Ur. 355. ntonnementS'Btdlngangtn: Ktoimmmti• Preis pränumerando: BierteliShrl. 3,30 Mk, monaJI. 1,10 SKI., wöchenllich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Kummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband sSr Deutschland und Oesterreich- Ungam 3 Mark, für d-S übrige Ausland 3 Mark pro Monat. vlchtlii Vü»»»»«' lll-vuz». Vevlinev Volksblakt» �entralorgan äer roziatdcmohratirchoi parte» Dcutfchlande. SS. Jehrg. OK Tnfertlons'GtbOftr deirSgt für die sechSgespaltrne Koloncl. geile oder deren Raum 40 Psg. für politisch« und gewerlschaftliche Vereins- und Bersammiungs-Anzeigen 2S Psg. „Aleine Snieigen", das erste lselt. gedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort b Psg- Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expeditionabgegebcn «erden. Die Expedition ist an Wochen- tagen btS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormtttags gebffnct. Xelegramm- Adresse: „SgxlaliKiiioknt BtrHo". Redaktion: SM. 68, Lindenetrasee 69. ssernsprettier: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SM. 68» Lindenetraeee 69. Kernsprettier: Amt IV. Nr. I»84. ün sie patteigenoisen! Die Haltung des.Vorwärts" einerseits als Zentralorgan der Partei, andererseits als Lokalorgan der Genossen von Groß-Berlin ist seit einer längeren Reihe von Jahren Gegenstand lebhafter Er örterungen gewesen, sowohl auf Parteitagen wie in den zunächst interessierten Kreisen. Die Hauptvorwürfe gegen die Redaktion lauteten: Der .Vorwärts' betriebe die prinzipielle Aufklärung und Schulung der Parteigenossen höchst mangelhaft und er nehme, beeinflußt durch die zwei in der Redaktion sich gegenüberstehenden Strömungen, zu den in der Partei auftauchenden Fragen entweder keine oder zu spät Stellung oder er schwanke unentschlossen hin und her. Konferenzen, die im Laufe der Jahre zwischen dem Partei vorstände und der Preßkommission, manchmal auch unter Hinzuziehung der Vertrauensleute und der übrigen Parteifunktionäre von Groß Berlin und der Redaktion öfter stattfanden, führten wohl zu einer gründlichen Aussprache, zuweilen auch zu Beschlüssen, durch die ge hofft wurde, die größten vorhandenen Uebelstände zu beseitigen. ES stellte sich aber regelmäßig in Kürze wieder heraus, daß alle diese Abmachungen ihre Wirkung versagten. Die in der Redaktion vor- handenen gegensätzlichen Anschauungen ließen sich nicht beseitigen. Schließlich konnten wir auch von den Genoffen in der Redaktion, deren Haltung hauptsächlich Gegenstand der Kritik war, nicht ver- langen, daß sie als ehrliche Leute Anschauungen vertreten sollten, die sie nicht besaßen. Andererseits konnte man sich zu dem einzig wirksamen Mittel nicht verstehen, die Vertreter der nicht gebilligten Richtung durch Kündigung aus der Redaktion auSzu- schließen und dadurch die Redaktion einheitlich zu gestalten. Erörterungen über die Haltung des.Vorwärts" find, wie schon hervorgehoben, auch mehrfach auf Parteitagen gepflogen worden, so besonders auf den Parteitagen zu Lübeck 1901 und zu Dresden 1903. Insbesondere gaben die Verhandlungen des letzteren Anlaß, nach demselben aufS neue im Kreise der zunächst dazu Berufenen dem Parteivorstand, der Kontrollkommission, der Preßkomniisfion, den Vertrauenspersonen von Groß-Berlin und der Redaktion in Erörterungen über die künftige Haltung des.Vorwärts' einzutreten Es wurden auch entsprechende Beschlüsse gefaßt. Aber auch jetzt wieder stellte sich bald heraus, daß die alten Uebelstände aus den schon angeführten Ursachen weiter bestehen blieben. Die vielfachen Meinungsdifferenzen, die zu Ende des verflossenen Jahres und ini Laufe dieses Jahres bis zum Jenaer Parteitage in einem Teile der Parteipresse zum Ausdruck kamen und in die auch der.Vorwärts" verwickelt war, zeigten die öfter gerügten Uebelstände in besonderem Grade. In der Redaktion war schon seit Jahren die Einrichtimg getroffen worden, daß bei Meinungsverschiedenheiten über die Haltung, die der„Vorwärts" gegenüber in der Partei austauchenden Fragen einnehmen solle oder über die Aufnahme oder Nichtaufnahme von Artikeln, oder ob ein bestimmter Artikel als redaktionell an- gesehen oder unter der Chiffre seines Verfassers als dessen persönliche Anschauung erscheinen sollte, durch Mehrheitsbeschluß entschieden wurde. Hierbei standen sich in der Regel die Anhänger der beiden Strömungen ges chlossen gegenüber und zwar meist S gegen 4 Stimmen, wobei gewöhnlich die Stellung der Mehrheit von der Vertretung der Berliner Genossen und dem Parteivorstand nicht als die ihrige anerkannt wurde. Solche Vorgänge veranlaßten, daß die Preßkommission und die Vertrauenspersonen von Groß-Berlin abermals beschlossen, zum 17- Juni eine Konferenz nach den, GewerkschaftShause zu berufen, zu welcher der Parteivorstand. die Redaktion des.Vorwärts" und die übrigen Funktionäre nebst den Reichstagsabgeordneten von Groß-Berlin geladen wurden. In dieser Konferenz kam es zu langen und scharfen Auseinander- setzungen. Die Ausführungen, die hierüber Genosse Bebel als Beauftragter des Parteivorstandes auf dem Jenaer Parteitag machte, anläßlich der Beratung des Antrages der Genossen vonGroß-Berlin, dem.Vorwärts" den Charakter als Zentralorgan zu nehmen und so ihn zum Lokalorgan der Berliner Genossen werden zu lassen. lauten naS dem Protokoll über den Jenaer Parteitag(Seite 137 und 138): .In bezug auf die Haltung de»„Vorwärts" in taktischer und prinzipieller Hinsicht kann ich ebenfalls einevolleHarmonie zwischen den Berliner Parteigenossen und dem Parteivorstand konstatieren. Als am 17. Juni d. I.. nicht auf unsere Einladung, sondern auf Einladung der Berliner Parteigenossen, die Vertrauensleute Berlins, die Preßkommission. die Lokalkommission, die Agitationskommission für die Provinz Brandenburg, die Vertreter Berlins im Reichstage, die Redastion des„Vorwärts" und der Parteivorstand zu einer gemeinsamen Sitzung zusammentraten, ergaben die Verhandlungen folgendes Bild: Nach längeren Auseinandersetzungen nahm ein Mitglied des Partcivorstandes das Wort, polemisierte in scharfen Ausführungen gegen die Haltung deS„Vorwärts" und hatte programmäßig nach- zuweisen gesucht, was nach seiner Meinung notwendig sei in bezug auf das Blatt und seine redaktionelle Führung. Diese Aus- fübnmgen fanden in dem Maße den Beifall der gesamten.Berliner Parteivcrtrcter, daß aus der Mitte der Parteigenossen Berlins der Antrag gestellt wurde, die Ausführungen des betreffenden Vorstands- Mitgliedes gewissermaßen als Programm des„Vorwärts" der Re° daktion zu empfehlen. Und als die betreffende Person den Versuch machte es abzulehnen, daß sie quasi als Fahnenhalter in den Vordergrund geschoben wurde und bat, man möge eine Resolution annehmen, die etwa dasselbe besagte, wurde daS abgelehnt und einstimmig wurde beschlossen, daß diese Ausführungen der Redaktion zur Beachtung empfohlen werden.(Zuruf der Berliner: Es wurde aber nicht danach gehandelt.) Gewiß, daS steht auf einem anderen Blatt. ES waren eben Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Redaktion vorhanden, das ist ja in der letzten Zeit erst wieder hervorgetreten." Und weiter heißt eS, nachdem Bebel befürwortet hatte, den Antrag der Berliner Genossen abzulehnen: „Wir sind auf der anderen Seite, falls wir wieder gewählt werden, entschlossen, alles aufzubieten, um die be rechtigten Klagen, die wir vollständig mit den Berliner Genossen teilen, zu beseitigen und Mttel und Wege zu beraten, wie dem gegenwärttgen unhaltbaren Zustand— das betone ich(Lebhaftes sehr richtig I bei den Berlinern)— abgeholfen werden kann. Liebe Genossen I Die Dinge müssen allemal erst ihren Höhepunst erreichen, ehe man zu entscheidenden Maßnahmen greifen kann, eS muß erst das allgemeine Bewußtsein vorhanden sein, daß eS s 0 nicht weiter geht." Und der Genosse Wels, der als Redner der Vertteter für Groß-Berlin den Auftrag hatte, den Antrag der Berliner Genossen zu begründen, äußerte in bezug auf die Haltung des„Vorwärts (Siehe daS Protokoll des Jenaer Parteitages Seite 179 und 180) Wir wollen ein eigenes Organ haben, in welchem die Meinung der Berliner Genossen ihren unver- fälschten Ausdruck findet.(Sehr richtig I)... Die Streitig leiten(mit dem„Vorwärts") sind ja mit darauf zurückzuführen, daß er nicht schnell genug Stellung nimmt, auch die Berliner vermissen das... Wir selber ergreifen Partei und wollen, daß der.Vor- wärts" zu allen Parteiftagen klar und unzweideutig Stellung nimmt.(Sehr richtig l) Das scheint auch die Meinung des Vorstandes zu sein. Es ist in verschiedenen Sitzungen dem Vorwärts" aufgegeben worden, mehr Salz zu verwenden. In Dresden hat Bebel grundlegende Aenderungen in der Redaktion angekündigt und die Frucht dieser Ankündigung war: w i r h a b e n Sitzungen gehabt, wir haben 11 nS die Wahrheit gesagt und dabei ist es geblieben." Aus diesen Ausführungen des Genossen WelS geht Nar hervor, daß die bei dem„Vorwärts" ftüher gerügten Mängel ungeachtet aller Krittk und Beschlüsse nach wie vor weiter bestanden und die Genossen von Groß-Berlin wesentlich zu der Forderung mitbestimmten. den„Vorwärts" als ihr Organ allein zu besitzen, um durchzuführen, was bisher als nicht möglich an» gesehen wurde. ES geht aber auch weiter aus den Ausführungen von Bebel und WelS mit aller wünschenswerten Klarheit hervor, daß eS eine durch aus falsche und irreführende Auffassung ist, welche die sechs Redakteure in ihrem an der Spitze des„Vorwärts" vom 28. Oktober ab gedruckten Artikel, betitelt.Aufstärung", geben, wonach durch die Beschlüsse der Konferenzen, die am 1. und 3. September dieses Jahres mit dem Parteivorstand, der Preßkommission und der Re- daktion vereinbart wurden, man habe annehmen müssen, daß nun- mehr alles in Ordnung sei und zu weitergehenden Aenderungen keine Veranlassung mehr vorgelegen habe. Da» Gegenteil hiervon besagen die namens des Partei- Vorstandes und der Vertreter von Groß-Berlin am 18. September in Jena gehaltenen Reden, die Ivbezw. 17 Tage nach den Erörterungen in den er« wähntenKonferenzenam 1. und 8. September ge- halten wurden. ES ist auch in der Parteipresse wie in sonstigen Mitteilungen darauf hingewiesen worden, daß daS jetzige Vorgehen des Partei Vorstandes und der Gesamtvertretung der Genossen von Groß-Berlin mit den Beschlüssen der Fünfzehner-Kommission des Jenaer Parteil tages im Widerspruch stehen. Auch diese Auffassung ist grundfalsch! Die Fünfzehner-Kommission wurde eingesetzt zu dem Zweck, die Pressefehden, die längere Zeit vor dem Jenaer Parteitag bis zu diesem selbst einen für die Partei bedenklichen Charakter an- genommen hatten, einer Beurteilung zu unterziehen und Vorschläge zu machen, wie künftig ähnliches vermieden werden könne. Die Kommission hat diesem Austrag entsprochen, wie die von ihr vorgeschlagene Resolution Nr. IbS(S. 144 des Protokolls über den Jenaer Parteitag) zeigt. Diese Resolution wurde von dem Parteitag einstimmig angenommen. Ihr Inhalt und Zweck hätte mit den Vorgängen im„Vorwärts", die uns in den letzten Wochen beschäftigten, höchstens nur insofern zu tun, als es in dieser Re olution unter 11 heißt: „Die prinzipielle Aufkl ärung(durch die arteipresse) hat entsprechend den Grundsätzen des Parteiprogramms im Sinne der Dresdener Resolution zu erfolgen." Aus den oben zitierten Stellen aus den Reden von Bebel und Wels geht auch unwiderleglich hervor, daßmannunmehrvon feiten des Parteivorstandes wie der Vertretung von Groß-Berlin fest entschlossen war, vonGrund aus Wandel zu schaffen, da es so wie bisher nicht fortgehen könne. Es ist als 0 nur ein Zeichen einer kaum für mög- i i ch g e haltenen Kurzsichtigkeit oder Vergeßlich- keit, daß man jetzt nicht nur seitens der sechs Redakteure, sondern auch seitens eines Teils der Parteiprcsse im höchsten Grade über- rascht und empört tut über das vom Parteivorstand und der Preß- kommission eingeschlagene Verfahren. Wie entwickelten sich nun die Dinge nach Jena Z Noch ehe der Parteivorstand Zeit hatte, sich mit der„Vorwärts"-Frage zu beschäftigen, er- hielt er eine Einladung von der Preßkommission und den Vertrauensleu ten von Groß-Berlin zu einer Konferenz für Montag, den 2. Oktober, um über seine Reformvorschläge betreffend den „Vorwärts" zu beraten. Hiernach stellt sich also die Behauptung der sechs Redakteure in ihrer sogenannten„Aufklärung" als falsch und unwahr heraus, daß unmittelbar nach dem Jenaer Parteitag der Borstand geheime Beratungen, zunächst mit den Partei- funkttonären von Groß-Berlin, sodann mit der Preßkommission be- gönnen habe. Nicht der Vorstand veranstaltete die Sitzung am 2. Ottober, sondern er war, wie nachgewiesen, hier wie am 17. Juni der G e- l a d e n e. ja bis zu einem gewissen Grade der Angeklagte. Daß zu dieser Sitzung am 2. Ottober die Redaktion nicht geladen wurde, ist folglich auch nicht Schuld des Vorstandes. Preß- kommission und Vertrauensleute— die Veranstalter jener Versamm- lung— betrachteten eS eben als selbstverständlich, daß, nachdem seit Jahren alle Mittel in Gemeinschaft mit der Redaktion, dem„Vor- wärts" eine Haltung zu geben, die den Anschauungen der sehr großen Mehrheit der Genossen in Groß-Berlin entsprach, versagt hatten, nunmehr für sich und in Gemeinschaft mit dem Parteivorstand zu beraten, wie den Mängeln endlich abgeholfen werden könne. Und der Parteivorstand, der als der Geladene erschien, fand die Nichteinladung der Redaktion zu dieser Sitzung so selbstverständlich, daß er gar nicht daran dachte» dagegen Einspruch zu erheben. Wie kein Mensch sich in eine Sitzung drängen wird, in der von den zuständigen Organen über eine Gehaltserhöhung für ihn beraten und beschlossen werden soll, so sollte auch keiner da» Ver- langen aussprechen, um jeden Preis Berhand- lungen beizuwohnen, in denen es sich umseine event. Kündigung handelt, weil die über sein Tun und Lassen zur Entscheidung berufenen Organe eine solche möglicherweise für notwendig halten. Es ist auch absurd, wenn die 8 Redakteure von diesen und den folgenden Sitzungen von geheimen Sitzungen sprechen. Alle derartigen Sitzungen sind nicht öffentlich, das sollten Leute, die oft genug an ähnlichen Sitzungen teilnahmen, allmählich begriffen haben. Der Verlauf der Konferenz am 2. Oktober war kurz folgender: Auf die Anfrage an den Parteivorstand, welche Maßnahmen derselbe bezüglich Aenderungen in der Redaktion de»„Vorwärts" in Vorschlag zu bringen habe, mußte er erklären, daß die ihm durch den Jenaer Parteitag auferlegte Arbeitslast ihn bis jetzt verhinderte, sich mit Reformvorschlägen zu beschäftigen, daß dieses aber in Bälde geschehen solle. Darauf wurde dem Parteivorstand von allen Seiten geantwortet. daß seine Erklärung peinlich berühre. Man habe annehmen müssen, der Vorstand mache endlich ernst, es scheine aber, daß er wenig Neigung habe, eine neue Ordnung im„Vorwärts" zu schaffen und die Sache abermals verschleppt werden solle. Die Berliner Parteigenossen wollten sich aber nicht länger hinhalten lassen. Der Vorgang zeige wieder, wie berechttgt ihr Verlangen sei, den„Vor- wärts" als ihr Organ zu besitzen. Endbeschluß: Parteivorstand und Preßkommission werden beauftragt, sich baldig st zuverständigen und ihre Vorschläge der Gesamtvertretung von roß-Berlin zu unterbreiten. Hierauf beschäftigte sich der Parteivorstand in seiner nächsten Sitzung mit dieser Angelegenheit und machte in der gemeinsamen Sitzung niit der Preßkommission am Freitag, den 8. Oktober, folgende Vorschläge: Da bisher eine Menge Differenzen in der Redaktton dadurch entstanden seien, daß die Mehrheit der Redaktion einen anderen Standpunkt habe als die große Mehrheit der Genossen Berlins und der Parteivorftand, so müsse eine dementsprechende Mehrheit ge- schaffen werden. Der Parteivorstand schlage demgemäß vor, den Genossen Büttner und Kaliski zu kündigen, den Genossen Fülle in die Redaktion aufzunehmen und an Stelle BüttnerS einen neuen Redakteur einzustellen. Die Genossin Luxemburg solle als Mitarbeiterin auf- genommen werden, die jede Woche zwei Leitartikel liefern solle. Diese Artikel sollten ihrer Tendenz wegen nicht zurückgewiesen werden können, ei sei denn, daß preßgesetzliche Bedenken obwalteten oder Gründe anderer Art(taktische oder programmatische) die Be- anstandnng eines Artikels durch wenigstens drei Redaktcure ver- anlaßten, worauf die Aiiftiahme zu unterbleiben und sofort Partei- Vorstand und Preßkommission über dieselbe entscheiden sollten. Die letztere Borschrist entspricht einem Beschlnß, der schon Anfang Scp- tember durch Partcivorstand, Preßlommission und Redaktion gefaßt worden war. Es ist also aiermalS falsch und zeigt nur. au» welch trüben Quellen die sechs Redakteure schöpften. wenn sie in ihrer sogenannten„Aufklärung" behaupten, daß die Genossin Luxemburg mit dem Recht einer gewissen ZloangSaufnahme ihrer Artikel und einem Privileg hinsichtlich der redakttonellen Kontrolle als ständige Mitarbeiterin eingestellt werden sollte. Wenn ferner die sechs Redakteure in ihrer sogenannten„Auf- klärung" sagen, die Aufnahme StadthagenS in die Redattion sei ihnen nicht annehmbar gewesen, so möge zur Charakteri« ierung einer so leichtfertig ausgesprochenen Begründung darauf aufmerksam g e m a ch t>v e r d e», daß Stadthagen seit 1893 mit festem Gehalt angestellter Redakteur für den juristischen Teil des„Vorwärts" ist und als solcher auch aa den Sitzungen der Redaktion mit Stinim recht teil- nehmen konnte, aber es schon 1839, als die Ein- richtung getroffen wurde, ft rittige Fragen in der Redaktion durch MehrheitSLeschlng zu ent- scheiden, ablehnte, an diesen Beratungen teil- zunehmen. So sieht eS mit der Wahrheitsliebe und mit dem guten Geschmack der sechs Redakteure aus. Die erwähnten Vorschläge des Parteivorstandes wurden von der Preizkomniission als völlig ungenügend bekämpft. Der Parteivorstand tvolle ein paar„kleine" Redakteure preisgeben, aber die eigentlich Schuldigen in der Redaktion belassen; damit sei den Berliner Genossen nicht gedient. Unter letzteren bestehe in den weitesten Kreisen die Ansicht, es müsse in erster Linie Grad- n a i! e r gekündigt werden, den man als Hauplstein des Anstoßes ansehe, ebenso dem Genossen Wetzler, dagegen sei man bereit, Bültner zu kündigen, aber nicht Kaliski; außerdem wurde vor- geschlagen, Stadthagcn zur dauernden Mitarbeit in die Redaktion zu ziehen, auch sei man damit einverstanden, die Genossin Luxem- bürg als Mitarbeiterin aufzunehmen. Der Parteivorstand erklärte, daß er auf der glatten Annahme seiner Vorschläge nicht bestehe. Mache man bessere, akzeptiere er sie. Sollte Gradnauer und Wetzker gekündigt werden, so erwarte er Vorschläge für passenden Ersatz. Gegen eine erweiterte Beschäftigung Stadthagens habe man nichts einzuwenden. Endresultat: Die Preßkom Mission wurde ersucht, zunächst unter sich Borschläge zu beraten und diese dem Parteivorstande zu unterbreiten. Ueber die gepflogenen Verhandlungen wurde vorläufige Ge- Heimhaltung beschlossen. Dieser letztere Beschluß stellte sich schon am nächsten Tage als hinfällig heraus. Einmal wurde noch während der Sitzung fest- gestellt, daß einer der sechs Redakteure längere Zeit als Lauscher an der Tür zum Konferenzzimmer stand und weiter ergab sich, daß auch ans dem Kreise der Beratenden der e i n st i m m i g e Schweige- beschluß nicht gehalten worden ivar. Von jetzt ab wurden die Sitzungen statt im Konferenzzimmer der Redaktion im Bureau des Parteivorstandes abgehalten. Die Darstellung der sechs Redakteure in ihrer sogenannten„Aufklärung", wonach die Beschlüsse dieser Sitzung für geheim erklärt wurden, ist also auch unwahr. ES wurden Beschlüsse über Anstellung be> stimmter Personen in der Redaktion gar nicht gefaßt, sondern alles blieb in Schwebe. Nicht die Beschlüsse, sondern die VerHand- lungen über die Personen sollten zunächst als vertrauliche an- gesehen werden. Die Preßkonunission trat bald darauf unter sich in Beratungen und unterbreitete dem Parteivorstand folgende Vorschläge: Dieselbe lehnt ab, KaliZki zu kündigen, sie lehnt ferner a b, Fülle in die Redaktion aufzunehmen, dagegen beantragt sie, Büttner, Gradnauer und Wetzker zu kündigen. Die Vorschläge betreffend Stadthagen und Luxemburg nimmt sie an. Der Parteivorstand beschloß darauf, den ge- machten Vorschlägen z u z u st i m m e n. Da aber der Vor- stand mittlerweile vernommen hatte, daß die sechs Redakteure über- cingekommen sein sollten, daß wenn einigen von ihnen gekündigt werde, alle sechs kündigen ivollten, kam er zu dem erweiterten Vor- schlag, um die Erörterungen zu vereinfachen, der gesamten Redaktion zu kündigen und eine neue Redaktion zusaminciizusetzc». Der Preßkommission wurde hierauf in der gemeinsamen Sitzung am 20. Oktober erklärt, daß der Parteivorstand ihren Vorschlag als einem verbesserten. zustimme, daß er aber auS Gründen, die dar- gelegt wurden, die Kündigung der gesamten Redaktion zu dem 31. März 1900 empfehle. Nach kurzer Debatte wurde dieser Antrag von der P r e ß k o m m i s s i o n einstimmig a n g e n o nr m e n. Weiter wurde beschlossen, für Montag, den 23. Oktober, eine Sitzung der Gcsamtvertretung von Groß-Berlin einzuberufen und dieser die Vor- schlüge des Parteivorstandes und der Preßlommission in folgender Fassung zur Annahme zu unterbreiten: „Vorstand und Preßkommission kündigen der gesamten Redaktion auf den 31. März 1909. Die Frage der Mitarbeiterschaft am„Vorwärts" wird au?- geschieden, ihre Lösung hängl ab von der künftigen Zusainmensetzung der Redaktion. Wird von drei Mitgliedern der Redaktion der Artikel eines RedaltiouSmitglicdcs oder eines Mitarbeiters als nicht zur Auf- nähme in den„Vorwärts" geeignet beanstandet, so sind Partei- borstand und Preßtonimission sofort zu berufe», die über die Auf- nähme entscheiden. Ehe noch diese gemeinsame Konferenz stattfand, reichten die sechs Redakteure Sonnabend, den 21. Oktober, abends zwischen 6 und 7 Uhr, ihre Kündigung ein und noch ehe die Mitglieder des Partei- Vorstandes und der Preßkommisfion von der erfolgten Kündigung unterrichtet worden Ivaren, erfolgte bereits die Veröffentlichung der« selben an der Spitze des politischen Teiles des„VorlvärtS" am Sonntag, den 22. Oktober. Wir bestreiten den 6 Redakteuren nicht das Recht, die Leser des „Vorwärts" von ihrem bevorstehenden Austritt aus der Redaktion in geeigneter Form zu unterrichten. Wir betrachten es aber als einen groben Mißbrauch ihrer Stellung, daß sie diese Kündigung an der Spitze der politischen Ucbersicht veröffentlichten, d. h. an einer Stelle, an die persönliche Angelegenheiten nicht hingehören. Wir erblicken in dieser Handlungsweise der sechs Redaktcure nur die Absicht, Sensation hervorzurufen, ihre Handlungsweise als eine die Partei rettende Tat erscheinen zu lassen und gegen den Parteivorstand in der Oeffentlichkcit Stimmung zu machen, eine Absicht, die wie sämtliche am Montag hier in Berlin erscheinenden bürgerlichen Zeitungen bewiesen, erreicht wurde. Weiter wollte man durch diese Art der Ankündigung in die Partei und Parteipresse Verwirrung tragen, in der Hoffnung, damit das Ansehen des Partei- Vorstandes als den angeblich alleinigen Urheber der Kündigung zu schädigen.» Wir betrachten aber auch die Veröffentlichung der sogenannten „Aufklärung" der sechs Redakteure an der Spitze des„Vorlvärts" am Donnerstag, den 26. Oktober d. I. an einer Stelle, woselbst sonst nur die offiziellen Erlasse und Bekanntmachungen des Parteivorstandes erscheinen, als groben Mißbrauch ihrer Stellung. Es scheint, daß die sechs Redakteure allmählich ein geradezu unbegreifliches Selbstbewußtsein erlangten. Folgender Vorfall möge dies noch besonders beleuchten. Als auf Grund jenes oben bereits erwähnten Beschlusses, der unter Mit- Wirkung der sechs Redakteure«zu stände gekommen war, drei Re- dakteure gegen die Anfnahiue einer bestimmten Notiz am 27. 10. 03 protestierten und dieselbe dem Vorstande und der Preßkommisfion zur vorherigen Begntachtung unterbreiten wollten, versuchte eS der verantwortliche Redakteur, einer der sechs, trotzdem die sofortige Aufnahme zu erzwingen. Dieser Versuch der Durchbrechung fest- liegender Beschlüsse zwang die AufsichtSinstanzen. die sofortige Be- seitigung des fraglichen Redakteurs von seinem Posten zu veran- lassen. ES war aber nach diesen Vorgängen auch sofort dem Partei- vorstand und der Preßkommisfion klar, daß sie unter der Herrschaft einer solchen RedaktionSmehrheit unmöglich an eine Darlegung der, Beweggründe ihres Handelns im„Vorwärts" denken könnten, weil feststand, daß diese sofort durch verwirrende Gegenbemerkungen wirkungslos zu machen versucht würde, mit anderen Worten, daß der Konflikt eine Gestalt annehmen werde, der die schon längst unhaltbar gewordenen Zustände in der Redaktion des„Vorwärts" noch bedeutend verschlimmern und zu einer Katastrophe führen mußte. Wir be- schlössen also, mit unserer Darlegung zu warten. bis eine Durchkreuzung unserer Absichten un- möglich geworden war. Durch die Kündigung der sechs Redakteure war der Antrag des ParteivorstandcS und der Preßkoinmission an die Gesamtvertretung von Groß-Berlin der gesamten Redaktion zu kündigen, hinfällig geworden. ES wurde nunmehr der betreffenden Konferenz der Bor- schlag unterbreitet, der bereits im„Vorwärts" vom 24. Oktober veröffentlicht wurde, den wir aber der Vollständigkeit halber hier nochmals zum Abdruck bringen: An die Parteigenossen! Am heutigen Tage fand eine Sitzung statt, an welcher der Parteivorstand, die Preßkommission des„Vorwärts", die Vertrauens- leute von Berlin und Umgegend, die Vorsitzenden und ersten Kassierer der acht sozialdemokratischen Wahlvereine, die Lokalkommission, die Agitationskommission für die Provinz Brandenburg und die Ab- geordneten und Kandidaten der Wahlkreise von Berlin und Umgegend für den Reichstag teilnahmen. Die Anwesenden beschlossen mit allen gegen 8 Stimmen: Die Versammlung akzeptiert die Kündigung der Genossen Büttner, Eisner, Gradnauer, KaliSki, Schröder und Wetzker als Redakteure des„Vorwärts", weil dieselbe geeignet ist, die Ver- Hältnisse in den Redaktion desselben in einer den Wünschen und An- schaumig der Versammlung entsprechenden Weise umzugestalten. Demnach werden Partcivorstand und Preßkommission be- auftragt, sofort die nötigen Schritte für eine Ergänzung der Redaktion vorzlinchmcii. Den Parteigenossen soll über die Vorgänge, die zur Kündigung der genannten sechs Genossen und zu dem heutigen Beschluß führten, öffentlich Auskunft gegeben werden, sobald die Verhältnisse in der Redaktion geordnet worden sind. Berlin, den 23. Oktober 130S. Der Parteibor st and. Nach längerer Debatte wurde dieser Vorschlag mit allen gegen acht Stimmen angenommen, nachdem zuvor ein An- trag, die Angelegenheit noch einmal in einer Konferenz mit der Gesamtrcdaktion zu besprechen, bei etwa 80 Anwesenden, mit allen gegen 14 Stimmen und der Antrag, die Vorschläge erst an die Kreise zu bringen, mit allen gegen 12 Stimmen ab- gelehnt worden war. Die große Mehrheit jener Versammlung ging also von der Ansicht ans, daß die Angelegenheit eine rasche Lösung erheische, weil in cincr außerordentlichen Situation auch außerordentliche Mittel angewendet werden müssen. Partcivorstand und Preßkommission haben der gegebenen Weisung entsprechend gehandelt, indem sie den sechs Redakteuren am 28. dieses Monats mitteilten, daß vom 20. dieses Monats ab auf ihre Tätigkeit am„Vorwärts" verzichtet werde. Wir gkanben, daß wir damit dem Wunsche der sechs Beteiligten aus einer ihnen widerwärtig gewordenen Stellung befreit zu werden, in raschester Weise entgegengekommen sind. AuS der hier gegebenen Darstellung geht unumstößlich hervor: 1. Daß c3 nicht nur eine falsche, sondern eine böswillige Dar- siellung der sechs Redakteure ist, wenn sie in ihrer so- genannten„Aufklärung", die ebensogut„Verwirrung" genannt werden kann, die Sache so drehen, als sei es der Parteivorstand, der die ganze Angelegenheit auf eigene Faust eingefädelt habe, während doch aus unseren obigen Ausführungen hervorgeht, daß die Initiative von den Vertretern von Groß- Berlin ausging, und da ßalsdann alle Ver Hand- lungen in voller Harmonie unter den Beteiligten gepflogen wurden. 2. Daß der Parteivorstand und die Gcsamtvertretung von Groß- Berlin für sämtliche Schritte solidarisch die Verantwortung der Partei gegenüber übernehmen. Wir können nur unserer Verwunderung aber auch unserm leb- haften Bedauern darüber Ausdruck geben, daß, obgleich durch den Beschlutz in der Versammlung am 23. Oktober deutlich ausgesprochen worden war, daß den Parteigenossen über die Vor- gänge, die zur Kündigung der sechs Redakteure führten, öffentlich Auskunft gegeben werden solle, sobald die Verhältnisse in der Re- daktion geordnet seien und dieses letztere sofort geschehen werde, dennoch ein Teil der Parteipresse bereits gegen den Vorstand Stellung nahm. Die einfachste Rücksicht auf Gerechtigkeit gebot nach dem Satz zu handeln: Eines Mannes Rede ist keine Rede, man muß sie hören Becde. Mit welchen Mitteln und auf wessen Kosten die sechs Redakteure die Parteipresse zu beeinflussen suchten— wie die Tätsachen zeigen, mit einem gewissen Erfolge— darauf werden wir vielleicht gclegcnt- lich noch zu sprechen kommen. ES bleibt uns nunmehr nur noch übrig, auf einige Behauptungen einzugehen, welche die sechs Redakteure in ihrer sogenannten„Auf- klärung" aufgestellt haben. WeShalb wir dem Verlangen der sechs Redaktmre. die Redaktion zu den gepflogenen Beratungen hinzuzuziehen, nicht entsprochen haben, ist nach dem Gesagten zu wiederholen nicht nöng. Daß wir streng innerhalb der Vorschriften handelten, welche die Parteiorganisation vorsckreibt, geht aus dem Absatz 2§ 26 der in Jena beschlossenen Organisation hervor. Dort heißt eS: „Die Preßkommission entscheidet in Gemeinschaft mit dem Partei- Vorstande über alle Angelegenheiten des Zentralorgans, ins- besondere über Anstellungen und Entlassungen im Personal der Redaktion und Expedition. Bei etwaigen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Partcivorstand und der Preßkommission entscheidet die Kontrollkommission, der Partcivorstand und die Preßkommission in der Art zu gleichen Rechten, daß jedes dieser Organe je eine Stimme hat." Die sechs Redakteure behaupten aber auch, daß im vorliegenden Falle von uns im W i d e r s p r u ch mit der bisherigen Praxis im „VorlvärtS" gehandelt worden sei. DaS ist wiederum»iiivahr. Wir stellen zunächst fest, daß die Frage einer gründlichen Um- gcstaltung in der Zusammensetzung der Redaktion zwecks einer prinzipienfesteren Haltung des„Vorwärts" bisher nicht ein einziges Mal bestanden hat. Wie war aber bisher die Stellung der Redaktion zu Partei- vorstand und Preßkommisston? Als auf dem ersten Parteitag in Halle 1830 nach dem Fall des Sozialistengesetzes die Partei sich eine neue Organisation gab, wurde durch den Fraktionsvorstand als die bis dahin bestandene Partei- leitung der Antrag gestellt und durch Grillcnbcrger begründet: dem Genosse» Liebknecht als Ehefredakteiw des»Vorwärts" Sitz und Stimme im Parteivorstand zu gewähren, d. h. volle Gleichberechff- gung mit den übrigen Vorstandsmitgliedern. Grillenberger führte zur Begründung auS— man lese auS- fllhrliches hierüber im Protokoll des Haller Parteitages—, eS sei unmöglich, das geistige Haupt der Partei in Deutschland, den Chefredakteur des„Vorwärts" dem Parteivorstand gegenüber in eine untergeordnete Stellung zu bringen, und daß dieses umsowemger angängig sei, da Liebknecht während der Dauer des Sozialisten- gesetzes Mitglied der Parteileitung gewesen wäre. Dementsprechend wurde beschlossen. Nachdem Liebknecht gestorben war, erlosch die Stelle des Chefredakteurs. Der„Vorwärts" hat seitdem keinen mehr gehabt. Die entgegenstehende Behauptung der sechs Redakteure, nach dem Tode Liebknechts sei das gleiche Recht auf einen Vertreter der Redaktion übergegangen, ist eine auf Täuschung berechnete Uu- Wahrheit. Niemals ist eine solche Stellung einem Redakteur des„Vor- wärts" von dein Parteivorsland und der Preßkommission eingeräumt worden. Tagegen bestand bisher die selbstverständliche Einrichtung, daß, handelte es sich um Angelegenheiten, welche die innere Ordnung der Redaktion betrafen, oder um eine Frage der Taktik, die der „Vorwärts" in einer bestimmten Frage einnehmen möchte, oder um sonstige wichtige Parteiangelegenheiten, für die eS wünschenSivcrt war, daß die Redaktion unterrichtet sei und dergleichen mehr, so fanden je nach der Natur dieser An- gelegenheit gemeinsame Sitzungen mit dem Partcivorstand oder mit dem Parteivorstand und der Preßkommission eventuell auch mit der Gesamtvertretung Groß-Berlins und der Redaktion oder Ver- tretern derselben statt. Auch räumten wir der Redaktton eine beratende Stimme ein, wenn eS sich um Ersatz eines Redakteurs handelte. Mehrmals kam eS auch vor, daß die Redaktion den Wunsch aussprach, an einer Sitzung des Parteivorstandes teil- zunehmen, um Anregungen zu geben oder zu empfangen. Das war z. B. am 14. Juni der Fall, als der Parteivorstand und die Kontroll- kommission die Tagesordnung für den Jenaer Parteitag festsetzen wollten. Auf Wunsch der Redaktion wurde Gradnauer zu dieser Sitzung zugezogen. Derselbe machte den Vorschlag, auf die Tages» ordnung des Parteitages noch zu setzen: die Wandlungen in der auswärtigen Politik des Reiches, ferner: den Stillstand der Sozial- reform. Beide Vorschläge wurden nach längerer Debatte von der Parteileitung einstimmig abgelehnt; die Tagesordnung des nächsten Parteitages ertrage keine weitere Belastung. Die Parteileitung war aber höchlich überrascht, als nach Ver- öffentlichung der Tagesordnung der„Vorwärts" einen Leitartikel brachte, in dem genau mit denselben Gründen, die Gradnauer für seine Vorschläge in der Sitzung der Parteileitung angeführt hatte, die Erweiterung der Tagesordnung des Parteitages befürwortet wurde, ohne daß mit einen: Worte die Leser darauf hingewiesen wurden, daß diese Vorschläge bereits der Parteileitung unterbreitet und von dieser ein st immig abgelehnt worden seien. Im Parteivorstand war über dieses Vorgehen der Redaktton einstimmig Verurteilung. Man bezeichnete dasselbe als h ö ch st illoyal und sah von einer öffentlichen Darstellung nur ab, weil der Vorschlag in der Partei sehr wenig Anklang fand. Es besteht bei dem Vorstande und der Preß- kommission die einstimmige Ansicht, daß auch künftig die Redaktion des„Vorwärts bei all den Vor« gängen, bei welchen s ie b is h e r als A us kunft o d er Anregung gebendes oder beratendes Organ zu- gezogen wurde, auch künftig an diesem Zu stände nicht gändert werden soll und darf. Dazugehört aber nicht ein Vorfall, wie der etzt in Frage stehende, aus den bereits hinläng- lich dargelegten Gründen. Wenn die sechs Redaktcure weiter behaupten, daß die im Ein- Verständnis mit der Preßkommission und der Gesamtvertretung Groß-BerlinS geübte Handlungsweise des Vorstandes„die Freiheit und Unabhängigkeit der Parteipresse bedroht, wenn nicht vernichtet, die bisher der schönste Stolz der Partei- genossen gewesen und allein den Redakteuren das moralische Recht gegeben habe, die Würdekosigkeit und Abhängigkeit des kapitalistischen PrcßbetricbeS zu geißeln", so bewundern wir, woher die sechs Redakteure den Mut hernehmen, solche P h r a s e n zu ver- öffentlichen. Sie haben ja bisher mit diesen und falschen Behauptungen einen gewissen Einfluß auf die bürgerliche Presse ausgeübt. Aber wir lassen uns durch solchen Theaterdonner nicht einschüchtern und hoffen, die Partei auch nicht. Wir glauben, daß diejenigen Mitglieder des Parteivorstandes und der Preßkommission, wie der Gesamtvertrctung Berlins, die nicht nur 16 und 20 Jahre, wie ein oder zwei unter den sechs Redakteuren, sondern drei, vier und über vier Jahrzehnte in der Bewegung stehen und sich wohl auch einige Verdienste um die Partei erworben haben dürften, über solche Behauptungen heiter lachen werden. Und dasselbe gilt von allen anderen Genossen, die bei unseren Beschlüssen mitgewirkt haben. Zum Schluß sei noch auf eine Tatsache hingewiesen, die zwar bei unseren Entschließungen keinen Einfluß übte, aber immerhin doch in Erwägung gezogen werden mußte und den Parteigenossen bekannt zu geben ist. Die persönlichen Verhältnisse zwischen der Mehrheit und der Minderheit der Redaktion sind schon seit Monaten die denk- bar schlechtesten: wie immer und überall es vorkommt, daß auS prinzipiellen und taktischen Meinungsverschiedenheiten, wenn dieselben als unüberbrückbar gelten, sich persönliche Gegnerschaft der stärksten Art entwickelt, so auch in der Redaktion des„Vorwärts". Diese Gegensätze traten mit äußerster Schärfe hervor, als am 14. Sep- tembcr— drei Tage vor dem Jenaer Parteitage— auf A u t r a g der Redaktion eine gemeinsame Sitzung mit dem Partei- vorstand abgehalten wurde, in welcher Differenzen, die sich aus dem damals im„Vorwärts" gleichzeitig erfolgten Abdruck von Artikeln der Mehrheit und der Minderheit ergeben hatten, geschlichtet werden sollten. Diese Verhandlungen nahnien seitens der streitenden Parteien einen so turbulenten Charakler an, daß der Vorsitzende Mühe hatte, Orb- nung zuhalten. Seitdem beschränkte sichderVerkehrderbeiden Parteien aus das allcrnotwendigste. Es gab in der Redaktion kein Mit- einandcrarbeitcn mehr, sondern nur noch ein Nebeneinanderarbciten, und auch dieses war zuletzt kaum noch möglich. Daß ein solcher Znstand auf die Dauer für alle Beteiligten unerträglich ist� und daß darunter auch die Redaktion des be- treffenden Blattes ans das s ch w e r st e leiden muß, ist sclbstver- stündlich. Wir haben daher auch aus diesem Grunde es begrüßt, daß die eine Partei durch ihre Kündigung einem unmöglich gewordenen Zustande ein Ende bereitete. Von der Uuhallbarkeit der Zustände in der Redaktion waren auch die sechs Redakteure, die kündigten, überzeugt, nur waren sie der Meinung, nicht sie. sondern die Minderheit habe zu gehen. Un- verblümt ist dieser Meinung ans den Reihen der Mehrheit der Mndcrhcit gegenüber schon bei frühere« Gelegenheiten Ausdruck verliehen worden. Parteigenossen! Wir haben Euch hiermit die Gründe für unser Verhalten gegenüber den sechs Redakteuren, die kündigten, dargelegt, Von der Minderheit der Redaktion wurde das Verlangen der Mehr heit nicht unterstützt. Mit ihr uns auseinanderzusetzen, wurde uns erspart. Wir haben getan, was wir im Parteiinteresie für unsere Pflicht hielten. Berlin, den 30. Oktober 1303. Der Parteivorstand. Die Preßkommission. Hus der parteu Ein sozialdemokratischer Bezirkstag des Regierungsbezirks Merse- bürg auf dem Delegierte von acht Reichstagswahlkreisen vertreten waren, fand am 29. Oktober in Halle statt. Ein kräftiges Vorwärts» schreiten der Bewegung in politischer sowohl, wie in gcwcrkschaft- licher Beziehung konnte konstatiert werden, obwohl ein sehr schikanöses Vorgehen der Behörden und Unternehmer die Bewegung hindert, Saalverweigerungen zu Versammlungen sind in allen Kreisen zu verzeichnen. Wenn Militärbehördu, drohen, dann knicken die Saal- besitzer zusammen. Von dem Kandidaten des Kreises Bitterfeld-Delitzsch, verlangte der Amtsvorstehcr, als euer Genosse in einem Landorte einen Aorirag halten wollte, daß er dort eingeschriebenes Mitglied des Vereins sei. Im reichstreuen Leuschner Ländchen Mansfeld-Eisleben belegte man einen Genossen mit 43 Mark Geldstrafe, weil er nach der Meinung eines überwachendenPolizistcn eine Versammlung zwei Minuten zu früh eröffnet habe. Im Zeitzer Kreise wurden im letzten Jahr zwei Genossen(Ociterreicher) ausgewiesen. Der eine Genosse wohnt gegenwärtig in Altenbnrg,% Stündchen vom Zeitzer Kreise entfernt, der andere ist in Nürnberg tätig— und das Deutsche Reich stürzte nicht ein. Einen sehr breiten Raum nahm der Punkt: Beschluß- fassung über e v e n t u e l l e An st e l l u n g eines Bezirks- s e k r e t ä r S für den Regierungsbezirk Merseburg ein. Der Referent Leopold- Zeitz wies darauf hin, daß von den 83 033 Personen, die bei der'letzten Reichstagswahl im Bezirk sozialdemokratisch ge- stimmt haben, nur 8333 politisch o r g a n i s i c rt sind. Da sei noch ein großes und breites Feld für den Sekretär vorhanden. Die Anstellung des Sekretärs wurde schließlich mit 28 gegen sechs Stimmen beschlossen: elf Genossen enthielten sich der Abstimmung.— Ueber die Presse, die gute Fortschritte gemacht hat, referierte Ge- nosse Thiele. Bürgerrecht in königlichen Betrieben. In Kiel besteht die Gefahr, durch Wahl sozialistischer Abgeordneter des Reiches Glanz und Herr- lichkeit rötlich zu beleuchten. Um das zu verhindern, ist auf der kaiserlickien Werft durch Tagesbefehl bekannt gegeben worden, daß jeder Arbeiter, der zur Wahl gehen wolle, sich am 25. Oktober bei dem nächsten Vorgesetzten zu melden habe.— Unerhört!— Ja, in einzelnen Resiorts hat man die Leute sogar zum Bureau bestellt, nach Wohnung und Absicht bezüglich der Wahl befragt. Man glaubt wohl, durch solche Mittel, durch welche das Bürgerrecht unter Kon« trolle gestellt wird, die Werftarbeiter einschüchtern zu können. Wir hoffen, der Tag der Wahl wird die Nutzlosigkeit solcher Staatsaktionen deutlich demon>trieren.— Politische Lchrabcndc. Der Sozialdemokratische Verein in Essen hat beschlossen, für seine Funktionäre einen Lehrkursus zu veranstalten. Vorläufig sind folgende Themata in Aussicht genommen: 1. Die Parteien des deutschen Reichstages. 2. Unsere Organi- sation. 3. Das sozialdemokratische Programm: a) Allgemeiner Teil. b) Unsere Forderungen an die heutige Gesellschaft. 4. Die Sozial- gesetzgcbnng: Alters-, Invaliden-, Kranken-, Unfallversicherung. 8. DaS Koalitionsrecht und seine Geschichte. 6. Mittelstandspolitik. 7. DaS Bürgerliche Gesetzbuch. 8. Militarismus, MarinismuS, Rolonialpolitik. ö. Zolltarife und Handelsverträge. dem aus Da- Induftne und DandeL Zur Reform der Personentarife. Der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten hat "andes-Eisenbahnamt eine Denkschrift zugehen lassen, dem die.Franks. Ztg." einen summarischen Auszug bringt. ratli sei man davon ausgegangen, daß das Ziel der Reform tunliche Aeseitiaung der Verschiedenherten der bestehen- den Tarife und die Aufstellung eines möglichst einfachen, klaren und modernen, verständlichen Tariss. nicht aber eine allgemeine Verbilligung der Tarife sein muffe Das habe auch der deutsche Handelstag und ebenso das preußiiche Abgeordnetenhaus ihrerseits empfohlen. Es sei nicht angängig gewesen, die Einrichtungen des einen Staates ohne weiteres auf mc des anderen Staats zu über- tragen. Die Einigung über die Zahl der Äagenklassen habe große Schwierigkeiten gemncht. Vom Standpunkt des Eisenbahnbetriebs hätte man vielleicht einer Ve r r i n ge r u n g d c r K lassen das Wort reden können, aber man dürfe die Gewohnheiten und Bedürf- nisse des Verkehrs nicht übersehen.?'°�rte Klaffe ,e. ein Be- förderungsmittcl, das für weite Kreit e der Bevölkerung erhebliche Vorteile biete: durch billigen Preis und durch die Einrichtung der Wagen. Diese ermöglich- dem R-'ienden umtaiigrelche Traglasten auch auf weiten Reisen mitzuführen. Bei Ab, chafsung der vierten Klasse würde ein beträchtlicher Teil der Reisenden. die jetzt die dritte Klasse benützen, in die Zweue Klaffe gedrangt. Eine solche Reform würde für diese eine erhebll e Verteuerung und einen Rückschritt bedeuten. Bayern akzeptiert die vierte Klasse für die Pfalz. Di- Beseitigung der Rückfahrkarten werde u. a. auch durch die häufige Möglichkeit unberechtigter Bcnutzuug motiviert. Es ivare unmöglich zu schätzen, in welchem Umfang Durchstechereien getrieben worden seien. Die Rückfahrkarte s-s geradezu eme Fessel des Verkhrs Für kurze Reisen werde es angängig fem. dm Karten für die Ruckfahrt bei der Hinreise zu lösen, oder auch Rückfahrkarten mit kurzer, etwa eintägiger Geltungsdauer a�ne Preisermäßigung auszuge en Die neuen Fahrvreise könnten nicht weiter herabgesetzt werden: sie seien so billig wie die regelmäßigen Be. förderungspreise kaum in einem anderen Lande. Den Arbeitern stünden die noch billigeren Arbeiterkarten zum Preise von einem Pfennig für den Pcrsonenkilometer zur Verfugung Ob sich Schnei zugs zuschlage theor-ti,ch reckstsertigen ließen, sei ungewiß. d,e Meinung der Theoretiker und Praktiker über die Selbukosten der Schnellzüge gingen auseinander,-rte Zu- scbläge rechtfertigten nach der Denkschrift sich aber durch die ,n den Schnellzügen gebotene größere Bequemlichkeit und die schnellere Be- förderung.... Ueber da? rf r ei g e v a ck veröffentlicht die Denkschrift eme eingehende Tabelle., die nachweisen soll, wo der neue Tarif billiger und wo er höher'st als bisher. Höher ist der neue Tarif m Preußen für alle Sendimgen bis �u 35 Kilogramm, für Gewichte von 36 bis 45 Kilogramm ,lnd die Preise gleich, für 46 bis 33 Kilo- gramm ist der neue Tarif niedriger, für 51 bis 55.Kilogramm ü£ n„ v-irt Kiloaramm diiv�rt,rtrt C. I-- C.... rrs mird hellicht zu denken sein. Wir werden auf diesen wie auf den übrigen Inhalt der Denkschrift noch eingehender zurückkommen- Kapitalserhöhung der Gclsenkirchencr Bergwerksgesellschaft. Der Aufsichtsrat dieser Gesellschaft hat beschlossen, das Aktien- kapital um 11 Millionen Mark, also auf 133 Millionen Mark, zu erhöhen und gleichzeitig eine neue Anleihe von 33 Millionen Mark aufzunehmen. Die infolge der Kapitals- erhöhung auszugebendem neuen Aktien dienen teils zum Erwerb der Gesellschaft Raab Karcher u. Co., Mannheim, teils zum Er- werb einer Beteiligung bei der Aktiengesellschaft Rheinisch-West fälisches Elektrizitäts-Werk, Essen. Der verbleibende Rest soll im Verein mit der Anleihe die Betriebsmittel der Gesellschaft und der mit ihr in Verbindung stehenden beiden Werke Aachener Hütten Aktienvcrein und Schalker Gruben- und Hüttenwerke dienen. Damit wird das Gelsenkirchener Bergwerk, das, wie bekannt,, seit dem Ende des vorigen Jahres auf eine völlig neue Grundlage gestellt worden ist, einen weiteren bedeutsamen Ausbau erfahren, auf den noch zurückzukommen sein wird. Berliner Elektrizitätswerke. In der gestern stattgefundenen A u f s i ch t s r a t s s i tz u n g der Berliner Elektrizitätswerke wurde seitens des Vorstandes Bericht über das Ergebnis des verflossenen Geschäftsjahres erstattet. Dasselbe er- möglicht die Verteilung einer Dividende von 13 Prozent (im Vorjahre QVi Proz.). Dabei war der um etwa 27 Proz. (für die Mehrheit der Anlagen) ermäßigte Lichttarif das ganze Jahr hindurch in Geltung. Die Stromabgabe ist in erhöhtem Maße gestiegen; sie betrug III 572 782 Kilowattstunden(gegen 93 531 434 Kilowattstunden im Vorjahre). Die Zahlungen an die Stadt Berlin beziffern sich auf 3 213 133,72 M.(gegen das Vorjahr 363 634,91 Mark mehr). Zur Rückzahlung der nicht konvertierten Schuldver- schreibungen zur Tilgung der schwebenden Verbindlichkeiten und zur Bestreitung der aufs neue in Aussicht genommenen Erweiterungs- bauten ist die Ausgabe einerneuen Anleihe von 8 Milli- onen' Mark in Aussicht genommen. Auch im laufenden Geschäfts- jähre entwickelte sich daS Unternehmen nach diesem offiziellen Bericht günstig. Der Zuwachs der Anschlüsse für Licht und Kraft in der Zeit vom 1. Juli bis Ende Oktober überschritt 5333 Kilowatt. Außerdem lagen Anmeldungen für mehr als 2533 Kilowatt vor. Der Stromverbrauch in den ersten drei Monaten hat sich um 15 Prozent gegen das Vorjahr gehoben; er betrug 2614 Millionen Kilo- Wattstunden. Allgemeine Berliner Omnibus-Aktiengesellschaft. Es liegt nunmehr die Tagesordnung für die am 23. n. M. stattfindende außerordentliche Generalversammlung vor. Auf derselben steht neben der angekündigten Verdoppe- lung des Aktienkapitals auf 12 633 333 M. und der Genehmigung einer Offerte auf Uebernahme der neuen Aktien eine Anzahl von Statutenänderungen, welche insbesondere die Befugnisse des Aufsichtsrats zur Genehmigung von Liefe rungs- und sonstigen Verträgen betreffen. Schließlich wird die angekündigte Gründung einer Invaliden-, Alters- und Waisen-Pcnsionskasse für die Angc st eilten zu Lasten der vorhandenen DiSpositions- und Pensionsfondskonten so- wie eine künftige Zahlung fortlaufender monatlicher Beiträge für diese Kasse beantragt. ZahlungSniifähige Staate». Einem dem„Internationalen Volks- Wirt" zur Verfügung gestellten Abzug des„Appendix 1935" des „Council of Foreign Bondholdcrs" entnehmen ivir die nachstebende Zusammenstellung derjenigen Staaten, die sich derzeit in völliger Zahlungsstockung befinden: Staat Argentinien(Stadt Eordova) Argentinische Cedulas. Co st aRica....... Kon föderierte Staaten. Guatemala....... Honduras...,.. Louisiana..... Mississippi Schuld betrag Pfd. Stcrl. . 793 633 . 14 453 353 . 2 333 333 . 2 413 833 . 1482 833 . 5 398 573 184 432 1433 333 ! e st V i r g i n i a...... 3 347 874 Rückst. Zinsen Pfd. Sterl. 714 220 600 000 6 857 293 385 528 15 216 512 4 810 090 b ö h e r. über 55 KiGgramm durchweg billiger. sonders geltend gemacht dag der neue Geväcktarif ES wird be- _______________.... den Geschäftsreisenden zugute kommt Danu bcwricht die Denkschrift die Aus- nahmen, die bestcben blcnxm fallen, wie die znsammenstellbarcn Fahrscheinhefte. Schülerkarten. Arbeiterkartsn. die Stadt- und Vor- orttariie und die sogenannten«omitagstarifc. Ueber die f i n a n z l e l I e n W i r k» n g c n der Reform wird mitgeteilt, daß der van-- �ebuvtrag, der ans der Reform rechnerisch entstehen wiirc;! 11 225 M beträgt. Zum Schluß macht die Denkschrift erneu, geltend, d,e Tarifreform werde für das ganze Deutsche Reich einen ej n h citlich klaren, von jeder- m a n n I c t ch t z 11 ü b e r i e d e n d e n-t a r i f schaffen. Werde die setzt sich darbietende Ge-egeudei wiecennu unbenutzt gelassen, so werde im gesamten Gebiet des-t-utichen llieichs jjuf absehbare Zeit an eine Beseitigung bcr von asten Seiten bemängelten Mißstände 31 184 329 28 583 558 Das sind also recht erkleckliche Summen, immerhin bedeuten sie gegen das Vorjahr eine Besserung; es haben Frieden mit ihren Gläubigern geschlossen Columbien, das im vorigen Jahr noch schuldete 2 700 000 Pfd. Sterl. und ferner Venezuela, das im vorigen Jahr schuldete 4 571 167 Pfd. Sterl. An dem enormen ZinSzuwachs ist zu ersehen, daß Ivir es mit teilweise sehr alten Schuldnern zu tun haben. In der Tat sind die Posten: Konföde- rierte Staaten. Honduras, Louisiana, Mississippi und West Virginia seit Generationen notleidend, also total verloren. Die Revolution in Rutzland. Bisher ist es zu der von vielen Seiten erwarteten Explosion in den Hauptstädten noch nicht gekommen. In einigen Städten wurden die Straßenkämpfe augenscheinlich nur dadurch verhindert, daß die Polizei und die Militärbehörden sich den Bedingungen der Volksmassen fügten, die Verhafteten auf freien Fuß setzten und den Demonstranten die Herrschaft über die Straße völlig überließen. Ob diese Nachgiebigkeit die Ohnmacht der Gewalt verrieten, ob man der Polizei und der Truppen nicht sicher war, oder ob man sich nur unge- wohnte Zurückhaltung auferlegte, weil man glaubt, daß der Hunger die Streikenden schließlich doch wieder in die Fabriken treiben wird, ist nicht ersichtlich. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß die etwaige Rechnung auf den durch Hunger erzwungenen Zusammenbruch der Bewegung eine irrige sein wird. Die Krise ist noch keineswegs vorüber, sondern tritt täglich in ein akuteres Stadium. Der Generalstreik währt nicht nur überall fort, sondern er gewinnt noch fortgesetzt an Ausdehnung. So streiken jetzt z. V. in Lodz und im Lodzer Bezirk über 100 000 Arbeiter. Von welchem Geiste die Arbeiter beseelt sind, beweist nicht nur ihr heroisches Ausharren im Ausstande, sondern auch der Inhalt ihrer Proklamation, der Beifall. mit dem sie revolutionäre Ansprachen aufnehmen. Breite Schichten der Intelligenz und des Bürgertums werden durch das imponierende Vorgehen der Arbeiter zu gleicher revolu twnärer Entschlossenheit fortgerissen. So ist es äußerst wahr scheinlich, daß. wenn die zarischen Mandatare sich nicht noch m, letzter Stunde zu weitgehendsten Zugeständnissen ent- schließen, schwere Straßenkämpfe zu erwarten sind. Es scheint aber begründete Ursache zu der Annahme vorhanden zu sein. daß bei solchen Zusammenstößen auf die bewaffnete Macht nicht allzu fester Verlaß sein wird. In Lodz sollen hundert Soldaten verhaftet worden sein, weil sie sich weigerten, auf die Demonstranten zu schießen. Aehnliches wird auch aus anderen Orten berichtet. Und nicht nur die Söhne des ar- beitenden Volkes scheinen zum Bewußtsein der schmachvollen Rolle gekommen zu sein, die ihnen zugemutet wird, auch viele Offiziere sollen sich an der revolutionären Propaganda be- teiligen. So berichtet eine russische Korrespondenz über folgende Flugschrift der revolutionären Offiziere. „Kameraden! Wir erleben einen schivcren und ernsten Moment der inneren Politik unseres Vaterlandes. Bei einer solchen Reihe von einschneidenden Ereignissen, die mit Windeseile an uns borüberfliegen und alle Schichten unserer Gesellschaft von den tiefsten Tiefen bis zu den höchsten Höhen erfassen, abseits als. kaltblütiger und teilnahmloser Zuschauer zu stehen, ist zum mindesten unehrlich. Eine jede Gesellschaftsklasse unseres Vaterlandes hat ihre Ver» treter gestellt, gab Kämpfer für die gemeinsame, heilige, teure und jetzt unaufhaltbare Sache, die der Befreiung unseres Vaterlandes und des Volkes von der tatarisch-türkischen Willkür der sittenlosen, über- ladenen, hyperdiebischen, geistig und moralisch abgestumpften Tschi- nowniks jeden Ranges und jeder Stellung, von dem Feldwebel— dem Säufer, Dieb und Soldatenräuber in der Kompagnie— bis zum Jntendanturgeneral, von dem Wachtmeister, der„Kleinigkeiten" für unerlaubte„Bemühungen" nimmt, bis zum Polizeigewaltigen, dem„Auftnerksamkeiten" je nach dem Rang erwiesen werden, von dem Popen, der die Bauern beraubt, bis zu der Kreatur, die die Christenlehre in Rußland verdreht und 130 Millionen Menschen religiös und sittlich märtyrt und dessen Name PobjedonoSzew ist.... Und was geschieht jetzt im heiligen Rußland! Ueberall wird Bruderblut vergossen! Ganz Europa erbebt unter dem Eindruck der unerhörten Bestialitäten. Und wir, Vertreter der wohlorganisierten ungeheueren Macht, wir schlafen immer noch in unserem mit einer Kruste bedeckten Sumpf der Kasiemnteressen, kleinlickien dienstlichen Intrigen, Liebes- abentsuer, Restaurationsauftritte, Widerwärtigkeiten„einer kleinen Garnison"! Kameraden! Wir spielen eine abscheuliche, un- würdige Rolle. Wir, die wir auf unsere Offiziersehre so stolz sind, wir, die wir an der Spitze der bewaffneten Macht des Landes stehen, das uns den Schutz der Unantastbarkeit des Reichsterritoriums, die moralischen und materiellen Interessen der Nation anvertraut hat, wir, die wir in unserem Berns die Fahne der ritterlichen Tugenden, Schutz dem Schwachen, Unter- stützimg der Gesetzlichkeit, des Rechts und der Gerechtigkeit im Lande selbst hochhalten sollen, was sind wir jetzt? Wohin sind wir in der letzten Zeit durch unsere gänzlich zerrüttete Regierung gebracht worden, die nur noch auS einem Häuflein der infolge unserer unverständigen Unterstützung allmächtiger Kreaturen, Höf- liiige„ Hintermauerritter und einem Polizisten, mit dem Stock in der Hand und der Nagaika im Sticfelschast, an der Spitze, besteht. Und einer solchen Regierung sollen wir dienen? Einer Rc- gierung, die bankerott und auf allen Positionen der inneren und äußeren Politik geschlagen ist, einer Regierung, die uns nicht nur als Offiziere der Armee, sondern auch als Menschen beschimpft und■ erniedrigt und durch ihre Furcht, Takilosigkeik, Niederträchtigkeit und Gemeinheit ihrer Seele uns beleidigt und sich nur im Moment der äußersten Verwirrung und Kopflosigkeit hinter unseren Bajonetten und Kanonen versteckt. Ist denn eine solche Regierung unserer Unterstützung wert: eine Regierung von Polizisten, eine Regierung der Gewalt, der Willkür, des Raubens und des Mordens? Kameraden, genug l Besinnt Euch, erinnert Euch, wie man uns jede Minute auf Schritt und Tritt malträtiert. Es genügt die Andeutung irgend eines Halunken von Gendarmen oder Polizisten, daß das Publikum„unruhig" sei, um uns demonstrativ auf die Straßen zu führen zur Beschimpfung und Vergewaltigung der gegen die Negierung erbitterten Menge, die dann ihren Haß gegen uns zum Ausdruck bringt; man hält uns ununterbrochen unter Waffe, macht uns wild die unkontrollierbare Macht der Polizei, die uns nach ihrem Belieben behandelt, als ob wir ihre Bediensteten und zwar solche ohne Ehre und Schamgefühl wären. Kameraden! Die in Verwesung geratene Leiche des Kolosses Selbstherrschast können wir nicht wieder beleben und alle unsere Bajonette sind Null im Verhältnis zu dem Volksknüttel. Wollen wir also daS Ende der Selbstherrschaft nicht abwarten und. solange es nicht zu spät ist, auf die Seite der Wahrheit, des Rechts, des niedergedrückten Volkes übergehen. Das Wohl des Volkes ist unser Wohl, das Glück der Nation ist unser Glück, ihr Unglück ist unser Unglück. Wollen wir also unseren jüngeren Brüdern die Hand reicheji Und den gemeinsamen Feind, Beleidiger und Bedrücker gemeinsam ver- treiben. Kameraden, frisch auf!"— Zaren Einholung oder Flottendeinonstration. Eine Pribatdepesche aus Kiel meldet uns: Die„Schleswig-Holst. Volksztg." meldet: Die dritte Torpcdobootsdivision sowie der Turbincnkreuzer„Lübeck" und Kreuzer„Hamburg" erhielten gestern nachmittag durch kaiserliche Kabinetts- order die Anweisung, sich zur Abreise bereit zu halten. Der Kreuzer„Hamburg" und die Torpedoboote sollen in Peterhof die Zarenfamilie abholen; der Kreuzer„Lübeck" soll in Mcmel stationiert werden, um die Verbindung aufrecht zu erhalten. Die Zarenfamilie soll nach Kiel gebracht werden. Diese aufsehenerregende Meldung ist inzwischen auch mehreren Berliner Blättern zugegangen. Nur besagt eine Lesart, daß die Flottille zum Schutze der deutschen Botschaft abgegangen sei, denn sie ist bereits in See g e st o ch e n. Die Absendung der deutschen Hülfsflotte, von der man nicht weiß, ob sie erbeten war oder ob sie eigener Initiative entspringt, läßt die Lage in Rußland ini düstersten Lichte er- scheinen. Ist es schon so weit gekonunen, daß der„Admiral des stillen Ozeans" durch fremde Schiffe vor dem Grimme seines Volkes in Sicherheit gebracht werden muß? Ucbrigens ist es sehr wahrscheinlich, daß sich der Zar in Kopenhagen noch sicherer fühlen wird als in Kiel. Wir möchten aber doch eine Vermutung nicht unter- drücken. Vielleicht wird der Zweck der Flottcnentscndung völlig verkannt, da es sich möglicherweise gar nicht um die Rettung des Zaren handelt, sondern um eine Flotten- demonstration tvegen der frechen Mißhandlung der beiden Deutschen durch jenen dreisten Grenzkosaken, der dann später auch noch den die Untersuchung führenden Landrat zu ver- haften drohte! Freiheitsopfer. Odessa, 30. Ottober. Es ist unmöglich, die Zahl der Opfer bei den gestrigen Unruhen auch nur annähernd festzustellen, da es den Friedhofs- und Krankenhausverwaltungen streng untersagt ist, eine Auskunft zu erteilen. Die Polizei schafft selbst überall die Leichen und die Verwundeten fort, deren Zahl sehr bedeutend sein muß. Die Behörden hegen zur Infanterie kein Vertrauen und behalten sie in den Kasernen; sie verwenden nur Kosaken und Gendarmerie. Von einer Barrikade herab rief ein Student herbeieilenden Kosaken zu, sie sollten, anstatt auf ihre um die Freiheit des gemeinsamen Vaterlandes kämpfenden Brüder zu schießen, sich lieber den 51ämpfcrii anschließen. Die Kosaken mit- warteten darauf mit vier Salve», wodurch 9 Personen getötet und ungefähr 43 verwundet wurden. Die nach Hunderten zählenden unverletzt gebliebenen übrigen Personen stürzten darauf, von den Kosaken verfolgt, in die nächsten Häufer, drangen in die fremden Wohnungen ein oder versteckten sich auf den Böden und Dächern. Viele Privatwohnungen sind auf diese Weise in Ambulanzen ver- wandelt. Kiew, 29. Oktober. Trotz der Drohung des Gcneralgouverneurs, die Stadt zu beschießen, dauert die revolutionäre Be- wcgung fort. Bei der Universität fand ein Zu sammelt- stoh zwischen Militär uhb einer großen Volksmenge statt. Uebcr Ivoo Personen wurden verwundet. Der Führer der radikalen Partei, Advokat Rainer, wurde verhaftet. Die Nachrichten aus der Provinz lauten alarmierend. In Poltawa soll es zu großem Blut- vergieße» gekommen sein. Wachsende Gärung. Moskau. 23. Oktober.(Meldung der„Petersburger Tele graphcn-Agentur".) Die große Erregung der BcvoL lerung.ljält a n. Heute vormittag erzwangen die Kommis die Schließung aller Läden mit Ausnahme der kleinen Kolonialwarcngeschäfte. An mehreren Stellen kam es zu Zu. sammenstößen mit der Polizei, besonders am I w e r s kajator, bei denen viele Personen verwundet wurden. Die Universität ist verbarrikadiert und wird von bc- waffneten Studenten beschlldt; im Innern des Gebäudes hält sich eine Schar Studenten zum Eingreifen bereit, falls ein reaktionärer Volkshaufc aus dem Flecken Ochotny, der bereits heute vormittag Studenten angefallen und mißhandelt hat, seinen Angriff er- »euern sollte. Der Telephonverkehr in der Stadt hat aufgehört. Die Mitglieder mehrerer Theater beteiligen sich an dem politischen Ausstand. Auf Befragung der Stadtverwaltung haben Delegierte der Arbeiter sich bereit erklärt, dafür zu sorgen, daß der Betrieb des städtischen Wasserwerks wieder aufgenommen wird, aber unter der Bedingung, daß die Arbeiter über das Wasserwerk völlig vcr- fügen, daß sie die betreffenden Ingenieure auswählen und daß sie das Recht haben, nach ihrem Ermessen den Betrieb zu unterbreche». Die Stadtverwaltung will ihre Antwort im Laufe des Abends erteilen. Um 3 Uhr nachmittags fand eine große Versammlung statt, an der sich der Gcmcindcrat sowie Vertreter der Semstwos, des Adels, der wissenschaftlichen Gesellschaften, der Presse sowie der Vereine und Verbände aller Parteien, auch der revolutionären. beteiligten. Die Redner traten in leidenschaftlichen Reden für den Kampf mit Waffengewalt und die Einsetzung eines Wohlfahrts- ausschusses ein. Der telcgraphischc Verkehr mit Petersburg geht nur über einen Draht aus dem Hause des Generalgouverneurs. Verschiedene Arbeitergruppen, besonders die Drucker, haben sich dem Ausstand angeschlossen. Warschau, 30. Okt. Heute sind die Fabriken, Banken und andere Institute geschlossen. Die Straßenbahnwagen werden hier und da umgeworfen oder angezündet. In den Provinz städtcn beginnen ebenfalls Ausstände. Besonders kritisch ist die Lage in Lodz und in dem Lodzcr Bezirk. Dort feiern mehr als IM Mg Arbeiter. Im Gouvernement Suwalki zerstörten bewaffnete Banden 11 Monopol branntweinläden. Warschau, 30. Oktober. In der Vorstadt Praga ist ein Gendarm getötet lvorden. Lodz» 30. Oktober. Die Geschäfte sind hier alle geschlossen. Einige Geschäfte, die geöffnet hatten, wurden zerstört. Mehrere tausend Arbeiter durchzogen die Straßen und zerrissen die F l a g gc n, die heute auS Anlaß des Hoffeier- tagcs gehißt worden sind. Militärpatrouillen gaben blinde Schüsse ab. Ein blutiger Zusammenstoß wird erwartet. Lodz, 20. Oktober. Bei einer Haussuchung wurden heute drei Bomben entdeckt. Der Eigentümer, der auf die Polizei feuerte, wurde festgenommen. Warschau, 20. Oktober. Die Angestellten der Weichselbahnen haben auf die Forderung der Direktion, die Arbeit wieder aufzu- nehmen, erwidert, hierüber könne nicht verhandelt werden, so lange ihre Delegierten, die in Petersburg verhaftet wurden, nicht freigelassen seien. Die hiesigen Zeitungen sind noch nicht erschienen; es werden nur Sonderausgaben mit den Petersburger Agcnturdepeschen ver- anstaltct; diese Ausgaben sind einer besonderen Zensur unterstellt. Den hiesigen Hausbesitzern ist amtlich mitgeteilt worden, daß sie für Ausschreitungen, die sich im Hause ereignen, verantwortlich gemacht werden. Riga, 29. Oktober. Die Erregung ist immer noch im Wachsen begriffen. Alle Lehranstalten. Magazine und Fabriken sind geschlossen. Die Straßen sind von den Arbeitern angefüllt, die jeden Verkehr verhindern. Das ganze Geschäftslcbcu stockt. Ein Oberst wurde auf offener Straße er- schössen. Arbciterfordcrinigcn in Petersburg. Am Sonntag fand eine Sitzung der st ä d t i s ch e n Duma in Petersburg statt. Der Saal war vom Publikum dicht gefüllt; die Zugänge waren von zahlreichen Polizcibeamten besetzt. Vor der Duma erschienen 30 Arbeiterdclcgierte, die folgende Anträge stellten: 1. die Arbeiter verlangen die allgemein als ihre Forderung bekannten Freiheitsrechte! 2. die Stadt soll für die Dauer des AusstandeS für die Ernährung der Arbeiter sorgen; 3. die Arbeiter verlangen, obwohl sie die Zerstörung der Wasser- leitung nicht wünschen, die sofortige Entfernung der die Wasser- lcitung beschützenden Truppen; geschieht die? nicht, so soll die Leitung zerstört werden; 4. die Stadt soll künftig nicht mehr die Kosten für die staatliche Polizei und für die gegen die Bürger ver- wandten Kosaken tragen; ö. die Stadt soll für die persönliche Sicher- hcit der Delegierten bürgen, da der Generalgouverneur möglicher- weise ihre Verhaftung veranlassen werde; 0. die Stadt soll den Arbeitern Waffen geben und eine Bürgrrmiliz errichten, dann würden die Arbeiter für Sicherheit, Ruhe und Ordnung garan- tieren. Die Duma versprach, auf diese Forderungen bis Dienstag Antwort zu erteilen.— Gestern ist auch der Ausstand auf der finn- ländischen Bahn von Petersburg bis Valkeasaari an der russisch- finnländischen Grenze proklamiert worden. Gewährung einer wirklichen Verfassung? Petersburg, 30. Oktober.(Meldung der PctcrS- burger Tclegraphen-AgeuturZ Heute abend wird ein kaiser- lichcs Manifest veröffentlicht werden, durch welches Graf Witte zum M in i ff e r p r ä s i d e n t e n ernannt wird mit der Aufgabe, die Regierungsfnnktioneu zn vereinheitlichen, und durch welches ferner bürgerliche Freiheiten, eine gesetzgebende Duma nnd die AuSdehunng des Wahlrechts gewährt werden. Straßenkämpfe. Petersburg, 30. Oktober. Fortgesetzt laufen aus der Provinz Meldungen über die Ausbreitung des AuSstandcö und der Gärung ein, die in einigen Orten zu blutige» Zusammenstößen geftihrt hat. In den Ostseeprovinzen sind Riga und Reval Schauplatz blutiger Szenen. In Riga fanden im Laufe des gestrigen Tagcs mehrere Zusammenstöße mit Truppen statt, lvobci viele durch Schüsse und durch blanke Waffen verwundet wurden. In Reval beschlossen die Ausständigen, ihren politischen Forderungen auf jeden Fall Geltrmg zu verschaffen. Beiin Zusammenstoß gaben die Truppen zwei Salven ab. wodurch 45 Personen getötet und etwa«och einmal soviel verwundet wurden. Einen noch weit ernsteren Charakter nahmen gestern die Unruhen in Odessa au, wo der Zugang zur Universität durch Militär versperrt war. Die Arbeitermasse flutete durch die Straßen, schloß die Läden. Cafös und Restaurants und stürzte Straßenbahnwagen um. Die Polizei hob die SanitätS- Verbandsstellen auf. Auf der Richelieustraße kam es zu einem b e- deutenden Zusammenstoß zwischen Kosaken und Auf» ständischen, die Barrikaden errichtet hatten. Mehrere Personen wurden verwundet. Auch an anderen Punkten wurden B a r r i- laden errichtet, auuähernd 20 Personen getötet, gegen 200 ver- mundet. Gegen abend trugen Kosaken die Barrikaden ab; der Zu- gang zum Hafen ist militärisch gesperrt. Soziales, Pom Berliner KaufmannSgericht. Sonderbare Geschüstsusance und Schikane spielten bei der Klage eine erhcblche Rolle, die am Montag zur Verhandlung gelangte. Als Klägerin begehrte eine ehemalige Kontoristin der Firma Jünger». Hahn, Zigarren- und Rauchutensilienhandlung, ihr Recht. Zwischen ihr und der Firma war es zum Konflikt gekommen. Die Kontoristin kündigte ihre Stellung deswegen durch eingcichriebenen Brief. Der Finnenchcf aber verweigerte die Annahme des Briefes, weil eS in seinem Geschäft angeblich Usance sei, eingeschriebene Briefe, auf denen der Name des Absenders nicht vermerkt ist, nicht anzunehmen. Der Beklagte bestritt, irgend etwas von der Kündigung des Fräuleins zu wissen, kündigte imn aber seinerseits dem Fräulein noch am Tage der Ankunft des Briefes. Von da ab wurde die Gekündigte mit anderen als Kontor- arbeiten beschäftigt. Hierin erblickte die Klägerin eine Schikane und verließ sofort die Stellung. Sie strengte nun die Klage auf Zahlung eines kleinen Restbetrages an, der ihr noch bis zu ihrem Abgang für bereits geleistete Arbeit zugestanden hätte. Bei Begründung ihrer Klage führte sie an, der Chef habe die derzeitige Annahme ihres eingeschriebenen Kündigungsbriefes nur verweigert, weil er ihre Handschrift erkannte und wohl schon ahnte, daß der Brief die Kündigung enthalte. Der Einwand des Beklagten mit seiner Ge- schäftSusance, Briefe ohne Namensnennung zurückgehen zu lassen, wurde am Nichtertische mit gebührender Heiterkeit aufgenommen. Ein ernstes Wörtchen sprach der Vorsitzende mit dem Beklagten des- halb, weil dieser der Klägerin, entgegen der Anweisung des Richters im voraufgegangenen Vergleichstermin, noch immer kein Zeugnis ausgestellt hatte. Der Beklagte hatte im letzten Termin noch eine Widerklage erhoben, weil ihm durch den plötzlichen Abgang der Klägerin noch Kosten siir die Ersatzkräste entstanden seien. Auf mehrfach dringendes Anraten des Vorsitzenden kam es zwischen den Parteien schließlich zum Vergleich dahingehend, daß der Beklagte an die Klägerin unter Zurücknahme seiner Widerklage den verlangten Betrag auszahlt und ihr auch ein zuftiedenstellendes Zeugnis auS- zuhändigen hat. Für den Fall eines Urteils hätte Beklagter ver- urteilt werden müssen, weil die Nichtannahme eines Briefes keines- wegs an der Tatsache der Kündigung etwas ändert. Rechtlich liegt in solchen Fällen die Sachlage durchaus so, als ob der Beklagte den Brief in Empfang genommen. UeberdieS lag in der Beschäftigung mit anderen als Kontorarbeitcn eine nach§ 220 des Bürgerlichen Gesetzbuchs unstreitig unzulässige Schikane. Mögen die Arbeiter stets so energisch sich gegen dergleichen Schikanen zur Wehr setzen wie die Klägerin. Krank, aber nicht arbeitsunfähig ist laut ärztlichem Gutachten ein Filial-Expedient der Deutschen Buch- und Kunstdruckerei(Haupt- geschäft Zossen) gewesen, als er sich vor mehreren Monaten lrank fühlte und den Arzt konsultierte. Dementsprechend war ihm auch der Gebrauch von Bädern und der Aufenthalt in frischer Luft während der arbeitsfreien Zeit verordnet worden. Der junge Mann hatte die Verordnungen des Arztes jedoch falsch aufgefaßt und war zwecks besserer Kur aus dem Geschäft fortgeblieben, worauf dann seine Entlassung vor Ablauf der Kündigungsfrist erfolgte. Er klagte deswegen auf Entschädigung wegen Richtinnehaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist. Auf Grund des ärztlichen Gut- achtens erkannte das Gericht die Entlaffung jedoch als be- rechtigt an. Sache des Klägers sei es gewesen, daß wenn er ich trotz der gegenteiligen Versichernng seines Arztes dennoch erheb- lich krank ftihlte, einen anderen Arzt aufzusuchen, der ihm womöglich die Arbeitsunfähigkeit attestiert hätte. Infolgedessen wurde ihm nur das noch tatsächlich restiereude Gehalt zugesprochen, mit seinen Mehr- 'orderungen mußte er jedoch abgewiesen werden. Immer wieder: Das Elend der GeschöftSreisenden. Monatlich 100 M. und 2*/« Proz. Provision waren einem Reisenden der 83 a s i l- scheu Pelz lo a renfabrik zugesichert worden. Tatsächlich hatte der Reisende aber vom Antritt seiner Stellung an bis jetzt noch keinen roten Pfeimig Provision erhalten. Er klagte deshalb aus Zahlung eines größeren Betrages, indem er gleichzeitig eine pezialisierte Aufstellung über eine Reihe von Vermittclungeu und Geschäftsabschlüssen mit einer Anzahl hiesiger und auswärtiger Firm eil einreichte. Der Beklagte wollte dagegen fast nichts von dieser Ausstellung anerkennen, bis er sich vom Vorsitzenden schließlich in mehreren Fällen überzeugen lassen mußte, daß die Ansprüche des Kläger? berechtigt waren. Bei den Erörterungen hierüber bemerkte der Lorsitzende, es scheine, als beabsichtige der Beklagte die Sache so darzustellen, daß ihm der Kläger zu etiler Arbeitsleistung noch obendrein Geld z u zahlen müßte; wenn Herr Basil an der Provision vare» wolle, dann hätte er seinem Reisenden eben ein anderes Gehalt zahlen sollen wie 100 M. pro Monat. Als der Beklagte die Ladung einiger Fabrikanten als Zeuge» anregte, wies der Vorsitzende auf die hieraus erwachsenden enormen Kosten hin mit dem Bemerken, der Beklagte kö»ne doch nicht etwa glauben, daß seine sämtlichen Kunden erst als Zeugen vor- geladen werden würden, ehe der Kläger zu seinem schwer verdienten Gelde käme. DieS schien schließlich auch dem Beklagte» einzuleuchten, zumal er Vorschuß für die Zeugengebühren hätte zahlen müssen. Er erklärte sich bereit, dem Kläger im Vergleichswege noch 100 M. zu zahlen. Der Kläger nahm den Vergleichsvorschlag an. Vom Frankfurter KaufmannSgericht. Gegen die guten Sitten verstößt ein Vertrag, den die chemische Produktcnfirma von B a i e r u. Co. mit dem Handlungsgehülfen Prochnow abschloß. Dieser Vereinbarung wurde die Konkurrcnzklausel beigefügt, daß Prochnow nach seinem Austritt für ein Konkurrenzgeschäft in ganz Deutsch- l a n d gegen eine Konventionalstrafe von 1000 Mark nicht reisen dürfe. Auf Grund dieses Vertrages klagte die Firma darauf, ihrem Reisenden die Tätigkeit in Deutschland zu untersagen oder 1000 M. an sie zu zahlen. Die Klage wurde am 27. Oktober abgewiesen. Das Gericht war mit Recht der Ansicht, daß ein Vertrag mit solch weitgehenden Einschränkungen gegen die guten Sitten und gegen die "§ 74, 75 H.-G.-B. verstößt, die eine spezielle Anwendung des Ver- oteS verträglicher Verstöße gegen die guten Sitten enthalten. Bon der Rentenübcrweisung gemäs? 8 25 des Unfall- versicherungö-GesetzeS. Wenn auf Grund der Verpflichtung einer Krankenkasse, eines Armenverbandes und andere Unterstützungen iir einen Zeitraum geleistet werden, für welchen den Unterstützten nach Maßgabe des Unfallversicherungs- Gesetzes ein Entschädigungs- anspruch zustand oder noch zusteht, so.st hierfür nach§ 25 Absatz 2 des UnfallversickzerungS-Gcsetzes den die Uurerftützuiig gewährenden Kassen, �Gemeinden usw. durch Uebrrweisung von Rentenbeträgen Ersatz zu leisten. Und§ 25 Absatz 4 bestimmt, daß dieser Ersatz höchstens drei halbe Monatsbeträge der Rente betragen darf, iveim die von den Kassen, Gemeinden oder Armenverbänden geleistete Unterstützung eine vorübergehende ist.— Van diesen Befugnissen machte der Halberstädter Knappschaftsvercin gegenüber dein Berg- mann Dölle Gebrmich, der wegen eine? Betriebsunfalles im Salz- bcrgwerk eine Unfallrente bezieht und der vom Knappschaftsverein ur eine Zeit, wo er teils iir folge des Unfalls, teils .nfolge seiner Konstitution laut ärztlichem Gutachten völlig erwerbsunfähig loar. Krankengeld erhallen hatte. Ter Ver- letzte protestierte gegen das Uebertveisungsverlangen des Knapp- chaftsvereins, der Bezirksausschuß sprach jedoch t:e Ucberweisung von drei halbe» MonatSreirten in Höhe von 58,20 M. aus und das Ober-B erlvaltungsgrr icht bestätigte das Urteil. Es hob in der Begründung hervor, daß die Ersatzpflicht im vollen gesetzmäßigen Umfang auch in den Fällen bestehe, wo, wie hier, die Krankheit teilweise Folge des Unfalls sei. Verfammwnolen. Ter Sozialdemokratische Wahlvercin für den Iletteit Berliner Wahlkreis(Osten) hielt am 26. Oktober in Boekers iGffcllsch.'.stS- haus, Webcrstratzc 17, eine gut besuchte. Generalversammlung ab. Es wurden die Beratungen über eventuelle Anstellung eines be- soldeten Kassierer? fortgesetzt. Der Vorstand, der im Einverständnis mit den Bezirksführern den Antrag gestellt hat. geht bekanntlich davon aus, daß die Kassengeschäfte der im Wegfall kommendem Vertrauenspersonen und die des Wahlvercins-Kafsierers in der Hand des Anzustellenden vcreirigt werden sollen. Die Diskussion gestaltete sich auch diesmal sehr lebhaft. Es überwogen, im Gegensatz zu der frühe ven Versammlung, die sich mit der gleichen, Angelegenheit be« schäftigt hat, die Befürworter des Vorschlages. Nach eingehender Erörterung deS Für und Wider wurde schließlich in schriftlicher Abstimmung der Antrag auf Anstellung eines besoldeten Kassierers mit 250 gegen 216 Stimmen angenommen. Fünf Zettel wave.. ungültig. Tie Entscheidung über die Person wurde noch ausgesetzt. In den Bezirken soll die Personensragc erst durchgesprochen werden, um dann, zunächst der erweiterten Vorstandssitzung geeignete Vor- schlüge zu machen. Einer neuen Generalversammlung verbleibt darauf die endgültige Entscheidung.— Durch diese Beschlußfassung scheiden aus: erstens der Antrag Dietrich, sich ohne besoldeten Beamten zu behelfen und dem Hauptkassicrer drei Abteilungsführer zur Seite zu stellen, und zweitens ein Antrag Tarnow, der die An- stellung eines„Parteisekretär" genannten Genossen für den ganzen vierten Berliner Wahlkreis, also unter Hinzuziehung der Genossen deS Südostens, bezweckte.— Genosse Schenk erstattete noch den Bericht von den Verhandlungen der Brandenburger Provinzial- konferenz, woran er eine interessante Schilderung der sozialen und politischen Entrechtung der arbeitenden Bevölkerung auf dem Lande anschloß, um durchschlagend nachzuweisen, wie überaus viel noch auf dem Gebiete der Landagitation zll tun ist. Die Versammelten stimmren seinen, Ausführungen zu. Einem Antrage aus der Versammlung gemäß wird in einer der nächsten Versammlungen ein Vortrag über:„Was lehren mis die Klassenkämpfe der letzten Zeit?" gehalten werden. Man will bei der Gelegenheit die Erfahrungen des Elektrostreiks erörtern. Die Vertrauens'ente des Verbandes der Friseurgehülfen (Zweigvercin Berlin und Vororte) waren am Montag versammelt. Nach Erledigung innerer Verbandsangelegenheiten berichtet Liese, daß ein Teil der Arbeitgeber sich die herrschende Arbeits- losigkeit unter den Friseurgehülfen nutzbar mache, um die gemachten Zugeständnisse zurückzunehmen in der Voraussetzung, daß die organisierten Arbeiter, mit deren tatkräftiger Unterstützung die Erfolge errungen sind, jetzt nicht mehr so auf die Kontrollkarte achten. Hinzu komme noch, daß ein früher den lokalorganisierten Gewerkschaften angeschlossener Verein der Friseurgehülfen mit dem Namen„Verband deutscher Barbier-, Friseur- und Perrückenmacher- Gchülfen"(Zweigverein Berlin) die vom Verband der Friseur- gehülfen herausgegebene Kontrollkarte(Arbeitsbercchtigungskartc) täuschend nachgeahmt habe, und zwar so, daß nur die grüne Farbe dunkler gehalten sei, die Karte im übrigen aber fast genau denselben Text enthalte. Die vorliegenden Karten sind Gchülfen abgenommen"worden, welche nicht zn den neuen Bedingungen be- schäftigt wurden. Die weitere Aushändigung der Karte von jenem „Verband" muß die notwendige Folge haben, daß die so schwer er. rungcnen Vorteile für die Gehülfenschaft illusorisch gemacht werden. Der„Verband" nehme daher die Stellung einer Streikbrecher- organisation ein und kann demnach auch als solche nur betrachtet und behandelt werden.— Nach längerer heftiger Debatte, worin die Handlungsweise scharf kritisiert wurde, wurde zunächst beschlossen, dieses Gebahren zur allgemeinen Kenntnis zu bringe« und darauf aufmerksam zu machen, daß die Kontrollkarten nur dann Ausweis sein können, wenn dieselben den Titel tragen: Verband der Friseur- gchülfen. Die weiteren Maßnahmen werden demnächst bekannt gegeben werden. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Der Berein'der Zimmerer nahm in seiner am Sonntag abze- haltenen Generalversammlung die Abrechnung vom dritten Quartal entgegen. Die Einnahme betrug 10 420,40 M., die Ausgabe 7596,30 Mark, bleibt ein Ueberschuß von, 2625.10 M.. dazu der Bestand vom 2. Quartal ergibt«in Vermögen von 54 320,32 M. Alerauf wurde die Abrechnung vom Stiftungsfest erstattet. Dann stimmte die Versammlung dem Ausschluß von einigen 50 Mitgliedern zu, die dem Beschluß, im Laufe des Jahres drei Extramarken a 50 Pf. zu lösen, nicht nachgekommen waren. Ein zu diesem Punkt gestellter Antrag wurde dem Vorstand überwiesen, derselbe besagt, daß entweder die Extramarten oder die Sammellisten beseitigt tvcrden sollen.— Nack) den Mitteilungen des Vorsitzenden zählt der Verein 2013 Mitglieder. von denen 1023 die Beiträge für das dritte Quartal bezahlt haben. letzte Nachrichten und DepeFchea Zu de» Stichwahlen in Baden. Karlsruhe, 30. Oktober.>andigcn Arbeiter und ausständigen An- gestellten, insbesondere auch gegen die Apotheken, die in Verbands- Plätze für Verwuudete verwandelt wurden, angekündigt werden. Sperrung der russischen Grenze. Bromberg, 30. Oktober,(ffi. T. B) Amtliche Meldung. Sämtliche Uebergäilge nach Rußland für Personen- nnd Güter- verkehr sind gesperrt. Die Annahme von Gütern und die Be- förderung von Personen- und Reisegepäck nach Rußland findet bis auf weiteres nicht mehr statt. TaS letzte Mittel versagt! Warschau, 30. Oktober.(W. T. B.) Aus Zgterz löird ffkMIvcl, daß die Soldaten sich geweigert hauen zu schießen. Als die Handels- fchülcr durch einen Umzug durch die Stadt ciine Kundgebung vcr- anstaltcten. Die Teilnehmer an dem Umzüge hätten sich mit Hoch- rufen auf die Soldaten zersteeut. Eisenbahnunglück in! Amerika. Kansas Eity. 30. Oktober.(W. T. B.) Heute entgleiste hier in der Nähe der Stadt infolge SchiencnbruchS ein Zug der Atchl;on- Topeka-Santa Fe-Eisenbahn, der mit 6 0 Meilen G e; ch w i n« digkeit in der Stunde fuhr. 13 Personen wurden ge» tötet und 25 verletzt._ . aanlw . Redalteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Vcrlagscmstalt Paul S»?ger LcCo., Berlin SW. Hicrzu3Bcilagenu.UnterhaltungSblatt ».255. 22. Mm*, l. Keilllge des Lsmiirts" Kerlim NölksdlÄ. MM«. A WM«. politifeke debersickt. Berlin, den 30. Oktober. Die Stichwahlen in Bade». Äm Sonnabend sind in Baden die Stichwahlen vollzogen worden und sie haben im allgemeinen gehalten, was die Stichwahl am Tage vorher in der Universitätsstadt Freiburg versprach. Wie dort dem Abkommen entsprechend in einem Kreise die Wähler des liberalen Blocks Mann für Mann für den Sozialdemokraten und im anderen Kreise dafür die Sozialdemokraten alle für den Block- kandidatcn stimmten, so hat sich das bei den übrigen Stichwahlen, für welche das Abkommen galt, wiederholt. Nur in einem länd lichen Kreise haben die Liberalen versagt, wodurch der sozialdemo Iratische Kandidat einem vom Zentrum unterstützten konservativen Mühlenbesitzer unterlag. Stichwahlen hatten in 23 Kreisen stattzufinden; in sechs Kreisen focht die Sozialdemokratie gegen den Block und er- oberte vier Mandate: Lörrach-Stetten. Karlsruhe I und Karlsruhe IV und Durlach-Stadt. In fünf Kreisen hatte der Block uns zu unterstützen, er hielt das ehrlich in vier Kreisen, wovon wir drei gewannen: Freiburg II, Heidelberg-Land und Manw heim-Land. Den letzteren Kreis hätten wir allerdings auch ohne Blockhülfe, vielleicht sogar geholt, wenn der Block mit gegen uns ge Wesen wäre. Die zwei anderen Kreise, in denen uns Blockhülfe zu gesagt war. gingen an die Konservativen verloren, in einem Kreise nur mit 80, im anderen mit 160 Stimmen Mehrheit. Das Zentrum hatte dort, wie wir schon berichteten, seine Wähler für den konser- vativen Kandidaten abkommandiert und es wurde von: Zentrum eiserne Disziplin gehalten. Trotzdem wäre ein Kreis mit unseren Reserven geholt ivorden, wenn die liberalen Landwirte nicht ent- gegen der Parole den konservativen Freund des Bundes der Land' Wirte statt des sozialdemokratischen Kandidaten gewählt hätten. Die sozialdemokratischen Wähler haben die Parole streng gehalten, in allen Kreisen, wo wir den Block zu unterstützen hatten, gingen unsere Stimmen auf den Blockkandidaten über, so datz dieser in 13 Kreisen den Sieg davon trug. Die Konservativen errangen außer den zwei auf unsere Kosten erworbenen Mandaten noch eins auf Kosten des Blocks. Auch hier war die ZentrumShülfe ausschlaggebend. Das Zentrum ging bei den Stich- Wahlen völlig leer aus. Der neue Landtag setzt sich nun wie folgt zusammen: 29Libe- raler Block(23 Nationalliberale, 6 Demokraten, 1 Freisinniger). 28 Zentrum. 12 Soziald emokraten, 4 Konservative— zusammen 73. Bisher zählte der Landtag 63 Mit- glieder und zwar 25 Nationalliberale, 6 Demokraten, 2 Freisinnige, 23 Zentrumsleute, 6 Sozialdemokraten und 1 Antisemiten. Es ist also doch eine Schwächung des Blocks eingetreten, der im alten Landtag(er bestand damals nicht, er ist erst ein Erzeugnis der drohenden Parteiverschiebung unter dem neuen Wahlrecht!) eine knappe absolute Mehrheit hatte, während ihm jetzt noch 3 Stimmen daran fehlen. Dazu dürste kommen, daß aller gegenteiliger Versicherungen zum Trotz der Block bei den prakttschen LandtagSarbeiten vermutlich bald in die Brüche gehen dürfte. Denn mit dem.liberalen Aufschwung der Nationalliberalen wird es nicht weit her sein. Es sind zwar zwei Jungliberale gewählt, indessen beide sind Beamte(Land- gerichtSrat und Oberschulrat), deren Radikalismus sich in der Kammer, wenn es gegen die Regierung gehen soll, sich bald verflüchtigen wird. Ihr Radikalismus ist ohnehin sehr problematischer Natur; sonst ziemlich kulturkämpferisch veranlagt, wurden sie sofort fromm, als sie in Gefahr gerieten, einige Zentrumsstimmen zu gebrauchen. Zerfällt aber der Block wieder in seine alten Bestandteile, dann stehen die Nationalliberalen mit ihren 23 Sitzen dem 32 Mann starken klerikal- konservativen Kartell erheblich nach. Ein Schaden erwachst daraus natürlich nicht, denn die Nationalliberalen sind in den meisten wirtschaftlichen und politischen Fragen nicht besser als das Zentrum. Darüber ist man sich selbstverständlich m sozialdemokratischen Kreisen keinen Augenblick im Zweifel gewesen, als das Stichwahlabkommen getroffen wurde. Der Zweck desselben war lediglich, eine absolute Zentrums- oder ultra montan-konservative Mehrheit zu verhindern. DaS ist erreicht und das ist aus- schließlich das Verdienst der Sozialdemokratie! Keine der großen Parteien hat die. Mehrheit, die Sozialdemokratie steht mit ihren 12 Mandaten zwischen beiden und sie kann in Fragen, in denen Block und Zentrum nicht eimg gehen, manches Schlimme verhindern. DaS soll kein törichter Optimismus sein; die Hauptaufgabe einer Fraktion, die zwölf Mann unter 73 zählt, und obendrein einer sozialdemokratischen Araaion, wird noch immer in der.Kritik liegen. Aber selbst für eine ruckhaltlose Kritik kann eine reaktionäre absolute Mehrheit gefährlich tvcrdcn. Darum halten wir die mit dem Blockabkommen eingeschlagene Taktik für die der Sach- läge einzig entsprechende. ?tach ein Wort über unsere selbständigen Erfolge und unseren Stimm enrückgang. DaS Resultat der Hauptwahl hinterließ das Gefühl einer starken Enttäuschnng. Mit Recht. Denn wir hatten stntt der sicher ertvarteten 1 Mandate nur 5 erobert und unsere Stimmen im ganzen Lande sind um rund 22 000 gegen die Reichstagswahl(von 72 000 auf 50000) zurückgegangen, Wöhrend die Stimmen von Zentrum und Liberalen zusammen noch nicht ganz 16 000(bei zusammen 231 000) zurückgingen. Nach dem nun- inehr vorliegenden amtlichen Resultaten ist unser Stimmcnriickgang wohl zu allermeist auf die sehr große Differenz zwischen Reichstags- und Landtagswahlberechtigten zurückzuführen. 32 2o0 Reichstagswähler dürfen nicht zum Landtag wählen, iveil sie nicht Badener sind oder den Verschlechterungen des Wahl- rechts hinsichtlich des Ausschlusses der Steuerrestanten und der vorgeschriebenen StaatsangehörigkeitS-Karcnzzeit znin Opfer ge- fallen sind.......... Freilich läßt sich der Rückgang unserer Stiininenzahl, wie die Einzelresultate zeigen, auch nicht ganz allein ans diesen Umstand zurückführen. Hier und da ist an den Rückgang zweifellos unsere lückenhafte Organisation schuld, die die Riesenarbeit einer Agitation in 73 Wahlkreisen nicht voll zu bewältigen vermochte; und in einzelnen Kreisen, wo unsere Gegner auf unsere Kosten zligenommen haben, da kann nichts anderes daran schuld sein als die klerikal- liberale AiiScinandersctzung der Gegner, die einige unserer bisherigen Wähler nach der cincn oder anderen Seite mitgerissen hat. Die Zahl ist nicht bedeutend und so Häven wir keine Ursache, besonders unbefriedigt auf den Sahlkamps zurückzublicken. Die Hauptsache wird jetzt sein, tüchtig zu organisieren und zu agitieren, um der Sozialdemokratie unter dem allgemeinen, gleichen und direkten Wahl- recht zu der ihr gebührenden Stellung zu verhelfen.-» Der Parteitag des WahlrechtskampfcS. Aus Wien wird uns vom 29. Oktober geschrieben: In ernster Zeit tritt morgen der Gemnitparteitag der sozial- demokratischen Arbeiterpartei m Oesterreich zusammen. In dem Augenblick tritt er zusammen, da das österreichische Proletariat seine größte, seine geschichtliche Leistung zu vollbringen hat: das allgemeine und gleiche Wahlrecht zur Grundlage der Verfassung dieses Reiches zu machen. Daß die Wahlreform gemacht werden muß, ist nie- mand unklar, auch denen nicht, die ihr am tatkräftigsten wider- streben; die Fieberschauer werden von diesem Staate lischt mehr weichen, die Unruhe sich nicht mildern, bevor die Kurien nicht ab geschafft sind, das allgemeine und gleiche Wahlrecht errichtet ist. Aber die Sachlage ist deshalb ungemein kritisch, Iveil das Abgeordnetenhaus am Ende seiner Tage angelangt ist und einer gewissenlosen Regierung die Möglichkeit eröffnet wird, sich die un- widerstehliche Bewegung auf die denkbar schnödeste Weise vom Halse zu schaffen: durch Auflösung des Hauses. Zwar müßte sich ein halbwegs zurechnungsfähiger Mensch die Frage vorlegen, was denn in dem neuen Hause und mit dem neuen Hause geschehen soll. Wird das Haus aufgelöst, bevor die Grundlage für eine wahre Volksvertretung geschaffen ist. so wird der Wahlkampf ausschließlich unter der Parole der Wahlreform geführt werden, und dem neuen Parlamente würde keine andere Aufgabe obliegen als die Erledigung der Wahlrechtsfrage, kein Atemzug gegönnt sein außerhalb dieser eisten und unabiveisbaren Pflicht. Die Auflösung wäre nichts als ein ungeheurer, verbrecherischer Verlust an Zeit, eine ebenso zwecklose wie gehässige Hinausichiebung einer nicht mehr aufzuhaltenden Notwendigkeit, eine Sinnlosigkeit und ein Verbrechen zugleich. Daß dem Wahluurecht die Totenglocken läuten, verhehlt sich niemand mehr, und Aberwitz wäre cS, das Notlvendige nicht rechtzeitig zu erfüllen, die Erfüllung ohne Zweck, Grund und Wirkung hinausschieben zu wollen. Aber Oesterreich ist ein so trauriger Staat, daß man das Unmögliche niemals für unmöglich halten darf. Herr v. Gautsch hat die Wahl, entweder die Wahlreform zu machen und sich unsterblichen Ruhm zu gewinnen, oder sie zu weigern und schmählich unterzugehen. Daß auch ihn nur eine große Tat vor dem Schicksal aller Regierungen behüten kann, die an dem unfähigen Privilegicuparlament ihre Kräfte verbraucht haben und an dessen Unmöglichkeit gescheitert sind, wird immer deutlicher: der eben unausweichliche Mißerfolg eines Regierens mit diesem innerlich ganz lebensunfähigen Parlament ist auch ihm beschieden, ihni, der doch an die Erwcckung des Kadavers Mühen genug verschwendet hat. Entweder sein Schicksal besiegelt sich schon jetzt, oder er ist nach den Neuwahlen ein toter Mann. Dennoch ist auch das möglich, daß Gautsch die Zeichen der Zeit nicht begreift, nicht erfüllt, und im Herbst das alte Gaukelspiel im Parlament fortzusetzen gedenkt, dabei aus einen Vor- wand lauernd, ob er die Auflösung aussprechen könnte. Dieses Spiel muß nun die Arbeiterschaft durchkreuzen. Die Unerläßlichkeit der Wahlreform muß den Machthabern, muß insbesondere der Hofburg, in einer so entschiedenen und deutlichen Weise bezeugt werden, daß sie es nicht wagen können, die Forderung des Volkes, des gesamten Volkes, denn auch daS Bürgertum ist der Affenschande dieses PrivilegienparlamentS übeo satt, unerfüllt zu lassen. Diesen Beweis zu führen ist das ö st erreicht s che Proletariat nun auf Leben und Tod entschlossen. Um es mit einem kurzen und er- schöpfenden Worte zu sagen: Wenn es nötig wird, zur Erringung des gleichen Rechtes die Revolution zu machen, so wird sie gemacht werden. Der Parteitag wird, daranzweifeln wir nicht, über die Entschlossenheit der Arbeiterklasse Klarheit schaffen, jeden Zweifel verscheuchen. Für die Partei Klarheit, und Klarheit für die Herrschenden. Die österreichische Krise und die Wahlreform und der politische Massenstreik sind also diesmal mehr und anderes als bloße TageSordnungsgegenstände, theoretische Probleme, die ein Parteitag mit dem Rüstzeug der wiffenschaftlichen Erkenntnis erörtert und löst. Als die Parteileitung beschloß, die Frage deS Massenstreiks auf dem Parteitag zu prüfen, konnte niemand wissen und wußte es auch nicht, wie rasch in Oesterreich aus einer theoreti« ichin Frage ein aktuelles Kampsinittcl werden kann. Denn das ist ä�iifellos: die Dinge treiben offensichtlich dazu, daß die Frage des politischen Massenstreiks eine unmittelbare Bedeutung, einbrennendes Leben erhalten kann. Ein Wahlrecht, das fast noch dürftiger lind entehrender ist als das Wahlrecht zu der Zaren-Duma, kam, sich die so entwickelte, von Kraftgefühl und Tatendrang erfüllte Arbeiterklasse in Oesterreich nicht mehr gefallen lassen, und wird eS sich nicht mehr gefallen lassen. Der Parteitag wird die Mächtigen warnen, und mit unsühnbarer Schuld würden sie sich beflecken, wenn sie der Warnung spotteten. Von dem Parteitag darf auch erwartet werden, daß er gewisse unerfreuliche Erscheinungen in dem sonst so harmonischen österreichischen Partcileben, Erscheinungen, die auf nationalem Gebiete liegen, insoweit wegschwemmen wird, als die große Aufgabe und die durch sie be- dingte Sammlung aller Kräfte, wenn auch nicht die aus der nationalen Verschiedenheit entspringenden Schwierigkeiten beseitigen, so doch das Gefühl der Verbitterung bannen wird, das auf manchen Punkten jetzt unangeinessen nachwirkt. Einer ruhigeren Periode mag es vor- behalten bleiben, die Schwierigkeiten der praktischen Jnter Nationalität genauer darzulegen und die Kompliziertheit einer Frage aufzuzeigen, von der glücklichere Brndcrparteien als die österrcichiiche wohl nur eine recht undeutliche Vorstellung haben. Daß es trotz aller Hindernisse auch in Oesterreich vorwärts geht, bezeugen die dem Parteitag erstatteten Berichte der Gesamtexekutiv e wie der nationalen Exekutiven. Einige Daten über die Presse werden die Entwickelung am besten veranschaulichen. Die deutsche Partei Oester- reichs verfügt zurzeit über 25 politische(darunter leider mir zwei Tagesblätter) und 44 gewerkschaftliche Blätter, die tschechische über 13 politische(gleichfalls zwei Tagesblätter), 24 gewerkschaftliche und sieben verschiedene Organe(darunter eine wissenschaftliche Revue), die italienische über ein Tageblatt und fünf politische Blätter. Welche Unsumme von Kleinarbeit m Oesterreich noch zu verrichten ist, zeigt die Zahl der Versammlungen in Wien. Der Bericht der nieder- österreichischen Parteileitung verzeichnet in Wien für ein Jahr 12 771 Versammlungen! Und wie verwickelt' das österreichische politische Leben ist, mag an einer Ziffer ennessen werden: Der (bekanntlich aus elf Mitgliedern bestehende) sozialdemokratische Ver- band deS Abgeordnetenhauses hat in der Berichtsperiode(September 1903 bis Jul, 1905) im«bgeordnetenhause 201 Interpellationen ein- gebracht! Wenig zu tun gibt eS also in Oesterreich wirklich nicht. Hoffen wir nur, daß stets und überall, und insbesondere auf diesem geschichtlichen Parteitage. daS notwendige getan werde!— Keir Hardie über die politische Lage Englands. London, 28. Oktober. Der„Outlook" von heute enthält einen iittcrcfsanten Artikel vom Genossen Keir Hardie über die„Arbeiterpartei und das nächste Parlament", in dem die i n n e r p o l i t i s ch e Lage Englands besprochen wird. Unser Genosse sagt: ..Das nächste Parlament wird interessant oder gar aufregend ein. Trotz mancher Zerwürfnisse hat sich das Zweiparteien- Ystem bis jetzt ganz gut behaupten können. Neuere Vorgänge äeigen indes, daß Tendenzen vorhanden sind, mehrere politische Gruppen zu bilden, und diese Tendenzen werden im nächsten Parlament noch schärfer hervortreten. Wenn nicht alle Anzeichen täuschen, werden die nächsten Wahlen eine anti- konservative Mehrheit bringen. In einem solchen Falle wird die konservative Partei zur Opposition werden; sie ivird aber in der zollpolittschen Diskussion gespalten sein und diese Spaltung wird— wie die Erfahrung lehrt— eine lähmende oder zersetzende Wirkung habctl. Die letzte liberale Regierung in den Jahren 1892 bis 1895 zeigte, wie machtlos eine regierende, aber gespaltene Partei ist, und die Jahre seit 1892 bewiesen die OhnmMt einer gespaltenen Opposition. Ich will damit nicht sagen, daß die konservative Opposition im nächsten Parlament ebenso ohnmächtig sein wird wie die gegenwärtige liberale Opposition, sicher ist indes, daß sie nicht kräftig sein kann, solange die zollpolitische Spaltung nicht beseitigt ist. Aber die antikonservativc Majorität wird noch weniger einheitlich sein. Die liberale Partei wird wie bisher geteilt sein in Radikale und Whigs; hinzu kommt die Gruppe der Sozialreformer, die sich aus Christlichsozialen zusammensetzt und die vor allem für eine Sozialgesetzgebung eintreten wird. Ob diese Gruppe die llraft hat, den Schmeicheleien oder den Drohungen der Parteileitcr zu widerstehen, wird die Zukunft lehren. Dann wird die Regierung wahrscheinlich in sich schließen den radikalen Sir Charles Dilke, den Whig Sir H. Folvler, den Pro-Bur Lloyd George und den Jmperia- listen Asquith, den Individualisten John Morley und den sozialen Demokraten John Burns. Diese Männer sind nicht besonders geeignet, eine glückliche Familie zu bilden. Und so weit inan sehen kann, wird die Regierung keinen hervor- ragenden Mann haben, der diese verschiedenartigen Elemente in ein harmonisches Ganzes zusammenschweißen könnte. Dann kommen die Waliser mit ihren speziellen Fragen: Entstaat- lichung der Kirche in Wales, Berücksichtigung der walisischen Sekten in der Jugenderziehung. Ferner verlangen die Temperenzler als wichtigsten Punkt eine umfassende Temperenz- Gesetzgebung. Schließlich die verschiedenen Reformer, die für ihre Steckenpferde den hervorragendsten Platz in der parlamentarischen Arbeit verlangen. Selbstredend muß mit der irischen Partei gerechnet werden. Obwohl sich innerhalb dieser Partei jetzt manche Gegensätze entwickeln, so müssen die Iren als ein harter Faktor in der politischen Lage betrachtet werden. Aber der neue parlamentarische Faktor, dessen Erscheinen mit beträchtlicher Spannung betrachtet wird, ist die Arbeiter- Partei. Wie stark sie sein wird, läßt sich vor der Hand nicht sagen. Die Zahl der Arbeiterkandidaten dürfte nicht viel weniger als hundert sein. Ans Wahlsiege dürfen etwa 39 rechnen. Was auch ihre Zahl sein ivird, sicher ist, daß sie als eine Oppositionsgruppe ihren Platz im Parlamente einnehmen wird. Ihre besondere Arbeit wird es sein, die Arbeitergesetzgebung in den Vorder- grund zu stellen und sie dort zu halten. Die Lage des Volkes wird ihr Hauptinteresse sein. Sie wird sich aus Sozialisten und Trades-Unionistcn zusammensetzen; die gewöhnlichen Parteischlagworte werden sie nicht viel kümmern und die ge- wöhnlichen Partcischachzüge werden ihre Geduld nicht prüfen. Im nächsten Parlamente wird die Partei gegen Schutzzoll sein. Nicht etwa, daß sie den Freihandel als Allheilmittel betrachtete, sondern weil sie weiß, daß das Schutzzoll- system den Arbeitern nichts bieten kann, was ihre Lage verbessern könnte. Sie ist sich vollständig darüber klar, daß unter dem Freihandelssystem es ein Drittel der englischen Bevölkerung gibt, das auch in den besten Zeiten Löhne erhält, die zur Deckung der notwendigsten Lebens- bedürfnisse nicht genügen, und daß eine große Zahl von Arbeitern entweder unregelmäßig oder ganz und gar nicht beschäftigt werden können; ferner daß Pauperismus und Geisteskrankheiten im Zunehmen begriffen sind, da die Wirt- schaftlichen Zustände schlecht sind und der Kampf ums Dasein immer schärfer und die Arroganz der Neichen immer unduld- famer wird. Nicht besser sind die Zustände im schutzzöllnerischen Amerika." Was das Arbeitsprogramm der Partei betrifft, so sagt Genosse Hardie folgendes:„Die Wiederherstellung des Ge- Werkschaftsgesetzes zum Schutze der Kassen; die staatliche Für- sorge für die Arbeitslosen; die Speisung der schlechtgenährten Schulkinder aus öffentlichen Mitteln; die Ausdehnung des Wahlrechts auf die Frauen; die Behausung der Arbeiter; die Sorge für die alten Arbeiter, um sie dem Pauperismus nicht verfallen zu lassen. Diese und ähnliche Fragen werden die Parolen der Arbeiterpartei sein, die sich bemühen wird, alle Arbeiter unter ihre Fahne zu bringen.... Es ist möglich. daß die parlamentarischen Kämpfe zu einer Vereinigung der Arbeiterpartei, der Iren und der Sozialreformer führen werden.— Deutfchco Reich. Der Reichstag wird mmmehr, wie das offiziöse Depeschenbureau meldet, am 28. November einberufen werden. Bekmmtlich wurde als Eröffnungstermin erst der 21., dann der 14. November bezeichnet. Offenbar ist es der Negierung noch nicht gelungen, wegen der Steuerreform- Vorlage mit dem Bundesrat ein Einverständnis zu erzielen.— Hakatistischer ProzentpatriotiSmuS. Die Germanisieruiigspolitik der preußischen Regierung findet nirgends so rückhaltlose Anerkennung wie unter den deutschen Groß- grundbesttzern der Ostmark. Zum Teil erklärt sich diese Zustimmung aus den scharf zugespitzten nationalen Gegensätzen zwischen den deutschen und polnischen Elementen; ein fast noch wichtigeres Motiv ist jedoch der Ginfliiß, den die sogenannte nationale Politik der Re- gierung auf die Grund« und Bodenpreise in den Landbezirkcn auS- übt. Während der beabsichtigte Zweck, die Zuriickdrängung des polnischen Bevölkeruiigseleinents, trotz der Verschwcn- dniig von Millionensuinmcn nirgends erreicht worden ist und dem Ankauf polnischer Güter durch Deutsche fast ebenso viele Erwerbungen deutscher Güter durch Polen gegen- überstehen, hat der Kampf um den Besitz des Grund und Bodens zu einer derartigen Steigerung der Güterpreise geführt, daß diese heute in der Ostmark weit über ihren wirklichen Wert bezahlt werden. Für die großen Herren von Ar und Halm ist das ein ihnen höchst willkommener Vorteil; sie erhalten beim Verkauf ihrer Güter höhere Preise, und, wenn sie nicht zur Entäußerung ihres Besitzes greifen wollen, so können sie doch ans ihrem Besitz höhere Hypotheken- schulden machen. Wie man in jenen Kreisen denkt, zeigt eine Erklärung, die ein Herr Konrad Plehn-Josephsdorf im Anzeigen- teil der„Dauz. Ztg." veröffentlicht. Er hatte eines seiner Güter. die Besitzung Bielck, an einen Herrn v. Grabsli verlaust und war dafür in der deutschen Presse des Ostens scharf angegriffen worden. Darauf erwidert er: „Es fragt sich, was fordert man denn hier von Landwirten, die genötigt sind, ihren Grundbesitz zu verkaufen? Dieselben sollen, wenn der Staat ihiicn für ein Gut 50 oder 100 Tausend Mark aus dem ihm durch Gesetz zur Erhaltung deutschen Landes über- wiesenen DispoptionSfonds weniger bietet, als die K o n j u n t t u r dem Besitzer zu fordern ermöglicht, weil der Staat durchaus noch 3 oder 3>/z Prozent dabei herausbekommen (das Hecht cm gutes Geschäft machen) und sich nicht mit einem Prozent weniger begnügen oder die hunderttausend Mark nicht verlieren wich deshalb sollen jene Landwirte als einzelne lieber selber auf diese hunderttausend Mark verzichten, während sie doch schon als Steuerzahler mit allen anderen Staats ungehörigen gleich niäsiig zuderBereitstellung und Verzinsung dieses Kredits beitragen und während die Staatsbehörden diesen Kredit eben schon zu ihrer Ver fügung haben. Sie. die Landwirte speziell, sollen, weil sie bisher Grundbesitzer waren oder bis zum Augenblick sind, diese für den einzelnen ungeheuren Opfer, die leicht 30 bis 50 Prozent ihres Vermögens ausmachen, darbringen, obwohlderStaat g a r ni ch t einmal in einer wirklichen Notlage sich befindet, sondern es sich nur um eine etwas weniger vorteil- hafte Anlage der zu seiner Verfügung stehenden Kapitalien handelt Warum sollen denn bei einem solchen Kampfe nur Menschen und Soldaten, warum nicht auch etliche Millionen Mark auf der Strecke bleiben— ähnlich wie es doch zurzeit schon recht reichlich in Süd wcstafrika der Fall ist?" Herr Pleh» unterscheidet sich von anderen die Germanisations Politik befürwortenden Grundbesitzern des Ostens nur darin, daß er in seinem Aerger offen ausspricht, was er und sie denken Wenn diese Politik für sie keinen Vorteil bringt, hat sie nach ihren Begriffen auch keinen Zweck. Es hält sie denn auch ihr ostentativ zur Schau gestelltes Nationalbewusttsein nicht davon ab. in steigendem Maße polnische Landarbeiter heranzuziehen, und auf den Kreistagen, die sie durchweg beherrschen, sich jeder Industrialisierung des Ostens, obgleich diese in den meisten Fällen einen starken Zuzug deutscher Industriearbeiter zur Folge haben würde, entgegenzustemmen. So weit geht ihr Nationalgefühl nicht, dag sie geneigt wären, ihren Arbeitern etwas höhere Löhne zu zahlen oder ihre Rente schmälern zu lassen._ Die Vorgänge in der Redaktion des„Vorwärts" haben einen grofzen Teil der bürgerlichen Presse, namentlich aber daS Moses Mossesche„Berliner Tageblatt" ganz aus dem Häuschen gebracht. Es tobt wie besessen gegen den Parteivorstand und speziell gegen Bebel. Schon in seiner DonnerStag-Abcndausgabe sprach es in höchster sittlicher Entrüstung„von der senilen und feigen Haltung des sozialdemokratischeil Parteivorstandes". Und in seiner Montag Morgenausgabe, die den Eindruck macht, als wolle es sich zum Leiborgan der aus dem„Vorwärts" geschiedenen sechs Redakteure machen, bringt es zwei Artikel, von denen der eine recht geschmacklos überschrieben ist:„Bebel als Selbstherrscher", der zweite:„Die Palastrevolution im„Vorwärts"". Der letztere beschäftigt sich mit der Generalversammlung des Wahlvereins Teltow �Bceskow in den Viktoria- Sälen zu Rixdorf, in welcher besonders der Genosse Südekum, nach dem Bericht des„Tageblatt", gestützt auf die ein- seitigen und parteiischen Informationen der ehemaligen sechs „VorwärtS"-Redakteure in größtem Zorn gegen den Parleivorstand loSdonnerte. In dem Artikel„Bebel als Selbstherrscher" beschäftigt sich das„Tageblatt" mit den„Enthüllungen" der gewesenen Sechs, die natürlich den Beweis der Wahrheit für ihre Bezichtigung ge bracht, wonach der Parteivorstand„als Verräter und Mörder der Partcigrundsätze vor der ganzen Welt gcbrandmarkt dastehe". Schließlich aber hat eZ sein Herz entdeckt und plaudert: „Der Revisionismus ist seit Dresden tot, hieß eS.(Eine Auffassung, die das„Tageblatt" noch bis vor kurzem selbst vertrat.) Der Revisionismus lebt mehr als je, lehrt der mit solchen Mitteln geführte Kampf zwischen Bebel und seinen Geharnischten und dem halben Dutzend Zeitungsschreiber.(Wie höflich gegen Kollegen vom Fach!) Und gerade dieser Kamps. diese Kampfesmethode des Marxismus wird dem Revisionismus neue Kraft zur Betätigung geben." So mit Grazie weiter. Dem„Tageblatt" heult der Chorus der liberalen Presse nach, der wegen des angeblichen Wiederauflebens des Revisionismus blutige Frcirdentränen weint und ihn als sein liebes Kind zärtlich an sein Herz drückt. Wir wollen diesen Zärtlichkeitserguß nicht stören, uns genügt, die Genossen auf ihn hinzuweisen. Dem„Tageblatt" aber, daS schon am Donnerstag abend so sittlich entrüstet vom feigen und senilen Parteivorstand sprach. möchten wir die Frage vorlegen, ob sein Chefredakteur Dr. Levisohn auch bereits so feig und senil geworden ist, daß er seinem Ober- chef, dem Moses Mosse, nicht die Frage vorgelegt hat: ob es wahr sei, daß er für sein großes Gut in der Mark sich dem Milch- ring angeschlossen habe, den er durch seine Zeitungsschreiber in seinem„Tageblatt" aufs h e f t i g st e bekämpfen ließ? Diese Beschuldizung erhoben vorige Woche die„Deutsche Tageszeitung" und die„Kreuz-Zeitung". bis heute hat aber das „Tageblatt" geschwiegen. Um endliche Antwort bitten die Zeitungsschreiber des„Vor- wärts".—_ Ein Steuervorschlag an die„Germania". Genosse Bebel bittet uns folgendes zu veröffentlichen: Aus dem gestrigen„Vorwärts" ersehe ich mit großem Ver- §nügen, wie die„Germania" sich bemüht darzulegen, daß, Ivenn das entrum, einer Erhöhung der Steuern auf feineren Tabak und echtes Pilsener Bier zustimme, alsdann Leute wie mein Freund Singer und ich noch nicht bankerott würden, auch wenn wir 5 Pfennig mehr für das GlaS zahlen müßten. Das stimmt. Muß einmal zum erhöhten Schutz von Thron, Altar und Geldsack gesteuert werden, können wir uns dem nicht gut ent- ziehen. Aber ich werde von solchen Steuern sehr gering betroffen und das schmerzt mich. Nach einer genauen Berechnung, die ich anstellte, würde ich für meinen gesamten Jahreskonsum an Bier h ö'ch st e n S zwei Mark Steuer zu zahlen haben. Und die Erhöhung einer Steuer auf feinere Tabake und Zigarren würde mich noch weniger treffen, da ich als Sonntagsraucher höchstens 50 Stück im Jahre verbrauche. Freund Singer ivürde es freilich schlimmer er- gehen. Er trinkt mehr Bier und raucht namentlich weit mehr Zigarren als ich. Aber ich habe meinen Freund Singer als bos- haften Menschen kennen gelernt und traue ihm zu. daß, wenn diese Steuern recht hoch ausfallen, er in seiner trockenen Art sagte:„Nu man jrade nicht!" das Biertrinken und Rauchen einstellte und so"das Reich aufs schnödeste um seine Einnahme prellte. Ich will also der„Germania" und dem Zentrum auf die Sprünge Helsen, wie man uns und andere in ähnlicher Lage wie wir gründlich treffen kann..„„ Herr v. Stengel wird dem Reichstag ein Stcuerbukett prasen- tieren, in dem auch eine Erbschaftssteuer enthalten ist. Ich fürchte, die letztere entpuppt sich als reine Anstandssteuer. Beantragen wir also, daß Aszendenten und Deszendenten mindestens 4 Proz. ihres ErbeS an das Reich zu zahlen haben, Seitenverwandte nach dem Grad der Verwandtschaft bis 10 Proz., fremde Erben 20 Proz. Um die Steuerhinrerziehung schon bei Lebzeiten der Erblasser zu verhindern. führe man eine gleich geartete«iachenkungs- st e u e r c i n.. � � Damit aber dem Reich, daS bekanntlich arg im Dalles sitzt, gründlich geHolsen wird, schlage ich weiter vor, dem Gesetz über die Erbschaft- und Schenkungssteuer rückwirkende Kraft bis zum Jahre 1901 zu geben. Es würden alsdann unzählige Erbschaften getroffen. Ich befinde mich z. B. alsdann in der Gesellschaft der Erben von Stumm und Krupp, welch letzterer bekanntlich ein kolossales Vermögen, das über 26 Millionen Jahreseinkommen ab- wirft, hinterließ. Ferner würde Fürst Bülow mit seiner 6 Millionen- Erbschaft getroffen. Zugleich müßte aber alsdann eine Entlastung der unbemittelten und armen Klassen eintreten, durch Aufhebung der Salz- und Zuckersteuer, des Petroleumzolls und der Zölle auf Getreide und Fleisch. Bringt die Sozialdemokratie, wie ich annehme, solche od�r ähu liche Anträge im Reichstag ein, so hoffe ich, daß die„Gci>nia' sie warm befürwortet und das Zentrum ihnen zustimmt, damit wenigstens einigermaßen den schönen christlichen Geboten entsprochen wird, die ich neulich in meiner Antwort auf die„Post" im„Vor- wärts" vom 20. Oktober aus dem Neuen Testament zitierte. ANo, verehrte„Germania": tue lüiodus, hio salta. Hier ist Rhodas, tanze!—_ Eine, Bestätigung der Fleischnot liefert die Braudenburgische Landwirtschaftskammer, die bisher nichts von dem Bestehen einer Fleischnot oder auch einer Fleischteuerung zu entdecken vermochte. Sic läßt Zettel in der Provinz Brandenburg verbreiten mit der Aufforderung:„Die Kälberaufzucht muß stärker betrieben werden! Jede Viehhaltung muß im ko in m ende nWintermin bestens einKalb nrehr als s o n st aufziehen!" In ihrem Organ, dem„Landbotcn erklärt die LandwirtschäftSkammer, daß nach ihren Ermittelungen die Rindviehbestände im Groß- und Mittelbetriebe noch erheblich, aber auch im Kleinbetriebe überall noch um ein oder zwei Stück vergrößert werden könnten. Bei der wachsenden Nachfrage nach Vieh und Fleisch müsse die Vermehrung des Vieh- be st an des sofort beginnen. Auch das Schlachten zucht- tauglicher Färsenkälber müsse aufhören, denn diese Kälber würden notwendig gebraucht." Danach scheint die Landwirtschaftskammer, obgleich sie ans taktischen Gründen öffentlich das Vorhandensein einer Fleischnot bestreitet, doch zu der Erkenntnis gelangt zu sein, daß die jetzige deutsche Viehproduktion den gestiegenen Anforderungen nicht genügt, denn sonst wäre ihre Mahnung ein Unsinn.— Bebel in der Hölle. Neben ihren infamen Fälschungen und Verleumdungen serviert uns die„Post" von Zeit zu Zeit auch Elaborate, die zweifellos nur zur gesundheitlich so notwendigen Be- tätigung unserer Lachmuskel bestimmt sind. Auf diesem Gc- biete läßt sie uns am Sonntag durch einen salbungsvollen Brief, den sie veröffentlicht, die Versicherung zukommen, daß unser Gc- nosse Bebel wegen seiner E r b s ch a f t in die H ö l l e käme, ganz zweifellos dorthin käme... Der gottvolle Brief endet: „... Was noch das W i ch t i g st e ist, namenlose Not, die des geistigen Elends, zu lindern, welche Ursachen heute zu einem teuflischen Wahnsim» gestiegen sind. Denn wieviel Elend gipfelt heute nicht in der Phantasie, der falschen Ein- bildung! Und wenn Sie, Herr Bebel, Ihren 3 000 000 An- hängern, die wir alle un st erbliche Seelen haben, die Lehren dieser falschen, Phantasie predigen und darin be- stärken, so nenne ich das Mord(Scelenmord), und Ihrer wartet, Ivenn Sie wirklich die Uebcrzeugung eines Besseren haben, was man für einen vernünftigen Menschen doch annehmen muß,— so haben Sie ein schreckliches Walten des Gerichtes zu erwarten und ich wollte nicht gerne in Ihrer Haut stecken. Sic mögen, mir erwidern: Sie glauben doch nicht etwa an eine Hülle, doch ich sage Ihnen: der Herr aller Herren, Schöpfer und Erbalter aller Dinge kümmert sich nicht darum, ob wir an eine Hölle glauben oder nicht. Wir müssen Rechenschaft geben von dem, wie wir gehandelt und gelebt haben, es sei gut oder böse und danach kommt für die Ungläubigen und Mörder(Seelen- mörder) die Hölle wie Er'S uns vorhergesagt und wie Er es zur Zeit der Sündflut schon einmal ausgeführt, so wie damals wird Er auch heut« gerechterlvcise ohne Erbarmen, das Gericht ausführen über die, die es nicht gewollt haben, und das. Spotten wird sich schnell legen, ivenn die nackte Wirklichkeit erscheint und ist dieselbe nicht sehr im Anzüge? Hand aufs Herz, das kleine Ding klopft stärker da drinnen. Mit vorzüglicher Hochachtung, C. Greve, Kropp(Schleswig). Es versteht sich, daß die„P o st" dieses tolle Geschreibsel völlig ernst nimmt; der Brief könnte in der Tat ebenso gut in der R e d a k t i o n d e r„P o st" entstanden sein wie in K r o p p, wo sich die bekannten Anstalten für Schwachsinnige befinden. Häuge-Pcters gegen die Wcltpolitik. Im„Tag" enthüllt Hänge- Peters eine neue weltpolitische Kombination gegen Deutichland. Es sei wahrscheinlich, daß sich die englisch-japanische Entente zu einer englisch-japanisch-russisch-fraiizösischen Entente ausweiten werde. Witte habe schon in Portsmouth nach der Unterzeichnung des Friedens die Japaner mit in sein Privatzimmer genommen und ihnen dort— das sei„mehr als wahrscheinlich"— die Idee eines russisch- japanischen Bündniffes in die Ohren geblasen. Daß da Frankreich mit zu dem Kleeblatt gehören werde, sei selbstverständlich. Absicht der Ouadrupel-Allianz sei, Deutschland an der weiteren wirtschaftlichen Erpansion zu hindern und, durch Unterbindung seiner weltwirtschaftlichen Lebensadern, der sozialen Revolution preis- zugeben. Man sollte meinen, ein solches Schreckgespenst müsse dem Peters die Haare zu Berge stehen lassen. Aber Hänge- Karl forcht sich uit. Diesen Umtrieben gegenüber, erklärt er gelassen, habe Deutschland zwei gewaltige Rcalitäten: erstens seine außerordentliche Wehrkraft, insbesondere aber seine Werte schaffende Arbeitskraft auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiet:„Deutsche Geistes- kultur und Industrie sind so ungeheuere Faktoren aus diesem Planeten, daß keine Kombination Dritter sie zu beseitigen vermöchte." Wir freuen uns, daß selbst ein so furioser Weltpolitiker wie der Peters sich endlich zu einer kaltblütigen und realpolitischen Auf- fassuug bekehrt hat. In der Tat. unier weltwirtschaftlicher Weit- bewerb, dessen Hauptstütze eine durch die politische und gewcrkschaft- liche Arbeiterbewegung geschulte, intelligente Arbeiterschaft ist, wird sich jederzeit auf dem Weltmarkt zu behaupten wissen. Und wenn wir uns nur selbst der politischen Händelsucht und Provokationen enthalten, wird sich auch jede der Nationen— zumal auch dort die Arbeiterschaft ein.Wörtchen über Krieg und Frieden mitsprechen wird I— hüten, uns grundlos anzugreifen. Die einzige Gefahr für Deutschland bildet also das aufregende Geschrei unserer W e l tp o li ticke r und das militärische und marinistische Säbelrasseln. Hört das nicht aus, so drohen allerdings der deutschen GeisteSlultur und Industrie schwere Gefahren, denn daß unsere Panzerkähne der Flotte einer Tripel- oder Ouadrupel-Allianz jemals gewachsen wären, kann doch aus Hänge-PeterS schwerlich an- nehmen. Wohl aber wäre im Fall eines von der deutschen Regie« rung ftivol heraufbeschworenen Debacles die Gefahr einer sozialen Revolution nicht ausgeschlossen 1— Konfliktliistrrner Flottenkollcr. Der Flottenverein richtete an die Studentenschaft Jenas folgenden Auftuf: „Die jenaische Studentenschaft ist wohl fast ohne Ausnahme nattonal gesinnt, und eö wird kaum noch einen geben, der nicht durch die Tatsachen belehrt worden ist, wie bitter not uns eine starke Wehrmacht zur See tut. Von der Erkenntnis aber schreite mau zur Tat! Ein Massenbeitritt der 38 000 deutschen Studenten zum Deutscheu Flottenverein zeige der Welt, daß die deutsche Jugend den Mahnruf ihres Kaisers verstanden hat und ihm folgt. Damit werden wir auch am sichersten den Frieden erhalten, wenn wir der Welt zeigen, daß wir den Ernst der Zeit begreifen und furchtlos mit ruhiger Entschlossenheit uns auf alle Möglichkeiten vorbereite». Ein Massenbeitritt der deutschen Studenten zum Flottenverein, daS wäre eine würdige und ver- ständliche Antwort auf die Enthüllungen des Franzosen Delcasiö!" Es sieht wirklich bald so aus, als ersehnten gelviffc industriöse Hintermänner des Vereins für Flottenrummel nichts heißer, als daß England Deutschlands Flotte möglichst bald daS gleiche Schicksal bereite wie Japan der russiichen Flotte. Es könnten dann ja noch mehr Schiffe auf Stapel gelegt werden und die Panzerplatten« pattioten machten ein noch glänzenderes Geschäft!— Liberale Schwätzer. Das„Verl. Tagcbl," weiß zu der in Aus- ficht genommenen' Zurückziehung der oft asiatischen Besatzungsbrigade nichts Gescheiteres zu sagen, als daß dieser Schritt der deutschen Regierung beweise, wie grundlos die englischen Besorgnisse gewesen seien, Deutschland verfolge in China weitere koloniale Erwerbungen. Der Zweck der Besetzung Tschilis sei die Beruhigung der Provinz gewesen, diese sei nunmehr er- reicht, also auch Deutschlands Aufgabe zu Ende. Das Gegenteil ist der Fall: Die Provinz war seit Jahren beruhigt, trotzdem blieben die deutschen Bcsatzungstruppen, bis ihr Bleiben durch den japanisch-englischeu Vertrag zu einer Unmöglichkeit geworden war. Einer solchen Urteilsuiifähigkeit unserer liberalen„Opposition" gegenüber hat natürlich die abenteuerlichste Weltpolitik leichtes Spiel!— Tie Verhandlungen über den Abschluß eines deutsch-schwebischen Handelsvertrages loerdcn in den nächsten Tagen beginnen, jedoch nicht, wie es bisher hieß, in Berlin, sondern in Stockholm. Die deutschen Unterhändler für den neuen deutsch-schwedischen Handels- vertrag, und zivar Vertreter des Auswärtigen Amts, des Reichsamts des Innern, des Reichsschatzaints, des preußischen Handels- Ministeriums, des preußischen Finanzministeriums für Landwirt- schaft haben sich bereits nach Stockholm begeben.— Rechtsfähigkeit der Berufsvcreine. Das ehrsame Bundes- intelligenzblatt der Landbündler ereifert sich in einer längeren Notiz über den im Reichsamt des Innern ausgearbeiteten und den Bundesrat zugegangenen Gesetzentwurf betreffend die Verleihung der Rechtsfähigkeit an die Bcrufsvereine.„Es unterliegt," schreibt das viehverstäudige Blatt,„für uns keinem Zweifel, daß die Reichs- regierung von dem aufrichtigen Wollen erfüllt ist, der politischen Umsturzbewcgung, wie sie von der Sozialdemokratie vertreten wird, keine neuen Kraftelemente zuzuführen. Die Gerechtigkeit aber, die man den Gewerlschastcn bezüglich der Befugnisse zu juristischer Ausgestaltung ihrer Organisationen zuteil werden lassen möchte, könnte zu einem schweren Unrecht allen denen gegenüber werden, welche die Folgen dieser gewerlschastlichcu Vereinsfreiheit zu tragen haben; man hüte sich, durch gesetzgeberische Matznahmen die Wasser anschwellen zu lassen die das sozialdemokratische Mühlenwerk an- treiben. Die Gewerkschaften haben bisher noch nicht die mindeste Neigung offenbart, einen unzweideutigen Trennungsstrich zur politischen Partei hin zu zielen. Ter Weg zur sozialen Ver- söhnung könnte uns nach— Jena führen." Aus der Notiz spricht deutlich der Aerger über die Tatsache, daß die Aussprache in Jena über das Verhältnis der Gewerkschaften zur Partei anstatt zu einer Entzweiung, zu einem festeren Zu- sammenschluß beider Zweige der proletarffchen Arbeiterbewegung geführt hat.— Verstaatlichung der pfälzischen Bahnen. In der bayerische»! Kammer der Abgeordneten wurde gestern die Beratung über die Verstaatlichung der pfälzischen Bahnen wieder aufgenommen. Der Verkchrsminister von Frauendorser führte aus, daß die Re- gicrung immer für die Verstaatlichung und nur im Zweifel über den zu wählenden Zeitpunkt gewesen sei. Der erste mögliche Termin für die Uebernahme der pfälzischen Bahnen wäre der 1. Januar 1905 gewesen. Vor zwei Jahren sei cS jedoch nicht ratsam erschienen, diesen Zeitpunkt zu wählen, weil die wirtschaftliche Lage damals noch nicht gefestigt genug gewesen sei, weil ferner eine Anleihe damals nicht so gunstig untergebracht werden konnte, und weil auch gerade damals Verhandlungen mit anderen Verwaltungen über die Um» leitung der Güter schwebten. Inzwischen habe jedoch die Besserung der wirtschaftlichen Lage angehalten und außerdem hätten die Ver- Handlungen mit den pfälzischen Bahnen zur Herabsetzung des Kauf- Preises um Millionen geführt. Aus diesen Gründen schlage die Regierung die Uebernahme zum 1. Januar 1909 vor. Abg.H a m n, e r s ch m i b t(liberal) betonte, day er von jeher für die Verstaatlichung gewesen sei. Abg. Reeb(Z.) sprach sich gleichfalls für die Verstaatlichung aus und bemerkte, daß sie für den Staat dieselbe Rente bringen"würden, wie die jetzigen Staats- bahnen im rechtsrheinischen Bayern. Abg. Me mm in g er(freie Vereinigung) spricht gegen die Vorlage mit der Begründung, daß der Kaufpreis zu hoch sei. Man habe dem Landtag keine Zeit gc- lassen, die Denlschrift über die Verstaatlichung der pfälzischen Bahnen genau zu studieren. Körner(Soz.) beklagt, daß die Besserstellung des Arbeiterpersonals der p f ä l z i s ch e n Bahnen bis zur Verstaatlichung verschoben werde. Andrä(lib.) und Geb- hart(freie Vgg.) stimmen der Vorlage zu. welche im Interesse der Pfalz freudigst zu begrüßen sei. Hiermit wird die Generaldiskus» sion geschlossen. Tie Spezialdiskussion findet Freitag statt.— Der großmütige Militarismus. Unsere Leser werden sich erinuern, daß wir vor einiger Zeit gemeldet haben, daß die Kassenverwaltung des 1. Garderegiments zu Fuß in Potsdam von einem KöiligSberger Stellmacher 50 Pfennig zurückverlangt habe, weil er vor sechs Jahren bei semer Entlassung die Eisenbahn nicht bis Labia», sondern nur vis sionigs» berg benutzt und 50 Pfennig Erfrischungszuschuß zuviel eryattcii habe. Dem Stellmacher verursachte diese Entdeckung große Scherereien: er wurde zweimal deswegen auf das Bezmslommando bestellt, und als er die Aufforderung von Potsdam zu zahlen er- hielt, schickte er die 50 Pfennig in Zwcipfcnnig-Briefmarkcn ein. Doch sein Erstaunen war groß, als er die«cildung wieder zurück- erhielt. In Potsdam muß man inzwischen wohl nachdem die Angelegenheit durch die deutsche Presse gegangen war eingesehen haben, daß man, ohne sich den Vorwurs von Verschwendung von Volksgut machen lassen zu dürfen, in diesen, Falte von der„ge- wohnten Sparsamkeit" abgehen und auch einmal„großmütig" sein kann. Die Einsicht kommt freilich etwas spät.— Neuer Truppentransport für Siidwcstafrika! Ein Ersatztransport für die in Deutsch-Südwestasrika kämpfen- den Truppen wird heute mit dem Woermann-Dampfcr„HanS Woermann" Hamburg verlassen. Der£ra,, Sport setzt sich zusammen aus 10 Offizieren und höheren Miluiuveamten. 10 Portepee- uutcrosfizicrcn und 720 Man».# Ein Telegranim aus Windhuk meldet: Am 24. d. M. im G e- fecht beiGornbis gefalle»-Reiter Friedrich B o s i e n. ge- boren am 28. S. 85 zu Dommelkeim, Reiter Karl Grabow Ski, geboren am 10. 7. 80 zu Gombnow, Reiter Hermann M e ck l e n- bürg, geboren am 7. 2. 82 zu Hamburg, Reiter Heinr. Schräder, geboren am 16. 1. 83 zu Hilwartshausen.— Reiter Alfred Mix, geb. am 28. November 1883 zu Schippenbeil, am 25. d. M.' im Feld- lazarett 12 Lüderitzbucht an Herzschwäche nach Typhus gestorben. Reiter Albert Bartsch, geboren ani 29. März 1383 zu Frauendorf, am 20. d. M. im Orangefluß beim Baden ertrunken. JJllsUuÄ. Die Nationalratswahlen in der Schweiz fanden— wie wir schon in einem Einlcitungsartikel ankündigte»— am Sonntag statt. Die Sozialdemokratie hatte auf der ganze» Linie gegen die biirgerlich-liberalcn Parteien zu kämpfen. Trotzdem haben, soweit sich das Ergebnis im Augenblick übersehen läßt, die vereinigten Fcmoe der Sozialdemokratie keine wesentliche Ver- änderung ihres bisherigen StärkeverhältnisseS zu erreichen vermocht. Allerdings gelang es unseren Genossen auch nicht, au Terrai» zu gewinnen: die bisherige fteisiimig-demolratische Mehrheit bleibt be- stehen. Wir hatten bisher im ganzen sechs Sitze inne.� Genosse Schwandncr-Basclland und Waiizoni-Tessin sind im ersten Wahl- gang durchgekonunen. Dr. Brueltlem-Basel ist in auSsichtSvoller Stichwahl. Unterlegen ist Scherrer- St. Gallen. Hier und da hat unsere Partei starken Stimmenzuwachs zu verzeichnen, so in Zürich, wo der den Gegnern so verhaßte Greulich zur Wahl steht. Im Wahlkreise Zürich, wo das vorige Mal(1902) 9690 Stimmen für uns abgegeben worden waren, hat es Greulich am Sonntag auf 13 ö40 Stimmen gebracht! Im ganzen sind 18 Stickiwahlen erforderlich, die amö.Novcmber stattfinden werden. Wenn die Wahlbeteiligung, die schon am Sonntag bei der Hauplwahl sich auf zirka 70 Proz. belief, noch zu steigern sein sollte, so scheitern hoffentlich die stolzen Pläne der Sozialisten- fresser, die vor der Wahl eine totale Niederlage der schweizerischen Sozialdemokratie prophezeiten.— Frankreich. Der Ministerrat beschäftigte sich heute, Montag, mit der Wieder- aufnähme der parlamentarischen Arbeiten: Nouvier wird die Kammer ersuchen, die Beratungen über die Amncstie-Vorlage sowie über das Budget der Altersversicherungskasse für Arbeiter an die Spitze der Tagesordnung zu setzen. Der Ministerpräsident wird der Kammer ferner vorsäilagen, drei Vor- inittage in der Woche zu bestimmen, die der Beratung über die Altersversorgung der Arbeite r vorbehalten sein sollen. Endlich wird Rouvier an den Senat das Ersuchen richten, sofort in die Erörterung des Gesetzes betreffend die Trennung der Kirche vom Staat cinzutreteu.—' Ter Kongreß von Chalon ist am Sonnabend durch ein Massen- Meeting, in welchem Guesde, Lafargue, Vaillant, Jaures und andere das Wort nahmen, eröffnet worden. Ter Nationalrat der Partei hat dem Kongrcfi einen Bericht unterbreitet, der sich auf die acht Monate erstreckt, seitdem die Einigung realisiert ist. Wir entnehmen demselben folgende Einzelheiten: Tie Partei erstreckt sich jetzt auf 77 Departements, wo insgesamt � 65 Federationen mit mehr denn 2000 Gruppen gebildet sind. Die Zahl der Abgeordneten, welche die Partei in den gesetzgebenden Körperschaften hat, beträgt 38; in den Kantonsräten sitzen etwa 200 und in den Gemcinderäten beinahe 2000 Parteigenossen. Außerhalb der geeinten Parteiorgani- sation stehen noch einige Tausend Genossen mit ihreif Abgeordneten, ihnen gegenüber die geeinte Partei mit ihren 40 000 Mit- gliedern in einer Organisation, mit einem Programm und einer Taktik. Durch die von der Partei geschaffenen In- stanzen bleiben die Abgeordneten in ständiger Berührung mit den Genossen: das knappe Dutzend von Deputierten, welches sich außerhalb der Partei gestellt, schwankt hin und her, hat keine organische Ver- bindung unter sich und sein Führer Augagneur schwimmt jetzt be- reits seinem Vizekönigtum von Madagaskar entgegen.— Die Zahl der Parteiorgane wird auf 40 angegeben mit einer Auflage von mindestens 100 000 Exemplaren. An Versammlungen wurden durch den Nationalrat 255 arrangiert. Der Bericht schildert sodann die Arbeiten des Zentralorgans, nämlich des Nationalrats und der Permanenten Kommission, und behandelt zum Schlüsse die Kund- gedungen und Aktionen des internationalen Proletariats zur Auf- rechterhaltung des Friedens.— Die Pariser sozialistischen Gcmcindcräte gegen die Scinc-Födcration. Paris, 28.� Oktober. Gestern versammelte sich der Klub der Pariser sozialistischen Gemeinderäte, um über das Verhalten zu dem Beschluß der Seüie-Föderation zu beraten, der den sozialistischen Minoritäten in repräsentativen Körperschaften die Teilnahme an der Bureaubildung untersagt. Die Gemeinderäte_ sprachen sich ein« stimmig gegen den Beschluß aus und beauftragten ihren Schrift- führer, Genossen F r i b o u r g, in ihrem Rainen eine Erklärung auf dem Parteitage in Chälon abzugeben. Der Beschluß der Seine-Föderation ist vor allem auf den Un- willen der Parteigenossen gegen B r o u s s e und seine Adjutanten T u r o t und H e p p e n h e i in e r zurückzuführen, die unter dem Vorwand, die„repräsentativen" Pflichten der hauptstädtischen Obrig- keit zu erfüllen, alle möglichen höfischen Feste mitmachen und sogar eine Spritzfahrt' nach Spanien unternommen haben. Jedenfalls würde die Parteidisziplin gebieten, dem Beschlüsse der Föderation oder gegebenenfalls deS Parteitages Folge zu leisten, wenngleich sich nicht verkennen läßt, daß sich ein Mittel gegen das Treiben Brousses hötte finden lassen, auch ohne daß die große Prinzipienfrage der �Beteiligung" wieder— und diesmal nicht an der geeignetsten Stelle— angeschnitten zu werden brauchte.— Portugal. Bei dem unvermeidlichen Frühstück, das Präsident Loubet zu Ehren des Königs und der Königin von Portugal am Sonntag gab wurden von beiden Seiten Trinksprüche im üblichen inter- nationalen Hurra-Stil ausgebracht. Es wäre Papier-Verschwendung, dre beider, eit, gen Phrasen auch nur mit einem Worte hier genmier wiederzugeben.— Dänemark. Um unangenehmen Zwischenbemerkungen der Sozialdemokraten und Radikalen vorzubeugen, läßt die Regierungspartei jetzt konsequent einen Bruch der Geschäftsordmmg des Folkethings durchführen. Die Geschäftsordnung bestimmt ausdrücklich, da� ohne Rücksicht auf die Rednerliste die Abgeordneten z» kurzen persönlichen Bemerkungen und Aufklärungen das Wort erhalten lonnen, und so wurde es auch bisher immer gehandhabt. Nun ober i>t das Präsidium des Folkethings und besonders der halbtaube Prandent Thomsen zu der Praxis übergegangen, daß sämtliche Minister iiachemander ohne Unter- brechung sprechen sollen und kein Abgeordneter zu einer Zwischen- bcnierkuiig das Wort erhält I Am Freitag, tn der Abendsitzuilg, verlangte der Sozialdemokrat V o r g b j erg nach der Rede des Minister- Präsidenten und LandeSverteidiglingsminister.' Elwistenien das Wort zu einer Berichtigung.„Ja," erwiderte der Folkethingspräsident, „wenn die Minister(also alle) gesprochen Häven.— Borgbjerg: „Das widerstreitet durchaus der Geschäftsordnung.— Zahle(radikal): „So kann ich also wohl auch nicht das Wort erhalten. Präsident: „Nein. Der Minister deS Acußeren hat das Wort— Derartige Szenen haben sich im Folkethmg wahrend der jetzigen Dudgetberatung schon öfters obgespieft- Rcgicrungyportei und ihre Minister fühlen sich aber nun so uiisicher. daß ihnen alle Mittel recht sind um der Wahrheit möglichst aus den, Wege zu gehen. Jedenfalls werden diese Liberalen bei den Wahlen tm nächsten Sommer eine arge Niederlage erleiden. Sie jetzt Umschau naA emer sie möglichst wenig kompromitti-rendeii Allianz imt rechts- stehenden Parteien; ob es ihnen aber aelingen wird, ihre Position dadurch zu retten, ist sehr fraglich. Oskar II. hat nun. nachdem'er die norwegische Krone ver- zichten mußte, semen langen Titel etwas abgekürzt und nennt sich mir noch:„Oskar von Gottes Gnaden, Schwedens, der Wenden und Goten König. Rorwegen, dem verlorenen Sohn, hat er in seinem Abschiedsschreiben nochmals seinen„bitteren Schmerz" über den „verfassungswidrigen Storthingsbeschluß vom 7. Juni und zugleich die prinzipielle.lblehniing des Thrones durch Prinze» seines Gc- ckilecbtes kund und zu ivi„cu aetan_ �* nie prinzw�"".......... i>.«.yrom schlechtes kund und zu ivigcu getan.— ..x Asien. Ueberfall amerikanischer Marineoffiziere bei Nangking. Dem „Cvening Standard wird aus Schanghai gemeldet: Admiral Train, der sich mit seinem Sohne Kapitän Train vom amerikanischen Kanonenboote„Ouiros bei Nangking auf der Jagd befand, schoß aus Versehen eine Chinesin an. Die Dörfler umringten unver- züglich die Offiziere nahmen ihnen ihre Flinten weg, schlugen den Admiral nieder und nahmen den Kapitan als Geißel gefangen. Der amerikanische Arzt crklarte die Verletzung der Frau für äußerst geringfügig, hoch cne Ehincsen weigerten sich den Kapitän freiziilasscii und gnssen die starke, zur Befreiung gesandte amerikanische.Eskorte an. Ome hierauf gelandete Abteilung von vierzig Seeleuten wurde gleichfalls angegriffen und feuerte zweimal in die Menge._____ GewcrkrcbaftUcbcs. Ein harter Gcwcrbcgcrichts-Wahltampf. Die Gewcrbegerichtswahlcn in Königsberg haben mit einem glänzenden Siege der freien Gewerkschaften geendet. Bei der Wahl der Arbeiterbeisitzer wurden an drei Tagen für die Liste der fteien Gewerkschaften 5640 Stimmen und für die Liste der „christlichen",„nationalen" und„liberalen" Gewerkschaften wurden insgesamt 724 Zettel abgegeben. 21 Mandate waren zu erriiigen, und da nach dem ProPortio nal-Wahlsy st em gewählt wurde, erhielten die freien Gewerkschaften 19 und die christlichen usw. ganze 2 Mandate. Der Wahl vorangegangen war ein hejtiger Wahlkampf. Sämtliche bürgerlichen Blätter traten für die Wnhl der„ n i ch t s o z i a l d e m o k r a t i s ch e n" Liste ein. Tagelang prangten Aufrufe und Artikel in diesen werten Zeitungen; doch der Erfolg war. wie man oben sieht, kläglich. Besonders deshalb wurde der Kampf in so heftiger Weise ge- führt, weil man von der gegnerischen Seite nicht weniger als sechs bis sieben Streikbrecher aufgestellt hatte, die im vorigen und in diesem Jahre den Maurern und den Zimmerern bei ihren Lohn- känipfen in den Rücken gefallen waren. Streikbrecher sollten zu Richtern gewählt werdenl Das war der Königsberger Arbeiterschaft denn doch zu viel und so wurde alles daran gesetzt, um das zu verhüten. Und es ist auch gelinigen, die Streikbrecher vom Richterstuhl fernzuhalten. Die Wahlbeteiligung wäre noch eine viel größere gewesen, wenn der Magistrat für genügend Wahlgelegenheit gesorgt hätte. Doch damit haperte es gewaltig. Für über 25 000 Wähler von Königsberg und den eingemeliideten Vororten war nur ein rinziges Wahl- lokal vorgesehen. An drei Tagen wurde hier nach Buchstaben ge- wählt. Am Sonntag hatten etwa 8000 zu wählen, und es war ein- fach unmöglich, auch nur einige Tausend abzufertigen. Anfänolich wurde nur an einem einzigen Tisch gewählt; erst eiuige Stunden später hatte man drei Wahltische aufgestellt. Obwohl an diesem Tage die Wahlzeit nur bis 1 Uhr angesetzt war, mußte doch bis 3 Uhr gewählt werden. Sogar der Hof mnszte als Wahllokal an- gesehen werden. Ueber tausend Wähler konnten trotzdem nicht ihr Wachlrccht ausüben und mußten unverrichteter Sache nach Hause gehen. Polizei versuchte im Wahllokal Ordnung zu schaffen. Am Montag und Dienstag organisierten die fteien Gewerk- schaften einen Ordnungsdienst und der bewährte sich glänzend, was vom Magistrat auch anerkannt wurde. In der Stadtverordneten- Versaminliing brachten unsere Genossen wegen der Vorgänge am Sonntag eine Interpellation ein und fragten besonders, was der Magistrat— der selber eingestand, daß er die Wahl höchst mangel- hast vorbereitet hatte— zu tun gedenke, um den Wählern, die am Sonntag nicht wählen konnten, wieder das Wahlrecht zu verschaffen. Der Magistrat verwies einfach diese Wähler auf den gesetz- lichen Beschwerdeweg. An der Wahl der Arbeitgeberbeisitzer hatten sich unsere Genossen auch beteiligt; sie brachten aber nur 27 Stimmen auf. Die Scharf- macher dagegen hatten über 800 Stimmen zu verzeichnen. Sie hatten angesichts unseres Aufttetens in der fieberhaftesten Weise agitiert. Am Donnerstag werden die Arbeiter in einer großen Protest- Versammlung Stellung zu den Gewerbegerichtswahlen nehmen. Lerlin una Qmgcgeni, Die Kutscher in den Fräserei- und Holzschneidebetricben waren vor kurzem an die Inhaber von zirka 30 Firmen mit der Forde- rung herangetreten, den bei anderen Firmen bereits eingeführten Minimallohn von 27 M. pro Woche ebenfalls zu zahlen. Diese Forderniig ist jetzt von den in Frage kommenden Geschäften ganz oder teillveise bewilligt worden. Nur bei einer Firma kam es zur Arbeitsniederlegung, die aber nur einen halben Tag zu dauern brauchte. An Lohnerhöhung haben die Kutscher 1,50 bis 3 M. pro Woche erzielt. Meistens ist die Zulage derartig zu- gesichert, daß der Minimallohn von 27 M. unter Abzug der Ver- sicherungsbeiträge gezahlt wird, während 26 M. zu zahlen sind, wenn der Arbeitgeber jene Beiträge nicht abzieht. ES kommen bei diesen Abmachungen besonders die Firmen im Süden und Süd- Westen Berlins in Betracht. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Zigarettenfabrik„Josctti", Neue Friedrichstr. 9—10, hatten am Sonnabend eine Fabrikbesprechmig, in der die bestehende Fabrikkommission der Firma einstimmig be- auftragt wurde, am Montag beim Chef respektive bei der Ver- waltung der Fabrik wegen einer zehnprozentigen Lohnerhöhung für sämtliche Akkord- sowie Lohnarbeiter und Arbeiterinnen vorstellig zu werden. Die Kommission führte diesen Aufttag aus und fand offenes Gehör. Die Firma bewilligte die geforderte zehnprozentige Lohnerhöhung und zwar mit rückwirkender Kraft schon von Freitag, den 27. d. M. ab. Nachklänge zum Wäschcarlcitcrstrcik. Vier Zuschneider der Firma Emil Grünbaum in der Frankfurter Allee sind gestern mittag wegen des Streikes gemaßregelt worden. Sämtliche übrigen 14 Zuschneider haben sich mir ihnen solidarisch erklärt. Des weiteren legten am Nachmittag die Plätterinnen und Näherinnen die Arbeit nieder.— Die Firma ist vom Verband der Wäsche- und Krawatten- arbeiter gesperrt worden. Deutsches Kelch. „Der Werftarbeiter", das Publikationsorgan des Deutschen Wcrftarbeiterverbandes, hat mit seiner Nummer 22 vom 29. Oktober das Erscheinen eingestellt. Die letzte Nummer enthält den Bericht von der Generalversammlung, die den Uebertritt der Werftarbeiter zum Metallarbeiterverband beschloß, außerdem eine Anzahl Korre- spondenzen und ein Abschiedswort des Verbandsvorstandes und der Redaktton. Im Leipziger Posamentierstreik ist die Polizei sich ihres Be- rufcs als Beschützerin der Arbeitswilligen und der Unternehmer- interesscn durchaus bewußt. Groß ist die Vorliebe dafür, Streikende zu allerhand Vernehmungen auf das Polizeiamt zu bestellen. Die Unternehmer selbst scheinen einander nicht recht zu rrauen; sie haben eine Konventionalstrafe von 250 M. für jeden von ihnen festgesetzt, der die Forderungen der Gchülfen bewilligen sostte. Trotzdem werden die Herren Jnnungsmeister wohl bald nachgeben müssen, wenn sie nicht der auswärtigen Konkurrenz unterliegen wollen. Einzelne sind auch schon jetzt zur Nachgiebigkeit bereit, die Ge- hülfen aber sind entschlossen, nur mit der Gesamtheit der Unter- nehmer in Verhandlungen zu treten. Der Verband der Notcnstcchcr in Leipzig hat beschlossen, mit der Prinzipalsorganisation, dem Verein der Notenstechereien, wegen Abänderung des Tarifs in Unterhandlungen zu treten, und zu diesem Bchufe eine Kommission ernannt. Die Schuhmacher der Firma Preuß u. Möbius in Meißen stehen im Streik. Vor Zuzug wird gewarnt. .. Im Markranstgdter Kürschnerstrcik, der nun schon fünf Wochen wahrt, ist die Sympathie der öffentlichen Meinung ganz auf feiten der Streikenden, wie eine vor wenigen Tagen abgehaltene, von 1000 Per>onen besuchte Einwohnerversammlung bewiesen hat. Nur Poli- zei und Behörden machen stramm im Schutz der Arbeitswilligen, diejii der Stadt von jedem Kinde verachtet werden. Ein hübsches Stuckchen leistete da jüngst die preußische Bahnverwaltung. An einem der letzten Tage fuhren Arbeiter von Corbetha nach Leipzig. Als sie einen völlig leeren Wagen IV. Klasse besteigen wollten, wurden sie daran von einem Schaffner gehindert und trotz deS Protestes in einen ziemlich überfüllten Wagen gestopft. Der andere Wagen aber fuhr leer mit. In Markranstädt kam des Rätsels Lösung. Als der Zug hielt, wurde der bis dahin geschlossen ge- Haltens Wagen geöffnet, ganze drei Mann— Arbeitswillige der Firma Walter bestiegen ihn, und fort ging's nach Leipzig. Also, um dreier dieser Staatsstützen willen läßt die sonst so aufs Sparen bedachte königlich preußische Sisen! perwaltuno auf der Strecke Corbetha— Leipzig cineu ganzen Wagen IV. Güte kccö verkehren. Man sieht, beim Arbeits!'. illigenschutz l.erden so�..r die Behörden der verschiedenen deutschen Vaterländer irternational; eine preußische Behörde schützt im grün-weißen Kcni�.ei�" ilrb'its- Willigel— Uebrigcns scheint na.i jetzt doch Versuche zu einer Einigung zu machen. Bürzcrmeistcr Otto schlägt Verhandlungen aus der Grundlage vor, daß di. Verbandsleitung ihren.Mitgliedern gestattet, die gegenwärtig in der Fabrik vorhandenen Ka" infelle unter Tarif aufzuarbeiten, und daß baldigst.ine Revtt'on des Tarifs herbeigeführt wird, bei der die Sätze für Kanin. Feh und Nutria ermäßigt, andere dafür erhöht werden; während ie Febril- leitung sich verpflihtei. soll, ihr früheres Personal nach und nach bei Bedarf wieder ei'",ust.llen, ohne den Austritt a.S dem Verbände zu verlang.«! sollen die Arbeiter ihre Forderung, daß die Arbeitswilligen entLssen werden müssen, fr"cn lassen. Ob auf Grund dieser Vorschläge eine Einigung möglich sein wird, bleibt abzuwarten. Die Pflasterer und Rümmer in Köln haben am Montag die Arbeit wieder aufgenommen. Zwar haben sie ihre Forderungen nicht durchgesetzt; aber die Unternehmer Halen eine Reihe Zuge- ständnisse machen müssen. Die Ausständigen beschL ssen, die Zugeständnisse zu akzeptieren, da sie sich von der Wetterführung des Kampfes in der ietzigen Jahreszeit einen Erfolg nicht mehr ver- sprechen.__ Versammlungen. Vierter Wahlkreis(Südost). Am Dienstag hielt der Wahlverein eine Geiieralversanimliing in GraumaiinZ Saale ab. Zunächst ehrte man das Andenken der im letzten Vierteljahre verstorbenen Mit- glieder in der üblichen Weise. Dann erstattete I ö ch e l den Bericht des Vorstandes. Im letzten Halbjahre fanden vier Versammlungen statt, eine ordentliche und eine außerordentliche Generalversamm- lung, elf Vorstandssitzungen und sieben Sitzungen des Vorstandes und der Bezirksführer. Der Vorstand hatte sich mit einem An- trage der Barbiere zu beschäftigen, der dahin geht, die selb- ständigen Barbiere, welche einer Innung angehören, und auch die Mitglieder der Freien Vereiniginig selbständiger Barbiere, welche die Forderungen der Gchiilfen nicht bewilligt haben, ans dem Wahl- verein auszuschließen. Dieser Antrag ist an alle Wahlvereine ge- gangen, er ist deshalb für ganz Berlin entschieden worden und zwar dahin, daß Anträge auf Ausschluß nur berücksichtigt werden können, wenn sie gegen bestiininte Personen gerichtet sind. Es wurde anerkannt, daß man die Bewilligung der geringen Forderungen der Barbiergehülfen von den Wahlvereinsnntglicdern wohl erwarten könne.— Da nach dem neuen OrganisattonSstatut der Partei für jedeit Wahlkreis nur eine Parteiorganisation bestehen kann, so hat der Vorstand mit dem Vorstände des Wahlvereins für den Osten eine unverbindtiche Aussprache über die Verschmelzung beider Vereine gehabt. Die Vorstände sind sich ziemlich einig ge- worden, das Weitere wird späteren Beratungen vorbehalten bleiben. Befremden müsse es unter diesen Umständen erregen, daß der Wahlverein Ost in seiner nächsten Gencralversammliing einen besoldeten Kassierer wählen wolle. Man hätte damit warten sollen bis nach der Verschmelzung.— Ausgeschlossen hat der Vorstand das Mitglied Gliem, welches sich selbst des Besuches des Festes der Neuen Freien Volksbühne in der Philharmonie bezichtigte. Der Kassierer H a ck e l b u s ch erstattete den Kassenbericht für die Zeit vom 1. Oktober 1904 bis 30. September 1905. Eingenommen wurden 13 130.62 M.. ausgegeben 12 971,62 M., darunter 8000 M. für Agitation, es bleibt ein Bestand von 159 M.— Am 1. Oktober 1904 hatte der Verein 4979 Mitglieder. Aufgenommen lumdcn im Laufe des Jahres 1065. Gestorben sind 26, verzogen 275, ans- geschlossen 5, wegen restierender Beiträge gestrichen 1359. DaS ist ein Abgang von 1665 Mitgliedern. Der Abgang übersteigt demnach der Zugang um 600. Auch in den vergangenen Jahren Ivnr die Flultnation der Mitglieder sehr stark. Wenn alle, die sich in den 9 Jahren des Bestehens des Vereins aufnehmen ließen, bei dem- selben geblieben wären, dann müßte der Verein jetzt 11 169 Mit- glieder haben. Der Redner hatte eine Aufstelllmg gemacht über die Zahlen der in jedem Jahre eingetretenen Mitglivder und hat zum Vergleiche damit festgestellt, wie viele von diesen Mitgliedern heute noch dem Verein angehören. Das ZahleuverhältmS ist folgendes: ES traten ein Davon verblieben im Jahre Mitglieder. 1896... 1200 256 1897... 352 49 1398... 419 71 1899... 1399 293 1900... 1 093 239 1901... 850 201 1902... 1031 350 1903... 1 751 705 1904... 2009 1338 1905... 1 065 872 Summa. 11169 4 379 Der Redner bemerkte hierzu, wenn man bedenke, daß bei der Reichstagswahl 1993 im Südosten von 39 099 Wählern 27 000 sozial- demokratische Stimmen abgegeben wurden, so erscheine die Zahl der organisierten Parteigenossen sehr gering. Dies ungünstige Ver- hältnis müsse jeden Parteigenossen bestinimeii, für die Ausbreitung der Organisation zu wirken. Hierauf erstattete Karl Scholz den Bericht der Agitations- kommission. Er besprach im einzelnen die Arbeiten, welche die Ge- nassen vom Südosten in den ihnen zugewiesenen Provinzkreisen Friedeberg-ArnSwalde, Schwiebus-Krossen-Sommerftld und Ost- und West-Sternberg geleistet haben. Aus den Darlegnuzen des Redners ging hervor, daß unsere Bewegung in allen drei Kreisen Fortschritle gemacht hat. Am besten waren dieselben im Kreise Schwicbus-Krossen-Sominerfcld, weniger gut in den beiden anderen Kreisen, wo die Verhältnisse für uns recht ungünstig liegen.— Es ffolgte der Bericht der Preßkommission. Der frühere Ver- treter des Kreises, Genosse Mermuth, der jetzt in Reinscheid weilt, hatte eine schriftliche Uebersicht über die Tätigkeit der Preßlomn.iission in den ersten drei Quartalen gesandt. Der jetzige Vertreter L u s ch e ergänzte den Bericht Mermuths durch Mitteilungen über die letzten Beratungen der Preßkommission.— Hieran sch oß jtch cme kurze Debatte, in der unter anderem zwei Beschwerden über Zurück- Weisung, bcziehungstveise Kürzung von Einsendungen aus den Reihen der Parteigenossen besprochen wurden. Görke erstattete Bericht über die Tätigkeit der� Lokalkom- Mission, den die Versammlung ohne Debatte entgegennahm. Hierauf berichtete Görke über die Verhandlungen der Provinzialkon- ferenz.— Nachdem diese Angelegenheit �ledigt war, nahm die Versammlung einen Antrag an. welcher besagt der Vorstand solle beim Wahlverein Osten gegen die Wahl eines besoldeten Kassierers vorst�lq; �werden. Stimmzettel vollzogen wurden, hatten folgendes Ergebnis:„ T... Als Vorsitzender wurde gewählt Paul Hoffmann, zum Schriftführer Max Menzel, zum Kassierer Richard H a ck e I- b u s ch, zum 2. Kassierer W i st. I» die Ngltatlonskoninnfsion wurde'gewählt Karl S ch o l z, in die Lolalkoniunssioii Hermann Görke und S e d l e r. Revisor wurde Otto I n e ck h. Preß- kommissionsmitglied Lusche und Belsitzer Karpentin. LriefkaNen der Redaktion. Franks. National. Bersammlung. Die sozialdemokratischen Flug. blätter von 1347/48 können wir Jhiien nicht nachweisen. In der Geschichte und Literatur der Partei werden Sie verstreut etwas von dem gewünschte» Material zu Ihrer Arbeit vorfinden.— G. 00. Können wir nicht cmpsehlcn und überlassen Ihnen Entscheidung selbst.— Zirkus Busch. 1- und 2. Bitten bei der Direktion selbst anzujrageu. Uns fehlt eS an Zeit dazu, über- Pffiflcn.Streit' zu schlichten.— M.®. 5. Der Arzt hat telepvonische Verbindung. Weshalb fragen Sie nicht selbst an? Wahrscheinlich Privat. unternehmen.— Uferstr. K. Künftig im Konversationslcriton einer Lese. balle nachschlagen und einsache, wissenswerte Dinge selbst scstftellen.— W. 100. Ihre Verwandten in Paris kennen wir nicht. Die Ermittelung müssen wir Ihnen überlassen. Vielleichl nützt Ihnen da beigehcnde Adresse etwas: Deutscher Leseilub, Sekretär I. Babion, Rue Lamarck 87, Paris.— R. M. Nein.— Wistbcgirrig. I. Einer, der Theologie studiert. 2. Drei Jahre. 3. Sehr verschieden. Fragen Sie einen Ihnen bekannten Pastor.— KSK« Ja.— Platz da I Nr. 208 deS.Vorwärts", lokaler Teil. JurittxJthcr Ceti. Die snrlstlsche Svrechstiiiide findet täglich mit SlnSnahMe de? Eon»,,»»«».« •eil 7'li bis»>/, nur statt,«cöffiir«! abend» 7 lldr. E. S. I. Es kann auch der minderjährige Erzeuger verklagt werden. Er wird in dem Prozctz durch seinen Vater vertreten.— Wilhelms- Hagen 4. Soweit ersichtlich sind die drei Fragen zu verneinen. Eine be- stimmte Antwort ist aber nur nach Kenntnis des Einzelfalles und des In« Haltes der Statuten zu geben.— Lber-Schöncweide. Nicht Sie, sondern der Fabrikbesitzer ist dahin beweispflichtig, daß unter Aenderung der gesetz. lichen Porschristen«ine Mtägige Kündiguugssrist vereinbart sei. ES scheint das Gericht angenommen zu haben, daß durch die Bekundung des An- gestellten die Bewcislast sich verschoben habe. Das wäre aber eine unzu- treffende Annahme, wenn die Bekundung, so wie Sie mitteilen, zu Ihren Gunsten abgegeben ist. Beharren Sie dabei, daß die Beweislast dem Gegner obliege, erklären Sie sich zur Eidesleistung bereit und schieben unter Protest gegen die Bcweislast dem Gegner den Eid zu.— H. P. IlUt. Das Gc- richt erachtet in Berlin als angemessen an Hebammcngebührcn: für den Beistand bei einer Entbindung S bis 30 Mark, für einen Besuch bei Tage l bis 3, bei Rächt 2 bis 4, für eine Nachtwache 5 bis 10 Mark. Der Vorstand des Hebammen-Vereins erachtet im wesentlichen dieselben Sätze für angemessen, nur taxiert er als Mindestsatz nicht 6. sondern 10 Mark und die Höchstgebühren für Besuche geringer. Eine gesetzliche oder sonst bindende Taxe gibt es nicht.— H. E. Ja. — W. S. 28. Gegen die Ansehung der Zeugengelder können Sie ve« schwerde beim Amtsgericht einlegen. Indessen hätte dieselbe wenig Aussicht aus Erfolg, weil die Kilometergelder für den Zeugen zutreffend berechnet zu sein scheinen.— Wetsiensce W. Der Betreffende kann sich mit Aussicht aus Erfolg an die Behörde wenden oder aus die Behörde berufen, die ihm seinerzeit die Entlassunasurkunde ausstellte. Ob Ausnahme in den preußischen Staatsvcrband ersolgen wird, dürste zweifelhaft sein.— L. W. Nein.— T. In England geschlossene Ehen Deutscher, deren ehelicher Ber- binduna nach deutschem Gesetz ein Ehehindernis entgegensteht, sind nichtig. Legen Sie den betreffenden Fall dar.— Chemnitz 27. 1. Ein ohne Kenntnis das Sachverhalts abgegebenes Urteil ist wertlos. 2. Sie können ein eigenhändiges Testament errichten. Ihre Annahme, daß das Vormund- schastSgericht den Nachlaß verkaust oder verkaufen läßt, ist irrig. 3. Ist wiederholt geschehen.— C. W. 100. Die Stemvelpslicht besteht nach dem Gesetz von 1803, Tarisstclle 10. Ob in Ihrem Falle Stempel zu entrichten ist. ist ohne Kenntnis des Datums der Statuten und etwaiger Nachträge nicht zu beantworten. Für de« Jiitiat« oer Jinerare übernimmt die Nedaktion dem PudUtnm gegenüber keinerlei Berantlvortnng. Ukearer. Dienstag, 31. Ollober. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Der schwarze Domino. Schanspielhans. Der Schwur der Treue. Neues. Ein Sommernachtstraum. Westen. Die Zauberslöte. Deutsches. DaS Käthchen von Heil- bronn. Berliner. Andalosia. Anfang 8 Uhr: Schiller O. lWallner-Theater.) GygeS und sein Ring. Schiller �l.(Friedrich Wilbelm- städtisches Theater). Der Veilchen- Lcssing. BenignenS Erlebnis. Han- neles Himmelfahrt. l. Zur indischen Witwe. Der Prinzgemahl. Das vierte Gebot. Zentral Residenz. Kleines. Triauon. Madame Torcra. Lustspielhaus. Der Familientag. Thalia. Bis früh um Fünfe I Carl Weist. In Berlin ist waS loS. Luisen. Simson. Deutsch. ZlmerikauischeS. Aber, Herr Herzog I ORrtropot. Aus— WS Metropol l Kasino. Das Opferlamm. Stpollo. Frau Luna.— Speziall- täten. Walhalla. Eine tolle Nacht. Herrnfeld. Die Meyerhains. Wintergarten. Ein Abend in einem amerikanischen Tingel-Tangel.— Spezialitäten. FolieS Capriees, Nach dem Zapfenstreich. Soll und Haben.— Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. tssnge. Robert Koppel. Georg und Gusti Edler. Urania. Taribeustraste 48/40. tzlbends 8 Uhr: SpelteriniS Alpen- und Wüstensahrten im Ballon. Im Hörsaal: Dr. M. v. Unruh: Die Glassabrikation. Stcrutvarte, Jnvalidenftr. 157/62. Täglilv geöslnel von 7 bis 1 Uhr. Abends 3 Uhr: Dr Ristenport: Dte großen Planeten. Berliner Theater. Charlottenstr. 90/92. Andalosia. Dramatisches Gedicht in 5 Akten von Florian Endli. Ansang 7'/, Uhr. Mittwoch: Kcan. Donnerstag u. Freitag: Andalosia. iienes Theater. Anfang 71/t Uhr. Sin Scmtnernaehtstram Morgen u. folgende Tage: Ein Sommernachtstraum. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Das vierte Gebot. Mittwoch: Htdalla. Zentral-Theater. «Ä Indische Witwe. Operette in 3 Alten v. Oskar Strauß. Mittwoch u. Freitag 5 Uhr: Kinder- Vorstellung. Abends: Indische Witwe. Sonnabend nachm. 3'/» Uhr: Die Rüuber. Abends: Indische Wilwv. Luisen-Theater. AbendS 8 Uhr: Simson. Mittwoch: Othello. Donnerstag: Simson. Freitag: Zum 1. Male: Beilchen. fresser. Sonnabend: Die Kinder der Ex zellenz. Somriag nachmittags: Pech-Schulze. Sonnlag abends: Faust. Montag: Simson. I-usKspiolkaus. Abends 8 Uhr: Der farmlientag. Urania 8 Uhr: Spelterlnis Alpen- und WOstentahrten im Ballon. Hörsaal 8 Uhr: Dr. v. Unruh Die Glasfabrikation. Sternwarte ITÄ S Uhr: Dr. Kistenpart: Die grollen Planeten. P| CASTANS ANOPTICUM, Frledriohstr. 165. Joels Traum. !! Pompeji!! Dlo Ehre des Vaters! Restanrant: Dresdener Sänger. Trianon-Theater. Madame Torera (Madame L'ordonnance). Schwank in 3 Akten 6. JuIeS CHancel. Deutsch von Max Schoenau. Ansang 8 Uhr. Donnerstag zum erstenmal: Der tötete Troubadour. AbcndS 8 Uhr: Die Oktober- Spezialitäten. v'/, Uhr: Frau Isnna unter persönl. Leitung n. Paul Llncke. Metropol-Theater Präzise 8 Uhr zum 53. Male: n Große Jahresrevue mit Gesang n. Xanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Kapellmeister Max Roth. In Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Waiden a.D.xMißClifford a.D. Bender x Giampietro Joseph! x Massary x Frid-Frid Steidl x Lilly Walter. Rauchen in all. Räumen gestattet. _ Anfang 8 Uhr._ Walhalla-Theater Weinbergsweg 19/20. Direkiion: Richard Schnlti. Heute und folgende Tage: Sine tolle I�acht. Vorher; Gr. Speziaiitäten-Programm. Ans. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Passage-Theater. Anfang abends 8, nachm. S Uhr. i Letzter Tag! Roliert Koppel in seinem Repertoire. Leorg n. Gusti Edler in ihrer Atpenszene. Ii MW KasinosTheater Lothringcrstr. 37. Täglich 8 Uhr. Pos OOrloiM. Schwank in 8 Sitten von Walther und Stein. Vorher: Im Sprccwald. Operette. Der berühmte Kapitän tOarlens etc. Sonntag nachmittag 4 Uhr:„Oer Adelsnarr."__ �cli Iiier Schiller-Theater 0.(Wallner-Thealer). Dienstag, abends 8 Uhr: Kz'xc» and«ein Ii lux. Eine Tragödie in 5 Akten von Friedrich Hebbel. Mittwoch, abendS8Uhr: vor Vvllchvakre»»or. Donner»tag,abendS8UHr: vor Tranm ein l-eben. Zirkus Albert Schumann Heute abend präzise 71/, Uhr: Extra-Galavorstellung, u. a.: Neu! Ba?" Arkadin TSfi ausgezeichnete Tscherkcffenrciter vom -. Leib-Regiment des Zaren. Neu und pbänomenal Javaner-Truppe. GroteSquetünsller aus lava. Neu I Polly Oassie und August. Sensation I Das einen halben Saltomortale schlagende Plerd. Der unübertrefflichen John nnd L-onls Bollers Vor- und Riickvarts-Saltomortali mit dem Zweirad. Ferner sämtliche Spezialitäten und Direktor Alb. Zehumanns neue und moderne Dressuren. Zum Schluß: Einzig dasteh. Erfolg! Der Tag des Unxlischen verd�. Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Lustspiel w 3 Alten von 2. Zanros und I. Ehanrel. Deutsch von Wilhelm Thal. Sonntag nachmittags 3 Uhr: 8er- kulespiilen.__ W. Noacks Theater. Dtreltion: Rob. Dill, vrunnenstr. t«. Preziosa. Schauspiel m. Gesang in 5 Akten bon P. A. Wolf. Musik von E. M. v. Weber. m«Ins. 8 Uhr. Entree 30 Ps. MUtwoch: Käthchen von Hcilbronn. Donnerstag: Stadt und Land. Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee Nr. 148. Gastspiel des Bernhard Hose- Theaters: Gemonnene Herzen. Volksstück mit Gesang in 3 Akten von Hugo Muller. Ansang 8 Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. Preise der Plätze: Entree 30 Ps., immer. Platz 50 Ps.(Abonn. 40 Pf.). In Vorbereitung: DI« Maschinenbauer von Berlin. ■V Morgen, Mittwoch; Gr. Sonder- Abend. BV Neue Spielsolge.-WM Nach der Vorstellung: Gr. I'an«. Ansang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Ehren- und Vorzugskarten gültig. Walhalla Theater Weinbergsweg 19/20. Mittwoch, den IJoyemliepcr.: Große internationale Pre sc in bar 5000 Mark. Außerdem dem Sieger die große goldene Medaille. (Näheres die Plakate.) Belle-Alliance! Theater- V artete. Anfang 8 Uhr. Vur noch wenige Tage, j Liane Leischnerl 16 hervorragende Debüts. Sonntags 2 Vorstellungen. Nachm. 3 Uhr: Halbe Preise. jeder Besucher 1 Kind frei. Rauchen im Wintergarten gest. I Theater. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wtlh. Th) Dienstag, abend» 8 Uhr: vor Aellehenfresser. Lustspiel in 4 Akten von Gustav v. Moser. Mittwoch, abends 8 Uhr: vor G'wissens'ivarin. DonnerStag,abendS8Uhr: Der Tellchenfresser. XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. Nar noch 2 maliges Auftreten: Die Helden vom YalQO.Pori Arthur Japanische Infanterie. Größte Attraktion der Welt! Sensationell I Sensationeil I Ber KanonenhUnig. Schuß eines lebend. Menschen aus einem Marine- Geschütz schwersten Kalibers. 4 Soenrs Atletas. X ii in 43. ülate: Mexiko Große Ausstattungs- Pantomime ans dem mexikanischen Pflanzerleben und die vorzüglichsten Programmnumm. Carl Weiß-Theater. Gr. Franlsurterstr. 132. Täglich 8 Uhr: Ja Kerliu ist was los. Gr. AuSstattungSpoffen-Revue mit Ge- sang und Tanz in S Bildern von P. Bajanz. Sonnabend 4 Uhr: Domröschen, Sonnabend abend: Faust. Folies Caprice. Budapester Possen-Theater -------- 132 Llnlenstr. 132-------- Ecke Friedrichstraße. Kaeh dem Zapfenstreich. Vorher: Soll nnd Haben a. d. ausgezoichn.Spozialitätenteil. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf täglich b. A. Wertheim und an der Tageskasse v. 10 Uhr vormittags an. H Gebrüder errnfeld- Theater. I-ctzte Woche!-WG Der unverwüstliche Schlager: Lle JHeyerhains. Komödie in drei Akten mit den Autoren Anton und Dcnat Herrnfeld in den Hauptrollen. Ansang 3 Uhr. Borverk. 11—2 Uhr, Theaterkasse. Tonuabend, den 4. November: RssailssB dös Novität: FiUMllklitiig in Haust Prcllßtl«. Komödie in 3 Akten von Anton und Denat Herrnfeld. Vorverkauf für dte Premiere; ab beute an der Theaterkaffe sowie bei A. Werthcim und im.In- validcndanl". leM- wcklckellN IMw. Ktfpnickerstr. 07. Jeden Abend 8 Uhrl Gastspiel Ad. Philipp ABERj Herr Hersog Sonntag nachmittag 3 Uhr: Halbe Preise! .Tcber'n groBcn Teich." Zum 60. Male: .—Otto Pritzkows�« Berliner II HUnsstr. 10. Die drei lebenden"■__ gr. anatomischen Mnader * TlnsUel'uensch L Skolett-Ucnach 4 GnnimihaatmcnNch D � Entree«O Pf.'IHßj Hcate die in London an 1000 Abenden mit großem Heiterkeitserfolge gegebene Pantomime Ein ibend in einem amerikanlselieii Tiniel-Tangel Orlglna I- An ff(Ihrnng außerdem Guerrero, span. Tänzerin. Arteis, Reckkünstler. Amann, Mimiker. Harndlns, Wundersteme. Cello de Lossä. Drahtseilakt Marrder, Goldamazone. In Japan, Ballett. Moore, engl Sängerin. Colllns und Hart, Exzentriks. Die mysteriösen Husaren. yft-- Biograph.-MG Colossenm o Drcsdcnerstrafte 97. 1 humoristische o 1 L Spezialitäten l löu a Bendix. ® Littke Carlsen. ™ Wall« Walborg. l-a Perle, die deutsche Füller. Hania' Debüt der jüngsten nCUlC. Berliner Soubrette Trudy Truth 15 Jahre alt. Debüt deS populärsten sächsischen Humoristen Neumann- Büemchen. Ansang 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr.| Jeden Sonntag nachm. 3 Uhr jeder i Platz 40 Ps. Ein Kind frei ls Soovenlenrerteilung. Im Konzertsaal 2 Kapellen (Schrammeln), Natursöuger, I Ungarn.— Wochent. 8 Uhr. Sonn- 1 u. Feiertags ab» Uhr, End« 1 Uhr.| Palast-Theater Burgste. 24, 2Min.v.Bh. Börse. Heute 8 Uhr. Eutree 50 Pf. Darton Brothers. Marion und Millo, danse BOT Zum letztenmal: Ein Kater, ttm. Familicnkarten find in allen Barbier-. Friseur- u. Zigarren- geschiiften sowie im Theater- bureau unentgeltlich zu haben. Ab 1. November: Durchweg neues Programm. �elckstisllen. Täglich: Stettiner Sänger. Gnsta? Bebrens V � Spezialitälen- Franktarter- ntiai-i nn-jT. Allee 85- Saisonschlager! Die Schlächtermeisteriu als Schauspieteriu oder: Skandal im Theater Große Posse und 20 SpgziaMteD-Hamfflem. Dr, SchUnemann. Spezial-Arzt für[41022* Hnnt- nnd Harnleiden, Francnkrankheiten, Seydelstr. 9, d'cht am Spitt elmarkt. Wochentags'/-»«->/«, «onntag» 10—18. Ferliand der Fabrik-, Land-, iiiiMeiter und iriieiterinoen! Zahlstelle Tegel No. 277. Todcs-Anzelge. Den Kollegen zur Nachricht, daß! unser Mitglied Paul Kühn gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am! Dienstag nachmittags 3 Uhr vom j Trauerhanse(Borsigwalde, Schu- barthstr. 42) aus statt. Rege Beteiligung erwartet 84b Die Ortsverwaltuug. Zentral-Kranken- nnd Sterbe- kasseder TiseMiir. Verwaltung Berlin H. Den Mitgliedern zur Nachricht, f daß unser Mitglied, der Schlosse: ?sul PohBandt am 26. Oltober nach langen Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet Dienstag nachmittags 4 Tlhr von der Leichenhalle deS EmmauS-Kirch- Hofs in Rixdors aus statt. Die OrtSverwaltuug 184, IS Berlin H. Genossen, Freunden und Be- kannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter Uilse Voldt, geb. Konig nach langen schweren Leiben verschieden ist. Karl Woldt, Richard Woldl, Elsa Woldl, geb. Hünig. Die Beerdigung gndrt am SRtlt. woch 4'/, Uhr von der Leichenhalle der Luisen-Gemeinde(Chartotlcn. bürg), Fürstenbrunner Weg au« statt. 48S3b Wliribvrgor HgitneraugaWlttöl von Dr. H. Unger-Sürjburg.— 30 PI In Berlin: Solomon-Slpothele, Charlottenstraße, Greis-Apotheke, Barnimftr. 33. In Breslan: 3612L* VictorIa-!!lpotheke,Friedr.Wtlhemstr.43 �Hygienische Beasruarckal. Neuaet-ivauiog Sl.Emp Berlin erklärt, ohne Rücksicht auf das Schicksal der hier angenom menen Aenderungen des Entwurfes. Dem Vorstande in Gemeim schaff Mit den Funktionären soll es überlassen bleiben, zu bestimmen, in welcher Form die Delegation zur konstituierenden Generalversammlung gewählt werden soll. Eine Kommlsston, bestehend au» den Genossen Vaake, Zubeil, Wetzker und Thiel wurde eingesetzt und ihr der Auftrag erteilt. daS Statut des KreiswahlvereinS der Neuorgani sation entsprechend umzuarbeiten. Den Bericht über die � Parteikonferenz für die Provinz Brandenburg erstattete Wollermann. Er gab einen kurzen Ueberblick über die wichtigsten Verhandlungsgegenstande. Unter anderem bemerkte der Redner, wenn Stadthagen glaube, der erste politische Massenstreik werde ein streik bei Landarbeiter sein, so kenne Stadthagen in dieser Hinsicht die ländlichen Verhältnisse nicht. An einen Massenstreik der Landarbeiter fe, nicht zu denken. Der Redner bedauerte die Ablehnung des Rixdorfer Antrages, die Ein- richtung einer Zentralstelle für kommunal« Angelegenheiten be- treffend. Der Antrag sei von großer Bedeutung, er werde ge- legentlich in Grotz-Berlin aufs neue gestellt werden. Im all- gemeinen erklärte sich der Referent durch die Konferenz nicht befriedigt. Besonders rügte er die Wahl dc� �okals, die einen frühzeitigen übereilten Schluß der Konlerenz nötig machte. Dem Bericht folgte eine kurze Aussprache, dann wurde fol- gender Antrag angenommen:„ �...„ „Die Generalversammlung erklart sich mit den Ergebnissen und Verhandlungen der Provinzialkonferenz m keiner Weise zu- frieden. Sie erwartet, datz die Agitationskommlssion dafür sorgt. daß zukünftig die Verhandlungen in würdiger Weise zum Ab- schu'tz geführt werden können." �. Be, dem nun folgenden Punkt der Tagesordnung:.An. träge wurde dem Antrage de? Vorstandes gemäß beschlossen. dem Parteivorstand 5000 M. zu überweisen.— Em aus der Ver- sammlung gestellter Antrag besagt, vorwärtsstrebenden Mitgliedern können die Kosten des Besuches der Arbeiter-Bildungsschule aus Vere,nsmitteln gewährt werden. Dieser Antrag wurde dem Vor- stände überwiesen. Der folgende Punkt der Tagesordnung lautete: Mittellungen des Vorstandes und der Funktionäre. Der Vorsitzende Hirsch bemerkte: Der Vorstand hat keine Mitteilungen zu machen. Wir kommen zu den Funktionären, zu- nächst zum Vertreter der Pretzkommissiom Hierzu ist eme Resolu- tion eingegangen. S,e lautet: .Die Generalversammlung erkennt an. daß der Parte,. borstand in Gemeinschaft mit der Pretzkommission nach 8 26 des Organisationsstatuts das Recht hat. über Entlassungen und Neu- einstcllungen von Redakteuren des„Vorwärts" zu entscheiden. Aber es widerspricht den bisherigen Gepflogenheiten in der Parte, ebenso wie den demokratischen Grundsätzen und den gewerkschaftlichen Forderungen, daß derartige schwerwiegende Fragen in cmem geheimen Verfahren ohne Anhörung der Beteiligten und unter Umgehung der Parteigenossen von Berlin und Umgegend erledigt werden.— Die eseneralversammlung verlangt sofortigen Aufschluß über den Gang der Sache durch Veröffentlichung dcS gesamten Aktenmaterims ohne Aenderungen und Auszüge im „Vorwärts". Südckum. Zubeil." Hoppe als Vertreter der Pretzkommission bemerkte, selbst- verständlich werde über die Angelegenheit der„Vorwärtö"-Redakteure durch den Parteivorstand.iusllarung gegeben werden und zwar vielleicht schon in der Dlenstag-Nummer des„Vorwärts". Zu der Angelegenheit selbst könne er, der Redner, nichts sagen, weil er den betreffenden Sitzungen nicht beiwohnte. �— S ü d e k u m begründete die Resolution. Wir seien alle der Meinung, daß durch die Verhandlungen in Jena die Verhältnisse im„Vorwärts" geregelt und frieden ,n der Partei geschlossen sei. Entrüstung müsse eS deshalb hervorrufen, daß sich jetzt hinter dem Vitcken der beteiligten Genossen in der»vorwärts"-Redaktion Dinge abgespielt haben, die sich zu einem Skandal auswachsen.(Sehr richtig!) Offen und ehrlich, Auge in Auge hätte man mit denen verhandeln müssen, um deren Geschick es sich drehte.(Sehr richtig!) Nach Jena hätte niemand erwarten können, datz durchgreifende Nen- derungen in der Redaktion des„Vorwärts" vorgenommen werden sollten, denn die Verhältnisse in der Redaktion seien so geordnet worden, datz ein gedeihliches Zusammenarbeiten aller Redakteure möglich war. Wenn nun trotzdem die Berliner Genossen der Meinung sein sollten, datz Aenderungen in der Redaktion nötig seien, so sei es ja das gute Recht des Parteivorstandes und der Pretzkommission, Aenderungen vorzunehmen. Aber die Form, in der das geschah, müsse entschieden verurteilt werden.— Wenn man die Redakteure, die man entlassen will, gar nicht anhört, ihnen nicht die Gründe sagt, weshalb man sie nicht mehr behalten will, dann erniedrigt man die Redakteure als Schreibkulis. Dagegen müsse entschieden protestiert werden. Wollermann beantragte Uebergang zur Tagesordnung, weil die Versammlung auf Grund einseitiger Aufklärung keine Entscheidung treffen könne. Wetzker besprach in längerer Rede die Angelegenheit, wie sie in der Hauptsache durch die beteiligten Redakteure im„Vor- wärts" dargestellt worden ist. Er würde sich wie ein erbärmlicher Wicht vorkommen, wenn er sich die hundsföttische Behandlung, die den Redakteuren zuteil geworden ist, gefallen ließe. Nach dem Parteitage sei den Redakteuren von den Genossen Bebel und Singer ausdrücklich gesagt worden, datz keine Aenderungen in der Redaktion vorgenommen werden sollten. Trotzdem seien dann in geheimen Sitzungen mit Schweigeverbot Aenderungen beraten worden, wovon die beteiligten Redakteure erst erfuhren, als die Beratungen schon ziemlich zum Abschlutz gekommen waren. Das Vorgehen gegen die Redakteure sei schon vor dem Parteitage geplant gewesen.— Das schmählichste, was gegen die Redakteure unter- nommen wurde, sei der letzte Vorgang: der Verzicht auf ihre fernere Tätigkeit. Erst aus dem„Vorwärts" habe er, der Redner, erfahren, datz er am Montag nicht mehr in der Redaktion arbeiten dürfe. Den Brief, worin ihm das mitgeteilt wird, habe er erst später er- halten. Also wie Hausdiener, die Unterschlagungen begangen haben, seien die Redakteure hinausgewiesen worden.— Datz der Kündigung keine sachlichen Differenzen zugrunde lagen, das sei ihm, dem Redner, klar geworden, als er die Namen der Nachfolger der entlassenen Redakteure kennen lernte. Düwell sei geWitz ein tüchtiger und kenntnisreicher Parteigenosse. Er habe aber zum Bergarbeiterstreik eine Haltung eingenommen und öffentlich ver- treten, die im Gegensatz stand zu der Haltung, welche der„Vor- wärts" in Uebereinstimmung mit dem Parteworstand und der Gewerkschaftspresse zum Bergarbeiterftreik, besonders zur Taktik des Bergarbeiter-Verbandes, eingenommen habe. Düwell sei der Führer der Opposition gegen den Bergarbeiter-Verband gewesen, er habe auch dem„Vorwärts" einen Artikel in dieser Angelegenheit gesandt. Redner, in dessen Ressort dieser Artikel gehörte, habe seine abweichende Meinung dem Genossen Düwell in einem Privatbriefe mitgeteilt und darin auch gesagt, wir seien noch nicht so weit, datz wir die christlichen Arbeiter gegen ihre Führer ausspielen können. Diesen Brief habe Düwell veröffentlicht und so dem Zentrum gezeigt, wie ein Redakteur des„Vorwärts" über die christlichen Arbeiter denkt. Das alles sei dem Parteivorstande bekannt, und doch sei Düwell der Mann, den der Parteivorstand als Nach- folger der Entlassenen ausersehen habe.— Zum Schluß bemerkte der Redner, die Redakteure wollen nicht, datz ihre Kündigung rück- gängig gemacht wird. Die Erörterung dieser Angelegenheit solle nur dazu dienen, datz das gegen sie eingeschlagene Verfahren als unwürdig bezeichnet werde. Wir protestieren dagegen, datz Redak- teure des„Vorwärts" zu Tintenkulis herabgewürdigt werden, die man nicht einmal anhört. Der Vorsitzende verlas folgenden Antrag: „Die Generalversammlung hat Kenntnis genommen von der Angelegenheit der.,VorwärtS"-Redt bei Posen Meter.- Netze bei G. Wahlkreis! Dienstag» den 31. Oktober, abends 81- Uhr: Zmi Wlichk Kmüimlmhler- NechiümIMWi! Für den AA. Bezirk in den Berolina-Sälen, Schönhauser Allee 28. Referent: Redakteur faul ZM. Für den 38., 40. und 46. Bezirk im Kolberger Salon, Kolbergerstraße 23. Referent: Stadtverordneter faul Singer. 26oi7. Tages-Ordnung: 1. Der Berliner Kommnnal-Freisinn. 2. Diskussion. Zu recht zahlreichem Besuch laden ein Die Eiuberufer. !l>. und 21. Kotniminal-Walilbezirk. {4« Kreis-Ost und€■ Kreis.) Ditustag, 31. Oktober, abends 8 Kljr, in der„Alhambra" Maliuertheatelstr. 13: Mläsr-Verss 262/14 TageS-Ordnung: Soziuldtmokrutie und Studtnerwultiiilg. H. Schubert Stadtv. 2. Diskussion. Das Komitee. 26. u. 27. Kommunal-WaMbezirk 4. Kreis(Ost) und 5. Kreis. Dienstag, den 81. Oktober, abends 8 Uhr, in der Brauerei Bötzow, Prcnzkaucr Allee: OeffcntllcSje Wähler- Versammlung. Tages-Ordnung: Sozialdemokratie und Stadtverwaltung. Referent: Stadtverordneter Hugo Heimann. Diskussion. 262/13« Der Linberirfer. Dienstag, den 31. Oktober, abends 8 Uhr: fiommmluIwsIiIer-VeraammIliiiu sür den 30. Kommunal Wahlbezirk(s.«. 6. Wahlkreis) {»Fiebigs Borussia-Sälen, Ackerstr. 6/7(Hof). TageS-Ordnung! i. Vortrag des Stadtverordneten Genossen l)r. i „Die Herren im roten Hause." 2. Diskusston.— 3. Verschiedenes. Alle Wühler des 30. Kommunal-WahwezirlS sind sreundltchst eingeladen. Die Parteigenossen müssen erscheinen er>fl/2 Das Wahlkomitee. II. Wahlkreis. Mittwoch, den 1. November 1905, abends SVa Uhr, bei Goßmann, Kreuzberg-Straße 48: Ifoiks-MersammBung. Tagesordnung: „Unsere Kommnnal-Verwaltnng." Referent Genosse Dr. Alfred Bernstein. I'raucn daden Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet' � �..... DaS Wahlkomitee. 210,5 kindollltlksllöiiiie. sckcktle M.(KöDiptadt) Beginn der 4 volkstümlichen Vortragsreihen am Mittwoch, t. und Freitag, 3. November. Programm gratis and Beihenkarten a 50 Pf. im Bureau, Fr. Sensen- hansers Buchhandlung, Alexanderstr. 37 a, bis 83/. Uhr abends— von da ah Einzelkarten bei dem Schuldicner Voigt im Königstädtischen Kealgym- nasium. Hardes Vereins-S �6- Neue Königstrasie 7. Fahrverbindungen nach allen Stadt- teilen. Empsehle meine Säle sür Ver- sammlungen, GenierkschastSsitzuiigen und sür VercinSsestlichkciten. Kulante Bedienung..A.doir Barde.* sullin- und Klnmelibindem von koberl SSezser.. nur Mlittlinnkn-Strshe 3. Vereilis-Kräiizc, Palmen- u. Blumen. Arrangements, Butelis, Gnirlanden. usw. werden sein u. vreiSwert geliesert. II l» Zrveixvereia Berlin. Sektion der Gips- und Zement-Branche. Mittwoch, den 1. November er.» abends 8'/, Uhr: Zwei Gruppen-Verlammlungen. Die Versammlung der Rabltzpntzer und Pntzertrttger findet im Gewerkschaftshaus, Engel-User 15, Saal 7, statt. Die Versammlung der Babltaspanner wird im Lokal von iannaschk, Jnselsttasie 10, abgehalten. Die Tagesordnung in beiden Versammlungen lautet: 1. Welche Lehren ziehen wir auS der soeben beendeten Lohnbewegung? 2. Distussion. 3. Verschiedenes. 159/7 Bio Crnppeiivorstttnde. i» oer Sonnabend» dm 11. Roucm6cr«1905, in L. Kellers Festsälen, Koppensiratze 29: � Rerbst-fest. Zur Aussührung gelangt u. a. In der Dafenfcbenfee. Kolonial«, GegenwartS-, Land, und Wasser-Komödie. DillettS: Damen 50 Pf., Herren 75 Pf.(inkl. Tanz) sind zu haben bei O. M i s b a ch(Bureau der Bildhauer), Engcl-User 15, III: F. W e i I a n d, Eisenbahnstr. 9, III! H. Nso a ck, Restaurant, Muskauerstr. 12, sowie in der Generalversammlung am 9. November im Gewerkschastshaus, Saal I. 21/8 Ba» VereuUeungsiiouiiteo. Orts- Krankenkasse der Mechaniker, Optiker und verwandten Gewerbe zu Berti». Die 10. Abänderung zum Kassen- statut betreffend Gewährung eine? Krankenhaus- Zuschusses an unver- heiratete Kassenmilglieder ist genehmigt und tritt am 1. November d. I. in Krast. Druckexemplare dieser Zlbänderung werden im Kasscnlokat ausgegeben. Berlin, den 30. Oktober 1903. 276/8 Der Vorstand. Selowsky's »I feinste Zigarette- Gesetzlich geschlitzt! Hur iniaM! 4830L* GimMern 60 Pf. pr.*pfant(griber, zum Reihrn). Schlachtfedern, tc!e(1, v. d. dSnns faürn, mit allen Daunen m 1.5», süslferiiyer Gänsiruxf M. 2.»», bisse,, Gäusehalbdaunin M. 2.5» 8.0». beste schneeweihr M. Z.5» russische Daunen M.Z. 5», weiß» böhm. Daunen m. 5.»» a». eissene Zlevern m. 1.5», 2.V», 2.5». Prima gerissenem. 3.0«, 3.5», Versand gegen Nachnahme GU!Wl.U8tig.p«"�-g.. Liste Bettfevernfabrir m. electr. Betriebe, viele UnerkennunassiHeecb oao älteste- Bester-Geschäft des S.-O. von 44462* Will). Mühlbach empstchlt Restcr von Plüschen, Krimmer, Eskimos zu Damen- und Kindcr-JackettS zu den billigsten Preisen. 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Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit der Kommission. 2. Werk- staitnngclegenhcitcn. 3. Verschiedenes. Die Kollegen von Vormann, Admiralstr. 18 b, werden ersucht, w dieser Versammlung zu erscheinen. Bezirk Friedrichsberg: 6e{ W"Ä Tagesordnung: 1. Bericht vom Obmann. 2. Werkstatt-Angelegcnhellen. 3. Verbands-Zliigelcgcnhciten und Verschiedenes. SsutiseMer. üeiiri! 8chönhansei' u. kosenthaler Vorstadt u. FeSUndhrUnnen �««terhagen.�openhag-ner. Bezirk Wedding und Moabit 6ei Osten I u. II, Nordosten, Friedrichsberg, Stralau- Ruminelsburg u. Friedrichsfelde Bezirk Süden, Südosten, Südwesten u. Westen bei mührlng, Admiralitraffe 98c. Tagesordnung: Bcncht der Kontrollkommission, Branchenangelegen- heil, Vcrbandsangelegenheit, Verschiedenes. Sämtliche Kommissionsmitglicder der einzelnen Bezirke habm an den Vertrauensmänner-Verj ammlungen testzunehmen. Die Branchen-Letter. Mlikinstrumenten-Orbeiter im Gcwerkschaftshause, Saal V. Tagesordnung: 1. Werkstattstreiks und Differenzen in unserem Beruse. 2. Bericht der Kommission. 3. Brattchenangelegenheit und Verschiedenes. Jede Fabrik muh vertreten sein. Die Branchenkommtssto». Midell- n. Fnbriktischlcr, Mndklldnihslkr bei IVlesentbal, Ackerstrasse 123. Tagesordnung� 1. Bericht der Kommission. 2. Bcncht der Vertrauens, Männer. 3. Verschiedenes. Die Kommission. Stellmacher bei Wohlfahrt, Rosenthalerstr. 57. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Vertrauens» leute. 3. Verschiedenes. SÜT" Jede Werkstatt muss vertreten sein."MW = Möbelpolierer.= Für bei Kubat, Blumenstrafte 38. Für Siidostett bei Schul,. Skaliffcrstraffc 2». Für Morden bei Maas». Brunnenstraffe 96. Jede Wertstelle hat die Pflicht, vertreten zu sein. Der Obmann. Drelhslcr und TrtWngclündkrbrancht. Bsten: bei Bark, Koppenftraffe 41. Norden: bei Bergmann, Brunnenstr. 79. Südosten und Westen:»-» Ritierstraffe 123. 1. Bericht der Kommission. 2. Werkstaltdifferenzen. 3. Verbands- angelcgenheilen. 4. Verschiedenes..... MW- Jede Werkstatt niuss vertreten sein; auch die in Tischlereien ve- schäsngten Drechsler haben einen Delegierten zu entsenden. Aus Treppen» geländer-Werkstellen ist aus jeder Branche ein Delegierter zu entsenden. Haupt-Bureau: Eiigcl-Ilscr 15, Zimmer 1—5� Fernsprecher: Amt IV 9679. Arbeiismichimw-t'.mmcr 34. Ami IV. 3853. Mittwoch, den 1. November, abends 8>/z Uhr, im GcwcrischaftShause, Engclufcr 15, Saal 7: htm d. Ocpgeiiil T a g e z. O r d n u n g: 1. Welche Lchrm ziehen wir aus dem Kampfe in der Eleklro-Judustrie? Referent: Kollege Belirenel. 2. Diskussion.'S. Verbandsangelegenheücn. Zahlreichen Besuch erwartet 1 53/18______ Die Ortswerwaltn ng._ Dienstag, den 31. Oktober 1905, abends 8 Uhr, im Bolkshanse, Siosinenjtraffe 3: Oeffentl. Versammlung Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:.Das Krankcilkassenvcrsichcrungs-Gcsctz'. Ncscrcnt: Genosse Pocscncckcr. 2. Diskussion. 297/5 3. Beschlussfassung über die Kandidaten zu den Delegiertenwahlcn der hiesigen Allgemeinen Orts-jttankenkasse. Um recht zahlreichen Besuch bittet Der Ausschuß. der Charlottenbnrgcr Gewerkschaftskommission. I. A.: 0tte klemming, Schlüterstr. 71. | Verein der Berliner Buchdrucker 1 i und SchriftpOer. Mittwoch, den 1. November finden im Biihmlschen Brauhanse, Landsberger AUee 11/13, und Donnerstag, den 2. November im großen Saale der Berliner Bockbrauerei, Tempel- A hofer Berg, zwei weitere Vortragsabende statt. Zum Vortrag gelangt: I„Die Haupfströmungen der modernen Malerei | in Deutschland". V Gr. Projektionsvortrag mit vielen z. T. farbigen Lichtbildern D von Dr. Alfred Koeppen. K Anfang pr. S'/z Uhr. Anfang pr. S>/, Uhr. # An diesen beiden Abenden können die Mitglieder auch' ® ihre Frauen mitbringen. 9 Die nächste Vereinsversammlung findet Donnerstag, v den 9. November, statt g 86/6 Der Ganvorstand. Ciprdfsn Erstklassige deutsdie�brikats. Beste deutsche Fabrikate üeberall xa haben. 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Der Streik der Rohrer dauert unverändert fort und ersuchen wir alle Bauhandwerker, weil verschiedene Firmen, die nicht bewilligt haben, an Arbeitswillige VlrbeUsbereihttgungs. karten ausgeben, um Irrtümer herbei zuführen, streng daraus zu achten, und haben nur die von der Organ!- sation herausgegebenen gelben Karten Gültigkeit, wenn dieselben mit dem Stempel der Lohnkommission ver« sehen sind. 296/4 Die Lohnlommtfsion der Rohrer Berlins u. Umgegend. Bureau: Dragonersk. 15. Deutaetw Holzarbeiter-Verband. ! Der Bau Bartseh, Halensee, eoachiu» Friedrichst». ti. ist sür odenleger gesperrt: dort werden Parkettboden von Arbeitswilligen zu Preisen unter dem Tarif gelegt. Znzng Ist fernzuhalten! Die Ortsverwaltung. Merband der Wiische- ii. Krawattenbranchr. Für sämtliche Plätterinnen, Nähe. rwnen. Zuschneider sowie Arbeite. rinnen ist die iVAsehekahrtk F.«rünbanm, Frankfurter «llee 07 gesperrt. Der Vorstand. AcMung! Rohrleger und Actituno! Helfer! ®�bcFJ'rma Walther. Elfasscr- Q' kvird trotz der Unter- schrlft der Tarif nicht tnnegehalrcu, demzufolge sind die Bauten in Zehlendorf. Hauptstr. 40-1�. .gesperrt zu betrachten. Die Kolleg m werden dringend er- sucht, bis zur Erledigung der Diffe- renzen die Firma und ihre Bauten streng zu meiden. Die aus diesen Bauten beschästiglcn Bauarbeiter ersuchen ivir, uns in der Kontrolle zu unterstützen. Die Bauten sind erst dann frei, wenn dies im .Vorwatts» bekanntgegeben ist. Deutscher Metallarbeiter- Verband. 153/19 Ottsverwaltung Berlin. veulselier Mbmlier-Veitati. Der Kampf der Etuisarbeiter um Einführung eines Tarifs dauert sott l Heber die Firmen H.«rnold. Tapisscrictvarensabrik.Köpnickcrstr. 114 und W. Knuinierer, Groß-Buch- binderei, Kochsk. 67. ist die Sperre verhängt. Bei der Firma«bolf Ludwig. Elisabeth-Ufcr 5/6. sind wegen Tarif. streitigkeiteu und schlechter Be- haiidlungDifferenzen ausgebrochen. welwe zur Arbettsniederlegnug qcsühtt haben. Znzug ist streng fcrnzuhnlteu. Qrts« ernva I tn ng. Redaktion und Expedition: Berlin, Cindenltr. 69. Fernfprecfier: Amt I?, 1985. Nr. 255. Dienstag, den 31. Oktober 1935. Inserate Lechzgelpsltene Kolonelzellc 20 Pfg. Bei größeren Rufträgen cntlprccöenden Rabatt. partei-Hn�elegenbeiten. Charlottcnburg. VH. Bezirk. Mittwoch, den 1. November, abends S'/a Uhr, bei Grasfunder, Wielandslraße 4, Versammlung Referent: Stadtverordneter Paul Hirsch über:»Die bevor stehenden Stadtverordnctenwahlen. Schöncberg. Heute, Dienstag abend, findet im Ob st scheu Saale, ivteiningerstr. 8, eine öffentliche Versa in mlung statt, Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Reichstags-Abgeord- neten Fritz Zubeil:.Die Sozialdemokratie in der Gemeinde� Verwaltung". Mittwoch abend: Flugblatt-Verbreitung. Treffpunkt bei Krüger, Vorbergstr. 9; O b st, Meiningerstr. 8; Hörle- mann, Kaiser Friedrichstr. 8; Reimer. Hohenftiedbergstr. 26, und M a h r o, Menzelstr. 4. Köpenick. Am Mittivoch, den 1. November, abends 8 Uhr, findet eine öffentliche Volksversammlung für Frauen und Männer im..Kaiserhof'. Grünstraffe, statt, Referent: Neichstags-Abgeordneter Genosse Fritz Zubeil über „Soldatenmiffhandlungen und Militärjustiz'. Vorort- l�acbricdten. Die reichsten Leute traö Nieder-Barnim. Einen interessanten Ueberblick über die steuerkräftigste Einwohnerschaft des Kreise? Nieder-Barnim gewähren die Steuerlisten für 1966, Danach sind in den 10 größten Bororten Steuerpflichtige mit einem Einkommen von über 3666 M. vorhanden: in Pankow 843, Lichtenberg 441, Friedrichsfelde 411, Weiffcnsee 363, Friedrichshagen 323, Neinicken- dorf 243, � Rummelsburg 263, Tegel 226. Nieder-Schönhausen 191. Ober-Schöneweide 174 Zensiten. Der Einwohnerzahl nach kommt von den angefiihrten Orten Pankow erst an vierter Stelle, während er hier an erster Stelle marschiert. Auch im allgemeinen sind die Steuerverhältnisse dieses Ortes als sehr günstig zu bezeichnen, wie folgende Zahlen zeigen. Es wurden eingenommen an Gemeindesteuer überhaupt im ersten Halbjahr 1963 222 207,33 M.. im ersten Halbjahr 1904 238 687,61 M. und im ersten Halbjahr 1966 26 9699,86 M. An Umsatzsteuer sind 1904 in Pankow 277 733,39 M. eingekonunen. Charlottenburg. Z» den Stadtverordnetenwahlen. Nun sind endlich auch die Mittelstandsretter mit ihrem Wahlauftuf an die Oeffentlichkeit ge treten. Etwas Unklareres und Verschwommeneres wie das Pro grarmn der deutschen Mittelstandsvereinigung läfft sich kaum denken, beinahe sozialistisch klingenden Forderungen, wie.Leitung aller wlrtlchastllch-städtischen Unternehmungen von der Stadt selbst' be- gegnen wtr solchen, die so reaktionär wie möglich sind. Auf dem Gebiete der Schulverwaltung soll der christlich-deutsche Geist vor- herrschend sein, die Gemeinde soll eine gesunde gewerbliche Mittel- standöpolittk treiben, städtische Arbeiten sollen nicht an auswärttge Unternehmer, sondern an einheimische Handwerker und Kaufleute vergeben werden. Wie«mrr es in den Köpfen dieser Mittelstands- retter aussieht, dafür bietet der Aufruf wieder eine drastische Illustration. An die Beamten wenden sie sich mit der Bitte, für sie zu stimmen, unter dem Hinweis, daff die Beamten ein Interesse an einem starken und gesunden Mittelstand haben, weil viele Söhne von Beamten sich selbst eine wirtschaftliche Existenz als Gewerbe- treibende oder Handwerker erringen müssen, und um die Stimme der Arbeiter buhlen sie unter dem Vorwand, auch der Arbeiter muffte für eine Kräftigung und trhciltung des Mittelstandes eintreten, denn es fei sein Ziel, für sich oder für seine Kinder eine selbständige wirtschaftliche Existenz zu schaffen. Endlich erfahren toir aus dem Wahlaufruf auch einmal, was Mittelstand eigentlich ist:.Mittelstand ist alles, ordentlichen Zusammenwirken an der Erhaltung des Staates und der Gesellschaft arbeitet. Mittelstandspolitik bedeutet eme rechtschaffene, nationale und soziale Wirtschaftsweise, die weoer die Anhäuwng volks bedrückender Groffkapitalien, noch die Verarmung der Masse zuläfft/ Den Schluß des Wahlaufrufs bildet der llbliche Appell an die »fteien unabhängigen Männer, die eine echte nationale Gesinnung im Herzen tragen und denen daS Geiamtwohl unseres Staatswesens am Herzen liegt', gegen die Sozialdemolraten zu stimmen, weil diese rn völliger Abhängigkeit von der Parteileitung handeln.— Ju der dritten Abteilung haben die Mittelstandsrelter m sieben Bezirken eigene Kandidaten aufgestellt, im ersten souern sie zur Unterstützung des liberalen Kompromiffkandidaten Platz auf. ist ausgeschlossen, baß diese Partei in Charlottenburg auch nur einen Kandidaten durchdringt." Eine sehr gut besuchte KommimalwShlervcrsammlung fand am Dienstag, den 24. Oktober, im Volkshause statt, in der Stadtv. Genosse Kurt Vaake über.Die Sünden unserer Stadt. Väter' sprach. Der Referent schilderte in anschaulichster Weise, wie unsere Gegner, die uns den Vorwurf machen, nur die UnzufnedenheU der Arbeiterklasse zu erwecken, sich die größte Mühe geben, m frivolster Weise dw Unzufriedenheit der Arbeiterschaft Z" schüren, also so unseren chjU'b che» entgegenkommen.. Im Stadtparlament wird unseren Verttetern von den Liberalen vorgeworfen, daß sich djx Stenern ins unacheucrliche steigern würden, wem den Forderungen der Sozialdemokratie stattgegeben wurde. Doch wie sind d.° Forderungen, die als ungeheuerlich bezeichnet werden, beschaffen. Wenn wir für die städtischen Arbeiter den neilnstündigen UrveiMag oder pro Tag 4 M. Lohn oder für geleistete Ueverstunden Bezahlung verlange», ist das..ungeheuerlich« Aber wenn Hunderttausende für Feste und Festessen sa Kuvert 3o M.) verschleudert werde», dazu ist immer Geld vorhanden. Der Redner macht der Sladtverwattnng, die unter liberalem Einfluh steht, den Vorwurf, daß st� IJN?nr» Bankier der Boden- und Bauspekulanten erniedrigt, daff 1>e Grund und Boden ankauft und zu einen, niedrigeren Preise, also zum Schaden der Steuerzahler, wieder ver- lauft. Mit den �"�"baiiteir würde viel zu langsam fort- geschritten. Die m der H�"'holtzstraffe neu eröffnete Schule ist jetzt schon wieder überfüllt, l)ein bisherigen Verfahren im Bau von Schulen wäre ftuhesteis l.Ki/ die Eröffnung einer neuen Schule möglich. Auch anlatzlich der jetzt bestehenden Fleischnot sollte der Magistrat Mittel und Wege ergreifen, um dieser die Charlotten- biirger Arbeiterbevolkerung bedruckeilden Kalamität entgegenzutreten. In der solgendeu Diskusiion sprach ehemalige Pastor In der folgenden Diskussion sprach der ehemalige Pastor Kötzschke. Er muffte die von dem Referenten erhobenen Auklageu als berechtigt ancrkenuen, nur zum Schluß gab er zu verstehen, daß die Liberalen doch nicht so Ichlechi waren, wie es wohl nach den Ans- führungen scheine. ES wäre, wenn die Sozialdemokraten darauf ein« gingen, ein Bündnis mit den Liberalen möglich. � Die Genoffeii Dr. Borchardt, Zwinge II berg und .Ewald gaben ihm recht unzweideuttge Antworten. Sie erklärten, daß mit den Liberalen unter keinen Uinständen ein Bündnis möglich wäre; die Liberalen hätten aber bei den Landtagswahlen sehr gut Gelegenheit gehabt, im Kreise Teltow-Beeskow-Charlottenburg ein Bündnis mit unserer Partei einzugehen. Genosse Hirsch führte weiter aus, daff es den Liberalen sehr oft möglich wäre, im Stadlparlament mit unseren Abgeordueten für unsere Anträge zu stimmen. Sie haben unsere Anträge aber einfach medergestimmt. In seinem Schlußworte richtete der Referent eine Aufforderung an alle Wähler, am Tage der Wahl einmütig für unsere Kandidaten zu stimmen und mit aller Energie für die Sozialdemokratie zu agitieren. Genosse Rosenthal forderte noch alle anwesenden Frauen auf, ain Tage der Wahl gleichfalls tätig zu sein und ihre Männer an- zuspornen, ihre Wahlpflicht auszuüben, damit der Sieg am 6. No- vcmbcr uns zufalle. Der Vorsitzende machte zum Schluß noch auf die am Mittwoch in den Schulzeichen Festsälen stattfindende Kommunalwählerversamm- zung des zweiten Stadtbezirks, ferner auf die am Sonntag in Rixdorf stattfindende Generalversammlung des Kreises aufmerksam. Schöneberg. Arbeitcrrisiko. Ein schwerer Banunfall hat sich am Sonnabend vor Feierabend auf einem Neubau in der Goltzstraffe zu Schöneberg zugetragen. Der Maurer Fritz Fuge aus der Kaiser Allee 43 stürzte in einer beträchtlichen Höhe vom Gerüst in die Tiefe und blieb mit schweren inneren Verletzungen und einem Untcrschenkelbruch be- siniiungsloS liegen. Von der Unfallstatton in der Herbertstraffe wurde er nach Anlegung von Notverbänden in das Kreiskrankenhaus in Groff-Lichterfelde eingeliefert. Lichtenberg. Lichtbilder mit Vorführungen der hervorragendsten Verlvalwngs- gebäude und Produktionsstätten der englischen, schweizerischen und deutschen Konsumvereine bildeten den Schluß eines Vortrages, den am 26. Ottober Genosse Krolick vom Zenttalverband deutscher Konsumvereine im„Schwarzen Adler' abhielt. Ein lebhafter Appell des Vorsitzenden Genossen Köhlert, zum Eintritt in die Konsum« Vereinsbewegung beschloff die Versammlung. Rummelsbnrg. In der Generalversammlung des Wahlvereins von Rummels- bürg« Boxhagen erstattete der Vorsitzende Genosse Fritz Berger den Vorstandsbericht vom vergangenen Geschäftsjahr. Er betonte darin besonders, daff die diesjährige Maifeier trotz der Abflachungsversuche bedeutend zahlreichere Beteiligung aufwies als alle vorhergegangenen. Bom Verein ausgeschlossen wurden Mrozicki, Müsstg, Fr. Herrmann und Mohnke. Letztere drei wegen Streikvruch. Der Kaffenbericht wies vom letzten Quartal eine Ge- samtemnahme von 907,62 M.. Ausgabe 440,35 M. auf. Der Jahresbericht erwies: Einnahme 2211,14 M., Ausgabe 1743.87 M., Bestand 467,27 M. Die Mitgliederzahl beträgt nach Zuwachs von 69 Eingetretenen 641 Ge- »offen. Nollstadt gab den Bericht von der Zeitungsspedition und bewies, daß durch den seinerzeitigen Bcschttlff, von einer eigenen Parteispedition am Orte abzusehen und mit der vorhandenen Parteispedition Lichten- berg jc. gemeinsam zu wirtschaften, gute Resultate erzielt worden sind. Der Ueberschuff betrug per Juli 265,99 M., August 229,33 M., September 256,30 M. Im zllstäiidigeu Verbreitungsbezirk Rlimmels- burg-Boxhagen-Stralau-Stralauer Allee stieg der Abonnentenstand im zurückgelegten Halbjahr April— Oktober von 1200 auf 1660.— Die Neuwahlen ergaben: Vorsitzender Otto John. Bitterhoff als Kassierer und Trinks als Schriftführer wurden wiedergewählt. ebenso Oelking als Bibliothekar. Zeitnngskommission: John und Nollstadt. Lokalkommission: Rick, Bartel und Ouester. Revisoren: Günther, Berger und Nollstadt. Beisitzer: Theodor Ritter, Lindner, Stein, Ouester, Schirmer und Klees. Der Boykott über das Lokal der Witwe Schonert wurde auf Grund der Erklärung der letzteren im„Vorwärts' und nach handschriftlicher Zusicherung der allgemeinen Forderungen der Arbeiterschaft auf Anttag des Vorstandes auf- gehoben. Wilmersdorf. Ein giitbcsuchte außerordentliche Generalversammlung des sozial« demotrattschen Wahlvereins, in der die Diskussion über den Parteitag sortgesetzt wurde, fand am Mittwoch in Solomons Volksgarten statt. An der Debatte beteiligten sich eine Anzahl Ge- nossen, die besonders die Maifeier und den Massenstreik behandelten. Im wesentlichen erklärten sich die Redner mit den Arbeiten des Parteitages einverstanden. Zu einer längeren Auseinandersetzung führte die.V o r w ä r tS"- A ff ä r e. Genosse S üdeku m hält es für unerhört, daff der Parteivocstand hinter verschlossenen Türen, ohne Hinzuziehung der Redakteure. Beschlüsse gefaßt hat, die die Redakteure veranlafften, die Kündigung einzu- reichen. Die bisherige Tradition ist auf das allerschwerste verletzt. Redner protestiert energisch gegen ein derart befremdendes Ver- fahren. Genosse Schröder� als einer der beteiligten Redatteure sucht ebenfalls über ein bisher für unmöglich gehaltenes Verfahren des Parteivorstandes Aufklärung zu geben. Genosse Henkel und H i I b i g traten den Ausführlingen des Genossen Südekum entgegen. Genosse Südekum habe die Sache wahrscheinlich zu schwarz gcmalt, er habe Organe angegriffen, die sich hier nicht verteidigen können. Es sei notwendig, die Gegenpartei zu hören, um dann ein Urteil zu fällen. AuS diesem Grunde wurde die Diskusston in der Sache abgebrochen und bis zur nächsten Versammlung vertagt. Auf die Generalversaminlung wurden die Genoffen Giebler, Südekum und K ö p p i n g delegiert. Teltow. In der gut besuchten Generalversammlung des Wahlvereins tvurden vier Mitglieder neu aufgenommen. Genosse Röder teilte mit, daß der Stadtverordnete Genosse Hermann Keßler als Beisitzer im Stadtverordncten-Wahlkomitee gewählt ist. Als Kandidat nr die Stadtverordnetenloahl wurde Genosse Karl Gensert aufgestellt. Bei der Beratung des OrganisationSslatuts für Groß- Berlin lvurde den Delegierten empfohlen, dafür zu stimmen, daff nicht für je 60, sondern erst für je 100 Mitglieder ein General- versanimlungsdelcgierter gewählt werde. Beschloffen wurde, am November, nachmittags 3 Uhr, eine Wählerversammlung statt- finden zu lassen. Adlershof. Eine überwiegend von Frauen besuchte Volksversammlung tagte am 29. Oktober im Lokal von Kaul(früher Schmauser, Bismarck- ttaffe 16). Genosse Max Schütte hielt einen Bortrag über.Die Schule von heute'. Genossin Frau Büttner erstattete den Be- richt als Vertrauensperson. Da Frau Büttner eine Wiederwahl ab- lehnte, wurde Frau Schindhelm zur Bertrauensperson gewählt. Beim Punkte Verschiedenes teilte Genosse Feuer st ein namens der Lokalkomniission mit, daß die Sperre über das Kaulsche Lokal auf- gehoben ist. Potsdam. Der Oberbürgermeister von Potsdam Richard Jähne ist ain Sonntag nach längerem Leiden in einer Nervenheilanstalt zu Jena verstorben. Der Verstorbeue wurde am 26. März 1897 von den Stadtverordneten zum ersten Bürgermeister gewählt, nachdem er vorher schon als zweiter Bürgermeister und früher als Stadtrat amtiert hatte. Die Geschäfte der Stadt führt bis zur Wieder- besetzung des Amtes der am 18. Juni 1897 zum zweiten Bürger- meister gewählte frühere Stadttat Vorlastner, der vordem Ober- Präsidialsekretär der Provinz Brandenburg war. Golzow. Die Ausgrabungen auf dem neuentdeckten Gräberfelde in Golzow sind von gutem Erfolg gekrönt. Bisher wurden etwa zwanzig Toten- gefäffe in allen Größen und in den verschiedensten Ausführungen vorgefunden. Eine größere Anzahl wertvoller Bronzefunde find für das AltertumSmufeum in Eberswalde geborgen worden. Im Laufe dieser Tage soll die Fundstelle von Berliner Gelehrten Wissenschaft- lich untersucht werden._ ßcrlincr jVacbricbten« 25 Jahre Waisenpflegerin. Drei Damen, Frau Rentner Böhm, Wildenhahn, Bernauerstraffe, und Frau Bäcker- meister Maerz, konnten in diesen Tagen das 25jährige Jubiläum als tätige Mitglieder des Berliner Waisenrats begehen. Sie tvaren stets zum Wohle und Segen vieler unmündiger Kinder unserer Stadt tätig. Der Tiergartendirektor Geitner ist im Mer von fünfzig Jahren plötzlich gestorben. Das Ende der„Blanken Hölle" bei Tempelhof, die vor einiger Zeit wegen der zahlreichen dort erfolgten Sistierungen und wegen eines höchst seltsamen Prozesses viel von sich reden machte, steht bevor. Das Gelände, das nur zum kleineren Teile zu Tempelhof, zum größeren zu Schönebera gehört, soll mit einem Teich und gärtnerischen Anlagen etwa im Umfange des Belle-Alliance-Platzes versehen tverden. Die weittre Umgebung der„Blanken Hölle" wird der Bebauung erschlossen, ebenso das Gelände zwischen Ring- bahn und Borussiasttaffe. Wegen Verkuppelung ihrer eigenen Tochter tMrde eine aus Pommern gebürtige Agathe Schenck verhaftet. Dam im August d. I. mit ihrer 20 Jahre alten Tochter hierher und führte sie seitdem in Hotels oder auf der Sttaffe Lebemännern zu, um von ihrer Schande zu leben. Nachdem Kriminalbeamte das Paar schon länger Unter den L>mden und in der Friedrichsttaffe beobachtet hatten, griffen sie es am Sonnabend abend auf. Das Mädchen gestand, von der Mutter auf den Weg der Schande getrieben zu sein, scheint aber an diesem Leben schon Gefallen gefunden zu haben. Die Mutter wurde vorgestern mittag ivegen des schweren Verbrechens in das Unttrsuchungsgefängnis gebracht. Ein geheimnisvolles Dunkel umgibt das Verschwinden eines Mädchens, mit dem sich erneut die hiesige Kriminalpolizei be- schäftigt. Nach den bisherigen Ermittelungen ist es höchst wahr- scheinlich, daff die Verschwundene ermordet worden ist. Es handelt sich um eine 26 Jahre alte Ntartha Fischer auö Osnabrück, die aus einer guten Bemntcnfamilie stammt und den vergangenen Sommer über in Schreiberhau im Riesengebirge als Stütze der Hausfrau tätig war. Am 1. Oktober aus ihrer Stellung ausgeschieden, kam Martha Fischer am 4. Oktober nach Berlin und blieb hier ohne er- sichtlichen Grund bis zum 8. Ilm 8. d. Mts. sandte sie von Berlin aus an ihre Schwester in Osnabrück ein Paket mit Geschenken ohne Begleitschreiben Schon am nächsten Tage fand man mn Ufer des Haseflusses bei Osnabrück ihre Kleidungsstücke und darin ihr Geld iind einen Abschicdsbrief an ihre Eltern. Das Rätselhafte aber ist, daff man trotz allen Suchens ihre Leiche nicht gefunden hat. Die Osnabrücker Polizei hat nicht nur die ganze Gegend, sondern nach Ablassung des Wassers auch das Bett des Haseflusses abgesucht, aber keine Spur von der Leiche entdeckt. Man ist jetzt überzeugt. daff die Verschwundene das Opfer eines Mörders geworden ist. und daff der Täter die Sachen cm das Ufer gelegt hat, um die Be- Hörden, irre zu führen, die Leiche aber anderswo auf die Seite ge- schafft hat. Als Stadtbahnfledderer niederer Art haben sich zlvei inter nationale Taschendiebe betätigt, die zur Enthüllung des Moltke Denkmals nach Berlin gekommen sind und zunächst in der Markt- Halle am Alexanderplatz mit Erfolg auftraten, indem sie einem älteren Herren eine goldene Uhr mit Kette im Werte von 666 Mark ab- knöpften. Alis der Sttecke zwischen dem Alexanderplatz und der Friedrichstraße drängten sich die beiden Gauner von einem Abteil eines Wagens in den anderen, bis sie dorthin kamen, wo es am vollsten war. Kurz vor der Station Friedrichsttaffe sprang nun der eine vor, als wenn er es sehr eilig hatte, und drängte das aus- ersehene Opfer seinem Helfershelfer in die Arme. Der Komplize, der cS so einrichtete, daff er dem Opfer dicht auf den Leib rückte und ein grotzes Reisetuch so trug, daß eS seine Handbcwegungen verbarg, cutschuldigte sich bei dem Angerempelten in gebrochenem Deutsch, hielt ihn im Gedränge so lange auf, bis er ihm Uhr und Kette unbemerkt abgenommen hatte, empfahl sich dann und ver- schwand mit der Beute. Vorgestern abend erbeuteten die gefähr- lichen Langfinger vor einem vielbe>ilchten Lokal in der Leipziger- straffe von einem Manne, der aus dem Theater kam, ebenfalls Uhr und Kette. Einer von ihnen trägt stets das Reisetuch. Beide haben dunkles Haar, der ältere, der etwa 46 Jahre zählt, einen dunklen Vollbatt, der jüngere, etwa 36 Jahre alt, einen Schnurrbart. Mit der Wechselfalle erbeuteten zwei Gauner in der Potsdamer- straffe nahezu hundert Mark. Zwei scheinbar ganz harmlose Männer kamen in den Schlächterladen von Bilggeilhagen in dem Hause Nr. 3 und kauften für 1 Mark Ware, �vahreud der eine einen Hundert- markschein in Zahlung gab, sorgte der andere für die erforderliche Ablenkung und ermöglichte es ihm, mit dem Kleingeld auch den Schein wieder einzustecken. Dem Anschein»ach handelt eS sich um internationale Reiseschwindler, vor denen die Geschäftslente auf der Hut sein mögen. Sie sind etwa 28 bis 36 Jahre alt. der eine 1.76, der andere 1,66 Meter groß. Jener trägt einen hellbraunen, dunkel karierten Ueberzieher und einen schwarzen steifen Hut, dieser hat einen kleinen blonden Schnurrbart und trägt einen dunklen Ueber- zieher mit schwarzem Pelzkragen. Ein frecher Straßenraub wurde Sonntag früh im Lustgarten versucht. Auf die Zeitungsfrau Auguste Ziem aus der August- straße Nr. 6 sprang plötzlich ein Kerl zu, packte sie. warf sie nieder, wollte sie durch Zudrücken des Mundes am Schreien verhindern und versuchte, ihr das Portemonnaie zu rauben. Die Ueberfallene aber setzte sich zur Wehr und rief um Hülfe. Der Räuber ver- setzte ihr mit den Worten:„Halt die Schnauze, ich habe ein Messer bei und" noch einen Schlag ins Gesicht, entfloh aber, als auf das Hülfegeschrci der Frau eine Patrouille von einem Wachtmeister und drei Schutzmännern herbeigeeilt kam. In der Jägerstraße, gegen- über der Reichsbank, aber stellte ihn die Patrouille und brachte ihn jetzt mit Gewalt nach der nächsten Revierwache. Hier gab der Ver- brecher an, ein SMjähriger Maler Johann Presimann aus der Auguststrahe zu sein. Bei ihm fand man Salz- und Mostrichtöpfe und silberne Bestecke, die aus einer Restauration zu stammen scheinen. Diese Sachen will der Räuber von einem Unbekminten erhalten haben. Von dem Ucberfall aber will er gar nichts wissen; er sei sinnlos betrunken gewesen. Das Opfer einer Schlägerei, an der er gar nicht beteiligt war ist in der Nacht zum Sonntag der 41 Jahre alte Oberpostschaffner Franz Marten aus der Boyenstr. 7 geworden, der 19 Jahre im Post- dienste stand und zuletzt auf dem Amt IV am Lehrter Bahnhof be- schäftigt war. Marten spielte bis 1 Uhr in der Scharnhorststrahe Karten. Als er dann allein friedlich nach Hause ging, kam er vor dem Nebenhause Nr. 8 an einer Anzahl Männer vorbei, die sich schlugen. Ohne dah er sich um sie kümmerte, stieß ihn einer vor die Brust, dah er hinfiel und heftig mit dem Hinterkopf aufschlug. Seine Frau, die ihn erwartete, sah vom Fenster aus den Vorgang, eilte hinunter und fand ihn bewußtlos daliegen, während die Streitenden entflohen und entkamen. Marten wurde in seine Wohnung hinaufgetragen. Zwei Aerzt- bemühten sich bis 10 Uhr uni ihn. Dann starb er unter ihren Händen an einer Gehirn- erschütterung. Fünf Personen bei einer Bcnzinexplofion verunglückt. Verhängnisvolle Folgen hat eine Benzinexplosion gehabt, die sich gestern morgen in der elften Stunde in der Warschauerstratze ereignet hat. Vor wenigen Tagen berichteten wir über einen schweren Unglücks- fall auf dem Neubau Warschauerstrahe 34/44, wobei der Maurer Kubiak sein Leben einbüßen muhte. Gestern morgen sind auf dem- selben Neubau, der von Borwan und Knaucr geleitet wird, fünf Arbeiter bei der Explosion einer Benzinlampe zum Teil schwer- verbrannt worden. Die Lampe war von der Decke heruntergefallen und durch den Sturz zur Explosion gekommen. Fünf Arbeiter, die in unmittelbarer Nähe der Unfallstelle beschäftigt waren, wurden von der Stickfflamme erfaßt und verletzt. Am schlimmsten kam der Arbeiter August Jaedicke aus der Liebenwalderstratze 11 davon. Er erlitt schwere Brandwunden im ganzen Gesicht, an beiden Händen bis zum Vorderarm hinauf und an den Ohrmuscheln. Sein Zustand war derartig, dah die Ueberführung nach dem Kranken- Hause Am Friedrichshain notwendig wurde. Die anderen vier Arbeitskollegen hatten Brandverletzungen im Gesicht und an den Händen davongetragen. Es waren die Arbeiter Georg Beck, Eberti- strahe 20, Paul Hoffmann, Eiscnbahnstrahe 29, Reinhold Wenzel, Weideudamm 53 und August Pähl, Eisenbahnstraße 17 wohnhaft. Nachdem sie auf der Unfallstation in der Warschauerstratze Notverbände erhalten hatten, konnten sie nach ihren Wohnungen gebracht werden. Ein„Potcmkin-Schwindler" betreibt gegenwärtig in Berlin und Umgegend eine erfolgreiche Tätigkeit. Der Betrüger, ein etwa 2 5jährige r Mann, sucht stark frequentierte Gastwirtschaften auf, wo er sich ein Glas Bier und etwas Essen bestellt und dann mit anderen anwesenden Gästen ein Gespräch anknüpft. Bald entpuppt sich der„Fremde" als ein ehemaliger Matrose des russischen Panzer. schiffes„Potemkin", der auf diesem die Meuterei mitgemacht hat. Der interessante Mann ist gern bereit, ausführliche Schilderungen über die Vorgänge auf dem Meuterschiff zu geben, und idctoi auch seine Erzählungen nichts anderes enthalten, als bereits durch die Mitteilungen der Presse bekannt geworden, so erregen doch die Schicksale eines„Dabeigelvesenen" das lebhafteste Interesse der Zu- Hörer. Er erzählt, noch vor der Entwaffnung des Schiffes geflohen zu sein und irre ohne irgend welche Geldmittel umher. Seine Absicht sei, nach Hamburg zu wandern, woselbst er sich als Matrose aus einem Kauffahrteischiff anheuern lassen will. Das Ergebnis der Erzählung ist, daß irgend einer der Gäste eine Sammlung ein- leitet, an welcher sich natürlich sämtliche im Lokale amvcsenden Gäste beteiligen und selbstverständlich ist eS auch, daß der Gastwirt gern auf die Begleichung der Zeche verzichtet. Der„Potemkin"- Matrose aber zieht mit dem Ergebnis der Sammlung, das in den einzelnen Fällen nicht klein sein dürfte, vergnügt von bannen. Der „russische Flüchtling", der übrigens geläufig russisch, deutsch und englisch spricht, führt in einem Paket seine Marine-Uniform bei sich, lvelche er als Beweis für seine Erzählungen vorzeigt. Ein schwerer Unglücksfall. In der Dorkstratze, in der Nähe der Katzbachstratze, sprang gestern abend 10 Uhr von d'r in voller Fahrt befindlichen Elektrischen„Großer Rint," der schon hochbetagte Zigarrenkaufmann C. Rennspietz aus der Winterfcldtstratze ab und fiel so unglücklich auf das Stratzenpflaster, daß er sich außer äußeren Verletzungen am Kopf, Armen und Beinen, auch schwere innere zuzog. Mit Hülfe mehrerer Passanten wurde t.r schwer Verletzte in eine Droschke gehoben und nach der Unfallstation in der Steglitzerstratze geschafft. Eine Fabrik in Brand. Ein großer Fabrikbrand kam gestern früh kurz nach 4 Uhr in der Stallschreiberstrahe 53 zum Ausbruch und beschäftigte die Feuerwehr fast drei Stunden. Im vierten Stock des linken Seitenflügels befindet sich die Spicgclrahmen- und Leistenfabrik von F. Wehner. Bei Ankunft des ersten LöschzugcS stand nun diese sowie der darüberliegende Dachstuhl in hellen Flammen. Brandmeister Düwcr ließ unverzüglich mehrere Dampf- spritzenrohre in Tätigkeit treten und von verschiedenen Seiten aus vordringen. Trotzdem konnte aber nur langsam dem Feuer Terrain abgewonnen werden, da große Posten Leisten und andere Hölzer den Flammen überreiche Nahrung zuführten. Erst nach ein- stündigem Wassergeben tvar die Gefahr beseitigt. Der Fabrikraum ist zum größten Teil mit seinen Vorräten ausgebrannt. Freie Fortbildungskurse für Arbeiter, veranstaltet von der sozialwissenschaftlichen Abteilung der Wildenschaft der Technischen Hochschule zu Charlottenburg. Der zehnte Lehrgang(Winter 1905/06) beginnt am 30. Oktober in der Gcmeindeschule III zu Charlottenburg, Schlotzstrahe 2. Abgehalten werden folgende Kurse: Deutsch, Schreiben, Aus der modernen Literatur, Rechnen, Algebra (Rechnen mit unbestimmten Zahlen), Geometrie Ausgewählte Kapitel aus der Mechanik, Uebungen im Zeichnen, Praktische Ein- führung in die Strafprozebordnung, Gesundheitslehre. Daneben werden veranstaltet E�lursionen nach gewerblichen und ähnlichen Anlagen mit Vorträgen; Muscumsführungen; gemein- schaftliche Theaterbesuche. ,,__.„ Teilnehmergebühr für jeden Kursus(bis zum 16. Marz) 50 Pf. Anmeldungen werden am 23. Oktober, abends SA:—-9/2 m der Gemeindeschule III entgegengenommen. Programme sind erhält- lich vom Ingenieur W. Wagner, Berlin W. 35, Flottwellstratze 6. Im wissenschaftlichen Theater der Urania werden für me nächste Zeit die Vorträge„Im Lande der Mitternachtssonne und„Spelte- rinis Alpen- und Wüstenfahrten im Ballon" abwechselnd zur Dar- stellung gelangen. Während der erste Vortrag das skandinavische Bergland mit seinen traumhaften Fjorden und magischen Bs- leißchtungen schildert, führt der zweite Vortrag in das schweizerische Alpenland, in dem ganz besonders die unichertrefftichen Ballonaufnahmen aus den Fels- und EiSregionen des Matterhorns und der Jungfrau das Auge entzücken. Im' Hörsaal spricht in dieser Woche am Dienstag Herr Dr. von Unruh über„Die Glasfabrikation", am Donnerstag Herr Dr. Thcsing über die„Gegenseitige Hülfe in der Entwickelung" und am Sonnabend Herr Dr. Donath über die „Stromwärme". Im großen Hörsaal der Urania-Sternwarte in der Jnvalidenstraße spricht am DienZtäg Herr Dr. Ristenpart über»Die großen Planeten"._ Gmebta-Zeitung. Wegen Fälschung einer öffentlichen Urkunde stand der frühere Schutzmann Wilhelm Halber st adt vor dem Schwurgericht des Landgerichts I, welches gestern unter Vorsitz des Landgerichts- rats Pauli seine vorletzte diesjährige Tagung begann.— Der völlig unbescholtene Angeklagte, dem von allen Seiten das beste Lenmundszeugnis ausgestellt wird, diente bei dem hiesigen Garde- Füsilier-Regiment und trat dann bei der Berliner Schutzmannschaft ein. Hier machte er bald allerlei Erfahrungen, die ihm schließlich den Dienst verleideten. Das Leben als Schutzmann verwirklichte sich in keiner Weise so, wie er es, als er noch Soldat war, erträumt hatte. Er versuchte es deshalb mit dem Glück und kaufte sich mehrere Lotterielose. Es dauerte nicht lange, da war der An- geklagte von dem Spielteufel erfaßt. Er kaufte sich mehrere Lose und bezahlte diese heimlich mit dem Gelde, welches seine Frau in Form eines Sparkassenbuches mit in die Ehe gebracht hatte. Als einen Glücksfall betrachtete es H. schließlich, als ihm eine flott- gehende Gastwirtschaft in der Emdenerstratze zum Kaufe angeboten wurde. Da er einen großen Teil des Geldes seiner Frau bereits verbraucht hatte, war nun guter Rat teuer. Er wollte das be- treffende Lokal kaufen, besaß aber nicht mehr genügend Geld. Um sich aus dieser Kalamität herauszuhelfen, hob er auf das Spar- Kassenbuch seiner Frau den Betrag von 90 M. ab und zahlte auf ein neues Buch 3 M. an. Hinter die Zahl„3" setzte er zwei Nullen, so daß es den Anschein hatte, als ob dreihundert Mark eingezahlt wären. Darauf fälschte er noch einen anderen Betrag als an- gcblich eingezahlt und gab das gefälschte Buch bei dem Kauf des Schanklokals in Zahlung. Dieses Manöver wurde natürlich bald entdeckt und hatte die vorliegende Anklage wegen Fälschung einer öffentlichen Urkunde zur Folge.— Vor Gericht behauptete der Angeklagte, der die Fälschung offen eingestand, diese schon vorher angefertigt zu haben, um vor seiner Frau zu verbergen, daß er heimlich auf deren Sparkassenbuch Geld abgehoben hatte. Er habe die Fälschung nur deshalb vorgenommen, um seiner Frau das gefälschte Sparkassenbuch als das echte zu unterschieben. Die Ge- schworencn bejahten auch nur die Schuldfrage nach Urkunden- fälschung ohne Absicht der Erlangung eines rechtswidrigen Ver- mögensvorteils. Staatsanwalt Dr. Liegen hielt mit Rücksicht auf die ganze Sachlage eine milde Strafe für angebracht und bean- tragte nur 6 Wochen Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte auf 3 Wochen Gefängnis. Ein schwerer Unfall bei dem Neubau der Kaiser Wilhelms- Akademie lag gestern einer Anklage wegen fahrlässiger Körper- Verletzung zugrunde, die vor der 7. Strafkammer des Landgerichts l zur Verhandlung kam. Angeklagt war der Geschäftsführer August Schulze und der Abbrucharbciter Max Müller.— Bei dem Neubau der Kaiser Wilhelms-Akademie mußte ein Teil des an der Ecke der Invaliden- und Scharnhorststraße gelegenen alten Jnvalidenhauscs niedergerissen werden. Dies machte zugleich eine AbHolzung des dort noch stehenden alten prächtigen Baumbestandes erforderlich. Mit dem Abholzen der Bäume wurde der Angeklagte Schulze beauftragt, der seinerzeit bei der Firma Heidler angestellt war. Am 9. März d. I. sollte eine mächtige hundertjährige Pappel gefällt werden. Der Angeschuldigte Müller sägte den Baum in der üblichen Weise an. In der Krone wurde ein Strick befestigt, durch welchen mehrere Arbeiter den Baum nach der Richtung des alten Hamburger Bahnhofs hin umstürzen sollten. Wie die Anklage be- hauptet, soll dies in nicht ordnungsgemäßer Weise geschehen sein. Wider Erwarten fiel der etwa 25 Meter große Baum nach der Scharnhorststraße zu und richtete hier schweres Unheil an. In dem Moment de» Niederstürzens passierte der Major a. D. Maximilian du Harry Freiherr de la Roche die Scharnhorststratze. Ein Ast des viele Zentner schweren Baumes traf den alten Herrn, so daß er sofort blutüberströmt zusammenbrach. Auch unter den zahlreich versammelten Zuschauern richtete der unerwartete Niederfturz des Baumes eine große Verwirrung an. Der schwerverletzte Freiherr de la Roche mußte sofort nach Anlegung eines Notverbandes in ein Krankenhaus überführt werden, welches er erst nach mehr- wöchigem Krankenlager verlassen konnte.— Für den Unfall werden die beiden Angeklagten verantwortlich gemacht, da diese den Baum in unrichtiger Weise angesägt und zugleich den zum Niederziehen benutzten Strick um einen Baum gelegt hatten, so daß sich dieser durchscheuerte. Die beiden Angeklagten bestritten jede Schuld und behaupteten, daß der Baum durch einen starken Windstoß in ver- kehrter Richtung umgestürzt sei. Um nachzuweisen, daß die An- geklagten in durchaus korrekter Weise gehandelt hatten, waren seitens des Rechtsanwalts Dr. Werthauer mehrere holztechnische Sachverständige geladen, u. a. der königliche Obergärtner Freude- mann und der königliche Förster Bünger. Diese Sachverständigen bekundeten indessen, daß die Angeklagten beim Fällen des Baumes zwar ordnungsmäßig gehandelt, es aber unterlassen hatten, für alle Fälle ausreichende Absperrungsmaßregeln zu treffen. Der Gerichtshof nahm deshalb eine Fahrlässigkeit der Angeklagten an und erkannte gegen Schulze auf 50 M., gegen Müller auf 2 0 M. G e l d st r a f e.— Weshalb nicht mehr der Firma Heidler als dem Arbeitgeber die Pflicht zu Absperrungsmaßregeln oblag. erörterte das Urteil nicht. Wegen grober Beleidigung der Köpcnicker Wäschercibesitzer ist die in Berlin wohnhafte Frau Tietz durch das Schöffengericht in Köpenick zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Zur Be- sprechung der Lage der Wäschereiarbciter war die Angeklagte in einer öffentlichen Versammlung in Köpenick als Refcrentin auf- getreten und hatte bei ihren Ausführungen über Schleuder- und Schmutzkonkurrenz und auch über eine angeblich herrschende Pascha- Wirtschaft bei Köpenicker Wäschern gesprochen. Es gäbe dort Zu- stände, die noch an die Zeiten der Leibeigenschaft erinnerten, hatte die Rednerin u. a. behauptet. Eine Anzahl Köpcnicker Wäscherei- besitzer stellte Strafantrag gegen Frau T. wegen Beleidigung. Das Schöffengericht nahm an, der Beweis der Wahrheit sei nicht erbracht und erkannte auf die außerordentlich hohe Strafe von zwei Monaten Gefängnis. Hoffentlich legt die Verurteilte, die lediglich berechtigte Interessen wahrnahm, mit Erfolg innerhalb der ein- wöchentlichen Berufungsfrist Berufung ein. Im EhescheidungSprozesi des Prinzen Philipp von Sachsen- Roburg-Gotha gegen die Prinzessin Luise sprach das Landgericht Gotha am Montag sich für Zuständigkeit des Landgerichts in Gotha aus. Der nächste Termin findet am 4. Dezember statt. Herr von Liitzow, bekannt aus dem Tausch-Prozctz seligen An- gcdenkens als ganz besonderer„Vertrauensmann" polizeilicher Beamter, ist am 27. Oktober von der 3. Strafkammer des Hamburger Landgerichts zu 6 Monaten Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. Herr von Lützow war/ im Jahre 1903 zum zweiten Geschäftsführer der Kropper Heil- und Wohltätigkeitsanstalten ge- macht. Tie„Liebesgaben" soll von Lützow in Höhe von 3500 M. an sich gebracht haben. Er bestritt— das Gericht gelangte auf Grund der Beweisaufnahme zur Verurteilung. Vermiscdtes. lieber einen Eisciibahnnnfall wird amtlich gedrahtet: Heute inorgen gegen 7 Uhr fuhr der Arbeitszug 307, der auf der Fahrt von Hainholz nach Schwarmstett in Langenhagen bei Hannover mit den, Personenzuge 479 kreuzen mutzte, über die Endweiche des Bahnhofs Langenhagen hinaus und stieß etwa 50 Meter dahinter mit dem von Schwarmstett kommenden Personenzuge zusammen. Der Zug. führer des Arbeitszuges und der Heizer des Personenzuges sind tot. 4 Reisende sind schwer verletzt. Für ärztliche Hülfe ist sofort Sorge getragen worden. Außerdem traf der Hülfs- zug ans Hannover mit dem Arzt und Hülfsgerätewagen kurz nach 8-/2 Uhr an der Unfallstelle ein. Die Verletztcn�waren bereits um lOVi Uhr im städtischen Krankenhause zu Hannover untergebracht. Die Angehörigen der Verletzten wurden benachrichtigt. Der Per- sonenvcrkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Die Einfahrt in den Bahnhof Langenhagen von Schwarmstett ist gesperrt, wird aber voraussichtlich im Laufe des Nachmittages wieder frei sein. Wegen Untreue verhaftet wurde gestern der Stcttiner Rechts- anwalt Eickhoff. Dazu wird von der Hamburger Hypothekenbank mitgeteilt, daß die Unterschlagungen, die sich auf 150 000 M. be- laufen, bereits zwei Jahre zurückliegen. Eickhoff habe die Bank durch Bürgschaft vermögender Verwandten sichergestellt, die sich zur Zahlung von Kapital und Zinsen verpflichtet haben. Ein Verlust für die Hamburger Hypothekenbank sei nicht zu befürchten. In London erschossen hat sich ein junger, deutscher Baron von Holzhausen. Es wird darüber berichtet: Im Hause der unter dem Namen Miß Millar bekannten Schauspielerin Mrs. Moncton vom Gaicty-Theater in London erschoß sich der 24 jährige Baron von Holzhansen ans Frankfurt a. M. Der junge Baron hatte zwei Jahre lmig um die Gunst der Schauspielerin, ohne erhört, aber auch ohne schroff abgewiesen zu sein, geworben. Am Sonnabendabend gelang es ihm, in das Haus der Geliebten einzudringen, anscheinend schon mit dem Entschluß, Selbstmord zu begehen. Am Sonntag. morgen wurde er hinter dem Klavier kauernd entdeckt. In diesem Augenblick erschoß er sich. Zu dem lintergang des spanischen Kreuzers wird aus Madrid weiter gemeldet: Nach einer Bekanntmachung des Marine- Ministeriums ist der Kreuzer„Cardenal Cisneros" vollständig ver- loren. Es kann nichts gerettet tverden. Marineoffiziere führen den Untergang des Kreuzers auf das Vorhandensein unbekannter mehrere Meilen von der Küste entfernter Felsen zurück, die auf keiner Karte verzeichnet sind. Der Kreuzer sank innerhalb 40 Mmuten, da er vorn ein großes Leck erhalten hatte. Erdbeben. Cotanzaro, 30. Oktober. Heute nachmittag 2 Uhr wurde hier ein starker Erdstoß verspürt, der vier Sekunden dauerte. In Monteleone wurden um 2 Uhr 10 Minuten nachmittags zwei Erdstöße verspürt, ein leichterer und ein stärkerer. Hier und in Monteleone herrscht lebhafte Beunruhigung. Arbeitcr-Samaritcr-Kolonne. Montagabend 9 Uhr Fortsetzung de? Kursus in der 2. Abteilung, Brunnenstr. 154: Vortrag über Physiologie. Neue Mitglieder können noch eintreten. Gäste willkommen. Emschreibegeld 25 Pf., Monatsbeitrag 25 Ps. eingegangene Drudil'cKns'ten. Von der„Neuen Zeit-(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 5. Hest des 24. Jahrganges erschienen. SluS dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Ein Wort über Moltke.— Der Kamps in der Berliner Elektmitätsindustrie. Ein Musterbeispiel angewandter Scharsmacherthcorie. Von Paul John.— Die oldenburgischen Landtagswahlen. Von R. Wagner (Bant).— Die Freiheit der Meinungsäußerung. Von K. KautSky.— Zur Revision der Sccmannsordnnng. Von Paul Hossmann.— Zur Kattowitzer Wahl. Von Julius BruhnS(Kattowitz).— Literarische Rundschau:„Die Retter der Moral". Von Ernst KreowSki. Irenaus Pilatus, Was verlangen wir vom Richterstande? Von Dr. Siegsricda.— Notizen: Die Herausgabe des Marxschen Nachlasses. Von K. Kautsky. Die„Neue Zeil" erschemt wöchentlich einmal und ist durch alle Buch» Handlungen, Postanstallcn und Kolporteure zum Preise von 3,25 R. pro Quartal zu beziehen-, jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Von der„Gleichheit". Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer) ist uns soeben die Nr. 22 des 15. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben ww hervor: Jsäbella Gatti de Ganiond ch— Jugend und Sozialismus. XHl. Von B. Gotthusen. XIV. Von Anna Petereit.— Ein Nachwort zu den Verbandstagen der bürgerlichen Frauenrechtlerinnen. I.— Aus der Bewegung: Von der Agitation.— Jahresbericht der Vertrauensperson der Genossinnen von Frankfurt a. M.— Der Parteitag für die Provinz Schleswig-Holstein, das Herzogtum Lauenburg, das Fürstentum Lübeck und den Hamburger Staat.— Erltärung der Kölner G-nofstimen.— PoMIfchr Rundschau. Von Q. L.— Genossenschaftliche Rundschau. Bon Simon Katzenstein.— Notizenteil: Gewerkschastliche Arbeiterinnenorganssation.— Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Feuilleton: Maria Lwowna Berditschewskaja. Von Otto Krille.(Gedicht.)— Jrrllchtrr. Von Ada Christen.(Fortsetzung.) Für unsere Kinder: Spruch. Von Ludwig Uhland.— Die Funkensee. Em Märchen von Anton Fendrich.— Der Heideknabe. Bon Friedrich Hebbel. (Gedicht.)— Garibaldi. Von Malwida o. Mehsenbug.(Schluß.)— Die Regenten. Von H. Thurow.— Der Ball. Von Otto Ehlert.— Märchen. Von Georg Davidsohn.(Gedicht.) Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementsprei» vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps., unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2.eo M. Der„Wahre Jakob" hat soeben die 22. Nummer seines 22. Jahrganges erscheinen lassen. Die Nummer bringt ein jjutcs Bild unseres verstorbenen Genossen �" Nachrus. Ungarn"..Erwerbsgenosse Möller".„Kalabricn in Oftpreußen"._„Be. rechtigte Entrüstung".„Eine moderne Odyssee".„In der ReichSküche"., „Routiniert" und„System Trotha". Der tcrltiche Teil der Nummer bringt die Gedichte„Kühnemänncr".„Der Hercnlcsset".„Alpdrücken"..Nicht verzagt!" von Robert Seidel.„Patriotische Mahnung" und außer zahl. reichen kleineren Beiträgen noch die größeren FeuilletönS:„DaS Gesetz" und„Die Stieselettcn der Eheirrung" von Max Eilelberg. Der Preis der 14 Seiten starken Nummer ist 19 Ps, Die„Sozialistischen Monatshefte", herausgegeben von g. Bw» (Administration: Berlin W. Lützowstr. 105) haben soeben das November- Hest ihres XI. Jahrganges erscheinen lassen...., Der Preis des Hestes beträgt 50 Pf., vierteljährlich 1,50 M. Kalender für das Baugewerbe ISO« mit Anschlag»nd stattscher Berechnung, heranSgegeben vom Baumeister W. Haupt. Preis 1.50 y)!., bei freier Zustellung 1,70 M.— Allgemeiner Tiichler-Kalendcr ISO« für Bau- und Möbeltischler sowie für Möbelhändlcr. Breis 1,5g U. bxj sseier Zustellung 1,60 M. Verlag I. Harrwitz, Berlin SW. 48, Friedrich str. Friedrich Harm in Elberfeld nebst einem warm empfundenen Des weiteren erwähnen wir die Bilder:„Das soziale Gleich» „Die russische Duma".„Erbschaftsregulicrungen in Oesterreich- Hasen Stück 3.0g-3.75 Nein 1,75-2.75. Kaninchen Stück 0,30—0,90. Krammetsvogcl W-d Pf. Rebhühner, junge la 0.90 bis 1�0, junge IIa 0,60— 0,90, lunge tteme 0,00— o.og� � 0,65—0.85, alte IIa 0.00-0,00. Hühner, wie 0�0-1 zunge 0,60-1,00 das Siück. Tauben, junge 9,45— 0,60. alte 0,4ü 047. Emen, junge 1,40—2,45. Gänse la. 3,50-5,00, 550-3.00 pn Stück. la 0.55-0.61. IIa 0,40-0,55 per Pfund. Hechte TO-00 M Schleie, unsort. 00 M.. Aale, groß 00-00, mittel 00— 90 M. Plötzen 90-00 M. Slarpfcn OO-Ou M. Lachs 00 M.. Schellfische 22—-0 Uli., Flunder 00 M. pro 100 Psimd. Schottische Vollheringe(gesalzen) 36— zg cgz Krebse, kleine. Schock 0,00 M., unsortiert 0,09 Jl. Eier, Schock 0,00. Butter pro 100 Psimd la 120-124, Da 114-120, lila 110-114, abfallende 100—110. Kartoffeln pr- 199 Psd. rote 2,00—2,20, Rosen 0,00-0,00 blaue 0,00— 0,00, nrnde wcige 1,80-. 2.00. Wirsingkohl pr. Schock 4.00—7.00, Weißkohl W»— 8,00, Rottohl 4,00—6,00, Holl 8,00—12,00, M. Saure Gurken, neue. Schock 2�-.__ W«t«er,i»gSübersst vom 30, Oktober 1905, morgeiis 8 Ith,. Stationen Swincinde. Hamburg Berlin frankf.a.M. ilfl liehen Wien Haparanda 754 S Petersburg 756 S Scilly 1743 SW Abcrdeen]744 Still Paris j 756 S 2 wolkig 1 Regen 5 wollig — bedeckt 3 bedeckt I Wetter-Prognose für Tienötag, den 31. Oktober 1905. Mild und vielfach heiler bei mäßigen südlichen Winden; zeitlvcise etwas Regen. du. 1» Berlin er W e t t e r b u r e a u. 'BeiautwsrtljHex Rüdakteur: HsÄ'Wrbcr« BejUin. Für den Llvjeratenteil vkiaÄw.i Zfi, Glicke. Berlia. Druck u. Lultig� Borwärts liZuÄdruckerei u. 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