� A vf IlMl-IllOj Bbonntmfnts-Btdingungen: � v�üll Die Inlertlons» Gebühr >on»km-nts. Preis pr»mimer-nl>°:— �Mg»g �WZM) WM/Mffx W»/»l W> mff �Fxz9«3k-�aB I. belrügt sür die sechSgespallene Koloilel. erteljährl. 3,30 2J![., ntonatl. 1,10 ütt., W W Ifl f«//WWW W W stilecbet bctcu S!a..n.40 Psg.sür lAentlirfi 9ft mf« froi in»«„„» MV LW W» W Wl EH WD Wg Mg W tF ff IJ r�V/»oMiiche und g-wcrNchafMchc«.'rcinS. ,„ �'8:"®au5- MZ W W v? W W W MW W � W WZ // und«crlnniniliings.zinzeigcn 25 Pfz. njelne Rum,„er 5 gonntag?. MWZ lUW W W W W W W W W WVW VW i&L„KUint Sn-.ig.n". das crfte(feit. mmee mit illustrierter Sonntags. ff WA Wg Di» M» Mj« WW DD MI DD W Jp&tMSWi gedruckte) Wort 10 Pig.. jedes weitete üage„Tie Neue Welt» 10 Pfg. Post- � rhmm||BS| HI DD KB I JBH\ HKx DKl JHlf HH\ DD DM l Wort 5$fg. Worte über 15 Buchstaben oimement: 1,10 Mark pro Monat. jW I W» dM|®l ���v53r/ BD 7/%M\ zählen sür zwei Worte. Inserate sür agelragen in die Posi.ZeitungS. M» WM �397 JSM\ // W die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr eiSIiite. Unier Nreuzband sür Wl> WD� ZS /— nachmitiagS in der EKediiion abgegeben „„v r,.,_ H|_ �W/ werden. Tie Expedition lsi an Wochen. �'/Mar-rro��� ��ÄÄTa'glÄ CtfMM äaniMBcr lOMUtt, I��VTfn�./oSSrafB�''. Zentralcrgan der rozialdemokratifcben partei Deutfcblandös —— wa— b— imniiiiaaMMaBMBMna—— m Redaktion: 8M. 68, Lindenstraeee 69. Fernsprecher! Nmt IV. Nr. I9M3. Mittwoch, den 35. Oktober 1905. Expedition: 6Ö3. 68, Lindenetras&e 69. Ztrriiivrechrr: Amt IV. Nr. 1984. er aus, was heute der Wille des gesamten Proletariats ist. Nicht minder eindrucksvoll war eine Woche später der Aufmarsch der Arbeiterschaft in Brünn, wo schon voriges Jahr der Kampf so nach- driicklich eröffnet wurde und wo an dem Tage des Generalstreiks die deutsche und die tschechische Arbeiterschaft solidarisch und ziel- bewutzt für das allgemeine Recht demonstrierte. Die Bewegung schwillt in ganz Oesterreich an und in Galizien pulsiert die Kraft ebenso lebendig wie in Vorarlberg, in Steiermark nicht minder ivie in Böhmen. Es ist auch kein Zweifel, daß der nächste Woche zusannnentrctende Gesamtparteitag die Losung ausgeben wird: Kampf bis zum äußersten; Kampf bis zum M a ss e n str e ik I Es ist ein geschichtlicher Rkoment gekommen und er wird hervorbringen, was die Entwickclung fordert. poUtilcke Oebcrficbt. Berlin, den 24. Oktober. Zu den LandtagSwahlen in Baden. Karlsruhe, 24. Oktober. sPrivattclegramm.) Für die Stich- wählen hat die Sozialdemokratie ein Abkommen mit dem liberalen Block getroffen, Ivonach die Liberalen in 5 Kreisen für die Sozial- dcmokratie. diese in 12.Kreisen für den Block eintreten. In 6 Kreisen wird der Kampf zwischen Block und Sozialdemokratie auSgesochten. Freitag finden 2, Sonnabend die übrigen 21 Stichwahlen statt. Sperre im Nuhrgebict und„christliche" GetverkverciuSsührcr. DaS„Berliner Tageblatt" und die Tante Voß ließen sich aus dem Ruhrgcbict berichten, die Geschichte von einem zivilchen Zechen- Verwaltungen abgeschlossenen Bertrag, nur mit„Ueberweisungs- scheinen" versehenen wechselnden Bergleuten Arbeit zu geben, sei er- funden von„sozialdemokratischen Bcrgarbeilersührern". Herr Köster, der Nachfolger des Herrn B r u st iin Amt des Vorsitzenden der„christlichen" Bergarbeiterorganisation, habe gesagt, eS bandele sich nur um eine„Hetze", die der Gewerkvcrein nicht mitmache. Deshalb große Freude beim„Berliner Tageblatt", das eifrig „konstatierte", nachdem die staatstreuen christlichen Bergleute die Sperre nicht bestätigten, sei sie als eine neue„sozialdemokratische Hetzerei" entlarvt. In der Tat kommen aber ans Tageslicht immer mehr Details über die Sperre, d. h. die zcchenseitige Aufhebung der Freizügigkeit der Bergleute durch Zurückweisung von nicht mit einem sogenannten Ueberweisungsschein soder wie man das Dokmnent sonst nennen will) versehenen Bergleute. Noch handelt es sich wohl nicht um eine Ber- einbarung zwischen allen Zechen. In der Hauptsache sind es Zechen im Dortmunder und Bochum« Herne- Gclseulirchener Revier, die letzthin Arbeiter ohne jene Bescheinigung von der letzten Zeche zurück- wiesen. Daß es so ist, daran kann nach den vorliegenden Meldungen nicht gezweifelt werden. Es ist uns aber von Eilen- und Stahlwerksarbeitern erzählt worden, auch sie seien in den letzten Wochen, als sie auf einem anderen rheinisch- westfälischen Eisenwerke Arbeit annehmen wollten, nach einer lieber- weisungsbcschcinigung gefragt worden. Allem Anschein nach stehen wir vor einer neuen,„unblutigen" Sperrmethode der Unternehmer. ES ist nur �u berechtigt, wenn der Bergarbeiter-Verband rechtzeitig Alarm schlagt und nicht wartet, bis der gesetzwidrige Ring gc- schlössen ist. Dem GewerkvereinS-Vorsitzenden K ö st e r aber ist zu empfehlen, sich einmal anzusehen, ivas sein eigenes Bercinsorgan,„Der Berg- knappe", schreibt. Dieses Blatt entnimmt der Rede Kirdorfs m Mannheim die Ankündigung, die Zechenbesitzer wollten„Maß- nahmen gegen das häufig- Wechseln der Arbeiter" treffen I WaS das zu bedeuten hätte, darüber sagt das christ- liche Organ: „Eins ist sicher: Wenn der Bergbauliche Verein den Arbeits- nachweiö in die Hand nimmt, iveun er mit de» Arbeiter- organisationen nicht verhandelt, wenn er versucht, die Arbeiter zu zwingen, sich als willenlose Arbeitstiere behandeln zu lassen, so ivird dadurch der Friede in unserer Kohlenindustrie aufS ärgste gefährdet I"> Sodann fordert der„Bergknappe" zur KanipfeSorgani- s a t i 0 n auf I Der Gewerkvereinsvorsitzende K ö st e r beschuldigt die Sozialdemokraten der„Hetze", das GewcrkvcreinSoigan aber malt viel schlimmer wie die Sozialdemokraten den Schrecken einer Arbeitcrsperre durch den angekündigten ZcchcnarbeitsnachlvciS. Er würde die Bergleute zu„willenlosen Arbeitstieren" herabdrücken und den Kampf in der Kohlcnindustrie entfachen. So ruft das Gewerkvercinsorgan die Bergleute gegen einen Unternehmerplan zum Kampfe auf, den der Geiverkvereinsvorsitzende als„sozial- demokratische? Phantasieprodukt" bezeichnet.— Vom Jammer des StrafvollzugrS. Im Juli lief eine Nachricht durch die Presse, die allgemeines Aiifsehcn erregte. Ein junger Mann von 20 Jahren, der wegen EinbruchSdiebstahl zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden war. wie er behauptet unschuldig, war im Gefängnis zu G l 0 g a u, wo er die Strafe verbüßte, v 0 l l st ä n d i g erblindet. Bereits nach Verbüßung der ersten Hälfte der Strafe meldete er sich beim Ge- sängniSarzt Dr. N e u in a n n und erklärte diesem, daß er auf dem linken Auge schlecht sehe. Der Arzt erklärte indessen, daß an dem Auge nichts wahrzunehmen sei, und verordnete ein— Senfpflaster. Als sich der Gefangene später nochmals meldete, verschrieb ihm der Arzt eine Salbe und erklärte im übrigen, er glaube nicht an ein Augenleiden, der Gefangene wolle sich nur von der Arbeit drücken. Dieser bat daraufhin, ihn durch einen Spezialarzt unscrsuchen zu lassen, der Gefängnisarzt aber erklärte, er sei selbst Spezialarzt, nannte den Kranken einen Schivindler und drohte, ihn als Simu- lauten zu melden. Der Gefangene gab sich nun alle Mühe, soweit es sein immer niehr abuehinendcS Augenlicht zuließ, zu arbeiten, doch meldete er sich täglich beim Arzt, der aber dabei blieb, daß an dem Auge nichts zu finden sei. Nachdem schließlich der Kranke seinen Zustand au seine Eltern berichtet hatte, gelang es den Bemühungen seiner Mütter, eine Untersuchung durch einen Augenarzt durchzusetzen. Aber auch dieser erkannte das Augenleiden nicht und erklärte ebenfalls den Kranken für einen Simulanten. Dieser wurde nun deshalb und wegen«Arbeitsverweigerung" mit fünf Tagen Die Wahlreform auf dem Marsche? Aus Wien wird uns vom 22. Oktober geschrieben: Seit dem Tage, da Herr v. Gautsch in der Hofburg vor der Einführung des ollgemeinen Wahlrechts in Ungarn gewarnt hatte, weil sonst der W�hlrechtSkampf auch in Oesterreich aufleben würde, seit diesem Tage ist die schon entschlumnierte Bewegung in Oester- reich so lebendig geworden wie nie zuvor. Selbst in den Jahren 1803 bis 1895, wo die Arbeiter in Oesterreich noch um ihr bloßes Stinunrecht kämpfen mußten, wo sie von der Wahl des Parlaments völlig ausgeschlossen waren, war die Bewegung nicht so kraftvoll, so leidenschaftlich, so tief- und wcitgreifend wie jetzt, wo das gleiche Recht zu erkämpfen ist. Ohne zu übertreiben kann man sagen, daß sich das österreichische Proletariat in einem Zustande revolutionärer Energie befindet, daß es in des Wortes nüchternster Bedeutung entschlossen ist, alles zu wagen, um sich sein Recht zu erkämpfen. Nur ein, so kurzsichtiger Aklenmensch wie es der gegenwärttge Ministerpräsident ist, konnte meinen, daß er mit seinem„Einspruch" die aufgepeitschten Wellen beschwichtigen werde, daß in Oesterreich alles still und ruhig bleiben wird, wo in Ungar» ein Ministerium just zu dem Zwecke ernannt wird, den Adelsreichstag zu demokratisieren, die Macht des staatsrechtlichen Ehauvinismus und das allgemeine Stimmrecht zu brechen. Was selbstverständlich war, ist also im vollen Umfange eingetreten: die in Ungarn von der Regierung aufgenommene Forderung, den Reichstag auf neue Grundlagen zu stellen, hat das Bedürfnis nach einer vernünftigen und brauchbaren Wahlordnung in Oester- reich zur Leidenschast entfacht, hat der bis dahin nur als wissen- schaftliche Erkenntnis vegetierenden Wahlrechtsforderung glühendes Leben eingehaucht. Noch nie ist der alte Kampfruf der öfter- reichischen Arbeiterklasse so wahr gewesen wie jetzt: Keine Ruhe in Oesterreich, bis das allgemeine und gleiche Wahlrecht ein- geführt ist! DaS österreichische Wahlsystem ist nicht nur das reaktionärste in Europa— es nimmt wohl selbst die Konkurrenz mit dem Drei- klassen-Wahlrecht auf—, sondern vor allem das unsinnigste. Des- halb unsinnig, weil eS die eigentliche Aufgabe eines Wahlsystems, ein Parlament hervorzubringen, überhaupt nicht zu erfüllen vermag. Es ist vor allem ein Wahlrecht gegen die spezifische Natur dieses Staates. Ein Staat, in dem acht Nationalitäten wohnen, und zwar Nationen, die nun sämtlich den Staat verneinen, mit mehr oder minderer Abwechselung alle Jrredentisten sind, braucht einleuchtender- iveife ein Wahlrecht, das bindet und knüpft, das über die zentri- fugalen Tendenzen der Nationen ein Gemeinsames und Allgemeines setzt: braucht also das allgemeine und gleiche Recht, das den Nationen das staatliche Bewußtsein erst erzeugt, welches sonst jeder Staat von Natur hat. Statt dessen ist nun die vierzig Jahre alte Verfassung ein Wahlsystem, das trennt und scheidet, also zu der Vielheit der Nationen noch die Vielheit der Kurien setzt, bis dann eben lauter Fetzen herauskommen, denen das geistige Band, die Synthese deS Staates, fehlt. Was die österreichischen Verhält- nisse so unsäglich kompliziert und die Schwierigkeiten dieses nicht sehr einfachen Staates ungeheuer mehrt, ist der nationale Chauvinismus— nicht das ganz selbstverständliche Bedürfnis jeder Nation auf Entwickelnng, sondern die U e b e r t r e i b u n g des nationalen Empfindens, seine Entartung ins Kleinliche, Gehässige und Neiderfüllte. Aber diese Entartung ist direkt eine Wirkung der Kurien, welche das Bürgertum von oben und von unten, vom Adel wie vom Proletariat isolieren und es ihm dadurch ermöglichen, sich schrankenlos und ungehindert den nationalen gänke- reien— denn zum größten Teil sind die nationalen Fragen nichts mehr als dies— hinzugeben. Statt daß die nationalen Probleme (natürlich giebt eS auch solche) Fragen der gesamten Nation iverden. sind sie durch die Kurie bloß Fragen der Bourgeoisie—- nicht einmal dieser ganz, sondern eigentlich nur der Schichten im Bürgertum, die«ohne Aar und Halm", also ohne Klasseninteressen (Advokaten. Schriftleiter, Berufspolitiker) sich in dem chauvinistischen Treiben austoben. An diesen Wirkungen geht nun vor allem der Staat zu Grunde, und mehr als jedes in Oesterreich braucht eine Neuordnung, eine Ordnung der Vernunft und Logik, der Staat selbst. Aber dieses österreichische Wahlsystem ist so verkünstelt, das sein Er- gebnis, das Parlament, überhaupt nicht lebensfähig ist. Auf der einen Seite vergewaltigt es die Wirklichkeit. In den vierzig Jahren seines Bestandes hat sich Oesterreich zum großen Teil ans einen: Agrarland in einen Industrie- siaat gewandelt, aber die Kurien stehen starr und un- verändert da. Bei dem österreichischen Wählen kommen nicht so viele Agrarier, Industrielle, Proletarier hervor, wieviel an agrarischer, industrieller, proletarischer Entwickelung vorhanden ist, sondern soviel Abgeordnete des Großgrundbesitzes, der Handelskaminern, der Land- gemeinden, deS Kleinbürgertums und des Proletariats, a l S die Kurie b e st i m m t; die Kurie, die vor mehr als fiinfzig Jahren fixiert wurde; also steht eigentlich das Resultat jeder Wahl vorweg fest und waS wechselt, sind nur Namen von Parteien und Per- sonen, nicht sie selbst. DaS österreichische Abgeordnetenhaus steht also durch sein verrottetes Wahlsystem im schroff st en Gegen- satz zur Wirklichkeit: als Werkzeug der Entwickelung ist eS schlechthin unbrauchbar. Den Rest hat ihm freilich die im Jahre 1300 eingeführte«allgemeine Wählerklasse", die sogenannte fünfte Kurie gegeben. An sich war eS schon eine tolle Idee, einem aus Privilegien und Zensur aufgebauten Hause das allgemeiue Wahlrecht subkutan einzuflößen; die Erfahrung der acht Jahre hat erwiesen, daß die Mischung von stellenweise ganz grotesken Privilegien und allgemeinem Wahlrecht lebenSimfähig ist. Auf der einen Seite gibt es in Oester- reich hundert Abgeordnete, die überhaupt nicht gewählt sind (denn eine Wahl von dreißig Wählern ist keine Wahl, sondern eine Ernennung), und auf der anderen Seite sind zweiundsiebzig Abgeordnete vorhanden, die von achtzig- bis hunderttausend Wählern gewählt werden: da kamt sich im Parlament ein Gleichgewicht nicht herausbilden, da gibt es keine Harmonie, auch keine Einheit, die nur vom gleichen stammt. Kurz, die nun acht Jahre währende Krise des Abgeordnetenhauses ist die unmittelbare Wirkung des un- möglichen Wahlsystems. Vielleicht werden die Unsinnigkeit dieser„Ordnung", die aus- schaut, als ob sie ein Irrsinniger kombiniert hätte, einige Zahlen noch deutlicher machen. Die 425 Abgeordneten zum österreichischen ReichSrat werden folgendermaßen gewählt: 85 Abgg. des Großgrundbesitzes... v. insgesamt 5 431 Wählern 21„ derHandels-u.Gewerbekamm.„„ 501„ 113„„ Städte........„ 493 804„ 120„„ Landgemeinden.„„ 1585406„ 72„„ allgemeinen Wählcrklasse.„„ 5 004 222„ Wir haben also 106 Abgeordnete, die überhaupt nicht gewählt sind, also politische, soziale, allgemeine Interessen überhaupt nicht kennen, die vom Lotterbett ihres Privilegs überhaupt nicht zu be- greifen vermögen, waS politische Arbeit ist. Dagegen sind wieder die Abgeordneten der allgemeinen Wählerklasse durch die riesigenWahlkreise(wie groß diese sind, sagt doch ausreichend die Tatsache, daß das ganze Staatsgebiet nur in 72 Kreise zerlegt ist) jedes Zusammenhanges mit ihrer Wählerschaft beraubt, auf die Demagogie direkt verwiesen. Man darf diese Abgeordneten von hunderttausend Wählern nicht etwa mit den Abgeordneten des Reichstages verwechseln, welche besonders volkreiche und durch die alte Wahlkreiseinteilung benachteiligten Städte vertreten; uichr die Zahl der Wähler, das ungeheuere, unbewältigbare und die sachlichen Zusammenhänge völlig aufhebende Gebiet hat aus diesen Ab- geordneten deS allgemeinen Stimmrechtes die plumpe» Demagogen gemacht, für die das Abgeordnetenhaus nichts anderes ist als die Zentralstätte ihres MandatökampfcS. ES scheint paradox, ist aber ganz logisch: daß die Maßregel, womit man das marastisch ge- wordene Parlament vor zehn Jahren zu verjüngen hoffte, nämlich die Einführung der allgemeinen Kurie, daß erst die und gerade die das österreichische Abgeordnetenhaus ruiniert hat. Seitdem wir dieses psendo-allgemeine Wahlrecht haben, haben wir kein Par- lament mehr. Das ist auch ganz natürlich. Die Kräfte, die in dem Käfig der fünften Kurie gefesselt sind, entarteten zur Tobsucht; statt gesund ist das Parlament verrückt geworden. Dieser entsetzliche Zustand des österreichischen Abgeordneten- Hauses ist auch unzweifelhaft für die Wahlreforin das stärkste Argument. Allmählich begreift eben jeder, daß diese nicht zu heilende Krankheit eine Ursache haben muß, daß es nicht Bös- Willigkeit oder Einsichtslofigkeit ist, die die Abgeordneten zu ihrem in ganz Europa berüchtigten Treiben führt, sondern daß sie wirklich nur dem Gesetze gehorchen,„wonach sie angetreten". Daß die Kurien selbst jeder Entwickelung trotzen, liegt auf der Hand; schon daß dieses Wahlsystem absolut entwickelungsunfähig ist. jede Um- formung ausschließt, sondern gänzlich niedergerissen werden mutz, zeigt deutlich, wie verfehlt eS ist. Deshalb wäre heute die Möglichkeit, die unerläßliche Neuordnung auf- zurichten, größer denn je. Einem Parlament, in dem von 425 Mitgliedern 353 ihr Mandat dem Privileg danken, die Zu- stimmung zur Aufhebung aller Privilegien abzuringen, scheint an sich keine leichte Sache; aber diese achtjährige Krise und der Stumpfsinn dieser Kurie» hat da« Privileg so in Verruf gebracht. daß sie tatsächlich niemand mehr zu verteidigen wagt. Hat doch das Abgeordnetenhaus selbst am 5. Oktober mit 155 gegen 114 Stimmen den Beschluß gefaßt, die Regierung aufzufordern, deni Hause sofort eine Vorlage auf Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts zu unterbreiten, und keinem Zweifel unterliegt es, daß, wenn sich hinter diese Forderung eine Regierung von Mut und Tatkraft stellte, das große Werk noch in dieser Legislaturperiode vollendet werden könnte. Eine solche Regierung ist allerdings die Gautschische Jammerregierung nicht, aber wie die Dinge heute stehen, kann eher Herr v. Gautsch fallen al« die Wahlreform verschleppt werden. In der Vorsession im Herbst sind im Abgeordnetenhause nicht weniger als sieben Dringlichkeitsanträge(deren Verhandlung mit der oben erwähnten Abstimmung endete) für das allgemeine und gleiche Wahlrecht eingebracht worden, und die Forderung findet heute (außer bei den Großgrundbesitzern natürlich) nirgendwo Gegner, trifft höchsten« bei den Deutschen auf Bedenken, denen aber leichthin in der WahlkreiSeinteilung Rechnung getragen werden kann. Auf dem Marsche ist also das allgemeine und gleiche Wahlrecht in Oe st erreich— und wenn auch noch in Ferne, sichtbar ist das Ziel bereits. Ihre eigentliche Stütze hat freilich die Forderung weder in der Bereitwilligkeit der bürgerlichen Parteien, noch in der Einsicht der Regierenden, sondern in der gewaltigen revolutionären Entschlossen- heit des Proletariats. WaS jetzt im Wahlrechtskampf in Oesterreich geleistet wird, ist wahrhaftig aller Bewunderung wert. Ihren Höhe- Punkt hat die Bewegung in den zwei Länder« erreicht, wo gleichzeitig die Reform des Landtagswahlrechts zur Verhandlung steht: in Böhmen und in Mähren. ES war eine der großartigsten Kund- gebnugen deS proletarischen Oesterreich, als am Tage der Eröffnung des böhmischen Landtages in der Hauptstadt alle Arbeit ruhte und hunderttausend Menschen stumm und ernst zum Landhaus zogen. Die Prager Organisation hat alle Kräfte für die Reform in einen mächtigen Strom gesammelt und den Generalstreik aller Arbeit an dem geschichtlichen Dienstag durchgeführt. Als namonS der Taufende und Tnnsende der Genosse Nemec den verantwortlichen Re- gicrcrn des Landes, dem Oberstlandinarjchall und dem Statthalter, erklärte, die Arbeiterschaft der großen Industrie sei ent- schlössen,„sich die Vediiigungen einer ungestörten Entwicke- lung zum Fortschritt und zur Freiheit zu sichern", sprach strengem Arrest und Entziehung des Arbeitsverdienstes für einen Monat bestraft. Gleichzeitig erklärte man ihni, daß m a n i h n so lange be st rasen lverde, bis er gescheut würde. Im Arrest erkrankte der also Gefolterte»och in anderer Art. Er litt an Schüttelfrost und Krämpfen. Das glaubte ihm der Arzt und sagte, er solle bitten, daß die Zelle besser geheizt lverde. Diese Bitten waren jedoch ohne Erfolg. Als er dann nach Ablauf des Arrestes wiederum nicht arbeiten konnte und feine Blindheit beteuerte, mögen der Gefängnisverwaltung doch Bedenken aufgestiegen sein. Er lvurde wieder dem Spezinlarzt vorgeführt, wo zufällig seine Mutter gerade anwesend war, um die Rechnung für die erstmalige Untersuchung zu bezahlen. Jetzt, elf Tage nach der ersten Untersuchung, sah sich der Arzt genötigt, der Mutter zu erklären:„ I h r S o h n i st t a t s ä ch l i ch blind." Er entschuldigte sich dabei, daß er bei der ersten Unter- suchung durch ein Schreiben des Gefängnis- arztes Dr. Neumann irregeführt worden fei. Der Kranke kam hierauf in das Elisabeth-Krankenhaus in Glogau, wo er annähernd ein Vierteljahr, jedoch ohne Erfolg behandelt wurde. Die Zeit»uisste er noch nachsitzen und nach voll- ständig verbüßter Strafe wurde er am 3. März d. I. entlassen. Die vollständige Erblindung wurde später auch in der Meyerschen Augen- kliuik in Breslau festgestellt. Der Entlassene ist dann auch körperlich schwer erkrankt und zwar an Rheuniatismus, Luftröhrenkatarrh, und ist schließlich brustlcidend geworden. Er gibt an, daß in der Zelle, in der er zuletzt untergebracht war, sich außer Brust- und Lungenleidenden sich auch Sliphiliskranke befanden. Inzwischen hat der Erblindete dm Versuch gemacht, das Armen- recht zu erlangen, um eine Schadensersatzklage gegen die beiden Aerzte führen zu können, doch wurde ihm dieses in allen Instanzen verweigert. Auch eine aus dem gleichen Grunde an den Kaiser ge- richtete Immediateingabe hatte keinen Erfolg. Gegen den Justizfiskus schwebt jedoch zur Zeit ein Verfahren auf Entschädigung oder Renten- Bewilligung, ans welchem Grunde der Blinde wieder längere Zeil in der Breslauer Universitätsklinik untersucht wurde, doch ist zurzeit über den Stand der Angelegenheit etlvas Näheres nicht bekannt. �Dagegen hat der Fall„bereits" zu einer„Reform" der Glogauer GefängniSzustäudc geführt. Es wurde seinerzeit von der Presse auf die Gefahr hingewiesen, die die nudurchsichtigen, auS gerilltem GlaS bestehenden Scheiben der Fenster für das Sehvermögen bedeuten. In Glogau hat man nun im Gefängnis die Fenster etlvas ver- größert und die Zahl der Scheiben verringert, so daß diese jetzt dreimal so groß sein sollen als früher. Es mag wohl dadurch in der Zelle selbst ein wenig Heller sein, von der Verwendung von Rill- glas ist man aber nicht abgekommen. Es wäre ja auch wirklich eine allzu große Humanität, wenn. die Gefangenen ein Stück Himmel oder die Umrisse eines Baumes oder Turmes durchs Fenster erblicken könnten. Die zweite„Reform" besteht darin, daß Geheimer Sanitätsrat Dr. Ncumann am l. Oktober angeblich freiwillig seine Stelluiig als Gefünguisarzt aufgegeben hat. Er ist annähernd achtzig Jahre. Früher war er Kreisphysikus. Als aber vor einigen Jahren das Gesetz über die Dienstleistungen de? Kreisarztes in Kraft trat, sah� er sich veranlaßt, wegen Kränklichkeit und hohen Alters sein Amt niederzulegen. Sein Amt als Gefängnisarzt behielt er jedoch und man ließ es ihm trotz Alter und Kränklichkeit, in deren Folge er sich nur mit Hülfe eines Stockes fortbeivegeu konnte. Daß Dr. Neumann anch nach obigem Vorfall noch mehr als ein halbes Jahr im Amte bleiben konule, wen wundert das? Uns nicht, in seiner Hand lag ja nur das Wohl von„Sträflingen".— Die Dotschlagsaffäre des Leutnants v. Lckow. Eine Korrespondenz meldet aus Posen vom 23. Oktober: Die Affäre des Leutnants v. Lekow fand heute vor dem Kriegsgerichr einen überraschenden und wohl von niemand, s e l b st dem Angeklagten nicht erwarteten A b s ch l u ß. Bei Beginn der Verhandlung, zu der 21 Zeugen und drei Sachverständige geladen und erschienen waren, stellte nach Verlesung der Anklage- schrift KriegSgerichlsrat Bärensprung mit Rücksicht auf die Gefährdung des Ansehens des O f f i z i e r st a u d e s den Antrag, die O e f f e n t l i ch k e i t a u s z u s ch l i e ß e». Diesem Antrage cutsprach auch tntsächlich das Gericht. Unter den obwaltenden Umständen muß der einzige auwcsende Pressevertreter den Platz am Prcssctische räumen. Dieser Beschluß ist umso bedauerlicher, als der Vorfall sich in der breitesten Oeffentlichkeit abspielte und die Presse denselben in den verschiedensten Lesarten schilderte. Nach den bei den Zeugen und sonstigen Beteiligten angestellten privatei» Ermittelungen, in Verbindung mit den bei Verkündung des Urteils angegcbeuen Gründen, dürfte nachstehender Sachverhalt Anspruch aus Nichtigkeit haben: Nach Rückkehr des II. Posenschen Feld- Artillerie- Regiments Nr. 56 am 24. September d. I. ver- anstalteten die Offiziere des Regiments im„Hotel de Pologne"— Inhaber Nitzsche— ein genr ein schaftliches Abendessen, bei dem der bei der dritten Batterie dienende Angeklagte— der 31 Jahre alte Leutnant Aldo von Lekow, Sohn eines Rittergutsbesitzers auf Locholvo im Kreise Züllichau, den geistigen Getränken reichlich zu- sprach und gegen 11 Uhr abends in stark bezechtem Zu- stände den Heimweg autrat. Er soll imterwegs icincr Stiiuuiuug recht lautcu Ausdruck gegeben und dicscrhalb von einigen Zivilisten, darunter von einem Barbier gehänselt worden sein. Dies gab dem Augeklagten Veranlassung, sofort blank zu ziehen und gegen die sich iiuuicr mehr ansammelnde» Leute einznhaneu. Von der lieber- macht überwältigt, wurde Angeklagter zu Boden geworfen und ihn: der Degen entrissen, wobei er selbst nicht unerheblich mißhandelt wurde. Durch die Dazwischenkuuft des Polizeiinspektors Jllgncr wurden die Leute bcschivichtigt, dem Angeklagten derDegcn zurückgegeben und dieser von dem Beamten in seine Woh- nung geleitet. Sei es nun, daß Angeklagter die ihm wieder- fahreue schimpfliche Behandlung rächen wollte, oder wie er s e l b st angibt, daß er von einigen Personen durch höhnische Zurufe aufs neue gereizt worden ist, so viel steht nun fest, daß er sich mit einem doppelläufige» mit Schrotpatrouen geladenen Jagd- gcwchr bewaffnete und in höchster Erregung auf die Straße stürzte. Im Nu war er wieder von einer Anzahl Menschen umringt, die versuchten. ihm das Gewehr zu entreißen. Der Obcrwächtcr Röhr, der gleichfalls den Angeklagten zu beschwichtigen versuchte, wurde von ihm vor die Brust grstoßc», daß er zu Bode» fiel. Der im Hotel Nitzsche bedienstete Haushälter, 23 Jahre alte Josef Rösch, der dein Angeklagten gut bekannt war, und der öfters geschäftlich m i t ihm zu tun hatte. versuchte gleichfalls ihn zu beruhigen, wurde aber mit der Drohung„Gehen Sie weg oder ich erschieße Siek? zurückgewiesen. In diesem Augenblick wurde der Leutnant zu Boden geworfen und verschiedene Personen versuchten ihm das Gewehr zu entreißen. Während einige an dem Laufe herumzcrrten, krachten zwei Schüsse, von denen einer den Rösch in den Unterleib traf und dieser au den Folgen innerer Verblutung am nächsten Tage verstarb. Der Angeklagte behauptet, bei beiden Auf- tritten von der Menge schwer gereizt und angegrfffen worden zu sein. Was er getan, habe er lediglich in Ausübung berech- tigter Notwehr getan. Die Schüsse habe er nicht selbst ab- gegeben, sondern sie hätten sich durch einen unglücklichen Zufall selbst entladen. Seitens des Anklagevertreters wird eine Gesamtstrafe von 4 Wochen Gefängnis in Antrag gebracht. Das Gericht erkennt wegen der fahrlässigen Tötung auf 3 Woche» Gefängnis, wegen des Widerstandes gegen die Staatsgewalt auf 2 Tage, die auf eine Gesamtstrafe von 3 Wochen 1 Tag Gefängnis zurückgeführt werden.— Wegen des Verstoßes gegen die militärische Dienstpflicht hat sich das Urteil der E h r e n g e r i ch t s h o f des Regiments vorbehalten. Dies Urteil wird allerdings berechtigtes Aufsehen hervorrufen. Selbst wenn mit Recht eine fahrlässige Tötung angenommen würde, so ist doch völlig unverständlich, wie man auf ein so minimales Strafmaß kommen konnte, da doch bei fahrlässiger Tötung auf ein Strafmaß von drei Jahren Gefängnis erkannt werden kann. Auch wird es der zivile Verstand nicht begreifen können, daß einem Manne von so exzessivem Charakter und so geringem Verantwort- lichkeitsgefühl auch nur einen Tag länger das Verfügungsrecht über die Söhne des Volkes belassen werden konnte!— Die Firma Tippclskirch dementiert. Die Firma Tippelskirch hat durch ihren RcchtSbeistand dem „Berl. Tagebl." folgende Erklärung zustellen lasten: Unter Bezugnahme auf die Notiz im„Berliner Tageblatt" vom 23. Oktober er., in welcher erwähnt wird, daß sich in den Büchern der Firma v. Tippelskirch u. Co. zwei m y st e r i ö s e Teilhaberkonten finden, ein Konto P. und ein Konto St., deren Inhaber der Staatsminister v. Podbielski und der Kolonialdirektor Dr. Stttbel seien, erkläre ich Ihnen im Auftrage der Firma v. Tippelskirch». Co. folgendes: „Weder der ehemalige Geschäftsniitin Haber, jetziger Staatsminister v. Podbielski ist jetzt für seine Person an der Firma beleitigt, noch hat die Firma irgendwelche geschäftliche Beziehungen zu dem Direktor des Kolonial- amtes Wirklichen Geheimen LegationSrat Dr. Stüde l." Das„Berl. Tagebl." hält nicht mit Unrecht dies eigenartig stilisierte„Dementi" für Podbielski für keineswegs entlastend. Die Form dieser Erklärung lege ja geradezu die Frage nahe, ob Pod nicht indirekt beteiligt sei! Es sei deshalb unbedingt erforderlich, daß die Regierung eine Erklärung abgebe. Eine solche anitliche Erklärung müsse man glauben, wenn man nicht Beweise des Gegenteils in der Tasche habe. Das soll doch nicht etwa heißen, daß die Regierung überhaupt fähig sei, etwas zu dementieren, das dennoch bewiesen werden könne?— Bon der Fleischnot im obcrschlesischcn Jndustriebezirk schreibt man ur.s: Bei dem Städtchen Myslowitz im Kattowitzer Kreise, dort, wo die drei Kaiserreiche Deutschland, Oesterreich und Rußland mit ihren Grenzen zusammentreffen und die berühmte„Drei Kaiser- reichs-Ecke" bilden, führt eine hölzerne Treppe über den Grenzfluß Przcmsa in das russische Grcnzstädtchen Modrzejow. Dort herrscht gegenwärtig ein eigenartiges buntbewegtes Treiben. Tag für Tag ziehen in großen Scharen Männer Frauen und Kinder von Mys- lowitz her über die Modrzejolvcr Brücke in die Stadt Modrzejow, um dort Fleisch und Mehl einzukaufen und dann zurück nach Mys- lowitz und in den Heimatsort zu wandern. Die Leute, in ihrer großen Mehrzahl Frauen und Mädchen, kommen von weit her, aus zahlreichen Orten des Myslowitzer und Kattowitzer Bezirks, um drüben billigeres Fleisch zu kaufen, das im oberschlesischcn Industrie- bezirk nur zu unerschwinglichen Preisen zu haben ist. An Lohn- und Vorschußtagen— die obcrschlcsischcn Gruben- und Hüttenbarone zahlen ihren„Händen" am Ersten des Monats e i n e n T e i l des im vergangenen Monat verdienten Lohnes und nennen das noch „V o r s ch u tz"gebcn und den Rest am 15. des neuen Monats— also an Lohn- und Vorschußtagen zieht den ganzen Tag ein ununtcr- bracherer Strom von Menschen über die Brücke hin und her, oft mehr wie zehntausend Personen I Mehrere preußische Beamte haben unausgesetzt mit dem Ausstellen der Greuzpassierscheine zu tun. Natürlich nutzen die Geschäftsleute drüben die Situation nach Kräften aus. Das Schweinefleisch ist so teuer wie nie zuvor, es kostet pro Pfuiid(400 Gramm nach russischem Gewicht) 60 Pf.; ist also immerhin noch erheblich billiger wie im teueren Vaterlande, und das zieht die Armen über die Grenze. Die übermütig ge- wordenen russisch-polnischcn Fleischer und Händler erlauben sich die rohcste Behandlung der zahllosen proletarischen Käuferinnen, die sie oft mit den gemeinsten Schimpfworten regalieren. In dem Ge- dränge in den Fleischerläden, an den Grenzübergängen und auf der Brücke treiben Taschendiebe ihr recht ertragreiches Handwerk. Kom- men die Käufer mit ihren Fleischpaketen und Mehlsäckchen beladen zur preußischen Zollabfertigung zurück, so warten ihrer hier neue Annehmlichkeiten. Von den wenigen von der Arbeit fast erdrückten und daher nervös gewordenen Beamten werden sie barsch angefahren, hin- und hergeschoben und müssen sich Visitationen der Kleidung und des Körpers gefallen lassen, die für weibliche Personen entwürdigend sind. Alle Augenblicke wird denn auch Konterbande entdeckt, meist Fleisch, das über das erlaubte Matz hinaus von den Frauen unter den Kleidern eingeschmuggelt werden soll. Da wandern denn große Massen beschlagnahmten Fleisches in den Gasar.staltsofen der Stadt MyLlowitz. Die armen Ertappten aber gehen betrübt und beschämt ohne Fletsch wieder nach Haufe, wo man sich schon auf den jetzt so kostspieligen und seltenen Genuß eines Stückchen Fleisches gefreut hatte.— Wie Nordschlcöwig vcrprcußt wird. Anderswo macht die reaktio- näre Staatsgewalt uolgedrimgen vor dem Bewußtseinsleben der Unterdrückten Halt, in Nordschleswig sind nicht einmal mehr die Ge- danken„zollfrei". Das wurde ain Donnerstag vor dem Schöffen- gcricht in Toftlnnd gerichtlich festgelegt. Dort stand wieder einmal einer der famosen Prozesse gegen das„Blaue Liederbuch" zur Ver- Handlung. Bis zum Mai dieses Jahres war das Buch, eine Gamm- lung der schönsten Lieder und Gedichte aus der nordischen Literatur. darunter auch Uebersetzungen klassischer deutscher Stücke, unbean- standet in Nordschleswig vertrieben worden. Da wurden plötzlich an eine m Tage, am 6. Mai d. I., vermutlich aus das Betreiben des Köller überköllcruden„Deutschen Vereins für Nordschleswig" in einer Reihe von nordschleswigschen Städten Haussuchungen i» den dänischen Buchhandlmigen gehalten und die vor- handencn Exemplare des Liederbuches beschlagnahmt. Nach 14 Tagen wurden zwar die konfiszierten Bücher wieder zurückgeliefert, gegen die Buchhändler aber wurde Ivegen Vergehens gegen eine 'Verordnung aus dem Jahre 1866. die vom Vertrieb aufreizender Schriften handelt. Anklage erhoben. Eine Reihe dieser Prozesse ist bereits in erster Instanz zur Verhandlung gelangt. In Sonder- Burg, der gerichtlichen Domäne des Hauptmachers des„Deutschen Vereins", des Amtsrichters Hahn, wurde der angeklagte Buchhändler freigesprochen und das Urteil ist, nachdem der Amlsanwalt die zuerst eingelegte Berufung zurückgezogen hat, rechtskräftig geworden. In Apcnrade wurde der Verleger des Buches, Fabrikant Audrefen, zu 50 M. Geldstrafe, in Hadersleben zwei Buchhändler gleichfalls zu Geldstrafen verurteilt. In Toftluud, wo am Donnerstag gegen den Buchhändler Hansen verhandelt wurde, waren als Sachverständige Redakteur Svensen von der Zeitung„ModerSmaalet" in Haders- leben und der Gymnasialoberlehrer Professor Schröder aus Flensburg geladen. Der Angeklagte beanlragte, den Professor Schröder, der ein rühriges Vorstandsmitglied des„Deulschcn Vereins", also jedenfalls nicht unbefangen fei, abzulehnen. Er hatte mit diesem Antrag eben- sowenig Erfolg wie der Amtsanwalt mit der Zurückweisung des Redakteurs Svensen, der dieselben politischen Ansichten habe wie der Angeklagte und ein Angestellter der Dänenparlei sei. Redakteur Svensen gab das erste Gutachten ab. Er konnte aus seine» viel- fachen Erfahrungen bei Versammlungen und auf Privatgesellschaften bekunden, daß die Lieder nie aufreizend auf die dänische Bevölkerung gewirkt hätten. Das sei begreiflich, denn die eigentliche» politischen Tendenzliedcr seien, wie der Sachverständige im einzelnen nach- wies, in die Sammlung nicht aufgenommen worden. Dann kam Profesfor Schröder an die Reihe. Verblüffend war gleich seine An- gäbe, daß mindestens 130 bis 140 Lieder in dem Buch als aufreizend anzusehen seien. Vor ein paar Wochen, vor dein Schöffengericht in Hadersleben, wo der Herr gleich- falls als Sachverständiger geladen war, hatte er erst 48 staatsgefährliclie Stücke in dem Buche entdeckt. Das wäre also eine Zunahme von mehr als 150 Proz. in der kurzen Zeit. Da der Herr noch für weitere Prozesse in dieser Angelegenheit al» Sach- verständiger in Aussicht genommen ist und das Buch bloß 316 Stücke enthält, so wird man sich, wenn seine„Entdeckungen" in demselben Tempo fortschreiten, auf ein arithmetisches Wunder gefaßt machen müssen. Unter den Liedern, die»ach der Anklage geeignet fein 'ollen, die LoSlöfnng Nordschleswigs von Preußen zu fördern, führte der Sachverständige unter anderem auch ein im Norden berühmtes Kirchenlied des Bischofs Brorscn von Schleswig an, der im 18. Jahrhundert lebte I In dem Liedc finde sich nämlich die Stelle: ,. H i c n i e d e n muß gewartet werden". Damit kam der Herr Professor auf die Methode zu sprechen, nach der er seine Sichtung vorgenommen habe. ES komme nicht auf den Wort- laut deS Textes an, harmlose Lieder würden dadurch gefährlich, daß die Nordschleswiger beim Singen aufreizende Meinungen und Gedanken hineinlegten. So wüßten sie beispielsweise, wenn sie säugen: Jeg vil vaerge mit Land(ich will schützen mein Land) ganz genau, welches Land gemeint sei. Wie unter diesen Umständen die Nordschleswiger überhaupt noch den Mund auftun können, ohne ein Staatsverbrechen zu begehen, ist ein Problem. Erstaunlich aber ist, daß das Gericht sich den Standpunkt des Prof. Schröder zu eigen machte und den Angeklagten, nüt besonderer Bezugnahme auf das Schrödersche Gut- achten, zu 10 Mark G e l d st r a f e verurteilte. Die Germanisatoren in Nordschleswig können sich gratulieren, daß das Gericht den An- trag des Angeklagten, Georg Brandes als Sachverständigen zu laden, abgelehnt hat— der glänzende Stilist hätte sich die Gelegen- heit gclviß nicht eingehen lassen, dem preußischen Staate aus seinem Kampfe gegen das kleine dänische Liederbuch eine nieder- sch»r eiternde internationale Blamage herzu- richten.— Das staatsgcfährliche Gesangbuch. Die in Nordschleswig er- scheinende Zeitung„Dnnuewirke" macht darauf aufmerksam, daß zwei der von dem Professor Schröder in den Prozessen gegen das „Blaue Liederbuch" als besonders staatsgefährlich und aufreizend äiarakterisierten Lieder sich auch in dem schleswigschen Kirchen- Gesangbuch finden. Das eine ist das in dem Tostlundcr Prozeß- Bericht bereits erwähnte Kirchenlied des schlcswigischen Bischofs H. A. Brorson, der im 18. Jahrhundert lebte; in dem Gesangbuch wird cS als„Lied für Kranke" bezeichnet und es preist die himmlischen Freuden im Gegensatz zur irdischen Trübsal. Das andere ist ein Sterbelied, welches fast täglich in Nordschleswig bei Begräbnissen gesungen wird, und hat zum Verfasser den berühmten dänischen Klassiker A. Oehlenschläger. Das schleswigsche Gesangbuch aber ist von, Königlich preußischen evangelisch-luthe- rischcn Konsistorium in Kiel herausgegeben, ge- mäs; einem Beschluß der vierten ordentlichen Gesamtsynode vom Jahre 183S. Beide aufreizende Kirchenlieder sind in unzähligen Fällen von preußischen Staatspredigeru bei kirchlichen Handlungen in den dänisch sprechenden Gemeinden Nordschleswigs verwendet worden, und ähnliche Lieder, die nach dem gerichtlich anerkannten Gutachten des Prof. Schröder als staatsgefährlich zu bezeichnen sind, enthält das behördlich approbierte Gesangbuch noch viele. Wenn nun gegen die Herausgeber des„Blauen Liederbuchs" strafrechtlich vor- gegangen wird, so müssen auch die Herausgeber des Gesangbuchs ver- folgt werden. Wir werden also demnächst das ergötzliche Schauspiel erleben, daß gegen das Königlich preußische Konsistorium in Kiel, an dessen Spitze der bekannte Theologe, Gcncralsuperintendent D. Kaftan und mehrere angesehene Juristen stehen, von der Königlich preußischen Staatsanwaltschaft in Flensburg Anklage wegen Heraus- gäbe und Vertriebs„aufreizender" Lieder erhoben wird. Daß die Prozesse gegen das„Blaue Liederbuch" dieses Nachspiel haben wer- den, daran zweifelt„Dannewirke" bei der bekannten Unparteilichkeit der„objektivsten Behörde der Welt", der preußischen Staatsanwalt- schaff, keinen Augenblick. Jedenfalls stellt es sich immer mehr heraus, daß die Geschichte der nordschleswigschen Germanisation nach einem Chronisten, der über den Humor eines Cervantes verfügt, geradezu schreit.— Wegen grober Mißhandlung eines Untergebenen, die er m Berlin auf offener Straße begangen hatte, hatte sich vor dem Kriegsgericht der Aufklärungsjchiffe in Kiel ein Maschinistcnmaat zu verantworten. Der Angeklagte befand sich Ende� Juni dieses Jahres auf Urlaub in Berlin-Schöueberg. Am Sonntag, den 25. Juni, vormitiags 10 Uhr, begegnete er in der Hohenstaufen- stratze einer unbekannt gebliebenen Ordonnanz der Garde-Fuß- artillerie, die ihn vorschriftsmäßig grüßte. Ohne irgendwelche Per- anlassung ging der Riaat auf den Artilleristen zu, brüllte ihm an und schlug ihm heftig ins Genick. Der Soldat stand sofort stramm vor seinem Vorgesetzten und ließ einen Hagel von Schläger« und Stößen und eine Schmutzflut der unflätigsten Schimpflvorte auf sich niedersausen, ohne mit der Wimper zu zucken. Ter Vorgang wurde von einer ganzen Anzahl Zeugen beobachtet, die in ihrer gerechten Empönmg über die unqualifizierte Roheit Miene machten, an dem Rowdy in Uniform Lynchjustiz zu üben, als dieser auf Verm, lassung des Direktors des Carl Schultze-Theaters in Hamburg, Herrn Eugen Burg, der gleic"alls Zeuge gewesen, verhaftet und in einer Droschke nach der Wache des 3. Eisenbahn-Regiments gebracht wurde. Dort beleidigte der Angeklagte den Schutzmann noch durch Redensarten, wie:„Sie erhalten ja für jede Anzeige 25 Pf., ich werde Ihnen 50 Pf. geben"—„Sie schwören ja für eine Schrippe einen Mein- eid". Der grobe Exzeß konnte erst am vorigen Freitag zur Ver- Handlung kommen, da alle Nachforschungen, nach dem Mißhandelten merkwürdigerweise vergeblich gewesen Ivaren. Die aus Berlin als Zeugen geladenen Zivilpersonen bestätigten jedoch die Anklage in allen Stücken und hoben besonders hervor, daß der Mißhandelte, der seinen Peiniger vorschriftsmäßig gegrüßt habe, eine geradezu „bewunderungswürdige Disziplin" gezeigt habe. Ter Angeklagte wurde wegen der rohen Mißhandlung und Beleidigung des Unter- gebencn zu drei ivkonaten und wegen der Beleidigung des Schutz- manns zu drei Wochen, insgesamt zu drei Monaten, zwei Wochen Gefängnis verurteilt— in Anbetracht der gemeinen Ausschreitung gelviß eine milde Strafe, zumal ivcnn man bedenkt, daß der Untergebene, wenn er gegenüber den Mißhandlungen, mehr Mensch als Soldat gewesen wäre, sich wahrscheinlich zeitlebens un- glücklich gemacht hätte— denn dann wäre er vermutlich ge- f u n d e n worden,—_ Bayerischer Landtag. München, 24, Oktober. Kammer der Abgeordneten. Im Laufe der heutigen Budgetberatung führte H a m m e r s ch m i d t slib.) auS, in der deutschen auswärtigen Politik habe sich vorher eine gelvisse Unsicherheit gezeigt, aber in der Marokko- angclcgenheit habe sich der Flügelschlag des deutschen Aars wieder besser bemerkbar gemacht. Redner wandte sich im weiteren gegen die jüngsten Aeußerungen des Minister- Präsidenten Freiherrn von Podewils gegenüber dem Ab- geordneten Dr. Casselmann und bemerkte, der Minister- Präsident habe auf die Frage nach der Homogenität deS Ministeriums beleidigend geaiitivortet. Wolle das Gesamt- Ministerium auch jetzt noch über den Parteien stehen oder wolle es lediglich der Vollstrecker des Willen? der Zentrumsmehrheit sein? Ministerpräsident Freiherr v. Podewils erwiderte, daS Thema der auswärtigen Politik deS Reiches sei für die Einzellandtage nicht geeignet. Nach der Reichsverfassung habe der Kaiser das Reich völkerrechtlich zu vertreten. Was die neulichen Aeußerungen Dr. Casselmanns betreffe, so habe er, der Minister, jene Aeußerungen als schwere Beleidigung empfunden und in diesem Empfinden geantwortet. Die Frage, ob die Regierung nach wie vor über den Parteien zu stehen gesonnen sei, könne er in nnbedingtester Weise bejahen. Die Regierung habe nie daran gedacht, in dicker Bc- ziehung eine Aenderung ihrer selbstverständlichen Haltung eintreten zu lassen. Segitz(Soz.) wahrt dem Landtage das Recht, auch die Reichspolitik zu besprechen, und schließt mit den Worten: Wir lassen uns dieses Recht nicht verkümmern. Ministerpräsident von Podewils erwidert: Reichsangelegen- Herten können im Landtage nach Belieben besprochen werden, aber nur insoweit, als den Eiiizelregiernngcn durch die Reichs- Verfassung ei» Einfluß zuerkannt ist. Das trifft zu, so weit die Zuständigkeit des Bundesrats geht. So war auch die darauf bezügliche Aeußerung des Fürsten Bismarck gemeint. Die aus- wärtige Polilik des Reiches wird trotz des Bundesratsausschusses für auswärtige Angelegenheiten nicht vom Bundesrat, sondern vom Kaiser und dem veranlivortiichen Reichskanzler gemacht. Hier im bayerischen Landtage ist kein verantwortlicher.Minister für LieichS- polilik. Also auch vom prallisch-n Gesichtspunkte wäre diese Sache iin Reichstage zu behandeln. Präsident Dr. v. Orterer erklärt, er werde diese Angelegenheit prüfen»rnd dafür sorgen, daß dem Landtage in keiner Weise verkürzt werde, was er bisher sx löge et usu(nach Gesetz und Gebrauch) in Anspruch genommen habe. Er werde gegebenen Falles eine Beschluhfasiung des HauseS hierüber herbeiführen. Schließlich wird das Budget zum größten Teile dem Finanzausschuß überwiesen.—_ Neue südwcstasrikanische Verluste. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am 16. Oktober auf Patrouille in der Nähe des Seeis- berges gefallen: Reiter Rudolf Köhler, geborem am 3. 4. 78 zu Dresden; Reiter Valentin geifert, geboren am 11. 1. 80 zu Worms; Reiter Edmund Schmied, geboren am 13. 11. 81 zu Danzig. Verwundet: Reiter Nikolaus Golda, geboren am 1. 11. 82 zu Ober-LaziSk, Schuß rechten Oberarm und linken Unterschenkel; Reiter August Labahn, geboren am 1. 10. 82 zu Loddin, Schuß linken Unterarm und linke Hüfte; Gefreiter Karl Gölfert, ge- boren am 14. 6. 82 zu Pieschen, Schuß rechten Unterarm, Streif- schuß Kinn und Brust. Außerdem: Reiter Hermann Kahlert, geboren am 2S. 4. 82 zu Berlingerode, am 21. Oktober im Feldlazarett 12 Liideritzbucht an Herzschwäche nach Typhus gestorden.— Zur Marokko-Fragr. Die Ueberreichung gleichlautender Noten über das Programm der Marokko-Konferenz durch den französischen und de» deutschen Gesandten machte, wie die„Times" aus Tanger melden, auf den Sultan einen geradezu niederschmetternden Eindruck. Der Sultan hatte bis dahin gehofft, Abweichungen im Wortlaut beider Noten würden ihm den Vorwand zu Ausflüchten bieten, während jetzt der Maghzen nichts weiter tun kann, als das Programm annehmen.— Genosse Schippe! schreibt uns zu einem Angriff der„Lcip- ziger Volkszeitung" gegen sein jüngst erschienenes Buch: Da ein Brief an die„Leipziger Volkszeitung" für die nächste Nummer zu spät kommen würde und ich so rasch als möglich das Gros der Parteipresse erreichen möchte, so haben Sie vielleicht die Güte, das Folgende mitzuteilen: 1. Ich habe nicht die Absicht, der„Leipziger Volkszeitung" direkt zu antworten; vielleicht h�e ich das in der„Neuen Zeit" nach. 2. Ich habe durch Vermittlung des Genossen Grenz um Ein- bcrufung einer Versammlung d„r organisierten Leipziger Genossen gebeten, um über die strittige Angelegenheit(die deutsch- amerikanischen Handelsbeziehungen) in nächster Zeit zu referieren. Max Schippcl. Hueland. Wird man das norwegische Volk fragen? Die dänische Regierung und das Königshaus sollen eine Abstiminung des norwegischen Volkes zur Bedingung der Thronkandi datur des Prinzen Karl gemacht haben. Die Kopenhagcner„Natioualtidcnde" glaubt richtig unterrichtet darüber zu sein, daß dies das Er- gebnis der langen Regierungkonferenz ist, die in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag stattfand. Die Ab- stimmung soll sich lediglich darauf erstrecken, wie weit die Mehrheit des norwegischen Volkes für den Prinzen Karl als König eingenommen ist. Eine amtliche Bestätigung dieser Nachricht liegt zwar noch nicht vor, doch wird sie sowohl in Kopenhagen wie in Kristiania für zutreffend gehalten, und sie erscheint ja auch durchaus nicht unglaubwürdig. Liegt es doch im eigenen Interesse Karls und der ganzen Familie, daß man sich vorher genau erkundigt, ob die Stellung in Norwegen auch eine dauernde ist und nicht vielleicht allzu unbehaglich, und ob der eigentliche Arbeitgeber auch wirklich das Bedürfnis empfindet, diesen überflüssigen Posten neu zu besetzen. Die Art, wie die Norweger mit dem alten Oskar fertig geworden sind, mag wohl auch als warnendes Beispiel dienen. Den norwegischen Monarchisten ist selbstverständlich der dänische Wunsch nach einer Volksabstimmung eine unwillkommene Ueberraschung. Ist nian doch, wie behauptet wird, im National-Theater schon dabei, drei Festvorstellungcn zum Empfange Hakans IX. einzustudieren! Nun wird sich wahr- scheinlich die gesamte Linke des Storthings dem dänischen Vorschlag anschließen, als dem aussichtsreichsten, und daraufscheint auch eine Depesche hinzudeuten, wonach die zehn Abgeordneten, die den Antrag auf Volksabstimmung stellten, sich in der gestrigen Storthingssitzung damit einverstanden erklärten, daß ihr Antrag später, und zwar zugleich mit dem in derselben Angelegenheit von der Regierung zu erwartenden Antrage be- raten werde. Eine Aeußerung in„M orgenbladets" Sonnabend- nummer läßt allerdings erkennen, wie man trotz einer Volksabstimmung das Volk mit der Monarchie be- trügen kann. Das Blatt schreibt:„Daß Prinz Karl, wenn Norwegen von neuem und zum Ueberfluß das König- tum als geltende Verfassung festsetzt, nachher eine über- wältigende Anzahl Stimmen erhalten, ja, ganz ohne Gegen- kandidat fein>vird, ist zweifellos. Ein solches Plebiszit ist deshalb unnötig, das werden auch unsere Republikaner einräumen."— Das norwegische Monarchistcnblatt denkt sich die Sache offenbar so, daß das Storthing erst die Aufrecht- erhaltung der Monarchie beschließen soll und dann dem Volke nichts als die Königswahl überläßt. Das Gehalt für den neuen König ist übrigens schon im neuen B u d g e t v o r s ch l a g aufgeführt und zlvar niit 750000 Kr. Auch sonst bietet der Budgetvorschlag dem Volke keine angenehmen Ucberraschungen. Eine neue Z u n d h o lz- st e u e r von I Ocre pro Schachtel, also 100 bis 150 Prozent des Verkaufspreises, soll 500000 Kr. ergeben. Dieselbe Sumnie soll die Staatslottcrie ergeben und 600000 Kronen sollen durch erhöhte Stempelsteuer aufgebracht werden. Die Gcsamtsunune des Budgctvorschlagcs ist 93 400000 Kr. Kopenhagens„ S o c i a l- D e m o k r a t e n" hat am Frei- tag im Folkethiugssaal den Mini st er des Aeußeren befragt, warum er aufBorgbjergs Lln frage über die dänische Thron kandidat ur nicht ant- w o r t e t e. Darauf erklärte er: Weil die Sache überhaupt nicht offiziell besprochen ivcrden kann, so lange keine offizielle Ablehnung des Thronangebots vom schwedischen Könige vorliegt. Auf die weitere Frage, ob er Borgbjcrg später ant- Worten werde, sagte der Minister: „Darüber kann ich mich in diesem Augenblick nicht äußern. Ucbrigens glaube ich nicht, daß irgend ein Schritt getan würde, den man mir von irgend einer Seite zum Vorwurf machen könnte. Ich hoffe, später ein Blaubuch über die Sache dem Reichstag vorlegen zu können. Daraus wird unter anderem hervorgehen, daß wir in Dänemark nichts unter- nommen haben, ohne sicher zu sein, daß man uns in Schwedens Hof- und Regierungskreisen volles Vertrauen und Wohlwollen bewahren wird."— Kristiania, 24. Oktober. Der Antrag der zehn Storthings- niitgliedcr betreffend die Volksabstimmung über die zukünftige S t a a t s f o r m. dessen Beratung in der gestrigen BormittagSsitzung des Storthings auf Vorschlag dcS Präsidenten bis auf iveileres ausgesetzt wurde, wird morgen mittag 12 Uhr im Storthing beraten werden.„NorSke JntclligentSsedler" zufolge zählt die Storthingsmajorität jetzt 40 Mitglieder. Das Blatt berichtet, Minister Bothner habe sich dem Finanzminister Knudsen angeschlossen, der für die Volksabstimmung ist.— Frankreich. Ein neuer sozialistischer Wahlsieg. Paris, 23. Oktober.(Eig. Ber.) Die Genossen von Toulouse, die erst kürzlich einen so glänzenden Sieg über die radikalsozialistischen Stadtbeherrschcr davontrugen,' haben gestern einen neuen Erfolg errungen. Es fand eine Nachwahl für den Gemeinderat statt, bei der das Mandat des verstorbenen Deputierten und Bürgermeisters G e r r e s neu zu besetzen war. Gewählt wurde der Kandidat der geeinigten sozia- listischen Partei, Schriftsetzer Fala» dry niit über 12 000 Stimmen. Der offizielle Kandidat der radikalen Partei und der Gemeindemehrhcit erhielt 8800, ein radikaler Dissident 1500 Stimmen. Der Sieg, der durch ein Extrablatt des neugegründeten sozialistischen Tageblatts in der Stadt bekannt gemacht wurde, rief ungeheuren Jubel hervor. Tausende durchzogen mit roten Fahnen die Straßen, und vor der Maine rief die Menge:„Demission! Demission!" Man glaubt in der Tat, daß die radikale Mehrheit, der die Wähler eine so deutliche Absage gegeben haben, abdanken wird. Bald wird im Stadthause von Toulouse eine proletarische Mehrheit herrschen.— Italien. Die Hetze gegen den„Avanti". Rom, 22. Oktober.(Eig. Ber.) Der„Avanti" ist in zwölf Tagen viermal beschlagnahmt worden und eröffnet heute eine Protestsammlung gegen die Ucbergnffe des Staatsanwalts. Die erste Liste ergibt 50 Lire. Diese Form des Protestes hat einen sehr begreiflichen Grund, da jede Konfiskation das Blatt um Tausende von Lire schädigt. Bemerkenswert ist, daß der„Avanti" immer erst beschlagnahmt wird, nachdem der Straßeuverkauf in Rom bereits beendet ist, so daß der hiesige Leser die Beschlagnehmung inimer erst am folgenden Tage erfährt.— Niederlande. Protest gegen deutsche Polizciübergriffe. Die Ausweisung des holländischen Korrespondenten C a tz van Aalten vom Amsterdamer„Allgemeen Handelsblad" aus Preußen sowie die in Köln erfolgte Verhaftung und Ausweisung des Anarchisten Domela N i e u w e n h u i s bildete am Montag bei der Beratung des Budgets des Auswärtigen in den Abteilungen der Zweiten holländischen Kammer den Gegenstand lebhafter Er- örterungen. Man beschloß, von der Regierung Auskunft über die Beweggründe der deutscherseits ergriffenen Maßnah nren zu verlangen.— Amerika. Der Streit mit Venezuela. Die Untersuchung des Streitfalles zwischen den Vereinigten Staaten und Venezuela, die in Washington geführt wurde, ist vorläufig abgeschlossen worden. Venezuela erhob die Anklage gegen den Asphalt-Trust, daß dieser die Revolution, die General Matos gegen die Regierung anzettelte, mit großen Geldmitteln umerstützt habe. Von der New Jork und Bermuda Asphalt Co. verlangte Venezuela einen Schadenersatz von 11 Millionen Dollar. und die Gerichte entschieden zugunsten der Regierung. Der Trust verlangte nun die Unterstützung. der Vereinigten Staaten. Die geführte Untersuchung ergab jetzt, daß die Anklage Venezuelas wohlbegründet war. Der Vizepräsident des Asphalttrustes mußte zugeben, daß der Rebellengeueral 130 000 Dollar erhalten habe. Der Vizepräsident behauptet aber, daß diese Summe nur gezwungen gezahlt worden sei. damit das wertvolle Eigentum der Gesellschaft nicht zerstört würde.— Strasicnkämpfc in Chile. Aus Santiago de Chile meldet das „Wölfische Bureau" im Offiziösenstil vom 23. Oktober: Die hiesigen Fleischer befinden sich im Ausstand. Infolge der Abwesen- heit der GarnisonStruppen. die im Manöver sind, hat der Ausstand den Charakter einer ernsten Ruhestörung angenommen. Gestern sah sich die Polizei wiederholt veranlaßt, auf den Pöbel zu schießen, der versuchte, Häuser zu plündern. Sieben Personen wurden getötet und 80 verwundet. Privat- leute und Feuerwehrmänucr wurden herangezogen, um die Polizei zu unterstützen, und patrouillieren, mit Flinten bewaffnet, in den Straßen. Die Unruhen dauern fort. Heute wurden fünf Personen getötet. Der Kriegsminister ordnete schleunigste Entsendung von zwei Regimentern aus dem Manöver an. Wie be- richtet wird, sind jedoch die Schienenwege aufgerissen worden, um die Ankunft der Truppen zu verhindern. Der Geschäftsverkehr ist vollkommen lahmgelegt.— Die Revolution in Rntzland. Die Streikbewegung. MoSka», 23. Oktober.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Da der Postverkehr infolge des AusstandeS der Eisenbahn- angestellten eingestellt ist, wird die Handelskorrespondenz der Stadt Moskau mit der Provinz auf telegraphischem Wege bewerkstelligt. Moskau besitzt noch für acht Tage Vieh, für drei Wochen Pökelfleisch und für fünf Tage Molkerei-Erzeugnisse. Die Flcischpreise schlagen auf. Milch niangelt fast vollständig. Der Minister für Verkehrs- angelegenhciten Fürst Chilkow hält die Lage für ernst. Der Wirt- schaftsbcricht sieht eine stufenweise fortschreitende Verteuerung der Nahrungsmittel voraus. Eine Abordnuug von Ausständigen begab sich zum Verkehrs- minister und forderte die Gewährung von politischen Rechten und die Freilassung der in Haft genommenen Personen, Dinge, die seiner Machtbefugnis in keiner Weise unterstehen. Fürst Chilkow sprach(so versichert das offizielle Telegramm) in freundlicher Weise mit den Mitgliedern der Abordnung und erinnerte daran, daß er früher, als er noch Arbeiter gewesen sei, in England und Amerika 16 Stunden am Tage gearbeitet habe, um sein Einkommen zu erhöhen.(Rührend!) Der Fürst wies ferner auf die größere Leistungsfähigkeit der ausländischen Arbeiter sowohl in bezug auf Quantität wie Qualität der Arbeitsleistung hin und stellte fest, daß deren Einkommen dieselbe Höhe habe wie das der russischen Arbeiter. Einem Arbeiter, der hierauf erwiderte, 16 Arbeitsstunden ließen keine Zeit zur Lektüre und zur Fortbildung, antwortete Fürst Chilkow, es sei nichtsdestoweniger möglich, eine Stunde der Lektüre zu widmen. Er arbeite selbst mehr als die Arbeiter und habe seine Augen durch seine angestrengte Tätigkeit verdorben.(Der Aermste I) Der Bürgermeister von Moskau ist davon in Kenntnis gesetzt worden, daß die städtische» Arbeiter in de» allgemcinc» Ausstand zu treten beabsichtigten, falls ihre Forderungen nicht bis zum 28. Oktober bewilligt würden. Petersburg, 24. Oktober.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Aaentur.) Die Frage des Ausstandcs der Eisen- bahnbcamten in Petersburg ist noch nicht entschieden. Die Agitatoren halten den allgenicinen Ausstand für nötig, be- sonders den der Tclcgraphcnbeauite», weil es dann möglich sein würde, den Zugverkehr zu unterbrechen. Die endgüitigc Entscheidung wird bis spätestens Sonnabend erwartet. Charkow. 24. Oktober. Die Arbeiter plünderten gestern die Waffenlädcn und bewaffneten sich. Die Zeitungen erscheinen nicht. Ei» Teil der Bäckereien ist zerstört worden, in den anderen ist die Arbeit eingestellt. Schon heute macht sich Mangel an Brot und Lebensmitteln geltend. Auf heute früh um 10 Uhr war eine Versammlung in der Lokomotiofabrik angesetzt. Man erwartet, daß blutige Zusammenstöße dabei stattfinden werden. Die Zahl der gestern verwundeten Personen ist groß. Charkow, 24. Oktober. Gestern abend fand eine Versammlung statt, an der etwa 20 000 Arbeiter, Studenten, Schüler und Bürger teilnahmen. Der Ruf:„Kosaken kommen!" rief eine Panik hervor, wobei viele Personen verletzt wurden. Nach Herstellung der Ordnung dauerte die Versammlung fort. Beim Auseinandergehen stieß die Menge mit einer Kavallerieabteilung zusammen. Die Menge seuerte Rcvolverschüsse ab und warf Petarden. Die Truppen gaben drei Salven ab, davon zwei blinde; auf beiden Seiten wurde» viele verwundet. Sarotow, 23. Oktober. Die Eiscnbahnangestcllten haben auch hier heute die Arbeit niedergelegt und gemeinsam mit den Arbeitern eine von 3000 Personen besuchte Versammlung veranstaltet, in der eine gesetzgebende Körperschaft verlangt wurde. Heute abend wurde eine zweite von annähernd 5000 Personen besuchte Versammlung abgehalten. Die An- gestellten der industriellen Betriebe haben sich der Bewegung angeschlossen. Jekaterinoslaw, 23. Oktober. Der Eiseubahntelegraph ist beschädigt. Der Bahnhof wird von Truppen bewacht. Für morgen ivird hier mit einem Ausstand der Handiverksgesellen und Handelsgehülfen gerechnet. Die Bahn- und Telegraphen- Angestellten haben die Arbeit bflsscitS eingestellt. Der Straßen» bahnverkehr ist unterbrochen. Droschken fehlen ganz. Ter Bahnhof und der Güterladcplatz liegen im Dunkel. Die Fabrikarbeiter sind in zwei von ihnen selbst zusammengestellten Zügen nach den Vororten abgefahren; infolgedessen wird auch in den Fabriken gefeiert. ** » Liberale Ausstreuungen. London, 24. Oktober.(„Bureau Lassan".) Von hoher Seite erfährt der Petersburger„Times"-Korrcspondeiit, daß die russische Regierung bcschloffcn Hat, die von den Reformern verlangten vier Volksrcchte, jedoch mit gewissen Beschränkungen, zu gewähren. Ferner lvird im Ministerium ein Entwurf zur Verteilung von StaatSländereien an Bauern ausgearbeitet. London, 24. Oktober.(„Bureau Laffan".) Graf Witte hat, wie der Petersburger Korrespondent des„Daily Telegraph" meldet, in der inneren Politik einen Sieg über seine Gegner davongetragen. Nach langen heißen Erörterungen unter den vertrauten Ratgebern des Zaren wurden die großen Fragen im Sinne Wittes entschieden, der den Zaren von der Notwendigkeit der Gc- Währung von Volksrechten überzeugte. ES wurde ein Erlaß auf- gesetzt, der zur Veröffentlichung fertig ist, worin Prcßfreiheit erteilt wird. Ein weiterer Erlaß, der Vereins- und Versammlungs- recht gewährt, wird gegenwärtig ausgearbeitet. Der Zar billigte Wittes Ansichten über die Bildung eines Miiiisterkabinetts und bot dem Grafen Witte selbst den Posten des Ministerpräsideiiten an. Witte bat den Zaren jedoch, aus Gesundheitsrücksichten, erst andere Staatsmänner zu befragen. Er ist eventuell bereit, eine derartige Stellimg anzutreten, will jedoch kein Portefeuille übernehmen. Petersburg, 24. Oktober. In den nächsten Tagen lvird die Ver- äffentlichung eines Erlasses betreffend die Bildung eines Minister- kabinetts unter Witte erfolgen. Der Sieg Wittes— das bedeutet den Triumph der„liberalen" Verräterei über die Revolution! »• • Der Milliardcnpnmp. Petersburg, 23. Oktober.(Laffan- Meldung.) Alle in der Anleihesachc hibr weilenden Vertreter ausländischer Banken begaben sich ins Finanzministerium, wo sie voin Finanz- minister Kokowzew zusammen empfangen wurden. Die Verhandlungen, die vom Minister Kokowzew eröffnet wurden, dürften mehrere Tage dauern. In hiesigen Bankkreisen verlautet, die Regierung beabsichtige, die Anleihe vierprozentig zu gestalten und sie dem internationalen llebernahmc-Syndikat zu 87l/3 zu überlassen. Der Ausgabekurs sollte 90, der Gesamtbetrag der Anleihe 1 800 000 000 Fr. betragen. Die französischen Bankiers würden die größten Einzelbeträge übernehmen. »« » Duma-Boykott. Petersburg, 23. Oktober. In Jurjewcz(Gouv. Kostroma) be- schloß heute eine Versammlung von etwa dreihundert Bauern aus den Nachbardörfern, an den Wahlen zur NcichSduma nicht teil- zunehmen, da sie diese als keine wahre Volksvertretung ansehen, jeder, der an dieser Wahlkomödie teilnehme, solle als Verräter und Feind der Volksfreiheit gelten. In Krementschug fanden nichrere öffentliche Versammlungen statt, in denen zur Boykottierimg der NcichSduma aufgefordert wurde. In Jekaterinoslaw veranstalteten die Schüler der Mittelschulen, die sich weigern, den Unterricht zu besuchen, eine öffentliche Kundgebung. Glückliche Flncht. Bialystok.(Eig. Ber.) Aus dem hiesigen Gefängnis sind fünf politische Inhaftierte(Mitglieder des„Bundes") glücklich eist- flohen. •.• Zur sozialdemokratische» Bewegung. In Rußland hat eine wichtige Konferenz der sozial- demokratischen Organisationen stattgefunden, auf welcher die Frage der Taktik in bezug auf die Duma erörtert wurde. In der Konferenz waren die zentralen Komitees folgender Organisationen vertreten: 1. der beiden Fraktionen der„soz.- dem. Partei Rußlands", 2. des„Bundes", 3. der Sozial- demokratie Polens und Littanens, 4. der Lettischen und 5. der ukrainischen Partei. Alle Organisationen, mit Aus- nähme der Jskra(Minderheitsfraktion der sozialdemokra- tratischen Partei Rußland), haben einen Beschluß des aktiven Boykotts der Duma gefaßt. Dieser Beschluß wurde nachträglich von der armenischen sozialdemokratischen Organisation akzeptiert; letztere war ver- hindert, an der Konferenz teilzunehmen. Die Berliner Kommnnalwahlen. Die Wahlb'ewegung ist nun in vollem Gange. Am Mon- tag und gestern fanden eine Reihe von Wählerversamnilungen statt, denen heute noch einige folgen sollen. Ilcber den Verlauf der Versammlungen gingen uns folgende Berichte zu: Erster Konimiiiial-Wahlbezirk. Der sozialdemokratische Wahl- vercin des ersten Berliner Reichstags-Wahlkrcises hatte zum Montag nach Träsels Saal eine Agitalionsversammlung cinberufon, um auch in diesem Viertel des ersten Kommunal-Wahlbezirks die Pro- paganda für die bevorstehenden Stadtvcrordncten-Wahlen einzu- leiten. Leider war die Versammlung nur sehr schwach besucht. Stadtverordneter Genosse Borg mann legte den Anwesenden in einem vorzüglichen Referat die Bedeutung der Konmiunalwahlen für die Partei klar und kritisierte au der Hand seiner langjährigen Erfahrungen, die er im Stadtparlament zu sammeln Gelegenheit hatte, das rückständige, meistens mir dem nackten kapitalistischen Klasseuinteressc dienende Verhalten der Freisirmsmajorität im roten Hause. Scharf wandte er sich hierbei gegen eine Behauptung des freisinnigen Stadtverordneten und LandtagS-Abgeordneten Rose- now, die bekanntlich dahin ging, als sei die sozialdemokratische Stadtverordneten-Fraktion schuld daran, daß die� Große Berliner Straßenbahn seinerzeit nicht in städtischen Besitz übergegangen sei. Redner bezeichnete diese Behauptung ausdrücklich als eine w i s s e n t li ch unwahre und wies dann unter Bezugnahme auf das dev zeitige Sitzuugsstenogramm die völlige Haltlosigkeit des Rosenow schen Schwindels nach. Zum Schluß seiner sehr beifällig auf genommenen Ausführungen ermahnte er die Anwesenden dann dringend, in der Agitation für den sozialdemokratischen Kandidaten ihre Schuldigkeit zu tun, damit der Wahltag ein Siegestag für die Partei Ivcrde. Dieselbe Ermahnung richtete auch der Borsitzende Seiler in seiner Schlußansprache an die Versammlung. Die Kommunal-Wählerversammlung im 3. Wahlbezirk lvar von ungefähr 100 Personen besucht. Die Referenten, der Kan didat des Bezirks Joh. S a s s e n b a ch und Stadtv. A u g u st i n legten in vortrefflichen Ausführungen dar, wie notwendig es sei daß auch der 3. Wahlbezirk im roten Hause sozialdemokratisch der treten werde. Nach Sezierung der Städte-Ordnung und des Drei klassen-Wahlsystcms besprachen die Referenten ausführlich die sozial demokratischen Forderungen und schlössen mit dem Appell an die Anwesenden, am 8. November ihre Stimme dem Genossen Sassen- dach zu geben. Die Versammlung für den 16. Kommunal- Wahl- bezirk in den Nittersälen war von zirka 100 Personen besucht Nach einem Referat des Genossen Dr. Zadel nahmen die Gc- nossen Stadtvv. Ewald und Gottfried Schulz in der Diskussion das Wort. Zum Schluß machte der Borsitzende Fritz darauf auf merksam, daß am nächsten Montag wiederum eine Kommunal Wählerversammlung für den 16. Bezirk stattfinden wird, in der Dr. Silbersteiw über unsere kommunalen Forderungen und der Kandidat über unsere Forderungen an die Schule sprechen wird. Aufgelöst unter eigentümlichen Umständen wurde die Bersamm- lung des 19. Be z irks. die bei Lippke in der Melchiorstraße 15 tagte. Ordnungsgemäß war die Versammlung, ohne daß von den beiden überwachenden Beamten irgend welche Bedenken erhoben wurden, eröffnet worden und der Referent, Stadtverordneter- Ewald, hatte bereits mit seinem Vortrage begonnen. Da erschien plötzlich und unerwartet ein dritter Beamter, der Revierlcutnaut im Saal, fiel dem Redner ins Wort, erklärte, das Lokal sei un geeignet zur Abhaltung einer öffentlichen Ver- s a m m l u n g und forderte die Anwesenden, für die übrigens Platz mehr als genug vorhanden war, zum Verlassen des Saales auf. Der Vorsitzende Genosse König erwiderte, wenn die Versammlung aufgelöst werden solle, so sei das doch«ache der überwachenden Beamten. Kaum hatte er diese Worte gesprochen, da erhob sich der Wachb meister und erklärte die Versammlung für aufgelöst. Die An- wesenden begaben sich sodann nach der Versammlung, die bei Vogt in der Ritterstraße tagte.— Gegen die Auflösung wird sclbstver- ständlich Beschwerde erhoben werden. In der öffentlichen Kommunal-Wählerversammlung für den 20. Bezirk geißelte in kurzen scharfen Zügen Franz Kotzkc die Taten der Frcisinnshelden im roten Hause. In allen Fragen, sei es auf dem Gebiete der Wohnungsfragen, der Schule, der Gesuktd- heits- und Krankenpflege usw. trete der Freisinn möglichst alle For- derungcn nieder. Darum hinaus mit diesem Klüngel aus dem Stadlverordneten-Parlament. Tue jeder seine Pflicht, damit auch über dem 20. Bezirk nach dem 8.?!ovember das Banner der Sozial- dcmokratie wehe. Der Kandidat Wolbeck M a n a f f e schloß sich in einer kurzen Ansprache den Ausführungen des Referenten an und schloß mit den Worten:„Vorwärts, alle Kräfte angespannt! Hinein in den Kampf, damit der Sieg unser seil" Im 21. Kommunal-Wahlbezirk tagte die Versamm- lung bei Stcchert in den Andreas-Festsälen, Andreasstraße 21. Es sprach Stadtverordneter Genosse Bruns über die schon bekannten Aufgaben, welche die sozialdemokratischen Vertreter im Stadt Parlament haben. In der Diskussion sprachen der Kandidat des Kreises, Genosse W i l k e. Genosse K a u m a n n und Genosse Barth«!. Zum Schlüsse forderte der Vorsitzende Büchner zur regen Agitation auf. Die starkbesuchte Vcrsanmstung für den 27. Kommunal- Wahlbezirk, die bei Lipps tagte und wo Genosse Singer rcfe rierte, trug einen besonderen Charakter. Sie diente besonders da- zu, auch die Frauen für die kommunalen Fragen zu interessieren. Wir bringen darüber noch einen ausführlichen Bericht. Die Versammlung für den 33. K o m m u n a l- W a h l b e z i r k tagte bei Schulz in der Belfvrterstraße. Genosse Karl Koblenzer referierte vor etwa 200 Personen. Er kritisierte scharf das Verhalten der Freisinnsmajorität iin roten Hause, wiederholt den Beifall der Versammlung wachrufend. Eine Diskussion fand nicht statt. In einer sehr gut besuchten Versammlung des 38. Kommu- nal»Wahlbezirks sprach Stadtv. Schubert über die For« derungen der sozialdemokratische» Partei in den Kommunen. In zutreffender Weise schilderte er die Rückständigkeit der freisinnigen Stadtverordneten auf dem Gebiete der Schule, des Armen- Wesens und des Verkehrs. Zum Schluß seines beifällig auf- genommenen Vortrages forderte er die Versammelten zur regen Beteiligung an den bevorstehenden Wahlen auf. Der Kandidat des Bezirks Genosse Mars ergänzte in wirksamer Weise die Aus- führungen und gab das Versprechen, im Falle seiner Wahl für die sozialdemokratischen Forderungen einzutreten. Jan dt kritisierte dos rückständige Verhalten der Stadtverwaltung bezüglich der Un. cntgcltlichkcit der Lehr- und Lernmittel und forderte die sozialdcmo- kratischen Vertreter auf, immer wieder diese Forderung zu erheben. In kräftigen Worten ersuchte Genosse B i t t h o f als Vorsitzender die Genossen, am Tage der Wahl ihre Schuldigkeit zu tun und schloß mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie. Die Versammlung bei Müller in der Boyen- straße 12, in der Genosse Arons referierte, war gut besucht..Eine Diskussion nach dem beifällig aufgenommenen Vortrag fand nicht statt. Der Vorsitzendr Joseph ermahnte die Versammelten, das Gehörte zu beherzigen und am 3. November Mann für Mann für den Kandidaten der Sozialdemokratie zu stimmen. Die gutbesuchte Versammlung für den 46. Kommunal- Wahlbezirk tagte im Kosliner Hos. Genosse H i n tz e schilderte mit treffenden Worten die Freisinnsmehrheit im Roten Hanse, die Rückständigkeit in der Schulfrage und die Ungerechtigkeit des KlassenwahlrcchtS. Speziell rügte H i n tz e die Stellungnahme der Stadtverordneten-Majorität bei der Aussperrung der Elcktroiiidustrie. Auch aus der Armenverwaltmig führte Redner drastische Beispiele an, die den Unwillen der Versammlung erregten. In der DiL- kussion schilderten die Genossen Blüttermann und Deutsch die Langsamkeit in der Ausführung der städtischen Bauten und die Knauserigkeit bei der Gewährung der Lehnnittel. Genosse Ernst forderte in kräftigen Worten zur Teilnahme an der Wahlarbeit auf und schloß die Versammlung mit einen. Hoch auf die völlerbefreiende Sozialdemokratie._ Versammlungen. Der Arbeitcrvertretervcrein setzte am 12. Oktober in einer außerordentlichen Generalversammlung die Dis- kussion vom 7. September fort. Es handelte sich um die Frage, ob der Arbeitervertrcterverein noch existenzberechtigt wäre, nachdem die Vorbereitung der Wahlen zu drn sozialpolitischen Körperschaften und die Auskunftserteilung in andere Hände übergegangen sei. sGewcrkschaftsausschuß und Arbeitersekretariat). Zunächst berichtete I o st über die Konferenz des Vorstandes mit dem Aus lchuß der Gewerkschaftskommission und den Arbeitersekretären, die seit der letzten Versammlung des Vereins stattgefunden hat. Man habe seitens der Gewerkschaftsvertreter zwar erklärt, daß man nichts gegen den Verein habe, schließlich aber doch den frcundschaft- lichcn Rat gegeben, den Verein aufznlösen.— In der Debatte sprachen sich alle Redner, mit einer Ausnahme dahin ans. daß der Arbeitervertretervcrein auch jetzt noch eine größere Bedeutung habe. Diese wurde namentlich darin gesehen daß hier eine Stelle sei, wo die Funktionäre der sozialen Rechts pflege und der sozialpolitischen Institutionen, soweit sie aus den Arbeiterkreiscn genommen würden, durch Austausch ihrer praktischen Erfahnmgen und auch sonst sich gegenseitig belehren könnten. Daß auf diesem Gebiete der Gewerkschnftsausschnß bezw. die Arbeitcrsekekretäre als dessen Beauftragte ersprießliches leisten könnten, wurde stark bezweifelt, schon wegen ihrer Ueberlastung mit anderen Arbeiten. Dann aber auch betonte man, daß der Stuttgarter Gewerkschaftskongreß n i ch t etwa den Gcwerkschaftskartellen lAnsschüssen� allein und ohne jede Einschränkung die Vorbereitung der Wahlen zu den sozialpolitischen Institutionen zc. übertragen hätte. Es sei vielmehr ausdrücklich bestimmt worden, daß dies im Einvernehmen mit den Arbeitervertrelervereinen. wo solche beständen, zu erfolgen habe. Bei den letzten Wahlen habe der Beanftragte des Ausschusses der Gewerkschastskommission sich darum nicht gekümmert, sondern habe fast nur allein mit den verschiedenen Gewerkschaftsleitern die Aufstellung der Kandidaten besorgt. Diese Angelegenheit wurde im Laufe der Debatte mehrfach berührt, wobei scharfe kritische Neuße rungen fielen. Es wurde verschiedentlich verlangt, daß der Stutv garter Beschluß beachtet werde. Mehr Rechte, als darin festgelegt, beanspruche man nicht. Schließlich wurde einstimmig folgendes beschlossen:„Die Ver- sammlung hält zurzeit die Auflösung des Vereins für unzweckmäßig und erwartet, daß der GcwerkschaftSausschuß, so lauge_ derselbe besteht, die Beschlüsse des Stuttgarter Gewerkschaftskongresses anerkennt und danach handelt." Im Anschluß an einige Ausführungen in der Diskusston, daß von einein Arbeitersekretär den, Anschluß an den Arbeitervertreter- verein entgegengearbeitet werde, wurde noch weiter beschlossen: „Die Versammlung ist der Ansicht, daß es für jeden Vertreter, der auf Grund der sozialpolitischen Gesetzgebung gewählt ist, Pflicht sei, dem Arbeitervcrtreterverei» beizutreten." Darauf erfolgte die Neuwahl des Vorstandes. Gewählt wurden zu Vorsitzenden P i e s ch e l und Jost, zu Kassierern S t u m p e und Schulz, zu Schriftführern Stügelmeier und S i m a n o w s k i und zum Archivar W o l d e r s k i. SchlächtergcscLen-Bersammlung. Die im Schlächtergcwcrbe Berlins und Umgegend beschäftigten Gesellen und M a in s e l l s hielten Sonntag eine Vccsammluna ab, in welcher zunächst Fräulein Ida Altmann einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag hielt über:„Der Kampf um die Existenz". Daran schloß sich ein Referat von Honsel über das Thema:„Die königliche Gewerbe Juspcktion und die Beseitigung der schlechten Schlaf- und Arbeits räume". Schon zu wiederholten Malen seien der Gewerbe- Inspektion Fragebogen zugegangen, die über schlechte Schlaf- und Arbeitsräume ausgefüllt waren. Darauf sind sofort amtlich Untersuchungen vorgenommen worden, die das in den Fragebogen -Gesagte bestätigten. Den betreffende!! Meistern sei dann auf- gegeben worden, die Mängel binnen kürzester Zeit zu beseitigen; auch seien verschiedentlich Schlaf- und Arbeitsräume als solche zu benutzen verboten worden. Tie ausgefüllten Fragebogen, deren jetzt schon wieder eine große Anzahl dem Verbandsvorstand eingesandt sind, seien eine gute Waffe zur Beseitigung oder mindestens zur öffentlichen Brandmarkung der vorherrschenden traurigen Be- rufsverhältnisse. Redner forderte dringend, daß noch bedeutend mehr Fragebogen ausgefüllt werden und wendet sich besonders an die Verkäuferinnen, deren Verhältnisse nicht besser als die der Ge- scllcn seien. Die gesetzlichen Bestimmungen bezüglich der elf- stündigen Ruhepause für das Ladenpersoual iverdci, von keinci» Fleischermeister beachtet, ebenso wie die Sonntagsruhe für dieses Personal nur auf dem Papier steht. In der Diskussion wird der S t e l l e n>v u ch e r im Schlächtergewcrbe einer Kritik unterzogen. Kein geriebeneres Treiben kann es wohl im gewerblichen Leben geben, als das der Stellenvermittler. Tie Zustände auf dem Gc- biet der Berliner Arbeitsvcrmittclung sind schon längst gemein- gefährlich geworden. Gleich Räuberbanden und Leichenfledderern treiben es viele Stellcnvcrinittlcr seit Jahren, den arbeitslosen Gesellen das Fell über die Ohren zu ziehen. Selbst vor und in der Markthalle luiigeru diese Aussauger umher, um mit einem Meister, den sie aufs Korn genommen haben, ihre Vermittelungs- geschäfte zu machen. Helfershelfer dieses Stellenwuchers sind die Meister, die ihr Personal durcb solche Leute bezichen. Nach dem Statut der Fleischerinnung soll jeder Jiniungsmeister seine Arbeits- kräfte nur vom Jnnungsnachweis beziehen; aber wer fragt danach l Viele Meister gehen seelenruhig zu den privaten Vermittlern, da nicht sie, sondern die Gesellen die Gebühren zu zahlen haben usw. Eine Reihe Wurstfabriken haben mit den«„Verbände" Ver- träge abgeschlossen auf folgender Grundlage:„Der Mindestwocheu- lohn beträgt 10 M. bei Kost und Logis im Hause des Meisters. Die Kündigung und Entlassung geschieht am Mittwoch. Jnne- Haltung der gesetzlichen Sonntagsruhe. Die Arbeitszeit beträgt täglich 12 Stunden, einschließlich der Pausen. Die Arbeitskräfte loerdcn nur vom Nachweis des Zentralverbandcs bezogen. Die Schlaf- und Rrbeitsräume der Gesellen können von hierzu be- äimmten Gcsellcnvertretern kontrolliert werden. Wegen Zu- gchörigkeit zur Organisation darf kein Geselle entlassen werden." Hervorzuheben ist, daß die Wurstfabrik Behr Nachfolger. Schöne- berg, sich freiwillig verpflichtet hat, einschließlich Kost und Logis den Gesellen 12 M. die Woche zu zahlen. Der Berein der Zimmerer Berlins und Umgcgcnd befaßte sich am Sonntag in einer außerordentlichen Versammlung mit der Fcenpalast-Resolution. Ten einleitenden- Vortrag hielt Albert Iuppenlatz über das Thema:„W a n d l» n gc n inner- halb der deutschen Gewerkschaftsbewegung und die Stellung unserer Organisation zu den letzten Ereignissen". Er bemerkte unter anderem, man habe wohl versucht, die Anhänger der Fecnpalast-Resolution aus der Partei hinauszugrauleu; es habe sich aber gezeigt, daß diese Rc- 'olution ihnen sowohl wie den sogenannten lokalistischen Gewerk- chaften überhaupt nichts geschadet habe. Es sei Bebel zwar ge- lungcn. den Riß zwischen Partei und Zentralverbändcn zu ver- kleistern, doch sei dieser Riß gleichivohl vorhanden. Tatsächlich gäbe es zwei Richtungen in der deutschen Gewerkschaftsbewegung. Der Redner beleuchtet dann seiner Auffassung gemäß diese beiden Richtungen und führte unter anderem an, daß v. Elm noch im Jahre 1900 in der Ncutralilätserklärung der Zentralverbände keine chädigung der Partei erblickt habe, wogegen er nun auf dem letzten Parteitag schwere Bedenken dagegen äußerte. Darüber, daß der „Vorwärts" den Ausgang des Kampfes in den Eleltrizitätswerien offen und ehrlich als eine Niederlage der Arbeiter bezeichnete, äußerte der Redner lebhafte Befriedigung. Er ging des weiteren auf verschiedene Prctzäußerungcn sowie Aeußerungcn von Parteigenossen über die Feenpalast-Rcsolution ein und erklärte unter anderem auf einige Bemerkungen von der letzten Generalversamm- lung des Teltow-Beeskoivcr Wahlkreises, loonach die Lokalisten von der Partei verhätschelt sein sollten und sie sich nun nach Keßlers Tod Friedeberg zum Führer auserkoren hätten, daß er, Redner, von solcher Verhätschelung nichts gespürt habe und daß Keßler niemals eine führende Rolle bei ihnen gespielt habe, wie denn über- Haupt von eigentlichen Führern in den Gewerkschaften dieser Richtung, wo der Wille der Mitglieder maßgebend sei, nicht die Rede sein könne. Was Friedkbcrg über die Versumpfung durch den Parlamentarismus gesagt habe und was darüber in der Rc- 'oluiion stehe, habe ja Bringmann, der Vertreter des Zentral- ihm nicht als ein schweres Vergehen angerechnet worden. Zum Schluß empfahl der Redner der Versammlung, sich mit der Feen- palast-Resolution und mit der Erklärung des Kartells dazu ein- verstanden zu erklären. �, In der Diskussion sprachen Reeps chlager. We,sel und L a b i tz k i wesentlich im Sinnes des Referats. Doch bemerkte der erste Diskussionsredner unter anderem, daß man Keßler wohl in gewissem Sinne als einen Führer bezeichnen könne. Ferner er- klärte der Redner, daß zur Durchführung eines Generalstreiks eine gut disziplinierte Masse notwendige Voraussetzung sei.— Die Diskussion selbst wurde gegen. 1 Uhr vertagt; sie soll in der nächsten Mitgliederversammlung fortgesetzt werden. Zum Schluß machte, der Vorsitzende auf die am nächsten Sonn- tag stattfindende Generalversammlung aufmerksam, in der wichtige Beschlüsse gefaßt werden sollen. Ter Zentralverdand der Zimmerer(Zahlstelle Berlin) hielt am Montag in der„Harmonie", Jnvalidcnftraße 1, eine nun sehr schwach besuchte Mitgliederversammlung ab. Nach� einem beifällig aufgenommenen Vortrag des Arbeitersekrctärs Genossen Brückner über„Die Arbeiterbewegung einst und jetzt" ermahnte der Vor- sibcnde Witt die Anwesenden dringend, jetzt auch unter allen Umständen die seit Oktober Vertrags- mätzig geltende achtstündige Arbeitszeit ein- zuhalten. Im Laufe der letzten Woche sei es wiedsrholt vor- gekommen, daß Meister und Poliere an die bei ihnen beschäftigten Zimmerer das Ansinnen gestellt hätten, länger wie acht Stunden zu arbeiten. Leider seien eine Anzahl Zimmerer auch den dies- bezüglichen Wünschen der Meister nachgekommen. Da nun in der Richtinnchaltung der tariflichen Arbeitszeit ein Verstoß gegen die Tarifbcsrimuiungcn liegt, so hätten die Kameraden die unbedingte Pflicht, jeden Fall von verlängerter Arbeitszeit zu melden, damit sofort Remedur geschaffen werden könne.— Sodann wurde noch auf den Streik der Rohrer aufmerksam gemacht und zur moralischen Unterstützung der Streikenden aufgefordert. In einer Baudcputierten-Versnmmlmig des Vereins zur Wahrimg der Interessen der Maurer, die am Freitag stattsaud, kamen die Verhältnisse auf versckiedenen Bauten zur Sprache. Im allgemeinen wurde ausgeführt, daß die Unternehnicr sich oft nicht an die Be- stiminungen des mit dem Zentralverband der Maurer abgeschlopenen Vertrages halten, ohne dabei nennenswerten Widerstand zu findeii, wenn nur die Vertragslöhne gezahlt werden. Besonders wurde darüber geklagt, daß die für die Wintermonate vorgesehene verkürzte Arbeitszeit überschritten wird. Den Mitgliedern des Vereins wird zur Pflicht gemacht, sich streng an den VereinSbeschliltz zu halten, wonach im Winter nicht länger wie acht Stunden gearbeitet werden darf. Ferner wurde ausgeführt, das Vertragsverhältnis habe wohl fortgesetzt Lohnerhöhungen gebracht, im übrigen aber seien die Ver- hültnisse auf den Bauten nicht besser, sondern schlechter geworden. Ungeheure Aufordcruiigcn würden an die Arbeitskraft der Maurer gestellt, es herrsche eine Schinderei ans den Bauten, die die Kollegialität störe und die Gesundheit der Arbeiter ruiniere. Diese Mißstände könnten nur beseitigt werden durch eine umfassende Lohn- beioegung imd diese werde einmal kommen, denn der Druck, den die Uiltcrnehmer ausüben, werde unerträglich. Ter VerSaud der Portefcuiller(Zahlstelle Berlin) hielt am Mittwoch in Gramnanns Saal seine Gencralversammlung ab. In dem Bericht über die Tätigkeit der OrtSvcrwaltung ging der Vor- sitzende Hauptmann nochmals kurz auf die jüngst beendete Lohnbewegung der Portefeuiller ein und ermahnte die Anwesenden, jetzt auch unter allen Umständen für strikte Durchführung der ver- traglichen Abmachungen zu sorgen. Wenn beim Abschluß des Ver- hageö mit den Arbeitgebern auch bei weitem nicht alle Wünsche der Arbeiter erfüllt worden seien, so habe man doch immerhin einige Verbesserungen erreicht, und diese gelte es jetzt auch energisch hoch- zuhalten. Redner erinnerte lveiter daran, daß zu den kommenden Delegiertenivahlew für die Ortskranken kassc der Buchbinderverband den Portefeuillern bereitwilligst 30 Delegierte zugestanden habe, deren Aufgabe es nun sein werde, in dem ihnen gezogenen Rahmen zweckentsprechend tätig zu sein.— H e n n i g verliest hierauf den Kassenbericht vom 3. Quartal. Die Zcntralkasse bilanziert in Ein- nähme und Ausgabe mit der Summe von 2189,85 M. Bei dcr Lokalkasse beträgt die Einnahme 1047,55 M. und die Ausgabe 954,80 M.. so daß ein Bestand von 92,75 M. verbleibt. Die Mit- gliedcrzahl ist in diesem Quartal von 527 auf 691 gestiegen. (Wiederholt, weil nur in einem Teil dcr Auflage.) Erklärung. In der 4. Beilage dcr Nr. 248 des„Vorwärts" vom 23. Okiober ist in dem Bericht über die Versammlung des Wahlvcreins für den 3. Berliner Wahlkreis bei dem Tagesordnungs- punkt:„Ausschliitz des Schneiders Heinrich" bezüglich der Abstimmimg hierüber folgender Satz zu lesen:„Unter dem Eindruck der Rede Ritters entschied sich die Versammlung" usw. Die Fassung dieses Satzes läßt dcr Vermutimg Raum, daß der Ausschluß Heinrichs weniger aus sachlichen Gründen, sondern aus denen augenblicklicher Suggestion des Redners auf die Versammelten erfolgt sei. Dem gegenüber sind loir genötigt, sachlich folgendes festzustellen: Aus !l»laß der Differenzen im deutschen Schneidergcwerbe in diesem Frühjahr waren auch die Berliner Kollegen gezwungen, am Freitag, den 2. Juni, die Einstellung der Arbeit für den nächsten Tag zu be- chließen. Es legten am 3. Juni in zirka 170 Geschäften 1300 Kollegen die Arbeit nieder. So auch bei dcr Finna Hermann Hoffmann, Friedrichstr. 50/51, zirka 200 Werkstatt- und Heimarbeiter. Unter den wenigen Heimarbeitern, die bei der genannten Firma die Arbeit nicht niederlegten, befand sich Heinrich. Erwiesen ist, und diese Tatsache hat auch der Vor st and des Wahlvereins bei seiner Beweiserhebung als wahr angenommen, daß Heinrich am folgenden Tage durch seine Frau ich neue Arbeit aus dem Geschäft von Hoffmann holen ließ und trotz gütlicher Intervention zu bewegen war, diese aller Form Streikarbeit Erst als durch die schnelle, ein- heitliche Aktion der Kollcgcnschaft Schluß dcr Bewegung in Aussicht stand, hielt es H. für notiveudig. sich am darauf olgenden Dienstagmorgen zur Streikkontrolle zu melden. Letzteres war der einzig inildernde Umstand, den der Vorstand des Wahlvereins glaubte walten lassen zu müssen, um Heinrich nicht ailsznschließeii.— Die Versammlung hat in ihrer, leider geringen Mehrheit diese Anschanung ihres Vorstandes nicht geteilt. Zurück- gewiesen werden muß daher, daß unter dem Eindruck des Redners, der lediglich obige Tatsachen ausführte, die bezeichnete Abstimmung zustande gekommen ist. Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Schneider. einer Kollegen nicht Arbeit, die bereits in war. zurückzuschicken. Letzte(Vacbincbtcn und Dcpefcbcn. Straftiutrag gegen das„Berliner Tageblatt". Berlin, 24. Oktober.(W. T. B.) Ter Staatssekretär des Auswärtigen Amtes hat wegen der in Nr. 541 des„Berliner Tage- blattS" vom 23. d. M�S. enthaltenen Bcrdächtignng des lkolonial- dircktors Tr. Stuebcl Strafantrag gestellt. Tie Revolution in Rußland. Moskau, 24. Oktober.(Meldung der Petersburger Telegraphen- agentur.) Die Wasserleitung zwischen Moskau und Mytischtschi ist oon Ausständigen beschädigt worden. Verschiedene Stadtteile sind ohne Wasser. Im Hof des EiscnbahndirektionsgcbäudeS hielten 10 000 Ausständige eine Versammlung ab. KurSk, 24. Oktober.(Meldung der Petersburger Telegraphen- agentur.) Es ist beschlossen worden, den Post- und Telegraphen- Eine Menge Ausständiger hält die Post- oerkehr einzustellen. > � und Tclegraphenämter besetzt. Die Absendung von Telegrammen Verbandes der Zimmerer, ebenfalls schon ausgeführt, und das sei' macht große Schwierigkeiten. Perantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: VorlväctsBuchdr.u.Vcrlagsanstalt Paul Singer LcCo., Berlin ZW. HierzuZBeilagenu.Untcrhkltungsblatt Dr. 250. 22. Jahrgang. t{ifilnüf Ks Jotrtrts" ßtrliiirt NiUuidlM Mittwoch, 25. Oktober 1905. Der Streik in der Wäsche-Industrie vor dem Einipngsamt. Am Dienstag verhandelte» die Vertreter der Parteien mehrere Stunden hintereinander in gesonderten Sitzungen. Die für t Uhr angesetzte vffeniliche Sitzung wurde vom Vor- sitzenden v. Schulz um 5 Uhr eröffnet. Er teilte nnt. dajj eine Einigung der Parteien nicht erzielt werden konnte. Das Einigungs- aint hat deshalb einen Schiedsspruch gefällt. Derselbe hat folgenden Wortlaut: „1. In allen Fabriken sind die bestehenden Löhne der Arbeiter und Arbeiterinnen, sowohl der Fabrik- wie der Heimindustrie, um sechs Prozent zu erhöhen. Die Lohnerhöhung tritt sofort mit der Wiederaufnahme der Arbeit in Kraft. 2. Es ist sofort eine paritätische Schlichtungskounnission von den Parteien zu bilden und zwar bestehend aus sieben Arbeit- gebeui und sieben Arbeitnehmern unter dem Vorsitz eines Un- parteiischen. Zu den sieben Arbeitnehmermitgliedern der Kam- Mission können Mitglieder der Arbeilnehincrorganisation gewählt werden. Die Schlichtnngskommission hat die Ausgabe, sämtliche Diffe- renzen, welche zu Streiks und Aussperrungen führen könnten, zu begleichen. Ferner soll diese Kommission gehalten sein, sofort die AuS- arbcitrmg von Tarifen für die Wäschebranche in Angriff zu nehmen und zwar derart, dah die Tarife bis spätestens 1. März lOOS von den Organisationen der Parteien anerkannt werden können. Für den Fall, dah die Swlichtungskommission die Differenz- Punkte nicht beilegt, sind die Parteien verpflichtet, das Einigungs- amt binnen L Tagen anzurufen. Ebenso ist das Einigungsanit anzurufen, falls die Schlichtungs- kommission nicht in der Lage ist, die Tarife rechtzeitig festzustellen, bezw. die Parteien die Tarife nicht bis 1. März 1906 an- genommen haben. Das Einigungsamt soll über die Festsetzung der Tarife endgültig entscheiden. 3. Die Schlichtungskonmiission hat bei der Feststellung der Tarife den Wert des zu verbrauchenden Garns und der Nadeln für jede einzelne Position zu ermitteln. Dieser Wert ist zu den wirklich zu verdienenden Lohnsätzen hinzuzurechnen. Die Game und Nadeln sind den Arbeiterinnen zum Selbst- kosteupreise zu liefern. Die jeweiligen Akkordsätze, die Tarife sowie die eben genannten Selbltkostenpreise sind in den Fabrik- und Ablieferungsränmen der Heimarbeiterinnen sichtbar an ge- cigneter, für alle zugänglicher Stelle zum Aushang zu bringen. 4. Die Arbeitszeit beträgt für die Zuschneider 8 Stunden, für die übrigen Arbeiter und Arbeiterinnen U'/g Stunden. 5. Die Wiederaufnahme der Arbeit soll spätestens am Montag, den 30. Oktober 1905 erfolgen. 6. Matzregelungen der ausständigen Arbeiter und Arbeiterinnen dürfen nicht stattfinden. Dagegen dürfen auch die Arbeitswilligen von den Wiedereintretenden nicht belästigt werden. Die wieder- eintretenden Arbeiter und Arbeiterinnen sollen möglichst an ihren alten Plätzen wieder eingestellt werden und es dürfen in den einzelnen Fabriken neue Kräfte nicht eingestellt werden, bevor die alten wieder beschäftigt sind." Eine Erklärung über die Annahme oder Ablebnung des Schiedsspruches gaben die Vertreter der Parteien nicht ab. Es bleibt ihnen nunmehr eine Frist von drei Tagen, innerhalb deren sie eine dahin- gehende Erklärung dem Gewerbegericht zuzustellen haben. Die Verlesung des Schiedsspruches, namentlich die Zubilligung einer Lohnerhöhung von nur sechs Prozent wurde von den an- wesenden Arbeitnehmern mit lebhaften Zeichen der Unzufriedenheit und Enttäuschung begleitet._ Hus der Partei. Als Rrichstagskimdiditt für den Wahlkreis Schwarzburg- Sondershausen wurde in einer Sitzung der zuständigen Vertrauenspersonen der Genosse Rechtsanwalt Otto Landsberg, Stadtverordneter in Magdeburg proklamiert. Dir Königsberger Genossen haben am Sonntagvormittag nach- dem sie 45 000 Flugblätter zu der am 23. und 24. Oktober statt- findenden Gewerbcgerichtsivahl verbreitet hatten, den Genossen Dr. G o t t s ch a l k vom Gefängnis eingeholt. Bekanntlich war Dr. Gottschalk zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er sich in einer freisinnigen Versammlung des Hausfriedensbruches schuldig gemacht haben sollte. Nun haben die Freisinnsinanncn Königsbergs ihre Genugtuung; mögen sie fortfahren, auf diesem Gebiete noch weitere Erfolge zu erzielen; es ist des SchweitzeS aller Edlen wert._ Huö Industrie und Handel. DaS Treiben der New Jork« LebensversichemugS-Gefellschaften. New F o r k, den 14. Oktober. sEig. Ber.) Die Untersuchung der Geschäftspraxis der New Jorker Lebens- Versicherungs-Gesellschaften fördert immer neue Korruptionsfälle zu- tage. Der vom Untersuchungskomitee— das keinen Advokaten „ersten Ranges" erlangen konnte— engagierte Anwalt HnqheS er- lveist sich als ein geschickter Examinator, der eS trefflich versteht, den vorgeladenen Beaniten der drei bisher vorgenommenen Ge- sellschaften sEquitable, N. U. Life und Mutual) die „Würmer aus der Nase zu ziehen". Es wäre sonst schwerlich alles das ans Licht gekommen, was nun das „gesamte Volk in Enttüstung versetzt".(Unter„Volk" ver- steht die hiesige bürgerliche Presse stets nur diejenigen, die„was haben".) Den republikanischen Politikern ist eS offenbar bei der Sache schwül geworden, denn sie haben— zweifelsohne in. der Ab- ficht, Hughes Verfahren zu beeinflussen— ihm die MayorS-(Bürger- meister-) Kandidatur angeboten, die von ihm aber mit der Erklärung abgelehnt wurde, datz er sich verpflichtet halte, seine ganze Tätigkeit der Untersuchungsarbeit zu widmen.— Wie die bei der„Life" und „Mutual" ermittelten Zustände ergaben, waren die der„Equitable", die den Anlatz zu der Untersuchung gegeben haben, nur eine „zahme Affäre". Wurde doch festgestellt, datz die an den beiden crsteren Gesellschaften hängenden Blutegel sich roch voller gesogen haben, als diejenigen der letzteren. Besonders �ei der„Mutual" war dies der Fall, deren Präsident Mc Curdy seit 1901 das kolossale Jahrcsgehalt von 150 000 Dollar bezogen hat(er begann 1877 mit 30 000 Dollar, 1887 erfolgte Erhöhung auf 50 000,' 1893 auf 75 000, 1896 auf 100 000 Dollar), während sein Sohn als General-Betriebsleiter 30 009 Dollar und autzerdem seit Jahren als Teilhaber an einer Geueralageutur der Gesell- schaft einen Pofitanteil bezog, der fein Einkommen in den letzten Jahren bis auf 100 000 Dollar brachte. Zudem war die gesamte sonstige Verwandtschaft in dem Geschäft unter- gebracht, und hat diese„feine Familie" innerhalb dreier Jahre zirka drei Millionen Dollar Gehälter bezogen. (Die in der„Equitable" hausende Familie Alexander absorbierte jährlich„nur" zirka 200 000 Dollar.) Und jener dreimal höher als der amerikanische Bundespräsident besoldete Beamte wutzte auf die meisten Fragen über die GcschäftStranSaktionen nichts anderes zu antworten, als lyitz er davon keine Kenntnis gehabt habe, da sie von anderen Beamten erledigt worden seien. Er wußte nicht einmal etwas über den»Nebenverdienst" seines Sohnes! Herr Mc Curdy machte im Verlaufe seiner Vernehmung eine recht sonderbare Bemerkung. Er meinte, die LebensverstcherungS- Gesellschaften seien eigentlich nicht als Geschäfts-Unternehmungen, sondern als„Charith Jnstitutions"(Wohllätigkcits-Gesellschaflen) zu betrachten. Die Aeutzening erscheint kurios, sie bekommt aber einen gewissen Sinn, wenn man sich daran erinnert, datz nach früheren Feststellungen bei den besagten Instituten in der Regel zwei Drittel der Eingänge für„Vetwallungskosten" draufgehen, also nur ein Drittel dem eigentlichen Zwecke dient. Und da haben denn die Alexanders. Mc. Curdhs und Mc. Calls(Präsident der„Life") nach dem amerikanischen Sprichwort gehandelt:„Charity begins at hörne!"(Mit der Wohltätigkeit fängt man bei sich selbst an.) Wie in den Bücher» der„Equitable", so wurden auch in denen der anderen Gescllswaften als„legal expenses"(gesetzmäßige Ausgaben) verschiedene Posten gefunden, welche sich als Zahlungen an das nationale republikanische Wahlkomitee sdie„Mutual" figuriert mit 800 000 Dollar) der drei letzte» Präsidentialwahlkampagnen, sowie als solche für„legislative Zwecke" herausstellten. Dabei wurde auch ermittelt, datz die Lebensverficherungsgesellschaften die einzelnen Staaten unter sich„verteilt" hatten, resp. jede derselben die Kosten für bestiinmte Staaten trug. Das mitgeteilte Verzeichnis wies aber nur die Namen von 28 Staaten und einem Territorium auf, so datz also 20 Staaten, drei Territorien und der Disttikt Kolumbia fehlen. Dies lätzt annehmen, datz auch die übrigen Gesellschaften im Bestechungs-„Bunde" waren. Der Präsident einer dieser Gesellschaften, der„Prudential", der zugleich Mitglied des Bundessenats für New Dork ist, hat inzwischen in diesem Parlanientchen eine Gesetzes- Vorloge eingereicht, welche die Konttolle der Lebensversicherungs- gcsellschaften den Landesregierungen überweist. Eine gleiche Vorlage war dem Senat schon einmal, im Jahre 1901, durch Senator Chandler unterbreitet worden; doch wurde deren Erledigung damals — wobei, wie man jetzt als sicher annehmen kann, jene„legal expenses" der Lebensversicherungs-Gesellschaften ihre Rolle spielten— so lange verschleppt, bis ChandlerS Termin abgelaufen war. Dann verschwand die Vorlage vollständig von der Bildfläche. Die Verhandlungen vor dem Untersuchungskomitee machen den Eindruck als ob man sich gar keine Sorgen über die Affäre gemacht hat, und zwar aus dem Grunde, weil man darauf rechnete, datz das Komitee keinen der in Korporationssachen als bewandert geltenden Advokaten erlangen werde. Diese Sorglosigkeit zeigte sich deutlich darin, datz man bezüglich der fraglichen Posten in den Büchern der„Equitable" ganz faule Ausreden machte. So wurden die aus den Namen des Advokaten Hamilton in Albany ein- getragenen bedeutenden Summen als Beträge ausgegeben, die er zur Anzahlung auf erworbenes Grundeigentum verwendet habe. Eine Durchsicht der Bücher ergab aber sofort, daß die AuS- gaben für solche Grundstücke vollständig auf dem betreffenden Konto figurierten, die angeblich von Hamilton gemachten Anzahlungen aber durch Abwesenheit glänzten. Durch das geschickte Kreuzverhör des Komitee-AnwaltS kam schließlich zutage, datz der saubere Mr. Hamilton der Manager der„legislativen Geschäfte" ist. Wie im Unter- such ungsbericht steht, war es in Michigan allgemein bekannt, datz die Lebensversicherungsgesellschasten alljährlich die runde Summe von 9000 Dollar an die dorttgen Herren Gesetzgeber spendeten, um sich dieselben„warm zu halten". Preiserhöhungen und Kartellgründungen. Die günstige Lage der Eisenindustrie äußert sich in zweifacher Hinsicht: in immer wetteren Preiserhöhungen und in dem Bestreben, die Betriebe noch nicht kartellierter Branchen zu neuen Syndikatsverbänden zusammenzu- schließen. Wie die„Kölnische Ztg." meldet, hat auch das Lothringen- Luxemburger Roheifensyndikat seine Berkaufspreise für Puddel- und Stahleisen um 3 Fr. erhöht, während andererseits aus Solingen die Nachricht kommt, datz zurzeit in den Kreisen der Kleineisen- Industriellen mit Nachdruck für einen gusammenschlutz der ver« wandten Geschäftszweige zu Verkaufsvereinigungen gearbeitet wird. Es bestätigt sich wieder die in der letzten Aufschwungsperlode gemachte Erfahrung, daß nicht in Krisenzeiten, sondern in Zeiten wirtschaftlicher Prosperität der Trieb zur Kärtellierung am stärksten hervortritt. Ganz natürlich; denn die Krisenperioden sind stets zugleich die Zeiten des schärfsten Konkurrenz- kampfeS, in denen jeder Unternehmer für sich einen möglichst großen Anteil an dem Absatz zu erlangen ttachtet und für die großen und kleinen Schmerzen seiner Fachgenossen wenig Verständnis zeigt. Wenn aber die Konjunktur steigt, die Nachfrage sich mehrt und sich leicht Preiserhöhungen durchsetzen lassen, dann erwacht die Neigung, die gegenseitige Konkurrenz und den dadurch bewirkten Preisdruck möglichst einzuschränken und den Kapitalprofit auf Kosten der Konsumenten möglichst zu erhöhen. Das betrachten die Herren Fabrikanten als ihr gutes Recht; nur wenn der Arbeiter, aus dessen Mehrarbeit doch der vom Unter- nehmer angeeignete Profit stammt, sich einfallen läßt, die günstige Lage des betreffenden Industriezweiges zur Stellung höherer Lohn- forderungen auszunutzen, zeugt dies nach Unternehmerbegriffen von entschiedener Frivolität. Der Saatenstand in Preußen. Der Stand der Wintersaaten, sowohl des Weizens als des Roggens, ließ um die Mitte des laufenden Monats in den meisten preußischen Provinzen nach dem offiziellen Berichte der„Stat. Korrespondenz" vieles zu wünschen übrig. Während der Herbst meist nnt schönem Wetter zu beginnen pflegt, verlief diesmal die zweite Hälfte des Septembers und die erste Hälfte des Ottobers meist zu naß und kalt, mitunter auch stürmisch. Die von den Landwirten gehegte Hoffnung, nun die in- folge überreichlicher Feuchtigkeit aus dem Vormonate rückständig ge- bliebe»?» Feldarbeiten ausführen zu können, ist nicht in Erfüllung gegangen. Etwas günstigerer Witterung erfreuten sich nur teilweise die mrttel- und oberschlesischen Landesteile insofern, als sie um die Mitte des September einige recht warme Tage hatten, und die nordöstlichsten sowie die Nordscegebiete, ganz besonders aber Oberschlesien, weil es hier zunächst auch meist trocken war. Gegen Mitte Oktober jedoch wurden auch diese Gegenden von starken Niederschlägen gettoffen, die seitdem dort ebenso wie anderweit mit kurzen Unterbrechungen anhielten. Am dauerndsten und reichlichsten scheint die Nässe in den Regierungsbezirken Frankfurt, Bromberg und Liegnitz sowie in der Provinz Sachsen gewesen zu sein, wo tiefer gelegene Necker teilioeise verschläinntt und Wiesen überschwemmt sind, so datz weder Mensch noch Vieh diese Felder be- treten kann. Klee und Grummet, stelleuiveise auch Hafer konnten nicht geborgen werden und sind dem Verderben derart ausgesetzt, datz ihre Verwendung kaum als Streu zu erwarten ist; Hafer soll in einigen Strichen des Regierungsbezirks Aachen sogar noch auf dem Halme stehen. Die Ernte der Spätkartoffeln. mit welcher in mancheit Gegenden vor den, Eintritt des schlechten Wetters gerade begonnen war, ruht vollständig; nur vereinzelt ist sie schon weit vorgeschritten. Obgleich die Nässe viel Fäulnis erwarten laßt, ist bei dem gegenwärtigen Stande der Kartoffelernte doch noch kein abschließendes Urteil möglich. Nach alledem kann es nicht auffallen, datz auch die Bestellung der Aeckcr zur Wintersaat fast überall noch im Rückstände ist. und es wird vielfach hervorgehoben, datz. wenn nicht sehr bald günstigere Witterung eintritt, manches zur Winterfrucht bestimmte Feld bis zur Sonlinerbestellung liegen bleibe» mutz. Da, wo die Saaten schon zeitig in die Erde gebracht werden konnten, haben sie sich gut entwickelt und zeigen meist eine kräftige Bestückung. Sewerksckaftlicke9. Berlin und(Xmgegend. Mit der Aussperrung in- Lithographiegewerbe beschäftigte sich am Montagabend eine von mehr-als 1500 Personen besuchte Mit- gliederversammlung, die im großen Saale des Gewerkschaftshauscs tagte und einen imposanten Verlauf nahm. Der Vorsitzende der Filiale I, Kollege Haß, gab einen Ueberblick über die bisherige Entwickelung des Kampfes, die bereits in der gestrigen Nummer des „Vorwärts" in kurzen Zügen geschildert wurde. Er wies darauf hin, daß die Unternehmer erklärt hätten, materiell spiele die Hauptforderung, die Bezahlung der Feiertage, für sie keine Rolle, d. h. also, sie könnten sie wohl bezahlen, aber sie wollen nicht. Damit haben sie die Bewegung zu einer Machtprobe gestempelt. An dem einmütigen Willen der Kollegenschaft aber sollen diese Macht- gelüste zerschellen. Tie Ausführungen wurden mit brausendem Bei- fall aufgenommen, desgleichen die aller anderen Redner, die sich im Sinne des Referenten aussprachen. Folgende Resolution wurde ein- stimmig angenommen: „Tie am 23. Oktober im Gcwerkschastshause tagende kam- bimerte Versammlung der Berliner Filialen des Deutschen Scne- felder-BundeS billigt das bisherige Vorgehen der Kollegen bei Hagel- berg, Heymann u. Schmidt und Littauer u. Boysen. Sie spricht die Erwartung aus, daß die Kollegen an ihren Forderungen fest- halten und verspricht, sie in diesem Kampfe in jeder Weise zu unter- stützen. Die Versammlung billigt ebenso entschieden die An- ordnungen der Verwaltungen. Aufs schärfste verurteilt die Ver- sammlung das brutale Vorgehen der Ringfirmen, die lediglich des unbedingten Hcrrenstandpunktes halber über zahlreiche Kollegen die Aussperrung verhängten, zumal es sich bei dem Vorgehen der Kollegen um eine bescheidene Forderung, um die Bezahlung der Feiertage, handelt, die im ganzen Reiche schon längst erfüllt ist. Die Versammlung nimmt den ihr aufgedrungenen Kampf auf. Sie beauftragt die Verwaltungen, den beteiligten Firmen sofort weitere Forderungen zu unterbreiten, falls die Aussperrung zur Tat wird. In diesem Fall erklären die Versammelten, alle Kräfte daran zu setzen, um die erweiterten Forderungen zu verwirklichen." Der Vorsitzende der Lithographenfiliale Barthel schloß hierauf als Versammlungsleiter die Versammlung mit einem brausend auf- genommenen dreifachen Hoch auf die kollegiale Einigkeit, die im Senefelder-Bund Verkörperung erlangte. Möchte der einmütig be- kündete Wille der Gehülfenschaft die Unternehmer noch rechtzeitig zur Besinnung bringen. Deiitlttie» Rdd». Achtung, Vergolder! Bei der Firma Conzen in Düsseldorf a. Rh. sind sännliche Rahmenvergolder ausgesperrt, weil sie sich weigerten, Ueberstunden zu machen. Ebenfalls droht bei der Firma Ebner u. Reicheneder in München ein Streik der Rahmenvergolder aus- zubrechen, weil die Firma den Tarif nicht einhalten will. Zuzug nach beiden Orten ist darum streng fernzuhalten. Der Stteik der Leistenvergolder bei der Firma Thomas u. Krannig in Zürich (Schiveiz) ist zugunsten der Arbeiter beendet. Der Hauptvorstand des Verbandes der Vergolder Deutschlands. Achtung, Lederarbeiter! Bei der Firma Knecht u. Söhne in Elmshorn sind die Kollegen heute ausständig geworden wegen beab- sichttgter indirekter Lohnabzüge. Zuzug von Lohgerbern ist fern- zuhalten._ Der Zentralvorstand. Zur Bewegung der schlesischen Weber. DaS.Meuselwitzer Tageblatt" meldet: Die hiesigen Weber be- schlössen in einer gestern abend abgehaltenen Versammlung einstimmig, am 6. November die Arbeit geschloffen wieder aufzunehmen und den neuen Lohntarif anzuerkennen. Sie sprachen zugleich die Hoffnung aus. datz Matzregelungen nicht erfolgen und daß die Fabriken am 6. November wieder geöffnet werden. Der Kampf in der sächsisch-thüringischen Textilindustrie. Gera, 23. Oktober. Zu heute abend ivar eine Versammlung der noch in Arbeit stehenden Weber und Weberinnen einberufen. Dieselbe war von 1800 Personen beiderlei Geschlechts besucht. Der Gauleiter Bretschneider erstattete Bericht über die Situation. Die Fabrikanten erklärten ihr Höchstgebot abgegeben zu haben. Das- selbe hätten aber auch die Färbeveibesitzer crllärt, als sie ihre Ar- bester im Monat August aussperrten, und doch haben sie noch tocitere Zugeständnisse gemacht. Die Arbeiter würden sich daher auch jetzt nicht einschüchtern lassen. Noch stets haben die Fabri- kanten den Ruin der Industrie vorgeschützt, wenn sie einige Pfennige Lohn mehr zahlen sollten. Es habe weniger die sächsisch-thüringische Textilindustrie unter der Schmutzkonkurrenz anderer Jndustriebezirke zu leiden, als vielmehr umgekehrt andere Bezirke unter der Schmutz- konkurrenz der Gera-Greizer Fabrikanten. Es wurde durch Gegenübcrstellunig von Lohn miS der gleichen Branche in anderen Bezirken bewiesen, daß hier weit niedrigere Löhne, auch nach dem neuen Tarif, gezahlt würden. Die Fabri- kanten könnten sehr wohl höhere Löhne zahlen, wenn sie nur wollten. Ihre Absicht sei, die Lohnfrage zu einer Machtprobe zu mache», um den Deutschen Textilarbeiter-Verband zu vernichten. Dem letzteren liegen bei der Lohnbewegung politische Absichten fern, die Organi- sation erstrebe nur auskömmlichen Lohn.— Es streiken zirka 950 Arbeiter in vier Betrieben; in Arbeit geblieben sind zirka 140 bis 150 Arbeitswillige. Von den Fabrikanten wird versucht, die Wochenlöhner aus den Vorbereitungen als Stteikbrecher an die Webstühle zu dirigieren. Die meisten haben diese Zumutung zurück- gewiesen, sie sollen daher mit ausgesperrt werden.— Ter Webereiverband will bekanntlich am Sonnabend, den 23. d. M., die Betriebe schließen, aber er hofft, bis 2. November Arbeitswillige genug zu finden, um die Betriebe ordnungsgemäß weiterführen zu können. In ewigen Betrieben hat man den Arbeitswilligen versprochen,»ach einem Vierteljahr einen Judaslohn für die Zeit der Aussperrung nachzuzahlen.— Datz die Fabrikanten die Fabriken so rasch wieder öffnen wollen, erklärt sich aus den bedeutenden Aufträgen, die sie haben. Es ist demnach die Konjunktur günstig.— Es wurde beschlossen, die Zumutungen, sich als Arbeitswillige herzugeben, ent- schieden zurückzuweisen. Die Textilarbeiter wollen demnach den großen Kampf aufnehmen. Es ist ihnen zu glauben, wenn sie ver- sichern, die Not gebiete ihnen unbedingt, einen höheren Lohn er- streben zu müssen._ Um Grundlagen für eine Lohnbewegung zu gewinnen, haben die Leipziger Böttcher ihre Orgauisationsleitung beauftragt, eine Lohn- statistik aufzunehmen und auf dieser Fordcrungen aufzubauen, die bei Eintritt einer günstigeren Geschäftskonjunktur den Unternehmern unterbreitet werden sollen. Der durch den Streik vom Jahre 1901 errungene Minimallohn von 2t M. ist namentlich im Hinblick auf die fortgesetzte Steigerung der Lebensmittel als viel zu niedrig zu bezeichnen. In verschiedenen Orten Deutschlands beträgt der Miniinallohn 27 M., ein solcher wird auch von den Leipziger Böttchern als die unterste Grenze angesehen. Datz eine Lohnerhöhung erforderlich ist, wird schon dadurch bestätigt, datz in einigen Leipziger Betrieben bereits höhere Löhne gezahlt werden. �Iii«land Die Stteikbcwcgnng in Niedcrland. Die„Zeitschrift des Centraal Bureau voor de Statistick" bringt in ihrer neuesten Nummer eine Uebcrsicht über die Streiks, die in den verflossenen drei Onartalen dieses JahreS in Niedcrland geführt worden sind. Im ersten Quartal brachen 13 Streiks aus, von denen acht durch Vergleich beendet wurden, vier zugunsten der Arbeiter verliefen und sechs zu ihrem Nachteile; ungefähr 594 Arbeiter waren an den Streiks beteiligt. Fm zweiten Onartal zählte man 87 Streiks mit 1151 Streikenden; siebzehn endeten durch Vergleich, sechs zum Vorleile, zwölf zum Nachteile der Arbeiter, Auberdem sanden drei Aussperrungen statt, wovon ungefähr 2000 Arbeiter betroffen wurden. Im dritten Quartal war die Zahl der Streits 36. die der Streikenden 1484; 12 Streiks endeten durch Vergleich, 5 wurden von den Arbeitern gewonnen und 12 gingen verloren Aussperrungen waren 2 zu verzeichnen. Unter Hinweis auf die vielen verlorenen Streiks führt„Het Volk" in einem Leitartikel aus, daß die Arbeiterorganisationen mit mehr Berechnung und Vorsicht bei der Einleitung von Lohnkänipsen vorgehen sollten, und wendet sich gegen die sogenannte„direkte Aktion", die unser Bruderorgan eine weniger entwickelte Form des wirtschaftlichen Kampfes nennt, welche bald einer höher organisierten strategischen Macht weichen werde. Unter den Straßenkehrern in M a r s e i l I e ist ein Ausstand ausgebrochen. Polizisten und Feuerwehrleute mußten mit Hülse von Tagelöhnern die Straßenreinigung besorgen. Soziales. Städtische Lohnpolitik. liebet die neuer Grundsätze für die Entlohnung städtischer Arbeiter, die in S t r a tz b u r g im Elsaß eingeführt worden sind, macht Genosse P e i r o t c s in der jüngsten> Nummer der„K o m- munalen Praxis" Mitteilungen, die sehr instruktiv sind. Wir geben deshalb das wesentliche daraus wieder. Es wird bei diesem Lohnsystem die Größe der Familie des Arbeiters berück- sichtigt und ferner werden Dienstalterszulagen gewährt. Die Vor- läge begründete das so: „... Die Folge des heutigen unsozialen Lohnshstems ist, daß für den verheirateten Arbeiter der Lohn stets auf einem Stand steht, der nicht hinreicht, einer großen Familie auch nur eine den not- dürftigsten Anforderungen der Hygiene entsprechende Existenz zu gewähren. Was fehlt, mutz notgedrungen die Frau, müssen früh zeitig die Kinder verdienen. Lockerung des Familienlebens, Ver Wahrlosung der Jugend sind die traurigen Folgen dieser Zustände. Mit der Erkenntnis dieser Mißstände erwächst aber für die Stadt die Verpflichtung, für ihre Arbeiter eine Besserung herbeizuführen ».. Eine öffentliche Körperschaft hat die Pflicht, dem Arbeiter einen Lohn zu geivähren, der zu seinem und seiner Familie Unter- halt ausreicht. Dazu genügt es aber nicht, ausreichende Minimal- löhne festzusetzen, es mutz vielmehr das Bestreben der städtischen Lohnpolitik sein, bei der Feststellung der Löhne der städtischen Ar- bester auch diejenigen Faktoren zu berücksichtigen, die das Wachsen des Bedarfs im Arbeiterhaushalte bestimmen." Von diesen Grundsätzen und von der Erwägung ausgehend. daß der ledige Arbeiter zu seinem Unterhalt weniger gebraucht als der Verheiratete, schlug der Entwurf für die in Betracht kommenden acht Arbeitergruppen 13 sozialisierte Lohnklassen mit Grundlöhnen von 2,70, 2,80, 2,90, 3,10, 3,20, 3,30, 3,50, 3,80, 3,90, 4,00, 4,20 und 4,50 M. vor. Auf diese Grundlöhne sollten dann die- jenigen Arbeiter mit mehr als drei Kindern 5 Proz., die mit mehr als fünf Kindern 10 Proz. und die mit mehr als sieben Kindern 15 Proz. Aufschlag erhalten. Außerdem waren vier Klassen von Dienstalterszulagen vorgesehen, die in der ersten Klasse von 10 bis 50 Pf., in der zweiten von 15 bis 70 Pf., in der dritten von 20 Pf. bis 1,20 M. und in der vierten Klasse von 30 Pf. bis 1,80 M. betrugen. Die höchsten Zulagen wurden in der ersten und zweiten Klaffe mit dem elften Dienstjahre, in der dritten Klaffe mit dem vierzehnten Dienstjahre, in der vierten Klaffe mit dem sieb- zehnten Dienstjahre erreicht. Konnten sich die sozialdemokratischen Vertreter— die zurzeit in einer Anzahl von 15 neben 17 bürgerlichen Gemeinderäten auf dem Straßburgcr Nathause sitzen— auch mit den angeführten Grundsätzen und schließlich auch, unter Berücksichtigung der bis- herigen verworrenen und rein willkürlichen Zuständen, mit der vor- geschlagenen Einteilung und den Zuschlägen einverstanden erklären, so konnten sie dies doch nicht in bezug auf die oben angefiihrten Grundlöhne.„Auskömmliche Löhne", von denen die Begründung der Vorlage zu wiederholten Malen spricht, konnten sie mit dem besten Willen in diesen Grundlöhnen nicht erblicken, zumal diese für den Normalarbeiter, das heißt den verheirateten Arbeiter mit bis zu drei Kindern, gelten sollten, während der ledige Arbeiter unter 25 Jahren sich einen Abzug von 10 Proz., der zwischen 25 und 30 Jahren einen solchen von 5 Proz. hätte gefallen lassen müssen. Sie setzten daher eine allgemeine Erhöhung der Grund- löhne um je 20 Pf. durch und definierten als Normalarbeiter den ledigen Arbeiter, auf dessen Grundlohn außer den Dienstalters. zulagen der verheiratete Arbeiter einen Zuschlag von 5 Proz., Ar- beiter mit größerer Fmnilie Zuschläge von 10, 15 und 20 Proz., je nachdem sie für mehr als drei, mehr als fünf, mehr als sieben Kinder zu sorgen haben. Durch diese Erhöhung der Grundlöhne und die Umänderung der Definition des Normalarbeiters werden für die zirka 600 städtischen Arbeiter etlva 50 000 M. mehr herausgeschlagen, die Mehrbelastung des städtischen Budgets steigt bereits im kommenden Jahre auf 112 000 M, kein Wunder, daß die bürgerlichen Ver- treter sich mit aller Macht gegen diese Vorschläge wandten und nur nach schweren Kämpfen und da die Verwaltung selbst sich auf unsere Seite stellte, nachgaben. Die festgesetzten Grundlöhne gelten nun freilich nicht für längere Zeit, sondern nur für das laufende Jahr. Alljährlich wird nach der Statistik der Orts-Krankenkasse der Durchschnittslohn für die in Frage kommenden Gewerbe festgesetzt und dieser dann als Grundlohn akzeptiert. Auf diese Weife macht die Stadt das Steigen und Fallen der Arbeitslöhne mit, je- doch darf der gesunkene Grundlohn nur neueinzustellenden Arbeitern bezahlt werden, die alten Arbeiter bleiben bei ihren Bezügen auch lvenn die Löhne sinken, während ihnen das Steigen immer zugute kommt. Unter den ortsüblichen Tagelohn darf der Grundlohn nie sinken, und falls jener weniger als 2,50 M. betragen sollte, so ist dies die äußerste Grenze, bis zu der der Grundlohn sinken darf. Es ist also em gewisses Existenzminimum für den städtischen Arbeiter festgesetzt."_ Säuglingssterblichkeit. Die Säuglingssterblichkeit, d. h. Sterb- lichkeit der im Alter von unter einem Jahre Gestorbenen betrug auf 100 Lebendgeborene in deutschen Städten: Breslau 1903... 26,0 Stuttgart 1903... 20,1 Leipzig 1903... 24,4 Berlin 1903.... 19,8 München 1903... 23,9 Dresden 1903.... 19,2 Stratzburg 1903.. 23,1 Hamburg 1903... 17,8 in außerdeutschen Städten: Moskau 1903... 36,4 Bukarest 1903... 20,5 Warschau 1903... 20,0 Prag 1903.... 18,8 Wien 1903.... 17,6 Marseille 1902... 16,2 Brüssel 1902.... 15,8 Zürich 1902.... 15,1 Kopenhagen 1902.. 15,1 Mailand 1903.. London 1903.. Lyon 1902... Rom 1902... Stockholm 1903. Edinburg 1903. Amsterdam 1903. Kristiania 1903. Paris 1902.. 13,8 13,1 12,8 12,6 12,6 11,7 11.7 11.6 11.3 Unsittlicher„Sekt". Die Gewerbe-Ordnung schließt vom Stratzenhandel solche Druck- schristen aus, die geeignet sind, in sittlicher oder religiöser Be- ziehung Aergernis zu erregen. Die Nummer 19 des illustrierten Witzblattes„Sekt" war vmn Berliner Polizeipräsidenten auf Grund jener Bestimmung für den Straßenhandel verboten worden. Dies Verbot wurde dem Händler Salbach am 22. März um 11 Uhr be- kannt. Gleichwohl wurde er wegen Uebertretung der Gewerbe- Ordnung angeklagt, weil er um 10% Uhr, also vorher, ein Exemplar der Nummer in der Königstraße verkauft hatte.— Das Landgericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe, indem es namentlich für fest- gestellt erachtete, daß die Illustrationen der Nummer das Scham- und Sittlichkeitsgefühl in gröblichster Weise verletzten. Das Land- gericht ging im übrigen davon aus, daß es des polizeilichen Ver- bctes erst gar nicht bedurfte, um den Angeklagten strafbar zu machen. Nach der Gewerbe-Ordnung seien eben ohne weiteres die Schriften, die in der fraglichen Weise Aergernis erregten, voni Stratzenhandel ausgeschlossen. Also mache es den Angeklagten nicht straflos, daß er jene Nummer des„Sekt" feilbot, bevor das Polizei- liche Verbot erging. Der Händler müsse sich um den Inhalt kümmern, und Angeklagter hätte erkennen müssen, daß es sich um eine der vom Straßcnhandel nach der Gewerbe-Ordnung aus- geschlossenen Druckschristerc handelte. Es sei in seinem Falle ckolus eventualis anzunehmen. Das Kammergericht verwarf am 23. Oktober die Revision des Angeklagten, weil die Vorentscheidung einen Rechlsirrtum nicht er- kennen lasse. Gerichts-Leitung. Ein verunglückter Germanisierungs-Prozeß. Zehn Vorstandsmitglieder des Charlottenburger polnischen Turnvereins S o k o I, nämlich der Schraubendreher Stanislaus Pogorzelski als Vorsitzender und die übrigen, als Stellvertreter, Beisitzer, Kassierer usw. standen gestern vor der ersten Straftammer des Landgerichts II, um sich wegen Vergehens gegen da? Vereinsgesetz und Behinderung eines Polizeibeamten in der Ausübung seines Amtes durch Bedrohung mit Gewalt zu verant- Worten. Am 29. Oktober v. I. feierte der Turnverein„Sokol" zu Charlottenbnrg in der Rosinenftratze 3 sein Stiftungsfest, an welchem außer den Mitgliedern auch noch solche Personen teil- nahmen, welche von Vereinsmitgliedern eine schriftliche Emladuug erhalten hatten. Fm Auftrage seiner Behörde erschien der Polizei- Wachtmeister Balzercak und verlangte Zutritt zu dem Saale. Ihm wurde aber bedeutet, daß er keinen Zutrttt habe, da es sich um eine geschlossene Gesellschaft handele und er nicht das Recht habe, im Saale zu verweilen. Nach der Anklage soll der Schutzmannswacht- mr ister von- den Angeklagten umstellt worden sein, man soll ihm sogar gesagt haben, daß er keinen Zutritt erhalte,„koste es, was es wolle".— Das Eharlottenburger Schöffengericht hat seinerzeit nicht nur die sämtlichen Angeklagten freigesprochen, sondern auch die Kosten der Verteidigung der Staatskasse zur Last gelegt. Das Ge- richt hatte nicht die lleberzeugung gewonnen, daß die Festlichkeit eine Veranstaltung war, in wellher öffentliche Angelegenheiten er- örtert werden sollten; dann habe aber der Wachtmeister nicht den geringsten Anspruch gehabt, überhaupt in den Saal eingelassen- zu werden. Der Wachtmeister habe sich nicht in der rechtmäßigen Ausübung seines Amtes befunden, und nach dem Ergebnis der Be- Weisaufnahme könne von Gewalt oder Bedrohung mit Gewalt nicht die Rede sein. Da die ganze Anklage sich von vornherein und in allen Punkten als durchaus unibegründet herausgestellt habe, seien auch die Kosten der notwendigen Auslagen der Angeklagten inklusive der Verteidigung der Staatskasse zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft legte hiergegen Berufung ein und behauptete, daß es sich hier um eine Versammlung handelte, in welcher öffent- liche Angelegenheiten erörtert werden sollten. Die polnischen Turn- vereine seien politische Vereine, ihr Bestreben gehe auf die Wieder- Herstellung eines selbständigen Polenreiches. Die„Sokol"-Vereine stehen untereinander in Verbindung, und neuerdings sei in den Statuten auch der Passus, wonach politische Angelegenheiten aus der Vereinstätigkeit ausgeschlossen sein sollen, ausdrücklich gestrichen worden. Tie Mitglieder sollen auch teiltveise Uniform tragen und diese soll an die Uniform der„polnischen Sensenmänner" erinnern. Die Angeklagten begleiteten die letztere Behauptung mit Lachen, das ihnen vom Vorsitzenden ernstlich untersagt werden mußte. Einer der Angeklagten trat vor und zeigte, daß die Uniform aus grauer Joppe und grauer Hose bestehe. Sämtliche Angeklagte behaupteten, daß es sich um die Festlichkeit einer geschlossenen Gesellschaft handelte, bei der lediglich geturnt, getanzt und gesungen worden sei. Ter Eintritt des Wachtmeisters sei daher verweigert worden, von einer Bedrohung des Polizeibeamtcn könne aber keine Rede sein. Wenn die„Sokol"-Vereine in den Statuten den auf Ausschluß politischer Tätigkeit gerichteten Passus gestrichen haben, so liege dies daran, weil die Polizei die Vereine trotz alledem immer als politische Vereine behandelt hätte, so daß die Polizei sie geradezu gezwungen hätte, die Politik nicht mehr crnszuichließen. Der Wachtmeister Balzercak erklärte, daß er selbst die Gesellschaft für eine ge- schloffene Gesellschaft gehalten habe. Als ihm nicht unhöflich aber bestimmt der Eintritt verweigert wurde, habe er sich Instruktionen von seinem Vorgesetzten geholt und dann nochmals versucht, Eintritt zu erlangen, doch sei es wieder vergeblich gewesen. Bei ftüheren Stiftungsfesten, die er überwachte, seien öffentliche Angelegenheiten nie erörtert worden.— Polizei-Assessor Friede!, dem die Ueberwachung der polnischen und speziell der„Sokol"-Beweguvg seit Jahren obliegt, erklärte, daß der Angeklagte Pogorzelski sich zu einem regen polnischen Agitator herausgebildet habe und der Char- lottenburgcr„Sokol"-Veretn ganz zu einem politischen Verein ge- worden sei. Die„Sokol"-Vercine dienen dem Bestreben der Wieder- Herstellung des polnischen Reiches mit Beseitigung der jetzigen �taatsform. Sie seien auch schon vor fünf bis sechs Jahren unter § 8 des Vercinsgesetzes gestellt worden. Namentlich würden! die Festlichkeiten dazu benutzt, um für die polnische Sache Propaganda zu machen.— Aehnlich äußerte sich der Polizeisekretär Günther aus Posen, der die„Sokol"-Vercme in der Provinz Posen zu über- wachen hat.— Beide Zeugen konnten aber dem Verlangen des Vor- ätzenden, mißer allgemeinen Schlußfolgerungen bestimmte Tat- achen in bezug auf die politische Tätigkeit des Charlottenburger Vereins und den öffentlichen Charakter des in Frage stehenden Festes beizubringen, nicht entsprechen.— Ter Staatsanwalt, der die Anklage wegen Widerstandes und Bedrohung fallen ließ, vertrat den Standpunkt, daß die Polizei nach allem, was sie von den Sokol"-Vereinen wußte, annehmen durfte, daß auf dem Fest öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollten. Sie sei deshalb berechtigt gewesen, die Festlichkeit zu überwachen. DerStaatsanwalt beantragte gegen jeden Angeklagten 15 M. Geldstrafe.— Rechtsanwalt Dr. KarILicvknecht verwies darmif, daß das Llmmner- o.cricht ständig entschieden habe, daß Festlichkeiten selbst solcher Vereine, die unter§ 3 des Vereinsgesetzes fallen, nicht unter K 1 des Gesetzes zu stellen sind. Das Turnen, Tanzen und selbst das Singen oon Liedern seien nicht die Erörterung politischer Angelegen- heiten. Alles, was hier gegen den Charlottenburger Verein vor- gebracht worden, sei wie eine Seifenblase zerplatzt. Es fehle der Anklage an jedem Fundament in subjektiver und objektiver Be- ziehung und deshalb könne die Strafkammer zu keinem anderen Resultat kommen, als die erste Instanz.— Der Gerichtshof erkannte ungefähr aus den Gründen, die das Schöffengericht geleitet hatten, auf Verwerfung der Berufung. Auch die Kosten der zweiten Instanz und der den Angeklagten entstandenen notwendigen Auslagen, einschließlich der Kosten der Verteidigung wurden der Staatskasse zur Last gelegt._ Ein Fahrstuhlunfall mit tödlichem Ausgang wurde gestern vor der achten Strafkammer des hiesigen Landgerichts I in längerer Verhandlung erörtert. Unter der Anklage der fahrlässigen Tötung stand der Hauseigcntüiuer Zellermeher, in dessen Hause Schönhauser Allee 161a ein Arbeiter in den Fahrstuhlschacht hinabstürzte und o schwere Verletzungen erlitt, daß er bald darauf im Krankcnhause verstarb. Für dieses Unglück machte die Staatsanwaltschaft den Angeklagten verantwortlich, weil es nur dadurch hervorgerufen sein konnte, daß der Verunglückte in der Meinung, in einen Fabrik- räum zu gelangen, eine Tür zum Fahrstuhlschaft entweder offen -and oder selbst zu öffnen vermochte und dann hinabstürzte. Nach der Polizeiverordnung vom 6. September 1898 habe aber der An- geklagte dafür Sorge zu tragen, daß sich nur die Tür desjenigen Stockwerkes öffnen ließ, in dessen Höhe der Fahrstuhl zum Stillstand - gebracht war, daß ferner die Fortbewegung des Fahr korbe s.»chk eher erfolgen durfte, als bis die Tür nach dem Fahrstuhl, chacht wieder geschlossen war. Der vernommene Gewerbe-Jnspektor begut- achtete,"daß es sich vorwiegend«m einen Fahrstuhl älterer und nicht mehr gebräuchlicher Bauart handele, bei welchem die Tur- Verschlüsse ganz besonders sorgfältig gehandhabt werden müssen, um den polizeilichen Anforderungen zu entsprechen. Demgegenüber boten die Rechisanwälte Schön selb und Justizrat L. Meyer einen großen Apparat von Zeugen und Sachverständigen au, zum Beweise dessen, daß der Fahrstuhl trotz seiner alten und ungewohn- lichen Bauart den bestehenden Polizeivorschriftcn entsprach und daß selbst bei den modernsten und besten Fahrstühlen auf irregulärem Wege die Tür eines solchen Geschosses unbefugt geöffnet werden tonnte in dessen Höhe sich der Fahrkorb nicht befindet. Im übrigen sei es Aufgabe der Polizei, Fahrstühle, welche den modernen An. sprächen nicht mehr genügen oder leine ausreichende Gewähr für die Sicherheit der Menschen bieten, einfach zu verbieten. Tie Straf. kammer schloß sich diesen Erwägungen an und sprach den Angeklagten frei, da er bei Verwendung seines den polizeilichen Vorschriften noch immer entsprechenden Fahrstuhles nicht fahrlässig ge- handelt habe.__ Achtung, Vereine! In den Anfang November zur Veröffentlichung gelangenden Vereinskalender finden nur die Vereine Aufnahme, dw bis zum 28. d. Mts. unter Angabe des Sitzungstages und Lokals darum nachsuchen._ Leie- und Diskutierklub„Süd- Ost". Heule abend L'/, Uhr bei Tvlksdors, Görlitzcrstr. 58: Beginn des Vortragszyklus über die Arbeiter- versicherungs- Gesetze. Referent: Arbeitersekretär Genosse Link.— Gaste willkommen.„. Verband deutscher Barbier-. Friseur- und Peruckenmacher- gchülfen. Zwcigverein Rixdors. Donnerstag, den 26. d. M., abends 10 Uhr, bei Schmidt, vorm. Hoppe, Bcrlincrstr. 14, Generalversammlung. Zentral-Kraiiken- und Bcgräbntskasse der Sattler und Berufs- geuosfe» Teutschlands„Hoffnung", E.H. Nr. 64 zu Berlin. Sonnabend, 28. Oktober, abends 9 Uhr, im Restaurant von G. Weihnacht, Grünstr. 21: Ouartalsversammlung. Tagesordnung! 1. Abrechnung vom 3. Ouarlal. 2. Wahl eines Schrisljührers. 3. Verschiedenes.— Mitgliedsbuch legitimiert. Singegangene vruckfckriften. Von der„Neuen Zeit«0: Der Verstchcrungsverwag nach der deutschen, schweizerischen und französischen Gesetzesvorlage. Von Dr. L. Kuhleubeck.— Der Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation, ein Bciwag zur Enlwickelung der deutschen Moutannidustrie. Von W. Laymann in Berlin. — Die Konkurreuzllausel der Handlungsgchülsen.— AuS den Gefetzblättem. — I. Schweitzer, Verlag(Arthur sellier), München 1905. Maria Lischnewska. Die geschlechtliche Belehrung der Kinder. (Fraiilsurt a. M.. I. D. Saucrländer.) Popper,„Boltaire", 388 Seilen. Verlag von Karl Rcißner, Dresden. Rdvcillöre und andere. Gegen den Etatismns. Zürich 1905, Albert Müllers Verlag. Preis 80 Ps. Illustrierter Armerkalender sür 1(06. Minden i. W. I. C. E. Bruns Verlag. Preis 50 Pf. Frisch, Walther. Die Organisationsbestrebungen der Arbeiter in der deutschen Tabakindustrie. Verlag von Dunker u. Humblot. Leipzig 1905. Verrnilcbres. Eine Engelmacherin in Hamburg. Vor einigen Monaten gingen der Hamburger Polizei Mitteilungen zu, daß eine im Vorort B a r m b e ck wohueitde Hebamme, Inhaberin einer Privat- EntbiitduiigSanstalt, in derselben Weise mit den ihr zur Pflege übergebenen Kindern umgehe wie die am 2. Februar dieses Jahres wegen fünffachen Kindesmordes hingerichtete Frau Wiese. Während der ganzen Zeit wurde die Frau unauffällig polizeilich überwacht,' und in den letzten Tagen wurde soviel Belastungsstoff herbeigeschafft, daß die Hebamme Montag- mittag verhaftet wurde. Die etwa 40jährige Frau wird beschuldigt, den Tod mehrerer(wie es heißt sechs) ihr zur Pflege übergebener Kinder durch schlechte Behandlung und Ernährung verursacht zu haben. Die Behörde hat ermittelt, daß die Frau neugeborenen Kiiiderit sauere und dicke Milch gegeben und dadurch den Tod der kleinen Wesen herbeigeführt hat. Auch wird sie des Betruges beschuldigt; ferner soll sie beim Standesamt falsche Beurkundungen über die Kinder eingeliefert haben. Im Bett verbrannt. In Briefen in Pommern hatte sich ein Gasthofsbesitzer mit bremieuder Pfeife zu Bett gelegt und war damit eingeschlafen. Das Bett fing Feuer und der Mann verbrannte. Vom Eisenbahnzugr überfahren. Gestern vormittag kurz nach 6 Uhr wurde ein Einwohner von Werneuchen, namens Hermann Güiiterbcrg, als er mit seinem Huudefuhrwerk auf der Chaussee nach Wriezen über das Geleise der Nebenbahn Berlin— Werneucheii hinter Bahnhof Ahrensfelde fuhr,' vom Zuge 680 überfahren und getötet. Der Schrankenschließer hatte versäumt, die Schranke zu schließen. Hamburgs ziikniiftigcr zoologischcr Volkszarten. Nach einem ebenso eigenartigen wie praktischen Plan wird, wie die„Tägl. Rlliidschatt' nieldet, der lvellbekanitte Ticrhändler Karl Hagenbeck in Stellingen bei Hainburg ciiicn Volls-Tiergarten einrichten. Auf einem neun Hektar großen Gelände will Hagenbeck die Tiere in voller Bewegungsfreiheit vorführen. Kein Gitter wird die Tiere von ihren Beschauern trennen. So wird man Gemsen und Stein- bocke auf einem 20 Meter hohen künstlichen Felsen erblicken, und am Fuße der Gebirgsgruppe werden Anlagen zu einem Alpinium her- gestellt. Die Polar-Tierwelt wird in einer nordischen Landschaft, die einen Eisberg darstellt, der an einer felsigen Küste ge- strandet gedacht ist, untergebracht. Am Fuße dieses Eisfelsens werden sich die Eisbären rummeln. Vor den Eisbären, durch einen breiten Graben von diesen getrennt, werden sich die großen Behälter für Seehunde, Seelöwen und nordische Vögel be- finden, während im Hintergrunde Renntiere zu sehen sind. Ferner wird ein großes„Zoologisches Paradies" in vier Abteilungen an- gelegt. Auf der ersten befindet sich ein großer Teich, der mit Hunderten von Wasservögeln aller Art bevölkert wird. Die zweite soll von Kamelen, Alpaklas, Büffeln, Hirschen, Antilopen usw. belebt werden. Die dritte stellt eine große Felsenhöhle dar und steht zwanzig verschiedenen Raubtieren als Spielplatz zur Verfügung. Dieser Raum ist von den Besuchern nur durch einen sieben Meter breiten und fünf Meter tiefen Graben getrennt, so daß sie in einer Entfernung von 30 Fuß alle diese Tiere frei vor Augen haben. Von der Absperrung ist nichts zu sehen, da diese durch eine größere Anzahl umherliegender Findlinge und durch Tropenpflanzen künstlich verdeckt ist.— Im Hintergrunde befindet sich oberhalb der gesamten Anlage und zwar auf dem Hause, das den Raubtieren als Schutz gegen Kälte und Nässe dient, eine Felsgruppe, auf der sich, nur an dünnen Ketten befestigt, große Adler und Geier in Freiheit bewegen. Die Schlußgruppe bilden die großen Felsen, die den Steinböcken, Gemsen. Wildschafen als Aufenthalt dienen sollen. Man wird demnach in diesem so- genannten Tierparadies mindestens 600 Vögel und Säugetiere der verschiedensten Art auf einem freien, felsigen Terrain sich tummeln sehen, ohne daß man von Gittern oder einer sonstigen Absperrung etwas merkt. Große und kleinere Gebäude beherbergen ferner Ele- fanten, Büffel, Kriechtiere zc., und zwar in Vertretern, wie man sie selten in Tiergärten zu sehen bekommt. Im Hauptgebäude befindet sich auch eine Bahn, die als Abrichtungsanstalt für die verschiedensten Tiere dient. Jedenfalls wird diese Anlage in der Welt einzig da- stehen._ Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direklion. Rindfleisch In 63—88 pr. tOO Pfund, IIa 56—62. IDa 50-55, IVa 40-48. Kalbfleisch la 85-90, IIa 73—82, lila 56—70, Haminelileisch la 63—73, IIa 48—58. Schweinefleisch 68—74. Rotwild Pfund 40—50 Pf. Hasen Stück 3,00— 4,00, klein 1,25—2,50. Kaninchen Stück 0,50— 0,90. KrammetSvögel 20—25 Pf. Rebhühner, junge la 1,00 bis 1,30, junge IIa 0,60—0,90, junge kleine 0,00—0,00, alte la 0,70—0,80, alte IIa 0,00—0,00. Hühner, alle 1,40—1,60, junge 1,00—1,20 das Stück. Tauben, junge 0,45—0,00, alte 0,30—0,35. Enten, junge 1,40—2,45. Gänse la, 3,50—4,20, Na 2,50-3,00 per Stück. la 0,58-0.62, IIa 0,48—0,56 per Psund. Hechte 81—88 M.. Schleie, unsort. 98 M., Aale, groß 80— 86, mittel 80— 82 M. Plötzen 00— 00 M. Karpfen 00— 00 M. LachS 00-00 M., Schellfische 31—38 M., Flunder 15 M. pro 100 Psund. Schottische Vollheringe(gesalzen) 36—38 M Krebse, kleine, Schock 4,50 M., unsortiert 0,00 M. Eier, Schock 3,70. Butter pro ,00 Psund la 120-124, Na 114—120, lila 110-114, absallcnde 100—110. Kartoffeln pr. 100 Psd. rote 1,90-2,10, Rosen 1,50-1,75 blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,80— 2,00. Wirsingkohl pr. Schock 4,00—7,00, Weißkohl 6,00-8,00, Rotkohl 4,00—6,00, Holl. 8,00-11,00, M. Saure Gurken, neue, Schock 2,—. ßnefkaften der Redaktion. Alter Abonnent in Rixdorf. Eine Vergleichung dieser Anstalten mit höheren Schulen ist nicht angängig, da sie ganz andere Unterrichtsziele verfolgen und daher auch in der Wahl der Lehrstoffe wie der Lehrmethoden ganz andere Wege gehen. Handwerkcflchulen setzen VolkSschul- oder Mittelschulbildung voraus und leiten aus den Handwerkerberus hin. Die freiwilligen Fortbildungsschulen sind eine Fortsetzung der Volksschule und sollen in erster Linie allgemeine Bildung geben.— X, 10. In Paris.— St. V. Nein.- R. 101. Ja. ?uriktik«ber Cell. Tie lurtstifche Sprechstimde finde» tägltch mit Ausnahme des Sonnabends von?'/, bis»V» Ilfir ftatt.(«cöffnet: abend??»br. L. I. 0. 1. Sie hätten eine polizeiliche Genehmigung zur späteren Beerdigung erwirken und mit dem Kirlhenvorstand eine Vereinbarung treffen, evenwell Beerdigung aus dem Gcmeinde-Friedhoj erwirken sollen, jetzt läßt sich gegen das Küsterherrliche Vorgehen nichts machen. 2. Auch hier wäre eine Vereinbarung, eventuell Beerdigung aus dem Gemeinde- Friedhos erforderlich. 3. Sic können ein eigenhändiges Testament machen und selbst aufbewahren. Beispiele und Anleitung für ein solches finden Sie aus den letzten Seiten des dem„Arbciterrccht" beigesügten Führers durch das B. G.-B. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus. 4. Leider steht die Gesindeordnung nicht Ihrer Tochter, sondern der Herrschast zur Seite. Für künftige Falle ist zu einem schriftlichen Vertrag dringend zu raten.— K. B. 7». Ja, sonst könnten Ihnen vermögensrechlliche Nachteile erwachsen.— P. D. 77. 1. Die Bestimmungen des Vertrages, nicht die abweichenden des Gesetzes find maßgebend: diese treten für die Fälle de« Mangels einer Vereinbarung ein,§ 540 B. G.-B gilt freilich neben Vertrags- bestimmungen: aber der Beweis arglistigen Verschwcigens dürste in Ihrem Falle nicht zu erbringen sein. 2. MictSstcmpel wird nicht durch Marken aus dem Vertrag, sondern in einem vom Vernricter geführten MiclSslemvclbuch quittiert. Ein Vertrag ist, auch wenn er slcmpclpflichtig ist, ohne Rücksicht aus die Nichtstempelung, gültig.—(9. St. 999. Die wahrheitsgemäße Beantwortung kann Ihnen keinen Schaden bringen.— A. P. 68. Nein; Sie können(und hätten dies schon längst tun sollen) bei dem Amtsgericht auf Aufhebung des Vertrages und Schadenersatz klagen. Ziveckmäßig ist die Beisügung eines ärztlichen Attestes.— Kl. Ja. H. B. Treffen Ihre Darlegungen zu, so sind Sie Preuße. Unter den 320 Einwohnern, die gegen die Richtigkeit der Wählerliste Einspruch erhoben haben, befindet sich Ihr Name nicht. Haben Sie nach dem 30. Juli Ein- sprach erhoben, so wäre Ihr Protest verspätet. Vielleicht wenden Sie sich zur Klarstellung der Sachlage an den Vorsitzenden des Wahlvereins oder an einen der Genoffen, die'Mtglieder des StadtverordnetenauSschuffes zur die Einsprüche sind. DaZ sind Dr. Liebknecht und~ Vorberalung über i Stadthagen.— H. Sch. 1. FallS der Vertrag nichts Gegenteiliges enthält, ist die Klage des Wirtes aussichtslos. 2. Der Amtsvorsteher ist im Recht. — Nofiockerstr. Sie können Beschlagnahme der Erbschastssordcrung bc- antragen. Ein Beispiel für solchen an das Gericht zu richtenden Antrag finden Sie S. 595, 596 des in den öffentlichen Bibliotheken ausliegendcn „Arbeiterrcchts".— Heunigsdorferslr. 11. Ein Gewerbetreibender, auch ein Gastwirt, ist gesetzlich nicht verpflichtet, seine Waren zu verkausen. In der Art der Ablehnung, Speisen und Getränke zu verkausen, kann eine Beleidigung liegen.— E. R. 17. DaZ Geld sür den Abwesenden ist zu hinterlegen oder ein Pfleger sür den Ab- wesenden zu bestellen. Im übrigen kann geteilt werden.— M. 06. Ja. — Schcrcr. Nein, es sei denn, Ihr Verlrag läßt eine andere Be« antwortung zu. Häusig haben wir daraus hingewiesen und wiederholen diesen Hinweis, daß eine sichere Antwort über Rechte oder Pslichten aus einem Per trage, einer Urkunde, einem Testament usw. sich ohne Einsicht in die Urkunde nicht beantworten lassen.— Aufklärung. Nach§§ 37 und 39 des Kr.-V.-G. find die Vertreter der Generalversammlung von den wahlberechtigten Mitgliedern aus ihrer Mitte in geheimer Wahl zu wählen und nur, wenn die Wahl verweigert wird, durch die Aussichtsbehörde zu ernennen.— R. N. Nach S 14 Abs. 2 des JmpsgesctzcS sind Ellern, Pflegeeltern und Vormünder, deren Kinder und Pflegebesohlcnen ohne gesetzlichen Grund und trotz amt- lichcr Aufforderung der Impfung oder der ihr folgenden Gestellung entzogen geblieben sind, mit Geldstrafe bis zu 50 Mark oder mit Hast bis zu drei Tagen bedroht.— W. W. 1. und 3. Ja. 2. Nein. BSttternngSiiderNcht vom LI. Oktober>908, morgens 8 Uhr. Stationen L S §2 «~ «= S« s) aparanda!??! Still ctersburg 768 SO Scilly Aberdeen Parts 768 NO 769 NO 767, Still Wetter heiter 1 Dunst 3 wolkig 2Regen bedeckt c% s» gö bi& -10 3 8 5 -2 Wrttcr-Prognose für Mittwoch, den LS. Oktober 190S. Zeitweise ausklarend, vorwiegend noch trübe, nebelig und kühl mit ge- ringen Niederschlägen und schwachen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserstand am 23. Oktober. Elbe bei Aussig ff- 0,80 Meter, bei Dresden— 0,50 Meter, bei Magdeburg ff- 2,88 Meter.— U» st r u t bei Straußfurt ff- 1,80 Meter.—Oder bei Ratibor ff- 1,48 Meter, bei Breslau Oberpegel ff- 5,08 Meter, bei Breslau Untcrpegcl— 1,04 Meter, bei Frankfurt ff- 1,87 Meter.— Weichsel bei Brahemünde + 5,44 Meter.— Warthe bei Posen 0,76 Meter.— Netze bei Usch— ,— Meter. itziir den Inhal« der Inserate übernimnit die Redaktion dein Publikum gegenüber keinerlei Vera» tivorrung. UKearer. Mittwoch, 25. Oktober. Ansang 71/, Uhr: Opernhaus. Bajazzi. Coppelia. Schauspielhaus. Der Schwur der Treue. Neues. Ein SommcrnachtStraum. Westen. Die Zauberflöte. Deutsches. Nachtasyl. Berliner. Kean. Ansang 8 Uhr: Schiller O.«Wallner-Theater.) Ein Wintermärchen. Schiller fi.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Flachsmann als Erzieher. Lcssing. stein unter Steinen. Zentral. Zur indischen Witwe. Residenz. Die Höhle des Löwen. Kleines. Hidalla. Trianon. Madame Torera. Lustsptclhans. Der Familientag. Thalia. Bis früh um Fünsc l Gart Weist. In Berlin ist was loS. Luisen. Kean. Deutsch- Amerikanisches. Aber, Herr Herzog I Meiropol. Aus— ins Metropoll Kasino. Der AdelSnarr. Apollo. Frau Luna.— Speziali- töten. Walhalla. Eine tolle Nacht. Herrnfeld. Die MeyerhainS. Wintergarten. Ein Abend in einem amerikanischen Ttngel-Tangcl.— Spezialitäten. BcUe-Alliance. Liane Leischner.— Spezialitäten. Folie? Eaprices. Nach dem Zapfen- streich. Soll und Haben.— Spezialitäten. Ncichsballe». Stetttner Sänger. Passage. Robert Koppel. Marshall, der Mann mit den Hüten. Georg und Gufti Edler. Ilrauia. Taubcnstraste 48 19. Abends 8 Uhr: Alpen- und Wüsten- sahrten. Steruivartc, Jnvalidenstr. 57/62. Täglich geöffnei von 7 bis 11 Uhr. Berliner Thealer. Charlottenstr. 90/92. K£ean. Lustspiel in 5 Aufz. a. d. Französischen des Alex. Dumas. Ansang 71/, Uhr. • Donnerstag u. Freitag: Andalosia Sonnabend u. Sonntag: Kean. Sonntag nachm.: Kean._ Heues Thealer Ansang Uhr. 8in Scmmernachtstraum. Morgen u. folgende Tage: Ein SommernachtStranm. Kleines Theater. Hidalla. Ansang 8 Uhr. " Donnerstag:'9�1 Hidalla. LustspioBliaus« Abend? 8 Uhr: Zum 250. Male: Der f atuUientag. Urania Tl,l,ben Str. 48/49. 8 Uhr: Spelterlnls Alpen- und WQstenfahrten im Ballon. Sternwarte ,nval,den str. 57/62. ) CASTAN S anopticum: FriedricHstr. 165. Joels Traum. !! Pompeji!! Die Ehre des Vaters! Restaurant: DV Dresdener Sänger.-ME Zentral'Theater. .sglK: Indische Witwe. Operette in 3 Akten M. Oskar Strauß. Donnerstag, den 126. Oktober: uhI?: Kinder-Vorstellung. W°°. Sonnabend nachmittags 3'/, Uhr: Klassikervorstellung: Wilhelm Teil. Sonntag nachm. 3 Uhr: lieisds. Abends: Indische Witwe. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Kean. Donnerstag: Gastfp. des Theaters des Westen: Die lustigen Weiber von Windsor. Freitag: Premiere: Simsen. Sonnabend: DaS Erbe. Sonntag nachm.: Die Kinder der Exzellenz. Abends: Othello. Montag: Pech-Schulzc._ Walhalla-Theater Weinbergsweg 19/20. Direktion: Ulchard Schnitz. Heute und folgende Tage: Eine tolle j�ad)t. Vorher: Gr. Spezialitäten-Programm. Ans. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Trlanon-Theater. Madame Torera (Madame L'ordonnanoe). Schwank in 3 Akten v. Jules Chanel Deutsch von Max Schoenau. Anfang 8 Uhr. Freitag zum erstenmal: Der letzte Troubadour. Kasino�Theater Lothringers�. 37. Täglich 8 Uhr. Kur Kl bis Freitag! ,3er jldelsnarr." Sonnabend: Premiere, Sonntag nachmittag 4 Uhr:„Der Adelsnarr." Residenz-Theater. Direhtton: Richard Alexander. Heute his Freitag. Ansang 6 Uhr: Hie Hehle des ülwen. Sonnabend zum erstenmal: Der Prinzgemahl. Lustspiel in 3 Akten von L. Tanros und I. Chancel. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Her- ku'espillen. Scliiller- Schiller-Theater 0.(Wallner-Theatcr) Mittwoch, abends 8 Uhr: Hin Wintermlirclion. Schauspiel in fünf Auszügen von William Shakespeare. Donnerstag, abendsSUHr: Flachstniann als Erzieher. Freitag, abends 8 Uhr: Ein Wintermtlrchen. Theater. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Elaehsmann als Erzieher. Komödie in drei Auszügen von Otto Ernst. Donnerstag, abendS8Uhr: Her Trau», ein Eebon. Freitag, abends 8 Uhr: Flachsmann als Erzieher. Zirkus Albert Schumann Heute abends präzise TU Uhr: Grande Solrbe bquestre. Elite■ Programm, u. a.: Noch nie dagewesen l Eine absolute Sehenswürdigkeit! Die 9 Keilten LKuncKusen Zau&em und Gauller aus Mukden. Die phänomenale Javaner-Truppe. Grotesquekünstler aus lavs. >Der ausgezeichnete Tschcrkcssenretter .Arhadla. vom Leib-Regiment des Zaren. Die unübertrefflichen •lohn und Eonls Boller Vor- UDii Rilckwärts-Saltöfflortali mit dem Zweirad. DaS einzig eristterende einen halben Saltomortäle sehlapde PSerd. Sämtliche Spezialitäten und Direktor Alb. Schumanns neue und moderne Dressuren. Zum Schluß: Rieien-Ersolg l Der Tag des �rixliscken verbx- Täglich:»-/, Uhr Unter persönl. Leitung v. Paul Uncke Fran Fima und die Oktober-Spezialitäten. Sonntag, 29. Oktober, nachm. 3 Uhr: k�rühlinKslutt und Spezialitäten. Bedeutend er- mäßigte Preise t_ Melropol-Theater Präzise 8 Uhr im- zrun 47. Male; Große Jahresrevne mit Gesang- u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Kapellmeister Max Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Eichard Schultz. Waiden a.D.xMißGlitford a.D. Bender x Giampietro Joseph! x Massary x Frid-Frid Steidl x Lilly Walter. Rauchen in all. Räumen gestattet. Anfang 8 Uhr. Jtloritzplatz. Täglich � in den unteren Säle» O Gottschalk-Konzert. XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. DM- Gala• Abend.-Mg Größte Attraktion der Welt! Sensationell I Sensationell I Der Kanonenkönig! Schuß eines lebend. Menschen aus einem Marine- Geschütz schwersten Kalibers. IVur noch knrze Xelt! Die Helden voiuYalo u.PortArttiDr Japanische Infanterie. 4 Soeurs Atletas. IM- Zum 86. Kaie:"M(2 Mexiko. Große Ausstattungs- Pantomime ans dem mexikanischen Pilanzerleben. Carl Weiß-Thealer. Gr. Franksurterstr. 132. Der Weltumsegler wider Willen. Ansang 8 Uhr. Donnerstag zum erstenmal: In Derlin Ist was los. Gr. Ausstattungs- posse mit Ges. u. Ballett in 6 Bildern von P. Bajanz. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Rot- käppchen. Abends: Passage-Theater. Ansang abends 8, nachm. k» Uhr. Rodkrl Koppel in seinem neuen Repertoire. Georg u. Gnsti Edler in ihrer Alpenszene. Gewöhnliche Preise: Orch.-Loge 4 M., Terrasse 3 M., Orch.-Faut. 2 M., Parkctt-Faut. 1.50M.. Parkett IM., Eintritt b0PI. Denked-lmteeliez Theater. KUpnickerstr. 67. Zum Jeden Abend 8 Uhrl Gastspiel Ad. Philipp ABER; Herr Herzog 53. Male i Sonntag nachmittag 3 Uhr: Halbe Preise! „Eeber'n groOen Teich.«' W. Noacks Thealer. Direktton: Hob. Dill. Brunnenstr. 16. Zum letztenmal: 1B va. Schauspiel in 4 Akten von R. V o ß. Ansang 8 Uhr. Eintritt 30 Ps. Donnerstag Extra-Vorstellung: Das Käthchen von Heilbronn. Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee Nr. 148. Heute: Sonder-Ahend. Theater und Spezialitäten. Hochkomische Spiclsolge. Nach der Vorstellung: Extra-Tanr. Ansang 8 Uhr. Entrec 30 Ps. Ehren- und VorzugSkartcn gülttg. Beils-AlliMk! Thealer-Yarietl Anfang 8 Uhr. Hauptmann Marquis{ Itonye Szene vom Kriegsschauplatz. Rosa u. Jehan Liane Leischner i Fidelios IE sensatiDnelie Attraktionen. Sonntaqs 2 Vorstellungen I Nachm. 3 Uhr: Halbe Preise. Jeder Besucher 1 Kind frei. Rauchen im Wintergarten gest. H Gebrttder errnfeld- Theater. STnr noch weniee Tage I fite Keprhains. Komödie in drei Akten mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld _ in den Hauptrollen. In Vorbereitung:"VQ Inmilicntag m Kunst Prellßki«. Komödie in 3 Akten von Anton und Donat Herrnfeld. Ansang 8 Uhr. Vorverk. 1>—-2 Uhr, Theaterkasse. DreSdcuerftraste 97. humoristische o 13* Spezialitäten � " Bendix.i u. a.: Colossenm! o Dt 1 16 s ® Littke Carlsen. - Wallu Walborg. En Perle, die deutsche Füller. Hoilfo* Debüt der jüngsten DCUtC. Berliner Soubrette Trudy Truthl 15 iahre alt. Debüt der populärsten sächsischen t Humoristen Neumann-Bliemchen. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. I Jeden Sonntag nachm. 3 Uhr jeder( Platz 40 Pj. Ein Kind frei! Souvenierverleilung. Im Konzertsaal 2 Kapellen (Schrammeln), Natursniiger, I Ungarn.— Wochent. 8 Uhr. Sonn- 1 u. Feiertags ab Zt Uhr, Ende 1 Uhr.| Walhalla Theater (Weinbergsweg 19.20.) In den nächsten Tageu beginnt die Grcüe internationale Prelac In bar üW" 5000 Mark.-TO Außerdem dem Sieger die große goldene lledallle. (Näheres die Plakate.) palast-Tbeater Burgstr. 24, 2 Min. v. Bh. Börse. Täglich 8 Uhr. Entree 50 Pf. Das brillante Okter-Proptm Darton Brothers Handvoltigcure. Toni u. Leopoldo Musik. Ballspiele. Eugen Nighton mod. Jongleur. EinKater.SchwankinlAkt v.J.Keller. BirtonS BrotherS, mod. Gladiat. Familienkarten sind in alle» Barbier-, Friseur-«. Zigarren- gcschäften sowie im Dheater- bnreau unentgeltlich zu haben. Gustav Behrens Spezialitäten- Theater Frankfurter- Allee 85. Saisonschlager! Die Schtachtenutlstenu als Schanspirlrriu oder: Skandal im Theater. Große Posse und zu Spezialitäten-fliiiintierD. Eialisiil Seile Well, Hasenheide 108/114. Gastspieides Bernb. Rose-Theaters Pom Thron|utn Schafott. Historisches Schauspiel in 5 Auszügen von Fr. Tictz. Ansang 8 Uhr. Kasseneröffn. 7 Uhr. Entree 30 Ps., numerierter Pl. 50 Pf. (int Abonnement 40 Ps.) Vor-ugslarten haben Gültigkeit. �eichskallen. Täglich: Stettiner Sänger. ex<5 Cr-_._ «.5s H» SS oOO.gN m w Folies Caprice. Budapester Possen-Theater == 132 Linienstr. 132.== Ecke Friedrichstraße. Kach dem Zapfenstreich. Vorher; Soll and Ilaben n. d. ausgezeichn. Spezi alitätonteil. Kasseneröffnung7Ühr, Anfang 8Uhr. Vorverkauf täglich b. A. Wertheim and an der Tageskasse. Hcnto die in London an 1000 Abenden mit großem Heiterkeifcserfolge gegebene Pantomime Ein Äbend in einem amerikanlscben Tingel-Tarnjel Orletnnl-Anri'iihrnnc außerdem Guerrero, span. Tänzerin. Artol», Keckkünstler. Amann, Mimiker. Harndins, Wundereterne. Galla de Losst. Drahtseilnkt. Marrder, Oold- amazone. In Japan, Ballett. Moore, engl. Sängerin. Collins und Hart, Exzentriks. Die mjfsterlSsen Husaren. ZWsl- Biograph."ifflUQI ?iir Lichtenberg und fRummelsburg! Am Donnerstag, den 26. Oktober, abends 8'/, Uhr, im„Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee 5; Oeffeutliche Volksversammlung. Tages-Ordnung: 1. Lichtbilder-Zlortrag des Gen. Krollk und schweizerische Konsumgenossenschaftsbewegiing in Wort und Bild." I EL Y S i U Hl. Kominandantonslr. 3-4. » S°nniag von 12 Uhr an, außerdem auch noch Montag und Dienstag von 3—8 Uhr geSssnet bei freiem Eintritt. Wir bitten besonders die Frauen um zahlreichen Besuch der Wareo-AuSstellung, um sich von der LeistuiigSsähigkett der Consuin-Vereine zu überzeugen."MD Veiiaiissslellen de« Berliner Consum-Yereins: 128/14 orndorferftrahr 68 avrlbergeritrnsi« 6 lostoderstrasje 80 1. Michaelklrchplatz 4 4. 8 Krautstraste 7 5. 3. Liebigstraste 7 6. 7. Emdenerstraste 50. 8. Rummelsburg: Türrschmidtftraste 6 9. Berliii-Stralnu: Stralauer Alice 86A I«. Frankfurter«Haussee 103 1 �,..1.�..�..�... 11. Kroiiprinzenstrafte 1/ Friedrtchsberg-Llchtenverg. s FW_______ Dr. Schiäsiemann, Speztal-Arzt für(41022» Haut- und llnruieiaen, Frauenkrankheiten, Soydolstr. 9, dicht am Spitlelmorkt. Wochentags'(,18—'/.S,'/,S—'/,8> Sonntags 10—18. Otto PritZkOWS aaa«. Berliner rmiileitMü ITlünzstr. IO. Die drei lebenden « gr. anfltomifiijfn Wnndcr iflnsliel mensch Skelett-flensch G um mihaut mensch Fntree 80 I i Achtung! Kupferschmiede! Mittwoch, den 25. Oktober, abends 7 Uhr: AuOerortientliclie Mitglieder-Versaitimlung des Verbandes der Kupferschmiede Deutschlands(Filiale Berlin) in Dräsels Festsälen, Nene Friedrichstr. 3B. Tagesordnung: 1. Bericht über den Stand unserer Lohnbewegung. 2. Diskusfion. 3. Mitteilungen. Die Kollegen werden ersucht, direkt von der Arbeit zur Versammlung zu kommen und vollzählig zu erscheinen. 100/7 Der Vorstand. Donnerstag, 8«. Oktober, abends 8'/, Nhr, im»Rosenthaler Hof-', Rosenlhulerstr. 11/12: Krl»ilhri>-Ntrs«ii»iilling der Slcllüstichcr. Tage««Ordnung: 1. Bericht vom 3. Ouartal l90S. 2. Bericht von der Stellmacher» konferenz in Halle. 3. Wahl der Zenlraltommission. 4. Branchenangeicgcn- Helten. S. Verschiedenes. Die Kommissio». teMinfl! Ächtang! Küchenmöbel-Branche! Die Versammlung findet nicht am Donnerstag, den 20. d. MtS., statt, sondern am Donnrrstag. den 2. Novmber, abeuds 8 Uhr. > im.Englischen Garten". Alexanderstr 27 o. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Bericht der Kommission. 4. verschiedenes. DM- Alle in dieser Branche beschästlgten Maler find hierzu ein« geladen. Die Ortsverwaltung. 8BDSL0llei.KMlmstrM' Dir. W. Reimer. Heute Mittwoch: uuwehriedem Blatt. Lustspiel tn drei Auszügen von E. v. Wolzogen. Sonnt., Moni., DonnerSt.: Boirmauus Norddeutsche Sänger und Danzkränzchcn. Sonntag Beginn S Uhr, wochentags 8 Uhr. �ckanntmodsnng. 11> Abänderung zum Statut der' örk'llritckenIlWe für die Wäsilicslibrilüitiiiil vom 6. November 1892. Artikel I. In AIS werden die Worte.Kranken» Unterstützung, Wöckncrlnncn- Unter. stützung und Sterbegeld" gestrichen und dasür gesetzt:.die gesetzlichen Mindestleistungen". Jn_H 60 wird Im ersten Satze hinter den Worten.der Städtischen Spar. lasse zu Berlin" der Zusatz gemacht .oder einer im Aussichlswege" ge« nchmigten hiesigen Bant". Artikel II. Die Bestimmungen dieser Abändc« rung treten mit dem Tage ihrer Ge« nehiulgung in Krast. Berstin, den 7. April IVOS. Der Vorstand der OrtS« Krankenkasse für die Wäschefabrikation. Vorsitzender Schristsührerin F. Frantfurther. Dh. Guschte. Genehmigt durch Beschluß vom 12. August IVOS. Der BezirkSatisschust zu Berlin Abteilung II. fl» S.) Iiber. II C 71 05 275/17 zu 4020 Gew. IT 05. II C 71 05 Herz und Kaffee! Der Nerven« und Herz-Spezialist Dr. Hans Stall, Badearzt in Nauheim, sagt in seiner ausgezeichneten populär-wissenschaftlichen Bro- schüre„Alkohol und Kaffee in ihrer Wirkung auf Herzleiden und nervöse Störungen" wörtlich:— „Somit ist Tropenkaffee als Erreger des hohen Blutdrucks ein Herz- .schwächer, das im Kaffee enthaltene Koffein als Gift ein degenerierender .Feind deS Herzmuskels. Beide Wirkungen ergänzen einander, um das Herz „im Laufe der Jahre zu verbrauchen. Erwägt man, daß in der guten Gesell« „schast während eines ganzen Lebens das Herz täglich dieselbe Attacke des .MolkaS aushalten muß, so wird die Häufigkeit der Herzkrankheiten in guten .Kreisen erklärlich." Was folgt daraus?— daß man den regelmäßigen Genuß von Bohnenkaffee meiden muß, wenn man sich ein gesundes, ungcschwächt funktionierendes Herz erhalten will. Man braucht nichts für sein Herz und seine Nerven zu fürchten, wenn man sich an den vollkommen unschädlichen Kathreiners Malzkaffee hält und gewöhnt, der wegen seiner großen hygienischen Vorzüge und seines würzigen kaffceartigen Wohlgeschmacks, den er durch das patentierte Herstellungsverfahren erhält, von den Aerzten empfohlen und von allen, die ihn schon täglich trinken, als etwas Köstliches für die Gesundheit mit Wohlbehagen empfunden und hoch geschätzt wird. Diese unersetzlichen Eigenschaften des echten..Kathreiner" fehlen c.A,'n Nachahmungen. Der echte Kath» reiners Malzkaffee— das merke man sich ja genau— wird nur in geschlossenen Paketen verkauft, die das Bild und den Namenszug des Pfarrer Kneipp als Schutzmarke zeigen. Daraus achte man und beginne sogleich mit einem Versuche, der sich fürs ganze Leben lohnen wird. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt-Bureau: Engel-llser 15, Zimmer t— 5. Fernsprecher: Amt IV 9679. _ Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV, 3353. Donnerstag, 26. Oktober, abends 8'/, Nhr. im Bcreinshaus der Musiker, Kaiser Wiihclmsw. l8m, großer Saal: GeffrntNche Versammlung der Elektro xiVlonf eure Berlins und Umgegend. Tages-Ordnunp: haben die Elektro' t. Welche Lehren haben die Elektro Monteure anS der lebten Bewegung in der Elektro- Industrie zu ziehen? Rescrent: Kollcae A. Wuschlk. 2. Diskussion. Donnerstag, 26. Oktober, abends S'/s Nhr, chöuwalderstr. 80: im Lokale von Kumke, Hezirlls Versammlnng der Spanciauer Kollegen». Kolleginnen. TageS-Ordnung: l. Bortrag über:„Die Kirche und ihre Pflichten". Referent: De. Adolf Stern, Berlin. 2. Diskussion. 3. Verbands. Angelegen heilen. UM" Ohne Milgliedsbuch fein Zutritt."Dtg Donnerstag, den 26. Oktober, abends 8'/g Nhr, Rosinenstr. 3: im„BolkShmis", Kezirlts- Versammlung sür Charlottenbnrg und Umgegend. TageS-Ordnung: t. Bortrag des Kollegen pawlcrdtsch über: Was lehren nuS die letzten Kampfe fn der Efektro-Jndnstrfc?« 2. DiSfussion. 3. Bericht der GcivcrbegcrichtS« Beisitzer und Neuwahl derselben. 4. Verbands« Angelegenheiten. Zahlreichen Besuch erwartet 1S3/10 Die Orts Verwaltung. J�Teuc freie Volftsblibnc Morgen, Donnerstag, den 26. Oktober, abends 8>/z Uhr, in den Judustric-Festsälrn, Beuthfir. 19/20: Ordcntl. General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bortrag de§ Herrn Dr. faul keghaad:„Die Entstehung des modernen Theater««. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Bericht deS Kassierers und der Revtsoren. 4. Wahl de« Kassierers, der Revisoren und der Ordnerschast. S. Verschiedenes. 1S0/20 Eintritt nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte. Um zahlreichen Besuch bittet dringend Der Vorstand. I. A.: Heinrich Heft. IM Mim Am Donnerstag, den 86. Oktober 1005, bei Keller, Koppenstraße 29: Vertranensmänner-Versammlung für sämtliche Dezirke und Kranch yett. TageS-Ordnung: 1. Welche Lehren ziehen wir auS der Aussperrung in der ElektrizitätS-Jndiistrie? Reserent: Th. Glocke. 2. WertstattftreilS und Disserenzen, Verbandsangelegenheilen. 95/12* DM- RtttgliedSbuch nebst Kart? legitimiert."MD Die Ortsverwaitnng. Donnerstag, den 80. Oktober 1905, abendS 7 Uhr: General» Versammlung in den Andreas-Festsälen, Andreasstr. 81. Taae»«Ordnung: 1. Vorwag deS Genossen Ernst Bruckner: Partei utib Gewerfschasten. 2. Abrechnung vom 3. Quartal. 3. Bciiclit vom Gaulag. 4. Bericht über die Fenslersrage. 5. Wahl eines Revisor:. sür den Zentralvorstand. 196.10 »M- Mitgliedsbuch legitimiert. Ersthei Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Chadottenburg! Heute Mittwoch, den 85. Oktober, abends 8'/, Uhr, bei Schulz, Kaiser Friedrichftraste 84: Oeflenlliche Yersaramluny. TageS-Ordnung: 250/20 1. Die bevorstehcnden Stadtverordneten- Wahlen. Reserenten: Rcichslags» Abg Dr. Hiiidehum und die Kandidaten. 2 Dtslussion. 3. Verschiedenes. Der üinhernfer. Waü ösutsctier Eifer-, Frisrür- o. PerMmatlier- IMpErein Eerim.) Donnerstag, deu 80. d.M.. abends 10 Uhr Atcxaiidcrstr. 87 c im»Englischen Garten« verantw. Redakteur: Pau! Bütwer, Berlin. Für>eo gr.s-ratclU Ä ver-mtw' Djs. Glocke, B-rlin- Druck u.B.erlag'Borivär'» ifinSdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& So, Kombinierte General-Uersammlung. TageS, Ordnung: 1. Erledigung der Streitsragen innerhalb des Verbandes. Reserenten: Wesche und Schulz«. 2 Tistussion. 3. Bericht über die tclephonische Expreßsitzung am 17. Oktober 1905 vor dem Einigungsamt. Reserent: Baumgart. 4 a) Wahl cineS Delegierten zum GewerkschastSkartell. b) Wahl von zwei Delegierten zur SchllchtungStommisfion. DM- Mitgliedsbuch legitimiert. Die streitenden Partelen: fSehnljse. Wcsche. Bannigart. Weber. Balm SW. 26826 g,.250. 22.»«. 2. Cfilnflf dts.Hmiirls" Ktrlilltt Volksblatt. Ml'w.ch�o.mchniM. für die ansgksptrttru Arbeiter und Arbkiterinnen der Elektro-Industrie Kerlins und Umgegend fingen ein: Schauspiel-Klub„Zldalgiser" 70.00. Liste ll 730 Schebeik, Dront- iicimevslvaße 20,50. W. Wölmer, Schriftgießerei. Messing-Abl. 30.95. Liste 3844 Schütze u. Freund, Lichtenberg 27,80. Liste ll 0l4— 17 Möbelfabrik Ltto Schwarz, llrbanstraße 44,15. Liste ll 192 Frister u. Noßmann, Saal 37 ll,80. Liste 3172 Pianofabrik Neuseld 23,70. Liste 400l Mier u. Taubin, Älixdorf ll,50. Liste 11 049 Tischlerei Stavenow i3,—. Liste 11 779 Masch.- Fabril Palilsch 32,70. Liste 234 Buchdr-uckerei Hcckendorj>1,05. Liste 9843 Fietz u. Co., d. Slrb. 15,50. Liste 10 344 Gesellen und Lehrlinge Zander u. Opitz 12,45. Liste 11 144 Polierer Sachs u. Hesse 8,35. Liste 3030 Tischler Sachs u. Hesse 12.30. Liste II 143 Tischlerei Gronau 12,—. Liste 3094 Lietz u. Eckard 24,80. Liste ll 141 u. 42. 3040 Polierer und Tischler Heim u. Gerke 28,10. Liste 3020 Personal d. Fa. Trost u. Muninger l3,—. Liste 11 140 3,—. Ges. b. 74. Gcburlslag, Kopeiihagcnersliaße 3,20. Lifte 4759 Straft» u. Licht»Stat., Lcipziaerstraße 12,—. Liste 4700 2,75. Arb. d. Fa. Bechstein, Krünauerstraße, aus Listen 190,75. Packer v. Hecht. Pseiffcr u Co 5,—. Liste 10959 Slolloff u. Baudge 7,65. Liste 203 Buchdruckerei Gebr. Grunert, Vcrbandsmitgiieder 7,25. Liste 11557 Klempnerei Gust. Franke 18,10. Liste 0038 Buchdr. W. u. S. Löwenlhal 18,—. Liste 220 Buchdr. Haasen- stein u. Vogler 42,70. Liste 3883 Kronensabrik Karl Mehring 8,—. Liste 11503 Kammsabrik Gcrson 8,70. Liste 9834 Stocksabrik Gebr. Gold- mann 5,25. Liste 9725 Gießerei B. Joseph 74,30. Mclallarbeilcr-Bcrband, Branche Bananschläger, aus Listen 210,00. Liste 11585 Tischlerei C. Pohl 5.70. Liste 8377 Mctallwarensabrik Enus, Kreuzbergstraße 35,25. Liste 228 Buchdruckerci Simeon 14,70. Liste 9894 Tischlerei Morgenstern, Planuser 12,70. Listen 9043/44 Möbelsabrik Riesel u. Kämmer, Boxhagcncrstraße 42,35. Liste 9195 Bautischlerei Budig, 2. Rate 7,50. Liste 9190 Baulischlerei Grunert, 2. Nale 10,50. Liste 1801 Bautischlerei Licbock 0,90. Liste 9134 Bautischlerei Rachsall, 2. Rate 10,05. Liste 9102 Bautischlerei Lassen, 2. Rate 11,30. Liste 1802 Baulischlerei Kussin, Wollincrstraße, 2. Rate 47,75. Liste 9197 Baulischlerei LIeberentz 5,70. Liste 3201 Bautischlerei Binzig 9,50. Lifte 8973 Möbeltischlerei F. Zander 5,—. Liste 9853 Buchdr.-Hülisarb. d. ..Woche" 5.40. Liste 0020 Buchdruckerei von Pormetter 7,85. Liste 0097 Buchdruckerci H. Ps-il 10,20. Listen 9805-08 Firma Auerbach 85,35. Listen 4913—14 Firma Preßler 22,35. Liste 11737 Bauklempnerei schönseld u. Ueckert 14,05. Liste 4497 Tischler u. Polierer Möbelfabrik Kaiisch 11,75. Liste 3934 Tischlerei Dibbelt u. Rote, 2. Rate 7,25. Liste 215 Personal Blcltschncider u. Graeser, 1. Rate 33,10. Liste 0524 Former u. Gießerei- Arbeiter Th. W. Hoppe 13,40. Tapezierer u. Volierer Firma Münchebcrg 7,—, Liste 11592 Polsterer u. Dekorateure Skröning 5,90. Maler u. Tischler d. Küchenmöbelsabrkk Rosenau 10,—. Lifte 3090 Gürtlerei Butzkc, Ritter- straße 17,55. Liste 11038 Tischlerei Gocrz. Wilhelmslraße 0.-. Liste 8318 Tischlerei Gabler 3,80. Listen 3372—74 Pochnich 13,70.— Kassenbcamte Liste 1483 Orts-Yrankenkasse der Gastwirte 17,75. Liste 1488 Orts- Krankenkasse d. Tapezierer 0,—. Liste 1490 OrtS-Strankenkasse Weißensee 33,25. Gießerei Krüger, Prinzenstr. 23,10. Liste 11530 Arb. v. Stobwasser 30,80. Liste 4703 Dreher d. Firma Zemmlw 12,25. Liste 8250 Tischlerei Gäde, Wcitzensec 13,40. Liste 4503—.50. Liste 8955 völccke 7,45. Liste 11441 Pianofabrik Siewert 8,50. Liste 1372 Koll. d. Möbelsabr. Seifert u. Wolf 19,95. Liste 0035 Buchdr. Meier u. Glasemann 8,75. Liste 8387 Geiler 10,75. Liste 8057 Werkzeugmaschinensabr. Fritz Werner 57,—. Liste 0850 dito 33,50. Tischler u. Maschinenarbciter R. O. Dischleit 27,25. Arbeiter der Englischen Gasmesser- und Gasosensabrik Mariendors: Listen 3275 28,—, 9289 39,50, 9290 30,30, 9291 41,30, 3292 57,—. 9293 14,50. Liste 9942 Arbeiter der Schlosserei Biehl, Odcrbergcrslraße, 2. Rate 25,70. Liste 1433 Maschinenarbciter der Firma Köhn 5,50. Liste 887 P. Meyer 9.50. Liste 0073 Personal der Buchdruckerci Ostrowski 4,—. Von den Stcreotypeuren der„Deutschen Warte" 12,50. Liste 4113 Holzbearbeitungs- sabrtk Feibig, Pallijadenstr., II. Rate 13,90. Liste 0973 Tischlerei Markiewitz, Elisabeth-User, ll. Rate 27.—. Liste 3254 0,50. Liste 0770 1,15. Liste 0771 0,05. Liste 0772 43,—. Liste 9003 A. Rcumann 17,80. Firma Gebr. Klein- mann, Lcmdsbergerstraße 0,—. Liste 5342 Tischler und Stellmacher Mt-Moabit 13,55. AuS dem Reiche Budde 2,80. Liste 10 717 Firma Schulz Co. 13,25. Listen 0023—25 Setzer„Berliner Lokal-Anzeiger" 31,50. Liste 11631, durch Jahne 3,55. Listen 10332, 8701 3,50. Liste 5431, Werk- statt Fietze, 2. Rate 11,00. Morgensprache Herm. Kraatz, Diestenbachstraße 4,—. C. P. Goerz, Friedenau: Listen 7030, 7043, Abt. Brtmmcr 00,30. Lifte 7038, Abi. Klinke 18,50. Liste 7039, Abt. Stiege 32,-. Lifte 7045, Abt. Timpe 118,75. Liste 7047, Abt. Keltler 54,50. Liste 7048, Arbeiterinnen der Bohreret u. Photo-Montage 14,60. Listen 7049, 7050, Abt. Busch 97,50. Liste 7051, 9161. Schauer 25,75. Liste 4834, Kollegen der Firma Herwagen G. m. b. H 15,55. Liste 11749, Firma Tietz 3,05. Listen 7015/10, Rohrleger und Heiser der Firma'Angrigh 30,80. Liste 7284, Tischlerei Jeisel u. Co. 3,—. Liste 0201, Kollegen der Firma Benuer 23,10. Liste 5457 Pecher 9,— Liste 8300 Stirchenbau Grünau i Liste 8803 Bau Zeil, Treptow: Liste l0903 Von Bauarbeitern 22,25. Liste 4824 Gedtknecht, Gasanstalt Schmargendorf 3,80. Liste 8000 Fuhrmann 14,—. Liste 8006 Wiclke—.50. Liste 4831 Fabcr 22,50. Liste 4828 Steinmetzen vom Kriminal- gcricht 10,50. Liste 4827 Riegel 7,85. Liste 7893 Müller 4,25.. Liste 4830 Hahn 7,—. Liste 4833 Riegel 2.—. Plutzkasse d. Saalburger Marmor- werke 0,—. Listen 8879—84 Gkiamtperfoiial d. Buchdruckerci Jul. Sitten- seid 134,05. Liste 11437 5,75. Liste 11 558 von Herrn Meyer, Gebr. Roll 38,10. Listen 9048/49 Gesellschaft s. drahtlose Telearaphie 27,25. Liste 8730 Buchdruckerci W. Köpkc 11,20. Liste 207 Alfred Blaulenstein. Christburger« straße 8,25. Liste 208 Koll. v. T. Bändel d. Rcinholz 8,50. Liste 5136 Koll. d. Finna Moritz Schulz 9,50. Liste 9052 Lcistensabrik Gensichen, 2. Rate 10,—. Liste 219 Buchdruckerei Art. Schalem 12,—. 1 Lokomotivführer d. Stadt- bahn 1,—. Liste 8300 Bautischlerei Metz, darunter Kranzüberschuß 9,75 28,25. Tischlerei G. u. H. Schütze, Neuenburgerstraße, 2. Rate 25,50. Liste 231 4,50. Liste 3429 Mix u. Genest, Schlosserei 41,—. Liste 3802 Mir u. Genest, Telephonbau 10,75. Listen 3800/07, 3427 durch Engert 14,80. Liite 3812 Riß 11,55. Liste 3797 Angst 0,10. Liste 3794, 3790 Keller 24,40. Liste 3805 Fischer 4,—. Liste 3810 Marquardt 12,95. Liste 3804 Lehmann 4,90. Liste 3809 Wols 2,50. Liste 3815 Talaschcwski 0,95. Liste 11 040 Lioppe 4,55. Liste 0987—0990 58,82. Glasbläser und Glasschleifer, a Konto aus Listen 130,—. Liften 7545/40 Leipz. Buchbinderei, 9lkt.-Gcs. 23,20. Liste 9533 Frost 2,—. Liste 200 Ungenannt N. D. 7/8 13,40. Durch Heinr Albert Schulz aus Listen: 9014 10,15, 9010 3,15, 9021—.50, 9017 0,75, 9023 24.—, 9033 20,50, 9034 23,—. 9012 10.50, 9031 22,55, 9022 0,35, 9011 0,70, 9009 5,80.(?)—,50. Verband der Töpfer aus Listen 24,20. Liste 7508 Schraubensabrik Boden und Marzahn u. Ko. 23,50. Liste 5329 durch F. Page 17,05. Arbeiter der Berliner GenossenschastSbäckerei, sdarunter Ueberlchuß der Kranzspende für Frau Kappul 3,50 M.) 15,80. Liste 2513 durch W. G., Badstraße 11,10. Liste 2514 gesammelt von der sünstcn Verkaussstelle der Konsumgenossenschaft Berlin und Um« gegend, Gartenftr. 9,40. Listen 8757 u. 8759 1,—. Liste 1996 d. Müller 15,45. Liste 6042 7,75. Liste 11686 3,25. Liste 5422 Arb. d. Kammsabrik Brahn u. Co. 11,—. V. d. Stammgästen d. Rest. Schreiber, Btrkenstr. 10,—. Liste 0009 7,15. Liste 2822 29,30. Listen 10718/19 8,30. Liste 4057 durch Roschny 0,05. Liste 4054 durch Theile 12,10. V. Deutschen Senesclder« Bund, Lithographen, 2. Rate 409,40. Liste 3853 d. Pommerenke 8,20. Liste 3801 8,25. Liste 8102 Arb. d. Schneidemühle Schwtdetzki, Ackerstr. 10,16. Liste 8>72 16,50. Liste 8173 21,—. Liste 8174 7,-. Liste 8175 14,20. Liste 8176 7,-» Liste 8183 d Hustmann 11,05. Liste 8185 3,70. Liste 8188 9,50. Liste 8189 8,60. Liste 8191 5,15. Liste 81,92 5,15. Liste 627 durch Kuntz 5,45. Listen 11581 2,25, 11583 7,—, 4419 4,20, 8753 15,—, 11582 3,30, 8755 8,—. Liste 11579 von den zielbewußten Arbeitern der Kählsteinschen Wagenbausabrik 30,35. Liste 8902 von den Werkzeug- machern von Projan, außer zweien 14,50. Liste 8901 durch Peters 4,50. Liste 0423 deSgl. E. Schneesuß 5,15. Liste 0421 desgl. Walter Zcimert 4,10. Liste 11311 1,20. Liste 11037 Arb. d. Kistcnsabrik Rudolf, Grüner Weg 0,70. Liste 0012 v. d. Personal d. Buchdruckerei Oswald Dietze, Alte Jakobstraße 7,05. Liste 11022 R. OmankowSky 3,15. Listen>0520, 2051/52 d. Zchrolle 13,80. — Vereinigung der Maler. Liste 1129 3,00. Durch Knötsch Listen 1131 8,45, 1132 4,—. Durch Wallburg Listen 1133 13,25, 1170 4,50. Durch Köster Listen 1171 11,85, 1173 2.20, 1175 1,—, 1179 9,30, 1188 19,05, 1192 5,10. Firma Brnmann, Listen 7402 16,45, 7403 7,20, 7404 2,75, 7405 6,70, 7406 24,05, 10010 12,35, 10014 2,25, 10015 11,35, 10022 5,60, Firma Schmitt. Listen>0024 10,00, 10026 1,90, 1146 7,65, 1161 13,90, 1162 2,55, 1163 3,10, 1164 7,70, 1165 13,95, 1166 4,45, 1178 5,70, 1180 11,—, 1193 5,20.— Verband der Sattler Deutschlands, Orlsverwaltung Berlin, aus Listen ge< sammelt 202,75(darunter von d. Militär-Sattlern d. Firma G. Kröger 9,40). — Vom Verband der an Holzbearbeitungsmaschinen beschästigten Arbeiter: Listen 3999 7,90, 4000 14,—. 4009 1,—, Liste 4622 Maschinenarbeiter von I. C. Psast 15,65, Listen 4639 5,45, 4862 4,65, 4870 3,90, 4873 1,20, 4879 5,95, 9439 5,05, 9442 0,75, 9447 9,75. Liste 9450 Holzbcarbeitungssabrik Klapproth u. Hoppe, außer zweien, 2. Rate 5,75. Liste 9400 2.—.— Vom Verband der'Töpfer, Filiale Berlin: Liste 10 085 Bau Kretschmar 0,—. Liste 10 101 Bau Schmidt 4,25. Liste 0758 Bau Achimann 8,40. Liste 2075 Bau Schirmer 8,25. Lifte 4079 Bau Hast 8,75. Liste 4007 durch Weise 2,20. Liste 2703 durch Gäde 9,80.— Verband der Schmiede gesammelt aus Listen: 4583 10,10. 4585 9,—. 4590 4,—. 4591 23,50. 4592 14,—. 4593 3,20. 4594 9,20. 4595 19,25. 4596 3,—. 4600 14,85. 4604 23,05. 4608 Schlosser und Schmiede von Thyssen 40,20. 4014 10,70. 7920 0,25. 7928 2310. 7929 Hein Lebmann u. Co.. Abt. III 4,50. 7930 do. 24,10. 7931 9.—. 7932 12,40. 7933 18,20. 7934 Kunst- schmiede von A. M. Krause 31,40. 7935 5,50. 7930 4,00. 7937 3,00. 7938 8,50. 7939 1,—. 7913 4,50. Verband der Kupferschmiede Listen: 7452 13,20. 7454 2,50. 7457 8.20. 7400 0,35. 7401 4.—. 7405 12,20. 7407 2,75. 7471 6,40. 7473 0,80. 7474 18,25. 7475 17.—. 7477 18.00. 7478 7,50. 7482 7,15. 7484 1.—. 7488 13,00. 7497 3,20. 7498 7,70. Durch Jacobsen: Liste 2130 1,—. Liste 2159 Arb. u. Arbeiterinnen Jürst, AdlerShos 20,75. Liste 5013 A P. 3.-. 5022 Tost Töst 4,80. Liste 5025 Töst Töst 4,05. Liste 5051 Bau Kahlbaum, AdlerShos 19,50. Liste 5057 Sch. 9,05. Liste 9403 d. R. G. 4,00. Liste 21 19 00.—. 3.Ratc o Woyke, Köpenick 3,—. Eingegangene Listen vom Deutschen Buchbinder-Verband(Zahlstelle Berlin): 1591 1,30. 1592 9,—. 1595 5,75. 1599 2,25. 7815 2,85. 7825 12.—. 7820 5.—. 7833 10.—. 7838 19,05. 7839 8,50. 7840 0,25. 7811 18,30. 7842 15,20. 7843 14,—. 7817 0,95. 7348 10,70. 7849>0.—. 7851 4.75. 7855 14,05.— Zcntralvcrband deutichcr Textilarbeiter(Filiale Berlin): Aus Listen Nr. 4115 9,70. 4110 5,20. 4121 10,10. 4122 17,20. 4128 15,10. 4132 2.70. 0923 4,-. 0959 21,00. 0900 15,00. 0901 0,75. 0902 13,75. 0903 0,80. 9554 4,95. 9555 2,50. Summe 0419,92 M. Bereits quittiert 96 282,81 M. Gesamtsumme 103 702,73 AI. Berichtigungen: In Nr. 244 muß eS heißen: Von den Elektromonteuren der Finna Paul Keßner anstatt Heßler. Liste 8450 muß heißen: Cyklon, Maschinenfabrik, Mainzerstraße. In Nr. 243 muß es nicht Liste 11497 13,55 M.. sondern 11457 18,55 M. heißen. Liste 8004 mit 28,50 M. ges. v. d. Schiostern d. Neuen Phologr. Gesellschaft. rtSTs muß heißen: Kcup, Tischlerei, Neue Hochstr. 24 35,— M., nicht: Key. Weitere Sendungen werden entgegengenommen im GcwcrkschaslSbureau von 11—1 und 6—8 Uhr, Sonnabends und Montags von 4—3 Uhr im Saal lll. Postsendungen sind an A. K ö r st e n, Engel-User 15, zu richten. Der Ausschuft der Berliner Gewerkschaftskommission. Beim Gewerkschaftskartell für Berlin und Umgegend gingen bis zum 24. Oktober folgende Beiträge ein: Arbeiter des königl. Feuerwerk-LaboratoriumS Liste 158 81,40. Batt Treptow Anilinsabrik Liste 155 durch Rackc 7,80. Liste 104 1,—. Liste 102 durch Müller-Spandau 3,81. Liste 307 d. Nebentisch 10,70. Arbeiter der Fabrik Hinz-Steglitz Liste 1037 28,—. Verein der Zimmerer Köpenick durch Noack: Liste 080 2,85, Liste 087 13,30, Liste 088 14.—. Liste 314 durch Lauseid 3,30. Fachverein der Musik- Jnstrumentenarbciter aus Listen, 2. Rate 410,75. Bautischlerei Spange, Liebenwaldcrstr. 31. Liste 432 14,80. Liste 439 u. 429 d. tzosfmann 14 55. Kollegen der Pianofabrik Wittig d. Kamenz 19,50. Verein Berliner Haus- dicner: Liste 1207 d. Busse 2,70. Liste 1209 d. Schlinle 9,25. Liste 1208 durch Vergens 11,30. Liste 1213 durch Löstler 1,35. Liste 1215 durch Preuß 11,20. Liste 1213 durch Oltcrsdors 2,—. Liste 1219 durch George 4,50. Liste 1220 durch Strumrey 2,30. Liste 1221 durch Kirchmeyer 11,35. Liste 1229 d. Barcnthin 4,15. Liste 1231 d. Becker 5,10. Liste 1237 d. Krause 5,35. Liste 1245 d. Dannenfester 2,50. Liste 1247 durch Bewig 4,20. Liste 1249 d. Lehmann 2,10. Liste 300 d. Frau Salatowski 24,05. Lifte 091 und 092 d. Kollmann 31,10. Listen 071, 072 u. 073 d Neu- mann 0,70. Liste 1193 d. Purann 7.75. Liste 055 Glaserei Funke u. Arnheim 10,50. Liste 054 Glaserei Hildebrand 14,00. Liste 053 Glaserei Jureck 12,10 Liste 052 Glaserei Jessel 13,70. Liste 051 Glaserei Markus 0,15. Liste 018 Glaserei Gerlach 7,50. Liste 040 Glaserei Gregoleit 12,05. Liste 045 Glaserei Gregoleit 9. Liste 043 2,50. Liste 044 0,90. Liste 047 2,—. Liste 049 0,30. Liste 303 d. Bcllack 0,40. Von den Fliesenlegern: Liste 441 d. Holzwarth 11,90. Liste 443 durch Paul Pagel 5,40. Liste 444 0,50. Liste 445 dura, DalaschinSki 9,50. Liste 448 durch Sydow 14,50. Liste 449 durch Miclitz 20,50 Liste 450 durch Baber 13,85. Liste 835 durch Puttlitz 2l.20s Liste 890 gel. d. Gicsche in Düsseldors 53,10. Liste 891 d. Mielitz 12,50. Liste 894 d. Stupke 1,—. Schlosser der Firma Brabandt-Weißenscc, Liste 1198 7,10. Zimmerer Weddiug d. Ernst Gumz: Liste 019 10,—, Liste 024 12/35. Liste 625 5,40, Liste 627 1,75. Zimmerer Nord-Ost durch Labitzke: Liste 002 7,55. Liste 030 5,70. Liste 005 4.-. Liste 000 2,25, Liste 007 4,—, Liste 008 0,50, Liste 010 12,50, Liste 014 0,50, Lifte 015 2,05, Liste 972 11,55, Liste 971 1—, Liste 022 d. Plantikow 7,50. Liste 93 und 94 durch Münnick 12,—. Zimmerer Weißensee d- Stoetzel: Liste 4 0,—, Liste 1089 13,95, Liste 1090 1,00, Liste 1091 4,20. Zimmerer Süden d. Schüler: Lifte 07 4,80, Liste 08 14,75, Liste 71 7,—. Zimmerer Osten: d. H. Lchmann Liste 23 10.05, Liste 25 5,50, Liste 87 2.20, Liste 41 4,50. Zimmerer Schönebcrg d. Wasch: Liste 923 2)50, Liste 929 14.10. Liste 22 5,—. Liste 15 2,80, Liste 21 4.-. Liste 10 10.—. Liste 9 4,15, Liste 8 8,70, Liste 17 1,30, Liste 11 4.30, Liste 689 d. C. Noack, Köpenick 4,—. Kollegen von R. Zechlin, Alexanderplatz Liste 1199 9,25. Osnabrücker Papicrwarcnsabrik Liste 35 u. 30 d. Söcrit 30,20. Kollegen der vereinigten Geldschranksabrik Liste 1195 23,—. Liste 1185 d. W. Genat 1,30. Liste 1181 d. F. Genat 4,—. Liste 1197 d. Adomeit 8.20. Durch Böttger: Liste 245 0,50. Liste 869 1,—. Lifte 1040 10,60 Liste 859 9,25. Liste 857 8,25. Liste 856 38,15. Liste 291 49,-. Liste 292 6,—. Liste 852 8,70. Liste 842 13,75. Liste 1058 20,20. Liste 844 8,85. Liste 848 7,65. Liste 1050 9,—. Liste 283 9,16. Liste 246 4,75. Liste 858 10,80. Liste 227 7,—. L ste 837 4,25. Isolierer von PoSnanski u. Strclitz Liste 324 17,85. Liste 327 12,95. Liste 320 d. H. Petsch 18,25. Liste 330 Isolierer d. Irrenanstalt Buch 7,80. Liste 1375 Isolierer von Horn u. Taube, 2. Rate 12,20. Liste 54 d. Klictz 3,30. Liste 923 d. Dornbrack 2,90. Liften 88 u. 89 durch Blase 7,—. Liste 59 d. Menz, Wilhelmshavenerstr. 01 20,—. Zimmerer Moabit d. Weisel: Liste 00 21,85. Liste 01 3,20. Liste 03 0,50. Liste 040 0,00. Liste 755 3,40. Liste 917 4.—. Liste 919 15,70. Zimmerer Charlottenburg durch Webers: Listen 75 und 87 13,70. Liste 24, Taufe bei Kcrkau 0,50. Zimmerer Osten d. H. Lehmann: Liste 23 10,25. Liste 31 1,75. Liste 34 7,75. Liste 585, ges. in dem Restaurant Otto Kuntz«, Lortzingstr. 28 18,35. Zimmerer Norden d. O. Knauer: Liste 582 4.75. Liste 589 0,60. Liste 591 12,70. Liste 593 0,30. Durch Böttger: Liste 243 10,50. Liste 873 10,40. Liste 1032 7.—. Liste 202 14,50. Liste 20? 4,35. Liste 220 3,50. Liste 225 21,80. Liste 200 9,00. Lifte 258 10,20. Liste 217 17,30 Liste 209 14.80. Liste 200 28,05. Liste 205 11.—. Liste 203 20.50. Liste 209 7.—. Liste 204 5.—. Liste 208 7,05. Liste 203 0,30. Liste 845 4,50 Liste 877 9,45. Liste 1003 1,50. Liste 255 19,10 Liste 242 9,20. Liste 1031>2,55. Liste 840 7,50. Liste 847 3,10. Liste 866 6,—. Liste 862 10,55. Liste 864 31,45. Liste 300 2,35. Liste 1033 6,—. Liste 299 0,45. Liste 230 5.20. Stukkateure: Liste 571 3,75. Liste 573 2,50 Liste 580 3,40. Liste 750 4,20. Liste 105 Umbau Gebrüder Jakob durch Meyn 3,95. Liste 117 durch O. Metzle 1,20. Liste 125 durch Debrodt 0,35. Liste 120 Zahlstelle Nord durch Butschke 11,50. Liste 143 d. Otto Panzer 4,40. Liste 147 d. Fuhrmann 5,15. Liste 152 Bau Leipzig crstr. d. Senstleben 3,75. Liste 173 Zahlst. Charlottenburg 3,95. Liste 181 Bau Dresdner Bank d. Simoleii 1,50. Liste 183 Bau Starlstraße, 3. Rate d. Bevier 5,80. Liste 190 d. Gcorgi 2,—. Liste 197 d. Kielblock 3,70. Liste 198 Bau Lindowerstr. 18/19 d. Zschoch 10,05. Liste 199 durch Zschoch 9,55. Summa 2278,00 M., bereits quittiert 9992,13 M., zusammen 12 270,24 M. Berichtigung: In der vorigen Quittung muß es anstatt Liste 023 d. Grundt heißen: Li st e 023 d. Er n st Gumz Aus Liste 345 muß es nicht heißen 0,55, sondern 9,03. Ferner muß nachgetragen werden: Liste 581 10,10. Die Listen 421 und 422 find nicht vom Fachverein der Tischler abgeliefert, sondern Liste 421 Freie Turncrschast Rixdors I. Abt. d. Otto Ehrhardt 10,—. Liste 422 Tischlerei Bauman» it. Hossmann 8,10. Die vom Gewerkschastskartcll bezogenen Sammellisten werden täglich von 9—1 und 4—8 Uhr im Bureau des Kartells, Dragoncrstr. 15 Hof 1 Tr. entgegengenommen. Gelder, die mit der Post eingehen, sind zu adressieren an Albert West- phal, Dragoncrstr. 15. Der Ansschuft. Deulzetier iHolzarbeiter-Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, I daß der Tischler MiicIi Teichler | am 22. Oktober verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am l I Donnerstag, den 20. Oktober, I nachmittags 2'/, Uhr, von der' I Leichenhalle des Neuen Jakobi. I Kirchhofes in Rixdors, Hermann- | straße auS statt. Um rege Betelligtmg ersucht 95/13 vi« Orwvsrwallung.| Deutscher Holzarbeiter-Verband. Nachrnf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Tischler lieder! Bartz„ am 20. Oktober verstorben ist und am 24. Oktober zur letzten Ruhe gebettet wurde. Ehre seinem Andenken k 95/14 Ol» Ortsverwallung Danksagung. Für die vielen Beweise der herz- lichcn Teilnahnie und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres so plötzlich verstorbenen lieben ManneS und BaterS sagen wir allen Teilnehmern unseren ausrichtigsten Donk. 481 iL Witwe tHIma Em ort nebst Kind. Allen lieben Freunden und Bc- � 1 kannten die traurige Nachricht.' daß meine Innig geliebte Frau, [ unsere herzensgute Mutter und' Schwiegermutter Luise Zeuge geb. Schlüter im Mter von 44 Jahren am Montag früh 4'/, Uhr nach langem, schwerem Leiden saust ent- schlasen ist. Um stilles Besteid bitten Der trauernde Gatte Xcage nebst Kindern u. Schwiegersohn. Die Beerdigung findet am I Donnerstag, den 20. Oktober, I nachmittags 4 Uhr, von der I Leichenhalle des Naznreth-Kirch- Hofes in Reinickendors-West, Ber- I tinerstraße, aus statt. 2870b VeTtolj lier freien Gast- nnil Sebankwiile Deiilsclilands. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die Frau unseres Kollegen Leugs am 23. Oktober verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 20. Oktober, nachm. 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS Neuen Nazareth-Kirch- Hofes(Reinickendors-West), Ber- linerstratzc aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 70/0 Die Ortöverwaltung. Dr. Sirnrnel, Spezinlarzt für 29/14* lluut- und lini-nlfldt-n. 10—2,5—7. Sonntag» 10—12, 2—4. Todes-Anzeige. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter Anns>Vi-eii am 23. Oktober 1905 nach turzem, schwerem Leiden sanst entschlafen ist. Die Beerdigung findet am 20. d. Mts. von der Leichenhalle de? Gethsemane- Kirchhofes In Nieder-Schönhauscn aus statt. Wilhelm Wreh 2877b nebst Verwandten. AIS ein durch taufende von Dankes- schreiben anerkanntes Mittel gegen Magenleiden empfehlen wir den echten InWen Kräuter-Magen-Likör. Allein zu beziehen: 34/174 Oetir. Kiehn, Hannooer, In d. Flage*. Jede Auskunst w. gern kostenlos erteilt Vivi' Ken! Oulmhacher.... 30 Fl. 3,— M. Oeulsch Porter.. 16„ 3,—, Märzen-Versand.. 30, 2,25„ 7 atet-Malzd., ärztl.empf. 30„ 3,—„ (f. Weißbier(C Landrö) 30. 2,25. Weizenmalzd(A.Werm)30, 2.25, Talelb. ff,(Ciilmb. Art) 30. 2,50. Wcrlstäkt. gewähre Ermäßig. Psandsrel. Bierkelierei Alexandrlnenstr, 58. • Telephon IV, 8171. Feine Pelzwsren Stolas-Jaeketts in vorzüglicher Ausführung sehr preiswert. 49/12* 57 IiClpxiger.-«(raße 57 Unf neben den Kolonnaden"ül. Kein Schanknstentt Nach Zeitungsberichten hat in der Stadtverordneten-Bersammlung vom 19. d. Mi», der Herr Oberbürgermeister der Stadt Berlin ausgesührt, daß die Stadtgemeinde im Jahre 1920 zur Uebernahme deS Betriebes unseres BahnuniernehmenS berechtigt sei. Zum Beweise dessen hat er ein Schreiben der unterzeichneten Direktion vom 18. Mai 1890(nicht 1898, wie in der Presse vielfach gesagt ist) teilweise verlesen. Diese Bewelsfiihrnng krankt daran, daft das angeführte Schreiben für die end- gültige Bertragsveretiibarung völlig bedeutungslos ist: es stellt nichts weiter dar. als eine Phase in den Borverhandlungen, die nicht bis zu einer vertragsmäßigen Ber- einbarung gediehen ist, vielmehr schon bei de» nächsten Verhandlungen wieder verlassen wurde. Die Anführung dieses Schreibens hat anscheinend die öffentliche Meinung irregeführt und zwingt uns da» her zu nachstehender Erklärung: Die MagisttatS-Kommission hatte uns am 12. Mai 1890 ersucht, ihr die Geldsummen miizutcilen, die für den Fall deS UebergangeS unseres Unternehmens im Jahre 1912, 1913 usw. bis 1920 aus die Stadtgemeinde verlangt würden. In unserer Antwort vom 18. Mai lehnten wir eine Abtretung des Unternehmens gegen Ent- schädigung vor dem Jahre 1920 überhaupt ab. Die Verhandlungen zwischen der Stadtgcmeinde und unS gingen daraus bis zum Vertragsabschluß über cht Jahr weiter. Hierbei zog es die Stadtgemeinde— offenbar auS pekuniären Gründen— vor, von dem unsererseits angebotenen, dem Klcinbahngcsch entsprechenden ent- geltlichen Erwerbsrechte des Gesamtunternehmens mit dem Ziele aus Betriebsübernahme abzusehen und statt deffen sich lediglich den unentgeltlichen Eigentumsübergang bestimmt präzisierter Vermögensstücke unseres Unternehmens— nämlich der Schienen mit Zubehör und der Patente usw.— im Jahre 1920 auSzubedingen. Schon in der mündlichen Erörterung vom 29. Mai 1890, also nur wenige Tage nach Abfassung beS mehrerwähnten Schreibens erhielt der betreffende§ 31 deS Vertragsentwurses laut der vom Magistrat aus- genommenen und uns mitgeteilten amtlichen Niederschrift folgende Fassung: „In daS Eigentum der Stadtgemeinde übergehen soll nur der Bahnkörper(Belriebsgleise) nebst Ständern und ZuleitungSdrähten usw." Beim endgültigen Vertragsabschluß wurde sogar dieses Recht aus Uebergang deS Bahnkörpers noch erheblich eingeschränkt, so daß der§ 36 deS Vertrages folgendermaßen lautet: „Der Bahnkörper(BetriebSstrecken), soweit er sich aus In städtischer UnterhalwngSpflicht befind- lichcn Wegestrecken befindet, nebst Zubehör(als Ständer, ZulcitungSdrishte usw.) und nebst den etwa aus städtischem Grund und Boden errichteten Warteräumen(A 22) geht unentgclllich in das Eigentum der Stadtgcmeinde Berlin über usw." Hiernach hat sich die Stadtgcmeinde Berlin durch ß 30 deS BetriebSumwandlungS-VerttageS lediglich den unentgeltlichen Uebergang eines Teile» des Gesamtbahnkörpers und einzelner Nebenrechte, nicht dagegen, wie ursprünglich von uns angeboten, ein klelnbahngesetilicheS Erwerbsrecht aus daS ganze Unternehmen mit dem Ziele aus demnächftige Betriebsübernahme ausbedungen. Ein Schreiben in gleichem Sinne wie die vorstehenden Darlegungen haben wir an den Magistrat und Me Stadtverordneten-Versammlung von Berlin gerichtet. 4819L Die Direktion cler Großen Berliner Straßenbahn» Dr. Micke, von Kühlcwein. Koehler. Andreas-Festsäle, @ Inhaber: Fritz Walter. Andreasstraße SR. Allen Vereinen, Gewerkschaften und Klubs die ergebene Mitteilung, daß ich selbige Säle am 1. Oktober übernommen habe, stelle sie mithin zur Abhaltung von Festlichkeiten und Versammlungen unter günstigen Bedingungen zur Ver- sügung. Um regen Zuspruch bittet l!'rU-i Walter. Sretmabor- Bäder und Jenensia- Räder auf Teilzahlung! 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Krühn, Weiffenbürger- straffe 42, vorn IV.+51 Schlafstelle sür zwei Herren zu vermieten Wanzlickstraffe 20 IV, de Eifflcr.+120 �rbeitsmarkt. Stellengesuche. (flsholz, Komiker, straffe 6._ nur GropiuS- 2702b* Ichmeltzer, Volkshumorist, auch mit Gesellschaft. Slettinerstraffe 57. Treuer, Humorist, Improvisator, Anklamerstraffe 24. 2847b» Blinder Stuhlflechter bittet um Arbeit. Stühle werden abgeholt und zurückgeliesert. A. Gläser, Mulack- sttaffe 27. 1468b Beelitzer treffen sich Langestr. 71, Ecke Koppenstraffe am Schlesischen Bahnhos beim ehemaligen Beelitzer- Hermann Lischke�_+133* Zeichenunterricht sür Maurer und Zimmerer. Ausbildung von Baupolieren. R. Buchholz, Architekt, W., Eisenacherstraffe 103. Anmeldungen Sonntags von 9—1. 2489b* Stellenangebote. Nebenverdienst sür jedermann. Auskunft kostenlos. H. Wolf, Zwickau, Elfäfferstraffe 40._ 881.«» Schloffergeselle» aus Baubcschlag, verlangt bei hohcm Verdienst Schlosserei Blume, Charloltenburg, Schiller- straffe 97. 27S0b* Tüchtige Stepperinnen und Hand- Näherinnen aus Wochcnlohn verlangt Eassube, Fliederstraffe 14, parterre. Geübte Wcstcn-Näherinncn aufferm Hause, dauernde Beschäfttaung sofort verlangt Jägerstratze 70, Laden.* Goldleisten-Belcgerinnen werden verlangt Köpenickcrstraffe 109». Zum Benageln von Spazier- und Schirmstöckcn geübte Naglcrin ver- langt Stocksabrik, Ritterstraffe 59. Nagler zum Beschlagen von Spa- .icr- und Schirmslöcken verlangt Stock- abrik, Rtttcrstraffe 59. 2865b Waschfrau verlangt Preß, Ma- riannenplatz 11.+13* 100 Mamsells auf Jacketts ver- langt Riewe, Eberthstraße 9. 2844b 9w«rbeitsmarkt durch Sefanderen Truck hervorgehabe«« •«zeig«« koste» 40 Pf.(im Zeil«. Tüchtige Versilberer finden dauernde Beschäftigung. A. Uechtenbach, 4816Ü* Stendal. Banhand werker! Der Streik der Rohrer dauert unverändert fort und ersuchen wir alle Bauhandwerkcr, weil verschiedene Firmen, die nicht bewilligt haben, an Arbeitswillige Slrbeitsbcrechtigungs» karten ausgeben, um Irrtümer herbei- zusühren, sttcng darauf zu achten, und haben nur die von der Organi- sation herausgegebenen gelben Karten Gültigkeit, wenn dieselben mit dem Stempel der Lohnkommission ver- sehen sind. 296/4 Die Lohnkommisiion der Rohrer Berlins n.llmgegend. Bureau: Dragonerslr. 16. Osuisciier Holzarbeiter-Verband. Tiselilep u. Einsetzer! Die Bautischlerei Schneider, Görlitzer Ufer, und der Bau Schneider in Südende, Lichter- felderstrafie. Ecke Potsdamcrstraffe, sind wegen Differenzen gesperrt. Der Bau Hni-tsicb, Halensee, ioachim Friedrichstr. 8. ist für odenleger gesperrt; dort werden Parkettboden von Arbeitswilligen zu Preisen unter dem Tarif gelegt. Xnzug ist fernzuhalten! _ Die Ortsverwaltung. Achtung! Achtung! Bauarbeiter! Da eine Anzahl entlassener Arbeitswilliger versuchen bei verschiedenen Fabrikanten Arbeiten aus den Bauten unter dem Tarifpreis anzuserttgen, machen wir darauf aufmerksam, daff unsere Kollegen gi-nne, monatlich gestempelte Kontrollkarten haben und aus Verlangen vorzeigen. 96/8' lioninilsislon der JalouMle-Arbelter. Für meine Schriftmalerei aus Emailleschilder suche ich einen draorn jühtiing MAS'-. G. Dlchanz, Mühlenstraffe 73. verein der Töpfer Berlins und Umgegend. Auf dem Bau der Firma Blnin- feld(ausführender Töpfermeister Here) in Pankow, Grnnowstr. c;, haben die Kollegen wegen Lohn- differenzcn die Arbeit eingestellt. Der Bau ist infolgedessen gesperrt. 296/13 Der Borsiand. IParteifekretär für die provinz Scblcöwig-ftolftdn. Der Posten eines besoldeten Sekretärs der Agitationskommission sür die Provinz SchleSwig-Holstein, deren Sitz Altona ist, ist vakant ge- worden und neu zu besetzen. Das Ansangsgehall beträgt»400 Mark pro Jahr. 296/6* Die Bewerber haben, unter Angabe ihrer bisherigen Tätigkeit in der Arbeiterbewegung, einen knapp gcsafften Aussatz über die Ausgaben eines AgitationSIeiterS bis zum 4. November d. I. an den Genossen v. Elm, Hamburg-Eimsbüttel, Schäsersttaffe 19, mit der Ausschrist„Bewerbung' einzureichen. Die Kommission. 8. I. Hnnabme-öteUen für„kleine Hnzeigen". Osten: WengelS, Frankfurter Allee 79. Gustav Bogel, Koppcnstr. 83. H. Ramin, Gr. Franksurterslr. S1. » Aloedosten: . Zucht, Keibeistr. 42. . Reut, Barnimstr. 42. jVorden: H. Raschle, Rügeucrstr. 24. Kart Mars, Lnchenerstr. 123. Carl Weifte, Wicfenslr. 41/42. L. Dechand. Ruheplatzstr. 24. H. Bogel, Demminerstr. 32. A. Tieft, Jnoalidenstr. 124. �ioedHvesten: Karl Anders» Salzwedclerstr. 8. SMidn-esten: H. Werner, Mittenwalderstr. 30. H. Schröder, Kreuzbcrgstr. 16. Süden: St. Fritz, Prinzcnstr. 31. F. Gutschmidt, Kottbuser Damm 8. Uüdoston: Pc»! Böhm, Lausitzer Platz 14/16. P. Horsch, Engel-User 16. Charlottenburg: G. Schömberg, Sescnhcimerstr. 1. IPrlcdrlchsberg: O. Seikcl, Kronprinzcnstr. 50. Ilixdorf: M. Heinrich, Prinz Handjcrystr. 7. Conrad, Hermannstr. 50. tziehiineberg: Wilh.Bäumler, Marlin Lutherstr. 61. WelLen»ee: W. Reske, Scdanstr. 53. Jul. Schillert, König-Ehausscc 39a, Rein leben dorf: P. Gursch, Prooinzslr, 108. Bcrantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtZ«Zuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co» Berlin SW. tag. eine partei-Hngclcgcnbclten» Steglitz. Den Parteigenossen zur Nachricht, dag am DonnerZ- den 26. Oklober, abends 8>/z Uhr, im Restaurant Schcllhase außerordentliche Mitglieder-Versammlung statlfindet. Tagesordnung: 1. Das OrgauisationSstalut von Groß- Berlin. Referent: Genosse W o l l e r m a n n- Schoueberg. 2. Wahl von zlvci Delegierten zur Generalversammlung. Zahlreiches Er- scheinen wird erwartet. Der Vorstand. Zossen. Heute, Mittwoch, den 25. Oktober, abend? 8 Uhr, hält der Wahlverein seine Generalversammlung in Schimkes Lokal ab. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Kassenbericht, Jahres- bcricht, Neuwahl des Vorstandes, Wahl der Delegierten zur General- Versammlung. Stellungnahme zur Stadtverordnetenwahl ec. Zur Lokalfrage ist zu bemerken, daß das jetzt C. Niiffersche Lokal(„Weißer Schwan") uns nicht zur Verfügimg steht, also streng zu meiden ist. Vereins- und Versammlungslokal ist nur allein das Schimkesche Lokal. Der Vorstand. Spandau. Am Freitag, den 27. Oktober, findet bei Köpnick, Pichelsdorferstraße 3l>, eine Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht von der Provinzial- konferenz. Bericht der Stadtverordneten. Aufstellung von Kan- didaten. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen aller Genossen dringend notwendig. Am Sonntag, den 29. Oktober, früh; Flugblattverbrei t u n g, zu welcher alle Genossen eingeladen sind. Samniel- Punkt in den Bezirkslokalen um? Uhr. Der Vorstand. Vorort- l�acdricdten. Charlottenburg. Die Parteigenosse»»nd Gewerkschaften werden hiermit ersucht, die noch in ihren, Besitze befindlichen Sammellisten für die Aus» gesperrten in der Berliner Elektro-Jndnsirie baldigst beim Genossen Franz Jost, Grünstr. 23, abgeben zu wollen. Der Ausschuß der Charlottenburger Gewerkschafts-Kommission. Liberale Stadtvcrordnctcnkandidatc». Der liberale Block, be- stehend ans einigen freisinnigen Bezirksvereinen, dem freisinnigen Arbeiterverein, dem nationalliberalen Wahlvcrein und dem Ströhlerschen Konnnunalwahlverein, hat seine Stadtverordneten- kandidaten aufgestellt. In der ersten Abteilung kandidieren die Herren Gymnasialdirektor Dr. H u b a t s ch, Kaufmann W v l l in e r, Prof. Prosta u er. Fabrikbesitzer Mann, Rentier Ring, Rechtsanwalt Dzialoczynski, Rentier Schwaß, Oberberg- Hauptmann Freund, SanitätSrat Dr. Landsberger, Medizinalrat Dr. R o s e; in der zweiten Abteilung Ziegeleibesitzer Heise, Rentier Wenig, Regierungsrat Dr. S I a dl h a g e n, Schriftsteller Dr. P enzig, Rechtsanwalt Holz, Dr. Rüth ig, Oberstleutnant Stein, Fabrikbesitzer de G r u y t e r; in der dritten Abteilung im ersten Bezirk Eisenbahndircktor a. D. C a I l a m und Bureaudirektor B o l l m a n n, im zweiten Dr. R o t h o I z, im vierten Töpfermeister K n ö f c l, im fünften Malermeister Winkel, im sechste» Rentier TiniuS, im siebenten Stadtv. Jolenberg, im achten Rentier Platz und Lehrer Otto. Der Wahlkanipf in der dritten Klasse wird voraussichtlich recht heftig werden. In den letzten Jahren war das Verhältnis folgendes: Es wurden im Jahre 1899 abgegeben in der dritten Klasse 3162 sozialdemokratische und 4878 bürgerliche Stimmen, im Jahre 1901 4786 sozialdemokratische und 4899 bürgerliche, im Jahre 1903 5033 sozialdemokratische und 3894 bürgerliche Stimmen. Trotz dieser gewaltigen Zunabme ihrer Stinnnenzahl wird die Sozialdemokratie sich nicht in Sicherheit wiegen dürfen, sie muß vielmehr angesichts der Anstrengungen der Gegner den letzten Man» an die Wahlurne bringen. In der ersten und ztveiten Klasse sind wir dank dem Dreiklassen-Wahlsystem machtlos, aber in der dritten Klasse muß dem frcisinnig-nationalliberalen Klüngel eine eklatante Niederlage bereitet werden. Allzu sieaeszuversichtlich sind die Herren ja nicht, denn sonst hätten sich nicht bisher in der dritten Abteilung gewählte Liberale in die zweite Abteilung geflüchtet. Den 7. und 8. Bezirk(Gegend der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche) haben die Liberalen für frühere Stadlverordnete reserviert, den 4. und 5. Be- zirl, die zu den Hochburgen der Sozialdemokratie gehören, haben sie Mitgliedern de-Z freisinnigen Arbeitervereins überlassen, die eine Ehre darin erblicken, sich von der liberalen Bourgeoisie als Durchsallskandidaten mißbrauchen zu lassen, für den dritten Bezirk haben sie überhaupt noch keinen Kandidaten. Gerade in diesem Bezirk aber ließe sich am ehesten die Probe auf's Exempel machen, ob die Bevölkeutng wirklich von den Liberalen noch etivas wissen will. Aber in echt liberalein Kampfesmut geht man dem Urteil der Wähler aus dem Wege und prahlt dann'mit den„Siegen" in der ersten und zweiten Klasse. Rixdorf. Gegen Fleischwnchcr und Flcischnot. In einer der letzten Stadt- berordneten-Sitzungen war der Beschluß gefaßt worden, den Magistrat zu ersuchen, in gemischter Deputation mit den Stadtverordneten über Mittel und Wege zur Linderung der Fleischnot zu beraten und eine Petition an den Bundesrat abzusenden, die die Regierung um geeignete Maßnahmen zur Beseitigung der Flcischnot ersuchen sollte. Vor einigen Tagen fand nun diese KommissionSbcratung statt. Den Vorschlag, den Herr Podbielski in seiner Weinlaune gemacht hat, die Städte sollten selbst die Viehzucht in die Hand nehmen, fand allseitige Zustimmung. Man erkannte den Nutzen einer städtischen Viehzucht auf den Ricselgütern zur Erleichterung der Fleischkonsums allseitig an und beschloß, der Tiefbaudeputation. die für die Ricselgüter zuständig ist, auszugeben, darüber Erhebungen anzustellen, auf welche Weise eine große Viehzucht auf den städtischen Rieselgiitern einzuführen ist.— Hoffen wir, daß diese Deputation recht bald zu günstigen Resultaten in dieser Frage kommt. Des weiteren gelangte eine vom Magistrat verfaßte Petition zur Ver- lesung, deren Absendung an den Bundesrat, den Reichskanzler und Landwirtschaftsminister beschlossen wurde. Ans dieser Petition mögen einige Absätze hier folgen. Nach einer Einleitung, die ein unbedingtes Eingreifen des Staates gegen die Fleischnot fordert, fährt die Petition folgendcnnaßen fort: „Daß der jetzt bestehende Fleischmangel die Gesundheit der Be- völkeruug und namentlich der gerade für Ripdorf am meisten in Betracht kommenden minder bemittelten Bevölkerung aufs ernst- hafteste schädigt, und daß die drohende Seuchcngefahr durch die mangelhaste Eniährung gerade der arbeitenden Klassen infolge der verminderten Widerstandsfähigkeit erheblich gesteigert, � daß die Wehrfähigkeit geschmälert und daß endlich die II n z u- lfriedenheit der ärmeren Bevölkerung mit den herrschenden Zuständen durch die bestehende Schwierigkeit, für die Familie die notivendigen Nahrungsmittel zu beschaffen, erheblich geschürt wird, brauchen tvir nicht näher darzulegen oder zu beweisen. Die Petition weist dann aufs entschiedenste die agrarische» Argumente, daß nur die Schlächter oder die bösen Großstädte mit ihren Schlachthausgcbühren an der Fleischtcuerung schuld seien, zurück und schließt dann in folgender Weise: „Als wirksames Mittel zur Abhülfe der Flcischnot kann unseres Erachtens nur die Ocffnung der Grenzen in Frage konnnen. Wenn auch ausdrücklich gefordert werden muß, daß nur absolut gesundes Vieh eingeführt wird, so kann dies nach unserer Meinung vollständig dadurch erreicht werden, daß das cingeführie Vieh an der deutschen Grenze von einem deutschen Tierarzt auf seinen Gesundheitszustand untersucht, dann in verschlossenen Wagen nach städtischen Schlacht- Höfen gebracht und dort geschlackstet wird. Vieh, daS unter solchen Vorsichtsmaßregeln eingeführt wird, kann uns niemals eine Seuche bringen. Hierdurch würden auch die Beschwerden über die Ouaran- tänemaßregeln, welche jetzt bisweilen als Sperrmaßrcgcln angesehen werden, beseitigt werden. Ferner muß, da die jetzigen Zustände den Beweis erbracht haben, daß die deutsche Laudivirlsckmfl jedenfalls nicht immer in der Lage ist, den Fleischkonsum zu befriedigen, gefordert locrden, daß die Vieheinfuhrzölle dauernd oder doch wenigstens in solchen Zeiten, in denen ein Mangel an Schlackstvieh oder Magcrvieh im Lande eintritt, erheblich herabgesetzt werden. Als dringendes Erfordernis sehen wir auch die nochmalige Revision des am 1. April 1906 in Kraft tretenden neuen Zolltarifs an. Endlich erscheint es als Präventivniaßregel für zukünftige Fleisch- teuerungen erforderlich, daß in solche» Jahren, wie dem vorigen, in lvelckem die Aufzucht von Schlachtvieh durch Futtermangel so er- heblich beeinträchtigt wird, die königliche Staatsrcgierung durch Er- Mäßigung des Zolles auf Futtermittel und durch Herabsetzung der Eiseubahntarifc für dieselben eingreift. Hierdurch würden sowohl die Interessen der Viehproduzeuten wie des Gewerbes und der Konsumenten gleichmäßig gefördert werden." An dieser Petition ist noch interessant, daß im Plenum der Stadiverordneten-Versammlung der Antrag der Sozialdemokraten, die Regierung speziell um Oeffnung der Grenzen zu ersuchen, ab- gelehnt und dafür eine allgemeinere nationalliberale Fassung angenommen wurde. In der Kommission dagegen wurde, wie ia ersichtlich ist, auf das entschiedenste die Oeffnung der Grenzen gefordert, so daß schließlich doch der sozialdemokratische Antrag den Sieg davontrug.— Plötzlicher Tod. Der Engrosschlächter Kumpel aus der Thaerstr. 23 in Berlin hielt am DienStagvormittag mit seinem Fuhrwerk vor dem Hanse Hertzbergstr. 23, um Fleisch abzuladen. Plötz- lich stürzte der große, starke Mann lautlos vom Wagen und blieb neben demselben liegen. Passanten eilten ihm zur Hülfe und ließen ihn nach dem Krankenhause bringen. Beim Eintreffen daselbst war K. jedoch bereits tot) ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht.— Ein ganz gleiches Schicksal traf am Montagabend den 62jährigen Droschkenkutscher Karl Löben aus der Wißmann- straße 20. L. befand sich in dem Restaurant von Fclsch in der Kuesebeckstraße und brach plötzlich leblos znsaminen. Ein hinzu- geholter Arzt konnte nur noch den infolge Gehirnschlags eingetretenen Tod konstatieren. Ans NahrungSsorgcn Selbstmord verübt hat der Ziethcnstraße 21 wohnhafte unverheiratete Redakteur Dr. Hans Schilling. ein Mann von 40 Jahren. Infolge Stcllungslosigkeit in Not ge- raten, wußte der Bedauernswerte keinen anderen Ausweg, als in de» Tod zu gehen. Gestern nachmittag wurde Sch. in seiner Wohnung erhängt aufgefunden. AnS dem Rixdorfcr Schisfahrtskanal gelandet wurde an der Treptower Brücke die Leiche eines KindeS. Aicscheinend handelt es sich um eine Frühgeburt. Die Leiche wurde nach dem Berliner Schauhanse geschafft. Lichtenberg. Lichtenberg gegen Berlin. In den Querstraßen der Frankfurter Allee finden seit etlichen Tagen blutige Schülerschlachten statt, an welchen sich auch zahlreiche erwachsene Rowdies beteiligen, so daß gestern von feiten der Kriminalpolizei eine große Razzia gemeinsam mit den Lichtenberger Amtsdienern gegen die Kämpfenden vorgenommen werden mußte. Diese Schülerschlachten hatten derartige Dimensionen angenommen, daß dadurch die Passanten in ärgster Weise gefährdet wurden, denn die Lichtenberger Kämpfer bedienten sich sogar der Hunde, welche sie auf ihre Gegner hetzten. Die Berliner Jungen bezogen dagegen ihre Waffen dadurch, daß sie die Schutzhüllen der Straßeubäume abrissen. Bei diesen Schlägereien gab es auch arge Verletzungen, was zu Anzeigen bei den Polizeibehörden führte. 13 der Burschen sind bei der Razzia nun festgenommen worden. Es sind zumeist große Bengcl, welche ihrer Bestrafung wegen Verübnng groben Unfugs entgegensehen. Außerdem sind die Lehrer der in Betracht kommenden Schulen in Berlin und Lichtenberg angewiesen worden, die Schüler eindringlich zu ermahnen, an dergleichen Schlägereien zukünftig nicht mehr teil- zunehnien. Spandau. Aus Anlaß der Stadtverordneten-Ersatzwahl fand ain Montag die erste Vcrsainmlnng auf dem Nonncnd.nnm statt, dieselbe war „den Verhältnissen entsprechend" gut besucht. Das Referat hatte Genosse Pieper übernonunen. In der Diskussion sprachen noch die Genossen R e i b e h o l z und P i e s e r. sowie unser Kandidat für den Nonnendamm, Genosse Rupprecht. Die Ausführungen fanden von seiten der Versammlung lebhafte Zustimmung. Trotz Anffordernng fühlten die anwesenden Gegner sich nicht veranlaßt. ihrer Meinung Ausdruck zu geben. Wenn wir auch mit einem Erfolg bei der diesmaligen Ersatzwahl für den Nonnendamm der geringe» Wählerzahl wegen nicht rechnen, so haben wir doch die Hoffnung, daß das durchaus aus der Taufe gehobene„jüngste Kind Spandaus" jich zum gesunden kräftigen Mitkämpfer der Sozialdemokratie entwickeln wird. Der Nonnendamm gehört nicht allein den Spandauern, er gehört uns Sozialdemokraten und er wird in der künftigen politischen EntWickelung Spandaus die Hauptrolle spielen. Mahlsdorf. Ucbcr den Parteitag in Jena referierte in der letzten Mitglieder- versammlutig des Wahlvereins Genosse Pinselet. In ausführlichen Darlegungen ging er auf die Verhandlungen des Parteitages, insbesondere auf die Verhandlungen über die Maifeier und dc-Z Massenstreiks ein. Er betonte, daß zwar einzelne Genossen durch ihr Auftreten den Anschein erweckten, als bestehe ein Gegensatz zwischen Partei und Gewerlschaften, in Wirklichkeit aber haben die Debatten ergeben, daß Gegensätze von Bedeutung zwischen Partei und Gewerk- schaffen nicht vorhanden sind. In der Diskussion kritisierte Genosse Oerie! scharf das Verhalten einzelner Gewerkschaftler, vor allem des Genossen Robert Schmidt, zu der Maifeier und Massenstreikfrage. Genosse Weiß bedauerte, daß der Parteitag der Alkoholfrage nicht die genügende Bedeutung beigelegt habe. Mit allen übrigen Be- schlüsien des Parteitages, auf die er zum Teil des näheren einging, ivar er im wesentlichen einvelstandcn. Nachdem noch die Genossen Schmidt und R o s m u s gesprochen, gelangte eine Resolution zur einstimmigen Annahme, in der sich die Genossen mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden erklärten, aber das Verhalten einiger Gewerkschaftsführer auf demselben nicht billigen. Als Delegierter zur Kreiskonferenz wurde Genosse Alb. Schmidt gewählt. Nowawcs. In der letzten Kartellsitzung wurde auf Antrag des Vorstandes beschlossen, von der Errichtung einer Herberge Abstand zu nehmen, da die mit einigen Wirten gepflogenen Verhandlungen zu keinem Resultat geführt haben.— Sodann gab der Kassierer Lange den Kassenbericht für das dritte Quartal: die Einnahme betrug(inkl. Bestand von 77,60 M.) 507,80 M., die Ausgabe 293,29 M., somit ein Bestand von 214,51 M. Hiervon sind 150 M. auf der Sparkasse des hiesigen Konsumvereins hinterlegt.— An Stelle des bisherigen ersten Vorsitzenden Gomoll, der infolge Wahl zum Vorsitzenden des Wahlvcreins sein Amt niederlegte, wurde Wilhelm Schulz (Maler) gewählt.— Ain Sonnabend, den 28. Oktober, abends 8 Uhr, veranstaltet das Gewerkschaftskartell im Lokale von Ernst Schmidt, Wilhelmstraße, einen Lichtbtldcr-Vortrag. Zun, Vortrag gelaugt:„Die Freiheitskämpfe in Rußland." Billetts a 25 Pf. sind bei den Kartclldelegierten sowie an der Kasse zu haben.— Die Zahl der gewerkschaftlich organi- sierten Arbeiter betrug am Schluß des zweiten Quartals 2004.— Unentschuldigt fehlten: Krüger, Winter(Dachdecker), Böse, Treptow(HiUfsarbeiter), Dvbberitz(Holzarbeiter), Biete(M�ler), Henschel(Maurer). Adlershof. Nach Mitteilungen ves Gemeindevorstehers in der letzten Gc- mcindeveitretersitziing bestehen auch hier die mißlichsten Schul- Verhältnisse, da die Neueinschnlung im Oktober so stark war, daß die vorhandenen Schulräume nicht mehr zureichen. Es ist ferner not- lvendig geworden, eine neue siebente Klasse zu errichten, welche bis April 1906 als gemischte Klasse bestehen soll. Seit längerer Zeit besteht eine Kommission, die den Neubau eines Spritzenhauses be- tzaten soll. Gleichzeitig ist der Bau eines Rathauses geplant. Dadurch würden dann die jetzt in der ersten Gemeinde- schule benutzten GcmeindeburcauS zu Schulzwecken frei werden und' dem Klassenmangel abgeholfen sein. Bis zur Ausführung des Planes dürfte aber auch noch geraume Zeit ergehen, so daß zum April doch noch Mietsräume hinzugcnonunen werden dürften, um dem bevorstehenden Abränge zu entsprechen.— lieber die Heranziehung der Nachbar- gemeinden z il den S ch u I l a st e n gemäß§ 53 des Kommunalabgabengesetzes fand eine Aussprache statt, die zu dem Be- schlnsse führte, in den nächsten zwei Jahren bei den Betriebs- gemeinden keinen Antrag zu stellen, da die entstehenden Unkosten in keinem Vergleich zu dem eventuellen Erfolge stehen würden. Von entscheidendem Einflüsse bei diesem Beschlüsse war der Kampf, den die Stadt Berlin gegen die Vorortgemcinden zu führen hat. Wenn auch in neuerer Zeit Berlin des öfteren zur Zahlung verurteilt wurde, wurden die Beträge jedoch gerichtlich derart erniedrigt, daß für unsere Gemeinde ein Vorteil nicht bestehen bleiben würde. So ist erst in neuester Zeit Berlin zur Zahlung von 20 020 M. an Weißensee verurteilt worden, während diese Gemeinde 107 000 M. eingeklagt hatte. Bei der Fest- stellung über unsere event. Ansprüche an die Nachbargemcinde wurde im vorigen Jahre der Betrag von 5940 M. ermittelt, an welchem die Gemeinden Berlin, Köpenick, Nieder- und Ober-Schöneweide beteiligt waren. Zur Herbeiführung einer besseren Straßenentwässerung, toelche sich bei den vielen Regenfällen in diesem Herbst als besonders notwendig erweist, sollen mehrere Rohrleitungen gelegt und Sickerbrunnen gebaut werden. Ein Zuschlag für die Rohrleitungen in ocr Radikestraße, zwischen Kaiser Wilhelmstraße und Roonstraße, und für die ver- längerte Krouprinzenstraße wurde jedoch noch nicht erteilt, da die vorgelegten Zeichnungen Mängel aufweisen, welche erst abgestellt iverden sollen. Mit den Entwässerungsanlagen an der Ecke der Oppenstraße-Adlergestell. in der Bismarckstraße, an den Ecken der Sedan-, Arndt- und Kronprinzenslraße, sowie an der Ecke der Hacken- berg- und Selchowstraße, erklärte sich die Vertretung im Prinzip ein- verstanden. Bei der Neuwahl der Mitglieder der Anneukommission wurden die bisherigen Arinenvorsteher Göldner und Linden» berg wiedergewählt, der Polizeisekretär a. D. Eckert neugewählt. — Da die Leichenschau obligatorisch für den Kreis Teltow ein- geführt ist, werden die Aerzte Dr. Ehrmann, Saling und Grotefend als Lcichenbeschauer bestellt. Bei Bekanntgabe der stattgefnndencn Aufnahme des Darlehns von 525 000 M. bei der Ncumärkischen Rittcrschafflichc» Darlehnskasse, das zur Ablösung der schivedendcn Darlehen bei der Kreissparkasse dienen soll, wurde mitgeteilt, daß der Gemeinde durch Kursrückgang der Papiere genannter Kasse ein Schaden von 17 300 M. entstanden ist. Hoffentlich wird diese falsche Finanzoperation, gegen welche die sozialdemokratischen Gemeinde- Vertreter am 20. Juli er. gestimmt haben, sich nicht in Er- höhnng des Kurszuschlages für das nächste Etatsjahr bemerkbar machen. Ober-Schöneweide. Ersatzwahlen. Bei der auf Grund der berichtigten Wähler- listen am Sonnabend vorgenomntenen Ersatzwahl zur Gemeinde- Vertretung wurden in der ersten Klasse K o t t m e i e r, in der zweiten Klasse Fries ecke, in der dritten Klasse Silchinüller ge- wählt. Der Kandidat der Katholiken in der 3 Klasse, für dessen Wahl große Anstrengungen gemacht wurden, blieb in der Minderheit. Unsere Parteigenossen, denen kein Kaitdidat mit Grundbesitz zur Verfügung stand, beteiligten sich nicht an der Wahl. Trcptow-Banmschuleuweg. Der Wahlvcrein hielt am Dienstag, de» 17. Oktober, feine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Genosse Fuchs gab zunächst einen kurzen Uebcrblick über die im verflossenen Geschäfts- jähr entfaltete Tätigkeit des Wahlvereins. Es haben stattgefunden: 18 vereinZversammlungen, 20 vorstaiidssitzungen, 2 LandagitationS- touren, 6 öffentliche Versammlungen, 1 Maifestversammlung, 6 Flug- blattverbreiwngen. Dann gab der Kassierer Genosse M i e ck l e h den Vierteljahrs- bericht, nach dem eine Einnahme von 540,29 M, und eine Ausgabe von 84,40 M. zu verzeichnen ist. Aus dem Jahresbericht des Kassierers ist zu entnehmen, daß die Gesamteinnahmen 1053,29 M., die Ausgaben 576,11 M. betragen haben. Auf Antrag der Revisoren wurde dem Kassierer einstimmig Entlastung erteilt. Die Mitgliederzahl hat sich von 193 zu Anfang des Geschäfts- jahreS auf 260 bei Abschluß desselben gehoben. Nach Berufszweigen geordnet sind danmter: Arbeiter 59, Tischler 26, Schlosser 20, M aurer 9, Kaufleute 8, Schuhmacher 7, Gastwirte 7, Gürtler 7, je 5 Polierer, Buchbinder, Dreher, Metallarbeiter, Zimmerer, Schrift- sctzer, je 4 Lederarbeiter, Steindrucker, Former, Bildhauer, je 3 Vergolder, Töpfer, Eisendreher, Schmiede, Böttcher, Weber, Litho- araphcn. Brauer, Drechsler, je 2 Photographen, Galvaniseure. Glaser, Graveure, Schristgießer, Kassenbcamte, Tapezierer, Rohr- leger, Maler, Sattler, Stellmacher, Buchdrucker, Barbiere,'je 1 Kürschner, Kassierer, Posamentierer. Schiffbauer, Schuittarbeiter. Werkzeugmacher, Glasschleifer, Metalldrücker. Fräser. Bauanschlnger. Klempner. Zigarrenhändler, Barbier. Architekt, Glasschleifer, Ziseleur. Furnierschneider, Kernmacher. Kommis, Porzcllaiimaler, Einsetzer, Tuchmacher. Lackierer. Klempner, Mechaniker, Dachdecker, Expedient. Büchsenmacher. Nach dem Berichte der Zeitungsspediteure, Genossen Stock und Voigt, ist die Abonnentenzahl deS„Vorwärts" für den Ortsteil Baumschulenweg von 243 auf 320 und für Treptow von 198 auf 303 gestiegen.— Die ZcitiingSspedition in Baumschulenweg hat bei einem Umsätze von 4164 M. einen Ueberschuß von 221,21 M! die Spedition in Treptow bei einer Einnahme von 3942,41 M. einen Ueberschuß von 136,19 M. Die Vorstandswahlen hatten folgendes Resultat: Erster Vor sitzender Genoffe König; zweiler Vorsitzender H o f m a n n; Kassierer M i e ck l e y; Schriftführer Lütke; Beisitzer Paß; Re- visoren: Schiefke, Henke und Assing.— Bibliothekare: Schüler und R ü ck e r t.— Z e i t u n g S s p e d i t e u r e: für Baumschulenweg Stock, für Treptow Voigt.— Lokalkommission: für Baumschulenweg Theu erkauf, für Treptow Heering.— Zur Kreis- Generalversammlung wurden als Delegierte die Genossen König, Mickleh und Paß gewählt. Zur Zentralisation der Wahlvereine erklärte sich die Versamm- lung mit dem vorliegenden Statutenentwurf bis auf den ß 5 ein- verstanden; hier sollen unsere Delegierten dafür eintreten, daß an- statt auf je 50 Mitglieder auf je 250 ein Delegierter zur General Versammlung zu wählen ist. Tegel. Tot aufgefunden wurde gestern im Walde bei Heiligcnsee-Tegel unweit der Eisenbahn-Haltestelle Schulzendorf, der 58jährige Barbier August Holtz-Berlin, der seit längerer Zeit obdachlos war. Der Polizeiarzt stellte als Todesursache einen Schlaganfall fest. Fahrkosten bei der Steuerveranlagung. Für Vorortsbewohner, die ihrer Beschäftigung in Berlin oder einem anderen Orte nachgehen, ist die Frage von Erheblichkeit, ob sie berechtigt sind, die für die Fahrten nach der Arbeitsstelle und zurück aufgewendeten Kosten von ihrem Arbeitsverdienst in Abzug zu bringen, wenn eS sich um die Feststellung �des steuerpflichtigen Einkommens handelt. Meist wird von den Steuerpflichtigen gar nicht daran gedacht, die Fahrkosten in Abzug zu bringen; die Fälle, wo dies geschieht, sind selten; jedenfalls viel seltener als das Vor- kommen dauernder Beschäftigung außerhalb des Wohnortes und in Verbindung damit die Auswendung nicht unerheblicher Kosten für Straßen- oder Eisenbahn-Fahrgelegenheit, von denen namentlich die letzteren im Laufe des Jahres oft zu einer stattlichen Summe an- wachsen. Die Steuerbehörden suchen die prinzipielle Entscheidung der Frage zu umgehen, was ja auch überall da gelingt, wo der Ab- zug des Fahrkostenbetrages keinen Einfluß auf die Steuerstufe aus- übt. Die Entscheidung der Rechtsfrage scheint auf die Weise bisher vermieden zu fein, obwohl die Angelegenheit selbst seit dem Jnkraft- treten des geltenden Einkommensteuergesetzes in der Schwebe ist. Zuerst kanicn Beamte und beanspruchten Abzugsfähigkeit der Fahr- kosten. Sie wurden abgenücsen mit diesem Ansprüche, wenn sie ein bestimmtes dienstliches Domizil, einen Ort für ihre Amtstätigkeit angewiesen erhalten hatten; es wurde ihnen dann entgegengehalten, daß die Erlaubnis außerhalb des DienstorteS zu wohnen eine V e r- g ü n st i g u n g, und zwar eine widerrufliche, darstelle, die nicht nach steuerliche Aorteile im Gefolge haben könne. Unter diesen Umständen lagen für Beamte Gründe genug vor, von einer weiteren Verfolgung der Angelegenheit abzustehen. Es wird behauptet, daß behördliche Anordnungen über die Wohnpflicht der Beamten mit solchen Steuerreklamationcn wohl in Zusammenhang gebracht werden könnten. Anders liegt die Frage bei Arbeitern; hier handelt es sich bei den Fahrkosten um Auftvendungen. die jeder machen muß. uni seinem Erwerbs nachgehen zu können. Rechtsanwälte und Aerzte rechnen ihre Fahrimkoften, ja sogar die Kosten eines nur für Ge- schäftszwecke gehaltenen eigenen Fuhrwerks, vom Einkommen ab. was auch von der Steuerbehörde nicht beanstandet wird. Wo Ar- beiter und tl-ine Gewerbetreibende den Versuch machten, Fuhrkosten von ihrem Gesamteinkommen abzuziehen, wurden sie gewöhnlich auf- gefordert, Beweise für die Ausgabe beizubringen. Das ist oft schwierig: man braucht Bescheinigungen von den Arbeitgebern, von denen der ein« oder andere verzogen und nicht gleich aufzufinden ist. der Sienerpflichtige wird mürbe und verfolgt seinen Anspruch nicht mehr mit dem für einen gliicklicben Erfolg nötigen Eifer. namentlich auch darum nicht, weil der schließliche Unterschied für ihn meist nur einige Mark beträgt. In zahlreichen Fällen, wo die Bs- weife erbracht werden konnten für die verauslagten Fahrkosten. sind sie auch als abzugsberechtigt gleich von den VeranlagungS- kommissionen anerkannt worden. Bei der genauen Ermittelung des Gesainieinkommens, wie sie heute seitens der Beranlagungsbehörden stattfindet, ist es nur recht und billig, auch abzugsfähige Ausgaben geltend zu machen. Das wird leichter sein, wenn der Steuer- Pflichtige gleich vom Beginn einer Fahrkostcn verursachenden Bc- schäftigimg an auf die Sicherung von Beweisen für Stenerveran- lagung Bedacht nimmt. Gerade bei den noch jetzt stattfindenden Verhandlungen über die Rellaniatianen stellt sich vielfach heraus, daß sobbe Beweise fehlen und der Anspruch auf Abzug der Fahr- kosten abgelehnt wird. Wenn jede Lohnaufbesserung deS Arbeiters genau bei der EinkommenSberechnung von den VeranlagimgSbehörden berechnet wird, ist cS nur in der Ordnung, auch die aSzugsberech- tigten Ausgaben dagegen aufzurechnen. berliner JVaebviebten. Die„Germania" ist mänSchenstill über ihr Verhältnis zum Reichsverbande gegen die Sozialdemokratie. Wir hatten bekanntlich den Nachweis geführt, daß ein Artikel„Wiederum auL einer roten Garnison", den daS nltramontane Blatt an» 27. August 1904 brachte, Wort für Wort mit einem Manuskript des ReichSverbandes überein- stimmte, dessen Original in tmserein Besitz ist. Leugnen war nicht gut angängig, und so verlegte sich denn das katholische Blatt auf die Ausflucht, daß auch heute noch Wunder möglich sind. Mit dem Reichsverbande hatte die„Germania" nie etwas zu tun gehabt; eS hatte sich vielmehr nach der Darstellung des führenden Zentrums- organS ereignet, daß ein dem Reichsverbande nicht angehörender Mann nicht allein dieselben Gedanken in seinem Schädel wälzte wie der Reichsverband— wa? ja immerhin möglich gewesen wäre—sondern diese Gedanken auch in der„Germania" genau mit denselben Worten wie der Reichsverband in seinem Machwerk der katholischen Welt offenbarte. Mit solchem Wunder ist Siegfried Jacobsohn nebst anderen Leuten, die man für Abschreiber hielt, glänzend gerecht- was in diesem Fall geschehe», wahrheitsgemäß nach- gewiesen wird, daß zwei Menschen völliz; unabhängig von einander zur felben Zeit wirklich genau dasselbe schreiben, warum soll es sich dann nicht auch ereignen können, daß jemand später als ein anderer aus sich heraus genau dessen Worte wiedergibt? Zu erforschen wäre jetzt nur, ob der Wundertäter der„Germania" heute weiter katholischen Interessen dient oder ob er nach dem vom Reichsverband gegebenen schlechten Beispiel jetzt hinterrücks den UltramontaniSmuS bekämpft. Dieses wäre im Interesse der katholischen Weltanschauung sehr zu bedauern. Unbegreiflicherweise schweigt die„Germania" über daS von ihr konstatierte Wunder; statt in Hymnen zu feiern, was allen Naturgesetzen zum Trotz geschehen, scheint sie sogar ob dieses Ereignisses schämig betreten zu sein. Ein noch un- aufgeklärter Grund, der mit dem verruchten Rationalismus hoffent- lich nichts gemein hat, treibt sie vielmehr, ihre Leser von dieser Affäre abzulenken. Sie macht ihrer kürzlich erfolgten Ankündigung gemäß in Charlottenburger Korruption, wovon ihrer Mitteilung zufolge noch so viel in ihren Aktenschränlen verborgen ist. Wir dachten aus den Enthüllungen neues zu erfahren, wurden darin aber getäuscht. Das Blatt druckt zum tansendundersten Mole einen Satz aus der Goerkeschen Broschüre ab, spricht in geistiger Armut seine Ueberraschnng darüber aus, daß unser Parteigenosse Liebknecht diesen Satz vor Gericht als das konfuseste Zeug bezeichnete, loaS jemals in der Weltgeschichte produziert worden ist, und teilt dann mit, daß es den Buchdrucker Goerle und den Apotheker Skaller vor Gericht laden lassen werde. Gocrke soll sich über die in seiner Broschüre aufgestellte Behauptung äußern, daß wirtschaftlich nicht günstig gestellte Sozialdemokraten in der Kasse unter- gebracht und trotz ihrer Unfähigkeit gegen den Willen des Vorsitzenden Sabor in ihren Aemtern belassen wurden. Was Slollec betrifft, so ftischt die„Germania" auf, daß er„trotz der Enthüllungen über seine Techtelmcchleiei mit dem Apotheker Lutter noch immer der pharmazeutische Beirat und Vertrauensmann der sozialdemokratischen Partei als Mitglied der Zentralkommission der Krankenkassen geblieben." So taschenspiclert man ohne alle Apparate Veitrauensleute der sozialdemokratischen Partei in die Welt. Also noch ein Wunder. Wir waren auf mehr Enthüllungen begierig, müssen uns aber in Demut bescheiden. Eine ärztliche Schrift für die Jugend. Im Verlag von I. H. W. Tietz Nachf. in Stuttgart ist soeben erschienen: Was hat der Vater seinem achtzehnjährigen Sohne zu sagen? Ratschläge eines Arztes an unsere heranreifende Jugend von Prof. Alfred Fournier, Mitglied der �csäemie de Medecine in Paris. Autorisierte Uebersctzung aus dem Frau- zöjischen von Dr. med. C. Ravasini. Vor nicht langer Zeit hat sich in Frankreich ein Verein unter dem Namen„Zodäte lrangaise de prophylaxie sanitaire et morale" gebildet, der den berühmten Syphilidologen Prof. Alfred Fournier mit der Aufgabe betraute, eine Schrift zu verfassen, in welcher die allgemeinsten Kenntnisse über Geschlechtskrankheiten und deren Folgen in leichtverständlicher Weise niederzulegen seien. Der Verfasser so vieler medizinischer Meister- werke hat die ihm zugewiesene Aufgabe in glänzender Weise gelöst. Diese Schrift wird nunmehr in einer ausgezeichneten Ucbersetzung allen denjenigen unterbreitet, die durch Stellung und Amt berufen sind, einen Einfluß auf die Jugend auszuüben. Sie können durch reckitzeitige Belehrung Tausend« vor einem grausen Schicksal bewahren. Der Preis dieser Schrift, an der einzig eine ziemlich starke Anhäufung von Fremdwörtern zu monieren wäre, beträgt nur 20 Pf. Bei Abnahme von Partien tritt Preisermäßigung ein. Spottbilder auf den Kaiser. Der„Voss. Ztg." wird aus Paris geschrieben: Der bekannte Schriftsteller John Grand-Carteret, dessen Bilderwerkc weite Verbreitung und viel Anerkennung als sirten geschichtliche Urkunden gefunden haben, hat seiner Sammlung zeit- gcnössischcr Karikaturen nun auch eine Zusammenstellung von Spott bildern angereiht, die in den letzten siebzehn Jahren von den Witz- und Tagesblättern beider Welten dem Kaiser Wilhelm gewidmet worden sind. ES war ein etwas verwegenes Unternehmen und noch verwegener war der Gedanke, daß daS Buch in Teutschland freien Eingang finden werde. Freilich ist Grand-Carteret fein genug, die Erinnerung an den alten Fritz heraufzubeschwören, der in einem im Besitze des Pariser Handschriftensammlers und-Händlers Charavay befindlichen Briefe an Voltaire scheibt:„Man sagt mir, daß Ihre Welschen keine Gelegenheit versäumen, ihren Witz an mir zu üben. ES sollen Schattenrisse umlaufen, die Sic nicht mehr schonen als mich und die mich mit ihrer Neckerei bis hierher verfolgen. Ich inache mir nichts aus solckiem Spott. Gott verhüte, daß ich mit Strenge gegen Späße einschreite, die für mich im Kreise meiner Tischgenossen eine Quelle der Heiterkeit sind." Grand-Carteret knüpft m: diese Aeußerung des großen Königs an und spricht die Er Wartung aus, daß Kaiser Wilhelm nicht weniger weitherzig sein Iverde als sein Ahnherr Friedrich der Einzige. Er faßt die Bor rede des Buches, das den Titel trägt„flUI",„ER vor der Photo- graphie und der Karikatur" l Paris, bei Per Lamm) in die Form eines Gesuches an„Se. Majestät Wilhelm II., Deutscher Kaiser und König vor Preußen", und.führt darin aus, daß der alte Fritz der erste war die über ihn umlaufende» Spottbilder, Spielsachen Tosen, Stockknäufe usw. drollig zu finden und über sie zu lachen; Napoleon III. hatte nicht diese Philosophie; er ließ 15 Jahre lang kos Berliner Witzblatt an der Grenze aufhalten, das ihn, die Kaiserin und die kaiserlichen Prinzen unter den Bezeichnungen„ER",„SIE" und„ES" verspottete; er hätte besser getan, von den Spottredcn zu lernen.„Majestät, wie Napoleon I. sind Sic für die ganze Welt der Kaiser; wie Napoleon III. sind Sie ER. und Europa, das früher angstvoll nach den Seineufern blickte, heftet heute dauernd die Augen auf die Ufer der Spree. Sie sind der Gott des Tages. Die Blei- stifte der ganzen Welt haben ihr Blei nur für Sie; Sie sind der meistabgcbildete aller Herrscher und oie Karikatur ist gegen Ew. Majestät heftig, herb, gehässig, unehrerbietig, häufig boshaft, manch- mal ungerecht; aber sie sieht Sie niemals gleichgültig an... Majestät, Sic sind ein sehr moderner, sehr gewitzigter Herrscher und ein Schätzer von allem, was daS Gegenteil der Banalität ist. Von dem, der die Arbeiterkonserenz in Berlin versammelt, der die französischen Künstler nach Berlin eingeladen, der die herrlichen Bilder der französischen Schul« deS 13. Jahrhunderts zur Geltung gebracht, der bei der Ermordung Carnots die gefangenen franzö- sischen Seeoffiziere so großherzig begnadigt hat, von diesem Herrscher darf man noch viel Kühnes, Unvorhergesehenes, Weises und Neues erwarten. So wollen denn Ew. Majestät die Irrtümer der Politik des französischen zweiten Kaiserreiches vermeiden und auf die kluge Philosophie Ihres Ahnherrn Friedrichs II. zurückgreifen." Der französische Schriftsteller scheint nicht zu wissen, daß ein harmloses Scherzbild des„Kladderadatsch" dem alten Herrn Trojan sechs Monate Festung einbrachte, und daß, von den drakonischen Bestrafungen sozialdemolratischer Redakteure ganz abgesehen, auch die Scherze des„Simplicissimus" harte Sühne fanden. Straßenbahn und Stadtgeineinde. Die Direktion der „Großen Berliner Straßenbahn- Gesellschaft" hält daran fest, daß die Stadt Berlin aus den: Vertrage von 1897 nicht das Recht herleiten könne, im Jahre 1929 den Betrieb der„Großen" zu übernehmen. In der letzten Stadtverordnetensitzung hatte Oberbürgermeister Kirschner ein aus dem Jahre 1899 her- rührendes Schreiben der Direktion verlesen, nm aus dem Wortlaut zu beweisen, daß die Direktion tatsächlich die ehrliche Absicht gehabt habe, bei der Vcrtragsfchließung den auf spätere Uebemahn?e des Betriebes gerichteten Plan der städtischen Ve- Hörden als selbstverständlich vorauszusetzen. Nunmehr der- öffcntlicht die Direktion eine Entgegnung, in der sie mit dürren Worten auseinandersetzt, daß Herr Kirschner die„Große" falsch beurteilt habe. Die Antivort der„Großen" ist den Zeitungen, auch dem„Vorwärts", zum Abdruck im Inseraten- teil zugegangen. Tie seidene Ansstattung einer kleinen Bühne beschäftigt die hiesige Kriminalpolizei. In einem Scibenwarcngeschäst in der Roleii» thalerstraße kamen fortgesetzt Stoffe weg, ohne daß es dem Inhaber gelang, ihren Verbleib zu ermitteln. Jetzt endlich kam er dalssnter, öaß ein Dekorateur V., dem er sein ganzes Vertrauen geschenkt hatte, sein stiller Abnehmer war. B. verwendete Stoffe und Kostüme zur Ausstattung des„Cafbs zum Dorian Gray" in der Kleiststr. 3. eines großen ZinnnerS mit einer kleincn Bühne, auf der allabend- lich Gesangsvorträge und dergleichen gegeben werden, und der Kräfte, die bei diesen Aufführungen mitwirken.„Dorian Gray" mußte am Sonnabend seine kostbare Ausstattung, soweit sie der Seidenwarenhandlnng gehört, herausgeben. Bei B., der wegen Diebstahls festgenommen, einstweilen aber wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, fand man auch nnzüchtige Bilder, die von ihm selbst hergestellt wurden. In welchem Zusammenhang sie mit ausschließlich von Herren besuchten„Dorian Gray" und seinen Kunstgenüssen stehen, wird wohl noch weiter aufgeklärt werden. Die Zuktmft des Krollschcn Etablissements in seiner bisherigen Fonn erscheint dem„Verl. Tgbl/ zufolge gesichert. Die General- pacht des Etablissements hat die Berliner Bockbrauerei übernommen, die auch in alle von dem ehemaligen Oekonomen eingegangenen Verträge eintritt. 150 Zeutuer Pfcrdewurst wurden gestern von der Kriminal- Polizei beschlagnahmt. Aus dem Nheinlaud wurde hierher mitgeteilt, daß ein Wurstwarenfabrikaut Isaak Löwenstamm auS der Stein- straße dorthin mehrere verdächtige Sendungen geliefert habe. Ar- Ersuchen ließ die Kriminalpolizei gestern durch einen Beterinärarzr als Sachverständigen den Betrieb LöwcnstammS, in dem elektrische Kraft benutzt wird, prüfen und fand nun, daß er ausschließlich Pferdefleisch verarbeitet, obgleich davon in seinen Ankündigungen und Angeboten nichts gesagt wird. Der Fabrikant arbeitete mit einem Gesellen und lieferte hauptsächlich nach der Provinz. Er stellte auch„koschere" Ware her. Sein billiges Angebot hatte er u. a. auch an 70 Mllitärkantiiienvcrwaltungen gerichtet. De» Vorrat von 150 Zentnern belegte die Kriminalpolizei mit Beschlag. Die ersten weiblichen Lehrlilicic sind vorgestern von der Berliner Handwerkskammer zu Gesellen gesprochen worden. In den Räumen der Handwerkskamnier war der PrüfmigsauSschliß für das Bud- bindergelverbe unter dem Vorsitz des Buchbindermeisters Karl Hahn zusammengetreten. Unter den zu prüfenden Lehrlingen befanden sich zum erstenmal seit Bestehen der Kammer zwei Damen, Fräu- lein Huhn und Fräulein Todenhagen, die während der letzten drei Jahre das Buchbinderhandwerk im Lettehause erlernt haben. Das Ergebnis der Prüfung der beiden weiblichen Lehrlinge war ein sehr erfreuliches. Sowohl hinsichtlich der praktischen Prüfung als der theoretischen konnte bcr Prüfungsausschuß ihnen das beste Zeugnis ausstellen. Sie wurden mit dem Prädikat„Recht gut" entlassen. Hoffentlich versäumen die beiden weiblichen Buchbindergehülfcn nicht, auch ihre gewerkschaftlichen Pflichten zu erfüllen. Wegen Betruges und Urkniidenfälschuug wurde ein 46 Jahre alter früherer Geschäftsreisender Hermann Knüllmann aus Münden festgenommen. Knüllmann wollte hier eine Schank- Wirtschaft aufmachen, hatte aber keine Aussicht, die Kon- zession zu bekommen, weil er wegen Betruges und Ur- kundenfälschnng schon bestraft ist. Nun mietete er in der Rathaus- straße geeignete Räume und schob den früheren Arbeiter Karl Mendt als Geschäftsinhaber vor. betrieb aber die Wirtschast selbst. WaS ihm an der Einrichtung noch fehlte, ließ er sich von Brauereien geben, die dafür Wechsel bekamen. Das Geschäft ging gut, die Wechsel zu bezahlen aber unterließ Knüllmann dem Wendt, dessen Namen er gesälschi hatte. Er wollte mit dem Geschästsgewinn ver- schwinden, wurde aber gestern unniittelbar vor der Flucht von der Kriminalpolizei noch ermittelt und festgenommen. Mendt erhielt erst durch die Wechselklage Kenntnis von dem Vorhandensein der gefälschten Papiere. Bei der Arbeit verunglückt ist in der vergangenen Nacht der 33 Jahre alte Heizer Bernhard Schulze aus der Petersburgerstt. 70, der in der„Alten Post" in der König>tratze angestellt ist. Schulze kam, als er die Treppe zur Kesselanlage hinunterging, zu Fall und zog sich einen doppelten Bruch des rechten Beines zu. Mit- arbeiter brachten ihn nach der königlichen Klinik. Bon dem Sohn des Lehrers Jtrich, über dessen Tod wir am Sonnabend berichteten, wird uns mitgeteilt, daß der Verstorbene wohl schwermütig gewesen sei, aber nicht unter Nahrungssorgen gelitten habe. Auch sei er nicht mit der Miete im Rückstände ge- wesen. Der Tod durch Herzschlag sei eingetreten auf einer Reise N Verwandten, die Jtrich mit Wissen seiner Frau unternommen abe. Beim Spielen mit einem Revolver ist der Student der Medizin Christian Brockmann, der in der Auguststr. 3 ein möbliertes Zimmer bewohnt, verunglückt. Er hatte auf seiner Stube Besuch von zwei Kommilitonen. Einer von diesen machte sich mit seinem Revolver zu schaffen, ohne zu wissen, daß er scharf geladen war. Plötzlich krachte ein Schuß und die Kugel drang Brockmann aus einer Entfernung voil einigen Schritten in den Rücken ein. Der Getroffene wurde mit einer Droschle in ein Krankenhaus gebracht. Seine Ver- letzung ist nicht gefährlich. Agitation für das Genossenschaftswesen. Uns wird geschrieben' Um der Berliner Arbeiterschaft die Erfolge des Genossen- s ch a f t S w e s e n S in Wort und Bild vor Augen zu führen imd zur Nacheiferung anzuspornen, finden in dieser Woche zwei Licht- bilder-Borträge statt, und zivar am Donnerstag, den 26. Oktober, im„Schwarzen Adler" in Lichtenberg und am Sonntag. den 29. Oktober, im„Moabiter Gcscllschaftshause", Wiclefstr. 24. Mit dem letzteren Vortrage ist auch eine W a r e n- A u s st e l l u n g (bei freiem Eintritt) verbunden, welche durch die Großeinkaufs- gesellschaft deutscher Koilsumvereine in Hamburg veraustaltet wird. Näheres im Anzeigenteil. BoltStümlichr Borträge werden wie im vorigen Fahre in der ständigen Arbeiler-Wohlfahrts-AnSstellung in Charloltenburg, Frauen- hoferstr. 11/12, von den Veranstaltern der Sonderansstellung gegen den AlkoholiSnius abgehalten werden. Beginn am Min- ivvch, den 25. d. M., abends 8 Uhr. Erstes Thema: Was ist Alkoholismus? Im Verein für volkstümliche Kurse von Berliner Hochschul- lehrrrn beginnt am Donnerstag, den 26. b. M., abends SVe Uhr, Herr Privatdozent Dr. Abelsdorff seinen Vortragskursus über„Das Äuge des Menschen und seine Gesundheitspflege" in der Aula des Luisen- 'iädtischcn Realgymnasiums, 8., Sebastianftraße 26. Eintritts- karten zum Preise von 1 Mark(für alle sechs Abende) sind zu haben bei: Georg Bölling. VV., Leipzigerstrahe c. 123; A. Schütz, O., Holzmarktstraße 60; Chr. Tischendörfcr, C., Sophienstraße 20; . E. Lederer, W., Kurfürstenstraße 70; Bernhard Staar, SW., �riedrichstraße ö; Zentralstelle für Arbciter-Wohlfahrtseinrich- tungen, SW., Dessaucrstraße 14(8 bis 3 Uhr). Im Berliner Zoologischen Garten ist gegenwärtig eine Samm- lung ganz allerliebster Zwerghühner ausgestellt, die in ihren verschiedenen Rassen ein reizendes Bild gewähren. Da sind die winzigen japanischen C b a b o S in fast allen Farben vertreten, kurzbeinige Hühnchen von ungemein zierlicher Haltting, daneben die hochbeinigen, schlanke!:, kammloscn Zwergkämpser mit ihrem kecken Benehmen. Eigentümlich, ja geradezu komisch wirken die Z>v e r g k a u l h ü h n e r, nach ihrer Kvgclforni benannt, wegen des vollkommenen Fehlens des Schwanzes. Die Gartenhühn- chen, so genannt, weil sie ivegen ihrer befiederten Füße den Blumenbeeten keinen Schaden tun können, sind in weiß und„mille fleurS" vertreten, namentlich die letztere Farbe hat e-waS ungemein Bestechendes. Tie sehr pro- portioniert gebauten schwarzen B a n t a m s sind eine reizende verkleinerte Ausgabe der Hamburger Schwarzlacks, während ein weißer Zwergpadua ner-Hahn die Haubcnhühner vertritt. fersigt; wenn_________________________________ Vermckv. Redakteur: Soul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil vermitw.: Xtz. Glocke, Berlm. Druck«. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Bttlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW