Ur. 264, flbonnemf otS'Brdlngungcn: •OonnementS. Preis pränumerando! SierteljShrl. z,zo Ml. monatl. l.l0 MI.. lodchentlich A Pfg. frei WS Haus. Einzelne Zlummer 5 Pfg. Sonntags. nununer«!t Mustrierter Sonntags- «eUoge.Die Reu, Welt- lv Pfg. Post. ilbonnemenl: l.lO Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.geltungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn st Marl, für daS übrige Ausland » Marl pro Monat. ««(tu agua wBtf moni,,». SÄ. Jahrg. VI« TnlertlonS'Gebfllir betrügt für die fechSgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum 40 Pfg., ftir politische und gewerkschaftliche BereinS- und VerfammInngS-Anzeigen 26 Pfg. „Uleln, Snrelgen". das erste(fett. gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über tS Buchstaben ziihlen für zwei Borte, Inserate für die nSchste Nummer müfsen bi» 6 Uhr nachmittags in der Sipedttion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wachen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bi»« Uhr vormittag» geifsnet. Berliner Volksblntk. Zentralorgan der Ibzialdemohrat» fchen parte! Deutfchlands. relegramm.kldreffi! „SoxiaidtinoKrat Bcrtla", Rcdahtion: 6RI. 68, Lindcnetrasse 69. Fernspre-tier:«»>»»Y. Nr. 19Sa. Expedition: BCtl. 68, Lindcnetraeee 69. fyrrnsprcrtier: Amt IV. Nr.>»544. Flottenkoller. Im Jahre 1�00 wurde von der Reichstagsmehrheit jene ungeheuerliche Flottenvorlage bewilligt. die an Marine- Ausgaben bis zum Jahre 1917 nahezu 5 Milliarden Mark vorsah. Und jetzt, nach 6 Jahren, ist dem Reichstage bereits eine neue Flottenvorlage angekündigt worden, die nach den Berechnungen eines ZenttumsparlamentarierS für die nächsten 12 Jahre eine Erhöhung der Marine-Ausgaben um jährlich 70 Millionen Mark fordern soll. Damit hätte der Marine- Etat eine Höhe von mehr als 300 Millionen erreicht, das heißt soviel, alS das Deutsche Reich im Jahre 1872 für Heer, Marine, Pcnsionsfonds und Schuldenzinsen zusammen ausgab I Haben sich die Ausgaben für die Landarmee der- dreifacht, sc» haben sich die Marinekosten inzwischen der- v i e I f a ch t. Diese ungeheure Steigerung, namentlich der Marine- Ausgaben, offenbart den Umschwung der Auffassung, der sich innerhalb einer ganz kurzen Zeitspanne bei unserer Herr- schenden Klaff« über den Zweck unserer Marine und die Welt- politische Stellung Deutschlands vollzogen hat. Noch vor einein Jahrzehnt hätte kein ernsthafter Politiker gewagt, sich ZU jenem Evangelium der Weltpolittk zu bekennen, das jetzt auf allen Gassen gepredigt wird. Als im Jahre 1896 der Hänge-Peters das damals ausgegebene Schlagwort von dem„größeren Deutsch- land» aufnahm und für eine„Weltpolitik" agitierte, ivurde feine Propaganda sowohl von dem damaligen Staatssekretär der Manne, H o l l m a n n, wie von dem Staatssekretär des AuSwärttgen Amtes, von Marschall, mit aller Schärfe desavouiert: an keiner Stelle im Reiche bestehe die Absicht, Schiffe ins Blaue hinein zu bauen und eine Weltpolitik zu inaugurieren, wie man sie vielfach befürchte. Und im März desselben Jahres erklärte der Führer des Zentrums, der Ab- izforduete Dr. Lieber, im Reichstag feierlich, daß seine �Mischen Freunde ohne jede Ausnahme entschlossen seien, gegen die uferlosen Flottenpläne jetzt und immer ganz entschieden Front zu machen. Daß man auch in konservativen Kreisen von der„gräßlichen Flotte" nichts wissen wollte, ist nicht minder bekannt. Und heute, wo die uferloseste Flotten- und Weltpolitik längst zum gesetzlich fest- gelegten Programm der Marineverstärkung geworden ist, wo-8 sich um nichts Geringeres handelt, als um ein aberwitziaes Weittüsten mit England und Amerika, ist von einer ernstlichen Opposttlon vom Zentrum bis zum demo- krattschen Freisinn kein Hauch mehr zu verspüren I Wie ist eine solch verblüffende Wandlung zu erklären? Ist es denkbar, daß der so oft und so nachdrücklich geäußerte Wille Wilhelms II. in der Tat zum obersten Gesetz des poli- ttschen Denkens und Fühlens unserer bestehenden Klasse ge- worden ist? Fast könnte es so scheinen, denn die oft zitierten kaiserlichen Aussprüche, daß.gr°ßere Deutsche Reick) auch fest an das Deutsche Reich anzugliedern sei, daß der Dreizack in unsere Faust gehöre, Aeußerungen, die seinerzeit mit Staüücn und Befremden aufg-n'mmen wurden, sind heute zu den abgenutztesten agitatorischen Schlagworten unserer weit- machtberauschten Bourgeoisie geworden. Trotzdem hat natürlich nicht der suggestive Wille eines gekr°nten Hauptes das schein- bare Wunder bewirkt, sondern ist ganz natürlich, ihren kapitalistischen 4l"Ü"�ten folgend, auf die schlüpfrige Bahn der Weltpolittk geraten. Herr Erzberger hat letzter.�e eme koloniale Bilanz gezogen und auö ihr den Bankrott unserer Kolomalpolitik nachgewiesen. Dreiviertel Milliarde das Deutsche Reich für seine Kolonien ausgegeben, um für 30V Millionen Mark Waren nach denselben ausführen zu rönnen. Gewiß, das Unhaltbare einer solchen Politik ist offenbar, und man könnte nur nicht begreifen, wie eine Volksvertretung eine solche Politik auch«ur einen Tag länger gutheiße» kann. Ja. wenn tu unserem Reichstag die Interessen des Volkes faktisch wahrgenommen würden! Aber die bürgerlichen Parlamentarier vertreten ja nicht daS Volk, sondern die b e- s i tz e n d e K l a s s e; sie berücksichtigen mcht daS Gemein- wohl, sondern das Sonderinteresse bestimmter K a p i t a l i st e n k r e i s e Für diese Kreise aber gewinnt die Bilanz unserer Kolonial-'und Welwolitik ein ganz anderes Aussehen. v Vom demokratischen und rein nationalökonomischen Standpunkt- aus ist uS nur die putsche, sondern überhaupt I-d- ,S' i»K 7» i SSffÄ6"""OÄ Summe. Sie E»s,°nd und ifiaufretch für ihre wertvollsten Kolonien Indien und Algier fe---ib«"ich t-w Gewinn,,. I-nde-n-in «Ä,«» m.?ew> hat der Sinai, hnden ,ur Hauptsache die arbeitenden Klaffen zu decken,, während d.e Kapital'stenrlasse bei der Kolonialpolitik meist sehr gut fahrt. Zahlreichen Spekulanten bietet sich in den Kolonien Gelegenheit zu wucherischer Kavitalanlaae zahlreichen Bourgeoissprößlingen eröffnet sich İA�mts'chast auf hoch bezahlte Beanitenposten— auch oppositionelle Politiker haben bekanntlich Anspruch auf koloniale Sinekuren- Kapitalisten, Plantagenbesitzern und Kauslenten wird durch die Preisgabe der Eingeborenen ein weites Tätigkeitsfeld für infamste Aus- Wucherung und Ausbentung gegeben. Konimt es dann zu kolonialen Aufständen, so zahlen nicht sie, die Nutznießer der Kolonialen Ausbcutungswirtschaft die Kosten dafür, sondern Sic besitzlosen Klasicn. So ist es in England und Frankreich, so ist es auch in Deutschland. Müßten unssre besitzenden Klassen die Kosten unserer Kolonial- und Weltpolittk tragen, so würden unsere kostbaren Kolonien längst meistbietend versteigert worden sein. Da aber die Ausgaben für Militarismus, Marinismus und Kolomalpolitik ausschließlich ans den indirekten Reichs- einnahmen bestritten werden, da also die arbeitende Be- völkerung bei weitem den Löwenanteil dieser Ausgaben zu ttagen hat, konnte unsere Bourgeosie bequem aus dem Vollen wirtschaften. So kläglich es aber auch um unsere Kolonial- polittk bestellt ist, für manche Schichten der besitzenden Klassen war sie immerhin die milchende Kuh. Einige Reeder und Kolonialfirmen machten immerhin recht gute Geschäfte. Der Weizen der kalonialen Landspekulatton blühte, und mancher halb verkrachten bourgeoisen Existenz gelang es, durch die bekannten Händlerprattikcn wieder auf einen grünen Zweig zu kommen. Schneidigen Assessoren aber bot sich in den Kolonien die Gelegenheit, ihren autokratischcn Neigungen die Zügel schießen zu lassen. Nimmt man noch hinzu, daß man das Zenttnm durch Hätschelung des Missionswesens köderte, so wird man begreifen, daß die besitzende Klasse an der Kolonialpolittk mehr und mehr Geschmack gefunden hat. Und die kostspieligen Kolonialknege haben, statt abzuschrecken, der Kolonialpolittk neue Verehrer und Verteidiger er- worden. Seitdem den ostpreußischen Junkern durch den Hererokrieg Gelegenheit gegeben war, 10000 Pferde, deren Gebeine jetzt in den Wüsteneien Südwestafrikas bleichen, zu günstigen Preisen an die Regierung loszuschlagen, sind auch sie zu der Ueberzeugung gekommen, daß sich bei solchen Kolonialabenteuern ein hübsches Profitchen machen läßt. Ferner ist es nicht allein die Finna Tippelskirch, die bei den Lieferungen für die Truppen ein Bombengeschäft macht. Die Firma Woermann hat ja viele Millionen allein an Liegegeldern eingestrichen. Nicht zu vergessen ist auch, daß solch ein aus. gedehnter Kolonialkrieg auch den Herren Offizieren die heiß ersehnte Abwechselung ihres sonst so öden Lebens in kleinen Garnisonen und die nicht minder ersehnte Mög- lichkeit eines rascheren Avancements bietet. So besitzt die Kolonialpolitik für Kapitalistenklasse und Junkertum genug der reizvollen Seiten; die Kehrseite der Medaille, die ungeheure Verschleuderung des nationalen Gutes, das aus den abgedarbten Groschen der Armen zusammengeflossen ist, sieht eben nur die besitzlose Klasse. Das Proletariat ist ja die einzige Bevölkerungsschicht, der die Kolonialpolittk nur un- geheure Lasten aber nicht die geringsten Vorteile bringt. Denn für die industtielle Produktion kommt die lächerliche Ausfuhr nach den Kolonien nicht in Betracht, zur Ansiedelung gehört ein beträchtliches Kapital, und bei den Arbeiten bei Bahn- bauten zc. gibt unsere Kolonialverwaltung den Ausländern den Vorzug vor den deutschen Proletariern. Dergestalt hat sich unsere Bourgeoisie nicht nur mit der Kolonialpolitik ausgesöhnt, sondern ihr weltpolitischer Appetit ist durch die ersten Bissen eigentlich erst erregt worden. Es wäre zu schön, wenn man auch ein Hundertmillionenland wie Indien oder wenigstens eine Kolonie wie Algier aussaugen könnte. Aber was nicht ist. so denkt man. kann vielleicht noch werden. Man stärke einstweilen Deutschlands Seemacht, um gegebenenfalls mit gepanzerter Faust zupacken zu können! Die Flottenpolitik selbst aber ist für einflußreiche Kapitalistenschichten ein noch unendlich beffercs Geschäft, als die Kolonialpolittk. Die Kanonen- und Panzerplatten- fabrikanten, die Schiffsbau-Aktionäre verdienen dabei un- zählige Millionen. Der Zenttalverband deuffcher Industrieller weiß nur zu gut, weshalb er sich im geeignetsten Augenblick mit aller Macht in die Flottenagitatton stürzen will. Daß die Flotten- und Weltmachtpolitik ein äußerst gewagtes Spiel ist, das die Natton in den verderblichsten Weltkrieg, die der- hängnisvollste Katastropbe stürzen kann, waS kümmert daS unsere Prozentpatrioten I Durch die Rücksicht auf die Folgen hat sich noch nie eine herrschende Klasse abhalten lassen, mit gierigen Händen zusammenzuraffen, was nur errafft werden konnte. Mag nach ihnen die Sintflut hereinwettern! Wie in der inneren Polittk so hat auch in der aus- wältigen Politik das Bürgertum vollständig versagt. Mag hier und da auch noch ein Freisinns- oder Zcntrumsdemagoge gegen die Kolonial- und Flottenforderungen donnern: Alle Parteien haben sich mit dem neuen KurS der Weltmachtpolitik endgültig abgefunden. Ihr gelegentliches Sträuben dient nur noch niedrigen Schachcrzwecken. Die arbeitende Klasse ast das einzige Bollwerk, das daS Eiland der friedlichen Kultur und des sozialen Fortschrittes gegen die Springflut der entfesselten kapitalistischen Habgier und des chauvinistischen Größenwahns zu schützen vermag!__ Die Revolution in Rußland. Ein geschäftiges Hin- und Hcrtappen der Kamarilla, ein schwindelhaftes Intrigenspiel Wette-Trepow hinter den Kulissen, Personalveränder, ingen, die in der herrschenden Bande selbst vor- genomnten weiden, die Organisaiion gar neuer zarischer Ministerien zur Bervollständigung der bisherigen Garnitur dieser Häuser der gegen- seitigen Toleranz im Diebstahl und VolkSplünderimg, da§ alles»ach dem gewaltigen Volkssturni der letzten Lrwlttc»— man weih beinahe nicht, was größer ist: die Stupidität oder die Schurkerei der würdigen Vertreter des letzten absoluteu GotteSanadentumö in Europa. Eine halbe Amnestie, ein„erweitertes" Wahlrecht unter Ausschluß deS ländlichen Proletariats. deS Kleinbürgertum» und der Teilnehmer der levten revolutionären Streiks, an Stelle Trcpows, de» russischen CavaignacS, irgend ein anderes Werkzeug der Kamarilla, einer vor der degenerierten tarenbrut, und gleichzeitig Judenmetzeleien und Massenmorde ohne nde, mit solchen Mitteln glaubt der zerschossene Absolutismus sich aus der Patsche herauszuhelfen l So geht denn auch mit ehernem Schritt die Revolution ihren Weg weiter. Da» Proletariat rüstet fieberhaft zu neuen Kämpfen. Es. dürsten kaum Wochen vergehen, bis ein abermaliger Zusammenstoß aus der ganzen Linie die Eni- scheidung um ein gewaltige» Stück näher rückt, vielleicht schon herbeiführt. Kleine Reparaturen. Petersburg, 9. November.(Meldung der Petersburger Tele- araphen-Agentur.) Durch kaiserlichen Erlaß ist ein selb- ständiges Ministerrum für Handel und Industrie geschaffen worden. Der Verweser der Hauptverwaltung der Landwittschaft Schwanebach ist unter Genehmigung seines Abschiedsgesuches zum Mitgliede des Reichsrares ernannt worden. Reichskontrolleur und Mitglied des ReichSrateS Lobko ist unter Verabschiedung als Reichskonttolleur zum General- adjutanten ernannt worden. Fürst Chilkow ist der Alexander Newsky-Orden mit Brillanten verliehen worden. An den Groß- fürsten Wladimir, den bisherigen Finanzminister Kokowzoff, den Fürsten Chilkow und an Lobko hat der Kaiser Handschreiben ge- richtet. PtterSdurg, 9. November. Der heilige Tynod wird in ein Patriarchat umgewandelt; zum Pattiarchen soll der jetzige Metro- polit von Petersburg ernannt werden. Petersburg, v. November. Der Staatsrat wird ein Gesetz unterzeichnen betreffend die Gründung eines Prcßbnrcaus, ähnlich der Organisation, welche seinerzeit Bismarck in Deutschland eingeführt hatte. Petersburg, 9. November. Die Ernennungen für daS Mi- nisterium des Innern und des' Unterrichtes sind noch immer nicht erfolgt. Der Beschluß für das Ministettum, ein Geschäftskabinett zu bilden, ist vom Zaren gebilligt worden. Trepow soll nach einer Meldung den Abschied erhalten haben. An seine Stelle tritt angeblich der Großfürst Nikolai Nikolajcwitsch. Das„Bureau Laffan" meldet: London, 9. November. General Trepow hat, einer Petersburger Meldung des„Daily Telegraph" zufolge, fünfmal seinen Rücktritt angeboten, ist aber immer von Witte gebeten worden. im Amte zu bleiben. DaS Wahlrecht. Eine russische Korrespondenz bringt die Nachttcht, eS sei beschlossen worden, daß in die Reichsduma nur solche Reichs- dumakandidaten der Arbeiterschaft zugelassen werden, d i e das ganze Jahr hindurch als Arbeiter tätig gewesen sind. Wahlberechtigt sind ebenfalls nur ständige Fabrikarbeiter, nicht aber solche, die ein Teil deS Jahres sich mit der Landwirtschaft beschäfttgen. Die Judenmetzeleien. DaS Wüten der„schwarzen Banden" und deS von ihnen auf- gestachelten PöbelS gegen die Juden dauert in der ganzen Strecke des Zentral-, Süd» und Westrußlands fort. Der dem„Verband der Verbände" angehörige Fürst E r i st o w beabsichtigt, durch Vorträge und Flugschriften daS Volk darüber auf- zuklären, daß die jetzigen Krawalle und JudenmaffakreS von der russischen Regierung organisiert sind. DaS erste sozialdemokratische Blatt in Petersburg. Petersburg, 9. November. Heute ist hier die erste Nummer der sozialdemokratischen Zeitung„Ilovaj» Schisn" („Neues Leben") erschienen. Die Redaktton soll in engster Verbindung mit Maxim Gorki stehen. DaS„Wolffsche Telegraphen-Bureau" meldet: Die sozialdemokratische Partei veröffentlicht in der neuen Zeitung„Nowaja Schisn" ihr Programm, daS sich im allgemeinen dem Erfurter Programm der deuffchen Sozial- demokratte anschließt. Der Kampf geht weiter. AuS Thorn wird gemeldet: Nach einer aus Warschan eingegangenen Nachricht hat das dortige Streikkomitee die SchiffahrtaufderWeichfel. die bisher unbehindert war, verboten. Die Pontonbrücken in Plock und Wloclawek sind von den Beamten verlassen und von den Streikenden besetzt worden. Mit den Brücken besitzen die Ausständigen die Macht, das Verbot durchzuführen. DieDampferaus Danzig und von hier unterlassen daher ein st- weilen die Abfahrt nach Warschau. .' Riga, 9. November. Die streikenden Eisenbahner wurden entlassen. Ein Eisenbahnbataillon versieht den Dienst. — Die Schüler erzwangen die Schließung sämtlicher hiesigen Lehranstalten.— Ein geplanter Ucberfall auf den Polizeimeister wurde von den Truppen verhindert. Der hiesige Detckttv, mißte flüchten, weil er mit dem Leben bedroht ivurde. Petersburg, 9. November. Ein Gendarmerie-Offizier hat eine beabsichtigte Versammlung der Arbeiter der Moskauer Bahn verboten. Infolgedessen verlangen die Arbeiter die Entlassung dieses Offiziers, widrigenfalls sie einen all» gemeinen Eisenbahner st reik organisieren wollen. P e t c r S b» r i,, 9. November. Nach aus Kronstadt hierher«e- saugten, jedoch bisher noch unbestätigten Meldungen soll in der ver- gangcnr» Nacht in Kronstadt ein erbitterter Kampf stattgefunden habe«. Die Infanterie soll von der Schußwaffe Gebrauch gemacht haben und Maschinengewehre sollen in Tätigkeit getreten fein. Die Stadt steht angedlich inFlnmme» und dir Emwohnrr flüchten. Die Tele» h»«« Verbindung mit Petersburg ist unterbrochen, der Telegraph dagegen noch in Tätigkeit. » Volksmilizen. Der„temporäre" kur ländische Generalgouverneur General- leutnant Böckmann hat � zum Schutz der Stadt Mitan eine Bürger wehr dortsclbst gebildet und der Bevölkerung die weit- gehendsten Konzessionen eingeräumt. Sattowitz, 9. November.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Im benachbarten Gosnowitz hat die Sozial- demokratie im Einvernehmen mit dem Bürgertum ein Komitee zur Organisation der Bvlksmiliz gebildet. Bewaffnet sollen mir die Arbeiter werden. Man wollte sofort die Polizei und die Gendarmerie eutwaffnen, aber sie sind gänzlich unsichtbar geworden im ganzen Rayon. Volksversammlungen zu 10 bis 15 Tausend finden täglich statt. • Parteikämpfe. In Petersburg hat sich eine zweite Organisation der M o n- a r ch i st e u- K o n st i t u t i o ii a l i st e n gebildet, die durch die gröberen Petersburger ZeiNiiigen bekannt macht, dafj jede Bewegung gegen die Person des Zaren und jede Forderung nach einer Republik mit Gewalt unterdrückt wird. Der deniokratisch-libcrale„Verband der Verbände" fordert die russische Vevölkerung öffentlich auf, die volle Amnestie zu verlangen, da es sich herausgestellt hat, daß die vom Zaren ver- liehene und mit vielen Klauseln versehene Amnestie nicht ausreichend ist und bis jetzt noch unzählige„politische Verbrecher" in den Ge- fängnissen schmachten. �• Das Säbelrasseln an der Grenze. Die hakatistischeu Hetzblätter hatten richtig gewittert. Nach der „Schles. Ztg." ist derLandrat deS Kreises K a t t o w i tz ermächtigt worden, nach freiem Ermessen in Fällen einer Bedrohung der Grenze durch Ausständige oder Revolutionäre sofort ausreichende Militärabteilungen zum Schutze herbeizurufen. Wie man meldet, sind die Kosaken und die anderen uniformierten Räuber Väterchens, die die preußische Grenze ständig durch ihre frechen Uebergriffe beunruhigten, von den Revolutionären in ihre Mauselöcher getrieben. Angesichts dessen läuft das gänzlich un- motivierte Säbelrasseln au der Grenze nur auf eine arge„Beim- ruhiguug" der deutschen klassenbewußten Arbeiterschaft hmauS, die mit der revolutionären Bewegung drüben ein Herz und eine Seele ist. Man sollte meinen, daß es wahrhaftig nicht nötig wäre, auch noch auf diesem Wege durch neuen Stoff die allgemeine Erregung der Volks- masse zu s ch ii r e n I Ter Eisenbahnerstreik dauert fort. Breslau, 9. November. Die Eisenbahudirektion Kattowitz teilt mit, daß auch heute noch jeder Verkehr mit Sosnowice stockt. poUtilcbe Gcbcrficbt. Berlin, den 9. November. Ein Opfer der Chinawahrheit. Unser Genosse Kunert zieht heute für die Zeitdauer von drei Monaten auf dringende Einladung der Staatsanwaltschaft in die Räume des Tegeler Gefängnisses ein. Die dreimonatliche Gefängnis- Haft ist ihm zudiktiert, weil er die Wahrheit gesagt, ja sogar be- wiesen, dadurch aber nach reichsgerichtlich bestätigter Erkenntnis des Landgerichts ungenannte und unbekannte Soldaten be- leidigt haben soll. Kunert hatte in einer Wahlrede. die er am 16. Mai 1903 in Halle hielt, davon gesprochen, daß die JnvasionSarmee in China sich Plünderungen, Verwüstungen und Frauenschändungen habe zuschulden kommen lassen. Darauf wurde er wegen Beleidigung von Soldaten deS ehe- maligen deutschen osiasiatischen Expeditionskorps und Verbreitung univahrer Behauptungen über dieselben angeklagt. Kunert trat um- fassenden Wahrheitsbeweis an. Das Gericht beschloß zunächst, diesem Antrage stattzugeben. Die im Auslande wohnenden Zeugen sollten gleichfalls vernommen werden. Monate vergingen jedoch, ohne daß die Zeugen vernommen wurden. Weshalb nicht, steht nicht in den Akten. Endlich wurde Kunert auf den 26. Juni 1965 vor die Strafkammer in Halle geladen: Zeugen lud dasGericht nicht. Kunert, aus früheren Prozeffen an Ueberraschungen gerichtlicher Auffassungen gewöhnt, lud nun seinerseits eine Reihe Zeugen. Diese mußten nach der Strafprozeßordnung ver- nomine» werden. Die Zeugenaussagen ergaben, daß in einer und einem Umfang Roheiten» Miß- Handlungen, Pliindeningcii, Morde, Verwüstungen und Schön- düngen an Frauen und Mädchen von Soldaten deutscher und anderer Nationalität vorgekommen waren, daß das Entsetzen jedes Kultiirfreundes rege werden mußte. Kunert benannte noch Dutzende von Zeugen, die ähnliche Greueltaten, von deutschen Soldaten be- gangen, bekunden sollten. Das Landgericht lehnte jedoch ab, diese Zeugen zu hören, weil das Gericht„als wahr unterstellte, daß in einer sehr großen Anzahl von Fällen Plünderungen, Ver- Wüstlingen und Fraucnschändungen vorgekomine» sind." Es verurteilte dann Kunert zu drei Monaten Gefängnis. nicht wegen Verbreitung unwahrer Tatsachen, sondern wegen ein- facher Beleidigung. Es nahm an: Kunert habe nicht von der JnvasionSarmee im allgemeinen, sondern von„unseren Soldaten" gesprochen. Nun sei erwiesen, daß eine sehr große Anzahl von Plünderungen, Verwüstungen und Frauenschändungen begangen, also von sehr vielen deutschen Soldaten gesündigt sei. Es blieben aber doch noch Tausende von Soldaten übrig, die nicht solche Ver- fehlungcn begangen hatten. Diese Soldaten seien beleidigt! Nach dieser Logik muß man sich hüten zu sagen: unsere Richter urteilen richtig. Denn zweifellos gibt es Urteile, die sich gegenseitig auf- heben. Man würde also diejenigen Nichter— die Hallenser Logik als richtig vorausgesetzt— beleidigen, die nicht richtig geurteilt haben. Noch ungeheuerlicher als die Art einer„tatsächlichen Feststellung" von Beleidiguiigen gegen ungenannte und unbekannte Soldaten erregte die öffentliche Meinung mitFug undRecht die Art der Begründung der enormen Strashöhe. Das Urteil begründete das enorme Strafmaß mit der„schamlosen und niedrigen Gesinnung des Angeklagten. welcher sich nicht gescheut habe, seine eigenen Volksgenossen, welche zum Schutze für die ihre Ehre ihres Vaterlandes freiwillig in einen gefahrvollen Krieg gegen einen grausamen Feind in ein weit ent- ferntes Land gezogen waren, vor aller Welt mit Schmutz zu bewerfen." Wie verträgt sich diese Behauptung mit der Feststellung einer sehr großen Zahl von Plünderungen, Vcrlvllstungen und Frauen» schändnngen? Und verrät die Wahl der Urteilsworte das Bestreben. Plünderungen, Verwüstungen und Frauenschändungen zu verhindern oder den, der diese Mißstände aufdeckt, um sie zu hindern, durch Worte zu kränken? Diese Fragen wurden dem Reichsgericht vorgelegt. Dies erklärte: Die Gründe, die zum Ausmaß der Strafe geführt haben, sind nicht rechts irrtümlich. Des weiteren hatte Kunert Beschränkung der Verteidigung gerügt und diese ins- besondere darin entdeckt, daß der weitere Wahrheitsbeweis abgelehnt war. Das Reichsgericht erklärte demgegenüber: Angeklagter ist freilich aus§ 186 angeklagt, aber verurteilt nur aus Z 185 R.-G.-B. Das zu rügen hat ein Angeklagter kein Recht. Diese Auffaffung steht im striktesten Gegensatz, zu.einem Urteil desselben Reichsgerichts, das in den ersten Jahren seines Bestehens, also zu der Zeit gefällt wurde, wo die wissenschaftlich angesehensten Richter an das Reichsgericht berufen waren. Wir unterlassen, die weiteren, voll begründeten formalen Rügen des Verurteilten ins Gedächtnis zu rufen. Verurteilt ist Genosse Kunert, gerichtet ist das Gerichts- verfahren und das Gesetz, das es gestattet, jemand ins Gefängnis zu schicken, der schamlose und niedrige Mißstände aufgedeckt und auf ihre Bescitigung hinzuwirken gesucht hat. Kunert geht als Märtyrer der Wahrheit und des Bestrebens, kulturwidrige Scheu- säligkeiten zu beseitigen, ins Gefängnis. Hoffen wir, daß er seine Kräfte nach der unwillkommenen Ruhe in ungeschwächtem Maße in derselben Unerschrockcnheit wie bisher für Gerechtigkeit und Wahrheit zu entfalten vermag. Ter Vormarsch der Sozialdemokratie. Das Endresultat der Reichstags-Ersatzwahl in Eisenach liegt nunmehr vor. ES wurden abgegeben für Leber(Soz.) 6886 Stimmen, für Schock(Antis.) 4643, für F l e x(natl.) 2786. für Kühner(Frs. Vp.) 2698 und für Miiller-Fulda(Z.) 1014. Es findet Stichwahl zwischen Leber und Schock statt. Durch diese Schluß- Ziffern erhöht sich der Gewinnst der Sozialdemokratie auf rund 960 Stimmen, während der Freisinn gegen die Hauptwahl nur um zirka 600 Stimmen zunahm. Der Stinimenzuwachs der Antisemiten ergibt sich zur Hauptsache aus der� entsprechenden Abnahme der Nationalliberalen und des Zentrums. Die Ersatzwahl in Eisenach kann getrost als eine Probe für die gesunde Konstitution der Sozialdemokratie betrachtet werden. Denn sie fand statt unter Umständen, die nicht nur von den Gegnern der Partei als eine„schwere Parteikrise" charakterisiert worden waren. Der Wahlkampf wurde durchgeführt zu einer Zeit, wo sich eine un- versiegliche Flut von Schmähungen über die Partei und ihre oberste Leitung ergoß. Die Partei wurde gebrandmarkt als ohnmächtiges Spielzeug herrschsüchtiger Führer, als Verräterin ihrer eigenen Grundsätze. Wenn sich jemals Gelegenheit bot, der Sozialdemokratie Pceßstimmen aus den eigenen Reihen als verzerrenden Hohlspiegel vorzuhalten, so diesmal während des Wahlkampses in Eisenach. Das„Berliner Tageblatt" brach denn auch in verfrühten Siegesjubel aus:„namentlich die Gewerkschaftskreise würden zweifellos in Masse einer Partei den Rücken kehren, deren Leitung fundamentalste gewerkschaftliche Prinzipien mit Füßen trete". Wenn so schon der Freisinn arbeitete, wie müssen da erst der RcichSverband zur Ver- leumdung der Sozialdemokratie und die Antisemiten gearbeitet haben. Wer alle Spekulationen auf die Verblendung und die Ver- hetzung der Arbeiterschaft schlugen gründlich fehl. Essen, Eisenach und nicht zuletzt auch die Berliner Stadt- verordnetenwahlen beweisen, daß die Sozialdemokratie Vorlvärts marschiert. Suchen wir den Vormarsch zu beschleunigen durch Schaffung der Grundbedingungen gesunder Fortentwickclung, durch den Ausbau der Organisationen und Festigung der prinzipiellen Klarheit, vor der aller Zwist des Tages im Ausblick auf die großen Ziele der Partei gleich Schemen zerrinnt.— Dcutfcbee Reich. Freisiniiig-volkSparteiliche Flottenschwärmerei. Was neulich die„Frankfurter Zeitung" nur schamhaft an- deutete, daß nämlich jetzt auch der linke Flügel deS Freisinns vom Flottenkoller befallen worden sei, das sprach dieser Tage ein parlamentarischer Vertreter der Freisinnigen Volkspartei in unverblümtester Offenheit aus. Der Rcichstagsabgeordnete Eickhoff erklärte nämlich in einer Versammlung in Solingen: Bei dem nicht geahnten Aufschwung Deutschlands in industrieller und kommerzieller Beziehung sei das Reich genötigt, Weltpolitik zu treiben, wenn es seine wirtschaftliche und politische Stellung behalten wolle.... Ohne eine starke Flotte könne keine Welt- Politik getrieben werden. 1897 und 1900 hätten seine Freunde gegen die Flottenvorlagen gestimmt; aber nicht, weil sie etwa Gegner der Flotte überhaupt gewesen wären. Die Marine sei immer ein Lieblingskind des Liberalismus ge- wesen. 1900 hat der Freisinnigen Volkspartei vor allem die Lösung der Kostendeckungsfrage nicht gefallen. Gegenwärtig ständen wir jedenfalls vor einer neuen Flottenvorlage, und die Frage sei, wie der entschiedene Liberalismus sich zu dieser stellen solle. Er glaube nicht, daß er sich der Bewilligung einer solchen Vorlage widersetzen könne, da unsere Marine den Anforderungen des modernen Seekrieges nicht mehr genüge. Der entschiedene Libe- ralismus müsse alle? bewilligen, was zur Vervollkommnung der Flotte notwendig sei. Das ist ein vollständiger Ilmfall der Freisinnigen Volks- ' i, ein unumwundenes Bekenntnis zu dem Weltmacht- _ mmm des Herrn Naumann, des intimsten Feindes der„Deutschen Freien Presse". Die beiden Richtungen des Freisinns könnten sich nunmehr getrost wieder vereinigen, da ja durch Bekehrung der Nichterschen Volkspartei zum Mari- nismus und zur Weltmachtpolitik jede trennende Schranke ge- 'allen ist. Wahrscheinlich wird eine solche Wiedervereinigung auch in nicht zu ferner Zeit erfolgen. Das„soziale", auf die Mauserung der Sozialdemokratie spekulierende Partikelchen des weiblichen Freisinns kann dann unter der Führung der Herren Barth und Naumann in stolzer Vereinsamung weiter vegetieren und die Sozialdemokratie revidieren helfen.— Ein kathedcrsozialistischcr„Schädling". Die konservative Presse veranstaltet seit einiger Zeit ein Kesseltreiben gegen den Professor Schmoller. Als Vorwand dient ihr dazu sein Auftreten in der Mannheimer General- Versammlung des Vereins für Sozialpolitik. So schreibt beispielsweise die„Schlesische Zeitung", die zugleich— unter Berücksichtigung der engen Beziehungen, die speziell in Schlesien zwischen beiden Erwerbszweigen bestehen— die Interessen des ländlichen Großgrundbesitzes und der Berg- Werksindustrie vertritt: „Die blamable Rolle, welche Professor Schmoller, der Vor- sitzende des Vereins für Sozialpolitik, auf dessen Mannheimer Tagung gespielt hat, ist bekannt. Wir haben kürzlich wieder in Zusammenhang mit der Schwackcnreutterschen Broschüre„Die Herren Kathedersozialisten" darauf hingewiesen. Nach der '„Frankfurter Zeitung" hat die Sache, die von Schmoller selbst sozusagen zu einer politischen gemacht wurde, dadurch einen be- sonderen Reiz, daß der genannte Professor noto- risch einen großen Einfluß auf die Besetzung der preußischen Lehrstühle, also auf die Ver- waltung ausübt. Nach der„Kreuz-Zeitung" ist dieser Einfluß Schmollers noch immer in vollem Maße vorhanden und in weiten Kreisen stets lebhaft bedauert worden. Er hat auch eine ganze Reihe bedenk- licher Früchte gezeitigt. Auch die„Kreuz-Zeitung" findet wie die„Frankfurter Zeitung", die„Kölnische Zeituna" und andere Blätter die Vorzugsstellung mißlich, die Professor Schmoller an der Berliner Universität und über deren Bereich hinaus genießt. Wie wir hören, soll darüber in der nächsten Session des Landtages gesprochen werden.... Eine Stellung, wie die in Rede stehende, muß unter allen Umständen Schädlichkeiten entwickeln. Im vorliegenden Falle sind sie reichlich vorhanden. Nach der akademischen Richtung sind sie von obigen Blättern und vielen anderen wiederholt hervorgehoben worden, ohne daß es bisher gelungen wäre, ihnen im geringsten abzuhelfen. Nicht geringer sind sie aber nach der politischen Seite hin. Die Absicht, sie im nächsten Landtage bei Gelegenheit der Beratung des Kultusetats zum Gegenstande der Erörterung zu machen und die Angelegenheit nach jeder Richtung hin zu be- leuchten, kann darum nur gebilligt werden. Wir sind am allerwenigsten Anhänger der fogenannteu historischen Schule des Herrn Schmoller; aber um die Frage, wieweit seine Anschauungen und sein Auftreten in Mannheim berechtigt sind, handelt es sich für die Hintermänner der „Schles. Ztg." gar nicht. Ihnen ist, wie das Blatt offen zu- gesteht, in erster Linie der Einfluß zuwider, den der Herr Geheimrat Schmoller im Kultusministerium besitzt, und die Art, wie er diesen Einfluß bei der Besetzung der akademischen Lehrstühle für Volkswirtschaft benutzt. An Stelle der Zog- linge Schmollers sähen die feudalen Kraut- und Schlotjunker lieber„akademische Lehrer" voni Schlage der Tade und Ruhland die Lehren der Nationalökonomie von jenen Stühlen herab den Jüngern der Wissenschaft verkünden. Was brauchen die zukünftigen Stützen des preußischen Junker- reginies von Wirtschaftsgeschichte und von klassischer National- ökonomie zu wissen, für die spezifischen Bedürfnisse preußischer Regierungskunst genügt es vollkommen, wenn sie kapiert haben, daß der Zoll auf Agrarprodukte niemals die Preise ver- teuert. Podbielski versteht auch nichts von Volkswirtschaft, und die Frage, wodurch sich der Gebrauchswert vom Tausch- wert oder der Wert vom Preis unterscheidet, würde ihn in arge Verlegenheit bringen; aber er weiß, daß bei hoben Schweinepreisen die Viehzüchter sich besser stehen als bei niedrigen, und diese tiefgründige Einsicht der ökonomischen Zu- sammenhänge reicht völlig für die von einem preußischen Minister des Bülowschen Kurses verlangte Befähigung aus. Bayerischer Landtag. München, den 9. November 1905. In der heutigen Fortsetzung der Beratung der Wahl- rechtsanträge beschloß die Abgeordnetenkammer, daß das aktive und passive Wahlrecht von folgenden Bedingungen ab- hängig sein soll: Die Wahlberechtigten müssen das 2 5. Lebensjahr zurückgelegt haben, seit mindestens einem Jahr die bayerische Staatsangehörigkeit besitzen und ebenso lange eine direkte Staats st euer entrichten. Ein liberaler Antrag bezüglich Herabsetzung der Dauer der Staatsangehörigkeit auf 6 Monate und Beseitigung der Steuerbedingung wurde gegen die Stimnien der Liberalen und Sozialdemokraten abgelehnt, nachdem vorher schon der Ausschuß ähnliche, aber weitergehende Anträge der Sozial- demokraten, u. a. auch in bezug auf das Frauenstimmrecht, verworfen hatte. Gegen diese sozialdemokratischen Anträge im Ausschuß hatten auch die Liberalen ge- st i m m t. Weiter ist nach den gefaßten Beschlüssen das Wahl- recht bedingt durch die Ableistung des Verfassungseides. EkN Antrag auf Beseitigung dieser Bestimmung wurde ebenfalls gegen die Stimmen der Liberalen und Sozialdemokraten abgelehnt. Zwischen einem Teil des Zentrums und dem Minister des Innern kam es zu großen Differenzen wegen der Einteilung der Wahlbezirke. Nach der Zentrumsvorlage sollen die Wahl- bezirke mit den Gcmeindebezirken zusammenfallen; kleinere Gemeinden können jedoch mit anderen oder mit Teilen größerer Gemeinden zu einem Wahlbezirke vereinigt werden. Eine Reihe vdn Vertretern ländlicher Zentrumskreise forderten dagegen, daß in der Regel jede Ortschaft einen eigenen Wahl- bezirk bilden soll. Die Zentrumsabgeordneteu Gerstenbergcr und Dr. Hein führten zur Begründung dieser Forderung au, man wolle sich gegen die Willkür der Bezirksämter dadurch schützen; der vorliegende Artikel sei der einzige, der der Re- gierung noch Gelegenheit gebe, das Wahlergeblns zu beein- flussen, und in den Kreisen ihrer ländlichen Anhänger bestehe die Ansicht, daß es ebenso wichtig sei, bestimmte Garantien für die Ilebergriffe der Bezirksämter zu schaffen, wie das direkte Wahlrecht herbeizuführen. Der Minister des �nnern führte dagegen an, so kleine Wahlbezirke seien nicht empfehlens- wert, da es dann schwer gelinge, geeignete Personen für die Besetzung des Wahlansschusses zu finden und außerdem in solchem Fall das Wahlgeheimnis nicht genügend geschützt sei. Die Regierung müsse sich jedenfalls sehr genau uberlegen, ob sie in diesem Punkt dem Wunsch des Zentrums entsprechen und solche Zugeständnisse machen könne. Da auch das Zentrum offenbar das Bedürfnis hatte, über die ganze Angelegenheit noch eingehender zu beraten, wurde die Beschlußfassung aus- gesetzt und die Weiterberatung auf �reitag vertagt.—» Die Unantastbarkeit deS allgemeinen Wahlrechts. Die freisinnige„Weser-Zeitung" behandelt die Frage deS all- gemeinen Wahlrechts im Zusammenhang mit dem WahlrechtSkampf in Rußland und Oefterreich-Ungarn._ Angesichts der jetzigen Er- oberung des allgemeinen Stimmrechts in Osteuropa müsse das Be- mühen, dem deutschen Votfe das Reichstagsstimmrecht wieder zu entreißen, als völlig rückständig und unausführbar erkannt werden. Es sei zwar noch nicht lange her, daß sich ein Ansturm gegen das allgemeine Wahlrecht erhoben habe, sogar die Hamburger National- liberalen hätten damals unter Führung des jetzigen nationalliberalen Abgeordneten für Aurich-Wilhslnishaven durch eine Resolution an den Kaiser eine Aenderuiig des Reichstagswahlrechts befürwortet. Diese Stimmen würden wohl jetzt verstummen. Wir sind allerdings auch der Meinung, daß eS unseren Reaktionären durch die gewaltigen Volkskämpfe in Osteuropa klar geworden ist, daß sich die deutsche Arbeiterklasse einen Wahlrechtsraub nicht so ohne weiteres gefallen ließe. Es ist aber auch bezeichnend für unseren Liberalismus, daß er aus den VolksrechtSlämpfen in unseren Nachbarländern keine anderen Konsequenzen zu ziehen vermag. Besäße unser Liberalismus wirklich noch etwas von fortschrittlichem, freiheit- lichem Geist, so müßte er jetzt den Zeitpunkt für geloninien erachten, gemeinsam init der Sozialdeniokratie in den Kampf um die Erringung des allgemeinen Wahl- rechts auch für den preußischen Landtag ein- z u t r e t e n I Gerade jetzt wäre der Moment da, um die Macht deS preußischen Junkertums zu brechen. Unser liberales Bürgertum ist aber leider so entartet, daß ihm die junkerliche Reaktion lieber ist, als ein rüstiger kultureller und sozialer Fortschritt, dem durch den Einzug einer starken Sozialdemokratie in den preußischen Land- tag die Bahn geöffnet wäre.— Wie bürgerliche Redakteure behandelt werden i Einen ganz allerliebsten Einblick in die„geistige" Werlstätte bürgerlicher Zeitungsverleger gewährte eine Verhandlung, die am Dienstag, den 7. November, bor dem Elbinger KaufmannZgericht stattfand. Der Redakteur Rost von der„Altpreußischen Zeitung" klagte gegen den Druckereibesitzer P ö tz h o l d auf Zahlung des Ge- Halts für November und Dezember im Betrage von 400 M. sowie auf Zahlung einer öprozentigen Tantienie vom Reingewinne deS Geschäftes für die Zeit vom 18. September bis 31. Dezember d. I. Herr Rost gab an. daß er seine Stellung ohne Kündigung habe verlassen müssen, weil er vom Verklagten oft beleidigt und bedroht worden sei. Letzterer habe z. B. zu ihm gesagt, er werde ihn die Treppe hinunterwerfen, daß er sich das� Genick breche. Auch sei er von seinem Chef mit einem Schlagring bedroht worden. Der Herr Chef machte allerlei Einwände. Er behauptete, daß es der Kläger darauf angelegt habe, ihn zu ärgern, mußte aber im großen und ganzen die Behauptungen des Klägers zugeben. Der channante Zeitungsbesitzer wurde zur Zahlung der eingeklagten Summe verurteilt. So springt man mit bürgerlichen Redakteuren in einem kapitalistischen Betriebe um. Vielleicht nehmen sich die bürger- lichen Blätter, die in der letzten Zeit so entrüstet für angeblich ge- maßregelte Redakteure des„Vorwärts" eintraten, auch mit derselben Fürsorge des Elbinger Redakteurs an. Privilegiertcnwahlcn in Baden. Gestern fanden auch die Wahlen zur Ersten Kammer des badischen Landtages statt. Es wurden gewählt 8 Vertreter des grundherrlichen Adels, 2 Vertreter der Handelskammern, 2 Vertreter des Landwirtschaftsrats, je 1 Vertreter der mittleren Städte Badens, der Kreisausschüsse und der Hand- Werkerkammern. Die Städte der Städtcordnung sind durch Ober- bürgermeister Dr. Winterer-Freiburg und Oberbürgermeister Beck- Mannheim vertreten. Die Universität Freiburg wählte Hofrat Rümelin, die Technische Hochschule Karlsruhe Geh. Hosrat Bunte. Die Wahl der Universität Heidelberg verlief ergebnislos.— Die Aufhebung der Flcischstcuer ist von dem badisch-pfälzifchen Fleischerverband beim badischen Ministerium beantragt worden. Der Antrag wurde abgewiesen. Das Finanzministerium stützt sich auf einen Paragraphen der Verfassung, der ihm nicht gestattet, ein Gesetz einfach außer Kraft zu setzen. Das ist natürlich nur ein Vorwand; wollte man diese badische Sondersteuer, welche die badischen Fleischkonsumentcn mit zirka«00000 Mark jährlich belastet, aufheben, so brauchte man nur den Land- tag sofort auf einige Tage einzuberufen. Indessen, der Regierung ist eS um die Einnahme aus der indirekten Steuer zu tun. in ihrer Antwort veriveist sie speziell auf die im neuen Landtage zu beratende Vermögenssteuer, die vielleicht eine Aufhebung der Fleischsteuer gestatte.— Die sozialdemokratische Fraktion hat schon mehrmals vergeblich beantragt, die Fleischsteuer aufzuheben; vielleicht hat unter dem Druck der Fleischnot ein neuer Antrag mehr Erfolg.— Schutz vor Schutzleuten. Der Polizeisergcant L. in Necklinghausen hatte am 7. Dezember bongen Jahres in einer Wirtschaft einem Burcaubcamten mit der Faust ms Gesicht geschlagen und zwar mit solcher Wucht, daß das Nasenbem de* Geichlagcnen stark beschädigt wurde. Der Bureau- beamte stellte Strafantrag, das Schöffengericht in Recklinghausen verhandelte am 18. März d. I. in der Sache, sprach jedoch den v 4 l'i Mißhandelte legte Berufung ein und jetzt hat me Bochumer Strafkammer den schlagfertigen Polizisten mit 00 M. Geldstrafe bedacht. Das Urteil ist sicherlich recht milde; aber wenn icder prügelnde Polizist im Ruhrrevier mit 60 M. bestraft würde, so wäre»ran immerhin einigermaßeir zufrieden. Meist kommen die Geschlagenen noch obendrein auf die Anklagebank. Neues von Vätcrcheus Grenzkosakcn. Wie aus Myslowitz (an der schlesisch-russischen Grenze) berichtet wird, schoß ein russischer Grenzposten am Dienstagabend hinter einen flüchtigen Russen her, so daß die Kugeln in die Straßen der Stadt Mys- lowitz einschlugen. Glücklicherweise wurde niemand getroffen. ...'Dieser neue skandalöse Vorfall beweist, daß die deutschen Be- letzte flofatenunverfchäincheit noch keinerlei Be- jchwerde erhoben haben Oder sollte die neueste Schießerei etwa »iL � r h f„ 4 aufzufassen sein? Es wäre jedenfalls eme verdiente Antwort I— Zur Log« in Südwcstafriko. Die„Frankfurter Zeitung" veröffentlicht einen Brief ans Kcetmannshop vom 26. Septeniber, in dem die allgemeine Lage als „nichts weniger als rosig" geschildert wird. Namentlich M o r e n g a mache den deutschen Truppen sehr viel zu schaffe» Nachdem er am 17. Juni der Schutztruppe eine empfindliche Schlappe beigebracht habe, wobei er einige 20 Gewehre und 5000 Patronen erbeutete, sei es ihm Mitte«eptember gelungen, die Besatzung einer ganzen Heliographcnslation abzuschießen. Durch Anknüpfung von Friedensverhandlungen habe man ihm nur Zeit gelassen, um sich zu neuen Schlägen gegen dft Truppen vorzubereiten. Die Periode der Friedensunterhandlungen sei jetzt wohl endgültig vorbei. Hoffentlich gelinge es den Truppen, durch scharfe Verfolgung Moreugas eine Wendung in der Kriegsführung gegen diesen gefährlichen Hottentotten- sührer herbeizuführen...„„.„ m.„ Bekanntlich hat sich dre Hoffnung de-� Bnefschreibers nicht erfüllt. Man hat zwar Morenga scharf verfolgt, aber nur mit deni Erfolge, daß er der Schutztruppe vor wenigen-ragen eine noch bedeutend s.chwerere Schlappe beigebracht hat. als an, 17. Juni bieses Jahres.,„.. Der Briefschreiber meldet ferner, daß am 26. September zwei lentotten gehängt worden seien, emer davon sei ein Soldat der geborenen Schutztrnppe gewesen. Beide hatten mit Morenga sspiriert und ibm durch Zuträgereien mehrere lleberfälle ermöglicht. � die Tatsache dan sich sogar unter der �eingeborenen Schutz- . Schutz lote günstig man Der Äriefschreiber meldet ferne Hottentotten gehängt worden seien. enigeborencn Schutztruppe gewesen. konspiriert und ibm durch Znträgcrci> Auch d,e Tatsache, daß sich sogar �„.. Iruppc Verräter und Uebcrläufer finden, beweist, die Lage der H o t t e n t o l t e n beurteilt!— Nachfolger Generals Trotha soll Oberst Dame werden. Der neue Oberstkonunandierende war etatsmaß.ger Stabsoffizier bcini Infanterieregiment Nr 14 in Bromberg und befindet sich erst seit kurzer Jest i° Sgdwestafrika. Ob er bessere Erfolge erzielen wird als General Trotha ist danach zu bezweifeln. Der schwerste strategische Fehler i„, sgdive stasrikauischen Kolonialkrieg ist dadurch begangen worden iv,-. 1____ vL.» a-ntwein. der Land und Leute begangen worden, �ß»n. der SanlU L-utl kannte, abberref und eine» mit der kolonialen Kr.egsfuhrung und den Laiidcso�rhältnisse,i n5gia uii vertrauten Oberstko,i»nandierendcii ernannte. So kam«k daß»rar Trotha in der Entvölkerung der ohnehin so.'neflschenar'men Kolmie außerordentliches leistete, daß eme imlitariidicn rc«c i1:" atmumc uuq. � waren t5in -•-.f-.- atmen Kolonie ak�r vollständig negatwe waren. Ein vurgerucyes-�latt tröstet sick über die Ernennung des Oberst Dame damit hinweg daß � die Enftchliduna bei den Unterführern liege. �USlanck. � Majori, ftt der Reaktionäre.„. Herr Rouvier««x v. Paris. 7. November.(�8»«~ zusammengefunden o uile Seinigen haben sich heute öffentlich Regierung eine Mafe gesamte radikale und sozialistische Ge.naß.gten gegen die ge amre rühmte..republikanische Mawritäf-'H��.»nd gefund m D v Block-Verehrer gehört der V� �/ U"& � unöel6e,'er � sr rÄSsareWÄ« flituler mi t unaenimer o fein- 0�ne sozialpolitisches Ge- rSr M!.-?.°p'taIistenbrutalität. Die famosen NN« 5�! Giesen ff"' wie B i e II v e n u- M a r t i Ii D u b l c f. ipieftn gegen die Koalitionsfreiheit der oen!>. �d Postbeamten di« Fügsamkeit und den Klassen- »."ff der bürgerlichen Justiz auä Die Frage des posi- twen Rechts'st noch keineswegs gebärt. Die tüchtigsten Juristen verstchern. aus dem Verbot der Koalition für Beamte, die einen Teil der Staatshoheit ausüben, kein Koalitionsberbot für Lehrer und Postbeamte herauslesen zu können! Aber Koalition heißt für den Bürger„Streik", und der Streikschrecken ist besonders in diesen Tagen lebendig geworden, wo das Verlangen der Marinearbeiter in den Kriegshäfen: ihre Kanieraden nicht für ihre Gesinnungen be straft zu sehen, die patriotischen Seelen empört. 325 gegen 249 Stimmen haben dem Ministerium die geforderte Priorität einer einfachen Tagesordnung zugebilligt, als radikale Antragsteller mit den Sozialisten die Einstellung der gericht- lichen Verfolgung der in Staatsdiensten stehenden Gewerffchaften verlangten. Für die Regierung stimmte das ganze Zentrum bis weit nach rechts und die gemäßigtesten Gruppen der bisherigen Majorität. In der Minderheit standen neben 30 Radikalen und Reaktionären, die ans den Fall des Ministeriums spekulierten, die Sozialisten und die bürgerliche radikale Linke. In der Lossagung Rouviers von den Radikalen, in seinem Ein- veriiehmen mit den Gemäßigten liegt die politische Bedeutung der Abstimmung. Sie ist politische Wirklichkeit, während die scheinbare Arbeiter- und Freiheitsfreundlichkeit der Radikalen ein Gewächs ist, das in der Wahlluft gedeiht— Postbeamte und Lehrer bilden ja eine zahlreiche und in manchen Orten entscheidende Wählertruppe! Ihr Vertrauen und ihr Mißtrauen waren Glück und Ende Mille- rands, der ja jetzt seinen Pariser Wahlkreis flüchtend verläßt, um ein Proviiizmaiidat zu ergattern. Die heutige Abstimmung macht einige Veränderungen im Ministeriilm sehr wahrscheinlich. Herr Bienvenu-Martin und der freilich sehr zäh am Portefeuille klebende Herr Dubief werden doch wohl ihre Konsequenzen ziehen müssen, da ihre eigene Partei der Regierung das Vertrauen wegen jener Willkürakte versagt hat, deren Urheber sie selbst sind. Gehen sie, so wird wohl auch Berteaux folgen, dessen gute Absichten schon jetzt von seinen Kollegen durch- kreuzt werden. »» » Paris, 9. November.(W. T. B.) Infolge der vorgestrigen Ab- stimmung in der Kammer trat der Vollzugsausschuß der radikalen und der sozialistisch- radikalen Partei unter Vorsitz Pelletans zu- sammen und faßte einstimmig einen Beschlnßantrag, in welchem der Regierung ein Tadel ausgesprochen wird, weil sie eine Mehrheit hingenommen habe, in welcher die Rechte eine überwiegende Rolle spiele. Ferner wurde der Wunsch ausgesprochen, daß die Vertrauens- leute, d. h. der ehemalige Block der republikanischen Parteien im Parlament, ihre Tätigkeit wieder aufnehmen. Der Vorstand des Vollzugsausschusses wurde beauftragt, den Beschlußantrag den radikalen Mitgliedern des Ministeriums zur Kenntnis zu bringen und sie auf die in der radikalen und sozialistisch-radikalen Partei herrschende Verstimmung aufmerksam zu machen.— England. Gemeindesozialismus oder Provinzsozialismus? London, 2. November.(Eig. Ber.) In den letzten zwei Jahren ist in England die Ueberzengung durchgedrungen, daß das Gebiet einer Gemeinde zu klein ist, um darauf kollektive Unternehmungen mit Erfolg betreiben zu können. Die Gemeinde- grenzen erwiesen sich als Hindernisse für eine erfolgreiche Ver- waltung von Verkehrsmitteln, Wasser-, Gas- und Elektrizitäts- zufuhr und anderen munizipalen Unternehmungen. Bei näherer Betrachtung zeigte es sich, daß die wirtschaftliche Umwälzung die Gemeinden so nahe aneinander gerückt und ihre Jnteresien so eng aneinander geknüpft hat, daß die alten munizipalen Verwaltungs- einhciten jeden Sinn verloren haben. In London fällt diese Er- scheinung besonders auf, da die Hauptstadt des britischen Reiches tatsächlich eine Provinz ist, und die einzelnen„Gemeinden", aus denen London sich zusammensetzt, in Wirklichkeit als solche gar nicht existieren. Die„Fabian Society", die sich hauptsächlich für die Technik der Sozialreform interessiert, hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, die Konsequenzen aus dieser Sachlage zu ziehen und für eine Aus- dehnung des Gemeindesozialismus zmu Provinzsozialismus zu wirken I In einer von ihr soeben veröffentlichten Broschüre: ..Uimicipalizatkm by Provinces" wird darüber gesagt:„Mit dem Wachsen der munizipalen Unternehmungen ist es klar geworden, daß die Entwickclung der kollektiven Verwaltung des wirtschaftlichen Lebens zum großen Teile davon abhängt, ob die Gemeinde die Fähigkeit besitzt, ihren Verivaltimgsapparat den sich ändernden wirtschaftlichen»nd sozialen Verhältnissen anzupassen. Ein großer -teil der Verivaltungsapparate Englands wurde für Zustände ge- schaffen, die seit langem entschwunden sind, und für Befugnisse, die viel kleiner waren als diejenigen, die gegenwärtig den Ge- meinden gewährt oder von ihnen verlangt werden." Die Folge sei, so heißt es weiter, daß die Lokalbchördcn sich vor Aufgaben gestellt sehen, denen sie ans Mangel an den geeigneten administrativen Mitteln nicht gerecht zu werden vermögen. Ihre Unternehmungen können deshalb auch nicht ganz erfolgreich sein, was den Gegnern der Sozialisten Gelegenheit gibt, die Ucberlegenhcit privatkapitalisti- scher Unternehmmigen zu preisenl Einer der wichtigsten Punkte sei deshalb die Erlvägimg über die Ausdehnung des Gebietes, welches von einer munizipalen oder anderen lokalen Behörde ver- ivaltet wird. In früheren Jahren sei die Frage des Gemeinde- gebietes kamn berührt worden, da die Aufgaben, der Gemeinden gering imd klar begrenzt waren.„Aber wenn eine Gemeinde daran geht, Wasser. Gas, Elektrizität, Verkehrsmittel, Schulwesen usw. in eigene Verwaltung zu übernehmen, wobei sie noch mit Privat- Unternehmungen zu konkurrieren hat. da wird die Gebietsfrage höchst wichtig." Die Broschüre illustriert sodann an mehreren Beispiele,, die Schwierigkeiten, mit denen die Gemeinden infolge der verbieten Gebietsgrenzcn zu kämpfen haben, und kommt zu dem Schluß, daß eine von Staats wegen unternommene und den modernen Ver- Hältnissen angepaßte Neueiifteilung der Munizipalitäten nötig sei. * Nach einer Meldung des„Manchester Guardian" wird übrigens die Frage— ähnlich wie in Berlin— demnächst in London brennend werden und sogar das Parlament in seiner nächsten Tagiiiig beschäftigen. Die Londoner Grafschaft plant, die Elektrizitäts-Erzeugung in eigene Regie zu nehmen und verlangt vom Parlament zu diesem Zlvcck gesetzliche Garantien. Natürlich haben sich beim ersten Auftauchen dieses vernünftigen Planes die Privatgesellschaften, die zurzeit den Strom produzieren und ab- geben, bereit gemacht, die Absicht der Grafschaft mit allen berühmten kapitalistischcn Mitteln und Mittelchen zu hintertreiben.~- Norwegen. Norwegen Königreich oder Republik? Diese Frage läßt sich noch immer nicht mit Gewißheit ent- Icheiden. Vielleicht wird die Volksabstimmung am nächsten Sonnta� und Montag eine so jämmerliche Stimmenmehrheit für den Dänen- Prinzen ergeben, daß er sich schämen müßte, die Königskrone aus den Händen eines so republikanisch gesinnten Volkes anzunehmen. Vielleicht wirkt gerade der starke Druck, den die Regierung auf die Wähler auszuüben sucht, bei manchen in der Weise, daß sie der Republik den Vorzug geben.— G u ii n a r K n u d s e n hat es am Sonntag in einer Volks- Versammlung in Skien offen ausgesprochen, daß sein Austritt aus dem Ministerium erfolgte, weil man die Frage der Volksabstimmung zu einer Käbinettsfrage machte und, ohne daß zuvor im gesamten Miiiisterium darüber beraten worden war, einen Druck zugunsten des Königtums auf die Wähler ausüben wollte. Knudsen bemerkte weiter, daß in der internationalen Situation durchaus kein Grund liege, einen König zu wählen I Die Werke des Friedens, der kulturelle, ökonomische und soziale Fortschritt, gediehen am sichersten unter der republikanischen Staatsform, die auch am besten mit den Traditionell des Landes übereinstimme, da man hier— den tat- sächlichen Verhältnissen nach— während der letzten 20 Jahre eine repilbUkanische Verwaltung gehabt habe. Die Republik sei der Friede. Hätte mau in diesem Sommer einen König im Lande gehabt, so wäre ein Uebereinkommen wie das Karlstäder ohne Schwerischlag kaum zu stände gekommen. Europas Haltung werbe durch realpolitische Interessen diktiert, nicht durch die Staatsform. Es heiße zwar in den, Auftuf der Regierung, das Ausland hätte Norwegen die Aufrechterhaltung des Königtums empfohlen. Tat- sächlich seien aber die Meinungen im Ausland geteilt. Er, Knudsen, habe soeben ein Telegramm aus Paris empfangen, wonach eine Adresse französischer, spanischer und amerikanischer Republikaner, die u. a. von 50 französischen Kammer-Mit- gliedern unterzeichnet sei, eintreffen werde. Am selben Tage sprachen in der städtischen Turnhalle von Kristiania Dr. S ch a r f f e n b e r g und Gunnar Heiberg für die Republik. Der Andrang war so stark, daß eine große Menge keinen Einlaß mehr finden konnte. Die Moiiarchisten und'ehemaligen Republikaner waren freilich auch nicht lässig. Der Minister des Aeußern Lövland hat in Gjövik, Björnson in Lillehammer, Storthingsprästdent Berner in Sarpsborg gesprochen, der Nordpolfahrer Nansen suchte die Be- völkerung Bergens für das Königtum zu gewinnen!— Welchen Erfolg diese Agitation hatte, wird sich erst nach der Abstimmung be- urteilen lassen._ Soziales. Verband deutscher Arbeitsnachweise. Gestern hat in Wiesbaden die vierte Verbandsversammlung des Verbandes deutscher Arbeits- nachweise begonnen. Für die Verhandlungen sind drei Tage in Aussicht genommen. Der Versammlung soll sich eine Arbeits- nachweise-Konferenz anschließen. Auf der Tagesordnung der Verbandsversammlung steht: 1. Arbeitsnachweis- Verbände und interlokale Arbeitsver Mittelung. Berichterstatter: Beigeordneter Domi- nikus Straßburg, Elsaß, 2. die R e k l am e im Dienste der allgemeine nöffe Ii tlichen Arbeits nach weise, Berichterstatter: Stadtrat Göritz-Görlitz, 3. w a n d e r n d e A r b e i t s l o s e, Berichterstatter: Pastor Märchen- Bethel bei Bielefeld, Mitbericht- erstatter: Stadtrat Flesch- Frankfiirt a. M., 4. Arbeitsver- Mittelung für ländliche Arbeiter, Berichterstatter: Rat Dr. Naumaim-Hamburg. Die Arbeitsnachweise-Konferenz wird sich beschäftigen mit dem gewerbsmäßigen Arbeitsnachweise. Berichterstatter ist Chefredakteur Dr. Ludwig- Lübeck, Milberichterstatter Dr. Paul Merker- Berlin(Vorsitzender des Vereins Berliner Gastwirte), als Vertreter der Arbeitgeber, Redakteur Hugo Poctzsch- Berlin(Vor- sitzender des Verbandes deutscher GastwirtSgehülfen), als Vertreter der Arbeitnehmer. Der Kongreß ist aus allen Teilen Deutschlands sehr zahlreich besucht. Das preußische Handelsministerium ist vertreten durch den Geheimen Oberregierungsrat Neumann, das kaiserliche statistische Amt durch Regierungsrat Leo, die badische Regierung durch Ober- regierungsrat Lange, die hessische Regierung durch Müiisterial- sekretär Mathias, das österreichische Handelsministerium durch Statt- Haltereirat v. Gutziger; ferner sind anwesend der Oberpräsideut v. Windheim, der Oberbürgermeister v. Jbell. Der Verbands- Vorsitzende Dr. Freund(Vorsitzender der Laiidcsversicherungsanstalt Berlin) betonte in seiner Eröffnungsrede die sozialpolitische Be- deutung des Arbeitsnachweises, die starke Entwickelung der all- gemein öffentlichen paritätischen Arbeitsnachweise in Deutschland und das Emporblühen des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise, welchem zurzeit 150 der bedeutendsten Arbeitsnachweise angehören. Er hielt den Widerstand mancher Arbeitgeberkreise gegen die paritätische Organisation für unbegründet, da diese Organisation in hohem Maße dem sozialen Frieden diene und geeignet sei, schwere gewerb- liche Kämpfe zu verhüten. Dr. Freund sprach schließlich seine Ueberzeugung aus, daß im Jutereffe einer vollständigen und be- schleunigten Organisierung des deutschen Arbeitsmarktes ein Ein- greifen der Gesetzgebung erforderlich sei. Die ans die Tagesordnung des Verbandstages gesetzten Themata sind geeignet, insbesondere auch die wirtschaftlichen und recht- lichen Verhältnisse der Gastwirtsgehülsen und der ländlichen Arbeiter zu beleuchten. Wir werden über die Verhandlungeii des- halb eingehender berichten. Mit der„Vorwärts"- Affäre beschäftigte sich am Mittwoch eine von etwa 250 Personen besuchte Versammlung der in Berlin arbeitenden Genosseii des Wahlkreises Frankfurt-LebuS. Auf der Tages- ordnung stand die Berichterstattung über den Parteitag in Jena. Referent war Dr. Heinrich Braun, welcher Reichstags- kandidat des Kreises ist und auch von den Genossen des Kreises als Delegierter nach Jena entsandt worden ist. Als hauptsächlichste Punkte der Parteitagsverhaildlmigen bezeichnete der Redner die Maifeier, den Massenstreik und die Preß seh den. Nachdem er die beiden ersten Punkte besprochen und das dabei zum Ausdruck gekommene Einverständnis zwischen Partei und Gewerkschaft hervorgehoben hatte, erörterte er ausführlich die „Vorwärts"-Affäre. Dieselbe stehe in engstem Zusammenhange mit dem Parteitage, denn die Teilnehmer am Parteitage seien allgemein der Ansicht gewesen, daß die Preßfehden durch die Kommission vollkommen er- ledigt worden und keinerlei Acnderungen in der„Vorwärts"- Redaktion geplant seien. Wenn Parteivorstand und Pretzkommission so grilndstllrzende Slenderungen beabsichtigten, wie sie nach dem Parteitage beschlossen wurden, dann hätten sie das auf dem Partei- tage vorbringen müssen, damit die Angelegenheit dort erörtert Wersen konnte Da der„Vorwärts" in erster Linie Zentralorgan sei, könne es den Port-iaenossen Deutschlands nicht gleichgültig sein, wie die Redaktion gestaltet werde. Eisner und Gradnauer seien nach Jena gegangen, um sich wegen der Haltung des„Vor- wärts", die ja vorher angegriffen wurde/ zu rechtfertigen. Mit- glieder des Parteivorstandes hätten ihnen aber-rklärt. es seien keine Aendermigen weitgehender Art, besonders kein? Kündigungen be- absichttgt. Nach diesen von Singer und Bebe' gegebenen Er- klärnngen hätten die Redakteure auf ihre Rechtferiijnilig vor dem Parteitage verzichtet. Kurz daraus sei dann der Partelnorstand mlt der Preßkommission zusammengetreten, um weitgehende Aenderungen in der Redaltion zu beraten, trotzdem der Parteitag sich mit der Haltung des„Vorwärts" einverstanden erklärt hatte, denn er habe sich ja in der Frage des Massenstreiks auf den vom„Vortvärts" vertretenen Standpunkt gestellt.— Möge min der Parteivorstand mit der Vornahme der Aenderung in der Redaktion recht oder un- recht gehabt haben, vor allem komme es darauf an, wie die An- gelegenheit behandelt wurde. Es sei das erste Mal, daß solche Dinge beraten, erörtert und entschieden wurden, ohne daß man die beteiligten Redakteure hörte. Das widerspreche den gcwerkschaft- lichen Grundsätzen. Das schlimmste sei, daß der Partei- vorstand den Grundsatz proklamierte, Redakteure könnten gekündigt werden, ohne daß man sie vorher höre. Dieser Standpunkt verdiene die schärfste Ablehnung, denn es sei der Herrenstandpunkt, den wir in der Industrie bekämpfen. Das Vorgehen des Parteivorstandes sei geeignet, unsere Parteiarbeit schwer zu schädigen. Der Schaden könne nur dadurch repariert werden, daß wir dem Parteivorstand allein die Verantwortung für diesen unglücklichen Schritt überlassen und die Partei und Gewerk- schaften frei machen von der Verantwortung dafür. Das können wir. wenn wir Protest erheben gegen den Parteivorstand und von ihm erwarten, daß er seinen Fehler durch rückhaltloses Einaeständnis wieder gut macht.(Schwacher Beifall.) Der Vorsitzende der Versammlung bemerkte, Genosse Braun habe ja den Parteitag nur kurz berührt, jedoch sei die Erörterung dessen, was sich nach dem Parteitage abspielte, durchaus berechtigt. Adolf Ho ff mann sagte, er gehe noch Ivciter wie der Vor» sitzende. Er meine, es sei die Absicht des Referenten gewesen, in erster Linie über die„Vorwärts"-Angelegenheit zu sprechen. Das sei ja sein gutes Recht, aber er hätte das auch in der Versammlungs- anzeige zu», Ausdruck dringen sollen, um den Angegriffenen Ge legenheit zu geben, hier zu erscheinen und sich zu derteidigeu ",ur Sache selbst sagte Genosse Hoffmaim: ES sei seit Iahren bekannt, daß die Berliner Paricigeiiossen mit der Haltung des„Vorwärts" nicht einverstanden sind. Sie l?ätten ein Recht zu verlangen, daß ibre Meinung im Blatte zum Ausdruck kommt. Ein Redakteur, welcher Weib, daß er mit der Mehrheit der Genossen nicht übereinstimmt, sollte nicht warten, bis inan ihn kündigt, sondern von selber gehen. Wenn die Redaktenre sich darüber beklagen, daß sie nicht gehört worden seien, so müsse betont werden, dah schon seit Jahren unzählige Sitzungen abgehalten wurden, in denen den Re- dakt euren gesagt wurde, das; die Mehrheit der Berliner Genossen mit ihrer Haltung nicht ein- v e r st a n d e n i st. Nun haben die sechs Redakteure nicht abgetvartet, ob und wem gekündigt wurde, sondern sie haben selbst ihre Kün digung eingereicht und die Oeffentlichkeit angerufen, anstatt ihre Angelegenheit den Partei- Instanzen zur Entscheidung vorzulegen. Wenn ein Arbeiter so gehandelt hätte wie die Redakteure, dann würde man ihn jedenfalls nicht nur aus seiner Stellung, sondern auch aus der Partei entfernt haben. Das Bestreben des Referenten gehe darauf hinaus, die Parteigenossen vom Parteivorstand zu trennen, denn er stelle den Parteivorstand als den allein Verantwortlichen hin, und gegen den Parteivorstand sollen die Genossen protestieren. Demgegenüber müsse betont werden, daß der Parteivorstand in U e b e r e i n st i m m u n g mit der Preßkommtssion und den Vertretern der Berlin erGenossen gehandelt habe. Alle Beteiligten würden die Verantwortung gen, übernehmen Nachdem die Redakteure gekündigt haben und ihre Kündigung an- genommen wurde, möge ihnen wohl die Sache leid gelvorden sein. Den Berliner Genossen sei n, it dieser Entwicke- lung der Dinge ein Alp vom Herzen gefallen. Ge- rade die, welche jetzt von Unterdrückung der Meinungsfreiheit reden, hätten die Meinung der Berliner Parteigenossen seit Jahren unterdrückt.— Es scheine beabsichtigt, hier eine Resolution gegen den Parteivorstand zur Annahme zu bringen. Man wolle damit wohl einen gewissen Eindruck nach autzen machen, wen» nian sagen könne, eine Versammlung in Berlin habe sich gegen den Parteivorstand erklärt. Redner ersucht die Versammelten, sich nicht auf diesen Leim locken zu lassen. Wenn man über den Partei- vorstand urteilen wolle, dann müsse nian ihn zur Versammlung ein- laden, aber nicht, wie es hier beliebt werde, ihn hinterrücks ab- murksen.(Beifall.) K a l i s k i wandte sich gegen Hoffmann. Dieser wisse doch nicht, was in den geheimen Sitzungen vorgegangen, auch sei der zweite Teil der Antwort der entlassenen Redakteure noch nicht ver- öffentlicht. Es sei bezeichnend, daß von unserer ganzen Parteipresse nur vier Blätter da? Verhalten des Parteivorstandes billigen, während sich alle anderen dagegen erklärt hätten.— Die Masse der Berliner Parteigenossen habe von der beabsichtigten Aenderung im „Vorwärts" nichts gewußt, sie würden auch den Streich, den der Parteivorstand und ein Teil der Prestkommission machten, nicht ge- billigt haben. In seinen weiteren Ausführungen, die sich meist mit bereits bekannten Einzelheiten der Affäre beschäftigten, sagte der Redner unter anderem, es sei nicht wahr, daß die Preh- kommission den, Genossen Wctzker ein Miß- trauens Votum erteilt habe. Wetzker habe auf seinen Wunsch ein anderes Ressort übernommen.— Singer habe in Jena zu einem der jetzt ausgetretenen Redakteure gesagt:„Tun Sie mir den Gefallen und bringen Sie die„VorwärtS"-AiigeIegcnheit nicht im Plenum des Parteitages zur Sprache, in der Kommission wird sich schon ein befriedigendes Resultat ergeben."— Bebel, als er ge- fragt wurde, ob Wetzlers Entlassung beabsichtigt sei, habe gesagt, das sei nicht wahr. Nach alledem habe man annehme» müsien, eS feien keine Aenderungen beabsichtigt gewesen.— In den geheimen Sitzungen seien die Redakteure wie Polizeispitzel behandelt worden. Die schwersten persönlichen Vorivürfe habe man gegen sie erhoben, ohne daß sie Gelegenheit hatten, sich dagegen zu verteidigen. Wir wollten arbeiten bis zum Ablauf der KündigungSzeit, aber man hat uns hinausgeworfen, um unS mundtot zu machen. Wir ver- bitten uns die Unterstellung, daß uns unsere Kündigung leid tut. Wir werden nie und nimmer auf den RedaktiouSposten zurückkehren, sondern an anderer Stelle unsere Pflicht als Parteigenossen erfüllen. Wir wollten vor unserer Kündigung g e h ö r t w e r d e n, um zu zeigen, wer die Artikel ge- schrieben hat, die als revisionistisch bezeichnet werden; wir wollten zeigen, wer in der Redaktion gearbeitet hat und wer nicht. Aber man wollte uns nicht hören. Wir verlangen, dag die Partei ausspricht: Ein solches Vorgehen, ivie es gegen uns beliebt wurde, darf nicht gebilligt werden.(Lebhafter Beifall.) F a b e r» Frankfurt a. O. führte gegenüber Hoffmann aus, diese Versammlung sei keine U e b e r r u in p e l u n g. Die„Vorwärts"- Angelegenheit hänge mit dem Parteitage zusammen; sie hätte dort erledigt werden müssen. Wenn man Redakteuren kündigen wolle, dann müsse nian ihnen sagen, weshalb sie gehen sollen. Man habe die.VorwärtS"-Redakteure wie Spitzbuben behandelt. B a r t e l bemertte, es handele sich hier nickt um eine Ueber- rumpelung. Er sei aber der Meinung imd habe das auch dem Genossen Braun vor der Versammlung gesagt, daß die„Vorwärts"- Angelegenheit eine Sache der Berliner Parteigenossen sei und deshalb hier nicht darüber gesprochen werden solle. Er ersuche deshalb um Schlug der Debatte in dieser Sache.— Hieran schloß sich eine Geschäftsordnungsdebatte, in der G e r i ck e bemerkte. Braun habe sein Referat gennjjbraucht. Die Anwesenheit Kaliskis beweise, daß eine Ueberrumpelung geplant war.»— Der Vorsitzende sagte, er habe auf eine Anfrage Brauns erklärt, daß er gegen die Erörterung der Vorgänge, die sich nach dem Parteitage ereignet haben, nichts einzuwenden habe.—®if-�SättHWU'oe fortgesetzt.„ Adolf Hoff n> an n: Was n',Q'n i,cm Parteivorstande vorwerfe. das werde auch hier. peM. Man urteile über den Partei- vorstand, ohne ihn zu ho�>ch Wenn Kaliski sagte, nur vier Partei- blätter ständen auf un Seite des Parteivorstandes, so mögen sich die Redakteure der übrigen Blätter durch ihr Solidaritätsgefühl haben bestimmen lasset�, g,, verschiedenen Orten haben sich inzwischen die Parteigenossen die Redaktionen dieser Blätter ausgesprochen. " ine Meinung der Berliner Parteigenossen hören wolle, dann solle er eine Verjammlung einberufen und den Parteivorstand dazu einladen. Keiner der Angegriffene» werde ihm die Antwort schuldig bleiben.. �«,„,. �, Palme: Hoffmann hat recht. Braun hatte kerne Ursache, die .Vorwärts'-Angelegenheit hier anzuschneiden. Wir haben noch genug vom Dresdener Parteitag. Wir wollen nicht, dast man uns für Revisionisten hält. Dem Parteivorstand gebührt ebenso viel Ver- trauen, wie den Redakteuren. Braun hätte uns mrt diesem Thema nicht belästigen sollen.....„ Der Vorsitzende bemerkte: Ein Femgrrrcht solle hier nicht ab- gehalten werden, er sei gegen die Fassung einer Resolution. Faber führte aus. als Vorsitzender des Wahlkreises Frankfurt. Levus lehne er die Verantwortung für die Handlungsweise deS Parteivorstande, ab. Wenn er. der Redner, aks Arbeitgeber so ge- handelt hätte, wie der Partcivorstand gegen die Rcdakteme, dann hätte er sich in der Partei unmöglich gemacht. G e r k e vertrat im allgemeinen den von Hoffmann ein- genommenen Standpunkt. Er bedauere, daß die Redakteure nicht schon früher gegangen sind. Durch diese Versammlung werde Ver- wtrruna angerichtet und die Bewegung im Kreise geschädigt. Es liege keine Ursache zu einem MihtranenSvotum gegen den Partei- vorstand vor. Braun berief sich in seinem Schlußwort auf eine Aeusterung Bebels in Jena. Als von den Gegensätzen innerhalb der„Vorwärts"- Redaktion die Rede war, sagte Bebel in der ParteitagSsitzung nach dem Protokoll:„Ein bürgerlicher Verleger würde in solchem Falle sagen, die und die Leute vertreten meine Meinung, die behalte ich, die anderen werfe ich hinaus. Ja, können wir denn itt dieser Weise verfahren?' Nach dieser«eußerung Bebels habe niemand erwarten können, daß nun doch einige Redakteure hinausgeworfen werden sollten. ES stehe fest, daß zwischen der Redaktion und der Mehrheit der Berliner Genoffen keine Meinungsdifferenzen bestanden. Nur ein kleiner Kreis, zu dem auch Adolf Hoffmann gehöre, habe gegen die Redakteure gewühlt. Hätten sich die Redakteure wirklich im Gegensatz zur Mehrheit der Parteigenossen befunden, dann wären sie ohne weiteres zurückgetreten.— Jetzt seien die Redakteure so behandelt worden, wie wir es in bezug auf Arbeiter nicht wünschen und dagegen müsse Verwahrung eingelegt werden. Der Vorsitzende schloß die Erörterung mit dem Bemerken, aus dem Beifall, der den Rednern auf beiden Seiten in gleichem Matze zuteil wurde, könne man entnehmen, daß die Parteigenossen sich kein sicheres Bild von der Angelegenheit machen können. Schon deshalb würde die Fassung eines Beschlusses verfehlt sein. SewerKlebaftli�es. Berlin und Clmgegciid. Die trockene Guillotine. Weigern sich irgendwo einmal organisierte Arbeiter, mit Subjekten zusammen zu schaffen, die sich durch Streikbruch gegen die Arbeiterehre vergangen haben, oder verwahren sie sich auch nur dagegen, die Werkstatt mit gemeingefährlichen Denunzianten zu teilen, so schreit die bürgerliche Presse über „Terror" und die Scharfmacherorgane fordern Ausnahmegesetze f gen die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft. Gegen das ystem der„schwarzen Listen" aber, gegen die fälschlich„Arbeits- nachweise" genannten Maßrcgelungsbureaus der Unternehmer- organisationen findet man nicht die gleichen Töne der Ent- rüstung. Was den Zwecken des Unternehmertunis dient, wird in der bürgerlichen Presse entweder laut gepriesen, oder aber, wenn es doch gar zu wenig dazu geeignet ist, mit Still- schweigen übergangen. Wo ist das bürgerliche Blatt, das das System der „schwarzen Listen" gegeißelt hätte?— Vor uns liegt folgendes Zirkular: 7. November 03. Wir teilen Ihnen mit, daß wir kurz vor bezw. während des Streiks untenstehende Monteure bezw. Hülfsmontcure entlassen haben, von deren Einstellung wir Ihnen abraten möchten. (Folgen die Namen von 12 Monteuren.) (Druckstempel:) (Elektromotor G. m. b. H.) Wa. Ra. Es handelt sich um die Gesellschaft„Elektromotor", eine Tochtergründung der A. E.-G-, welche sich mit diesem Schreiben an die Jnstallationsbureaus der Muttergesellschaft wendet. 12 Monteure dieser Firma sind von ihr entlassen worden. Was sie verbrochen haben, ob ihre Nase der Direktion des „Elektromotor" nicht mehr gefiel, ob sie gar als„Hetzer" oder „Agitatoren" hervortraten, die Direktton, welche sie entließ, teilt das nicht mit. Es ist offenbar für die in Frage kommenden Kapitalistenkreise ganz gleichgültig, warum ein Arbeiter brotlos gemacht worden ist. Die Rechtfertigung für den entlassenden Kapitalisten liegt in seiner Selbstherrlichkeit, die Verurteilungswürdigkeit des Arbeiters ergibt sich aus seiner Proletariereigenschaft. Und daß der einmal entlassene Prolet hungern muß und keine Stellung finden darf, ist selbstverständlich. Diese gemütvolle Selbstverständlichkeit, mit der man hier über das Schicksal von Arbeitern durch einen Federstrich ent- scheidet, läßt die Gcmeingcfährlichkcit deS Kapitalismus geradezu in bengalischer Beleuchtung erstrahlen! An die Mitglieder des Deutschen Mctallarbciter-Verbandes. In der Sitzung der engeren Ortsverwaltung der Verwaltunas- stelle Berlin, die am 1. November stattfand, ist zu den Vorwürfen. die in der Versammlung der Rohrleger am 27. August dieses JahreS gegen den Kollegen Cohen erhoben wurden, nachstehendes beschlossen worden: „Da die Agitationskommission der Rohrleger der wiederholten Einladung der engeren Ortsverwaltung zu einer Prüfung der gegen den Kollegen Cohen erhobenen Vorwürfe zu erscheinen, nicht nachkam, ist die Ortsverwalttmg zu der einmütigen Anficht ge- kommen, daß diese Vorwürfe einer Prüfung auf ihre Berechligiing nickt standhalten können und auch aus diesem Grunde die Koin- Mission nicht erschienen ist. DaS Vorgehen der Kommission war unberechttgt, und, weil sie eö nicht für nötig hielt, den Kollegen Cohen zum mindesten anzuhören, auch inkorrekt. Die Agitationskommission der Rohrleger hat auch gegen die Beschlüsse, die für die Fälle, wo es sich um Beschwerden gegen Angestellte handelt, vorgesehen sind, verstoßen. Die Ortsverwaltung erblickt in dem Vorgeben der Rohrleger- kommission eine Schädigung der BerbandSinterefsen und beantragt deshalb beim Vorstand gegen die Kommission eine öffentliche Rüge." Dem vorstehenden Beschluß der engeren Ortsverwaltung hat die erweiterte Ortsverwaltung in ihrer Sitzung vom 7. d. M. zugestimmt. O r t S v e r w a l t rrn g Berlin de? S>f. U ljch M e 1 a l l a r b'e i t e r- V e r b a n d e S. "Die Bürsten- und Pinfelmucher nahmen ain Mittwoch in einer kombinierten Versammlung Stellung zu einer eventuellen Lohn- b e w e g u n g. Als Organisationen kommen bei den zirka 220 im Beruf Beschäftigten in Frage der dem Gewerkschaftskartell an- gefchloffene Bürstenmacher-Verband, ferner die Bürftenmacher-Sektion des Holzarbeiter-Verbandes und schließlich die im Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein organisierten Bürstenmacher. Von de» Mitgliedern genannter drei Organisationen, war bereits eine Kommission mit der Ausarbeitung eines neuen Lohntarifs beauftragt worden. Der neue Entwurf lag der Versammlung zur Genehmigung vor. Gefordert werden dann außer einer Aufbefferung der Akkordsätze eine Ver- kürzung der Arbeitszeit von 37 auf 33 Stunden und eine Erböhung des Minimallohnes von 21 auf 24 SR. pro Woche. Die Diskussion drehte sich in der Versammlung hauptsächlich darum, ob e» zweck- mäßiger sei. noch in diesem Herbst oder erst im nächsten Frühjahr mit der Lohnbewegung zu beginnen. Während � von den Rednern der Holzarbeiter-Seklion aus Rücksicht auf die bald zur Neige gehende Konjunktur das kommende Frühjahr empfohlen wurde. hielten die Verbandsmitglieder den jetzigen Herbst für den günstigsten Zeitpunkt. Zu einer definitiven Entscheidung dieser Streitfrage kam eS indessen nicht, weil sich beide Organisationen die dritte war nicht vertreten— dahin einigten, eine gemeinsame Kom- in i f s i o n zu wählen, die sich über den geeigneten Zeitpunkt zum Eintritt in eine allgemeine Lohnbewegung endgültig schlüssig werden soll und dazu auch alle nötigen Vorarbeiten zu treffen hat. OeutTdie» Reick». Vertragsbrüchige Unternehmer. Die Töpfer in P o s e n hatten mit ihren Arbeitgebern einen auf drei Jahre(1903— 1g08> lautenden Vertrag abgeschlossen, der die Lohnsätze usw. in dem Gewerbe regelte. Diesen Tarifvertrag haben nun die Meister ganz plötzlich und ohne jeden Grund ge- b r o ch e n, indem sie von den Gesellen verlangten, daß sie zu einem um 10 Pro z. niedrigeren Lohnsatz, ja überhaupt ohne jeden Tarif, arbeiten. Nachdem ein sofort am Montag angesetzter Termin vor dem Gewerbegericht ergebnislos verlaufen war. fand an demselben Tage abends ein weiterer Termin mit den Arbeit- gebern auf den, Rathause statt. Obgleich sich der Vorsitzende Dr. Gollandt alle Mühe gab. eine Einigung herbeizuführen, gelang ihm dirS nicht. Die Meister bestanden auf der Reduktton des Tarifs, worauf die Gehülfen in einer am Montagabend abgehaltenen ver- fammlung einmüttg beschloffen, sofort die Arbeit niederzulegen. In Betracht kommen gegen 130 Gehülfen, die fast sämtlich im Zentral- verbände organisiert find. Der rigorose Vertragsbruch der Unter- nehmer hat unter ihnen große Erbittemng hervorgerufen.— Zuzug ist fernzuhalten._ Die Hafenarbeiter Königsbergs sind nun doch noch in den Streik gedrängt worden. Als sie die Schiffe in vergangener Woche ge- sperrt hatten, bewilligten wohl die Stauermeister den verlangten Stundenlohn, weil sie in der Klemme waren. Bald darauf fingen sie aber wieder an die Löhne zu drücken. Als die Hafenarbeiter damit nicht einverstanden waren, versuchten sich die Steuermetstcr Arbeitswillige aus Pillau zu holen. Nun wurde an ver- schiedenen Stellen in den Streik getreten. Am Donnerstag soll endgültig der Kampf beschlossen werden, wenn die Stauermeister sich nicht noch rechtzeitig besinnen und einlenken. iliial»ack. Verhandlungen im Rottcrdamer Hafenarbeiterstre». Ein Tele- gramm meldet: Die Genossenschaft der Getreidehändker ernannte ein Komitee von drei Mitgliedern, um zwischen den Arbeitgebern und Arbeitern zu vernntteln. Die Genossenschaften der Hafen- arbeiter verboten ihren Mitgliedern die Schiffsladungen zu löfchen, wenn nicht vorher das Abwiegen des Getreides ftattgefimden hätte. Letzte INfacbricbten und Depeteben« Hafenarbeitrrausstand in Königsberg. Königsberg, 9. November.(W. T. 83.) Die hiesigen Hafenarbeiter befinden sich im Ausstand. Ihre Forderungen beziehen sich auf Erhöhung deS Stundenlohnes und Regelung einer Anzahl tech- nischer Fragen. Die Schiffe im.Hafen laden bezw. löschen nach Möglichkeit mit eigener Mannschaft, soweit dies angängig ist, sonst ruht die Arbeit._ Der Hecht im Karpfenteich. Dresden, 9. November.(W. T. B.) Kammer der Ab- geordneten. Auf der Tagesordnung der zweiten Kammer stand heute die Interpellation Goldsicin(Soz.) betreffend die Fleisch- teuerung. Nach Begründung der Interpellation seitens des Jntcr- pcllantcn wurde diese vom StaatSminifter v. Metzsch beantwortet. Derselbe gab das Vorhandensein einer erheblichen Fleischteuerung zu und versprach namens der Regierung etwaige Vorschläge zu ihrer Behebung wohlwollend zu prüfen. Schuld an der Teuerung sei auch die VolkSvennchrung und die aufsteigende bessere Lebenshaltung der Massen. Zur Linderung der Fleischteucrung wolle die Regierung auf die verlangte Oeffnung der österreichischen Grenzen nicht ein- gehen wegen der drohenden Vichvcrsenchung. Uebrigcns bestehe auch in Oesterreich Mangel an Schlachtvieh. Die Regierung sei nicht in der Lage, positive Vorschläge zur Beseitigung der Fleisch- teuerung zu machen. Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen zieht sich Genosse Goldstein, der einzige Vertreter der SozialdemÄrattc im Landtage, einen Ordnungsruf zu._ Obstruktion! Wien, 9. November.(58. H.) Die Bediensteten aller Kategorien von Wien ausgehender Staatsbahnen sind heute früh um 7 Uhr in die passive Resistenz eingetreten. Sämtliche Eisenbahner der Pri» vatbahnen werden in den nächsten Tagen diesem Beispiele folgen. Das Ministerium richtete bereits an alle i8camten und Angestellte die Aufforderung, den Verkehr ordnungsgemäß abzuwickeln, widrigenfalls gegen sie disziplinarisch vorgegangen werden soll. Trennung von Staat und Kirch«. Pari». 9. November.(W. T. B.i Der Senat begann unter großer Beteiligung die Beratung deS Entwurfes des Gesetze? über die Trennung von Kirche und Staat. Chamaillard(Rechte) be- anttagt die Vertagung der Diskussion, bis das Konkordat ordnungs- mäßig gekündigt ist._ Elcopokd im Parlament. Brüssel. 9. November.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. In fortgesetzter Erörterung über die Antwerpencr Krcditvorlage richtet in der heuttgen Sitzung Bertrand(Soz.) heftige Angriffe gegen die Person des Königs, dem er wiederholt vorwirft, in der Frage der Antwerpener Hafen- und Feftungsbauten aus seiner konsti» tutionellen Rolle herausgetreten zu se,n. rndem er persönlich die Annahme der Vorlage empfohlen habe. T�r Vor- sitzende erklärt unter Hinweis auf die ungehörige Sprache iLertrandS, es stehe diesem nicht zu, dem Könige Vorhaltungen zu machen. Der Wahnsinn des Wettrüstens. London. 9. November.(W. T. B.) Bei einem Bankett in der Guildhall hielt der erste Lord der Admiralität Earl Eawdon eine Rede, tn welcher er ausführte, die Verwaltung könne im«erlaufe von wenigen Stunden der Schlachtflotte jetzt sechs neue Schlacht- schiffe hinzufügen und so die Stärke der Kanalflotte auf 13 Schlacht- schisse erhöhen._ Was sollen sie auch mache«?.. Christiania, 9. November.(SB. T. B.) Hollond hat Norwegen als selbständigen Staat anerkannt._ Die Revolution i« Rußland. Ausstand der Eisenbahner. Warschau, 9. November. nüssen aber noch abgedruckt iverden, um nicht den Vorwurf auf- kommen zu lassen, daß den aus der Redaktion ausgeschiedenen Ge- nassen die Möglichkeit genommen ist. die Angelegenheit so dar- zustellen, wie sie eS zur Entschuldigung ihres Vorgehens für nötig halten. *** Rechenschast. 2. Die Prinzipien des Verfahrens.') Die Denkschrift des Parteivorstandes erzählt, daß trotz aller Beschlüsse,„durch die gehofft wurde, die größten vorhandenen HebeL stände zu beseitigen," es sich regelmäßig in Kürze wieder heraus. gestellt hatte, daß alle diese Abmachungen ihre Wirkung versagten „Insbesondere wäre man nach Dresden in Erörterungen über die künftige Haltung des„Vorwärts" eingetreten. Es wurden auch ent- sprechende Beschlüsse gefaßt." Aber auch jetzt wieder hatte es sich herausgestellt,„daß die alten Uebeljtände aus den schon angeführten Ursachen(Meinungsdiffercnzcn in der Redaktion) weiter bestehen blieben". Die selige Denkschrift zur Zuchthausvorlage ist rehabilitiert! Dort versuchr man doch wenigstens an einigen Beispielen den „furchtbar sich häufenden Terrorismus der Arbeiter" zu beweisen. Hier ersetzt die bloße Behauptung jeden Beweis: der Parteivorstand hat beschlossen, daß dem so sei— Punktum! In Wahrheit handelt es sich um bloße Wahnvorstellungen, die deshalb nicht Wirklichkeit werden, Iveil sie immer wiederholt werden. Die ewige Wiederholung derselben Einbildung ist vielmehr das Wesen der Wahnvorstellungen. Was ist die einfache Tatsache? Uns sind überhaupt nur zwei Beschlüsse über die Haltung des„Vorwärts" bekannt! Die„entsprechenden", von Bebel angeregten Beschlüsse nach Dresden— die Denk,chrift drückt sich weislich in so dunkler Weise aus— bestanden ,n dem aufregenden Reformvorschlag: daß der „Vorwärts über Parteifragen alle Stimmen der Parteipressc und in größerem Umfange die Aeußcrungcn der bürgerlichen Presse xu bringen haben. Der erste Teil des Beschlusses war in dieser Form un finnig, wie sofort von der Mehrheit betont wurde. Die Folgen de» Beschlusses zeigten sich bald: der„Vorwärts" wurde der- maßen mit parteigenössischer Polemik überschwemmt, daß aus der 'i. Parteigenossen und Aufsichtsinstanzen mit Recht cner- � r M>- gcgen den ekelhaften Unfug erhoben wurde. Folge:.üJir kehrten, gerade im Sinne unserer Berliner Partei- genossen, zu der früheren Praxis zurück, in Iritischcr, anschaulicher und ochektiver Form über die Parteiäußcrungen zu berichten. Das war unsere Unvcrbesserlichkcit— in dem Selbstbewußtsein, das Bcrnunsligc zu tu». Was diese„entsprechenden" Beschlüsse nach Dresden und ihr Fiasko aus inneren Gründen aber mit den sabel- haften Richtungen im„Vorwärts" zu tun haben, wissen die Götter, und vermutlich auch sie nicht. Tic Pflicht möglichst umfassender, wahrheitsgemäßer und tendenziöser Berichterstattung über die Meinungen der Parteipressc und das innere Leben der Partei wurde natürlich von uns jederzeit erfüllt— bis auf jenen krassen M�dcr letzten Zeit, wo uns der Parteivorsiand gewaltsam hinderte, .stur eine Silbe über die parteigrnössischen und bürgerlichen BreßSuherungen»„». ,.VonoSrts"-K-nflikt zu veröffentlichen. Der i st�st verletzte also gröblich die„entsprechenden" Beschlüsse nach Dresden, und zwar nicht nur soweit sie unaus- führbar, sondern auch soweit sie notwendig und selbstverständlich waren. Ter zweite Fall betrifft die seltsame Veranstaltung der Parteifunktionäre am 17. Juni 1905. Der Beschluß, der damals angenommen wurde, lautet merkwürdig genug(dem Inhalt nach!- „Daß der„Vorwärts ,m Sinne der Ausführungen des Genossen Bebels geführt werde. Dw Ausführungen des Genossen Bebel in jener Sitzung sind nicht schristlich fixiert worden. Binnen kurzem loird also niemand mehr wipea, ivas Bebel damals ausgeführt bat lind da zufälligerweise auger stadihagen lein Mitglied'der jetziaen Redaktion in jener Sitzung anwesend ipar, wissen diese Mitaliedcr also ganz und gar nicht, w:e sie eigentlich gemäß jenem Beschlüsse zu denken hätten! Was hoffentlich nicht zu argen Entgleisungen führt! Die Veranstaltung vom 17. Juni ivar von Nieder-Barnim d. h. vom Genossen Stadthagen arrangiert, der aber die Angewöhnt heit hat. die Vaterschaft für seine Anregungen nach Möglichkeit»u verstecken. Stadthagen hielt auch die große Aiiklagcrede gegen die Mehrheit der Redaktion, und er bemühte sich sogar, unserem Ver. langen nach greifbaren Besipiclen nachzukommen, indem er allerlei UnzusammenhängendeS aneinanderreihte,' er hatte, wie er selbst sagte, vor der Sitzung nur ganz fluchtig den„Vorwärts" durch- gesehen, und dieses Studium genügte, um cm sicher zerschmetternde» le'dcr nur ganz korrumpiertes Material gegen uns und unsere lange aufreibend mühselige Arbeit zusammenzuscharren. Wir hatle» �'n-n Anlaß, Stadthagen ernster zu nehme» als ihn alle anderen ,.f..„5'Senossen zu nehmen pflegen, g.a griff Bebel ein— mit einer - �„.stammenden wie unverständlichen Rede. Tendenz:„Die rwf 5'Flu.ig paßi uns nicht." Wo er aber auf konkrete Frille ein. r*Ji' � er gegenüber den Angriffen Stadihagen» uns fast überall Äfrn0 billigte er z. B. die von dem Vertreter Nieder-BarnimS mV-sl.Haltung bei„Vorwärts im Bergarbeiterstreik. Der Wider,»ruch in Bebels Rede zwischen den allgemeinen beweislosen ™Ä,-n �r Verteidigung der wichtigsten konkreten Fälle war uulasba�.W.r komiten aber selbst sehr wohl die erwähnte Resolu- tion akzeptieren: dc.in mir hielten die Ausführungen Bebels, so- weit sie gegens,zndlich ii;ar«ii für zutreffend, und mit der all- s-lbst svrackvn!"stage lc!inten!vir nichts anfangen Tie Redakteure Mbst sprachen dagege., ols aus der Mine der Konferenz heraus die der�bSs��. Resolution gewünscht wurde, eine Festlegung. brr ubngeiis Vebcl nziderstr-hie Die ganze Verhandlung war nach der Srk.arung des Vorsitsc iden nur als eine freundschaft» l, He Auseinandersetzung trdach' Von irgend welchen Personen- Veränderungen war kein? ßiebe Und von sämtlichen später zur SÄ iSÄ" Älm"» S, Ä--S.»p> nuc einet sÄyÄ'fJ.Ä SÄÄ »Ä Sästä««S Si'achmittags bereits fchriftneb"?ben. Er war Angabe tNW«' A' diesem Falle.vurde ersucht! u?sire Erw"�üna a? der Ä � ersten Beilage zu bringen. Darauf crbiclt am Miltwoch früh EiSner die folgende Postkarte-„N«."� Einsendung konnte heute nicht mehr zum Abdruck gelangen' Darüber, an welcher Stelle de?„Vorwärts" sie publiziert werde,, soll verfügen wir. nicht 'rgend ein Mitglied der früheren Redaktion Berlin den 3t. Ok- tober 1S0S."(Stempel des„Vorwärts"! Keine Unterschrist. Ber- laffer: H. Cunow.), die von der Mehrheit der Redaktion in allen inneren Partei- Polemiken geübt wurde. ES hieß: Nehmt in diesen Fragen die Stellung, welche Ihr wollt, aber schlagt ordentlich drein! Wir mutzten uns gerade in letzter Zeit sagen, daß sich die Berliner Genossen bei ihrer Aufforderung von einem richtigen Gefühl hatten leiten lassen. Wir glaubten bisher, daß gewisse gemeingefährliche Pretzpolemiken für alle Urteilsfähigen an sich selber zugrunde gehen würden. Wir wurden aber schließlich gewahr, daß unser Optimis mus trog. Unser Schweigen wurde mißverstanden, die Länm machet drohten den Markt zu beherrschen. So entschlossen wir uns endlich, auch„ruppiger" zu werden, ganz im Sinne der„Meinung der Berliner". Zugleich traf unsere„Ruppigkeit" aber jene kleine Clique persönlicher Gegner, die nun verdoppelte Anstrengungen gegen uns machte. Es begann nunmehr ein unterirdischer Kampf gegen uns, dessen Wesen erst jetzt klar zutage tritt, dessen Helden erst jetzt völlig durchschaut werden können. KautSkys sinnloser Angriff auf uns wegen unserer Kritik an dem Roland-Holstschen Buche veranlatzte uns, Parteivorstand, Preßkommission und Vertrauensleute um eine aemeinsckxiftliche Zu- saminenkunft zu ersuchen. Man stimmte uns fast allseitig zu. Ein erstaunter Teilnehmer sprach dann, man bringe den Redakteuren ja förmliche Ovationen dar, man wolle wohl den 17. Juni wieder gut machen. Die bekannte Protesterklärung der Sechsbuchstaben- Minderheit wurde verurteilt und verhöhnt. Die Redakteure der Minderheit beklagten sich verzivetfelt über den Wankelmut und die Urteilslosigkeit der Berliner. Nach der Sitzung wurde Stadthagen, der anwesend war, zur Rede gestellt, weil er nicht zur Teilnahme an der Sitzung be- rechtigt iei. Volle Uebereinstimmung herrschte dann zwischen den Funkiio- nären der Berliner Parteigenossen und der Mehrheit der Redaktion in der Frage der Tagesordnung des Parteitages. Schon vor Bremen stimmte in gemeinsamer Beratung Berlin mit den Anregungen der Redaktionsmehrheit überein, die Schulfrage auf die Tagesordnung zu setzen: auch die Erörterung der Wahlrechts- kämpfe wurde für dringend erachtet. Bebel bekämpfte diese Vor- schlüge: die Schulfrage fand er nicht brennciid. Sie wurde aber in Bremen auf der Frauenkonfcrenz behandelt, und nun fand Bebel, daß die Frauenkonfercnz geistig höher gestanden habe als der Partei- tag. Gegen die Behandlung der Wahlrechtsfrage wandte Bebel („Neue Zeit". Band 22, 2, Seite 744) ein;„DaS geplante oder gefürchtetc Attentat auf das Rcichstags-Wahlrccht zum Gegenstand einer Debatte auf dem Parteitage zu machen, wäre ein grober taktischer Fehler, den kein Politiker, am wenigsten eine Partei machen darf." Ein Jahr später, in Jena, beging er in stundenlanger Rede diesen„groben taktischen Fehler. Dieselbe Unzulänglichkeit bewies Bebel, als die MehrheitSver- treter des„Vorwärts" für Jena die besondere Behandlung der weltpolitischen Wandlungen anregte. Die Redaktion war schon da- malS über die verhängnisschwcre Bedeutung der schwebenden nitcr- nationalen Äonflilte unterrichtet. Gradnaucr machte in der von der Denkschrift" erwähnte» Weise den entsprechenden Vorschlag. Bebel widersprack,. Parteivorstand und Kontrollkommission lehnten darauf ab E» ist aber eine Unrichtigkeit in der Denkschrift insofern, als auch ein Mitglied des Parteivorstandcs sechst den von der Rcdak- tion dargelegten Anschauungen in weitem Maße beistimmte. Tie Denkschrift rügt es zornig, daß trotzdem der„Vorwärts" die An- regung aufrecht erhalten hat, ohne zu erwähnen, daß sie bereits in der Vorberatung des Vorstandes und der Kontrolleure abgelehnt worden sei. Die Denkschrift hätte nicht den wichtigeren Umstand verschweigen sollen, daß in jenem Artikel auch die Tatsache nicht erwähnt worden ist: daß der„Vorwärts" die Anregung aufrecht erhielt, nachdem in gemeinsamer Beratung von Vertrauensleuten und Redaltion gegen den Widerstand zweier anwe,endcr Vorstands. Mitglieder der Vorschlag der politischen Redakteure fast einstimmig »»m Beschluß erhoben wurde. Tatsächlich haben dann vier Berliner Wahlkreise de» Vorschlag der Sertrau-nSleutr und d»„Borwarts- Mehrheit für den Parteitag znm Antrag erhoben..Und Bebel selbst hat dann in Jena die von ihm ab g c l e h n t e.. n"9"ng de cRcba tDU selbst übernommen, al« er in de...«"�"Monolog fe.ner Be- grüßunasrede diele siirage dennoch zu behanbeli. versuchte. Wir hatten uns allerdings die Erörterung der Frage anders gedacht, und hatten gemeinsam mit den Berliner Genossen Kautsky als Referenten ins Aug« gefaßt. An schönster Harmonie und erhebender Begeisterung verlief endlich jene Jauräs-Vecsammlung, die auf Anregung derRedakt,ons>nehrhe.t und der Berliner Genossen veranstaltet wurde. All diese Geschehnisse waren Vertrauenskundgebungen für die RcdaktionSmehrheit, und sie stehen im vollständigen Widerspruch zu den Darlegungen der Denkschrift, als ob zwischen de» Berliner Genossen und unS e,n dauernder Konflikt bestanden hätte. r- r nc. Übet unsere fruchtbare Arbeit war für unsere Gegner cm Grund mehr, ihr Spiel gegen UNS zu verMrfen. Stadthagen und Genossen arbeiteten. Langst bestand zwischen der Redaktions. Minderheit und unseren Gegnern m der Parte: ein intimes Ver- hältri�_ c£miS j�fer geheimen Wühlereien war jene Preß kommissionssivung vom 1. September. In dieser Sitzung erschien plötzlich Stadthagen. Roch niemals hatte er an einer Sitzung teil genommen, außer wenn er als.Angellagter", solange er— bis vor einigen Jahren— die juristische Sprechstunde abhielt, sich gegen Beschwerden zu verantworten hatte. Niemand in der Redaktion hat bisher davon gewußt, daß Stadthagcn bereits seit 1893„Redakteur des„Vorwärts" sei. Er fungierte bisher gegen festes Gehalt als juristischer Bricfkastenonkel und früher als Rcchtsrat in der Sprech- stunde' Als Redakieur zählte er ebenso wenig wie die anderen Rechtsanwälte, die gleichfalls festes Gehalt beziehen. Jeder redaktio- nclle Beitrag wurde ihm honoriert, was nicht geschehen wäre, wenn St. Redakteur genesen wäre. Ein kollegiales Zusammenarbeiten mit ihm kam also bisher für uns nicht in Frage. Die Behauptungen der Denkschrift in dieser Hinsicht sind völlig phantastisch. Hätten wir freilich gcnmßt, daß Stadthagen sich schon seit 1893 als Redakteur fühlt, so würden wir über seine fortgesetzten lvüstcn Angviff« gegen uns wesentlich anders gedacht haben. Man denke nur an jenen Wahn- witzigen Neberfall vor Dresden, der übrigens— sollte das jetzige Verfahren nur System Stadthagen sein?— auch in Abwesenheit der ununterrichtetcn Angegriffenen verübt wurde. Ueber daS Ergebnis dieser PreßkommissionSsitznngen vor Jena haben wir schon in unserer„Aufklärung" berichtet. ES war offenbar damals bereits etwas geplant. Ein PreßkommissionSmitglied von Nieder-Barnim hielt ganz im Stil der jetzigen Denkschrift eine Rede: eS seien immer wieder Beschlüsse gefaßt, aber eS hätte alles nichts genützt usw. Wir verlangten einfach Beweise. Die konnte niemand geben. Daran scheiterte schließlich abermals die Kampagne. Es kam zu jener endgültigen Regelung der Rcdaltions- Verhältnisse, die wir erwähnt haben. ♦ Nur ein Vorkommnis aus jenen Sitzungen sei noch erwähnt. um den Wahrheitswert der Denkschrift zu charakterisieren. In der Denkschrift beißt es: „Bon der UnHaltbarkeit der Ziistande in der Redaktion waren auch die sechs Redakteur«, die kündigten, überzeugt, nur waren sie der Meinung, nicht sie, sondern die Minderheit Hab« zu gehen. Unverblümt ist dieser Meinung aus den Reihen der Mehrheit der Minderdeit gegenüber schon bei früheren Gelegenheiten Ausdruck verliehen worden." Wir wissen nicht, ob der Verfasser der Denkschrift in jener -itzting der Preßkommission zugegen ivar. Ans jeden Fall aber hätten ihn die Mitglieder des Vorstandes und der Pveßkvmmission, die damals anwesend waren, davon abhalten müssen, einen Satz niederzuschreiben, dessen Gegenteil die urkundliche Wahrheit ist. In jener Sitzung leistete nämlich die Mehrheit Verzicht auf die Vehand- lnng innerer Parteifragcn und stellte zur radikalen Lösung aller MißHelligkeiten den Antrag, die Minderheit mit der ausschließlichen Bearbeitung der Parteifragen zu betrauen. Wie kommt die Denkschrift angesichts dieses Tatbestandes zu der Verbreitung der Unwahrheit, daß die Mehrheit jemals auch nur den Versuch gemacht bat, die Minderheit hinauszudrängen?? Wahn- Vorstellungen, nichts als Wahnvorstellungen! Wir gingen bei unserem Vorschlag von folgenden Erwägungen auS: wir hielten und halten das Gerede von den„prinzipiellen" Gegensätzen zivischen Mehrheit und Minderheit im„Vorivärts" einfach für Schwindel. Es handelt sich vielmehr um Gegensätze der Intelligenz, der Fähigkeit und nicht zum mindesten der Moral. Es ist auch unwahr, wenn eS in der Denkschrift heißt: „Es standen sich in der Regel die Anhänger der beiden Strömungen geschlossen gegenüber, und zwar meist S gegen 4 Stimmen, wobei gewöhnlich die Stellung der Mehrheit von der Vertretung der Berliner Genossen und dem Parteivorstand nicht als die ihrige anerkannt wurde." Wann? Wo? In welchem Fall? Die ganze per- sönliche Gruppe nbildung hat sich erst in der letzten Zeit kristallisiert. In allen wichtigeren prinzipiellen und taktischen Fragen war von dieser Gruppenbildiing nichts zu spüren. Häufig standen gerade Mitglieder der Mehrheit schroff gegen einander. Nur wen» von Leipzig oder in der„Neuen Zeit" ein Angriff gegen uns gerichtet wurde, dann schloß sich in den letzten Zeiten eine feste Minderheit zusammen, die sich innner nachträglich davon überzeugte, daß sie genau die Leipziger oder Fricdenauer Ueberzeugung habe. Das Sicimmenverhältnis 6 zu 4 aber ist gar erst ein Produkt der allerletzten Wirrnisse. Noch in der Polemik mit Kautsky ver- traten nur drei Kollegen die Minderheit. Was aber die persönlich widerwärtigen Verhältnisse anbelangt, so ist der Tatbestand selbst nicht zu leugnen. Nur unterläßt die Denkschrift die Hauptsache, die Schuldfrage zu erwähnen. Es hat vor Jena ein persönlicher Zusammenstoß stattgefunden, aber mir weil ein Redakteur der Minderheit über einen der Mehrheit eine grobe Unwahr- heit ausgesprochen hat. Bebel hat in der entscheidenden Montags- sitzung sogar erzählt, ein Redakteur habe auf den anderen einen tätlichen Ueberfall versucht. Sehr wahr, nur ließ Bebel es im Dunkeln, daß es ein Redakteur der Minderheit war, der seine — dem Gewicht nach unbestreitbare Ueberlegenhcit zu miß- brauchen unternahm. Verschwiegen wird gleichfalls, daß die Mehr- heirSredakteure mit der offen ausgesprochenen Absicht von Jena zurückkehrten, so viel an ihnen lag, ein erträgliches persönliches Ver- hältnis wieder herzustellen. Sie waren auch bemüht, diese ernste und ehrliche Absicht durch die Tat zu beweisen. AI» die„Berliner VolkSzeitung", übrigeiis sehr ungenau, jene Indiskretion über die Berwechselungskomödie aus der Jenaer Kommission veröffentlichte, erbot sich der Kollege Eisner sofort mit seiner Namensunterschrist. eine kollegiale Erklärung abzugeben, die den Zweck verfolgte, den für Ströbel vernichtenden Eindruck zu beseitigen. Es hieß in dem Eisilerschen Entwurf«. a.: „Wie das immer zu gehen pflegt, ist an dieser Geschichte ein Kern von Wahrheit, der aber in Unrichtigkeiten, Uebertreibungen und Mißverständnissen so dicht eingehüllt ist, daß er kaum mehr zu erkennen ist... Da wir der Meinung sind, daß die Er- ledigung der Preßstreitigfteiwn durch die Jenaer Kommission nicht der Anfang, sondern daS Ende dieser Vorkommnisse sein soll, so verzichten wir selbstverständlich darauf, die Irrtümer und den Klatsch der„Berliner VolkSzeitung" zu korrigieren. Die Koni- Mission hat, das sei schließlich noch bemerkt, nicht den Zweck gehabt, Sirger vder Besiegte zu schaffen, über Recht und Unrecht zu ur- teilen, sondern sie sollte zur Aussprache dienen und zur Erledigung von Streitigkeiten. Und diesen Zweck hat die Kommissioii im vollsten Maße erfüllt. Keiner der Beteiligten erhebt irgendwie den Anspruch, gesiegt zu haben und keiner hat sich über Nieder- lagen zu beklagen." Diese Erklärung beweist aber nicht nur, daß wir daS aufrichtige Bemühen hatten, kollegiale Zustände zu ermöglichen, sondern auch ein ziveites. Diese Erklärung war nämlich Gegenstmid der Ver- Handlung mit dem Parteivorstand in den ersten Oktobertagen Bebel meinte, die Sache ließe sich mit dieser Erklärung wohl lösen, wenn nicht ströbel— wie eS der Fall war— dagegen wäre. Auch andere Vorstandsmitglieder äußerten ihre Zustimmung zu EiSners Absicht. Niemand aber machte uns auf die radikal falsche Auffassung über die Friedlichkeit der Situation aufmerksam, obwohl zu gleicher Zeit be- rdl« der Krieg vorbereitet wurde. Man wollte uns also in Sicherheit wiegen, man verfuhr mit uns nicht wie mit Parteigenossen, sondern wie mit Feinden, gegen die jedes Mittel erlaubt sei. Endlich sei noch als wichtiges Moment persönlicher Differenzen erwähnt, daß wir allerdings über gewisse Wünsche, mit denen Mit- glieder der Minderheit gelegentlich Gegner in der Partei in Grund und Boden zitierten, grundverschiedener Meinung waren. Wir haben somit bewiesen, daß alles, was die Denkschrift über die Vorgeschichte des Konflikts, über die sachlichen und persönlichen Zwistigleiten sagt, ungenau, unvollständig, unlvahr, tendenziös entstellt oder gar direkt erfunden ist! « Unsere Anklage, daß man in Jena geflissentlich den Parteitag, die Partei und uns um die Möglichkeit öffentlich kontrollierter Entscheidung gebracht hat, wird durch die Denkschrift mit keinem Wort widerlegt. Alles waS die Denkschrift dafür anführt, daß wir das 5wmmende hätten wissen müssen, ist Zitat ans der Rede Bebels von den„unhaltbaren Zuständen". Das Zitat ist schon deshalb auf- fällig unvollständig, weil Bebel ja in derselben Rede den Grundsatz aufstellte, daß man nicht wie bürgerliche Verleger mit Kündigungen vorgehen könne, woraus tvir unmöglich schließen konnten, daß un- mittelbar darauf sich der Vorstand in der Rolle bürgerlicher Ver- leger gefallen ivürde. Aber die Denkschrift verschweigt weiter den ausschlaggebenden Umstand, daß vor der Rede über die Frage des Lokalblatis Kollege Gradnaucr den Gen. Bebel ausdrücklich fragte, ob er Ausführungen machen würde, die ihn zu einer Erwiderung veranlassen müßten. Bebel lehnte das entschieden ab II Wie konnte Bebel den Gen. Gradnaner in dieser Weise zum Schweigen veran- lassen, wenn er so grundstürzende Pläne hegte, wie sie in der Ge- schichte unserer Presse überhaupt noch nicht vorgekommen! Mußte er nicht umgekehrt Gradnaner reinen Wein einschenken und ihn direkt anffordern» vor dem Parteitage noch einmal die Auffassung der znm Tode verurteilten Redaktion zu vertreten? Ueber die von uns in der Begründuim der Kündigung erwähnte entscheidenden Tatsache, daß ferner auch Singer in Jena vor Be- ginn der zkvmmissiouSsitzungen auS! eigener Jnitjativc dem Kall. Eisner versichert hat. eS stünden keinerlei Aenderimgen bevor, außer etlva der Anstellung eines ökonomisch tüchtigen neuen Redakteurs,— eine Maßnahme, die unS durchaus erwünscht war— geht die Denkschrift schweigend hinweg. In dem Briefe des Parteivorstandes vom 20. 10. VS wird diese Acußerung nicht bestritten, sondern eS wird nur gesagt, Singer habe, wenn die Versicherung abgegeben sein sollte,„naturgemäß" nur für sich gesprochen, da weder em Auftrag noch ein Beschluß des Parteivorstandes vorgelegen hatte. Ein sonderbares Verfahren, daß'~ W- und wird!! arreivorsranve»>�>i> ivnoeroares Persayren, iß der Vorsitzende der Partei uns erst zum Vertrauen bestimmt nd daß dann seinen Zusicherungen jede Verbindlichkeit abgesprochen Der Jenaer Parteitag und die Beschlüsse der Kommission werden plötzlich als gleichgültig für die„vorwärts" Angelegenheiten beiseite geschoben. Die Kommission, so heißt eS jetzt, habe die bedenklichen Prcßfehdcn beurteilen sollen und habe Vorschläge zu ihrer künftigen Vernicidung gemacht, aber—„Inhalt und Zweck" der Resolution, die aus den Beratungen hervorging, habe mit den Vorgängen im„Vorwärts" so gut wie niasts zu tun! An den„bedenklichen Pre�fehden" war der„Vorwärts" in erster Linie beteiligt, die Aussprache über die Stellung des„Vorwärts" und der„Neuen Zeit" zu verschiedenen Fragen füllte die gesamten Verhandlungen der Kommission aus. Jetzt soll das Ergebnis der Beratungen nichts mit den Vorgängen im„Vorwärts" zu tun haben! Nur eine Stelle der Resolution wird ausgenommen, das} die Partcipresse nach den Grundsätzen des Parteiprogramms im Sinne der Dresdener Resolution geführt werden solle. Dies, wegen ihrer Selbstverständlichkeit vielleicht unnötige, aber ganz alL gemeine Erinnerung an die Parteiprcffe soll jetzt gegen uns aus� gebeutet werden, während in der Kommission nicht mit einem Wort behauptet worden ist, daß wir in irgend einem Falle diese Richtlinie verlassen hätten— war doch die einzige deutsche Parteiangelegcn heit, die in der Kommission behandelt wurde, die Frage des General streiks, in der der„Vorwärts" vor Jena fast wörtlich dasjenige vertreten hat, was der Parteitag in der Resolution Bebel fast ein- stimmig als Parteianschauung festgestellt hat. Will der Verfasser der Denkschrift jene Stelle der Resolution gegen uns ausnützen, so verurteilt er damit seine eigene Generalstreiks-Resolution als— revisionistisch! Tie Verhandlungen der Kommission wären völlig sinnlos gc Wesen, wenn sie derartige Maßnahmen, wie sie nach Jena unter nommen wurden, nicht ausschließen wollten. Die Kommission hat, wie sich versteht, die Rcdaktionsvcrhältnisse des„Vorwärts" selbst nicht in ihre Beratungen gezogen, aber sie hat über die Stellung der Redaktionsmehrheit in einigen wichtigen Parteifragen beraten und ist zu einer Resolution gelangt, die Genosse D i e tz, der Be- richtcrstatter der Kommission, ausdrücklich vor dem Parteitage als eine„versöhnliche Resolution" bezeichnet hat. Auch Genosse Stalten, Mitglied der Kommission, sagte schon bei der Begründung des Antrages auf Einsetzung der Kommission: Wenn die Debatte im Plenum des Parteitages geführt würde, so „würde die Debatte sich zweifellos ins Uferlose verlieren. Es würde die Gefahr entstehen, daß die Debatte sich hauptsächlich zu der Frage zuspitzen würde, auf welcher Seite liegt die Schuld. und das würde ich für sehr bedenklich halten. Ich glaube, es würde sich schließlich vielmehr darum handeln müssen, die Frage zu ent- scheiden, aus welche Art und Weise machen wir diesen unerquicklichen Dingen für die Zukunft ein Ende?" Es war also ohne Zweifel die Meinung der Kommission und des Parteitages, den unerquicklichen Tingen von vor Jena ein Ende zu bereiten und keineswegs noch weit unerquicklichere Tinge vorzubereiten, wie es dann die Parteibehördc unternahm. Für die Parteibehördc aber konnte es nur zwei Möglichkeiten geben: wenn sie so einschneidende Aenderungen in der Redaktion des Zentralorgans vornehmen wollte, so mutzte sie die Redaktion schon vor Jena davon unterrichten,— so durfte sie die in Jena zur Vertretung der Haltung des„Vorwärts" anwesenden Rcdak- teure nicht systematisch in den Glauben versetzen, daß nichts Ein- schneidendes und nichts Kränkendes beabsichtigt sei,— so durfte sie nicht zulassen, daß die Angelegenheit in einer Kommission friedlich beglichen und auf jede gründliche Erörterung durch den Parteitag selbst verzichtet wurde. Hatte sie aber niemals vor Jena ihre Absichten ausgesprochen, hatte sie den friedlichen Verlauf des Parteitages begünstigt, so mußte es unmöglich sein, nachträglich in geheimen Sitzungen gegen die Redaktion vorzugehen. Eines mußte das andere völlig ausschließen. Wir konnten endlich aus den Jencnser Vorgängen auch deshalb unmöglich schließen, daß gegen die„Vorwärts"- Mehrheit irgend etwas geplant sei, weil der offizielle Referent über den Bericht des Parteivorstandes, Genosse o l k e n b u h r, in seinem Vortrage gerade bei allen strittigen Auffassungen im Sinne der Auslassungen und Anschauungen der„V o r w ä r t s"- M e h r h e i t sprach. Das Geheimverfahren, das nach Jena begann, wird in der Denkschrift lediglich bestätigt, und wenn sich in der Darstellung des Parteivorstandes Unterschiede von unserer„Ausklärung" ergeben, so liegt das an der Ungenauigkeit und UnVollständigkeit der Denkschrift. Trotzdem hat die Denkschrift den Mut, fort- während von falschen und irreführenden Auffassungen, von leicht- fertig ausgesprochenen Behauptungen, von Unwahrheiten, die aus Täuschung berechnet seien usw., zu reden. Daß alle Vorgänge sich abspielten, ohne daß die beteiligten Redakteure nur einmal gehört wurden, wird gar nicht bestritten, und als einziger Grund für dies Verfahren ist angegeben, daß ein sozialdemokratischer Redakteur anständigerweise nicht verlangen könne, an Sitzungen teilzunehmen, in denen über ihn zu Gericht gesessen wird. Für die bevorstehende Strafprozeß-Rcsorm ist das eine empfehlenswerte Anschauung. Vielleicht wird man im Reichstage bald hören, daß anständige Vcr- brecher darauf verzichten müssen, daß in ihrer Gegenwart verhandelt werde. Uebrigens ist die moralische und geistige Verwirrung in der verjüngten„Vorwärts"-Rcdaktion so weit vorgeschritten, daß in der Donnerstag-Nummer vom L. November behauptet wird, es habe sich bei den geheimen Sitzungen nur um„Borbcratungen" gehandelt und während dieser Vorberatungcn hätten die Redakteure ihre Kündigung erklärt, so daß s i c den Skandal provoziert hätten. Das schreibt die heutige„Vorwärts"-Redaktion zwei Tage nachdem der Vorstand in der Denkschrift ganz offen die Beschlüsse mit- geteilt hat, die einen Tag vor unserer Kündigung bereits von den durch das Organisationsstatut berufenen Instanzen angenommen waren und den Funktionären nur noch formell unterbreitet werden sollten. Ein gewisses Bedenken scheint allerdings dem Parteivorstande inzwischen befallen zu haben, ob er die Verantwortung für den ärgsten Schaden, der bisher der Partei zugefügt worden ist, über- nehmen könne. Er erklärt nämlich in der Denkschrift sich für den Geschobenen, der nur den Willen der Berliner Parteigenossen er- füllt habe. Zu der Sitzung am 2. Oktober sei er von der Pre� kommission und von den Vertrauensleuten eingeladen worden. E? wird lang und breit erzählt, daß die NichtHinzuziehung der Nc- dakteure zu dieser Sitzung nicht Schuld des Vorstandes gewesen sei. Die„Nordd. Allgem. Zeitung" kann nicht so ungeschickt dementieren. Die Redakteure haben gegen die Sitzung vom 2. Oktober überhaupt keinen besonderen Protest erhoben. In jener Sitzung handelte es sich nicht um bestimmte Vorschläge; die Berliner wollten von dem Parteivorstand wissest» in welckicr Weise ihnen ein größerer Ein- fluß auf den„Vorwärts" vom Vorstande eingeräumt werden würde. Daß die Hinauswerfung von einigen Redakteuren keine Vermehrung des Einflusses der Berliner bedeutet, ist klar; denn schon bisher konnte» die Berliner einstellen und kündigen, wen sie ivolltcn. Die sämtlichen Einstellungen der letzten Zeit sind Vorschläge Berlins, zum Teil gegen die Vorschläge des Vorstandes. Darum konnte es sich also nach dem Willen der Berliner in der Sitzung vom L. Oktober in erster Linie nicht handeln. Weil aber der Vorstand, vertreten durch Bebel, nicht gene'gt war, einen tatsächlichen größeren Einfluß den Berlinern zu gewähren, deshalb mußte die Redaktion herhalten, deshalb wurden von ihm die schärfsten Mittel angekündigt. Wir haben uns zunächst nicht über die Geheimnis- tuerei bei der Sitzung vom 2. Oktober, sondern darüber beklagt, daß wir von den P r e ß ko m m i s s i o n s- Sitzungen der folgenden Zeit ausgeschlossen worden sind, in denen ganz bestimmte Vorschläge gemacht und ganz bestimmte Beschlüsse gefaßt worden sind, und für diese Aussperrung trägt der Vorstand ganz ausschließlich die Schuld. Am 5. Oktober erhielt die Redaktion folgende Postkarte: W. G.! Zu der am Freitag, den 6. d. M., an bekannter Stelle stattzufindenden Sitzung der Prcßkommission erlaubt sich einzuladen Berlin, den 4. Oktober ISOö. O. Büchner. Auf Grund dieser Einladung erschienen wir in der Kommission, und es war der Vorstand, der unsere Ausschließung von der Preßkomniission verlangte und durchsetzte. Tic Vorschläge deS Vorstandes in dieser Sitzung vom 6. Oktober sind in der Denkschrift ebenso falsch wiedergegeben, wie sie in unserer Aufklärung korrekt dargestellt waren. Wenn uns vor- geworfen wird, daß wir aus trüben Quellen geschöpft hätten, so haben wir jedenfalls aus trüben Quellen die Wahrheit geschöpft, während es dem Verfasser des Vorstandsberichtes nicht gelungen ist, eine genaue Darstellung von Vorgängen zu geben, die er selbst in erster Linie veranlaßt hat. Zunächst wird verschwiegen, daß der Vorstand in der Sitzung vom 6. Oktober auch die Kündigung des Kollegen Wctzker beantragt hak, wenn auch nicht die sofortige Kündigung. Die Privilegien, die Genossin Luxemburg im„Vor- wärts" genießen sollte, sind vollkommen falsch wiedergegeben. Wenn es nach dem Willen und der Anregung des Vorstandes gegangen wäre, der ja wohl nur die Bedingungen der Genossin Luxemburg selbst wiedergab, so wäre die Redaktion genötigt worden, zwei Artikel der Genossin wöchentlich unbesehen und unverändert auf- zunehmen. Nach dem Vorschlage des Vorstandes sollte für den Fall, daß die Redaktion mit dem Inhalt dieser Artikel sich nicht idcntifi- zieren könnte, der Ausweg gewählt werden, daß der Name Rosa Luxemburg unter die Artikel gesetzt würde. Die Preßkommission dagegen war verständiger als der Vorstand; sie sah ein, daß der- artige Zwangsvorschriflen einer anständigen Redaktion nicht zu- gemutet werden könnten, und auf ihren Einspruch erst verständigte man sich auf das Verfahren, das in der Denkschrift hinsichtlich der Artikel der Genossin Luxemburg angedeutet ist; ein Verfahren übrigens, das auch immer noch eine ungehörige Bevorzugung eines einzelnen Mitarbeiters bedeutet. Daß der Vorstand, nicht die Preßkommission, die Verantwortung für die Aktion trägt, daß gerade die Pretzkommission bei weitem nicht so ungehörige Auffassungen hegte wie der Vorstand, geht auch aus dem Eingeständnis in der Denkschrift hervor, daß die Preß- kommission es für untunlich hielt, die„kleinen Redakteure", die für die politische Haltung am allerwenigsten oder gar nicht verant- wortlich waren, dafür zu bestrafen, daß die„Großen" gesündigt. Der Vorstand aber scheute sich nicht, diese Methode der Hinrichtung von Stellvertretern nach chinesischer Sitte in Empfehlung zu bringen. Mit welchen Mitteln in dieser Sitzung der Vorstand zur Er- rcichung seiner Zwecke gearbeitet hat, für die er jetzt die Berliner Parteigenossen verantwortlich zu machen bemüht scheint, mag aus der folgenden Einzelheit ersehen werden. Genosse Bebel erklärt in dieser Sitzung dem Sinne nach und auch ziemlich wörtlich KaliLA habe sich früher radikal gebärdet und erst, als er im„Vor- wärts" eine gesicherte Stellung zu haben glaubte, hätte er sein wahres Gesicht gezeigt. Diese Verleumdung eines ehrlichen Partei- genossen geschah in der Abwesenheit des Kollegen, sie wurde aus- gesprochen zur Erreichung gewisser Zwecke, ohne daß der Beschuldigte irgendwie sich verantworten konnte, ja, wenn es nach der Absicht des Genossen Bebel gegangen wäre, hätte er auch niemals davon gehört, mit welchen Ränken hinter seinem Rücken die Aussichts instanzcn des„Vorwärts" beeinflußt wurden. Da die Behauptung Bebels selbst ganz und gar unwahr ist und durch nichts bewiesen werden kann, so war es allerdings sehr klug, über diese Sitzung ein fürchterliches Schweigegebot zu verhängen. Aber der Parteivorstand kann durch derartige Schweigegebote ebensowenig den Sieg der Wahrheit verhindern, wie man etwa die Sozialdemokraten durch den Vcrfassungseid von den Landtagen auszuschließen vermag.*) Mit einer geradezu brutalen Naivität wird in der Denkschrift 'erner zugegeben, daß man in dem Augenblick, wo man sich der Erkenntnis nicht mehr verschließen konnte, daß jede willkürliche Maßregelung einzelner Redakteure die Solidaritätserklärung aller anständigen Kollegen zur Folge haben würde, auf den Ausweg verfallen sei, nunmehr allen Redakteuren zu kündigen und jedem einzelnen die Wiederbewcrbung freizustellen. Es wird ferner zu- gegeben, daß dieser Beschluß vom Freitag, den 20. Oktober, bereits am Montag, den 23. Oktober zur endgültigen Erledigung kommen sollte. Das ist die Methode der Aussperrüng in schärfster und widerwärtigster Form. Bebel erklärte auch ganz offen in der Sitzung vom 23. Oktober, daß man die vier gesinnungstüchtigen Redakteure natürlich wieder angenommen hätte. So gescheit, das vorauszusehen, waren aber auch die weniger gesinnungstüchtigen Redakteure, und das war ein Grund, wenn auch nicht der ent- scheidende Grund, warum sie durch die rasche Kündigung in der Sonntags-Nummer des„Vorwärts" den frivolen Plan durch- kreuzten. Entscheidend jedoch war für sie, wie wir schon in unserer„Aufklärung" darlegten, der Umstand, daß wir die Vcr pflichtung fühlten, die Ocfsentlichkeit der Parteigenossen zu alar- mieren, die genau so wie die Redakteure selbst an der Teilnahme der Beratungen und an der Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern, verhindert waren. * ,» ♦ Wenn die Denkschrift den Redakteuren zum Vorwurf macht, daß sie die Tatsache ihrer Kündigung an die Spitze des politischen Teiles gesetzt haben, so lohnt es sich nicht, ans diesen törichten Scherz einzugehen. Wir haben unsere Stellung am„Vorwärts" niemals als eine persönliche Angelegenheit, Aondern immer als eine Partei-Angelegenheit betrachtet, und wir�yatten mithin das Recht, eine die ganze Situation der deutschen Sözialdenrokratie blitzartig erhellende Angelegenheit als eine politische Aktion aufzufassen, bei der wir am allerwenigsten, wie wir schon eingangs ausgeführt haben, irgend welche persönliche Vorteile verfolgen konnten, man müßte uns denn für Unzurechnungsfähige halten. W i r haben unsere Stellung nicht mißbraucht. Es wird uns dann noch weiter zum Vorwurf gemacht, daß wir gegen den Partcivorstand in der Oeffentlichkcit Stimmung hätten machen wollen und daß diese Absicht, wie die bürgerlichen Zeitungen bewiesen, erreicht worden sei. Wenn dieser Vorwurf einen Sinn haben soll, so kann er nur bedeuten, daß wir die Absicht gehabt hätten, die bürgerliche Presse mobil zu machen. Um dieses armselige Argument sich nicht entgehen zu lassen, hat man uns also wohl ge- waltsani verhindert, der bürgerlichen Presse das zu sagen, was wir für nötig hielte». Darum hat man also ani 27. Oktober nächtlicher- weile die folgende, von'zwei Vorstandsmitgliedern zuvor gelesene und gebilligte Notiz— auf ihren Rat nahmen wir sogar eine Veränderung des Textes vor— gewaltsam beseitigt: T i c bürgerliche Presse bringt aus Anlaß des„Vorwärts"-Konfliktcs breite und laute Entrüstungen über die Meinungsfreiheit in der Sozialdemokratie. Wir danken den Kollegen von der bürgerlichen Presse fiir ihre Bemühungen, ersuchen sie aber, sich nicht unnötig in Unkosten zu stürzen. Für die Meinungsfreiheit der Presse in der Sozial- demokratic treten wir schon selbst, wie gerade das gegenwärtige Beispiel zeigt, mit allem wünschenswerten� Nachdruck ein, und wir haben auch heute noch nicht den mindesten Zweifel, daß die Sozialdemokratie in diesem Falle die begangenen Irrtümer korrigieren wird. Wenn in dem ersten Falle, wo in der Sozial- dcmokratie nach der Ueberzeugung der Beteiligten das Prinzip der Meinungsfreiheit bedroht ist, sofort eine derartige energische Auflehnung erfolgt, so ist das wohl Beweis geyug, daß die Partei als solche"nicht für die Fehler einzelner verantwortlich gemacht werden kann. Wenn aber in der bürgerlichen Presse das Recht der Meinungsfreiheit wirklich in derselben Weise betätigt werden würde, wie in der Sozialdemokratie, so hätte die kapitalistische Presse längst keinen einzigen Redakteur mehr. *) Zu den unwürdigen Albernheiten, mit deren Veröffcnt- lichnng die Denkschrift die Parteileitung aufs schwerste kompromittiert, gehört bie famose Geschichte, daß bei der Preßkommissions- Sitzung vom L. Oktober ein Redakteur gelauscht hätte. Wir er- wähnen diese Wahnvorstellung nur deshalb, weil auch dieses alberne Märchen vom Partcivorstand in die große Oeffentlichkcit hinaus- geschrieen worden ist, ohne daß der Beschuldigte— gemeint ist der Reichstags-Abgcordncte Gradnaucr— auch nur erfuhr, welchen kindischen Verhaltens man ihn beschuldigte. Im übrigen können wir versichern, daß das Lauschen viel raffinierter organisiert worden ist; denn gerade der des Lauschens beschuldigte Kollege war ganz ahnungslos hinsichtlich der Vorgänge, und wurde später erst von den Kollegen unterrichtet, die während der Sitzung in einer 1ö Minuten entfernten Kneipe vergnügt beisammen saßen und von dort aus alles haarklein erlauscht hatten. Selbst die eisernen Ti�»en, hinter die der Eeheimbund der.,Vorwärts"-Rei»igcr sich nach der Entdeckung des Lauschens zurückgezogen hatte, haben also nicht vermocht, die Wahrheit abzuschließen, Gegenüber der verblüffenden Heuchelei, die bei dieser Ge« legenheit in der bürgerlichen Presse zutage tritt, wirkt es ordentlich erfrischend, daß sich ein Blatt findet, das sich doch zu dem bekennt, was in der bürgerlichen Presse wirklich Sitte ist. Die„Post" nämlich des seligen Stumm nennt das Verlangen der sechs ,.Vorwärts"-Redakteure, an den Sitzungen des Parteivorstandes und der Prcßkommission teilzunehmen,„ebenso töricht, wie naiv". Das Scharjmacherorgan schreibt: „Ileberall ist es nicht nur Sitte, auch recht und billig, daß Leute, deren persönliche Verhältnisse von einer über» geordneten Instanz behandelt werden, nicht zugegen sind, weil sich in ihrer Gegenwart niemand frei und unbefangen äußern könnte. Sowohl Lob wie Tadel würde bei Anwesen- heit desjenigen, über dessen Verhältnisse ein Kollegium be- rät, wesentlich abgeschwächt werden. Was die„Vorwärts"- Redakteure hier also verlangen, ist ganz unberechtigt, und wenn sie die demokratischen Prinzipien dafür ins Feld führen, so beweisen sie damit eben nur wieder einmal, wie dumm eine schrankenlose Ausdehnung demokratischer Prin- zipien ist." Was die„Post" hier ausplaudert, ist in der Tat Grundsatz hei der bürgerlichen Presse. Bisher aber gab es in der Sozial. dcmokratie nur gleichberechtigte Parteigenossen, die sich offen und ehrlich einander ins Gesicht sagten, was sie aneinander aus- zusetzen hatten und was sie miteinander planten. Vielleicht aber hat man noch einen anderen Grund gehabt, um diese Notiz zu vernichten. Wir konnten freilich, als wir jene Be- merkung über die bürgerliche Presse schrieben, nicht ahnen, daß der Parteivorstand als einziges Argument für die Ausschließung der Redakteure von den Sitzungen denselben Gedanken später äußern würde, wie ihn zuvor schon die„Post" ausgesprochen hatte. Wahr- scheinlich hat der Parteivorstand damals bereits in seinem Kopfe diesen Beweisgrund gewälzt, und es war ihm deshalb peinlich, ihn zuvor durck ein„Post"-Zitat bekannt werden zu lassen. Beiläufig ist auch die Behauptung falsch, daß die Aufnahme der erwähnten Notiz zu Recht verhindert ist. Tic Bedingung, daß drei Redakteure das Einspruchsrecht haben, ist nicht erfüllt worden, sofern man nicht die Kollegen Cunow und Ströbel als drei Per- sonen werten will. Tie Aufnahme unserer Notiz ist, wie gesagt, zuvor von den beiden anwesenden Vorstandsmitgliedern gebilligt worden, ist also widcrrecbtlich gehindert worden. Ucberhaupt hat die Mehrheit der„Vorwärts"-Redaktion in der ganzen Angelegenheit keine Zeile in das Blatt gegeben, ohne vorher den Partcivorstand rechtzeitig in Kenntnis zu setzen. Unser Ent- gcgenkommen ging so weit, daß wir auf Wunsch von Partei- Vorstandsmitgliedern unseren„Ausklärungs"-Artikcl sogar 24 Stun- den zurückstellten, um dem ganzen Partcivorstand die Möglichkeit zu geben, in aller Gemächlichkeit ihn zu studieren. Tagegen hat die ausgeschiedene Redaltion allerdings sowohl die �Tatsache der Annahme ihrer Kündigung erst aus dem„Vorwärts" ersehen und soweit die betroffenen Redakteure in den Vororten wohnten und Postabonncnten waren, haben sie von dem Beschluß des 23. Ok- tobcr erst durch mündliche Erzählungen erfahren. Desgleichen vcr- ließen die sechs Redakteure am Sonnabend, den 28. Oktober, die Redaktion in dem Bewußtsein, am Montag wiederkommen zu müssen, und sie erfuhren wiederuni erst aus dem„Vorwärts", daß man auf ihre fernere Arbeit verzichtet hätte. Und warum dies Verfahren? Wir sollten nicht durch„der- wirrende Gegenbemerkungen" die Absicht der Parteileitung durch- kreuzen! Nach dieser Ausfassung würden wir keiner bürgerlichen Regierung mehr einen Vorwurf machen können, wenn sie die Preß- freihcit aufhebt, damit die Beschlüsse des Monarchen und seiner Minister nicht durch verwirrende Gegenbemerkungen einer unboi- mäßigen Presse durchkreuzt werden könnten. In Wahrheit hatte man überhaupt keinen einzigen Entschuldigungsgrund für daS unerhörte Vorgehen, und deswegen wagte man nicht gegen uns mit geistigen Wassen vorzugehen, solange wir noch in der Redaktion waren. Gewalt ging vor Recht! Die Redaktcure haben dann selbstverständlich die PartcipreM von den Vorfällen unterrichtet. Sic betrachteten das nicht als eine persönliche Angelegenheit, sondern als ein Partei-Jnteresse aller- wichtigster Art. Wir haben uns lediglich damit begnügt, den zwischen uns und dem Parteivorstand gewechselten Schriftwechsel ohne jeden Kommentar zu verbreiten. Auch diese Aufklärung»- arbeit war dem Parteivorstand unangenehm, und so unterbreitete er uns die Botschaft, daß wir nicht für„private Zwecke" das Per- sonal des„Vorwärts" benutzen dürften. Es hatte sich nämlich ein Angestellter der Buchhandlung freundlicherweise nach Schluß seiner Burcauzeit für die Vervielfältigung des Schriftwechsels zur Ver- fügung gestellt. Die Denkschrift kündigt, um auch der Zukunft noch etwas übrig zu lassen, Enthüllungen an,„auf wessen Kosten" wir diese Informationen der Parteipresse bewcrkt hatten. Wir glauben, wie gesagt, daß wir mit unseren Informationen in weit höherem Matze ein Partei, und kein persönliches Interesse erfüllt hoben, als der Partcivorstand mit scsinen Kundgebungen, zu denen er ebenfalls das Personal des„Vorwärts" verwandt hat. Aber zur Beruhigung der Ocfsentlichkeit möchten wir doch sagen, daß wir gelegentlich unseres Auszuges aus dem„Vorwärts" auch die ent- standenen Porto- und Matcrialkosten am 30. Oktober bereits aus unserer Taichc bezahlt haben, so daß es in der am 31. Oktober früh erscheinenden Rummer nichts mehr zu enthüllen gab. Wir ahnten nämlich nach all dem Vorhergegangenen, daß den verantwort. l i ch c n Mitgliedern des Vorstandes der Drennillionen-Partei kein Mittel zu kleinlich sein würde, um gegen uns vorzugehen. Inzwischen hat sich gezeigt, daß die Methode des Vorstandes in dieser Hinsicht ivcnigstens wohlberechnet war. Nachdem wir aus dem„Vorwärts" herausgedrängt worden sind fuhrt die jetzige Rc- daktion bis zur Erschöpfung einen unermüdlichen Kampf gegen die Wahrheit nnd die offenkundigsten Tatsachen. Keine Rede davon. die Meinung der Parteipresse und der bürgerlichen Blätter— es war ja der Redaktion während der letzten Tage unserer Anwesenheit verboten, Preßstimmcn über die Angelegenheit zu bringen— umfassend und objektiv wiederzugeben. Man benutzt das zur Verfügung stehende Papier, um alles Recht zu verdrehen und alle Tatsachen zu verwirren, und man gibt uns nicht einmal die Möglichkeit, mit der nötigen Beschleunigung un,ere Sache zu verfechten, die längst nicht mehr unsere persönliche Sache ist, sondern die Lebensfrage der Partei. Wir sind nur zufällige Personen, bei deren Abwürgung endlich die Krankheit zum offenen Ausbruch gekommen ist, unter der die Partei in den letzten wahren leidet. 3. Kündigung und Geheimverfahren. Der Parteivorstand bekennt sich endgültig zu dem Anspruch, daß er>!n Gemeinschaft mit der Preßkommission über redaktionelle An- gelcgenheiten ohne Zuziehung der Redakteure beraten und entscheiden dürfe. Insbesondere wenn 5lündigungen in Frage sind, so erklärt er, sei die Zuziehung der Redakteure zu den Beratungen gänzlich unstatthaft und nur aufdringliche Menschen könnten sich in solche Beratungen drangen. Die Parteibehördc beruft sich auf 8 26,2 de» Organisation»- statuts. Ein überflüssiges Bemühen, da das dort festgestellte Recht der Entscheidung ebenso wenig bezweifelt worden ist, wie das Recht unverbindlicher Vorbesprechungen. Es handelt sich ausschließlich darum, ob die Aufsichtskörperschaften unserer Partoipresse ohne Zu- ziehung der Redakteure Abmackmngeni über entscheidend wichtige Redaktionsangelegenheiten beraten und beschließen dürfen. Hierüber agt das Organisatioussnrtut nichts, und es kann darüber niwts agen, weil es unnötig wäre, das Selbstverständliche auszusprechen. weil die Lösung dieser Frage sich aus allgemein Partei- genössischen und demokratischen Grundsätzen o h n e lo e i t e r c s c r g i b t. Tie„Denkschrift" versucht— um das vorauszunehmen—, da» eingeschlagene Geheimverfahren für den vorliegenden Fall da- mit zu cnrschuldigen, daß„alle Mittel", in Gemein, chaft mit der Redaktion die gewünschten Ziele zu erreichen, versagt hätten, wes» halb man nunmehr zum äußersten Mittel von Kündigungen habe schreite» müssen. Die Leichtserngkcit dieser Behauptung wird so- fort offenbar, wenn man bedenkt, daß dasjenige Mittel, ixG oj» 8. September geschlossen worden ist, bisher überhaupt noch nicht in einem einzigen Fall auf die Probe gestellt wurde. Es war ein Gc- bell der elementarsten Aufrichtigkeit, mindestens abzuwarten, welchen Erfolg der Beschlutz haben würde, vermöge dessen eine Minorität die Veröffentlichung von ihr bedenklich erscheinenden Artikeln» der Majorität jederzeit behufs Vorlegung vor die Aufsichtsinstanzen aufhalten konnte. Aber noch mehr, die Denkschrift wagt es, vom Versagen aller Mittel zu sprechen und will den Anschein erwecken. als seien wir halsstarrig und unzugänglich für uns unterbreitete Wünsche gewesen, während in Wahrheit unser wiederholt gemachter Vorschlag, datz die Minderheit die strittigen Parteifragen behandeln soll, das Gegenteil erweist. Trotz unseres Entgegenkommens wird jetzt keck behauptet, alle Mittel, in gemeinsamer Beratung mit uns etwas zu erreichen, hätten versagt, Freilich, die Denkschrift überführt sich überdies selbst der Un- Wahrheit, da sie an anderer Stelle sagt: ..Wir stellen zunächst fest, datz die Frage einer gründlichen Umgestaltung in der Zusammensetzung der Redaktion zwecks einer prinzipielleren Haltung� des„Vorwärts" bisher nicht ein einziges Mal b e st a n d," Durch diese richtige Mitteilung widerlegt die Denkschrift nicht nur die Behauptung, datz alle Mittel versagt hätten, sondern— und dies ist zur Beurteilung des Geheimverfahrens besonders wichtig— sie bestätigt selbst, datz in allen früheren Besprechungen niemals auch nur eine Andeutung gemacht worden sei, es besiehe der Wunsch, datz dieser oder jener Redakteur aus seiner Stellung ausscheiden möge! �.e bestätigt m wünschenswertester, wem, auch unbeabsichtigter Offenhert, daß die plötzliche Aufwerfung der Kündigungsfraqe uns als völlig Ahnungslose aufs äuherste über- r a s ch e n und, da ste m geheimen Sitzungen behandelt wurde, zur autzeriien Empörung treiben mutzte, Man versuche sich in die Situation zu versetzen, in die wir ge- trieben wurden. Am 2. Oktober fand die erste Sitzung statt; wir waren erstaunt, datz wir nicht geladen waren, schöpften aber keinen Verdacht, da wir annahmen, es handle sich lediglich uin die in Jena nicht erledigte Frage, wie die Berliner Genossen größeren Einfluß auf den„Vorwärts" erlangen sollen; wir hätten gern an der Er- fullung dieses Verlangens mitgewirkt, aber da das keine Frage redaktioneller Aenderungen war, konnte unsere Nichtzuziehung uns nicht ubermastig auffallen. In dieser Sitzung wurde aber die Frage wie die Berliner Genossen größeren Einfluß auf den„Vorwärts" erhalten sollen, m die<5 rage von Kündigungen umgewandelt, wo- von wir nichts erfuhren. Am 6. Okrober waren wir zur Sitzung der Pretzkommlssion geladen, wurden jedoch auf Wunsch des Partei- orstandes hmauLgc;chickt, weil über redaktionelle Angelegenheiten beraten werden solle. Im Konferenzsaal, dicht bei unseren Arbeits- vureaus, fast Sur an Tur, beriet man über die wichtigsten Redaktions- Angelegenheiten, und wir Redakteure sahen uns plötzlich brutal be- leitigt,_ d ieser noch nicht dagewesene Vorgang erregte sofort unsere ganze Entrüstung. Am nächsten Tage erfuhren wir, datz über die gepflogenen Beratungen gar das Schweigegebot verhängt war, das Schtvcigcgcbot vor allem gegen uns, als hätten wir Hand- lungen begangen, die uns des Vertrauens uiuvürdig erscheinen kommend� Phöben alsbald schriftlichen Protest, zunächst in zuvor- kommendster Ömm, indem wir die Möglichkeit offen hielten, als g�chlagen"�a-" augenblicklichem Versehen solches Verfahren ein- gefchiagen a weitere ist bereits in uiiferer Aufklärung in setzte man dargestellt. Trotz aller unserer Proteste .Äst.?. Geheimverfahren fort und häufte Sckiweiqeaebot auf ÄÄ � �tic am � Oktober die Beratiinge�begonnen! reoXmfSn iL iÄ*" f£lnntcn' � leie» Kündigungen oder Mah- oebnt Man wollte die Beratungen unter Schweige- .rmVtf™ Ü..'U�en. ohne datz wir die geringste Kenntnis davon Ä r D"0,n9- Wir sollten vor vollendete Tatsachen ge- . Wir sollten vergewaltigt und abgewürgt tverdeul wltr;? allerdings der Trost, datz nicht nur wir. die Nächst- w f V0.'ch'wpflich behandelt worden sind. Auch dem Partei- üjSicwst, sowie den Berliner Genossen im besonderen ist durch das übc?'die"N�- bS Borstandes und der Funktionäre das Urteil So r-Redaktion widerrechtlich entzogen worden. die Nichtswürdi�.r �? Feststellung des wahren Tatbestandes « S. r*«vgen uns angewandten Verfahrens gc- b0rf' h" in der Denkschrift erhobene An- spruch auf Geheingustiz arich ganz abgesehen von unserem Spezial- 8U verurteilen. Der Partcivorstand nimmt das Recht zur Fernhaltung der Redakteure nanz uneingeschränkt in Anspruch, wie auch der Einzelfall gelagert sein mag'" Wie versucht die Denkschrift dieses neue Prinzip der ßeimli.*- feit zu begründen? Um eine elende Sache zu verteidwen wüwt man zunächst den sinnlosen Vergleich zwischen der Beratung eventueller Kündigungen und der Beratung von— Gehaltserböbunae,,' Weil der Parteimigestellte nicht bemisprucht. anwesend zu sein wenn besprochen wird, ob auf Grund längerer Verwaltung einer' Stelle oder auf Grund besonderer familiärer Verhältnisse oder au.- sonstigen Gründen, über die er, christlich oder mündlich Mitteilungen gemacht hat. eine Verbesserung seiner materiellen Lage eintritt darum muh der Parteiangestelltc von der Beratung völlig ausgeschlossen werden, wenn es umgekehrt gilt, ,hn wegen angeblich abweichender Parteimeinungen, nicht etwa nur der materiellen Existenzlosiakeit zu überantworten, sondern vor allein die politische Stellung die er sich in vicljähriger Arbeit im Dienste der Partei gewonnen zu"vcr- Nichten!! Datz die Denkschrift einen solchen Vergleich ziehe» kann Zeigt die ungeheuerliche Verwirrung, die nicht nur in dem Partei- Empfinden, sondern auch i» der Logik ihrer Urheber eingerissen ist. «ur Fälle von geringer Bedeutung ist man gnädig bereit, die Redak- ;,eu" zuzuziehen, aber sobald Fragen von der größten Tragweite ivenn es sich um die politische Stellung von Parteigenossen �"dclt. dann braucht man sie nicht einmal zu hören! a"" g. Verwirrung geht so weit, daß der Parteivorstand durchaus vourgemsen und kapitalistischen Gedankengängen verfällt. So sehr fi'l verwirrt, daß man die selbstverständliche Forderung � Wirkung aller Beteiligten a» der Regelung des Ärbeitsver- sn.!Äl(*• Cil,c Forderung ausgibt, die allem„Anstände" Hohn bürgerliche Anstandsinelerci. die wir IN der sozial- Vr Partei nicht für möglich gehalten hatten. Der Be- .sienmis b'0""g" aus Gesinnungsgrunden ist be, uns bisher noch niemals tn Kurs gewc'en. Wir können den kapitalistischen Kunrngungsbegriff vollständig entbehren, es ist aber der zu erheben, datz das Verhältnis zwischen naw?avitäum�""ad ihren Angestellten zu einem aus, chlietzlich * m Grundsätzen zu beurteilendem Arbeitsverhältnis �«r* Redakteure der Parteipresse sind nicht Tinten- Mitteilung zu� ma» kann, ohne ihnen von dem Plan xcilleiiung zu machen, ohne sie zu den Beratungen zuzuziehen, offen cmszuspre�n'°hne ihne.!' Vorwürfe, die man gegen sie hat, ae�n zur Aufllär.,» �ne ihnen ausgiebige Gegelegenheit zu -lusiiarung von llnricktiokeiten zur Abwehr falicher Ä Politische Per. auf bestimmter Stellt länger eine gemeinsame große Sache nicht geaenseitia aus �weinsam gefördert haben...kündigen� sich -°2en°°SNnich!'lL �""en sich'r°nei7and-'r." wenn sie mögen' w�nn der eine«« leihlich miteinander zu wirken der- KwABB»'s Sa.,,, u ä ss ZU esfs. ssys.« kMANS-: w die schon früher beschlossenen Abhülfsinittel'nicht genügten, weitere Abhnlfsinittel überlegt worden oder aber es wäre die Trennung erfolgt in aller Oeffentlichkeit und i,, parteigenüssischcr Freund- schaftlichkeit. Gerade weil wir wie sich versteht, die literarische Tätigkeit in der Sozialdemokratie nicht unter dem Gesichtspunkt der..Brotstelle" betrachten, sondern die Redaktion als Ehrenamt und Vertrauensposten auffassen, gerade darum mußte es uns rmpören, datz man uns behandelte, wie Kapitalisten Lohndicner behandeln, anstatt mit uns offen und ehrlich als mit gleichbcrech- tigten Parteigenossen sich auseinanderzusetzen. Was würden etwa die Sekretäre-m Parteivorstand dazu sagen, wenn man sie auf einem Parteitage, ohne ihnen ein Wort zu sagen, ohne eine Be- schwerde gegen sie vorzubringen, ja im Gegenteil nach Vertrauen erweckenden Versicherungen, sie m e u ch l i n g s bei der Wahl nieder- stimmte. Diese Sekretärposten sind gleichfalls keine„Brotstcllen". sondern genau so aufzufassen wie Redaktionsämter. Ein solches Verfahren wäre nicht Demokratie, sondern die Herrschaft des Meuchelmordes, Der Parteivorstand hat denn auch die gebührende Strafe für solches Verfahren bereits erhalten, die„Kreuz-Zeiiung" und die Stummsche„Post" spenden ihm ihre prinzipielle Zustim- mung, die„Post" hat in Vorahnung und in voller Uebereinstüiiiiiung mit der später erschienenen Denkschrift das Verlangen der Redakteure als„ebenso naiv wie töricht", als„ganz unberechtigt" erklärt! Es ist in diesem Zusammenhang mitzuteilen, datz der Partei- vorstand das gegen uns angewendete Prinzip des Geheimverfahrens natürlich auf alle Angestellte der Partei angewendet wissen will. In dem Briefe vom 20. Ottober, der unsere Kündigung veranlatzte, sagt der Vorstand ausdrücklich:„Hierzu(zu solchen Beratungen) die Redaktion heranzuziehen, ist ebensowenig angängig� als wenn wir bei Personalveränderungen in der Expedition die betreffenden Personen hinzuziehen sollten," Also auch in bezug auf alle anderen Parteigenossen, die in uiisercn Betrieben tätig sind, proklamiert der Vorstand der sozialdemokratischen Partei mit Junkern, Kühile? männern und Grubenbaronen die Herrschaft der Herren im Hause, die zu beseitigen die deutsche Arbeiterbelvegung in schweren Kämpfen ringt. Das neue Prinzip mutz aber auch sonst noch zu den tollsten Unsinnigkeiten und Ungerechtigkeiten führen, und es hat in unserem Falle dazu geführt. Die Denkschrift weist das Verlangen, an den Beratungen teilzunehmen, zurück,„weil die über sein Tun und Lassen zur Entscheidung berufenen Organe eine solche(Kündigung) möglicherweise für notwendig halten". Wie aber will die Partei- behörde auch nur die in diesem«atze angedeutete unerläßliche Vor- aussetzung für ihre Beratungen erfüllen? Wie vermag sie sich über das„Tun und Lassen" jedes einzelnen der möglicherweise zu Kün- digenden zu informieren, wenn es sich um mehrere Personen han- dclt? Ohne Anhörung der Redakteure ist die Aufl. chtsiii stanz über- Haupt außerstande, zu wissen, auf wessen Konto diese oder jene redaktionelle Handlung gehört, an der iiian Anstoß nahm. Es ist unvermeidlich, daß man auf das Konto des einen setzt, was auf das des andercii gehört. Der Willkür, den Verinutungen, den Ein- flüstcrungcn, den Intrigen ist der weiteste Raum gegeben. Der Verlauf des gegen uns angewendeten Verfahrens, das lächerliche Schauspiel, datz man erst diese Kollegen, dann jene anderen kün- digen wollte, datz man bald diesen, bald jenen zum„Hauptstein des Anstoßes" gemacht hat, datz man den„Hauptschuldigen" überhaupt nicht traf, erweist für den Blindesten die Unhaltbarkcit, Un- Möglichkeit, Ungerechtigkeit und Tollheit des parteibehördlichen Gc- Heimverfahrens. Endlich leistet die Denkschrift den erschütterlichen Serenissimus- Witz, datz das Geheiinverfahreii kein Geheimvcrfahrcn sei: die Rc- daktcure, die oft genug an ähnlichen Sitzungen teilnahmen, sollten „allmählich begriffen" haben, datz solche Sitzungen überhaupt„nicht öffentlich" sind. Weil derartige Sitzungen nicht öffentliche Vcr- fammlungen für jedermann sind, darum sei es„absurd", wegen des Ausschlusses derer, über deren«chicksal zwar entschieden wird, die aber vor vollendeter Abwürgung kein Sterbenswörtchen erfahren dürfen, von Gehcimsitzungeii zu sprechen I Man gebietet feierliche Sckweigegcbote. man erklärt denjenigen für„ehrlos", der das Schweigegebot verletzt, aber— Geheimsitzungen sind es nicht! ' Nach solchen Beweisen logischer Befähigung bleibt uns nur übrig, nochmals zu bedauern, datz der Urheber der Denkschrift uns nicht wenigstens bis zur Herausgabe seines Wc.rkes in der Redaktion gehalten lpt, damit wir ihn vor solchen Armntsbckcnntnissen hätten bewahren können. Es ist Aufgabe der ganzen Partei, die schwere Verirrung, welcher unsere Parteibehörde durch Aufrichrmm des_ unerhörten Prinzips einer bösartigen parteiverderblichen Geheimjustiz und durch seine Anwendung in unserem Fall verfallen ist, dadurch auszu- gleichen, datz sie gegen solche Anschauungen und gegen solche Per- fahren nachdrücklichst Protest erbebt.' Das eingeschlagene Verfahren stellt ein Prinzip auf, das. wie wir in der Begründung unserer Kündigung ausgeführt haben, un- vereinbar ist mit den Grundsätzen der Demokratie, ja selbst mit den gesichertsten Errungenschaften der bürgerlichen Rechtsprechung, das einen vollständigen Bruch bedeutet mit jenen sckstmcn Traditionen der Partei, welelje die gegenseitige Offenheit und unbe- schränktes Vertrauen für die erste Vorbedingung gedeihlicher Arbeit seit jeher erkannt und festgehalten haben. Wir wollten durch unsere Kündigung dokumentieren, datz wir, so viel an uns liegt, diese das Partei-Jnteresse schwer schädigende Verirrung des Parteworstandes ohne Rücksicht guf Autorität und Pietät zu bekämpfen als unsere Pflicht erachren. Völlig ausgeschieden ist letzt zede Personenfrage. Nur das Uebel selbst, das sich in unsere Partei geschlichen, ist zu bekämpfen und zu beseitigenl Die Genossen im ganzen Reiche mögen prüfen und entscheiden, wie in Zukunft so schwere Rechtsverletzung innerhalb der Partei unmöglich gemacht, wie die Partei und die deutsche Arbeiterbewegung gegen so be- dauerliche und bedrohliche Störungen ihrer EntWickelung gesichert tvird! Die ausgeschiedenen Redakteure. Unsere Antwort. Die Aiisfühningen der Sechs nehmen eine für unmöglich ge- haltene Länge an. Durch jede neue ihrer angeblichen Aufklärungen wird die Sache statt klarer immer unklarer. ES sind mindestens 20 Punkte, die uns zu eriientcn Darleginigen oder Klarstellungeii nötigten. Erfiillten wir diese Absicht der Sechs, unsere Eiitgegnung würde dreifach länger als die ihre, der sie alsdann eine noch längere folgen ließe». Die Polemik nähme kein Ende. Bereits hat ein Teil der Parteipresse und haben zahlreiche Parteigenossen Einspruch erhoben gegen die Fortsetzung eines Spiels mit Worten, in dem die alten Vonviirfe in anderer Verkleidung immer von neuem erhoben werden. Ginge das Spiel so weiter, das Ende wäre, datz die Parteigenossen sich wie ein Mann erheben würden, um einen raschen Abschluß zu erzwingen. Die Sechs haben erreicht, was sie in ihrem sogenannten Signal- einer Haupt- und Staatsaktion aufgebauscht, um einen Parteiskandal hervorzurufen. Es ist damit wenigstens ihrer Wichtigtuerei Rechming getragen worden. Dieser Skandal war um so zweckloser, da die Sechs, wie sie selbst eingestehen, sich sagen, datz sie auf eine Abänderung der Be- schlüsie von Parteivorstand und Pretzkommission nicht rechnen, sondern hosten, wie der letzte Satz in ihrer„Rechenschaft" besagt: datz die Genossen im Reiche prüfen möchten,„wie in Zukunft so schwere Rechtsverletzungen innerhalb der Partei mimöglich gemacht werden". Nach der„Rechenschaft" der Sechs ist die Darstellung in unserer Denkschrift „ungenau, unvollständig, unwahr, tendenziös entstellt oder gar direkt erfunden". Wäre dieses Urteil begründet— und sie wollen feine Be- rechtigung in ihrer„Rechenschaft" erbracht haben—. dann ist die Partei verpflichtet, Menschen, die sich Lug und Betrug ihr gegen- über haben zuschulden kommen lassen, raschestens von ihrem Posten zu entfernen und sie aus der Partei ailszuschließen, Auf die iviederholte Frage der Sechs: ob der Verfasser der Denkschrift diesen und jene» Vorgang, der wie sie incinen falsch ge- schildert wird, beigewohnt habe, sei noch einmal und etwas aus sührlicher die Herstellung unserer Denkschrift und unserer Eni- gegnuiigen dargestellt. Bebel hat den Auftrag übernominen, die Eilt- würfe auszuarbeiten. Jeder Entwurf, der uns gemeinsam angeht, wird gedruckt und zunächst im Parteivorstande unter Hinzuzichung von drei Mitgliedern der Pretzkommission Satz für Satz berntcii. Die Vorgänge, welche sich z. B. in den Sitzungen der Pretzkommission am 1. ilild ii. September abspielten, konnten von Bebel nicht ge- schildert werden, weil er jene» Sitzungen nicht beiwohnte; sie wurden ailf Grllnd des Berichts der dort anwesend gewesenen Personen entworfen, Ist der Entwurf festgestellt, so tritt die Pretzrommission mit dem Parteivorstande zusammen. Jedes Mitglied der Press- komnlission erhält ein Exemplar des unkorrigierten Entwurfs und wird denselben über die Äenderuilaen, die Parteivorstand und Kommissio« der Pretzkommission beschlossen habe», berichtet. Nunmehr wird endgültig beraten und festgestellt, wie jeder einzelne Satz lauten soll. ' Unsere Darlegungen sind also das Ergebnis gewissenhafter Prüfling unser aller, und so weisen wir die Verdächtigungen der Sechs, als handelten wir leichtfertig, enischieden zurück. Wir halten demeiitsprechend den entgegengesetzten Aussiihrnngen der Sechs unsere Darlegiiiigeil im vollen Umfange ausrecht. Soweit aber in der oben abgedruckten„Rechenschaft" versucht wird, bisher nicht erörterte oder von uns nur kurz behandelte Borkommnisse in den Bereich der Kritik zu ziehen und daraus Schlüsse auf die angebliche„Ungerech- tigkeit" unseres Verhaltens abzuleiten, müssen wir die Darstellung dieser Vorgänge als iin Widerspruch mit der Wirklichkeit und Wahr- heit bezeichnen. Dahin gehören folgende Pmlkte, die wir summarisch auf- führen iind über die wir uns eine weitere Ausführimg ersparen: Die sinnlose, auf Phantasie beruhende Behauptung, es sei ein unterirdischer Kampf gegen die Sechs geführt worden, dessen Wesen erst jetzt klar zutage trete und dessen Helden jetzt erst klar durchschaut werden können. Die Darstellung über die Stellimg StadthagenS in der Re- daktion, dem bereits im Jahre 1803 durch Gradnauer im Namen der übrigen Kollegen die Mitteilimg gemacht wurde, datz er mit Stimm- recht an den Konferenzeil der Redaktion teilnehmen köniie. Die Darstellung über die Vorgänge in den gemeinsamen Sitzungen am 1. und 0, September. Die Erzählimg über das, was Singer gegenüber Eisner und Bebel gegenüber Gradnauer in Jena gesagt haben soll. Singer über angeblich geplante Aenderungen in der Redaktion, Bebel über die von ihm beabsichtigte Behaudlnug des Berliner Antrages, den, „Vorwärts" den Charakter als Zentralorgan zu nehmen. Die Darleauiig über die Bedeutuiig der Beschlüsse der Fünf- zehner-Kommission. Die Annahme, als könnten bereits vor und in Jena bestimmte Verabredungen über Aenderungen in der Redaktion vorhanden gewesen sein, was uns verpflichtet haben würde, die Redakteure davon in Kenntnis zu setzen. Die Darstellung von dem Verhältnis der Redaktion zn den Berliner Genossen und deren Vertretern, wonach alles in Liebe, Freude uiid Einigkeit schwamm, Die Darstellung über die Vorgänge in der Sitzung der Pretz- kommission und des ParteivorstandeS am 6. Oktober. Die unwahre Behauptniig, der Vorstand habe von vornherein Wetzker kündigen wollen. Die Darstellung über die geplante Mitarbeiterschaft der Genossin Luxemburg am„Vorwärts". Tie angeblichen Aeußerungen Bebels über Kaliski. Die Darstellung der Vorgänge, die zum sogenannten Schweige- gebot sührten. Die Bebauptuiig, der Parteivorstand nehme ganz uneingeschränkt das Recht für sich in Anspruch, die Redaktion von den Beratimgen über das Zentralorgan fernzuhalten, Die Aufführung der Pnnkle, zu denen wir aufs neue Stellung nehmen müßten, zeigt den Parteigenossen, Ivelche Arbeit wir zu er- süllen hätlen, um richtig zu stellen oder zn widerlegen. Einige Punkte können wir aber nicht mit Schweigen übergehen. Einer dieser Punkte betrifft das sogenannte Schweigegebot, d.h. die vorläufige Sistierung der Veröffentlichimg von Prctzstimmcn. Am 2t. Oktober abends hatten die Sechs ihre Kündigimg eingereicht. Am 22. erschien die Aiiküiidigung derselben in der bekaiinten selisationelleii Form als„Sigualschutz" im„Vorwärts". Mit der Sensation, die diese Ankündigung machte, hofften die Sechs die gegnerische wie einen Teil der Parteipresse zu feindseliger Stellmigliahme gegen»ms hinzureitzen. Das ist ihnen be- kanntlich gelniigeir. Ein Teil der Parteipresse, voran die„Münchener Post" und die„Frankfurter Volksstimme". war taktlos geiiiig. sofort in heftiger, gehässiger Weife nns an- zugreifen, noch ehe sie genau wußten, wie die Dinge sich zugetragen hatten. Vom 23. Oktober ab benutzte ein Teil der Sechs ein grotzes Matz der für ihre redaktionelle Tätigkeit beanspruchten Zeit, wobei sie das Hülfspersonal der Redaktion in Anspruch nahmen, um die Parteipresse mit einseitigster und gehässigster Darlegung der Vor- gänge zu überschwemmen und sie gegen uns einzunehmen. ES war zweifellos, datz diese durch ihre Agitation hervor- gerufenen, meist zu ihren Gunsten provozierten Pretzstinnnen benutzt werden sollten, mn sie gegen nils im„Vorwärts" auszuspielen. Wir hätten also Toren sein müssen, ließen wir nns das gefallen. So cntstaiid das sogenaiinte Schweigegebot, das vom Vorstand einst i m m i g angenommen und einige Tage später von der Preß- kommission bestätigt und um weitere zwei Tage, bis zum 31. Oktober, init unserem Einverstäiidiiisse verlängert wurde. Jede andere Partei- instanz hätte genau so gehandelt. Daß wir die Veröffentlichimg der Pretzurteile nicht flirchteten, zeigt der„Vorwärts", der, nachdem unsere Denkschrift der Partei- presse zugegangen war, die Urteile derselben ohne Rücksicht darauf, ob sie uns zustimmen oder nnser Handeln tadeln, veröffentlicht. Es war der erste Wunsch, den ivir der neuen Redaklion gegenüber aussprachen, bei dieser Veröffentlichung unparteiisch zu ver- fahren, der zweite war, datz keine Einsendung eines bisherigen Mit- arbeitcrS am„Vorwärts" zurückgewiesen werde. Die Einsendungen müßten ohne Ansehen der Person sachlich geprüft werden._®ie neue Redaktion erklärte für beide Fälle, d a S sei selbstverständlich. Ob die Partei geneigt ist, den Redaktenren am„Vorwärts" — � die Konsequenz träfe auch die übrige Parteipresse�— die P r i- vilegierte Stellung eiiizuräumen, welche die Sechs mit einem Teile der Parteijouriialistcn als selbstverständlich er- achten, darüber wird der Parteitag entscheiden,,_, Die Parteigenossen wollen sich den Verlauf der Angelegenheit noch einmal in Kürze vergegenwärtigen. �( Der Vorstand wird für den 2. Oktober von den Vertrauensleuten und der Pretzkommission geladen, um ein Reformprogramm für die „Vorwärts".Redaktion vorzulegen. Der Vorstand mutz erklären, daß er noch keine Zeit gehabt habe, sich mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen. Vorstand und Pretzkommission erhalten Auftrag, bezügliche Vorschlüge aus- zuarbeiten. Am 6. Oktober schlägt der Parteivorstand der Pretzkommission vor, Büttner und Kalisli zu kündigen, Fülle in die Redaklion und die Genossin Luxemburg als Mitarbeiterin aufzunehmen. Die Pretz- kommission erklärt diese Vorschläge für ungenügend, dieselbe wird aufgefordert, ihrerseits Vorschläge zu machen. Nach etwa acht Tagen schlägt sie dem Parteivorstand vor: Büttner, Gradnauer und Wetzker zu kündigen. Kaliski in der Redaktion zu belassen, Stadthagen mit erweiterter Tätigkeit in die Redaktion, die Genossin Luxemburg als Mitarbeiterin aufzunehmen. Am 20. Oktober erklärt der Vorstand in gemeinsamer Sitzung mit der Pretzkommission, ihre Borschläge anzunehmen, erweitert dieselben aber dahin, der gesamlen Redaktion zu kündigen, da anzunehmen sei, datz die bisherige Redaktionsmehrheit sich, solidarisch erklären und gleichzeitig kündigen werde. Diese Solidaritätserklärung werde bei Kündigung aller Redakteure ihre Bedeiitimg verlieren. Vorstand und Pretzkommission einigten sich, diesen Vorschlag den Berliner Parteifunktionären zu unterbreiten und von deren Zustimmung ab- hängig zu machen. Also erst am 20. Oktober erfolgte die Verständigung zwischen Pretzkommission und Parteivorstand. die bis dahin in ihren Vor- schlagen auseinandergingen. Es war also ein durchaus ungerecht- fertigtes Verlangen der Sechs, zu diesen Sitzungen, die erst eine Verständigung der in Betracht kommenden Faktoren bezweckten, die Redaktion hinzuzuziehen. Das müßten wir, aufs neue vor die Frage gestellt, auch jetzt ablehnen. Hätten die Redakteure, denen gekündigt werden sollte, ein Ver- gehen begangen, weshalb ihre Kündigung in Frage kam, so mußte ihnen Gelegenheit gegeben werden, sich zu verteidigen oder zu recht- fertigen. Darunr handelte es sich aber nicht, sondern um die Frage, welche Veränderungen in der Redaktion nötig seien, um die taktische und prinzipielle Haltung des Blattes mit den Ansichten von Parteivorstand und Preßkon» Mission, die zu- gleich die der sehr großen Mehrheit der Partei sind, in Einklang zu bringen. Das war eine politische Frage, über die Partcivorstand»»d Preßkommissio» allein zu entscheiden hatten. Die weitere Frage war. wie kann diese politische Frage am besten gelöst werden. Da die Redaktion aus Menschen besteht, mußten Menschen hierbei in Frage kommen. Hier kann nickt von Gewissenszwang und Be schränkung der Meinungsfreiheit gesprochen werden; diese kamen in Frage, wenn von den Redakteuren verlangt wurde, wider ihre Ilebcrzeugung zu schreiben. Wirst man uns vor, unser Vorgehen sei eine Halbheit gewesen. so wollen»vir dies gar nicht bestreiten. Indem aber die Sechs nunmehr kündigten, haben sie selb st eine radikale Lösung herbeigeführt. Es war auch selbstverständlich, daß wir von jetzt ab die Ver- tretung ini.Vorivärts" nicht mehr Personell überlassen konnten, bei deren weiterer Tätigkeit die schon vorher sehr gespannte Situation in der Redaktion vollständig unerträglich geworden wäre. Wir machten also von der Vollmacht Gebrauch, die wir in der Versammlung der Berliner Parteifunktionäre und des Parteivorstandes am 28. Ok- tobcr uns erbeten hatten, und entbanden sie ihrer redaktionellen Pflichten. Der Parteivorstnild. Die Preßkommission. Eine Klarstellung. Der Unterzeichnete sieht sich veranlaßt, auf einen Punkt in der Darstellung von Eisner und Genossen als Interessierter besonders zu antworten: Eisner und Genossen sprechen in den rllhmeitdsten Ausdrücken von der von ihnen arrangierten JaursS-Vcrsammlung. Diese war, wie bekannt, für den 9. Juli geplant. Ihr Zweck sollte eine Demonstration für den Völkerstieden seilt. Die Versammlung war also nnt Rücksicht auf den geladene» Redner, einen Führer der französischen Bruderpartei, Genossen Jaurss, ein Akt praktischer internationaler Polittk. Solche Akttonen anzuregen steht jedem Parteigenossen, also auch einem Redakteur des„Vorwärts" zu. Darüber besteht aber wohl in der ganzen Partei kein Zweifel, daß, wenn eine solche Aktion ansgeführt werden soll, dieses nicht ohne Hinzu- ziehung des Parteivor st a Ildes geschehen darf, der als der Vertreter der Partei namens derselben den ausländischen Genossen als Gast der deutschen Sozialdemokratie einzuladen hat. Weigerte sich der Parteivorstand, eine solche Anregung auszuführen, dann hatten die Antragsteller freie Hand. Statt dessen wurde die ganze Angelegenheit mit der größten Heimlichkeit hlnter dem Rücken desParteivor st an des betrieben. Derselbe erhielt erst Kenntnis von dem Plan, als alles fix und fertig war und es sich nur noch darum handelte, Singer zum Vorsitzenden der Versammlung zu machen und Bebel zu ersuchen, an demselben Tage in Paris eine V e r s a m ,n l n» g abzuhalten. Wie korrekt benahm sich hingegen zu diesem Vorgehen die französische Bruderpartei. In dem Einladungsschreiben, das Bebel von der Parier- l e i t u it g der französischen Soziaide, nokratie erhielt, hieß es: Die Redaktion des„Vorwärts" habe den Genossen JauröS eingeladen, am S. Juli in Berlin eine Versammlung zugunsten des Welt- friedens abzuhalten. Genosse Jauräs habe die Parteileitung befragt, ob sie die Annahme dieser Einladung billige. Das sei geschehen und nun bitte man ihn sBebel) am 9. Juli in Paris sprechen zu w o llen. Später hat Eisner, als nrail ihm von Vorstandsseite wegen seines unqualifizierbaren Verhaltens Vorlvürfe machte, besttitlen, daß er den Genossen Jaures im Sännen der Redaktion des„Vor- wärt»" eingeladen. An dem Vorgang ändert das selbstverständlich nicht daS geringste, der Vorgang zeigt aber deutlich, wo die Illoyalität zu suchen ist. Der Partcivorstand. Meine Antwort. In der„Rechenschaft 2: Die Prinzipien des Verfahrens" können es die Sechs nicht überwinden, in einer Reihe Bemerkungen auch wieder auf meine Person zu kommen. So schmeichelhaft es für mich ist zu seheil, wie unangenehm ich ihnen bin, so wenig Neigung ver- spüre ich, auf ihre ans Kleinliche grenzenden Anwürfe ausführlich zu erwidern. Ich will nur einige Punkte richtig stellen. Ich habe in Bremen in Uebereiilstimmnng mit dem Parleivorstand den Antrag, die Schulstage noch auf die Tagesordnung zu setzen, bekämpft, weil die auf derselben stehende» Punkte voll die Zeit des Partei- tageS in Anspruch nehmen würden. Der Parteitag hat un» zu- gestimmt und die Tatsachen haben gelehrt, daß dieser Beschluß ein sehr richtiger war. ES blieb keine Zeit niehr zur Verhandlung neuer Gegenstände übrig, es wurde sogar die wichtige Debatte über das Kommuilalprogranmr kurz abgebrochen. Hatte aber die Frauentonferenz schon wie bekannt die Schul- frage erörtert, so lag um so weniger Grund vor, nochmals darauf einzugehen. Auch galt das Lob, das ich de» Berhandlungeu der Frauenkonferenz zollle. nicht nur der Behandlung der Schulstage. sondern ihren Verhandlungen überhaupt. Ich bin jeden Augenblick bereit, es zu wiederholen. Was ich vor dem Bremer Parteitag ,n der„N. Z." über den Vorschlag schrieb, als Punkt auf die Tagesordnung zu setzen:.Die geplanten Attentate auf das Reichstagswahlrecht". steht mit keinem Satz im Widerspruch zu dem Thema:„Der politische Massenstreik". über das ich in Jena referierte. Das habe ,ch auch gegenüber dem gleichen Vorwurf, de,, Genosse Robert Schmidt ,n Jena erhob, schlagend an dem Inhalte meines Bremer Parteitagarttkels nach- gewiesen............ Daß die Sechs sich jetzt aufs Wiederkauen verlegen, spricht für ihre Geistesverfassung, die anfängt Bedauern zu erwecken. Ebenso ist es ein Produkt dieser bedauerlichen Geijtesverfasiung. wenn die Sechs behaupten, ich hätte durch den großen Monolog ,n meiner Eröffnungsrede in Jena den Versuch gemacht, ba8_ Thema der auswärtigen Polittk zu behandeln, das ich bekämpft hätte auf die Tagesordnung zu setzen. �... Belanntlich habe ich in meiner Jenaer Eröffnungsrede sehr ver- schiedene Themata behandelt, daninter auch in einem Teile die deutsche auswärtige Politi! in der Marokkofrage. Solche über ver- schiedene Themata sich erstreckende kurze llebersichten sind vckanntlick alte Sitte bei Eröffnung der Parteitage, eine Sitte, die Liebknecht besonders pflegte. Ich brauche nur an die Folgen seiner Eröffnungs- rede auf dem Breslauer Parteitage zu erinnern. Ich habe diese Sitte, die auch bei mir keine neue ist, in Jena fortgesetzt; meine Aiisführungen aber hatten mit dem Thema, das die Eisner und Gradnauer erörtert haben wollten, gar nichts zu tun, denn dieses Thema lautete: Die Wandlungen in der ans- wärtigen Politik des Deutschen Reichs. Was die Ausführungen der Sechs über meine Massenstreik- Resolution mit ihrer Kündigung zu tun haben sollen, verstehe ich auch nicht. Ich habe über meine Stellung zum Massenstreik bis zum Jenaer Parteitage öffentlich kein Wort verlauten lassen. Ich muß mir also sehr verbitten, daß die Sechs sich jetzt an meine Rockschöße hängen, un, mich in ihren bezüglichen Auseinandersetzungen init Kaursky als Vorspann zu benutzen. Was endlich die Sechs mir als Aeutzerungen über Kalistt m den Mund legen, ist das Produkt elenden Klatsches, dem sie zum Opfer gefallen sind. Will Kalistt wissen, was ich über ihn sagte, ich stehe ihm zu Diensten. _ A. Bebel. Huö der Partei. Erklärung. Die Preßkommission beschloß in ihrer gestrigen Sitzung folgende Erklärung zu veröffentlichen: Genosse Wctzker sandte dem„Vorivärts" mit der Forderung unbedingt»»verkürzter Veröffentlichung eine sehr lange Erklärung, die sich mit der vom Parleivorstand und der Preß- kommission gegebenrn Darstellung über die Vorgänge in den Preß- kommissioiis-Sitzungcn vom 1. und 8. September besaßt. Im wesentlichen wird die Darstellung durch die Erklärung des Genossen Wctzker bestätigt. Im weiteren' enthält die Zuschrift eine Reihe neuer Unrichtigleiten. Alle gemeinsamen Erklärungen der ausgeschiedenen Redakteure sind bisher unverkürzt im„Vorwärts" veröffentlicht worden. Auch noch jedem einzelne» den Raum des„Vorwärts" unbeschränkt zur Verfügung zu stellen, müssen wir abkebncn. Das Eingehen ans solche Wünsche erscheint uns geeignet, den Parteigenossen den„Vorwärts" zu vergälle» und die Streitstage noch mehr in die Breite zu ziehen. Da die ausgeschiedenen Redakteure bereits in 13 Spalten zum Wort kamen, sind wir der Ansicht, daß dieser Raum ausreichend war, in den Kollektivartikeln die Auffasstmg eines jeden einzelnen genügend zum Ausdruck zu bringen. Die Aufforderungen aus den Reihen der Genossen, mit den endlosen Auseinandersetzungen aufzuhören, zwingen uns, unter allen Umständen zu verhindern, daß die Polemiken ins Uferlose gehen. _ Die Preßkommission. Zum Ausfall der Berliner Stadtverordnetcn-Wahlen. Die Stadtverordneten-Wahlen bedeuten einen glänzenden Sieg der Sozialdemokratie. Behauptet sind die älteren acht Sitze, drei neue sind erobert und in vier Bezirken stehen wir zur Stichwahl. Noch klarer als durch diesen Gewinn an Mandaten wird die Be- dcutung tmscres Sieges durch den enormen Zuwachs an Wählerstimme» gekennzeichnet.— Bon allen an der Wahl beteiligten Parteien hat nur unsere an Stimmen zugenommen. In den zur Wahl ge- stellten Bezirken sind für die sozialdemokratische Partei 39 981 Stimmen gegen 18 599 Stimmen iin Jahre 1899 abgegeben, während die Stimmen der Liberalen von 12 989 im Jahre 1899 auf 8958 am Mittwoch zurückgegangen sind. Die Stimmen- zahl der Biirgerpartei fiel von 2996 im Jahre 1899 auf 1343 bei dieser Wahl. Diese Zahlen legen ein beredtes Zeugnis ab für die Macht der sozialdemokratischen Idee. Mit den perfidesten Mitteln wurde der Austritt von sechs Redakteuren aus dem RedaktioiiSverband des„Vorwärts" ver- wertet und in verschiedenen Flugblättern auf die angebliche Unter- drückung der Meinungsfreiheit, auf die sog. Brutalität des Vorstandes unserer Partei hingewiesen. Alle diese Künste der Wahlmache haben nicht verfangen. Die Berliner Arbeiterschaft ließ sich nicht im Geringsten beirren und bewies dadurch, daß sie die letzten Vorgänge ganz anders bewertet, wie die liberale Presse. Die Abstimmung zeigt deutlich, was von der Behauptung zu halten ist, hinter den Berliner Funktionären stände nicht die Masse der Arbeiter. Ein Borschlag. Werte Genossen! Um Abdruck des Nachstehenden werden Sie steundlichst gebeten. Die Angelegenheit der aus dem Redakteurverband des„Vorwärts auLgekretenm Redakteure hat Folgen nach sich gezogen, die zu einer ernsten Schädigung der Partei geworden sind. Etne Untersuchung darüber, wer die Schuld an der Affäre trägt, kann nur der Partei- tag anstellen, und nur er allein ist berechtigt, ein Urteil zu fällen. Da der nächste Parteitag aber erst im September 1906 zusammen- tritt, so muß schon jetzt nach einem Mittel gesucht werden, um dem fressenden Uebel Einhalt zu tun. Ein solches Mittel wäre meinem Dafürhalten nach, die Frage, wer hier recht oder unrecht hat, in der Form eines Referendums an die organisierten Genossen von Groß-Berlin zu bringen. Aus den Erklärungen des Parteivorstandes geht hervor, daß die Berliner Parteigenossen sich in dem Glauben befanden, der„Vorwärt«" würde nicht in ihrem Sinne redigiert. Diese Ansicht wukde unter- stützt durch den Antrag der Berliner, der„Vorwärts" solle Berliner Lokalblatt werden. Von anderer Seite wird bestritten, daß die Berliner wirklich so denken wie der Parteivorstand vorgibt; die Ansichte» der Partei- funktionäre seien noch lange nicht die Ansicht der Berliner Partei- genossen selbst. Um nun die Ansicht der Nächstbeteiligten zu erfahren, stelle man die Frage zur Urabstimmung: ob der Parleivorstand und die Preßkommission mit der Be- seitigung der früheren Redaktionsmehrheit sich im Recht befunden haben oder nicht? Das Abstiinmungsgebiet müßte Groß-Berlin sein. An der Ab- timmung haben nur organisierte Genossen teilzunehmen. Wird die Frage verneint, so muß der stühere Zustand wieder hergestellt werden, bei Bejahung der Frage bleibt eS, wie es etzt ist. Ueber die Form, in der ans beiden Seiten gefehlt worden ist, kann man sich in Mannheim unterhalten. Die Frage des ZentralblattcS spielt hier gar keine Rolle. Der Vorwärts" tst Berliner Lokalblatt, folglich haben die Berliner zu entscheiden, wie ihr Blatt redigiert werden soll, und die Partei- genossen in Deutsckland haben ganz besonders jetzt ein brennendes Interesse daran, die wirkliche Ansicht der Berliner kennen zu lernen. Damit erhält auch der nächste Parteitag ein nicht mehr bestreit- bares Material als Unterlage. Das Mäntelchen Zentralblatt kann man jedem Parteiblatt umhängen, es ist und bleibt nur ein Dekorationsstück. Mit bestem Gruß __ H e i n r. Dietz. Stimmen aiis Genossenkrcisen. In der letzte» Versammlung des sozialdemokratischen Vereins in Roßlau lAnhalt) wurde der„Vortvärts'-Konflikt erörtert. Ge- nosse Kalbfleisch vertrat den Standpunkt, der Parteivorstand sei korrekt vorgegangen, zu verurteilen sei die Stellung der Parteiblätter. die gegen die Parteifunktionäre zu Felde ziehen. Bon einem Tadel werde auch das„Bolksblatt für Anhalt" betroffen. Folgende Rest- lution wurde bei 13 Slinimenthaltniigen mit 23 gegen 3 Stimmen aitgenommeit: „Die heute am 6. November 1995 in der Goldenen Krone tagende Parteivereinsversammlung erklärt, daß sie mit der vom Parteivorstand unter dein 39. Oktober 1905 veröffentlichten Er- klärung betr.„Vorwärts'-Redaltion einverstanden ist und bedauert die Haiti», g irnstrcs Parteiorgans, deS„Bolksblatt für Anhalt" in dieser Sache." Die Redaktion des Peusschen Blattes gibt ihre Ansicht über die Befugnisse der Parteiliteraten durch folgende Auslassung kund: Schon hat sich an mehreren Orten, wie z. B. in Köln und bei uns genossen in Roßlau sich als soll daß Aufsichtsinstanzen und Partei Befehlshaber slj über den Redaktionen fühlen. Der Parteivorstand und die Berliner Preßkommission machen Schule. Das war zu erwarten. Dann aber ade große, stolze Sozialdemokratie! Wenn einmal lauter Gesinnungskiiechte in Deinen Redaktionen sitzen, dann ist Deine Kraft gebrochen." In einer Versammlung des sozialdemokratischen Vereins in Stettin nahmeil die Genossen Herbert und Ouessel lRedakteur des dortigen Parteiblatte») Partei für die ausgeschiedenen„Vorwärts"- Redakteure, während Genosse Vogtherr de» gegenteiligen Standpunkt einnahm; er verlangte, daß man den Genossen noch kein Urteil zu- muten, da der„Volksboie� die Entgegnung de» Partei- Vorstandes auf den„Recheuschaft"-Arttkel der ausgeschiedenen Re- dakteiire noch nicht veröffentlicht habe. Zu einer Beschlußfassung seitens der Versaiiimlung kam es nicht. Der.Volksbote" ver- öffentlicht im Anschluß an den Versammlungsbericht eine Zuschrift, in der erklärt wird, man werde später durch Einbringung einer Resolution die Meinung der Geuossen zum Ausdruck bringen lassen. GemeinderatSwahlen. Es wurden weiter folgende Resultate bekannt: In Halle a.S. eroberte die Sozialdemokratie ein Mandat sofort im ersten Wahl- gange; in ackt Bezirken gelangten wir mit der Mieterpartei in die Stichwahl. Die Mischmasch-Bezirksvcreine, die bisher alle Mandate der dritten Abteilung iniie hatten, konnten nur ein Mandat be- Haupte».— Bei der GemeinderatSwahl in H u n n e b r o k wurde Genosse Peter Hepner niit großer Majorität gewählt.— In Blankenhein wurde Genosse Grau in den Genieinderat ge- wählt, die Sozialdemokratie verfügt dort jetzt über drei Mandate. — An Stelle eines Bürgerlichen zieht Genösse Geiler in den G e s ch w e ii d a e r Gemeinderat ein.— In Pasing bei München errangen bei der Gemeindelvahl unsere Genossen drei Sitze im Gemeindekolleg. Ein Kommunalwahlsieg im Zeichen de? KstssentampfeS. Wie bereits gemeldet, siegten bei den Stadtverordiietenivahlen der dritten Abteilung zu F o r st i. L. unsere Genossen über die vereinigten Gegner mit einer Mehrheit von 64—82 Stimmen. Die Wahl- beiciligung war stärker als je zuvor. 2850 Wähler, da» sind zwei Drittel aller stimniberechtigteii Bürger, übten ihr Wahlrecht au». Die„Nationale Vereinigung", eine Filiale des famosen„Reichs- Verbandes", hatte wockenlniiq alle Kniffe ihrer demagogische» Verheyungsmethode spiele» lassen. Der Kampf war lediglich auf die Parole zugespitzt: Die Roten müssen raus. weil sie als Todfeinde der bürgerlichen Orduuiig i» der Gemeindc- Vertretung nichts mitzureden haben. Ilm das löbliche Ziel zu er- reichen, hatte man das kommunale Wahlrecht so reaktionär wie nur irgend möglich„refoniiiert". Und mit einem Eifer, der einer besseren Sache würdig gewesen wäre, waren Kriegervereine, Jniulngen und Bürgervereiniguiigen wochenlang gedrillt worden, sodaß man den Sieg der„Staatserhalteuden" als eine bombensichere Sache schon vorher ankündigen zu können glaubte. Und nun diese in Anbetracht der geschilderten Umstände so ver- nichtcnde Niederlage. Das.Forster Tageblatt" hat die Fassung gänzlich verloren. ES verlangt jetzt— Einführung der geheimen Wahl! Damit der„TerronSmus der Genossen" gebrocken werde! Selbstverständlich werden unsere Vertreter im Forster Stadtparla» ment nun, der Anregung deS nationalliberaleii Blattes folgend, eine Petition an die Staatsregierung um Einführung der gc- Heimen Stimmabgabe beautrage». Eine Verdoppelung der sozialdemolratische'n Stimmen bei der ersten Wahl unter geheimer Stimmabgabe darf als sicher gelten. Denn Terrorismus schliminster Art ist in Wahrheit bei diesem Kampfe von den Stützen der„Ordnung" ausgeübt worden. Fast alle von den Fabrikanten abhängigen Geschäftsleute, Agenten. Fabritbeamten, ebenso wie Staats- und städtische Beamte und Arbeiter haben gegen ihre Ueberzeummg stimmen müssen. Die Stimme der Ausgebeuteten wird auch Mrderhin dem vronenyattr» Fabrikaiitentum zum Trotz im Rathanse der Lausitzer Terttstrbciter- ftadt gehört werden müssen! Zur Wahl in Halle wird uns noch geschrieben: Unsere Stimmen- zahl ist insgesamt von rund 4390 auf 6390 gestiegen, während die Stimmen der Bürgerparteien sich nur mn etwa 6 Proz. vermehrt haben. In Alt-Halle sind für unsere Kandidaten 4700, für die Beamtcnpartei 3400 Stimmen abgegeben. Wie sich der Komnumal- freisinn, der diesmal gänzlich leer ausging, mit seinen 2600 Stimmen bei der Sttchwahl verhalten wird, erscheint nicht zweifelhaft. Revision der Parteimoral. Genosse Ed. Bernstein macht folgendes Geständnis: »Ein Redakteur soll eine Sitzung von Vorstand und Preß- kommission längere Zeit belauscht haben. Ich gestehe nun offen. ich bin nicht Tugendheld genug, um nicht, wenn mir die Mög- lichkeit gegeben wäre anzuhören, was hinter verschlossenen Türen über mich und meine Kollegen in so wichtiger Frage ver- handelt wird, von dieser Möglichkeit den ansgiebigsteit Gebrauch zu machen."__ Ein Münchener Kohl. Genosse Stefenson in München hatte in einer Versammlung behauptet, der liberale Rechtsanwalt Kohl habe ihm zehn Maß Bier versprochen, wenn er gegen da» Wahlbündnis zwischen Sozialdemokraten und Ultramontanen losziehe. Herr Kohl behauptete, das sei Kohl und er suhle sich durch solchen Kohl be- leidigt. Er strengte denn auch Pnvatklage an, mit der er aber am Schöffengerichte abblitzte. Grausames Spiel. Bei der Landtagswahl in Neustadt- Dürk- heim will es nicht gelingen, zu einem Resnllat zu gelangen nach- dem 20 Wahlgänge immer ziemlich das gleiche Ergebnis brachten, weil die acht Parteien, welche sich»m das Mandat bewerben, mit unerschütterlicher Zähigkeit in zedem neuen Wahlgange für ihre eigenen Kandidaten stimmen. Die Fortsetzung deS grausamen Spieles ist nun bis auf den 8. Januar 1096 vertagt. Wieder ein Alter heimgegangen. August Rast, einer der cistigsten der alten Genossen in Wllrttcm- berg, ist gestorben. Die Eroberung des LandtagSmandates Ober- amt Cannstatt für die Partei war hauptiächlich mit sein Werk. Auch in der Gewerkschaftsbewegung war er ein reger Kämpfer. WitternnqSüberlickt vom November IVOS, miwacii? H tthr. Stationen Swinewde. Hamburg Herli» S 8 ~e » s i« 760 NNW 763 NNW 760 NO Fr..nks.a.M,?61 NW München>ü755 W A-U« ö« c ä Ii L? W?! Haparandal762 S PelerSburg 768 S Scilly Aberdeen Paris 1 2 bedeckt Z bedeckt> 764 SSO! 2 better 767 WNW 2 Keiler 765 S■ thalb bd. 2 Bedeckt 3 halb bd. 2bedcckt 3 bedeckt 5 Regen I 4 wollig Wetter-Prognose für Freitag, den 10. November 1905. Ein wenig küliler, vorwiegend trübe mit Rcgcnsällen und ziemlich srischcn nördlichen Winden. Berliner W e« t« r b u r e a u. Wasserstand am 8. November. Elbe bei Autsig-ff 0.29 Meter, bei Dresden— 1,23 Meter, bei Magdeburg ff 1,45 Meter.— U» st r u t bei Sttaujiturt ff- 1,46 Meier.— Oder bei Ralibor+ 1,80 Meter, bei Breslau Oberpegel-j- 4.98 Meter, bei Breslau Unterpegel— 1,30 Meter, bei Franksnrt-f 1 33 Meter.— ffi e i ch( c l bei Brahemünde + 2,24 Meter.— Warthe bei Posen ss- 0.66 Meter.— Netze bei Usch ff— Meter._ Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für de? Lnstrastssteil versvtv.: Th. Glocke, Bell ig. u. Verlag: Voncän» Buchdruflerel u. Verlagsanstgst Pauk Singer& Ev.. Berliu Nr. 264. 22. Ichrgasg. 2. Sfiliinr des ,|oriiiiirtä" Setlintt DMIntt. Freitag, 10. November 1905. Das ungarische Regierungsprogramm. Man schreibt uns aus Budapest: Die ungarischen sozialdemokratischen Blätter und die radikal- liberalen Organe besprechen das vom ungarischen Könige genehmigte Regierungsprogramm des Barons Fejervary mit großer Hoffnung auf ein besseres Zeitalter. Und dieses Programm ist auch in Wirklichkeit berufen, ein Kilometerstein zu sein, an dem die Freiheit deS Volkes ihren Anfang nehmen kann. Es entspricht nicht nach allen Richtungen unseren Prinzipien, nichts destoweniger bedeutet es aber doch einen großen und maß- gebenden Sprung nach vorwärts, im Interesse der Demokratie, so daß unser ungarisches Parteizentraidlatt„Nspszava" dem ganzen Proletariat nnt lauten Worten vcrkiindet, seit 1848 sei keine Regierung Europas im stände gewesen, solch ein Programm vorzulegen wie dieses ist. Das Magnatentum und die verblendeten Anhänger Kossuths werden mit aller Kraft und voller Macht dagegen arbeiten; denn ihre Klasseninteressen sind dadurch am ärgsten gefährdet. Nun wird es sich jedoch ganz klar entscheiden müssen, ob diese sich immer als Bolksbeglücker anpreisenden Herren den Mut habe» werden, sich auch offen dem Wohl, dem Rechte des Volkes zu ividcrsctzc». Die größte Bedeutung, der wichtigste Erfolg dieses Programme« ist, daß das Volt, jetzt aufgewacht, sehen wird, wo seine Freunde sind und wo man ihm feindlich gegenübersteht. Mit dem nationalen Nörgeln. mit dem leeren Haarspalten wird sich nun selbst der ganz Betörte nicht mehr zufrieden geben; denn jedermann muß jetzt schon zur Einsicht kommen, daß unter dem rot-weiß-grünen Mantel des Grasen Apponyi und Kossuths nichts anderes verborgen ist als das Interesse der Kapitalisten, der Feudalmagnaten und der Piaffen. Entlarvt wird ein jeder Gegner des Voiles, und die Sonne der Sozialdemokratie und der Freiheit muß prächtig und herrlich empor- steigen. Wie lautet nun Fejervarys Programm?(zusammengefaßt in ein paar kurzen Schlaaworten:> 1. DaS allgemeine, geheime, g e m e i n d e w e i s e, direkte Wahlrecht vom 24. Jahre an und nicht für Analpha- beten! Wenn man jedoch in Betracht zieht, daß bisher bei uns ein Zensus- Wahlsystem bdstand, ein politisches Monstrum ohne Gleichen, daß infolgedessen bisher von mehr als vier Millionen großjährigen Männern(über 24 Jahre) kaum 900 000 daS Stimmrecht hatten, so ist jeder Kommentar hierzu überflüssig. 2. Zweijährige Militärdien st zeit. Bei uns werden noch immer drei Jahre gefordert. Was für eine Bedeutung diese Reform hat, weiß jede Proletarierfamilie nur zu gut. Vorläufig ist auch dies für unsere Verhältnisse ein Sieg, den später einmal die Sozialdemokratie durch Eiusührung des Milizsystems krönen soll. ® 1 n 1 1 �" 9 des selbständige» Zollgebietes. Bisher waren wir nur eine komnierzielle Provinz Oesterreichs und konnten keine Industrie, keinen entsprechenden Export haben, trotzdem Ungarn in den Rohprodukten eines der reichsten Länder ist. Dem bisherigen Zustande ist es auch zuzuschreiben, daß der Arbeiter in Ungarn kaum leben kann und daß jährlich mehr als 300 000 Arbeiter um des lieben Brotes willen nach Amerika ziehen. *•®a doch Ungarn heute noch in erster Linie ein aikerbau- treibendes Land ist, soll dem ausgebeuteten und hungernden Volke geholfen werden durch Parzellierung der größeren Besitz komplexe, denn 1 Fünftel des Landes ist bei uns Lati- ftlndmm. Den Kleinbauern soll geholfen werden durch Schuld- Entlastung des kleinen und mittleren Grund- de Ii tz es. weiter durch die Verpachtung derstaatlichen stücke unter leichten Bedingungen an die Rl«tn- Existenzen, sodann durch groß« Exportpolittk sür die »grarprovukte. b. Großzügige Jndustriepolitik. Fabrikenbau. Regelung der Rechtsverhältnisse der Arbeiter, Privatbeamten und Handelsangestellten durch offiziell anerkannte Interessenvertretungen. Versicherung der Arbeiter für Krankheit, Unfall. Alter und Invalidität. Korporationszwang für die Regelung eigener Interessen. Schutz der Kinder, der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen. Unentgeltliche Erziehung zur gewerblichen Laufbahn für die Arbeiterkinder. Kosten- lose Ausbildung der Arbertertochter. Arbeiterwohnungen. Arbeiter- spitäler und«Sanatoriem_ 6. Progressiv st euer. Nichtbesteuerung des Lebensmini- mums. Reform und Erleichterung im Wesen der Kirchensteuer, die bei uns horrend ist. Gehaltsregelung, billiger Kredit. 7. Verstaatlichung der Verwaltung und des SanitätswesenS im allgemeinen. 8. Schnelles und billiges Justizshstem. Reform des Privat- rechtes. 9. Gänzlich unentgeltlicher Volksunterricht- undstrengerSchulzwang. 10. Gleichberechtigung und Reziprozität zwischen den Konfessionen. Vollkomniene Kirchen-Autonomie. 11. Anerkennung der vollen Rechte Kroatiens.(Hier muß be- merft werden, daß in Kroatien und Slawonien— allgemein „Ungarische Türkei" genannt— die Zustände, die Rechtsverhältnisse erbärmlich aussehen. Keine persönliche Freiheit, nicht die geringste Preßfreiheit. Unsere dornge» Genossen sind völlig unterdrückt und konnten auch bisher nur so arbeiten, wie es das unterirdische Ruß- land tat. Nun soll die Stunde der Freiheit auch unseren kroatischen und slawontschen Brüdern schlagen. 12. Hebung und Unterstützung der Städte. Dies ist das Programm, zusammengefaßt im Sinne der Vor- teile, die wir davon haben könnten. Wir ungarischen Sozialdemo- kraten werden mit aller Kraft und Ausdauer dafür kämpfen; wenn es sein muß: gleich unseren russischen Genossen' Wir wenden uns jetzt nicht gegen den Monarchen, sondern gegen die Grafen Apponyi, Andrassy, Zichy und gegen den armen Schwächling Franz Kossuth, der so schmachvoll mitgerissen wurde von den Magnaten und Kapitalisten. Es wird ein erbitterter Kampf bis zu»» Meffer ent- stehen; denn sogar der auch von feiten der Koalition noch kürzlich so sehr verdammte und verhöhnte Graf Stefan Tisza, der vormalige Ministerpräsident, will der Koalitton gegen die demokratischen Reformen beitreten! Erklärte er doch kürzlich, daß„das all- gemeine Stimmrecht mit aller Sicherheit das Land dem be- stimmten Tode emgegenführt"! Sehr hübsch. Der Knuten-Zar will dem russischen Volke allgemeines Wahlrecht geben, wo doch»n Ruß- land nicht weniger als 80 Sprachen gesprochen werden. Bei uns m Ungarn aber meint das feudale Magnatentum in allem Ernst, nach Erteilung des allgenieinen Wahlrechts kämen die Sozialdemokraten alle ins Parlament hinein und dann würden sie, die reichen Herren, „teilen" müssen! Bei uns nämlich ist ein einigermaßen gebildeter oder gar kluger Magnat noch immer ein weißer Rabe. Was wird also geschehen? Am 19. Dezeniber tritt das Parlament zusammen. Da soll über dieses Programm entschieden werden. Bekommt Fejervary mit seinem Programm die Mehrheit im Abgeordnetenhause, lo wäre es am besten, denn dann würden diese vorläufig wenigstens zum Teil ganz schönen Reformen in Kürze zu Gesetzen. Treibt jedoch die Koalition und der bedrängte Kapitalismus sein«-piel tveiter, so wird das Parlament aufgelöst, neue Wahlen werden ausgeschrieben. Gelingt es der Regierung dann noch nicht,-ine Mehrheit zu bekommen. dann folgt die— Gewalt! Die Gewalt— von oben I Leicht möglich aber, daß das hungrige Boll, das niedergebundene Proletariat sich sofort im ersten geeigneten Augenblick direkt gegen die Herren Grafen niendet, deren Komödienspielcs Ungarns Arbeiter- schasi schon zu satt ist. Vergebens wollen die Herren sich als National- Helden aufspielen. Aber das Volk, ja die ganze Welt muß es heute schon einsehen, daß hier eine Lüge, ein waghalsiger Schwindel getrieben lvird, daß hier ein Klassenkampf tobt, in dem das arbeitende Volk die stolze, exklusive Sippschaft angriff. Heute oder morgen, die Rechte des Volkes müssen sie doch hergeben, wenn es selbst schon der König, der Habsburger, will. Das ungarische Volk, nicht aber der blöde Adel, das Magnatentum der Fideikomniisse. hat ein Recht, über den König zu schimpfen, ihm Tyrannei vorzmoerfen; den» diesmal hat Haus Habsburg ausnahmsweise einen Schritt getan, der einer Zahl von demokratischen Prinzipien zum Siege ver- helfen dürfte.— *1iis der fraucnbewc�uncj. Schönebera. Der hiesige Frauen- und Mädchen-Bildungsverein hält am Montag den 13. November in WeimannS Klubhaus. Hauptstr S/6 seine regelmäßige Vereinsversammlung ab. Referenten das Abends sind: Dr. Maurenbrecher, der über„Die Frauen und die Zeitung" sprechen wird und Dr. Röder, der das Thema„Was ist den Kindern zu lesen dienlich" behandelt. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwünscht. Gäste willkommen. Der Vorstand. Verrnilcbtes. Ein gemaßregelter M-narchenvertreter. Die Kriegervereine, die durch ihre Ouichotterei schon manchen Beitrag für Ulk- und Witz- blätter lieferten, haben auf dem ihnen eigenen Gebiete der Sozia- listenvernichtung eine neue Leistung zu verzeichnen, die viel zur all- gemeinen Erheiterung beitragen wird. Für die Kriegervereine ein Glück, daß Lächerlichkeit nickt tötet. In Vertretung des Landes- fllrsten, des verstorbenen Regenten von Reuß a. L., der gerade durch andere wichtigen Staatsgeschäfte in Anspruch genommen war, hielt der Pfarrer Budde in Fröbersgrün die Festrede bei Einweihung einer neuen Kriegervereinsfahne. Bei dieser Gelegenheit soll der Pfarrer geäußert haben, die Sozialdemokraten seien aufrichtige Leute, wenn sie nur noch christlich und monarchisch wären, könne man ihnen in allen Punkten beistimmen. Ob wegen des Bedauerns, daß die„Roten" nicht monarchisch sind, man weiß es nicht, jedenfalls waren die Kricgervereinler mit der Rede nicht zuftieden. Seit einem Jahr lang mühte man sich ab, das Prestige der Kriegervereinler zu retten. Endlich wars erreicht. Mit feier- lichem Ernst wurde der Pfarrer aus dem Verein ausgeschlossen— um nach dem Ausschluß erst dahinter zu kommen, daß der Aus- geschlossene gar nicht Vereinsmitglied war. Im Zeitalter deS Automobils! Ein in Jena wohnender älterer Herr, der wegen seiner originellen Einfälle in seinen Kreisen bekannt sein soll, führt seit einiger Zeit bei seinen Ausgängen stets eine Visitenkarte bei sich, die folgende Aufschrist trägt:„Automobil- fahrer, welche mich Übersahren haben, werden höflichst ersucht, meine Ueberreste abgeben zu wollen..."(Folgt Name und Adresse.) Der Mann ist jedenfalls vorsichtig und ordnungsliebend. Ein Schäfer und eine Herde überfahren. Auf da Eisenbahnstrecke Hannover— Wunstorf fuhr am Diensll.g gegen Abend bei nebligem Wetter ein von Wunstorf kommender Schnellzug mitten in eine Schafherde hinein, die gerade über den Bahndamm getrieben wurde. Das Herannahen des Zuges war vom Bahnwärter wahr- scheinlich nicht rechtzeitig bemerkt worden und er hatte daher die Schranke noch nicht geschlossen. Der junge Schäfer suchte seine Schafe noch zurückzujagen, mußte aber seine Pflichttreue mit dem Tode büßen. Auch seine beiden Hunde und eine Anzahl Schafe kamen umS Leben. Ein tragischer Vorfall wird uns aus dem Nachbardorfe Beyers- darf gemeldet. Der dortige Gutsbesitzer Döberitz hatte sich vor einiger Zeit einen gefährlichen Bruch zugezogen, und der Zustand � des Patienten verschlimmerte sich in den letzten Tagen derartig, daß 1 die Unterbrignung D.'s in einem Krankenhause notwendig wurde. Auf dem Transport nach Berlin geriet der Kranke in so heftige Auf- regung, daß er plötzlich einen Schlaganfall erlitt und bald darauf im Wagen verschied. Das Gefährt kehrte wieder nach Beycrsdors zurück, um die Leiche auf dem Gute abzuliefern. Als die Gattin des Toten ahnungslos an den Wagen herantrat und ihren Mann plötzlich als Leiche vor sich sah, brach sie zusammen und starb eben- salls nach wenigen Minuten. Die Bedauernswerte war einem .Herzschlage, hervorgerufen durch die furchtbare Ueberraschung, er- legen. Gemeinsam werden die beiden Ehegatten beerdigt werden. Taifun. Tokio, 8. November. Ein Taifun richtete gestern Verheerungen an, die sich über ein weites Gebiet erstreckten. Auf Oshima und den benachbarten Inseln wurden zweitausend Gebäude zerstört. Ein Dampfer ist gescheitert. Verlust an Menschen ist bis- her nicht gemeldet worden. Kür den Inhal»»er Inserate überniinmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Brrantwortnng. Zhcrtcr* Freitag, den 10. November. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Robert der Teufel. Schauspielhaus. Wilhelm Tell. Nene». Ein Sommernachlslraum. aV; hII'„A Santa Lucia. Änn � Släl�en � Ottc�g. Lungfrau von Ansang S Uhr: 24f!äVai(Us M'drich Wilhelm. Stuart? �°°'°r). Maria Leffiug. Sl-in unter Steinen Refiben» D.r»""""d°nt Kleines?' Hidall? �l. Trinnon. Der letzte Lnstspieihans. D.r Thalia, vi- früh um fÄ 09" lfnrl Weih. In Berlin((,,11.,, Sfuifcii. Faust." maä lo». Deutsch-Ämcrikanfsches. � Herr Herzog I«oer, Metropal. Aus in«, «asino. Das Opferlamm* l 1 "'"tftfc'n. �~Una-- Sp-zian. Walhalla. Ringkampf. «errnfeib. Der Famllientag Wintergarten. Anne Dancren Otero.— Spezialitäten � Folie» CapriccS. Nach dem Labten. streich. Soll und tzabm SpezialiiStcn. Reitiishalie». Stettiner Sänaer Pafiage. Spezialitäten. Iii>>»in. Tniibenfirahr Abends 8 Uhr: Alpen- und Wüsten. fahrten. Sternwarte, Jnvalldenstr. I57/SZ. Täglich geössnei von 1 bis 1 Uhr. Zentral-Theater Abends 31/, Uhr: Der Bettelstudent. oerlillei'Ijiester. Eharloltenstraße 90/32. Zur Feier von Schillers GebuttStag: Die Jungfrau vou Orleans. Romantische Tragödie in S Akten von F. Schiller. Ansang Vj, Uhr. Sonnabend und Sonnlag nachm. llosa. Sonntag abend: Kiwil». Montag: Aadalagja. Neues Theater. Ansang VI, Uhr. Sin Scnunernaehtstraum. Morgen u. folgende Tage: Ein Tomuiernachtstranm. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Hidalla. Sonnabend zum erstenmal: Ghetto. Trauerspiel in 3 Akten von Hermann Heocrmanns Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Faust. ■ Der Mann im Monde. Abends: Hamlet. Montag: Simson. Momag:-—— Trianon-Thealer. Ansang 8 Uhr. Der letzte Troubadour. Lustspiel in 8 Alten von Fred Grsiac und Piene Döber. Deulsch von Aisred Halm. tasidenz�Tlieater. Vlrektion- Richard TJUjtandcr. Heule und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satlriicher Schwank in 3?Men von L. Xanros und I. llhancel. . Sonnlag nachmitlag» 3 Uhr: vor 8 v n I s I Vi sgv n utro i I e Uk. 8 Uhr: Spelterlnls Alpen- und WOslenfahrten im Ballon. Sternwarte ln,a"rien »tr. 67/62. Friedrichstr. 165. Joels Traum. !! Pompeji II Die Ehre den Vaters! Restaurant: Original Nürnberger Sänger. Metropol-Theater Anfang 8 Uhr. I's" Groß© Jahresrevu© mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jnl. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen in all. Räumen gestattet. KasinosTheater Lolhrlngerstr. 37, Täglich 8 Uhr. Pos©pffrlflMIHI. Schwank in 3 Allen von Walther . und Stein. Vorher: Im Spreewnld. Operette. Der berühmte Kapitän Marten» etc. Sonntag nachmittag 4 Uhr:„Ger Adelananv' Deutsch-AmerilÄlies Theater. Ktfpenickcrstr. 07. Mittwoch Jeden Abend 8 Uhr I Wl" Gastsp. Ad. Philipp 10. ABER! Aufführung Herr Herzog Sonntag nachmittag 3 Uhr: Halbe Preise! „Petoer'n groflea Teich." Hclilller-Tlieater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Thealer). Freitag, abend« 8 Uhr: Wilhelm Teil. Schauspiel in silns Auszügen ven Friedrich Schiller. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Wilhelm Teil. Sonnabend, abends 8UHr: Der Veilchenfrenser. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Traum ein Lieben. Sonntag, abends 8 Uhr: Kora. H Gebrüder errnfeld- Theater. Zum 7. Male die Novität: Familientag im Hause Prellstein. Komödie in 3 Allen von Anton und Donat Herrnfeld. Mitwirkende Darsteller: Angelika Frey, Frida Levermann, Carla Mutzbauer, Else Gressin, Käthe Dreher, Julie Loibl-Hahn, Joseph Aechlnger, Jacques Morway, Jacques Glaser. Ernst Grob, Jos. Engler. Eugen Neulert, Rieh. Goltz, Mar Zifzer, Fritz Rut, Hugo Döblin, Bernh. Foerster, Paul Hiersen, Albert Blumenreich. Ferner: Donat Herrn Feld als „Esau Prellstein". Anton Hcrrnfcld als „Winkelkonsulent Schestak". Ans. 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr (Theaterkasse). Carl WeiB- Thealer. ®r. Frantfurterstr. 132. Täglich 8 Uhr: In Serim ist ms los. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung: Snoewitlchen. Abends S Uhr: Maria Stuart. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Freitag, abend« 8 Uhr: Harla Stuart. Ein Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich Schiller. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Harla Stuart. Sonnabend, abends 8 Uhr: Gygcn und«ein Ring. Sonntag, nachm. 3 Übe: Fuhrmann Henschel. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Vellehenfretmer. ÄäüoaÄSÄÄHBGiöaC Passage-Theater. ! Ans. der Abendvorstellung 8 Uhr. loiisispivlkaus. Abends 8 Uhr; Der familientag. in ihrer entzückenden Dunean Parodie. Paul Jülich der unverwüstliche Humorist. U neue erstklassige Nummern. 'MMMWkVMWMMHWMMT' W. Noacks Theater. Direktion: Roh. Olli. Brminenftr. 16. Nora oder: Ein Puppenheim. Schauspiel in 3 Akten von H. Ilsen. Deutsch von I. Engeroff. Ansang 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. Sonnabend: Keine Borstellung. Belle-AIIianeeD Theater- VarlAtA. Georg Kaiser| Ein ibeml in einem Sonntags Ä Vorstellungen. Nachm. 3 Uhr: Volkspreise. Jed Sitzpl. inkl. Garderobe 60 Pf. Rauchen Im Wintergarten gest. Folies Caprice« Budapester Possen-Tbeater i' 132 Linienstr. 132>> Ecke Friedriohstraße. Zum 56. Male: Kach dem Zapfenstreieh. Vorher; Soll und Ilaben n. d. ausgezeichn.Speziali tätenteil. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf täglich b. A. Werthelm und an der Tageskasse v. 10 Uhr vormittags an. Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee Nr. 14«. Sonntag und Mittwoch: Konzert, Theater, Spezialitäten. BV Erstklassige Spielsolge.-MW Nach der Borstellung: Tan». Variete Elysium Kommandanteuotraße 8/4. Vom 1. bis 30. November Ivvä: Großer Internationaler Soubretten-Wettstreit. Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger. lum Schluß I Neu! ,räulein Doktor. eitburleSte von Meysel. Zirkus Albert Schumann Hcutc abend präzise 7'/, Uhr: Das vorzügl. Programm, a a.: Rur noch kurze Zeit! Die größte und senlalionellste Mira?- tian d. Gegenwart! Die phänomenalen krörss John und Louis Polier. Die 9 heiligen Chunchusen Die ausgezeichnete Javanertruppe. Neu! Ide Wall/ tiosts-Irio. Neu! MiS Francis.. 3Jcu_I Mr. Willie Haie. Zum Schluß: Die reizende Sporlpan- tomime: Der Tag des �nxlischen l)erb�. Sonntag: 2 Vorst., nachm. 3'/, Uhr ein Kind srci, und abends 7'/, Uhr. In beiden Vorstellungen: Cor lag lte- Fngliscdcn Derby. Montag, den 13. d. Mts., präzise 8 Uhr t Gala-Fest-Porstcllnng zum Besten des Vereins sür Kassccsiubcn und ErsrifchungSkarren zu Berlin. Täglich: Die Gx>o?.!!nlktittvn. O'l, llstr: Nttraktioueii deS Noveniöer-ProgFamois mit Mite. I>eb«lrJo Chuntcase fantastiqae. 8 Uhr: Frau Fima von Paul Lincke. Sonntag, 12. Nov., nachm. 3 Uhr: Friililingsluft u. Spezialitäten. Bedeutend crniägigte Preise I OTERO. und ein auserlesenes Künstler- Programm. palast-Tbealer Burgstr. 24, LMin.v.Bh.Börse. Tiiglich 8 Uhr. Entree 50 Pf. Dan glünzenrte MM- Unter anderen: Varl vraun VerwandlungS-Schauspieler. IKonieoino äer lllrke mit»einen itrel«elber». Die Hveike vame. Posse mit Gesang von O. Nichter. 10 erstklassige Hummern. Familientarten in allen Barbier-, Arstcur- und Zigarrengeschästen sowie im Thcaterbureau unentgeltlich zu haben. isonnabend, 11. November: Wegen Privatseft keine Vorstellung._ Walhalla-Theater Unter dem Protektorate des Herrn Frolessor Reiobold Begas Cr. III. Heute ringen: Bernard(Frankreich) bis zur Eni- scheidung gegen Nitsclike(Berlin), Kiekhöfer(Berlin) gegen Bau(West- salen)., ,, Fürst(Wien) bis zur Entscheidung gegen lZebbard(Deutschland). Francone(Italien) geg. Max Schwarz Petroff(Bulgarien) gegen Eigemann fiiheinland). Beginn der Vorstellung 8 Uhr. � Beginn der Ringkämpse ö Uhr 45. Rauchen in allen Räumen gestattet. A.rtiis-HoL Perlobergerstr. 26. Stendalerslr. 18. Säle von 100-1200 Pers. stehen den geehrten Vereinen zur Verfügung. Jeden Sonntag, Dienstag u. Freitag: tii». Theater• Vorntellnng. Jeden Montag: Quartettfünger und humoristische Soiree. Jeden Donnerstag: Cir. Konzert. mmm� XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. Komischer Gala- Abend. Austreten der neu engagierten Spezialitäten.?lr. Pearson. GröGtc Attraktion der Weltl Sensationell! Sensationell! Der Kanonenkönig! Schuß eines lebetld. Menschen aus einem Marine- Geschütz. 4 Socnrs Atletas. lO dressierte Elefanten. 'IST' Zum 54. llale: Mexiko. Große Ausstattungs- Pantomime aus dem mexikanischen Pflanzerleben und die vorzüglichsten Programm-Nummern. Colossetttn Tresdeuerstr. 97. Täglich 8 Uhr— Sonntag 7 Uhr. Die besten deutschen Kumiksn und Soubretten. Jeden Sonntag nachm. 3 Uhr| jeder Platz 40 Pf., ein Kind frei. Im Konzertsaal 2 Kapellen bis 1 Uhr nachts. Schramme!» mit Süngeru und I ungar. Magyaren-Kapclle. in IHorltzpIatz. Täglich den unteren Sälen (jottsdislk-Koniert. Otto Prilzkows Berliner 11 Sliinzstr. 10. __ Di« drei lebenden � gr. liiiatomischkn Wunder BnMkelnicnsch Skelett- Tlensch Gainmlhantnicnnch DW" Entree SO Pf. Gwwwvwww. DÖÜE'ESÖ! Sanssouci, f.(ittbnffrflr.4a Direktion Wilhelm Reimer. Sonnt., Moni., Donnerst.: Im glänzend renov. und elektr. belencht. Etablissem. Kolfrnann» ttoillljolllLoiiö Sangei _uno Xanzkränzcheu. Sonntags Beginn 5 Uhr, wochentags 8 Uhr. Jed. Dienstag, Mittwoch: Theater- Abend. Gastspiel des Ulwe-Evsembles. Gustav Behrens Spezialitäten- Frankfurter- Allee 85. Allabendlich kolossaler Beifall! Wiener linlier, GusÄr«.. Berliner Droschkenkutscher: Albert Auwich. Elektr. TtrastenbaHner: Willy Sandel. Llly Marietta, die beste Jnstru- mentalvirtuosm>8 Instrumente) sowie 15 Spezialitäten-Nuninieru. Xliiiigslilif, BülowstraGo 37 an der Lutherkirche. Heute sowie jeden Freitag: Humoristische Soiree der allbeliebten Steidls Sänger Ankam Entree e ! 8-/. Mir. l>, Lperrs. 50. Zaeod ßollle Spez.-Wäschcgeachiirt Arbeiter- Berufskleidung 119 Griraekfnrterstp. 119 10«/« Rabatt. Ueber 40 Jahre im Osten Berlins I S— IS. STovcmber 1 LhrvlaBthemum-Uusltellung il 2 Im nenen Saalban< i J des linndes-Ansstellnn jsparkca, Alt-Moablt 4-10.][ KONZERT. 9. November 2 H. An allen anderen Tagen vormittags 1 M., nachm. 50 Pf. fietanntmaebang. Am Dienstag, den 21. November er., abends 6 Uhr findet in den Armin- Hallen, Kommandantenstr. 20, die 42. orilentl. Geiieral-Fersauiiiiliiüg der Orts-Krandenlilisse für die Wschefllbrikotiou stait, zu welcher hiermit die sür die Jahre 1905/07 gewählten Vertreter eingeladen werden. Dieselben er- halten noch besondere Einladungen, die beim Betreten deS Saales als Ausweis dienen. 277/1 Tages- Ordnung: 1. Neuwahl sür drei Vorstands- Mitglieder(ein Arbeitgeber und zwei Arbeitnehmer). 2. Wahl des Ausschusses sür die Prüfung dcrRechnungdeS Jahres 1905, Berlin, den 5. November 1905. Der Vorstand der Orts-Krankenkasse für die Wäschelahrlkation. F. Franksurther, Vorsitzender, Mcyerbeerjtr. 1—4. Gm Wahlkreis! Sonntag, den 12. November, abends 6 Uhr, im Kolberger Salon(B. Rabe), Kolbergerstrahe ÄS: Versammlung für Männer und Frauen. Tagesordnung: Nortlllg des Redakteurs Genosse» Lilwe!! aber:„Vit verslhitdtliev somleil Schichtnnsen". Zu zahlreichem Besuch ladet ein 200/14* Der Tertranensmann. Nach der Versammlung: Eemütlickes Keilammenlein mit Catiz. 50/10* Greift z«! dem Besten Monats-Anziige.. T. e. 8,50211. an Abonnements-Anzüge., 9,50,, Monats-Paletats...» 9,—„, Joppen........ 5,—.„ Parlio-Anzüge, teils mit unmerkbaren Fehlern„ 10,50,, Anzüge, Eriatz für Mag„ 20,—,, Kainmg.-Hof. od. Jacketts, 3,—,. Alles auch sür korpulente Figuren! Getragene Kleidungsstücke von Ka> valieren, Reisenden, aus den feinsten Werkstätten Berlins, teils von Hos- lieseranien, kolossal billig. Straßenbahn-Vcrgütung I Z"nIeull'a!-Be!!er,s-rii°. 35 Neanderstr. 35, 3 Minut. v. Stadtbahn Jannowitzbrücke in allen Preislagen. JWeidner, Kulnaeher Dresdnerslr.lOO,,,:,",.'.";,,. Zweigverein Berlin und Umgegend. Sonntag, den IS. November, vormittags tv Uhr, in Buggenhagens Etabliffement» am Moritzplatz: Große General'Nersammlnng. TageS-Ordnung: l. Kassenbericht vom 3. Quartal 1905. 2..Partei und Gewerkschaften'. Referent: Genosse E. Brückner. 3. Diskussion. 4. Die Baukontrolle. 5. Verschiedenes. Der wichtigen TageS-Ordnung wegen ist das Erscheinen aller Mitglieder erforderlich. Mitgliedsbuch legitimiert.— Ohne dasselbe keinen Eintritt. 44/11 Ter Zweigvereins-Vorstand. Enorm billig 1««langen in dieser Woche| tilg), b. 9. Sonntag bis 2 Ubr 1 j-hum Verkauf rtie aus letzter I -aisoa■urUckffesetzten,| | nar hoobvornebroen Herren Anzüge Paletots dieaus leiBstenüftsastoffen .'etertigt wurden...> Üoek>.»ebroclr Xn«. LL— 42 Iii leg. Herrenhosen. 7—12 kl Lebte LiOlenjosipen. 7— 12 W Denteohe« Veraacdhans. Jägerstr. 63. I Treppe.* Sonnabend, den II. WoTember, abends 8 Uhr Gr. Künstler-Konzerl in den Eäurnen des OewerkschaftshaaBeB, Engel-Ufer 15, arrangiert vom Sozialdemokrat. Waiilverein des 4. Kerl. Reichstagswahlkreises _(Süd-Ost).- 262/19 Billetts Inkl. Garderobe a SO Pf. sind noch abzugeben Lausitzer Platz 14/15. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. »»«»»»»«»•»•••ONVOVVVONOf••••••••••••• irtir-Mlrerwreii CMaltenlmri". Am Sonnabend, de» U. November, findet in den .Germania-Sülen* Eharlottcnburgs(Jnh. v.«edvlch). Spreestr. 13. eine feigl Iiis liss Ssgiiligg Bestehen des Vereins statt: bestehend in Konaict, bomorlstiactaen Vortrü/c�n. Reigenfahren and Kall. 27/12 Hierzu ladet freundlichst ein___ Das Komitee._ ftsehler-Verein zu Berlin. E. H. Nr. 89. Sonnabend, de» 11. November, abends S'/j Uhr, Melchiorstraße 15: IM" Versamminng."WI TageS- Ordnung: 199/11 1. Vortrag des Schriftstellers Herrn Max Schütte. 2. Distussion. 3. VereinSangeiegcnheilcii.— Ausgabe der Billetts zur Urania sür den 3. Dezember, mittags 1 Uhr. Zur Vorführung gelangen: Spei!criniS Alpen- und Wüstenfahrien im Ballon. Der Vorstand. Vsrdanä äsr Sattler Oftsverwaltang Serlin. Die Branchenversammlungen finden an folgenden Tagen statt: Geschirrbranche: Mittwoch, den 15. November. Treibriemenbranche: Sonnabend, den 11. November. Taschen-, Koffer- und Galantcricbranche: Donnerstag, den 16. November. Linoleum- bezw. Tcppichnäher: Donnerstag, den 16. November. Wagenbranche: Mtiwoch, den 15. November. Sektion Charlottenburg: Dienstag, den 14. November. Achtung: Eisemnöbelbranche!: Die Versammlung findet ausnahmsweise ------- Donnerstag, den 16. November �-- statt. 157/16 TageS-Ordnung: „Die Dnrchbcratnng des neuen liOhntarifcs". Zahlreichen Besuch dieser Versammlungen erwartet __ Die OrtSverwaltung. Sonnabend, den s.?. November 1903. im Riesensaale der »Renen Welt-, Hafenhcide 108—114: Norstellliiig lkbklldtr Nhotographieii mit Kluematograph. Nach der Vorstellung: Tanz-Kränzchcn. H*"™" welche daran teilnehmen, zahlen 50 Ps. nach. Anfang prüz. 8 Uhr. X Enlree 20 Pf. X Programm gratis. Um rege Beteiligung ersucht Dos Vergnügungs-Komitee. 3 UM- Von ei-üifnet:"HSkZ 4976L' MM esst iebvrig 2 Billard» Rcne Rojchratzs S. Billards Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute Freitag, abends 8V2 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer Nr. 15: 96/15 Slt-ung den Ontsvenwaltung. ichlnng! ginSetZGIT. Sonntag, den 12. November, den bekannten Lokalen die vormittags 10 Uhr, finden in Keffrlts-Siinlngen statt. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen der Kollegen unbedingt ersorderlich; auch werden daselbst neue Mitglieder ausgenommen. Montag, den 13. November, abends 8 Uhr, tut Gewerkschaftshanse, Engel llfer 15(Saal II): Kommisstons Sitzung. Voranzeige zu beachten I Sonntag, 19. November vormittags. findet eine OlTentllche VerMammlnns; sämtlicher Einsetzer Berlin» und Umgegend bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75, statt. Tages-Ordnung hierzu:»Welche Vorteile bietet uns eine ebent. Einsührung der Lohnarbeit innerhalb unserer Branche?" JSW" Die Kollegen werden ausgesordcrt, reg« Agitation für diese Ber/ammlung zu enstallen. __»t© KommtBslon. Zahlstelle Rlxdorf. Sonnabend, den 11. November, abends 8'/z Uhr: Mitglieder-Dersummlung in Thiels Fcstsälen, Bergstraße 151—152. TageS-Ordnung: 1. Bortrag deS Genossen Julias Kehl. 2. Diskussion. 3. Vereins« angelegenheiten. 142/9 Zahlreichen Besuch erwartet Der Borstand. Achtung! Steiusrdeitei'. Achtung! Sonntag, den 12. November, vorm. 10 Uhr, im GcwcrkschaftShausr. Engel-Ufer 15: Große Uciiiliiiit Nkrsoinnilnnz. TageS-Ordnung: i. Der politische Massenstreik. Referent: Genosse«trühel. 2. Diskussion. 189/13 Kollegen! Sorgt für einen Massenbesuch dieser Versammlung. Kein Steinarbeiter darf fehlen. Auch werden in dieser Versa mm- lung die Delegierten zur Orto-Krankenkane aufgestellt. Die «andtdaten müsse» ihre«rankcnkasscnbuch-Nummer angeben. Die Orlsverwaltungen der Filialen I und II. I. A.: 0. Hanschko. A. Zunk. Deutscher Metallarbeiter-Verband. — Verwaltungsstelle Berlin.— Haupt-Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV. 3353. Montag, den 13. November, abends 8>/z Uhr, in den„Arminh allen". Kommandantenstr. 20(oberer Saal): Versamitilung aller Vertrauensleute, Ausschutzmitglieder und gierten, welche in den Betrieben beschäftigt sind, der Mechaniker-Krankenkaffe angehören. on rtTfot* 4? �_____<», �,...... w.»..__ 154/10 Uvl- v/ vv t- Illlgv�UVvlK* Das Erscheinen aller Jlollcgcn ist dringend erforderlich. Mitgiiedstzuch legitimiert! Ble Qrtsverwnltnng. Jenti'alki'cinkenkaiie der Kaurer �Grundstein zur Einigkeit�. Sonntag, den 12. November 1905, vormittags 10 Uhr: ZUitgiieder-Uersammlung � im„GewcrlschafiShause", Engel-Ufer 15. TageS-Ordnung: l. Kassen- und RcvisionSbericht. 2. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Xuv Benchtang! Die Zablstcllc von Osten I befindet sich jx/zt «angestratzc 53 beim Restnmaleiir Kluge. Ruszcrdcm befindet sich im Norde» noch eine zweite Zahlstelle und zwar �stcheuerstraste 3 beim Restaurateur Lamprecht.. � 149.9 vi« Örtliche Verwaltung. Am 6. November verschied im 54. Lebensjahre meine| gute, liebe Frau, unsere treue, liebe Mutter Elisabeth Goldschmidt Kiese. | Berlin SW., Bellealliancestr. 33. 295b Gnstav Goldschmidt. Rechtsanwalt Dr. Gustav A. G. Goldschmidt. Frau Alice ÜVittmund geh. Goldschmidt. Johannes 1.» I'. Goldschmidt. Ctlcilie Goldschmidt. 1 Die Feuerbestattung hat bereits stattgefunden; sie ist, wie es die Verstorbene wünschte, in aller Stille in Hamburg erfolgt. Allen Freunden und BckänMcl� zur Nachricht, daß nach langem d Leiden mein lieber Mann, Vater» Bruder und Schwager Paul Spangs am 7. d. M. verschieden ist. Die Beerdigung findet am 11. d. M.. nachmittags 1 Uhr aus dem Heiligen Kreuz-Kirchhos in Mariendori statt. Z22b Um stilles Beileid bitten llie Hinterbliebenen. Bier her! Culmbacher.. Deutsch Porter.. 16 Märzen-Versand.. 30, Tafel-Malzb.,ärjtI.cm4)f-30„ lt. Weißbier(C Landr�) 30„ Weizenmalzb.(3l.3Bcnn)30„ Tafelb. ff.(Culmb. Art) 30. Werkstatt, gewähre Ermäfiig. Pfandsrei. Bierkellerei Alexandrinenstr. 58. • Tclevbon IV, 8171. 30 FI. 3,— M. " 3,-. 2,25. 3,-. 2,25 2,25 2,50 Am 8. d. Mts. verstarb nach I langem, qualvollem Leiden unser j lieber Sohn und Bruder HinU im bald vollendeten 15. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an Emil Fischer nebst Frau und Kindern. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 11. November, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Ri�dorscr Kirchhoscs, Mariendorser Weg. aus statt. 49872 Dankfagnng. Für die bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres unvergcfi- lichcn Vaters 309b Pieinricb Bursian bewiesene Teilnahme sagen allen Freunden und Bekannten unseren tiesgesübltesten Dank. Ww. Hursian nebst Kindern. Deutscher Metallarbeiter-Verband Berwaltungsstclle Berlin. Todes-Anzelge. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Rohrleger kohert fohle gestorben ist. 154/9 Ehre seinem Zlndenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 10. November, nach- mittags 21/, Uhr, von der Leichen- balle des Andrcas-Kirchhoses in Wilhelmsberg aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. „Berliner Ärlieiter- Railiahrer-Herein" Mitglied des Arbciter- Radsahrer-Bundes „Solidarität�. Sonntag, den IS. November: Pflichttonr für 3. u. 4. Abt. nach Alt-Glienicke bei Sah.— Start: 2 Uhr Schiefische Brücke. 27/11 5. u. 6. Abt. nach Buch.— Start: l'/t Uhr Prenzlauerstraße, Ecke Danzigcrstratze. gzVall! FeklZh. Krawatten. 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Einer Doppelsendung für 10 M. ebenfalls für 7 M.; sür je zwei Mann wird wegen Porto-Ersparnis extra etwas beigelegt. Auch versende größere Posten in Post- und Bahnkisten an Händler, Vereine:c. in jedem Quantum u. garantiere s. volle Zusriedenheit. Bestellungen erbitte zu richten an Genoflen Guido Slttller, Orts-Bertraucnsmann, I.aascha S.-M. Empfehlen unser helles u. dunkles TafelMer: Gambrinusbräu(Münchener) Nepostmkbräu(Pilsener) Böhmisches Brauhaus NO. Faß- Abteilung: Iiandsberger Allee 11/18. T. Vit. 5088. Flaschen-„ Frieden-Straße OS. T. VII. 1670. Unsere Original Abling Flaschenbiere in fast allen Koioniaiwa en Handlungen. 4510L* WZ trotze Ketten 12 (Dbettftt, Unterbett, zwei«dien) mit! gereinigt«» n«»m Zedern bei I Gustav Lustig. Berlin . ftraße 46. Preieliste sollenfret. Biel«! Anerkennnngsschreibeu. � Dr. Simmel, ÜtT: Spezialarzt sür 29/14* Haut- und Harnleiden. 10—2,5—7. Sonntags 10—12, 2—4. Blutarmut führt oft zu Schwindsucht und frühzeitigem Tod. Jeder Leidende sollte daher rechtzeitig und regelmäßig den Santa- Etucla- Kraff rotweln, Fl. 1,50 und 2,00, trinken. Am bekömmlichsten ist es, ein kleines Glas dieses Weines Va oder Vs nait Wasser gemischt 4828L* 3. Ziehung 5. Kl. 213. KgL Prenss. Loticrio. �j» VOm November 1905, TonuHtaa-f. ie �lnoc über 240 Mark sind den beueffenden -wummern in Kiammera beicrefü�t, e®ewähj,) Nacbdrock verbGlc*. tKOO1? 8�™ 79ri?t 44 633 1084 300 92 566 710 77 SsiRO fSOOl 2157 98 350 501 755 3020 H nm 1 � W 27 494 694 738| 500] 43 838 914 4051 iaoom NM Sil 607 57 fSOOl 822 62 SOlg 210 64 476 6050[10001 128 244 474 540 slOOOl SS8145 784 925 82 86 W 1 leon0�/??01 105 50 292 337 50 602 4 27 723 81 936 ;2�l35034686�7S38091tf?95i �WriÄ Ifg ist � Ö3 888 M 17115 293 394 464 HS flU TjaLo 18271 303 4b2 88 723 885 1.5001 19101 FSOOl2 021 rm0-«75, tSJL 60 80 552[30001 692 749 921 [5001 18« 857 LzM1 44 48 WK» 223 303 31 604 (5001 49 r 10001 QOooJJ5 0001 238 77 88 533 815 81 459 559 68 74�a????! 102 249 54 70 lSOO, 62 648 54 864 71 94?4010 356 15001 460 552 627 1 5001 35 130001 762' I5M1 W7�2�s6ir> II 0001 79 84 357 556 717 21 5001»W 27�7 � A 284 342 88 494 503 22 718 805 Ig nooofwg7 28056 170[5001 214 368 449 63 556 636 llwO, 67 M2 OT 9« «4 29337 48 417 725 829 45[30001 937 w 892 93»48 . 30162 312 63 70 524 85 616 814 18 31120 63 340 418 34 41 582 826 50 959 32155 723 52[30001 848 915 53 33006 100 32[1000] 246 487 658[30001 859 78 34189[5001 298 407 50[10001 608 52 756 75 v 35203 60 323 44[500] 73 90 469 545[1000] 658 72 96 774 846 36325 59 84 601 37 941 97 37351 4U[30001 915 38060[30001 198[500] 255 67[10001 384 418 68 SO 94[500] 544 602 6 778 947 3 9042 425 551 40020 112 224 450 544 872 41401[30001 57 97 88« 924 42308 24 s5001 709 855 43100 472 526 616 17 87 95 824 975 4 4063 417 734 889[500] 966 4503« .75 266 90[500] 343 464 522 68[30001 696 824 959 4 6047 251 331 51 413 21 519[30001 53 74 76 689 790 817 940 47728 854 90 48093 152 474 575 98 684 848 49008 11 au 203 93 331 411 47 558 60 630 837 996 50038 53 134 252 344 497 76 1 5 1090 207 337 403 630 34 924 52033 82 477 667 851 53170 91 364 590 644 721 91 951 54038 52 214 320 96 506 738 77 838 [3000] 55122 98 559 642 796 887 901 88 90 56153 498[5001 608 905[500] 57450 65 77 95 58215 412 ■37 524 59012 222[500] 23 31 60 98 o/O 78 807 904 _ 60468 82 631 34 52 732[50001 809 61055 536 8« 712 89 844 71 909 62122 49[ 3000] 89 387[500] 477 594 615 27 49 730 888 97 6 3954 596 789 863 ®'4027 75 306 519 634 79 752 950 65903 47[10001 337 «na 857 71[1000] 91[10001 66053 310[500] 454 W'33 831 981 90[500] 67050 500] 98 I500t 109 AZ,34 344[500] 94 472 581 756 11000] 815 949 70 ° N rs5 449 519 166 84 86 895 994 6 9066[1000] • 0 PT«'1 885 89«US Sß 117 Wn 2?-480 508 32 49[3000] 660 743 8.79 71014 RO Q�wi13 130001 886 87 941 72205 19 448 513 91 805 7310] 235 403 69 520 624 41 749 52 .�J.,804.W 98 741 13 25 603 84 930 43 75046 95 77 1 iu vi 407 507 62 663 7 6354 492 697 889 78189 aaÄ,384 84 442 612 39 66 f5001 3el lÄ®?�739 �1[SOO] 33 899 971 79250 66 00 riSl 344 73 436 722 808 35 81025 358 � 71538 1? 78 r�l 793 82069 151 386 613 S4051 205 13�n 5w 83070 186 452 571 1.500] 709 70 ®8 86�3 Sm0,�4 633 85021 192 663 759 828 97 87005 71 18-1 321 93 700 349 i500] 79 915 51 Zi gZz 928 11 0�1 593?2 973 88008 95 259 306 34 95 774] 80253 59 313[500] 443 689[1000] <530 lo' 440 519 41 718 91 973 9 1024 I» 930)8 115� 3i| N im 92128_357 130001 547 829 34[1)01.v»0S 04222 53 380 ii.0� 22[3000] 96580 slOOOWt, 1 rJZSP06 44 121 230 57 89 363 93 524 703 N 139991 707 995 07931> [500] 479 541 779 964»8162 257 91 329 72 1500 1 513 37 724 76 SIO pJw, 09345 418[1000] 34 100081 165 205 3! 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Steht unter ständiger Kontrolle des Gerichtschem. Dr. C. Bischoff. Käufl. in Apotheken, Drogen- u. Delikateßgeschäften xm 62 89 531 801 liuuoi 5 laoti/ t» otu oou»w 867 906 9 90 1 36027 33 119( 5001 29S 370 547 628 874 948 55 1 3 7 610 41 87 113 71 215 318 454 72 6U1 818 97 1 38014 31 74!5o0] 288 409 14 oOO/ 652 50Ü 27 97 904 130017 lIOOUl 69 460 67 595 658 78 712 l50014O115? 268[10061 301 459 526 85 1 4 1231 374 ---...... 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Die Schultheiß-Brauerei im Jahre IMi/VZ. Der Geschästsbericht der Schultheih-Brauerei, dieser größten deutschen Brauereigcsellschast, ist soeben erschienen und konstatiert zunächst auch für dies 35. Geschäftsjahr in bezug auf Absatzverhält- uisse und Erträgnisse ein günstiges Ergebnis. Der gesamte B i e r a b s a tz der vier Brauereibetriebe belief sich im Berichtsjahre auf 1 134 462'/. Hektoliter n n von 2 511 378,49 M. verbleibt. Dieser soll, wie folgt, verteilt werden� 134 665,37 M. zum Wohlfahrtsfonds. 30 000 Mark zur Ri«ard Nosicke-Pension, fasse, 135 987,17 M. al» Tan. ticme des«usilchtsrateS. und schließlich soll die Dividende des Vorjahres l» noch um 2 Proz., auf 18 Proz., erhöht wer- den, lvaS bei �?,�tienknv>tal von 12 Millionen Mark das hübsche Sümmchen von 2 160 000 M. ergibt! Als Uebertrag für das nächste Jahr sollen M 725 95 M. gutgeschrieben werden. Die enorme �iv,d ende von 18 Proz. ist gewiß für die Aktionäre d« nur ob�il ha<:ine Lochst angenehme Sache. es'ragts.' i-e l-chfclbst vom Standpunkte einer voraus- schau�t«n kapita� chen Geschäftsführung rechtfertigen läßt. Der " T wSS f S' iL"« ,nit"ollem Recht, mit folgendem melancholischen Ausblick:„Indessen darf bei vorsichtiger Slbwägung Illeben llhil? Mi �'"��iaaten, namentlich in Preußen, das Be- iwllr. Braugewerbe vor anderen Erwcrbszweigen in de- L �. �e Zur Deckung allgemeiner Lasten— Kommunalbier- «U fetttuK.''.Zuzuziehen. Jetzt wird auch seitens des Reiches, wie 1<>V triebl L.y.!1- unbenommen l Verden kann, neben einer die größeren der kraust?«.?? Staffelung eine allgemeine Erhöhung bereits am 1«�"1. In noch greifbarerer Näh- steht der � Mar, 1906 in Äraft tretende neue Zolltarif. Abgese�n von einer nicht unerheblichen Zollerhöhung auf andere von un» benötigt« Produkte, wie Hafer und Mai» sowie auf Pferde, bringt er eine erhebliche Steigerung der Zölle auf Hopfen. Malz und Gerste:-ue vertraglichen Zölle auf Hopsen steigen von bisher 14 auf 20 M. pro Tobjjelzentner, diejenigen auf Malz von bisher 3.60 auf 5,75 M. pro Doppelzentner: bei Gerste ist der hinsichtlich seiner praktischen Durchfuhrung noch unklar«, in seinen Folgen aber höchst bedeutsam- Unterschied zw.,chen Malzgerste— mit einem Zoll von 4 M. statt bisher 2 M pro Doppclzentner— und„anderer" Gerste, also hauptsächlich riuttergerste mit der geringeren Zollbc- lastung von 1,30 M. pro Doppelzentner vorgesehen. Ob es angängig und durchführbar ft'N wird die angeführten Mehrbelastungen wenigstens zum Teil durch eine Er h öh u n g d e» B i e r p r e i s c s auszugleichen, läßt sich heute noch nicht beurteilen. So bedauerlich die Verteuerung eines für ksfreue unentbehrlich gewordenen Nahrungs- und Mnußmütels nach� unserer Ansicht wäre, so kann eS doch dahin kommen, daß das Braugewerbe sich zur Er- Haltung seiner Lebensfähigkeit aufdteftn Weg gedrängt sehen wird. Jedenfalls müssen die hier erwähnten Verhaltnisse in ihrer Wirkuiig einer cnsten Aufmerksamkeit �würdigt werden» So wörtlich der Scklust de» Berichtes.®ie sich mit dieser Auffassung die Aus- schüituna einer so hohen Dividende vereinbaren läßt, ist für nicht illteressiertc Leute unklar, und nun gar als Heilmittel gegen die neuen zweifellosen Belastungen statt vorbeugender Herabsetzung der Dividende eine Erhöhung der-vie r p r eise anzudrohen, verr�Äne Kurzsichtigkeit, die � t sonst so ackcbästskundiacn Herren der Schmthelh-Tirektion scheinen ganz übersehen zu wollen, daß«in- �"»ung ihrer Bierprodukte unweigerlich eine Minderung ihres �'�1�» nach sich Ziehen lmrd. eine Minderung, die durch den Mehraufschlag niemals wettgemacht werden wird. So sehr für diese Aussicht ���.�ung elnes ein- geführten und begehrten Nahrungs- und G«nußm,twls, auch in erster Linie die Regierung und ihre agrariichen �e-bcr verantwort- lich zu machon wären die Verwaltung Schultheih-Brauere, würde ihrerseits das Üebcl nur sofort vergrößern, wenn sie mit einer Preiserhöhung ihres BicrcS vorgehen wurde, bevor sie das näl, erliegende Mitte? und auch schließlich-n-hrem eigenen Interesse bessere Mittel der Dwid-ndenherabsetzung versucht hätte. Ein rheinisch-westfälisches Elektri,It«tSm°n-pi>l. Zwischen der Aliiengesellschaft R h e i n i s ch- W e st s a l, s ch« � � e k t r t z i. t ä t S w c r k c-inerseit» sowie dem F i s i u S und den w e stf a i. s ch e n Gemeinden andererseits schweben, wie dem„Berliner Tagebl." von beteiligter Seite mitgeteilt>7�, die die Veriorgung aller Gemeinden Wcsttalens Licht und«rast durch da» Rheinisch-West alisch- E-ktnhtt�swerk zu», Gegenstand haben. Es handelt sich dabe, nicht um o,e»niage eines neuen Elektrizitätswerkes. Beabsichtigt-st. 1°'�� der Fislu» als die Gemeindcn sich an dem NH-sinisch-Westfalls�n Elek- trizitätöwcrk beteiligen und somit eine» Einflug aus dessen Lettung «reiten. Di- Bestrebungen, über die heute eine erncute � Prechung -n Essen stattfindet, werden voraussichtlich zu dem Abschlüsse cmeS Vertrages der oben gi'kennzeichurtcn Art fuhren. Es w-rd bm. Nächst eine Generalversammlung des Rhcinisch-Wcstfal'scheu Elck. lrjzi'ätswerkcS abgehalten werden, auf deren Tagesordnung cme Kapiialscrhöhuiia stehen wird. Ter Betraa um den daS Kapital erhöbt werden soll, steht noch nicht fest DaS Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk beabsichtigt, em Monopol für die elektrische Versorgung von Rheinland- Westfalen an sich zu bringen. Zu diesem Zwecke hat-s-m Laufe der letzten Wochen bereits die Elektrizitätswerke in Wetter a. R- und in Vollmarstcin angekauft und plant den Ankauf deS Werkes der Stadt Gevelsberg. Die enge Vereinigung, die mit dem Gelsen- kirchencr Konzern geplant ,ft, auf die wir neulich bei der Kapitals- crhöhilng von Gclsenkirchen hinwiesen, bedeulet einen weiteren Schritt auf diesem Wege, wie denn auch die Verliandlungen imt den westfälischen Gemeinden und dem FiSkuS das gleiche Ziel verfolgen. Auf der Suche nach Kohlen in Lothringen. Unter dieser Ueber- schrift bringt die„Stratzb. Post." einen längeren Artikel, dessen Ver- fasser nachzuweisen sucht, daß die Annahme, so ausgedehnte Ab- lagerungen wie die Saarbrücker flötzführenden Schichten erstreckten sich»och weit über ihr Ausgehendes hinaus unter der Bedeckung durch jüngere Schichten fort, den Tatsachen entspricht. Er beschränkt sich dabei auf die Forterstreckung nach Lothringen. Der erste Ver- such, Kohle aus deutsch-lothringischem Gebiet unter der Bedeckung jüngerer Schichten aufzusuchen, führte im Jahre 1817 zur Auffüh- rung eines Kohlenflötzes bei Schönecken. Diese Versuche wurden später wiederholt, und es entstanden die Kohlenbergwerke Rösseln, Spittel, Merlenbach und Huf. Ihre Förderung betrug im Jahre 1902 1 309 818 Tonnen im Werte von 14 140 439 M., im Jahre 1903 1 533 272 Tonnen im Werte von 16 385 684 M. Große Ver- dienste um die Aufsuchung der Fortsetzung des Kohlengebirges hat sich der lothringische Ingenieur des Mines Jacquot erworben. Er gab bereits im Jahre 1350 die Linie an, auf der die Versuche am zweckmäßigsten nach Westen ausgedehnt werden könnten. Dabei be- zeichnete er auf Grund geologischer Forderungen die Scheitellinie als die Leitlinie. Neue Versuche, das Saarbrücker Kohlengebirge über das bis dahin bekannte Gebiet hinaus nackyuweisen, begannen im Jahre 1900 und werden noch heute fortgesetzt. Die Bohrungen mußten auf dem Muschelkalkplateau ausgeführt werden; dabei einigten sich die International« Bohrgesellschaft in Erkelenz und die Gewerkschaft Gute Hoffnung in Niederbruch über die von jeder zu untersuchenden Gebietsteile. Ueber die Ergednisse der geheim gehaltenen Unter» suchungen läßt sich noch kein endgültiges Urteil abgeben. Jedenfalls haben sie, wie der Gewährsmann der„Straßb. Post" erklärt, ye» zeigt, daß der Kohlenrcichtum Deutsch-LothringenS weit größer ist. als man bisher anzunehmen berechtigt war. Der Rand des mit Kohlenfeldern gedeckten Gebietes, der bis 1900 ungefähr mit dem Rand der Kreuzwalder Ebene zusammenfiel, soll auf Grund der bis jetzt ausgeführten Bohrungen im Westen und Süden angeblich bis über die deutsche Nied, im Norden bis über die Nied verschoben werden. Auch nach Französisch-Lothringen dehnen sich, wie der Ver» fasscr des Aufsatzes, gestützt auf die Urteile französischer Fach- männer, behauptet, die Kohlenfcli�r aus. Er stellt es als zweifellos hin, daß das Saarbrücker Kohlengebirge an der Seill« und an der Mosel unter der Bedeckung jüngerer Schichten in einer geringeren Tiefe vorhanden ist, als man bisher gehofft hatte und weist auf den großen Einfluß hin, den diese Gewißheit auf die Untersuchung des oeutsch-lothringischen Kohlengebietes haben mutz. Gerichts-Leitung. Abermals lex Heinze. Wiederum hatte sich gestern die erste Strafkammer des Landgerichts I in einer vollen Tagessitzmig mit der Frage zu beschästigen, inwieweit ein Schriftwerk als unzüchtig zu erachten sei oder nicht. Die treibende Kraft zu dieser Erörterung war. wie zur Sprache kam, der Kölner Männerverein zur Bekämpfung der Unsittlichkeit. Angeklagt waren der Verlagsbuchhändler Hugo Behrmühler und der Schrisistellcr Robert Ehlers, als Ver- leger bczw. Verfasser des Buches„Der weibliche Busen in Kunst und Natur von I. Arnolsen, Dr. Fr. Prager und anderen Mit- arbeitern mit vielen Illustrationen noch lebenden Modellen »md Zeichnungen von Raphael Kirchner. Ein Buch für Frauen, Mütter und Künstler."— DaS Buch zerfällt in einen künstlerisch-ästhetischen und einen medizinischen Teil und hat die Tendenz darzutun, daß der Mehrzahl der heutigen Frauen und Mädchen die Charakteristik der schönen Frauengestalt fehlt und die normale Entwicklung, der weiblichen Brust durch die sogenannte „schöne Taille", die mit Hülfe deS Korsetts hergestellt wird, aber mit der Schönheit der naturlichen Formen nicht da? geringste gemein habe, verhindert wird. Das Buch ist mit zahlreichen Bildern nackter Frauengestalten ausgestattet. ES war vier bis fiin Monate unbeanstandet im Handel und ist dann auf Betreiben des genannten Vereins der Konfiskation verfallen. Beide An- geklagte bekämpften wiederholt den Gedanken der Anklage. daß eß ihnen darauf angekommen fei. zur Erregung der Sinnlichkeit ein unaüchtigeS Buch herauszugeben und betonten im Gegenteil, daß es ihre gute Absicht gewesen sei. ein Buch für einen rechtschaffenen Zweck zu schreiben In der Wiedergabe der Natur könne niemals etwas Perverses gefunden werden. Der Angeklagte Ehler» wies namentlich nachdrucklich die Annahme, daß er ein unzüchtiacs Schriftwerk verfassen wollte zurück und zitierte em! E ck st e i n S: Das Nackte ist das heilige Recht der Kunst und des Pöbels mangelhafte Bildung nennt sittenlos, was rein und göttlich ist Das Buch sollte gerade dadurch seinen guten Zweck erreichen, daß eS nicht wissenschastlich sondern populär abgefaßt wurde. Medizinalrat Dr. H o f f m a n n gab sein sachverständiges Gut achten dahin ab. daß»ach seiner Meinung die Bilder zum Ver- ständnis des medizinischen Teiles nicht notwendig oder zweckmäßig seien. Einen wisscnschaftlich-medizinischen Wert habe das Werk nicht, es sei eine Art Reklame für die Naturheilkunde.— Dr. B o n d i. der Sachverständige für Verlagsangelegenheiten, hielt den ersten Teil des Buches nicht für unzüchtig, sondern nur für über alle Begriffe langweilig. Eine» künstlerischen und agitatorischen Wert habe das Buch nicht.— Oberstabsarzt a. D. Dr. H e l l w i g- Radebeul. Mit- arbeiter der„Hygienischen Rundschau", erklärte, daß das Buch die- selbe Tendenz'verfolge, wie die Streitschriften gegen daS Korsett und durchaus nicht anstößig oder unzüchtig sei.— Schrift' stellerin und Kunstftitikerin Frau Henriette Henschel: Die Illustrationen zu dem ersten Teile de« Büches feien Wiedergaben bekannter jftmstwerkc. die Bilder des zweiten, medizinischen Teiles, seien Akte, die künstlerisch nicht anzufechten seien, esoweit sich daS Buch an die Frau und die Mutter wendet, habe sie nichts Anstößige» entdecken können und nichts für einen normalen Menschen Ber- letzendes gefunden. In Frauenlreisen habe das Buch viel Anklang gefunden.— Dr. Attur Lutze, als medizinischer Sachverständiger und Feind der weiblichen Modetorheiten und insbesondere der Korsettorheit. hielt das Werk durch- aus nicht für unzüchtig. Alles, was sowohl der medizinischen Wissen- schaft als auch der Volkshygiene und der Kulturhistorie dient, sei »ach seiner Ansicht nicht nur sittlich, sondern wünschenswert.— Staatsnnwalt Dr. B a u m g a r t e n vertrat den Standpunkt, daß die Angeklagten die Absicht und das Bewußtsein gehabt haben, das künstterisck, und wissenschastlich bedeutungslose Buch möglichst pikant und intmsiant zu gestalten und daraus sei ein Werk entstanden, aus welchem eine miständige und normale Mutter keine Belehrung schöpfen könne, sondern welches sie mit Entrüstung zurückweisen werde; denn es widerspreche dem normalen Empfinden eines normalen Menschen. Der Staatsanwalt beantragte je 150 M. Geld- strafe evcnt. 30 Tage Gefängnis, Einziehung und Unbrauchbarmachung der Platten und Formen.— Der Verteidiger beantragt« da- gegen die Freisprechung, da die Angeklagten keinesfalls das Bewußtsein hatten, eine unzuchtige Schrift an die Oeffeullichkeit zu bringen. Er verwies darauf, daß das Strafverfahren vom Kölner Mäimerverein zur Bekämpfung der Unsittlichkeit inszeniert worden sei. Da» seien dieselben Leute, die die Lex Heinze eingefädelt hätten. Man müsse eben bedenken, daß hier zwei ganz verichicdcne Weltanschauungen gegeneinander kämpften.— Der Gerichtshof teilte die Ansicht des Staatsanwalts, daß das Buch als unzüchtig zu gelten habe und erkannte aus je 300 Mark Geldstrafe, Ein- Ziehung der vorfindlichen Exemplare und Vernichtung der Platten und Formen. DaS zur Anklage gestellte Buch ist uns unvekannt. Aber nach den wiedergegebenen Gutachten wäre es angebracht gewesen, die denunzierenden Mitglieder deS Kölner MännervcrcinS zur Be- kämpfung der Unsinlichkeil vor Gericht daraus hin zu untersuchen, weshalb sie besonder» mit.dem normalen Empfinden eine» normalen Menschen" begabt sein sollen. Wer am Nackten allein Anstoß nimmt, ist ein Feind der wahren erhebenden Kunst und der für die Kultur- entwickelung so dringend nöttgen Offenheit und Klarheit in allen Dingen. Augen auf, KreideportrSt- Schwindler gehen um! Unendlich häufig hat der„Vorwärts" davor gewarnt, Bestellschoine zu unter- schreiben, ohne Abschrist genommen und sich genau überzeugt zu haben, ob man eine Verbindlichkeit übernahm. Hernach ist der Be- weis deS Betruges in den seltensten Fällen zu führen und der Arveiter nmß für weitloses Zeug seine sauer verdienten Groschen wegwerfen. Desto erfteulicher ist es. von einem Prozeß zu be- richten, der zur Verurteilung eines solch zungengewandten Reisenden auf Hintertreppen geführt hat. Der Prozeß spielte sich vorgestern vor der 4. Strafkammer deS Dresdener Landgerichts ab und betrifft die auch in Berlin bekannte Spezies von Reisenden für Rreideporträts. In den Wiiilermonaten des vorigen Jahres tauchten in den Dresdener Arbenervorslädten drei junge Leute, der Reisende Peter Paul Müller aus Schirgiswalde bei Bautzen, der Handlungsgehülfe August Kurt Sorger aus Naundorf und der Reisende Karl Wilhelm Georg Grimm ..s Langeniviesen auf, um auf Geheiß des aus Düsseldorf ge- dürtigen.Oberreisenden" Alexander Köper dem Publikum nach Photographien anzufertigende„Kreideporträts"„gratis" anzubieten. Mit großem Geschick fiihrten die drei Reisenden ihre Austräge aus. Sie wußten es stets so einzurichten, daß sie ihre Kundinnen— sie Verhandellen nämlich ausschließlich mit Frauen— nur allein antrafen und zwar immer dann. wenn die Männer auf Arbeit waren. Sie wandten sich mit Erfolg nur an die Eheftauen von Arbeitern. Handwerkern, kleinen Beamten, Briefträgern usw. und hängten denselben dann Kreideporträts auf, die vom Kunstverlag-Jnstiwt„Universum"(In- Haber Wabetzke) in Leipzig nach kleinen Photographien angefertigt wurden. Die Bestellerinnen wurden mif folgende Weise geködert: Der betteffende Reisende wußte der„Kundin" vorzureden, daß es doch recht schön sei, wenn sie ihrem Manne das Porträt ihrer Kinder oder ihr eigenes, nach einer Photographie vergrößert und in Kreide „tadellos" ausgeführt, zum Weihnachtsseste schenken würde. Das Kreideporträt koste kemen Pfennig, es läge der Firma in Leipzig nur daran, eingeführt zu werden, da sie beab- sichtige, in dem Orte, wo die Bestellerin wohne, eine Filiale zu errichten. Die meisten der in solchen Sachen un- erfahrenen Frauen gingen auf den Leim und gaben die Bestellung auf, nachdem der Reisende nochmals versichert hatte, daß das Porträt vollständig kostenlos geliefert werde. Nur so nebenbei ließ dann der Mann die Bemerkung fallen, daß, wenn die Bilder gefallen, man darauf rechne, daß die Bestellerin auch einen— Rahmen nehmen würde. Die nichts ahnenden Frauen unterzeichneten dann einen so- genannten Verpflichtungsschein, in allen Fällen, ohne denselben durch- zulesen. Sie hatten sich aber verpflichtet, mit dem Gratisbilde auch gleichzeitig einen Rahmen zum Preise von 7,50 M. zu übernehmen. Sobald das Gratis-Kreideporträt in die Hände der Bestellerin gelangt war, erschien auch der„Rahmcn-Mann" in der Person des„Oberreisenden" Köper. Seiner Ueberrcdungskunst ge- lang es aber nur in wenigen Fällen, einen Nahmen unterzubringen, denn die überrumpelten Frauen waren von ihren Männern gewarnt worden und auch der Polizcibericht hatte das Treiben der An- geklagten gehörig gekennzeichnet. Der Oberreisende hatte sich nun mit den übrigen drei Reisenden wegen Betruges vor der vierten Strafkammer zu verantworten. Da die Angeklagten Müller, Sorge und Grimm lediglich auf daS Geheiß Köpers operiert hatten, so erachtete der Gerichtshof gegen diese drei eine dreimonatige Gefängnis st rafe als ausreichende Ahndung. Der„Ober- reisende" wurde indessen zu 1 Jahr Gefängnis und 5 Jahren Ehrenrecht SV erlu st verurteilt. Er wurde sofort in Haft genommen. Weihnachten naht. Auch in Berlin gehen Reisende auf„künst- lerisch ausgeführte" Kreideporträts um. Sehr selten gelingt es, von dem Vertrage wieder loszukommen oder gar Betrug zu beweisen. Augen auf l Taschen zu k Ist Palmsonntag ein Freuden- oder ein Trauertag? Die für Berlin, Charlottenburg, Schöneberg und Rixdorf am 27. März 1903 vom Polizeipräsidenten'zu Berlin erlaffcne Verordnung über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage enthält im§ 12 Nr 1 und 2 Verbote und Beschränkungen von Lustbarkeiten am Kar- fteitag, Bußtag, am Donnerstag und Sonnabend der Karwoche und am Totensonntage. Dann bestimmt derselbe Paragraph unter Nr. 3:„An den übrigen Tagen der Karwoche und an jedem ersten Tage der drei großen Feste sind verboten: öffentliche Taiizlustbarleiten, Bälle, Vorträge. Schaustellungen und Musikaufführungen in Cafs chantantS(Tingeltangeln)." Auf Grund dieser Bestimmung war Herr Gericke vom Landgericht I zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er am Palmsonntag 1905 in seinem Lokale in der Friedrichstratze öffentliche Gesangövorträge veranstaltet habe. DaS Landgericht rechnete den Palmsonntag zur Karwoche. Es sei ihr erster Tag. Auf die vom Angeklagten ein- gelegte Revision erkannte das Kammergericht gestern auf Frei- sprechung deS Angeklagten, weil der Palmsonntag nicht zur Karwoche gehöre. Er sei kein kirchlicher T r a u e r t a g. Er sei schon in der alten Kirche als Tag des Einzugs Christi in Jerusalem, als Tag der Freude, nicht der Trauer begangen worden. Die Karwoche beginne erst mit dem Montag. Besonders wo eS sich um landläufige Bezeichnungen handle» könne man sich an den Begriff der„Woche" nicht so sehr klammern. Versammlungen. Eine Versammlung der Schneider und Schneiderinnen in ber Musterkonfektion, die am Montag tagte, beschäftigte sich mit der Einführung von Wochenlöhnen und der Verkürzung der Arbeitszeit. Knoop, der daS Referat hatte, führte auö, daß es die höchste Zeit sei, sich gegen die Zustände, die in dieser Branche herrschen, zu wehren. In keinem andsrcn Berufe beständen solche Mißstände wie gerade in der Musterkonfektion. In anderen Industriezweigen würden Muster und Modelle einfach in Wochen« resp. Zeitlohn her- gestellt, während die Arbeiter und Arbeiterinnen in der Konfektion in der Musterzeit bei allem Fleitze und unter Anwendung aller Tüfteleien nicht einmal soviel verdienten, daß es auch nur an- nähernd zum Leben reiche. Mancher habe in der Woche nur 10 bis 15 M., obgleich die Konfektion einer der blühendsten Industriezweige sei, die gerade Berlin aufzuweisen habe, und schon mancher Unter- nchmer sei dabei Millionär geworden. Redner forderte zu energischer Agitation auf, um die gestellten Forderungen bald zu verwirklichen. Die Diskussion, die ziemlich lebhast war, bewegte sich im Sinne des Referates. Verschiedene Redner waren der Ansicht, man habe schon viel zu lange gewartet. Schon in der gegenwärtigen Mustersaison hätte die Forderung gestellt werden müssen. Zum Schluß wurde einstimmig eine Resolutton angenommen, die aufs neue die For- derung von Wochen- resp. Zeitlohn, Verkürzung der Arbeitszeit und Einführung von Bctricbswcrkstätten durch die unmittelbaren Unter- nehme r(nicht die Zwischcnmeistcr) fordert. Ferner wird die Orts- Verwaltung Berlin des Verbandes deutscher Schneider und Schnei- derinnen beauftragt, die notwendigen Vorbereitungen zu treffen, um den Unternehmern diese Forderungen zur geeigneten Zeit zu unterbreitem__ Eingegangene Druchrdmften. Aerbandluiige» mit dem Großh. Oldenburg. StaatSministerium zum Zwecke der Erhaltung und Ausbildung der Bauncwcrlschule zu Oldenburg. Nebst Anlagen. Karl HmstorfsS Buchdruckcrei. Rostock. „Es werde Licht l" Biälter für Aufklärung. Fortschritt und Vcr- söhnung. Begründet von Karl Scholl. Geleitet von Georg Rost. Verlag O. Th. Scholl, München. Jährlich 12 Hefte. Halbjahr 2 M. Snehbandhmg Vorwärts, Berlin SV. es _ Lindcnrtr. 69, Laden. Gutc Bücher zu billigen Preisen zu erwerben ist jetzt Gelegenheit W i r I i e s c r n: LSS/lt»- Sie französische ftenolution von 1789 bis 1804. 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Ebenso sucht dasselbe Blatt einen gewandten Berichterstatter, der gleichfalls flott stenographieren kann. Ansangsgehalt 8060 M. Offerlen werden bis zum 15. November erbeten an 4384L» Zettls» Bremen, Langenstr. 100. bewandert ist Sonstige Bc- Eine leistunassähige Firma sucht geeignete(pensionierte Werkmeister, oder sonstige mit dem'Artikel ver- traute) Personen zum Provisions- weisen Verkauf von 55/12 Ächl ollcr Art. LiijmicWiito. Eventuell werden grötzere Bezirke vergeben. Angebote unter dbiffre K. L 5116 an Rudolf Hosse, K«in. Achtung! Bauhandwerker! Der Streik der Rohrer ist beendet. Gesperrt sind: C. Woina, Ouitzowstr. 163. A. Krause, SiemcnSstr. 25, C. Jngold, Prinz Eugenstt. 27, und ersuchen wir sämtliche Rohrer, diese Firmen streng zu meiden. Die Lohnkommisfion. Verband d. Wäschearbeiter. Für sämtliche Zuschneider. Plätterinnen, Näherinnen sowie alle Arbeiterinnen ist die Wäsck'e- fabrik«ehr. nitter, Chauffee- strnfte 99. gesperrt, weil die Zu- schneider wegen dcS Streiks nicht eingestellt sind. Ferner die Blusenfabrik J. Gütz, Roienstr. 18, sowie die Blusen- sabrik Lohn& Daniel, Wall- straffe 1 1— Ii, für alle Zuschneider, 5' Stärkerinncu. Näherinnen und Heimarbeiter. Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Der Bau Bartsch, Halensee. Joachim Fricdrichstr. H, ist für Bodenleger gesperrt; dort werden Parkettboden von'Arbeitswilligen zu Preisen unter dem Tarif gelegt. ?Inzng ist fernzuhalten! Die OrtSverwaltung. Achtung! Achtung! Bsusrösiivif! Da eine Anzahl entlassener Arbeits- williger versuchen bei verschiedenen Fabrikanten Arbeiten aus den Bauten unter dem Tarispreis anzusertigen. mache» wir daraus aufmerksam, daß unsere Kollegen grane, monatlich gestempelte Kontrollkarten haben und aus Verlangen vorzeigen. 95/8' Koninilsslon dey.lalousie-ArbcItor. ilftimuh der baugeioerbl. Wfsarlikiter Drutschlunds. Achtung: Achtung: Fahrstuhlarbetter! Der Bau Franksurterstr. 137 des Fahrstuhl-Unternehiners Wendland ist sür organisierte Kollegen gesperrt Der Zweigvereins-Borstand. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Lnseratenteil verantw.: Th. Glolke« Berlik. Druck u. Verlaa: VorwärtZ Puchdruckerei u. BerlagSanttalt Raul Singer& Co., Berlin SW. Redaktion und Sxpedition: Berlin, Cindenltr. 69. fernfprccljer: Amt IT, I9SZ. partci-Hngclcgcnbciten« Nr. Ä64. Freitag, de» 10. November 1003. Zur Lokalliste. Grünau. Am Sonnabend, den 11. Noiiember, findet im Lokal« von Buchholz ein Matrosen-Abschicdskränzchen statt. zu welchem versucht wird in Arbeirerkreisen Billetts abzusetzen. Da dieses Lokal zu Versammlungen uns nicht zur Lersüquna steht, weise man dieielben zurück. Grünau. Der Wahlverein hält am Sonnabend, den 11. Nov.. abends 9 Uhr, im Lokal des Genossen Franz, Köpenickerstr. 88. seine Generalversammlung ab. in der der gesamte Vorstand ueugewählt werden soll. Das Erscheinen jedes Mitgliedes ist notwendig. Der Vorstand. Mnhlsdorf. Sonnabend, den 11. d. M.. abends SVa Uhr, findet tm Lokale von Wcrneke, Hönowerstr. 6, eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung sieht: Vortrag über das Erfurter Programm und Diskussion. Trcptow-Baunischulenwcg. Morgen, Sonnabend, den 11. November. feiert der Wahlvercm sein neuntes Gründungsfest, verbunden mit «unstlerkonzert. in Speers Festsäle». Baumschule, istr. 78. Das Pro- gramm verspricht eincii recht genußreichen Abend und es ist wohl zu erwarten, daß bei den, billigen Eintrittspreis von 40 Pf. inklusive Tanz sich die Parteigenossen mit ihren Familien recht zahlreich daran beteiligen. Das Konzert beginnt Punkt 9 Uhr. Billetts sind noch m den mit Plakaten belegten Geschäften sowie bei den Bezirks- fuhrern zu haben. Das Komitee. Königs-Wusterhausen.� Am 12. November, nachmittags 4 Uhr, findet die Wahlvereinsversaminlung im Lokale des Genossen Herr- mann in Niederlehne, Restaurant„Bellevue", niit folgender Tages- ordnung statt: 1. Wahl eines 1. Vorsitzenden. 2. Vortrag'des ?Ve?e?nsanVel°geDtem' �"0" der Generalversammlung. Da Genosse Boske über das Organisationsstatut für Grofi- zu erschewen'�' ift � eines jeden Parteigenossen, pünktlich «* f"S�dorfilpiniiou). Am Sonntag, den 12. d. M., nachm. 3 Uhr. findet für Borgsdorf eine öffentliche Versammlung in Pinnow statt, in der Genosse Albert Schmidt einen Vortrag über:„Landarbeiter und Sozialdemokratie" halten wird. Da es uns nicht möglich war, einen Saal in Borgsdorf zu Versammlungen zu bekommen, so werden die dortigen Parteigenossen ersucht, kräftig fiir diese Versammlung zu °g'neren. Der Vertrauensmann Bezirk Weißensee. Vorort- l�acbnchten. Weißensee. Aus der Gemeindevertretung. In der letzten Sitzung wurde der Antrag der Groden Berliner Straßenbahn auf Verlängerung der Konzession um 99 Jahre abgelehnt, gemeinsam mit anderen Vororten soll versucht werden, den Plan der Großen Berliner zu verhindern. Gerade Weißensee wird von der Straßenbahngesellschaft in punkto Verbindung mit der Großstadt so schofel behandelt, daß das Ver- langen als dreist bezeichnet werden kann.— Die Errrichtung einer Schul-Turnhallc wurde in einer vorhergehenden Sitzung davon abhängig gemacht, daß die Gemeinde das freie Selbstbestimmuugs- recht außer über den Bau und das Gebäude auch bezüglich der Be- Nutzung behält. Daraufhin ist von der Regierung die Mit- teilung eingegangen, daß sie von den ergangenen ministeriellen Anordnungen eine Ausnahme incht machen kann. Die bekannte Ver- fügung vom Jahre 1817 mußte herhalten, wonach die Verwendunq oder Ueberlasiung der fiir Elementarschulen bestimmten oder her- gestellten Gebäude, Grundslücke. Räume(darunter auch Turnhallen) durch die Gemeinden zu anderen Zwecken wie denen des öffentlilden Unterrichts der vorgängigen Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde bedarf. Die bürgerliche Mehrheit konnte pch mcht verstehen, gegen diese veraltete Verordnung zu protestieren, soiidern will erst den Bau voll- enden und dann versuchen, doch das Selbstbestimmungsrecht zu er- halten. Diese Behandlung der Sache hat weiter keinen Zweck, als sie der Vergessenheit zu übergeben,-venu unsere Parteigenossen nicht auf dem Posten sind.— Die JahreSrechnung der Fortbildungsschule für 1994 wurde entgegen genommen und Entlastung erteilt. Die Einnahme und Ausgäbe schließt ab mit 4995,53 M.— Die Kläranlage auf dem Riesellande, welche die Gemeinde eine ungeheure Summe Geldes kostete funktioniert seit längerer Zeit nicht mehr und kann getrost als Schutthaufen bezeichnet werden, die Flickerei an derselben hört„ie auf. Von der Regierung sind ver- schiebentlich schon Verweise an den Gemeindevorstand ge- kommen, ohne aber Mittel zur Verfügung zu stellen, um dem Uebelltande abzuhelfen. Die Gemeinde ist gezwungen. weiteres Nieselland-n kaufen und kann solches»ur in weiter Entfernung erlangen da Berlin mit seinen Rieselländereien davor liegt. Die Kanalisierung de« ehemaligen alten Ortsteiles wird daher ivohl so bald noch nicht in Angriff genommen werden.— Die Uebertragung des NachtwachdiensteS an die Berliner Wach- und Schließgesellschaft wurde abgelehnt.— Für die Entschädigung des zweiten Vorfitzendei, des GeiverbeaerichtS war bisher eine Summe von 399 M. in den Etat gesetzt. Im vergangenen Jahre hatte der- selbe nur vier Sitzungen geleitet und es erschien daher die Summe zu hoch. In Zukunft sollen für jede Sitzung 10 M. Entschädigung gezahlt werden.' v Zu de» GewerbegerichtSwahlen. Am Sonntag, den 19. November, nachmittags von 1 bis 3 Uhr. si„den die Wahlen der Arbeitnehmer- Beisitzer zum hiesigen Gewerbegericht statt Zun, Zwecke der Agitation wird am Sonntag, den'12. d. M.. früh um 7Vz Uhr. ein -Flugblatt verbreitet und zwar von folgeuden Lokalen aus: 1. Bezirk: Paul Helmke Brauhansstr. 2/5. o"'ü ,, Stolle, Lehderstr 27 4' Mi bc m König-Chäussee 33. ;■" 5;'l'61"1 Jhrke, Straßburgstr. 29. � orrcr, StrQßfjitrrjffr Alt-Weißensee: Cafe Rettig. Bcrlinerstr. 11. In diesen Lokalen und bei Content. Lehderstr 5 sind ebenfalls Wahllegitimattonen zu haben. Wir ersuchen die Genossen, sich recht zahlreich daran zu beteiligen, damit diese Verbreitung recht schnell vor sich geht. Keiner darf fehlen!* Alle Anfragen sind zu richten an Max Schröder. Verlängerte Sedanstr. 46 s,, III. Alle noch ausstehenden Sammellisten müssen nunmehr baldigst abgerechnet werden. Das Gewerkschaftskartell. Schöneberg. Gegen 72 Meldungen sind für den ausgeschriebenen zweiten B ü r g e r m e i st e r p o st e n eingelaufen, darunter befindet sich aua) die des Syndikus Blankenstein, der bereits für seine Person in„geeigneter" Weise Stimmung zu machen sucht und es nicht verschmäht, auch bei sozialdemokratischen Stadtverordneten seine „Aufwartung" zu machen.— Für den neugeschaffenen Kämmerer- Posten, zu welchem auch von verschiedenen hiesigen Stadtverordneten Meldungen eingegangen sind, scheint der bisherige Rechnungs- direktor Machowicz die meiste Aussicht zu haben. Am Dienstag, den 7. November, fand bei Obst, Meininger- straße 8, eine Sitzung der Schöneberger Gewerkschaftskommission statt. Der Ausschuß gab den Bericht von den beiden Versamm lungcn der Berliner Gcwerkschaftskoinmission, in welchen die Elektro� Aussperrung zur Verhandlung stand. In der Diskussion wurde hauptsächlich die bei der Aussperrung eingeschlagene Taktik be- mangelt. Die Delegierten waren der Meinung, daß mit der Ar- beitseinstellung der Maschinisten und Heizer nicht so lange gezögert werden durfte, lleberhaupt hätte man von vornherein den Unter nehmern schlagfertiger entgegentreten sollen. Besonders gcmitz billigt wurden die in den beiden Werken herrschenden Mißverhält- nisse unter den in Frage kommenden Gewerkschaften, wie sie von eincin Diskussionsredner in der Versammlung der Berliner Gewerk- schaftskommission geschildert worden sind. Es sei ein unhaltbarer Zustand, daß in den Betrieben eine Organisation von den Maß- nahmen anderer nichts Wiste. Wenn auch die Metallarbeiter in diesen Betrieben durch ihre Organisation am stärksten vertreten seien, so wären sie dennoch verpflichtet, den anderen in Betracht kommen- den Gewerkschaften von ihren in Aussicht genommenen Lohnbewe- gungen davon Kenntnis zu geben. Sämtliche Gewerkschaftsvertreter. welche in der Versammlung der Berliner Gewerkschaftskommiffion das Wort genommen hätten, hätten dieses Verfahren der Metall- arbeiter gerügt, hoffentlich beherzigten dieselben die Rüge. Einen weiteren Gegenstand der Beratung bildeten die bevor- stehenden GewerbegerichtSwahlen, welche in der ersten Januar. Woche nächsten Jahres startfinden. Die Delegierten wurden beaus- tragt in ihren Gewerkschaftsversammlungen dazu Stellung zu nehmen Der Obmann ersuchte, ihm die aus den Verschiedepen Be- rufen vorzuschlagenden Kandidaten bis spätestens den. 26. November bekcmni zu geben. Nach den GewerbegerichtSwahlen soll ein wissenschaftlicher Vor trag für die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Schönebergs gehalten werden. g ES fehlten in dieser Sitzung die Veriretcr der Schuhmacher und Glaser. Alle diejenigen, welche noch im Besitz von Listen für die Elektro- Ausgesperrten sind, werden ersucht, dieselben so schnell als möglich abzurechnen beim Obmann der Schöneberger Gewerkschaftskom- Mission, dem Genossen Karl Henkel, Prinz Georgstr. 4, Querg. II. Lichtenderg. Bilder aus der„schönsten der Welten" produziert.'unsere Orts- zeitung— das Organ der„Gebildeten"— ihren Lesern in folgender gemütvollci,, anschaulichen Weise:„Ein beliebtes Asyl für Obdachlose ist die Rödersche Scheune in der Ritterguts, traße. Fast allnächtlich treibt sich dort Gesindel umher. Unsere Polizei hat sich daher veranlaßt gesehen, dort eine Razzia abzuhalten. In der vorigen Nacht wurden dabei neun Personen aufgegriffen und nach dem Polizeigefängnisse gebracht, während m der letzten Nacht wieder sechs Obdachlose daselbst ausgesunden wurden".— „Erhängt hat sich an dem Zaun des Georgischen Grundstückes in der Pfarrstraße ein in den mittleren Jahren stehender Mann, der als Tischler ans Berlin, in der Saarbriickerstratze wohnhaft, rekognosziert wurde. Den, Unglücklichen, der einen Allfnahmeschein für ein Kranken- bans bei sich trug, soll die Furcht vor unheilbarem Siechtum in den Tod getrieben haben."— Daß die Gemeinde und„die von Besitz und Bildung" ihre sozialen Pflichten für die hungernden und frierenden Obdachlosen vernachlässigen, indem sie für keine Unter- kunftsräume sorgen, davon schreibt das Blättchen kein Wort.— Und daß in gleicher miseraler Lage die Kranken des Ortes daran sind, nichts von alledem I Dafür fehlt aber nicht die „bedeutsame" Nachricht, daß ein Vertreter der Kaiserin an einem Kirchenkonzert am Orte teilgenommen habe und daß nun vorgegangen werden soll gegen die Gewohnheit, de» Wein beim Abendmahl aus einem gemeinsamen Kelch zu trinken. Nimmt man hierz» die Waschzettel ans dem Bureau des„Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie" und die wahllosen, oft wörtlich abgedruckten Artikel der Kreisblätter, so hat man ein Bild davon, wie die Abonnenten dieses Blattes und die Ortsblätter überhaupt mit„geistiger" Kost versorgt werden. Charlottenburg. Achtung, Krankenkasseuwahl! Die Mitglieder der Allgemeinen Orts-Krankenkasse für die vereiiiigteil Gewerbebetriebe Charlotten- burgs werden hiermit aufgefordert, sich an den am Sonntag, den 12. November er., �vormittags von 19—12 Uhr im großen Saale des Volkshauses stattfindenden Delegiertenwahlen der Arbeit- nehmer recht zahlreich zu beteiligen. Alle diejenigen, die noch nicht im Besitze einer Legitimationskarte zur Wahl sind, bitten wir, sich solche im Bureau der Kasse, Rosinenstraße 3, vorn I, sei es auf schriftlichem oder mündlichem Wege so schnell wie möglich ausstellen zu lasten. Der Ausschuß der Charlottenburger Gewerkschaftskommission. Rudow. Ein seltsames Schauspiel bot sich kürzlich den Einwohnern unseres Ortes dar. Hatte da ein Gesangverein, dem nur Leute der sogenannten besseren Gesellschaft angehören, sein Stiftungsfest. Natürlich ging es dabei hoch her, denn diese edlen Sangesbrüder können sich schon mal etwas leisten. Um dem Feste aber eine Art höherer Weihe zu geben, waren dazu auch eine Anzahl Unteroffiziere der Potsdamer Garnison eingeladen worden, deren Bekanntschaft die Herren und— Damen des Vereins während der Einquartierung im letzten Manöver hicrselbst gemacht hatten. Bald befand sich die Gesellschaft in gehobener Stimmung. Tie fenchtfröhlichen Lieder sowie die verführerische Nähe der schneidigen Marsjünger mußten einen recht bcdenklicky:» Tatendrang in der patriotischen Mannes- brüst der braven Sänger erweckt haben. Im Nu war der sonst so peinlich gewahrte Unterschied zwischen Zivil und Militär verwischt. Wie in einer ausgelassenen Maskerade hüpften schließlich die Sänger mit angezogenen Uniforinstückcn und die Unteroffiziere mit Sporen und Zylinterhüten umher. Dann gings im Sturmschritt nach einem Gasthof, der jedenfalls als Festung gedacht war. Diese Burg galt es zu stürmen. Höchstkommandierender war ein ehrsamer Bürgers- mann, der angetan mit Ulanka und Zylinderhut, aus einem Stocke reitend, den blanken Kavalleristensäbel schwang. Lärmend und gröhlend setzte die Kolonne dann zur Attacke an, und heidi gings durch die Fenster ins Lokal, zum Gaudium der Dorfjugend. Bis jetzt hat man noch nichts davon gehört, daß gegen die Veranstalter dieses modernsten Kricgsspiclcs Anzeige wegen„ruhcstörenden Lärms" oder„groben Unfugs" erstattet worden sei. Polizei be- nierkte man überhaupt nicht. Handelt es sich jedoch um eine harm- lose Festlichkeit eines Arbeitervereins, wie jüngst bei dem Arbeiter- Radfahrervergnügen, dann werden wer weiß wie viele Gendarmen zusammengezogen, damit im Dorf„nichts Böses geschieht". Rüdersdorf. Einem Raubanfall auf offener Landstraße ist der Bauunternehmer Fritz Schäfer aus KaUberge-Rüdersdorf zum Opfer gefallen. Er be- fand sich auf dem Wege von Woltersdorf, woselbst er einen Bau leitet, nach seinem Wohnorte in der Nähe des Kalksees, als plötzlich aus dem Walde zwei Männer hervortraten und mit Sch. einen Streit herbeizuführen versuchten. Da der Bauunternehnier aber keine Ant- ivort gab und ruhig weiter ging, schlugen die Wegelagerer mit Knütteln auf den Passanten ein, bis dieser besipnungslos zusammen- brach. Dann versuchten sie ihn zu berauben, lvurden jedoch hierbei von Personen gestört, die von Woltersdorfer Schleuse kommend sich nach den Kalkbergen begaben. Die Hinzugekommeneii brachten Schäfer nach seiner Wohnung. Die ihm von den Straßenräubern zugefügten Verletzungen erwiesen sich glücklicherweise als nicht ge- fährlich. Teltow. Eine sehr gut besuchte Wählerversammlung fand am Sonntag, den 5. November, im Lokale des Herrn Piekenhagen statt. Genosse Groger hielt einen Vortrag über Kommunalpolitik, in dem er die in vielen Gemeinden herrschende Mißwirtschaft einer herben Kritik liilterzog. Hiernach erstatteten unsere Vertreter im Stadtparlament Bericht über ihre bisherige Tätigkeit, die zeige, daß in den letzten Jahren doch schon manche Aenderung und Verbesserung eingetreten sei. Als Kandidat zur Stadtverordnetepwahl wurde der Maurer Genosse Karl Gensert aufgestellt. Dann gab Genosse Krüger bekannt, daß die Wahl am 39. November, nachmittags von 4 bis 5Vz Uhr, fiir die dritle Abteilung stattfindet. Zum Schluß forderten der Referent als auch die Stadtverordneten nochmals auf, Mann für Mann dem sozialdemokratischen Stadtverordneten- Kandidaten ihre Stimme zu geben und pünktlich 4 Uhr zur Stelle zu sein. Mühlenbeck. Am Sonntag, den 29. Oktober, hielt der Wahlverein eine öffentliche Versammlung ab, in der Genosse H. Jaeck über„Partei und Gewerkschaft" referierte. Nach einer kurzen Diskussion forderte der Referent zum Eintritt in den Wahlverein und zum Abonnement auf unsere Parteipresse auf. Fredersdorf a. b. Ostbahn. „Christentum und Sozialdemokratie" war das Thema, über das am Sonntag, den 5. November, der Reichstags-Abgeordnete Adolf H o f f m a n n im Saale der Frau Grosse einen Vortrag hielt. Die zur Versanimlung eingeladenen Prediger waren nicht erschienen, sie hatten sich aber damit entschuldigt: Sie seien von der an deni betreffenden Sonntage stattfindenden Reformatioilsfeier sehr in Anspruch genommen und auch sonst von„ihrer Arbeit" sehr ermüdet. Mitgeteilt wurde in der Versaiiimluiig. daß der Freder-sdorfer Prediger am Vormittage in der Bibelstunde auf die Versammlung hingewiesen hatte. In der Diskussion wurde darauf aufmerksam gemacht, daß unsere Presse noch viel zu wenig gelesen würde und zum Abonnement aufgefordert, auch ivurde die Notwendigkeit betont, sich einer Organisation anzuschließen. Nach eiiiem anfeuerndeil Schlußwort des Referenten wurde die Versanimlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Noch nie haben wir eine solch gut besuchte Versammlung in unserem Bezirk gehabt, hoffentlich trägt sie reiche Früchte. Zu eiileni würdigen Verlauf trug der Gci angverein„Freie Sänger zu Fredersdorf" durch Vortrag einiger Arbeiterlieder bei. berliner I�acbncbten. Wie die Liberalen sich totsiegen. Die Berliner Stadtverordneten- Wahlen der dritten Abteilung haben, wie das in unserer Tonnerstagsnummer mitgeteilte Ergebnis zeigt, dem Frei- sinn wiederum eine empfindliche Schlappe ge- bracht. Von den acht Mandaten, die er diesmal zu per- leidigen hatte, hat er in dieser Hauptwahl nur ein einziges zu retten vermocht. Ilm vier andere muß er noch in einer Stichwahl mit der Sozialdemokratie kämpfen, und die übrigen drei hat er gleich in der Hauptwahl an die Sozialdemokratie verloren. Das ist das äußere Bild des Mißerfolges, den die Freisinnigen trotz aller Agitation gehabt haben. Will man die ganze Größe ihrer illiederlage ermessen, so nmß nian die S t i m m e n e r g e b n i s s e betrachten. Von den achtundvierzig Wahlbezirken dritter Abteilung nahmen sechzehn an der Wahl teil— dieselben, die zuletzt v o r sechs Jahren gewählt hatten. Damals � umfaßten sie 101 170 Wahlberechtigte, diesmal wurden in ihnen 110 90-l Wahlberechtigte gezählt. In einzelnen Bezirken hat die Zahl der Wahlberechtigten sich verringert, in anderen hat sie sich um so stärker erhöht, so daß die Gesamtzahl beträchtlich stellte sich damals auf 33 748(— 33% Proz. der Wahlstellte sich damals auf 33 749(— 33« Proz. der Wahl- berechtigten), diesmal auf 41254(— 37 Proz. der Wahlberechtigten). Tie Beteiligung an der Wahl war jetzt reger als vor seckis Jahren. Wie steht es nun um das Stumnergebnis der Liberalen? Im Jahre 1899 hatten sie 12 089 Wähler für sich heran- geholt, bei der Wahl von 1905 konnten sie nur noch 8859 Getreue zusammentrommeln. Der Unterschied beträgt 3230 Mann, macht ungefähr 27 Proz. gegen 1899. Man sieht, wie sehr die Stimmen für den Liberalismus sich vermindert haben, obwohl die Gesamtzahl der Wahlberechtigten und der Wähler gestiegen ist. An der Gesanitzahl der abgegebenen Stimmen war der Liberalismus im Jahre 1399 mit 358 von je 1000 Stimmen beteiligt, jetzt v5er sind ihm nur noch 213 von je'1000 Stimmen zugefallen. Hier beträgt der Unterschied 113, macht 10 Proz. gegen 1899. Wie hat der Berliner Freisinn vor der Wahl in Ver- sammlungöreden, in Flugblättern und Preßorganen r e n o m- m i e r t und bramarbasiertl Und nun dieser völlige Zusammenbruch! , Tie..M a s s e n s l u ch t der Wähler", die der Freisinn für diesmal uns Sozialdemokraten in Aussicht gestellt hatte, ist ihm selber zum Verderben geworden. Es ist sehr lehrreich, das in den einzelnen Bezirken genauer zu ver- folgen. Herr Rosenow der Einzige, der allein Gewählte der Freisinnigen, hat seine Stimmenzahl von 1283 auf 1331 zu erhöhen vermocht. Wer die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen stieg in seinem 19. Bezirk von 1812 auf 2151. Vor sechs Jahren hatte Rosenow volle zwei Drittel aller Stimme», diesmal hat er nicht viel mehr als die Hälfte. Wieviel wird er in abermals sechs Jahren haben? Im 20. Bezirk trug vor sechs Jahren der Freisinn mit 1143 von 2133 Stimmen noch den Sieg davon, diesmal ist er nur bis auf 937 von 2113 Stimmen gekommen und hat den Bezirk verloren. Im Itt. Bezirk hat der Freisinnige, der damals mit 1131 von 2020 Stimmen noch die Mehrheit erzielte, jetzt mit 730 von 1933 Stimmen nicht viel mehr als ein Drittel herausgeholt und kehrt nicht wieder ins rote Haus zurück. Im 3. Bezirk hatte Herr Hermes vor sechs Jahren mit 863 von 1312 Stimmen noch recht fest im Sattel gesessen. Tiesmal hat er es nur auf 183 von 1318 Stimmen gebracht, so das; er schon durch die Hauptwahl weggefegt wurde. Im 26. Bezirk unter- tag der Freisinn im Jahre 1899 mit annähernd einem Viertel aller Stimmen, 618 von 2860. Im Jahre 1905 durfte er sich 628� von 6530 buchen, das ist kein Zehntel mehr. Ter 27. Bezirk hatte den Freisinn damals noch mit einem vollen Drittel aller Stimmen. 781 von 2106, heimgeschickt. Jetzt hat der Verbandskassierer Klein, der das Hirsch-Dunckersche Banner hochhält, kein Viertel mehr herausgeholt. Und so geht das weiter. Dabei hatte in verschiedenen Bezirken die Bürgerpartei diesnicll gar keinen eigenen Kandidaten mehr aufgestellt, was dein Freisinn gewih noch manche Stimme von dorr her zugeführt hat. Außerdem hatte die Zentrumspartci in mehreren Bezirken direkt die Freisinnskandidaten empfohlen. Und dennoch hat der Freisinn fast überall bedeutende Verluste! Von besonderem Interesse sind die vier Bezirke, in denen noch eine S t ich Wahl vorzunehmen ist. Im 1. Bezirk hatte 1899 der Freisinn mit 793 von 1273 Stimmen noch fast zwei Drittel, jetzt hat er mit 613 van 1336 Stimmen nicht mehr die Hälfte behalten. Im 30. Bezirk errang vor sechs Jahren der Freisinn mit 1143 von 2121 Stimmen noch die Mehrheit, jetzt hat er mit 742 von 2127 Stimmen gerade ein reichliches Drittels geschafft. Da wird die B ü r g e r p a r t e i dem Bassel-Freisinn, den sie vor der Hauptwahl so kräftig beschimpft hat. in der Stichwahl wohl wieder H a n d l a n g e r d i e n st e leisten müssen. Im 6. Bezirk hat der Liberalismus noch einen absoluten Fuwachs zu erreichen vermocht, relativ ist aber auch hier eiii Rückgang zu verzeichnen. Vor seckis Jahren hätte der Liberalismus diese» Bezirk mit 677 von 1362 Stimmen beinahe noch in der Hanptwahl erobert, jetzt ist dort Herr Menzel, der„alleinige Kandidat der Liberalen", mit 759 von 1626 Stimmen in eine für ihn nicht mehr besonders günstige Stich- Wahl gekommen. Noch schlechter hat im 7. Bezirk Herr Ullstein, gleichfalls„alleiniger Kandidat der Liberalen", ab- geschnitten. Vsr sechs Jahren war er wenigstens noch mit 816 von 1366 Stimmen in die Stichwahl gekommen, diesmal hat er es nur noch auf 661 von 1983 Stimmen gebracht. Menzel und Ullstein wurden in Ullsteins„Morgenpost" noch am Wahltage als„s o z i a l- f o r t s ch r i t t l i ch" empfohlen. Von ihren Wohlkomitees ließen sie sich, wie gesagt, als „alleinige Kandidaten des Liberalisnuis" anpreisen. Für die Stichwabl werden sie sich wohl, gleich den Freisinnskandidaten Gisse und Rettig vom 1. und 30. Bezirk, in„Kandidaten des gesamten Bürgertums" verwandeln, auf daß auch ihnen die Bürgerpartei mitleidig die Krücke reicht, mit der sie dem„glänzenden Sieg" entgegenzuhuinpeln gedenken. An dein Zusainmenbruch des Liberalismus, den die Hauptwahl gebracht hat, wird nichts geändert— wie auch der Stichwahtkampf, in den unsere Parteigenossen mit aller Energie eintreten werden, enden möge. Der Liberalis- mus h a t in Berlin abgewirtschaftet— das haben die Reichstagswahlen längst gezeigt, und das zeigen immer deutlicher auch die Kommunalwahlen. Ten Vormarsch der Sozialdemokratie, deren Stimmeuzakil bei den Kommunal- Wahlen der Jahre 1899 und 1905 von 18 299 auf 30681(!) gestirgru ist, wollen wir gleichfalls noch beleuchten. Ter Trost der Turchgefallenen. Warum der Berliner Freisinn bei den Stadtverord- neten- Wahlen dritter Abteilung durchfiel, darüber stellen freisinnige Blätter wieder die üblichen Betrachtungen an. Immer und immer wieder ist eS die„Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit des Bürgertums", denen solche ?1?iherfolge zugeschrieben ivcrden. Ausführungen dieser Art bc- gcgnen wir beispielsweise in der Vossischen Zeitung", dem Organ de« KonnnimalfrcistnnS. Gewiß, es ist glanbhaft, daß der Freisinn ein« ganze Menge Stimmen mehr aufgebracht hätte, wenn alle seine Anhänger wählen gegangen wären. Aber die Niederlage vom Mit. woch ist über den Berliner Freisinn geradezu mit der Wucht einer Katastrophe hereingebrochen. Mit bloßer Fanlhcit, die den Gang zum Wahllokal scheut, kann dieses Wahlergebnis denn doch nicht erklärt werden, SS hat aber seinen guten Grund, daß so viele. die früher zum Liberalismus hielten, heute keine Hand mehr für ihn rühren mögen. Sie bleiben der Wahl fern, weil sie zu der Einsicht gekommen ,lnd, daß der Liberalis m u S das Vertrauen nicht mehr verdient, das Berlin ihm ein't entgegenbrachte. Mit demselben Trost, wie das Freisinnisblatt, suchen auch die bürgerparteiliclv„Staatsbürgrr-Zeituug" und daS ZentrumSorgan „Germania" sich über ihren Wahlkummer hinwegzuhelfen. Beide beklagen, daß der Freisinn, auf den sie sonst weidlich zu schimpfen pflegen, unterlegen ist, und freuen sich, daß wenigüenS der eine Rosenow schon in der Hanptwahl gerettet wurde, selbst um Herrn Hermes jammert die„Staatsbiirger'Zeitung"; so haben die Zeiten sich gcändertl Sie wirft den Handwerkern und Gewerbe- treibenden vor, daß besonders sie durch ihr Ausbleiben die Niederlage dieses Freisinnigen im 3. Bezirk verschuldet hätten. Im 30. ilkzirk soll, so erzählt das Blatt, der Stimmenrückgang des Bürgerparteilers Ulrich mit darauf zurückzuführen fein, daß viele Marstallheamte durch den Besuch des Spanierkönigs verhindert waren. So wird selbst durch Fürstenbesuche uns vatcrlandslosen Gesellen der Weg gebahnt I Ein ganz besonderer Trost ist dem gesamten Bürgertum ohne Unterschied der Partei die Rettung RosenowS vor dem Durchfall. Tie„Voss. Ztg." sagt, der liberalen Organisation seines Bezirks müsse„eine besondere Anerkennung" gezollt werden. Sie rechnet vor, dort sei„zwar die sozialdemokratische Stimmenzahl von 510 auf 1100, aber auch die liberale wenigstens von 1L88 aus 1351 gestiegen". Dieses„zwar— aber" ist köstlich! Wer sich ein bißchen auf Prozentrechnung versieht, wird hier ergänzen: die sozialdemokratisch« Stimmen zahl stieF„zwar" um 100 Prozent. „aber" auch die liberale wenigstens um— 5 Prozent. Denn Herrn Rosenows Gewinn von 66 Stimmen macht gerade 5 Prozent aus! Herr Rosenow selber hat am Abend des Wahl- tages iitz einer fütr ihn veranstalteten Versammlung begeisterte Ovationen entgegengenommen. Ein Bericht der„Voss. Ztg." über diese Versammlung legt ihni über den„Vorwärts" eine in Gänse- füßchen wiedcraegebene Aeußernng in den Mund, die aufs neue die hochgradige Gedächtnisschwäche dieses Mannes dartut. Der Brave will übrigens das Verhalten der sozNldemok rat i scheu Stadtver- ordneten zur Stratzenbahnfrage bei Gelegenheit in der Stadtverordnetcn-Versammlung„festnageln". Bekanntlich ist ihm auch in dieser«sache sein« Gedächtnisschioäche übel bekommen. Zu dem Wahlresultat am Mttwoch ist noch nachzutragen, daß im 6. Äominunal-Wahlbezirk der Zählkandidat der Zentrums- Partei 47 Stimmen erhalten hat. Die Stadwerordnctenwahle» der zweiten Abteilung, die gestern stattfanden, endeten überall mit der Wahl der liberalen Kandidaten. In dieser Abteilung hatten die Herren keinen Kampf mit den Sozial- deiiiolrateii zu bestehen, nur die Bürgerpartei warb in einigen Be- zirken um das Mandat, aber ohne Erfolg. In dem ö. Bezirk, der vor der Wahl umstritten schien, wurde Handelsrichter Deutsch wieder- gewählt. Im 12. Bezirk standen sich zwei liberale Kandidaten gegenüber. Gewählt wurde der Ratszimmermeister Schlüpke gegen den Rechtsanwalt Galland. Ein Wahlkuriosum wird uns aus dem 33. Kommunal- Wahlbezirk berichtet. Dort trat ein Klempner an den Wahltisch und nannte den Namen des freisinnigen Kandidaten als seinen Erkorenen. Das schien ihm aber noch nicht zu genügen, denn er richtete an den Wahlvorsteher die Frage, ob er nicht auch für seinen Meister die Stimme abgeben könne. Das ging natürlich nicht und unser „blauer" Klempner mußte sich schon mit dem Bclvnßtsein begnügen, im Sinne seines Meisters gewählt zu haben; sein Meister wirb mit ihm auch so zufrieden sein. Städtische Heiinstiitten für Genesende. In der Heimstätte Blankenburg(Mark), welche für genesende Frauen und Wöchnerinnen bestimmt ist, waren nach Bekannt- machung des Kuratoriums der städtischen Heimstätten für Genesende vom 2. d. M. 2t Betten und in der Heimstätte Heinersdorf, Kreis Teltow, für genesende Männer 21 Betten frei. Ausgeschlossen von der Aufnahme in diesen beiden Anstalten sind: Epileptische, Schwind- süchtige, Syphilitische und Alkoholiker. In den Anstalten Blankenfelde bei Nicder-Schönhausen für brustkranke Frauen und Malchow bei Wcißensee, ebenfalls für brüst- kranke Frauen bestimmt, waren sämtliche vorhandenen Betten belegt. Beide Anstalten haben zusamnien 182 Betten. Tie zur Aufnahme brustkranker Männer bestimmten Heimstätten Gütergoh l Kreis Teltow) und Buch(Mark) hatten erstere 10, letztere 50 Betten frei. In de» vier für brustkranke Personen errichteten Anstalten werden nicht aufgenommen: Epileptische, Syphilitische, Alkoholiker und Schiverkranke. Personen, welche aufgenommen werden wollen, erhalten Jormu. lare zum ärztlichen Attest kostenfrei im Aufnahinebureau, Neue Frtedrichstrahe 0/10, vorn 2 Treppen. Di« Millionenbrücke. Am nächsten Sonnabend wird die so- genannte„Millionenbrücke", die Verbindung der Swinemündcr- mit der Bcllermannstraße über den Bahnhos Gesundbrunnen hinweg, dem Verkehr übergeben werden. Diese Brücke, die amtlich den Namen„Swincmünderbrücke" führt, ist eins der größten und sehenS- wertesten Bauwerke Berlins. Sie kostet rund eine Million Mark an Baukosten ohne die für die Anrampungen und Straßen- rcgnlierungen und ist vollendet worden, ohne daß der große Eisenbahnverkehr nach Stettin, Stralsund, Tegel, des Nordringcs auch nur einen Tag zu ruhen braucyte. Stadtbaurat Krause ist der Erbauer dieser nur aus Eisen hergestellten Riesenbrücke. Ablenkung von 15 Straßenbahnlinien. Die Straßenbahn beab- sichtigt in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend, den 10. zum 11., auf dem Kreuzdamm der Weinmeister-, Münz-, Alte und Neue Schönhauserstraße Kreuzungen auszuwechseln. Es werden deshalb von 12 Uhr nacht» an folgende Linien abgelenkt: 3 von 11,54 an ab Nettelbeckplatz und von 12 Uhr an ab Alerande rplatz nicht Wein- meister- und Rosenthalerstraße, sondern Alte Schönhauserstraße, Schönhauser Tor und Lothringerstraßc. Ebenso umgeleitet werden 11 von 11,43 an ab Görlitzer Bahnhos und von 11,27 an ab Wiebe- stratze, 22 von 11,11 an ab Müllerstraße, 31 von 11,46 an ab Schlesischer Bahnhof, 35 von 11,33 an ab Reinickendorf und von 11,34 an ab Kreuzbcrg, 36 von 11,12 an ab Kreuzberg sowie 41 von 11,53 an ab Gesundbrunnen. 46 und 47 gehen von 11,23 an ab Nieder.Schönhauscn Kirche und von 11,27 ab Rixdorf Spandauer- straße, Königstraße, Alexanderplatz, Alcxanderstratze, Münzstratze und Alte Schönhauserstraße, ebenso 48 von 10,20 ab Rixdorf und 11,55 an ab Schönhauser Allee. 52 geht von 11,21 ab Wilmersdorf durch die Rosenthalerstraße bis zum Rosentbaler Tor, legt Wein- bergSweg um und fährt durch die Lothringcrstraße über das Schon- hauser Tor. Ebenso machen es 53 und 55 von 11,54 und 12,02 an ab Tanzigerstraßc, 11,11 ab Knescbeckstrahe und 11,35 ab Hermann- platz. 54 geht von 12,03 an ab Schönhauser Tor und von 11,17 an ab Savignvylatz Lotbringerstraße bis Roscnthalcr Tor, Weinbergs- weg, Rosenthalerstraße. 56 geht von 12,00 an ab Danzigerstraße wie 52. Tie Lohnbewegung in der Wäschc-Jndustrie machen sich die Wäschefabrikanten zunutze. Sie haben ein Rundschreiben an ihre Knndichaft erlassen, in dem es heißt:„Infolge Erhöhung der Ar. bcitslöhne, sowie infolge der steigenden Tendenz der Baumwoll« und Leinenprtzlse sehen wir uns veranlaßt, die Preise für fertige Wäsche um mindestens 5 Proz. zu erhöhen. Bei den Artikeln, die besonders von den verteuerten Arbeitsbedingungen beeinflußt werden, tritt eine Preissteigerung von 10 Proz. ein." ES bedarf wohl erst gar keines besonderen Nachweises, daß die Erhöhungen der Wäschepreise in keinem Verhältnis zu den den Arbeitern und Arbeiterinnen kürzlich gemachten minimalen Zu- geständnissen stehen. Die Herren Wäschefabrikanten wollen aber bei dieser Gelegenheit ihr Schäfchen scheren und so muß die Lohn- bewegung herhalten, um diesen Plan zu verwirklichen. Die Errichtung eines zweiten großen Postamtes im Norden Berlins, in der Nähe der Brunnen- und Badstraße, wird in einer Petition angestrebt, welche zahlreiche Bewohner jener Gegend an die Postbchördc gerichtet haben. Es wird darauf hingewiesen, daß der Norden nur ein großes Postamt, und zwar in der Schulzen- dorferstratze aufzuweisen hat. Die große industrielle Cntwickelung des Nordens der Stadt Berlin fordere die Schaffung eines zweiten großen Postamtes in jener Gegend. Drei größere Störungen im Strnßenbahnbetriebe fanden gestern nachmittag infolge Stromstörungen statt. In der Zeit von 4 Uhr 36 Minuten bis 4 Uhr 52 Minuten, sowie von 7 Uhr 20 Minuten bis 7 Uhr 35 Minuten waren die Speisepunkte der Unterstation Mariannenstraße stromlo?. Hierdurch wurde der Betrieb in den südöstlichen Stadtteilen, sowie in den Vororten Rixdorf, Britz und Treptow für die Taller der Stromstörung unterbrochen. Eine weitere Betriebsstörung Wurde in der Zeit von 8 Uhr 9 Minuten bis 3'Uhr 25 Minuten in den östlichen Stadtteilen, sowie in FricdrichSbcrg und Lichtenberg infolge �Stromlosigkeit der Unter- statton in der Pallisadenstraße herbeigeführt. Ein folgenschweres Vaiiunglück hat sich gestern nachniittag aus einem Neubau in der Westfälischenstraße zugetragen. In der Höhe von ctuxi acht Meter tvar ein schwebendes Hängegerüst angebracht worden, auf welchen! der Arbeiter Gustav Rosztoesch aus Spandau auf einer Leiter stehend mit Putzaröeilen beschäftigt war. Durch einen Windstoß geriet das Gerüst plötzlich ins Schwanken, die Leiter kippte um und stürzte mit dem Arbeiter in die Tiefe. Mehrcrc. andere Maurer, die unten auf der Erde tätig waren, vermochten 3 sich durch Seitensprünge vor tzein Erschlagenwerden zu retten. R. blieb mit einem Schädelbruch bewußtlos liegen und mutzte in be- t denklichem Zustande nach dem Kreiskrankenhause in Groß-Lichtcr- fclde gebracht werden. Opfer der Arbeit. Zwei schwere Unglücksfälle, darunter einer mit tödlichem Ausgange werden aus dem Straßenbahn- 1 und Eisenbahnverkehr gemeldet. Auf dem Bahnhof der Großen 1 Berliner Straßnebahn in der Ackerstrahe war der Wagenwäjcher] Schlürlich aus der Brunnenstratze 110 mit dem Reinigen von Waggons beschäftigt. Als er an dem Hinterteil eines Motorwagens � vorübergehen wollte, um auf die andere Seite zu gelangen, wurde: der Wagen in Bewegung gesetzt und Sch. zwischen zwei Puffer ge- quetscht. Schwerverletzt wurde er nach dem Lazarus-Krankenhanse gebracht, wo er in der vergangenen Nacht gestorben ist.— Beim Rangieren aus dem Schlesischen Güterbahnhof geriet gestern morgen j der Wagetimeister Michel, Dresdenerstraße 38 wohnhaft, zwischen die Puffer zweier Güterwagen. Der rechte Arm wurde dein! Beamten dabei vollständig zermalmt. Die erste Hülfe wurde dem Verunglückten auf der Unfallstation in der Warschauerstraße zu teil, j M. kam dann gleichfalls nach dem Lazarus-Krankenhanse. Drei Wechselfallenschwindler wurden gestern von der Kriminal- Polizei unschädlich gemacht. Der Parterreakrobat Heinrich Schneider, der unter dem Arlistennamen„Harry" auftrat, stahl in Hamburg j Papiere auf den Namen Fritz Leske, meldete sich mit ihnen in der j Angcrmünderstr. 2 an und lebte von Schwindel und Zuhälterei. In s „Leske", dessen Persönlichkeit der Erkennungsdienst bald feststevle. erkannten die Geschädigten den Wechselfallenschwindler mit dem| Hundertmarkschein.— Mit einem Fünsmarlstück„arbeiteten" der Reisende Mar Greulich und der Schlack, tergeselle Franz Lucksch. Während einer das Stück zum Wechseln gab. stürmte der andere in den Laden, i um eilig etwas zu kaufen und lenkte so den Verkäufer ab. Gestern merkte ein Geschäftsmann in der Greifswalderstraße seinen Verlust,' holte die Gauner, die nach der nächsten Straßenecke gegangen waren, um sich den Raub zu teilen, ein und ließ sie festnehmen. In der Graßnickschen Mordafföre haben in den letzten Tagen umfangreiche Ermittelungen stattgefunden. Im Moabiter Kriminal« gericht, in welchem bekanntlich der Schlächtergeselle Teichmann unter dem schweren Verdacht, die SchiffcrSftau Graßnick ermordet zu haben, in Uiltersuchungshaft sitzt, erfolgten am vorgestrigen und gestrigen Tage zahlreiche Vernehmungen von Einwohnern aus Gosen, dem Wohnort der ermordeten G. ES sind dabei wobl neue belastende Momente gegen Teichmann zutage gefördert worden, eine befttnmlte Schuld ist jedoch noch keineswegs erwiesen. Teichmann, der all-' gemein als Gewobnheitstrinkcr gilt, spielt in der Untersuchungshaft- angeblich den„wilden Mann". Es scheint jedoch nicht ausgeschlossen. daß der Verdächtige tatsächlich nicht völlig zurechnungsfähia ist. Schon bei mehreren Gelegenheiten konnte man an ihm ein seltsames Gebaren beobachten, wie man cS bei normalen Menschen keineswegs voraussetzt. Voraussichtlich wird Teichmann auf seinen Geistes- zustand hin untersucht Iverden. Ihren Verletzungen erlegen ist die 4 Jahre alte Tochter des Postboten Brümmcr aus der Zimmerstraße 13. die an der Ecke der Zimmer- und Friedrichstraße von einem Straßenbahnwagen über- fahren und mit einem Schädelbruch nach der königlichen Klmtk gebracht wurde. Zwei T-deSstürze. Ter 7 Jahr alte Sohn Heinrich des Schneiders Heise aus der Straußbcrgerstraße 15 sollte geitern abend vom Bäcker Brot holen. Stach einer leidigen Unsitte, die schon so viel Unheil angerichtet hat. setzte er sich auf das Treppengelander. um hinunterzurutschen, stürzte jedoch kopfüber in die Tiefe. Nach wenigen Minuten fand man ihn mit zerschmetterten Gliedmaßen tot auf dem Asphalt des Hausflures liegen. Die Geldmünzen, die er in der Hand gehabt hatte, lagen zerstreut umher.— Der Knabe Komaczyn?n miS der FriedrichSielderstraße 35 hängte sich veim. Spielen mit den Beinen an eine Teppichstange. Als er nun das eine Bein losließ, um damit einen anderen Jungen abzuwehren, fiel er mit dem Kopf nach unten herab, brach sich das Genick und starb nach kurzer Zeit. Einbrecher hatten in der vergangenen Nacht bei dem Schuh- Warenhändler Paul Fliß in der Gormannstraße 25/26 leichte Arbeit. 1 Obwohl er in der Jnvalidenstraße wohnt, hat Fliß weder die. Ladeittür noch das Schaufenster durch eine Jalousie gesichert. D,e' Einbrecher fanden daher auf das bequemste Eingang, indem sie die Tür mit einem Nachschlüssel öfiiieten. Sie durchwühlten den ganzen Warenbestand, wählten die besten Herren, und Damenstiesel aus und nahmen für 350 M. mit. Pantoffeln und anderes Schuhzeug ließen sie liegen. Als die Verkäuferin morgens kam, stand die Tü« noch auf. Eine Spur der Täter ist noch nicht gefunden. Förmlich skalpiert. Wie wir vor einigen Tagen mitteilten. wurde das bierjährige Töchtcrchcn Elisabeth des Postbeamten B r ü m m e r aus der Zimmerstr. 13 an der Ecke der Friedrich- und Zimmerstraße von einem Strahenbahmvagen der K-Linie erfaßt und unter die vordere Plattform gequetscht. Als das Kind mit j Hülfe der herbeigerufenen Feuerwehr unter dem Wagen hervor- gezogen wurde, war ihm die K o p s h a u t förmlich weggerissen. In der königlichen Klinik, wohin man die Kleine sofort schaffte, ist sie nun gestern mittag ihren Verletzungen erlegen. Arbeiter-Bildungsschule Berlin. Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15. Der Unterricht in Rede-Uebung findet am heutigen Abend im Saal 1 statt. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion. Rindfleisch I» 64-68 pr. 100 Pfund, IIa 57-61. 111» 50-55, IVa 40-48. Kalbfletsch la 85-00, Na 72-82, lila 56-70,! Hammelfleisch la 63—73, JI» 48— 58. Schweinefleisch 75—80. Notwild Psund 40—52 Pf. Hasen Stuck 3,50— 4,00, klein l.00— 3,25. Kaninchen Stück 065—1,00. Kralnmetsvogel 0,20—0,25 Pf. Rebbühner, jlmge la 0,00 bis 1 15 iunqe IIa 0,00-0,00, imige kleine 0,00-0,00, alle la 0,70-0,80, alte IIa 0,00-0,00. Hühner, alte 1,30-1,80, junge 0,60-0,80 das Stück. Tauben, junge 0,40—0,65, alte 0,30. Enten, junge 1,80—2,25. ISäiisi la, 8,50-4,00, IIa 2,50-3,50 per Stück. la 0,60-0,65, IIa 0,40-0,58 per Pfund- Hechte 75-87 M.. Schleie, unsort. HO, Aal« aro» 0,00, mittel 0,00 äli. Plötzen 40-51 M. Kanflen 0,00, LachS 0,00 W.. Sch-llftlche 23—31 M., Flunder 26-27 M. pro 100 Pfund. Schottische Dollheringe(gesalzen) 38—38 M Krcbie, kleine, Schock 0 00 Ä., unlortlert 8,50 M. Eier, Schock 0.00. Butter pro lOO Pfund la 122—124, lla 115—122, Illa 111— 114, nbiallende 90—110. Kartoffeln pr. 100 Pfd. rote 2,00—2,20, Stolen 0,00-0,00, blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. Schock 4 00-8,00. Seißkohl 6.00-8.00. Rotkohl 4,00-8,00, Holl. 10-12 M. Saure Gurken, Schock 2,00 M. ßriekfis.ftcn der Kedahtton, FursktUeber CeiU Die jiirtftlsche Thrrchftniidr findet tögliih mit Sliisuahmed«» SounadendS bo» 7'/j bis O'/t Uhr statt,(ßcöffitc»: adeud? 7 Ubr. 8. G. Zu einer Einigung ist zu raten, da im besten Fall« der Aus- gang des Prozesses event. von dem Gutachten«ineS Sachverständigen die Angeiiieflenbeit des gcsorderten Restes abhängen würde.— Klein- Machnow. 1. Der mündliche Berwag gilt. 2. und 3. Nein.—!-> Ja.— W. G. 20. Ansprüche ließen fich leider nur gegen den Auloniobii- sührer geltend machen.— 6. Skov. 7S. Die Sachen werde» nicht Ihr Eigentum. Sie müssen dieselben ausbeivahren. Klagen Sw beim Gewerbe- gericht aus Zahlung Ihre? LobneS gegen Rickgabe der Salden. Fordern Sic angemessenen Lohn.— I. Br.. Spaudau. solche Manipulation wird als Nabium�miileloerfSlichmig crachlei, Ist' mrt Gesangnizstras« 618 zu 6 Monaten bedrobi Die Verjährung würde im Sepicmvcr IJgg eintreten. — K. 2. 1000. Ihr Magistrat hat recht: nicht preilßnche Deutsche find in. Landgemeinden, nicht aber in den allpreuvischen Sladtgcmeindeii wabl« berechtigt. Lassen Tie fich>n den preugischen Staatsverband ans- nehmen— dann siiid Sie stadwerordneten- und landtagswahlberechtigl Perantwortlnher Redakteur: Hans Weber, Berlins Für den Inseratenteil verantw.: Th. Gl»cke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlageanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW,