Ur.»45. übonnemtntS'Bdingansenj «bonnements. Preis prSnmnerand»! «ierleljShrl. 3.80 Mk. monatl. l,lv IB., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. SonntagS- nummer mit illufttierler Sonntags- BcUage»Die Neue Well' 10 Pfg. Post- «bonnemcnt: l.lv Marl pro Monat. Eingetragen in dt« Post- ZcitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mart, für d-S übrige Au-Iand I Marl pro Monat. TS. Jahrg. Sie lnserNsni-eedohr Selrügt für die fechögefpaltene kolonel. zeile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gemcrlschaftlichc BcrcinS- und VerfainmInngS-Anzeigen 2S Pfg. „Ulelne Sn-eigen", das erste ffett- gedruilte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort k Pfg. Worte über lö Buchstaben zähle» für zwei Worte. Inserate für die nächste Sluninier oiüsfen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Eonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormUlagS geöffnet. CrftMit«ig»» außer Glontaai. Devlinev Volksblakk. Delegramm-Hdreffe: „Ssalalllewsllrat«er»»". Zintvulorgan der rozialdemokratifcber» parte» Deutfcblands. Redaktion: 831. 68, Lindenstraaee 69. Rernfrtcdtct: Amt IT, Nr. I!)83. Expeditisn: 931. 68, Lindenatraaae 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984._ mKmmammmmtmmmtmmmBmammmmmmmmMMaam A. E.- G.- Professoren. Das Jngenieurpersonal der EleitrizitätSfirmen hat in den lctzten Wochen viel von sich reden gemacht. Ingenieuren war während der Aussperrung und deS Streiks in der Elektro-Jndustrie die Rolle zugeteilt worden, den kämpfenden Arbeitern in den Rücken zu fallen. Wäre den Herren cinigermahen klar gewesen, wie kläglich zumeist auch ihre Lage ist, in welcher beschämenden Whängigkcit vom all- mächtigen Unternehmertum auch sie sich befinden, so hätten sie sich bielleicht nicht ganz so willig gezeigt, ihren.Brotherren" aus der Patsche zu helfen. Aber zu solcher Erkennwis lätzt die meisten ihr „Standcsbewusttsein" nicht kommen— und eben deshalb geben sie sich dazu her, an den Kesseln und Maschinen Arbeiterdicnste zu ver- richten, die ihnen sonst als ganz und gar nicht„standesgemäß" gelten. Unter welchen Bedingungen und mit welchen Aus- sichten man bei diesen Firmen als Ingenieur eintreten kann, das hat ein Prozeß gezeigt, der gerade jetzt vor dem.Gelverbegericht von einem Ingenieur X. gegen die Allgemeine Elek- trizitäts-Gesellschaft geführt worden ist. Interessant ist schon, wie dieser Herr T.. als er die Technische Hochschule in Charlottenburg nach Absolvierung seiner Studien mit dem In- genieurdiplom verließ, just auf die A. E.-G. fiel oder, richtiger ge- sagt, hineinfiel. Am„Schwarzen Brett" der Technischen Hochschule hatte er ein Plakat der A. E.-G. gefunden, das un- gefähr folgenden Wortlaut hatte:»Für unsere Abteilung für Zentralstationen suchen wir mehrere junge Ingenieure, die ihr Diplomexamen mindestens mit»gut" bestanden haben und gute .Kenntnisse im Maschinenbau, Elektrotechnik, im Englischen und Französischen besitzen, zu guten Bedingungen und glänzenden Aus- sichten." Das klang zwar ein bißchen nach Marktschreierei, aber das Plakat trug die vertrauenerweckende Unterschrift deS Professors Dr. Klingenberg, seines eigenen Lehrers an der Hochschule. Hier wird mancher fragen, wie denn die Unterschrift des Professors unter ein Plakat der A. E.-G. kommen tonnte. Ja, Herr Professor Klingenberg ist eben ein vielseitiger Mann, der sich an dem Amt eines Lehrers derTechnifchen Hochschule nicht genügen läßt, sondern zugleich auch den Dienst eines Direktors der A. E.-G. versieht. Unkundige meinen bielleicht, daß eine einzelne Person unmöglich zwei so verschieden- artige Posten ausfüllen könne, ohne in einen Konflikt der Interessen zu geraten. Aber Herr Direktor Professor Klingen- berg kann's. Als Hochschullehrer bildet er Ingenieure aus, als Fabrikdirektor wirbt er Ingenieure an— warum sollte da nicht das eine zum anderen passen! Herr X., der junge Diplomingenieur, erwog die Versprechungen des Direktors und machte dann dem Professor seine Aufwartung. Dieser eröffnete ihm, zu den»guten Bedingungen" gehörte eine sechsmonatige Probezeit ohne Gehaltszahlung und die„glänzenden Aussichten" nach etwaiger Anstellung beständen in einem Monatsgehalt von zunächst 150 Mark. Weitere Verhandlungen führten zur Ermäßigung der Probezeit auf drei Monate, und X. trat zum April bei der A. E.-G. ein. Nachdem er«in paar Monate gearbeitet, fragte er an, ob man ihn anstellen ivolle. Man sagte ihm. er sollte sich gedulden, und X. arbeitete— immer noch ohne Gehalt— weiter. AIS er wieder und wieder mahnte, kam heraus, diese Abteilung könne ihn nicht anstellen, er müsse in eine andere Abteilung hinein und solle dort 120 M. kriegen, obwohl das Anfangsgehalt der Ingenieure nur 10 0 Mark betrage. T. bestand auf den früheren Abmachungen, aber die Verhandlungen endeten damit, daß er im August kurzer- Hand entlassen wurde, ohne bisher einen Pfennig.Gehalt bc- kommen zu haben. Warum? Vor dem Eewerbegericht. bei dem er sein Gehalt für Juli-September einklagte und die Forderung einer Gehaltszahlung für April-Juni hinzufügte, erfuhr er. daß er sich gegen einen der Direktoren„unangemessen" benommen habe, als er auf endliche Anstellung drang. Im ersten Termin scheiterte der Versuch, eine Einigung herbeizuführen, im zweiten Termin aber ist jetzt dem Kläger eine Entschädigung nur für die Zeit vom 1. Juli bis zum Tage seiner Entlassung zugebilligt worden. TaS „unangemessene" Verhalten wurde als erwiesen angesehen, daher sei die Entlassung gerechtfertigt. Die Meinung deS Klägers, cS verstoße gegen die guten Sitten, junge Leute durch ein 'vom Direktor Professor Klingrnberg unterzeichnetes Plakat zum Eintritt bei der A. E.-G. zu ermuntern und ihnen dann eine drei. monatige Probezeit ohne Gehalt zuzumuten, wurde vom Gericht nicht geteilt. Sein Anspruch auf Gehalt für dies« drei Monate wurde zurückgewiesen. Ucbcr die Formen, die bei der A E.-G. für den Verkehr zwischen Direktoren und Ingenieuren als„angemessen" gelten. können Wir kein Urteil haben. Wundern müssen wir uns aber darüber, daß X. nicht wenigstens am 1. Juli und gegen Gehalt von 150 M. angestellt wurde, wie eS ihm versprochen worden war. Warum behielt maw ihn noch bis in die zweite Hälfte des August. warf ihn dann hinaus und ließ sich wegen des Gehaltes verklagen? D:c A. E.-G. machte vor dem Gewcrbcgericht ganz sonderbare Einwendungen.£. s««IS Volontär beschäftigt worden, der wegen mangelhafter Leistungen ohne Entschädigung entlassen werden könne, und er habe in der Tat mangelhafte Leistungen geboten. Demgegenüber behauptet« X., seine unmittelbaren Vorgesetzton hätten ihm ihre Befriedigung enisgesprochen, und man habe ihm sehr bald wichtigste Arbeiten übertragen, die technische Korrespondenz für große Aulagen in Kiew, Baku, Haag, Brüssel usw., die Projcltzcichnung für eine Anlag« im Berliner Kaiserschloß, die Anfertigung großer Submissionsosfertvn usw. Es klingt allerdings merkwürdig, daß die A. E.-G. solche Aufgaben einem„Volontär" überlassen haben sollte, dessen LeistungS. fähigkeit erst noch zu erproben war und sich angeblich dann als »mangelhaft" erwies. Doch uns interessieren an diesem Streit weniger die Mit- teilungen über Geschäftsinterna der A. E.-G. Lehrreich könnte er sein durch das Schlaglicht, das er auf die„Bedingungen" und „Aussichten" wirft, die den jungen Ingenieur erwarten, wenn er dem Rufe Klingenbergs folgt und bei der A. E.-G. eintritt. Aber eine Nutzanwendung wird aus diesem Schicksal eines In- genieurs der A. E.-G. schwerlich gezogen werden. Die A. E.-G. wird nach wie vor m der Technischen Hochschule ihre Plakate an- heften, die der Direktor Professor Klingenberg unterzeichnet. Nach wie vor wird sie„gute Bedingungen" und„glänzende Aussichten" verkünden und hinterher lange Probezeit ohne Entschädigung und nach endlicher Anstellung karges Gehalt anbieten. Nach wie bor werden sich auch Leute finden, die solche Bedingungen und Aussichten für gut und glänzend halten und darauf eingehen. Und wenn es dann bei der A. E.-G. und ihren Schwesterfirmen wieder mal zu einem Lohnkampf der Arbeiter mit nachfolgender Aussperrung kommt, werden wieder die Ingenieure in die Arbeiterbluse schlüpfen und Arbeiterdienste tun, auf daß das Kapital Herr bleibe und die Arbeit Knecht. Es gibt doch immer noch dankbare Menschen! Für die Intimitäten deS modernen Kapitalismus ist diese persönliche Verschmelzung von Professor und Agent privater Gewerbs gesellschasten höchst belehrsam. Längst sind die guten alten Zeiten vorbei, wo der Kapitalismus nur moralisch und indirekt die Männer der Wissenschaft beeinflußte. Der moderne Kapitalismus wirft die Larve ab und verwandelt die Intellektuellen in unmittelbare Am gestellte, in Jnteressenagenten des Kapitalismus. Schon ist uns der Parlamentarier eine verkante Gestalt geworden, der im hohen Haufe um des„Allgemeinwohles" willen Zuckergesetze durchzubringen sucht, während er daheim Interessent von Zucker-Aktiengesellschaften ist. Der Uebergang von Staatsbeamten in private Unternehmungen ist namentlich in Preußen ein bereits durchaus gewöhnlicher Weg. um den staatlichen Einfluß mit der Erringung eines höheren Einkommens zu vereinigen. Auch der Wohltäter der Menschheit, der zur angeblichen Heilung von Volksseuchcn wundertätige Mittel erfindet und doch in Wirklichkeit nur ein Gelehrter irgend welcher Farbwerke ist, gehört in dieses Gebiet. Der Gelehrte wird immer mehr zum bloßen Anreißer privatkapitalistischer Profitrücksichten. Selbst bei altassyrischen Ausgrabungen und Spekulationen über den Ursprung und die Beziehungen der biblischen Offenbarung ist man nicht mehr sicher. Ivie weit die Deutsche Bank und die Bagdadbahn bei diesen wissenschaftlichen Reflamcvorträgen beteiligt ist. Der Professor aber, der an einer staatlichen Anstalt voraus» setzungslose Wissenschaft lehrt und gleichzeitig willige und billige Arbeitskräfte für das Unternehmen anwirbt, in dem er Direktor ist, vollendet im gewissen Sinne diese Verschmelzung von Kapitalismus und Wissenschaft. Die Gelehrten spielen in der modernen Kultur nur noch die Rolle eines unbeträchtlichen Postens im HandlungS» unkostcn-Konto I poUttfcbc Ucberficbt. Berlin, den 18. Oktober. Der NeichSvcrband der Prahlhänse! DaS Ungefähr hat enthüllt, daß der famose Reichsverband gegen die Sozialdemokratie aufgebaut ist auf der schmählichsten Skrupel- losigkeit, die nur je im deutschen politischen Leben existiert hat. Der Reichsverband hat die Parole ausgegeben, er wolle„alle bürgerlichen. Parteien gegen die Sozialdemokratie einigen". Das jüngst veröffent lichte Schreiben deS Vertreters des Verbandes Dr. Bovenschen hat in unübertrefflicher Art gezeigt, was man unter„alle bürgerlichen Parteien versteht. Zwar will man auch bei wohlhabenden Katholiken betteln gehen, aber die„nationalen" Gegner deS Zentrums sucht man zugleich tributpflichtig für den Verband zu machen, indem man gesteht, daß die Bestrebungen deS Verbandes die Möglichkeit bieten sollen zur„Zurückdrängung deS UltramontaniSmuS". Die Blätter, welche dem Reichsverbande näher stehen, find daher in tödlicher Verlegenheit, wie sie sich mit dieser Entlarvung ihre? Schützlings abfiiidcn sollen. Sie wissen kein Wort zu sagen über den politischen Trug, dessen der Verband soeben überführt ist. Die Zentrumspresse dagegen ist höchst befriedigt, daß der Reichs- verband sich nunmehr selbst verraten hat. Die„Kölnische Volks- zeitung" erklärt:„Die Katholiken, die sich bis heute von ihrer auf- richtigen Gegnerschaft gegen die Sozialdemokratie haben verleiten lassen, dem Reichsverbande beizutreten, werden mit der Erkennwis, daß man sie nur zum Drehen des für ihren eigenen Hals be- stimmten Strickes verwenden will, natürlich nichts eiligeres zu tun haben, als ihren Austritt zu erklären." Spottend fügt das Zentrumsblatt hinzu, der Reichsverband solle ehrlich den Titel umändern in Reichsverband„zur Bekämpfung der Sozial- demokratie und des UltramontaniSmuS". Freilich cS hat nicht erst deS selbflverräterischen Schreibens bedurft, um zu erkennen, weS Geistes Kind der NeichSvcrband ist. Man weiß, daß der Ausschuß des Verbandes sich ausschließlich zusammensetzt aus konservativ e n und scharfmacherisch-nationalliberalen Reaktionspolitikern. Neben den Arnim-MuSkmi, Dirffen, Tiedemann. Zedlitz. Nculirch und Manteuffel-Krossen zählen zum Ausschuß Nationalliberale von der Sorte der großindustriellen Arbciterseinde a la Hilbck-Dortmund u. a. Man konnte also längst wissen, in wessen Interesse die Einigung„aller bürger- lichcu Parteien" gegen die Sozialdemokratie geschehen sollte. Immerhin ist es einigermaßen interessant, auch die sonstige Tätigkeit des SteichsverbandeS im Auge zu behalten. Uns strömen fast täglich bald aus Berlin, bald aus Provinzstädten zahl- reiche Briefe zu, welche der Reichsverband entsandt hat, so daß wir stets recht genau orientiert sind über alles, was die Herrschaften um Liebert und Bovenschen planen. Es liegt unter den mannig- faltigen Drucksachen, die der Verband versandt hat, ein„Tätigkeits- Programm" vor, in dem einige Angaben enthalten sind, die auch unsere Parteigenossen interessieren können. Es wird darin mit- geteilt: Der Verband habe bis jetzt über 20 verschiedene Flugblätter und Flugschriften veröffentlicht, von denen teils bei Wahlen, teils bei sonstigen Gelegenheiten mehrere Hunderttausende verbreitet seien. Ferner gibt der Verband eine„Korrespondenz" heraus, die allwöchentlich an mehrere hundert deutsche Zeitungen unentgeltlich versandt werde; bisher hätten sich etwa 825 Zeitungen bereit erklärt, die Aufsätze der Korrespondenz regelmäßig abzudrucken. Auf der Geschäfts- stelle in Berlin sei, um den„geistigen Kampf" gegen die Sozial- demokratie zu erleichtern, eine Bibliothek aufgestellt worden, die alle Veröffentlichungen der Sozialdemokratie sowie alle Schriften über und gegen die Sozialdemokratie ent- halten soll. Auch ein Archiv sei von der Geschäftsstelle gt worden, in dem alle Zeitungsausschnitte, die die Sozialdemokratie betreffen, gesammelt und geordnet werden. Für die gesamten Arbeiten auf diesem Gebiete wolle also der Reichs- verband die Zentralstelle bilden, wo daS gesamte Material geordnet und allen Mitgliedern, Ortsgruppen, angeschlossenen Vereinen, ReichStags-Abgeordnetcn usw. je nach Bedarf zur Ver- fügung gestellt werden soll. Eine weitere Aufgabe deS Verbandes sei die Errichtung von Rechtsauskunftsstellen an allen hierzu geeigneten Orten. Weiter stehe bevor die Herausgabe eines Handbuches,„in dem alle die- jenigen Schlagwörter, die man von sozialdemokratischen Rednern in Versammlungen zu hören bekommt, aufgeführt und unter Beifügung des einschlägigen Materials widerlegt werden sollen." Zur Ausbildung von Rednern sei eine Rednerschule WS Leben gerufen. Vom Herbst an sollen in größerem Umfange Vortrags- reisen der Redner stattfinden, welche die Aufgabe haben, in öffent- lichen Versammlungen das„Irrige und Verhängnisvolle der sozial- demokratischen Lehren nachzuweisen". ES ist nicht erstaunlich, daß der famose Verband vermittels einer immensen Agitation eine größere Zahl von Vereinigungen um sich zu gruppieren sucht und seine Mitgliederzahl steigert. Bei der Unfähigkeit, deren die Konservativen und Nationalliberalen in der Bekäinpsung der Sozialdemokratie sich selbst bewußt sind, ist es be- greiflich, daß man es zur Abwechselung mit der neuen Flagge ver- sucht. Diese Tatsache steigt aber den Leitern des Verbandes der« maßen in den Kopf, daß sie durch ihre Tätigkeit die Sozial- demokratie bereits zurückgedrängt sehen und für die nächsten Reichs- tagSwahleu eine furchtbare Niederlage unserer Partei verkünden. Ucberall kehrt in den Druckschriften der Prahlhänse die Vor- spiegclung von den„besorgten Stimmen aus dem Lager der Sozialdemokratie" wieder. Man bläht sich auf, als sei man ein gesllrchteter Gegner, um also reichliche Bettelgroschen anzulocken. Nun soll es ganz gewiß nicht unsere Sache sein, jemals einen Gegner zu unter- schätzen. Doch jene Besorgnis, deren der Verband sich rühmt, wäre schon darum eine ausgemachte Torheit, weil gerade die Gründung dieses Reichsverbandes den Beweis für die Unfähigkeit der bürgerlichen Parteien erbringt, durch selbständige Politik gegen die Sozialdcmo- kratie kämpfen zu können. Und die Mittel, die der Verband auf- wenden will, stellen sich entweder nur als eine Zentralisierung jener blöden Methoden der Sozialistenbekämpfung dar, die schon stets geübt wurde» und niemals Erfolg hatten, oder aber sie sind uns besonders willkommen wie die Ankündigung, daß die Redner des Verbandes mit uns in öffentlichen Versammlungen diskutieren sollen. Wenn der Verband hiermit die Wahrheit an- kündigt, so wird er mit seinen Prahlereien bald am Ende sein. * AuS Mainz wird gemeldet: Der Geschäftsführer des Reichs- Verbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, Dr. Bovenschen, hat gegen den verantwortlichen Redakteur Hitzler der„Mainzer VolkSzeitung' wegen Beleidigung durch Veröffentlichung eines Artikels Klage erhoben. Der NeichSvcrband erreicht also auch bereits die übelste Ge- wohnhcit der rückständigsten Presse, den„geistigen Kampf" gegen die Sozialdemokratie als Beleidigungsklage vor dem Kadi auSzu- fechten. ES dürfte ganz lohnend sein, daß die soeben enthüllten Praktiken deS Verbandes an Gerichtsstelle gründlich geprüft werden!—> Bon PontiuS zu Pilatus. � Der Reichskanzler Fürst Blllow hat die Abordnung des deutschen StädtetageS, die ihm einen persönlichen Besuch machen wollte, um ihm ihre Wünsche zur Linderung der F l e i s ch n o t vortragen zu können, an die Landesregierungen verwiesen, da die ReichSregierung für Maßnahmen auf diesem Gebiete nicht zu- ständig sei. Nun besteht aber, worauf wir eindringlich verweisen möchten, ein vollkommener Widerspruch zwischen dieser Acußcrung deS Reichskanzlers und einer vor einigen Wochen er- teilten Auskunft deS württembergischen Ministers des Innern, Herrn v. Pischek. Dieser empfing am 11. Scp- tcmber den Obermeister der Stuttgarter Fleischerinnung und er- klärte ihm gegenüber(siehe„Vorwärts" vom IS. September), daß für die Frage der Ocssming der Grenzen ausschließlich der Bundesrat zusiSndig sei. ES besieht also zwischen der württembergischen Ne« gicrnng und der ReichSregierung eine so schwerwiegende Meinungsdiffereaz über die beiderseitigen Rechte in einer für die deutschen Staatsbürger eminent wichtigen Frage, daß eine Entscheidung darüber, wer von beiden recht hat. schleunigst herbeigeführt werdeu muß. Es geht unmöglich an, daß die deutschen Regierungen jene Millionen Steuerzahler, die durch ihre Vertreter auf Oeffnung der Grenzen antragen, beliebig von PontiuS zu P'kntuS schicken fSmttit, damit sie sich dann von Beiden d'e drücke» bergcrische Auskunft holen, daß weder PontiuS noch Pilatus zu- ständig feien. Außerdem Besteht aber zwischen dein Fürsten Bnlolv und Herrn V. Pischel nocki eine Ivesentliche materielle Differenz in der Ansicht, die sie über die Zweckmäßigkeit der Grenzösfnung selbst haben. Fürst Bülow ist ja nicht nur Reichskanzler, sondern er repräsentiert auch eine„Landesregierung". In dieser Eigenschaft könnte er nach seiner eigenen Entscheidung über die Kompetenzfrage zwar eingreifen, aber er tut es nicht, sondern läßt den„Ressort- minister", der die Grenzen nicht öffnen will, ungehindert schalten und walten. DaS würde ziueifelloS nicht der Fall sein, wenn Herrn V. PodbielskiS sachliche Venrteilnng der Frage mit der des Kanzlers nicht übereinstimmen würde. Der Schluß ist also nicht unberechtigt, daß Fürst Vü low gegen jede Oeffnung der Grenzen überhaupt ist. Demgegenüber muß fest- gestellt werden, daß Herr v. P i s ch e k diese Frage am 11. September dahin Beantwortet hat: die Oeffnnng der Grenzen gegenüber Italien und Oesterreich könne er zlvar nicht empfehlen, wohl aber käme» für eine Oeffnung der Grenzen Dänemark, Holland und Frank- reich in Betracht! Die Mcinungslierschiedenhciteu zwischen den beiden RegierungS- Männern sind also sowohl in formeller wie materieller Hinsicht sehr erheblich und cS wird anzunehmen sein, daß auch der Vorstand des deutschen Städtetages Bei der Beschlußfassung über weiter von ihm zu verfolgende Maßnahmen diese Differenzen in den Kreis feiner Erwägungen ziehen wird.— Freisinnige und nationallibcrale Phrasendrescher haben in den letzten Tagen in der bayerischen Abgeordneten- lam m er viele und lange Reden vom Stapel gelassen, in denen sie nicht genug betonen konnten, wie aufrichtig sie eS damit meinen, dein� Volke ein möglichst freies und gerechtes Wahlrecht zu ver- schaffen. Zu diesen schönen Reden liefern die liberalen Gemeindeverwaltungen die treffendsten Illustrationen: überall, wo der Liberalismus in der Gemeinde die Mehrheit hat, sucht er seine Klassenherrschaft durch möglichst reaktionäre Gc- staltung des kommunalen Wahlrechts zu erhalten. Ein bekanntes Beispiel hierfür bietet Nürnberg. In der Nachbarstadt Fürth schickt man sich nun auch zu einem kleinen Wahlrechtsraub an. Dort wird bei der Gcmeindewahl das System der Bezirks- Wahlen angewendet, das jetzt die Liberalen wieder beseitigen wollen, um an seine Stelle die Listenwahl zu setzen, wodurch jede Minder- hcit mundtot gemacht würde. Interessant ist die Begründung, die man für einen solchen Schritt anführt. Bei der letzten Wahl hatten die vereinigten Liberalen 3100, die vereinigten Sozialdemokraten und Demokraten 2800 Stimmen. Bei der Listenwahl hätten die Liberalen sämtliche 14 Sitze errungen, während die Sozialdemokraten und Demokraten vollständig leer ausgegangen wären. Die Liberalen behaupten nun, die Wiedereinführung der Listenwahl wäre nur ein Akt der Gerechtigkeit, da hierbei die Mehrheit den ihr gebührenden Ausdruck finden würde. Man rechnet darauf, daß auch die„Demo- traten", die bei der kommenden Wahl mit den Liberalen zusammen- gehen, diesen WahlrerhtSraub mitmachen werden. � Bor»nd nach der Wahl. Der kürzlich im Wahlkreis Essen zum ReichstagS.Abgeordnetcn gewählte ultramontane Arbcitersekretär G i e s b e r t S hat mit Rück- ficht auf die in diesem Wahlkreis vorherrschende Arbeitcrbcvölkerung vor der Wahl allerhand Versprechungen gemacht, die zu der bis- herigen Praxis des ReichstagSzentrums in Widerspruch stehen. DaS macht natürlich gar nichts, denn ein Zentrumskandidat darf den Wählern das Blaue vom Himmel herunter versprechen, wenn er eS damit nur fertig bringt, daß man ihn wählt. Wenn die Partei nach der Wahl an seine Versprechungen erinnert wird, kann man sich ja, wenn es gar nicht anders geht, auf„Mißverständnisse" hin- auszureden versuchen. Oder man erklärt, der Herr Abgeordnete habe die betr. Zusicherungen„natürlich nur für seine Person" gegeben und die Partei gehe daS gar nichts an. Diese» beliebte Mittel wird gerade jetzt wieder einmal in Anwendung gebracht. Herr GieSbertS hatte in der Wahlbewegung unter anderem— was hat der Mann nicht alles versprochen— auch die Frage des Koalitions rechtes der ländlichen Arbeiter bc- handelt und dabei ausgeführt:„Das Recht, durch berufliche Selbst- hülfe an der religiösen, geistigen, sittlichen und wirtschaftlichen Hebung ihrcS Standes in geeigneter Form selbst mitzuarbeiten, darf den ländlichen Arbeitern um so weniger vorenthalten werden, als die Landwirte selbst durch genossenschaftliche und berufliche Sclbsthülfe mittels der Koalition mustergültiges geleistet und aus eigener Kraft ihre Lage verbessert haben. � Dagegen wendet sich nun mit großer Schärfe die VercinSschrift dcS Rheinischen Bauernvcrcins. Sie bemerkt, die gesetzliche Er- laubnis, Streiks zu organisieren, dürfte den Landarbeitern nicht gegeben werden, weil dadurch„einem koalierten Berufsstande eine solche Macht verliehen wird, daß er eventuell den wirtschaftlichen Ruin anderer, großer und wichtiger Berufsstände und damit die Vernichtung großer nationaler Werte herbeiführen kann. Eine so- weit gehende Koalitionsfreiheit würde den Ruin der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung im Gefolge haben". Daß die Zentrumsbauern eine derartige Haltung einnehmen, ist ja nicht weiter verwunderlich. Aber interessant ist eS, zu hören, aus welchen Gründen man erst nach der Wahl gegen GieSbertS Stellung nimmt. Der„Rhein. Bauer" schreibt nämlich:„Nm nicht in irgend einer Weise einen Einfluß auf die Wahl des Herr» GieSbertS auszuüben, zumal als Gegenkandidat in erster Linie ein Sozialdemokrat in Frage stand, kommen wir erst heute, nachdem inzwischen die Wahl im Kreise Essen getätigt ist, auf die Angelegenheit zurück." Da haben wir also das glatte Zugeständnis, daß ultramontane Agitaioren in der Wahlzeit Versprechungen machen dürfen, die die Partei nicht einzulösen gewillt ist und daß man ohne Widerspruch solche Versprechungen machen.Jäßt, um eine Wahl nicht zu gc- sährden. Das nennt man wann auch politische Moral!— AuS Südwestafrika. Mehreren Blättern in Kapstadt wird bestätigt, daß die Hottentotten in den letzten Tagen in Deutsch-Südwcstafrika empfangen, die ihm eine Petition betreffend Arbeitslosen- Gesetze überreichen werden. Diese von Arbeitern verlangte Einmischung des Königs in die Gesetz- gebung ist schon seit vielen Jahren nicht vorgekommen. Dieses Verlangen sowie die Ehrung des Königs durch den Londoner Graf- schaftsrat zeigen die Erstarkuug des Königtums in England, wie sie der König selbst nicht geglaubt halte. Mit Hülfe einer künstlich ge- machten öffentlichen Meinung ist Eduard VII. zu einem der populärsten englischen Monarchen geworden. Die herrschenden Klassen erblicken in dieser royalistischcn Restauration ein Bollwerk gegen eine selbständige politische Arbeiterbewegung.— Asic». Tokio, 18. Oktober. Einer Mitteilung de» Marinedepartemenis zufolge ist das gesunkene russische Panzerschlachtschiff„Pobieda" gestern in Port Arthur mit Erfolg flott gemacht worden. Afrika. Gefangennahme englischer Offizirrc durch marokkanische Banditen. Zwei englische Offiziere von dein gestrandeten englischen Werk- stattenschiff„Assistence" sind von einer marokkanischen Räuberbande gefangen genoinmen, aber alsbald wieder freigelass en worden, da sie den Angriff englischer Torpedoboote fürchteten. Zu der Gefangennahine wird noch gemeldet: Die Offiziere sind inzwischen wieder freigelassen toorden und in C c u t a eingetroffen. Dre Räuber haben sie völlig ausgeplündert. Leute vom Anj e r a- S t a nliil schössen in der Nacht zum Dienstag auf den zwischen Bensus und Ceres liegenden englischen Torpedo- j ä g e r„C h e r w e l l", wobei dessen Schornstein beschädigt wurde. Nach einer anderen Meldung schössen die Marrokkancr zwischen Ceuta und Tetuan auf vier englische Torpedojäger.— Amerika. Ter Kampf der Argentinischen Regierung gegen die Arbeiter. Das Internationale Sozialistische Bureau zu Brüssel erhielt dieser Tage von den argentinischen Parteigenossen ein Telegramm, in welchem diese die Mitteilung machen, dah die Regierung abermals Belagerungszustand, und zwar auf drei Monate, verhängt hat. Es ist dies ein beliebtes Mittel der argentinischen Regierung, die Ar- beiterbewegung nicderzuknütteln. Argentinien ist ein Agrarstaat: von den 5 Millionen Einwohnern, die sich auf eine Fläche von fast drei Millionen Quadratkilometer verteilen, wohnen 42 Prozent in Städten und 58 Prozent auf dem flachen Lande. Aber auch die Stadtbewohner leben zum grossen Teil von der Landwirtschaft. Während der Erntezeit sind Tausende von Arbeitern auf dem Lande beschäftigt, die nachher wieder in den Städten wohnen. Die einzige Zeit, wo die Arbeiterschaft darauf denken kann, Forderungen in bczug auf höhere Löhne usw. durchzusetzen, ist die Erntezeit. Im Jahre 1002 ging die Regierung zum ersten Male damit vor, einen grossen Streik der Erntearbeiter durch die Dekretierung des Be- lagerungszustandes unmöglich zu machen. Da der Bclagerungs- zustand die„absolute Aufhebung aller Garantien" mit sich bringt, sind die streikenden Arbeiter geradezu als vogelfrei erklärt. Diesmal handelt es sich um einen Streik der Hafenarbeiter und die argentini» scheu Genossen wünschen, dah die europäischen Hafen- zmd Transportarbeiter die Frage erwägen, ob nicht eine Unterstützung der Streikenden dadurch ermöglicht werden kann, dah die aus Argen- tinien kommenden Waren eventuell vom Transport ausgeschlossen werden.—_ Die Revolution in Rntzland. Generalstreik in Petersburg. Petersburg, 18. Oktober.(Offizielles Telegramm.) Gestern abend hat hier in zahlreichen Fabriken im Fabrikviertel der Schliiffelburgcr Chaussee eine Ausstandsbewcguiig begonnen. Die Arbeiter der NewSki- werft haben die Arbeit wegen der Nichtzulassung der Arbeiter zur Neichsduma niedergelegt. Die Arbeiter anderer Fabriken wurden von ihnen gezwungen, sich der Bewegung anzuschlicsscn. Die Strassenbahn in dem genannten Fabrikviertel wurde von Ausständigen(?) überfallen(?), Ivobei eine Frau verwundet wurde: die Bahn mnhte de» Berkehr einstelle». Militär, das zur Wiederherstellung der Ordnung entsandt war, wurde von der Menge mit Schüssen und Steimvürfen empfangen, wobei ein Offizier und zwei Kosaken verwundet wurden. Erst nach 0 Uhr abends konnte die Ruhe wieder hergestellt und der Verkehr auf der Strassenbahn wieder aufgenommen werden. Die Gärung dauert aber auch heute noch fort.— Im Narwaschcn Stadtteile hielten die Arbeiter gestern Versammlungen ab. in denen über einen allgemeinen Ausstand beraten wurde. Ueber denselben Gegen- stand wurde auch in Versammlungen des Eisenbahnunterpersonals und der Eisenbahnarbeiter beraten. Bei allen diesen offiziellen Telegrammen werden die Brutalitäten der Soldateska in schamloser Weise hinweggelogen. Man hört immer nur von verwundeten Kosaken, nicht aber von den getöteten Arbeiter». Ein Attentat. Riga, 18. Oktober.(„Voss. Ztg.") Gestern abend fand auf der Straße ein?lttentat ans den Direktor Kritik») von der baltischen Waggonfabrik statt. Kritzky wurde durch drei Schußwunden lebensgefährlich verletzt. Der Täter ist bisher noch unbekannt. '.' Studcntenbcwegung. Odessa, 13. Oktober. Die hiesige Studentenschaft beschloß in einer gestrigen Versammlung, die Vorlesungen nur dnnn zu besuchen, lvciin ihnen allgemeine politische Freiheit gewährt wird. Nach der Versammlung veranstalteten die Studenten in den Strassen eine Demonstration, ohne von der Polizei und dem ausgerückten Militär daran gehindert zu werden. Die Wahrheit über die blutigen Tage von Moskau. Die Berichte über die Ereignisse von Moskau weichen von ein- ander ausserordentlich ab, Ter offizielle Bericht versuchte ans den ernstlichen Zniammenslössen ein paar harmlose Szenen zu machen. Ein der„Rnsi. Corr," in Kopie vorliegendes Dokument, nämlich die Eingabe der Administration der Philippoffschen Geschäfte an den Fabrikinspektor des 22, Revier? von Moskau, widerlegt die ganze RcgiernngSdarstcllnng. Schon an? dieser Schilderung der Ereignisse sehen wir, ivelch erbärmliche und vcr- wcrfliche Rolle die russische Polizei iviedcr einmal gespielt hat, wie sie einen Streif nach alter Manier ausgenutzt hat, um das Blut snedlichcr Menschen, die ihr ob ihrer Gesinnung unbequem sind, fliesten zu lassen. Die Eingabe an die Behörde, die von dem betroffenen Geschäfte selbst herrührt, lautet in ihrem ivesentlichen Inhalte folgendermasscn: Am Sonnabend, den 7, Oktober, kam um 5 Uhr abends zu Philipvoff eine Deputation seitens der Arbeiter und erklärte, daß die Arbeiter beschlossen hätten, von Sonntag ab zu streiken. In anbelracht dieser Erklärung bat Philippoff, das; die Arbeiter bis dahin so viel als.möglich Vackwarc» bereiten möchten. Die Arbeiter gingen auf diesen Vorschlag bereitwillig ein und arbeiteten tatsächlich die ganze Nacht hindurch. Um 7 Uhr morgens ließen sie die Arbeit ruhen und gingen friedlich anSeinander. Gegen 10 Uhr kehrten viele von ihnen zurück und blieben, wie sie es immer an festlichen Tagen tatm, in kleincreti Gruppen vor dem Hause stehen, Ihre Stimmung war völlig friedlich. Um 11 Uhr stürzte in das Philippofffche Haus ganz unerwartet und Hals über Kopf eine Abteilung von Poltzistett, Als die Arbeiter die Polizisten erblickten, verlangten sie, daß sie sich entfernen sollten, da diese jedoch blieben, enlstand zwischen ihitett und den Arbeitern eine Schlägerei. Es wird auch erzählt, daß auf die Polizisten Ziegel und Flaschen getvorsen wurden. Nim liefen die Polizisten davott, aber nach kurzer Zeit erschien Polizeimeister Baron Budberg in Begleitung einer Abteilung Kosaken, welche auf seinen Betehl hin in der Gasse nahe der Twerskaja sich in Reih und Glied niifsicllten und ans das Haus zwei Salve» abfeuerten. Alsdann wurde ans Anordnung von Budberg eine Kompagnie Soldaten in das Cafö, die Konditorei und in den Laden hineingeführt, worauf er Aepte und Brecheisen verlangte, uin die Türen und die Barrikaden, die von den Arbeitern attgcblich errichtet wären, einzuschlagen. Das Militär wurde in den Hos hineingeführt, und Baron Budberg befahl dcnsPhilippoffschen Angestellten, den Arbeitern zu er- klären, daß sie ausnahmslos zu ihm in den Hof hinuntergehen sollten, widrigenfalls er schießen lassen würde. Die Arbeiter gehorchten. Sie kamen zum General und wurden sofort von einer Soldatenkette umzingelt. Der Eiklärnng der Angestellten, daß in den oberen Etagen der Fabrik niemand geblieben sei, glaubte Budberg nicht, sondern schrie, daß er schiessen lassen würde, und tatsächlich wurden gegen ein Fenster der siebenten Etage des Fabrikgebäudes auf sein Korn- mando hin vier Schüsse abgegeben, als es ihm schien, daß der Kopf eines Arbeiters von dort ans sich hinausgelchitt hätte. Gegen 200 Arbeiter wurden sodann unter starker Eskorte abgeführt. Später, gegen 4 Uhr, kamen ztmächst in Begleitung eines Revicr- anfsehers drei jugendliche Arbeiter, blutbefleckt, verwundet und vcr- bimden. Dann erschienen nacheinander weitere freigelassene Arbeiter und erzählten mit Tränen in den Augen, daß, als man sie unter Eskorte in den Hof des Hauses des Stadthanptmanns gebracht hatte, sich auf sie Kosaken, Schutzleute und Gendarmen, die im Hofe ver- steckt waren, stürzten und unterschiedslos sie mit allen möglichen Dingen, mit NagaikaS, Bajonetten, Kolben zu schlagen beganncii. Der sofort herbeigerufene Fabrikarzt hatte es am Anfang mit 17 Verwundeten zu tun, aber bis zum 10. Oktober meldeten sich weitere 17, so daß im ganzen 34 Personen aus der Philippoffschen Fabrik verwundet worden sind. „Wir Häven die Ehre hinzuzufügen— heißt es in der Eingabe weiter—, daß es am Sonntag von morgens ab bis zur Abführung der Verhafteten, sowie vorher und nach Schluß der Exekution keinen Fall eitier Verwundung irgend jemandes gegeben hat; bis zur Ein- Mischung der Polizei war alles ruhig gewesen. Ferner wurde weder von Arbeitern noch von sonst jemand bei uns ein Schuß abgegeben— außer der oben erwähnten Schießerei seitens der Soldaten, Ebenso ist zu bemerken, daß das Fabrikeigentum und überhaupt alles der Adniinistration gehörige bewegliche Eigentum völlig unangetastet und unberührt geblieben ist, ausgenommen die erwähnten, von den Schüssen verursachten Bc- schädigungen." Während der Erclution schimpfte Baron Budberg unausgesetzt mit den pöbelhaftesten Ausdrücken. Nach Schluß der Hofszene ver- teilte er unter die Soldaten und Kosaken Geld. Der Stadthaupt- mann beobachtete aus dem Fenster die scheußliche Prügelei. »* « Die Polizeiwahlen. Was die Regierung unter Wahlfreiheit versteht, ersieht man aus einer geheimen Verordnung, die ein Landhauptmann im Gouvernement Nowgorod an die ihm unterstellten Wolostj Acltesten erlassen hat, und welche wörtlich folgendermaßen lautet:„Infolge geheimen Zirkulars des Nowgoroder Gouverneurs vom 28,/VII. N. 1159, das auf zirkularische Anordnung des Ministers des Innern erlassen wurde, schreibe ich hiermit vor folgende Maßnahmen unverzüglich zu treffen. l. Es soll eine sorgfältige lleberwachuug derjenigen Personen eingeleitet werden, welche sich die Rolle eines Kommentators anmasieu über die allerhöchsten Anweisungen, die zur Vervollkonimnung der Staatsordnung und zur Hebung des Volkswohlstandes ergangen sind. 2. Es soll den Polizeibeamtcn gesetzliche Unterstützung geleistet iverden bei der Fortnahme von Aufrufe», Mitteilungen, Broschüren ic., welche von jenen Leuten verbreitet werden, und es soll keine Organisation von Versammlungen der länd- lichen Bevölkerung zugelassen werden, und 3. es inuß über alle Vorkommnisse, welche die Beamten in obiger Hinsicht bemerken, unverzüglich dem Landhauptmann Bericht erstattet werden." Eue der Partei. Die theoretische Vertiefung zu fördern, hat der Wahlberein Leipzig-Stadt für das Winterhalbjahr 1005/06 folgendes Vortragsprogramm aufgestellt: Dienstag, 17, Oktober: Reichstags- abgeordneter Ledebour: Kolonialpolitik. 7. November: Frau Dr. R. Luxemburg: Der politische Massenstreik. 12. Dezember: Rechtsarnvalt Dr. K. Liebknecht: Partei und Gewerkschaften. 16. Januar 1006: NeichStagsabgcordneter Dr. K. Lindeniann: Kommunalpolitik. 13. Februar 1006: Reichstagsabgcordnetcr H. Molkcnbuhr: Volkswirtschaftliches Thema. 12. März 1006: Reichstagsabgcordnetcr E. Eichhorn: Volksschule und Sozialdemokratie. April 1006: ReichStagsabgeordneter I. Mottclcr: Der deutsche Reichstag. Genosse Paul Lange hat am Montag eine neunmonatliche Gefängnisstrafe angetreten, die ihn, in setner Eigenschaft als ver- antwortlicher Redakteur der„Leipziger Volkszeitung" wegen Bc- leidtgimg der ReichSpostvcrwaltmig zudiktiert wurde. Möge der Genosse die lange Hast ohne Schaden an seiner Gesundheit über- stehen! Totcnliste der Partei. Ein alter Frankfurter Parteigenosse ist freiwillig aus dem Leben geschieden. Am Sonntag landete man an der alten Brücke die Leiche Jean Windolphs, Die Leiche hatte eine Schußwunde im Kopf; vermutlich hat sich Genosse Windolph also erst zu erschießen versucht und ist dann ins Wasser gegangen, Wie der Franks,„Volksst," mitgeteilt wird, soll Genosse Windolph (der zu den ältesten Genossen am Orte zählt und während der Herr- schaft des Sozialistengesetzes ebenso getreu seine Pflicht erfüllte, wie zuletzt als Leiter des dritten Bezirks) nicht nur durch ein schweres körperliches Leiden zum Selbstmord getrieben worden sein, sondern auch durch mancherlei Mißhclligkeiken und Sorgen, die ihm in seinem Geschäft bereitet wurden. Seit cinem halben Jahre litt Genosse Windolvh an Schlaflosigkeit; er suchte vergeblich Heilung im städ- tischen Krankenhatise und äußerte bereits in den ersten September- tager. zu Bekannten, daß ihm jede Lust zum Leben vergangen sei. daß er Furcht habe, irrsinnig zu werden und sich lieber umbringen wolle, che er seine Tage in der Irrenanstalt beschließe. Diese Drohung wurde damals von Bekannten dcö Genossen Windolph nicht ernst genommen; er hat sie aber doch ausgeführt. Die Partei- genossen werden dem treuen Genossen stets ein ehrendes Andenken belvahren. Argentinien. Der Kongreß des Allgemeinen Ar- beiterbnndes wurde vor einiger Zeit in Buenos AyreS ab- gehalten. Vertreten waren 70 Arbeitervereine, Lattge heftige Debatten wurden über den Generalstreik geführt; schließlich gelangte mit 5006 gegen 488 Stimmen eine Resolution zur Annabme, durch welche das Mittel des Generalstreiks als eine beständige Waffe des Proletariats erklärt wird. Bezüglich der Alkoholfrage wurde einsttinmig beschlossen, eine individuelle und ivickungsvolle Propaganda gegen dieses Laster zu führen und die Arbeiter darauf aufmerksam zu machen, welchen immensen Schaden der Alkohol dem Körper und dem Intellekt bringt. Ferner beschäftigte sich der Kongreß mit der Frage der Schiedsgerichte, den Streikbrecher-Vereinen, Boykott usw. Schlteßlich nahm der Kongreß folgende Resolution an: Der Kongreß enlbiclet den Arbeitern der alten Welt seine Grüße und erklärt sich mit denselben solidarisch. Er erhebt energischen Protest gegen die letzte Schlächterei in Granmichele(Italien), wie gegen jede Gewalt- tat und Tyrannei, insbesondere auch gegen die Verfolgung der russischen Arbeiter durch den Zarismus inid spricht die Hoffnung aus, daß die autokratische Zareugewalr in Rußland ein baldiges Ende erreichen möge. poUreillefieg. Gmcbtlicdes üb». Verteilung sozialdemokratischer Wahlflugblätter. Der Fabrik- arbeiter Schmidt ans Bischlveiler(Els.-Lothr.) hatte sich vor der Strassburger Strafkammer zu verantworten, weil er in Hagenau ciircn Wa h I a u f r u f der sozialdemokratischen Partei u n- befugt, d, h, ohne die im Lande der wiedergewonnenen Brüder erforderliche behördliche Erlaubnis verteilt hat. Der Staatsanwalt beantragte vier Monat« Gefängnis mit der Begründung t es müsse über das übliche Strafmatz hinausgegangen werden, da die Flugschrist von einer Partei ausgehe, welche die Z e r- störung der bestehenden Staatsordnung be- zwecke. Das Gericht schloß sich aber dieser Ansicht nicht an, sondern verurteilte Schmidt zu 50 M, Geldstrafe,— Die bürgerlicbe„Franks. Ztg." bemerkt dazu:„Viele solcher Staatsmtwälte und die Sozial- demokratie wird weiteren Zuzug erhalten I Seit wann hat die Zu- geHörigkeit zu einer bestimmten politischen Partei als strafver- schärfend zu gelten?"— Welche Frage! Rcdaktciirfrcndcii. Vom Schöffengericht zu Zwickau wurde der verantwortliche Redakteur des„Sächsischen Volksblattes". Ge- nosie Robert Müller, zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Er sollte den frühereit Atittshatiptmann Beeger und den RegimtugSrat Schmidt in Auerbach i, V, beleidigt haben dtirckt einen Artikel, der sich mit der Lolalfcage der Arbeiterschaft von Auerbach beschäftigt und Verfügtingett der Aintshauptmannschast als gegen die Arbeiter- schaft gerichtete behördliche Maßnahmen kritisiert. Nicht erlaubter allgemeiner GewcrkschaftSball. Das Gewerkschastskartell in Rendsburg wollte im vorigen Sornnter ein Gewerkschaftsfest für die ihm attgeschlossenett Gewerkschaften veranstalten. Das Fest sollte mit einem Ball verbunden sein. Gegen das Fest an sich Ivandtc die Polizei nichts citt. Dagegen verbot sie den Ball, indem sie davon ausging, daß die Lust- barkeit eine öffentliche werden würde, weil alle Mitglieder der dem Kartell angeschlosieticn Gewerkschaften Rendsburgs Zutritt haben sollten.— Ein Bedürfnis für einen öffentlichen Gewerkschaftsball erklärte die Polizei auf eine Anfrage des Regierungspräsidenten, bei dem der Vorsitzende Glau vom Gewerkschaftskartell sich beschwerte, nicht für gegeben, da schon genug andere öffentliche Taiizlustbarkeiten in Rendsburg stattfänden. Der RegtentttgSprästdettt verwarf die Beschwerde und der Oberpräsidcnt wies eine weitere Beschwerde ebenfalls ab. Mit den Beschwerdeinstanzen hat jetzt auch das Ober- Verivaltnngsgericht angenommen, daß die Teilnahme der Mitglieder aller elf Gewerkschasten Rendsburgs dem Ball den Charakter einer öffentlichen Tanzlnstbarkeit verliehen haben würde, so daß eine Er» laubniS erforderlich gewesen wäre. Die Klage Glaus gegen den Oberpräsidenten wurde abgeiviesen. Die Vcrsagung der Genehmigung sei aus objektiven polizeilichen Gesichtspunkten erfolgt. /Zus Industrie und ftandel. Bergarbeiter Verband und Wagcnmangel. Der zunehmende, in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" geschilderte Mangel an Eisenbahnwagen im Ruhrgebiet hat auch den Vorstand des Ver- bandes deutscher Bergarbeiter, da bereits auf ver- schiedenen Zechen Feierschichten eingelegt werden mußten, dazu veranlaßt, sich mit einer Eingabe an den Eiscnbähnminister und an die Eisenbahndirektion in Essen-zu wenden und um Abstellung des Mangels zu ersuchen. Die Eingabe lautet: Von mehreren Bergarbciter-Versammlungen, welche am 15. d. Mis. im Ruhrkohlcn-Revier abgehalten wurden, ist der ergebenst unterzeichnete Vorstand beauftragt, an den Herrn Minister eine Eingabe zu richten mit dem Ersuchen: dafür Sorge tragen zu wollen, daß die Eiseitlmhnverwaltung den Wagenbedavi der Zechen regelmässig und besser deckt als bisher, weil auch die Bergarbeiter unter diesem Wagcnmangel starke Lohit- . Verluste erleiden. Auf verschiedenen Zechen wurde kürzlich wegen Wagenmangels fast jede Woche eine Feierschicht eingelegt. Wir nenneti neben den Zechen„Graf Ben st",„Ewald" usw. noch „Karl Friedrich" in Weitmar bei Bochmn,„Moni Cents" bei Herne und„Margarete" in Sölde bei Dort- tmmd, welche wegen Wagenmangels in den letzten beiden Wochen je eine Feierschicht einlegen mußten. Indem wir uns dem Ersuchen um Abhülfe dieses die All- gemeinheit schädigenden Uebelstandcs anschlichen, zeichnen mit Ehrerbietung Der Vorstand des Verbandes Deutscher Bergarbeiter. F. A.: H. Sachse. Der amerikanische Tabaktrust unter Anklage. Ein für die g e- samte deutsche Tabak- und Zigaretteniitdustrie interessanter Strafprozeß gegen die Direktion der Dresdener Zigaretten- Aktiengesellschaft vor- in a l S Georg A. I a S m a tz i beschäftigte gestern die 3. Strafkammer des Dresdener Landgerichts. Im Jahre 1002 wurde die von Georg A. Jasmatzi begründete weltbekannte Zigarettenfabrik in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und dem eheinaligeit Besitzer ein Preis von 400 000 M. gezahlt. Obgleich anfangs in Abrede gestellt »vttrde, daß der amerikanische T a b a k t r n st seine Hände im Spiele habe, mußte doch später diese Tatsache zugegeben iverden und jetzt ist es bekanntlich kein Geheimnis mehr, daß die Jasmatzi-Gesellschast dem T a b a k t r u st der Ameri- kaner angehört. Das Aktienkapital ist inzwischen auf Vz Million Mark erhöht worden. Eine Zeitlang gehörte auch der vielgenannte,' jetzt in der Vautzener Strafanstalt internierte ehemalige Geheime Kommerzienrat Viktor Hahn, der Mitinhaber der verkrachten Rocksch Bank in Dresden, dem Anssichtsrate der Trustfirma an, ja man sagt, daß Herr Hahn einer derjenigen war, der dazu beigetragen hat. daß- der amerikanische Trust in Deutschland überhaupt festen Fuß faßte. Inzwischen ist auch die Zigarettenfabrik„ I o- setti" vom Trust ertvorbcn worden, und kürzlich hieß eS, daß der letztere seine Hand mich noch nach einer dritten Fabrik in Dresden ausgestreckt habe. Unter vielen anderen Fabrikaten brachte dieJastnatzi-Gesellschast auch eine russische Zigarette„ K a m p a n s k i a" auf den Markt, die in ziegelroten Paketen verpackt und mit einer Stcmpel- bandrolle verschnürt wird. In fast gleicher Weise erscheinen nun die Fabrikate d er i n P e t e r s b u r g domizilierten W e l t f i r m a F, D. B a g d a n o f f u. C o, auf dem Markt. Die Originalvetpacknngcn der russischen Finna sind geschützt und dürfen nicht nachgeahmt werden. Da tuin die JaSmatzi-Gesellschaft nach Ansicht des Petersburger Hauses sich der Verletzung dcö Waren- zcichetrS schuldig gemacht hatte, wurde gegen die geitatinten Direk- torcn das Strafverfahren eingeleitet. Nach' der Anklage soll die Trustfirma in den letzten Jahren ihre Fabri- kate in einer der Petersburger Verpackung g le i ch e n Art i n d e n H a n d e l g e b r a cht sowie russische Sie in pelba ndrollen nachgeahmt und ver iv endet haben. Jedes Zigarettenfabrikat muß in Rußland uttt einer Stempelbandrollc als Zeichen der Bersteueruitg versehen werden und der von der JaZmatzi-Gesellschast verwendete Stempel glich im all- gctucittc» dem russischen; er zeigte auch russische Buchstaben. Dem Laie» kamt es daher wohl passieren, daß er cineJasntatziware mit dem Fabrikat der russii�rn Firma verwechselt. Die angeklagten Direktoren der Trust» strma stellten jegliches Verschulden in Abrede, insbesondere berief sich Direktor Gutschow darauf, datz die„KampanSkia- Berpackuna" bereits vor seinem Eintritte in die Jasmatzi-Gesellschaft vorhanden gewesen sei. Er sei bemüht gewesen, alles daS, was verdächtig erschienen sei, aus den Verpackungen zu entferueiu Da er sich nicht um die früheren Verpackungsarten gekümmert habe, könnte er auch nicht den Dolus geerbt haben. Das Gericht sprach auf Grund dieser Darlegungen und in Rücksicht auf ein vom kaiserlichen Patentamte erstattetes Obergutachten, nach welchem die Verpackungen der russischen Firnra in bezug auf Papier, Stempelbandrolle und Packung als nicht ge» schützt anzusehen sind, die Angeklagten frei. Nur der 5£ext auf den russischen Verpackungen dürfe nicht nach- geahmt werden und eine solche Nachahmung liege nicht vor. Russische Anleihe. Wie der„Köln. Ztg." aus London ge- meldet wird, sollen sich Schwierigkeiten hinsichtlich der Teile der neuen russischen Anleihe eingestellt haben, die in England, Deutsch- land und Amerika unterzubringen wären. Die russische Regierung habe verlangt, dast diese Teile als unverkäuflich in Paris gelten sollten. Die beteiligten Banken lveigerten sich, diese Bedingung anzunehmen. Vorläufig werde daher nur der französische Teil der Anleihe(S00 Millionen Frank) aufgelegt werden, und zwar im Beginne von November. SewerKfcKattli�Kes. Berltn und CJtngcgcnd. Die Elektromagnaten k Schon gestern berichteten wir über die auffallend langsame Wicdereinstellung der Streikenden rmd Ausgesperrten in der Elektro- iudustrie. In den Betrieben der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft ist die Einstellung gestern nun zwar etwas flotter erfolgt. Dagegen übt sich die Siemens-Schuckert-Gesellschaft in Prak- tiken, die die schärfste öffeittliche Kritik herausfordert. Sie nimmt Rache an ihren Arbeitern, besonders an denen, die zugunsten der Ausgesperrten in den Solidaritätsstreik eintraten. So sind von der Versandabteilung am Askanischen Platz noch fast gar keine Arbeiter eingestellt, sie wurden einfach abgewiesen. Geradezu unerhört ist aber das Verhalten der Direktion gegen die Arbeiterinnen im Glühlampenwerk. Nur ein Teil von der ursprünglichen Zahl dieser Arbeiterinnen hat das Werk wieder betreten dürfen. Und diesen wird von den Meistern hochfahrend ge- sagt, sie sollten sich nur nicht etwa als alte Arbeiterinnen be- trachten, sondern sie würden vielmehr sämtlich als N e u eingestellte angesehen. DaS heißt, die bisherigen Arbeitsjahre, die diese Arbeiterinnen bereits im Werke tätig waren, sollen einfach aus- gelöscht werden. Um dieser Mastregel auch den Firmenstempel auf- zudrücken, ist den Arbeiterinnen des Glühlampen- Werks ein Lohnabzug von 2 Pf. pro Stunde ge- macht worden! Statt der bisherigen 21 Pf. sollen sie von jetzt ab nur noch 19 Pf. erhalten! Jedenfalls zeigt eine derartige Willkürmastregel, dast die Firma noch jetzt nach Beilegung des Kampfes in wenig nobler Weise an den Streikenden ihr Mütchen zu kühlen sucht. Es wäre sonst auch unerklärlich, dast in den Sieniens-Schuckert-Werken noch der gröstte Teil der Vertrauensleute und Arbeiter« ausschuh- Mitglieder brausten geblieben ist. Von den Maschini st en und Heizern sind gestern nur ganze 13 Mann eingestellt worden. Die große Mehrzahl der am Streik beteiligt gewesenen ist in den meisten Zentralen bis auf weiteres abgewiesen worden. Wegen dieser offenbaren Mastregelung ist gestern eine Kommission beim Generaldirektor R a t h e n a u vorstellig geworden, um zu be- wirken, dast auch die Maschinisten und Heizer in etwas schnellerem Tempo wieder an ihre alten Plätze kommen. Wieviel Metallarbeiter im ganzen noch ausgesperrt bleiben mußten, hat sich bis jetzt noch nicht genau feststellen lassen. Immer- hin dürfte die Zahl nicht ganz klein sein. Von den Transport- arbeitern sind zirka 150 und von den Fabrikarbeitern noch zirka 100 bei der Einstellung bisher nicht berücksichtigt worden. Der Streik in der Wäsche- Jndusttie. Am Mittwochnachmittag fand in der„Brauerei Friedrichshain" eine Versammlung der Streikenden statt. Der Andrang war so stark, dast der bis aufs äußerste gefüllte Saal lange vor Beginn der Ver- sammlung abgesperrt wurde. Mehr als 3000 Personen, meistens Fraueil und Mädchen, drängten sich im Saale und die Zahl derer. die keinen Einlast mehr fanden, war mindestens ebenso groß. AuS dem Situationsbericht, den der Vcrbandsvorsitzende Keller er- stattete, geht hervor, daß die Beteiligiuig am Streik bedeutend größer ist als die Verbandsleitung erwartet hatte. Die genaue Zahl läßt sich infolge des fortgesetzten großen Andranges im Streikbureau auch heute noch nicht feststellen. AuS der Zahl der Fabriken, welche die Forderungen anerkannt haben, scheiden bereits zwei wieder aus. Es sind die Firmen Cohn u.Daniel sowie J.Götz. Beide Firmen erklärten, sie würden zwar die Forderungen bewilligen, aber die verlangte Unterschrift unter den Tarif verweigerten sie. Da die Streikleitnug unter diesen Umständen leine Gewähr für die Jnnchaltung des Tarifs hat, so werden beide Firmen zu denen gerechnet, die nicht bewilligt haben. In den beiden Betrieben ist jetzt auch die Arbeit niedergelegt worden. Ein Versuch der Firma Eiche nberg, Arbeiten in Kottbus anfertigen zu lassen, ist dadurch vereitelt worden. daß man die betreffenden Arbeiter in Kottbus zur Arbeitsnicder- legung bewegte. In den Fabriken, wo noch eine Anzahl von Streikbrechern arbeiten, werden diese ängstlich gehütet, man lißt sie nicht mehr aus den Fabriken hinaus und hat. dainit sie nicht über Nacht verschwinden, Betten für sie in den Fabrikräumcn ausgestellt. Ganze Berge von Briefen sind der Stteikkominission übergeben worden. welche streikende Arbeiterinnen von Fabrikanten erhalten haben. Darin werden die Streikenden teils unter Drohungen, teils unter Versprechungen zur Aust,ahme der Arbeit zu bewegen versucht. Die größten Hoffnungen setzten die Fabrikanten, nachdem ihre Fabriken leer geworden sind, auf die Heimarbeiterinnen, aber auch diese haben sich zum größten Teil dem Streik angeschlossen.— Ein Gerücht, die Streikenden hätten das EinigungSamt angerufen, trifft nicht zu, doch sind sie jederzeit bereit, wenn solche nachgesucht werden. Vereinbarungen mit einzelnen Fabrikanten werden jedoch nur unter der Bedingung abgeschlossen, daß die betreffenden Fabri'anten aus dem Ringe austreten. Im allgemeinen ist die Situation äußerst günstig; das Ziel: Abschluß eines Tarifs, mutz unbedingt erreicht werden. In der Diskussion, die dem nnt großen« Beifall aufgenommenen Referat folgte, wurden viele Einzelheiten ans der Bewegung vor- getragen. Die Firma Gebr. Ritter richtet Briefe an Arbeiterinnen mit dem Ersuchen, zu Hause Arbeit anzufertigen, die Arbeiten sollen auf Kosten der Firma per Post hin und zurückbefördert werden, und damit die Namen der Arbeitswilligen den Streikenden nicht bekannt toerven, sollen die Sendungen nur mit einer Nuinmer unterzeichnet werden. Eine etwas erregte Episode rief daS Auftreten einer Rednerin hervor. Bevor sie das Wort ergriff, trat sie an den über- wachenden Polizeileutnant heran und sprach leise mit ihm. Dann st e l t e sie sich, denr Winke des Polizei- leutnants folgend, dicht neben seinen Tisch, und so, unter polizeilichem Schutz, bekannte sie sich als Arbeits- willige der Firma Wolf u. Glaserfeld und hielt eine Rede zur Verherrlichung dieser Firma. Ob die Rednerin aus eigenem Antriebe handelte, ist zweifelhaft, denn sie steht ja in Arbeit und konnte die wahrend der Arbeitszeit tagende Versammlung doch nicht ohne Einver st ändniS mit ihrem Arbeitgeber besuchen. Als die Rednerin geendet hatte, erhob sich der Schutzmann und geleitete sie zum Saale hinaus. — Eine unnötige Vorsichtsmaßregel, denn wenn auch die Erregung, welche das Auftteten der Arbeitswilligen hervorrief, eine große war, so wäre ihr doch, dafür hätte schon der Versammlungsleiter gesorgt, kein Haar gekrümmt worden. In seinem Schlußwort nahm Keller Bezug auf eine Er- kläniug, welche die Fabrikanten in hiesigen Zeitungen erlassen haben. Es heißt darin, dast durch den Streik 15 000 Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäsche-Jndustrie brotlos werden. Diese Aeußerung lasse darauf schließen, daß die Fabrikanten beabsichttgen, die noch nicht am Streik Beteiligten auszusperren. Einer derartigen Maßregel könnten die Arbeiter mit Ruhe entgegensehen, sie würde den Unter- nehmern mehr Schaden zusiigen als den Arbeitern. Daß in den auswärtigen Bezirken der Wäsche-Industrie keine Streikarbeit an- gefertigt werde, dafür sei gesorgt. Bewegung der Straßenrciniger. Die Sektion V des Gemeinde- arbeiter-Verbandes(Strastcnreinigcr) veranstaltete in der ver- floffenen Woche 8 Bezirksversammlungen, in denen Bericht der letzten Arbeiterausschuh-Sitzung gegeben wurde. Die Forderungen: Verlängerung der Pause für die Abendposten, Wicdereinstellung eines zu Unrecht entlassenen Kollegen, Herbeiführung pünktlicheren Feier- abends werden der Deputation, zur Entscheidung vorgelegt. Allgemeine Entrüstung herrschte in den Versammlungen über die Kcnnpfesweise des Ortsvcreins Berliner Stratzenreinigcr gegen die Lohnforderungen des Verbandes. Das bestehende Lohnsystcm be- dingt, daß 70 Arbeiter, laut Etat Ansangstagelohn 3 M.. nach einem halben Jahr 3.50 M. erhalten. Da aber nur eine bestimmte Anzahl Arbeiter in den höheren Lohnklasscn geführt werden, muh not- lvendigerwcise für die 70 Aufrückenden alle halbe Jahr Platz ge- schaffen werden. Mithin„fliegen" die älteren Arbeiter nur so von der Arbeitsstelle Ten nötigen, Druck üben die unteren Aufsichts- organe schon aus. So hat die Direktion stet» junge, kräftige und billige Arbettskräftc. Auf der anderen Seite spart man dadurch, dast die Arbeit für Kranke, Fehlende usw. von den übrigen mit. gemacht werden muß. Dagegen anzukämpfen ist der Zweck der ver- langten Lohnregulierung mit 4 M. Anfangslohn, welche seitens des Verbandes gestellt ist. Der OrtSvcrein Berliner Strastenrcimger reichte, vielleicht um diese Forderungen zu hintertreiben, Extra- fordcrungcn ein. Der dadurch herbeigeführten Uneinigkeit wird man eS zuschreiben müssen, wenn die Strastenreiniger nicht wie not- wendig bedacht werden. Die Lehre hieraus ist für alle: Anschluß an den Verband. Intensive Agitation und Aufklärung unter den Kollegen ist nötig, um den Forderungen der Strastenreiniger den nötigen Nachdruck zu verleihen. In allen 8 Versammlungen wurde von dem Ortssekretär E. D i t t m e r sowie dem Kollegen Polenske über die Notwendig- keit einer einheitlichen Organisation für alle städtischen Arbeiter sowie über das schädigende Treiben des Ortsvereins referiert. Uebcr 100 Neuaufnahmen sind zu verzeichnen. oeutkcbe» Retch. Die Aussperrung in Bielefeld. Eine von 3000 Metallarbeiter« besuchte Versammlung sprach ihre Sympaihie mit den Ausständigen aus und erklärte, die an- gedrohte MaffenauSsperrung ihrerseits mit einem Kampfe um Ver- kürzung der Arbeitszeit beantworten zu wollen. Ein neues Crimmitschau. Der Verband Sächsisch- Thüringischer Webereien hat mit 148 gegen 146 Stimmen der dem Verbände angehörenden Webereien beschloffen, sämtliche Webereien am Abend des 28. Ok- tober zu schließen. Die Unternehmer begannen den Kampf sofort mit einer Verrufserklärung in großem Stile. Die„Neustische Tribüne" ist in der Lage, folgendes Zirkular zu veröffentlichen: Verband Sächsisch-Thüringischcr Webereien. Eingetragener Verein. Leipzig. 14. Oktober. Bertraulich! An die Firma X in X. Es dürste zu Ihrer Kenntnis gelangt sein, dast in vier unserem Verband angehörenden Geracr Betrieben seitens der Arbeitnehmer Massenkündigungen erfolgt find. Wir müssen in diesem Vorgehen der Arbeiter die Tatsache einer Arbeitseinstellung erblicken. Daher hat sich unsere Ortsgruppe Gera nach Einholung der Zustimmung unseres GesamtvorsiandeS entschlossen, in allen ihren Betrieben sämtlichen Arbeitern für den 27. d. M. zu kündigen. Ferner wird am 18. d. M. unsere Mitgliederversammlung zusammentreten, um über die Schließung aller dem Verbände an- gehörenden Betriebe Beschluß zu fassen. Wir glauben uns Ihrer Sympathie versichert halten zu dürfen und bitten Sie ergebenst, von jetzt ab bis zur Beseitigung der Betriebseinstellungen Arbeiter oder Angestellte auS den BerbandS- bezirken bei sich nicht einzustellen, noch direkt»der indirekt beschäftigen zu wollen. Wir danken im voraus verbindlich st für die Unterstützung, die Sie unseren Mitgliedern durch Berücksichtigung unseres ergebenen Ansuchens zu teil werden lasten und geben Ihnen gleichzeitig die Zusicherung, dast wir Ihnen bei gleichen oder ä h n l i ch e n Fällen in Ihrem Betriebe in derselben Weise gern entgegenkommen werden. Indem wir um Ihre baldgefällige steundliche Zusage bitten, zeichnen wir HochachttmgSvoll Verband Sächsisch-Thünngischer Webereien. Eingetragener Verein. Der Vor st and: Dr. F. Zehme.' Damit werden etwa 17 000 Arbeiter ausgesperrt sein. Der Kampf drr Holzarbeiter in Mühlhausen i. Th., welcher sieben Wochen gedauert und an welchem 200 Holzarbeiter beteiligt waren, hat mit einem Erfolg der Arbeitnehmer am Sonnabend, den 14. Okiober, seinen Abschluß gefunden, indem mit den Arbeitgebern ein Vertrag vereinbart wurde. Der ausgearbeitete und bereits von beiden Teilen angenommene Vertrag ist auf folgender Basis zustande gekommen: Die Arbeitszeit ist wöchentlich auf 56 Stunden sestaesetzt(bisher hatten einzelne Betriebe eine solche von 60 Stunden). Ans Wochen- und Akkordlöhne bis zu 22 M. 5 Proz. Zuschlag; Löhne über 22 M. unterliegen der steten Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Fabrikausschuß. Ueberstunden werden, wenn irgend möglich, vermieden, andernfalls aber 5 Pf, Zuschlag pro Sttmde ge- zahlt. Neue Muster, welche sich mit schon gefertigten nicht vergleichen lassen und bei denen eine Einigung über den Akkordpreis nicht er- zielt wird, werden in Lohn hergestellt. Junggesellen werden im ersten Jahre nach beendeter Lehrzeit nach steter Vereinbarung ent- lohnt, im zweiten Jahre tritt eine Garantie des Lohnes von mindestens 12 M, ein. Maßregelungen finden nicht statt. Die Ein- stellung der Gesellen erfolgt nach Bedarf. Der Vertrag erhält Gültigkeit bis zum 1. Oktober 1907 und läuft auf ein Jahr weiter. wenn er nicht drei Monate vor Ablauf gekündigt wird. Milde Richter. In dem seit Juni in Coburg tobenden Maurerstreik spielen eine Anzahl Arbeitswilliger ans der Gegend von Kronach eine wenig rühmliche Rolle. Diese christlichen Schäflein haben die Geduld unserer gegen Arbeitswillige nicht allzu schneidigen Polizei auf eine harte Probe gestellt. Mit Dolch und Revolver bewaffnet haben einzelne davon die Stadt unsicher gemacht, ja in der Nacht vom sogenannten Zwiebelmarkt sind sie mit ein paar GelegenheitS- arbeitern in der verkehrsreichsten Straße zusammengestoßen, wobei das Messer und der Revolver eine erhebliche Rolle gespielt hat. Ein Mann wurde gestochen und ein Projektil wurde am anderen Morgen in der LadenauSlage eines Wollwarcngeschäftcs gefunden. Ein paar andere dieser Helden, die Maurer Heinrich Schramm aus Johannisthal, Angllst und Konrad B c r g n e r und Heinrich Probst aus Tcistcnort, hatten einen organisierten Böttcher, der nach dem Zeugnis Unbeteiligter nicht ein Wort mit den Rowdics gewechselt hatte und ruhig nach Hause ging, überfallen und gemLiiischastlich miß- handelt, dast er auf dem Kopf und im Gesicht erheblich verletzt, ja sogar nach dem ärztlichen Zeugnis starken Blutcrgust im Auge davon- grtragen hat und mehrere Tage arbeitsunfähig war. Das Schöffen- gericht sah die Sache verhälttiiSmästig harmlos an. Dem Heinrich Schramm, der schon wiederholt wegen Misthandlung mit G e- fängnis vorbestraft ist. versagte es wohl mildernde Um- stände, erkantiie aber auf die Mindcststrafe von zwei Monaten Ge- fängnis; die übrigen kamen mit 43 bezw. 24 M. Geldstrafe davon. Die Amtsanwaltschaft hatte für sie eine Gefängnisstrafe von 14 Tagen bezw. 1 Woche beantragt. Wir wollen nicht hoffen, dast die nunmehr feit Juni wegen der Weigerung 11 Stunden zu arbeiten Ausgesperrten sich in solcher Weise gegen Gesetz und Recht vergehen wie diese Arbeitswilligen. Wenn aber der Fall eintritt, wünschen wir ihnen auch so mild: Richter, wie sie die vier Arbeitswilligen gefunden haben. Die Hafenarbeiter in Bremen haben nach neun Wochen daueritdeiit Streik einen iteuen bis zum 30. Juni 1908 gülttgen Tarif abgeschlossen. Der Tagelohn beträgt jetzt 4,50 M. für Schiffs- arbeit und 4,20 M. für Landarbeit. Smgegangene Druckrcbnften. Charles Gide. Grundzuge der Nationalökonomie. Ueberfetzt von Dr. G. Weiß von Wellcnstein. 384 Seiten. Preis 5,20 M. Manzsche k. u. k. Vcrlngs-Buchhandlung, Wien I, Kohlmarkt 20. Karl Baunigärtel, Stets an der Arbeit. Eine Eröffnung über daS Wesen der Elekrizität und die Aufgaben, die ihr im gesamten Weltall zufallen. Kommissionsverlag von H. Ritckdeschel. Hos i. B. Samnilnug Göschen, Die Atbeiterversicherung von Dr. Lllsred Manes. G. I. Göschen, Leipzig. Letzte JVacbncbtcn und DepeFeben. Die Anssperrung in der Maschinenfabrik Egestorf beendet. Hannover, 13. Oktober.(Privatdcpcsche des„Vorwärts"). Die Aussperrung in bet Maschinenfabrik vorm. Georg Egestorf ist durch Vergleich beendet. Die 1600 Arbeiter werden sämtlich an ihre alten Plätze zu den bisherigen Löhnen eingestellt. Die Streikenden. zehn Fräser, erhalten wie alle Maschincnarbeiter mindesten» 50 Pf. Lohn in Akkord garantiert, lieber alle anderen Lohnforderungen wird mit dem ArbciterauSschust verhandelt. Viktor Adler in den Reichsrat gewählt. Reicheuberg(Böhmen), 18. Oktober.(Privatdepesche des „Vorwärts".) Bei der heutigen Ersatzwahl der fünften(all- gememen) Kurie im Wahlkreise Reichenberg wurde Ge- nosse Dr. Viktor Adler mit überwältigender Majorität in den Rcichsrat gewählt. Man zählt bisher 26 000 Stimmen für Adler, 12 000 für den Dcutschnationalen Prediger, 3500 für den Tschechischklerikalcn Tschiede. Der Sieg ist voll- kommen gewiß. Daaiit tritt der Führer der österreichischen Sozialdemo- kratie, eine der markantesten Gestalten des internationalen Sozialismus, in das österreichische Parlament ein. Der Reichenbergcr Wahlkreis war schon bisher sozial» demokratisch und zwar durch den Genossen Josef Hannich ver- treten, dessen durch schwere Erkrankung verursachte Mandats- niederlegung eine Neuwahl notwendig gemacht hatte. Tie Anssperrung in der sächsisch-thüringischen Textil- Industrie. Greiz, 18. Oktober.(W. T. V.) Der Verband sächsisch. thüringischer Webereien teilt mit: In der heutigen General- Versammlung des Verbandes sächsisch-thüringischer Webereien in Greiz wurde die Schlicsiung sämtlicher Berbandswcberrien be- schloffen. Die ganze Lage des gegenwärtigen Lohnkampfes war auf das gewissenhafteste geprüft worden. Nach Erörterung aller Um- stände ergab sich aber keine andere Möglichkeit, als zu diesem Ent- schlust zu kommen. 142 Betriebe stimmten mit 475 Stimmen diesem Beschlust zu, nur 5 Betriebe mit 25 Stimmen waren da- gegen. Diese letzteren, deren Fabriken von den Industriezentren sehr abgelegen sind, wünschen für sich eine Ausnahmestellung. Um die weittragenden Folgen eines so schweren Entschlusses ab- zuschwächen, wird zugleich mit der Bekanntgabe der Schliestung folgender Anschlag in den Fabriken stattfinden: In einer Anzahl Geracr Webereien sind von feiten der Stuhlarbeitel. Massen- kündigungen erfolgt, diese müssen den Stillstand der davon be- troffenen Betriebe zur Folge haben. Wir sind daher Vertrags- mäßig genötigt, am Abend deS 23. Oktober alle BerbandSwebereien zu schließen. Um denjenigen Webern und Weberinnen, welche bereit sind, die Arbeit zu dem vom Verbände für die Ortsgruppe aufgestellten Mindestlokintarif und den dazugcyärigen allgemeinen Bestimmungen aufzuuehmen, hierzu baldmöglichst Gelegenheit zu schaffen, ersuchen»vir diese Arbeiter, sich spätestens bis zum Abend des 2. November in den Fabrikkontoren schriftlich oder mündlich zu melden. Erfolgen in; allen VerbaNdSweberejirn, einschließlich derjeingen, in denen die Massenkündigungen vorgekommen sind, genügend Anmoldungcn, so werden wir am Monmg, den 5. Ro- veniber, unsere Betriebe wieder eröffnen.— Zugleich wurde in der Versammlung berichtet, dast nach der vorbereitenden Verhandlung, die zwischen den Vertrauensmännern des Fabrikantenverbandes und der sächsisch-thüringischen, Färbereicnkonvention bereits stattgefunden hat, die beschlossene Maßregel der Fabrikanten volle Untcrstntzuitg durch die sächsisch-thüringischen Färbereikonveietio» finden wird. Die an Kündigung gebundenen Betriebe schließen ihre Fabriken am 4. November. Hamburg, 18. Oktober.(W. T. B) Mit dem Dampfer „Hans Wmmann" trafen heute abend von Swakopmund 13 Offt- ziere und Militärbeamte, sowie ein aus 95 Mann bestehender Transport vcrwuudetcr und kranker Krieger hier ein. Tic Heim» lehrenden wurden in der üblichen Weis empfangen und treten eilten längeren Urlaub zur Erholung an. Vergvtw. Redakteur.: Paul Büttner Berlin. Inseratenteil verantw.4 Ttz. Glocke« Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärts BuKdr. u. Lerlagsanstalt Paul Singer L-Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 245. 22. Jahrgang. 1. MlM des Jorrairts" Kttlim MsM Donnerstag, 19. Oktober IM. Die Berliner Genossen über die neue Organisation. Der Sozialdemokratische Wahlverein für den ersten Berliner Wahlkreis tagte am 17. Oktober in den Arminhallen, lim zu der Neuorganisation der Genossen von Berlin und Umgegend Stellung zu nehmen. Genosse H. Wolderski gab einen kurzen Ueberblici über die Vorgeschichte der Vorlage. Eine Generaldiskussion unterblieb, da niemand dazu das Wort nahm. Man ging Paragraph für Paragraph durch, indem Wolderski, Ivo es nötig war, erläuternd eingriff. Bei Z 2, der die Aufgaben des„Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend" nennt, bemerkte Wolderski: Im dritten Wahlkreise, der außer der Reihe tanzte, habe man geglaubt, daß. nach dem Z 2 es möglich wäre, die einzelnen Kreise hinsichtlich der Kandidatenaufstellungen zu majorisieren. Das sei eine total falsche Auffassung, da ja§ 7 den Kreis-Wahlvereinen vorbehalte, die Parteigcschäfte im Kreise selbständig zu regeln. Der Z 2 wolle dem Verbände nur alle gemeinsamen Parteiuiteressen zur Förderung überweisen, z. B. durch Verbreitung allgemeiner Flugblätter, Wahl' Vorbereitungen im technischen Sinne und ähnliche Aktionen.—§ i wurde dann auch mit großer Majorität angenommen, ebenso die KZ 1, 3 und 4 ohne Debatte gegen ganz vereinzelte Stimnien.— Zu§ 5 beantragt Genosse Kunze, daß nicht auf je M), sondern erst auf je 100 Mitglieder ein Delegierter zur Generalversammlung des Verbandes fallen soll.— Zum letzten Absatz desselben Paragraphen beantragt Genosse T a b b e r t. daß das Korrespondenzblatt mit der Tagesordnung der VerbaüdS-Generalversammlnngen und den Anträgen dazu den Mitgliedern durch die Bezirksführer zu unterbreiten sei. In der Diskussion über diese Anträge verwies namentlich Genosse Oppel darauf, daß sich ja so wie so die Generalversammlungen der einzelnen Kreiswahlvereine bei der Wahl der Delegierten zur" Generalversammlung des Verbandes mit deren TageS- ordnung und den Anträgen beschäfttgen würden, so daß TabbeuS Befürchtung, die Mitglieder fänden vielleicht nicht genügende Berücksichtigung, unbegründet wäre.— Die Ab- änderungSanträge von Kunze und Tabbert wurden abgelehnt und der§ S gegen drei Stimmen angenommen. Nachdem§ 6 Annahme gefunden, wies Wolderski bei§7 besonders auf dessen letzten Absatz hin:„Jeder Parteigenosse hat sich der Organisation seines Kreises anzuschließen; dauernde Tätigkeit in einem anderen Kreise ist einzeln oder gruppenweise nur mit Genehmigung des Verbandsvorstandes gestattet." Bei diesem Absatz sei der erste Kreis P erheblich interessiert, da infolge seiner eigenartigen Verhältnisse uge Arbeiterbevölkerung zc.) die in ihm tätigen Genossen viel- fach in anderen Kreisen wohnten. Alle Bedenken gegen die zitierte Bestimmung seien aber zerstreut worden durch das Zugeständnis, von der Genehmigung des Verbandsvorstandes solchen eigenartigen Verhältnissen gegenüber solle freiester Ge- brauch gemacht werden. Auf diesen Koinmentar könne sich der erste Kreis stützen.— Auch§ 7 und die folgenden Paragraphen werden unverändert angenommen. Die Zustimmung der Versammlung findet auch eine Resolution Bittner, welche verlangt, daß Ge- nossen, die aus einem Kreise in einen anderen übertreten, vom Ein- trittsgelde entbunden werden. Darauf wird die Vorlage in der Gesamtabstimmung ein- stimmig angenommen. Ebenso erklärte sich die Versammlung damit einverstanden, daß ein Musterstatut für die Kreiswahlvereine ausgearbeitet wird. Genosse Bittner als Kassierer bittet, bis zum 1. Januar die Beitragszahlungen zu erledigen, damit die Um- Wandlung des Vereins erleichtert werde. Zum Schluß feuerte Oppel die Genossen zu reger Agitation für die Stadtverordnetenwahl im 1. Bezirk an. Am Sonntag bei der Flugblattverbreitung dürfe niemand fehlen. Trefflokale: Weih- nacht und Seiler. In der Generalversammlung für den z w e i t e n K r e i s er- läuterte Schneider die Bestimmungen der Vorlage zur Reuorgani- satton Groß-BerlinS. Die neue Parteiorganisation für Deutschland biete die Grundlage für die Vereinigung der Wahlvereine Berlins und der Umgegend zu einen, festen Verbände. Man hoffe durch eine straffere Organisation noch Tausende von Parteigenossen, die bis jetzt den Wahlvereinen ferngeblieben, für diese zu gewinnen. Im einzelnen bemerkt Redner zu ß 2, daß in die„Vorbereitung aller Wahlen" nicht einbegriffen sei die Aufstellung der Kandidaten, die ja schon nach der Parteiorganisation den Wahlkreisen vorbehalten sei. Gemeint sei daniit die Einheitlichkeit und Plamnätzigkeit in den Vorarbeiten zu den Wahlen in allen Kreisen. Für die Zusammensetzung deS Vorstandes sei die Anzahl der Wahlvereinsmitglieder maßgebend, mit der Einschränkung, daß kein Kreis weniger als vier Delegierte in den Vorstand entsende. Wahrscheinlich werde derselbe aus vier Mitglieder« für den ersten, je fünf für den zweiten und dritten, sieben für den vierten, vier für den fünften, acht für den sechsten Kreis, siebe» für Teltow-Beeskow- Storkow und fünf für Nieder-Barnim zusammengesetzt werden. Eine heftige Debatte habe sich in der zur Ausarbeitung deS Statuts gewählten Kommission un,§ 8 entsponnen, wonach die in den Kreisen nicht zur Deckung eigener Ausgaben verwandten Gelder an den Verbandsvorstand abzuführen sind. Besonders die kleineren Kreise haben sich dagegen gesttäubt. Das Einverständnis sei dahin erzielt, daß die von den einzelnen Kreisen abgelieferten Posten im Korrespondenzblatt des Verbandes spezialisiert aufgeführt werden, während die an den Parteivorstand abgelieferte Summe im ganzen im„Vorwärts" quittiert werde. Die pro Mitglied und Monat an den Verbandskassierer zu zahlenden Beiträge von 5 Pfennig, die bei dem jetzigen Mitgliederstandc zirka 27 000 M. pro Jahr ergeben, würden für die Ausgaben für die Provinzagitation, Gehälter usw. ausreichen. Die Anstellung mehrerer Vorstandsmitglieder sei er- forderlich, da die mit diesen Aemtcrn verbundene Arbeit nicht neben- bei, nach Feierabend geleistet werden könne. Wenn die Vorlage, so schloß der Redner, auch nicht allen Wünschen entspreche, so möge man bedenken, daß nicht der Wortlaut des Statuts, sondern der Geist, in dem es gehandhabt werde, das wesentliche sei. Nicht BureaulratiSmuS und militärischen Gehorsam erstreben wir. Wir sichern jedem srcieste Entfaltung seiner Persönlichkeit; verlangen aber auch strenge Unterordnung unter den Gcsamtwillcn. Eine Generaldiskussion fand nicht statt. Bei der Spezial- di�kussion wird K 1 ohne Debatte angenommen. Zu ß 2 beantragt Faeh ndrich, das Korrespondenzblatt acht Tage vor dem Zahl- abend jedem Mitgliede zu liefern. I a c o b e y spricht dagegen. H e n s e l fürchtet, daß das Korrespondenzblatt besonders in de,, lokalen Parteinachrichten dem„Vorwärts" Konkurrenz machen werde; man solle diesem die vom Verbandsvorstande zu veröffentlichenden Notizen übermitteln, dann sei das Korrcspondenzblatt überflüssig. Reim a nn teilt diese Befürchtungen nicht. Nachdem Schneider erklärt, das Blatt werde rechtzeitig den Bezirksführern zugehen und Faehndrich feinen Antrag zurück- gezogen, wird z 2 unverändert angenommen. Zu Z 3 bemerkt Schulz, daß der Verwaltungsausschuß eventuell andere Beschlüsse fassen werde als der Gesamlvorstand und so mit diesem kollidieren könne. R a u t m a n n wendet sich dagegen, daß der Vorstand aus seiner Mitte die Preßkommission, Agitationskommission und Lokal- kommission bilde. Die einzelnen Wahlkreise haben zu bestimmen, wer von den in den Vorstand delegierten Mitgliedern den einzelnen Kommissionen angehören solle; jedenfalls seien die Kreisgenossen eher imstande, die passenden Leute für einen Posten zu finden, als die Genossen anderer Kreise. Schneider benierkt dazu, daß d-r Vorstand gewiß die von den Kreisen für bestinnnte Kommissionen vorgeschtagenen Mitglieder in diese hineinwählcn werde; der Ver- waltungsavsschuß solle nur in dringenden Fällen selbständige Ve« schlüsse fassen, so daß eine Kollision mit dem Gcsamtvorstand wühl kaum vorkomme. Die§§ 3 und 4 werden darauf unverändert angenommen. Reimann beantragt zu§ S, auf je 100 Mib glieder einen Delegierten zur Generalversammlung zu wählen (statt auf je 50)."Stadthagen beantragt aus juristischen Gründen, die Vertretung der Berliner Partei druckerei auf der Generalversammlung zu streichen. Faehndrich beantragt, die Tagesordnung der Generalversammlung und die Anttäge zu der selben auch im„Vorwärts" bekannt zu machen. Sämtliche Anttäge zu Z 5 und dieser selbst werden angenommen. R a u t m a n n hält es für bedenklich, der Generalversammlung neben der Regelung der Organisations-, Verwalttmgs- und ähnlicher Angelegenheiten auch die Entscheidung in Parteiangelegenheiten zu über ttagen. Hinter der Mehrheit der Delegierten stehe oft nur eine Minderheit der organisierten Parteigenossen. Es sei besser,_ daß vielleicht in irgend einer Frage in den Versammlungen verschiedener Wählkreise verschiedene Meinungen zutage träten, als daß in der General- Versammlung der Delegierten etwa ein Komproniiß zustande käme, mit dem man eS allen recht zu machen suche. Ueberdem erlahme das Interesse der Parteigenossen an den Parteiangelegenheiten, wenn sie nichts mehr darüber zu entscheiden hätten. § 0 wird unverändert angenommen. Zu§ 7 stellt Hensel den Anttag, den Monatsbeittag auf 30 Pf. zu erhöhen. Der Anttag wird,' nachdem C. Werner, Reimann und L a ch m a n n da gegen, Schulz dafür gesprochen, abgelehnt und§ 7 unverändert angenommen, ebenso ß 8.§ 9 wird dahin abgeändert, daß das Geichäftsjahr vom 1. Juli bis 30. Juni läuft. Zu ß 10 beantragt Schachtinger, daß Mitglieder des Verbandes auf das Korrespondenzblatt abonnieren können. Faehndrich und L e w i n s o n sprechen für. Schneider gegen den Antrag, der gegen 20 Stimmen abgelehnt wird. K§ 10 und 11 werden darauf unverändert und in der Schlußabstimmung das ganze Statut gegen eine Stimme angenommen. Im vierten Wahlkreis(Ost) stand neben der Neu- organisatton der Wahlvereine Berlins der Anttag des Vorstandes und der Bezirksführer betr. Anstellung eines besoldeten Kassierers auf der Tagesordnung. Nachdem das Andenken eines verstorbenen Genossen in üblicher Weise geehrt worden ist, wird zur Verhandlung der Tagesordnung geschritten. Ein Antrag. Punkt 2 derselben zuerst zu verhandeln, wird abgelehnt. Nunmehr gibt Genosse Mann eine kurze Schildening darüber Ivie der Gedanke einer Zenttalisatton ständig an Boden gewonnen und zur Einsetzung einer Kommission geführt habe, deren Ver> Handlungen zu dem vorliegenden Entwurf geführt haben. Genosse Mann verliest darauf einzeln die Paragraphen deS Entwurfs und stellt sie zur Diskussion. Z 1 wird in der Fassung des Entwurfs angenommen. Zu§ 2 beantragt Brückner, hinter Parteiinteressen die Worte„insbesondere der" einzufügen; er hält diese Fassung für klarer, da ja die Berliner Kreil e auch die umliegenden ländlichen Kreise zu unterstützen hätten und nach der Fassung des Entwurfs es scheinen könnte, als beschränke sich die Tätigkeit deS Verbandes aus schließlich auf die acht Berliner Kreise. Gegen diesen Antraj sprechen Büchner und Franke, von denen letzterer betont, daß die Berliner Kreise zur Unterstützung der umliegenden ländlichen Kreise durch Beschluß der Agitationskommission für Brandenburg verpflichtet sind und sich daher der Antrag Brückner erübrige. Brückner erklärt, die Argumentation Frankes spreche für seinen Anttag, der formell diese Unterstützung als mit zu den Aufgaben des Verbandes gehörig ausdrücke. Genosse Zorn beantragt namens der Mitglieder des 154. Bezirks Streichung des Absatz ä. da der„Vorwärts" in bezug auf Orientierung der Wahl Vereinsmitglieder über Parteifragen seine Schuldigkeit getan habe und sich die Schaffung eines besonderen Organs zu diesem Zwecke erübrige. Penn hält die Schaffung des Organs für notwendig zur Orientierung der Bezirksführer über wichtige innere Partei angelegenheiten, die ihrerseits die Mitglieder in den Zablnbenden unterrichten können. W e g e n e r beantragt, das Korrespondenzblatt den Bezirksführern in mehreren Exemplaren zugänglich zu machen, damit diese eS an Mitglieder, die sich dafür interessieren, verteilen können. Im gleichen Sinne äußert sich Franke. Die Abstiminung ergibt Ablehnung der Anträge Brückner und Zorn und Annahme des Antrages Wegener. Der so ab geänderte 8 2 wird angenommen. Auf Anregung Litfins gibt Genosse Mann bei strittigen Punkten die nötigen Erläuterungen. Zu 8 � bcanttagt Kupferschmidt dem Absatz 2 hinzuzufügen:„diese müssen mindestens zwei Jahre einer sozialdemolratischcn Parteiorganisatton angehören und auch gcwerk schastlich organisiert sein,(oweit die Möglichkeit dafür besteht/ Redner will dadurch verhindern, daß Leute zu Ehrenämtern kommen. die einmal in einer Versammlung eine große Rede halten, sonst aber für Parteiarbeiten nicht zu haben sind. In gleichem Sinne äußert sich P ö tz s ch. Er ist auch der Ansicht, daß einzelne Mil glieder des Vorstandes durch das Recht des letzteren, den Aktions üusschuß, die Preß-, Lokal- und Agitationskommission aus seiner Mitte zu bilden, überlastet werden; er stellt fest, daß jahrelang die- selben Leute an der Spitze der Organisation bleiben; dadurch werden neue Kräfte ausgeschaltet. Dem soll dadurch begegnet werden, daß der Vorstand der Generalversammlung eine Vorschlags liste vorlegt, aus der dann die Mitglieder die zu wählenden Funktionäre entnehmen können. Anträge hierzu will er nicht stellen. Genosse Mann verweist Genossen P ö tz s ch auf 82 der Aus führungSbestimmungen zum Statut deS Wahlvereins, wonach die Bezirke das Vorschlagsrecht haben, er könne also nicht sagen, daß die Genossen keinen Einfluß auf die Besetzung der Vorstandsämter hätten. Nachdem noch einige Redner für und gegen den Antrag Kupferschmidt gesprochen, wird derselbe angenommen. Ebenso der ganze 8 3. 8 4 wird ohne Debatte angenommen. Zu 8 S bemerkt Genosse Mann, daß im Absatz 2 die Worte und der Berliner Parteidruckerei" bereits in der Kommission ge- strichen worden und mir irrtümlich im gedruckten Entwurf auf- genommen sind. Brückner veanttagt im Absatz 2 hinter„Vorwärts" zu sagen „und je drei Delegierte auS den Reihen der Stadt- resp. Gemcinde- verordneteu der einzelnen Kreise". Genosse M a n n betont, daß auf Einspruch des Kreises Teltow- Becskow in der Kommission dieser Antrag abgelehnt wurde. Schneider tritt lebhaft für den Antrag Brückner ein. da die Stadtverordneten ein Interesse daran haben, bei Kommunalwahlen und Fragen, welche die Kommunalpolittk betreffen, mitberaten und entscheiden z« können. P ö tz s ch beantragt, dem Absatz 4 hinter Korrespondenzblatt hinzuzufügen„und„Vorwärts"". N i e t b u h r beantragt Absatz 2 zu streichen und dafür zu sagen: Sttmmberechtigt ist der Vorstand und die Delegierten". Dieser Antrag wird abgelehnt, die Anttäge Brückner und P ö tz s ch dagegen werden angenommen. Sodann auch der ganze 8 5. 8 6 wird ebenfalls angenommen. Die 8§ 8 und 9 werden ohne Aenderung angenommen, 8 lO mit einer redaktionellen Aen- derung und 8 11 in der Fassung des Entwurfs. Es folgt die Abstimmung über das Gesammtstatut, welches gegen einige Stimmen angenommen wird. Nunmehr gibt Genosse Winter den Kassenbericht vom letzten Halbjahre. _ Genosse Mann begründet nun den Antrag auf Besoldung deS Kassierers. Er weist nach, wie durch das Wachstum des Vereins es nach und nach so weit gekommen, daß der Posten des Kassierers im Nebcnamte nicht mehr ausgefüllt werden kann. Dazu komme noch die Verschmelzung der Wahlvercine IV( Osten und Südosten). sowie die Beseitigung des Berttauensmäanersystems. Dietrich tritt für daS System der Bezirkskasfierer ein. Er ist gegen die Anstellung eines besoldete» Beamten. Penn ist im Gegenteil der Meinung, daß durch die Anstellung eines Beamten eine regere Agitation entfaltet werden kann. Er verweist auf das Beispiel der Gewerk- schaften, die dadurch groß geworden sind. Büchner ist ebenfalls für die Anstellung. Gegen die Parteispeditionen hat man sich seiner- zeit auch gesträubt und heute florieren sie gut. Nachdem noch ver- schiedene Redner teils für, teils gegen den Anttag gesprochen, findet ein Antrag auf Vertagung Annahme. Schluß der sehr gut besuchten Versammlung um 12>/z Uhr. Vierter Wahlkreis(Südost). Die Generalversamm- lung des Wahlvereins war sehr zahlreich besucht und füllte den Saal von Graumann in der Naunynstraße bis aus den letzten Platz. Da? Referat hielt Genosse I e n t s ch. Bevor er das Wort erhielt, stellte Genosse Peter einen Antrag, von der Beratung des Statutenentwurfs überhaupt Abstand zu nehmen, weil seiner Meinung nach die Kommission, die den Entwurf ausarbeitete, nicht kompetent dazu gewesen und nicht nach demokratischen Grundsätzen zustande gekommen sei. Der Anttag wurde abgelehnt und der Referent bemühte sich sodann unter Hinweis auf' die Beschlüsse des Bremer und des Jenaer Parteitags, durch die die Abschaffung des Ver- trauenSmännersystems und eine neue Organisation der Sozialdemo- kratic Berlins notwendig wurden, den Antragsteller über die Entstehungsgeschichte der Vorlage aufzuklären. Er ging sodann auf die einzelnen Paragraphen ein und wies auch ans die Meinungs- Verschiedenheiten hin, die innerhalb der Kommission bei einigen Bestimmungen zutage getteten sind. Zum Schluß bemerkte der Redner, daß es sich hier um einen Versuch handle und daß erst die Praxis ergeben werde, ob das neue Statut in jeder Hinficht brauchbar sei. Vor Eintritt in die Diskussion warf der Genosse Koska die Frage auf, ob eS nicht zweckmäßig sei, mit Rücksicht auf den die Gründung eines Provinzialverbaiides anstrebenden Beschluß der Propinzialkonferenz die Beratung des Statuts zu vertagen. Darauf ent-gegnete Genosse Hackelbusch, die Frage des Provinzialverbaiides sei noch lange nicht spruchreif; vor allem aber sei eS not- N>endig, daß Berlin sich erst einmal eine neue Organisatton gebe. Ilm einen einheitlichen Wahlverein für den viertelt Wahlkreis zn bilden, seien bereits von den Vorständen der beiden Vereine, des Südostens und Ostens, Schritte getan worden. In der Generaldisknssion sprach zunächst Genosse Peter, der seine Unzufriedenheit mit der ganzen Vorlage kundgab und besonders auch seinen Widerwillen gegen Anstellung besoldeter Funktionäre. Ihm entgegnend, erklärte Genosse E r n st Brückner, daß er im Prinzip mit der Vorlage durchaus einverstanden sei, daß aber die einzelnen Paragraphen nicht eingehend genug beraten seien. Daß man besoldete Funktionäre anstelle, sei, wenn zufriedenstellend gearbeitet werden solle, gar nicht zu umgehen. Der Redner be- gründete sodann verschiedene Abänderungsvorschläge zum Statut. Unter anderem wünschte er, daß statt auf 50 erst auf 100 Mit- glieder ein Delegierter zur Generalversammlung gewählt werde, damit durch die allzu große Zahl der Vertreter die parlamentarische Verhandlung nicht erschwert werde, und daß nur die Delegierten auf der Generalversammlung Stimmrecht haben sollten. Ferner bezweifelte der Redner, daß der Verband alle die ihm obliegenden Aufgaben mit den in Aussicht gestellten Mitteln bestreiten könne.— Genosse G ö sch e brachte ebenfalls verschiedene AbänderungS- anttäge ein: zum 8 3 den, daß alljährlich die Hälfte der Vorstandsmitglieder ausscheide, zum§ 8, daß Mitgliedsbücher und Statuten der Wahlvereine einheitlich sein sollten, und zum 8 10, daß das Korrespondenzblatt allen an den Zahlabenden teilnehmenden Genossen zur Verfügung gestellt werde. Ferner einen 8 12 über Auflösung des Verbandes und Verwendung des dann vorhandenen Vermögens.— Genosse S t u m p e bemerkte, man müsse die Vorlage als ein Fundament betrachten, das noch erst ge- prüft werden solle. Alle die kleinlichen Aenderungcn könne man vorläufig beiseite lassen und den Entwurf provisorisch gutheißen. Vielleicht sei es zweckmäßig, wenn man vorerst von der Heraus- gäbe eines Korrespondenzblattes Abstand nehme.— Genosse Schlasfke meinte, man solle die ganze Sache vertagen. Es fei noch gar nicht entschieden, ob Veranlassung vorliege, einen solchen Verband zu bilden. ES werde in einzelnen Bezirken von den Genossen gesagt, man brauche nur noch zu nicken, Bestimmungsrecht habe man nicht mehr; er, Redner, erwidere zwar, man solle sich daS nicht einbilden, ob aber der Verband notwendig sei, bezweifele er.— Genosse Knöner äußerte, daß der Verband einen Schritt vorwärts bedeute. Alles werde sich besser gestalten. Der Redner machte dann ebenfalls einige Abänderungsvorschläge, unter andern die, daß bestimmt werde, das Korrespondenzblatt soll jedesmal vor den Zahlabenden erscheinen. Ferner stellte auch er einen Antrag. durch einen zwölften Paragraphen über eventuelle Auflösung und Verwendung des Vermögens zu bestimmen.— Genosse Treue meinte, daß wenn der Verband in Tätigkeit ttete, für die Wahl- vereine wenige Rechte übrig blieben. Der Entwurf sei sehr Mangel- Haft. Es müsse auch ausdrücklich bestimmt werden, daß die Vereine selbst ihre Vertreter in die einzelnen Kommisstonen zu wählen hätten und nicht, wie man nach dem Statut annehmen müsse, der Vorstand darüber entscheide. Auch sei es wohl besser, wenn jeden: Verein gleiche Vertretung gewährt werde. Die Generalversammlungen müßten vierteljährlich stattfinden. Ferner sprach sich der Redner im allgemeinen gegen daS Delegiertensystcm aus und für Einfiihrung von Urabstimmungen. ES dürfe nicht alles in kleinen Zirkeln erledigt werden. Nachdem hiermit die Diskussion erschöpft war, entgegnete der Referent in seinem Schlußwort auf die verschiedenen Einwendungen. Er bemerke unter anderem, daß das Korrespendenzblatt nur rein praktische Fragen der Organisatton und Agitation behandeln solle und keine besondere Redaktion dazu nötig sei. Der Aktionsausschuß werde einen Genossen aus dem Vorstand mit der Zusammenstellung des Blattes bettauen. Was die Deckung der Kosten füx die verschiedenen Zwecke der Organisation betreffe, so bleibe im allgemeinen der bisherige Modus aufrecht erhalten, und der eigentliche Etat des Verbandsvorstandes werde sich lediglich auf die Besoldung der Be- amten und die übrigen Verwaltungsausgaben erstrecken. Daß die Wahlkreise selbst zu bestimmen hätten, welche ihrer Vertreter in den einzelnen Kommissionen sitzen sollten, liege im Paragraphen 3 drin. Im übrigen sei er der Ansicht, daß die Organisatton immer dcrno- kratischer werde, lieber die Zahl der Mitglieder, die einen Dele- gierten wählen sollen, habe man sich lange in der Statutenkommission herumgestritten; mit Rücksicht auf die kleinen Kreise habe sich die Mehrheit für die Zahl 50 entschieden. Hierauf wurden die einzelnen Paragraphen zur Diskussion ge- stellt und zur Abstimmung gebracht. Der 8 1 wurde unverändert gegen zwei Stimmen angenommen, 8 2 ebenfalls unverändert gegen vier Stimmen. Der 8 3 erhielt nach Mnahme einiger AbänderungS- Vorschläge folgende Fassung: „Mit der Leitung des Verbandes wird ein aus mindestens 53 Mitgliedern bestehender Vorstand bettaut, der alljährlich zu wählen ist. Die Mitglieder des Vorstandes werden von den Kreis-Wahl- vereinen prozentual ihrer Mitgliederzahl gewählt; jedoch muß jeder Kreisivahlvercin durch mindestens fünf Mitglieder in dem- 'elben vertreten sein. Der Vorstand bildet auS seiner Mitte den VerwaltungS- und Aktionsausschuß. In diesen Ausschüssen muß jeder reis durch zwei Delegierte vertreten fein. Die Mitglieder der Preß-, Lokal- und Agitation S- kommission werden in den Generalversammlungen 'edeS einzelnen Kreises gewählt. � Der Verwalttmgs- und Aktionsausschuß besteht aus 22 Mit- gliedern und zwar: zwei Vorsitzenden, zwei Kassieren:, zwei Schriftführern, 13 Beisitzern und je einem Vertteter der Preß-, UgitattonS- und Lokalkommission. Die Generalversammlung be- stimmt aus den von den Kreiswahlvereinen gewählten Vertretern den ersten Vorsitzenden, ersten Kassierer und ersten Schriftführer. In 8 4 wurde statt fünf Revisoren eingefügt:„acht Revi- ,oren, von denen jeder Wahlkreis einen zu wählen hat."§ ö wurde mit der Aenderung angenommen, daß nur die Delegierten Stimmrecht auf der Generalversammlung haben sollen. 8s 6, 7, 8 und 9 wurden unverändert angenommen; 8 19 mit der Aenderung, daß allen am Iahlabend er- scheinenden Genossen das Korrefpondenzblatt ausgehändigt iv erden soll; 8 11 unverändert. Endlich wurde nachfolgender 8 12 angenommen: „Eine freiwillige Auflösung des Verbandes kann nnr in einer Generalversammlung erfolgen, und zwar mit% Stimmenmehrheit; und entscheidet diese auch über die Verwendung des vorhandenen Vermögens. Bei einer plötzlichen Auflösung entscheidet der Vorstand über die Verwendung des Vermögens im Interesse der Sozial- demokratie." Fünfter Wahlkreis. In der am DienZtag im„Alten Schlltzenhause" abgehaltenen, gut besuchten Generalversammlung des sozialdemokratischenWahlvereinS wurde zunächst die Aufnahme 17 neuer Mitglieder bestätigt. Sodann referierte Genosse Leopold Liep- m a n n über den Entwurf des neuen O r g a n i s a t i o n s st a t il t s für die Zentralisation der acht Reichstags- Wahlkreise von Groß- Berlin. Redner führte dazu folgendes aus: Wenn je ein Statutenentwu'rf eine eingehende und gründliche Durchberatung erfahren habe, so dieser. Wohl 1ö Sitzungen sind deswegen abgehalten worden, davon allein 7 von der kom- binierten StaMtenkommission. Schon dieser Umstand beweise zur Genüge, welchen Wert die Parteifunktionäre der meisten Wahlkreise auf die einzuführende Zentralisation legen und mit welchem Ernst die Kommission ihre Arbeit erledigt'hat. Die Borstairdsmitglieder und Bezirksführer des fünften Kreises hätten sich bei den Vorberatungen fast einmütig auf den Boden der Zentrali- sation gestellt, wenn auch die Ansichten unter ihnen über den Grad der Selbständigkeit der einzelnen Wahlkreise auseinander gingen. Sehr wesentlich hätten zu dieser Einmütigkeit zweifellos die bis- hörigen guten Erfahrungen mit beigetragen, die der fünfte Kreis mit der Reorganisaion vor einigen Jahren gemacht habe. Speziell der fünfte KreiS könne für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, auf dem Wege der Reorganisation bahnbrechend vorgegangen zu sein und damit den übrigen Wahlkreisen einen Anstoß gegeben zu haben, das alte Organisationssystenr aufzugeben. Und die Erfahrung habe gelehrt, daß alle Prophezeiungen der damaligen Schwarz- scher, so gut sie auch gemeint sein mochten, fehlgeschlagen sind. Die Zcitverhältnisse erforderten damals gebieterisch die Aufgabe des veralteten VertrauenSmännershstems und die Einführung einer straffen Kreisorganisation, und das Resultat war ein allseitiger schöner Fort- schritt der Berliner Parteibewegung, besonders dann, als sich säint- liche Wahlkreise, mit alleiniger Ausnahme des dritten Kreises, dem Vorgehen deS fünften Kreises anschlössen und ihre Organisationsfornr cbeiifalls modernisierten. Deshalb könne man auch sagen, die Er- kenntniS von der Zweckmäßigkeit der Zentralisation habe sich bei den Mitgliedern des fünften Kreises schon bei der früheren Reorganisation durchgesetzt. Gegenwärtig aber zeige eS sich, daß die in sich abgegrenzte Kreisorganisation den jetzigen Zeitverhältnissen allein nicht mehr genügt. Die ganzen Berliner Parteiverhältnisse schreien förmlich nach einer kompakten Zusammenfassung der Kräfte in einer über alle Wahlkreise von Groß-Berlin ausgedehnte Zeirtralorganisation. Bei aller Leistungsfähigkeit der Einzelkreise mangelt es doch seit jeher an Einheitlichkeit in allen Fragen, die für die Berliner Parteibewegung in ihrer Gesamtheit in Betracht komnien. Und dieser Fragen gäbe eS sehr viele. Er erinnere nur an die Vorbereitungen und Agitations- arbeilen bei den Landtags- und Kommunalwahlen. Dabei komme stets ein Kreis dem anderen ins Gehege, und die Folge sei, daß nicht immer alles so klappt, wie es eigentlich müßte. Viel Kraft müsse leider vergeblich und unnütz verschwendet lverdcn, was bei einheitlicher Leitung nicht der Fall zu sein brauche. Mit Recht habe der Genosse Alwin Körsten bei einer Gelegenheit mal gesagt, er wisse als Obmann der Gewerkschafts- kommission ja gar nicht, an wen er sich vorkommendenfalls von den Vertrauensleuten der Partei wenden solle. Bei deren Sitzungen führe bald der eine, bald der andere den Vorsitz, und seien die Sitzungen zu Ende, dann sei auch die ganze Vertraueitsinänncr- Körperschaft aufgeflogen. Niemand wisse etwas von ihr. bis sie schließlich wieder zu einer neuen Sitzung zusammentritt. Diese Kritik treffe leider vollständig zu, und daher sei es nur zu begrüßen, daß mit dem jetzigen System endlich aufgeräumt lverden und an Stelle der fossilen Vcrtrauensmänner-Körperschast ein ständiger Verwaltnngs- und Aktionsausschuß treten soll. Aber auch die Agitation könne ungleich besser von einer Zentrale aus betrieben werden. So günstig, wie kürzlich eine Statistik die Organisationsverhältnisse in den Wahlkreisen darstelle, lägen die Dinge leider nicht. Er, Redner, sei als trockener Zahlcirmensch gewöhnt, init realen Talsachen zu rechnen. Bei einer rein rechnerischen Prüfung auf Grund der Mitglicderbeiträge in den einzelnen Wahl- kreisen ergebe sich dann, daß als wirklich zahlende Mitglieder der Berliner Wahlkreise nicht 36— 40 000, sondern nur 27 610 Genossen in Frage kommen. Die anderen seien nur papierne Mitglieder,� die wegen restierender Beiträge schon gar nicht niehr zur politischen Organisation zu zählen seien. Wenn nun, was ja notwendigerweise eintreten müsse, ein oder zwei Parteibeamte in der Zentralisation angestellt würden, so stehe doch mit Bestimmtheit zu erwarten, daß die Drückeberger ungleich besser herangezogen werden könnten wie bisher. In den einzelne» Kreisen sei es bislang eben einfach unmöglich gewesen, auf diesem Gebiete den so notwendigen Wandel zu schaffen, weil die Funktionäre alle Parteiarbeiten nach Feierabend erledigen mußten und dadurch ein gut Teil der wichtigen Arbeiten überhaupt nicht besorgt werden konnten. Wohl gäbe es nun eine ganze Anzahl Genossen, die noch immer der Meinung seien, bei der Anstellung von besoldeten Parteibeamten würde der Idealismus zum Teufel gehen. Hier verweise er aber aus die Gewerkschaften. Wenn dort auch nicht gerade alles ideal sei, so habe er doch die Ueberzeugung, daß die Gewerkschaften den wesent- lichsten Teil ihrer erfreulichen Fortschritte zweifellos den besoldeten Gewcrkschaftsbeamtcn zu verdanken hätten. In dieser Beziehung müsse die Partei also von den Gewerkschaften lernen. Auch in dcn Gcwerk- schaften sei anfangs viel über die Anstellung besoldeter Beamten räso- niert worden, bis man schließlich einsah, daß es ohne solche eben nicht mehr ging, da die Arbeiten auch beinr besten Idealismus nicht länger nach Feierabend bewältigt werden konnten. Und ähnlich werde es auch in der Partei kommen, wenn nicht eine Stagnation eintreten solle. Uebrigens sei es ja auch eine nicht zu leugnende Tatsache, oaß immer nur diejenigen am meisten über Besoldung schreien, die am wenigsten für die Organisation tun. Die Erfahrung»verde eben lehren, daß der Idealismus auch bei der Anstellung besoldeter Parteibeamten in genau demselben Maße erhalten bleibt,»vie bisher. Grundfalsch sei es nun auch,»venu, wie beispielsweise im dritten Kreise, gesagt»verde, den Mahlkreisen solle jede Selbständigkeit ge- »roinmen»verden. Nicinand denke daran, den einzelnen Wahlkreisen das Aufstellungsrecht der Reichstagskandidaten zu beschränken. Dies sei schon aus dem einfachen Grunde unmöglich, weil das allgemeine Parteistatut dem entgegensteht. Auch eine Bevornrundung oder gar Ver- gelvaltignng der kleinen Kreise durch die großen sei ausgeschlossen und zlvar schon deshalb, weil die großen Kreise genau dasselbe Interesse an dem Blühen und Gedeihen der Gesamtpartei Hütten,»vie die kleinen und infolgedessen auch niemals etivas beschließen würde»», lvas den Gesaintmteressen der Partei zuwiderlaufen könne. Der fünfte Kreis sei doch auch nur ein kleiner Kreis und habe schon vielfach die Hülse anderer Kreise, speziell des sechste»», in Anspruch nehinen müssen. Diese Hülfe sei aber stets gern»>nd mit größter Uneigennützigkeit gelvährt»vordcn. Daher stehe auch ohne weiteres zu erwarlen, daß die großen Kreise auch bei Einführung der Zeutrali- sation keiiierlei Mißbrauch mit ihren» nominellen lieber- gewicht treiben»vürden. Das Gesamtinteresse der Berliner Parteiöewegung erheische nun einmal dringend eine Zusammen- fassung der Kräfte, und es stehe auch niit Sicherheit zu erwarten, daß die Zentralisation der Wahlkreise mit einheitlicher Leitung der ganzen Arbeiterbewegung hier an» Kristallisationspirnkt des politischen Lebens eine ungleich größere Stabilität und dainit auch eine gesunde Entivickelungsinöglichkeit geben»verde.(Lebhafter Beifall.) Redner erläuterte hierauf die einzelnen Paragraphen des StatutcntlvurfeS und empfahl die ganze Borlage, die als Ko>n- proinißentwurf allen Meinungen in den einzelnen Wahlkreisen größt- möglichste Rechnung trage, in» Prinzip zur Annahnie. Nach un- wesentlicher Diskussion wurde sodann cinstinrmig folgende von Liepmann»»nd WelS vorgelegte Resolution angenonrmen: Die heutige im Alten Schützenhause tagende Generalver- saminlung des sozialdemokratischen Vereins in» fünften Berliner ReichStags-Wahlkrcise erklärt sich mit den» von der OrganisationS- koinnrission vorgelegte»» Statutenentlvurfe iin Prinzip, unbe- schadet eiuzelner Abänderungen einverstanden und ist z»»«» Eintritt in den Zentralverband der Wahlvercine Verlrns und Umgebung bereit. Sie überläßt es den zur Eeiicralversammlung des Verbandes später zu wählenden Delegierte»», alle noch nötig erscheinenden Festsetzungen der Rechte der E i»» z e l k r e i s e in das zu schasscnde'N o r m a I st a t u t für die einzelnen Wahlvereine hinein- zubringen. Zuin Schluß wurde von niehreren Rednern zu einer besseren Beteiligung an den Flugblattverbreitungen aufgefordert, speziell jetzt zu den Stadtverordnetenwahlen. Im s e ch st e n Kreise nahmen die Mitglieder in einer außer- ordentlichen Generalversammlung des Wahlvcreins Stellung zu dem Organisationsentwilrf für Groß Berlin. Karl Fischer gab als Mitglied der Kommission das einleitende Referat. Wie Redner ausführte, hat sich die Mehrheit der Kominission in ihren Vor- schlügen davon leiten lasse»», die Beibehaltung der Kreisorganisation zu wahren; die Minderheit dagegen lvünschte eine Zentralorgairisation für ganz Berlin unter Aushebung der Kreisorganiintioncn. Bedaner- licheriveise hat der dritte Kreis schon Stellung zu den» Entlvurf ge- nommen, ohne anscheinend eine genügende Aufklärung über daS Wesen der gedachten Zentralisation zu geben. Denn selbstverständlich ist auch in Zirkuirst die Aufstellung der Kandidaten zu den Wahlen, an»velchen'sich die Partei beteiligt, den einzelnen Kreisen überlassen. Wohl aber sind die sonstigen Vorbereitungen gemeinsam über Berlin zu erledige»». Referent erläutert an Hand deS Statnten- entwnrfs, der den Anwesenden vorliegt, die einzelnen Bestimmungen desselben. Zn mehreren Paragraphen sind Abänderungsanträge ge- stellt, die von» Redner gleich»nitbehandelt»verde»». Entgegei» einen» Antrage, der die Entsendung der Delegierten ziir General- Versammlung den Zahlabenden überlassen lvill, bittet Redner, die Entsendung der Delegierten in den Generalversammlungen vorzunehinen. Ein»veitcrer Antrag besagt, daß die Vorstands- Mitglieder sowie die Vertretung der Redaktion auf den General- versam»il»!ngen kein Stiminrecht haben sollen. Auch diesen Antrag bittet Fischer abzulehnen. Es geht doch nicht an, daß wir diese Genossen degradieren; bei»vichtigen Parteifragen,»vie sie in diesen Gencralversannnllrngci» verhandelt werden, müsse jedcin Anwesenden auch volles Stimmrecht zustehen. Viele Parteigenossen haben Be- denken gegen die Anstellung besoldeter Vorstandsmitglieder. Redner ist der Meinung, wenn wir Leute zur Versügung habe»», die ihre volle Kraft der Partei widmen,»oird es uns gelingen, mehr»vie bisher Wege zu finde»», um in die Kreise der Indifferenten einzudringen. Wir hoffen, mit Hülfe des engeren Zusammenschlusses gute Arbeit im Interesse der Partei zu tu»». In der anschließenden Diskussion begründet Körner die oben skizzierten Abänderungsanträge des 631. Bezirks. Gehl wendet sich gegen eine sofortige SpezialdiSkussion. Erst müssen wir»ins doch darüber klar werden, ob»vir überhaupt diese Aenderung der Organisation»vollen. Redner ist der Meinung, daß »vir mit der bisherigen Organisation gut gefahren sind. Den Mitgliedern wird dnrch diese Neuregelung da? Mit- bestimmnngSrccht genoinmen. Wenn man die VerttauenS- leute nicht'mehr lvill, könnten doch die Wahlvereinsvorstände einen Obmann ernenne»», der ge, neinsame Aktionen einleitet. In seinen »vcitercn A»lSführ»lngen äußert Gehl die Beftirchtung, daß die Kreis- organisationen und deren Versammlungen durch Annahme des Statuts an Bedeutung verlieren. Er bittet, den Entwurf rundweg abzulehnei». Desgleichen wendet sich I u p p e n l a tz gegen die Neu- organisation. Die zirka 460—600 Delegierte würden die Geschicke der gesamten Berliner Parteimitglieder bestimmen. Marx fragt, ob sich das Alte nicht bewährt habe. Das Statut ist für jeden Demokraterk unannehmbar. Jetzt wolle man den Mitgliedern das bißchen Recht, was sie noch haben, ganz nehinen. Ein von Philipp begründeter Antrag, den Eirtlvlirf zur noch- »naligen Beratung an die Zahlabende zu verlveisen,»vird gegen »venige Stimmen abgelehnt. Ernst lvcndet sich gegen die AnSftihrungen der verschiedenen Diskussionsredner. Wenn Marx frage, ob die Vertrauensmänner aufhöre»» sollen zu existieren, so scheine er nicht die Beschlüsse des Jenaer Parteitages zu kennen. Zu dem Antrage, den VorstandSmit- gliedern das Stiminrecht zu nehmen, beinerkt er, daß es doch ganz »»atürlich sei, daß in cigenenAngelegenheitendieGenossensichdcrStiinmc enthalten. Nun soll dgch aber»n den Generalversannnlungen nicht nur über die Kleinarbeit gesprochen werde»», sondern Disknssioiicn über allgeineine Parteifragen angeregt und gepflogen werden. Bei all diesen Fragen kann»nan doch einen Teil der Genossen nicht zu Genossen zivciter Klasse stempeln. Wenn man sich wundert, Ivarun» eine Aenderung der Berliner Organisation gewünscht wird, so ist es doch Tatsache, daß»veite Kreise der Genossen eine Verbesierung und Vervollkoinmnung der Organisation wünschen. Die Zerrissen- heit, wie sie Berlin jetzt darstellt, sei doch kein idealer Znstaird. Wenn befürchtet wird, daß den Mitgliedern Rechte genoinmen werden, solle»nan doch bedenken, daß in den Zahlabenden und den Wahlvereins- Generalversammlungen zu den Tagungen der Generalversammlung Groß-Berlins Stellung gcnonnnei» »vird. Als Bindeglied dient dazu das Korrespondenzblatr. Hierin sollen alle Fragen, die die Organisation und Agitation Groß-BcrlinS betreffen, ventiliert»Verden. Die Beschlüsse deS Vorstandes und die Beweggründe dazu werden darin den Mitgliedern unterbreitet, so daß die Mitglieder die Berichte an? erster Hand erhalten. ES ist durchaus notwendig, nach Möglichkeit eine Entlastung der arbeitenden Genolsen herbeizuführen. Eine große Zahl von Genossen ist Abend für Abend wie Sonntags im Interesse der Partei tätig. Wir müssen Sorge ttagen, daß die Genossen nicht mit Kleinarbeit so überlastet werden, daß sie den Blick fürs Ganze verlieren. Wie ttanrig steht es in Berlin mit der theorelischen Schulung. In dieser Beziehung hinken »vir Iveit hinter der Provinz nach. Notwendig ist es, eine enge Fühlung mit den für Berlin in Betracht kommenden Institutionen der Arbeiterbeivegnng zu erhalten. Berlin ist heute zur Ohnmacht verdanimt, weil es zersplittert und nie schlagfertig ist. Die Annahme des Entivurfs liegt im Interesse der Fortentivickelrmg der Berliner Parteibeivegung. An der ferneren Diskussion beteiligen sich die Genossen Fiedler, Nadow und Halfter, die' sich gegen die Annahme aussprechen. Nach einer längeren GeschäftsordirungSdebatte wird ein Antrag rnif Schluß der Diskussion angenommen. Nach einem kurzen Schlußlvort des Referenten und einigen persönlichen Richtig- stellungen»vird das Statut unverändert mit großer Mehrheit angenominen. Die Berichterstattung von der Provinzialkonferenz soll der vorgerückten Zeit wegen einer späteren Versammlung vor- behalten werden. Freythaler ersucht noch die Genossen, sich recht zahlreich am Sonntag a» der Flugblattverbreitung in den Bezirken, die zur Wahl stehen, zu beteiligen, 8o2ia!es. Kindersegen»nd kommunales Wahlrecht. Daß Kindersegen unter unserem vorsintflutlichen, mehrfach geflickten Eemeinderecht ein Wahlrcchtsräuber sein kann, zeigt ein jetzt vom Ober-Verwaltungsgericht erledigter Rechtsstreit. 8 77 de? preußischen Einkommensteuer-Gesetzes bestimmt in seinem Absatz I: „Solveit nach den bestehenden Bestimmungen in Stadt- und Land- gemeinden das Bürgerrecht beziehungslveise das Stimm- und Wahl- recht in Gemeindcangelcgenhciten an die Bedingung eines jährlichen Klassensteucrbetragcs von 6 M. geknüpft ist, tritt bis zur ander- weitigen gesetzlichen Regelung des Gcmcindewahlrechts an Stelle des genannten Satzes der Steuersatz von 4 M. beziehungsweise ein Einkommen von mehr als 660 M. bis 900 M." Die Voraussetzung des 8 77 trifft zu u. a. im Gebiet der Städteordnung für die sieben östlichen Provinzen vom Jahre 1863. In Königsberg in Preußen waren nun in der Wählerliste für 1904 sechs Personen nicht aufgenommen worden, von denen feststeht, daß sie ein Ein- kommen von 660 bis 900 M. hatten. Sie waren indessen bei der in Königsberg stattfindenden Veranlagung der Einkommen unter 900 M. nicht zu dem nach 8 77 des Einkommensteuer-Gesetzes dem Einkommen von 660 bis 900 M. entsprechenden fingierten Normal- steuersatz von 4 M. veranlagt worden. Man hatte sie vielmehr frei veranlagt, und zwar wegen ihrer Kinder in» Hinblick auf 8 19 des Einkommensteuer-Gesetzes, wo bestimmt ist:„Für jedes nicht nach 8 U selbständig zu veranlagendes Familienmit- glie-d unter 14 Jahren wird von dem steuerpflichtigen Ein- kommen des Haushaltungsvorstandcs, sofern der Betrag 3000 M. nicht übersteigt, der Betrag von je 50 M. in Abzug gebracht, mit der Maßgabe, daß bei Vorhandensein von mehr als drei Familienmitgliedern dieser Ar� auf jeden Fall Er- Mäßigung um eine Stufe eintritt." Nach vergeblichem Einspruch klagte der Genosse A. Erdmann gegen die Stadtverordneten-Versammlung auf Aufnahme der Sechs in die Wählerliste. Er machte geltend, daß sie nach 8 77 des Em- kommensteuer-Gesctzcs in Verbindung mit 8 b der Städtcordirung wahlberechtigt schon deshalb seien, weil sie ein Einkommen von 660 bis 900 M. hätten. Demgegenüber spiele ihre Freiveranlagung im Hinblick auf 8 19 keine Rolle. Der Bezirksausschuß wies jedoch die Klage ab und führte unter anderm aus: Ziffer 46 des 8 6 der Städtcordnung in der durch Gesotz vom 22. Mai 1873 erhaltenen Fassung knüpfte die Erwerbung des Bürgerrechts an die„E n t r i ch t u n g" eines jährlichen Klassen- stcuerbetrags von 6 M. Nach 8 77 des Steuergesetzes trete nun an Stelle dieses Satzes der Steuersatz von 4 M. bcziehungs- weise ein Einkommen von mehr als 660 bis 900 M. Damit sei, wie das Obcr-Vcrwaltungsgcricht am 26. April 1899 entschiede»» habe, gemeint, daß die Veranlagung(siehe 8 79) an die Stelle der Entrichtu!»g treten solle, da bei den fii»gierten Sätzen des 8 74 von einer„Entrichtung" nicht mehr die Rede sein könne. Das Wort „beziehungsweise" im 8 77(Schluß des ersten Absatzes) habe dann nicht den Sinn eines„oder", sondern beziehe sich nur auf den Fall,»venu eine staatliche Veranlagung der Einkommen unter 900 M. nicht stattgefunden habe, weil die betreffende Ge- meinde diese kleinen Einkommen nicht mit Zuschlägen belasten wolle. Wenn also, wie in Königsberg, die Veranlagung der Einkommen von 660 bis 900 M. vorgenoinmcn werde, dann sei das Ergebnis der Veranlagung für die Erwerbung des Bürgerrechts maß- gebend, einerlei, aus welchen Gründen etwa eine steuerfreie Veranlagung der betreffenden Personen stattgefunden habe und welche dem Steuerpflichtigen zustehenden Abzüge es belvirkt hätten, daß sein Einkonimcn unter 660 M. heruntergegangen sei. Hierin möge eine Härte gegenüber einzelnen Personen gefunden werden, denen als Väter mehrerer Kinder eine Beteiligung am kommunalen Leben unterbunden werde. Indessen der im vorstehenden entwickelte Grundsatz entspreche doch dem sonst in der Steuergesetzgebung fest- gehaltenen Standpunkt, daß, wenn eine Veranlagung zu einer Steuer vom Staate erfolgt sei, der so gewonnene Satz für die kom- munalen Verhältnisse unbedingt maßgebend sein solle. Erdmann legte Berufung ein, die Rechtsamvalt Dr. Karl Liebknecht am 17. Oktober vor dem zweiten Senat des Ober- Verwaltungsgerichts vertrat, indem er ausführte: Der Gesetzgeber habe mit dem 8 77 des Einkommensteuer-Gesetzes den Zweck verfolgt, einen festen und gleichmäßigen Matzstab zu schaffen für die AuS- Übung des Gcmeinderechts. Einen solchen Maßstab zu bilden, sei das steuerpflichtige Einkommen an und für sich wohl geeignet. ohne Rücksicht darauf, welcher Steuersatz bei der Veranlagung her- auskomme. Ein Grundgedanke der Städteordnung sei, daß ein ge- wisscs Existenzminimiun, eine gewisse wirtschaftliche Position bei dem vorhanden sein solle, dem das Kommunalwahlrecht gewährt würde. Davon Ivollte man die Gewährung abhängig machen. Solche wirtschaftliche Position sei natürlich schon beim Vorhairdcnsein des entsprechenden Einkommens gegeben, ohne daß die Erhebung des Steuersatzes für sich in Frage komme. Das Gesetz ziehe hierbei den Steuersatz nur insolvcit in Rücksicht, als er in der Regel einen bequemeren Maßstab bilde. Daß aber das Gesetz in den hier in Betracht kommenden Bestimmungen davon ausginge, daß absolute Voraussetzung des Rechts die Zahlung des genannten Steuersatzes sei, davon könnte nicht die Rede sein. Maßgebend sein solle hier nicht die Zahlung der Steuer an und für sich, sondern das Ein- konrmen. Danach wäre aber die Vorentscheidung urrzutreffend. Das Gesetz rede allerdings von Steuersätzen. Aber wenn man die§§ 17 bis 19 des Einkommensteuer-Gesetzes betrachte, so komme man doch zu scharfen Unterschieden. Es seien dort Einkommen geirannt, die nach einem bestimmten Tarif zu besteuern seien, und andererseits (88 19 und 19) seien Fälle genannt, wo eine Erinäßigung statt- finden solle. In den 88 76 und 77 des Gesetzes könne nur eine Veranlagung gemeint sein, wie sie nach dem Tarif stattzufinden habe. Die Exzeptionen(die Ausnabmevergünstigungen) der 88 19 und 19 hätten bei der Wahlrcchtsfrage außer Betracht zu bleiben. Das Wort„beziehungslveise" im 8 77 sei im Sinne von„od�r" auszu- legen. Schon der Bezirksausschuß hebe hervor, daß bei der von ihm beliebten forinalistischen Auslegung eine erhebliche Härte für die Familienväter herauskomme. Das habe der Gesetzgeber sicher nicht gelvollt. Die Zubilligung im 8 19 solle eine Rechtswohltat sein; sie könne nicht auf der airdercn Seite die Betreffenden im Gemeinde- recht haben benachteiligen wollen. Nur die Nichterhebung eines Steuersatzes würde bezweckt, indcin jene Abzüge vom Einkommen für zulässig erklärt worden seien. Die Vorentscheidung sei auszu- heben und der Klage stattzugeben. Das Ober-Verivaltungsgcricht b e st ä t i g t e jedoch das Urteil des Bezirksausschusses mit folgender Begründung: Die Vorent- scheidul»g sei aus zwei Gesichtspunkten angefochten worden. Einmal solle die Festsetzung des StcuerbetragcS, die mit Rücksicht auf 8 19 des Einkominensteucr-Gcsctzes erfolge, nicht die Veranlagung fein, wie sie die 88 76 und 77 im Auge hätten. Der Senat meine aber, die„Veranlagung" sei immer die Festsetzung des Steuerbetrages, der zu entrichten sei, ob er nun entrichtet»verde oder nicht. Aus welchen Gründen er nicht oder doch erhoben werde, sei unerheblich. Auch eine steuerfreie Veranlagung sei eine Veranlagung. Der zweite Einwand gehe gegen die Auslegung des„beziehungsweise" in den Worten des 8 77 Absatz I:„... Steuersatz von 4 M. be- ziehungsweise ein Einkommen von mehr als 660 bis 900 M." Das Gericht sei entgegen den, Anivalt der Meinung,»vie dieses be- zichungsweise aufzusassen sei, das ergebe sich aus dem 8 76. Da heiße es, falls eine Veranlagung nicht stattgefunden habe, gelte der Betrag des Einkommens. So müsse hier auch 8 77 ausgelegt werden. Das heißt, das Einkommen käme nur subsidär in Frage. Also: Hab: man in der Gcincinde die Einkommen unter 900 M. veranlagt, dann gelte der veranlagte Steuersatz, und wer,»vie hier, frei veranlagt sei oder niedriger als zu 4 M., der habe kein Wahlrecht. Das E i n k o m in e n aber gelte nur dann,»venu eine Veranlagung der Einkommen unter 900 M. nicht stattgefunden habe. Da die sechs Beigeladenen,»venn sie auch Einkommen von 660 bis 900 M. hatten, frei veranlagt seien, so sei die Klageabweisung begründet. Backstuben-Geheimnisse. Unerhörte und ekelerregende Ccbwcinereici» kamen durch eine kürzlich vor dem L a n d g e r i ch t M ü n ch e n 1 durchgeführte Per- Handlung gegen den Bäckermeister I c j c s L o h r von Wittcrökirchcn »vegen eines fortgesetzten Vergehens»vider dasNahrungs, mrttelgejetz an das Tageslicht. Lohr, ein vielfach, daruistcr mit 7 Jahren Zuchtbaus borbestraftcr Mensch, ist beschuldigt, daß er in zwei Fällen fortgesetzt, und zwar von November 1903 bis September 1904 in seiner Bäckerei 4—5 Wochen altes, mit Schimmel überzogene? und sehr beschmutztes, von Mäusen angefressenes Brot in einem Wassereimer aufweichte, zerdrückte und dem z u m H a u s- b r o t b e st, m m t e n B r o t t e i g samt dem schmutzigen Wasser beimengte. Tas auf diese Weise gewonnene Brot batte einen säuer- lichen Geschmack und war geeignet, die menschliche Gesundheit zu schädigen. Die zweite, dem ehrenwerten Bäckermeister zur Last gs- legte Handlung, die sowohl beim Gericht als im Zuhörerraum Ekel erregte, bestand darin, dah Lohr im Winter 1903/04, obwohl er an beiden Händen und Arnien mit einem eiterigen Aus- schlag behaftet war. sich am K n e t- und B a ck g e s ch ä f t 3-- tciligte, sich wiederholt in einem zum Backgcschäft verwendeten Kübel Hände und Arme reinigte, und dieses schmntzige Wasser zur An- machung des Teiges verwendete. Weiter wurde durch einen Bäcker- gehülfen eidlich erhärtet, daß er während der Arbeit sich mit dem sogenannten„Stupfer"(ein Instrument, das zum Teilen der Semmel verwendet wird) die Eiterbläschcn aufkratzte und dann das Instrument, ohne es zu reinigen, wieder zur Arbeit verwendete. Der ordnungsliebende Bäckermeister gab nur zu, daß er altes Brot aufgeweicht und es dem zum HauSbrot bestimmten Teig zugcmengt habe, die übrigen Schweinereien stellte er, allerdings vergeblich, in Abrede. Die Beweisausnahme ergab, daß Lohr altes, verschimmeltes Brot schon ein Jahr vorher dem Brotteia beimischte, dah viele Kunden sich über das Brot, das zuweilen förmliche Batzen enthielt, beschwerten. Durch eine Zeugin wurde, auch erwiesen, dag auch die Ehefrau des Angeklagten an den Händen mit einem Ausschlag be- haftet war und trotzdem die Kunden bediente.— Ein kommissarisch vernommener Zeuge, der früher bei Lohr in Arbeit stand, sagte aus, es sei in Nürnberg allgemein üblich, daß das Wasser, das zum Reinigen der Arme vom Teige verwendet wird, dem Te�ige s e l b st zugeschüttet werde.(MahlzeitI) Ter Staatsanwalt brandmarkte mit scharfen Worten das schamlose Gebaren des Angeklagten und bean- tragte gegen ihn sechs Monate Gefängnis. Das Urteil gegen den Schweincpelz kdutcte auf vier Monate Gefängnis, 3 Jahre Ehrverlust. Das Urteil wird auf seine Kosten öffentlich bekannt gegeben.— Im.Hinblick aus die kaum glaubliche Schweinerei eigent- lich noch eine sehr milde Strafe. Ten Kampf gegen den Alkohol hat man in diesen Tagen wieder einmal mit dein schwersten Geschütze des Gebets und der Buh- predigt zu sichren versucht. Der Mitteldeutsche Bund vom Blauen Kreuz, ein Ausfluß der Inneren Mission, hielt am Sonntag und Montag in Leipzig seine Tagung ab, bei der Festgottesdienste, Ge- bets- und Heiligungsversammlungen und Bibelstunden in ununter- brochener Folge mit einander abwechselten. Natürlich hatte man für die Alkobolseuche keine andere Erklärung als den immer größer werdenden Mangel an Kindlichkeit und das angebliche Schwinden der Sittlichkeit. Daß vor allem die sozialen Mißstände unserer Wirtschaftsordnung es sind, die das Umsichgreifen der Alkoholseuche begünstigen, dafiir geht den pictistischen Schwärmern jedes Verstand'- nis ab; sonst könnten sie nicht zu solchen Kampfcsmitteln greifen, die gerade dazu angetan sind, die Heuchelei groß zu ziehen. Bon der gesicherten Existenz. Aus Halle berichtet man uns: Eine pure Verzweiflungstat, als solche bezeichnete sie auch der Staatsanwalt, beschäftigte die Strafkammer. Angeklagt lvar der durch Stellenlosigkeit in Not geratene Buchhalter Friedrich Fichtel von hier, der erklärte, er habe absichtlich in der Nacht vom 16. zum 17. September eine Schaufensterscheibe des Gasthossbcsitzers Hohl- bein, im Werte von 350— 400 M., zertrümmert, um im Gefängnis Ob d a ch zu finden. Der Unglückliche erklärte, er sei allerdings erst 40 Jahre alt, finde mit Rücksicht auf sein körper- liches Leiden aber keine Stellung mehr. Im übrigen sagten die Prinzipale, sie könnten jetzt junge Leute genug kriegen. Wenn er die Hastzelle verlasse, müsse er wieder nicht, was er beginnen solle.' Der Staatsanwalt erkannte die Vcrzlveifelte Lage des An- . geklagten an und beantragte 14 Tage Gefängnis. Das Gericht erkannte absr auf drei Monate Gefängnis, da die Tat doch sehr roh sei._ 8u9 der Frauenbewegung. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse, Montag, den 23. Oktober, abends 8% Uhr, in den Arminhallen, Komman- dantenstraße 20: Geselliges Beisammensein, Klaviervortrag und Ge- sang. Wir bitten um recht zahlreiche Beteiligung. Gäste will- kommen. Der Vorstand. Steglitz. Der Bildungsverein für Frauen und Mädchen von Steglitz und Umgegend hält am 19. Oktober bei Wahrcndorf,«tochloß- straße 115, abends 8M> Uhr, seine Mitgliederversammlung ab. 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Lichtenberg. Ter„Bildungsverein für Frauen und Mädchen Lichtenbergs" hielt am Montag, den 16. Oktober, seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Der Referent, Herr P. Gramm, sprach über„Instinkt oder Verstand?" Als Einleitung seines Vortrages skizzierte er kurz die Entstehung resp. die Entwickelung der Erde und der Lebewesen und zeigte dann an der Hand verschiedener Bei- spiele, daß die Tiere nicht nur Instinkt, sondern auch Verstand haben, der bei verschiedenen Tiergattungen, z. B. bei den Hunden, Elefanten, Bienen, Ameisen usw. besonders scharf ausgeprägt ist. Der Referent schloß seinen lehrreichen, mit großem Interesse auf-' genommenen Vortrag mit einem warmen, beherzigenswerten Appell an die Frauen, überall da, wo BildungSvcrcine für Frauen und Mädchen bestehen, sich denselben anzuschließen. Nachdem die Anwesenden aufgefordert worden, sich den am 19. d. M., abends 8s/h Uhr, bei Keller, Koppenstraße stattfindenden Vortrag mit Lichtbildern„Die Abstammung des Menschen" anzu- hören, wurde die Versammlung geschlossen. Dem Verein wurden mehrere Mitglieder gewonnen. Mr die misgesperrte» Arbeiter und Arbeiterinueu der Elektro-Industrie Kerlins nnd Umgegend gingen ein: Liste 2SI2 7.—. Liste 213 geh in d. Vaterländischen Verlags- und Kunstanstalt 17,—. Liste 9612 von den Arbeitern d. F. Tischlcit u. Co. Nachslg. Stern 28,30. Dr. Heinemann, Berlin, Kronenstrasze 200,—. do 50— Listen 7075, 7082 18,50. Listen 6037-39 Rudolf Moste, Abt. Zeitung 44,10. Liste 7089 4.10. Liste 1623 Bodentischlerci Schönherr 12,70. Liste 1631 Stiftungsfest der Glaser 34,70. Listen 1622, 1624, 1625, 1632 52,95. Liste 11391 Buchdruckerei Germania 32,25. Von den Arbeitern, Arbeiterinnen u. Angestellten d. F. Lehrer u. Sch erster. Lübeckerstraste 11,60. Liste 6692 4,20. Liste 6693 5,25. Liste 11576 5,—. Falzerei d.„Berliner Tageblatts» 14,30. Liste 7655 6,25. Tischlerei Voigt. Webcrstr. 3 15,—. Liste 218 RotalionSmaschinenmeister der„Morgenpost' ll,50. Liste 3356 AuShülsssalzex der Berliner„Morgenposl" 64,75. Liste 1965 21,—. Liste 9040 Druckerei Gutcnbcrg, Lützoiustraste 67,30. Liste 7033 KleinschewSky, Ratiborslraste 16,25. Wcrkablcistmg und Kontor. Personal der„Vorwärts'-Bnchdruckerei, darunter v. E. 10,—. 50,—. GewerkschastSkartell Borhagen-Nummelsburg Liste 461 28,80. Liste 454 3,95. Liste 455 5,15. Liste 456 7,65. Liste 504 10,30. Liste 505 10,25. Liste 507 4.—. Liste 508 10,25. Liste 460 9,l0. Liste 511 19,70. Summa 109,15. Bereits guitlicrt 250,90. Gesamtsumme 360,05.— Liste 2842 2,—. Liste 11312 17,70. List- 11161 Werkstatt Zander. Eilenbalinstr. 10,30. Verband der freien Gast- und Schanlwirle Deiilschtands 500—• Kranz. lasse des 151. Bezirks im vierten Berliner Wahlkreis 20,—. Fabrikarbeiler-Vcrbaiid(Zahlstelle Berlin): Von Arbeitern der Firma Kahl- bäum, Münzsw.. aus Liste 1934>6,75. Liste 1936 30.90. Von Arbeitern der Anilinsabrik, SchtesischeS Tor, Liste 1949 19,30. Desgl. Liste 1950 16,52. Liste 1955 21.60. Liste 1961 9,70. Arbeiter der Berlin-Franksurtcr Gummi. wareniabrik, Mühlenstr.. List- 1962 14,30. Desgl. Liste 1963 4,55. Desgl. Liste 1964 10,75. Arbeiter vom Messingwerk Marienseide. Liste 7730 41,60. Außerdem vom Rauchllub„Sieben rocht» AdlcrShos 15,—. Unter Buch- itabcn Zt. B. 2,—. Summe 202,97.— Verband der Töpfer, Filiale Berlin: Bau Pclchke durch Schrot 6,—. Kalbeubach Liste 2707 12,—. Bau Giclow Liste 4076 10,25. Rciusdors Liste 4074 9,50. Bau Kcllctat Liste 10 101 9,—. Bau Gärtner, Pankow 12,—. Durch Böhme Liste 4071 4,75. Durch Dame- lacks Liste 4072 4,50. Bau Prause Liste 10 099 9,10. Durch Hossmann Liste 084 5,50. Bau Jäger Liste 10 102 13,—. Bau Gramm Liste 4083 9,—. Bau Mendt Liste 2682 8,—. L. Wiegand Liste 4078 5,75. Bau Schupp- mann, Mommsenstr., Liste 4063 14,55. HaveMann Liste 2718 13,50. Bau Karmann, Mommsensw., Liste 2672 22.90. Bau Ncumann u. Laudon Liste 4061 10,55. Bau Schirmcr, Allensteinstr., Liste 2714 11,70. Döring Liste 2708 12,50. Bau Noscnscld Liste 10 091 8,—. Liste 2699 2,20. Liste 2689 2,50. Sa. 216,75.— Vom Verband der an HolzbearbeilnngSmalchincn bcschäsliglcn Arbeiter aus Liste 3977 26,75. Liste 3988 8,80. Liste 3990 4.20. Liste 3995 2,—. Liste 4001 tzolzbearbcitungSsabrik Roller 12,85. Liste 4002 15,75. Liste 4007 11,65. Liste 4008 4,75. Liste 4011 Maschincnarbeitcr von Gebr. Faul 11,75. Liste 4012 11,50. Liste 4014 HolzbcarbcilimgSfabrik Klapprolh u. Hoppe 13,05. Liste 4017 5,70. Liste 4022 Tischlerei Bach u. Kopitz 7,35. Liste 4024 3.95. Liste 4025 15.—. Liste 4621 16,20. Liste 4624 10,20. Liste 4625 8,40. Liste 4633 5,75. � Liste 4635 10,15. Liste 4861 Maschincnarbeiter und Tischler von Sommerlatte 25,80. Liste 4869 7,95. Liste 4876 5,95. Liste 4878 Arbeiter der Firma Kattner, Waldemarstr. 14, 10,—. Liste 9437 Maschinen- arbciter von Gebr. Faul 4,50. Liste 9448 7.-. Liste 9449 2,50. Liste 9464 1,—. Summe 270,45.— Eingegangene Listen vom Deutschen Buchbinder- Verband: Liste 529 22,20. Liste 565 24,45. Liste 573 5.—. Liste 1563 10.95. Liste 1590 8.40. Liste 1593 20,75. Liste 1596 4,25. Liste 1597 8,15. Liste 1598 7,80. Liste 1600 14,45. Liste 1601 3,50. Liste 7823 4,50. Liste 7824 6.50. Liste 7846 13,90. Liste 9097 15,35, Liste 7811 4,45. Summe 174,60.— Liste 5296 Kronlcuchtersabrik Schlesinger, Oranien straße, 27,—. Listen 5298, 5295, 5302 R. Heinrich 22,15. Holzmontagc Mix u. Genest 48,90. Listen 6829, 6827. 6880 Peine 8,70. Liste 11 777 Bureau d. D. M.-A.-Vcrbandcs 54.—. Liste 4296 Fricke 47,15. Liste 7909 Frille 13,25. Liste 8215 Bau- lischlerei Platho u. Bergnbus 16,10. Liste 6655 Eisenblätter 7,70. Liste 8207 Werkstatt Schwarz u. Fröhlich IS, 50. Lederwareitsabrik 23. Gutismann 4,50. Liste 2324 Arbeiter und Maurer d. Gasanstalt Schmargendorf 22,50. Liste 11 754 Treppengeländersabrik Gcißlcr 32,85. Liste 11 385 Jndustriestätle Südost, Michael kirchstr., 18,80. Liste 4453 Arbeiter und Arbeiterinnen der Zithersabrik Menzenhauer u. Schmidt 11,15. Liste 6977 Möbctsabrik Emil Rnßlar 16,55. Lifte 3701 gesammelt aus der Papierfabrik 38,75. Liste 3700 gesammelt von Gust. Nix 38,—. Lifte 7570 Tapezierer der Fa. Fork, Kretschmar u. Co. 19,—. Liste 10 721 Melallwareiisabrik Guivia, Wasscrtor- straße, 10,95. Liste 10 722 Konscktionsstube Schulz, Landsberger Allee, 6.05. Liste 4537 3,60. Liste 8438 D. M. und B. G. 13.65. Liste 3854 10,90. Liste 8157 gcs. v. d. Fahrswhl-Montcuren d. Fa. Flohr 56,80. Liste 8158 4,30. Liste 8159 24,40. Aus d. Sechscrkasse 98. Bez. durch Kröner 8,50. Deutsche Waffen- u. Munitionfabnkeii Liste 1409 ZIbt. Hachmann 96,75, Listen 1413, 1414 Abt. Burg 60,60, Liste 1415 Abt. Möller 104,—, Liste 1418 Zlbt. Feld u. Erlicke, 1. Rate Dr. Paul Meyer 44,80. Summe 306,15.— Liste 3855 12,50. Liste 8160 23,50. Liste 8161 10,25. Liste 3862 18,60. Liste 8164 4,85. Liste 8165 gcs. v. d. Mechanikern von Sanilas 22,50. Liste 8166 ges. v. d. Schlossern von SanitaS 16,80. Liste 8167 Arbeiter der Fa. Burnitz 8,80. Liste 8180 49,75. Liste 8184 9,—. Lifte 8186 17,50. Liste 8187 35,—. Liste 8430 durch Thein 10,85. Liste 5976 Perlmutternrbciter von Crosinsky u. Eisenach 6,20. Liste 8425 9,80. Liste 8426 14,—. Gesang- verein Toirbtüte, M. d.?l.-S.-B. 20,—. Lulle, Möbelfabrik, Boxbagcner- straße 6,75. Liste 1654 Arbeiter von Förster u. Runge 36,45. Liste 1108 Arbciter der Ambrotn-Werke durch H. 2. 26,65. Liste 2536 Arbeiter von Grengel, Koloniestraße 14.—. Listen 8c>04 u. 2523 durch Gotth. Wonde 62,80. Liste 8531 O. G. 1,30. Einsetzer v. Sawalzki 8,—. Liste 2534 durch Lehn 4,—. Liste 3540 Lackierer u. Maler d. Fa. Arnheim Badstr. 14,50. Ein vergifteter Pseil aus dem Hinterhalt, d. Gerisch 2,—. Karl Knapp, d. Gcrisch 2,30. Lottericllub„Norden" bei Grobler durch Gcrisch 10,—. Bankkulis u. Proletarier im Stehkragen durch Ginroh und Gcrisch 52,25. Liste 9193 13,70. Liste 2002 11,45. Liste 1791 Polierer der Firma Weise u. Naumann 9,90. Listen 1789, 1793 14,50. Liste 6833 Turnverein„Fichte", 11. Männerabt. 12,—. Liste 11630 Tischlerei Kuttner u. Haupt, Stallschrciberstraße 29,35. Liste 8891 Arbciter d. Firma Zorn u. Zöls 10,20. Liste 6682 10,85. Liste 9114 7,55. Listen 6086, 6087 Personal der„Vossischen Zeitung" 92,30. Firma E. K. 10,—. Kollegen d. Firma Walter Hyan, Gitschincritraße 10,40. 17 Lackierer vom Schwartzkopffwerk Wildau 9,50. Liste 4412 Arb. der Gatanleriewarensabrik E. Kirchner u. Schwedhclm 7,75. Listen 4410, 8763 Arbeiter v. Schuster u. Barr 55,55. Liste 6731 Kollegen d. Firma Hostmann u. Co. 15,—. Liste 9051 Ges. bei Schirrmeister, 2. Rate 14,30. Baniiichlerei Kühn, Luisen-User, 2. Rate 16,—. Liste 1778 Tischler u. Polierer v. Thomas, Adatbcrtstraße, 2. Rate 22,60. Liste 9039 Kollegen der Firma W. Dette, 2. Rate 21,75. Liste 8778 Arbeiter der Firma Thiele u. Co., Prinzenstr., 2. Rate 36,75. Liste 4448 Arb. d. Masch.»Fab. Strziwan u. Co. 14,25. Liste 2512 19,20. Liste 7294 9,-. Liste 7293 9,-. Liste 7292 Gesammelt bei Gastwirt Thiele, Gerichtstraße 32,85. Hochzcitsseicr eines anSgcsperrien Brautpaares 7,10. Liste 1070 Kollegen von Jastrow 12.35. Liste 3942 Arbeiter der Firma Lcntz, Gr..Hamburgerstraße 8,50. Liste 9256 Kollegen von Karl Otto Nachs., 2. Note 24,50. Liste 2518 Finna Kammerich, Abt. Maschinenbau 24,75. Liste 3946 Maschinenbau Kammerich 16,—. Liste 1112 18,50. Liste 7299 61,50. Liste 1069 Gottschalk u. Co. u. Argus, Motoren- gcjellschast 34,65. Tellerfammluna Tegel 9,60. Vergnügen d. M. 31. V. der Zahlstelle Hennigsdorj 4,15. Liste 1084 Humboldt-Wühle, Tegel 32,—. Liste 1036 12,80. Liste 1113 Arbeiter der Firma Karl Otto Nachs.. 1. Rate 3l,75. Liste 7776 43,50. Wertstattversammlung bei Hummel von Bahn 6,10. Liste 6842 A. D. V. 1. Korbmacher 5,—. Arbeiter der Firma Franz Mansi, Naunynstraßc, 2. Rate 12,80. Liste 3419 Mechanische Werkstatt Benccke u. Co., Elisabeth-Ufer, durch Hostmann 32,50. Liste 11591 Möbelfabrik Dunski(außer den Polierern), Schlcsischestraße 22,95. Liste 5425 Tischlerei Treue, Wicncrstr., 2. Rate 15,05. Tisch!. Zeidler, Brandenburgstr. 3,—. Liste 6997 Tischlerei 3lmboS 8,65. Liste 5781 Firma Beruh. Joseph, Dreher und Rcvolverdrcher 39,50. Liste 6979 Tischlerei Zwictufch u. Co., 2. Rate 25,70. Liste 7516 Baulischler u. Einsetzer von Moll, Mcmelerstraße, 2. Rate 17,75. Baulischler und Schlosser von Moll, Wilhelm Stolzcstraße 12,—. Liste 7517 Schwarz und Gäste, Wcidcnwcg 7,—. Liste 6041 Buchdruckcrei Karl Marschner, tzllcxandrinenstraße 10,60. tzlrbcitcr der Möbelfabrik Nickel, Komicke u. Lehmann, 2. Rate 22,10. Liste 8985 Möbeltischlereien von Lippert u. Hahrlem, Krauscnstraße, 2. Rate 23.25. Liste 8789 Piano- mcchanik-Fab'rik Jacob, Zltaschinensaal bis 27, 15,05. Liste 8791 Piano- Mechanik-, Fabrik, Bohner-saal 9,80. Liste 8790 Saal Müller und Hubersch 30,45. Liste 9724 Schlosserei 12,70. Liste 8771 Nadlerei 7,-. Liste 8793 Saal Schaade 15,60. Liste 8794 Tischlerei 15,95. Liste 8221 Bautischlern Ziehe 14,20. Liste 8242 Baulischlerei Reiff, 2. Rate 13,85. Verb.»Mitgl., Buchbinder, HülsZarbciter und?Irbcttcri!inen von Licbheit u. Thiesscn, 2. Rate 24,15. Liste 4519 Bautischlerei Schcrwies, 1. und 2. Rate 17,40. Liste 11 456 Ges. bei Zictlow, Warschaiierstr. 20,—. Tischlerei v. Biilth. Weber» straße 5.—. Liste 11452 Tischlerei Lüdtke. Gitschincrstr., 2. Rate 39,30. Liste6769 8,80. Liste 8294 Tischlerei Braun, Fruchtstr. 8.20. do. Kiikiilenz. 2. Rate 7.-. Liste 6739 Kollegen d. Fa. Germania und Oiiisisanna, 2. Rate 23,50. Liste 1393 durch Paul Kuhlhorn 12,85.' Liste 3535 Kollegen d. Fa. B. Welch 22,50. Liste 7082 Kollegen d. Fa. C. Krause, Gitschincrswaße 18,—. Listen 5393, 9008 Rohrleger und Helfer d. Fa. Hugo Feist u. Co. 16.30. Listen 9113, 9114 Tischlerei Freitag, Bcsselstraße 11,30. Liste 8869 Drechslerei Faul- mann 4,70. Liste 9053 Stellmacher von Lange u. Gutzeit, Frankfurter Allee 50,—. Liste 9564 durch Kowald 15,60. Liste 8942 Personal J. Gnttscldt, Potsdamcrswaße 9,—. Möbelfabrik G. Klug, Warschaucrstr. 13, 2. Rate 54,55. Listen 9099, 3689 Arbciter der Firma Koch u. Bein, 2. Rate 18,05. Liste 4771 Arbeiter d. Fa. Kißling, Naunynstraße, und der Budiker 22,50. Listen 4772/73 durch Otto Teichcrt 21,80. Liste 11039 Arbeiter und Arbeite- rinnen d. Fa. Köhler, Wassertorstraße, Saal 2 Treppen 17,15. Liste 1382 Kollegen d. Fa. Hauschild, Aasscriorstraße 21,75. Liste 9001 Metallarbeiter, Lmigcstr. 46, 2. Rate 31,20. Liste 45-14 Schcke, Boxhagencrstr. 33, 2. Rate 10,30. Liste 7582 Pcrlmuttarbeiter der Firma Hintze, 2. Ztate 3,80. Liste 230 Druckerei Schäser u. Nosenseldt 15,95. Liste 6089 Buchdruckcrei S. Schalem, 2. Rate 32,50. Liste 6091 durch Hossmann 1.75. Liste 8917 Bronzewarensabrik A. Brodtrccht 9,30. Liste 8956 Nähmaschinenfabrik E. Böttcher 20,—. Liste 8788 12,50. Liste 7602 Buchdrnckerei A. W. Schade 18,60. Liste 9169 Kollegen von Eggert, 2. Rate 14,50. Liste 9572 10.—. Liste 8259 Tischlerei Olm. Köpcnickcrstraße 22,95. Liste 9237 Arb. d. F. A. Loh Söhne 48.10. Liste 8888 Kollegen d. F. F. Kilian, Lichtenberg, Serzbergstraße, 2. Rate 70,—. Liste 6869 Arbciter der Piano- sobrik Bocnecke u. Co., 2. Rate 11.50. Möbelfabrik H. und A. Schulz, Box- hagcncrslraße, 2. Rate 55,05. Liste 9832 Buchdruckcrei Gebr. Unger 21,15. Listen 5361, 5362 26,95. Liste 11735 Baulischlerei von Ihme, Rummelsburg, Gocthestr. 18 6,25. G. R. 4,50. Liste 3680 Tischler von Gerds, Charlotten- straße 12,40. Liste 7629 Arbeiter der Gasmeffeifabrik H. Aron 34.50. Liste 6523 19,60. Liste 7678 Malergehülfcn bei Estorff 12.10. Liste 7652 Arbeiter von Weber u. Hampcl 30,—. Liste 7654 darunter 5 M. von den Psropscnbrüdern 15,95. Listen 6324, 6325 82,85. Listen 7698. 7679, 7680 26.80. Listen 7662, 7663 19,70. Listen 7651, 7653 16,50. Verband der Schneider, a konto aus Liften 200,—. Listen 6336,«340 117,10. Listen 6330, 1750, 10393 15,65. Von den Ausgesperrten sür die Ausgesperrten in der Kronenbraucrci gesammelt 6,63. Liste 9296 6,—. Liste 5469 von den Arbeitern der Eisengießerei u. Masch.-Fabr. R. A. Hart- mann 29,—. Liste 5472 Arb. d. Masch.-Fabr. L. Zicgter 56,55. Liste 5471 von d. Organisierten d. Fa. Grimm, Ritterstr. 16.55. Liste 4035 1 2,65. Liste 217 Ullstein, Akzidcnz-Maschincnmcister inkl. Schulz. 1. Rate 22.50. Liste 11035 4,50. Liste 11034 2. Rate d. tzlrbciler von D. Mar Lewy 14.75. Liste 3897 Kall. d. Fa. Wolfs Nachslg.. Vollaslr. 26,45. Listen 3890, 3893 15,50. Listen 3904 u. 11754 13,60. Liste 1994 10,75. Liste 6607 11,85. Liste 6745 9,—. Liste 9436 2. Rate d. Arb. d. Luxusmöbclsabrik Lochmann, Hollmannstr. 13,95. Liste 5328 Kollegen d. Tischlerei S. Bröcker, RüdcrSdörserslr. 26 l7,70. Liste 7483 3,—. List- 4619 durch Herrn. Koch. Jasmundersw. 27.—. List- 11559 12,35. Liste 6535 4.70. Verband der Bau-, Erd- und HütsS- arbciter Deutschlands. Gruppe der Kunstsandsteiiischlciser, von Gebr. Frünsccke 19,90. Liste 3739 Bauarbeiter von Kar! Ludwig 10.70. Liste 10965 7,30. Liste 10964 Bau Rosenthalerstraßc 40 8,15. Verband der Sattler Deutschlands, Ortsvcrwaltung Berlin, aus Listen gc- sammelt 468.50(darunter Wagensabrit Ncuß 44,—; von den Militär- Sattlern der Firmen G. Kröger il,—, F. Cobau 33,50, v. Tippclskirch 50,15). — Durch Jacobson gesammelt: Liste 2U4 16,75. Liste 2132 19,60. Litte 6014 durch R. G. S,70. Liste 5015 durch R. G. 3.-. Liste 501S durch R.©. 10,80. Liste 5017 durch R.®. 1,85. Liste 5019 durch N. G. 10,1». Liste 5023 durch Rs. 13,25. Liste 5024 Töff-Töss 7,80. Liste 5042 H. R. 16,90. Liste 9390 Gcsaiigv.„Waldesrauschen". Karlshorst 17,50. Liste'OZOS 15,90. Liste 9406 A. W. 32,55. Liste 9407 G. S. 8,50. Liste 9405 P. F. 3,50. Liste 5021 R. G. 4,80. 3 Skatbrüder einem Slreikposten übcrgcb. 3,—. — Aus Listen eingegangen vom Deutschen Buchbinder- Verband, Zahlstelle Berlin: Liste 556 10,55. Liste 567 7,95. Liste 572 36,20. Liste 1558 11.—. Liste 1587 29,70. Liste 1594 5,20. Liste 1604—. Liste 1605 7,75. Liste 7813 12,—. Liste 7816 8,30. Liste 7818 35,85. Liste 78,20 18,10. Liste 7822 1—. Liste 7828 9,75. Liste 7832 1,—. Liste 7834 10,45. Liste 7835 7,40. Liste 7844 7,25. Liste 8971 6,45. Summa 225,90.— Aus Listen durch Vollmer: Liste 1659, Härtung, Eisengießerei 73,75. Liste 1657, Alfa Lawal 65,—. Liste 1665, Peteic 7,85. Liste 1666, Buchdruckerei Billig, 2. Rate, d. Henze 21,05. Liste 1671. Schwartzkopff, Abt. Schulz 41,50. Liste 1674, Deutzer Gasmotorcnsabr. 39,60. Liste 1675, Schwarzlose, Moabit 12.80. Liste 1676, Anhalter Maschincnsabrik 27,25. Liste 1677, do. 38,—. Liste 1678, do. 54,90. Liste 1679, do. 31,35. Liste 1685, L. Löwe, Typograph 122,10. Liste 10195, do. 86,—. Liste 1688, Weber, Werkzeugfabr-k, durch Engbcrt 43,25. Liste 1689, Flohr, Maschinenfabrik l6,—. Liste 1690, do. 14,55. Liste 1691, do. 22,25. Liste 1692, Jachmann, Huttcnstr. 35,80. Liste 1693, do. 17,40. Liste 6398, do. 24,50. � Liste 6404, do. 43,30. Liste 1694, Ludwig Löwe, Maschincnsabrik:?tbt. Schtciscrci und Abt. Wagner 64.60. Liste 1695, Abt. Wcrkzcug-Lebrenbau 69,50. Liste 1696, Abt. Vorrichtebau 48,—. Liste 1697,'Abt. Werkzeugbau-Dreherei 35,20. Liste 1698,'Ableitung Fräserei 20,—. Liste 1699, Abt. Schraubendreher 21,—. Liste 1700,'Abt. Lctlau 31,10. Liste 1701, Abt. Löschber 21,50. Liste 1702, Abt. Lippold 28,50. Liste 1704 Ash 19,70. Liste 1707 durch Jarnitz 28,75. Liste 1709 Unbekannt 6,15. Liste 1711 Genosse Mauthey 40.05. Liste 1714 Flaschcnblcrsahrcr und Mitfahrer, Patzenhoscr II 16,—. Liste 1737 Gesammelt von einem ab- stinciiten Arbciter 17,50. Liste 1738 Gesammelt von den Revolutionären 56,—. Liste 1739 Genossen der Schreibmaschincn-Jiidustric„Purtkamerhos" 31,95. Liste 6375(sehlt die Liste) 12,80. Liste 6376 Durch Licbner 11,—. Liste 64l3 Durch Küpcr 8,30. Gesammelt bei Genossen Kröhn, Rekruten- abschied 7,—. Reklame-Industrie, Ackerstr. 165 10,50. Liste 1681 8,45. Liste 1682 Wert 20,75. Liste 1683 Werth 47,25. List- 1743 Werth 32,20. Liste 1744 Werth 17,15, Liste 6394 Metallgießerei Ginst u. Mattes(außer einem) 29,50. Liste 6405 Gesammelt d. Zigarrenhändler P. Wiedemann, Huttenstraße 36 43,85. Liste 6415 Gesammelt bei Volkmann, Bcusselstr. 32, d. Schmidt 16,10. Liste 7707 Firma Neye, Brandenburgstr. 75 14,75, Liste 1703 Dreherei und Maschinenbau L. Löive 65,50. Liste 6341 22,50. Liste 6343 4,50. Liste 10228 Moldcnhauer 10,—. Liste 1668 45,95. Summe 1211,75 M. Bereits quittiert 610,— M. Im ganzen 1821,75 M. Summe 8969,30 M. Bereits quittiert 61 151,91 M. Gesamtsumme 70 iai,ai M. Berichtigungen. In der Nr. 233 muß cS statt Zlort u. Kriesch Fork, Kretschmar u. Co. heißen. In dem Bericht vom Dienstag muß-S heißen: Liste 3869 die Kollegen der Lichtdruckanstclt Gebr. D e y h l e u. Wagner 41,65. In der Quittung heißt cS: Goeblichcrs Tanzschule, es muß heißen: Goclichs Tanzschule, Neue Noßstraße. Unter Baulischlerei Knoll u. Rittner muß cS statt 17,70 13.70 heißen. In Nr. 239 muß es statt Liste 3438 d. Engert Liste 34S8 d. Engert heißen. Unter Deutsche Waffen- u. Munitionssabrik ist zu anderen nachzutragen: Liste 1422 Orban 92,50, Liste 1421 Orban 87,25. Unter Kartonsabrik Jacobsohn muß die Liste N. nicht 10995, sondern 10955 heißen. In der Ouittimg vom 15. 10. muß cS statt Wruck 1. u. II Rate 18,65 M. Wouk heißen; statt 8l.-R.-V. Köpenick muß es heißen: 8l.«R.-B. „Freiheit", Köpenick. Weitere Sendungen werden entgegengenommen im Gewerkschaftsburean von II— 1 und 6—8 Uhr, Sonnabenos und Montags von 4—8 Uhr im Saal III. Postsendungen sind an A. Körsten, Engel-Ufer 15, zu richten. Der Ausschuff der Berliner Gewerkschaftskommission. »»» Beim GewerkschastSkartell für Berlin und Nmgegcud gingen ein: Liste 201 19,—. Liste 203 28.-. Liste 205 35,15. Liste 210 56,95. Liste 213 37,70. Liste 216 24,50. Liste 218 7,05. Liste 219 43,95. Liste 224 13,25. Liste 853 12,70. Liste 260 19,05. Liste 264 1930,—. Liste 276 15,30. Liste 277 26,40. Liste 288 22,60. Liste 339 20,40. Firma Zechlin, Alexander. platz, Liste 684 10,75. Rundgesangstrasgelder durch Koch 1,55. Lotterie« verein„Glück und Freude" durch Pctsch 25,05. Arbciter und Kontorpersonal der Fabrik Hinz-Stcglitz durch 8lckermnnn Liste 91 43,—. Zlrbcitcr der Firma Bock u. Breuer 4,15. Isolierer der Firma Horn u. Taube Liste 322 17,—. Verein der Zink-, Zinn- und Bleigicßcr auf Listen 83,80. Freie Vereinigung der Bauarbeiter: Liste 339 28,65, Liste 370 12,—. Liste 343 10,80, Liste 388 13,85, Liste 355 10,80, Liste 369 9,75. Liste 368 18,35, Liste 398 23,50. Liste 391 9,60, Liste 377 6.-, Liste 374 7,50, Liste 396 10,90, Liste 395 9.—. Liste 379 3,20, Liste 380 4,05, Liste 381 5,20.«lnschläger Prcuß u. Rocmer 4,—. E. u. R. Liste 313 30,05. Liste 1 durch Stoetzel 11,40. Liste 3 durch Geser 15,15. Liste 8 durch Stoetze! 8,—. Liste 753 durch Ditt- mann 5,—. Liste 682 durch Schulz 3,70. Liste 678 durch Muß 8,—. Liste 435 durch Weiß 10,—. Fachverein der Tischler: Liste 712 6,—, Liste 440 4,50, Liste 422 8,10, Liste 421 10,—, Liste 425 20,—, Liste 434 8,50. Liste 623 durch Gründl 13,10. Verein der Zimmerer Berlins und Umgegend, 2. Rate 3600,—. Liste 79 d. Kochmann 1,55. Gastwirt L. Bordt, Rostocker» straße 21. 2. Rate 10,—. Liste 1068 52.25. Liste 229 40,—. Liste 1039 46,—. Liste 860 23,15. Liste 298 11,60. Liste 850 7.—. Liste 882 6.-. Liste 878 2l,50. Versuchssaal, Mechaniker der deutschen Telephomverkc, Liste 290 10,50. Liste 282 30,25. Liste 279 26,80. Liste 278 22,95. Liste 281 26,45. Liste 294 36,50. Liste 834 35,90. H. Heise, Schuhwarcnlager, Badstraße 17 5,—. Möbelfabrik Kalisch, Liste 774 12,50. Liste 766 Töpfer 13,—. Herm. Struck 3,—. Liste 95 durch Jänsch 4,50. Lifte 913 Bau Beamtenhalls Rummels- bürg 14,40. Liste 706 Kollegen der Taxamctersabrik Akticngesellschast 16,80. Liste 318 Isolierer Berlin 7,35. Liste 321 durch Beckmann 4,25. Liste 752 Arbciter d. Firma S. ist. Lövy, Gartenstr. 96 33,95. Von den Bauarbeitern: Liste 341 17,40. Liste 382 2,75. Liste 342 17,60. Liste 353 5,95. Liste 1321 9,50. Liste 397 9,85. Liste 376 6.90. Liste 354 15,10. Liste 345 6,55. Liste 362 7,20. Liste 36l 0,60. Liste 351 3,65. Liste 352 3.25. Liste 348 l,90. Liste 349 9,90. Liste 366 11,—. Liste 72 Zimmerer 8,40. Liste 1085 durch Großmann 4,85. Liste 317 Isolierer Berlin 11,70. Arbciter-Radfahrervcrcin durch Hub er Liste 316 16,—. Isolierer der Firma Paul Krause, Charlotteiiburg, Liste 323 14,—. Liste 704 durch Kaschke 11,90. Liste 915 d. Hohmann 7,—. Liste 911 d. Sichert 18,50. Liste 43 Zimmcrcr-Zahlst. Süd-Ost 17,95. Liste 927 d. 23, Buske 13,55. Liste 926 d.-Wolss 3,05. Liste 925 d. Schulzendorf 12,20. Liste 6 d. Steegcr 9,—. Liste 630 d. Klamaun 3,75. Liste 620 d. W. Müller 9,50. Durch S. Weisel: Liste 57 22,40. Liste 62 20,95. Liste 64 2,—. Liste 638 5,20. Zimmerer-Zahlst. Nord-Ost d. Labitzke: Liste 601 14,70. Liste 604 2,—. Liste 611 9.—. Liste 953 31,40. Liste 954 24,15. Liste 969 10,—. Zimmercr-Zahlstcllc Charlotlenbm'g durch Webers: Liste 73 7,20. Liste 76 13,70. Liste 77 9,80. Lifte 78 7,60. Liste 79 9,50. Liste 82 13,70. Liste 586 d. Joses Böhnke 9,80. Zimmerer Zahlst. Norden d. Kuaucr: Liste 99 12,80. Liste 587 4,45. Liste 588 4,60. Liste 590 8,60. Liste 592 11,95. Liste 594 4,55. Zimmerer Zahlst. Osten d. Krüger: Liste 27 8,25. Liste 29 11,30. Liste 30 4.80. Liste 32 6.—. Liste 33 3,65. Liste 40 4,—. Liste 42 8,50. Städtische Markthallenarbciter, 2. Rate 50,—. Liste 9Sg d. Fritz Schnitze t2,—. Liste 705 d. Fchlow 6,40. Liste 988 Bau Charlottenburger Hochschule d. Dreisch 17,40. Liste 1181 d. Ramp 5,45. Liste 1180 d. Hcllwlg 9,10. Liste 663 d. Käblcr 7.50. Liste 1370 d. Meyer 3,05. Von den Stukkateuren aus Listen 102,50. Liste 1182 Bautischlcrei Franke 6,70. Liste 1183 durch R. Wendlcr, Kastanien-Allee 15 6,—. Liste 629 durch Krctschmer 3,10. Liste 1081 Arbeiter von Löwe 44.33. Llste 717 Bautischlcrei Richter, Neutcrplatz 2 l8,75. List- 709 Tischlerei Ncdcl, Oranienstr. 187, 11,15. Liste 718 Tischlerei Ritter, Grünauersir. 19, 2,50. Liste 711 3,15. Llste 423 Arbeiter der Tischlerei Th. Becker 10,70. Liste 767 durch Rcschcnedcr 7,—. Verband der Kürschner Berlins und Umgegend aus Listen II. Rate 254,95. Liste 103 durch Reuen» doif 16.30. Liste 104 durch Simolcit 9,25. Liste 106 durch Gehl 7,75. Liste 107 Bau Köuigstr. 23/24 durch Kegel 5,90. Liste 114 Bau Lindower- straße 18/19 durch Kausmaun 14,10. Liste 122 Bau Berliner- und Augustastr.-Eckc durch Strohschcin 9,—. Liste 127 Bau Karlslr. 31, II. Rate durch Bevicr 11,05. Liste 128 Bau Wricke, Wichcrtstr. 6, durch Wanscr 9,50. Liste 129 Bau Herzog, Brüderstraße, durch Schwand! 9,80. Liste 130 Bau Krausenstraßc durch Kühne 19,75. Liste 134 durch Ludwig 9,75. Liste 135 Bau Hcincrsdorscrstr. 9 durch Oßwald 12.20. Liste 136 durch Wilhelm Dahms 7,25. Liste 137 Bau Elsasscr u. Artillcricstr.« Ecke durch Lesmnnski 20,10. Liste 139 durch Ncumann 2,50. Liste 144 Bau Krankenhaus Schöncbcrg durch Butschke 11,60. Liste 148 Bau Rovalisstraßc durch Lutz 4,05. Liste 149 durch Hochhaus 8,60. Liste 163 Bau Pariser Platz durch MeUle 3,75. Liste 176 durch Dreblow 4,—. Liste 191 durch Friede 4,05. Liste 976 durch Holzhütcr 7,50. Summa 6473,21 M., bereits quittiert 3518,97 M., zusammen 9992,18 M. Berichtigung. In der vorigen Ouittung ist der Bewag von 7,90 M. aus Liste 775, gesammelt durch Gcnat, vergessen worden mit auszuführen. Die vom Gewcrkschnstskartcll bezogenen Sammellisten werden täglich von 9—1 und 4—8 Uhr im Bureau des Kartells, Dragoncrstr. 15 Hos 1 Tr. entgegengenommen ' Gelder, die mit der Post eingehen, sind zu adressieren an Albert West» phal, Dragoncrstr. 15. Die Listen Nr. 113 und 837 sind als verloren gemeldet. Dieselben siutz anzuhalten und ün Bureau des 5urIellS abzuliefern. Der AnSschich. 6mchtö-2citimc� Schutz vor Schutzleuten. München, 17. Oktober. Vor dem oberbaherischen Schwurgericht hatte sich ain Dienstag nachmittag der verantwortliche Redakteur der„München. er Post", ©cnosse Martin Gruber, wegen Beleidigung einiger Lands- h u t e r Schutzleute zu verantworten. Die Nummer 116 der„Mün- chencr Post" brachte unter der Spitzmarke Schutz vor Schutz- l e u t e n eine Korrespondenz aus Landshut, inhaltlich deren ein dem Arbeiterstandc angehörender Radfahrer, weil er ohne Licht fuhr, ohne vorherige Aufforderung abzusitzen, vom Rad heruntergerissen und in einen Graben geworfen wurde, so daß der Arbeiter mehr- fache Verletzungen erlitt und obendrein noch von einem der Schutz- leute durch Ohrfeigen mißhandelt worden sei. Die„Miinchetier Pofi" nannte dieses Vorgehen der Schutzleute eine brutale Hand- lungsweise. Die beiden Schutzleute stellten gegen Redakteur Gruber totrafantrag wegen Beleidigung. In der Verhandlung wurde durch mehrere einwandfreie Zeugen der Wahrheitsbeweis in der Hauptsache erbracht, nur konnte nicht erwiesen werden, daß der Arbeiter mit Ohrfeigen traktiert wurde; dagegen ergab die Beweisaufnahme, daß auch im Wachlokal der Landshuter Schutz- Mannschaft der Gummischlauch und Ochsenziemer zur Herbeiführung von Geständnissen eine be- mv11 le n � 6 �"l l e spielt. Der Verteidiger des angeklagten Redakteurs, Rechtsanwalt Dr. Bernheim, stellte nämlich an S'.f1611, mißhandelten Arbeiter die Frage, ob er schon davon ge- Hort habe, daß im Polizeiwachlokal Arrestanten mit dem G um mischlauch mißhandelt werden. Der Zeuge ant- wartete darauf, daß er vor mehreren Jahren selbst mit dem Guminlschlauch von einem Schutzmann miß- r»?.Ii* f€'n Bruder sei noch vor zwei Jahren im Wach- lokale mit emem Gummi schlauch geschlagen worden. Zwischen dem Verteidiger und dem in seiner Ehre gekränkten Schutzmann K u g l e r von Landshut entspann sich bei dessen Vernehmung fol- gendcr interessanter Dialog: Verteidiger: Ist cä wahr, daß in Landshut die Arrestanten mit Ochsenziemer und dem Gummischlauch behandelt werden, um Geständnisse zu erpressen? Ter Schutzmann erwidert hierauf, daß dies nicht zur Sache gehöre. Als sowohl der Verteidiger als auch der Präsident auf die Beantwortung der Frag« bestanden, gab der Schutzmann erst ausweichende Antworten und er- klärte schließlich, daß er die Frage nicht beantworten könne. Verteidiger: Das genügt mir! Verteidiger: Ist es wahr, daß ein Ibjähriger Dicnstbube zur Her- beiführung eines Geständnisses mit einem Ochsenziemer mißhandelt wurde? Der Schutzmann gab dies als m ö glich z u, will sich jedoch daran nicht erinnern können. Verteidiger: Können Sie sich auch nicht daran erinnern, daß in den letzten vier Jahren Arrestanten vielfach mit dem Gummi- schlauch mißhandelt wurden? Schutzmann Kugler: Das rst vorgekommen! Verteidiger: Wie kamen die Schutzleute dazu? Der Schutzmann: Wenns die Pflicht erfordert! Verteidiger: Ist es wahr, daß Sie einmal einen Arrestanten derart mit dem Gummischlauch mißhandelten, daß andere Schutzleute abwehrten und einer das Lokal verließ, weil er die Mißhandlung nrcht mit ansehen konnte? Der Schutzmann Kugler: Ich vcr- weigere darauf die Antwort. Ein als Zeuge vernommener Maurer- meifter bekundete, daß er ebenfalls von M ü n ch e n e r Schutzleuten vom Rade heruntergerissen wurde und den Schenkel ge. Krochen habe. Er habe damals gegen die Schutzleute Anzeige erstattet, dieser sei jedoch eine Folge nicht gegeben worden, dagegen mußte er wegen Uebertrewng von Radfahrer- Vorschriften 5,3g M. Strafe bezahlen. Die Folge dieses UebereiferS der Schutzleute war, daß er 5 Wochen bettlägerig war. einen finanziellen Schaden von 10 0 0 M. habe und zeitlebens einen kurzen Fuß habe.— Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Bernheim brandmarkte mit scharfen Worten das Verhalten der Schutzleute und meinte, daß sich der Angeklagte, wenn er derartige Roheiten von Schutzleuten nach Gebühr kritisiere, ein Verdienst er- Ivorben habe. Die Geschworenen bejahten trotz dieses geradezu er- drückenden Ergebnisses der Beweisaufnahme die Schuldfrage. Der Staatsanwalt beantragte 3 Wochen Gefängnis. Das nachts 10 Uhr gefällte Urteil für Gruber lautete auf 500 M. Geldstrafe oder ög Tage Gefängnis._ DeS zweifachen GattrnmordeS angeklagt. L Y ck i. Ostpr., 18. Oktober. Ein dunkles Sittenbild aus dem äußersten Osten beschäftigt heute das Schwurgericht, vor dem sich die Witwe des Kaufmanns Manko, Auguste Manko geborene Hoppe, aus der deutsch- russischen Grenzstadt Prostken bei Lyck unter der Anklage des zweifachen GattenmordeS zu verantworten hat. Frau Manko, die schon dreimal verheiratet war und unmittelbar vor ihrer Verhaftung dem vierten Manne die Hand zum Bund« für daS Leben reichen wollte, hat mit ihren Ehemännern nicht viel Glück gehabt oder, wenn man den Angaben der Anklage Glauben schenken darf, diese nicht mch ihr. Der erste Mann der Angeklagten, der Kaufmann und Nestau. rateur Z i e s i g in Prostken, oerstarb vor zirka 6 Jahren unter höchst rätselhaften Umständen. Und zwar, wie man heute annimmt, in- folge des Genusses zahlreicher Dosen von Arsenik, des Gifte», daS bekanntlich in Osten feit undenklicher Zeit auch bei Mordtaten von Bauerngutsbesitzern gegen die in das Altenteil gegangenen„Altfitzer" verwandt und deshalb im VollSmunde scherzhaft die �„Altfitzer- Medizin" genannt wird. Denunziationen der Angehörigen deS Zeisig, die schon damals die Angeklagte des GattenmordeS be» schuldigten, hatten zunächst keinen Erfolg, da der Totenschein für die geäußerten Verdachtsmomente keine Unterlage bot. Bald nach dem Tode ihres ersten ManncS heiratete Frau Manko den Kaufmann I a n s o h n in Lyck. Auch er erfuhr bald sehr eigentümliche Beweise ihcr Zuneigung, denn nach seiner Behauptung will er wiederholt den ihm vorgesetzten Speisen einen bitteren Ge schmack angemerkt haben, danach unpäßlich geworden sein und Er scheinungen beobachtet haben, wie sie nach dem Genüsse von Arsenik einzutreten pflegen. Ebenso soll Frau Manko ihm noch auf andere Weise nach dem Leben getrachtet haben. Der Kaufmann zog es deshalb vor, sich von ihr scheiden zu lassen, zumal er Frau Manko auch im Verdacht des wiederholten Ehebruchs hatte. Der Ehe- fcheidungsprozeß rollte höchst unerquickliche Verhältnisse auf und er- brachte derart erdrückende Einzelheiten über den sittlichen Lebens- Wandel der Frau, daß schließlich die Ehe aus ihrem Verschulden getrennt wurde. Allein Frau Manko fand bald Trost in den Armen eines dritten Ehemannes, des Kaufmanns Manko in Prostken, nur daß auch dieser ihr schließlich wieder unter höchst merkwürdigen Umständen entrissen wurde. Man fand ihn nämlich eines Morgens erschossen in seinem Bette liegend auf und seine untröstliche Witwe konnte keinerlei Aufschlüsse über den rätselhaften Todesfall geben. Er- neute Denunziationen, in denen behauptet wurde, daß Frau Manko ihren Mann im Verem mit einem ihrer zahlreichen Liebhaber um- gebracht habe, gaben nun der Staatsanwaltschaft in Lhck Anlaß, nicht nur die näheren Umstände bei dem Ableben Mankos, sondern auch in bezug auf den Todesfall des ersten MaimeS einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Dabei wurde im Besitz der Angeklagten ein Giftschein über eine große Dosis Arsenik vorgefunden, die diese im Jahre 1890, zur Zeit des Ablebens des ersten Mannes, einer Apotheke in Lyck entnommen hatte. Die Folge dieser Entdeckung war, daß man den Leichnam des Kaufmanns Zeisig ausgrub und die einzelnen Teile dem Berliner Gerichtschemiker Dr. Jeferich zur Untersuchung übersandte. Dr. Jeserich stellte denn auch fest, daß die Leiche große Mengen von Arsenik enthielt, die nicht etwa erst unter der Erde in den Körper des Toten eingedrungen waren. Während diese Untersuchungen noch schwebten, verließ Frau Manko, die sich inzwischen abermals verlobt hatte und unmittelbar vor der Hochzeit stand, mit ihrem neuen Liebhaber in aller Stille Prostlen und fuhr nach Paris. Von dort aus richtete sie an einen ihrer Bekannten einen von der Staatsanwalt in Lyck aufgefangenen Brief, in welchem sie anftug,„ob denn dort schon alles still sei". Nun setzte man alles in Bewegung, um ihrer habhaft zu werden, und im Januar d. I. gelang es denn auch, Frau Manko auf dem Hauptbahnhos in Hannover festzunehmen. Sic bestritt zunächst hartnäckig, Frau Manko zu sein und hat auch bis heute jedes Ver- schulden an dem Tode ihrer zwei Männer in Abrede gestellt. Angelegenheiten der königlichen Hochschule für Musik wurden gestern des längeren vor dem Schöffengericht erörtert. Anlaß gab ein Brief, den der Kaufmann H o l tz an den Professor Moser von der königlichen Musikschule geschrieben hat. Der Brief hat seitens des Adressaten sowie seitens des Präsidenten der Akademie der Künste einen Strasantrag veranlaßt. Die Tochter des Herrn H. hatte sich, nachdem sie eine Reihe von Jahren im Konservatorium des Musikdirektors Kittel und bei dem ÄammermusikuS VenuS mit Erfolg Violinunterricht genossen hatte, zur Aufnahme als Schülerin bei der königlichen Hochschule für Musik gemeldet. Die Aufnahmeprüfung brachte aber nicht das erhoffte Resultat, vielmehr wurde ihre Aufnahme abgelehnt, während ein Herr L., der gleich. falls Schüler des Herrn Venus gewesen und dann Schüler des Prof. Moser geworden war, ausgenommen wurde, obgleich, wie behauptet wird, seine Leistungen diejenigen des Frl. H. nicht erreicht hoben sollen. DaS Mißgeschick verdroß die Familie Holtz und Herr H. richtete einen Brief an Prof. Moser, der Vorsitzender der Prüfungs- kommission gewesen war, um seinen Rat zu hören, was für das Fräulein zu tun sei. Auf Aufforderung des Professors begab sich dann Frau Holtz mit ihrer Tochter in die Wohnung desselben. Prof. Moser soll dann daS Fräulein nochmals geprüft haben, mit ihren Leistungen nicht unzufrieden gewesen sein, aber gesagt haben, daß sie besseren Unterricht nehmen solle. Mutter und Tochter behaupten nun, daß sie den Professor darauf gefragt hätten, waS«S denn kosten würde, wenn der Unterricht bei einem Herrn der Hochschule ge. nommen würde; darauf sei die Antwort erfolgt: die älteren Herren nehmen 25 M. pro Stunde, er selbst sProf. Moser) nehme 29 M. Auf die weitere Frage, ob er denn den Unterricht übernehmen würde, soll Prof. M. gesagt haben: Ich will ja Ihrem Lehrer eine Schülerin nicht wegnehmen; ich könnte den Unterricht auch erst nach den Ferien übernehmen und würde Sie in einem Jahre erst so weit bringen, daß Sie aufgenommen werden würden. Eine Garantie kann ich aber nicht übernehmen. Als der Angeklagte von Frau und Tochter die Unterredung in dieser Form gehört hatte, richtete er an Prof. M. ein Schreiben', in welchem er seine höchste Verwunderung über die Nichtaufnahme seiner Tochter im Gegensatz zu Herrn L. ausdrückte, der aufgenommen worden sei,„obwohl er nicht den Schatten des Wissens und Könnens der Tochter besitze".„Eine Erörterung dieses Themas in der Oeffenllichkeit würde vielleicht von allgemeinem Interesse sein und solle in Erwägung gezogen werden. Der mit 20-Marlstücken gepflasterte Weg aber sei aus ethischen, sozialen und finanziellen Gründen nicht gangbar und deshalb werde die Tochter auf den Nimbus, Schülerin der Hochschule gewesen zu sein, ver- ichten und sich damit trösten müssen, daß es auch schon vor Bestehen ...... egeben habe."— Prof. Moser -" lichkeit, denn WW. Schülerinnen durchkommen lasse, bei' denen er Geld verdiene. Er denke gar nicht daran, irgend jemand aus solchem Grunde zu bevorzugen, Tatsache der Hochschul« große Künstler gegeben habe."— Prof. M c erblickte in diesem Brief den Vorwurf der Bestechlichkeit, es werde doch klar angedeutet, daß er nur diejenigen Schüleri sei eS auch, daß mehr als einmal einer seiner Schüler durch., sei, während andere Aufnahme gefunden hätten. DaS Mißgeschick deS Frl. H. habe einfach daran gelegen, daß satzungSgemätz nur für 7 Manner und 6 Frauen Platz war und die Aufnahmckonfcrenz zu- Ungunsten des Frl. H. entschied. Der Zeuge bestritt auch entschieden, daß Mutter und Tochter das mit ihm geführte Gespräch richtig wiedergegeben und behauptete, daß aus seiner Antwort herauszulesen war, daß er die Ucbernahme des Unterrichts ablehnte. Auf eine Frage des Verteidigers, Justizrats W i n t e r fe l d, gab der Zeuge zu, daß ein großer Teil derjenigen, die in die Hochschule aufge- nommen werden, vorher von Lehrern oder Schülern der Hochschule unterrichtet worden sind.— Die als Zeugen vernommenen KammcrmusikuS VenuS und Musikdirektor Kittel erklärten, daß sie sehr erstaunt gewesen seien, als sie hörten, daß Herr L. auf- genommen worden sei, Frl. H. aber nicht. Beide Zeugen bekundeten: in Künstlerkreiscn herrsche die Meinung, daß die Aufnahme in die Hochschule für Musik dadurch wesentlich erleichtert werde, daß man vorher bei einem Lehrer der Hochschule Unterricht nimmt. Tatsachen hierfür vermochten die Zeugen nicht anzugeben, und sie gaben auf Befragen zu, daß mitunter auch Schüler der Professoren durchfallen. — Der Staatsanwalt vermißte jeglichen Beweis dafür, daß Prof. Moser aus persönlichen Gründen bei der Prüfung irgend jemand bevorzuge. Der Brief sei beleidigend und der Schreiber müsse verurteilt werden. Der Staatsanwalt beantragte 20 M. Geld- strafe.— Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 20 M. Geldstrafe. Der Brief sei beleidigend. ES sei durchaus nicht er- wiesen, daß die Mehrzahl der in der Hochschule aufgenommenen Personen deshalb Aufnahme gefunden, weil sie Unterricht bei einem Lehrer der Hochschule genommen, ebensowenig sei erwiesen, daß Prof. Moser bei den Prüfungen irgend jemand aus seinem persönlichen Interesse heraus bevorzuge. Vermifcdtes. Wieder ein schweres Eisenbahn-Unglück. AmAiche Meldung. Am 17. d. MtS., abends 9 Uhr. stieß ans der Strecke T,l s, t— Königsberg eine von der Station Tilsit abfahrende Lokomotive zwischen den Stationen Tilsit und Alt-Weynothcn auf den fahr- planmäßigen Zug 909. Verletzt sint> teils schwer. teils leicht fünf Eisen bahnbedien stete und neun Reisende. Der Materialschaden ist erheblich. Die Strecke ,st voraussichtlich auf 21 Stunden gesperrt. Die Namen der verletzten Reisenden sind: Max Schubert. Kaufmaiiii aus Breslau, Wilhelm Müller. Viehhändler. Frau Lauterstein ans Tilsit. Emma Vojahr aus Tilsit. Kaufmann Richard Rosenseld aus Tilsit. Reisender Hugo Moses aus Berlin, Photograph Wilhelm Kanschu« aus Tilsit. Fleischermcister Rattke auS Königsberg. Reisender Paul Küster aus Königsberg. Ein Toppclmord aus Gefälligkeit. Dienstag abend erschoß in seiner Wohnung, wie die„Braunschweiger Neuesten Nachrichten" melden, der 18jährige Banklchrling Karl Brunke die beiden Töchter des Kaufmanns Haars, die im'Alter von 20 und 22 Jahren standen. Die beiden jungen Mädchen wollten infolge unglücklicher Liebe aus dem Leben scheiden und hatten Brunke ersucht, ihnen die Gefälligkeit zu erweisen, sie zu erschießen. Brunke stellte sich alsdann selbst der Polizei und wurde in Untersuchungshaft genommen. Im übrigen hat Brunke seinem Chef 800 M. unter- Magen. Brunke, der etwas exentrisch zu sein scheint, hat mehrere Dramen verfaßt, die aber noch der Aufführung harren. Tie Eisenbahn-Katastrophe bei Brandenburg hat nunmehr ein zweites Opfer gefordert. In dem dortigen Krankenhause ist am gestrigen Tage die Frau des Restaurateurs Beust ihren schweren Verletzungen erlegen. Ter Zustand deS ebenfalls schwer verletzten Tapeziers Dähne hat sich derartig verschlechtert, daß leider an seiner Wiederherstellung gezweifelt wird. Französische HauspafchaS. Dem Blatte„La vie de PariS� zufolge haben die Besitzer zweier neuerbauten vornehmen Häuser in der Rue des Martyrs in Poris in ihre Mietsverträge die Be. stimmung eingefügt, daß kein Mieter Kinder unter 15 Jahren haben darf, und daß der MictSvertrag von selbst erlischt, falls dem Mieter im Hause Kinder geboren werden. Krlekkaften der Redaktion* >rirttr(h«r Cell. Sic surlftlsche epr«chMinde flnbe« täglich mit Zln?>labm«d«S Sonnabends von?>/, bis»>/, Nbr statt,«leöksnct: abend» 7 Nhr. Blischke 999. ya.— v. 79. Anleitung zur Fertigung einer Be- leldigungSllage und Beispiele dafür finden Sie S. 123 und KauU»»gung. Für die hcrztich« Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter sagen wir allen Freunden, Verwandten und Bekannten sowie dem Gesangvelcin«Morgengrauen" unteren liesgesühlien Dank. 136b Theodor Kappelt nebst Kindern. m 14 Brauerei F. Happoldt Hasenheide 32|8 Benin s„ Hasenheide 32|8 empfiehlt ihr Lager» Münchner» TIpsTop» Bier in Flaschen und Crehinden. Telephon: Amt 4. 0115. 4T56L* M Klobel'fabHk und Lager komnletter Wolisungs-Eiuriclilungen zn Fabrikpreisen— Eljpcno Werkstätten— empfiehlt üittins ftpelilSkalitzerstr, 6," T"" Weidemveg 13. 1 Laden mit Wohnung, 75 Mark, kleine Wohnung frei, kattunann, I und fr. SchÜDiemanaij Speziol-Arzt für 141021!* Hnnt- und Harnicldon, Franenkrunkhcitcn, Seydslstr. S, dicht am Spitlelmarkt. "' g«'/.i«-',». 8. «onutagS 10—12. Bygienisclie Beilarlsartikel, grötzlcr Versandt. Ansragen erbeten Fr. Boior Nacht., Berlin S.O. 201. 295/ 16* Rcichenbergerstr. 164. Heute Elite-Tag der IM-,«MM- und itü Berlin, Luisenhof, Dresden erst. 34/35 vom 14. bis 22. Oktober d. I. geöffnet o. 10—8 Uhr. Tagt. Komeri. Entree 50 Pf., Elitetag 1 M. J. Baea* Badstr.26,PrinEeckAe„ee Herren- und Knaben- kMcden. Berufskleidung. fElegantc Paletots und .loppen.. GroBcs Lager Mn- und ausländischer Stoffe, zur Anfertigung nach MaB. Allerbilligste, streng teste Preise.« Preise beliebige Teil. zahlung. Olga Jacobson,.S'us. Kerantw. Redakteur: Panl Büttner, Berlin. Sür den Inseratenteil vcrtinlw.: Ttz. Gl»ckt. Berlii». Druck u. Verlag: BorwSrt» Buchdrucker« u. Vttlagsanjtalt Sind fena«& So.. Scrlw S\W Nr. 245. 22. Jahrgang. 2. Öriliw des Jowättf Scrliutt pIMIatt. Donnerstag. 19. Oktober 1905. Der organlßerte Ztreikbrnch vud Arbeiterverrat in Köln. Der Kölner Holzarbciterftreik hat nach achtwöchiger Daner erfolglos geendet. Tie Kämpfenden mußten erkennen, daß eine Weiterführung des Ansstaiides aussichtslos sei, da insgesamt 57 Proz. der in Betracht kommenden Stellen durch Arbeitswillige besetzt waren. Es ist also dem„christlichen" Holzarbeiter-Verband gelungen, den Streik zu erdrosseln nnd die eigenen Arbeitsbrüder und Leidensgenossen an den gemein- samen Feind, das Unternehmertum, zu verraten und zu ver- kaufen. Es ist angebracht, jetzt, nach der Beendigung, eine geschichtliche Darstellung dieses Kampfes zu geben. Der christliche Holzarbcitcr-Lerbaud hat kürzlich, während des Kölner Lohnkanipfes, solgmde Grundsätze aufgestellt: „1. Will eine Orgaiiisalwii eine Lehlibeiveguini inszenieren und es kommt dabei eine zweite Organisation in Betracht, so ist diese so früh wie möglich davon zu verständigen, damit auch von ihr alle Vorbereiiungen getroffen werde» können; 2. vor dem Eintritt in eine unter Punkt l bezeichnete Bewegung ist unter den beteiligten Verbänden sowohl hinsichtlich der Forderungen wie auch über den Zeitpunkt und die vorgesehene Taktik eine Ver- ständigung zu erzielen; 3. werden von anderen Verbände» die unter l und 2 stehenden Bedingungen nicht erfüllt, so habe» die Mitglieder unseres Verbandes durch VersammliingSbescklutz ihre einzuschlagende Taktik selbst zu bestimmen und die Zustinunung des Zentralvorstandes dabei einzuholen." Die bisher von dem christlichen Holzarbeiter- Verband beobachtete Taktik schlägt diesen seinen eigenen Grund- sätzen brutal ins Gesicht. Noch vor zwei Jahren stellte der christliche Holzarbeiter- Verband in Köln eine Reihe Forderungen auf, darunter die neunstündige Arbeitszeit, ohne auch nur im mindesten den deutschen Holzarbeiter-Verband. die weitaus stärkste Organisation am Orte, davon in Kenntnis zu setzen oder sich mit ihm in irgend einer Weise zu verständigen. Dieselben Unternehmer, denen die christlichen Führer heute in widernatürlichem Liebesverhältnis in den Armen liegen, würdigten den christlichen Verband vor zwei Jahren nicht einmal einer Antwort. Im folgenden Jahre aber führte der deutsche Holzarbeiter-Verband die neunstündige Arbeitszeit in Köln werkstattweise durch, und sie wurde nachher durch Vereinbarung mit dem Unternehmer- Verbände für Köln allgemein festgelegt. Für die Möbel- tischler, die ausnahmslos dem deutschen Holzarbeiter-Verband angehörten, setzte dieser eine Lohnerhöhung durch, und kürzlich arbeitete der Verband auch für die Bautischler einen Tarif aus. Zum Zwecke einheitlichen Vorgehens trat man mit dem christlichen Verbände in Verbindung, und dieser legte ebenfalls einen fertigen Vertragsentwurf vor. In gemeinschaftlicher Sitzung der Ver- treter beider Verbände wurde nun ein einheit- ichcr Tarif aufgestellt und zwecks Einreichung sofort in Druck gegeben mit der Unterschrift beider Verbände. Der Lokalbeamte des christlichen Verbandes trug selbst den Tarif in die Druckerei, und zwar in die. wo der christliche Verband seine Sachen herstellen läßt-s Der Korrekturabzug wurde von dem christlichen Beamten abgeholt und in einer »vetteren Kommissionssitznng vorgelegt. AlS dann auf Verlange» der„Christlichen" noch Aendernngen daran vorgenommen waren, fanden sie nichts mehr daran auszusetzen, doch wollten sie vor der Einreichung noch ihren Vorstand und ihre Vertrauensmänner befragen, dann sollte eine endgüUige Kommissionssitzung die Sache regeln. Dazu kam es aber nicht. Denn jetzt erfolgte der Umschwung bei den„Christlichen". Sie ließen in einer außerordent- lichen Mitgliederversammlung beschließen, daß der Tarif nicht eingereicht»verden solle, und zivar wurde dieser Beschluß— man beachte die winzigen Zahlen— gefaßt mit nur 135 gegen 57 Stimmen. Zu einer»vetteren Kommissionssitzung erschienen die„Christlichen" nicht mehr. Die Ursache des Umschwungs, den man auf den Hauptvorstand des christlichen Verbandes zurückführen muß, ist zweifellos in der finanziellen Leistungsunfähigkeit des in ganz Deutschland nur 7000 Mitglieder zählenden christlichen Ver- bandes zu erblicken. Diesen wirklichen Grund gaben sie aber »»icht an, sondern sie behaupteten, die Zeit sei nicht günstig, was aber auf das entschiedenste zirrückgewiesen werden»nuß urtd in der Tat ja auch von den„Christlichen" selbst nicht geglaubt wird. Nun nahm auch der Deutsche Holzarbeiter- Verband eine Abstimmung vor, zu der er sämtliche Tischler einlud. Diese von 17vv Tischlern besuchte Versammlung beschloß einstimmig, daß der Tarif in der Form, wie er»nit den„christlichen" vereinbart worden war, sofort den Unter- uchmcrn unterbreitet werden solle. Da die Unternehmer auf die Forderungen nicht eingingen, kam es am 16. August zum Ausstaird. Auch ein großer Teil der ch r i st l i ch e n Mit- glieder legte die Arbeit nieder, darunter deren Kölner Vor- sitzender. Die Führer kommandierten ihre Mitglieder aber wieder an die Arbeit zurück: doch nicht alle folgten, und nachher traten etwa fünfzig christliche Mitglieder zum Deutschen Holzarbeiterverbande über. Bis hierhin könnte man das Verhalten des christlichen Holzarbeiterverbandes wenigstens zu erklären versuchen. WaS der christliche Verband aber dann unternahm, das hätte der ärgste uird mißtrauischste Feind der Zentrums- Gciverkschaften sich in seinen schwärzesten Be- fürchtungen nicht träumen lassen. Die christlichen Führer beschlossen, den Wider ihren Willen entstandenen Lohnkampf zunichte zu machen. Sie traten mit den Unternehmern in Verbindung und ver- pflichteten sich, aus ihren sämtlichen Zahlstellen je einen bis zwei Arbeitswillige herbeizuschaffen, sie versandten dem entsprechende Rundschreiben, ihre Redner hielten in den meisten rheinisch»vestfälischen Städten Versammlungen ab. und das Verbandsorgan brachte a n der Spitze in Fcttschrift die Aufforderung zum Zuzug nach Köln. Als in Offenbach a. M. eil» Unternehmer mehrere Schreiner suchte und sich auf den Nachweis des christlichen Holzarbcitcr-Ver- bandes begab,»vurde ihm erklärt: Es sind keine da: wir haben sie nach Köln geschickt. Die christlichen Führer hatten ein vollständiges Streikbrecher-VermittelniigSburenu ein- gerichtet,»vaS der folgende Brief an einen in Euskirchen wohnenden Holzarbeiter dokumentarisch beweist: Köln, IS. September OS. Werter Kollege! Es wurde mir mitgeteilt, daß Du event. geneigt seiest, hier in Köln als Maschincnschreiner in Arbeit zu treten. In ver- fchiedenen Werlstellen werden hier tüchtige Maschinenschreiner gesucht. Der Lohn beträgt S bis 5,50 M. Am besten ist eS, Du wendest Dich an den Arbeitsnachweis unseres Verbandes, Köln, Palmstraße Nr. 14, wo Dir sofort Arbeit nachgewiesen wird. Bekannt wird Dir sein, daß der sozialdemokratische Verband sich hier im Streik befindet. Da aber der Streik ohne unsere Zustimmung inszeniert wurde, haben wir keine Veranlassung, deiiselben mitznmachcn, vielmehr sehe»»vir denselben als für»nS nicht existierend an. Auf dieSbezügb Ant- wort wartend, zeichne» mit freundlichem Gruß für den christlichen Holzarbcitcr-Bcrband, Zahlstelle Köln, Wilh. Heimüller, Palmstr. 14. Dieser Heimüller ist der nämliche Kölner Lokal- b e a m t e, der den eingereichteil Tarif mit dnrchberaten, »intersch rieben, fiersöillich zum Druck besorgt und mit korrigiert hat. Man sieht, wie iveit die sittliche Verkommen- heit von Menschen gehen kann, die durch die M.-Gladbacper Jesnitenschule gegange» sind. Auf die geschilderte Art haben die Kölner Zentrninschristen Hunderte von Arbeitswilligen herbeigeschleppt, alle, die sie bekommen konnten, darunter Elemente, die sonst der Arbeit meterweit aus dem Wege gehen. Durch die völlige Unterbindung des Streikposten- stehens durch die Polizei wurde ihnen diese Tätigkeit sehr leicht gemacht. So mußten denn die ausständigen Holzarbeiter, die bis zum letzten Augenblick mit seltener brüderlicher Treue ihren Mann gestanden haben, den Kampf beenden. Sie haben in Ehren gefochten. Nicht dem Unternehmertum sind sie unter- legen, sondern feiger, teuflischer Verrat aus'on Reihen der eigenen Klassen- und Leidensgenossen hat sie zi. Fall gebracht. Einen Gewinn wird der den Namen„christlich" besudelnde Streikbrecherverband von seiner Tat nicht haben. Kein Holz- arbeiter, der noch ein Fmrkchen Ehrgefühl im Leibe hat,»vird in dem Verbände bleiben oder ihm beitreten können. Die Tat des„christlichen" Holzarbeiterverbandcs in Köln wird als untilgbarer Schandfleck für alle Zetten an dem Schilde der Zeiltruinsgeiverkschaften haften bleiben. Versammlungen. Zweiter Wahlkreis. Am Freitag tagte im„Hofjäger- Palast" eine außerordentliche Geileralversanimlniig des Wahlvereins, die die Tagesordnung der am lO. d. M. aufgelösten Versammlung fortsetzte. Es handelt sich um die Aufstellnng von drei Stadtverordneten- Kandidaten. Ohne Debatte wurde Genosse Sassenbach sür den 3. Bezirk aufgestellt.— Ueber die Kandidatur des Genossen Paul Möhring, der sür den 6. Bezirk vorgeschlagen wurde, entstand eine kurze Debatte, hervorgerufen durch einen Protest, den die Fitiale ll des Verbandes der Lithographen undSteindrucker gegen MöhringsKandidatur eingereicht hat. Der Protest wurde begründet mit einein Vorgange, der sich an die Verschmelzung deS Senefelder-Vundes mit dem Ver- bände der Lithographen und Steindrucker knüpft und im wesentlichen darin besteht, daß Möhring, der als Lithograph seiner Gewerkschaft angehört, die strittigen Rechte derjenigen Bundesmitglieder vertritt, welche die Verichmelznng in der Form, wie sie vollzogen ist, nicht billigen. Die Versammlung erachtete den Protest als nicht begründet. sie entschied sich mit lS4 gegen 54 Stimmen für die Kandidatur MöhringS.— Eine lange Debatte entstand wegen der Kandidatur für den 7. Bezirk. Die Bezirksführer haben den Genossen Herz- feld vorgeschlagen, aus der vorigen Versammlung heraus lst Genosse Lankow vorgeschlagen worden. In der Debatte wurde bemängelt, daß Lankow, der schon früher kandidierte, diesmal über- gangen worden sei, und weiter wurde gesa{st. der WahlvcreinS- vorstand habe in Gemeinschaft mit Richard Fischer einen schweren Verdacht gegen Laukow ausgesprochen, um dessen Kandidatur und Parteitätigkeit unmöglich zu machen. Der Vorstand sowohl wie Fischer verivahrten sich dagegen. daß dies der Grund ihres Vorgehens gegen Lankolv gewesen sei. Fischer führte unter anderm aus, nicht hinten hemm und nicht unmittelbar vor der Wahl, wie in der Diskussion gesagt wurde, sondern dem Genosien Lankow inS Gesicht habe er seinen Verdacht ausgesprochen. Was er, Fischer, getan, halte er für seine Partei- genössische Pflicht, und der Parteivorsland habe ihm darin zu- gestimmt. Es handle sich darum,'daß Lankow beschuldigt werde, der Polizei gegen Bezahlung Dienste zu leisten. Diese Beschuldigung stütze sich auf eine durchaus zuverläisige Quelle, deren Angaben sich schon in früheren Fällen als zutreffend erwiesen hätten.— Lankow bestritt sehr entschieden die Richtigkeit der gegen ihn erhobenen Anschuldigung, er wünsche dringend, daß die Angelegenheit, die er schon vor längerer Zeit dem Parteivorstande unieibreitet habe, der sich aber aus formellen Gründen nicht damit befaßt habe, durch ein Schiedsgericht oder eine Komniission untei sucht»verde.— Nachdem »och weiter über diese Angelegenheit diskutiert worden war, trat Lankow von der Kandidatur zurück und H e r z f e l d wurde ein- stimmig als Kandidat für den 7. Bezirk aufgestellt. Die Ver- sammlung setzte eine Komniission von 7 Mitgliedern ein, welche die gegen Lankow erhobene Beschuldigung prüfen soll. Vierter Wahlkreis. Am Freitag fand in der„Urania". Wrangel- straße, in einer nur schlvach besuchten Versammlung des sozialdcmo- krotischen Wahlvereins die Fortsetzung der Diskussion über die Berhandluitgen des Jenaer Parteitages statt. An der Debatte beteiligten sich Stümpe. Thäder, Schröder. Valenthin. Jensch, Rieger. Lang- bammer. Jaeck, Gleitner und Brückner. Die meisten Redner behandelten mehr oder weniger eingehend da? Verhältnis zwischen Partei und Gclverkschaften und sprachen dabei die Er- Wartung auS, daß dieser Parteitag wohl dazu beitragen werde, den sozialistischen Gedanken mehr wie bisher in den Gewerkschaften zu pflegen. Vor allem wurde eilte regere Beteiligung der Gelverl- sckastSsührcr an den Arbeiten der Partei gewünslbt. Nackidein' um 12 Uhr die Debatte beendet»vor, konnte der Borsitzcitde Hacket- b ii s ch konstatieren, daß»vohl selten eine so sachliche und auf voller geistiger Höhe stehende Aussprache über die großen Partei- und Geiverlschaftsfragcn iin 4. Kreise stattgefunden habe. Er gab der Ucberzeugung Ausdruck, daß diese Diekussion gute Früchte für die Parteiorganisation tragen werde. Einsiininiig wurde sodann folgende von Rieger gestellte Resolution angenommen: Die Parteiversammlung deS 4. ReichStagS-WahlkreiseS erklärt sich mit den Beschlüssen des Parteitages und dem Verhalten der Delegierten eiiivcrstandeii. Besonders begrüßen es die Versammelten, daß der Parteitag in der Frage der Maifeier und des politischen Massenstreiks aufs neue betont hat, daß die deutsche Sozialdemo« kratie sich ihrer revolutionären Aufgabe wohl betvußt ist und deni- geinätz aller Leisetreterei und Lerflachung mit Entschiedenheit ent- gegeuzutreten gewillt ist. Die Versammlung appelliert an alle Par- teigeuossen. mmmehr mit Eifer und Energie dafür zu sorgen, daß den Bcschlüffen des Parteitags zur Maiseier und zum Massenstreik überall, soivohl auf politischem lvic gcwcrlschafllichcm Gebiet, in einer der Partei würdigen Weise Geltung verschafft wird. Die Diskussion über Dr. FriedrbergS Vortrag„Weltanschanimg und Taktik deS Proletariats" wurde am Freitag in einer von ettva 250 Personen besuchten Versammlung fortgesetzt. Zunächst ergriff der Anarchist Mühsam das Wort und bekannte sich zu den vier Fricdebergschcn Idealen der Religionslosigkeit. Gesetzlosigkeit, deS Antimilitarismus, der Vaterlandslosigkeit. Dann führte Genosse S ch e s f e r(lolalorganisierter Zimmerer) in l'/«stündigem Vortrage aus. daß er Friedcberg zwar nicht völlig verstehe, namentlich nicht inbezug auf das, was Anarcho» Sozialismus bedeuten sollte, im übrigen aber habe Friedeberg mit seinen Forderungen recht, namentlich dürfe der Parlamentarismus nicht überschätzt werden, erreicht sei durch ihn überhaupt noch nichts. Schuld am Ueber- Parlamentarismus seien die geiverkschastlichen Zentralverbände. Aehnlich sprach sich auch Genosse Rupp, ebenfalls lokal- organisierter Zimmerer, auS. Genosse H e i l m a n n. der dann zu Wort kam, zog eine scharfe Grenzlinie zwischen Anarchismus und Sozialisnms; deS letzteren Ideal könne nicht der Zustand der Gesetzlosigkeit sein, vielmehr erstreben»vir die sozialistische Gesellschaftsordnung, einen durchaus geordneten Zustand der Gesellschaft mit streng umrissenen Pflichten für den einzelnen. Der Redner forderte Friedeberg auf, endlich einmal deutlich zu erklären, ob sein Ideal das alte sozialistische sei oder ein neues anarchistisches, die sogenannte freie Gesellschaft, in der jeder tun und lassen könne,»vas ihm beliebt. Er ging dann noch auf die Stellung der Partei zur Religion, zur Gesetzlichkeit reip. Ungesetzlichkeit, zum Militarismus und zum Vaterlande ein, wobei er das schassende Wirken gegenüber dem Schlvatzen nachdrück- lich hervorhob, und schloß mit den Worten: Der erste Schritt zur Emanzipation der Arbeiterklasse war und wird sein die Emanzipation von der revolutioiiären Phrase. Dieser Redner erntete überaus lebhaften Beifall. Drei weitere Redner, Sasse, CopirelSki, Specht griffen die Taklik der Zeniralverbände als verderblich an. Dr. Friedeberg wandte sich in seinem Schlußwort wesentlich gegen Heilinann. gegen den er dadurch Stimmung zu machen suchte, daß er ihn als einen der stärksten Vertreter der Revisionisten bezeichnete, einen der Leute, mit denen KautSky sich beständig herumschlagen müsse, die mit jedem Nationalsozialen und sonstigen Bürgerlichen paktieren, das ReichStagspräsidium annehmen wollen, sich aber sofort entrüstet er- eifern, wenn jemand auftritt und am dogmatischen Marxismus Kritik übt, um das Proletariat nach links zu drängen. Seine Aus» einandersetzung mit dem historischen MatenaliSmuS von Marx, dein er einen historischen PsychismuS entgegensetze, versprach Friedeberg demnächst in ausführlicher Weise schriftlich zu geben. Dann ging er noch einmal auf die vier von ihin hervorgehobenen Punkte ein und betonte, der Parlamentarismus fei für die vergangenen Zeiten wohl gut gewesen und auch jetzt noch in unseren rückständigsten Gegenden zu propagieren, nicht aber in unseren fortgeschrittenen Industriezentren. AlS lehr« reiches Beispiel für seine Anschauungen führte er die englischen Ar- beiter an. die das Koalionsrecht erkämpft lind eine hohe LebenS- Haltung errungen haben, aber nie ins Parlament gegangen sind. Bei uns dagegen haben die Arbeiter zwar Vertreter ins Parlament geschickt, inzwischen aber weiter gesoffen, die Kinder»veiter ge- prügelt und ihre Frauen weiter geknechtet. Bei sich selbst, in ihrer eigenen Familie müssen die Arbeiter mit der Verbesserung anfangen. Auch dieser Redner erntete lebhaften Beifall. Stach einigen persönlichen Bemerkungeit wurde die Versammlung um Vzt Uhr geschlossen._ Erklärung. Gegenüber den Auslastungen des Vorsitzenden deS mmmehr auf- gelösten Wcrffarbeitcrverbaiidcs— abgedruckt in der Nr. 240 deS „Vorwärts" vom 13. Oktober im Bericht der Generalversaminluug deS D. W.-V.— sehe ich mich veranlaßt folgendes zu erklären: Der Berbandsvorsitzeitde O e l l e r i ch Hai ähnliche Aeußerungen wie die in dem Bericht enthaltenen wiederHoll ausgesprochen, ohne daß er sich bemüßigt gefühlt hätte, den Wahrheitsbeweis anzutreten. Der- selbe ist von nur zuletzt auf der Versammlung der Vorstände der an der Unterweserbcwegung beteiligten Gewerkschaften, in Gegcnivart mehrerer Mitglieder der Generalkominission ausdrücklich aufgefordert ivorden, die von ihm aufgestellten Behauptungen mir gegenüber vor der Versammlung zu beweisen. Ocllerich hat dort»veder einen GewährS« mann genannt, um angeblich von mir getane Aeußerungen nach« zuweisen, noch ist derselbe sonst in einer Form dieser von mir an ihn gestellten Aufforderung nachgekommen. O e l l e r i ch ist meinerseits während der Tagung der General- versamnilung am Nachmittag desselben Tages, an dem er in der Generalversammlung die Anschuldigungen vor den versammelten Delegierten aussprach, dringend aufgeiordert worden, mich seinem in der Beisanunliing anwesend sein sollenden Gewährsmann gegenüberzustellen. Oellerich Verlveigcrte dies mit der Motivierung, ich könne denselben Wirt- schnstlich schädigen. ES lag Oellerich daran, den Bericht vorher in die Zeitung zu bekommen, bevor es mir gelang, den Gewährsmann herauszubekommen. Erst durch den schärfsten Angriff meinerseits gegen Oellerich in der„Nordd. Volksstimme" gelang eS mir, den- selben zur Preisgabe des Namens zu bringen. Es geschah dieS von feiten Oellerich in der Weise, daß er zuerst mittels einer Zeitungsnotiz den Na, neu veröffentlichte und den GclvährSmann veranlaßte, unter seiner Notiz folgende Erklärung abzugeben: „Auf das Eingesandt deS Genoffen Peine in gestriger Nummer der„Volksstimnie" sehe ich mich zu folgender Erllärung veraulaßl, um der Wahrheit die Ehre zu geben: Genoffe Peine erklärte in einer Unterredung mit mir in seinen» Bureau: „Flensburg und Bremen werden wohl ge- nügen, den Werftarbeiter-Verband kaput zu machen. Sollte das nicht ausreichen, so»verde» wir noch in Bremerhaven nachhelfenl" Genosse Otto Oellerich hat also auf der General- versaininlung sinngemäß daS Richtige bekundet. Wilhelm Schilling." Dieser Erklärung folgte am nächsten Tage eine Gegenerklärung deS Genoffen R. Schubert wie folgt: Bei der Unterhaltung zwischen den Genossen Peine und Schilling war ich zugegen. Peine hat keine Aeußerung getan, die auch nur entfernt da? ausdrücken könnte, was Schilling, geschweige denn Oellerich be- hauptet hat. Da Schilling selbst behauptet hat. daß jene Aeußerung in meiner Anwesenheit gemacht wurde, so bin ich bereit, eidlich zu bekunden, daß Schilling sich irrt, sofern eS dazu kommen sollte. R. Schubert. Bezugnehmend aus diese letzte Erklärung Schubert? veröffentlichte ich ein längeres„Eingesandt" in der„Volksstimme", in welchen» ich den Nachweis führte, daß olle Angriffe Ocllcrichs Kombinalioncit sind. Seine ganze Aktion gegen mich ist lediglich daraus berechnet gewesen, meine Person durch den Bericht in ganz Deutschland in ein ungüiisliges Licht zu stellen. Iva« ihm aber nur dadurch gelingen konnte, daß er mir jede Möglichkeit nahm, die Angriffe als Ver- leumdungcn zu entlarve», bevor sie in die Presse gelangten. Diese Art und Weise verdient auch von den Portci-Jnstanzcn darauf geprüft zu werden, ob sie nicht als eine ehrlose Handlung im Sinne des ParteiorganisatiousstatutS anzusehen ist. Ich ersuche alle Parteiblätter, welche den Generalversammlungs» bericht abgedruckt haben, von dieser meiner Erklärung Notiz nehmen zu wollen. ES ist dieS schon auS dem Grunde nötig, da im Bericht Behauptungen enthalten sind, die den großen Kamps nicht alS einen Kamps für bessere Arbeitsbedingungen, sondern als ein Privat- vergnügen einzelner hinstellen. Fr. Peine Geschäftsführer der Zahlstelle Bremerha»>en des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes. »* In derselben Sache erhalten wir noch folgende Zuschrift: Hamburg, den 14. Oktober 05. Wenn es auch sonst nicht meine Gewohnheit ist, auf wahrheitS- widrige Ausführungen dieser oder jener Persone,. in der Presse zu antworten, weil ich lieber Gelegenheit nehme, denselben ihre Irr, tumer und Verleumdungen vor den versammelten Arbeitern oder Körperschaften zu beweisen, so mutz ich Sie jetzt aber dennoch bitten, mir die Aufnahme folgender Zeilen nicht zu versagen, weil in dem auch von Ihrem Blatte aufgenommenen Bericht der auherordcnt- lichcn Generalversammlung des Deutschen Werftarbciter-Verbandes in Bremerhaven, seitens des Herrn O. Oellcrich als Referent, wissentlich Unwahrheiten den anwesenden Delegierten über meine Person und deren Tätigkeit mitgeteilt wurden, welcken ich, weil sie durch die Presse verbreitet sind, auch in der Presse bc- gcgnen muß. Nach dem oben genannten Bericht hat der Herr Oellerich als Referent ausgeführt und wollte derselbe mich dadurch als unfähig in meinem Amt als Bczirksleiter des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, cventrtcll als rachsüchtig gegen den Dcutsdhen Werftarbeiter-Verband hinstellen, da st ich den Streik in Flensburg von vornherein für aussichtslos gehalten, daß ich von den Arbeitern, namentlich unter meiner Anweisung, ohne Vorwissen der übrigen Verbandsvorstände Forderungen ausarbeiten und einreichen lieh. Im Laufe meiner langjährigen Tätigkeit im öffentlichen Leben ist mir schon manche» mit unseren Gegnern passiert, �aber in so schmutziger, entstellter Weise, trotzdem der Referent den Dach- verhalt genau kennt, hat noch niemand mir gegenüber operiert und konstatiere ich, daß diese Behauptungen, an einem Ort gemacht wurden, wo cS mir unmöglich war, auch nur da? geringste zu«nt- gegnen und bezeichne ich somit den genannten Referenten als einen Menschen, welcher in aller Oeffentlichkeit wissentlich die Un- Wahrheit sagte, einen Demagogen der gefährlichsten Sorte, wofür folgender Beweis: Im Laufe deS Jahres 1904 waren die Arbeiter der FlenS- Bürger Schiffsbau-Gesellschaft wiederholt derartig aufgeregt, daß cS nur mit Aufopferung von recht viel Zeit und Mühe gelang, dieselben gu beruhigen und die unaufhaltbare Bewegung in geordnete Dahnen zu leiten. Im November 1904 waren die Arbeiter der Flensburger SchiffSbau�Gefellschaft bereit, ihre Angelegenheiten zu beraten, und geschah dieses in einer Besprechung der am Ort tätigen Vertreter der beteiligten Gctverkschaftcn, Im Dezember 1904 wurde die Bewegung bei unserem Vorstande in Stuttgart angemeldet. In ver- schiedenen Versaimnlungen meiner Kollegen wies ich nun darauf hin, daß dieselben die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den einzelnen Nessorts genau feststellen sollten, um demgemäß ihre Forderungen zu formulieren, Im Anfang April 1905 erhielt ich eine Einladung zu einer Konferenz der beteiligten Zcntralvorstände»nd Gauleiter. Als ich nun an dem bestimmten Tage zu dieser Verhandlung in Flensburg erschien, wurde ich sofort von verschiedenen Kollegen gebeten, die von den Arbeitern aufgestellten Forderungen zu formulieren, um dieselben dann in dieser einheitlichen Weise der folgenden Konferenz zu unterbreiten. Ich kam dem Verlangen nach und unter Assistenz des Genossen Lassen, Vorsitzenden der Verwaltungsstelle Flensburg des Deutschen Werstarbeiter-VerbandeS, und eine? Vertrauensmannes unserer Organisation arbeiteten wir einen Tarif aus, welcher, vervielfältigt, den Besuchern der Konferenz von dem Genossen Lassen des Abends zugestellt wurde. Es waren ver- treten die Zentralvorständc der schmiede, Schiffszimmercr, die Bezirksleiter der Hülfsarbeiter, Holzarbeiter, Metallarbeiter und die in einzelnen Organisationen«lS leitende Personen am Orte fungierenden Genossen. Auf dieser Konferenz ist der Tarif beraten und festgestellt worden, dann dem ArbeiterauSschuß und den WcrftvertrauenS- männern übermittelt. Diese haben dann denselben der Direktion eingereicht und nahm die Dache somit ihren Lauf. Es ist unwahr, was der pp. Oellerich behauptete. Nicht ich allein habe die Verantwortung für den eingereichten Tarif, sondern sämtliche Vertreter, welche an der Konferenz teilnahmen, denselbe» beraten und dessen Einreichung beschlossen haben. Das ist wesent- lich anders, als was es dem Herrn Oellerich beliebt, seinen Kollegen als Wahrheit vorzutragen. Gegen die weiteren Behauptungen, ich hätte die Kämpfe nur inszeniert oder begünstigt, um den Werftarbeiter-Verband zu ver» nichten, und dieses auch dem BezirkSlciter der Holzarbeiter, dem Genossen R ö s! e, unzweideutig mitgeteilt, habe ich mich schon einmal an kompetenter Stelle verteidigt. Bemerken will ich aber hier, daß ich nunmehr meine Kollegen in breiter Oeffentlichkeit reden lassen werde, um den Beweis zu liefern, daß gerade durch das Verhalten des pp. Oellerich die Werftarbeiter immer wieder hinters Licht geführt sind und derartig beeinflußt, durch die oft recht traurigen Verhältnisse auf den Werften angestachelt, oder scharf. gemacht wurden, daß von einer Inszenierung der stattgefundcnen Kämpfe überhaupt nicht die Rede sein kann. Zum Schluß möltt« ich aber noch bemerken, daß derjenige, der den„Werftarbeiter" Nr, 19 gelesen hat, mir zustimmen muß, daß damit die leitendem Personen des Werftarbeiter-Verbandes alles andere als Stimmung für den Uebertritt in den Deutschen Metall- arveiwr-Verband gemacht haben. Dort werden in Fortsetzung der famosen Ausführungen eines Herrn Kühl in Kiel Ausfälle gegen unsere Organisation beliebt, die nun der Wahrheit in durchaus widersprechenden Weise von dem pp. Oellerich wiederholt sind und mich veranlassen, diese Zeilen für die Oeffentlichkeit zu schreiben. Selbstredend bin ich bereit, überall, wo es meine Kollegen ver- langen, den Wahrheirsbetoeis für meine Behauptungen in aller Oeffentlichkeit zu erbringen. Sollte dadurch die Gesamtbewegung Schaden leiden, so haben wir dieses den Taten eines Oellerich? zu danken. Wilhelm Gotthusen, Vezirksleiter des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes. Für den Jnbolt der Inserate übernimmt die Nedaktia» dem Pilbliknin gegenüber keinerlei Verantwortung. HKearer. Donnerstag, 19. Oktober. Ansang VI, Uhr: Opernhans. Frei Diavolo. Schauspielhaus. Die Iomnalisten. ?!eucs. Ein SommernachtZlraum, Westen. Die Zanberflöte. Tentscheö. Das Käthchcn von HeU- bronn. Berliner. Andalosia. Ansang 8 Uhr: Schiller O.«WaNner-Thealer.) Flachsmann als Erzieher. Schiller Si.(Friedrich Wilhelm» städtisches Thealer). Der Traum ein Leben. Lessiiig. Stein unter Steinen. Zentral. Zur indischen Witwe. Nachm. 3 Uhr: Prinzehchen Gold- traut. Nesidcuz. Die Höhle deS Löwen. Alietropol. Aus— ins Metropol! Kleines. Das vierte Gebot. Trianou. Madame Torera. Lnftspielvauö. Der Herr Haushos- mcister. Thalia. Bis früh um Fünse! Carl Weist. Der Weltumsegler wider Willen. Luisen. Die Kinder der Exzellenz. Deutsch> Nmerikanisches. Aber, Herr Herzog I Kasino. Der AdelSnarr. lllpollo. Frau Luna.—- Speziali- täten. Walhalla. Eine tolle Nacht. Herrnfeld. Die MeyeihainS. Wintergarten. EürAbeiid in einem amerikanischen Tingel-Tangel.— Spezialitäten. Bellc-Alliance. Spezialitäten. Folies CapriccS. Nach dem Zapfen- streich. Soll und Haben.— Spezialitäten. Reichs lialie». Stettiner Sänger. Passage. Robert Koppel. Marshall, der Manu mit den Hüten. Georg und Gufti Edler. llrania. Tnuveuitraste 4K/4K. Abends 8 Uhr: Speltermis Alpen- und Wüstensahrtcn im Ballon. Hörsaal 8 Uhr: Die Entwickclung deS Lebens. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57/62. Täglich grössne! ro» 7 bis II Uhr. Berliner Theater. Eharlottenstr. 00/92. Andaipsia. Dramatisches Gedicht in 5 Zlkten von Florian Endli. Ansang VI, Uhr. Morgen a. folg. Tage: Andalosla. Sonntag nachm. S Uhr: Andalosia. Neues Theater. Ansang 71/, Uhr. Sin Scmmcrnactttstnutn. Morgen u. folgende Tage: Ein SommernachtStraum. Nieines Theater. MendZ 8 Uhr: Hidaila> Freitag: llldalla. Sonnabend zum erstenmal: Da» vierte Gebot. Sonntag nachm. 3Uhr:VIe l-«>re. Hierauf: Der �erbroobeae Sirng. Abends 8 Uhr: Da» vierte Gebot. Theater des Westens. Etation Zeolag. Garten. Kantetr. 12. Donnerstag: Die Zanberstöte. Frciiag: 5. vorstestnna im Freitags- Abonnem.: Der Bettclstudent. Somialend nachm. 3 Uhr, tl. Preise: Maria Stuart. Abends VI, Uhr: Der Opernbakl. Sonntag nachm. 3 Uhr, halbe Preiie: Der Freischüst. Abends 7'/t Uhr: Der Opernball. Montag: Alleffaudro-Stradella. LsastspseEhaus, AbeiidsöUhr: Der Hm Ha»5hssl»rij>er. Urasiia 8 Uhr; Spalterinis Alpen- und WQstenfahrten im Ballon. Höreaal 8 Uhr: Die Entwlckeiuno des Lebens. Sternwarte""""""" str. 57/62. Friedrichstr. 165. Joels Traum. !! Pompeji!! Die£hre de» Vaters! Restaurant; {Jas Dresdener SSnger. uh/: Kinder-Verstellung. Prinzeßchen Goidtrandt. Märchen in 4 Bildern. Im 3. Bilde: Grosser Aufzug der Tiere. Indisch. Witwe. Luisen-Theater. ZlbendS 8 Uhr: Die Kinder der Ezzellenz. Freitag: Othello. Sonnabend: Pcch-Schulze. Sonntag nachm.: Kean. Abends: Othello. Montag: Das Lumpengesindel. Hieraus: Das Schwert des DamokleS. Walhalla-Theater Weinbergsweg 19/20. Direktion: Rlcbard Schalt». Heute und folgende Tage: Eine tolle plackt. Vorher: Gr. 8peiiaI!tSlen-pregraimn. Ans. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Trianon-Theater. Heute und folgende Tage: /VTadsme Torera (Madame L'ordonnance). Schwank in 3 Akten v. JulcS Chaiicel. Deutsch von Max Schocnau. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm.: Da» lknde der Liiebc. KasinosTheater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch kurze Zeit! „Der �üslsnarr." Sonniagnachmittag 4 Uhr: „Ein Sehn des Volkes. u Täglich Uhr unter perfönl. Leitung v. Paul LInvke. Frait liniia. vorher: Die Oktober-Speeialitaten Sonntag, 22. Oktober, nachm. 3 Uhr: Frühlingsluft und SpeElalitftten. Bedeutend ermäßigte Preise! Residonz-Tlieater. Dirthtiom Richard HUjcander. Heute und solgende Tage: Ansang 8 Uhr: Iiis Uiilils des Löwen, Schwank in 3 Akten». R Hemsaquin und P. BUhand. Sonntag nachmittags 3 Uhr: ver Hfittenbeiitzar. Schiller Schiller-Theater O.(Wallner-Thcatcr). So»nerStag,abcndS8Ubr: Flacbeiinann als. Erzieher. Komödie in drei Auszügen von Otto Ernst. Freitag, abends 8 Uhr: Flaclismann ul» Erzieher. Sonnabend, abends 8 Uhr: Hofg/nnst. Tlieater. Schiller-Theater N.(Friedr-Dilh. Th.) Donnerstag, abendSSUHr: Der IVainH ein I-cben. Dramatisches Märchen in 4 Aufzügen von Franz Grillparzer. Freitag, abends 8 Uhr: .Angea recht». Hieraus: Xam Einsiedler. Sonnabend, abends 8 U h r: Hora. i Freie Tolksbülme. Mittwoch, den 25. Oktober, abends 8'/, Ehr, im Gewerkschaftshanse: General Versammlung. Tages-Ordnung; Vortrag von Herrn Dr. Manrenbrechcr über: Knnst and Politik. Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes und Bericht der Revisoren. Diskussion. Eventuelle Wahl eines Schriftführers. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen ist erforderlich. Mitgliedskarte legitimiert Uraufführung für Berlin, III. Serie: Die Wölfin. Von Giovanni Verga» Fräulein Freschbolzen. Komödie von Klars Viebig. Darstellerin der Titelrollen: Frau Rosa Berten». Sonntag, den 22. Oktober, nachmittags Z'/a Uhr: Metropol-Theater. IS.flO. Abteilung Der Panzer und Nummer Achtzig io. Kunst-Hbaid Carl Weiß-Theater. 10./11. Abteilung Egmont. Z Trauerspiel in 6 Akten von W. Goethe. Mittwoch, den 15. November er., abends S'/s Uhr, Frau Klcssek- Müller: Internationaler Volksüederabend. Pianistin: Fräulein Olga Pommerenk. Einlaßkarten a 30 Pfg. in den bekannten 9 Zahlstellen. 229/20 Oer Vorstand. I.V.; Q. Winkler. freie Holksbübnel Sonntag, de» 22. Oltsber, nachm. 2'/z Uhr im Deutschen Theater „Minna von Marnheim" Lustspiel in 5 Alten von E, L e s s i n g. Frmi Agnes Sorna in der Titelrolle. Sonntag, den 29. Oktober, nachm. 2,/3 Uhr im Deutschen Theater „Kabale und Kiebe� Ein bürgerliches Trauerspiel in 5 Akten von Fricdr. v. Schiller. Eintrittskarten für Mitglieder a 1 M., für Gäste a 1,25 M. sind an allen Zahlstellen zu haben. Die für Sonntag, den 15. Oktober, ausgegebenen Karten zu �Kabale und Liebe« werden an den Zahlstellen gegen solche zudem 22, oder 29. Oktober umgetauscht. Der Borstand. I. A.:«cinrieh lieft. 150/18 Bremerstraye 59. Fernsprecher: Amt II, 42-1 e zu dem eft, , 4241. H BucaeDiiagen. Heute sottI© joden Donnerstag Humoristische Soiree der <$> Fritz Steidl Sänger<|> Enlroe 30 Pf. Sperrsitz 50 Pf. Anf.SUhr. Nachher Tanrkränichen Fröbels Ällerlei-Thealcr Schönhanser Allee Nr. 148. Sonntag, Montag, �COCU Mittwoch: Konzert, Theater u. Spezialitäten. Stets wechselnde Spielsolge. Nach jeder Vorstellung: Großer Extra-Tanz. Dr. Simmel, Spezinlaizl für 29/14» Haut- und Uarnleldca. 10—2, 5—7. SonnlagS 10—12, 2—4 Zirkus Albert Schumann Heute abends präzise VI, Uhr: Elite-Abend. Gala-Frogramm. 11. a.: klleu!-®® pipr'Jleu! Die größte und sensationellste Attraktion der Gegenwart: vis ykeili�.Ldunxusen Zauberer und Gaukler aus Mukden. Neu und phänomenal I Java»»er-Trttppe. Grotesgueiünstler aus lava. Neu! Poll/ Dassie und August. Sensation! Das einen halben MiMIl sefeiapile Pferd. Die unübertrefflichen John und Lonls Koller ?or- und Eliekwürts-Sältcmortali aus dem Zwcirad. Zum Schluß: Einzig dastehender Erfolg! Der Tag deS EBnxHscken Derby. DaS Leben und Treiben nach dem Original. Besond. hervorzuheben im dritten?lkt: Das Rennen. Metropol-Theater Präzise 8 Uhr zum 41. Mal.; Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Kapellmeister Max Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Waiden a. D.x Miß Clifford a.D. Bender x Giampietro Joseph! x Massary x Frid-Frid Steidl x Lilly Walter. Rauchen in all. Räumen gestattet Anfang 8 Uhr. Carl Welk-Idealer. Gr. Franksurterstr. 132. Letzte Woche I Anfang 8 Uhr. M tfelttimsegler wider Willen. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Kwd erVorstellung: Rotkäppchen. Abends: Othello. In Vorbereitung: In Berlin ist was los. Große Ausstattungspossen- Revue in 6 BUdern. m Gebrüder Herrnfeld-Theater. Zum 179. Male: vis «st KP ää� Komödie in drei?lkten mit den Autoren Anton und Donat Berrntelil in den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Vorverk. 11-2 Uhr. In Borbereitung: Der Fajnlläentng. Eine Erbschastslomödie von Anton und Donat Herrnseld. RüMStttr. 10. __ Dis drei lebenden-Vg gr. auatomischkn Mundrr Rnskelmenscb> 8kelott-2Icnsch| Guniniibaiitnienseta I Entrec SO Pt. XI. Berliaer Saison. Zirkus Busch. Größte Attraktion der Welt! Sensationell! Sensationell I Der Kanonenkönig! Schuß eines lebend. Menschen aus einem Marine- Geschütz schwersten Kalibers. Nur noch kurze Zelt! Die Helden vom Yaliiu. Port Ärthur in ihren mlllt. Infanterie-Exerzitien. Japanische Infnntcrle. Vier Soenrs Atlctas. Zum SO. male Mexiko. Große Ansstattungs- Pantomime aus dem mexikanischen Pflanzerlebon. r* Passage-Theater. Anfang der Abendvorstcll. 8 Uhr. liolossuivr Erlolg! Robert Koppel te seinem neuen Repertoire. MsnsksH der Mann mit den Hüten. Georg u. Gast! Edler Tyrolcr. II erstklassipe W. Noacks Theater. Direktton: Rob. DIU. Brunnenstr. 16, GroBe Extra-Vorstellung, Preziosa. Schauspiel mit Gesang in 4 Akten von Wolf. Musik von E. M. v. Weber. Zlns. 8 Uhr. Entrce 30 Ps.»all. Freitag z. letztenmal: Huttersegen. Stadt-Theater Moabit M-Moablt 47/49. Gastspiel des Bernh. Rose-Theaters Berliner Kinder. Gr. Posse m. Ges. tn 4 Akt. v. Salingre. Ansang 8 Uhr. Kasscncröffn. 7 Uhr. Entrce 30 Pf., numerierter PL 50 Ps. (im Abonnement 40 Ps.) In Vorbereitung: Vom Thron zum Schafott. Bolle-Alliaitcol Theater- Varl6t6. Anfang 8 Uhr. gauplraann Marquis Itonye Szene vom Kriegsschauplatz. Rosa u. Jehan Liane Leischneri Beile Astoria. 16 sensationelle ÄttraküoneD. Sonntags 2 Vorstellungen| Nachm. 3 Uhr: Halbe Preise.| Jeder Besucher t Kind frei. Gustav Beiirens Spezialifen- Tlteater Frautturtcr. ____ Alice 85. Saisonsehlager! Die SchlSchwMlstttill als Schauspirteml oder: Standal im Theater. Große Posse und LH Zßsrizlilstsli-HiiNepij. Oentech-teerikaiiiselies flieatep. Sonn- Jeden Abend 8 Ubrl abend Gastspiel Ad. Philipp so. ABER! Male: Herr Herisag Sonntag nachmittag 3 Uhr: Halbe Preise! ..Ucber'n grolieu Teich." FoiEes CapHce. Budapester Possen-Theater — 132 Linienstr. 182_ Ecke Friedrichstraße. Kach dem Zapfenstreich. Vorher: Soll und Haben o. d. ausgezeichn. Spezialitätenteil. Kasscncröfinung TUhr, Anfang 8 Uhr. Palast-Theater öurgsir. 24, 2Min. v.DH. Börse. Täglich 8 Uhr. VergroBert! Gitttce 50 Pf. Erneuert! 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Täglich im Konzertsaal 8 Uhr, Sonntags ab 3 Uhr 2 Kapellen. „Schrammeln-, Ungarn nnd Nahasängcr. Ende des Konzerts 1 Uhr. In Borbereitung: kjn- ins „Colosseum"! Ausftattungs- Gesang?- Burleske. I »eo�aooo w;> | ELYSIUM. II •....,K1,!m!,,I""lantenstr. 3-4. ® � Vollständig neu renoviert.<1/ • Auftreten v. 36 erstklassigen „ wtern. Spezialitäten. GeSffnel von io Uhr früh bis 12 Uhr nachts. Horitaplarz. Täglich in den nntcreu Sälen � Gottschalk-Konzert. fathati AanZ 129 Skalitzcrstr. 129. Die schönsten 47332* Herren-Winter-Paletots und Anzöge f0«" 1%* j�oiiats-Garderobe 1 oon Kaoalicrci, getragene Sachen, I sast neu. sür jede Figur passend. I speziell Bauchanzuge sind m I grohcr Auswahl stets zu staunend billigen Preisen zu hab-:,. satkan Wanel 12» Skalitzcrstr. 129. iechbahnstatioii KottbusrrTor. bitte ausHausnummer zu achten. R GeiitsÄtalills.— fitiale Gerün. 125/14 Donnerstag, den 10. Oktober 100», abends'/sO Uhr: General- Versammlung in den„Nrminhallen", Kommandantenstrafte 20. Tages-Ordnung: i. Abrechnung vom 3. Q.ttartal �.903. 2. BereinZ-Angelegenheit. 3. Verschiedenes. mm..... ES ist Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheine».>>> Bi« OrtsremaUnn; Achtung I jy||| Uf3@|*Ä Achtung l Verein zurfahrung iier3nteressen derÜtaurer Berlins und ittpiend. Freitag, den 20. Oktober, abcndS 8'/z Uhr, bei Dräsel, Neue �riedrichstrahe 3Z: = vsuüeputlsrten Vorssmmwug.~ NB. Da wichtige Angelegenheiten zur Sprache kommen, ersuchen wir die Kollegen, daß jeder Bau der- treten ist. 130/11° I. A.:»er Vorstand. Zur SeactottB für die SsrHuer Meitersehäft! Seit sünj Wochen stehen die Arbeiter und Zlrd eiterinnen der Lieguttzcr Hutfabrik vormals Klein«. To., G. M. b. H., Im Streik, um eine Lohnkürzung bis zu 50 Prozent abzuwehren. Die Firma verkauft ihre Pro. dukte in eigene» VerkansSstellcn und befinden sich ihre Läden in Berlin: 294/6° Wlisnacke�strafle 63, RitterstraBe ISa, F piesfriclistraB® 250� Große Frankfue�te�straße 94. Die Firma rechnet besonders mit der Arbeiterkundschast. Die Streikenden appellieren an daS SolidaritätS- gefühl der Berliner Arbeitcrschast und erwarten, daß sie nicht eine Firma unterstützt, die wöchentliche Durchschnitts- löhne von 6 Marl sür Arbeiterinnen und 12—16 Biark sür Arbeiter bis zu 50 Prozent herabdrückcn will. Der Zknirnlokrein für Hninrbeitkr Filiale Berlin. und Arbkitkrinuen. Achtung! Achtung! Ltmssrdetter Ardeiterinnen. Heute, Donnerstag, den 19. Oktober 1905, abends 6 Uhr: vefjsnMshe Versammlung im GcwerkschaftShause, Engel-Ufrr 15. TageS-Ordnung: 1. Die Verhandlungen mit der Bereinigung der Berliner Etuisfabrikanten. 2. Diskussion. 25/16 Kollege»! Kolleginnen! Die Versammlung wird vor wichtige Entscheidungen gestellt sein, deshalb erwartet vollzähligen Besuch Bie liohnkommlsBlon. HCÖbelpolierer. Montag, den LS. Oktober, abends 8'/i Uhr, im Lolal Königstadt' Kasino, Holzmarktstr. 72: ßranefKn-VerfatninUmg. TageS-Ordnung: 1. Dortrag des Kollegen G. Reuter:„Unsere Wege zum Zieles 2. Diskussion. 3. Wie stellen sich die Kollegen zu dem Beschluß der Orts. Verwaltung: Organisierte Kollegen dürscn Dorarbeiterstcllungen nur in Lohn bekleiden und keine Prozente nehmen. D�- Die Kollegen werden ausmcrtsam gemacht, daß die Arbeits- ausgäbe im Arbeitsnachweis, Gormannstraßc, für Polierer vormittags von 8—10 Uhr stattfindet. 94/18 Mittwoch, den 25. Oktober, abendö 8'/, Uhr, bei Knbat, Blumenftr. 38: ßraneben- KommilTioiiö- Sitzung. Abrechnung der Billetts oom Herbstvergnügen. _ Der Obmann. D-nnerStag, 19. Oktober, abends 8'/« Uhr, bei MuhS, Mantruffclstr. 95: Versammlung der SitznMtischler. TageS-Ordnung: 1. Wie können die Mißstände in den Sitzinöbeltischlereien beseitigt werden? Referent: R. Leopold. 2. Berichte auS den Werkstätten. Z. Brmichenangelegcnheiten mtd Verschiedenes Um zahlreichen Besuch bittet vi« Konunlasioi Branche der lusikinstrumentenarbeiter. Montag, den 23. Oktober, abends 81/, Uhr. im GewerkschaftS- Haufe. Engel-Ufer 15(Saal I): Krauchen- Mitglieder- Kersammlnug. 5 ageS. Ordnung: 1.„Partei und Gewerkschaft*. Rcsereni ReichStagS.Wgeordneter Fritz Zubeil. 2. Diskussion. 3. Die Konscrcnz der deutschen Klavierarbeiler in Zeitz. 4. Dahl der Delegierten zu derselben. 4. Branchenangelegenheiten. === MitgltedSbuch legitimiert. Zahlreichen Bestich erwartet___ Die Brancheiikonimisston. Gewerkschaften! Parteigenossen! Lichtbilder-Vorträge des Herrn Ulartin Krollk aus Chemnitz über: Die Entwickelung englischer, deutscher und schweizerischer BConsum-Genossenschaften finden statt: Donnerstag, d. 19. Oktober, in Frübels Allerlei-Theater, Schönh. Allee 148, Freitag, 0 20.„ im Cöslincr Hot, CöSlincrsttaße 8, Mittwoch,, 25.„ im Hofjäger-Palasf. Hasenhcide 52/53, Freitag,, it. November, in Obst's Festsälen, Meiningerftraße 8, Schömberg. 128/11* Ansang abends 8'/, Uhr.— Auch grauen haben Zutritt. P 45711.»! 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Vergriffen find die Protokolle von 1892, 189S, 1901—1903. 1890. Neuorganisation; Programmrede Liebknechts; Stellung zu Streiks und Boykotts: Auseinander- sctznng mit den„Unabhängigen-. M.—,58 1891. Festsetzung des Programms: Programmentwürfe; Ausschluß der.Unabhängigen"; Taktik der Partei. M.— ,50. 1893. Gewerkschaftsbewegung: Antisemitismus; Wahl» recht und Beteiligung au preußischen Landtags. wählen. M.—.48 1894. Budgetbewilligungsfrage in den Landtagen; Agrarsrage; Trusts, Ringe und Kartelle. M.— ,25 1895. lllgrarprogramm; Hausindustrie. M.—PO 1897. Preußische LandtagSwahlen: Militarismus. Broschiert M.—,35 189S. KoalittonSrecht; Bergarbeiterschutz: Preußische LandtagSwahlen; Zoll und Handelspolitik. Broschiert M.—P», gebunden M.—,68 1899. Dernstew-Debatte; ZuchthauSoorlage; Militär. frage. Broschiert M.—,50 1900. Weltpolitik; Verkehrs« und Handelspolitik; Taktik bei den LandtagSwahlen; Anhang: Bericht über die Frauenkonserenz. Broschiert M.—,58 1904. Maiseier; Amsterdamer Kongreß; OrganisationS« frage; Fall Schippe!; dritte Frauenkonserenz. Broschiert M.—.70, gebunden M. 1,— 1905. Neuorganisation; Massenstreik; Maiseier; Jugend» erziehung. Broschiert M.—,70, geb. M. 1,— FraMMrl. Breslau. Ksmlmrg. Ksnuvver. Wsinz. Bremen. Äena. Suckdanälung Vorwärts, Berlin SV. 68, Lindenstr. 69. 235/15 Loeben erscliieli Modell 1906 mit bedentenden Verbesserungen! Kein Blaken!— Kein Rußen mehr! 4 D. R.-Patente._ A. B. C." s Brenner 8» für Petroleum- Mk. 5.60 GIQhiieht Komplet m. Danersfrnmpf, Zylinder o. Docht. Brennt heller wie Gasglühlicht nnd ver> lbrancht�dnbei__nur_für_�irka_��Pfeni� Petroleum pro Stunde. Kein Verschneiden, kein Putzen des Dochtes; es gelangen nur auswechselbare Brennring» von großer Haltbarkeit zur Verwendung. Der Bronner ist so einfach, daß er von einem Kinde bedient werden kann, daher der Name„A. B. 0." PaBi fOr Jede vorhandene tO1" u. 14"' Lampe und mittels Zwischenring auch auf Jedes andere Basein. 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Ferner enthält es die Be> richte des Pnrtciuorftandes und der SicichstagSfraktion. Ein um- fassendes Sachregister und ein Sprech- rcgister erleichtern das Nachschlagen. W/IS Preis 70 Psg.. gebunden 1 Mark. Porto 20 Ps. jßud)Kaneuo«t. Katalog m. Kuh)(ohl viol Acr/.le it Prof. grat-uJx. H. Dngor, Bummiwai enlabrik Berlin NW.. Friedrichs. rasae 91/82. an.— Umarbeitung schlechtsitzeiider Gebisse. Reparaturen. Plomben 1.50 M. Zatmvpc- rationen niit örtlicher Betäubung t M. Zahl- reiche Aiierteunungen. Beliebige Teilzahlung. Garantie sür ladelloscn Sitz. Gniil Scharfer. Seit g Jahren nur tlrbanstr. IZH, vis-a-vis der Fichtestrahe. m BT Wort V aulSBi 'es f:«5, Jedes Wort: 1 10 P/r. Buchstaben täblen doppelt Pfennig. Das ersio fettgedruckte fCSeine ßn zeig W Verkäufe. 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Etuis-Arbeiter, Buchbinder» Kartommger u. Galanterie- !lrbeitcr! Der Kampf der Etuis-Arbelter um Einführung eines Tarifcs dauert fort l Es wird versucht, Arbeitskräfte au« anderen Branchen heranzn- ziehen l Von der Firma H. Arnold, Tapiffcriewarrnfabrik, Köpenicker- ftraße 114, ist das Personal wegen Zugehörigkeit zur Organisation und weil e« Einhaltung des Tarif- sorderte, entlassen l Diese Firma ist nach wie vor sür Steindrucker, Korbmacher, Kar- tonuagen- u. Galanteric'ZIrbcitrtt' und Slcbciterinnrn gesperrt! Di- Buchbinderei von W.Uil. A- nierer, Kochslr. 07, ist bis r.;i weiteres gesperrt 1 25 l> Arbeiten, welche von der Firm.: Kämmerer vergeben werden, sind wie Ttreikarbeiten zu betrachten. Die OrtSvervaltnng. i'l Deutscher Holzarbeiter-Verband. Tischler n Einsetzet'! Die Bautischlcrei Schneider. Görliuer Ufer, und der Bau Schneider in Tiidende, Lichter« fclderstrafte. Ecke PotSdanwrstrr.ße, sind wegen Differenzen gelperrt. Üchllütn. Einsetzet'. 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Da versucht wird, Billetts in Arbeiter- kreisen abzusetzen, daS Lokal aber g e s p e r r t ist, so weise man die VillettS zurück. FricdrichShagen. Sonnabend, pünktlich 9 Uhr, Vereinsversamm- lung des Wahlvereins im Restaurant Petznick, Friedrichstraste 114. Tagesordnung: Bericht des Vertrauensmannes, der Revisoren, der Lokalkommission und Neuwahl derselben. Bericht vom Jenaer Parteitag. Referent Genosse Pinseler. Diskussion. Vereins- angelegenheiten und Verschiedenes. Tegel-Borsigwalde-Waidmannslust. Montag abend 8 Uhr findet in Trapps Festsälcn in Tegel eine Volksversammlung statt. Reichstags- Abgeordneter Paul Singer spricht über:„Die äufiere und innere Politik'. Ferner erfolgt die Wahl der weiblichen Ver- trauensperson. Handzettelverbrcitung, Sonntag früh 8 Uhr: Tegel bei Gehlhaar. Berlincrstrasze; Borsigwalde bei Kube; W a i d m a n n s l u st bei Grochow. Rudow. Freitag, den 2V. Oktober, abends S'/a Uhr, findet im Lokale von Palm die Generalversannitlung des WahlvereinS statt. Tagesordnung: Bericht und Neuwahl des Vorstandes: Beratung des Statuts der Wahlvcreine Grofi-Berlins: Wahl der Delegierten zur Kreisversammlung; Verschiedenes. Mit Rücksicht auf die wichtige Tagesordnung ist pünktliches Erscheinen jedes Mitgliedes erforderlich._ Vorort- JVacbrlchtcn. Schulelend vor den Toren Berlins. Ostelbien mit seinen schmachvollen Zuständen erstreckt sich bis an die Grenzen der ReichShanptstadt. Die kommunalpolitische Zcr- rissenheit Berlins und seiner Vororte, in ihrem Ursprung durch das liberale Berlin verschuldet, jetzt aber durch die preußische Regierung systematisch aus Haß gegen den„Wasserkopf Berlin' konserviert und gefördert, ermöglicht das kulturfeindliche ostelbische Treiben einer eng» herzigen, krämerhaften Geldsacksherrschaft in der nächsten Nähe Berlins. Neben den elenden KrankenhauSverhältnissen, dem Jammer der Armenverwaltung, ostenbaren sich diese unseligen Verhältnisse be- sonders in der Verwahrlosung der Volksschule. Im Weichbilde von Groß-Berlin sind mannigfach, wie wir wiederholt berichten mußten, Schulen vorhanden, deren Gebäude und Einrichtungen sich würdig nur mit der einst berüchtigten Trakehner GestütSschule vergleichen lassen. Derartige dem„Volk' gewidmete Institute finden sich nicht nur in verlorenen kleinen Landgemeinden, sie schänden große, ausstrebende Gemeinden in der unmittelbarsten Umgebung der Reichs« Hauptstadt. In dem Vorort Pankow, der eine Realschule besitzt und ein Ghnmasinm errichten will, daS den weitgehendsten Anforderungen der Schulhygiene gerecht wird, steht als Wahrzeichen des alten Dorfes ein„VolkSschulpalast', der vor nunmehr 50 Jahren errichtet wurde. Schon des öfteren ist von einsichtsvollen Bürgern das Ver- langen gestellt worden, dieses Gebäude als Schule zu kassieren, da eS vollkommen veraltet sei. Doch stets wurde diese Forderung mit der Erklärung abgelehnt, daß die rapide Entwickelung deS Orts eine Ueberfüll'ung der verfügbaren Gcmeindeschulen mit sich bringe und die enistehenden Schullasten die Gemeinde erdrücken. Was die beharrliche Verweigerung eines Schulneubaues be- deutet, vermag man nur nach nenauer Kenntnis der jetzt benutzte» Gemcindeschule z» beurteilen. Geben wir zur Schilderung dieses Schulgebäudes einem Berufenen das Wort. Kein geringerer als der von der Gemeinde Pankow angestellte Schularzt Sanitätsrat Dr. Schäfer hat jetzt den Antrag gestellt, daS in Frage stehende Schulgebäude ferner zu Schulzwecken nicht mehr zu verwenden. Er führt in der Begründung seines AnttageS aus: DaS Schnlgebäude sei durchaus veraltet und gehöre nicht mehr in diesis Jahrhundert. In allen schulhygienischen Werken sei der Flächenraum für ein Kind mit einem Ouadralmeter, im einzelnen auch darüber mit 1,4 Quadratmeter vorgesehen. In den Schulen Berlins betrage dieser Flächeninhaltt,8Ouadratmeter,auch1.9 Quadrat- eter. Von den einzelnen Regierungen sind diese Verhältnisse auch geregelt worden und die Zahlen, die auf ein Kind kommen sollen, angegeben. In Preußen sei von der Regierung als Minimum ein Flächen- räum von 9,0 vorgeschrieben. In der fraglichen Schule beträgt der airf ein Kind entfallende Flächenraum aber nur 9.54, in einem Zimmer sogar nur 9.5 Quadratmeter. Die Verhältnisse treten aber noch krasser hervor beim Kubikinhalt. Bei diesem komme die Höhe sehr in Betracht. Als Drchsdinitt habe die Regierung 4— 4,6 Meter volgeichrieben. In den Schulräumen der fragliche» Schule betrage dieser dagegen nur 8.19, in ver- schiedenen Klassen sog a r nur 2,96 Meter. DaS sei eine Höhe, welche durchaus unzulässig sei. Der auf ein Kind entfallende Normalrauminhalt solle 4 Kubik- meter sein; nach den Ausmessungen beer gedachten Schule kommen auf ein Kind aber nur 1,482 Kubikmeter, im höchsten Falle 2,38 Kubikmeter, es sei dies ungefähr die Hälfte desjenigen Rauminhalts, der auf ein Kind ent- fallen solle. Wenn man dazu noch den Umstand hinzurechnet, daß in den Klassenräumcn nur eine höchst ungenügende und unzweckmäßige Ventilation sei, die. wenn sie in Betrieb gesetzt wird, mir Zug verursache, so müsse er behaupten, daß dies unhaltbare Zustände seien. Hierzu kommt noch die u n z w e ck» mäßige Heizung. Diese geschieht durch Kachelöfen, neben diesen kommen noch eiserne Oefen zur Verwendung, Kinder, welche in unmittelbarer Nähe eines solchen zu sitzen gezwungen seien, wären infolge des starken TemperaturwcchselS beim Verlassen der Schule leicht zu Erkältungen geneigt, während die weit ab vom Ofen sitzenden Kinder frieren müßten. Ein weiterer und sehr wichtiger Punkt sei die Beleuchtung. Diese sei vollkommen verkehrt. Die Kinder haben die Fenster im Gesicht und können deshalb die Schrift auf der Wanktaiel nicht erkennen: um überhaupt von der Tafel lesen zu können, müsse» die Vorhänge zugezogen werden. Herr Dr. Schäfer erklärt zum Schluß, daß die BclcuchtnngSverhältniste absolut unzulässig seien und auf die Augen der Kinder nur nachteilig wirke». Er könne nur sagen, daß diejenigen Linder, welche gezwungeu werden, die Schule zu be- Iuchen, gegenüber den anderen Schulkindern in ihrer Gesundheit arg beeinträchtigt lind. � Wir haben dieser Anklageschrift nichts weiter hinzuznfügen. Schon vor Jahren hatten wir auf diese Zustände hingewiesen und Abhülfe gefordert. Im Jahre 1999 wurden in dieser und in der Genieindeschule in der Kaiser Friedrichstraße unter dem Dache provisorisch Klassen eingerichtet mit der auSdiücklichen Absicht, daß dieselben nur vorübergehend benutzt werden sollen. Inzwischen ist dieses Provisorium zur dauernden Institution geworden; es werden die Kinder in 2.45 Meter hohen Räumen eingepfercht. Das vernichtende Urteil der Schularztes, das die Einwohner- schaft von Pankow einmütig zum Kampfe um die Beseitigung der amtlich bekundeten Kulturschande zwingen muß. scheint die Volks- schulfeindliche bürgerliche Vcrivalrungsmajorität auch ferner„un- berührt' zu lassen. Bei Besprechung deö ärztlichen Gutachtens in der Baukommission lehnten sämtliche Mitglieder der Kommiision— natürlich mit Ausnahme des Sozialdemokraten— die Kassierung der„alten Dorfschule" ab. Der seit Jahren bestehenden Ucber- füllung der Schule in der Kaiser Friedrichstraße aber soll dadurch abgeholfen werden, daß bis zum Jahre 1907 ein Flügel in dem Schulgebäude angebaut werden soll. Wenn die gymnasialsrcnndliche Gemeindevertretung nicht eine schleunige Reniedur dieses Beschlusses eintreten lassen wird, dann muß gegen dieien gefährlichen Mißbrauch des SelbstvcrwaltungS- rechts durch den privilegierten Besitz die Regierung angerufen werden. Die Kinder der Arbeiter sind eS, die zum Besuche einer nach dem Urteile des Schularztes gesundheitsschädigenden Schule genötigt sind; die Arbeiterschaft muß und wird hier Wandel schaffen. Charlottenburg. Die UiiterrichtSverwalNing über die Charlottenburger Waldschule. Ucber die Charlottenburger Waldschule in Westend liegt jetzt der erste ausführliche Bericht der preußischen Unterrichtsverwaltuug vor. Das etwa 1 Hektar große, ziemlich hoch gelegene, etwas wellige. von hohem Kiefernwald bestandene Gelände wird als ganz besonders geeignet bezeichnet. Das Wasser ist einwurffrei. Im Freien find Tische und Bänke in einfacher ländlicher Weise angebracht. Außerdem sind Turngeräte aufgestellt und zum Teil an Waldbänmen befestigt. Tie Schule ist für 199 bis 299 Kinder bestimmt. Sie wurde mit 95 Kindern eröffnet. Am 19. August war die Zahl bereits auf 194, am 15. September auf 129 gestiegen. Die Verpflegung, die für den Kopf und Tag 50 Pf. kostet, ist gut und reichlich. Die Kinder machten schon nach wenigen Wochen einen überraschend günstigen Eindruck. Der Appetit war außerordentlich gut, die Stimmung fröhlich, die Aufmerksamkeit rege und der Gesamteindruck bei fast allen äußerst befriedigend. Nach 1>/z bis 3 Monaten waren die Kinder derartig widerstandsfähig geworden, daß selbst während der regnerischen und kühlen Tage im Oktober kein einziges Kind trotz teilweise mangelhafter Fußbekleidung an einer Erkältung erkrankte. Außerdem wurde bei allen.Kindern eine Gewichtszunahme im Durchschnitt von 5'/z Pfund festgestellt. Die körperliche Kräftigung bewirkte eine regere und erfolgreichere Beteiligung am Unterrichte. Nixdorf. Achtung! Arbritgcberwahlen zur OrtSkrankenkassr. Heute Donnerstag, abends von 8—9 Uhr, finden die Wahlen der Delegierten der Slrbeitgcber zur hiesigen Ortskrankenkasse statt. ES werden von seilen unserer Gegner Anstalten getroffen, unserer Liste eine Niederlage zu bereiten. Jeder Genosse, der bei der hiesigen OrtSkrankcnkaffe Angestellte gemeldet hat, ist verpflichtet. unbedingt sein Wahlrecht auszuüben. Als Legitimation dient die Anmeldung. Das Wahllokal ist bei Hoppe, Hermann- straße 49/59. DaS Gewerlschaftskartell. Weihcnsee. Krankenkassenwahl. Heute abend von 9'/, Uhr bis um Uhr finden im Lokale„Zum Prälaten", Lehderstr. 122, die Wahlen der Delegierten zur Generalversammlung der hiesigen Ortskrankenkasse statt. Ein jedes Kaffenmitglied, das großjährig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte ist, muß sein Wahlrecht ausübe» und die Liste deS GcwerkschaftSkartells, welche vor dem Wahllokal verteilt wird, an der Urne abgeben. Niemand darf fehlen. DaS Gewerkschaftskartell. Verlängerung von Straßenbahnlinien. Die Große Berliner Straßenbahn-Gescllschaft hat sich der Gemeinde Weißensee gegenüber bereit erklärt, die Linien 99 und 91 nach dem neuen Weißenseer Amtsgericht weiterzuführen.— Das Amtsgericht wird bis zum nächsten Herbst fertiggestellt fein, die Straßenbahnlinien sollen schon zuni Frühjahr dorthin verlängert werden. Die Große Berliner will durch kleine Gefälligkeiten ihre Opfer für den großen Fang ködern. Pankow. Selbst gestellt. Der 24 Jahre alte Arbeiter Otto Engel, der dringend verdächtig ist, den tödlichen Messerstich gegen den Gastwirt T h ü r l i n g in Pankow-HeinerSdorf geführt zu haben, hat sich selbst gestellt. Die Kriminalpolizei in Berlin hatte durch einen Arbeiter, der einmal mit Engel zusammen beschäftigt war, die Persönlichkeit deS mutmaßlichen Täters festgestellt und suchte ihn hier, während die Pankower Kriminalpolizei und die Gendarmerie die Umgegend beobachteten. Engel war sofort nach der Tat nach Berlin gefahren, gestern nachmittag aber kehrte er in die Nähe von Französiich-Buch- holz zurück, wo er bekannt ist und sich oft aufhielt. Als man ihm hier mitteilte, daß er in der ganzen Gegend gesucht werde, ging er wieder nach Berlin. Er merkte aber bald, daß ihm die Kriminal- Polizei auf den Fersen war. Er entschloß sich, sich lieber selbst zu stellen. Er gibt zu. bei der Schlägerei beteiligt gewesen zu sein, ver- weigert aber über die Vorgänge, soweit sie Thürling betreffen, jede weitere Auskunft. Er will nur dem Richter Aussagen machen und verlangt, diesem vorgeführt zu werden. Nowawes. Eine öffentliche Gewerkschaftsversammlung fand am Dienstag im Singerschen Lokale statt, woselbst Genosse K o tz k e- Berlin über die Vorteile des ZehnstundentageS referierte. Der Redner erörterte in seinen Ausführungen die Schäden einer langen Arbeitszeit und zeigte an der Zusammensetzung des Reichstages, daß von diesem Parla- ment vorläufig eine gesetzliche Festlegung des ZehnstundentageS nicht zu erwarten ist und die Arbeiter in dieser Frage nur auf die Kraft ihrer Organisationen angewiesen sind, die sie zu starken Wirt- schaftlichen Machtfaktoren ausbauen müssen. Lebhafter Beifall lohnte dem Redner am Schlüsse seines interessanten Vor- träges.— Hierauf gab Genosse Reinhardt ein Bild der Textil- arbeiterbewegung am hiesigen Orte. Danach haben im Laufe dieses Jahres die Arbeiter in den Betrieben, wo sie gut organisiert waren, verschiedene Forderungen eingereicht: so beanspruchten am Anfang dieses Jahres die in der Netzsabrik Beschäftigten eine Lohnerhöhung. die ihnen nach kurzem Ausstände bewilligt wurde; darauf folgte der Hausiveberstreik, welcher mit einem teilweisen Erfolge beendigt wurde; ferner erlangten die Arbeiter in der Tcppichfabrik von Hozak den Zehnstundentag; auch der kürzlich beendete Streik in der Kammgarnspinnerei war von einem teilweiscn Erfolge begleitet, in- dem die Arbeitszeit von 11 auf 19'/, Stunden verkürzt wurde; ein Schmerzenskind für den Verband bildet jetzt die Netzfabrik, wo das am Anfang deS Jahres Errungene bald verloren gehen wird, da viele Arbeiter und Arbeiterinnen sich durch den bekannten Anschlag, worin ihnen ein Judaslohn von 25. Pf. geboten wird, wenn sie aus dein Verbände austreten, verleiten ließen, ihrer Organisation den Rücken zu kehren. Immerhin hat sich die Zahl der orga- irisierten Textilarbeiter hier am Orte im Lause dieses Jahres von 199 auf 499 erhöht. Der Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß eS gelingen möge, diese Zahl noch weiter zu steigern, um die äußerst traurige Lage der hiesigen Textilarbeiter durch die Organisation ver- bessern zu können-— In der Diskusston übte Genosse G r u h l scharfe Kritik an dem Jndifferentismus so vieler in den Fabriken beschäftigter Textilarbeiter und forderte die Gewerkschaften auf, mehr den Klassenkampf zu propagieren. Nachdem der Vorsitzende Gemoll um kräftige materielle Unterstützung der ausgesperrten Berliner Metallarbeiter ersucht hatte, schloß er die Versammlung mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung. Wilmersdorf. Buddelei auf dem Dorfe. Macht in Berlin schon die Straßen- bnddelei wegen ihres Schneckenganges selbst den sonst wohlgesinnten Bürger wild, so ist eS in den Vororten einfach zum Verzweifeln, wenn irgendwo neue Pflastersteine gesetzt werden sollen. Seit langen Wochen ist in Wilmersdorf die Holsteinische- sowie die Günzelstraße aufgerissen, ohne daß die Arbeit vom Fleck kommt. Die ganze Gegend gleicht einem grundlosen Morast und ist zu Fuß nur mit Lebensgefahr zu passieren. Die Langsamkeit der Arbeiten iväre kaum zu entschuldigen, wenn es sich um menschenleere Straßen handelte, die abseits vom Verkehr liegen. Die hier erwähnte Gegend des vornehmsten der Berliner Vororte wird jedoch von drei Straßenbahn- linien durchfahren, nämlich von den Linien 97, 91 und 92, welche, wie ein jeder Fahrgast iveiß, zu den frequentiertesten gehören, und deren Wagen bei der Fahrt nach Berlin vielfach schon längst besetzt sind, bevor sie das Gebiet der Stadt erreicht haben. An der Stelle, wo die Pflasterungsarbeiten vor sich gehen, sind provisorisch UeberleitungSschienen gelegt, wie dies an vielen Stellen geschieht, wo gebuddelt wird. Wir wissen nicht, ob an der Pflasterung oder an der Schicnenlegnng die Schuld liegt; genug, eS geschieht seit einigen Wochen fast allstündlich, daß die Straßenbahnwagen beim Hinüberleiten an dieser Stelle aus den Schienen springen. Bis dann alles wieder eingerenkt ist, vergeht durchweg eine kleine halbe Stunde, während welcher das Publikum fluchend um den Unglücksfall herumgeht. An einen geordneten Be- trieb ist unter diesen Umständen naturlich nicht zu denken; man sieht die erwähnten Straßenbahnwagen entweder eine halbe Stunde lang gar nicht oder nach wieder hergestellter Ordnung endlich in langer Reihe dahergondeln. Die Kommunalverwaltung des großen Dorfes täte gut, sich endlich ernsthaft um die Wstellung dieses unerträglichen Mißstandes zu kümmern. Die Wilmersdorfer Sccpark-Aiigelrgenheit hat nunmehr vor Ge- richt ihren Abschluß gefimden. Im Dezember 1993 hatte die WilmerS- dorfer Gemeindevertretung beschlossen, zur Anlage des Seeparkes ein an der Westseite des Wilmersdorfer SeeS gelegenes, 1168 Quadrat- ruten großes Grundstück für 490 099 M. freihändig anzukaufen. Sofort»ach Bekanntwerden dieses Beschlusses erhob sich in einigen Kreisen der Bürgerschaft eine Entrüstung, die auch in öffentlichen Versammlungen zum Ausdruck gebracht worden war. indem dem damaligen stellvertretenden Amts- nnd Gemeindevorsteher(Schöffen R a m m r a t h), der Mitbesitzer jenes Grundstückes ist. der Vor- wurf gemacht wurde, er habe seine amtliche Kenntnis von einer Verordnung des Landrates, der zufolge der durch die Gemeinde zu eriverbende Teil deS Geländes an der Augnsta- und Schrammslraße zu einer öffentlichen Platzanlage verwendet werden solle, dazu benutzt, um das Grundstück vorher anzukaufen und daraus zum Nachteil der Gemeinde Nutzen und Be- reicherung für sich zu ziehen. Daraufhin hatte der Landrat von Stubenrauch als Vorgesetzter des Gemeindebcamten gegen die Ver- breiter der Nachricht(Mitglieder eines Wilmersdorfer Vereins) Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. In dem Termine vor dem Schöffengerichte ist jetzt ein Vergleich zustande gekommen, indem die Beklagten die Erklärung abgaben, daß sie sich von der Halt« losigkeit ihrer Behauptungen hätten überzeugen nüissen, und daß sie die von ihnen getanenen Aeußerungen bedauerten. Die Kosten des Verfahrens wurden der Staatskasse auferlegt. Die Ge- meindeverwaltung hatte übrigens im Jahre 1904 in einer eingehenden Denkschrift den geplanten Geländeankauf erörtert. Tegel. Keine Eingemeindung des Tegeler SeeS. Die Tegeler Gemeinde- Vertretung hat sich Dienstag mit der Frage der Eingemeindung des Tegeler Sees in Berlin beschäftigt. Es lag eine Mitteilung des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg vor. in welcher es heißt: „Wenn die Stadtverordnetenversammlung in Berlin auch bezüglich der Eingemeindung deS Tegeler See« einen Beschluß gefaßt hat, so sind mir doch weitere Beschlüsse oder Eingaben des Berliner Magistrats nicht zugegangen.'— Der Gemeindevorsteher schloß hieraus, daß die Mel- düngen über eine teilweise Eingemeindung des Tegeler Sees und eines Landstreifeus falsch gewesen sind und die Angelegenheit wurde dann in geheimer Sitzung wciterberaten.— Wir können demgegenüber mitteilen, daß Berlin sein Projekt noch nicht' fallen gelassen hat. Tegel will nun aber Berlin zuvorkommen, indem diese Gemeinde das Gelände am See von den Berliner Wasser- werken bis zum Spandauer Schiffahrtskanal, das südlich vom See, nördlich von der Tegel- Haselhorster Chaussee begrenzt wird und zum Gutsbezirk Jungfernheide gehört, eingemeinden will. Der An- trag liegt bereits beim Regierungspräsidenten in PotS- dam. Welche Stellung der Berliner Magistrat hierzu nun ein« nehmen wird, bleibt abzuwarten. Reinickendorf. Ter Vertrag über die Legung von Gas» und Wasserrohre im) Reinickendorfer Terrain führte zu einem Rechtsstreit, dem die Ge- meinde Reinickendorf unterlegen ist. Und zwar glaubte die Stadt Berlin, die mit der Gemeinde Reinickendorf Vertrag hatte, sie von ihrem Tegeler Gaswerk mit Gas zu versorgen, auch einen Teil für Verlin erforderlichen Gases durch Rcinickcndors leiten, eventuell daS Röhrennetz doriselbst erweitern zu dürfen. Diesem wider- sprach die Gemeinde Reinickendorf und eS klagte die Stadtgemeinde Berlin auf Anerkennung des Rechtes, in Reinickendorf ein erforder- kiches Röhrennetz regen zu dürfen. T!e Klägerin öcyauptete, daß der Vertrag im Falle des Bedarfs dahin zu verstehen sei. Das Landgericht Berlin erkannte auf AlNvcisung der Klage, während das Kammergericht in Berlin die Gemeinde Reinickendorf zur Duldung der erforderlichen Rohrleitungen und deren Legung verurteilte. Gegen dieses Er'-nntnis hatte die Gemeinde Reinicken- darf Revision beim!)U chSgericht eingelegt, aber ohne Erfolg. Das Reichsgericht hielt die Ausführungen des.Kammer- gerichts für richtig und wies die Revision zurück. � Mit dem viergleisigc» Ausbau der Nordbahn zwischen Reinicken- dorf-Noscilthal und Hermsdorf wird dieser Tage begonnen werden. Zu der mit dem Ausbau der Bahn erforderlichen Höherlegnng des gesamten Bahnkörpers find große Sandmengen erforderlich. Die Eifenbahn-Direktion hat zu diesem Zweck die bei der sogenannten schwarzen Brücke bei Glienicke gelegenen Sandbcrge von der Frei- herrlich v. Vellheimschcn Gutsverwaltung erworben. Die Arbeiten des BahuausbaueS zwischen Reinickendorf und Hermsdorf werden etwa 1 Jahr in Anspruch nehmen. schreibt so viele 13 erlin er J�aebnebtm Zu dem berühmten Kapitel„Berliner Standesbeamte" uns ein Leser: Seit Montag ist es mir verständlich, warum Menschen ängstliche Scheu zeigen, mit Behörden in Verbindung zu treten. Müßte eS sich doch schon um die Ermittelung eines Kapital- Verbrechers handeln, ehe ich mich jetzt entschließen könnte, meine Wahrnehmung einer Behörde mitzuteilen, von der ich eine Ae- Handlungsweise zu gewärtigen habe, wie sie mir und verschiedenen anderen Personen Montag von einem hiesigen Standesbeamten zu- teil geworden ist. Der Vorgang ist folgender: Nachdem ich von einem mir bekannten ehrbaren Mädchen, welches einige Jahre älter ist als ihr Verlobter gebeten war. bei der Eheschließung vor dem Standesamt als Zeuge zu fungieren, war ich eigenilich auf die Bekanntschaft des Herrn Standesbeamten ge- spannt, der eS, wie mir die Braut des weiteren nntteilte, fertig ge- bracht hatte, ihr in Abwesenheit ihres Verlobten von einer Ver- bindung mit einem erst 24 Jahre alten Manne abzuraten. Als Schreckmittel benutzte der Standesbeamte die afrikanischen Wirren, in die der Verlobte, der nebenbei gesagt Ersatz- reservist ist. in seiner Eigenschaft als Militärpflichtiger noch hineingezogen werden könnte. Meine Erwartungen sollten noch übertroffen werden. Zunächst wurde einem mit mir als Zeuge fungierenden königlichen Telegraphisten in nicht gerade freundlicher Weise bekannt gemacht, daß man Privattelegraphisten überhaupt nicht kenne und daß man keine Weiterungen machen müßte, wo sie nicht angebracht wären. Sodann kam das kaum glaubliche. Dem Bräutigam wurde in kurzen Worten unter Hinweis auf die afrikanischen Wirren mitgeteilt, daß so junge Leute überhaupt noch nicht zu heiraten brauchten. Nachdem dann unsere Unterschriften dem Protokoll hinzugesetzt waren, stellte, allerdings während der Herr Standesbeamte noch sprach, der jimge Mann im Flüstern an mich die Frage, ob für die Aufnahme des Protokolls Gebühren zu entrichten seien. Nun wurden wir beide darüber belehrt, daß während der Amtshandlung niemand als der Herr Standes- beamte zu sprechen hätte. Im ersten Augenblick war ich zu meinem Glück— ich sage ausdrücklich zu meinem Glück I— von den, bei dieser Gelegenheit angeschlagenen Ton so betroffen, daß ich überhaupt keine Worte finden konnte. Als ich dann im Wartezimmer meiner Entrüstung über eine solche BeHandlungsweise Ausdruck gab, erhob sich eine vergrämte Frau, die ihren unmündigen Kindern einen Stieß Vater geben wollte. Sie erklärte mir, daß sie sich vor einigen Tagen einer ebenso liebevollen BeHandlungsweise zu erfreuen gehabt hätte und daß sie jetzt schon in der Erwartung, vor den Gestrengen treten zu müssen, zittere. In ihrem Falle Ivar dem Herrn Standes- beamten der Erwählte— es handelte sich um einen büjährigen, rüstigen, jeder Arbeit gewachsenen Mann— zu alt. Vor dem Standesamt in Berlin dk., Willdenowstraße, scheint eben keiner das Rechte treffen zu können. Oder finden nur die keine Gnade, die sich dem oberen Zehntausend nicht zuzählen können? Jetzt frage ich: Ziemt sich eine solche Handlungsweise für einen Standesbeamten? Ich pfeife auf eine liebenswürdige Behandlung, verlange aber eine solche, die einen Unterschied zwischen einem Kasernenhof und einer Behörde zuläßt. Ist der in Betracht kommende Standesbeamte, den ich für einen verabschiedeten Offizier halte, an der Hauptmanns- oder Majorsecke gestrandet, so halten wir Zivilisten uns doch noch für zu gut, als Blitzableiter für etwaigen Aerger dieserhalb zu dienen. So die Zuschrift unseres Lesers. Leider können wir, wenn wir frühere Vorgänge in Betracht ziehen, auch an der Richtigkeit dieser Mitteilung kaum zweifeln. Verhält eS sich mit dem Benehmen des erwähnten Standesbeamten so, wie hier geschildert worden, so ist nur das eine zu tadeln, daß der Bräutigam den Beamten nicht in seine Schranken gewiesen hat. Kommt der Mann in künftigen Fällen mit unpassenden Einwänden, so möge der Bräutigam ihm kurz und bündig antworten, daß er feine Pflicht tun und sich nicht um Dinge scheren solle, die ihn nichts angehen. Untergrundbahn PotSdamerplatz— Alexanderplatz und Schwebebahn Gesundbrunnen— Rixdorf. Die Unterkommission, welche von der Verkehrsdeputation eingesetzt ist, um die von der Hoch- und Untergrundbahn-Gesellschaft und der kontinentalen Gesellschaft eingereichten Projekte aus Weiterführung der Hochbahn als Unterpflasterbahn nach dem Spittelmarkt, und auf Errichtung einer Schwebebahn Gesundbrunnen— Nixdorf vorzuberaten, hat gestern unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters nach vierstündiger Beratung beschlossen, der Verkehrsdeputatton, die für nächsten Montag berufen ist, vorzuschlagen: 1. dasProjektderHochbahngesellschaftPotsdamer- platz— Leipzigerplatz— Vosistrasie— Wilhelmsplatz— Taubenstrasze — Hausvogteiplatz— Niederwallstrasie— Spittelmarkt, Wallstraße—Alexanderplatz unter Abänderung einiger der vorgeschlagener Vertragsbedingungen den Gemeindebehörden zur Genehmigung zu empfehlen. 2. Das Projekt der Schwebebahn einer bautechnischcn Prüfung durch die städtische Bau- Verwaltung unterziehen zu lassen.— AuS Anlaß der Aussperrung iu der Elektroindustrie hatte die sozialdemokratische Fraktton der Stadtverordneten- Versammlung einen Anttag eingebracht, worin der Magisttat ersucht wurde. Schritte zu tun, um die Bcschäfttgung von Feuerwehrleuten an Stelle der Ausgesperrten zu verhindern. Die Beratung dieses Antrages wurde für die dieswöchentliche Sitzung zurückgestellt. Er ist jetzt der veränderten Sachlage entsprechend in folgender modifizierten Form eingebracht worden:„Die Versammlung ersucht den Magistrat, Schritte zu tun, um die Beschäftigung von Feuerwehrleuten in der Privattndustrie aus Anlaß von Streiks und Aussperrungen zu verhindern." EiS für Krankenzwecke. Der GeschästSciusschuß der ärztlichen StandeSvcreine wird sich in feiner nächsten Sitzung mit einem An- trage beschäftigen, der eine Verfügung fordert, daß in den Apotheken Eis besonders am Sonntag vorrätig gehalten werde. Begründet wird der Antrag mit einem Hinweis darauf, daß es seit Geltung der Polizeiverordnung über die Sonntagsruhe im EiShaudel unmöglich fei. an Sonn- und Feiertagen Eis in größerer Menge käuflich zu erhalten. Eine neue Polizeiärztin. Beim Berliner Polizeipräsidium ist seit kurzem Frau Dr. med. Natalie Ferchland als Aerztin ange- stellt. Es liegt ihr die Untersuchung der zum erstenmal einge- lieferten zweifelhaften weiblichen Personen ob. Die Stellung wurde verantw� KebÄteur: vor fünf Jahren geschaffen, um die Möglichkeit auszuschließen, daß unschuldige Frauen zwangsweise von männlichen Acrzten untersucht werden, doch mußte sie damals in Ermangelung von Aerztinnen deutscher Approbation mit einer in der Schweiz approbierten Medi- zinerin besetzt werden, der deshalb, des leidigen Zopfes wegen, nicht alle Funktionen der männlichen Polizeiärzte zugestanden werden konnten. Immerhin ist es interessant, daß eine Aerztin, der nach der Anschauung der Zunft das Prädikat einer Kurpfuscherin zukam, in amtlicher Eigenschaft tätig war. In Hcrzbcrge ist jetzt ein früherer Werkmeister Schielein, der einige zwanzig Einbrüche verübt hat. Schiclein. der wegen Dieb- stahls schon vorbestraft ist, lvar früher auf größeren Werken an- gestellt und hatte sich damals über die Verhältnisse seiner Mitarbeiter genau unterrichtet. Diese Kenntnisse nutzte er aus, nachdem er auf die schiefe Ebene geraten war. Seit August v. I. außer Stelluno, erwarb er seinen Lebensunterhalt im wesentlichen durch Einbrüche, mir denen er namentlich seine früheren Kollegen heimsuchte. Den letzten Zug machte et bei einem Werkmeister in Moabit, dem er Sparkassenbücher, Wäsche und allerhand WirtfchaftSsachen stahl. Bei dem Versuch, silberne Messer und Gabel» an den Mann zu bringen. wurde er festgenommen. Nach einem mißlungenen Selbstmordversuch wurde er nach der Charits gebracht und von dort nach Herzberge, wo sein Geisteszustand beobachtet wird. Viele Sachen, die der Einbrecher an verschiedenen Stellen erbeutet und dann versetzt hatte. konnten den Eigentümern wieder zugestellt werden, andere dagegen sind noch herrenlos, so eine Menge Plüichdecken und Wäschestücke, die Schielein nach Entfernung der Zeichen bei Gast- und Schank- Ivirten untergestellt balte, um sie bei Gelegenheit abzuholen. Ein Familiendrama in der Pücklerstraße endete Dienstag nach- mittag mir dem Tode von Mutter und Kind. In dem Hause Nr. 8 wohnt seit 6 Jahren im vierten Stock des Oucrgcbäudes der 34 Jahre alte Schlosser Konrad Sucker mit seiner 29 Jahre alten Frau Hulda, geb. Hilbig, und seinem zwei Jahre alten Sohne Kurt. Sucker war in erster Ehe mit einem Dienstmädchen ver- heiratet. Seine Frau starb schon nach zwei Jahren an der Schwind- sucht. Ein Jahr später heiratete er Hulda Hilbig, die als Tochter eines Stcuerbeamten zu Tcklinow im Kreise Schildberg geboren wurde und in Berlin als Näherin arbeitete. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Sie war glücklich, bis vor t'ch Jahrgn der älteste Sohn Albert im Alter von drei Jahren starb. Seitdem hatte Suckcr eine Abneigung gegen seine Frau, obwohl sie an dem Tode des Knaben durchaus keine Schuld trug. Der Widerwillen wurde immer größer, soviel sich auch Frau Sucker Mühe gab, durch ein freund- lichcs Wesen und Ordnung in der Häuslichkeit die Zuneigung ihres Mannes wiederzugewinnen. Am Sonnabend abend wurde Sucker aus jeiner Arbeit in einer Fabrik in Moabit entlassen. Er blieb die ganze Nacht weg und kam erst am Sonntag nackmittag um 3 Uhr nach Hause. Die Entlassung verschwieg er seiner Frau. Nach einem heftigen Zank, der sich hieran anknüpfte, legte sich Sucker schlafen. Am Montag morgen um 6 Uhr ging er wieder weg und kam die nächste Nacht abermals nicht nach Hause. Dienstag vormittag um 11 Uhr brachte der Postbote einen Brief für Suckcr. Seine Frau öffnete ihn und fand darin den Entlassungsschein ihres Mannes. In großer Aufregung teilte sie ihrer Nachbarin diese Ucberraschung mit. Als diese sie verlassen hatte, ging sie an die Tat. Als die besorgten Hausgenossen die Wohnung hatten öffnen lassen, fanden sie die Frau auf den, Sofa und ihren Sohn im Kindertvagen. Beide waren tot. Frau Suckcr hatte den Knaben und sich selbst mit Lysol vergiftet. Ein Rest des Giftes stand in einer Flasche auf dem Küchentisthe. Sucker kehrte erst um 3 Uhr nachts nach Hause zurück. Die Leichen waren unterdessen schon nach dem Schauhause gebracht worden. Zwei Opfer des EisenbahndienstcS. Der Eisenbahnschaffner Heinrich Finke auS Charlottenburg hatte Dienstag abend einen Südringzug im Dienstcoupe zu begleiten. Als um?L8 Uhr der von Halens« nach dem Potsdamer Bahnhof kursierende Zug auf der Station Schmargendorf eintraf, wurde Finke vermißt. Man hatte ihn zuletzt auf der Station Halensee den Zug besteigen sehen. Die Nachforschungen ergaben, daß F. unmittelbar nach der Ausfahrt aus Halens« von dem Zuge abgestürzt sein und einen grausigen Tod erlitten haben muß. Teile seines Körpers fand man auf dem Bahn- dämm an den Schienen liegen. Der Unglückliche muß eine Strecke weit vom Zuge mitgeschleist worden sein, wobei ihm der Kopf vom Halse getrennt wurde. Ob F. von dem Zuge, den er zu begleiten hatte, überfahren worden ist oder von einem anderen, in entgegen- gesetzter Richtung fahrenden Zuge beim Absturz aus dem Coupe er- faßt wurde, konnte nicht festgestellt werden. Unaufgeklärt ist es auch, auf welche Weise F. auS dem Coupe gestürzt ist.— Ein ähnlicher Unglücksfall ereignete sich gestern früh in der Nähe der Station Wildpark. In der fünften Morgenstunde wollte der in Golm bei Potsdam wohnhafte KSjährige Bahnwärter Karl Plchner beim Bahnübergang Viktoriasttatze 43, unmittelbar vor der Wild- parkstation, das Gleis überschreiten. Bei der Dunkelheit und dem vorherrschenden Nebel bemerkte er das Herannahen der Lokomotive eines Nangierzuges nicht. Er wurde von der Maschine erfaßt und derart zermalmt, daß er unkenntlich wurde. Erst durch einen in der Kleidung vorgefundenen Zettel war es möglich, die Persönlichkeit deS Getöteten festzustellen. Der Verunglückte, der Vater von fünf zum Teil noch unerwachsenen Kindern ist, wollte sich im nächsten Jahre pensionieren lassen. In einer Strafsache wegen StreikvergeheiiS ergeht an die Ar- beitcr, welche 1903 während der Aussperrung bei der Firma Stabcrnack u. Co. in Tempelhof vorstellig wurden, hiermit die Bitte, ihre Adresse baldigst der Redaktion deS„Vorwärts" zu übermitteln.__ Die Freie Volksbühne veranstaltete am letzten Sonnabend tin großen Saale der Brauerei Frisdrichshain ihr Herbstfest._ Das reichhaltige musikalische Programm wurde durch treffliche Künstler und Künstlerinnen zu erfreulicher Ausführung gebrachl. Zwar war das Programm nicht aus einem einheitlichen Gesichtspunkte auf« gestellt und konnte daher auch nicht die einheitliche Stimmung der Genießenden auslösen, die zu bewirken das Ziel solcher V« anstaltungen bleiben muß. aber die einzelnen Vorträge waren durch weg interessant und fesselten die Volksbühnengcmeinde, die sich recht zahlreich eingefunden hatte. Neben dem Konzertsänger Herrn Alexander Dallmann und der Konzertsängerin Frau Pfänder Frühe erfreute der Battkesche gemischte Chor. unter Leitung seines Dirigenten Herrn Max Battke, durch ttefflichc Darbietung von Bruchs Schön Ellen und Mendelssohns Loreley- Finale. In Frl. Pommerenk lernte die Volksbühne eine ganz aus- gezeichnete Pianistin kennen; sie und der Violinist Herr Alfred Wittenberg brachten eine der eigenartigsten und packendsten Schöpfungen Beethovens, die Kreutzersonaie zu vollendeter Wieder- gäbe. An den Klinstteil schloß sich der Festball. Das anregende Herbstfest gibt Gewähr, daß die Leitung der Freien Volksbühne auch im kommenden Winter neben den Theater- Vorstellungen ihren Mitgliedern mannigfaltige reiche Kunstfreude und edle Gesellig- keit bereiten wird. Freie Fortbildungskurse für Arbeiter, veranstaltet von der sozialwissenschaftlichen Abteilung der Wildenschast der Technischen Hochschule zu Charlottenburg. Der zehnte Lehrgang(Winter 1999/(18) beginnt am 39. Oktober in der Gemeindeschule III zu Charlottenburg, Schlohstraße 2. Abgehalten werden folgende Kurse: Deutsch, Schreiben, Aus der modernen Literatur, Rechnen, Algebra (Rechnen mit unbestimmten Zahlen), Geometrie, Ausgewählte Kapitel aus der Mechanik, Uebungen im Zeichnen, Praktische Ein- führung in die Strafprozeßordnung, Gesundheitslehre. Daneben werden veranstaltet Exkursionen nach gewerblichen und ähnlichen An- lagen mit Vorträgen; Museumsführungen; gemeinschaftliche Theater- besuche. Teilnehmergebühr für jeden Kursus(bis zum 16. März) 99 Pf. Anmeldungen werden am 23. Oktober, abends von 8)4— 9)4 Uhr in der Gemeindeschule III entgegengenommen. Programme sind erhältlich vom Ingenieur W. Wagner, Berlin W. 35, Flottwcll- straße 6. Im Verein für volkstümliche Kurse von Berliner Hochschullehrer» beginnt am Freitag, den 29. d. M., abends S1/« Uhr, Herr Privatdozent Dr. Roloff seinen VorttagSkursns über„Allgemeine Kolonial- geichichte seit der Entdeckung Amerikas" in der Aula des Fran- zöfifchen Gymnasiums, NW. Reichstags-Ufer 6. Eintrittskarten zum Preise von 1 M.(für alle sechs Abende) sind zu haben bei: Georg Belling, W. Leipzigerstr. 128; A. Schütz, 0. Holzmarktstr. 60; Chr. Tischendörfer, C. Sophienstr. 20; F. E. Lederer, W. Kurfllrsten- straße 70; Bernhard Staar, SW. Friedrichstr. 5; Zentralstelle für Arbeiter-Wohlfahrtseinrichtuugen, SW. Dessauerstr. 14(8—3 Uhr). Zweck und Nutzen einer Arbeiterorganisation lautet das Thema einer öffenttichcn polnischen Versammlung, die Sonntag nach- niittag 2 Uhr in der Brauerei Patzeiihofer, Moabit, Turmstr. 24, stattfindet. Die Agitationskommission der P. P. S. ersucht uns, auf diese Versammlung hinzuweisen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. (E. H. 29. Hamburg.), Filiale Rummelsburg. Mitglieder-Veriamnilung am Sonnabend, den 21. Oktober, abends Uhr, bei Gustav Tempel, Box« Hagenerstrahe Ecke der Neuen Babnhosstraze. Zrntralverbaud der Friseurgehülfen Deutschlands, Zwcigverein Rixdorj. Mitgiieder-Bcrsammlung bei Schmidt vorm. Hoppe, Berlinerstr. 14, abends 10 Uhr. Verband der Frisenrgehnlfen Tentschlaiids, Zweigvcrein Berlin. Donnerstag, den 19. d. MtZ., abends 10 Uhr, Rosenthalerstr. 11/12: Versammlung. Vortrag: Partei und Gewerkschaft. Arbeiter-Sauiariter-K�ionne. Heute abend beginnt der Kursus in der 4. Abteilung in Lichtenberg, Schul-Aula, Kronpriiizenstraße, pünktlich 9 Uhr. Vortrag über Anatomie(Bau des menschlichen Körpers.) Einschreibe- gcld 25 Pf., MonatSbeitrag 25 Pf. Gäste haben ciiiinnligcn freien Zutritt. ßriefksften der Redahtion. ■Junktikchcr Ceti. Strafe. Strafen find alle Strafen, auch Geldstrafen und dergleichen. Wird ein Zeuge nach etwaiger Bestrafung befragt, so hat er alle«trafen, die ihn wegen einer Straftat betroffen haben, anzugeocn; ob dieselben wegen Verletzungen der Sttaßeiipotizeiordnung oder wegen Reisig- sammeln oder weshalb sonst auferlegt sind, ist für die Beantwortung der Frage gleich. In der Regel wird ein Zeuge nicht nach etwaiger Bestra- jung befragt, mit Ausnahme der Beltrafiing wegen Meineids. Will der Zeuge mit Sicherheit nicbt befragt werden, so teilt er seine Strafen vor dem Termin schriftlich dem Gericht mit und beantragt, ihn nicht wegen der Strafen in dem Termin fragen zu lassen.— H. L. 14. Den zu Unrecht erforderten Bewag sowie einen der Stcmpclstrafe gleichkommenden können Sie einbchasten.— Richard 7—8. Ist wegen der Fälligkeit nichts ver- cinbart, so beträgt die KündigungSsrist des DarleHnS. auch wenn es eingetragen ist, bei Summen bis 300 M. einen, bei größeren summen drei Monate.— G. R. Sic können als Weitcrversichercr Marken einer Klaffe lieben, welche Sic wollen.— 1890. 1. und 2. Ja.— ffi. B. 95. Nein. — N. K. 59. Den Weg zur Erlangung des Armenrechts finden Sie S. 524, 592 des in den öffentlichen Bibliotheken auSIicgeudcn Arbeiter- rechts verzeichnet. EhcfcheidungSgründe, die dem beleidigten Ehegatten 6 Monate lang bekannt waren, können in einer Ehescheidungsklage nicht mehr geltend gemacht werden, sie gelten als verziehen.— Zl. B. 1. und 3. Ja. 2. Nein.— M. N 315. Ein Jnvalidenrentner kann so viel ver- dienen als er in der Lage ist; eine Grenze gibt es nicht— Ehild. Ein zwecks Absindung wegen Alimentenforderung des Kindes geschlossener Ver- gleich bedarf z» seiner Gültigkeit der Genehmigung durch das Vormund- schastsgericht. Persönliche Anwesenheit des Vaters bei der Auszahlung ist nicht erforderlich. Wird ein Vergleich ohne vormundschaslSgerichtliche Ge- neymizung geschloffen, so ist Nachsorderung zulässig.— I. K. 59. Den Grund der Notlerung erkennen auch wir nicht. Ihre Beschwerde war an eine durchaus falsche Adresse gerichtet. Glauben Sie, daß die innere Ein- richtung der H.-W.-Schulc Aendernngen bedarf, so wenden Sic sich an einen der Stadtverordneten oder an die Stadtverordneten- Fraktion. Berliner Marktpreise. AuS dem amtlichen Bericht der städtischen Marklhallen-Direktion. Rindsteisch la 55—71 pr. 100 Psund, IIa 58—53. lila 52—57, IVa 43-50. Kalbfleisch la 86—93, Na 75-85, Nla 62—72, Hammelfleisch la 65—75, IIa 50—60. Schweinefleisch 69— 76. Rotwild Psund 35—50 Pj. Hasen Stück 3,00—4,00, klein 1,25—2,50. Kaninchen Stück 0,50—1,00. Kramnrctsvögcl 20—22 Pf. Nebhühncr, junge la 1,00 bis 1,30, junge IIa 0,60—0,90, junge kleine 0,00—0,00, alte la 0,70—0,90, alte IIa 0,00-0,00. Hühner, alte 1,40—1,80, junge 1,00-1,40 das Stück. Tauben, jllnge 0,35—0,50, alte 0,30—0,35. Enten, junge 1,40—2,00. Gänse la, 3,50— 4,20, IIa 2,50—3,00 per Stück, la 0,55— 0,60, IIa 0,40—0,54 per Psund, Hechte 95—104 M., Schleie, unsort, 91—113, Aale, groß 00,00, mittel 00,00 M. Plötzen 00—00 M. Karpfen 00—00, Lachs 00,00, Schellfische 22—28, Flunder 19—21 M. pro 100 Psund. schottische Vollheringe(gesalzen) 36—38 M Krebse, kleine, Schock 00— 00, unsortiert 00,00 M. Eier, Schock 4,00, Butter pro 100 Pfund la 120-124, IIa 115—120, lila 110—115, abfallende 100— 108. Kartoffeln pr. 100 Pfd. rote 1,90— 2,20, Rosen 1,50—1,75, blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. Schock 4,00-7,00, Weißkohl 4,00—6,00, Rotkohl 4,00—6,00, Saure Gurken, neue Schock 2,—._ e9tt»er»»gsill>erll>1it vom 18. Okiober>993, inoraciis 8 Ilhr. Stationen swineinde. Hamburg Berlin Frants.a.M. München Wien ->? 57— 'S K ! 758 WSW 759 WSW 761 WSW 763 SW 765 SW 765 NO Detter 5 Regen 4 bedeckt 2wolkeiil 3 wollig 1 wolkig 1 wolkenl cs s Zt 6 2 3 — 1 I Stationen L S 1: 6 §« �•=•1 S 3 SS Haparanda 1 759: NW Petersburg Scilly Aberdeen Pari» 62 OSO 763 O 765 WNW 706,3 Wetter ÖS c e> -4 Ii H to 2wolkcnl 1 Nebel 4 bedeckt 2 heiter Ihciter — 6 — 1 9 2 2 Wetter-Prognose für Toniicrstag, den 19. Oktober 1993. giemlich kühl bei schwachen ivestlichen Winden und veränderlicher D wölkung; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wctterbureau. Wasserstand am 17. Oktober. Elbe bei Aiisflg+ 1,37 Meter, bei Dresden— 0,18 Meter, bei Magdeburg 4- 2,72 Meter.— U ii st r u t bei straußstirt-f 3,40 Meter.— Oder bei Natibor 4- 1,86 Meier, bei Breslau Oberpegel 4- 5,10 Meter, bei Breslau Unterpegcl— 0,86 Meter, bei Frankfurt 4- 1,69 Meter,— Weichsel bei Brahemüude 4- 2.52 Meter.— Warthe bei Posen 4- 0,52 Meter,— Netze bei Usch— Meter, Bettstellen GrässtesLaprBsriins Aadreasjtr. 23, Brunnenstr. 95 Beutsel8tr.67, Ltlpei;5rstr.54-55 T