatige Untersuchungshast entschädigt wird.— Italien. Nachwirkungen der Enthüllungen des„Matin". Rom, 11. Oktbr. sEig. Ber.) Auch in Italien baben begreiflicherweise die Veröffent- lichungen des„Matin" große Erregung hervorgerufen. Der sich auf die italienische Diplomatie beziehende Satz, der Ronvier zugeschrieben wird:„Vems avez dibauchi l'Italio"{Sie haben Italien korrumpiert), wird sogar ein Nachspiel in der Kammer haben. Der beutige„Avanti" meldet, dah der Abgeordnete Cirmeni, seinerzeit Korrespondent der„ N a t i o n a l- Z e i t u n g", den Minister de? Aeuhern über diese Anschuldigung interpellieren wird. Tittoni kann sich natürlich mit Leichtigkeit aus der Sache ziehen, indem er den„Matin" dementiert. Doknmentc und... Lniltiingen wird ja das französische Blatt nicht vorlegen können.— Der republikaiiischc Abgeordnete Eouiandini hat dem Justiz- minister eine Interpellation übersaudt wegen der beständigen Konfiskationen dcö„Avanti". Der Republikaner B a r z i l a i hat die Minister des Innern und der Finanzen über dos Wohnungs- Problem interpelliert. Vor Mitte November wird aber die Kammer nichr eröffnet.— Sozialistischer Wahlsieg. In E e s c n a t i c o in der Romagua hat bei der Gemeindewahl vom 8. d. M. die sozialistische Partei alle ihre 16 Kandidaten durchgebracht. Die vier Sitze der Minorität fielen deu Republikanern zu. Die Klerikalen fielen ganz durch. Die Gemeinde war bisher in den Händen der Republikaner. Die antimilitaristifchc Propaganda in Italien erfüllt die Regierung mit groher Besorgnis, so dah sie die Soldaten in beispielloser Weise ausspionieren läht. In vielen Stadien sind Strafaltionen gegen Soldaten im Gange, die im Verdacht sozialistischer Gesinnung stehen. Der„Avanti" ist gestern und heute wegen Augriffs auf den Kriegs- minister konfisziert worden. Die Nevolution in Rnsjland. Fürst Trubezkoi gestorben. Petersburg, 13. Oktober. l„ Petersburger Telegr.- Ag.") Der gestern morgen hier eingetroffene Rektor der Moskauer Universität, Fürst Trubezkoi erkrankie am Abend während einer Konferenz im Mimstenum für Volköaiifklärung und verschied um Mitternacht infolge eines Blutergusses in Gehirns. Professor Trubezkoi gehörte zu den hervorragendsten Liberalen. Er hielt vor dem Zaren jene kühne Ansprache beim Empfang der Semstwodeputation. Ein„Geudarnl" weniger! Petersburg, 13. Oktober. In Krahnojarsk wurde gestern bei der Rückkehr voni Theater der Polizeiminister v. Ehdmaun in Gegenwart seiner Familie durch sechs Schüsse getötet. '.' Der Zarismus als Fraiieilschänder. Wie der„Russ. Korresp." gemeldet wird, wurden die Frauen, die während der Unruhen arretiert und in der Manege eingesperrt wurden, von den dort postierten Kosaken vergewaltigt. Ein Teil der Kosaken suchte dies zu verhindern. Es kam deshalb zu Streitig- keiten, die in Tätlichkeiten überzugehen drohten. Es wurden Militär- und givilbehörden herbeigerufen. Einzelheiten sind noch nicht be- kannt. 60 von den ausständigen Bäckern wurden verhaftet. Auch unter dem Militär sind viele Verhaftungen vorgenonnnen worden. Militärs wurden zum Teil bei den lkiiriihcn auf der Straße verhaftet. •»• Die Lage in Moskau. Zusammenstöhe zivische» Kosaken und Ausständigen finden fort- gesetzt statt. Nach der„Russ. Korresp." finden auch«utcr dem Militär viele Brrhaftiingcu statt. » �» Bomben. Nejitza(Gouvernement Witebst), IL. Oktober.(„Peters- burger Telegr.-Ag.") In dem Neisekoffer einer litauischen Frau, die ans Creuzburg stammt und unter dem Verdachte des Diebstahls verhaftet worden war, wurden 43 Bomben gefunden. Das Ziel ihrer Reise war Tünaburg. * Die revolutionären Fahrräder. Tiflis, 12. Oktober.(Petersburger Tclegraphen-Agentur.) Der Generalgoiiverneur ersieh eine Bekanntmachung, daß die Truppen angewiesen seien, jede Bolksansammlimg zu zerstreuen und, sallS sie auf Widerstand stießen, von ihren Waffen Gebrauch zu machen. Auch der Bericht mit Fahrrädern ist von Soiniriuintergang an ver- boten. ... Setzerstreik. Saratow, 13. Oktober.(Petersburger Telegraphen- Agentur.) Unter den Setzern ist ein Ausstand ausgebrochen. Revolutionäre Disziplin. Der eben Hingerichtete Petrow von der meuternden Mannschaft de?„Pruth" hat ein bewunderungswürdiges Beispiel von revolutio- närer Disziplin gezeigt. Während der Voruntersuchung hatte ihn ein Beamter zu überzeugen gesucht, dah nach dem UkaS vom 19. August das Streben nach revolutionärer Umwälzung überflüssig sei. Petrow erwiderte, dah er nur in dem Falle vom Streben nach einer gcwalt- samen Revolution sich lossagen würde, wenn Vertreter des Volkes zusammenkommen würden, die auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Stimmrechtes gewählt wären. Der Beamte sagte darauf: Erkläre» Sic es vor Gericht, so wird tS drn Nichtern alS Anlaß zur Berringcrung der Strafe dienen. Daraufhin richtete Petrow ans dem Gefängnis einen Brief an das Sebastopoler sozialdemokratische Parteikomitee. in dem er um die E r l a u b n i S, eine solche Erklärung abzugeben, anfragte. Falls diese Erlaubnis ausbleibt, schrieb er, werde ich vor Gericht äußerst revolutionär auftreten. Durch die Schwierigkeit der Korrespondenz zwischen Gefängnis und Komitee kam der Brief zu spät an, erst nach den Gerichtsverhandlungen und dem entsetzlichen Urteil. Petrow aber hatte sein Wort gehalten: ohne Erlaubnis des Parteikomitecs hatte er vor Gericht die Erklärung, für welche ihm das Leben ver- sprochcn war, nicht abgegeben, sondern hatte umgekehrt seinen revolutionären Standpunkt schroff betont. Nun hat er seine Partei« disziplin mit dem Tode gebüßt. Ein anderes Beispiel von Parteidisziplin zeigte ein sozial« demokratischer Matrose, der in die Lage kam, bei der Erschiehung PetrowS und seiner Genossen pflichtmähig zugegen sein zu müssen. Er wandte sich an das Komitee mit der Anfrage, ob er auf die Stätte der Hinrichtung gehen oder sich offen weigern solle. Auf die Bemerkung der Parteifreunde:„Sie werden doch fiir diese Weigerung erschossen werden", erklärte er: Wenn das Komitee findet, dah man sich weigern müsse, tue ich eS. Das Komitee er- klärte, dah seine Gegenwart erwünscht sei, um alle Einzelheiten der Hinrichtung zu erfahren. So stark ist jetzt die Aufopferungsfähigkeit in allen Kreisen ent- wickelt.-» GcwcrhlcbaftUcbce. Erklärung. Die Mitgliederbersammlung des Zentralverbandes der Zimmerer Deutschlands, Zahlstelle Berlin und Umgegend, die am 12. d. M., abends 8 Uhr, nach dem grohen Saale des GcwerkschaftshauseS mit der, Tagesordnung:„Probleme der Kindercrziehung", Referent Ge- noff« Paul G ö h r e, einberufen war, konnte nicht stattfinden. Der Grund ist folgender: Nach demselben Saal hatte das Zentral-Streikkomitee der Elektro-Jndustrie zu nachmittags ö Uhr eine Versammlung der Vertrauensleute der Streikenden und Aus- gesperrten einberufen in der Hoffnung, bis abends 8 Uhr fertig zu sein. Wider Erwarten hatten sich die Verhandlungen infolge der zahlreiche» Wortmeldungen derart in die Länge gezogen, dah unS um 8 Uhr von Mitgliedern des Streikkomitees erklärt wurde, die Verhandlungen würden aller Voraussicht nach kaum vor Mitternacht beendet fein. Gleichzeitig wurde an uns das Ersuchen gerichtet, unsere Versammlung zugunsten dieser wichtigen Angelegenheit doch ausfallen zu lassen. Da nun alle übrigen Säle im Gewerkschastshause an demselben Abend besetzt waren und die Vertagung der BcrtrauenSmäuner-Versammluiig bis zum Schluß unserer Versammlung einer abermaligen polizeilichen Anmeldung bedurft hätte, die 24 Stunden vorher statt- finden muh, konnten wir in Anbetracht der gegenwärtigen Situation in der Elektro-Jndustrie auf die Abhaltung unserer Versammlung nicht bestehen. Mit Zustimmung unseres Referenten Genossen G ö h r e erklären wir jedoch, dah die Versanunlung mit derselben Tagesordnung in nächster Zeit stattfinden wird, wozu aufS neue Einladungen an unsere Mitglieder ergchen werden. Der Vorstand des Zentralverbandes der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. I. A.: Wilhelm Witt. Berlin una Umgegend. Tarifbewegiiiig der Töpfer. Am Donnerstag erstattete die Lohn« kommiifion in einer öffentlichen Versammlung Bericht über den derzeitigen Stand der Tarifbewcgimg. Der Tarif ist seitens der Arbeitnehmer gekündigt worden und läuft nun mit dem Ende dieses Jahres ab. Zwischen den Vertretern der Arbeitgeber und der Lohn- kommission der Arbeiter hat bereits eine Verhandlung stattgefunden, die jedoch kein Resultat aufzuweisen hat. Die Lohnkommission hatte von ihren Auftraggebern die ganz bestimmte Weisung erhalten, für die von einer früheren Versammlung aufgestellten Forderungen ein- zutreten. Dieselben gehen dahin, daß für verschiedene Tarifpysitionen gewisse prozentuale Anfsckilägc gewährt werden sollen. Bei der Ber- Handlung mit den Arbeitgebern hat sich gezeigt, dah diese nicht willens sind, die geforderten Lohnerhöhungen zu gewähren, anderer- seit« sagten sie aber auch nicht, lvie weit sie mit etwaigen Be- willigungen gehen wollen. Die Lohnkommission konnte auch keine «ermittelnngsvorschläge machen, weil sie ein gebundenes Mandat hatte, das sie verpflichtete, nur für die aufgestellten Forderungen einzutreten. Die Arbeitgeber haben sich zwar zu weiteren Ver- Handlungen bereit erklärt, jedoch über den Zeitpunkt derselben nichts angegeben.— Die Versammlung erklärte durch einstimmige Annahme einer Resolution, dah sie sich hiermit nicht einverstanden erklären könne, sie beauftragte die Lohnlonmiission, bis zum 20. Okiober die Erklärung einzufordern, ob die Arbeitgeber gewillt sind, aus Grund der ihnen von den Arbeitern unterbreiteten Forderungen in Verhandlungen einziitreten.— In der Versammlung kam auch die Ansicht zum Ausdruck, man werde wohl Ziigeständnisie von Meistern erlangen, wenn auch nicht in der Höhe der auf- gestellten Forderungen, eS wäre deshalb zweckmäßig, die Lohn- kommission nicht an die Durchsetzung ganz bestimmter Forderungen zu binden. Deshalb wurde denn auch beschlossen, das gebundene Mandat der Lohnkommiision aufzuheben.— Weiter beschloh die Versammlung, dah mit Rücksicht auf die Lohnbewegung der Zuzug nach Berlin fernzuhalten, kein von auswärts gureisender im Arbeitsnachweis einzutragen, das Unischauen während der Lohnbewegung untersagt und nur die Benutzimg der bestehenden Arbeitsnachweise gestattet ist. Tic AiiSsprrrmig der Lederarbeiter, Wcißgcrbcr, Färber und Hülfcarbcitcr erstreckt sich jetzt auf 750 Arbeiter mit 830 Kindern. Die Fabrikanten mache» mm die größten Anstrengungen, um Arbeits- willige zu erhalten. Durch Inserieren in bürgerlichen Blättern und sogar durch Nachfrage aus dem Zentral-ArveitSnachweis versucht man, bei 3 Nötige an Kräften zu beschaffen.--- Vor Zuzug wird gewarnt. Herr Schuhfabrikant L. Großmann, Schaperstr. 67, ersucht uns nntzuteilen, dar; er nicht die Absicht zu Lohnabzügen hatte, sondern daß nur bei einem Ardeiter durch einen Irrtum im Kontor, der spater berichtigt werden sollte, zu wenig gezahlt tvorden sei. Die Lohnzahlung sei nur durch Unistände, die er nicht in der Hand hatte, uni kurze Zeit verzögert worden. Die Verhältnisse in seinem Betriebslokal bedauere er selbst, sei aber ans zwei Jahre an den Kontrakt gebunden und könne vorher nicht mit der nötigen Energie an die Abhülfe herangehen. Deutsches Reich. Der Kampf in der mitteldeutschen Textilindustrie. Die der Ortsgruppe Gera des Verbandes sächsisch-thnringischer Webereien angehörigen Webereibetriebe beschlossen gestern nachmittag, ihren sämtlichen Stahlarbeitern für den 27. Oktober zu kündigen, da die Voraussetzung, dasi sich bis zum Donnerstag, den 12. Oktober, abends in den vier Betrieben, in denen die Arbeiter heute vor acht Tagen zum größten Teil gekündigt haben, eine genügende Anzahl Arbeiter zur Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses bereit erklären würden, sich nicht erfüllt hat. Die notwendige Folge dieser Kündi- gung wird, wie die„Geraer Zeitung" meldet, sein, daß in der nächsten Woche die Schließung sämtlicher zum Verbände der sächsisch- thüringischen Webereien gehörigen Betriebe angeordnet werden wird. Die Lohnbewegung der Aachener Textilarbeiter. Der Arbeit- geberverband der Textilindustrie zu Aachen hat am 11. Oktober dem christlichen Textilarbciter-Verband ans den am IS. September eingereichten Lohntarif schriftlich mitgeteilt,„daß der vorgelegte all- gemeine Lohnlaris als undiskn tierbar bezeichnet tv e r d e n muß, daß auch überhaupt ein allgemeiner Lobntarif für die Aachener Webereien als praktisch undurchführbar erscheint". Die alten Unteruehmerphrasen, die dadurch nicht wahrer werden, daß sie von zumeist katholischen Kapitalisten an die katholischen Webftnhlproletarier gerichtet sind! Der Arbeitgeber- verband gibt in dem Schreiben zum Schluß anHeim,„den Gegen- stand vor dem eingesetzten Schiedsgericht der Textilindustrie zu ver- handeln", dessen Vorsitzender der Aachener Oberbürgermeister ist. Die Tcxtilbarone scheinen ihres„Schiedsgerichts" sicher zu sein. Städtische Arbcitcrpolitik. In dem Gaswerk der Stadt Köln haben im verflossenen Frühjahr die Arbeiter wegen Lohndifferenzen einen Tag gestreikt. Durch daS Verhalten der„christlich" Organisierten wurde nichts Rechtes aus der Geschichte, und viele Arbeiter traten aus dem Arbeitsverhältnis aus. Kürzlich wurden im Kölner„Stadt-Anzeiger" fortgesetzt Arbeiter für das Gaswerk gesucht. Denjenigen Leuten, die infolge des Lohnstreits im Frühjahr ausgetreten waren, wurde aber erklärt, daß sie nicht mehr ein- e st e l l t w e r d e n k ö n n t e n. Eher nimmt nian ungelernte eulinge an, als Arbeiter, die sich erkühnt haben, einen Tag zu streiken. Die Rache steht, in der ultramonian regierten Stadt Köln höher als die Achtung vor dem gesetzlichen KoalitionS- und Allsstandsrecht. Eine geheimnisvolle Verhaftung. In Markranstädt bei Leipzig streiken schon seit einiger Zeit die Arbeiter und Arbeiterinnen der Rauchwarenzurichterei und Färberei von Louis Walter Nächst., A.-G. Am 12. Oktober wurde nun der SIreikführcr Cemnitz aufs Rathaus geladen und gegen Mittag verhastet, ohne daß die Gründe für diese Maßregel bisher bekannt geworden wären. § 153. Im August d. I. hatte das Schöffengericht Nürnberg den Gauleiter des Bau- und Erdarbeiterverbandes Heinrich Rothmund wegen„Beleidigung und Bedrohung Arbeitswilliger" zu sieben Tagen Gefängnis verurteilt. Als an dem gräflichen v. Faber-Castellschen Schloßneubau in Stein die Bau- und Erd- acbeiter die Arbeit niederlegten, wollte R. auch die am gleichen Bau beschäftigten Steinhauer zum Anschluß an den Streik' bestimmen. Auf die Erklärung des Steinhauers Roth, daß erst die Genehmigung des Hauptvorstandes abgewartet werden müsse, erwiderte R., er werde dann schon wissen, wie er sich mit der Presse zu verhalten habe. Darin sollte die Bedrohung liegen. Die Anzeige hatte ein gerade vorüber- gehender Gendarm gemacht, der diese Worte gehört hatte.(Siehe Nr. 263 des„Vorw."> In der Bernfungsverhandlung hob das Landgericht die Strafe auf und erkannte ans Freisprechung, da laut vorgelegtem Kartellvcrtrag, der bestimmt, daß im Falle eines Streiks der einen Branche auch die andere sich anschließen muß, Rothmund berechtigt war, von den Steinhauern die Einstellung der Arbeit zu fordern. Eine Drohung könne in den angeführten Worten nicht liegen, da die Steinhauer selbst unter Eid aussagten, daß sie sich nicht bedroht fühlten. Auslaiia. Verhandlungen der schwedischen Metallindustrie. Der Zivil» minister W.iden und der Finanz mini st er Biesert haben sich unter Mitwirkung der gesamten Regierung seit acht Tagen bemüht. Verhandlungen zwischen den Vertretern der streitenden Parteien anzubahnen und dieses Ziel nun auch erreicht. Die Verhandlungen haben bereits am Donnerslag begonnen, ein Ergebnis wird jedoch wahrscheinlich erst nach Verlauf von vierzehn Tagen zu erwarten sein. Die Parteien sind vertreten durch Lindquist, den Vorsitzenden der Landesorganisation der Gewerkschaften, Blomberg, dem Vertrauensmann des Eisen- und Metallarbeiterverbandes und Direktor Bernström und Ingenieur Sjöholm von der Werkstattvereinigung. Den Vorsitz führt der Landes- Hauptmann Graf Hamilton. Der Kampf, der am 10. Juni begann, und der also vorläufig noch unverändert fortdauert, hat bis jetzt ungefähr 2 000 000 Kronen an Streikunterstützung gekostet. Siegreiche Lohnkämpfe in der Schweiz. Die Vergolder in Zürich haben nach einem mehrwöchigen Streik, die Buchbinder in Zürich auf dem friedlichen Wege einer Lohnbewegung die 9'/« bezw. 9'/z stündige Arbeitszeit, Lohnerhöhung, MimmallöHne und Tarifverträge erreicht, die Zigarrenarbeitcrinnen in Kulm(Kanton Aargau) nach achtwöchigem Streik eine Lohnerhöhung. Ein nenes Buch über die Kommune. Nach fast fünfunddreißig Jahren ist auch in Deutschland ein Autor erstanden, der sich der Aufgabe unterzogen hat. die Pariser Kommune von 1871 vor den Verleumdungen zu schützen, die heute noch auf sie herunter hageln, sobald unsere Gegner auf sie zu sprechen kommen oder über sie schreiben. Es ist Karl Bleibtrcu, der bekannte Dichter und Kriegsgeschichts- schreiber, der diese Ehrenrettung unternahm. So sehr wir aber die Tendenz seines Buches�) anerkennen, so wenig sind wir öfter mit der Art einverstanden, wie er sich seiner Ausgabe unterzieht. ES muß bei Freund und Feind, bei den einen Mißbehagen, bei den anderen starke Zweifel in die Objeklivität seiner Geschichtsschreibung erwecken, wenn sie sehen und lesen, wie bei dem Verfasser ein fanatischer Antisemitismus zum Durchbrach kommt, sobald er über einen Juden wie Karl Marx oder Leo Frankel schreibt. Sein Antisemitismus macht ihn alsdann gegen ofiensichtliche Tatsachen blind und reizt ihn zu Angriffen, für welche die Grund- läge fehlt. Außerdem schreibt er Marx einen Einfluß auf den Gang der Ereignisse in Paris unter der Koninuine zu, den dieser, wie jeder der die Verhältnisse ein wenig kennt, weder ausgeübt hat noch auszuüben gesucht hat. Eine andere Methode, die bei manchem Mißtrauen in die Sachlichkeit der Darstellimg hervorruft, ist, daß er in vielen *)„Die Kommune", von Karl Bleibtreu, illustriert von Chr. Speyer, Stuttgart. Karl KrabbeZ Verlag. Stellen seine? Buches, in deren er über die Handlungen leitender Personen hüben und drüben spricht, diese in direkter Rede einführt, als sei er selbst Augen- und Ohrenzeuge ihrer Tätigkeit und ihrer Aeußernngen gewesen. In dem einen oder anderen Fall kann eine solche Darstellung als von einwaudireien Zeugen berichtet, der Wahrheit entsprechen. In der Häufigkeit aber, in der solche Schilderungen in Bleibtrens Buch erscheinen, machen sie den Ein- druck des Romanhaften; sie machen die Darstellung zwar lebendiger, aber nicht wahrscheinlicher. Dieser Eindruck wird verstärkt, wenn Bleibtten z. B. auf Seite 217 und 218 seines Buches unserem Parteigenossen Vaillant, dessen Tätigkeit er im Gegensatz zu der manches anderen Mitgliedes der Komumne, das er aufs schärfste angreift, im höchsten Maße lobt, sterben läßt und die Schilderung des Vorgangs, mit den Worten schließt:„So blieb Vaillant am Wege liegen, ein AaS für Hunde." Wir ivissen aber alle, daß unser Freund Vaillant noch heute lebt und hoffentlich noch recht lange lebt, daß er Mitglied der Pariser Abgeordnetenkammer und der Gemeindevertretung ist und bisher allen internationalen Arbeiterkongressen, zuletzt erst dem in Amsterdam beigewohnt hat. Auch scheint Bleibireu in seiner Be- urieilung mancher Mitglieder der Komumne zu hart zu sein, ob- gleich zugegeben weiden soll, daß ein Teil derselben mit starken nienschlichen Schwächen behaftet war und ein erheblicher Teil sich seiner Aufgabe nicht gewachsen gezeigt bat. Aber wenn man bedenkt, unter welch' außerordentlichen Ver- hältnissen die Kommune ins Leben trat, mitten unter den Bajonetten der deutschen Okkupationsarmee und jener der Versailler OrdimngS- banditen, und daß ihre ganze zehmvöchentliche Existenz ein un- unterbrochener Kampf mit ihren Feinden und schließlich ein furcht- barer Verzweiflungskampf um Sein oder Nichtsein war, wird man vieles, was zu radeln ist, erklärlich und verzeihlich finden. Endlich haben wir an dem Bleibtreu'schcn Buch auch auszusetzen die Verdeutschnngssucht für die Namen von Straßen, Plätzen und Gebäuden in Paris, die in den Tagen der Kommune eine Rolle spielten. Wenn z. B. statt tsieatrs cornique gesagt wird das Theater der komischen Unterhaltung, so halten wir das für keine Verbesserung. Auch mutz beachtet werden, daß es keine zweite Stadt in der Welt gibt, deren Straßen, Plätze und historischen Gebäude selbst dem Manne aus dem Volke so bekannt geworden sind, wie diejenigen von Paris. Dazu haben einmal beigetragen die vielen historischen Er- eignisie, hie sich in dem Paris der Revolutionen abspielten, vielleicht noch mehr aber die große Zahl der viel gelesenen französischen Romane von Engen Sne, Alexander Dnnias bis zu Zola, die jeder Romanleser in einem bestimmten Lebensalter verschlungen hat. Wir kennen wenigstens keine zweite Stadt, in der man sich auf Grund der genauen Kenntnis jener Namen so rasch heimisch fühlt wie in Paris. Gewünscht hätten wir auch, daß Bleibtreu sein Buch mit einer Einleitung versah, in der er die Ereignisse schildert, welche zur Gründung der Kommune führten. Wer nicht die frühere Literatur über die Kommune kennt, erfährt dieses aus dem Bleibtreuschen Buche nicht. Anzuerkennen ist, daß er rückhaltlos auf die Mängel und Fehler hinweist, welche die Kommune sich zuschulden kommen ließ und ihr blutiges Ende mit verschuldeten. Darf man Bleibtrens Urteil folgen, und hier urteilt er, das haben seine bisherigen Kriegs-Gcschichtswerke gezeigt, als Sachverständiger, so wäre den Versaillern die Einnahme von Paris unmöglich gewesen. Jedenfalls hätte die Kommune ihre Verteidigung so lange hinziehen können, bis die übrigen großen Städte Frankreichs sich ebenfalls gegen die unter der deutschen Okkupation Hals über Kopf zwangSmäßig gewählte Versailler Kammer empörten. Leider aber war die militärische Oberleitung der Kommune, namentlich in der ersten größeren Hälfte ihres Bestehens, eine sehr mangelhafte und unzulängliche. Bei geschickter Ausnutzung und Leitung der gewaltigen in Paris angehäuften Verteidigungsmittel und Milizkräfte, wäre eS noch bis zu Anfang Mai ein leichtes ge- Wesen, Versailles zu erobern und die ThierSsche Ordnungsbanditen- Gesellschaft in alle Winde zu zerstteuen. War die militärische Oberleitung mangelhaft, so erteilt hingegen Bleibtren den Bürgern und Arbeitern, welche die Vororte und Forts von Paris gegen die Versailler verteidigten, daS uneingeschränkteste Lob. Ueberhaupt ist die Schilderung der Kämpfe und militärischen Operattoncn der Kommunekämpfer der Glanzpunkt in dem Bleibtteuschen Buch. In keiner uns bisher bekannt gewordenen Darstellung der Kommune- kämpfe sind die Ereignisse so klar und übersichtlich und dabei mit solchem Feuer und solcher Begeisterung für die Taten der großen Zahl der Ungenannten und Unbekannten, die ihr alles opferten, ge- schildert worden. Namentlich läßt er auch eine volle Ehrenrettung den viel verleumdeten und viel verhöhnten„Petroleufen", den Frauen der Konrmune, zu teil werden, die mit bewunderswerter Hingabe an den Ereignissen sich beteiligten und durch ihre Tapfer- keit manchmal die Männer beschämten. Ebenso sind es Vorzugs- weise die aus der Arbeiterklasse hervorgegangenen Mitglieder der Kommune, die Varlin, Jourde, Theiß, Caniölinat usw., die nach seiner Ansicht das höchste leisteten, neben den Vaillant, Ranvier, Delescluze, Dombrowski, Wroblewski usw. Dagegen sind es die Felix Pyat, Paschal Grousset, Raoul Rigault, Ferro, Cluseret, Lullier, die er aufs schärfste angreift, obgleich er zugeben muß, daß mehrere derselben, wie z. B. Ferro, als Helden starben. Hinreißend ist seine Schilderung der letzten Kämpfe der Kom- mune; denn in den letzten sieben Tagen focht stets ein Kommunard gegen acht und selbst zehn Gegner und wurden Wunder der Tapfer- keit verrichtet, darunter selbst von Kindern. Wer kann z. B. folgende Schildernng eines Vorganges, der auch von anderer Seite bestätigt wird, ohne tiefste Rührung und Be- wunderung lesen? ... Das ist der Tag des Herrn I Sonntag morgen der Blut- Woche(27. Mai). Auf der Barrikade des Tempelfaubourgs schoß am schnellsten und besten ein Knabe. Der Posten ward endlich er- stürmt, die über ihre Verluste wütenden Soldaten stachen alles nieder. Der Knabe blieb bis zuletzt.„Herr Offizier, nieine Mutter wohnt gegenüber, ich möchte ihr nur meine silberne Uhr bringen, damit sie doch nicht alles verliert, und Abschied nehmen. In drei Minuten bin ich wieder hier." Der Kommandierende fühlt ein menschlich Rühren:„Geh!" Und er wandte sich ab, den Aufschub natürlich als Ausrede zur Flucht betrachtend. Aber o Wunder I mit leichtem Satz kam das Kind wieder herbei, rief fröhlich:„Da bin ich I" und stellte sich zur Erschießung auf neben die Leichen. „Unglücklicher." murmelte der Offizier,„willst Du denn sterben?" „Ob ich will! soll ich etwa meine Kameraden allein lassen?" Ein Schuß krachte, der Offizier wandte sich nochmals ab, diesmal zer- drückte er eine Träne.... Bittern Hohn gießt Bleibtreu aus über die nachsichtige Behand- lung, die die Kommune der Bank von Frankreich habe zuteil werden lasten. Die Gegner lügen, die Kommune habe die Bank geplündert. In Wahrheit hat die Kommune die Bank beschützt und ihr nur das dringend Notwendigste zur Verwaltung der Stadt entnommen. Von den Milliarden, die in der Bank lagen, fehlten bei der Uebernahme durch die Agenten deS Herrn Thiers nur einige Dutzend Millionen. Und als schließlich die Komninne verloren war und die noch lebenden Mitglieder deS Kommunerats sich durch die Flucht zu retten suchten, waren eS nur 1000 Frank, die Jourde, der Verwalter der Bank, jedem einzelnen einhändigte. Jourde selbst hatte bei seiner Gesängen- nähme nur einen sehr mäßigen Betrag in seinem Portemonnaie. Das Niederbrennen der StaatSbautc», für das Bleibtrcu im Widerspruch mit anderen Autoren Ferro verantwortlich macht, der dieses aus eigene Faust besohlen habe, schreibt er andererseits auch zum Teil den Granaten der Versailler zu, die � wie nachgewiesen-- absichtlich aus die Hauptgebäude schössen. Sechs große Staatsgebäude habe des Künstlerbataillon der Kommune vor dem Untergang gerettet, und bezeichnenderweise hätten die Versailler die Pariser Ponipiers, die löschen wollten, erschossen. Seinen vcllen Zorn schultet Bleibtrcu über Herrn Thiers und die Versailler an§, die auch in seinen Augen nur OrdnungSbanditcu gewesen sind. Er schildert, wie sie gegen alles Kriegsrechl die Ge- fangenen zu Hunderten und schließlich zu Tausenden erschießen ließen. Niedermetzelungen, die mit der Erschießung von FlourenS und Duval schon am 23. März begannen. Hunderte der Tapferen mußten aber, bevor man ihnen ein Ende machte, es über sich er- gehen lassen, daß auf ihrem Transport durch Versailles Damen der sogenannten vornehmen Gesellschaft im Verein mit den Dirnen der Halbwelt, Landjunkern, Börsenjobbern, Revolver- journalisten und ähnlichem Gesindel, mit den gemeinsten Schimpf- Worten überschüttet und mit Stöcken und Schirmen geschlagen wurden.„Es gibt doch nichts Feineres als die feine Welt", be- merkt Bleibtreu hierzu grinimig. Und als schließlich die Konimune im Blute erstickt war, da be- gannen die Füsiladen durch die Mitrailleusen im Boulogner Gehölz und auf der Ebene von Satory viele Wochen lang; es begannen die Einkerkerungen grauenhaftester Art in den Kasematten der Be- festigungen von Paris, die Massendeportationen nach Cayenne und Kaledonieu. Nicht weniger als 330 000 Denunziationen legten Zeugnis ab von der Gemeinheit und Verfolgungswut des Ordnnngs- Pöbels, wodurch Tausende Unschuldiger ins Verderben gerieten. Unnütz zu sagen, daß es auch insbesondere die bonapartischen Gene- rale wie die Bynoy, die Gallifet und Konsorten waren, die im Kriege gegen Deutschland sich als feig oder ehrlos erlviesen hatten, die jetzt die verlorene Ehre durch Grausamkeit und gemeinste Be« Handlung der in ihre Hände gefallenen Kommunarden wieder her- zustellen' suchten. Blcibtreu ist kein Sozialdemokrat, er ist ein politischer Ein- gänger, den man vielleicht als Edel-Anarchisten bezeichnen kann. Wenn er es unternahm als einer außerhalb unserer Reihen Stehender die Lügen und Verleumdungen, die eine schäbige und gewissenlose Gegnerschaft über die Konimune verbreitete, zu widerlegen, so ge- bührt ihm dafür Anerkennung. Seine Aufgabe wäre ihm noch weit erfolgreicher gelungen, hätte er die Mängel, die im Eingang dieses Artikels hervorgehoben wurden, zu vermeiden verstanden. A. B. Der Kamps in der Elektro-Industrie. Der gesttige Tag hat noch keine endgültige Entscheidung über die Beilegung oder Weiterführung des Kampfes gebracht. Die Versammlung der Schraubendreher beschloß nach längerer, durchaus ruhiger Debatte in geheimer Abstimmung mit allen gegen 18 Stimmen, den Vorschlag der Vertrauensleute zu akzeptieren und damit die neu formulierten Zugeständnisse der Direktionen anzunehmen. Dagegen haben die Lager» a r b e i t e r in ihrer äußerst unruhig verlaufenen Ver» sammlung die Wiederaufiiahme der Arbeit zu den gestellten Bedingungen mit III gegen 95 Stimmen als abgelehnt erklärt. Es wurde von der Organisarionsleitung zwar darauf verwiesen, daß zur Weiterführung des Streiks eine Zweidrittelmehrheit erforderlich sei. Hierbei entstand jedoch solche Unruhe in der Versammlung, daß eine endgültige Klärung des Mißverständnisses nicht mehr möglich war. Es wird sich deshalb am heutigen S o nn» abendvor mittag eine neue Versammlung der Lagerarbeiter mit der Sache befassen. In Anbetracht dessen hat die Verttauenskommission der Metall- industriellen, durch welche die letzten Verhandlungen geführt worden sind, den Organisationsvertretern erklärt, daß sie den end» gültigen Beschluß der Lagerarbeiter biS zum heu» tigen Sonnabendmittag erwartet. Es soll dann auch durch Plakatanschlag an sämtlichen in Frage kommenden Fabriken bekanntgegeben werden, ob die Wftderauf- nähme der Arbeit resp. die weitere Aussperrung erfolgt. Versammlungen. Etwa 500 Graveure und Ziseleure Berlins nahmen am 11. dieses Monats in einer öffentlichen Versammlung Stellung zu den Angriffen der vor kurzem gegründeten Prinzipalsvereinigung gegen die auf modernem Boden stehende Gehülfenorganisation. Reichs» tags-Abgeordncter W. Heine referierte über:„Natur und Ziele der Arbeiterbewegrmg" und betonte hier zum Schluß, daß es Pflicht eines jeden Arbeiters sei, sich der Gewerkschaftsbewegung anzu- schließen, er sorgt damit nickst nur für sich und seine Kinder, er sorgt auch für seine Klasse, für die ganze Nation und so für die Zukunft des Menfchengeschlechts. Nach kurzer Diskussion wurde eine im Sinne deS Referats gehaltene Resolution, die auch die Gelüste der Prinzipale, die Führer der Organisation�„kaltzustellen", aufs sckiärfste verurteilt, einstimmig angenommen. Zum Schluß wurde auf Antrag beschlossen, den Ertrag der Tellersammlung den AuS- gesperrten der Elektro-Jndustrie zu überweisen. Letzte JNfaebnebten und Depefeben. Das Urteil im Prozeß Jsermann. Hamburg, 13. Oktober.(Privatdepesche des„Vorw.,,) Der unter der Anklage des versuchten Mordes an dem Pastor Körner stehende Reisende Christian Jsermann wurde heute nach dreitägiger Verhandlung vor dem Schwurgericht unter Ausschluß mildernder Umstände zu 5 Jahren Zuchthaus uni 6 Jahren Ehrvertust verurteilt. Das Gericht nahm als er» wiesen an, daß Jsermann die Tat mit Ueberlegung begangen habe._ Die Revolution in Ruftland. Odessa, t3. Oktober.valtungsgcnchts, dessen Referent in dieser Sache übrigens der frühere Stadtrat M e u- brinck war, hat daher nicht nur den Klägern, sondern auch die Beklagten nicht wenig überrascht.. Wir können unS freilich über diesen Ausgang des VcrwaltungS- streits Kerfin umsomehr hinwegtrösten, als wir wissen, daß g c r a d e dieser Ausgang in hervorragendstem Maße geeignet ist, ,m bevorstehenden Wahlkampf Wasser auf unsere Mühlen zu liesern und unS den Sieg Kerfins be, der Nachwahl zusichern._ Sttbentt(außemdenWe) GtNkralvkrslmmlutlg des Dechcht« Wtrstarbeittr-Dtrbsndrs. Bremerhaven, den 10. Oktober. Vor Eintritt in die Verhandlungen gibt der Verbands- borsten lier ich bekannt, daß das Bureau gestern abend ent- sprechend dem gefaßten Beschlüsse telephonische Verbindung mit dem Vorstand des Metallarbeitcr-VerbanteS nachgesucht, sowie sich an dicsen auch auf tclegrophischem Wege um Mitierlung der end- gültigen Uebertrittsbcdingungen gewendet hat; eine Antwort steht aber noch aus Oellerich machst deshalb den Vorschlag, die Ver. Handlungen bis Eintreffen der Antwort zu vertagen, weil cS zweck- los, ohne Kenntnis der Uebertrittsbcdingungen weiter zu dik» kuticr-n.�r findet ohne Debatte Annahme. Die General versanrmlung vertagt sich. � Um IV> Uhr nachmittags werden die Verhandlungen fortgesetzt Zunächst teilt der Verbandsvorsitzcnde_ Oellerich mit. daß vom Vorstand des Metallarbeiier-Ver- bandeS noch immer keine Antwort eingegangen ist. Die General- Versammlung, so führt der Redner weiter aus, müsse zetzt aber zur Beschlußfassung kommen. Alle Delegierten seien sich einig, daß der Verband nicht weiter existieren könne, sondcrn aufgelöst werden müsse. Zur Entscheidung stehe deshalb nur noch d,e Frage, wohin die Mitglieder sich wenden sollen. ES sind diesbezüglich, mehrere Resolutionen eingelaufen, die die auf der Generalversammlung ver- tretenen Ansichten zum Ausdruck bringen. Die beiden wesentlichsten Resolutionen lauten folgendermaßen:._ Di« Generalversammlung beschließt die Auflosung dcS Ver- bandeS und verpflichtet d,e Mitglieder, soweit sie in der Holz- branche beschäftigt sind, geschlossen zum Holzarbeiter-Vcrband überzutreten. Betreffs der Mitglieder aus der Merallbranche wird der Verbandsvorstand beauftragt, mit dem Vorstand des Metallarbeiter-VerbandeS unter Hinzuziehung der Generalkom- Mission nochmals zu unterhandeln über die Uebertritts- bedingungen. Insbesondere Hai der Vorstand zu versuchen, die volle Anrechnung der bei uns absolvierten Mitgliedschaft und die Berechtigung zur Bildung einer eigenen Gruppe der Werft- arbeiter innerhalb des Metallarbeiter-Verba-dcs zu erwirken. Isenb-'ra- Vegesack. Die Generalversammlung beschließt die Auflösung des Ver- bandes. Den in der Holzbranche bcschäfligten Milguederii empfiehlt die Generalversammlung den Anschluß an den Holzarbeiter- Verband, den Schmieden und Kesselschiniedcn den Anschluß an den Verband der Schmiede, den übrigen Mitgliedern, die in diesen beiden Verbänden keine Aufnahme finden können, den Anschluß an den Fabrikarbeiter-Verband. Kühl- Bremen. Als Begründung seiner Resolution führt Jsenberg u. a. aus: Die Auflösung des Verbandes muß erfolgen. Wir können auf dem beschrittenen Wege zur Schaffung einer einheitlichen Organi. sation aller auf Werften beschäftigten Arbeiter nicht weiter kommen. Trotzdem müssen wir so viel wie möglich unser Prinzip hochhalten. Wenn wir das wollen, so ist der einzige Weg der, daß wir ver- suchen, die Mitglieder möglichst geschlossen in den Metallarbeiter- Verband hineinzubringen. Tun wir das nicht, so schaden wir unserer Bewegung auf den Werften. Ueberdies würde auch der Metall- arbciter-Verband seine Taktik fortsetzen und über kurz oder lang auch den Verband, dem wir uns anschließen würden, existenzunfähig machen. Bei der Uebertrittsfrage müssen wir unsere Entscheidung nach rein praktischen Erwägungen fällen. Wir dürfen uns nicht vom Gefühl leiten lassen, dürfen nicht fragen, was man uns getan hat und was gewesen ist, sondern was jetzt und in Zukunft ist und was geschehen muß, um unsere Lage auf den Werften zu verbessern. Allerdings mutz der Metallarbeiter-Verband iirs einiaermaßen an- nehmbare Uebcrtrittsbedingungen stellen. Und daS wird er meiner Ansicht nach auch tun. Der Vorstand muh nur noch einmal energisch vorgehen. Schon jetzt sieht der Vorstand des Metallarbeiter-Ver- bandes ein, daß er Fehler gemacht hat. DaS geht aus dem Briefe des Bremerhavener Geschäftsführers der Metallarbeiter hervor Da- rum laßt uns ruhig den geschlossenen Uebertritt zum Metallarbeiter- Verband beschließen. Die zweite Resolution begründet Kühl: Wir dürfen die Generalversammlung nicht ohne bündigen Beschluß verlassen. DaS tun wir aber, wenn wir den Antrag Jsenberg annehmen. Man kann doeb nicht von den Mitgliedern verlangen, daß sie zum Metall, arbeiter-Verband übertreten sollen, wenn dieser ihren viel schleckWe Uebertrittsbcdingungen stellt, wie die anderen Verbände. WaS wollen wir dann aber machen, wenn das erneute Unterhandeln unseres Vorstandes wieder resultatlos verläuft? Und erzielen wird der Vorstand nichts, wenigstens gebe ich mich nach dem bisherigen Verhalten der Metallarbeiter in dieser Beziehung keinerlei Hoff- nungen mehr hin. Unser Vorstand hat alles getan, was er konnte. Außerdem werden wir die Mitglieder auch in den Metallarbeiter- Verband durch einen Beschluß der Generalversammlung nicht hinein- zwingen können. Der Metallarbeiter-Verband bat sich einmal alles Vertrauen bei uns verscherzt. Wenn wir trotzdem den Uebertrittt beschließen, so wird gerade dadurch eine Zersplitterung herbeige- führt. Die Mitglieder werden sich nicht fügen, vielmehr in alle Winde auseinanderlaufen. Wenn ein geschlossener Uebertritt, der ja zweifellos von uns allen erstrebt wird, überhaupt annähernd denkbar ist, dann nur durch den Uebertritt zum Fabrikarbeiter- Verband Ich fürchte auch nicht, daß die Mitglieder, die sich um Aufnahme an den Fabrikarbeiter-Verband wenden, von diesem ab- gewiesen werden. Gelibieht letzteres doeb. dann bleibt-ben ein großer Teil der Mitglieder, wenigstens längere Zeit, jeglicher Organisation fern. In den Metallarbeiter-Verband werden zu den ge» stellten Bedingungen nur die wenigsten übertreten. Darauf setzte wieder ein« sehr lebhafte Debatte«in. Die AuS- führungen der beiden Antragsteller werden recht verlibiedenartig kommentiert Allgemein kommt aber zum Ausdruck, daß die Weiter- existenz des Verbandes unmöglich. Ferner wird entschieden das Verhalten deS Vorstandes deö Metallarbeiter-VerbandeS verurteilt. Man ist der Meinung, daß dieser noch bis auf den letzten Augenblick ein unehrliches Spiel treibt. Silberschmidt(Vertreter der Generalkommission) erklärt in der Debatte u. a.: Aus der Haltung des Vorstandes der Metall- arbeiter vermag ich keine Schlüsse zu ziehen. Jedenfalls aber bin auch ich der Meinung, daß eine Antwort auf die abgesandten Tele- gramme hätte erteilt werden müssen. Wie dem aber auch sei, unter allen Uniständen ist es nach Lage der Sache Pflicht der General- Versammlung, im Sinne de? Antrags Jsenberg zu handeln. Die Mitglieder gehören in den Metallarbeiter-Verband, weil dieser nach Auflösung des Werftarbeiter-Verbandes die meiste Aussicht bietet. eine einheitliche Organisation auf Werften zu schaffen. JndeS, auch der Metallarbeiter-Verband muß annehmbare U bertrittS. bedingungen stellen, insbesondere die in dem Jsenbergscken Antrag hervorgehobenen und meiner Meinung nach auch die übrigen vom Vorstand geforderten. Ich glaube auch, daß der Metallarbeiter-Ver- band dieS tun wird, wenn der Vorstand noch einmal mündlich mit ihm verhandelt. ES liegt mich im Interesse des Metallarbeiter-Ver- bandes, Konzessionen zu macben, weil sonst tatsii-Wich die Gefahr vorliegt, daß ihm die Mitglieder, die er zweifellos zur Durch- fübrung seiner Taktik auf den Werften braucht, verloren gehen und erst mit großer Mühe und vielen Kosten wiedergewonnen werden müssen. Da zudem auch die ArbeiterbeNiegung im allgemeinen an den geschlossenen Uebertritt der Werftarbsiter zum Metallarbeiter. Verband sehr interessiert ist, dürfte auch die Generalkommission, wenn sie angerufen wird, vermittelnd eingreifen, soweit ihr« Befug- nisse dies gestatten Die Generalversammlung darf sick, bei der Beschlußfassung nur vom Verstand und nickst vom Gefühl leiten lassen. Nicht darauf kommt es an, was war und was geschehen, sondern was jetzt ist und was in Zukunft geseliehen soll, um der einbeitlicbeii Organisation der Werftarbeiter die ja zur Erreichung besserer Arbeitsbedingungen auf den Schiffswerften notwendig ist. näber zu kommen. Wenn dies Leitmotiv für die Beschlüsse der beutigen Generalversammlung gelten soll, dann muß der Antrag Jsenberg akzeptiert werden. Nackidem durch einen Schlußantrag die Debatte beendet, folgte da? Schlußwort O e l l e r i ch s, dem dieser Gedankengang zugrunde lag: Mit Genugtuung konftati-re ich, daß gegen die fflefchästs- führung des Vorstandes fast gar keine Einilvndungen erhoben wor- den sind Was die Frage des Uebertritts betrifkt, so vin auch ich wie Jsenberg, Silberschmidt usw. der Meinung, daß wir im Interesse unserer selbst sowohl als im Interesse der Arbeiterbewegung im allgemeinen verpflichtet sind, für einen möglichst geschlossenen lieber- tritt uns'rer Mitglieder zu wirkeii Es unterliegt auch für mich keinem Zweifel daß lvir unserem Prinzip, die Schassiing einer ein- beitlicheu Organisation für alle Werstarbeiter treu bleiben müssen Demnach sind wir grundsätzlich verpflichtet, für einen möglichst ge- sckstossenen Uebertritt zum Metallarbeiter-Verband einzutreten weil dieser uns zur Realisierung unseres Prinzips nach der gegen- wärtigen Sachlage die meisten Chancen bietet Aber«s fragt sich. ob wir diese Pflicht so erfüllen können, daß ein praktischer Erfolg daraus resultiert Mir erscheint die? wenn der Metallarbeiter- Verband seinen Standpunkt uns gegenüber nicht gründlich ändert. kaum denkbar Tie Mitglieder werden sich bei den unannehmbaren llebertritrsbedingungen des Metallarbeiter-Verbandes nicht in diesen hineinzmingen lassen Auch können wir ihnen dieS gar nicht zumuten. Das käme ja einer Verkuppelung nah«. Dock ich habe nichts dagegen wenn laut Antrag Jsenberg nochmals versucht wird, den Vorstand des Metallarbeiter-VerbandeS zur Gewährung an- nchmbarer Uebcrtrittsbedingungen zu bewegen. Die General- kommission wird wie Silberschnudt erklärt, ja auch ihren moralischen Einfluß gelten» machen. Ich meine, da müssei- ir. obgleich wir voll unsere Schuldig!« st getan haben, noch einm<. unterhandeln, um sagen zu können, daß lvir auch das letzte Mittel versucht haben, um einer Zersplitterung unserer Mitglieder und der völligen Zerstörung eines ganzen Jahrzehnts mühevoller Organisationsarbeit vorzu- beugen. Wollen dann die Nietallarbeiter kein Entgegenkommen zeigen, so wird der Geschichtsschreiber der deutschen Arbeiterbewegung nicht uns die Schuld an dem drohenden Zerstörungswerk geben können. Wir können dann wenigstens in dem Bewußtsein au- cinandergehen, bis zum letzten Augenblick getan zu haben, was im Interesse nnserer Mitglieder und auch im Interesse der allgemeine» Arbeiterbewegung zu tun unsere Pflicht war. Darum laßt unS im Sinne der Resolution Jsenberg beschließen. Nach verschiedenen Richtigstellungen aus den Reihen der Tele- gierten wird in namentlicher Abstimmung mit 16 gegen 12 Stimmen der Antrag Jsenberg angenommen/ Beschlossen wird hierzu aber, daß, falls die Unter- Handlungen mit dem Vorstand des Metall» a c be> te r-Verbände s scheitern, der Antrag Kühl als angenommen gilt. Darauf wird auf Antrag Sattler- Kiel dem Vorstande einstimmig D e ch a r g e erteilt, Ein weiterer Antrag von Sattler-Kiel, demzufolge formell von der Generalversammlung bekundet wird, daß der Metallarbeiter- Verband absichtlich den Ruin des Werftarbeiter-Verbandes herbei- geführt, wird auf Vorschlag des Bureaus nicht zur Abstimmung ge- bracht weil die Verhandlungen der Generalversammlung dies ohne- hin ergeben. Sodann wird auf Antrag O b e rb e ck- Vegesack beschlossen, zur mündlichen Unterhandlung mit dem Vorstand des Metall- arbeiter-Verbandes ein Mitglied des Verbandsvorstandes und einen Delegierten aus der Mitte der Generalversammlung zu entsenden. Gewählt werden Oellerich(Verbandsvorsitzender) und Kühl-Brcmen. Als Datum deö offiziellen Uebertritts wird der 31. Oktober dieses Jahres festgesetzt. lieber die lokalen Einrichtungen hat jede Mitgliedschaft bei der Auflösung selbst zu beschließen. Tagegen sind die Geschäftsbücher, Stempel. Verbandsgelder usw. an die Hauptkasse einzusenden. Den drei Beamten dcS Verbandes soll, sofern diese nicht von einer anderen Organisation übernommen werden, otxr sie selber nicht gewillt sind, Beamte einer anderen Organisation zu werden, das Gehalt biS zum 1. Februar fortgezahlt werden. Laut Statut haben die Beamten nämlich eine vierteljährliche Kündigung zu be- anspruchen. Vmn Verbandsorgan soll nur noch eine Nummer erscheinen. Die Schlußabrechnung soll im„Corrcspondenzblatt der General- kommission" veröffentlicht werden. Das Protokoll der gegenwärtigen Generalversammlung soll nur in einer Auflage gedruckt werden, die ausreicht, um die von den Mitgliedern bis zu einem bestimmten Tage gewünschten Exemplare ausgeben zu können. Die Erledigung der jetzt noch verbleibenden geschäftlichen An- gelegenheiten wird dem Vorstand und Ausschuß nach Matzgabe der bisherigen Arbeitsteilung übertragen. Damit sind die Beratungen und Beschlußfassungen der General- Versammlung erledigt. In seinem Schlußwort appelliert der Ver- bcmdSvorsitzeiide an die Delegierten, auch unter der neuen Fahne in altgewohnter Weis« weiter zu kämpfen und dem Ziel zuzustreben, das aus dem bisher beschrittenen Wege zu erreichen den Werst- arbcitern nicht vergönnt war, das aber erreicht werden muß. wenn wirklich erfolgreiche gewerkschaftliche Arbeit auf den Werften ge- leistet werden soll. Um bVa Uhr wird die Generalversammlung geschlossen. Eue der Partei. Auf der Previnzmlkonferenz für die Provinz Prandenburn, die am Sonntag in Berlin zusammentritt, soll auch die Organi- sationSfrage erörtert werden. Zu diesem Zweck hat die Agitations- kommission einen Organisationsentlmirf ausgearbeitet und vor einiger Zeit veröffentlicht. Dieser Entwurf findet im Kreise Brandenburg-Westhavelland keine Zustimmung. Die Parteileitung des KreiseS hat in der Organisationsfrage eine ganz andere Auf- fassung und hat dieselbe in einem Organisationsentwurf nieder- gelegt, der als Antrag der Konferenz unterbreitet wird. Die „Brandenburger Zeitung" bemerkt dazu: „Der SireiS Brandenburg-Westhavelland besteht nicht darauf, daß sein Entwurf unverändert zur Annahme gelangt; es könnte auch hier noch die verbessernde Hand angelegt werden. Aber weil eben grundsätzliche Unterschiede vorhanden sind, weil die Zeit der Vorberatung knapp ist, deshalb wäre es verfehlt, wollte die Konferenz schon am Sonntag die Organisationsfrage end- gültig regeln. Wir empfehlen, eine Kommission direkt von der Konferenz wählen zu lassen und von dieser Kommission die ganze Organisationsfrage noch einmal gründlich behandeln zu lassen." Die Bcrichterstaltung vom Jenaer Parteitage machte im s e ch st e n sächsischen Wahlkreise bereits zwei Parteiversaminlungcn notwendig; da aber die Debatte»och nicht beendet wurde, soll noch eine dritte stattfinden. Im wesentlichen waren eS die Maifeierfrage und der politische Masscustreik, die den Stoff zu einer ausgedehnten Diskussion abgaben. Die Mehrzahl der Redner gaben ihr Ein- Verständnis mit der in Jena festgelegten Marschroute kund.— In einer Parteivcrsainnilnng für den Kreis W a n z l c b e n er« stattete der Delegierte des Kreises Genosse Silberschmidt» Berlin Bericht. Bezüglich der Gcneralstreikfrage hielt er es für verfehlt, diese Idee in die Reihe der Kampfmittel der Partei einzu- reihen Er habe gegen die eingebrachte Resolution gestinnnt, da er sich davon nicht die Wirkungen verspricht, die man von diesem Bc- schluß erwartet. In der sich anslbließenden Diskussion erklärten sich fast sämtliche Redner mit dem Referenten einverstanden. Der Vorsitzende kern- statiert daher ohne Widerspruch, daß die Sozialdemokratie des Wahl- kreise« Wanzleben mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden ist. Weiter wird nachstehende Resolution angenommen:»Um den Beschlüssen des Jenaer Parteitages in bezug auf das Neue Organi- salionSitatut Rechuuiig z» lragen, wird der Vorstand der Partei- Orgnuiiatioii unseres Wahlkreises beauftragt, sich mit de» Partei- vereinsvorständen bezw. Bertraueiisninnuern sämtlickier Wahlkreise des Regierungsbezirks Magdeburg in Verbindung z» setzen, um die im{j 5 des OrganisationsstatutS vorgesehene Schassung einer Be- zirksorganisation anzuregen". Die Bremer Genossen erklärten, von dem Resnltat der Jenaei Verhandlungen zutriedengestelli zu sein und verpflichteten sich, im Sinne der in Jena geküßten Beschlüsse zu Wirten Um agitalorische Kräite für die Partei zu erziehen soll eine besondere Institution gelckiassc» werde» Getadcli wurde vom Berichlnsumer aus Anlaß der Verössentlichung von angeblichen Borgängen in der Fü»izehner-Koinimssion in der.Berliner Volls-Zettung". daß manche Genossen viel zu leichlserttg seien im Umgang mit bürgerlichen Elementen Im Restaurant, im Cafb usw können zeilenhungrige bürgerliche Jouriialrslen genügend„inieressanle» Stoff" erhaschen. das war in Jena zu beobachten Auch konnten sich aus dem Partei- lag selbsi bürgerliche Journalisien ungeiiierl zwilchen den Sitzen der Delegierten bewegen, was cbenlall« bevenklich erscheine. Zu recht lebhaften Auseinandersetzungen kam es in der General- versainmlung des Sozialdeniolratischen Vereins in Magdeburg. Auch hier baben bereits zwei Versammlungen sich mit der Bericht» erslattung besaht Hier war es lediglich die Frage deS General- srreiks und die von der Mag�burger.Volksstinnne" eingenommene Stellung dazu die die Debatte beherrschte. In der Magdeburger .Vottssliinme" hatte der Redakteur Dr. Müller in ein-r Besprechung ver Ergebnisse des Jenaer Parteitages wir habe» In unserer Ucv erficht über die Prebsthiunen den mr.- Artikel auszugsweise wiedergegeben den politischen Massenstreik abgelehnt. Die in dem erwähnten Miillerscheu Artikel niedergelegte Anschauung wurde pou verschiedenen Nedneru verteidigt. B c i in s ist mit der Generalstreik Resoluliou nicht einverstanden, weil darin die Frage nicht richtig erledigt sei. Müllers Artikel könne er sehr wohl begreifen. Die ParteitagSbeschlüsse müssen kritisiert werden, darin liegt die Gewähr, dasz wir auf dem richtigen Wege bleiben. Redakteur Bader ist Anhänger des Massenstreiks, wenn er irgendwie durchführbar sei; er ist auch einverstanden mit der Jenaer Resolution. Eine Kritik sei aber notivendig, denn sie bringe uns die Möglich- kcit, die Gefahren zu erkennen, deshalb dürfe Müller kein Borwurf gemacht werden, wenn er den Manenstreik ablehnend kritisiere. Die Mehrzahl der Redner wenden fich in scharfer Weise gegen den Müllerschen Parteitagsarlikcl. So wird ausgeführt: Es hätte nicht an leitender Stelle, also gelvisserinaßen als Meinung der Magdeburger Genossen ausgeführt werden dürfen, dast dieselben mit dem Parteitag nicht zufrieden seien. In der„Volksstinime" sei wiederholt die Ansicht oerfochten worden, das; alles daran gesetzt werden müsse, wenn das Wahlrecht angetastet würde. Und jetzt nehme Müller eine so verneinende Stellung ein. Das sei nicht die Meinung der Magdeburger Genossen, das müsse erklärt werden. Der gleichen Ansicht ist der Genosse Vater. Die Redaktion hätte erst die Meinung der Prctzkonuniision einholen müssen, ehe sie eine derartige An- schannng zum Ausdruck brachte. Dann tadelt er den Abdruck des Artikels der„Berliner BollS-Zeituiig", der die Partei in unerhörter Weise verunglimpfe und lächerlich zu machen versuchte. Und als dann der Parteivorstand eine Erklärung crlieh, sei diese in einer Weise kritisiert, die alle Disziplin vermissen lasse. Das sei das stärkste Stück, das ihm jemals in der Partei vorgekommen. Ganz falsch sei es auch von Müller, wenn er behaupte, die Gegner dächten gar nicht daran, uns das Wahlrecht zu rauben. Dr. Thesing und Müller wenden sich gegen die in der Debatte ausgesprochenen Ansichten über die Pflichten der Redaktion. Müller erklärt, er habe sachlich Kritik geübt und das sei sein Recht. Sein Optimismus bestehe darin, daß er glanbe, die vollkommene Entrechtung der Arbeiter, die immer an die Wand gemalt wird, sei unmöglich. In der nächsten Sitzung soll über den Generalstreik diskutiert werde». Die ZeilnngZfrage und die Stellung der Redaktion soll in der Preß konuulssion behandelt werden. Der Sozialdemokratische Verein Nürnberg hielt am Mittwoch seine Generalversammlung ab. Nach dem Vorstandsberickt, der die ersten neun Monate dideö Jahres umfaßte, da der Schluß des Geschäftsjahres auf den 30. September verlegt wurde, hat sich die Enttvickelnng dcS Bcrcius in der genannten Zeit sehr günstig ge« staltet. Die Mitgliederzahl ist auf 7396 gestiegen und hat sich seit Januar um 799 vermehrt. Die Zahl der Abonnenten der„Tages- Post" ist im gleichen Zeiträume um einige hundert über 2999 ge- stiegen. Die Kassenverhältnisse des Vereins bieten ein gleich erfreuliches Bild. Eine längere Debatte wurde über die Lehren der Landtagswahl und über die bevorstehende Genieindewahl gepflogen, ferner wurde in der Diskussion der Wunsch ausgedrückt, daß durch eine intensivere Agitation das Parier leben noch reger gestaltet und auf eine größere Vertiefung der Parteigrundsätze hingearbeitet werde. Beschlossen wurde, das Partei- tagsprotokoll allen VcreinSuiitglieder» zur Hälfte des Preises zu überlassen, außerdem wurde ein Antrag angenommen, daß den Ge- nossen, die sich agitatorisch betätigen wollen, das nötige Agitations- material und insbesondere auch die„Neue Zeit" unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden solle. Als erster Vorsitzender wurde wieder Genosse Dorn gewählt. Von einem Kenner der amerikanischen ParteiverhSltnisse er- halten wir folgende Zuschrift: Die gestrige Notiz:„Zur Taktik der amerikanischen Sozialdemokratie" ist geeignet, eine sehr irrtümliche Auslegung zuzulassen. Es handelt sich bei der vorliegenden Frage durchaus nicht n.u die Taktik der amerikanischen Sozial- demokratie. Wäre dies d'r Fell, so müßte sich die Partei durch die Abstimmung 1 ii entschieden haben, gelegentlich Kandidaten an- derer Parteien zu unters. atzen. Das liegt der sozialdemokratischen Partei in Amerika sehr fern. Es handelt sich nur um einen„Fall Berger". Viktor C. Bcrger vo> Milwaukec hatte«inen republi- lairischeu Kandidaten, für ein Richteramt empfohlen gegenüber einem orthodo�-katholisüscu, der als Sozialistensrejscr bekannt war. Die Partei hatte für diesen Posten überhaupt keinen Kandidaien auf- gestellt. Berger hat sich Verdienste um di: Partei erworben, er ist ein alter deutscher Genosse, ein guter Gewerkschaftler und der anerkannte Führer dt, bi? i>>/. Mir statt. Geöffnet: abends 7»br. Ruiiimelsburg. 1. u. 2. Nein.— Retter Hauswirt. Die Polizei hat sich um derlei Privatsachen nicht zu kümmern, es sei denn, die scuer- sicherheitSpollzeilichen Vorschristen werden übertreten, sie könnten beim Amtsgericht auj Herrichtuna in einen der Verkehrssittc entsprechenden Znstand (z. B. Einsetzung der Scheibe, rechtzeitige Beleuchtung) klagen.— F. BS. Ü15. 1. Ja. 2. Das ist ratsamer. 3. Kann verlangt werden. 4. Standesamt. — B. K. 39. 1. Nein. 2. Adreffen sind aus dem Adrcßkalender zu er- sehen.— A. Z. 128. Ihre Schwester hat die Maschine nur gegen Rück- zahlung der 6 M. hcrailszngcben.— Spandau. Lehnen Sie Zahlung ab und warten Sic, ob Klage erfolgt.— P. B. 14. Wenn es Ihr Kind ist und von Ihnen als solches anerlannt Ist, ja.— K. G. 52. 1. Die Frau kann ans Unterhalt klagen. 2., 3., 5. Ja. 4. Ja, aber eine Entbindung vom Vertrag liegt nicht vor.— H. P. 64. 1. Sie können aus Rückgabe de? BetteS(eventuell Schadenersatz) gegen Zahlung von 20 M. klagen. 2. 20. November.— O. 91. 60. Die Invalidenrente ruht, solange der Berechtigte seinen gewöhnlichen Ausenthalt im Auslände(mit Ausnahme der durch Buiidesratsbclaniilmachung vom 13. Oktober 1900— siehe„Arbeiter- recht" S. 490, 491— bezeichneten Grenzbezirke) hat.— 25. B. 5ö0 bis 000 Marken sind zur Altersrente sür den Im Jahre 1835 Geborenen er« sorderltch; geben Sie den GeburtS t a g genau an. »är de« Jiiynl« der Inserate nberuimmt die Redaktion dein Publikum gegenüber keinerlei Berautlvortung. Ubearer. Sonnabend, 14. Oktober. Anfang VI, Uhr: Opernhaus. Bajazzi. Cavallvria. msticana, Schauspielhaus. Macbeth. Neues. Ein SommcrnachtStramn. Westen. Die Zauberflöte. Nachmittags 3 Uhr: Nathan der Weise. Deutsches. DaS Käthchen von Heilbronn. Ansang 8 Uhr: Schiller O.«Wallner-Theater.) Ein Wintermärchen. Schiller R.(Friedrich Wilhelm- slädttsche« Theater). Fkachsmann als Erzieher. Berliner. Andalosia. Zentral. Zur indischen Witwe. Nachmittags 3 Uhr: Faust. Lessing. Stein unter Steinen. Residenz. Die Höhle des Löwen. Walhalla. Eine tolle Nacht. Kleines. Hidalla. Trianon. Madame Torera. Luslipiethans. Der Herr HauShof- meifter. Thalia, vis früh um Fünse! Carl Weist. Der Widerspenstigen Zähmung. Nachmittags 4 Uhr: Die sieben Naben. Luisen. Der jüngste Leutnant. Tcuisch- ZlmerikanischcS. Aber, Herr Herzog I Kasino. Der AdcISnarr. Apollo. Ein Abend in einem amerika- Nischen Tingel-Taiigel.— Am HochzeilSabcnd.— Spezialitäten. Mriropoi. Aus— ins Melropoll Herrnfeld. Die MeyerhainS. Wintergarten. Rofario Guerrero. Spezialitäten. Belle-AUiaue«. Folirs Eapriees streich. Soll Spezialitäten. Reiciion» lte». Stcttiiier Sänger. Passage. Robert Koppel. Marshall, der Mann mit den Hüten. Georg und Gusti Edler. Ilroiuo. Tonvcnstrasie 4N/19. Abends 8 Uhr: Im Lande der MitternachlSsonne. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Donath: Der elektrische Spaiinungszusland. Jllviu Ibens, rasii; 57/62. Stern. warte. Täglich geöffnet von 7 bi» II Uhr. a**" Spezialitäten. Nach dem Zapfen- und Haben.— Berliner Theater. Eharlottenstr. 90/92. Andalosia. Dramatisches Gedicht In 5 Akten von Florian Endli. Ansang 3 Uhr. Morgen u. solg. Tage:u: Hochroiisabend und Spezialit. Sonntag, den 15. Oktober, nachm. 3 Uhr, bedeutend ermäßigte Preise: Ameriicanlecher Tinges-Tangel und daS große Speiialitäten- Programm, W. Noacks Theater. Diretiio»! Roh. Olli. BnunieNstr 16. Herbstvergnügen der Stellmacher. Zur Aufführung gelangt: Der Kktteifindent v. Kerlm. Volksstück mit Ges. in 6 Akt. v. Busse. Ansang 8'/, Uhr. Neu: Miß Cashmore. Neu: Miß Alice. Neu: Leo Ronanii. Neu: Plpi AJerome. Die phänomenalen John und liOiiis Boller mit ihren noch nie gesehenen Vor- uDdRHekwärts-SaltomortalcD aus dem Zweirad. Direktor Albert Schumanns neueste Monsterdresime». Ferner sämtliche neu engagierten Svezialiläien. Zum Schluß die größte Novität: Der Tag des Ein�Iisdien Derby. Das Leben und Treiben nach dem Original, aus das glänzendste in- szeniert vom Dir. Aid. Schumann. Sonntag: 2 Verst., nachm. 3si, Uhr ein Kind frei, und abends VI, Uhr. In beiden Vorst.: Englische» Öerby. Luisen-Thealer. Abends 8 Uhr: Der jüngste Leutnant. Sonntag nachm.: Wilhelm Tel Abends: Kean. Montag: Das Erbe._ Walhalla-Theater Weinbergsweg 19/20. Direktion: Richard Schnitz. Heute und folgende Tage: Eine tolle Vorher: Gr. SpwiaiilAIsn-Programm. Ans. 8 Uhr. Rauche» überall gestaltet. Kssino-TNeatei' Lolbtingerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Glänzender Erfolg! „Der Udelsnarr." Xen! Hhcingold-Trlo. Asia mit dressiertem Pfa» ie. jc. Sonniagnachiniltags t Uhr: _„Ein Sohn des Volkes." Carl WeiO-Theaier. Gr. Franksiirlerstr.>32. Nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung zu ganz kleinen Preisen: Die sichcn Raben. Abends 8 Uhr: Ter Widerspenstigen Zähmung. Lustspiel in 5 Ausz.-v. W. Shakespeare. Morgen letzte SonntagS-isjusiühr.: Der Weltumsegler wider Willen. ' XI. Berliner Saison.' Zirkus Buseh. Pnink-u. Parndc-Abend. Nlexiko. Oer höchst kom. Bärenrutsch. Die Helden vomYalu u.Port Arthur In ihren milit. Infanterie-Exerzilien. .1 apnn iiscbu I niantcric. Ausgesuchte Repräsentanten der Armee des Mikado. Tier Mueurs Atletns. Zum 1. Male; Herr Ernst Schumann mit seinen dress. Artillerie- pterden Zum 1. Male: Fräul. Kaminska. Schulreiterin, auf dam Araberschimmel„Kalif von Bagdad". Eine Springpferde-Konkurrenz. 10 aressiertc Elefanten und die vorzügl. Programm- Nummern. Morgen 2 gr. Vorstellungen, nachm. 4 Uhr u. ab. 71/, Uhr. In beid. Verst.; Japaner, zehn Elefanten, 4 Soeuis Äthletas. Melropol-Theater Präzise 8 Uhr zum 36. Male: Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollnender. Dirigent Kapellmeister Max Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Eiohard Schultz. Waiden a. D.x MIO Clilford a.D. Bender x Giampietro Joseph! x Massary x Frid-Frld Sleidl x Lilly Walter. Rauchen in all. Räumen gestattet. Anfang 8 Uhr. ' Passape-Tlieater. Anfang der Abendvorstcll. 8 Uhr. Kolossaler Erfolg! Robert Koppel in seinem neuen Repertoire. Niss'sksDI der Mann mit de» Hüten. Learv u. Lusli Lille!' Tyroter. Ii erstklassige Niramerii. »»www> Harinfelll-Theater. Zum 174. Male: Sie ff* & Komödie in drei Akten mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Ansang 8 Uhr. Vorvcrk. 11-2 Uhr. In Borbereltung: Der EninilicniaK, Eine Erbschastskomödie von Anton und Donat Herrnfeld. LustspieSEiaus, Abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Der Herr giliishofmtister. Sonnabend, 14. Okt. 190ö: Krolle Extra-Vorstellung des Bernhard Rose-Theaters Zur Ausführung gelangt: Der Miilionenbauer. Großes Volttstück in 4 Auszügen von Kretzcr. Nach der Vorstellung: Ml.- Tanzkränzchen. Ansaug 3 Uhr. Entrec 50 Ps., �Vorverkauf 40 Ps. Morgen Sonntag: 1" Nachher: Tanzkränzchen. Jeden Mittwoch: Uernhnrd Rese-Thentcr Budapester Possen-Thealer 132 Llnienstr. 132- Ecke Friedrich straße. Kack dem Zapfenstreich. Militär-Humoreske von Satyr. Vorher: Soll nnd Haben und der ausgezeichnete Spezialitätenteil. Kasscnerüffnun» 7 Uhr. Anfang 8'Uhr.' Sonntag nachmittag 3 Uhr: Vor- Stellung zu halben Preisen. Fröbels Ällerlei-Thealer Schötitzauser tvllee Rr. 148. Sonntag, Montag, WUttwoch: Konzert, Theater n. Spezialitäten. Stets wechselnde Spiclsolge. N. d. Vorstell.:t."WW Residenz-Theater. Direktion: Richard Hlexander. Heute und folgende Tage: Ansang 8 Uhr: Die Höhle des Löwen, Schwank in 3 Alten v. M. Hennequin und P. Bilhand. Sonntag nachm. 3 Uhr: Herkules- pillen Belle-Alliance Theater- Vnrietö. Anfang 8 Uhr. Hauplmami Harisuis Itonye Szene vom Kriegsschauplatz. � Rosa u. Jehan Liane Leischner Belle Astoria. 16 sensationelle Attraktionen. Sonntags 2 Vorstellungen Nachm. 3 Uhr: Halbe Preise. Jeder Besucher 1 Kind frei. Gustav Belireiis Spezialitäten- Theater Frankfurter- Allee 85. Der ganze Osten lacht Tränen über Die Dtrlltier Riutge. Posse mit Gesang. N e u I Der kleine Mann und die grofte Jrau s°wie Zg Spezialitäten-tarn. Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger. .. CD äSsIs 5; oX.�N moritzplutz. Täglich � in den unteren Sälen ♦ Goftschalk-Konzert. Colosseuml D 16 ELYSIUm. 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Die Beerdigung findet amSonn- tag. nachmiiiags 2 Uhr, von der Halle des Krankenhauses Moabit aus nach dem HeilandS-Kirchhose statt. 2541b Um stilles Beileid bitten Frau Ida Bopras nebst Tochter. 5n Beste deutsche Fabrikate Ueberau zu haben. Heute nachmittag 5 Uhr: ErtiflTnnng: der IM-, UkliSt- m! da Berlin, Luisenhof, Dresdenerst. 34/35 vom 14. bis 22. Oktober d. I. geöffnet v. 10—8 Uhr. Tägl. Konzert. Entree 50 Pf., Elitetag 1 M. Dem Kaufmann Herrn Hugo Graben nebst Gattin Lina geb. Kroll die herzlichsten Glückwünsche zur heutigen Silberhochzeit. 2551b Die Karlshorster. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. To des- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Mechaniker Athcrt Gißler gestorben ist. Ehre seinem Andenken! �Die Beerdigung sindet am Sonntag, den 15. Oktober,»ach- »liitags 4'/z Uhr, von der Leichen- halle des neuen Manendorser Kirchhofes in Mariendors aus statt. Nege Beteiligung erwartet 152/18 Die Grtsverwaitung. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Otto Mewes am 10. Oktober verstorben ist. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 14. d. M., nach- mittags 3'/. Uhr, von der Leichen- halle des städtischen Krankenhauses Moabit aus nach dem neuen Nazareth-Kirchhose an der Dall- dorser Chaussee statt. Um rege Beteiligung ersucht 94/12_ Die Orlsverwallung. Eine Mark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante fertige Herren-Garderoben, Ersatz für Maß. Anfertigung nach IflnO. Tadolloso Ausführung. fulius fabian, Schneidermeister, Große Frankfyrter Str. 31, 0, � Eingang SlrauBberger Platz.•> Deutschlands bedeutendste SdiulMiten-ßbriRen BUR5 bei MÖDCBIM SpeziaS-An�ebot besonders preiswerter Herbst- u. Winter-Schuhe u. Stiefel! Damen-Filzpantolfel mit starker Filzsohle 90 M. mit Filz- Leder- Damen-Filz-Schuhe° sohlen, sehr wann und bequem � M. 1.70, 1.50 Damen-Steppsehuhe, Ä mit Ledersohle und Absatz 0. | 00 R» M. 200 • M. 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WM Ks Jttmiirls" Sftüiitt Bolliolilfltt. Sonnabend, 14. Oktober 1905. 'Cbcatcr. Berliner Theater.„ A n d a l o s i a." Dramatisches Ge- dicht in 6 Alten von Florian Endli. Die neue Bonnsche Aera in dem renovierten Theater begann unter üblen Auspicien. Der Theaterzettel war mit einem allegorischen Bild, das vermutlich so etwas wie die Vertreibung naturalistischer Jnntmerlingsgestalten durch einen gesliigeltcn Ritter Georg darstellen sollte, und mit einem von dem Direktor Herrn Bonn selbst verfahtcn Progranimgedicht Wider die Rinnsteinkuust verziert...Du deutsches Volll so grob und hehr— schreit' nur voran, gefällt den Speer— dah nach so langer Häsjlichleit— das Schöne unser Herz erfreut!" Gleichsam als Winkelried will er, wenn auch im Kampfe fallend, der Schönheit eine Gasse bahnen,„doch wird mir Gott den Sieg verleih»— wie will ich mich von Herzen freun— wenn ich ein Scherflein dar- gebracht— zu unsres Volkes Glück und Macht!— Den Vorhang aus!— Nun weint und lacht!" Dieser Verheigung folgte als erste Er- füllnng das Stück eines angeblichen Schweizers Endli, bei dem zwar nicht geweint, aber um so mehr und zwar ganz gegen den Willen des Verfassers gelacht wurde. Bis zum dritten Akte schien es, als solle alles seinen vorgeschriebenen Gang gehen? es gab den üblichen Premierenbeifall und darüber hinaus, als ein ebenso spontanes Zeichen der Wirkung, den Auf- marsch einer ganzen Wand von Blumenkörben und Sträuben, die wie Möbelstücke vom Orchester aus aus die Bühne verladen lvurdcn. Das Publikum nahm das mit resignierter Ruhe hin. Aber steter Tropfen höhlt den Stein, unter den unausgesetzten Püffen der klappernden Knüttelverse gerieten die gepeinigten Nerven schlieblich in einen Zustand erbitterter Erregung, der sich' in ttimultuarischer Un- ruhe Luft machte. Nun wurden die Stilblüten der Reime, die eine verhängnisvolle Wahlverwandtschaft mit Wilhelm Büschs bcriimhtcn Max- und Moritz-Rcimen aufwiesen, in schadenfroher Vösen-Buben- Stimmung mit demonstrativer Heiterkeit begrübt. Zwischenrufe er- schollen, man applaudierte ironisch und zischte, im letzten Aufzuge war die Ungeduld so grob, datz man das Fallen des Vorhanges kaum abwartete. Ganze Reihen hatten sich schon vorher erhoben. Bonn aber, den man im Verdacht hatte, selbst der schuldige Urheber dieser„dramatischen Dichtung" zu sein, erschien nach Schlub noch einmal auf der Bühne, dankte pathetisch für die Aufttahme und ver- sprach, den mysteriösen Verfasser, der leider der Vorstellung nicht beiwohnen könne, von dem glücklichen Erfolg in Kenntnis zu setzen. Das Stück lehnt sich an das alte vielfach bearbeitete Forttmatus- märchen au. Ein Abenteurer, dem eine Fee ein unerschöpfliches, sich stetig neu füllendes Geldsäckel und ein Wunschhütlein, das den Be- sitzcr wie Flügel pfeilschnell durch die Lüfte trägt, geschenkt hat, vermacht die Schätze seinen beiden Söhnen. Andalosia, der Aelteste, zieht mit dem Säckel in die Königsburg, siegt dort im ritterlichen Turnier und stteitt als Siegespreis das Gold mit vollen Händen unter das Volk. Die Herren vom Hose: Kanzler, Oberpriester, semitischer Bankier, die ihm das Geheimnis seines Reichtums ablocken wollen, trumpft er lercht ab. Aber der hübschen Prinzessin, in die er sich verliebt, gelingt der Coup. Sie schtoindclt ihm auf Anstiften der bösen Tante Harpigia das wunder- tälige Säckchen für ein paar Stunden ab und bringt ihm, ohne dab er des Betruges gewahr wird, statt des richtigen einen nachgemachten Beutel zurück. Ein gewaltiges Fest hat er auf seinem Prunkschlob zum Enipfang deS Königs und der Königstochter aus- richten lassen. Da mitten in dem Brausen des Gastmahls erscheinen die Kauflcute und drängen auf Zahlung. Andalosia greift in seinen Beutel, doch der ist leer. Allgemeine Entrüstung. Die Prinzessin verleugnet den Jüngling und das Volk fällt wütend über den arm gewordenen Almosenspender her. Eine„Ziegenmaid", die ihm heinilich von Hause nachgefolgt ist, rettet und führt ihn in die Waldeinsamkeit zu einem alten zauberkundigen Einsiedler, bei dem der Held in Muste über den Undank der Welt philosophieren kann. Bruder Michel mit dem Wunschhutchen kommt, die Harpigia im Arm haltend, dorthin geflogen. Sie soll den gestohlenen Beutel hergeben, reiht jedoch das Hütchen an sich und verschwindet damit eilends durch die Lüfte. Im Schluh- att zwingt sie die Zauberkunst deS Alten, der ihre Nase zur Strafe schrecklich wachsen labt, den Raub zurückzuerstatten. Indes die che- malige Wunderkraft des Hütchens und des Beutels ist erschöpft. Andalosia, der„deutsche Jüngling", wird fortan aus eigenen Fühen stehen. Nicht äusterer Glanz beglückt. Die tteue Ziegenmaid wird seine Braut. Der Reiz, den solche bunten Abenteuer, als Märchen vorgettagen, haben, muh bei einer Dramatisierung, die weder durch vertiefende Charafteristik, noch durch spielenden Humor, noch durch lyrische Stimmung oder beziehungsreiche Sym- bolik etwas Neues und Eigenes hmzuhtt, völlig verfliegen. ES bleibt da nur der Eindruck einer plan- und ziellosen Zerfahrenheit. Herr Bonn zeigte in der Heldenrolle, die ihn auf den Leib geschrieben schien, die Fülle und Biegsamkeit seines Organs, die Sicherheit seiner schauspielerischen Technik. Herr S ch m a s o w als Michel wirkte durch seine gewöhnliche Drastik. Die neu engagierten Kräfte lassen sich nach dieser undankbaren Probe in ihrem Können schwerlich abschätzen. Viel war für den Glanz der Dekorationen und die malerische Gruppierung der Massenszenen getan.— ät. km die linsgtsptrrltn Arbtilkr und ArbtiltnuntU der Elektro-Industrie Kerlins und Umgegend gingen ein: Vom Rauchllub„Ruhige" Hausen 10,50. Liste 700 Brauerei Picheisdors 27,—, Liste 702 Bockbraucrei II 12,10. Liste 737 Patzenhvscr II 19,—. Liste 733 Friedrichs- bain 7,50. Liste 734 Friedrichshain 15,—. Liste 680 Genossenschasts- brauerei Friediichshagen 4,45. Liste 672 Malzfabrik Spandau 5,10. Liste 660 Schulthcitz I 16,60 Liste 693 Stadtbrauerci 3,20. Zcntralvcrband der Maurer, Zweigverein Berlin, Sektion der Putzer, C., Rosen» tbalcrstratze. Aus Liste 3124 23,50. Durch Rosche, vom Bau Bischos. Lichter- sclde 13,75. Listen 3107 8,—. 3063 3,50. 3060 34,—. 3106 27.90. 3152 5.-. 3075 41.—. 3051 13.50. 3t 16 8,15. 3100 24.50. 303l 19,55. 307, 10,70. 3090 8,—. 3094 22,—. 3055 14,95. 3054 16,80. 3098 16,—. 3062 1250. 3118 5,30. 3113 12,50. C. P. Goerz-Fricdenan: Liste 1341, Abt. Klose 31,50. 1345. Abt. Hertel 56,75. 1348. Abt. Dietrich 32,55. 1349. Abt. Kcttler 84,—. 1353, Arbeiterinnen der Photo-Montagc u. Bohrcrei 20,40. Liste 1355, Abt. Kemnitz 61,—. Liste 1360, Bersuchs-Abteilung 3l,50. Listen 2524/25 Arb. d. Firma Brecst, Pankow 37,80. Liste 2527 Kollegen v. Giestckc, Pankow 52,75. Liste 2535 durch Lehn 17,45. Liste 2516 Bau Lch- mann, Momsenstratzc 27,80. O. S., 2. Rate 500.-. Liste 9727>9,70. Honorar verzichtet, F. K. 5,60. List« 2533 4,30. Schneiderverband, Konto aus Listen 250,—. Buchbinderverband aus Listen: Liste 532 Buchb. v. Wübbcn u. Co. 102,60. Liste 564 Buchb. b. K. lliaschig 20,90. Liste 1576 Buchb. b. Mictschke 7.50. Liste 6387 16.—. Liste 6339 457,05. W. 999 2.-. Lottericvercin„Treff" 3,25. Von Mar Karl gel. 10,50. Verein der Chcmi» graphen. Listen: 862 10,30. 863 7,—. 864 8,—. 866 24,35. 867 14,05. 889 4,—. 870 13,90. 871 8,—. 872 41,25. 873 17,15. 875 17,50. 877 6,—. 881 6,—. 883 9,—. 884 6,50. 885 11.—. Teller. sammlung(„Ressource" 12. 10.) 54,31. Deutscher Tabakarbciter-Verb., Zahlstelle Berlin, ges. ans Listen- konlo 250,—. Bautischlerci Raabc 42,50. Aronsohn, nicht verdiente Courtage 21,—, v. Paradies vcrd. Courtage 21,—. M. W.. Berlin N. 20,—. A. Preutz, Swineinünderstr. 66, I 20,—. Bon den Arbeitern der Finna Rappe u. Hecht, Putbuscrstratze 12,50, A. Flieth, Bau Grunewald 10,05. Otto Galle 5,—. E. Zwirblatt 5,—. Henke u. Wolle durch Wirth 5,—. R. Minarie, Bernau 1,—. Gewerkschastskartell KöuigS-Wuslcrhauscn 65,—. Kurzschlutz 23,—. Schildermaler im Porzellan- arbeilcr-Berbande, Zahlstelle III 15,—. Arbeiter d. städt. EleklnzitätSwerks Charloltcnburg 16.20. Kunstgewcrbl. Werkst. F. Huth 10,50. A. W., Char- loltcnburg 2,—. Neberfchutz Famiiiculränzchcn bei F. Kilke am 26. 8. 51,55. Potsdamer Arb.-Radsahrer 10,50. Einsetzer vom Bau Kuhnt 6,50. Ges. Lokal Fänickc, Zossen 5.—. Rauchklub„Freiheit II", Zehlendorf 20,—. Buch- drucker-Vcrband, OttSvercin Rostock 10,—. Zenlralvcrbaud der Töpfer, Ncucnhagcn 1Z,85. Moabit er Natur- Heilvcrcin 8,05. W. Schulz. GotzkowSlbstrahe 5,—. Kollegen von Ncutze 6,—. Tischlerwerlstatt Kretz, Plittbuscrstr. 3,40. Rasemann, Friedenstr. 5,—. Arb.-Rads.- Pcicin„Vorw", Wilmersdorf 5,—. Slutlotcurc bei Knappe 7,—. Bildhauer v. Bau Joachim 6,55. Tellers. Rads.-V.„Germania", Woltcrsd. 3,05. E. K. Str. 28 6,05. Maurer d. Zweigvcreins Teltow, Mitt 100,—. Holzarb.-Verb., Zahlstelle Schöncbcrg 500.—. Arb. d. Möbelfabrik Sämig u. Jatzky, Saal I, II, III, Masch.-Arb. u. Polierer, Küstr. Platz 21,15. Von Fützner 39,20. Gr. Bert. Stratzenb., Abteilung Lackiercrci Userstr. 19,—. Liste 1615 d. Eggert 24.65. Liste 4756 d. Eggert 10,60. Liste 4755 durch Eggert 8.90. Liste 4752 d. Eggert 16,05. Arb. d. Tapcz.-Wcrkstalt v. Rad. Hertz ag 25,05. Liste 3847 12,10. Maschinenmeister v. W. Büxcnstcin 19.20. Arb. d. Firma Frisier n. Rotzmann, Saal 37 16.30. Liste 4727 14,80. Möbclpol. Heinr. Gerken 14,80. Liste 6658 16,—. Arb. d. Aickersahrradw., Fil Verl. 15,95. Schwimmfest d. Schwimmklubs 94 14,40. Möbeltischlerei Gurisch 14,—. Listen 2834—2835 50,30. Listen 1640—1641 66,95. Fricke auf Listen gesammelt a Konto 143,20. Tellerfamml. Graveure im Deutschen .Hof am lt. 10. 55,—. Deutscher Buchbindcrocrband. Zahlstelle Berlin: aus Listen: 570 Schlotz, Alexanderftr. 20,15; 1567 Adolf Zumpe, 19,—; 1575 Beck, Adalbcrtstr. 8,25; 1579 Raschig. Engcluser 1c 15,45; 1581 Jagcrt 18,—; 1582 Schubert, Buchbinderei 8,75; 1585 Wucherpscimig, Buchb. 5,75; 547 Lüdcritz u. Bauer 10,25; 548 Lüderitz u. Bauer 15,65; 519 Lüdcritz u. Bauer>3,75; 546 Lüdcritz u. Bauer 30,40; 550 Lüdcritz U.Bauer 27.75. Arb. der Firma«audmainr, Kottbuserftratzc 16,90. Arb. v. Schirrley 10,95. H. Bergcmann, Gerichtstratze. Aus Listen: 4418 50,50. 4421 10,55. 4416 23,95. 4854 6,50. Sechserkassc Bez. 86 5,—. Krolls Buchdruckerei 7,70. Buchdruckereipcrsonal v. Fcrd. Ashclnr 29,20. Liste 4034 12,—. Genossen des 104. Bezirk 15,—. Liste 4911 10,55. Bäckerei-Genossenschaft Glogauer« stratzc 10,—. Arbeiter der Bäckerei-Gcnossenschast 9,—. Arbeiter d. Tischlerei F. Wolf, Waldemarslratzc 20,—. Arbcitslofcnkasse deS UO. Bezirks, II. Teil 15,—. Zeutral-Verband der Töpser, Filiale Berlin. Auf Listen: 2706 Bau Rakowski 22,—. 267 l durch Fritz Wolff 20,85 10 081 durch Teubcrt 2,75. 2709 durch P. Schulz 14,65. 2716 Bau Thiele 10,50. Verband der Porteseulller aus Listen ges., I. Rate 72,50. Buchdruckcrei-Hülssarbeiter im„Vorw", Rotationssaal, I. Rate 10,—. Verb. d. Portcscuillcr, Werl- stubensitz. Wünsch 4.65. Alb. Fischer, Restaur., Holzmarktstr. 20.65. Arb. d. Firma Epcnslcin 4,—. Listen 3971—3072 27.—. Gesangverein stiote Nelke II. 15,—. Tapezierer Werkst. Maly, Hagelsbergerstr. 6,25. Liste 4553 12,40. Zcntralverb. d. Töpser, Filiale Berlin, II. Rate 500,—. Beitrags- sammler v. M. A. B., Wusterhausen 40,—. Pflanzer-Ver. Villcn-Kol. Rixd. 20— Liste 4618 9,—. Hauptwerlsl. d. Verl.>-:tratzenbahn. unter Dreherei 54.75. Abt. Ankerbau 54,45. Ges. d. Aug. Ack« 11.10. Handtuch-Veiicil,- gcschäjt„Hoffnung", Nauiipnstr. 5,—. Kall. d. Bautischl. Altstädt, Lippehner- stratze 15,50. Zcntralverb. deutsch. Texlilarb.. Fil. Köpenick 150,—.� lieber« schütz Tellcrsammluugen Köpenick und Fricdrichshagcn 53,50. Spandau Granate 48,—. Allg. Arb.- Verein Züllichau und Unigegend 20.—. K. Kautcllc, Friedenau. Saarstratze 10.—. Arbeiter- Fortbildungsvcrein in Gnoin 5,30. Firma Ltta Plättner, Licbenwaldcrstratze 6,—. C. Feistcrsche Buchdrucker«! 5,—. R. L. W. Schmidt, stargarderstratze 6,—. R. H. P. 41,—. Kall. d. Firma Ph. Funk 11,05. Dachdecker der Firma Plalh u. Pruzcl 14.20. Bau Baum u. Mehles, Borsigwalde 10,—. Tischlerei o. Schmidt. Boxhagen 3,50. Ges. b. einer Wenschronde 1,20. Rauchvcrein Grüne Eiche", Mahlsdors 3,50. Franz Röder 3,—. Handt..Verl.»Gcschäst Solidarität b. Hartseil, Fürftenst'ratzr 5,—. Liste 4422 14.—. Holzwürmer 2 50. Stadtbezirk l37b 3,80. Koll. v. Schausc, Ncanderstr. 12,50. Zither- klub„Libcrtc", Skalitzerstratze 5,—. L. S. ges. in der Uebiingsstundc 5.—. Piiikenkasse des 150. Bez. des 2. Wahlkreises 10.—. Bau Mittag, Charlotten. bürg, Lcibnizttratze 10,55. Arb. d. Brotsabrik Corts u. Co.. Stcndalerstratze 17,65. Oelberg. Wirth, F. Schultz, Gartcnstratze 20,—. Zentralverein der Hutmachcr aus Listen, darunter 7.50 Biertisch Möckel, Sophienstratzc 371,25. Untersliitzungsverein Putzer Berlin u. Umg., 1. Rate 50,—. 112. Bezirk des Sozialdcm. Wahlvcreins SO. 15,—. Zahlabend Abcndroth, Pankow 3.50. 'Arb. d. Firma Lorenz, Elisabethhos, Listen 4702, 4703, 4698, 4700, 4699, 4701 195.70. Berichtigungen. Liste 4916, 4915 mutz cS statt Kunstschneider Kunst» schmiede heitzcn.— Liste 2537 Arbeiter von Gungel, Koloniesttatzc, mutz es Grengel dcitzen.— Liste 173 Buchdruckern Gutenberg, Wallslratze 8,75 M. mus; es heitzcn; Von V e r b a n d S m i t g l i e d e r n und HülsSarbeitern von der Buchdruckerei Gutenberg, Wallstrahe. Summa 10 810,21 M. Bereits quittiert 40 656,30 M. Gesamtsumme ZI l««,5I M. Weitere Sendungen werden entgegengenommen im GewcrlschaftSbureau von 11— 1 und 6—8 Uhr, Sonnabends und Montags von 4—8 Uhr im Saal HI. Postsendungen sind an A. K ö r st e n, Engel-User 15, zu richten. Der Zlusschuf» der Berliner Geiocrkschaftskoiniuissiou. Oesfeutliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- »uhuiig für jedermann, SW., Alcxandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 51/,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschristen jeder Art und Richtung aus. I» der humanistische» Gemeinde, Niederwallstr. 12, in der Aula der Fricdrichwcrderschen Oberrealschule, hält am Sonutagvormittag IG/zUhr Herr Dr. Rudolf Penzig einen Vortrag über:„Zur Ethik der Arbeit. III. Die sittlichen Grenzen deS Rechts aus Arbeitseinstellung. Damen und Herren haben freien Zutritt. Allgemeine Kranken- und Sterbekassc der Metallarbeiter. E. H. 29, Hamburg. Filiale Berlin 5:' Mitglieder-Versammlung am sonn- abend, den 14. Oktober, abends 8'/, Uhr, bei Patt, Dragoncrstr. 15. Freireligiöse Geineiudc. Sonntag, den 15. Okiober, vorm. 8-/, Uhr, im Bürgcrfaalc des Rathauses, Eingang Königsir. 15—18: Versammlung. Freireiigiösc Vorlesung.— Um 10°/, Uhr vormittags in der Schul-Aula, Kleine Franksurl erfir. 6: Vortrag des Herrn Sldolf Stern:„Schönheit im Leben und Leben in Schönheit". Gäste, Damen und Herren, sehr will- kommen. Verein ehemaliger Gütergoher zur Bekämpfung der Dnbcr- kulosc. Sonnabend, den 14 Oktober, abends 9 Uhr, findet im Musikerhaufe, Kaiser Wilhclmstratze 18m, eine autzerordenilichc Generalversammlung statt. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markihallcn-Dircktion. Rindfleisch la 65—71 pr. 100 Psund, IIa 58—63. lila 52—57, IVa 43—50. Kalbfleisch la 86—93, IIa 75—85, lila 62—72, Hammelfleisch la 62— 73, IIa 18— 60. Schweinefleisch 67— 74. Rotwild Psund 40—50 Ps. Hasen Stück 3,50—4,00, klein 1,00—3,00. Kaninchen Stück 0,50—1,00 Krammetsvögel 17—22 Ps. Rebhühner, junge la 1,00 bis 1.30, junge IIa 0,60—0,90, junge kleine 0,00—0,00, alte la 0,70—0,80, alte IIa 0,00—0.00. Hühner, alte 1,40—1,80, junge 0,80—1,40 daS Stück. Tauben, junge 0,35—0,50, alte 0,00—0,00. Enten, junge 1,80—2,75. Gänse junge la, 3,50-4,20. IIa 2,50-3,00 per Stuck, la 0,58-0,63, IIa 0,40—0,55 per Psund. Hechte 93—101 M., Schleie, unsort 0,00, Aale, grotz 82, mittel 70 M. Plötzen 66,00 M. Karpfen 00—00, Lachs 145, Schellfische 36, Flunder 36 M. pro 100 Psund. schottische Vollheringe(gesalzen) 36—38 M Krebse, kleine. Schock 00- 00, unsortiert 00—00. Eier, Schock 00—00. Butter pro 100 Psund la 120—124, IIa 115-120, INa 110-115, abfallende 100-108. Kartoffeln pr. 100 Psd. rote 1,80—2,00. Rosen 1,50-1,75, blaue 0,00—0.00, runde weihe 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. Schock 4.00—7,00, Weißkohl 4,00—6,00, Rotkohl 4,00—6,00, Saure Gurken, neue Schock 2,—._ SSltteriingSltberfllht vom 13. Oktober 1003, morgeuS 8 Uhr. Stattoneu L s N- «£ S 3 a«• aparanda!737.S Petersburg 751 S Scilly Aberdeen Paris _____!O 768 WNW 764 NW 766 SW Wetter eis cS- u 2 Regen 1 bedeckt 4 bedeckt 5 wolkig 2 bedeckt 6 5 12 4 9 Etwas kühler, zeitweise ausklarcnd, vorwiegend trübe mit Regen» oder Graupelschauern uns starlen nordwestlichen Winden. ___ Berliner W e t t e r b II r e a». Teures Fleisch billige Seefische!! Bester Fleischersatz, schmackhaft Ullck durch hohen Nährgehalt sich auszeichnend t Große Fänge in lebendfrischer Ware sind soeben eingetroffen! EinVersnch mit diesen äullerst schmackhatten Fischen Ist jeder Haustrau zu empfehlen. Seefisch-Kochbücher gratCs. 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Hurwitz Rotes Schloß vls-a-vis dem Xatlonal-Dcnkmal. 43242* Soeben ist erschienen: Protokoll des Parteitages in Jena. Die Verhandlungen des diesjährigen Parteitages haben in weitesten Kreisen lebhafte Ausnierksanikeit erregt. Waren doch diese Bcrhandlnngen von arund» legender Bedeutung sür unsere Partei. Di« Referate und die Debatte über die Organisation, die Maifeier, den Massenstreik sind im Protokoll ausführlich ent. halten. Ferner enthält es die Be- richte des Parteivorstandes und der Relchstagssraktion. Ein um- fassendes Sachregister und ein Sprech» regifter erleichtern da? Nachschlagen. 235116 Preis 70 Pfg., gebunden 1 Mark. Porto 20 Pf. ßuchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69. Zigarren! UllligHte 1 m _. ItexaKsqaelle}|' n u, i s s i o«. Zentral-Verband der Zimmerer Zablftcllc Berlin und Chngegcnd. Bureau: Eugel-Ufer 1.5, v. Hl, Zimmer SÄ. Fernsprecher: Amt 4, Nr. S78S. Montag, den 1«. Oktober, abends S Uhr: jillgcm. tbUtglicdcr-Tcrfammlung in den„Haruionie-Festsäleii", Jnvalidenstraße tu(Ecke Brunnenstraße). TageL-Ordnung: 1.„Die Arbeiterbewegung einst und jetzt!" Referent-.Arbelter-Selretär 2. Bernssangelegenheiten, Genosse Eugen Brückner. Pflicht aller Mitglieder ist es, in dieser Vcrinmmlimg vünktlich zu erscheinen.____ Ter'Vorstand. Jeder Arbeiter, Jeder Handwerker sollte 2ur Hrbcit die Ledcrhose Hcrknles tragen. Allein-Verkaus. Sehr starkes Leder ii« praktischen grauen u. braunen Streifen. auch einfarbig. Am Bund auS einem �stück gearbeitet. Sehr feste Kapp« nähte. Haltbarste Pilot- Taschen. Groge Flicken umionst. Die Hose bei Eiilvahme von I /g cn\* 6 Stück 26 Mk.| 4: Ml. 50 Manchester-Hose Marke©am» brinuS, Zwirnlette... 5 M. 50 Gesüttert. Maiichcst.-Jackctt 14,50, 8,75 Echtblaues Monteur. 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Oktober, von«. 9'/, Uhr: Austerordentliche Gentral-Dersammlullg im Lokale des Herrn Wollschlager, Adalbertstr. 21, wozu sämtliche Herren Arbeilgeber, weiche ein Drittel zur Kasse zahlen, und sämtliche grotzjährige Kassenmit» giiedcr hiermit eingeladen sind. — Quittungsbuch legitimiert.»»»»» Tages« Ordnung t 1. Wahl von 31 Vertretern der Arbeitgeber. 2. Wahl von 60 Ber« tretern der Arbeitnehmer. 3. Ver- schiedencs. Berlin, den 13. Oktober 1905. 254Sb Per Vorstand. �SosefTischßr� Kohlcit-Grofthandlung Berlin 0. 34, Brombsrgerst. 19/20. Preise ab Platz von 10 Ztr. an. Industr.-Brikete�alBftdnep.Zhr.BOPf. la. Senftenberger Salon-Briketts .,Anna" oder„Marie" p. Ztr. 80 Ps. lienokeis Werke„„ 85 ,, Ilse u. Anh. Mariengrube„„ 90„ ia engl. Anthrazit, Bruch, Koke, Steinkohlen, Holz usw. zu billigsten Tagespreisen.• Handwagen verleihe za Kohlen. Vergolder! Montag, 16, d. W., abends präz. 8 llhr, in den„Arminhallen", Kotnuiaiidaiitenstr. 29(grvher Saal): Mitglieder-Versanimlimg. T n g'e s- O r d ii u n g: l Die Miststüude bei der Firma'Aug. Werkmeister. 2. Abrechnung vom III. Quartal 1905. 3. Fortsetzung der Diskussion über Anschluß an eine gröhere Organisation. 4. Verschiedenes. Die Mitglieder sind verpstichiet, in dieser Bersammlung vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Per Vorstand. DM- Listen für die?!iiSgcsperrten der Eleltt'o-Fndustric können in dieser Versammlung uni 8>/. Uhr bei den Kassierern abgerechnet und neue in Empfang genommen werden. T. O. Verbsnll der Hafenarbeiter u.»erw. Berufsg. Pcntschlnmls. Bltglicdschaft Berlin II. Brettertriiger und Brcttschneider! Sonntag, den 15. Oktober, vormittags IN Uhr, im Königstadi-Kafiiio, Holznmrktstraße 72: Mitgtieder-Uersammlung TageS- O r d n u n g t 1. Mrechnung vom 3. Quartal. 2. Stellnngnabme zum Verbandstage und event. Anträge dazu. 3. Verbandsangclegenheiten und Verschiedenes. 19/20___ Per Vorstand. W!I.»s» Pcntschlauds..Verwaltungsstelle Berlin n. Umgegend. Sonntag, den 15. Oktober, vormittags 9 Uhr: Statutenmäßige Generat- Ter faminlinig bei Voigt, Ritterstraste 75. Tages-Ordnung: 1. Vierteljährlicher Kassenbericht. 2. Bericht der Revisoren. 3. Anträge. DM- OuittUNgSbuch legitimiert. Ml» 1Z9/S Bio Ortoverwal tang. inr Verwaltnngsstclle Berlin. Haupt-Bnrcau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 9679, _ Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. »*°!i! Schlosse!*! is Montag, den 16. Oktober, abends 8I/2 Uhr, im grosten Saale von Buggcnhagcn, Orantenstr. 147(Moritzplatz): Allgemeine Sehlosser-Versammlung. Tages-Ordnntig: 1. Vortrag des Genossen Gduard Warnst über!„Daö Kranken« vcrsicherimgs-Gesctz". 2. TtSkussioii. 3. Aufstellung der Delegierten zur Orts-Krankenkasse der Schlosser. 4. Neuwahl des BranchenvertrcterS und der Brancheiikommission. Eventuelle Ausstellung der Kandidaten zum Gesellen» ausschuh. 5. Verschiedeucs. Es ist Pflicht eines jeden Kollege», zu erscheinen. Montag, den 16. Oktober, abends S'l, Uhr. im Dresdener Garten, DrcSdenerftr. 45: M?" Versammlung"HW der Gold- und Gilbcrarbeiter und verw. Berufsgenossen, TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen H. Faber über:„Unternehmer- und GehlUsen, Organisationen int Goldschmiedegewerbe Berlins. 2. Diskussion. 3. Verbands« angelegenheiten. Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen.— Gäste willkommen.___ Die OrttverwaHung. XB. Sonntag, 22. Oktober mittags 12 Uhr im Etabliseem. Buggenhagen (am Moritzplatz): zum Besten hOlfsbedürftiger Kollegen und Kolleginnen. Billetts sind zu hoben bei den Kollegen Fierenkranz, Markus« straßa 51; Holtkamp, Pürstenstr. 20; Becker, Prinzenstr. 81; Lebte, Skalitzerstr. 10 und Feistol, Waldemorstr. 17. 152/17 Wo tanzen wir Sonntag? 4682L* Linden-Garten, Nieder-Schönhausen,."Ä —-——-' MV" Fertige Winter» Anzüge und Paletots 12.50, 17.00, WintersrLodeilsJoppen, warm gefuttert Einzelne Winter-Hosen. Große Auswahl. H. 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Tie Ortsverwaltung. Stukkateure! Die Differenzen bei den Firmen HHixer A Uaucrniaati und Gerschcl sind beigelegt und geltcn die Sperren kür aufgehoben. Ortsverwaltung Berlin desZcntraloerbandes der Stiikka- teure Teutschlands. l131/9 Achtnug! Ssudsiillverllör! Der Streik der Rohrer dauert unverändert fort und ersuchen wir alle Bauhandwcrkcr. weil verschiedene Firmen, die nicht bewilligt haben, an 'Arbeitswillige StrbeitSbercchtigungS- karten ausgeben, um Irrtümer herbei. zuführen, streng daraus zu achten, und haben nur die von der � igum« sation herausgegebenen gelben Karten Gnttigkeit, wenn dieselben mit dem Stempel der Lohnkommission ver- sehen sind.. 296/4 Die Lohiikomm-ina» der Rohrer Berlins».Umgegend. Bureau: Dragonerstr. 15 ««antw. Bkdatteur:«ach Büttner, Berlin. Mr dm Jnferatenteil verantw.: Xh. Alicke, Berlm. Krück u. Beclagi A�värtH«uchdruckerei u. BerlagsanWt jßaul Sinoer& Co.. Berlin SW Partei-Hngclcgcnbelten. Der Verein der Kutscher hält heute in der Philharmonie ein Vergnügen ab. EZ wird versucht, in Arbeiterkreisen hierzu Eintrittskarten zu vertreiben; man weise diese Karten zurück. Die Lokalkommission. Schöncierg. Morgen Sonntag ist Flugblattverbreitung im 3., ö.. 6., 7. und 10. Bezirk. Rixdorf. Die in der letzten Generalversammlung beschlossene Flugblattverbreitung findet morgen Sonntag statt. Die Genossen werden ersucht, in den bekannten Lokalen vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Friedenau- Dienstag abend 8'/z Uhr findet bei Grube die Monatsversammlung des LZahlvereius statt. Tagesordnung: 1. Be- richt über den Parteitag. 2. Das OrgaiüsationSstatut für Groß- Berlin. 3. Vereinsangelegenheiten.— Verloren gegangen ist die Russenliste Nr. ISIS. Abzugeben bei Miethling, Kaiser-Allee 86. Vorort- r�aebnehten. Schöi«eberg. Sie trauen sich gegenseitig nicht— nämlich die Bürgerlichen, die sonst, wenn es die Bekämpfung der Sozialdemokratie gilt, stets brüderlich zusammenhalten. Auch diesmal dürste die scheinbare Entzweiung nur auf �Täuschung beruhen, wenn auch momentan das Tischtuch zwischen einigen kartellierten Bezirksvercinen nicht intakt geblieben sein sollte. Wie wir erfahren, sind„die im Hinblick auf die bevorstehenden 20 Stadtverordneten-Wahlen" angestrebten Einigungsversuche der matzgebenden Vereine Schönebergs (Haus- und Grundbesitzerverein, Bezirksvcrein„Südwest" und „Verein Berliner Ortsteil", sowie„Kommunalvcrein") ge- scheitert. fOian wollte nämlich„in gemeinsamer. friedlicher B eratung" die Aufstellung der Kandidaten in den einzelnen Bezirken„vornehmen". Wer von diesen genannten Vereinen die Oberhoheit ausübt, ist ja nach den gemachten Er. fahrungen nicht zweifelhast, und wer nicht mit will, der„fliegt" eben. Deshalb hat man ja auch dem Bezirksverein„Südwest", der sich vorläufig wenigstens noch einiges Rückgrat bewahren möchte, das bereits eingezahlte Geld zur Agitation zurückgesandt. Sie werden trotzdem sich wiederfinden, wenn es nur erst zu den „Stichwahlen" wird gekommen sein; dazu sind die Rabiaten viel zu—„fr e i s i n n i g".„Südwest" will nämlich im zehnte» Bezirk der dritten Abteilung an der Kandidatur Zobel, des jetzigen Ver- treters, festhalten. Dem Haus- und Grundbesitzervercin ist dieser Mann scheinbar längst vcrhatzt, und er möchte geWitz den damaligen Fehler seiner Unterstützung wieder gut machen. Als Gegenkandidaten sucht man ihm in gewissen Kreisen den Mittelschullchrer Kunze gegenüberzustellen, denselben Herrn, der in der Bezirksversammlung Südwest Herrn Z., der sich auch die Achtung der Sozialdemokratie erworben hat,„zu grotze Rücksichts losigkeit und zu geringes Eingehen auf die besonderen Vorstellungen seiner Wähler" vorwarf.(Ahal) Dem seinerzeit wegen allzu großer Beliebtheit nicht wieder- gewählten Stadtrat Leidig, den wir bereits gestern erwähnten, will man die Pforten des Stadtparlamcnts ebenfalls wieder öffnen, indem ihm ein Mandat der ersten Abteilung„übertragen" werden soll, während das Hausbesitzermandat der dritten Abteilung dem bisherigen Inhaber auch weiterhin„zugedacht" ist. In diese allgemeine Verteilung hat man aber den bisherigen „Vertreter" der zweiten Abteilung, den allbekannten Stadtvcrord neten Treugebrodt, nicht mit hineinbezogen. Er fand eine heftige Opposition gegen seine Person und schließlich keine Gnade vor den Augen seiner Bczirksfreunde. Uebcr seine Kandidatur soll nämlich eine„öffentliche Wählerversammlung" entscheiden. Was diese freisinnigen Herren unter„öffentlich"' verstehen, haben die Sozialdemokraten schon oft erfahren müssen. Herrn T. soll nämlich in der Person des Rentiers Stahl(eine gänzlich unbekannte Größe) ein Gegenkandidat erstehen. Im Falle seiner Niederlage wird sich aber erstcrer wohl zu trösten wissen, er wird ja nach be- kannter Weise dann in einem anderen Bezirk„Unterkommen" finden. So suchen nun diese kommunalpolitisierendcn Bezirksvercine immer für ihre nächste Umgebung etwas herauszuschlagen,— die Si�ialdemolratie hat nur das W.ohl der Allgemeinheit und der Arbeiterschaft im besonderen im Auge und richtet danach ihre Handlungsweise ein. Schlagende Beweise von der Harmonie zwischen Vorgesetzten und Beamten gab neulich der B r a n d i n s p e k t o r der Schöne- berger Wehr einem der Feuerwehrleute. Freitag voriger Woche wurde her Schlafraum gereinigt und neue Bettbezüge herausgegeben. Die alten Bettbczüge legte man auf die Erde und dadurch wurde der Durchganasraum etwas schmal; jedoch verblieb immer noch so viel Platz, daß der Brandinspcktor, der den Raum betrat, hindurch gehen konnte. Beim Vorübergehen an dem Feuerwehrmann Volk, der seit 10 Jahren im Dienste der Stadt ist, hatte sich der Inspektor den linken Arm an der Holzbekleidung gestreift. Als Volk etlvas später aus dem Waschraum trat, stellte ihn der Brandmeister zur Rede mit den Worten:«Sie Schlote, warum haben Sie mich vorhin angerempeltl" Er versetzte ihm dann einen Schlag ins Gesicht mit dem Ellenbogen. Zwei Feuerwehrleute waren Zeugen dieses Vorganges; der eine aber will von der Sache absolut nichts gesehen haben. Der Feuer- mann Volk ging sofort zum Magistrat, der die obere Instanz bildet und beschwerte sich, so daß die Untersuchung eingeleitet ist. Der behandelnde Arzt konstatierte„Anschwellung im Gesicht durch einen Schlag". Was wird dem Herrn Brandmeister, der sich jetzt in Nürnberg befinden soll, geschehen? In der letzten Stadtverordneten- Versammlung wurde vom Referenten Prof. Mellmann darauf hin- gewiesen, daß„üble Nachreden oder Vergehen gegen Vorgesetzte" streng zu bestrafen seien. Wird nach diejen Grundsätzen gar der Feuerwehrmann zu büßen haben? Rixdorf. Morgen Sonntag, in der Zeit von 11—1 Uhr, finden die Delc- giertenivahlen der A r b e i t n e h m e r zur hiesigen Ortskranken- lasse statt. Jedes Mitglied hat die Pflicht, sich an dieser Wahl zu beteiligen. Da das Mitgliedsbuch als Legitimation dient, mutz sich jeder Wahlberechtigte es vom Arbeitgeber am Sonnabendabend geben lassen. Das GewerkschaftSkartell. Weistenfee. _ Die Arbeiterschaft von Weitzensee wird nochmals ersucht, den Beschlüssen der letzten Gewerkschaftsversammlung nachzukommen und sich nur in den B a r b i e r g c s ch ä f t e n bedienen zu lassen, ivelche durch ein rotes Plakat im Schaufenster kenntlich sind. Das Plakat muß mit dem Stempel:„Vertrauensmann der Gewerkschaften Weitzensee" versehen sein. Nur dadurch ist die Gewähr geschaffen, daß in diesen Barbicrftuben die Forderungen der Gehülfen bewilligt sind. Dessen ungeachtet mutz ein jeder nach der weitz-grünen Kontrollkarte, welche laufend abgestempelt sein mutz, fragen. Die Kontrollkarte muß am Spiegel stecken. Das GewerkschaftSkartell gibt bekannt: Der Gastwirt B reWisch, Metzerstr. 25, hat nun doch seineu Zentral-Arbcitsnachweis(ein tot geborenes Kind) eröffnet. Laut Beschluß des GewerkschaftSkartell S ist dieser Nachweis für alle Branchen der Arbeiterschaft gesperrt, da jede Gewerkschaft ihren Nachweis selbst regelt. Es wird erwartet, daß dieser Beschluß durchgeführt wird. Alle Anfragen find zurichten an Max Schröder, verlängerte Sedanstr. 46, III. S a m m e l- listen sind ebenfalls dort und bei Content, Lehderstr. 5, zu haben. Die Ratten verlaffr» das sinkende Schiff. Die letzte Gemeinde- Vertreter-Sitzuna war für den stellvertretenden Gemeindevorsteher, besoldeten Schöffen Dr. Pape, kein glückliches Ereignis. Da die Gemeindevorsteherwahl vor der Tür steht, wird er Wohl alle Hoff nung aufgeben, daß diese Stelle ihm zufalle. Schon in der vorher- gehenden Sitzung kam die Kündigung eines Beamten zur Sprache, was in der Oeffentlichkeit einen Sturm der Entrüstung hervorrief, da alle Gesetzesformalitäten von dem Juristen Dr. Pape außer acht gelassen waren. Nicht nur ein Teil der Gemeinde Vertreter verlangte diese Angelegenheit nochmals auf die Tages ordnung gesetzt, sondern auch vom Landrat kam die Belehrung, datz die Kündigung von der Gemeindevertretung ausgesprochen werden müsse. Ein Antrag, die Oeffentlichkeit auszuschließen, wurde ab- gelehnt und so halten die zahlreich auf der Tribüne anwesenden Gemeindebeamten Gelegenheit, ihren Vorgesetzten im hellsten Lichte seiner Wahrhaftigkeit kennen zu lernen. Die Gemeinevertreter Schmutz(Soz.). Taubmann(Soz.), Könitz, Rechtsanwalt Appelrath, Lambertus, Schmiedecke, Knorr, kurz Vertreter aller Richtungen geißelten scharf das Verhalten des Vor- gesetzten seinen Umergebenen gegenüber. Alle von dem Vor- sitzenden herbeigeschafften Beweismittel, Personalakten, Beschwerde- schriften usw. hatten bei der Gemeindevertretung nicht die ge- wünschte Wirkung, die Kündigung des Kanzlisten Feder zu recht- fertigen; und so war das Resultat der Abstimmung ein vernichtendes Urteil für die Amtshandlung des besoldeten Schöffen und stell- vertretenden Gemeindevorstehers Dr. Pape. Eine Stimme war für Aufrcchterhallung der Kündigung(Dr. Pape), 23 dagegen und ein Herr(Springer) hatte sich der Stimme enthalten. Dem Kanzlisten Feller wurde nunmehr das Disziplinarverfahren angedroht. Groh-Lichterfclde. Der Wahlvcrrin Groß-Lichterfcldc-Lankwib hielt am Mittwoch seine gut besuchte Generalversammlung ab. Genosse Boxheim er erstattete Bericht vom Jenaer Parteitag. Der Parteitag habe, so führte Redner aus, wichtige prinzipielle Ausgaben gelöst und der Partei eine neue Organisation gegeben. Dem Streit zwischen ..Vorwärts",„Leipziger Volkszeitung" und„Neue Zeit" lägen fach' liche Meinungsverschiedenheiten zugrunde, die innerhalb der Kam Mission sachlich erörtert worden seien und zu der bekannten und einstimmig angenommenen Resolution geführt hätten. In der Mai- seierfrage erfuhr der einseitige Standpunkt der Gewerkschaftsführer. wie er durch Schmidt vertreten worden, eine glatte Ablehnung. Die Frage des Massenstreiks sei eingehend diskutiert und durch die nahezu einstimmige Annahme der Resolution Bebel dieses prole tarische Kampfmittel in unser Waffenarsenal aufgenommen worden. Nachdem der Referent noch die wichtigsten vom Parteitag angenommc- neu Anträge kurz erwähnt hatte, regte er die Frage an, ob eS nicht angezeigt erscheine, kurze Artikel vielleicht im Feuilleton des „Vorwärts" über die sozialen llnd ökononrischen Verhältnisse in Nnff land, auf da« sich jetzt das Augenmerk der Nachbarstaaten besonders konzentriere, erscheinen zu lassen. An den Bericht knüpfte sich eine eingehende Diskussion. Wenzel begrüßte die Neuorganisation als einen Schritt auf den, Wege der Zentralisation. Im Gegensatze zum Referenten sei er in der Streitlache„Vorwärts",«Leipziger VolkSzciwng",„Neue Zeit" der Ansicht, daß die p r i u z i p i c I l'e n Differenzen die ve� hältitiSmäßig geringste Rolle spielten. Sein Glaube an die He® kraft der Resolution sei nicht allzu groß. Unangenehm habe Se Veröffentlichung bürgerlicher Blätter über die Interna der Kommission berührt. Es sei nun behauptet worden, daß die Verhandlungen nicht als sekrct anzusehen seien; dann aber hätte mau ivenigstenS über die wichtigsten Punkte den Delegierten Bericht erstatten sollen; im anderen Falle liege ein grober Mißbrauch vor. W e tz k e r sieht in der Behandlung der Maifeicrfrage durch Richard Fischer die erfreulichste Erschcimmg deS Parteitages und spricht den Wunsch aus, daß Differenzen innerhalb der Arbeiter- bewegung stets in dieser Weise behandelt werden möchten. In der Frage des Generalstreiks ist er im großen und ganzen mit der an- genommenen Resolution einverstanden, legt aber den Hauptwert darauf, daß wir das Proletariat zur Erkenntnis des Wertes poli- tischer Rechte erziehen müssen; dies sei die Voraussetzung für den Kampf um sie. In der Frage des sogenannten Literatcnftreites ist er der Meinung, daß die in Jena beschlossene Resolution sehr wenig Erfolg haben werde. I v e st betont, daß kein Gewerkschaftsbeamter an politischer Tätigkeit gehindert werde. Wir seien noch nicht soweit, einen Massen- streik durchführen zu können. DaS beweise der Streik der Arbeiter in der Elektro-Jndustrie. Bebel spreche viel zu scharf. Nachdem noch Wenzel, Platz, Ziege und Boxheimer gesprochen, folgte der Bericht deS Vereinsvorstandes, welchem zu entnehmen ist, daß der Verein zurzeit 239 Mitglieder zählt. Die Einnahmen im ver- losiencn Geichästsjahr betrugen 1189,79 M., die Ausgaben inkl. Ab- gäbe an den Kreis 1124,18 M. Wenzel hält die Fortschritte deS Vereins für ungenügend. Schuld trage hauptsächlich der Umstand, daß die Vorstandsmitglieder mit Aemtern überhäuft und infolge- deffen in ihrer Parteitätigkeit gehemmt seien. Hier müsse in der nächsten Zeit Remcdur geschaffen werden. Die VorstandSwahlcn hatten folgendes Resultat: Erster Vor- atzender.'Wenzel; zweiter Vorsitzender: W e tz k e r; Schriftführer: Boxheimer; Kassierer: KarlPintS; Beisitzer: Platz. Revisoren; Kohl und Kfackosch. Bczirksfiihrer: Radecke, Kloß, Elfert, Dörre, Therow, Prescher, Paege, SeehanS, Laban, Hecht, P. Pints, Martiz, "ermann Kackosch. Bibliothekar: MatthieS; Lokalkommission: r i st e n und W i e m a n n. Zur Kreiskonferenz wurden delegiert: Kackosch, PintS und W e tz k e r. � Ober-Schöneweide. GemeinderatS-Titzung. Vom Vorsteher wurde mitgeteilt, datz die Regierung die Genehmigung zum Bau der 3. Gemeinde» schule und des Wasserwerkes erteilt hat. Die Klage des Herrn Silchmüllcr wider die Gemeinde wegen Aufstellung der Wählerliste ist zugunsten des Klägers entschieden. Das Urteil liegt noch nicht vor. Da auf Grund dieser Liste die Wahlen der Vertreter Kottmeier, Fries ecke. Neu mann erfolgt sind, so legte der Vorsteher den Herren nahe, schon jetzt die Mandate niederzulegen. Tie Schaffung eines k o l l e g i a l i s ch e n Gemeinde- v o r st a n d e s wurde endgültig abgelehnt. Die Errichtung eines Kauf mannsgerichtes war aufs neue vom Verein der Kauf- leute beantragt worden. Gemeindevorsteher Eckardt befürwortete den Antrag solvie auch die Errichtung eines Gewerbe« geeichtes. Man solle, da der Ort 15 000 Einwohner zähle, nicht erst warten, bis die Gemeinde bei 20 000 Einwohnern zur Errichtung verpflichtet würde. Nach längerer Debatte wurde bei Stimmengleichheit die Errichtung zu gelegener Zeit beschlossen. Genosse Grnnow gab bei dieser Gelegenheit der Hoffnung Aus- druck, das Kaufmannsgcricht möchte die im Kabelwerk beschäftigten Kaufleute dahin erziehen, daß sie nicht wieder eine so jammervolle Rolle spielen wie jetzt bei der Aussperrung. Ties fand nicht den Beifall der übrigen Herren. Herr Ä o t t m ej e r fand eS ehren- voll, daß die Kaufleute die Firma„nickt im Stiche lietzen". Gelegentlich einer Beschwerde des Herrn Hegcwaldt über Nichtzuziehuug der Vertreter bei Eröffnung des Gebäudes der höheren Schule und über die dabei gehaltene Rede des Vorstehers machten unsere Genossen geltend, datz es überhaupt nicht gerade als passend zu bezeichnen sei, wenn, Ivie geschehen, bei solchen Gelegenheiten ein K a i s� r h o ch ausgebracht werde. Friedrichshagen. Heute Sonnabend feiert im Gesellschaftshaus Friedrichshagen der Arbeiterturnverein„Vorwärts" sein erstes Vereinsver- g n ü g e n, bestehend in turnerischen Aufführungen, Vortrögen und Tanz. Anfang 8 Uhr. Das Gcwerkschaftstartell hat am Mittwoch in einer Sitzung mit dem Vertrauensmann, dem Vorstand des Wahlvereins und dem Vorstand der Konsumgenossenschaft zur Gründung einer Barbier« genösse nschaft in Fricdrichshagen Stellung genommen. Liere« Berlin gab eine Uebersicht über die schon bestehenden Barbier« genossenschaften. Nach einer eingehenden Diskussion wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„Das Gewerkschaftskartell wird beauftragt, bis auf weiteres die fliegendcu Varbierstnben in geeigneten Räumen beizubehalten, aber energisch Schritte in Ver- Hindling mit der Barbiergehlllfenorganisation zu unternehmen, die eine Errichtung einer Barbiersttlbe durch einen organisierten Barbier- gehülfen erniöglichen. Das Kartell wird ferner beauftragt, etwaige Verhandlungen nicht mit einzelnen Barbierherren. sondern nur mit den Organisationen der selbständigen Barbiere zu führen." Friedrichsfelde. Die neuen Gesichter als AuflöftmgSgrund. Der polizeilichen Auf« lösimg verfiel am Dienstag die Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins in Friedrichsfelde.«Gcnoffe P i n s e l e r sprach über den„Parteitag in Jena und unsere neuen Waffen im proletarischen Befreiungskämpfe." Als Einleitung entrollte Pinseler ein Bild des Wirkens des Professor Abbs, welcher es ermöglichte, datz der Parteitag in Jena ein Lokal zur Verfügung halte, sowie deS Zeitzwerkes als Vorbild für kapitalistische Betriebe. Redner ging dann auf die Tagesordnung deS Parteitages ein. DaS Organisationsstatut sei zwar nicht nach den Wünschen der Genossen von Grotz-Berliu ausgefallen, da der Hauptwunsch unserer Genossen, die proportionale Vertretung der Wahlkreise zum Partei« tage sowie die Ileberführung des„Vorwärts" als Lokalblatt in die Regie der Berliner, vom Parteitage abgelehnt worden sei. Immerhin sei die Verbesserung in organisatorischer solvie finanzieller Hinsicht so grotz, datz wir damit zufrieden sein kdnuen. Die Verweisung der Litcratenstreitigkeiten in eine Kommisston sowie deren Stcsolution seien zu begrüßen: hübe doch der Parteitag dadurch an Zeit gewonnen. Bei Erörterung der Mai« fcier ging Redner des näheren auf Fischers Referat ein. Pinseler erklärte, wir können mit dem Malfeierbeschlutz zufrieden sein, sei eS doch erwiesen, datz es Gegensätze zwischen GewerkschaftS- und Parteimitgliedern nicht gebe. Zur Frage deS Massenstreiks wies Redner an der Hand des Bebeischen Referats nach, daß eS cknch hier keine Gegensätze zwischen Gewerkschaftlern und Partei- genossen fleben könne, datz es aber intensiver Agitation und Organisatlon bedürfe, um den Masienstreik, der sich infolge der zu- nehmenden Klassengegensätze uns aufdrängen wird, in friedlicher Weise ohne Blutvergießen erfolgreich zu beenden. Referent schloß mit dem Ruf„durch Organisation zum Sieg!" In der Diskussior. sprach Genosse G. Link von der Gelvcnschastskonimissiou. Er sei mit der Behandlung der Maifeier auf dem Parteitage nicht zufrieden, er verteidige die Meinung des Genossen� Robert Schmidt. Die Gewerkschaftsführer seien nicht wegen der Geldfrage gegen die Arbeitsruhe. Mit dem OrganisationSslatut sei er einverstanden, ebenso mit der Erledigung der Massenstreikfrage. Link konnte eS sich nicht versagen, der Genossin Rosa Luxemburg zu empfehlen, doch nach Rußland zu gehen und dort persönlich ihren Mut zu zeigen. Genosse Umbreit von der Gciicralkommissiou äußerte sich ähnlich wie Link; er meinte, zur Maifeier hätte eS auf dem Parteitage überhaupt keiner Diskussion bedurft. ES sprachen noch Genosse Brunk und Gronwald, welche gegen Schmidt. Link und Umbreit polemisierten. Der überwachende Beamte löste unter Protest deS Vorsitzenden die Versammlung um 11 Uhr wegen der Polizeistunde auf; er meinte, die Versammlung sei eine öffentliche, da so viel n e u e' G e s i ch t e r zu sehen seien. Die Fortsetzung ist Dienstag bei G. Schulz. Kerliner INfacbricbtcn. Die Berliner Arbeiter-vildungSschule und der Jena« Parteitag. In seinem Rückblick auf den Jenaer Parteitag faßt der Partei- vorstand die Jenaer Debatten über die Erziehung der Jugend und die Fortbildung dcr Aelteren in unseren Reihen also zusammen: „Um aber die geschaffenen Organisationen zu erhalten und zu erweitern, dazu muß der rechte G e i st unter den Mitgliedern derselben vorhanden sein. Der Geist der Einigkeit und der Opfer- Willigkeit, der Eifer zu lernen, um sich über die großen Aufgaben und Ziele der Partei zu unterrichten und durch die gewonnene Erkenntnis immer neue Anhänger für die Partei zu erobern. Wissen ist Macht! Unsere Macht darf nicht bloß auf der immensen Zahl der Köpfe bernhen, die wir für unsere Ideen und unsere Ziele gewinnen können, sondern sie muß vor allem auch auf dein Wissen und der Erkenntnis dieser Köpfe beruhen. Wir braucbcn klare und zielbewußte Männner und Frauen, deren Kampfeslnst und Begeisterung mit ihrem Wissen und ihrer Er- kenntnis wächst. Parteigenossen! In Jena herrschte darüber nur eine Stimme, daß die theoretische Ausbildung der Parteigenossen und dementsprechend auch die Verbreitung unserer wissenschaftlichen Literatur in starkein Mißverhältnis stehe zu der Ausdehnung der Parteianhängerschaft. Wir sind sehr in die Breite, aber ungenügend in die Tiefe gewachsen. Wir wollen künftig allerdings noch mehr als bisher in die Breite, aber noch weit, weit mehr auch in die Tiefe wachsen. Erst dann steht die Partei als ein mächtiger Bauin. der dein stärksten Sturm trotzt, unausrottbar fest. Deshalb müssen wir alle, in welchen Stellungen wir immer find, die ge- gebenen Winke beachten und ihnen gemäß handeln." Seit länger denn einem Jahrzehnt hat sich die klassenbewußte Berliner Arbeiterschaft ein Institut geschaffen und erhalten, daS ausschließlich dieser Vertiefung der Bildung unter Partei- und Gewerkschaftsgenossen dienen soll: die Arbeiter- Bildungsfchule. Was die Schule vor den gleichen Bestrebungen der engeren Partei- und Gewcrkschaftsorganisationen auszeichnet, ist vor allem der Umstand, daß sie in ihren Darbietungen s Y st e- m a t i s ch, nach einem einheitlich bestimmten Plane vorgeht, und daß dieser systematische Lehrplan, zum Unterschied von allen bürger- lichen Konkurrenzunternehmungen, in seiner Ausführung metho- d i f ch getragen wird von der Methode des ivissenschaftlichcn Sozialismus. So hat sich die Arbciter-Bildungsschnle für Berlin zu einem ganz einzigartigen Institut ausgebildet, das hier gerade jene Aufgaben zu erfüllen sticht, die Parteitag und Parteivorstand erneut und so energisch allen Genossen und Genossinnen ans Herz gelegt haben. Wir zweifeln nicht, daß dieser Appell hier in Berlin besonders starken Widerhall finden wird, einen Widerhall, der sich in einer wesentlich verstärkten M i t g li c d e r z a h l der Arbeiter- Bildungsfchule und in einer immer größeren Teilnehmer- zahl ihrer Lehrkurse zeigen wird. Gerade die am kommenden Montag beginnenden neuen Lehrkurse bieten Mittel und Wege für unsere jungen und älteren Mitstreiter und Mitstreiterinnen, ihre Bildung zu ergänzen und zu vertiefen. In der Nationalökonomie beginnt Genosse Grunwald mit der Darstellung der praktischen Nationalökonomie, der tatsächlichen Verhältnisse in der modernen Wellwirtschaft, der Grundlage aller volkswirtschaftlichen und damit auch aller politischen Erkenntnis. Diesem Kursus läuft gleichlvertig parallel hinsichtlich der politischen Erkenntnismöglichkeit der Neuzeit der Kursus des Ge- nossen M a u r e n b r e ch e r über die deutsche Politik im 1 V. I a h r h u n d e r t, an den sich in den späteren Quartalen die Geschichte der bürgerlichen Parteien und der Sozialdemo- kratie schließen soll. Ein engerer, aber gerade für unsere Berliner auch Ivichtigcs Gebiet dcS öffentlichen Lebens behandelt der Genosse Katzen st ein mit dem Anfang der Darlegung der Gemeindeverwaltung und der Gemeindepolitik. In der Nationalökonomie und Reve-Uebung werden auch die Fort- schrittskurse fortgesetzt, auf die wir besonders die Bezirksführer und die Angestellten in den Partei- und Gelverkschastsorganisationen aufmerksam niachen möchten. In dem Fortschrittskursus der National- ökonomie wird das so besonders aktuelle Problem der Reichs- F i n a n z r e f o r m behandelt, verbunden mit einer Darstellung der Finanzen des Reichs und der Bundesstaaten und der indirekten Steuern: über die Wichtigkeit der Kenntnis gerade dieser Fragen braucht kein Wort verloren zu werden. Neben diesen Fortschrittskursen läuft auch die allgemeine Rednerschule weiter. In diese Kurse, die sich auf die engere und weitere polititche und ökonomische Bildung erstrecken, schiebt sich der Kursus des Genossen B a e g e über Natnrerkenntnis, der diesmal die Urgeschichte der Menschheit behandelt, ein Gegenstand, der für die allgemeine Bildung des Proletariats umso wichtiger lvird, je mehr er in den Volksschulen in der Darstellung entstellt wird. Für alle? Nähere über Zeit und Ort der Kurse und dergleichen verweisen wir auf die offiziellen Ankündigungen der Arbeiter-Bildiingsschnle in unserem Blatte. Wir wiederholen zum Schluß nur den dringenden Wunsch. daß die Berliner Arbeiterinnen und Arbeiter in ihrer Schule die Aufforderung des Jenaer Parteitages und des Parteivorstandes durch die Tat zahlreich zur Erfüllung bringen mögen! Rekriitentransport. Man sieht in diesen Tagen häufig Scharen junger Männer unter militärischer Bedeckung durch die Straßen Berlins marschieren. Tie Rekruten für den Militärdienst werden eingezogen und nach ihrem Bestimmungsort, gewöhnlich weit entfernt von Berlin, trans- portiert. Jeder trägt einen kleinen Koffer oder ein Bündel mit einigen Habseligkeiten und vielleicht einer kleinen Ueberraschnng von Muttern m Gestalt einer Wurst oder eines Päckchens Tabak. Manchem hat noch der Schatz eine Blume ins Knopfloch gesteckt, einmal sogar eine rote Nelke, die hoffentlich keinen Schaden bringt. Fröhliche Gesichter machen die jungen Leute gerade nicht, wenn sich auch jeder nach Kräften bemüht, recht forsch und furchtlos dreinzuschauen. Einige sind sogar heiter, summen ein Liedchen, aber die Heiterkeit scheint erkünstelt. Ein heimliches Bangen und Zagen vor der Zu- kunft kann keiner so ganz unterdrücken. Soldaten sollen sie werden, den Waffendienst kennen lernen, um das Vaterland gegen Feinde zu beschützen,— was gibt es da zu zagen und zu bangen? Warum huscht ein Schatten über das Gesicht des zukünftigen Vaterlands- Verteidigers, wenn sein Blick die den Zug begleitenden Mannschaficn streift? Freilich, ernst und barsch sehen sie aus, und auf viel Freundlichkeit und Entgegenkommen bei den älteren Kameraden fürchten die jungen Burschen nicht rechnen zu können. Es sind eben Rekruten, Lehrlinge im Waffcnhandwerk, während die Soldaten im Dienste sich schon mehr als Gesellen fühlen. Aber es ist wohl etwas anderes, was so niederdrückend wirkt. Selten wird einer gern Soldat; er gehorcht dem Zwange. Er empfindet Furcht vor seinem Schicksal als Soldat, so unbegründet diese Furcht auch oft- mals sich erweisen mag. Er steht auf einem anderen Rechlsbodcn und soll oft andere Anschauungen pflegen als bisher. Nicht das sebftändige Denken, sondern der unbedingte, blind: Gehorsam soll seine höchste Tugend fortan sein. WaS über die Soldatenmißhand- lungen ans Tageslicht gekommen ist, zeigt ihm, wie oft sein Schicksal von seinen Vorgesetzten abhängig ist. Das alles bedrückt den denken- den jungen Mann, und es ist nur der Jugendmut, der solche Sorgen überwinden hilft.— Wer die jungen Leute unter der scharfen Be- wachung anmarschieren sieht und sie aufmerksam beobachtet, der kann sich des Eindrucks nur mit Müh: erwehren, als sei eben ein Ge- fangenentranSport vorbeigegangen.— Tie Fleischnot und die Soltslücheii. � Wir zeigten vor etlichen Wochen, wie sehr für die großen Speiseanstalten, die von Ver« einen betrieben werden, in Zeiten der Lebensmittel- teuerung das finanzielle Gelingen in Frage ge- stellt ist. Als ein Beispiel führten wir die Berliner Volksküchen an, die in Teuerungszeiten wiederholt genötigt waren, die Preise der verabreichten Speisen hinan fzn setzen, uni nicht bankrott zu werden. Auch die Fleischnot, die zwar der Land- wirtschaftsminister nicht zu sehen vermochte, die aber in jeder Ar- beitcrfamilie seit Monaten nur zu deutlich verspürt wird, dürfte nun in den Volksküchen wieder zu einer Preiserhöhung führen. Der langjährige Lieferant dieser Speiseanstalten will künftig für das Pfund Fleisch im Durchschnitt 20 Pfennig mehr haben, weil er nicht noch größeren Schaden erleiden mag, als er ihn infolge der Fleisch- not bereits erlitten hat. Der Verein der Berliner! Volksküchen kann diese Mehrausgabc selbstverständlich nicht allein tragen— wir hoben schon kürzlich hervor, daß auch solche Untcruehinungen sich nicht außerhalb des Macktbcrci ch e s der k a p i- t a l ist i s ch.en„W e l t o r dn u n g" stellen können—, da� "»erantw Redakteur:� Biitiner. Berlin. Für den rum müssen sich wieder einmal die Gäste die Mehrbelastung auf- packen lassen. Geschähe das nicht, so könnten die Volksjüchen, die nach ihrem Prinzip„sich selber erhalten" sollen, nicht weiterbestehen. Sie haben ohnedies schon seit einer langen Reihe von Jahren fast alljährlich mit einem Defizit abgeschlossen. Und mit diesem Unter- nehmen glaubten seine Begründer einen Bcitragzur„Lösung der sozialen Frage" geliefert zu haben I Dreist und gottesfürchtig. Das ablehnende Schreiben der Direk- tion der Großen Berliner Straßenbahn usw., von Dr. Micke und Koehler gegengezeichnet, hat folgenden Wortlaut: „Berlin, den 9. Oktober 190S. Aus dem gefälligen Schreiben vom 5. b. M. haben wir mit Interesse entnommen, daß die geehrte Per- kchrs-Dcputation gern bereit sein würde, die beabsichtigten Umge- staltungen unserer Unrernehmungen nach Möglichkeit zu fördern, falls sich nach Prüfung der— inzwischen übersandten— Pläne ihre Nützlichkeit und Ausführbarkeit ergeben sollte. Die rechtlichen Schlußfolgerungen, die die geehrte Verkchrs-Teputation aus Be- stimmungen zwischen der Stadtgemcinde Berlin und der Großen Berliner Straßenbahn vereinbarten Betriebsumlvandlungsvcrtrages auch bei dieser Gelegenheit herleitet, muß die mitunterzeichnete Große Berliner Straßenbahn nach wie vor als unzutreffend be- zeichnen. Insbesondere ist es nicht richtig, daß die dem Vertrags- schluh mit der Großen Berliner Straßenbahn vorangegangenen Verhandlungen erkennen lasten, die Große Berliner Straßenbahn hätte sich den fraglick??» Bestimmunaen in der Absicht unterworfen, um der Stadtgcmeindc Berlin vom 31. Dezember 1919 an den Be- trieb der Siraßenbahncn auf den in Frage kommenden Linien als städtisches Unternehmen zu ermöglichen. Eine derartige Absicht ist niemals zu erkennen a-aeben worden denn sie bat niemals bestanden. Tie Große Berliner Straßenbahn vermag daher das verlangte Anerkenntnis nicht auszusprechen." Die Straßenbahn- direktion unterschreibt also v-nnugt einen Vertrag und erklärt mit Seelenruhe, daß nie die Absickt bei ihr bestanden hat. die Be- dingungcn des Vertrages zu erfüllen. Tie Regierung unterstützt sie bei dieser Unlauterkeit und die konservative Presse jubelt dem Treiben zu. Auch das ist Kampf für Ordnung, Religion und Sitte. Intimitäten ans dem„Klub von 1990" werden demnächst in einem Beleidigmigsprozeß zur Sprache kommen, der zurzeit bei dem Amtsgericht II schwebt. Als Parteien stehen sich der vom Rechts- anwalt S u d h e i m vertretene Haushofmeister Otto E h o r n des „Klubs von 1900" als Kläger und der früher in dem Klub an- gestellte Diener Map A l b r e ch t, von dem Rechtsanwalt Alfred Ballten vertreten, als Beklagter gegenüber.— Ter Angeschuldigte Albrecht ivar seit März v. I. als Diener in dein„Klub von 1900" angestellt. Wie er behauptet, habe es ihm in seiner Stellung nicht gefallen, da der Haushofmeister Ehorn eine förmliche Willkürherrschaft geführt habe. So habe er von ihm und den übrigen Dienern verlangt, man solle ihm das Diner in weißen Handschuhen servieren, ferner habe Ehom wiederholt geäußert, das Esten wäre viel zu gut für das Pack und Gesindel der Dienerschaft. — Eines TageS wurde dem Beklagten nach einem Renkonter mit dem Haushofmeister gekündigt. Da er diese Kündigung als eine ungerechte betrachtete, versuchte sich A. in einem Briese an den Leiter des Klubs Mollheim zu rechtfertigen. Dieser Brief enthielt schwere Anschuldigungen gegen den Hmishoftneistcr. Ein Mitglied des Klubs habe nicht umsonst gesagt, daß sich bei Einkäufen für den Klub wohl mehrere Personen erst nach russischer Manier die Hände waschen. Es könne fctncr nichts schaden, wenn einmal der Silber- schrank einer Inventur unterzogen würde, auch verschaffe sich E. dadurch eine gute Nebeneinnahme, daß er gebrauchte Karten an den Klub als neue verkaufe.— Diese Anschuldigungen veranlassten Ehorn, gegen Albrecht die Beleidigungsklage anzustrengen. Ter zu gestern vor dem Amtsgericht II angesetzte Termin mußte in- dessen vertagt werden, da sich der Beklagte durch Rechtsanwalt Ballten bereit erklärte, den vollen Wahrheitsbeweis für seine Be- hauptungcn zu erbringen, wodurch neue Zeugenladnngcn erforderlich gemacht wurden. „Das Fehlen polnisch verstehender Bcanitc» ist kein Grund, eine polnische Versammlung zu verbieten oder aufzulösen", entschied der Landrat des Kreises Teltow. DaS polinsche Polenkomitee in Berlin hatte für den 13. August d. I. eine polnische Volksversammlung nach Königs-Wiisterhausen einberufen, welche von der zuständigen Polizei- behörde gleich nach ihrer Eröffnung aufgelöst wurde, da kein polnisch verstehender Beamter zur Ueberwachung der Versammlung zur Stelle war. Der von den Einbenifern erhobenen Beschwerde hat der Land- rat stattgegeben und folgenden Bescheid erteilt:„Obwohl die Polizei- behörde in Königs-Wnfterhauscn keinen polnisch sprechenden Beamten zur Disposition hatte, der die Beaufsichtigung der polnischen Ver- lammlung vom 13. Anglist d. I. hätte übernehmen können, war es doch unstatthaft, einzig aus diesem Grunde die Versaininlung auf- zulösen. Die Polizeibehörde ist dmientsprechcnd benachrichtigt ivorden." Diese nachträgliche Genugtuung wird den Veranstaltern der Ver- sammlung wohl kaum besondere Freude bereiten. Ihr Zweck war vereitelt und daS ist die Hauptsache. Tie FleischvcrnichtungSanstalt. Die Annahme des Berliner Magistrats, daß der Minister für Handel und Gewerbe über den Massen-Einspruch der Berliner Vororte gegen den Plan, bei Blankenfelde eine Fleischvcrnichtungs- und Vcrwcrtungsanstalt zu errichten, Ende September oder Anfang Oktober zugunsten der Stadt entscheiden werde, hat sich nicht bestätigt. Im Handels» Ministerium ist man, wie einer Lokalkorrespondenz von gut unter. richteter Seile mitgeteilt wird, nach kurzer Prüfung der Kreis- ausschußentscheidung zu der Ilebcrzcugung gekommen, daß der Bcr- liner Fall mit dem vom Magistrat angeführ en Thorncr tvenig ge- mein hat, schon weil die Umgebung b.'ider Städte ganz verschiedenen Eharakier trägt. Es ist dieser Tage vom Handelsministerium eine besondere Kommission zur eingehenden Erörterung der strittigen Angelegenheit eingesetzt wordein Für die Stadt Berlin ist eine schnelle Enischciduiifl von großem Wert, weil die neue Anstalt zum Oktober 1907, ganz gleich, wo sie erbaut wird, fertiggestellt sein soll. lieber eine Festnahme unter schwierigen Umständen meldet der Polizcibcricht: In der Nacht zum Freitag gegen 1 Uhr verlangte der Droschkeiikiilscher Wilhelm Hecke vor dem Hause Braunsberger- straße 3 die Feststellung seines Fahrgastes, der nicht bezahlen wollte. Da der Fahrgast sich weigerte, seinen Namen zu nennen, sollte seine Zwangsgcstelluiig erfolgen. Er wehrte sich aber und schlug blind- lings mit cincni Knotenstock um sich. Als es den beiden Schutz- Männern Ebel und Warncke schließlich gelana, den Wütenden zu packen, kamen sie mit dem sich weiter heftig Wehrenden zu Fall, wobei dieser dem Schutzmann Ebel in den linken Zeigefinger biß. Da er nicht losließ, war Ebel gezwungen, seinen Säbel zu ziehen und auf den Widcr'pänstigen einzuschlagen; erst nach dem vierten Säbelhieb über den Kopf ließ er los. Trotzdem setzte er seinen Widerstand fort, so daß er mit Hülfe von Passanten gebunden werden mußte. Tie Droschkcnfahrt� die er freiwillig begonnen hatte, mußte er nun zwangsweise fortsetzen und zwar nach d m Krankenhausc am Friedrichshain. Hier erkannte man in ihm den 37 jährigen, mehr- fach wegen Widerstandes vorbestraften Schankwirt Theodor Bcrfölz. Nach Anlegung von Verbänden der bis auf die Schädeldecke gehenden aber nicht lebensgefährlichen Wunden, brachte man ihn zur Wache, wo er noch längere Zeit wegen seiner Aufgeregtheit bleiben mußte. Ter Schutzmann Ebel, der sich im Krankenhanse ebenfalls verbinden lassen mußte, hat sich krank melden müssen. Wegen des Schöneberger SchnellbalmprojeltS schtvebcn gegenwärtig mit der Elektrischen Hoch- und Untergrundbahn in Berlin Verhandlungen, die sich auf die Uebertragung des Betriebes an die Gcsellsckiaft beziehen; außerdem wird die Finanzierung des auf 9ih Millionen Mar! veranschlaglen Iknternchiiicns vorbereitet. Nach Erledigung der Vorarbeiten hofft man im nächsten Jahre mit dem Bau beginnen zu können. Tie Schnellbahn wird als Untergrundbahn ihren Ausgang am Bahnhof Nollendorfplatz nehmen und zunächst das Wcstgcländc bis zur RingbabnbrLcke an der Hauptstraße durch- queren; für später ist eine Verlängerung bis in das Südgeländc in Aussicht genommen.___ Inseratenteil ver«ntw.:Th. Glocke. Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärtsli Aus Anlaß der Choleraerkrankunge» in Stolpe geht uns eine beachtenswerte Mahnung zu: Ihre Mitteilungen über die Zustände auf dem Gut Stolpe sind durchaus zutreffend. Doch muß das eine erwähnt werden, daß Stolpe, soweit der Schmutz vor allem auf der Straße in Bettacht kommt, nicht besser oder schlechter ist als die meisten anderen Orte in der Umgegend von Berlin und natürlich anderswo auch. Am schlimmsten aber sieht es immer auf den Gütern ans. Der Kammerherr v. Veltheim wohnt in Schönfließ in einem. Schloß mit schön gepflegtem Park. Aber man betrachte, namentlich bei schlechtem Weiter, die Straße dorthin, dann werden einem Zweifel kommen, ob sie schon jemals gereinigt worden ist. Auch die Stadt Berlin sündigt, wie die Straßen in Blankenfelde usw. zeigen, als Gutsherrin noch viel in dieser Hinsicht. Erinnerungen an Ztronsbcrg, dem einstigen Eisenbahnkönig, er, wecken die stattlichen Mauer- und Wölbungs-Rcfte, die jetzt gegen- über der Ecke der Jork- und Katzbachstratze bei den Ausschachtungen zutage getreten sind, die zur Anlage von Eiscnbahn-Neubauten auf dem Gelände des Anhalter Güterbahnbofs vorgenommen ivcrdei». Man hört vielfach von Passanten die Ansicht äußern, daß es sich wohl um Reste der„Berliner Stadimauer" landle, wovoi� sclbverständlich keine Rede ist. Das Mauerwerk, das sehr gut erhalten ist und seiner Zerstörung einen kräftigen Widerstand entgegen setzt, gehörte viel- mehr einst zu den Bauten der Dresdener Bahn, deren Bahnhofs-- gcbäude sich in der Trcbbincrstraße befand, während das Bahnhofs- gcländc sich nach der alten Uorkstraßc hinzoi. E>st bei der Vereint» gung der Dresdener und Anhalter Bahn fanden dort erhebliche Um- bauten statt. Die Dresdener Bahn gehörte wie io viele andere des In- und Auslandes zu den Anlagen des„Eisenbahnkönigs". Akkordarbeit— Mordarbeit. Der Verband der Bauarbeiter schreibt uns: Ein schwerer Unfall ereignete sich Donnerstag in der Tiirkcnstraße aus dem Neubau des Unternehmers Schlößke. Dorl stürzte nachmittags bald nach 2 Uhr im Hinterhause der Treppenlauf der zweiten und dritten Etage ein und durchschlug die untere Treppe sowie die Kellertreppe. Das Unglück geschah in einem Augenblick, als sich auf der obersten Treppe ein Maurer sowie ein als Wasserträger beschäftigter Arbeiter befand. Dem Arbeiter gelang es, sich durch einen Seitensprung zu retten; er klammerte sich irgendwo fest und wurde so vor dem Sturz in die Tiefe bewahrt. Der Maurer sank mit dem Schutt hinab, kam aber wunderbarerweise mit ziemlich leichten Verletzungen davon. Schlimmer erging es dem Arbeiter Wilhelm Schulz, der gemeinsam mit einem Maurer im Keller arbeitete. Während der Maurer nur Verhältnis- mäßig geringe Verletzungen erlitt, wurde der Arbeiter völlig unter den Trümmern verschüttet. Als er von seinen Kollegen endlich befreit war, mußte er im lebensgefährlichen Znstande nach dem Paul Gcrhardtslift gebracht werden. Das Unglück ist als Folge der Akkordarbeit zu bezeichnen. Der jetzt vom Unternehmer abgesperrte Bau, den die Polizei nach dem Unglück übrigens noch nicht besichtigt hat, wird in liederlicher Weise im Akkord aufgeführt. Wie unter solchen Umständen gearbeitet wird, ist aus der Tatsache ersichtlich, daß die Akkordmaurer die Her- richtung dcS Treppenaufganges, die bei reeller Arbeit 184 M. kosten würde, für den Lohn von 110 M. übernommen haben. Außerdem trägt die Gesetzgebung ein gut Stück moralischer Schuld an solcher Bauart und ihren Gefahren� indem sie sich aus altgewohnter Liebe zum gewissenlosen Unternehmertum immer noch nicht bequemen konnte, Baukonttolleure ans den Reihen der Arbeiter zuzulassen. Ein Schwindlcrpaar sucht seit einiger Zeit die Straußfeder Handlungen heim. Es läßt sich unter der Vorspiegelung, daß eS gute Beziehungen zu vielen Putzgeschästen habe, von Großhändlern und Fabrikanten die kostbaren Federn geben, um sie für deren Rech- ming zu verkaufen, setz: sie auch ab, steckt aber den Erlös in die eigene Tasche und läßl sich nicht wieder sehen. Die Schwindler, die erzählen, daß sie früher selbst ein eigenes Geschäft gehabt haben, besitzen Fachkennttiisse und verlangen jedesmal mir 2 bis 3 Federn, machen aber doch gute Geschäfte. Der Mann ist 35 bis 30 Jahre alt und 1,70 Meter groß und hat dunkeles Haar und Schnurrbart und auffallend gerötete Augen. Die Frau ist nur 1,50 Meter groß und hat ebenfalls dunkles Haar. Beide gehen dunkel gekleidet. Großhändler und Putzgeschäfle seien vor dem Pärchen gewarnt; diese, weil sie sich durch den Ankauf der erschwindelten Federn leicht Ungelegenheiten zuziehen können. Ein folgenschweres Vauullgluck wird uns vom gestrigen Nach- mittag aus der Tauenzicnstraße gemeldet. Auf dem dortigen Grund- stück Nr. 21 befindet sich zurzeit ein Gcbäude im Abriß. Als der 26 jährige Arbeiter Willy Müller, Christburgcrstraße 35 wohnhaft. auf dem Hofe Bretter zusammensuchte, stürzte plötzlich ein losge- risscner Balken vom Dach herab und traf unglücklicherweise den vor- übergehenden Arbeiter. Dem Bedauernswerten wurde der rechte Arm gebrochen und Kopfverletzungen zugefügt. Nachdem er in der Unfallstation Zoologischer Garten Notverbände erhalten, wurde M. in das Krankenhaus am Friedrichshain eingeliefert. Die Cholera. In die Isolierbaracke des Krankenhauses Moabit wurde gestern ein Mann namens Gustav M.irsckncr aus der Pcttrsburgerstraße eingeliefert, der in der Fricdrichstraße unter cholcravcrdächtigen Erscheinungen zusainmcngebrochcn war. Der Ver- dacht ist umso dringender, als Marschner mit einem Schiffer Franke aus Stettin zusammengekommen war. Tie ärztliche Untersuchung in Moabit hat, wie wir hören, bisher Positives noch nicht ergeben. Straßciispcrruilg. Die Friedenstraße wird von Hans Nr. 03/04 bis Haus Nr. 77 ans dem südlichen Damme behufs UmPflasterung vom 10. d. M. ab bis ans weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt._ Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird Herr Dr. Leo Wchrli aus Zürich den bereits angekündigten Vortrag„Spelterinis Alpen- und Wüstenfahrten im Ballon", ausgestattet mit den hoch- interessanten Originalaufnahmen, welche Kapitän Spelterini auf seinen Fahrten über die Schweizer Asten imd über die Libysche Wüste machte, am Dienstag, Donnerstag und Freitag halten. Am Sonntag, Montag, Mittwoch und Sonnabend finden Wiederholungen des Vortrages„Im Laude der Mitternachtssonne" statt. Im Hör- saal spricht am Dienstag Herr Dr. v. Unruh über Soda, Salzsäure und Chlor, am Donnerstag Herr Dr. Thesing über„die Eni- wickelunq des Lebens" und am Sonnabend Herr Dr. Donath über „Das Ohmsche Gesetz". Im großen Hörsaal der Urania- Sternwarte in der Jnvalidenstraße hält Herr Dr. Ristcnpart am Dienstag um 8 Uhr einen Vortrag„Die Sonne und die Finsternisse". Vom Berliner Vcrkehrs-Lertkon(Verlag von Max Schildberger, 40 Psg.) ist die Winierausgabc erschienen. Dieses handliche Taschen. buch enthält ausführliche Nachrichten über die gesamten öffentlichen Einrichtungen und den Verkehr in Berlin, Die Steidl-Säuger unter Fritz SteidlS tüchtiger Leitung, sind wieder in Berlin am Werke. An ihren alten Wirkungsstätten bei Vuggenhagen. im Böhmischen Brauhaus und im FröbelS Allerlei- Theater kommen sie dem dankbaren Publikum mit durchweg ansprechenden Vorträgen. Wie sie verkünden, wollen sie ihr Repertoir möglichst abwechslungsreich gestalten und alle Woche mit einem neuen Repertoire aufwarten. Was wir von./ihnen gehört haben, war witzig und mit Akkuratesse vorgetragen. ES ist daher wohl zu er- warten, daß sie. wie früher schon, so auch in diesem Winter sich die Gunst deS Publikums erhalten werden Sv.isserstand am t2. Oktober. Elbe bei Slnsslg-ff 0.74 Meter, bei DreSden— 0,68 Meier, bei Maadevnra-ff 2 07 Meter.— U n ft r u t bei Sttaiibsint-ff 2,00 Meier.— Oder bei Ralibor-ff 1.21 Meter, bei Brcolan Obcrpegcl-ff 1,6t Meter. bei Breslau Unterpegel— 1.16 Meter. bei Frankfurt-ff 1.31 Meter.— Weichsel bei Brahcniünde 4- 2,12 Meter.— W a r t h e bei Bosen-ff 0,11 Meter.— Netze bei Usch- Meter.___ üchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW,