Kr. 254* HeonnementS'Bcdingnngtn- Abonnements. Preis prSnumeronbo! VlerteliShrl. 3,30 MI,, monatl. 1,10 MI, tvöchenllich 28 Psz. frei WS Haus, Einzelne Nummer 3 Pfg, EonnwgS. nummer mit illustrierter Sonntag». Beilage.Die Neue Welt' 10 Psg. Post- Kbonnemcnl: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen In die Post. Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 8 Marl, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. SS. Jahrg. VI« snlerNsnr-eedohr betrügt siir die sechsgespaltene Kolonel. Zeile oder deren Raum 40 Psg„ sür polltische und gewerlschastliche Vereins- und BersaminIungs.SInzcigen SS Psg, „Kleine Tinreigen", das erste(fett. gedruckte) Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort S Psg. Worte über 15 Buchslaben ztihlen sür zwei Worte, Inserate sür die nächste Nummer müssen bii 5 Uhr nachmiliag« in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis 8 Uhr vormittag» geässnct, Crfchtlil»g»» auBii lllontigi. Devlinev VolKsblskk. Telegramm.Adresse: ,.Z»»is>lltw»Ilt»l»er»«". Tentralorgan der fozialdemokrattfchcn Partei Deutfchlanda. Redaktion: 8ÖQ. 68, Llndcnatrasse 69. acrnfprecfirr!«in« IV. Nr. IHSit. Sonntag, den 29. Oktober 1905. Sxpedition: 8Äl. 68, Mndenatraaac 69. Zprr»svrrckieri nur allen gegenüber unsere Rechte und unsere Ehre zu wahren, können auch wir uns die kaiserlichen Worte aneignen und erklären: Wir kennen die Stellung Frankreichs und diejenige Europas, infolgedessen Hurra für das trockene Pulver und das ge- s ch l i f f e n e S ch tv e r t." Das ist also das famose Ergebnis der„schweren Sommer- arbeit" der internationalen Diplomatie, daß es ans allen Staaten schallt: Hurra für das trockene Pulver und das geschliffene Schwert I Clämenceau schreibt in der„Aurore", die Worte des Kaisers dürften wohl England gelten, und er erklärt, man müsse sich gegen ein Manöver wenden, das den Geist des Hasses zwischen den beiden Ländern verstärke, um die Völker weiter aus die schiefe Bahn zu treiben, die zu kriegerischen Lösungen führe. So wird im Ausland das waffenklirrendc Toasten des deutschen Kaisers, das der Kaiser als Antwort auf auswärtige Bedrohung denkt, umgekehrt im Auslände als Zeichen kriegerischer Drohung Deutschlands aufgenommen I Auch Ja urös, nachdem er soeben wiederum jede Regung des französischen Chauvinismus aufs schärfste bekämpft hat. die den deutschen Chauvinismus und Militarismus irgendwie erregen könnte, wendet sich gegen die Sprache des Kaisers. In einer Betrachtung der Rückwirkungen der russischen Revolution auf die Stellung Deutschlands führt er aus:„Der Sieg der Demokratie in Rußland wird in Deutschland notwendig eine Rückivirkung haben. Wie wird das Deutsche Reich noch all das bewahren können, was ihm an Absolutismus und Feudalismus verbleibt, wenn selbst dasjenige Volk Osteuropas, das am tiefsten in Knechtschaft befangen war. endlich seinen freien Willen verkündet haben Ivird? Dann wird Deutschland wirklich isoliert sein, nicht durch eine diplomatische Verschivörung, nicht durch einen Angriffsplan feindlicher Mächte, sondern durch den Gegensatz zwischen seinem willkürlichen Kastenregime und der gesamten emanzipierten europäischen Demokratie. Wird das deutsche Volk dann noch einwilligen, das einzige Volk Europas zu sein, das dem persönlichen Willen eines Mannes überlassen bleibt, der nicht sehr darauf bedacht scheint, die Nerven Europas zu schonen? Gerade jetzt, in einem Augenblick, wo eine Be- ruhigung einzutreten schien, verursacht sein Toast a u f das trockene Pulver und d>ns geschliffene Schwert aufs neue unruhige Kominentarc und echte oder gespielte Paniken. Vielleicht wird die Fortsetzung der Ereignisse in Ruß« l a n d dem Kaiser andere Gedanken eingeben."— Zurückziehung der ostasintischen Besatzungs-Brigade. Die deutsche Regierung hat aus dem englisch-japanischen Vertrage die selbstverständliche Konsequenz gezogen, daß es nun endlich an der Zeit sei, die noch in der Provinz Tsckili stationierten deutschen Truppen, die sogenannte ostasialische Besatzungsbrigade, zurückzuziehen. Aus Peking meldet das„Wolffsche Bureau vom 2S. Oktober: Der deutsche Gesandte hat in einer am 2s. d. Mts. im Winterpalais stattgehabten Audienz dem Kaiser und der Kaiscrin-Regentin von China mngeteilt, daß_ der Deutsche Kaiser mit der Ratifikation des Friedens von P o r t§ m o u t h die Zeit für gekommen erachte, u m die noch in Tschili stehenden fremden Besatzungen zurückzuziehen. Kaiser Wilhelm werde den beteiligten Staatsoberhäuptern ohne Verzug einen dahingehenden Vorsctilag machen. Zugleich damit hat Freiherr v. Mumm den ferneren Entschluß des Kaisers angekündigt, die seinerzeit auS Anlaß von Unruhen in Schaut u n g von T singtau aus nachKaumi und der chinesischen Kreis st adtKiautschou vor- geschobenen Posten einziehen zu lassen. Wie aus dieser Meldung ersichtlich, hat Wilhelm II. die schon längst gebotene Zurückziehung der Truppen aus China mit dem Ab- schluß des russisch-japanischen Friedensvertrages in Verbindung ge- bracht. Viel näher liegt natürlich der ursachliche Zusammenhang nnt dem englisch- japanischen Vertrage, dessen Haupt- artikel bestimmt, daß die beiden Vertragsmächte sich verpflichten, für die völlige Unantastbarkeit des chinesischen Gebietes einzutreten. Damit war allen Absichten auf eine etwaige Aufteilung des chinesischen Kuchens ein dicker Riegel vorgeschoben. Und damit fiel also auch jeder Grund fort, in Tschili eine Truppe zu unterhalten, um im geeigneten Augenblicke die Hand auf einen chinesischen Gebietsteil zu legen. Die jetzige Zurückziehung der Bcsatzungstruppen beweist also zur Evidenz, aus welchen G r ü n d e n sich die Mächte in Tschili festgesetzt hatten. Zum Vorwand diente ihnen das angebliche Motiv, daß erst die Wiederkehr der völligen Ruhe in China abgewartet werden müsse, bevor die Truppen völlig zurück- gezogen werden könnten. Diese Ruhe ist bereits seit mehreren Jahren eingetreten, ohne daß man Miene machte. Tschili zu räumen. Was der Friedensvertrag von Portsmoulh mit der Sache zu tun haben soll, ist völlig rätselhaft. Ist doch im Gegen- teil immer behauptet worden, daß»ach deni Siege der gelben Rasse über die größte europäische Militärmacht den Chinesen erlt recht der Kamm schwellen müsse. Die A n'e r k e n n u» g des japanischen Sieges durch den Friedensvertrag müßte also nach der Auf- fassung unserer Wcltpolitiker die Ruhe in China eher gefährden als sichem. Trotzdem soll jetzt die europäische Schutz- truppe zurückgezogen werden! Das heißt doch: man räumt jetzt mit langer Nase das Feld, weil nichts mehr zu holen ist! Da Teutschland seinerzeit die treibende Kraft für Errichtung der ostasiatischcn Besatzimgsstationen war. bedeutet die Liquidation der chinesischen Okkupationspolitik alles chdr als einen Sieg der deutschen Diplomatie und Weltpolitik! Trotzdem würde daS deutsche Volk diese Niederlage der deutschen Diplomatie mit ungetrübter Freude begrüßen, wenn eS nicht auch dies verfehlte weltpolitische Manöver mit etlichen hundert Millionen hätte bezahlen müssen I— Lord Rosebery über äuhere Politik. London, 26. Oktober.(Eig. Ber.) Lord Rosebery, der im letzten liberalen Kabinett vom Jahre 1892 bis 1895 Staatssekretär des Aeußern und vom Jahre 1891 bis 1895 auch Premierminister war. sprach gestern in einer liberalen Versammlung in Stourbridge über die politische Lage Englands, wobei er sich über die schwebenden Fragen der äußeren Politik folgendermaßen ausließ:„Ich über- treibe nicht im geringsten, wenn ich erkläre, daß äußere Politik noch nie ein so wichtiger Gegenstand war wie jetzt? noch nie barg sie eine schwerere Verantwortlichkeit für eine Regierung als für die kommende liberale Regierung. Unsere Minister find soeben in ein BertragsverhältniS eingegangen, das ein Jiistrument von ungeheurer Macht und ungeheurer Verantwortlichkeit ist. Ich will darüber nichts weiter sagen, detm nachdem man einmal den ersten Vertrag nnt Japan abgeschlossen hat, so war es unmöglich, dem zweiten Vertrag auszuweichen. Ich gestehe, daß auch ich die Kühnheit nicht besessen hätte, den Vertrag nicht abzuschließen. So wenig Sicheres man über die Folgen dieses Vertrages sagen kann, eines ist säst sicher, daß der englich-japanische Vertrag zu zahllosen feindlichen Empstndungen, zu vielen Gegeninlrigucn und möglicher- weise zu manchen Gegenlombinationcn führen wird. Dennoch werden wir imstande sein, alle derartige Unternehmungen zu nichte zu machen, wenn wir kräftige Männer anr StaatSruder haben. Wir müssen deshalb wachsam sein und die Vorgänge der äußeren Politik sorgfältig verfolgen. Die Nachlässigkeeit in allem, was die äußere Politik betrifft, muß nunmehr aufhören. „Dann haben wir ein anderes Abkommen, dem man allgemein zustimmt,— ich meine das Abkommen mit Frankreich. Ich selbst bin skeptisch über manche seiner Bestimmungen, und es tut mir leid, daß meine Prophezeiung über die Schwierigkeiten, die der Punkt über Marokko enthält, sich bewahrheitet hat. Nichtsdestoweniger sind wir berechtigt, uns über daS gute Einverständnis mit Frankreich zu freuen. Ich wünsche nur, daß man die Freundschaft mit Frank- reich nicht in Verbindung bringe mit einer bitteren Feindschaft gegen ein anderes großes Land, mit dem unS zu zanken keine wirkliche Ursache vorhanden ist. Selbstredend meine ich Deutschland. Ich kann nicht verstehen, warum eine Freundschaft mit Frankreich gleich- zeitig eine Feindschaft gegen Deutschland bedeuten sollte. Ich für meine Person lehne entschieden eine derartige Ansicht ab. „Dies sind große Nationen, die ungeheure Armeen und große Flotten besitzen und stets kriegsbereit sind. Ein Zusammenstoß kann unerwartet konimen. Es ist deshalb dringend nötig, sich stets der schweren Verantwortlichkeit bewußt zu sein, die die äußere Politik unseren Vertretern auferlegt. Es freut mich indes zu sehen, daß beide Parteien darin einig sind, die einmal eingeschlagene Bahn ohne Unterbrechung und systematisch zu verfolgen. Kontinuität in der äußeren Politik ist durchaus notwendig. Man darf cS als einen Grundsatz aufstellen: Besser eine nicht be- sonders glänzende, aber kontinuierliche äußere Politik, als eine glänzende, aber zickzackartige? denn letztere erfüllt die Nationen mit Mißtrauen, während die ersterc ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten mit anderen Regierungen ermöglicht."— Deutlchee Reich. ZcntrumS-Stcucrpolitik. Die ZentrumSpresie befolgt gegenüber den Stengeischen Steuer- Projekten ihre alte Taktik des Hin- und HcrlavierenS. Aengstlich vermeidet sie zu einer der Steuerfragen bestimmte Stellung zu nehmen, sondern beschränkt sich in weiser Vorficht darauf, in all- gemeinen Redewendungen über die Notwendigkeit einer Reform der Neichsfinanzen, der Erschließung neuer Steucrquellen und der Vcr> ineidung weiterer Belastung des notwendigen Konsums der breiten Volksmasse zu philosophieren. So bleibt dem Zentrum später die Möglichkeit offen, in jeder Phase der Beratungen eine Schwenkung zu vollziehen und sich— natürlich gegen eine angemessene Enischädigung auf kirchlichem Gebiet— der Regierung als Helferin im Kampf um die Durch- setzung der neuen Steuerprojekte zur Verfügung zu stellen. Eine entschiedene Neigung dazu tritt bereits jetzt in manchen Zentrumsblättern hervor, so bemerkt z. B. die„Märkische Volks- Ztg." zu der gestern von uns mitgeteilten Bachemschen Rede in Krefeld: „Die Regierung kann aus diesen Aeuße- rungen ersehen, daß das Zentrum ihr die Hand bieten will zu dem schwierigen Werke der Sanierung unserer Finanzen, und daß die „ausschlaggebende" Partei auch vor neuen Steuern nicht zurückschreckt. Aber die weiteren Aus- führungen Bachems, die in den Worten gipfeln:„Keine weitere Belastung des Konsums der breiten Volksmassen I" sagen der Regierung ebenso deutlich, daß das Zentrum für neue indirekte Steuern, insoweit sie sich nicht lediglich als Luxussteuern charakte- risieren. nicht zu haben sein wird. Wenn der„Vorwärts" meint, es bestehe nur geringe Hoffnung. daß das Zentrum„nicht später auch zu der Eudcckung gelangt, Tabak und Bier gehörten nicht zu den notwendigsten Vcr- brauchsgegeustäiiden, sondern zu den höheren Genuß- Mitteln", so wollen wir demgegenüber nur bemerken, daß das Zentrum ohne Beihülfe des Erben Bebel und seines armen„Mit- Proletariers" Singer ganz wohl imstande sein wird, zu ent- scheiden, welche Sorte Tabak und welches Bier noch als Konsum artikel der breiten Volks in assen an- gesehen werden kann. Und wenn später die„Genossen" Bebel und Singer für ein Glas echtes Pilsener mal fünf Pfennig mehr werden zahlen müssen, so wird sie das auch noch nicht alio- gleich zum Bankerott führen." Also„echtes" Piltener Bier und guter Tabak gehören nicht zu den notwendigen Konsummitteln. Bald wird die Zentrunispresie, wenn ihrc.m Begriffsvermögen durch kleine Zugeftändnisie voni Regiernugstisch nachgeholfen wird, zu der Elitdeckimg gelangen, daß auch„echtes" Bayrisches und selbst gewöhnliches Lagerbier nicht zu den notwendigen Konsummitteln gerechnet werden können, sondern allenfalls nur noch Dünnbier.— Die Rcichsciiinahnie» erweisen sich als immer unzureichender ziu Deckung der stetig steigenden Ausgaben für die Heeres- und Floueii- rüstungen sowie die Kosten einer wahnwitzigen Koloiiialpoluik. Tie Jsteinuahme an Zöllen und Verbrauchssteuer» hat in der ersten Häliie deS laufeudcn Elatöjabres 889,9 Mill. oder 5,9 Mill. M. weniger als im gleichen Zeiträume des Vorjahres betragen. Die Zölle haben zwar ein Plus von 8.3 Mill. M., die Maischboltichsteuer ein solches von 0.1. die Branjleuer von 9,6 und die Schanmweiiisteuer von 0,2 Mill. M. ergeben. Diesem Mehr stchr aber ein Weniger bei der Zuckersteuer in Höhe von 8,6 Mill., bei der Braniilweinverbrauchsaligabe von 6,6. bei der Salzstener von 0,6 und bei der Tabaksteuer von 0.2 Mill. M. gegenüber. Ist somit der Vergleich mit den Verhältiiisicn des gleichen Zeil- ranmeS des Vorjahres schon nichr befriedigend, so fällt noch un günstiger eine Gegenüberstellung der Jsleinnahme mit den Elan Voranschlägen aus. Nach dem Etat für 1V05 sollen in einem Halb jähre aus Zöllen und Verbrauchssteuern 110,6 Millionen Mail auskommen. ES sind aber imler Abrechnung der Brenusteuer. ja"-r Vergntigimgcn verrechnet wird, nur 389,1 Millionen Mark ein- genommen, so daß vorerst die Wirklichkeit hinter der Etatsschätzung um 5t, 2 Millionen Mark zurückgeblieben ist. Ueberschüsse gegenüber den Etatsausätzen weisen nur die Vranntweinverbrauchsabgabe und die Brausteuer mit 3,6 und 0.8 Millionen Mark auf. Tagegen haben Fehlbeträge aufzuweisen die Zölle in Höhe von 38,5 Millionen Mark, die Tabaksteuer von 1,2 Millionen Mark, die Zuckersteuer von 9,5 Millionen Mark, die Salzsteuer von 3,12 Millioneii Mark und die Maischbottichstcuer von 8,2 Millionen Mark. Vor allem fällt der Ausfall bei der Znckerstener auf. Die Zoll- einnahmen dürsten sich ja im zweiten Halbjahr ganz sicher noch er- holen, ob damit jedoch der bisher als recht beträchtlich zu be- zeichnende Ausfall gedeckt werden wird, bleib! abzuwarten. Was die anderen Einnahmen betrifft, so sind aus den Reichs- stempelabgaben 42,2 Millionen Mark aufgekommen gegen 35,9 Millionen Mark Etatsausatz, also 6,3 Millionen Mark mehr. Hieran trägt die Börsensteuer das Verdienst, die bei einem halb- jährigen Etatsanschlage von 15,0 Millionen Mark talsächlich 26,1 Millionen Mark, also 11,1 Millionen Mark mehr erbracht hat. Die Losesteucr aber hat den Etat bei weitem nicht erreicht. In der Postverwaltung sind 217,9 Millionen Mark gegen 258,6 Millionen Mark Anschlag, also 10,7 Millionen Marl weniger, in der Reichs- eisenbahnvcrivaltiuig 54,3 Millionen Mark gegen 52,2 Millionen An- schlag, also 2,1 Millionen Mark mehr vereinnahmt. DaS Loch im Reichssäckel, das verstopft werden muß, wird immer größer.— Tie„Post"-Esel schreien natürlichkräftigwegenderPeitschenhiebe, die wir ihnen gestern wegen der infamen Fälschung versetzen mutzten, datz die deutsche Sozialdemokratie jemals einen Pfennig von franzö- fischen Mordspatrioten zu irgend welchen Zwecken erhallen habe. Au den von uns erneut festgestellten Tatsachen ist nicht zu rütteln, des- halb nützt ihnen denn auch ihr Drehen und Winden nichts. Es war wieder einmal nichts zu machen. Was uns eben so wenig wundert. Ivie dies ohnmächtige Geivinsel, ist das verständnisinnige— Schweigen, womit die Grautiere unsere energische Aufforderung aufnehmen, mit uns einen Tanz darum zu wagen, wie viele Ge- siunungsverwandtc des Reichsvcrbandes und der„Post" sich von Napoleon III. gegen ihr eigenes Vaterland mit Gold spicken ließen. Kein einziges Wort erfahren von dieser unserer Aufforderung die Leser der„Post", wie wir kein einziges der Antwort bekommen! Die„Post"-Esel wissen nur zu gut, warum sie nichts davon cr» noch darauf antworten dürfen.— Tie Entschetdunq über den Zusammentritt des Reichstags wird, wie gemeldet wird, in dieser Woche fallen. Es dürfte der 14. No- vembcr gewählt lvcrdcn, da der Reichskanzler auf den baldigen Zu- sammentritt Wert lege. Die Flottenvorlage, die fertig ist, und die Reichssinanzrcform werden dem Reichstage so- fort neben dem Etat vorgelegt werden.— Blamierte Stadtverordnete. Die Hannoversche Städteordnung, ein altes reaktionäres Erbstück aus der königlich-hannoverschen Zeit hat in der Stadt Hannover wahre Triumphe erlebt. Die dortigen 24 Bürgcrvorsteher lSladtverordncte) haben nicht den Mut, eine durchgreifende Aende- rmig der Städteordiiung zu beantragen, weil der Stadtdircktor (Oberbürgermeister) Tranmi, königlich preutzisckcs Herrenhaus-Mit- glied, von einer solchen nichts wissen will. Deshalb versuchten diese nennmalweisen Stadtvcrtretcr im Stillen von hinten herum den Magistrat sich teilweise gefügig zu macl-en. Sie haben es„schlau" angefangen und sind bei ihrer Täppischkeit recht gründlich, wie es sich für solche Lemcheii gebührt, hineingefallen. Seit dem l. April ist in Hannover ein Scnatorsessel frei, den der verstorbene Reichstags- und Landtagsabgeordnete Wallbrecht bis da- hin innehatte. Ter Magistrat schien am liebsten auf den Senator verzichten zu wollen, denn es hat bis zum Mittwoch, den 25. Oktober, gedauert, ehe er einen Wahltermin anberaumte. Bald nach dem Tode Wallbrechts waren einige Kandidaten genannt, einer, ein Burgcrvorstehcr, galt als sicherer„Sieger", wäre auch gewählt worden, wenn die Wahl nicht über den Monat Mai hinausgeschoben wäre. Magistrat und Bürgcrvorstehcrkollegium muhten aber auf diesen Kandidaten verzichten, weil er sich bei der Einweihungsfeier eines städtisckien Lokals allzu unanständig betragen hatte. Der Magistrat suchte sich daher den neugebackenen Lkommcrzienrat und Handelskammcrpräsidcnten Werner heraus, während die Bürger- Vorsteher sich ans ihren Kollegen Jusrizrat Zojunge fcstbissen. Tie Wahl eines Senators ist in den Städten der Provinz Hannover etwas anders vorzunehmen, als in den übrigen preutzischen Provinzen. Hier wählt der Magistrat mit allen nichtbchinderten Mitgliedern und einer gleickten Anzahl Bürgcrvorsteher den Senator. Kippt ein Wahlmann des Magistrats um, so ist der Kandidat des BürgcrvorstckarkollcgiumS gewählt und umgekehrt. Erlangen beide Kandidaten gleiche Stinunenzahl, dann sind beide„Gewählte" der Regierung zur„Ausivahl" anzuzeigen. Der Regierungspräsident bestimmt dann den der Senator wird. Bisher ist noch niemals der Kandidat des Bürgervorsteherkolleginms, sondern immer in der ganzen Provinz Hannover der des Magistrats in solchen Fällen„aus- gewählt" worden. Das bedeutet eine vollständige Atisschaltung des Bürgervorsteherkolleginms. Gegen einen solchen Fall wollten sich die Bürgervorsteher Hannovers ein für allemal sichern und liehen sich von den vor zwei Jabrcn von Magistrat und Bürgervorsteherkolleginm gemeinsam ge- wählten Senatoren Zeu ermann und Jakob schriftlich zusichern, daß diese bei seder erforderlichen Senatorenwahl die Kandidaten des Bürgervorsteherkolleginms wählen. Herr Zenermann unterschrieb aus einer Weinkarte(!) in einem Restaurant beim Festessen und Herr Jakob später auf einem anderen Bogen Papier. Beide„Nr- künden" hat der Vorsteher des Bürigervorsteher-Kollegiums in Verwahrung. Am Mittwoch sollten nun die beiden Senatoren ihren Mut dein Stadtdirektor, der stets seinen Willen durchsetzt, beweisen. Es kam aber nicht dazu. Von diesem Handel der beiden Senatoren hatte der Stadtdircktor erfahren und die beiden vorgeladen. Daß sie ihre Senatoreuwürde abstreifen sollten, hielt er nicht für nötig, aber die beiden Biedermänner meldeten sich krank und gingen auf Reisen und damit der Senatorenwahl auö dem Wege. An den Worthalter des BürgervorsteherkollcgiuinS schrieb der Stadldirektor nun, rr solle die beiden Urkunden vernichten oder ihm zur V�nichtnng ein- liefern..? Ter Worthalter. Rechtsanwalt Wegener weigerte sich zu erklären, daß er den bckden die völlig freie Entschließung zurück- gebe? er für seine Person wolle sie von dem Versprechen auch ent- binden, stellte es aber den beiden Senatoren anHeim, ihrerseits selbst zu bestimmen, ob sie in ibren Entschließungen frei seien. Am Dienstagabend hatten die Bürgervorsteber vertrauliche Sitzung und da beschlossen sie, den Senatoren die freie Entschliehuiig zurückzugeben. Sie hatten sich also vor der Macht des ung-ckrönten Königs von Hanrover, wie der Stadtdireltor genannt wird, in Demut er- stcrbeiik» gebeugt. Die schlauen Bürgervorsteher, die glaubten, den Magistrat ausschalten zu können, waren die Dummen. So etwaS kann auch nur in Hannover passiere». Aber die superkluge Gesellsckiaft heckte gleich wieder etwas anderes aus. Tie Bürgcrvorstchcr halten den beiden Senatoren die freie Entschließung zurückgegeben und nun wollten sie erreichen, daß diese auch mitstiinmen. Der Magistrat besteht zurzeit aus 16 Mitgliedern. die genannten zwei sind„krank", also konnten sich ar, der Wahl nur 14 beteiligen. Demgemäß ivaren die Bürgervorsteher aufgefordert. auch 11 Mann zu wählen. Das haben sie auch getan, aber ihren Worthalter aufgefordert, daraus zri bestehen, daß die Wahl vertagt wird, weil die beiden Senatoren lficht mehr als behindert gelten lönnten und das Miracivorfteherkollcginin demnach mit t6 Mann bäitc antreten können. Mau wollte sich auf diese Weise die Mehrheit sichern in der Hoffnung, die beiden Senatoren würden für den Biir r Vorst ehe rlandi baten stimmen oker aber, wenn sie der Wahl fern blieben, hätte das Bnrgervorstehcrkollegium die Mehr- heit durch feirx; überlegene Z>lss. Ans diesen Trick ließ sich der Magistrat aber nicht ein und deshalb gab der Worthalt-r einen Protest zu Protokoll. Tann tvnrde gewählt. Die 11 MagistratS- müglieder wählten einstimmig ihren Kommerzienrat und die 14 Bür- Mkborsteher cinflimmig ihren Justizrat l Ter Regierungspräsident bestätigt natürlich den Kommerzienrat, der bei ihm in besonderer Gunst steht, denn er hat ihm ja erst vor kurzem den Kommerziell- rätst ael verschafft. Aus dem Protest wird nichts, man mühte ihn denn auf eine Weinkarte schreiben und dem Museum für Kunst Uttd Wissenschaft als dauerndes Blamagestück überweisen. So gründlich hat sich in der ganzen Welt noch niemand blamiert, wie unsere Bürgervorstehcr unter denen sich drei Juristen befinden. Man wähnt statt in Hannover, einer Grohsterdt, in Schild« zu sein, denn die ganze Sache gleicht einem echten Schildbürger- stückchen.— Die Angst vor der Sozialdemokratie im sächsischen Landtage. Nach längerer Zeit hat wieder ein sozialdemokratischer Abgeordneter, der Genosse G o l d st c i n, seinen Einzug in den agrar-konservativen sächsischen Landtag gehalten. Man hat sich aber wohlweislich gehütet, dem unbequemen Genossen Stimme und Sitz in irgend einer der zahlreichen Deputationen des Landtages einzuräumen. Schon in der ersten öffentlichen Sitzung, beim Ein- tritt in die Deputationswahlc», kam es zu einem interessanten Zwischenfall. In den zu den Deputationswahlen gedruckten Vor- schlagslisten fehlen die Rainen Goldstein(Soz.j und Bär(freis.). Nachdem beschlossen wurde, in jede der 5 Deputationen lö Vertreter zu entsenden, erklärte Abg. Goldstein: �„Ich will nur vor dem Lande konstatieren, daß die Mehrheit dieser Kammer den einzigen Vertreter der größten Partei Sachsens aus allen Deputationen ausschließt. Dieses Verfahren wird sich selbst richten; es zeigt aber, in welcher Weise dort drüben Politik gemacht wird." Der freisinnige Abgeordnete Günther erklärte hierauf, daß er nur dann für die Wahl durch Zuruf stimmen könne, wenn ihm Gelegenheit gegeben werde, den sozialdemokratischen Abgeordneten Goldstcin vorzuschlagen. Der freisinnige Abgeordnete Bär forderte sodann Stimmelzettclwahl für die Rcchcnschafts-Dcputation und schlug hierzu statt den konservativen Abgeordneten Hübner den sozialdemokratischen Abgeordneten Goldstcin vor, der dann 8 Stimmen, Hübner dagegen 70 Stimmen auf sich vereinigte. Neben den beiden Freisinnigen hatten also nur 6 Nationallibcrale für den Sozialdemokraten ihre Stimme abgegeben. In Rücksicht auf die große Fleisch not in Sachsen hat Abgeordneter Goldstcin folgende Interpellation im Landtage ein- gebracht:„Welche Maßnahmen gedenkt die Staatsregicrung zu er- greifen, um der im Lande herrschenden Fleischnot bezw. dem Vieh- mangcl und der daraus resultierenden großen Fleischvcrteucrung zu begegnen?"_ Grenzkosak und preußischer Landrat. Dem„Bert. Tagebl." wird aus Kattowitz gemeldet: Der Kattowitzer Landrat untersuchte gestern an Ort und Stelle den letzten Myslo witzer Grenzzwischenfall. Dabei wurde festgestellt, daß der russische Grenzposten t a t s ä ch- lich die beiden jungen Preußen unter Drohungen ge- nötigt hat, russisches Gebiet zu betreten. Derselbe russische Grenzposten drohte gestern den Landrat und seine Begleitung festzunehmen, falls sie der Grenze zu nahe kommen würdenl Wenn man bedenkt, wie die russischen Justizbehörden im Königsbcrger Prozeß mit den deutschen Justizbeamten umsprangen, wird man es begreiflich finden, daß ein russischer Grenzkosak auch einem preußischen Landrat die Zähne zeigt. Wir sind nur neu- gierig, welche Genugtuung Teutschland jetzt fordern wird!— Eine kaum glaubliche Ausweisung. Eine Korrespondenz meldet: Der unschuldig wegen Meineids zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilte und dann im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochene Schlosser Max Schuster ist jetzt ohne Angabe der Gründe aus Dresden aus- gewiesen worden. Schuster wurde bereits Anfang dieses Jahres einmal auf das Polizeipräsidium geladen; dort sollte ihm, wie es auf der Vorladung hieß, ein Beschluß eröffnet werden. Dies ge- schah jedoch nicht, sondern der Vorgeladene wurde einfach befragt, ob er es sei, der die ausführliche Mitteilung von der Verurteilung vier Unschuldiger zu schweren Zuchthaus- rcsp. Gefängnisstrafen der Presse übergeben habe. Da selbstverständlich jeder das Recht hat, wahrheitsgemäße Erlebnisse der Oeffentlichkeit mitzuteilen, da be- sonders ein Mensch, der in öfsentlicher Sitzung zu einer entehrenden Zuchthausstrafe verurteilt wurde und einen Teil derselben un- schuldig verbüßt hat, selbstverständlich ein lebhaftes Interesse daran haben muß, öffentlich konstatiert zu sehen, daß er unschuldig gelitten l?at, hielt Schuster die Behörde zu einer derartigen Befragung nicht für berechtigt, und diese hatte auch kein wesentliches Resultat. Schuster, der endlich nach vielen vergeblichen Bemühungen Arbeit gefunden hatte, erhielt kürzlich abermals eine Vorladung zum Zweck« der Eröffnung eines Beschlusses, und als er sich daraufhin im Polizeipräsidium einfand, wurde ihm gesagt, daß er Dresden in zwei Tagen zu verlassen habe. Es wurde ihm ein Zettel aus- gchändigt, der wörtlich lautet: „Vorzeigcr der Schlosser Max Schuster, ist aus Dresden aus- gewiesen und hat die Stadt binnen 2 mal 24 Stunden zu der- lassen. Dresden. 27. 10. 190S.%12 Uhr vormittags. Königliche Polizeidirektion, Abteilung I. (Unterschrift unleserlich.)" Schuster ersuchte, ihm dock, wenigstens noch eine Woche Frist zu lassen, damit er sich wenigstens noch das erforderliche Reisegeld verdienen könne. Es wurde ihm aber bedeutet, er habe die gestellte Frist streng innezuhalten, etivaigc Gesuche würden erfolglos sein, und wüßte man ihn nach zwei Tagen noch in Dresden, dann würde er mit einer Woche Haft bestraft. Zu bemerken ist, daß Schuster auch noch wegen versuchten Betrugs zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, weil er für unschuldig erlittene Untersuchungs- hast und Zuchthausstrafe von zusammen blb Monaten eine Eni- schädigtmg von 700 M. verlangt hatte, nachdem ihm im Wieder- aufnahmcprozeß das Recht, eine Entschädigung zu verlangen, reichs- gesetzlicher Bestimmung gemäß zugesprochen worden war. Diese Siräfe ist noch nicht verbüßt; es wurde dem Verurteilten vielmehr Strafaufs cbub gewährt, da er ein Gnadengesuch eingereicht hat, auf das nock, keine Entschließung erfolgt ist. Die Ausweisung ist unter diesen Umständen überl�upt nicht zu verstehen. Mit lvelchem Recbtsgrund sie erfolgt ist, darüber besagt auch der Ausweisungs- zcttel nichts. Schuster ist geborener Dresdener.— Königsberg, 27. Lktober.(Eig. Bcr.) Tic Rrichstagsersaliwahl im Wahlkreise Pr.-Hollnnd� Mohrungen findet am 2. November statt. Dieser, einer der rückständigsten Wahlkreise Ostpreußens, ist somit auch eine der sichersten Toinäncn der ostclbischen Junker. Gescheitelte und geschorene Pollsvcrdummcr, unterstützt von der binialeu Herrschsucht der geadelten und ungeadeltcn Nachkommen- sckoft inittelnll sicher Raubritter, haben cS bisher verstanden, das anbei-che Voll im Zaune zu hallen und jede etwa aufkcimciide Uuznjricdenhcit mit dem Hinweis auf ein besseres„Jenseits" zu unu. i brücken. Im, Jahre 1898 wurden zum erstenmal dort 023 sozialdcmo- krakische Stimmen gegen 8734 konservative, 107 freisinnige und 80 Zentrunisslimmen abgegeben. Das war für unsere Gegner schon eine llcberrnschung. Denn man war bisher der Meinung gewesen, daß in diesem rein lä, blichen Wahlkreise mit seinen b kleinen Städtchen von 1— 5000 Einwohnern, ohne nennenswerte Industrie, der revolutionäre Geist der Sozialdemokratie an dem sogenannten „gesunden Sinn" der ländlichen Bevölkerung abprallen werde. Die sogenannte geheim« Reick, LtagSwahl ermöglichte es den Junkern, die foziatdemokratischen ländlichen Wähler hcrauSzuspürcn, Rache zu üben und Ercmpel zu statuieren. Das wirkte denn auch zweifellos auf die nächste Wahl 1003 nach. Verschiedene Wähler, die ohnehin inzwischen nicht politisch aufgeklärt werden konnten, fielen, weil sie ci'.igcschüchlert wurden, ab. So kam cS denn, daß, während wir bei der letzten Reick'stapswahl in fast sämtlichen ostpreußischen Wahl- kreisen eine Stimnienzunahme zu verzeichnen hatten, in diesem Wahlkreise 217 Stimmen weniger als bei der letzten Wahl auf unseren Kandidaten, Genossen Otto Braun auS Königsberg, vcr- einigen konnlen. Die bekannten Wahlmogeleien hatten natürlich auch das Nötige zu diesem Stimmenrückgang beigetragen. Von irgend loclchcr Tätigkeit des gewählten konservativen, jetzt verstorbenen, Abgeordneten Grafen zu Dohna-Schlodien im Reichs- tage hat wohl niemand im Lande etwas gespürt, am allerwenigsten seine Wähler im Wahlkreise selbst. Wozu auch, wer wird von einem Grafen Rechenschaft verlangen. Als seinen Nachfolger hat die konservative Partei einen Großgrundbesitzer, Herrn G l ü e r- Gergehnen, in Aussicht genommen. Auch die sogenannten Volks- parteiler haben unter der Flagge der vereinigten Liberalen einen Schneidcmühlenbcsitzer aus Allenstein als Kandidaten aufgestellt, während das Zentrum auf einen solchen diesmal zu verzichten scheint. Die sozialdemokratische Parlei hat wieder den Genossen Otto Braun aus Königsberg kandidieren lassen. Ein eigentlicher Wahlkampf tobt in diesem finsteren Wahlkreise nicht. Die Partei- genossen aus Königsberg und aus benachbarten Kreisen sind aber äußerst rührig bei der mündlichen und schriftlichen Wahlagitation, um auch hier, wie vorher in so manch einem jetzt vorgeschrittenen Kreise, Bresche zu schlagen. Versammlungen können wir natürlich nicht abhalten. Desto freudiger nehmen die Arbeiter in den Städten und auf dem Lande unsere Flugblätter und Stimmzettel ab. Das war bei den früheren Wahlen nicht so. Auch Schimpfworte und Drohungen mit Prügel sollen jetzt von fanatisicrten Bauern nicht mehr so viel wie sonst gegen die sozialdemokratischen Agitatoren zu verzeichnen sein. Wenn die konservativen Junker und deren Sipp- schaft auch nicht fürchten, jetzt schon an die verfluchten Sozis das Mandat zu verlieren, so ist ihnen unsere rührige Agitation doch sehr unbequem und sie speien in ihrem Oberländer Organ darob in diesen fett gedruckten Zeilen Gift und Galle: „Sozialdemokratische Wühler durchreisen den Kreis und ber- suchen, an vielen Orten ihren von Schimpfworten strotzenden, aber sonst nur leere Worte enthaltenden Wahlaufruf und Stimm- zettcl unterzubringen. Sie werden es auch an Bcstcchungs- versuchen durch Geld, Schnaps, Zigarren nicht fehlen lasse». Wir hoffen aber auch, daß der gesunde Sinn unserer Bevölkerung die Antwort nicht schuldig hlciben wird." Wie diese Wahlmogler doch wissen, welche Mittel manxzum Stimmenfang anwendet, um konservative Wahlen zu machen! Nun, wir hoffen, auch ohne Schnaps und Zigarren, auf ehrliche Art eine respektable Stimmenzahl auf den sozialdemokratischen Kandi- baten diesmal zu vereinigen.— Abgeblitzte Scharfmacher. Stuttgart, 27. Oktober.(Eig. Ber.) Die Forderung der Bauarbeiter, daß der Staat oder die Gemeinden Baukontrollcure aus Arbciterkreisen anstellen sollen, uni eine wirksame Durchführung der gesetzlichen und baupolizeilichen Schutzvorschriften zu garantieren, liegt den Baulöwcn und Arbciterfcindcn des Bau- gcwerbcs besonders schwer im Magen. Es nimmt daher nicht wunder, daß sie gegen alle bereits vorhandenen Ansätze zur Ver- wirklichung dieser Arbciterfordcrung immer wieder Sturm laufen. So lag der volkswirtschaftlichen Kommission des württcmbergischcn Landtages in ihrer Sitzung am Mittwoch eine Eingabe des „Deutschen Arbeitgcbcrbnndcs für das Baugewerbe" vor, welche verlangte,„von einer Kontrolle der Baute» durch Arbeiter, der Anstellung von Gewerkschaftsvertretern als Baukontrollcure, sowie von der gesetzlichen Regelung einer derartigen Maßnahme A b st a n d nehmen zu wollen". Abgeordneter Gabler, welcher über die Eingabe zu referieren hatte, beantragte Ucbergang zur Tagesordnung, da die Ministcrial- Verfügung von 1002, welche auf Wunsch des Landtages die An- stcllung von Baukontrolleuren den Gemeinden übertragen hatte, bis jetzt sowohl in Stuttgart wie in Ulm von günstiger Wirkung gewesen sei. Minister v. P i s ch e k benutzte die Gelegenheit, um sich mit den Acutzerungen des Referenten über die günstige Wirkung der Ministcrialvcrfügung durchaus einverstanden zu erklären, und be- merkte noch, daß'unter den gegenwärtigen Verhältnissen an eine Berücksichtigung des Gesuches des Arbeitgeber- bundes nicht zu denken sei. Der sozialdemokratische Abgeordnete Hilde nbrand wies noch darauf hin, daß die Ministerialvcrfügung beispielsweise in Stuttgart die Wirkung gehabt hätte, daß in den 7 Monaten, während welcher Arbeiter als Baukontrollcure in Tätigkeit waren, die Zahl der Unfälle um 110 zurückgegangen sei. Daraus könne man schließen, daß eine Ausdehnung dieser Institution auf das ganze Land nur von Vorteil sein könne. Ohne weitere Erörterung wurde sodann der Antrag auf Ueber- gang zur Tagesordnung einstimmig angenommen. Die Fetisch und Konsorten werden über diesen Ausgang der Aktion.nicht sehr erbaut sein.—_ Die Bcrluste in Südwestafrika. Unsere Gcsamtvcrluste an Menschen in dem jetzt 22 Monate währenden Aufstände betragen bis jetzt(27. d. M.) einschließlich der Zivilbevölkerung 1842 Köpfe. Die militärischen Verluste von Beginn de? Aufstandcs bis jetzt, einschließlich der Bcrluste der im Beginn des Aufstandes verwundeten Marinetruppen, sind folgende: Tot 102.0, verwundet 500, insgesamt beträgt der militärische Verlust 1021 Mann. Wegen Krankheit heim gesandt, hierbei aber nicht berück- sichtigt sind etwa 750 Offiziere und Mannschaften, die genau genommen auch ein Verlust der Truppe sind. Von der Gesamtverlustziffer der Truppen kommen 000 Mann rund auf das Jahr 1904. der Rest(721) auf das laufende Jahr. Der Gefcchtsverlust der Truppe, d. h. die im Kampfe Gefallene» und Verwundeten belänft sich insgesamt auf 1009 Mann, davon 110 Offiziere, also der zehnte Teil des Ganzen. Gefallen sind vor dem Feinde 443 Man» einschließlich der Offiziere, also 45 Proz. (1870/71: 15 Proz.). Beachtenswert ist auch die geringe Zahl der an den Wunden Gestorbenen(20) im Verhältnis zur Gesamtzahl der Verwundeten(500), in Sndwcstafrika 4 Proz., 1370/71 11 Proz. In Südwestafrika zielt der Feind genau und trifft meistens gleich tödlich oder fehlt beim Zielen und bringt dem Gegner nur leichte Ver- loimdmigen bei. Zu beachten ist auch, daß der Feind keine Artillerie besitzt, Berlvundungen durch Schrnpnellfeuer also ausgeschlossen sind. Trotz dieser gewaltigen Verluste ist ein Ende des Krieges noch so wenig abzusehen, wie vor einem Jahre. Die Hottentottenführer haben sich allen Verfolgungen nicht nur geschickt zu entziehen ge- wüßt, sondern sie haben bei ihren letzten Vorstößen auch reiche Beute an Vieh, Waffen und Munition gemacht. Ein Verlust von 2350 Mann an Tote», Verwundeten imd Invaliden und eine Ausgabe von nicljrcrm hundert Millionen Mark— das ist bis jetzt bereits die Kostenrechnung für daS unselige Kolonialabeutener. Und diese ungeheuren Ausgaben wurden für ein Land gemacht, in dem auch nach den optimistischsten Schätzungen unserer Kolonialenthusiastcn niemals nichr als 5000 weiße Familien leben können I Freilich cm Gewinnst lvird durch diesen Kolonialkrieg für unsere Kolonialfexe herausspringen: eine Kolonialarmce, für die das Reich dann forllaufend jährlich weitere Dutzende von Millionen zu be- rappen hat! Wird das Boll dies tolle Spiel wirklich noch länger ruhig mit ansehen?—_ Die Kameruner Bcschwcrdcschrift ist nunmehr vom„Hamb. Frcmdcnblatt" in ihrem sehr umfang» reichen Wortlaut veröffentlicht worden. DaS Schriftstück ist am 19. Juni aus Bonaku im Dualaland abgesandt; es zählt 24 ver- chiedene Fälle auf, die den Eingeborenen zu Klagen Anlaß zaben. Namentlich wird Beschwerde geführt über die Z e r- l ö r u n g v o n W o h n u n g e n der Eingeborenen beim Straßen- iau, ohne daß später die von der Regierung ver- prochene Entschädigima geleistet sei, über ungerecht- fertigte Verurteitungen Eingeborener zu mehr- jährigen Freiheitsstrafen, Verurteilung von Häuptlingen ohne gerichtliche Vernehmung, Härten bei der Steuercinlreibung, über die widerrechtlicheNiedcr- brennung zweier Dörfer, ungerechte Behandlung des King Akwa, P e its ch un g der Ei n g eb o renen usw. In der Ein- gäbe wird wiederholt betont, die Willlünnaßnahmen der Gouverneurs- reaierung hätten so tiefe Erregung hervorgernfen, daß„ein weniger gevildetes Volk" längs zum Aufstand übergegangen wäre. Aber die Kameruner wollten in Frieden mit Deutschland leben. Alle an- geführten Beschwerden sind im einzelnen ausgeführt und mit Belägen versehen. Wie eine Zeitungskorrespondenz mitteilt, hat der Kolonialdirektor Dr. S t u e b e l sich gegenüber einem ihrer Mitarbeiter folgendermaßen geäußert: „Zu dem Inhalte der Beschwerdeschrift, deren Veröffentlichung in der Tagesprcsse nur eben erst auch bekannt wird, kann ich mich nicht äußern, so lange ihre geschäftsinäßige Behandlung, der sie an kompetenter Stelle zugeführt ist, nicht abgeschlossen erscheint. Auch ist es mir nicht mögtich, auf der Stelle zu kontrolliereit, inwieweit der Inhalt deS Originals der Beschwcrdcschrift mit jenem der Veröffentlichmig Übereinstimmt. Was die verschiedem'eitigcn Angriffe gegen die Kolonialabteilung betrifft, so hängen dieselben naturgemäß mit der gegenwärtigen unruhigen Lage in den Kolonien zusammen. So lange also die Zustände in unseren Kolonien nicht pazifizicrt sind, werden wohl auch tsie Angriffe kein Ende nehmen." Der Kolouialdirektor erklärte zum Schlüsse der Unterredung, daß er auf jeden Fall wegen aller der Beschwcrdeschrift zugrunde liegenden Anklagepunkte die st r e n g st e Unter s u ch u n g be- antragen werde, da, wenn tatsächlich Fälle von Roheitsakten sich ereignet haben sollten, dieselben im Juteresse der reichsdeutscheu Kolonien die schärfste Ahndung finden müßten. Der Reichstag wird hoffentlich der Absicht des KolomaldireltorS im weitesten Maße ciitgegeiikommen. Er wird sich namentlich nicht der Erkenntnis verschließen dürfen, daß es nicht genügt, wenn etliche koloniale Bureaulraten mit der Untersuchung betraut werden, sondern daß nur dann die Gewähr für eine objektive Feststellung des Sach- Verhalts gegeben ist, wenn eine parlamentarische Kommission, in der alle Parteien vertreten sind, an Ort und Stelle die Erhebungen vornimmt.— Husland. Norwegen am Scheidewege. In der Storthingssitzung am 27. Oktober verlas der Präsident das Abschiedsschreiben des Königs Oskar an Norwegen, das zugleich eine entschiedene Ablehnung des Thronangebotes enthält. Mißtrauen und Argwohn, meint er, würde daraus entstehen, wenn ein Prinz ans seinem Hause König von Norwegen werden würde. Dann ver- las der Jnstizministcr Bull eine Depesche seines schwedischen Kollegen über die Unterzeichnung des Karlstäder Uebereinkommcns, die Auf- Hebung der Reichsakte und die Anerkenmmg der Selbständigkeit Norwegens von feiten Schwedens. In derselben Sitzung sollte auch der Antrag der 10 Storthingsmämier zur Beratung kommen; eS wurde aber wieder nichts daraus; weil der Staatsmimster sich krank gemeldet hatte, wurde die Sache abermals vertagt. Jnzivischcn haben die Vertreter und Anhänger jenes Antrags eine Abänderung vorbereitet, die darauf hinausläuft, daß er st die Volksab- st i m m u n g vorgenommen und dann die Regierung ermächtigt sein soll, mit Karl über die Annahme der Krone zu verhandeln, vor- ausgesetzt, daß die Wstimmung dementsprechend ausfällt. Die Re- gicnmg will bekanntlich z u e r st die Ermächtigung, mit dem Prinzen zu verhandeln, haben. UebrigenS ergeht es dem königlichen Wahllandidaten jetzt in Norwegen nicht besser als anderen Wahllandidaten. Man dtskutiert eifrig sein Privatleben und ein Kreis sehr ehrbarer Frauen in Kristiania interessiert sich sehr dafür, ob P r i n z K a r l in seinem lustigen Jugend leben sich auch immer streng an die B j ö r n s o n s ch e„Ha ndsch Unmoral" gehalten, und nicht etwa irgend welchem außerehelichen Geschlechtsverkehr gefront hat. Man will V j ö r n s o n auffordern, seine strengen Moralanschatiungen auch gegen Nor- wcgens zukünftigen König geltend zu machen. „Stockholmsbladet", einer konservativen schwedischen Zeitung, wird aus Kristiania depeschiert, daß von republikanischer Seite eine Anfrage an StaatSminister Michelsett über die beleidigenden Ge- rüchte, die über den Prinzen Karl verbreitet werden, gerichtet werde und daß Michelsett darauf eine Erklärung eines däni- scheu HofarzteS verlas worin die genausten Mit- teilungen über den Prinzen gemacht werden. Ob es sich hier nur um ein Gesundheitsattest oder auch um ein Sittlichkeitsattest handelt, ist aus der Depesche nicht zu ersehen. Von den ersten öffentlichen Verhandlungen des StorthingS über die Volksabstimmung und Königswahl gibt daS folgende Telegramm Auskunft. Es zeigt auch, wie der„Republikaner" Lövlaud für das Königtum plädiert. Eine zlvcite Depesche läßt erkennen, daß die Regierung ihre ganze Autorität einsetzen will, um ihren trügerischen Vorschlag durchzusetzen: Kristiania, 28. Oktober. Ministerpräsident M i ch e l s e u war auch heute krankheitshalber nicht in der Sitzung des S.torthings er- schienen. Nach einer geheimen Sitzung begann die öffentliche Sitzung um 11>/� Uhr. Abg. Konow erklärte, daß in der Adresse an König Oskar gewiß das Königtum vorausgesetzt gewesen sei. Da aber dieses ehrliche und aufrichtige Angebot nicht angenommen wäre, sollte man in beziig auf die Wahl der Staatsform frei da- stehen, was auch ausdrücklich vom StaatSminister aus- gesprochen worden sei.' Setze man nun die StaatSform fest, ohne das Volk zu fragen, so verletze man das wichtige Prinzip der Verfassung, daß es daS Volk fei, das durch den Storthing die Macht ausübe, und nicht die Regierung. Man könne jeden Tag diplomatische Beziehungen mit dem Auslände anknüpfen. Man hätte auch von Rücksicht auf das November-Abkommcn czesprochen, das sei indessen gegen Rußland gerichtet und könne gefährlich werden. Norwegen solle lieber Verhandlungen mit den Mächten einleiten und sich für neutral erklären. Bon dem höchsten Staatsamte dürfe kein norwegischer Mann ausgeschlossen sein. Der Minister deS Aeuxern L ö v l n n d führte in seiner Rede auS, das lonstitutionellc Königtum biete ebenso gut Gelegen- hcit für das Volk, seine Fähigkeiten und Kräfte zur Ent- ivickclmig zu bringen, wie die Republik. Wenn man zu der republikanischen Staatsform übergehe, so würde dieses nacki innen wesentliche Umbildungen der Formen des gesamten Gesell- ichaftslebens mit sich führen. Lövland empfahl dann auf das Wärmste den Vorschlag der Regierung und richtete schließlich die eindringliche Mahnung an de» Storthing, in Einigkeit zusammen- zuhalteii und die Selbstbeherrschung und Loyalität zu bewahren, die er bisher gezeigt habe. Die Sitzung wurde daraus bis 5'/z Uhr nachmittags unterbrochen. Kristiania, 23. Oktober.„ A f t e n p o st e n" meldet heute, das; die Regierung mit dem Gesetzentwurf betreffend die Königswahl stehe und falle. Daß di: Mitglieder der Regierimg hierin einig seien, sei zweifellos. Das sei schon unmittelbar nach der Fertig- stellung des Gesetzentwurfs bekannt geworden. Ebenso selbst- verständlich sei, daß die Regierung demiffionieren werde, sobald die Volksabstimmung ihre Ermächtigung zur KönigSwahl verweigern würde.— Frankreich. Frankreichs Feinde in der Demokratie. Paris, 20. Oktober.(Eig. Ber.) Die Regierung fährt fort, die gewerkschaftlichen Organisationen auf jede mögliche Art zu drang- fflftmit. Vor allem bemüht sie sich, die Organisationsbestrebungen der S l a a t S a n g e sie l l t c n zu durchkreuzen. Die Lehrerschaft des Seine-DepartementS hatte die Gründung einer Vereinigung alt' gewerkschaftlicher Grundlage beschlossen. Aber der Scineprafekt weigerte sich, den Empfang der Statuten, die ihm gcmöst dem Gesetz von 1884 überreicht wurde», zu b e st ä t i g e n. Dieses Vorgehen ist ungesetzlich, da der Präfekt ausdrücklich der- pflichtet ist, Gew.'.rkschaftsstatutcn in Empfang zu nehmen und an den Staatsanwalt weitcrzuleiten, der allein die Ungesetzlichkeit des Vereins vor den Gerichten geltend machen kann. In derselben Weise verfuhr der Seinepräfekt gegen die Gewerkschaft der P o st be diensteten. Der Borstand dieser neuen Organisation hat nun eine Audienz beim Handelsminister D u b i c f verlangt, der bisher auf Umwegen und durch zlveideutige, bald brutale, bald beschwichtigende Zirkulare seiner Be- amteuschaft die Koalitionsfreiheit zu entziehen versucht hat. Dieser famose Radikalsozialist wird jetzt in die nicht gerade angenehme Situation konmien, seinen Verrat an der Demokratie öffentlich kundtun zu müssen. Voraussichtlich wird er, wenn er den Kampf gegen die klassenbewußten Postbediensteten aufnimmt, nicht der Sieger bleiben. Die Zuversicht und Entschlossenheit der Bediensteten ist geradezu überraschend. In einer kaum einen Monat währenden Agi tation und trotz dem llebclwollen der Vorgesetzte» und den Ab- Mahnungen angstmeierischrr Bureaukratenseelen hat die junge Organi- sation in Paris und in der Provinz schon über 12000 Mit g l i e d e r gewonnen. Die Aktion des Seine-Präfekten gegen die Pariser Arbeitsvörsen, die, einige gerechte Beschwerden gegen die ehemalige Berwaltungs- kommission zum Vorwand nehmend, auf die Aufhebung der Auto- noniie des Instituts hingearbeitet hat, verläuft schon jetzt für die Regierung sehr unrühmlich. Die Bemühungen des Präfekten, die Geiverkschaften zur Teilnahme an der Wahl der neuen Berwaltungs- kommission zu bewegen, haben keinen rechten Erfolg gehabt. Räch mehrmaliger Fristverlängerung ist eS wohl gelungen, die Zusage» von einige» sechzig Organisationen zu erlangen, aber zum große» Teil sind dies sehr wenig beträchtliche Bereinigungen. Die großen Gewerkschaften haben sich zumeist für die Abstinenz erklärt, und in den letzten Tagen haben sogar etliche von ihnen beschlossen, die Arbeitsbörse zu verlassen. Unter den Sezessionisten befinden sich die Metallarbeiter und die Angehörigen der Nahrungs- inittelgewerbe. Das Herannahen der Wahlen und der offenbare Entschluß der Regierung, sie unter dem Schlagwort des„Patriotismus' durch- zuführen, steigert sichtbar die KonfliktSlust der Behörden. So hat der Seepräfekt von Brest. Admiral Pephau. einen Arbeiter wegen antimilitaristischer Propaganda entlaffen. Die Marinearbeiter anttvorteten mit einer stürmischen Demonstration vor der See- präfekwr. Die ausdrückliche oder stillschweigende Billigung, die die Maßregelung in der republikanischen Presse findet, beweist, wie wenig die elementarsten bürgerlichen Freiheiten in der bourgeoisen Demokratie gesichert sind. Daß sich hinter die patriotische Phrase auch die brutale Gc- meiuheit und der schmutzigste Brotneid verstecken können, beweist die „Affäre H e r v d". Der entlassene Gymnasialprofessor hat, um sein Leben zu fristen, mit Eifer die Rechte studiert und die zur Aus« Übung des Anwaltsberufes geforderten Prüfungen abgelegt. Als er nun vor einigen Tagen die Zulassung zur Advokatur forderte, nach- dem er die vorgeschriebene, auf die Beobachtung der Gesetze be- züglichc GelöbniSformcl gesprochen hatte, wurde von der nationalistisch- klerikalen Advokatenklique eine.Bewegung' eingeleitet, die die Auf- nähme des„Vaterlandsverräters' in den Anwaltstand verhindern sollte Der„Stabträger' der Advokaten wird wirklich eine förmliche Ber- Handlung darüber abhalten, ob ein revolutionärer Antimilitarist Verbrecher vor Gericht verteidigen dürfe. Der zeremonielle Akt der „Aufnahme', der längst zu einer leeren Formalität erstarrt ist. soll lebendig gemacht und in einen wirklichen Prozeß verwandelt werden, »m über einen Menschen für seine unbequemen Meinungen die Hungerpein zu verhängen. Man braucht wahrlich nicht zu den An« hängern HerveS zu gehören, um auch nur die Möglichkeit einer solchen Gewalttat als Schandmal für die moralische Kultur der in der Ruhe von Aemtern und Würden schmausenden Bourgeoisie zu empfinden.— England. Arbeiterpartei und Gewerkschaftskasse». London, 2«. Oktober. In der Arbeiterwelt Großbritanniens wird gegenwärtig folgende Angelegenheit eifrig besprochen. Bekannt« lich ivurde die neue Arbeiterpartei, auch unter dem Namen Lab our Representation Eommittee bekannt, von dem Gewerkschaftskongreß im Jahre 1899 gegründet. Die meisten Gewerkschaften traten der Partei bei, die jetzt etwa eine Million organisierte Arbeiter und Sozialisten zählt. Die Kosten der Partei, d. h. ihre Verwaltung und die Zahlung von Diäten an ihre vier Parlamentsabgeordnete: Crooks, Hardie, Henderson und Söbackleton werden an« den Ge- Ivcrkschaftsfonds bestritten. Die Geiverkschaften dürfen aber nur solche Ausgaben machen, wie sie in ihren Statuten resp. in der Gcwerkschaftsgesetzgcbung vorgesehen sind. Ob die Statuten im Rahmen des Gesetzes gehalten sind, darüber entscheidet der von der Regierung bestellte Hauptregistrator, der die Ge« werkschaften registriert und ihre Satzungen prüft. Als sich nuil die Arbeiterpartei entwickelte und Miene machte, sich von der liberalen Partei zu trennen, begann in manchen libe- ralen Blättern und in manchen gewerkschaftlichen, aber dem Libe- ralismus treu gebliebenen Kreisen eine Agitation gegen die Verwendung von Gewerkschaftsgeldern für poli- tische Zwecke. Sie erklärten, eine derartige Berwendung sei statutenwidrig. Die Gewerkschaften wandten sich daraufhin an den Regiftrator, um die Statuten zu amendieren und die Bestimmung hinzuzufügen, daß eS gestattet sei. Bewerkschaftsgelder für politische Arbeiterzwecke zu verwenden. Eine der ersten Gewerk- schaften war die der Eisenbahn-Angestellten, die die Bewilligung nachsuchte, aus Gewerkschaftsgeldern„die Kosten eines Blattes und der parlamentarischen und munizipalen Vertretung zu bestreiten'. Der Registrator gab vor wenigen Tagen folgend» Antwort:„Die Ziele einer TradeS-llnio» können mir diejenigen sein, die im Gewerk- schaftsgesetz vom Jahre 1876, Sektion 16, definiert werden. Des- halb töirnen die Worte, die sich auf die p a r l a>n e n t a r i s ch e und munizipale Vertretung beziehen, nicht in dir Satzmigru als „Ziel»" aufgenomuieu werden. Das Gesetz enthält indes nichts, was die Gewerkschaft verhindern könnte, ihre Gelder so zu verwenden, wie ihre Mitglieder es für gilt erachten. Die Union ist deshalb be« rechtigt, für solche Zwecke Beiträge zu sammeln, ebenso für alle anderen Zwecke, die nach Ansicht des Registrafors legal sind.' Dieser Bescheid hat verschiedenartige Erklärungen gefunden. Manche behaupten, daß die Arbeiterpartei auch fernerhin aus den Gewerkschaftskasse» schöpfen könne, da die Arbeiterpartei«ine gesetz- liche Einrichtung sei. Ander« wieder behaupten, da die Satzungen der Gewerkschaften eine ausdrückliche Bestimmung über Unterstützung der Arbeiterpartei nicht enthalten dürfe, so werde ihre Finanzierung mir aus speziellenBeiträgen geschehen können, was den konser- vativ oder liberal gesiiniten Gewerkschaftlern den Anlaß geben werde, Gerichtsprozesse anzustrengen. Jedenfalls werden sich die verschiedenen richterlichen Instanzen mit dieser Angelegenheit beschäftige» müssen. Dänemark. Das Präsidium des Feltethings zeigt sich von Tag zu Tag immer mehr unfähig, die Verhandlungen in vernünftiger Weise zu leiten. Offenbar ist die Regierungspartei, die ihre tüchtigsten Kräfte durch die Bildung der radikalen Linken eingebüßt hat, außer stände, das Präsidium mit brauchbaren Leuten zu besetzen. Der jetzige Präsident ist bekanntlich halb taub, der zweite Vizepräsident »och etwas mehr als balbtaub, und der erste Vizepräsident, Anders Nielsen, der bei der Budgetdebatte auch als Wortführer der Ne gierungSpartei auftritt, ist augenscheinlich durch die unhaltbar zwei- dcutige Stellung seiner Partei so verwirrt geworden, daß er selbst nicht mehr recht weiß, was er tut. Kürzlich wollte er unseren Parteigenossen S a b r o e nicht reden lassen, gab ihm dann doch das Wort und erklärte schließlich, daß Sabroe eigentlich doch nicht das Wort hätte erhalten sollen.— Am Mittwoch, wo erst der zweite Vizepräsident Bluhme die Verhandlungen leitete� dann der ab gedankte aber wiedergewählte Präsident Thomson, durfte der Konservative Birk all das über den König und sein Verhältnis zu Island sagen, was ihm kürzlich verboten worden war. Danach verfiel der alte Rechtenmann gewissermaßen in einen Siegcstaumel und erlaubte sich nun Ausdrücke und Redensarten, indirekt gegen den König gerichtet, die selbst bei loyalster Handhabung der Rede- freiheit nicht als parlamentarisch zulässig gelten konnten, durfte aber alles sagen, was er wollte; nur eine sanfte Ermahnung des Präsi deuten wurde ihm zuteil. Am Donnerstag waren die Debatten wieder sehr hitzig und es gab verschiedene Ordnungsrufe. Merk würdig ist, daß Anders Nielsen seinen Namen schon dreimal auf der Rednerliste herunterrücken ließ. Er soll Borgbjcrg antworten, und unser Genosse wartet auf die Antwort, um ihm wieder zu ank Worten. Aber der Wortführer der Regierungsliberalcn möchte offenbar das letzte Wort haben und einer Antwort entgehen. Eine große Rolle spielt in den Verhandlungen die törichte Acußerung, die der Ministerpräsident an die Delcasse-Enthüllungcn knüpfte. Er sagte, daß, wenn England 100 006 Mann i» Jütland landen sollte, müsse Dänemark bereit sein ihnen bei Esbjcrg 60»66 Mann entgegenzustellen. Unser Genosse Klausen, der die Unsinnigkeit und Unvorsichtigkeit derartiger Redensarten beleuchtete, erklärte unter anderem:„Daß unsere 50 000 Mann die 100 000 Englands schlagen sollten, ist selbstverständlich nur eine Reminiscenz der alten Fabel, daß die Dänen ganz gemächlich die doppelte oder dreifache Zahl von Feinden schlagen können,-sollen wir nun nicht bald mit dieser dummen Prahlerei aufhören?'— Amerika. Zür die Reger hat Roosevclt in einigen Reden auf seiner Reise durch die Südstaaten auch ein gutes Wort eingelegt. Die Neger be- teiligten sich eifrig an den Empfängen zu Ehren Roosevclts, wenn sie auch ungern und nur teilweis« zugelassen lourden. Rooscvelt er klärte es Pflicht der Weißen, daß sie sich bemühen, ihre schwarzen Mitbürger besser zu erziehen und an ihrer moralischen Hebung zu arbeiten. Er wandte sich gegen die Lynchmorde und ermahnte dabei die Neger, sich gut zu betragen und die Gesetze zu respektieren.— Noch immer werden zahlreiche Lynchtnorde an Negern begangen und als ein alltägliches Ereignis von den Zeitungen berichtet. Ein Wort der Kritik findet die Presse nur dann, wenn Lynchmorde in besonders grausiger Form stattfinden, wie Verbrennungen bei lebendigem Leibe. Neulich hatten sich sogar Bürger von Texas mit einer Petition an den Staatsgouverneur gewandt, dafür zu sorgen, daß vollbrachte Lynchmorde, von großen Voltsmaffen begangen, nicht als gesetzwidrige Handlungen angesehen werden sollten. Man will die Anstifter vor Verfolgung durch die Behörden schützen. Der Gouverneur erwiderte höflich, daß die Verfassung von Texas eine Legalisierung von Lynch- morden nicht zulasse. Em Induftm und ftandd. Beschäftigung und Arbeitslöhne im preußischen Bergbau. Der Reichsanzeiger veröffentlicht die amtliche Statistik über die Arbeiterzahl, Löhne, Arbeitszeit und Arbeitsleistungen im preußischen Bergbau während des Jahres 1904. Der aufsteigenden Richtung entsprechend, in der die wirtschaftliche Konjunktur im Jahre 1904 verblieb, haben sich auch die Zahl uud die Löhne der Bergarbeiter in Preußen erhöht. Nach den Ermittelungen beträgt die sich nach den Belegschaftslisten ergebende mittlere Zahl der im Jahre 1904 vorhanden gewesenen Arbeiter Einschließlich der zeitweilig wegen Krankheit ober aus anderen Gründen feieniden, aber auSschließ- lich der Beamten und sonstigen dauenid zur Aufsicht verwendeten Personen. Ausseher. Oberhauer, Fahrhauer usw.) 521 529 gegen 497 296 im Jahre 1963, 480 336 im Jahre 1902, 482 566 im Jahre 1901, 447 687 im Jahre 1900. 409 385 im Jahre 1899 und 331 520 im Jahr« 1895. Bringt man von ber für 1904 ermittelten Gesamt- zahl die im linksrheinischen Braunkohlenbergbau beschäsligten Arbeiter— im Jahresdurchschnitt 5035—, weil deren Zahl in der Statistik für die vorausgegangenen Jahre nicht berücksichtigt worden ist, in Abzug, so ergibt sich, daß in den übrigen Bezirken 19 201 Arbeiter im Berichtsjahre mehr eingestellt worden sind als im letzten Vorjahr. 1903 war die Gesamtzahl der Arbeiter, nachdem sie von 1901 zu 1902 infolge der starken Depression, die dem in der zweiten Hälfte der 90er Jahre eingetretenen hohen Aufschivunge der deutschen Industrie gefolgt war, um 2230 sich vermindert hatte, bereits wieder uni 16 957 gestiegen. Einschließlich der im linksrheinische» Braun« kohlcnbcrgbau beschäftigten Arbeiter weist die amtliche Statistik für das Jahr 1904 24 236 Arbeiter mehr nach als für das Vorjahr. Der Jahresverdienst(Nettolohn nach Abzug aller Nebenkosten und Versicherungsbeiträge) eines Bergarbeiters, der im Jahre 1900 infolge der günstigen wirtschaftlichen Konjunktur seinen höchsten Stand erreicht hatte, dann während der beiden folgenden Jahre im nichtstaatlichen Bergbau gesunken, 1903 aber wieder gestiegen war, hat im Jahre 1904 eine weitere Erhöhung erfahren; für einen sehr großen Teil der Bergarbeiter kam er der Lohnhöhe der Jahre 1899 und 1901 nahe und blieb nur noch hinter der des Jahres 1900 erheblich zurück. Auf den Kopf aller Arbeiter, mit Einschluß der jugendlichen mid der weibliche», ergab sich seit 1895 ein reines Lohn- einlonimen von 848 M. i. I. 1893 1138 M. i I. 1900 600,, 1896 1070,, 1901 964.. 1897 1000„„ 1902 1010., 1898 1055,„ 1903 1070„„ 1899 1007„. 1004 Die Lohnhöhe bleibt also noch immer um 71 Mark hinter dem Loh n ein kommen vom Jahre 1900 zurück. während die Preise der notwendigen Lebens- mittel seitdem wesentlich gestiegen sind. Abbruch der Unterhandlungen über eine nruc rusfischr Anleihe. Die Ausbreitung der revolutionären Bewegung in Rußland hat die in Petersburg zum Zweck der«bschließung einer neuen russischen Anleihe versammelten Vertreter der deutschen, französischen und englischen Banken topsscheu gemacht. Sie haben die Lust am Unter- handeln verloren, so daß sich das russische Finanzministerium zum Abbruch der Berhandlmigen genötigt sah. Di» Petersburger Telegr.- Agentur meldet darüber: In Ansehung der inner-nissischen Verhältnisse, welche nicht ohne ungünstige Wirkung auf das Verhalten der europäischen Geldmärkte gegenüber den russischen Werten bleibe» konnten, erklärte der Finanz« minister ans eigener Initiative den hier eingetroffenen Bankiers, ohne jedwede Mitteilung seitens der letzteren, daß er vorschlage, weitere Unterhandlungen über die geplante Kreditoperation bis zur Aenderung der erwähnten Verhältnisse und bis zum Eintreten eines günstigeren Verhaltens der ausländischen Geldmärkte den russischen Werten gegenüber hinauszuschieben. Versammlungen. Erklärung. In Nummer 245 des„Vorwärts' vom 19. Oktober befindet sich eine Ertlärung vom Geschäftsführer Fr Pein»:, Zahlstelle Bremerhaven deS Deutschen Metallarbeiter-Verbmides, sowie eine Zuschrift von W. Gotthusen, Bczirksleiter desselben« Verbandes. Beide beschäftigen sich mit meiner Person. Ich ersuche deshalb um Aufnahme folgender Ertlärung: Für das, was ich verschiedentlich über Peine öffentlich be- hauptet habe, ist rneinerseits der Wahrheitsbeweis erbracht. Ich sehe deshalb auch einem etwaigen parteischiedsgerichtlichen Verfahren gegen meine Person mit der größten Stühe entgegen, kam» dies auch umsomehr, weil keine Partei-Jnstanz es als eine„ehrlose Hand- lung' bezeichnen kann, wenn man lediglich die Wahrheit gesagt, selbst wenn es eine„bittere" ist Bezüglich der Inschrift Gotthusens erkläre ich: Es kann nicht meine Ausgabe sein, den ganzen Flensburger Streik in seinem An- fang und Verlauf zu schildern Ich stelle jedoch fest: Keinem der am Flensburger Streik beteiligten Zentralvorständ«, vielleicht mit Ausnahme des Vorstandes des Metallarbeiter-Verbandes, hat der eingereichte Tarif zur Beschlußfassung vorgelegen, vielmehr ist der- selbe diesen erst bekannt geworden, nachdem«r bereits ein- gereicht war. Ferner ist der Streik durch die Schuld Gotthusens als ver- antwortlicher Leiter des Metallarbciter-VerbandeS nicht in Ber- fammlungen beschlossen, sondern veranlaßt worden durch dessen Er- klärung in einer KommissionSfitzung:„Ich gebe unseren Mitgliedern freie H an d. Die Unterstützung unseres Ver- bandes ist gesichert." Ter Streik selbst ist danw am folgenden Tage auf Veranlassung der Vertrauensmänner des Metallarbeiter-Verbandes cnif der Arbeitsstelle beschlossen lvorden, obgleich das Gelverbegericht als Einigungsamt angerufen wurde, aber noch nicht gesprochen hatte. Also ein Führer lvirft die Zügel der Leitung voll st äir big frelwtlllg aus den Händen und be- schwört dadurch die Gefahr herauf, daß ein Streik vollständig plan- los begonnen wird. Und das, obgleich der Metallarbeiter-Verband an Mitgliederzahl keineswegs ausschlaggebend war. Im übrige» halte ich meine auf unserer Generalversammlung gemachten Ausführungen vollinhaltlich aufrecht. Ucbrigens kennzeichnet der ganze Ton des Gotihusenschcn Eingesandt diesen genügend. Otto Oelkerich, Vorsitzender des Werftarbeiter-VerbandeK. Letzte IVaebriebten und Dcpcfcbcn« LandtagS-Stichwahlen in Baden. Karlsruhe, 28. Oktober.(Privat-Depesche des„Vorwärts".) Bei den gestrige» Landtags- Stichwahlen wurden in Karlsruhe-Stadt die Genossen Kolb und Frank sowie der Freisinnige Frühaus gewählt._ Das Programm der ungarischen Regierung. Budapest, 28. Oktober.(W. T. B.) Ministerpräsident Fejer« Vary entwickelte heute vor einer Deputation der hauptstädtischen Wähler das Programm der Regierung. In dieser Programmrede betonte Baron Kejervary, daß er ein neues Programm und eine neue Politik bringe, und danach streben werde, dieser Politik im Ab- geordnctenhause eine neue Mehrheit zu verschaffen. Falls er sich in seinen Erwartungen getäuscht sehen und falls die Koalition seine neue Politik ungeprüft verwerfen sollte, werde er zu passender Zeit Neuwahlen ausschreibe». Hinsichtlich seines Programms erklärte sodann der Ministerpräsident unter anderem, daß an dessen Spitze da? allgemeine, geheime, nach Gemeinden und unmittelbar auszu- übende Wahlrecht stehe. Bei Einführung dieser Institution werde er aber Sorge tragen für den Schutz der staatlichen Und der natio« nalcn Interessen. Ter Ministerpräsident erklärte, uni Verdäch- tigungen seitens der Koalitionsparteien verstummen zu machen, daß die Regierung sofort nach dem Zusammentritt des Abgeordneten- Hauses einen fertigen Gesetzentwurf hierüber dem Hause vorlegen werde. Auf dem Gebiete der Sozialpolitik seien besonders hervor- znhebcn. die Verstaatlichung des Sanitätswescns sowie die U n- f a l l v e r s i che r u n g und Altersversorgung deii Arbeiter. Die Regierung werde den Plan eines a.llge» meinen unentgeltlichen BolkSunterrichts verwirk- lichen und die Gel?älter der staatlichen, Kommunal, und konfessio- nellen Lehrer erhöhen. In Verbindung mit der Ausdehnung der Volksrechte solle die Verstaatlichung der Kommitatsvcrwaltung so» wie Einführung einer Dienstpragmatik zur Sicherung der politischen Unabhängigkeit der Beamten eingeführt werden, Di« Regierung werde ferner für Errichtung eines Kreditinstituts Sorge tragen, welches die Schulden der staatlichen, städtischen und Eisenbahn- beamten konvertieren soll. Durch lräftige Unterstützung der Städte werde die Herabsetzung der städtischen Steuern ermöglicht werden. Im Vordergründe der Steuerpolitik stehe die progressiv« Be- stcuerung sowie die Reform der Konsumsteuer. Die Revolution marschiert. Warschau, 28. Oktober.(W. T. B.) Der telegraphische Berkehr mit Moskau ist unterbrochen. In Lodz droht Hungersnot auszubrechen. Odessa, 28. Oktober.(W. T. B.) Der hier herrschende poli- tische Ausstand greift rasch immer weiter um sich; er umfaßt alle BcrufSstände. Seit heute streikt auch das Personal sämtlicher Zeitungen und Druckereien, Banken und Bankhäuser sowie alle städtischen Beamten. Dir Schulen find geschlossen. Ter Univerfi- tätssenat hat. ohne die ministerielle Zustimmung abzuwarten, heute 259 jüdische Abiturienten als Studenten aufgenommen, um dadurch ihrer Einziehung zu den Fahnen vorzubeugen. Tie Angestellten und die Arbeiter der Stidwestbahncn�uiben heute die Arbeit nieder- gelegt. Die Stadt ist von jedem postalischen Berkehr abgeschnitten: doch besteht noch der telcgraphische Verkehr. Es herrscht Mangel an Lebensmitteln; die Preise steigen enorm. Eine gester» abend im Rathause abgehaltene Massenversammlung, an der etwa«690 Per- svnen, darunter sämtliche Mitglieder der Stadtverwaltung und die Prasessorcn der Universität teilnahmen, beschloß, die Zahlung der städtischen Subvention an die Polizei einzustellen und sofort eigene Miliz sewie die Selbstverteidigung der Bürger zu organisieren. Schiffbruch eines spanischen Kreuzers. Nach einer Depesche deS W. T. B. ist der Kreuzer„Kardinal Cismeros" auf dem Wege nach Ferro! auf Grund geraten. Die Mannschaft wurde gerettet. Perantw. Redakteur: Hans Wrber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: VorwärtsBuchdr.u.Verla''Sanstalt BaulSingerLcCo.,BcrlinSVV„ Hierzu 5 Beilagen. S'- M- 22. ww i. LtllU des Dmiilts" Kerlim Nsldslilatt.» 29 MIM ms. Die Nationalratswahlen in der Schweiz. Zürich. 23. Oktober.(Eig. Ber.) Im Zeichen des Klassenkampfes auf der ganzen Linie steht die diesmalige Wahlbewcgung für die am nächsten Sonntag, den 29. Ok- tober, stattfindenden Naiionalratswahlen, im Zeichen des Klassen- kampfcs. wie noch nie. Diese Erscheinung haben wirtschaftliche wie politische Vorgänge verursacht und zwar Vorgänge der jüngsten Zeit. Gegen 300 Lohn- und Streikbewegungen haben in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres in allen Teilen dcS Landes und in so ziemlich allen Gewerben und Industrien stattgefunden und davon waren zahlreiche Streiks und Aussperrungen. Zchntausende von Arbeitern waren an diesen Kämpfen beteiligt und angesichts der überaus günstigen wirtschaftlichen Konjunktur war jene Spezies von Menschen, für die jeder ehrliche Arbeiter nur die tiefste Verachtung hat, die Streikbrcckier, sehr schtoer und nur spärlich aufzutreiben, so dah die Unternehmer ihren ehrlichen Arbeitern gegenüber nachgaben und mehr oder weniger in der Bctvilligung der Forderungen ent- gcgenkommen mutzten. Hunderttausende freier Stunden wurden so durch Arbeitszeitverkürzung und hunderttausende Franken durch Lohnerhöhungen erkämpft, und darob ist das ganze honette Bürger- und Ausbeutertum fuchsteufelswild geworden. Das furchtbarste und schrecklichste ist aber der wildgcwordene Speetzbürgcr, der seine Kreise, seine Gewinnckiancen, seine Profite gestört sieht. Die Er- folglosigkeit der mit grotzenr Lärm inszenierten Aussperrungen, die alle bald wieder rcsultatlos aufgehoben werden mutzten; die Hals- starrigkeit der Behörden gegenüber der Anrufung der Mlitär- aufgcbote durch daS Unternehmertum, deren ein einziges in Rorschach erfolgte, nachdem ein paar Fensterscheiben eingeworfen worden waren. waS für Studenten ein blotzer Nachtulk gewesen wäre, trugen dazu bei. die Erregung der bürgerlichen Kreise zu steigern und der Arbeiterbewegung, der Sozialdemokratie Rache zu schwören. In Zürich rotteten sich die ärgsten Reaktionäre und Arbeiterfeind« zu einem Bürgerbund zusammen, nachdem eine bewaffnete Bürgcrwehr vereitelt worden war; das Bürgertum veranstaltete Protestversamm- lungen gegen die Arbeiter; in den Parlamenten gab es Streik- interpellationcn und Streikdebatten und schlietzlich pflanzten die Millionäre Bally, Sulzcr und Speiser auch im Nationalrat die Fahne der Empörung gegen die organisierte Arbeiterschaft auf, aus Solidarität mit dem entrüsteten Bürgertum, aus wahltaktischcn Gründen zur Etablieruiia einer kapitalistischen Sammelpolitik, um bei den Neuwahlen des Nationalratcs die Arbeiterschaft jeder Ver- trctung zu berauben, damit die Geldsackspolitiker ungestört durch sozialdemokratische Kritik und Begehrlichkeit hübsch unter sich sein und die BundeSkasie für sich und ihre bürgerlichen Wähler plündern können. Die Kritik der sozialdemokratischen Abgeordneten im National- rat an den Schandtaten der politischen Polizei, die doch zum Schutze der inneren und äusseren Sicherheit des GeldsackeS so vortrefflich wirkt und die daher fein besonderer Liebling ist, hat die allerhöchste Mitzstimmung der Schlotjunkcr und ihrer Trabanten nur noch weiter gereizt und verstärkt. Zur Strafe dafür sollen sie nicht wiedergewählt werden. DaS Recht der freien Meinungsäusserung soll auch im Parlament von den Sozialdemokraten nur insoweit ausgeübt werden, als cS den Herren nicht unangenehm wird. DaS Parlament soll nur so eine Art ArbeiterauSsckutz, wie er in der Tulzcrscben Fabrik besteht, sein, wo� unter dem Vorsitze dcS Herrn die Arbcitervertreter hübsch schüchtern einige bescheidene Wünsche vorbringen dürfen, mit denen dann der Herr tut, was ihm gefällt. Am verhahtesten ist den Geanern unser Genosse Greulich in Zürich, er soll daher nicht wieder in den Nationalrat einziehen dürfen. Der liebenswürdige Vogelsanger wäre ihnen schon wieder genehm gewesen ihn hat aber die Arbeiterschaft fallen lassen müssen, weil er für die Arbeiterbewegung seit Jahren nicht mehr den Finger gerührt hat. Die neun Niandatc, welche der Züricher Wahlkreis zu vergeben hat und von denen bisher zivci den Arbeitern gehörten, beanspruchen nun die Bürgerlichen ausschliesslich für sich. Fünf Libc- rale und vier Demokraten, so wurde die Beute zwischen den beiden Fraktionen der bürgerlichen Partei geteilt. Unsere Partei zählte 1902 mit ihren Kampfkandidaten 9090 Stimmen, womit sie nur wenige hundert Stimmen hinter den Kampfkandidatcn der Bürger- lichen zurückblieb. Sic hat nun ebenfalls neun sozialdemokratische Kandidaten aufgestellt und zieht mit Begeisterung, Entschlossenheit und Siegeszuversicht in den Wahlkampf. Seit 1902 hat die Arbeiter- bewegung im Bezirk Zürich und im ganzen Wahlkreis grosse Fort- schritte gemacht, die gewerkschaftlichen und politischen Arbeiter- Organisationen haben tausende neuer Mitglieder gewonnen und die sozialdemokratische Partei ist daher heule viel stärker als vor drei Jahren. Tut die Arbeiterschaft ihre Pflicht, so ist die Wiederwahl Greulichs und die Neuwahl einiger anderer Genossen gesichert. Im Winterthurer Wahlkreise will man den Arbeitern eben- falls den einen Sitz, den sie inne hatten, wieder rauben und alle fünf Mandate für sich beanspruchen. Unser tüchtiger Genosse Dr. Studer soll durch einen Dorfmatador, eine geistige Null, ersetzt werden. Die sozialdemokratische Partei geht mit einer Zweierliste: Dr. Studer und Arbeitersekretär Kaufmann, in den Kampf. Im Kanton St. Gallen sind die beiden Genossen Brandt und Scherrer von dm Liberalen angegriffen. Da indes die Arbeiter mit den Demokraten und Ultramontanen noch immer die Dauerallianz haben, so ist ihre Wiederwahl wohl sicher. Auch in Basel wollen die Bürgerlichen der Arbeiterschaft ihren einzigen Sitz entreissen. Da sich die Konservativen und Frei- sinnigen über die Teilung der Beute nicht einigen konnten, hat jede der beiden Parteien eine selbständige Liste aufgestellt. Unsere Partei präsentiert neben dem bisherigen Abgeordneten Dr. Brllstlein noch den Genossen Redakteur Frei. Weiter sind sozialdemokratische Kandtdatc» aufgestellt im Züricher Oberland, in Bulach usw. lKanton Zürich). Schafshausen. Luzern. Solothurn, Tessin. Neuenbürg, Baselland(der Sozial- Politiker Schwandnier. der bisher schon Abgeordneter war) je 1. im Kanton Bern 3, in jedem Wahlkreise einer, im Kanton Waadt 3, Aargau 3 und in Genf 5, zusammen �2 gegen 35 im Jahre 1902 bei den letzten Wahlen. Tie Gesamtzahl der Wahlkreise beträgt 52; in 28 derselben sind sozialdemokratische Kandidaten aufgestellt, 24 sind noch unberücksichtigt. Die Gesamtzahl der MitgReder des NationalrateZ beträgt 167, wovon bisher 6 Sozialdemokraten waren. Das Vorgehen der Bürgerlichen gegen unsere Partei, gegen die gesamte Arbeiterschaft, ist ein so brutaler Gewaltakt, dah er als vollendeter Wahlrechtsraub, als eine R«volution der Reaktion qualifiziert werden muss. Das herrschende radikale Geldsacksregiment hat eine raffinierte WahlkreiSgeomctrie prak- tizicrt, überall den industriellen Bezirken bäuerliche Bezirke als Bleigewichte für die Arbeiter, als SiegeSgarantie für die radikale Partei angehängt. Und auf der Grundlage dieser Wahlkreisgeo- mctrie beruht das Listenwohlspstem. das nur einen Sinn hat bei der Proportionalwahl, anderenfalls aber zu uncrlräglichcn Zu- ständen führt. Freilich, die sozialdemokratische Partei hätte in ver- schiedenen Wahlkreisen trotz alledem die Mehrheit, waS die Zahl der Arbeiter betrifft. Aber leider sind grosse Arbcitermassen politisch und sozial noch derart rückständig, dah sie lieber ihren ärgsten Feinden am Wahltag die Stimmen geben, als den Arbeiter- kandidaten. Ein grosses Stück Aufklärungs. und Organisationsarbeit hat die organisierte Arbeiterschaft hier noch zu verrichten. Die Wahl- bewegung wird zweifellos manchen proletarischen Kopf noch er- leuchten und ihn auf den rechten Weg führen und darum sehen wir trotz einer Welt von Hindernissen dem Wahltage mit Siegeszuversicht für unsere Partei entgegen.— Hus der Partei. uriminnicyau crnaiicr wuroe.«es wuroe lonnanerr, oog oie> mitschauer Arbeiterbewegung und namentlich die politische, dem verlornen grossen Textilarbeiterstreik einen ganz a n d l Charakter angenommen habe. Man brauche Unter sozialdemokratischer Flagge. Wie wir vor einiger Zeit mitteilten, hat das Parteigeschäft von Auer u. Co. in Hamburg eine Bariasse in Bau gegeben, die Kolportagezwecken im Hamburger Hafen dienen soll, um den Zehntausendcn von seemännischen und Hafenarbeitern, die selten an Land kommen, Gelegenheit zu bieten, zur Lektüre des„Hamburger Echo" und unserer Parteiliteratur. Das„Hamburger Echo", so heisst das erste Fahrzeug, das unter sozialdemokratischer Flagge die Fluten durcheilt, ist vor kurzem vom Stapel gelaufen und hat gestern nachmittag feine Probefahrt durch den Hamburger Hafen nach Wilhelmsburg, Moorvurg und zurück zu allseitiger Befriedigung gemacht. An der Fahrt nahmen Per- treter des Geschäfts, der Zeitungs- und Prchkommission, der Partei- lcitung und die Erbauer des Fahrzeuges teil. Das auS Stahl erbaute Fahrzeug ist neun Meter lang, hat einen vierpfcrdigen Daimler-Motor und ist mit einer hübschen Kajüte versehen; in der roten Flagge prangen die weithin leuchtenden Worte:„Hamburger Echo". Uebcrall, wobin das schmucke Boot kam wurde es von den Leuten von der Waterkant freudig begrüht. Zur Bedienung des „Hamburger Echo", das einen Kostenaufwand von beinahe 8000 M. erforderte, sind zwei Mann erforderlich. Hoffentlich wird damit der Zweck, den sonst schwer auffindbaren Seeleuten und sonstigen auf dem Wasser beschäfligten Arbeitern das geschriebene Wort zugäng- lich zu machen, in befriedigendem Masse erreicht werden. Mit der Frage der Gründung einer Tageszeitung für die Laufitz mit dem Sitze in Zittau und eigener Parteidruckerei daselbst be- schäftigte sich am Sonntag die Kreiskonferenz für den Wahlkreis Zittau. Genosse Edmund Fischer legte dar. datz sich eine Sitzung der gesamten Vertrauensleute mit den, Zentralkomitee und Agitationö- komitee bereits mit dieser Sache befaßt und als erstrebenswertes Ziel eine leistungsfähige, allen modernen Ansprüchen genügende Tageszeitung für oie Lausitz WS Auae gefatzt habe. Natürlich habe ein solches Unternehmen eine gewisse finanzielle Leistungsfähigkeit aller in Betracht kommenden Wahlkreise zur Voraussetzung. Es ge- langte folgende Resolution zur Annahme: „Die heute, am 22. Oktober 1905, im Gcwerkschastshause zu Zittau tagende öffentliche Parteiversammlung beschlietzt, datz sich im Interesse einer besseren Ausgestaltung unserer Pretzverhältnisse der Vorstand des sozialdemokrattschen Vereins mit den Leitungen der Nachbarkreise in Verbindung setzen soll, um deren Ansicht über eine eigene, in der Lausitz erscheinenoe Zeitung einzuholen. An der Hand der sich ergebenden Resultate sollen dann weitere Schritte unter- nommen werden." Angesichts des verflofseucn großen TextilarbeiterkampfeS in Crimmitschau ist der Bericht von allgemeinem Interesse, der in der Generalversammlung dcS sozialdemokratischen Vereins für Crimmitschau und Umgegend über die politische Bewegung in Criminitschau erstattet wurde. ES wurde konstatiert, datz die Crim- ...... nach eren genommen habe. Mau brauche sich nur die Tätigkeit deS Nationalen Arbeiter-UnterstützungS- Vereins, der Schutztnippe des Crimnritschaucr Unternehmer- tumS, näher zu betrachten, und man könne ermessen, mit Ivelchen traurigen Mitteln die Arbeiterbewegung bekämpft werde. Nicht genug damit, suche man die leitenden Genossen bei jeder Gelegenheit vor dem Kadi zu schleppen, mn uns mit Hülfe der heutigen Klassen- justiz auf jede erdenkliche Weise zu schädigen. Werde von unserer Seile eine entsprechende Antwort erteilt, so spielten sich die nationalen Helden als die gekränkten Ordnungsbrüder auf. Gleichwohl sind die „Herren" nicht in der Lage, der Arbeiterbewegung ein Bein zu stellen; alle ihre Kinkerlitzchen, die sie hier und da ins Werk setze», tragen nur dazu bei, den Zusamniciihalt und das SolidaritäiSgefühl der organisierten Arbeiter in politischer wie gewerkschaftlicher Hinsicht zu starken. Totcnliste der Partei. Eine eifrige Parteigenossin ist in der Frau G r e tz in München gestorben. Besonders in der Zeit des Ausnahmegesetzes hat sie in aufopfernder Weife für die Partei mit- gearbeitet. poUreillcbe». Oerichtlidtts übt*. Die rote Fahne am 1. Mai bildete den Gegenstand einer Ver- Handlung vor dem OberlandcSgericht in Dresden, deren Ausgang beinahe erheiternd wirkt. Zur Feier des l. Mai batten sich unsere Parteigenossen in Geringswalde im dortigen Gasthof zum Anker versammelt. Am Eingange deS Gartenlokals waren zu beiden Seiten von früh bis gegen 3 Uhr nacbmittags auf hohen Stangen zwei weithin sichtbare rote Fahnen aufgchitzt worden— zum A erger der Hurrapatrioteu des OrteS. Weil die Amtshaupt» maimschaft nur unter der ausdrücklichen Bedingung, datz von dem Aushängen einer roten Fahne Abstand genommen werde, die Mai- feier in dieser Form genehmigt hatte, wurde Genosse Beyer wegen groben Unfugs(K 300. Ziffer 11 des Strafgesetzbuches) und Uebcrtretung der Miinstelialverordiiuug vom 17. Juli 1340 betreffend das„Tragen republikanischer Abzeichen" unter An- klage gestellt. Die Behauptung unseres Genossen, datz die Fahnen ohne sein Wissen aufgehißt worden seien, wurde für widerlegt er« achtet, man ging vielmehr von der Ansicht au«, datz eine Dcmoii- ftration beabsichtigt gewesen sei. DaS Landgericht Chemnitz hat in Uebereinstimmuug mit dem Schöffengericht Wolkenstein indessen in dem blotzen Hissen der Fahnen eine strafbare Handlung im Sinne von§ 300, 11 des Strafgesetzbuches nicht erblickt, da die Feier selbst in grötzler Ruhe verlaufen ist. daö nicht mitfeiernde Publikum nicht belästigt und die öffentliche Ordimug in keiner Weise gestört oder gc- fährdct worden ist. Nur einzelne Personen hätten sich über die Nach- giebigkeit der Behörden gewundert, ivie sie derartige festliche Ber« äiiftaltungen dulden könnten. Von einen, groben Unfug könne des- balb nicht geredet werden. Was dagegen die angezogene Müiisterialverordnung anbelange, so habe es, wie das Landgericht ausführt, denn doch Bedenken getragen, den Begriff„Tragen" so weit auszudehnen, vatz man darunter auch das Hissen von Fahnen verstehen könne. ES ivurde deshalb auf F r e r f v r e ch u n g er- kannt. Hiergegen richtet sich die Revision der Staats- anwaltschaft, die zunächst aus eine vor vielen Jahren ergangene Entscheidung des Ober-AppellationsgerichtShofes ver- weist' und die Annahme als rechtsirrtümlich bezeichnet, datz die ungezogene Verordnung auf den vorliegenden Fall nicht einschlage. Die Verordnung sei nicht einschränkend, sondern criveitcrnd auszulegen.(!) Gegen die Nichtanwendung deS ß 300, 11 hatte die Revision aber nichts einzuwenden. Das Ober« landesgericht hat das angefochtene Urteil aufgehoben und die Sache unter Anfrechterhaltung der getroffenen Feststellungen zur anderweiten Entscheidung an die Vorinstanz z u r ü ck v e r« wiesen. Zur Begründung wird ausgeführt, datz den Gründen der Vorinstanz hinsichtlich de? 8 300, 11 beizupflichten und insoweit nichts zu verfügen war. Dagegen fei der Begriff des Tragens ver- kannt und insoweit die Revision für begründet erachtet worden. WaS die Tendenz der Verordnung anbelange, so sei auf das frühere Er- kenntniS des Ober-Appellationsgerichts Bezug zu ncfimcn. Danach sollen von der Verordnung alle diejenigen äutzeren Veranstaltungen getroffen werden, deren Abzeichen eine republikanische Gesinnung erkennen lassen. Der Begriff„Tragen" sei sehr dehnbar und derart gang und gäbe, datz daS Aufhissen von roten Fahnen auf einen sachlichen Gegenstand— im vorliegenden Falle sei die Versammlung, die damit ihrer republikanischen Gesinnung habe Ausdruck geben wollen, von den Fahnen förmlich beschattet worden— als gleichbedeutend mit dem Traden von republi» kanifchen Abzeichen anzusehen sei. Also geschehen am Anfange des 20. Jahrhunderts im an der Spitze der Kultur marschierenden roten Königreich Sachse? (ZewerksckaftUcbes. Berlin und llmgegenck, Mit der Aussperrung der Lederarbeiter, Weißgerber, Färber usw. beschäftigte sich am Freitag im Marienbad eine starkbesuchtc Mitgliederversammlung. Die Lage ist, wie Schneider mitteilt, uu- verändert. Von keiner Seite sind Versuche zur Beilegung des Kampfcs gemacht worden, die Lage ist eher ernst geworden. Die Polizei stellt sich nach wie vor dem Unternehmertum zur Verfügung und sucht die Streikposten zu hindern, ihr gutes Recht auszuüben. Gelernte Leute haben sich als Streikbrecher bis jetzt keine gefunden. Tie Kommission erledigt ihre Arbeiten mit der größten Ruhe und Umsicht; auch tun die Streikenden, welche sich zahlreich zur Ver- fügung stellen, nach jeder Richtung ihre Schuldigkeit. Zu unterstützen sind 443 Verheiratete mit 809 Kindern und 183 Lcdige. Einige 20 sind anderweitig in Arbeit. Es bleibe nun nichts weiter übrig, als ruhig in dem 5iampfe auszuharren. Besonders scharf wurde m der Diskussion das Vorgehen der Fabrikanten verurteilt, das System der Tarifverträge deratig auszunutzen, die Arbeiter zu fesseln und ihnen auf Jahre hinaus die Möglichkeit zu nehmen, ctwaS Durchgreifendes zur Besserung ihrer Lage zu unternehmen. Es wurde sodann beschlossen, den Ausständigen einen Mietszuschutz aus lokalen Mitteln zu gewähren. Ferner, datz sämtliche Unterwerkführer, Ivclche noch in Arbeit stehen, aus dem Verbände auszuschließen seien. Alsdann beschloß die Versammlung, den eigentlichen Werkführcrn zu gestatten, in ihren Stellungen zu bleiben. Es wird ihnen aber zur dringenden Pflicht gemacht, keine Streikbrecher anzulernen. Be- sonders werden sogenannte Lehrlinge, sobald sie schon im vorgc- rückten Alter stehen, als Streikbrecher betrachtet und vor deren An- lernen gewarnt. Ueber derartige Umgehungen, Ivelcher man sich trotzdem schuldig macht, entscheidet die Organisation von Fall zu Fall. Ter Kommission wird aufgegeben, diese Werkführer zu einer gemeinsamen Sitzung zu laden, um die von dieser Seite erfolgten Uebergrisfe zu rügen. Die Versammlung war von einem guten Geiste beseelt. Eine unrichtige Darstellung über den Etuiarbeiterstrcik bcr- breitet die„Arbeitgeber-Zeitung", das Organ des Herrn Nasse. Die aus Anlaß der Tarifbewegung der Etuiarbciter und-Arbeiterinnen gegründete Vereinigung Berliner Etuisabikanten flüchtete sich unter die Fittiche des Generalsekretärs der Kühnemänner, ihn mit der Leitung ihrer Versammlungen und den Verhandlungen mit der Lohnkommission betrauend. Als unparteiischer Berater von den Fabrikanten der Lohnkommission vorgestellt, zeigte sich die„Un- Parteilichkeit" des Herrn Nasse in dem Bestreben, die Forderungen der Arbeiter abzulehnen und von diesen ein Entgegenkommen zu verlangen. Eine Verhandlung in Ablvcsenheit des Herrn Nasse zwischen der Lohnkommission und der Kommission der Fabrikanten kam zu einem Vorschlag, welchem die Lohnkommission zustimmen konnte. Die Kommission der Fabrikanten erklärte sich bereit, der Vereinigung zu ciupfehlen. von deni Beharren auf einen Durchschnittslohn abzu- sehen und einen Anfangslohn von 50 Pf. für Etuiarbeiter und 53 Pf. für Etuitischlcr bei 53lS stündigcr Arbeitszeit einzugehen. Auch den Forderungen der Arbeiterinnen wurde Rechnung getragen. Die Antwort, ivclche durch Herrn Rasse im Auftrage der Fabrikanten- Vereinigung der Loh�konunission zuging, tvar eine Brüskierung der Arbeiter. Die Antwort enthielt nichts von den zuletzt mit der Kommission der Fabrikanten getroffenen Vereinbarungen und war die erste Fabrikantenvorlage dem Schreiben des Herrn Nasse beigelegt. Unter diesen Umständen konnte, es zu einer Bei- lcgung des Streiks nicht kommen. Der jetzt von den Fabrikanten empfohlene Durchschnittslohn ist als solcher durch eine aufgenommene Statistik bereits im Mai d. I. festgestellt. Die Umwandlung des- selben in einen Stundenlohn bedeutet ein« Verschlechterung des Arbeitsverhältnisses. Der Aufschlag von 5 Prozent auf die zur- zeit gezahlten Löhne würde das erste Zugeständnis illusorisch machen. Dazu würde die Informationsstelle(Generalsekretär) ein übrige" beitragen. Als Krönung des Ganzen ist die Ablehnung der Fest- lcgung von Anfangslöhnen für die Arbeiterinnen zu betrachten. Die Arbeiterinnen sollen auch ferner nach Leistung entlohnt werden. DaS heißt, sie sollen keinen Anspruch haben auf ein durch Pertrag gc- regeltes Arbeitsverhältnis. Durch diesen Tarif, welcher keine Lohn- grenze nach unten zuläßt(Durchschnittslohn), also nicht eine Ein- schränkung des gegenseitigen Untcrbietcns der Fabrikanten zur Wirkung hat, würde eine neue Spezies geschaffen, gegen welche die Arbeiter mit Reckit ankämpfen. Trotz alledem schreibt die„Arbeit« gcber-Zeitung", die Arbeiter haben das„Entgegenkommen" der Fa- brikanten abgelehntl Rezept: ES wird unter allen Umständen gegen die Arbeiter gehetzt. Tie Lohnkommisfion. Zum Streik der Nohrer. Wie bereits mitgeteilt, beschlossen die Rohrer in ihrer Versammlung am Freitagabend, die bei Wille in der Brunnenstraße stattfand, den Streik weiterzuführen. Namens der Lohnkommission berichtete Bold, datz nach nunmehr vierwöcheutlicher Dauer des Streiks die Kommission an da» Eiin- gungsamt gegangen war, um Verhandlungen mit den Arbeitgebern anzubahnen. Die erschienenen Untcrnehmervcrtretcr erklärten je- doch rund heraus, sich in keinerlei Verhandlungen einlassen zu wollen, weil für sie der alte Tarif noch zu Recht bestände. Der Vorsitzende des EinigungSamteS, Herr v. Schulz, Hat sich eben- falls der Ansicht angeschlossen, datz der alte Tarif noch unverändert gültig wäre, weil derselbe nicht form- und fristgerecht gekündigt worden sei, die Rohrer sich mithin des Tarifbruches schuldig gemacht hätten. Demgegenüber stellte Boldt fest: Die Rohrer waren sich seinerzeit schlüssig geworden, den alten Tarif- vertrag zu kündigen und einen neuen verbesserten Tarif mit den Unternehmern abzuschließen. Vertraglich war nun festgelegt, datz sich die paritätische Tarifkommission unter anderem auch mit der Regelung resp. Verständigung über ein neuc» Tarifverhältnis zu befassen habe, bevor der alte Tarif abgelaufen wäre. N u»v existierte aber eine Arbcitgcberkom Mission überhaupt nicht, infolgedessen hatte die Rohrerkommission formell gar keine Gelegenheit, sich über einen eventuell neuen Tarif mit den Arbeitgebern in Verbindung zu setzen. Der Kündigung»- tcrmin rückte aber näher. So entstand für die Rohrer die Frage: An wen soll die Kündigung eingereicht Werdens Da keine Kom- Mission der Arbeitgeber vorhanden war, so sandten die Rohrer recht- zeitig vor dem 30. Juni d. I. die Kündigung an daS Eini- gungsamt des Gewerbegcrichtö als der vertraglich übergeordneten Instanz der zwar vorgesehenen, aber in Wirklichkeit nicht existierenden paritätischen Kommission. Herr v. Schulz aber, als Vorsitzender dcS EinigungSamteS, schrieb darauf der Rohrerkommission, datz daS Einigungsamt die Kündigung nicht an» nehmen könne; die Rohrer mühten die Kündigung bei den Unter- nchmcrn einreichen. Was sollten die Nohrer nun tun? Sie konnten doch unmöglich von einem Unternehmer zum anderen traben und diese Herren erst demütigst bitten, doch die Güte zu haben, und ihrerseits endlich eine Tarifkommission«inzusetzen, damit bei dieser der Vertrag formgerecht gekündigt werden könne. Selbst wenn sie dies nach der Annahmeverweigerung d«S EinigungSamteS auch hätten tun wollen so wäre das doch völlig nutzlos gewesen, denn mittler- weile war die formelle Kündigungssrist bereits verstrichen. Die Lohnkommission der Rohrer sandte darauf ihre Neuforderungen an die einzelnen Unternehmer, und dies hatte die Wirkung, datz die Herren Arbeitgeber jetzt auch mit ciuemmal eine Kommission er- nennen konnten. Es erfolgten dann auch Verhandlungen, jedoch mit negativem Resultat, weil die Arbeitgeber zu wenig Entgegenkommen bewiesen, und die Folge war der Streik. Nachdem nun am Tonnerstag auf dem EinigungSamt Her« v. Schulz die Streikenden als tarifbrüchig bezeichnete und die Un- ternehmervertretcr jede weitere Verhandlung mit der Rohrerkom- misston abgelehnt haben, machte die Lohnkommission der Versamm- lung den Borschlag, den Streik formell aufzuheben vnd ohne Tarif zu arbeiten, allerdings nicht unter einem bestimmt fcstgelegten Alkordsatz. Gegen diesen Vorschlag erhob sich jedoch eine scharfe Opposition. Auf das Zustandekommen eines neuen Tarifvertrages legten zwar fast sämtliche Redner kein Gewicht mehr; eine auch nur formelle Aufhebung des Streiks aber hielten sie für falsch. Da bereits die Mehrzahl der Rohrer bei Firmen in Arbeit steht, die bewilligt haben, so wurde die Abstimmung den noch heute im Au°sbm� befindlichen Kollegen allein überlassen. Und diese beschlossen d- n mit Zweidrittelmajorität, den Streik fortzusetzen. Ein Antrag, eine neue Lohnkommission zu wählen die abermals Verhandlungen mit den Unternehmern anbahnen sollte, wurde mit allen gegen 19 Stimuwn abgelehnt. Beschlossen wurde ferner, den verheirateten Streikenden einen Mietszuschnh aus Organisationsmittcln zu gewähren. Die Versammlung erklärte sich weiter auch damit einverstanden, daß die Lohnkommission sich nur dann in Verhandlungen einlassen solle, falls diese von den Unternehmern ausdrücklich vachgesucht würden. Auf das entschiedenste verwahrten sich die Anwesenden schliehlich gegen den Vorwurf des Tarifbruchcs, wie er ihnen vom Vorsitzenden des Einigungsamtes gemacht worden war. Wenn den Unternehmern die Kündigung des Tarifs nicht form- und fristgerecht habe zugestellt werden können, so sei dies lediglich die Schuld der Unternehmer selbst. Der Stand des Streiks wurde allgemein als aussichtsvoll bezeichnet._ Der Abschluß des Kampfes im Lithographicgewcrbe. Das taktfeste Zusammenstehen der Gehülfcnschaft, die«in- mutige Verweigerung von Strcikarbeit durch die Kollegen der Privatlithographien und Lohndruckereien hat die Unternehmer doch noch rechtzeitig zur Einsicht gebracht. Kurz vor dem Ablauf der Kündigungsfristen und dem Bcgimi des eigentlichen Ausstandcs bahnten sie eine neue Verhandlung mit der Gehülfenkommission an, die zu einer Einigung auf Grund folgender Abmachungen führte: Die gcsetzllcheir Feiertage werden an dem auf sie folgenden Lohntage voll bezahlt, und zwar für Akkordarbeiter nach dem mit ihnen vereinbarten Mindcstlohne. Wo kein solcher ausgemacht wurde, wird jeder Feiertag mit 4,50 M. berechnet. Während einer Probezeit, aber nur innerhalb der ersten vier Wochen derselben, fällt die Bezahlung der Feiertage fort. Solche Gehülfen, die ein Engagement in einer Anstalt annehmen, in der sie bereits einmal gearbeitet haben, werden durch diese Einschränkung nicht berührt. Für Lithographen wird die achtstündige, für Steindruckcr die neun- stündige Arbeitszeit allgemein eingeführt, wogegen die Forderung auf Abschaffung der Akkordarbeit fallen gelassen wird. Die Ver- einbarungen beziehen sich nicht nur auf die vier Firmen, in denen die Kollegen durch Einreichung der Kündigungen vorgegangen sind, sondern auf alle der Prinzipalsverem-igung angehörendei» Anstalten. Damit sind die Kündigungen erledigt, die beiderseitig aufgehoben werden. Die streikenden Kollegen von Sala und die Ausgesperrten von Schwcrdtfegcr werden, ohne daß Mahregelungcn vorgenommen werden dürfer», am Montag wieder eingestellt. Die Kollegen der beteiligten Anstalten haben am Freitagabend ihre Zustimmung zu den Abmachungen gegeben, die für die Gehülfenschaft einen vollen Erfolg bedeuten, da abgesehen von der Abschaffung der Akkordarbeit, deren Schäden der Gehülfenschaft selbst noch nicht voll zum Bewustt- sein gekommen sind alles Geforderte anerkannt und bewilligt worden ist. Am Sonntag wird in einer grohen allgemeinen Mitglieder- Versammlung, die in Kellers Festsälen stattfindet, die gesamte Ber- lincr Kollegenschaft Gelegenheit haben, zu dem erfolgreichen Ab- schlusi Stellung zu nehmen._ Lohnbewegung der Kranzbinder. Die in den Kranzbindereien, einer Spezialbranche des jGärtnergewerbes, beschäftigten Arbeit- nchmer befinden sich in einer Bewegung zur Aufbesserung ihrer Löhne. Am Freitag hielt der Allgemeine deutsche Gärtnerverein eine Versammlung der Binder und Binderinnen ab. Ein Lohn» tarif, von der hierzu eingesetzten Kommission ausgearbeitet, wurde vorgelegt und von der Versammlung angenoinmenr Ter Tarif fordert eine Erhöhung der bisherigen Akkordsätze um 25 Proz. und für Arbeiten, die nicht in Akkord angefertigt werden, einen Stunden- lohn von 60 Pf. für Binder, 50 Pf. für Binderinnen. Ferner wird die zehnstündige Arbeitszeit sowie ein Aufschlag von 25 Proz. für Ucberstunden und Sonntagsarbeit gefordert.— Der Tarif soll den Arbeitgebern übermittelt werden. Man erwartet, dasi eine Ver- ständigring mit denselben ohne Schivierigkeit erfolgen kanir, denn die reellen Arbeitgeber würden in der Lohnerhöhung ein Mittel gegen die Schundkonkurrenz sehen. Für die Durchsetzung des Tarifcs soll die günstige Konjunktur ausgenutzt werden, welche gegenwärtig in- folge des großen Bedarfes an Kränzen zum Totenfest eintritt. Die weiteren Maßnahmen zur Durchführung der Lohnbewegung sollen in einer Versammlung beraten werden, die am 3. November ab- gehalten wird. Achtung! Ballschuhmachcr! Ter Ausstand bei der Firma W. Lissemheim, Spandauerstraße 65/67, dauert unverändert fort. Die Arbeiter hatten einen Lohnaufschlag auf verschiedene Artikel verlangt. Sie wurden dreimal, zuletzt mit wesentlich rcdu- zierten Forderungen vorstellig. An der Hartnäckigkeit des Fa�ri- kanten scheiterte jede Verhandlung, somit blieb nur die Arbeits- niedcrlcgung als letztes Mittel übrig. Der Fabrikant versucht durch Aufstellung neuer Maschinen den Betrieb aufrecht zu erhalten, und sucht nun in der„Volkszeitung" Zwicker und Wendcmaschinennäher. Die Illusion des Arbeitgebers, daß er seine gelernten Arbeitskräfte aussehalten könne, wird sich bald als trügerisch erweisen. Außer dem Werkführer hat sich bis jetzt kein Arbeitswilliger gefunden. Im übrigen vcrivcisen wir auf die Montagsversammlung.(Siehe Annoncenteil.) Di« Ortsverwaltung d«S Zentralverband«? der Schuhmacher. Kampfvorbcrcitiingei! der Gasanstalts Arbeiter. Die Nrab- stinnnung der Sektion IV(Arbeiter der Englischen Gasanstalten) über die Erhebung eines Extrabeitrages von 15 Pf. pro Woche zum Kampffonds ergab folgendes Resultat: Es stimmten ab 650 Kollegen, davon 610 mit Ja, 39 mit Nein, eine Stimme war ungültig. Die Erhöhung der Äiiräge tritt mit der 45. Beitragswoche in Kraft. An der Abstimmung beteiligten sich zirka 70 Proz. der organisierten Kollegen. veutkcdeo Reick». Eine Strrikbrcchcrorganisation par excellence soll der Hirsch- Du nckers che Gewerkverein der Maschinenbau- und Metallarbeiter iverden, wenn es nach dem Willen seiner Führer geht. In Nr. 43 des„Regulator" wird der Plan dazu ganz ungeniert entnnckelt. Und kein geringerer als der berühmte„Reformer" Anton Erkelenz in Düsseldorf ist es, der da vorschlägt, daß der Gewerkverein aus dem Zustande der ver- schämten Streikbrechcrei endlich heraustrete und zur Offensive gegen den Deutsche» Metallarbeiterverband übergehe. Weil in einigen Slrcikfällen gewisse als unsichere Kantonisten bekannte Führer des Gewerkvcreins nicht zu den Beratungen zugezogen worden sind. schlägt Erkelenz vor. daß die Gewerkvereinler in allen Fällen, in denen sie nicht vorher ins Vertrauen gezogen iverden. bei einem Streik der Mitglieder des Deutschen Metallarbeiterverbandes nicht nur ruhig iveiter arbeiten, sondern— getreu nach dem„christlichen" Vorbilde in Köln l— audere Arbeiter von auswärts hcrauziehen, alle Arbeitslosen des Gcwerkvercius an den Streikorten in Arbeit zu bringen suchen. Wenn dann die Arbeiterpresse über Verrat schreie, gebe es einen frisch-fröhlichen Krieg,„dann hauen wir mit geistigen Waffen dazwischen, daß die Lappen stiegen, daß sie all die Kränke kriegen in das klappernde Gebein" ruft Erkelenz auS. Dieser Zynismus kann wohl von keinem Wortführer der Streikbrecher mehr überboten werden. Erkelenz gibt auch gleich ein Beispiel zum besten, wie nach seiner Meinung diese Taktik wirken wird, er sagt: „Wie Iväre voraussichtlich die bayerische Bewegung ldie AuS- sperrung der bayerische» Metallarbeiter) verlaufen, wen» wir so gehandelt hätten? Angenommen, die Gewerkvereine hätten mit den Unternehmern noch vor der Aussperrung einen Vertrag abge- schlössen, und wären dann von der Aussperrung nicht betroffen Ivorden, dann hätten sich noch weitere Taufende Arbeiter von der Bewegung zurückgehalten. Wir hätten tunlichst andere Arbeiter noch herangezogen, so daß zum Schlüsse die Verbändler teilweise auf der Straße geblieben wären." Es ist jedenfalls ein guter Zufall, daß in derselben Nummer des„Regulator", in der Erkelenz feinen Plan entwickelt, sich auch ein Artikel über den„christlichen" Führer Minter befindet, der überschrieben ist:„Ein christlicher Streikbrecherkönig"._ Der Ruhm Minters scheint dem Erkelenz in den Kopf gestiegen zu sein, er will nun mit Minter das Jahrhundert in die Schranken fordern, er will Hirsch-Dunckerscher Streikbrecherkönig werden. �liolana Ter Kampf in der sächsisch-thüringischen Textilindustrie. Gera. 27. Oktober.(Eig. Ber.) Heute nachmittag erfolgte die Aussperrung von zirka 1900 Webern und Weberinnen. Ter Auszug aus den Fabriken vollzog sich in aller Ruhe und Ordnung. Um%6 Uhr fand bereits eine Besprechung der Ausgesperrten stall. Es mochten zirka 1700 Personen anwesend sein. Es herrschte ob der Aussperrung keinerlei gedrückte Stimmung. Die Arbeiter wissen nur zu gut, daß sie Opfer bringen müssen, um schließlich Erfolge erz'elcn zu können. Die Bemühungen um Arbeitswillige müssen wenig Erfolg gehabt haben, und da die Fabrikanten wegen der vielen Aufträge zu Lieferungen in der Klemme sind, so haben > sie jetzt angeordnet, daß auch die Werkmeister die Anmeldungen ' von Streikbrechern entgegennehmen sollen. Viele der in den Vor- � bereitungen und anderen Abteilungen beschäftigten Arbeiter haben es abgelehnt, sich als Weber verwenden zu lassen, lveshalb sie die Miidigung erhielten. Der iGetverbc-Jnspektor machte heute den Versuch, zwischen den � streitenden Parteien Vcrgleichsvcrhandlungen zustande zu bringen. Die Fabrikanten lehnten entschieden jede Verhandlung ab, sie ver- langen kategorisch die Wiederaufnahme der Arbeit in den vom Streik betroffenen Betrieben. Dieser Tage wurde berichtet, die Weber in Meuselwitz hätten den Lohntarif des Webereiverbandes angenommen und würden am 6. November die Arbeit wieder aufnehmen. Jetzt erklärt die Lohn- kommission, der angenommene Lohntarif sei 8 bis 10 Proz. höher als der Tarif der betreffenden Ortsgruppe des Webereiverbandcs, zu der Meuselwitz gehört. Die Sache liegt demnach doch anders als von der bürgerlichen Presse behauptet wurde. Ein Telegramm aus Greiz meldet unter dem 28 Oktober: Die Schließung aller Webereien des sächsisch-thüringischen Verbandes ist heute erfolgt. Es stehen gegen 33 000 Webstühle still und 16 000 bis 17 000 Arbeiter feiern. Am 4. November folgen noch gegen 1500 bis 1800 Stühle mit zirka 800 Arbeitern der an Kündigung gebundenen Betriebe. Meldungen von Arbeits- willigen zur Wiederaufnahme der Arbeit sind allenthalben bis jetzt zahlreich eingegangen und Iverden, wie angenommen wird, noch weiter reichlich eingehen. Die Aussickit auf baldige Wiedereröffnung der Betriebe gilt demnach für günstig. Tie Arbeitgeber im Steindruck- und Lithographicgewcrbe rüsten zum Kampfe. Die Vorstände des Vereins deutscher Stcindruckerei- besitzer und dcZ Bundes der Lichtdruckanstalten, die beide in Leipzig ihren Sitz haben, sind soeben mit einem Aufrufe an alle Unter- nchmer des lithographischen und Steindruckgewcrbes herangetreten, in dem ausgeführt wird, daß in letzter Zeit an verschiedenen Druck- orten infolge der Agitation der Gchülfenorganisation Ausstände, zum Teil unter Kontraklbruch, wegen der Nichtbewilligung von Ge- hülfenfordcrungen ausgebrochen seien. Besonders tadelnswert sei das„leichtfertige" Vorgehen der Lichtdruckcr, die sich über den Tarif hinweggesetzt und ihn gebrochen hätten, wodurch den Prinzipalen ernste Schwierigkeiten mit ihren Auftraggebern und materielle Ver- luste erwuchsen. Tic Anrufung des Tarisanlles hätte die Gehülfen- organisation abgeschlagen. Durch ein solches Verhalten mühten dke mit den Arbeitern getroffenen Tarifvereinbarungen für die Prin- zipale jeden Wert verlieren. Zur„Wahrung der bedrohten gemein- samen Interessen" werden die Unternehmer aufgefordert, sich künftig in Eingelverhandlunyen nicht einzulassen; um die einzelnen„bei der Abwehr ungerechtfertigter Forderungen" unterstützen zu können, sollen alle Prinzipale, die„durch las Vorgehen des Scnefelder- Bundes und des unter dessen Einflüsse stehenden Teiles der Ge- hülfcnsckaft in ihren, Geschäftsbetrieb gestört" werden, unverzüglich an die Leipziger Geschäftsstelle der Prinzipalsorganisationen Bericht erstatten, besonders sollen dorthin aus allen Streikorten die Namen der kontraktbrüchigen Gehülfen gemeldet werden, damit diesen eine anderweitige Einstellung unmöglich gemacht werden könne. Ii Sozialdeniokratisclier WatilveFein für den 6. Berliner Reichstags-Walilkreis. Todes- Anzeigen. Am 25. d. M. verstarb unser Mitglied, der Schlosser Oskar Räuschner Prinzen-Allee 15. unser Am 26. d. M. verstarb Mitglied, der Maschinist Ideoclor Nemridis Lübcckerstr. 17. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung des Genossen Rilnsebnee findet heute Sonntag nachmittag 2 Uhr von der Charitö aus nach dem Charitö-Kirchhos, Müllerstraße, Eingang �eestratze, statt. Die Beerdigung des Genossen Heinricb» findet gleichfalls heute Sonntag nachmittag 2 Uhr von der Halle des Johannis-Kirch- hoseS in Plötzcnsee aus statt. Um zahlreicheBcteUigung ersucht 260/8 Der vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser OsKm* Räuscher gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. Oktober, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle der Charitee nach dem Charitee-Kirchhos miS statt. Rege Beteiligung erwartet 153/15 vis Oi-Uvervaitung. Todes-Anzcigc. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein, lieber Mann, unser guter Aater und Großvater, der Einsetzer Hermann Mielitz in Düsseldorf plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet Montag- nachmittag 3 Uhr von der Leichen. halle de» Zentral-Friedhofes in Friedrichsselde aus statt. Um stilles Beileid bitten vis trauernden Hinterbliebenen Witwe Fnnna niclitz nebst Kindcm, Skalitzcrstr. 53. Unserm Kollegen 38b 7revderg nebst Gemahlin zum Hochzeitsfeste ein dreimal donnerndes Lebehoch, daß es von der Brunowslraße nach der Schliepcrstraße heruntcrschallt. Dies wünschen Dir Deine bekannten Kollegen von 7egel, Deutscher' Holzarbeiter-Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Einsetzer Herrnsrm Mielitz am 24. Oktober nach kurzem Krankenlager verstorben ist. Ehr« seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 30. Oktober, nach- mittags um 2'/, Uhr. von der Leichenhalle des städtischen Fried- hoses in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 95/19 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Anläßlich der reichen Kranzspenden sowie herzlichen Teilnahme, weiche uns am Grabe unseres lieben verstorbenen Bruders, Schwagers und Onkels Kustav Eisenhauer erwtesen wurden, sagen wir der Firma Singer u. Eo.„Vorwärts", der Orts- Verwaltung des deutschen Buchbinder» Verbandes sotvie allen lieben Kollegen und Kolleginnen und Freunden unseren herzlichen ausrichtigen Dank. 625 Die trauernden Hinterbliebenen. £. H. Xo. 80. Unser Mitglied, Herr Hermann Mielitz ist am 24. Oktober in Düsseldorf an Lungenentzündung verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 30. Oktober, nach» mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung der Mit- gliedcr ersucht 199/10 Der Vorstand. ilM-KZM-W Berlins nnd lirngegend. Todes- Anzeige. Am 26. Oktober verstarb unser BundeS-Mitglied Mann Flörke aus Rauch- Klub„Grüne Rose", im Aller von 62 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. Oktober, nach- mittags 4 Uhr. von der Leichen- halle des St. Sebasfian-Kirch hoses in Reinickendorf, Humboldtstraßc, aus statt. 297/1 vor Vorstand. Allen, die uns in unserem tiefen Schmerze io herzliche Teilnahme bei der Beerdigung unseres geliebten SöhnchenS und Bruders bewiesen, sagen wir hiermit unseren innigsten Dank. 2956b Familie Veigeit. Herzlichen Dank für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meiner lieben Frau dolinnna, unserer guten Mutter. Vit« L.supivKIvn nebst Kindern, 29646 G r a u d e n z e r st r. 6. Berlins und Umgegend. Todes- Anzeige. Am 26. Oktober verstarb unser Bundes-Mitglicd Albert Kersten aus Rauch. Klub„Neuer Hain", im Alter von 66 Jahren. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet Sonntag, den 29. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Georgen- Kirchhofes, Landsberger Allee, auS statt. 297/10»er Vorstand. Am Freitag lies den 27. d. Mts., entschlief sanft, am Herzschlag. nach langen Leiden meine liebe Frau 4863L Anna Jarchow geb. INiseliel. Dies zeigt ticsbetrübt an im Namen der Hinterbliebenen II. darekow. Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 29. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, aus dem Lazarus- Friedhose in Wilhelmsberg statt. Dattkfagnttg. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter und Schwiegermutter L.ouisv Zeuge sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Verbände der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands lOrtSverein Berlin), dem Lotterie- Verein der Musmachcr und den Stammgästen des Restaurants A. Zeuge unseren herzlichsten Dank. IMe Hinterbliebenen. Orts- Krankeilkasse der Buchbinder und verwandter Gewerbe. Mittwoch, den 8. NovcmberlSvö, abends 80, Uhr, in Frankes Festsaal. Sebastianstr. 39: Ordentliche--------- General- Versammlung. Sage 8. Ordnung: de? Ausschusses für die Prüfung der JahreSrechnung pro 1905. 2. Ergänzungstvahl des Vorstandes: 2 Arbeitgeber, 4 Arbeitnehmer. 3. Abänderung der Statuten.§| 23 und 29. Erhöhung der Kassenbeitrage. 4. Verschiedene Kafien-Angelegen- heiten. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Oer Vorstand. 276/4 Berttb. Jost, Vorsitzender. Georg BäBler, Schriftführer. 29 GardinenhauS Bernhard Schwartz Wallstr. 29 Flnr-Eing. Singer Nähmaschinen. Einfache Handhabung! 44422* Große Haltbarkeit! Hohe Arbeitsleistung! IVoilausstsIIung rifanrl Pt-iv Weltausstellung Paris 1900: VJI clIIU r TIA st. Louis 1904. Unentgeltlicher Unterricht, auch in moderner Kunststickerei. Elektromotore für Nähmaschinenbetrieb. Singer Co. Mähmaschinen Hct.ßes. Berlin W., teiprlgerstr. 92. Filialen in allen Stadtteilen Allgemeine Orts-Krankenkasse für Rixdorf. Donnerstag, den 2. November er., abends 8'/, Ubr, findet im Restaurant Tblel, hier, Bergstr. 150/151, die 2. diesjährige Ordentl. General-Versammlung statt. 276/16 TagcS- Ordnung: 1. Ersatzwahl zum Vorstand: ein Arbeitnehmer. 2. Eigänzungswahlcn zum Vorstand: ein Arbeitgeber, awei Arbeitnehmer. 3. Wahl der RechnungsprüsungS- kommission. 4. Statutenänderung. 5. Bericht vom Verbandslag. 6. Ver- schiedencs. MF" Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist vollzähliges und pünktliches Erscheinen Pflicht. Rixdors, den 26. Oktober 1905. Der Vorstand. E. Wutzly, Vorsitzender. Als Legitimation gilt die jedem Delegierten zugesandte Ein- ladungSkarte._ Heinrich Franck Berlin N., Brunnenstrafie 185. Torstcnlanden Decke mit grauschwarz. Mexiko- Farben, l«/4 Pfd. Deckkr.,«50 Pf. � Koh-Tnbak Eltanon Templiuerftr."». » naitCll, a. d. schwedterstraße. Dp. Simmel, �"V;; Speziatarzl für 29/14* Haut- and Ilm„leiden. 10—2,5—7. Sonntag» 10—12, 2—4. Möbel, ganze Wohnunqs- Eiurichtnngen sowie einzelne Stücke äußerst billig. Eigene Tischlerei-A>erkstatt. u/ialll» �Un o.[41233* a IClil j ivetersburgerstrane 6«. e- 10«lark— liefere Anzüge, Paletots nach Maß.* Per Kasse auch billigste Preise. t. 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Oktober 1905. 5«r die ausgesperrten Arbeiter und Arbtiteriunen der Elektro-Industrie Kerlins und Nulgegeud gingen ein: Liste 7376 durch Wcgner S.S0. Liste 7548 6,—. Liste 7549 3.—, Liste 5409 Kantine Bergmanns dos 6,30. Liste 7074 Prinzipale und Sln- gestellte de'- Buchdruckerei Blotzseld u. Müller 24,65. Liste 7084—.50. Liste 10648/50 7,55. Liste N 330 6,30. Liste 1,329 2,—. Liste ,1327 13,75. Liste 11328 1,—. Liste 6078 Buchdruckerci Gust. Schenk Nachs., P. M. Weber 10,-. Liste 8992 24,40. Liste 2530 27.35. Lifte 4526/27, 3631 16,75. Liste 11641/44 Arbeiter der Möbelsabrik Zelder u. Plathen 56,55. Pankower Wablverein aus Listen: Liste 5714 durch Schmager 2,70. Liste 5704 Bau- tischlerei Volkmann. Pankow 7,70. Liste 5712 durch Stasteid 18,05. Liste 5705 1,—. Liste 5703 durch Binde! 7,40. Liste 5708 S. u. H., Bahnh. Pankow 18, Liste 5701 3,50. Liste 5713 3,05. Liste 5702 6,45, Liste 5706 0,25. Summe 68,30.— Liste 5754 d. Paul Müller 29.—. Liste 7996 d. Hellmich 25.20. Liste 7399 d. Neubauer 43,05. Liste 8003 d. Raddci 7.—. Liste 4829 durch .L>ahn 7,05. Liste 4300 Arb. d. Giestcrei Grauert 7,30.— Zentralverein der Bildhauer, Verwaltung Berlin. Aus Listen: 3753 2,50, 3753 1,95, 3760 5,75, 376 l 1,50, 6663 8,—. 6665 5.—, 6667 7.—. 6670 4.—, 6672 10,—. — Liste 8309/10 12,45. Lifte 5470 Arb. d. Fa. Siemens, Äutenbergstr. 17,85. — Zcntralvcrband der Stukkateure Deutschlands aus Listen Nr. 2215 5,75, 2216 4,—. 2217 3,60, 2218 14,50, 2219 17,25, 2220 14,50, 2221 8,50. 2222 33.70, 2223 24,50, 2224 9,80, 2225 17,45, 2226 18.—. 2227 12,30, 2228 6,50, 2229 1,60, 2230 12,75, 2234 14,10, 2235 14,—, 2236 11,—, 2237 38,30, 2238 9,—. 2239 16,05, 2240 32,50, 2241 5,—, 2242 28,70, 2243 22,—, 2244 10,65, 2245 5,45, 2246 10,95, 2247 8,—, 2248 32,50, 2249 4,10, 2250 11,50, 2251 22,50, 2252 16,—, 2253 8,20, 2251 11—, 2255 9,50, 2256 16,90, 2257 11,70, 2258 38,-, 2253 21,20, 2260 5,60, 2262 17,50, 2263 14,05, 2264 24,90, 6614 19,50, 6615 4,60, 6616 17,30, 6617 1,—, 6618 7,85, 6619 4,-, 6620 21,15, 6622 6,70, 6623 10,—, Sa. 638,25, bereits quittiert 150,—, insgesamt 788,25. — Liste 5468 5,40. Liste 11682 1,-. Listen 5989, 8433 3,-. Organisierte .Luitmacher Berlins aus Listen 70,05. Liste 5349 1,30. Liste 7017 2,30. Liste 4555 13,15. KommissionSbcitrag v. d. Verband d. Schneider 190,—. Äommissionsbeitrag o. Verband der Konditoren, Jahresbeitrag 15,65. Liste 5346 Arb. d. Firma Klein, Waldemarstraßc 23,60. Liste 5345 3,40. Liste 4557 9,40. Liste 5347 9,90. Deutscher Iencfelder-Bund(Lithographen) 3. Rate aus Listen 60,30. Liste 7262 Arb. d. Firma C. Bechstem, Johannis- strafet 50,35, Listen 7261, 7263, 7265, 7269 20,20. Lift- 6868 5,25. lieber schüfe d. Scchserkasse d. Rohrleger u. Heiser v. L. Krüger 4,35. Arbeiter der Firma Wltlup, Lichtcrselde, durch Zander, Steglitz 12,—. Liste 1501 1,95. Liste 9801 Lackierer v. Frister u. Rofemann 14,95. Liste 3802 20,50. Freie Sänger.Vereinigung.Fackel- 6,85. Aus Listen: 7070 4,90. 5437 22,75. 4856 11,50. 9852 3,10. 8834 2,50. Verband der Bäcker, Konto aus Listen 200,—. Restaurateur Anton Bölers 10,—. Liste 6759 Arbeiter der Bronzewarcn-gabrik Falbe 28,45. Liste 6760 Bronzewaren-Fabrik Falbe 6,20. Ueb erschüfe GeburtStagsseier Zeisig 2,50. Liste 8735 Tapezierer von I. C. Psass 9,30. Liste 11722 Kollegen der Bauklempnerci H. Geister 27,75. Liste 9954 6,80. Liste 9809 Ges. d. Smil Grieg-r 23,45. Liste 11310 Ruder- verew.Vorwärts" durch Behrend 17,70. Liste 5363 durch Jacobsen 1,—. Liste 11460 4,—. Liste 5068 Personal der Firma H. Baruch u. Co. 9,70. Liste 11017—,50. Liste 11033 7,65. Liste 3836 Von den Korbmachern(Vertrauensmänner) 4,95, Liste 6794 Arbeiter vom Bau Salzuscr 6, Charlottenburg 5,60. Aus der übervolle» Kompottschüssel einiger Elenden, 2. Rate 13,75. Werkstatt H. Fähndrich, Schönhauser Allee durch Bruggmann 3,—. Geburtstagsfeier W. Schulze, Jungsernhaide 3,05. Zwei rote Eisenbahner aus der Petersburgerslrafee 2.05. Kollegen und Kolleginnen der Firma Herm. Otto Nachfolger 4,—. Liste 188 6,60. Liste 7600 17.-. Liste 9155 durch A. Meinicke 5.—. Liste 9154 Ges. durch F. Preufe 7,40. Liste 9156 Ges. durch M. Kauple 4.20. List« 5124 Ges. durch H. Feuer 2,25. Liste 10958'Arbeiter von Kollost». Bantje, Prinzcnstrafee 6,15. Liste 5990 7,10. Liste 9393-.50. Listen 9826, 9831, 10675, 10678 durch Maus 15,25. Liste 9827 Kollegen der Firnia Heise durch W. Schmidt 8,—. Liste 9330 Werk Sibirien durch Felix Ludicke 21,60. Liste 4136 1,50. Listen 8599. 8600, 8601 8,-. Liste 7995 durch Max Jänisch 8,55. Liste 6468 7.- Liste 8016 1,75. Liste 5748 3,40. Liste 6695 7,50. Durch F. Bergmann. Brunnenstrafee, aus Listen 522,35. G. P. Goerz.Friedenau: Liste 7040 2161. Fischer 50,75. Liste 7041 Abt. Fischer 20,80. Liste 7042 Abl. Hertel 29,50. Liste 7044 Persuchs-Abt. 28,-. Lifte 7046 Wt. Kemnitz 54,—."Liste 7052 Wt. Dietrich 19,50. Liste 1356 durch Schumann 3.—. Liste 1358 Restaurant Hernes 5,65. Liste 9506 2,—. Liste 7801 1,75. Liste 7806 Albumfabrik A. Waliher 3,75. List- 7810 3.—. Liste 8144 Schlosser und Radier der Fa. Ritzmann 9,—. Liste 6422 1,50. Liste 10545 9.50. Liste3864 2,50. Verb. d. Porteseuiller a. Listen 34,50. Liste 8694 4.—. — Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter, Zweigvcrein Berlin. Sektion I (Brauer). Aus Listen: 701 Berliner Bock II 3,50, 760 Friedrichshain 6,—, 711 Bürgerl. Brauh. Gebr. Vanninger 8.—, 761 Friedrichshain 2,75, 678 Kalserbraucrci 3,50, 705 Bcrgschlofebrauerei 8,70, 750 Kronenbrauerei 20,75, 703 Wcifebierbrauerci Hilsebein 7,20, 747 Unionsbrauerei 8,50, 742 Berliner Bock 1 8,70, 732 Patzenhoser I 7.—. 730 desgl. 19,50, 758 desgl. 10,50, 715 Biltoriabrauerei II Stralau 10,—, 714 desgl. 10,—, 661 Böhm. Brauhaus 15,85, 663 deSgl. 7,20, 696 Spandauerbergbrauerei 9,70, 708 Habel 7,60, 692 Viktor! abraucrel I 4,—, 690 Hilsebein am Tempelhoser Berg 7,50, 726 Gregory 11,75, 744 Schultheife IV 8,75, 753 deSgl. 6,-, 659 Schult. heife I 11,30, 755 Malzfabrik Spandau 5,—, 754 Brauerei Pichelsdorf 26,75, 757 Bereinsbrauerei Nixdors 10,50, 717 Psesserbera 6,10, 718 desgl. 14,15, 723 Happoldt 9,70, 679 GenossenschastSbrauerci FricdrichShagcn 6,45, 665 Schlofebrauerci Königs-Wusterhauscn 3,45, 683 Brauerei Bötzow 13,—, 667 Norddeutsches Brauh. Grünau 5,90, 707 Münchener Brauhaus 28,80, 688 Schultheife II 29,50, 710 Gebr Manninger 9,50, 674 Patzenhoser Spandau 14,30, 673 desgl. 10,60, 746 Oswald Berliner 8,85, 694 Sladt- brauerci 2,30, 764 Germaniabrauerei 6,90, 682 Enders, Weifeensee 3,—, 738 Patzenhoser II 14,50, 722 Königstadt 17,10, 719 desgl. 5,—, 720 desgl. 10,—, 736 Gcrmaniabrauerei 8,80, 740 Schlofebrauerci«chönebcrg 13,60, 756 Bereinsbrauerei Rixdors 12,10, 752 Löiuenbrauerei Hohen-Schönhausen 0,—, 676 Mälzerei Schultheife, Pankow 23,—, 685 Gabriel u. Richter, Weifeensee 5,—. 686 deSgl. 4.50, 668 Brauerei Altschuh, Spandau 1,75. Zentralverband d. Handels-, Transport- u. Verkehrsarbeiter u.-Arbeiterinnen Deuischlands Ortsverwaltung Berlin I. Aus Listen gesammelt: 1807 8,15, 1814 14,95, 1316 5,55, 1817 6,20, 1818(darunter Streikbrecher 10,—) 12,75, 1819 12,65, 1821 Rcscrvelager Jandorf, Luckenwaldcrstrafee 13,65, 1822 12,25, 1823 Warenhaus Tictz 17,55, 1824 6,20, 1825 10,10, 1626 10,65, 1827 6,—. 1829 8,66, 1830 Max Schulz 10.23, 1831 12,60, 1840 Buchdruckerci Max Kettenbeil, Schöncberg 31,60, 1813 13,50, 1874 Hülssarbeiter(Panzer) durch Hermann 14,15, 1878 durch Lewandowsky 8,40, 1879 Packer und Lager- arbeitcr der Firma Ashelm 30,—. 1880 durch König 9,—, 1883 Kohlen- arbciter der Firma Louis Schulze. Hamburger Bahn 10,40, 1835 10,90. 1886 1,90, 1888 13,65,>898 6,—. 1899 durch SierSlcben 16,60, 1901 5,—. 1902 8,10, 1903 13,45. 1905 10,53. 4310 7,05, 4311 durch Kundmüller 10,10. 4312 Arbeiter der Firma Dr. Meyer u. Neumann, Mühlenstr. 69 12,30, 4313 von den Stammgästen bei Milius 4,85, 4317 A. Käthner 24,20, 4321 9,85, 4324 8,90, 4325 von den'Arbeitern der Firma Kapler, Prinzen. Allee 75/76 39,85, 4332 23,15. 4333(darunter Stadtbezirk 173 7,50) 16,—, 4334 8,50. 4338 12.55, 4342 17,50. 4346 von den Vergoldern Schöncberger- strafe- 5 39,35, 4348 3.83. 4349 18,65. 4369 9,95, 4370 Personal von M. Mannheim durch einen Schokoladenjungen 11,—, 4372 9,55, 4374 3,—, 4376 20/15, 4381 12,50, 4382 2,—, 4384 Lanolinsabnk-Zlrbeiter 24,05, 4385 7,75, 4886 Deutsche Telephonwerke. Abt. Revision u. Bohrsaal 35,53, 4387 desgl. 22,80, 4388 deSgl. 19,40, 4408 Handwerkerpers. Bahnhos XII der Gr. Beil. Strafeenbabn 17.35, 4409 3,15, 6687 1,75, 7110 22,—, 7115 19,50, 7133 durch Reiwald 4-, 7119 22,90, 7124 3,14, 7128 7,76, 7422 8,41, 7133 1,— 7135 11,45, 7151 1,—, 7153 VergnügungS- lasse des Berliner Konsumverein, Abt. I Michaclkirchplatz 4, durch S. Breuer 30.—, 7180 7,30, 7192 Kohlenarbeiter der Firma H. Schneidemühl durch Schubert 15,50, 7193 14.50. 7197 19.35, 8132 5,-, 8313 8,75, 8358 6,60. 8362 1,—. 8363 Hausdiener u. Kuischcr des Handtuch< Verleihinstituts Leopold Ficgner, 1. fetale 20,—, 8365(darunter voni Rauchklub.Frohe Stunde- 10,—) 24,65. 8366 Kollegen der 16. Rcvier.Jiispetlion der Gas. werke 21,30, 8367 Arbeiter der Firma Schmidt u. Heckcnradt 2t,90, 8406 Berliner Arbeiter-Radsahrcr-Bcrein 50,—, 8407 Personal der drei Waren- Häuser A. Jandors u. Co., Belle-Alliancestr., Frankfurterstr., Brnnncnslr. 151,75 u. Extraüberschufe vom Winterfest 39,35, Summa 191,10, 8991(dar. Gustav Böttcher 15,—) 23,—, aus Extra-Liste gesammelt für den Eleltrizitäls- krieg 10.60, 4371 Samniellistc für die streikenden Bergarbeiter 9,95, 4375 Arbeiter der Lanolinsabril durch Scelig 23,75, 1884 10,—, 1889 11.35, 1887 7.60, 1891 3,70, 1893 1.75, 1894 1.—, 1900 8,90, 4352 14,85, 4353 8,45. 4354 18.—, 7109 9.20, 8359 40,85, 8360 29,35. Transportarbeiter der Allgemeinen ElektrizitälS-Gesellschast aus Listen ge- sammelt: 7176 25,70, 7179 4.10, 7177 89,25. 7175 13.—. 7174 5,60, 7173 3.50. 7171 3.-, 7161 SPV. 7167 5,70, 7104 1,50, 7160 12,95, 7169 11,50, 4389 1,35, 4395 5,75, 7162 19,40, 4390 6,70, 4393 23,80, 4897 16,35, 4402 16,-, 7165 27,60, 7163 1,45, 7166 2,-, 4391 17,55, 7168 1,75, 4404 48,75, 1836 8,50, 1837 10,30, 1835 23,50, 8319 14,25, 8316 3,75, 8315 3,50, 1838 6,80, 8322 4,20, 8323 15,—, 8321 8,65, 4400 18,60, 4399 75,85, 4398 62,85, 4392 26,15, 4394 13,10, 4396 16,70, 7170 22,50, 4401 26,10, 4405 32,10, Summe 5968,10 M. Bereit? quittiert US 431,61 M. Gesamt» summe 118 399,71 M. Verichtignngeu. Unter Borsig ist noch nachzutragen: Aus Liste 1085 gesammelt in Borsig- walde 41,—. In Skr. 243 mufe es Heifeen unter Gewerkschastskartell Schöneberg: 28.50 gesammelt v. d. Schlosserei d. Neuen Photographischen Gesellschaft zu Lankwitz-Steglitz. Die noch aus st ehenden Listen und Gelder sind unverzüglich an das Gewerkschafts-Bureau, und zwar von 11—1 und 6— 7'/, Uhr abzuliefern. Postsendungen sind an A. K ö r st e n, Engel-Ufcr 15, zu richten. Der Auöschnst der Berliner Gewerkschastskommisfio». Soziales. Die sozialen und wirtschaftlichen Berhältnisse der Dänen im Reiche. Von den 26 565 in Deutschland wohnenden dänischen Staats- angehörigen sind 15 687 Männer und 11 478 Frauen, von denen 8328 Männer und 2801 Frauen in Dänemark, 6667 Männer und 8467 Frauen im Deutschen Reiche.und die übrigen anderswo ge- boren sind. Drei Fünftel, also die große Mehrheit von ihnen, sind im Reiche geboren und dennoch dänische Staatsangehörige. Um- gekehrt sind von den 26 721(12 657 Männer und 8664 Frauen) in Dänemark Geborenen und sich im Deutschen Reiche Aufhaltenden 8328 Männer und 2891 Frauen in Dänemark, nur 3666 Männer und 5602 Frauen, d. i. noch lange nicht die Hälfte, in Deutsch- land staatsangehörig.— Die meisten Dänen finden sich natürlich in Schleswig-Holstein vor, und zwar staatsangehvrige Dänen 10154, in Dänemark geborene 13 243, ferner in Hamburg(2360 bezw. 2615) und in Berlin(1134 bezw. 1660). In anderen deutschen Groß- städten sind nennenswerte Zahlen nur in Altona(616 bezw. 601) und in Kiel(461 bezw. 617) vorhanden, in allen deutschen Groß- städten zusammengenommen 6644 bezw. 5913. Da in der Folge leider nur noch die Daten für die in Dänemark Geborenen vorhanden sind, müssen wir uns auf diese beschränken. Von 166 solcher Dänen standen 5,0 im Kindesalter(unter 15 Jahren), 24,1 im Alter von 15 bis unter 25, 20,0 von 25 bis unter 46, 26,2 von 46 bis unter 66 und 13,0 von 66 und mehr Jahren. Im vollproduktiven Alter, von 15 bis unter 46 Jahren standen also 54,6 Personen, im produktiven von 15 bis unter 66 Jahren 86.2 gegen 30,5 bezw. 57,4 von 166 der gesamten Reichsbevölkerung. Auch in der Familienstandsgliederung zeigen sich erhebliche Unter- schiede gegen die Gesamtbevölkerung des Reiches. Es waren von 166 über 15 Jahre alten Personen beim männl. Geschl. beim weibl. Geschl. „„..k verw. u. r.s-„- vcrw. u. der 0 btxfl- gesch. Icb,8"erh. � Reichsbevöllerung 46.6 54,7 4.7 85,2 52.6 12,8 Dänen.... 56.4 44,6 5,6 29,1 54,5 16,4 Beim männlichen Geschlecht sind also die Ledigen in der erwachsenen Bevölkerung viel stärker unter den Dänen als unter der Reichsbevölkerung, bei den nicht so zahlreichen Frauen aber sind die Ledigen schwächer vertreten, auf Kosten der verwitweten und geschiedenen sowie auch— jedoch nur wenig— der verheirateten. Hierin kommt aber nur die bekannte Tatsache der größeren Beweg- lichkeit des männlichen Geschlechts zum Ausdruck. Die Frau wandert oft nur mit dem wandernden Mann, als Ledige relativ weniger häufig. Daher rührt also die stärkere Beteiligung der Verheirateten bei den dämsckien Frauen, die sich in Deutschland aufhalten. Für die wirtschaftliche Bedeutung der hier weilenden Dänen find ihre beruflichen Verhältnisse von größter Wichtigkeit. Während nämlich von allen Ausländern 65.5 Proz. Erwerbstätige und nur 34,5 Proz. Angehörige sind, zählen wir unter 166 Dänen 60,6 Erwerbstätige und nur 31,6 Angehörige. Dieser Anteil der Erwerbstätigen ist sehr hoch, er wird von den im Auslände Ge- borenen nur von den Italienern mit 83 Proz. und den loenig zahl- reichen Norwegern mit 72 Proz. übertroffen. In der Gesamtbevölkerung des Deutschen Reiches betrug 1895 die Zahl der Erwerbstätigen nur 42,7 Proz. der Gesamtbevölkcrung, so daß 57,3 Proz. auf die Aw gehörigen entfielen. Die Verteilung war also etwa umgekehrt.— Unsere Vermutung über die eingewanderten dänischen Frauen bestätigt sich übrigens, wenn wir auf die Geschlechter eingehen. Von 106 Frauen waren nur 36.6 erwerbend tätig, 64,6 Angehörige; sie sind also wohl meist als Ehefrauen nach Deutschland eingewandert, wie aus den Familienstandszahlen hervorzugehen scheint. Die Männer dagegen sind zu 02.7 Proz. erwerbstätig, nur 7,3 Proz. leben hier als Angehörige. Für die in den deutschen Großstädten sich aushaltenden Dünen sind die Zahlen fast die gleichen. Um die eigentlich erwerbend Tätigen zu erhalten, muß man noch die von eigenem Vennögen, von Renten und Pensionen Lebenden ausschalten. Solche sind unter den Dänen 1632--- 5 Proz. vorhanden, die zu in den deutschen Großstädten leben. Von den eigentlich erwerbend Tätigen sind 3355— 25,2 Proz., also gerade 1/t, in der Landwirtschaft, darunter 516 Frauen, be- schäftigt. 2570— 77 Proz. von ihnen sind als Arbeiter. 650--- 10.6 Proz. als Selbständige, die übrigen als Angestellte tätig. 1366— 9,9 Proz. aller Erwerbstätigen beschäftigt der Handel, das Versicherungswesen. die Gast- und Schankwirtschaft, darunter 264 Frauen. Hier überwiegen der Natursache nach die Selb- ständigen(566— 43,4 Proz.) und Angestellten(343— 26,6 Proz.) die Arbeiter<302— 36 Proz.) erheblich. Die überwiegende Mehr- zahl aller(763) war in den Großstädten anwesend.—Die im Verkehrs» gcwcrbe beschäftigten Dänen(717 5,4 Proz., darunter 411 in den Großstädten) sind größtenteils Arbeiter<433— 66 Proz.) Von den anderweitig erwerbstätigen Dänen waren 1123— 8,5 Proz. in wechselnder Lohnarbeit und häuslichen Dienstleistungen, 714--- 5.4 Proz. als Dienende für häusliche Dienste, im Haushalte der Herrschaft lebend, und 763— 5,3 Proz. im öffentlichen Dienst und den sogenannten freien Berufsarten tätig. Größer aber als in jeder anderen Gruppe ist die Zahl der in der Industrie beschäftigten Dänen. Sie betrug 5344— 46,3 Proz., also über aller eigentlich Erwerbstätigen, darunter 431 Frauen. 1355 von ihnen fanden sich in den Großstädten vor. Natürlich überwogen hier bei weitem die Arbeiter<3016--- 73,6 Proz.); Selbständige waren 1857— 16,63 Proz., Angestellte 571=- 10,7 Proz. vorhanden. Namhafte Zahlen an Dänen be- schäftigte namentlich das Baugewerbe mit 1676, von ihnen allein 413 in den Großstädten, ferner 866(351) die Industrie der Bekleidung und Reinigung(darunter 315 Frauen), 766(237) die Metallverarbeitung, 713(343) die Industrie der Holz- und Schnitz- stoffe, 519(263) das NahrungS- und Genußmittelgelverbe und 561 (225) die Industrie der Maschinen, Werkzeuge. Jnstruniente und Apparate. Ueberall sind sie vornehmlich als Arbeiter beschäftigt; nur daS BekleidungS- und Reinigungsgewerbe weist aus begreiflichen Gründen eine größere Anzahl Selbständiger(271— 84 Proz. aller) auf, nämlich 128 Männer und 143 Frauen. KanfmannSgcricht. Sitzung vom 27. Oktober. Ein magerer Bcrglcich ist besser wie ciu fetter Prozeß. An dieses Sprichwort wurde man unwillkürlich bei einer Klage erinnert. die ein Buchhalter gegen die Deutsche Gasglühlicht-Ge- s e l l s ch a f t angestrengt hatte, Der junge Mann war krank ge- lvesen. Der behandelnde Arzt sowie der Vertrauensarzt der Gesell- schast hatten ihm nach seiner Genesung dann erklärt, daß er an einem Montag seine Tätigkeit unbedenklich wieder aufnehmen könne. Er erschien jedoch erst am Mittwoch im Geschäft, weil er geglaubt hatte, noch erst den Rest der noch vorhandenen Medizin un- gestört aufbrauchen zu müssen. Mit dieser etwas selbständigen Aus- dehnung der Rekonvaleszenz war die Firma-»doch nicht einverstanden, sondern entließ den Mann sofort. Er klagte jetzt auf Entschädigung wegen Nichtinnchaltung der Kündigungsfrist. Vom Vorsitzenden wurde den Parteien dringend zum Vergleich geraten, und der Vertreter der Firma erklärte sich auch bereit, dem Kläger 76 M. auszuzahlen. Anfangs wollte sich der Kläger auf diesen Vergleich durchaus nicht einlassen. Als aber nmnittelbar vor der Urteils- fällimg der Vorsitzende noch einmal mit nicht mißzuverstehender Bc- tonung die Frage an ihn richtete, ob er noch kurz vor Toresschluß den Vergleich eingehen wolle, besann er sich doch emes Besseren und willigte ein. Von einem guten Freunde angeschwärzt ivar ein früherer Buchhalter� und Filialleiter der Mineralwasserfabrik„Berolina". Infolgedessen hatte der Chef den Verleumdeten sofort entlassen. Dieser klagte jetzt wegen unberechtigter Entlassung ans Zahlung einer Entschädigung von 456 Mark. Im Termin bekundeten nun mehrere Zeugen, darunter auch solche, auf die sich der Verleumder in seinen schriftlichen und mündlichen Ver- dächtigungen des Buchhalters beim Chef ausdrücklich berufen hatte, daß sich der Kläger durchaus einwandfrei betragen habe und die Beschuldigungen lediglich auf Bosheitsakte des Angebers zurückzu- führen seien. In einem Punkte hatte der Buchhalter allerdings ge- schästlich gefehlt, er hatte es nämlich versehentlich unterlassen, eine Arbeiterin des Geschäfts in der Krankenkasse anzumelden. Die Arbeiterin war dann aber einen Tag nach ihrer Entlassung schwer erkrankt, so daß sie noch jetzt daniederliegt. Natürlich ist jetzt die Firma fiir die Krankenkoslen(Arzt, Apotheker und Krankengeld) haftbar gemacht worden. In Anbetracht dieses Umstandes kam es zwischen den Parteien zuin Vergleich dahingehend, daß sich der Beklagte ver- pflichtete, dem Kläger 256 M. und ein gutes Zeugnis auszuhändigen. Als Berkiiufcrin„in Diensten" des Putzgeschäfts der Firma H a a s e, KönigSbergerstraße, gestanden zu haben, war einem Frl. L. nach dessen Entlassung von der Firma in dem Zeugnis„bestätigt" worden. Gegen diese Fassung des Zeugnisses wandte sich das Fräulein im Klagewege an das Kaufmannsgericht. Die Klägerin verlangte ein anderes Zeugnis, weil sie nicht„in Diensten", sondern in einem kaufmännischen Arbeitsverhältnis der Beklagten gestanden habe. Das Gericht wies die Klage ab, weil es annahm, daß die Worte„in Diensten gestanden" auch für ein kaufmännisches Zeugnis einwandfrei seien, da ja durch die vorhergehenden Worte„als Ver- känferin" zur Geniige dargetan fei, daß es sich hier nicht etwa um ein Gesindeienstverhältnis gehandelt habe. Die„Wohltaten" der Armcnfürsorge. Die Familie R. verfiel bald nach ihrer Uebersiedclung von Har- bürg nach Magdeburg der öffentlichen Armenpflege. Der Mann litt an der Schwindsucht und es waren vier Kinder in jüngerem Alter vorhanden. Nachdem R. verstorben war, wurde Frau R. weiter unterstützt. Sie erhielt wöchentlich 7,56 M., zuletzt 0 M. Magdc- bürg wandte sich an den Armenverband Harburg bezw. den Har- burger Magistrat um Ersatzleistung, da Harburg der Unterstützungs- Wohnsitz der Familie war. Harburg lehnte die Ersatzleistung ab und machte von seinem Recht aus§ 32 des Gesetzes über den Untcrstütznngswohnsitz Gebrauch, indem es die Uebcrführun--»«r Frau und ihrer noch lebenden drei Kinder in die eigene Jursorge verlangte. Frau R. wollte aber nicht wieder nach Harburg zurück- kehren, zumal sie verschiedene ErwerbSgelegenheitcn in Magdeburi erlangt hatte. Die Magdeburger Verwaltung besann sich jetzt auf 8 5 des Freizügigkeitsgesetzes, welcher bestimmt:„Offenbart sich nach dem Anzüge(eines in eine Gemeinde neu Zuziehenden) die Not- wendigkeit einer öffentlichen Unterstützung bevor der Neuanziehende an dem Aufenthaltsorte einen Unterstützungswohnsitz(Hehnats- recht) erworben hat, und weist die Gemeinde nach, daß die Unter- stützung aus anderen Gründen als wegen einer nur vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit notwendig geworden ist, so kann die Fortsetzung des Aufenthaltes versagt werden." Der Magistrat wandte sich an die Polizei und diese wies Frau R. aus Magdeburg auS.— Auf diese Weise sollte die arme Frau nach Harburg gezwungen werden. Sie klagte nach vergeblichen Beschwerden beim Ober-VerwaltungL- gericht und betonte besonders, daß sie?die Unterstützung nur für die Kinder brauche. Sie selbst sei gesund, arbeite tüchtig und könnte allein von dem Verdienst leben. Für das Harburger Armenhaus sei sie durchaus nicht reif. Ueberdies habe sie in Magdeburg bessere Erwerbstätigkeit, als sie sie in Harburg vorfinden würde. Man inöge doch das größere Elend, das ihrer dort harre, von ihr ab- wenden. Das Ober-Verwaltungsgericht wies die Klage der Aermsten ab. Nach dem Stande der einschlägigen Gesetzgebung sei ihr nicht zu helfen. Es könnte ihr nur geraten werden, sich an die Herren in Harburg zu wenden, von wo doch das ganze ausgehe, was sie jetzt beschwere. Wenn es sich nur noch um die Unterstützung der Kinder handele, dann würden die Herren in der Harburger Ver- waltung ja vielleicht bereit sein, diese Unterstützung durch Ueber- Weisung nach Magdeburg zu gewähren und davon absehen, die Frau und ihre Kinder in eigene Fürsorge zu übernehmen. Abäiiderung des H 63 des Handelsgesetzbuches. Die verschieden- artigen Auslegungen des Z 63 des Handelsgesetzbuches durch verschiedene Landgerichte und Kauf mannsgerichte schaffen eine ge- wisse Rechtsunsicherheit. Der genannte Paragraph lautet in seiner jetzigen Fassung: „Wird ein Handlungsgehülfe durch unverschuldetes Unglück an der Leistung der Dienste verhindert, so behält er Anspruch ans Ge- halt und Unterhalt, jedoch nicht über die Dauer von sechs Wochen. Der HandlungSgehülfe ist nicht verpflichtet, sich den Betrag an- rechnen zu lassen, der ihm für die Zeit der Verhinderung auS einer Kranken- oder Unfallversichernng zukommt. Eine Vereinbarung, welche dieser Vorschrift zuwiderläuft, ist nichtig." Die Kanfmannsgerichte H a n> b n r g, B r e S l a u, Halle a. S., Magdeburgs Leipzig, Köln usw. habpn dahin entschieden. daß der§ 63 Abs. 1 k e i n z w i n g e n d e s Recht in sich involviert und daß der Schlußsatz des Absatzes 2:„Eine Bereinbarnng, welche dieser Vorschrift znwiderlänft, ist nichtig", sich eigentlich n u r auf diesen Absatz 2 bezieht. Der Ausschuß des Kauf mannsgerichts München hat sich nun auf Antrag der Beisitzer aus dem Handlungsgehülfen- stand in seiner Sitzung anr Freitagnachmittag e i n st i m m i g dahin enisibiedeit, daß auch der Absatz 1 des Z 63 des Handelsgesetzbuches zwingendes Recht hat, denn dadurch, daß im Absatz 2 ein Abzug ver- boten i st. tverde auerkanut, daß Gehaltszahlung zu erfolgen hat. Um nun jede Rechtsunsicherheit zu beseitigen, >v u r d e e i n st i m m i g beschlossen, an den Bundesrat und Reichstag den Antrag zu stellen, an Stelle des Schlußsatzes des Abs. 2:„Eine Vereinbarung ist..... nichtig" einen neuen Absatz beizufügen mit folgender Fassung:«Jede Vereinbarung, welche den Bestimmungen in Abs. 1 und 2 dieses Paragraphen zuwiderläuft, ist nichtig." Desgleichen wurde einstimmig be- schloffen,„das königl. StaatSministerium des königl. Hauses zu er- suchen, zu der zu gründenden Zentralstelle für Industrie, Gewerbe und Handel auch Vertreter der Handlungsgehülfen aus den acht größeren Kaufmannsgerichten Bayerns zuzuziehen." DaS neu errichtete Gewerbegericht in Würzen soll am 1. Januar in Tätigkeit treten. Die Wahlen der Beisitzer sind bereits erfolgt, und zwar nach dem Proportionalshstem. Es beteiligten sich von den Arbeitgebern III, von den Arbeitnehmern 1163 Stimmberechtigte an der Wahl. Von diesen letzteren stimmten 873 für die Liste des Gewcrlschaftskartells, so daß diesem fünf Beisitzer, den Gegnern aber nur einer zufielen. Tie Wahlcinrichtungen waren so mangel- Haft getroffen, daß viele Stimmberechtigte ihr Wahlrecht nicht aus- üben konnten. Nür den Inhalt der Inserate Uber»«»»»» die Redaktion dem Vublitnm gegenüber keinerlei Veranttvortnng. HKeater. Sonntag, 2� Oktober. Freie Volksbühne. Nachm.»>//, Uhr: Opernhaus. Der schwarze Domino. Montag: Nienzi, der Letzte der Tribunen. Ansang 7 Uhr. Tchauspielhaus. Der Schwur der Treue. Montag: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Ansang 7 Uhr. Neues königl. Operntheatcr. Der Freischütz. Montag: Geschlossen. Neues. Ein sommeruachtstraum. Montag: Dieselbe Vorstellung. Westen. Der Opcrnball. Nachmittags 3 Uhr: Undwe. Montag: Der Opcrnball. Deutsches. Das Käthchen von Heil- bronn. Montag: Kabale und Liebe. Berliner. Kean. Nachm. 3 Uhr: Dieselbe Borstellung. Montag: Andalosia. Ansang 8 Uhr: Schiller<». lWnllner- Theater.) Flachsmann als Erzieher. Nachmittags 3 Uhr: Der Traum ein Leben. Montag: Gyges und sein Ring. Schiller Si.(Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Ein Winter- Märchen. Nachmittags 3 Uhr: Fuhrmann Henschel. Montag: Der Veilchenfresser. Lesüng. Stein unter Steinen. Nachm. 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Montag: Stein unter Steinen. Zentral. Zur indischen Witwe. Nachmitt. 3 Uhr: Die Geisha. Montag: Zur indischen Witwe. Residenz. Der Prinzgemahl. Nachmittags 3 Uhr: HerkuleSpillen. Montag: Der Prinzgemahl. Kleines. Das vierte Gebot. Nachmittags 3 Uhr: Die Lore. Der zerbrochene Krug. Montag: Hidalla. Trianon. Madame Torcra. Nachmittags 3 Uhr: Das Ende der Liebe. Montag: Madame Torera. Lustspiethaus. Der Familientag. Nachmittags 3 Uhr: Das Lumpengesindel. Montag; Der Familicntag. Thalia. Bis früh um Fünsc I Nachm. 3 Uhr: Der Kilometer- srcsser. Montag: Bis srüh um sünse I Carl Weih. In Berlin ist waS loS. Montag: Dieselbe Vorstellung. Luisen. Othello. Nachmitt. 3 Uhr: Die Kinder der Kleines Thealer. Nachm. 3 Uhr: Die Lore. Hieraus: Der zerbrochene Krug. Abends 8 Uhr: Das vierte Gebot. Montag: III, lall». Zentral'Theater. Nachmittags 3 Uhr halbe Preise: Qclsha. Abends 71/i Uhr: Indische Witwe. Operette in 3 Akten v. Oskar Strautz. Montag bis Donnerstag: Imtiicdo Witwe. Mittwoch 5 Uhr: Kinder- Porslcllung. Exzellenz. Montag: Pech-Schulze. Deutsch- Auierikauisches. Aber. Herr Herzog l Nachm. 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Montag: Aber, Herr Herzog l Nletropol. Aus— ins Mctropoll Montag: Dieselbe Vorstellung. Kasino. Das Opserlamm. Nachm. 4 Uhr: Der AdelSnarr. Montag: Das Opserlamm. iNpotlo. Frau Luna.— Speziali- täten. Nachmittags 3 Uhr: Frllhlingslust. Montag: Frau Luna. Walhalla. Eine tolle Nacht. Montag: Dieselbe Vorstellung. Herrnfeld. Die MeyerhainS. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wintergarten. Ein Ztbend in einem ameritanischen Tingel-Tangel.— Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Folics Caprices. Nach dcm ZaPsen- streich. Soll und Haben.— Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Reichs hatte». Stcttiner Sänger. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage. Robert Koppel. Georg und Gusti Edler. llranin. T»»ve»strahe 48/IS. Abends 8 Uhr: Spaltennis Alpen- und Wüstensahrten im Ballon. Montag 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Sternwarte, Jnvalidenstr. 157/62. Täglich geöffnet von 7 biS 1 Uhr. Berliner Theater. Charlotlenstr. 90/92. "Zachm. 3 Uhr und abends 7'/, Uhr: Kean. Lustspiel in 5Ausz. a. d. Franzöfischen des Alex. DumaS. Montag und Dienstag: Andalosia. Heues Thealer. Ansang 7-/, Uhr. Lin Lommernsedtztraum. Morgen u. folgende Tage: Ein Tommernachtstranm. tnisen-Theater. Nachmittags: Nie Kinder der Etztileuz. Abends: Othello. Montag: Pech-Schulze. Dienstag: Simson. Mittwoch: Othello. Donnerstag: Simson. Trianon-Thealer. Madame Torera (Madame L'ordonnance). Schwank in 3 Alten v. Jules Chance!. Deutsch von Max Schoenau. Anfang 8 Uhr. In Vorbereitung;"WfZ Der letzte Troubadour. Nachmittags 3 Uhr: Bedeutend ermäßigte Preise! Frühlingsluft von MtranK mit dem Lustballett Grigolatie. Außerdem: Die Oktober-Spezialitlten, Abends 8 Uhr: Die Oktober- Spezialitäten. »'/- Uhr: Ff au Funa unter pcrsönl. Leitung v. Paul üneke. Metropol-Theaier Präzise �8 Uhr Große Jahresrevue mit Gesang n. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Kapellmeister Max Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Waiden a. D.x Miß Clitford a.D. Bender x Giampietro Josephi x Massary x Frid-Frid Steidl x Lilly Walter. Bauchen in all. Räumen gestattet _ Anfang'/.8 Uhr._ Walhalla-Theater Weinbergsweg 19 20. Direktion: Richard Schnitz. Heute und folgende Tage: Sine tolle JSacht. Vorher: Gr. Spezialitäten-Programm. Ans.'/«S Uhr. Rauchen überall gestattet. Resilfeitt-Tliösles. Direktion: Richard Hlexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Lustspiel in 3 Akten von L. ä'anros und I. Chancel. Sonntag nachmittags 3 Uhr: tier- kulespillen.__ KasinosTheater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Ans(Dsifctlöiiitn. Schwank in 3 Alten von Walther und Stein. Vorher: Im Spreewald. Operette. Der berühmte Kapitän Martens etc. Sonntag Nachmittag 4 Uhr:„Der Adelsnarr." Folies Caprice. Budapester Possen-Tbeater ---------- 132 Linienstr. 132------- Ecke Friedrichstraße. Kach dem Zaplenstreich. Vorher: Noll nnd Haben u. d. ausgezeichn. Spezialitätenteil. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf täglichb. A. Wertheim nnd an der Tageskasse v. 10 Uhr vormittags an._ Deutsch-Ameriliaöiselies Theater. KUpnickerntr. 67. Zum| Jeden Abend 8 Uhrl Gastspiel Ad. Philipp f ptft| Gastspiel Aa. ftiin SB- ABER Male: I H c r r lleraog: Sonntag nachmittag 3 Uhr: Halbe Preise! »Ueber'n grollen Teich." Urania 8 Uhr: Tauben- Str. 48/49. Spelterinis Alpen- und Wilstenfahrten im Ballon. Montag 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Sternwarte ) CASTANS ANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Joels Traum. !! Pompeji!! Die£hre des Vaters! Restaurant: Dresdener Sänger. Scliiller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater) Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Ti-auia ein Leben. Dramatisches Märchen in 4 Auszügen von Franz Grillparzer. Sonntag, abends 8 Uhr: FTachsmann als Erzieher. Komödie in drei Auszügen von Otto Ernst. Montag, abends 8 Uhr: <»7ges nnd sein Ring. Dienstag, abends 8 Uhr: �C>yges nnd sein Ring. Schiller-Thealer M.(Friedc.-Wilh. Th.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: Enhrniann Henschel. Schauspiel in 5 Akten von Gerhart Hauptmann. Sonntag, abends 8 Uhr: Ein Wlntcrnitirchen. Schauspiel in fünf Auszügen von William Shakespeare. Montag, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Der Vellchenfresser. Dienstag, abends 8 Uhr: Der Veilchenfresser. Berliner Äpariunt Unter den linden 68b Eingang Sohadow-Straße No. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis: MT 25 Pfg.-m Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc. 48/7 Sanssouci JottbufrrM1 Dir. W. Reimer. Sonnt, Moni, Donnerst.: Im glänzend rcnvv. und elektr. bcleucht. 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Das auf 50 Rnsiker verstärkte Neue Tonkünsller-Orciiesler r Der Berliner Volks- Chor (ca. SOO Mitglieder) Einlaßkarten zum Preise von 70 Pf. - 1—(inkl. Garderobe)== sind zu haben im Verbandtbureau der Konditoren. Brunnen- straße 30; bei Erbe, Restaurant, Hasenheide 9; Gottfried Schulz, Zigarrenhandlung, Admiralstr. 40a; L. Tolks- dort, Restaurant, Görlitzerstr. 58; Böttcher, Zigarren- handlung, Zossonorstr. 30; Konsumgenossenschaft, Arndtstraße 5; Horsch, Zigarronhandlung, Engel-Ufer 15, Gewerkschaftshaus; Löwenberg, Zigarrenhandlung, Neue Schönhauserstr. 18; R. Thomas, Gartenstr. 73; E. Beyer, Zigarrenhandlung, Veteranenstr. 13; Siemerling, Mus- Handl., Nürnbergerstr. 69a; Wertheim, Loipzigerstraße; Rühle, Mus.-Hanfl., Moritzplatz; Rickhardt, Buchhandl., Rixdorf, Bergstr. 13; Philipp& Sohn, Mus.-Handl., Rosen- thalerstraße 40, am Hackeschen Markt; und hei den Unterrichts-Abenden der Arbeiter-Bildungsschule. == An der Abendkasse erhöhter Preis.■ Der Vorstand. K. Helm ann, Fidicinstr. 18. 66/3 I. A. r. Tanz. Ansang 6 Uhr. Entree 30 Ps. Mittwoch: Cir. Sonder-Abend. Artus*ifof Perlebergerslr. 26. Stendaleratr. 18. Säle von 100-1200 Pers. stehen den geehrten Vereinen zur Verfügung. Jeden Sonntag, Dienstag u. Freitag: Ör. Theater- Voi-Htelluiig. Jeden Montag: Ciiartcttfängec und luimoriftische Soiree. Jeden Donnerstag: b!r. lienzert. I�ßs��r Dresdener- Strave 128,20. NaffeelOu 16. Sier. hellu dimk., lOPs. ca. 60 Leitungen; 2 Billards �eld. 40. Zahlstelle der Freien Volksbühne.• Bugyenhagen (Moritzplatz). Heute Sonntag (Kaiser- Saal): Ii der Fritz Entree 50 PI. Anf. 7 Uhr. t Nachher: Tanzkrttniechcn. 13 Wahl verein Pankow Sonnabend, don II. November, im Geseliscbaftsbaus Kreuzstr. 3—4 222/20 15. Stiftungsfest. Programm: Konzert— Ijichtblldep— Tanz. Biltetts; Herren 50, Damen 30 Pf. Beginn 9 Uhr. Andreas-Festsäle, Inhaber: Fritz Walter, Audreasstraße 21. Allen Vereinen, Gewerkschaften und Klubs die ergebene Mitteilung, daß ich selbige Säle am t. 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Wir haben in den vorhergehenden Abschnitten keineswegs auch nur alle wichtigen Punkte der Tätigkeit der sozialdemokratischen Frak- tion im Rathaus hervorheben können— wir erinnern z. B. an die Kämpfe gegen die vom Polizeipräsidium seit IDOL geplante Per- fügung gegen den S t r a h e n h a n d e l, die von den mächtigen HauZbesitzervereinen begünstigt, von dem Ausschuß im Jahre 1804 mit geringfügigen Abänderungen zur Annahme vorgeschlagen wurde und großenteils dank dem energischen Auftreten der Sozialdemo- kraten in der Versammlung abgelehnt wurde. Da sind ferner die Vorstöße der Sozialdemokratie in der Wohnungsfrage, so die wieder- holte Anregung der Schaffung eines Wohnungsamtes und einer Wohnungsinspcktion. Daß die sozialdemokratische Fraktion sich bei den Neuschöpfungen, z. B. der Einführung des Kausmannsgcrichts, bei der Projektierung der großen Hafen». Bahn- und Speicheranlagen an der Oberspree hervorragend tätig gezeigt, ist selbstverständlich. Ebenso daß sie, wenn auch natürlich vergeblich, die„freisinnige" Majorität über die papiernen Proteste gegen die unerhörtesten Ueber- griffe der Staatsgewalt(Nichtbestätigung der Wahl des inzwischen verstorbenen Stadtrates Kauffniann zum Bürgermeister, Sper- run� städtischer Schullokalitäten für mißliebige. Turn- vereine, Parteinahme für die Große Berliner gegen die Stadt und anderes) hinaus zu Kundgebungen veranlassen wollte, die in„maßgebenden" Kreisen besser verstanden werden würden— so Ablehnung von devoten Schreiben und höchst kost- spieligen Ausgaben gelegentlich der Kronprinzenverlj>bung und Hochzeit und was damit zusammenhängt. Nur einem wichtigen Gebiet wollen wir noch einige Worte widmen, zumal auf diesem gerade in den nächsten Jahren sowohl positives Schaffen, wie schwere Kämpfe bevorstehen. Der Bericht von 1S01 konnte bereits darauf hinweisen, daß die„Große Berliner" unter skrupellosester Ausnutzung ihrer Vorder- und Hintertreppenbeziehungen zu der Regierung von dieser eine Ver- längerung ihrer Konzession bis zum Jahre 1040 und die Abschaffung des ihr lästigen Akkumulatorenbetriebes hinter dem Rücken der Stadt und unter völliger Nichtachtung der niit dieser geschlossenen Ver- träge erlangt hatte. Damals errang die sozialdemokratische Frak- tion, die stets und ständig die das Großkapital zum Nachteil des Stadtsäckels begünstigende städtische Berkehrspolitik(oder was man so nannte) bekämpft hatte, einen ersten Erfolg. Ter Ankauf der Siemens u. Halskeschen Linien wurde beschlossen. In der jetzigen Berichtsperiode hat die sozialdemokratische Fraktion unermüdlich in der ihr durch ihr Programm vorgeschriebenen Richtung weiter gekämpft. Dazu kam, daß das rücksichtslose Vor- gehen der Großen Berliner immer weitere Kreise der Bevölkerung erbitterte, so daß die freisinnigen Herren auch im Hinblick auf ihre Wähler wenigstens in der zweiten Abteilung gezwungen waren, andere Saiten aufzuziehen. Schon im Jahre 1000 war ins Auge gefaßt worden, mit dem Bau eigener Straßenbahnlinien vorzugehen, doch zögerten sich die Vorarbeiten überaus lange hin; es schien den Herren durchaus nicht eilig, vielleicht nicht einmal ernst mit der Sache zu sein. Dagegen wurden mit der von Siemens u. Halske errichteten Hoch- und Untcrgrundbahngesellschaft Abkommen ge- troffen, die eine Verlängerung dieser Bahn als Untergrundbahn vom Potsdamer Platz bis zum Spittelmarkt zum Ziel hatten. Die Große Berliner besaß die Unverschämtheit, gegen diesen Bau Ein- spruch zu erheben, indem sie geradezu Monopolrechte geltend machte, die ihr niemals eingeräumt waren, ja, gar nicht einmal eingeräumt sein konnten. In dem angestrengten Prozeß unterlag nun die Große Berliner— in letzter Instanz im Jahre 100S. Unser Vertreter geißelte bei dieser Gelegenheit die Frechheit der Großen Berliner, die freilich durch die Nachgiebigkeit der städtischen Behörden förmlich großgezogen worden sei, und sellte fest, daß jetzt endlich das Tischtuch zwischen der Stadt und der Gesellschaft zer- schnitten sei. Einen schönen Erfolg brachte gegen Ende des Jahres 1004 der sozialdemokratischen Fraktion die Magistratsvorlage, wo- nach nunmehr unverzüglich an den Bau von fünf Linien im Eigentum der Stadt geschritten werden sollte— drei im Süden, zwei im Norden der Stadt, im ganzen 10 Kilometer mit 20 Kilometer Bctriebslinienlänge. Ausdrücklich wurde zu- gegeben, daß man zum Bau schreiten müsse, selbst wenn keine volle Rentabilität für den Anfang berechnet werden könne, da man sich durch Erfahrungen im eigenen Betriebe darmif vorbereiten müsse, im Jahre 1010 die Betriebe der Großen Berliner zu übernehmen. Die Möglichkeit dazu ist im Vertrag gegeben; die Große Berliner freilich versucht, den Vertrag zu durchbrechen. Da sie in ihrem treu- losen Beginnen anscheine ndvonObenherabbcgün st igt wird, wird es der größten Energie bedürfen, um ihrer Herr zu werden. Vorläufig freilich ist der Zorn gegen die Große Berliner auch bei den Freisinnigen gewaltig. Erklärte doch ihr Führer Cassel gegenüber dem Einwand, daß man jene geplanten Linien auf Grund der Verträge mit der Großen Berliner viel billiger und mit sofortigem Nutzen für die Stadt erstellen könne:„Ich halte dies (nämlich mit einer solchen Gesellschaft zu arbeiten) mit dem Gefühl von der Würde eines Gemeindevertretcrs unvereinbar." Aber cnif diesem Gebiet heißt es für die Wähler besonders vorsichtig sein. Mit Recht wurde in der Stadtverordneten-Bersammlung darauf hingewiesen, daß prinzipielle Gegner des städtischen Betriebes sich gar nicht zum Wort meldeten, so daß es nach außen den Anschein ge- Ivinnen könne, als ob alle Reden zugunsten des städtischen Betriebes gegen etwaige Schwärmer für die lveiterc Auslieferung an das Großkapital überflüssig seien. Aber mit demselben Rechte wurde betont, daß es noch recht warme Freunde der Großen Berliner in der Stadtverordneten-Bersammlung gäbe und in der Tat wurden in der namentlichen Gesamtabstimmung noch LO Stimmen gegen den Bau städtischer Linien abgegeben, während 02 Stimmen dafür ein- traten. Nicht uninteressant ist es zu sehen, wie sich die Stimmen der Stadtverordneten der verschiedenen Abteilungen auf Ja und Nein verteilten. Bon den anwesenden Stadtverordneten erster Klasse stimmten 31 Proz. mit nein, von der zweiten 18 Proz., von der driiten 3 Proz. Der einzige Stadtverordnete der dritten Ab- teilung, dem diese es zuschreiben muß, daß sie unter den Neinsagern überhaupt vertreten ist, Herr Giese, ist in dem ersten Wahlbezirk der dritten Abteilung gewählt, der die Stadtbezirke 1— 10 umfaßt und sich um die Börse und das königliche Schloß gruppiert! Es ist bei der wirtschaftlichen Abhängigkeit so vieler Wähler der dritten Klasse in jener Gegend leider kaum Aussicht vorhanden, diesen würdigen Vertreter d«S arbeitenden Volkes bei der öffent- lichen Abstimmung der bevorstehenden Wahl aus dem Rathaus zu entfernen, aber der Versuch mutz gemacht werden, selbst dort auf den sozialdemokratischen Kandidaten soviel Stimmen als nur irgend möglich zu vereinen. Auch hier ergibt sich ans unserer kurzen Darlegung die not- wendige Schlußfolgerung für jeden Bürger, dem das Wohl der Gesamtheit am Herzen liegt, für den Kandidaten der Sozialdemokratie zu stimmen. Noch ist kein Sparen- stich zum Bau der städtischen Bahnen getan. Von neuem versucht die Große Berliner, getragen von dem Wohlwollen der Staatsbehörden, mit einem weitausschauenden Plan die Stadt weiter in ihre Neye zu verstricken. Bisher steht freilich noch die Majorität der Stadtverordneten-Versammlimg wie der Magistrat diesen Plänen feindlich gegenüber. Aber die Vertreter bw bürger- lichen Parteien stehen vielfach in engster Beziehung zu den Jnter- essen der großen privaten Unternehmungen; vor allen Dingen gehen ihre.Grün danschaumigen, geht ihr Progrannn dahin, der privat- kapitalistischen Betätigung den fteiesten Spielraum zu lassen, die städtische Unternehmertätigkeit nach Möglichkeit einzuschränken. Gewiß ist der eine oder der andere durch die Vorgänge der letzten Zeit in diesem besonderen Fall eines Besseren belehrt, aber auch wohl nur für diesen. Die große Mehrzahl steht gegen die Große Berliner und für die städtische Unternehmung nur ein, weil sie augenblicklich verärgert ist— und wie wenig Garantien bietet ein Handeln, das durch Laune bestimmt wird! Ganz anders die Sozial- demokratie. Sie kennt keinerlei Rücksicht auf privatkapitalistische Interessen, sie steht in der ganzen Sache, sowohl bei dem erbitterten Kampf gegen die Große Berliner, wie bei der Schaffung städtischer Bahnen, voll und ganz auf dem festen Boden ihres Programms. So dürfen wir auf Grund unserer Ausführungen hier wie in den vorhergehenden Betrachtungen als Schluß aus unserer Bericht- erstattung den Berliner Bürgern, den Berliner Arbeitern zurufen: Auf zum Wahlkampf l Auf zum Kampf für die Kandidaten der Sozialdemokratie!— Das Märchen □ OagpijndLt Im Jahre 18.->2. von der verdauungkbefördernden Wirkung des Bohnenkaffees wird von der modernen Wissenschaft aufs schärfste bekämpft. So hat Professor Schulz-Schulzen st ein in seinem ge- schätzten Werke:„Die Verjüngung des menschlichen Lebens" den sicheren Beweis dafür erbracht, „daß durch den Kaffeegenuß ein Stadium der Verdauung förm- „lich übersprungen wird. Daher kommt eS, daß man nach einer „Taste Kaffee bei gefülltem Magen sich fast augenblicklich erleichtert fühlt, „indem ein Teil der noch unverdauten Speisen durch den Kaffcereiz vor- „zeitig in den Darmkanal abgeht. Es kann ein so naturwidriger Eingriff „in das Walten der Natur nicht ungestraft bleiben, und der Kaffee mit seiner „reizenden, aber auch Krämpfe, Schmerzen und Lähmung erzeugenden „Wirkung übt sein Amt als Exekutor der Strafe redlich aus. Das Heer „von Zahn- und Kopfschmerzen ist größtenteils vom Kaffee unter die Fahne „gerufen. Ja, der halbseitige Nervenkopfschmerz, der mit dem Erlvachen „beginnt, fich allmählich steigert, fast unerträglich wird, ist ein Erzeugnis, „eine Rachivirkung des anhaltenden Kaffeegenusses, Denn man findet diese „Art Kopfschmerz nur bei früheren Kaffeetrinkern; auch wird eine Tasse „schwarzen Kaffees die Schmerzen stets palliativisch(d. h. nur die Symptome, „nicht die Krankheit selbst beseitigend) lindern oder abkürzen, der deutlichste „Beweis, welch starkes Arzneimittel der Kaffee ist.' Wer also die dauernde Garantie für eine gute Verdauung und des daraus entspringenden Wohlbefindens haben will, der muß unter allen Umständen den regelmäßigen Genuß von Bohnenkaffee meiden. Kathreiners Malzkaffee bietet uns dafür ein wahres Gesundheits- getränk, das gerade auf die Organe des Unterleibes und speziell auf den wichtigen Prozeß der Verdauung, wie wissenschaftlich feststeht, eine durchaus fördernde, mild anregende Wirkung ausübt und auch nicht die geringste Störung der normalen Funktionen verursacht. Deshalb ist Kathreiners Malzkaffee, zu dessen hygienischen Vorzügen sich noch ein würziger, kaffee- ähnlicher Wohlgeschmack, der ihm durch ein eigenartiges, patentiertes Ver- fahren mitgeteilt wird, gesellt, daS denkbar beste, zuträglichste und an- genehmste tägliche Getränk, vorausgesetzt, daß man den echten, d. h. den in geschlossenem Paket mit Blld und Namcnszug des Pfarrer Kneipp, einkauft. Durch einen Versuch überzeugt man sich sofort von den angeführten Tatsachen. �mcisshmtsi' Leinen- und Gebild-Weberei . V. GRIÜIIFELD KU. Im., Iii. Md U Hl., Gml. Hl.>. MI. Stall. MIlM. Berlin W., Leipziger Strasse 20-21 Fabrik LANDESHUT I. 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Diskussion. _ Zu recht zahlreichem Besuch laden ein Die Einberufer. U. u. 27. Komtnunal-'Wahliiezirk 4. Kreis(Ost) und 5. Kreis. Dienstag, den Zt. Oktober, abends 8 Uhr, in der Brauerei Bötzow, Prenzlauer Illlee: Oeffentliche Aähier-Verlammlung. Tages-Ordnung: Sozialdemokratie und Stadtverwaltung. Referent: Stadtverordneter Hugo Heimann. Diskussion. 262/13« vei' IBinbernker. Dienstag, den 31. Oktober, abends 8 Uhr: = OeffenMche �=z KommunalwäMer-Versammlung für den 30. Kommunal Mahlbezirb(s.«.«. Wahikrri») in fivhigs Lorussis-Tälvn, Ackerstr. 6/7(Hof). TageS-Ordnung: t. Vortrag des Stadtverordneten Genossen Dr.'Weyl! „Die Herren im roten Hanse." 2. Diskussion.— 3. Verschiedenes. Alle Wähler des 30. Kommunal-WahIbezirlS sind freundlichst eingeladen. Die Parteigenossen müssen erscheinen. 2gs/2__ Das Wahlkomitee. Charlottenburg! Freitag, 3. November, abends 8 Uhr, im Volkshause, Nosinenstrasze 3: Komnrnnabähler- Versammlung. Tages-Ordnung: Vortrag über:„Sozialdemokratie und Stadtparlamen�. Referent Reichstags-Abgeordneter Genosse Paul Singer. Diskussion. Die Gegner aller Parteirichtungen sind zu dieser Versammlung sreundlichst eingeladen und wird denselben volle Redefreiheit zugesichert. 263/1 NB. Gleichzeitig machen wir hiermit bekannt, bah für die erst« und zweite Wählerllasse in allen Bezirken der Genosse ranl Hirsch kandidiert und sind sämtliche Genossen dieser Wählerklassen verpflichtet, ihre Stimme sür denselben abzugeben.____ Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband. - Terwaltnngsstelle Berlin.— r- Haupt-Burean: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34, Amt IV, 3353._ Montag, de» 30. Oktober, abends K'/, Uhr: Mitgliedrr-Nersammlung für Tegel und Umgegend im Lokale von Drapp, Tegel, Bahnhofstrafie 1. Tages-Ordnung: 1. Welche Lehren ziehen wir aus dem Kampfe in der Elektro- Industrie? 2. Diskussion. 3. Werlstattangeiegcnheiten. 153/17 ipM- ES ist Pflicht eines jeden am Orte wohnenden Kollegen, zu dieser wichtigen Versammlung zu erscheinen. vi« 0ri»»srs»llung. Tapezierer! Mittwoch, den 1. November 1905, abends 8 Uhr, bei M. Damm, Schiivenstraße 18/19: WfF''Versammlung. Tag�s-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Albert Stripp über:.Unsere deutschen Landstreicher«. 2. Diskussion. 3. Vereins- angelegenhciten. 101/10 Gäste willkommen! Pünktliches Erscheinen aller Kollegen erwartet Der Borstand der Freien Bereinigung der Tapezierer. Bureau und Arbeitsnachweis: Schützenstr. 18/18. Telephon: Amt I 1308. AeMung!"Wl Wk" Achtung! DtiiW fWldcmlttatisihc vmiiie im Ausllllidt werden höflichst ersucht, ihre Adresse an den deutschen sozialdemokratischen Verein.Vorwärts" in llopsnlisgsn, llnabrostritllo 3. zu senden. S/4 Her Vorstand, Jnmmgs-Kraukriiblisse der Nschler-Jvnung. Uonwg, äon S. Nov., abends 7'/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15: General-Versammlung derVertreterderKasseumitglieder und der Jnnungsmitglieder. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Wahl eines Kassierers. 3. Ergänzungswahl zum Vorstände.(In getrennter Wahl sind zu wählen: 1 Jnnungsmitglied und 2 bezw. 3 Kassenmitglieoer.) 4. Wahl von 3 Revisoren zur Prü- fung der JahreSrechnung pro 1905. 5. Verschiedenes. 2926b Um pünktliches Erscheinen wird er« sucht. Der Borstand. Orts-Krankenkaffe d. Schneider, Schneiderinnen «.verwandter Gcwerbezu Berlin. Die dritte und vierte Abänderung zum Statut genehmigt vom Bezirks- ausschust vom 5. September und 10. Oktober 1905. 2g75b K 38 erhält seine alte Fassung wieder, ebenso§ 39, der Absatz 5 fällt fort.§ 52 heißt es, durch die im s 66 bezeichneten Blätter und schristtich mittelst Postkarte berufen. § 66 heißt es:„Morgenpost" und „Berliner Lokal-Anzeiger". Berlin, 29. l». 05. Oskar Broda, Vorsitzender. Fritz Kunze, Schristsührer. Maurer-?ukjilz! iechn. Filze jeder Art. 4669L« 1). Wentzcl, Brunnenstr. 45. Allgemeine Orts- Krankenkasse für die vklkinilitenGtivtlbtbttritbk Charlottenburgs. Wir laden hiermit die Kassen. Mitglieder und deren Arbeitgeber zur Vornabme der Nemvahlen zur Generalversammlung gemäß§S 48 sg. des Kassenstatuts ein und zwar a) die Kasseniiiitglieder aus Sonntag, den 12. November er., morgens 10 Uhr, b) die Rrdeitgeder auf Freitag, den 10. November er., abends»m 8 Uhr, nach den: großen bezw. kleinen Saale des BoikshauseS in Charlottenburg, Rofinenstraßc 3. ES sind zu wählen: von den Kancumitgliedern 303 Delegierte, von den der Kasse zugehörigen Arbeitgebern 147 Delegierte. Wahlberechtigt in der ersten Gruppe ist jedes Kassenmitglicd, in der zweiten Gruppe jeder Arbeitgeber, welcher Beiträge aus eigenen Mitteln zahlt. Die Arbeitgeber können sich bei der Wahl mich durch ihre Geschäfts, sührer oder Bctriebsbeamten, deren Vollmacht vor dem Wahltage im Kassenbureau einzureichen ist, ver- treten lassen. Wählbar ist jedes Kassenmitglied bezw. jeder der Kasse zugehörige Arbeitgeber, ebenso an dessen Stelle der GcschästSsührer oder Betriebs- beamte eines solchen. Die Wähler wie die Gewählten müssen großjährig und im Besitze der «ärgerlichen Ehrenrechte sein. Die Wahlperiode der gewählten Delegierten läuft vom 1. Januar 1906 bis zum 31. Dezember 1907. Die Wahl ist geheim und wird durch Stimmzettel in einem Wahlgange in der Weise vorgenommen, daß jeder Wähler so viel Namen aus einem Stimmzettel nennt, als Delegierte in seiner Gruppe zu wählen sind. Der Wahlakt wird zwei Stunden nach Beginn der Wahloersammlung geschlossen. Die Legitimation der Wähler ge- schieht durch Vorweisung der Wahl- karte im Wahllokal. Wahlkorte» werden den Kassenmitgliedern und deren Arbeitgebern aus Antrag im Kassenbureau während der öfsent- lichen Dienststundcn unentgeltlich verabfolgt. Charlottenburg, den 29. Oktober 1905. Der Kasseuvorstand. 276/3 0. Beek. Orts-Krauktnbasst des Korbmachtr-Gkwerbes zu Berlin. Montag, den 0. November, abends 8'/, Uhr: Ordentliche General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Neuwahl von drei Vorstands- Mitgliedern(1 Arbeitgeber, 2 Arbeit- nehmer). 2. Wahl einer Kommission zur Prüfung der Jabresrechnung. 3. Beschlußsassung über den Anschluß an die Krankcnkonttolle des GewerkS- krankenvereinS. 4. Verschiedenes. Die Wahlen finden in getrennter Wahlversammlung statt. Die der Herren Arbeitgeber von 8— 8>/, Uhr. Zahlreiches und pünktliches Er- scheinen erwartet Der Borstand. I. A.: Barl Lohwedler, 276/7 Vorsitzender. 16. mid 19. KolnillMlWMeD. Montag, den 30. Oktober, abends 8'/. Uhr: Zwei Versammlungen in Gliesings Gesellschaftshaus, Wast'ertorstrafie Nr. 08: Referenten: Dr. Silberstein und der Kandidat Dr. Zadek; in Spielbergs Festsäle», Köpenickerstraste Nr. IS7a: Referenten: Stadtverordneter Borgmann und der Kandidat Alexander Fröhlich. Tages-Ordnung: „Unsere kommunalen Forderungen und unsere Forderungen an die Schule."— Diskussion. M/s M?*- Es Ist Pflicht aller Genossen dieser Bezirke, eine Versaiunilung zu besnehen. Das Wahlkomitee. Cinladung zur ordentlichen Generalversamliing der Orts-Krankenkasse der Tabahfabrihludkiter zu Berlin am Montag, de» 0. November, abends 8'/, Uhr, im Lokale des Herr» Pelnd, Weinftr. 11. Tages-Ordnung: 1. Neuwahl für zwc. laut Statut ausscheidende Vorstandsmitglieder. 2. Wahl eines Ausschusses zur Prüfung der Rechnung des lausenden Jahres. 3. Statutenänderung(Erhöhung des Sterbegeldes). Berlin, den 27. Oktober 1905. 276/5 Der Borstand. Dienstag, den 31. Oktober, abends 8'� Uhr, im Obstsche» Saale, Mciningerstr. 8: Oeffetitliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordncten 7�1? ZubßU•»Die Sozialdemokratie in der wemeiiideverwaltung". 2. Diskussion. Zu einem zahlreichen Besuch ladet ein 15/18 DaS sozialdemokratische Wahlkomitee. Achtung! Ballschuhmaclier. Achtung! Montag, den 30. Oktober, abends 8�/2 Uhr, in den Residenz- Sälen, Landsbergerstr. 31: Oeffentliche Knllschiillmndikr-NtchMWlung. Tagesordnung: 1. Ter Streik bei Liffeuhetm und die Verhältnisse in der Ballschuh-Jndustrte. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 170/6 In Anbetracht der Wichtigkeit des 1. PunkeS der Tagesordnung ersucht um zahlreichen Besuch Der Einberufer. Verband der 5sttler. Ortsverwaltnng Berlin. Mittwoch, den 1. November, abends S'/j Uhr: Gciteral-Versammlimg in den Arminhallen, Kommandanteustr. 80. Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Abrechnung vom S. Ouartal 1003. 3. Vortrag des Schriftstellers Herrn A. Stern über: Religion und Sittlichkeit. 4. Diskussion. 5. Verschiedenes. 157/15 ZW?" Mitgliedsbuch legitimiert.-WM Zahlreiches Erscheinen der Mtglieder erwartet Der Vorstand. Deutseher Holzarbeiter-Verband. Kilderratzmenmacher. Mittwoch, den 1. November er., abends 8>/2 Uhr, bei Ladewig, Alte Jakobstras/c 83;' 95/18 Vertrauensmänner- Versammlung. -—»»—» Jede Werkstatt muß vertreten sein. � Branche der Kistenmaeher. Mittwoch, den 1. November, abds. 8 Uhr, bei Baudach, Breslauerstr. es.1 Vertrauensmänner-Versammlung. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Der Qbiuaun. Treppviltzeliinder-Kranche. Sonntag, den£9. d. M.. vorm. 10 Uhr, im„Königstadt-tiasino�, Holzmarktstr. 7£: IW Versammlung"HW aller in Treppengeländerfabriken beschäftigten Arbeiter als Tischler, Stellmacher, Drechsler, Bildhauer, Maschinenarbeiter usw. Tages-Ordnung: Stellungnahme zum Abiaus des Vertrages. Kleber. Mittwoch, den 1. November er., abends 8 Uhr, bei.Augustin, Oranienstraste 103: QuartalsversammUmg. Tage S-Ordnung: 1. Ouartalsbericht. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. UM- Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. 123/17 Bie Vcrbaudsleitung. ts der Achtung! Achtung! fjülfsarbeitcr bei StukhatcurcD. Sonntag, den 29. Oktober, vormittags 10 tthr: Bersauttttllmg"HW aller bei den Stukkatcnrcn beschäftigte» Hiilssarbeiter in den.Jndnftrie-Fcstsnlen«, Beuthstr. 10—20. Tages-Ordnung: 1. Die Stellung der Hülssarbeiter bei Stukkateuicn zur Organisation. 2. Diskussion. 3. Ver-fchledcncs. Alle Kollegen, welche bei Stukkateuren bcschäjligt sind, müssen in dieser Versammlung erscheinen.. Die Slullatcurc werden ersucht, ihre Hülssarbeiicr aus diese Versammlung ansmerlsam zu niachcn.' 44/6« Bor 1£tveigvereins-Vorstand. sind nur zu beziehen durch SINGER Co. Nähmaschinen Act. Ges. Berlin, Leipzigerstraße 92. Filialen in allen Stadtteilen. probieren t Studieren I Reichel's Echter CognacsExtrakt. 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Auf das heutige Inserat des WahlbereinS wird hier- mit besonders aufmerksam gemacht.— Die ausgeliehenen Bücher find sofort an den Bibliothekar Genossen Bodatsch, Mühlen- straße 23, abzugeben, da eine Statistik vorgenommen wird. Nieder-Schönhausen. Am Dienstag, den 31. d. M., abends Voll Uhr, findet in Stephans„Liudengarten" l früher Wenzel) die W a h l v e r e i n S v e r s a m m I u n g statt. Auf der Tagesordnung steht: Vortrag des Genossen F r e i w a l d t- Pankow über.Das neue OrgantsationSstatut von Groß-Berli n", Dis- tusfion. VercinSangelegenhciten und Verschiedenes. Alle Mitglieder haben pünktlich zu erscheinen. Schmargendorf. Am Dienstag, den 31. Oktober, abends 8>/z Uhr, findet im.Restaurant Sanssouci", Ruhlaerstr. 20/21, die General- Versammlung des hiesigen Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht: Bericht dcö Vorstandes und sämtlicher Funktionäre; Diskussion! Neuwahl des Gesamtvorstaudes; Bericht der Delegierten von der KreiS-Generalversammlung in Rixdorf; Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Genossen, zu der Versammlung pünktlich zu erscheinen. Wilmersdorf. Am Montagabend 8>/2 Uhr finden in allen Be« zirkeu in den bekannten Lokalen die Bezirkssitzungen statt. Es stehen »vichtige Angelegenheiten zur Verhandlung. Erscheinen aller Partei- genossen ist dringende Notwendigkeit. Besonders sind hierzu die neu hinzugezogenen Genossen eingeladen. Nowawes-Neuendorf. Heute Sonntag in den bekannten Lokalen: Zahltag. Mittwoch, den 1. November, Versammlung des s ozialdemokratischen Wahlvereins bei Schmidt. Tagesordnung: Vor- trag des Geuoffcn K ü t e r- Schöueberg über„Klaffeniutereffen". Bericht von der KreiS-Generalversammlung. Diskussion. Um zahl- reiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Tegel. Der nächste Diskutierabend des sozialdemokratischen WahlvereinS findet am Dienstag, den 31. Oktober, abends 8>/z Uhr, im Restaurant Gehlhaar, Berlinerstr. S2, statt. Die Bibliothek ist von 8 Uhr an geöffnet. Rcinickendorf-West. Der Diskutierabend des Wahlvereins findet am Dienstag, den 31. Oktober, abends 8'/, Uhr, bei Schulz, Berlinerstr. 36, statt. Tagesordnung: Die Volksschule wie sie ist und wie sie sein soll. Rcinickendorf-Ost. Lange, Schönholz Nr. ordnung: Parteitag kussion. Verschiedenes. Am Dienstag, den 31. Oktober, findet bei 11, eine Mitgliederversammlung statt. Tages- in Jena, gieferent Genosse Kubig. Dis- Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Vorort- I�admekten. Charlottenburg. Freie Bolksbühne. Maxim Gorki?„Nachtasyl", das am Freitag zur Aufführung gebracht wurde, ist eine Schilderung aus den Nachtseiten des menschlichen Lebens, ans der untersten Schicht der Verkoinmenen, die ohne Beschäftigung und ohne Arbeit zu suchen dahinvegetieren und zum Teil vom Verbrechen leben. Gorki hat das Leben dieser Aermsten zweifellos aus eigener An- schauung gründlich kennen gelernt. Aus einer Proletarierfamilie stammend und früh vcrlvafft. mußte er sich seinen Unterhalt schon in frühester Jugend selbst erwerben, hielt es aber in seinem Berufe längere Zeit aus. Al« seiu Name in der literarischen Welt zuerst bekannt wurde, war der damals 26jährigc nacheinander Schuhmacherlehrliug, Küchenjunge, Gärtnergehülfe, Kringelbäcker. Tagelöhner, Obsthändler, Eisenbahnarbeiter, Bier- Verkäufer, Advokatenschreiber gewesen. Bis zu einem Selbstmord- versuch wurde er in seinem 20. Jahre getrieben. Jahrelang hat er unter den Verkommenen gelebt, die er dichterisch gestaltet und unserem allgemein menschlichen Empfinden nahe bringt. Die Regie der recht gut gelungenen Darstellung lag in den Händen des Hern» D a n n e g g e r, der selbst den Pilger L u k a gab, die sympathischste Gestalr der Dichtung; in der Verkörperung Danneggers kam die milde Liebe, mit welcher der alte Pilger jeden einzelnen Menschen umfaßt und deren tiefer Wirkung sich auch der Verkommenste nicht entziehen kann, zu einfachen», wahren» Ausdruck. Der etwa 40jährige Satin, der in jungen Jahren in der Leidenschaft einen Toischlag verübte, nach verbüßter Strafe nirgends Arbeit fand und so dem Verbrechen in die Arme getrieben»vurde. trotzdeu» aber aus starkem Pcrfönlichkeitsgefühl heraus euren kühnen Idealismus bewahrt hat, wurde von' Herrn Kröning, der au Stelle des Herrn O n n 0 getreten war, in zu Herzen gehender Weise dargestellt. Auch der Pepel des Hern» Hartl, der als Kind eines Diebes schon als ganz kleiner Knabe von seinen Altersgenossen als Diebeöjunge verhöhirt und förmlich gewaltsam zun» Diebe gestempelt wurde, war eine gute Leistung. Ebenso sind die Herren Brecher, der den verkominencn Schauspieler, Baron, der den herunter- gekommenen Baron, Raden, der den lustigen Schuster Aljoschka darstellte, und die Damen Frai» Burchardt sdie HerbergSwirtin Wassilissa). Frl. Finke sihre Schwester Natascha), Frl. Lehmann(die Dirne N a st j a) rühmend zn nennen.. Uebrigens »vurden auch die weniger hervortretenden Figuren recht zufrieden- stellend gegeben, so daß die gesamte Darstellung als eine ab- gerundete, in der keine Rolle völlig versagte und aus dem Rahmen des Ganzen herausfiel, zu bezeichnen ist. Dem entsprechend war auch die Wirkung der vorgeführten Szenen auf daö Publikum eine starke, und mit Beifall wurde nicht gekargt. . Das gute Gelingen der Aufstihrung legt den Wunsch nach einer Wiederholung nahe, zumal eine große Anzahl von Personen wegen ' Ueberfüllung keine Aufnahme mehr in die Freie Volksbühne hatten finden können. Es ist deshalb beschlossen, in 14 Tagen die Auf- führung als eine öffentliche zu wiederholen. Freie Volksbühne Charlottenvurg. Donnerstag, den 2. Novem- ber, abends SV2 Uhr, findet im Volkshaus, Rosiuenstraße 3, eine außerordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vor- trag von Frau Wally Zepler:„Ziele der Freien Volksbühnen". 2. Geschäfts- und Kassenbericht; Bericht der Revisoren. 3. Ver- schiedeneS. Eintritt nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte mit Oktober- Marke. Zahlreiches Erscheinen ist erforderlich. Lichtbildervortrag. Auf den am Montag, den 30. Oktober, im „Volkshaus" stattfindenden Lichtbildervortrag über das deutsche. englische und schweizerische Genossenschaftswesen, zu welchem Männer und Frauen Ziltritt haben(siehe Inserat und Anschlagsäulen), wird hierdurch nochmals aufmerksam gemacht. Schöneberg. Mit den bürgerliche» Unterlassung Ssünden in der Stadwerwaltung beschäftigten sich am Mittwoch drei Bezirkswähler- Ver- fammlungen. In Anbetracht, daß»ins nur noch wemge Tage von den ain 2. November stattfindenden Stadtverordnetenwahlen trennen, hätten dieselben aber besser besticht sein können. Weisen doch die Wählerlisten für den 3. und 5. Bezirk allein weit über 4000 der dritten Abteilung angehörende Wähler auf. Unsere Schulverhältnisse, so führten die Referenten aus, liegen, was die Volksschulen anbelangt, iinmer noch sehr im Argen. Eine Aussicht auf Besserung in absehbarer Zeit lassen die bebörd- lichen Matznahmen leider immer noch nicht erkennen. Sind auf der einen Seite, wenn eö sich um Schulen für die Kinder der Wohl- habenden handelt, Mittel genug und schnell bei der Hand, um oft ei»»e>n mitunter nur plötzlich empfundeneu Bedürfnis jener Kreise zu genügen, so fällt aus der anderen Seite die völlige Unzulänglichkeit der Volks- schulen ins Auge. Dort Millionen für die„höheren" Schulen— hier kaum die nottvendigsten Schulräume zur Unterbringung der Proletarierkinder._ Man paradiert gern mit dem Ausbau des „höheren" Schulwesens, mn, wie seinerzeit der Oberbürgermeister ausdrücklich erklärte, steuerkräftiges Publikum heranzuziehen.— Au« dernselpen Grunde läßt man auch der Wohnungsfrage eine entsprechende Fürsorge angedeihen. Dort kolossale Aufwendlnigen für breite Straßen»md Schmuckplätze— in den Vierteln der Armen mühsames Fortwursteln und ewigwährende Versprechungen.— Wie lange hat nicht die Aera des Kronkenhausbaues gedaliert, daß für die Reichen eher ein Theater, denn für die Armen ein Krankenhaus übrig ist. Ob dasselbe im nächsten Jahre vollständig fertig wird, ist ebenfalls sehr fraglich; sind doch durch die voreilige Kündigung des Vertrages mit dem Lichterfelder Krankenhanse der Kommune ungeheure Mehr- kosten entstanden.— Und steht nicht Schöneberg als'Großstadt mit seinem Arn, en- und Sieche,»Hause weit hinter Krähwinkel zurück? Ist nicht seine Waisen- und Armenpflege über alle Maßen verbesserungsbedürffig? Trotz Einführung des sogen. Elberfelder Systems, das reforinierend wirken sollte, hat man„oben" verstanden, den Einfluß der Arbeiterschaft soviel»vie möglich auszuschalten.— Derselbe Schlendrian zeigt sich bei der Errichtung von BolkS-Badean st alten, trotzdem die Mittel dazu schon seit Jahren im Etat zur Einstellung gelangt find und der Magistrat alle Augenblicke an seine Versprechungen von den Arbeitern erinnert wird. Die Bürgerlichen haben im Stadtparlament schöne Reden dafür, aber keine Tatkraft übrig. Daß die Wahlzeit auf unser Drängen nun gar bis auf 8 Uhr abends verlängert wurde, ist einer großen Anzahl Stadtverordneter längst ein Dorn im Auge. Gewisse Scharfmacher, wir nennen in erster Reihe den Stadtv. Ernst Schneider, der als Kassierer des Haus- und Grundbesitzer-Bereins den Ton angibt, sind gefchästig an der Arbeit, diesen kleinen Fortschritt zurückznrevidieren. Diese Zustände müssen die Arbeiterschaft zur Entfaltung ihrer vollen Kraft antrei z»» entsenden. antreiben, um ihre Vertreter in das Stadtparlament Spalldan. Die Stadtverordneten-Bersanunlung am 26. Oktober beschäftigte sich unter anderem mit zwei Fragen, welche für die Entwickelung Spandaus jedenfalls von weittragender Bedeutung sind. Bekannrlich liegt der Zentralbahnhof auf den» ungünstigen linken Havelufer. Bei den notwendig»verdenden UeberführnngSarbeiten sind nun von der Stadt die größlen Anstrengungen gemacht worden, um den Bahnhof nach der anderen Seite der Havel zu bekommen. DaS ist ihr nicht ge- lungei». Was erreicht wurde ist, daß auf der rechten Seite der Havel, in der Nähe des Anschlußgleises der Militärbahn, ein Vorort- Bahnhof errichtet werden soll, nachdem sich die Stadt bereit erklärt, 700 000 M. zu den Kosten beizutragen. Unsere Genossen waren gegen jede Zahlungsleistung seitens der das Militär- Anschlußgleis etloas entfernt Verkehr hauptsächlich in Frage kominenden so ging das weitere Bestreben der Vorortbahuhof etwas weiter in die Kloster« WW, damals entschieden Stadt. Da nun von der für den Klosterstraße liegt, Stadt dahin, de» straße hineinzubekommen. Es fand zu diesem Zwecke sogar e»ne Audienz bei dem betreffenden Minister statt. Der Erfolg war der, daß von der Stadt noch 286 000 Mark zu den Mehrkosten gefordert wurden. Inzwischen hat nun aber die Heeresverwaltung erklärt, daß sie der Militärbahn keine große Bedeutung mehr beilege und darauf verzichte. Mit dieser veränderten Sachlage haben sich nun- mehr die Verkehrsdeputation und der Magistrat beschäftigt und die Vorlage eingebracht, von dem an die Eisenbahn gerichteten Ersuchen, den Bahnhof näher an die Klosterstraße heranzulegcu, Abstand zu nehmen und denselben da erbaue»» zu lassen, wo ihn die Bahn- Verwaltung bauen lassen lvill, nämlich in der Nähe des Anschluß- gleises. Ferner soll die Militärbahn von der Stadt weiter geführt und später in eine Güter- und Personen- bahn umgewandelt werden. Die Bahn wird allerdmgS eine andere Trace erhalten, an die projektierte Bahn Bötzow— Velten ange- geschlossen und dann in den Vorortbahuhof eingeleitet werden. Zu dieser Verwendung der Bah», durch welche viel städtisches Terrain der Bebauung erschlossen wird, liegt aber der Vorortbahuhof an der Stelle, wo ihn die Bahirverwaltung bauen will, viel günstiger. Der Referent, Stadtverordneter Bender, bemerkte in seinen» Referat noch, daß auch von diesein Bahnhof aus eine Bahnlinie nach Potsdam geführt werden könne. Die Versammlung stimmt den beiden Magistratsvorlagen zu. Der Bau eines neuen Rathauses scheint jetzt auch in Fluß zu kommen. Die Versammlung gab- der betreffenden Deputation den Auftrag, zunächst einen Lagevlan aufzustellen. Es wird danach, wie Genosse Stadtverordneter Pieck beantragte, ein Preisausschreiben stattfinden. Einer Vorlage, die hiesigen Gimeindeschulen siebenstufig zn machen, stnnmt die Versammlung zu. Diese Vorlage ist eine Folge des Eingehens der Bürgerschule und der Einrichtung einer Realschule. Bei der Festsetzung des Lösch- und Ladetarifs beantragt Genosse Stadtv. Schmidt, die Gebühren für die Kähne, welche Lebensmittel feil halten, zu ermäßigen, dainit die Nahrungsmittel nicht noch durch die hohe Anlegegebühr verteuert»verden. Der Antrag fand jedoch keine Berücksichtigimg bei der Mehrheit. Zum Schluß der Versammlung produzierte sich der Stadtv. Bauunternehmer Müller(lib.) als Sozialistentöter. Bei Beratung der Vorlage, Bewilligung von 300 M. für die vom Erdbeben Betroffenen in Italien, erklärte Genosse Stadtv. Schmidt, daß seine Parteifteunde für die Vorlage stimmen»vurden, man möge aber künftig auch der eigenen Landsleute gedenken. Man habe den in den Ausstand getriebenen Bergarbeitern im Ruhr- gebiet dieses soziale Verständnis nicht bewiesen, indem ein von feinen Parteifreunden gestellter Antrag, eine Summe zur Unter- ftützung zu bewilligen, abgelehnt wurde. Stadtverordneter Müller meinte nun, daß die Geschädigten in Italien unverschuldet ins Un- glück geraten seien, während die st r e i k e n d e n Bergarbeiter wohl wußten, was sie taten, das habe man ja auch bei dem letzten Metallarbeiterstreik in Berlin gesehen. Genosse Schmidt erwidert darauf, daß man doch nicht von Streiks reden könne, wenn die Protzen Tausende von Arbeitern auf die Straße trieben. Der Bor- steher verstieg sich nun zu dem weisen Ausspruch, daß die Arbeit- geber doch den Arbeitern erst Arbeit verschafften, sonst hätten diese ja keine Arbeit. Stadtverordneter Müller erging sich dann noch in öden Schimpfereien auf die sozialdemokratischen Führer, die„viel Geld verdienen und nicht arbeiten tvollte»»" und die armen Arbeiter, fiir die er— der Herr Müller— ein so warmes Herz habe, verhetzten und ins Unglück trieben. Die Arbeit- geber hätten von den Arbeitern gelernt. Die Genossen Pieck und Schmidt gaben dem rotwütigen Herrn Bauunternehmer, der n»ehr gearbeitet haben will, als alle«»»deren Menschen, die verdiente Abfertigung._ ahrenkrug, der sich früher auch als ein wütender er aufspielte, hat sein Mandat als Stadtverordneter Stadtv. Sozialistenfre niedergelegt. Rowawes. Dürfen Beschlüsse» die in einer nichtöffentlichen Gemeinde- vertretersiyung gefaßt»verde«, veröffentlicht werden? Diese Frage bildete in der letzten Gemeindevertretersitzung in Nowawcs den Gegenstand ausführlicher Erörterung. Veranlassung hierzu gab eine Notiz in Nr. 247 des„Vorwärts", in welcher mitgeteilt wurde, daß die hiesige Gemeindevertretung in nichtöffentlicher Sitzung den Beschlutz gefaßt habe, den Bauunternehmer Schröder Hierselbst wegen gewisser Vorkommnisse bei der Ausführung des Schulhaus- Anbaues in der Auguststratze für längere Zeit von der Vergebung von Gemeindearbeiten auszuschließen. Diesen Bericht brachte der Gemeindevorsteher in der am Mittwoch stattgefundenen Gemeinde- Vertretersitzung zur Verlesung und bemerkte, daß derselbe nur durch Vermittelung eines sozialdemokratischen Gemeindevertreters in den „Vorwärts" gelangt sein könne, da die bürgerlichen Vertreter keine Beziehungen zu diesen» Organ hätten; ein solches Verhalten eines Gemeindevertreters müsse er als ungehörig bezeichnen. Da dasselbe auch gegen die Geschäftsordnung der Vertretung verstotze, erkläre er, daß er denjenigen, der die Veröffentlichung dieses Berichtes vcranlatzt habe, nicht mehr für würdig halte, der Gemeinde- Vertretung noch länger anzugehören; hoffentlich werde sich der Be- treffende der Vertretung zu erkennen geben, und behalte sich Redner vor, falls er den Namen dieses Vertreters erfahre, gegen denselben weitere Schritte zu unternehmen. Ferner brachte der Gemeindevertreter einen Brief des Bauunternehmers Schröder zur Verlesung, worin derselbe in langen Ausführungen sein Verhalten zu rechtfertigen versuchte und den Gemeindevorstand aufforderte, Recherchen nach der Person deS Berichterstatters anzustellen und ihm denselben namhaft zu»nachen, damit er gegen denselben gericht- lich vorgehen könne. Der Gemeindevorsteher bemerkte unter Zu- stimmung der Vertretung, daß er diesen Wunsch Schröders nicht erfüllen werde. In der Diskussion, in welcher einige bürgerliche Vertreter ihre Zustimmung zu den Ausführungen des Amts- Vorstehers gaben, führten unsere Genossen Wagner und Hähnchen aus, daß der Name des Berichterstatters nicht genannt werden würde, und wandten sich in energischer Weise gegen die AuSführlingen des Gemeindevorstehers. Sie betonten, daß die Veröffentlichung dieses Berichtes einfach im Interesse der Gemeinde gelegen hätte. Die in dem Bericht angeführten Tatsachen, die zu dem genannten Beschlutz geführt haben, wären schon vor der be- treffenden Sitzung im Ort allgemein bekannt gewesen; hätte doch auch Schröder schon während der Untersuchung genau gewutzt, wer die Sache in der Baukommission zuerst zur Sprache gebracht habe. Diese Denunziation könne nur von einem bürgerlichen Vertreter verübt sein, da die Sozialdemokraten darüber strengstes Still- schweigen bewahrt hätten.(Unseres Erachten» sind die Aus- führungcn des Amtsvorstehers, daß die Veröffentlichung genannten Berichts gegen die Geschäftsordnung der Vertretung verstotze. voll- ständig unbegründet. D»e betreffende Geschäftsordnungs-Bestimmung lautet:„Ueber die Verhandlungen in geheimer Sitzung haben die Anwesenden Verschwiegenheit z» beobachten". Nun steht aber in dem Bericht kein Wort von den Ver Hand- l u n g e n. auch ist kein Redner genannt, sondern nur der Beschlutz der Vertretung in dieser Sache und die Tatsachen, die zu dem Be- schlutz geführt haben, und die schon vor der Sitzung im Ort bekannt waren, sind mitgeteilt worden. Auch bürgerliche Blätter haben Beschlüsse, die in nichtöffentlichen Sitzungen gefaßt»vurden, mit- geteilt.)— Nach Erledigung diese? Punktes beschloß die Vertretung, beim Landrat den Antrag auf Pflasterung des Sommerweges in der Lindenstratze. welcher zur KreiS.CHaussee gehört, einzureichen mit dem Anerbieten, daß Nolvawes und Neuendorf je den vierten Teil der Kosten dazu beitragen»vollen, da der Weg bei schlechtem Wetter vollständig unpassierbar ist und schon viele Beschwerden der Einwohnerschaft verursacht hat.— Mit der Wahl einer Zähler- Kommission für die Volkszählung, in die u. a. Genosse Wagner delegiert»vurde, war der öffentliche Teil der Sitzung erledigt. Weißensee. Das Ende einer Komödie. Die letzte Gemeindevertretersitzung verlief wieder äußerst stürmisch. Die Kommission zur Vorbereitung der Gemeindevorsteher-Wahl gab den Bericht ihrer Tätigkeit, woraus sich ergab, daß von 42 Bewerbern laut einstimmigem Beschluß der Stadtrat Dr. Woelck o'« Wahl empfohlen wird. Die Kommission Jjatfe im Einverständnis mit den Gemcindevertretern den Antrag gestellt, am 31. Oktober die Wahl vorzunehmen. Jedoch hatte es das stellvertretende Oberhaupt der Gemeinde vorgezogen, diesem Antrage nicht zu entsprechen. Hierüber war nun die Gesamtheit der Gemeindevertretung so empört, datz sich in der Sitzung S-cncn abspielten,� die dem österreichischen Abaeordnetmhausu alle Ehre machen würden. Der Starrsinn des stellvertretenden Oberhauptes ging so weit, dast er ganz gelassen erklärte:„Die Gemeindevertretung hat vom Gemeindevorsteher nichts zu fordern, sondern höchstens zu „ersuchen". Jetzt war das Fast voll. Ein wirres Durcheinander begann, aus dem schließlich der Antrag hervorging, den Beschluß zu fassen, die Wahl am ti. November vorzunehmen. Sollte das Oberhaupt auch diesen Beschlust nicht ausführen, so wäre der Land- rat zu veranlassen, die Wahl einzuberufen und. auch zu leiten. Um auch hier den nötigen Trotz entgegenzusetzen, sollte auf Antrag des Oberhauptes die Wahl am 7. November stattfinden. Die Gemeinde- Vertretung blieb aber bei ihrer Ansicht. Aus dem Munde des Ober- Hauptes kam die Antwort:„Wenn Sie denken mich zu zwingen, dann versuchen Sie es." Die Geduld der Vertretung war zu Ende, ein Teil der Gemeindevertreter schickte sich an den �Saal zu verlassen. Eine längere Debatte entspann sich nun, ob man unter Leitung des besoldeten Schöffen Dr. Pape nocb weiter tagen wolle. Im Interesse der noch vorliegenden Gegenstände der Tagesordnung wurde aber doch weiter verhandelt. Wie kleinlich das Oberhaupt sich zeigt. Ivurde durch die Beschwerde einiger Mitglieder bewiesen, deren Einladung zu einer Sitzung mit den Worten„Euer Hochwohlgeborcn" begann. Diese wohl zu große Ehre wurde vom Vorsteher dahin korrigiert, daß das Wort„Hoch" im Schema gestrichen wurde. Auch midere Handlungen des stellvertretenden Oberhauptes fanden eine Kritik, die er keineswegs hinter den Spiegel stecken wird. Delegierte der Ortskrnnkcnknssc. Am Montag, den 30. Oktober. abends 6V2 Uhr, findet im Prälaten, Lehderstraste 122,. eine Vor- besprechung der neu gewählten Arbeitnchmer-Delegierten zur hiesigen Ortskrankenkasse statt, zu welcher hiermit eingeladen wird. Nur Delegierte haben Zutritt. Potsdam. Stadtverordnetenwahlc» in Potsdam. Wie der Magistrat bc- kennt macht, scheidet mit Ablauf dieses Jahres in regelmäßigem Wechsel ein Drittel<20) der Mitglieder der Stadtvcrordneten-Ver- sammluug ans. Mit den hiernach erforderlichen Ergänzuugs- Iv a h l e n werden die Ersatzwahlen für zwei anderweit aus- geschiedene Mitglieder verbunden, so daß im ganzen 22 Stadtverordnete zu wählen sind. Die I. Abteilung hat sechs E r g ä u z u» g s w a h l e n und eine Ersatzwahl(für den zum unbesoldeten Stadtrat ge- wählten Apotheker Meinhard!) vorzunehmen. Die II. Abteilung wird acht E r g ä u z u n g s w a h l e n (je vier im 1. und 2. Wahlbezirk) und ebenfalls eine Ersatz- wähl vornehmen, da Herr Optiker Wolters auch zum unbesoldeten Stadtrat gewählt ist. Die III. Abteilung hat nur- E r g ä n z u n g s lv a h l e n zu erledigen, und zwar drei im 1. Wahlbezirk für die Herren: Kaufinaun F r 0 e l i ch, Rentner E. G ö r ni s. Kaufmann W e r d e r vi a n im und drei im 2. Wahlbezirk für die Herren: Hofnialermeister Max Andre, Tischlermeister I. Brandt, Restaurateur H. N i e d t. Unter den zu wählenden Stadtverordneten für die I. und II. Ab- tcilung sind keine Hausbesitzer erforderlich 1 nur für die III. Ab- teilung muß wenigstens einer Hausbesitzer sein. Die Wahltage sind in der folgenden Reihe festgesetzt für die III. Abteilung am 20. und 21. November; II. Abteilung am 23. November; I. Abteilung am 23. November. Jedem Wahl- berechtigten wird rechtzeitig vor den Wahlterminen eine L e g i t i- in a t i 0 n s k a r t e zugestellt werden. Das weitere werden wir später veröffentlichen. Und nun an die Wahlarbeit I Es gilt für uns, alle Kräfte an- zuspauuen, um die in den letzten Wahlen vergeblich versuchte Hinein- bruigung eines sozialistischen Vertreters in die Stadtverordneten- Versammlung aufs neue anzustreben. Darum hinein in den Kamps I Es ist eine dringende Notwendigkeit für die Potsdamer Arbeiterschaft, auch im Stadtparlament endlich vertreten zu sein. Die letzten Er- ciguisse in der städtischen Verwaltung haben gezeigt, was die er- wcrbstätige Bevölkerung von den„erblichen" Stadtvätern, die sich ihre Mandatsbefähigung„ersessen" haben, zu erwarten hat: nichts Gutes. Das hat selbst der(liberale) Stadtverordnete Justizrat Dr. Friedländer in einer kürzlich abgehaltenen öffentlichen Versammlung ausgeführt, der den Wählern den Rat gab, dafür zu sorgen, daß ein anderer Geist in den Nathaussaal einziehe. „W ählen Sie die rechten Männerl"... Nun> wir werden ja sehen, wieweit der gute Rat von den Gesinnungsgenossen des Herrn Friedländer befolgt'werden wird— für die Kandidaten der(konservativen)„Bürgervereine"?... Wilmersdorf. Die Partcispcdition befindet sich seit dem 1. Oktober Verliucrstr. 46, Laden. Spediteur ist Genosse F e e s e. Die Genossen werden ersucht, die Spedition in jeder Weise zu fördern und eine rege Agitation für die Verbreitung des„Vorwärts" zu betreiben. Treptotv-Banmschulcttwcg. Ueber die politische Lage referierte Genosse Molkenbuhr in einer gutbesuchten öffentlichen Versammlung, die am 24. Oktober in Speers Festsälen stattfand. Der Referent besprach die Politik Bismarcks in den 70er Jahren und ging dann eingehend auf die Rcgierungspolitik Deutschlands gegen Rußland, England, Amerika, Japan und Ehina ein. Die augenblicklich gespannten politischen Verhältnisse könnte man auf friedlichem Wege regeln, aber es scheint eine förmliche Sucht zu herrschen, solche Differenzen zu schaffen, das nennt man dann Diplomatie! Der Redner besprach des weiteren die Ursachen der Fleischnot und ihre Wirkungen. Wenn man die politische Lage richtig erkennen will, mutz man die Ursachen er- forschen. Die wirtschaftlichen Zustände bilden die Grundlage zum politischen Oberbau. Redner erläutert kurz den Gang der öko- nomischen EntWickelung und sagt: Die ganze Welt ist ein einziges Wirtschaftsgetriebc. Heute kann kein Staat ohne den anderen existieren. Den Verbrauch von Lebensmitteln können wir selbst nicht decken. Aber auch unsere Industrie ist auf den Bezug der Rohprodukte angewiesen. Durch die Kartelle, Syndikate usw. werden die Millionäre geschaffen, die das Geld durch die hohen Zölle und aus den Arbeitern in allen möglichen Formen pressen. Die Arbeiter haben dann den Kampf gegen das gesamte Kraut- und Schlotjunker- tum zu führen. Wenn eine erhöhte Ausbeutungspolitik eingeleitet wird, gehen derselben immer Arbeiterknebelungen voraus. So einst Bismarck mit dem Sozialistengesetz, jetzt das Zuchthausgesetz, das durch die Macht der organisierten Arbeiterklasse gefallen ist. Es geht aber auch ohne Gesetz, auf anderen Wegen. Da man daS Koalitionsrecht der Arbeiterklasse nicht hat nehmen können, will man die Koalition durch große Aussperrungen verhindern, d. h. die Organisationen lahmlegen. Auf das morsche und verfaulte Ruß- land übergehend, kennzeichnete er kurz die„würdige" Haltung Deutschlands, das neben anderen Hausknechtsdiensten dem „zahlungsfähigsten" Lande— wie Bülow sagt— Kredit vermittelt, damit es die Revolution ersticke. Nach kurzer Zurückweisung der törichten Behauptung, daß durch den Sieg der Japaner wir eine sogenannte„gelbe Gefahr zu befürchten haben, schloß der Referent seine lehrreichen Ausführungen, die mit reichem Beifall auf- genommen wurden. In der Diskussion wies Genosse Karow auf die Notwendigkeit der politischen und gewerkschaftlichen Organisation und der Zu- gehörigkcit der Frauen zum Fraucn-Vildungsoerein hin. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme:„Die heute in Speers Festsälen tagende öffentliche Versammlung erklärt sich mit den trefflichen Ausführungen des Genossen Molkenbuhr voll und ganz einverstanden. Sie verspricht, mit allen Kräften die Agitation für den Wahlverein und den Fraucn-Bildungsverein zu betreiben." Der Bericht der weiblichen Vertrauensperson Genossin M e w e s wies auf eine rege Tätigkeit der Frauen hin. Die Abrechnung er- gab eine Einnahme von 107,30 M., eine Ausgabe von 19 M., so daß ein Ueberschutz von 98,30 M. verbleibt, der an die weibliche Kreis- Vertrauensperson abgeliefert worden ist. Als Vcrtrauensperson für die Frauen wurde Frau M e w e s wiedergewählt. Nach einem kurzen Schlußwort des Vorsitzenden Genossen G r a m e n z wurde die Versammlung geschlossen. Ober- Schöneweide. Eine Strasiciibahngescllschaft, die in jetziger Jahreszeit des Morgens bei 4 Grad Kälte ihre Fahrgäste in offenen S 0 m m e r w a g e n befördert, dürfte wohl nicht zu den alltäg- lichen Erscheinungen gehören. Die hiesige Linie der Berliner Untergrundbahn-Gesellschaft befördert teilweise in dieser Art Arbeiter an ihre Arbeitsstätte, und zwar von Köpenick nach dem hiesigen Kabelwerk. Es wäre einmal Sache der B e- t e i l i g t e u, der Direktion begreiflich zw machen, daß auch der Arbeiter für sein Geld Anspruch auf eine anständige Beförderung habe.— Eine weitere Rücksichtslosigkeit dieser Gesellschaft ist es, daß jetzt— entgegen früherem Brauche— in die Gütergleiskreuzungen der Edison- und Wilhclmincnhofstraße keine Ein- lagen mehr gelegt werden. Das ist nachgerade zu einer Kalamität für Fuhrwerk und Rad- fahrer geworden. Nachdem vor einiger Zeit dadurch ein Radfahrer verunglückte und fast täglich bei Fuhrwerken Räder brechen, passierte am Donnerstag an dieser Stelle ein Unfall, der leicht böse Folgen hätte haben können. Ein Gefährt der Schmalzsiederei Sorge aus Nirdorf geriet in voller Fahrt mit den Rädern in die Schienen und wurde dadurch umgeworfen. Die beiden auf dem Kuischcrbock befindlichen Personen stürzten aufs Pflaster. Einer der Kutscher mußte sich in ärztliche Behandlung geben. Das Ge- fährt, sowie ein Teil der Ladung wurde total ruiniert.— Wo ist hier die Polizei, die bei der Aussperrung so vorzüglich auf dem Posten war? Köpenick. Die Lohnbewegung der Friscurgchülfcn von Köpenick und Um- gcgcnd ist nunmehr beendet, jedoch wird der Ltlcinkrieg fortgesetzt. Als Auslveis für die organisierten Arbeiter sind die Gehiilfen, welche zu den neuen Bedingungen arbeiten, im Besitze einer weiß- grünen Kontrollkarte. Dieselbe ist nur dann gültig, ivenu die laufende Woche gestempelt ist. Die Arbeiterschaft wird ersucht, bei Jnanspruch- nähme von Barbieren hierauf zu achten. Alle anderen Bekannt- machungen, die nicht von der Organisation herrühren, sind ungültig. Hoch die Solidarität! Die Lohnkommission der Friseurgehülfen von Köpenick und Umgegend. Ter Wahlvercin hielt am 24. Oktober die Generalversammlung im GesellschaftshanS des Genossen Karl Seidel ab. Bevor in die Tagesordnung eingetreten wurde, ehrte die Versammlung das An- denken des verstorbenen Genossen Otto Schlag durch Erhoben von den Sitzen. Dann berichtete der Vorsitzende über die Tätigkeit des Vorstandes. Es wurden im Laufe des Jahres 10 Vereinsversamm- lungen, 22 Vorstandsfitzungen, 2 Schiedsgerichtssitzungen, 2 Agitations- touren und eine Sitzung mit den Gesangvereinsvorständen abgehalten. Die Mitgliederzahl ist von 500 auf 614 gestiegen. Dann erstattete der Kassierer Kuhring den Jahresbericht. Die Gesamt- einnähme ist 3433,93 M., die Ausgabe 3163,66 M.; davon erhielt der Zentralvorstand 2491,83 M., bleibt ein Kassenbestand von 270,37 M. Genosse Woigt berichtete über die Zeitnngsspeditioii. Die Aboimeittenzahl ist von 620 auf 780 gestiegen, der Gesamtumsatz betrug 10 029,43 M., bleibt ein Ueberschuß von 1330 M. Zum§ 5 des Statuts des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend wurde der Antrag angenommen, daß hundert Mitglieder nur einen Genossen zur Generalversammlung delegieren können. Sonst erklärte sich die Versammlung mit dem Statut ein- verstanden. Zur Kreisgeneralversammlung wurden die Genossen Woigt, Lietsche und Joch gewählt. Die Neuwahl des Gesamtvor- standes findet im Januar statt. Friedenau. Mit einem Lied in den Tod. Der Barbiergehülfe Krumm ey aus derKirchstr. 13 in Friedenau versuchte Freitag vormittag, von seiner Braut Geld zu erhalten. Als diese ihm seine Bitte abschlug, begab er sich nachmittags in ein Restaurant in der Handjerystr. 60/61 zu Friedenau. Dort unternahm er einen Selbstmordversuch mit Lysol. Nachdem er das Gift getrunken halte, sang er in fröhlicher Laune „Was nützet mir ein schönes Mädchen". Der Lebensmüde wurde nach dem Kreiskrankenhause in Groß-Lichterfelde gebracht, wo er in fast hoffnungslosem Zustande daniederliegt. Rummelsburg- Boxhagen. Diejenigen Genossen, welche noch im Besitz von Sammellisten für die ausgesperrten Arbeiter und Arbeiterinnen in der Elektro- Industrie siiid, weiven dringend ersucht, dieselben heute, Sonntag, vormittags von 1»-12 oder 2—4 Uhr nachmittags in meiner Wohnung abzurechnen. S ä m t l i ch e L i st e n, auch leere, sind unverzüglich zurückzuliefern. Das Gewerkschaftskartell. I. A.: Karl Brüschke, Neue Bahnhosstr. 32, II. Eine Polizeivcrordnung für Carbid-Erzeugungsanstalten hat der Regierungspräsident zu Potsdam für die Berliner Vor- orte erlassen. Nachdem zahlreiche Acetylcn- und Carbidanstalten infolge der scharfen Vorschriften in den Stadtbezirken Berlin, Char- lottenburg, Schöneberg und Ripdorf ihre Fabrikräume nach den Ber- liner Vororten verlegten, wurde die Feuersgefahr dort bedeutend größer. Da die Vororte nun aber mif dem Gebiete des Fcucrlösch- Wesens nicht annähernd so gut organisiert sind als Berlin, hat der Regierungspräsident Vorschriften für die bezeichneten Fabriken er- lassen, welche teilweise schärfer als die für Berlin bestehenden sind. Serlmer I�ackrickten. Lebensgefahr auf dem Nordring. Die Ucberfüllung der Eisenbahnwagen in den Vorort- zügen an den Sonntagen der Sommermonate ist schon häufig in der Presse kritisiert worden, ohne daß indes die Eisenbahn- Verwaltung Abhülfe geschaffen hätte. Aber dieNordring- z ü g e sind in den Atorgen- und Abendstunden von Arbeitern, die ihre Arbeitsstätten aufsuchen od�r aus diesen kommen, derart überfüllt, daß es geradezu als ein Wunder zu be- trachten ist, daß ernstliche Unfälle noch nicht geschehen sind. Es ist schon oft beobachtet worden, daß in einem Wagen, der laut angebrachter Aufschrift 42 Personen aufnehmen soll, 100 Personen eingepfercht wurden. Es liegt aber die stiefahr vor, daß außer den gesundheitschädlichen Wirkungen dieser Einpfcrchung in die mit Tabaksqualm gefüllten Waggons, auch durch Ueberlastung derselben schlimmste Unfälle eintreten können. Schon oft haben wir uns gewundert, daß die Arbeiter, die doch so schon genug geplagt werden, sich diese menschen- unwürdige Behandlung so lange gefallen lassen. Wir raten Herrn Budde, sich einmal früh aus den Federn zu machen und an einem solchen Arbeitertransport auf der Strecke Westend— Gcsundbnmnen teilzunehmen. Wir glauben, er sehnt sich ei» zweites Mal nicht wieder danach. Aber auch auf den Zugängen zu den Bahnsteigen herrscht auf einzelnen Stationen des Nordringcs ein geradezu lebensgefährliches Gedränge. So ist z. B. auf der Station Beufselstraße der Andrang zu den Morgenzügen häufig so groß, daß 20 Minuten dazu gehören, um die von der Straße nach dem Bahnsteige führende, 32 Stufen zählende Treppe zu passieren. Am Freitag früh war dort der Andrang wieder ganz besonders stark. Bon unten drängten die mit den Zügen an- gekommenen Arbeiter die Treppe hinauf. Sie wurden von den von oben kommenden Fahrgästen, welche die Züge benutzen wollten, zurückgedrängt. Ist doch die Versäumung des Zuges für die in Fabriken beschäftigten Arbeiter oft gleichbedeutend niit dem Verlust eines halben Arbeitstages oder mit der Ver- Wirkung einer Geldstrafe für das Zuspätkommen, da die Fabriken in der Regel pünktlich nach Beginn der Arbeitszeit geschlossen werden. Das Hin- und Hergeschiebe war am Freitag schlimm, so daß die Bude am Eingange des Bahnsteiges, in der die mit dem Durchlochen der Fahrkarten beschäftigten Schaffner sich auf- hielten, im Gedränge vollständig demoliert wurde, wodurch außer dem Publikum auch die Schaffner in Lebensgefahr gerieten. Am Nachmittag mußte die vollständig auseinandergerissene Schaffnerbude fortgeschafft werden; sie ist seitdem durch eine sogenannte Schaffnerwanne ersetzt worden. Dieser Vorfall sollte endlich die Bahnverwaltung ver- anlassen, die geschilderten Mißstände, welche ein eigentümliches Licht auf unsere großstädtischen Verkehrsverhältnisse Wersen, schleunigst zu beseitigen. Viel würde dazu beitragen, wenn der Treppenaufgang in der Mitte durch eine Barriere oder ein Geländer geteilt tvürde, damit das zum Bahnsteig gehende Publikum von den den Bahnsteig verlassenden Fahrgüsten gesondert seinen Weg nimmt. Auch das zeitraubende Durchkochen der Arbeiter-Wochen- karten, welche von den Arbeitern meistens benutzt werden, trägt viel zur Anstauung der Massen bei. Wir meinen, daß sich Einrichtungen treffen ließen, welche das Durchlochen dieser Wochenkarten unnötig machen, da ja auch die Monatskarten nicht erst durchlocht, sondern einfach nur vorgezeigt zu werden brauchen,— Am zweckmäßigsten freilich wäre es, wenn noch ein zweiter Ausgang geschaffen werden könnte. So wie jetzt kann es nicht weiter gehen. Der Eisenbahnverkehr nach Rußland ist nunmehr, nach emer Bekanntmachung der Eisenbahndirektion Berlin, seit gestern, Sonn- abendnachmittag gänzlich unterbunden, da auch die Sttecke übei G r a j e>v 0 gesperrt ist. Es können daher Gütersendungen auch in dieser Richtung nicht mehr angenommen werden, zur Verladung gegebene Güter werden den Versendern zur Verfügung gestellt Wegen drohender Ueberfüllung der BahnhofSschuppen in Eydt» kühnen und P r 0 st k e n werden Güter, die über diese Stattonen für Rußland bestimmt sind, nicht angenommen und rollende Güter den Versendern ebenfalls zur Verfügung gestellt. Nachweis freier Krankenbetten. Von einem Arzt wird uns ge- schrieben: Vor einiger Zeit wurde gemeldet, daß die städttschen Be- Hörden zu Beginn des nächsten Jahres im Rathause eine Nachweis- stelle für freie Betten in Krankenhäusern einzurichten gedächten, bei welcher eventuell auch Krankentransportwagen bestellt werden könnten. Die vor jetzt acht Jahren auf Anregung und unter Vorsitz des Prof. E. v. Bergmann begründete RettungSgesellschaft, deren in der Ziegelstraße im Langenbcckhause belegene Zenttale den Nachweis freier Betten in den Krankenhäusern als eine ihrer weitgehenden Aufgaben betrachtet, hat nach dem übereinstimmenden litteil der Sachkenner besonders diese Aufgabe in mustergülttger Weise erfüllt. Da die Zentrale mit sämtlichen Kranken- Häusern nicht nur Berlins, sondern auch der Nachbargenieinden, ferner mit den in allen Teilen der Stadt verteilten neun Rettungswachen, mit dem Polizeipräsidium und noch anderen Stellen durch direkte Telcphondrähte verbunden ist, so ist sie in der Lage, ihren Zwecken vollauf zu genügen. Allein im Jahre 1904 wurde die Zentrale in 47 316 Fällen in Anspruch genommen. Da auf allen Rettungswachen Aerzte und Heilgehiilfen ständig anwesend sind, so ist es möglich, bei größeren Unglücksfällen durch einen einzigen Anruf Aerzte und Hilfs- personal in genügender Anzahl und schnellstens an die Unfall- stelle zu schaffen. Ganz besonders aber sind die über das ganze Gebiet von Groß-Berlin und namentlich auch in' der von der minderbemittelten Bevölkerung bewohnten Peripherie verteilten zahlreichen Rettungsstationen der RettungSgesellschaft, der Unfallstationcii vom Roten Kreuz und der Sanitäts- wachen als Wachfftationen bei einem Einsall von Epidemien zu dienen berufen. Bei drohender Cholera zum Beispiel werden die auf den Stationen befindlichen Aerzte die Erkrankten, bei denen sie die Erkrankung festgestellt haben, mit Hülfe der Zenttale, welche das Hospital von dem Eintreffen des Kranken vorher benachrichtigt, un- verzüglich in das Krankenhaus schaffen, der Krankheit Verdächtige sofort an die vorgeschriebenen Stellen zur Bewachung überweisen. so daß sich die Stationen als treffliche Vorposten im Kampfe gegen mörderische Seuchen bewähren können. Solche Erfolge lassen sich nur durch die ständige Hülfsbereitschast von Aerzten erzielen, und hieraus geht schon hervor, wie durchaus notwendig die Verbindung der Zentrale mit den Rettungsstationen ist. Es ist also nur zu wünschen, daß die städtischen Behörden, welche das Rcttungswcsen bisher nicht ausreichender versorgt haben, jetzt ganze Arbeit schaffen und die Einrichtungen, welche von privater Seite in nicht genug anzuerkennender Weise ins Leben gerufen und erhalten worden sind, in eigene Verwaltung übernehmen. Dann kann und wird in sozialer und hygienischer Beziehung etwas wirklich Nutzbringendes und der Großstadt Würdiges geschaffen werden. Die Zentrale der Rettungsgesellschaft, die verschiedenen Rettungsstationen, das vom Verband für erste Hülfe erst jüngst und unter Ueberwindung un- endlicher Schwierigkeiten geschaffene Kraiikenttansportlvesen, der in der Zentrale der Rettungsgesellschaft befindliche Krankenpflege- Nachweis, alles das gehört in das Gebiet städtischer Fürsorge. Die geplante Nachweisstelle im Nathause könnte nur beschränkten Wert haben und dadurch bisher bewährte Einrichtungen schädigen. Tie geplante Neuordnung des Jnkassowcscns der Gcrichtskassen, worüber wir bereits ausführlich berichtet Habens bedeutet eine wesentliche Verschlechterung des Einziehungsversahrens und wird besonders von dem Publikum unangenehm empfunden werden. Vom 1. April nächsten Jahres ab werden die Gerichtskostenrechnungen dem Zahlungspflichtigen per Post zugeschickt, mit der Auffordermig, die Zahlung innerhalb acht Tagen an der Gerichtskasse vorzunehmen. Wird die Zahlungsfrist nicht innegehalten, so wird die Rechnung dem Vollstreckungsbeamten zur Einziehung übergeben und die Voll- streckungskosten ohne weiteres auf die Rechnung aufgeschlagen. Tie Fabrplaiiverschlcchtcrung im Hochbahnbetriebe macht sich besonders unangenehm bei Verkehrsstörungen bemerkbar, wie sie bei der Hochbahn in letzterer Zeit öfter vorgekommen sind. Tic Ein- schränkung der direkten Züge Knie— Hallesches Tor und die Ilm- leitung derselben nach dem Potsdamer Bahnhof hat zur Folge, daß bei Betriebsstörungen auf einer Stelle sowohl der Gesamtverkchr der Hochbahn in der Richtung Potsdamer Bahnhof als auch in der Richtung Hallesches Tor unterbrochen wird. Es wird dies von den Fahrgästen der Hochbahn nm so unangenehmer empfunden, als durch die Beseitigung der direkten Züge die Fahrzeit für die Strecke Bülolvstraße— Hallesches Tor mehr als verdoppelt wird. Aus Eifersucht hat gestern. Sonnabend, vormittag die 23 Jahre alte Kellnerfrau Anna Putz geb. Habranwe aus der Oraniensiraße Nr. 32 ihr Kind und sich selbst vergiftet. Ihr ZVjohriger Mann, der sie vor drei Jahren heiratete, kam in der letzten Zeit wiederholt-vag amd Nacht nicht nach Hanie. Vorgestern klagte die Frau einer Hausgenossi», daß er eine Verkäuferin eines Papicrgclchafts in der Markgrafenstraße eingemietet habe und bei'dieser seine freie Zeit verbringe. Gestern vormittag schob sie einer Nachbarin einen Brief durch die Tür, in dem sie ihr mitteilte, daß ihr Mann wieder nicht nach Hause gekommen sei, Sie halte es nun nicht länger aus und wolle mit ihrem Kinde sterben. Die Nachbarin klopfte bei ihr an, um ihr den schrecklichen Gedanken auszureden. Die Frau hatte aber bereits ihrem einzigen Kinde, einer zwei Jahre alten Tochter Käthe Lysol eingegeben und auch selbst von der ätzenden Flüssigkeit getrunken. Sie öffnete, schlug aber die Tür sofort wieder zu und legte sich in weißer Kleidung mit dem Kind im Arm auf das Bett, Als man öffnete, hatten Mutter und Kind bereits die Besinnung verloren. Sie wurden nach Bethanien gebracht, wo sie gester» abend noch nicht wieder zu sich gekommen waren. An dem Auf- kommen beider wird gezweifelt. Putz war auch bis gestern abend noch nicht nach Hause gekommen. Eine traurige Ehe. In den Flitterwochen war der 34 Jahre alte Mechaniker Heinrich Strauch aus der Arndtstraße 24 Wahn- sinnig geworden. Strauch hatte flott gelebt. Seine Nerven waren zerrüttet, als er sich vor einem halben Jahre verheiratete, Schon in den Flitterwochen kam der Wahnsinn zum Ausbruch, so daß die junge Frau ihren Mann nach Pankow in eine Heilanstalt bringen mußte. Tort blieb er bis vor einer Woche. Tann wurde er auf Wunsch seiner Frau ans einen Monat beurlaubt. Kaum im Freien, streckte er die Frau, die ihn abholte, vor der Tür der Anstalt durch einen Stoß ins Genick nieder, lief davon und war seitdem ver- schwunden. Am 13, d, M, wurde am Schifsbauerdamm die Leiche eines Mannes aus der Spree gelandet, der keinerlei Ausweispapiere bei sich hatte. Niemand kannte ihn. Erst gestern gelang es mit Hülfe seiner Kleidungsstücke ihn als den vermißten Strauch fest- zustellen. Mänteldiebstähle in den Gemeindcschulcn. Zu großen Be- denken gibt das Treiben einer neuen Diebesspezialistin Anlaß, die sich als Arbeitsfeld die städtischen Gemeindeschulen ausgesucht hat, Sie stiehlt dort auf den Fluren die Wintermäntel der kleinen Schüler und Schülerinnen, und da der Schuldiener an allen Stellen nicht zugleich sein kann, ist es der raffinierten Frauensperson bisher auch stets gelungen, ihr Tiebeshandwerk ungehindert auszuführen. Die Polizei als auch die Schulverwaltung sind hier so gut wie machtlos, und nur die Schuldeputationcn sind in der Lage, darauf hinzuwirken, daß die Mäntel der Kleinen unter sicherem Verschluß aufbewahrt werden. Allein auf diese Weise ist es möglich, diesem großen Uebel- stand abzuhelfen. Natürlich ist die Polizei bemüht, die gefährliche Tiebin dingfest zu machen. DaS Luiscn-Thcater kam am Freitag mit einer wirklichen Novität, Es hatte sich in dem freundlichen Hause ein Kranz von guten Be- kannten eingefunden, die den besten Gesellschaftsklassen angehören. In ihrer Mitte saß eine Dame, die als Verfasserin des nenauf- geführten Schauspiels„Simson" bezeichnet wurde, aber mit echt weiblichem Schicklichkeitsgefühl die Urheberschaft für die Premiere einen fingierten Herrn M. Friedrich Arndts übertragen hatte, Das Stück schilderte Leben und Taten des jüdischen National- Helden, die ja jedem Bibelkundigen bekannt sind, in archaistischer Redeweise durch acht zum Glück nicht sehr lange Akte hindurch. Das floß gemächlich dahin wie die Wässer des Baches Kidron; und wenn der Vorhang über die recht hübschen Dekorations- effekte niederging, quittierte die Verfasserin von ihrer Loge aus mit freundlichem Gruße über den ihr gespendeten Beifall. Das alles hätte sich aber auch ganz gut in einer größeren Privatwohnung er- ledigen lassen, ohne daß die Oeffentlichkeit bemüht worden wäre, Die Künstler des Luisen-Theaters, die in Lustspiel und Posse so nett ihre Pflicht tun, waren in diesem Fall den Prinzipien der Liebhaber- bühne nahcgerückt. Arbeiter-BildungSschule. Sonntag, den 5. November, abends 7 Uhr, Vortrag des Dozenten für Musikgeschichte an der Hum- boldt-Akademie Dr. Leopold H i r s ch b e r g über„Das deutsche Volkslied" mit pianistischen und gesanglichen Erläuterungen, im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15. Pünktliches Erscheinen ist geboten, damit Störungen vermieden werden. Serickts-Leitung. Ein schwerer Bauunfall, bei welcher ein blühendes Menschenleben vernichtet wurde, bildete gestern den Gegenstand einer Verhandlung vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I, Wegen fahrlässiger Tötung war der Zimmermann Gustav P a r h e angeklagt.— Ain 7. Juli d, I. waren mehrere Arbeiter damit beschäftigt, auf dem Neubau des Hauses Oudenarderstr. 40 einen schweren Balken nach dem vierten Stockwerk emporzuziehcn. Dies geschah mit Hülfe einer von zwei Arbeiter» gedrehten Winde. Als der einige Zentner schwere Balken in Höhe des ersten Stockwerks sich befand, ertönte plötzlich ein furchtbares Krachen, dem ein gellender Schrei folgte, Der Balken war mit lautem Getöse loieder zur Erde gestürzt und hatte hier den Polier Seibold getroffen, der bewußtlos zu Boden gestürzt war. Der Schwerverletzte wurde sofort in ein Kranken- haus geschafft. Hier konstatierte man eine vollständige Lähmung, die durchweinen Bruch der Wirbelsäule verursacht war. An den weiteren Folgen dieser Verletzung ist Seibold, wie der.als Sach- verständiger geladene Professor Dr. Straßniann vor Gericht bekundete, am 17. August verstorben,— Die weiteren Ermittelungen ergaben, daß der Unfall dadurch verursacht worden war, daß die Arbeiter, welche an der Winde beschäftigt gewesen waren, eine sogenannte Sperrklinke, die am einem Zahnrade befestigt war, ausgeschaltet hatten,„weil diese zuviel Lärm verübe", Dies war mit Genehmigung des hierfür verantwortlichen An- geklagten geschehen. Dieser bestritt indessen jede Schuld, Nachdem bereits zwei Termine in dieser Sache stattgefunden hatten, wurde gestern die in Frage kommende mehrere Zentner schwere Winde von zwei Arbeitern in den Sitzungssaal geschafft und dem Gerichtshofe vorgeführt. Nach eingehender Beweisaufnahme erachtete das Gericht den Angeklagten einer Fahrlässigkeit für überführt und erkannte dem Antrage des Staatsanwalts gemäß auf nur drei Tage Ge- f ä n g n i s, da auch ein fahrlässiges Verhalten anderer Personen in Frage komme, Ein mißglücktes Erprcffimgsmanövcr führte gestern die Kutscher Wahlert und Strauß unter der Anklage der Unterschlagung und der versuchten Erpressung vor die achte Strafkammer des Land- gerichts l. Die beiden schon mehrfach vorbestraften Angeklagten ivaren bei einer großen Speditionsfirma am Anhalter Bahnhofe als Kutscher angestellt. Es bestand längere Zeit der Verdacht, daß beide Unterschlagungen von ihnen anvertrauten KolliS begingen, doch war es nicht möglich, ihnen etwas nachzuweisen Eines Tages entwendeten die beiden Angeklagten zwei Säcke. die nach ihrem Aussehen und Gewicht an- scheinend mit ganz etwas Besonderem gefüllt sein mußten. Als die Diebe später den Inhalt der Säcke genauer unler- suchten, erlebten sie eine große Enttäuschung, denn diese enthielten nur M alz, welches aus Bayern gekommen war, und für das die Angeklagten keinerlei Verwendung hatten. Um trotzdem hieraus Kapital zu schlagen, ersann Wahlert einen ebenso raffinierten als niederträchtigen Plan, Sie baten einen in der Möckernstraße wohn- haften Schankwirt W,. ihnen die beiden Säcke bis zum Nachmittag. wo sie abgeholt würden, aufzubewahren. Der Schankivirt ging ruhig darauf ein, da er die Angeklagten auf einem Wagen mit dem vollen Namen der Speditionsfirma heranfahren sah. Um so erstaunter war er, als er am nächsten Tage einen Brief erhielt, in welchem ihm mitgeteilt wurde, daß der Briefschreiber erfahren habe, daß bei W, gestohlenes Gut lagere, Gegen Zahlung von 50 M. könne er eine anonyme Anzeige wegen Hehlerei abwenden.— Dieser Brief rührte, loie der gerichtliche Schreibsachvcrständige Kanzleirat Allrichter nachwies, von dem An- geklagten Wohlert her, Staatsanivalt Dr, M a n k i e w i c z hielt mit Rücksicht auf die äußerst frivole Handlungsweise der Angeklagten empfindliche Strafen für angebracht und beantragt« gegen Wohlert zwei Jahre Zuchthaus und gegen Strauß ein Jahr Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte diesem Antrage gemäß, zugleich wu' x'eide An"" e sofo-'t verhaftet. Schadenersatzanspruch gegen eine» Tnriilehrer infolge Unfalles beim Turnen. Im Schulhofe zu Naueudors wurden unter Leitung des Turn- lehrers S. Turnübungen ausgeführt. Bei einer Sprungübung kam der Schulknabe E. zu Fall, indem er beim Aufspringen auf den ge- pflasterten Schulhof ausglitt, und dabei breitbeinig zu stehen kam. E, behauptet, sich hierbei das Hüftgelenk verletzt zu haben, infolgedessen dann eine gefährliche Eiterung eingetreten ist, die ihn dauernd zun, Krüppel machte, durch Ver- kürzuug des linken Beines, Für den entstandenen Schaden suchte E, den Lehrer haftbar zu machen. Und zwar wirft er ihm vor, das Turnen mit nicht genügender Sorgfalt überwacht zu haben, besonders hätte er darauf sehen müssen, daß die Niedersprungstelle durch Streuen von Lohe oder Legen von Matten elastisch gemacht wurde. Demgegenüber wendet der beklagte Turnlehrer ein, daß ihm keinerlei Verschulden zur Last falle. Einmal sei die Gemeinde Naun- dorf für die Instandhaltung des Turnhofes verantwortlich und dann habe sich Kläger auch durch eigenes Verschulden das Leiden leine Hiiftgelenkentziindung, die durch Quacksalbereien zur Eiterung getrieben worden ist) zur Schädigung seines Körpers gemacht, Uebrigens hätte der Unfall auch bei elastischem Niedersprungboden passieren können. Ein ärztlicher Sachverständiger ist der Ansicht, daß Erschiitwrnngen, wie der Knabe sie erlitten hat, zu solchen Er- krankungen führen können, und daß bei einer elastischen Nieder- sprungstelle die Wahrscheinlichkeit besteht, daß eine solche Erschütterung nicht eintritt. Landgericht Merseburg und Oberlandesgericht Naumburg erkannten auf Abweisung des Klägers, indem sie den Lehrer als schuldlos an dem Unfall ansahen. Auf die vom Kläger beim Reichsgericht eingelegte Revision wurde das Vorderurteil aufgehoben und die Sache zur anderweitigen Entscheidung an das Oberlandesgericht zurückverwiesen. Vermischtes. Auf der Landstraße, die von Uelzen nach Lüneburg führt, wanderten am Abend des 26. Juni mit einander zwei junge Hand- Werksburschen durch die einsame Heide, Es war eine schöne, milde Sonnnernacht und der Vorschlag des älteren der beiden Wanderer, bei„Mutter Grün" den Anbruch des Morgens zu erwarten, fand bei dem jüngeren Zustimmung, Wilhelm Siebeck, so hieß der letztere, war erst vor kurzem aus seiner Heimat Thüringen, wo er die Schlosserei erlernt hatte, in die Fremde gegangen. Bei Gardelegen hatte er seinen Gefährten, der sich Max Werner nannte, kennen gelernt und bald waren sie übereingekommen, zu- sammen gen Hamburg zu pilgern. Unterwegs schloffen sich zeitweise auch andere Wanderer ihnen an. Es waren darunter auch solche, die schon eine längere Praxis hinter sich hatten und eine gewisse Menschenkenntnis besaßen, Sie warnten den jungen Siebeck ein- dringlich vor seinem Begleiter, dessen Benehmen ihnen durchaus nickt gefiel. Zeigte doch der angebliche Max Werner jedesmal eine große Angst, wenn irgend eine Helmspitze auftauchte, ivoraus wohl zu schließen war, daß er gar manches auf dem Kerbholz hatte. Indes, Siebeck war nicht ängstlich. Hinter Jelmstorf legte man sich auf Werners Vorschlag in ein Gebüsch, um bis zum Sonnenaufgang zu schlafen. Als der Morgen graute, wurde Siebcck durch ein Geräusch erweckt und er sah, daß sein Kumpan aufgestanden war und nach allen Richtungen ausspähte, wahrscheinlich um festzustellen, ob jemand in der Nähe war. Die Müdigkeit überwältigte den jungen Mann jedoch wieder. Aus seinem Halbschlummer wurde er aber plötzlich jäh aufgeschreckt. Sein Begleiter war auf ihn zugesprungen, hatte ihn an der Kehle gepackt und würgte ihn nun so, daß er fast erstickte, Die bösen Blicke seines Gegners sagten ihm genug, und ein Kampf auf Leben und Tod entspann sich. Endlich glückte es dem Ueber fallenen, sein Messer aus der Tasche zu ziehen und dem Angreifer einige Sticke in den Kopf zu versetzen. Aber dieser entwand ihm bald die Waffe und stach sie ihm tief in den Hals Siebeck verlor die Besinnung, Als er nach langer Zeit wieder zu sich kam, war er allein. Sein Rucksack und sein Stock waren verschwunden, gleich- zeitig aber auch seine Papiere, deren Erbeutung jedenfalls der Zweck des Uebersalles gewesen war. Mühsmn schleppte sich der Schwerverletzte nach Jelmstorf, von wo man ihn nach Lüneburg ins Krankenhaus brachte. Daß er mit dem Leben davongekommen ist, ist ein Wunder zu nennen, denn die Kehle war ihm gänzlich durch- schnitten, auch hatte der Räuber anscheinend versucht, den Kehlkopf herauszureißen. Der Uebcltäter wurde schon zwei Tage später in Meckelfeld, wo er auf die Papiere Siebecks hin einen Dienst angetreten hatte, entdeckt und verhasttt. Es stellte sich heraus, daß er nicht Werner hieß, sondern der schon siebenmal vorbestrafte und jetzt abermals von der Zwickauer Staatsanwaltschaf' steckbricf- l i ch v-�r s o l g t e.Kutscher Max Müller war. Das Lüne- burger Sckivurgericht verurteilte den Patron zn der e r e m p l a- r i s ch e ic Strafe von 10 Jahren Zuchthau?. Ein verwegener Bankraub wurde Dienstag früh in der Ort- ichaft Ridgeville(Indiana) ausgeführt. Eine sieben Mann starke Räuberbande umzingelte die Bank, brach die Tore auf und spr-ngte die Stahlkammer mit Dynamit, wobei das Bankgebäud� stark demo- liert wurde. Der Lärm weckte die Einwohner aus dem Schlaf, und, da ein Bankbeamter, der sich hatte flüchwn können, Hülfe herbeirief, erschienen bald aus allen Häusern die bi. deren Bürger in ihren leichten Nacktgewändern, Ein Mann drehte das elektrische Licht er., so daß die Straße hell beleuchtet war. Ein« Anzahl Bürger faßten sich dann Mut und rückten bewaffnet gegen die Räuber vor. Diese dachten jedoch durchaus nicht daran, das Feld zu räumen, schosstn zunächst alle ihnen erreichbaren el.ftrischcn Lampen entzwei, sc daß wieder Dunkelheit herrschte, und dann nahmen Vier von ihnen das Feuergefecht im Dunkeln mit den Bürgern auf, während die übrigen drei die Bank ausplünderten. Die vier Mann trieben mit wilder Entschlossenheit die Einwohnerschaft des Oertchens vor sich he- und hatten die Straße bald völlig geräumt. Schließlich machte sich die ganze Gesellschaft mit Bargeld im Betrage von 30 000 Mark davon, Wieder ein Eisenbahnunglück, Amtlich wird gemeldet: Sonnabend früh 3 Uhr 40 Min. stieß auf der Station Borgholz der Strecke Schcrfeldc— Holzminden der Eilgiiterzug 6043 mit dem einfahrenden Güterzug 8348 zusammen. Der Packmeistcr und der Heizer des Eilgüterzuges wurden leicht verletzt. Der Materialschaden ist be- deutend. Ursache: Ueberfahren des Haltesignals durch den Eilgüter- zug. Der Personenverkehr ist durch Umsteigen aufrecht erhalten worden. Um 10 Uhr vorinittags war die Verkehrsstörung beseitigt. Lex Hcinze-Moral. Ein hübsches Zensurstückchen ans Westfalen gab Pastor Dr, Luther-Charlottenburg in einem Vortrage über ".Bilder aus der Jugend- und BolkSliteratur des Katholizismus" zum besten. In einem Volksbnche. das eine Auswahl von Gedichten ent- hielt, fand sich der Vers: „Und wer am laulichcn Abend Die dämmen, de Heide durchmißt, Dem werden die Frösche erzählen, Daß sich zwei Menschen geküßt," Ein Prälat, de», das Buch vom Verlage zur Approbation vor- gelegt wurde, erklärte die Schlußzeile„vom Küssen" für unsittbich und gab dem Verse folgende Fassung: „Und wer am lanlichen Abend Die dämmernde Heide durchmißt, Dem werden die Frösche erzählen, Was Liebe und Vaterland ist," Verbrecherischer Unfug. Aus Essen a, d, Ruhr wird gemeldet: Freitag nacht wurden auf den von Osterfeld abgehenden Personenzug mehrere Revolverschüssc abgegeben. Als Täter wurden ein Tanz- lehrer und eine Lehrerin sofort ermittelt. Eine heftige Bora wütete bei T r i e st, die fast den gesamten Verkehr zu Lande und zu Wasser lähmte. Mit dem kalten Sturm trat ein anhaltender Schneefall ein, und die Tcueperatur fiel sehr schnell, Viele Menschen wurden von der Bora, die mit einer Geschwindigkeit von 06 Kilometer in der Stunde über die Stadt fegte, zu Boden geworfen und verl.tzt. Sämtliche Züge blieben aus. Der Verkehr nach Laibach ist gänzlich eingestellt, weil die Zllge überall im Schnee stecken blieben. Die Ladeoperationen ruhen fast vollständig. Infolgedessen kann die Abfertigung der Llohddampfer nicht fahrplanmäßig erfolgen. Der Venedig-Dampfer mußte seine Fahrt einstellen. Auch die Abfahrt des Jnpan-Danipfers erleidet eine dreitägige Verspätung, Im Hafen von Finme ruht die Arbeit. Die Schiffe können weder aus- noch einlaufen. Dazu gesellen sich U e b e r s ch w e m m u r. g e n im Narentagebicte. Die Narenta ist in zwölf Stunden um 2'/s Meter über das Normale gestiegen. Die Eisenbahngleise bei Naskägora, Jablaniza, Vojno und Podorazac sind überschwemmt. Sämtlicher Güter- und Passagierverkehr zwischen Mostar und Sarajewo wurde eingestellt. Nloeden- Spielplan der Berliner Cbcatcr. Operichaus. Sonntag: Der schwarze Domino, Montag: Rienzi. (Aiisang 7 Uhr.) Dienstag: Der schwarze Domino, Mittwoch: Undine. Donnerstag: Sinsoniclonzert der königl, Kapelle, Freitag:, Der schwarze Domino, Sonnabcndnachmittag 2>/z Uhr: Hansel und Gretel, Die Puppen- fee, Abends 7>/z Uhr: Figaros Hochzeit. Sonntag: Margarete. Montag: Der fliegende Holländer, Schanspielhans. Sonntag: Der Schwur der Treue, Montag: Götz von Berlichinaen.(Anfang 7 Uhr.) Dienstag und Mittwoch: Der schwur der Treue, Donnerstag: Durchs Ohr. Gelehrte Frauen, Freitag: Der Schwur der Treue, Sonnabend: Prinz Friedrich von Homburg, Sonntag: Der Schwur der Treue, Montag: Die Journalisten, Neues Köuigl. Operutheatcr. Sonntag: Der Freischütz, Montag: Geschlossen, Dienstag: Gustav Adolf. Mittwoch: Geschlossen, Donnerstag und Freitag: Gustav Adolf, Sonnabend: Geschlossen, Sonntagnachmittag 2 Uhr: Gustav Adolf, Abends lll2 Uhr: Wie die Alten srnigen, Montag: Geschlossen. Lessing-Tbeater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Abends 7st, Uhr und Montag: Stein unter steinen. Dienstag: Benignens Erlebnisse, Hanneles Himmelfahrt, Mittwoch und Donnerstag: Stein unter Steinen, Freitag: Erziehung zur Ehe, Sittliche Forderung. Sonnabend: Stein unter Steinen, Sonntagnachmittag 3 Uhr: Rosen- inontag, Abends 71/, Uhr und Montag: Stein unter steinen, Deutsches Theater. sonntagnachmittag 2'/. Uhr: Kabale und Liebe. Abends 7 Uhr: Das Käthchcn von HeUbrorni, Montag: Kabale und Liebe, Dienstag und Mittwoch: Dos Käthchen von Heilbronn, Donnerstag: Der Kammersänger, Die Ncuverinählten, Freitag, Sonnabend und Sonntag: Das Käthchcn von Heilbronn, Montag: Der Kammersänger. Die Neu- vermählten, Schiller-Thrater tt.(Wallner-Theater.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Traum ein Leben. Abends 8 Uhr: Flachsmann als Erzieher, Montag und Dienstag: Gvges und sein Ring, Mittwoch: Der Veilchensresser. Donnerstag: Der Traum ein Leben, Freitag: Hosgunft, Sonnabend: Königsglaube, Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Traum ein Leben, Abends 8 Uhr: Gygcs und sein Ring, Montag: Königsglaube, Schiller-Dbeater X.(Friedrich-Wtlhelmstädtischcs Theater.) Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Fuhrmann Henschel, Abends 8 Uhr: Ein Winter- märchen, Montag und Dienstag: Der Veilchensresser, Mittwoch: Der G'wissenswurm, Donnerstag: Der Veilchensresser, Freitag: Ein Winter- märchen, Sonnabend: Flachsmann als Erzieher, Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fuhrmann Henschel. Abends 8 Uhr und Montag: Der Veilchen- sresscr, Berliner Theater, sonntagiiachmittag 3 Uhr und abends 7'/, Uhr: Kean, Montag und Dienstag: Nndalosia. Mittwoch: Kea», Donnerstag und Freitag: Andalosia, Sonnabend: Kiwito, Sonntagnachmittag 3 Uhr: Avdatosin, Abends 7st, Uhr: Kiwito, Montag: Andalosia, Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Lore, Der zerbrochene Krug, Abends 8 Uhr: Das vierte Gebot. Montag: Hidalla, Dienstag: Das vierte Gebot. Mittwoch: Hidalla, Donnerstag: Das vierte Gebot. Freitag: Nachtasyl. Sonnabend: Hidalla. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Lore, Der zerbrochene Krug. Abends 8 Uhr: Das vierte Gebot, Montag: Hidalla, Lilstspielhäiis. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Lumpengesindel. Abends 8 Uhr: Der Familicntag, Von Montag bis Donnerstag: Der Familientag, Von Freitag bis Montag: Unbestimmt. Neues Theater. Sonntag nnd solgendc Tage: Ein Sommernachis- träum, Residenz> Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Herkulespillen. Abends 8 Uhr und Montag bis Sonnabend: Der Prinzgemahl. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Herkulespillen. Abends 8 Uhr und Montag: Der Prinzgemahl, Trianon-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Ende der Liebe. Abends 8 Uhr und Montag bis Mittwoch: Madame Torera. Von Donnerstag bis Montag: Der letzte Troubadour, Carl Weiß-Thcater. Sonnabcndnachmittag 4 Uhr: Dornröschen. Abends 8 Uhr bis Freitag: In Berlin ist was los, Sonnabend: Faust. Sonntag und Montag: In Berlin ist was los, Theater des Westens. Sonnlagmittag 12 Uhr: Matinee, Jsadora Duncan, Nachmittags 3 Uhr: Undine. Abends Tl% Uhr und Montag: Der Opernball, Dienstag: Die Zaubcrftöte, Mittwoch und Donnerstag: Der Opernball, Freitag: Zar und Zimmermann, Sonnabcndnachmittag 3 Uhr: Die Waise von Lowood, Abends 7'/, Uhr: Der Opernball, Sonntag. nachmittag 3 Uhr: Der Zlgeunerbaron. Abends 7st, Uhr und Montag: Die Zauberflöte. Mctropol- Theater. Allabendlich: Aus WS Mcttopol.(Ans. 8 Uhr.) Sonntag 7>/z Uhr, Zentral- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Geisha. Abends 7'/, Ubr bis Dienstag: Zur indischen Witwe, Mittwochnachmittag 5 Uhr: Prinzcsjchcn Goldtraut, Abends 8 Uhr und Donnerstag: Zur indischen Witwe. Freitag: Geschlossen, Sonnabend: Musette, sonntagiiachmittag 3 Uhr: Die Geisha. Abends Tll1 Uhr bis Montag: Musette, Thalia-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Kilometcrsresser. Abends 8 Uhr und Montag bis Sonnabend: Bis früh um Fünse, Sonntag. nachmittag 3 Uhr: Charleys Tante. Abends 8 Uhr und Montag: Bis sruh um Fünse. Belle- Alliance> Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr und all- abendlich 8 Uhr: Liane Leischncr, Spezialitäten, Luisen-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Kinder der Exzellenz. Abends: Othello, Montag: Pech-Schulze, Dienstag: Simson, Mittwoch: Othello, Donnerstag: Simson. Freilag: Der Veilchensresser, Sonnabend: Die Kinder der Exzellenz, Soimtagiiachmittag 3 Uhr: Pech-Schulze, Abends 8 Uhr: Faust, Montag: Simson, Deutsch- Amerikänischeo Theater. Soniltagiiachmittag 3 Uhr: Uebcr'n großen Teich, Abends und solgendc Tage: Aber Herr Herzog. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ueber'n großen Teich, Walhalla-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Eine tolle Nacht, Evezia» litäten. Sonntags 71/, Uhr. Easino-Thenter. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Der Adelsnarr, AbendS 8 Uhr bis soimaticiid: Das Opferlamm, Sonntagnachmittag 4 Uhr: Der Adelsnarr. Abends 8 Uhr und Montag: Das Opferlamm Rpollo-Theatcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Frühlingsluft und Spezialitäten, Allabcndiich: Frau Luna, Lustballclt Grigolatis, Spezialitäten, Sonntagiiachmittag 3 Uhr: Frühlingslust. Spezialitäten, Passage- Theater. Allabendlich: Poldi Augustin. Tacianu. Spe- zialitätcu. Ansang 8 Uhr, ttranta-Thcatcr. Taubenstraße 43/43, Im Lande der Mitteniachts. sonne, Dienstag. Donnerstag und Sonnabend: Alpen- und Wüslcnsahrten im Ballon, Ansang 8 Uhr, Gebr. Herrnfeld- Theater. Sonntag und solgendc Tage: Die Meherhains. Ja l ies Caprice. Allabendlich 8 Uhr: Nach dem Zapfenstreich. Soll und Haben. BMutergarten. Rosario Guerrero, Spezialitäten. _ Reichshnllcn- Theater, sonntag und jolgende Tage: Stetliner Sänger. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Marklhallen-Direktioii. Rindfleisch la 63-68 pr, 100 Pfund, IIa 56-62 nia 50-55, IVa 40-18. Kalbfleisch la 85-90, IIa 73-82, lila 58—70 Hammelfleisch la 63-73, IIa 48-58. Schweinefleisch 68-74. Rotwild Purnd 48—53 Ps. Hasen Stück 3,50—4,20, klein 1,75—3,00, Kaninchen stuck 0,30—1,05. Krammclsvögel 20—28 Pf, Rebhühner, junge la t 00 bis 1,30, junge IIa 0,60—0,00, j-unge kleine 0,00—0,00, alte la 0 65—0 85 alte IIa 0,40—0,55, Hübner, alte 0,30—1,80, junge 0,60—1—, das Stück.' Tauben, junge 0,45—0,60, alte 0,40—0,47. Enten, junge 1,40_ 2 45. Gänse la, 3,50—5,00, IIa 2,50—3,00 per Stück, Iii 0,58— 0 6» IIa 0,40—0,55 per Psund, Hechte 70—84 M,, Schleie, unsort, 98 M,' Aale, groß 00—00, mittel 00—00 M, Plötzen 41— 53 M, Karpfen 63—70 m! Lachs 00 M„ Schellfische 26—28 M„ Flunder 00 M, pro 100 Pfund, Schoitische Vollhcringe kgesalzcn) 40—44 M Krebse, kleine. Schock 0,00 M., unsortiert 0,00 M, Eier, Schock 3,70, Butter pro 100 Psund la 120-124, IIa 114-1S0, lila 110-114, abfallende 100—110 Kartofscln pr, 100 Psd, rote 1,90—2,10,.Rufen 0,00-0 00 blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. Schock 4,00-7,00. Weißkohl 6,00-8,00, Rotkohl 4,00-6,00, Holl, 8,00-12,00, M. saure Gurken, neue. Schock 2,—. Wetter-Progiioie für Sonntag, de» 29. Oktober 1995. Etwas tühler, vietsach heiler, jedoch unbeständig mit geringen Nieder» schlagen und ziemlich frischen nordwestlichen Winden, Berliner Wetterdureau. Die Insertlonsgeliillir beträgt für die sechsgespaltene Kolonelzeiie oder deren Raum 20 Pfennig. Inserate fürdie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags In der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends geöffnet. VORORT-ANZBIÖEN Alt-Gllenlcke: Reinhold Schulz, Rudowerstr. 83. Britz i Hermann Schllebitz, Jahnstr. 2. Chan Ottenburg: Gust. Scharnberg, Sesenheim er- Strasse l Ecke Goethestr. vorn I. Dtsch.■Wilmersdorf: W. Nickel, Brandenburgischesir. 110 III. r. Lichtenberg• Prledrlchstelde'WlIhelmsberg. Boxhagen• Rummelsburg» Stralau: Otto Seikel, 0.112, Kronprinzenstrasse 501. Grünau: H. Bluhme, Viktor, astr. 2. Rixdorf: M. Heinrich, Prinz Handjerystr. 7, im Laden; Conrad, Hermannstr, 50. Schöneberg: Wilh. Bäumler, Martin Lutherstr. 51. Obcr-Schöneweldo t Otto Münzer, Dculstr. 4 II. Annoncen- Annahmestellen: Nieder• Schöneweide: Bonakowsky, Hassel- werderstr. 1 d. Johannistal: Franz Hünold, Bismarckstr. 7. Adlershof: Paul Schmidt, Bismarckstr. 321. Königs-Wusterhausen: P.Körle, Berlinerstr. 19. Köpenick; Friedrich Woick, Crünstr. 29. Friedenau-Steglitz: H. Bernsee, Schlossstr. 115, Gartenhaus I, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. Schellhase, Ahornsir. 15a. Marlendorf: Hermann Reich ardt, Chausseestr 16. Baumschulenweg: Stock, Ernstsir. 2 II. Treptow: R. Voigt, Elsenstr. 37, vorn III. Neu-Weissensee: W. Reske, Sedanstr. 53, part. Weissensec: Jul. Schiller, König-Chaussee 39a. Reinickendorf(Ost), Wilhelmsruh und Schönholz: Paul Oursch, Provinzstr. 108 im Laden. Reinickendorf(West): Neuhoff, Eichbornstr. 54. Rummelsburg: O.John, Karlshorsterstr. 2. Tegel, Borsigwalde, Dalldorf und Waidmanns- lust: Paul Kienast, Borsigwalde, Schubartstr. 43. Pankow: 0. Freiwaldt, Florastr. 66. Elchwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankels- Ablage: A. Grätz, Eichwalde. Kronprinzenstr.8211. Nowawes: Wilhelm Jappe, Friedrichstr, 1. Spandau: Köppen, Jagowstr. 9. Inseraten-Auflräge grösseren Umfangs nach besonderer Vereinbarung durch die Haupt-Expedition Lindenstrasse 69. Volksbaus diarlottenbiirg Ko Minen straße 3. UHimtttg, brn 30. Oktober, abends S'/a Uhr: GroBer öffentlicher Liehtbilder-Vorlrag für jMänner und frauen. DM- Eintritt frei.-»8 Die enalische, deuticke und schweizerische KonsumgenoffenschastS bewepung in Wort und Bild. Lichtbilder-Vortrag von Herrn Martin Krvlik. iflntrltt frei. Die Besucher werden daraus aufmerksam gemacht, daß der Vortrag pünltuch beginnt und eS in jedes einzelnen Interesse liegt, pünktlich zu er cheinen. Konsumverein Cbarlotteubnrg. Lmil Quade Schöiiebepgy Hauptstraße 138. 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Adresse des Generalrats der Internationalen Arbeiter« Assoziatton. M.—.30. Die neue Auflage ist vermehrt durch die beiden Adressen des Ge« neralraiS über den deutsch-sranzosi- schen Krieg und durch eine in Form einer Anleitung gekleidete historische kritische Skizze über die Kommune aus der Feder von Friedrich Engels. In der Literatur über die Pariser Kommune nimmt diese, wenige Tage nach ihrem Fall serttggestilltc Schrisi— e'ne glänzende Rechtfertigung jener glorreichen Erhebung— utit den ersten Rang ein. Enthüllnngeu über den Kommnnisten-Prozess zu Köln. Mit einer Einleitung von Friedr. Engeis und Dokumenten. M.-.25.. Der Prozeß endigte mit Ber« urleilung der Angeklagien: gcbrand« markt aber war das infame Lock- spitzeltteiben der Preußischen Polizei unter Leitung des berüchtigten S t i e b e r, der in diesem Prozeß auch als Meister des Diensteides sich entpuppte. Die Engelssche Ein- leiiung gibt in der Geschichtsstizz« über den.Bund ber Kommunisten* ein Bild der proletarischen Bewegung in den 30er itnd 40er Jahren. Lohnarbeit und Kapital. Separatabdruck aus der„Neuen Rhein. Ztg.* vom Jahre 1849. M.—.20. In der Einleitung, die Friedr. Engels dieser vorzüglichen Agi« fationsfchrift über das Wesen der Heuligen ProdukttonSweise voraus- schickt, entwickelt er die Gründe, warum einzelne Stellen und Wendungen geändert sind und knüpft daran eine klare ökonomische Auseinandersetzung über die ver- schiedenartigen Begriffe: Arbeit und Arbeitskraft. Das Elend derPhilosophie. Antwort aus Proudhons.PHUo- sophie des Elends*. Deutsch von Ed. Bernstein u. K. Kautsky. Mit Borwort und Noten von Fr. Engels. Brosch. M. 1,50: gebd. M. 2.— Marx vor den Kölner Geschworenen. Prozeß gegen den Ausschuß der rheinischen Demokraten wegen Aufrufs zum bewaffneten Widerstände(9. Fe. bruar 1349). Mit Vorwort von Ar. Engeis. Reue Auflage. Die Marxsche VerteidlgungS- rede ist bedeututtgSvoll nach zwei Richtungen: der Kommunist Marx macht den bürgerlichen Geschworenen llar, daß die ihm zur Last gelegten Wandlungen eigeniltch Ausgabe und .'sticht ihrer Klasse, der Bour» geoisie feien; er wahrt den re- voluttonären Standpunkt, das Recht des bewaffneten Widerstandes gegen die gcsetzcsbrüchige. tonter» revolutionäre Regierung bis in die letzte Konsequenz. Revolution und Konter- Revolution in Deutsch- land. Deutsch von Karl Kautsky. Brosch. M. 1,50; gebd. M. 2.—. Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte, m. i,—. Diese Broschüre gegen den Organisator deS Lumpenproletariats ist wohl die glänzendste«irett» schrisi von Marx: sie enihä t auch eine ätzende Kritik der polittichen Feighett und Halbhett des.Burger. tttms*. Letviti N'' H*«» Web-r. fVrFn, Ff s den Inseratenteil veranftv.: Glsckr, Berlin. Druck» Verla". Bo7*-Trt» Vuchdruckerei u. Berlagsanftalt Paul Singer Li Co., Berlin SMi Nr. 254. 22. Jahrgang. 4. WIM Ks Jntniiirts" Inliiut �olblilott. Sonntag. 29. Oktober 1905. Hus der frauenbcwecfiing. Rixdorf. Der Verein gewerblich tätiger Frauen und Mädchen für Nixdorf hält Mittwoch, den 1. November, abends S'/a Uhr, im Lokale von Thiel, Bergstr, 451/152, feine Monatsversainmlung ab, 1. Vortrag des Herrn Dr, Wollheim über„Chemie der K ü ch e". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen. Recht regen Besuch erwartet Der Vorstand. Tegel- Borsigwalde. Der Frauen- und Mädchen-Bildungsverein von Borsiglvalde und Umgegend hält Mittwoch, den 1. November. abends 3 Uhr, bei Schmidt in Tegel, Schlieperstr. 64, eine außer- ordentliche Generalversammlung ab. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Katzenstein über„Häusliche Erzic'hungsknnst". 2. Diskussion. 3. Ersatzwahl des Vorstandes. 4. Vercinsangelegenheitcn. Mitglieds- buch legitimiert. Recht zahlreiches Erscheinen aller Mitglieder er- wünscht Der Vorstand. Teltow. In der am 25. Oktober abgehaltenen Versammlung des Frauen- und Mädchew Bildungsvereins für Teltow und Um- gegend hielt Herr P. Eichler einen Vortrag über das heutige Schul- Wesen in der Stadt und auf dem Lande,' der allseitig mit Beifall aufgenommen wurde. Es wird den Mitgliedern ans Herz gelegt, mehr für den Verein zu agitieren und auch für den BerfammlnngS- besuch. Es ist bedauerlich, daß noch Frauen dem Verein fernbleiben, von denen man bestiimiit annehmen müßte, daß sie sich anschließen würden. Frauen von Männern, welche Vertranensstellungen in der Arbeiterbewegung einnehmen oder Führer von Gewerkschasten sind, lassen sich nicht als Mitglieder einschreiben oder sich nicht in Ver- sammlungen sehen. Es ist bedauerlich, so etwas feststellen zu müssen. Wir hoffen, daß die gewerkschaftlich und politisch organisierten Männer ihre Frauen und Töchter veranlassen werden, dem Frauen- und Mädchen-Bildungsverein beizutreten und dessen Versammlungen zu besuchen. Schöneberg. Der Verein für Frauen und Mädchen Schönebergs und Umgegend hält am Sonnabend, den 4. November, in Obsts Festsälcn ein Vereinsvergnügen ab Für Unterhaltung wird bestens gesorgt werden. Der Eintrittspreis beträgt für Damen 10 Pf., für Herren 20 Pf. einschließlich Tanz. Wir ersuchen Misere Mitglieder sowie Freunde und Gönner des Vereins, recht zahlreich zu erscheinen. _ Der Vorstand. Wlissersland am 27. Oktober. E l b c bel Aussig-s- 0,42 Meter, bei Dresden— 0,34 Meter, bei Magdeburg 4-2,20 Meter.— Unfti itl bei straußsurt-s- 1,55 Meter— Oder bei Ratibor-s- 1,32 Meter, bei Breslau' Oberpegel 4--5,02 Meter, bei Breslau Unterpegel— 1,02 Meter, bei Fraulsurt-p 1,�1 Meter.— Weichsel bei Brahemünde 4- 3,10 Meter.— Warthe bei Posen-h 0,30 Meter.— Nebe bei Usch— Meter._ ßinefkartcn der Redahtion. �iinftifther Cell. Tte iiirtstilchc Svrcchstiiude findet täglich mit'IliiSnabnic des«.»»,», dends va» bis 94- Ntir statt,(«cäffiict: abend? 7 Hör. Paul 31. 1. Sie könnten aus Zahlung klagen. 2. Nein. 3. Erwirken Sie das Armenrcchl. 4. In Berlin an den Polizeipräsidenten.— Z. 91). Verjährung liegt nicht vor. Falls sie im Juni vergangenen Jahres bereits großjährig(21 Jahre alt) waren, sind Sie an den Vertrag gebunden und zur Zahlung verpflichtet.— I. K. 21. Ihre Militärpapicre und Ihre®e« burlSurkunde haben Sic dem evlandcsbcamten vorzulegen. Polizeiliches FühruugSatlcst wird keineswegs erfordert.— F. G. svtrasantrag wegen Beleidigung ist innerhalb 3 Monate zu stellen. Die Frist beginnt mit dem Tage, an dem der Beleidigte von der Beleidigung und von der Person des Tälers Kenntnis gehabt hat. Formell steht Ihnen das Antragsrecht noch zu. Strasantrag können Tie unter Schilderung des svachoerhalts an die Slaatsanwaltschast richten und wenn diele wegen Mangels an östentlichem Interesse Erhebung der össentlichen Klage ablehnt, Privatklage erheben. Materiell ist aber eine Klage, die sich wesentlich aus das Gutachten von Schreibsachverständigen zu stützen haben wird, stets eine in ihrem Ausfall zwciselhaste. Erwägen sollten Sie, ob eS sich überhaupt der Mühe verlohnt, eine Belcidiglmg.?klage anzustellen.— P. H. 66. Eine Klage gegen beide, den Jnhabe des MobeltranSportgcschästes und den Kutscher, dürste Erfolg haben.—5 nur 3 Treppen.* Gasheizöfen k! Svariyslcme l 6,00, Reflellorösen I 10,00, Petroleum- ose», vorzüglich. Gasbeleuchtung spottbillig. Wohlaucr, Wallnertbeater- straße 32(Gaskocherhaus I). 95758* Möbeluerknnf in meiner Möbel- labrik Wallstraßc 80/81. nahe Spillel- markt. Jusolge des großen Umzugs besindtil sich am Lager vlelc zurück- gesetzlc und verlieben gewesene Möbel, die wie neu sind. Kleiderspind. Berliko 27,00, Aiiszichliich>6, Muschel- bettslcllc mit Fedcrmatratze und Kciltisse» 36, Zascheiisoja 50, Paneel- sosa 70, Walchtoilette"20,»Jtiiht. bell 25, ganze Einrichluiigen billiail. 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