Nr. 247. Hbonnements-Bcdingungcn: (ffionncmentä■ PreiZ pränumerando: »ierteljährl. 3,30 Mk, inonaü. 1,10 Mk„ wöchentlich 28 Psg, frei inS HauZ. Einzelne Nummer ö Pfg, Sonntag?. nummcr mit illnstricrlcr SonnlagZ. Beilage.Die Neue Well" 10 Psg, Past. «bonnemenl: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post. ZcitnngS. Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 3 Mark, für da? übrige Ausland 3 Mark pro Monat, SS. Jahrg. vle lnsei'Nont-LedBhk teträgt für die fechSgefpallene Kolonel- zeile oder deren Raum«0 Pfg„ sür politische und gewerkschaftliche Bereinö- und BersaniinlnngS.Nnzeigen 25 Pfg. „AUin« Pinretgen", das erste sfett- gedruilte) Wort 10 Psg., jede? weitere «ort 5 Psg, Worte über 15 Buchstaben zäblen sür zwei«orte, Inserate sür die nächste Nummer intlssen bis 6 Uhr nachmittags in der Ezpedition abgegeben werden Die Expedition isi an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Felllagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet, trftelil liglich zuOtr mtnUti. Devlinev Volksblerkk. Telegramm,«dreffe: „Z»iziö««»itklt Ktklllt". �entralorgan cier fozialäemokratifcken Partei VeuttcKlanäs. l�eklaktion: 8M. 68. Lindenetrassc 69. �ernfpredter:«mt IV. Nr. I««». Expedition: SM. 68. L-indenstrass« 69. Kernftiredter! Ell»» IV. Rr. Das Koalitionsrecht der Verkehrs- arbeiter. Fast jeder große Streik und ebenso jede große Aussperrung ziehen außer den direkt an dem ihnen zu Grunde liegenden Streit Beteiligten auch größere Massen Unbeteiligter in Mitleidenschaft, Können die Unternehmer die Produktion nicht fortsetzen, so werden je nachdem eine ganze Reihe von Abnehinern ihres Produktes in ihrem Geschäft geschädigt, unter Umständen Massen von Arbeiten: außer Arbeit gesetzt. Das industrielle Leben der Gegenwart beruht so sehr oft auf dem Ineinandergreifen seiner Einzelteile, daß nur noch ganz ausnahmsweise Geschäfte in nennenswerter Zahl gefunden werden, deren Betriebsschwankungen die übrige Geschäftswelt außer Mitleidenschaft lassen. Im allgemeinen heißt Betriebsstockung nicht mir Einstellung von Liefeningen, sondem auch von Bestellungen; sie wirkt also nach zwei Seiten. Und wieviele Geschäfte werden nicht dadurch geschädigt, daß Arbeiter in großer Zahl in ihrem Einkommen verkürzt werden, wenn sie nicht jeder Einnahme verlustig gehen I So mancher Geschäftsmann, der vielleicht ein Ladengeschäft, das eine regelmäßige Arbeiterkundschaft hatte, um einen für seine Verhältnisse hohen Preis erworben hat. wird durch eine Arbeitssperre direkt vor den Ruin ge- bracht. Seine Einnahmen schrumpfen zusammen, er kann seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen und verfällt je nachdem dem Bankrott. So wirkt jede große Arbeits- oder Geschäftssperre wie jeder Krieg von Land zu Land für andere als die eigentlichen.Kom- battanten" im Verhältnis seines Umfangs gleich Elementarereignisscn wie Ucberschwemmungen, Dürren usw. Im Geschäftslcben und in der Rechtssprache nennt man solche Wirkung.höhere Gewalt". ES ist dabei klar, daß je nach der Natur des in Frage kommenden Produtts Stillstand der Produktion größere oder geringere Rück- Wirkung auf andere Geschäfte hat. Handelt eS sich um Artikel des sogenannten letzten Konsums, d. h. von Fertigfabrikaten für Einzel- konsumcnten, so ist in der Regel die Rückwirkung wesentlich geringer als wenn Halbfabrikate in Frage kommen, weil Stillstand bei diesen nach zwei Seiten hin wirkt. Noch verhängnisvoller kann die Wirkung vom Stillstand in der Gewinnung von Artikeln der so- genannten Urproduktion fem, wenn sie, wie z. B. die Steinkohle oder gewisse Erze, für ganze Reihen von Industrien unbedingt erfordertes Hülfs- oder Rohmaterial sind. Sine großen Umfang annehmende Stillsetzung der Produktion kann da zu einer allgemeinen Geschäfts- lalamität führen. Kann aber diese Möglichkeit ein Grund sein, den Arbeitern solcher Industriezweige das Koalitionsrccht zu entziehen, welches den Arbeitern anderer Industrien zusteht? Wiederholt ist bei Arbeits- einstellungen von Kohlenarbeitern der Ruf ertönt, bei einem so allgemein gebrauchten, für so viele Industrien unentbehrlichen Artikel dürfe die Produktion nicht von der Laune der Arbeiter abhängig gemacht werden, und ist auf ZwangSgesetzc irgend welcher Art hin- bearbeitet worden. Bisher ohne Erfolg, zum Teil, weil es ein geradezu schreiender Widerspruch wäre, die Verfügung über die Pro- duktion und den Vertrieb dieses so wichtigen Konsumartikels der Privatspekulation von Kapitalisten zu überlassen, die heute sich zu ganzen Monopolverbänden zusammengeschlossen haben, den be- teiligten Arbeiten: aber die freie Verfügung über ihre Arbeitskraft zu nehmen bezw. zu beschränken. Gehen wir einen Schritt weiter und fragen nach dem Koalition?- recht der Arbeiter und Angestellten in VerkehrSunter- nehm un gen, so findet dieses beim großen bürgerlichen Publikum die stärkste Gegnerschaft. Sie zeigt sich nicht immer offen im Rufen nach Staatsanwalt und dergleichen. Im Angesicht der großen Zunahme der Arbeiterschaft und ihrer Organisationen scheuen sich die meisten Zeitungen, in den Verdacht der Scharf- macherei zu kommen. Aber ein sicheres Merkmal für die Gegner- schaft bildet die Beurteilung bezw. die stillschweigende Zustimmung zu Maßnahmen staatlicher oder kommunaler Behörden, die. ohne rundheraus das Koalitionsrecht in Frage zu stellen, doch faktisch, d. h. in ihrer Wirttmg einen Einbruch in dasselbe bilden. Oder ist die Abkommandierung von staatlich angestellten, von der Staats- gewalt abhängigen Arbeitern zu Streikbrecherarbeit in Privat- betrieben, wie wir sie jetzt bei der Abordnung von Feuer- wehrleuten sür den Dienst bei den gesperrten Elektrizitäts- werken gesehen haben, nicht ein aller Gerechtigkeit Hohn sprechender Einbruch in das Koalitionsrecht der betreffenden Elektrizitätsarbeiter? Aber wozu erst diese Frage stellen? Wie kommen die Feuerwehrleute dazu, sich willen- lo? zu anderen als ihren berufsmäßigen Arbeiten kommandieren lassen zu müssen? Und wie steht es mu dem Koalitionsrecht unserer Eisenbahner? Ist diesen Angehörigen verstaatlichter Verkehrs- institute nicht die letzte Spur davon durch autokratische Ministerial- Verfügungen und Dienstordnungen unmöglich gemacht? Wir wissen, was man darauf antworten wird. Man wird sagen, bei den VerkehrSanstaltcn liege ein so große? öffentliches Interesse vor, daß ein Recht der Arbeitseinstellung nicht geduldet bezw. nicht respettiert werden dürfe. Hier müßten im Interesse der Allgemein- heit die Behörden mit aller ihnen zu Gebote stehenden Macht ein- greifen oder lieber gleich vorbeugen. Wir bestreiten nicht, daß Kämpfe, welche die große Allgemeinheit treffen, in höherem Maße nach einem Eingreifen der Behörden rufen als abgegrenzte Konflikte. Aber wir bestreiten ans das aller- entschiedenste, daß dieses Eingreifen in einer Beschränkung des KoalirionSrechts der beteiligten Arbeiter bestehen darf. Anderenfalls würden die von einem begrenzteren Streik in Mitleidenschaft Gezogenen mit Recht fragen können:„Also weil wir nicht gleich Hunderttausende sind, überläßt man unS kühl unserem Schicksal?" Von der Unlogik, den Eisenbahnern ein Recht zu nehmen, das anderen Arbeiterlategorien zusteht, hat man sich wenigstens in anderen modernen Industriestaaten frei gehalten. Ein Beispiel dafür liefert England. Vor einigen Jahren hat der Züricher Privatdozent Dr. I. G 0 l d st e i n mit Unterstützung schweizerischer Behörden in England eine Enquete über die rechtliche k. Lage der dortigen Eisenbahner und die Wirkungen sowie die Beurteilung der Streiks von Eisenbahnern angestellt. Seme Frage» richteten sich an die Leiter der Eisenbahn- verbände, an Eisenbahndircktoren, an Großindustrielle, führende Politiker und RegiernngSniänner. Ans dieser Enquete teilt er im jüngst erschienenen Monatsheft der„Schweizerischen Blätter für Wirtschafls- und Sozialpolitik" einige sehr interessante weiter Ver- breitung werte Tatsachen mit. lieber die Zahl der EiscnbahnstrcikS seit Mitte der achtziger Jahre machte Richard Bell, der Generalsekretär deS Eisenbahner-VerbandeS. folgende Angaben: 1837 Streik von 700 Lokomotivführern und Heizern der Midland-Bahncn: 1830 alle Angestellten der Tafftal, Barry und Rimney Bahn; l8l>7 Streik der Nord-Ostbahn; 13üt Streik von Angestellten der Edinburg und Calcdonian-Bnhn; 1893 Streik der Cork- und Bandonbnhn. sUeber den letzten Streik der Taftalbahn- Angestellten konnte Bell noch keine Auskunft geben, da er zur Zeit der Fragestellung noch im Gonge war.) Hören wir nun den einflußreichen Generalsekretär deS großen Verbandes der Eisenbahngescllschaften, Sir He�nry Oakley, über Häufigkeit und Verlauf deS Streiks. „Wir hatten," heißt es,„in England alles in allem mir wenige Eisenbahnstreiks; kamen solche vor, so waren die daraus ent- springenden Unbequemlichkeiten so groß, daß das eine Intervention hervorragender Staatsmänner zur Folge hatte. Diese gaben beiden Parteien Ratschläge und förderten aus diese Weise eine friedliche Beilegung des Konflikts. Wurden jedoch ihre Vorschläge abgew.esen, so überließen sie die Ent- scheid ung den interessierten Parteien selber." Interessant isi die Antwort Sir Henry Oakleys auf die Frage, ob als Ursache des Streiks die Tätigkeit der Verbandsagitatorcn zu bezeichnen sei. Sie ist frei von jedem Jammer über Aufhetzer und Begehrlichkeit der Arbeiter und lautet:„Nein. Die Ursache des Streiks ist der Wunsch nach Verbesserung der Lage, welcher die ganzeWelt beherrscht. Die Agitatoren sind selbstverständlich bestrebt, ihren Einfluß zu vergrößern. Dieser Charakterzug ist allen Klassen und allen Nationen eigen." Auf die Frage, ob die Disziplin nach der Gründung der Arbeiter- organisationen besser oder schlechter geworden sei. antwortete Sir Henry Oakley:„In dieser Hinsicht läßt sich kein Unterschied fest- stellen. Die Angestellten sind weder besser noch schlechter geworden." Es ist hierbei zu bemerken, daß der Genannte einer Eisenbahn- gesellschast vorsteht, welche die Eiscnbahnerorganisation als solche nicht anerkennt,— wenn sie auch ihren Angestellten den Beitritt nicht verwehrt—, sondern nur mit den Ausschüssen ihrer eigenen Angestellten verhandelt. Aus diesem Grunde ließ Sir Henry Oakley auch die Frage un- beantwortet, ob die von den Eisenbahnern Englands in den letzten Jahren erzielten Verbesserungen ihrer Lage vermutlich auch ohne Organisationen erreicht worden wären. Dagegen beantwortete der Generaldirektor der Midlandbahii. einer der größten Bahngesell- schaften Englands, diese Frage rund heraus mit Rein, d. h. daß ohne die Organisation der Eisenbahner eine nennenswerte Verbesserung ihrer Lage wahr- scheinlich nicht erzielt worden wäre! Ganz im gleichen Sinne wie der letztere äußerten sich auch Mr. JameS Bryce, der im letzten Gladstoneschen Müiistenmn Staatssekretär für Handel und Gewerbe war, Herbert Gladstone. seinerzeit Unterstaatssekretär des Innern, sowie einer der führenden Groß- industriellen Englands, der dem Dr. Goldstein wohl erlaubt hat. seinen Namen der Schweizerischen Eisenbahnverwaltung zu nennen, aber in der Presse nicht genannt werden wollte. Alle diese drei erklärten, daß die Disziplin unter der Wirkung st arker Organisationen der Arbeiter nicht leide. Der Großindustrielle meinte vielmehr. daß st a r k e Arbeiter- organisationen die Tendenz haben, die Disziplin zu heben. Der Mann ist als Parlamentarier ein Mitglied der konservativen Partei— Englands. Und wie äußert sich der Führer der konservativen Partei, der damalige erste Schatzlord und jetzige Ministerpräsident Artur B a I f 0 u r. über daS Koalitionsrecht der Eisenbahner? Er schreibt an Dr. Goldstein, er sehe keinen Grund, in beziig auf daS Koalitionsrecht einen Unterschied zwischen den Eisenbahn an gestellten und anderen in Groß- Unternehmungen beschäftigten Arbeitern zu statuieren. So der konservative Parteiführer, der bekanntlich auch in der letzten Parlamentssession den Gesetzentwurf unterstützt und zur zweiten Lesung gebracht hat, welcher den englischen Gewerk- schaften das durch das Urteil im Tafftalprozeß geschädigte KoalinonSrecht wieder herstellen soll. Und alles dieö, nachdem England bei verschiedenen Gelegen- heften die großen Unbequemlichkeiten kennen gelernt hat, die ein Eisenbahnerstreik für das breite Publikum zur Folge hat. Bedeutet dies, daß man diese Unbequemlichkeiten auf die leichte Achsel nimmt? Durchaus nicht. Es bedeutet nur. daß man die Lösung nicht in der Richtung der Rechtlosmachung der Eisenbahner erblickt beziehungsweise sucht, sondern in der Schaffung von Einrichtungen, die die Eisenbahner der Veranlassung ent- heben, zur Waffe deS Streiks zu greifen. Diese Ein- richlungen siub unzweifelhaft auch in England noch sehr mangelhaft. Viel, sehr viel muß noch geschehen, bis man wird sagen können, daß der Streik für die Arbeiter eine so vorsintflutliche Sache geworden ist, 1 wie in den Augen ihrer geistigen Elite eS heute der Krieg ist. Aber den Arbeitern die vorgeschrittenen Mittel zur wirksamen Geltend- machnng ihrer Beschwerden vorenthalten und ihnen zugleich daS KoalilionSrecht teils ganz nehmen, teils durch staatliche Lieferung von Zwangs-Strcikbrechern hintenherum unterbinden— dazu muß man»Staat der Sozialreform" seiu l politische(lebersidn. Berlin, den 20. Oktober. Badische Landtagswahlen. Nach Meldung deS„W. 33." ist das Ergebnis der badischen Landtagswahlcn folgendes: Gewählt sind Zentrum 28. libe- raler Block 16, Konservative und Bund der Landwirte i, Sozialdemokraten 5; cS sind 33 Stichwahlen erforderlich, an denen die Parteien, soweit sich bisher übersehen läßt, wie folgt beteiligt sind: Nationalliberale 22, Zentrum 19, Sozialdemokraten 16, Konservative und Bund der Landwirte Eine Uebersicht über die Slimmenzahlen fehlt noch vollständig. Von den 63 Mandaten im alten Landlag, statt der jetzigen 73, be- saßen zuletzt: Nationaliiberale 2S, Zentrum 23, Demokraten 6, Sozialdemokraten 6, Freisinnige 2, Antisemiten 1. Die bisher gewählten Sozialdemokraten sind: In Mannheim Lehmann, Kramer, Siißkind: in Pforzheim Adolf Geck, in Pforzheim« Land Eichhorn. In Karlsruhe- Stadt, das bisher vertreten durch 2 Nationalliberale und 1 Freisinnigen war und jetzt 4 Mandate hat, ist im ersten Wahlgange ein Nationalliberaler gewählt, in drei Be- zirken finden Stichwahlen statt; es erhielten Stimmen im ersten Bezirk: Nationalliberale 1373, Zentrum 616, Frank lSoz.) 1341; im dritten Bezirk: Freisinn 1666, Zentrum 614, Konservative 113, Schaier sSoz.) 1269; im vierten Bezirk: Demokraten 1134, Zentrum 926, Konservative 44, Kolb(Soz.) 1628. Die Stichwahlen werde» nach dem neuen badischen Wahlgesetz derart vollzogen, daß alle diejenigen Kandidaten teilnehmen können, die wenigstens 16 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich ver- einigt haben.—_ Der Lcderbaron als Sieger. Darmstadt, 19. Oktober.(Etz. BerJ Heute fährt Frhr. v. Hcyl in seine Wormser Residenz: er hat der hessischen Regierung den Fuß diesen Hofprediger schwebt jetzt eine Klage beim Justizsachwalter 4dann nach dem Telegraphenamt; an beiden Stellen setzten sie diknstellnng der Arbeit durch. Schließlich wurde die Ansammlung irch Kosaken und eine Polizei-Abteilung aus- einandergetrn. Verflossene Nacht legten die Maschinisten auf dem hiesigen nhos der Nikolausbahn die Arbeit nieder; sie schössen aus den Zngrr eines Güterzuges, ohne ihn zu treffen. Wien, T)ttober.(W. T. B.) Heute nachmittag begannen im Auswärt Amte die Handrlsvertrags-Verhandlungen mst Bulgarien. Brüssel. Oktober.(W. T. V.) Die zweist Internationale SeerechtSonferenz einigte sich heute über die end- gültigen Bestzungen, die bei Zusammenstößen und für Hülfe- leistungen ause Anwendung finden sollen Obgleich die Konferenz nickst den Zweit, ein einheitliches Abkommen zu treffen, bat man doch in derage der Vereinheitlichung der fcerechtlichen Be- ftimmungen eder gegenwärtigen Tagung einen großen Schritt vorwärts gela Morgen erfolgt die Unterzeichmmg des Protokolls, das den auftigcn Regierungen die einmütig angenommenen Beschlüsse unstitet. Verantw. Redakteur: Paul Büttner? Berlin. Inseratenteil verantw.: Th.Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: VorwärtsBuchdr.u.Verlagsm'stalt Palngerö-Co..BerlinZ1V. Hierzu 3 Beilagen. Waffenstillstand. Unter obiger Ueberschrift bringt der„Vorwärts" vom 16. d. M. einen Leitartikel, der geradezu von Unrichtigkeiten und Wider- sprächen wimir.elt. Dabei hätte die Redaktion sehr wohl einen zu- treffenden Artikel bringen können, denn sie war über alle Einzel- heilen der Bewegung informiert. Zwar geht es nicht an, heute schon aus den einzelnen Vor- kommnissen Lehren für die Zukunft zu ziehen, aber auf Grund de» oben erwähnten Artikels mutz etwas schon heute gesagt werden. Ruhig zugestanden kann werden: Wir haben keinen Sieg er- rnngcn. Aber deshalb liegt noch lange kein Grund vor zu sagen: Wir lind die Geschlagenen. An einer Reihe von Vorkommnissen lictze sich sehr leicht nach- weisen, datz— zwar nicht auf materiellem Gebiet— einige Erfolge erziel: sind, die für denjenigen, der die Situation in der Metall- industrie kennt, von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind.. Wir haben auch keine Schlacht verloren. Wenn man schon in diesen militärischen Ausdrücken reden will, könnte man höchstens sagen: Wir sind einer in der Entwickelung be- grifsenen Schlacht ausgewichen. Auch das sonst noch im Artikel vom Sonntag über die Taktik Gesagte ist nicht zutreffend und kann nach meinem Dafürhalten nur angeführt werden, wenn man, wie der Artikelschreiber, absolut keine Ahnung hat, was wohl die Absicht der Unternehmer gewesen ist. Erst wenn man über die Absichten sich klar ist, läßt sich das Ganze beurteilen und lassen sich richtige Schlüsse ziehen. Eigentlich hätte ja der Artikelschrcibcr selbst einmal versuchen können, etwas tiefer zu graben und nicht nur an der Sberfläche haften zu bleiben. Doch stellen wir einmal die Tatsachen fest: Die Schraubendreher im Wernerwcrk halten schon längere Zeit unter großer Unsicherheit im Akkordberdienst zu leiden. Eine neue Berechnung der Akkordpreise wollte die Firma einführen. Die Preise, die sich nach der neuen Berechnung als zu hoch erwiesen, wurden herabgesetzt; aber die Preise, die sich als zu niedrig er- wiesen, nicht heraufgesetzt. Dadurch trat nach und nach eine be- deutende Verschlechterung ein, und diese Verschlechterung wollten die Schraubendreher durch den geforderten Prozcntaufschlag wieder weit machen. Im Grunde genommen war also der Streik der Schraubendreher kein Angriff-, sondern ein Abwehrstreik. Die Lagerarbeiter allerdings sind agrcssiv vorgegangen, aber wo auf der ganzen Welt gibt eS einen Menschen, der dies Vergehen nicht als berechtigt anerkennen wollte angesichts der vollständig un- genügenden Löhne, die diese Arbeiter bezogen. Run die Fragen: Wie kommt eS, datz diese beiden Streiks, die rein zufällig zusammenfielen, zum Ausgangspunkt der NiesenauSspcrrung genommen wurden? Die Höhe der For- derungen kann es nicht gewesen sein. Denn einmal sind eine stanze Reihe von Berufen in diesen Merken beschäftigt, die mehr verdienen, als hier gefordert wurde. Für die Schraubendreher kommt hinzu, datz die Berufskollegen anderer Werke derselben Gesellschaft das verdienen, waö die Schraubendreher forderten. Dann aber macht eS für derartige Firmen, wie Siemens, gar nichts aus, wenn wirklich das. was die Arbeiter forderten, an Löhnen mehr gezahlt wird. Für die A. E.-G. trifft das in noch höherem Matze zu. Die Gründe der Aussperrung müssen also andere sein. Man wird der Sache auf den Grund kommen, wenn man fol- stendes in den Bereich der Betrachtung zieht: ES steht fest, die ElcktrizitätSgescllschaften hatten und haben »och gute, ja sogar sehr gute Konjunktur. Dies haben die Firmen ausgenutzt, um mit ihren Produkten um 10 Proz. in die Höhe zu gehen. Aber auch die Arbeiter wollten diese günstige Gelegenheit auS. nutzen, und eS ist ja auch bei mehreren Branchen ohne weiteres möglich gewesen. Aufbesserungen zu erzielen. Kein vernünftiger Mensch wird dies den Arbeitern verdenken. Von selbst bessern die Unternehmer die Preise nicht auf; an den guten Zeiten läßt man die Arbeiter nicht teilnehmen, wohl aber durch Abzüge und der- gleichen an den weniger guten Zeiten. Da ist eS einfach Pflicht der Selbsterhalwng. datz der Arbeiter daS, was man ihm freiwillig nicht gibt, sich fordert. Nun gingen die Firmen zweifellos von folgenden Erwägungen auS: Mehreren Abteilungen haben wir Zulagen gegeben. Die Schraubendreher und Lagerarbeiter kommen jetzt, und wenn wir auch diesen bewilligen, kommen noch mehr. Dadurch aber kann ein nennenswerter Teil des Ivprozentigen Aufschlags verloren gehen. und dem gilt es entgegenzuwirken. Ten Arbeitern einen TSnipfer aufsetzen, die Gewerkschaften zur Ader lassen und wegen seiner Monopolstellung doch keine Auf- träge verlieren. daS war eS, was die Herren mit ihrer Aussperrung erreiche» wollten. Es steht durchaus heute fest: Die Firmen wollten unter allen Umständen aussperren. DaS geht daraus hervor, wie die erste Aussperrung inszeniert Wurde. Mittwoch mittag wird verlangt, datz bis Donnerstag mittag die Streiks, und zwar beide, aufgehoben sein müssen. Dabei werden die den Schraubendrehern bereits gemachten Zugeständnisse voll- ständig zurückgezogen und die den Lagerarbeitern gemachten Zu- geständnisse zum grotzen Tetl zurückgezogen. Jeder Versuch. Auf. schub der Aussperrung zu erlangen, um mit den beteiligten Kol- legen reden zu können, war vergeblich. Deutlicher konnten ja wohl die Firmen nicht zeigen, baß sie unter allen Umständen aussperre,> wollten. Denn datz die vor der ersten Aussperrung gestellten Bedingungen von den Arbeitern nicht angenommen werden konnten, Mutzten die Firmen, mutzten sie wissen, und eben weil sie eS wutzten, darum diese Bedingungen. Nun könnte man sagen: Ja. aber der Zeitverlust für die Firme» ist durch die Aussperrung ein ganz enormer. Darauf entgegnen wir: Die Firmen haben das auch bedacht, glauben aber durch Ucber» stunden und dergleichen den Verlust wieder weit zu machen. Darauf deuten ja auch die Versuche hin, jetzt schon die Arbeiter zur Leistung von Ueberstunden zu veranlassen. DaS ist auch bei den letzten Ver- bandlungen zum Ausdruck gekommen, wonach man hofft, bis zum Schlutz des Geschäftsjahres diesen Ausfall wieder eingeholt zu haben. Den Arbeitern aber wird erzählt, man wolle ihnen Gclcgenheit geben, den Ausfall an Verdienst wieder weit zu machen durch Heber. stundenarbeit. Auf diese Weise wollen die Firmen sich vor Verlusten schützen. die Arbeiter durch die Hungerkur mürbe und gefügig machen und die Gewerkschaften durch die auszuzahlenden grotzen Summen an Unterstützungen auf längere Zeit lahmlegen. Gelang das, dann konnte man in den näcbstm Monaten in aller Ruhe die gute Konjunktur für sich allein ausnutzen und die Arbeiter hatten das Nachsehen. Je weiter die Aussperrung ging, desto deutlicher traten die Merkmale dieser Absicht zutage. Dem galt eS. unsererseits entgegenzuwirken, und darum sind wir auf die Bedingungen vom Mittwoch, den 11. Oltober, ein- gegangen. Was ist nun der Erfolg dieser unserer Taktik? Die Arbeiter sind durch die Aussperrung, weil nur von kurzer Dauer, wenig oder gar nicht wirtschastlich geschwächt. Tie Gewerkschaften sind durch die Ausgaben von insgesamt BOOOOO M. wenig geschwächt und können autzerdem diese Ausgabe sehr schnell wieder einholen. Damit haben wir dir Möglichkeit, mit unserer Forderung der Anteilnahme an der guten Konjunktur genau wicdei. do emjetzen zu können, wo wir vor der AuSiperrung auf. gehört hatten. Auf der anderen Seite wäre de? Erfolg der Arbeiter selbst bei günstigstem Abschluß der eventuell weitergehendes Aussperrung, ill materieller Hinsicht, ein kaum nennenswerter gewesen, aus alle Fälle aber eine bedeutende Schwächling der Arbeiter und ihrer Organisationen, so datz an einer weiteren Ausnutzung der guten Konjunktur für diesen Winter nicht zu denken gewesen wäre. Run wird man einwenden: Ja, wer schützt Euch davor, datz nicht die Unternehmer in kürzester Zeit wieder aussperren? Darauf ant- Worten wir: DaS wollen wir ruhig abwarten. Angesichts all dieser Umstände nun fragen wir, ob nicht der Weg, den wir eingeschlagen haben, der richtigste war? Einer oder gar der Entscheidungsschlacht mit den Kühnemännern sind wir aus- gewichen, weil verschiedene Voraussetzungen, die wenigstens einiger- maßen einen Erfolg garantierten, nicht erfüllt waren. Datz auch die Arbeiter immer in Bewegung gehalten werden, und deren Erregung sich nicht legt, nun, dafür sorgen in rhrer un- glaublichen Kurzsichtigkeit die leitenden Personen in den Werken. Nach mehrfachen Mitteilungen setzt nämlich jetzt eine Politik der Nadelstich««in. Besonder? zu beobachten ist dieses im Dhnamowerk und Glühlampenwerk DiemenS-Dchuckert, sowie im Wernerwerk Siemens u. HalSke. Gefallen lassen werden wir unS die Nadelstich- Politik nicht, und so entsteht auS diesem Anlatz heraus, schon vom ersten Taxe an, der sogenannte Kleinkrieg, der die Aufmerksamkeit der Arbeiter ständig wach hält. Also: Die Schlacht ist abgebrochen, aber der Krieg geht dank der Kurzsichtigkeit der Unter- nehm er weiter! Adolf Cohen. ««« Genosse Cohen hat in obigem Artikel ztw Aufklärung der Sachlage so gut wie nichts beigetragen. Nach einer Einleitung. welche die totale Unfähigkeit des ArtikelschreiberS im„Vorwärts" feststellte, die Absichten de" Unternehmertums zu erkennen, durfte mau wohl erwarten, datz Cohen über die Absichten desselben mehr verraten würde, als dem Artikelschreiber und den Lesern des„Vor- wärtS" bereits bekannt war. Datz daS geschehen ist, müssen wir verneinen. Sonderbar ist übrigens, datz Genosse Cohen einen solchen Vorwurf gegen jemand zu erheben fertig bringt, der den Führern der Metallarbeiter alle Operationen ihrer kapitalistischen Gegner schon im Anfangs st adillm der Bewegung voraussagte. Im übrigen würden wir sehr-bedauern, wenn die Metall- arbeite? nach den Lehren dieses grotzen Kampfes nichts anderes wüßten, als den„Kleinkrieg" von neuem zu beginnen, der den Unternehmern den Vorwund zu einer Aussperrung gab. • Die meisten Gewerkschaftsblätter haben sich damit begnügt, die Beendigung der Aussperrung ihren Lesern lediglich durch Bericht der Tatsachen mitzuteilen. DaS geschieht selbst in der„Metallarbeiter- Zeitung". DaS erste Blatt, das sich kritisch zu der Beendigung der Aussperrung äußerte, war der „Corrcspoudent für Deutschlands Buchdrucker". Er schreibt: „Der Berliner„Vorwärts" sagt zu dem Ausgange de? Kampfes:„Es sei ruhig zugestanden, die Arbeiter kehren in die Fabriken zurück als die Geschlagene» I In dem imnierlvährend lobenden Hefligen Kampfe zwischen Kapital und Arbeit haben sie eine Schlacht verloren." So ist eS auch. Und eS ist nur gut, datz die Niederlage nicht eine größere geworden ist dadurch, datz man den Metallindustriellen Gelegenheit zur Erweiterung der AnZsperrung gab. Wie die Dinge lagen, war an einen für die Arbeiterschaft günstigen Ausgang nicht mehr zu denken, nachdem eS sich in den letzten vierzehn Tagen gezeigt hatte, wie wenig die Versorgung mit elektrischem Strome unterbunden war. Es wird zwar auch die Meinung laut, datz bei einem sofortigen allgemeinen Angriffe der Arbeiterichaft die Ge- sellschaften hätten niedergerungen und die AuSsperrungStaktik durchkreuzt werden können. Die Vertreter dieser Ansicht übersehen aber, datz nicht die Gesellschaften, sondern die Arbeiter die Un« vorbereiteten waren. Das allgemach zur anarchistischen Phrase ge- stempelte Herweghsche Wort von dein Stillstände aller Räoer Hölle hier wahrlich keine Dmiderdinge auSrichlen können. Man kann also die Verwendung von Feuerwehrleuten, daS Einspringen der technischen Beamten usw. in den Dienst bei den Kraftzentralen, die Rücken- deckung der Gesellschaften durch die Erklärung der Militärbehörde, eventuell Mannschaften der Eisenbahubrigade zur Verfiiguug zu stellen, noch so sehr bedauern und verurteilen, an der Sachlage wird dadurch nicht» geändert: Die Position der Arbciter war die schwächere... Haben also, die„Funkenpi-otzen" gleich den Kohlen- Magnaten vollständig da» Feld behaupten können, so ist diese große Berliner Aussperrung wieder eine Mahnung mit Donner- stinime an alle deutschen Arbeiter geworden, den vermaledeiten OrganisationSstreit zu begraben und alles in die einheitlichen Ecwerlschaflen zu treiben, um dann in mächtiger Schlachtlinie gegen solches protzenhafte» Unternehmertum aufzumarschieren. Das möge die Lehre dieses verlorenen KanipfeS fein, an dem freie Gewerkschaftler, Lokalisten, Hirsch-Dunckcrianer, Christliche mid Un- organisierte die Menge beteiligt waren." Der„Grundstein"' der Maurer druckr einen wesentlichen Teil beZ„VorwärtS"-ArtikelS ab, ebenso die„Schlosscr-Zeituug". Die.Fachzeitung der Schneider" ichmbl: .Der Kampf in der Berliner Elektrizitätsindustrie, an dem über 63 Ovo Arbeiter beteiligt waren, hat mit einem für die Arbeiter negativen Resultat sein Ende gefunden. Die Arbeit ist zu den schon vor der Aussperrung seitens der Dtrektioneu gemachten Zugeständnissen, die allerdings eine etwas loyalere AuS- legimg gefunden halten, wieder aufgenommen worden. Matzrege- lungeit sollten nicht stattfinden; wie aber diese Bedingung von sriieu der Werke gehalten wurde, zeigt, datz noch groß« Masseu von Arbeitern auf der Strecke geblieben sind. Es ist das wiederum ein Beweis, daß auf die Loyalität des UiiternehmertuinS kein Verlatz ist. Wenn eS auch den Arbeitern in diesem Kampfe noch nicht möglich war. die Leitungen der EleltrizitätSwerke� zur An- erkenimng ihrer bescheidenen Forderungen zu zwingen, so werden sie döch daraus gelernt haben, datz es noch ganz anderer Matz« nahmen bedarf, um sich den erforderlichen Einfluß auk die Ge- staltung ihrer Existenzbedingungen zu sichern. Die Macht des UitternehinertumS kann nur durch die Macht der Organisation der Arbeiter gebrochen werden." Selbständig äussert sich noch„Der Töpfer". Er meint: „Diese Beendigung bedeutet eine Niederlage für die Arbeiter. Die Unternehmer haben erweiterte Zugeständnisse nicht gemacht. Auf daS Bestimmteste war von ihnen erklärt worden, datz sie über den Nahmen des bisher Bewilligten in keiner Weise hinausgehen wollten. ES wurde nur„ausgelegt", datz die zugestaiidenen er- höhten Löhne der Lagerarbeiter als Mindestlöhue zu betrachten seien und datz die Erhöhung der Akkordsätze für Schrauben- dreher um ö bis 6 Proz. eure DurchschnittSerhöhung darstellen. Weiter wurde zugesichert, datz Matzregelringen nicht stattfinden sollten. Für solche Riesenkämpf« ist unseres ErachtenS nach die Arbeiter- schaff noch nicht reif, erst wenn die Organisationen geniigeiid gestärkt find, an Mitgliedern sowohl als auch in finanzieller Hinsicht, dann loicd eher Auesicht vorhanden sein, sich aus solche Emsch-idmigS- kämpfe einzulassen.— Damit soll nicht gesagt sein, datz man in der Jetztzeit solchen Machtkämpsen partout auS dem Wege zu gehen hat. Wenn das Unternehmertum unter entwürdigenden Zumiitimgen den ?lrbeitcrn solche Kämpfe aufzwingt, werden wir noch öfter die Fälle erleben,' datz seitens der Arbeiter der Fehdehandschuh ans- gehoben wird. Wenn auch in vielen Fällen dann die Erfolge für die Arbeiterschaft gering sein werden, so wird sie emstiveileir der organisatorische Erfolg solcher Aussperrungen über daS Nächst- liegende hinweghelfen, sie werden air Mitgliederzahl und damit 5lttil!llbend, 21. 1905. an Stärke gewinnen. Was wir aber hiermit ausdrücken wollen ist, datz an solche Kämpfe zukünftig mit grösserer Vorsicht heran- gegangen werden mutz. In Zukunft möge man den Arbeitern stets bor Augen hakten. datz sie alle Ursache haben, wenn irgend möglich, solche Macht- proben zu meiden, man möge sie aber hinweiseir auf die grossen Entscheidungskämpfe, die imS noch bevorstehen. Um diese aber ehrenvoll tmd sieghaft bestehen zu können, mögen die Arbeiter immer und immer wieder darauf hingewiesen werden, datz ihre Macht erst in ihrer Stärke liegt. Unermüdliche Stärkung in finanzieller Hinsicht, nnernrüdliche Agitation zur Werbung neuer Mitglieder, unermüdliche Arbeit in der Aufklärung zur Schaffung ziel- bewußter Kämpfer, das sind die Mittel, die die Arbeiterschaft in den Stand setzen werdeil, ihre Organisationen so zu stärken, datz sie zukünftig in der Lage sind, Uebergriffen der Industrie- protzen energischer als sonst und machtvoller die Spitze bieten zu können." Nur der„Zimmerer" vermag noch von einem Erfolg, aller- dmgS einem„verschwindenden" zu reden, den er wie folgt an- deutet: „Wenn auch der Augenblickserfolg fast völlig verschwindet, so gehen doch unbestreitbar die Organisationen gestärkt aus dem Kampfe hervor." � Die Parteipresse steht, mit Ausnahme der Blätter, die von einer gemeinsamen Korrespondenz bedient werden, auf dem Stand- Punkt deS„Vorwärts"._ Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 20. Oltober 1003. Konjunktur und Streik. Der neue Aufschwung.— Die GefchäsiSlage der Kohleniudustvie.— Eisen- und Maschinenindustrte.— Ausnutzung der Konjunktur durch die Kartelle.— AuSsperrungStaktik.— Stärkung der Kampfposition der Unternehmer durch die Kartelle.— Ist eine Aenderung der Streiltaktik nötig? Die Wirtschaftskrise, die im Jahre 1000 die glänzende Auf- schtunngSperiode 1896/1000 jäh unterbrach und, ausgehend von der Eisenindustrie,.nckit nur die meisten der deutschen Grotzindustrien, sondern auch das Bankgewerbe mit in den Bereich ihres Strudels zog, kann heute als völlig übertvunden gelten. Die letzten ver- einzeltc» Nachwirkungen, die noch zu Beginn dieses Jahre-Z i.i einige» Gewerbezweigen hervortraten, sind im Laufe der letzten Monate mehr und mehr verschwunden. Deutlich zeigt sich, daß in der Wellenlinie, in der sich die kapitalistische Entwickelung austvartS schlängelt, wir uns wieder anfeineraufsteigeitden Kurve befinden. Indem stetigen Wechsel zwischen Fa ll, Stagnation und neuem Aufstieg, in welchem sich nach den ihr eigenen Gesetzen die Ausweitung der kapitalistischen Wirtschaftsweise vollzieht, sind wieder die beiden ersten Stadien überholt, tmd in schneller Fahrt geht eS auswärts zur Höhe— und zu neuem Abfall. Den Tiefpunkt des Abfalls erreichte daS Jahr 1002, das fast allen von der Krise erfatzten Industriezweigen den schlechtesten Absatz brachte. Im Jahre 1003 begann für einige der größten Industrien, vornehmlich für die Kohlen- und die meisten Branchen der Eisen- industrie, bereits der Ansatz zu einem neuem Aufstieg, der allerdings zunächst noch recht schwerfällig vor sich ging und wiederholt von kleineren Rückschlägen unterbrochen wurde, besonders als die Krise deS amerikanischen EisenmarkteS im Herbst 1003 den intcr- nationalen Eisenmarkt in starke Mitleidenschaft zu ziehen be- gann. Da» Jahr 1004 brachte trotz des in Ostasien ausbrechenden Kampfes zwischen Japan und Rntztand und der Schädigung der Baumwollindusirie durrtj die wüsten Preistreibereien an den amerikanischen Baumwollmärkten eine weitere Besserung der Wirtschaftslage, die im Laufe de» jetzt seinem Ende eirtgegengehendetr Jahres 1905 nach und nach auch auf jene Branchen übergriff, die bisher die Welle der neuen Konjunktur nicht erfaßt hatte. Zu Anfang deS laufende» Jahres erfolgte zwar zimächst ein neuer Rückschlag— hervorgerufen durch den großen Bergarbeiter- streik im Ruhrrevier. der nicht nur die Kohlenindustrie dieses größten JirditstrierevterS Deutschlands lahmlegte, sondern auch viele Hiltteuwerle zur ProdnltionSeinichränkmig, teiliveise sogar zuzeitweiliger Eiiistellung derArbeit zwang; doch alSbaldnach dem Ende des Streiks setzte die Tätigkeit mit um so größerer Intensität ein. Im Juni trat dann allerdings eine erneute mäßige Abflautmg ein, jedoch nicht infolge eines Um- schwungcS der Tendenz, sondern teils weil in den vorhergehenden Monaten die Produktion allzu sehr angespannt worden war, teils weil die in Rheinland und Westfalen auSgebrochenen Streitigkeiten im Baugewerbe und die darauf von dem Unternehmertum beliebte MaffrnauSsperrung vielfach zu einer Unterbrechung der Herstellung industrieller Anlagen führten. Schon End« August setzte denn auch die Förderung mit neuer Kraft ein, so daß im September für den Arbeitstag 20 250 Wagen(a 10 Tormen---- 200 Zentner) augefordcit und 19 839 verschickt wurden gegen 17 054 im September 1904. Seit Oktober ist aber die Nachfrage nach Kohlen derart gestiegen, datz fast überall Ueberschichten eingelegt worden sind und die Eisenbahnverwaltnngen den Bedarf an Wagen nicht entfeint zu denken vermögen. Und dasselbe Bild bietet, wenn auch in kleinerem Massstabe, das oberfchlesische Kohlenrevier. Zum Teil wird die forcierte Förderung der Kohlenindustrie durch die Nnchffagc nach HauSbrandkohlcn veranlatzt; doch mehr noch als diese ist die Nachfrage nach Jndustriekohlen und Koks gestiegen■ der sichere Beweis dafür, daß die gegenwärtigen Ansprüche an die Zechen nicht nur die Bedeutung einer bald wieder zuriickwogcndcir Flutwelle baben. Vor allem ist es die Eiienindustrie, die verstärkte Anforderungen stellt. Auf demSiegerläuder Eisenmarkt hat sich, obgleich schon seit Monaten alle früheren Fördereinschränkimgen gesallen sind, ein tatsächlicher Mangel an Eisenstein eingestellt. Die Hochofeirwerke sind seit Beendigung des Streiks derartig beschäftigt, datz sie den durch diesen hervorgerufenen ProduktionSansfall bereits im Juni eingeholt und in jedem der letzten Monate durchschnitlltch über 100 000 Tonnen Roheisen mehr produziert haben, als im vorigen Jahre. Meist sind sie bereits bis April nächsten JahreS mit Aufwägen versehen und nehmen bi» dahin neue Austräge nicht an. Ebenso günstig lauten die Berichte vom Halbzeugmarkt. Der Inlandsbedarf wie der Export sind im steten Aufsteigen begriffen, und während in den vergangeucn Jahren die Soininermonale regelmäßig eine Abflauung brachten, stiegen diesmal die Anforderungen. Auch auf dem Walzeise»- markt ist die Stimmung eine wesentlich festere. Sowohl Flntzstabeisen als Schweitzstabeisen findet zu erhöhten Preisen Absatz. Teilweise haben die Werke schon für da? zweite Quartal 1006 groß« Aufträge aufgenommen. Und nicht minder zeugen die Liescruitgsbedinguiigen und Preise des Blech-, Draht- und Röhrenmarktes von einer starken, steigenden Nachfrage. Selbst die Kleineisenindustrie des bergischeir Landes und die Maschinen- industrie sind seit dem Frühjahr mehr und mehr vom Strom de? wirtschaftlichen Aufschwungs erfaßt worden. Aus der Landwirtschaft. dem Bergbau, der Metallindustrie, dem Textilgcwerbe fließen der Maschinenindustrte in steigendem Matze Aufträge zu. so daß sich beretts niedrere Fabriken zu beträchtlicher Verlängerung ihrer Lieser- fristen genötigt sahen. Und nicht nur in der Metallindustrie hat eine neue Prosperität?- Periode eingesetzt, auch die ElektrizitätSinduftrie, der Schiffbau, verschiedene Branchen der Textilindustrie und fast alle Industrien, die dem Baugewerbe Materialien liefern, sind relativ gut beschäftigt. lieberall zeigen sich die Symptome eines neuen Aufschwungs. D i e Ü>r t e r n e h m e r s ch a f t weiß diese günstige Situalion geschickt zur Mehrung des Unter- nehme rprofits auszunutzen. Durchweg hat sie in allen genannten Industriezweigen die Preise Hinausgeschroben, in einzelnen Fällen bis zu£V Proz. und mehr. Leider wird ein grosser Teil tfcfet Pre!Ze>Höhungcn, weil er sich im internen Verte�r zwischen den Fabrikanten mid Händlern vollzieht, den außerhalb deS Fochkreisc-Z Stehenden lonm bekannt. Zu allgemeiner Kennt- n!s gelangen mir die von großen Kartellen gefaßten PreiserhöhiingS-Beschlüsse, und auch diese meist nur insoweit, all; sie sich auf wichtige Massenartikel beziehen. Trotzdem ergeben sich, wenn man den Blick auf die großen kartellierten Industrien wirft, sofort mannigfache und belrächrliche PreiShcranf- setz,»igen. WaZ die Eisenindustrie anbelangt, so hat z. V. der Sicgerländer Äercin, nachdem er schon vor einigen Monaten die Preise sür Rohspat um 8, für Rostspat um ö M. pro 19 Tonnen erhöht hatte, für die neuen Abschlüsse eine nochmalige Preisheranf- setzung in gleicher Höhe verfügt. Ferner wurden die Preise für Thonin'eisell vorläufig um 2, sür Pnddel- und Stahleisen vorläufig um 8 M. pro Tonne erhöht. Bandeisen kostet nni 2 und 2>/» M. pro Tonne mehr: Flußstabeiscn ist um ö Pioz. gestiegen. Schweiß- stabeisen um 4 Proz.; ebenso werden von den Blechwalziverken je nach der Oualität um ö— 10 Proz. höhere Preise gefordert und die Belbcrtcr Schloßindustrie hat gar eine Preiserhöhung um 20—25 Proz. beschlossen. So beutet die llntcrnchmerschaft rücksichtslos die st e i g e n d c K o n j u n k t ll r zu ihrem Vorteil a u S. Ilm so weniger ist sie ober geneigt, der Arbeiterschaft irgendwelche Zu- geftändnisse zu machen, eoie verlangt die ihr durch die Wirtschaftslage gebotenen Vorteile für sich allein. Die?!rberterschaft daran partizipieren zu lassen, dazu verspürt sie nicht die geringste L n st. Wer die eigentliche Ilnternehmcrpresse: die Fachblätter der einzelnen Jndustricgrnppen, die„Deutsche Jndustrie-Zeiwng', die «Rheinisch-Westf. Ztg." und andere Organe ähnlichen Kaliber? in den letzten Monaten mit cinigcr Sorgfalt las, der fand immer wieder in den verschiedensten Variationen den Gedanken ansgesponnen: den Versuchen der Arbeiter, die günstigere Lage zu LohncrhöbungSforderungen auszunutzen, muß sofort gemeinschaftlich mit Nachdruck culgegengetretcn werden, indem wir uns mit den "Betticbcn, über die der Streik verhängt wird, solidarisch erklären, eventuell durch allgemeine Aussperrungen. Natürlich tritt diese Arguinentatioil nicht überall so deutlich hervor; sie findet sich häusig versteckt unter allerlei Ausführungen über die Nützlichkeit eines gemeinschaftlichen Auftretens der„Arbeit- geber" gegenüber der wachsenden Begehrlichkeit der„Arbeitnehmer", über die steigenden ProdnktionSkoslcn, die zunehmenden Lasten der sozialpolitischen Gesetzgebung usw., aber immer wieder zieht sich wie ein Leitmotiv durch die Ansführnngen der Gedanke: Es muß gleich von vornherein allen B c st r e b u n g e n der Ar- b e i t e r, die 51 o n j u n>k t u r z n r D u r ch d r ii ck n n g von Lohnforderungen z u b c n» tz e it, energisch e n t- g e g e ii g e t r c t c n>v c r d e n? die Vorgänge aus den ersten Jahren der letzten ProspcritätSperiode, in denen es damals den Arbeitern gelang, durch eine Art Etreik-Gucrillalrieg uns wesentliche Zuge- ständnisse abzuzwingen, dürfen sich nicht wiederholen. Selbst in den Geschäftsberichten der großen Bergwerks� und Hütieiigesellschasten, z.B. erst jüngst im Bericht der Harpener Bergbau gescllschasr, findet man in Rückblicken ans de» letzten Bergarbciterstreik, nichr oder minder versteckt, derartige Folge- ruilge». Die Leiter der Großindustrie rechnen damit, daß sie an ihren Syndikaten und Verbänden, von denen viele der mächtigsten erst in den letzicn Jahren entstanden sind, einen festen Rückhalt gewonnen haben: und tatsächlich dürfen die Vorteile, die diese ihnen sür den Kampf bieten, nicht unterschätzt werden. Schon die einheitliche VerkaufSorganisation der Kartelle und die dadurch gegebene Mäg- lichkcit, die Verluste aus viele Betriebe verschiedener Gegenden zu verteilen, ivie auch die durchweg in die LicsernngSabschlüsse der Kartelle anfgenonmiene Klausel, daß Streik und Aussperrung sofort von allen LieferungSverpflichttingen entbinden, sind von Vorteil für die Unternehmer. Außerdem aber enthalten einzelne Kartellvcrträge die Bestimmung, daß die angcschlosiene!, Werke für die nicht volle AuSnlltzung des ihnen zugewiesenen Anteils an der festgesetzten Gesannproduktion Entschädigungen fordern können, und ferner be- stehen zweifellos in manchen Kartellen besondere Abmachungen unter den Beteiligten, in Streikfällcn sich gegenseitig zu unterstützen, wenn nötig durch die Vornahme von AuSsperrnnge». Und selbst, wo solche Ab- niachungen nicht vorhanden sind, bildet doch immerhin die durch die Kartell- orgaiiisation vermittelte Bekanntschaft der Unternehmer und Betriebsleiter miteinander, ihre gemeinsame Verbandszugehörigkeit ein Mittel, leichter zu Beschlüssen gegen jeden Angriff der Arbeiterschaft zu gelangen, als bisher. Unter diesem Gesichtspunkt muß auch die seit Erimmitschau von den Unternehmern befolgte Taktik, Lohnforderungen sofort mir Ans- sperrungen zu beantworten, wie sie erst dieser Tage wieder die Elcktro-Jndnslriellen in Berlin und der Verband der sächsisch- thiiriligischen Webereien praltizicrten, betrachtet werden. ES handelt sich ieineslvegs um eilten Zufall, sondern um ein wohlerwogenes S y st e m. Die weitere Entwicklung wird das beweisen. Die Frage ist, ob diese Aenderung der KampfeStaktik der Unter- nchmcrscha't nicht auch eine Aenderung der Taktik der Gewerkschaften nötig macht— natürlich nicht in dem Sinne, daß nun aus Furcht vor der Aussperrung jeder Versuch, die günstige Konjunktur zur Aer- besscrnng der Lebenslage der Arbeiter zu benutzen, unterbleibt. Das hieße die spezielle Aufgabe der Gewerkschaften völlig fallen lassen. Wohl aber gilt cS zu erwägen, ob gegenüber solchem Vorgehen der Unternehmerschalt der Kleinkrieg, der bisher vielfach üblich war und unler früheren Verhältnissen auch oft mit Erfolg durchgeführt werden konntc, noch angebracht ist, ob nicht die veränderte Taktik der Kartell- verbändler auch eine Aenderung in der Angriffsform der Gewerkschaften bedingt: den Massenangriff der Arbeiterschaft verschiedener von einander abhängiger und einander ergäiizeilder Branchen, oder, wo dieser sich infolge der besondcrcil wirtschaftlichen Verhältnisse und der Arbeitsbedingungen nicht anwenden läßt, der inter- nlittierende Streik, wie ihn die russische Arbeiterschaft im polt- tischen Kampfe gebraucht. Selbstverständlich erfordert die An- Wendung jede? dieser Kampfmittel vorher eilte sorgfältige Orientienmg über die Eigenheiten des KampsfeldcS. Wenn aber die Unlernchinerschaft meint, durch ihre seit Crimmitschau befolgte Taktik der MasicnauSsperrnng jeden Versuch der Arbeiter, ihre Lebenslage zu verbessern, brutal niederschlagen zu können, dann irrt sie gründlich. Noch sind die Kampfmittel der Arbeiterschaft nicht erschöpft. Mid. Huö InduFtrie und Handel. Die Herisisaison im Baugewerbe. Tie überaus günstig« Amikonjunktur des laufenden Jahres hat auch in der Herbstsaison weiter angehalten. Tie Besserung der gewerblichen Tätigkeit hat vor allem auf die Errichtung neuer sowie die Crtveibcrung vorhauteucr Fallt ikanlagcn. Geschäfts- etabliffemeutS usw. belebend eingewirlt. Ferner ist durch die reich-- liche ArbeitSgelegenhiit der Zuzug von Arbeitern vergrößert und dadurch der teilweise schon stark vorhandene Mangel an kleineren Wohnungen verstärkt worden. Hierzu kommt noch die Tatsach;, daß speziell in größeren Städten immer mehr das Streben verfolgt wird, das Innere der Stadt zum Geschäftszentrum zu machen und Privntwohnungen in die Peripherie zu verlegen. Diese» Bestreben bedingt sowohl zahlreiche Umbauten für GcschästSzwecke als auch Neubauten für den Wohnungsbcdarf. Vor allem ist hier Berlin zu nennen. Tie Geschäsi»!r>clt Berlins folgt immer mehr dem Beispiele anderer Großstädte, wie z. B. Londons, die Häuser im Zentrum der Stadt vollständig sür geschäftliche Zwecke auSzunutze-n und— was durch die fortwährende Eriveiterung und Verbesserung der Verkehrsmittel begünstigt wird— ihren Wohnsitz in die Vororte zu verlegen. So erklärte sich mich da-Z rapide Anwachsen der westlüchen Nachbarstädte, in denen in der letzten Zeit ganze Straßen in kurzer Frist entstanden sind. Eine Folge der zunehmenden AnZniitziing der Terrains innerhalb der Stadt für geschäftliche Zwecke ist das Steigen der Grundstücks preise und der Lafonmieketr. ATI Beispiel sei mir&£ PceT eine» Terrain? in der Leipzigerstraße angeführt, der sich auf 60 000 M. für die Quadratruie belief. In ähnlicher Weise entwickelte sich die Bautätigkeit in anderen Großfiädicn. In Stuttgart macht sich, wie die„Arbcilsmarkt- Korr." berichtet, gleichfalls da» Bestreben geltend, cm Stelle zentral gelegener Wohnhäuser GeschäftSlokalitäten zu schaffen. Die Bau- tätigkcit ist infolgedessen äußerst lebhaft. Die Errichtung neuer Fabriken, Schachtanlagen, sowie die Erweiterung bestehender Etablissements verleihen dem rhcinisch-tveftsäliseten Baugtnverbc ein äußerst lebhaftes Gepräge. Der Konflikt zwischen den Bauarbeitern und den Arbeitgebern war gerade in eine Zeit sehr günstiger Konjunktur gefallen und hat eine so starke Ansammlung von Aufträgen verursacht, daß Beschäftigungsgclegenhcit bei' günstiger Witterung noch auf lange Zeit vorhanden sein wird. Be- sonders gute Aussichten eröffnen sich der Bautonjunktur in Dort- IN u n d, wo zahlreiche AuSschachningen in Angriff genommen sind. Neben den Fabrikneubautcn, die auch in Elberfeld und Umgegend zahlreich im Entstehen begriffen sind, wird hier bor allem dem Bedarf nach kleineren Wohnungen Rechnung getragen. Schon die Zahl der neuen größeren Prioatbauten ist besonder» hoch; allein die Anlage von Arbcitcrwohnungen geht noch darüber hinaus. Die rege Bautätigkeit in Altona erstreckt sich ebenfalls Haupt- sächlich auf die Errichtung kleinerer Wohnungen. Der Bedarf ist hier noch so erheblich, daß eine weitere Steigerung zu erlvartcn ist. Neben der lebhasten Bautätigkeit für gewerbliche Ztveckc und für den Bedarf von Pcivatwohnungen spielt aber auch die Anlage von öffentlichen, städtischen und staatlichen Gebäuden eine wichtige Rolle. Hauptsächlich da» Baugewcrl'c Westdeutschlands hat in der diesjährigen Saison zahlreiche Aufträge auf öffentliche Bauten auszuführen. In Kreuznach sind allem sechs große städtische Gebäude, in erster Linie für Schulzwecke, in Angriff genommen, die bis in die Saison IVOS hinein Bcsckiäftigungsgelcgenheit� geben. Ebenso liegen die Bcrhältnisse in St. Johann sehr günstig, da hier städtische Bauten teilweise schon im Entstehen begriffen sind, teilweise erst jetzt begonnen werden. Von diesem durchweg befriedigenden Beschäftigungsgrad im Baugelverbe machen nur wenige Gegenden und Städte eine Aus- nahine. Besonders unbefriedigend ist die GeschäftStagk in München, wo im laufenden Jahre im Monat durchschnittlich nur 28 Neubauten entstanden gegen 40 bis 50 in früheren Jahren. Tie mißliche Lage in Dresden ist in erster Linie durch die lieber- spcknlation in Grundstücken verursacht, die den Zusammenbruch mehrerer Baufirmen zur Folge hatte. In B r a u n schweig ist trotz der Besserung gegen den Vormonat die Bautätigkeit noch immer weit schlechter als im übrigen Deutschland; die Baulust ist so gering, daß ein erhebliches Uebcrangebot von Bauarbeitern zu verzeichnen ist. Auch in Halle weicht der Beschäftigungsgrad im Baugewerbe ungünstig von der allgemeinen Lebhaftigkeit ab. Staatsdienst. Eine förmliche»Flucht au» dem SlaaiSdicnst" ist in der letzten Zeit speziell beim Kgl. Oberbergamt Tortmund zu beobachten. Bcrgassessor Robert Schmidt, bisher technischer HülsZ- arbcitcr deS Bcrgrevierbeamten für da» Bcrgrcvier Wcst-Rcckling- hausen, tritt, wie die„Franks. Ztg." mitteilt, als technischer Leiter der bergbaulichen Unternehmungen bei der Familie Rohling in Saarbrücken ein. Bergassessor Kesten geht als Hülfsarbciter zur Vcrwaltuug der BergwerkS-Akticngcsellschaft Dahlbusch zu Rott- hausen über; die Bergnssessoren Beckmann und Straetcr sind eben- falls aus dem Staatsdienst ausgeschieden. Regicrungsrat Dr. Fahrenborst-Dortmund, zurzeit im landwirtschaftlichen Ministerium in Berlin, tritt in die Zentralverwaltung der Phönix Aktien-Gcsell- schaft für Bergbau und Hüttenbetrieb zu Rnhrort ein. Bergassessor Dr. Hocker gedenkt zu einem Bankinstitut überzugehen. Tic hohen Lebensmittelpreise in Deutschland wurden in einem kürzlich veröffentlichten Bericht deS amerikanischen Konsuls in Chemnitz an seine Regierung in Washington besprochen. Der Konsul tritt der in den Vereinigten Staaten vorherrschenden Auffassung entgegen, daß man in Deutschland viel billjgcr leben könne als in Amerika. Bei Verglekben der Preislisten zeigt sich, daß dem nicht so ist. Der Marktpreis im Handel ist für eine lange Reihe von Lebensmitteln im Gegenteil in Deutschland noch höher, als in den Vereinigten Staaten. So ist Schweine-, Rind- und Hammelfleisch und auch Geflügel billiger in Amerika. Auch Butter, Zucker, Kaffee, icc und sogar Kartoffeln stehen niedriger im Preise. Dabei kommt in Betracht, daß kein amerikanischer Arbeiter so billig arbeitet wie eilt deutscher. Di? durchschnittliche Lebenshaltung der Arbeiter- familie ist daher in den Vereinigten Staaten weit höher als in Deutschland._ 'Cbeater* Deutsche? Theater.„Das Käthchen von Heilbronn". Historische» Ritterschanspiel in fünf Akten von H. von Kleist.— In die einst so schmucklos einfache Stätte, auf der das psychologisch- analysierende, jedem äußeren Sinnenreize abgetvandte naturalistische GcgenwartSdrama seine vollendetste Darstellung fand, hat nun die Rcinhardtsche Bühnenknnst mit ihrer ausgesprochenen Vorliebe für malerisch dekorative Wirkungen den Einzug gehalten. Man spürt die Aenderung schon im Aeußeren, in der diskret geschmackvollen Ausschmückung, die sich die alten Räume haben gefallen lassen müssen; sogar der überall sonst so monströs monotone von der Feuerpolizei verordnete Eiscnvorhang ist durch eine gefällige, die breite Fläche unterbrechende Verzierung dem neuen Stil deS Hauses eingegliedert. Die Bühnenbilder dieser Eröffnungsvorstellung: die dämmemde Friibniorgenlandschaft, von der eS ivie ein kühler frischer Hauch herübertvehl, die sonneubcschienenen Täler mit den ragenden Berg- zinnen im Hintergründe, Gärten, Gewölbe, Kirchenfront dürfen sich in ihrer großzügig phantasievollen Echtheit wohl denen, die Rciiihardt in„Pallas und Melijande", in den„Krön- Prätendenten", im„Sommernachtstrauin" vorgeführt hat, zur Seite stellen. Einmal brach, als der Vorhang aufging, beim ersten Anblicke der Szenerie laut und langanhaltend der Beifall hervor. Dafür klang er beim Fallen deS Vorhangs öfters allerdings auch recht dünn. Von einigen schönen und der un- verglcichlichen Szene imtcr dem Hollunderbnsche abgesehen,— dem wenigen, worin sich KäthchenS Wesen unmittelbar in seiner holden Unbeivußthcit offenbart,— bietet das Kleistsche Ritterschanspiel kaum etwas, das heute noch lebendige Teilnahme er- wecken könnte. Vieles, so die Figur der bösen Kunigunde. die Kämpfe um sie, die Zufälle, durch die die Handlung. jede» eigentlich dramatischen Zusammenhanges völlig entbehrend, in Gang gehalten Ivird, die Lösung, daß daS liebe Bürgermädchen sich als uneheliche» Kind des Kaiser» entpuppen muß, um ihre»„hohen Herrn" Hand zu gewinnen, reizt in seiner kindlich naiven Unbeholsenheit direkt zum Widerspruch. Und diese Sprödigleit läßt sich durch keinen so reichen Thealerschmiick. nicht einmal durch die vortreffliche Verkörperung de» Liebespaares, wie sie die Vorstellung bot. überwinden. Ein erschwerender Umstand war eS ferner, daß man da» Stück fast ohne Ctrcichnngcn spielte; so dauerte cS, trotzdem die Drehbühne die vielen VerwandlungSpausen sehr verkürzte, mit der einleitenden Pfitziierschen Musik weit über daS Maß normaler Genußfähigkeit, volle viereinhalb Stunden. Im übrigen nahm man e» mit der Pietät gegen den Dichter nicht immer so genau und tat ganz recht daran. Fräul. Duri c ux, die in der bekannten Badeszene die vorgeschriebene Scheußlichkeit der Kunigunde so radikal abschreckend, ivie man nur wünschen konnte, zum Ausdruck brachte, erlaubt« sich bei der Begegnung mit der Gräfin Strahl eine au» dem Stil der Dichtung heranS- fallende Persiflage. Sie gab dem heuchlerischen Getue der weiblichen Kanaille, de» feierlichen'Theatcrernst der unmöglichrn Rolle ironi- sierend, cineit Anstrich komisch ontrierter Höflichkeit, der an die Art der Kotzebneschen deutschen Kleinstädter gemahnte und die sonst lang- weilig lote Szene lustig mokant belebte. Und ebenso riß Winter- st e i n. die bäremnäßige Kraft eines versoffenen Rillermannes in grpteslcin Pofjenhmnor Übertretbend, einen anderen schwachen Auf- tritt heran?. Prächtig in den Hauptmomenten waren Lucie Höf« l i ch als Käthchen und Ka i ß ler als Graf Wetter vom Strahl; er ein Bild herber, männischer, in sich verschlossener Kraft, sie ganz Hingebung, willenlos unschuldig den traumhast dunklen in der jungen Mädchenseele webenden Gewalten uisterworscn. Wie sich beim Anblick der unter dem blühenden Hollnnderbusch Entschlafcneil der starre Stolz dcS Jüngling» löst, wie er voll scheuer Zärtlichkeit sich über sie beugend, leise Frage und Antwort mit der Träumenden tauscht, dieser Augenblick, der alle Poesie de» Werkes konzentriert in sich enthält, erschien bei dem Zusammenspiel der beiden in seiner vollen ungebrochenen Schönheit. Hier gipfelte die Darstellung, hier der Erfolg. Gut war auch Reinhardt, der als künstlerischer Leiter mehrmals gerufen wurde, in der Figur von Käthchens altem heißblütigen Vater. Von den anderen Mitspielenden hatte keiner, auch Engel und Hedwig Mangel nicht Gelegenheit, mit einer markanteren Charakteristik hervorzutreten.— dt. Gerichts-Zeitung Unter pretmistlur Polizcihcrrschaft. Wie immer am 18. März, war auch am 18. März 1904 die Polizei im Friedrichshain beim Ruheplätze der Märzgefallenen emsig„im Interesse der Aufrecht- erhaltung der Ordnung, Sicherheit und Bequemlichkeit des Verkehrs" tälig. Zu den Besuchern dcS Friedhofes gehörte der HandlungS- gehülfe Lange. L. wurde zum Weitergehen polizeilich aufgefordert. Er ging auch einige Schritte, blieb dann aber wieder stehen. L. wollte auf einen Vckannten warten und gab dem auch durch Worte Ausdruck. Auf eine weitere Aufforderung ging er wieder einige Schritte nur. Dabei beklagte er sich darüber, daß sich die Polizei in alles mische. Im übrigen sehe ja der Polizeilcntnant, daß er gehe. Der Polizeileutnant Schirmcr rief B. zu: „Halten Sie den Mund!"— wa» L. dem Beamten mit starker Betonung deS S i e darauf gleichfalls zurief. Lange wurde wegen Beleidigung des PolizeileutnaniS und wegen Uebcrtretnng de» ß 132 der Berliner Straßcn-Polizeiverordmmg angeklagt. Da» Landgericht I als Bernfmigsinstanz sprach ihn jedoch mit folgender Begründung frei: Wenn nach der Straßcn-Polizeiverordnung den Ansforderungcn, die zur Erhaltung der Ordnung. Sicherheit und Bequemlichkeit deS Verkehrs ergehen, unbedingt Folge zu leisten sei, dann bedeute dies sofort. Dem habe aber Angeklagter genügt, denn er sei ans jede Aufforderung sofort weitergegangen, wenn auch mir ein paar Schritte. Eine Beleidigung sei cbcnsalls nicht anzunehmen. Da der Polizei- leuttiant die Worte:„Halten Sie den Mund" zuerst gebrauch: habe, so sei aus der Erwiderung des Angeklagten:„Halten S i e den Mund" nicht auf die Absicht der Beleidigung zu schließen. An- geklagter habe vielmehr nur seinem Unmut Ausdruck geben wollen. Das Kammergericht gab der hiergegen eingelegten Revision statt, hob das Urteil auf und verwies die Sache noch einmal an das Landgericht zurück. Zunächst sei der Begriff des unbedingten Folge- leisten» im Sinne der Straßen- Polizeiverordnnng verkannt. „Unbedingt Folge zu leisten", das hieße, so Folge zu leisten, daß dem Befehle nachgekommen werde. Wenn der Befehl vorliegend dahin gegangen sei, daß die Leute zirkulieren sollten, dann sei es lein unbedingtes Folgeleisten, wenn Angeklagter ein paar Schritte ging und dann wieder stehen blieb. Das müsse das Landgerich: bei der neuen Verhandlung berücksichtigen.— Ferner habe da» Land« gericht den Begriff Beleidigung verkannt, indem e» die Absicht, zu deleidigen, für erforderlich halte und nicht nachgeprüft habe, ob An- geklagter sich bewußt war, den Polizeileutnant in seiner Ehre zu kränken. Die Absicht sei nicht erforderlich, es geniige das Bewußt- sein. Inwiefern eine Kompensierung der Aeußerungen des Angeklagten und des Leutnants möglich wäre, sei Sache der noch- maligcn Feststellung in der Vorinpanz. Als ein Opfer feiner hochgradigen Nervosität bezeichnete sich der Krimi nalkomniiffar a. D. Paul Anders, loelcher- gestern vor dem Schöffengericht I wegen Betruges in sechs Fällcir angeklagt war. Der Angeklagte hat ein sehr wcchselreiches Leben hinter sich. Er ist der Sohn vermögender Eltern. Nach Absolvierung des Gymnasiums widmete sich A. dem Studium der Jurisprudenz, hatte aber auf diesem Gebiet wenig Erfolge. Er sattelte deshalb zum Studium der Dkedizin um, mußte aber auch dies infolge eines vorübergehenden Leiden» aufgeben. Beim Militär brachte es der Angeschuldigte aber bis zu der Charge eines Neserveleutnants, um dann den Dienst zu quittieren und sich bei der Kriminalpolizei zu melden. Nach längerer probcwciser Anstellung wurde A. zum Kriminnlkonnnissar befördert. Als solcher arbeitete er bei dem Berliner Polizeipräsidium längere Zeit in dem Ressort der politischen Polizei und der Sittenpolizei. Infolge deS anstrengenden Dienstes kam bei dem Angeschuldigten ein längst vor- handenes Nervenleiden zum Ausbruch, das ihn zwang, seinen Dienst bei der 5lriminalpolizci zu quittieren.— In der vorliegenden Anklagesache wird A. bcschnldigt, in betrügerischer Absicht bei mehreren großen Buchhandlungen Lexikon» und andere wertvolle Bücher auf Ratenzahlung entnommen und sofort nach Empfang weiter verkauft zu haben.— Auf Antrag des Verteidigers waren zu der Ver- Handlung mehrere psychiatrische Sachverständige geladen, die be- kündeten, daß der Angeklagte infolge seiner schweren Nervosität in seinen Handlungen hart an der Grenze des Ausschlusses der freien Willcnsbestimmung stehe. Von einer Anwendung des 8 61 des Strafgesetzbuches könne indessen keine Rede sein. Ter Gerichtshof kam indessen zu einer Freisprechung, da nach dem Gutachten der Sachverständigen doch Zweifel bestehen, ob der Angeklagte nicht in einer vorübergehenden Bewußtseinstrübung gehandelt habe. Es wäre nur zu wünschen, daß diese weitherzige Anwendung des 8 61 auch in viel bedenklicheren Fällen zur Geltung käme. Ter Gang zum„Kadi" dürfte dem Gastwirt Joseph P l i ch t a seit gestern leid geworden sein. Herr P l i ch t a war seinerzeit wegen Betruges angeklagt und vom Schöffengericht zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Schöffengericht k hatte als erwiesen erachtet, daß er mittels einer Annonce eine Wirt- schafterin engagiert hatte, daß diese anS der Form der Annonce annehmen konnte, daß eS auf eine spätere Heirat abgesehen war, daß sie ihm ans eine unzutreffende Versicherung hin, er sei unvermählt, 200 M geliehen habe und da» Geld trotz aller Anstrengung nicht wieder erhalten könne. In der Berufungsinstanz wurde Plicht» unter Aushebung des ersten Erkenntnisses freigesprochen, weil der Gerichtshof die Bekundung der Wirtschafterin allein nicht für aus- reichend erachtete, um festzustellen, daß die Hergabe de» Geldes nur auf die Versicherung hin erfolgt lvar, daß P. unverheiratet sei. lieber diesen gerichtlichen Vorgang berichtete eine hiesige Gericht»- lorrcspondcnz unter kurzer Schilderung de» Tatbestände», wie ihn die schösfcngcrichtlichc Verhandlung ergeben hatte. Durch diesen Bericht fühlte sich Herr Plichta beleidigt und erhob die Privalllage gegen den Verfasser des Berichts und den Herausgeber der Kor- respondcnz. Gegen letzteren wurde das Verfahren eingestellt, gegen den Berichterstatter gestern vor dem hiesigen Schöffengericht ver- handelt. Ter Angeklagte bestritt entschieden die Absicht»nd das Vorliegen einer Beleidigung, und hatte zum Beweise der Nichtigkeit des Nefera!» auch die geschädigte Wirtschafterin laden lassen. Auf die Vernehmung der letzteren konnte aber verzichtet werden, da sich der Gerichtshof ohne sie davon überzeugte, daß sich der Angeklagte nach keiner Richtung strafbar gemacht habe und in dem Berichte. der im ganzen den vom Schösscngcricht festgestellten Tatsachen entsprach, Beleidigungen nicht enthalten seien. Besonder; unangenehm für den Privatfläger war es, daß Rechtsanwalt B a h n es sür notwendig hielt, das Strafregister de» PrioatklägerZ verlesen zu lassen. Der Verteidiger behauptete weiter, daß die Wirtschafterin ihr den» Kläger geliehenes Geld noch immer nicht zurückerhalten und ver- gcblich Pfändungen versucht habe.— Der Gerichtshof sprach deu Angeklagten frei und legte dem Privatkläger die Kosten auf. Vmmfcbtca, TaS Nackte in der Kunst tuird demnächst das Nürnberger Ee- richt beschäftigen. Tie Stadt Albrecht Dürers hat bekanntlich seit 14 Tagen einen Kunstflandal, der bereits durch die Zeitungen allgemein bekannt geworden ist. Ter Industrie- und Kulturverein, eine Gesellschaft honetter, reicher Bürgersleute, die zumeist auf den Liberalismus schwören, baute sich ein neues Haus, an dessen Fassade einige Mojaikbilder angebracht wurden. Die Kartons hierzu fertigte der Kunstmaler Kellner. T>as eine dieser Bilder stellt eine vom Alter gebückte Greisin dar, die von einem Jüngling zum Jung- brunnen geführt wird, auf dem anderen Bilde schreitet das eben dem verjüngenden Bade entstiegene, vollkommen nackte Weib in strahlender Schönheit vom Jungbrunnen hinweg. Die Mosaiken waren schon einige Wochen fertig, aber plötzlich wurde vor dem zweiten Bilde ein Gerüst angebracht und eine Acnderung vor- genommen in der Weise, daß man dst eine Brust durch das über die Schulter nach vorn fallende Haar verdeckte, tvährend um den Leib eine Rosenguirlande gelegt wurde. Diese der Prüderie gemachte Konzession erregte gewaltiges Aufsehen und stürmische Entrüstung. Um das Publikum zu beruhigen, unternahm es der Bibliothekar des Baherischen Geiverbemuscums, Dr. Nee, ein bekannter Kunsthisto- rikcr, diese Knnssicbändung vom künstlerischen Standpunkte aus in einem Zeitungsartikel zu rechtfertigen. Nickt die Nacktheit sei das Störende gewesen, sondern die künstlerische Harmonie des Gebäudes habe die Abänderung verlangt. Bei dieser Rechtfertigung war schon gleich im Ansang verdächtig, daß Herr Dr. Nee Untergebener des MuseumsdircktorS v. Krämer ist. der die Pläne sür den Bau fertigte und auch die Abänderung des Bildes veranlasste. Nun stellt der Künstler in einer öffentlichen Erklärung folgendes fest: Die Kartons wurden bei der Nblieserung unbeanstandet angenommen und es wurde ihm die Zufricdenbcir ausgcsvrockcn, auch von Dr. Ree, der die nackte Figur nur„etwas zu starr in der Bewegung" fand. Erst als die Mosaiken am Hause angebracht waren und die nackte Schönheit bei Leuten mit üppiger Phantasie Anstost erregte, verlangte man die Abänderung der Fignr. die der Künstler per- Iveigerte, weil er die Notwendigkeit der Veränderung nicht einsehen konnte und er sich auch nicht dem öffentlichen Svott cuissetzen wollte. Zuletzt liest man ihm durch einen Nechtsanlvalt schreiben, das be- wühle Bild sei vom Publikum vielfach beanstandet worden und er solle daher, ohne Rücksicht auf die Frage, ob diese Bcmistandungen gerechtfertigt seien oder nicht, innerhalb 14 Tagen eine Abänderung kostenlos vornehmen. Daraus geht klar hervor, dah keinerlei lünst- lerische Erwägungen mastgebend waren, sondern dast man diese Blamage einigen Lex-Heinze-Schwärmcrn zuliebe auf sich lud. Ter Künstler weigerie sich, die Aufforderung zu befolgen, worauf die Aendcrung nach einem Plane des Herrn v. Krämer vorgenommen wurde. Wie weiter gemeldet wird, bat der Künstler verlangt, dast sein Werk wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werde; geschieht das nicht, so wiro er den Kiagelveg beschreiten. Der Kunst- slandal kann sich also noch lustig auSwachsen. Die eigentlichen Hintermänner dieses Abdcritcnstreiches werden von vielen Leuten im Rathause unter den sreisinnig-libcralen Größen gesucht. Das erscheint nicht so unglaublich, ivenn man sich erinnert, dast vor Jahren der freisinnige Gemcindebevollmächtigtc und frühere Reichstags-Abgeordnete sür Koburg, Hermann Veckh, im Kollegium den Antrag stellte, dem neben der Loreuzerkirche stehenden, 1589 von dem Erzgiestcr Benedikt Wurzclbauer er- richteten„Tugendbrnnnen" einen anderen Platz anzutocisen, weil an dem Brunnen eine Anzahl weiblicher Figuren angebracht sind, ans deren nackten Brüsten Wasserstrahlen springen, und der An- blick dieser nackten Brüste das Schamgefühl verletzen köniwl Mitte November kommt der Kaiser mit einer ganzen Anzahl anderer Fürstlichkeiten zur Enthüllung eines Kaiser Wilhelm-Dcukmals nach Nürnberg; vielleicht hat man gefürchtet, dah die„Ninnsteinkunst" am Kulturvercinsbans den höchsten und allerhöchsten Herrschaften unangenehm auffallen werde. Amerikanische Reklame. Au? New 5} o r k wird geschrieben: Die ganze Bevölkerung Nelv Jorks und dazu noch 8990 Polizisten suchen gegenwärtig nach einem„Mr. RaffleS", den das Blatt ..American" hat„verloren gehen lassen". Auf die Auffindung des Mr. Nasslcs, dessen Persönlichkeit genau beschrieben ist, hat das Blatt eine Velohniiiig ausgesetzl. Tägiich veröffentlicht es Mitteilungen, in Ivclchein Viertel sich Mr. RaffleS am nächsten Tag aufhalten wird. Acht Tage laug war cS ihm bereits gelungen, allen Ver- suchen, ihn zu stellen, zu entgehen. Er wurde, wie das Blatt mit- teilt, dadurch so kühn gemacht, dast er ankündigen liest, er iverde an einem bcsiinmttcii Tage auf der Börse erscheinen. Die Folge war, dast an diesem Tage die Mnsichcii wie Mauern vor der Börse standen und ans Mr. Raffle? warteten. Das Geschäft stand völlig still, und die Makler schlössen mit einander Wetten auf die Festnahme des Gesuchten ab. Die Volksmenge wuchs derart bcdroblich an, dast die Tore der Schatzamt-Filiale gc- schloffen ivcrden mustteu, ein Fall, der seit 39 Jahren nicht vor- gekommen war, und Picrpout Morgan requirierte berittene Polizei zum Schutze seines Baiikgebäudcs. Zahlreiche„verdächtige" Per- souen wurden von den Suchenden angehalten und als Mr. Rafflcs angesprochen, in allen Fällen halte man jedoch einen Falschen er- wischt, und der echte Mr. Raffles, der dem glücklichen Finder eine graste Belohnung bringt, erfreut sick immer noch seiner Freiheit. Die Aufregung und der Wirrlvarr in New Jork ist jetzt schliestlich so groß geworden, daß der Polizeipräsident Befehl erteilt hat. Mr. Raffles festzunehmen. Infolgedessen beteiligten sich jetzt 8999 Polizisten an der Suche nach Mr. Raffles, nicht nur getrieben durch die Aussicht auf den Preis, sondern auch durch das Gefilhk, daß der Ruf der Neiv Dorker Polizei auf dem Spiel steht. Die Ermordung eines Unteroffiziers. Aus der Ljder bei Niedane wurde die Leiche des Unteroffiziers Gustav Kaller von dem in Natibor garnisonierenden dritten Bataillon des 92. Infanterie- Regiments gelandet. Der Kopf der Leiche weist eine große klaffende Wunde auf, die augenscheinlich von einem Säbelhieb herrührt. Es wird vermutet, daß der Unterossizier erschlagen und die Leiche in die Oder geworfen wurde. Eiscnbahn-Ungliick. Die„Ostdeutsche Presse" meldet: Gestern nachmittag stießen auf der Strecke Bromberg-Thorn bei Schirpitz zwei Lokomotiven aufeinander. Vom Bahitpersoual wurden drei Personen schwerverletzt in das Thorner Krankenhaus geschafft. Der Materialschaden ist nicht erheblich. Nebhühner, die verspeist werden wollen. Durch ein offen- stehen'des Fenster geriet ein Volk Nebhühner in das Schlaf- z i m m e r eines St. Gcorgbergcr Einwohners und suchte dort Zuflucht unter den Betten, doch wurden sie bald lvieder aus dem Fenster hinausexpcdiert. Tie Tiere schienen jedoch gerade für dieses Haus eine besondere Vorliebe gefaßt zu haben, denn sie flogen als- bald nach der anderen Seite des Gebäudes und nun direkt in die Küche eines anderen Hausbewohners hinein. Aber auch hier bewies man sonderbarerweise trotz der Fleischuot kein Interesse für Rebhühner und jagte sie wieder zum Fenster hinaus. ccffciitliche Bibliotfiek und Lcschalle z» unentgeltlicher Ve- »uhnug sür jedermann, SW., Weratidrinenstr. 26. Geöffnet täglich von S'/j— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9— l»nd 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschristen jeder Art und Richtung aus. Frcireltgibsc tyciiieiiide. Sonntag, den 22. Oltober, vorm. 8'l, Uhr, im Bürgcrsaalc des Rathauses, Eingang Königstr. 15—18: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung.— Um 103/4 Uhr vormittags in der Schul-Aula, Kleine Franksurtersir. 6: Vortrag des Herrn Professor Dr. Albert Gehrle: „Die Religion Schillers und GoelhcS". Gäste, Daincn und Herren, sehr willkommeu. Zlllgcmeinc Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. (E. H. 29, Hamburg.), Filiale Verlin 3. Mitglieder- Versammlung am Sännabcnd, den 21. Oltobcr, abends 8'/, Uhr, bei Kaiser, Rcichcnbergcr- slratze 157.— Filiale Berlin 7. Mitglieder-Versammlung am Sonntag, den 22. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Hossmann, Paseivalkcrstr. 3. Für de» Jntialr der Inserate übernimmt die Redaktion de», Publilnni gegenüber keinerlei Beraniwortiiiig. Ukeater. Sonnabend, 21. Oktober. Ansang 7'/, Uhr: Opernbans. Der Barbier von Bagdad. Die Rose von Schiras. Schauspielhaus. Der Schwur der Treue. Neues. Ein SommernachtStraum. Weste». Der Opernball. Nachm. 3 Ubr: Maria Stuart. Deutsches. Elektra. Berliner. Andalosia. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner-Theater.) Hosgunst. Schiller N.(Friedrich Dllhelm. städtisches Theater). Nora. Sessuig. Stein unter Steinen. Zentral. Zur indischen Witwe. Nachm. 3 Uhr: Nathan der Weise. Residenz. Die Höhle des Löwen. Metropol. Aus— ins Mctropol l Kleines. Hidalla. Triano». Madame Torera. Lnstspielhaus. Der Herr HauShos- meister. Nachm. 3 Uhr: Minna von Barn- Helm. Thalia. Bis srüh um Fünse l Carl Weift. Othello. Nachm. 4 Uhr: Die sieben Naben. Luisen. Pech-Schulze. Deutsch- SimerikanischeS. Aber, Herr Herzog I Kasino. Der AdelZnarr. Llpolio. Frau Luna.— Speziall- täten. Walhalla. Eine tolle Nacht. Herrnseld. Die MeyerhainS. Wintergarten. Ein Abend in einem aincritaiiischcn Tingel-Tangel.— Spezialitäten. Belle-Zlllianee. Spezialitäten. Folirö Caprices. Nach dem Zapsew streich. Soll und Haben.— Spezialitäten. Neichoballen. Steliiner Sänger. Passage. Robert Koppel. Marsball, der Mann mit den Hüten. Georg und Gusti Edler. llrauia. Tniibeuftrafte 4K/4i). Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57/62. Toglich g»öNnei non 7 bis tt Ubr. Scliil1ci*i Schillep-ThcaterO.(Wallncr-Tlicatcr). Sonnabend, abends 8 Uhr: noftruiiMr. Lustspiel in 4 Ausz. v. Thilo v. Trotha. S o ii n t a g, n a ch m. 3 U d r: Der Trauni ein Lieben. Sonntag, abends 8 U b r: Ein LVintcrinilrchcn. Montag, abends 8 Uhr: Der ti!'rrl«»en»nnrn,. Tlieater. Schüler-Theater N.(Fricdr.-Wilh. Th.) Sonnabend, abends 8 Uhr: �Xorn. Schauspiel in 3 Auszügen von Henrik Ibsen. Sonntag, nach m. 3 Ubr: Enbrniann llenseliel. Sonntag, n b c n d? 8 Ubr: Elnclnuninnii als Erzieher. Montag, abends 8 Ubr: ElnohNniami al« Erzieher. Berliner Thealer. Charlottenstr. 90/92. Asidalosia. Dramatisches Gedicht in 5 Alten von Florian Endli. Ansang 70, Uhr. Morgen it. folg. Tage: Andalosia. Sunuiag nachm. 3 Uhr: Andalosia. Neues Theater. Anfang 71/, Uhr. Sin ScRimemachtstram Morgen u. folgende Tage: Ein Sommernachtstraum. Kleines Thealer. Zum erstenmal: Das vierte Gebot. Volksstück in 4 Akten v. L. Anzengruber. Ansang VL Ubr. Sonntag nachm 3 Uhr: DieL.ore. Hieraus: Der zerbrecheno Ui'iig. Abends 8 Uhr: Das vierte Cebot. ds&k&ss Albert Schumann Heute abends präzise Uhr: S. Grande Soirbo High Life. Gala- Programm. Nene DcbätS, u. a. zum erstenmal: Der berühmte Tscherkcsscnreitcr A r k a cii a vom Leib-Regiment des Zaren. Ferner: Ncu l Die gr. Sensation der Gegenwart! Die 9 deilix. LkunZckusen Zauberer und Gauller aus Mukden. Neu und phänomciial: Tie Javaner-Trnppe. GrotcSquckllnstler ans lava. John und I, ouis Roller mit ihren noch nie gesehcncn for- iinii RllckwHrts-Saltomartali aus dem Zweirad. DaS einzig existierende einen halben Mmwiik seiilageiiile Pfeil Zum Schluß: Kolossaler Ersolg Der Tag des E:rixli8Lben Derby. Sonntag: 2 Vorst., nachm. 3'/, Uhr ein Kind frei, und abends 7'/, Ubr. In beiden Vorstellungen:-Der Tag d. Englischen Derby. • Tauben* str. 48/49. Ul 8 Uhr: Im Lanile öer itfernactanne. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Donath: Das Chmsche Gesetz. Sternwarte lnv,,"dBn 1«tr. 57/62. ANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Joels Traum. üPompsjiS! Die Ehre des Vaters! Restaurant: Dresdener Sänger. iit~miriiini7Tn-iryiii miniii lentral- Theater. Uhr; Klassiker- Schüler-Barst.: Nathan der Welse. Cchr kleine Preise. Schüler zahlen aus allen Plätzen 99 Pf. S, Indische Witwe. Operette in 3 Akten v. Oskar Strautz. Sonntag nachin. 3 Uhr: Geisha. Abends 7'/, Uhr: Indische Wltwv. Luisen-Theater. Abend« 8 Uhr: Pech-Schnlze. Sonntag nachm.: Kean. Abends: Othello. Montag: Das Lumpengesindel. Hieraus: Das Schwert des DamokleS. XI. Berliner Saison.' Zirkus Busch. Prunk- und Parade- Abend. Größte Attraktion der Welt! Sensationell! Sensationell! Der Kanonenkönig! Schuß eines lobend. Menschen aus einem Marino- Geschütz schwersten Kalibers. Km- noch hurzc Zelt! Die Helden vcniTaliin. Port ÄrtliDr in ihren mllit. Infantcric-Ejerzitien. Japanische Infanterie. 4 Kocnrs Atlctas. 3QF"" l�nn, 31. Haie: Mexiko. Große Ausstattunsrs- Pantomime aus dem mexikanischen Pllanzcrleben. Avis! Sonntag auf allgemeinen Wunsch nachm.: Mexiko. Zweites Preisrätsel. Doppel- und 1000 einfache Preise.) (800 VVfer innerhalb 30 Tage '' im geschlossenen Kuvert eine mit seinem Namen, Adresse, Datum versehene richtige Lösung nebenstehenden Preisrätsels in einem der untenstehend verzeichneten Vcr- kaufsläger abgibt(durchy die Post eingehende Lösungen worden nur von Mitgliedern unseres Voreins berücksichtigt= Mit-, gliedschaft kostet und verpflichtet zu nichts—), bekommt durch unsere Direktion, soweit die oben ausgesetzten 800 Doppel- und 1000 einf. Proiso hinreichen, alsdann Nachricht, daß er eine auf ihn entfallene Prämie(300 elegante Maether-Alben— ca. 210 Bilder pro Album fassend und 500 niedlichen Wirtschaftsartikeln oinschließl. einer Rabattkarte mit 3Mk. A I Rabattmarken) oderalsoin- y lachen Preis eine Rabatt- KusüiM karte mit 3 Mk. Rabattmarken erhält(auf Grund letzterer erhält er u. a. in ca. 400 der größten Borl. Geschäften aller Branchen Rabatt bewilligt), welche er gegen Rückgabe dos erhaltenen Avises in einem unserer Läger vollständig -kostenlos in Empfang H nehmen kann.— Unsere [(Kutscher sind gleichf. de- [recht., BÄuflösun�sbriefotf Sin Empfang zu nehmen. �iickerwodie Zwei Pfund la Zucker kostenlos Trianon-Thealer. Heule und folgende Tage: Wtecterne Torera (Madame L'ordonnance). Schwank in 3 Akten v. Jules Chancek. Deutsch von Max Schocnau. Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm.: Da» Ead« der Eiche. N. Noacks Tliealer. Direktion: Rob. Gill. Bruniienstr. 16. 16. Mungs« des GesaDi-lfereins Jen erwaelit". Sonntag: Prczlosn. Ans. 7 Uhr. Eniree 30 Pf. bis 1 M. Nach der'Vorstellung: Familienball. FoBb0s Caprlce. Budapester Possen-Theater - 132 Linienstr. 132_: Ecke Friedrichstraße. Kacti dem Zapfenstreich. Vorher: Koll nnd Haben u. d. ausgezeichn. Spezialitätenteil. Kasseneröffnnng7Uhr, Anfang 8Uhp. Vorverkauf täglich b.A. Werlheim und an der Tageskasse. DeutsEii-ÄMaßisclies Tiieater. Sonn- I Jeden Abend 8 Uhr! abend> Gastspiel Ad. Philipp sä ABBRj Male:|llcrp Herzog Sonntag nachmittag 3 Uhr: Halbe Preise! „Uebcr'n großen Teich." Um die in ganz Deutschland so überaus beliebten nachstehend verzeichneten Maetherschen Kakao- und Tecmarken in weitesten Kreisen einzuführen, hoben wir uns entschlossen, diese zu den fettgedruckten Vorzugspreisen zu verkaufen, außerdem erhält nur im Laufe der nächsten 8 Tage jeder, welcher ein Pfund (Original-Packung) der rühmlichst bekannton Maether Kakaos und Tees von uns zu den nachstehend ermäßigten Originalpreison bezieht, 1 Pfd. Zucker kostenlos. Znsendung Berliner Vororte franko Haus. Preislisten- Auszug. Interessenten in 49 Abteilungen (Pro Pfund Kakao naclistchcn (Ter vier Qualitäten ein Pfund la gern. Raffinade gratis.) Original Maetlier-Kakao (gepackt). Unsere Abnehmer haben nur die in der Rubrik ver- zeiohneton Pfundpreise, niaht aber die eingeklammerten Detailpreise zu zahlen. 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Fl....... M. 0,80 I Glas reiner Natur-Honfg netto 1 Pfd..... M. 0,85 1 Glas Sardellen brutto zirka 500 Gr.. M. 0,70 Tages-Flcischgerichte, fast sämtliche Speisen fortig zum Gebrauch, netto 1 Pfd.-Dos9.. M. 0,43 ttr Fernsprecher CUJ /7 Hoe MI Ii II Fernsprecher Amt 8, 1629. ÖlS.•ii, UCb. 11]. U. U. Amt 3, 705. Eeipzigcrstr. 73/74„Hof(am Dönhoffplatz), Chanutsccstp. la„Hof(am Oranienburger Tor), llronncnstr. 144„Hof, ggg Gi-oße Frankfiirterstr. 04„Hof, Oranienstr. 410(Moritzplatz)„Hof, 2 80 Anfang November Eröffnung Schöncberj», Hanptstr. 189, 3,80 Eingang auch Feurigste. 12. Unsere Hofvcrkaufsläger sind an der Straßenfront durch kleine blaue Transparente kenntlich gemacht Werktäglich mittags von 1—2'/, Uhr, Sonntags von vormittags 10 Uhr ab bleiben die vorstehend verzeichneten Hofvcrkaufsläger des D. W. E. V. B. geschlo-sen.- Bar des Vereins-Säle. Nene Königstrafte 7. Fahrvcrbindiingcn nach allen Stadt- teilen. 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Aus dem Hinterperron deS MotorS desand sich zur VorsallSzeit aufter dem Schaffner ein anlchcwend dem Handwerkerstände angchotiger Mann, welcher den Dorsall genau beobachtet haben dürfte. 4>862» Dieser Zeuge wird gebeten, eine Adresse der unterzeichneten Direttion recht bald gefallest mitteile» zu wollen. der Berlin-Chnrlotten- karger Strzaßeubnlzn. �Sosef Tischer Sohleu-Brosthaudlung'> Berlin 0. 84, Brombergsrst 1 SM. Preise ab Plötz von 10 Ztr. an. Induetr.-Brikets.HalbsleWr p. Ztr.llöPs. le. Senttenberger Salon-Briketts ..Anna" oder„Marls" P.Ztr. 50 Ps. Henckels Werks,, 85. Ilse u Anh. Marisngrube., 90. Ia engl. Antbrszst, Bruch, Koks, Steinkehlen, Holz usw. zu billigsten Tagespreisen.» Handwagen verleihe za Kohlen. Sozialteokrat. Walilvsrein t!l.4.BepI.Reielstapalilkreis| Den Mitgliedern zur Kenntnis, | daft unser Genosse, der Drcchflcr I\\ax Schneider j wohnhast Dicnerstr. 58(Stadt- s bezirk 110) verstorben ist. Ehre seinem Andenken k , Die Beerdigung findet am j Sonntag nachmittag 3 Uhr von der 3 Leichenhalle des Andreas-Kirch. | hoscs in Wilhcmsberg statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Ter Vorstand. Am 17. Oktober starb nach 1 kurzem Krankenlager der Hüljs- j arbeitet Herr Max Selmeitler. Der Verstorbene war uns ein l treuer, flciftigcr Mitarbeiter und guter Kollege, dessen wir uns stets | gern erinnern werden. 2736b Oer Vorstand und das Personal j der Orts- Krankenkasse für das | Gewerbe d. Tischler u. Pianoforte- arbeitar Berlins. Dentselier iHoIzarbelter-Yerbandi Branche der Drechsler. Allen Kollege:, die trauriges | Nachricht, baft unser Kollege Max Schneider bei Ausübung seiner Tätigkeit als! Obmann erlrankt und an den! E eigen am Dienstagabend ver- erben ist. Ein aufrichtiger, nur für die j Interessen der Organisation tätig s gewesener Kollege ist uns entrissen» worden. Wir werden sein An- i denken in Ehren halten I Die Beerdigung findet Sonntag! nachmittag 3 Uhr von der Leichen- 1 halle des St. Andreas-Kirchhofes i in WilhclmSberg aus statt.[95/13> Die Kommission der Drechsler, i I.A.: Dahlke, Pattloch. Meier. I Deutscher Holzarbeiter-Verbanüj Den Mitgliedern zur Nachricht, daft der Kollege Drechsler Max Schneider am DienStag, den 17. Oktobers plötzlich verstorben ist. Ghre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am> Sonntag, den 22. Oktober, I nachmittags um 3 Uhr, von j der Leichenhalle des St. Andreas- Kirchhofes in Wilhelmsberg aus j statt. Um rege Beteiligung ersucht 9S/Z Bis Ortsverwaltung. Zrntralvttbaud d. Hand-? Schuhmacher Drutschlands.! Ortsverein Berlin. Am 18. Oltober verstarb unser! langjährige« Mitglied, der Kollege| Bruno Pautsch im Alter von 44 Jahren. Ehr« seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonn- wg, den 22. Oktober, nachm. 4 Uhr, I von der Leichenhalle des neuen I PaulS-KirchhoicS, Plötzensee, aus statt. Zahlreiche Beietligung erwartet I 296/9 0er Orteverstand. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Manne», unseres guten VaterS sagen wir allen Verwandten. Bekannten und Freunden unseren tiesgesühlten Dank. Affne» Knllke 47862 und Kinder. Ken! Ken t Petroleum-pielit Auf jed. Lampe pass. Große Auswahl von Tisch- u Hängelampen. EchteBronzepaskronen S-dammig, W. 18, SQ. W. Kruseiuark, > Berlin SO., 205, Oranlenstr. 205. Tel.: AmtIV.No.103e. 1414L» 5 Proz. Habatt. EineMark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante fertige Herren-Garderoben. Ersatz für Maß. Anfertlg/nnj; nach Slafi. Tadellose An»r«hrun®. lulius Fabian, Schneidermeister, GroSe Franltfurter Str. 8], IL Eingang StrauOherger Platz.» -■ww.www, Stn) Liittnir« BtrHa, Büt H» anfetolenttil ontmil».: Ii, eiilc« Striio. irutf u, Lulsg: vorwärt» euKdruiierei u. LttlaLSanftalt Laul«nger k Co., Lerlw SSL DWWWH»»W� 1.247. 221.!,.«. 2. Keilllge des„Jotwütts"|diM JolksMutt.-«.«.21. Die Migkeit der soDldemokratlsche» Fraktion in der Kerlmer Stadtvkroldntten-Versanzmlung. m. Das Schulwesen. Auch in der jetzigen Berichtsperiode mutzte Lei jedem Ausweis über die Gemeiudeschulen. deren Ausbildung zu wahrhaften Volks- schulen das unverriickbare Bestreben der Sozialdemokratie bleibt, iiber die Ueberfüllung namentlich der untersten Klassen geklagt werden. Vom Magistrat wird stets hervorgehoben, datz die Inrchschnittsbesetzuug der Klassen, wenn auch nur laugsam, so doch l. /.ändig herabginge. Der Stadtschulrat führte bei einer der letzten Besprechungen aus, datz nach dem Urteil aller Pädagogen die Schiilerzahl der Gemeindcschulllassen zwischen 40 und SO liegen solle: die Durch sch nitts ziffer siir Berlin betrage nun im schönsten Einklänge mit dieser Forderung 47 I Selbstverständlich liegt hier ein Fehlschluh des StadtschnlratS vor— die richtige Folgerung aus der Forderung»aller Pädagogen" ist natürlich, datz in keiner Klasse mehr alS 40—50 Schüler sitze» dürfen: dementsprechend ver- langte auch unser Vertreter, als Maximalziffer siir Berlin 45 festzusetzen. Die Schuldeputation. der bekanntlich kein Sozial- demokrat angehören darf sl), hat die Ziffer 05 angenounncn und be- absichtigt, wie der Schulrat mitteilte, alsbald auf 50 herabzugehen. Wer selbst diese an sich viel zu hohe Maximalziffer steht nur auf dem Papier. Nach dem letzten Bericht vom 1. Mai 1305 gab cS an den Berliner Gemcindcschulen 603 achte Klassen, davon hatten 20 eine Schülerzahl von über 65, zum Teil von 09! Sechzig und mehr Schüler zählten 204 von den 003 achten Klassen, so datz fast 31 Proz. der achten Klassen— d. h. der so schwierigen Anfnahmcklassen— selbst nach dem geplanten Beschlutz der Schuldeputation als überfüllt gelten müssen. Eine einfache Schätzung ergibt, datz mindestens 50 Proz. oder die Hälfte aller in die Gemeindeschulen eintretenden Kinder m solche Klassen gelangen. Während man in bürgerlichen Kreisen, deren Kinder ja heutzutage die Gemeindeschulen nur in den seltensten Fälle» besuchen, diesen Zahlen keine allzugrotze Beachtung schenkt, ist man sehr entrüstet darüber, datz die ersten Klassen zurzeit eine ziemlich geringe Schülerzahl aufweisen; um an den Kosten zu sparen, trägt man sich sogar mit dem Plane, an einzelnen Schulen die ersten Klassen aufzuheben und deren Schüler umzu- schulen I Ueberhaupt steht man in jenen Kreisen der seit dem Oktober 1302 eingerichtete» achtklassigen Schule durch- aus nicht wohlwollend gegenüber und beruft sich dabei auf die gering« Zahl der Schüler in den ersten Klaffen. Dabei wird zweierlei vergeffen: erstens werden nicht vor dem Jahre 1310 Schüler in die erste Klasse gelangen, die während der ganzen Schulzeit nach dem neuen llnterrichtSplan unterrichtet sind; zweitens ober wird die Versetzung schon weit vor der ersten Klasse um so mehr stocken, je stärker die untersten Klassen überfiillt sind; auch dem tüchtigsten Lehrer kann cS nicht gelingen, in überfüllten Klaffen alle Kinder zur völligen Reife für den Auf- stieg zu bringen, und die voreilige Versetzung rächt sich durch Zurück- bleiben der Kmder auf einer höhere» Stufe. Eine durchgreifende Ver- besserung der Verhältnisse der Gemeindeschulen wird sich erst er- reichen laffen, weim die Vorschulen der höheren UnterrichtSanstalten aufgehoben und die Kinder der bürgerlichen Klaffen gezlvungen find. die.Volksschulen" zu besuchen. Datz dieser erste Schritt zu einer allgemeinen Volksschule wenigstens für die städtischen Anstalten ge- macht wird, bleibt eines der n ä ch ft e n Z i e l e der sozialdemokra- tischen Fraktion. DaS„Wohlwollen" der bürgerlichen Parteien für die Gc- meindeschule zeigte sich in eigentümlichem Lichte auch gelegentlich eines Antrages der sozialdemokratischen Fraktion sMärz 1805) auf Erhöhung des Grundgehaltes der Gemeindeschullehrer und Lehrerinnen— jetzt für Lehrer 1200, für Lehrerinnen 1000 Mark, wobei zu bemerken ist, datz einstweilig angestellte Lehrer und solche, welche noch nicht vier Jahre im öffentlichen Schul- dienst gestanden haben. mit 900 Mark abgespeist werden. Unser Antrag wurde in namentlicher Abstimmung mit überwältigender Majorität abgelehnt; mit den Sozialdemokraten stimmte nur die kleine sozial« fortschrittliche Gruppe. Das Verhalten der Frei- sinnigen ist um so schnöder, als sie im Landtag eine andere Haltung einnehmen. Mit Recht wurde ihnen bei der Be- ratung unj eres Antrages unter die Nase gerieben, datz 1397 die Frei- sinnigen im Wgeordnetenhause für die ganze Monarchie, also auch für das kleinste Dorf ein Grundgehalt von 1200 M. für den Lehrer forderten, in. Rathaus aber bei der Regelung der GehaltSverhältnisse der Lehrer in Berlin ein solches von nur 1000 M. beschlossen, bis sie von der Regierung zur Festsetzung von 1200 M. gezwungen wurden. Jetzt(1305) treten sie in der Unterrichtökommission deS Abgeordnetenhauses für ein Grundgehalt von 1850 M. in der ganzen Monarchie ein, während sie in Berlin, wo sie den A u s s ch l a g geben,«ine Erhöbung über 1200 M. hinaus ablehnen. Die Berliner Lehrerschaft war bisher eine der stärksten Stützen der liberalen H e r r s ch a f t; ob ihr nicht endlich bei diesen Gegensätzen zwischen Worten und Taten ein Licht aufgeht? Oder ist die Unterwürfigkeit der Lehrer so grotz, der Druck der freisinnigen Tyrannei so stark. datz die Lehrer nicht einmal wagen dürfen, die aktive Betätigung bei den Wahlarbeiten für die liberalen Parteien abzulehnen? Konnte der letzte Bericht feststellen, datz die von unserer Fraktion zuerst angeregte Anstellung von Schulärzten zunächst ftir 20 Schulen versucht wurde, so können wir heute nur von einer sehr langsamen Ausdehnung dieser Anstellungen berichten. Bei der Etats- beralung im Jabre 1302 verlangte unsere Fraktion die Anstellung von Schulärzten für alle 200 Schulen; der Etat sah nur eine Ver- mehrung des Postens um 2000 M. vor für zwei Aerzte, denen zu» sammen vier Schulen überwiesen werden sollien. Auf Grund unseres Antrages wurde eine Magistratsvorlage in Aussicht gestellt, die 1303 dahin erging, datz die Zahl der Schulärzte von 12 auf 30 gebracht werden sollte. Trotz der energischsten Anstrengungen unserer Ver- treter gelang es doch nur. diese Zahl auf 30 zu erhöhen, die nun alle Schulen versorgen sollen. Datz diese Zahl namentlich für die Aufnahmezeit zu den HalbjabrSanfängen völlig unzureichend ist. wo eine besonders segensreiche Tätigkeit im Interesse sowohl der gesunden wie der zurückgebliebenen Kinder, als auch der Lehrer, ent- faltet werden kann, liegt auf der Hand. Nur nebenher sei unser Protest aus dem Jahre 1303 erwähnt, der sich gegen die Paradeferien und deren eigenartige Bekannt- gäbe richtete. Selbst der einzige Konservative P r e tz e I. der hiermit seinen Schlvanengesang zum besten gab, erklärte:„Datz eS diesmal zwei Tage sind, das kommt sonst nicht vor, das ist ein AuSnahmesall, der gar nicht berücksichtigt zu werden braucht." Dem lahmen Antrag egenüber. durch den die Freisinnigen den scharfen unserigen be- eitigten, konnten unsere Vertreter die absolute Nichtachtung der Regierung prophezeien. Die Erfahrimgen. die die Eltern schulpflichtiger Kinder zil Aufang September 1905 gemacht haben, haben diese Prophezeiung glänzend be- st ä t i g t. Erfreulicheres ist auf dem Gebiete des FortbildungSschulwesenS zu berichten. Seit langen Jahren haben unsere Gcnassen in der Stadtverordneten- Versammlung vergeblich die Errichtung einer obligatorischen Fortbildungsschule für alle jugend- lichen Arbeiter und Angestellten unter 13 Jahren angestrebt. Zum letztenmal wurde unser dahingehender Antrag im Jahre 1837 ab- gelehnt. Ein neuer im März 1302 gestellter Autrag wurde endlich einem Ausschuß überlviesen, der das Prinzip anerkannte und vom Magistrat eine Vorlage forderte. Eine solche erfolgte im September 1304. Nach wiederholter Beratung in einem neuen Ausschutz wurde in der Versammlung das Ortsstalut nebst AusführungSbestiminimgen beschlossen. Die Einrichtung trat mit dem 1. April 1305 ms Leben. Gleichzeitig wurde eine neue Deputation für das Fach- uud Fortbildungsschulwcseu geschaffen, wodurch die Anstalten, die bisher zum Teil der Schuldeputation, zum Teil der Gewerbedeputation unterstanden, m einheitlicher Verwaltung zusammengefaßt wurden. So erfreulich es ist, datz die obligatorische Forlbildungsschnle ins Lebe'« gerufen worden ist, so sehr ist eS zu bedauer, datz wir nicht alle Forderungen, die zu ihrem segensreichen Gedeihen nötig wären, durchsetzen konnten. Um nur die wichtigsten zu erwähnen: Der Schulzwaug endet mit dem vollendeten 17. Lebensjahr, während loir das 18. forderten; die Schule bescbränkt sich auf das männliche Geschlecht— die von uns geforderte Ausdehnung auf da» weibliche ist erst für spätere Zeil in Aussicht gestellt worden. Wir verlangten U n- entgeltlichkeit der Lernmittel, deren Beschaffung laut Ortsftatut den Lehrherrn resp. Arbeitgebern obliegt; für die Mehrheit war der Kostenpunkt ausschlaggebend; der„ethische" Grund, man solle bei den Eltern nicht das Verantwortlichkeitögefühl ertöten, der bei der gleichen Frage für die Volksschule herhalten mutz und mit dem auch im März 1304 zur Ablehnung unseres immer wieder gestellten Antrages operiert wurde, konnte bier nicht angeführt werden; die Belastung, die gerade von den anständigen kleineren Arbeit- g e b e r n empfunden werden wird, machte den Mittelstandsfreunden kein Kopfzerbrechen, während gerade die Sozialdemokratie jede Be- lastung des kleinen Mittelstandes, soweit sie nicht im Interesse der Allgemeinheit geboten ist, zu vermeiden sucht. Vergebens ver- langten wir die Festlegung der Unterrichtszeit in die Stunden vor 7 Uhr abends im Ortsstatut. Diese Forderung stellt selbst der Minister für alle Schulen, die eine staatliche Unterstützung erhalten. Auch in die AuSfiihrimgSbestimmnngcn wurde nur ausgenommen, datz der Unterricht tunlichst um 7' Uhr schlietzcn, nur ausnahmsweise bis 8 Uhr dauern soll. Die Folge ist, datz in allen Schulen in einzelnen Gewerben bis 3 Uhr abends unterrichtet wird, datz z. B. die bau- gewerblichen Arbeiter sämtlich bis um 8 Uhr Unterricht haben, ob- gleich in der Versominlung gerade für das Baugewerbe allgemein ein früherer Schulbeginn gewünscht wurde und es gerade den Be- ratungen unserer Vertreter im Ausschutz zu danken ist, datz in Rück- ficht auf den Einflntz der Saison die Zahl der Unterrichtsstunden im Sommer auf vier beschränkt werden kann, wofür dann im Winter deren acht zu erteilen sind. Trotz dieser Mängel ist doch die Grundlage geschaffen, auf der um so riistiger weiter gebaut werden kann, wenn die arbeitende Be- völlerung auch bei den bevorstehenden Wahlen zum Ausdruck bringt, datz sie treu zu der Partei steht, der der Fortschritt auf dem Gebiet des gesamten Schulwesens mn meisten am Herzen liegt— der Sozialdemokratie._ BHefhaften der Redaktion. Konstitution. Eine oktroyierte Verfassung, also eine von Fürstemnacht gegen Wunsch und Willen des Volkes aulgezwungcne Konstiwtion bat Preußen.—®. H. Parität bedeutet Gleichberechtigung.— V. 100. BiS 1875 hielten die Lassalleaner zusammen; lS75 EinigungSkongrctz der deutschen Sozialdemokraten zu Gotha.— 10. 20. 1. Juristischer Teil. 2. Durch die StistungSdePutation hier. Poststr. 1«.— 2. W. Kö. Durch ©crni R. Schröder hier, Koppenstr. 24, oder durch das Restaurant Obst, Echöneberg, Ecke der Martin Luther- und Meiningerstratze.— Briefmarke. Wenden Sie sich an ein reelles Geschäst. Verzeichnisse mit scftcn Preis- angaben unZ unbekannt.— R. M. 24. 1.— 4.: Ersuchen Sie um Rat das Sekretariat der GewertschastSkommiffion hier. Engel- User lä, parterre. - B. B. 10. Ja.- 100 P. Nein.- R. 1001. Zurück 1SS1. Juristikcker Oeil. Sie liirlftische Sprechstunde findet täglich mit SlnSnahmedeS Sonnabends von 7'k bis«'/, Udr statt,«eöfine«- abend» 7»Hr. P. P. 1 Die Scheibe müssen Sie in vollem Werte ersetzen, selbst wenn sie versichert ist. 2. Der Ihre Schwester belreffende Fall bedarf der Auf- Närunu. Ist sie Dicnstbotc, so gehört sie einer Kasse nicht an, es sei denn, sie hat sich selbst versichert. Dann ist eine Anrechnung der Krankenkassen- gelber unzulässig. Nach zutreffender Ansicht kann aber Ihre Schwester, da sie nicht im Haushalt von Personen, sondern sür eine Verwaltung, Klinik u. dergl. tätig ist, nicht als Gesinde angesprochen werden. Vielmehr ist sie Arbeiterin in der gewerblich oder in öffentlichem Interesse betriebenen Klinik; ans ihr RechlSverHältniS trifft dann nicht die Gcwerbe-Ordnung, sondern das B. G-B. z». Ihr ist nach tz SlK B. G.-B. der volle Lohn zu zahlen,«je unterliegt aber nicht dem Kasfcnzwang. Unterliegt sie diesem, so müßte sie sich die Krankengelder verrechnen lassen. Entscheidend sind sür Ihr- Frage die Statuten der Kasse. Wie laulen diese?— K. D. 30. Die Erlaubnis zum Betrieb einer Gastmirtschnst kann dem versagt werden, gegen den Tatsachen vorliegen, die die Annahme rechtscritgen, er werde das Gewerbe zur Förderung der Völlerei, des verbotenen Spiels, der Hehlerei oder der Unsittlichkeit mißbrauchen. Eine Beftrasung wegen Hehlerei kann als solche Tatsache gelten. Auch die Heirat mit einem so Vorbestraften kann als binreichender Grund erachtet werden. ES ist von Fall zu Fall zu-nt. scheiden. Maßgebend ist weniger die Höhe der Strafe als die Eigen- artigkeit des Falles. Bei der Frau ist maßgebend, ob auch sie in irgend einer Beziehung zu dem-vtrasfall steht oder anzunehmen ist. daß sie ein mehr oder weniger willenloses Werkzeug des Mannes sein werde.— A. B. 37. 1. u. 3. Ja. 2. Rein. — H.®. Ist eine Erbschastssordcrung gepfändet, so kann der Erbe über daS Erbe in Höhe der erfolgten Psändüng nicht verfügen. Andererseits steht dem psändenden Gläubiger nur dasjenige Erbe zu, das dem Erben nach den bereits erfolgten Auseinandersetzungen oder, falls solche noch nicht erfolgt sind, nach dem Gesetz zusteht. Dem Erben steht ein Anspruch aus einem Teil des Nachlasses zu. Zum Nachlaß gehören aber auch die Nachlaß- schulden. Ob in Ihrem Fall die 3000 M. und ein Anspruch aus Ersatz de« Eingebrachten zum Nachlaß gehört, also abzugssähig ist. läßt sich ohne genaue Kenntnis des Sachverhaltes nicht sagen.— P. Äcd. 54. Für die Schulden. welche Ihre Frau für ein von ihr selbständig betriebenes Geschäst gemacht bat, Hasten Sie nicht, falls Sie nicht etwa in Gütergemeinschaft leben. Sie haften sür diejenigen Schulden, die Ihre Frau sür den häuslichen Bedarf gemacht hat, also z, B. für Milch- und Bäckcrlchulden, falls die geborgten Waren sür den Haushalt entnommen sind. Wollen Sie dies Borgerecht Ihrer Frau ausheben oder einengen, so müssen Sie eine Eintragung in das Güterrechtsregister bewirken. Beispiele sür solche Eintragungen finden Sie Seite 225 Nr. 20 und 21 des dem„Arbcitcrrccht" beigefügten Führers durch das B. G. DaS Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken auS. — C. E. K. Ob Sie in den Vertrag eingetreten sind und ob Ihnen eventuell ein Kündigungsrecht zusteht, ist ohne Einsicht in die Verträge Ihres Vorgängers mit der Gesellschast und Ihres eigenen Vertrages nicht zu erraten. Die juristische Sprechstunde steht jedem Wonnenten offen, — Arb.-Nadf., Nbt. 7. 1. Ja, 2. Ja; Antrag an die VersicherungS- anstalt, Äöllnischer Park, genügt. Er kann auch an die Polizei gerichtet werden. 3. 50 Pf, cvciit. für jeden nachzuschtagendcn IahreSband öS Pf. 4. und 5. Ja. 6. und 7. DaS„Arbeitenecht" und der„Führer durch daS Bürgerlickc Gesetzbuch" kosten zusammen gebunden 7 M. DaS Buch kann einzeln oder auch in einzelnen Lieferungen(32 Seiten 20 Psennige; daß „Arbeiterrecht" enthält 023, der„Führer" 240 Seiten) bezogen werden. Da« hätten Sie durch Nachsrage in einer Buchhandlung oder Spedition ohne Weiterungen erfahren können.— G. K. Charlottcnburg. Ein Räucher- Warengeschäft mit eigenem Räuchcrcibetrieb kann der Nahrungsmittel- Jndustne-Bmissgeiiossenschast(Sitz Mannheim) oder der Fleischerei-Beruss- aenossenschast(Sitz Mainz) unterstellt sein. Ein Räuchcrwarcngelchäst ohne Räuchereibetricb ist unseres Wissens zur Zeit nicht versicherungSpfUchtig, kann aber wegen der unzweiselhast erheblichen VerglslungSgesahr von dem Rctchsversichcrungsamt sür versicherungspflichtig erachtet und einer Berufs« genossenschnst zugeteilt werden. In Ihrem Fall einpsiehlt eS sich, an da« Reichsvcrsicherungsamt(Königin Augustastr. 25/27) schrijllich eine Eingabe zu richten. In dieser schildern Sie zunächst den Sie betreffenden bedauer- Ichen Fall und seine Folgen, fragen dann an, ob das betreffende Geschäst zu richten. lichen Fall und seine Folgen, einer B ernsSg en off enschas t und welcher unterstellt ist und beantragen end- lich, sür den Fall, daß öieS nicht der Fall sein sollle, wegen der hohen Unfall- gcfahr derartige Geschäste einer Berussgenosfenschast zuzuweisen. Diese Zu- Weisung hätte keine rückwirkende Kraft, nutzt also freilich Ihnen nichts. Fällt die Antwort des NcichsvcrsichcruilgsamtcS wegen der Zugehörigkeit zu einer BenlsSgcnossenschast verneinend aus, so bliebe Ihnen nur der leider wenig Aussicht auf Erfolg versprechende Zivilrechtsweg gegen den Räncher- und Fischwareiihändler. Dieser Rechtsweg hätte nur bann Aussicht auf Er- folg, wenn Sie nachweilen könnten, daß Schutzvorschristen oder Schutz- Möglichkeiten gegen Infektion mit Fischleichengifr unterlassen find. Sie setzen uns wohl von dem Resultat Ihrer Bemühungen seinerzeit in Kenntnis. — A. H. 14. l. Das Amtsgericht ist zuständig. 2. Ein Beispiel sür einen Antrag aus Pfändung einer Forderung finden Sie S. 5 SO Nr. 6# des in den öffentlichen Bibliotheken auSlicgcnden„Arbeitcrrcchts".— E. F. 100. 1. Das Mädchen soll beim Gcwerbegericht ans Zahlung des Lohnes, Ersatz der Arztkosten und Ausstellung eines wahrheitsgemäßen Zeugnisses klagen. Es soll aber keineSsallö sich wegen vermeintlicher Unzuständigkeit ohne Urteil zurückweisen lassen, sondern aus Erlaß eines UrietlS dringen. Ob daS Gewerbegenchl zuständig ist, ist freilich zweilelhaft. Aber: hat da« Gcwerbegericht ini Sinne der Klage erkannt, so ist die Sache erledigt. Erklärt daS Gcwerbegericht nicht sich, sondern daS Amtsgericht für zuständig, so macht dies erheblich geringere Kosten und geht weit schneller, als wenn das Amtsgericht nicht sich sondern das Gewerbegcricht sür zuständig erklärt, 2. Krantenvcrsicheruiigspflicht liegt nicht vor,— F. B. 10. ES kann ein Kind sowohl wegen eigene» Verhaltens als aus dem Grund« in eine Für- jorge-Erziehuiig genommen werden, weil der Vater oder die Mutter das geistige oder leibliche Wohl des KindeS durch Mißbrauch oder Vernach- lässigung der ErzichungSpsiicht oder dadurch gesährdct, daß der Vater«der die Mutter oder die sonst Erziehungsberechtigte sich eines ehrlosen oder unsittlichen Verhaltens schuldig macht. Einzuschreiten hat das Vormund« schastsgericht. Bei der Wichtigkeit der Sachlage und der nicht einfachen Recht«- läge empfiehlt es sich dringend, baldigst sich an einen Rechtsanwalt zu wenden. — Bt. G. 05. Mit Jhrcx Frage wegen Berechtigung der Gesindever- Mieterin aus Zahlung von Vermittelungsgelnihr und wegen eines eventuellen RückforderuiigSrechlS schneiden Sic ein recht wichtiges, wiederholt von uns behandeltes Thema an. Die Rcchlslage ist folgende: Die Gesinde« Vermieterin bat nur dann eiiie BermittelungS« gebühr zu verlangen, wenn der Gcsindcvertrag infolge ihres Nachweises oder ihrer Vermittelung zustande kommt. Was die Höhe der VermittelungZgebühr anlangt, so ist aus Antrag des Gesindes-in unver« hälMiSmäßig hoher Maklerlohn durch da« Gericht herabzusetzen,'Aber nach der Entrichtung der VermittelungSgebühr ist solche Herabsetzung nicht mehr zulässig, AIS unverhülwiSmäßig hoch wird sür Berlin jeder 3 Mark übersteigender Betrag zu erachten sein. Jedenfalls sollten Gcsindeleule eö aus eine Klage ankommen lassen. Zu beachten ist ferner noch, ob daS Gesinde auch dann eine Gebühr zu zahlen hat, wenn die Herrschnst bereits VermittelungSgebühr gezahlt hat. Darüber sagt das Bürgerliche Gesetzbuch: Eine Ber- miltelungsgcbühr ist nicht zu zahlen,„wenn der Gesindevermieter dem Inhalte deS Vertrages zuwider auch für den anderen Teil tätig gewesen ist". Diese Frage ist also von Fall zu Fall zu entscheiden; in Berlin ist dank des Mangels einer hinreichenden Organifatkon des Gesindes und dank deS gesetzlichen Schutzes der Ausbeutung der minder Wohlhabenden der Brauch, von beiden Seiten VemiittclungSgebühr zu nehmen, ein« gerissen. Aber bei der kolossalen VerinatcliingSgcbuhr von 10 Mark, die die Herrschnst in Ihrem Falle gezahlt hat, werden verständlze Richter in diesem Fall der Seelennerläuserm das Recht, auch von dem Mädchen eine VermittelungSgebühr sich zahlen zu lassen, nicht anerkennen. Weiter kommt häusig, und auch in Ihren: Falle, in Frage: hat die Gesinde» Vermieterin baS Recht, Ersatz der Reisekosten zu verlangen? Diese Frage ist zu verneine». Nur dann ist ein solcher Ersatz von Aufwendungen klagbar, wenn der Ersatz von Auswendungen ausdrücklich vereinbart ist. In Ihrem Falle ist dem Mädchen überdies eine seste, gute Stelle, freie Reise und freies Logis versprochen. Da kami keinerlei Zweifel obwalten, daß die 3 M, VermittelungSgebühr und die 7 bis 10 M. Reisegeld zu Unrecht abgefordert und hingegeben find. Sie sind aus Grund der llneisahrcnheit deS Mädchens gegeben, können deshalb zurückgcsordcrl werden. Hinzu tritt cocutuell. daß das Mädchen minder- jährig ist, und daß es mindcstelis zivclsclhast ist, ob ein zum Abschluß von Diensivcrträgen ermächtigter Minderjähriger sich rechtsgültig auch zur Zahlung von VermittelungSgeldern vcrpflichlen kann. Zu einer Klage ist den beiden Mädchen durchaus zu raten. Die Klagen sollten sie aber durch einen zur Führung derartiger Prozesse bereiten Anwalt führen laffen. Nachdem die Klagen� durchgeführt sein werden, wird es im Interesse Kanrpscs gegen die Ausbeutung durch Stcllenvermiitler liegen, des aus Grund der Urteile Konzessioiweniziehung bei dem Polizeipräsidium zu beaniragen, "r-r-ü.—. sür verlin Ein städtischer ArbeitSnachiveiS wird aus diesem Gebiet« Tag zu Tag dringender. von Montag KlSbelpoUerer. de» 33. Oktober, abend» 8'/, Hör, im Lokal Aöntgstadt» Kasino» Holzmarktslr. 72: StraneKen»Verä&mmUing. Tages-Ordnun t. Porfraj deS Kollegen G. Router:„Itufcre Wege znm Ziele". S. Diskussion. 3. Wie stellen sich die ttollegen zu dem Leschlusi der OrlS- Verwaltung: Organisierte Kollegen dürfe« Borarbeiterstellungen nur in Lohn bekleiden und keine Prozente nehmen. LM" Die Kollegen werden«usmerlfam gemacht, dah die Arbeits« ausgäbe im Arbeitsnachweis, Gormannstraste. für Polierer vormittag» von 8—10 Uhr st-tisindct._ 95/5 vreebsisr. Montag, den SS. Oktober, abend» 8 Ubr. im Lokal von SSiesenihal, Ackerstrasie 133: VevftttntnlTZng der OrccSiflcr. TageS-Ordnung: 1.„Welche Borteile bieten uns Tarifvertrüge 7" Referent: Kollege paltloo!». S. Diskussion S. Jahresbericht der Kommission. 4. Neuwahl dirKominission. 5. Verbands- und Vranchenangclegenheiten. In Anbetracht der Wichtigkeit der Dagesordnunz ist � not- wendig, dah alle Kollegen anwesend sind. Nie Koiniuisston. Achtwng? Achtgng! Zwelsvercin Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche Sonntag (Gruppe der lZementlcrcr). den 33. Ltiober 1002» vormittag» 10 Uhr, im Lokale 13«/2 Brunucnstrasic 188: Mitglieder-Versammlung Vortrag des Kollegen K. Qabllca Zahlreichen Besuch erwartet Tages-Ordnung: 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. Der Gruppeuvorstand. Völbsini lies technisclien GülineR- Personals Sitz Berlin.-...... r. Sonnabend, 31. Oktober, abend» 11 lthr, im Gewcrkschaftöhause, Engel-Ufer 12: General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. vorstandsberlcht. 2. Neuwahl des GesamlvorslandeS. S. Verbands- ongclegenheiten. 4. Verschiedenes. t90/U Zahlreiches und püillliichcS Erscheinen erwünscht. vor Voroismi. Deutscher Metaliarheiter-Verhand. - Temaltonssstcile Berlin.- Haupt-vureau: Engel-User 15, Zimmer 1—3. Fernsprecher: Amt IT 9679. ArbcilStnichweiS Zimmer 34. Amt IV, 3353. Montag, den 33. Ottober 1002, abend» 7'/, Uhr: �Itgllcdcr-VcrVatnmtung für Königs-Wnsterhausen und Umgegend m Lokale von Gustav Lange,„SiegcSkrauj", in Königll-Wusterdaufen. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussiow 3. Verbands- Angelegenbeiten. 153/5 Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortöverwaltriug. Urts-llrAllkeilkszse tiir oas Buchdruckgewerbe zu Berlin. Koch§§ 44 uBd 45 des Kassenstatuts besteht die General-Ver- Bammlur* ans Vertretern der Kasscnmitjlieder und der Arbeitgeber. Die Kassonmitglieder haben die Vertreter ans ihrer Mitte in einem Wahl/ran/je an wühlen, während die rn Beiträgen verpflichteten Arbeitgeber auch Gesehäftsführer oder Betriebsbcamto xu Vertretern wühlen mnd in der Watüvirsammlung«ick duxch solche vertreten laesen können. für 1905;) 906 eind xn wählen; ven den Kassonmitgliedem 480 Vertreter ren den Arbeitgebern 531„ Die Wahl der Vartreter der Kaesenrallglioder findet am Sonntag, 29. Oktober, vorm. präz. IO'/j— 1 l'/'a Uhr, im großen Saale des Etablissements Buggenhagen(Moritzplatz) statt,(Mm II1/, Mhr wird der Wahlakt s/CHchlonnen.) Der Verstand ladet an a ahlreicher Beteiligung hierdurch er- gebenst ein. Wahlbereehtigt und wählbar sind nur diejenigen Kassen- Mitglieder, welche groSjährig and im Besitze der Dürgerlichen Ehrenrechte sind Zur Legitimatien dient das Quittnngsbneh. und werden die Herren Druckerei-Kassierer gebeten, dasselbe quittiert den oben aufgeführten Mitgliedern behufs Teilnahme an der Wahl aas- aahündigen. Ohne Qnittnnffobnrh ist die Teilnahme an der\�ahl ansgeschlossen. Die Arbeltgeber wählen ebenfalls 1» angeteilter Wahl- Versammlung am Mittwoch» 25« Oktober er», abends 8 Uhr, im Bnebgewerbe-Saal, Friedrichstraße 231, nnd ladet der nntarzaiabnate Vorstand ebenfalls zu zahlreicher Beteiligung ein. Berlin, de» S. Oktober 190». 275/13 Der Vorstand der Orts-Krankeakause tür das Bucbdraekeeverbe zo Berlin. Johannes Bleu, Versitzender. Otto Wonitzkl, Schriftführer. Das R«na«nI»Ual befindet aieh jotat Alexandrinenstraße 44, Kot rechts part. und ist geöffnet weahentags va 1—9 Uhr. Lßj.y.j. Wir empschlen der Slrdeilerschalt Deutschlands solgende Marken: sowie als«pczialiläl: �...... 8 V|. No'"......... 8 Ps. Liberte No. III........ 3, Egaiiti Fralernit» Cufliitäi Hochseiu und garantiere» wir einerseits sür reine Handarbeit, sowie andererseits, das; unier» Fabrikate aus ff. rein türkischen Tabaken her» gestellt«erden— Generalvertreter für Berlin n. Umgebung ist Herr M. Stangenberg:. Berlin SO. 33, KöpeaiekersIrMa. ATSÖS* Orauirußr. 103, Hof psrt. »HIr.— Vereinarimmer. Hittagsti aeh(»je trüber), ttml 4, 5958. Senntai: FamilienbeiummeaselB. Genossinnen! Genossen! Lienskss. ü. 24. d. Jft., abds. SV« Uhr, in d. Srauerei Triedrichshain: Uolks Uerjammluug. Tages» Ordnung: Vortrag des Stadtverordneten Genossen Bnni Singer über: Die Proletarierin und die Stadtverordneten- Mehrheit. 2. Diskussion. i/ti« Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht___ Die Vertraiienspcrson. ir (E. H. 86 Hamburg). Mitglieder-Versammlungen finden statt: Bezirk A; cm Donntag, ZZ. Oktober, vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshause. Saal II. Bezirk B: am Sonntag, 33. Oktober, vorm. 10'/, Ubr, Äestaurant„Zur Hütte«, Skalitzerstr. 30/31 Bezirk C: am Sonntag, 32. Oktober, vorm. 10 Uhr, Restaurant Schulz, ültte Jakobstr. 18/19. Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Kassenbericht pro 3. Quartal 1905. 3. Ergänzungswahl des Vorstandes. 4. VerichiedeneS. 2733b Die Zahlstellen, in denen an jedem Sonnabendabend von 8—10 Uhr neue Mitglieder(bis 45 Jahre) ausgenommen werden, besinden sich Vaunynstr. 78 bei Krüger; Kl. AndreaSslr. 15(im Restaurant); Reichen- bcraerstr. LS bei L ch m i d t; Etaliherstr. 69 bei Gratzmann; Zossenerstr. 45 bei Städler und Zilie Jalob- sirasie 18/19 bei Schulz. Die OrlsverwaUungen. Fabrik für Herren- Berlin □ □ □ Potsflamerslr. 113a Stier id Knaben-Garderobe Oranienstr. □ □ Potsdam Kausnsrstr. 23 Fertig® Herren- und Knaben-Garderobe von prachtvoller gezoienneter Haltbarkeit, bester Verarbeitung, vornehmer Ausstattung und tadellosem Silz zu billigca, aber streng festen Preisen. Ililnstr. Katalog; versende franko nnd kostenlos. Die Abteilung; für MaSanfertigung ist mit allen Xcnbeiten der Herbst- und Winter- Saison ausgestattet und geschieht die An fcrtlsnns in vollendet schöner Ausführung unter Garantie für guten Sitz zu billigsten Preisen. Yerkanf nnr g/eßen Barzahlnne. 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Freiwillige Mitglieder, welche ihre Beiträge auf der Kasse bezablen, wählen in dem Bezirke, in welchem sie wohnen. Mitgliedsbuch legitimiert.—. Die Mitglieder werden daraus auf- merkiam gemacht, dasi die Vcrsamm- hingen pünktlich eröffnet werden. Bontag:, den SO. Oktober, abends 8 Uhr: Arbttigtbkr-Vtrsammlullg in den„Mariannen- Festsälen", Mariannen-User 2. TageS-Ordnung: Wahl von S5 Vertretern zu den General-Versammlungen. 2735b Oer Vorstand. direiri aus der Fabrik. - Kein Enden.= Nach beendeter Engros-Saison enorm billig Ulsters Havelocks Capes Jacketts Paletots Kostüm- Röcke Alädchen- Paletots Pelz-Stolas Robert Baiimgarten Haasvogtei- Platz II, 2. Etage (an der JorusalemerslraBe). Bei Vorzeigung d. Inserates an dorKasse werden 5 Proz. Babatt vergütet. Ikber Itbfilft, Jeder Handwerker Tollte zur Hrbelt die Lederhoic Herkules tragen. Allein-Verkaus. Sehr starkes Leder in praktischen grauen u braunen Streifen. auch einsarbig. Am Bund aus einem Stück gearbeitet Sebr feste Kapp- nähte. 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Bei Bestellung von Hosen ist die Bundweitc und die Schrillläuge, bei Jacketts und Kitteln die Brustweite anzugeben. 4548L* — Versand von 20 M. an franko.— Abschrift. 147 B. 67/04. Im Namen des König?! In der Privatklagesache deS Ge» schästSsührers HanS Gelbert zu Crossen a. O., geboren am 29. De- zembcrl8k5 zu Merseburg, evangelisch, Privatklägers und Widerangcklaaten, gegen den eingestellten deS Deutschen Metallarbclter-Verbandes Adols Cohen hier, geboren am 13. Mai 1870 zu Delmenhorst in Oldenburg, mosaisch, 1901 wegen Beleidigung mit 20 M. Geldstrafe vorbestraft,' Angeklagten und Wlderkläger wegen öffentlicher Beleidigung, hat das königliche Schöffengericht I Abt. 147 in Berlin in der Sitzung vom 11. April i905, an welcher teilgenommen haben: Gerichtöassessor Hell als Vorsitzender, Vogler, Sommer als Schöffen, AftuaiJetechmannalsGcnchtäschreiB« für Recht erkannt: Der Angeklagte wird wegen öffent- sicher Beleidigung deS Klägers zu einer Geldstrafe von 150 M.— Einhunderlundsünszig Mark— im Nichlbeitreibungssalle 15— fünfzehn Tagen Gefängnis— kostenpflichtig verurteilt. Der Kläger wird freigesprochen. Dem Beleidigten, Geschästssührer Hans Gewert zu Crossen a. O. wird die Befugnis zugesprochen, die Ver- urleilung des Stngetlagtcn binnen vier Wochen nach Rechtskraft des Urteils durch einmalige Einrückung in das„Crossencr Wochenblatt- und in den.Vorwärts- aus Kosten des Angellagten bekanntzumachen. gez.: Hell. AuSgejersigi Berlin, den 20. April 1905. (L. S.) gez.: Unterschrist. Gerichtsschreibcr des königlichen Amts« gerichts I, Abteilung 147. y Zigarren!. Billigste)' Bezugsquelle l- für Hftndlor:: oo* ab Mk. 18.—"/«.': I Bell& Co, i ä Rosenstraße 18, I.*? 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Arbsiler-ieriifsklBidiing. Hauptgeschäft: ßosefltbalerstraie 68, Ecke Weinmeisterstr. Filiale Frankfurter illee 188, Ecke VVeichselstr. bSF Herr Dr. Bode besprach in seinem Vortrage in der Versuchs- und Lehrbrauerei die alkohol- freien Getränke und behauptete, daß man bei den sogenannten alkoholfreien Getränken nicht sicher vor gesundheitlichem Schaden sei, weil Cholera und Typhus fast ausschließlich durch Wasser und Milch verbreitet werde, daher seien Limonaden und alle Getränke, die ungekochtes Wasser ent» halten, verdächtig. Bedenklich seien Säfte durch Auslaugen von Dörrobst und Fruchtabfällen. Getrocknete Apfelreste, namentlich von Schalen, dienen zur Bereitung von Fruchtsaft. Es gäbe Fruchtsäfte, Limonaden aus Fruchtäther und par- fümiertem Zuckersyrup. Diese schönen Dinge, mit gewöhnlichem Wasser versetzt, mit Kohlensäure imprägniert, geben ein Bild von der hygienischen Bedeutung solcher alkoholfreien Getränke, abgesehen davon, daß sie weitaus zu teuer feien. Diesen Ausführungen des Herrn' Dr. Bode sieht sich die unterzeichnete Firma veranlaßt entgegenzutreten, weil hier die Gefahr der Ver- allgemeinerung vorliegt. Es soll dahingestellt bleiben, wieweit diese Behauptungen über die Qualität alkoholfreier Getränke übertrieben sind, jedenfalls konstatieren wir, daß die absprechenden Urteile auf unsere Fabrikate nicht im geringsten zutreffen. Unsere Brauselimonaden: Himbeer, Zitronen, Erdbeer, Waldmeister zc. bestehen aus frischen, destillierte» Früchten resp. Kräutern und ent- halten sämtlich destilliertes, filtriertes, kohlen- saures Wasser. Unsere anderen alkoholfreien Getränke: „Fruchtquell».„Anti".„Schäumende Liebe" werden ebenfalls nur ans dem Saft frischer Früchte gewonnen und gleichfalls mit destilliertem und filtriertem Wasser hergestellt. Weder Dörrobst, noch Apfelreste, noch Schalen. noch Fruchtäther, noch gewöhnliches Wasser sind die Stoffe unserer Fabrikation. Unsere Kunden wollen sich daher bei den von uns bezogenen Gemißmitteln nicht irre machen lassen. Auch der allgemeine Vorwurf der Ueberteuerung trifft, so- weit unsere Preise dabei in Frage kommen, nicht zu. denn wir liefern Brauselimonaden a 10 Pf. die'/, Literflasche, alkoholfreie Getränke a 10 und 15 Pf. in den angegebenen einwandsfreien Ouali- täten in unseren 400 Niederlagen. Bemann Meyer& Co., Berlin N., Wattstr. 11-12. [athan Aland 129 Cfotitjcrftr. 120. ®ic schönsten ATM!» Herren- Winter-Palitots und Anzüge lMonats-Garderobe| 1 non Kavalieren getragene Sachen. J fast neu. für jede Figur passend, l speziell Bauchanzüge sind ins | großer Auswahl stets zu staunend| billigen Preisen zu haben. [athan Watii 129 efntiffcrftr. 129. IHochbalinstat!»» fiottbufcrZor. Bitte ausHausnummer zu achten. K o p v n i v Sl. Kellten alten Kottbnaer Korn zu haben bei Aug. 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Böhm,(Serichtftt. 23, „Vorwärts" Berliner Redaktion und Expedition: I Nr. 247, Sounabend. de» 21, Oktober 1905. I �nlerate Setfisgcfpalfene Kolcnelzelle 20 Pf«, Berlin, Cindenltr. 69. ycrnlprcchcr; Amt IT, 1983. I{ Bei«räßeren Bufträgen entsprechenden Rabatt. partei-Hngclcgenbciten. Schiiucbcrg. Morgen, Sonntag, Flugblattverbreitung. Treffpunkt früh 8 Uhr: 1., 2. und 3. Bezirk bei Krüger, Vorberg- strafze 8; 4. und ö. Bezirk bei O b st, Meiningerstr. 8; 6. und 8d Be- zirk bei H o r l e in a n n, Kaiser Friedrichstr. 8; 7. und 8a Bezirk bei Reimer, Hoheufriedbergstr. 26; 9. und 10. Bezirk bei Mahrow, Menzelstr. 4. Eine zahlreiche Beteiligung der Mit- glieder ist dringend erforderlich. Trcptow-Baiimschulenwcg. Am Dienstag, den 24. Oktober, abends 8'/z Uhr, findet in„Speers Festsälen", Baumschulenstr. 78, eine Volksversammlung statt, zu welchcrIReichstags-Abgcordncter Molken- b u h r dos Referat übernommen hat. Die Parteigenossen werden ersucht, für einen zahlreichen Besuch derselben Sorge zu tragen. Handzcttelverteilung: Sonntag früh 8'/3 Uhr von den Bezirkslokalcn aus. Pünktliches Erscheinen der Genossen ist Pflicht. Mahlsdorf. Sonntag, den 22. Oktober, nachmittags 4 Uhr, findet im Lokale von Werneke, Hönowerstr. 6, eine Volksversammlung statt. Genosse Buse-Berlin wird über„die hohen Fleischpreise und die Arbeiter' referieren. Sonntag vormittag findet für Mahlsdorf und Dahlwitz eine Flugblattverbreitung statt. Der Wahlvcreiu für Temprlhof hält am Sonntag, den 22. d. M., nachmittags 4 Uhr, bei Noack(WilhelmSgarten), Bcrlinerftr. 9, ei» gemütliches Beisammensein mit Tanz ab. Hierzu werden die Partei- genossen mit ihren Familien besonders eingeladen und ihr Er- scheinen bestimmt erwartet. Freunde und Gäste haben Zutritt und sind herzlich willkoinmen. Der Vorstand. Vorort- s�acbrickten. Rixdorf. Mit dem famosen Tunnelprojekt und der 90jährigcn KonzcsfionS« Verlängerung der Großen Berliner Straßenbahn beschäftigte sich die letzte Sitzung der Verkehrsdeputation. Die Gesellschaft hat bekanntlich auch den Vororten die Denkschrift und die Skizzen ihrer Zukunftspläne zugesandt und dabei gleich beantragt, ihr für die Vororte ebenfalls die Konzession aus 90 Jahre zu gewähren. Um dabei auch ihre Güte zu zeigen, offeriert sie der Stadt Rixdorf einige Verbesserungen des Verkehrs für 90 Jahre und erbittet sich zu gleicher Zeit die Wünsche der Stadt in dieser Hinsicht. Die Ab- ficht scheint die zu sein, die Vororte durch kleine Geschenke für sich günstig zu stimmen und dann zusammen mit den Vororten gegen Berlin loszugehen. Hier in Rixdorf dürste sie allerdings keine Gegenliebe finden Die Erbitterung gegen die Gesellschaft, die nur ihrem Geldsack- interesse und nicht im geringsten den VerkchrSinteressen Rix- dorfs dient, ist so groß, daß niemand auch nur daran denkt, der Straßenbahn irgendwie entgegen zu kommen. So wurde in der Konmüssion einstimmig beschlossen, den Antrag der Gesellschaft, ihr auf 90 Jahre die Konzession zu erteilen, abzulehnen. Man gab dem Vertteter der Stadt den Auftrag, auf der demnächst statt- findenden Konferenz von Berlin und den Vororten diesen Standpnntt zu vertreten und zu gleicher Zeit auf ein gemeinsames Zusammenarbeiten Berlins und der Vororte in der Strahenbahnfrage hinzuwirken. Interessant ist es, zu erfahren, was die Strasienbahngesellschaft der Stadt Stixdorf dafür als Gegenleistung bietet, dasi der Verkehr auf 90 Jahre ihr weiter ausgeliefert wird. Da soll die Linie 94, die von Knescbeckstrasie nach dem Dönhoffplatz fährt, über den HauSvogteiplatz durch den Lindentunnel bis zur Beusselstrasie geführt werden. Eine Linie soll über dem Brandenburger Tor bis Bahnhof Putlitzstrasie gehen, und um endlich den Verkehr mit dem Westen zu ermöglichen, soll eine Linie durch die Kaiser Friedrich strotze über Oranienplatz. Kochstratze. Leipzigerstratze bis nach Wilmersdorf ge- leitet iverden. Mit dieser letzten Linie verbindet die Gesellschast noch ganz be- sondere Absichten. Als in diesem Sommer die Berlinerstratze asphaltiert wurde, bestand die Absicht, den Verkehr von der Berlinerstratze zeit- weise abzulenken und durch die Kaiser Fricdrichsiratze zu leiten. Zu diesem Zweck war es notwendig, eine Kurve vom Kottbuserdamm nach der Kaiser FrDdrichstrotze einzurichten. Zur Anlage discr Kurve erklärte sich die Grohe Berliner Stratzenbahn nur unter der Be- dingung bereit, datz diese Kurve dauernd liegen und in ihrem Besitz bleiben müsse. Warum? Einfach aus folgendem Grunde. Durch die .".aiser Fricdrichftratze führen die Gleise der südlichen Vorortbahn, die der Gesellschaft leider seinerzeit ohne jede Abgabe an die Stadt überlassen wurden, bis sie Ueberschüsse erzielte. Nun erzielt diese Bahn dank den Finanzkünsten der„Grotzen Berliner" überhaupt nie lleberichüsse. sodatz Rixdorf leer ausgeht. Aber nicht genug da- mit. datz die Stadt kostenlos ihre Strotzen hergibt, hat die Grotze erklärt, sie halte sich befugt, auch mit den Wagen der Grotzen Berliner Stratzcnbatm diese Strecke kostenlos zu befahren; und zu diesem netten Geschäft fehlt ihr nur noch die Kurve am .'lottbuier Damm; dieses Geschenk mützte sie noch als Zugabe zu ihrem 90 Jahreplan hinzu haben. Man hat wirklich den Eindruck. als ob es auf eine direkte Verhöhnung der Stadt abgesehen ist, denn diejenigen versprochenen Verkehrsverbesserungen sind so geringwertiger Natur, datz sie nicht mal für 5 Jahre ausreichen. geschweige denn für 90 Jahre. So ist es denn nicht verwunderlich, datz bicr jetzt die Vertreter der verschiedensten Parteirichtungen sich einig sind in der Frage, datz es im allgemeinen Interesse liegt, das Verkehrswesen aus den Händen der Aktionäre zu nehmen und das- selbe einem kommunalen Verband von Berlin und den Vororten zu übertragen. So trägt das Vorgehen des Kapitalismus selbst am meisten dazu bei, auch die widcrstrebensten Elemente davon zu über- zeugen, datz nur in den Händen der Kommune das Verkehrsinteresse gewahrt werden kann. Bei den Delegicrtenwahlen zur Generalversammluug der All- gememen Ortskrankenkasse für Rixdorf. die am Sonntag un Donnerstag stattsanden, siegte— sowohl bei den Arbeitnehmern wie bei den Arbeitgebern— d,e Liste des GewerkschafiskartellS. Trotz- dem ist zu beklagen, datz die Wahlbeteiligung eine geradezu unerhört schwache war. Es scheint auch hier, wie leider so häufig an anderen Stellen, erst eines gründlichen Durchfalls zu bedürfen, um die Säumigen aufzurütteln und an ihre Pflicht zu mahnen. Und datz sehr leicht ein derartiger Fall eintreten kann, dürste wohl gegenüber der Tatsache, dgtz von annähernd 14 000 Kassen« Mitgliedern wohlgezählte 204 ihr Wahlrecht ausübten, unbestritten bleiben. Gewitz sind von der erstcren Zahl die noch nicht Grotz- jahugeiT in Abzug zu bringen: immerhin mutz die Wahlbeteilignnas- zlfler als in gar keinem Verhältnis zur Mitgliederzahl stehend be- zeichnet werden. Bei der Wahl der Arbeitgeber wurde von einer kleinen Gruppe offenbar eine Ueberrnmpelung geplant; denn ganz im Stillen und unter der Hand hatte man eine besondere Liste auf- gestellt und verbreitet. Diese blieb jedoch mit 20 gegen 42 Stimmen, die sich auf die Liste des Gewerkschaftskartells vereinigten, in der Minderheit. BcsiiuiuugSloS und halb verhungert wurde in der Nacht zum Freitag vor der Kirche in der Bergstratze ein Mann auf der Strotze liegend aufgefunden und nach dem Rixdorfer Krankenhaus geschafft. Ans einem Militärpapier, das man als einzigen Gegenstand in den Taschen des Aermsten vorfand, ergab sich, datz er der Arbeiter Franz Wulf aus der Schulstrotze 36 in Berlin war. Augenscheinlich war W. vor Erschöpfung zusammengebrochen. Aus Furcht vor ihrer bevorstehende» Entbindung in den Tod ge- gangen ist die Ehefrau dcS Münchcncrstr. 54 wohnhaften Ober-Pvst- assislentcn B. Als B. Donnerstagabend aus dem Dieust nach Hause kam, fand er seine Frau tot auf dem Futzboden liegen. Ein herbei- geholter Arzt konstatierte Vergiftung mit Lhsol. Frau B. hatte be- reits eine sehr schwere Entbindung hinter sich und befürchtete, datz ihr die gleichen Leiden auch diesmal bevorständen. Um diesen zu entgehen, griff die Bedauernswerte zum Gift. Während einer Eisenbahnfahrt seiner Barschaft beraubt worden ist der Schriftsetzer Julius D. aus der Ziethenstr. 75. Als D. vorgestern abend vom Bahnhof Friedrichstratze nach Rixdorf fuhr, schlief er ein. Auf Bahnhof Hermannstratze weckte ihn ein anderer Fahr- gast, kaum hatte D. aber den Zug verlassen, so bemerkte er, datz seine Beinkleidtosche aufgeschnitten und sein Portemonnaie mit zirka 30 M. Inhalt gestohlen war. Chnrlottenburg. Die kostenlose Stellenvermittelung für weibliches Dienst-, Er- ziehungS- und Wirtschaftsperfonal, welche die Stadt Charlottenburg kürzlich am Wittenbergplatz 4(Ecke Bayreutherstratze) eingerichtet hat, scheint einem grotzen'BedürsiüS zu entsprechen und die Einrichtung von Besprechungszimmern findet grotzen Anklang. Gleich vom ersten Tage an war der Besuch ein derartig lebhafter, datz Nummern ausgegeben werden mutzten, uni die zahlreichen Stellung- gcber der Reihe nach zu befriedigen. Auch eine über Erwarten grotze Zahl von Stellungsuchenden aller Art hat sich eingefunden und es ist gelungen, die meisten ihren Wünschen entsprechend zu versorgen.— Die Geschäftsstelle, welche sich in sehr günstiger Lage an einem der Hanptvcrkehrspunktr von Berlin W befindet(dessen grötzter Teil zum Gemeindebezirk Charlottenburg gehört) ist werk- täglich von 9—12 und 3—7 geöffnet und mit Fernsprechanschlutz unter Nr. 3593 Amt Charlottenourg versehen. Weihensee. Die Kulturaufgaben leiden nicht. Die autzere-�oentliche Staats- beihülfe zu den Schullasten der hiesigen Gemeinde betrug im Jahre 1903 noch 12000 M. Im Jahre 1904 lourde diese auf 11000 M. herabgesetzt. im Jahre 1905 betrug sie nur 9000 M.. trotzdem die Schullasten für die Volksschule von 1904 auf 1904 um 26 165 M. gestiegen sind und die Finanzverhältnisse des OrteS sich keineswegs gebessert baben. Nachdem nun durch höchsten Gerichts- entscheid die Stadt Berlin verurteilt wurde, zu den Volksschul- Unterhaltungskosten einen Teil mit beizutragen, macht die Regierung sich auch das zunutze und schmälert wiederum die Staatsbeihülse. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde ein Schreiben verlesen, Ivonach die Regierung unter ausdrücklichem Hinweis mif den Zuschuß der Stadt Berlin jetzt nur noch einen Beitrag von 5000 M. leisten will. In der nächsten Umgebung der Metropole Deutschlands werden die Mittel für Volksbildung verweigert, für abenteuerliche Kolonialpolitik, Militarismus, Pferdesport und Kirche hat der Knlturstaat Preußen noch immer Gelder flüssig zu machen gewußt. Die Parteigenossen und Gewerkschaftler werden nochmals ersucht, sich nur in solchen Barbiergeschäften bedienen zu lassen, in denen sichtbar da? rote Plakat mit dem Aufdruck:„Arbeiter, besucht nur Barbiergeschäfte in denen dieses Plakat aushängt. Das Gewerkschafts- kartell" aushängt, denn nur dort sind die Forderungen der Ge- hülfen anerkannt. Vergesse keiner, nach der weitz-grünen Kontroll- karte, die laufend abgestempelt sein imd am Spiegel stecken mutz, zu fragen. Das Plakat mutz den Stempel des Kartells tragen. Der Privat- Zentralarbeitsnachweis des Gastwirts Brewisch, Metzerstr. 25, ist vom GewerkschaftStartell gesperrt. Keiner darf denselben benützen, sondern nur von seiner Geivcrkschaft Arbeit nehmen. DaS GewerkschaftSkartcll. Alle Anfragen find zu richten an Max Schröder, verlängerte C-baustr. 40 III. Berloreu wurden am Sonntag, den 15. Ottober, in einem Straßenbahnwagen der Linie 62 zwanzig Berbandsbnchcr(Marmor- arbeiter). Der ehrliche Finder, siir den die Bücher wertlos sind, wird gebeten, diese bei Hnwe, Elsatzstrotze 61, oder in der Partei- spedition. Sedanstratze 105. abzugeben. Lichtenberg. Der sozialdemokratische Wahlverein nahm am Dienstag in seiner Versammlung den Bericht vom Parteitage entgegen. Genosse Taubmann- Weitzensee als Berichterstatter erklärte sich mit den Beschlüssen des Parteitages, denen auch er im wesentlichen zugestimmt habe, einverstanden und sprach die Ueberzeugnng ans, datz auch dieser Parteitag die sozialdemokratische Bewegung fördern wird. Der Borsitzende der Versammlung konstatierte ohne Widerspruch das Einverständnis der Versammlung mit den Delegierten und den Arbeiten deS PatteitageS. Den Bericht von der K r e i S k o n f e r e n z und der Pro« vinzialkonferenz erstattete Genosse C. Liesegang. Nachdem aus der Versammlung bemängelt wurde, datz die Berichte nicht von den Delegierten erstattet wurden— Liesegang hat als Mitglied der Agitationskommission den Verhandlungen beigewohnt und auf Ersuchen deS zweiten Vorsitzenden die Berichterstattung übernommen— erklärte sich die Versammlung mit den Beschlüssen beider Körperschaften einverstanden. Der Genosse S e i k e l brachte unter Vereinsangelegenheiten die Namen von 32 neu aufgenommenen Mitgliedern zur Kenntnis. Als AbteilungSjührer für die 5. Abteilung wurde Genosse Welk, als BezirkSführer für den S. bezw. 9. Bezirk wurden die Genossen Ender und Lenz bestätigt. Der vom Wahlverein arrangierte Künstlerabend am Sonnabend. den 21. Oktober, im Saale von Ärnhold wurde besonders in Erinne- rung gebracht. Genosse Seikel brachte einen Artikel aus der hiesigen„Volks- Zeitung" Nr. 245 zur Verlesung, in dem wieder einmal die Arbeiter in ganz infamer Weise beleidigt und denunziert iverden. DaS Blättchen, das gleich den meisten dieser Vorortsrcptilien in einer Berliner Zeitungsfabrik mit zwei Seiten„Text" verschen wird, be- müht sich seit langem recht redlich, die beiden der eigenen„geistigen Arbeit" verbleibenden leeren Seiten so auszustatten, datz es sich den Revolverblättchen von Wild-West würdig an die Seite stellen kann. Obwohl das traurige Pretzerzeugnis in der Ocffentlichkeit keinerlei Beachtung findet, rief dennoch diese Infamie eine so ungemeine Entrüstung in der Versammlung hervor, datz Genosse Liesegang unter Beifall der Anwesenden darauf hinwies, datz die Arbeiter Lichtenbergs sich nun doch einmal mit diesem Geschreibsel besassen müßten. Zunächst dürften es die Arbeiter und Geschäftsleute am Orte nicht mehr hingehen lassen, datz ein solch systematisches Ver- unglimpfen des überwiegenden Teiles der Einwohnerschaft durch irgendwelche Unterstützung dieses Blättchens gefördert wird; um so weniger, als die beiden leeren Seiten hier noch in einer Druckerei hergestellt werden, die ihren Arbeitern den im Buchdruckgewerbe anerkannten Tarif verweigert. Der Redner stellte in Aus- ficht, in der nächsten Versammlung auf das Gebaren dieses Winkel- Produkts„mit eigenem Depeschendienst" zurückzukommen. Friedrichsfelde. Mit Speck sängt mnn Mäuse. Die Grotze Berliner sucht in jeder Weise die Vororte sich günstig zu stimmen und sie durch E»t- gegenkommen zu gewinnen. Selbst die Beschwerden des Vorortes Friedrichsfelde, der bisher von der Stratzenbahngesellschaft in rücksichtslosester Weise behandelt wurde, über die Uebelstände im Stratzenbahnverkehr sind jetzt größtenteils von der„Grotzen Berliner" als berechtigt anerkannt und deren tunlichste Berücksichtigung zu- gesagt worden. So soll die Linie 70 über die Schlotzstratze hinaus in die Berlinerstratze verlängert, das Rangieren der Wagen ohne Störung des sonstigen Verkehrs vorgenommen, für die Sicherheit des Verkehrs auf der Ostbahnbrücke gesorgt werden. An dem 15 Pfennig-Taris auf der Strecke Fricdrichsfelde— Dönhoffplatz, der Friedrichsselde gegenüber anderen Bororten arg benachteiligt, hält die Straßenbahn jedoch fest. Nowawes. Eigenartige Praktiken eines Bauunternehmers, der für die Gemeinde Nvwalvcs Arbeiten ausführte, sind durch die sozialdemo- kratischen Mitglieder der Gemeindevertretung aufgedeckt worden. Der Sachverhalt ist folgender: Im Frühjahr dieses Jahres begann der Bauunternehmer Schröder-Nowaives mit der Herstellung eines Anbaue? an der Mädchenschule in der Auguststratze für Rechnung der Gemeinde; die Materialien zu dem Bau(Steine, Kalk, Zement usw.) lieferte die Gemeinde, welche dieselben von dem Händler Blcy in Potsdam bezogen hatte. Anfangs September wurde den sozialdemokratischen Gemeindevertreter» von befreundeter Seite die Mitteilung gemacht, datz der Unternehmer Schröder verschiedentlich von dem ihm zu den, Schulhausbau von der Gemeinde gelieferten Material einige Posten zu seinen Privatbauten verlvendct habe. Natürlich teilten unsere Genossen das dem Gemeindevorsteher mit, der eingehende Recherchen in dieser Sache anstellt«. Es wurde hierbei u. a. festgestellt, datz Schröder am 25. September— also drei Wochen nachdem die Sache zur Kenntnis der Gemeindevcr- waltung kam— einen Brief an den Riatcrialienlieferanten Bley in Potsdam geschrieben hat, worin er letzterem mitteilte, datz er von dem an die Gemeindeverwaltung gelieferten Baumaterial im Mai und später verschiedene Quantitäten für seine Privatarbeiten verbraucht habe(ohne die Gemeindeverwaltung zu fragen) und nun ersuchte, einen bestimmten Posten von der Rechnung für die Ge- meinde abzusetzen und auf sein Konto zu schreiben. Nachdem sich bereits die Baukommission mit dieser Angelegenheit in verschiedenen Sitzungen beschäftigt hatte, gelangte die Sache in der letzten nicht- öffentlichen Sitzung der Gemeindevertretung zur Erörterung. Ein- stimmig wurde beschlossen, den Bauunternehmer Sckröder für die nächsten Jahre vop Vergebungen von Gemcindearbeiten auSzu- fchlietzen. Bemerken wollen wir noch, datz Schröder zu de« Empor- kömmlingen im Baugetverbc gehört, die da glauben, ihre Unter- nehmcr-Autorität am besten dadtirch zu bewahren, daß sie ihre Ar- beiter in möglichst rücksichtsloser Weise behandeln. Wilmersdorf. Mit der Weiterführung der Berliner Untergrundbahn bis nach Wilmersdorf-Halenfee hat sich in Wilmersdorf der aus sechzehn Mitgliedern bestehende AuSschutz der Gemeindeverwaltung für die Untergrundbahnen in seiner letzten Sitzung eingehend be- ichästigt. ES wurde sowohl das Projekt der SiemenSschen West- Ostlinie, die vom Zoologischen Garten über den Preutzendamm führen soll, als auch dasjenige der Nord-Südlinie der Stadt Berlin eingehend erörtert. Die letzte Linie soll von der Grotzgörschenstratze über die Grunetvald- und Güntzelstrahe bis zum Fehrbelliner Platz, an dessen Südrand das neue Rathaus errichtet wird, und dann im Zuge der Westfälischenstratze bis nach Halensee geleitet werden; sie würde also den innerhalb der Ringbahn gelegenen Hnuptteil von Wilmersdorf in der Richtling von Südost nach Nordwest ziemlich in der Mitte durchschneiden. Wiewohl ein endgültiger Beschluß darüber, welches der beide« Projekte zu wähle» sei, noch nicht gefatzt wurde, so machte sich doch die allgemeine Meinung mehr für die Nord« Südlinie geltend, da man sich für Wilmersdorf von der SiemenSschen Linie, für deren Bau die Gemeinde einen Zuschutz von 9'/, Millionen Mark leisten soll, nicht so viele Vorteile wie von der Nord-Südlinie verspricht. Ober- Schöneweide. Die Errichtung eines gemeinschaftlichen Gewerbe- und Kaufmanns- geeichtes hat die Gemeindevertretung von Ober-Schöneweide beschlossen. E§ wurde erklärt, datz man bei dem Charakter des Ortes als Jndustrieort ein EiniaungSamt sehr gut brauchen könne und nicht erst warten wolle, bis Ober-Schöneweide 20 000 Ein- wohner habe und zur Errichtung der beide» Gerichte verpflichtet sei. Bei der Abstimmung herrschte Stimmengleichheit, doch gab die Stimme des Gemeindevorstehers zugunsten der Schaffung eines Kaufmanns- und GrwerbegerichteS den Ausschlag. äfmdrichshaflen. Die Sozialpolitik eines preußischen Landrats. Eine seltsame Antwort erhielt die Vereinigung der Ladeninhaber in Friedrichs- Hägen, welche um ein Verbot des WiederöfinenS der Geschäfte in der Zeit von>/zl2 bis 12 llhr an den ersten Öfter-, Pfingst- und WeihuachtSfeierragcn ersucht hatte. In der Eingabe wurde darauf hingewiesen, datz die halbstündige Niuerbrechmig der SoniitogSrnhe an den genannten drei Feiertagen vollständig zwecklos sei. da das Publikum n»r in Ausnahmefällen zu dieser Tageszeit Eiukäuf': mache. Auf die Petition der Friedrichshagener Geschäftsleute ist nunmehr ob- �'lt. eine Antwort vom LandratSamt eingelaufen, in welcher der Erlaß eines Verbotes abgelehnt wird mit der Begründung, daß für die Geichäftsleute kein Zwang bestände, ihre Läden während der halben Stunde offen zu halten. Die Ablehnung der von den Unternehmern verlangten Berlürznng der Sonntagsarbeit läßt darauf schließen, daß der Landrat in der Aera der vollen Kompottschüssel zu den„kauenden Leuten" gehört. Die der„Freien Vereinigung" angehörenden Barüicrstnbeniiihabcr haben sich bereit erklärt, die Minimalforderungen der Barbier- gehülfenorganisation zu bewilligen, wenn die fliegenden Barbier- stuben sofort aufgehoben werden. Die vom Gewerkschaftskartell ein- gesetzte Kommisston hat hierzu Stellung genommen und folgenden Beschluß gefaßt:„Die fliegende Barbierstube, Friedrichstr. 60, bleibt so lange bestehen, bis die einzelnen Barbierstubeninhaber die Minimal- sorderungen schriftlich anerkannt haben, sie im Besitz der Plakate sind und die Geschäfte die Organisations- Kontrollmarke erhalten haben". berliner JSacbnchten. Die„Germania" berichtet von einem merkwürdigen Wunder, Wir hatten gestern auf ein Techtelmechtel zwischen ihr und dem Reichsverband gegen die Sozialdemokratie hingewiesen. Sie bestreitet heute von neuen», daß sie je mil dem RcichSverband in Beziehung gestanden und führte an, daß sie den von uns erwähnten Artikel vom 27. August 1904, der ebenso lautet wie der des ReichsverbandeS, nicht von dieser Gesellschaft, sondern von jemand anders erhalten habe. So ist hier aberinals der Fall eingetreten, der seinerzeit dem armen Siegftied Jakobsohn so sehr übel genommen wurde. Wie dieser anderen Theaterrezensenten genau nachempfunden hat, so hat der Mann der„Germania" mit' dem Reichsverband genau mit empfunden. Es gibt eben»nehr Dinge in» Himmel und auf Erden als unsere Schulweisheit sich träumen läßt. Um ihre Leserschaft von dieser uitangenehmen Affäre abzulenken, renommiert die „Germania" noch damit hemm, daß sie über die„rote Korruption in Charlottenburg" noch weiteres Material besitze und damit den Herren Genossen zum Taitz aufspielen wolle. Wir haben schon oft erklärt, daß die sozialdeinokratische Partei für das. was in der Charlottenburger OrtS-Krankenkasse geschieht, ebenso wenig ver- antwortlich geinacht werden kann, ivie für die Nachtfröste im Herbst; aber wir denken, daß der Vorstand der Kasse i», stände sein wird, künstigen Angriffen ebenso zu begegne»» wie früheren. Die „Germania" möge sich also in diescin Pttnkte nicht genieren. Uebcr die gestrige Tunnclbau-Konfcrenz wird vom Polizei Präsidium aus folgende ofiziclle Mitteilung versandt: Im könig> lichen Polizeipräsidiuni fand heute eine Besprechung mit Ver. treten» der königlichen Eiseubahitdirektion über das Projekt der Großen Berliner Stratzeitbahn, unter verschiedenen Straßen Tunnels zu bauen, statt, zu welcher Vertreter der Stadt Berlin und der Großen Berliner Straßenbahn zugezogen waren. Sie de. schränkte sich auf einen Meinungsaustausch über wichtige Punkte des Projekts, ohne daß von einer Seite bestimmte Stellung zu d�n einzelnen, erörterten Fragen genommen wurde. Eine wariue Stube weiß man in diesen kalten Oktobertagen schoit recht zu schätzen, gleich es bei armen Leuten geradezu als eine Vetschivendling iin Oktober schon zu beizen. Der arme Mann hat sich keinen großen Vorrat an Heizmaterial einlegen können, er muß seine Peeßkol lei» mit einer Mark pro Hundert bezahlen, während der Bessergestellte sich ein paar Tausend einfahren ließ, als sie 70— 80 Pf. pro Hundert kosteten, und ebenso geht eS mit dem übrigen Heizmaterial. Mit der Zeit des Heizens beginnt zugleich wieder die Not und Plage mit den Lesen. Man hat hier überall die großen Kachelöfen, die selten so heiß werden, daß sie eine recht behagliche Wärine durch das Zimmer strahlen. Dabei verschlingen sie gelvöhnlich infolge einer schlechten Bauart unheimliche Mengen Brennstoff, Werden sie nicht sehr gut„gefüttert", dann zeigen sie mir eine heiße Stelle und sind im übrigen lauwarm. Aeußerlich oft ein Prunkstück auch in be scheidenen Wohitungcn, wird ein solcher Ofen viel verwünscht, aber man kann noch von Glück sagen, wenn er nicht gualmt. ES ist eben nicht ganz so leicht, eine warine Stube zu haben, und manchmal ist überhaupt kein Ofen da. der geheizt werden könnte. Da haben eS unsere Borfahren an ihrem Kaminfeuer doch besser gehabt, wärmer und gemütlicher. Unsere Nachkomnien werden eS auch wieder bester haben, denn man ivird die Zentralheizung sicherlich allgemein einführen und die Wärme in die Wohnungen leiten wie das Wasser und das Licht. Der Mensch der Gegenivart aber ist schlinnner daran, wenn er nicht bezahlen kann. Man kann alle Bequetnlichkeiten und Anitehmlichkeiten einer nicht zu fernen Zu tunft auch in der Gegenwart genießen, wenn man»»ur die nötigen „Knöppe" hat, wie der Berliner sagt. Es gilt aber, den Grundsatz zur Anerkeniiung zu bringen, daß die Förderung a l l g e>» e i u e» Wohlbefindens der Bürger die Richtsichnnr eine»: gute» Gc« meindeverwaltung sein muß. Dann würde man z. B. eine städtische Wärmeleitung(Dampf) im Winter einführen, tvie es eine städtische Wasserleitung gibt.— Na, ein kleiner Anfang ist ja schon gemacht. Wenn der- Winter gar zu grausam ist, dann richtet die Stadt— ein paar Wärmehalleu ein._ Ueber Ausbeutung Geldsuchcuder schreibt der Magistratsbericht- erstatter: Von einer Familie in der Neichenbergerstraße erhält jeder. der durch Inserieren k. ein Darlehn sucht, ein Schreiben mit einer Einladung. In der Regel wird der Einladung gefolgt. Alsdann werden den Darlehnsuchenden zunächst unter irgend einein Vor- wände e i n oder zwei Mark abgeknöpft. Hat dann der Darlehn- suchende seine Verhältnisse klargelegt, so befindet er sich in der Regel in den Händen der Leute. Diese richten mm an die städtische n Stiftungen Bittgesuche. die sie selbst unterzeichnen. Massenhaft laufen derartige Bittgesuche bei den städtischen Kuratorien ein. Sie sind fabrikmäßig hergestellt, müssen aber geprüft werden. Natürlich wende» diese Vampyre sich auch an andere Stiftungen und bekannte Private. In einigen Fällen haben die Bemühungen Erfolg gehabt, in der Mehrzahl aber nicht. Wird ein Gesuch und ein Darlehn bewilligt, dann müssen die Enipfänger abermals eine Provision zahlen. Ans diese Weise ver« schaffen sich diese Leute eine beträchtliche jährliche Einnahine, ohne daß es möglich ist. ihnen das Handwerk zu legen. Die Darlehns- sllcher täten in allen Fällen besser, sich direkt an die städtischen Stiftungen zu wenden, denn nur ungern werden Gesuche von solchen Vernnttlem, die deu Stiftungen bekannt werden, bewilligt. Uebergrisse von Standesbeamten und keiu Ende. Zu diesem Skandalkapitcl schreibt uns ein Leser: Im ersten Augenblick, als ich Donnerstag den kleinen Artikel über das Verhalten des Standesbeamten in der Willdenowstraste las, glaubte ich. daß ein Bekannter von mir sich den Scherz ge- macht hätte, der Redaktion die Geschichte meiner ftandes- amtlichen Tranung zu erzählen. Ich bin jedoch mit meiner Frau auf dem Standesamt Alt-Moabit 120 kopuliert worden und zwar'schon im Dezember vorigen Jahres. Dort mußte ich dieselbe Geschichte über mich ergchen lassen. Auch nur hielt der Standesbeamte einen Vortrag darüber, daß ich jünger sei als meine Verlobte und ebenfalls machte er mich auf die unsicheren Zeiten, sowie auf den Krieg in Südwest- afrika aufmerksam. Meinen Einwand, daß ich militärfrei sei, ließ der Beamte völlig unbeachtet, sodaß ich den Eindruck empfing, daß mich der Mann im letzten Augenblick von der teirat abhalten wollte. Und was das ärgste ist, der ganze kagdal iviederholte sich noch eiimtal bei der eigentlichen Tramiiig. ES scheint System in den: Verhalten zu liegen, und notwendig wäre es, zu erforschen, wer die Standesbeamten zu solchen Ungehörigkeiteu anhält. Lerantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin, Eine amtliche Nebersicht über die Fortschritte des Achtuhr- LabenschlnsseS ergibt folgendes: 30 Städte, darunter Bromberg, Fulda, Gotha, Hannover, Dessau, Lübeck, Weimar und Jena haben den vollständige» Achtuhr-Ladenschluß für alle Geschäftszweige ein- geführt. Eine Ausnahme davon wird nur an den Sonnabenden und den Tagen vor oen hohen Festen gemacht. In weiteren 30 Städten, darunter in Bochum, Elberfeld, Gießen, Halle, Kastel und Magde- bürg gilt der Achtuhr-Ladenschluß für alle Läden mit Ausnahme der Kolomalivaren-, Backivaren-, Fleisch- und Zigarrengeschäfte. In SO Städten, darunter in Berlin, Eharlottenburg, Schöneberg, Frank- furt a. lR., Leipzig. Marburg, Heidelberg, Posen und Danzig ist der Achtuhr-Ladeiischlliß für einzelne Branchen, iilsbesondere die Leder- brauche, den Nähmaschineithandel usw. eingesührt. Endlich ist in 80 Städten eine Achtlihr-Ladenschluß-Bewegung im Gange; in einigen Ortschaften ist sie bereits soweit gediehen, daß Abstinimuiigen über den früheren Ladenschluß aller oder einzelner Geschäftszweige stattfinden. Das Fiindlnircan im Polizeipräsidium wird verlegt. Das bc- deutet für das Publikum, das eS aufsuchen muß, eine Erleichterung. Es braucht künftig keine Treppeil mehr zu steigen. Da« Bureau t.'hält jetzt vom dritten Lichthofe zu ebener Erde die Räume, die bisher die berittene Abteilung der Schiitzmannschaft zu Stallungen benutzte. Der Umzug mit den hunderterlei Sachen ist ziemlich um- ständlich. Für Schiffer. Der Niedcr-Neuendorfer Kanal bleibt wegen Neubau der Brücke mit Wehr vom 15. Oktober d. I. bis voraus- sichtlich 1. März n. I. für den Verkehr gesperrt. Der erste Nachtfrost dieses Jahres ist gestern eingetreten. Bei einer Kälte von 2,2 Grad wurden die Wassertümpe! mit leichten Eisdecken überzogen und die Felder mit einer dichten Reiflage be- legt. Unter der Einlvirkung des FrostcS ist das letzte Grün vielfach von den Bätimen verschivunden. In den Anlagen, wie Tiergarten, Friedrichshain, Hnmboldthain sind die Blätter der gester» noch grün gelvesenen Strmichpflmizen schwarz geworden und fallen ab, und an den hochstäiniitigen Bäumen ist das letzte Laub durch die Kälte ver- nichtet worden,— Uebrigcns ist die Uinoebung von Berlin auch schon vor einigen Tage» mit einem regulären Schneefall bedacht worden. Vorgestern morgen wurde in verschiedenen Ortschaften, so in Friedpichshagen, Erkner und Nieder-Schöneweide ein intensiver Schneefall beobachtet, dessen Niederschlag allerdings nicht von Bestand war. Die leichten Flocken verwandelten sich, sobald sie den Erdboden berührten, in Wasser. Verhungert? Der 70 Jahre alte Erzieher Ferdinand Jtrich, der mit seiner 73 Jahre alten Fron in der Willibald Älcxisstraße wohnte, betrieb seit 15 Jahren eine Kiuderspielschule. Seit dem vorigen Jahre, nachdem ihm seine einzige Tochter kurz vor der Hochzeit ge- starben war, litt er an Schioermut und war oft wie geistesabwesend. Dazu kamen wirtschastliche Sorge». Zwei Monate war die Miete schon rückständig. Vor acht Tagen verließ der Greis heimlich seine Wohnung uild gab seiner kränklicheii Frau kein Lebenszeichen mehr. Vorgestern Ivurde er in der städtischen Forst bei Schneidemilhl als Leiche alifgesunden. Seine Hausgenossen halten eS für wahrscheinlich, daß der alte Mann, der aus Dtrschau stammte, verhungert ist. Ein neuer TodcSsturz beim. Radfahren. Auf der Steglitzer Bahn platzte beim Ueben für den„Großen Preis von Berlin" dem Schrittmacher von Temke, Dunkel, ein Luftreifen. Dunkel stürzte, und auf ihn fiel mit voller Wucht die schwere Maschine. Sie drückte den» Unglücklichen den Brustkasten ein, so daß er schon nach wenigen Minute» starb. Paul Dunkel war 26 Jahre alt und stammte aus Elsterwcrda in der Provinz Sachsen. Bevor er in die Dienste Temkes trat, war er schon für Ryser und danach für Salzmann tättg gewesen. Er war einer der besten, ruhigsten und zuverlässigsten Schrittmacher. Vor wenigen Wochen erst, zu gleicher Zeit mit Demke, hatte er geheiratet.— Demke stürzte zwar auch, erlitt aber i-nr unbedeutende Verletzungen und kann Sonntag an dem Nennen teilnchincn. Tie wilden Rasereien gehören einmal mit zum Sport; die Rennfahrer müssen zum Vergnügen des Publikums ihr Leben tag- täglich aufs Spiel setzen. Wenn sich die Zeiten gegen früher auch insoweit geändert haben, als keine Gladiatoren mehr gegen wilde Bestien ihr Leben verteidigen, so hat die Sensationslust der Menge an Roheit nicht besonders eingebüßt. Der Todessturz des armen Dunkel wird das Rennen am Sonntag nur um so interessanter gestalten. Der Zeutralvcrband der Steinardciter schreibt unS: Ein Paket mit 20 Berbandsbüchern ließ ein Werkstättenkassierer Sonn- tag in einem Straßenbahnivagen der Linie 62 liegen. Der Finder wird gebeten, die Bücher gegen Erstattung der Unkosten an Artur Zunk, Nixdorf. Zielhenstr. 61, abzuliefern. Selbstmord einer Russin. Die 28 Jahre alte Sprachlehrerin Alexandrine B. kam bor fünfviertel Jahren aus Petersburg nach Berlin, um sich wegen eines Frauenleidens operieren zu lasset» Nach zwei Monaten war sie geheilt, blieb aber hier und lernte dann eine» hiesigen Kaufmann M. kennen, mit dem sie bald ein Liebesverhältnis anknüpfte. Sie erzählte, daß ihr Mann in PeterS. bürg Offizier sei und die Scheidungsklage gegen sie angestrengt habe. Zweimal fuhr sie auf kurze Zeit zu ihrer Mutter naih Petersburg. Kürzlich erfuhr sie, daß ihr Geliebter verheiratet sei, crilärte aber, daß sie jetzt erst recht nicht von ihm lassen werde. Vorgestern abend traf sie sich mit M. in einer Wirtschast der Friedrichstadt, hatte eine lange Auseinandersetzung und nahm Plötz- lich Gift. Ein Arzt beseitigte aber rasch jede Gefahr. Gestern abend kam Frau B. nach der Brauerei Königstadt und nahm in den unteren Räumen Platz, in denen etwa fünfzig Gäste saßen. Aufgeregt sah sie oft nach der Tür und schrieb mehrere Briefe. Als dann M. eintrat, schoß sie sich eine Revolverkugel in das Herz und starb aus der Stelle. Die Rcvierpolizei beschlagnahmt« die Leiche und die Briefe. Beim Teltowkanal geht der letzte Bauabschnitt seiner Vollendung entgegen. Es handelt sich um die Durchführung der Bauarbeiten bei Tempelhof, von welcbem Orte noch die letzte Verbindung des Kanalbettes herzustellen ist. Die AnSschachtungSarbeiten find in letzter Zeit außerordentlich gefördert woroen, und auf der Westseite Tempelhofs wie auch auf dem Mariendorfer Gebiete fast beendet. Auf der Ostseite sind mehrere Hundert Arbeiter mit der Aushebung des Bodens beschäftigt und gleichzeitig sind auch die Aus- scbachtuiigsar�eiten für den neue» Zollhafen in Angriff genommen. Die Brücke im Zuge der Teinpelhofer Chanssee. welche erstere aus Eisen hergestellt, lst fettig und in den nächsten Tagen wird mit der Pflasterung der Brücke, sowie mit der Planierung der ufahrtböschung begonnen werden. Die neue Brücke überragt den anal in einer Spannung. Sobald die Freigabe der alten Verkehrs- straße erfolgt ist, was in etwa sechs Wochen der Fall sein wird. wird der letzte Durchstich der beiden Kanalenden bei Tenipelhof er- folgen. Im Frühjahr 1906 wird auch der Bau der AmtSgebäude für den Zollhafen in Angriff genommen und derartig gefördert werden, daß sie gleichzeitig bei der Fertigstellung des ZollhafenS und Kanals benutzt werden können.— Ferner ist eine zweite Kanal« überbrückung in Tempelhof beschlossen und wird unverzüglich zur Durchführung gelangen. ES handelt sich um eine Brücke im Zuge der projektierten Werderstraße und der VcrbindungSstraße von der Lankwitzerstraße nach dem Grenzwege. Diese Drücke, welche eine weitere Verbindung nach Mariendorf schafft, wird für Rechnung der Gemeinden Tempelhof und Mariendors ausgeführt. Bescheidenheit eines Diebes. Vor kurzem wurde über einen „Stiefelmarder" berichtet, der in einem Hotel am Anhalter Bahn. Hof den Logiergästen die Stiefel gestohlen hatte. Derselbe Gauner brandschatzte auch Gäste eines Hotels in der Neustädtischen Kirch- straße. Am Dienstag„arbeitete" er gleichfalls in einem Hotel der Friedrichstroße. Der Dieb logierte sich stets in den betreffen- den Gasthäusern ein, nannte sich einmal Architekt Winkelmann aus Genf, in anderen Fällen Kunstmaler Roesler aus Krefeld und Architekt van der Ben aus Groningen. Am ersten Tage hatte der Dieb fünf Paar Stiesel gestohlen, daS nächste Mal vier Paar Druck u. Verlag: Vorwärts' i Stiefel und eine Hose, und in der letzten Nacht einen Jackettanzug, ein Damenjackett und ein Paar Damenschuhe. Er hatte es stets aus die Bekleidungsstücke abgesehen, die von den Hotelgästen zum Reinigen auf den Korridor gebracht werden. Im allgemeinen pflegen Hoteldiebe sich nicht mit solchen Kleinigkeiten zu begnügen. Ein Bauunglück hat sich gestern nachmittag 3Vg Uhr auf dem Neubau dcS Kriminalgerichts in Moabit ereignet. Der in der Tieckstraße wohnhafte Maurer August Diener war in der an der Ecke der Turm- und Rathenowerstraße errichteten Kuppel be- schäfligt. Während die Ziiinnerleute außen die Kuppel abschälten, fiel ini Innern des Turuies eine 3 Meter lange Latte etwa 12 Meter tief hinab und zertrümmerte dem genannten Vtaurer die Schädeldecke. Diener wurde sofort nach der Unfallstation und von dort nach dem Moabiter Krankeilhause gebracht. Die Familie des Verunglückten wohnt in Pasewalk. Aus welche Weise die Lücke in dem sonst tadel- los abgedeckten Turm entstanden ist, läßt sich schwer feststellen. Bei der Arbeit schwer veninglückt ist am Donnerstag nach- mittag der 25 Jahre alte Schlosser Hugo Pintsch, der bei der All- gemeinen Elektrizilätsgesellschast am Schiffbauerdamm beschäftigt war. Der junge Mann sollte aus dem Postamt an der Ecke der Oranienburger- und Artilleriestratze eine Leitung für elektrisches Licht anbringen nnd stand dabei auf einer vierzehn Sprossen hohen Leiter. Die oberste Sprosse war schadhaft und brach, nachdem er sie eine halbe Stunde benutzt hatte. Pintsch fiel rücklings von der Leiter herab und zog sich schwere innere Verletzungen und einen Bruch des rechten Armes zu. Er wurde nach der königlichen Klinik gebracht, wo man auch noch eine Gehirnerschütterung seststellte. Eine AuSstellimg von Arbciterhäusern ist gestern im Saal 5 des Abgeordnetenhauses eröffnet worden. Unsere Leser tun gut, nicht mit allzu hohen Ansprüchen diese Ausstelliing zu besuchen. Modelle von Wohnhäusern gibt es im Abgeordnetenhause nicht zu sehen; solche scheinen bisher nur angefertigt zu sein, wenn es Kirchen zu bauen galt. Der nicht allzu große Saal ist mit Bauplänen bc- hangen, mit deren Herkunft es folgende Bewandtnis hat: Der hessische Zentralverein für Errichtung billiger Wohnungen hat im November vorigen Jahres drei Preise von 1000 M., 600 M. und 400 M. ausgeschrieben, die solchen Architekten zuteil werden sollen. welche»uistcrgiiltige Pläne für Kleinwohnungen einreichen. Es wurde die Einreickmiig von Plänen zu folgenden Hauslypcn verlangt: a) Ei» Einsainilienhaus für ländliche Arbeiter, Baukosten 2600 bis 2800 M. b) Ein Eiiifamilieiihans für städtische Arbeiter Baukosten 3300—4000 M. o) Ein Zweifainilienhaus(zwei Wohnungen über- einander angeordnet), Baukosten 4200— 5100 M. d. Je ein Doppel-(Zwillings-) Haus 1. für zwei Familien ländlicher Arbeiter, Baukosten 5000 biS 5500 Mark; 2. für zwei Fainilien städtischer Arbeiter, Baukosten 6200 bis 7500 Mark; 3. für vier Familien städtischer Arbeiter, Baukosten 8000—9000 M. Die einzelnen Wohnungen sollten in der Raumcinteilung unter best- möglichster Ramnausnutzung praktisch angelegt sein und den Bedürf- nisten minderbeniittelter Faniilien entsprechen, die Küche war als Wohiikiilbe auszugestalten. Das Preisgericht hat an, 11. und 12. Mai dieses Jahres in Darmstadt getagt und den ersten Preis einstimmig dein Architekten Wienkoop in Darnistadt zuerkannt; den zweiten Preis erhielt Herr Rings in Darnistadt. nnd zwei dritte Preise wurde»» de>» Herren Brnisch in Herborn und Winter in Bensheim zu teil. Außerdem beschloß das Preisgericht, verschiedene nicht prämiiette Entwürfe anzukaufen. Alle diese Entwürfe sind jetzt nach Berlin gesandt ivorden, um hier im Abgeordnetenhause von einem größeren Publikum begntaihtet zu werden. ES haben sich diesen Bauplänen verschiedene Pläne und Photographien fertiger Bauten zugesellt, wie z. B. solche der Kruppschen Arbeiterwohnhäuser. die sich, im Bilde wenigstens, recht trostlos cniSnehmen. Ferner sind Pläne und photographi'che Aufnahinen der von dein bekannten Bau- ineister Messel hergestellten Wohnhäuser dcS Berliner Spar» und Bauvereins ausgestellt, deren imposante Wirkung vielen unserer Leser aus eigener Anslhaunng bekannt sein dürste. Für Berlin hat der größte Teil der ausgestellten Pläne insoweit schon eine nur problematische Bedeutung', als hier ja infolge der ungeheuren Bodenpreise an die Herstellung von kleineren Arbeiterhäusern nur in ganz besonderen AuSnahmesällen zu denken ist. Wir erinnern an die vor einigen Jahren vom Stadtverordneten Heimann gebauten Häuser in der Prinzen-Allee. Erwähnt sei»och, daß die vom hessischen Zcntralverein ausgestellten Pläne vielfach der in Südwestdeutschland traditionellen Bauweise Rechnung tragen. Der Eintritt zu der Ausstellung ist frei. Einen Hauptvtann-Abcnd veranstaltet der Verein zur Förderung der Kunst Sonntagabend 3 Uhr im Hohenzollern-Gymnasium, Schöneberg. Ecke der Eisenacher- und Belzigerstraße. Die Karten zum Preise von 30 Pf. sind auch in der Parteispedition bei Bäumler, Schöneberg. Martin Lulherstr. 51 zu haben. Der Männergrsangverein„Schildhorn" veranstaltet Sonntag mittag 12 Uhr in Bnllschmieders Festsälen, Badstraße 16. eine Matinee unter gütiger Mitwirkung der HauSkapell- i Blume. Der Ettrag dient zum Besten der ausgesperrten Arbeite» und Arbeiter der Elektro-Jndustrie. Berliner Marktpreise. Au» dem amtlichen Bericht der städtischen Marllhallen-Direltion. Rindfleisch la 63-68 pr. 100 Pjund, Ha 56-62. lila 50-55, IVa 40-48. Kalbfleisch la 85-90, Ha 73-82, llla 60-70, tammelfleisch la 65— 75, IIa 50—60. Schweinefleisch 69—76. Rotwild sund 40-60 Ps. Hasen Stück 3,00-4.20, klein 1,25-2,50. Kaninchen «tück 0,50—0,95. KrammelSvögel 20—22 Ps. Rebhühner, junge la 1,00 bis 1,40, junge Na 0,60-0,90, junge kleine 0,00-0,00, alte la 0,70-0.90, alte Na 0,00—0,00. Hühner, alte 1,40—1,80, junge 1,00—1,40 das Stück. Tauben, junge 0.45-0,50, alte 0,30-0,35. Enten, stinge 1,40—2,00. GäNse la, 3,50—4,20, Na 2,60-3,00 per Stück. la 0,58-0,65, Na 0,48—0,56 per Psund. Hechte 81— 103 M., Schleie, unsort. 104—111 M.. Aale, groß 00, mittel 77—82 M. Plötzen 46—52 M. Karpscn 70 M. Lach« 00,0-00,0 M.. Schellsische 30 M.. Flunder 31 M. pro 100 Psund. Schottische Vollheringe(gesalzen) 00,00—00,00 M Krebse, kleine, Schock 00,00 M., unsortiert 00,00 M. Eier, Schock 4,00. Butter pro lOO Psund la 120-124, IIa 112—118, INa 106-110, abfallende 95-105. Kattosseln pr. 100 Pfd. rote 1,90-2,10, Rosen 1,50-1,75, blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. Schock «.00-7,00, Weißkohl 6,00-8,00, Rotkohl 4,00-6,00, Holl, 9,00-10,00 M. Saure Gurken, neue, Schock 2,—. Wetter-Prognose für Sonnabend, den ZI. Oktober 1003. Zeitweise heiter, aber kühl»md veränderlich mit geringen Niederschlägen und schwachen nordwestlichen Winden. Berliner W e t t« r b u r e a u. Wasserstand am 19, Oktober. Elbe bel Nusfig+ 1,44 Meter, bei Dresden-s- 0,03 Meter, bei Magdeburg+ 2,07 Meter.— tl n ft t n I bei Strcmßsurt-f- 3,00 Meter.— Ode» bei Ratibor-tz 1,82 Meter, bei Breslau Oberpegel+ 5.24 Meter, bei Breslau Uuterpegel— 0,44 Meter, bei Franks»»!+ 1,86 Meter.— Weichsel bei Brahemünde + 2,71 Meter.— Warthe bel Posen-i- 0,62 Meter.— Netze bei Us-y— Meter. Zeiilral]ieriiaiiilüriiaiiiiels-,Tnporl->.Veri[eMeiler Zahlstelle Steglitz. Sonntag, den ZZ. Oktober 1003, naclimittng* 4 Chr. bei Hchelihaae in Stegllts, Ahornstr. 18a: Oeffentliche Versammlung für Männer und trauen. Tages-vrdnung: Vortrag de» Kollegen A. Gebert über.Die SluSsPerrnng der «rbeiter und Arbeiterinnen tu der Elektro-Jndustrie und welche Lehren ziehen»vir daraus?« Nach der Versammlung: ClemiUllobe» Beisammensein, Oer etwaige UebersohuE soll den Ausgesperrten überwiesen werden. Arbeiter und Arbeiterinnen von Steglitz, erscheint in dieser Bersamm« lung in Massen!(71/16) Tie Ortsverwaltung. I.A.: E. Sudrew. �Ichdruckc' u. Verlagsanstalt Paul Singer L- Co.. Berlin LÄ.