Nr. 370. HbonnementS'Rtdingungtn: Bbonnemsntä- Preis pränumerando! «iertrljShrl. Z.Z0 MI., monatl. I.IV MI.. wSchcntlich 28 Pfg. frei Wz Hau». einzelne Nummer S Psg. Eonniag». nummer mit illnstrierlcr Sonntag». Beilage.Die Rene Welt' 10 Psg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich. Ungarn » Marl, für da» übrige Ausland 8 Marl pro Monat. SÄ. Jahrg. tigllch auDer Dlonta«. Verlinev VolkeSblskk. Die InfcrtlcnS'Gebflftr Beträgt für die sechSgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum»0 Psg.. für politische und gewerlschastlich« Verein». und VersamnilungS-SInzeigen SS Psg. „Aleine Snreigen", da» erste(seit. gedrucktes Wort>0 Psg., jede» weitere Wort S Psg. Worte über IS Buchslabe» zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormittags geSflncl. Telegramm. Adresse: „$uliltf(B«krat Btnm". Zentralorgfan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 8W. 68, Lindenetrassc 69. aeritiprcriicr;«int IV. Sir. IHK» Freitag, den 17. November 1905. Expedition: 8Äl. 68, Lindenetrasse 69. itfriiitm-rfuT: Amt IV. Sir. 1984. S" Ka Der Belagerungszustand in Polen. Die Revolution schreitet mit eherner Log»? ihren Weg: jeder neue Gcwaltstreich des verendenden Absolutismus wird hm Ausgangspunkt eines neuen gewaltigen Ausbruchs des iampfes. Der über Polen verhängte Belagerungszustand ist zur Losung einer Wiederaufnahme des Generalstreiks in Peters- bürg, dann in Moslau, in ganz Ruhland geworden. Nächstens liegt wieder der Koloß, das Zarenreich, gefesselt, ohnmächtig danieder,„der starke Arm" des revolutionären. Nassen- bewußten Proletariats erhebt sich zur geballten Faust, der Belagerungszustand in Polen verwandelt sich in einen Belagerungszustand, den die Arbeiterklasie über den Zarismus verhängt. Diese prächtige Aktion des Petersburger Proletariats ist besonders bemerkenswert als der erste Solidaritätskampf, zu dem von Petersburg aus das Signal gegeben wird. In der bisherigen Periode der Revolution war es gewöhnlich umgekehrt: die polnische Arbeiterklasse erwiderte jeden Anlauf, den ihre russischen Brüder im Kampfe nabmen, sowie jeden Streich, den die herrschende Gaunerbande gegen sie richtete, mit flammenden Solidaritätskundgebungen. Der 22. Januar wurde zum Signal einer Reihe von Generalstreiks in ganz Russisch-Polen. Der Moskauer Eisenbahnerstreik fand in Polen sofort das lebendigste Echo. Hingegen blieben die grandiosen Maifeiern in Warschau, in Lodz, die blutigen Kämpfe der polnischen Arbeiterklasse bis jetzt ohne tätige Unterstützung, ohne Echo im eigentlichen Rußland. Das lag freilich nicht an dem Mangel an brüder- lichen Gefühlen, an tieffter Sympathie, an politischer Einsicht bei dem russischen Proletariat. Es lag vielmehr daran, daß die Prolctariennassen in Petersburg und Moskau bis vor kurzem noch nicht mobil, noch nicht diszipliniert genug waren, um auf eine gegebene Parole sich sofort in Kampf- ordnung zu formieren. Die Bewegungen der Masse tvaren mehr spontaner, elementarer Natur, die eigentliche planvolle und zielbewußte Leitung der Sozialdemokratie war in Rußland noch nicht vorhanden, die Bedingungen einer aus freiem Entschluß hervorgegangenen Massenaktion noch nicht geschaffen. Und nun welche Wandlung! In wenigen Stunden nach der Erklärung des Belagerungszustandes in Polen faßte die führende Organisation der Petersburger Arbeiterschaft den Entschluß, eine Solidaritätsaktion fiir das polnische Proletariat hervorzurufen, in wenigen Stunden ist die Masse mobil, die Eisenbahnen stehen. die Fabriken richen, der Generalstreik ist glänzend durchgeführt. In dieser Aktion des gegenwärtigen Moments liegt ein so gewaltiger Fortschritt der politischen Schulung, der Kampfbereitschaft der Massen und des leitenden Einflusses der Sozialdemokratie seit den Januartagen, wie ihn eben nur der Sturmschritt der Re Volution möglich macht. Unsere ängstlichen Gegner der Idee des polstischen Massenstreiks, die sich mit solcher Behaglichkeit über die vor allem notwendige Disziplin und Schulung der Massen aus- zulassen pflegen, können jetzt angesichts des mitten im Feuer des Kampfes grandios fortschreitenden Werks der politischen Schulung des Proletariats zeigen, ob sie die unentbehrlichste Fähigkeit des politischen Kämpfers besitzen: zu l e r n e n. Eine hohe politische Reife verrät aber insbesondere der Beschluß der Petersburger Arbeiterschaft, der ausdrücklich zu einer Solidaritätskundgebung für daL revolutionäre polnische Proletariat, und nicht etwa nach altem Sprach- gebrauch für das„Polen" aufruft. Es ist nämlich nichts, als die verlogene und plumpe Spekulation der zarischen Baschi- bozuken, die sie übrigens mit unserem„liberalen" Hakatfften- troß gemein haben, daß sie den Popanz eines nationalen Gegensatzes und einer„nationalen Gärung" dazu zu fruktifizieren suchen, die revolutionäre Klassenbewcgung des Proletariats zu ersticken. Die zarische Regierung braucht den Belagerungszustand und die phantastische an die Wand gemalte„polnische Gefahr" zu zweierlei Zwecken. Erstens um die russischen Liberalen, die ja im Grunde ihres Herzens gute„Patrioten" sind und für die„Integrität" des Knutenreiches schwärmen, in heilsamen Schreck ob der angeblichen staatsgcfährlichen Ten- denzen„der Polen" zu jagen und so ihre Sympaihien für die revolutionäre Bewegung überhaupt abzukühlen. Zweitens sollte unter dem Vorwand der„nationalen Gärung" der rein politische Klassenkampf des polnischen Proletariats gewaltsam zur Ruhe gebracht werden. In Wirklichkeit gibt es heutzutage in Russisch-Polen auch nicht eine Spur einer nationalen Bewegung im Sinne der Bestrebungen zur Wiederherstellung des polnischen unabhängigen Staates. Die braven Schlachzizcn und die kapitalistischen Geld- sacke Russisch-Polens sind in ihrer„Loyalität" gegenüber der .unutenherrschaft sogar den russischen Reaktionären weitvoraus. Waren doch die bürgerlichen Klassen Polens die einzigen, die nach den Metzeleien des 22. Januar in Petersburg und nach dem kosakischen Massenmord in Warschau ani 1. Mai Deputationen an die Regierung schickten... mit Danksagungen siir den heuchlerischen„Toleranznkas" in Religions- fachen, den sogar russische gemäßigte Liberale mit kalter Verachtung aufnahmen! War es doch ein polnisches Agrarier- blatt, der„Dziennik PosnanSki", das in den Januar- tagen dem Zaren Nikolaus den nicht etwa ironisch gemeinten Rat gab, seinen bedenklich wackelnden Kopf und die Krone schleunigst na*— Warschau zu retten, als dem einzigen Zu- j fluchtsort, wo ihm die„Ordnungsparteien" volle Sicherheit -garantierten. Die bürgerlichen Klassen Polens stehen eben 1 mit beiden Füßen auf dem festen Boden der kapitalistischen j Wirklichkeit, die das alte national- rebellische Polen längst in eine fromme Fabrik des alleinseligmachenden kapitalistischen Profits venvandelt hat. Und die Wirkung dieses kapitalistischen Verwandlungsprozesses ist eine so tiefgehende, daß Polen in der ganzen revolutia nären Periode des Zarenreichs als die einzige Provinz da steht, in der die bürgerlichen Klassen auch nicht die schwächlichste Freiheitsregung kundgetan haben. Keine Spur von bürgerlichem oder agrarischen! Liberalismus, wie er in Rußland selbst in so jämmerlicher Gestalt auftritt, keine Spur von bürgerlicher Demokratie in den 5kreisen der städtischen Intelligenz Das Proletariat ganz allein und gegen alle bürgerlichen Klassen und Schichten hat Polen zu einem der gewaltigsten Herde der russischen Revolution gemacht, das Proletariat allein— und unter der Fahne des klaren scharfen Klassenkampfes. im Geiste der Klassensolidarität und Zusammengehörigkeit mit der russischen Arbeiterklasse. Diejenige Partei in Polen, die noch vor wenigen Jahren die national polnische Losung der Wiedererrichtung Polen» veo trat und die bis vor kurzem ihr kümmerliches Dasein hauptsächlich in Galizien fristete: die sogenannte „Nationale Demokratie", ein kleinbürgerlich- antisemitisches Sammelsurium, hat im Jahre 1904, gleich bei Beginn der Revolution im Zarenreich offiziell ihr Programm als ein utopisches aufgegeben. Heute spielt sie in Polen die Rolle eines freiwilligen KommiS des Absolutismus, indem sie ihren ganzen Eifer auf die Gründung„nationaler" gelber Gewerk schasten und auf die Bekämpfung der polnischen Sozialdemokratie richtet. Diese„nationale" Partei war es auch, die vor wenigen Wochen, vor blinder Wut über die von der Sozialdemokratie inszenierten Generalstreiks, das heißt über den«Rum der vaterländischen Industrie", in ihrem Organ„Slowo Polskie" in Galizien die Worte schrieb: „Es ist endlich an der Zeit, offen heraus- zusagen, daß uns der russische Absolutismus viel weniger verhaßt ist. als die polnische Sozialdemokratie"... Die andere Partei, die die nationalpolnische Losung vertrat, die„Polnisch-sozialistische Partei", hat erst vor drei Monaten offiziell erklärt, daß auch sie nunmehr einsieht. ein nationalpolnischer Aufftand sei heutzutage in Polen vollkommen utopisch. So sind denn in den kräftigen Wellen der allgemeinen proletarischen Revolution des Zarenreiches, die alle Arbeiter ohne Unterschied der Nationalität zu einem Heere verbunden und vor ein gemeinsames Ziel: die Erringung der politischen Freiheit im ganzen Zarenreich ge- stellt hat, die letzten schwachen Reste der alten nationalpolnischen Bewegung verschwunden. Die„nationale" Phrase dient heut zutage in Polen nur noch als Deckmantel für die blutigste Reaktion der polnischen Bourgeoisie sowie des Kleinbürgertums und als bequemer Vorwand für Gewaltstreiche des Knuten regiments. Genau so wie die große„nationale" Demonstration, die kürzlich von den„Edelsten und Besten" in Warschau arrangiert ivorden ist, die Losung hatte: es lebe die Einigkeit des Volkes gegen die„klassenvcr- hetzende" Sozialdemokratie, ebenso gehen der heiße Wunsch und die neulichen lakaienhaften„Deputationen" der polnischen Bourgeoisie nach Petersburg dahin, durch eine möglichst rasche Pazifizierung des polnischen Proletariats vermittelst noch so schwächlicher autonomer Freiheiten die ersehnte„Ruhe" und „Ordnung" wiederherzustellen und die revoluftonäre Sozial- demokratie sodann zu erdrosseln. Aber die Spekulationen der polnischen Reaktionäre tvie der zarischen Knutenschergen schlagen nun einmal fehl. Die Warschauer„Einigkeitsdemonstration" der Bourgeoisie hat in Polen den Partei- und Klassenkampf nur noch zu höherer Flamme entfacht. Und der Belagerungszustand, der das polnische Proletariat von der russischen Revolution isolieren sollte, ruft gerade die erste planvolle kräftige Solidaritäts- aktion des revolutionären russischen Proletariats zu Hülfe seinem polnischen Klassengenosscn! Kein Tag ohne neue moralische Siege, keine Stunde ohne neue Fortschntte der Revolution! Es ist eine Lust zu leben! Die Revolution in Rußland. Die ungeschriebene Berfassnng. Die Lage spitzt sich in diesem Augenblick in Rußland und namentlich in Petersburg so scharf zu. daß die Verhängung des Belagerungszustandes auch in der Hauptstadt an der Newa demnächst zu erwarten ist. Die Banditen des Zarismus wollen offenbar den verzweifelten Versuch machen, der vorwärts- türnicnden Revolutionsbetvegung gewaltsam Einhalt zu tun. Aber das ist eben das Charakteristische der Revolution: in- zivischen hat sich, mitten im Sturm und Drang, ohne die Eni- chlüsse der Regierung und den„gesetzlichen" Federzug der Kanzlei abzuwarten, bereits die politische Freiheit auf allen Ge» bieten des öffentlichen Lebens so kräftig durchgesetzt, daß es ein Zurück gar nicht mehr geben kann. Neben den unaufhörlichen Massenversammlungen, die in allen Städten des Reiches zur täglichen Erscheinung, zum Lebensbedürfnis für die breitesten Vollsschichten geworden sind, bietet namentlich die russische Presse gegenwärtig ein ganz eigenartiges Sttlck dieser„ungeschriebenen" politischen Versassungssrelheit. Ein eigentliches Prcßgcsetz ist ja noch gar nicht erschienen, formell exisnert die Zensur in ihrer ganzen Rigorosität.'Nächstens soll erst ein Gesetz veröffentlicht werden, wonach beiZeitungs- gründungen eine wesentliche Erleichterung eintritt: für die russischen Blätter muß nur eine Anzeige vierzehn Tage, für nicbtnissische drei Monate vor"dem Erscheinen der ersten Nummer gemacht werden. Tatsächlich jedoch herrscht heute schon in der Presse Petersburgs, Moskaus, Warschaus eine Freiheit, wie sie in dem„Rechtsstaat" Preußen-Deutschl»iid erst zu wünschen wäre. An die Zensur kehrt sich kein Blatt mehr, sie wird einfach ignoriert. Auf die strenge Ermahnung des Zensuramts erwidern die Redaktionen: Die Zensur widerspreche dem zarischen Verfassungsmanifest und sei also widerrechtlich. Blätter, die von den Behörden verboten werden, erscheinen ruhig weiter. Dabei herrscht in der oppositionellen Presse der schärfste Ton der politischen Kritik; die politische Karikatur und der politische Witz schärfen völlig ungeniert ihre Pfeile. In dieser freien Luft differenziert sich die Presse nach Parteirichtungen mit jedem Tage deutlicher. Eine ganze Reihe radikaler Arbeiterblätter sind bereits in Petersburg erschienen, so: „Golos Naroda"(„Volksstimme"),„Rabotschaja G a z e t a"(„Arbeiterzeitung"),„Russkaja G a z e t a" („Russische Zeitung") u. a. Daß zwei ausgesprochen sozial- demokratische Parteiblätter in Petersburg gegründet worden sind, ist schon früher mitgeteilt worden. Für die politische und geistige Machtstellung der Sozialdemokratie in der jetzigen Revolution ist die Aufnahme bezeichnend, die die sozialdemo- kratischen Blätter im Publikum finden. Als das mit recht be- scheidcnen finanziellen Mitteln gegründete„Neue Leben" erschienen war, wurde die gesamte Auflage von 100000 Exemplaren binnen wenigen Stunden in Petersburg allein vergriffen und für die Provinz mußte nachts eine neue Auflage gedruckt werden. In der Geschäftsstelle der neuen Zeitung drängte sich das Publikum dermaßen, indem es sich zum Abonnement meldete, daß vor dem Laden den anzen Tag über, wie vor einer Theaterkasse, eine dichte enge Oueue stand. Der ersten Nummer, die unter anderem eine künstlerisch sehr feine satirische Skizze von Tschirikow: „Der Adler und das Huhn"(gemeint ist das Proletariat und die Liberalen) enthält, war das offizielle Parteiprogramm der russischen Sozialdemokratie beigegeben. Die Nummer wurde auch richtig„konfisziert", was natürlich ihre Verbreitung nicht verhindert hat. Der zweiten demnächst erscheinenden Partei- zcitung wird sicher dieselbe Aufnahme bereitet; die Nachfrage nach dem lebendigen und gedruckten Wort der fiihrenden revolutionären Partei des Proletariats ist jetzt in Rußland so enorm, daß mehrere Parteiblätter nebeneinander wohl bestehen können, zumal an eine Polemik zwischen ihnen unter den gegebenen Umständen nicht zu denken ist. Für die Prcßverhältnisse ist auch die Tatsache bezeichnend, daß ein ehemals fortschrittliches, in der letzten Zeit zum ultrareaktio- nären Hetzblatt gewordenes Organ„Slowo"(Das Wort) ein- gehen mußte. Der Grund des sehr unfreiwilligen Abschiedes war, daß die Setzer Petersburgs sich geweigert haben, das schmutzige Blatt herzustellen. Ein Glück für die„Post" und die anderen Blätter ihres Kalibers, daß sie nicht in Peters- bürg erscheinen. Reue Kämpfe in Petersburg. Petersburg, 15. November. Die Behörde« treffen Borbereitungen für schwere Straße«kämpfe. Ganze Batterien Maschinengewehre werden in Position gebracht. Die Bürgerschaft flüchtet. Alle nach auswärts gehenden Schiffe füllen sich im ugenblick mit Flüchtlingen, meistens Franen und Kindern. Sic gehen mit größter Fahrgeschwindigkeit nach deutschen Häfen. Die Arbeiter haben zu Donnerstag nachmittag eine bewaffnete Kundgebung von einer halben Million Mann angedroht. 99 999 Mann haben am Mittwoch die Arbeit eingestellt. Staicke Truppenabteilungen verhindern Versammlungen, doch wurden trotzdem zahlreiche Zusammenkünfte abgehalten, in denen einstimmig Beschlüsse zugnnsten eines Kampfes mit den Waffen gefaßt wurden. Petersburg, 16. November. An der Spitze der erneut ausgebrochenen Arbeiterbewegung befinden sich eine Anzahl früherer Beamter des Ministeriums des Innern aus der Zeit Plehwcs, welche seitdem Sozialisten geworden sind. Infolge ihrer umfassenden Kenntnisse der Verwaltungszweige sind sie für die Arbeiterschaft von großem Nutzen. Die Gesamtzahl der Ausständigen wird auf 700000 geschätzt. Die. Hälfte der Straßen von Petersburg waren bereits gestern abend in Dunkel gehüllt infolge des Ausstandes der Gas- arbeitet. Eine Proklamation Wittes. Petersburg, 16. November.(Meldung der Petersburger Tele- grapheu-Agentur.) Graf Witte hat an die Arbeiter aller Werke und Fabriken Telegramme folgenden Inhalts gerichtet: Brüder. Arbeiterl Nehmt die Arbeit wieder auf und hört auf, Euch an Unruhen zu beteiligen! Habt Mitleid mit Euren Frauen und Kindern und hört nicht auf die Ratschläge Uebelgesinnter! Der Kaiser hat uns befohlen, der Arbeiterfrage besonderes Interesse zuzuwenden, und hat für diesen Zweck ein besonderes Handels- und Jndustrieministeriuin geschaffen, welches gerechte Beziehungen wischen den Unternehmern und den Arbeitern schaffen wird. Gebt uns Zeit! Ich werde alles fiir Euch tun. was möglich i st. Hört auf den Rat eines ManncS, welcher Euch liebt und Euch Gutes wünscht. Graf Witte. Die Petersburger Arbeiter werden eS vorziehen, selbst zn tun, was sie für nötig halten, statt sich auf den Schwäher Witte zu verlassen! Lyiichjiistiz uud Bancrnrevolteu. Das„Bureau Lassan" meldet aus Petersburg: Ein LyiichurteU wurde Dienstag früh an einem Kanzlei- beamten in Libau vollzogen, der beschuldigt war, zu einer In de n metzelet aufzureizen. Eine Anzahl Arbeiter umringte ihn auf der Straße, stellte ein förmliches Verhör mit ihm an und verurteilte ihn zum Tode. Er wurde auf der Stelle niit einem Revolver erschossen. Darauf zerstreuten sich die Arbeiter. Furchtbare Ausschreitungen sind in Burgadc und D a n u tz e r i in Bessarabien gegen die Juden verübt worden. Mädchen und Frauen wurden nackt durch die Straßen geschleift und in gemeinster Weise behandelt. Der Obcrrabbincr von Kischincw wurde mit Petroleum über- gössen uud lcvcudig verbrannt. In den Gouvernements S a r a t o w, JekaterinoSlaw, Tambow und in anderen Bezirken erheben sich die Bauern zu Tausenden, plündern die Güter und ermorden die Gutsherren. Der Zar hat besondere Bevollmächtigte entsandt, um die Bauern zu„be- ruhigen". Unter dem Bahnkörper der Warschau— Wiener Bahn sind Minengräbcn entdeckt worden. Dem Marineminister Admiral Birilew ist geraten worden, so wenig Teilnehmer an den Meutereien in Kronstadt wie möglich hinrichten zu lassen. Die Matrosen erklären, sie würden für jeden Hingerichteten Meuterer einen Offizier töten und dabei mit Admiral Birilew anfangen. Die Offiziere drohen mit Desertion, falls Massen-TodeSurteile gegen die Meuterer gefällt werden sollten. Zarische Bertrauenskundgebung für die Schergen von Odessa. London, 15. November.(Bureau Laffan.) General Kaulbars, der Militärgouverneur von Odessa, ermächtigte den dortigen„Standard"- Korrespondenten durch seinen Adjutanten Obersten von Rcver, mitzuteilen, daß die Meldungen von dem bevorstehenden Rücktritt des Generals nicht nur grundlos sind, sondern daß sogar der Zar an General Kaulbars ein in besonders gnädigen Aus- drücken gehaltenes Telegramm gerichtet hat, worin die Tätig- keit deö Generals während der jüngsten Unruhen in Odessa anerkennend gewürdigt wird. Der„Standard"- Korrespondent bemerkt dazu, angesichts des verdammenden Urteils, das allgemein über General Kaulbars gefällt werde, verzichte er darauf, zu diesem Telegramm des Zaren eine Bemerkung zu machen. Ter Aufruhr in Wladiwostok. London, 16. November.(„Bureau Lassan".) Bei den Unruhen in Wladiwostok wurden laut Meldungen über Shanghai gegen 80V Personen getötet oder verwundet. DaS ganze Geschäftsviertel ist niedergebrannt. Eine Abschäfcnng deö Schadens vorläufig unmöglich. poütiscke CJcbcrficht. Berlin, den 16. November. Der neue Kolonialsckretär. Die Frage der Besetzung des neuen Reichsamtes für Kolonialpolitik ist nunmehr überraschend gelöst worden. Künftiger Staatssekretär für die Kolonien wird der Erb- prinz Ernst zu Hohe ulohc-Langcit bürg werden. Unsere Kolonialenthusiasten jubeln, sie versprechen sich von dieser Ernennung den Anbruch einer„neuen Aera" der Äolouialpolitik, und sie scheinen allen Grund zu solchem Jubel zu haben. Denn wenn man einen Prinzen, der mit einer Prinzessin aus einem regierenden Hause vermählt ist und ver- wandtschaftliche Beziehungen zum Kaiserhause selbst besitzt, zum Leiter der kolonialen Angelegenheiten ernennt, so müssen große Dinge im Werke sein. Ter neue Äolonialsekretär— der künftige Kollege eines Chamberlain— war seit 1900 bis zum Juli dieses Jahres als Vorniuild des minderjährigen Herzogs Karl Eduard, Regent in Sachseu-Coburg-Gotha. Er ist verheiratet mit einer Tochter des verstorbenen Herzogs Alfred von Sachsen- Coburg-Gotha. dem Bruder der Kaiserin Friedrich. Ter neue Kolonialsekretär ist also ein Mann von den einflußreichsten höfischen Konnerionen, eine Persönlichkeit, die mit einer ganz anderen Autorität auftreten wird, als der bisherige Kolonial- direktor Stllbel. Ein Blatt bezeichnet es als„ein Novum der deutschen Geschichte", daß„ein Erbprinz nun gleichfalls aus den Reihen der Bundesfürsten in die der Staatssekretäre tritt". Und die„Germania" urteilt:„Ein solcher Mann kann ganz anders durchgreifen und Widerslände überwinden, als es die Herren Äayser, von Buchka und Dr. Stübel beim besten Willen vermochten." Diesen gewaltigen Vorzügen hoher Geburt und einfluß- reicher Verbindungen gegenüber fällt für unsere Kolonialprcssc der kleine Nebenumstand nicht ins Gewicht, daß der künftige Kolonialleitev seiner ganzen Vergangenheit nach von kolonialen Dingen eigentlich keinen blauen Dunst hat! Seine ganze koloniale Kapazität besteht darin, daß er der Sohn seines Vaters ist. und daß dieser Vater, der jetzige Statthalter von Elsaß-Lothringcn, Mitbegründer der deutschen Kolonialgescll- schäft, also eifriger Kolonialschwärmer ist! Während gerade unsere Kolonialfcxe bisher immer Leute vom Fach, ehemalige Afrikaner verlangten, genügt ihnen jetzt ein Kolonialsckretär. wenn er nur ein Prinz und Anverwandter des kaiserlichen Hauses ist. Im Grunde freilich haben die Herren ja alle Ursache, sich zu freuen. Ein wirklicher Kenner unserer„herrlichen Kolonien" hätte unter Umständen abenteuerliche Weltmachtpläne eher hemmen als fördern können. Ten besten unserer Afrikaner, den Oberst Leullvein, hat man ja einfach kalt gestellt, weil er nicht ins Blaue hinein wirtschaften inochte. Bei dem Kolonial- Prinzen, dessen Tätigkeitsdrang vermutlich seinem Rang und Titel entsprechen wird, hat man so etwas wohl nicht zu be- fürchten. So dürfte denn die Berufung des Prinzen Hohenlohe in der Tat eine neue Aera der Kolouialpolitik einleiten, das heißt eine Aera fieberhaftester Projcktenmacherei. Tie lang- ersehnte Kölonialarmee wird uns nun ja bald beschert werden, und daß diese Armee auch stets volle Beschäftigung hat. dafür >mrd das noch schneidigere Vorgehen der Kolonialverwoltung sorgen. Auch die Balmbauten werden jetzt in flotterem Tempo betrieben werden. Mit einem Wort: Ter Kolonialetat wird künftig auch die verwegensten Ansprüche unserer Weltmacht- Phantasten befriedigen!— Ein Idyll aus dem Allusterftaat der Junker. Aus Mecklenburg wird uns geschrieben: Der mecklenburgische Landtag ist am Dienstag zu seiner diesjährigen Tagung zusammengetreten. Als eine Ruine, allerdings eine noch immer festgefügte, ragt er aus dem Mittelalter in unsere moderne Zeit hinein und verdient schon deshalb als politisches Monstrum eine gewisse Beachtung. Der Landtag ist beiden Großberzogtümern Meckleubiirg-Schwerin und Mecklenburg- Strelitz gemeinsam. Seine Mitglieder, die im Gegensatz zu jedem modernen Parlament nicht gewählt werden, zerfallen in zwei Klasse». in den„Stand der Ritterschaft" und in den„Stand der Landschaft". Die Ritterschaft wird gebildet von den adligen und nichtadligen Besitzern der Rittergüter, deren es gegen 700 in den beiden mecklenburgischen Landen gibt, und zwar wählen nicht etwa diese Rittergutsbesitzer Vertreter aus ihrer Mitte zum Landtag, sondern jeder einzelne ist„landtagsberechtigt" kraft seines durch Erbschaft erworbenen oder gekauften Besitzes. Allerdings pflegen nur einige Dutzend„Ritter" ihr Landtagsrecht auszuüben, aber das Recht des persönlichen Erscheinens sowie der Teilnahme an den Beratungen und an den Beschlüssen des Landtags sieht jedem der 700 Gutsbesitzer in gleichem Umfange zu. Die zweite Klasse des Landtags, den Stand der Landschaft, bilden die Bürgermeister sämtlicher mecklenburgischen Städte, deren es 19 gibt. Die Bürgermeister sind aus Lebenszeit angestellt. Sic werden entweder von den Großhcrzögen ernannt oder sie werden lin einzelnen Städten) von den Bürgervertretern aus drei ihnen vom Magistrat in Vorschlag gebrachten Personen auserwählt. Eine mecklenburgische Erbeigentümlichkeit ist es, daß der Land- tag nicht in der Haupfftadt, sondern in zwei kleinen Land- slädtchen, abwechselnd in Malchin und Sternberg, abgehalten wird, und um dem persönlichen Einfluß der Herzöge auf die Landtags- Mitglieder entgegenzuwirken, ist es den Herzogen untersagt, während der Tagung in einem Umkreise von vier Meilen sich aufzuhalten. Die Herzöge können lediglich ihre Minister als landesherrliche Kommissarien zum Landtage entsenden, aber diese Kommissarien dürfen beileibe nicht das Haus betreten, in dem Ritterschaft und Landschaft tagen, sondern sie sind ausschließlich auf den schriftlickcn Verkehr angewiesen. Dagegen hat der Landtag das Recht, seine Be- schlüsse durch.besonder- Gesandte", die den Titel„erbliche Land- Marschälle" führen, mündlich zu übermitteln. Das mecklenburgiswe Junkertum hat sich also durchaus nicht ge- scheut, von der Beschlußfasiung auf seinen Landtagen die Träger der Krone nach Kräften auszuschalten, wohl aber hat es in Würdigung einer guten Atzung die Kosten des LandtagSbcsuchs nach Möglichkeit den Grohherzögen ausgeladen, indem die Kommissarien verpflichtet sind, täglich offene Landtagstafel zu halten, zu der die großherzogliche Küche die Speisen und Getränke zu liesern hat und zu der jedem landtagsfähigen Ritter der Zutritt frei steht. Die Leitung der LandtagSverhandlungen liegt einem Vorstand von drei Landräten ob. Die Landräte werden, und zwar auf Lebenszeit, von der Ritterschaft gewählt; eine Mitwirkung der Land- schaft ist bei der Landratswahl ausgeschlossen. Ein mecklenburgischer Landral ist also nicht, wie sein preußischer Namensvetter, ein Rc- gierungsbeamter, sondern Träger eines ritterschaftlichen Ehrenamtes. Die Landräte besitzen eine große Machtvollkommenheit; sie bestimmen nicht nur, was an jedem Tag verhandelt werden i'oll, sondern sie schließen auch nach ihrem Gutdünken die Beratung und führen die Abssimmung herbei. Eine Debatte im modernen Sinne dieses Wortes existiert nämlich aus einem mecklenburgischen Landlage nicht; es gibt keine Rednerliste, keine Wortmeldung und keine Worterteilung. Jeder spricht, wie es ihm beliebt, ohne Rücksicht darauf, ob auch noch andere reden. Gewinnt der dirigierende Landrat die Ueberzeugung, daß genug geredet, oder fällt ihm das Getöse allzusehr auf die Nerven, so gibt er den hinter seinem Sessel postierten Landmarschällen ein Signal, worauf diese ihre Stäbe, die Zeichen ihrer Würde, so lange schwingen und donnernd auf den Fußboden stoßen, bis selbst die eifrigsten Redner in dem Gefühl der Ohnmacht ihrer Lungenkrast ihren Redestrom abbrechen. Will ein Landtags- Mitglied eine Vorlage in eingehenderer Weise befürworten oder bekämpfen und fürchtet er, seine Lungenkraft möchte nicht ausreichen, so übergibt er seine Rede schriftlich als sogenanntes „Diftamen" dem Landrat, der dasselbe, vorausgesetzt, daß eS ihm passend erscheint, zur Verlesung bringen läßt. Bei der Abstimmung entscheidet einfache Mehrheit, doch steht jedem Stand das Recht zu. die sogenannte„itio in partes", das heißt Abstimmung nach Ständen zu fordern. Dann haben die Mitglieder der Ritterschaft in einem Raum für sich und die Mitglieder der Landschaft in einem anderen Raum gesondert abzustimmen. Ist das Stimmergebnis ein gleiches, so wird dasselbe als LandtagSbeschluß verkündet; stimmt dagegen der eine Stand mit Ja und der andere Stand mit Nein, so hat der dirigierende Landrat zu verkünden, daß in der befteffenden An- gelegcnheit ein gültiger Landtagsbeschluß nicht zustande gekommen sei. Erscheint auch dieser Geschäftsgang höchst komisch, so wäre es doch grundverkehrt, wollte man die Schlußfolgerung ziehen, das mecklenburgische Junkertum habe es nicht verstanden, in dem ihm zur Verfügung stehenden Parlament seine Klassenherrschaft auf- zurichten. Im Gegenteil, das mecklenburgische Junkertum kann dem Proletariat der ganzen Welt als sehr brauchbarer-Lehrmeister dafür empfohlen werden, wie man vorzugehen hat, um die im politischen Kampf siegreich errungene Staatsgewalt festzuhalten. Dem mecklen« burgischen Landtag steht nicht nur das BesteuerungS- und Gesetz- gebuugSrecht für daS Gebiet der Ritterschaft und der Land- schaft, also für alle Rittergüter und alle Städte mit ihren Be- wohnern zu. sondern er kontrolliert durch von ihm eingesetzte ständige Kommissionen fortgesetzt nicht bloß die ganze Landesverwal- rung. sondern handhabt dieselbe in wichtigen Zweigen ganz selb- ständig. Nur auf das Gebiet deö DomaniumS, also aus denjenigen Teil dcS Landes, der weder aus Rittergüteni besteht, noch zu einer Stadt gehört, erstreckt sich die Macht des Landtag? nicht. Die wich« tigste dieser ständigen Kommissionen, die also auch nach Schluß eineS jeweiligen Landtages dauernd in Thätigkcit verbleiben, bildet der„Engere Ausschuß", zu dem die Ritterschaft vier und die Landschaft drei Mitglieder stellt. Ihm steht daS Recht zu, selbständig Vorlagen an den Landtag zu bringen; er kassiert durch seine Beamten die Steuern im Gebiete der Ritterschaft und Landschaft ein und führt sie an die groß- herzogliche Kasse ab; ihm steht die Befugnis zu, die Abführung der Gelder zu unterbrechen, sobald er bemcrft, daß sie zu anderen Zwecken benutzt werden, als der Landtag bestimmt hatte. Ferner hat der Landtag ständige Kommissionen eingesetzt zur Kontrolle des Gerichtswesens, der Gefängnisse, der Landarmenverwaltimg. des Wegebaues. Auch die Landesschulkommission, der die Disziplinar- gewalt über die Volksfchullchrer zusteht, wird in ihrer Mehrheit vom Landtage ernannt. Die Junker sind zwar auch in Preußen, dank dem Drclssasscn- Wahlrecht und dem Herrenhaus, die herrschende Klasse, aber so im- geschminkt wie in Mecklenburg tritt doch diese Vorherrschaft nicht zutage. Daß die mecklenburgische Ritterschjjst sehr wohl ihre Machtstellung aus den heimischen Landtag zur Wahruehmimg ihrer Standesinteressen, zur Festigung ihrer politischen Macht und zur Eiltrechtuug der Arbeiterklasse zu gebrauchen versteht, davon wissen die mecklenburgischen Arbeiter in Stadt und �?and ein Lied zu singen. � � Veutlckes Reich. Ter Kampf um die Volksschule. Die konservative und ultramontane Presse äußert sich immer zuversichtlicher über das neu� Schulimterhaltungs- Gesetz. Sie macht nicht den mindesten Hehl daraus, daß es sich für sie um völlige Klerikalisienmg, die rücksichtsloseste pfäffische Knebelung der Schule handelt. Wollten die Nationalliberalen nicht mehr mittun. so werde die Regierung das Gesetz mit Konservativen und Zentrum allein machen. Die„Kölnische V o I k s z e i t u n g" nimmt an, daß aller- dings die Nationalliberalen von dem Entwurf nicht erbaut sein dürften, da sie ja schon den ihnen seinerzeit mitgeteilten ersten Entwurf der Regierung nicht dem geschlossenen Kompromiß entsprechend gesunden bätien. Das sei ihnen fteilich nur durch eine falsche Auslegung des Kompromisses möglicti gewesen, habe doch im Landtag der national- liberale Wortführer, Dr. H a ck e n r g, eine glänzende Rede f ü r das Kompromiß gehalten, die sich gegen die Simultan- schule gerichtet habe. Und die„Nationalliberale Korrespondenz" habe diesen Ausführungen Beifall gespendet! Nicht die Rc- gierung habe wider das Kompromiß verstoßen, sondern die National- liberalen selbst möchten jetzt gern ihr verpfändetes Wort brechen. Möchten sie das immerhin tun: eS gehe auch ohne sie! Welch außerordentliche Bedeutung das rheinische Zentrnmsorgan dem Schuluntcrhaltungsgesetz beimißt, verrät der Schlutzabsatz seines Artikels: Das Schulunterhaltungsgesetz wird den Mittelpunkt der gesetz- gcberischen Arbeiten des vrcußischcn Landtages in der bevor- stehenden Session bilden. Nachdem in der vorigen Tagung Vor- lagen von großer materie ller Bedeutung, insbesondere die Kanalvorlage, im Bordergrunde gestanden haben, wird es sich dieses Mal hauptsächlich um eine Vorlage von größter ideeller Tragweite, um die Frage handeln, ob das preußische Volkssckml- wesen ferner ans der von der Verfassung gewollten und praftiich bewährten konfessionellen Grundlage beruhen und ob diese Grund- läge endlich geselilich ftabiliert werden soll. ES handelt sich da um eine Entscheidung, wie sie wichtiger für unser gesamtes Volks- leben an die gesetzgebenden Körperschaften kaum herantreten kann. Die„Kölnische Volkszeitung" kündigt also den rück- sichtslosesten Kulturkampf an. Ob die Nationalliberalen diesen Fehdehandschuh ausnehme» werden? Der Ton ihrer Presse ist einst- weilen eher w e i n e r l.i ch als kampsentschlosien. Ihre Situation ist auch wirklich nicht beneidenswert, müßten sie doch jetzt aufs schärfste bekämpfen, was sie selbst im vorigen Jahre unterstützt baben. Muß doch die„Kölnische Z e i t u» g" zugeben, daß das Konipromiß, das die B i l l i g u n g der F r a k t i o n erfahren, von der nationalliberalen Presse selbst als Erfüllung der Forderungen des Zedlitz scheu Schulgesetzes bezeichnet worden istl Erst durch die Bewegung im Lande sei die Partei- leitung zu einer Schwenkung veranlaßt worden. Wenn deshalb das Blatt im Falle einer Erdrosselung der Simultanschule durch das Gesetz den„erbitterten Widerstand aller liberal gerichteten Kreise des Landes" in Aussicht stellt, so vermag diese Drohung weder die Reaktion allzusehr zu schrecken, noch dem Volke allzuviel Zuversicht einzuflößen. Nachdem die Nationalliberalen durch ihr Kompromiß die Regierung erst zur Einbringung der Vorlage ermutigt haben, gleicht ihre jetzige Opposition nur einer kläglichen Scheinattackc, durch die man die Verantwortung für den selb st verschuldeten reaktionären Streich von sich abzuwälzen sucht!— Tic Reichstags-Stichwahl in Eisenach-Tennbach. Der Wahlkampf im Eisenacher ReichStagSwaHlkreise spitzt sich, je näher der Stichwahltag heranrückt, innner schärfer zu. Die Antisemiten kämpfen mit allen Mitteln der Verleumdung und Entstellung und finden dabei die Unterstützung der Klerikalen, die offen für ihren Geistesverwandten Schock eintreten. Auch die nationalliberale Partei bemüht sich nach Kräften um die Wahl des antisemitischen Merlur- jüngers. Ihre Leitung hat folgenden Aufruf erlassen: „Nachdem die sozialdemokratische Partei noch auf ihrem letzten Parteitage zu Jena ihre vaterlandslose und revolutionäre Gc- sinnung öffentlich zum Ausdruck gebracht hat, ist es die ernste Pflicht jedes vaterlandsliebenden ManneS, gegen die Sozialdemo- kratie Stellung zu nehmen. Wir fordern deshalb unsere Partei- genossen auf, am Tage der Stichwahl Mann für Manu ihre Stimme für den bürgerlichen Kandidalen, Herrn Wilh. Schack aus Hamburg, abzugeben, uud machen dabei ausdrücklich darauf auf- merkiom, daß Stimmenthaltung gleichbedeutend mit Unterstützung der Wahl der Sozialdemokraten ist." Dagegen hat die Leitung der Freisinnigen Volkspartei sich zu einer offenen Stellungnahme für den sozialdemokratischen Kandidaten, den Genossen Leber-Jena, nicht aufzuschwingen vermocht, doch fordert der im ersten Wahlgang unterlegene Kandidat dieser Partei. Kühner, nnbeküminert um die Bedenken des Berliner Freisinns. leine Wähler auf, Leber ihre Stimme zu geben. In seinem Ausruf heißt es: „Nieder mit der Reaktion, die mit gleißenden Versprechungen und wilden Agitationen sich bei uns einzunisten versuchte. Wir müssen unseren Wahlkreis vor einer rückschrittlichen. Volks- feindlichen Vertretung bewahren und die auswärtigen Elemeiile, die in frevelhaftem Uebermul unter hetzerischen Angriffen aus alle bürgerlichen Parteien den Wahlkreis vor die heulige Situation gestellt haben, entschiede» zurückweisen. Ohne irgendwie die Momente zu verwischen oder zu vergessen, die uns weit von der Sozialdeinolratie trennen, fordere ich. den Wünschen vieler GesiniiiingSgenossen in unserem Wahlkreise und den Wünschen zahlreicher freisinniger Organisationen im Reiche entsprechend, alle meine Wähler, denen ich für ihr Vertrauen von Herzen danke, auf, tu der Stichwahl im Interesse der Kultur und des Fortschritts ihre Stimme nur dem Kandidaten Herrn Leber-Jena zu geben." Die morgen, am 17. d. M., stattfindende Wahl wird zeigen, ob die freisinnigen Wähler diesem Aufruf folgen.— Wegen Verweigerung deS Kaiserhochs hatte sich am Donnerstag das Kriegsgericht der Landwehr-Jnspcktion Berlin zu bc- schäftigcn. Ter Majcstätsbcleidigung in Verbin- dung niit Gehorsamsverweigerung vor ver- a m m c l t e r Mannschaft war angeklagt der Landwehr-Untcr- offizicr Schriftsteller Gerhard H i l d c b r a n d, der im Sommer nach einer lltägigen Landwchrübung in das vor der Entlassung der Mannschaften ausgebrachte Hoch auf den Kaiser absichtlich nichl eingestimint haben sollte. Die Verhandlung, die drei Stunden dauerte, fand leider unter Ausschluß der O c f f c n t- I i ch k e i t"statt. Ma» weiß ja, daß diese Geheimniskrämerei bei unseren Militärgerichten immer häufiger wird. Begründet wurde der Ausschluß der Oeffentlichkeit mit„militärischem Interesse". Aus der öffentlichen Verkündung des Urteils und der gleichfalls öffentlich gegebenen Begründung war nicht zu erraten, westheS militärische Interesse denn cigcntjich gefährdet worden wäre, wenn man bei offenen Türen verhandelt hätte. Der Angetlagte ist Sozialdemokrat— ein Umstand, der ihn seinen Vorgesetzten von vornherein verdächtig gemacht zu haben scheint. Wenn wir ans der Urtciisbcgriinduiig richtig schließen, so hat Hildcbrand zugegeben, daß er talsächlich nicht in das Hoch eingestimmt oder mindestens nicht in hörbarer Weise mitgerufen habe. Bestritten hat er aber, daß er es a b s i ch t l i ch unterlassen habe, einzustimmen. Die Ursache seines Schweigens könnte man fast erheiternd finden, wenn die Angelegenheit nicht so ernst wäre. H. hat nämlich den Fehler begangen, in der Front sich seine Ge- danken zu machen. Das soll, wie Kenner behaupten, schon manchen, Soldaten zum Bösen ausgeschlagen sein. Als der Oberstleutnant, der die' Uebungen geleitet hatte, nach ihrer Beendigung an die Mannschaften seine Gaben in Form von Lob und Tadel austeilte, glaubte H. in der Lbcrstleutnants-Ncde einige„Unstimmigkeiten" zu entdecken. Während er noch darüber nachdachte, setzte bereits das Kaiserhoch ein, und nun scheint der denkende Soldat in V e r- wirrung geraten zu sein. Erst beim dritten Ruf fiel ihm ein, daß er mittun niüssc, und er öffnete den Mund— aber jetzt machte plötzlich sich bei ihm ein Gebrechen geltend, das ihm seit langem anhaftet: die Stimme versagte ihm. Ein Offizier, der ihn beobachtet hatte, zeigte ihn an. Vor Gericht wies H. durch das Gutachten eines ärztlichen Sach- verständigen nach, daß der eigentümliche Bau seines Kehlkopfes ihn tatsächlich zu plötzlichem Versagen der Stimme disponiert. Gc- laden waren mehrere Zeugen, die ihm bestätigen sollten, daß sie bei verschiedenen Gelegenheiten dieses Versagen der Stimme an ihm beobachtet haben. Tic Zeugen scheinen auch in diesem Sinne aus- gesagt zu haben. Bezeugt wurde außerdem durch den Schriftsteller Maurenbrecher, daß H. vor Beginn der Landwchrübung ihm aus- drücklich erklärt hatte, er werde in allem so handeln, wie er als Soldat handeln müsse. Vor allem werde er sich jeder Betätigung seiner sozialdemokratischen Gesinnung enthalten. Das Gericht sah als nicht erwiesen an, daß H., entgegen diesem Vorsatz, absichtlich den Hochruf unterlassen habe. Nicht wider- legt sei, daß er dem einsetzenden Hoch zunächst keine Beachtung geschenkt, und daß ihm dann die Stimme versagt habe. An dem Gutachten des Angeklagten, daß H. zum Versagen der Stimme disponiert sei, werde nicht gezweifelt. Hiernach gelangte das Gericht, trotz der tatsächlich unterbliebenen Beteiligung an dem Kuiserhoch, zur Freisprechung des Angeklagten. Das Urteil ist so vernünftig, daß es die„patriotisch" tuende Scharfmacherpresse zu den heftigsten Wutausbrüchcn erregen w.rd. Tie Fortführung der Kartell-Enqucte soll am 30. d. Mts., wie wir erfahren, mit der Erörterung des Tapeten-Syndikats vor sich gehen.— Wcißgewaschene Flotten-Jungfrauen. In Ermangelung einer nützlicheren Tätigkeit haben einige deutsche Jungfrauen sich zur Be- gchung einer welthistorischen Tat, zur Gründung eines Flotten- Frauenbundes entschlossen. In dem sinnig-zartcn Aufruf heißt es: „Wie die winzigen, fleißigen Ameisen rastlos die schweren Lasten zusammentragen, bis der große Bau vollendet ist, so laßt uns Scherflcin um Schcrflcin zusammentragen, bis wir dem Deutschen Reiche ein ganzes großes Kriegsschiff schenken können. Jedes Mitglied des Flottcnbundcs erhält eine kleine Sparbüchse in Form eines Schisses, in welche es allmonatlich ein Schcrflcin hineintut; denn es sollen keinerlei Festlichkeiten zum Besten des Alottenbundcs veranstaltet werden." Die Schokolade- und Bonbonfabriken müssen sich also darauf gc- faßt machen, daß in nächster Zeit einzelne junge Damen einen Teil ihres Taschengeldes statt in Pralines in„Schiffchen" an- legen.— Ein freisinniges Wahlnachspiel. Im Juli d. I. mußte im Wahlkreis Fürth bekanntlich eine Nachwahl stattfinden, weil der Reichstag die Wahl des freisinnigen Abgeordneten Barbcck kassiert hatte. Der Wahlkampf nahm einen überaus scharfen Charakter an, da die vereinigten Liberalen alles aufboten, um den Sieg wieder an ihre Fahne zu fesseln, und dabei die schofelsten Mittel anwendeten. Die liberalen Agitatoren luden alle Welt zu ihren Versammlungen ein, Ivo sie in der unerhörtesten Weise über die Sozialdemokratie und ihre Führer, besonders den Kandidaten Genossen Segitz schimpften. Machten, hierdurch ge- reizt, anwesende Sozialdemokraten ihrer Entrüstung durch Zwischen- rufe Luft, so pochten die Liberalen auf ihr„Hausrccht" und denunzierten die Rufer dem Staatsanwalt. Ein Prozeß dieser Art wurde am Dienstag vor dem Schöffen- gericht Fürth verhandelt. Der Damenschneider Reich und der Fabrikarbeiter Stengel waren wegen Hausfriedensbruchs ange- klagt. Sie sollen in einer liberalen Wählerversammlung am Abend des Wahltages„sich lärmend benommen und ein Hoch auf die rote Internationale ausgebracht haben". Vor Gericht stellte sich heraus, daß die Liberalen in ihrem freisinnigen Ucbereifcr sogar einen der Ihrigen denunziert hatten, denn Reich ist nach Aussage der Zeugen ein„hochpatriotisch" gesinnter Mann, der sogar patriotische Ge- legenheitsgedichte fabriziert hat. Wie er selbst aussagte, hat er bei der Wahl seine Stimme für Barbeck abgegeben. Er hätte sich in der Versammlung etwas laut benommen, weil er mit einem gehörigen„Haarbeutcl" behaftet gewesen sei. Stengel bekannte sich als Sozialdemokrat; er hat das Hoch auf die Internationale ausgebracht und den Liberalen zugerufen: „In drei Jahren sehen wir unS wieder." Da mit dem„Haus- friedensbruch" nichts zu machen war, mußte der Allerweltspara- graph, der vom groben Unfug handelt, herhalten. Stengel wurde zu 25 M. Geldstrafe ev. 5 Tagen Haft verurteilt, während Herr Reich wegen seiner Haarbeutclverfassung mit 1l> M. oder 2 Tagen Haft davon kam.— Dir Flcischnot in Aachen. Aus dem von dem Statistischen Amt der Stadt Aachen veröffentlichten statistischen Material ergibt sich eine fortschreitende Verschärfung der Fleiichnot in den letzten Mo- naten Nach den Nachweisungen des Schlacht- und Viehhofes sank die Stückzahl des im September geschlachteten Viehs von 4672 in 1902. 4870 in 1903, 5t 73 i» 1904 ans 4207 in 1905. Das Schlachtgewicht betrug im Sepicinber 1902: 482 932 Kilogramm, 1903; 508 812, 1904: 509 588, 1905: 440 276 Kilogramm. Pro Kopf der Bevölkerung betnig die geschlachtete Fleischincnge im September 1902: 3,39 Kilogramm, 1903: 3,52. 1904: 3,49, 1905 aber nur 2,98 Kilo- gramm. Ter Rückgang zeigt sich bei allen Biehartcn; nur bei dem Pferdefleisch bewegie stich das Schlachtgewicht wie folgt: September 1902:10 085. 1903: 8140, 1904: 9320. 1905: 15 395 Kilogramm. Die Fleischnot wird in Aachen außerordentlich verschärft durch die dortigen äußerst niedrigen Löhne und die trotz aller Anträge von sozialdemokratischer Seite von der Zentrums-RathanSmehrheit aufreckterbaltenc hohe örtliche Fleisch st eue r.— Gefallen als Opfer der Koloninlpolitik. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am 7. November d. I. bei Wasserfall bei Gam- kobis gefallen: Unteroffizier Julius Nesch, geboren am 18. Februar 1876 zu Bollmaringen, früher im königlichen 8. Württcmbcrgischen Jnfantcric-Regiment Nr. 126; Reiter Henry Griebel, geboren am 6. Juli 1883 zu Ottensen, früher ini kombinierten Jäger-Rcgimcnt zu Pferde. Ani_ll. November d. I. bei Hoagonsgeis verwundet: Reiter Heinrich Swadc, geboren am 4. September 1880 zu Hötcns- leben, früher im Jnfantcric-Regiment Nr. 26, schwer, Schulter- schuh. Am 11. November d. I. an Typhus gestorben: Gefreiter Paul Zeise, geboren am 3. September 1879 zu Kostcnblut, früher im Kürassier-Rcgimcnt Nr.� 1, in der Krankcnsammelstclle Kubub; Reiter Paul Henke, geboren am 4. Februar 1886 zu Aschersleben, früher im Dragoner-Regiment Nr. 16, im Lazarett Kcetmanshoop; Reiter Hermann Kürschner, geboren am 17. Dezember 1883 zu Sprembcrg, früher im Grenadser-Rcgiment Nr. 12, im Lazarett Keetmanshoop.— Husland. Oesterreich-Ungar,,. Im Zeichen des Kampfes ums Wahlrecht. Am Dienstag wurde in Graz die Wahl von sechs Gemeinde- räten des dritten Wahlkörpers vorgenommen. Der Erfolg war ein glänzender Sieg der Grazcr Sozialdemokratie; denn sie eroberte alle sechs Mandate, um die gekämpft wurde. Die Genoffcn H i l a r i und R a d e r wurden mit 1452 bezw. 1440 Stimmen wieder- und die Genossen Haidinger. Doppler, Freitag und A u s o b s k y mit 1388 bis 1416 Stimmen nengewählt. Die Liste der Gegenkandidaten der„bereinigten Grazer Gewerbe- treibenden" erhielt nur 770 bis 814 Stimmen! Die Grazer Sozialdemokratie hat nunmehr sämtliche 16 Sitze des dritten Wahlkörpers inne. Man kann sich die Freude der Arbeiterschaft denken. Vor dem Rathause versammelte sich eine vieltausendköpfige Menge und nahm das ihr verkündete Wahlresultat mit brausendem Jubel entgegen. Dann zog sie vor die Redaktion der Parteizeitung„Arbeiterwille", um auch hier ihrer Freude Aus- druck zu verleihen. Genosie Resel hielt eine Ansprache, in der er unter tosendem Beifall erklärte: „Die Wahl ist nur eine Episode im Kampfe um's allgemeine Wahlrecht!" Man sieht aus allem, daß die österreichischen Arbeiter in den bevorstehenden Kämpfen um's Recht ihren Mann stehen werden.— England. Die Arbeitslosen, die Königin und Bcrnard Shaw. London, 14. November.(Eig. Ber.) Wie wir schon mitteilten, empfing der Premierminister Mr. Balfour kürzlich eine Deputation von arbeitslosen Frauen, denen er aber keine Staatshülfe in Aussicht stellen konnte.— Am 9. d. M., beim Einführungsbankett des neuen Lord-Mayors der inneren Stadt, ersuchte Balfour die City-Magnaten, Gelder für die Arbeitslosen zu sammeln. Um die Reichen zu er- mutigen, sandte, wie wir gestern meldeten, die Königin 40 000 M. für den Unterstützungsfonds. Gegend diese HülfSaktion wendet sich heute Bernard Shaw in einem„Eingesandt" an die„Times", das er„Der Staatsstreich der Königin" betitelt, und in dem er sagt:„... Die Tat der Königin hat die Krise beschleunigt, die früher oder später kommen mußte. Die Lage ist nicht neu. In Städten wie im alten Rom und im modernen London erzeugt die auf Konkurrenz be- gründete Wirtschast ein Proletariat, das zu zahlreich ist, um sich niederzwingen, und das zu klug ist, um sich durch die Lehren einer falschen Nationalökonomik oder durch oberflächliche, fromme Redens- arten über die Heiligkeit von„Gesetz und Ordnung" narren zu lassen. Als die Arbeitslosen im Jahre 1886 die Fenster der Klubs in Pall Mall einschlugen, da beeilten sich die Reichen, den Arbeitslosen ein„Lösegeld" von 980 000 Mark zu zahlen, wovon das meiste in die Hände derjenigen fiel, die nichts weniger als Arbeiter sind.— Dann kam ein GeschäftSaufschwung, und die Gefahr war für einige Zeit vorüber. Aber jetzt ist sie wieder da und die Frage entsteht: Sollen wir„k'ansm et oircenses'1 (Brot und Spiele) als einen festen Bestandteil des hauptstädtischen Lebens betrachten? Dies müßten wir tun, wenn wir nur die Wahl hätten zwischen Verhungern und Plündern. Die Königin will es nicht gestatten, daß die Arbeitslosen verhungern, und organisiert Lauem.(Die ZirkuSspiele werden nachkommen!) Wenn wir den Beschäftigungslosen keine Arbeit verschaffen, so werden sie sich bald — glauben die oberen Klassen— einen Geschmack für ein arbeits- loses Einkommen aneignen. Es ist eine kritische Lage, die gefährlich werden kann. wenn wir zu hofmännisch oder zu feige sind, uns offen darüber auszusprechen. Die Wohltätigkeit der Königin ist daS letzte Hülfsmittel einer bankrotten Zivilisation.... Aber können wir nichts Besseres leisten? Ich für meine Person sehe keine Schwierigkeit, wie den Arbeitslosen Beschäftigung zu geben sei. Sehen wir uns nur die Häuser an, in denen die Arbeitslosen wohnen. Es ist dringend notwendig, diese Wohnstätten niederzu- reißen, die verfaulten Trümmer zu verbrennen und sie durch neue, luftige, gesunde Wohnungen zu ersetzen. Anstatt die Arbeitslosen darauf aufmerksam zu machen, daß sie, wie im Jahre 1386, ein demoralisierendes Lösegeld von den Reichen erpressen können, wäre es viel ehrlicher, sie ihre eigenen Häuser bauen zu lassen. Die Königin wäre dann nicht gezwungen, ihr privates Einkommen zu schmälern und unter dem Bewußtsein zu leiden, daß ihr Geld das Leben der Arbeitslosen auf Kosten des Charakters dieser Armen rettet.... Ist es wahr, daß kein wirtschaftliches Bedürfnis für eine neue, gesunde Stadt vorhanden sei?... Wie lauge noch müssen wir zusehen, wie große Nationen nur für kaufmännische Profite arbeiten? Wie lange noch sollen wir die kleinen Seelen behalten, die von Negierung nichts weiter verstehen als das was Profit bringt? Ich wünschte, ich könnte die Königin überzeugen, daß es weder an Geld, noch an Arbeit oder Wohltätig- leit fehlt. Wohl aber fehlt eS an Charakter und staatSniännischer Be- gabung. und diese kann mau durch CheckS und Gel! anweisungen nicht erzeugen."— Norwegen. Also Karl V.! Die guten Monarchisten haben's schrecklich eilig: Schon am Sonnabend soll die Königswahl stattfinden: man hetzt sich ab, als ob zu fürchten wäre, die biederen königslüsternen Norweger könnten sich die Geschichte noch einmal überlegen. Auch die Apanage ist bereits festgesetzt: Dem Monarchen werden für seine zu erwartende große Arbeitsleistung pro Jahr 750 000 Kronen, ferner 50 000 Kronen für Erhaltung der ihm zur Verfügung gestellten Schlösser bezahlt werden. So beschloß es der Storthing mit lOO gegen 11 Stimmen bei Abwesenheit von sechs Mitgliedern. Der Vorschlag des Radikalen T v e i t e n, es bei einer halben Million Kronen bewenden zu lassen, fand keine Gegenliebe. Natürlich herrscht eitel Jubel in den hohen und höchsten Kreisen aller Länder. Ist doch die Entstehung einer neuen Republik vereitelt und das internationale Monarchcntum um einen würdigen Vertreter reicher geworden. Auch in Deutschland hat das freudige Ereignis in gewissen Kreisen sicher freudige Empfindungen ausgelöst, und so kann denn die skandinavische Zeitung„Vort Land" melden, daß den Prinzen Karl auf seiner Fahrt nach Kristiania außer den englischen auch deutsche Kriegsschiffe begleiten werden. A propos: der Name des Herrschers I Er hat sich ent- schlössen, als„Karl V." zu firmieren. Nun darf und soll man ja von eineni Könige— zumal von einem neugebackenen— wahrhaftig keine großen geschichtlichen Kenntnisse verlangen. Aber so viel müßte er doch gelernt haben, um sich sagen zu können, daß er durch die gewählte Betitelung eine Parallele mit Karl V. von Frankreich, der den Beinamen„Der Weise" führte, selber heraufbeschwört oder gar einen Vergleich mit dem römisch-deutschen Kaiser Karl V., dem Sohne Philipps von Kastilien und Johannas der Wahn- sinnigen. Und letztere Parallele bietet für junge Könige nicht viel Erfreuliches; denn Kaiser Karl V. entsagte nach fast 40-jähriger Regierung freiwillig dem Throne und starb, wie die Sage zu melden weiß, einsam und ver- lassen im— Kloster. Tic ganze norwegische Angelegenheit hat nur ein erfreuliches Moment: Gemäß der Mitteilung des Blattes „Aftenposten" wird der norwegische Karl V., wie eine Minister- konfercnz beschlossen und verkündet hat, eine sozialdemokratische Flagge führen: purpurrot mit goldenem Löwen I— Türkei. türkische Wirtschaft. Das„Attentat" auf den Chef der türkischen Geheimpolizei, Herrn Fehim Pascha, scheint wahrhaftig, wie schon gestern an- gedeutet war, Mache zu sein. Ein paar Privattelegramme in Scherls Blättern geben dieser Vermutung reichliche Nahrung. Das erste lautet: „In unterrichteten Kreisen weist man darauf hin, Fehim Pascha habe als Chef der Geheimpolizei während der Tauer der Untersuchung über das Attentat auf den Sultan, das sich im Sommer ereignete, große Extrahonorarc bezogen, ebenso wie andere Würdenträger. Da diese Unlersuchung' nun vor kurzem ihren vorläufigen Abschluß gefunden hat, wurden neue Attentate inszeniert, damit die Geldquelle nicht versiege." Eine extrafeine Nummer, dieser Herr Fehim Pascha!— Das zweite Telegramm lautet: „Der Sultan erhielt sichere Beweise dafür, daß ein großer Teil der Bomben und Dynamitvorräte, deren Einführung den Armeniern zugeschrieben wurde, von solchen türkischen Würdenträgern beschafft und an verschiedenen Orten niedergelegt wurde, die mit der Untersuchung der angeblichen armenischen Umtriebe betraut waren! So wurden die im öfter- rcichischcn Hospital gefundenen Explosivstoffe von einer griechi- sehen Frau aus höheren Befehl eingeschmuggelt. Der Sultan ist äußerst erzürnt und will alle Schuldigen von ihren Posten entsernchn" Diese korrupte Bande, die den Verdacht immer so schön auf die Armenier abzulenken wußte, hat sich also kein Gewissen daraus gemacht, daß Tausende von unschuldigen Armeniern mit Leib und Leben die Frevel anderer büßen muhten. Es ist höchste Zeit, daß der türkische Stall einmal gründlich ausgemistet wird.— Amerika. Die amerikauische Armee. In einem Jahresbericht über das amerikanische Heerwesen gibt Generalmajor Ainsworth die Stärke der Armee am Sckilusse des letzten Fiskaljahres auf 66 956 Mann, darunter 3934 Offiziere, an. Er bespricht die zahlreichen Desertionen und beklagt, daß die öffent- liche Meinung in dem Deserteur keinen Verbrecher sehen will! Im letzten Jahre desertierten 6533 Mann. In dem Bericht heißt es: „Unser Volk nimmt tatsächlich in Friedenszcitcn wenig wirkliches Interesse an der Armee und hat sich von den frühesten Tagen der Republik an gewöhnt, das Heer als eine»ichr oder minder überflüssige Institution zu betrachten... Der Eintritt in die Armee zu Friedcnszciten wird nicht selten als ein Beweis für die Unbranchbarkeit des Mannes für einen bürgerlichen Beruf betrachtet, und in Desertionen sieht man allgemein nichts Schlimmeres als den Bruch eines Dienstvertrages unter bürgerlichen Verhältnissen. Der Deserteur verliert wenig oder gar nicht an Ansehen durch sein Vergehen, und es fehlt ihm selten an Freunden und Mitfühlenden, die bereit sind, ihn vor der Verhaftung zu schützen, und die für ihn eintreten— in den verhältnismäßig seltenen Fällen, daß er wieder in die Hände der Militärbehörden gerät."— In der Marine ist es ebenso; die Desertionen wollen kein Ende nehmen, und die Neuanwerbungen geeigneter Leute begegnen oft großen Schwierigkeiten. Daß es übrigens in K r i e g s z e i t e n an Menschenmaterial nicht mangelt, hat der Krieg mit Spanien 1893 bewiesen, als die Freiwilligen in Massen in allen Staaten zu den Fahnen eilten und die Truppen überall Ovationen von der Be« völkerung erfuhren.—_ Kommunalem Stadtverordnetcn-Bersammlnng. 32. Sitzung vomDonnersrag, den 16. November 1903 nachmittags 5 U h r. Der Vorsteher Dr. Langerhans eröffnet die Verhandlungen um b'/z Uhr. Die Abteilungen haben die Wahl von je 10 Mitgliedern in die gemischten Deputationen zur Revision der Leit- und Grundsätze für Aufnahme in die Heimstätten und zur Vorberatung von Maß- nahmen zur Abwehr der Forderungen der Vororte in bezug auf Zuschußleistungen für Gcineindeschulzwccke und dergleichen vor- genommen; der crstcren Deputation gehören von den Sozial- demokraten die Stadtvv. H e i m a n n und Stadthagen, der letzteren die Stadtvv. Borg mann und Singer an. An Stelle des ausgeschiedenen Stadtv. Dr. N e u m a n n ist Ersatz zu wählen in den Wahlprüfungsausschutz, in die Direktion des Märkischen Provinzialmuseums, in die Deputation für Statistik, in das Kuratorium der Heimann Breßler-Stiftung und in die Sanitätskommission.-Dr. Neumann war fraktionslos. Gewählt werden in den Wahlprüfungsausschuß Stadtv. Nelke(A. L.), in die Sanitätskommission Stadtv. Gelpke(Fr. Fr.); die übrigen Wahlen, bei denen mehrere Bewerber konkurrieren, werden auf die nächste Sitzung verschoben. Mit der Verlegung des FricdrichsgymnasiumS zu Ostern 1906 aus der Friedrichstr. 126 nach dem frei werdenden Schulhause des Friedrichs-Real-Gymnasiums in der A l b r e ch t- st r a ß e 26 hat sich der eingesetzte Ausschuß einverstanden erklärt. Auf letzterem Grundstücke soll auch ein Direktorialgebäude neu er- richtet werden« Die Räume des Friedrichsgymnasiums sollen eine der Pflichtfortbildungsschulen aufnehmen und während der Zeit der Benutzung der Anstalt zu diesem Zwecke der Direktor seine jetzige Wohnung behalten. Außerdem beantragt der Ausschuß, dem Magistrat zur Erwägung zu geben, ob in der Albrechtstraße 26/27 außer der Dircktorwohnung ein besonderes Gebäude für Zwecke der Pslichtfortbildungsschule zu errichten möglich ist. In diesem Falle würde man das„sehr kostbare" Grundstück in der Friedrichstraße für den Verkauf frei bekommen. Referent ist der Stadtv. Cassel. Ohne Debatte tritt die Versammlung den Ausschußanträgcn bei. Zur Frcilegung der Straße 66b, Abt. X' deS Be- bauungsplancs, zwischen Bad- und Christianiastraße. sind von den Grundstücken Prinzenallce 75— 80 Landabtretungen erforderlich. Mit den Eigentümern der Grundstücke 77— 80 haben die gepflogenen Verhandlungen zum Ziele geführt; die betr. Flächen von 320-ff 243-ff 558 Ouadratnieter sollen zum Preise von 60 bezw. bei dem Grundstück 79/80, der Wcißbierbrauerei Gebhardt gehörig, von 65. Mk. pro Quadratmeter freihändig abgetreten werden. Die Berlage findet ohne Diskussion die Zustimmung der Versammlung. Der Kommission für den freihändigen Ankauf der Grundstücke des S ch e u n e n v i e r t e l s, der auch die Verwaltung der er- wordenen Grundstücke obliegt, soll aus den bereits bekannten Gründen auch die fernere Ermächtigung erteilt werden, die in das Eigentum der Stadtgcmcinde übergegangenen Häuser abzu- reißen und die Abbruchstaxe hierfür selbständig festzustellen. Die Versammlung ist damit einverstanden. Zur Vollziehung und Ueberreichung der Urkunde über die Verleihung des Prädikats„S t a d t ä l t e st e r" an den bisherigen Stadtkämmerer M a a ß sollen 8 Stadtverordnete ernannt werden. Es wird beschlossen, die Auswahl durch den Vorstand vornehmen zu lassen. Der erste deutsche Städtctag ist auf den 27. d. M. anberaumt. Die Tagesordnung führt auf? 1. Konstituierung; 2. die Fleisch- Versorgung der deutschen Städte und die Schädigung ihrer Bevölkerung durch die gegenwärtige Fleischverteuerung; Referenten Oberbürgermeister Körte-Königsberg, Handelskammer- shndstus Tove-Berlin, Magistratsrat Dr. Beckh-München. Berlin ist zur Entsendung von 20 Mitgliedern berechtigt; es sollen 8 Magistratsmitglieder und l2 Stadtverordnete deputiert werden. Zu letzteren sollen die beiden Vorsteher gehören, die anderen 10 durch die Abteilungen gewählt werden. Nach Erledigung einiger minder bedeutender Vorlagen schließt die öffenllichc Sitzung um �7 Uhr. Gevverklckaftttckes. Zum Streik oberschlesischcr Bergleute wird uns gc- schrieben: Dicht an der schlesisch-russischen Grenze, in un- mittelbarer Nachbarschaft der nun seit Wochen im politischen Streik sich befindenden russisch-polmschen Arbeiter des Dom- browskaer und Sosnowitzer Jndustriereviers, haben nun auch oberschlcsischc Bergleute die Zlrbeit eingestellt und ihnen werden tvahrschcinlich die in der gleichen Gegend beschäftigten Hüttenarbeiter folgen. Es handelt sich im wesentlichen um die bei Schoppinitz gelegenen Gruben der Gewerkschaft von Gicschcs Erben, auf welchen zirka 4500 Arbeiter beschäftigt sind, von denen bis jetzt etwa die Hälfte in den Streik eingetreten ist. Die von bürgerlichen Blättern auf- gestellte Behauptung, den ganz unerwarteten Ausbruch des Streiks hätten die polnischen Sozialdemokraten veranlaßt, ist natürlich erfunden. Die Sozialdemokratie hat bei den Ar- beitern im Schoppinitz-Rosdzincr Bezirk leider noch gar keinen Einfluß; während bei der jüngsten Reichstags- Wahl der sozialdemokratische Kandidat in jenem Be- zirk 66 Stimmen erhielt, fielen auf den polnischen Kandidaten Korfanty 1635 Stimmen. Natürlich find die Streikenden auch nicht gewerkschaftlich Organisiert; ohne Vorbereitung und Plan, ohne irgend welche Mittel haben sie die Arbeit eingestellt, nachdem eine Deputation bei der Verwaltung in formloser Weise Forde- rungen gestellt hatte, auf die von dieser gar nicht ge- antwortet wurde. In den Kreisen der oberschlesischcn Berg- und Hütten- arbeiter herrscht tiefgehende Erbitterung. Gestatten doch die ohnehin sehr niedrigen Löhne jetzt bei der langdauernden Fleischnot und der erheblichen Teuerung aller notwendigsten Lebensmittel den vielen taufenden Proletariern hier eine irgend zureichende Ernährung seit Monaten nicht mehr— die Leute verhungern langsam aber sicher bei schwerer, leben- gefährdender Arbeit! Der ganz unerwartete glänzende Sieg des polnischen„ArbeitervertreterS" Korfanty hat aller Welt die weitgehende Erbitterung der Massen offenbart. Nach Korfanths Wahl ist die meist immer schon sehr schlechte Behandlung der Arbeiter durch die„schwer gekränkten" Vorgesetzten nicht besser, sondern schlechter geworden. Und um das Faß zum Ueberlaufen zu bringen, haben die Herren den Bergarbeitern eine neue Arbeitsordnung beschert mit Bestimmungen, die den Zorn der Armen zu hellen Flammen anfachen mußten. So sollen Schlepper zu Häuerarbeiten verlvendet werden können, ohne daß sie Anspruch auf besseren Lohn haben sollen, eine Be- stimmung, die die schon sehr niedrigen Löhne noch tiefer herab- drückt. Daß die ganze Kameradschaft vor Ort verantwortlich seilt solle für Vergehen einzelner, falls der Schuldige selbst nicht ermittelt werden kann, empörte die Arbeiter, ebenso wie das Verbot, Vorgesetzten in polnischer Sprache zu antworten. Und ivas derlei aufreizende Bestimmungen mehr waren in der famosen Arbeitsordnung. Nun ist zunächst den dicht an der Grenze wohnenden ge- peinigten Arbeitern der Geduldsfaden gerissen. Vielleicht ist doch ein Funke von drüben in das Pulverfaß geflogen? Sind doch die Frauen und Töchter der Streikenden in Scharen Woche für Woche über die Grenze gezogen, um drüben in Russisch-Polen für die letzten paar Pfennige etwas billiges Fleisch einzukaufen. Dabei haben sie erfahren, daß die Arbeiter drüben die Arbeit einstellten, um sich vom unerträglichen Joche zu befreien. Ist eS nicht begreiflich, daß das Beispiel er- mutigend wirkte, daß man in der Verzweiflung und Empörung zu der einzigen Waffe griff, die zur Verfügung stand und sie ohne Ueberlegung gebrauchte? In ihrer Hülflosigkcit haben sich die Streikenden an den Deutschen Bergarbeiter-Verband gewandt und von diesem wurde im Kattowitzer Gcwcrkschaftslokal eine Versammlung der Streikenden veranstaltet, in der die Situation beraten wurde. Ergreifend waren die Schilderungen, die in kurzen, ungelenken Ausführungen von den Zuständen auf den Gruben und von den Lebensverhältnissen der oberschlefischen Bergarbeiter in dieser Versammlung gegeben wurden. Von Rußland zu sprechen, verbot der über- wachende Beamte. Fürchtete er, daß ein Vergleich russischer Verhältnisse mit oberschlesischcn Verhältnissen zu Ungunsten der letzteren ausfallen könnte? Eine von den streikenden Arbeitern gewählte Kommisston hat der Verwaltung der bestreikten Gruben, zu denen sich im letzten Augenblick noch die der Kattowitzer Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttenindustrie gehörende Myslowitzgrubc mit über 2000 Arbeitern gesellt hat, schriftlich formulierte Forde- rungen unterbreitet. Die Herren haben aber alle Verhand- lungen abgelehnt. Sie wollen gnädigst mit ihren Ar- beitem verhandeln, wenn diese vorher die Arbeit wieder aufgenommen haben. Ob die Herren auf diesem Standpunkt verharren werden, wenn die Hüttenarbeiter einhellig die Arbeit niederlegen, ist die Frage, da die Ein- stellung der Hütten eine sehr schwere Schädigung der Aktionäre bedeuten würde. Leider find die armen Arbeiter ohne alle materiellen Mittel zur Fortsetzung des Streiks und werden nach kurzer Zeit durch den Hunger in die Knechtschaft zurück- getrieben. Einen wirklichen Erfolg im Kampfe mit den übermütigen Kapitalisten werden die oberschlefischen Proletarier erst er- zielen, wenn sie sich vom polnischen Demagogentum befreit haben und als klassenbewußte Mitkämpfer den starken Kanrpf- organisationen der deutschen Arbeiterschaft angehören! * * Die„Schlesische Zeitung" meldet: Auf MySlolvitz-Grube ist die gesamte Belegschaft zur gestrigen Nachtschicht nicht eingefahren. Der Betrieb ruht vollständig. Die Direktion der Gicschc-Gruben teilt mit, daß sich die Ver- bältnisse wieder etwas gebessert haben; auf dem Richthofcn-Schacht können bereits wieder Verladungen vorgenommen werden. Berlin uns llmgegenck. Parteigenossen Berlins! Die Hutarbeiter und Arbeiterinnen in Liegnitz sind ausgesperrt oczw. befinden sich im Streik. In der zwölften Aussperrungswoche gepflogene Verhandlungen verliefen resultats�s, weil die Liegnitzcr Hutfabrik vorm. Klein u. Eo. den Strelkenden das höhnische Anerbieten machte, einen Lohntarif anzunehmen, der noch größere Lohnreduktionen aufwies, als der erste reduzierte Tarif, der die ohnehin karge» Löhne bis zu SO Proz. reduzierte. Die Liegnitzer Hutfabrik unterhält auch in Berlin Läden und zwar in der Wils- nackerstr. 63. Ritterstr. 19a, Friedrichstr. SSV, Oranienstr. 204, Große ffrankfurterstr. 94. Verband der Hutmacher. Filiale Berlin. Lohnbewegung der Konditoren. Wie bekannt, haben die Kon- ditoren in mehreren Geschäften iFabriken von Zucker« und Schokolade- waren) ihre Tarifforderungen durchgesetzt. Bei der Firma Werk- meister u. Retzdorf, welche die Forderungen nicht bewilligen will, wird deshalb gestreikt. Eine sehr stark besuchte Versammlung der Konditoren und Hülfsarbciterinnen, die am Mittwoch tagte, beschädigte sich mit dieser Angelegenheit. Ueber die Situation bei Werkmeister u. Retzdorf wurde'berichtet, daß zwar eine Anzahl von Arbeitswilligen dort beschäftigt sind, die aber bei weitem nicht ausreichen, um die notwendigen Arbeiten zu erledigen. Die Firma Werkmeister u. Retzdorf sucht sich»Un dadurch zu helfen, daß sie Ware von anderen Gesckiäften bezieht. Um dies zu verhindern, wird den Arbeitern der betreffenden Geschäfte zur Pflicht gemacht, keine Streikarbeit für Werkmeister u. Retzdorf anzufertigen. Weiter beschloß die Ver- sammlung, die Tarifbewegungen noch auf andere Firmen aus- zudehnen. Die giinstige Konjunktur, welche die Weihnachtssaison bietet, soll ausgenutzt werden, um die Forderungen, welche bereits von verschiedenen Firmen anerlannt sind, auch i» einer Reihe anderer Geschäfte durchzusetzen. Zu diesem Zweck wurden zehn Firmen, deren Arbeiter in der Versammlung vertreten waren, namhaft gemacht. Diesen Firmen wird der Tarif sofort eingereicht und bis Freitag Antwort erwartet. Nach dem Ausfall der Antworten wird eine am Freitag stattfindende Versammlung die weiteren Maß- nahmen beschließen. Die Zigarettenarbriter und Arbeiterinnen Berlins nehmen heute in einer öffentlichen Versammlung in Anton Boekers Festsälen, Weberstr. 17. Stellung zu der Forderung einer lOprozenligen Lohnerhöhung in den einzelnen Betrieben. Das Referat zum ersten Punkt der TageS- Ordnung(siehe Annonce in heutiger Nummer des„Vorwärts") hat der Vorfitzende des Verbandes Karl Deichmann- Bremen über- nommen. Bei der Wichtigkeit dieser Versammlung für die gesamte Zigarettenindustrie Berlins ist es die unbedingte Pflicht aller Tabak- arbeiter und Arbeiterinnen, vollzählig in dieser Versammlung zu erscheinen. Achtung, Brrgolber und Lackierer! In der Lackiererei von A. B e t k e, Berlin, Kochstr. 62, sind sämtliche Vcrgolder wegen Verweigerung der Ueberstnnden entlassen worden. Zuzug von Ver- goldern und Lackierern ist darum streng fernzuhalten. Der Vorstand des Verbandes der Vergolder Deutschlands. Achtung, Steinarbciter! Unsere Kollegen bei der Finna Holzmann u. Co.. Vorkstr. 66 o, befinden sich in oer Lohnbewegung. Jeder Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Altgesellen der anderen Plätze mögen besonders darauf achten. Die OrtSverwalUmg. OeutrdXB Reich. Einen Kampsfonds für die Erringung des Achtstundentages zu gründen, haben die Leipziger Gasanstaltsarbeiter beschlossen. Der Wochenbeitrag wurde mit 1ö Pf. bestimmt. Der Fonds soll dazu dienen, denjenigen Gemeindearbeitern, die bei den Kämpfen um die Durchführung des Achtstundentages gemaßregelt werden. Unter- stützungen zu gewähren.__ Arbeiterentrechtung. Die Steinmetzen der Weltfirma Kreuzer u. Böhringer in L i n d e n f e l S(Odenwald) schlössen sich kürzlich dem deutschen Steinarbeiterverband an. Am 1ö. November erhielten deshalb zirka 120 Mann ihre Kündigung. Herr Böhringer nahm sich jeden Sünder einzeln vor und gab kund und zu wissen:„Wer organisiert ist. wird entlassen." Betont sei, daß die Firmeninhaber beim Steinmetzmeisterverband mit die erste Geige spielen.— Auch in den Filialbetrieben dieser Firma in Elmshausen und Boden- kircken wurden wegen Verbandszugehörigkeil zwanzig Mann entlassen. Gegen ein solches Borgehen werden sich die organisierten Steinarbeiter zu wehreu wissen. Einen schönen Erfolg errangen die Steinarbeiter bei der Firma „Deutsche Steinindustrie" in Neichenbach(Odenwald). Auch dort sollten 18 Mann aufs Pflaster fliegen. Der Spieß wurde umgedreht und für 130 Beschäftigte ein Tarif abgeschlossen und die A n- e r k e n n u n g der Organisation erzwungen. Den Achtstundentag haben die Leipziger Lithographen durch- gesetzt. Wie der„Vorwärts" berichtet hat, hatte der Deutsche Lithographenbund sich an die Prinzipalität mit der Anfrage gewandt, ob diese bereit sei, vom 1. Januar 1906 die achtstündige Arbeitszeit in ihren Betrieben einzuführen. Die bis zum 15. November er- betone Antwort ist nun bereits vorher im bejahenden Sinne er- gangen. Ru»l»nck. Der Streik in den KriegShäfe». Paris, 14. November.(Eig. Ber.) Der Streik in den Kriegs- Häfen Brest, Cherbourg, Toulon, Lorient und Rochefort hat be- gönnen. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten scheint die Teil- nähme am Ausstand nicht überall gleichmäßig zu sein. In Cherbourg und Brest soll nach den offiziellen Depeschen die Zahl der Streikenden nur einige hundert betragen, aber dieser Behauptung widerspricht schon die Tatsache, daß das Arsenal geschlossen worden ist. In Toulon und Rochefort ist die Zahl der„Arbeitswilligen" trotz der Agitation der gelben Gewerkschaft ganz unbeträchtlich. In Toulon sind von 6000 Arbeitern nur 150 in den Werkstätten erschienen. Die Streikenden haben an die Spitze ihrer Forderungen die Freiheit der Meinungsäußerung gestellt, die durch die Maßregelung anti- militaristischer Redner verletzt worden ist. Daneben erheben sie auch Forderungen wirtschaftlicher Natur. Aber es ist kein Zweifel, daß ohne das provokatorische Auftreten des Brester Seepräfekten, der nicht nur„Herr im eigenen Hause" sein wollte, sondern sich auch noch anmaßt, den Arbeitern bestimmte Gesinnungen zu verbieten, der Streik vermieden worden wäre. ES steht den„Patrioten" wirklich schlecht an. die Arbeiter anzuklagen, daß sie die nationale Verteidigung beeinträchtigen. Es ist übrigens kein Geheimnis mehr, daß hinter der nationalistischen und progressisttschen Scharfinacherprefie nicht nur die kapitalistische Reaktion im allgemeinen, sondern auch bestimmte, auf Wucher- Profit ausgehende Spekulantenkreise im besonderen wirken. Schon hat man die Meinung aussprechen gehört, der Staat solle überhaupt die neuen Schiffsbauten und Geschütziabrikationen nicht in den eigenen Werkstätten, sondern von der privaten Industrie ans- führen lassen. Die Haltung der Regierung ist ganz nach dem Sinn der Aus- beuter. Gestern noch hat der„radikalsozialistische" Marineminister Thomson eine Drohnote versendet, in der er erklärt, daß er „niemals dulden werde, daß die Arbeiter ihre Arbeit verlassen, was bei Leuten, die mit einem solchen Dienst betraut sind, einer wahren Desertion gleichkäme". Das besagt also, daß die Arsenalarbeitcr kein Streikrccht haben. Die Konfusion, die in dieser Gewaltpolitik herrscht, wird dadurch illustriert, daß der Unterpräfekt von Brest einem Interviewer der „Patrie" gestern abend ausdrücklich versichert hat:„das Recht auf den Streik fei ein heiliges Recht deS Arbeiters und er verlange nur, daß die Arbeiter auch die „Freiheit der Arbeit" achten, die gleichfalls heilig sei. Man sieht, zwei einander aufs schärfste widersprechende Auffassungen, was aber nicht verhindern wird, daß der Unierpräfekt daS„heilige Recht" im Einverständnis mit dem Marineminister bereitwillig von Dragoner- Pferden niedertrampeln lassen wird. Herr Thomson hat in seinem Zirkular allen Streikenden die sofortige Entlassung und den Verlust des Rechts auf Wiederanstellung angekündigt, allerdings neben der Peitsche auch ein wenig Zuckerbrot sehen lassen. Er zählt alle Reformen und Lohnerhöhungen auf, die die Regierung seit 1900 den Arbeitern bewilligt hat und verspricht weitere Aufbesserungen. Die Regierung„studiere" jetzt, ob die Altersversicherung und die Avancementsordnung nicht verbessert werden könne. Die Situation ist ernst. Es gibt nicht wenig Leute, die den Augenblick für gekommen erachten, das Koalitionsrecht der Marine- Arbeiter auch formell aufzuheben. Zu ihnen gehört vor allem die ganz verpfaffte Admiralität. In den Häfen sind jetzt große Militärmassen konzentriert und halb Frankreich ist von Gendarmen entblößt worden, um dem „heiligen Streikrecht" die Ehrbczeugungcn zu leisten. Von der bürgerlichen Presse protestiert einzig die„Lanterne", die Beziehungen zu P e l l e t a n hat, gegen diese Maßregeln, die, wie sie sagt, die Wiederholung der blutigen Ereignisse von LimogeS befürchten läßt. Für die Charakterlosigkeit der Bourgeoisradikalcn charakteristisch ist die Haltung deS radikalsozialistischen Seuawrs D e lp e ch, eines Hauptes der freimaurerischen„Liga der Menschenrechte", der heraus- gefunden hat, die Koalition aller Staatsangestellten müsse unter- sagt werden, weil Frankreich— eine Demokratie sei! Denn die Situation der Staatsangestellten werde durch Gesetze geregelt und in einer Demokratie sei das Gesetz das höchste Gut! Neber den Fortgang des Kampfes kommen einander wider- sprechende Nachrichten. So meldet ein Telegramm: Paris, 16. November. In sämtlichen Werkstätten der Arsenale zu Toulon und Nochefort wurde heute vormittag die Arbeit wieder a u f g e n v m n, e n. Ein anderes Telegramm besagt: Paris, 16. November. Die Arscnalarbeiter von Toulon. B r e st und Lorient haben für die Fortsetzung des AuSstandeS gestimmt trotz des von ihren Delegierten nach der Unterredung mit dem Marineministcr erteilten Rates, die Arbeit aufzunehmen, da ihnen Zugeständnisse gemacht werden sollten. Und weiter wird gemeldet: Paris, 15. November. Die Arsenalarbeiter in Toulon beschlossen, den Ausstand fortzusetzen. Die organisierten Arbeiter von Brest und die Jndustrie-Arbciter von Lorient beschlossen, sich mit den Arsenalarbeitern dieser beiden Städte, die den Ausstand fort- setzen wollen, solidarisch zu erklären. Versammlungen. Eine Versammlung sämtlicher städtischen MarktHollenarbeitn und-Arbeiterinnen fand am Donnerstag bei Patt statt. Als Dele- giert« zur Krankenkasse wurden Zielte und Perfölz einstimmig bor- geschlagen. Dann wurde an der Inspektion I sowie an dem städ- tischen Arbeitsnachweis eine kräftige Kritik geübt. So wurde mit- geteilt, daß in der Halle I Arbeiter wegen ArbeitSmangel entlassen seien, darunter einer, der schon ziemlich zwei Jahre in den Markt- hallen beschäftigt war, mit dem Himoeise, sie sollten jede Wohnungs- Veränderung der Inspektion mitteilen, da sie bei etwaiger Vakanz sofort eingestellt würden. Obgleich die Betroffenen ihre Adresse abgegeben hatten und auf dem städtischen ArbeitsnachtveiS waren, wurden andere Leute airgenommen. Einstimmig wurde beschlossen: Die heut bei Patt tagende Bcrsammlung beauftragt den Arbeiter- ausschuß in Sachen Voß, Bunzcl und Müller beim Herrn Direktor vorstellig zu werden. Unter Verschiedenem stellten die Kellerarbeitcr der Halle I einen Antrag, daß sie den Kolonnenarbeitern in der Arbeitszeit sowie in bezug auf die freien Sonntage gleichgestellt werden und ersuchten den ArbeitcrauSschutz, beim Herrn Direttor vorstellig zu werden. Auch dieser Antrag wurde angenommen. Letzte Nadmehten und Depefchen. Tic erste Schreckensknndc des Belagerungszustandes. Lemberg, 16. November. Die polnische Sozialisteufnhrcrin Golde aus Oberschlefien, die vor einigen Tagen in Warschau eingetroffen war, wurde erschaffen. Wir wollen noch an die furchtbare, erschütternde Nachricht nicht glauben! Die Genossin Golde ist vor einer Woche etwa in Warschau eingetroffen und hat in einigen öffentlichen Ber- sammlnngen gesprochen. Wollen wir noch hoffen, daß sich diese grauenhafte Kunde als irrtümlich herausstellt und die junge tapfere Genossin der revolutionären Bewegung noch lange erhalten bleibt._ Militär und Revolution. Petersburg, 16. November.(W. T. B.) In den Aus- standsgebictcn von Moskau und Baku haben Militärversamni- lungen stattgefunden, in denen die Resolution des General- streik-Komitees angenommen wurde. Die Garde-Marincequi- page hielt ebenfalls eine Versammlung ab, in der sie sich mit dem Programm des Komitees einig erklärten. Das einzige nichtoffizielle Blatt, das jetzt erscheint, sind die Nachrichten des StreikaiiSschnsscs. Sie erscheinen außerhalb jeglicher Zensur._ Weitere Ausdehnung des Streiks. Petersburg, 15. November.(W. T. B.) Meldung der PeterZ- burger Telegraphen- Agentur.) Die Stadt ist ruhig. Das Per- sonal mehrerer Apotheken hat sich dem Ausstand angeschlossen. Die Zeitungen sind nicht erschienen. In den Elektrizitätswerken sind die Ausständigen durch Matrosen ersetzt. Die Nilolai-Bahn hat um 3 Uhr nachmittags den Betrieb eingestellt. Wir marschieren? Bicleseld, 16. November. Eine Privatdepesche aus Bielefeld meldet uns, daß die dortigen Genossen bei der eutigen Stadtverordnetcnwahl in der dritten Abteilung mit 400 Stimmen gegen 2678 Stimmen der vereinigte: Gegner einen Sieg errungen haben. Bravo! Ein neuer Sieg. Hanau, 16. November.(Privatdepcschc des„Vorwärts".) Nach einem heftigen dreitägigen Wahlkampf ist ei» glänzender Sieg über die vereinigten Gegner zu verzeichnen. Sämtliche vier sozialdemokratischen Stadtvcrordnctcn-Kandidaten wurden gewählt. Wir rücken nunmehr mit acht Vertretern unserer Partei ins Stadtparlament. WahlauSfall in Hessen. Mainz, 16. November.(Privat-Telegramm des„Vorwärts"). Bei der gestern vollzogenen Landtagswahl haben wir unseren Besitz- stand in den Kreisen Großgerau und Langen glänzend behauptet und außerdem den Kreis Pfungstadt hinzuerobert. Unsere Stimme«'. zahl hat beträchtlich zugenommen.� Einberufung des österreichischen Parlaments. Wien. 16. November. Wie„W. T. B." meldet, wird der Reichsrat zum 23. November zusammenberufen werden. Zum Ausstand der Arsenalarbeiter. Paris, 16. Novcml'er.(W. T. B.) Der Ausstand ist auch in den Arsenalen von Brest und Lorient. beendet. Im Marinemini- stevium hofft man, daß morgen auch in Toulon die Arbeit wiedc«' aufgenommen werden wird. Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Perlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer L-Co., Berlin S1V. Hierzu 3 Beilagen u.UnterhaltungSdlatt Nr. 270. 22. Jahrgang. 1. WIM i>cs Joriüätlfi" ßttliiitt PoIIidIiIhII. Freitag, 17. November 1905. Hus der Partei. Die Organisationen und der„Borwärts"-Konflikt. Am Mittwochabend tagten die Berliner Parteifunktionäre und der Partcivorstand gemeinsam, um eine Erklärung in Sachen des„Vorwärts�-KonfliklS zu beraten. Der Vorstand des Vereins „Arbeiterpresse' hatte eine solche ausgearbeitet, der die sechs ausgeschiedenen Redakteure im voraus ihre Zustimmung gegeben hatten. Parteivorstand und Pretzkom Mission hatten aber an den Hauptsätzen einschneidende Aendernngcn vorgenommen und legten am Mittwochabend die beiden Erklärungen den Funktionären vor mit dem Antrage, der von ihnen abgeänderten Erklärmig ihre Zustimmung zu geben. Zweck der Erklärung sollte sein, nach Annahme derselben durch beide Teile die Polemik ein- zustellen. Nach dreistündiger lebhafter Debatte lehnte die große Mehrheit die Annahme irgend einer Er- klärung ab, Vorstand und Preßkommission blieben mit ihrem Antrage in der Minorität. Mit der Einstellung der Polemik in der Partcipresie wollte man sich einverstanden erklären, doch sollten die Parteiorganisationen das Recht haben, ihr Urteil in dem Streite ab- zugeben und sollte die Parteipresso über diese Verhandlungen und die angenommenen Resolutionen berichten. Eine Resolution des Gcitossen L. A r o n s, die in ihrem ersten Satze den sechs Redakteuren einen Tadel aussprach, im zweiten und dritten Satze einen versteckten Angriff aus Parteivorstand und Preßkommission enthielt, im vierten Satz die Berliner Genossen er- suchte, den ersten drei Sätzen beizutreten und im fünften Satz den „Vorwärts" als Lokalblatt für die Berliner Genossen reklamieren toollte, wurde, da der Antragsteller genötigt war, vor der Ab- stimmnng fich zu entfernen, ein st immig abgelehnt. Der Versuch in diesem Augenblick die Lokalisierung des„Vorwärts" aus sehr durchsichtigen Gründen auf die Tagesordnung zu bringen, ein Versuch, den der Genoffe Heine unterstützte, wurde scharf zurück- gewiesen. Der erweiterte Vorstand und die Bezirksführer des vierten Berliner Wahlkreises sSüdost) haben sich einstimmig mit den Maßnahmen des Parteivorstandes und der Preßkommiftion in der „Vorwärts'-Angelegenheit einverstanden erklärt. Der Sozialdemokratische Verein zu Breslau beschäftigte sich am Dienstag mir der Sache. Die Debatte wurde nach der Begründung, es habe keinen Zweck, den Streit auch noch in die Partei in Breslau zu tragen, mit großer Mehrheit endgültig geschloffen. Eine Re- solution nach irgend welcher Richtung wurde nicht vorgeschlagen. Genosse Schütz faßte als Vorsitzender das Ergebnis der Ver- Handlungen dahin zusammen, daß Fehler auf beiden Seiten gemacht ivorden seien und daß die Versammlung deshalb davon Abstand nehme, einen Beschluß zu fassen. Als ein Vertrauensvotum für die Haltung des Breslauer Partei- organS, das von vornherein völlig einseitig gegen Vorstand und Preßkommission Stellung nahm, kami man oies Resultat der Ber- sammlung schwerlich ansehen. Die GewerkschaftSkartelle fangen jetzt an, sich mit der unglaub- lichen Haltung des„C o rr e sp o n d e n z b l at t e S derGeneral- ko mmi ss i o n" zu beschäftigen. So wird unserem Kieler Bruder- organ geschrieben:„Zum„VorwärtS'-Konflikt hat die Redaktion des „EorrespondeiizblatteS der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands" einen Artikel ausgebrütet und hat Abzüge davon an alle Redaktionen der Gewerkschaftsblätter gesandt mit der Bitte um schleunigen Abdruck. Das„Correspondenz- blatt" bringt den Artikel in seiner neuesten Nummer natürlich auch zum Abdruck. In dem Artikel werden die GeWerk- schasten zu ganz energischem Protest gegen den Parteivorstand auf- gefordert. Der Vorstand des Kieler Gewerkschafts- iartells beabsichtigt die Angelegenheit in der am Donnerstag stattfindenden Sitzung zur Sprache zu bringen, um das Kartell zu veranlassen, zu dem eigenartigen Vorgehen Stellung zu nehmen." Wir können dies Borgchen, das sicherlich Nachahnnmg finden wird, nur zustimmend begrüßen, denn nachdem einmal das„Correspondenz- blatt" mit den Inspirationen der Sechs die Angelegenheit so ein- seitig und verwirrend in die Gewcrlschasten bineingcrragcn hat, haben unsere Parteigenossen in den Gewerkschaften keinen Grund. diese hineingeworfene Streitaxt nicht möglichst kräftig aufzunehmen. Sie werden dort zweifellos ebenso gut und wirksam ihren Mann stehen wie in den eigentlichen Partci-Organisationen. Die„Münchcnrr Post". Unser Angriff auf dieses Parteiblatt hat die gewünschte Wirkung gehabt. Die„Münchener Post" wurde gezwungen, denselben abzudrucken und ihre Entschuldigung daran zu knüpfen. Das Blatt sucht nun zunächst rechnerisch nachzuweisen, daß seine gekürzten Veröffentlichungen von Erklärungen des Partei- Vorstandes und der Preßkommission nicht schlechter weggekommen seien, als die Einsendungen der sechs ehemaligen Redakteure. Das ist einfach nicht wahr, und außerdem hat cS die letzte ErNärung von Parteivorstand und Preßlommission seinen Lesern ganz unterschlagen. Aber in derselben Nummer, in der es mit höhnischen Bemerkungen auf jene Erklärung nur hinwies, hat eS Raum genug gehabt, den Artikel Heines gegen Parteivorstand und Preßkommission wörtlich abzudrucken, wie es in seiner nächsten Nummer den Artikel des„Correipondenzblattes der GencraUommission" zum größten Teile wiedergab. Und solch eine grobe Irreführung seiner Leser sucht daS Blatt als„ab- gekürzte Berichterstattung" zu rechtfertigen. Die weitere Behauptung der„Münchener Post", der„Vorwärts" habe seinen Lescni die Preßurteile unterschlagen, ist, wie ein Blick in unsere Spalten zeigt, cinc Unwahrheit. Sind nicht alle Preß« urteile abgedruckt worden, so doch die stärksten, die gegen Partei- vorstand und Preßkommission gefällt sind. Die„Münchener Post" hat aber bisher wohl zahlreiche Stimmen gegen den Partei- vorstand und die Preßkommission veröffentlicht, aber nicht eine einzige zugunsten derselben, sie führt also auch in dieser Richtung ihre Leser irre. Schließlich sagt die„Münchener Post", sie habe die Ein- berusung eines außerordentlichen Parteitages angeregt, die Kontrolleure möchten dieser Anregung nachkommen. Die„Münchener Post" ist offenbar in den Bestimmungen der Partei- organ..ulion so schlecht bewandert, daß sie übersah, daß sie selbst Schritte für die Eiuberufting eines solchen außerordentlichen Partei- tage« tun kann. Nach§ 16 deS OrganisalionöstalutS muß ein außerordentlicher Parteitag einberufen werden, wenn mindestens 1b Wahlkreise darauf antragen. Sollte der Einfluß der„Münchener Post" so gering sein, daß sie von den 48 bayerischen Wahlkreisen nicht 15 für diesen Antrag gewinnen kann? Bei dem Verhalten der.Münchener Post" in dieser Angelegen- heit verwundert es auch nicht, daß sie den in unserem Angriffe enthaltenen Satz:„das Blatt scheint die Ansicht zu haben, daß die Müuchener Genosse» Schlafmützen sind, denen es ein so frivoles, parteiverderberischeS Spiel zumuten darf", dahin verdreht, wir hätten die Münchener Genoffen Schlafmützen genannt. Wer mit solch plumpen demagogischen Kniffen operiert, richtet sich selbst, sie sind aber auch ein Zeichen für die niedrige Ein« schätzung. welchp die„Münchener Post" den Münchener Genossen zuteil lvcrdcn läßt. Wir hoffen, daß nunmehr die Münchener Genossen endlich Veranlassung nehmen, zu unter- suchen» wo»Recht und Sauberkeit wohnen" und dabei auch die Frage I auswerfen, ob ein Parteiblatt die Aufgabe und daS jRecht hat. die Parteigenossen über die wichtig st en .Vorgänge in der Partei durch tendenziöseBericht- erstattung irre zuleiten und an derNase herum- z u f ü h r e n. Lassen sich das die Müuchener Genossen gefallen, so verdienen sie die Redaktion, die sie für ihr Parteiblatt besitzen. Personalien. Genoffe August Kaden, Mitglied der Kontroll- kommission und Abgeordneter für DrrSden-Nenstadt, mußte sich einer Operation deS Auges fgraucr Staarj unterziehen: er befindet sich erfreulicherweise auf dem Wege der Genesung. Die Operation ist gut gelungen. Eine Bestätigung von der McinnngSfabrik in Lichterfelde erhalten wir darüber, daß sie„den Parteiredaklionen zur privaten Information tatsäckiliches Material geliefert habe". Ueber diese Bestätigung hin- aus bombardiert uns der junge Mann der Sechs fast täglich mit sogenannten„Berichiigungen", deren welterschütternder Inhalt uns ebenso wenig wie die große Mehrheit der Partei interessiert, und die wir ihm daher zurücksandten, zumal sie sich regelmäßig gegen Behauptungen wandten, die wir erst anderen Parteiblättern ent- nahmen. Ueber den politischen Massenstreik sprach am Dienstagabend in einer von über 2060 Personen besuchten Versammlung des sozial- demokratischen Vereins für den zweiten Hamburger Wahl- kreis Genossin Dr. Luxemburg. Sie schilderte eingangs ihrer mit großem Beifall aufgenommenen Rede die Wandlung in den Anschauungen bezüglich des Massenstreiks. Vor kurzem noch be- zeichnete man in Deutschland den Massenstreik als etwas Phantastisches, Wesenloses und glaubte ihn mit dem Diktum:„Generalstreik---- Generalunsinn I" abtun zu können. Dann kam der plötzliche Um- schlag in der politischen Bewertung dieser Idee. Wie bei uns der Massenstreik, so galt auch bis vor Jahresfrist in Rußland der Be- griff Revolution als ein wesenloses Phantom. Das Proletariat habe sich jetzt nach neuen Kampfcsmitteln umgesehen, und eins dieser Mittel sei der politische Massenstreik, den man m Köln durch eine Resolution von zehn Zeilen wegzudekretieren versucht habe. Die Masse Sehe aber oft in ihrem Instinkt sicherer als die Führer; so auch ier. Der Massenstreik sei kein mechanisches Instrument, das man beliebig anwenden könne, sondern der Massenstreik dürfe nur! dann gebraucht werden, wenn die Situation dafür gegeben sei. Die Grundprinzipien der Sozialdemokratie seien historisch abgeleitet, von der ökonomischen Notwendigkeit bedingt. Der Massenstreik könne nur bei solchen Situationen zur Anwendung kommen, die ein AuS- lösen der revolutionären Kraft nach sich ziehen. Welcher Art diese Situationen sein werden, lasse sich nicht im voraus sagen, denn revolutionäre Situationen lassen sich nicht herbeiführen, sondern müßten zu gegebener Zeit ausgenutzt werden. Kalkulatorische Rewenmeifter, wie die Abgeordneien Heine und Frohme, könnten nicht begreifen, wie das Volk zur Eroberung von Rechten zu hungern vermag; Leuten mit so vielen Bedenken müsse man zurufen:„Geht nach Rußland, dort könnt Ihr lernen, was das Volk vermag!" Wir müssen in den Massen den Geist der Kampfesfrcude und daS politische Verständnis zu erwecken suchen.— Eine Diskussion fand nicht statt. „ParteikrisiS". Die Frankfurter„VolkSstinune" veröffentlicht Nachrichten, die mit dem erledigten Redaktionskonflikt im.Vorwärts' im Zusammenhang stehen, unter der Spitzmarke„Zur ParteikrisiS' Die Frankfurter„Volksstimme" scheint mit mächtigen VergrößerungS gläsern zu arbeiten, daß sie den Streit um ein paar ausgeschiedene Redakteure, in dem auch eine Anzahl Redaktionen von Parteiblättern sich gründlich blamierte», zu einer ParteikrisiS aufbauscht. Soziales. Fort mit dem menschenunwürdigen Kost- und Logiswesen im Hause der Arbeitgeber! DaS ist die Forderung, die in der soeben er- schicnenen Publikation der Zcntratkommission für Beseitigung des Kost- und LogiszwangeS eindringlichst gerechtfertigt wird/ Die 20 Seiten lange Broschüre schildert die Nachteile, welche mit dem Kost- und Logiszwang für den Arbeiter und den Konsumenten ver- bunden sind, in knapper, eindringlicher Weise. Besonders hervor- gehoben werden die elenden BehausungSzustSnde im Schlächterei-, Bäckerei-, Gärtner- und Gastwirtsgcwerbe. Als einen sehr glück- lichen Griff können wir die Veranschaulichung einiger Vorrats- und Wohnräume durch photographische Abbildungen bezeichnen. Seite g finden wir einen„VorratSraum" im Klofett einer Berliner Bäckerei: Butter, Mannelade, Marzipan und andere zur Kuchen- waare nötigen Produkte stehen in einem Klosettraum und harren dort ihrer Umwandlung. Der Bäckenneistcr hatte sich durch die naturgetreue Schilderung dieser Rauniverwenbuiig beleidigt gefühlt. Nach der Be�veiSaustiahme, bei der insbesondere diese Photographie eine Rolle spielte, erfolgte Freisprechung deS für Besserung der Verhältnisse der Bäckergesellen kämpfenden Angeklagten. Mehrere Abbildungen veranschaulichen die prächtigen Villen von Kunst- und Handelsgärtnern und die inenscheuuiiwiirdigeu Wohnräume für Gärtnergeiellen aus Orten bei Berlin. Abbildungen 4 und 5 erschließen uns den Blick in eine Gehülfen-.Wohnung' in Charlotten- bürg. Neben der Tür zur Gehülfenwohnung erblickt man zuerst den Abort, einen kleine» Holzbau, der von der moderne» Kultur mit ihrer Wasserspülung noch nicht belästigt wird. Dadurch kann der aufgesammelte Inhalt der Gärtnerei leichter zugänglich gemacht werden. Neben diesem verschwiegenen Zubereitungsort für die landwirt schaftlichen Betrieben so nützlichen Rohstoffe, führen einige Stufen hinab zur eigenllichen„Wohnung". Der Vorraum ist ein Auf- bewahrungSort für Strohdccken. Die Wohnung selbst ist geradezu ein Loch zu nennen. Von den Wänden ist der Kalk abgefallen, und zahlreiche Löcher kaim man in der Wand seben. Ein Kasten mit Fächern eingerichtet, dient als Eßspind: Länge 75 Zentimeter, Höhe 75 Zentimeter und Breite 22 Zemimeter. Weitere« Inventar ist ein kleiner, etwas defekter Ofen, drei Schemel, ein Spind, zwei Betten und ei» Tisch 90 X 60 Zentimeter groß. Höhe des Zimmers 2,75 Meter, Breite 2,00 Meter. Länge 4,10 Meter. Wenn eS stark regnet, steht die Wohnung unter Wasser. Als Gründe fisr Arbeitgeber zur Auftechterhaltung des Kosb und LogiSuiuveseiiS führt die Broschüre an: Erhöhung deS Profites der Arbeitgeber an den Arbeitern in ihrer Eigenschaft als Konsumenten, Möglichkeit einer nach Belieben ausgedehnten Arbeitszeit und den Wunsch„die Arbeiter in einer möglichst engen Zwangsjacke zu haben, sie von jedem Verkehr niit der Außenwelt, mit ihren Berufskollegen und ihrer gewerkschaftlichen Organisalio» abzuschließen, damit sie unaufgeklärt bleiben über daS, was sie als Menschen in der heutigen Zeit zu fordern berechtigt sind." Die Streitschrist gegen das Unwesen der Beköstigung und Behausung iin Hause des Arbeitgebers schließt mit einem warmen Appell zum Anschluß an die gewerkschaftlichen Organi- sationen. DaS Schristchen können wir allen Genossen zur Ver- breitung unter den den Organisationen»och feriistehenden Arbeitern angelegentlichst empfohlen. Zum Schluß möchten wir die Bitte wiederholen, alle auf dem Gebiete deS Kost- und LogiSzwangS zur Kenntnis des einzelnen gelangenden Mißstände an die Zentral- kommission für Beseitigung des Kost- und LogiSzwangS(Adresse; P. Blum. Berlin SO., Adalbertstraße 56) gelangen zu lassen. Je weniger die herrschende Klasse geneigt ist, die Körper und Geist zer- rnitenden Unzuträglichkeiten aus dem Gebiete deS Wohnungs- und KostioesenS zu beseitigen, desto notwendiger ist die Selbsthülfe der Arbeiterschaft durch Veröffentlichungen und gemeinschaftlichen Zu- sammenschluß, um schließlich reichSaesetzlichen«rbeiterschutz durch- zuführen. Ursachen der Bauunfälle. Ein Neubau in dem Stadtteil Barm- beck stürzte Ende voriger Woche znsamnien. Vier Maurer erlitten schwere Verletzungen. Eine ans Anlaß diese? BanuiifallS am Montag in Hamburg abgehaltene Versammlung aller im Baugewerbe tätiger Arbeiter sprach sich mit Entschiedenheit für schleunige Maßregeln zngunsten eines BauarbeiterschutzeS aus. Eine ausreichende Bau- kontrolle durch von Arbeitern gewählte Arbeiter und Beseitigung der Akkordarbeit wurde allseitig verlangt. Die Zahl der töd'ich ver- laufenen Bauunfälle hat sich von 9 im Jahre 1898 auf 37 im Vorjahre in Hamburg vermehrt. Die Behörden entwickeln nach jedem größeren Unfall in Hamburg einen großen„Reformcifer", cS wird alles mögliche versprochen und— eS bleibt alles beim alten. Als im Jahre 1896 in der. Papcnhnderstraße ein großer Neubau zusammenbrach und unter den Trümmern elf Tote hervor- gezogen wurden, versprachen Senat und Bürgerschaft, eine Novelle zum Banpolizeigcietz zu schaffen, die einschneidende Bestimmungen enthalten solle. 1890 setzte die Hamburger Bürgerschaft einen Aus- schuß ein. der sehr„gründliche" Arbeit verrichtet, denn bisher hat er immer noch nichts von sich verlauten lasse». Halte nian sich dagegen die Eile vor Augen, mit der der Ausschuß der WahlrechiSräuber arbeitet.'Freilich hier handelt es sich um die Bcschneidung von Volksrechten, dort„nur" um Schutz des Lebens und der Gesundheit von Arbeitern. KaufmannSgerichtSwahl in Essen. Vorgestern fanden in Essen die Wahlen zum Kausmannsgericht statt. Von den 751 eingetragenen Wählern übten 529 ihr Stimmrecht aus. Bei den Wahlen von 12 Beisitzern hat nach dem Statut jeder Wähler je vier Personen zu lofihlen. Auf die Liste de» Zentralverbandes(in Gemeinschaft mit dem Lagerhalterverband und den, Verein der dentschen Kauf- leutc) entfielen 444 Stimmen, auf die Liste der Deutsch- nationalen 789» auf die der verschiedenen Vereine 874 Stimmen, so daß der Zentralverband 2, die Deutschnationalen 4 und die ver- schiedenen Vereine 6 Beisitzer erhalten. Zur Schulnot. In Sachsen-Meiningen, dessen Schulverhältnisse edeutend besser als die OftelbienS sind, herrscht auch Ueberfüllung jer Volksschulen. Sachsen-Meiiiingen besitzt noch 40 e i n k l a s s i g e chule», welche über 80 Schulkinder zählen, davon fassen 9 Klassen er 100, 8 über 90, 23 über 80 Kinder. Außerdem bestehen mehrklassige Schule» mit über 80 Kindern und zwar 9 Klassen ät über 190, 8 mit über 90, 6 mit über 80 Kindern. Die Anzahl Schulen, welche 60—80 Köpfe zählende Klassen haben, ist ganz be- dtutend I Städtische Ausschüsse für Ardeiter und Arbeiterinnen. Der adtmagistrat in R e g e n S b u r g hat für die städtischen Betriebe Arbeiterailsschüsse errichtet. Nach den Satzuiigen sollen die Aus» äffe Wünsche und Beschwerden der Arbeiter erledigen, auch können in allen die städtischen Arbeiter betreffenden Fragen gutachtlich werden. Jeder Ausschuß soll aus mindestens fünf Mit- dern bestehen. Die Wahl ist unmittelbar und geheim und er- jt durch Stimmzettel aus drei Jahre. Wahlberechtigt sind alle ständigen Arbeiter nach zweijähriger Tätigkeit in einem städtischen Betriebe, zeitweilige Unterbrechungen der Arbeit infolge Krankheit, Wechsel der Jahreszeit, Militärdienst ec. werden nicht angerechnet. Den städtischen Arbeiterinnen ist für die Ausschüsse so- wohl das aktive als das passive Wahlrecht zuerkannt. )Ziis der frauenbewegung. Weißensee. In der am Dienstag, den 14. November, im „Prälaten" stattgcsundenen Versammlung sprach Genossin Ihrer über„Kinderarbeit". Sie ging davon aus, daß der derzeitige Schul- Unterricht eine Ueberanstrengung zur Folge habe. Die Einführung des praktischen wie des theoretischen Haiidferligungsunterrichts sei unbedingt notwendig. Ferner sei ein Verbot der Kinderarbeit zu erlassen, das bestehende Kinderschuygesetz sei sehr lückenhaft. Be- sonders der Straßenhandel verderbe die Kinder moralisch. Der Aus- beumiig der Kinder durch die Industrie und Landwirtschaft könne durch einsichtige Eltern Einhalt geboten werden. Der Schaden der Kinderarbeit sei ein doppelter, indem sowohl die geistige Entwickclung, wie auch die Ausbildung des Kindes darunter leiden, andererseits durch Kinderarbeit verminderte Erwerbstätigkeit und Lohndrückerei für Erwachsene eintrete. Die hierauf folgende Diskussion, an der sich auch der anwesende VolkSschullehrer Herr Lorenz beteiligte, gestaltete sich zu einer sehr interessanten. Letzterer erklärte sich im allgenieinen mit der Genossin Ihrer einverstanden. Der Lchrcrvercin crlvaric von der hiesigen Einwohnerschaft Zutrauen und Entgegenkommen in dieser Beziehung, denn gerade die Lehrer hätten sich die Hebung deS Volksschulunterrichts und Schutz für die Kinder mit zur Haupt- aufgäbe gemacht. AdlerShof. Der Verein für Frauen und Mädchen hielt Montag, den 13. November, bei Wöllstein seine Mitgliederversammlung ab. Frau Zeetze referierte über„die alte und neue Weltanschauung". Dem interessanten und belehrenden Vortrag folgte eine sehr rege Diskussion. AlS Schriftführerin wurde Frau Büttner gewählt. Berliner Marktpreise. Au» dem aintlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion. Rindfleisch In 61— KS pr. 100 Pfund, IIa 57—64. lila 50-55, IVa 40-48. Kalbfleisch la 65-90, IIa 72-82, Illa 56-70, Haminelfleisch la 65—75, IIa 60—60. Schweinefleisch 74—78. Rotwild Pfund 35-52 Ps. Hasen Stück 3,00-3,75, Nein 1,50- 2,00. Kaninchen Stück 0,60—1,00. KrainmelSvögel 0,10—0,25 Ps. Rcbbühner, junge la 0,80—1,10, junge IIa 0,00, junge kleine 0,00—0,00. alle la 0,7c— 0,75, alle IIa 0,00— 0,00. Hühner pro stück, alle 0,50— 1,50, junge Ta 0,80—1,25, bo. Tla 0,50— 0,70. Tauben, junge 0,40—0,65, aüe 0,38—0,40. Enteil ittiige 1,40—2,30. Gänse pro Stück, la 3,50— 1,00, Tla 2,50—3,50, pro Psd. la 0,58—0,63, Ha 0,45— 0,55. Hechte 75—83 Ai., Schleie, Ulis ort. 0.00. Aale, groß 0,00, mittel 0,00 M. Plötzen 46—48 M. Karpfen 0,00, Lachs 0,00 M.. Schellftschc 30—31!«., Flunder 19,-29 M. pro 100 Pfund. Scholtiiche Vollhcrnigc(gesalzen) 37—44 M Krebse, kleine. Schock 0,00 M., unsorticrl 0,00 M. Eier, Schock 0,00, Bulter pro 100 Pfund la 122-126, IIa 115-122, IITa 111-114, abfallende 00—110, Kartosscln pr. 100 Psd, role 2,00—2,20, Rosen 0,00—0,00, blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,80- 2,00. Wirjim, kohl pr. Schock 4,00-8,00, Weißkohl 6,00- 8,00, Rolkohl 4,00-8.00. Holl. 10-13 M, Saure Gurken, Schock 2,00 M. ßriefharun der Redahtioiu luriftifcber Cell. XU l»rlftlsck>e Ctirrififtunvc stiidc»(nnltrfi mit AuSiiahuiede» Lounabeuds twii?>,,»I»»1 .. K. S. Nein. �.......... Meidung ist wohl nicht ersorderlich. r. c i.digrn �ie sich nns drr votschast Ihres �rimnilnndcS. Ihre Adresse I-nden Tie nicht angegeben.— O. It. lt. l. Falls die Heimarbeiterin hier i'iM t und Nicht als selbständig erachtet wird:?«. 2. und 3. Ja. Sie muiie» sich an die Rrnnkenknsse und an die Versicherungsanstalt wenden. (c- ,«•/ Hrrmavnftr. Erst müßte geklagt werden.— L. G. Ja: an d>e tt-c ilzeibehörde Ihres Wohnortes mühten Sie sich wenden.—vc!s erteilen lind richten dann ein Ausnahmegesuch an das biesige Polizeipräsidium. Ein Beispiel sinden Sie S. 2 des dem„Ardeiterrecht beigesügten Führers. Das Buch liegt in de» vfscnllichcn Bibliotheken aus.— Stadtverordneten- fragen.(Bnrg, Llickenwaldc usw.) 1.§§ 4, 5, 17 der Städtcordnung sind für die Wahlsähigkeit maßgebend. Vollendung des 24. Lcbensjabres lnicht deS 30.) ist evsorderlich. 2. Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bringt während der Dauer des Verlustes lnicht über diese.>)cit hinaus) die Verwirkung des nkliven und passiven Wahlrecht«. 3. Wird ein Nicht- Hausbesitzer gewählt, während HauSbesitzcrwahl vorgeschrieben ist, so können nach Ansicht des LberverwalluiigSgerichtS die etwa 10 000 abgegebenen Stimmen als ungüttig erkannt und der mit etwa S0 Stimmen gewählte Hausbesitzer als gewählt proklamiert werden. — R. 13. 1. Eine Verschrei bung Ihrer Sachen an Ihren Bräutigam wäre Ihren Gläubigern gegenüber unwirksam und für Sic nicht ratsam. 2. und 3. ES ist unmöglich, Einzelsragen aus un§ des Genaueren nicht be- kannten schwebenden Prozessen zu beantworten. Wenden Sie sich an Ihren Anwalt oder besuchen Sie die juristische Sprechstunde.— E. V. 00. Die Anmeldung mühte vorab unterbleiben. Sprechen«ie gelegentlich zwischen 4 und 5 Uhr mit allen Papieren in der Redaktion vor.—(£. St. 6. 1. Die Anlage, aus die Sie Bezug nehmen, lag Ihrer Anfrage nicht bei. Soweit ersichtlich, würden Sie gegen die Einforderung deS BürgerrechtSgeldes mit Eisolg reklamieren. 2. und 6. Arbeiterrecht S. 542, 597, 598, 535 bis 538. 3. In der Buchhandlung Vorwärts und bei jedem Parteispedileur. 4. Sehen Sie das Kursbuch ein oder erkundigen Sie sich aus den AuSkunststellen Anhalter Bahnhof, Alcxandcrplatz oder Potsdamer Bahnhof. 5. Fahrow, Raocncstr. 6. 7. Ja. WltierungSüberllcht vom 1K. November 1905, morgeuS 8 llfte. Stationen Swinemde. Hamburg Berti» Franks a M. München Wie» Wctter-Prognose für Freitag, den 17. November 1003. Kühl und vorwiegend trübe mit geringen Niederschlägen und ziemlich frischen nördlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r e a u. Wasserstand am 15. November. Elbe bei Aussig-j- 1,10 Meter, bct Dresden— v.tv Meter, bei Magdeburg+3,42 Meter.— U u st r u t bei Straugsiirt+ 2,10 Meter.— Oder bei Ratibor+ 2,50 Meier, bei Breslau Oberpcgel+ 5,14 Meter, bei Breslau Untcrpcgel— 0,58 Meter, bei Franksiirt+ 1,92 Meter.— Weichsel bei Brahemünde + 5,42 Meter.— Warthe bei Posen+ 1,00 Meter.— N e tz e bei Usch- Meter. Für dr» Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Pulllikn», gegenüber keinerlei B«ra»tmort»ng. Ubcatcr. Freitag, 17. November. Ansang?'/, Uhr: Lpernhaiiö. Alba. Schauspielhaus. Wann wir altern. Der Damenkrieg. Neues. Ein Sommernachtsiraum. Westen. Die lustigen Weiber von Windfor. TcuttcheS. Der Kausmanu von Venedig. Vorliuer. Die Jungfrau von Orleans. Kleines. Hidalla. Zlnfang S Uhr: Schiller 4». iWallner-Theater.) Der Vcilchcnfrcifcr. Schiller S. tFeiedrich Wilhelm» städtisches Theater). Der Traum esil Leben. Leffing. Stein unter Steinen. djenlral. Musette. Residenz. Der Prinzgemahl. Triniion. Der letzte Troubadour. Lustspieihaus. Der Famiiientag. Thalia. Bis früh um Füiifc! <5arl Weist. In Berlin ist waS loS. Luifcn. Ein Blitzmädel. Deutsch- Amerikanisches. Aber, Herr Herzog! Mrtropol. Aus— WS Metropoll Kasino. DaS Opserlamm. Slvollo. Geschlossen. Walhalla. In Lebensgefahr. Hcrrnfeld. Famiiientag im Hause Prellstein. Wintergarten. Otero.— Speziali« täten. Folios GnPrlceS. Nach dem Zapfen- streich. Vorher: Soll und Haben. Spezialitäten. i>>esti:challen. Stcttiner Sänger. Passage. Spezialitäten. In»»!». Ta»t>e«straste 48/40. Abend« 8 Uhr: SpcltcriniS Alpen» und Wüstcnfahrten im Ballon. Eternmarte. Inoalidenstr.>57/62. E oallw pcösinel von 7 bis 1 Uhr. Lerüller Theater. Die Jungfrau von Orleans. Komische Tragödie in S Akten von F. Schiller. Ansang?>/, Uhr: Eonnabend: Kean. Sonntag: Die Jungfrau von Orleans. Nachm. 3 Uhr: Kean. Montag: Andalosia. Neues Thealer. Ansang 71/, Uhr. Lin Scrnrneniaebtstrautn. Morgen it. folgende Tage: Ein Sommernachtstraum. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Hidalla. ionnabend: C.httto. Zentral-Theater Täglich mit großem Erfolge: Musvttv. Sonnabend, nachmittags i'l, Uhr: Kindervorstellung.__ Luisen-Theater. ZlbcndS 8 Uhr: Ein Blitzmädel. Sonnabend: Der Mann im Monde. Sonntagnachm.: Othello. ?lbends: Faust. Montag: Ein Blitzmädel._ Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr. Der letzte Troubadour. Lustspiel in 3 Akten von Fred Grösac und Pierre Bäder. Deutsch vo» Aisred Halm. Metropol-Theater Anfang 8 Uhr. Große Jahrosrovue mit Gesang n. Xams in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Bauchen in all. Bäumen gestattet. Dt •ama I,: 8 ü"hr: Spelterinis Alpen- und WDstenfahrten im Ballon. Sternwarte ,n¥alidan Str. 57/62. I CASTANS ANOPTICUM. Frledriehstr. 165. Joels Traum. S! Pompeji!! DI© Ehr© des Vaters I Rcstanrant: Original NQrnbergar Sänger. KasinosTheater Lochring erftr. 37. Täglich 8 Uhr. Pos(Opftvlmnni. Schwank in 3 Alien von Walther und Stein. Vorher: Im Sprecwald. Operette. Der berühmte Kapitän Martens etc. Heute Freitag wegen Borbereitung von Prin�ek Rosine von Paul llncka geschloffen. Morgen Sonnabend 9'/, Uhr: Premiere. Vorher 8 Uhr: Die Novcmber-SpezialitSken. Deutsch- Amerikanisches THEATER ÄÄ Heute abend 8 Uhr, Gastspiel Ad. Philipp zum 77» Male: Aber, Herr Herzog! Sonntag nachmittag 3 Uhr: Halbe Preise! „Veber'n grollen Teich." Sonnabend, den 25. Novbr, 1905, IM- nachm. 4 Uhr:"PM KINDER-VORSTELLÜNG. Zum 1. Male; „Hänsel u. Qretel" in = AMERIKA= Kleine Preise."MS Gebrüder Herrnfeld- Theater. Zum 14. Male die Novität: UIMg im Hause Prellstein. Komödie in 3 Akten von Anton und Oonat Herrnfeld. Mitwirkende Darsteller: Angelika Frey, Frida Levermann, Carla Mutzbauer, Else Grossin, Käthe Dreher, Julie Lolbl-Hahn, Joseph Aschinger, Jacques Morway, Jacques Glaser, Ernst GroO. Jos. Engler, Eugen Meutert, Rieh. Goltz, Max Zilzer, Fritz RuB, Hugo Odblin, Bernh. Foersler, Paul Hierson, Albert Blumenreich. Ferner: Donat Herrn fei d als „Esau Prellstein". Anten Herrnfeld als „Winkelkonsuleet Schestak". Ans. 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr (Theaterkasse). Rasidsnz-Tlieater. Direktion- Richard HUjcander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwank m 3 Akten von L. Zanros und I. Ehancel Sonntag nachmittags 3 Uhr: Dtr SohlaJwigeBkoalrolleur. Schiller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Thealer). Freitag, abends 8 Uhr: Der VelleJienfresser. Lustspiel in 4 Akten von G. v. Moser. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Velleheafresser. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Traum ein Dcbcn. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Vellchcnfrcsser. XI. Berliner Snison.' Zirkus Busch. Znm 02. Haie: Mexiko. Gr. Ausstattungs- Pantomime aus d. mesikan. Pflanr.erleben. Au/treten des Mr. Pearson. Direktor Busch mit seinen 6 englisch. VoITblütom. Hierauk eine Steeplo-Cheso ohne Reiter, ansgef. ron engl. Voll- n. Hnlb- blutpferdcn. Sprünge bis über 12 Plerdo. Clown Revelli eis: Reitkünstler. Miß Ella. Signer Magrini, der beste Springer der Welt, und die vorzüglichsten Progrnmm-Nummcm. P" Passage-Theater. Ans. der Aheiidvorftcllung 8 Uhr. in ihrer entzückenden Duncan- Parodie. P»ul Jülich der unverwüstliche Humorist. H neue eiMche Rmnerii.; Lustspielhaus. Ab-ndS 8 Uhr: Der famiiientag. W. Noacks Theater. Direktion: Rod. Bill, vrnnnenftr. 16. Zum letztenmal: Nora-der Ein Nupptuheim. Schauspiel in 3 Akten von H Ibsen. Deutsch von Z. Engeroff. Ans. 8 Uhr. Eintritt 30 Ps. Eröbels Illerlel-Thealer DchönHauser Allee Nr. 148. Jeden Sonntag und Mittwoch: Konzert, Theater u. Spezialitäten. iW Neue Spielsolge.'W Anfang Sonntags 6 Uhr. . Wochentags 8 Uhr. Nach jeder Vorstellung: GrcBerTanz. Sanssouci, fcottbnffrflr.i3 Direktion Wilhelm Reimer. Sonnt., Mont., Donnerst.: HckDnann. Norddeutsche Sänger mto tanzkränzchen. Sonntags Beginn 5 Uhr, wochentags 8 Uhr. Jed. Dienstag. Mittwoch: Tli©at©r-AI»©nd. Gastsp. d. löne-Eneemdle». Der kleine Saal(150 Pers.) ist noch einige Sonnabende zu vergeben. Sonnabend, den 18. Nooember, nachm. 3'/, Uhr, J. Kindervorstellung: Prinzessin Tausondschön. Palast-Theater Burgstr. 24, 2 Min. v.BH. Börse. Täglich 8 Uhr. Entree 50 Pf. Da. glHnsende HoTember-Programm. Unter anderem: CsH Braun in feiner Komödie.Im weihen Röhl'. Hieraus: Komponittcn-Wettttrcit Neu! Bargold Neul der einbeinige»ni»ersai.>lrttfj. vle Hveiöe Dame. Posse mit Gesang von O. Richter und JO erftklasfige Nummern. Familienkarten in allen Barbier-, Frisier- und Zigarrengeschästen sowie im Theaterbureau JUientgeMich zu haben. Schiller-Theater N.(Frledr.-With. Th.) Freitag, abends 8 Ubr: D©i' Tranm©In Deben. Dramatisches Märchen in 4 Auszügen von Franz Grillparzer. Sonnabend, abends 8Uhr: �aprcastrclcli. S o»» lag, nachm. 3 Uhr: Cralnqneotlle. Die Bäuerin. Abschied vom Regiment. Sonntag, abends 8 Uhr: Zapfenstreich._ Zirkus Albert Schumann Heute abend präzise 7'/, Uhr: Zum ü. Male: Tic zwei gröftten Sensationen Berlind 1 DW Zum I. Male in Europa! Eine absolute Novität l n Hefkiinstler des Mahtredja v. Mysori mit ihren unglaublichen Leistungen. Zum I.Male auf dem Kvntinentk Ter schwarze Stern!"90 Miß Texas Hattie. Anherdem: DaS gro he internation. Programm, sämtl. Spezialitäten und Direktor Alb. Schumanns neueste Monstre-Dressuren. Zum Schluß: Die reizende Sport- Pantomime: Der Tag des EEnxliscIren Derby. Sonntag: 2 Vorst., nachm. 3'/, Uhr (ein Kind frei), und abends 7'), Uhr. Komische Oper. Frledrlchntr. 104— 104 a. Sonnabend, den 18. November, abends 8 Uhr; EröJTnungn- Vorstollang! „Hoffmanns Erzählungen". Phant. Oper i. 3 Akt., einem Vor- und einem Nachspiel v. IaegueS Offenbach. Sonntagnachmlstag 3 Uhr: „notTmaiinn Kry.Hhlniigcn" Ermäßigte Preise. Sonntagabend 8 Uhr:„HoHmenns Erzählungen." Montagabend 8 Uhr: ., Hollmanns Erzählungen." OTERO und ein auserlesenes Künstler- Programm. Colossettm TreSdeuerstr. 97. Anfang 8 Uhr— Sonntag» 7 Uhr. ZA grandiose Spezialitäten |P die best. Komiker u. sonbrett. | H Bendix, Littk« Eartsen, Oskar j u Fürst, Hoch gemuth, van Roh, Fannh Bebrens. Debüt: k'inra PIcnrctt©. Geschwister Andra»©h>. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Humoristische Volksvorstellung. Jeder Platz 30 Pj., Loge und 1. Parkett 70 Ps. l Kind frei. Im Konzert-Saal: Täglich: 2 Kapellen mit der. Natursängern. Belle-III«! Theater- Varidt�. Anfang 8 Uhr. Neues Programm! Deora Itälaer Da l.anre Etoil Excentrique. Ein Abend in einem amerikanische nl TIngcl-Tnngel. Rauchen im Winterg. gestattet. Carl Wein-Thealer. Kr. Franksurterstr. 132. |u Kerliu iö was los. Ansang 8 Uhr. Morgen nachm. 4 Uhr, kl. Preise: Kindervorstellung: 0er Rattenfänger von Hameln. StbeudS 8 Uhr: Die V/eise aus Ecivood. Schöneberger Wintergarten Goltzstraße 9. Täglich Theater- und Tpeziali- tätenvorstellnng. Sonntags 2 Vorstellungen. Nachmittags 4 Uhr zu halbe» Preisen. Jede erwachsene Person hat ein Kind frei.— Abend« 7 V.Uhr Große Gala- Vorstellung. Tie Tirektion. koliss Caprice. Budapester Possen-Theater == 132 Linienstr. 132■ Ecke Friodricbstraße. Zum 63. Male: Kacb dem Zapfenstreich. Vorher: Soll und Haben u. d. ausgczeichnSpezialitälenteiL Anfang 8 Uhr. V orverkauf täglich b. A. Wertheim und an der Tageskasse v. 10 Uhr vormittags an._ erlinerllik-Trio. Felix Scheuer u Strilnihntr. I. Li ««gxg rTTTSTZZSTTTTXrXXXZXZTXZn MeyersBilder. Erschienen ist eine neue Ansichtskarte: ..Eottdold Ephr. Lessing", welche unseren Kunden in unseren 400 Nieder- lagen in Berlin und Vororte gratis verabfolgt werden. Die bereits erschienenen Ansichtslarten „TValthcr von der Vogelweide" „Wolfram von Eschenbach" „Ulrich von Hatten" „Friedrich von Schiller*1 „Martin Luther" „Hans Sachs" „Rani Gerhardt" „Christian Ffircbtegott Geliert" gelangen ebenfalls gratis, so weit sie noch vor- rätig sind, an unsere Kunden zur Verteilung.— Weitere Ansichten deutscher Dichter folgen. Hermann Heyer& Co., Likirfbrk.,WelngraBhandlg.,Fruchtsaftpressersl Berlin IV., Wattstt. 11/13. ««XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXI jenensia-Räder Brennabor-Räder Teilzahlung! Zwei Jahre Garantie Sozial-Räder m. 65.-, Sozial-Luxus-, M. 100-, MSebruchtc Räder billig! Bitte genau aus Hausnummer»83- zu achten. 22, R. Groskurth, Berlin c, Miinzstr. 23. '.RSo? Eduard Möller Rütc, JVlützcn, pelzwarcn Zlirdorf, Kergstr. 84. Jßöbel-7abrik«SS. un Fabrikpreisen— Eigene Werkstätten— empflohlt Julius Apelt, Skaiitzerstr. 6," 3 380�" Xeu erOITnet 1 WhZ lOTO�' Cafe Sebnrig 3 Billard» Reue Roststraste 2. 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Täglich ♦ in den unteren Sälen � Gottschalk-Konzert. 4894L* Ein Biesenposten Mocketplüscli 130 Cmfr. Mnfnp von A 65 breit, ä JuClcr Mk. �,an baltbarster buntiorbiger Möbelstoff. Reste spottbillig! mm Proben franko. MM Tepp ich haus Emil Lefevre, ber8UN Oranienslr. 158. ' Die«eltbetanute-MM Bettfedern-Fabrik ! DxftadLnftig, Berlins., Prinzen. ! itr-se«6. oersendel gegen Nochnanmc garnnl.nene Wrttseder» d. Psd. bö Ps.. chinejischr S»ltd«un>n d.Pid.R.>.25. »elsere v«l»»»nnen d. Psd. M. 1,76, »«rzngliche Tennen d. Psd. M. 2PZ.t —< von dielen Tennen genügen z bist Pinn» zu», große» Odrrdett j Lerpackung frei. Preiil. n. Prebe», grotis. Biele Anertennungsschr. J 3aeob Golde SpeE.-Wttscheseschäft Arbeiter- BerofskleldaBg 119 Sr.FraiiWiifW.119 10'u Rahntt. Ueber 40 Jahre Im Osten Berllne! Sozialdemokratischer Agitationsverein für den Wahlkreis Bromherg Stadl und Land. Sonnabend, den 18. November, abends 8 Uhr. in Fritz Wllkcs FestsfUen, Vrunnenstr. 188(am Rosenthaler Tor): u Stflftungs-fcfti bestehend aus Konzert, Vorträgen und Ball unter gütiger Milwirkung des Gesangvereins„Vereinigte Sänger Moabits", sowie Belsenfahren, auSgcsüHrt von der vierten Abteilung des „Berliner Arbeiter-Radfahrervereins"(Mitgl. d. Arb.-Rads.-B.„Solidarität"). KL. Da der Neberschuß des Festes zur Agitation für den Wahlkreis Bromberg Stadt nnd Land verwendet wird, so bitten wir die Partei- genossen um zahlreiche Unterstützung. 298/5 Der Vorstand. bttM äd tan DbiUiiiIs. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche(feÄem). Sonntag, den 19. November 1905, vormittags 10 Ufjt: Mitglieder Versammlung im Lokale Brunnenstraste Nr. 188. Tages-Ordnnng: 189/9 I. Innere Angelegenheiten der Gruppe.— S. Berschiedencs. Wir ersuchen sämtliche Mitglieder der Gruppe, zahlreich und pünktlich in der Versammlung zu erscheinen._ Der Gruppeiivorftand. ächfutig! äc'rteg! (Filiale Berlin.) Sonntag, den 19. November 1905, vormittags 10 Uhr: Mitglieder Persammlung bei Buggeuhagen, am Moritzplatz(großer Saal). Tages- Ordnung: 100/13 Fortsehung der Versammlung vom Montog, den 15. November. (Antrag Oskar Grcth von der Firma K. W. Pest.) BOF- ES ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser für den ferneren Verlaus unserer Bewegung wichtigen Versammlung zu erscheinen. Kollegen, welche in anderen Verbänden organisiert sind, haben Zutritt. Her Vorntand. A°dwg! ginsdze?. MM Sonntag, den 19. November, vormittags 11 Uhr, bei Fenersteln, Alte Jakobstr. 75: Oeffentliehe Versammlung sämtlicher Einsetzer Berlins u. Umgegend. Tagrs-Ordnung: 1.„Welche Vorteile würde uns eine event. Nnjühnmg der Lohnarbeit Inner- halb unserer Branche bieten." Referent Kollege W. Kuschke. 2. Diskussion. Kollegen! Im Anfang nächsten JabreS läuft der Tarif, den wir mit den Unternehmern vereinbart haben, ab. DeShald ist es nötig, beizeiten zu dieser Firage Stellung zu nehmen. Daram tue ein jeder seine Schnldigrett, und sorge für einen Mastcnbesuch dieser Versammlung. Kein Einseher darf kehle«. Die Kommission der Einsetzer des Koharbeiter-Kerbandes. _ I. St.: G. I.ehmnnn. 97/2 Zahlctelle Osten. Sonnabend, de» 18. November, abends S'L Uhr. in Boekers Festnttlen, Weberstr. 17: Mitgliedtr-Nerseieniimlg für htn Osten. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen A. Kleinlein. 2. Diskussion. 3. Vereins- angelegenheitcn. 142/10 i Gäste willkommen. i r- Zahlreiches Erschewen erwartet Der"Vorstand. NB. Montag, den 20. November, bei Graumann, Naunhn. straste 27: Mirglieder-Versammlung. Dagesordnung wird noch bekannt gemacht.__ P. O. Deutscher Tabakarbeiter-Verband. Freitag, 17. d. M. Zahlstelle Berlin.————— abends 8'/, Uhr. in«nton Boekers Festsälen, Webcrftr. 17 t Oeffentl. Versammlung der Takakarbeiter und-Arbeiterinnen Kerlins. TageS-Ordnung: 1. Bericht über die Verhandlungen mit dem Verein Deutscher Zigaretten- sabritanten zu Berlin. Rcserent: Erster Vorsitzender deS Deutschen Tabak- arbeiter-Verbandes Karl Deichmann-Brcmrn. 2. Diskussion und Stellung- nähme zu den Verbandlungen. 3. Verschiedenes. MT" DaS Erscheinen aller Kollegen ist unbedingt notwendig. 187/15_ Dio Bevollmächtigten. I. A.: Sally Rosenthal. Verband des technischen Bühnen-Personals : Sitz Berlin.======s Sonnabend, den 18. November, abends 11 Uhr: MitglieÄev-Ve�rammlung im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15. TageS-Ordnung: 1. Derbandsaiigclegcuhcitcn. 2. Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwünscht. 190/12 Der Torstand. NB. Unser sechstes Stiftungssest findet am Dienstag, 21. Novbr. /Tag vor dem Bußtag) in der Alhambra, Wallnerthcaterstraße 15, statt. Ansang 9 Uhr._ DaS Komitee. H. Zimmermann Berlin SO. Juwelier Oranienstr. 206 Gold- und Silberwaren-Fabrik, Uhren-Großhandlung. 41221,* Eigene Werketatt für Neuarbelt u. Reparatur. Streng reelL— Billigste Preise. ttr IM Verwaltungsstelle Berlin. Haupt-Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. ArbettSnachwcts: Zimmer 34. Amt IV, 3353. Sonntag, den 19. November 1905, vormittags 10 Uhr: Branchen-Bersammlung der Eisen-, Metall- und Revolverdreher im großen Saale des „BercinS Berliner Musiker"(C. Elsner), Kaiser Wilhelmstraße 18m: Tages-Ordnnng: 1. Fortsetzung der Diskussion über:»Weltanschauung und Taktik des Proletariats." 2. Verschiedenes. Um den Kollegen unserer Branche die Gelegenheit zu geben, der Fort- setzung der Diskussion beizuwohnen, ist auch für diese Versammlung eine Kontrolle notwendig. Die Kollegen werden im eigenen Interesse ersucht, sich rechtzeitig mtt ihrem Mitgliedsbuch einzufinden. ---—» Ohne Mitgliedsbuch kein Einlast.—■ Sonntag, den 19. November 1905, vormittags 10 Uhr: Bezirks-Versammlung für Köpenick und Umgegend im Lokale von da höh Boll, Grünauerstraste 7. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Bnse-Bcrlm über:„Der Kampf in der Elektro-Jndustrie und welche Lehren ziehen wir daraus 2. Diskussion. 3. Vcrbands-Angelegenheitcn. UM- Ehrenpflicht aller in Köpenick wohnenden VcrbandSiollegen ist cS, diese Versammlung pünktlich zu besuchen. Sonntag, den 19. November 1905, vormittags 10 Uhr: Brauchen-Vers ammluug aller in der Metall-«nd Eisen-Industrit WA' Hobler, Sohrer, Stößer nnd Fräser im FngHUehen Garten, Alcxanderstraße 27e. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag;«Alexander II. von Rnstland und der NihilismnS.« Referent: Genosse Max Schütte. 2. Diskussion. 3. Ergänzungswahlen zur AgitationS-Kommission. 4. Verbands-Angelegenhciten und Verschiedenes. ZfB. Um die Versammlung pünktlich eröffnen zu können, werden die Kollegen ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Achtung! Achtung! Sonntag, den 19. November 1905, v»rm«ttagS 10 Uhr: ■i Konferenz aller Werkzeugmacher aus den Spezialfabriken für Schnitte und Stanzen Im Gewerhsehaftshanse, Engel-User 15(Saal V). TageS-Ordnung: m�mmm Tie Aussperrung und ihre Folgen. nWaxan» Kollegen! Die Unternehmer der Elektro-Jndustrie planen«inen Schachzug gegen unsere in ihren Betrieben beschästtgten Kollegen. Die Konferenz soll der Aussprache über die eventuell« Stellungnahme dienen. Zahlreichen Besuch erwartet 151/16_ Die Ortsverwaltnag. Heute Freitag, abends 8'/« Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer Nr. 15: 97/1 Sitzung der Ortsverwaltung. Kamm- u. Bürstenmacher. Sonntag, den 19. November, abends O'/a Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15, Saal 1: dnterdaltungs-)Zbenä. Vortrag des Frl. Heydemann über:„Der FreihritSdichter Heine". Humoristische u. GesangSvorttäge von Mitgl. des Berk. ThratervereinS. Eintritt 20 Ps.___ AM- Tanz.-Wgz Eintritt 20 Pf. Verband der Hafenarbeiter u. verw. Berufsg, Dentaehlands. Slltclledschaft Berlin II. Bretterträger und Brettschneider! Sonntag, den 19. November er., vormittags pünktlich 19'/, Uhr, im Königftadt-Kasino, Holzmarktstr. 72; Mitglieder- Uersummluug. TageS-Ordnung: 1. Wahl eine» Delegierten zum Berbandstage. 2. Verbandsangelegen» heilem 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Verschiedenes. 22/3 Her Vorstand. NB. Erscheinen eincS jede» Kollegen unbedingt erforderlich. Mmm Rixdorf! Sonntag, den 19. November er., vormittags Präzise 10 Uhr, bei Dhicl, Bergstrafte 151—152: Quarlais-Versammlung der Zeolral-Krankeökasse der Maurer und Stukkateure Oeutsehlauds „Grundstein zur Einigkeit". Tages- Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Bc- sprcchnng und Beschlnßsassung über den neu zu gründenden Jnvalidensonds. 3. Verschiedenes in Kasscnangciegenheitcn. Um rege Beteiligung bittet 149/10___ Die Ortsverwaltnug. I. A.: Aldott Beodsttki. Virtsdaiis ,.5ekföe Mtersllork" h«l Erkner. Am Mittwoch(Busttag), de« SS. November 1905: Großes Schlachtrfest Wursiesien« Portion 69 Pf.), wozu ich Hiermit die verchrlichen Bereine;c. ganz gehorsamst bei ihren Herreupartien tinlade. Hochachtend svölL Friedrich Saewert, Deutscher Buchbinder- VerbandJ Zahlstelle Berlin. Am Dienstag, den 14. d. M.,'i verstarb nach schwerem Leiden der Kartonaroeiter Hugo Schiidt im 21. Lebensjahre. Die Beerdigung findet an: Freitag, den 17. d. M., nachm. 3'/, Uhr, vom Traucrhause, Lang- Hansstraße 55, aus nach dem Wcißensecr Kirchhose statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 29/S vis Ortovsmaltutig. Todes- Anzeige. Men Bekannten, Kollegen nnd! Kolleginnen zur Mitteilung, baß meine Frau .Anna Büchner geb. Schimmelpfcnnlg am 15. November nach langem Leiden verstorben ist. s4L4b Die Beerdigung findet am Sonn- tag. den 19. November, nachmil- mittags 3 Uhr, von der Charite! aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen| Alex. Büchner nebst Kindern, Ober-Schöneweide. Danksagung. Sage hiermit allen Kollegen, freunden und Bekannten für die Teilnahme und reichen Kranzspende» bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Schlossers Karl Schwarz meinen innigsten Dank. 50822 Witwe Elise Schwärs nebst Tochter. ..Berliner Arbeiter- Radfabrer-Verein" Mitglied de? Arbeiter» Radfahrcr-BundeS »Solidarität-. Sonntag, den 19. November: 1.«nd 2. Abt., früh 8 Uhr: Nauen, Kumte. Start: Kaiser Wilhelm-Ge- dächwiSkirche. Mittags l1/, Uhr: nach Hakcnseldc, Teßnow. Start:!'/„ Uhr an der Lutherkirche, Bülowstraße. Desgl. nach Pichelswerdcr, Freund. Start: l'/j Uhr am Brandenburger Tor. Gäste stets willkommen. Am SS. November(Busttag): Nach FohanniSthal, Krüger. Siart: l'L Uhr Schlesische Brücke. Nachmittags 5 Ulir, im Elhsiui». Landsberger Allee 40/41: Vereins- Versammlung mit nachfolgendem Lichtbilder-Vortrag und gemütlichem Beisammensein. Vollzählige Beteiligung erwünscht. 27/14 Arbeiter-Iladiabrer- VereinRixelopf Mitglied des Arbciter-Rad- sahrcr-DuudeS Solidantät. Sitzung der ersten Abteilung jeden evsten Dienstag im Monat bei H. Thiel, Bergstr. 151/158, abends 9 Uhr; der zweiten Ab- teil�ng jeden zweiten Dienstag im Monat bei strafte 49/50. e, Herma»»- abends 9 Uhr; Hauptversammlung jeden vierten Dienstag im Monat bei Thiel. Am Mittwoch, den 28. No vember, abends 5 Uhr, findet ein Vortrag statt über„Ernährung und Stoffwechsel'. Rcserent: Br. Wofl- helin. Nach dem Vortrage gcmüt- liche» Beisammensein. Freunde und Gönner sind hierzu herzlich eingeladen. 27/15 Am 85. November findet unser diesjährigerPeiinerabend in Fritz Hoppes Fseftsälen, Heruian». strafte 49/50, statt. Ansang 10 Uhr. Mit Preisverteilung für die Original- penne. Freunde und Gönner des Vereins find herzlich willkommen. Während des Winterhalbjahres finden die Starts zu den BeremS- touren jeden Sonntagnachmittag 1 Uhr bei Thiel statt. Ziel wird am Start bekannt gegeben. Der Vorstand. Leloivsk�'s �Bolero" feinste Zigas�atie. Gesetzlieb üeschiltzt! 4830L* I Ite'ßg Wahlkreis.� Schönhauser Vorstadt. Sonntag, den 19. November, abends 6 Uhr, in den„Verolina-Sälen", Schönhauser Aller 28: Volks-Versammliiiig für Männer und Frauen. Tagesordnung: i. Vortrag des Genossen Büwell über:„Sie verschiedenen sozialen Schiehfnngen". 2. Diskussion. Nach der Versammlung: GemütHciies Beisammensein und Tanz. 3u zahlreichem Besuch ladet ein Der Vertrauensmann. Achtung! Achtung! Zentral-Verband der Utanrer Deutschlands. ===== Zweigverein Berlin und Umgegend.--------------- Freitag, den 17. November IM, abends 8 Wr, bei Keller, Koppeilftraße Nr. 39: (fcneral-VersanunliniK aller zum Zweigverein Berlin gehörigen Zahlstellen und Sektionen. Tages-Ordnun g: 1. Abrechnung des Kassierers vom 3. Quartal. 2. Wahl eines Ausschuß- Mitgliedes. 3. Gewerkschaftliches, nr' Mitgliedsbuch legitimiert."WB Zahlreichen Besuch der Versammlung erwartet 15e'8* Ter Zweigvereins-Vorstand. I. A.: E m i l T h ö n s. xn. Die regelmäßige Mitgliederversammlung der Zahlstelle Fricdrichsberg fällt dieser Versammlung wegen aus. D. O. l)r. Simmel, �."7"' Epczinlavzl süv 23/14' n»«l»»»»'nivlavn. lll— 2,5—7. Sonntag» 1Ü— 12, 2—4. 9. Ziehung 5. KI. 213. Kgl. Preuss. Lotterie. Zieban� Tom 1». KoTeinber 190S, Tormittazs. Sur die Gewinne Uber 240 M«rk sind den betreffenden Kümmern In Klammern beieefüBt. (Obne Gewähr.)' Kächdrnck rerbolen. ___ 27 89 183 234 33« 513 79 727 852 931 1024 25 63 77 120 64 210 488 544 856 2118 90 263 402 82 588 642 716 832 3044 83 130001 153 277 310 45 517 810 63 980 4292 506 800 21 37 38 975 5257 15001 364 51 514 652 922 72[30001 6073 III 318 478 535 43 63 638 712 881 7225 75 303 535 790 895 8037 273 18001 836 81 9128 893 712 852 918 46 15001 10080 756 940 78 11050 117 252 448 709 20 898 SN 40 12326 402 605 II 740 79 1 3101 47 306 517 £500] 765 1 4044 197 43? 94 604 783 84 872 951 90 nOOOl 15044 628 99 1 6183 227 310 91 437 110001 66[10 0001 689 722 846 940 17194 270 385 437 553 605 7 57 780 1 8251 1.5001 604 767[5001 957 19010 83 340 649 91 890 15001 20023 67 81 106 15 247 322 647 130001 66 868 21532 69 22122 251 382 635 23122 130001 67 358 731 828 949 24045 262 600 25023 47 118 34 73 634 91 849 80 942 53 84 26095 110001 112 212 90 644 130001 799[5001 906 78 2 7001 31 81 163 245 405 755 28121 66 210 474[5001 96[50011 600 711 17 48 848 riOOOl 55[5001 98 988 29088 363[500] 70 94[500] 674(5001 77 83 627 82 30265 573 024 44 47 889 97 925[30001 99 31025 302 47 402 8 12 61 667 72 92 782 944 3 2006 54 430 601 762 889 912 33201 54 438 74 678 719 34148 271 389 427 71[3000] 586 688 897 930 87 3 5124 287 626 664 36321 697 779 37566 648 83 727 74 977 38000 178 210 542 92 623 785 899 943[5001 39016 LL 192[5001 207[10001 307 95[30001 442 515 62 706 913 40012 69 246 326 90 95 429 93 666 88 763 913 41265[30001 67 84 371 472 6f4 42055 15001 76 304 19 443 74 626 46(30901 873 982 4 3093 530 15001 858 91 44001 15 91 150 66[3000] 264 655 63 75 945 45058 107 42 90 545 621 784 817 915 46165 238 90 110001 442 43 556 88 773 818 903 4 7050 113[5001 264 352 86 316 41 645 77 706 4 8 478 512 728 76 931 49121 367[5001 94 406 97 584 620 74 76 706. 874 50213 301 427 746 95 51139 255 318(10001 52 187 722 24 93 876 5 2089 205(10001 435 71(5001 517 62 638 710 91 817 72 986(19001 53068 106 290 316 408 503 627 758 982 54129 15001 305 542 778 841 99 925 55004 80 153 54 80 343 428 110001 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Für den Inseratenteil verantw.: Th. Gl»«r». Berlin Druck u. Verlag: Borwärt» � lvuchdruclerei u. Verlagsan'.ai' Singer�Co.. Berlin SW, Nr. 270. 22. Jahrgang. 2, AüU to„Pormürlü" fttlintt ililblilatl. Freitag. 17. Navember 1905. Die Straßenbahner und ihre„wohluiollende" Direktion. Am Mittwoch wurde im groben Saale des Gewerkschaftshauses eine ungewöhnlich stark besuchte Versammlung der im Betriebe der „Grohen Berliner Straßeubahu" beschäftigten Augestellten abgehalten. Einberufen war die Versammlung von der Straßenbahner- Sektion des Handels- und Transportarbeiter-Ver- b a n d e s. Außer den Verbandsmitgliedern hatten sich aber auch Angehörige des von der Direktion so warm protegierten Straßen- bahncr-.BereinS" recht zahlreich eingefunden. Verbandsvorsitzender Schumann hielt das Referat über: „Lebensmittelverteuerung, Straßcnbahnerlöhne und Unternehmet- gewinne". Einleitend bemerkte der Redner, daß es sich ein Teil der bürgerlichen Presse nicht habe verkneifen können, das Stattfinden dieser Versammlung zu eiuer schreienden Sensationsnachricht auszunutzen, indem Schauernoiizen verbrochen wurden mit der Ueberschrift:„Straßenbahnerstreik in Sicht!" Es handle sich hier jedoch keineswegs um die Beschlußfassung über einen Streik, sondern lediglich um eine Besprechung über die zu niedrigen Löhne und Auf- stellung der Forderung einer Teuerungszulage. Streiken würden die Straßenbahner jedenfalls nur dann, wenn sie selbst den Zeitpunkt zur Durchsetzung zurückgewiesener Forderungen für ge-. kommen erachteten, nicht aber dann, wenn es der Sen- sationspresse passe. Alsdann ging er auf die gegenwärtige Fleischnot und die allgemeine Verteuerung der Lebensmittel ein und wies rechnerisch nach, daß die Straßenbahner mit ihren kümmer- lichen Löhnen resp.„Gehältern" unmöglich menschenwürdig zu existieren vermöchten. Die Direktion aber vertröste ihre Angestellten von einer Zeit zur anderen, indem sie immer„wohlwollende Prüfung" zusage. auS dem Stadium der Prüfungen und Erwägungen jedoch nicht heraus- konmte. Vielleicht würden die Direktoren ihre„Prüfungen" etwas schneller beenden, wenn sie in die Lage versetzt würden, selber mit den so wohlwollend geprüften Straßenbahnerlöhnen auskommen zu müssen. Das Personal erhält nämlich, nachdem es schon vorher jahrelang im Fahrdienst beschäftigt war, bei der Anstellung nach dreimonatlicher Probedienstzeit pro Monat 90 M.— 20,77 M. pro Woche; nach einen, Jahr 9S M.— 21,92 M. pro Woche; nach 3 Jahren 100 M. ---- 23,07 M. pro Woche; nach 5 Jahren 10S M.— 24,23 M. pro Woche; nach 7 Jahren 110 M.— 25,38 M. pro Woche; nach 9 Jahren 113 M.=- 26,07 M. pro Woche; nach 11 Jahren 115 M.--- 26,64 M. pro Woche; nach 13 Jahren 118 M.--- 27,23 Mark pro Woche; nach 1b Jahren 120 M.— 27,69 M. pro Wocke und nach 20 Jahren eine besondere AlterSzulage von 5 M., also 125 M. pro Monat oder 28,84 M. pro Woche. Von diesem „Gehalt" werden regelmäßig in Abzug gebracht die Bei- träge für Invalidenversicherung, Krankenkasie, RuhegehaltSkasse, Strafgelder in Höhe von je 50 Pf. bis 5 M. und der Beitrag für den„Verein der Angestellten". Bei Zusammenstößen hat das Personal außer den gerichtlichen Strafen und Kosten auch noch die Reparaturkosten für die beschädigten Wagen zu decken und sich daher erhebliche ratenweise Abzüge hierfür gefallen zu lasicn. Zieht man jedoch in Betracht, daß sich die große Mehrzahl der Angestellten in die jüngeren Gehaltsklassen einreiht, (bevor sie in die älteren aufrücken, sind die meisten von ihnen längst entlassen) so ergibt sich für sie ein monatliches Durch- schnittSgehalt von etwa 103 Mark oder 23,77 Mark pro Woche. Noch schlechter ist da» Ersatzpersonal gestellt. Dieses rekrutiert sich aus dem sogenannten Reservepersonal und erhält während der ersten sechs Monate 2,85 Mark pro Tag,(bleibt also unter dem ortsüblichen Tagelohn I) und nach 6 Monaten täglich 3 M. Diese Erhöhung ist aus Drängen der Vertrauensleute erst seit dem letzten Frühjahr eingeführt; sonst erhielt das Erjatzpersonal die 2.85 M. bis zur Festanstellung, die zwar nach 2'/zjähriger Ersatz- tätigkeit erfolgen soll, häufig jedoch erst nach 4 bis 5 Jahren erfolgt. Die„Große Berliner" versteht es also ausgezeichnet, sich in dem Ersatzpersonal einen Stamm besonders billiger Arbeitskräfte zu sichern, denn die Zahl dieser Bediensteten belauft sich auf zirka 2000 Mann. Am schlechtesten ist daS sogenannte Reserve- personal daran. Desien Tagelohn beträgt 2,75 oder 2,80 M. Ans die RuhegehaltSkasse hat diese Kategorie keinen Anspruch, jedoch „gestattet" man den Leuten, Mitglieder deS„Vereins" zu werden. In der ersten Zeit werden diese„Reservisten" mit Wagenwaschen be- schäftigt und müssen dann später, nachdem sie Fahren gelenit haben, in den ständigen Fahrdienst treten. Häufig haben sie am Tage zufahren und des Nachts Wagenau waschen. Auf ihr Gesuch können sie nach ein- bis dreijährigem Aushülfsfahr- dienst in das vorhin erwähnte Ersatzverhälmis aufrücken, um dann schließlich nach drei- bis fünfjähriger Tätigkeit als Ersatzleule zum festangestellten Fahrer oder Schaffner zu„avancieren". Bei dieser Art Avancement und Entlohnung ist es nur zu begreiflich, daß die Direktion ihr Personal mit den berüchtigten„Wohlfahrts- einrichtungen" an sich zu ködern sucht. Lediglich die Aussicht, es in späteren Jahren vielleicht etwas besser zu bekommen, wenn sie eine Anzahl Jugendjahre auch für unzureichenden Lohn gearbeitet haben, hält die Leute bei der„Großen Berliner". Das weiß die Direktion auch sehr genau; deshalb das schlau berechnete Alters- stufensystem und deshalb auch das Gaukelspiel mit dem Wohlfadrts- krimSkrainS. Wenn die Angestellten also ihrerseits einmal gründlich in eine„ivohlwollende Prüfung" ibrer Lage eintreten, so wie es bei der jetzigen Teuerung geschehen sei, dann hätten sie wirklich allen Anlaß, unzufrieden zu sein.(Lebhafter Beifall.) In wirksamen Gegensatz zu den Jammerlöhnen des Personals stellte der Redner sodann die horrenden Gebälter der Direktoren, AussichtSräte und ersten Beamten und die fetten Dividenden der Aktionäre. Und diese Herren mit ihren spielend erzielten Riesen- Verdiensten speisen die Sttaßenbahn-Ängestellten stets mit ewigen Bertröstungen ab! Der Referent kritisierte hieraus in sachlicher Schärfe den von der Direktion ausgehaltenen Harmonie- „Verein" der Angestellten, dem auf sanften Druck hin zwar über 6000 Straßenbahuer angehören, wogegen jedoch Zweidrittel der Vertrauensmänner von der Vcrbandssctnon gewählt worden seien. Dieser Umstand allein beweise zur Genüge,>vie der Direklionsverein von der Mehrheit seiner eigenen Mitglieder eingeschätzt werde. Alles, waS die Direktion bisher widerwillig zugunsten ihrer Angestellten eingeführt hat. geschah lediglich auS Besorgiiis, der Transportarbeiter- Verband könne ihr wieder einmal eine ähnliche Verlegenhert bereiten wie im Jahre 1900 beim aroßen Straßenbahnerstreik. �Lebhafter Beifall.)" Die Diskussion gestaltete sich sehr vielseitig und rege. Ein Schaffner hatte selbst eine tabellarische Berechnung seiner Mehr- ausgaben aufgestellt, die ihm aus der Erhöhung der Wohnungsmiet« und der Verteuerung der Lebensmittelpreise erwachsen sind. Dem- nach muß er pro Monat 26,70 M. mehr verbrauchen wie im Vor- jähre. So wie die Dinge jetzt lägen, wußte die Frau kurz vor dem MonatSersten trotz aller Sparsamkeit weder auS noch ein.(All>e,tige Zliftimniung.) Schaffner Oberpichler. ein Mitglied des sogen. Ascher-Verein», machte die Mitteilung, daß die Direktion einer Abordnung der„BereinS'-Vertrauensleute gegenüber ain Mittwoch eine demnächstige Gehaltsaufbesserung für die Angestellten in A u s s i ch t g e st e l l t h a b e. Freilich habe dies ja lange genug ge- dauert, denn schon längst iväre die Einberufung einer Vertraucnsniänner- koiiserenz bei der Direktion beantragt worden, doch erfolgt sei sie nickt. Jetzt aber iei der Kommission der Bescheid geworden, die Direktion«verde eine Gehaltserhöhung wegen der Teuerung in wohlwollende Erwägung ziehen und nach nochmaliger Prüfung im Laufe dieser Wowe das weitere bekannt geben. R a t h m a n n bemerkte dazu, es müsse allerdings eigenartig berühren, daß die Lohnerhöhung gerade an dem Tage ,n Aussicht gestellt wurde, zu dem diese Versa mm- lung einberufen sei. DaS lege die Bennutung nahe, daß die geplante Versammlung nicht aanz ohne Einwirkung auf die Eni- schließnngen der Direftion geivesen wäre. Doch möge dem sein wie ihm«volle, die Hauptaufgabe sei, daß es überhaupt ein, nennenswerte Lohnaufbesierung gebe. Um der Direktion aber deut- lich zu zeigen, welche berechtigten Erlvartungen die Verbands- Mitglieder in die wohlwollende Prüfung setzen, beschloß die Ver- sammlung einstimmig, folgende Forderilngen durch die Vertrauens- mätmer einreichen zu lassen: Gehaltserhöhung auf: In den ersten 6 Monaten pro Tag 3,25 M.--- 97 M. pro Monat. „ folgenden 2 Jahren pro Tag 3,50, 105.„, Vom 1. bis 5. Jahre nach der Anstellung— 110.,, Nach dem 5. Jahre----- 115„,„ „ i» ll.„----- 120„„„ » n lö. w 0= �25„»„ 0 0 17.„■= 130.„, Ferner: Erhöhung des Kilometergeldes von 50 auf 75 Pf. pro Tag und dielen Betrag in festen Lohn umzusetzen. Erhöhung de§ lleberftundengeldes für das Ersatz- und Rescrvepersonal von 25 resp. 30 auf 50 Pf. Aufschlag für Nachtdienst. Verkürzung der Dienstzeit für Schaffner von 11 resp. 10'/„ auf 10 Stunden. Völlige Gleichstellung der Charlottenburger Angestellten mit deiren der Großen Berliner Straßenbahn in finanzieller und dienstlicher Be- ziehung sowie Gewährung der Teilnahme an den Konferenzen der Berliner Vertrauensmänner. Andere Forderungen beziehen sich auf den Urlaub, die freien Tage, Kleidung und die Wahlen zu der Vertrauensmänner-Körperschaft.— Um'/zl Uhr fand die Ver- sammlung ihr Ende._ Hus Induftric und Handel. Bon der Schiiltheißbrauerei. Zu dem Geschäftsbericht der Ge- sellschaft, in welchein eine Steigerung der Löhne betont wird, schreibt man uns: Eine Lohnsteigerung ist nicht eingetreten. Für Brauer, Böttcher und Arbeiter bestehen feste Tarife, die bis Ende 1906 Geltung haben. Danach betragen die Löhne für Brauer und Böttcher 32 Mark, für Arbeiter 22 Mark. Nach einjähriger Dauer des Arbeitsverhältnisses steigt der Lohn um 2 Mark, nach zweijähriger Dauer nochmals um 2 Mark. Nur in diesem ganz beschränkten Rahmen könnte von einer Lohnsteigerung die Rede sein. Außer den Tarifsätzen bestehen noch— und das ist nichts Rühmensivertes— sogenannte Treiberlöhne. Die Handwerker werden nicht tarifmäßig bezahlt, sondenr nach Gunst und Güte. Bielfach erheben sich die Handwerkerlöhne nicht über die der Arbeiter. Ob- tvohl hohe Anforderungen gestellt«Verden, zahlt die Schultheiß- Brauerei fast dnrchiveg unter den sonst bestehenden Tarifen. Besonders find Bauhandiverker,«vie Maurer, Zimmerer, Maler, Anstreicher und Dachdecker ganz erheblich im Nach- teil.«Einer Bewegung der Handwerker,«velche dahin zielt, auch für Brauereihandiverker euren Tarif zu schassen,«vird von den Direktionen der Brauereien, an ihrer Spitze die Schulthciß-Brauerei, scharf ent- gegengearbeitet. Man will die bestehenden Löhne sogar noch drücke««. Es existiert zwar ein Arbeiterausschuß, aber nur als Dekoratton. Die Ausschußmitglieder werden indirekt sogar besoldet. Die ge- wählten Ausschußmitglieder avanzieren ohne weiteres zu Vorstands Mitgliedern der Unterstützungskassen und erhalten als solche jährlich 100 M. Vergütung. Was die Uilterstützungskassen und andere .Wohltätigkeitseinrichtungen" betrifft, so sind dieselben nur Mittel zum Zweck, sie geben einen guten Schein nach außen hin, dienen aber nicht dem Wohl der Arbeiter. Kohlenversorgung deutscher Großstädte. Solveit die deutschen Großstädte in Betracht kommen, ergibt die Statistik eine überaus starke Steigerung der Zufuhren. In den ersten neun Monaten 1905 überstieg die Versorgung die des Borjahres um nicht«veniger als zirka 8 Proz. Da die Nachfrage nach Hausbrandkohlen sich meist in den gleichen Grenzen beivegt. so ergibt sich daran« eine recht kräftige Mehr- Versorgung der Industrie. Ganz interessant ist die Entioickelung der Zuftihr im laufenden Jahre aus den verschiedenen Herknnftsgebieten. Für die Versorgung der deutschen Großstädte kommen hauptsächlich Rheinland-Westfalen, Schlesien und Großbritannien in Betracht. Stellte 1904 Rheinland- Westfalen im September zirka 35 Proz. zu der Gesamtversorgung, so stieg sein Anteil in« laufenden Jahre auf zirka 44 Proz. Die englische Zufuhr«var 1904 mit zirka 12, 1905 mit 19 Proz. an der Versorgung beteiligt. Bei Schlesien trat dagegen ein scharfer Rückgang der Beteiligung ein; da aber für schlesische Städte keine Angaben über die Zufuhr vorliegen, so ist anzunehmen, daß der Bergbau Schlesiens bei der günstigen Geschäftslage der Jndtlstrie die Versorgung des eigenen Landes in erster Linie forciert. Zugenommen hat die Zufuhr schlesischer Kohle in der Hauptsache nur nach Berlin, Leipzig und München, bei den meisten anderen fand eine Abnahme statt. Bei Köln, das seinen Bedarf zum größten Teil aus Rhein land-Westfnlen deckt, ging die Zufuhr von 130 211 Tonnen im Sep- tember 1904 auf 120 356 im laufenden Jahre zurück. Schon im August hatte die Versorgung abgenommen. Der Verkehr Rheinland-Westfalens mit Frankfurt a. M. wies schon Anzeichen des starken Wagenmangels auf. Der Versand per Bahn ging im September zurück, die Zuftihr auf dem Wasserwege erhöhte sich dagegen ganz beträchtlich. Bei Barinen beläuft sich die Mindcrzufuhr ans Rheinland-Westfalen ans zirka 5 Proz., während Elberfeld eine starke Zimahinc aufweist. Bei allen Städten jedoch, die mit eiiglischer Kohle versorgt werden, hat sich die Zufuhr wesentlich erhöhl. Bei Berlin eittkallen zirka 23 Proz. der Gesamrsteigerung im laufenden Jahre auf die ver- mehrte Einfuhr englischer Kohle. Ebenso hat in Königsberg der britische Kohlenhandel eine starke Einfuhrsteigerung veranlaßt. Im Monat September betrug die Gesannzunahme gegen 1904 zirka 260 Proz., englische Kohlen sind um 290 Proz. mehr importiert worden als 1904. Zu dieser Gruppe gehört noch Altona, das wegen der außerordentlich hohen Versorgung im Vergleich zu 1904 zu nennen ist. Die Berliner Handelskammer teilt mit, daß die kgl. Eisenbahn direktton Berlin neue Grundsätze über die Abgabe von Erklärungen und Vollmachten für die Abholung und Abrollung von Gütern auf- gestellt hat. Hiernach verlieren alle zurzeit hinterlegten Erklärungen und Vollmachten mit dem 31. Dezember 1905 ihre Gültigkeit. Die iteuen Erklärungen und Vollmachten müssen bis zun« 16. De- zember 1905 bei den Güterabferttgungsftellen hinterlegt werden Nähere Anskunft erteilt außer den Eilgut- und GüterabfertigungS- stellen das Verkehrsbureau der Berliner Handelskaminer, Doretheen- straße 7/8. B-umwallerntr der Bereinigten Staate» v»u Amerika im Jahre 1904,05. Die Baumwollernte der Bereinigten Staaten be lief sich für daS mit Ende August schließende Jahr 1904 05 auf 13 565 885 Ballen. Gegenüber dem Jahre 1903/04 ist dicS eine Zunahme um 3 554 511 Ballen lilid im Vergleich zu den Ernte«« der Jahre 1902,03 und 1901/02 eine Steigerung von 2 838 326 und 2 885 205 Ballen. Die Ernte des Jahres 1904/05 ist nicht nur die größte hinsichtlich der Zahl der Ballen gewesen, sondern steht auch bezüglich des Gewichts der Ballen unter den besten jemals auf den Markt gebrachten. Das durchschnittliche Bruttogelvicht des Ballens beträgt 515,58 gegen 507,69 Pfund im Vorjahre, d. h. 7.89 Pfund mehr. Das schwerste Getvicht. das seit dem Jahre 1879 je erzielt «vorden ist. betrug 513.96 Psimd. ES handelte sich dabc« um die Ernte 1893/99, die den Rekord früherer Ernten darstellte. Bis zum Jahre 1892 wurde ein DurchschnittSballeilgewicht von 500 Pfund Brutto überhaupt nicht erreicht. Dividendr». Die Brikett- und Braunkohlen-Jitdustrie Aktien- Gesellschaft Berlin verteilt 12 Proz.(10 Proz. im v.J.) Die General- Versammlung der Ver. Chemischen Fabriken zu Leopoldshall setzte eine Dividende von 5 Proz. fest(3 Proz. für Slaminaktien). Das Hasper Eisen- und Stahllverk kann 9 Proz. verteilen(8 Proz. i. v. I.). Die Brauerei Pfefferberg erbrachte 14 Proz. wie im v. I. Die Brauerei Germania schüttet 6 Proz. Dividende aus. Stimm,«ngsinache. Bezeichnenderweise wird in bürgerlichen Blättern fortgesetzt das Gespenst eines neuen großen Bergarbeiter- streiks an die Wand gemalt. Daß den Kohlenherren ein Streik nicht ungelegen käme, ist ja schon hervorgehoben«vorden. Die Sucht, die Preise zu steigern, ist das Motiv. Und das Ziel soll auch erreicht werden ohne Streik. Die Alarmnachrichten, die einen starken Kohlenabruf zur Folge haben, dienen der Sache. Wie die Kohlenverbraucher bearbeitet«Verden, illustriert folgende Nach« richt des Breslauer„General- Anzeiger". DaS Blatt schreibt, von zuverlässiger Seite gehört zu haben, daß zurzeit an« oberschlesischen Kohlenmarkt sehr bedeutende Aufträge vorliegen.„Die Ursache der hohen Anforderungen ist in der weit verbreiteten Be« fürchtung eines großen Streiks im Ruhrrevier, in der momentanen günstigen Oderschiffahrt und endlich in der Obstruktion der böhinischcn Bahnbediensteten zu erblicken. Die erhöhten Anforderungen an den Kohlenmarkt, die auch im oberschlesi-chen Revier eingetretenen Arbeits- einstellungen und eine nicht univahrscheinliche Erhöhung der Löhne infolge der teuren Lebensverhältnisse«vcrden vermutlich,«vie«vir schon kürzlich gemeldet haben, ein allmähliches Anziehen der Kohlen- preise zur Folge haben."— Was hier als Wirkung ausgespielt wird. ist Zweck der ganzen Mache.■ Krise im Bergbauliche» Berein. Ueber die eigentlichen Gründe des Konfliktes im Bergbaulichen Verein ist bisher offiziell noch nichts bekannt geworden. Die Angelegenheit dürfte mit dem Kampfe zivischen den großen Bergwerksgesellschaften und kombinierten Werken einerseits und den reinen kleineren Bergbauunternehnten andererseits zusammenhängen. Und etwas Ironie ist bei der Ge- schichte l General Kirdorf, der Macher der Großen, hat sich mit dein Programm der Ueberweisungsscheine, wodurch die Freizügigkeit der Berg- arbeiter eingeengt werden sollte, wahrscheinlich vom Kommerzien- rat Funke, der Hauptvertreter der reinen Werke ist, ein Kuckucksei ins Nest legen lasse««. Die Beschränkung des ArbettStvechsels«vllrde einen Vorteil für die reinen, nieist ungünstiger produzierenden Werke bedeuten. Die großen Unternehmen erfreuen sich erheblich günstigerer Förderverhältnisse als jene, weil einmal die neuen Zechen vorteilhaftere Kohlenlagerungen haben und die nach den««euesten technischen Errungenschaften eingerichteten Anlage«« dazu billiger als die Konkurrenzwerke sind. Diese günstigere'Positiou ermöglicht den großen Gesellschaften ja auch den Ankauf der Beteiligungsziffern minder vorteilhaft fördernder Gesellschaften. Die günstige Position der großen Werke ist nicht ohne Einfluß aus die Erwerbs- und Arbeitsverhältniffe, diese Werke ziehen die qualitativ beste Arbeiterschaft ai«. Die Durch- sührung der geplairten Sperre«viirde zwar im allgemeinen das Be- streben, die Löhne zu drücken, fördern, aber die großen Gesellschaften könnten dann den kleinen Utltcrnehmen«richt»nehr die geschicktesten Leute fortholen. Die vermeintlich arbeiterfreundliche Haltung der Kohlenkönige hat daher einen srhr materiellen, egoistischen Hmtcr- grund. Vermischtes. Ausgaben von Milliardären. Der„Corriere dclla Sera" ver-- öffentlicht in einem Briefe aus New Dork Schilderungen über die Verschwendung, die von Milliardären getrieben wird. Wir ent- nehmen dieser Schilderung nachstehende Einzelheiten:„New Dork ist die einzige Stadt der Welt,«vo Diners gegeben wurden, bei deiren jeder Gang 25 000 M. kostete, wo Gäste den bedienenden Kellnern 400 M. Trinkgeld gaben, wo man für eine einzige Nelke 1000 M. gezahlt hat; die einzige Stadt der Welt, Ivo ein Hotel ein Bett haben kann, das 40 000 M. kostet. ES gibt eine ganze Anzahl Speiselvirtschaften und Hotels, in denen während der Saison Platten zum Preise von 200 bis 400 M. serviert werden. Eine gewiffe Berühmtheit erlangte das Ballfest, das im ver- flosscnen Winter„Jimmy" Hyde, der berühmte Vizepräsident der nicht minder berühmten„Equitable".Gesellschast, veranstaltete: Das Essen allein kostete 60 000 M., und dabei«var der Speisezettel weoer übermäßig lang noch übermäßig originell. Die fabelhafte Verschwendungssucht kommt auch den Hündchen der vornehmen Damen zugute; eine dieser Daiucn lieh jüngst für ihren«Schoßhund ein Halsband kommen, das 8000 M. kostete. Eine andere Dame lieh für ihr Lieblingstierchen ein besonderes Haus bauen, eine ge- naue Nachbildung des berühmten Parkhäuschens der Königin Anna, mit Tapeten, Teppichen, Fenstervorhängen usw.; jeden Tag begibt sich eine eigens zu diesem Zweck engagierte„Gouvernante" in die vornehme Hundehütte, um dem Hunde das Bad zu bereiten, ihn zu kämmen, zu frisieren, zu parfümieren und spazieren zu führe». Das Tier darf nur aus silberuen Gefäßen essen und trinken. Nach genau aufgestellten Berechnungen gibt es in New �ork fast 6000 Damen, die jährlich je 25 000 M. für Toiletten ausgeben. Böse Zungen behaupten, daß trotz dieser Toilettenpracht der gröhte Teil der Sechstausend mit hölzernen Schneiderpuppen zu ver- gleichen sei. Es ist der gröhte Schmerz dieser Dainen, daß sie zwanzig Kleider besitzen und nicht«nehr als eins auf einmal an- ziehen können. Und bei alledem sind sie nur die Plcbejerinnen der vornehmen Mode. Das wird man sofort begreifen, wenn man hört, daß im vorigen Jahre Frau Lars Anderson aus Boston sich in London bei Hof in einem Kleide vorstellte, das nur zwei Millionen gekostet hatte! Hotvard Gould hat sich auf seinem Land- gut einen Äuhstall bauen laffen, der mehr als eine Million kostet und einen Hühnerstall, der nicht viel billiger ist; man hat berechnet dah jedes Ei, das von den Hühnern des Millionärs gelegt wird. auf 20 M. zu stehen kommt. Diese Verschwendungssucht erinnert ganz an die Zeiten des Niederganges deS römischen Kaiserreiches. Auch die gegenwärtige «Äesellschaftsperiode trägt den Keim des Unterganges in sich und eine neue, deren Träger das aufstrebende Proletariat ist, ringt sich empor. Auf dem Simplonpaß verirrt. Aus dem Wallis wird berichtet: Die Einheimischen Pflegen bei Ucberschreitung des Simplonpasses (2000 Meter) die grotze Straße durch teilweise Benutzung des alten. «aunuveges zu kürzen. So machten cS auch drei Handelsleute aus Domodossola, die Brüder Mellano und der sechzehnjährige Sohn des einen, als sie von Brig aufbrachen, um in ihre Heimat zu gelangen. Dabei verirrten sie sich und gerieten in das Nessestal; es regnete und schneite, und dichter Nebel wallte durchs Ge- birge. Die Wanderer erschraken und wollten zurück; allein ü• vermochten sich nickt mehr zu orientieren und wurden bald t« einer furchtbaren Erschöpfung befallen. Besonders der Junge koniin- kaum noch vorwärts. Inzwischen brach die Nacht herein D« be- schloß der Onkel des Jungen, um jeden Preis bis zum zweiten Schutzhause vorzudringen, das nach seiner Meinung nicht weit fem konnte. Die beiden anderen, Vater und Sohn, blieben zurück Bald bekain der Junge Krämpfe, und nach zehnstüudiacm entkeb- ltchcm Leiden erlöste ihn der Tod. Vergebens hatte der Vater dur'ck Abreibungen die Krämpfe zu vertreiben gesucht �abe! mm-rn auch ihm beide Hände erfroren. Als er sah, daß der(Un at starben war, wartete er die Morgendämmeruna ab und sckkevn-.' sich dann talaufwärts. Bald traf er seinen Brude? der die aa.?ze Nacht umhergeirrt und halb wahnsinnig geworden«Mt. Zusammen errockten sie end ick um 9 Uhr das zweite SchutzhauSj von«vo sofort eme E�d.t.on abging um d.e Leiche des Sohnes abzuholen. Allem die Leiche konnte nicht gefunden werden. Spanien im Orkan. Seit mehreren Tagen wird Spanien und auch die Hauptstadt von schwerem Unwetter heimgesucht. Madrid ist�voll'g J»n der Außenwelt abgeschnitten. Von überall: auö Bilbao, San Sebastian, Barcelona, Tarragona, Alicante und anderen Städten laufen Hiobsposten ein. Ter Orkan richtete uberall schweres U nheil an. Umstürzende Schornsteine und Mauern haben mehrere Personen getötet und viele schwer verletzt. Auch von der Küste Spaniens werden Unchücksmeldungen von Schiffs- untergangen signalisiert. l�siHl�Bischcs Empfehlen unser helles u. dunkles Tafelbier: Gambrinusbräu(Münchener) Nepomukbräu(Pilsener) Böhmisches Brauhaus NO. DEGEA DEGEA DEGEA DEGEA ist der beste Glühstrumpf! Nur echt zu haben bei den Gasanstalten sowie allen Geschäften, welche durch unser Plakat mit dem roten Auer-Löwen kenntlich sind. Deutsche Gasglühlicht Aktiengesellschaft -(Auergesellschaft), BERLIN SW. 13, Alte Jakobstrasse 139.• FaB■ Abteilung: I�andnbcrscr Allee 11/18. T. VII. 5088. Flaschen-„ Frioden-StraBe ÖS. T. VII. 1670. Unsere Orlginnl-Abxng-Flaschenblcre in fast allen Kolonlalwa en-Handlnngcn. 4S10U« ■Va.-.'v X'/h.'.vV-iÄ.'"-- Blitz'Schnell © fommtmnn mit bcr�ot�ba�n Bei Weinsarten, Gitschincrstr. 72, ® Station im Hause. Empfiehlt: | I Posten Monats-Anzilge, 1 Posten Monats-Paietofs, Z K 1 Posten Monats-Beinkleider zu staunend billigen Preisen, auch für korpulente Herren paffend. 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Auf dem Bau Mullerstras/c TS» Unternehmer Opll», haben alle Kollegen wegen schlechten ArbcitsmaterialS, rigoroser, schikanöser Behandlung seitens des Bauherrn die Arbeit niedergelegt. 201/2 Her Vorstand. sorwürtck Buchdruckerei u. Vertagsanjtalt Paul Singer Li Co., Berlin SW,* Für meine Polstcr-Matrahen-Abtcilung suche ich einen illekf/igen VspsAieFen der jahrein, jahraus in diesem Artikel beschäftigt wird und der in der Anfertigung von Polster-Malratzen für Kinderwagen und Kinderbettsiellen:e. erfahre» ist. Bei gute» Nescreiizen bin ich bereit, Werkstatt mit Material einzurichten. Osterte» erbittet ö081L sM«sttners levirzl'Lordmi'Lv'MgÄiin. tiaiiptgeacbätt: ZieriZu<>.. Ailöreai>»tr. ÄS. Achtimg! Bauhandwerker! Der Streik der Rohrer ist beendet. Gesperrt find: E. Woiua, Ouitzowstr. 103, A. Krause, SiemenSstr. 25, C. Jugold, Prinz Eugenstr. 27, und ersuchen wir sämtliche Rohrer, diese Firmen streng zu meiden. _ Die Lohiikoniinission. Redaktion und Expedition: Berlin, Cindcnltr. 69. fernlpretlKr; Hmt IY, 198$. 1 Nr. 270. Freitag, de» 17. November 1905. 1»"i I u a I Ret größeren flutträgen enttpreeljenden Rabatt partel-Hngelcgcnbeitcn. Charlottenburg. Am Sonntag, den tS., und Mittwoch, den 22. November lBngtag), vormittags 8 Uhr, findet im 1., 2., 6. und 7. Bezirk eine Flugblattvcrbreitung statt. Es haben sich alle Partei- genossen bei den Flngblattverbreitungen sowie bei den Donnerstag, den 23. N o v e m b e r, stattfindenden Stichwahlen durch Mitarbeit zu beteiligen(Z 7 des OrtSstattils) und zwar treffen sich die Genossen vom 1. und ö. Bezirk bei Pasche, Potsdamerstr. 44. die Genosien vom 2a Bezirk bei Bade, Nehringstr. 25. die Genossen vom 2 b und dem 4. und 8. Bezirk bei Fuhrmann, Kaiser triedrichstr. 46c, die Genossen vom 3b und 6. bei Sellin Nachf., ruminestr. 43, und die Genossen vom 3a, 3c und 7. bei Grafnnder, Wielandstr. 4. Nicht politisch Organisierte, welche sich an dieser Arbeit beteiligen wollen, haben sich in einem der genannten Lokale einzufinden, jedoch als Legitimation ihr Miigliedsbuch der Gewerk- schafr mitzubringen. Gleichzeitig sind die Genosfinnen am Ort ver- pflichtet, sich an dieser Arbeit zu beteiligeit und sich in einem der genannten Lokale einzufinden.— Die Genossen des 5. Bezirks treffen sich vor der Berbreirung bei Bartsch. Reinickendorf-Ost. Das Herbstvergiiügen der Reinickendorfer Genossen findet am Sonnabend, den 18. November, in dem neu- renovierten Saale des Herrn Leder, Resideuzstr. 101, statt. Das reichhaltige und sorgfältig zusainmettgestellte Programm macht das Erscheinen aller zur Pflicht. Da ösfentliche Kasse nicht stattfindet, sind Billetts zum Vergnügen nur bei den Bezirkssührern und in den mit Plakaten belegten Geschäften zu haben. Der Vorstand Rudow. Die nächste Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet Sonnabend, den 13. d. M., abends 8>/, Uhr, bei Palm statt. Genosse Pagets hält einen Vortrag über das Parteiprogramm. Der wichtigen Tagesordnung halber sind die Genossen verpflichtet, voll- zählig zu erscheinen. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Gäste willkommen. Staaken bei Spandau. Am Sonnabend, den 13. November, abends 8'/z Uhr, findet bei Gnädig, Bcrlinerstrafie, eine Volks- Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Tie bevorstehenden Ersatz- Wahlen zur Gemeindevertretung. 2. Diskussion. Referent wird in der Versammlung bekanntgemacht. Zahlreicher Besuch, auch von Frauen, wird erwartet. Vorort- l�acbricbten. In der Sitzung der Charlottenburger Stadtverordneten vom letzten Mittwoch kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen den Liberalen und den Sozialdemokraten. Es dürfte noch in Er- innerung sein, was für unangenehme ekelhafte Debatten gelegentlich der Wahlen von unbesoldeten Magistratsmitgliedern stattgefunden haben. Anstatt nun in Zukunft etwas mehr als bisher auf die Würde und das Ansehen der Versammlung bedacht zu sein, haben die früheren feindlichen Brüder, die Unpolitischen und die Liberalen, sich verständigt, die Verlegung derartiger Debatten in die geheime Sitzung zu beantragen. Unser Genosse Hirsch bekämpfte diesen Gelegenhcitsantrag und wies dabei auf das heuchlerische Gebaren der Liberalen hin, die die persönlichen Debatten, die sich an den Fall Ströhlcr knüpften, aufs skrupelloseste zur Wahlagitation aus- genutzt haben und nun, nachdem sie durch solche Mairövcr die Herr- schaft erlangt, sich plötzlich in die geheimen Sitzungen flüchten wollen, um dort ihre schmutzige Wäsche zu waschen. Redner wies im An- schlusi an ein Wort des alten Franz Zicgler, der die Oeffcntlichkeit der Verhandlungen forderte, weil dabei keine Clique zu bestehen vermöge, nach, wie das ehemals liberale Bürgertum von Stufe zu Stufe gesunken sei, und ersuchte um Ablehnung des Antrages. Nach- dem Stadtv. Dr. v. L i s z t und Oberbürgermeister Schustchrus sich für den Antrag erklärt hatten, ergriff Gen. Vaake das Wort. Er bezeichnete den Antrag als eine Verletzung des§ 45 der Städtc- ordnung, der die Oeffcntlichkeit der Wahl der Magistratsmitglieder vorschreibe; die Wahl selbst aber und die Verhandlungen darüber seien ein einheitlicher Akt, den man nicht künstlich auseinanderreihen dürfe. Er sei überzeugt, daß selbst das preußische Ober- Verwaltungsgericht eine derartige Interpretation der Städte- ordnung, wie sie die Liberalen belieben, nicht gelten lassen werde. (Wegen angeblicher Beleidigung des Oberverwaltungsgerichts, die in diesen Worten liegen soll, wird dem Redner eine Rüge erteilt.) In dem Augenblick, wo die Liberalen die Mehrheit bekommen, nehmen sie auch alle Fehler der Mehrheit an und suchen die Minorität in wichtigen Angelegenheiten mundtot zu machen. Aber so stark auch der Wille der Mehrheit sei, die Oeffentlichkeit aus- zuschließen, an der Geschicklichkeit fehle es ihr. Nach Baake glaubte der liberale Schwätzer Dr. Spiegel, der keine Gelegenheit, sich zu blamieren, unbenutzt vorübergehen läßt, noch einige Ausführungen über den Parteitag in Jena, die..Vor» wärts"-Atfäre und dergleichen machen zu müssen. Der Schluß seines törichten Geschwätzes lief auf eine Verhöhnung unseres Genossen Vaake hinaus, der bekanntlich in Stichwahl mit dem Misch- Maschkandidaten steht. Herr Spiegel hält es für sicher, daß Baake nicht wieder gewählt wird und meinte, Baake habe nur deshalb noch gesprochen, weil er am 1. Januar nicht wieder ins Stadtparlament einziehen würde. Diese Anzapfungen gaben dem Genossen Hirsch die er- wünschte Gelegenheit, mit den Liberalen gründlich abzurechnen. Er erinncric die Herren daran, daß sie ihre Erfolge nur dem elenden Dreiklassenwahtshstem zu danken hätten und ging des näheren auf die letzten Wahlen ein, bei denen die Liberalen zu schamlosen Wahl- bccinflussungen ihre Zuflucht genommen und ihre politische lieber- zeugung verkauft hätten.(Große Unruhe.) Redner wird, nachdem er auf Befragen des Vorstehers erklärt hat, daß sich diese Acußerung auf alle die Liberalen bezieht, die das Kompromiß abgeschlossen hätten, also auch auf Mitglieder des Hauses, zur Ordnung gerufen. Im weiteren Verlauf seiner Rede wies er nach, wie unsinnig ein Vergleich zwischen den Vorgängen in der sozialdemokratischen Partei und den Verhandlungen der Stadiverordneten-Versammlung sei. Herr Spiegel möge, bevor er über Parteiverhältnisse spricht, sich erst informieren; dann würde er finden, daß seine Behauptung über Jena und über den„Vorwärts" grundfalsch sind. Genosse Baake ergänzte diese Ausführungen. Ironisch rief er den Liberalen, die jetzt, um ihn zu verdrängen, auf die Stimmen der Antisemiten hoffen, zu, daß sie stolz darauf sein könnten, von Leuten gewählt zu werden, die noch an das Blutmärchcn vom Ritualmord glauben. Wenn die Liberalen auch durch das Wahlbündnis einen Augenblickserfolg erzielt hätten, die Stunde der Abrechnung werde kommen. Am Tage der Stichwahl werde die arbeitende Bevölkerung den Liberalen noch manche harte Nuß zu knacken geben. Damit war die Debatte, bei der die Liberalen herzlich schlecht abgeschnitten hatten, erschöpft. Der Antrag wurde gegen die sozial- demokratischen Stimmen angenommen. Schiineberg. Das Kaufmannsgcricht in Schöneberg wird mit dem 1. Januar 1906 auf Antrag der Gemeinde Friedenau und laut Beschluß der Scdöneberger Stadtverordneten-Versammlung auf den Gemeinde- bezirk Friedenau ausgedehnt werden. Der Sitz desselben verbleibt unier dem bisherigen Namen in Schöneberg, und die Verwaltung desselben erfolgt nach Maßgabe des bestehenden Ortsstatuts durch die Schöneberger Gemeindebehörden. Die Beisitzerzahl bleibt bis zum 31. März 1998, wo die erste Wahlperiode abläuft, dieselbe, eine Neuwahl findet also infolge der Ausdehnung des Gerichtsbezirks nicht statt. Schöneberg und Friedenau bilden zusammen euren Wahlbezirk. Die Kosten des gemeinsamen Kaufmannsgerichts werden auf die beiden Gemeinden nach der Anzahl der aus ihnen stam- Menden Streitsachen oerteilt. Das Schönebrrgcr Magistratskolleginm hat jetzt, nachdem Stadt rat Dr. Wölck die ihm übertragene Stelle als Gemeindevorsteher in Weißensee angetreten hat, fünf unbesetzte Stellen, und zwar die des zweiten Bürgermeisters, des Kämmerers, eines besoldeten Stadt- rats und zweier unbesoldeteir Stadträte. In einer der kommenden Sitzungen wird bereits die Wahl des Bürgermeisters und des Kämmerers vorgenommen werden, während die Besetzung der übrigen Stellen wahrscheinlich erst zu Beginn des nächsten Jahres erfolgen dürfte. Nach der Vervollständigung wird das Magistrats- kollegium aus 19 Mitgliedern, 7 besoldeten und 12 unbesoldeten bestehen. Nürnberg, seine Kunst und seine Verherrlicher, im Bilde, Wort und Ton: Albrecht Dürer, HanS Sachs. Richard Wagner ze. wird der nächste Volkskunstabend der Stadt Schöneberg am Sonntag, den 19. d. Mts., in der Hohenzollernschule, Ecke Eisenacher- und Belziger- sttaße sein. Fritz Stahl wird im Bilde und in einem Vortrag, Dr. Mauz in Rezitationen den Besuchern Nürnberg und seine Kunst näher bringen. Aus Richard WagnerS„Meister- finger von Nürnberg" werden an dem Abend größere Bruch- stücke von ersten gesanglichen Kräften zu Gehör kommen. Der Abend wird den vielen Hunderten, die beim letzten gleichen Abend in Charlottenburg ohne Eintritt zu erhalten umkehren mußten, Ge- legenheit geben, ihn in Schönebcrg zu besuchen. Karten a 0,39 M. auf allen Plätzen sind in allen Schöneberger Buchhandlungen, sowie im Dürerhaus, Kronenstr. 18 und Verein zur Förderung der Kunst, Genthincrstr. 17(4—5 Uhr) zu haben. Pankow. Die letzte Gcmeindevertreterfitzung beschäftigte sich mit dem Erlaß eines Ortsstatuts betreffend die Erhöhung der Zahl der Mitglieder der Gemeindevertretung von 25 auf 31. Genosse Eichler führte aus, daß der verantwortliche Beamte Gemeindevorsteher Gotifchalk so überlastet sei, daß die Einstellung eines besoldeten Schöffen zur Notwendigkeit würde. Um das zu erreichen, muß auch die Zahl der Gemeindevertreter erhöht werden. Nach lebhafter Aussprache wurde der Antrag zum Beschluß erhoben.— Eine scharfe Auseinandersetzung zwischen unseren Genossen und der bürgerlichen Mehrheil zeitigte die Besprechung über die Klassenfrcquenz der Volks schulen Pankows. Genosse Freiwaldt wies an der Hand des Berichtes nach, daß eine ganze Anzahl von Schulklassen eine Schüler�ahl von 69—67 aufweisen, eine Zahl, die angesichts der Klasscnrnume viel zu hoch sei. Er verlangt die sofortige Auf- Hebung der Schulklassen in den Dachräumen und stützt sich auf das schon veröffentlichte Gutachten des Schularztes. Genosse Kubig erwähnt die Beschwerden, die über das Prügeln in einzelnen Klassen der Schule in der Kaiser Friedrichstraße geführt werden, und ersucht um schleunige Abstellung der Mißstände. Daß die bürgerlichen Ver- treter die Pankower Schulzustände im rosigsten Lichte erscheinen ließen, versteht sich von selbst. Frapant war die Erklärung. daß die Regierung auf Grund des Berichtes im„Vorwärts" eine Untersuchung der Schulräume in der Breitenstraße vornahm und auf Grund dieser Untersuchung die Räume noch zum Schulunterricht für geeignet erachtete. Dadurch setzte sie sich in Gegensatz zu dem wissenschaftlichen Gutachten, das der Schularzt vor ein paar Wochen erstattete.— Trotzdem schon seit einigen Monaten feststeht, welche Straßen im nächsten Jahre neu reguliert und asphaltiert werden sollen, wurde der Antrag des Gemeindevorstehers, die Breitestraße in ihrer ganzen Ausdehnung zu asphaltieren, angenommen. Im nächsten Jahre werden 799 999 M. zur Neuregulierung von Straßen- ügen verwendet werden.— Lebhaft erörtert wurde die Frage über ie Fortführung der Untergrundbahn im Zuge der Schönhauser- Allee. Es wird beschlossen, die nötigen Schritte zu unternehmen. um die Bahn bis zum inneren Teile Pailkows fortzuführen und das Projekt selbst mit allen Mitteln zu unterstützen. Königs-Wusterhausen. Der Wahlverein für KönigS-Wustcrhausen und Umgegend hatte am Sonntag, den 12. November, in Niederlehme eine gut besuchte Versammlung. Nach der Wahl des Genossen Heinrich Dietze zum Vorsitzenden des Wahlvereins referierte Genosse Böske-Rirdorf in eingehender Weise über die geplante Neuorganisation für Groß- Berlin. Da über diese Sache schon wiederholt in unserem Blatte ausführlich berichtet worden ist, auch die Krcisverfammlung sich damit beschäftigt hat, glauben wir von einer Wiederholung absehen zu können. Auf Wunsch der Versammlung äußerte sich Genosse Böske auch über die in der Generalversammlung besprochene „Vorwärts"-Angclcgcnheit. Die Generalversammlung habe ein Urteil abgegeben, ohne den Parteivorstand gehört zu haben, auch Genosse Dietze als Delegierter für Königs-Wusterhausen habe der Resolution Südekum-Zubeil seine Zustimmung gegeben. Heute seien viele Genossen anderer Meinung, nachdem sie das Material des Vorstandes in den Händen haben. Auf dem Lande bestehe viel- fach noch ein gewisser Autoritätsdusel. Unter der Annahme, daß Genosse Zubcil den Sachverhalt richtig kenne, sei die Annahme der Resolution erfolgt. Erst jetzt, nachdem der Vorstand gesprochen, könn- man ein Urteil fällen. Und da stehe er persönlich auf dem Stand- pnnkt, daß es die höchste Zeit war, daß der Vorstand dem Treiben der Sechs ein Ende machte. Das Blatt sei nicht im Sinne der Parteigenossen von Groß-Berlin redigiert worden. Redner ver- breitet sich noch eingehender über die Frage, um nachzuweisen, daß Parteiborstand und Preßkommission so wie geschehen handeln mutzten und schließt unter lebhaftem Beifall mit den Worten, daß die Parteigenossen dafür sorgen müßten, daß die Sache endlich zum Abschluß komme und die Erklärungen im„Vorwärts" ihr Ende erreichen. In der Diskussion waren die letzten Ausführungen Gegenstand längerer Erörterungen. Genosse Kaiser war auf dem Dresdener Parteitag als Gast anwesend. Dfie dort gepflogenen Litergtcn- debatten hätten bei ihm einen widerlichen Eindruck hinterlassen. Dennoch habe er gehofft, daß die Redakteure nach der dort an- genommenen Resolution handeln würden. Das sei aber nicht geschehen. Zu dem jetzigen Vorgehen des Partcivorstandes und der Preßkommission könne nur gesagt werden, daß richtig gehandelt worden sei. Er bedauere die Ausführungen, die der Abgeordnete des Kreises, Genosse Zubeil, aus der Generalversammlung des Kreises gemacht habe und zwar um so mehr, als Zubeil zu denen gehört, die„von der Picke aus" gedient haben. Wenn ein Doktor eine derartige Resolution einbringe, so kränke ihn das weiter nicht, vom Genossen Zuheil hätte er es nicht erwartet. Schließlich schlägt er der Versammlung folgende Resolution vor: „Die heute im Restaurant„Bellevue" tagende Versammlung des Wahlvereins für Königs-Wusterhausen und Umgehend spricht dem Partcivorstand für die von ihm unternommenen Schritte, den 6„Vorwärts"-Redaktcuren grgcnübcr, ihr volles Vertrauen und ihre Befriedigung aus. Desgleichen bedauert sie die Haltung des Genossen Zubcil in dieser Frage, welche er auf � der Kreis- Generalversammlung eingenommen hat, aufs tiefste."(Beifall.) Genosse Schreiber verurteilt den Standpunkt, den unser Delegierter aus der Generalversammlung vertreten hat, indem er der Resolution Zubcil-Südekum zustimmte. Genosse Dietze hat sich diesmal wirklich von dem Gefühl leiten lassen, daß Zubcil das Richtige treffen werde ,er ist aber jetzt eines besscrep belehrt. Dehmke wendet sich gegen die ersten Ausführungen BöskeS. Er sei gegen die Verschmelzung der 8 Wahlvereine zu einem Ver- band. Die Hauptarbeit müsse doch nach wse vor von-den einzelnen Genossen in den Wahlvercinen getan werden. Auch sei ein Vergleich mit den Gewerkschaften nicht stichhaltig, er neige den Ausführungen des Genossen Vollmar aus dem Parteitag in Jena zu(Protokoll Seite 162). Der Zentral-Wahlverein für Tektow-Beeskow-Char lottenbura genüge den Anforderungen einer Zentralisation. Das Sammellistensystem sei ebenfalls nicht ohne weiteres abzuschaffen, hei größeren Aktionen müsse es doch zur Anwendung kommen. Dem zweiten Teil des Referats über die Generalversammlung stimmt er voll und ganz zu. In der Sitzung zu Charlottenburg habe er den Eindruck gewonnen, daß Wetzker mit der Schuldige ist, auch schließe er sich der Resolution Kaiser an. Genosse Gebhardt bittet die Resolution abzulehnen. Er habe die Schreibweise deS„Vorwärts" nicht„ekelhaft" gefunden. das falle vielen Genossen erst jetzt ein, daß der„Vorwärts" schlecht redigiert war. Genosse Hornig weist noch darauf hin, daß Dr. Braun dem Anschein nach nichts besseres zu tun wußte, als an dem Tage der Stadtverordnetenwahl eine Versammlung in Berlin einzuberufen, um den 6 Redakteuren zu Hülfe zu eilen. Böske wendet sich gegen die Ausführupgcn Gebhardts, wonach wir nicht berechtigt seien, Stellung zu der ,.Vorwärts"-Frage zu nehmen. Er will die Genossen nicht beeinflussen, aber eine Meinung müssen sie haben, entweder dafür oder dagegen, zumal unser Kreis das Domizil fast aller Literaten der Partei von Groß- Berlin ist. Die Einführung der straffen Organisation habe Haupt- sächlich den Zweck der Schaffung einheitlicher Beiträge und Abführung bestimmter Geldmittel an die Zentralkasse. Das Korrespondenzblatt sei für die Vorstandsmitglieder der Wahlvercine bestimmt und solle nur geschäftliche Mitteilungen enthalten. Darauf wird die Resolution Kaiser einstimmig an» genommen. Genosse Kaiser regt die Schaffung einer Bibliothek für KönigS-Wusterhausen an. Genosse Körle verurteilt die Handlungsweise des Gastwirtes Weddige als„Vorwärts"-Abonnent. Derselbe bedient sich bei der Vorlegung der Quittung stets unqualifizierbarer Redensarten. Wenn derselbe sich nicht ändert, muß er den Antrag aus Ver- Weigerung des„Vorwärts" der Versammlung unterbreiten. Friedenau. Wie ciue Elster gestohlen hat die Wirtschafterin Emilie K., die bei dem Professor G. in Friedenau angestellt gewesen war. Seit einiger Zeit wurden in dem Haushalte des Profesiors fortwährend Diebstähle ausgeführt, bei denen alles mögliche entwendet wurde. Vergeblich forschte man längere Zeit hindurch nach dem Urheber der Diebstähle. Kürzlich nahm die Kriminalpolizei bei der ehemaligen Haushälterin, der Frau K., die in den Verdacht der Täterschaft ge- raten und inzwischen nach Charlottenburg übergesiedelt lvar, erne Haussuchung vor. Es wurde dabei beim auch ein förmliches Waren- lager von Bckleidungsgegenständen, Wäschestücken usw., die aus dem Hause des Profesiors herrührten, zutage gefördert und beschlagnahmt. Angesichts dieses dringenden Belastungsmaterials legte Frau K. ein Geständnis ab und wurde daraufhin verhaftet. Martendorf. Eine öffentliche Holzarbeiter- Versammlung für Tempelhof. Mariendorf und Marienfclde, besprach, ivie die Agitation am zweck» mätzigsten zu betreiben sei. Da die Tischlereibetriebe von Marien« dorf und Tempelhof zum JmmngSbczirk Steglitz— Groß-Lichterftlhe gehören und dort ein Tarifvertrag für Bautischler besteht, so müssen etwaige Differenzen von der dortigen SchlichtungSkommisston er« ledigt werden; zu diesem Zwecke müssen auch die dortige» Ver» traucnsmännersitznngen beschickt werden. Die Meinung der Ver- sammlung ging dahin, daß es wünschenswert sei, in Mariendorf eine Zahlstelle des Verbandes zu errichten. Da aber noch nicht ge- niigend Mitglieder dazu vorhanden sind, wurde eine Kommission ge» wählt, die eine diesbezügliche Agitation entfalten soll. Der Obmann derselben, P. Ludwig, Märicndors, Feldstratze 132, nimmt Auf- »ahmen und Beiträge Sonnabends von 3—9 Uhr bei Reichardt, Chausseestr. 16, entgegen. Zldlershof. Eine slarkbesnchte Volksversammlung hörte am 12. November ei» Referat des Genossen Zubeil über:„-Die Kirche als Feind der Aolksausklärung". Zubcil legte dar, daß sich die Kirche stets auf die Seite der Besitzenden gestellt und deren Interessen gewahrt habe. In deren Dienst sei auch die Kanzel mißbraucht worden. Die Kirche sei eben ein Instrument des Klassenstaatcs. Der Redner begründete in ausführlicher Weise die sozialdemolratische Forderung: Trennung der Kirche vom Staat. Er forderte die Anwesenden auf, durch Austritt aus der Landeskirche auch formell dieser Einrichtung den Rücken zu kehren. Die beiden Geistlichen, die eingeladen Ivaren, waren nicht erschienen; ihre gesandten Schreiben wurden verlesen. In der Diskussion erinnerte Genosse Tost an die Haltung der Geist. liehen beim Crimmitschauer Streik. Weiter teilte er mit, daß die Adlershoscr Kirchensteuer die Höhe von 35 Proz. erreicht habe und voraussichtlich noch weiter steigen würde. Hierauf gelangte folgende Resolution zur ciiistimmigen Annahme;„Die von zirka 599 Ein- Kölnern AdlerShofS besuchte Volksversammlung am 12. November 1905 erklärt sich mit den Ausführungen deS Reichstagsabgeordneten Zubeil einverstanden und verpflichtet sich, mit allen Mitteln dafür einzutreten, dah die Masse der Rcligionsanhänger überzeugt wird von der Vernichtung der Volksaufklärung durch die Kirche und dieser Vernichtung durch Massenaustritt aus der Landeskirche zu be- gcgncn." Zum Schluß richtet Genosse Hildebrandt einen warmen Appell an die Versammlung, die gesperrten Lokale streng zu meiden, den Wahlverein durch Beitritt zu unterstützen und sich an dem Abonnement der Presse reger zu beteiligen. Raubanfall auf der Landstraße. An d e n R a u b m o r d, der seinerzeit gegen einen Kutscher auf der Chaussee zwischen Spandau und Berlin verübt wurde, erinnert ein räuberischer Ueberfall, welcher in der gestrigen NadM auf der Landstraße zwischen Adlershof und Grünau stattgefunden hat. Ebenso wie bei dem da- maliaen Verbrechen hatten es zwei gefährliche Wegelagerer auf die einkassierten Geldsummen eines nach Berlin fahrenden Kutschers abgesehen. Das Opfer des Raubanfalles, der Kutscher Haberecht. hatte für seine in der Rcichenbergerstr. 30 seßhafte Firma Hebel in den östlichen Vororten Waren abgeliefert und gleichzeitig auch be- trächtliche Geldsummen einkassiert. Als er abends in der zehnten Stunde mit seinem Fuhrwerk auf dem Heimweg begriffen, die Chaussee Adlergestell passierte, tauchten zwischen Grünau und Adlers- Hof im Dunkel der Nacht plötzlich zwei Gestalten auf, von denen sich die eine den Pferden in die Zügel warf und den Wagen zum Stehen brachte, während die andere auf das Fuhrwerk sprang und sich auf den Kutscher losstürzte. H. zog jetzt seinen Revolver und da es ihm nicht mehr möglich war, auf seinen Angreifer zu schießen, schlug er ihm die schwere Waffe ins Genick. Ter Räuber fiel darauf vom Wagen herunter und der Kutscher sprang ihm nach, um ihn festzunehmen. In diesem Augenblick wurde er jedoch von hinten ge- packt und am Halse gewürgt. Es war der zweite Räuber, der seinem Komplizen zu Hülfe gekommen war. H., der sich jetzt in der be- drängtesten Lage befand, gab einen Schuß ab und die Ladung traf den zweiten Angreifer in den Fuß. Bon Schmerzen gepeinigt, ließ der Täter jetzt von seinem Opfer ab und als der Kutscher weiter zu schießen drohte, flohen die Beiden in den nahen Forst. Es war ihnen nicht geglückt, die Geldtasche an sich zu reißen. Die Gendarmeric hat die Verfolgung der beiden Wegelagerer aufgenommen. Mit dem Projekte einer elektrischen Straßenbahn NdlerShof-Alt- Glienicke beschäftigte sich eine Jnleressentenversammlung. Der Vor- sitzende Herr Dr. Fackelmann betonte die Notwendigkeit einer Straßenbahnvcrbinduiig für die genannten Ortsckaften, da die zur- Keit den Verkehr vermittelnden Omnibusse, deren Einnahmen übrigens m kurzer Zeit von 400 auf 700 M. monatlich gestiegen sind, dem Bedürfnis nicht mehr genügen. Sollten sich weder der Kreis noch die Gemeinde zum Bau der Straßenbahn bereit finden, so wird ein Konsortium am Orte selbst die Bahn auf eigene Kosten bauen. Gemeindevorsteher Weide mann erklärte, daß erst durch Her- stellung einer bequemen Verbindung die WohlfahrtSeinrichtungen der Gemeinde zur vollen Geltung kommen werde». Nach einer Vorbcrechnung wird eine JahreSeinnahme von 30 000 bis 40 000 M. zu erwarten sein, was einer Dividende von 9 M. entsprechen würde. Zum Schluß wurde folgende Resolution angenommen:„Die Versammlung der Interessenten des elektrischen BadnbancS, größtenteils HauS- und Grundbesitzer, erklärt, daß inr Interesse der Weitcrentwickellmg des Ortes mit dem Bau einer elektrischen Straßenbahn nicht langer gewartet werden könne, und richtet an den Landrat deS Kreises Teltow das ergebenste Ersuchen. das schwebende Kreisbahnprojekt nach Möglichkeit zu fördern und zu beschleunigen. Sollte das genannte Projekt ans irgendwelchem Grunde nicht realisierbar sein, so erklärt die Versammlung, nach Kräften dazu beitragen zu wollen, daß eine Bahnverbindung Adlershof— Alt-Glicnicke aus Privatmitteln gebaut werde." Ober-Schöneweide. Großes Aufsehen verursacht in Ober-Schönewcide die Verhaftung de§ Malermeisters H. Auf die Anschuldigungen seiner eigenen Stieft tochter hin wurde H. gestern festgenommen und in das Unter- fuchungSgefängniS zu Köpenick eingeliefert. Der Verhaftete steht imter dem Verdacht, sich gegen den§ 174 deS R.-Ttr.-G.-B. vergangen zu haben. Rudow. Sehr zum Verdruß unserer hirsigen Patrioten ist das Ver- fahren verlaufen, das aus Anlaß einer am 1. Mai an einem Telephondrnht schwebenden roten Fahne gegen einige hiesige Partei- genossen eingeleitet wurde. Nachdem einer Vorladung zum Amts- Vorsteher eine Vernehmung beim Untersuchungsrichter gefolgt war, ist jetzt den beiden verdächtigten, allerdings ganz unschuldigen Ge- nosscn vom Staatsanwalt die Mitteilung zugegangen, daß das gegen sie eingeleitete Verfahren eingestellt worden«ft. Es war' so schön gewesen! Potsdam. Die AuSsperrungstaktik der Unternehuirrverlände bildete das interessante Thema eine« Vortrages, den Zernickc-Berlin hier in einer öffentlichen Metallarbeiterversammlnng hielt. An der Hand namentlich der letzten Vorgänge in Berlin während der Aussperrung in der ElektrizitätSiiidustrie, legte der Referent die Entstehung, Eni- Wickelung und die Gründe für die Beendigung des Riesenkampfes dar.— In der Diskussion versuchte der bekannte Herr Jordan von den Hirsch-Dunckerschen, die mit reichem Beifall belohnten Aus- fühnmgen deS Referenten in seiner bekannten Jesuitenmanier zu wider- legen. Nicht die Unternehmer trügen die Schuld an der Berliner Massenaussperrung, sondern— dieFührer deS Metallarbeitcrverbandes, die die Mitglieder.verhetzt" und„irregeführt" hätten.... Der Gewerkverein dagegen scheue die Verantwortung, die Arbeiter dem Hunger zu überliefern und die sauer erworbenen„Arbeitergroschen' zu vergeuden.... Als aber der gewerkschaftliche Wegelagerer auch noch die Partei und die„VorwärtS"-Affäre dafür verantwortlich machen wollte, daß die Hirsch-Dunckerschen„kühnen Männer" ihre eigenen und oftmals recht dunklen und schmutzigen Wege gehen, statt sich der freien. modernen Arbeiterbewegung anzn- schließen, die auf breiten lichten Straßen ihrem Ziele, der Befreiung der Arbeiterklasse, zustrebt,— da hatte die Geduld der Zuhörer ihren Höhepunkt erreicht. Die Genossen Staab und Zernicke besorgten dem ivüsten Geschimpfe des Hirsch-Dunckerschen Musterknaben eine so gründliche und deutliche Abfuhr, daß er mit seinen getreuen Knappen vom„Kreiskriegerverein" und evangelischen „Arbeiterverein" zerknirscht auf die stille Straße hinausging, wo im Dunkel der Nacht die im Abbruch befindlichen Meldereiterstalle ihnen ein beherzigenswertes mowouto mori zeigten... Nach einem Hinweis auf die kommenden Stadtverordnetenwahlen und der Aufforderung zur gewerkschaftlichen und politischen Organi-. sierung schloß der Vorsitzende Letz die Versammlung mit einem Hoch' auf den Metallarbeitcr-Verband und die moderne Arbeiterbewegung berliner f�admckten. Dir Beerdigung unseres verunglückten Genossen Otto Pürschel fand gestern nachmittag von der Leichenhalle des SchauhanscS aus statt. Trotz deS Wochentages hatten es sich viele Hunderte nicht nehmen lassen, den: für die Partei gestorbenen Braven daS letzte Geleit zu geben. Da es unser preußischer Rechtsstaat bekanntlich nicht zuläßt. auf den Kirchhöfen der Religionsgemein- schaffen lieber Toten noch einmal am Grabe zu ge- denken, widmete Genosse Waldeck Manasse in der Leichenhalle deS Schauhmises dem Verstorbenen einen warmen Nachruf. In langem Zuge ging es hinan? nach Nicdcr-Schönhausen, Ivo auf dem Kirchhose der Gethsemanegemeinde die Beisetzung stattfand. Viele Kranzspenden— so der Genossen von Berlin, der Redaltion des„Vorwärts", des Gaues IX des Radfahrer- Bundes Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für dci „Solidarität", des Holzarveiter- Verbandes, vieler Radfahrer- Vereine Berlins und der Vororte, seiner Arbeitsgenossen und so weiter— bewiesen den am Grabe trauernden Angehörigen, welcher Beliebtheit sich der in treuer Pflichterfüllung leider so früh Gestorbene bei seinen Genossen und Kameraden erfreute. Sehr mißfällig wurde bemerkt, daß bei der Niederlegung des Kranzes der Berliner Genossen der Kirchhofsbeamte den Genossen Fischer mit den Worten unterbrach:„Es dürfen keine Reden gehalten werden." Jedenfalls dient ein derartiges Verfahren wenig zur Hebung des religiösen Gefühls, das von Pfaffen und Muckern sonst den arbeitenden Klassen so gern gepredigt wird.— Die Berliner Genossen werden daö Andenken Otto Pürschels stets in Ehren halten. Für 2000 M. Schuhwaren gestohlen. Ein großer Einbruchs- diebstahl ist in der gestrigen Nacht in dem Schuhwarengeschäft von P. Conrad. Frankfurter Allee 171, verübt worden. Mittels Nach- schlüssels hatten sich die Diebe in den Hausflur Eingang verschafft und von dort drangen sie in den Ladenraum ein. Die Einbrecher holten dann fast sämtliche Kartons von den Regalen herunter, nahmen die Schuhe heraus und packten sie in großen Paketen zu- sammcn. Die dreisten Bursche», die sich außerordentlich sicher fühlten, arbeiteten mit der größten Ruhe und vertauschten, bevor sie sich mit ihrer Beute entfermen, il,r altes Schuhzeug mit neuen Stiefeln. Auf dem Wege, den sie gekominen, entfernte» sie sich dann unbemerkt. Der Einbrecherbande war eine Beute im Werte von etwa 2000 M. in die Hände gefallen. Ein Diebesnest ist gestern in der Friedrich Karlstraße aus- gehoben worden. In letzter Zeit waren in den äußeren westlichen Stadtteilen zahlreiche EinbruchSdiebstäble verübt worden, wobei den Tätern reiche Beute in die Hände fiel. Die Kriminalpolizei ent- wickelte nach den Urhebern der Einbrüche rege Nachforschungen und gestern gelang eS ihr, in der Friedrich Karlstraße ein Diebesnest auszuheben und eine Reihe verdächtiger Personen festzunehmen, die ziocifelloS an der Ausführung der Diebstähle beteiligt waren. Auch bei einer Razzia in den Kaschemmen fielen den Beamten mehrere Individuen in die Hände, die in dem dringenden Verdacht der Mit- täterschaft stehen. Aus Liebe zur See hat der 13 Jahre alte Sohn Erwin deS Vorkofthändlcrs Edelmann heimlich die elterliche Wohnung in der Rosenthalerstraße 57 verlassen. Der Junge, der die 2. Klaffe der Gemeindeschule in der GipSstraße besuchte, las viele Räuber- und Jndionergeschichten und setzie sich in den Kopf, daß er Seefahrer uud Weltuinsegler werden müsse. Am Montag nahm er seine Spar- büchse mit 30 M. uud fuhr nach Hamburg, während seine Eltern glaubten, daß er nach der Schule gegangen«ei. Gestern schrieb er den Eltern aus Hamburg, daß er dort angekommen sei und bat sie, ihm die für die Seefahrt erforderlichen Papiere postlagernd zu senden. Der Vater aber sorgte dafür, daß die Hafenbehörden auf seinen abenteuerlustigen Sprößling aufmerksam gemacht wurden. Durch einen Sturz aus dem Fenster des vierten Stocks tötete sich gestern morgen um 5 Uhr die 52 Jahre alte Schlosserfrau Emilie Albrecht, die nach dem Tode ihres ersten Mannes, eines Arbeiters, vor ungefähr einem Jahre den zweiten heiratete. Diese Ehe war unglücklich. Schon nach einem Vierteljahre verließ Albrecht seine Frau. Seitdem erhielt diese viele Geschäflsrechiiungen, die sie cbeusowcilig bezahlen konnte wie die Staudmiete auf dem Friedrich Karl-Platz in Charlottenburg. Während ihre erwachsenen Töchter noch schliefen, sprang sie gestern morgen in der Verzweislung auf den Hof hinab und war sofort tot. Verbrüht. Die Arbeiterfrau HudzinSki aus der Wollinerstr. 69 wusch gestern nachmittag in der Küche, in der ihr 3 Jahre alter Sohn Stanislaus uniheplief. Hinter ihren: Rücken riß der Knabe eine Schüssel mit heißem Wasser, die neben der Kochmaschine stand, im Fallen um und verbrühte sich so schwer, daß ihn die Mutter schleunigst nach der Rettungswache nach der Kastanien-Allee tragen mußte. BogelauSstellung. Der Berliner Kanarienzüchter- und Vogelschutz- verein E. V. veranstaltet in der Zeit vom 2. bis einschl. 5. De- zember d. I. in WendtS Prachtsälen, KönigSgraben 14a, Ecke Münz- straße, seine XV. Allgemeine Kanarienausstellung, verbunden mit einer Ausstellung von Dompfaffen, Exoten, zur Zucht und Pflege zu verwendenden HülfSmitteln, Literatur»sw. Die Ausstellung ist von morgens 9 Uhr bis abends 8 Uhr geöffnet. Theater. Im Schiller-Theater dl. lFriedrich-Wilhelm- städtischen Theater) findet heute Freitag noch eine Aufführung von Grillparzers dramatischem Märchen„Der Traum ein Leben" statt. Dieselbe Vorstellung wird am Sonntag nachmittag im Schiller- Theater 0. fWallner-Theater) wiederholt. Am Mittwoch, den 22. November fBußtag) abends 8 Uhr wird, wie schon an- gekündigt, auf der Bühne des V.-HanseS eine Aufführung von Joseph Hahdn«„Schöpfung" veranstaltet, in der unter anderem der Könzertsänger A. N. Harzen-Miiller mitwirken wird.— Ap o l l o- Th e a t er. Heute Freitag bleibt daS Theater wegen Vorbereitung von„Prinzeß Rosine" geschloffen. Morgen. Sonnvbend, geht unter persönlicher Leitung des Komponisten Paul Lincke die Novität in Szene. Der Spezialitaten-Teil beginnt um 8 Uhr,„Prinzeß Rosine um 9� Uhr.— Im Zirkus Busch gelangt am Sonn- abend eine neue Nusstattungspantomime„Indien" zum ersten- male zur Aufführung.— Im Luisen-Theater gelangt morgen reitog zum erstenmale„Ein Blitzmädel" zur Aufführung. Die auptrouen liegen in den Händen der Damen: Wille, Boch, Hüftel, Milbisch, der Herren Kinkel, Kicdaisch, MajerSki, Heiner. Gerichts-Leitung. Einbruch in das Steglitzer Hauptpostamt. Vor der fünften Strafkammer des Landgerichts II fand gestern die Verhandlung gegen die Brüder Girndt statt, die in der Nacht vom 30. Sep- tcmbcr zum 1. Oktober den Einbruch in das Steglitzer.Hauptpostamt unternommen hatten. Die Anklage richtet sich gegen den Postboten Alfred Girndt und dessen älteren Bruder, Schlossergescllen Ariur Girndt. Der Erstgenannte wußte, daß zum Quartals- Wechsel in der Postkajje immer bedeutende Geldsummen angehäuft liegen uud darauf faßte er den Plan, in Gemeinschaft mit seinem Bruder einen Einbruch auszuüben und die Postkasse zu berauben. Im Steglitzer Postgebäude hat des nachts immer ein Beamter Wachtdicnft und Alfred Girndt sah ein, daß es nötig sei, sich des betreffenden Beamten zu vergewissern, wenn der Plan gelingen sollte. Er setzt« sich deshalb mit dem in der Nacht zum 1. Oktober tvachthabcnden Postschaffner Eggclt in Verbindung, vertraute ihm den verbrecherischen Plan an und suchte ihn zur Teilnahme zu be- wegen, indem er ihm einen nicht unbedeutenden Teil der zu er- wartenden großen Beute— es waren in jener Nacht über 90 000 Mark in der Steglitzer Postkaffe— versprach. Ter Postjchafsncr ging zum Schein auf das Unternehmen ein, machte aber dem Post- direktor Anzeige und dieser sorgte dafür, daß die Einbrecher von der Polizei empfangen wurden. Die Kriminalpolizei schickte mehrere Beamte unter Leitung des Kriminalkommissars Hoffmann in daZ Postgebäude und in dessen Nähe. Zwischen den Brüdern Girndt waren die Rollen so verteilt worden, daß Artur Girndt den Ein- bruch verüben und Alfred Girndt inzwischen Aufpaflcrdicuste ver- üben sollte. Als der Einbrecher in das Postgebäude eingedrungen War, traten ihm die Polizeibeamten entgegen und eS entwickelte sich nun zwischen ihnen und dem Einbrecher, der über ungewöhnliche Körperkräfte verfügt, ein wütender Kampf, und der wie ein Ver- zwcifelter um sich schlagende Einbrecher schien olle Chancen zu haben, zu entkommen, da infolge des VerlöschenS einer Lampe eine große Verwirrung entstand. Im Augenblick der größten Gefahr gab ein Kriminalbeamter zwei Schüsse ab, die den Erfolg halten, daß nicht nur der Einbrecher am Kopf, sondern auch der Kriminal- kommissar Hoffmann durch eine Kugel an der Hand verletzt wurde. Artur Girndt wurde schlichlich überwättigt und gcicssclt. Alfred Inseratenteil verasitlv.: Th, Glocke, Berlu,. Druck u. Perlag: Borwärt» Girndt, der draußen Schmiere gestanden, hatte, als er merkte, daß im Postgebäude eine unerwartete Störung eingetreten war, sich eiligst aus dem Staube gemacht; er wurde noch in derselben Nacht in seiner Wohnung, in seinem Bette liegend, verhaftet. Artur Girndt ist 27 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Kinder. Er ist bisher unbestraft, ebenso sein Bruder, der frühere Postbote, der 22 Jahre alt und lcdig ist. Letzterer war, ehe er zur Post ging, Bäckergeselle. Beide Angeklagten sind im all- gemeinen geständig. Artur G. behauptet, daß sein Bruder der intellektuelle Urheber des ganzen Planes gewesen sei und gesagt habe, daß er vor allen Dingen sich des Postboten E g g e l t versichern müsse, der des nachts den Wachtdienst habe. Der Angeklagte ver- sichert, daß er zuerst Bedenken gehabt habe, auf den abenteuerlichen Plan einzugehen, doch habe ihn die Not bedrückt und so habe er sich dazu verstanden. Seine Frau sei krank gewesen, er selbst habe unter der Aussperrung der Allgemeinen Elektrizitätswerke zu leiden ge- habt. Acht Tage vor der Ausführung des Planes habe er sich unter Führung seines Bruders die Posträume angesehen und kurz vor der Tat habe der Postbote Eggelt ihm gesagt, daß er in den Plan ein- geweiht sei und ihm alle Türen des Postgebäudes offen lassen würde, so daß er sich einschleichen und den Kasten, in welchem da- mals 90 000 M. aufbewahrt wurden, seines Inhalts berauben könnte. Es sei verabredet worden, daß e r die Hälfte fris Geldes für sich behalten sollte und daß man das Geld zunächst vergraben wollte.— Alfred Girndt bestätigt, daß er den Gedanken an- geregt hatte, die Postkaffe zu berauben; er behauptet, daß Eggclt dem Plane günstig war und ihm gesagt habe, daß die Sache„tadcl- los" gehen würde. Es sei verabredet worden, daß Eggelt die Türen öffnen und Artur Girndt gewisse Manipulationen machen sollte, die den Anschein erwecktem, als ob die Türen gewaltsam geöffnet worden seien. Alfred G. behauptet, daß er mit der Sache selbst nichts weiter zu tun gehabt habe und daß ihm auch nicht die Auf- gäbe zugewiesen gewesen sei, Sckmiere zu stehen. Am Abende dcc Tat habe er den Verdacht gehabt, daß Eggclt die Sache verraten haben könnte, der Verdacht sei aber wieder geschwunden, da Eggetl um 10 Uhr, als er den Briefkasten leerte und ihn sah, ihm sagte: er solle nur nach Hause gehen, denn die Sache würde von dem Bruder und ihm selbst schon gemacht werden. Er behauptet, eS sei ihm dann nur darauf angekommen, seinen Bruder aufzusuchen und ihm sein« Bedenken, daß die Sache verraten sein könnt«, mitzuteilen. Ties habe er auch getan, der Bruder habe aber gesagt, er würde mal zusehen, ob wirklich Verrat geübt worden sei. Er selbst will darauf nach Hause gegangen sein und sich ruhig in das Bett gelegt haben. — Nach der Bekundung des Postinspcktors H e r ho l z hatte der Postbote Eggelt ihn schriftlich um eine Unterredung unter vier Augen gcbeien und ihm dann die Absicht des Einbruchs verraten und alle Einzelheiten des Planes mitgeteilt. Der Zeuge hatte den Eindruck, daß Eggelt die gute Absicht hatte, das geplante Verbrechen zu hintertreiben und die Schuldigen zur Bestrafung zu bringen.— Postbote Bruno E g g e l t, 21 Jahre alt, bekundet, daß ihm der Postbote Girndt drei Tage vor der Tat auf der Straße den Plan entwickelt habe. Er habe sich scheinbar darauf eingelassen, aber sofort die Absicht gehabt, die Sache dem Postinspektor zu verraten. Bei der Besprechung mit den beiden Angeklagten habe er allerdings so getan, als ob er der Dritte im Bunde fein wollte. Alfred Girndi habe sich sehr lebhaft an der Erörterung beteiligt und den Fle an einem Zaun in der verlängerten Sedanstraße bezeichnet, wo daS zu raubende Geld vergraben werden sollte, ebenso das Ge- Wässer, in welches der Bruder das Handwerkszeug werfen sollte. Gleich am nächsten Tage habe er, Zeuge, die ganze Sache dem Post- inspektor mitgeteilt. Verabredetermatzen habe er in der Nacht zum 1. Oktober Punkt 12 Uhr die Tür geöffnet und den Artur G. ein- gelassen. Er brachte ihn zunächst in einen Keller, und nach der Verabredung sollte ihm durch dreimaliges Auftreten mit dem Fuße das Zeichen gegeben werden, daß alles in Ordnung sei. Als dies Zeichen gegeben war, kam Artur G. herauf und ging gleich in den Schalterraum, dessen Tür der Zeuge unbemerkt hinter ihm zu- schloß. Als Ariur G. dabei war. eine Holzkiste von dem Postkassen- bchälter abzusprengen, trat der Postdirektor und mehrere Kriminal- bcamte in die Erscheinung. Da die mitgebrachte Laterne ausging entwickelte sich im Dunkeln ein hartnäckiger Kampf mit dem Ein brccher, wobei auch die beiden Scknisse fielen. Die Situation w< so verwirrt, daß der Zeuge Eggelt einen Kriminal beamten packte und des Glaubens war, den Ein brccher festzuhalten; Eggelt selbst ist wieder irrtümlich von einem Beamten gepackt und an der Gurgel gewürgt worden. Der Zeuge gibt auf Bc- fragen der Verteidigung zu, daß er dem Alfred G. gesagt habe: er könne ruhig nach Hause gehen, er habe den besten Teil erwählt, denn ihm falle das Geld sehr bequem in den Schoß. Der Zeuge gibt weiter die Möglichkeit zu. dem Artur G. den Vorschlag gemacht zu haben, nach vollbrachter Tat ihm einen Schlag gegen den Kopf zu geben, damit der„Einbruch" wahrscheinlicher aussähe.— Die Aussagen deS AmtSdienerS Grunwald sowie des Polizei- kommissars Hoffmann betreffen die Einzelheiten der Festnahme. Grunwald bekam in der Verwirrung„von einem von der Post" einen Schlag auf den Kopf und gab den ersten Schuß ab. Im weiteren Verlaufe des Wirrwarrs in der Dunkelheit hatte Grunwald das Pech, wieder von dem Post- direktor gepackt und geschlagen zu werden; dabei ist dann der zweite Schuß losgegangen, der den Angeklagten Artur G. am Kopfe traf. Ter Zeuge Grunwald ist von den ver- fchiedensten Personen geschlagen, auch ist ihm daS Zeug vom Leibe gerissen worden.— Der Staatsanwalt vertrat die Ansicht, daß der Zeuge Eggelt keineswegs eine Art Anstifter gewesen und die Mitteilungen an den Postinspcktor aus Pflichttreue gemacht habe und nickt etwa um sich liebes Kind zu machen. Der Staats- anwalt dielt beide Angeklagte in gleichem Matze für schuldig und beantragte je zwei Jahre Gefängnis. Die Verteidiger machten einige Momente geltend, die zu einem milderen Urteil führen könnten. Die beiden Angeklagten hätten sicher nicht den Plan bis zum Beginne der Tat reifen lassen, wenn sie nicht durch das Verhalten des Eggelt zu der Ueberzeugung gekommen waren, daß sie in ihm einen Förderer des Planes und willfährigen Helfer gefunden hätten. DaS Urteil lautete gegen Artur Girndt wegen versuchten schweren Diebstahls und gegen Alfred Girndt wegen Anstiftung auf je zwei Jahre Gefängnis. Der Gerichtshof billigte beiden mildernde Umstände zu, toa sie durch das Verhalten des Zeugen Eggclt in ihrem Vorhaben wesentlich bestärkt worden seien. Ohne Zubilligung mildernder Umstände würde nach den Urteils- gründen mit Rücksicht auf die Kühnheit und die Gefährlichkeit des Unternehmens die Strafe viel höher ausgefallen sein. Wegen Ntchtanfnalnile einer Berichtigung war der Genosse R e h b ei n, der in diesem Sommer den„Vorwärts" ocrtrctungs- weise verantwortlich zeichnete, kürzlich vom Schöffengericht frei- gesprochen worden. ES handelte sich um eine Berichtigung der Äelsenkirchener BergwcriS-Akticngcsellschaft bezüglich eines Artikels über das bekannte Gelsenkirchencr Grubenunglück, die den Er- fordernissen deS 8 11 des PreßgesctzeS nicht entsprach. Gegen das Urteil hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Die Bc- rufung wurde gestern von der Strafkammer indessen aus dem formellen Grund verworfen, daß Rchbein diejenigen Nummern, in die jene Berichtigung zeitlich gleich hätte hineiilkommen können, gar nicht mehr vcraniwortlich gezeichnet hat und die Staatsanwaltschaft nicht nachgewiesen hatte, daß der Angeklagte etwa in der Lage war, die Aufnahme der Berichtigung rechtzeitig oder über- Haupt zu erwirken. Berichtigung. Tie wegen Unterschlagung von Gcwerkschafts- geldern gegen den Schmied Friedrich Petri in Ripdorf erkannte Strafe beträgt nicht drei Monate, sondern drei Wochen Gefängnis. Allgemeine Kranken- und Tterbekaise der Metallarbeiter. (d. 29). Hamburg. Filiale Berlin 4. Sonnabend, den 18. November. bei MerkowSki, AndreaSstratze S!: Mitglieder-Veriamiiilmig. Tagesordnung: Kassenbericht pro Oktober nnd BerschicdeaeS._________ vuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer St Co., Berlin SW.