Nr. 260. HbonnementS'Btdingungen: Blonncmcntä, Preis prünumerando: »ierteljährl. s,zo Mk. monatt. I,lv W., wSchenllich 28 Pfg. frei ins HauS. einzelne Siummer S Pfg. Sonntags. nunnne: mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Wonnement: 1,10 Mark pro Monat, eingetragen in die Posl-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich. Ungarn 3 Marl, für das übrige«uSIand 3 Mark pro Monat. 22* Jahrg. Die Tnlertlons'GebQljr betrügt für die I-chSgefpaltene Koloncl- geile oder deren Raum 40 Pfg,, sür politische und gewerkschaftliche BcreinS- und BersanimlungS. Anzeige» 23 Pfg, »Aleinc»nreigcn", das erste(seit- gedruikle) Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 3 Pfg, Worte über 13 Buchstaben zähle» sür zwei Worte, Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 3 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an So»»- und Festtagen bis 8 Uhr voruüttagS geäfsnet. Crichtlnt liglich iKlScr ßontigt. Devlinev VolksblÄtk. Telegramm- Adresse: ZtwXv&Xovqnw der fozialdcmokrat» leben parte! Deutfcblands. Redaktion: SiH. 68, Lindenetraese 69. acntsprcdier: Amt IV, Nr. lUHit Expedition: 8CCI. 68, Lindenetraese 69. jferiittircrticr: Amt IV. Nr. I9S4. Das alte Problem. Der erste Parteitag der geeinigten sozialistischen Partei Frank- reichs, der vor wenigen Tagen stattgefunden hat. ist vom Stand- punlte der internationalen Arbeiterbewegung zweifellos ein hoch- bedeutsames Ereignis, und wäre nicht der überwältigende Eindruck der Nachrichten aus Rustland, die mit der Tagung in Chalon zusammenfielen, so hätte der französische Parteitag sicher viel mehr BcnchUlng der proletarischen Internationale gefunden, als dies der Fall gewesen. Um die außerordentliche Tragweite der Aufgaben, die unseren französischen Freunden bevorstanden, zu begreifen, muß man sich kurz der Situation erinnern, in der der Parteitag in Chalon zu- sammentrat. Die verhängnisvolle Krise des Ministerialismus war eben erst überwunden. Die sozialistische Einigkeit ist kaum vor sechs Monaten formell geschaffen oder richtiger, beschlossen worden. Sie wirklich zu schaffen, sie in die Tat unizusetzen war das Bestreben der Partei im Laufe des letzten Halbjahres, und insofern es auf die rein organisatorische Einigkeit ankommt, können die französischen Genossen mit ihrem Werl gewiß zufrieden sein. Der Nationalrat der Partei toar in der Lage, in seinem Bericht an den Parteitag festzustellen, daß von allen Föderationen, d. h. departe- mentalen Verbänden, nur noch fünf außerhalb der Einigung stehen, in allen anderen sind die zersplitterten Fraktionen bereits zu kompakten einheitlichen Ganzen zusammengeschmolzen, und ebenso bilden ihre Vertreter in der Kammer eine geschlossene sozialistische Fraktion aus 38 Abgeordneten, denen ein Dutzend.wilde" Sozialisten entgegenstehen, die— ein trauriges Erbstück der ministerialistischen Anarchie— als die anziehende Verkörperung der.freien MeinungSäuherultg"— im Verrat der Arbeiterintcreffen— und der .geistigen Unabhängigkeit"— von der proletarischen Organisation, den wahren Geist der.Demokratie" gegen den.Despotismus" der Partei und ihrer Zentralleitung vertreten. Allein die sozialistische Einigkeit ist in Frankreich, wie überall, nicht eine Frage der mechanischen Zusammenkoppelung verschiedener Fraktionen zu einer Organisation, sondern die einer einheit- lichen lebendigen Bewegung, die das gesamte Proletariat in einem großen kräftigen Strom des KlaffenkainpfeS mit fortreißt. Die Spaltungen innerhalb der Arbeiterbewegung sind stets bloß ein äußeres Symptom tiefliegender Erscheinungen des KlaffenkainpfeS selbst, seiner Probleme, die meist mit allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen zusammenhängen, und es ist bloß eine übliche Verwechselung von Ursache und Wirkung, wenn ,nan die Unemigkeit unter den Sozialisten eines Landes, statt sie au? den Schwierigkeiten der allgemeinen Situation der Arbeiter- bewegung zu erklären, vielmehr für diese verantiv ortlich macht und durch die persönliche.Aussöhnung" der Führer'zu beseittgen hofft. In derselben Zeit, wie nach dem gänzlichen Bankrott der Blockpolitik und des Ministerialismus unter dem Druck des Amsterdamer Kon- greffeS eine Einigung zwischen dem Anhang Jaurös und den alten Frakttonen des französischen Sozialismus endlich zustande gekomnicn war, tat sich die Kluft in der Arbeiterbewegung Frankreichs an einer anderen Stelle auf: zwischen der ganzen geeinigten sozialistischen Partei und der Masse der halb-anarchistischen Gewerkschafter. Diese Erscheinung, dieses Aufleben des antiparlamentarischen »Syndikalismus" in der jüngsten Zeit, dem in Frankreich ivohl- gemerkt eine ganz andere Einschätzung zukommt, wie der kümmer- lichen Episode des»anarcho- sozialistischen" Wirrwarrs in Deutschland, zeigt allein. daß das eigentliche Problem der Einigkeit in Frankreich viel tiefer liegt, als bloß in der ftüheren Kontroverse GneSde- VaillantS mit JauröS. Und wenn andererseits die von der geeinigten Partei präsentierten Ziffern in bezug auf die Organisationsstärke— nahezu 40 OVO zahlende Mitglieder in zirka 2000 lokalen Vereinen— für franzö- fische Verhältniffe einen ganz achtunggebietenden festen Kern der sozialistischen Bewegung darstellen, so weisen auch diese Ziffern zugleich auf dasselbe dringende Problem hin, das vor dem französischen Sozialismus steht. Bereinigung der sozialistischen Avantgarde mit der breiten« r b ei te rm a sse in einer lebendigen Bewegung, dies ist gegenwärtig die eigentliche Auf- gäbe de» Sozialismus in Frankreich überhaupt wie der Einigkeit im besonderen, die naturgemäß dem ersten allgemeinen Parteitag zu- falle» mußte. Der.Syndikalismus", die französische anarchisteliide Gewerk- schafterei, stst keine neue Erscheinung in der Arbeiterbewegung Frankreichs. Sie ist vielmehr nur ein Wiederaufleben alter Tradi- tionen, der hergebrachten tiefen Abneigung des französischen Prole- tarlatS gegen die.Politik", Traditionen, die bereits von den ersten bürgerlichen Revolutionen her datieren. Den Schlüssel zum Verständnis der eigenartige» Schicksale des französischen Sozialismus, wie überhaupt der inneren politischen Geschichte Frankreichs im letzten Jahrhundert, bildet das Kleinbürgertum und seine hervorragende Rolle, Seit der großen Revolution stets unter der politischen und geistigen Leitung des Kleinbürgertums, keinen Klassenkampf führend, trennt sich das französische Proletariat von ihn, zum erstenmal in den Junitagen deS Jahres 1848, Die furchtbare Schlächterei war die Bluttaufe der politischen Selbständigkeit der französischen Arbeiterklasse, ihrer Befreiung von der Vormundschaft des Kleinbürgertums. Allein eS war dies erst eine Scheidung auf der Straße. Nach der Niederwerfung der Kommune eröffnet die dritte Re- publik eine Periode der parlamentarischen Herrschaft der Bourgeoisie und damit eröffnet sie zugleich eine neue politische Lausbahn für das französische Kleinbürgertum, Und wenn eS ein unsterbliches Verdienst GneSdeS und VaillantS ist, in den 80er Jahren die französische Arbeiterschaft von ihrer Abneigung gegen die.Politik" und zu der Auffassung gebracht zu haben, daß es neben und entgegen einer bürgerlichen Politik eine proletarische Politik geben könne und müsse, so wiederholte sich bald das alte Verhängnis des ftanzösischen Sozialis- mus: mit dem Ende der{Wer Jahre verfiel die proletarische Politik in der Form des Parlamentarismus wieder unter den erdrückenden Einfluß des Kleinbürgertums. Der Zusammenbruch des kleinbürgerlichen Radikalismus in der Dreyfus-Krise, in der die Masse der Klein- bürger mit fliegenden Fahnen ins Lager der nationalistischen Reaktion hineinschwenkte, hat den ganzen bankrotten Generalstab der kleinbürgerlichen Intelligenz dem proletarisch-sozialistischen Lager zugeführt und hier die langwierige Krise des Ministerialismus hervorgerufen. Aber darauf mußte naturgemäß ein zweiter starker Rück- schlag, eine erneute Abneigung der großen Masse der Arbeiter gegen die„Politik", speziell gegen den Parlamentarismus folgen. Drehte sich doch das ganze politische Leben Frankreichs unter der Herrschaft des„republikanisch-sozialistischen Blocs", also seit fünf Jahren fast ausschließlich um ein Paradestück des alten kleinbürgerlichen radikalen Programms: um die hohle Nuß der Trennung der Kirche vom Staate. Daß ein so von der wirklichen Arbeitcrpolitik, von einer pro- letarischen Klassenpolitik gänzlich abgekommener Parlamentarismus eine Kluft zwischen dem Sozialismus und der Masse der Proletarier erzeugen mußte, ist klar. Und daraus geht auch klar hervor, nach ivelcher Richtung die geeinigte französische Partei nunmehr ihre Umgestaltung vornehmen muß, wenn die fatalen Nachwehen der letzten großen Krise in der Tat überwunden werden sollen. Eine durchgreifende Reform der gesamten parlamentarischen Taktik und deS politischen Lebens der Partei, wobei die wirklichen Arbeiterinteressen, vor allen Dingen der Achtstundentag in den Vordergrund gestellt werden, darin besteht offenbar die dringendste Aufgabe der Partei in Frankreich. ES ist dies das v�ilte, das Grundproblem der Sozialdemokratie überall und in allen Stadien ihrer Entwicklung: die Vereinigung des Sozialismus mit der Arbeiterbewegung. Die französische Partei war sich wohl dieser Aufgabe bewußt. Auf der Tagesordnung des Parteitages in Chalon stand als der zweite wichtige Punkt die Frage des Achtstundentages. Es war umsomehr eine dringende Notwendigkeit diese Frage zur Zentral- achfe der Beratungen zu machen, als die Agitation für den acht- stündigen Arbeitstag gerade von den Gewerkschaftern in der letzten Zeit als das Hauptziel einer allgemeinen„direkten Aktion' ins Auge gefaßt worden ist. Leider ist die ganze Zeit des Parteitage? von der einen Frage der Wahltaktik verschlungen worden. Le mort saisit le vif— der Tote packt den Lebenden. Die vergangene Krise des Parlamentarismus rächte sich noch einmal,— eine parlamentarische Frage war eS wieder, die jede Behandlung unmittelbarer Arbeiterfragen unmöglich gemacht hat. ES bleibt nunmehr zu erwarten, daß die Partei ihre tägliche Politik, ihre Agitation auf diese Fragen richtete. Die Periode der parlamentarischen Känipfe um alte Lösungen des bankerotten kleinbürgerlichen.RepublikaniSmus" ist jedenfalls endgültig geschloffen, Und die arbeits- und kampfeSfreudige geeinigte Partei des französischen Sozialismus wird nunniehr eine neue Aera der sozialistischen Politik in und außerhalb des Parlaments beginnen: einer nicht bloß oppositionell- republikanischen. sondern auch revolutionären Arbeiterpolitik. Die Revolution in Rntzland. Der Plünderungen und Metzeleien vierter Tag. Kiew, 4. November. Seit bereits vier Tagen ist hier Aufruhr und Plünderung an der Tagesordnung. Das Militär beschießt die Häuser der Jude«, weil diese den Plünderern mit bewaffneter Hand Widerstand entgegensetzen. Der Direktor der Reichsbank-Filiale telegraphierte an Witte, daß er wegen der passiven Haltung des Militärs jede Verantwortung für den Schutz der Bant ablehnen müsse. Dieses Telegramm ver- anlaßte den General Mavorin, etiva 190 Plünderer zu ver- haften. Diese Maßregel hat die Plünderer etwas erschreckt und infolgedessen haben die Räubereien nachgelassen. Die Reaktion regt sich! Moskau, 4, Noveniber. Die m 0 n a r ch i st i s ch e P a r t e i veröffentlicht eine Kundgebung, worin sie ihre Absicht erklärt, alle Mittel anzuwenden, um die Autokratie in Rußland zu unterstützen. Diese Partei ist es auch, ivelche verbreitet, das Konstitutionsmanifcst sei eine Fälschung Wittes. Die „MoskowSkija Wedomostie", das Organ dieser Partei. ver- öffcntlicht einen überaus scharfen Angriff gegen den Grasen Witte. ... Nur zwei Bcrwundnngcn k Warschau, 3. November. sMeldung der Petersburger Tclegr.- Agentur.) Heute kamen hier nur zwei Verwundungen vor.— Die Lehrer der städtischen Schulen haben beschlossen, den Unterricht fortan in polnischer Sprache zu erteilen.— In einer großen Versammlung der Bahnbeomten wurde beschlossen, so lange zu streiken, bis alle Wunsche des Volkes erfüllt seien. Kischincw in Flammen? London, 4. November. Äischinew soll nach Meldungen aus Odessa durch Feuer völlig zerstört worden sein. Am Freitag fanden in Odessa den ganzen Tag über Straßenkämpfe zwischen den Liberalen und den sogenannten Loyalen statt. Tie Anzahl der Toten und Verwundeten wird auf 500 geschätzt. Der deutsche und der französische Konsul ersuchtm ihre vorge- setzten Behörden um Entsendung der Stationsschiffe vom Bosporus. Odessa, 4, November. Auch im Laufe des gestrigen TageS dauerten die Ausschreitungen des Pöbels fort. Eine ganze Anzahl jüdischer Läden, darunter große Geschäfte in den zentralen Straßen, wurden geplündert: mehrere Fabriken vor der Stadt sind niedergebrannt. Die Hospitäler sind mit Verwundeten überfüllt. Es wurden auch wieder mehrere Personen getötet. Die Konsulate und Hotels werden von Truppen bewacht. Auch aus Kischinew, Nikolajew, Sewastopol, Rostow und Elisabeth- grab werden schwere Ausschreitungen des Pöbels gemeldet, die sich hauptsächlich gegen die jüdischen Geschäfte und Häuser richten. St. Petersburg, 4. November.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Die Meldungen aus der Provinz klingen ruhiger. In Rostow, wo die Unruhen mehrere Millionen Schaden verursacht haben, ist der Bahnverkehr wieder aufgenommen. In Riga fand gestern eine Massenkundgebung statt, an der 150 000 Per- sonen teilnahmen. Von 34 Tribünen wurden in 7 Sprachen Reden über die Bedeutung des Manifestes gehalten. Die Truppen werden mit Rufen: Es lebe die Anneel begrüßt. In Noworossisk ist. der Eisenbahnverkehr wieder aufgenommen. » Tie Amnestie ist nun erlassen. Ein Telegramm meldet aus Petersburg, 4. November, 11 Uhr 24 Min, Die erlassene Amnestie umfaßt u. a. auch alle bis zum 30. Oktober gegen die Person, des Kaisers oder gegen Mitglieder des Kaiserhauses ver- übte Verbrechen, sowie das Verbrechen der Teilnahme an zu Um- sturzzwecken gebildeten Geheimgesellschaften. Der Generalstreik wird fortgeführt! Der Ukas zählt gewisse Kategorien politischer Verurteilter auf. die vollständig begnadigt werden; bei anderen zu schwereren Strafen verurteilten Personen treten große Strafherabsetzungen ein; für politische Bergchcn tritt vollständige Begnadigung ein. Riga. Die Situation hat sich hier noch immer nicht gebessert. Ein gestern abend abgehaltenes Volksmeeting beschloß, den General- streik fortzusetzen. Nunmehr haben auch sämtliche Apotheken ge- schlössen. Aus der Provinz laufen fortwährend beunruhigende Nachrichten ein. » Die Volksmiliz. Die„Russ. Korrespondenz" meldet: „Freiwilliger Volksschutz". Laut einer Mitteilung der „Nowoje Wremja" soll sich in Rußland ein„freiwilliger Volksschutz" gebildet haben, der aus ungefähr 100000 Mit- gliedern besteht. Die Delegierten der Moskauer Abteilung dieses„freiwilligen" Instituts haben unlängst dem Zaren eine Adresse unterbreitet, in der sie ihren Dank für die Ein- richtung der Reichs-Duma aussprechen und um die Annahme eines Heiligenbildes bitten. Es wäre sehr interessant, zu erfahren, wie viel Mt- -lieber dieses„freisinnigen Schutzes" in dem Ressort der ~olizei angestellt sind. Judenmetzeleien. Petersburg, 3. November. Die offiziöse Petersburger Telegraphen- Agentur meldet: Einem Telegramm aus ToniSk zufolge griffen dort-heute Trupps von Anhängern der terroristischen Partei eine Versammlung der Liberalen an. Diese flüchteten sich in daS EiseiibahnverwaltungS- gebäude. Auf beide» Seiten wurde gefeuert. Als im Laufe des Abends Feuer an dieses Gebäude gelegt wurde, erhielt ein Bataillon den Befehl, einzugreifen, wobei zahlreiche Personen verwundet wurden. Auch im Theater wurden Verwüstungen angerichtet. In Batuni kam es heute zu einem Zusammenstoß zwischen den Manifestanten und dem Militär, wobei Personen getötet und ver- wimdet wurden. In Moskn» erließ heute der Gouverneur eine Bekanntinachung, in der er die Bevölkerung ermahnt, die Kundgebungen einzustelle», und den gewohnten LebcnSgang wieder aufzunehmen, damit sie die Früchte deS neuen Erlasses genießen könne. Das gefährdete reichSdeuffche Eigentum! Frankfurt a. M., 4. November. Angesichts der Unruhen der letzten Tage in Odessa, Rostow und anderen russischen Städten, bei denen auch Leben und Eigenwm deutscher Reichsangehöriger be- droht worden ist, hat die Neichsregiernng, wie verlautet, mit der russischen Regiernng sich in Verbindung gesetzt, um einen besonderen Schutz der Neichszugehörigen zu erreichen. Dasselbe ist auch ge- schehcn, als die Kämpfe in Batum tobten.(„Franks. Ztg.") Natürlich I Zum Schutze des bedrohten„Eigentums" der reichs- deutschen Kauflcute und anderer Bourgeois rührt sich die Reichs- regiernng etwas eifriger, als wo es sich um das Leben eines edlen Revolutionärs und Proletariers, wie Kasprzak handelte I Drohungen. Wie aus Saratow gemeldet wird, gab der Gouverneur heute bekannt, daß er alle Unruhen und Pllliidernngen mit Waffengewalt unterdrücken würde. Trotz dieser Ankündigung wurden revolutionäre Reden gehalten, die scharfe Angriffe gegen den Kaiser enthielten und an die sich eine Plünderung der Wohnungen und Läden der Juden anschloß. Auf die Truppen wurden eine Bombe geschleudert und Revolverschüsse abgegeben. Das Militär erwiderte das Feuer, wodurch Personen verwundet wurden. Auch in Kiew kündigte der Gouverneur an, daß er jeden Versuch, Unruhen hervorzurufen, mit Waffengewalt niederwerfen werde. Wie aus Jaroslaw gemeldet wird, kamen dort seit drei Tagen Ausschreilimgen der Bevölkerung gegen Schüler und Juden vor. Die Häuser und Läden der letzteren wurden ausgeplündert. In Iwanow» und WoSnesseuSt kam es heute bei einer Ver- sammlniig zu einem Zusammenstoß mit Kosaken. Aus Odessa, Kicw, Eupatona und zahlreichen anderen Städten wird berichtet, daß eS dort gestern zu Ausschreitungen kam, die sich gegen die Jude» richteten. politiCcbe QcbciTicbt. Berlin, den 4. November. Flottenvorlage und Freisinn. Ueber die Flottenvorlage liegen nähere Mitteilungen auch heute noch� nicht vor. Nur darüber, daß die Dimensionen der Schlacht- schiffe und Kreuzer künftig dem bisher konstruierten größten Thp entsprechen und mit schwerster Artillerie armiert sein lverden, gibt es keinen Zweifel mehr. Ein Linienschiff von 18 000 Tonnen mit 30 Zentimeter-Geschützen kostet aber 40 Millionen Mark gegen bisher 24 Millionen. Die Kosten lverden sich für die Schlachtschiffe also nahezu verdoppeln. Prozentual nicht viel geringer werden auch die Mehrkosten für die großen Kreuzer sein. Es würden sich also die Ausgaben für die Marine selbst dann um etliche Dutzend Millionen im Jahre steigern, wenn die Zahl der Schiffs- bauten, die das Flottengesetz vom Jahre 1900 vorsieht, beibehalten würde. Es ist aber sicher, daß der Flottenplan auch in dieser Be- Ziehung vollständig umgestoßen lperden wird. Die Regierung wird sich umsoweniger eine ungewohnte Zurück- Haltung auferlegen, als diesmal ihre Chancen weit giinstiger sind als jemals zuvor. Nicht nur hat der Verein der Flotteninteressenten seit Monaten eine beispiellose Propaganda inszeniert, nicht nur haben Konservative und Nationallibcrale von vornherein ihre unbedingte Zustinimung zu all und jeden Flottenwünschcn der Regierung be- kündet, nicht nur besitzt die Regierung dem Zentrum gegenüber das nötige Objekt zum nuvermeidlichen Kuhhandel, sondern mich der Freisinn bringt diesmal der Regierung den Tribut für Aegir förmlich auf dem Präsentierteller entgegen. Das„Berliner Tage- b l a t t" bringt seit Wochen fast jeden zweiten Tag lange Leitarlikel, in denen die Notwendigkeit einer starken Flottenvermehrung und entsprechende Schisfsvcrgrößerung nachzuweisen versucht ivird. Den einen Tag ficht ein Marinesachverständiger unter dem Zeichen des Dreizacks, am übernächsten Tag versucht Herr Gaedtke, der prophe- tische ostasiatische Kriegskorrespondent, es ihm gleich zu tun. Aber selbst der Freisinn der äußersten Linken hält es für nötig, einer jNwa zu zaghaften Regierung durch Ankündigung eines weitgehenden Entgegenkommens Mut einzuflößen. So schreibt die „Frankfurter Zeitung": „Es läßt sich ans manchen Anzeichen schon vor dem Zusannnen- tritt des Reichstages feststellen, daß uuter dem Eindruck gewisser - Tatsachen und Erfahrungen des letzten Sommers auf dem Gebiete der auswärtigen Beziehungen und auf Grund der Folgerungen, die mit Bezug auf Stärke der Flotte und Schiffsbau aus dem rpssisch-japanischen Kriege entnommen werden, auch innerhalb der von allgemeiner Flotte nschlvärmerei freien Parteien die Bereitwilligkeit gewachsen ist, das zur Vergrößerung und Verstärkung der Flotte als notwendig Nachgewiesene, soweit es sich irgend mit der finanziellen Leistungs- fähigkeit vereinigen läßt, zu bewillige»." Wenn also die marinistische Kostenrechnung immer größer wird, darf der Freisinn dies Verdienst nicht zuletzt für sich beanspruchen!— Geschichtliche Tage. Aus Wien wird uns vom 3. November geschrieben: Geschichtliche Tage sind für den österreichischen Staat, und geschichtliche Tage sind insbesondere für die österreichische Arbeiter- klaffe angebrochen. Der Kampf um das allgemeine und gleiche Wahlrecht ist in sein entscheidendes Stadium getreten, an dieser von den Herrschenden geleugneten Wahrheit kann heute weder die Regierung noch das Parlament mehr vorübergehen. Die Stimmung des Proletariats ist so geartet, daß man, ohne einer Uebcrtreibung geziehen werden zu können, sagen darf, daß das Proletariat zu jedem Mittel, zu jeder Tat, zum Aeußersten, und sei dieses ivas immer, entschlossen ist. Der wahnsinnige Uebcrfall, den die Polizei gestern auf die von der Versammlung im Sophiensaale— der größten und leidenschaftlichsten Versammlung, die in Wien jemals erlebt lvnrde— heimziehenden Massen verübt hat und der an hundert Verwundete gekostet, ist, von allem abgesehen, ein Zeichen, daß der Regierung und ihren Organen die Ereignisse längst über den Kopf gewachsen sind. Am Sonntag findet abermals einegroße Demonstration auf der Ringstraße statt, zwischen der Universität und der Bcllaria, also an jenem Teile, der Parlament und Hofburg einschließt. Die Wiener Arbeiter werden vor allem beweisen, daß die gestern so brutal gehandhabte Gewalt sie nicht im geringsten eingeschüchtert, ganz im Gegenteil, ihre revo- lutionäre Energie nur befeuert hat. Nicht anders wird es Sonntag in der Provinz zugehen, insbesondere in Prag, Brünn und Graz, den Zentren der österreichischen Politik. In Prag findet eine Massenzusammenkunft ans dem Graben statt, diesem Punkte, wo ffich sonst der Kampf zwischen deutschen Studenten und tschechischen Chauvinisten abspielt und der der Mittelpunkt des Prager Lebens ist. Für Montag sind in Wien große Volksversam in- I nii g e ii einberufen, und nach der Erbitterung, die unter den Wiener Arbeitern herrscht, wird jede Versammlung ihre Fortsetzung auf den Straßen finden. Und derKeim zu dem i nun er unausweichlicher werdenden M a s s e n st r e i k ist gleichfalls schon gegeben: die„Obstruktion" auf den böhmischen Sraatsbahnen, die ursprünglich ein in der Sache und im Umfange gleich isolierter Lohnkampf war, breitet sich Tag für Tag aus, lvird zusehends politischer und kann sofort zu einem kom- pletten Eisenbahner st reik für das Wahlrecht er- weitert werden. Die Dinge stehen also in jedem Betracht auf des Messers Schneide, und wenn die Regierung nicht ungesäumt erklärt, daß sie dem Parlament sofort beim ersten Zusammentritt(der am 24. November erfolgt) eine Wahlreform vorlegen wird, ist der Massen- streik unausweichlich. Massenstreik wird es genannt; was es bei der alle Dämme überspringenden leidenschaftlichen Erbitterung der Arbeiterschaft werden muß, daS kann sich Regierung und Par- lament, kann sich auch die Krone selber sagen. Deshalb treten auch die Meldungen immer zuversichtlicher auf, daß die Regierung Gautsch' ihren bornierten Widerstand fallen zu lassen gedenkt und die Frage, die der Ministerpräsident vor ein paar Wochen noch als harmlose Aufreizung zu bagatellisieren hoffte, als die kritischste, als die wahre Frage des österreichischen Staates zu begreifen beginnt. Der Augenblick ist zwingender als jemals in der Geschichte dieses Staates. Im Wesen gibt es gegen die Wahlreform keine Kraft niehr; was sie noch hindert, ist Trägheit und Feigheit der österreichischen Regierenden. Sie zu bezwingen, ist die Pflicht des Proletariats, und das Proletariat wird seine Pflicht erfüllen. Die geschichtlichen Tage finden es bereit und gerüstet. »« » Deutfcliea Reich. Scharfe Kritik an der Berg-Gesetzgebung üben jetzt die Grubenbarone im Ruhr-Revier unabsichtlich selbst. Auf die Ejpgabe der Siebener-Koninnssion äußerte sich der Verein für bergbauliche Interessen wie folgt: Die Siebener-Kommission der Bergleute richtete. an den HandelSminister eine Eingabe, die sich gegen einige Punkte der vom Verein zur Wahrung der bergbaulichen Interessen im Oberberg- amtSbezirk Dortmund verfügte» und von dem Zechenvcrband akzeptierten Normalarbeitsordnung richtet, mit der Behauptung. diese Punkte stünden mit den gesetzlichen Bestimmungen(Novelle zum Berggesetz vom 14. Juli IgvS) im Widerspruch. Demgegcn- über erklärt der Verein für die bergbaulichen Interessen: 1. Die Behauptung, daß durch§ 7 Absatz 3 der Arbeits- ordnung für die Anschläger im Schacht, die Pfcrdetreiber und die bei der unterirdischen maschinellen Förderung beschäftigten Arbeiter eine Schichtverlängcrung festgesetzt worden sei, ist nicht richtig. Für diese Kategorie von Arbeitern hat die Arbeitszeit immer tatsächlich neun Stunden gedauert, weil die Sicherheit und die Stetigkeit des Betriebes es unbedingt erforderten, daß diese Arbeiter-Katcgorien vor den übrigen Arbeitern einfahren, beziehungsweise nach diesen ausfahren. Es liegt somit ein Verstoß gegen Paragraph 93 b des A. B. G. nicht vor. 2. In der Feststellung einer Schichtdauer von 12 Stunden mit Einschluß der Pansen für sämtliche iiber Tage beschäftigten Arbeiter, also auch für die bei der Förderung unmittelbar über Tage beschäftigten Arbeiter kann schon deswegen ein Verstoß gegen Paragraph 93b nicht erblickt werden, weil dieser Paragraph lediglich von der Verlängerung der Schichtzeit durch Ein- und Ausfahrt spricht, also für Arbeiter über Tage überhaupt nicht in Betracht kommt. 3. Ans der Fassung des§ 936 des A. B. G. geht un- zweideutig hervor, daß das Verfahren von Ileberschickiten nach wie vor gestattet ist, sofern nur nach beendigter Ueberschichl dem Arbeiter bis zum Beginn der nächsten Schicht eine mindestens ackststündige Ruhezeit verbleibt. Die Be- stimmuug des§ 10 Absatz 1 der Normalarbeitsordnung steht daher mit dem Gefetz in keiner Weise in Wider- fpruch, umso weniger, als der 8 10 das Verfahren von Ueberschichten ausdrücklich in das freie Belieben des Arbeiters stellt. 4. Auch die Ausführungen der Eingabe der Siebener- Kommission über 8 12 Absatz 4 der Normalarbeitsordnung in Verbindung mit 8 800 Absatz 1 des A. B. G. sind unberechtigt. 8 80o Absatz 1 regelt lediglich den Fall, daß zur„Fortsetzung" der Arbeit an deniselben Arbcitspunkte ein Gedinge in einer Lohnperiode nicht zustande konunt und gibt unter dieser Voraussetzung dem Arbeiter Anspruch auf Festsetzung seines Lohnes nach Maßgabe der in der voranfgegangenen Lohn- Periode für dieselbe Arbeit gültig gewesenen Gedinges. 8 12 Absatz 4 der Arbeitsordnung dagegen regelt den Fall, daß nach „Uebertragung" der Arbeit das Gedinge nicht zustande kommt. Ein Widerspruch der genannten Paragraphen liegt also hier nicht vor. 5. Es ist selbstverständlich, daß Arbeiter, welche an einem Betriebspunkte mit einer Temperatur von mehr als 23 Grad Celsius die höchstzulässige sechsstündige Schicht verfahren haben, nickst zur Verfahrung von Ueberschichten an einem anderen kühleren Arbeitspnnkte herangezogen werden können. Die gegen- teiligten Befürchtungen der Eingabe der Siebener- Komniission beruhe» auf einer mißverständlichen Auffassung des von Dr. Boden- stein verfaßten Kommentars bezw. dessen Auslegung zu 8 236 des A. B. G. Der langen Rede kurzer Sinn ist:„Wir handeln durch- aus ini Rahinen der gesetzli6>en Bestimmungen!"— Damit unterschreiben die Bergherren eigentlich jetzt die Kritik, welche die Bergarbeiter Ende März auf dem preußischen Bergarbeiter- tage zu Berlin an der famosen Berggcsetznovelle übten.— Katastrophcnpolitik. Es verdient Beachtung, daß gerade in dieser Zeit der fieber- haftesten Flottenpropaganda unserer Weltpolitikaftcr ein Artikel der „Kreuz-Zeitung" die„Gegensätze zwischen der Nordamerika- nischen Won und England" behandelt. Während unsere Flotten- einpeitsMr es so darstellen, als ob sich der Kampf um die imperialistische Weltmachtstellung zwischen dem kühn emporstrebenden Deutschland und dem neiderfüllten, dem Niedergange geweihten England abspielen werde, und es also infolge des unvermeidlichen Aus- träges dieses Kampfes unumgänglich fei, daß sich Deutschland eine England ebenbürtige Flotte baue, beurteilt die„Kreuz-Zeitung" die ganze Situation wesentlich kiihker. Zunächst weist das konservative Blatt nach, daß Englands ge- fährlichster Rivale gar nicht Deulschland sei, vielmehr Nordamerika. Wenn England sich einbilde, der Ozean ertrage nur einen Herrn, nämlich England, so werde sich die amerikanische Union um diese Einbildung wenig kümmern. Präsident Noosevclt fordere gerade jetzt wieder die Schaffung einer erstklassigen amerikanischen Flotte zum Schutze der Monroedoktrin. Dieser Doktrin seien aber die englischen Besitzungen in Amerika„die starken Seevesten von Jamaika" die Bahama- und Bennnda-Jnscln, vor allem aber Kanada, je länger je mehr ein Dorn im Auge. Der Gegensatz der weltpolitischen Interessen Amerikas trete ferner in dem Bestreben der Union hervor, den Stillen Ozean zu beherrschen. Das englisch-japanische Bündnis, das Japans auch gegen Amerika gerichtete Vorniachtstellnng in Ostasien sichere, könne die amerikanische Animosität gegen England nur steigern. Mögen diese Ausführungen der„Kreuz-Zeitung" auch teilweise übertrieben sein, ihr Kern ist unzweifelhaft richtig. Die friedliche Teilung der Erde zwischen Amerika und England ist nur ein politischer Traum, dem zu scharfkantige Juteresseiigegensätze entgegen- stehen. Und wenn es auch für absehbare Zeit zu keinem offenen englisch-amcrikanischen Konflikt zu kommen braucht: die Gefahr des amerikanischen Imperialismus besteht. Diese Gefahr aber würde England zwingen, sich mit den anderen Nationen, speziell Deutschland auf möglichst guten Fuß zu stellen, wenn die deutsche Politik das nur gestattete. Aber Deutschlands ostentatives Flottcnrüsten, seine tönenden weltpolitischen Deklamationen, seine aufdringliche Einmischung in alle Welthändel, seine nicht minder aufdringliche Umschmeichelung Amerikas und Rußlands: all das muß ja in England Besorgnisse hervorrufen' So. sind die Dar- legungen der„Kreuz-Zeitung" die s ch w e r st e Verurteilung der deutschen Politik. Ihre logischen Folgerungen sind: Die von unseren Flottenfexen künstlich erzeugte Furcht vor Englands Mißgunst ist unbegründet, da England an einer ganz anderen Stelle der Schuh drückt. Deutschland wird England als Freund und Bundes- genösse hoch willkommen sein, sobald eS seine weltpolitischen Illusionen und seinen marinistischen Größenwahn ausgibt. Setzt es dagegen seine unsinnige Politik der Provokationen fort, so muß es sich nicht nur mit England, sondern mit aller Welt verfeinden und schließlich internationale Kombinationen gegen sich heraufbeschwören. denen es nicht gewachsen ist. Wollen die herrschenden Gewalten in Deutschland blindlings auf eine solche Katastrophe lossteuern— die Sozialdemokratie wird schließlich nicht der am schwersten betroffene Leidtragende sein l_ Amtlich beglaubigte Flrischnot. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung sind mehrere badische Oberbürgermeister beim Ministerium des Innern vorstellig geworden, wo sie mit der Ankündigung von „Erhebungen" abgespeist wurden. Ter Oberbürgermeister_ von Karlsruhe hat der Regierung die„Erhebungen" erspart, er hat selbst Untersuchungen über die Einwirkung der gegen- wärtigcn Fleischtencrung auf den Fleischverbrauch der Be- völkerung und die Steigerung der Fleischpreise vorgenommen. Die Erhebungen beziehen sich auf daS letzte Vierteljahr (Juni-September 1905) und sind in Vergleich gestellt mit dem gleichem Vierteljahr 1904. Während die Bevölkerung um 2,1 Prozent g e st i e g e n ist, hat sich der Fleisch v erb rauch von 1 930 356 Kilogramm auf 1 807 453, mithin um 129 403 Kilogramm, das sind 6,7 Prozent, vermindert. Trotz dieses starken Rückganges des Fleisch- Verbrauchs war der Verkaufspreis mit 2 773 114 Mark zun 79 188 Mark größer als im vorigen Jahre; der Mehr- aufwand der Bevölkerung für die Fleischnahrung beziffert sich mithin auf nahezu 3 P r o z.! Würde der Fleischverbrauch eist- sprechend dem Wachstum der Bevölkerung seit vorigem Jahr ge- stiegen sein, so hätte er 168 140 Kilogramm in den Monaten mehr betragen müssen als er tatsächlicb erreichte. Das bedeutet, daß der Fleischverbrauch um 8,5 P r o z. hinter dem normalen F l e i s ch b e d a r f zurückbleibt. Bei den gegenwärtigen Fleisch- preisen würde der nacki dem vierjährigen Verbrauch eingeschätzte Fleischbedarf einen Wert von 3 062 598 M. repräsentieren, während die gleiche Menge Fleisch voriges Jahr mir 2 745 781 M. gekostet hätte, die Bevölkerung müßte also bei Befriedigung ihres bescheidenen Fleischbedarfs allein in vier Monaten 316 817 M. mehr aufwenden. Auf ein Jahr be- rechnet macht das für die Stadt Karlsruhe mit ihren 106 000 Ein- wohnern nahezu eine Million Mark! Doch die Erhebungen des Oberbürgermeisters haben nicht nur eine Fleifchnot in quantitativer, sondern auch in qualitativer Hinsicht ergeben. Anstatt des sonst zum Verkauf gekommenen kräftigen Ochsen- und Schweineflcifches erhält jetzt die Bevölkerung für die erhöhten Preise minderwertiges Kuhflcisch. DerVerkanf von Ochscnfleisch ist um 20 Proz., der von Schweinefleisch um 17 Proz. zurückgegangen, während der Verkauf von Knhfleisch um 23 Proz., der des Rind- fleisches gar um 90 Proz. gestiegen ist. Von irgendwelchen Sckiritten der Regierung zur Beseitigung dieser skandalösen Zustände hört man noch kein Wort.— Weltmachtwillen und Bierbankpolitik. Die Haby-Mode der Wcltpolitik grassiert unheimlich. Trotz- dem man die Marinepolitik bereits bis in die Kinderstube getragen hat, hat jetzt ein Landrichter Otto Stern eine Broschüre ver- öffentlicht, die den nietzscheanischen Titel trägt:„Die Er- ziehung der Deutschen zum W c l tm a ch t w i l l e n". Einige Stilproben mögen den Inhalt des Schriftchens charakteri- fieren. Die Regierung habe„bei jeder Maßnahme darauf zu sehen, ivelckst Wirkung sie für die Erziehung des deutschen Volkes zum Großmachtwillen haben könnten". In den Wehrkrafifragcn darf es nicht genügen, daß„mit den verfügbaren Mitteln das Menschenmögliche geleistet" werde, sonderst„allein darauf kommt es an, ob die zur Verfügung gestellten Mittel genügen, uns diejenige Sicherheit der Lebensbedingungen, auf die wir Anspruck) haben, neben anderen Seemächten zu schaffen". Ein Vorschlag, der in der Praxis auf uferloseste Pumpwirtschaft hinausläuft, der also mindestens um ein Jahrzehnt zu spät kommt I Ein nock» komischerer Irrtum des Verfassers liegt darin, daß er mit der Entrüstung eines Tacitus gerade gegen diejenigen Eigenschaften unseres Spießbürgertums vom Leder zieht, die den eigentlichen Wucherungsbodcn einer großmäuligen Weltpolitik dar- stellen: gegen den Stammtisch und den Kegelklub. Gerade in diesen bierdnnstigen Konventikeln übt der entfesselte Kraft- Überschwang eines sonst so hundedemütigcn Spießertums jene Spann- kraft, die der Flotten- und Kriegervercinsmeierej und dem Hurra- Patriotismus zugute kommt. Ter Verfasser zeichnet ja selbst aller- liebst die Folgen dieses Philistertums: Es werde dadurch „das Urbild des urteilslosen Herdenzeitungslescrs und Herden- Wählers gezüchtet, dem sein approbiertes Leibblatt immer„aus der Seele schreibt", dem sein Fraktionsführer immer„voll und ganz aus der Seele spricht", der im buchstäblich blinden Ver- trauen(denn er sieht wirklich nichts) den Abgeordneten und der Regierung... in„seinem beschränkten Unterwnenverstand alles überläßt". Diese spießbürgerliche Selbstspiegelung ist ganz vorzüglich. Aber was bleibt von unserer ganzen Weltpolitik ohne Toaste und Äominersicren, ohne den„beschränkten Untertanenverstand" des Bicrbankphilistcrs überhaupt noch übrig I— Der Zentristvcrbimd deutscher Industrieller macht gegen die Ein- führniig des gesetzliche» Zchustundentageö scharf. Der Zentralverband hielt eine Sitzung ab, in der Herr B u e ck über die Arbeits- zeit in den Baumwollspinnereien referierte. Er führte aus: „Die Delegiertenversammlung des Zentralverbandes deutscher Industrieller hatte sich im Mai dieses Jahres mit der Angelegen- heit erneut beschäftigt und ist zu Beschlüssen gelangt, die sich gegen die gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit erwachsener Arbeiterinnen aus 10 Stunden erklärten. Der Beschluß der Augsburger Baumwollindustriellen, der seitens des Vereins süd- deutscher Baumwollindustriellen, wenn auch nicht einstimmig, gut- geheißen ist, dürfte voraussichtlich doch zur Durchführung in den süddeutschen Spinnereien und Webereien gelangen. Es läßt sich nicht erwarten, daß, wenn die Augsburger Industriellen freiwillig eine zehnstündige Arbeitszeit konzediert haben, in anderen gleich- artigen Betrieben eine längere Arbeitszeil aufrecht erhalten werden kann. Herr Bueck betonte, daß der Widerstand gegen die Einführung des Zehnstundentages in der ge- s a nr t e n deutschen T e x t i l i n d u st r i e sich nicht würde aufrecht e r h a l t e n l a s s e n. Zu erörtern sei, ob Anlaß zu einer Aenderung der Maibeschlüsse vorliege. In der Diskussion sprachen sick M e n tz e l- Leipzig und D i e t e l- Coßmannsdorf dafür aus. es sei besser, der Zchnstundentag werde gesetzlich eingeführt als daß man ihn sich durch die Arbeiter ab- ringen lasse. Funcke-Hagen erinnert daran, daß der Zehn- stnndentag in der Kleineisenindustrie seit mehr als zwei Jahr- zehnten eingeführt ist. Dr. Büttner spricht sich als Vertreter der Augsburger Baumwollindustrie für gesttzliche Ein- führung des ZehnslundentageS aus. Die übrigen Redner, darunter W e i n l i g- Dillingen. D i ttr i ch- Plauen, Satorius. Vogel- Chemnitz, Tilli- Saarbrücken. Sterke- Chemnitz, sprachen sich gegen Einführung des Zehnstundentages aus. In diesem ablehnenden Sinne gelaugte folgende Resolution zur Annahme, die den krassen antisozialen Herrenstandpunkt des Zentralverbandes noch- mals wiederholt: 1. Der Zentralverband spricht sich mit Entschiedenheit gegen jede weitere Verkürzung der gegenwartig zulässigen Arbeitszeit der Arbeiterinnen durch Gesetz aus. in voller Uebereinstimmung mit allen seinen Mitgliedern, insbesondere mit den Vertretern der Industrien, welche weibliche Personen in großem Umfange be- schäftigen. 2. Der Zentralverband verlangt, daß dem Arbeitgeber mr Hinblick auf die Erhaltung seiner Wettbewerbsfähigkeit, auf die wechselnde Geschäftslage und auf die Eigenart seines Betriebes nach wie vor die freie Entschließung gewahrt bleibe, in den durch die bestehenden Gesetze gezogenen Grenzen die Arbeitszeit, sowie entsprechende Löhne in semem Betriebe zu bemessen und festzu- stellen.„ i. 3. Der Zentralverband halt an diesem Verlangen fest, weil auf diesem Wege im Verlauf der Zeiten die frühere laiige Arbcitsdaucr auf ein den gegenwärtigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen entsprechendes Maß zurückgeführt worden ist. 4. In der Ueberzeugnng, daß dieser Vorgang sich auch weiter vollziehen wird, erneuert der Zentralverband seinen Einspruch gegen jede weitere Einschränkung der Arbeitszeit für Arbeiterinnen durch Gesetz: er hält daher an seinem von der Versammlung der De- legierten am 5. Mai d. I. gefaßten Beschlüsse fest. 5. Diese Stellungnahme des Zentralverbandes kann dadurch nicht in Frage gestellt werden, daß der Kreis der Arbeitgeber sich crlvcitert, die auS freier Entschließung zu einer kürzeren, alS der gegenwärtig zulässigen elfstündigen Beschäftigung der weiblichen Personen bezw. zu der zehnstündigen Arbeitszeit überhaupt über- gehen; denn der Zentralverband hat sich in dem vorerwähnten Be- schlusse weder ftir die Beibehaltung der elfstündigen, noch gegen die Einführung einer kürzeren Arbeitszeit ausgesprochen, insofern sie frei- ivillig von dein Arbeitgeber eingeführt wird."— Die aktive Schlachtflotte tritt am 13. November eine zehntägige Uebungsreise»ach der östlichen Ostsee an, auf der sie den Hafen von Neufcihrtvasser bei Danzig aufsucht. Umgekehrt treten am 11. Nu- vcmber die beiden Schiffe der Reserdeformation„Fritjof" und „Aegir" eine Uebungsfahrt von Danzig nach Kiel an, wo eines der Schiffe an einem Zusatzkursus für Geschützführer teilnehmen wird, während das andere einen Anlegeversuch bei Sonderburg machen soll. Der Nmbau des Nordostsce- Kanals. Die„Vossische Zeitung" enthält eine seltsame Nachricht aus Kiel. Danach soll beabsichtigt werden, wegen der Deplacementsvergröherung der Schlacht- schiffe den Nordostsee-Kanal wesentlich unizngestalten. Es sei eine Erlveitenmg des ganzen Kanalbcttcs von 150 ans 200 Nieter Breite geplant. Diese Veränderung machte auch den Umbau der Brücken über den Kanal notwendig. Diese Mitteilungen klingen doch etwas phantastisch. Der Kanal besitzt nämlich nicht eine Normalbreite von 150. sondern nur von 67 Metern am Wasserspiegel. Seine Breite auf 200 Meter ver- grüßern, hieße ihn also dreimal so breit niachen! Auch besitzen die großen eisernen Eisenbahnbrücken bei Levensau und Grünenthal, die Millionen gekostet haben, nur eine Spannweite von 156 resp. 162 Metern. Sollte wirklich der abenteuerliche Plan gehegt werden, den Kanal derartig umzugestalten, so würde dies mindestens ebensoviel kosten wie der Bau des Kanals selbst, also mehr als 150 Millionen Mark.— Tic Verstaatlichung der pfälzischen Bahnen beschlossen. In der Schlußabstimmung der bayerischen Abgeordnetenkammer über den Gesetzentwurf betreffend die Verstaatlichung der pfälzischen Bahnen wurde die Regierungsvorlage mit 120 gegen 16 Stimmen an- genommen. Dagegen stimmten die Sozialdemokraten und einige Mitglieder der freien Vereinigung. Die vom Zentrum eingebrachte Resolution über die Gleichwertigkeit der Vorbildung des Personals der pfälzischen Bahnen fand fast einstimmige Annahme.—_ Driickfchlcrdcrichtignng. In der gestrigen Erwiden". i des Parteivorstandes und der Preßkomniission auf die„Recheuschafl der sechs ehemaligen„Vorwnrts"-Nedakteure ist der Satz i ES ist auch nicht richtig, daß der Partcivorstand„die Hauptschuldigen nicht ohne weiteres hinauswersen wollte" zc. zu lesen: Es ist auch richtig, dafr... usw. In dem Artikel„Liberale MeinungssreiheitS- Schützer" der gestrigen Nummer haben sich einige Druckfehler eingeschlichen. Zu berichtigen ist bsrrebmlich, daß es in der dritten Zeile vor dem ersten Zitai nicht„Kölnische Volksztg.", sondern „KölnischeZeitung" heißen muß. HiidlancL Oesterreich-Ungarn. Wien, 4. November.(Meldung des Wiener k. k. Telegraphen- Korrespondcnz-Bureaus.) Heute vormittag war die Aula der Universität der Schauplatz studentischer Demonstrationen. Zuerst veranstalteten die deutschnationalcn Studenten eine Kundgebung gegen den Rektor lvcgen der Berufung des Professors Dworzak. Daran schloß sich eine Demonstration der italienischen Studenten aus Anlaß des Jahrestages der Vorfälle in Innsbruck. Die Italiener wurden indessen von den Teutschnationalen umfaßt und aus der Universität hinausgedrängt, wobei die Türfüllung zer- trümmert wurde. Gleicl�eitig wurde die Universitätsrampe von den Deutschnationalen besetzt, die deutsche Rationalliedcr sangen. Die Italiener erwiderten durch Absingen italienischer Lieder und Pfuirufe. Gegen 12 Uhr erhielten die Teutschnationalen Ver- stärkung durch die zum Bummel heranziehenden Kommilitonen. Sie drangen mit diesen auf die Italiener ein. Bei dem Zusammen- stoß wurden mehrere Personen durch Stockhiebe verwundet, so daß die Rettungsgcsellschaft Hülfe leisten mußte. Die Demonstrationen waren um 1 Uhr beendet. Von einer Einmischung der Polizei meldet das Telegramm >�>es Wiener Korrespondcnz-Bureaus nichts. Wahrscheinlich waren die Herren Polizisten noch zu erschöpft von ihren Heldentaten, die sie 36 Stunden zuvor an den Wiener Arbeitern begangen hatten.— Norwegen. Norwegen vor der Entscheidung über die StaatSform. Der heutige Sonntag wird einer der Haupttage der Agitation für die Volksabstimmung sein. Beide Parteien: die Monarchisten und ehemaligen„Republikaner" sowie die ehrlichen Republikaner aus dein Bürgertum und die selbstverständlich grundsätzlich republikanische Sozialdemokratie, werden alles aufbieten, um eine Stimmenzahl, so groß wie irgend möglich, zu gewinnen. Die Mitglieder der Regierung, meist ehemalige Republikaner, werden für das Königtum reden; der demissionierende Finanzminister Gunnar Knudsen, ferner die früheren Staatsmini st er Stean und Blehr haben ihre Mitwirkung bei der republikanischen Agitation zugesagt. Wie es in der Regel der Fall ist bei Parteien, die eine faule Sache vertreten, bedienen sich auch die Macher des neuen Königtums nicht immer reiner Mittel. So hat der Verwalter des großen Missionshauses in Kristiania, offenbar auf höhereu Befehl, dein „Sozialdemokratischen Jugendklub" den V e r s a m m l u n g S s a a l verweigert, als er hörte, daß Gunnar Heiberg dort über die Republik reden sollte. Der Bürgermeister B e r n e r von Kristiania hatte den Vorsteher der städtischen Irren- anstatt, Dr. S ch a r f f e n b e r g, vor mehreren Tagen„freund- schaftlich ermahnt", sich nicht allzu sehr mit politischer Agitation zu befassen, weil man im Magistrat annehme, seine Berufstätigkeit könnte darunter leiden.— Natürlich hat man dem entschieden republikanisch gesinnten Arzt nicht die geringste Pflichtvcrsäumnis nachweisen können, und als der Bürgermeister am Mittwoch in der Gemeindevertretung vom Genossen Dr. Nissen interpelliert wurde, mußte er erklären, daß nicht irgend welcher Druck auf das öffentliche politische Austreten kommunaler Beamter und Angestellter ansgeübt werden solle.— Serbien. Der erste sozialdemokratische Abgeordnete Serbiens, Genosse Dr. Michel Hitch, den die Arbeiter im Jahre 1003 unter schweren Mühen durchgebracht hatten, ,st am 22. Oktober in Kragnjewatsch gestorben.. Seit de», Jahre 1881 betätigte sich Hitch vssentlich im Sinne der internationalen Sozialdemokratie, indem er als Haupt-Mit- arbeitcr der sozialistischen Zeitung„Radnik" die Arbeiter mit Karl Marx' Forschungen bekannt machte. Von 1831 bis 1901 wurde ihm infolge seiner Tätigkeit der Aufenthalt in Serbien verboten. Er wandte sich nach Rußland, wo er als Fabrikarzt arbeitete und Fühlung mit der Sozialdemokratie fand. Bald bekam er die russische Knute zu kosten, doch alle Verfolgungen dienten dazu, ihn in seinen Gesinnungen zu befestigen. Kaum war das Aufenthaltsverbot(1901> abgelaufen, fmden wir ihn bereits wieder in Kragnjewatsch tätig, wo er � wie schon gesagt— 1003 zum Abgeordneten gewählt wurde. Die Quittung lautete: Entlassung des Arztes Dr. Hitch aus seiner Stellung am— Militär-Arscual. Kümmerlich schlug er sich durchs Leben— die serbischen Genossen sind selber zu ann, um einen der Ihrigen zu unterstützen. Er wird von allen, die ihn kannten, als ein hochintelligenter Mann von edelster Moral geschildert, als„Vater der Arbeiter." Durch feinen Tod hat die serbische Partei viel verloren. Am Beerdigungstage hatten alle Bureaus von Arbeiterorganisationen in ganz Serbien rote Fahnen herausgehängt. Hitch hätte leicht„Karriere" inachcn können. Er zog eS vor, seinen Idealen und der unversöhnlichen Feindschaft gegen die Bourgeoisie zu leben und als armer Teufel zu sterben.— Gcwcrklchaftlicbcs. Leisten und Qmgcgetid. Arbcitcrfrcundlichkcit oder Reklamesucht? In einer Tabakarbciter-Vcrsamnilung. die am Freitag gegen die geplante Mehrbefteuerung des Tabaks protestierte, wurde auch zur Sprache gebracht, daß die Firma Josetti auf Ansuchen der in ihrer Berliner Fabrik beschäftigten Arbeiter diesen im Hinblick auf die gegenwärtige Teuerung eine Lohnzulage von zehn Prozent gewährt habe. Daraufhin haben die dem„Verein deutscher Zigarette nfabrikanten zu Berlin" angehörenden Firmen folgenden Anschlag in ihren Fabriken publiziert: An die Zigarettcnarbeiter und-Arbeiterinnen von Berlin! Die Zigarettenfabrik Josetti, welche von dem Direktor der dem amerikanischen Truste angehörigeu Fabrik I a L m a tz k i A.-G. geleitet wird, hat kürzlich eine Illprozentige Lohnerhöhung eintreten lassen. Es handelt sich hierbei um eine Fabrik, die in Berlin jetzt nur eine geringe Zahl von Arbeitern beschäftigt. Dafür aber hat sie einen wesentlichen T�il ihrer Fabrikation nach Posen verlegt, wo die Löhne um etwa die Hälfte geringer sind als in Berlin, und fabriziert ferner in großem Umfange in Dresden, Ivo Hunderte von Handarbeitern durch die billigere Maschinenarbeit oder durch Hausarbeit verdrängt sind. Auch bleiben selbst die Löhne für Handarbeit in Dresden hinter den Berliner Löhnen zurück. Demgemäß stellt die in der Berliner Fabrik Josetti vor- genommene Lohnerhöhung lediglich eine ziemlich billige Reklame für die Fabrikate jener Firma in Arbeiterkrciscn dar, während der Beweis für die wahre Arbeiterfreundlichkeit der Firma Josetti erst in Posen durch Erhöhung der Löhne auf den Berliner Stand und in Dresden bei den Firmen Josetti und Jasmatzki durch Einstellung von Handarbeitern an Stelle von Maschinenarbeitern erbracht werden müßte. Die Berliner Zigarettenindustricllen, die bestrebt sind, die Handarbeit im heutigen Umfange beizubehalten und trotz hoher Löhne hier am Orte weiter zu fabrizieren, befinden sich wegen der Konkurrenz der mit billigeren Löhnen auf dem Lande und in kleinen Städten arbeitenden Betriebe schon gegenwärtig in schwieriger Lage. Hierzu kommt die Unsicherheit, die die jüngsten Stcuerpläne in unsere Dispositionen hineingetragen haben. Wir fühlen uns verpflichtet, die Berliner Zigarettcnarbeiter und -Arbeiterinnen über die ihnen in einzelnen Betrieben bereits vielfach bekannten und durchschauten Umstände aufzuklären, da- mit wir auch künftig noch imstande bleiben, die Handarbeit in Berlin selbst und zu den bisherigen Löhnen fortzusetzen. Zugleich erklären die Berliner Fabriken, die sämtlich dem unterzeichneten Verbände angehören, daß alle Nachrichten über Verhandlungen und Zugeständnisse einzelner Firmen auf bös- willige Erfindungen von Agitatoren beruhen, die hierbei im Trüben fischen wollen. Verein deutscher Zigarcttenfabrikanten zu Berlin. Zu diesem.,Aufklärungs"plau. wurde in der Versammlung bemerkt, es sei für die Arbeiter ja recht lehrreich, wenn eine Fabrikantengruppe der anderen den Vorwurf mache, Lohnerhöhungen zu Rcklamezwecken bewilligt zu haben. An stch könne es der Arbeiterschaft aber herzlich gleichgültig sein, aus welchen Motiven heraus die Ivprozentige Lohnerhöhung bei Josetti be- willigt worden sei. Selb st wenn sich sämtliche Fabri- kanten Deutschlands veranlaßt sehen sollten, aus puren Reklamezwecken die Löhne um das Doppelte und Dreifache zu erhöhen und wo- möglich noch die Arbeitszeit auf acht Stunden zu verkürzen, würde sicher kein Arbeiter über eine»derartige Reklame ungehalten sein. Dann brauchten die Fabrikanten überdies auch nicht über„böswillige Agitatoren" zu jammern. In der Versammlung nahm zu der Angelegenheit u. a. auch der Wcrkführer der Fabrik„I a n i n a", ein Herr Salomon Baron, das Wort. Dieser Herr wußte nichts Bcfferes zu er- zählen, als daß die Berliner Fabrikanten nicht in der Lage seien, ebenfalls Lohnerhöhungen eintreten zu lassen. Seiner Ansicht nach seien Lohnerhöhungen aber auch nicht nötig, weil die Zigaretten- arbeiter und-Arbeiterinnen ja heute schon 35 bis 40 M. in der Woche verdienen könnten,„wenn sie nur was tun wollte n". Der Referent Schmidt leuchtete den Herrn Werk- fvhrer allerdings gründlich heim, indem er nachwies, daß der Durch- schnittslohn der Berliner Zigarettcnarbeiter nur 20 bis 21 M. pro Woche beträgt. Wer darüber hinauskomme, der arbeite fast Tag und Nacht, indem er Frau und Kinder noch mit zur Arbeit heranziehe. R o s e n t h a l und Börner ermahnten die Anwesenden, aus der Lohnerhöhung bei Josetti nicht etwa falsche Schlußfolgerungen zu ziehen und nun nicht vielleicht in den einzelnen Fabriken ebenfalls um gleiche Zulagen vorstellig zu werden. Vielmehr möge jeder die vollste Ruhe bewahren, denn der Zahlstcllcnvorstand der Organisation sei bereits an den Fabrikantenvcrein herangetreten zwecks Rücksprache über eine auch in den anderen Betrieben vorzunehmende Lohnaufbesserung, von deren Resultat die Kollegen und Kolleginnen tunlichst bald unter- richtet werden würden._ Tie Lohnbewegung der Töpfer. In einer außerordentlich stark besuchten öffentlichen Töpferversammlung, die Louis Kellers großen Saal samt den Galerien füllte, gab die Lohnkommission am Freitag ihren Bericht über die Stellungnahme der Arbeitgeber zu den Lohn- fordcrungen. Die Mcistcrvcrsammlung, die am Montag statt- gefunden hat, verhielt sich durchaus ablehnend zu den Fordcrungen. „Nicht eine Bohne gibsts", ist dort gesagt worden. Nur zu einer Regulierung des Tarifcs sind die Meister geneigt. Die Lohn- kommission hat darauf mit 4(den 3 Stimmen der Vertreter der Lokalorganisation und der eines Verbandsvertreters) gegen 2 Stimmen beschlossen, der öffentlichen Versammlung einen all- gemeinen Streik zur Durchführung der Fordcrungen zu empfehlen. — An den Bericht der Lohnkommission schloß sich eine lebhafte Debatte, die über 3 Stunden währte, aber trotz scharfer persönlicher und prinzipieller Auseinandersetzungen ohne wesentliche Störungen verlief. Die Redner der Lokalorganisation erklärten sich teils als Gegner langfristiger Tarifverträge, teils überhaupt als grundsätz- liche Gegner solcher Verträge. Von der Mehrzahl der dem Zentral- verband angehörenden Redner wurde dagegen die in der folgenden Resolution beschlossene Ermäßigung der Forderungen empfohlen, und der Vcrbandsvorsitzcnde D r u n s e l erklärte, daß derartige Forderungen vom Verband unterstützt werden könnten. „Die von ungefähr 2500 Kollegen besuchte öffentliche Töpfer- Versammlung beauftragt die aus 6 Kollegen bestehende Lohn- kommission, erneute Verhandlungen mit den Unternehmern anzu- bahnen und von dem erteilten ungebundenen Mandat Gebrauch zu machen. Die Versammlung ist der Ansicht, daß zu diesem Zweck eine neue Formulierung der bisher gestellten Forbcrungcn notwendig ist und beschließt daher folgendes: Als neue Forderung ist den Meistern das Resultat der Be- ratungcn der abgehaltenen Bczirksvcrsammlungcn zu unterbreiten, die einstimmig eine Regulierung des bestehenden Tarifes verlangten und ferner eine Erhöhung der glatten Veltener Arbeit um zirka 10 Proz. Diese Forderungen sind den Unternehmern sogleich zu unterbreiten und zwar mit dem Ersuchen, auf dem Wege der Ver- Handlungen eine Einigung über die gestellten Forderungen herbei- zuführen und auf 2 Jahre festzulegen, vorbehaltlich der Geneh- migung einer Versammlung, welche endgültig über die Annahme des Tarifs zu entscheiden hat." Diese Resolution wurde mit großer Mehrheit angenommen. Nachdem von verschiedenen Rednern die Ansicht geäußert wurde. daß Vertreter der Lokalorganisation als Gegner der Tarif- gemeinschaften eigentlich doch nicht geeignet seien, in einer zur Beratung und Durchführung des neuen Tarifcs eingesetzten Kommission tätig zu sein, legten die drei lokalorganisicrtcn Lohn- kommissionsmitglieder ihr Amt nieder. Ferner trat das Verbands- Mitglied Kemnitz aus der Lohnkommission aus. Als Ersatz für die Ausgeschiedenen wählte die Versammlung Sorg, Kundi, K r o n f e l d t und John in die Lohnkommission, Der Kampf der Lederarbeiter, Weistgerber und Färber scheint sich noch weiter in die Länge zu ziehen und doch dauert er nunmehr schon die fünfte Woche. Die Unternehmer machen verzweifelte An- strengungen, um Arbeitskräfte heranzuziehen; sie nehmen alles, was von der Straße kommt. Die abtrünnigen Unterwerkführer geben sich Mühe, die neuen Arbeitskräfte anzulernen. Gelernte Leute sind nicht zu bekommen. Daß auch nur ein Teil der Ausgesperrten durch derartige Elemente ersetzt werden kann, glauben die Herren Unternehmer selbst nicht. Ihre Absicht ist, die Sache in die Länge zu ziehen; sie hoffen, daß dadurch die Arbeiter mürbe werden. Unterdessen haben sich die Lederarbeiter in Brandenburg a. H. eine fünfprozentige Lohnerhöhung ohne Kampf errungen und bleibt dort der Friede erhalten. In Berlin regnet es jetzt Strafmandate für die Kämpfenden; bis jetzt sind deren 9 eingegangen und nahe an 30 Sistierungen von Streikposten haben stattgefunden. Jedes Strafmandat lautet auf 36 M. Die Haltung der Ausgesperrten ist vorzüglich. Alle stehen wie ein Mann. Die Mittel zur Fort- führung des Kampfes fehlen ebenfalls nicht. Bedauerlich ist, daß man angesichts des kolossalen Schadens, der durch den Kampf auf beiden Seiten entsteht, noch keine Basis gefunden hat, auf der weiter verhandelt werden könnte. Vom Streik der Kupferschmiede ist zu berichten, daß 23 Firmen mit 01 Gesellen nach dem neuen Lohntarif zahlen, während bei 12 Firmen mit 120 Gesellen gestreikt wird. Die Namen der Firmen sind: Heckmann, Kraft, Pest, Neumann, Grabert, Schlesinger, Vonnoh, Kortmann, Hersing, Mahlinger n. Adolf, Roßmann und Wclp. Wir ersuchen alle Kupferschmiede, Rohrleger und Monteure, für diese Firmen keine Arbeiten zu verrichten. Der Vorstand des Verbandes der Kupferschmiede Deutschlands. Filiale BerlP. Lohnbewegung und Streik der Berliner Kranzbinder und Kranzbinderinnen. Seit einigen Wochen haben sich die Angestellten der Kranz- bindereien Berlins damit b.schäftigt, wie sie eine Regelung und Verbesserung ihrer Arbeits- und Lohnverhältnisse zu erreichen ver- mögen. Die angestellten Nachforschungen und Untersuchungen er- gaben da einen großen Wirrwarr in den Zuständen, solchergestalt, daß man sich zunächst einmal darauf beschränken mutzte, für dieses Jahr eine mögliche Vereinheitlichung der Akkordsätze herbei- zuführen. ES ist zu bemerken, daß die Engrosbinderei, um die es sich hier handelt(die Blumenbindcrei ist da nicht mit einbegriffen), säst nur in Akkord arbeiten läßt, und daß diese gegenwärtig bis zum Totenfest dermaßen stark beschäftigt ist, daß sie gar nicht genügend eingearbeitete Kräfte erhalten kann. Der von den Arbeitnehmern aufgestellte Tarif hat die heute bestehenden niedrigsten Akkordsätze als Unterlage genommen und dazu 25 Proz. zugeschlagen. Alle im Tarif nicht enthaltenen Bindestücke wie Kronen, römische Kränze und sonstige vorkommenden Arbeiten sind in Stundenlohn zu geben. Der Stundenlohn beträgt 60 Pf. für Binder, 50 Pf. für Binde- rinnen. Arbeitszeit beträgt 10 Stunden, von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends. Von drm ursprünglich vorgesehenen Aufschlag für Ueberstunden und Sonntagsarbeit ist für dieses Jahr abgesehen worden, um die Einführung des Einheitstarifs zu erleichtern. Der Tarif ist vorige Woche an die einzelnen Unternehmer versandt worden. Mehrere Firmen erklärten sofort ihr Einverständnis damit. Die am 3. November stattgefundene Versammlung der Arbeit- nehmer hat nun beschlossen, alles aufzubieten, den Tarif allenthalben zur Durchführung zu bringen. Wo die Anerkennung versagt wird, soll das Personal sofort in den Ausstand treten. Be- willigungen lagen vor von den Firmen: Otto Treichcl, Berlin SW'.. Lindenstraße 38, Franz Jendreck, Schönberg bei Berlin. Kaiser Fricdrichstraße 12 und W. R o ch o w, Berlin, Lands- berger Allee 10. Di« Berliner Arbeiterschaft wird gebeten, die Bewegung dadurch zu unterstützen, daß sie die Kranzbindrr und KranKinderinncn. mit denen sie in Berührung kommt, auf diese Bewegung hinweist und ihnen die Orgetnisationspflicht einschärft. Die betreffenden Arbeitnehmer gehören zur OrgaiiistlttM txt&äztrcr nvt hllbc.ll sich bei der Unterzeichneten als Mitglieder anzumelden. Die Ortsverwaltung Groß-Berlin des Allgemeinen deutschen Gärtnervcreins, Berlin bl. 37, Metzerstraße 3. Deutrdtcs Rttch. Die Herren spielen Trumps aus! Der Verband der sächsisch-thüringischcn Webereien(Ortsgruppe Gera) gab gestern aus Grund eines vom ganzen Verbände gefaßten Beschlusses folgendes bekannt: „Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 19. Oktober werden am Montag, den 6. d. M., alle Betriebe unseres Ver- bandes wieder eröffnet werden. Die Wiedereröffnung ist zunächst nur eine vorläufige, die Fortführung des Betriebes ist davon ab- hängig. daß in allen Betrieben sich dauernd eine genügende An- zahl von Arbeitswilligen zur Arbeit einfinden. Sollte eine aus- reichende Anzahl nicht vorhanden sein, so wird in sämtlichen Betrieben am 11. November die Tätigkeit wieder eingestellt werden." Die Herren werden vermutlich ihre Betriebe am 11. d. M. in der Tat schließen müssen. Die Weber stehen fest; das sollte man von Crimmitschau her wissen! Die Lithographen und Steindrucker in den Kunstanstaltcn von Brunner, Fels und Geck in Nürnberg befinden sich im Streik. Die Unternehmer suchen Inserate, in denen Arbeiter angelockt werden sollen, in auswärtige Parteiblätter zu schmuggeln, was ihnen auch in einigen Fällen schon gelungen ist. Es wird daher gebeten, keinerlei Arbeitsangebote aus Nürnberg zu beachten. Unsere Parteipresse über die„Vorwärts"- Affäre. Die Straßburger„Freie Presse" schreibt unter Bezug- nähme auf die Denkschrift des Parteivorstandcs und der Preß- kommission: „Wir haben es bisher vermieden, in der Frage Stellung zu nehmen, weil wir— offenbar im Gegensatz zu einem Teile der Partcipressc— das Ersuchen des Parteivorstandes für durchaus gerechtfertigt und angemessen gefunden haben, nicht zu urteilen. bevor auch seine Erklärung bekannt sei. Es muß in diesem Zusammenhange sogar komisch erscheinen, daß gerade diejenigen Parteiblättcr, die dem Vorstand und der Berliner Preßkommission den Ausschluß der Redaktion von den Verhandlungen über Eni- lassung einzelner Redakteure am heftigsten vorwerfen, auf der anderen Seite wieder über den Vorstand den Stab brechen, ohne ihn gehört zu haben!" Unser Straßburger Parteiorgan gibt dann einen kurzen Ucberblick über die Vorgänge und fährt fort: „Besser als aus diesem gedrängten Resümee werden unsere Leser aus der ausführlicheren Wiedergabe ersehen, wie wenig berechtigt die Vorwürfe sind, die inner- und außerhalb der Partei gegen den Partcivorstand erhoben worden sind. Sie werden namentlich erkennen, wie reif die Frage der Umgestaltung der Redaktion— sachlich genommen— war. Auseinander- setzungcn der Preßkomniission und des Parteivorstandcs mit den Redakteuren waren nicht mehr erforderlich— das war vor und in Jena reichlich geschehen. Es war an der Zeit, zu e n t- scheiden. Daß bei diesen letzten Beratungen die Redakteure nicht anwesend sein durften, muß zugegeben werden. Nur in ihrer Abwesenheit war die Freiheit der Eni- schließung der einzelnen Mitglieder gewahrt." Die„Brandenburger Zeitung" meint: „Damit die Genossen über unsere eigene Stellungnahme nicht länger im Unklaren bleiben, erklären wir, daß wir uns nicht auf die Seite des Parteivorstandes und der Berliner Preßkommission zu stellen vermögen, da nach un- fetet Mewung tercn„Denkschrift" sie keineswegs von dem Vorwurf entlastet, sondern denselben vollauf bestätigt, daß die genannten Partciinstanzen einen mit allen bisherigen parteigenössischen und gewerkschaftlichen Grundsätzen absolut un- vereinbaren Standpunkt des„Herr im Hause sei n" ein- genommen haben, einen Standpunkt, den selbst etlvas einsichtigere bürgerliche Unternehmer sa bereits aufgegeben haben." Das„Offenbachcr Abendblatt" gelangt zu folgerrdem Urteil: „Von schwerer Schuld wird der Vorstand nicht frei. Seine große Schuld ist, daß er nicht den Versuch machte, in. freier Aus- spräche erst festzustellen, in was die behaupteten Verfehlungen der„Vorwärts"-Mehrheit bestehen. Und dieser grvßcn Schuld, in ihr eingeschlossen und aus ihr hervorgehend, reiht sich die andere an, der„Verurteilung ohne Verhör". Die Denkschrist stellt als selbstverständlich hin, daß, wer von Kündigung betroffen werden soll, bei der Beschlutzsassung nicht zugegen sein soll, aber das ist eben undcmokratisch. Oer sagen wir: es entspricht nicht den Grundsätzen der Genossenschaftlichkeit. Wir hören, daß heute im Vorstandsbureau doch verhandelt wird zwischen Parteivorstand, Vorstand des Vereins Arbeiterpresse und den sechs Entlassenen. Warum geht es denn nun?" Die Breslauer„Bolkswacht" erklärt nach dem Abdruck der Denkschrift: „Uns hat diese Aufklärung des Parteivorftandcs bitter ent- täuscht. Sie berichtigt zwar einige weniger wichtige Einzelheiten, z. B. teilt sie mit, daß die Initiative zu dem formell uncrklär- lichen Vorgehen gegen die Redakteure nicht vom Partcivorstandc, sondern von der Preßkommission ausging. Verwirklicht konnte das Ganze nur werden mit Zustimmung des Parteivorstandcs, der dem ganzen Lande vyrantwortlich ist, während die Berliner mit ihrer Pretzkommission verhandeln mögen. Sodann erscheint das neue Verhältnis der Mitarbeiterin Rosa Luxemburg in einer etwas anderen Beleuchtung und schließlich wird bejjritten, daß das Recht Liebknechts an seine Nachfolger übergegangen ist. Keine Tatsache aber ist in dieser Aufklärung zu finden, die den Partei- vorstand berechtigte, den Redakteure� in allen Stadien der Vcr- Handlung das Wort abzuschneiden und sie, ohne sie gehört zu haben, hinaussetze». Wenn die Zustände nach Meinung des Vor- standes unhaltbar geworden waren, konnte er dann nicht die Parteigenossen Deutschlands in freier Rede und Gegenrede da- von überzeugen?" Dagegen hält die„Rcnfiische Tribüne" das Vorgehen des Parteivorstandes und der Berliner Genossen für gerechtfertigt, nur hätte die Redaktionsmehrheit zu den Sitzungen hinzugezogen werden müssen: „Eine Maßregelung der„Vorwärts"-Nedakteure können wir wirklich nicht erblicken. Der„Vorwärts" ist Eigentum der Msamtpartei, wie besonders auch der Berliner Genossen. Schon lange wird der„Vorwärts" nicht mehr in dem Sinne redigiert, wie es die Berliner Genossen, aber auch ein sehr großer Teil im Reiche wünscht. Das ist schon wiederholt zum Ausdruck ge- kommen, und deshalb ist auch das Verlangen der Berliner Gx- nassen, den„Vorwärts" seines Charakters als Zentralorgan zu entkleiden und zum Lokalblatt der Berliner zu machen. Unter diesen Umständen hätten die Genossen am„Vorwärts", deren Auffassungen mit denen der Berliner Parteigenossen und des Parteivorstandes nicht inehr übercinstinrmten, diesen doch langst nicht mehr ihre Auffassungen aufzwingen dürfen, sondern sie mußten kündigen und sich Posten suchen, wo die Ansichten ihrer Auftraggeber mit den ihrigen übereinstimmten. So war das Verhältnis der Mehrheit der Redakteure am „Vorwärts" zu den Berliner Genossen und dem Parteiborstanide schon lange eist unHalt- bares.... Daß die Redaktion von den Verhandlungen über die Rc- organisation ausgeschlossen wurde, halten Dir allerdings nicht für richtig Etwa der Redaktionsmehrhech zu kündigen, war ja nicht chenbilchticst, kam cs�zu. KündigUNMr.. so war es schon des halb nötig, die Redaktion zuzuziehen, damit diese sich äußern tonnte, auch darüber, ob ein gedeihliches Zusammenarbeiten der bleibenden Redakteure mit den neueintretenden möglich war." Die„Märkische Vvlksstimme" in Forst(Lausitz) ist umgekehrt der Ansicht, daß Redakteuren wegen ihrer politischen Haltung nicht gekündigt werden darf: „Die Denkschrift sagt es jetzt deutlich: Entlassungen von Parteiredakteuren sollten vorgenonuncn werden, nicht aus Gründen, welche Kündigungen rechtfertigen würden, weil eS etwa notwendig wäre, das Personal zu vcnnindern oder weil die bc- treffenden Redakteure faul oder unfähig wären, oder Nxil sich gegen ihre Ehrenhaftigkeit etwas sagen ließe, oder weil sie nicht mehr ivegen ihrer Gesinnung als Parteigenossen gelten könnten. sondern weil sie Ansichten hatten und offen bekannten, welche von der Meinung der Mehr- heit der Berliner Parteifunktionäre und des Partei Vorstandes abweichen. Die betreffenden Ge »üssc» sind also zur Strafe für ihre llcberzeugungstreue nicht nur wirtschaftlich geschädigt, ja dieser oder jener möglicheriveise künftiger Not preisgegeben, sondern auch ihrem Wirkungskreis entrissen worden." Das„Volksblatt für Anhalt" in Dessau erblickt den Haupt- ubclstand, der zum Konflikt führte, in dem Fehlen eines Chef- redaktcurs beim„Vorwärts": „Wir haben schon früher einmal gesagt, daß wir die Ein- richtung einer Chefredaktion bei einer Mehrheit von Redakteuren für eine unerläßliche Einrichtung halte». Wenn dann nur der Chefredakteur die für sein Amt erforderlichen Eigenschaften hat. so ist sein Machtwort hundertmal erträglicher als die Thrannci dreier bekiebiger Mitrcdaktcurc. die jeden Augenblick gegen jeden Gedanken die Doppelinstanz. Parteivorstand und Prcßkommission. anrufen können. Aber wenn nun wirklich eine gründliche Aenderung in der Redaktion des„Vorwärts" notlvendig war— und diese Not- wendigkeit bezweifeln wir keinen Angenblick, wir haben ja auch schon das Mittel einer anständigen Chefredaktion und Beseitigung des Charakters als Hentralorgan angegeben— so hätte das doch in ganz anderer Weise geschehen können. Da konnte man einfach ein ehrliches und offenes Wort mit den Genoffen reden und die Grodnauer und Eisner hätten sich gewiß nicht gesträubt, zu gehen wenn man behauptete, nur ihr Fortgehen könne Frieden schaffen.'' Das„Boltsblatt" in Kassel schreibt: „Je mehr wir uns in die Schrift vertiefen, um so unbe- greiflicher wird uns die ganze Affäre. Wir verstehen nicht, daß unter der Mitwirkung von alten, in jahrzehntelanger Arbeit be- währten Genossen, die las Vertrauen und die unbegrenzte Hoch- achtung von Hunderttausenden genießen, diese Aktion durchgeführt werden konnte. Glücklicherweise sind die Berliner Preßlommission und der Parteivorstand nicht die Partei. Diese kann von keinem Menschen für das Berliner Verfahren vcpantwortlich gemacht wer- den, wenn sie dasselbe ausdrücklich in unzweideutiger Weise miß- billigt. Das aber wird sie hoffentlich recht bald tun." Die„Boltszeitung" in D ü s s e l d o r f gelangt zum Schluß: „Wenn es für die Berliner einen unhaltbaren Zustand be- deutete, die Taktik ihres Lokalorgans nach den Bedürfnissen anderer Wahlkreise bemessen zu sehen, so wird es für viele Wahl- kreise ebenso unhaltbar sein, in Sprache und Taktik des Zentral- organs vorwiegend die Berliner Lokalbedürsnisse wiederzufinden. Das eine ging auf die Dauer nicht und das andere geht aus die Dauer erst recht nicht. Die Diskussion ist nicht abgeschnitten, sie ist nur auf eine breitere und kritischere Basis gestellt, wie wir ja schon an dem gegenwärtigen Falle zur Genüge zu erfahren Gelegenheit haben. Je schneller und wuchtiger sich jetzt die Ent- Wickelung vollzieht, für um so besser halten wir cS. Sie wird hofentlich die Kenntnis zu einer allseitigen machen, daß die Ein- richtung des Zcntralorganes überflüssig geworden und die er- freulich aufstrebende Probinzpressc keines bevormundeten Sprach- rohrs mehr bedarf. Die„SchleSwig-Holsteinische BolkSzeitung" in Kiel wendet sich gegen die von den ausgeschiedenen Redakteuren befolgte Praxis, die Parteiorgan? in den Provinzstädten mit Einsendungen zur Stimmungsmache zu überschwemmen, und faßt dann ihre Ansicht in folgenden Ausführungen zusammen: „Wenn in einem konstitutionellen Staate ein Ressort- Ministerium nicht demissioniert, so hat der oberste Repräsentant des Staates, sei es nun ein monarchisches Oberhaupt oder ein Präsident oder, wie in unserer Partei ein oberstes exekutives Kollegium, dem Ressortministerium den Abschiel, zu geben. Das wäre auch in unserem Parteizwist Pflicht und Amt des Parteivor standes gewesen, diese amt- liche Pflicht hat der Vorstand zur gegebenen Zeit aber nicht erfüllt. Sogar nach Jena, wo die souveräne Vcr- tretung unserer Partei aufs neue unzweideutig ihren Willen in der angegebenen Richtung dokumentiert hatte, sogar nach Jena wollte der Vorstand weiter mit der RedaktionSmajorität paktieren und durch Palliativmittclchcn— Beseitigung.�weie�., kleinen Redakteure"— den unhaltbaren Zustand symptomatisch kurieren. Die einzige Entschuldigung, die die Genossen im Vorstand für ihr inkonsequentes Vorgehen vorbringen können, die einzige Ent- schuldigung freilich, die ein Politiker nie vorbringen darf, ist, daß sie Scntinientspolitik, sentimentale Politik getrieben haben..." Tie von vielen Seiten in den Vordergrund der Erörte- rnngen gerückte Frage, ob die Aufsichtsinstanzen des„Vorwärts" berechtigt waren,„hinter dem Rücken der Redaktion" über die Kündigung der Redakteure zu beraten, scheint uns von sekundärer Bedeutung. Wir stehen aber nicht au, zu erklären, daß wir in dieser Hinsicht das Verfahren der Aufsichtsinstanzen für durch- ans zweckentsprechend und korrekt halten. Nicht als ob wir die Verhandlung zwischen der Redaktion irgend eines Parteiorgans und ihrer Aussichtskommission in wichtigen, die Redaktion bc- treffenden Angelegenheiten siir überflüssig hiplten— sie ist unseres Erachtens ein selbstverständliches, undiskutables Recht der Redaktcure— aber im Falle der früheren„Vorlvärts"- niajorität war de r Auseinandersetzung zwischen Redaktion und Aufsichtsinstanz genügend ge- pflogen worden, die Situation war vollständig geklärt und eine nochmalige Hinzuziehung der sechs Redakteure zu den entscheidenden Sitzungen der Aufsichtsinstanzen hätte höchstens wieder zu dem weiteren Fortwursteln wider den Willen der Parteimajorität geführt, das wir vorher kritisiert haben. In keinem Punkte sind die ausgeschiedenen Re- daktenre vergewaltigt worden, jahrelang sind sie gehört worden und haben sie sich hör- bar gemacht, und wo sie nicht gehört werden konnten und es überflüssig war, daß sie sich hörbar machten, bei der Entscheidung über die Kündigung von Einzelnen unter ihnen und bei der Annahme ihrer..Massenkündigung, da hätte ihnen ihr eigener Takt das Fernbleiben auS den Sitzungen ihrer Aufsichtskommission müssen als wünschenswert erscheinen lassen." Tiefstand der attestiert. Die, Greifsmald: Einen ganz Soziales. sittlichen Moral auf dem platten Lande gerichtlich Köln. Ztg." berichtet über einen Prozeß aus eigenartigen Schluß hatte eine Verhandlung vor dem hiesigen" Schwurgericht, Ein Arbeiter, der bereits wegen Sitt- lichkeitsve'rbrechen mit ö Jahren Zuchthaus bestraft ist, hatte sich wegen des gleichen Verbrechens zu verantworten. Er wurde schuldig befunden und zu 2 Jahren Zuchthans verurteilt. Bei der Urteils- begründung erklärte der Vorsitzende des Gerichtshofes, G e- heim er Justizrat Buddee, daß es für den Gerichtshof strafmildernd in Betracht gekommen sei, daß die sitt liche Moral auf den, La»de weit niedriger stehe als in der Stadt. Die Geschworenen, die meist Land- wirte Ivarcn, gerieten über diese Begründung in Erregung, und in ihrem Namen wandte sich der Obmann. Herr v. Vehr- Fritz ow, an den Vorsitzenden, ob er tatsächlich der Meinung sei, daß es mit der sittlichen Moral auf dem Lande so schlecht bestellt sei; die Geschworenen hätten sich durch diese persönliche Ansicht des Herrn Vorsitzenden in ihren Familienangehörigen verletzt gefühlt. Der Vorsitzende gab darauf die nochmalige Erklärung ab. daß nach seiner Erfahrung die Sittlichkeit und Schamhaftigkeit auf dem Lande bedeutend tiefer stehe als in der Stadt." Die Erregung der agrarischen Herren Geschworenen über die durchaus zutreffende Annahme des Gerichts ist un, so weniger an- gebracht, als gerade die jämmerlickjcn Behausungs- und Lohn Verhältnisse auf den großen Gütern und die Rechtlosigkeit des Gesindes iviederholt als Ursache der Unsittlichkeit auf dem Lande nachgewiesen ist. Wie ein Armenhaus auf dem Lande aussieht. Dem Hannover- schen„Volkswillcn" wird von Genossen, die den„Hannoverschen Volks- kalender" auf dem Lande verbreiteten, folgende Schilderung von dem Armenhaus in Lauenberg gegeben: „Wir betraten zuerst die unteren Räume des HanseS, wo nur rauhe Lehmwände zu sehen waren, die stellenweise eben aufgefrischt schienen.— Die Löcher, die jetzt zugestopft waren, mögen in, Sommer ganz angenehm gewesen sein, indem sie etwas Lust durchließen. Fußboden war überhaupt nicht zu sehen, so daß man auf feuchter Erde, aus der noch einige GipSbrocken herausragte, i, sich in acht nehmen mußte, nicht zu Fall zu kommen. Merkwürdigerweise fanden wir hier aber keine Meiischen. Doch halt, eine Treppe war auch vorhanden. Wir stiegen vorsichtig hinauf, oben war das Bild dasselbe wie unten. Endlich aber eine Tür, die zu irgend einem Gemache führen nnitzte, denn die übrigen Räume waren überhaupt nicht mit Türen versehen. Erst klopften wir an, da wir aber keine Antwort bekamen, machten wir auf und jetzt bot fich die elendeste Behausung menschlicher Wesen unserem Auge dar. Ein Raum, genau so erbärmlich wie die übrigen, diente hier einer älteren Frau und ihren Kindern als Wohnung. Ein paar Stühle, ein Tisch, ein alter offener Herd, und ganz in der Ecke eine einzige Bettstelle. Das waren im großen und ganzen die Gegenstände, die wir vorfanden. So.sieht das sogenannte Armenhaus von Lauenberg auS, wo eine Frau mit ihren Kindern kampieren mußt Nach einem Reichs-WohnungSgcsetz schreien förmlich die Zustände auf dem Lande. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. E G. m. b. H., sendet uns unter Bezugnahme auf den Bericht in Nr. 258 über die Klage deS früheren Lagerhalters Küter folgende Darlegungen: .1. Dem Genossen Küter ist nur die Auszahlung eines Teiles seiner Kaution und das eingezahlte Spargeld verweigert ivorden. Ge- halt oder sonstige Gelder hat er von der Konsum-Genossenschaft nicht zu fordern, sondern hat sie bei seinem Abgange auf Heller und Pfennig bekommen. Einen Teil der Kaution hat er eingewilligt, zur Deckung des im Jahre 1903/04 entstandcncn Mankos zu verwenden. 2. Das Urteil deS Kaufmannsgerichts geht dahin, daß Genosse Kütiier die Forderung auf Rückzahlung des SpargeldcS bei dem- elben nicht geltend machen kann, sondern dieselbe im zivilrechtlichcn Wege betreiben muß und nur den Rest der Kaution fordern kann. g. Unwahr ist, daß in dem vom Genossen Küter früher ver- walteten Laden jetzt ein noch größeres Manko bestehe als unter einer Leitung. 4. Unwahr ist die Behauptung, daß Genosse Küter feine Neben- ämter nur nach Schluß der Geschäftszeit verwaltet habe. 5. Der Satz, daß das Manko an den, von Fach- lenten als ganz unkaufmännisch bezeichneten Geschäfts- ysten, liegt läßt alle möglichen Deutungen zn und bitten wir zur Klärimg folgendes anführen zu dürfen: Genosse Küter führt das Manko auf Gewichtsverluste und Schwinden von Butter, Schmalz. Wurst usw. zurück und behauptet jetzt, daß das Manko von 1'/« Proz. de» Verlust nicht aufwiege. Dabei ist zu bemerlcn, daß die Genossenschaft 1'/« Proz. Mankovergütung auf alle Waren gibt, also auch auf Stück- und Zählwaren, wo gar kein Verlust ent- steht und die die weibliche Hälfte des gesamten Umsatzes ausmachen. Vertrocknete Scheiben»nD Enden bei Wurst werden außer- dem von dem Warenbestand abgeschrieben, ebenso unver- käufliches Obst. Apfelsinen, Zitronen usw. Der Vertrag, ans Grund dessen Genosse Küter bei uns angestellt war. entspricht den Verträgen sämtlicher deutschen Konsumvereine und beruht auf lang- jährigen Erfahrungen in diesem Fache. Außerdem entspricht die Maiikoveraiitimg den Forderungen des Lagerhalterverbandes und hat sich Genosse Küter bei Beratung unseres Vertrages vor einen, Schiedsgericht, bestehend aus einem Mitglicde des Gewcrkschafts- ausschusses, zwei Geschäftsführern und zwei Lagerhaltern durch seine eigenhändige Untersckirift mit der Vergütung von 1'/« Proz. für sich und seine Kollegen einverstanden erklärt. Bei der am 30. Juni d. I. stattgcfiindeneir Inventur ergab sich, daß unsere 15 Lagerhalter nur ein durchschnittliches Manko von aU Proz. verbraucht hatten, bannt ist wohl die Behauptung, daß mit 1� Proz. nicht auszukommen sei, am trefflichsten widerlegt. Damit ist wohl auch der Beweis geliefert, daß das Geschäfts- fitstem der Konsumgenossenschaft vor Fachleuten, also Leuten die von der Sache etwas verstehen, jeder Kritik standhalten kann. Im übrigen bemerken wir, daß mit dem Urteil des Kaufmanns- gerichts diese für alle Genossenschaften hochwichtige Angelegenheit nicht erledigt ist, sondern die weiteren Instanzen beschäftigen wird und muß." Den vorstehenden Darlegungen haben wir Raum gegeben, wiewohl sie im wesentlichen sich gegen AnSsühningen des Klägers richten, zu deren Wiedergabe ein objektiver Bericht nötigt. Leider bestätigen»nd lmterstreichen diese Ausführt», gen der verurteilten Konsrnngenossciischaft, daß in der Tat die Geliosseiischaft auf die ehrenamtliche Tätigkeit eines ihrer Angestellten zur Begründung eines Mankos hingewiesen hat. Der Einwand, daß der Genosse Küter als Stadtverordneter, Ortskrankenkasscii-Vorsteher, Vormund?c. zu tun habe, ist ein durchans unsozialer, dessen juristische, vor allem aber politische Haltlosigkeit und Verwerflichkeit für uns außer Zweifel steht.— Daß die Frage der Mankogelder für alle Konsumgenossen- schaften eine hochwichtige ist. mag sein. Die mitgeteilte Praxis des Kaufmannsgerichts entspricht aber durchaus der überiviegcnden Judikatur der gelehrten Gerichte, dem Gesetz und dem Grundsatz: die volle Beiveislast liegt dem ob, der Rechte für sich herleitet. Versammlungen. Gegen die geplante Tabaksteuer hat der Verband der Tabalarbeiter und Ar- beiterinnen bereits eine überaus rührige Agitation in die Wege geleitet. Am Freitag befaßten sich die Berliner Tabak- arbeiter in einer bei Wilke in der Brunnenstraße abgehaltenen öffentlichen Versammlung mit dem erwähnten Steucrprojckt. Es war eine der stärksten Tabakarbeiter-Versammlungen. die je in Berlin stattgefunden hat; daL Lokal war von Arbeitern und Arbeiterinnen der Branche bis auf den letzten Platz gedrängt voll besetzt. Schmidt schilderte in seinem Referat die Entwickelung der bisherigen Bcstcucrungsform des Tabaks und das sehnsüchtige Verlangen der Regicrungs-Finanzkünstler, zugunsten einer un- sinnigen Militär- und Marinepolitik die Tabaksteuer jetzt noch weiter zu erhöhen. Als eine notwendige Folge der Mehrbelastung des Tabaks sei unbedingt eine enorme Schädigung der deutschen Tabakindustrie zn erwarten, woraus sich wiederum die Brotlos- machung von Zehntausendcn unter den zirka 200 000 Tabak- arbeitern und-Arbeiterinnen Deutschlands ergeben müsse. Zu er- warten sei nun allerdings, daß jedenfalls die meisten politischen Parteien mit Einschluß des Zentrums das Steuerprojekt der Rc- gicrung gehorsam apportieren würden. Nur auf die sozialdemokra- tische Partei allein sei unbedingter Verlaß, weil diese eine prin- zipicllc Gegnerin des indirekten Steuersystems ist. Deshalb müsse es auch jeder Tabakarbeiter- und jede-Arbeiterin als ihre Pflicht betrachten, durch intensive Agitation in Arbeiter- und Konsumenten- kreisen der Sozialdemokratie die nötige Rückenstärke zu sichern. (Lebhafter Beifall.) Die Ausführungen des Referenten wurden von Buhl in einigen Punkten unter ebenfalls starkem Beifall noch ergänzt. Darauf gelangte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: „Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten vollinhaltlich einverstanden. Angesichts der Notlagv der gesamten Tabakarbeiter und angesichts der enormen Vcr- tcuerung der Fleischnahrung, sowie im Hinblick auf die im nächsten Jahre beim Inkrafttreten deS neuen Zolltarifs zu erwartende weitere Verteuerung der notwendigsten Lebensmittel protestiert die Versammlung auf das Entschiedenste gegen jede Mehrbesteuerung des Tabaks, gleichviel in welcher Form und aus welche Sorten sie auch geplant sein möge." Um die Agitation gegen die Tabaksteuer möglichst intensiv zu gestalten, wurde ferner folgender Beschluß gefaßt: „Die Versammlung beauftragt die Zcntralkommission der Tabakarbeiter Deutschlands, auch für Berlin mit der Agitation so einzusetzen, wie sie es für nötig hält, um in jeder Weise gegen die geplante Tabaksteuer Protest zu erheben. Die Kommission hat das Recht der Kooptation." letzte l�acdrickten und DepeCeben. Zur österreichischen Wahlreform. Furcht vor der Straße. Wien» 4. November.(Privattclegramm des„Vorwärts".) Die Regierung veröffentlicht eben eine hochoffiziöse Rote» worin an- erkannt wird, daß im Parlament jetzt eine wesentlich günstigere Stimmung für die Wahlreform herrscht als früher. Tic giegimiug befaßte sich im einzelnen mit der Frage. Tie Wünsche bezüglich des allgemeinen gleichen Wahlrechts hatten auch durch Borgänge in anderen Staaten mannigfache lkntcrstiitzung gefunden, doch sei für die schwere Arbeit Ruhe des öffentlichen Lebens notwendig. Das Schicksal der Reform liege auch in Händen der Arbeiter. Tic Rc- gierung wolle der politischen Bewegung keine Schranke setzen, weder in der Presse noch in Bersammlungen, nur müsse die Bewegung innerhalb des Gesetzes bleiben. Das Parlament, nicht die Straße sei der Ort der Entscheidung.— Diese Note bedeutet zweierlei: Erstens die Ankündigung, daß die Regierung die Wahlreform bc- stimmt machen will und zweitens die Angst vor der Bewegung der Masse. Man darf annehmen, daß das Commuiqne dir morgige Demonstration ans der Ringstraße günstig beeinflussen soll. Wie groß das Gefühl der Unsicherheit der leitenden Kreise ist, beweist die Tatsache, daß Gautsch nicht nur die Amtsgebäude, sondern auch seine Privatwohnung von einem versteckten Polizeiaufgebot bc- wachen läßt._ Neue Provokationen? Petersburg, 4. November.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) In Hinsicht auf den durch die Zeitungen ver- offcntlichten PlaD verschiedener Gruppen der Arbeiterorganisation, morgen aus Anlaß der Bestattung der Opfer der jüngsten Unruhen eine große Kundgebung zu veranstalten, macht der General- gouverneur von Petersburg dem Publikum bekannt, daß eine Kundgebung in dieser Zeit der Wirren nicht gestattet werden kann ohne vorgängige Vereinbarung mit der Polizei. Tie Veranstalter der Kundgebung werden im Interesse der großen Mehrheit der Bevölkerung und in ihrem eigenen auf- geordert, ihren Plan aufzugcb'en, um sehr ernste Folgen im Hinblick aus die energischen Maßregeln, welche die Polizei wird treffen müssen, zu vermeiden. Berantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil berantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: VortvärtsBuchdr.u.VerlagSanstalt PaulSingerLiCo.,BerlinLW. Hierzu S Beilage». 9t.2«o. 22.»«. i. Dtüllge dkg 3mMf Dtlülltt lolblildtt. Arbeiter, Parteigenossen! Am Mittwoch, den 8, November, ist Stadtverordneten- Wahl!° Mutzt die Kurze Zeit aus zur Propaganda für die sozialdemokratischen Kandidaten. Die Wahl in New Aork. In einer Reihe von Staaten der nordamerikanischcn Union finden am Dienstag, den 7. November, Wahlen statt. In Massachusetts, Nevada, Ncu-Mexiko, Ohio, Oregon, Rhode Island und Virginia werden Gouverneure und andere Beamte gewählt. In einigen Staaten finden Neuwahlen von Beamten des Richter- standeS statt, deren Termin abgelaufen ist. Auch Stadtwahlen stehen bevor, so in New Dort. Die Wahl in New Dork nimmt stets ein besonders starkes Interesse in Anspruch. Dort marschieren die größten Wählermassen auf und der Wahlkampf wird mit großer Heftigkeit geführt. Die Wahl eines Bürgermeisters in Groß-New Jork ist wichtiger als die Wahl manches Staatsgouvcrneurs. New Aorks Stadtverwaltung wurde für da-Z Jahr 1905 mit 100 500 000 Dollar Kosten angesetzt. Dieses Gemeinwesen mit seinen 3 850 000 Mitgliedern besitzt eine wirkliche Selbstverwaltung, nicht von jener Art, wie man sie in Deutschland kennt. Die Bürger bestimmen, was geschehen soll und wählen ihre Verwaltungsbeamten in gleicher, geheimer und direkter Abstimmung mit einfacher Majorität. Wer vom Volke zum Bürgermeister gewählt ist, bedarf keinerlei Bestätigung „von oben". Er hat ein Mandat erhalten, welches nicht angezweifelt und angetastet wird, und er besitzt eine große Macht als erster Beamter der Stadt. Was im Stadtrat beschlossen ist und von: Bürgermeister gutgeheißen wird, das gilt, und keine höhere Macht mischt sich in die Stadtangelegenheiten, abgesehen davon, daß gewisse Grenzen und Verpflichtungen gegenüber dem Staate New Jork innegehalten werden müssen. Freilich, eS kommt nun viel darauf an, wie die Bürger von ihren Rechten und Freiheiten Gebrauch machen. Da sehen wir, daß der Tammanh Tiger die Stadt in seinen Krallen hält und die Bürger in Massen herbeiströmen, um ihre Stimmen für die Tammanh- Kandidaten abzugeben. Bei einer Registrierung von 025 000 Wählern rechnet man mit 550000 Stimmen am Wahltage und davon er- lvartet Tammanh Hall mit Sicherheit mehr als 300 000 Stimmen für seinen ersten Kandidaten, den Bürgermeister Mc Clellan. Mancher mag verwundert fragen: Wie kommt es, daß die Bürger immer wieder der berüchtigten Tammany-Organisation zur Macht verhelfen? Die Gegner werden nicht müde, das korrupte und schädliche Treiben TammanyS zu brandmarken. Rücksichtslos geißelt man die Korruption und zählt man den Wählern in den Versammlungen die Sünden in der Stadtverwaltung auf. Die Wähler gehen nachdenklich nach Hause und stimmen am Wahltage für— Tammanh. Man erwartet eine Majorität von 50 000 Stimmen für Mc Clellan. Man wettet, wie das bei amerikanischen Wahlen üblich, fiinf Dollar gegen einen, daß Mc Clellan siegen wird. Häufig werden nicht über Sieg und Niederlage, sondern nur über die Höhe der Majorität große Wahlwetten abgeschlossen, so sicher gilt allgemein die Wiederwahl Mc ClellanS. Tammanh hat eine starke und vorzüglich geleitete Organisation, die sich wie ein Netz über die 1550 Wahldistrikte von New Jork spannt; da sondiert jeder„Hauptmann" mit vielen Angestellten in seinem Distrikt die Wählerschar. Tammanh ist reich und verfügt über alle Mittel, die gebraucht werden. Geld ist die Hauptsache in einem Wahlfeldzug: man kauft die Stimmen im Notfall damit. Tammanh vertritt die demokratische Partei in New Dork: jeder alte Demokrat stimmt für die Tammanyliste, trotz aller RäsonnementS. Große Korporationen werfen ihren Ein- fluß in die Wagschale zugunsten von Tammanh. Der ganze Be- amtenapparat der Stadt steht der Organisation zur Verfügung und, was von großer Wirkung ist, Tammanh weiß mit den bestehenden Verhältnissen schlau zu rechnen. Wo starke Elemente bestehenden Gesetzen heftig widerstreben, da gibt die Verwaltung nach und macht sich viele gute Freunde. Die Beamten erheben einen Tribut und drücken ein Auge zu. Sie sehen keine Uebertretung der Gesetze, und wenn sie mit der Nase draufgestoßen würden. Die Gastwirte mit ihrem großen Anhang fühlen sich am sichersten geborgen unter Tammanh, trotz der Sonntagsgesetze oder gerade deswegen. Das alles wirkt zusammen, um TammanyS Erfolg zu sichern. Dazu kommt noch, daß außer dem demokratischen Kandidaten nur der Republikaner Aussichten auf Erwählung hat, wenigstens war das bisher der Fall. Die meisten Bürger aber sind sehr darüber im Zweifel, ob unter einer republikanischen Verlvaltung weniger Korruption vorkonmien würde. Im gegenwärtigen Wahlkampf ist ein Gegner aufgetreten, dessen Stärke schwer zu schätzen ist, William Randolph Hearst, Millionär, Kongreßabgcordneter von New Jork. Zeitungsbesitzer und zum radikalen Flügel der Demokraten gehörig. Als ZeitungSbesitzcr ist er ein einflußreicher Mann, denn seine acht Tageszeitungen erscheinen in einer Auflage von 1 800 000 Exemplaren. Er zieht inS Feld für die Ueberuahme öffentlicher Betriebe und Einrichtungen durch die Itahtgemeinde. Das ist eine Parole, unter welcher im letzten April der Bürgermeister von Chicago, wo es sich um die Ueberuahme der Straßenbahnen handelte, mit großer Majorität gewählt wurde. Hearst hat sich von der Liga für Mnnizipalreform. die er selbst gegründet hat, als Kandidat für das Bürgermeisteramt aufstellen lassen und entfaltet eine rege Agitation. Er beabsichtigte erst eine Verbindung aller Tammanh feindlichen Parteien, hatte aber keinen Erfolg damit. Der New Dorker Korrespondent eine? Berliner Blattes bezeichnete Hearst als sozialistischen Kandidaten und seine Anhänger- schaft als sozialistische Partei. DaS ist natürlich Unsinn. Wir haben es hier mit einer bürgerlichen Neformbewegung zu tun. die etwas Bedeutendes nicht leisten kann, weil sie sich trotz ihrer sozialistisch klingenden Forderungen ängstlich an die bürgerliche Ordnung der Dinge hält. Das Beispiel von Chicago ist darin sehr lehrreich. Der jetzige Bürgermeister Dünne war von der Wählerschaft beauftragt, sofort Schritte zu tun, um der Stadt das Eigentumsrecht an den Straßenbahnen zu sichern, und eine günstige Gelegenheit schien dazu vorhanden. Des Bürger- Meisters ehrliche Absichten werden allgemein anerkannt. So sagt die .New Jorker Volkszeitung': „Dünne hat unzweifelhaft den besten Willen gezeigt. Er hat die mannigfaltigsten Versuche gemackit, seine vor der Wahl gc- »rächten Versprechungen einzulösen. Er hat sich bemüht, all die Hindernisse, die Gesetz und Gerichtsentscheide dem Plane der Uebernahme der Bahnen durch die Stadt bereiten, aus dem Wege zu räumen. Umsonst I Er ist mit seinem Bestreben gescheiten. Er hat einsehen müssen, daß er diese gesetzlichen Hindernisse nicht beseitigen konnte, daß die Kapitalisten ihr Besitzrecht auf die öffentlichen Verkehrsanlagen mit einer Hecke von gesetzlichen Vcr- teidigungSmitteln versehen haben, daß es nahezu unmöglich er- scheint, sie auf gesetzliche Weise zu durchdringen. Mayor Dünne hat sich gezwungen gesehen, zu erklären, daß er nicht einlösen kann, was er versprochen hat." Er habe nicht den Mut gehabt, sagt die„Volkszeitung" weiter, den Willen des Volkes auch einmal gegen das Gesetz und unter Verletzung gerichtlicher Erkenntnisse durchzuführen.„Dazu bedarf eS proletarisch-revolutionärer Rücksichtslosigkeit, die nicht davor zurück- schreckt, den Wust von Gesetzesparagraphen, den die Kapitalistenklasse um ihr Besitz- und Eigentumsrecht zum Schutze desselben gewoben hat, einmal gewaltsam beiseite zu schieben." Es geht eine Stimmungswoge für Munizipalisierung öffentlicher Nutzbarkeiten durch das amerikanische Volk, wie kürzlich in Philadelphia auf einer Konvention des Vereins der Eigentümer und Oberbeamten von Straßenbahnen in Amerika mit Besorgnis festgestellt wurde. In dem Jahresbericht des Präsidenten der Gesellschaft heißt eS:„Die Frage des Gemeinbesitzes der Straßenbahnen und anderer öffentlichen Nutzbarkeiten mag bald überall zum Leitstern in der Gemeinde- Politik werden. Tatsächlich ist sie es schon in verschiedenen Fällen geworden. Das Forum erschallt von den Protesten unverantwortlicher Demagogen, und bei den Korporationen, deren Millionen auf dem Spiel stehen, herrscht Schweigen. Manche von uns glauben, daß die Stimmungswoge, die jetzt durch das Land geht, sich in kurzer Zeit legen wird. Das wird sicher nicht der Fall sein. Wir müssen sie zum Halten bringen oder sie wird uns wegschwemmen." DaS klingt ganz erfreulich und man kann eine solche Stimmung als sehr förderlich für die Verbreitung sozialistischer Ideen betrachten. Fehlschläge der Verstaatlichungsbestrebungen wie in Chicago können der Partei nur nützlich sein, denn sie beweisen die Unzulänglichkeit der bürgerlichen Reformer. Die Woge hat New Jork erreicht und man darf gespannt darauf sein, ob Hearst den Republikaner JvinS an Stimmenzahl übertreffen wird, denn um diese drei Kandidaten, Mc. Clellan, Hearst und JvinS, handelt eS sich hauptsächlich bei dem Kampf um das Bürgermeisteramt. Noch hat der Kandidat der sozio- listischen Partei, Mganon Lee, keine Chancen, aber die Partei führt einen Kamps und entwickelt eine Tätigkeit, aller Achtung wert! Neben großen und gutbesuchten Hallenversammlungen wurden in der letzten Zeit 80—90 Straßenversammlungen wöchentlich abgehalten. Mit Genugtuung haben die Genossen bemerkt, daß bei diesen Ver- sammlungen an den Straßenecken sich immer mehr Leute einfinden. Man schenkt den sozialistischen Rednern allgemein mehr Aufmerksam« keit als in früheren Jahren. In New Jork nannte sich die Partei bisher sozialdemokratisch. Die Demokraten fühlten sich dadurch gc- schädigt und zwangen die Partei durch einen Gerichtsbeschluß, den Namen zu ändern. Es heißt jetzt in New Jork ebenso wie in den übrigen Staaten: Sozialistische Partei. Daneben besteht freilich noch die sozialistische Arbeiterpartei, die auch ihren eigenen Kandidaten als Bürgermeister aufgestellt hat. So gibt es leider zwei sozia- listische Wahllisten in New Jork.„Daily People", die einzige englische Tageszeitung in Amerika, gehört der sozialistischen Arbeiterpartei und empfiehlt John A. Kinneally als Bürgermeister. Bei der Stadt- wähl vor zwei Jahren erhielt die sozialistische Partei in New Jork IS 961 Stimmen, vor vier Jahren 9834 Stimmen. Die Sozialistische Arbeiterpartei erhielt vor zwei Jahren 5230 Stimmen, vor vier Jahren 6213. Bei der Präsidentenwahl im vorigen November war die eine Seite noch etwas mehr zusammengeschrumpft, während die andere Seite einen neuen Aufschwung nahm. Die Sozialistische Arbeiterpartei erhielt 5171, die Sozialistische Partei 24 512 Stimmen. Um die Tätigkeit der Sozialistischen Partei zu heben, soll nächstens eine Schule für den Sozialismus in New Jork eingerichtet werden. Die kürzlich verstorbene Frau Rand, Schwiegermutter des nicht nur in Parteikreisen wohlbekannten Professors Georg D. Herron, hat eine größere Summe dazu testamentarisch bestimmt. Die Zinsen von 200000 Dollar, also wenigstens 6000 Dollar pro Jahr, sollen zur Erhaltung einer solchen Schule dienen. Der Haupt- zweck ist, einen geistigen Mittelpunkt für die sozialistische Be- wegung in den Vereinigten Staaten zu schaffen und Redner und Agitatoren auszubilden. Diese Frau Rand hatte bor etlichen Jahren, wie die„Volkszeitung" berichtet, für die Iowa- Hochschule einen Lehrstuhl für Soziologie gestiftet, dem George D. Herron vorstand, bis er wegen seiner sozialistischen Gesinnung zur Resignation gezwungen wurde. Für die neue Schule wird ein Gebäude errichtet und im nächsten Herbst soll das Unternehmen vollständig ausgerüstet dastehen. Eine solche Förderung der sozialistischen Bestrebungen ist natür- lich sehr schätzbar und wirkt aneifemd auf die Genossen. Der Sozialismus hat in den letzten Jahren außerordentlich an Boden gewonnen in den Vereinigten Staaten und wird von den Amerikanern nicht mehr als ein fremdes Gewächs angesehen, dem in Amerika die Existenzbedingungen fehlen sollten. Er gedeiht immer besser, und die Genossen zeigen durch ihre eifrige Tätigkeit, wie gegenwärtig in New Dork, daß sie den großen Fortschritt, den die Wahlen vom letzten November zeigten, behaupten und, wenn möglich, noch erhöhen wollen._ Huö der Partei. parteldl<uostomn, partcllcben. Stadtvcrordnctenwahlcn. Der Monat November steht im Zeichen der Gcmesinderatswahlen. Erftculicherweise zeigt sich in der Partei fast überall ein stark wachsendes Interesse für diese Wahlen. Daß in der Kommunalverwaltung vielfach Gelegenheit geboten ist, sozial- politisch und sozialistisch zu wirken, ist ja genügsam bekannt, anderer- seits ist hier nicht der Ort, in diesem Zusammenhange darauf näher einzugehen. Was der Staat im großen, das ist die Kommune im kleinen, dabei sind aber ksmmunale Angelegenheiten oft komplizierter, als solche des Reiches. Deshalb ist es auch notwendig, bei Aus- wähl der Kandidaten mit äußerster Sorgfalt zu ver- fahren. Es gehört oft großes Wissen und Geschick dazu, den Kniffen und Schlichen der Jnteressenpolitiker in den Kommunen auf die Spur zu kommen und ihnen erfolgreich zu begegnen. Daß eS sich dabei vielfach um schwerwiegende Interessen handelt, das be- weist das Aufgebot von Raffiniertheit und Brutalität seitens der glücklich Besitzenden, um den Einzug von roten Abgeordneten in die „roten" Hänser zu verhindern. Alle„Feinheiten" des reaktionären Wahlgesetzes werden benutzt, die wirtschaftliche Uebermacht des Unternehmertums wird in den Dienst der Kliquenwirtschast gestellt, die eine reaktionäre Masse steht wie ein Block zusammen, um die Wahl unserer Genossen unmöglich zu machen. Werden die „Arbeiterfreunde", die sich bei der Reichötagswahl als die wahren BolkSmänner aufspielen, auf ihre Arbeiter- freundlichkeit geprüft, die sie bei den Kommunalwahlcn bekunden, dann gibt es ohne Zweifel Note 0. Vielfach wählen oder ernennen die Unternehmer ihre Angestellten und lassen sich selbst in der dritten Abteilung als Kandidaten aufstellen. Gegen solche Un- geniertheiten müssen die Genossen den Kampf aufnehmen, und sie werden sich schließlich auch auf diesem Gebiete den der Stärke der Partei entsprechenden Einfluß ertrotzen. Bisher fehlte den Genossen vielfach ein Kommunälprograntin, da? als Richtschnur für das Vcr- halten sozialistischer Vertreter dient. Auch nach dieser Richtung geht eS vorwärts, neue Programme werden aufgestellt, ältere Programme revidiert. Der Kreis der sozialistischen Tätigkeit erweitert sich immer mehr, damit aber auch die Notwendigkeit, der theoretischen Ausklänmg und Vertiefung erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Maifeier— Massenstreik, lieber dieses Thema sprach in einer Versammlung iir Stettin Genosse Körsten, dem trat als Korreferent Genosse Harnisch entgegen. Körsten führte in der Hauptsache fol- gendes auS: Daß die Maifeier sich bisher nicht großartiger gestaltet habe, sei mit auf die Haltung der sozialdemokratischen Fraktion zurück- zuführen. Deren Stellungnahme im Jahre 1890 gegen allgemeine Arbeitsruhe habe der Begeisterung die Flügel beschnitten. Brutales Vorgehen des Unternehmertums habe der Maifeier immer als schweres Hemmnis entgegen gestanden. Liebknecht erklärte nach 1893 die allgemeine Arbeitsruhe für Provokation eines unsinnigen Kampfes. Nur solche Berufsgruppen, die ohne Schädigung der Arbeiter- interessen dazu in der Lage seien, sollten den 1. Mai durch Arbeitsruhe begehen. Heute nehme die Maifeier oft den Charakter eines Kaffeekränzchens an.— Zur Frage des Massenstreiks äußerte sich Genosse Körsten dahin: In Jena habe er die Frage noch nicht für geklärt gehalten und deshalb auch gegen die Resolution Bebel gestimmt. Selbstverständlich halte er für den Fall eines Anschlages auf das allgemeine, gleiche, geheime Wahlrecht die Anwendung aller zur Abwehr geeignet erscheinenden Mittel für angebracht. Aber er sei nicht einverstanden mit der Aufforderung der MassenarbeitS- einstellung„um", lvie eS in der Resolution heißt,„ein solches politisches Verbrechen an der Arbeiterklasse abzuwehren". DaS sei eine Konzession an die Anarchosozialisten. Die Resolution hätte sich auch scharf aussprechen müssen gegen die Auffassung, daß der Generalstreik die Einleitung zur Revolution be- deute. Der Gedanke, die herrschende Klasse auszuhungern, sei eine Illusion, trotzdem würde» die Gewerkschaften mit marschieren, wenn eS gelte, ein politisches Verbrechen abzuwehren.— Genosse Haenisch wies zunächst darauf hin, daß alle internationalen und deutschen Parteitage nach 1893 ausdrücklich für Arbeitsruhe, als die würdigste Form der Maifeier, sich erklärt haben. Die Schwäche der Gewerkschaften im Jahre 1890 erkläre die damalige Betonung größerer Vorsicht, um Schädigungen zu vermeiden. Falsch sei eS, anzunehmen, die Maifeier habe den Anstoß zu dem Kühneinänner- Verband gegeben. Die Klassenorganisationen seien die natiir- notivendigen Produfte der industriellen, ökonomischen und sozialen Entwicklung. Daß die Unternchmerorganisation kein unüberwind- liches Hindernis für imposante Maifeler sei, hätten die Berliner Holzarveiter bewiesen, die im vorigen Jahre 20 000 ivkaifeiernde stellten. Da einzelne Gewerkschaftsführer die Maifeier verächtlich behandeln, braucht man sich nicht zu wundern, daß eS nicht in wünschenswerter Weise geht. Bezüglich der Frage des Massenstreiks bemerkt Redner zur Widerlegung des Standpunktes, den Körsten ein- genommen, jedes ängstliche Zurückweichen reize die Scharfinacher auf zu immer unverschämteren Angriffen auf die Volksrechte. Beim Wahlrecht werde man schließlich nicht Halt machen, sondern Vereins-, Versammlungs-, Preß- und Redefreiheit dazu rauben, um die Benutzung des einen Rechts zur Verteidigung des anderen zu verhindern. Wenn das geschehe, seien die stärksten Or- ganisationen ivertlos. Im Auslande kämpften die Arbeiter in be- wunderungSwürdiger Weise für Eroberung politischer Rechte. Wir aber sollten nach dem Wunsche deS Genossen Körsten nicht einmal über die Mittel der Verteidigung reden. Verkehrt sei eS. den Wert des Parlamentarismus so niedrig einzuschätzen, lvie daS vielfach seitens der sogenannten Praktiker geschehe. Eine im Sinne der Ausführungen Haenisch gehaltene Resolution fand einstimmige An- nähme. In der Frankfurter„Bolksstimmc" vom 31. Oktober 05 spricht sich Genosse Michels dahin au§, daß tatsächlich die Gefahr eines Krieges bestanden habe, jedoch sei das englisch-französische Abkommen nur für den Fall eines Angriffes Deutschlands gegen Frankreich geschlossen worden. Die englischen Interessenten, Industrielle und Kaufleute. die in Deutschland einen unbequemen Konkurrenten auf dem Welt- markt erblickten, hätten versucht, die Situatton zu verschärfen. dagegen sei der größere andere Teil des englischen Volkes gerade so friedliebend wie das deutsche Volk, die deutsche Diplomatie habe dagegen auf einen Krieg hingearbeitet, da seien die Enthüllungen eine rettende Tat gewesen. In der „Gleichheit" verwirst Genosse Ledebour ebenfalls den Gedanken, als ob durch die deutsche Diplomatie ein Krieg glücklich vereitelt worden sei. Die Friedensstörer seien in Wahrheit die Flotten- und Rüstungsenthusiastcn, die sich gerade jetzt breit machen, um ihre aus- schweifenden, Geldschrank füllenden Pläne mit dem. glücklich ver- hinderten Krieg zu propagieren. Die höfische Hinttrtreppenpolitik bilde die größte Gefahr für den Frieden der Völker. Die badischen LandtagSwahlen werden im Karlsruher„Volks- fteund" als ein Wendepunkt für die politischen Verhältnisse Badens gewürdigt. Der Erfolg des Zentrums am 19. Oktober fei durch den Wahlausfall am 28. Oktober wesentlich korrigiert worden. Der badische Liberalismus habe die Feuerprobe bestanden, darin liege die epochemachende Bedeutung der badischen Landtagswahlen, eine Bedeutung, die über Badens Grenzen hinaus nackwirken werde. Daß die Sozialdemokratie trotz der grundsätzlichen Gegensätze, die sie vom Liberalismus trennen, im Kampfe gegen die Reaktion treue Waffenbrüderschaft halte, sei sicher. Versage der Liberalismus jedoch, dann sei der Erfolg am 28. Oktober für die Äatz.— Die Folge wird lehren, ob die Hoffnungen der badischen Genossen in Erfüllung gehen._ Ein liberaler Führer als Freund des Zeugniszwangö. In der „Fränkischen Volkstribllne", dem Provinzblatt der nordbahrischen Sozialdemokratie, wurden jüngst die nicht gerade rosigen Verhält- nisfe der Bayreuther Schutzmannschaft behandelt. Im Rathause hat der Artikel große Entrüstung hervorgerufen, und in der letzten Magistratssitzung gab der Bürgermeister Dr. C a s s e l in a n n seiner schärfften Mißbulimmg darüber Ausdruck, daß die Schutzmannschaft „Disziplin" und„Autorität" soweit porgessen hake, sich an eine sozial- demokratische Zeitung zu wenden. Er meinte, der Täter, für den man Anhaltspunkte habe, müsse ohne Rücksicht darauf, ob er Familie habe oder nicht, ohne Gnade entlassen werden, gelänge es aber nicht, ihn sicher zu ennitteln, so werde mau unter A u wen- dung de s Zeugniszwangsvcrfahrcns gegen die Redaktion des genannten Blattes vorgehen. Herr Casselmann ist der bekannte liberale Wortführer und Landtags- Abgeordnete, der in seinen politischen Reden gern von den„freihcit- lichen" Grundsätzen des Liberalismus spricht. Hierzu patzt seine obige Drohung, der übrigens die Redaktion unseres nordbaycrischcn Parteiblattes ruhig entgegensieht, wie die Faust aufs Auge. Ucbcr die Entwickclung unscrcr PartciorganisatioÄ im uicstlichcn Wcstfalcu gewährt der soeben erschienene Bericht des Landes- Vertrauensmannes einen recht interessanten Einblick. Im Jahre 1S02 zählte der Bezirk, der die Wahlkreise Dortmund, Bochum, Hamm, Soest, Recklinghausen und Arnsberg mnfatzt, erst zwei Vereine mit rund 500 Mitgliedern. Das Jahr 1903 weist aber schon fünf Ver- eine mit 1200 Mitgliedern auf, das Jahr 1904 brachte 21 Vereine mit 2300 Mitgliedern und 2400 Genossen, Ivelche nur der losen Organisation angehören. Die grötzten Fortschritte weist aber das Berichtsjahr auf, in welchem l3 neue Vereine gegründet wurden. so datz im Bezirk jetzt 34 Vereine mit 4052 Mitgliedern vorhanden sind; autzerdem sind noch 2833 Genossen vorhanden, die regelmätzige Bei- träge zahlen, ohne eingeschriebene Vereinsmitglieder zu fein. Den Hauptanteil an der Zahl der Vereine und organisierten Genossen, Ivie auch am Fortschritte des letzten Jahres hat der Wahlkreis Dortmund aufzuweisen und zwar stellt sich das Verhältnis wie folgt: ausweis per 31. Oktober d. I. Zeugnis ab. Die folgende kleine Tabelle möge die Hauptposilionen festlegen. ES betrugen Ende Oktober: Vereine Dortmund. Bochum.. Hamm... Recklinghausen Arnsberg.. 13 S 3 1904 Mit- glieder 1518 1905 ~ Mit- Zahlende Ge- glieder Nossen außerdem 550 243 19 10 4 1 3000 814 197 41 1330 75ö 320 330 78 Summa.. 21 2313 34 4052 2833 Das sind recht erfreuliche Fortschritte, die aber bei 88 000 sozial- oemokratischen Stimmen, die bei der letzten Reichstagswahl im Bezirk abgegeben wurden,»och immer recht nünimaler Natur sind. In den vier erstgenannten Kreisen sind jetzt Zentralvereine ge- gründet worden und die Kreise Dortnmnd und Bochum haben die Anstellung von Parteisekretären beschlossen. Eine Eigentümlichkeit des Ruhrreviers ist es, datz im allgemeinen der Schwerpunkt der Organisation auf dem Lande zu suchen ist. In einer Ortschaft in Eichlinghofen umfatzt z. B. die Organisation 70 Prozent der bei der letzten Wahl abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen, in Oespel 40 Prozent, in Brackel 20 Prozent usw. Im letzten Jahre fanden im Bezirk 193 Volksversammlungen und 213 Vcreinsvcrsninmluugen statt. Eine sehr ausgedehnte Agitation wurde mittels Flugblätter und Schriften betrieben; es gelangten zur Verteilung 000 000 Flugblätter, 30 000 Agitationskalender, 1000 Broschüren „Erfurter Programm" und 1000 Broschüren über„Gemeindever� tretungen". Autzerdem wurden iin schwarzen Sauerland 2500 Ereni place der Agitationsschrift„Morgenrot" verbreitet und von" der Monatsschrift„Wahrheit" gelaugten bisher 75 000 Exemplare zur Verteilung. Der Leserkreis der Arbeiterpresse vergrötzerte sich in der erfreulichsten Weise. In den Kommunen des Bezirks befinden sich 45 Vertreter unserer Partei. Den Hauptanteil daran hat abermals der Wahlkreis Dortmund, der 27 Vertreter aufzuweisen hat. aber die Stadt Dortmund hat keinen roten Vertreter, während die Kreise Bochum und Hamm-Soest je 7 sozialistische Gemeindevertreter be- sitzen. Die Frauenbewegung ist im letzten Jahre ebenfalls in Flutz gekommen. Mehrere Fraueuvereine sind gegründet worden und die „Gleichheit" hat sich einen ansehnlichen Abonnentenstand erobert. In Mannheim, wo unsere Partei mehr Stimmen aufbringt, als der bürgerliche Mischmasch zusammen, gehören nach der jetzt voll- zogenen StadtratStvahl von 22 Stadträten nur 4 der Sozialdemo- kratie an. Unter den 96 Stadtverordneten sind nur 32 Sozial- demokraten. Auch ein Beitrag zum Klassenwahlunrecht. Gestorben ist in Fürth der Genosse Albert Schwarz, der zu den ältesten Kämpfern in der Partei gehörte. Hus InduFtrie und Handel. 5Va Proz. Rcichsdankdiskont. In der gestrigen Sitzung des Zentralausschusses der ReichSbank ist der Diskont um'/a Proz., also auf b>/z Proz.,' erhöht worden, während der Lombardzinsfutz für Darlehen"gegen Berpfändung von Effekten und Waren 6t/z Proz. beträgt. Der Präsident des ReichsbankdirektoriumS Dr. Koch begründete die Matzregel vor allem mit der starken Anspannung des Instituts. Er erwähnte weiter, datz die Reichsbank vorgestern den Versuch gemacht habe, S ch a tz s ch e i n e des Reiches an der Börse zu rediskontieren. Dieser Versuch sei vollkommen fehl- geschlagen. Es war nicht möglich, auch nur den kleinsten Betrag unterzubringen. Dagegen bewirkte schon der klotze Versuch ein Emporschnellen des P r i v at d i s k o n t s a tz e s um % Proz. auf 4V3 Proz. Das habe das Reichsbankdirektorium in seinem Entschlüsse, den Diskont heraufzusetzen, bestärkt. Der niedrige Metallbestand ist natürlich auch einer der Gründe, die die Bank- leitung zur Vorsicht mahnten. Wenn auch ein Goldausgang nach dem Auslande bei dem gegenwärtigen Stand der Wechselkurse nicht zu befürchten sei, so sei doch auch andererseits ein'Goldzuflutz vom Ausland nicht wahrscheinlich. Aus der Mitte des Zentralausschusses Ivurde zunächst darauf hingewiesen, datz die ungewöhnliche Matznahme einer Diskonterhöhung über 5 Prozent hinaus besonders reiflicher Ileberlegung und Beratung bedürfe; keinesfalls solle sie höher als Ii Proz. bemessen werden. Von anderer Seite wurde die Wahre schcinlichkeit einer Entlastung der Bank im November betont uno deshalb eine Diskonterhöhung einstweilen überhaupt nicht für nötig erachtet. Der Präsident erwiderte, ein Abwarten sei zwecklos und könne die Situation eher noch verschärfen, die jetzige Diskont- erhöhung um>/g Proz. werde vielmehr, so hoffe er, einer sonst drohenden Erhöhung auf 0 Proz. vorbeugen. Schlietzlich erklärte sich der Zentralausschutz mit allen gegen eine Stimme mit der Diskont- erhöhung auf b'/z Proz. einverstanden. Ein Reichsbankdiskont von mehr als 5 Proz. gehört nicht zu den gewöhnlichen Erscheinungen. Im Jahre 1904 war unsere offizielle Rate nicht über 5 Proz., in den Jahren 1903 und 1902 nicht über 4, 1901 nicht über 4'/� Proz. In den Jahren 1900 und 1899 zwar sahen wir Reichsbankdiskontsätze bis zu 7 Proz., 1898 bis zu 0 Proz.; noch weiter zurückgehend stützt man aber dann erst tvieder im Jahre 1890 auf einen höheren Diskont als 5 Proz. Eben diese relative Seltenheit einer über 5 Proz. hinausgehenden Rate bclveist schon, datz sich der Reichsbankpräsident stets nur mit einem gewissen Widerwillen zu einer derartigen Verteuerung des Diskonts ent- schlössen hat. Im jetzt vorliegenden Falle trat dies schon allein in seinem Vorschlag hervor, den Diskont nicht, der Gepflogen- heit entsprechend, sogleich um ein ganzes Prozent zu erhöhen. Schon Ende September war die Lage der Reichsbank eine sehr schwierige. Die Gesamtanlage sin Wechseln, Lombard und Effekten) war am 30. September mit 1667 Millionen Mark die höchste seit Bestehen der Reichsbank, der Notenumlauf erreichte mit 1632 Millionen Mark ebenfalls einen noch nie verzeichneten Höchstbetrag. während gleichzeitig das Metall auf einen Stand sank, wie er niedriger nicht seit 1900 registriert worden war. Die Notendeckung durch Metall war mit 43 V, Proz. auf einen noch niemals dagewesenen Tiefstand gefallen. Unter diesen Umständen erschien es auch geraten, nicht erst den Rückflutz im Oktober abzuwarten und davon die lveitere Diskontpolitik abhängig zu machen, sondern man schritt vielmehr sofort am 3. Oktober zu der Diskonterhöhung auf 5 Proz. Wie wenig ausreichend die Wirkung des 5 proz. Diskonts gewesen istz davon legte der �am letzten Donnerstag Metallvorrat.. Wechsel.... Lombard... Steuerfreie Noten.. Steuerpflichtige Noten ..... u � Diese Aufstellung illustriert die bedenklichen Punkte der Situation deutlich und die„Voss. Ztg." fatzt sie ebenso kurz wie zutreffend dahin zusammen: Bei abnorm hoher Anlage ein ungewöhnlich schlechtes Deckungsverhältnis der Noten. Aus diesem einfachen Schlüsse erklärt sich die jetzige erneute Erhöhung. „Hibernia" und Dresdener Bank. Am Donnerstag fand in Hamni die Beweisaufnahme statt, die durch die Entscheidung des dortigen Oberlandcsgerichtcs vom 27. September angeordnet worden war. Das Oberlaudesgericht hatte die Anfechtung des Beschlusses auf Erhöhung des Grundkapitals der„Hibernia" um Ö'/a Millionen Mark für begründet erklärt, falls der Nachweis geführt würde, datz die Kläger— also Dresdner Bank und Genossen— die Aktien, auf Grund deren sie klagten, bis heute in ihrem Besitz gehabt hätten, datz sie also prozessual zur Führung der Klage legitimiert seien. Eine entsprechende Erklärung ist von seilen der gestern vernommenen Zeugen abgegeben worden. Demnach wäre also entschieden, datz die letzte K a p i t a ls e r h ö h u n g der „Hibernia" zu Unrecht besteht. Das formale Urteil in diesem Sinne dürfte das Oberlandesgericht Hamm in einem denmächst an- zuberaumenden Termin erlassen. Gegen die Entscheidung des Ober- landesgerichtcs Hamm steht dann noch den Parteien der Rechtsweg an das Reichsgericht offen. Dresdner Bank und Picrpont Morgan. Direktor Schuster von der Dresdner Bank schlotz persönlich mit dem Bankhaus Pierpont Morgan ein Abkommen, wodurch Morgan mit der Dresdner Bank und ihren wichtigen Zweiginstituten in ganz Europa in eine enge Verbindung tritt. Wie das Berliner„Bureau Lnffan" erfährt, handelt es sich hier um ein Abkommen über die gemeinsame Uebernahme internationaler Finanzgeschäfte durch die Dresdner Bank und die Firma Pierpont Morgan. Weitere Kohlenpreiserhöhungen. Wir haben schon vorgestern über weitere Preissteigerung des rheinisch-westfälischen Kohlen- s y 11 d i k a t s berichtet; es sind nun auch die Preise für B r a u n- kohl e n von den deutschen Braunkohlenuntcrnehmuugcn erhöht worden, und zwar gilt die Erhöhung für neue Abschliisie für das Jahr 1906/7. Die Erhöhung bewegt sich bis jetzt zwischen 2 und 4 M. pro Doppelwagen. Nachdem die böhmischen Braun- kohlenfirmen die Preise durch Ermätzigung der Rabattsätze erhöht haben, dürften die deutschen Braunkohlenfirmen eventuell mit einer weiteren Erhöhung folgen.— Der Absatz an 0 b e r s ch l e s i s ch e n Jndustriekohlen hat, wie man dem„BreSl. Gen.-Anz." mit- teilt, in letzter Zeit eine abermalige beträchtliche Steigerung er- fahren. Die kleinen Sortiniente werden bereits knapp und eS wird für sie voraussichtlich schon in nächster Zeil eine Preiserhöhung ein- treten. Zum Eisenbahnwagenmangel geht der„Köln. Ztg." von„best- unterrichteter Seite", also wohl aus dem Eisenbahnministerium selbst. eine Zuschrift zu, die die auch von uns wiedcrgegebenen Zahlen und Mitteilungen in der letzten Sitzung der Düsseldorfer Handelskammer zurückweisen soll. In der Tat vermögen diese amtlichen Zahlen, ivenn sie wirklich zuverlässiger als die Berechnungen der genannten Handelskammer sind, die erhobenen Beschweren ein wenig zu mildern, aber sie sind, auch nach der Ansicht der gewitz regieruugs- freundlichen„Köln. Ztg.", keineswegs in der Lage, den Beschwerden ihre Berechtigung zu nehmen. Nach diesen neuen offiziellen Zahlen beträgt in den Jahren 1899—1904 die Steigerung des Güterverkehrs 27,25 Proz., der die Eisenbahnverwaltung nur mit 15,03 Proz. durch Vermehrung des Wagenparks gerecht zu werden versucht hat. Das Zahlenmaterial erstreckt sich nur auf die genannten Jahre, wir dürfen aber ruhig annehmen, datz schon im Jahre 1893 der vorhandene Güterwagenpark dem Verkehr nicht genügt hat, da die Klagen über den Gllterwagenmangel viel weiter zurückreichen. Was also in dem besprochenen Zeitraum geschehen ist, ist ungenügend gewesen. Hierüber darf man sich mit Recht, sagt, und wir wiederholen: sagt selbst die offiziöse„Köln. Ztg.", umso mehr beklagten, als die preutzischen Staatsbahnen immer reiche, fortwährend anschwellende Ueberschiisse abgeworfen haben. Für diese Art des Vorgehens, für den Umstand, datz hierbei nicht in erster Linie, wie das der Fall sein sollte, die Bedürfnisse unseres Eisen- bahnverkehrs ausschlaggebend gewesen sind, sondern finanzielle fiskalische Gesichtspunkte, scheint uns die Zahl der in den einzelnen Jahren seit 1898 beschafften Wagen den vollen Beweis zu liefern. 1898 waren es 22 007 Wagen. Diese Ziffer ist trotz des riesig gc- steigerten Verkehrs im Jahre 1903 mit 17 700 Wagen noch nicht wieder erreicht. In den Jahren 1901, 1902, 1903 finden wir die niedrigen Ziffern von 13 610, 11 629, 12 134 beschafften Wagen. Das Kunststück, diese Schwankungen befriedigend zu erklären, wird wohl niemand fertig bringen wollen. Zum Zusamincnschluß in der Zemrntindustrie. Ueber die ani 30. v. M. getroffenen Vereinbarungen zwischen der hannoverschen Gruppe, dem rheinisch-westfälischen Zementsyndikat in Bochum sowie der unterelbischen Gruppe wird der„Voss. Ztg." noch folgendes mit- geteilt: Die unterelbische Gruppe wird geteilt in einen ostlichen und loestlichen Bezirk, welche im grotzen ganzen von der Elbe getrennt werden. In dem westlichen Bezirk der unterelbischen Gruppe wird die Preisfestsetzung gleichmätzig erfolgen, während in dem östlichen Bezirk von der Kommission der Werksvertreter jeweilig den Marktverhältnissen entsprechend den einzelnen Fabriken die verschiedenen Verkaufspreise auf- gegeben werden sollen. Autzerhalb dieser Vereinigungen steht das Portland-Zementwerk„Saturn" in Hamburg, welches mit der hannoverschen und rheinisch-westfälischen Gruppe jedoch Separatabkommen getroffen hat. Abseits vom Wege der Verträge, welche die hannoversche Gruppe am 30. Oktober ab- geschlossen hat, steht nun noch die„Teutonia" Portland- Zementwerk in Misburg, die jedoch gleich„Saturn" sich ebenfalls mit den anderen Gruppen gewissermatzen privatim verständigt hat. Auch das rheinisch- westfälische Zement- syndikat ha� in dem Zementwerk„Elsa" in Beckum einen Outsider, der seine Kreise empfindlich stören könnte. Ist doch an und für sich schon in Rheinland-Westfalen die Lage der im Syndikat vereinten Werke insofern nicht günstig, als der Grotz- Handel in letzter Zeit anscheinend infolge von Disharmonien mit der Syndikatsleitung ausländischen Zement aus Belgien und England, der auf dem Wasserwege billig erhältlich ist, auf- genommen hat. Die Konkurrenz der hannoverschen Werke ist im Rheinlande nunmehr insofern zurückgedrängt, als der direkte Verkehr der hannoverschen Werke mit der rheinisch-westfälischen Kundschaft aufhört und durch eine in der letzten hannoverschen Versammlung gegründete Gesellschaft mit beschränkter Haftung erfolgt, für die nur ein geringes Kapital zur hnndelsgerichtlichen Anmeldling in Aussicht genommen ist. Die KontMttnal-Wahlen. Für den 27. Kommunalwahlbczirk fand am 3. November in Bordes Fcstsälen eine Wählerversammlung statt. Der Stadtver- ordnete Adolf Hoffmann hielt das Referat, in dem er die Gründe darlegte, weshalb die Sozialdemokratie im roten Hause vertreten sein mutz. Eine wahre Leporcllolistc von Freisinns- fänden entrollte er dabei. Auch mit feinem drastischen, aber treffenden Witz sparte er nicht gegenüber jenen liberalen Kam- erschienene Reichsbank- 1 munalwahlheldcn, die noch jetzt darüber klagen, datz nach dem Ein- tritt der Sozialdemokratie ins rote Haus der schöne Donnerstags- Nachmittagsschlaf zum Teufel ging und die darüber jammern, datz sie in den vielen kommunalen Kommissionen nicht mehr unter sich sind und sie nicht mehr als Agitationsklubs der freisinnigen Partei ausnutzen können. Einer der wichtigsten Gründe für das Hinein- gehen der Sozialdemokratie in die Gemeindeverwallungcn sei cS, die Verwalturrgsmaschinerie kennen zu lernen, damit auch nach der Richtung die Sozialdemokratie jederzeit gerüstet sei. Und vieles sei anders und besser geworden bei der Erledigung städtischer Auf- gaben durch Deputationen und Kommissionen, seit die Sozial- demokraten den Herren auf die Finger sehen. Redner führte Beispiele dafür an und zeigte weiter, wie die Kritik der„Roten" im Stadtparlamcnt schließlich doch immer in den Fällen, Ivo wirklich vorhandene Mißstände abgestritten würden, zur Bc- scitigung der Mitzstände führe. Er nahm dabei namentlich Bezug auf die lieblichen Asylgeschichten, bei denen er selbst eine Rolle gespielt hat. Im übrigen entwickelte er verschiedene Hauptpunkte des sozialdemokratischen Kommunalprogramms. Bei Behandlung der Frage der unentgeltlichen Hergäbe der Lehrmittel konnte Gc- nosse Hoffmann folgende Anweisung des Vorsitzenden der Schul- kommission 89-1 an deren Mitglieder mitteilen:„Infolge der grotzen Anzahl Gesuche tum unentgeltliche Gewährung von Büchern) können nur berücksichtigt werden: Witwen mit mehreren Kindern; Familien, wo Vater oder Mutter krank oder arbeitslos sind; Pflege- linder, welche von der Stadt ausgegeben sind."— Das heiße, meinte Redner bitter, datz keine Lehrmittel gegeben werden könnten, wenn bei einer Familie mit 5 oder 6 Kindern der Vater wohl arbeite, aber einen traurigen Verdienst habe. Uns aber werde, wenn wir die Forderung der obligatorischen unentgeltlichen Hergäbe der Lehr- mittel erhöben, immer entgegengehalten, nicht einmal die zur Bc- schaffung von Schulbüchern usw. zur Verfügung stehenden Mittel würden aufgebraucht. Welch jämmerliche Phrase das wäre, zeige der mitgeteilte Vorgang aus der Schulkommission 89z. Bei solchen: Vorgehen sei es allerdings kein Wunder, wenn noch von den bereit- gestellten Summen etwas übrig bleibe.- Seine Darlegungen, die vielfach von lebhaften Zustimmungsäutzerungcn der Versammlung unterbrochen wurden, schlotz Redner nach kritischen Hieben gegen die sich im Bezirk ebenfalls regenden Antisemiten, welche glaubten, die willenlosen Beamten in Scharen zum Wahltisch schleppen zu können, mit dem Kampfruf: Nicht geruht und gerastet, bis der letzte Bezirk der 3. Abteilung von der Sozialdemokratie erobert ist. (Großer Beifall.) In der Debatte traten Barten st ein, Freibitter, Köppen, Kronhagel unter anderem für die Wiederwahl des Genossen Adolf Hoffmann ein, der der rechte Mann sei. Es folgte ein begeistertes Schlußwort Hoffmanns, worauf der Vorsitzende Genosse Zucht eine zum Zusammenfassen der Kräfte anfeuernde Ansprache hielt, um dann die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie zu schließen. )Zus der frauenbenegung. Achtung! Heimarbeiterinnen der Wäsche- und Krawattenbranche! Die nächste Zusammenkunft für den Norden findet Dienstag, den 7. November er., abends 8 Uhr, bei Löwenstein, Stralsunderstr. 26, für den Osten am Donnerstag, den 9. November, abends 8 Uhr, bei Neuser, Heidenfeldstr. 17, statt. Tagesordnung in beiden Zusammen- künften ist:„Was lehrt uns der Streik?" Die Partei- genossen werden gebeten, ganz besonders ihre Fxauen und Töchter auf diese Zusammenkunft aufmerksam zu machen. Sie melden sich! Wenn die Harmonielogik im Widerstreit der Interessen ein Loch bekommen hat, dann fordern auch die Harmonie- apostel— aber das geschieht schlietzlich nur aus Konkurrenzrücksichten gegenüber der freien Organisation. So hielten cS auch die Mata- dore des christl. Gewerkvereins der Heimarbeiterinnen in einer von ihnen im Schweizergarten einberufenen Versammlung. Nachdem man sich über den freien Verband entrüstet, kam an praktischer Forderung, in einer Resolution niedergelegt, dies heraus: Obligatorische Mindcst-Stllcklohntarife für alle Branchen der Bekleidungsindustrie, gesetzliche Einführung von Einigungsämtern, die die Befugnis haben, bei Kouflikten Verhandlungen anzuordnen. Die eventuell gefaßten Beschlüsse sollen rechtsverbindlich sein.— Mit dem Fordern allein ist aber noch nichts getan, ohne Kampf werden die beteiligten Arbeiter und Arbeiterinnen lange warten, ehe ihre Wünsche Anerkennung finden. Resolutionen dieser Art haben, wenn nicht eine kampfbereite Schar gewillt ist, die Tat folgen zu lassen, lediglich papierenen Wert. Man wird ja sehen, was Herr Lic. Mumm weiter macht. Bildungsverein für Franeu niid Mädchen von Steglitz und Um- gcgend. Dienstag, den 7. d. M., bei Grube in Friedenau, Kaiser- allee, Mitgliedcrsammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag; 2. Dis- kussion; 3. Verschiedenes. Gleichzeitig sei hiermit auf das am 11. November im Birkenwäldchen in Steglitz stattfindende zweite Stiftungsfest des Vereins aufmerksam gemacht. Karten sind in der Versammlung und autzerdem bei Wahrendorf. Schlotzstr. 117, Grube, Kaiserallee 83, und im Birkenwäldchen zu haben. Rixdorf. Am letzten Mittwoch hielt der Verein gewerblich tätiger Frauen und Mädchen im Lokal von Thiel seine Mitglieder- Versammlung ab. Genosse Schulte verlas einen Aufsatz über die Massenarniut, ihre Ursache und Beseitigung von Eduard Sacher. Später wohnten die Erschienenen noch einer im Nebensaal stattfindenden Versammlung der HandlungSaugestclltcn bei, in der Fräu- lein Krautz über„Frauenarbeit im Handelsgewcrbe" referierte. Neuaufgenommen wurden sechs Mitglieder. Die Vorsitzende machte noch bekannt, datz der infolge Erkrankung des Herrn Dr. Wollhciin ausgefallene Vortrag über„Chemie der Küche" bestimmt in der nächsten Mitgliederversammlung am 6. Dezember gehalten wird. Die Mitglieder werden ersucht, wieder recht zahlreich zu erscheinen. LoS von der Bevormundung seitens der Prinzipale! Bei einer grotzen Anzahl Vereine weiblicher Angestellter, in denen man bisher unter dem Vorsitz der und ehrcnanitlicheu Leitung der Herren Prin- zipale ein beschauliches, dem Kapital ganz ungefährliches Vereins- dasein führte, ist man mit der Zeit doch zur Erkenntnis gekommen, daß man mit Tee- und Kaffeekränzchen- Organisationen keine Bc- rnfsinteressen wahrnehmen kann. Aus diesem Grunde fand der Gedanke, alle diese Vereine zu einem Bunde zusammen- zu schließen, fruchtbaren Avdcn. Vor einigen Wochen hat denn auch in Frankfurt eine Konferenz der Vertteter der verschiedenen Vereine stattgefunden, welche in der Richtung des geplanten Zusammen- schlusscs vorbereitende Beschlüsse faßte. Unter anderin wird verlangt, datz Geschäftsinhaber den Vorständen des Ortsvercins nicht an- gehören dürfen. Obwohl die Mitgliedschaft von Geschäftsinhabern im allgemeinen überhaupt ausgeschlossen sein sollte, wittert die „Köln. Ztg." in dem Beschlüsse doch eine Gefahr für das bisherige Prinzip der Jnteressenharmonie. Sie fordert die Unternehmer auf. sich auch als Mitglieder und Gcschenkgcber zurückzuzichen. Ganz recht! Organisationen, die vom Uiiternehmerttim finanziell unterstützt werden, sind vollständig wertlos. Je schneller und gründlicher die Säilbernng, desto besser. Arbeiter-Samariter-Koloune. Montag abend 9 Uhr: 1. Abteilung Dresdenerstr. 45. Vortrag über Verletzungen, Wundbehandlung und Blut- slillung. Nach dem Vortrage finden praktische Hebungen statt. Da mit dieicm Vortrage der praktische Teil deS Kursus beginnt, können in allen Abteilungen noch neue Mitglieder eintreten.— Die Lehrstunde der 3.»Ab- teilung findet am Donnerstag in Schöncberg bei Obst, Meiningerstr. 8, statt. Der Lese- und Distutierklub„Mehr Licht" tagt jeden Montag abends 8'/, Uhr im Lokale von Knapp,©rünthalerstr. 5. Montag, den 6. November: Vortrag des Genossen Dr. M. Schütte über die Revolution in Rnfiland. Hülfskasfe der Graveure, Ziseleure und verwandten Berussgcnossc» Berlins tagt jeden 1. Montag im Monat im Restaurant Stehmann, Luisen- User 1, abends 8—10 llhr. Lese- und Diskiilierkliib„Moabit". Montag, den(j. November, bei Bachstcin. Salzivedclcrstr. 16: Sitzung. Thema:.Das Kommunistische Manifest". Gäste wiltkomiiien. Vermifcktes. Die Tätigkeit der„schwarzen Hand". Mord, Entführung von Kindern, Erpressung und andere Berbrechen durch Mitglieder der „schwarzen Hand" und anderer italienischen Geheimgesellichasten in New Dork haben den Polizeipräsidenten Uerantasjt, den Detcktiv- kommissar Pctrosino, einen gebürtigen Italiener, der die Camorra, die Maffia und die anderen italienischen Terroristen genau kennt, mit der Leitung einer besonderen Polizeiabteilung zu be- trauen, die dieser Schreckensherrschaft ein Ende machen soll. Diese Klubs sind teilweise politischer Ärt, zum größten Teil ist ihr Zweck aber, durch Gewalttaten jeder Art Geld zu erpressen. Die Mitglieder sind durch die Bank verkommenes Gesindel, das auf Kosten seiner� arbeitenden Landsleute leben möchte. Die italienischen Gehcimgesellschaften in New Jork zählen mindestens 50(X> Mitglieder,_ die auf Befehl der„Schwarzen Hand" jeden Äugenblick bereit sind, eine beliebige Person zu ermorden, Kinder zu entführen, um Löscgclder zu erpressen, Bomben zu schleudern und Leute» die nicht zahlen wollen, in ihren eigenen Wohnungen umzubringen. Die„Schwarze Hand" ist ein Zweig der italienischen Camorra. Alle anderen Geheimgesell- schaften in New Dork, wie„Die roten Brüder" und„Die Gesell- schaft der Verurteilten" haben sich der„Schwarzen Hand" an- geschlossen. Der Erfolg ist nach amtlichen Berichten folgender: 54 Personen wurden in den vier Monaten vom 1. Juni bis 1. Oktober 1905 durch Sendlinge dieser Gesellschaften getötet oder vcrsiüminelt, sieben Häuser und Läden wurden durch Dynamit in die Luft gesprengt, wobei das Leben von 204 Menschen gefährdet wurde. Ferner wurden über 700 ErpressnngS-Versuche verübt. Znr Ergänzung dieser Mitteilungen werden lange Listen Ermordeter veröffentlicht, bei denen Briefe der„Schwarzen Hand" gefunden wurden. Die WarmingSbriefe, in denen die Zahlung einer bestimmten Sunnne gefordert wird, sind mit Totenschädcln, gekreuzten Beinknochc» und geheimnisvollen Zeichen bcmalt.Sie enthalten dieWorte: „Bereite Dich auf Deinen Tod vor!" Zahlt der so Aufgeforderte nicht, so folgen bei späterer Gelegenheit Messerstiche, Schüsse oder Bomben. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtische» Markthallen-Direktion. Rindfleisch la 64—68 pr. 100 Pfund, IIa 57—64. lila 50-55, IVa 40-48. Kalbfleisch la 83—88, IIa 70—80, Ula 55—68, Hammelfleisch la 63—73, IIa 48—58. Schweinefleisch 68—75. Rotwild Pfand 40—51 Pf. Hasen Stück 3,50—4,00, klein 1,50—3,30. Kaninchen Stück 0,50—1,05. Krämmctsvögel 0,20—0,25 Pf. Rebhühner, junge la 0,80 bis 1,16, junge IIa 0,80—0,90, junge kleine 0,00—0,00, alte la 0,65—0,80, alte IIa 0,00—0,00. Hühner, alte 0,90—1,75, junge 0,75—1,80 das Stück. Tauben, junge 0,40—0,62. alte 0,35—0,46. Enten, junge 2,55. Gänse la, 3,50— 4,00, IIa 2,50—3,50 per Stück, la 0,60—0,63, IIa 0,50—0,58 per Psund. Hechte 77—87 M., Schleie, uns ort. 113, Aale, groß 00—00, mittel 00,00 M. Plötzen 56—60 M. Karpfen 00—00, LachS 00,00 M., Schellfische 20 M., Flunder 21 M. pro 100 Pfund. Schottische Vollhcringe(gesalzen) 36—38 M Krebse, kleine. Schock 00,00 M., unsortiert 0,00 M. Eier, Schock 0,00. Butter pro 100 Psund la 120-124, IIa 114-120, lila 110-114, abfallende 100—110. Kartoffeln pr. 100 Pfd. rote 2,00—2,20, Rosen 0,00—0,00 blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. Schock 400—8,00, Weißkohl 6,00-8,00, Rotkohl 4,00-8,00, Holl. 10—13 M. eaurc Gurken, neue, Schock 2,00. SozialileiiiQkratisclisr Verein (ifflOerLMeMapalreise. Verspätet erhalten wir die Nach» I richt von dem Hinscheiden unseres I treuen Mitgliedes, des Arbeiters Mziin Wistuk Ehre seinem Andenken? 266/3 Der Vorstand. riCTB verw. Bemlsp. Deatselilaiids. Mitgliedschalt Berlin II (Bretterträger u. Breitschneider.) Den Kollegen zur Nachricht, daß unser treues Mitglied, der Kollege Otto Gotenschwäger nach langem schweren Leiden am Freitag, den 3. November er. ver- storben ist. Die Beerdigung findet heute nachmittag 3 Uhr auf dem Heiligen Kreuzkirchhof in Maricndorf statt. Um rege Beteiligung ersucht 22/1 Ter Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Anschläger lMki>KeIm Rabe | gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am , oornitag, den 5. Novbr., nach- I mittags 4 Uhr, von der Leichen- I halle dcS«imconS- Kirchhofes I aus statt. | Rege Beteiligung erwartet 1 154/3 0le Ortsverwaltung. Kranken- und Begränlskasse der Seiiensieder u. Berufsgen. (Eingeschr. Hälfsk. No. 17.) Am 2. November verschied nach kurzem aber schweren Leiden unser ehemaliges Vorstandsmitglied HeinM Bursiau. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung smdet Sonn» tag, den 5. November er.,«ach- mittags 4 Uhr, von der Leichen» halle des Heiligen Kreuzkirchhofes in Mariendorf aus statt. 297/12»vi- Yorntand. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten so- wie dem Verein der Zimmerer, dem Verein„Fahrwohl", dem Wahlverein sür die so liebevolle Teilnahme und Kranzspende bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen Sohnes, Bi n- dcr§, Schwagers und Bräutigams, des Zimmerers Ik«»dv»'t ltivs«!, unseren herzlichen Dank. 2t 3b Die Trauernden. Orts-tMnbkliknsse für das Tapkmrkr-GelUtrbe »n Uei-llii. Donnerstag, den 9. November 1905, abends 8>/, Uhr, im Gewerkschaftshause. Engel-Ufer 15, Saal VII: . Ordentliche- Geueral- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Rechnungsbericht. 2. Bekanntmachung der Beschlüsse deS Bor» standeS. 3. Statutenänderung(? 13). 4. Wahl von 6 Vorflandsmitgbedern (4 Kassenniitglledcr. 2 Arbeitgeber). 5. Wahl des AusschuficS zur Prüfung der JahreSrcchnung. e. Verschiedenes. Ter vorstand. 276/14 I. A.: H. L o b i �. Vorsitzender. Dr. Simmel, 5� Spezialar»! für 29/14« llnnt- iintl llnmluldcn. 10— 2,5— 7. Sonntags 10—12. 2—4, Atizüge nach Halt für Herren >W und lltnaden. Grvsite Auswahl in in- und ans- lündischen Stoffen für Paletots, Anztige. PeinNeider. werden unter Garantie dcS guten Tines zu über. ans billigen Preisen schncllnenS an- gefertigt im Tuch- und Maßgeschäft bei A. Karle. Jnh. H. iScIilUler, iani«». 70 bis 100 Mark, kaust INttrlcb, Qericht«tr«8e». Friedrichsberg. l'Vaiilifartcr- Fernsprccher Nr. 8. Chaussee 5. Jeden Sonntag: Großer Ball gSfBÄ!"MS Jeden ülittwoch: GroBe Soiree derFübrmann-Waide-Sanger. Nachher: Bons haben Gültigkeit."WA Oelkr. Arnhnld. m unsere jterrenpartie? Nach dem romantisch an der Spree gelegenen* Heideschlößchen Hohenbinde!! 8 11. � 11.„Zum Gntenberg." K 11.!z II. 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Die Revolution und die Börse.— Der drohende Finanzkrach.— Die Steigerung der Getreidepreise.— Soll Deutschland unerschwingliche Getreideprcise zusolge der Zölle zahlen?— Die Stockung des Waren- absatzes nach Rußland.— Die bevorstehende lapitalistische Entwickclung Rußlands.— Die Niederlage des Zarismus bedeutet die kapitalistische Entsultung Slsicns. Während wir, die lvir zum gewöhnlichen Plebs gehören, auf die Nachrichten von dem welthistorischen Kampfe zwischen dem Zarentnm und dem russischen Proletariat horchen, während uns das Herz höher schlägt bei den kühnen Entschlüssen der Eisenbahner, der heldenmütigen Arbeiter in Petersburg, Moskau, Odessa, Warschau und Lodz, kalkuliert der Börsianer in Russenwerten, schätzt die Chancen jenes Jämmerlings in Peterhof und seines Schutz- geistes Witte in Mark und Pfennig ab.— Als am 27. Oktober die Nachricht von der Proklamierung des Generalstreiks eintraf, als die Züge ausblieben, als es klar wurde, daß diesmal der blutige Zar die Bewegung nicht mehr im Blut ersticken kann, da ward es „flau" bei den Geldsäcken; es war ein schwarzer Tag, der Freitag vor Ultimo. Als dann die Nachricht kam, dah Nikolaus der Letzte es mit einer Verfassung versucht, gab eS helle Freude in Israel: die „Sicherung der Ordnung" quittierte die Börse mit Steigerung um 2% Proz.— Hoffen wir, daß sie bald Gelegenheit bekommt, an der zarischen Ordnung zu zlocifeln. Ungemein charakreristisch ist indessen, daß an jenem schwarzen Freitag die russischen Ttaatsvapicre tvcnigcr einbüßten, als deutsche Bank- und Jndustrie-Aktien; ja selbst bei den russischen Eisenbahn- Aktien Ivar der Kursrückgang ein erstaunlich geringer. Es ver- lorem: Russische Konsols von 188Y— 2,8 Proz., russische Anleihe von 1902— 1,4 Proz., russische 4'/-Prozent ige Anleihe von 1995 — 1,90 Proz., russische Bahnaktien höchstens bis 3 Proz. Dagegen: Deutsche Bank 3,S Proz., Dresdner Bank 2,5 Proz., Handelsgesellschaft 3 Proz., während bei den deutschen Jndustricpapieren die Rückgänge noch größer waren: Bochumer 5 Proz., Laurahütte 7,25 Proz., Gclsenkirchener 6 Proz.— Die Erklärung dieses Bor- ganges ist vor allem darin zu suchen, daß die russischen Papiere bekanntlich schon seit Jahren nicht mehr dem freien Handel unter- liegen, weil die Russen-Bankcn in Berlin und Paris den Kurs mit russischem Gelde halten. Dagegen hat die Börse in richtigem Instinkt erkannt, daß die politische Umwälzung in Rußland ge- iraltige Wirkung aus das gesamte wirtschaftliche Leben haben mutz; die Spekulanten beeilten sich daher, Papiere abzustoßen, die— wie die Aktien der deutschen Banken und der Montanwerke— in Spekulationsobjekten über den reellen! Wert im Kurse gestiegen waren. Eine Frage, die sich jedem Denkenden aufdrängt, ist jetzt: wie lauge werden die Russen-Bankcn noch das Spiel treiben können, wie lange werden sie„intervenieren" können, um die Kurse der russi- scheu Papiere zu halten? Der letzte Ausweis der russischen Staats- dank vom 29. Oktober zeigt em höchst bedrohliches Bild: Einem Goldbestand von 1143 Millionen Rubel steht eine Gesamtnoten- e Mission von 1179 Millionen Rubel gegenüber rmd der. Staat schuldet der Bank 29 Millionen Rubel.— Ein solches Verhältnis bedeutet für die russische Staatsbank bereits das Eingeständnis eines Defizits. Allerdings schulden andere Staaten den Notenbanken sehr oft große Smnmen, ohne daß darin eine Beunruhigung für die Staats- gläubiger erblickt wird. Indessen ist hier das Verhältnis ein durch- aus anderes. Die Bank von Rußland ist. nichts iveitercs als eine Staatskasse; wird der Staat Schuldner der Bank, so heißt das ein- fach, daß er nicht imstande ist, seine Zahlungen zu leisten, ohne den Goldbestand anzugrcifcu. Das Papiergeld ist nicht mehr voll ge- deckt, es fehlen 17 Millionen, und unter Anrechnung der Schuld fehlen 37 Millionen. Die Guthaben des russischen' Staates im Auslände dürften indessen jetzt bereits verschwunden sein. Warum es dazu kam. ist sehr klar: die neue Anleihe/die dazu dienen sollte, das Lock? zu stopfe», ist nicht zustande gekommen, und — da der Zar seit langer Zeit schon von Schulden lebt, so klafft eben jetzt dieses Loch so deutlich, daß keine Schiebung in den Büchern es verdecken, kam,.— Herr Martin schreit, daß bcr_BanIrott_M Rußland drohe, Fürst Bülow läßt ihm den Mund stopfen, die Tatsachen aber sprechen um so lauter. Unter diesen Umständen muß über kurz oder lang der Zeit- Punkt eintreten, wo die Russen-Banken nicht mehr imstande fein werden, die Jnterventionskäufe fortzusetzen, waZ einen um so jäheren Sturz des Kurses herbeiführen würde. Ter Zarismus lebte bisher von der Einfalt der französischen Kleinbürger: diese guten Leutchen kennen nur ein Evangelium— den Kurszettel; solange dort der Kurs der russischen Papierchen sich hält, fühlen sie sich sicher und halten ihren Besitz an diesen Papieren fest. Wehe aber, Ivenn er ins Wanken kommt I Daun werden diese'Gläubiger ebenso Plötz- lich den Glauben an Nikolaus verlieren, wie sie ihn an Faluzot verloren, und die Börse dürfte etwas erleben. Daß man alles versuchen lvird, einer solchen Katastrophe vorzubeugen, ist klar. Es handelt sich dabei nicht um Nutzland, sondern um die Kapitalsmachk Frankreichs und zum Teil Deutschlands, Belgiens, Hollands; in allen diesen Ländern würde ein Run am Russenmarkt den Ruin verschiedener Banken herbeiführen, ja eine Geldkrise von noch nicht dagewesener Gewalt hervorrufen. Es stehen eben Werte von 19 Milliarden Markt— soviel beträgt die im Auslande unter- gebrachte Schuld Ruhlands— in Frage. Daß also sowohl die Hoch- finanz als die Staatsregierungen Grund haben, einen solchen Run zu verhindern, ist sicher, die Frage ist nur, ob sie es zustande bringen. Nicht minder wichtig als für die Fondsbörse sind die Ereignisse in Rußland für den Warenmarkt. Vor allem kommt der Getreide- markt in Frage, und zwar ganz besonders der deutsche Getreide- markt. Rußland ist eben der Hauptlieferant für Roggen, Hafer und Gerste, und hält bei der Wcizenlieferung den Vereinigten Staaten die Wage. Kein Wunder also, wenn an jenem schioarzen Freitag die Berichte vom Getreidemorkt lauteten:„Erregte Haltung",„sprunghaft steigende Preise". Es lagen zwar Angebote aus Rußland vor, aber man traute den Dingen nicht, weil man sich mit Reckst sagte, daß die russischen Exportcure wohl den guten Willen haben, zu verkaufen, aber sicher nicht werden liefern können. In der Tat sind denn auch die Getreidelager in Berlin ungewöhn- lich gering, ganz besonders in Roggen.. Nach der Aufnahme vom 1. November waren nur 1824 Tonnen am Lager, gegen 11 139 im vergangenen Jahre, 4699 am 1. November 1994 und 3663 am gleichen Datum 1993,— Der Roggenpreis war dementsprechend am 27. Oktober 163 M. per Tonne. Das ist ein Preis, wie er seit dem Notjahr 1891 überhaupt nicht mehr vorgekommen ist. Dabei rechnet die Börse nicht mit einem Rückgehen des Preises, denn die Notierungen für Mailiefenmg waren noch wesentlich höher, nämlich 171 bis 173 M. Der Preis für sofort lieferbare Ware ging dann etwas zurück bis auf 166,59 M., der Preis für Mailiefernng auf 172 M. Die tatsächliche Situation in Rußland ist nun die: Alle Nach- richtenüberdasErnte-Ergcbnis lauten geradezu trostlos und esstellksich heraus, daß die Rcgierungsberichte noch viel zu günstig gehalten waren, wenngleich mau sich diesmal kaum getraute, die bekannte Schönfärberei zu treiben. Während aber die Bauern jetzt schon in den von der Mißernte betroffenen Gouvernements hungern, lagern auf den Bahnstationen große Mengen Getreide, die infolge der heil- losen Wirtschaft, des durch den Krieg verursachten Wagenmangels nicht nach den Häfen befördert werden konnten. Bekanntlich hat noch keine Mißernte den Zarenstaat verhindert, Getreide zu cxpor- tieren. Im Hungerjahre 1898/99 exportierte Rußland immer noch 56 Millionen Zentner, nahezu den achten Teil seiner Ernte, und im Hungerjahrc 1892/93 32 Millionen, mehr als ein Zehntel der Ernte. Der Bauer stirbt am Hungertyphus, aber der Großgrund- besitzer bringt das Getreide an den Markt in Berlin und London. Es fragt sich aber, ob das russische Volk jetzt, wo es die Ketten zerreißt, sich diesen Zustand wird gefallen lassen, es fragt sich, ob nicht in nächster Zeit die hungernden Bauern die Speicher der Gutsbesitzer und die Lager an den Bahnhöfen leeren werden. Jedenfalls müßte die erste Aufgabe einer nicht qutokratischen Re- gierung sein, daß sie unter allen Umständen die Grenzen für die Ausfuhr von Getreide sperrt. Denn die Pflicht einer Regierung, die nicht von Banditen ä la Witte geleitet wird, mutz sein, der Hungersnot zu steuern. Die Getrcidezufuhr Deutschlands wird in diesem Falle von anderen Ländern bestritten werden, wie das der Fall war 1891/92 und 1898/99, aber naturgemäß müssen infolge des Ausfalles der russischen Produktion die Preise steigen, wie in jenen Jahren. ���In��ier�rmi�sw��nn���ra�e�auf�Söl�da�deutst� Volk sich unter solchen Umständen wirklich die Erhöhung der Zölle gefallen lassen? Es ist die höchste Zeit, diese Frage in den Vorder- grund des politischen Interesses in Deutschland zu stellen, denn wir gehen einer Kalamität entgegen, einer Teuerung, gegen die die Csteischnot nur ein gelindes Vorspiel ist. Eine fernere Folge der Ereignisse in. Rußland ist die Stockung des Importe? und Exportes von Industriewaren. Auch hier wird Deutschland am empfindlichsten getroffen. Rußland rangiert an dritter Stelle unter den Staaten in bezng auf den Wert seiner Ein- fuhr nach Deutschland und an sechster Stelle in bezng auf die Aus- fuhr Deutschlands. Der Wert der Einfuhr aus Rußland schwankte in den letzten Jahren zwischen 799 und 899 Millionen Mark und machte im Jahre 1994 nahezu 12 Proz. der gesamten Einfuhr aus; der Wert der Ausfuhr nach Rußland schwankt zwischen 315 und 499 Millionen Mark und betrug im verflossenen Jahre 5,9 Pro;. der gesamten Ausfuhr Deutschlands. Hat schon der Krieg und die durch ihn gezeitigte Krise dem Handel zwischen den beiden Ländern getoaltigen Schaden gebracht, so ist jetzt dieser Schaden womöglich noch größer, da unter allen Umständen die Verkehrsstockung zahlreiche Bankrotte in Rußland nach sich ziehen muß. Dazu kommt noch ein Moment von nicht zu unterschätzender Wirkung: Der Handels- verkehr mit Rußland begann in letzter Zeit sehr lebhaft zu werden, weil man hüben und drüben bestrebt war, möglichst die Waren über die Grenze zu bringen, bevor die neuen Zollsätze in Kraft treten. Selbst also, wenn der Generalstreik in Rußland in nächster Zeit beendet werden sollte, würden große Verluste kaum zu vermeiden sein. _ Die kapitalistische Presse ist natürlich sofort mit den bekannten Beschwichtigungen bei der Hand: Es ist zwar sehr betrübend, was wir erleben, aber die— natürlichen Grundlagen des Reichtums in Rußland... und so weiter.— So weit man mit diesen abge» standencn Phrasen die Gläubiger des russischen Staats beschwichtigen will, ist das ein gefährliches Beginnen. Die Herrschaft der Bourgeoisie kann in Rußland ebensowenig Wunder bewirken, wie in anderen Ländern, weder Witte noch sonst ein Finanzkünstler wird das Kunststück fertig bringen, den drohenden Zusammenbruch der Finanzen aufzuhalten, und diese Katastrophe scheint unvermeidlich. Dagegen ist sicher, daß mit der Befreiung vom Drucke des Despo- tismus, von der Korruption, von der unsäglichen Ausbeutung des Volkes bei einem nichtswürdigen System die produktiven.Kräfte Rußlands sich gewaltig heben, würden. Je gründlicher mit der despotischen Regierung aufgeräumt wird, desto sicherer und größer ist dieser Erfolg. Und wie Teutschland jetzt in erster Linie die wirtschaftlichen Schäden bei der Abrechnung zwischen dem russischen Volke und dem Zarismus empfindet, so würde infolge der natürlichen Entwickclung der Handesbcziehungcn Deutschland in Zukunft den größten Nutzen aus dem wirtschaftlichen Aufschwung Nußlands ziehen, wenn nicht eine hirnverbrannte Handelspolitik der deutschen Regierung durch den neuen Zolltarif hier ein Hindernis errichtet hätte. Ein neuer gewaltiger Aufschwung, das ist die zu erwartende Folge der politischen Umwälzung in Rußland. Dieser Aufschwung wird verstärkt werden durch die Entwickclung, die in Asien bevorsteht. — Nicht nur der Sieg Japans� ist in dieser Beziehung von größter Bedeutung, sondern ebenso der Sieg des russischen Volkes. Japan hat dem Zarenstaate eine schwere Niederlage beigebracht und hat da- mit ein Hindernis für die Entwickclung Asiens beseitigt. Die zarische Regierung spielte von jeher in Asien die Nolle des Hundes auf dem Heu, der nicht frißt, aber auch andere nicht fressen läßt. Es war nicht daran zu denken, daß russisches Kapital, russischer Unternehmergeist in der Mandschurei, in Korea, in China in Persien sich betätigten, und deshalb begnügte sich die zarische Mplo- matie damit, anderen Mächten den Weg nach diesen Ländern zu versperren. Das zarische.Rußland wollte Asien unterjochen, es konnte ihm Zivilisatorisch nichts geben, nicht einmal die kapitalistische Kultur. Das neue Rußland wird um so weniger Expansions- Politik treiben können, je größer der Sieg des Volkes, je dcmokrati» scher die errungene Verfassung sein wird. Dafür aber wird dieses neue Rußland ziveifcllos mit der bisherigen Politik brechen, die im wesentlichen darin bestand, die reaktionären Kräfte in den asiatischen Staaten zu stützen es wird ein Faktor der Zivilisation werden, im eigenen Interesse. Diese Entfaltung Rußlands und des ganzen asiatischen Kon- tincntcs wird vorerst dem Kapitalismus zugute kommen; eine neue Welt ist für das Kapital zu erobern. Aber es wird dann seine letzte Eroebcrung sein, weil gleichzeitig die Kräfte geboren werden, die ihn vernichten müssen. I. B. M. dier-Plate 8.[2Ub 350 M. Darlehen sucht Parteigenosse. Absolute Sicher» heit und Verzinsung. Zu erfragen in der Expedition deS.Vorwärts". Möbel, je WohuungS- Einrichtungen e einzelne 2ttiite äußerst billig. iigeue Tischlerei-«»erkftatt. ah* Ssrlin 0., s41L5L» ICilT, Petersburgers« raste««. J. Baer BällStriß.Piinz�Allee Herren- und Knaben- Moden, Berufskleidung. I Elegante Paletots und Moppen, GroBes Lager sin- und ausländischer Statte, zur Anfertigung nach MaB. 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Nachm. 3 Uhr: 4. Abteilung im Schiller-Thcater Ik.: Fuhrmann Henschel. Nachm. 3 Uhr: 7. Abteilung im «chiller-Theatcr 0.: Der Traum ein Leben. Nachmittags S>/, Uhr: 1. Abteilung im Deutschen Theater: Das Käthchcn von Hcilbronn. Anfang 7'/i Uhr: Neues köuigl. Operntheater. Wie die Alten fungen. Nachmittags 2 Uhr: Gustav Adolf. Montag: Geschlossen. Opernhaus. Margarete. Montag: Der fliegende Holländer. Schauspielhaus. Der Schwur der Treue. Montag: Die Journalisten. Neues. Ein Sommcrnachtstraum. Montag: Dieselbe Vorstellung. Westen. Die Zaubcrslötc. Nachmittags 3 Uhr: Der Zigeuner- baron. Montag: Die Zauberflötc. Deutsches. Das Käthchen von Hcilbronn. Montag: Kammersänger. Die Neuvermählten. Berliner. Kiwito. Nachmittags 3 Uhr: Andalosia. Montag: Kiw�p. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner»Theater.) Wilhelm T-ll. Nachmittags 3 Uhr: Der Traum ein Leben. Montag: Der Vcilchensrcsser. Schiller Zi.(Fviediich Wilhelm- städtisches Theater). Der Veilchcn- fresser. Nachmittags 3 Uhr: Fuhrmann Henschel. Montag: Der Traum ein Leben. Lessing. Stein unter Steinen. Nachm. 3 Uhr: Roscnmontag. Montag: stein unter Steinen. Zentral. Die Geisha. Nachmittags 3 Uhr: Der Bettel- student. Montag: Die Geisha. Nachmitt. 5 Uhr: Prinzeßchen Gold- traut. Residenz. Der Prinzgemahl. Nachmittags 3 Uhr: HerkulcSpillen. Montag: Der Prinzgemahl. Kleines. Das vierte Gebot. Nachmittags 3 Uhr: Der zerbrochene Krug. Montag: Hidalla. Drianon. Der letzte Troubadour. Nachm. 3 Uhr: Madame Torcra. Montag: Der letzte Troubadour. Lustsptelhaus. Die heilige Sache. Stachmittags 3 Uhr: Biederlcute. Montag: Die heilige Sache. Thalia. Bis sriih um Fünse! Nachmitt. 3'/. Uhr: Charlchs Tante. Ntontag: Bis früh um sünse! Carl Weiss. In Berlin ist was los. Montag: Dieselbe Vorstellung. Luisen. Faust. Nachmittags 3 Uhr: Pcch-Schulze. Montag: ie-imson. Deutsch- AmeriknuischeS. Aber, Herr Herzog! Nachmittags 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Montag: Aber, Herr Herzog l SVetropol. Aus— ins Metropol! Montag: Dieselbe Vorstellung. Kasino. Das Opserlamm. Nachm. 4 Uhr: Der Adelsnarr. tNontag: Das Opserlamm. Apollo. Frau Luna.— Speziali- täten. Nachm. 3 Uhr: FrühlingSIust. Montag: Frau Luna. Walhalla. In Lebensgefahr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Herrnfeld. Der Familientag. Montag: Der Familientag. Wintergarten. Anne Dancrey. Otero.— Spezialitäten. FolieS Caprices. Nach dem Zapsen- streich. Soll und Haben.— Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Rrichshalleu. Stcttiner Sänger. Passage. Spezialitäten. Ilrniiia. Tauvcnslrasje 48/49. Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Montag 8 Uhr: Spelterinis Alpen- und Wüstcnfahrteii im Ballon. Sternwarte, Jnvalidenstr.>57/62. Täglich geöfinei von 7 bis 1 Uhr. Urama T"'"° str. 48/49 8 Uhr: loi Lamie iler MmMM. Montag 8 Uhr; Spelterinis Alpen- und Wüstenfahrten im Ballon. Sternwarte Berliner Theater. Charlottenstraße 90/92. Nachmittags 3 Uhr: Andaiosia. Abends 7'/, Uhr: Kiwito. Lustspiel in vier Akten von F. Bonn. Montag: ItiHvIto. Neues Theater. Ansang l'/j Uhr. Li!» Scnuneniachtstrautn. Morgen u. solgende Tage: Ein Sommernachtstrauin. Tentrai-T'keater 3 Uhr in erster Besetzung: SM?" Der Bettelstudent.-MS ""TlbcnW 7Vi Uhr: Cieintaa. VCASTANS ANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Joels Traum. !! Pompeji!! Die Ehre de» Vaters! Restaurant; Original Nürnberger Sänger. Berliner Aquarintn Unier den Linden 68a Eingang Sohadow-Straße No. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis: W 50 Pfg. im Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc. 53/20 Kleines Theater. Nachm. 3 Uhr t Die Lore. Hieraus: Der zerbrochene Krug. »Abends 8 Uhr: Das vierte Gebot. Montag: Hidalla._ Luisen-Theater. Nachmittags: Pech- Schulze. AbcndS: Faust. Montag: Simion. Dienstag: Veilchensresser. Mittwoch zum erstenmal: Hamlet. .Donnerstag: Simson. Freitag: Faust. Sonnabend: Der Mann im Monde. Trianon-Theater. Zum erstenmal: Der letzte Troubadour. Lustspiel in 3 Akten von Fred Gresac und Pierre Zeder. Deutsch von Alfred.Halm. Anfang 8 Uhr. «>/, Ilhr: Die 0>/, Uhr: neue» Attraktionen des November-Prooramma mit WM" Wlle. Ocberio"Mg Cliunteaae fantasttlqac. Vorher 8 Uhr: Frau liiina von Paul Lincke. Sonntag, 5. Nov., nachm. 3 Uhr: Erttlilliig;»lnfl u. Spezialitäten. Melropol-Theater Zum 58. Male: II Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen in all. Räumen gestattet. _ Anfang'/,S Uhr._ Lustspielhaus. Nachm. 3 Uhr: Bicderlcnte. A b e n d S 8 U h r: Die heilige Sache. Bernliard Rose-Theater Gcsundbruiiiicn, Badslratze 58. Heute nachmittag 3 Uhr bei volkstümlichen Preisen: Berliner Kinder. Abends 7 Uhr: Gemonnrne Herzen. Vorvcrkaus von 10—1 Uhr an der Theaterkasse. Montag, den 6. November, abends 8 Uhr: llte kdasclunenliausr v Berlin. Gustav Belireus Spezialiläten- Thsalep Frankturter- _ Allee 85. Allnbendlich kolossaler Beifall! Wittitl Fitiker. GusuiÄns. Berliner Droschkenkutscher; Albert Rnwich. Elektr. Strastenbahuer: »Will» Sandel. 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Hcopold Hlrschberg, ----- Dozent für Musik-Geschichte an der Humboldt-Akademie.= 1. Das Volkslied im Altertum. 2. Der Minnesang und Meistersang. 3. Das Volkslied des Mittelalters. 4. Verfall des Volksliedes; die Kanapee- und Perückenzeit. 5. Wiederaufleben des Volksliedes in der Neuzeit. Eröffnung 6 Uhr. � Beginn 7 Uhr. ♦ Eintritt 30 Pf. inklus. Garderohe. JS? J57 jÖ? Nachdem: X A N Z» � � Billotts sind in der Schule, bei Morsch, Engel-Ufer 15, Gottfried Schulz, Kottbuser Platz, Vogel, Demminerstr. 31, sowie an der Kasse zu haben. Zirkus Albert Schumann Heute nachm. S'/s Uhr u. abends 7'/, Uhr: Nachm. aus allen Plätzen ohne Aus- nähme ein Kind frei. Jedes weitere Kind unter 10 Jahren halbe Preise außer Galerie, abdS. jed. volle Preise In beiden Vorstellungen nachmittags und abends: Das Sensations-Pro- gramm, u. a.: Neu! itfslliv Ha!e der Mann mit dem Wunder-Globus. Neu! Iho Wally Hoste Trio. Neu! Miß Francis, die Reifenkönigin. Neu! da Pesse Romaine. Ferner: Die phänomenalon John u. Louis Bollers mit dem Todes-Saltomortale mit dem Zweirad. Die grögte und sensationellste Attrak- tion der Gegenwart: Die ykeilixen Lkunckusen Zauberer und Gaukler aus Mukden. Die vorzügliche Javancrtruppc. DaS einen halben ytaftale schlapie Pferil. In beiden Vorstellungen zum Schluß: Der Tag des EEn�Hscben Derby. Montag: Gala-Sport-Vorstellung. zggzxszam Berliner volks-Lhor (Dirigent: Dr. E. Zander). Montag, den 6. November 1905, abends 8 Uhr. in der Jfenen Welt, Hasenheide 108—114: Die Jahreszeiten. Oratorium von J. H a y d n. Mitwirkende: Frau Herr Hofopernsänger Herr Rosa Ettinger □ Rudolt Jäger □ Anton Sistermans (London).(Dresden).(Berlin). Das auf 50 Musiker verstärkte Heue Tonkiinstter-Orctiester Der 3 Berliner Volks-Chor (ca. 800 Mitglieder) Einlaßkarten zum Preise von 70 Pf. 1(inkl. Garderobe)== sind zu haben im Verband, bureau der Konditoren, Brunnenstraße 30; bei Erbe, Restaurant, Hasenheide 9; Gottfried Schulz, Zigarrenhandlung, Adrairalstr. 40a; L. Tolks- dorf, Restaurant, Görlitzerstr. 58; Böttcher, Zigarrenhandlung, Zossenerstr. 30; Konsumgenossenschaft, Arndtstraße 5; Morsch, Zigarrenhandlung, Engel-Ufer 15, Gewerkschaftshaus; Löwenberg, Zigarronhandlung, Neue Schönhauserstr. 18: R. Thomas, Restaurant, Gartenstr.711; E. Beyer, Zigarrenhandlung. Veteranenstr. 13; Partei- Spedition, Geibelstr. 42; Werlheim, Leipzigerstraße; Rühle, Mus.-Handl., Moritzplatz; Bickhardt. Buchhandl., Rixdorf, Bergstr. 13; Philipp 4 Sohn, Mus.-Handl., Rosen- tbalerstraße 40, am Hackeschon Markt; und bei den Unterrichts-Abenden der Arbeiter-Bildungsschule. ===== An der Abendkasse erhöhter Preis.< Her Vorstand. 66/4 I. A.: K. Heimann, Fidicinstr. 18. Brunnenstr. 17/18. Veteranenstr. t/2. - ♦- Um ri eifachen Wünschen unserer Kundschaft zu entsprechen, verabfolgen wir auch Sßotitag, Dienstag »a lYIittwoch bei einem Einkauf von 5 Mark an Photographie-Bons gratis. Stadt-Tlieater Moabit All-Moabit 47/49. 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Menschon aus einem Marino- Geschütz. 4 Socurg Atletas. 10 dressierte Elefanten. In beiden Vorstellungen: exiko Große Ausstattungs- Pantomime aus dem mexikanischen Pflanzerleben. Besonders hervorzuheben; Der höchstkomische Bärenrutsch und die vorzüglichsten Pro- gramm-N Ummern. H Gebrüder errnfeld- Theater. Zum 2. Male die Novität: rWilienlsg im Hause Prellstein. Komödie in 3 Akten von Anton und Donat Herrnfeld. Mitwirkende Darsteller: Angelika Frey, Frida Levermann, Carla Mutzbauer, Else Gressin, Käthe Dreher, Julie Loibl-Hahn, Joseph Aschinger, Jacques Morway, Jacques Glaser, Ernst Groß, Jos. Engler, Eugen Meutert, Rieh. Goltz, MaxZilzer, Fritz Ruß, HugoDöblin, Bernd. Foerster, Paul Hierson, Albert Blumenreich. Ferner: Honat llerrnfcld als „Esau Prellstein". Anton Herrnfeld als „Winkelkonsulent Schestak". Ans. 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr (Theaterkasse). Residenz-Theater. Direhtton: Richard Hlcxander. Heute und solgende Tage 8 Uhr u» Der Prinzgemahl. 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Aus Listen: 19ZS 9,80, 1939 8,40, 1940 8,90, 1941 9,65, 1942 6,—, 1958 34,30, 7714 4,70, 7723 1,70, 7725 2,35, 7736 1,20, 7738 6,—, 7756 4,25, 9652 8,25, 9653 1,90, 9654— 90, 9656 4,95, 9657 Arbeiter vom Mcssingwerk Marienseldc, 2. Rate 16,55. Zentraloerband der Maurer, Zweigverein Berlin(Sektion Putzer), C., Rosen. thalerstr. 57. Aus Listen: 3197 4,30, 3196 10,—, 3195 5.—. 3194 7,50, 3192 2,—, 3191 5,50, 3186 4,—, 3185 3,—, 3183 3,50, 3179 2,50, 3176 2,—, 3173 7,—, 3171 9.—, 3158 3,65, 3156 2,50 3137, 18,50, 3130 10,50, 3127 9.—, 3125 3,50, 3123 4,—. 3121 2,50, 3119 6,50, 3110 5,—. 3099 2,—. 3096 9,10, 3095 9,50, 3088 17,20, 3078 2,.50, 3053 20,50, 3052 2,50, Summe 194,25. Liste 8584 10,90. Liste 8586 7,80. Liste 8582 17,15. Bureauangeslellte einer Elektrofirma 7,—. Listen 3425/26/30 d. Engert 21,95. Liste 11597 5,—. Liste 8305 Technisches Personal des Residenz- Theaters, 2. Rate 13,30. Liste 6865 d. Lenz 2,20. Listen 3962—64 d. Lenz 17,55. Liste 8836 4,—. Liste 9568 Tischlerei Jaratsky, Oranicnstraste, außer einem Bildhauer 15,40. Durch Beyer 10,95. Liste 11627 Werkstatt Thoms, Landsbergerstraße 7,50. Liste 5751 10.—. Liste 6819 d. Peter 5,35. Liste 7606 13,40. Liste 7539 Kollegen von Puls, Seegefeld bei Spandau(Gießerei) 15,70. Liste 11786 d. Streich 6,75. Liste 3389 d. Behrenbcck 5,65. Liste 3392 dito 1,50. Liste 4424 dito 13,15. Lit e 4425 dito 1,20. Liste 4426 dito 13,85. Liste 5752 dito 8,15. Liste 5759 dio 2,50. Liste 5760 dito 1,50. Liste 5762 dito 3,90. Liste 6806 dito 4,90. Liste 6807 dito 10,80. Liste 6820 dito 4,60. Liste 6822 dito—,50. Liste 9899 dito—,50. Möbelfabrik Weise, Box- hagenerstr. 8,—. Listen 4761/62 Zuschneider-Vereinigung durch Kulkc 42,60. Liste 1991/92 d. Stenge 14,65. Liste 8946 d. Hein 6,75. Liste 6108 Abteil. Adreßbuch, Scherl 25,50. Vom Zentralverband der Steinarbeiter, Berlin I 51,55: aus Liste 8496 1.—, Liste 4933 13,80, Liste 8472 3.—. Liste 8488 8,30, Liste 8489 4,90, Liste 8492 2.—. Liste 8495 18,55. Listen 8034, 8035, 8038 durch D. Klein, Grünau 27,85. Liste 8517 5,—. Liste 4653 durch Schladitz 20,70. Liste 7566 durch Schilke 3,05. Vom Verb. d. Buchbinder aus Listen: 7817 20,20, 7857 20,35, 7827 6.—. Vom Gcsangv. Buchbinder-Männerchor.Solidarität' u. Muftkverein.Harmonie', Ueberschuß v. d. Matinee 243,90. Durch Frille aus Listen 4297, 11275. 11259 22,35. Liste 8872 3.—. Liste 7783 7,75. Liste 7734 7,10. Liste 7787—.50. Liste 3908 3,55. Liste 3900 1,20. Liste 3899 9.—. Liste 3905 d. W. Wcigandt, Boyen- straße 31,70. Liste 3903 15,65. Liste 3893 21.—. Liste 3906 5,45. Liste 3902 8,50. Vereinigung der Maler. Aus Listen: 1135 15,20, 1139 10,—, 1140 6,25, 1174 3,65, 1190 12,65, 1191 10,65, 1195 2,30, 1196 3,50, 1198 11,80, 1199 7,—, 1201 7,05, 1202 6,50, 7422 9,60, 7423 1,—, 7424 0,50, 7430 6,70, 7412 4,95, 7413 6,50, 7439 4,50, 7440—7442 0,90, 7444 1,25, 7445 3,30, 7447 3,25, 10025 3,60, 10029 0.95— 143,55. Liste 3901 47,80. Liste 4301 Eisengießerei Seeger, Müllerstraße 13,40. Liste 2618 Diener von Peel u. Cloppenburg 3,75. Liste 11389 4,—. tzülssarbeitcr des.Vorwärts', Rotationssaal. 3. Rat« 10.—. Liste 3693 10,15. Listen 1655 und 1656 10,90. lüfte 7580 2,20. Liste 6424 2,50, Liste 6527(darunter 6,75 von den Mitgliedern des Lotterievereins.Immer Hoffnung", Heidenseldstraße) 12,40. Vom Gew.-Kartell Rummelsburg aus Listen: 430 1,20, 7879 2,50, 7375 7,55, 7076 1,90, 470 2,80, 483 1,50, 485 1,—, 7902 8,40, 7910 8,40, 516 8,20, 447 3,80, 427 14,50, 428 7,60, 7878 7,25, 432 5,70, 512 1,—, 429 4,50, 7880 1,90, 7903 3,80, 424 3,50, 448 0,50, 426 3,80. Summe 101,30. Bereits quittiert 765,75. Gesamt 867,05.— Vom Rauch. klub.Vergißmeinnicht', Hermann, Retchenbergerstraße 15,—. Liste 3769 d. Albert Schröder 1,35. Bon der Kommission der Gewerkschaften Zehlendorss aus Listen: 8033 10,—, 8031 2,40, 8030 12,30, 8029 2,20, 8028 0,50, 8027 9,90, 8026 0,50. 8025 1,40, 8024 5,45, 8022 13,—, 8021 14,30, 8020 3,—, 8019 5,95. Liste 3339 Arbeiter von Fleck u. Söhne, Reinickendorf 21,25. Liste 1078 Arbeiter der Firma Flohr, Ehausscestraße 82,25. Listen 5294/97/99 u. 5300 durch R. Heinrich 12,—. Liste 10539 2,50 durch Jacobsen Liste 5039 d. F. K. 31,60. Liste 5040 d. N. 31., Johannis. thal 11,65. Listen 9371— 76 Arb. der deutschen NilcS-Werke, Ob.-Schöncw., II. Rate 110,70. Liste 9409 durch P. V. 9,15. Liste 3884 ges. vom Gastwirt E. Ramm 6,40. F. R. 1,50. Liste 5462 9,20. Liste 8921 7,50. Liste 8514 d. Lange 0,50. Liste 8515 Arb. der Ambroin-Werkc, Wollankstr. 9,55. Listen 8512/13 d. Lange 4,—. Liste 10 672 Putzer vom Bau Wielandstr. durch Janisch 5,50 Liste 10 673 d. Maus 4,30. Liste 6540 3.20. Liste 7296 und 9333 d. Bahn 1,10. Liste 7295 d. Bahn 6.—. Liste 7288 d. Bahn 5,25- Liste 9335 Arb. d. Kunstschmiede Vchse u. Korth 8,—. Liste 7297 d. Bahn 3,15- Liste 7282 d. Bahn 6,35. Liste 7298 3,50. Listen 1060-62(darunter Schirmsabrik A. Daus 12,80) 37,75. Liste 9229 1.—. Vom Verein der Chemigraphen(darunter aus Liste 6044 v. Buchdrucker-Personal d. Firma D. Veilchenseid 13,35) 261,—. Listen 3724/25 Verband der baugewerblichen Hülssarb. 15,55. Listen 4041, 4058, Verb. d. Töpser 9,50. Durch Maus v. L. 12,50. Liste 2176 d. Verb. d. Handlungsgehüffen 23,45. Liste 11434 d. R. Reifert 4,-. Listen 7993/94 d. Köhler, Dtsch.-Wilmersdors 25,90. G. V., Bukarest 66,—. Verband d. Glaser, Zahlstelle Kattowitz 1,40. Vom Gew.- Kartell Nowawes-Reuendors 253,15. Liste 8931 12,50. Liste 8762 v. d. Arbeitern d. Schlosserei und Schmiede d. Wag.- Fabrik F. G. Dittmann 29,70. Liste 8763 2,90. Liste 9965 ges. d. Walter Jacob 4,—. Liste 3691 durch Gaida 11,75. Listen 1271, 1239, 1253, 1268, 11647: 12,35. Liste 6110 Buchdruckpers. von May stein 2,70. Liste 9719 21,30. Durch Klußniann aus Listen: 9135 9,—, 9118 5,45. Liste 9137 Arb. v. Westphal u. Neinhold, Süduscr 21,55. Desgl. Liste 9136 15,40. Liste 9153 Arb. v. Ebel u. Lohmann, 4. Rate 16,45. Liste 9145 Arb. v. Haake u. Millarg, Goßlcrstr. 15,25. Liste 9106 Kollegen der Firma Imme u. Löbner, Wasscrtorstraße, 2. Rate 15,65. Liste 9124 Arbeiter der illletallurgie Hollmannstraße 5,—. Liste 9123 5,60, Liste 3943 26,65. Liste 3945 4,-. Liste 3944 Perl. v. Fricdländcr u. Joseph. söhn 8,50. Metallarbeiter- Verband(chirurgische Branche) 2. Rate 500,50. Liste 11679 Arb. v. Waschinsky, Grüner Weg 6 4,65. Liste 8782 desgl. 6,50. Liste 3878 11.70. Liste 8178 2,-. Verband d. Kupferschmiede: Liste 7451 3,45, 7453 2,50, 7462 2,50, 7469 15,20, 7480 3,30, 7493 4,70, 7479 10,55. Durch Frille, Maystr., aus Listen 51,85. Durch Mcth aus Listen 4414 u. 15 26,95. Liste 3930 16,20. Vom deutschen Seneselder-Btmd(Kupserdrucker) 55,95. Desgl.(Steindrucker) 2. Rate 167,70. Liste 10715 0,50. Gewerk- schastskartell Fürstcnwalde durch Schön aus Listen 221,70. Hochzeitsseier bei Marquardt 5,—. Berliner Tylographen aus Listen: 9325 15,50, 9327 1,—, 9328 7,25. Malcrwerkstatt Gathemann, Bleibtreustraßc, durch E. Baschnowskh, Darmstadt, Fruudncrhausstraße 10.30. Städtische Arbeiter: Gasanstalt Müllerstraße Liste 2290 13,10, Liste 2293 3,45. Gasanstalt Schmargendorf Liste 2325 12,75, Wasserlverlsarbeiter Liste 2341 17,05, 2342 8,35, 2344 7,—. 2346 13,60, 2347 14,30, 2348 2,05. Englisches Gaswerk Mariendors, Liste 2271 10,90, Liste 2273 20,60, Liste 2274 14,75. Ammoniaksabrik Liste 3311 5,60. Wasserwerk Tegel Liste 3264 12,15, Liste 10 547 13,45. Wasserwerk Müggelsee Liste 2409 3,90, Liste 2410 13,—, Liste 2411 8,80. Wasserwerk Lichtenberg Liste 2412 6,25, Liste 2413 13,15, Liste 2414 5,05. Gaswerk Charlottenburg Listen: 3269 7,10,3270 5,40. 3271 9,05, 3272 3,50, 3273 6,20, 3274 4,90, 3275 12,—, 3276 12,25, 3277 15,15, 3278 7,85, 3279 5,65, 3280 6,55, 3281 18,60, 3282 16,35, 3283 1,—. Berliner Straßcnrcinigung Listen: 2354 4,30, 2355 9,80, 2357 1,35, 2361 4,65, 2362 5,55, 2363 1,15, 2366 10,95, 2371 3,—, 10548 1,60, 10551 4,90, 10553 2,80. Schlacht- und Viehhof Listen: 2376 15,05, 2377 6,10, 2378 6,60, 2379 12,85, 2380 7,15. Röhren--ystem Listen: 2381 9,10, 2382 0,20, 2383 7,60, 2384 5,20, 2385 9,25. Oeffcntliche Beleuchtung Liste 2386 4,70. Berichtigungen. In Nr. 254 muß es heißen: Tischler d. Fa. Fangaus, Elsasser- straße 51 12,50 M. In Nr. 251 muß es heißen: Konsum Vorwärts, Werkabteilung 50,— M. Nachzutragen sind noch folgende bereits quittierten Listen: 1337 7,80, 1338 Tischlerei Krause, Korilla u. Co., durch Bester, 1. Rate 34,25, 1340 durch Engel 11,45 M. Summe M. Bereits quittiert ISS Sv3,83 M. Gesamt- summe IS««i>v,«3 M. Die»och ausstehenden Listen und Gelder, welche bis zum 4. No- vrmber nicht abgerechnet sind, werden nicht mehr öffentlich quittiert. Postsendungen sind an A. K S r st e n, Engel-User 15, zu richten. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschastskommissio«. KfiefkAsten der Redaktion. F. D. Körsten 549, Rosenow 1288 Stimmen.— Orient. Am Zeug- Hause 1.— W. 8. 33. Auskunst darüber durch das Sekretariat der Gc- werkschastskommission, hier, Engel-User 15, pt.— A. B. J86. Orientieren Sie sich darüber durch Nachschlagen in dem Konversationslexikon einer Lesehalle. Hier fehlt der Platz dazu.— Nchw. v. Zentralverband. AuSkunstsstelle hier, Schcllingstraße 4.— R. IVO«. Nein.— S. Tt. Ja.— N. M» Moskau. �urifttfcher Ce«. Die turiftischc Sprechftnnde findet täglich mit Ausnahme dei Sonnabends von?-/, bis V>/, Uhr statt. Geöffnet: abend» 7 Uhr. G. M. Sil. Ihre Stiefmutter ist erbberechtigt.— A. P. 128, DaS ist möglich: die Invaliden- oder Mtersrente ruht(wird nicht ausgezahlt), wenn und so lange die Unsallrente unter Hinzurechnung der Invaliden- oder Altersrente den 7'/, Grundbetrag der Invalidenrente übersteigt, also bei Versicherten der l. Lohnklasse 450, bei denen der II. Klasse(Jahres- arbeitsverdienst mehr als 350 bis 550) 525, bei denen HI. Klasse(über 550 bis 850 M. Jahresarbeitsverdicnst) 600, bei solchen IV. Klasse(über 850 bis 1150 M. Jahresarbeitsverdienst) 675, bei solchen V. Klasse(über 1150(M. JahrcsarbcilSverdienst) 750 M. übersteigen würde.— Genosse. 1. Ja. 2. 21. 3. Nein. 4. Das ist Sache einer Auslegung sim Einzelsall: wenden Sic sich eventuell beschwerdeführend an die Schuldeputation. 5. Nein. Das Gericht �Amtsgericht) bestellt einen Vormund.— R. M. 19. Die Beschwerde wäre an den Landrat zu richten, hat aber leider wenig Aussicht aus Erfolg.— F. J., Falkenfteinstr. 1. 1. Wenn minderjährige Kinder vorhanden find, so muß der zweiten Heirat eine gerichtliche Auseinander- setzung vorangehen. 2. An das Amtsgericht. 3. Das richtet sich nach dem Inhalt der Auseinandcrsetzungsverhandlung.— N.®, Uns nicht bekannt. — M. A., Wcisiensee. Nein: Sie müssen, falls gütliche Einigung nicht erfolgt, klagen.— G. K. 1« und G. Kit. Die Mutter ein s unehelichen Kindes ist keineswegs verpflichtet, das Kind dem Vater herauszugeben. Der Erzeuger hat die Mimente in jedem Fall zu zahlen.— F. O. 18. Die Klage hat wenig Aussicht aus Erfolg. Der Gerichtsstand hängt davon ab, wo der Beklagte wohnt und wo sich das Geschäft befindet. Darüber haben Sie Auskunst nicht gegeben.— Klose. Verjährung liegt nicht vor. Die Vcrjährungssrist würde drei Monate bettagen.— G. R. Ihnen steht ein Recht aus Rückforderung an Geschenken nicht zu.— Karl P. 1. Selbstbemühung ist erforderlich. 2. Nein. 3. Ja, falls ein der Höhe nach steuer- pslichligcs Einkommen vorliegt.— F. B. 199. 1. Nein: der Sohn kann aber erst mit zurückgelegtem 21. Jahre heiraten. Wird er früher für volljährig erklärt, so ist er heiratsfähig, bedarf aber der väter- lichcn Genehmigung. 2. Da läßt sich nichts tun.— A. A. Ja. — G. B. Der Anwalt ist im Recht.— P. Z., Potsdam. Sie müssen unter Uebermittelung deS vollstreckbaren Urteils einen Gerichtsvollzieher mit der ZwangSvollstteckung bcausttagen lassen.— Excelsior 3. 8. Sie können als Handelsgesellschaft, als Genossenschaft, als offene Gesellschaft usw. sich einttagcn lassen. Sie müssen anaeben, welchen Zweck Sie verfolgen. Soll kein gewerblicher Zweck erreicht werden, so genügt das Vereinsregisler. Diese Eintragung ist nicht Ebcrstrasie. Die Klage der Versichcrungsgcsellschast dringen, falls Sie großjährig sind.— Mittag 1KS1. würde wohl beim Oberverwaltungsgericht Erfolg haben. Es Ist deshalb zu einer Aenderung zu raten.— M. 12. Einen solchen Widerspruch gegen ein Testament gibt es nicht. Sie müßten Ihr« Ansprüche im Klagewcge geltend machen.— F. CT. 16. Ob in der Tat unter 26 Wochen hinaus ein Anspruch besteht, läßt sich nur aus dem Statut ersehen. — H. Emolet. Wenden Sie sich an ein Produktcngcschäst. — K. B. 1. Fahrow, Ravenöstt. 6. 2. In 30 Jahren. 3. Kaiser Wilhelm- straße 46.— E. H. III. 1. Nein. 2. u. 3. Ja. 4. Nein.- I. R. 41. An die Polizei muffen Tie sich wegen eines Wandergewerbescheines wenden. — H. B. Tangermünde. Die Beschwerdcinstanz ist: Oberstaatsanwalt- schast beim Kammergcricht, Berlin.— E. B. Liegen die Sachen so, ivie Sie schildern, so ist vielleicht eine Klage aus Herausgabe des Nachlasses noch heute von Erfolg Den Vertrag hätte die Beklagte dann vorzulegen.— Z. 8. 4. 1.§ 12 der Statuten spricht für die Auslegung, die Sie an» greisen. 2. Eine Statutenänderung ist zulässig.— ff. M. Nein. — I. N. 67. 1. Die Zeit von 9 biS 4 oder 5 Uhr nachmittags wird in Berlin beim Mangel vertraglicher Abreden als angemessene Besichtigungs- zeit erachtet. 2. Die Aussage kann verweigert werden. Aber aus der Weigerung in Verbindung mit anderen Umständen kann das Gericht die ihm zutreffend erscheinenden Schlüsse ziehen.— K. H. 39. Eine Klage hätte leine Aussicht aus Erfolg, falls nicht besondere, noch nicht erwähnte Umstände vorliegen, die das Verhalten des ChesS als widerrechtliches kenn- zeichnen. Einttagung m erforderlich.— würde durch- Ein Wahlprotcst Winter-Anzüge Viokoffigm» Auswahl TOr Alltag, Bs ruf und FasfllchkeH. Neueste Geschmacksrichtungen. Moderna Verarbeitungen. 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TagcS-Ordnung: i Der Streik iit der Wäsche-Industrie und was ist zu tun? 9Äe: P. Keller. 2. Dislussion. 251/18' Parteigenossen! Sendet Eure Frauen und Töchter zu dieser Bersniiimlung: Heimarbeitersnuen der Wäsche-, Krawatten- und Blusenindustrie, erscheint alle! _ Die Siebener-Kommission. I. 31.; Wilh. Eue. *5551: Glasarbeiter!*55551: Donnerstag, den 9. November, abends 8 Uhr, in Boekcrs Festsälen, Wcberstratze 17: Große öffentliche Versammlung aller in der Glassliiltifer-, Polierer-, Schricheichuer- «nd Glnsbläser-Kranche beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des NeichStags-LIbgeordneten Genossen Frifc Zubeil über: „Die Revolution in Rus/land.« 2. Verschiedenes. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 199' Um recht zahlreichen Besuch bittet Der Eiuberufer. rarkettMenleger. Dirnstag, 7. November, abends 8 Uhr, im Charlottenburger Bolkshans, Rosincnstrage 3: Branchen-Versammlung. Tages-Ordnung: 98/8 1. Bortrag des Kollegen Ilaitti-München. 2. Zlbrechnung vom Jahre 1991/1995. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Die Kollegen werden ersucht, in dieser Versammlung zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Der Obmann. Achtung! Achtung! Dienstag, den 7. November, abends 8V2 Uhr, im großen Saale der Brauerei Ahrends, Tiirmstraße: Oeff esstlkher Vortrag. Thema: Was tasst sieh hinsichftich der 3e- handtung funktioneller Geistes- und Kervenkrankheifen besser machen? Nescrent Herr Reinhold Gerling, Schriftsteller. Gegenrescrcnt Herr De. meö. IZrn«t»nroliard. 297/13 - Tiskussio».- Eintritt für Gäste 3« Pf. Mitglieder frei. Der Vorstand des Moabiter Naturheil-Vereins. _ I. A.: Otto Hägen, 1. Vorsitzender, Rostockerstr. 24.• Montag, den 6. November, abends 8'/� Uhr. in Graninann» I-'est�illen, Nauniinstr. 27: Aiißttlirdtiitlilhc Kkiicrlil-tlerl'Wiillililg. Tages-Ordnung: 1. Diskussion und Beschlutzfassung iiher die Anträge der Konferenz vom 27. August d. I. 2. Vereinsangclegenheiten. tt2/3 Mitgliedsbuch legitimiert. Bei der Wichtigkeit der TageSordnnng erwartet voll- zähliges Erscheine» der Mitglieder Der Torstand. Zur Beachtung! Die in der Pianosabrik von Hedtbe, Lichtenberg, beschästigien Mitglieder sind besonders eingeladen. H. O. In unserem Versammlungslokal bei Granmann, Sonnabend, den 11. /November: 9. StiftungssFest des Sängerkreises der Musirinftrumcnten-Arbelter, bestehend in Konzert, Tbeater und Gesangsaufsührungen. 3lnsang 8'/� Uhr. Billetts a 39 Ps. sind in den Zahlstellen sowie bei den Vorstandsmiigliedern zu haben._ Pas Komitee. Verein für f rauen u. Rädchen der Arbeiterklasse. Montag, den k. November, abends 8'/, Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 29: Vortrag des Rechtsanwalts vr. kotk: „Die Frau und Kftitter im bürgerlichen Kecbt!" Gäste willkommen. Der Vorstand. Plättmaschinen= Waschmaschinen Centrifugen für Hand- nnd Kraftbetrieb liefern stets ab unserem Lager* Berlin, Handelsstätte Belle-Ailiance, Laden 8. Telephon: Amt IV, 2941. 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Schubert. bei Goßmann, Kreuzbergstraße 48, Referent: Stadtverordneter B. Bruns. . im Lokal„Südosts(Glowe), Waldemarstraße 75, Referent: Stadtverordneter A. Stadthagen. in Voigts Rittersälen, Ritterstraße 75, Referenten: Stadtverordneter Fr. Koizke und Genosse Dr. I. Zadck. im Fiirftenhof, Köpenickerstraße 137/138, Referenten: Stadtverordneter G. Schulz und Genosse A. Fröhlich. im Englischen Garten» Alexanderstraße 27c, Referent: Stadtverordneter W. Pfaunkuch. in den Andreas-Festsälen, Andreasstraße 21, Referent: Stadtverordneter Dr. Wetil. im Elgsium, Landsberger Allee 40/41, Referent: Stadtverordneter H. Heimann. im Saale der Krauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain, Referent: Stadtverordneter Ad. Hoffmann. bei Keydecker, Sophienstraße 34, Referent: Stadtverordneter Paul Singer. in den Humboldt-Sälen, Hussitenstraße 40, Referent: Stadtverordneter R. Augustin. im Saale der Kerl. Kolbdraiierei, Abt. II(fr. lllnddeutsche), sMs".' Referent: Stadtverordneter H. Borgmann. in Funkes Ge soll kchastsh ans, Triftstraße 41, Referent: Stadtverordneter Fritz Znbeil. 299/14« �ages-Oecinung: Die Sünden des Freisinns. 2. Im. Aussprach-, 1. Zu recht zahlreichem Besuche laden ein Die Einberufen. Sonntag, den 12. November 1905, vormittags 19 Uhr: iZemi-Versammlung der Orts- Krankenkasse der Lackierer Rest. Schuhmacher, Skalitzerstr. 126. Tages-Ordnung: 1. Ersatzwahl des Vorstandes. (1 Arbeitgeber, 3 Arbeitnehmer.) 2. Wahl des Ausschusses zur Prü- sung der Jahresrechnung pro 1995. (1 Arbeitgeber, 2 Arbeitnehmer.) 3. Bcschlutzsassung über Wegfall der Karenzzeit. 4. Verschiedene Kassen- angclcgenheiten. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Her Vorstand. 276/13 Dtto Weidemann, Vorsitzender. Orts- Krankenkasse Weisiensee Behatmhnachung. Gemäj;§ 67 der Kafsensatzung machen wir hiermit bekannt, daß 1. an Stelle des aus dem Bor- stände ausgeschiedenen Schloffer- Meisters Herrn August Büttner der Restaurateur Herr Franz Content, hicrscibst, Lehdcrstr. 5, 2. an Stelle des ausgeschiedenen Tischlers Herrn Albert Kirchner der Tischler Herr Kurt Fuhr- mann hierselbst, Prenzlauer- Chaussee 17, gewählt sind und die Neugewählten mit dem heutigen Tage in»ihr Amt als Vorstandsmitglieder eingetreten sind. Weißensee, den 4. November 1995. 276/16 Der Borftand. I. A.: HV. Heske, Vorsitzender. Achtung! Achtung! 20. Kommunal-Wahlbezirk. Sonntag, den 5. November, präzise 12 Uhr, in der„Alhambra", Wallnertheaterstraste 13: h! c r- Ve s a in m! im k. Tages-Ordnung: Unsere kommunalen Forderungen. Referent Stadtverordneter tfattl Singer. Diskussion. 262/17« Achtung! ßleißgcrber, Lohgerber, Achtung! Färber«nd Httlfsarbeiter. Heute Sonntag, den 5. November, mittags 12 Uhr, in Fiebigs Festsälen, Ackerstraße 6—7 z Oeffentliche= Federarbeiter- Versammlung. Tages-Ordnung: Vortrag. Unsere Aussperrung. 144/6 Alle im Berufe Beschäftigten sind hiermit eingeladen.—— P atente etc. billigst u. bestens d. d. patenttechnische Lehranstalt Pallas, Berlin, Kaiser Franz- Grenadier-Platz 8.[211b Ausstellung von Kanarlen-Vögeln, Exoten und HUlfsmittein vom Berein für Züchter und Liebhaber des Kauarien-Bogels »Berlin-- am 25., 26., 27. November. „Hosentbaler Hof", Nosen- thalerftratze 11/12. 54/1« Montag, den 6. November 1905, abends8'/2 Uhr, bei Ikeiicr, Koppenstr. 29 Austrordeiltlillie Mitgliedtr-UklsliMUlmig. Tages- O'r d n u n g: i. Die ßninpft«nd Erfolge des Holrnrlleiter-sikrbnudts. Referent- Anlon ftoiib München. 2. Berbandsangelegenheiten und Berschiedenes. 96/5 Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich in dieser Versammlung zu erscheinen. Hie Ortsverwaltnng. 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Nach der Versammlung-(ZeMÜtll'ctieL hei83MMeN8eiN UNtj TaNS. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vertraueusiiiann. «mdil! VI. Kreis. Moabit! Sonntag, 5. Novbr., abends 6 Uhr, im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24— Emdenerstr. 40/41: öessentlielre Volks-Versammlutig. Tages- Ordnilng: i. Vortrag des Stadtv. Gen. Zform. Schubert über: 3)ie Bildungsstätten des Volkes in Greußen. 2. Diskussion. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein. Zu recht zahlreichem Besuch ladet cm 260/11* Vor Vortl-anviiGin»»... Großer öffentlicher Vortrag! Am Mittwoch, 8. Novbr., abds. s'/z Uhr, in Kellers Festsölen, Koppcnstr. 29 iib-r- Cjcbc»" Referent- Rßinhold Gerling. Die sittliche und wissenschaftliche Bedeutung dieses Themas macht cS einem jeden zur Pflicht, sich Zlusklärung zu verschaffen und diesen hoch- interessanten Vortrag zu besuchen. Zl. BocKe, Mainzerstr. 3. 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Der an den Schreibtisch gebannte Gelehrte oder Skribent, der eine „sitzende Lebensweise führende Handwerker und die nur im Hause beschäftigte „Frau werden die nachteiligen Folgen des Kaffees durch Verlust ihrer Gesund- „heit büßen. Kindern und Jungfrauen Kaffee zu reichen, ist die größte „Unvernunft und wird von allen denkenden Aerzten dagegen gekämpft." Wie Sanitätsrat Lutze, so urteilt im wesentlichen die gesamte moderne Wissenschaft über den Kaffee. Deshalb ist gegenwärtig in allen Kreisen der Bevölkerung eine große Bewegung im Gange, die sich gegen den täglichen Kaffeegenuß richtet. Man will den schädlichen Kaffee ersetzen durch ein vollkommen unschädliches und zugleich wohl- schmeckendes Getränk, das für jede Familie mit der Zeit ein unentbehr- licher, gesundheitsdicnlicher Bestand der täglichen Kost wird. Ueber die Wahl dieses Getränks ist man sich schon längst einig. Das Getränk, was hierfür allein ernstlich in Frage kommt, ist, nach der Ueberzeugung erster Autoritäten und Aerzte— Kathreincrs Malzkaffee. Kathreiners Malzkaffee ist unschädlich, gehaltreich, rein und wohl- schmeckend. Durch ein patentiertes Verfahren erhält er den charakte- ristischen Geschmack des Bohnenkaffees. Der„Kathreiner"— darauf gilt es besonders zu achten— wird nur in geschlossenen Paketen mit Bild und Unterschrift des Pfarrer Kneipp als Schutzmarke verkaust. Wer des- halb auch im Dienste seiner Gesundheit dem großen Zuge der Zeit folgen will, der macht Kathreiners Malzkaffee zu seinem täglichen Getränk und beginnt damit sogleich. Visse Woche. In Samt und Seide stelle diese Woche große Posten zum direkten Verkauf an Private. Darunter: Reinseidene Douisines in glatt, gestreift, schottisch für elegante Binsen und Jupons 1,50, 1,75, 2,25 etc. Reinseidene coul. Damaste in reicher Auswahl für vornehme Gosollsohafts-Roben 2,25, 2,50, 2,76 etc. Reinseid. schw. 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Krause ist mit Herrn Ring Gründer. Leiter und Geschäftsführer der Milchzeutrale. Er klagte gegen elf Vorstandsmitglieder des Vereins der Berliner Milchpächter, weil diele in einein Zirkular an die Ge- nosseuschafter der Milchzentrale erwähnt hatten, der Leiter der Milch- zentrale Krause sei mit zweiJahren sechs Monaten Gefängnis wegen Betruges und Erpressung be- st r a f t. Die Strafrat wurde darin gefunden, dasi Krause unter sehr eigenartigen Umständen die Namen von Berliner Wucherern gegen Bezahlung einfiigte oder wegließ. DaS Gericht wies die Beleidigungsklage de? Herrn Krause ab, weil die über Krause behaupteten Tatsachen der Wahrheit entsprächen und den Angeklagten der Schutz des Z 193 zur Seite stehe, da die Strafe des Klägers nur erwähnt sei, um in dem stampfe der Milchpächter gegen die Zentrale die Handlungsweise deS Vorstandsmitgliedes der letzteren. Herrn Ring, aufzudecken.— Es gehört eine eigenartige Ausfassung dazu, unter solchen Umständen gar noch Klage zu erheben. Die Vorstrafe des Geschäfts- s n h r e r s der R i n g s ch e n M i l ch z e n t r a l e ist übrigens auch im Reichstage bei der Brandmarkung der Versuche der Milchzentrale- Leitung erwähnt, das Kammergericht zu einer gegen Kleinbauern gerichteten Rechtsprechung zu veranlassen. Stehen Bauernfänger unter dem Schutze der Klassenjustiz? In Nr. 259 ist der Maurer Müller infolge eines technischen Fehlers als verurteilt und als freigesprochen aufgciiihrt. Richtig ist: Müller wurde freigesprochen, Koffmahne, Schmidt und Fricke wurden zu je acht Tagen, Bulla zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Ei» Polizciscrgcant wegen Meineids verurteilt. Das Land- geeicht L i e g n i tz' hatte am 12. September den Polizeisergeanten Richard Land wegen Unternehmens der Verleitung znm Meineioe zu 2 Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Gegen ihn tvar ein Strafverfahren eröffnet ivorden, weil er 1992 einem Gastwirte eine Flasche Schnaps gcuohlen haben sollte. Land suchte einen Zeugen zu bewegen, bei seiner eidlichen Vernehmung zu seinen Gunsten auszusagen. Die Revision wurde gestern vom Reichsgerichte verworfen. Zvnieniimfliidcritcht noi» 4. November H>(>5, morae»? H nhr. Stationen swliiemde >erliii ffrauks.a.M München Wien et'- B H S) s 76+'@ 761 D 765 SSW 761 NO 767 SO 768 SW Wetter 1 ÖS H.o s 4 _ 2 Ö Stationen •5 S 8« Haparaiida!772 Still Petersburg 771 ONO Scilly ilberdeen Paris 753 756 SO 759 OSO ->g. Wetter Schnee 1 bedeckt I baw bd Zbedeckt 2 bedeckt h: 1 Dunst 2 wolkig 1 wolkig 1 wölken! 2 heiter 1 Nebel Wcttcr-Prognose für Ton» Zeitweise nebelig, sonst meist heiter und trocken am Mittag warm bei schwachen südöstlichen Winden. Berliner W e t I e r b n r e a u. Wasserftond nn, 3. November. 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Per Kampf der Etnis-Arbeiter um Einführung eines TartfeS dauert fart I lieber dle Firma II. Arnold, Tapisseriemarenfabrik, Köpcnicker- straßc 114 und W. Kiimiuerer, Grosi-Buchbiuderei, Kochstraße 67, ist die Sperre verhängt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Lrtsvermaltung. Für sämtliche Plätterinnen, Nähe- rinnen, Zuschneider sowie Arbeite. rinnen ist die IVttscIi«ft»I»r1k (2 ehr. Ritter, Ehansseestr. KV gesperrt. 251/19 Des weiteren ist die Sperre ver- hängt über die Blusenfirma J. Götz, Rosenstratze 18, weil Zuschneider nicht eingestellt sind. Iber Vorstand. Kupferschmiede, Rohrleger, Monteure. Folgende Montagen sind von den streikenden Kupserschmieden verlassen: Kraft, Köpenickerstr. 112.(König). ScHloB, Maschinenhaus, Waisenhaus, Alle Jakobstr., Or. GrUn-' bäum, Schinkcstr. 18, Maisan de Santö, Schöneberg, Paulsborn, Hundekehle, Gongedaoh, Wilhelms« borg, Darmschleimerci.) In der Wäschcsabril von Starnberg, Königstraße(Ecke Mendels« sohnitraßc) wird Streikarbeit an- gefertigt. Roiil« in Moabit.(Aktor Botanischer Garten.) Grabert, Köpenickerstr. 70. In den Elektrizitätswerken, Eharlottenburg, wird Streikarbeit ver- richtet. V. ter H'clp in Tempelhos. (Arbeitshaus Rummelsburg.) F. W. Fest, Bergstr. 8. (Schultheißbrauerei, AbteU. II, Patzenkofer, Abteil. J, Braueroi Bötzow, Brauerei Königstadt, Schokoiadensnbril von Hildebrand & Sohn.) CSnlremand Bfachfolger Hchleslnger, Reinickendorf. (Patzenholer, Abt. II, Gummi- sabrikvon Schwerz, Mülleritr.l71.) F. A'cnniann, EHausseestr. 113. In der Likörsabrik von H. Meyer, Wattstr. 11/12, wird Streilarbeit verrichtet. Kupferschmiede, Rohrleger und Monteure, welche diese Arbeiten ' rtigstellen und nicht im Besitze einer weißen ArbeitSberechtigungs- karte mit Verbandsstempel sind, bitten wir als Arbeitswillige zu betrachten. Der Borstand des Verbandes der Knpferschmiede Deutschlands Filiale Berlin. 100/» Arbeiter werden eingestellt AörlU Wittenberg- Fiat*. Meldungen beim Polier Birunow. 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Glaube nie- in and, daß es auf seine Stimme nicht an- k o m m t! Vor zwei Jahren fehlten uns im siebenten Bezirk nur drei Stimmen an der absoluten Mehrheit, und in der Stichwahl unterlagen wir dann dem Ansturm der Gegner. Vor vier Jahren gewannen die Freisinnigen den sechsten Wahlbezirk mit nur einer Stimme über die absolute Mehrheit. Tiefe beiden Tatsachen beweisen, wie notwendig es ist, daß jeder einzelne seine Pflicht tut. Nur alle zwei Jahre ist uns die Gelegenheit geboten, mit dem Kommunalfreisinn abzurechnen und den Vertretern dieser Richtung unser Mißtrauen auszudrücken. Auch die dies- malige Wahl muß zu einer imposantenKundgebung gegen die freisinnige Reaktion werden. Das Volk muß jener Gesellschaft, die unter dem Deckmantel der Volks- freunde die volksfeindlichste Politik treibt, laut zurufen: Bis hierher und nicht weiter! Nieder mit den Leuten, die sich für die Beibehaltung des Drciklassen Wahlsystems erklärt, die das P r i vi l e g der Hausbesitzer verteidigt haben, die zur Begründung ihrer Stellungnahme gegen das allgemeine, gleiche und ge- Heime Wahlrecht für die Kommune die schamlose Lüge ver- breiten, daß die Arbeiter keine Steuern bezahlen I Nieder mit denen, die, ohne zu erröten, IVO OVO Mark für byzantinische Feste vergeuden, aber gleichzeitig einen Mindest- lohn von 4 Mark und den neunstündigen Arbeits- tag für städtische Arbeiter als unverschämte Forderungen be- zeichnen! Nieder mit denen, die den Aermsten der Armen das Geld abnehmen, indem sie die Pflegesätze für das Krankenhaus erhöhen, die die W o h n u n g s n o t ver- ewigen, die nichts tun zur Hebung der Volksschulen. die die Geschäfte der B o d e n w u ch e r e r und Grund- st ü ck s s p e k u l a n t e n besorgen, die das drohende Gespenst der Arbeitslosigkeit nicht zu bannen wissen. Frech und verlogen, wie immer, erklärt das Organ des Charlottenburger Kommunalfreisinns, daß der„gewaltige Fortschritt, den Charlottenburg erzielt hat, sich in einen Rück- schritt verwandeln würde, wenn die sozialdemokratische Klassen- Partei einen bestimmenden Einfluß auf die Beschlüsse der städtischen Kollegien gewinnen würde." Die Legende von dem gewaltigen F orts chrit t Ch arl o tten- burgS muß endlich zer stört werden. Im allge- meinen ist Charlottenburg sozialpolitisch genau so rückständig wie alle Gemeinden, in denen die Bourgeouisie herrscht, und die wenigen Fortschritte, die erzielt sind, sind zu einer Zeit erzielt, wo der Kommunalfreisinn nichts zu sagen hatte. Seit- dem er ausschlaggebend geworden, ist von Fortschritten nichts mehr zu verspüren. Alle sozialdemokratischen Anregungen werden von diesenHandlangern der Reaktion niedergestimmt. Unabsehbar sind die Folgen, die eintreten würden, wenn der Kommunalfreisinn die absolute Mehrheit im Stadtparlament erlangen würde. Mit der ohnehin schon spärlich bemessenen städ- tischen Selbstverwaltung wäre es dann vorbei. Einstmals— es klingt wie ein Märchen aus alten Zeiten— gab es ein trotziges Bürgertum, das sich in den Städten, wenn ihm Un- recht geschah, aufbäumte gegen die Fürsten und selbst vor dem Kampf gegen den Landeshcrrn nicht zurückschreckte. Die Char- lottcnburger Bourgeoisie, wie sie durch den Kommunalfreisinn repräsentiert wird, dagegen besitzt kein Rückgrat; sie ist jedem Wink von oben gefügig. Um sich in der Gnade der Regierung zu sonnen, hat sie schimpflichen Verrat geübt und die V o l k s- s ch u l e d e r K i r ch e ausgeliefert: um sich an noch höherer Stelle beliebt zu machen, schlägt sie vor, sich bittend den Stufen dcS Thrones zu nahen, damit der König von Preußen der Fleischnot ein Ende m a ch t. Um Mandate zu ergattern, hängt der Freisinn seine Grund- sähe an den Nagel und propagiert den Grundsatz der Grundsatzlosigkeit. Die Sozialdemokratie dagegen bleibt ihren Prinzipien treu. Im festen Vertrauen auf die siegende Kraft ihrcrJdeen, auf sich selb st angewiesen, führt sie den Kampf, aus dem sie. sofernnur ein jeder klassenbewußte Arbeiter seine Schul- digkeit tut, als Sieger hervorgehen wird. Die Ehre der Partei erfordert eS, daß jeder einzelne, waS in seinen Kräften steht, tut, damit das Resultat deS dies- jährigen WahlkampfeS sich würdig denen der letzte» Jahre an- reihe» kann. "•# Gewählt wird von morgens 9 Uhr Bis abends 8 Uhr. Wer bis 8 Uhr im Wahllolol ist, muß noch zur Stimmabgabe zugelassen werden: wer nach 8 Uhr erscheint, hat leinen Anspruch, seine Summe abgeben zu diirsen. Pari ei gen offen! Erscheint möglichst ftühzeitig, um Eures Wahl- rechtes nicht verlustig zu gehen! Wahlberechtigt ist jeder, der in der Wählerliste steht, und zwar in dem Bezirke, in welchem er zur Zeit der Ausstellung der Liste, also im August wohnte, gleichgültig ob er inzwischen verzogen ist; selbst wenn er jetzt in Berlin wohnt, wählt er in Charlottenburg. Gewählt wird in allen Bezirken. Zu wählen sind folgende Kandidaten: 1. Bezirk. Städte Curt Baske lznr Ergänzung). Kaiser Friedrichstr. 8. Maler Ltto Flcmming jalS Ersatz). Schlüterstr. 71. Der Bezirk zerfällt in z w e i Abstimmungsbezirke. Wahllokale: Abstimmungsbezirk a) Restaurant Moritz, Ahorn-Allee 1, Abstimmungsbezirk b) Triesethaus Salon, Sophie Charlottenstr. 94. 2. Bezirk. Kaufmann Hugo Klick sals Ersatz), Pestalozzistr. 73. Der Bezirk zerfällt in drei Abstimmungsbezirke. Wahllokale: Abstimmungsbezirl a) Turnhalle der Oberrealschule,«chloßstr. 27, b) Turnhalle der Gemeindeschule IX, Sophie Charlottenstr. 69/70, c) Restaurant„Zum Landsknecht", Friedberg- und Leonhardstraßen-Ecke. 3. Bezirk. Kaufmann Hugo Klick, Pestalozzistraße 73, Der Bezirl zerfällt in drei Abstimmungsbezirke. Wahllokale: a) Turnhalle der Gemeindeschule V, Kaiserin Augusta-Allee 4a; b) Restaurant Hirsch, Englische Straße 26; o) Logenrestaurant, Berlinerstr. 61, Eingang Kirchhofstraße. 4. Bezirk. Stadtv. Dr. Borchardt, Rosinenstraße 3. Der Bezirk zerfällt in zwei Abstimmungsbezirke. Wahllokale: a) Saal der Klosterbrauerei, Wallstraße 94; b) Logenrestaurant, Kaiser Friedrichstraße 87. 5. Bezirk. Restanrateur Adolf Bartsch, Sesenheimerstraße 11. Der Bezirk zerfällt in zwei Abstimmungsbezirke. Wahllokale: a) Turnhalle Gemeindeschule XIII, Pestalozzestr. 40. b) Turnhalle des Realgymnasiums, Schillerstr. 27—33. «. Bezirk. Stadtverordneter Heinrich Bogel, Christstraße 20. Der Bezirk zerfällt in drei Abstimmungsbezirke. Wahllokale: a> Restaurant Jurisch, Pestalozzistr. 86, Ecke Krummestraße. b) Restaurant Rufledt, Wilinersdorferftr. 106. o) Turn- halle der Kaiser Friedrichschule, Knesebeckstr. 26. 7. Bezirk. Stadtv. Paul Hirsch, Spielhagenstr. 12. Der Bezirl zerfällt in zwei AbstimmungSbczirke. Wahllokale: a) Restaurant„Hippodrom". Hardenbergstr. 42. b) Restaurant„Leibnizsüle", Leibnizstr. 23. 8. Bezirk. Restaurateur Karl Eckert salS Ersatz), AnSbacherstr, 11. Stadtv. Paul Hirsch(zur Ergänzung), Spielhagenstr. 12. Der Bezirk zerfällt in zwei Abftimmungsbezirke. Wahllokale: a) Restaurant„Hackerbräu", Kleiftstr. 18. b) Restaurant Geldes, Augsburgerstr, 38, Ecke Marburgerstr. 9a. Kein Wähler vergesse seine Legitimation. Als Legitimation dient am besten die Wahlemladung dcS Magistrats oder, wenn diese nicht in den Händen des Wählers ist, Steuerquittung oder Mictskontratt. Jeder Parteigenosse, welcher die Zeit dafür erübrigen kann, hat die Pflicht, sich zur Wahlarbeit zur Verfügung zu stellen. Hierzu hat er sich möglichst früh in unserem Zentral-Wahlburcau, Rosinen- straße 3, oder auch in seinem Bezirksbureau zu melden. Zur Ber- kündung der Wahlresultate findet abends eine öffentliche Bersamm. .-----_.. g ftatt Der Borstand des WahlvereinS. lung im Volkshaus, Rostnensi partei-)Znge!egenkeiten. Zur Lokalliste! Der Verein Berliner Schneidermeister für Damenkonfektion ver» anstaltet am 17. November 1906 das 15. Stiftungsfest in den Konkordia-Festsälen, Andreasstr. 64. Da versucht wird, in Arbeiter- kreisen Billetts abzusetzen, wird daraus aufmerksam gemacht, daß das Lokal gesperrt ist. Man weise daher die Karten zurück. Hohen-Neuendors. Das Lokal„Waldschänke" sJnh, Gacdecke), Stolpe. Haltestelle, steht der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung. RahnSdorfer Mühle, Restaurant Müggelgarten(Wißmann, früher Schäle) ist gesperrt. Eggersdorf bei Strautzberg, Restaurant Tübbele, ist frei. Saal von 460 Personen. Die Lokalkommission. Friedrichsfelde. Montag, den 6. November 1906, abends 8'/z Uhr, Zahlabend für den ersten Bezirk bei Loffe, Luisenstr. 20; in Karlöhorst bei Kubsch, TreSlow-Allee; in Kaulsdorf bei Hamann, Inhaber Stephan. Dienstag, den 7. November, abends S'/a Uhr: Zahlabend für den zweiten Bezirk bei Loffe, Luisenstr. 20, für den dritten und vierten Bezirk bei G. Schulz. Wilhelmstr. 11. Groß- Lichtcrfelde. Mittwoch, den 8. November, abends 8 Uhr. im Reisenschen Etablissement: Mitglieder- Versammlung deS WahlvereinS. Tagesordnung: Bericht von der KreiS-Generalversammlung. Diskussion. Da infolge der jüngsten Ereignisse in der Partei die Diskussion aller Voraussicht nach lange währen wird, beginnt die Versammluw pünktlich im großen Saal. Das Erscheinen aller Mitglieder ist unbedingte Parteipilicht. Der Vorstand. NowawcS-Ncuendorf. Freitag, den 10. d. M.. abends 8'/a Uhr. beginnt Genosse Zubeil im Lokale Otto Hiemke seine Vorträge über: „Erklärungen zum Parteiprogramm". Die Versammlung wird pünltlich eröffnet. Um zahlreichen Besuch bittet Der Borstand. Rcinickcndorf-Wcst. Am Dienstag, den 7. November 1906, abends 8Vz Uhr, bei Franke, Eichbonistr. 13. findet der Diskutier- abend statt. Wilmersdorf. Am Mittwoch, den 8. November er., findet in Solomons VolkSgarten, Berlinerstr. 40, die Generalversammlung des WahlvereinS statt. In derselben werden die Delegierten Bericht erstatten von der Generalversammlung deS Kreises; außerdem wird der Vorstand Bericht geben. Die Versammlung wird pünttlich 8>/a Uhr eröffnet. Der wichtigen Tagesordnung halber ist Erscheinen dringend geboten. Ober-Schöucweidr. Den Mitgliedern und Genossen zur Kenntnis. baß Mittwoch, den 8. November, abends 8'/, Uhr. der Zahlabend an den bekannten Stellen stattfindet, laut Beschluß der letzten Generalversammlung Am Mittwoch, den 16. November, abends 8�2 Uhr. findet eine außerordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: Neuwahl des ZeitnngSspediteurS. Zahlreiche und püiiltliche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Eichwaldc. Sonntag, den 6. November, nachmittags 3V, Uhr: Generalversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Bericht von der Kreis-Generalversammlung, Jahresbericht und Neuwahl des Vorstandes. Die Mitglieder werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheine». Vorort- I�ackricdten. Charlottenburg. Mit den Kommunalwahlen beschäftigte sich eine öffentliche Versammlung, die am Freitag im Volkshause stattfand. Die Versammlung war ungewöhnlich stark besucht. Der große Saal reichte kaum auS. um alle Teilnehmer aufzunehmen. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Ge- nassen Singer über: Die Sozialdemokratie im Stadtparlament. — Der Referent kennzeichnete zunächst das elende Kommunalwahl- recht. Schon das Unrecht, das ihnen durch dies Wahlsystem zu- gefügt wird, muß die Arbeiter veranlassen, als Protest gegen das- selbe Vertreter ihrer Klaffe in das Rathaus zu senden. Mögen sich die Angehörigen der besitzenden Klaffe in die Rattenlöcher der ersten und zweiten Abteilung zurückziehen; die dritte Abteilung ge- hört der Arbeiterklasse.— Nach den allgemeinen Darlegungen ging der Reimer zur Besprechung der besonderen Ausgaben über, welche die Sozialdemokratie in der Stadtverwaltung zu lösen bestrebt ist. Da ist bor allem das Schulwesen, das uns ganz besonders an- gelegen ist. Wir fordern die Einheitsschule, die von den Kindern aller Bevölkcrungsklaffen besucht werden soll, die dann, je nach ihren Fähigkeiten, aber ohne Rücksicht auf Vermögen und Stellung der Eltern in höhere Lehranstalten übergehen. Unter den heutigen Schulzuständcn leidet die große Masse des Volkes, wenn auch gegen früher einige von den Sozialdemokraten verlangte Verbesserungen eingetreten sind. Zunächst fordern wir hauplsächlich die unentgelt- liche Gewährung der Lehrmittel, sowie die obligatorische Fort- bildungsschule.— Ein anderes wichtiges Gebiet der städtischen Ver- waltung ist sie Gesundhettspslege und die Krankenfürsorge. Es ist ein unwürdiger Zustand, daß jemand, der als Opfer der Wirischast- lichcn Verhältnisse die Kurkosten für Behandlung im Krankcnhause nicht zahlen kann, als Empfänger von Armenuntcrstützung betrachtet und von der Ausübung des Wahlrechts ausgeschlossen wird. Wir fordern deshalb die unentgeltliche Krankenpflege.— Unsere Auf- fassung von den Aufgaben der Gemeinde ist himmelweit verschieden von der Aufsassung der Liberalen. Wir bewachten die Gemeinde als eine soziale Einheit, die den Bedürfnissen aller ihrer Glieder in gleicher Weise Rechnung tragen soll; sie darf nicht die ver- schiedenen Klassen der Gemeindcangehörigen mit verschiedenem Maßstabe messen. Faßt man die Aufgaben der Gemeinde so auf, dann inuß auch die Armenpflege ihres Charakters der Wohltätigkeit entkleidet und als ein selbstverständlicher Akt sozialer Fürsorge an- gesehen werden, dessen Ausübung an dem Annen nicht mit dem Verlust des Wahlrechts bestraft tvcrdcn darf.— Unsere Parteigenossen in der Stadtverordneten-Versamnilung sind auch jederzeit dafür eingetreten, daß die Verhällnisse der von der Stadt be- schästigten Arbeiter verbessert werden, mid daß ihnen die Ausübung dcS Koalitionsrechts in keiner Weise beschränkt werde.— Eine Angelegenheit von großer Bedeutung für die Arbeiterklaffe ist das Wohnungswesen. Die Befriedigung des WohnungSbedürfniffeS ist heut ein Privatgeschäft, durch das gerade die Arbeiter als Mieter ungeheuer ausgebeutet tverden. Wenn die Gemeinde ihre Aufgabe richtig erfaßt, dann müßte sie auf eigenem Grund und Bodeir Wohnungen für Arbeiter errichten, die der Privatspekulation dauernd entzogen und ohne Gewinn vermietet tverden.— Auf dem Gebiete des Verkehrswesens verlangen wir, daß die öffentlichen Straßen und Plätze nicht dem Privatkapital zur Ausnutzung über- antwortet werden. Die Verkehrsgcsellschaftcn find dein öffentlichen Interesse schädlich nicht nur durch die Forderungen, Ivelche sie geradeheraus stellen, sondern noch viel mehr dadurch, daß sie durch .Hintertreppenpolitik und auf allerlei Schleichwegen ihr privates Interesse auf Kosten des Gemeinwohls zu fördern wissen.— Auch die kommunalen Stcuerverhältnisse müssen so geregelt werden, daß es nicht möglich ist, die Schultern der ärmeren Bevölkerung, die so schon genug zu tragen haben, noch mehr zu belasten. Wemr man sich in Berlin sträubt, mit dem Einkommensteuer-Zu- schlag über 100 Proz. hinauszugehen, weil dann'der Wnistcr das Recht hat, den Etat einzusehen, ivas den Grundsätzen der Selbftver- waltung widerspräche, so möge man doch bedenken, daß es ja so wie so in den Residenzstädten kein Selbstvcrwaltungsrecht gibt. Kein Stein darf auf den anderen gesetzt werden, ohne daß die Krone ihre Einwilligung dazu gibt, i— Wenn wir nach der Betrachtung des kommunal-wirtschaftlichen Gebietes einen Blick auf das kommunal» politische Gebiet werfen, so sehen wir, wie die Vertreter der liberalen Mehrheit bei höfischen Festen stets bereit sind, ihre tieffte Ergebenheit gegenüber dem Monarchen zum Ausdruck zu bringen und städtische Mittel in reichem Maße zur Ausschmückung der Straßen, Stiftung von Geschenken usw. zur Verfügung zu stellen. Wir betrachten solche Festlichkeiten als private Angelegenheiten des Monarchen und können nickst einsehen, wie die Stadt dazu kommt. sich an derartigen Familienfesten im königlichen Hause zu beteiligen. — DaS hier Dargelegte sind die Grundsätze, welche die Sozial- dcmokratie in mehr als zwanzigjähriger Tätigkeit in der Gemeinde- Verwaltung vertreten hat. Wer damit einverstanden ist, der muß Sozialdemokraten in die Stadwcrordneten-Versammlung wählen. Jeder Sitz, der von uns erobert wird, ist zum Nutzen für die Arbeiterklasse, deren Rechte allein von der Sozialdemokratie ver- treten werden. Tie Ausführungen Singers fanden stürmischen Beifall.— Die Aufforderung dcS Vorsitzenden, daß Gegner, die das Wort wünschen, sich melden möchten, hatte keinen Erfolg.— Das Wort nahm Genosse Borchardt. Er sagte, eS ist ja bezeichnend, daß kein Gegner auS dem bürgerlichen Lager das Wort nimmt. Seit Wochen sind sie in ihren von wenigen Personen besuchten Versamm- lungen mit Verleumdungen gegen uns vorgegangen und heut. wo wir eine große Volksversammlung veranstaltet haben, um den Gegnern Gelegenheit zu geben, sich mit uns anszusprecken, da fehlen sie. Es scheint unseren Gegnern in den bürgerlichen Parteien wohl nicht angebracht, mit ihren Verleumdungen vor die Masse hinzu- treten und mit uns zu diskutieren. Das Verhalten unserer Gegner beweist, daß das Wort wahr ist: Der Sozialdemokratie gegenüber sind alle bürgerlichen Parteien nur eine reaktionäre Masse. Die letzten Vorgänge in Charlottcnburg zeigen, daß uns das ganze Bürgertum als eine reaktionäre Masse gegenübersteht. Die Rück- gratlosigkeit der bürgerlichen Parteien zeigte sich unter anderem beim Bau der Charlottenburger Brücke. Der Brückenbau war Sache des Staates. Er wollte eine einfache Brücke bauen lassen. Die Stadt Charlottcnburg wünschte eine schönere Brücke, sie über- nghm deshalb die Ausführung auf ihre Kosten. Das Projekt wurde eingereiht, eS fand aber nicht die Zustimmung des Kaisers, der noch Iveitere Verschönerungen wünschte. Jetzt hätte die Stadt von dem Bau zurücktreten und die Ausführung der Brücke, wie sie der Kaiser wünschte, dem Staate überlassen sollen. Aber die liberale Mehrheit der Stadtverwaltung tat das nicht, sie änderte ihr Projekt den Wünschen des Kaisers gemäß um mrd vermehrte dadurch die Baukosten um 100 000 M. So vertritt das Bürgertum die Jnter- essen der Gemeinde.— Unsere Aufgabe ist es jetzt, dafür zu sorgen, daß die Arbeiterklasse auch bei den Gemeindetvahlen einig und ge- schlössen vorgeht, und daß jeder, der seine Stimme für uns abgibt. sich einreiht in die Organisation des Proletariats.— Die Ausführungen Borchardts fanden lebhaften Beifall. Nachdem noch ein Genosse gesprochen hatte schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Appell zur regen Beteiligung aller Genossen an der Wahlagitation. Rixdorf. Die Bibliothek des Wahlvereins befindet sich in der Parte! spedition. Die Bücherausgabe erfolgt an Mitglieder unentgeltlich in der Zeit von 4 bis 8 Uhr täglich. Die Parteigenossen werden zu reger Benutzung der guten und umfangreichen Bibliothek auf- gefordert. Wilmersdorf. Die Errichtung eines Postamtes sin Ortsteil Friedenau- Wilmersdorf erscheint nunmehr gesichert. Um endlich.dem Drängen von Gesuchen und Petitionen des nahezu 7000 Einwohner zählenden Ortsteils nachzukommen, ist von der Reichspost-Verwaltung in Aus- ficht gestellt worden, im kommenden Rechnungsjahr im Ortsteil eine Postanstalt mit unbeschränkten Annahmebefugnissen zu errichten. Schöneberg. Die erste Automobilspritze für unsere Feuerwehr, die bekannt. lich nach einem Stadtverordneten-Beschluß im Frühjahr d. I. mit einem automobilen Löschzug ausgerüstet wird, ist dieser Tage auf dem Hauptdepot von Bautzen kommend eingetroffen. Sie ist für eine Fahrleistung gut gehender Pferde und bezüglich des mitzu- führenden Vorrats an Feuerung und Wasser für 25 Kilometer gebaut und besitzt einen mit Petroleum zu heizenden Dampfkessel. Die Automobilspritze gelangt in der neu zu errichtenden Feuer- wache im Berliner Ortsteil Speyererstraße) zur Einstellung. Aus Furcht wahnsinnig zu werden hat am Freitagabend der L0 Jahre alte Arbeiter Pioch in der Brunhildstraße Selbstmord verübt. Von dem Gedanken verfolgt geisteskrank zu werden hat er bereits vor vier Wochen versucht, sich mit Lysol das Leben zu nehmen, was ihm jedoch nicht gelang. Gelegentlich eines Aus- ganges seiner Frau griff er zum Strick und hat damit sein Ziel erreicht. Ueberfall eines Kassenboten. Am Donnerstag in der Mittag- stunde wurde der des Weges in der Gotenstraße kommende Kassen- böte Zöllner von dem Kutscher einer Mineralwasserfabrik plötzlich zu Boden geworfen und arg zugerichtet. Erst auf die Hülferufe von den Passanten wurde er befreit. Der Tater suchte sich seiner Feststellung durch die Flucht zu entziehen, zwei herbeigerufene Schutzleute konnten aber den Wagen einholen und den Schläger festnehmen. Wahlresultat-Verkündigung. Ganz gegen seine Gewohnheit macht der Wahlvorstand im„Schöneb. Tgbl." bekannt, daß die Verkündigung des Wahlresultats im 3. Bezirk der dritten Ab- teilung am Montag, den 6. d. M., nachmittags 5 Uhr, in der Turnhalle der Gemeindeschule in der Kyffhäuserstraße erfolgen soll. Dort hat bekanntlich unser Parteigenosse Gabriel über den bürgerlichen Wahlmacher Schneider, der im letzten Augenblick mangels eines anderen Durchfallskandidaten einspringen mutzte, einen glänzenden Sieg errungen. Jedenfalls wird der aus den Herren P. Sydow, Beyer und Stube gebildete Wahlvorstand sich erst an höherer Stelle die nötigen„Informationen" einholen. Viel Glück! Werder. Einen Ueberblick über die diesjährige Obsternte in Werder a. H. gab beim Erntedankfest, das kürzlich in der Havelstadt gefeiert wurde, der Direktor Dnbrow von der Obstbau-Genossenschaft. Der Werdersche Obstdampfer fuhr vom 13. Juni-siis 12. Oktober, also vier Monate, nach Berlin. Im vorigen Jahre wurden infolge der besseren Ernte vom 5. Juni bis zum 5. November, also fünf Monate lang. Fahrten unternommen. Die Zahl der Fahrten betrug 90 gegen 113 im Vorjahre. Der ftühere Schluß der Fahrten wurde wesentlich durch den schlechten Ausfall der Aepfel- ernte bedingt. Auch die süßen Kirschen wurden weniger befördert, 304 000 Tienen, gegen 500 000 im Vorjahre. Die Himbeeren wiesen dagegen eine Vermehrung von 0500 Tienen auf, es wurden im Vor- jähre 8200, in diesem Jahre 14 700 Tienen befördert. Das Kern- obst hatte die größte Einbuße. Nur 3700 Scheffel und Kiepen, gegen 16 700 im Vorjahre, mithin 13 000 weniger, gelangten zur Be- förderung nach Berlin. kerlmer I>sackrickten. Die Stadtverordneten-Wahle» und der liebe Gott! Es sind nun bald hundert Jahre her, daß auf Grund der Städteordnung von 1803 die Berliner Bürgerschaft ihre erste Stadt- verordneten-Versammlung zu wählen hatte. Am Sonntag vor der Wahl wurden in allen Kirchen Berlins Predigten gehalten, die als Vorbereitung auf die Stadtverordneten-Wahl dienen sollten. Am Morgen des Wahltages wurde von allen Kirchtürmen mit sämt- lichen Glocken geläutet. Und dann begaben sich die Wähler in Feiertagskleidung, jeder in seiner Kirche, um dort den Wahlakt vorzunehmen. Kurze Hinweise auf die Wahl von der Kanzel herab sind bis auf den heutigen Tag üblich geblieben. Die heute geltende Städte- ordnung enthält noch die Bestimmung, daß in dem letzten Haupt- gottesdienst vor der Wahl„auf die Wichtigkeit dieser Handlung hinzuweisen" ist. In der Kirche werden aber die Stadtverordneten- Wahlen nicht mehr vorgenommen, und auch das die Wähler mahnende Glockengeläut ist längst abgeschafft. Wir vermuten je- doch, daß in nicht zu ferner Zeit die freffinnige Mehrheit der Berliner Stadwerordneten-Versammlung dem Magistrat die Anregung geben wird, eine Rückkehr zu diesen Sitten früherer Jahrzehnte an- zubahnen. Denn schon ist der Berliner Stadtfreisinn drauf und dran, sein Möglichstes zu tun, damit bei den Stadt- verordneten-Wahleu de r liebe Gott wieder zur Geltung komme. Wir haben bereits mehrfach mitgeteilt, daß die Zentrums- Partei den Berliner Katholiken vorschwatzt, sie müßten bei den Stadtverordneten-Wahlen ihre speziell katholischen Interessen wahr- nehmen. Die Wahlparole, die von dort ausgegeben ist, lautet: Wählt, wen ihr wollt, wählt einen Liberalen, einen Bürgerparteiler, wenn's euch Spatz macht, aber wählt keinen Sozialdemokraten und auch kein Mitglied des Evangelischen Bundes! Freisinn und Bürgerpartei haben begierig nach der Hülfe gegriffen, die ihnen da winkt, und sind freudig auf Verhandlungen mit der Zentrumspartei eingegangen. Die Zentrumsleute, die bekanntlich nicht jedem Geschäftemacher trauen(wir verdenken's ihnen nicht), stellen den Kandidaten ihrer Bundesgenossen nur eine Bedingung. die unweigerlich erfüllt werden muß. Wie Gretchen an Faust, so richten sie an die unterstützungsbedürftigen, hülfesuchenden Mandatbewerber die Frage:„Wie hältst Düs mit der Religion?" Wer ihnen die Wahrung der Parität zwischen Katholiken und Evangelischen verspricht, der hat das Examen bestanden. In B e r l i n- N o r d o st hat besonders der freisinnige Stadt- verordnete Karl Goldschmidt, der ja wohl selber Katholik ist, sich um das Zustandekommen des Bündnisses zwischen Freisinn und Zentrum bemüht. Am Freitag war von der Zentrumspartei nach der Brauerei Friedrichshain eine„große" Versammlung einberufen worden, zu der sich denn auch etwa 180 (hundertundfünfzig) Mann eingefunden hatten. Herr Goldschmidt hielt eine Rede, der Verbandskassierer Klein und der Arzt Dr. Samter als Freisinnskandidaten für den 27. und den 33. Wahl- bezirk gaben die gewünschten Erklärungen ab— und die Sache war gemacht. Herr Goldschmidts Rede war ein kulturhistorisches Dokument, das im Wortlmit veröffentlicht zu werden verdiente. Wir hätten gar nicht gedacht, daß der Mann noch so ehrlich und treu an den lieben Gott glaubt, wie er es am Freitag bekundete. Wenn es wahr ist, so ist das sein gutes Recht, und das offene Be- kenntnis verdient Achtung. Aber, wie gesagt, zugetraut hätten wir's ihm nicht. Der Anschluß an die fromm-katholischen Kreise, den der alt gewordene Berliner Liberalismus da vollzieht, wird manchen an ein bekanntes, aber nicht gerade salon- fähiges Sprichwort erinnern. Als der Liberalismus noch jung war, trieb er Dinge, die als keineswegs gottgefällig gelten. Nun er gealtert ist- und alles sich von ihm abwendet, will er Stadt- Verordneten-Wahlen mit Gottes Hülfe zustande bringen. Wenn die Bürgerpartei in kirchlichen Kreisen Hülfe sucht, so handelt sie nur konsequent. Der Liberalismus aber wirft, indem er dieses Bünd- nis eingeht, den letzten Rest seiner Traditionen über Bord. Er entledigt sich seines letzten Ballastes, um sein leck gewordenes, sinkendes Schifslein vielleicht noch wieder auf eine kurze Spanne Zeit über Wasser halten zu können. Die sozialdemokratischen Wähler, die Berliner Arbeiterbevölkerung, vor allem auch die k a t h o l i s ch e n Arbeiter, deren es in Berlin viele Tausende gibt, werden dem Freisinn tvie der Bürgerpartei samt dem Zentrum am 8. Ro- vember zu zeigen haben, daß die Werbekraft des sozialdemokrati- scheu Gedankens mächtig genug ist, um gegen den ganzen Troß des vereinigten Bürgertums den Kandidaten der Sozial demo- k r a t i e zum Siege zu verhelfen. Tue jeder seine Pflicht, da- mit auch diesmal toieder der Tag der Stadtverordneten-Wahlen ein R u h m e s t a g für die Berliner Sozialdemokratie wird. Die juristische Sprechstunde am Mittwoch abend fällt wegen der Berliner Stadtverordneten-Wahlen aus. Im Zeichen des Verkehrs. Aus Anlaß des Besuchs des Königs von Spanien am Nachmittage des 0. November d. I. treten folgende Verkehrsbeschränkungen ein: Etwa von 1 Uhr nach- mittags ab werden für Wagen, Reiter und Fußgänger gesperrt: Kaiser. Wilhelmbrücke, Lustgarten, Schloßfreiheit, Schloßbrücke, Fahr- dämme der Plätze am Opern- und Zeughause, Fahrdämme, Reitweg und Mittelpromenade der Straße„Unter den Lmden", Pariser Platz und Platz vor dem Brandenburger Tor. Später wird der Verkehr über den Potsdamer Platz, durch die Bellevnestraße, über den Kemperplatz, durch die Siegesallee, den östlich dieser belegenen Teil der Charlottenburger Chaussee, sowie an den Uebergängen„Unter den Linden" an der Wilhelm- bezw. Neuen Wilhelmstraße, Friedrich- und Charlottenstraße, zeitweilig abgelenkt oder unterbrochen werden. Das Brandenburger Tor wird auch noch einige Zeit nach dem Passieren des Zuges geschlossen bleiben, damit ein ungehinderter Abmarsch der in der Straße„Unter den Linden" spalierbildenden Truppen gewähr- leistet wird. Das Aufstellen fliegender Tribünen und das Besteigen von Bäumen und Bauzäunen ist streng untersagt. Aus Anlaß der am 7. d. M., vormittags 11 Uhr, stattfindenden ereidigung der Rekruten der Garnisonen Berlin, Char- lottenburg, Spandau und Groß-Lichterfelde werden der Lustgarten. die Schloßfreiheit und die Schloß- und Kaiser Wilhelm-Brücke von gl/» Uhr vormittags ab bis nach beendeter Feier für jeden Verkehr gesperrt. Der Verkehr auf den Plätzen am Opern- und Zeughause in der Richtung nach Osten wird nach Bedarf in die Nebenstraßen abgelenkt werden. Von dem Flächeninhalt der Stadt Berlin, der sich auf 6349,47 Hektar stellt, sind nach den neuesten, auf das Jahr 1905 bezüglichen Mitteilungen des städtischen Vermeffungsamtes 3679,46 Hektar als Bauland anzusehen, während die Straßen, Plätze usw. 1546,23 Hektar umfassen, die Parkanlagen 369,06 Hektar, die Friedhöfe 101,61 Hektar, die Exerzierplätze 76,49 Hektar, die Eisenbahnanlagen 414,92 Hektar, die Wasserläufe 161,70 Hektar. Von dem Bau- l a n d sind erst 2782,47 Hektar bebaut und 896,99 Hektar noch unbebaut. Der weitaus größte Teil des unbebauten Landes liegt im Nordosten und im Norden, allein 273,56 Hektar im Stadtteil Königs- viertel, wo immer noch auf den Ausbau des XI. Radialsystems der Kanalisation gewartet wird, und 214,99 Hektar im Stadtteil Wedding. In beiden ist die bebaute Fläche(dort 180,76 Hektar, hier 140,09 Hektar) vorläufig noch geringer als die noch unbebaute. Dagegen ist in allen anderen Stadtteilen das Verhältnis umgekehrt. So sind auf dem Gesundbrunnen nur 93,21 Hektar noch unbebaut, aber 134,12 Hektar bebaut, im östlichen, Teil des Stralauer Viertels nur 75,38 Hektar noch unbebaut, aber 200,65 Hektar bebaut usw. Die geringste unbebaute Fläche vorhandenen Baulandes findet sich in den vereinigten Standesamtsbezirken Altstadt und Friedrichstadt, nur 0,97 Hektar, während hier 320 Hektar bebaut sind. Zur Selbstmordstatistik. Im Jahre 1904 haben in Berlin 612 Personen durch Selbstmord geendet. 132 haben sich vergiftet; davon endeten 19 durch Gasvergiftung. Den Tod durch Erhängen wählten 199 Personen, 94 suchten und fanden den Tod im Wasser, 2 ließen sich überfahren. Erschossen haben sich 133. Zum Messer griffen 11 Selbstmörder, während 26 durch Sturz aus dem Fenster usw. endeten. Auf andere Weise schieden 10 Personen freiwillig aus dem Leben._ Eine Familieutragödie wird aus Boxhagen-Rummelsburg gemeldet. In dem Quergebäude des Hauses Boxhagener Chaussee 10, an der Weichbild- grenze Berlins, wohnte seit kurzem der Arbeiter N e h r i n g mit einer Frau Anna geb. Michael und zwei 5 und 3 Jahre alten Kindern Gertrud und Ella. Die Ehe dieser Leute war nicht glücklich, weil die Frau Neigung zur Leichtlebigkeit zeigte. Wiederholt drohte ihr Mann ihr, daß er sie verlassen werde. Gestern verließ er nach einem heftigen häuslichen Auftritt die Wohnung. Als er später doch wieder zurückkehrte, fand er keinen Einlaß mehr. Jetzt suchte er seine Frau und Kinder bei ihrem Bruder in der Boxhagener Chaussee 15. Als er sie dort nicht fand, ging er �nichts sGutes ahnend mit seinem Schwager wieder nach Hause und ließ die Wohnung durch einen Schlosser öffnen. Den Männern bot sich ein chrecklicher Anblick. Frau Nehring hatte ihre beiden Kinder und sich selbst erhängt. Alle drei waren tot, Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg mehr. Trotz aller Warnungen. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern vor dem Hause Berlinerstr. 104 in Pankow. Dortselbst versuchte der in der Chorinerstr. 30 wohnhafte Arbeiter Rogosch von einem in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen der Linie 46 abzuspringen. R. wurde mit furchtbarer Gewalt gegen einen eisernen Mast der Stromleitung der Straßenbahn geschleudert und erlitt einen doppelten Rippenbruch und eine Kopfverletzung. Ter Verunglückte Ivurde im Straßenbahnwagen bis nach der Breitenstraße in Pankow transportiert und erhielt bei dem dort- selbst wohnhaften Arzt Dr. Fischer einen Notverband. Von hier aus wurde er mittels Kran wn wagen, seinem Wunsche entsprechend. nach seiner Wohnung übergeführt.— Beim Besteigen eines in der Fahrt befindlichen Straßenbahnwagens verunglückte gestern am Halleschen Tor der Kaufmann Max Bunken, Mansteinstr. 16. Er versuchte, auf die Vorderplattform eines Motorwaggons der Linie 82 zu springen, glitt ab und siel so unglücklich, daß er einen Bruch hause übergeführt. Zum Krüppel gefahren. Ein entsetzliches Unglück ereignete sich Freitag nachmittag gegen 146 Uhr in der Birkenstraße, Ecke der Bremerstraße. Tortselbst spielte die dreijährige Tochter des Tischlers Dietrich, Bremerstmße 43 wohnhaft, auf dem Fahrdamm, als ein Straßenbahnzug der Linie 15(Rixdorf— Moabit)' vorbeifuhr. Plötzlich lief die Kleine quer über den Fahrdamm, geriet zwischen dem Motor- und Anhängewagen des Straßenbahnzuges, wurde niedergerissen und kam unter den Anhängewagen zu liegen, dessen Räder ihr über das linke Bein hinweggingen. Dem Kinde wurde der Knochen des Unterschenkels zermalmt und förmlich vom Körper losgetrennt. Der Schaffner des Anhängewagens trug das verunglückte Mädchen nach dem Krankenhause Moabit, woselbst ihm das Bein sofort amputiert werden mußte. Von einem Schlächterwagen üierfahren und getötet wurde gestern die 78 Jahre alte Witwe Alwine Selbiger aus der Grimmstr. 25, als sie vor dem Hause Dresdenerstraße 126 den Fahrdamm über- schreiten wollte. Sie erlitt einen Schädelbruch und starb bereits auf dem Wege nach dem Krankenhause am Urban, wohin ein Schutzmann sie bringen wollte. Durch einen Wäschebrand um das Leben gekommen ist das zwei Jahre alte Kind Frieda Keusche! aus der Kleinen Andreasstraße 10. Die Mutter hatte vorgestern abend den Kinderwagen, in dem die Kleine schlief, in die Küche gestellt, in der Wäsche zum Trocknen auf- gehängt war. Diese geriet im Laufe der Nacht in Brand und ver- qualmte die Küche so stark, daß das Kind im Wagen erstickte. Als um Mitternacht ein Bruder der Frau Keusche! heimkehrte und den Brand entdeckte und löschte, war es schon tot. Arbeitslosigkeit hat den Kellner Bruno Standke aus der Jnvä- lidenstraße 33 in den Tod getrieben. Durch zwei Revolverschiisse in die Brust machte er seinem Leben ein Ende. Sein in der Chaussee- straße wohnender Bruder fand ihn tot in seinem Zimmer liegen. Arbeiter-Bildungsschule Berlin. Heute abend 7 Uhr im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel-Ufer 15, Vortrag mit pianistischen und gesanglichen Erläuterungen über:„Das deutsche Volkslied" von Dr. Leopold Hirschberg(Dozent für Musikgeschichte an der Hmnboldt-Akademie). 1. Das Volkslied im Altertum. 2. Der Minnesang und Meistersang. 3. Das Volks- lied des Mittelalters. 4. Verfall des Volksliedes, die Kanapee- und Perückenzeit. 5. Wiederaufleben des Volksliedes in der Neu- zeit. Billet an der Kasse 30 Pf. inkl. Garderobe. Beginn pünkt- lich 7 Uhr. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Straßensperrung. Die im Zuge der Thaerstraße befindliche „Schwarze Brücke" wird behufs Vornahme von Reparaturarbeiten vom 6. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Der Zentralverband der Handels- nnd Transportarbeiter teilt mit, daß das Mitglied Heinrich Tarnwig, Müllerstraße 35a, das Mitglieds- buch der Organisation sowie das des Wahlvereins für den VI. Kreis verloren habe. Beide Bücher befinden sich in einer roten Brieftasche. Der etwaige Finder wird um Rückgabe der Bücher an den Verlierer gebeten. Berliner Asyl-Berein für Obdachlose. Im Monat Oktober nächttgten im Männer-Asyl 21445 Personen, wovon 8311 badeten, im Frauen-Asyl 4603 Personen, wovon 1221 badeten. Die Verminderung der Geburten in Berlin, die nun schon seit ziemlich drei Jahrzehnten andauert, erklärt sich nur zum Teil daraus, daß die Heiratslust nachgelassen hat, zum anderen Teil ist sie offenbar auf eine Abnahme der Fruchtbarkeit der Ehen zurück- zuführen. Die vom Berliner Statistischen Amt ausgeführte Ver- gleichung der jährlichen Zahl ehelicher Geburten mit der Zahl der vorhandenen Ehefrauen ergibt für die Jahre von 1876 bis 1904 eine nahezu ununterbrochene Abivärtsbewegung. Das Jahr 1876 hatte die für das damalige Berlin ganz außerordentlich hohe Zahl von 40 302 ehelichen Geburten gebracht und hatte hiermit den Ab- schluß einer nach 1871 einsetzenden raschen Aufwärtsbewegung ge- bildet. 40 302 eheliche Geburten waren 41 auf das Tausend der damaligen Bevölkerung Berlins und 240 auf das Tausend der vo�- handenen Ehefrauen. Schon fünf Jahre später, im Jahre 1881) stellte sich die Zahl der ehelichen Geburten auf nur 39 129, nur noch rund 34 für je tausend Personen der Bevölkerung und nur noch rund 197 für je tausend vorhandene Ehefrauen. Die Abwärts- bewegung dauerte dann fort, wurde aber etwas langsamer. Das Jahr 1904 schließlich brachte 42 447 eheliche Geburten, das sind nur noch III— 112 auf je tausend Ehefrauen. Will man von dem außerordentlichen Geburtenreichtum des«inen Höhepunkt bildenden Jahres 1876 absehen und nur bis 1879 zurückgehen(das 39 806 eheliche Geburten hatte, 37 auf tausend Einwohner,' 214 auf tausend Ehefrauen), so hat sich in den letzten fünfundzwanzig Jahren die Geburtenzahl, mit der Zahl der Ehefrauen verglichen, nahezu auf die Hälfte verringert. Feuerbericht. Wegen eines größeren Tifthlereibrandes wurde die Wehr gestern früh gegen 5 Uhr nach der Manteuffelstr. 121 gerufen. Die zweite Kompagnie mußte tüchtig Wasser geben, um die Flammen zu ersticken. Ueber die Entstehungsursache ist nickstS ermittelt.— Eine Stunde später entstand in der Waldemarstr. 71 in einer Wohnung Feuer, das indes leicht unterdrückt»verden konnte.— Steinkohlen hatten sich dann am Halleschen Ufer 84 entzündet, während noch in der Müllerstr. 164 vom 16. Löschzuge ein Brand befestigt werden mutzte, der in einer Badestube aus- gekommen war. Das Casino-Theater in der Lothringerstraße hat mit den Novi- täten seines neuen Programms wieder einen guten Grift getan. Man kam aus dem Lachen gar nicht heraus. Die Verwickelungen, die das Hauptstück des Abends„DasOpferlamm". Schwank in drei Aufzügen von Oskar Walther und Leo Stein, boten, waren denn auch überaus grotesk und recht geschickt in die Handlung des Schwankes hineingeflochteii. Ein junger Offizier steht am Tage vor seiner Hochzeit mit der Tochter eines reichen Rittergutsbesitzers. Er hat einen Sttich unter die Eseleien seiner Jugendjahre gezogen. Alle seine Hoffnungen sollen sich nun erfüllen.— da erscheint seine ehemalige Geliebte, eine Zirkusreiterin, im Hause der Brauteltern. Sie fordert eine Wftndungssumme von zehntausend Mark. Ihm steht diese Summe nicht zur Verfügung. Blamieren will er sich aber auch nicht lassen. So muß denn die Zirkusdame, die durch- aus nicht abreisen will, gesellschaftlich einrangiert werden. Ein Jugendfreund des Bräutigams, Professor v. Griebenow, muß sich zum Pseudogatten hergeben. Dessen Gattin wieder, die erst später eintrifft, wird die neuengagierte Stütze usw. Die Verwickelungen und Verwechselungen wachsen in's Ungeheure. Endlich verschafft ein Freund des bedrängten Bräutigams diesem die geforderten zehn- tausend Mark. Und nun entwirrt sich der Knoten. Zwei glückliche Brautpaare repräsentieren sich am Schlüsse.— Prächtig war Direktor Hans Berg in der Rolle des Professors, auch Fräulein Lilly Behle machte als Kunstreiterin einen vorzüglichen Ein- druck. Adolf Zimmermann, der den reichgewordenen Holzhändler Lehmann darstellte, ließ es an grotesker, viel belachter Komik nicht fehlen. Auch bei den anderen Mitspielenden waren die Rollen in guten Händen.— Fritz Schäfers einaktige Operette „Im Spreewald", die das Programm eröffnete, sowie die drei Einlagen(Musikalischer Akt, Zivergduettisten und die groß- artigen Leistungen des Kunstschützen Martens) verdienten den reichen Beifall, der ihnen bei offener Szene und nach Fallen des Vorhangs gezollt wurde. Zirkus Schumann. Neue Debüts haben zu Anfang dieses Monats im Zirkus A. Schumann stattgehabt. Da ist zu- nächst der Globuskünstler Mr. Willie Hale. assistiert von Miß Francis, welcher zunächst als Reifenmanipulator, später als Jongleur auf rollender Kugel, arbeitet. Seine Tricks mit dem farbigen Reifen sind bewundernswert; die elastischen Spangen ge- horchen ihm willenlos, sie laufen fort und kehren gehorsam zu ihm zurück; sie rollen vorwärts, um plötzlich in einem rechten Winkel nach der Seite abzugehen, sie durchkreuzen einander in ihrem Laufe usw. Auch der komisch-akrobattsche Akt des Wally Hoste-Trios, dessen Debüt am 1. d. M. stattfand, findet allabendlich starken Bei- fall. Daneben stehen die anderen Programinnummern, deren Debüts erst unlängst stattfanden, der Tscherkessenreiter Arkadia, welcher als Stehendreiter brilliert, die interessanten, fast unheim- fachen Chunchusen mit ihren verblüffenden Fakirkunststücken und die braunen Söhne Javas mit ihrer Parterreakrobatik. Besonders bemerkenswert ist die Sportpantomime„Der Tag des englischen Derby", in welcher Direkror Schumann ein Stück echt englischen Lebens vor dem Auge des Besuchers entrollt. Die Derbypantomime geht heute in beiden Vorstellungen nachmittags und abends in Szene. Bei dem regen Interesse, das die deutschen Arbeiter den Er- cignijsen in Rußland entgegenbringen, wollen wir unsere Leser daran crcinnern, daß in der von der Buchhandlung Vorwärts heraus- gegebenen illustrierten Unterhaltungsschrift„In Freien S t u n- d e n" ein Roman erscheint, der sich mit Rußlands Zuständen be- faßt. Es ist dies Jules Vernes„Ter Kurier des Zaren". Wir machen unsere Leser auf die wöchentlich �erscheinende Romanbibliothek besonders aufmerksam, die außerdem noch den sehr spannend und interessant geschriebenen Roman von Otto Rupius„Das Vermächt- nis des Pedlars" und andere kleine Schilderungen und Erzählungen interessanter und belehrender Art bringt. Soeben ist Heft 43 erschienen; die Hefte sind durch alle Partcibuchhandlungen, in Berlin auch durch die Parteispeditionen und sonstigen Speditionen und Kolporteure zum Preise von 10 Pf. zu beziehen. Von dem zweiten Band der„H o h e n z o l l e r n- L e g e n d e" sind die Hefte 26 bis 32 erschienen. Wir sehen in diesen Heften die Geschichte des„Alten Fritz" und erfahren die wirklichen Motive, die ihm zu den jahrelangen Kriegen um Schlesiens BesitzVcranlassung gaben. Das im Heft 23 beginnende 13. Kapitel:„Ueberspannung des Absolutismus" hat folgenden Inhalt: 1. Tie Eroberung Schlesiens.— Dynastisches oder volkswirtschaftliches Jntercße?— An jedem Hofe anders sprechen.— Das Bekenntnis zum Ehrgeiz.— Ter erste Sieg.— Bündnis mit Frankreich.— Zweifacher Bruch des Bündnisses und Sonder- friede mit Oesterreich.— 2. Die resegnierte Stimmung. Neue Gefahr und neuer Vorstoß.— Ein unglücklicher Fcldzug.>— Drei Siege.— Tie russische Gefahr.— Ter neue Friede.— Gute Vorsätze für die Zukunft.— 3. Wirtschaftspslege.— Beteiligung des Adels an der Rente des Absolutismus.— Mono- polisicrung der oberen Verwaltung für die Funker.— Kampf um die Bauern.— 4. Kabinettsregierung.— Der König als Lob- redner der Republik.— 5. Das fiskalische Regiment.— Die persönliche Philosophie des Königs.— Aufklärungsverbote.— Lockerung der Sitten in der herrschenden Gesellschaft. Die Hefte sind zum Preise von 23 Pf. durch jede Parteibuch- Handlung, in Berlin auch durch die Parteispeditcure, zu beziehen. Die bereits erschienenen Hefte können nachbezogen werden. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der mit Ballon- aufnahmen aus dem schweizerischen Alpcnland ausgestattete Vor- trag„Spelteruus Alpen- und Wüstenfahrten im Ballon" am Montag, Mittwoch und Freitag wiederholt werden; am Sonntag, DienStag, Donnerstag und Sonnabend gelangt der Vortrag„Im Lande der Mitternachtssonne" zur Darstellung. Im Hörsaal spricht am Dienstag Herr Dr. v. Unruh über„Die Porzellanfabrikation", am Tonnerstag Herr Dr. Thesing über„Staatenbildung bei niederen Tieren" und am Sonnabend Herr Dr. Donath übet„Elektrisches Licht". Im Theater findet am Sonnabend eine Nachmittagsvor- stcllung zu kleinen Preisen statt, und zwar wird der Vortrag„Tier- leben in der Wildnis" gehalten werden.— Im großen Hörsal der Urania in der Jnvalidenstraße wird am Dienstag, abends 8 Uhr, Herr Dr. Ristenpart über„Die Kometen und Sternschnuppen" sprechen. Deutsche Heimarbeit-Ausstellung. Tie gemeinsam von bürger- lichen Sozialpolitikern unter Führung des Bureaus für Sozial- Politik und von Vertretern der Arbeiterorganisationen(freien Ge- ivcrkschaften, deutschen Gewerkvereinen. christlichen Gewerkschaften) betriebenen Vorarbeiten sind soweit gediehen, daß die Veranstaltung der Ausstellung von Erzeugnissen der Heimarbeit und Hausindustrie für Witte Januar(17. Januar) bis Ende Februar nächsten Jahres jetzt feststeht, und zwar in mehreren geräumigen Sälen der alten Kiinsiakademie, Unter den Linden Nr. 38. Es ist beabsichtigt, ein möglichst vollständiges Bild der gesamten deutschen Heimarbeit durch Vorführung ihrer Erzeugnisse in View Hauptgruppen: Metall, Holz. Bekleidung. Lebens- und Genußmittel, mit zahlreichen Unter- abteilungen zu geben. Dabei sollen die Waren mit Angaben über Mc Arbeitszeit und die Lohnhöhe versehen werden. Literarische hülfsmittel. Vorträge und bildliche Darstellungen loerden zu , eiterer Erläuterung herangezogen. Geschäftsstelle ist bis auf eiteres das Bureau für Sozialpolitik, Berlin W. 30, Nollendorf- :aße 29/30. Dem Berliner Aquarium sind zwei Exemplare eines Glieder- ilers überwiesen, den man bislang hier vermißte. Es sind zwei Skorpione aus Algier, die ihr Heim nun in einem besonderen Glas- kästen in der Schlangengalerie gefunden haben. Diese Vertreter jener schon im Altertum berüchtigten und, worauf bereits das be- kannte alttestamentliche Bibelwort hindeutet, schreckhaften Glieder- tierc, die trotz ihres in mancherlei Beziehung an die Krebse ge- mahnenden Körperbaues zu der Ordnung der Spinntiere gehören, sind wie andere ihres Geschlechts gefürchtet wegen des Giftstachels am Schwänzende, dessen Stich hinreicht, um kleinere Tiere zu töten und den Menschen sehr schmerzhaft zu verwunden. Außerdem wurden dem Aquarium noch von anderer Seite„Skorpione" zuge- führt, die jedoch nichts mit der erstgenannten zu tun haben, sondern zu den Seefischen zählen und nur infolge der merkwürdigen, vcr- wundendcn Körperstacheln und der von der eigentlichen Fischform mehrfach abweichenden Leibcsgestalt als Skorpione bezeichnet wer- den. Von höher organisierten Fischen trafen im Aquarium aus Rovigno drei Mitglieder der Familie der Katzenhaie ein, welche voraussichtlich der Haifischzucht des Instituts„neues Blut" zu- führen werden. Auf der Treptow-Sternwarte wird Herr Direktor Archenhold, Sonntag den 5. November, nachmittags 5 Uhr einen Licbtbilder-Vortrag:„Ein Tag auf dem Monde" über die in den letzten Jahren beobachteten Einstürze und Neu- bildungen von Kratern und abends 7 Uhr über:„Das Leben im Weltall" sprechen. Durch die Möglichkeit, jetzt Photographien der Marskanäle erhalten zu können, hat auch die Frage der Be- wohnbarkeit besonderes Interesse.— Der Montagsvortrag, abends 9 Uhr:„Die Monde im Planetensystem", behandelt die alten und neuentdccktcn Monde aller Planeten.— Mit dem großen Fernrohr wird schon von 4% Uhr an täglich der Mond gezeigt. Am 7. November werden nacheinander 2 Sterne in den Fischen vom Mond bedeckt. Gerichts-Zeitung. GcsiiildhcitSgcfiihrdeildc Lchrerwohnungen machen die Gemeinde schadenersatzpflichtig. So hat jetzt auch das Reichsgericht entschieden. Die Gemeinde Ringen hatte im Jahre 1892 die Lehrerin Z. aus Koblenz in der dortigen Volksschule angestellt. Die Dienst- Wohnung war dumpf und feucht. Abhülfe wurde trotz Verlangens nicht geschaffen. Als Schadenersatz verlangte Klägerin von der Gemeinde Zahlung der Gehaltsdifferenz zwischen Pension und Gehalt nebst der Altersklassenzulage, solvie eine Extragewährung für notwendige Bäder in Höhe von zirka 200 Mark pro Jahr. Das Obcrlandcsgericht Köln erkannte die Klage in vollem Um- fange— einschließlich der Zulagen— als berechtigt an. In den Gründen heißt es: Der Kansalzusammenhang zwischen der schlechten Wohnung und der Krankheit der Klägerin ist als festgestellt an- zusehen. Die Beklagte war aber verpflichtet, die Wohnung in einem Zustande zu erhalten, der für die Klägerin nicht gefahrbringend werden konnte. Die Klägerin hat auch seit langer Zeit um Abhülfe ersucht, ohne daß solche erfolgt wäre. Mithin hat die Beklagte die Gesundheit der Klägerin widerrechtlich und fahrlässig verletzt und haftet für den eingetretenen Schaden.— Die Gemeinde Ringen griff dieses Urteil durch Revision vor dem Reichsgericht an mit dem Einwand, Klägerin könne sich immer noch etwas verdienen, da sie nicht ganz erwerbsunfähig sei. Das Reichsgericht erhielt jedoch die Vorentscheidung aufrecht. Mocden- Spielplan der Berliner Cbeater. Opernhaus. Sonntag: Margarete. Montag: Der fliegende Holländer. Dienstag: Coppclia.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Der schwarze Domino. Donnerstag: Lohcngrin.(Anfang 7 Uhr.) Freitag: Robert der Teufel. (Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Der schwarze Domino. Sonntag: Die Zaubcrslöte. Montag: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Tchaiispielhans. Sonntags Der Schwur der Treue. Montag: Die Journalisten. Dienstag: Der Schwur der Treue. Mittwoch: Iphigenie ans Tauris. Donnerstag: Der Schwur der Treue. Freitag: Wilhelm Tcll. Sonnabend: Wie die Mten sungen. Sonntag: Der Schwur der Treue. Montag: Prinz Friedrich von Homburg._ Neues Königl. Operntheater. Sonntagnachmittag 2 Uhr: Gustav Adols. Abends 7Y, Uhr: Wie die Alten sungen. Montag: Geschlossen. Dienstag und Mittwoch: Gustav Adols. Donnerstag: Geschlossen. Freitag: Gustav Adols. Sonnabend: Geschlossen. Sonntagnachmittag 2 Uhr; Gustav Adolf. Abends: Nathan der Weise. Montag: Gefchlossen. ttessiiig-Theatcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Rosenmontag. Abends lyz Uhr und Montag: Stein unter Steinen. Dienstag: Elga. Mittwoch: Die Wildente. Donnerstag, Freitag und Sonnabend! Stein unter Steinen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Weber. Abends 7'/, Uhr: Die Wildente. Montag: Stein unter Steinen. Deutsches Theater. Sonntag: Das Käthchcn von Hcilbronn. Montag: Der Kammersänger. Die Neuvermählten. Dienstag: Das Käthchcn von Heilbronn. Mittwoch: Der Kammersänger. Die Neuvermählte». Don- Ireitag: Das Käthchen von Hell» Kaufmann von Venedig. Montag: nerstag: Der Kaufmann von Venedig. bronn. Sonnabend und Sonntag: Der Das Käthchcn von Heiwronn. Schillcr-Thcater 4».(Wallner-Thcater.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Traum ein Leben. Abends 8 Uhr: Wilhelm Teil. Montag: Der Veilchenfresser. Dienstag: Nora. Mittwachnachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tcll. Abends 8 Uhr und Donnerstag: Der G'wissrnSwurn:. Freitag: Wilhelm Tcll. Sonnabend: Der Veilchensresser. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Traum ein Leben. Abends 8 Uhr: Nora. Montag: Hosgunst. Schiller-Theater X.(Fricdrich-Wilhclmstädtischcs Theater.) Sonntag- nachmitag 3 Uhr: Fuhrmann Henschcl. Abends 8 Uhr: Der Veilchen- sresser. Montag: Der Traum ein Leben. Dienstag: Ein Wintermärchen, Mitlwochnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abend 8 Uhr und Donnerstag: Der Veilchensresser. Freitag: Maria Stuart. Sonnabend: Ghgcs und sein Ring. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fuhrmann Henschel. Abends 8 Uhr: Der Veilchensresser. Montag: Gyges und sein Ring. Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Andalosia. Abends 7>/z Uhr und Montag: Kiwita. Dienstag: Andalosia. Mittwochs und Don- nerstag: Küvito. Freitag: Die Jungfrau von Orleans. Sonnabend: Kean. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Kean. Abends 7'/z Uhr: Kiwito. Montag: Andalosia. Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Lore. Der zerbrochene Krug. Abends 8 Uhr: Das vierte Gebot. Montag: Hidalla. Dienstag: Das vierte Gebot. Mittwoch: Hidalla. Donnerstag: Das vierte Gebot. Freitag: Hidalla. Sonnabend: Ghetto.(Ansang 7'/, Uhr.) Sonntag: Ghetto. Montag: Hidalla. Lustspielhans. Sonnlngnachmittag 3 Uhr: Viederleute. Abends 8 Uhr und Montag: Die heilige Sache. Dienstag: Der Familientag. Mittwoch und Donnerstag: Die heilige«ache. Freitag: Der Familienlag. Sonnabend: Die beilige Sache. Sonnntagnachmittag 3 Uhr: In Behand- lung. Abends 8 Uhr: Die heilige Sache. Montag: Unbestimmt. Neues Theater. Sonntag und folgende Tage: Ein Sommernachts- trauni. Residenz- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Hcrkulespillen. Abends 8 Uhr und Montag vis Sonnabend: Der Prinzgemahl. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der>2chläswagen-KontroIcur. Abends 8 Uhr und Montag: Der Prinzgemahl. Trianon-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Madame Torera. Abends 8 Uhr und Montag bis Sonnabend: Der letzte Troubadour. Sontagnachmittng 3 Uhr: Madame Torero. Abends 8 Uhr und Montag: Der letzte Troubadour. Earl Wrist-Theater. Von Sonntag bis Dienstag: In Berlin ist was los. Mittwochnachmittag 3Y. Uhr: Santa Wolssburg. Abends 8 Uhr und Donnerstag und Freitag: Jn'Berlin ist was los. Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Schneewittchen. Abends 8 Uhr und Sonntag und Montag: In Berlin ist was los. Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Zigeuner- baron. Abends TL Uhr und Montag: Die Zaubcrslöte. Dienstag: Die Rcgimentstachter. Von Mittwoch bis Freitag: Der Opcrnball. Sonnabend: A Santa Lucia. Sonntagmittag 12 Uhr: Matinee. Jsadora Duncan. Nachmittags 3 Uhr: Der Troubadour. Abends 71/2 Uhr: Die Fledermaus. Montag: La Traviata. Metropol- Theater. Allabendlich: Aus ins Metropol.(Ans. 8 Uhr.) Sonntag TL Uhr. Zentral- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Bettelstudent. Abends 71/j Uhr: Die Geisha. Montagnachmittag 5 Uhr: Prinzehchcn Goldtraut. Abends 8 Uhr und Dienstag: Die Geisha. Mittwochnachmitlag 3 Uhr: Prinzetzchcn 6>oldtraut. Abends 8 Uhr und Donncrßtag: Die Geisha. Freitag: Der Bcttclstudent. Sonnabendnachmiltag 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abends 7y,Uhr: Musette. Sonntagnachmittags 3 Uhr: Die Geisha. Abends Tjt Uhr: Musette. Montag: Unbestimmt. Thalia-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Charleys Tante. Abends 8 Uhr und Montag bis Sonnabend: Bis früh um Fünfe. Sonntag- nachmittag 3'/., Uhr: Charleys Tante. Abends 8 Uhr und Montag: Bis früh um Fünfe. Belle- Alliance- Theater.«-onntngnachmittag 3 Uhr und all- abendlich 8 Uhr: Georg Kaiser. Spezialitäten. Lnisen-Theater. Sonnlagnachmiltag 3 Uhr: Pech-Schulze. Abends 8 Uhr: Faust. Montag: Simson. Dienstag: Der Bcilchcnfrcfser. Mitt- woch: Hamlet. Donnerstag: Simson. Freitag: Faust. Sonnabend: Der Mann im Monde. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Der Veilchcnsrcsser. Abends: Hamlet. Montag: Simson. Deutsch- Amerikanisches Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Abends und folgende Tage: Aber Herr Herzog. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Walhalla-Theater. Allabendlich 8 Uhr: In Lcbensgcsahr. Spczia- litäten. sonntags l'l, Uhr. Casino-Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Der Adelsnarr. Abends 8 Uhr bis Sonnabend: Das Opserlamin. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Der AdelSnarr. Abends 8 Uhr und Montag: Das Opferlamm. Apollo-Thcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Frühlingslust und Spezialitäten. Allabendlich: Frau Luna. Spezialitäten. Sonntagnach- mittag 3 Uhr: Frühlingslust. Spezialitäten. Passage- Theater. Allabendlich: Poldi Augustin. Tacianu. Spe- zialitäten. Ansang 8 Uhr. Gebr. Herrufcld- Theater. Sonntag und folgende Tage: Ter Familientag. Folico lkaprice. Allabendlich 8 Uhr: Nach dem Zapsenstrcich. lsoll und Haben. Ab Freitag: Nach dem Zapsenstrcich. Familie Knopfloch. Urania-Theater. Taubenswnße 48/49. Im Lande der Mitternachts- sonne. Montag, Mittwoch und Freitag: Alpen- und Wüstensahrten iui Ballon. Anfang 8 Uhr. Sonnabend: Tierlcbcn in der Wildnis. Ansang 4 Uhr. Die Insertionsgebiilir beträgt litt die sechsgespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 20 Pfennig;. Inserate für die nächsteNurnrner müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends geöffnet. VORORT-ANZEIGEN Alt. Glienicke: Reinhold Schulz, Rudowerstr. 83. Britz: Hermann Schliebltz, Jahnstr. 2. Charl Ottenburg: Gust. Scharnberg, Sesenheimer- strasse t Ecke Ooethestr. vorn I. Dtsch..Wilmersdorf: W. Nickel, Brandenburgischestr. HO III. r. Lichtenberg. Friedrichsfelde-Wilhelmsberg- Boxhagen. Rummclsburg- Stralau: Otto Seikcl, 0. 112, Kronprinzenstrasse 501. Grünau: H. Bluhme, Viktoriastr. 2. Kixdort: M. Heinrich, Prinz Handjerystr. 7, im Laden; Conrad, Mermannslr. 50. Schöneberg: Wilh. Bäumler, Martin Lutherstr. 51. Ober-Schönewelde: Otto Münzer, Dculstr. 4 II. Annoncen- Annahmestellen: I Nieder» Schöncwelde: Bonakowsky, Hassel- werderstr. 1 d. I Johannistal: Franz Hünold, Bismarcksir. 7. Adlershof: Paul Schmidt, Bismarckstr. 321. KönigS'Wustcrhausen: P. Körle, Berlinerstr. 19- Köpenick: Friedrich Woick, Orünstr. 29. Friedenau-Steglitz: H. Bernscc, Schlossstr. 115, Gartenhaus 1, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H.Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. Schcllhase, Ahornsir. 15a. Marlcndorf: Hermann Reichardt, Chausseestr 16. Baumschulenwcg: Stock, Ernststr. 2 II. Treptow: R.Voigt, Elsenstr. 37, vorn III. Neu-Wclssensee; W. Reske, Sedanstr. 53, part. Wcisscnsec: Jul. Schiller, König-Chaussee 39a. Reinickendorf(Ost», Wilhelmsruh und Schön» holz: Paul Oursch, Provinzstr. 108 im Laden. Reinickendorf(West): Neuhoff, Eichbornstr. 54. Rumnielsburg: 0 John, Karlshorsterstr. 2. Tegel, Borsigwalde, Daildorl und Waidmanns- lust: Paul Kienast, Borsigwalde, Schubartstr. 43. Pankow: 0. Freiwaldt, Florastr. 65. Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankeis- Ablage: A. Cirälz, Eichwalde. Kronprinzenstr.8211. Nowowes: Wilhelm Jappe, Friedrichstr, 1. Spandau: Koppen, Jagowstr. 9. Inserateß-Mräge grösseren Umfangs nach besonderer Vereinbarung durch die Haupt-Expedition Lindenstrasse 69. Emil Quade Schonebergy Hauptstraße 138. Größtes und billigstes Spezialgeschäft Schönobergs in Uhren, Juwelen, Gold-, Silber- und 196V* Alfenidewaren. Neuanfertigung und Reparatur in eigenen Werkstätten zu billigsten Preisen. Leiste für jede bei mir gekaufte Uhr dreijährige schriftliche Garantie. Altes Gold nehme in Zahlung. Otto Schräder Uhrmacher Friedrichsberg— Berlin O. TfranUfurter Chaussee fto. 8 am Buiuihof Fraiikfiii'tcr Allee empfiehlt sein großes Lager in Uhreü, Gold-, Silber- und nifemde-Waren. isev» Eigene Werkstatt f(ir Rcparataren nnd Sicaarbelt. Fernsprecher: Amt Friedricheberg, No. 181 Geschastseröffnung. Jl bb 4 v Rlxdorf, ■ � M 1 at j Jngerstr. 7«. 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