Nr. ä68. HbonntmentS'Redingungtn: AtonnemcntS- Preis pränumerando! »ierleliährl. 3.30 Mk., nionatl 1,10 Ml, Ivöchcnilich 28 Plg, frei WS Hau». «inzelne Siuminer S Pfg. eonntagS- iiummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Reue Welt' 10 Pfg, Post. SSonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.ZcitttngS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn » Marl, sür das übrige«luSIand 3 Marl pro Monat. ÄÄ. Jahrg. CrMtitt täglich auBtr GIodUm. Vevlinev Volllsltlcrkk. DU InUrtions-Gebulir beträgt für die IcchSgesPaltcne Koloncl. zcite oder deren Namn 40 Pfg„ für politische und gewertschaslliche BcreinS- und VcrsaliiniIungZ-itnzeigen 2S Pfg. „titeln- Snrelgen", daS erste(seil- gedruckte) Wort l0 Psg., jedcS weitere Wort 5 Psg, Worte über 1» Buchstaben zähle» sflr zwei Worte. Inserate sür dt« nächste Rümmer inüssctl bi? S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis 8 Uhr vormittags gcöfsnet, Delegramm. Adresse: ..S»siiltiil»«lt»t Rtrlin". Zentralorgan der fazialdeinokrati leben Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68, Lindenstrassc 69. iveruiDrcdiet: Slmt IV Nr. lSSS. Expedition: SM. 68» �.indenstrasse 69. nernsprrchrr: Slmt I V. Nr. li»«». Detttsch-amerikanischer Handelsvertrag. Ms am 22. Februar dieses Jahres die Regierung im Reichstage unter dem Hallo der junkerlichen Treiber die mit Rußland. Oesterreich-Ungarn, Italien, Belgien, Rumänien und der Schweiz abgeschlossenen neuen Handelsverträge durch- setzte, hatte sie damit nur erst einen Teil der ihr gestellten handelspolitischen Aufgabe gelöst: ein anderer nicht minder schwieriger Fall blieb noch der Erledigung vorbehalten: die Neuregelung der zoll- und handelspolitischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Abkommen, das vor 6 Jahren von der deutschen und amerikanischen Regierung getroffen ist, räumt nämlich der nordamerikanischen Union alle Vorteile der in den Jahren 1891 bis 1894 unter der Aera Caprivi abgeschlossenen Vertragstarife ein; es würden also nach der beabsichtigten Inkraftsetzung der neuabgeschlossenen Verträge am 1. März nächsten Jahres, falls vorher keine Neu- ordnuug der deutsch-amerikanischen Handelsverhältnisse er- folgt, die Vereinigten Staaten beträchtliche Vorrechts vor den sieben Staaten erlangen, mit denen neue Tarifverträge ab- geschlossen sind, denn bekanntlich enthalten die Caprivischen Verträge für viele Artikel weit niedrigere Zollsätze als die neuen Verträge des Bülow-Podbielskischen Kurses. Außer- dem hat aber in die neuen Tarifverträge wieder die Klausel der Meistbegünstigung Aufnahme gefunden: die sieben Ver- tragsstaaten würden also wieder ihrerseits einen Anspruch auf die der nordanierikanischeu Union aus den alten Caprivischen Verträgen zustehenden Zollvergünstigungen geltend machen können. Demnach besteht für die deutsche Regierung geradezu ein Zwang, sich nnt den Vereinigten Staaten über einen neuen Handelsvertrag— sei es nun ein Tarif-, Reziprozitäts- (Tegenseitigkeits-) oder einfacher Meistbegünstigungsvertrag — zu verständigen. Um so seltsamer ist, daß die deutsche Regierung, statt sofort nach der Annahme der oben erwähnten Tarifverträge im Reichstage neue Verhandlungen mit der amerikanischen Regierung einzuleiten, sich bisher fast ganz passiv verhalten hat und erst in allerletzter Zeit durch den deut- schen Botschafter in Washington dem amerikanischen Staats- sekretär Elihn Root ihre Vorschläge überreichen ließ. Das heute zwischen dem Deutschen Reich und der nord- amerikanischen Union bestehende Handelsvertragsverhältnis ist höchst seltsamer Art. Ein zwischen den beiden Staaten ab- geschlossener Vertrag existiert gar nicht. Der bisher als Basis des beiderseitigen Handelsverhältnisses betrachtete, durch spätere Spezialab kommen ergänzte Vertrag ist nicht zwischen dem Deutschen Reich und der Union abgeschlossen, sondern 1828 zwischen dem damaligen Preußischen Geschäftsträger in Washington und dem amerikanischen Staatssekretär Elm). Nach der Gründung des Deutschen Reiches wurde das Ver- tragsverhältnis einfach auf die übrigen deutschen Bundes- staaten— die Hansastaaten. Oldenburg und Mecklenburg- Schwerin hatten ebenfalls schon vorher Verträge mit der Union abgeschlossen— ausgedehnt: eine Uebertragung, deren Rechtsverbindlichkeit von hervor- ragenden deutschen Rcchtslehrern bc- st ritten wird und von der amerikanischen Regierung nie anerkannt worden ist. Trotz dieser Unsicherheit der Rechtsgrundlage tauchten jedoch in den ersten beiden Jahrzehnten nach der Begründung des Deutschen Reiches eigentliche zollpolitische Streitfragen zwischen beiden Ländern nicht auf, selbst dann nicht, als 1879 Deutschland aus der freihändlerischen in die schutzzöllnerische Bahn ein- lenkte. Zur selben Zeit, wo in Teutschland zwischen dem Junkertum und den Großindustriellen eine schutzzöllnerische Koalition entstand, gewann umgekehrt in den Vereinigten Staaten die srcihändlerische Richtung an Boden. In starkem Maße exportierende Wirtschaftsgruppen akzeptieren stets die Freihandelslehre. Deshalb waren auch die preußischen Junker, so lange sie ihre Produkte zu hohen Preisen nach England ab- setzten,' entschiedene Freihändler. Ihr Freihandelsglaube schwand erst, als die überseeische Lebensmittelkonkurrenz auf den europäischen Märkten erschien und sie von diesen vertrieb. Derselbe wirtschaftliche Umschwung, der die preußischen Junker zur Abschwenkung ins schutzzöllnerische Lager bewog, brachte jedoch die amerikanischen Farmer zum Kultus der eng- lischen FreihandelStheorien. Kaum war nämlich die nachteilige Folge des Bürgerkrieges in den Vereinigten Staaten überwunden, als ein stetig sich mehrender Zuzug von An- siedlern nach dem Westen erfolgte. Ueberall schössen neue Farmbetriebe auf und in Gegenden, wo noch vor wenigen Jahren sich der Urwald erstreckt hatte, da wogten blühende Kornfelder. Ter Besitzer dieses Betriebes, der Farmer, sah sich aber auf den Export der von ihm gewonnenen Agrar- Produkte angewiesen. Ter amerikanische Markt vermochte seine Produkte nur zum kleineren Teil aufzunehmen: un- gehinderte Ausfuhr seiner Erzeugnisse nach dem Ausland, das war sein handelspolitisches Ideal, und von diesem Standpunkt aus erblickte er in dem Zoll, durch den einzelne europäische Staaten die amerikanischen Bodenerzeugnisse von ihren Märkten fern zu halten suchten, nur eine Gegenwehr dieser Länder 1 Marktes. Zu.>...■. Länder gegen die Absperrung des amerikanischen Industrie- Indes hielt diese freihändlerische Strömung nicht lange an: bereits gegen Ende der 8t>cr Jahre flmite sie merklich ab, einesteils deshalb, weil die amerikanischen Farmer auf wanchen Märkten schon die Konkurrenz Canadas und Argen- tiniens spürten, besonders aber, weil die sich schnell ent- wickelnde amerikanische Industrie die Verdrängung der fremden Konkurrenz von den amerikanischen Märkten forderte und bei ihrer Agitation die Unterstützung des größten Teiles der industriellen Arbeiterschaft fand. Im Mac Kinley-Tarif kam 1899 diese schutzzöllnerische Strömung zum offenen Turchbruch, doch war sie noch nicht stark genug, um das gewonnene Terrain zu behaupten. Als in den Jahren 1893/94 eine wirtschaftliche Krisis die Union heimsuchte, gewann die freihändlerische Richtung erneut einen gewissen Einfluß und setzte 1894 die sogenannte Wllsonsche Tarifreform durch. Solcher schwächliche Erfolg vermochte jedoch die schütz- zöllnerische Flut nicht zu hemmen. Nach dem Beginn einer neuen industriellen Aufschwungsperiode im Jahre 1893, die alsbald zu immer größeren industriellen Vertrustungen führte, setzte auch sofort wieder die schutzzöllnerische Agitation mit erneuter Kraft ein. Ihr Ergebnis>var das bekannte Dingley- gesetz des Jahres 1897. Das in der amerikanischen Regierung zur Herrschaft ge- langte Schutzzöllnertum beschränkte sich indes nicht nur auf die Einführung hoher, teilweise die Konkurrenz fremder Waren auf den amerikanischen Markt direkt ausschließender Zollsätze, es nahm auch die alten Handelsverträge unter die Lupe und interpretierte sie, wo die Fassung ungenau und vieldeutig war, zu seinen Gunsten. So verweigerte es z. B. auf Grund des Artikels 9 des 1828 mit Preußen abgeschlossenen Vertrages, nach welchem jeder der beiden vertragschließenden Staaten nur dann Anspruch auf die einem dritten Land gewährten„besonderen" Begünstigungen haben sollte, wenn er dafür die- selbe Vergeltung böte, dem Deutschen Reich die 1898 durch ein Spezialabkommen der französischen Republik eingeräumten Zollermäßigungen, bis Deutschland sich im Jahre 1999 dazu verstand, Uncle Sam alle Vorteile aus den 1891 und 1893 abgeschlossenen Caprivischen Handelsverträgen zuzugestehen. Das Tingleygesetz von 1897 hat— eine Folge jeder Zolltariferhöhung— die Einfuhr vieler industrieller Artikel in das Gebiet der Vereinigten Staaten beträchtlich erschwert. Diese Tatsache läßt sich nicht bestreiten, doch ist es lächerlich, wenn darüber von deutschen Jntcressentengruppen gejammert wird, die zu der neueren Schutzzollströmung in Europa den Anstoß gegeben haben, die für Deutschland selbst hoho Schutz- zölle fordern und diese Forderung damit begründen, daß es das Ziel eines jeden Landes sein müsse, sich wirtschaftlich un- abhängig vom Ausland zu machen. Wenn diese sogenannte wirtschaftliche Selbständigkeit wirklich das hohe JJiel der Wirtschaftspolitik ist, dann kann man auch Uncle Sam nicht ver- argen, wenn er dieses Ziel zu erreichen strebt. Nicht minder absurd ist es, wenn von einer fast völligen Verdrängung deut- scher Jndustrieerzeugnisse vom amerikanischen Markte ge- sprochen wird. Nach der deutschen Handelsstatistik hat seit der Geltung des Tinglcytarifes, also seit 1898, der deutsch. amerikanische Handelsverkehr sich folgendermaßen gestaltet: Wert der aus der Union in Deutsch land cingesührten Erzeugnisse: 18SS.. 877 Millionen Mark 1800.. 007 1000.. 1021 1001.. 1042 1002.. 011 1003.. 043 1004.. 044 Wert der aus Deutschland nach derUnion eingeführten Waren: 335 Millionen Mark 378 440 336„„ 449 469 496 Der Vergleich zeigt, daß trotz des Zolldruckes die Aus- fuhr des deutschen Zollgebietes nach den Vereinigten Staaten stärker zugenonnncn hat, als die Ausfuhr der Vereinigten Staaten nach Deutschland. Nach den Wertsummen gemessen blieb allerdings die deutsche Ausfuhr in die Vereinigten Staaten hinter deren Ausfuhr in das deutsche Zollgebiet be- trächtlich zurück. Deutschland exportierte z. B. 1994 nach der Union nur für 493 Millionen Mark, dagegen erhielt Deutsch- land für 944 Millionen Mark amerikanische Waren. Indes gibt der Vergleich der bloßen Ziffern kein richtiges Bild, denn die Ausfuhr Deutschlands nach der Union besteht zu 83 Proz. in Jndustrieartikcln, der Export der Union in das deutsche Zoll- gebiet aber nur zu 6 Proz. Zumeist führen die VereiniAten Staaten nach Europa landwirtschaftliche Nahrungsmittel, besonders aber Rohstoffe für industrielle Zwecke aus, die Teutschland absolut nicht entbehren kann. So befanden sich z. B. 1994 unter den nach Deutsch- land versandten Erzeugnissen allein für 338 Millionen Mark Rohbauniwolle, für 129 Millionen Mark Kupfer, für 27 Mil- lionen Mark Bau- und Nutzholz. Zudem wird aber nicht nur der ganze Warenverkehr zwischen den deutschen und amerika- nischen Häfen, sondern auch vielfach der zwischen anderen europäischen Häfen und der Union von deutschen Schiffen vermittelt: die transatlantischen Schiffahrtsverbindungen der Vereinigten Staaten kommen dagegen kaum in Betracht. Die obigen Ziffern zeigen, daß trotz aller Zollerhöhungen sich der Handelsverkehr des deutschen Zollgebietes mit den Vereinigten Staaten mächtig entwickelt hat: die Neuregelung des bisherigen Handclsverhälwisses hat also auch für die deutsche Arbeiterschaft ein hohes Interesse. Welche S t e l- lung hat sie zu den jetzt eingeleiteten Verhandlungen einzunehmen? In der bürgerlichen Presse wird meist schlechthin von einem deutsche» Interesse gegeniüjM den Vereinigten Staaten gefabelt. Das entspricht ihrer Gepflogenheit, die speziellen Interessen ihrer Hintermänner ohne weiteres mit den all- gemeinen Interessen zu identifizieren. Tatsächlich kommen jedoch nirgends die Interessengegensätze schärfer zum Ausdruck, als gerade in der Handelspolitik. So lassen sich denn auch in der jetzigen Stellungnahme der verschiedenen Parteien zu den deutsch-amerikanischen Handelsvertragsverhandlungen deutlich mehrere Jnteressenstandpunkte unterscheiden. Die Agrarier sehen am liebsten die amerikanische Lebeusmittelkonkurreuz ganz vom deutschen Markte aus- geschlossen. Da in den nächsten Jahren eine größere Zustihr aus Rußland kaum zu erwarten ist, würde durch die Er- schwerung der Einfuhr aus Amerika eine beträchtliche Preis- steigerung der Landprodukte in Deutschland bewirkt werden. Deshalb sind sie auch im Prinzip gegen jeden Abschluß eines neuen Handelsvertrages mit der Union. Aus Gründen der Klugheil stellen sie jedoch nicht direkt die Forderung, daß mit der amerikanischen Regierung nicht verhandelt werden soll, sondern fordern, daß zunächst die deutsche Regierung von der amerikanischen für die Gewährung des deutschen Vertrags- tarifes so hohe Gegeickonzessionen verlangt, daß die amerika- nische Regierung sich auf diese nicht einläßt— worauf dann die deutsche Regierung sofort mit dem Zlbbruch der Verhand- lungen, dem Inkraftsetzen des allgemeinen Tarifes, eventuell auch mit dem Zollkrieg antworten soll. Die industriellen Schutzzöllner sind zwar bereit, Amerika kleine Konzessionen auf landwirtschaftlichem Gebiet einzu- räumen, d. h. einige kleine Zollermäßigungen auf amerikanische Bodenprodukte zuzugestehen, doch von einer Reduktion der neuen deutschen Zölle für amerikanische Jndustrieartikel, vor- nehmlich für amerikanische Maschinen und Werkzeuge, wollen sie nichts wissen. Im ganzen fordern auch sie, daß die Ver- einigten Staaten den neuen deutschen Vertragstarif einfach akzeptieren und dafür als Gegengabe den deutschen Tertil- und Lederfabrikaten beträchtliche Zollermäßigungen gewähren: eine recht besckieidene Forderung, denn der neue deutsche Ver- tragstarif bietet der Union im Vergleich zum jetzigen Zustand fast gar keine Vorteile, nur Nachteile. Seine Zollsätze sind für eine Reihe wichtiger amerikanischer Erzeugnisse, z. B. Weizen, Mais, Obst, Nutzholz, Talg, Oele, Fleisch, Maschinen, Werkzeuge tveit höher, als die bisher geltenden. Wenn aber die amerikanische Regierung nicht in diese Bedingung der deutschen Judustriezöllner willigt, dann wollen auch sie es auf den Abbruch der Verhandlungen, die Inkraftsetzung des neuen deutschen Generaltarifes und die Anwendung von Zollkrieg- maßregeln ankommen lassen. In der Richtung dieser Argumentation bewegen sich auch Schippels Ausführungen in seinem Buch„Amerika und die Handelsvertragspoliti k", nur zieht Schippe! nieist nicht die Konsequenzen, wenigstens nicht die direkten Konsequenzen. Er ist vorsichtiger und weiß zu temperieren. Mit den Interessen der deutschen Arbeiterschaft haben alle diese schönen Forderungen und Wünsche nichts zu tun. Im Interesse des deutschen Arbeiters liegt weder die Fernhaltung der amerikanischen Nahrungsmittel vom deutschen Markte zum Zweck der Preissteigerung, noch die Aufrechterhaltung der neuen deutschen Zölle auf amerikanische Maschinen, noch die Heraufbeschwörung eines Zollkrieges, der die Ausfuhr deut- scher Exportartikel nach den Vereinigten Staaten hemmt und dadurch zur Arbeitslosigkeit in den betreffenden Industrie- zweigen führt. Das Interesse des Arbeiters verlangt im Gegenteil die Ermäßigung der jetzigen hohen Lebensmittelpreise durch Erleichterung der amerikanischen Nahrungsmittelzu- fuhr und zweitens möglich st e Ausdehnung in industriellen Exports, d. h. gute Be- schäftigung der deutschen Exportindustrie. lind von diesem Jnteresscnstandpunkt des deutschen Arbeiters ergibt sich in bezug auf die Neuregelung der deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen als unsere Forderung: möglichste Ermäßigung der deutschen Zölle auf Ge- treibe, Obst, getrocknete Früchte, Schmalz, Fleisch, Petroleum usw. gegen Herabsetzung der amerikanischen Zölle auf deutsche In- dustrieartikel. vornehmlich auf die Erzeugnisse der deutschen Textilindustrie. Die sozialdemokratische Partei ist eine Arbeiterpartei. Als solche hat sie auch auf dem Gebiet der Handelspolitik das Klasse ninteresse des Arbeiters zu vertreten, Klassenkampfpolitik zu treiben._ Die Revolution in Rußland. BalfourS Protest gegen die Jndenmetzeleien. London, 14. November. In einer gestern in der Memorial Hall abgehaltenen Versammlung von Juden, in welcher gegen die AnSschreitnngen gegen die Inden in Riißland Protest er- hoben wnrde, ist folgendes Telegramm BalfourS verlesen worden: Die Regierung Seiner Majestät hat mit Bedauern und Entsetzen von den JndenmassakerS gehört und bereits alle Maßregeln ergriffen, welche ge» eignet er scheinen, das Nu gemach zu mildern. Aehnliche Telegramme sind von Lord Rosebery, Cham- berlain, Äsquith, den E r z b 1 s ch ö f e n von C a n- terbnry und W st m i n st e r und anderen angeseheneu Persönlichkeiten eingegangen. Daß die d e u s ch e Regierung deni Zaren Vorstellungen wegen dieser bestialischen Schlächtereien zu machen gedenkt, ist noch nicht bekannt geworden! Unsere kous-rvativen Organe haben die schamlosen Metzeleien, die der zarische Bluthund T r e p o w bekanntlich inszeniert hat und die zum großen Teil von Soldaten und Polizisten selbst verübt wurden, beinahe mit einem Freuden- auöbrnch aufgenommen! Witte droht! Petersburg, 14. November. Wie Nascha Shisn meldet, äußerte Graf Witte bei dem Empfange einer Abordnung aller polnischen Stände unter anderem, daß die Regierimg nicht daran deute, Zu- gestiindiusse an die Polen zu machen, da deren Unreife für Re- formen greifbar zutage getreten sei. Es sei jetzt klar, daß nur ein kleines Häuflein Revolutionäre Reformen wünsche. Ferner erinnert Witte daran, daß wieder eine Reaktion eintreten könne. . Petersburg, 14. November, von den fortschrittlichen Blättern wird die Kundgebung der Regicrimg über Polen abfällig be- urteilt.„Ruß" sagt, die Kuudgebullg sei eiue direkte Folge des bureaukratifcheii Charakters des Kabinetts Witte, und fordert uu- verzuglich in dieser oder jener Form Vertreter der Gesellschaft in daS Kabinett aufzunehmen, da Gefabr im Verzuge fei.„Syi, Otetschestloa* stellt die Uuiätigkeit der Regierung im Reiche dem entschlossenen Vorgehen Wittes gegen die Polen gegenüber und zieht daraus die Folgerung, daß Witte die Hände frei habe, sobald es sich um wehr- lose Bevölkerung handele, daß sie ihm aber hinsichtlich der faktischen Machthaber gebunden seien.„Nascha Shisn" bestreitet, daß bischer eine polnische Partei die Abtrennung Polens von Rußland gefordert habe.„ N o w o j e W r e m j a" appelliert an die Be- loniienheit und den Takt der Polen, am Vorabend der Einberusiing der Reichsduma die Frage der russisch-polnischen Beziehungen nicht zuzuspitzen. BerfassungS-Vcrsprechungen und Sabeldiktatur. Petersburg, 14. November.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Gemäß der im Manifest vom 30. Oktober von dem Kaiser ausgesprochenen Absicht, das Wahlrecht auch auf diejenigen Volksklassen auszudehnen, die desselben bis jetzt noch entbehren, arbeitet der Ministerrat gegenwärtig darauf bezügliche Be- stimmungen ans, deren Veröffentlichung b a l d i g st erfolgen soll, worauf die Reichsduma-Wahlen unverzüglich stattfinden werden. Petersburg, 14. November.(Meldung der„Petersburger Telegraphen-Agentur".) Heute erfolgt die Veröffentlichung einer vom Kaiser bestätigten Dieustanweisuug für die General- adjutauten, die zur Wiederherstellung der Ordnung nach den Gouvernements Tschernigow, S a r a t o w und T a m b o w gesandt werden. Diese Dienstanweisung verleiht den Entsandten das Oberkommando über die Truppen und Polizeimannschaften des betreffenden Gonverneinents, unter- stellt ihnen alle RegierungS- und Kommunalbehörden mit Aus- nähme der Gerichts- und Kontrollbehörden und verleiht ihnen das Recht, alle für die öffentliche Ruhe gefährlich erscheinenden Personen verhaften zu lasien, Handels- und unternehmen zu schließen, Zcitnnqen zn obligatorische Berfügiuigen zur Wahrting Ordnung zu erlassen. Standrecht in Kronstadt? Aus Petersburg wird dem„Tag" gemeldet: Die Untersuchung der Kronstädter Revolten nähert sich ihrem Ende. Die Helden dieses Dramas sollen crschossen werden— doch aus allen Schichten der Gesellschaft erheben sich Stimmen, die vor der Ausführung dieser Todesurteile warnen, die in so furchtbarer Zeit der Gärung unglaubliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Zunächst will die Geistlichkeit mit dem vielgenannten Priester und Schriftsteller Petrow sich an den Zaren um Milderung der Strafe für die Meuterer wenden, sodann tritt fast die gesamte Residenzpresse gegen dieBerhängung von Todes- urteilen auf, endlich sammelt die Einwohnerschaft von Kronstadt Unterschriften für eine im gleichen Sinne gehaltene Petition. Die Kronstädter Bürger hätten bis jetzt stets friedlich mit den Matrosen zusammengelebt. Alle diese Proteste sollen der Regierung beweise», daß die Schuld der meuternden Matrosen geringer sei als die der Regierung, deren Indolenz jene unerträgliche Lage im Marinewesen geschaffen, die nun endlich zur Explosion gesiihrt habe. Achtstundentag in Petersburg. , 14. November. In mehreren hiesigen Fabriken eitcr schon jetzt die achtstündige Arbeitszeit ein- Industrie unterdrücken und der öffentlichen wollen die führen. Aufruhr in Wladiwostok. London, 14. November. Nach Meldungen, welche über Japan And Shanghai hierher gelangt sind, ist die Bevölkerung von W l a d i iv o st o k in vollem Aufruhr. Es finden heftige Straßenkämpfc zwischen den Aufsinndischrn und den Truppen statt. Bei diesen Zusammenstöße» sind viele Personen ums Lebe» ge- komme». Die ausländischen Einwohner haben ihre betresscuden Rc- gierungen ersucht, Kriegsschiffe zu ihrem Schuhe nach Wladiwostok zu cntscuden. Die Bovgäugc in Wladiwostok lenken die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, daß gar keine Nachrichten über dir Erriguisse in Sibirien zwischen Tomsk und Wladiwostok vorhanden find. Man glaubt aber, daß a»ch Sibirien durch revolutionäre Wirren er- schüttert sei. politifche Qcbcrflcbt. Berlin, den 14. November. DaS Frauenstimmrrcht und das Zentrum. DaS Zentrum ist ein sehr aufmerksamer Beobachter der Stiulinungeil und Strömungen im Volke, das muß ihm fein größter Feind zugestehen. Viele Jahre haben seine Vertreter im Reichstage sich gegen die Zulassung der Frauen zum Univcrsitätsstudium gc- sträubt. Als der Gedanke jedoch immer weitere Kreise, auch die Fraueukrelse des Zentrums ergriff, änderte eS seine Taktik. Schon bei der letzten Verhandlung über diese Frage im Reichstage vollzog es eine große Schwenkung und ließ durch seinen Redner Freiherrn v. Hertling sich für die Zulassung der Frauen zum Studium aus- sprechen. Eine zweite Schwenkung in der Frauenfrage vollzog sich ans dem Katholikentag zu Straßburg. Bisher huldigte das Zentrum der Ansicht de? Apostel Paulus(Korinther 14 V. 31, 35);„Eure Weiber lasset schweigen unter der Gemeinde, denn eS soll ihnen nicht zugelassen werden, daß sie reden, sondern Untertan seien, wie auch das Gesetz sagt. Wollen sie aber etwas lernen, so laßt sie daheim die Männer ffagen. Es stehet den Weibern übel an. unter der Gemeinde zureden." Entsprechend dieser Aus. fasiimg des Paulus, die auch diejenige der Kirchenväter ist, hatte das Zentrum bisher es hartnäckig abgelehnt, die Forderung der Frauen nach politischer Gleichberechtigung anzuerkennen. Noch vor wenigen Jahren erklärte der Abgeordnete Bachem im Reichstag, daS Zentrum wolle den Frauen das Vereins-, Versammlung«- und Koalitionsrecht einräumen, soweit Frauen als Arbeiterinnen die Rechte zur Verbesserung ihrer ökonomischen Lage bedürften, weiter werde es aber nicht gehen. Auch dieser Standpunkt ist mittlerweile verlassen worden. Bereits hat?. Auracher in seiner Rede auf dem Straßburger Katholikentag über die Fraucnfrage gezeigt, daß das Zentrum den Forderungen der Frauen in weitem Maße entgegenkommen werde. Jetzt hat der Zcntrumsabgcordnete Heim im bayerischen Landtag, also an einem Ort, an dem man es am wenigsten erwartete, die Konsequenzen gezogen. Am letzten Freitag verhandelte der bayerische Landtag über die Petition des Vorstandes des Deutschen Verbandes für Frauen stimmrccht. Vollmar erklärte im Namen unserer Genossen sich für die Forderungen der Petentinnen und schloß seine Rede mit den Worten: „Deshalb erkläre ich, daß wir mit der Petition vollständig einverstanden sind und daß wir, wenn die Gelegenheit günstig ist und die Disposition der Geister eine bessere ist, daß wir dann dos unsere tun werden, um auch dieses Recht zu verlangen." Nach ihm aber ergriff der Zentrmnsabgeordnete Heim das Wort und erklärte: „Der Zeitpunkt, wo die Frauen das Stimm recht erhalten, wird vielleicht schneller kommen als man glaubt. Ich werde mit einer Anzahl meiner Freunde für das Frauen st immrecht ein treten.(Abg. Ehrhart: Bravo!— Große Heiterkeit.) Er beantragte für die Petition die Hinüber gäbe(an die Erste Kammer) zur Würdigung. Für den Antrag Heim stimmten außer unseren Parteigenossen nur drei Liberale, auf deren Zustimmung die Petentinnen am meisten ge. rechnet hatten, wohl aber 23 Mitglieder des Zentrums Das ist ein hi st arischer Vorgang von großerTrag weite. Zum erstenmal erklärt sich ein erheblicher Bruchteil der Vertreter der Zentrumspartei in einem überwiegend katholischen Lande für die Gewährung des politischen Stimmrechts an die Frauen Dieser Vorgang wird Nachahmung finden. DaS Zentrum rechnet damit, daß die Ereignisse der letzten Monate eine Beschränkung des allgemeinen, gleichen, direkten»nd geheimen Wahlrechts in Deutschland immer unwahrscheinlicher machen. Droht also die Sozialdemokratie durch ihre Stimmen dem Zentrum über den Kopf zu wachsen, so wird es die Erweiterung des allgemeinen Stimmrechts auf die Frauen beantragen, um hier eine Wähler- reserve zu erhalten, die der Sozialdemokratie feindlich gesinnt ist. Aus gleichen Gründen erklärte der alte Kardorff schon 1895, als unsere Fraktion im Reichstage den Antrag auf Gewährung des Stimmrechts an die Frauen gestellt hatte, daß er eventuell mit sich reden ließe, den Frauen das Stimm recht zu gewähren. Die Sozialdemokratie kann sich diese Konkurrenz seiner e»t. schiedensten politischen Gegner gefallen lassen. Mit dem Eintritt des weiblichen Geschlechts in die politische Arena bekommt der politische Kampf ein neues Gesicht und ein erweitertes Interesse. Eine große Reihe wichtiger Fragen werden von ganz neuen Gesichts punkten ans zu behandeln sein. Die Haltung deS Zentrums in der Frauenfrage muß aber für unsere Parteigenossen Veranlassung sein, die Agitation unserer Ge nossinnen unter den Frauen und Arbeiterinnen aufS kräftigste zu unterstützen und für deren volle politische Gleichberechtigung ein- zutreten, wo immer sich die Gelegenheit bietet. Wir leben in einem revolutionären Zeitalter daS fast jeden Tag neue Fragen auf feine TageS- ordnung setzt. Hier gibt'S kein Ruhen und Rasten mehr. Rast' ich, so rost' ich!— Ein Wunschzettel der Landarmer. Die Regierung verfährt bei ihren militärischen An sprächen stets mit kluger Vorsicht: sie rückt niemals gleich mit ihren gesamten Forderungen heraus, sondern präsentiert stets eine Rechnung nach der anderen. So will sie auch jetzt zunächst die Marinevorlage sicher in den Haien bugsieren; mit den Forderungen für die Landarmeo wird sie dann später kommen. Es ist bei dieser Taktik der Regierung ganz dankenswert, daß jetzt ein Buch erschienen ist, in dem hübsch übersichtlich die Forderungen zusainmengestellt sind, die man in militärischen Kreisen für dringend notwendig erachtet. Das Buch ist um so bemerkenswerter, als sein Ver fasser in der Nähe des Grafen H ä s e l e r, des ehemaligen kommandierenden Generals des 16. Armeekorps, gesucht wird. Graf Häseler selbst hat das Werk beifällig besprochen. Die Forderungen des Verfassers sind keineswegs be- scheidene. Er verlangt, daß unsere Landarmee um nicht weniger als 72 266 Man» verstärkt werde. Den Kosten- aufwand beziffert er auf 300 Millionen Mark an ein- m a 1 i g e n und 96 Millionen Mark an jährliche» Mehr- ausgaben! Vermutlich, um eine günstigere Aufnahme dieser horrenden Forderungen zu erreichen, wendet sich der Verfasser unter anderem auch scharf gegen die SoldatenmißHandlungen. Den Soldatenschindern müßten vor versammelter Mannschaft die Tressen heruntergerissen werden. DaS soll aber nur von den Unter- Offizieren gelten— über die von Offizieren begangenen Miß- Handlungen schweigt sich der Verfasser völlig aus! Der Frage der Kostendeckung geht der Verfasser zwar sehr militärisch schneidig, aber mnsoweniger gründlich zu Leibe. Die Kosten sollen von der besitzenden Klasse getragen werden. Die Klassen sollen von den neuen Steuern getroffen werden, „die in goldstrotzcnden und mit allein denkbaren Komfort ans- gestatteten Villen und Palästen ivohnen, tagtäglich die teuersten Weine und die ausgesuchtesten Speisen auf ihrem Tsiche haben, die kostspieligsten Kleider auf dem Leibe tragen und sich ohne Rücksicht darauf, daß neben ihnen Millionen darben und zehren müssen, einen geradezu frevelhaften LnxuS erlauben." Das klingt ja ungeheuer radikal, aber es klingt auch nur so! Ter Verfasser muß, lvenn er kein politisches Kind ijt, ganz genau wissen, daß die besitzende Klasse, die doch im Parlament die Macht hat und deren ausführendes Organ doch nur die Regierung ist, zwar die Militärverniehrnng gut- heißen, nicht aber auch die Kosten dafür tragen wird. Daß die Regierung daran denkt, den Landmilitarismus in dem Umfange zu vermehren, wie der Verfasser vor- schlägt, ist ja fraglich; daß aber nach dein WasscrmilitariSmuS auch die Landarmee an die Reihe kommen wird, steht außer allem Zweifel! Vielleicht dient das Buch nur dem Zwecke, die öffentliche Meinung zu sondieren und zu bearbeiten.— Das geklebte Ministerium. Paris, 13. November.(Eig. Ber.) Die Rekonstruktion des Kabinetts ist vollzogen, imd die Sipp- schaft der neuen Rouvierschen Majorität ist höchlich zufrieden— bis auf ein paar progressistische Sancrtöpfe, die verdrossen feststellen, daß an Stelle Berteaux' doch wieder ein Zivilist und kein Mann vom militärischen Metier Kriegsminister gewordeil sei. Diese kritischen Bedenken äußert besonders der.Temps", der auch hinter den patriotischen Vorwänden die wahren Motive dieser Verstimmung bemerken läßt. Den Progressisten war nämlich Herr Etienne als Minister des Innern weit wertvoller denn als Kriegsminister. Von ihm war zu erwarten, daß er die Wahlen gegen die Radikalen und zugunsten der Mittelparteieii„inachen" würde, und nun sitzt Herr D u b i e f an seiner Stelle, der den radikalen Kandidaten sozusagen einen amtlichen Passierschein geben wird. Die gemäßigten Parteien kommen da um einen Teil der Früchte, die ihnen die von der Senatömehrheit vor einigen Tagen vollzogene Ablehnung eines„KlosettgesctzeS" tragen sollte. Die lvackercii Rcpnbtikaner wollten keine wirklich geheime Wahl, die den Arbeiter in den Stand setzen könnte, uiikonrrolliert einen dem Unternehmer unwillkommenen Kandidaten zu wählen. Jetzt aber wird der Wahlerpressungs-Apparat statt von dem„demo- kralischen" Etienne von dem„radilal-sozialistischen" Dubief geHand- habt iverden.— Die Versetzung Etiennes war der Preis, um den sich die Radikalen von Rouvier haben kaufen lassen. Tie Sicherung der Mandate ist ja jetzt zeitgemäßer als die Verfechtung von Prinzipien. Zwischen dem alten und dem neuen Minister des Innern ist, von ihren Frelliidschaftskreiseir abgesehen. kein großer Unterschied. Der alte verfolgte die Arbeiterorgaiiisationcu mit borniertem Hasse, der neue wird sie mit der Tücke des verräterischen Schwächlings verfolgen. Man hat ja Herrn Dubies schon als tzaiidelsminister am Werke geseben, als er, der vor eiiiigen Jahren die Koalitionsfreiheit der«taats- arbeiter literarisch verfochten hat, gegen die Gewerkschaft der Post- bcamten den Staatsauwalt aufbot! Herr Tr o n i i l o t wird ihn auf diesem Platz vermutlich würdig ersetzen. DaS Ministerium hat entschieden an Einheit gewonnen, denn der einzige, für_ den der Radikalsozialismus wirklich nicht ein bloßes Firmenschilb war, Berteaux, ist glücklich hinausgeekelt worden. Die i anderen sind wetterfest und— ekeln sich vor nichts. Für die Verkommenheit der bonrgeoiscn Politik ist die Haltung der radikalen Presse bezeichnend. Mit Ausnahme der„Lamerne" findet sie die durch den Rücktritt Berteaux herbeigeführte Situalioii „sehr befriedigend". Daß Berteaux gegaugeu ist, weil er die Mogelei Rouvicrs mit Ribot nicht mitmachen wollte, und daß die Progressisten heute die Herren der Lage sind, sucht die Presse damit zu vertuschen, daß sie— den Sozialisten einen Bund mit den Anti- rcpublikanern vorwirft, weil außer ihnen auch etliche Klerikale gegen die von Rouvier verlangte vcuchlcrische Tagesordnung gestimmt haben. In dasselbe Horn stößt auch Gsrault-Richard, der sich mit uucrschüttcrlicher Hoffnung an dem„Block" fest- klammert. Aber über d i e Tatsache gehen die famosen Antiklerikalen einfach hinweg, daß die Tagesordnung, die die Erwartimg ausspricht. daß Rouvier mit der Mehrheit regieren werde, die das Trennungsgesetz beschlossen habe, daß diese Tagesordnung von Leuten durchgesetzt worden ist, die gegen das Trennungsgesetz gestimmt haben! Das Ministerium Rouvier hat nachweislich die Mehrheit des alten Blocks gegen sich. Für das von den Sozialisten beantragte Tadelsvotum stimmten 118 Abgeordnete, einschließlich Sozialisten und Radilalsozialislen, und 72 Radikale enthielten sich. Das Ver- trauensvoium wurde dagegen mit 364 Stimmen angenommen, wovon 213 Progressisten und Reaktionäre und nur 151 Radikale waren. Und dies nennt sich„Sieg der Republikaner".— Korrespondenten freisinniger" deutscher Zeitungen aber sprechen von„Intrigen" der Sozialisten gegen den braven antiklerikalen Republikaner Rouvier I Die parlamentarische Situation stellt sich jetzt ungefähr so dar wie am Beginne des Ministeriums Rouvier, wo die Sozialisten und die Sozialradikalen dem verdächtigen Ankömmling mit offener Ab- neigung entgegentraten, das Zentrum aber das„antiklerikale" Pro- gramm des"neuen Ministerpräsidenten verständnisinnig pardonnierte. In der Folge gestaltete sich wohl das Verhältnis der äußersten Linken zum Ministerium besser, besonders als Rouviers alter Haß gegen D e l c a s s ö den Sturz deS Abenteurers beförderte. Aber die Lüge, die dem Ministerium von Geburt an im Gcblüte sitzt, konnte auf die Dauer nicht unter der Oberfläche bleiben. Die Komödie des ewigen Blocks, als deS unfehlbaren Instruments des sozialen und politischen Höhenfluges, ist ausgespielt. Die«rcpu- blikanischen Ideen", die Frankreich glorreich regieren, präsentieren ich jetzt, auch dem Naivsten erkennbar, in den unappetitlichsten Beutemachern der kapitalistischen Klasseirpolitik.— Deutrebee Reich. Die Klcrikalisicriing der Schule. Die gescheitelten wie die tonsurierten Dunkelmänner halten jetzt den Augenblick für gekommen, ihre Absicht, die Volksschule völlig der Herrschaft der Kirche zu unterstellen, durchführen zu können. Seit dem Jahre 1892, wo der Zedlitzsche Schulgesctzentivurf scheiterte, ind sie, und mit ihnen die ganze Reaktion, die durch die kirchliche Verdummung des Volkes ihre Ausbeuterprivilegicn am besten gewahrt ieht, am Werke, die Volksschule völlig zu konfessionalisieren und der geistlichen Schulaufsicht zu unterwerfen. Bekanntlich hatten sich ja auch die Nationalkiberalen bereit- luden lassen, einem Kompromiß zuzustimmen, durch das das S ch u lun ter hja ltu n g s g e se tz zu der ersehnten Klerikali- lerung der Schule mißbraucht werden konnte. Die Grundtendenz des Kompromisses war die Durchführung der konfessionellen Schule. Immerhin sollten auch Ausnahmen zugelassen und die Simultan- chulcn nicht völlig beseitigt werden. Dies Kompromiß scheint nun den Konservativen und dem Zentrum nicht weit genug gegangen zu ein, wenigstens haben diese Parteien inzwischen mit der Regierung eine neue Fassung des Gesetzes vereinbart, die ihren Wünschcnnach völliger Verpfaffung der Schule noch mehr entspricht. Die Nationalliberalcn beschweren sich ihrerseits über dieses neue Schachergcschäft, zu dem le nicht hinzugezogen worden seien. DaS Zentrum dagegen erklärt den Nationalliberalen, daß bei einem etwajgen Sträuben der nationalliberalen Partei das Gesetz auch durch die Konservativen und das Zentrum allein durchgedrückt werden könnte! Ueber den Charakter des SchulniitcrHaltimgsgesctzes darf man sich bei dem triumphierenden Eifer des Zentrums keinen Zweifeln mehr hingeben. Sicherlich handelt es sich um die völlige Unterwerfung der Volksschule unter die Macht der Geistlichkeit. Forderte doch 1992 der ZentrumSabgeordncte Danzenberg, daß es die Regel ein müsse, die K r e i S s ch il l i n s p e k t i o n im Nebenamte den Geistlichen zn übertragen, und der konservative Freiherr Lim- urg-Stirum bekannte sich wenige Tage später ganz zu dem gleichen Prinzip! Tie„Freie Deutsche Presse" setzt nun aber ihre Hoffnungen auf die Obstruktion der Nationalliberalcn. Sie sollte sich derartigen Illusionen lieber nicht hingeben, bewies doch daS Schulkompromiß, wie wenig Verlaß auf die Nationalliberalen ist. Nicht am Wider- tand der mehr als zweifelhaften parlamentarischen Opposition könnte das Gesetz scheitern, sondern höchstens air einem machtvollen Protest d-S Volkes selbst!_ DaS MißverstiindniS des Herrn Miillcr-Tngan. DaS Verkriechen der„Freien Deutschen Presse" hinter ein angebliches„Mißverständnis" der Ausführungen des Herrn Eickhoff nutzt nichts mehr, da dieser freisinnig-volksparteiliche Abgeordnete nunmehr selbst das unehrliche Versteckspiel des Herrn Müller-Sagaii aufdeckt. Herrn Eickhoffs Darlegungen über die„ W c l t m a ch t p o l i t i k" sind nicht miß. verstanden worden, sie waren ganz so gemeint, wie sie von der flottenfrenndlichen solvohl wie von der sozialdcmo- kratischen Presse aufgefaßt worden waren. An einer Zuschrift an die„Barmer Ztg." erklärt Herr Eickhoff: »Ich kann... nicht zugeben, dah meine Ausführungen in Wiesbaden mißverstanden und nur deshalb lebhaftem Wider- spruch von verschiedenen Seiten begegnet seien. Ich harte diesen Widerspruch vorausgesehen. Eben deshalb wird niemand glauben, daß ich mit meinen Worten die bisherige Haltung der Partei nach jeder Richtung hin habe billigen wollen. Daß ich mit dieser Auf- fassuirg nicht allein stehe, ist nicht erst durch die letzte Abstimmung im Reichstage offenkundig geworden und hat in Wiesbaden zu meiner Genugtuung eine neue Bestätigung gefunden; den» unter anderen trat ein Berliner Delegierter, ein bekannter Stadtverordneter, nach Schluß der Diskussion an mich heran und sagte zu nur:„Sie haben die innere Uebcrzcuguug von vielen in diesem Saale ausgesprochen, aber man wagt nicht, dies ebenso entschieden zu bekennen." Herr Eickhofs hält also den Zeitpunkt für gekommen, der Vertnschungskoniödie ein Ende zu machen und ungeniert den Marinewimpel auf dem Richterschen Partciwrack zu hissen. Ob die Meuterer den Sieg davontragen werden?— Liberale Heuchelei. In einem Leitartikel„Das Dreiklassenwahlunrecht" entrüstet sich das„Berliner Tageblatt", daß die Sozialdemokratie den Kampf gegen das Dreiklasscnwahlsystem als ihre Spezialaufgabe betrachte und sie wohl gar mit den Mitteln der Straße lösen möchte. Der Kampf werde um so eher zum Erfolg führen, je breiter die Schar derer sei, die sich an ihm beteiligten. Und wenigstens soweit das BürgerNnn der Städte in Betracht komme, werde man es an der Entschiedenheit in diesem Kampfe nicht fehlen lassen. Es sind nichts als hohle Phrasen, die das„Tageblatt" nieder- schreibt. Die Arbeiterklasse in Preußen wartet seit vollen fünfundvierzig Jahren, seit dem Wiederaufleben der liberalen Bewegung in Preußen-Deutschland, auf die Initiative für Eroberung des allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechts, allein vergeblich. Der Liberalismus war einst im preußischen Abgeordneten- Hause in großer Mehrheit und er rührte keinen Finger für das eigentlich noch zu Recht bestehende allgemeine gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für die Landtagswahlcn in Preußen. Er ist seitdem in eine klägliche Minorität im Landtage gelängt, aber er hütet sich auch jetzt, so gefahrlos es für ihn wäre, die Initiative zu ergreifen. Wohl aber haben die Liberalen aller Schattierungen den Wahlrechtsraub in Lübeck und Hamburg mit- gemacht, mit vereinzelten Ausnahmen auch in Sachsen, und in Bayern bildeten sie das Haupthindernis einer Wahl- reform. Die Liberalen aller Schattierungen, mit einzelnen ehrenwerten Ausnahmen, fürchten und hassen daö allgemeine gleiche direkte und geheime Wahlrecht und werden niemals ernsthast für dasselbe eintreten. DaS„Berliner Tage- blatt" kann sich mitsamt dem Bürgertum der Städte begraben lasten.—_ „Man wagt eS nicht". Zur ReichStagS-Stichwahl in E i s e n a ch veröffentlicht der Zentral- Wahlausschuß der Freisinnigen Volkspartei nach einer Meldung des „Berl. Tagebl." folgende Erklärung:„Bei der bevorstehenden Stich- wähl überlassen wir es den Gesinnungsgenossen, nach eigenem Ermessen ihre Stimme abzugeben, bemerken jedocki hierzu, daß kein freisinniger Mann dem antisemitisch- bündlerischen Kandidaten seine Stimme geben kann." Man überläßt es also den Wählern, mehr Mut und politische Einsicht zu beweisen als die Parteileitung selbst. Echt steisinnig!— Zentrumssorgc um die„Luther- Stadt". Die„Germania" beschwört den Eisenacher Freisinn, bei der Stichwahl doch ja nicht den sozialdemokratischen Kandidaten zu unterstützen, sondern gleich den ZentrumSmannen geschloffen für den Brotwncherer S ch a ck zu stimmen. Für die„L u t h e r- S t a d t" Eisenach sei es doch wahrlich keine Ehre, wenn nrnn es der Sozialdemokratie ermögliche,„die rote Fahne auf der Wartburg zu hissen". Es trifft sich sehr hübsch, daß an demselben Tage gerade die anttsemitische„Deutsche Ztg." gegen eine„ultramontane Frechheit" donnert, weil das Organ des Zentrums-Abgeordncten Gerstenberger, das„Fränk. VolkSbl.", sich folgende„dreiste Be- schimpfung" LutherS geleistet habe: „Die Frechheit des In nSbrucker Gemeinde ratS und seiner vom Pöbel gewählten und mit dem Pöbel sympathisierenden Bürgenneister, mit der diese dem katholischen Land Tirol, in dem kein einziger einheimischer Protestant wohnt, inS Gesicht schlagen, ist jetzt so weit gediehen, daß dieselben eine Straße„L u t h e r st r a ß e" benannten. Man sollte glauben, daß gegen eine solche Schändung Tirols das Land sich gleich dem Jahre 1809 wie ei» Mann erhöbe und das alldeutsche Lumpen- gesindcl im JnnSbrucker Rathause zum Teufel jage." Mag sich Zentrum und„alldeutsches Lumpengesindel" noch so wüst herumbalgen: im Zeichen des Brotwuchers finden sich die schönen Seelen alsbald wieder zusammen I— Die„anständige" bürgerliche Presse. Die„ Tä gli ch e Run d sch a u" tischt nach der„Jenaer Zeitung" ihren Lesern folgendes schlecht erfundene Anekdötchen auf: „In dem Jenaer Hotel, in dem während der roten Woche der sozialdemokratische Zar sein Hoflager aufgeschlagen hatte, spielte sich einmal ooram publioo eine Szene ab, die den Ausgang des Literatenstreites nicht mehr zweiselhast ließ. Es war just am Abend des Tages, an den, man hinter verschlossenen Türen die berühmte Sitzung abgehalten hatte. Die Gemüter waren noch ziemlich erregt, und von Tisch zu Tisch ging die Debatte über die„Vorwärts"- Angelegenheit. Da wagte ein jüngerer Parteigenosse für die Wahl eines bewährten Parteifreundes zum Redakteur einzutreten und in warmen Worten diesen als den geeigneten Mann zu bezeichnen. Einen Wntausbruch hatte dies kühne Beginnen beim„Väterchen" zur Folge, der innutten seiner Getreuen thronte. Der Allgewaltige schlug auf den Tisch, daß eS krachte und schrie dem vorwitzigen Genossen zu:„ D e r k o m m t inir nicht herein, das dulde Ich einfach nicht!" Wie eine Bombe fuhr dieses„Ich" unter die versammelten Genossen. Niemand wagte mehr zu widersprechen." Diese Erzählung der„Jenaer Zeitung" ist von A bis Z auS den Fingern gesogen. Bebel hat sofort, als ihm vor ei» paar Tagen die„Jenaer Zeitung" mit jener Liigennoiiz zugesandt wurde, durch Einschreibebrief die Redaktion derselben nnt Hinweis auf§ U des PreßgesetzeS aufgefordert, als Berichtigung auf- zunehmen: daß die Notiz eine böswillige Erfindung sei, daß er weder in den, erwähnten Hotel noch an einem anderen Orte in Jena eine solche oder ähnliche Unterhaltung über die Anstellung eines Redakteurs gehabt habe. Wir erwarien, daß nunmehr auch die„Tägl. Rundschau" diese Berichtigung bringt, anderen Falle? sie Bebel auf Grund des ß 11 des Preggesetzes zwingen müßte, dieselbe zu veröffentlichen. Die Berichtigung erwarten wir auch von denjenigen Blättern, die gleich der„Tägl. Rundschau" die Fälschung der„Jenaer Zeitung" ver- breitet haben. Die Fleischteucriing verschärft sich in Nürnberg, wie uns von dort genreldet wird. Die Metzger beabsichtigen, demnächst eine abermalige Erhöhung der Preise eintreten zu lasten, inzwischen steigen auch alle anderen Lebensmittel im Preise, die Brotfabriken haben angekündigt, daß vom 20. November ab der Brotpreis um 1 Pf. pro Psund erhöht wird. Die Stadtverwaltung kann sich nicht dazu entschließen, irgend etwas zu tun, um der Kalamität einiger- maßen entgegenzuwirken. Ter Magistrat hat den Seefischverkauf durch die Stadt abgelehnt, weil sie nicht billiger verkaufen könne als die Händler. Im Gemeindekollegium stellte zu diesem Beschluß der Deniokrat Mirsberger den Antrag, es möge wenigstens einmal ein Versuch mit dem Sceffschbezug gemacht werden. Hiergegen wendeten sich nicht nur die Mittelstandspartciler, sondern auch eine ganze An- zahl freisinniger und nationalliberaler Herren, da man die 38 Fisch- Händler, die in Nürnberg ihr Geschäft betreiben, nicht in ihrem Er- werb schädigen dürfe. Der Antrag wurde auch mit großer Mehrheit abgelehnt.— Chronik der MajestätSbeleidigungen. Ein Anstreicher in Trier hatte mit einem dort' dienenden Soldaten einen Wortwechsel. In der Erregung beleidigte er den Soldaten und tat Aeußerungen, die als Majcstätsbeleidigungen erachtet wurden. Die Verhandlung, die unter Ausschluß der Oeffeutlichkeit stattfand, endete mit der Ver- urteilung des Mannes zu fünf Monaten und zwei Wochen Ge- fängnis.— Huetand. Ungarn. Die Bewegung zugunsten des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechis ist in Ungarn in vollem Fluß. Am Sonn- tag wurden in der Hauptstadt Budapest wieder große, niassenhast be- suchte Versammlungen abgehalten, in welchen mehrere Mitglieder des Kabinetts Fejervnry Reden für Einführung des allgemeinen Stimm- rechts hielten. Tie Bewegung greift innner Wetter um sich und bringt die Mehrheilsparteien des ungarischen Parlaments in die größte Verlegenheit. Als Zeichen dieser Verlegenheit ist auch ein Brief anzusehen, den der ungarische Professor Dr. Leopold Kreutzer an der Hochschule zu Kolozsvar dieser Tage an den Genossen Bebel richtete, in dem er ihn aufforderte, zu erklären: ob er es gut heiße, daß die sozialdeinokratische Partei in Ungarn das Losungswort des allgemeinen Wahlrechts in den politischen Kampf geworfen habe, um die Aufmerksamkeit von dem Brennpunkt des Konflikts abzulenken. Dieser Konflikt bestehe darin, daß die Krone den Standpunkt der Nation, da? heißt der parlamentarischen Mehrheit nicht anerkennen könne. Ferner: Ob er billige, daß seine Partei sich auf solche Weise den Bestrebungen der Nation entgegenstelle und in einem Moment das allgemeine Wahlrecht fordere, da man den Willen der Nation vor die Türe setze? Darauf hat Bebel dem Herrn folgende Antwort erteilt: Berlin, den 12. November 1905. Sehr geehrter Herr! Auf Ihre offene Anfrage eine offene Antwort: Da? ungarische Parlament vertritt nicht die ungarische Nation, viel weniger die anderen in Ungarn lebenden Nationalitäten, die wen» nicht zur ungarischen Nation, doch zu dem seit vielen Jahrhunderten auf ungarischem Boden lebenden Volke gehören. Das ungarische Parlament ist nicht die Vertretung der ungarischen Nation, sondern der in Ungarn herrschenden Klassen, des Adels, des Großgrundbesitzes, der Geistlichkeit und der Bourgeoisie. Die große Mehrheit der ungarischen Nation ist außer stände, bei dem reaktionären Wahlsystem und dem bei den Wahlen ausgeübten Druck durch Regierung und herrschende Klassen ihre Vertreter in das ungarische Parlament wählen zu können. Die anderen in Ungarn lebenden Nationalitäten sind, obgleich sie die Steuerpflichr und die Militärpflicht, mit einem Wort alle ihnen vom ungarischen Staat auserlegten Pflichten er- füllen müssen, von der Möglichkeit, eine Vertretung ihrer Interessen im Parlament zu erlangen, ausgeschlossen! Ein Parlament, das auf solch-- Basis ruht, hat kein Recht im Namen des Volkes zu sprechen and zu handeln. Und wenn ein solches Parlament sich weigert, wie es das Ihre getan hat und weiter tun wird, das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht als Grundlage für die Wahlen zum Parlament anzuerkennen, so verdient es, daß es weggefegt wird, einerlei mit welchen Mitteln. Seine Rechts- stcllung bencht auf Usurpation, und Usurpation— und sei sie noch so alt— schafft kein Rech t.*> Ich finde es also durchaus natürlich, daß meine ungarischen Parteigenossen sich gegen das ungarische Parlament erklären und da? allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht nehmen, von wo sie es bekommen können. Ich stehe auch«icht an, zu erklären, daß ich Wort für Wort das Urteil unterschreibe, das Ihr Ministerpräsident General v. Fejervary über die Unfruchtbarkeit und vollkommene Unzulänglichkeit des bisherigen ungarischen Parlamentarismus gefällt hat. Ich wünschte, daß er sein Programm durchftihren konnte, das Ungarn erst zu einem modernen Staate machte, was es bis heute nicht ist. Hochachtungsvoll ergebenst jc. *) Usurpation- Anmaßung, widerrechtliche Besitznahme. Die herrschenden Klassen Ungarns haben die mit dem Blute des Volkes siegreich geschlagene Revolution zu ihren Gunsten benutzt, um sich zu Herren des Volkes aufzuwerfen, indem sie das ungarische Klassen- Parlament schufen._ Wahlrcchts-Borspiel. Budapest, 14. November.(B. H.) Die koalitionSfreundlichen Studenten hielten gestern nachmittag eine Versammlung ab. in der der Universitätsdireltor und alle Verteidiger desselben unflätig be- schimpft und dem relegierten Sttldentenführer Ovationen bereitet wurden. Auch die sozialistischen Studenten hielten eine Versammlung ab. Ein Vertreter der sozialistischen Parteileitung erklärte, diese Partei habe beschlossen, jede Versammlung koalitionSsreundlichcr und klerikaler Elemente zu sprengen. Klerikale Elemente versuchten die Versammlung der sozialistischen Universitätshörer zu stören, wurden jedoch in die Flucht geschlagen. Oest erreich-Ungarn. Die Obstruktion. Die passive Resistenz unter den Eisenbahner»„flaut ab", wie gewisse Blätter sich ausdrücken. In Wirklichkeit steht es damit so, daß die Obstruktion auf den österreichischen StaatSbahn- Linien beendet scheint. Es ist nämlich von der Regierung die ge- forderte Lohnerhöhung bewilligt worden, und zwar für die oberen Kategorien um durchschnittlich 10, für die unteren um 29 Prozent. Die Geschichte hat aber einen Haken; denn es versteht sich von selbst, daß die S t a a t S b a h n e r sich solidarisch mit den Kollegen der Privat bahnen fühlen. Deshalb fordern jene ge- wisse Garantien, daß auch diesen Zugeständnisse gemacht werden. Hoffentlich führt die tapfer und verständig durchgeführte Aktion zu einem Siege der Arbeiter auf der ganzen Linie.— Norwegen. ES ist erreicht! DaS Resultat der Volksabstimmung liegt zwar noch immer nicht endgültig vor. indessen fehlen nur so wenige Kreise, daß ihre Zahlen an dem Endergebnis sicherlich nicht mehr rütteln können. Nach den letzten Daten aus 435 Wahlkreisen sind 242 518 Stimmen für und 64 931 Stimmen gegen die Königspielcrei abgegeben worden. Das Volk will und wird sich also durchaus d i e Rute auf- binden, die andere Nationen so gern entbehren würden.— Nur in 48 Kreisen haben die Republikaner die Mehrheit erzielt, im Amts- bezirk B r a t b e r g in 13 von 23 Kreisen. Die Regierung hal's sehr eilig. Morgen schon wird sie in, Storthing einen Gesetzcntwiirs wegen der Königswahl einbringen. „Unsinn, du siegst!"— Jltpnn. Japanisches. Dem„Daily Telegraph" wird aus Tokio gemeldet: Der frühere Präsident des Abgeordnetenhauses Dono, der der hauptsächlichste Sprecher in der letzten Versaiinnlniig war, in der gegen den Friedensschluß Einspruch erhoben wurde, ferner der Abgeordnete Otaka und die bedeutenden Politiker Jamada und Ogawa sind ver- haftet lvorden unter der Anschuldigung, sich an den in der letzten Zeit stattgehabten Ruhestörungen beteiligt zu haben. Ferner meldet das genannte Blatt aus Tokio, daß auch die Vereinigten Staaten ihre dortige Mission zum Range einer Botschaft erhoben haben, und daß Admiral Togo England»rit� einem Ge- schwader besuchen soll, und zwar wahrscheinlich Ende März. Das halbamtliche Blatt„Koknmin" meldet, der Kaiser von Rußland werde, um bessere Beziehungen zwischen Rußland und Japan herzustellen, binnen kurzem den Großfürsten Alexander Riichailowitsch nach Japan entsenden und in gleicher Mission werde ein japanischer Prinz nach Rußland entsandt worden.— Amerika. Hcarsts hohe Stimmenznhl. Die Majorität Mc. Clellans über Hearst bei der Stadtwahl in New Dork ist ans 8485 Stimmen zusammengeschrumpft. Der Tammanykandidat erhielt 228 651, Hearst 225 166 und der Re- publikaner Jvins 137 949 Stimmen. Für Hearst haben die Arbeiter in großen Massen gestimntt: seine hohe Stimmenzahl hat Sensation erregt. Er hat alle Schritte ein- geleitet, um eine amtliche Nachzählung zu erwirken, und in diesem Bestreben unterstützt ihn der größte Teil der_ New Dorker Zeitungen. Jvins sandte einen Brief an Hearst, in welchem er erklärt, daß er Hearst als den Gewählten betrachte. Die Tammanyleuie sollen viele Wahlbetrügereicn verübt und eine Million Dollar in dieser Kampagne verausgabt haben. Taufende von ungültigen Wahlzetteln wurden für Me. Clellan gezählt, andere tausende Hearst gestohlen. Dieser be- hanptet, daß ihm nach Recht und Billigkeit 59999 Stimmen mehr zukommen. Daß Mc. Clellan seine Position stark verteidigen wird, ersieht man daraus, daß er Alton B. Parker als seinen Advokaten engagiert hat, einen Mann, der im vergangenen Jahre nnt Roosevelt um die Präsideittschaft der Vereinigten Staaten kämpfte. Die zahlreichen und oft sehr hohen Wetten ans Mc Clellan und Hearst harren noch der Entscheidung. Die Auszahlung wird verweigert, bis das amtliche Resultat heraus ist.—- Von Tag zu Tag vermehren sich übrigens die Beweise, daß tat- sächlich ungeheure Mogeleien verübt lvorden sind. So meldet ein Tele- gramm ans New Dork, daß eine Anzahl Wahlurnen im Hudsonflusse ge- funden wurden und daß man bei einem Barbier eine mit Stinimzetteln gefüllte Urne entdeckt hat, an deren Stelle eine falsche eingeschmuggelt worden ist. Man erwartet, daß viele Verhaftungen vorgenonunen werden. Karl Schurz, der berühmte deutsch-anierikanische Staatsmann— der Vergangenheit, gibt gelegentlich ein kleines Lebenszeichen von sich, aber man merkt: er knfln sich in die Gegenwart nur noch schwer zurechtfinden. In Deutschland glauben viele, Schurz, der Befreier Gottsried Kinkels, der Revolutionär von 1848/49, der ameri- kanische Minister des Innern, sei längst gestorben und begrabe». Man wundert sich, wenn man von ihm hört. Bei den letzten Wahlen hat er durch einen Brief an die deutschen Wähler Philadelphias von sich reden gemacht. Nächst der Wahl in Neiv Dork hat nämlich die Wahl in Philadelphia die allgemeine Aufmerksamkeit in den Vereinigten Staaten erregt. weil sich daselbst eine Bürgerpartei gegen die in der Stadtverwaltung herrschende Korruption bildete. Es galt daher, einen starken Ring von Politiker», welche die Stadt verkauften und verrieten, zu sprengen. Die Bürgerpartei rief Karl Schurz zu Hülfe, um auf die zahlreichen deutschen Wähler in Philadelphia einzuwirken. Schurz sandte einen langen Brief an die Deutschen und ennahnte sie, für eine gute, ehrliche Regierung einzutreten. Die„gute, ehrliche Regierung", das ist noch immer Schurz' größtes Ideal; er sagt selbst in dem Briefe:„Ich kenne keinen wichtigeren politischen Kampf in unseren Tagen." Um„die ehrliche Regierung" zu haben, braucht man seiner Meinung nach nur ehrliche Männer zu wählen.— Nun mußte Schurz aber erleben, daß sein Brief von den verschiedenen deutschen Zeitungen in Philadelphia zurückgewiesen wurde und nur in dem sozial- demokranschcil„Philadelphia Tageblatt" Aufnahme fand und redaktionell besprochen wurde. Amerikanische Zeitungen waren liberal genug. Schurz' Brief bekannt zu geben, aber in der deutschen bürgerlichen Presse, die sonst gern mit dem Namen Karl Schurz paradiert, kennt man den berühmten Landsmann nicht mehr, sobald es gegen die eigenen kleinen Interessen geht, die mit den Interessen von Korruptionskliqnen gewöhnlich eng verknüpft sind. ES sei übrigens bemerkt, daß es der Vürgerpartei zum Glück gelang, den Ring von korrupten Politikern zu sprengen.— Soziales» Krankcligelderhinterzichung. Insbesondere im Baugewerbe hören die Unterschlagungen an Krankengeldbeittägen seitens Arbeitgeber nicht aus. Die Beiträge werden den Arbeitern abgezogen, aber nicht abgeliefert und dann— wird über hohe Lasten der Unter- nehmer geklagt. Dieser Tage find allein in Berlin verurteilt: durch die vierte Strafkammer des Landsgerichts I der B a u u n t e r- n'e h in e r Kn e i se l wegen Hinterziehung von Krankenkassenbeiträgen in Höhe von 66 M. zu 150 M. Geldstrafe cvent. 15 Tagen Ge- fängnis, fast zu gleicher Zeit durch das Landgericht II der Bau- unrernehmer S a l I y L e V h wegen de? gleichen Vergehens zu 3 Wochen Gefängnis, serner der Schlosser und Bau- Unternehmer B r a e tz zu einer Geldstrafe, der B a u g e s ch ü f s- i n h a b e r I. M. M ü l l e r zu 59 M. und der B a u u n t c r- nehm er Genske zu 69 M. Geldstrafe. Waö darf ein Zeugnis enthalten'? Nach dem Gesetzbuch sGe- Iverbe-Ordnung, Handelsgesetzbuch§ 73, Bürgerliches Gesetzbuch§ 630) hat ein Arbeiter einen Anspruch auf Erteilung eines schriftlichen Zeugnisses bei Beendigung seines Arbeitsverhältnisses. Das Zeugnis hat sich über die Art und Dauer der Beschäftigung auszulassen. Der Inhalt hat sich aus Verlangen des Arbeiters auch auf die Leistungen und die Führung zu erstrecken. Diese Vorschriften sind zum Schutze gegen eine Behinderung der Verwendung der Arbeitskraft in einem anderen Betriebe gegeben. Aber selbst diese unzureichenden Vorschriften werden häufig nicht beobachtet, so daß Klagen ans Ausstellung dem Gesetz entsprechender Zeugnisse, auf Berichtigung inhaltlich unwahrer Abschicdsscheiiie, auf Schaden- ersatz wegen unrichtiger Zeugnisse unausgesetzt Gewerbe-, Kauf- maims- und Amtsgerichte beschäftigen. Vor nns liegt ein von der „Deutschen Buch- und Kmistdruckerei, Gesellschaft m. b. H. in Zossen" einem Buchbindermeistcr erteiltes Zeugnis. Das Schriftstück legt Zeugnis davon ab, wie schwer es manchen Firmen wird, ihre elementarsten gesetzlichen Pflichten zu er- füllen und gerade solche Firmenleiter, die nicht Firmeninhaber, sondern deren Angestellte sind, die Stellung der im Betriebe tätigen Arbeiter als die von Hörigen zu betrachten belieben. Das Zeugnis lautet: Zeugnis. , Herr Joseph Sch. war in der Zeit vom 17. November 1994 bis heute in unserer Druckerei als Bnchbindermeister tätig. Mit seinen Arbeiten waren wir im allgemeinen zufrieden, obwohl er es oft an der nötigen Sorgfalt fehlen ließ. Seine Entlassung imißte erfolgen, da er seinem Vorgesetzten in flegelhafter Weise den G e- h o r s a m verlveigerte. und außerdem in der Zeit der darauf er- folgenden Kündigung, sei es durch Nachlässigkeit oder Absickt. dem Geschäft durch Verderben einer größeren Arbeit schweren Schaden bereitete. Deutsche Buch- und Kunstdruckerei. Gesellschaft mit belchr. Hastimg, Zossen. gez. Jahn. Bcstcucnma des Grundbesitzes nach de», gemeinem Wert. Die Stadt Jena hat gestern ein Ortsftatnt erlassen, das die Besteuerung des GrmidbefftzeS nach dem gemeine» Wert versieht. Jena ist die erste Stadt dcö GroßhcrzogtnmS SachscittWeimar-Eisenach, die cm solches Statut erlassen hat. ©ewcrhlcbaftlidKö, Die vollendeten Rechtsgarantien. In München sind zurzeit als Folge der letzten beiden Massenaussperrungen zahlreiche Anklagen wegen Ver- gehens nach Z 1ö3 der NeichS-Gewerbeordnung an der TageS- ordnung. Es vergeht nahezu nicht eine Sitzung, wo nicht das „Bagatellgericht" die ramponierte Ehre einiger zweifelhafter»nütz- licher Elemente" zu reparieren hat oder wenigstens den Versuch hierzu macht. Dabei tritt eine sehr markante Rechtsnnstcherheit zutage, die schon im Interesse einer geordneten Rechts pflege möglichst bald dadurch beseitigt werden sollte, datz Anklagen nach ß 153 der Gewerbeordnung st e t s nur einem und demselben Schöffe nrichter überwiesen werden sollten. Denn während das eine Gericht den Tatbestand der KZ 1S2 und 153 nicht gegeben erachtet, weil es sich bei den in Rede stehenden Bewegungen nicht um Streiks zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen, sondern um Aussperrungen der Arbeiter gehandelt habe und in zahlreichen Fällen ans diesem Grunde auf Frei- sprechung erkannte, stellen sich wieder anders be setzte Schöffengerichte auf den Standpunkt, datz die Aus- sperrnng der Arbeiter erfolgte zu dem Zwecke, um die Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen durch die Arbeiter hintan- zuhalten, wo der Tatbestand des Z 152 gegeben sei! Beklagenswert ist es in diesen Fällen, dah man jenem berüchtigten Schandrevers, der den Austritt der Arbeiter aus ihrer Organisation forderte und dessen N i ch t u n t e r z e i ch n u n g schließlich zur allgemeinen Aussperrung führte, wenig oder gar keine Bedeutung beimißt! So erhielt am Sonnabend der Maurer Johann R i e d a u vierzehn Tage Gefängnis, weil er während des Manrer.streikS" versuchte, einen Arbeitsivilligen durch Ehrvcrletzung am„Streik" zu bestiminen. Ebenfalls auf 14 Tage Gefängnis tvnrde das Vergehen des Maurers Moritz Wunder taxiert, der ähnlich handelte wie fein Kollege. Dagegen kamen die Maurer Otto S c i b o l d und Franz E i ch n e r mit drei Tagen Kasten weg. weil sie während des BauarbeitcrstreikS durch Drohungen zur Teil- nahine am Bauarbeiter„strcil" zu bewegen suchten. Und am Montag Ivurde der Zimmermann Kies tv immer von der Anklage des gleichen Vergehens freigesprochen. Die beleidigenden Aeußerungen wurden von dem Angeklagten zugegeben. Dagegen bestritt der Verteidiger Rechtsanwalt Nußbaum, daß der Tatbestand des § 153 gegeben sei, da es sich nicht um einen Steik zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen, sondern um eine Aus- f p e r r u n g der Arbeiter handelt, wobei der R e v e r s, der den Arbeitern eine Ehrlosigkeit zumutete, die Hauptsache war. DaS Gericht würdigte diese Ausführungen und erkannte auf Frei- sprechung, wobei das Gericht in der Urteilsbegründung fest- stellte, daß die Zumutung der Arbeitgeber au die Arbeiter, einen derartigen Revers zu unterschreiben, eine höchst ungerechtfertigte war. Berlin una Clmgegend. Zur Lohnbewegung der Kupferschmiede. In der Verbands- Versammlung am Montag erstattete der Vorsitzende Korbowicz den Bericht über den Stand des Streiks. Demnach sind zu den 27 Firmen, die bereits bewilligt hatten, keine neuen weiter hinzu- gekommen. Nicht bewilligt haben 12 Firmen. Zu den neuen Bc- dingungcn arbeiten bisher 113 Kollegen, 133 stehen noch im Streik. Die Lohnkommission hat sich jüngst schriftlich an den Vorsitzenden der Arbeitgeber-Vercinigung mit dem Ersuchen um Verhandlung gewandt. In der Antwort heißt es unter anderem, die Arbeit- geber hätten zwar ebenfalls den Wunsch, die Lohnbewegung be- endet zu sehen, jedoch hielten sie gemeinschaftliche Beratungen für zwecklos, tvcil dadurch die früheren Beschlüsse der Arbeitgeber nicht rückgängig gemacht werden könnten. Zwar verschließe sich die Arbeitgeber-Vcreinigung nicht der Tatsache, daß sich die Löhne in aufsteigender Tendenz bewegen und auch fernerhin bewege» würden? die gegenwärtigen Forderungen seien aber zu hoch. Deshalb mühten sie eS den Gesellen überlassen, zu den bereits gemachten Zugestand- nissen, Erhöhung des Minimallohnes von 53 auf 52VH Pf. pro Stunde, die Arbeit wieder aufzunehmen. Auch an den Vorstand der Berliner Kupferschmiede-Jnnung hat sich der Altgeselle mir dem Antrage gelvandt, eine JnnungSversamnrlung zwecks gemein- famcr Aussprache über die Forderungen einzuberufen. Eine Ant- wort ist bisher jedoch nicht erfolgt, ein Beweis dafür, daß die Innung sich nur noch als Anhängsel der Brandenburger Arbeit- geber-Bereinigung fühlt.— Irr der Debatte wurde der Stand des Streiks von der großen Mehrheit der Redner nach wie vor als günstig bezeichnet, indem sie der Ansicht Ausdruck gaben, daß, da der Streik erst drei Wochen gedauert und ein verhältnismäßig günstiges Ergebnis gezeitigt habe, gar kein Anlaß zum Nachgeben vorliege. Arbeitswillige seien nur wenige vorhanden, und an Geldmitteln sei ebenfalls kein Mangel. Auch könne die Forderung, 33 Pf. Minimallohn und ÜMsstiindige Arbeitszeit, nicht als un- bescheiden bezeichnet werden. Zuletzt lief jedoch ganz unvermittelt ein Antrag ein, den Streik auszuheben. Dieser Antrags führte zu einer neuen erregten Debatte, in deren Verlauf beschlossen wurde, zum Sonnabend eine weitere Versammlung einzuberufen, woselbst die Streikenden nur allein über Beendigung oder Weiterführung des Streiks beschließen sollen. Tarifbewegung der Kartonnieter. Der Tarifvertrag der Kartonnieter, der im September des Jahres 1933 abgeschlossen wurde, läuft am 31. Dezember ab. Bereits am 6. November hatte sich eine Branchenvcrsammlung der Nieter mit dem von ihrer Kam- Mission ausgearbeiteten Entwurf zu einem neuen Tarifvertrag be- fchäftigt, und eine zweite Branchenvcrsammlung, die am Montag bei Feind in der Weinstraße stattfand, beendigte diese Beratungen. Der schließlich einstimmig angenommene Entwurf unterscheidet sich nur in wenigen Punkten von dem geltenden Tarifvertrag. Es werden nur geringe Verbcsserungen verlangt, deren Durchführung voraussickstlich keine großen Schwierigkeiten bereiten wird, zumal da eine verhältnismäßig starke Organisation in der Branche selbst wie auch eine starke Zentralisation, der Buchbinderverband dahinter steht. Besonders wichtig erscheint es, daß für die Bestimmung über Benutzung des paritätischen Arbeitsnachweises eine schärfere Fassung vorgeschlagen wird, und das Umschauen nach Arbeit gänzlich verboten werden soll. Bisher ist es in der Branche leider teilweise noch üblich, daß die Arbeiter durch Anfragen bei den Prinzipalen oder Werkführern, durch Briefe und Karten Arbeit suchen, obgleich keineswegs ein derartiger Arbeitsmangcl herrscht, daß er zur E»t- schuldigung dieses bettclhaften Verfahrens dienen könnte, das dazu sührt, daß Arbeitsuchende, die sich an den Nachtveis halten, oft un- gebührlich lange auf Arbeit warten müssen.— Die Versammlung erteilte der Branchenkommission den Auftrag, unverzüglich mit den Prinzipalen in Verbindung zu treten und für Durchführung des neuen Tarifcs zu sorgen. Die Lederarbeiter(Weißgerber, Färber) nahmen gestern abend in einer stark besuchten Versammlung Stellung zn dem erneuten Angebot, daß die Uicternehmer in einer Sitzung mit der Lohn- kommisfion gemacht hatten. Danach wollen die Fabrikanten ge- währen: 3 Proz. Lohnerhöhung, nach weiteren zwei Jahren Stunde Arbeitszeitverkürzung und 5 Pro». Lolmzulage oder aber bei keiner Arbeitszeitverkürzung sofort 5 Proz. Lohner. Höhuno und in zwei Jahren ein weiteres Prozent. Die Versamm. lung beschloß nach mehrstündiger Debatte, das Angebot in geheimer Abstimmung mit 485 gegen 33 Stimmen abzulehnen. Ter Kampf geht weiter. Bon der Zigarettenfabrik„Tassi" erhalten wir folgende Zu- schrift: In Ihrer Nummer 267 bringen Sie unter:„Zur Lohn- bewegung der Berliner Zigarettcnarbeiter" u. a., daß wir am Sonnabend unseren Arbeitern Lohnabzüge gemacht hätten.— Das ist unrichtig. Es handelt sich lediglich darum, daß einem einzigen Arbeiter bei der Wochenlohnberechuung irrtümlicherweise„23 Pf." zu wenig ausbezahlt wurden. Es war dies aber kein bewußter Abzug, sondern bloß ein Versehen, das bereits richtig- gestellt wurde. Es ist uingekehrterweisc auch schon mal vor- gekommen, daß einem Arbeiter zuviel ausbezahlt worden ist, was ebenso prompt richtiggestellt wurde, wie es in diesem Falle g« schehen wäre, wenn der betreffende Arbeiter sofort den Irrtum aufgeklärt hätte. Hochachtungsvoll Zigarettenfabrik„Tassi". Achtung, Maurer! Der Neubau in der Neuen Donaustraße zu Rixdorf, der angeblich von dem Baumeister Kurt Behrendt, in Wirklichkeit von einem Unternehmer Lehmann aufgeführt wird, ist wegen verschiedener Mißstände für organisierte Maurer gesperrt. Achtung, Eisenformer! In der Gießerei„Deutsche Stahl- und Eisenwerke", Obcr-Schöncwcide bei Berlin, haben samt- liche Former und Gietzerei-Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Ver- schiedene Mißstände sowie unangemessene Behandlung der Arbeiter gaben die Veranlassung.— Zuzug ist fernzuhalten. Berichtigung. In der gestrigen Veröffentlichung des Verbandes der Graveure, Ziseleure usw. soll es nicht heißen: Friedrichshagen- Berlin, Sektion Berlin, sondern richtig: Friedrichshagen- Berlin, S e e st r a ß e. veutkck,«» K.«lck». Der Bergarbeiterstrcik in Schlesien. Nach der„Schlesischen Zeitung" haben die Bergarbeiter der Wildensteinsegengrube der Direktion ihre neuen Bedingungen über- reicht, unter denen sie die Arbeit wieder aufnehmen würden. Die Direktion gab hierauf die Erklärung ab, nicht eher wieder in Unter- Handlungen treten zu wollen, bis die Aufnahme derArbeit erfolgt sei. Sie lehne bis dahin die Forderungen ab. Der Ausstand in der Wildensteinsegengrube hat sich auf alle Schächte dieser Grube ausgedehnt. Von der gestrigen Frühschicht sind etwa 1333 Mann nicht eingefahren. Auf der konsolidierten Gieschegrube hat der Ausstand einen solchen Umfang angenommen, daß die Eisenbahnverladungen eingestellt sind. Auf der KleophaSgrube sind von der Belegschaft mir 1233 Mann angefahren. In Janer sind Gendarmen gegen die Ausständigen mit scharfer Waffe vorgegangen. Die„Schlesische Zeitung" meldet, daß ein Gendarm einen Streikenden erschossen, mehrere andere schwer verwundet habe! Der Gendarm selbst wurde schwer verletzt! Bei den Gewerbegerichtswahlen in Mülhausen i. Elf., die am Sonntag, den 12. d. Mts., stattfanden, unterlagen die Kandidaten der christlichen Gewerkschaften mit durchschnitllich 1353 Stimmen gegenüber den Kandidaten des Kartells der freien Gewerkschaften, welche mit durchschnittlich 2523 Stimmen gewählt wurden. Die Wahlbeteiligung betrug 48 Proz. Das christliche Gewerkschafts- kartell hatte eine intensive Geheim agitation unter Ver- meidung aller öffentlichen Versammlungen entfaltet. Die städtischen Arbeiter in Königsberg, die sich in diesem Sommer orgamsiert haben, sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Sie haben folgende Forderungen aufgestellt: 1. Einführung der Maximal- Arbeitszeit in sämtlichen Betrieben auf neun Stunden täglich. 2. Ueberstunden sind nur in ganz besonders dringlichen Fällen zulässig. 3. Wo jetzt eine kürzere Arbeirszeit besteht, soll sie unverändert bleiben. 4. An Minimallohn werden für die gelernten Arbeiter pro Tag 4,23 M. gefordert.(Bekanntlich lehnten die Stadtväter vor noch gar nicht langer Zeit einen sozialdemokratischen Antrag ab, den Minimallohn auf 33 Pf. festzusetzen.) 5. Von Jahr zu Jahr soll der Lohn um 13 Pf. pro Tagesschicht steigen, bis 5,23 M. pro Tagesschicht er- reicht sind. 6. Ueberstunden sind mit 52 Pf. zu bezahlen. 7. Für Nachtarbeit von 9 Uhr abends bis 3 Uhr früh werden 32 Pf. pro Stunde verlangt. 8. An Minimallohn werden für ungelernte Arbeiter 3,53 M. pro Tag gefordert. 9. Ter Lohn soll hier auch von Jahr zu Jahr um 13 Pf. pro Tag steigen, bis ein Lohn von 4,53 M. erreicht ist. Ueberstunden sollen mit 45 Pf., Nachtarbeit mit 55 Pf. bezahlt werden. 13. Ter Mindestlohn für Fcuerleute in der Gasanstalt soll 4,23 M. pro TagcSschicht betragen, steigend von Jahr zu Jahr un, 13 Pf. pro Tagesschicht, bis der Lohn von 5.23 M. erreicht ist. 11. Leute, die an Sonntagen arbeiten müssen, wie Straßenreiniger, Laternenanzünder usw., sollen den vollen Schichtlohn erhalte», ganz gleich, wie lange ihre Tagesschicht dauert. Diese Arbeiter sollen aber jeden dritten Sonntag frei haben. 12. Akkordarbeit ist völlig zu beseitigen. 13. Arbeitern, die schon höhere Löhne erhalten, als wie jetzt gefordert werden, darf der Löhn nicht gekürzt werden.— Es gibt in Königsberg etwa 1333 städtische Arbeiter. Davon sind 333 organisiert. Die Forderungen sollen in den Betrieben, in denen Arbeiterausschüsse vorhanden sind, diesen zur weiteren Veranlassung übergeben werden, und in den anderen Betrieben sollen sie vom Verband direkt vertreten werden.— Nun wird die„liberale" Stadtverwaltung Farbe zu bekennen haben. Sic wurde auch zu dieser Versammlung, in der die Forderungen auf- gestellt wurden, eingeladen. Es war aber von den Herren niemand erschienen. Die französischen Arsenalarbeiter toben den Ausstand proklamiert und gestern früh begonnen; in Rochefort arbeiten von 2833 Mann 253, in Loricnt sind nur einzelne Arbeiter zur Arbeit erschienen, die Ausständigen veranstalteten dort eine große Kundgebung. In Brest erschien angeblich eine große An- zahl von Arbeitern im Arsenal. Aus Brest, Cherbourg, Loricnt und Toulon wird gemeldet, daß die Ausständigen Versammlungen abhalten und truppweise die Straßen durchziehen, wobei sie die Internationale absingen.— In Toulon waren nur etwa 103 Arbeiter zur Arbeit erschienen. Der spät abends bekannt gewordene Beschluß der Arsenalarbeiter, den Ausstand zu pro- klainieren, veranlasste die Zivil- und Militärbehörden, über die zu treffenden Maßnahmen eine Einigung herbeizuführen. Man kam überein, die Zivilbehörden mit der Aufrcchterhaltung der Ordnung zu betrauen, indessen weigerte sich der sozialistische Bürgermeister von Toulon, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, weswegen schließlich der Unterpräfekt mit dieser Aufgabe betraut wurde. In den Arsenalen werden alle Vorkehrungen getroffen, um mit den noch nicht streikenden Leuten die Fortsetzung der dringenden Arbeiten zu sichern. Man beschloß deshalb, die Probefahrten mit den neu fertiggestellten Schiffen auf später zu vertagen. Versammlungen. Serband der baugcwcrblichen HülfSarbeiter. Der Zwcigverein Berlin und Umgegend hielt am 12. November bei Buggcnhagcn seine Gemralvcrsammlung ab. Die Abrechnung vom dritten Vierteljahr schließt mit der Einnahmcsumme von 75 916,23 M�, wozu ein alter Bestand von 31 497,83 M. kommt; ausgegeben wurden 39 157,33 M., so daß der Bestand am Viertelsjahresschluß auf 38 256,73 Mk. angewachsen war. Die Zahl der Mitglieder, die ihre Beiträge voll bezahlt hatten, stieg im selben Zeitraum von 3536 auf 8222. Nach der Rechnungslegung durch den Kassierer Böttcher hielt Genosse Ernst Brückner einen Vortrag über „Partei und Gewerkschaften". Der Redner sprach sich sür die grundsätzliche Neutralität der Gewerkschaften aus und er- klärte, daß trotz dieser Neutralität die Mitglieder naturnotwendig zum Klassenkampf erzogen würden, und zwar durch die Vorträge in den Versammlungen, durch die Bibliotheken und durch die ganze Agitationsweise. Die Erreichung des idealen, sozialen Zieles der Partei sei nur auf dem Wege der Evolution möglich; wohl würden die Evolutionsperiodcn vielleicht durch gewaltsame Ausbrüche, Eruptionen, unterbrochen, aber durch diese selbst werde eine neue Gesellschaftsordnung nicht herbeigeführt. Dieser Auffassung ent- sprechend äußerte sich der Redner über die Maiseier sowie über die Frage des politiscl�n Massenstreiks, der bei den in Deutschland herrschenden Verhältnissen hier gegenwärtig keinen Erfolg ver- spreche. Der Redner schloß mit der Bemerkung, daß vor allem eine solche� Erziehung der Kinder notwendig sei, dass die jungen Männer als Soldaten sich nicht verführen lassen, auf Vater und Mutter zu schießen. Beim Ausrausch der Meinungen innerhalb der Arbeiter- bewegung solle man sich nur durch vernünftige Erwägungen leiten lassen und keinen persönlichen Gehässigkeiten Raum geben.— Irr der Diskussion bemerkte Genosse Marx, der ganze Inhalt des Vortrages sei zu verwässert und entspreche in den Grundgedanken wohl manchem in der Versammlung nicht. Es klinge allzu re- bisionistisch, wenn der Referent von„radikalen Phrasen" spreche. In Deutschland seien auf Grund der iveiter vorgeschrittenen Auf- klärung die Bedingungen für einen politischen Massenstreik in weit höherem Matze vorhanden als in Rußland.— Weitere Redner verlangten nicht das Wort. In seinem Schlußwort erwiderte der Referent auf jene Einwendungen. Sodann sprach Hcidemann über das Ergebnis der dies- jährigen Bautenkontrolle, über die bereits-im„Bau-Hülfsarbeiter" vom 4. November ein aussührlichcr Bericht erschienen ist. Sie er- streckte sich auf 1671 Bauten, auf denen 12 857 BauhülfSarbeitcr tätig waren, von welchen zurzeit 8873 organisiert waren, und zwar 7828 im Banhülfsarbeiter-Verband. Die Nachforschungen über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse haben ergeben, daß sich das Vertrags- Verhältnis im allgemeinen gut bewährt hat. Bei 114 Arbeitern konnten die Löhne nicht ermittelt werden; rechnet man diese mit zu den unter Tarif Arbeitenden, so kommt man auf eine Gesamt- zahl von 492 Arbeitern, die geringeren Lohn als den tarifmäßigen erhielten; das sind 5,37 Proz. der Beschäftigten. Unter diesen 492 befinden sich viele in den Außenbezirken tätige polnische Ar- beiter. Von ihnen ist ein großer Teil auf Tegeler Gebiet bei der städtischen Gasanstalt beschäftigt. Bei Aufnahme der Kontrolle haben die Poliere sowie auch die Arbeiter mehr Entgegenkommen gezeigt als früher, und die Kontrolleure wurden nicht, wie es sonst häufig der Fall war,' vom Bau verwiesen.— Ferner berichtet Heidcmann über die am 7. November getroffene Vereinbarung zur Schlichtung der Grcnzstreitigkeiten mit der Sektion der Gips- und Zcmentbranche des Maurerverbandes. Auf Grund des betreffenden Kartellvcrtrages wurde vereinbart, daß mit Beginn des Jahres 1936 diejenigen Mitglieder der Manrcrverbands-Sektion, die mit der Zubereitung und dem Transport des Materials beschäftigt sind, ohne Eintrittsgeld in den Banhülfsarbeiter-Verband übertreten. Bedingung ist, daß sie ihre Beiträge voll bezahlt haben. Mitglieder des Bauhülfscrrdeiter-Vcrbandes, die ihrer Beschäftigung nach dem Maurerverband angehören sollten, treten unter denselben Bc- dingungcn in diesen Verband über.— Ten Mitgliedern des Bau- Hülfsarbcitcr-Vcrbandcs wird alles Nähere über diese Angelegen- hcit durch Rundschreiben mitgeteilt.— Des weiteren teilte der Redner mit, daß am 6. Dezember eine Statistik über die Arbeits- losigkeit im Beruf aufgenommen wird, was in Zukunft im Jahre viermal geschehen soll.— Der Kassierer Böttcher machte darauf aufmerksam, daß in den Bezirken, wo das Hauskassieren eingeführt ist, gute Erfolge damit erzielt worden sind, und daß dieses System in allen Bezirken durchgeführt werden soll. Eingegangene Vfuchfcbritten. Dr. I. Grunzet. System der Judustriepolittt, 3S3 Seiten. Preis 8 M. Verlag Duncker u. Humblot, Leipzig. .Katscher, Leopold. Wie cS in der Welt zugeht. Kart, ö Bogen 1 M. Fonruier. Prof. Dr. Alfred: Die Syphilis, eine soziale Gefahr. Deuljch von Dr. med. Gaston Vorberg. 63 Pj. G. W. Schiele. Briese über Landslucht und Polensrage. 138 Seiten. Preis brosch. 1,53 M.. Kart. 2 M, Verlag Hüpeden u. Merzyn, Berlin, W. 33. Letzte Nachricbten und Depefeben. Immer dasselbe Lied. Dresden. 14. November.(Wi T. B.) Die Zweite Kammer begann heute die Etatsberatung. Finanzminister Dr. Rüger warnte in seinem Finanzexpose vor allzugroßem Optimismus und berührte das finanzielle Verhältnis zum Reiche, das er als nicht ziifricdenslellcnd bezeichnete. Auch die starke Zunahme der Reichs- schulden, die wegen der Matrikularbeitragspflicht der Einzclstaaten auf diese rückwirkende Kraft hätten und also im letzt«, Grunde Landesschulden seien, mahne zu einer Verminderung der Staats- schulden. Daß die finanziellen Verhältnisse des Reiches nichts weniger als befriedigende seien, werde von keiner Seite bestritten. Tie Matrikularbeitragspflicht der Einzelstaatcn sei eine un- gemessene. Unaufhörlich drohe der Rückgriff der Reichsforderungcu auf die Landesfinanzcn. Ob die Reichsftnanzreform hierin Abhülfe bringen werde, lasse sich mit Wahrscheinlichkeit gar nicht absehen. Studenten,- Dem onst ration. Lenwcrg, 14. November.(W. T. B.) Heute abend versuchten mehrere hundert Hörer de» Polytechnikums der Universität und Handwerker eine Teinoustration vor dem russischen Konsulate zu veranstalten.� Polizeibcamte traten ihnen jedoch in den zu dem Konsulate führenden Straßen entgegen und zerstreute die Demonstranten, die von dort nach dem deutschen Konsulate zogen, wo jedoch ebenfalls die ZugangSstraßcn abgesperrt waren. Die Demonstranten bewarfen die Polizei mit Steinen und gaben mehrere Revolver schüsse ab. so daß die Poilzci von der Waffe Gebrauch machen mutzte, um die Menge zu zerstreuen. Mehrere Studenten und Polizeibeamte wurden dabei verwundet. Segen der deutschen Politik. Lemberg, 14. November.(B. H.) Sämtliche polnischen Blätter behaupten, die plötzliche polenfeindliche Strömung in den PeterS- burger Regierungslreisen sei durch den Einfluß Deutschlands her- bcigefiihrt worden._ Ungarisches. Budapest, 14. November.(W. T. B.) Die Regierung hat den Ausschuß der Pester KomitatSvcrsamnilung, der den Widerstand gegen die Regierung organijiert hat. aufgelöst und den Pester Vize- gcspan FazckaS, der sich geweigert Ixatte, den Weisungen dcS Ober- gespanS Folge zu leisten, seines Amlrs entsetzt. Generalstreit der französische» Tabakarbciter. Paris, 14. November. Das Zentralkomitee der staatlichen TabakSmonopolarbeiter hat beschlossen, den GeneralauSftand für den 16. d. M. zu proklamiercu, falls der Senat den geforderten Neunstundentag nicht beschließt. Paris. 14. November. Der Senat nahm auf Antrag des Ministerpräsidenten Ronvier den Gesetzentwurf an, durch welchen Ergänzungskredite eröffnet werden, die es ermöglichen die tägliche Arbeitszeit der Arbeiter in den staatlichen Tabak- und Streichholzfabrikcn auf neun Stun- den herabzusetzen._ Zum Streik der Arsenakarbeiter. Paris, 14. November.(W. T. B.) Nach den letzten bis neun Uhr abends hier cingelaufeucn Nachrichten sind»n den Arffnalen und anderen Marincctablissemcnts im ganzen 49 Proz. der Gejamt. Arbeiterschaft ausständig. Die größte Zahl weist Touion auf, wo von 3530 Arbeitern 3139 ausständig sind_ Verantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Pellag: PorwärtsBuchdr.u. VerlagSanstaltPaulSingeräcCo., Berlin Hicrz»3Vcilageiiu.U»terhaltniigSblaU Nr. 268. 22. Jahrgang. 1. KilM ilcs.Fmiirts" Kttliiitt WlllSdlM Mittivoch. 15. Novtlttder 1965. Gewerkschaft gegen Partei. Die inneren VerwaltungSangelegenhciten unserer Partei, speziell die Zusammensetzung der Redaltion des„Vorwärts", sind sicherlich keine gewerkschaftlichen Angelegenheiten; und ebenso wenig wie die sozialdemokratischen Instanzen berechtigt sind, den Gewerkschaften Vorschriften darüber zu machen, welchen Personen sie ihre Vertrauens- Posten übertragen sollen, ebensowenig haben umgekehrt die Gcwerk- schaften zu bestimmen, welche Personen die von der Partei ernannten Aufsichtsinstanzen in Vertrauensstellungen berufen oder belassen sollen. Dieser Grundsatz ist so allgemein anerkannt, daß man Verstöße gegen ihn für ausgeschlossen halten sollte, und doch wirft daS„Correspondenzblatt" der Generalkommission der Ge- werkschaften sich zugleich zum Ankläger und Richter in einer reinen Parteiftage, im sogenannten„VorwSrts"-!tonflikt, auf. und zwar auf Grund der einseitigen Aussagen des einen Teiles der Be- teiligten, ohne den Erklärungen der Gegenseite irgend welche Be- achtung zu schenken: ein Verfahren, das nicht nur von einer maß- losen Selbstüberhebung, sondern zugleich von einer beftemdcnden Befangenheit zeugt, die sich nur aus einer eigenartigen Seelen- Verwandtschaft des Verfassers mit den ausgeschiedenen„Vorwärts"- Redakteuren erklären läßt. Schon die Ucbcrsicht, welche da?„Correspondenzblatt" als Einleitung seines Ausfalles gegen den Parteivorstand, die Preß- tommission und die neue Redaktion über die Vorgänge im„Vor- wärtS" gibt, ist höchst tendenziös zugestutzt. Charakteristisch dafür ist folgende Auslassung: „Ehe diese Aufklärung erfolgte, spitzte sich der Konflikt zur kündigungslosen Entlassung der sechs Redakteure zu. Der Partei- vorstand wollte das Schweigegebot in erster Linie auf den „Vorwärts" erstrecken. Die Redakteure glaubten ihrer Partei- Pflicht zuwider zu handeln, wenn sie Angriffe der bürgerlichen Presse aus diesem Anlaß nicht zurückwiesen, und sie wollten mit Zustimmung der beiden anwesenden Parteivorstandsmitglieder eine Notiz im„Vorwärts" veröffentlichen, die sich gegen die Verteidigung deS Parteivorstandes durch die Stummsche„Post" richtete. Diese Veröffentlichung wurde in letzter Stunde durch zwei Redakteure der Minderheit inhibiert und letzteres danach vom Parteivorstand gerechtfertigt," Tatsächlich ist keine einzige Person„k ü n d i g u n g S l o§" ent- laffen, noch sollte irgend jemand„k ü n d i g u n g S l o s" entlasten werden. Die sechs ausgeschiedenen Redaktcure haben vielmehr selbst gekündigt und zwar in höchst provokatorischer Weise; aber selbst dann haben keineswegs Parteivorstand und Preßkommission sofort die„Sechs" entlasten, sondern erst, als diese den„Vorwärts" zur Inszenierung eines Parteiskandals benutzten. Doch selbst dann noch wurde streng darauf geachtet, daß keine berechtigten Ansprüche ver- letzt«vurdcn und jedem der Sechs fein ganzes Gehalt bis zuin 1. April nächsten Jahres ausbezahlt. Zweitens waren die beiden Redakteure durchaus befugt, die Veröffentlichung der„Post"-Notiz zu inhibieren, da nach einem früher vom Parteivorstande mrd der Preßkommission unter Zu- stimmung der Gesamtrcdaktion gefaßteu Beschluß alle Parteiftagen betreffenden Artikel und Notizen vor dem Abdruck der Gesamtredaktion vorgelegt werden mußten, die„Sechs" sich aber einfach über diesen Beschluß hinweggesetzt hatten. Diese in den engeren Parteikrcisen allgemein bekannten Tatsachen werden nun, um Stiminung gegen die Partei-Jnstanzen und die neue„Vorwärts"-Redaktion zu machen, vom Verfasser deS .Correspondenzdlatt"-Artikels einfach ignoriert. Immerhin ist die Schilderung der Vorgänge noch ein Muster von Objektivität gegen die Folgerungen, die der Verfasser daraus zieht. Er sagt: „Soweit die Vorgänge lediglich innere Parteiverhältniste be- treffen, ist es nicht unsere Aufgabe, uns in diese Auseinander- setzungen hineinzumischen. Der Streit zwischen der ökonomisch- hi st ort scheu und der ethisch-ästhe- tischen Richtung ist ebenso wenig wie der der Radikali st en und Revisionisten eine Angelegen- heit der Gewerkschaften. Es ist Sache jedes Partei- genossen selbst, in diesen Auseinandersetzungen Stellung zu nehmen. Auch der soziale Konflikt, in den die sechs Genossen als Angestellte der Partei gedrängt wurden, berührt die Gewerkschaften nur mittelbar. Das Verhältnis der Angestellten der modernen Arbeiterbewegung ist ein anderes, als das zwischen Lohnarbeiter und Kapitalist— soll es wenigstens sein. Diese Angestellten dienen nicht der kapitalistischen Prositerzeugung, sondern dem Gemeinwohl der Partei bezw. der Gewerkschaften. Sie stehen sonach nicht in einem Klassengegensatz zu ihren Arbeitgebern, sondern in einem besonderen Vertrauensverhältnis als Beauftragte ihrer Genossen und Organ i- s a t t o n e n. Daraus ergibt sich naturgemäß, daß die Anstellung und Entlastung solcher Kräfte sich nach anderen Maximen vollzieht. als in bürgerlichen Unternehmungen. Das Vertrauen der Genosten ist in erster Linie der RechtSbodcn solcher Stellungen; wo dieses fehlt, da tritt der Betreffende zurück oder wird seiner Stellung entkleidet. Dazu kommt selbstverständlich die soziale Pflicht, für den Genossen, dessen Arbeitskraft im Dienste der Gesamtpartei aufgebraucht wurde, auch für den Rest seiner Tage zu sorgen. Aber eben weil die Angestellten der Arbeiterbewegung Ver- trauenSpersonen sind, darf umsomehr verlangt werden, daß man auch ihren Rat hört und daß man ihnen dieses Vertrauen nicht kurzerhand entzieht, ohne sie zu hören und ohne ihnen Gelegen- heit zur Rechtfertigung zu geben. Wenn Ivir selbst von» Privat- Unternehmer verlangen, daß er den einzelnen Arbeiter nicht ent- läßt, ohne ihn zu hören und ohne seiner Vertretung, seien es Arbeitcrausschuß oder Gewerkschaft, daS Recht der Be- ratung und Mitentscheidung zu geben, so muß ein solches Recht der Angestellten der Arbeiterbewegung in weit höherem Maße gellen. Der Redakteur. der entlassen werden soll, muß zuvor gehörr werden. sonst hätte er niemals das Vertrauen verdient, das ihn zu seinem Posten berief. Das ist so völlig selbstverständlich, daß kein Mensch daran gedacht hätte, es noch besonders im Parteistatut— aus- gerechnet im Statut einer demokratischen Partei zu erivähnen, wie auch niemand im Ernst daran gedacht hätte, dieses Recht zu be- streiten. Der Parieivorstand. der letzteres unternimmt, hat denn auch lediglich bei der Scharfmacherpresse Beifall gefunden, die dem Unternehmer das absolute Recht des„Herrn im Hause", seine Arbeitskräfte nach Belieben einzustellen und zu entlassen, wahrt." Dann folgen längere Ausführungen über„Kollekliv-Entlassungen" und darauf heißt es: „Aber die sechs Redakteure wollten doch nur. weit entfernt. eine schiedsgerichtliche Erledigung ihrer Angelegenheit zu verlangen. gehört werden, wollten sich verteidigen dürfen. Und nicht einmal daS wurde ihnen seitens der entscheidenden Instanzen zu- gebilligt, und nicht einmal dann, als die Massencutlassung erwogen wurde' jene gcivaltsame Art der Lösung, die sonst nur der Klassenkampf hervorbringt!" Zu Anfang dieser Ausführungen gibt das„Correspondenzblatt" selbst zu, daß„der Streit" nicht eine gewerkschaftliche Angelegen- heit ist, und ganz richtig unterscheidet es zwischen einem bloßen Loh»Verhältnis und einem„Vertrauensverhältnis". Wenige Zeilen später aber ist diese Unterscheidung schon wieder ver- schwunden und unter Aneignung der Ausdrucksweise gewisser Uuternehmerblätter wird von„Arbeitskräften",„Herrn im Haufe' usw. gesprochen I Motiviert wird dieser Ausfall damit, daß die„Sechs" vor ihrem Austritt nicht zuvor„gehört" worden seien. Hätte der Vcrfaster des betreffenden Artikels sich bei irgend einem Mitglied des Parteivorstandes oder der Preßkommission er- kundigt, oder hätte er sich auch nur die Denkschrift beider angesehen. dann würde er gefunden haben, daß zwar die Redakteure zu de» Sitzungen, in denen über die Kündigungen verhandelt wurde, nicht zugelassen worden sind, daß aber vorher sowohl eine große Ver- sammlung der Berliner Funktionäre, als kleinere Sitzungen des Vorstandes und der Preßkommission stattgefunden haben, in welchen stundenlang über die Haltung deS„Vorwärts" gesprochen und den ausgeschiedenen Redakteuren Gelegenheit gegeben worden ist, sich gegen die ihnen gemachten Vonvürfe zu verteidigen und ihre Auf- fassung zu vertreten. Erst als diese Aussprachen ohne jeden Ein- fluß auf die Haltung des Blattes blieben, als die Parteiinstanzen erkannten, daß alle ferneren Ervrtcrungen zwecklos seien, faßten sie die Absicht, durch Kündigungen eine andere Zusammensetzung der Redaktion herzustellen. Schließlich leistet sich das„Correspondenzblatt" noch einen AuS- fall gegen die neue Redaktion des„Vorwärts", indem es schreibt: „Dann kam das bittere Nachspiel: die Gemaßregelten mußten durch andere Kräfte ersetzt iverden, die nur unter dem Odium der Unsolidarität, deS unkollegialen Verhaltens die freigewordenen Plätze einnehmen konnten. Mag der Gewissens- konflikt den eintretenden Redakteuren schwerer oder leichter gefallen sein,— so kann es doch für die Arbeiterschaft nicht gleichgültig sein, daß das Partei-Jnteresse Handlungen toleriert, die im gewerkschaftlichen Leben als Streikbruch verurteilt werden." Der Verfaster des Artikels scheint noch nicht zn Wiste», waS Streikbruch ist. Erstens kann dann, wenn jemand kündigt, unter Aus- zahlung aller seiner Forderungen entlassen wird, und darauf ein anderer in die erledigte Stelle tritt, dieser niemals als „Streikbrecher" gelten, zweitens wird aber von Arbeitern, wenn sie zum Streik greifen wollen, stets diese Absicht den Kollegen vorher mitgeteilt und gemeinsam Beschluß gefaßt. Die aus der „Vorwärts"- Redaktion ausgeschiedenen„Sechs" haben aber der Minderheit die Absicht ihrer Kündigung vorher verhehlt, so daß diese die erfolgte Kündigung selbst erst durch den„Vorwärts" erfahren hat. Von dem Genossen Emil K l o t h geht uns folgender zum Abdruck im„Eorrespondenzblatt der Generalkommiffion" bestimmter Artikel zur Veröffentlichung zu: Literatcnrevolte und„Correspondenzblatt". „Niemand wird der Vertretung der Gesamt- Partei und den Berliner Parteigenossen daS Recht best reiten, eine Aenderung in der Redaktion (des„Vorwärts") herbeizuführen, wenn nicht anders möglich durch Kündigung deS oder der schuldigen Redakteure im geordneten Verfahren". (So im„Correspondenzblatt der Generalkommiffion der Gewcrk- schaften Deutschlands" Nr. 45.) Würde die Redaktion des„Correspondenzblattes" dieser vernünftigen und demokratischen Anschauung auch in der Wirklichkeit gehuldigt haben, so Hütte sie in demselben Artikel nicht die Gewerk- schaften aufgerufen,„sich rücksichtslos gegen die vom Partrivorstand einschließlich der Preßkommission beliebte Art der Erledigung zu erklären". Damit erhebt die Redaktion die Gewerkschaften zur Instanz, die über die inneren Parteiftagen der Sozialdemokratie zu definden hat, und fordert die Parteigenossen in den Gewerkschaften zu offenem Disziplinbruch auf. Ein gefährliches Beginnen für eine Redaktion, die wissen sollte, wie notwendig innerhalb der Arbeiter- organisationen die freiwillige Nuterordnung unter die selbstgewählten Instanzen ist; denn was das„Correspondenzblatt" in seinem, der ge- saniten Gewerkschaftspresse als Manuskript zugesandten Artikel über die Verletzung„der elementarsten gewerkschaftlichen Grundsätze" seitens der Parteiinstanzen sajjt, kann gerade vom gewerkschaftlichen Standpunkte als stichhaltig nicht befunden werden, sondern dient augenscheinlich nur zur Verbrämung ganz anderer Ziele. Liest man die Verhandlungen deS Jenaer Parteitage? über den „Vorwärts" durch, so wird man finden, daß die Berliner Partei« genossen mit der RedaktionSfirbrung der Mehrheit der„Vorwärts"- Redakteure seit langem nicht einverstanden waren, gerade deswegen ihren Antrag auf Umwandlung des„Vorwärts" in ein Lokalorgan verlangten, um niehr Einfluß auf die Besetzung der Redakteurstellen zn geivinnen. Hiervon wußten anscheinend allein die auS- geschiedenen sechs Redakteure nichts oder wollten nichts davon wissen, trotzdem bereits am 17. Juni die Berliner Parteigenossen„scharfen polemischen Ausführungen Bebels gegen die Haltung des„Vorwärts" zugestimmt und„der Redaktion zur Beachtung empfohlen" hatten. „Es wurde aber nicht danach gehandelt"— riefen die Berliner Delegierten indessen Bebel zu. als er diese Taffachen an- führte. Und nachdem man immer wieder diese Erfahrung machen mußte, daß die Redaktion nicht nach dem handelte, was die Partei- genossen beschlossen hatten, da war eS der letzteren demokraffsches Recht, das zugleich eine Pflicht in sich schloß, für eine andere Znsammen- setzung der Redaktion Sorge zu tragen. Ob nun allen Redakteuren oder nur zwei oder drei gekündigt werden sollte, ist eine reine Zweck- mäßigkeitsfrage— zumal man beabsichtigte, die Gekündigten in neue Brotstellen unterzubringen—, über welche lediglich die zn- ständigen Instanzen zu entscheiden hatten. Ebenso ist es»ebensäch- lich, ob bei der Frage der Kündigung die Redakteure zugezogen wurden zu den Verhandlungen oder nicht. Oder glaubt man etwa, die 90 Parteigenossen des Parteivorstandes, der Preßkommission und der Vertrauensleute der zuständigen Organisationen Berlins und der Provinz Brandenburg, die gegen 8 Stimmen am 23. Oktober die Kündigung der sechs Redakteure akzeptierten und eine nochmalige Konferenz mit der Gesamt-Redaktion des„Vorwärts" ablehnten, wären durch die faszinierende Beredsamkeit der„Sechs" eines anderen belehrt worden nach den vorausgegangenen, langwierigen Auseinander- setzungen? Mit Nichten! Höchstens hätte sich die schleichende Krise zum Schaden der Partei noch eine Weile hingezogen, da. nach den bisherigen bandwnrmartjgen„Erklärungen" ufw. der Sechs zu urteilen, von einer Erledigung der Angelegenheit an einem Abend nicht die Rede sein konnte, wenn den Schleusen ihrer Beredsamkeit mit derselben Ausdauer der duftige Jubalt literatenhaften Eigendünkels entströmt wäre, wie er in jenen Erklärungen zum Ausdruck kommt. Fühlten sich die Redakteure aber ungerecht behandelt, indem zuerst nur drei von ihnen gekündigt werden sollte, und wollten sich die übrigen der Sechs mit jenen solidarisch erklären, so galt für sie. genau so gut wie für jeden anderen Parteigenossen, nach dem Organisationsstatut die Kontrollkommission als Beschwerdeinstanz und nicht das ihnen zu ganz anderen Zwecken anvertraute Blatt und dessen Leser. Ja aber auch nach rein gewerkschaftlichen Gesichtspunkten gilt als Grundsatz, nicht zum Streik zu greifen, zumal gegenüber einem bisher über allen Zweifel erhabenen,„taristreuen" Unternehmer, bis alle Mittet friedlicher Verständigung erschöpft sind. Wie gerade daS „Correspondenzblatt" bei seiner Inschutznahme der streikenden oder meinetivegen ausgesperrten Redakteure diese Schuld derselben über- sehen konnte, obivohl eS unter den gewagtesten Kombinationen den Parteiinstanzen„Kapitalprotzen tum" vorwirft und die jetzigen „Vorwärts"-Ncdakteure als Streikbrecher bezeichnet, wäre unver- ständlich, lvenn man nicht wüßte, was hinter dem Artikel des „Correspondenzblattes" steckt. Das ist der Verein„Arbeiterpresse", der für seine„gemäß- regelten" Kollegen und gegen eine gewisse Richtung Partei ergreift und schnell Stimmung zu machen sucht. Daher der Ver- fand des Artikels an die gesamte GewerlfchaftSpresse, bevor er im „Correspondenzblatt" erschien. Ein Gutes wird vielleicht diese Stellungnahme haben: Sie zeigt, daß das kollegiale Standesbewußtsein in manchem der Partei- und Gewerkschaftsangestellten mehr ansgeprägt ist als das Klaffen- bewußtsein. Treiben die Dinge so weiter, so haben>vir im Verein „Arbeiterpresse" als dem Fachvercin der Partei- und Ge- werkschafts-Angestellten die zukünftige oberste Instanz der gesamten deutschen Arbeiterbewegung zu sehen, die eventuell durch einen Streik der Angestellten den Organisationen ihren Willen aufzwingen wird. Das ist ja leider kein hohles Schreckgespenst mehr, nachdem bereits gelegentlich de? Parteitages in Hannover der Genosse Eis n er im neubegründeten Verein„Arbeiter- presse" einen solchen Literaten st reik empfohlen und jetzt in die Praxis umgesetzt bat. nachdem der Genosse Stanipfer, Inhaber einer Meinungsfabrik und eines Jifformationsbureaus in Groß-Lichterfeldc,„zur prinzipiellen Aufklärung" den unverrückbaren Glaubenssatz aufgestellt hat: „Stellt sich dabei heraus, daß er(der Redakienr) sich über die Art feiner Redaktionöführung in dauernder Nichtübereinstimmung mit seinen Aufsichtsinstanzen befindet, so wird er nicht zögern. sein Amt freiwillig niederzulegen. Nie aber, nie kann eine solche Nichtübereinstimmung für seine Arbeitgeber einen recht- mähigen Entlassungsgrund abgeben." Da haben wir neben dem lebenslänglichen schwäbischen Schult- heißen, der neuerdings abgeschafft ivorden ist, den lebenslänglichen Redakteur in einer sozialdemokratischen" Partei, die in ihrem Pro- gramm:„Wahl der Behörden durch das Volk, Ver- antwortlichkeit und Haftbarkeit derselben' pro- klamicrt hat. So wird das Programm einer„realpolitischen Revision" unter- worfen und da?„Correspondenzblatt der Generalkommission der Gewerkschaften" stellt sich tatsächlich, wenn auch nicht theoretisch— Freund, grau ist alle Theorie!— auf den nämlichen Standpunkt und verlangt von den Gewerkschaftlern, sich diesem Standpunkt „rücksichtslos" anzuschließen auf Grund der gewerkschaft» l i ch e n Prinzipien. Dieser Standpunkt des„Correspondenzblattes" kann der deutschen Arbeiterbewegung unberechenbaren Schaden zufügen, denn eS ist nicht anzunehmen, daß die„befreundete Arbeiterpartei", wie daS „Correspondenzblatt" sagt, sich diese Anrempelung deS letzteren so ohne weiteres gefallen lassen wird. Dieser Schaden kann nur überwunden werden, wenn sich die Gewerkschaften rücksichtslos gegen den vom„Correspondenzblatt" be- liebten Eingriff in die Rechte der Parteiinstanzen wenden und die Generalkommiffion in ihre Schranken mit ihren eigenen Worten zurückweist:„Der„Vorwärts"- Konflikt hat an sich initder Gewerkschaftsbewegung wenig zu tun." _ E. Kloth. Aus dem Kasernenlebeu. Als verantwortlicher Redakteur txS„Vorwärts" hatte sich Ge- nosse Büttner am Dienstag vor der 2. Strafkammer des Land- gerichts I zu verantworten. Den Gegenstand der Anklage bildete eine im„Vorwärts" vom 16. Oktober 1S04 abgedruckte ftorrc- spondenz aus Offenbach. Dieselbe gibt eine kurze Darstellung von einer am Offenbacher Schöffengericht verhandelten Beleidigungs- klage, die ein Unteroffizier Stolze vom 163. Jnfanterie-Rcgimeut in Lahr gegen einen Portefeuiller Keim angestrengt hatte. Krim, dessen Bruder in der Korporalschaft des Unteroffiziers Stolze diente und sich über Mißhandlungen beklagte, hatte auS diesem Anlaß an Stolze einen Brief geschrieben, durch dessen Inhalt sich der Empfänger des Briefes beleidigt fühlte und deshalb gegen den Briefschrciber klagte, der denn auch zu einer Geldstrafe von 16 M. verurteilt wurde. Außer diesen Tatsachen gibt unsere Offenbacher Korrespondenz o», in der betreffenden Gerichtsverhandlung sei fest- gestellt, daß der Bruder des Briefschreibers, der danialigc Soldat Leopold Keim, als kerngesunder Mann beim Militär eingetreten, wiederholt vom Unteroffizier Stolze mißhandelt und auf dessen Veranlassung eines Nachts von den eigenen Kameraden verprügelt worden sei. Die Folge dieser nächtlichen Mißhandlung sei eine Verletzung d«S Rückenmarkes, sowie ein schwer«? Blasen- leiden, woran Leopold Keim seit jener Zeit zu leiden hatte. Auf eine Beschwerde des Gemißhandelten habe der Unteroffizier gesagt. Krim werde wohl die Prügel verdient haben, dieselben seien übrigens einem anderen, dem MuSletter Jögel, zugedacht gelvesen. Dem werde es aber noch besorgt werden. Die Mutter Keims habe sich wegen der Mißhaudlung ihres Sohnes an den Hauptuconn Dönnicka gewandt, dieser sei über die Mißhandlungen sehr entrüstet gewesen. habe aber die Mutter gebeten, die unliebsame Geschichte nicht an die große Glocke zu hängen, da Bebel leider schon zu diel Material habe, das er im Reichstag verwenden könne.— Außerdem macht die Korrespondenz noch Mitteilung von weiteren Mißhandlungen Keims, die in der Offenbacher Gerichtsverhandlung zur Sprache gc- kommen sind. Durch den Inhalt dieser Korrespondenz soll sowohl der Unter- offizier Stolze wie der Hauptmann Dönnicke beleidigt sein. Der Unteroffizier insofern, als ihm zum Vorwurf gemacht werde, er sei schuld daran, daß Keim infolge von Mißhandlungen, die der Unteroffizier veranlaßte. krank geworden sei. Ter Hauptmann fühlt sich dadurch beleidigt, itoß in seiner Aeußerung bezüglich Bebels, die er nicht getan haben will, der Vorwurf liege, er, der Hauptmann, habe die zu seiner Kenntnis gebrachte Mißhandlung vertuschen wollen. Die Anklage ist erhoben aus 88 135, 186, 187 des Strafgesetzbuches. Die Anklage behauptet. der Bericht aus Offenbach sei unzutreffend, er gebe als festgestellt Tatsachen an, die das Gericht gar nicht festgestellt habe. DaS Offen- bacher Gericht habe es dahingestellt sein lassen, ob die angegebenen Mißhandlungen wirklich auf Veranlassung des Unteroffiziers Stolze erfolgt seien, und ob die Krankheit Keims als Folg« der Mißhand- lungen anzusehen sei. Die Verurteilung sei deshalb erfolgt, weil der Bruder Keims in seinem Briefe an den Unteroffizier geschrieben hatte:„Ein räudiger Hund wäre mir lieber wie Sie." Büttner, der durch Rechtsanwalt Heine verteidigt wird, hatte zum Zweck des Wahrheitsbeweises die Vernehmung einer An- zahl von Zeugen beantragt, durch welche die Wahrheit dessen, was in der Offenbacher Korrespondenz enthalten ist, erwiesen werden sollte. Die Zeugen sind kommissarisch vernommen worden. Die Verlesung dieser Aussagen nahm mehrere Stunden in Anspruch. Der wesentlichst« Inhalt derselben ist folgender: Musketier Schmidt II sagte aus, er wisse nicht, ob Unteroffizier Stolze, abgesehen von einem Falle, die Soldaten auf- gefordert habe. Kameraden zu schlagen. Der Musketier Melk habe sich im Dienst schlecht gehalten. Unteroffizier Stolze habe zum Zeugen und zum Musketier Haas gesagt:„Wenn Ihr den Melk heut n ach t nicht verhaut, dann werde ich Such morgen schwänzen." Darauf sei Melk in iKr nächsten Nacht von den Kameraden verhauen worden. Unteroffizier Stolze habe den Soldaten manchmal, wenn sie nickt aufgepaßt hatten, die Sturmriemen, am Helm unter dem Kinn sehr fest zugeschnallt, mit- unter habe er auch den Soldaten befohlen, diese Prozedur an ihren Kameraden auszuführen, 15 enge Mu Sketier Haas erinnert sich nur, daß Unter- offizier Swlze, als Wte'lk mit schlecht geputztem Gewehr in den Dienst kam, sagte, einem solchen Manne sollten es die Kameraden ordentlich beibringen. Zeuge I ö g e l ist der Mann, der die Prügel bekommen sollte, die Keim in der Nacht erhielt. Er hat von einem Kameraden ge- hört, daß der Unteroffizier gesagt habe, er werde sie morgen „schwänzen", wenn sie den Atelk heut nicht ver- hauen. Darauf, so sagt der Zeuge, einigten wir uns, den Melk in der Nacht zu prügeln. Einer rief in der Nacht:„Alle raus, den Melk verhauen!" Ob das der Unteroffizier, der in einem be- sonderen Verschlage schlief, gehört hat, weist Zeuge nicht. Melk, der in einer anderen Stube schlief, wurde nun durchgeprügelt. Nni nächsten Mvrgen fragte Unteroffizier stolze die Soldaten Schmidt und Haas, ob sie es dem Melk „gegeben hätten". Sie antworteten mit ja und Stolze sagte darauf, das sei recht. Der Zeuge gab weiter an, er habe einmal, weil er ein Ohrlciden hatte, ein, Kommando überhört. Als Strafe dafür mußte er sich auf Befehl des Unteroffiziers Stolze 3 0 m a l auf den Boden legen und wieder auf st ehe n.. Als Keim in der Nacht geschlagen wurde, schrie er. Unteroffizier Stolze fragte, was denn los sei und als ihm gesagt wurde, es werde einer verhauen, meinte der Unteroffizier: der werdecs wohl ver- dient haben. Ten Tag darauf— sagte der Zeuge— hörte ich, dast ich eigentlich die Prügel haben sollte, die Keim bekommen hatte. Andere Zeugen bestätigten, dast Unteroffizier Stolze die Gewohnheit hatte, die Soldaten zur Mitzhandlung von Kameraden, die ihm im Dienst nicht genügten, aufzufordern.— Zeuge He i n z e l sagte aus, Unteroffizier Stolze ist nur in der Jnstrultiortsstunds mit einem Buche„über das Gesicht gefahren, so dast ich Nasenbluten bekam, er hat mich aber nicht mit dem Buche geschlagen". Feldwebel Wolf weist nicht, dast Unteroffizier Stolze sich Misthandlungen zuschulden kommen liest. Hauptmann Dönnicke sagte unrer anderem auS: Frau Keim beschwerte sich bei mir, dast ihr Sohn misthandelt und i n- solgedessen krank geworden sei. Ich sagte ihr, ich werde die Sache untersuchen lassen, habe sie aber nicht ersucht, die Sache nicht in die Oeffcntlichkeit zu bringen, auch nichts von Bebel erwähnt. LeopoldKeim gab bei seiner Zeugenvernehmung an, er sei in jener Nacht von Kameraden mit einem harten Gegenstand, an- scheinend einem Schemelbein, geschlagen worden. Als er schrie, jagte der Unteroffizier, was da los sei. Als er dem Unter- o f f i z i e r am anderen Tage den Vorfall meldete, sagte dieser, die Schläge habe ein anderer be- kommen sollen. Später liest der Unteroffizier den Musketier Iögcl sehr lange daS Gewehr strecken und sagte dabei zum Zeugen Keim: Jetzt kann st Du Dich freuen, das ist der, der statt Deiner Schläge haben sollte. Unteroffizier Stolze hatte die Gewohnheit, Soldaten, die etwas versehen hatten, den Helm sehr fest auf den Kopf schnallen zu lassen, so dast es schmerzte. Einmal stülpte er dem Zeugen den Helm so heftig auf, dast er den ganzen Tag Kopfschmerzen hatte. Ein anderes Mal liest der Unteroffizier sein Gewehr so heftig auf den Helm des Zeugen fallen, dast vom Beschlag eine Schraube losging und der Zeuge heftige Kopsschmerzen bekam. Gleich nach der nächtlichen Priigelszenc wurde der Zeuge Keim unwohl, er konnte den Urin nicht mehr halten und hatte heftige Schmerzen an der Stelle, wo er geschlagen worden war. Da er zu derselben Zeit im Dienst nasse Füste bekam, weil seine Stiefel zerrissen waren und er sich infolge- dessen erkältete, so könne er nicht sagen, ob seine Krankheit eine Folge der Schläge oder der Erkältung sei. Aus der Zeugenaussage der Frau Keim, der Mutter des Misthandelten, ist folgendes hervorzuheben: Als mein Sohn zum Militär kam, war er kerngesund und ein guter Turner. Als er bei seinem ersten Urlaub nach Hause kam, machte er den Eindruck, als ob er krank sei. Meinem Schwiegersohn sagte er auch, er fühle sich recht krank. Als ich dies später erfahren hatte, fuhr ich nach Lahr zum Hauptinann Dönnicke und klagte ihm, dast mein Sohn misthandelt und infolgedessen krank geworden sei. Der Hauptmann geriet in Erregung, weil solche Dinge in seiner Kompagnie vorgekommen wären, denn er habe be- fohlen, die Soldaten gut zu behandeln. Wenn das wahr wäre, was ich sagte, so werfe das ein böses Licht auf seine Kompagnie. Keim sei doch ein guter Junge und ein ordentlicher Soldat, er könne deshalb nicht glauben, dast er so behandelt worden sei. Er habe ja gesehen, dast mein Sohn alle Tage weniger werde, aber krank gemeldet habe er sich nicht. Ich sprach hierauf mit meinem Sohn, da kam der Hauptmann mit dem Feldwebel über den Kasernenhof und fragte meinen Sohn, wie sich die Sache verhalte. Mein Sohn wollte nichts sagen. Der Haupt- mann fragte:„Warum nicht? Haben Sie zu mir kein Vertrauen?" Mein Sohn antwortete:„Herr Hauptmann, Sie sind ein guter Mann, aber ich möchte nichts sagen, denn ich mag niemand wehe tun."— Ich redete meinem Sohne zu, er möge doch die Wahrheit sagen. Darauf gab er zu, dast er geschlagen worden ist.— Der Hauptmann meinte, das werde mein Sohn wohl geträuint haben. Zu mir sagte der Hauptmann:„Nicht wahr, Frau Keim, Sie werden das nicht in die Oeffentlich- keit bringen. Was würde der Bebel für ein Ge- schrei machen, wenn er das erführe. Ihr Sohn kommt ins Lazarett und wird gut verpflegt.— Die Zeugin fügte hinzu, sie habe den Namen Bebel damals nicht gekannt. Erst aus dem Munde des Hauptmanns hörte sie ihn zum erstenmal. Sie würde die Sache nicht in die Oefsentlichkeit gebracht haben. Das sei aber durch den Brief ihres Sohnes Wilhelm an den Unteroffizier ge- schehen. Unteroffizier Stolze hat in seiner Zeugen- aussage alles in Abrede gestellt, was ihm zur La st gelegt wurde! Ein anderer Teil der Beweisaufnahme drehte sich darum, ob der im„Vorwärts" veröffentlichte Bericht aus Offenbach ein wahr» heitsgetreues Bild von der Schöffengerichtsverhandlung gibt. Der kommissarisch vernommene Assessor, welcher die Schöffengerichts- Verhandlung leitete, sagte aus, das Gericht habe nicht festgestellt, dast Keim vom Unteroffizier Stolze mihhandelt worden und dast Keims Krankheit eine Folge der Mißhandlungen sei.— Der Amts- a n w a l t, welcher in jener Verhandlung fungierte, ist dagegen der Meinung, dast die dem Stolze gemachten Vorwürfe doch etwas Wahres haben. Der Verteidiger in jenem Prozeß, Rechts- anwaltKatz inOffcnbach, bestätigte, dast der Bericht das Gesamtbild der V«k«ha n dl u n gen in Kürze wiedergegeben habe. Der Amtsanwalt habe in der Verhandlung gesagt, Keim sei durch sein besonderes Pech, welches er beim Militär hatte, Invalide geworden. Zur Beantwortung der Frage, ob die Krankheit Keims eine Folge der Misthandlungen ist, sind mehrere Aerzte, teils Militär-, teils Privatärzte, als Gutachter vernommen worden. Aus den ver- lesenen Gutachten geht hervor, daß Keim außer seinen Schmerzen in der Seite mit einem Blasenleiden behaftet ist, welches ihn hindert, den Urin zu halten. Er wird als nur zur Hälfte erwerbsfähig angesehen. Es sei wohl möglich, daß das Leiden eine unmittelbare Folge der nächtlichen Mist- Handlung sei, aber mit Sicherheit lasse sich das nicht fest- stellen, das Leiden könne auch andere Ursachen haben. Auf Antrag des Verteidigers Heine wurde noch eine Ver- fügung verlesen, welche Oberst v. Hartmann anläßlich des Falles Keim erlassen hat. Tarin wird unter anderem gesagt, daß von einem Disziplinarverfahren gegen den Unteroffizier abgesehen werde, weil die Sache verjährt sei, und weiter wird gerügt, daß die Sache nicht von der Kompagnie aus gemeldet worden sei, um weiter verfolgt zu werden. Der Staatsanwalt vertrat die Ansicht, der unter An- klage stehende Artikel entspreche nicht den Tatsachen, schon die Form desselben lasse erkennen, dast der Bericht für die Leser des„Bor- wärts" zugestutzt und in der„bekannten Sauce serviert" sei. Es sei nicht erwiesen, dast der Unteroffizier Mißhandlungen veranlaßt, ebensowenig, daß er schuld sei an der Krankheit Keims. Der.Haupt- mann fühle sich mit Recht beleidigt, weil ihm eine Aeusterung nach- gesagt werde, die ihn als einen Mann erscheinen lasse, der Furcht vor den Sozialdemokraten habe. Ter Staatsanwalt beantragte 14 Tage Gefängnis und Veröffentlichung des Urteils ini „Vorwärts" und im„Offenbacher Abendblatt". Rechtsanwalt Heine führte unter anderem aus: Es sei un- begreiflich, daß in dieser Sache Strafantrag gestellt wurde, nach- dem doch der Oberst des Regiments aus Anlast des Falles Keim den: Hauptmann, wie man zu sagen pflegt, eine Nase erteilt habe, weil er tkcn Fall nicht gemeldet, und da der Oberst auch aufs neue verfügte, dast die Soldaten nicht misthandelt werden dürfen, wenn er auch dahingestellt sein läßt, ob diese Sache sich so wie angegeben verhält. Die Beweisaufnahme habe in vollem Umfange die Wahr- heit dessen ergeben, was in dem Artikel gesagt wird. Festgestellt sei, dast der Unteroffizier Stolze Misthandlungen veranlaßt hat, und dast dies seine Gewohnheit sei. ES sei ferner festgestellt, daß der Unteroffizier Kenntnis von den Mißhandlungen hatte. Festgestellt könne ja nicht werden, ob KeimZ Blasenleiden eine Folge der Mißhandlungen sei, aber daS Gegenteil sei auch nicht erwiesen. Stach alledem könne sich der Unteroffizier nicht beleidigt fühlen. Aber aucb der Hauptmann sei nicht beleidigt. Von ihm fei nichts weiter behauptet, als daß er eine für ihm und seine Kompagnie unangenehme Sache nicht in die Oeffentlichkeit gebracht sehen wollte. Wenn auch der Hauptmann die auf Bebel bezügliche Aeusterung nicht gemacht haben wolle, und der Feldwebel, welcher dabei stand, sie nicht gehört habe, so stehe dem doch die ganz be- stimmte durchaus glaubwürdige und auch nach Lage der Sache sehr wahrscheinlich klingende Aussage der Frau Keim und ihres Sohnes entgegen. Sollten in dieser Hinsicht noch Zweifel obwalten, so beantrage er, diese vier Zeugen nach Berlin zu laden, damit sie in mündlicher Vernehmung gegenüber gestellt werden können. Im übrigen beantrage er Freisprechung. Nach längerer Beratung fällte der Gerichtshof folgendes Urteil: Eine Beleidigung des Unteroffiziers Stolze liege nicht vor. Es sei festgestellt, dast sich der Unteroffizier nicht nur der Misthandlung schuldig gemacht, sondern ioas noch viel schlinnner ist, er habe sogar seine Untergebenen aufgestachelt, ihre Kameraden zu misthandcln. Der Unteroffizier sei demnach nicht beleidigt. Eine Beleidigung des Haupt- manns Dönnicke liege aber vor. Das Gerickit nahm an, daß der Hauptmann die ihm in den Mund gelegte Aeusterung nicht getan habe. Wenn einem höheren Militär nachgesagt werde, er habe zu der Mutter eines mihhandcltcn Soldaten gesagt, sie solle nichts in die Oeffentlichkeit bringen, damit Bebel die Sache nicht im Reichstage vorbringe, so sei dies der Borwurf der Feigheit. Mindestens aber würde eine solche Unterstellung den Vorwurf ent- halten, dast der Hauptmann in seiner Stellung nicht augemesscucs Verhalten zur Schau getragen habe. Eine Gegenüber- stcllung der Zeugen könne kein anderes als das hier festgestellte Resultat haben. Dadurch, daß in dem Artikel die auf Bebel bezügliche Aeusterung im Druck be- sonders hervorgehoben sei, solle geprahlt werden mit der Furcht, die der Hauptmann angeblich vor den Sozialdemokraten habe. Aus diesen Grüntzen werde der Angeklagte zu einer Geldstrafe von 5 0 Mark verurteilt, auf Vernichtung der betreffenden Exemplare des„Vorwärts" erkannt und dem Hauptmann Tönnicke die Befugnis erteilt, das Urteil im„Vorwärts" und im„Offen- bacher Abendblatt" zu veröffentlichen.— Hiis der Partei. Dir Organisationen nnd der„Borwärts"-Konflikt. Eine Mitgliederversammlung dc-s Wahlvereins in Luckenwalde beschlost nach eingehender und übereinstimmender Aussprache folgende Resolution: „In der Erwägung, dast dem Parteivorstand und der Prest- kommisfion des„Vorwärts" das Recht, in der Zusammensetzung der Redaktion Aenderungen vorzunehmen, nicht verkümmert werden darf, insbesondere wenn es sich darum handelt, eine den Grundsätzen der Partei entsprechende Haltung des Zentral- organs herbeizuführen, erklärt sich die heutige Versammlung dcS sozialdemokratischen Wahlvereins Luckenwalde mit dem Vor- gehen des Parteivorstandes und der Prestkommission ein- verstanden. Die Versammlung verurteilt auf daS entschiedenste das übereilte Handeln der ausgeschiedenen Redakteure, welches den Anschein erweckt, ihrem Vorgehen liege persönliches Rache- gefühl zugrunde. Ebenso verurteilt die Versammlung die auf die Unterstützung der revoltierenden Redakteure gerichtete Stelluiignahnre der„Brandenburger Zeitung". Die Versamm- lung erwartet auf das bestimmteste, dast sich die Redaktion der „Brandenburger Zeitung" nicht wieder durch persönlich-kollegiale Empfindungen zu einer derartigen, die Parteibewegung schädigenden Handlung verleiten lästt." ES versteht sich, dast die„Brandenb. Ztg." sich mit Händen und Füsten gegen dies ebenso unzweideutige wie zutreffende Urteil wehrt. • Auch die KreiSkonferenz des Wahlkreises Duisburg-Mülhcim- Oberhausen, welche von sämtlichen Orten deS Kreises zahlreich be- schickt ivar, nahm am letzten Sonntag Stellung. Der Reichstags- kandidat deS Kreises, Genosse Hengsbach, ging in längeren Aus- nhrungen auf die ganze Materie ein und verurteilte ganz entschieden, unter Zustimmung der Konferenz, dast der Raum unserer Parteiprcsse durch diese Angelegenheit in einer die Partei schädigenden Art und Weise mistbraucht werde. Folgende Resolution, welche mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde, gelangte zur ein st immigen An- nähme: „Die heutige Kreiskonferenz der organisierten Sozialdemo- kratie des Wahlkreises Duisburg- Mülheim- Oberhausen spricht dem Parteivorstande in Sachen der„Vorwärts"-Redaktion ihr volles Vertrauen aus. Sie ist der Meinung, dast eine Redaktion, die sich fortgesetzt in Gegensatz zu der in der Partei allgemein geltenden Auffassung (siehe Dresdener Resolution) stellte, oder auch durch ihre Ucber- zengung glaubte stellen zu müssen, schon l ä n g st hätte die Kon- legucnzen ziehen und ihre Kündigung einreichen müssen. Der einzige Vorwurf, der scheinbar dem Parteivorstande gemacht werden könnte, ist der, daß er allzulange eine unangebrachte Nachsicht mit den Schädlingen an unserem Zentralorgan übte, die allerdings nur in dem Bestreben, einen Parteiskandal zu vermeiden, ihre Erklärung und Entschuldigung findet. Die Kreiskonferenz ist weiter der Meinung, dast diese die Partei schädigende Polemik seitens der Parteipresse jetzt zu schließen ist, und verweist die frühere„Vor- wärtS"-Redaktioll mit ihren Beschwerden an den nächsten Partei- tag in Mannheim." AuS Negensburg, den 13. November 1903, wird uns im Ein- Verständnis mit anderen Genossen von dem dortigen Vertrauens- mann geschrieben: In der Streitfrage betreffs„Vorwärts"- Redaktcure wünschen die Regensburger Parteigenossen, dast die Polemik und gehässige Schreibweise gegen den Parteivorstand von feiten einzelner Parteiorgaue bald zu Ende sein möge. Wir haben wahrlich gerade in dieser Zeit Besseres zu tun, als tagtäglich ellcn- lange Artikel verschiedener Personen zu verdauen, die nur zum Gaudium unserer Gegner dienen. Die Anmaßung gewisser ParteisÄriflsteller wirkt ekelerregend. Es scheint, als wäre die Partei und ihre Presse dazu da, den angeblich„Entrüsteten" ihre Sensationsgelüste zu be- iriedigen. Der Versuch, die Partei und Gewerkschaften gegen- einander scharfzumachen, muß ganz entschieden zurückgewiesen werden. Die Aufklärung des Parteivorstaudes und der Prestkommission hat den Schleier gelüftet, so dast der Ausspruch Bebels in Dresden:„Seht Euch die Leute zweimal an. ehe Ihr dieselben auf Vertrauensposten setzt", heute erst recht seine Berechtigung hat. Das Vertrauen zum Parteivorstand wird trotz aller Hetze selbst in dem schwarzen Negensburg nicht erschüttert werden können. Dagegen werden unsere Gegner die„Münchener Post" in ihren blauen Mappen wohl aufbewahren und uns bei der Agitation unser eigenes Organ unter die Nase reiben. Ans Mittiocida, den 13. November, erhalten wir dagegen folgende Mitteilung: In der am 11. November stattgesilndenen, zahlreich besuchten Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Vereins ftir Mittweida»nd Umgegend kain auch der„Vorwärts"- Konflikt zur Debatte. Es wurde hierüber von allen Rednern ausnahmslos das Verhallen des Parteivorstandes aufs entschiedenste verurteilt und darauf hingewiesen, dast diese? Ver- halten nicht nur gegen jedes demokratische Prinzip verstößt, also um unserer selbst willen zu Vorurteilen ist, sondern auch das Ansehen der Partei auf das empfindlichste schädigen wird. Eine entsprechende Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Organisationsvertreter der drei Hamburger Wahlkreise haben am letzten Sonntag ein st immig beschlossen, nächsten Freitag eine allgemeine Versammlung der Hamburger Parteigenossen ab- zuhalten, um zu dem„Vorwärts"-Ko>iflikt Stellung zu nehmen und Genosse Bebel als Referenten einzuladen. Letzterer hatte Bedenken, die Einladung anzunehmen, und umerbreitete die Angelegenheit dem Parteivorstand. Dieser beschloß einstimmig, die Hamburger Ge- nossen zu ersuche», von dem Vorhaben, Bebel zum Referenten zu besielleii, abzusehen. Es gehe nicht au, dast Bebel, der persönlich in die KonfliktSangelegenhcit verwickelt ist. als Referent austrete, auch werde damit die ganze Angelegenheit aufs neue aufgerollt und die Polemik beginne womöglich von vorne. Zur Horcheraffärc erhalten wir folgende Erklärung: Seit Wochen wird daS Gerückt über mich verbreitet, ich hätte als Horcher an der Tür die interessante» Beratungen der sozialdemokratischen Geheimjnstiz am 6. Oktober abends belauscht. Obschon in einer An- merknng der Recheuschaftsartikel das Geschwätz der gebührenden Lächerlichkeit überliefert wurde, wird es gleichwohl fortgesetzt. Es bleibt daher nichts übrig, als dieses bedeutsame Parteicreignis feierlichst klarzustellen. Bei Beginn der betreffenden Sitzung, zu der die Re- daktiou eingeladen war, lvaren Schröder und ich anlvesend: eS war uns völlig unbekannt, dast Kündigungsfragen behandelt werden sollten und dast man Schweigegebote beabsichtigte. Ein Genosse der Prestkommission ersuchte die anwesenden Redakteure, sich einst- weilen zu entfernen, weil zunächst eine andere Angelegenheit zu besprechen sei. Da Genosse Singer uns zuvor gesagt hatte, dast diese andere Angelegenheit redaktionelle Verhältnisse betreffe, so erregte der Vorgang unser höchstes Erstaunen und unsere ganze Ent- rüstung. Mehrere Kollegen erklärten, dast sie ihre redaktionelle Arbeit für die nächste Nummer des Blattes vollendet hätten und unter diesen Umständen überhaupt nicht warten wollten, bis es den Genossen ge- fallen werde, uns herbeizurufen. Die Kollegen verließen die Redaktion, Schröder und ich blieben zurück, da wir noch einige Arbeiten zu erledigen hatten, es wurde ein Lokal vereinbart, wo «vir uns treffen wollten. Bald darauf ging auch Schröder, während ich noch zu lun hatte. Als dann meine Arbeit vollendet war, ent- chlost ich mich gleichwohl, noch ans der Redaktion zu bleiben. Obschon ich sehr entrüstet war über die brüske Hinausweisung aus der Sitzung, glaubte ich, die Redaktion sei es der Preß- koinmission schuldig, daß wenigstens ein Redakteur zur Stelle und zur Verfügung blieb, da ja nur unsere „einstiveilige Entfernung" gewünscht worden war. Ich blieb in meinem Arbeitszimmer, ich wartete und wartete, ob es den werten Genossen gefallen werde, uns herbeizuzitieren oder uns mitzuteilen, dast wir für diesen Abend endgültig überflüssig seien. So verging längere Zeit, ich war sehr ärgerlich über die Zumutung, daß ich anscheinend zwecklos so lange Zeit warten sollte, ich war wieder- holt auf dein Sprunge, in die Sitzung zu gehen und zu ftagcn, ob mein Bleiben an diesem Abend noch gewünscht werde. Als immer und immer noch keine Mitteilung aus der Sitzung kam, eilte ich zum Konferenzsaal, wo die Sitzung tartsand, um mir Bescheid zu holen. Ich zögerte an der Tür, weil es mir doch wieder nicht angenehm war, mitten in einer Sitzung, aus der man mich so unparteigenössisch hinausgewiesen, einzubrechen. Dast ich dabei ganz und gar nichts von den Welt» historischeu Geheimnissen, die hinter der Glastür sich zutrugen, erfahren habe, ist bereits festgestellt worden, ich erfuhr von den Vorgängen in der Sitzung erst drei Tage später durch meine Kollegen. Die Absicht, in die Sitzung einzutreten, kam dann auch nicht zur Ausführung, ich wandte mich vielmehr an Genossen Freythaler im benachbarten Sekretariat, er möge hineingehen und fragen, ob ich noch länger warten soll oder für'heute nicht mehr ge- braucht werde. Freythaler ging hinein und brachte mir die Mit- teilung, daß mein Warten nicht erforderlich sei. Es sei noch be- merkt, dast die Stelle, auf der ich die Missetat begangen haben soll, innerhalb der RedaktionSräume gerode diejenige ist, die am aller- ungeeignetsten für jemanden wäre, der den Wunsch hätte. Geheim- nisie zu belauschen- sie ist von drei Seiten offen zugänglich und hell beleuchtet, gerade dort befindet sich die stets ge- öffnete Tür des Sekretariats, durch welche andauernder Verkehr stattfindet. Vielleicht hat die Partetteitung die Güte, eine Sonder- beilage des„Vorwärts" mit einem Situalionsplan des grausigen Ereignisses herauszugeben. AuS diesem Tatbestande ist die sogenannte Horcherlegende ent- standen. ES kennzeichnet die Sitten, die bei uns eingerissen sind, dast man die Geschichte in die Oeffentlichkeit gebracht hat. ohne auch nur mich zur Rede zu stellen, ohne mir irgendwie Gelegen- heit zur Aufklärung zu geben. Ich halte es für tief traurig, daß Angehörige einer Partei, welche die höchsten Aufgabe» verfolgt, sich auf das Niveau derartigen Altweiberklatsches herabsetzen. Mit Parteigrutz G. Gradnauer. Auf diese Erklärung haben wir lediglich zu entgegnen, daß die Horcheraffäre schon in der ersten Denkschrift des ParleivorstandeS und der Prestkommission kurz erwähnl worden ist. Die Sechs haben darauf in ihrer Rechenschaft in spöttischer Weise geantwortet, wie in derselben nachgelesen werden kann. Empfand Gradnauer daS Be- dürftnS, die Angelegenheit untersuchen zu lassen, ko konnte er das längst verlangen, um dem„Altweiberklatsch" ein Ende zu machen. Das hat er aber unterlassen. Nachdem dann zum drittcnnml die Horcheraffäre in der Wilmersdorfer Versammlung— siehe Bericht im„Vorwärts" Nr. 266— erwähnt und bestritten wurde, war cö geboten, den Sachverhalt, wie ihn die Mitglieder des Partei- vorstände? und der Prestkommission kennen lernten, öffentlich mit- zuteilen. Es liegt für uns kein Grund vor, etwas von unserer Darstellung zurückzunehmen. Uebcr die JaurdS-Bersauimlung und die Lichterfcldcr MewuugS- fairik lesen wir in unserem Leipziger Bruderorgan, nachdem eS im Anschluß an den Schluß, der letzten großen Vorstandserklärung noch- inals ausspricht, daß sich die Partei zu der jetzigen Lösung unhalt- barer Zustände beglückwünschen darf, folgendes: „Das geht auch aus einer besonderen Erklärung de? Partei- Vorstandes hervor, wonach die geplante JaureS-Versammlung dieses Sommers— deren Gestattung, wie sich unsere Leser er- inner» werden, EiSller in unwürdiger Weise vom Reichskanzler zu erbetteln suchte— von eben diesem EiSner„mit der größten Heimlichkeit hinter dem Rücken des Parteivorstandes" betrieben worden ist. Da darf sich der Partcivorstand allerdings den Vor- wurf der Halbheit nicht ersparen. Denn statt„wegen dieses un- gualifizierten Verhallens" an EiSner„Vorwürfe" zu richten, hätte er ihn: damals schon die Tür weisen sollen. Derweil erheben sich die Arbeiiermassen, wie wir vorausgesehen hatten, immer rücksichtsloser gegen den Spektakel: man kann sogar schon die häßlichste Szene solider Skandale beobachten, nämlich wie die Ratten das sinkende Schiff verlassen. Ja Voraussicht„un- angenehmer Koilscqiiciizcu", erläßt die Stampfersche Meinungs- fabrik ein Rundschreiben an ihre Abnehmer, worin sie treuherzig versichert, sie habe ja gar nichts getan, als„private Informationen" versandt. In der Tat— dieser MeinmigSfabrikant, der Tag für Tag gegen die Berliner Partei-Jnstanzen hinler deren Rücken gehetzt und durch seine„privaten Informationen" die große Mehrzahl der Partei-Organe auf falsche Fährte gelockt hat, von der die meisten inzwischen deschämt zurückgekehrt sind, dieser selbe Meinnngsfabrikant stellt sich jetzt als verkannter Biedermann hin, der mit stoischem Gleichmut die„ihm unangenehmen Konsequenzen" tragen will, zu denen der„persönliche Kampf gegen ihn" führen könnte. . Hoffentlich machen sich die mit so tragischein Weltschmerz an- gesprochenen Parteiredakrionen nicht auch noch einer„Halbheit" schuldig, wie sie der Parteivorstand nunmehr nachträglich an seinem Teile beklagt." Die Redaktion des„Vorwärts" muß jetzt leider auf den— Genuß der Produkte der Lichterfelder MeinungSfabrik verzichten: sie bekommt sie nicht mehr zit Gesicht. lieber den Genossen Hue und die„Bergarbeiter-Zeitung" wird der�„Leipziger VolkÄgtg." noch aus Bochum geschrieben:„Der bösartigste politische Gegner kann nicht schlimmer gegen die Partei und den Parteivorstand wüten, als es in der„Bergarbeiter-Zeitung" ,�.en Abgeordneten Hue geschieht. Seine vorausgegangenen Artikel im Bochumer„VolkSblatt" lassen zur Genüge erkennen, dag kein anderer als Hue der Äerfasser des ungeheuerlichen Hetzartikels in der „Bergarbeiter-Zeitung" ist. Hue beschuldigt den Parteivorstand, mit der Berufung Düwells und der Genossin Luxemburg habe er einen Schlag gegen den Bergarbeiterverband geführt. Man wisse„nunmehr ganz genau, wie man i>n„Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei" zum Verband der Bergarbeiter stehe".„Die Gewerkschasten sind durch Neubesetzung der„VorwärtS"-Redaktion vor denKopf gestoßen worden." So'st der Artikel eine einzige Hetze, diktiert von maßlosem persönlichen Haß; das weiß jeder organisierte Bergarbeiter und Parteigenosse im Ruhrrevier. Daß Hue seit Jahren ein persönlicher Gegner Düwells ssl- ist bekannt; und jetzt erachtet Hue die Berufung Düwells als passende Gelegenheit. seinen Rachegelüsten zil frönen. Da lverden nicht bloß die Interessen der Partei außer acht gelassen, da bringt Hue es sogar fertig, die Gewerkschaften gegen die Parte: aufzuhetzen! Hier in Bochum glaubt niemand daran, daß die Verbandsleitung mit seinem Artikel einverstanden ist. wenn- gleich durch die Hineinziehung SachscS der Anschein erweckt werden foll. Man glaubt hier vielmehr mit gutem Grund, daß gerade der Vorsitzende Sachse einen gegenteiligen Staiidpnnkt einnimmt. Daß Leimpeters derselben Meinung ist wie Hue. ist selbstverständlich. In den Kreisen der Genossen und der Bergarbeiter herrscht aber leb. hafter Unwille über die unverantwortliche Hetze der„Bergarbeiter- Zeitung". . Zu dem schon eher im„Volksblatt" erschienenen Artikel wurde tn einer Partciversammlung in Bochum eine Aussprache herbei- geführt. Alle Redner, bis auf LeimpeterS, nahmen eine gegenteilige Stellung ein; die Debatte soll nächstens weiter- geführt werden. Man will wissen. Hue wolle dann die„Kabinetts- frage" stellen, aber nian denkt sich das Seinige davon. Durch solche Reden sucht man einem Mißtrauensvotum zuvorzukommen. Denn die Verantwortung einer Neuwahl nehmen die Genossen nicht sehr gerne auf sich. Wir bitten die Redaktion der„Leipziger VolkSzeitung" um Auf- nähme dieses Artikels, damit man im Lande erfährt, daß Hue in Bochum mit seiner widerlichen Hetze nahezu allein steht." Personalien. Bon den aus unserer Redaktion ausgeschiedenen Redakteuren ist, wie wir schon berichteten, Wetzker an das„Volks- dlatt" in Bochum berufen; jetzt will ein bürgerliches Blatt, das rheinisch-westfälische Scharfmacherorgan, wissen, daß Gradnauer in die Redaktion der„Sachs. Arb.-Ztg." in Dresden eintritt. Die Parteipresse übernimmt diese Mitteilung bisher ohne Widerspruch, obwohl sie auch eine naheliegende bloße Kombination sein könnte, da Gradnauer bekanntlich Abgeordneter für Dresden-Altstadt ist. Unser Dresdener Bruderorgan selbst hat sich, soweit wir sahen, noch nicht geäußert. Ein Parteitag für das westliche Westfalen fand am 11. und 12. November in Witten statt. Zu dem Agitationsbczirk gehören die Wahlkreise Dortmund, Bochum, Hamm-Soest, Rccklinghausen-Borkcn, Arnsberg, dieselben wurden vertreten durch 68 Delegierte. 5 Kreisvertrauensleute sowie die Reichstagsabgeordneten Bömelburg. Sachse und Hue waren anwesend. Auf die Wahlkreise entfallen 34 Vereine mit 4652 Mitgliedern sowie 2833 Genossen, welche nur Parteimarken kleben. In der Diskussion geht Genosse Wolf- Bochum auf die Versammlungen nach dem Bcrgarbeiterstrcik, sowie auf die Kom- inunalwahlen näher ein und bedauert, daß man es bei verschiedenen Wahlen vermieden hat, sich als Sozialdemokraten zu bekennen, und sich verstecke unter dem Deckmantel Arbeiterpartei; hier müsse eine ?lenderung eintreten. Bömelburg wendet sich gegen die Anstellung eines besoldeten Beamten für Necklinghausen, da eine Bewegung aus den Kreisen selb st herauswachsen müsse. Er verteidigt die auswärtigen Redner beim Bcrgarbeiterftreik; es seien zu wenig eigene Kräfte im Bezirk vorhanden. Landcsver- trauensmann König gab folgenden Bericht: Nach Beendigung des Bergarbeiterstreiks sollte die Agitation ganz energisch be- trieben werden und erhielt ich von Berlin vom Parteivorstand 1666 M. zur Agitation geschickt. Wir haben Versammlungen ab- gehalten, doch war der Besuch nicht besonders, da es an bekannten Rednern mangelte. Die Flugblattvcrtcilung hat auch viel zu wünschen übrig gelassen. Tie Frauenbewegung geht nur langsam vorwärts, da wir zunächst die Männer intensiv bearbeiten müssen. Tic Agitationsbroschüre„Wahrheit" läßt an ihrer Verbreitung viel zu wünschen übrig. Tie augenblickliche Auflage beträgt 8666. Die Einnahmen betrugen 842,76 M., die Ausgaben 834,23 M., so daß ein Bestand von 8,56 M. vorhanden ist, dazu stehen 256 M. Forderungen aus. Redner geht auf die Gemeinderatswahlcn ein, Ivo z. B. in Gelsenkirchen ein Rückgang zu verzeichnen ist, wohin- gegen die Gemeinderatswahl in Camcn sehr gut ausgefallen ist; unsere Genossen erhielten bei der ersten Beteiligung 265, die Gegner 364 Stimmen. Die Kleinarbeit muß energisch betrieben werden, wir müssen im nächsten Jahre im Zeichen der Organi- sation stehen.— R ü ß l e r- Recklmghausen spricht für die An- stellung eines besoldeten Beamten. Es wird dann folgende Reso- lulion Wolf angenommen: Der Provinzialpartcitag für das westliche Westfalen empfiehlt den Parteigenossen wiederholt auf das dringlichste, den Kom- munalwahlen ihre volle Aufmerksamkeit zu widmen. Der Wahl- kämpf soll jedoch in jedem Falle partei-offiziell geführt lverden. In all den Fällen, wo seitens der Behörden den Arbeitern die Beteiligung an der Wahl durch chikanöse Festlegung der Wahl- zeit unmöglich gemacht loird(wenn sie nicht anders eine Schicht versäumen wollen), soll energisch Beschwerde geführt werden." Punkt 4 der Tagesordnung. Referent König: Entwurf zu einem Organisationsstatut. Derselbe ersucht, den Entwurf anzunehmen. An der Diskussion beteiligen sich mehrere Genossen, welche AbänderungSanirägc begründen. Am zweiten Tage stand zur Debatte der Entwurf des Organi- sationSstatuts. Der Entwurf schlägt vor, als Mindestbeitrag 26 Pf. zu erheben. Ein Antrag auf� Schluß der Debatte wurde ange- nommcn und nunmehr zur Abstimmung über die einzelnen Para- graphcn des Entwurfs übergegangen. Dieselben wurden mit ein- zelncn kleinen Abcmdcrungcn angenommen. Als Mindestbeitrag wurden 36 Pf. pro Monat festgesetzt.— Reickistagsabgeordneter Bömelburg referierte dann über die politische Lage, lieber die EntWickelung der politischen Parteien unter spezieller Berück- sichtigung des Ruhrgcbietes sprach Reichstaasabgeordnctcr H u e. Gerade im Ruhrgebsit seien die großen Entscheidungsschlachten auf wirtschaftlichem Gebiet geschlagen worden. Es werde der Kampf nicht mehr, wie z. B. in der französischen Revolution, in den großen Städten geschlagen, sondern in den großen Industriezentren. Der eigentliche Feind der Sozialdemokratie sei das Zentrum. Dasselbe hat fortwährenden Stimmenzuwachs erhalten in jenen Domänen, wo es Boden hat unter der katholischen und kleinbäuer- lichcn Bevölkerung. Das Zentrum sei schon deshalb der größte Feind der Sozialdemokratie, weil es unentwegt als festes Ziel die Stärkung der Reaktion im Auge habe. Die Zentrums- parte! sei die herrschende Partei im Parlament, ohne ihre Zu- stimmung könne nichts zustande kommen. Seine weiteren Aus- führungcn gipfelten darin, daß die Sozialdemokratie ihre Taktik im Kampfe einer Revision unterziehen müsse. Wenn es ihr gelinge, die richtige Opportunitätspolitik zu finden, so wird es auch gelingen, das Zentrum zu besiegen. Daß der Katholizismus nicht ein Boll- werk gegen die Sozialdemokratie sei. zeigen die Erfolge derselben im Ruhrgebiete. Er gibt die Anregung, in Broschürenform die Geschichte der Entwickeln ng der Sozialdcmo- kratie im Ruhrgebiete zur Belehrung der Partcijugend herauszugeben. Nach parteigcschichtlichen Reminiscenzcn aus dem Kulturkampfe usw. und vergleichenden Betrachtungen über die Entwickelung der einzelnen Wahlkreise gipfelten die weiteren Ausführungen des Redners darin, daß es verfehlt sei, eine radikale Sozialdemokratie zu züchten. Der Schwerpunkt müsse gelegt wer- den auf die sachliche Schilderung der Entwickelung des Groß- kapitals. Diese Agitation macht unzweifelhaft Eindruck, weil sie nicht durchsetzt ist mit einer persönlichen Agitation, die not- wcndigerweise Kreise vor den Kopf stoßen wird, welche zwar ihrer wirtschaftlichen Lage nach zu uns gehören, aber durch Gefühls- Momente abgeschreckt werden, sich uns anzuschließen. Der Mittel- stand z. B. sei nicht staatserhaltend, denn das Großkapital könne ihn jeden Augenblick zerdrücken; deshalb sollten wir unS nicht als eine Partei nur für industrielle Arbeiter betrachten, sondern als eine solche, die alle Volksgenossen in sich aufschließt, die kein Jnter- esse an der Hebung des Großkapitalismus haben. Die Sozial- dcmokratie müsse jetzt auf dem Posten sein, denn sie stehe vor der Gruppierung der beiden großen wirtschaftlichen Gruppen. Die Götterdämmerung der Volksfreihcit sei angebrochen; wohl dem, der Mitstreiter im Kampfe um die Freiheit des Denkens und der Per- fönlichkcit fein durfte. Ein Antrag Runge, die Einbezieh- ung der Wahlkreise Essen, Mülheim. Duisburg- R u h r o r t in den Agitationsbczirk in die Wege zu leiten, wird angenommen. Der nächste Provinzialparteitag soll im Wahlkreise Recklinghausen-Borken stattsinden, vorausgesetzt, daß dort ein Lokal zu haben ist, wenn nicht, kommt als nächster Wahlkreis zur Ab- Haltung des Provinzialparteitages Hamm-Soest in Betracht.—; Sodann wurde als Sitz des wiedergewählten Landcsvertrauens- mannes König Dortmund festgesetzt. Mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie und unter den Klängen der Arbcitermarscillaise ging der Parteitag auseinander. Sozialdemokratische Wahlerfolge in der Schweiz. Während unsere Partei bei den Nationalratswahlen von den vereinigten Bürgerlichen schamlos vergewaltigt wurde, konnten gleichzeitig in verschiedenen Gemeinden Wahlerfolge anderer Art erzielt werden. So wurde in Delsberg(Kanton Bern) unser Genosse Wolf mit rund 866 Stimmen in den Berner Äantonsrat(Landtag) gewählt; in Biel unser Genosse Fähndrich in den Großen Stadtrat und ebenda unser Genosse Boßhardt mit 668 gegen 656 Stimmen in die Schul- kommission. In Löß bei Winterthur ist mit 528 gegen 444 Stimmen unser Genosse Hurter zum Friedensrichter gewählt worden. � Versammlungen. Der Zentralverband der Zimmerer(Zahlstelle Berlin und Umgegend) hielt am Tonnerstag in den Arminhalle» seine sich aus Delegierten zusammensetzende Zahljtellenversammlung ab. Zunächst ehrten die Anwesenden das Ableben von 6 Organisationsgenossen durch Er- heben von den Plätzen. Der Kassenbericht für daS dritte Quartal lag den Delegierten im Druck vor. Einnahmen und Ausgaben der Zcntralkasse balanzieren in der Summe von 31 381,35 M. Mit den Beiträgen der Lokalkasse inkl. dem früheren Bestände belief sich die Gesamteinnahme auf 134 26l,13 M.. der eine Gesamtausgabe von 46 576,35 M. gegenübersteht. Das Zahlstellenvermögen beträgt somit 63 624,78 M. Die Mitgliederzahl betrug am Schlüsse des dritten Quartals 4789. Das ist eine Zunahme von 165 Mit- gliedern seit dem zweiten Quartal. Hierauf referierte der Vor- sitzende Witt über die am 2. Dezember d. I. im Verband in Kraft tretende Arbeitslosenunterstützung, unter besonderer Berück- sichtigung der zu diesem Zweck sich notwendig machenden Einführung von Mcsdc- und Kontrollstellen. Die Ver- sammlung erklärte nach kurzer Debatte ihr Einverständnis mit dem Vorschlag der Konferenz, 6 Meldestellen und 21 Kontrollstellen einzurichten. Alsdann besprach Witt die jüngsten Vorgänge im Bezirk 13(Charlottcnburg) und unterzog das Bestreben einzelner Personen in diesem Bezirk, denselben von der einheitlichen Zahl- stelle Berlin und Umgegend abzusplittern, unter dem Beifall der Versammlung einer derben Kritik. Obgleich, so meinte der Redner, der Zentralvorftand unseres Verbandes in einer Versammlung in Charlottenburg sowie durch Herausgabe eines Flugblattes die Un- durchführbarkeit einer selbständigen Zahlstelle für Charlottenburg aus solidarischen sowie aus statutarischen Gründen haarklein nach- gewiesen habe, setze dennoch ein bestimmter Kreis von Personen, wie mit Blindheit geschlagen, die zersplitternde Tätigkeit fort, um zur Freude der Unternehmer einen Keil in unsere einheitliche Per- bandsbewegung hinein zu treiben. Derartige Machinationen, die lediglich von einzelnen Personen zu dem Zweck inszeniert wurden, ihre böswilligen Launen zu befriedigen, könnten im Interesse der gesamten Arbeiterbewegung gar nicht scharf genug gegeißelt werden. Erfreulicherweise habe aber die Mehrzahl unserer Mitglieder im Bezirk 13 sich von diesem Treiben einzelner Organisationsschädiger abgewandt und erklärt, diese Agitation unter keinen Umständen zu unterstützen, so daß die Hoffnung besteht, daß im Bezirk 13(Char- lottenburg) bald wieder geordnete OrganisationSverhältnissc Platz greifen und unser Bezirk 13 in kürzester Zeit ungeschwächt dastehen wird. Diejenigen Kameraden allerdings, die ihre Beiträge den statutarischen Bestimmungen gemäß, nicht in der nämlichen Weise wie bisher, an den von der Zahlstelle Berlin und Umgegend, Bc° zirk 13, eingesetzten Bezirkskassierer gegen Empfang der üblichen Beitragsmarken weiter entrichten, gelten als aus dem Verbände ausgetreten. Gleichzeitig seien ihre erworbenen Rechte an den Verband mit demselben Moment erloschen, so daß dieselben für die Zukunft von allen Mitgliedern unseres Zentralverbandcs als nicht organisiert betrachtet werden müssen. Sämtliche DiskussionS- redner stimmten den Ansführiliigen zu, worauf folgende Resolution einstimmig angenommen wurde: „Die am 6. November in den Nrminhallen tagende Zahl- stellenversammlung nimmt Kenntnis von den Vorgängen im Bezirk 13(Charlottenburg) und verurteilt die Handlungsweise einzelner Personen, die darin besteht, den Bezirk 13 von der ein- heitlichen Zahlstelle Berlin und Umgegend abzusplittern, auf das cnischiedenstc. Die Versammlung erblickt in diesem Treiben eine direkte Schädigung unserer gemeinsamen Verbandsintcr- essen und spricht denjenigen Kameraden, die auf eine Zer- splitterung der Kräfte im Berliner Lohngebiet hinarbeiten, ihre schärfste Mißbilligung aus. Sie hegt jedoch zu der Mehrzahl der Mitglieder des Bezirks 13 das Vertrauen, daß sie nach wie vor unsere Organisation hochhalten und alle Versuche, eine Ab- trcnnung von der Zahlstelle Berlin und Umgegend herbeizu- führen, energisch entgegentreten werden.— Des weiteren ersucht die Zahlstellcnversammlung alle Mitglieder des Verbandes, nach Kräften für die Ausbreitung und Festigung unserer ein- heitlichen Organisation zu agitieren, dagegen alle Quertreibe- reien und Zersplitterungsversuche mit Nachdruck zu bekämpfen." Nach Erledigung einiger Vcrwaltnngsangelegenheiten und nachdem Witt zur regen Agitation für die Wahlveretne und Ver- breitung der Parteipresse unter den Berufsgenossen aufgefordert hatte, erfolgte Schluß. Eine gut besuchte Branchenversammlung der Stock- und Zelluloidarbeiter, welche im Holzarbeiterverband organisiert sind, tagte am 13. November im Gewcrkschastshaus. In einem intcr- cssanten Vortrage sprach Genosse Max Schütte über die russische Revolution.>— Zu den in der Branckc überhand nehmenden lieber stunden nahm darauf die Versammlung Stellung. Julius Hildebrandt referierte über diese Frage. Nach seinen Aussühnr n ist daS Ueberstnndcnwescn zu einer großen Kalamität getvorvcn» und zwar ja den verschiedenstet: Fabriken. Genannt wurden u. a. G e m b i tz k i, die beiden Firmen N o a, sowie Schülke Nachfolger. Vielfach haben unter den Kol» legen Eröterungen über die Ileberstunden stattgefunden, nament- lich unter denen von Schülke Nachfolger, bei welcher Firma seit langer Zeit Ueberstunden vorherrschen. Die Branchenkomniission hält es für notwendig, daß die Kollegcnschaft in der Gesamtheit ihre Meinung zu der brennenden Frage sagt.— Im Laufe der Debatte wurde aus der Versainmlung heraus der Antrag gestellt, keine Ueberstunden mehr zu machen. Er wurde schließlich einhellig in der Fassung aiigenommen, daß vom Montag ab in jedem Betriebe die Ueberstunden zu verweigern sind.— Darauf erledigte man noch einige Werkstattangelegenheiten. Erklärung. Nach einem Vcrsammlungsbericht dcS„Vorwärts" in der Nr. 267, 1. Beiblatt, haben es die Stcinarbeiter für not- wendig befunden, das Verhalten des Ausschusses der Berliner Ge- werkschastskommission in Sachen der Denunziation einzelner Tele- gierter der Steinarbeiter zur Allgemeinen OrtSkrankcnkasse an die Aufsichtsbehörde, auf das„schärfste" zu verurteilen. Es zeugt von einem Mangel an besserer Einsicht, daß trotz des Beschlusses des Plenums der Kommission, die Stcinarbeiter immer noch nicht überzeugt sind, daß eine Denunziation an die den Arbeitern an und für sich nicht wohlwollenden Aufsichtsbehörden. immer eine Denunziation bleibt, die vom Standpunkt jedes politisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeiters von vornherein zu ver- urteilen ist, welches auch immer der Beweggrund einer solchen Handlungsweise sein möge. Da der Ausschuß nur über die Denunziation selbst zu befinden hatte, so erübrigte sich für ihn ein Eingehen auf die materielle Seite der Angelegenheit.« Der Ausschutz der Berliner GcwerkschaftSkommission. Etos der Frauenbewegung. Liedcnswürdige Behandlung von weidlichen Angestellten. Gelegentlich einer Verhandlung vor de», Kausmaniisgericht München behauptete eine Verkäuferin eines Zigarrenkioskes im Automaten-Restailrant„Bavaria". daß sie enllasscn worden sei. weil sie dem Direktor Albin Schramm nicht zu Willen war. daß der Herr Direktor überhaupt seinem weiblichen Personale in sittlicher Beziehung»ackistellte und seinen Favoritinnen höhere Bezüge ver- spreche. Der Chef veranlatzte den Direktor, gegen das Mädchen Klage wegen Beleidigung zu stellen. Diese„Beleidigungsklage endete mit einer kleinen Blamage für den Direklor. Durch Zeiigimten wurde festgestellt, daß der Herr Direktor einer 26jährigen Angestellten in aufdringlicher Weis: nachstellte und sich diesem Mädchen gegenüber ein grobes imsittlickieS Attentat erlaubte, das stark an das Strafgesetzbuch streifte. Einem anderen Mädchen versprach er höheres Salair. wenn es ihm zu Willen sei und seine Geliebte mache; einer Dienstmagd gegenüber erlanbte er sich ebenfalls An- griffe unsittlicher Art. Das Schöffengericht München erachtete den Wahrheitsbeweis für erbracht und erkannte für die Verkäuferin auf Freisprechung, so daß der allzu liebenswürdige Herr Direktor auch noch die gesaniten Kosten als Beigabe für die erlittene Blamage zu tragen hat._ Britz. Am Donnerstag, den 16. d. Mts., findet bei Weniger. Werderstr. 27, die Versamnilung deS Frauen- und Mädchen- Bildungsvereins für Britz statt. In derselben wird Herr Dr. Blum eineil Vortrag halten über:„Wie verhüten wir Erkrankungen des Magens und Darnies?"— Zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder ist erwünscht. Gäste sind willkommen. Der Vorstand. Steglitz. Am Donnerstag, den 16. d. MtS., hält der Bildung?- verein für Frauen und Mädchen von Sieglitz und Umgegend ferne Mitgliederversammlung bei Wahrendorf. Schloßstr. 117, ab. Herr Dr. Sommerfeld spricht über:.Eine gesundheitsgemäße Er« ziehung der Kinder". 2. Punkt der Tagesordnung: Diskussion, und 3. Verschiedenes.— Da das Thema alle Frauen, besonders die Mütter angeht, so wird ein zahlreicher Besuch erwartet. Gäste haben Zutritt._ Der Vorstand. Zeutralverband der Handlnngsgehülfen und Gehülftnnen Deutschlands, Bezirk Rixdorf. Heule Mittwoch, den 15. November, abends V Uhr: Sitzung im Lokal von Fritz Schmidt, Berlincrstr. 14. Vor« trag. Zahlreichen Besuch erwartet Der BezirkSsührer. Sozialdemokratischer Zeutral-Wahlverei» für deu Reichstags- ilvahlkrcis Kalau-Lucka». Ortsverein Berlin. Donnerstag, den IS. November, abends 8>/, Uhr, Versammlung beim Genossen Weihnacht, Grünstr. 2t. Tagesordnung: B-Ichlusjsassung über unsere staltzufindende Kalender- und Flugblattverbreitmig im Kreise. eingegangene DruchFchrlften. Die Reue Gesellschaft, Heft 33. Sozialistische Wochenschrift. Heraus- gcber Dr. Heinrich Braun und Lily Braun. Perlag: Berlin IV. 15. Preis für das Einzelheit tv Pf., pro Monat 46 Pf., pro Vierteljahr 1,26 M. Annale« des Deutschen Reiches Nr. 11 sür Gesetzgebung, Ver- waltung und Volkswirts chast. Herausgeber Dr. K. Th. Ehebcrg u. Dr. A. Dyroff. Jährlich 12 Hejte. Halbjahr 10 M. Verlag I. Schweitzer (A. Sellier), München. DOUtZvlW Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todea-Anzeiee. Den Kollege» znr Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Otto Hitdebl-ondt gestorben ist. 154/15 Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 15. November,»ach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des. Nazareth- Kuchhoses, Dalldorscr Chaussee, aus statt. Rege Beteiligung erwartet vi« Ortsverwaliung. Verein der Cbemigrapben. 0. S. B. Am«Sonntag, den 12. Nov., verstarb nach langem Leiden unser Mitglied und lieber Freund, der Nachschneider 298/l Otto Hdnrick. Der Verstorbene war uns stets ein braver Kollege, dessen An- denken wir in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Mittwoch nachmittags 4 Uhr In Maricndors, Heilig-Kreuz-Ktrch- hos. statt. Um rege Beteiligung bittet Der Borstaud. Feine Pclzwaron• Stolas- Jacketts l tadelloser Ausführung, sehr preiswert. 57 I,clp»lscrs 567 735 808 922 84 1 4062 71000) 280 308 602 1 5067 72 153 130001 385 500 34 87 644 772 800 928 1 6055 113(5001 264 68 428 söOOl 64 1500) 635 85(5001 17054 230 130001 538 630 783 18070 131 267 337 457 653 748 896 919 77[500] ,19121 247 70 549 66 686 781 5001 20080 110 25 336 557 859 912 21178[500] 99 [3000) 201 348[1000, 93 511 690[1000) 769 802 44 [500» 991 22046 125 258 68 356 408 562 629 72 725 49 031 23505 1500) 629 757 809 98 2 4032 129 403 50 526 639 912 13 2S330 40 546 711 895 975 26007 110001 58 74 343 82 483 673 722 78 2 7246[500] 436 «86 916 30 28063 185 255 382 80[5001 869 29082 ■104 257 336 730 30250 78[10001 432 95 777 3 1006 167 235 316 34 48 403 517 85 652 61 781 914 3 2025 By 4V 217 90 422 622 792 835 907 80 3 3030 152[5001 372 [10001 408 514 85 674 717»88[3000! 901 34001 113 287 318 73[1000] 77 666 796 851 991[500] 35241 404 680 3 6211 466 509 606 739 55 95 949[500) 76 98 37001 98 443 601[1000] 792 38000 20 225 43 97 377 410 71 574 3 9350 417 30 34 558 660 701 974 40074 81 86 111 25 263 95 373 475[1000] 534 72 [10001 95 602 14 98 744 805 41141 280 827 4 2061 110 568 627 33(5001 818 67 82 97 4 3011 65 96 11000) 106 206 5001 14[5001 47 81, 618 27[M001 51 44723 98 824 985 45158[500] 205 332 632 748 80 817 4 6730 13000] 81[500 1 993 47103 221 52 532 1500] 900 32 66 4 8233 303 77[500] 422 35 5S0 608 39 935 49146 922 50161[5001 215 69[3000] 530 778 833 68 978 51206 323 418 25 88 514 73 699 948 52117?1S 28 61 68 436 67 679 95 747 894 5 3052 225 330 555 770 54010 40 176[1000] 239 319 63 88 95 405 578 643 704 55035 139 90 478]SOO] 91 548 733[3000] 929 87 [30001 56156 224 303 7 472 552 632 65[30001 797 831 97 57130 210 641 670 711 69[500] 58034 101 [500] 75 246 817 950 59042[500] 118 78 412 28 621 foOOl 72 816 60116 224 36 465[3000] 514 26 61063 119 81 446 526 614 27 028 62124 402 58 90 575 630 740 43 67 63105 355[1000] 57 483 551 62 773 966 6 4024 60 371 640 87 726 906[10001 65091 249 98 322 561 790 970 6 6030 57 86 240 55 85 450 500 89 666 877 90.6 67036 85 140 42 425[10001 557 1.500] 747 849 68030 55 130 338 463 744 69196 390 419 515 680 701 93 70035 67[5001 04 98 197 390 449[500] 641 44 803 110001 923 62'30001 73 7X197 3u9 408 823 72024 367 665 737 854 914 73187 88 99 239 335 516 770 940 74002[5001 8 80 81 177 91 335 95 97 072 7 5075 158[500] 238 349 546[500] 943 7 0017 188 365 420 56 640 7.58[1000] 77114 300 73 96 615 798[ 30001 78219[500] 4SI 520 73 028 53 921 29 78[500] 79273 15001 91[500] 498 519 25 676 79 1500] 874 80197 232 360 424 85 516 22[30001 53[10001 85 744 805[3000] 81113 249 594 714 20 891 82080 230 78 482 595 703 46 13000] 878 8 3076 425 44 518 764 84106 61 377 454 542 57 87 Uli iäOOi 89 r25 40 803 8 5011 33 55 59[5001 112 13 251 493 861 82 906 86009 264 348 419 515 85 745 UOuO] 8704/ 220 392 487 658 66 88 703 57 64»7 m 88015 94 449 Oi. 97 809 964 8 9025 26 230 340 67 620 974 r � 90184 263 603 716 17 965 91154 61 388 412[500] 587 670 748 925 9 2088 100 57 61 239 562 612 50 815 920 80 93066 88 116 219 SSO.5001 411 577 97 605 706 rtOOO] 68 824 925 31 94042 48 473 15001 602 797 95X09 46 74 201 39 393 130001 446 84 621 66 735 4500 46 69 801 77 906 96121 96 110501 202 480 96 513[5001 633[1000] 712 937 39[5001 98[10001 971/0 260 318 04[5001 567 046 776 79 009 9 8253 365 483 662 726 28 51 99067 105 77 286 386 480 91 64/ 130001 749 72»55 68 ,500! 953 100152 342 89[500] 415 701[500] 5 10X040 242 351 437 631 92 714 53 866 931 10 2069 99 380 584 86 749 853 63 103268 422 32 562 622 65 998 104061 317 63[5, Ol 231 88 477 81 805 924 30 1 05048 1500] 263 301 402 678«Ol 7 78 106üO| 29 264 718 78 97 810 30 74 922 1 07038[1000] 130 231 74 367 482 700 809 53 994 108141[10001 85 90 1500] 471 624 700 24 42 821 92 109001 194 361 514 668 94 96 735 81 SO» 110111 254 313 419 968[500] 111287 613 3.' C.tOO 65 92 774 923 112146 49 222 318 5001 83 95 059 98 819 6)[5001 93 113 09 137[50)1 48 61 S36 821 60 124056 83 192 200 385 456 659 778 88 808 27 87 975 115166 362 469 83 523 42 800 45 [50' I 78 906 39 1 16057 63 194 130001 334 433 54 72 965 769 817 902 117758[1000] 239 303[30001 89 433 645 I 5001 70 718 861 86 116142 242 79 501 21 92 72» 1 10001 931 52 119041 217 440 4« 505 25 54 759 82 626 11000 1 91 934 1 10001 120234 49 362 374 759 90 802 1500] 948[500] 121174 345 56 832 761 94 1 2 2008-»«Ol 31 232 488 94 316 19 707 SOI 15001 986 1 23067 187 257 11000] 88 550 729 968 95 12*127 98[5001 119 564 604 757 £86[10001 125165 323 95 620 827 126073 180 201 22 407 13[5001 585 647[500] 92 995 127159 330 67 428 80 98 559 96 608 1 2.8089 158 83 366 70 92 473 544 681 828 1 29065 140 43 267 300 620 47 728(5000 J 74 827( 5001 953''« „ 130133 652[500] 658[5001 784 839 917 93 1 3 1007 24 67 179 414 53 512[3000] 40[1000] 88 828 942 48 82 1 32284 357 656[300] 91[3000] 902 3g»[5001 133214 390 411 97 706 883 982 134025 95 354 478 77 iSOOp] 612 18 19 27 704 11 42 43 71 84 815 32 135007 III[1000] 13 273 433 619 93 713 49 918 47 [50001 64 79 136389 912 137047[500! 107 230 857 93 � 123 35 279 518 23 754 13001 140051 687 728 60 67 68 14 1 347 76 602 750 52 813 948 142140 41[500] 255 353 570 676 754 143121 43 270[5001 72 901 20 144018 17 90[3000] 205 0 302 80 883 852 995 1 45299 311 314 35 601 764 902 62 67 95 1 4 6235 605 727 83 883[3000! 913 147021 136 355 80 95 475[10001 700 808 148118 240 320[3000! 61 73 424 711 897 1 49003 247 83 385 616 640[10001 45 51 701 817[3001 933 _ 130074 22 1 384 544 85 610 710 34 1 5 1 057 189 99 298 340 81 453 807 16 42[1000] 69 72 152000 224 56[5001 346 73 614 95 689 838 88 9X6 42 1 53047 472 [1000] 594[.500] 620 35 951 154018 140 262 300 991 155175 89 240 91 303 82 468 724 1 56007 242 68 414 643 917 60 157007 32 235 301 38 412 61 620 158222 [10001*09 53 75 860 80 749[3090] 159375 78 606 712 s46 160035 165 259 450 542 46 838 903[500] 93 161064 68 112 28 206 38 82 308 77 1 904[3000] 162111 227 541 601 99? 163018 100 352 538 77 744[5001 806 62 164136 57[5001 512 92 844 83 1 63037 74 736 825 [500] 901 15[3900] 166076 239 87 372 720 22 Sil 63 167233 428[10001 84 X 63040 io2 249 307 liiJOOJ 88 817 85 1 69013 144 342 54 79 464 88 693 867 71 170126 241 435 573 85 744 89[5001 885 99 171188 [3000] 813[500] 800 29 37 979 1 72103 223 78 380 91 428 37 71 555 53 679 80 763 1 73107[500] 8[1000] 233 62[1000] 459 545 747 883 923[500] 33 174074 82 210 17 329 620 37 84 760 820 1 75416 650 717 927 61 176046[1000] 100 87 393 829[5001 35 69 177347 42! 529 792[5001 178053 67 138[1000] 499 553 658 63 701 89 897 179083 206 13000] 310 43 470 560 635 39 65 733 53 flOOOI 850[30001 87 944 1 80036 90 539 78 675 771 819 900 slOOOl 45 181061 77 fSOO] 95 184 05 285 324 41 46[10001 84 93[5001 575 779 819 77 1 82023 199 264 73 15001 391 454[5001 89 502 17 612 1500] 42 710 57 812 964 J83024 110001 50 148[1030] 94 607 28 879 945 184024[500] 213 374 436 98 628 715 08 77 USCOl 974 185085 258 344 435 60 80 618 35 834 69 013 1 86136 70 72 287 364[1000] 80[500] 416 52 514 07 932 TO 187010 102 11 500 10 55 633 803 188134 44 82 394 565 603 22[500] 724 845 189114 90 215 42 390 473 . 190131 361 444 547 89 608 84 794 927[30001 191106 59 63 427 638 931 73 84 192174 236 ZÄ 432 017 70 757 912 34 1 93046 84 159 222 53 788 905 194034[500] 394 412 501 618| 500| 709 20 1500] 58 802 53[3000] 920 195052[3000] 272 360 77 512 687 19 6078 168 253 328 73 452 670 755[5001 943 197365 729 198015 133 38[500] 82 261 92 398 660»45 57 997 199410 506 77 935 200219 522(10001 23 747 876 975 slOOO] 201093 225 532 42 54 74 85 714 926 13000] 202238 373 [3000] 98 562 82 692 838 20M37 93 III 35 37 43 212 43 72 489 544 652 65 786«32 923 204201(30001 456 713 812[5001 983 205008 79 258 1 1000] 391 206030 683 852 207121 15001 379 11000] 525 989 [10 0001 208038 15001 55 62 121 259 08 333 75 87 423 43 618 755 808 38 51 78 2 09125 665 901 23 210020 60 23» 578(lOCOj 681 15001 759 211259 437 567 656 829 900 02 ISüO] 212132 596 761«31 f50ö| 213100 15 52 235[50001 89 331 421 871 214483 591[500] 680 838 962 215489 593 614 22 [3000] 58[30001 801 2 1 6374 53» 62» 67 733»76 [1000] 217297 611 838 218026 358 544 64 15001 838 219121 65 221 310 80 531 1690] 738 ISOO] 77 f 1 rt rw i an ruro [10 OOOI 90 963 7. Ziehung 5. KI. 213. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziebunf- vom 14. November 1X5, nachmittags. Nur die Gewinne Ober 240 Mark sind den betrestenden Nummern In Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten. 481 641 67 88[3000] 768 899 1 423 66 769 801 2091 185 228 404 74 625 735 891 3016 547 698 872 941 4056 145 53 687 5012 158 1500] 361 90 601 98 1 1900] 605 7 18 56[1000] 72 6322 52 444 502 720 1500] 33 7952[10001 28 62 1500] 153 74 83 139001 615 61 85 782[30001 8174[5001 268 335 413 71 77 535 38 80 13000[ 637 42 62 769 864 9131 392 403 571 390 714 10149 224 40 626 766 986[1000] 11058 130 [5001 337 437 530 751 832 820 1 2108 46 494 593 46 902[10001 81 13016 316[500] 98 870 76 994 15001 14015 189 475 615 70 795[ 500] 15334[30001 716 939 1 6909 126 59 220 15001 26 430 707 852 1 7059 370 72 708 62 940 1 8928 66 160[1000] 548( 3000] 624 750 844 94 953[1000] 19029 191 310[5001 92 2O025[1000] 65 225 618 25 99 852 986 2 1307 83 412 60[ 500] 92 689 617 20 91 839 2 2097 179 358 802 23004 14 21 96 330 75 87 580 678 706 920 24009 100 224 482 510 87 845 946 25121 210 ,1000] 75 405 15 27 60(10001 568 730 42 830 2 6992 99 345 72 534 38 622 61 752 70 899 918 83 2 7011 41 65 407 17! 500| 37 62 681[500] 28189 340 517 730 43 78 29033 116 32[10091 43 267 80 634 734 843 999 30290 323(10001 480 539 636 715[500] 985 3 1 087 216 17 70 94 96 329 JSöOi 42 437 91 010 74 79 83 32118 150001 43 53 82 226 33157 581 11009s rsool 612[5901 49 79 740 997 3 4024 240 382 3000] 557[ 500! 685 789 835 996 35962 66 190 284 0[5001 795 814 925 84 91 3 6052 117 761 37006 36 320 651 761 947 70[500] 38122 30 560 784 39068 306 851 40154 77 437 62 621 650 756 41150 13000] 51 [5001 212 445 530 91 004 8 46 743 42099 24 137 332 402 10 130091 580 715 831 43114 54 15001 97 418 riOOO] 89 575 731 33 4 4032 97 251 378 88[10001 562 706 11 946 4 5235 46 477 94 664 796 4 6029 379[5001 402 522 39 11000] 738 68[500] 902 53 47086 184 273 97 345 742 845 08 48126 290/ 618 90 755 73 83 852[5001 911[5001 73!1000] 99 49046 223 27 385 525 34 738 817 97 950 50024 141 81(5001 664 81[600] 51097 254 334 538 797 5 2027 90 571 99 745 58 927 54 5 3033 306 44[500] 468 504 23 615 831 947 5 4088 104 52 llOOOj -------------' iSO 82 902 55054 56326 464 66 598 57006 10 35 134 130o0[ 67 237 1 »ua»SOOO? i 1000,»OJ /u«uu 102 364 604 30 857 2 2 5156 82 403 14 22 S51 226/96 [30001 216 348 63 495 534 78 701 71 76 913 2 2 7 297 304 416 63 69 531 849 76 110001 22 8152 77 357 92 669 837»17 21 55 2/80076 219[10001 317 427]1000l! 807 77«31 1500] 230097 flOOO] 113 208 442 704 90 843 999 231160 130001 289 94 44« 52 07 633 703 33 801 13 988 15001 232158 257 652[10001 752 233019 59 180 200 77 431 92 618 88 719.6 895 939 90 234198 203 482»55 61 912 235154 87 434 95 593 I 500| 615 65 236942 99 312 49 1 9001 066 74 94 7 16 80 982 1500] 237003 225 401 18 968(10001 238141 260 375 545 40 703 57 095 239113 30 204[5001 38 61 62 1500] 333 90 817 073 240024 95[1000] 105 67 92 3S3 636 924 241054 299 40» 110 OOOI 546 647 782 97 2 42090 176 500, 628 901 243189 333 483»16[5001 32 43 71 538 I3O001 24 4035 260 438 356 846 74 UJOOI 952 34 24 5059 82 134 240 79 370 1500, 594 376 725 2» 800 [5001 89 246U8 237 413 43 68 529 99 247942 206 77 I 1000] 660 825[ 10001 938 Im Gswlnnrads verbi/eoap* 1 Prä/nie ä 300 000 H.. 1 Gewinn ä 150 900, 2 ä IOC 000, 1 4 60 000. 2 4 50 300, 1 i 40 000, 10 ä 30 000, 19 5 13 000. 33 ä 10 000, 35* 5000, 1353 ä 3000. 1951 ä 1900. 3343 4 500. 220[ 500] 29 380 408 9 718 39 48 880 82 902 141 255 62 13000] 401 588 647 780' 621 92 732[5001 814 570u6 10 l_________ W>■ 028 602 754 895 5 8163 83 224 308 56 579 661 68 ISOOJ 725 39 71 94 15001 977 5 9048 78( 3000] 112 70 217 40 316 425 37 842 60225 370 536 878 936 61039 368 86 511 649 719 [5601 51 810 924 46 73 6 2064 175 390 03 497 580 877 954 63109 62 251 464 544 64028 274 354 628 «19 823 917 6 5366 83 470 701 15001 66083 131 ,6 77 312 41 68 407 64 577 627 762 71[1000] 866 67081 326 1 3000] 477 649 704 833 87(10001 976 6fc-_5 148 263[500[ 573[5001 95 064 69010 63 83[500] 102 287 361 599[3000] 709 7E)23 37 132 70 270 376 475 97[3000] 566 667 813 [500] 993 15001 71024 34[5001 58 128 52 83 257 60 309 653 626 821 60 88 7 2153 287 482 630 789[500] 806 76 964 73325[500] 88 506 13 872 936 74074 122 97 232 307 61[500] 586 681 834 72 77 75166 374 452 691 724 847 921[3000] 67 7 6037 82 227 85 411 594 825 932 77200[500] 330 853[1000] 916 78120 303 13000] 69 562 606 06 704 22 902 11 52 63 79060 134 73 253 354 437 672 854 80103 201 38[30001 521 666 770 81014 SS 117 58 74 343 79 13000] 440 49»54 64 95 1 500] 82075 165 67 223»0 351 74[500] 528 625 86 823 52[5001 952 !3000] 83008 121 22 630 750 833 965 84076 152 53 [500] 68 242 71 568 85051 86 156 86 231 302[500] 53 575[1000] 691 86280 329[1000] 93 423 59 693 831 33 87086 286 455 511 631 811 29 83 88172 379 617 815 38 89018 110 31 209[500] 530[1000] 32 917 90030 31 43 196[3000] 289 351 400 594 673[500] 93 91096 199 285 838 92023 406 511 12 22 94 700 886 93000 20 45 119 318 421 13000) 57 511 645 98 044 »4385 1500) 95 508 15001 88 11000] 743 70 81 842 73 [30001 05128 78 79 286 99[500] 315 34 72 434 50 600 776 813 96204 532[10001 68 89 667 827 80 965 «4 97264 310 81 778 SS 854 911 98068 260 73 332 504 894 99023 242 402 540 645 70 836 958 100099[500] 105 78 217 70 549 718 25 933 1 0 1025 187 400 615 723 903 54 1 02009 46 51 295 506 655 712 103063 95 235 69 ISOO! 72 77 84 93 537[3000] 718 861 938 104224 307 41?[5001 45 53 60 85 556 60 [500] 650 721 38 943 105392 690 814 925 70 100018 446[lOOCi 956 81 1Ü7149 64 220 43 06 573 019 723 807 13000] 10SOS2 94 188 215 63(5001 4SI 001 765 550 61 960 1 09532 78 742 90»38 13000] 110/108 158 435 580[30001 632 730 SS 855 111216 25 461 671 765 893 996 112138 234 66 364 113056 216[1000] 50 366 466 552 798 114189 287 91 388 550 1)0001 72 960 116069 10B 93 352 42« 700 9 2« 92 116083 550 631 791 HOOUJ 823 983[ 10001 117015 97 14« 205 379 674 890 118028 99 301 21 164!3«0] 92[500] 580 650 816 9.58 119' 30 73 201 31 42 338 81(5001 502 7 316 758 307 910 120200 38 1500] 433 85 502 93 629[3000] 91 733 531 44 121155 222 71 94 505 22 57 603 900 122210 315 708 28 34 956 1 23084 90 348 60 401 537 838 83 98 905 48 65 1 24076 85 209 25 465 571 623[3000] 724 924 1500] 60 1 25498 768 829 914 53 126174[3000] 339 403 14 24 94 724[3000! 62 852 127157[1000] 83 213 461 635 755 80 128032[3000] 74 151 320 417 625 32 818 929 61 82 89[500] 129059 331 720 55 60 828 130138 1500] 74 226 382 411[10001 16 30 66[500] 515 26 87 724 898 918 1 3 1055 245 357 61 428 93 568 683 751 832 88 132030 150[3000] 587 629 92 96 881 013 133057 175 266 85 307 96 875 82 920 134086 333 554 788 95[3000] 854 55 60 05 133001 43 248 358 412 543 617 65 932 41 49 1 3 6010 47 146 240 54 79 382 499 810 933 56 83 93 1 37013 241 456 658 662 [500] 73 728 96 806 138107 628 788[3000] 848[500] 72 139008 380 441 532 52[5001 737 92 93 140127 420 57 670 865 60 141031 48 81 425 574 804 142027 105 94 581 641 853 058 143182 220 422 710 144005 127 261 70 555 600 94 715 042 96 15001 145032 104 13 221 62 487 553 88[3000] 96 669[500] 779 88 90 891 938 146072[500] 200 46 451 516 686 813 901 147225 343 532 699 779 940 41 148122 35 37 216 417[5t«] 21[5001 59 65 602 15001 898 929 32 78[3000! 149021 110 17 65 201 09 79 382 488 581 150497 151-230 41 400 33 64 564 654 832 152024 262 360 518 50 714 97 801 977 153255[1000] 301 27 39 400 875 949 56[5001 154110 207 421 56 664 800 92[500] 155067 115[500] 33 323 90 97 156031 501 836 1500] 959[5001 157094[1000] III[500] 655 99 826 925 1 58288 323 419 35 618 92 752 66 73 909 71 159076 182 84 233[500] 41 60 325 409 24 33 683 90L 19 38 160001 469 821[3000] 947 51000] 70 1 61068 165 [500] 516 678 744 93 894 1 62314 52 413 847 55 72 163005 102 29 289 390 93 412 732 164309 515 0001 84 509 165065 78 81 94 576 713[500] 68 940 166065 307 84 447 809 71 79 1 67120 30 331 506 743 852 990 168083(5001 272 412 865 169093 166 67 355 438 52 84 746 809 58 928 170160 300 51 315 88 471 517 62 82[500] 631 [500] 771 812 171016 314 542 95 730[1000] OOS 172028 114 325 748 812 08 910 173059 365 473 633 (5001 64 719 SO 174186 278 89 547 616 1 378 562 015 043 176058 113 15 258 354 72 562[500] 680 778 177114 400 14 75 76( 178050 90[1000] 282 96 431 540 80[500] 604 68 877 80 944 74 1 79140 45 250 462 527 710 49 808 54 993 180007 114 59 286 414 739 181161 368 430 81 638 868 182019 10«[10001 351 63 409 548 878 1 83171 244[5001 335 599 733 821 26[ 500] 944 84 86 184278 94 531 730 72.864 85 902[5001 185016 56 485 543 90 654 745 951 186028 48 254 447 635 39 765 187436 624 837[30001 908 15 188222 514 189029 flOOO] 232 1 90008 191 241 94 301 6 57 487 520 618 60 97 19 1073 75[30001 178[500] 295 597 626[500] 772 867 95 192032 211 320[600] 408 26 897 955 193013 190 317 4U 45 673 80 850 96 919 30 194126[500] 248 67 361 613[5001 59 96 673 850 195038 96 255 338 464 587 948 196602 14 36[500] 718 34 95[5001 967 1 97008 62 243 397 409 130001 25 60 624 39 41 822[30001 904 198275 303[500] 79 504 850 199003 57 130 251 81 93[30001 384 589[10001 924 200018 68 208 347 55 72[500] 515 47[500] 763 [500] 74»19 987 2O1C03 8 488 540 604 87 752 857 996 202022 95 102 97 643[1000] 93 806 37 943 20303!, 71 80[ 5001 331 422 817 2 0 4021 177 281 358 85 4U [500] 32 609[500] 93 843 205075 93 133[100»! 206 14 28 331 89 15001 96 575 706 21 41 20 6221 418 73 519 604 715 64 923 2 0 7347 449 55[1000] 061 1 10001 06 721 849 80 951 20 8081 92 203 43 566[30001 8? 751 862[5001 209050 115 33[500] 484 600 13000] 42 854 67 926[5001„, 210069 222 384 537 688 731 73 1500 211023 73 246 394 721 67 985[500] 212208 72 74 902 213,50 117 264 65 464 815 22 13000] 214023 160 11»«! 78 201 302 412 548 90[10001 685 700 34 83 07»98 215023 [30001 159 641 883 968[10001 216052 flDOOl 39 144 276 519 I ICOOI 895 911 27 2 1 7012 114 18 76 205 427 500 35 635 846[5001 88[30001 953 218081 230 93 622 919[50001 219194 354 51« 785 012 ,■ 220145 398 99 523 33 736 837 221059 316[500] 84 923 2 2 2070 227 28 85 320 93 630 46' 5001 67 729 83 898 939 99 2 2 3095 193 321 63 426 743 81? 224»« 183[1000] 544 670 704 225110[5«1 135[1000] 237 355 58 08 437 888 689 957 2263-45 10 13000] 408 52 632 761 833 41 227285 436 732 39 228/408 10 192 280 701 08 905 229005 211 534 89 604 59 91 801 1 1000] 230226 86[10001 81 352 54 510 627 863 72) 30001 82 969 78 231273 311[5001 436 70 607 32 857 232030 [1000] 170 220 346 445 506 24[10001 68 008|3O0O| 908 233101 258[5001 389 478 692 751 845 234055 90 [3000! 147 223 449 83 553 796 235192 325 408 10 662 050 82 820 9C5 236547 79 813 923 237)66 177 30» 21 87[5001 94 570 756 885[5001 901 238117 220 78 344[5001 410 28 130001 550 606 993 239297 415 818 29 66 130001 910 27 240006(30001 127 241 62 969 241933 93 459 509 15001 89 708 954 242102 406 714 952 243127 35 237 77 334 443 512 68 692 2 4 4059 214 54 309 420 93 542 645 717 06 970 2 45065 1 51» I 81 283 308 820 92 936 246014 1 1000] 16 138 75 572 035 44 746 830 52 247088 132 379 400 689 15001 714 936 Im Gewfnnrade verfaltebeo; 1 Prämie ä 300 000 V Gewinn ä 150 000, 2 i 100 300 1 4 60000. 2 ä 50 300,, 1* 40 000. 10* 30 000. 18 A 15 000 38» 10 000. 8J«' 5000, 1302* 3000, 1894 i 1000, 3222 4 600. Beraniwortlicher Redakteur: Hans Weber, Äerlm. Für den Inseratenteil vermttw.t Th. Glocke, Berlm. Druck u. Verlag: Borwärtt Püchdrucker« u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, gt. 268. 22. z-htMs. 2. Dtllllßt ilfs„Borinirte" Sfrlinft JJolholilütt»•«•««, is. N->->-btt>M. Hus Induftrie und Handel. Wagenbestellungen der preußischen Eiscnbahnverwaltung. Die Eisenbnhudirektion in Berlin ist jetzt endlich beauftragt worden. wegen Beschaffung von 1070 Personenwagen. 397 Gepäckwagen. S3 Vereinigren Post- und Gepäckwagen sowie 9100 Guterwagen (erste Teilbeschaffung für 1906) für die bestehenden Bahnen und die ün Etalsjahr 1906 zur Eröffnung kommenden Neubaulinien mit den Wagenbauanstalten, die gegenwärtig für die Staatseisenbahn-Ver- waltung beschäftigt sind, in Verhandlung zu treten. Die Lieferungen sollen ain 1. April 1906 beginnen und am 1. November 1906 ab- geschlossen sein. Ferner sind als Nachbestellung für das Etatsjahr 1905 weitere 882 Güterwagen bei den Werke» in Auftrag gegeben worden. Die Anlieferung der Wagen soll noch vor Ablauf dieses Etatsjahres erfolgen. Bom Walzdrahwerband. Wie der Geschäftsbericht des Walzdraht- Verbandes für das dritte Vierteljahr 1905 ausführt, hat die gegen Ende des zweiten Vierteljahres 1905 eingetretene Abfchwächung der Geichäftslage während des dritten Vierteljahres an- gehalten, wozu nach dein verbandZoffiziöfen Bericht wesentlich die aus der Auflösung des Drahsiiftenverbandes sich auf daS gesamte deutsche Drahtgewerbe ausdehnende Unsicherheit der Verhältnisse beigetragen hat. Die Jnlandsverbraucher beschränkten ihre Käufe angeblich auf ein möglichst geringes Mast; es wurde deshalb die den Drahtwalzwerken erwünschte Arbeit in verstärktem Mäste im Auslände gesucht, welches in Flusteisenwalzbraht denn auch mehr als die Hälfte aller Lieferungen aufgenommen hat. Trotzdem stellte sich der Auslands-Grundpreiserlös um rund 1,50 M. pro Tonne höher als im zweiten Bierteljahre. Von einer Produktionseinschränkung wurde Abstand genommen. Um die für den Verband nachteilige Wirkung der Auflösung deS Drahtstiftverbandes möglichst abzuschwächen, wurde unter den grösteren Werken deS Drahtstiftgewerbes ein neuer Vcr- band deutscher Drahlstiftfabriken inS Leben gerufen und den Walz- drahtverbrauchern für den Fall ihres Beitritts eine nachträgliche Preisermästigung für den zu Drahtstifte» verbrauchenden Walzdraht von 7,50 M. die Tonne zugesagt. Im ganzen haben sich dem gc- nannten Verbände an Walzdrahtverbrauchern jedoch nur 4 Finnen angeschlossen, welche mit ihren Lieferungen auf das Ausland an- gewiesen sind. Seideuwarcn-Judustrie. Die Grostdetailleure der Seidenstoff. und Bandbranchen sind gewillt. Stellung zu nehmen gegen die ihnen durch die Konvention der Seidenwaren-Grossisten aufgenötigten .Konditionen, weil diese Vereinbarungen nicht durch gegenseitige Aussprache erzielt worden sind. Grossisten deS Auslandes haben den Grost-Abnehmern des Detailhandels angeboten. hierfelbst Zweigniederlassungen zu errichten und ihnen vorteilhafte Be- dingungen zu bewilligen. Um über die veränderte Lage in Berawng zu treten, ist, wie der„Confectionair" erfährt, für den 17. November eine Versammlung der Großabnehmer deS Detailhandels nach Berlin einberufen worden. Der oberschlesische Kohlenbergbau wird fortgesetzt durch neue Grubenanlagen erweitert. Noch find eine Anzahl neuer Berg- werke ihrer Bestimmung nicht übergeben und schon werden von der Fürst v. Plestschen Verwaltung Vorbereitungen zur Errichtung einer neuen Grubenförderanlage getroffen. Bohrversuche, die angestellt wurden, zeugen von dem Vorhandensein abbauwürdiger Flötze bei günstigen GebirgSverhältnissen. Der Bau einer neuen Förderanlage, bestehend aus zwei Türmen in Eisenkonstruktion, Maschinen und Kesselhaus, sowie noch anderer hierzu erforderlichen Anlagen steht sicher bevor. Von angeblich durchaus zuverlässiger Quelle wird der .Industrie" versichert, dast die Arbeiten schon Anfang des nächsten JahreS in Angriff genommen werden sollen. Bom Stahltrust. Ueber die Geschäfte der United State? Steel Corporation im dritten Quartal des laufenden Jahres bringt Brad- streets Finanzschrift einen genauen Ausweis, der zeigt, dast der Stahltrust glanzende Geschäfte macht. Folgende Zusammenstellung zeigt, wie günstig die Lage gegenüber dem vorhergehenden Jahre geworden ist: Der Reingewimr betrug 1905 1904 im 1. Quartal.... 23 025 096 Dollar 13 445 232 Dollar . 2...... 30 305 116, 19 490 726 , 3...... 31 240 582, 18 773 932 Zusammen 84 570 794 Dollar 51 709 890 Dollar Am 31. Oktober waren noch für 6 300 000 Tonnen Stahl un- ausgeführte Bestellungen vorhanden. Die Geschäftsleitung plant eine graste Erweiterung der Betriebe. Der Stahltrust wurde 1901 gegründet und im November 1903 gründete der Trust die United States Steel Products Export Company, speziell für das Export- geschäft._ Gerichts-Zeitung. Nahrungsmittelverfälschungsprozeß Vor der neunten Straf- kammer des Landgerichts I begann gestern die Verhandlung eines grasten Prozesses wegen Nahrungsmittel- Verfälschung. Die Anklage richtet sich gegen folgende sieben Personen: den Kaufmann Jul. Karl P e r s ch k. den Handlungs- gehülfen WilH. Paul P e r s ch k jun., den Rostwurstfabrikanten Karl B e h n k e, den Schlächter Ernst Fischer in Neu-Weistcnsee, den Kaufmann August Meyer und zwei Angeklagte aus Breslau, den Kaufmann Heinrich Stock und den Kaufmann Rich. Gärtner. Der Augeklagte B e h» k e ist beim Aufruf der Sache nicht an- wesend.— Der Kaufmann P e r s ch k senior wird beschuldigt, im Jahre 1902 durch mindestens zwanzig selbständige Handlungen vorsätzlich Nahrungsmittel verfälscht zu haben, so dast sie der menschlichen Gesundheit schädlich werden können, ferner wissentlich Nahrungsmittel verkauft und feilgeboten zu haben, die durch Bor- säure verfälscht waren, und endlich durch den Verkauf verfälschter Nahrungsmittel sich des fortgesetzten Betruges schuldig gc- macht zu haben. Ebenso lautet die Anklage gegen Behnke und Meyer. Die Angeklagten Paul Perschk, Fischer, Stock und Gärtner stehen unter ddr Anklage der Beihülfe.— Auf Antrag der Staats- anwaltschast beschlost der Gerichtshof, gegen den ausgebliebenen Behnke einen Haftbefehl zu erlassen.— Karl Perschk sen. betreibt hier seit dem Jahre 1879 in der Stetten König st raste 11 unter der Firma Gebrüder Perschk eine Schmalzsicderei, verbunden mit dem Handel von Fleisch-, Wurst- und Käsewaren. Das Geschäft ist sehr umfang« reich. Der Umsatz betrug zuletzt etwa 8/4 Millionen Mark und ging vorzugsweise in die Provinz. Das Geschäft unterhielt auch mehrere Ei l i a l e n, und zwar hier in Berlin in der Frankfurter-, ottbuser-, Landsberger- und Bens sel st raste und in der Siegfried st raste i« Schöneberg, ferner in Posen, Magdeburg, Breslau und Beuthen. Dem Angeklagten Perschk sen. wird zur Last gelegt, dast er in seiner Schmalzsiederei zur Herstellung von sogenanutein.besseren Berliner Bratenschmalz" verdorbene Reste von Fleisch, Speck und anderen Stoffen ver- wendet habe. Die Anklage behauptet ferner, dast Perschk leere Butterfässer, die längere Zelt offen auf dem Hofe gestanden, habe auskratzen und.bunt", das heistt grünlich-schwarz ge- wordene Butter in das Schmalz habe hineinbraten lassen. Beim Ausbraten sollen verschmutzte alte Pfläumen« und Kafseesäcke verwendet worden sein. Es wird ferner behauptet, dast immer in gewissen Proportionen Schmalz, verdorbener Speck und wenig Naturbuiter zusammengebracht und gesiedet worden seien, auch verdorbener zerkleinerter Schinken soll in dieser Weise Verwendung gefunden haben. Unter allerlei täuscheilden Namen soll ferner Wurst verkauft sein, die in Wahrheit Pferde ivur st gewesen, die er von dem Angeklagten Behnke, dem Leiter einer in Meiste nsee belegenen Rostwurstfabrik, bezogen habe. Ferner soll mit K ä i e austerordentlich unappetitlich vorgegangen sein, mit Milben durchsetzter und völlig verdorbener Käse soll ver- kauft sein. Perschk soll nach der Anklage geäustert haben:„Gute Ware verkaufen kann jeder, das ist kein Kunststück, aber schlechte Waren must man verkaufen können l" oder:„Die Pollacken fressen ja alles, für die ist alles gut genug." Die Angeklagten bestreiten jede Schuld. Da eine graste Anzahl Zeugen und Sach- verständige geladen sind, so werden sich die Verhandlungen voraus- sichtlich auf drei oder vier Tage erstrecken. Ueber den Gang und das Resultat der Verhandlungen werden wir zusammenfassend be- richten. Fahrlässige Tötung. Der Arbeiter Johann Lütjenkirchen wurde vom Landgericht Köln am 15. Dezember v. I. wegen fahrlässiger Dötting zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt. Er hatte einen leeren Handwagen durch seinen völlig unerfahrenen und schivächlichen Sohn vorschriftswidrig auf der linken Seite fahren lassen. Ein Radfahrer fuhr gegen den einen Scherbaum deS Wagens derart an. dast er stürzte und nach einiger Zeit starb. Das Reichs- gericht hielt die Fahrlässigkeit des Angeklagten für genügend fest- gestellt und verwarf deshalb am Montag die Revision des An- geklagten.— Wieviel Unternehmer, insbesondere Grohgrundbesitzer, wären austerhalb des Gefängnisses, wenn mit der gleichen Schürfe gegen sie der Begriff der Fahrlässigkeit bei Betriebsunfällen zur Anwendung gebracht würde? „Ein Blick in die Seele des UltramontauiSmuS." Divisionspfarrer Bachstein ist gestern vor dem Oberkriegsgericht in der abermaligen Verhandlung wegen Beschimpfungen der katho- lischen Kirche wiederum freigesprochen. Wie unsere Leser sich entsinnen, sollte der frühere katholische Kaplan, jetzige evangelische Divisionspfarrer durch einen Vortrag, den er am 19. Januar unter dem Titel.Ein Blick in die Seele des Ulttamontanisntus" vor dem Osnabrückcr Zweigverein deS evangelischen Bundes gehalten, durch Darlegung seiner Ueberzeugung sich strafbar gemacht haben. Bei der Entwöhnung der Säuglinge von der Mutterbrust empfiehlt sich, zur Ueberleitung zur Kuhmilch und der gemischten Kost, der Zusatz von Kusekes Kindermehl zur Milch, welche dadurch im Magen des Kinde« fcinflockig. der Muttennilch ähnlich, gerinnt und so leichter verdaulich wird. Man gibt diese Mischung als Getränk oder man kocht auch eine Suppe aus Kufekes Kindermehl mit Milch oder Fleischbrühe, besonders aus Kalbs- knochen. Kufekes Kindermehl, welches sehr wohlschmeckend ist. kann man für größere Säuglinge auch nnt etwas Kakao mischen: es ist sehr ausgiebig, _ daher billig und kann demnach in jeder Familie ohne große Kosten gebraucht Iverden. fowriliertameni£, Jfaasc Breslau Größte Privatbrauerei im Königreich Preußen. mU 321882 Hektoliter Für Berlin und Umgegend findet der Vertrieb meiner Uagerbtere, hell und dunkel, Pilsener, Märzen und Bockbier, letzteres nur während der Wintermonate, in Gebinden und Flaschen, nicht mehr durch Herrn Gustar Haesen, Schleslsche Straße 28, sondern so lange durch meine neu errichtete eigene Niederlage Berlin 0. 17 Mühlenstraße 73/74 statt, bis ich wieder die Bäume in meinem eigenen Grundstücke 8ehlesische Straße 28 in Benutzung genommen haben werde. Ich ergreife diese Gelegenheit, meinem sehr geschätzten Kundenkreise für die meinen Produkten bisher in so reichem Maße entgegengebrachte Anerkennung verbindlichst zu danken und zu bitten, mich auch fernerhin in gleicher Weise freundlichst mit Aufträgen beehren zu wollen. Lagerbierbrauerei E. flaase, Breslau. ffiiK de» Inhalt der Inserate übcrniiniut die Redaktion de», Viiblitnm gesieniider keinerlei Veranttvortnng. 'Chcatcr. Mittwoch, 15. November. Ansang 7'/, llhr: Opernhaus. Die Heirat wider Willen. Schauspielhaus. Maria Magdalene. Neues Operntheater. Gustav Adolf. Neues. Ein Sommeniachtsiraum. Weste». Fedora. Deutsches. Der Kausmann von Venedig. Berliner. Kstvito. Kleines. Hidalla. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner«Thealer.) Hosgunst. Schiller Hl.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Zapfenstreich. Lassing. Stein unter Steinen. Zentral. Musette. Nachmittags 4'/, Uhr: Prinzcstchen Goldtraut. Residenz. Der Prinzgemahl Trtanon. Der letzte Troubadour. Lnstsptclhans. Die heilige Sache. Thalia. Bis früh um Funsel ' Nachmittags 4 Uhr: Frau Holle. (farl Weis?. In Berlin ist was loS. Nachmittags 3'/, Uhr: Scnta WolsSburg. Luisen. Hamlet. Deutsch> Slmerikauisches. Wer, Herr Herzog l Nletropol. Aus— inS Mctropoll Kasino. DaS Opferlamm. Apollo. Frau Luna.— Speziali- täte». Walhalla. In Lcbensgesahr. Herrufeld. Familientag im Hause Prellstein. Wintergarten. Anne Dancrey. Otero.— Spezialitäten. Folics Gaprices. Nach dem Zapsen- strcich. Soll und Haben.— Spezialitäten. Reichshalle». Stettincr Sänger. Bassage. Spezialitäten. Ilronia. Tniivenstraste Abends 8 Uhr: Im Lande der MittcrnachSsonnc. Sternwarte, Jnvalidenstr. 157/02. Täglich geöfinei von 7 bis l llbr. Wends 8 Uhr: Dr. Niftenpart: Meteore, einfache und vielfache Sterne. Berlmer Theater. Kiwito. Lustspiel in 4 Alten von F. Bonn. Anfang 7'/, Uhr: Donnerstag: Kiwito. Freitag u. Sonntag: Die Jungfrau von Orleans, Sonnabend u. Sonntag» nachm.: Kean. Montag: Andalosia. Neues Theater. Anfang 71/, Uhr. 8in Somniernachtstram Morgen u. folgende Tage: Ein Sommernachtstraum. Kleines Theater. WendS 3 Uhr: LkoGGo, Donnerstag: Ghetto._ 2entraI-Theater Nachm. 4'/, Uhr Kinder- Vorstellung, halbe Preise: prinrebeben Galdtraudi. Ansang 8 Uhr täglich: JUIwette. Luisen-Theater. WendS 8 Uhr: Hamlet. Donnerstag: Othello. Freitag zum erstenmal: Ein Blitz» mndcl. Sonnabend: Der Mann im Monde. Sonntagnachm.: Othello. Abends: Faust. Montag: Ein Blitzmädel._ Trianon-Thealer. Ansang 8 Uhr. Der letzte Troubadour. Lustspiel in 3 Akten von Fred Grösac und Pierre Vober. Deutsch von Msred Halm. Täglich 8 Uhr: iFra« Ii ii ii a «>/. Uhr: Die Attraktionen des November- Spezialitäten- Progr. mit MM" lad. Deb£rlo-WÜg Chanteane fantastief ne. In Vorbereitung: PrinaeB Rosine. Burlesk- Operette von Paul Lincke._ Lustspielhaus. A b e n d S 8 U h r: Die heilige Sache. V. Doseils Tbesler. Direktion:»ob. Dill. Bruimenitr. IS. MI Konimatz � ober: Gin alter Geiger. Schausp. m. Ges. in 5 Akt. v. E. Gallert. Ans. 8 Uhr. Eintritt 30 Ps. Donnerstag: Extra-Vorstellung. Freitag zum letztenmal- Nora. Urania ir«,»: 8 Uhr: Im Läüiie der Mitternaelilssoie. Sternwarte ,nva"den ■«tr. 57/62. > CASTANS ANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Joels Traum. !! Pompeji!! Die Khre des Vaters! Restaurant: Original Nürnberger Sänger. Metropol-Theater ifang 8 Uhr. is's in Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen in all. Räumen gestattet. Residenz-Tliealer. Direktion: Richard HUjcander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwank in 3 Akten von L. Zanros und I. Chancel. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Oer SelilatwagenkontroMeur. Carl Weiß-Theater. Gr. Franksurterstr. 132. Nachnl. 31/2 Uhr. Parkett 60 Ps.; Scnta Wolfsbm-g. Abends 8 Uhr: In Serlm ist was los. Morgen: In Heriin ist was los. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Oer RaUentänger von Hameln. Wcnds 8 Uhr: Die Waise aus Lowood. H Gebrüder errnfeld- Theater. Zum 12. Male die Novität: sWüisntgg im Hause Prellstein. Komödie in 3 Akten von Anton und Donat Herrnfeld. Mitwirkende Darsteller: Angelika Frey, Frida Levermann, Carla Mutzbauer, Else Gressin, Käthe Dreher, Julie Lolbl-Hahn, Joseph Aschinger, Jacques Morway, Jacques Glaser, Ernst GroB, Jos. Engler, Eugen Neutert, Rieh. Goltz, Max Zilzer, Fritz RuB, Hugo Döblin, Bernh. Foerster, Paul Hierson, Albert Blumenreich. Ferner: Donat Herrnfcld als „Esau Prellstein". Anton Herrnfeld als „Winkelkonsulent Schestak". Ans. 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr (Theaterkasse). Passage-Theater. Ans. der Abendvorstellung 3 Uhr. in ihrer entzückenden Parodie. J Duncan- Paul Jülich der unverwüstliche Humorist. U neue erstklassige Nummern. Gww Folies Caprice. Budapester Passen-Theater _ 132 Linienstr. 132_ Ecke Friedrichstraße. Zum 61. Male: Kach dem Zapfenstreich. Vorher;(Soll and Haben u. d. ausgezeiohn. Spezialitätenteil Anfang 8 Uhr. Vorverkauf täglichb. A. Werthoim und an der Tageskasse v. 10 Uhr vormittags an.__ Walhalla Theater Unter dem Protektorate des lerrn Professor ReipM Begas Gr.islipl-Koiiliimöi. Heule ringen: Schneider(Rixdors) gegen Terrassier (Belgien). Weber(Deutschland) gegen MieBbach (Sachsen). Gebhard(Deutschland) geg. Estefeiew (Rußland). Petroff(Bulgarien) gegen KieckhSfer (Berlin). Fürst(Wien) gegen Schwarz(Berlin). Begmn der Vorstellung 8 Uhr. Beginn der Ringkämpfe 9 Uhr 45. Rauchen in allen Räumen gestattet. » Sohiller-Thealer 0.(Wallner-Theatcr). Mittwoch, abends 8 Uhr: Hokganst. Lustspiel in 4 Aufz. o. Thilo v. Trotha. Donnerstag, abends 8Uhr: STora. Freitag, abends 8 Uhr: Dci» Vellt'henft»cssop. Schiller-Theater N.(Friedr..Wilh. Th.) Mittwoch, abends 8 Uhr: lLapkcn�tnclcIi. Drama in 4 Aufzügen von Franz Adam Beyerlein. Donnerstag, ade nd§8Uhl: �apfenstrclcb. Freitag, abends 8 Uhr: Der Tranin ein Ijcbcn. Friedrichsberg. Frankfui-tor- Fernsprecher Nr. 8. Cliaussee 5. _ Jeden Sonntag: (IroRer Rall untc,: 2cihtl,9 d-s vjruwcr Ddii§crai 0, Barger Jeden Slittivoch: Große Soiree der Ftiiirmann-Waide-Sänger. Nachher- Famigien-ICräozc�eaüu m/ Bons haben Gültigfeit. TS® Gebr. Arnhold. """" XI. Berliner Saison......... Zirkus Busch. GrSBte Attraktion der Gegenwart! Sensationell! Sensationell! Der Kanonenkönig! Schuß eines lebend. Menschen aus einem Geschütz. Auftreten des 5Ir. JPearson. Herr Direktor Busch mit seinen 6 englisch. Vollblütern. Quadrille excentrique, ger. aus 12 Echulps. WS- Znm 60. Haie: Slexiko. Gr. Ausstattungs- Pantomime aus d. mexikanischen Pflanzerloben und die vorzüglichsten Programm-Nummern. Deutsch- Amerikanisches THEATER„STÄ Heute abends Uhr, Gastspiel Ad. Philipp zum 75* dlale: Aber, Herr Herzog! Sonntag nachmittag 3 Uhr: Halbe Preise! „Uebcr'n groBen Teich." Sonnabend, den 25. Novbr, 1905, Nachm. 4 Uhr: KIHDER-mSTELLUNG. Zum 1. Male; „Hänsel u. Gretel" in = AMERIKA= AW- Kleine Preise. KasinosTheater Lothringer str. 37. Täglich 8 Uhr. Pub Opftrlumm. Schwanf in 3 Akten von Walther und Stein. Borher: Im Spreewald. Operette. Der berühmte Kapitän Marien» etc. Palast-Theater Burgstr. 24, 2Min.v.Bh. Börse. Täglich 8 Uhr. Entree 50 Ps. Da» glänzende November-Programm. Unter anderem; Carl Braun in seiner Komödie.Im weißen Rößp. Hieraus: Komponisten-Wettstrelt. Neui Bargold N-ui der einbeinige Universal-Artift. Die weiße Dame. Posse mit Gesang von O. Richter und 10 erstklassige Nummern. Familienkartcn in allen Barbier-, Frisier- und Zigarrengeschästen sowie im Theaterburcau unentgeltlich zu haben. Gustav Behrens Spezialitäten- Theater Frankfurter- _ Allee 85. Alladcndlich kolossaler Beifall! Wiener Fiaker, GusÄren.. Berliner Droschkenkutscher: Albert Auwich. Elektr. Straßenbahner: Willy Sandel. Olly Marietta, die beste Jnstru- mcntalvirtuosin(8 Instrumente) sowie ISSpezialitäten-Nummern. Ä OTERO und ein auserlesenes Künstler- Programm. Variete Elysium Kommandantenstraße 3/41. BiS 30. November 1905: Großer internationaler Soubretten- Wettstreit. Zirkus ilbert Schumann Heute Mittwoch, den 15. d. M., abends Präzise 7'/, Uhr: £!randc SoIrC-e Eqncstre. Elite Programm. U. a.: Mp Wilü Ualo der Mann mit dem tut. Hiil! DullJ, mysteriösen Globus. Neu! Tbs Wally-Hosts-Trio. Neu 1 MiB Francis, die Reisenkönigin. Neu! La Peseo Romaine. Nur noch kurze Zeit! Nhr Die phänomenalen fsöiss iltlin und kollös. Die ausgez. JavancivTruppc. Die beliebte jugendliche Schulreücrin Frl. Dora Schumann. Das einzig existierende, einen halben Saitnuftale sehiageuiie Pferd. Feiner sämtliche Spezialitäten und Direktor Alb. Schumanns neue und moderne Dressuren. Zum Schluß: Die reizende Sport- Pantomime: Der Tag des EEnxtiLLken Derby. Frobels ÄIlerlei-Theater Schönhauser Allee Nr. 148. Heute:<*1-. Sonder- Abend. Konzert, Theater». Spezialitäten. DaF~ Neue Spieifolge.'-UBIJ Die Neuwahl. Posse mit Gesang. Nach der Vorstellung: Froitanz. Ans. 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. Ehren- und Vorzugskarten gültig. Beüe-liance Theatep-Vapi6t6. Anfang 8 Uhr. Georg; Kaiser| Ein iiieui! io einem Amerikanischen i Tingel=Tangel. Sonntags 2 Vorstellungen.1 bTaclun. 3 Uhr: Volkspreise, j Jed.Sitzpl. inkl. GarderobsBO Pf.| Rauchen Im Wintergarten im Heus Welt. Wo kaufen Sie den neuen Winterpaletot? Lieben Sie es, sich dasDoppelto vorschlagen zu lassen, stundenlang zu handeln und zu feilschen, so finden Sie Läden genug. Wollen Sie aber im reellen Geschäft Herren- und Knaben-Konfektion gut und billig kaufen, dann gehen Sie zu: Herrmanti Schlesinger Turmstr. 58 u. 85. ourch die außerordentlich geschickte Mischung der feinsten türkischen Tabake-s, die ssoss* Kapitän- Cigarette 6£SlSBc&(ic«8Sa— (gesetzlich geschützt Nr. 75658) in Qualität unerreicht; man fordere sich ansdrücklich dieseMarle� C. Röckep, Berlin 0., Grüner Weg 112.?lmt VII Nr. 3861. Hasenheidc 108/114. Gastspiel des Bernb. Rose-Theaters Die eiserne Mnshe oder: Die Geheimnisse eines Königshauses. Schauspiel in 5 Zlbteilungen(6 Bild.) nach dem Französischen von Lebrun. Ansang 8 Uhr. Äasseneröffnung 7 Uhr. Entrce BD Ps., immer. Platz 50 Ps. Vorzugfartcn haben Gültigkeit. In Vorbereitung: Ltetten banger aus Glogau.__ Oolosseuml Dresdenerstr. 97. Täglich 8 Uhr— Sonntags 7 Uhr j die besten deutsche« IConülcen und Soubretten. Jeden Sonntag nachm. 3 Uhr jeder Platz 49 Pf., ein Kind frei. Im Konzertsaal 2 Kapellen bis 1 Uhr nachts. Schrammein mit Sängern und ungar. Magharen-Kapelle. Sanssouci, KMuserstr.� Direktion Wilhelm Reimer. _ Heute Mittwoch: Die zärtlichen Verwandten Lustspiel iu 4 Akt. v.Benedix. Sonntags Beginn 5 Uhr, wochentags 8 Uhr. Jcd. Dienstag, Mittwoch: TIicatcp-Abcad. Somit., Moni., Donnerst.: HofTmanns Norddeutsche Sänger. Der kleine Saal(150 Perf.) ist noch einige Sonnabende zu vergeben. keiLkskatten. Täglich: Stettincr Sänger. Zum Schluß! Neu! Fräulein Doktor. Zeitburlesle von Mehsel. Otto Pritzkows— Bcplincr Hl MbnzstP. 16. Die drei lebenden � gr. oimtomifdjfu Wnuder| Mnskclmcnwch» Skclett-McnHch» Cianimlhaatmensch K Knt pce iBO IPr.-��E j Artussflof Perlebergersfr. 26. Stendalerstr. 18. Säle von 100—1200 Pers. stehen den geehrten Vereinen zur Verfügung. Jeden Sonnlag, Dienstag u. Freitag: «4p. Theater- Vorstellung. Jeden Montag: O>uartettsänger und humoristische Soiree. Jeden Donnerstag: Gr. Konzert. Dorltzplntz. Täglich in den unteren Sälen � Gottschalk-Konzert. r. Johannes»'picke, Maxftr. 13b. Jeden Mittwoch: Frische Blut- u. Leberwurst in bekannter tadelloser Güte. z BereinSzimmer. Räume für XXX Festlichkeiten. XXX — Fernsprecher Amt 2, 3157.- Leihhaus II. Beplln SW., Beuthslr. 5. Brillanten, Uhren, Goldwaren. 25—56°/, unter Ladenpreis. WS» Warnung! Diebstahl! an sich selbst begeht derjenige, welclier sich vor dorn Einkauf in Herren- und Knaben-Konfektion nicht von der ganz enormen Billigkeit im T otai-Ausverkauf überzeugt. X Unsere Fenster beweisen alles! X Eagerbesichtigung ohne Kaufzwang! ca. lOOO Stck. Herren-Hosen, zu jedem annehmbaren Preise! ca. lOOO„ Knaben-Anzüge, kolossal billig! ca. lOOO„ Knaben-Joppen, unglaublich billig! ca. lOOO„ Knaben-Paletots, zu jedem Preise! ca. lOOO Herren-Paletots, staunenswert billig 1 ca. lOOO Herren-Anzüge, zu Engros- Preisen! ca. lOOO Knaben-Hosen...... Stück 68 Pfennig ca. 500 Joppen für Herren, enorm billig! E. Süsskind& Co., Rosentha'er straß-e No- 9- Isther Verwaltungsstelle Berlin. Haupt-Bureau: Engel-Ufer IS, Zimmer 1— S. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. Donnerstag, den 16. November, abends 8'/z Uhr, bei Vranlre, Sebastianstr. 39: isSF" Versammlung der Metalldrücker Berlins und Umg. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Agitationskommifston. 2. Neuwahl derselben. 8. Verbands-Angelegenheiten und Verschiedenes. Donnerstag, den 16. November, abends 8'/. Uhr, im Gewerkschafts- Hanse, Engcl-Ufer IS, Saal 4: Brandieti-Versammlung der Elektromouteure. Tages-Ordnung: I. Ausbau unserer Organisation. 2. Diskussion. 3. Verbands- Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. S. Ausnahme neuer Mitglieder. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Donnerstag, den 16. November, Abends 8's2Uhr, bei Holmach, Wrangelstr. 136: W Konferenz-WU der in Schranbenfabriken beschäftigten Werkzengmacher und Einrichter. Tages-Ordnung: 1. Unsere Loh»- und Arbeitsbedingungen in de» Schrauben- betrieben. 2. Diskussion. 154/14 Kollegen l Da Vorgänge der letzten Zeit diese Aussprache dringend ersorderlich machen, so hoffen wir auf vollzähliges Erscheinen. Die ZlgitatiouSkommission der Werkzeugmacher. Sonnabend, den 18. November, im Gewerkschaftshause, Engel-Nfer 15, in sämtlichen Sälen: Künstter-Konzert arrangiert von den Jdetallschleifern n. Galvaniseuren Mitgliedern des Deutschen Metallarbeiter-Vcrbandcs. DaS Konzert wird auSgesührt vom Berliner Sinfonie-Orchelter. Kapellmeister Herr A!. 7iSSÜL?, Nach dem Konzert: L.» Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Ps. nach. Anfang 8-/z Uhr. Billetts 30 Pf. �Zahlreich eu Besuch erwartet_ Das Komitee. TeM fler lasche- 1 MiHe DeManhs Filiale Berlin. Donnerstag, den 16. November, abends S'/a Uhr: Sektions-Versammlungen für alle Branchen. Fü- Zuschneider*ei 89 Für Plätterinnen bei Borde, Nene Königstr. 7. Für Irakerinnen Tages-Ordnung: 1. Bortrag.(Referenten werden in den Versammlungen bekannt gemacht.) 2. Wie sollen unsere Tarife aussehen? 3. Diskussion. 4. Bericht und Wahl der SektionSleitung. 5. Verschiedenes. 252/3 Kollegen und Kolleginnen l Jeder erscheine in seiner zuständigen Ver- sammlung. Die Sektionsleitungen. ZentraMand der Topfer Filiale Berlin. Donnerstag, 16. November, abends 6 Uhr, im„Gewerkschaftshause", Engel-User 15(Saal I): Kauliertrliuklisiiigliller-Mlldz. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Stellungnahme zur allgemeinen Bautenkontrolle. Vollzähliges Erscheinen der Vertrauensmänner, sowie Bezirksleiter und aller Funktionäre erwartet 261/1 Der Torstand. Pankow-Sehönhaiisen. Volksversammlung am 46. November, abends 8'/, Uhr, im„Kurfürsten", Berlinerstraste. Tages-Ordnung: 1/12* 1. Fleischnot und Fleischteuerung. Referent: Reichs- tags-Abgeordneter H. Molkenbuhr. 2. Bericht und Neuwahl der Vcrtrauensperson der Genossinnen. Die Vertrauensperson. TohmÜrTfl Incfiillf MUnzstr. 18. Künstliche Zähne v. 2 M., tBIlllariill. UlamUl Zahnziehen IM., Plomb. v. 1,56 M., Tcilzahl. IlOliloliekinl-ssdlikZiognlÄl!». für Gas u. Petroleum � Prinzenstr. 33. Gr. Auswahl. 400 versch. Kronen:c. von 10—300 M. Ausverkauf Jjlf, älterer und einzelner Muster bedeutend unter Preis. Kulante Zahlungsbedingungen ohne Preisaufschlag. Orts» Krankenkasse für den Gemeindebezirk Lichtenberg. Kassenlokal: Frankfurter Chaussee 156 parterre. -- Geöffnet von 8—1 Uhr.= Einladung. Die Herren Delegierten zur General- Versammlung werden hiermit in Ge- mäffheit der ßK 51, 52, 55, 56 und 66 der Kassensatzungen zu einer aus Sonnabend, den üi». November, abends 8 Uhr, in das Lokal des Herrn Bilrsel», (Kronprinzengarten), Frankfurter Chaussee 126 einberusenen General-Versammlung ergeh enst eingeladen. 277/10 Tages- Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Wahl des Gesamtvorstandes für den Zeit- abschnitl 1. Januar 1906 bis 3t. De- zember 1907(KS 40 und 41 der Kassen- satzungen). 3. Wahl einer Kommission von drei Mitgliedern zur Vorprüfung der Jahrcsrechnung pro 1905. 4. Ge- nchnügung der vom Vorstande mit denHerren Kassenärzten abgeschlossenen Verträge. 5. Kaffenangelcgcnheiicn. OT. Beschwerden oder Wünsche zu deren Erledigung die Einsichtnahme in die Kassenbücher ersorderlich ist, müssen acht Tage vorher beim Vor- stände angebracht werden. Das Mandat ist am Eingange vorzuzeigen I Der Kassenvorstand� P. Levyn, 1. Vors., Lichtenberg, Siegsriedstr. 7 II. Berliner MtW. (Eingetragene Genossenschast mit be- schränkter Haftpflicht.) Am S.Dezember, abends 8'/, Uhr, Neue Höchst». 18: =- Ordentliche== Orts� Krankenkasse für das Gewerbe der Tischler...Pillnosortearbeiter zu Berlin. General-Versammlung der Vertreter der Kaffenmitglieder und der Arbeitgeber am Donnerstag, den 23. Nov. 1905, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-User 15, Saal 7. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern der Arbeitnehmer. 3. Wahl von 2 Borstandsmitgliedern der Arbeitgeber. 4. Wahl von 3 Revisoren zur Prü- sung der Jahresrechnung. 5. Vortrag des Rendanten Koblenzer über Krankenkasscn-Kongresse. 434b Der Vorstand. iZsaelal-tainmlMg. Tages- Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Aus» sichtsrates, Vorlegung der Bilanz und Beschlußfassung über dieselbe. 2. Entlastung des Vorstandes und Ausstchtsrates. 3. Neuwahlen. 140/1 4. Statutenänderungen. 5. Antrüge und Verschiedenes. Die Bilanz liegt den Ätilgliedern im Kontor, Neue Hochstraße 18, zur Einsicht aus, Der Vorstand. A. Michaelis. Paul Lenz. Orts-Krankenkasse der Strumpfwirker. Donnerstag, den 23. November, abends S'/a Uhr: General-Versammlung bei Feind, Weiustrafte 11. Tages-Ordnung: 1. Wahl zweier ausscheidender Vor- standSmitglicder. 2. Wahl des Rech- nnngS-Prüsungs-ÄlusschusseS für 1905. 3. Verschiedenes. Um pünktliches Erscheinen der Dele- gierten ersucht 277/11 Der Borstand. EineiWark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante fertige Herren-Garderoben. Ersatz für Maß. Anfertlsong nach fflaB. Tadellose Ansführnng. Julius fabian, Sclineidermeister, Große Frankfurter Str. 31, II, Eingang StrauBberger Platz.* M/tcnsch, hast Du'ne Winde? Kennste Hohenbinde? LEIPZI6ER5TRÄS5E ALEXANDERPLATZ Mittwoch Donnerstag Freitag bebensmitfel Soweit der Vorrat reicht. Gemüse- Konserven. Dose Vi Riesen-Stangen-Spargel l90 Pa. Stangen-Spargel extra, 20/24 Stangen l65 Pa. Stangen-Spargel, extra, 26/30 Stangen 1e0 Pa. Stangen-Spargel, extra, 32/86 Stangen I40 Pa. Stangen-Spargel, 22/36 Stangen I30 Pa. Stangen-Spargel, 10/44 Stangen I15 Pa. Stangen-Spargel, so/es Stangen 90 Pf- Pa. Brechspargel I I10 Pa. Brechspargel I, ohne Köpfe 55 pf. Pa. Brechspargel II, ohne Köpfe 38 Pf. Kaiserschoten l00 Junge Schoten I 80 Pf. Junge Schoten U 52 Pf. Gemüse-Schoten 35 Pf. Schoten u. Carotten I 75 Pf. Schoten u. Carotten II 60 Pf. Leipziger Allerlei, Gemüse- Melange 50 Pf. Pariser Carotten 65 Pf. Junge Carotten 50 Pf- beschnittene Carotten 35 Pf- Spinat 44 Pf- Teltower Rübchen 65 Pf- Kohlrabi in Scheiben 26 Pf- Bayr. Steinpilze l25 Petit-PoiS tres fins französische Schoten l00 100 88 Pf. 85 Pf. 75 Pf. 70 Pf. 63 Pf. 50 Pf- 60 Pf. 33 Pf. 24 Pf. 45 Pf. 31 Pf. 23 Pf. 43 Pf. 35 Pf. 30 Pf. 23 Pf. 27 Pf. 38 Pf. 68 Pf. Fisch-Konserven Ölsardinen, snplqnet, Uark« Diplomat'/» Dose 1 �'/«Dose 90 Pf. Ölsardinen, Uarko Camot'/, DoioI75>/, Dose l10>/, Dose 60 Pf. Franz. Sardinen in Tomaten Gabelbissen Bismarck- und Bratheringe Anchovis und Sardinen Kronen-Hummer, extrafein Kronen-Hummer, prima Nordsee- Krabben Sardellen in Gläsern Vi Dose 68 Pf. V« Dose 65 Pf., Vä Dose 1 16 Dose 45 Pf. Glas 23 Pf. Vi Dose I86 Va Dooe I00 Vi Dose l75«/a Dose 90 Pf. Vi Dose 30 Pf-, Va Dose 62 Pf. Glas 70 Pf. Allerfeinster frisch geräucherter Lachs:! bei Portionsstückea Pfund|'5 in Scheiben geschnitten Pfund(30 Fleischwaren Pa. Cervelat- u. Salamiwurst m Rinddarm, Pfd. 120 Geräucherte Gänsebrust Pfund 1*0 Braunschweiger Landleberwurst Pfund 90 Df. Münchener Ochsenmaulsalat»/, Dose 85 pi Delikateß- Kasseler Pfund 95 Pf- Prima Gänse-Pökelfleisch mud gesalzen Keulen 76«-. Bücken?� ir in............. Dsuner-stag, den 16. November, abends 8'/- Uhr, bei Aeüsr, Koppenstr. 29 � General Uersamminng. TageS-Ordnung: Kassenbericht vom 3. Ouarlal. Bericht des Vorstandes, des ObmanneS der Schlichtungskommission, der «Serlstattkontrolltvmmlsslon, des Bibliothekars und der ArbeitSvermittler. Wahl eines Mitgliedes sür den Ausschus, Antrage. Bcrbandsangelcgenheiten. 1 1 Eintritt nur mit Mitgliedsbuch. Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ 96/17 Die Ortsverwaltnng, Vereinigung der Maler, Sackierer, Anstreicher. Male SsrUn. Bureau: Engel-Ufer IS, Zimmer 3«._ Telephon: Amt IT, 9780. Aovimstllg, 16. Noobr., abends 8V2 Wr, in den„Andreas-Fkstsälen", Andreasstr. 31: Mitglieder-Berfammlnng. Tages-Ordnung: i2S/is 1. Beratung und Beschlußfassung über die Anstellung von Hauskassierern. 2. Vereins- angclegenheiten. D,e Ortsvertvaltung. Aewng! Scliüneberx! kbm DonnerStag, 16. R«»., nachm. 5 Uhr, im Lokal des Kollegen Obst, Mciningerstr. 8, Marti» Luthcrstr. 51 Oeffentliehe Versammlntig der Gast- und Schaubniirte von Schöneberg, Fritdeuan, Zteglitz und Lichterfrldt. ä m Tages-Ordnung: 1. Warum erstreben wir eine Organisation in unserem Berufe? 2. Diskussion. Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich in dieser öffentlichen Versammlung zu erscheinen. '0/B Der Elnbernfer: Ernst Obst. Zkiitralllttband der Hundels-, Trailssilirt-». verkchrslirbcitcr Deutschlands.— BcrwalwngSstclle Berlin. Dnreeni nnd Arbcltsnachn-eis:„Ge« erksehaftshans", Engel-Ufer 15, II. Freitag, den 17. November, abends S'/s Uhr, im Gewerkschaftshause(großer Saal), Engel-llfcr 15: Miiclie General-Versairnlung für alle Branchen. Tages-Ordnung: 1. Mitteilungen. 2. Berichte: a) Kassenbericht; b) Arbeitsnachweisbericht per 3. Quartal 1905. 3. Diskussion. 4. Bericht und Neuwahl der Mitglieder zum Gauvorstand. 5. Ersatzwahl eines Mitgliedes zum Hauptvorstand an Stelle des Kollegen Lehmann.(Bei dieser Wahl kommt nur ein TranS- Portarbeiter in Betracht.) 6. Anträge und Geschäftliches. 2?ct der Susjcrft wichtigen Tagesordnung ist ein zahlreicher Besuch erforderlich.. Mitgliedsbuch ist mitzubringen und am Eingang zur Versammlung vorzuzeigen. Wer mit seinen Beiträgen über 10 Wochen im Nest ist, hat leinen Zutritt. 71/17 Ter Borstand. In der«traffache gegen den Reichstagsabgeordneten, Redak- tcur und Schriststeller Fritz Wilhelm Otto Kunert in Südende bei Berlin, geboren am 15. September 1850 in M-Landsberg, Kreis Niederbarnim, evangelisch, wegen öffentlicher Beleidigung hat die Erste Strafkammer des kgl. Landgerichts in Halle a. d. S. am 26. Juni 1905 für Recht erkannt: Der Angeklagte, RcichstagSnbge- ordneter, Redalleur und Schriststeller Fritz Wilhelm Otto Kunert aus Süd- ende bei Berlin ist der öffentlichen Beleidigung von Mitgliedern des che- mnligen deutschen ostasiattschcn Ex- peditionkorps schuldig und wird des- halb unter Auserlegung der Kosten dcS VersahrenS zu einer Gefängnis- strafe von drei Monaten verurteilt. Dem kgl. preußischen Kriegs- minister wird die Befugnis zugc- sprochcn, den entichcidenden Teil des Urteils je einmal im„Reichsanzeigcr", „Militärwochenblatt", im„Vorwärts" und im„Halleschcn Volksblatt" binnen vier Wochen nach Zustellung einer Aussertigung des rechtskräftigen Ur- teils aus Kosten dcS Angeklagten bc< kannt zu machen. '~ a. 3., 10. November 1905. Der Erste Staatsanwalt. Uerband der Kan-, Crd- u gewerblichen Hnlfsarbeiter Deutschlands. - Zahlstelle Berlin nnd Umgegend.—— Verbandsbureau: Engel-Ufer 15, Zimm. 8. Telephon: Amt IV, Nr. 4493. Achtung, Kauurbkitkr der Firma K. Raebel! Donnerstag, den 16. November, abends 8 Uhr. in de» Arminhallen. Kommandantcnstratze 20: Versa mmiang aller bei obiger Firma beschäftigtcnHiilfSarbcitcr(Einschaler, Träger«. Arbeiter). Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen IT. Drliger. 2. Diskussion. 3. Interne Angelegenheiten aus unserm Arbeitsverhältnis. 44/12* Das Erscheinen aller bei der Firma H. Racbel beschäftigten Hülssarbeiter ist erforderlich. Die BerbandSlcitung. Dr. Simmel, �"7"' SpezialarzI für 29/14* Haut-»»,1»arnlelden. 10—2, 5—7. sonntags 10—12, 2—4. t' DCUtSClllaildS.(Ortsverwaltung Berlin.) Freitag, den 17. November, nachm. 5 Uhr: Versammlung beim Kollegen Wilke, Brunnenstr. 188. TageS-Orbnung: 1. Vortrag. 8. Ausnahme neuer Mitglieder. 3. Verbands- angelrgenheite». 70/9 Die Ortsverwaltung. pr Wen fr au IS Bi Jedes Wort: Kleine /inzeigen. Buchstaben zählen doppelt. JSM Verkäufe. Wardi»e»ha»s GroszeFranklurter strasie 9, parterre. If Deckbett, Unterbett, Kissen mit glatwotem Inlett, zusammen 10,50, nur sPsandlcihe) AndreaSstratzc 38. Motrosa-aestreisteS Deckbett, Unter. bett, zwei Kiffen, 18,00, Andrea? straffe 38._ 1006,11« Poinmerschcs Bauernbett, DcS bctt, Unterbett, zwei Kiffen, 27,00. Großes Laken, Stuck 1,00. Pfandleihe Andreasstraße 38. Elektrische nach überall. 10071V» Teppiche!(sehlerhaste) in allen Größen sür die Hälsle des Wertes im Teppichlager Brünn, Hackescher Markt 4, Bahnhos Börse. 254/12« Musikwerke, Teilzahlungen. In validenstraße 148(Eingang Berg straße), Skalitzerstraße 40, Kroße Frankfurterstraße 56. 953K« Matrapen, Sofas, Taschensofas, Chaiselongue kaufen Sic am billigsten tn der Fabrik Lazarus, an der Markt- Halle, Andreasstraße 57, Muschel- betten 17, Kleibcrspinden 28, Kom- modc», Muschelspiegel, Tische, Ber- bindung, Küchcnmöbel, bar Geld lacht. Teppiche mitFarbensehlern Fabrik- Niederlage Große Frauklurlerstraße 9, parterre._+1 Winterpaletots, Jackcttanzügc, spottbilligst. PsandlelhhauS, Weiden- weg neunzchii.__« t35* Winterpaletots, Gehrockanzüge, spottbilligst. PsaudleihhauS, Weiden- weg neunzehn._+35« WtnterpaletotS- Joppen, spott- billigst. Psandleihhaus, Weidemvcg neunzehn._ t35* WinterpaletotS, Herrenhosen, spottbilligst. Psandleihhaus, Weiden- weg neunzehn._ t35* Winterpaletots, Taschenuhren, spottbilligst. Psandleihhaus, Weiden- weg neunzehn._ t35* Winterpaletots, AuSsteuerwäsche, spottbilligst. Psandleihhaus, Weiden- weg neunzehn._ t35* Winterpaletots. Bettenverkaus, staunenerregend. Psandleihhaus, Wcidcnweg neunzehn._ ff 35« Winterpaletots, Teppichverkaus, Gardiuenverkaus, staunencrregend, Wcidcnweg neunzehn._ ff 35* WinterpaletotS. Steppdecken, Bettinlette, staunenerregend. Weiden- weg neunzehn._ ff35« WinterpaletotS, Tischdecken, stau- nencrregend. Weidenweg neunzehn. Ladenschluß._ ff 35« Steppdecke» billigst Fabrik Große Frantjurlerstraße 9, parterre. � ffl Lethbaus Küstrinerplatz 7, billige Einkaussquelle sür Waren aller Art, großes Lager in Wäsche, Betten, Uhren, Goldsachen. Tcppichen. Stepp. decken, Gardinen, Hosen, Anzügen-c.« Teppiche. Portieren, Gardinen, Tischdecken, Steppdecke», Läufer, Bettvorlagen, Felle spottbillig. Stoehr, Münzstraße 17, Eingang Königs- grab cn._ 84 3K« Verantwortlicher Redakteur: Nähmaschinen. Vergüte bis 10,00, wer kauft oder nachweist, ohne An- zahlung, Woche 1,00, Köpenicker. straße 60/61, Große Frankfurter. straße 43, Prenzlauerstraße 59/60.* 'Anzeigen In den Annahmestellen für Berlin bis! Uhr, fär die Vororte bis 1 2Ubr, In der Hauptexpedition Linden- Strasse 69 bis S Ubr angenommen, zbste Verden jSk '■rUn-4ÄÄ »r, jmem Sofa, wie neu, 21,00. Mcicke, Große Hamburgerstraße 18/19. 256/20 Kanarienroller 6,00, Vorschlägcr, Seisertstamm. Schloßplatz 2. 57/2« Möbrlvarkaus in meiner Möbel- sabrik Wallstraße 80/81, mchc Spitiel markt. Infolge des großen Umzugs besiiiden sich am Lager viele zurück- gcsetzie und verlieben gewelene Möbel, die wie neu sind, Klciderspiiid, B-rtito 27.00, Ausziehtisch>6. Muschel bcttslelle mit Fcdcrmatratze und Keilkiffcn 36, Tascheiisosa 50, Paiiecl sosa 70, Wnschtoilelte 20, Ziuhc bctt 25, ganze Einrichtungen billigst. Transport frei. 57/5« Schöne große Federbetten. Stand 20 Mark. Drcsdcnerstraße 33, vorn II. links. 57/6* Gardine»- Zweig, Rosenthälcr- straße 57 1. Kein Laden. Gardinen, Tcppiche, Portteren, Steppdecken außergewöhnlich billigcPreise. 282/14* Steppdecken spottbillig Fabrik Große Frauksurtcrslraße 60. ff 116*' ZentralleihhanS, Abteilung Damen- konscktion, Jägerstraffe 70. Ein Posten zurückgesetzter Jacketts und Paletots von 6 Mark an. 33 lb« Landliebhaber! In der herrlich gelegenen Villenkolonie Birkholzaue, zwcieinehalbe Meilen vom Zentrum Berlins, genchmigtcr Bebauungsplan, süiff Plätze für Schule ze., also keine wilde Parzellierung, keine S traße nland-Slb tretung, keine Riesel- selber, sind gutgeschnittcnc Bau- Parzellen, 8 Mark Ouadratrute zum aussuchen, direkt von den Eigen- tümern Hugo Burckhardt, Blumberg, und Franz Schulz, Rirdors, Lenau- straße 12/13 zu kaufen. 424b* Gelegriihcitökänfe: Paletots, Sin- üge, Hosen, Koffer, Revolver, leschings, Uhren, Goldsachen, Kessel, spottbillig, Lücke, Oranienslraße 131, Reisegläser, Operngläser, Reiß- .euge, Regulatoren, Freischwinger, armonikaS, Geigen, Zilher», Beilen, W ttbillig. Litcke, Oranien- eppiche, spott straße l3I. 420b* Restauration billig zu vcrkauscn. Baugegcnd, Romintenerstraße 31.* Nähmaschinen. Zahle bis 10,00 Mark, wer Teilzahlung kaust oder nachweist. Sämtliche Systeme. Woche 1,00. Obn« Anzahlung. Postlarte. Brauscr, Tilsiterslraße 90. ff41* Haus- und Küchengeräte, paffend für Schlosser oder Rohrleger, sicheres Brot, unter günstigen Bedingungen zu verkaufen, Ebersstraße 59, ffl04* Herrenanzüge, Winterpaletots, wenig getragciicMonatsgarderobe von Mark an, große AnSwahl, sür jede Figur, auch neue, elegante, nicht ab- cholie Maßsachc» taust ma» am illigstc» aus erster Quelle direkt nur beim SchncideriiieisterFarstenzelt, Rösenthalerstraßc 15 nur 3 Treppen,* Möbelfabrik. Ganze Wohnungs- eimichtungen aus Teilzahlung bei geringer Anzahlung liefert die Möbel- sabrik, Schützenstraße 73/74. 895K« Hochvornehme Herrenhosen au» sciilsten Maßftoffen 0—12 Mark Verkaui Sonnabend und Sonntag. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. Keine Filialen. 917K« Nestauratio». Vorort Berlins, Hinterhaus Fabrikgebäude, mit so- fortiger übertragbarer Konzession, gleich zu verlausen, Ouitzowstraße 89, Grünkramgeschäft mit Rolle billig zu verlausen, Rixdors, Goethe- straße 18. 334b* Kanarienhähne- fleißig singend, und Weibchen. Beusselstraße 32. und gut Mischke. ff74* Seisengeschäft verlaust Straff mannstraße 23. 1019K Kanarienroller spottbillig Höchste straße 11. 282/19* Herrenanzüge. Winterpaletots, zurückgesetzte, hochvornehme, 18,00 bis 38,00. Täglich, Sonntagsverkauf, Deutsches Versandhaus, Jäger- straße 63, I._ 4366* Gebrauchte Nähmaschine 25 Mark vom Fachmann Gebauer, Steinmetz- straße 41, Rixdors._ ffl21* Restaurant am Nordbahnhos, täglich'/. Bairischbier, todcshalbcr verkäuflich Swinemünderstraße 16, Annahmestelle,__ 4426 Schanklokal, 12 Jahre bestehend, Diestenbachstraße 59, ffll2* Vranttvnsche, Gardinen, Tcppiche, Tischdecken, Portieren, Steppdecken, Herren- und Damenwäsche, Hand- tücher, spottbillige GelcgenhcitStüuse. Jac, Klopstock, Spandaiierbrücke 1.« Vronzegaskronen! drciflammigl 6,00 1 Gaszuglampcn! 9,00 l Salon- gaSkroncn! 15,00! GaSlyren l'/,I Zwcilochgaskocher l 3,00! Gasbrat- ejen I 6,00 1 Wohlauer, Wallnertheo terstraffe 32(Gaskocherhaus! Rosenberg. Kottbuserdamm 98. Mädchenjacken, MSdchcnkleider, Riesenauswahl, Spottpreise. 913K* Rosenbcrg. Kolwuserdamm 98. Knaben- Anzüge, Knaben» Paletots, Joppen, Riesenauswahl. Spottpreise. Rosenberg, Kottbuser Damm 98-. DamenjackcttS,DamcncaPeS,Havclokz, Damenröckc, Damenblusen. Riesen- auSwahl. Spotlprcisc._ 91511* Rosenberg, Kottbuserdamm 98. Reste Eisbär, Lammfell zu Kinder- sacken, Reste Astrachan, Breitschwanz, Eskimo zu Damenjacketts, Reste zu Knabenanzüge» und Mädchensacken, Kostünisloffe, Zuschnitt gratis. Riesen- auswahl,«vottpreise._ 91611* Schlesinger, Tunnstraße 85, fertigt elegante Herrenanzüge nach Maß nur gegen Kaste, keine Abzahlungen, Tambourier- Maschinen„Hocke- mcyer", alleiniger Fabrikant E. Bell- mann, Gollnowstraße 26, nahe der Landsbergcrswaßc,_ 906 K* Papageien aller Arten, Seiscrtsche Kanarienroller, auch Tausch, Nestau. rant, Kommandantenslraße 52, 97bK* Gutgeheudes Restaurant Umstände halber zu verkaufen Winsstraße 56. HanSröcke, Wolle, billig. Winkel, Gcrichtstraße 19..__ ff34 Knabenanzüge.PaletotS.Mädchen- kleider, Jacketts, kaust man am billigsten Otto Hoffmaun, Veteranen- straße 14. 885K« Fahrräder, neue und wenig ge- gebrauchte, ausgabehalber sehr billig, auch Teilzahlung, Große Franksurtcr- straße 14. fftO* Reste zu Blusen spottbillig. Gerichtstraße 19. Schürze«, spottbillig. Gerichtstraße 19. Winkel, +84 Winkel, .._+84 Restaiiration, Taubcnbörse, billig verkäuflich, Rixdors, Falkswaße 22. Bierverlag, 19. Jahre bestehend', 8 Jahre in einer Hand, anderer Unternehmungen wegen sehr billig zu verkaufen. Näheres Prinzen- straße 99, Restaurant._+65 Singermaschinen, Photo-Objektive, Kameras, neu und gebraucht, in allen Preislagen, auch Umtausch, liefert die Optisch- Mechanische Werkstatt von R. Gabriel «. Co., W., Gleditschstraße 26.+104* Kiiiderwage» verkaust billig Wagner, Frcicnwalderstraße 17.* Restauration, gutgehend, schöner Raum, billig verkäuflich, Brauerei Hilst. EberSwalderstraße 29.+53 Sofa»: Ruhebetten, Matratzen, neue, billig Graudenzerswaße 2 und Gubencrstraße 54._+41 Mouatsanzüge und Winter- Paletots von 5,00 an, Joppen von 4,50 an, Hosen von 1,50 an, Geh- rockanzüge von 12,00 an, Fracks von 2,50 an, sowie sür korpulente Figuren. Neue Garderobe zu staunend billigen Preisen, aus Pfand- leihen oersallen« Sachen kauft man am vorleilhastesten bei Naß, Mulack- straße 14. 440b' Verschiedenes. Kunstftopferei von Frau KokoSky, Eharlotlciiburg. Goclhcsttaße 84, I.* Singerbobbin. Ringschiffgesuch, Beerwaid. Schwedterstraße 12, Pfandleihe, Prinzenftraße 63, täglich 8—8, Sonntag« bis 2, g8SK* Patentauwalt Weisel, straße 94a, Vitschwer- 269b* BercinSzimmer mit Piano, auch zur Zahlstelle paffend, Fernsprecher. Vcrclnsheim, Ramlerstraße 18.+143« Pfandlethe Schönhauser.tllee 35, Fraiiseckistraßen-Ecke.+53« �Damen- und llindcrkleider werden angeserttgt Chaklottenburg, Schul- straße 3, IV. Frau Dietrich.+125 Kaufe slollsiiigende Kanarienhähno, zahle 4 Mark, Latz, Fransecktstraße 4, Saubere Schlasstclle, separat, von zwei Brüdern gesucht, U— 12 Dlark, möglichst Huffitenftraße 18—30. Offerten unter„Sauber", Postamt 31, Schlafstelle an einem Herrn zu vermicicn. Ouedzuwcil, Psalzburger- straße 13, Gartenhaus HI.+149 �rbeitsmarkt. Stellengesuche« Elsholz, Bogdanowitz, Duett, auch Gesellschaft. GropiuSstraßc 6. 1788b« Volkshnmorist Balzs, auch Gc- sellschast, Matinee frei, Manteusfel- straße 41._+17* Flickschneider, spottbillig, gutsitzend, schnell, geübt, Zlenderungen, Reparaturen. Garderobenrcinigung, sucht Kundschaft. Eberl, Frucht- straße 31, vorn,+41* Blinder Sttihlflechtcr bittet um Arbeit, Stühle werden abgeholt und zurückgeliesert. A. Gläfer, Mulack- straße 27. 1468b Stellenangebote. Kunstschmiede, selbständige, verlangt Schlasserci BiUnke, Charlotten- bürg, Schillerstraße 97. 411b* Farbtgmacher verlangt Weißen- sec, Wcißenburgstraße 15.+138 Mechaniker zwecks Ausbeutung geschützter Ersindung gesucht.(Prä- zisions-Nickelarbeit.) Kalkulation Be« dingung.„999" Hauptpostamt Rix« bors.+121 L�uartett sucht tüchtigen Gesang- lehrcr(Montags). Offerten mit Gc- hallsansprüchen unter„Ouartclt" Restaurant Hoffmann, Koppenstr. 47, Lehrling verlangt Malerei Stromstraße 4. Porzellan- +74« Verhantl d. Väsehearbeiter. Die Blusensabrik Cohn&. Danlei, Wallstraffe 11-12, ist für alle Zu- schneider. Plätterinneu, Stärke- rinnen, Näherinnen und Heim- arbciter gesperrt. 252/2« Der Vorstand. Achtung! vaudalldverter! Der Streik der Rohrer ist beendet. Gesperrt sind: C. Woina, Ouitzowstr. 103, A. Krause, Sicmensstr. 25, /z Uhr angefangen werden. Schluß 10 Uhr. Der Vorstand. Die Kreiskonferrnz für den Wahlkreis Ost- und Wcst-Sternberg findet am Sonntag, den 19. d. M., in Sonnen bürg statt. Auf der Tagesordnung stehen die Gründung eines Wahlvereins, die Presse und die Lokatfrage._' Vorort- JVachnchten. Charlottenburg. Zu den Stichwahlen. Der Vorstand de? nationalliberalen Wahl- Vereins versendet ein Zirkular, durch welches alle bürgerlichen Wähler, die den Sieg der Sozialdemokratie in den Stichwahlen ver- hindern wollen, um Einsendung möglichst hoher Beiträge ersucht werden. Die Herren beabsichtigen, lvie es in dem Schreiben heißt, die Niederlage der Sozialdemokraten bei den Hauptwahlen am 28. November zu einer endgültigen und vollkommenen zu machen. DaS ist aber nur möglich, wenn genug Geld zur Erledigung der nötigen organisatorischen und agitatorischen Arbeiten vorhanden ist. Sache unserer Genossen wird es sein, dafür zu sorgen, daß die Hoff- mmgen der Bourgeoisie zuschanden werden. Tut jeder Partei- genösse seine Pflicht, dann werden wir ohne Aufwendung von Geld- Mitteln die organisatorischen und agitatorischen Arbeiten 10 verrichten können, daß die bezahlte Arbeit der liberalen Organisatoren und Agitatoren vergebens gewesen sein wird. Für eine bessere Ausgestaltung des im Bau begriffenen Schiller- Theaters fordert der Magistrat eine Erhöhung der auf 1 400 000 M. festgesetzten Bausumme um 7S000 M. Außerdem soll das Grund- stück des Schiller- Theaters, damit in späterer Zeit eine Erweiterung der Magazin- und Kulissenräume möglich ist, durch Hinzunahme einer etwa«6 Ouadratruten großen Fläche vergrößert werden; die Kosten hierfür in Höhe von 15v hindere dies die sozialdeniokratischen Vertreter keines« wegs, die Bedürfnisfragc zu bejahen. Stadtv. H 0 s f m a n n(Soz.) bedauert, daß die Mehrheit der Versammlung so wenig praktische Erfahrung habe, sie würde sonst zu einem anderen Urteil kommen. Wenn wir noch vor den Wahlen ständen, so würde sicherlich eine ganz andere Sprache geführt werden.— Der Antrag Lohausen ge» langte dann mit großer Mehrheit zur Annahme gegen die Stimmen der Sozialdeinokraten niid weniger bürgerlicher Stadtverordneten. Sodann wandte sich die Versammlung dem Antrage des Magistrats zu, nach welchem diejenigen Beamten, die 450 M. Miel«- entschädigung erhalten, eine einmalige sofort auSzahlbare Teuerungszulage in der Höhe von 50 M. gewährt werden soll. Der Ausschuß empfiehlt, diele Teuerungszulage auch den Beamten zu gewähren, die nur 300 M. Mietsenlschädigung erhalten. Die sozialdemokratischen Vertreter beantragten, diese Zu- tage allen städtischen Arbeitern und Arbeiterinnen zu gewähren. Stadtv. K ü t e r führte aus: Wenn betont wird, daß es für die städtischen Beamten schwer sei, bei den jetzigen teuren Verhältnissen mit ihren Gehältern auszukommen, so trifft das in noch viel größerem Maße bei den Arbeitern, die keine MietS- entschädigung erhalten, zu. Den wirtschaftlich Schlechtgestellteslen sei es sogar unmöglich, in normale» Zeiten mit ihren Löhnen auSzu- kommen. Den außerordentlichen Verhältnissen muß auf jeden Fall Rechnung getragen werden.— Nach kurzer Debatte gelangten alle drei Anträge zur Annahme. Bei der Abstimmung über den sozial- demokratischen Antrag merkte man es der Mehrheit an, daß ihnen derselbe etwas überrascht kam; eS fand aber niemand den Vtttt, dagegen zu sprechen. Eine arlSgedchntc Debatte gab cS noch über den Antrag de» Magistrats, den zum Gemeindevorsteher von Weißensee gewählten Stadtrat Dr. W ö l ck ohne Jnnehaltung der Kündtgungsfrist von seinent Amte zu entbinden. Dem gestellten Antrage wurde schließlich mit Mehrheit zugestimmt. Der Ausdehnung des KaufmannSgerichtes auf Friedenau stimmte die Vcrsanunluiig ebenfalls zu. Der Stadtv. G u t s ch e, zweite Abteilung, hat sei» Mandat aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt. Friedenau. Arbeiterrisiko. In der Optischen Anstalt von C. P. Görz hat sich am Montag nachmittag kurz vor 4 Uhr ein schwerer Unglücks- fall abgespielt. In der Stanzerei wurden dem 17 jährigen Arbeiter Stoik die Finger der linken Hand vollständig abgequetscht. An einer kleinen Exzenterpresse war er mit planieren von Metallteilen be- schäfttgt, dabei geriet er mit der linken Hand unter dem Planier- stemvel. Da in der Abteilung nicht einmal ein Verbandskasten vor- handen war. mußte erst aus einer anderen Abteilung einer geholt werden. Während man in dem errichteten Neubau ein Kranken- zimmer eingerichtet hat und auch der Oeffentlichkeit zur Verfügung gestellt, fehlt es im eigenen Betriebe an Verbandskästen. Mitgeteilt wird uns noch, daß in einigen Abteilungen dieses Betriebes die Maschinen so dicht stehen, daß es als ein Kunststück gilt, dort durchzukommen und es ist nur ein Wunder, daß nicht noch mehr passiert. Köpenick. Ein rätselhafter Todesfall erregt in Köpenick großes Aufsehen. In einer Blutlache wurde in der gestrigen Nacht»m Hausflur des dortigen Grundstückes Müggelheimerstr. 41 der 40 Jahre alte Arbeiter Friedrich Leschinski tot aufgefunden. Am Kopf wieS die Leiche Verletzungen auf, aus denen das Blut herauögesickert war. L. war bereits abends gegen 11 Uhr in das erwähnte Haus, in dem er mit seiner Familie wohnte, eingetreten und in seiner Begleitung waren zwei Männer gesehen worden. Erst geraume Zeit später fand man dann die Leiche des Arbeiters auf. L. hinterläßt eine Witwe mit sieben noch unmündigen Kindern. Ob der Tod infolge der Verletzungen eingetreten bezw. ob L. einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist, wird die ärztliche und polizeiliche Untersuchung ergeben. Nowawes- Neuendorf. Heute, Mittwoch, abendö von 3—10 Uhr findet die Delegierten- Wahl zur OrtS-Kranlenkasie statt und zwar im Restaurant„Volks- garten" in Nolvawes. Nur die vom GciverkschaftSkartell aufgestellten Kandidaten vertreten in wirksamer Weise die Interessen der Kassen- Mitglieder; versäume niemand, seine Stimme abzugeben. Eine gemeinsame Gcmcindcvertretrrsitzung beschäftigte sich am Freitag mit der Höherlegung de« EisenbahnkärperS durch Nowawes- Ncuendorf. Der Gemeindevorsteher referierte über die EntWickelung und den gegenwärtigen Stand der Angelegenheit und teilte mit. dag er und fem Kollege aus Neuendorf in dieser Sache pcrsön- lich beim Landrat gewesen seien und sich nur unter der Bedingung bereit erllärt hätten, die Leistung eines Zuschusses zur Ausführung des genannten Projekts bei ihren Gemeindevertretungen zu befürworten, wenn damit eine Er- Weiterung der hiesigen Bahnhofsanlage in der gewünschten Weise verbunden wäre. Aus den Plänen sei nicht ersichtlich, in welcher Weise die Höherlegung des Bahnkörpers erfolgen solle. Müsse zu diesem Zwecke ein Wall gezogen werden, so wurden dadurch die an der Bahn liegenden Grundstücke bedeutend entwertet, waö einen empfindlichen StenerauSfall gur Folge habe. Die Gemeinden hätien dann nicht nur kernen Vorteil, sondern einen be-- trächtlichen Schaden. Auch über die Höhe der Gesamtkostcn sowie des zu leistenden Zuschusses sei keine klare Aufklärung gegeben worden. Die Bahnverbindung mit Berlin sei in den letzten Jahren immer schlechter geworden, so daß heute von vormittags 6—12 Uhr kein Anschluß in Neu-BabclSberg ohne erheblichen Zeitverlust zu erreichen sei. Der Neuendorfer Gemeindevorsteher betonte, daß die Zahlung eines Zuschusses zu der Höherlegung des Bahnkörpers geradezu eine Torheit und Geldverschwendung wäre. Als einziger DiskussionS- redner beleuchtete Genosse Gruhl in auSftihrlicher Weise die hiesigen Bahnverhältittsse. Er führte unter anderem auS, daß die hiesigen Gemeinden von der Bahnbchörde seit jeher als Stief- linder behandelt worden seien; das liege zum großen Teil daran. daß die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung beider Orte aus armen Leuten bestehe. Wären die Gemeinden Villenkolonien, so wären die jetzigen unerhörten Zustände längst geändert worden; das beweise Neu-BabetSbcrg. Auch von Nikolassee, Behrenstraße usw. habe man eine bedeutend bessere Verbindung, trotzdem die dorttgen Bahnhofe an fast völlig unbcbanlem Terrain liegen, daS sich in den Händen von Spekulanten be- findet. Während nian un§ die Errichtung eines Güter- bahnhofeS verweigert. soll nach Zeitungsnachrichten in Friedenau. welches lange nicht so industriell entwickelt ist wie NowaweS- Reuendorf. ein zweiter Güterbahnhof gebaut werden. Und da verlangt der Minister, daß wir Zuschüsse teilten sollen zu einem Unternehmen, welche« einzig im Interesse der Bahnbehörde ausgeführt werde, denn diese baile für etwaige durch den jetzigen Zustand herbeigeführte Unglückssälle. Daß bisher noch kcm Unglück passiert sei. müsse geradezu alS ein Wunder betrachtet werden. ES müsse mit aller Macht darauf hingearbeitet werden, daß die fctfflcit unhaltbaren Zustände geändert würden, damit nicht eine ähnliche Katastrophe wie in Steglitz eintrete. Zu diesem Zwecke . solle die Oeffentlichkcit durch die Presse und durch Versammlungen iiber diese Angelegenheit unterrichtet und für die Sache inter- essiert werden. Ferner müsse eine Statistik aufgenommen werden iiber den Verkehr, der sich über den Bahübergang erstreckt, um so allen Interessenten zu zeigen, wie dringend notwendig eine Verbesserung der hiesigen Bahnverhältnisse sei.— Nach diesen Ans führungen faßte die Versammlung einstimmig den Beschluß, zu einer Höherlegung des Bahnkörpers keinen Kostenbeitrag zu leisten Dieser Beschluß soll mit einer ausführlichen Begründmig dem Minister zur Kenntnis gebracht werden. Joha»»nisihal. In der letzten Sitzung der Gemciudcvertretimg gab die Koiw Mission zur Schaffung einer Fahrverbindung zwischen den, Bahnhof und dem Ort die Offerten bekannt, die betreffs der Bespannung und den Betrieb des vom Ort gestellten Omnibusses eingelaufen waren Der Zuschlag wurde dem Restaurateur Becke sLindenhof) erteilt. Ein Antrag des stellvertretenden Schöffen Frommelt, den Königsplatz vollständig zu pflastern, lvurde mit Rücksicht auf andere notwendigere Pflasterungen abgelehnt, desgleichen ein Antrag der Baukommission, eine Erweiterung am Rathausbau vorzunehmen. Ausschlaggebend für den letzten Beschluß waren die dadurch erforderlichen erheblichen Unkosten. Einige neue Laternen sollen angeschafft werden. Auch sollen in Zukunft auf dem Promenadenweg zur Bahn anstatt drei fünf Laternen in der Nachtzeit brennen. Borgsdorf-Pinnow. In einer öffentlichen Bersammlung referierte ain Sonntag in Pinnow der Landarbeiter Alb. Schmidt über:„Landarbeiter und Sozialdemokratie". Schnlidt schilderte an der Hand seiner eigene» Erfahrungen die Rechtlosigkeit der Landarbeiter, um schließlich darauf hinzuweisen, daß nur immer und allein die Sozialdemokratie die einzige Partei ist, die ernsthaft für die Landarbeiter eintritt und ihnen eine Befreiung von dem Sklavcnjoch bringen könne. In der Diskussion wurde von verschiedenen Genossen die Arbeiterfeindlichkeit der sogenannten parteilosen Presse aufgezeigt und zum Abonnement auf die sozialdemokratische Presse aufgefordert. Auch der Rot- wendigkeit der gewerkschaftlichen und politischen Organisation wurde das Wort geredet; auf Beachtung der Lokatfrage muß besonders Gewicht gelegt werden. Zur Entgegennahme von Aufnahmen für den sozialdemokratischen Wahlvcrein für BorgZdorf und Umgegend erklärte sich Genosse Hanke, Birkcnwerder, bereit. Steglitz. Der schwere Raub auf dem Postamt in Steglitz wird noch in dieser Woche seine Sühne finden. Gegen die Brüder Girndt, die seinerzeit den aufsehenerregenden nächtlichen Einbruchsdiebstahl in den, Steglitzer Hauptpostamt verübten, ist jetzt das Vorverfahren ab- geschlossen und die Anklage erhoben worden. Sie lautet auf ver- suchten schweren Diebstahl beziv. Anstiftung dazu. Die Haupt- verhandlmig gegen die beiden Täter wird am nächsten Donnerstag vor der fünften Strafkammer des Landgerichts II stattfinden. Spandau. Kohlcnoxtid-Vcrgiftung. Die Mannschaft des Schleppdampfers „Irmgard" aus Spandau, der bei der Cholera-lleberwachungsstation in Sakrow auf der Havel vor Anker lag. wurde in der Nacht zmn Montag durch Kohlendünste vergiftet. Die Leute hatten noch am Abend frische Kohlen in den eisernen Ofen geschüttet und nicht be- merkt, daß die oberen Verschlußringe sich verschoben hatten. Die ausströmenden Gase wurden von den in der Kajüte schlafenden vier Personen eingeatmet: morgens lagen sie sämtlich bewußtlos da. Der Arzt der Kontrollstation stellte fest, daß einer, der Bootsmann Fernow, bereits tot war. Die andern drei wurden schwer krank in das Potsdamer Krankenhaus geschafft. Potsdam. Stadtverordneten-Vcrsammliing. Mit einem Nachruf für den verstorbenen Oberbürgermeister Jaehne wurde die letzte Sitzung eingeleitet. Nach Bewilligung einer Gräbstätte nebst Denk- mal für den Genannten wird dann ebenso noch die neue Turm- uhr der Nikolaikirche bewilligt sowie die Spende für die Silberhochzeit des Kaiserpaares im Betrage von 1 0 0 l) 0 M. Die Summe soll als Grundstock einer allgemeinen Samm- luna dienen, die dem hiesigen Kaiser Wilhelmstift überwiesen werden wird. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete die R e g u- lierung der Neuen König st raße. Dieses Schmerzenskind der Versammlung hat jetzt zwar endlich nach jahrelangen Vor- bereitungen die Zustimmung zu seinem neuen Anzug bekommen. aber die- Kosten dafür sollen erst in einer späteren Sitzung bewilligt iverden. Es wird also noch eine Weile dauern, ehe die Neue König- straße in die geplante Prachtstraße umgewandelt sein wird. Ihr Charakter als Promenadenstraße soll gewahrt bleiben. Der An- spruch der zuziehenden Beamten auf die übliche UmzugSkosten- Entschädigung wird mit dem Zusatz versehen, daß die ge- lvährte Entschädigung zurückzuzahlen ist, falls der Beamte innerhalb fünf Jahren seinen Posten ivieder aufgibt. RechnungS- und Personalsragen bildeten den Schluß der Sitzung, die im allge- meinen ebenso monoton verlief, wie das regnerische Wetter draußen. ßcrUmv JVachrichten, Dle Beerdigung des Genossen Otto P ü r s ch e l, der am Mitt- woch bei Ucbermittelung von Wahlresultaten von seinem Rade stürzte und in der Folge einer schweren Gehirnerschütterung erlag, findet am Donnerstag, also morgen nachmittag Punkt 3 Uhr vom Leichenschauhause, Hannoverschestr. ö, nach dem Friedhof der ZionS- Gemeinde in Nordend statt. Die Vertrauensleute bitten um zahl- reiche Beteiligung. Die rote Karline. Graf Pückler hat ein neues Schlagwort ge- prägt. Dem roten Manasse ist jetzt die rote Karline gefolgt. In der vorgestrigen von 1000 Personen besuchten Volksversammlung ver- sprach Graf Pückler sich zu„bessern". Ein Diskussionsredner hatte gesagt, der Graf möge doch nicht nur Phrasen dreschen. Wenn der Graf den ersten Juden totschlage, schlage er den zweiten tot. Hierauf erklärte Graf Pückler, wenn er jemals gesagt habe, er wolle einen Juden totschlagen, so nehme er das zurück. Nicht totschlagen müsse man die Juden, sondern streicheln, so streicheln, daß die Rasselbande das Hasenpanier ergriffe. Er sei in seiner Jugend ein wilder Junge gewesen. Er hätte alle Kinder mit Steinen beworfen und seine Schwester mehr als zuviel geprügelt. Im Laufe der Zeit sei er aber artiger geworden, und jetzt sei er so artig, daß er gar nicht mehr wisse, wie er noch artiger sein solle. Berlin werde noch das Schicksal von Sodom und Gomorrha teilen, wenn es nicht von der Sünde ablasse. Er weine viel über Berlin, denn seine Strafe Iverde entsetzlich sein. Tief betrübe es ihn, daß die rote Arbeiter- schaft nichts von ihm wissen wolle. Und er sei doch sicher, der anti- semitische Karren komme erst dann in Schwung, wenn die rote Karline mit der Revolverschnauze und der rote Schulze mitmachten. Bei der Vertreibung der schwarzen Halunken sei doch so viel Beute zu nmchen. Rote Karline, bedenke doch, da gibt es dann goldene Broschen, die neuesten Hüte mit grünen und gelben Federn, Kost- barteiten und Schmuck. Alles das würde dir dein roter Schulze mit- bringen.... In dieser lieblichen Tonart ging es fort. Festgenommen wurden zwei Einbrecher, die einer Handelsfrau am Grünen Weg 83 die Wohnung ausgeräumt hatten. Der neun- zehn Jahre alte Kutscher Heinrich Becker kam öfter in die Wohnung der Handelsfrau, einer Witwe S., weil seine Mutter dort Aufwarte- dienste leistet. Bei diesen Gelegenheiten sah er manches, was ihm gefiel, und er gelvann einen mehrfach vorbestraften Einbrecher Alfred Sendermann znr Ausführung eines Diebstahls. Becker wußte genau, wenn Frau S. in der Markthalle zu tun hatte und seine Mutter mit ihren Arbeiten fertig war. Vorsichtshalber stand er auch noch „Schmiere", während Sendermann die Wohnung aufbrach und Wäsche, Kleidungsstücke, Uhr und Kette, Broschen und sonstige Schmuck- fachen, kurz alles, was ihm mitnehmenswert erschien, zusammen- packte. Ohne aufzufallen, entkamen die Diebe mit der Beute. Uhr, Kette und verschiedene Schmucksachen schenkte Becker seiner Geliebten in Lichtenberg, die anderen Sachen verkauften die Einbrecher, um sich den Erlös zu teilen. Becker verschwand von seiner Mutter, sobald er merkte, daß ihr sein Geldbesitz aufgefallen war. Die Frau ging nun zur Polizei und meldete ihn als vermißt. Jetzt gelang es ihn zu fassen. Vor der Kriminalpolizei, der seine Mutter ihren Verdacht mitgeteilt hatte, legte er ein Geständnis ab und nannte auch seinen Helfershelfer. Sendermann wurde ebenfalls ergriffen und mit ihm in das Untersuchungsgefängnis gebracht. Als die Geliebte Beckers von der Festnahme hörte, zertrümmerte sie die Uhr und warf sie in das Kloset. Die anderen Sachen dagegen be- hielt sie. Diese wurden ihr von der Kriminalpolizei wieder ab- genommen. Das Mädchen will von der Herkunft der Geschenke nichts gewußt haben. Selbstmordmanie. Die 21 Jahre alte Schlosserfrau Paula Mueseler aus der Boyenstr. 6 war auf ihren Mann grundlos eifersüchtig. Darüber gab es vorgestern nachmittag einen hanslichen Streit, der Mueseler veranlaßte, auszugehen. Die junge Frau regte sich hierüber so auf, daß sie Lysol trank. Als ihr Bruder, der bei ihr in Schlafstelle wohnt, um 8'/? Uhr nach Hause kam, lag sie be- wußtlos vor dem Bett, in dem ihr h'z Jahr altes Kind schlief. Der junge Mann ließ sie mit einem Lückschen Wagen nach dem Kranken- hause am Friedrichshain bringen.— Die 57 Jahre alte Witwe Katharina Krupka geb. Rudolph aus der Tempelherrnstr. 10 wurde gestern mittag von ihrem Sohne, der von der Arbeit kam, in ihrer Wohnung tot auf dem Fußboden liegend aufgefunden. Nach dem Gutachten eines Arztes Hatto sie Gift genommen und lvar bereits einige Stunden tot. Was sie dazu veranlaßte, ist noch nicht bekannt. —"Der 68 Jahre alte Maschinenstepper Gustav Schulz aus der Kaiserstr. 5 war seit langer Zeit lungenkrank. Um seinem Leiden ein Ende zu machen, goß er vorgestern abend zwei Flaschen Morphium- tropfen, die ihm der Arzt verschrieben hatte, zusammen und trank alles auf einmal ans. Nach kurzer Zeit erlag er der Wirkung des Giftes. Ei» nächtlicher Uebcrfall im Tiergarten. In der vergangenen Nacht hatte sich der 22jährtge Eisenträger Fritz Richter aus der Klopstockstr. 0 im Tiergarten in der Nähe der Schleuseninsel mit seiner Braut für einen kurzen Augenblick auf einer Bank nieder- gelassen. Wie N. der Behörde gegenüber angibt, tauchten nun plötzlich hinter ihm zwei verdächtige Gestalten auf und während einer der Burschen ihn, den R., beschuldigte, er habe sich mit seiner Braut eines Vergehen? schuldig gemacht, drang der andere auf den Eisenträger ein und schlug ihn mit einem schweren Stock so kräftig auf den.Kopf, daß der Angegriffene eine stark blutende Wunde er- litt. Jetzt wollten die beiden gefährlichen Gesellen gemeinsam gegen ihr Opfer vorgehen. Sic kamen jedoch an die falsche Adresse. R., ein Hüne von Gestalt, streckte den einen der Angreifer mit einem Faustschlag zu Boden und packte den Komplicen fest an der Brust, um ihn nach der nahe gelegenen Polizeiwache zu bringen. Dann suchte der lleberfallene die Unfallstation am Zoologischen Garten auf, um sich dort die Kopfverletzung verbinden zu lassen. Eine Stellen- und Klmtionsschwindleri», die in der Gegend des Alexandcrplatzes ihr Unwesen trieb, wurde von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht. Eine gewisse Elisabeth B. redete an den Omnibushaltestellen oder auch im Omnibus Mädchen an, von denen sie vermutete, daß sie wohl eine Stelle suchen könnten. Traf diese Vermutung zu, so stellte sie sich unter einem falschen Namen vor und erzählte, ihr Onkel, Herr Witte, sei im Schloß angestellt und wolle sie dort auch anbringen. Ihr Bräutigam aber sei dagegen, weil er bald Hochzeit feiern wolle. Es würde sie nun sehr freuen, wenn sie ihrem Onkel wenigstens Ersatz bringen könne, damit er nicht gar zu böse werde. Ein von ihr empfohlenes Mädchen werde er ohne Zweifel annehmen. Die Stelle im Schloß schlägt natürlich niemand aus. Die Bewerberinnen geben gern ihre Adresse an und bekommen bald von Herrn Witte einen Brief, daß auf die Empfehlung seiner Nichte ihrer Anstellung im Schlosse nichts im Wege stehe, nur müßten sie eine Bürgschaft von 20 oder 25 M. stelle», die seine Nichte gegen Quittung abholen werde. Nach kurzer Zeit erscheint dann auch die Nichte mit einer gefälschten Quittung, erzählt allerlei von ihrer wirksamen Fürsprache bei dem Onkel Witte, streicht das Geld ein und verschwindet auf Nimmer- wiedersehen. Das war der regelmäßige Gang, der jedesmal mit einer großen Enttäuschung der Geprellten endete. Gestern aber kam es anders. Eine Bewerberin aus der Jfflandstraße hatte der Nichre des Herrn Witte bei dem ersten Besuche mit der Quittung gesagt, äe habe augenblicklich keine 25 M. Sie erkundigte sich dann bei der Polizei und diese nahm gestern die Schwindlerin fest, als sie nach Verabredung zum zweitcnnial kam. Es ergab sich, daß die „Vermittlerin" wegen Diebstahls und geiverbsniäßigen Stellen schwindels schon nichrfach bestraft ist. Ein grausames Verbrechen hat in der gestrigen Nacht der 25jährige Alfred Jankowski in der Christianiastr. 110 gegen seinen eigenen 65 Jahre alten Vater verübt. Der junge I. ist ein arbeits- scheuer und dem Trünke ergebener Mensch, der sich von seinem alten Vater noch ernähren läßt. Als er auch in der gestrigen Nacht wieder angetrunken nach Hause kam, machte ihm der Vater heftige Vor würfe. Der Betrunkene geriet hierüber in eine derartige Witt, daß er sich plötzlich auf den wehrlosen Greis stürzte und ihm mit geballten Fäusten ins Gesicht schlug. Hierauf zog der Brutale das Messer auS der Tasche heraus und stach damit auf den Vater ein. Die Klinge ging dem Be- dauernswerten durch die ganze Backe hindurch bis in den Mund hinein und schnitt auch noch das Zahnfleisch entzwei. Be- sinnungSlos brach der Gestochene zusammen. Nun fesselte der Iln- hold sein Opfer an Händen und Füßen und eilte sodann znr Polizei- wache. Dort gab er an, sein Vater lei plötzlich wahnsinnig ge- worden und habe seinen Sohn angreifen wollen. Es begaben sich daraufhin einige Beamte nach der F.schen Wohnung, wo sie den Alten in entsetzlichem Zustande vorfanden. Sofort wurde der U»- glückliche von seinen Fesseln befteit und nach der Unfallstation XVI in der Badstraße gebracht, wo ihm ärztliche Hülfe zuteil wurde. Bei einer späteren Vernehmung des Greises stellte sich dann heraus, daß er das Opfer seines brutalen Sohnes geworden ivar. Während der Vater nach dem Krankenhaus kam, wurde der Sohn durch die Polizei verhaftet. Unbekannt verstorben. Anr 12. November 1905, nachmittags gegen 3 Uhr, wurde in einem Fremdenzimmer des Gasthofes Invaliden- straße 53 ein dem Handwerkerstande angehörender, zirka 40 Jahre alter Mann mit zwei Schußwunden in der Herzgegend tot auf- gefunden. Der Verstorbene ist in der Nacht zum 12. November 1005 gegen 2>/.z Uhr in dem genannten Gasthofe als Fremder eingekehrt und hat sich in das dort ausliegende Fremdenbuch als Malermeister Karl Mauer, 4. 0.63 zu Straußbcrg geb. und von dort kommend ein- getragen, was sich aber nicht bestätigt hat. Der Fremde ist zirka 1,70 Meter groß und hat dunkles Haar und Schnurrbart. Seine Bekleidung bestand aus schwarzem steifen Hut, schwarzem Ueber- zieher, schwarzem Gehrockanzug und schwarzen Schnürstiefeln. Außerdem hatte er ein altes schwarzledernes Portemonnaie mit 1 Schlüssel, 2 Gepäckscheinen und 30 Pf. sowie einen Revolver mit Futteral bei sich. Mitteilungen über die Persönlichkeit des Verstorbenen werden von der Kriimnalpolizei zu 7635 1V/26 05 entgegengenommen. Die im Zoologischen Garten geplante Ausstellungshalle be- schäftigte gestern eine Konferenz von Vertretern der Bau- und Verkehrspolizei und der an dem Unternehmen beteiligten Gesell- schastcn. Es konnte der Gesellschaft die grundsätzliche Ge- n e h m i g u n g der Behörden in Aussicht gestellt werden. Freilich ist noch die Zustimmung des Finanz m i n i st e r s zur Bebauung des GartengcländeS, das bekanntlich in fiskalischem Eigentum steht, einzuholen; diese darf indes schon jetzt als sicher gelten, da auch Herr v. Rhei nbaben dem Projekte ein lebhaftes Interesse entgegenbringt. Theater. Im Schiller-Theater O(Wallner-Theater) wird am Mittwoch, den 22. November sBußtag), abends� 8 Uhr, das Oratorium„Die Schöpfung" von Joseph Haydn aufgeführt. Eintrittskarten sind schon jetzt an der Kasse des Schiller- Theaters in den üblichen Kassenstunden zu haben. Eine Vorverkaufsgebühr wird nicht erhoben. Die Preise sind die im Schillcr-Theater üblichen.— Im B ii r g e r s a a l e d e S Rathauses zu Berlin wird am Sonntag, den 10. November, ein Chamisso-Abend veranstaltet, zu dem Bruno Wille den einleitenden Vortrag übernommen hat.— Im Charlottenburger Rathause findet um dieselbe Zeit, auf vielfach eingegangene Wünsche, eine Wieder- holung des Brahms- Abends statt, an dem Bctsy Schot. Max Garrison. Max Nodeck und Waldemar Runge mitwirken— Im Kolosseum, Dresdenerstr. 07, soll am 30. d. M. eine Aus- stattungs-BurleSke zur Aufführung gelangen.— Im Luisen- Theater geht Freitag, den 17. November, zum erstenmale„Em Blitzmädel" m Szene. Das Blitzmädel spielt Frau Käthe Wille Bach.— Zentral- The ater. Die Ausführungen von„Musette" beginnen von heute ab täglich um 8 Uhr, an Sonntagen dagegen unt 7Vz Uhr.—_ Gerichts-Zeitung. Uederschreitung des Züchtigungsrechts eineS Lehrer?. Vom Landgericht Bonn- ist am 23. Dezember v. I. der Lehrer Walter Rudolph wegen fahrlässiger Körperverletzung_ zu 20 M. Geldstrafe verurteilt loorden. Der Schulknabe K. hat eine Kinnwunde in der Größe eines Fünfpfennigstückes dadurch erhalten, daß er während einer Züchtigung, die ihm der Angeklagte zuteil werden ließ, an die Bank anschlug; auch ist er vier Tage lang lahm gegangen. Die Züchtigung hat der Angeklagte mit einem dicken Stock vollzogen. Z ü ch t i g u n g e n, s o'h e i ß t e S im Urteil, dürfen niemals soweit gehen, daß der Gebrauch der Glieder beeinträchtigt i st oder die Haut abgeschürft Ivird. Indem der Angeklagte dies nicht verhinderte, har er fahrlässig ge- handelt.— In seiner Revision behauptete der Angeklagte, er habe sich einer Ueberschreitnng des Züchiigungsrechtes nicht schuldig gemacht. Selbst bei Uederschreitung desselben treffe ihn kein Verschulden.— Das Reichsgericht erkannte am Montag auf Verwerfung der Revision.— Das Reichsgericht hat bei diesem Urteil in bemerkenswerter Weise an seiner Praxis festgehalten, die im Gegensatz zu der des preußischen Ober-Verwaltungsgerichts der Anwendung von Brutalitäten in der Schulstube entgegentritt. Konsequent vertritt es die Anschauung, daß die Gesundheit auch nur gefährdende Mißhandlungen niemals durch die beschönigende Redewendung„Ausübung des Züchtignngsrechts" straffrei werden dürfen. Das Ober-Verwaltungsgericht und auch das Kammergericht hat in einer Reihe von Erkenntnissen den Standpunkt vertreten, daß fühlbare, die Gesundheit nicht dauernd schädigende Mißhandlungen noch unter den Schutz eines Züchtigungsrechts sallcn können. Diese irrige Rechtsprechung der preußischen obersten Gerichte ist freilich nur bei Verfehlungen gegen Gemeindeschüler, nicht bei solche» gegen„höhere Schüler" betätigt. Jede körperliche Züchtigung, die ein Lehrer begeht, ist ein Zeichen seiner Unfähigkeit, zu erziehen. Unsere Genossen sollten mit Rücksicht auf die Geist und Körper der Kinder verwüstenden Folgen ostelbischer Prügelei gegen jeden Fall von Mißhandlung bei den Kommunal- und Staatsbehörden vor- stellig werden und sich durch liebevolle Rücksichtnahme der Gemeinde- und Schulbehörden auf Prügelhelden von einer Weiterverfolgung nicht abschrecken lassen. Wegen Raubmordes unschuldig in UittersuchongShaft. Am 17. Oktober wurde im sogenannten„Tiefen Grund" bei Königstein in der sächsischen Schweiz ein Raubmord an der Frieda Opitz verübt. Der 25 jährige Karusselldreher Händler aus Thüringen wurde daraufhin als vermeintlicher Täter in Haft genommen. Jetzt hat sich die völlige Unschuld des Mannes heraus gestellt. Er wurde am Montag aus den, Gefängnis entlassen. Ein Anspruch auf Ent- schädigung steht dem seiner Freiheit Beraubten nicht zu. Seit dem Jahre 1883 ist im Reichstage von sozialdemokrattscher Seite Ent- schädigung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft verlangt. Die Mehrheit des Reichstages hat dies berechtigte Verlangen abgelehnt. Sie hat sich nur dazu verstanden, im Jahre 1004 die Möglich- keit einer Entschädigung z» gewähren, wenn der Verhaftete frei- gesprochen oder durch Gerichtsbeschluß außer Verfolgung gesetzt ist. Diejenigen Untersuchungsgefangene!,, deren völlige Unschuld sich bereits ohne Gerichtsbeschluß oder Gerichtsurteil herausstellt, haben nach wie vor keinerlei Anspruch auf Entschädigung. Vermischtes. Das Opfer einer unsinnigen Wette ist gestern der 25jShrige Arbeiter Albert Holzhüter geworden. H. hatte in einem Restaurant in dem benachbarten Dorfe Motzen während des SkatspielS ge- wettet, daß er in kurze, Zeit in ganz kleinen Zwischenpausen 8/4 Liter Rum trinken könne. Der Leichtsinnige gewann auch die Wette, nmßte sie jedoch mit dem Tode büßen. Gestern nachmittag starb er an den Folgen der Alkoholvergiftung. Die anhaltenden und ausgedehnten Regenfälle in der vorigen Woche, sowie durch starke Niederschläge im Gebirge ist ein starkes Steigen der Flußläufe herbeigeführt worden. Die Spree besitzt gegenwärtig Hochwasser und ist in ihrem oberen Lauf aus den Ufern getreten. Die sämtlichen Niederungen sind unter Wasser gesetzt und auch in dem Mittellauf sind die Wiesenterrains teilweise über- schwemmt. Das Hochivasser ist so bedeutend, wie es schon seit langer Zeit nicht gewesen und dabei wird noch andauernd von der Oberspree Wuchs gemeldet.— Auch die Havel hat zurzeit Hoch- wasser aufzuweisen und die Niederungen in den havelländischen Ge- bieten überschwemmt._ Briefharten der Redahtion. I. D. 21. Staatliche Heizerkurse werden für Berlin im Januar und Februar wieder veranstaltet Meldungen an Abteilung Ab des Polizei» Präsidiums Berlin.— A. Schmidt. Moabit, Gesundbrunnen, Weddiug kamen durch Eingemeindung zu Berlin am 1. Januar 1861.— I. Sö. Wöchnerinnenheim. Urbanstr. 22.— M. E. Maschinenbauschute des städtischen Gewerbesaales, Sttaßmannstr. 6.— H. it. Anstellung als Laternenwärter. Städtische Gaswerke, Zentrawurea»: Klosterstr. 68, Revier- inspektion für Ihre Gegend: Görlitzer User 25, wird nach Lübbenerstraße verlegt.— Zwei Wettende. Die Spittelkirche wurde im Jahre 1881 ab- gebrochen._ Berliner Marktpreise. AuS dem amtlichen Bericht der städtischen Marktballen-Direktion. Rindfleisch la 64—68 pr. 100 Pfund, IIa 57—64. lila 50- 55, IVa 40-48. Kalbfleisch la 85—90, Aa 72—82, lila 56-70, Hammelfleisch la 63—73, IIa 48—58. Schweinefleisch 74—78. Rotwild Pfund 35—48 Pf. Hasen Stück 3,00-3,75, klein 1,50-2,00. Kaninchen Stück 0,25— 1,05. Krammeisvögel 0,20—0,22 Pf. Rebhühner, junge la 1,00, junge IIa 0,00, junge kleine 0,00—0,00, alte la 0,75, alte Aa 0,00—0,00. Hühner, alte 0,50— 1,80, junge 0,80—1,10 das Stück. Tauben, junge 0,40—0,45, alte 0,30. Enten, junge 1,40—2,25. Gänse la, 3,50-4.00. IIa 2,50-3,50 per Stück, la 0.55—0,65. Aa 0,48—0,55 per Pstind. Hechte 74—84 M., Schleie, uusort. 111—123, Aale, groß 0,00, mittel 0,00 M. Plötzen 47—52 M. Karpfen 0 00, Lachs 0.00 M., Schellfische 20-22 M.. Flunder 18 M. pro 100 Pfund. Schottische Vollheringe(gesalzen) 36—38 M Krebse, kleine. Schock 0,00 M., unsortiert 0,00 M. Eier, Schock 0,00. Butter pro 100 Pfund la 122-124, IIa 115-122, Illa 111-114, abfallende 90—110. Kartoffeln pr. 100 Pfd. rote 2,00—2,20, Rosen 0,00—0,00, blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,80— 2,00. Wirsingkohl pr. Schock 4,00-8,00, Weißkohl 6,00-8,00, Rotkohl 4.00—8,00, Holl. 10-13 M. Smwe Gurken, Schock 2,00 M. Wetter-Prognose für Mittwoch, den 18. November 1905. Kiihl und vorwiegend trübe mit Niederschlägen und frischen nord» östlichen Winden. Verantwortlicher Redakteur: Kons Weber, Berlin, Für den Jnferatenteil ver«ntw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanjtalt Paul Singer& Co., Berlin SW,