c Ur. 873. flbonnementS'Bedingungtn: RSonncmentä- Preis pränumerando! vierleljährl. 3,30 Mk., monaU, 1,10 Mk„ wöchentlich 28 Pig. frei inS Haus, Einzelne Nuinuier 5 Piz, Sonntags. »ummer mit illustrierter Sonntags. Beilage»Die Neue Welt" 10 Psg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pr» Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung«. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesteireich< Ungarn 8 Marl, für das übrig« Ausland 8 Marl pro Monat. 22* Jahrg. CridKlBt Uaildi suBtr uionu«, � m Berliner Volksblntt. Die Tnfertions* Gebühr beträgt für die sechsgespaliene Kolonel. geile oder deren Raum 10 Pfg,. für politische und gewerlichastliche Verein«. und Lerlannnlnngs. Anzeigen 2o Pig. „Kleine Hnieigen". das erste(feit. gedrultte) Wert 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über lfi Vuchflabe» zäplen für zwei Worte. Jnferalc für die nächste Nuiinner infisse» bis 6 Uhr nachuultags in der Expedilion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn> und Felllagen bis v Uhr vorniiltag» gcöffne!. lelegrainm. Adresse: ..Zdltititltwolilsl RüllD". Zentralorgan der rozialdemokrat»rchen parte! Deutfcblands. Redaktton: 8 Tl. 68» Lindenstrassc 69. Fernsprecher: flmt IV. Nr. I'.IHU. Die Lage der englischen Gewerkschaften. Man stelle einmal dem ersten besten englischen Politiker, Arbeiterführer oder Sozialisten die Frage:„Nach welcher Richtung bewegen sich gegenwärtig die englischen Gewerkschaften?" Und jeder von ihnen wird ohne Zaudern antworten:„Nach der Richtung einer selbständigen A r b e i t e r p 0 l i t i k." Das Wort„Klassenkampf" wird nicht gebraucht. Allein im Grunde genommen bedeutet selbständige Arbeiterpolitik: Klassenkampfpolitik. In England ist es schon so, daß man alte Worte für neue Begriffe gebraucht; in England füllt man alte Schläuche mit neuem Wein. Mau fürchtet hier eher das neue Wort als den neuen Geist. So ist es in der eng- tischen Verfassung, in der Religion, in der Sozialpolitik und in den Bewegungen der verschiedenen Klassen. Gewiß hat diese Scheu vor dem richtigen Namen ihre Nachteile; denn ein klar ausgesprochenes Wort ist ein treffliches Hülfsmittel für unser Denken, für unsere Erkenntnis und auch für unser folgerichtiges Handeln. Aber das alte Wort und der neue Geist sind noch immer besser als das neue Wort und der alte Geist, wie man es zuweilen in Frankreich und Deutsch land findet. Also: Die englischen Gewerkschaften sind jetzt daran, sich dem politischen Klassenkampfe zuzuwenden; denn das Gewerk schaftsleben hat durch die richterlichen Urteile, durch die Ungunst der öffentlichen Meinung und durch die wachsende Ausdehnung der Unternehmerverbände gar manches von seiner alten Kraft eingebüßt. Bedeutende Streiks sind seit fiinf Jahren nicht mehr vorgekommen. Und mit den Ergebnissen der Gewerkschaftskongresse sind nur sehr wenige Trade Unionisten zufrieden. Der letzte Kongreß in Henlcy wird überall als ein Mißerfolg betrachtet. Das Gewerkschaftswesen hat eben alles geleistet. was es leisten konnte. Es hat die tüchtigsten Elemente der Arbeiterklasse in Organisationen zusammengefaßt, dem größten Teile des Proletariats bessere Arbeitsbedingungen verschafft. aber es ist nunmehr an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit angelangt. Es giebt jetzt in England sieben Millionen er- wachsenc und jugendliche Proletarier und Proletarierinnen, denen durch Gewerkschaften, Genossenschaften und Privathülfe nicht zu helfen ist. Man nennt sie die„U n f i t", die Un- tüchtigen. Dann gibt es noch fiiuf Millionen Menschen, die gelegentlich Arbeit haben und stets am Rande der Annut leben. So lange der Trade° Unionisnius sich frei entfalten konnte, haben sich die organisierten Arbeiter um die außer- halb der Organisafton stehenden Klaffengenossen nicht viel gekümmert. Seitdem aber sie selbst in den Kampf uin ihre Rechte getrieben wurden, begannen sie sich mit den allgemeinen gesellschaftlichen Erscheinungen zu beschäftigen. Und da sie Arbeiter sind, so konnten sie nicht umhin, au eine soziale Reform zu denken. Eine die ganze Gesellschaft be- treffende Reform kam aber nur durch das Parlament, das Werkzeug der ganzen Nation, vollzogen werden. So entstand der Gedanke der selbständigen Arbeiterpolitik. Wie ernst es den Arbeitern mit dieser Politik ist, daL zeigte die vor etwa zwei Wochen im„Vorwärts" mit- geteilte Nachncht über die Entscheidung, daß die Gewerk- schastsstatuten die Bestimmung über Zahlungen für parlamentarische Vertretung nicht enthalten dürfen! Der Entscheid hat grogc Auftegung in den Kreisen der organisierten Arbeiter hervorgerufen.' Es hat sich indes in den letzten acht Tagen herausgestellt, daß es sich nur um die Form ge- handelt hatte. Die Gewerkschaften dürfen solche Zahlungen nur nicht als„Ziel" der Gewerkschaften paragraphieren. Wenn sie aber die Zahlungen für parlamentarische Arbeiter- Vertretung als„Mittel" zur Hebung der Arbeiterlage angeben, so darf eine derartige Bestinnnung ohne weiteres in die Statuten aufgenommen werden! Und viele Gewerk- schaften sind jetzt daran, ihre Satzungen in diesem Sinne zu gestalten. Derartige Vorkommnisse zeigen klar genug, wohin die Reise der englischen Gewerkschaften geht. Aber es sind noch andere Betvcise vorhanden: Flugblätter, die in Hunderttausenden von Eremplarcn unter den Arbeitern ver- breitet werden. Eine große Arbeiterpresse gibt es ja leider in England noch nicht. Deshalb muß man, um die Arbeiter aufzuklären, sich mit Flugblättern behelfen, die kurz, packend und doch sehr sachlich abgefaßt sind. Greifen wir zwei dieser Flugblätter heraus, die vom Labour Representation Committee verfaßt sind, welches sozusagen nur auS Gewerkschaftlern besteht. Eins heißt:„Dabour and Politica"(„Tie Arbeiter und die Polittk"). Das Exemplar. das vor mir liegt, trägt einen Vermerk, der zeigt, daß�die Auflage im Augenblick das 130. Tausend erreicht hat. Im Flugblatt heißt es u. a.:„..- Tie ungünstigen richterlichen Urteile sind nicht die größte Gefahr, die uns bedroht. Wichtiger ist, daß sich das Kapital inimer wirkungsvoller organisiert gegen die Interessen dcS Gemeinwesens. Der amerikanische Trust beginnt auch auf englischem Boden zu blühen. Wie können Tradcs-Uuions aus eigener Kraft den Kampf erfolgreich aus'ehmen gegen solche kapitalistischen Ver- bände wie die folgenden: Armstrong u. Co.(Maschinerie). Coals, Clark, fterr(Zwirn).. Feine(Baumwolle-Spinnereien). Bradford(Färberei)..... 4 210000 Pfd. Sterl. 9 750 000,„ 5 025 000„. 3 750000. Es werden noch mehrere solcher Kombinationen aufgezählt. worauf es weiter heißt:„Solange es diesen Kombinationen paßt, harmonisch mit den Trades-Unions zu arbeiten, ist Friede. Aber wenn die Interessen der Arbeiter mit den Interessen dieser Trusts in Konflikt geraten, dann gibt es einen Krieg. in dem der Syg den Millionen und nicht den Menschen rechten zufallen wird... Dann bürgert sich das System der schwarzen Listen immer mehr ein, und lästige Trades-Unionisten werden gemaßrcgelt. Ebenso richten die Unternehmer Fabrik Krankenkassen ein, denen die Arbeiter beitreten müssen, wo durch die Kapitalisten eine inimer größere Macht über die Freiheiten der Arbeiter gewinnen... Die Unternehmer haben sich auch ein parlamentarisches Komitee geschaffen, „um", wie es in ihrem Gcheimzirkular heißt,„Maßregeln zu treffen gegen Gesetzcsvorlagen, die die Interessen des Handels, des freien Arbeitsvertrages und der Arbeitergesetzgebung befteffen!"— Das zweite Flugblatt heißt:„Warum müssen sich die Arbeiter von den Liberalen und Konservaftven trennen?" Die Antwort lautet:„Weil wir nicht darauf rechnen können, daß die Konservativen oder die Liberalen in dem Kampfe zwischen Kapital und Arbeit sich aus die Seite der Arbeiter stellen werden. Sodann hat die Nation jetzt soziale und industrielle Fragen zu lösen, fiir die die alten poliftschen Parteien keine befriedende oder klare Lösung haben... Wir sind unabhängig von den alten Parteien, weil wir die Demokratie vereinigen müssen und die Hülfe aller Arbeiter brauchen. Wären wir liberal oder konservativ, so könnten wir die Arbeiter nicht vereinigen. Ferner stellen wir neue Forderungen, die von den alten Parteien nicht erfüllt werden können. Wir müssen deshalb im Parlanient selbständig vorgehen und eine klare Arbeiterpoliftk verfolgen." Es ist selbstverständlich, daß noch nicht alle Gewerkschaftler für eine solche Poliftk gewonnen sind. Der englische Arbeiter ist in seinem Fache tüchftg, ist humanitär gesinnt und tut seine Pflicht— soweit er sie versteht— voll und ganz. Aber der englische Arbeiter denkt sehr langsam. Er läßt einmal an- genommene Ideen nicht so leicht los; jedoch, wenn seine alte Gedankenwelt erschüttert ist, und er sich eine neue Idee zu eigen macht, so gibt cö kein Rückivärts mehr. Dann ist er unermüdlich in seinen Versuchen, sie zu verwirklichen. Er läßt sich durch Niederlagen nicht entmutigen und durch llcbcrmacht nicht ein- schüchtern. Man muß deshalb mit den englischen Arbeitern Geduld haben. Wenn die in den letzten Jahren eingeleitete GewerkschaftSpolitik nicht durch innere Jutriguen geschwächt wird, so steht das englische Proletariat bald in Reih und Glied mit der internationalen Arbeiterbewegung. Das beste Urteil über die jetzige Lage hat P e t e C u r r a n in einem der letzten Berichte der„General Federatton of Labour" abgegeben. Curran, der die Gewerkschaften gründlich kennt und sein ganzes Leben teils als Arbeiter, teils als Gewerk- schaftSorganisator zugebracht hat, erklärt:„Dic Charaktcrzügedes Proletariats und die Geschichte des Trades-Unionisknus in England sind sehr verschieden von denen der Arbeiter des europäischen Festlandes. Erstens haben wir eine Gewerkschaftsbewegung, die— einzig und allein als Tradcs-Unionisiuus— lange existiert hat, ehe der Sozialismus festen Fuß auf unseren Inseln gefaßt hat. Diese Traditionen gestatten es nicht, daß die Arbeiter mit einem Schlage die Grundsätze des klaffen- bewußten SozialiSnius annehmen. Es muß deshalb als ein bedeutender Fortschritt betrachtet werden, daß man die große Mehrheit dieser Organisaftonen für das Prinzip einer selbst- ständigen Poliftk gewinnen konnte. Was die Taktik be- trifft, die die Arbeitcrabgeordneten ini Parlament verfolgen werden, so bin ich gewiß, daß— obwohl die Arbeiter- fraktion nicht aus lauter Sozialisten bestehen wird — sie doch in ihrem Wirken vom sozialistischen Gedanken geleitet sein wird. Die ganze Bewegung stimmt darin überein, daß wir unsere Angriffe konzentrieren müssen auf einige der hervorragendsten Monopole, die das Leben des Volkes unerträglich machen." Pete Curran zählt dann auf: die Grund- und Bodenfrage; die Abschaffung der hohen Mincnabgaben an die Grundherrcn; Verstaatlichung der Eisenbahnen; Verkürzung der Arbeitszeit; Behausung; schließlich die wichtigste aller Gegenwartsfragen: die Arbeitslosigkeit. „Alle diese Lösungen sind allerdings nur Palliattvmittel— nur vorläufige Reformen— aber ihre Verwirklichung wird uns die Erreichung unseres Hauptzieles bedeutend erleichtern."— Auch bei den parftellen Gemeindewahlen in der ersten Novemberwoche haben die Gewerkschaftler und die Sozialisten überall Schulter an Schulter gekämpft. In nianchen Städten sahen sich deshalb die Konservaftven und die Libe- ralen veranlaßt, ein Bündnis gegen die vereinigten Arbeiter und Sozialisten zu schließen. Die Lage in England ist jetzt die: Wenn man von „Gewerkschaften" spricht, so meint man tatsächlich: Selbständige Arbeiterpolitik, Sozialreform, demokraftsche Gesetzgebung. Das alte„reine" Gewerkschaftswesen mit semer politischen Gleichgültigkeit und seinen bürgerlich poliftschen Dienstleistungen verschwindet, und ein neuer Abschnitt in der Geschichte der englischen Arbeiterbewegimg beginnt.— Expedition: 8M. 68» Oindenstrasse 6g. (BrnitHrertier; Silin IV Nr. I9S4. Die Revolution in Rntzland. Zur Agrarrevolufton in Rußland. Uns wird geschrieben: Aus Initiative der Semstwostatistiker und Semstwoagro- nomen hat im Mai dieses Jahres zum erste» Male ein Kongreß der Bauern des Gouvernements Moskau stattgefunden. Dieser Kongreß beschloß, es müsse ein Baliernbund für ganz Rußland gegründet werden. Mitte August fand der erste konstituierende Kongreß des Bauernbundes stir Gesaintrußland in Moskau statt. Es waren auf ihm anwesend ca. 100 Bauern aus 22 Gouverueinents. Auch offizielle Vertreter der sozialdemokratischen Partei und der Partei der Sozialisten-Revolutionäre nahmen an den Verhandlungen teil. Der Kongreß sandte den Brüdern-Arbeitern, die in den Städten für die politische Freiheit kämpfen,— den wärmsten Dank, und schloß sich den politischen Forderungen— der russischen Arbeiterschaft an. In der Agrarfrage wurde der folgende Beschluß gefaßt: 1. Das Privateigentum auf Grund und Boden wird aufgehoben. 2. Die Länder der Klöster, der Kirchen, des Adels(d. h. der Krone) sollen konfisziert werden ohne Entschädigung. 3. Das Land der Großgrundbesitzer wird zum Teil gegen Entschädigung, zum Teil ohne eine solche konfisziert. 4. Die Bedingungen, unter denen das Land der Großgrund- besitzer konfisziert werden soll, werden von der konstituierenden Versammlung festgesetzt werden. lieber die weitere Tätigkeit de? Bauernbundes brachte die „Nowoje Wreinja" vom 9. November 1905 die folgende Notiz: ..Das Bureau des Bauernbundes für Gesamt-Rußlaud hat vom heutigen Tage an seine Tätigkeit begonnen, indem eS das Material für den im Januar bevorstehenden Bauernkongreß für Gesamt- Rußland vorbereitet. DaS Bureau versendet Aufrufe mit einem fertigen Gemciudebeschlußentwurf. Es wird den Bauern vorgeschlagen, di-scn Gegenstand zu besprechen und darüber Gemeinde- beschlnß zu fassen. Der Entwurf empfiehlt, sich auszusprechen für daö allgemeine Wahlrecht mit Einschluß der Frauen, für die direkte und geheime Stimmabgabe, fiir die Aufhebung der Stände, für die Selbstverwaltung der Wolostverwaltimgen(Wolost ist ein Bezirk, der aus fiiuf bis zehn Dörseru besteht) und selbstbestimmeude Bezirke, in denen Angehörige aller Stände gleichberechtigt sind, für eine Reforn, der Distrikt-, Gouvernemein- und Provinzverwaltluigen in dem Sinne, daß die Funktionen dieser Verwaltungen Semsiwos übertragen werden, die auf Gnmdlage des allgemeine» Wahlrechtes gewählt Iverden, für die Ueberführung aller Läudereieu, die dem Staate, Adel, den Klöstern, den zzirchen und privaten Grundbesitzern gehören, in das Eigentum des Volles mit der Bestimmung, daß das Land nur denen zur Be- Nutzung überlassen wird, die es mit eigener Arbeit oder mit der Arbeit ihrer Familie bebaue». Die indirekten Steuern auf Ge- brauchSgegenstände sowie die Akzise auf Streichhölzer, Zucker usiv, müsse» ausgehoben und durch die Einkoimnenstcuec crsegt werde». Alle Kinder beiderlei Geschlechts im Schulalter müssen Bildung auf Staatskosten erhalten. Zum Schluß wird die Befreiung aller Bauern verlangt, die infolge der Agrarunruhcn gelitten haben. WaS die Bedingungeil anlangl, unter denen der Grund und Boden in das Eigentum des Volkes übergeführt wird, so sollen sie nach der Ansicht des Bureaus des Bauernbundes durch die frei er- wählten Vertreter des Volkes festgesetzt werde». Wie uns mitgeteilt wird, sind bereits ganze Tausende von Gemeindebeschlüssen, die im Sinne der oben dargelegten Forderungen gefaßt und mit Unter- schnfteii versehen sind, in das Bureau aus verschiedenen Gegenden Rußlands geschickt worden." Obige Mitteilungen sind hochwichtig. Der AgrarkommuniSmus steckt den russischen Bauern im Blute. Die aus Zcutralrußland in den letzten Tagen eintreffenden Nachrichten über Masse, icrhebuugeu der Bauern zeigen, in welchem Ilmfaug die konnministischeu Ideen in der russische» Bauernschaft vorhanden sind. Dem russischen Bauer» ist der Begriff des Gemeineigentums auf Grund und Boden noch nicht fremd geworden, es sind erst einige Generationen verflossen, seitdem der ruf fische Grund und Boden au« Eigentum der Gemeinde in Privateigentum verwandelt wurde. Den Hauptraubzug am Gemeinde- land führte genau ivie in England, Frankreich. Deutschland— in den letzten Jahrhunderten besonders in Ostelbicu und Mecklenburg— der Adel ans, der die beste» Ländercien in Besitz nahm. Auch bei der Aufhebung der Leibeigenschast in Rußland zu Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden genau wie bei der sogenannten Bauerndefreilliig in Preußen vom Jahre 1810 die Bauern gründlich über« Ohr gehauen. Unter dieser Prellerei leidet noch heute der russische Bauer sehr schwer und jetzt glaubt er, daß die Stunde gelonimeu sei, um zurückzunehmen, was ihm in jahrhundertelanger Knechtschaft von seinen Herren gestohlen wurde. Käme es je in Deutschland zu einer revolutionären Beweaung, wahrscheinlich wijrde diese im Osten der Elbe auch damit einsetzen, daß sie den Bauern und dem Tagelöhner das Herrenland, in erster Linie den Latifundieubesitz als Gemeinbesitz überlieferte. Eine agrarische Revolution wäre in Ostelbien leichter durchzuführen, als irgend sonst wo in Deutschland.— »»» Petersburg» 19. November. Die Bauernunruhen nehmen zu. Im Bezirk Siaryi— Oskol, Gouvernement Kursk. sind 17 Landgüter geplündert und in Brand gesteckt worden. Infanterie und Kosaken sind dorthin entsandt. Die Gouverne- ments Kursk und Pensa, wo gleichfalls Ballernunruhen vorgekommen sind, werden als im verstärtten Vertcidigungs- zustand befindlich erklärt. « Die Herren Scmstwo-Libcralen. Moskau, 19. November. Der Kongreß der SemstwoS und Städte ist heute nachmittag eröffnet worden. Zum Präsidenten Ivurde Petruukrioilsch gewählt, zu Vizepräsidenten Schepkin und Saweliew. Vertreten waren 26 Gouvernements und 39 Städte; auS Polen waren 23 Abgeordnete erschienen. Zuerst sprach Golowin und erklärte, das Maniiest vom 30. Oktober habe nicht alle Forderungen erfüllt, man müsse aber gegen die Anarchie käinpfen. Roberti führte ans, bei den Beratungen handele es sich darum, wissen, ob der Kongreh die Regierung unterstützen könne und unter welchen Bedingungen. Mehrere Redner, darunter der Bürgermeister von Saratow, Nerni- rowZkh. bestanden darauf, daß man Witte bei der B e r u h i g n n g deZ Landes helfen und alle Einzelheiten der Duma überlassen müsse.(I) NeniirowSky sprach von dci» Schrecken der Baucrnruhen{'.) und sagte, das Heil beruhe allein in einem Zusammengehen mit Witte. Graf Heyden sagte, es sei notivendig, dag die Regierung sich nicht in Wider- spräche verwickele. Man habe die Freiheit verkündigt und gleichzeitig den VctagernngSzustand proklamiert und Generaladjutanten mit unbeschränkten Vollmachten ausgestattet. Es bedürfe allerdings gegenwärtig einer starken Macht- e n t f a l t u n g, aber einer solchen, die gut und auf das Gesetz gegründet sei. Solche zeitweiligen Geictze, welche die Frei- heit zu verwirklichen vermöchten, seien wichtiger als die Wahlrechtsfragen, welche durch die Duma aus- gearbeitet werden würden, s!) Der Vertreter der Stadt Stawropol. Abramoff, sprach sich gegen eine Be- sprechung mit Witte aus, da das Manifest vom 3». Ok- tober aufgehoben sei. Roditscheff erklärte sodann, die Regierung begreife die Lage nicht und verstehe das Manifest vom 30. Oktober nicht: sie wolle nicht zugleich tatkräftig und gesetzlich vorgehen. Wenn die Regierung aber einer Stütze bedürfe, so müsse man ihr helfen, doch unter der Bedingung des feierlichen Versprechens, sich von der Reaktion zu trennen. Man müsse der Regierung helfen, das grundlegende Gesetz vom 30 Oktober zu verwirklichen: aber zuvor müsse die Regierung etwas leisten, was Vertrauen zu ihr erwecken könne. Darauf wurde die Beratung auf morgen vertagt. Tie Bildung der bürgerlich liberalen Partei. Dorpat, l0. November. sMeldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Hier ist eine Abteilung der baltischen AonstitutionSpartei in der Bildung begriffen. An ihrem heute in russischer, deutscher und csthnischcr Sprache veröffentlichten Programm fordert die Partei Aufrcchtcrhaltung einer starken Staatsgewalt zur Durch- führung der Reformen und zum Sckmtze der bürgerlichen Freiheit, serner politische und wirtschaftliche Reformen zum Besten der ar- beitendcn Klassen. Armenversorgung, gerechte Besteuerung, Selb- ständigkeit der städtischen und bäuerlichen Selbstverwaltungsorgane. Zulassung der Landessprachen in der autonomen Hochschule und bei den Rcgierungs- und Gemeinde-Jnstitutionen. Berhaftnngen. Warschau, 19. November. Hier sind zahlreiche Verhaftungen in den Kreisen der Intelligenz vorgenommen worden. Die Nachricht von der Erschießung der Frau Dr. Golde hat sich, wie wir auch vermuteten, erfreulicherweise als falsch herausgestellt. Eine Pause der Sammlung. Petersburg, 18. November. Das Komitee der Aus- st ä» d i g e n hat beute folgende Resolution gesaßt: Der AuS- stand der Petersburger Eisenbahner und der Arbeiter von Petersburg hat der Regierung bewiesen, daß die Ausführung grausamer Matzregeln wie der Anwendung der Todesstrafe und der Einführung dcS Kriegszustandes stets in der Arbeiterklasse tätigen Widerstand finden wird. Der Ausstand hat bewiesen, daß unsere Macht im Warbsen begriffen ist. so daß. wenn eines Tages das Komitee es für nötig findet, der Regierung einen entschiedene» Kamps zu bieten, wir siegen werden. Das Komitee schlägt im weiteren vor. den Ausstand am 20. November mittags zu beendigen, und fährt dann fort: Die Kameraden werden voll nun an Kräste sammeln. Wenn es für nötig befunden wird, wieder in den Ausstand zu treten. werden alle Eisenbahner zugleich und zwar solange streiken, bis alle politischen und wirtschaftlichen Forderungen von der Regierung er- füllt worden sind. Am 19. November werden die Arbeitgeberdeputierten eine Ver- samnilung abhalten, um über die Frage betreffend Beendigung des Ausstandes am 20. November zu beraten. poHtiscKe Gkberriebt. Berlin, den 20. November. Regierungswcisheit. Die revolutionäre Gärung in Rußland, die den Zusammen- Irnich des Hauses Romanow nur noch als eine Frage der Zeit erscheinen läßt, beunruhigt, wie die nervöse Gereiztheit der offiziösen Blätter beweist, unsere„Regierenden" nicht wenig. Nach atißen suchfn sie allerdings den Schein aufrecht zu er- halten, als wenn die russische Revolution und die durch diese geförderte österreichische Wahlrechtsbewegung sie nicht im mindesten alteriere. da des Deutschen Reiches Herrlichkeit allzu sicher fundiert sei, als daß es durch ähitliche Stürme erschüttert werden könnte. Doch wie gering auch immer ihre historischen Einsichten in die sozialen Zusammenhänge sein mögen, so ober- slächlich sind sie doch nicht, daß die Leiter der deutschen Politik vermeinen könnten, die neue Gestaltung der Tinge in Ruß- land werde ohne Einfluß aus die deutsche Arbeiterbewegung bleiben. Recht interessant ist in dieser Hinsicht eine Aeußerung der„Nordd. Allgem. Ztg." in ihrem letzten Wochen-Rückblick — nicht weil diese Auslassung etwas besonderes enthält, das nicht schon anderswo gesagt worden wäre, sondern wegen der Hintermänner des Blattes. Das offiziöse Organ schreibt: „Der Beschluß des sozialdemokratischen Parteivorstandcs, dem Antrag der Breslauer Sozialdemokraten, nach welchem Stratzenkundgebungen gegen das preußische Drei- lkasscnwahlsystem veranstaltet werden sollen, nicht beizutreten, ist natürlich lediglich aus der nüchternen Erwägung geboren, daß Preußen und daS Deutsche Reich für die Anwendung von Mitteln, wie sie in Rußland und Oesterreich probiert worden sind, noch nicht reif genug sind. Aber: aufgeschoben, gibt die Parteileitung zu verstehen, ist noch nicht aufgehoben. Inzwischen, denkt sie, genügt auch schon eine kleine Abschlags- zahlung, bestehend in der Erklärung, der Parteivorstand erachte den Zeitpunkt für gekommen, in eine energische Agitation für die Erlangung des allgemeinen Landtagswahlrechtcs einzutreten, und werde deswegen mit den vom preußischen Parteitag bezcich- netcn Körperschaften in Verbindung treten. Ob etwas, und was aus diesen Erwägungen herausspringt, braucht uns vorläufig weniger zu interessieren, schon jetzt aber ist klar, daß die leitenden Kreise in der Sozialdemokratie mit aller Macht eine leidcnschaft- liehe Agitation zu entfachen suchev. deren Endziel, wie sie sich selber bewußt sein müssen, auf friedlichem Wege nicht erreicht werden kann. Immer wieder kommt in der sozialdemokratischen Presse das Gefühl oder der Gedanke zum Ausdruck, daß die - revolutionäre Bewegung in Rußland unauö- bleiblich eine Nachwirkung auch in Deutsch- land ausüben müsse, und daß die Zeit für Massen- demonstrationen, wenn sie auch jetzt noch nicht gekommen sei, doch nicht mehr lange auf sich warten lassen werde. Diese durch die russische Revolution in den Köpfen der deutschen Sozialdemokraten genährte Zuversicht ist unverkennbar ein Moment, daS selber schon den inneren Frieden gefährdet, indem es der Agitation gegen das bestehende Verfassungsrecht eine neue Schärfe verleiht und die Sprache der sozialdemokratischen Demagogie zu einer Leiden- schaft steigert, die unter Umständen recht bedenkliche Folgen zeitigen könnte. Wenn z. B. der„Vorwärts" erklärt, daß die durch die Bersagung der Reform des preußischen Landiagswahl- rechts geschaffene Lage nach der Gewährung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts in Rußland, Oesterreich und Ungarn schlechtweg unerträglich sein werde, oder wenn die Erfurter„Tribüne" nochmals ausruft:„Nun sind wir an der Reihe" und versichert, daß nun, da in Rußland und Oesterreich allgemeines Wahlrecht erkämpft werde,„auch wir in Preußen uns die Schmach, durch ein Geldsacks-Dreiklassenwahl„rccht" unterdrückt zu sein, nicht mehr lange gefallen lassen", so können solche Aeußcrungen nur zu leicht eine überheizte Stimmung in den Massen und eine grundverkehrte Auffassung von der Macht und den Aussichten der sozialdemokratischen Bewegung erzeugen. Um so mehr ist angesichts solcher bedenklicher Erscheinungen ein geschlossenes Zusammenhalten aller bürgerlichen Elemente er- forderlich, damit beizeiten der Sozialdemokratie, deren Ueber- mut sonst ohne Grenzen wäre, zu Gemüte geführt wird, daß ihre Bäume noch lange nicht in den Himmel wachsen." Das offiziöse Blatt hat ganz richtig aus dem Beschluß des Vorstandes der sozialdemokratischen Partei herausgelesen, daß diese keineswegs für alle Zukunft auf Straßenkund- gedungen zu verzichten gedenkt. Es beweist damit immerhin ein besseres Verständnis als einige nationalliberale und kon- servative Blätter. Aufgeschoben ist tatsächlich nichr aufgehoben. 'Unter Umständen hat auch eine dilatorische Politik ihre Berech- tigung und ihre Vorzüge, zumal in Zeiten, wie die jetzigen, wo die Regierung im Dienst gewisser Gruppen sich bereit zeigt, nicht nur ihre erfolggekrönte, immer neue Geld- und Menschen- ovfer fordernde Kolomah?olitjk noch weiter auszudehnen, son- dern zugleich eine gewaltige Kampfilvtte zu schaffen und zum Zweck der Erreichung dieses hehren Zieles neue Hunderte von Millionen Mark aus der ausgebeuteten, unter einer durch Zoll und Grenzsperren künstlich aufrecht erhaltenen Lebensmittel- teuerung ächzenden Volksmasse herauszupressen. Wo die Re- gierung ohne Rücksicht auf das am östlichen Horizont in Flammenschrift auftauchende Menetekel eine derartige die Volksmasse provozierende Klassenpolitik treibt», eine die Voltsleidenschaft aufs äußerste aufstachelnde Agitation gegen sich selbst, da wäre es eine Torheit, wollten wir ihr ihre schönen Zirkel und ihre Selbstdiskrcditierung voreilig stören.— Eine politische Geschmacksverirrung. Das„befreite",„rebellische" Norwegen hat also glücklich seinen Karl heinigeführt,„die schreckliche, die herrenlose Zeit" ist vorbei, der neue Landesvater zieht nach der verwaisten Residenz, mit ihm neue Steuer- und Militärvorlagen,— Toaste werden ausgebracht, Tüchlern geschwenkt. Tränen vergossen,— eine holdselige kleine Idylle des Monarchismus, die sich neben dein gewaltige» Drama dcS nordischen Riesenreiches Rußland eigentümlich genug ausnimmt. Während das russische Proletariat und mit ihm bereits auch das Bauerntum mit derben Fäusten seinem angestammte» GotteSgnadenlum die Rippen zählt, beeilt sich das norwegische Volk, kaum daß es einen Landesvater zur Tür hinaus- komplimentiert bat, sich aus freien Stücken schleunigst durch da§ Fenster einen anderen zu holen. Welch schöne Gelegenheit ist das für politische Kannegießer, mit erhobenem Finger tiefsinnige Be- trachlungen darüber anzustellen, daß ja.„wie man sehe",„das Volk" durchaus für die Republik noch nicht reis sei; habe e§ doch sogar in dem freien Norwegen aus eigener Wahl und Macht- Vollkommenheit die republikanische StaatSform abgelehnt und sich woblweiSlich unter die sanfte Hut eines geliebten Monarchen ge- flüchtet! Nim. wer auS der seltsamen polittschen Geschmacksverirrung der norwegischen Volksmehrheit etwa auf die Aussichtslosigkeit und den UtopiSmus der republikanischen Losung in Rußland und anderSwo schließen wollte, würde damit nur beweisen, daß er überhaupt den eigent- lichen Sinn des jüngsten norwegischen Coup d'etat, der nordischen „Staatsumwälzung" nicht begriffen hat. Die ganze„Krise" spielte von vornherein gar nicht auf dem Boden des monarchischen oder re- publikanischcn, überhaupt eines politischen Prinzips, sondern auf dem nationalen Boden. Nicht den König halten die braven Nor- weger zum Tempel hinausgejagt, sondern den Schweden, und Leute, die für die grandiosesten sozialen und politischen llmwälzungen im Schöße des heuligen Rußland kein Ange haben, hatten hier als eine„Revolution" ausgeschrieben, was höchstens ein Guy de Mau- passanrscher„Coup d'ötat en province", ein operettenbafter Szenenwechsel in Krähwinkel war. DaS bäuerliche, in seinem ganzen Anstrich kleinbürgerliche Norwegen hatte an echte Revolution nicht im Traume gedacht, und das biedere, mit echt bäuerlicher Be- dächtigkeit und Harlköpfigkeit seinen LandcSvater„auswechselnde" Völklein hat sich wohl selbst verlegen hinter den Ohren gekratzt, als es so plötzlich von den sensalionshaschenden Schwätzern der europäischen Presse als hochgefährlicher„Umstürzler" begafft, ab- geküßt und umjohlt wurde. Ein Vergleich zwischen dem alten Ver- fassungslande Norwegen, das auf die Brautschau nach Monarchen ausgeht, und dem„rückständigen" Rußland, das den zarischen Thron in Stücke schlägt und laut nach einer Republik ruft, ist eben wieder ein frappanter Beleg für die Lehre des historischen Materialismus, daß nicht die politischen Formen, sondern die materiellen Machtverhältnisse eines Landes, nicht das Blatt Papier, genannt Verfassung, sondern die soziale Zusammeiisetzung, die K l a ss e n v e r h ä l l n i s s e über den fortschrittlichen oder rückständigen Charakter des Landes entscheiden. Das modernkapitalistische Rußland mit seinen kolossalen, wenn auch auf enormer Bodenfläche zerstreuten Zentren der Großindustrie hat sogar unter der Eisdecke des Absolutisnius so revolutionäre moderne Kräfte in seinem Schöße erzeugt, daß es für eine politische Um- wälzung, für eine echte Revolution und sogar für die repnvlikanische Losung reifer ist als irgend ein kleinbürgerlicher schläfriger.Rechts- staat" des Westens. Uebrigeiis ist der jüngste„Triumph" deS Monarchismus in Norwegen ein derartiger, daß wir ihn unseren �Kreuzrittern „mit Gott für König und Vaterland" von Herzen gönnen, und es ist für uns sehr amüsant zu beobachten, mit wie gemischten Gefühlen unsere Schildknappen des Goltesgiiadentmiis den aiischeineild so glänzenden Sieg ihre» Lieblingsprinzips auskosten. Man denke: ein ganzes Voll hat die �reie Wahl zwischen Republik und Monarchie und es eilt in die liebenden Arme eines frcigewählten Souveräns! Ist das nicht ein erquickendes Schauspiel in den heutigen Zeitläuften des Unglaubens, der Sittenverderbnis und der Umsturzlehren? Aber ach, diese schöne Blüte birgt einen häßlichen Wurm. Denn einmal ist die Gutmütigkeit, mit der die Noriveger bei dein Königtum zu verbleiben beschlossen, selbst bloß ein Ergebnis und zugleich ein Beweis dafür, daß dieses Königtum in Norwegen eben mehr ein dekorative» Stück des Haushalts ist. denn eine wirkliche Macht nach Art der prenßisch-deulsdien Monarchie. Ferner aber und vor allem: Ivelche tiefe Kränkung für das absolute Prinzip des Gotteögnadcn- tum» liegt gerade darin, daß der„Pöbel" lvagt. es sich so gut- mütig selbst, aus eigener Souveränität, durch eigenen Macht- spruch zu wählen. Welche Verhöhnung, ja welche Majestät»- beleidigimg liegt in der Tatsache, daß sich ein ganzes Volk herausnimmt, seine Landeövätcr fortzuschicken und wieder ins HauS zu nehmen, als ivcnn es sich um— Hausdieucr handelte. Der ganze Heiligemd'ein de» GotreSgnadeiitunis geht ja bei dieser frechen Anmaßung flöten. Das Prinzip de» Monarchismus hat durch die Berufung des neuen norwegischen Königs entschieden einen härteren Stoß erlitten, als es durch den Ucbcrgang Norwegens zur repnblikaniscden Bersaffung erlitten hätte, und wir sind sicher: die erlauchten gekrönten Kollegen der»eugebackenen Majestät werde» an dein mit den, Makel der Volkswahl behafteten„lieben Vetter" ungesähr so wenig Freude haben, lvic sie aus dein letzten absoluten Souverän Europas— dem Fürsten Manaco Trost für den Zusammenbruch der russischen Alleinherrschaft schöpfen... Die spaßhafte Geschickte hat indes eine durchaus ernste n»d Kmirige Seite: wie der Telegraph meldet, haben die vier sozial- demokratischen Abgeordneten im norwegischen Storihing zusainmen mit den bürgerlichen für d i e K ö n i g s>v a h l g e st i m m t. Die Sozialdemokratie ist grundsätzlich eine republikanische Partei und eine derartige direkte Abstimmung bildet einen internationalen Skandal. Die norwegischen Genossen begründeten ihr seltsames Volum anscheiiieiid damit, daß die Mehrheit de» Volkes sich in der Ab- stimmuiig für die Monarchie ausgesprochen hätte. Die Sozial- demokralic hat aber nicht zur Aufgabe, der jeweiligen gegebenen „Majorität" des Volkes, entgegen den cigcncn Grundsätzen, nach dem Munde zu reden, sondern diese Majorität aufzuklären, ihren Willen erst zu gestalten, und zwar durch die offene und feste Vertretung und Betonung der eigenen Grundsätze. Wollten ivir uns einmal ans den Boden der imbedinaten Anerkennung des jeweiligen Willen» der Volksinehrheit begeben und uns in unserem eigenen Verhalten von ihm bestinimen lassen, dann könnten wir überhaupt mit unserem Progrannn, mir dem Sozialisinus einpacken. Denn die Mehrheit de» Volkes ist unter der geistigen und politischen Herrschaft der Bourgeoisie nirgends sozialistisch und wird es eben nicht, bis sie durch uns auf- geklärt wird. Die erste Bedingung dieser Aufflärung ist aber das ilneimvegle Festhalten an den eigenen Prinzipien. Die Fraktion unserer norwegischen Bruderpartei ist offenbar aus eine schiefe Aus- legung de» deniokralischeii Prinzips hereingefallen. Da» blinde Schmeicheln dem Willen der unanfgeklärleii Volksmaffe gegen die eigene Ueberzengmig ist aber nicht Demokratie, sondern ihr direktes Gegenteil, nämlich— Demagogentum. Wahldemonstrationen in Sachsen. Am Sonnabend und Sonntag haben in einer Reihe sächsischer Ortschaften die großen Wahlrechlsdemonstrationen stattgefunden, zu denen die sozialdemokratische Landesorganisation aufgerufen hatte. Wir veröffentlichen vorläufig die Berichte aus den beiden größten Städten Sachsens, au» Dresden und Leipzig: Dresden, den 19. November. fEig. Ber.) Die vom sozialdemokratischen Zentralkomitee und den vier Agitationskomitee» Sachsens cingeleilete Demonstration gegen das Dreiklassen-Wahlrecht hat am Sonnabend mit voller Wucht in Dresden und dessen nächster Umgebung ein- gesetzt. Im Stadtgebiet fanden sechs Versaiilmlungeil in den größten Sälen statt, die so massenhaft besncbt waren, daß sie fast alle polizeilich gesperrt waren und viele Hunderle keine» Eintritt finden konnten. Es sprachen im Trianon<2000 Personen) Block, in den Blumenfälen<2200) F l e i ß n e r. in der Reichskrone<2000) G r a d n a u e r, bei Metzle(1200) E d m. Fischer, im Dreikaiscrhof <1800) Sindermann. Sächsischer Prinz<1000) Dunker. Außerdem fanden in den nächsten Vororten neun große Versammlungen statt, die mindestes von 10 000 Personen besucht waren, so daß i» Dresden und Umgegend am Sonnabendabend in 15 Bersammlungen über 20000 Per- sonen für das allgemeine, gleiche, geheiine und direkte Wahlrecht demonstrierten. Das bezeichnendste an diesen Versammlungen aber war die Stimmung, die in ihnen herrsäite, eine hoffmuigsvolle Kanipfftimniling. Wenn die Referenten von der Anwendung „anderer Mittel" sprachen, brachen Beifallsstürme los. Die Polizei hielt sich reserviert. Soweit bekannt, sind durch sie nirgends Zwischenfälle veranlaßt worden, obwohl die Referenten aus ihrem Herzen keine Mördergrube machten. Welche Bedeutung die„Regierenden" dieser Wahlrechts- denionstration beimessen, geht auch daraus hervor, daß im Stadt- bezirk Dresden dieMannschasten aller Militär-Wacht- kommandos am Sonnabendabend je 40 Patronen be» kanren, und daß die Soldaten Befehl hatten, in der Kaserne zu bleiben. Man sah insolgeffen keinen Soldaten in der Stadt.— Seit vielen Jahren hat Dresden eine derartige Demonstration nicht gesehen. Genosse Goldftein hat einen trefflichen Standpunkt, wenn in nächster Woche im Landlag eine Wahlrechts- Interpellation zur Besprechung kommt. Am 11. Oktober erließ das Zentralkomitee seinen Aufruf, und für den 19., 20. und 21. Oktober bereits waren in ganz Sachsen etwa 130 Wahlrechts Versammlungen angezeigt, davon im Dresdener Agitationsbezirk zirka 40, im Chemnitzer 42. Bis in die entferntesten Winkel der Lausitz, des VogtlandeS und des Erzgebirges war mobil gemacht. In allen Versammlungen wurde eine Resolution angenommen. die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Es heißt darin: „Die Versaniinluiig fordert im Namen aller sächsischen ent- rechteten Dreiklassenwahler unter allen Umständen die Durchführ n n g einer Wahlresorni noch in diesem Landtage. Und zwar fordert daS sächsische Volk in seiner über- wiegenden Mehrheit die Einfuhr ring des allgemeinen. gleichen, direkten und geheime» Wahlrechts unter Anwendung des ProportionalshstemS.... Die Verschleppung der Wahlresorni muß vom Volke als ein neuer Schlag gegen seine wichtigsten Lcbensinteresien empfunden werden. Trägt man nicht endlich dem Verlangen nach Wahlreform Rechnung, dann wird das Volk andere Maßregeln auch in Sachsen ergreifen müssen, um sich Gehör zu verschaffe n." Leipzig, den 19. November.(Eig. Ber.) Die Genossen des zwölften und dreizehnten sächsischen Reichs- tagswahlkreises hatten für Sonntag vormittcrg fünf große TemonstrationSversammlungen einberufen, die sich in ihrer Gc- samtheit und in ihrem Verlaufe zu einer machtvollen Kundgebung des Leipziger Proletariats gestalteten. Wer vormittags in der zehnten Stunde der inneren Stadt zustrebte, der koiintc schon am Straßenbilde erkennen, daß sich etwa» Besonderes vorbereitete. Aus allen Gegenden der Stadt zogen Hundertc und Aberhundcrte von Arbeitern und Arbeiterfrauen zu den im Zentrum belegenen Versammlungslolalen, in ununterbrochener Reihenfolge brachten die Siraßenbahnzüge die Scharen der Demonstranten aus den Vor- orten heran. Mit ihnen zugleich strebten zu Fuß und auf der elektrischen Bahn zahllose«chutzleutc aus allen Revieren ihrem Hauptquartiere, dem Gebäude der Polizcidircklion auf der Wächterstraße zu. Berittene Schutzmannspatrouillei, durchstreiften die Straße», überall leuchteten die weißen Hclmspitzen. Besonders in der Umgebung der Versammlungslotale. für die das Boltöhaus, da» Zcntraltheaier, das Sanssouci, das Pantheon und der Rcudnitzer Schloßkcllcr ausersehcn waren, häuften sich die Polizeiposten. Lange vor Beginn der Versammlungen waren die Säle bis auf den letzten Platz besetzt und auf polizeiliche Anordnung abgesperrt. Wohl an achttausend Menschen lauschten hier, in der qualvollen Cnge standhaft aushaltend, den Ausführungen der Referenten, die in scharfen Worten das zivieschlächtigc Verholten der Regierung und der reaktionären Dreiklassen-Bourgcoiste der Wahlrcchtsfrage gegenüber geißelten und erklärten, daß die säckisische Arbeiterschaft nicht eher ruhen werde, als bis ihrer gerechten Forderung nach dem allgemeinen gleichen und freien Wahlrecht auch für den sächsischen Landtag die volle Erfüllung geworden. Unter brausendem Beifall wurden die den Versammelten vorgelegten Resolutionen an- genommen. Draußen aber auf den Straßen vor den Versammlungslokalen wogten viele Hunderte von Ausgesperrten hin und her. die den Schluß der Tagungen erwarteten. Besonders stark waren die An- sammlungen vor dem Zcntralthcater und dem Sanssouci, die ganz nahe beieinander fast im Mittelpunkte der Stadt gelegen sind. Endlich üffncli sich die verschlossenen Türen und heraus strönicu schier unabsehbare Mengen. Da aus ciuinal— kein Mensch weiß, loer sie zuerst gegeben— geht die Losung von Munde zu Mund: Nach dem Augusiusplatzc! Einer sagt es dein andern, und ruhig, wie sclbstvcrständlidi, wälzt sich der schwarze Menschenstrom durch die Hauptstraßen hin zum Augustusplatze. Von allen Seiten ziehen sie heran, die dciiloiistricrciidcn Arbeiterbataillonc, sie scharen sich um den Sdunuckbruiinei,, der sich in der Mitte des einen Platzteiles erhebt, sie besetzten die breiten Terrassen der städtischen Gemälde» galcrie. lind bald ist die eine Hälfte des Platzes, eines der größten und schönsten in ganz Deutschland, mit dcmonftricrendcn Arbeitern ftle bedeckt. Nur ein kleines Polizeipikett ist zur Stelle. Tiefer Ernst und eine gewisse Spannung spricht aus den Gesichtern der nun auf mehr als Zehntausend angewachsenen Menge. Da biegen zwei Schutzmannsabteilungen, die wohl von den östlichen Versammlungslokalen kommen, in den Promenadcnring ein, in geschlossenen Reihen marschieren sie am Augüstusplatzc vor- bei, hinter ihnen her aber ergießt sich die von Minute zu Minute wachsende Masse der Wahlrechtsfordercr. Auf dem Königsplatze kommt wieder neuer Zuzug: mehrere Tausend, die im und am Volkshause sich gesammelt hatten. Vor ihnen her marschiert eine Reihe Schutzleute. Als sie am Hauptzuge angelangt sind, schwenken die Polizisten ab, und ungehindert vereinigen sich die beiden Menschenströme. Nun geht eS ohne Störung weiter, vorüber am neuen Rathausc. Immer neue Mengen drängten von oben nach, als wollte der Strom kein Ende nehmen. Auf der Promenade ging es weiter, zum russischen Konsulat. Einen Augenblick kommt der Zug ins Stehen. Von einem Sand- Haufen herab richtet ein Genosse anfeuernde Worte an die Masse, und: Hoch das freie Wahlrecht! Heraus mit dem Wahlrecht! er- tönt es aus vielen Tausenden Kehlen. Rund um die Promenade herum kam der Zug wieder zum Augustusplatze und bog in die Poststratze ein. Hier befindet sich im Hause der„Königlichen Leipziger Zeitung" das österreichisch-ungarische Konsulat. Aber- nials erschollen die Wahlrcchtsrufe, mit denen die Leipziger Proletarier ihre Kampfgenossen von der Moldau und der Donau grüßten. Wie bisher von Schutzleuten getreulich geleitet, zog man noch die Dresdener Straße hinab vor die Wohnung des Obcrbürgcr- mcisters. Hier hielt wieder einer der Führer eine kurze Ansprache. Der Oberbürgermeister habe einmal gesagt, wer sein Recht sich nicht zu erkämpfen wisse, der verdiene nicht, ein Mensch zu sein. Tic sächsische Arbeiterschaft habe heute den ersten Schritt getan, um ihr Recht zu erkämpfen, und sie werde nicht ruhen, bis es errungen sei. Zum letzten Male erschollen die Rufe zu den Fenstern hinauf, dann zerstreute sich die Menge mit derselben Ruhe, die sie bisher bewahrt hatte. DentMies Reich. Die Parteien und die Flottenvorlage. Die bürgerliche Presse bietet auch heute noch das- ielbe Bild: die Flotteuschivärmer erklären die Flottenvorlage für unzulänglich und Zentrum und Freisinn stammeln nur einige hülflose Redensarten. Die„Berliner N e u e st e Nachrichten" haben leider nur zu recht, wenn sie be- haupten: „Der Eindruck der Flottenvorlage� ist nach den bisher vor- liegenden Preßstimmen noch nicht präzis zu fassen, doch ist er insofern günstig, als kein größeres Parteiorgan, den„Vor- ivärts" ausgenommen, diese bescheidenen Forderungen ablehne» will." Ueberaus anmutig lvirkt es, Herrn B r u h n S und Herrn M o s s e,„Staatsbürger-Ztg." und„Berliner Tageblatt", gemeinsam einen Flottencancan aufführen zu sehen. Die„S t a a t s b ü r g e r- Z t g." stöhnt: „Die Flottenvorlage ist kläglich. Schlapp, schlapp!" Und an anderer Stelle schreibt das Blatt: „Und wie sieht nun das feierlichst angekündigte Werk des Roon der Marine aus? Ein großer Aufwand schmählich ward ver- tan. Was Herr v. Tirpitz fordert, ist so gut wie nichts. Arbeiten Ivir uns aber durch das ganze Werk hindurch, vergleichen wir die neue Vorlage mit dem Gesetz vom Jahre ISOO, so kommen wir zu dem Ergebnis: Was Herr v. Tirpitz fordert, ist keine Ver- stärtung unserer Wehrkraft znr See, es wird vielmehr fort- gewurstelt." Im„Mosse-Blatt" tönt das holde Echo: „Nur wenn die Regierung n a ch lo e i st, daß ein rascherer Ausbau nach der Leistungsfähigkeit unserer Werften unmöglich ist, wird man sich wohl oder übel bescheiden müssen. Nach der ganzen politischen Lage aber würde man alles daranschen müssen, uns so rasch wie möglich eine wertvolle Flotte zu schaffen. Nur keine halben Maßregeln! Entweder gar keine Flotte oder eine ordentliche." Hoffentlich werden die freisinnigen Wadcnstrümpfle» nun wenigstens aus Flottenkoller gegen die Vorlage slimnien! Das Urteil der„Staatsbürger Ztg." über die Flotten- Vorlage paßt weit besser auf die Haltung der linksfreisinnigcn Presse, sie ist m der Tat„schlapp, schlapp"! So erschöpft sich bis jetzt die ganze Kritik der„Freien Deutschen P r e f s c" m dem nichtssagenden Sätzchen: „lieber den Inhalt der neuen Flottenpläne haben wir bercils in der gestrigen Nummer Mitteilung gemacht. Schon eine summarische Prüfung der Vorlagen ergibt, daß eS sich hierbei nicht um eine einzelne große Frage handelt, sondern um eine große S u m ni e von einander unabhängigen Einzel- fragen von ganz verschiedener Bedeutung, zu denen man daher mich in verschiedener Weise Stellung nehmen kann," W i c man dazu Stellung iiehmen kann, wird einstweilen vorsichtigerwcise nicht verraten.„Man wagt es nicht." Die„Bresl. Ztg." nimnit ebensowenig Stellung. Sie betont lediglich, daß erst die Deckungsfrage erledigt sein müsse. An Ablehnung denkt also auch sie nicht. Die„Franks. Z t g." warnt nur vor einem„extremen Wettrüsten", zu dem„etliche Heißsporne" die Regierung zu provozieren suchten. Gegen ein„verständiges Innehalten erträglicher Grenzen" hat auch dies demokratische Organ nichts einzuwenden. Die S t o r z und Eickhoff können also schon jetzt als Sieger gelten!—_ Der ailtiseinitisch-freisiiinige Wahlsieg. DaS endgültige Wahlrestiltat in E i f e n a ch ergab für den Antisemiten S ch a ck 10 392, für den Genossen Leber 8748 Stimmen. Scharf hat also in der Stichwahl 6347 Stimmen mehr erhalten als bei der Hauptwahl, während der sozial- demokratische Stimmenzuwachs nur 1862 Stimmen beträft. Da bei der Hanptwahl für Antisemiten, Nationalliberale und Zentrum zusammen nur 7839 Stimmen abgegeben wurden, müssen sich unter den 2333 Stimmen, die Scharf bei der Stichwahl noch darüber hinaus ans sich vereinigte, zahlreiche freisinnige Stimmen befunden haben. Die Sozialdemokratie, die 913 Stimmen mehr erhielt, als bei der Stichwahl im Jahre 1903, ist also höchst ehrenvoll den: bündlerisch- antisemitisch• nationalliberal- ultramontan- frei- sinnigen Mischmasch erlegen! Tie Wahlnnterstützung des Freisinns wird denn auch von der antisemitischen Presse dankend quittiert. So schreibt die„ D c u t s ch e Z t g.": „Selbst wenn»mn diese Ziffern hüben und drüben um 300 bis 500 Stimmen steigert und mindert, bleibt also bestehen, daß ein Teil des freisinnige» BnrgcrtiimS der Stichwahlparolc der Partei nicht gefolgt ist..., Ans die 39 0S2 st ü d t i s ch e n Wähler des Wahlkreises trifft freilich jene erfreuliche Feststellung laut Ausweis der Einzelziffern, die uns ans Eisenach bereits übermittelt wurden, nicht znz aber doch für einen großen Teil der Frei- sinnigen unter den 65 624 ländlichen Bewohnern de? Wahlkreises. Wir können schon jetzt mehrere ländliche Wahlorte feststellen, Ivo alle freisinnigen Stimmen auf Scharf über- gegangen sind." Und die, wie sie sich in ihrem Untertitel selbst nennt,„unbestechlich völkische"„Deutsche Hochwacht" triumphiert: „Die freisinnigen Vertreter sahen, daß ihre eigenen Mannen ihnen nicht mehr gehorchen." Die Vorwürfe der antisemitischen Blätter gegen die frei- sinnige Parteileitung sind nicht etiva so zu verstehen, als ob diese zur Unterstützung des sozialdemokratischen Kandidaten aufgefordert habe. Das ist bekanntlich nicht geschehen; die freisinnige Parole empfahl lediglich Stimmenthaltung. Die„Voss. Ztg." hatte bekanntlich behauptet, der wüste „Terrorismus" der Eisenacher Sozialdemokraten habe die Freisinnigen in das Lager der Brotwncherer getrieben. Wie ans dem Zitat der„Deutschen Ztg." ersichtlich, hat dieser „Terrorismus" wenigstens den Eisenacher Freisinn vor der Schmach des Eintretens für den Antisemiten bewahrt. Auch dieS Faktum beleuchtet drastisch die schäbige Verleumdertaktik des edelen Freisinnsorgans!— TaS Zentrum als Anwalt der freien Gewerkschaften. Die„Germania" beschäftigt sich in einem langen Artikel mit dem bekannten Elaborat des„Corres pondenzblattes der G e n e r a l k o m m i s s i o n". Narfidem das führende Zentrums» blatt auseinandergesetzt, daß durch das in Jena angenommene Organisationsstatut der Versuch gemacht worden sei,„die sämtlichen „freien" Gewerkschaften der Diktatur und dem Steuer- e r c k u t o r der politischen Sozialdemokratie zu unterwerfen" und nachdem Herr Rcxhänscr wegen seines„Schimmers von Freiheits- gcfühl" einige Komplimente erhalten, richtet es folgenden Appell an die Gewerkschaften: „Die sozialdemokratischen Gewerkschaften aber ivissen, was sie von der Autokratie der systematisch vor- dringenden Oberleitung der politischen Sozialoemokratie zu erwarten haben. Das bezeugen ihre bisherigen Auslassungen. Aber nicht mit Worten allein ist dieser Kompetenzlonfliki anszufcchten, sondern mit Taten. Und da wird unserer Voraussicht nach die ganze sozialdemokratische Gewerkichaft ver- sagen. Im Zaren tum Bebels, dem die Sozialdemo- kratie nach den Jenaer Beschlüssen vollständig unterworfen ist, kann es keine Autononiie der Gewerkschaften mehr geben. Alle scheinbare Opposition dagegen ist nur noch ein Blendwerk für die Augen gutgläubiger„Genossen", um den- selben den Glanben an eine Neutralität der sozialdemo- kratischen Gewerkschaften zu erhalten, den Mehring selbst einen „häßlichen und widerlichen Traum" nennt, Die sozialdemokratischen Gewerkschaften haben es nunmehr selbst in der Hand, ihre Worte in Taten umzusetzen, oder aber von der ganzen Welt sich als die Kulis der p o l i t i- scheu Sozialdemokratie zu entpuppen," Die„Germania" hätte entschieden klüger gehandelt, wenn sie ihre sehnliichsten Herzenswünsche nicht so offen ausgeplaudert hätte, Ganz abgesehen davon, daß gerode das Zentrum als Anwalt der gewerkschaftlichen Unabhängigkeit die denkbar unglücklichste Figur macht— etwas Ungeschickteres läßt sich gar nicht denken, als einige Gewerkschaftsführer gegen die Massen der Arbeiterschaft ausspielen zu wollen! Die„Germania" befindet sich offenbar noch immer in totalster Ver- ständnislosigkeit gegenüber der modernen Arbeiterbewegung. Sie scheint sich einzubilden, daß die sozialdemokratische Partei ebenso durch ein paar Hundert politischer Führer verkörpert werde, wie andererseits die Millionen gewerkschaftlich organisierter Arbeiter von einer kleinen Anzahl Gewerkschaftsbeamter repräsentiert werden, Ihr komisches Mißverständnis rührt daher, daß sich in der modernen Arbeiterbewegung zwei äußerlich verschiedene Formen der Be- tätigung herausgebildet haben: die politische Partei und die Ge- werkichaften. Daß beide Organisationen in Bestrebungen und Zielen völlig wesenseins sind und nach der ganzen sozialen und politischen Entwirfelung in Deutschland sein müssen, diesen kleinen Umstand läßt das Zentrumsblatt ganz außer Berechnung l ES ist freilich verständlich, daß eine bürgerliche Partei wie das Zentrum nicht zu kapieren vermag, daß eS in einem demokratischen Organismus, wie ihn die moderne Arbeiter- bewcgung darstellt, eine Autokratie platterdings nicht geben kann. Weder innerhalb unserer Gewerkschaften noch innerhalb der sozial- demokratischen Partei vermag jemals ein Kreis von„Führern" die Marschroute willkürlich zu bestimmen. Jeder solcher„Staatsstreich- versuch" würde alsbald durch die Rebellion der Massen durchkreuzt werden. Die Svckulation der„Germania" ist deshalb ebenso thöricht, wie ihr Mittel, die Gewerkschaften gegen die Partei— die doch ihre Partei ist!— aufzuhetzen, abgeschmackt ist!— Konto K.- Interpellation. Das Zentrum gedenkt die Mirbachsche Kirchenbau- Angelegenheit im preußischen Äbgeordnetenhause zur Sprache zu bringen, wie die„Köln, Volkszeitung" angibt, aus recht- lichen Interessen— weit wahrscheinlicher aber, weil eS auf eine Ervrlcrung rechnet, die geeignet ist, gewisse Berliner protestantische Cliquen zu diskreditieren. So leicht sich die Geschorenen und Gc- scheitelten zusammenfinden, wenn es gilt, dem Volke die Religion zu erhalten, fo ergreift doch jede Partei gern die Gelegenheit, den anderen Bruder Christo bloßzustellen. DaS rheinische Blatt lüudigt an: Wir haben bereits die Notwendigkeit eines erneuten oder er lv eiterten Strafverfahrens betont, denn eS kann doch unmöglich ununtersucht bleiben, wo die ver- fchwundenen, fiir den Kttchbauverei» bestimmten 325 000 M. geblieben find. Sollte die Einleitung eines solchen Straf- Verfahrens unterbleiben, so müßte in der nächsten Session des Abgeordnetenhauses unbedingt der Justiz- minister darüber interpelliert werden. Es handelt sich hier nicht nur um finanzielle protestantisch- kirchliche Interessen, sondern auch um eine Rechts- frage von allergrößterBedeutung, deren Erledigung niemand gleichgültig sein kann, der für irgend einen wohltätigen Zweck Geld spendet. Außerdem darf die Meinung im Volke nicht aufkommen, daß unter Umständen eine so große Summe ver- schwinden kann ohne Ennittelung und eventuelle Ahndung der Vorkommnisse, welche dies ermöglichten.— Angenehme Aussichten. Zu der Marinekatastrophe in Kiel spenden die„Verl. Neuest. Nachr." einen eigenartigen Trost. Sie betonen,„daß überall da, wo die Vorbereitung auf den Krieg wirklich mit Ernst und unter Anwendimg möglichst kriegsmäßiger Mittel gehandhabt wird, Ver- luste bei den Friedens Übungen nie ganz vermieden werden können". Habe doch z. B. England innerhalb der letzten fünf Jahre nicht weniger als fünf Torpedoboolszerstvrcr verloren, während eine noch größere Anzahl von Zerstörern erheb- liche Beschädigungen erlitten haben. Von solchen Verluste» ver- schont geblieben sei nur die russische Marine, deren Torpedo- flotte aber auch im ostasiatischen Kriege nicht das geringste ge- leistet habe. Das heißt also, daß wir kimftig mit solchen Torpedoboots- Katastrophen als etwas Unvermeidlichem zu rechnen haben werden I DaS bekannte Wort: navi�ars necesao est, vivere non est ldic Schiffahrt ist notwendig, das Leben nicht), gewänne dadurch eine sehr erbauliche Bedeutung! � Die neue Tabaksteuervorlage. Die„Süddeutsche Tabakztg." bringt in ihrer letzten Nummer einen Vergleich der geplanten Tabak- steucrsätze mit den bisher geltenden. Danach ergebe» sich folgende Erhöhungen: Jnlandstcuer....... von 45 auf 63 M. per Doppcl-Ztr. Zoll auf Schneidtabak....„ 85„ liO„„„ Zoll auf Zigarrentabake...» 85„ 425„„, Zoll aus AuslandSzigarren..» 270„ 700„„, Zoll auf Auslandszigaretten., 270, 800„„„ Zigarettenpapierstempel... 2„„ 1000 Blatt. ReichsinvalibenfondS. Dem Bundesrat ist eine Vorlage zu weiterer Sanierung des Rcichsinvalidenfonds zugegangen. Wie die„Bcrl. Polit. Nachr." mitteilen, soll eine weitere jährliche Eni- lastung des Fonds um 8,6 Millionen Mark erfolgen. Würde die Vorlage, die natürlich noch der Zustimmung des Reichstages bedarf. angenommen werden, so würde damit eine Entlastung des Fonds um jährlich 22,6 Millionen Mark eintreten. Srf>önstedt noch Jnstizininister? Der Kaiser soll am Sonntag in Kiel den Oberlandesgerichtspräsidenten B eseler, den mutinaß- lichen Nackisolger Schönstedts empfangen haben. Der„Reichs- anzeiger" und die„Nordd. Allg. Ztg." berichten über Einreichmig oder Genehmigung eines justizininisleriellen Abschiedsgesuches noch immer nichts.—_ Hendrik Witboi gefallen! General v. Trotha meldet: Nach Mitteilung des Kapitäns Christian Goliath aus Berseba ist Hendrik Witboi beim U eberfall eines Verpflegungswagens bei Fahl- gras am 29. Oktober durch einen schweren Schuß in den Ober- schenkel verwundet worden, hat am 2. November die Wahl seines Sohnes Samuel Isaak zum Kapitän veranlaßt und ist am 3. November infolge der Verwundung gestorben. Nachdem Goliath mit nochmaliger, siclierer Feststellung beauftragt war. meldete er:„Tod hat sich bestätigt! Sohn Isaak führt jetzt die Rapitänschaft." Der erwähnte Ueberfall hat 7 Kilometer westlich von Fahlgras auf einen Proviantwagcn der 3. Batterie stattgefunden. Die„Deutsche Tagesztg." hofft, daß mau jetzt mit den Hotten- tottcn wohl rasch fertig werden dürfte. Morenga sei Witboi zwar militärisch weit überlegen, allein der greise Hottentottcnführer habe doch das größte Ansehen genossen. Diese Hoffnung dürfte sich sicher nicht bestätigen. Die„Nat.-Ztg." meint denn auch:„An der Kriegslage im Groh-Namalande dürfte Hendriks Tod aber vor- läusig wenig ändern. Der Guerillakrieg wird dort bei den haltlosen Terrain- und Wasserverhältnissen noch lange dauern."— Die Flunkereien der„Jcnaischcn Zeitinlg". Genoffe Z üb eil ersucht uns um Veröffentlichung folgender Zuschrift: „In der Nummer 272 des„Vorwärts" vom Sonntag, den 14. d. Mts. ist ein Artikel enthalten mit der Ueberschrift„Reichs- tagsabgeordneter Bebel und die„Jen, Ztg." In diesem Artikel wird von den Gewährsmännern der„Jenaischen Zeitung" neben den Namen anderer Parteigenossen auch meiner genannt mit der Be- hanptung, daß ich am 20. oder 21. September abends zwischen 3 und 9 lihr im Hotel Kaiserhof anwesend gewesen sei. Ich erkläre diese Behauptung der beiden Gewährsmänner der„Jenaischen Zeitung" als elende Verleumdung, da ich während der Jenaer Tagung nicht ein einziges Mal da» Hotel Kaiserhof betteten habe. Fr. Z u b e i l. HudUnd. Oesterreich-Ungarn. Alle Räder stehen still! Am 28. November wird das Parlament eröffnet. Vorgestern sSonntag) beschlossen die Wiener Arbeiter in 25 Bersamniluiigcn, am Tage der ParlamentS-Eröffnung eine Demonstration für daS all- gemeine Wahlrecht zu veranstalten. Diese Kundgebung wird voraus- sichtlich von einer Großartigkeit sein, die alles in den Schatten stellen dürfte, was je in dieser Art unternommen worden ist. In ganz Wien wird die Arbeit ruhen. Das Exekutiv- komitee der Wiener Arbeiterschaft hat bereits den Plan der grandiosen Veranstaltung entworfen: Die einzelnen Branchen sammeln sich an vorher verabredeten Plätzen und marschieren mit ihren Fahnen und Standarten zum Hauptsammelplatz, Da wird der Zug geordnet und setzt sich in der Richtung nach dem Parlament zu in Bewegung. Während die Arbeiterdeputation im Parlaments- gebäude weilv, defilieren die Proletarier-Bataillone vorüber und zer- streuen sich allmählich truppweise über bestimmte Sttaßenzüge. Hut ab vor der unerschütterlichen Festigkeit und Zielklarheit unserer Wiener Genossen!— Frankreich. Treffende Antwort. Paris, 20, November.(W. T. B.) In- folge der Weigerung der Anwaltslammcr. den ehemaligen Professor Hcrve als Advokaten zuzulassen, beschlossen die sozialistischen Dc- putiertengruppen, in der Kammer die Abschaffung des Privilcos der Advokaten zu beantragen England. Wichtiger Vertrag. London, 20. November. sW. T. B.) „Standard" meldet aus Tokio unter dem 19. November: Die Mifsion des Marquis Jto nach Korea hat einen vollen Erfolg er- zielt. Gestern in aller Frühe ist der Vertrag im Palast zu Söul unterzeichnet worden. Außer dem Kaiser und Marquis Jto waren noch Vicomtc Hayashi und General Baron Hascgava, der Kom- mandeur der japanischen Truppen in Korea, sowie alle koreanischen Minister anwesend. Der Vertrag enthält zwei wichtige Punkte. Erstens übernimmt Japan die Besorgung der auswärtigen An- gclegenheiten Koreas, bis Korea stark genug ist, sciuc Unabhängigkeit zu wahren. Zweitens wird die Verwaltung der inneren An- gelcgenhciten unter die Ucberwachung eines japanischen General- gouverneurs gestellt, welcher gemäß den Anordnungen des Kaisers von Korea handelt. Dies bedeutet die Leaalisierung des bestehenden Zustandcs. Norwegen. Hakon VIl., König der„Sozialdemokraten". Kristiania, 18. November.(W. T. B.) Ueber die Storthing- sitzung am heutigen Nachmittag ist noch zu niclden: Nachdem StorthingLpräfident Berner unter Hinweis auf das Ergebnis der Volksabstimmung vorgeschlagen hatte, den Prinzen Karl von Dänemark zum König von Norwegen zu wählen, erklärte Pastor Eriksen(Soz.), daß seine Partei für den Vorschlag des Präsidenten stimmen werde, da durch die früher gefaßten Beschlüsse das König- tum bereits festgesetzt sei und keine Veranlaffung vorliege, für einen anderen Vorschlag zu stimmen. Staatsadvokat Castberg er- klärte, daß er und feine Gesinnungsgenossen sich vor dem Willen der Mehrheit des Volkes beugten und für den Vorschlag des Präsidenten stimmten. Nachdem sodann die Abstimmung in der bereits gemeldeten Weise erfolgt war, hielt StorthingSpräsidcnt Berner eine kurze Ansprache, in der er unter anderem ausführte, mit diesem Beschlüsse des Stodhings sei der Schlußstein auf das SclbsländigkeitSwcrk gesetzt, das in diesem Jahre durck�cführt worden sei. Er schloß mit dem doppelten Wunsche:„Gott bewahre den neu erwählten König! Gott bewahre unser teures Vater- land!" In diesen Wunsch stimmten die Mitglieder, die sich während der Ansprache des Präsidenten von ihren Sitzen erhoben hatten, ein. Eine Kritik des mehr als sonderbaren Verhaltens der„sozial- demokratischen" Abgeordneten finden die Leser an anderer Stelle ÖewcrhfchaftUcbeo. BcrHn una Omcregena. Die„wohlwollende" Strahcnbahn-Dircktion. Endlich hat die Direktion der„Großen Berliner" ihre schier endlose,„wohlwollende Prüfung" beendet und den Straßenbahn-Angestellten eine Lohnerhöhung gewährt. Laut Anschlag soll das Anfangsgehalt der Fahrer und Schaffner von 90 auf 95 M. pro Monat erhöht werden; ebenfalls erfahren die übrigen Gehaltsstufen je nach der Dienst- dauer eine Aufbesserung von 2, 3 bis 5 M. Die Gehaltsskala stellt sich demnach wie folgt: In, Allfang.... 05 M.(bisher 90 M.1 Nach 1 3 5 7 9 11 ;ahr. jähren 100 105 110 113 115 118 95 100 105 110 113 115 Das Höchstgehalt von 120 M. soll jetzt nach 12 Jahren CbiKher nach 15 Jahren) erreicht werden. Für die Schaffner ist auch die durchschnittliche tägliche Dienstzeit von 11 auf 'iOV2 Stunden herabgefetzt worden. Die Lohnerhöhung um je 5 M. pro Monat erstreckt sich auch auf das Personal der Charlottenburger Straßenbahn. Ferner sind auch die Gehaltsstufen der Bahnhofsgehülfen von monatlich 110 M. ab, sowie der Kontrolleure und Fahrmeister verbessert; letztere erhalten jetzt im Anfang 130 M.— Ein wahres Füllhorn von Wohltat hat die Direktion aber auf die Bahnwärter, Weichensteller, Rangierer, Wagenwäscher und Hofarbeiter aus gegossen. Diese bekamen bislang einen Tagelohn von 2,80 Mar?, blieben in ihrem Verdienst also noch unter dem orts üblichen Tagelohn. Jetzt sollen sie täglich 3 M. erhalten; nach einem Jahre 3,10 M. und nach drei Jahren 3,20 M.„Enfr lich," sagt die Direktion,„haben wir in weiterer Betätigung unserer Fürsorge für die Hinterbliebenen Witwen unserer Bediensteten eine Erweiterung der Witwenunterstützung in Aussicht genommen." So, nun kann es den Straßenbahnern nicht mehr fehlen. Die Direktion hat ihrem Herzen einen Stoß gegeben und ist in hörbarer Betätigung ihrer Fürsorge endlich zu der Ein- ficht gelangt, daß die Angestellten bei der gegenwärtigen Teuerung mit den bisherigen Hungerlöhnen nicht mehr zu existieren vermochten. Es wurde aber auch die höchste Zeit, daß ihr diese Erkenntnis kam. Tie Straßenbahner hatten jetzt auch gerade genug von der ewigen„wohlwollenden Prüstmg". Es hatte sich ihrer bereits eine derartige Unzufriedenheit bemächtigt, daß die Di- rektion mit einem, vielleicht ganz urplötzlichen, explosiven Ausbruch derselben rechnen mußte. Schon der Ausfall der letzten Vertrauensmännerwahl zugunsten der Kandidaten des Transportarbeiter-Verbandcs war ein sehr deutliches Zeichen für die Stimmung der Angestellten, und die jüngst vom Ber- bände einberufene, ungewöhnlich stark besuchte Straßenbahner- Versammlung ließ ebenfalls keinen Zweifel mehr darüber übrig, daß die Angestellten die„wohlwollende Prüfung" der Direktion bis zum Halse hinauf satt hatten. Wenn nun die in jener Versammlung aufgestellten Forderungen(Erhöhung des Anfangsgehaltes von 97 M.. stufenweise steigend bis 130 Mark) auch nicht völlig bewilligt worden sind, so dürften sich die Straßenbahner als bescheidene Leute mit dem Zu- gestandenen doch vorläufig begnügen. Soviel aber er- scheint sicher: Es dürfte wohl kaum einen Straßenbahn-An- gestellten geben, der da glaubt, daß die Direktion lediglich aus„gutem Herzen" und in edler Betätigung ihrer„Fürsorge" für das Dienstpersonal die Lohnerhöhung gewährt hat. Viel- mehr ist wohl jeder davon überzeugt, daß auch diese Gehalts- aufbesserung, so gering sie auch sein mag, in letzter Linie auf die nimmer rastende Tätigkeit des Transportarbeiter- Verbandes zurückzuführen ist— den die Direktion im Jahre 1900 fürchten gelernt hat, wenn sie es auch nicht gerne eingesteht._ EinigungSvorschläge zum Etuiarbeiterstrril. Auf Anregung vom Einigungsamt des GewerbcgcrichtS haben bereits am letzten Freitag Verhandlungen zwischen den Vertretern der Etuifabrikauten und der Streikenden stattgefunden. Sie führten jedoch trotz sechsstündiger Tauer zu keinem endgültigen Resultat und mußten schließlich verragl werden. Gestern wurden die Verhand- lungen unter Vorsitz des Magistratsrats v. Schulz fortgesetzt. Als Beisitzer waren die Arbeitgeber Vertreter Lucht und Meyer, die Arbeitnehmer Vertreter Körsten und Brückner tätig. Nach etwa dreistündiger Beratung machte das Einigungöamt den Parteien einen Vergleichsvorschlag, der im wesentlichen folgende Bestimmungen ent- hält: Die Arbeitszeit soll 531� Stunden wöchentlich betragen und in der Zeit vom 1. April bis zum 30. September einschließlich der Pausen von 7 bis 5 Uhr dauern, in den übrigen Monaten von 7� bis SZH Uhr. Sonnabends wird eine halbe Stunde früher Feierabend i gemacht. Ueberstunden werden die ersten drei mit JO'ch Prozent, 1 alle weiteren mit 50 Prozent Zuschlag bezahlt. Dauert die lieber- zeitarbcit länger als eine Stunde, so ist eine Viertelstunde, dauert sie länger als zwei Stunden, eine halbe Stunde Pause zu gewähren, die wie die Arbeitszeit bezahlt werden müssen. Der Durchschnitts- lohn der Etuiarbeitcr soll 52 Pf. pro Stunde betragen, im ersten sammlung der Etuiarbeiter am Mittwoch vormittag im GeWerk-. schaftshaus. Loraussichtlich wird der Einigungsvorschlag die Zu- stimmung beider Parteien finden. Bisher hat ein Tarifvertrag sür die Etuibranche nicht bestanden. Es sind zwar nach dem Streik von 1900 gewisse Abmachungen getroffen worden, sie bezogen sich jedoch nur auf die neunstündige Arbeitszeit und auf die Ueberstunden. Die Kondtioren hatten einer Reihe von Fabrikanten den Tarif zur Unterschrift vorgelegt und bis zum Sonnabend um Antwort ersucht, ob man die im Tarif niedergelegten Forderungen aner- kennen wolle oder nicht. Bewilligt haben daraufhin noch die Firmen Leo Bry in der Alexanderstraße sowie Ulrich u. Hoyoll. Am Sonn- tag nahm die Gehülfenschaft Stellung zu der durch ihr Ultimatum den Unternehmern gegenüber geschaffenem Lage. Die Arbeit am Montags nicht wieder aufzunehmen, beschlossen die Kollegen der Finna Sehferdt u. Haake, Lietzmannstratze 20, die sehr gut organi- siert sind, während bei Chliax dank der Umeinigkeit der Kollegen eine augenblickliche Bewegung nicht inszeniert Verden konnte. Herr Cyliax hatte in einer Zuschrift an die Organvsationsleiter erklärt, daß der Tarif für ihn kein Interesse hätte. Gienannter Herr ver- kauft hauptsächlich in Arbeitervierteln, empsie.Vlt auch gelegentlich seine Waren im„Vorwärts". Eine Betriebssitziing wird nochmals zu dem Herrenstandpunkte dieses Fabrikanten Stellung nehmen, zumal bereits ein Kollege und eine Kollegin durch die rechte Hand des Chefs, einem Herrn Kluge, gemaßregelt worden sind. Bei der Firma Pavel, tzochmeisterstraße, die in der günststisten Hochkonjunktur sich befindet, brachten auf Wunsch des JnhabcVs eine Reihe von Mitgliedern, und zwar Sezialarbeiter, es fertig, ein Zirkular zu unterschreiben, wonach sie mit den Verbandsforderumgen nicht einverstanden, sondern durchaus zufrieden seien. Unter diesen Um- ständen war an eine Bewegung natürlich nicht zu denkun. Maß- regelungen haben bereits stattgefunden. Bei Knöfel in der Kam» mandantenstraße nahm man den Beschäftigten das Ehrenwort ab, dem Verband den Rücken zu kehre», ein Verlangen, dem imit zwei Ausnahmen würdelos entsprochen wurde. Bei John, Urbanstr. 25. werden heute Verhandlungen angebahnt. Zuzug nach den be- streikten Geschäften sowie immer noch nach der Firma Werkmeister u. Retzdorf, Markusstraße, ist streng fernzuhalten. Jahre nach der Lehrzeit 40 Pf., der Durchschnittslohn der Etui- tischler 55 Pf., im ersten Jahre nach der Lehrzeit 42 Pf. Minder- leistungsfähig« Arbeiter werden nach Vereinbarung entlohnt jedoch nicht unter 45 Pf. die Stunde. Arbeiter, die einen der Etuibranche verwandten Beruf erlernt haben, sollen nach einjähriger Tätigkeit in der Branche den entsprechenden Lohn erhalten. Arbeiterinnen er- halten im ersten Halbjahr ihrer Tätigkeit in der Branche 15 Pf. Durchschnittslohn im zweiten Halbjahr 22',-! Pf., danach 30 Ps. Stundenlohn. Sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen erhalten zu ihren bisherigen Löhnen ein« Zulage von 5 Prozent und 2 Pf. pro Stunde. Tenjengen Arbeitern und Arbeiterinnen, die nach dem 1. September dieses Jahres eine Lohnzulage erhalten haben, wird diese jedoch hierbei in Anrechnung gebracht. Für Montagearbeit, die länger als vier Stunden dauert, soll ein Zuschlag zum Lohn gezahlt werden. In Betrieben, wo bereits bessere Lohn- und Arbeits- bedingungen als die vereinbarten bestehen, darf keine Verschlechte- rung eintreten. Ter§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches findet in- soiveit Anwendung, als den Arbeitern bei Erfüllung� militärischer Pflichten bis zu drei Stunden Lohnentschädigung gewährt wird. Es wird ferner eine Lehrlingsskala aufgestellt, wonach bei 3 Gehülfen 2 Lehrlinge, bei 6 GeHülsen 3, bei 10 Gehülfen 4 und bei 15 Ge- hülsen 5 Lehrlinge eingestellt werden können. Arbeitsniederlegungen, Aussperrungeir und Blaßrcgclungen dürfen nicht stattfinden, bevor rücht die Schlichtungstommisjion über die Differenzen beraten hat. Die Schlichtungskommission soll aus zwei Arbeitnehmern, zwei Arbeitgebern und einem unparteiischen Vorsitzenden bestehen. Ter neue Tarifvertrag soll bis zum 30. September 1907 gelten. Er tritt in Kraft, sobald ihn die Mitgliederversammlungen beider Or- ganisalionen gutgeheißen haben. Tie entscheidende Versammlung des Vereins Berliner Etui- Beendigung der Lohnbewegung in der Zigaretteninbustrie Berlins. Die langwierigen Verhandlungen zwischen den Vertretern der Tabakarbcitcrorganisation und des Vereins deutscher Zigaretten- fabrikanten zu Berlin und Vororten haben, nachdem sie noch am Sonnabend bis über Mitternacht gedauert hatten, endlich zu einer Vereinbarung geführt, die schriftlich niedergelegt und von den Ver- tretern beider Parteien unterzeichnet worden ist. Die Vereinbarung besagt, daß alle Lohnarbeiterinnen und-Arbeiter, die unter 12 M. verdienen, eine Zulage von 6 Proz., jedocb nicht unter 50 Pf. zum Wochenverdienft erhalten, und daß die Akkordlöhne pro 1000 Stück um 15 Pf. erhöht werden sollen. Diese Bestimmungen treten mit dem nächsten Lohntage in Kraft. Die Vertreter beider Parteien waren sich ferner darüber einig, daß für die gesamte Zigaretten- industrie Deutschlands eine Tarifgemeinschaft nach dem Muster des Buchdruckertarifs angestrebt werden soll, doch will man zunächst abwarten, was aus der geplanten neuen Tabaksteuer wird.— Tie öffentliche Tabakarbeiterversammlung am Sonntag hat die Ver- einbarung gegen 6 Stimmen gutgeheißen. Anfänglich trat in der Versammlung eine starke Stimmung gegen die Vorschläge und für die Aufrechterhaltung der ursprünglichen Forderungen von durchweg 10 Proz. Lohnerhöhung hervor. Es gelang jedoch dem Referenten S. Rosenthal sowie den übrigen Befürwortern der Vereinbarung, die Versammlung davon zu überzeugen, daß es, be- sonders auch mit Rücksicht auf die Beunruhigung der Tabak- industrie durch die neue Steuervorlage, zweckmäßig setz sich vorläufig mit diesen Zugeständnissen der Fabrikanten zu begnügen. Für die Lohnarbeit im Einsetzergewerbe. Am Sonntag fand bei Feuerstein in der Alten Jakobstraßc eine öffentliche Versammlung der Einsetzer Berlins und Umgegend statt, die sich mit der Frage befaßte, ob es zweckmäßig sei und Erfolg verspreche, wenn man im nächsten Jahre bei Ablauf des Tarifvertrages die Abschaffung der Akkordarbeit verlange. Ter Referent Kuschle schilderte die Vorteile, die eine allgemeine Einführung der Lohnarbeit mit sich bringen würde sowie die Schäd- lichkeit des bestehenden Akkordsystemö. Dem Vortrage folgte eine gründliche Aussprache, die mit der Annahme folgender Resolution endete: „Die Versammlung beauftragt die Kommission der Branche, mit den Tischlermeistern Berlins und Umgegend über die Ein- führung der Lohnarbeit in Verhandlung zu treten. Zugleich be- auftragt sie die Kommission, einen Tarif auszuarbeiten, der den gesteigerten Anforderungen, die an die Lebenshaltung der Arbeiter gestellt werden, entspricht, und diesen Tarif in einer der nächsten Versammlungen den Kollegen vorzulegen. Der von dieser Ver- sammlung angenommene Tarif ist bei gänzlicher Aussichtslosigkeit der Einfuhrung der Lohnarbeit bei den Arbeitgebern zur Durch- führung zu bringen."_ Achtung, Kleber! Wegen Vertragsbruch ist der Bau Stolpische- traße 23(Wollny), Unternehmer Giedeck, EberSwalderstr. 30/31, für Tagezierer gesperrt. Die Achtzehner-Kommission. Achtung, Dachdecker! Da die Differenzen bei der Firma errmann u. Sitza. Prinzen-Allee 73, beigelegt sind, wird die sperre über die Firma sowie über den Bau Ober-RechnungSkammer Potsdam aufgehoben. Zentralverband der Dachdecker. OrtSvcrwaltung Berlin und Potsdam. t>»uvM»e« Reich, Die Bergarbeiter Schlesiens. Wie der„Oberschlesische Wanderer" meldet, ist auf der der Firma Borsig gehörenden LudwigglückSgrube die gesamte Belegschaft in Stärke von 700 Mann in den Ausstand getreten. Es wird gefordert: 8'chstündige Arbeitszeit, eine Schichtzulage von 20 Proz., eine Teuerungszulage und bessere Behandlung durch die Vor- gesetzteu._ Pferdetreiber kamen vor auf den Zechen Wolfsbank und Äiehndahlsbank; auch auf diesen Zechen war die Ursache eine Stunde fe-chichtverlängevung. Man hofft jedoch, daß es zu größeren Arbeitseinstellungen nicht kommen wird. Die Redaktcure der„Bergarbeiter- Zeitung" Hue und Leimpcters sollen, wie ein Privattclegramm der Dort- munder„Tremonia" meldet, ihre Stellungen an der„Berg- arbeiter-Zeitung" gekündigt haben.— Als Ursache wird der „Vor>värts"-Krakeel angegeben. Tie Leipziger Lichtdrucker gegen ihre Berliner Kollegen. Die im Senefelder Bunde organisierten Lichtdrucker von Leipzig haben in einer Resolution den Berliner Kollegen ein Tadelsvotum erteilt, weil letztere nicht auch nach dem Beispiele der Leipziger in eine Bewegung zur Beseitigung der Akkordarbeit, des Prämiensystems und der langfristigen Kontrakte eingetreten sind, weil die Zeit für eine solche Bewegung nicht günstig sei. Die Leipziger Lichtdrucker erwarten mit Rücksicht darauf, daß die Be- wegung für das ganze Reich geplant war. von ihren Berliner Kollegen, daß auch diese nunmehr die Beseitigung jener Mißstände in die Wege leiten werden. Gegen da? Koalitionsrecht. Die Hafenarbeiter in Emden werden von den Unternehmern zum Austritt aus der Organisation gezwungen und ihnen zuge- mutet, einem von den Unternehmern gegründeten Streikbrecher- verein beizutreten. Es steht deswegen dort anscheinend ein Kampf bevor. Musterchrist Brust, der abgesägte christliche GewerkvcreinS-Vorsitzende, ist in die Redaktion der„Buerschen Zeitung" eingetreten und zeichnet verantwortlich für Politik und den volkswirtschaftlichen Teil. Der Verleger des bisher unbekannten Blattes scheint ein recht spekulativer Herr zu sein. Ob er aber auf seine Kosten kommen wird, ist eine andere Frage. Buotaoa. DaS Ende des Arsenalstreiks. Paris, 17. November.(Eig. Ber.) Der Ausstand in den Marine-Arsenalen war, die? kann man heute aussprechen, von Anfang an zu einen» nngliicklichenEnde verurteilt. Die Mängel der mehr ertensiven als intensiven Agitation, wie sie von den antiparlainentarischen Syndikalisten betrieben wird, der KluaheitSerwägungen nicht zugängliche, ebenso rasch erlöschende wie entzündete Kampfelan, ist ihm verderblich gelvorden. ES hilft auch nichts, die Niederlage damit beschönigen zu wollen, daß der Marine- minister eingewilligt hat, die Meinungen eines Kongresses der Marinearbeiterschaft einzuholen und zu diskutiere». Es bleibt nun leider einnial eine Tatsache, daß die Wiederaufnahme der Arbeit infolge der mangelirden Solidarität in den meisten Häfen und unter den» Eindruck der Drohungen des Marineniinisters beschlossen worden ist. Der Streik war begonnen worden, um die Freiheit der Meinungs- äußerung außerhalb der Werkstätte zu verteidigen und er hat in den» Augenblicke geendet, als der Ministerpräsident und der Marine- ininister das Streikverbot für die Arbeiter der Landesverteidig»»,g aussprachen. Die Sozialisten, die sich heute in der Kaminer fiir das Streikrecht aller Staatsarbeiter einsetzten. haben das gai»ze Bourgeoisieparlainent gegen sich gehabt. Gegen die Arbeiterschaft find alle bürgerlichen Parteien eins, und sie sii»d bereit, jede Brutalität und Gesetzwidrigkeit zu billigen. Vielleicht kommt die Erkenntnis dieser Situation doch den Bestrebungen zu gute, die darauf hinzielen, die Einseitigkeit und die mißtrauischen Separatio»--- gelüste in der heutigen Gewerkschaftsbewegung zu überwinden.— Die Leichterführer in Tanger befinden sich im Ausstand« wegen Nichtbezahlung der Löhne. Fünf Schiffahrtsgesellschaften »nußten infolgedessen ihren Betrieb einstellen. Ter bergbauliche Verein zu Essen macht gegenüber den Feststellungen auf der Revierkonferenz der Bergleute allerhand Ausflüchte, die sein Verhakten in etwas besserem Lichte erscheinen lassen sollen. Tie Beweisführung der juristischen Vertreter des Vereins grenzt zeitweilig ans lirkomische. So ljeißt cZ an einer Stelle: „Die von der Revierkonferenz gegen die Satzungen der Ar- beiterausschüsse und Ilnterstützungokassen erhobenen Bemänge- lungen wegen Ui»gesetzlichkeit sind hinfällig durch de» Hinweis darauf, daß dieie inzwischen die gesetzlich vorgeschriebene Genehmigung des Oberbergamts erhielten, welche gemäß Paragraph 30 des Berggesetzes bei einem Verstoß gegen die Gesetze versagt werden muß. Durch die erfolgte Genehmigung ist auch dieser Punkt der Eingabe als gegenstandslos erwiesen." In Zukunft kann sich das Reichsgericht den Beweis für die Gesetzlosigkeit des Streikpostenstehens leicht machen. Es braucht bloß unigekehrt wie der bergbaulich« Verein zu schließen: Das Streikpostenstehen hat nicht"die Genehmigung emes beliebigen Schutznranlls erhalten, dr bei einer Handlung im Rahmen des Gesetzes nicht versagt werden kann, ergo.. Der Streik der Pferdetroiber zu Dahlhauscu(Hasenwirlkel) ist nach zweitägiger Dauer beendet worden, indem die Verwaltung der Zeche die bisherige Schichtzeit wieder zugestanden hat. Vorher � hatte sie die Leute vergeblich mit Androhung von Geldstrafen zur fabrikanten findet bereits heute, Dienstag, statt; die Branchenver- i Anfahrt zu bewegen versucht. Weitere Arbeitsverweigerungen der Letzte Nachrichten und DcpeTchcn. Die Fürtljcr Gemcindcwahl. Fürth in Bayern» 20. November.(Privatdepesche des „Vorwärts".) Bei der heutigen Wahl zur Gemeindevertretung erhielt unsere Partei 3040 Stimmen; die veremigten Gegner brachten es auf 3940 Stimmen.- Unsere Genossen erhalten 0 Sitze, die Gegner deren 8. Feuer auf der kaiserlichen Werft. Wilhelmshaven, 20. November.(W. T. B.) Heute mittag kurz nach 12 Uhr brach auf dem allgemeinen Betriebsdepot der kaiserlichen Werft Feuer aus. wodurch etwa 12 Holzschuppen ein- geäschert wurden. Tic Dividenden leiden. Gera, 20. November.(B. H.) Eine Konferenz der Bürgermeister der von dem Textilstreik betroffenen Städte fand Sonnabend hier statt, zu der auch Vertreter der Arbeit- geber geladen waren. Hierbei erklärten die letzteren, keine nencn Konzessionen bewilligen z» können. In mehreren gestern stattgehabten Arbeiterversammliinge» wurde infolge- dessen beschlossen, weiter zn streiken. Arbeit, nicht Almosen. London, 20. November.(23. T. B.) Scharen von Arbeits- losen zogen heute aus verschiedenen Teilen Londons nach dein Themse-Ufer und von dort nach Hyde Park, wo eine Kundgebung veranstaltet wurde. Tie Zahl der Teilnehmer betrug etwa 8000. Noch größer war die Zahl der Zuschauer, die ihre Zustimmung zu erlennen gaben. Einige Teilnehmer trugen Banner und rote Flagge»», von denen eme die Inschrift trug:„Wir»vollen kei» Almosen, sondern Arbeit!" Ein großes Polizeiaufgebot war zur Stelle. Trennung von Staat und Kirche. Paris, 20. Noveinber.(23. T. 23.) Der Senat nahm in feiner heutigen Sitzung die beiden ersten Artikel der Borlage betreffend die Trennung von Staat nnd Kirche an und verwarf mit 178 gegen 110 Stimmen einen Zlbänderungsantrag des Senators Lamarzelle. der die Beibehaltung des bisherigen Kultus- budgets verlangte._ Neue Judenmctzeleiei» Jassy. 20. November.(B. H.) Nach hier eingetroffenen Privatmeldungen anS Kischinew haben dort wieder die antisemiti- schen Exzesse eingesetzt. Jüdische Häuser und Kaufläden wurden geplündert und in Brand gesteckt. Die israelitische Jugend, unter- stützt von Studenten, setzte dem einen verzweifelten Widerstand entgegen. »vundcte. Bei den Zusammenstößen gab cö viele Tote und Wer- Emzelheiten fehlen noch. Vcxantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Vcrlagsanstalt PaulSinger LcCo.,BeclinLzV. Hirrzn 3 Beilage» u.UntcrhaltiingSblatt B, m 22. umt 1. KeilWe des„flormirtö" Kerliller WllislsIM. w-w. A . November lWZ. Bon der Revierkonferenz der Ruhr- berglente erhalten wir noch folgendes Stimmungsbild: Vor allen Tmgen zeigte sich eine ziemliche Gereiztheit gegen die Presse, die s e n s a t i o n s s ii ch t i g e Presse. Eine Kritik war ja durchaus am Platze; auch wir waren schon in der Lage, verschiedene unverantwortliche Machenschaften an den Pranger zu stellen. Doch Effert, der christliche Führer, siel mit seinem Zorn, der sich besonders gegen das„Berliner Tageblatt" richtete, beinahe aus. Es scheint ihn besonders zu ärgern, daß das genannte Blatt von einer Krise oder gar von einer bevorstehenden P a l a st r c v o l u t i o n i m ch r i st- lichcn Gewerkverein geschrieben hat. Dem betreffen- den Berichterstatter sagte er„Liebenswürdigkeiten", die nicht von Pappe waren; das Bestehen irgendwelcher Differenzen bestritt er ganz entschieden. Den Namen des Berichterstatters nannte Effert nicht, aber die Augen vieler Dele- giertenwaren während seiner Rede auf August Brust gerichtet, der im Saale anwesend war, wohl als Berichterstatter für sein neues Organ, die„Buersche Zeitung". Es ist nun interessant, daß gerade die Z e n t r u in s p r e s s e die Effertsche Rede mit lzeuchlerischem Augenaufschlag gegen die Scnsationc.presse auszuschlachten versucht. Dieser „frommen" Presse wollen wir nun eine besondere Freude be- reiten. Im Konferenzsaal war nämlich ein Delegierter, ein christliches Ausschußmitglied, ein Mann, der seit Bestehen des Vereins in führender Stellung war lind noch nach dem letzten Streik wegen seiner Tätigkeit für den Getverkverein ausgesperrt wurde; ein Mann also, der einigermaßen glaubwürdig er- scheint. Und dieser Mann wurde etwas deut- licher wie Effert und erzählte ungeniert und treuherzig, daß man hinter diesen Scnsations- Nachrichten niemand anders als den Zentrums-Abgeordneten und Ex-Bcrgarbcitcrführer August Brust vermute. E s gelteietztnurnocheincn Punktaufzuklären, dann werde mau Brust mit seiner Pension über die Klinge springen lasten. Ein polnischer Redner nahm besonders Be- zug auf die verhetzende Tätigkeit eines Bochumer Zentrums- blattes.... So. nun mag die Zentrumspresse weiter heucheln und sich entrüsten. * Die Stimmung der Delegierten war eine erregte. Von eigentlicher Streiklust kann freilich keine Rede sein, was da zum Ausdruck kam, war mehr die Furcht vor einem neuen Streik. Wir wollen keinen Streik, aber wir rechnen mit der Möglichkeit eines AuSstandes, hieß es von allen Seiten. Aus verschiedenen Revieren wurde auch berichtet, daß dort die Er- bitterung noch größer sei wie vor dem großen Streik im Januar. Die Eingabe ist nun beschlossen und abgesandt, wie wird die Antwort lauten? Kirdorf, der Generaldirektor der Gclsenkirchener Bergwerks-Gcsellschaft, hat durch Anschlag schon bekannt gemacht, daß das Oberbergamt die neue Arbeitsordnung genehmigt habe. Kirdorf wird wohl nicht geflunkert haben. Und dann kann man auch schon das Schicksal der Eingabe errate«.... Jedenfalls bewies die Debatte, daß durch die neue Arbeits- ordnung unerträgliche Verhältnisse geschaffen worden sind. Die Praxis zeige, wie sie durch die Bcrggesetzgebung betrogen worden seien, sagten die Delegierten. Das Nullen sei zwar abgeschafft, aber durch das jetzige Strafshstem würden sie drei- mal härter getroffen, wie sie auch zahlenmäßig nachwiesen. Tie Seilfahrt gehe in einer Weise vor sich, daß das Leben der Bergleute in hohem Maße gefährdet sei. Förderkörbe, die sonst 12 Mann faßten, würden jetzt mit 3 4 belastet; hätte sonst die Förderschnellig- keitLMeter in der Sekunde betragen, so be- tragesiejetzt12Meter.... Am meisten empörte es aber, daß einige Zechen in brutaler Weise die Delegierten gekündigt haben, welche im Auftrage der Belegschaft A bän der» ngsan träge zur Arbeitsordnung überreichten, also nur von einem gesetzlichen Recht Gebrauch machten. *»* DaS alles aber, meinten einige Delegierten, würde im gegenwärtigen Augenblick keinen allgemeinen Streik herbeiführen. Wenn es zum Krach komme, dann infolge der immer noch nicht aufgehobenen Sperre und der U c b e r w e i s u n gs s ch e i n e. Bei Besprechung dieser Frage gebürdete sich Effert sehr radikal, was um so interessanter ist, als noch vor kurzer Zeit die lieber- Weisungsscheine von den christlichen Führern als ein Pro- dukt der Phantasie sozialdemokratischer Agitatoren bezeichnet wurden. Tie Konferenz hat den Beweis erbracht, daß die Ueberweisungsscheine tatsächlich auf einer großen Zahl Zechen in Gebrauch sind. Tie„Rh.-W. Zeitung" hatte zwar geschrieben, mit der Behandlung der Frage der Sperre und der Ueberweisungsscheine renne die Konferenz offene Türen ein, denn cS bestehe die Absicht, sie in der nächsten Zeit aufzuheben. Effert meinte aber, dem Scharfmach erblatt sei nicht zu trauen. Wenn gesagt worden sei, mit der Sperre habe man nichts Un> gesetzliches begangen, dann sage er. es gebe manche Menschen, die mit dem Aermcl das Zuchthaus gestreift hätten und doch nicht gegen den Buchstaben des Gesetzes verstoßen hätten. Die Sperre sei unmoralisch und verstoße gegen die guten Sitten. Solange die Unternehmer sich solch un- lauterer Kampfmittel bedienten, werde niemals Ruhe und Friede im Ruhrrevicr einkehren.... * 0 m Waren sich die Vertreter der verschiedenen Organisattonen in Sachen der Sperre'und der Eingabe an das Oberbergamt durchaus einig, so war es das Gegenteil in der Frage der Ausschußwahlen. Einig war man sich darin, daß das Institut der Ausschüsse in der durch daS Berggesetz geschaffenen Form„keinen Pfifferling wert" sei. Man war sich allgemein darüber klar, daß sie. sobald sie die Jnteresten der Bergleute ernstlich vertreten wollten, a u f g e l ö st würden. Tie Ausschüsse wurden als Dekoration und ihre Mit- glieder als S t a t i st e n bezeichnet. Und ganz konsequent vertraten da die Verbändler den Standpunkt, daß man durch Richtbeteiligung an der Wahl am wirk- f a m st e n gegen ei n solche? Monstrum von Gesetz protestieren könne. Umsomehr, als man jetzt schon wisse, daß auf 28 Zechen mit einer Beleg- schaft von 3000(1 Mann die Streikenden von der Wahl ausgeschlossen seien und die Streikbrecher die Ausschüsse ans ihren Reihen z u wählen hätten. Das alles sahen die Christlichen sehr gut ein, befür- warteten aber trotzdem die Beteiligung an der Wahl, ja sie flehten die Verbändler beinahe darum an. Nun, wir verstehen die inkonsequente Haltung der Christ- lichcn sehr gut; sie müssen wählen um des Zentrums willen; wenn die Christlichen sich von der Wahl fernhalten wollten, so wäre das Zen- trum bloßgestellt und blamiert. Die Entscheidung über die Beteiligung an der Wahl wird nun jede Organisation für sich treffen. Der Verband wird schon in den nächsten Tagen darüber beschliehen. Hus der partei. SchippelS MandatSnikdrrlegung. Der Parteivorstand erhielt vom Genossen Schippe! am Montag- abend folgenden Brief: Berlin. 20. 11. 05. Werter Genosse! Dem Parteivorstande teile ich hierdurch mit, daß ich mein ReichStagSmandat für den Chemnitzer Wahlkreis niedergelegt habe. Bereits seit langem zwang mich mein Gesundheitszustand zu einer immer stärkeren Einschränkung meiner öffentlichen Tätigkeit. Die letzten Wochen haben meine Hoffnung auf Besserung derart herabgemindert, daß ich im Verzicht auf daS Mandat den einzigen Ausweg sehe, um bei kommenden wichtigen parlamentarischen Ent- scheidungen den Chemnitzer Arbeitern wieder eine aktivere Vertretung im Reichstag zu sichern. Nach der Resolution(Freythaler) des Bremer Parteitages und nach der ihr in Bremen seitens deS Fraktionsreferenten gegebenen Interpretation glaubte ich meine endgültige Entscheidung treffen zu dürfen, ohne vorher mit dem Fraktions- oder Parteivorstand die Rücksprache zu nehmen, die ich sonst ganz gern gesucht haben würde. Selbstverständlich soll durch meine MandatSniederlegung meine Parteizugehörigkeit in keiner Weise berühtt werden. Mit Parteigruß Max Schippe!. Die vom Genossen Schippe! angezogene Resolution Frey- t h a l e r des Bremer Parteitages war nur ein Amenden, ent zur Resolution Bebel gegen Schipvels Haltung in der Frage der Lebens- mittelzölle. Diese Resolution Bebel, die in namentlicher Ab- stimmung mit 234 gegen 44 Stimmen bei einer Enthaltung an- genommen wurde, hat folgenden Wortlaut: „Der Parteitag mißbilligt auf daS schärfste die Unklarheit und ZweideiNigkeit, mit welcher der Genosse Schippe! seit langem in Wort und Schrift sich gegenüber der Frage der Lebensmittel- zolle verhalten und dadurch unseren Feinden Material gegen die Partei geliefert hat. Wenn schließlich der Genosse Schippe! durch die Fraktion zu klarer Stellungnahme gedrängt, erklärte, daß er Gegner der Agrar- zölle sei und in der Zolltaristrage die Stellung der Partei teile. so war es um so unbegreiflicher und unverzeihlicher, daß er seit Jahren seinen ganzen Scharfsinn und sein ganze« Können auf' bot, um zu beweisen, daß vom aararischen Standpunkt anS die Forderung der Agrarzölle gerechtfertigt sei, eine Aufgabe, die wahrlich nicht diejenige eines Sozialdemokraten sein kann. Der Parteitag mißbilligt aber auch entschieden den häßlichen und hochfahrenden Ton, in dem der Genoffe Schippe! die Polemik gegen die Partei führte, ein Verfahren, das sich umso weniger rechtfertigt, als er seinen Standpunkt in der Agrarfrage von Grund aus gewechselt hat." Das Amendement Freythaler, das mit 150 gegen 126 Stimmen bei 2 Enthaltungen angenommen wurde, lautet: „Der Parteitag erklärt weiter, daß das Vertrauen, dessen ein Genosse zur Bekleidung von Vertrauensstellungen in der Partei unbedingt bedarf, gegenüber dem Genossen Schippe! aufs tiefste erschüttert ist und daß, wenn Schippel fortfährt, in der bisherigen Weise zum Schaden der Partei zu wirke», er gezwungen sein wird, die Konsequenzen seines Verhaltens zu ziehen." Die Auslegung schließlich, die der parlamentarische Referent, Genosse Ledebour, ohne Widerspruch diesem Amendement gab, war diese: „Im Sinne der Debatte bedeutet das Amendement, glaube ich, weiter nichts als das: es kann Schippel nicht mehr dasjenige Vertraue» geschenkt werden, das für einen Abgeordneten not- wendig ist. Es soll ihm da nur in höflicher Form ausgedrückt werden, daß er augenblicklich zur Ausübung eine« Mandals nicht besähigt ist. Faßt man das Amendement so auf, so hat es nichts Ehrenrührige«. Die Ehre Schippels wird nicht angetastet; ich bitte Sie, die Resolution Bebel mit dem Amendement anzunehmen, damit die Klarheit geschaffen werde, die nun einmal unbedingt notwendig ist." Lebhafter Beifall.) Wir fügen schließlich für heute nur noch das Stimmen- Verhältnis der letzten Chcninitzer Reichstagswahl an: eö erhielten 1003 bei der Hauptwahl: S ch i p p e l 34 266 Stimmen, der Nattonalliberale 13 073, ein freisinniger Volksparteiler 3703, ein ZentrumSmann 188. Danach erlangten wir das Mandat mit 66,0 Proz. aller abgegebenen Stimmen, ein Ergebnis, das es als sicher erscheinen läßt, daß unsere Chemnitzer Genossen daS Mandat der Partei ohne weiteres auch bei der Neuwähl erhalten werden. Genosse Schippel, der 1859 in Chemnitz geboren ist, vertrat den Kreis un- unterbrochen seit 1800._ Die Erklärungen, mit denen sich am Mittwoch die Berliner Parteifunktionäre, der Parteivorstaud und die Preßkommission beschäftigten, werden in der„Brandenburger Ztg." veröffentlicht; die Erklärung vom Verein„Arbeiterpresse" lautet danach: „Der Vorstand des Vereins„Arbeiterpresse" wurde von den sechs aus der Redaktion des„Vorwärts" geschiedenen Redakteuren ersucht, sich mit dem Konflikt, der zu ihrer Kündigung führte, zu beschäftigen. Nach einer Aussprache mit den Redakteuren sowie dem Parteivorstand und den Vertretern der Berliner Preß- kommission erachtete cS der Verein„Arbeiterpresse" für seine Aufgabe, vermittelnd einzugreifen, um nach Möglichkeit eine fach- liche Klärung und den Abschluß der Polemik über die Streit- fache herbeizuführen. Eine Verständigung dahin, daß die Kün- digung rückgängig gemacht werde, war gegenstandslos, da die ausgeschiedenen Redaktcure nicht die Absicht verfolgen, in die Redaktion wieder einzutreten. Die am...... stattgehabte Unterredung, an der die Redakteure, der Parteivorstaud und die Preßkommission deS „Vorwärts" teilnahmen, führte zu folgendem Ergebnis: Die Redakteure haben gekündigt, weil sie von den zur Kün- digung führenden Verhandlungen des Parteivorstandcs und der Preßkommission ausgeschlossen worden sind. Darin erblicken sie eine Herabsetzung und Geringschätzung, die unvereinbar sei mit ihrer Stellung als Parteiredaiteure, welche als solche auch Per- trauenslente und nicht nur bezahlte Angestellte der Partei sind. Der Vorstand des Vereins„Arbeiterpresse" hält cS für selbstverständlich, daß die Kündigung von Partciangcstelltcn in Ver- trauensämtern erst nach erfolgter Rücksprache mit ihnen vollzogen werden darf, natürlich unbeschadet des Rechtes der in Frage kommenden Instanzen, Über die zu ergreifenden Maßnahmen unverbindliche Beratungen zu pflegen. Mit dieser Anffaffnng erklären sich der Parteivorstand und die Berliner Preßkommission einverstanden. Sie sind bei dem von ihnen eingeschlagenen Verfahren in diesem besonderen Falle von der Meinung ausgegangen, die in früheren Sitzungen mit den Redakteuren geführten Verhandlungen hätten den Redak- teuren bereits hinreichend Gelegenheit gegeben, ihren Stand- Punkt zu vertreten, so daß von einer nochmaligen Aussprache abgesehen werden konnte. Nachdem aber Parteivorstaud und Preßkommission den vom Vorstand des Vereins„Arbeiterpresse" betonten Grundsatz an- erkannt haben, besteht für die sechs Redakteure, obschon sie die früheren Verhandlungen nicht als Erfüllung des anerkannten Prinzips gelten lassen können, kein Anlaß mehr zu weiteren Auseinandersetzungen. Da somit die Beteiligten sich über den Hauptstreitpunit vor- ständigt haben, richten wir an die Partcipresic das Ersuchen, die Polemik über den„Borwärts"-Konflikt einzustellen." Unterschriften. Ter Parteivorstaud und die Preßkommission erklärten sich mit dieser Erklärung im großen und ganzen einverstanden, schlugen aber vor, dem Absatz 4 folgende Fassung zu geben: Mit dieser Ansicht erklären sich der Partcivorstand und die Preßkommission, ohne das Wort„unverbindliche" für ihre De- ratungcn zu akzeptieren, einverstanden, wenn cS sich um Kündigungen handelt, deren Anlaß in dem persönlichen Verhalten des Redaktionsmitgliedes oder in der allgemeinen prinzipiellen und taktischen Auffassung der Redaktcure liegt. Da aber in letzterer Beziehung schon seit mehreren Jahren wiederholt ohne Erfolg Besprechungen stattgefunden haben, bei denen die Redakteure Gelegenheit hatten, ihren Standpunkt zu vertreten, haben Partcivorstand und Preßkommission, von der Nutzlosigkeit einer nochmaligen AuSspraelje überzeugt, davon Abstand genommen. Ferner sollte der Schlußsatz wie folgt geändert werden: Da auch der Partcivorstand und die Preßkommission auf weitere Auseinandersetzungen in dieser Angelegenheit verzichten, richten wir an die Partcipresse das Ersuchen: unbeschadet der Berichterstattung über die Stellungnahme der Parteiorgani- sationen, die Polemik über den„VorwäriS"-Konflikt einzustellen. Nachdem die Erklärungen von den Berliner Parteifunktionären abgelehnt worden sind, haben sie nur noch historischen Wert. Genosse F. I. Ehrhart, Mitglied der Kontrollkommission, nicht einer der„Parteifunktionäre", wie die„Miinchener Post" in kon- servativcn Erinnerungen schwelgend schreibt— hat einen Artikel in der„Pfälzer Post"(Ludwigshaf. a. Rh.) veröffentlicht, in dem er sich über den„VorwärtS"-Ko»flikt ausspricht. Daß Ehrhart die Partei der sechs ausgeschiedenen„Vorwärts"- Redakteure nimmt, ist bei ihm selbstverständlich. Daß er in seinem Artikel etwas reklame- Haft„von der Exmittierung der Sechs aus dem„Vorwärts" spricht, inacht auch seinem guten Herzen alle Ehre, eS entspricht nur nicht der Wahrheit. Bekanntlich dachte niemand daran, die sechs Rc- dakteure zu entlassen. Vorstand und Preßkommission hatten sich»ach langen Verhandlungen verständigt. dreien von den sechs zu kündigen; daß die anderen drei sich aus SolidaritätSgcfühl ihnen anschlösse», ist sehr lobenswert, rechtfertigt aber nicht die Behauptung. man habe auch sie„exmittieren" wollen, um im Stile Ehrharts zu reden. Ehrhart findet, daß die Berliner Genossen nicht das auSschließ- liche Bestimmungsrecht über die taktische oder prinzipielle Haltung des„Vorwärts" besitzen, so lange der„Vorwärts" Zentralorgan der Partei sei. Das ist vollkommen richtig. Die Berliner Preßlommission hat deshalb im Einverständnis mit dein Parteivorstande gehandelt, denen beiden allerdings und unbestritten die Kontrolle und das Bestimmungsrecht über die taktische und prinzipielle Haltung des Zentralorgans zusteht. Als Mitglied der Kontrollkommission kann Genosse Ehrhart den Versuch machen, daß das Vorgehen des Partei- Vorstandes und der Berliner Preßkommission durch die Konttoll- kommission getadelt und soweit möglich rektifiziert wird. Gelingt ihn, dieses nicht, so bleibt ihm allerdings nur die Hoffnung auf den nächstjährigen Parteitag, der bekaimtlich in der nächsten Nähe von Ludwigshafen, in Mannheiin, stattsindet. Trotzdem sehen wir auch dessen Urteil sehr ruhig entgegen. Es dürste alsdann auch den Genosien in der Südwesteckc Deutschlands ein Licht aufgesteckt werden, das ihnen bisher weder durch ihre Parteipresse, noch durch ihre sonstigen leitenden Organe aufgesteckt worden ist, und eine Erleuchtung ist dort dringend nötig. Selbstverständlich gehört Ehrhart jetzt plötzlich auch zu denen, die meinen, dem„Vorwärts" müßte der Charakter als Zenttalorgan genommen werden. Vor Tische las man's anders. Ehrhart schließt seinen Artilel folgendermaßen: „Während früher unser alter Liebknecht, unser Auer u. a. zur rechten Zeit eingriffe», um die Partei vor Skandalen, wie sie uns während der letzten Jahre beschert wurden, zu beivahren, ist das jetzt nicht mehr der Fall. Wir erkennen erst jetzt, was uns die Genannten gewesen sind. Diese alten Führer sind in ihrem Einfluß kaum zu ersetzen. DaS muß zwar keinen bleibenden Nachteil für die Partei bedeuten; denn unsere Partei ist keine Sekte, die auf Personen eingeschworcii ist, aber er könnte ein- treten, wenn wir nicht rechtzeitig und gründlich die Lücken, die die Alten hinterlassen, ausfüllen. ES würde zu weit führen, darauf des näheren einzugehen. Ich will mich vorerst auf diese An- regunge» beschränke». Jedenfalls kann es so wie seit- her nicht weitergehen. Eine Pferdekur, wie sie jetzt im „Vorwärts" vorgenommen wurde, dürste aber zu einer Gcsundinig nichts weniger als geeignet sein." Hier spielt die Phantasie dem Genossen Ehrhart einen bösen Streich. Er hat ganz vergessen, was sich für„Parteiskandale" von Wyden 1880 bis 1000, dem Sterbejahr Liebknechts, und den Jahren der Volltätigkeit Auers abgespielt haben, in denen die beiden Genannten sehr aktive Rollen spielten. Wir wollen von den „Parteiskandalen" auf den Kongressen in Wyden 1880, Kopenhagen 1883 nild St. Gallen 1887, sowie von den„Fraklionsskandalen" 1882 »nd 1884/85 absehe», sondern u»S auf die„Parteiskandale" be- schränken, die von 1890 bis 1900 sich zugetragen haben. Also: 1891 Erfurt: gegen die Jungen und VollmarS Miinchener ColossciimSrede; 1892 Berlin: gegen VollmarS Stellung zu», Staats- sozialismus; 1894 Frankfurt a. M.: gegen die Abstimmung der bayerischen Landtagsgenossen siir da« Budget; 1895 Breslau: gegen das Agrarprogramm; I39SGvtha: gegen die Redaktion des„Vorwärts": 1897 Hamburg: gegen Schippels Kanonenrede; 1898 Stuttgart: gegen die Haltung Schippels zum Schutzzoll: Beginn der Differenzen mit Bernstein; 1899 Hannover: gegen die durch Bernstein inszenierten revisionistischen Bestrcbnngei», ein„Parteiskandal", der bekanntlich Jahre währte, in Mainz, Lübeck und Dresden nachwirkte und seinen Gipfelpunkt in dem blaiiiablcn Milleraiid-Skaildal erreichte; 1899 in Hannover auch„Parteiskandal" mit Schippel wegen seiner Stellung zum Volköwehrsystem. Alle diese Parteiskandale, die zum Teil weit heftiger waren als der sogenannte„Vorwärts"- Skandal, haben der Partei zum Besten gedient, sie halfen verwirrte Situationen klären und die Partei stärke», und auch die„Pferdekur des„Borwärls"-Skandals" hat bereits zur Gesundung geführt. Ehrhart hat allerdings in fast allen Pnrteiikaiidalen der letzten fünfzehn Jahre eine leidende Rolle gespielt, er stand meist auf der Seite der„Geprügelten", deshalb mag er sie so rasch vergessen haben. Einstmals war's auch bei ihm anders, aber lang', lang' ist's Herl Die„Parteiskandalc" würden übrigen? seltener sein, wenn nicht so viele von den alten führenden Genossen im Laufe der Jahre um- gefallen wären und diese Tatsache die Partei immer wieder nötigte, mit denselben ins Gericht zu gehen. Wenn der„Pfalzgraf* und eine Anzahl anderer führender Genossen einmal eine gründliche Revision bei sich s e l b st vornehmen wollten, wahrscheinlich gäbe eu sehr viel weniger„Parteiskandale". Die Frankfurter„Bolksstimme" weiß auf unsere alten- und dateiiiuäxige Feststellung, das; sie schon lange vor der Denkschrift des Vorstandes auf das einseitigste gegen Vorstand und Prctziommission zugunsten der ausgeschiedenen Redakteure ihre Leser zu beeinflussen vcr- sucht hat, nur das Verlangen zu srellen, daß wir ihre Ergüsse vom 20., 27. und 28. Oktober hier ganz wiedergebe» sollen. Daraus müssen wir verzichten, wir haben die hauptsächlichsten Krastausdrücke der Redaktion und ihrer Mitarbeiter gegen Vorstand und Prcstkominission wörtlich zitiert; das scheint uns im Parteiintercsse und im Interesse der Wahrheil vorläufig genügend., Interessant dürfte aus der jetzigen Erwiderung dcS Frankfurter Parteiorgans nur noch sein, das; sie von dem berüchtigten Hetz- briefe S ü d e k u m s jetzt abrückt und seine Publikation nur damit entschuldigt. daß sonst„unsere ReichSiaasabgeord- neten mundtot gemacht wären". Daß Gott erbarm!— lind dann verrät die„Volksstimme" der Welt noch etwas:„Gerade Genosse Südekum aber wußte schon zu jener Zeit genau, um was es sich handelte." Da Genosse Südekum vor anderen nichtbeteiligten Genossen keinerlei Vorrecht seitens des Parteivorstandes und der P r e ß k o m m i s s i o n genossen hat, wie wir feststellen können, so ist klar, woher er„zu jener Zeit0 vielfach durchbrochen, daß nur noch von einem kleinen Rest der Sonntagsruhe gesprochen werden kann. so muß gegen diese weitere Verkürzung der Ruhezeil aufs cnt- schiedenste Protest eingelegt werden. Zur Blcifarlicngrfiihr. Auf Anregung der BreSlauer Filiale des Verbandes deutscher Tapezierer unternimmt dieser zurzeit� Er- Mittelungen über Tapeten und Borden, die leicht färben, sehr stäuben oder die während der Verarbeitung Zeichen von Giftigkeit nach- weisen, d. h. deren Verarbeitung Unwohlsein, stechenden Kopfschmerz, Erbrechen sowie völlige Vergiftung hervcrruft. Leider werd-,, e-otz der Verbote und Strasbessimmungen, die die Gefeye vom 14. Mai 1379 und 2S. Juni 1887 enthalten, zur heutigen Tapetenfabrikation nach- weislich, ohne Rücksicht auf das Leben und die Gesundheit der in Frage kommenden Personen, Arsenik, Blei, Kupfer usw. verwendet; der Verband bittet daher alle Meister und Gehülfen, Proben der- artiger Tapeten nebst Angaben über Verarbeitung und Folgen, sowie überhaupt Meldungen von Unfällen, die oben angeführte Wahr- nehmnngen berühren, baldigst mitzuteilen, damit weitere Schritte unternommen werden können. Alle Mitteilungen und Sendungen von Tapetenproben sind zu schicken an Albert Pache, Breslau 9, Kl. Fürstenstr. 21. Der englische ArdeitSmarkt. Nach der„Labour Gazette" war das Geschäftsleben im vergangenen Monat besser als im Parallel- monat des vorigen Jahres. An der Besserung sind alle Haupt- sächlicben Arbeilszweige, mit Ausnahme des Baugewerbes, beteiligt. Die 270 berichtenden Trades Union? mit einer Mitgliedschaft von 58b 283 hatten 29 560(5,1 Proz.) Arbeitslose, gegen 5.3 im vorher- gegangenen Monat und 6,8 Proz. im Oktober 1904. Ebenlo waren die Lohnänderungen den Arbeiten; günstig, das Reinergebnis dieser Aenderungen ist eine Zunahme der Löhne um 610 Pfund Sterling die Woche, aber der Hanplanteil an diesen Lohnerhöhungen entfiel auf die Bergleute, die seit mehreren Jahren unter Lohnherabsetzungen zu leiden hatten. Vom Berliner Kaufmannsgericht. Wann gehört eine Weihnachtsgratifikation zum Gehalt? Diese Frage beschäftigte das Gericht in der am Sonnabend verhandelten Klagesache eines Buchhalters gegen die Aktiengesellschaft„For- tuna". Zwilchen beiden war das Arbeitsverhältnis regulär gelöst worden. Doch machte der Kläger Anspruch auf einen Teil der ihm beim Engagement zugesicherten Weihnachtsgratifikation, deren Zah- lung die Beklagte jedoch verweigerte. Vor Gericht erstreckte sich die Beweiserhebung auf die Form der Abmachung. Der Kläger be- hauptete, ihm sei beim Engagement mündlich versichert worden, er erhalte zu seinem Gehalt einen bezahlten Sommerurlaub und außerdem eine Weihnachtsgratifikation in Höhe eines Monatsgehalts. Dein hielt der Vertreter der Beklagten entgegen, daß von einer direkten Znsicherung der Gratifikation keine Rede fein könne, vielniehr sei dem Kläger beim Engagement nur beiläufig gesagt worden, bei der Firma sei es üblich, den Angestellten eme Weihnachtsgratifikation zu gewähren. Stillschweigende Voraus- setzung wäre natürlich, daß der betreffende Angestellte auch bis Weih- nachten für die Finna tätig gewesen sein müsse. Die definitive Urteilsverkündung wurde vom Gericht noch ausgesetzt, weil noch ein Zeuge über die Form der beim Engagement getroffenen Verein- barungen vernommen werden soll. Prinzipiell erklärte das Gericht jedoch sofort, daß, falls die Abmachungen in der vom Kläger dar- gestellten Weise getroffen seien, die Weihnachtsgratifikation als zum Gehalt gehörig zu betrachten wäre und entsprechend der Tätigkeitsdauer des K a u f m a n n s g e h ü l f e n bis zum Tage seines Abganges mit zur Verrechnung gelangen müsse. Der Firma stehe dagegen das Recht zu. den auf die Tätigkeitsdauer ent- fallenden Teil der Gratifikation erst zu Weihnachten des laufenden Jahres an den vorher abgegangenen Gehülfen auszuzahlen. Eine Pflicht zur Zahlung de« Betrages beim Abgange liege nicht vor.— Nach dem Gesetz und der Rechtsprechung der Gewerbegerichte und der ordentlichen Gerichte gehört eine Gratifikation stets dann zum Gehalt, wenn sie ausdrücklich vereinbart war oder ihre still» schweigende Vereinbarung auS den Uniständen(z. B. jahrelang be- tätigler Zahlung) zu schließen ist. Krankheit der Angestellten führt sehr häufig zur sofortigen Lösimg des Arbeitsverhältnisses und damit zu Klagen wegen unberechtigter Entlassung. Ein eigenartiger Konfliktsfall dieser Art lag einer Klage zugrunde, die ein Kontorist gegen die Generalagcntur von Becker u. Jahn angestrengt Halle. Der Kläger war 5 Wochen und 4 Tage krank gewesen, hatte darauf 8 Tage gearbeitet und dann einen Rückfall i» die alte Krankheit bekommen. Da nun der Kläger auch schon kurz vor Ausbruch des ersten Krankseins mal 2 Tage lang wegen Unwohlseins gefehlt hatte, so glaubten die Beklagten, sie könnten diese 2 Tage n,it jenen 5 Wochen und 4 Tagen zusammen als einheitliche Krankheitsdauer von 6 Wochen betrachten, wodurch das Arbeitsverhältnis auch ohne Jnuehaltung der Kündigungsfrist gelöst sei. Aus diesem Grunde teilten sie dem Erkrankten beim Rückfall in die Krankheit mit, daß sie ihn fortab nur noch d i ä t a r i s ch beschäftigen ivürden, da» früher vereinbarte Arbeitsverhältnis auch vor Ablauf der eigentlichen Kündigungsfrist jedoch als gelöst ansähen. Hiermit war der Kläger jedoch nicht zufrieden, sondern forderte sein Gehalt bis zum Ablauf der Kündigungsfrist, weil bei seiner ersten Erkrankung die erwähnten zwei Tage nicht mitzählen könnten, also nicht von einer vollen sechswöcheiulichen Krankheit gesprochen werden könne. Ebensowenig sei der Rückfall in die Krankheit den ersten fünf Wochen und vier Tagen zuzuzähle», weil acht ivirklich geicistete Arbeitstage dazwischen lägen. Mithin bestehe das ftüher' vereinbarte Arbeitsverhältnis mit Monatsgehalt und gesetzlicher Kündigung noch zu Recht und die Entlassung wegen Verweigerung der ihm zugemuteten diätarischen Beschäftigung sei zu Unrecht ersolgt. Auf d>eien Standpunkt stellte sich auch gestern das Gericht, und da die Beklagten einen gütlichen Vergleich ablehnten, so wurden sie zur Zahlung des vom Kläger beanspruchten Betrages von 75 M. rechlSkräftig verurteilt. Versammlungen. Tie Maschinisten und Heizer hielten am Sonntag in Voigts Rittcrsälen eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab, in der besonders das Verhältnis der Maschinisten und Heizer als Organi- sation zu den übrigen Gewerkschaften besprochen wurde. Von den verschiedensten Rednern wurde Klage darüber geführt, daß andere Gewerkschaften bei Streiks und Lohnbewegungen in den einzelnen Betrieben an den Heizer in seinem einsamen Kesselraum immer e r st zuletzt dächten, dann aber ganz plötzlich voi� ihm vcr langten, er solle aus Solidarität mit den übrigen Streitenden ebenfalls die Arbeit einstellen. Vorher mache man ihn meistens gar nicht darauf aufmerksam, daß der Betrieb für eine Lohn- bclvcgung überhaupt in Frage konnne, so daß er sich deswegen selten rechtzeitig mit seiner Organisation in Verbindung setzen könne. Ein Hand in Hand gehen mit den übrigen Betricbsarbeiiern lasse deshalb schon sehr zu wünschen übrig, weil die gegenseitige Verständigung so schwierig sei. Tags über komme der Heizer oder Maschinist mit den übrigen Arbeitern kaum in Berührung, und morgens und abends geschehe es erst recht nicht, weil er seine Arbeit früher beginnen und später beenden müsse wie die anderen. So stehe er denn gewöhnlich im letzten Moment vor einer voll- endeten Tatsache und solle dann plötzlich Solidarität üben. Hier müsse unbedingt Wandel geschaffen werden. Andere Redner führten demgegenüber aus, daß es viele Kollegen selbst an dem nötigen Zusammenhang mit den Bctriebsarbeitern fehlen liehen. Sie be- trachteten den Kesselraum gewöhnlich als ihr Himmelreich, in dem niemand anders etwas zu suchen habe und trügen daher selbst zu ihrer Isolierung bei. Auch das Verbandsorga» habe ein gut Teil Schuld daran, daß die Kollegen so wenig Interesse an den Außen- Vorgängen hätten. Es müßte etwas weniger Fachartikel, dafür aber mehr gewerkschaftliche Aufklärmkßöartikcl enthalten, dann würde auch der leidige Zunfrdünkel verschwinden und das Zu- sammengehörigkeitsgefühl mit den übrigen Arbeitern mehr gestärkt werden. Der Vorstand empfahl, di. Kollegen möchten überall dort, wo die übrigen Bctricbsarbeitcr in Lohnbewegungen eintrete», so-. fort die Organisationsleitung benachrichtigen, damit für die dabei in Frage konimcnden Maschinisten und Heizer sogleich die richtigen Verhaltungsmaßregeln gegeben werden könnten. Allerdings würde die Organisationsleitung dann auch darauf dringen, daß, wenn von den Maschinisten und Heizern Solidarität verlangt werde, dann auch die anoeren Organisationen die Verpflichtung übernehmen müßten, nicht eher wieder in die Betriebe hineinzugehen, bis nicht auch den Maschinisten und Heizern die Rückkehr an ihre alten Plätze gesichert sei. Hierzu bemerkten weitere Redner: Es dürfe nicht wieder so gehen wie bei der Aussperrung in der Elektro-Jndustric. Wegen der 2ö0 Schraubendreher lassen sich Zehntausende von Arbeitern aussperren; um die nicht wieder eingestellten Maschinisten und Heizer aber bekümmere sich kein Mensch, die lasse man ruhsg am Hungertuche nagen, und dann verlange man noch Solidarität von ihnen. Tarauf wurde geantwortet, so schlimm sei es denn doch nicht. Bei jedem Kampfe blieben eine Anzahl Kämpfende auf der Strecke, und anders sei es hier auch nicht. Jede der an der Aussperrung beteiligt gewesenen Organisationen habe noch heute eine Anzahl Draußengebliebener, die dann eben aus OrganisationS- mittel» unterstützt werden müßten, bis sie anderweitig unter» gebracht. seien. Und das geschehe auch jetzt bei den nicht wieder eingestellten Maschinisten und Heizern.— Im Anschluß hieran wurde das eigenartige Verhalten der Direktion der B. E.-W. gegenüber den sich zur Wiederaufnahme der Arbeit meldenden Maschinisten und Heizern in den elektrischen Kraftzentralen zur Sprache gebracht. Entgegen den beim Friedensschluß getroffenen Abmachungen seien die am Streik beteiligten Maschinisten und Heizer wochenlang abgewiesen worden. Noch heute seien zirka 40 von ihnen draußen. Besonders schroff abweisend habe sich der Betriebsleiter der Zentrale Mauerstraße benommen. Wie mit- geteilt wurde, soll eine geheime Anweisung von der Direktion aus an die Leiter ergangen sein, eine bestimmte Anzahl der früheren Streikenden vor Ablauf eines Vierteljahres nicht wieder einzustellen. Auch scheint es, als wolle man bei den Auf- genommenen eine gewisse Altersgrenze nicht überschreiten, weil in erster Linie die Leute im Alter von über 40 Jahren zurück- gewiesen wurden. Die Meinung ging dahin, daß diese Mahnahme wohl getroffen sei, um die alten Leute auf diese Art um die Zu- Wendungen aus den viclgerühmten Wohlfahrtsfonds zu bringen. Daß nach einem bestimmten Maßregclungsplan verfahren werde, scheine auch schon daraus hervorzugehen, daß ein Teil der während des Streiks ausgestellten Entlassungsscheine von weißer und ein anderer Teil von bläulicher Farbe war. Beschlossen wurde, der Vorstand solle sich durch das Zentralstreikkomitee noch einmal wegen der Wiedereinstellung der noch unberücksichtigt gebliebenen Streikenden an die Generaldirektion der B. E.-W. wenden. Ferner wurde beschlossen, über die Aussperrung und ihre Folgen in einer späteren Versammlung noch gründlicher zu diskutieren. Tie Werkzeugmacher der Spezialbetriebe(Metallarbeiter-Ver- band) hielten am Sonntag im Eewcrkschaftshause eine Konferenz ab, in der die Folgen der Aussperrung in der Elektro-Jndustrie speziell für diese Berufsgruppe eingehend erörtert wurden. So sind z. B. im Werk Huttenstrahc der 21. E.-G. eine Anzahl Werkzeug- macher nicht wieder e i n g c st e l l t worden, und in den übrigen Werken sowohl der?l. E.-G. wie auch bei Siemens-Schuckert hat man einem Teij der Werkzeugmacher die demnächstige Ent- lassung in 2lussicht gestellt, angeblich wegen Mangel an Be- schäftigung. Dabei ist es jedoch Tatsache, daß diese Gesellschaften größere laufende Aufträge an die Spczialbetriebe in Berlin und nach auswärts vergeben haben. Es liegt daher die Vermutung nahe, daß eine bestimmte Anzahl von Werkzeugmachern aus diesen Großbetrieben hinausbugsicrt werden soll, um die übrigen dadurch zu veranlassen, billiger zu arbeiten und Lohnrcduktionen einen weniger geschlossenen Widerstand entgegenzusetzen. Da nun in den kleineren Spezialbetriebcn die Löhne teilweise niedriger sind, wie in den Großbetrieben, so war sich die Konferenz darüber schlüssig. daß rechtzeitig geeignete Maßnahmen zur Einführung bestimmter Mindestlöhne und zur Einschränkung des Ueberstundenwesens für die Arbeiter der Spezialbetriebe getroffen werden müßten, ebenso auch der übermäßigen Lehrlingszüchterei daselbst entgegenzuwirken sei. um dadurch die Differenz in dem Herstellungspreis der Arbeit. wie sie gegenwärtig in den Groß- und Spezialbetrieben besteht, wirksam auszugleichen._ Senckrs-�eitung. Tie Unzucht vor Gericht. Eine Kinematographenvorstellung im Gerichtssaale fand gestern vor der 7. Strafkammer des Land» gerichts I statt. Nicht weniger als acht Personen saßen auf der Anklagebank, um sich wegen Ausstellung. Verbreitung und Verkaufs unzüchtiger Bilder zu verantworten. In einem Budenzclt des Grundstucks Badstraße 56 führten der Kaufmann Edmund H»a s e und der Schausteller Willy K r e m k a u„Lebende Photographien". zum Teil in„separaten Herrcnvorstellungen", vor. Gleiche Vor. stelluilgen wurden von dem Schausteller Wilhelm F e i n d t in einer Bude auf dem Grundstück Markgrafendamm 25 veranstaltet. Verschiedene dieser lebenden Photographien wurden als unzüchtig befunden, so„Der verliebte Stiefelputzer".„Alter schützt vor Tor- hcit nicht",„Das Morgcnbad" usw. Ein Teil dieser Bilder war von der Pariser Firma Pathe Freies durch den Kaufmann Ernst D ü r ck e I bezogen worden. Die übrigen 2lngeklagten waren gleich- falls an der Verbreitung beteiligt. Die Verteidiger bestritten, daß die Abbildungen das Scham- und Sittlichkcitsgefühl verletzten. Ilm den Gerichtshof in den Stand zu setzen, die Wirkung der Bilder, wenn sie in Lebensgröße erscheinen, zu prüfen, wurde aus der Strafkammer eine„Dunkelkammer" gemacht, das Tageslicht wurde soviel als möglich abgesperrt und mit Hülfe des Biographen die Bilder auf eine aufgespannte Leinwand geworfen. Der Gc- richtshof kam auf Grund dieser?lugcnschcinnahme zu dem Er- gebnis, drei der vorgeführten Bilder für unzüchtig zu erklären. Da aber nicht sebr große Llnstößigkcitcn vorlägen, verurteilte der Gerichtshof die?lngcklagten Haasc, Äremkau und Feindt zu je 2 0 M., den Angeklagten Dürckel zu 10 M. Geldstrafe. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Versuchte Engelmacheeei? Eine schwere Anschuldigung führte den Kaufmann Johann Karl B r a s gestern auf die 2lnklagebank der 3. Strafkammer des Landgerichts I. Ihm wurde zur Last ge- legt, eine Frau Molte zur Begehung eines Verbrechens mündlich aufgefordert und dafür eine Belohnung versprochen zu habe». Dem Angeklagten war von seiner Frau zweiter Ehe ein Kind geboren worden. Letzteres blieb am Leben, während die Mutter an, Kind- bettfieber verstarb. Nach deren Tode gab der Slngeklagte das Kind der Arbeiterfrau Molte in Pflege und erkundigte sich jede Woche nach ihm. Wie Frau M. behauptet, habe der 2lngeklägte sie schon in der ersten Zeit aufgefordert, das Kind beiseite zu bringen. Die Frau beruft sich zur Bekräftigung dieser schweren ?lnschuldigung auch auf ihren Schwager, in dessen Gegenwart der Angeklagte eines Tages sie wieder aufgefordert habe, d a sK i n d in einen Eimer Wasser zu stecken oder i h m Ro r d- h ä>1 s e r z u trinken zu geben. Er soll der Frau 50 M. dafür geboten, Frau M. will aber darauf erwidert haben:„Sie habe lieber zehn Kinder in dem Kissen, als eins auf dem Gewissen." Das Kind ist einige Wochen nach der Geburt an Schwäche ver- starben. Der Angeklagte bestritt entschieden, jemals derartige An- erbictungcn der Frau M. gemacht zu haben und wies darauf hin, daß es sich hier um ein Komplott ihm feindseliger Frauen handele, die auf Anstiftung einer dritten ihm eine Grube graben wollen. Da gegen die Glaubwürdigkeit der Belastungszeugen erhebliche Momente sprachen, erkannte der Gerichtshof auf Freisprechung des Angeklagten._ Berliner Marktpreise. AuS dem amtlichen Bericht der städtischen Markldalleli-Direllion. Riiidficisch la 64—68 pr. 100 Psund, IIa 57—61. III» 50-55, IVa 40-48. Kalbfleisch la 85-40, IIa 72-82,, Ula 56—70, Hammelfleisch la 65—75, lia 50—60. Schweinefleisch 74—77. Rotwild Pfund 40-52 Pf. Hafen Stück 3,00—4,00, klein 1,50-2,00. Kaninchen Stück 0,60—1,05. KrainmetSvögel 0,10—0,25 Pf. Rebhühner, junge la 0,80—1,00, junge IIa 0,00, junge kleine 0,00-0,00, alte la 0,71—0,75, alte IIa 0.00- 0.00. Hühner pro Stück, alte 0,50— 1,85, junge la 0,80—1,25, do. IIa 0,50—0,85. Tauben, junge 0,40-0,55, alte 0,38—0.40. Enten junge 1,40—2,30. Gänfc pro Stück, la 3,50— 1,00, IIa 2,50—3,50, pro Pfd. la 0.58-0.63, IIa 0.45—0.58. Hechte 82 M.. Schleie, untort. 114. Aale, grotz 00—00, miltel 0,00, klein 0,00 M. Plötzen 00— 00 M. Karpfen 0,00, Lach« 0.00 M.. Schellfische IIa 24,00 M.. Flnuder 17,00 M. pro 100 Psund. Schottilche Bollhcringe igeialzen) 36—38 M Krebse, kleine, Schock 0,00 M., mifortiert 0,00-0.00 M. Eier, Schock 0,00. Butter pro 100 Psund la 122— l 26, IIa 115-122, llla 111—114, abfallende 90-110. Kartoffeln p.. 100 Psd. rote 2.00-2.20, Ro,en 0.00-0.00. blaue 0,00— 0,00, runde weiße 1,80- 2,00. Wirfingkohl pr. schock 4.00-8.00. Weißkohl 6.00-8.00, Rotkohl 4.00—8,00, Holl. 10-13 M. Saure Gurken, Schock 2,00 M. Brief karten der Redaktion. ■JurCftifcher Cell. S"-— L. I. 100. Wenden Sie sich an das Auswärtige Aniu H» C. Wcisilcr. Wenden Sie sich an den hiesigen Standes- beamtet dessen Zustimmung kann das auswärtige Standesamt den Akt ae�ehmem— L. 2. Ja; aber wo nichts ist, hat auch der Fiskus (xj,>- Utecht verloren. Für Behausung und Beköstigung in Gefängnissen de- i-.'chnet der Hotelwirt in Preusien vro Tag: 80 Pfennige, Bedienung frei. — H. 20. Gcwih i ein Mädchen ist mit zurückgelegtem 1(3. Lebensjahr hciratsmündig, es kann ihr behördlicher Dispens auch von diesem Alters- crsordcrniS erteilt werden. Ein Mann wird mit erreichter Volljährigkeit beiratssähig: DispenS gibt eS nicht.— I. F. RnmmclSbiirg. Die Frage, ob ein«chlasvater für gestohlene Sachen seines Schlafburschen ein- zutreten hat, hängt von der von Fall zu Fall zu treffenden Entscheidung ab, ob ihn ein Verschulden trifft.— Zl. B. 20. Sie erheben eventuell Widerspruch und legen dar, dag Sie bereits gezahlt haben.— X. 8. 21. Wiederholen Sie die Anfragen unter Ättitlcilung, wann Sie den Zaun errichtet haben und ob gegen die Errichtung Widerspruch erhoben war.— A.•1-4. 1. Umschrewung gibt es nicht. 2. In zwei Jahren. 3. Bis zur Leistung des EidcS, längstens sechs Monate, ist Offen- barungSeidhaft zulässig. 4 Ueberhaupt nicht.— A. C. H. Nein. — R. F. 1860. 1—3 Sie sollten zunächst, falls in Güte nichts auszu- richten ist, gerichtlichen Sühnetcrmin(AmtSgencht) beantragen. Dann könnten sie lediglich auf Herstellung des ehelichen Lebens klagen. Erst wenn dies Urteil rechtskräftig geworden und ein Jahr lang nicht befolgt ist, können Sie auf Ehescheidung klagen. 4. Ja.— E. B. T. Da Sie m einer anderen Gemeindeals"......'':" forderlich. Für die Klage H. S. 1. 1. Genügt. 2. 9L__________ G. E. K. Die Entscheidung hängt davon ab, ob Ihr Betrieb als Fabrik betrachtet wird. Wird diese Frage bejaht, so würde das Strafmandat be- ftäligt werden.— E. 1800. 1. und 2. Nein.— B. E. 05. Nein. — Ä. 000. 1. und 2.: Nein. 3. Das ist möglich; ein Zwang kann aber nicht ausgeübt werden. 4. Je länger mit einer Scheidungsklage ge- wartet wird, desto schwieriger ist ihre Durchführung, ö. Durch 3. erledigt.— ®. V. W. 1005. Die— mit 1,50 M. zu stempelnden— Statuten des VergnügungsocrcinS können Sie der Polizei einreichen.— W. K. Graf.— C. G. 58. Sic können beim Amtsgericht den Antrag auf Aushebung der Beschlagnahme stellen.— Micthc Chltbg. Leider werden Sie mit einer an sich zulässigen Klage aus Einrichtung besserer Heizvorrichtungen oder auf Aushebung des Vertrages kaum durchkommen. Die Möglichkeit ist freilich nicht ganz ausgeschlossen. Ein anderes Mittel gibt es nicht.— R. R. D. 84. Mutter und Kind verlieren ihre Ansprüche, wenn nachgewiesen wird, dag die Mutter innerhalb der EmpsängniSzcit mit mehreren Verkehr hatte.— fr. V. 108. Sprechen Sie Persönlich beim Schiedsrichter vor. Eine Be- schwerde wäre an den LandgerichtSpräsideuten zu richten.— 3t. L. 1. Ja. — E. S. 68. Ja.— O. 8. 12. Die vereinbarte Kündigungssrist ist zu beobachten.— E. K. 50. Erbschastc» bis ISO M., sowie die Erbschaften der Eltern, Kinder, Enkel, Ehegatten, dcS FiSkuS, öffentlicher Behörden, der Kirchen und Schulen sind slenerfrei. Die steuerpflichtigen Erbschaften unter- liegen je nach dem Krade der Verwandtschast dcS Erben mit dem Erblasser einer Steuer von 1 bis 8 Proz.— Str., Breslau.§ 22 des Gewerve- UnfallversichcrungSgcsetzeS schreibt vor, unter welchen Voraussehungen von einer BerusSgenossenschaft statt anderer Leistungen freie Kur und Per- pflcgung in einer Heilanstalt gewährt werden kann.— I. Z« 100. Das Mädchen ist weder strafrechtlich noch zivilrechtlich verantwortlich.— H. W. Eine Klage aus Herausgabe deS Anzuges gegen Zahlung der vereinbarten Raten hat Aussicht aus Erfolg.- M. W. 1000. Sie sind im Recht. 9M»irr»»asliberlt etil vom 20. November>005. moraevs 8»hr. Stationen s§ Haparanda' 740 23 Petersburg 756 SSW Scilly 759 O Aberdeen 760 WNW Paris 756 N Wetter 2 Schnee 2 bedeckt 1 bedeckt 1 wolkig ISchnee Ss cS. »II | a H fr, — 1 -8 6 Wetter-Prognose für Dienstag, den 21. November 1005. Ein wenig wärmer, ziemlich trübe und nebelig mit geringen Nieder» schlägen und mätzigen nördlichen Winden. Berliner Wetterbureau Für den Jnbau oct Jnieraie übernimmt die Redaktion dem Publit»»! gegenüber keinerlei Nera»»>»ort»na. Zbcatcr. Dienstag, 21. November. Ansang 7'/, Uhr: Lvernhaus. Der schwarze Domino. Schanspielhans. Der Schwur der Treue. Neues Lperntheater. Geschloffen. Neues. Ein SommernachtStranm. Westen. Der Opernball. Deutsches. Der Kausmann von Venedig. Berliner. Kean. Lessing. Die Wildente. Slnsang 8 Uhr: Tchlllcr<».-Wnllner-Theater.) Der Veilchensresser. Schiller H. lFriedrich Wilhelm- städliiiheS Tbealeri. Zapfenstreich. Komische Oper. Hoffmaims Er- Zählungen. Zenirai. Musette. Nachmittags 5 Uhr: Prwzetzchen Goldtraut. Residenz. Der Prinzgemahl. KlcineS. Hidalla. Triano». Der letzte Troubadour. Lustlpiclhaus. Der Familientag. Thalia. Bis srüh um Füuse! Gart Weift. In Berlin ist waS los. Lniscil. Der Störenflicd.— Die Dicnslboten. Deutsch, 3l»ierika»isches. Llber, Herr Herzog I Metropol. 2lus— ins Metropol! Kasino. Das Opscrlamm. Sivollo. Prinzctz Rosine. Walhalla. In Lebensgefahr. Herrnfeld. Familientag im Hause Prellstein. Wintergarten. Otero.— Speziali- täten. Folirs EaprieeS. Nach dem Zapfen- streich. Vorher: Soll und Haben. Spezialitäten. Reiclislialle». Stettiner Sänger. Passage. Spezialitäten. llranta. Tanvensirnftr 18/49. Zwcnds 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Im Hörsaal um 8 Uhr: Dr' v. Unruh: Schmiedbares Eisen und Stahl. Tternwartc, Jnvalideustr.>57/62. Topliw acösiuci»ov 7 bis 1 Ilhr. Im Hörsaal um 8 Uhr: Dr. F. Ristenpart: Spektral- Slnalyje der Himmelskörper. Urania Tauben- str. 48/49. 8 Uhr: im lamle lier MitternaelitssoiiDe. Hörsaal 8 DTir: Dr. v. Unx-uh: Schmiedbares Eisen und Stahl. Sternwarte™6n2". Hörsaal 8 Uhr: Dr. Ristenpart: Spektralanalyse der Hh.imelskdrper. CÄSTANS ANOPTICUM. Friedrichstr. ISS. „Ernte". Schattenspiel in 9 Bildern. Wanderung durch das Niltal. Restaurant; Original NDmberger Sänger. �ch i Her-Theater. Schiller-Theater 0. lWallner-Tbeatcr). DienStag, a b e n d s 8 Ubr: Ilvf Vvlleltsnkfeiiavr. Lustspiel in 4 Akten von G. v. Moler. Mittwoch, abends 8 Uhr: Oratorium-2lusiührung: Die Schöpfong:. Donnerstag, abends 8 U h r: Dop TellchenrrcBwer. Schiller-Theater N.(Frledr.-Wilh, Th.) DienStag, abends 8 U.hr: �»pFenntfelQl». Drama in 4 Aufzügen von Franz Adam Beycrlein. Mittwoch, abendS 8 Uhr: Delstllcltc» Konxert. Donnerstag,abendS8Uhr: Zapfenstreich._ Zesitral-Theater Nachm. 5 Uhr: Kinder- Vorstellung, halbe Preise: FrinteSohen Goldtraudt, 8 Uhr: Jlusette. Komische Oper. Friedrichstr. 104— 104 a. Dienstag, den 21. November, abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Phant. Oper i. 3 Akt., einem Bor- und einem Nachspiel v, JacqucS Lffcnbach. Mittwoch: Geschloffen. Trianon-Thealer. Heilte und folgende Tage: 0er letzte Troubadour. Ansang 8 Uhr. Sonntag abend: Das Ende der Liebe. Serliner Theater. Kean. Lustspiel in 5 Alten aus dem Fran- zöstschen dcS Zller DumaS. Slnsang 7'/. Uhr. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag und Freitag: Hamlet. Sonnabend zum erstenmal: Sinne- marie. Vorher: Der Geigcnmacher von Crcmona. Sonntag: Hamlet. Neues ThealerT Slnsang 71/, Uhr. Sin Scmmernaehtstrautn. Mittwoch: Geschloffen. Donnerstag u. solgende Tage: Ein Toniniernachtstraum. Täglich: prinxek Rosine. Burleske- Operette in 2 Akten von Paul Lincke. Vorher 8 Uhr: Die Attraktionen drS Novcmber- PrograniniS. Butztag ist das Theater geschloffen. Zirkus Ulbert Schumann. Heute Dienstag, den 21. b. M.. abends präzise 7'/, Uhr: Novität! LV"' Erst-Anfführung!'TB® Novität I Autobolide. La foeSBe de Thiers."WU 4 indische Zauberer mit ihren hier noch gesehenen aii;;i»uhlichen Zauberkünsten. Hofkanstler des Maharadjas von Mysorti. M®c|tfef!rje Miß Texas Hattie. � Die beliebte jugendliche Schulreiterin Frl. Hera Schumann.— Ferner: Gala-Programm, samtliche Spezialitäten und Direktor Albort Schumanns neue und moderne Dressuren.— Zum Schlutz: °» Englischen Derby. Metropol-Thealer Anfang ii's 8 Uhr Große jahresrevne mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jnl. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Hauchen in all. Räumen gestattet den 26. Nofember: Einmalige Anffühmng: Der Totschläger. Pariser Akten Volksstück in o von Emil Zola. Gervaise; Else Schilf v. Lessing- Theater. Coupean: Josef Giampletro._ Heutseh-terilaiiiscbes Theater. liUpenlvker.tr. 07. Jeden Abend 8 Uhr! Gastsp. A<1. Philipp Zum 83. ABER! Male.| Herr Herzog; Mittwoch: Goschlossen. Sonnabend, den 25. Kovbr. 1905, WM- nachm. 4 Uhr:-ME KINDER-VORSTELLÖNC. Zum 1. Male: „Hänsel u. Gretel" In = AMERIKA= Sonntag, 26. Novbr., abends 8 Uhr: ' Einmalige Aufführung■"' XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. Das diesjährige groBe Manege- Schaustück: Indien. Original-Pantomime d. Zirkus Busch in 8 Bildern. Die 6 indischen Original- Fakiere und Schlangenbeschwörer. Zum erstenmal inDeutschland: Hr. Hagedorns Transformations- Grotte. DM— Außerdem: Herr Ernst Schumann mit seinen Neudressuren. Frl. Kaminska. Schulreiterin. Eine Springpferde- Konkurrenz zw, 3 Springpferden. OTERO und ein auserlesenes Künstler- Programm. H Uebrüder Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Hidalla. Mittwoch: Geschloffeu. Luisen-Thealer. Abends 3 Uhr: Gastspiel der königlichen Schauspieler Anna Schramm, Ernst Arndt, Her- mann OöNcher, Karl Eichholz: Ter Störenfried. Hieraus: Die Dienstboten. Mittwoch: Geichloffen. Donnerstag: Der Störenfrleb. Die Dienstboten. Freitag: Ein Blitzmädel. Sonnabend.- Der Beilchenfreffer. tsonntagabend: Hamlet. Monlag: Hamlet. Kssino-Tkestei' Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Allnbendlich ausverkauft. > Glänzender Erfolg!>» Das Opferlainm. Vorher: It»pItFin 7>nrtonw etc. Sonntag, abends 8 Uhr: I-oIsb Täter von L'Arronge. Lustspie9fitaus. Abends 8 Uhr: Der f amiUentaof. Morgen Butztag: Konzert. Residenz-Theater. Direktion: Richard Hlcganclcr. Ansang 8 Uhr. Der Prinzgemahl. satirischer Schwank m 3 Akten von L. Tanros und I. Ehaneel. Mittwoch(Butztag): Geschlossen. Donnerstag u. solgende Tage: Der Prinzgemahl. Sonntag nachm. 3 Uhr: Deniss. Carl Weiß-TSieaier. Gr. Frauksurterstr. 132. AbendS 8 Uhr: |n$rrlin ist was los. Mittwoch: Geschloffen. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Snee- wlttchen. Abends 8 Uhr: Oer MQIIor und sein Kind. W. Noacks Theater. Direklio»: Rob. DIU. Bruniienstr. IS. Kommaß ober: Ein alter Geiger. Schauspiel mit Gesang in 5 Akten von E. Gallert. Slnf. 8 Uhr. Eintritt 30 Ps. Mittwoch des Butz- und Bettages wegen geichloffen._ Fröbeis Aiierlei-Thealer Sehoiiliaiiser Allee Nr. 148. Jeden Sonntag und Mittwoch: Konzert, Theater n. Spezialiläteil. Ansang Sonntags 6 Uhr. Wochentags 8 Uhr. Nach jeder Vorstellung:(Srolor Tanz. errnfeld- Theater. Zum 17. Male die Novität: Teinilienleg im Hause Prellstein. Komödie in 3 Akten von Anton und Donat Herrnfeld. Mitwirkende Darsteller: Angelika Frey, Frida Levermann, Carla Mutzbauer, Eise Gressin, Käthe Dreher, Julie Loibl-Hahn, Joseph Aschinger, Jacques Morway, Jacques Glaser, Ernst GroB, Jos. Engler. Eugen Meutert, Rieh, Goltz, Max Zifzer, Fritz RuB, Hugo Oöblin, Bernh. Foerster, Paul Hierson, Albert Blumenreich. Ferner: Donat Herrnfeld als „Esau Prellstein". Anton Herrnfeld als „Winkelkonsulent Schestak". Ans. 8 Uhr. Vorverkauf 11— 2 Uhr (Theaterkasse). „ARME MADCHEN". Folies Caprice. Budapester Possen-Theater == 132 Unlenstr. 132- Ecke Friedrichstraße. Zum 67. Male: Vorher; 8olI und Haben u. d. ausgezeichn.Spezialitätentei Donnerstag, den 23. Novembei zum erstenmal: Familie Knopfloch. Anfang 8 Uhr. vormittags an. Walhalla Theater Unter dem Protektorate des Rerrn Professor Reilold Begas Gr. W»l Passage-Tliealer. u ! entzückenden Diu Parodie. Paul Jülich der unverwüstliche Humorist U neue erstesige Niimiueni. i Auf. der Abendvorstellung 8 Uhr. Duncan- in ihrer Heute ringen: Weder(Deutschland) gegen PotroN (Bulgarien). Bernard(Frankreich) gegen Strenge (Berlin). Entscheidung. Anlenitseh(Oesterreich) geg Schwarz. Beginn der Ringkämpfe 9 Uhr 45. Rauchen in allen Räumen gestattet. In Vorbereitung: Man lebt ja nur einmal. Totensonntag, den 26. November: �Insef Doktor. Variete Elysium Kommandnntcnstraße 3/4. Bis 30. November 1903: Großer internationaler SoußretleQ-Wetislreit. Palast-Theater Burgslr 24, 2 Min. v.Bh. Börse. Heute llS Uhr. Entrce 50 Pf. ÜaH jplllnzende November-Programm. raun Verwand).-Schauspieler. argold der einbeinige Univ.-Artist. Die weiße Dame. Posse mit Gesaug und II erstklassige Ruminer». Familicnkarten in allen Berliner Frister- und Zigarrengeichäslen sowie im Thcalcrbureau unentgclllich zu haben, nuvet 8' 1 Belle-filliance! Theatcr-Tapl6t6. Anfang 8 Uhr. Neues Programm! Georg Kaiser I-a Laiire Etoile Excentrique. Ein Abend in einem aincrikanlschenl Tingel-Taug/el. Rauchen im Winterg. gestattet. Sanssouci JaWuiferM' Direktion Wilhelm Reimer. Heute Dienstag: Gastsp. b. Löwe-Ensembles. Sie weiß etmas. Preisluftspiel in 4 Akten von Rud. Kneisel. Morgen Mittwoch(Butztag): BereinS-Festltchkeit. Sonnt., Mont., Donnerst. Hotfiii.inii« liotlltjeuleizkö Seaggs und Danzkränzchen. Sonntags Beginn 5 Uhr, wochentags 8 Uhr. Kolosseum 16 DreSdenerstr. 97. Anfang 8 Uhr— Sonntags 7 Uhr. grandiose Spezialitäten die best. Komiker u. Soubrett. Bendix, Littke Carlsen. Oskar Fürst, Hochgemuih. van Roy, Fanny Behrens. Debüt: Flora Fleurette. Geschwister AndriiMchy. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Humoristische Volksvorstellung. Jeder Platz 6» Ps., Loge und I. Parkett 70 Pf. 1 Kino frei. Im Kouzert-Saal: Täglich: 2 Kapellen mit der. Natursäugern. Artus-Hok Perlebergerstr. 26. Stendalerstr. 18. Säle von 100-1200 Pers. stehen den geehrten Vereinen zur Verfügung. Jede» Sonntag, Dienstag u. Freitag: Gr. Theater- Vorstclliing. Jeden Montag: CXiinttoh'rtngez und !»ii»oristiiche Soiree. Jeden Donnerstag:<-!r. Konzert. i�eichshsiieli. Heute: Stettiuer Sänger. Zum Schlutz l Fräulein Doktor. Fitburlesle von Meysel. ..vllo Prilzkows, Berliner .TlMnztitr. 16. __ Die drei lebenden � gr. attatomtschttt Mtmder HaKkelmcuAcli» Skelctt-IIenscii g Kiiniiniliaiitmenwcli I Entree 2« Ff. Schöneberger Wintergarten Goltzstratze 9. Täglich Theater- und Spejialt- tätenvorstellulig. Sonntags 2 Vorstellungen. Nachmittags 4 Uhr zu halben Preisen. Jede erwachsene Person hat ein Kind ' et.— AbendS 7'/.Uhr Große Gala- orstellung. Die Direktion. £ Gustav Behrens Spezialitäteo- Theatei1 Frankfurter- __ Allee 85. Allabendlich kolossaler Beifall! Neu! Slgnor Franzesko, Neu! wunderbarer Froschmensch am Trapez. Neul Hie 4 Vollmers, Neu! Elite-Akrobaten. Das gebildete Oienstmädchen, Poffc mit Gesang. Der eifersüchtige Ehemann, Posse mit Gesang. IS SpezlalltUten. Neul Neul und .BoHtzplaez. Täglich in den unteren Säle»-�> Gottschalk-Konzert. Böhm. Brauhaus Landsberger Allee. Ec u t e en DienStag: Soiree der Fritz Steidl- Sänger. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Ps., _ Sperrsitz 60 Ps. Oas p8!e Bröl» SO PI. Backware: 6 Stück 10 Pfennig in Albrechis Bäckereien: Wrangelstr. 135, Krantstrafte 19. Ztzaldeiifteiiistr. Ldt, Lauiifterftr. 2. Markthalle Pücklcrstr,, Stand 222/23, Markthalle Audreasstr., Stand 16/18, Zentrale: Boxhagenerstr. 13. Würzburger Hühneraugenmlttel von Dr. H. llnger-Würzblirg.— 20 PI Ju Berlin: Salomen-Apotheke, Eharlottenstratze, Grcis-Zlpolheke, Bartitmstr. 33. In Breslan: 36t2E» Victoria-SIpotheke,Friedr.Wilhcmstr.43 Bruch-Pollmann empfichll sein Lager in Bnmhbandagen, Leibbinden, Gcradehaltern, Spritzen, Susponsors{oiuic sämillche Artikel zur Krankenpflege. JtzHT Eigene Werkstatt. Licser. f. Orts« u.HülsS-Kraukenkaffeit Berlin C., 30. Finitu-Straße 30. KB. 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Wirtschaftsschürze mit Träger, bunt mit Bordenbesatz Wirtschaftsschürze, mit Volant, Tasche und Besatz Reinw. Cheviot u, Crepe, extra schwere Qualität sonst Mtr. 1,85 Hauskleiderstoffe sonst Mtr. 1,35 Kleider- u. Blusenstoffe, kariert u. genoppt, sonst Mtr. 1,35 Wonteur-Jacken u. Hosen, Mau sonst Mtr. 1,2s Knaben-Leibchen-Hosen kosäcca Jelzt cur v n sonst 2,26—4,75 M. sonst 2,26—4,25 M. sonst 2,25 M. sonst 2,10—8,25 M Damenhüte, garniert, modernste Formen Damencorsetts, verschiedene Facons Kränze für den Toten-Sonntag Tuch u. Plüsch-Kinder-Capotten Damen-Röcke, Trikot mit Futter Damen- u. Herren-Handschuhe, Waschleder, sonst 2,50 m. Damenhemd mit Handstickerei n. Languetten Damenhemd mit Madaira-Stickerei Damen-Beinkleid, Cöper, Parchend mit Pat-Languette- Anstands-Rock, Parchend, mit Stickerei-Volant Herrenhemd mit bunt. Bördchenbesatz Reform-Kleiderschürze, bunt. 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IM an verlange Rabatt- Marken I Verantwortlicher Redakteur: HanS Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw. i Tb. Glacke. Berlin. Druck u. Verlag:«orwärtI vuchdruckerei u. Verlagsanstalt«aul Swger& To.. Berlin SAH, Ur. 273. 22. Jahrgang. 2. KcilM öts.AmSrls" Knlim AIIisdlM Dienstag, 2t. November tW5. Zur Selbstverwaltung der Kraukenkassen. Das Oberverwaltung-?gcricht hatte sich am Sonnabend aus Änlab mehrerer Klagen, die in Sacken des Kölner Aerzte- slreiks und des Eingriffs der Behörden zuungunsten der Kassen ergangen sind, mit der Frage der Zulässigkeit des Verwaltungsstreitverfahrens gegen mehrere behördliche Ver fiigungen zu befassen. Am Oktober 1903 kündigten mit wenigen Ausnahmen die Kölner Kassenärzte den Krankenkassen Kölns und verweigerten vom l. Januar 1904 an, abgesehen von dringenden Not- fällen, jede weitere ärztliche Behandlung von Kassenmitgliedern. Die Kassen zogen an Stelle der kündigenden Aerzte andere. meist von auswärts, heran und verpflickteten diese vertiaglich zur Behandlung der Kassenmitglieder. Die Zavl dieser neuen Aerzte soll Ende Januar nach Angaben der Kassen etwa 35 betragen haben. Am Januar erliest der Regierungspräsident zu Köln eine Verfügung an den Oberbürgermeister, worin unter anderem gesagt war: Der gröstere Teil der Kölner Kranken- kästen gewähre keine ausreichende ärztliche Fürsorge. 20 bis 35 Kassenärzte seien gegenüber 100 000 Versicherten nicht ausreichend, zumal wenige Spezialisten darunter wären. Beschwerden seien einge- gangen, darunter auch von mehr als 30 Versicherten. Der Kassenärztenot müsse entgegen gewirkt werden, im Interesse der Versicherten wie auch der Allgemeinheit. Mindestens die Anstellung von noch dreitzig Kassenärzten sei nötig. Der Oberbürgermeister ivcrde ersucht, die Kassen, in denen die Aerzte nicht ausreichten, sofort aufzufordern. für ausreichende Aerzte Sorge zu tragen, Acnderungen anzuzeigen. — Noch am selben Tage ging eine Abschrift der Verfügung mit Hinweisen des Oberbürgermeisters ans K 45 des Krankenversicherungs- gesetzcS an den Vorstand der Vereinigten Ortskrankenkasse der Hand- werker und an den Vorstand der Ortskrankenkasse für die in Fabriken des Gemeindebezirks Köln beschäitigten Personen. Nachdem es am 31. Januar wieder eine Verfügung des Regierungspräsidenten gegeben hatte, die noch mit dem § 45 des Gesetzes rechnete, liest sich der Regierungspräsident a m I.Februar zum Oberbürgermeister so vernehmen: Die Kassen hätte» nicht für genügend Aerzte gesorgt, deshalb sei mit den in einem Verzeichnis genannten Aerzten ein vom Regierungspräsidenten angeregtes Vorgehen der Auf- fichtSbehördeAuherdem enthält derKalen- der ein vorzüglich Hergestell- teS Lichtvrullbild: reilnehmer sm einigungz- : Itonarell In Gotbs 1875 Zu beziehe» ist der Kalender durch l jede ParteiSuchhandlung. Der Berlag: kuchhsnälung vorivSrts Berlin SV,««. Clndenltr. 60. Stola Muffen etc. etc. Kur eig. Fabrikat. Grolle Auswahl. Kaiman, Dresdenerstr. 75 vorn II. 2.Hau3v.Thalia-Th. Kein Zwischenhändler. Verk. auch Sonnt, u- Wochent. b. 9 U.ab. Tathan Mancl l-Z'J Skalitzerstr. 139. 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Ersatzwahlen sür den Vorstand. 5. Verschiedenes. 277/10 Friedenau, den 20. November 1903. Ter Borstand. Hermann Schölzel, Vorsitzender. Wilhelm Stolle, Schriitsührer. Orts-Krankenkasse der Zigarren- u. Zigarettenmacher zu Berlin. Mittwoch, den 29. November, nachmittags 5 Uhr: General- Versammlung der Arbeitgeber im Restaurant Hempel, Roscnthaler- slraße 11/12. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Rendanten. 2. Neuwahl von drei ausscheidenden Vorstandsmitgliedern. 3. Neuwahl sür das im Vorjahre als Ersatzmann gewählte Vorstands- Mitglied. 4. Wahl eines Delegierten zur Vor- prüsung der Jahresrechnung. An demselben Tage und in dem- selben Lokale sindet abends 8'/, Uhr- General- Versammlung der Arbeltnebmer statt. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Rendanten. 3. Neuwahl von sechs ausscheidenden Vorstandsmitgliedern. 4. Ersatzwahl für ein im lausenden Jahre ausgeschiedenes Vorstands- mitalicd. 3. Wahl von zwei Delegierten zur Vorprüfung der JahrcSrechnung. Die(Sinladuiigskarte legitimiert. Nur die im Vorjahre gewählten Delegierten haben Zutritt. 387b Der Vorstand. Oas älteste Kester-Gesehäft des S.-O. von 44462* Willi. Mlililbach empfiehlt Rester von Plüschen, Krimmer, Eskimos zu Damen- und Kinder-JackettS zu den billigsten Preisen. Grllllte Auswahl in fertiger � Konlektion. � 10 Oppelnerstr. 10 Am Bnsttage ist im„Waldkater" Frisches Klüt- u. Leberwurstessen. Hierzu ladet crgebenst ein 583b ktax Fallnich, Gastwirt. Tegeler Weg 40 (Bahnhos Jungsernheide). Am Sujltag: Großes Sehlaehtefest im Restanrnnt Hnjselmrrder. Hierzu ladet ergebenst ein 31362 tUbert Scherucb. Mo maiben wir am Bufiiag unseren Ausflug hin? Nach Hieder-Kclioiieveille �„kleinen Fiseberliiitte", Berlinerstr. 17b, Inhaber Jolln«» Fischer. Hördes Vereins- Säle Fahrverbindungen nach sür Versammlungen, Gel leiten. Kulante Bcdienmis Aiene König-Straße 7. nach allen Stadtteilen.— Empsehle meine Säle Gewerkschaftssitiungen und sür Vereinsfestlich- iedienung. Adolf Borde._ "ZrGcrmania-IPracbtlälc ET LJ Chanssecstr. 103. Chansseestr. 103. LJ �Itttwocb, den 22. JKovembcr(Bußtag): Zweites Künftler-Konzert des Gesangvereins Wordwacht K.tViuä unter Mitwirkung der Solisten-Kapelle des Herrn Kapellmeisters G. Vogel sowie des Violinvirtuosen jHrn. Alexander Altmann. Solis für Violine, Cello, Flöte u. Piston. Anfang ß'/j Uhr. Das Komitee. .□ >66/10 Cijaretfen Erstklassige deufsdie Fabrikats, Charlottenburg:! Heute Dienstag, abends 8V2 Uhr, im Volkshause, Rosinenstratze 3: Uolhs-Uersammlung. Tages-Ordnung: 1. Unsere Stichwahlen zum Stadtparlament am 23. November. Referenten: Stadtverordneter Genosse L. Zaslle und Genosse)(st2LN8tsiu. 2. Diskussion. 268/7 Alle Kommnnalwähler sind zu dieser Versammlung hiermit besonders eingeladen. MA Den QeZnem wird volle I�eciefreilleit garantiert. DrN. Die nächste Flugblatt-Verbreitung findet am Mittwoch, deu 22. November, früh 8 Uhr, statt. sSiche unter Parteiuachrichlen am Dienstag.) ' UWMI! ÄÄiinWiiipl* Berlin I. q. m „Gewcrkschaftshaus", Engel-Ufer 15, II, Zimmer 13—17. Arbeitsnachweis: T.-A. IV, Nr. 3348.- Bureau: T.-A. IV, Nr. 4747. Achtung! Achtung! Kollegen n. Kolleginnett aller Branchen aus den Bezirken n. Betrieben des Ostens n. Nordostcns. Mittwoch, den 22. November(Bnsttag), abendS Gll2 Uhr; Uersammlung mit Frauen in FlechS Festsälen. Fruchtstraste 36a. Tages-Ordnung: t. Medizin und Naturhetlmethode. Reserent: Dr. I. F-riedcberg 2. Diskussion. 3. Milteiliing und Ausnahme neuer Mitglieder Achtung: Leitergernstbauer Achtung: aus allen Betrieben Berlins und Umgegend. Mittwoch, 22. November, abends 6 Uhr, im Englischen Garten, Zltexanderstraste S7o: Versammlung mit Frauen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Stornier über: Die gewerlschasttiche und politische Arbeiterbewegung. 2. Diskussion. 3, Geschäftliches. Nach beiden Versammlungen: GkstliigkS KtlslUIIIIItllstill ll. Tlllll. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Ehrensache eines jeden Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen. 71/18 Beiträge können in diesen Versammlungen entrichtet und neue Mit glteder ausgenommen werden. Ble Ortsverwalf ung. Achtung!"MW MM" Achtung! Rohrlegier and Helfer! Donnerstag, de» 23. November, abends S'/a Uhr \ er Sammlung: tn der Rohrleger und Helfer Berlins und Umgegend der Brauerei Friedrichshain, Am Friedrtchshain 22—29. Tages-Ordnung: 1. Warum sind die Gelüste einzelner Kollege«, wegea der Differenz mit der Ortsverwaltting einen neuen Fachverein zu gründen, ein Verrat an der eigenen Branche, ja am ganze« Ver- band? Reserent Karl Wiesenthal. 2. Diskussion. 3. Berichterstattung von der tehten Sitzung der SchtichtnngSkommissio». Der Eintritt zu dieser Versammlung ist nur den Mit. gliedern des Deutschen Metallarbeiterverbandes gestattet. > Mitgliedsbuch legitimiert. �»»»»> DM- Da in dieser Versammlung die Differenz mit der mittleren Orts- Verwaltung zur Sprache kommen wird, so legen wir Wert daraus, daß die gesamten Mitglieder der Verwaltung in dieser Versammlung erscheinen. Auch die Mitglieder der Zahlstelle Berlin, welche nicht Rohrleger oder Heiser sind, haben Zutritt zur Versammlung. 154/20» Zahlreichen Besuch erwartet Die Agitationskommission der Rohrleger und Helfer Idolsslr. Berlins u. Umg. KNORR 5 M.icc.iroi-i. •%' c /• Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie sür die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich den ChcsS Herren Rubarth u. Co. sowie meinen Kollegen herzlichsten Dank. 575b Max Idebsch. I Bat jemand Rbenmatisnms, Gicht. Glirderreisieu. Nervenschmerzen, Hüftweh(Ischias), Hcxenschusi, Geschwulst zc. vir gebrauche l7Iootriöiirn"Ic>h iliesernadel- nur»eichel's ,,l»lvt/ll li-UIII WaldwollöO- Einfaches u. uufchädilcheS Nakurvrodukt von Narker. ourchgresseuver. jowrt schmerzstillenver Wirlung. ,,UlSQtrlQon>"w>rklw!eeIck>risIcre»da»fde»Ztorvcr, kräsugl lounvcrbar Glieder und Nerve». Uederraichende Ersolae! Man nehme nur„eieclricum. ES glbr nichts «cisereS. FI. M. K.— und ü.—. Die Wirkung wild noch erhöbt durch Innerlichen Gebrauch von Reicnel', Wacholder-Extrakt„Medico-. FL 75 Pf.. M. 1.50 u.«.so in den ürogerlen und«polheken erhältlich und zu beziehen durch IHGa Reair.hol Berlin SO. 43. 1?-Anschlüsse UllO neicneiy El»enb»hiiB»r.4. I? 646. 3190, 4562. Eine Mark wöchentlich liefere lelbstspielende Musikwerke, Sprecbma seb inen und echte Menzenbaaer- Zitbern. Schönste Familienanterbaltung. J. Knrzberg;, An der JannowltzbrOck« i, I., direkt am Uiihnt.of. Allgemeine Orls-Krmilleiilllilsc zu Berlin. Behufs Wahl von Vertreter« zur General-Versammlung pro 190«/ 1997(§ 49 des Statuts) werden die Kasscnmitglieder zum Sonntag, den 3. Dezember 1995, vormittags vou 9—12 Uhr, in den nachstehend bezeichneten 2olalen hiermit ergebenst eingeladen. Die Wahl der Vertreter der Kassenmitglieder erfolgt in vier Abteilungen. Abteilung i umsaht alle Kasscn- milglieder, die in Betrieben arbeiten, welche im Süden und Südosten Berlins gelegen sind, sowie alle frei- willigen Mitglieder(§§ 5 u. 9 b. St.), welche im Süden und Südosten Berlins und in den Vororten Treptow, Baumschulenweg, Ricder-schöncweide, Johannisthal, Sldlcrshos, Grünau, Köpenick, Klixdorf und Britz ihre Wohnung haben. In dieser Abteilung sind 81 Ver- treter zu wählen. Das Wahllokal befindet sich bei Grauina»», Raunynstr. 27. Abteilung II umsaht alle Kassen- Mitglieder, die in Betrieben arbeiten, welche im Westen, Südwesten und Zentrum Berlins gelegen sind, sowie alle freiwilligen Mitglieder, welche im Westen, Sudlvestcn und Zontrum Berlins und in den Vororten Tempelhof, Mariendorf, Schönebcrg, Friedenau, Steglitz, Zehlendori, Lichlerselde, Wilmersdorf, Schmargeu- dorj und Halensee ihre Wohnung haben. In dieser Abteilung sind I4ll Ver- tretcr zu wählen. Das Wahstokal befindet sich in den Arminhallcu, Kommaudantenstr. 2«. Abteilung III umsaht alle Kassen- Mitglieder, die in Beirieben arbeite», welche im Norden und Nordwesten Berlins gelegen sind, sowie alle frei- willigen Mitglieder, welche im Norden und Nordwesten Berlins und in den Vororten Charlottenburg, Spandau, Tegel, Rcinickendors, Schönholz Pankow, Nieder-Schönhauscn und 'französisch-Buchholz ihre Wohnung oben. In dieser tzlbtcilung sind 9» Ver treter zu wählen. Das Wahllokal befindet sich bei Milbrodt(Gesell- schaftShans„Wedding-), Müller strafte 7. Abteilung IV umsaht alle Kassen- Mitglieder, die in Betrieben arbeilen, welche im Osten und Nordosten Ber linS gelegen find, sowie alle frei willigen Mitglieder, welche im Osten und Nordosten Berlins und in den Vororten Wcihcnsee, HcinerSdors, Hohen-Schönhauscn, Lichtenberg. Friedrichsberg, FriedrichSsclde, Box- Hagcn-Rummelsburg. Stralau, Karts- Horst, Ober-«chöneweide oder Friedrichshagcn ihre Wohnung haben. In dieser Abteilung find«7 Ver- treter zu wählen. Das Wahllokal befindet sich bei A. Bocker. Weber- strafte 17. Die Wahl beginnt in allen M- leilungcn um 9 Uhr vormittags und wird um 12 Uhr mittags geschlossen. Wahlbcrechttgt und wählbar sind männliche und weibliche Mitglieder, welche grohjährig und im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte sind. Zur Legitimation dient das Mitgliedsbuch und werden die Arbeitgeber gebeten, dasselbe mit ihrem Finnenstempel zu verschen und den Milglicdeni behufs Teilnahme an der Wahl auszuhändigen. Tie Arbeitgeber wählen in un- geteilter Versammlung 181 Vertreter. Die Wahl derselben findet stall am Dienstag, den 28. No- vembcr, abends von«—9 Uhr, im Knsjenlokal, Nene Friedrich- strafte 9/1«. Wahlberechtigt sind alle Arbeitgeber. welche sür die bei ihnen beschäsligten Personen Beiträge aus eigenen Mitteln zur vbcngenanlilcn Kasse zahlen. Jeder Arbeitgeber sübrt bei der Wahl eine Stimme. Zu Vertretern können auch Geschästssührer und Bctriebsbcamte gewählt werden, jedoch ist bei Aus- Übung des Wahlrechtes eine Vertretung nicht zulässig. Für die Forin und Leitung der Wahlen find die Besiiinmungen des Statuts(s 38 Abs. 3—8) mahgebend. Berlin, den 20. November 1905. Ter Bvrstand. Willi. Riehl, Vorsitzender. Allen Freunden imd Bekannten die ttaurige Nachricht, dafi mein lieber Mann, unser Herzens. ruler Vater Jur>e mir 17. November plötzlich'->» Schlagansall im 40. Lebensjahr» verstorben ist. Die Beerdigung findet ain Mittwoch, den 22. d. M, nachmittags 3 Uhr. vom Urban- lrankcnhaus aus nach dem Thomas- Kirchhos statt. 66/11 Die trauernde Witwe nebstKindern WaWverEinI.13.Ber!Miistags- Walilkreis. Todes- Anzeige. Den Genossen zur Nachricht, dag das Mitglied Wilhelm June Waldemaritrage 32, plötzlich im 40. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andeuten k Die Beerdigung findet am Miit- wach, den 22. November, nachmittags 3 Uhr. vom Urban- Kranknhause aus nach dem Thonias-Fttedhos statt. Zahlreiche Beteiligung der Ge- nassen erwünscht 241/10 Her Vorstand. Wilmersdorf.. Xachrnf! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maler �tixust Müller am Sonntag nach schwerem Krankenlager an der Proletarier- krankheit verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung sindet am Bufi- tag(Mittwoch), nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Ge- meinde-Kirchhoscs, Berlinerstrage, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 203/18 Ber Vorstand. WetmI Verein„foran" Berlin (Mitgld.A.-R.-B. .Freiheit"). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied 578b Franz Krüger infolge eines Unfalles verstorben ist. Die Beerdigung wird später per Karte bctannt gegeben. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstund. I. A.: Arnold Dorow. Deutscher Holzarbeiter-Verband.! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Jaloufiearbeiter Franz Renetzke am 18. November nach kurzem Krankenlager verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, 2t. November, nachm. 2 Uhr, vom städttschcn Kranken- Hause am Urban nach dem neuen Schönebcrger Kirchhos, Maxstraße, aus statt. Um zahlreiche Beiciligung ersucht 97/7 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Allen Bekannten, Kollegen und Kolleginnen, dem Gesangverein .Liedcrtascl", Ober-e-chöneweide, dem Fabrik-, Land- und Hiilssarbeiter- Verbände sage sür die Beweise reger Anleiinahme bei der Beerdigung meiner Frau meinen ausrichtigsten Dank. 51302 Alex Büchner nebst Kindern. Ober-Schöncweide. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben, unocr- geßlichen Mannes 5l35L Johann Ltudxinski sage ich Hiermit allen Freunden, Ver- wandten und Bekannten, dem Ver- band d. an Holzbearbeilimgsmaschincu beschästigteu Arbeiter, sowie dem Chcj und den Arbeitern! der Firma E. Hühnkc, insbesondere dem Gesangverein Frisch- aus sür die iröstcudcn Gesänge an der Bahre meines lieben Mannes meinen herzlichllen Dank. Die trauernden Hinterdiiedenen. II»> ie StudBlnskl. Danksagung. Heimgekehrt vom Grabe meines lieben Sohnes Ilngo, sage ich allen Freunden und Verwandten, ins- besondere dem Deutschen Buchbindcr- Verbandc, OrtSvcrwaltung Berlin. den Kollegen und Kolleginnen der Kartonsabrik Gustav Jahn sowie dem .Sparverein 1905 sür die rege Beiciligung und reichen Kraiizlpendcii meinen innigsten Dank. 5t34b Witwe Schildt. Kartoffel-Kahn befindet(ich l-ütv-ow-Tfcr, Cornelius- Brück«, verkaust zum billigsten Tagespreis gute rote Winter- kartoffeln. II Bahn». SO. KommunalwaHIbezirk (5. und 6. Wahlkreis). Dienstag, den 21. November, abends 8V2 Uhr: Wähler- Versammlung in Leydeckers Talon, Sophienstratze 34. Tages-Ordnung: 1.„Was wollen die Sozialdemokraten im Kvten Hause Ncferent: Stadtverordneter 2. Freie Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwarten Asg VkrtrSULNSlkUtS. Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend. - Itnreaa C. 25. Hlrtenstr. 20. Telephon Amt 7, 4990.- Mittwoch, den 23. November 1905, vormittags 10 Uhr, bei Dräsel, Neue Friedrichstras,e 35: Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Statuten- und Reglementbrratung. 2. Regelung der Arbeitszeit. 3. Vereinsangelegenheiten. Die Versammlung wird Punkt 10 Uhr eröffnet. mtglledsbach legitimiert. i30/16 Der Toratand. NB. Kollege«, in dielcr Versammlung handelt es sich um Aenderungen unseres Statuts und Reglements, wir erwarten daher, dah die Mitglieder zahlreich erscheinen. I>. 0.__ Kommunabähler-Versammlung für den 7. Kommunal-CClablbezlrk Donnerstag, den 23. November, abends 8% Uhr, in der„Allhaltischen Ressource", Möckernstrafte 114. Tages-Ordnung: t. Unsere Kommunal-Verwaltnng. Referent: Genosse �aldeeh Hanaase. 2. Freie Diskussion. 239/8 _ Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Das Wahlkomitec. Orts-Kranbenbasse der Kureau- Angestellten. Die bis Ablauf des Jahres 1906 gewählten Herren Delegierten der Orts-Krankenkasse werden hiermit zu der am Mittwoch, den 29. November cr., abends 8'/, Uhr, in ssesnkes reztssisn, Scbastianstr. 39, stattsindendcn Völlers!-VerZAmmtullg eingeladen. Tagesordnung: 1. Wahl von 3 Revisoren zur Prü- sung der Jahresrcchnung der Kasse pro 1905. 2. Anträge des Vorstandes aus Statutenabändcrung und in Ver- waltungs-Angelegenhciten. 3. Wahl von Bvrslandsmiigiiedern. Berlin, den 21. November 1905. Der Vorstand. Bauer. 298/3 Franko Berlin. Tischsiitze, 7 cm stark, gleichviel welches Muster, pro Sab 1,19 bis 1,15 M., sowie alle sonstigen Drechslerarbeiten empstchlt die Munjec Drectislerwaaren- = Fabrik= G. m.b.H. Pattburg i. Schlesw.-Holst. Verein Berliner Musiker. C. Kaiser Wilhelmstrasie 18 m. Fernsprecher Amt III No. 988. Oelfentüeiie Proiestnersammlung. Zur Abwehr der Beschlüsse des Militar-Musikintkressenten-Zkongressks veranstaltet der Verein Iterllner Husiker am Donnerstag, den 23. d. M., abends's.9 Uhr, im grosie» Saale seines Vereins» Hauses, C. Kaiser Wilhelmstr. 18 m, eine Oeffentl. Protestversammlung. Das Referat haben di« Herren Ernst Vogel, Präsident des iltilgem. Deutschen Musikervcrbandcö. und A. E. liiUine. 1. Vorsitzender des Vereins Berliner Musiker, übernommen.— Im Anschlusi an das Reserat findet eine freie Diskussion statt. 581b Jcdermanu hat zu dieser Versammlung Zutritt. Um zahlreichen Besuch bittet Die Schubkommission deS Vereins Berliner Musiker. I. A.: Paul Limmer, SW. Hollmannstr. 2. H.& P. Uder, Enz-ÜM-r 5. Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake. Herdhäuser Kautabak stets frisch zu billigsten Engros- Preisen. 4165 L: — rrgpmsr Amt 4. 3014.- Blutarmut führt oft zu Scirwindsucht und frühzeitigem Tod. Jeder Leidende sollte daher rechtzeitig und regelmäßig den Santa- Lincla- Kji'aftrotwem, Fl. 1,50 und 2,00, trinken. Am bekömmlichsten ist es, ein kleines Glas dieses Weiues Vs oder mit Wasser gemischt Vj Stunde ZAT vor jeder Hauptmahlzeit zu genießen.'' � 4828L* Steht unter ständiger Kontrolle des Gerichts ehern. Dr. C. Bischoif. KäufL in Apotheken, Drogen- u. Delikateßgeschäftcu 12. Ziehung 5. Kl. 213. Kgl. Freuss. Louerie. ' ZlehunK Tom 20. November 1905, vormitla*,. Bw die Gewinne Uber 240 M.rk sind den beireffenden S Nummern in Klammern beisefügt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten, ' 4« 76 149 238 99 443 90 599 642 870 1067 121 206 «6 356 450 696 15001 2104[5001 205 15 334 71 78 487 82 99 558 79 720 15001 863 82 977 3047[5001 90 341 549 647 706 4005 52 112 28 95 652 5160 202 15 348 97 490 (5001 548 673 835 79 6002 475 763 70 7084 139 13000] 287 15001 323 49 57 457 657 63 97 8045 748 110001 82 992 15001»092 130001 303 50 13000] 634 85 1500] 931 90 10015 50 110001 82 484 521 623 79 80 13000] 755 111044 387 694 1 2002 311 424 520 721 820 1 3050 65 ,15001 115 15001 223 68 314 421 923 1 4150 86 205 73 1500] 359 80 84 1500] 437 581 96 642 77 15001 748 901 A 47 1 5142 212 95 441 110001 506 924[5001 116140 130001 235 56 70 15001 370 497 130001 595 616 36 61 71 713 1 7193 214 360 402 1500] 19 608 719 897 999[10001 18213 350 445 754 818[500] 19073 356 431 20533 632 96 951 98 21158 403 41 98 557 729 892 32079 88 211 493 15001 903 23052 75 106 40 58 304 406 677 873 24003 20[5001 88 378 88 533 40 11000] 736 827 1500) 69 25049 327 60 523 27 62 870[500] 86 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Ziehung 5. KI. 213. Kgl. Preuss. Lotterie.| Ziehung vom SO. November 1905, nachmittags. Nur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreuenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten. 230 110001 55 98 356 4-48 655 716 79 881 922 1365 614 767 877 82 936 2030 151 272 353 464 531 81 602 67 95 843 3il05 189[ 30001 93 110001 332 487 612 664 760 74 76 881 933 72 4099 151 490> 5001 505 12 613 792 5066 129 47 227 15001 347 86 468 552 110001 617 760 77 93 843 6059 186 90 1500] 320 427 532 987 90 7051 224[10001 72 15001 419 531 624 717 873 75 93 8002 15001 367 483 033 7Ö7 130001 62 835 58 83 956[5001 80 9147 15001 74 426 501 67 874 10185 269 408[5001 11 39 41 617 47 69 15001 725 «22 72 15001 942 80 11012 28 144 377 464 507 605 7X9 16001 39 11000 1 75 823 40 53 1 2007[3000] 176 249 99 15001 307 15001 27 422 615 1500 1 786 88 891 13002 102 39 388[10001 465 600 41 793 14132 420[500 1 528 72 607 1500] 63 15001 764 110001 825 70 1 5015 15001 195 277 15001 456 559[5001 69 850 1 6117 53 98$41 44 9o 429 510 99 717 840 908 1 7013 216 379 546 90 690 907 18065 262 335 487 15001 523 44 674 99 1 9076 278 87 91 489 110001 509 65 633 110001 713 831 9X3 20042 96 220 300 819 992 2 1387 464 606 7 78 931 22196 281 110001 65 1500 1 398 16001 558 614 76 748 925 63 23635 876 110 OOO] 972 24186 313 523 612 876 978[30001«3 2 5952 265 359 11000] 512 736 86 26300 437 653 952 2 7049 76 83 167 361 70 94 428§10 130001 34 99o 28171 513 15001 27 686( 50üf 96[ÖOO 750 57 29055 96 195 251 77 78 468 78 95 817' 30M3 80 1I0001 260 387 407 46 942 130001 3 1 655 15001 779 95 844 13000] 73 931 32073 157 60 303 76 90 98 465 535 693 705 8 80 966 3 3055 175 264 567 731 78 82 87 801 34357 1500] 458 602 726 809 60 93« 45 35131 232 34 50 433 514 110001 605 26 36023 224 83 428 570 670 724 110001 890 95 3 7005 217 84 436 47 606 130001 60 789 3 8007 261 411 877 936[3000] 39129 233 456 76 11000] 767 88 958 40053 332 59 565 748 92 824[5001 41091 183 229 349 467 531 46 42128 31 53 204 93 618 720 892 957 63 43235 79 15001 83 450 717 44051 183[30001 440 502 853 57 45118 29 60 276 15001 390 590 782 826 38 46037 383 633 908 47056 94 119 1500] 66 71 110001 376 82 597 729 48163 215 38 65 88 337 79 87 444 59 99( 10001 524 83 642 1500] 785 49118 228 53 71 88 414 547[3000] 80 702 r 50096 133 297 1500] 352 569 637 708 853 62 948 70 15001 51180 15000] 446 89 577 689 783 828 36 80 52063 171 342 80 90 95 444 597 778 11000) 53135[500] 399 536 15001 657 86 110001 54001 430 31 60 511 1500] 30 90 662 946 5 5009 71 268 555 766 110001 871 91 11000] 5 6076 134 228 742 915 65 1 10001 57280 307 427 78 501 45 15001 606 47 753 864 5 8044 71 11000) 223 491 93 774 871 59180 640 872 921 67 60210 92 386 438 662 88 758 998 61140 41 506 48 72 88 618 800 008 81 62036 155 217 474 625 69 817 15001 19[10001 943 62 6 3246 322 453 745 876 914 6 4014 211 438 533 601 130001 863 909 57 65334 408[ 5001 612 720 34 66106 356 83 446 51 688 857 [lOOOl 67139 58 76 254 68 632 843 91 1500] 68013 103 279 96 307 34[10001 435 40 565 790 98J 69098 173 75[5001 245 1500] 558 90 70696 620 741 79 93 71121 98 350 51 501 11000] 40 130001 967 7 2036 43 167 72 259 317 58 59 65 490 842 80 15001 73215 493 574 746 892 93 74247 320 403 585 615 880 915 61 75173 89 257 93 486 571 965 76031 72 257 658 607 744 78 828 77130 78 403 511 64 650 53 728 15001 804 50 970 7 8321 71 400 659 800 45 924 79200 74 81 92 98 15001 477 87.568 85 671 78 833 80101 13 24 28 391 421 540 695 96 834 87 92 81081 145 470 612(5001 972 8 2057 76 116 293 434 63 555 602 1500) 709 36 869 83189 260 85 392 97 411 586 769 912 15001 84053 130 397 402 87 505[600] 767 879 80 934 85469 551 92 640 56 782 86009 146 533 86 969 87025 46 193 438 79 565 610 738 868 8 8052 204 403[ 5001 674 702 981 130001 89132 65 317 70 483 91 575 85 1500] 962 839 90053 225 57 110001 79 489 13000] 560 909 11000] 99 9 1 017 36 212 50 110001 377 528 40 612 56 724 811 92197 281 13000] 329 44 50[ 5001 60 93 492 582[S00[ 638 742 15001 84 981 93003 5 15001 23 40 69 108 305 41 668 016 27 9 4045 145 69 235 15001 73 78 341 15001 73 82 898 15001 815 32 984 95036 HO 218 377 78 886 967 93 96040 68 183 243 50 355 75 99 426»56 97495 743 851 995 98245 553«7 70 99054 86 182 234 335 527 110001 99«22 710 100186 433 15001 742 94 805[10001 20 60 934 101147 210 375 563«5 663 81 736 15001 91 900 27 39 102059 251 476 656 88 819 952 98 103221 57 324 427 529 651 769[5001 862 92 104132 328 UOOül 419 621 27 707 66 954 105011 235 84 525 81 709 71 106143 485 984 107196 265 81 346 66 566[3000] 733 861 966 108046[5001 64 150 643 818 88 100>07 85 399 585 748 110001 94 981...... 1 10249 670 821 4, 111054 127 15001 83 338 436 507 94 615 43 715 13000] 81 112022 48[5000! 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Die Bewerbungsschreiben müssen die Ausschrist:.BczirtSIeiter* tragen. Zglcgrapb, 203/11 tüchtig im techn. Schnitt, gesucht. Probe» mit Gehaltsansprnchen an .Antust Blank, Frankfurt a. M. Ein Flnrlehter zuverlässiger für die Fabrikation kleiner Spiralbohrer findet aufferhalb dauernde u. gute Beschäftigung. Nur mit dieser Arbelt vertraute Bewerber finden Bc- rückfichttgung. Schristl. Angebote unter II. 3 sind in d. Exp. d. Bl. niederzulegen. Achtung! e»llbsill!veriler! Der Streik der Rohrer ist beendet G e s p e r r t sind: C. Woina, Quitzowstr. 103, lll. Krause, SlemenSstr. 25, C. Jugold, Prinz Eugenstr. 27, und ersuchen wir sämtliche Rohrer, diese Firmen streng zu meiden. Die Lohnkommission. Feiler und Sieger aus Zelluloid- Schirmgriffe verlangt Krafft, Alte Jakobstraffe 18. 586b Packer aus Goldleisten verlangt Max Leonhard, Schlesischestraffe 31. 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November iBnbtcig), vormittags 8 Uhr, findet im 1., 2., 6. und 7. Bezirk eine Flugblatt- Verbreitung statt. Es haben sich alle Parteigenossen bei den Flugblattverbreitungen sowie bei den Donnerstag, den 23. November, stattfindenden Stichwahlen durch Mitarbeit zu beteiligen s§ des Ortsstaruts) und zwar treffen sich die Genossen vom t. uiid ö. Bezirk bei Pasche. Potsdamerstr. 44, die Genossen vom 2a Bezirk bei Bade, Nebringstr. 25, die Genossen vom.2d und dem 4. und 8. Bezirk bei Fuhrmann, Kaiser Friedrichstr. 45o, die Genossen vom 3d und 6. bei Mertens, Krummestr. 43, und die Genossen vom 3a, 3o und 7. bei Grafunder, Wielandstr. 4. Nicht politisch Organisierte, welche sich an dieser Arbeit beteiligen wollen, haben sich in einem der genannten Lokale einzufinden, jedoch als Legitimation ihr Mitgliedsbuch der Gewerkschaft mitzubringen. Gleichzeitig sind die Genossinnen am Ort verpflichtet, sich an dieser Arbeit zu beteiligen und sich in einem der genannten Lokale ein- zufinden.— Die Genossen des 5. Bezirks treffen sich vor der Ber- breiiung bei Bartsch. Reinickendorf-Ost. Hierdurch machen wir die Mitglieder noch- rrmls auf die am Mittwoch sBuhtag) stattfindende Herrenpartie nach dem Grunewald aufmerksam. Abfahrt vom Bahnhos Gesundbrunnen nach Westend früh 7 Uhr präzise. Für Nachzügler Treffpunkt um S Uhr sFrühstückj beim alten Freund auf Pichelswerder. Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder erwartet Der Vorstand. Heute, Dienstag, abends SV« Uhr, findet im ..........':rffl Weißensee.~-...... � ,a............. Prälaten, Lehderstr. 122, eine außerordentliche Generalversammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins statt. Der lvichtigen Tages ordnung wegen ist eS Pflicht eines jeden Parteigenossen, d scheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. dort zu er- Rixdorf. Sozialdemokratischer Wahlverein. DienS- tag, den 21. November, abends 8 Uhr, bei Thiel, Bergstr. 151/152: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mit- glieder' 2. Vortrag deS Genossen Dr. Maurenbrecher über:.Die Revolution von 1848." 3. Diskussion. 4. Bericht der Delegierten von der Kreis-Generalversammlung und Wahl von drei Delegierten zur nächsten Kreis-Generalversammlung. 5. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes.— Die Reichhaltigkeit der Tagesordnung bedingt. daß die Versammlung pünktlich um 8 Uhr eröffnet wird, worauf hiermit noch besonders aufmerksam gemacht sei. Der Vorstand. Vorort- I�admcbteu. Zm» Kommunalwahlkampf in Charlottenburg. Immer widerlicher wird der Wahlkampf, wie ihn die Liberalen ,n ihrem Organ, der„Reuen Zeit", gegen die Sozialdemokratie führen. Erst vor wenigen Tagen haben wir dem Blatte nachgewiesen, daß es bewußte Lügen verbreitet. Aus diesen Vorwurf geht es mit keinem Worte ein. Statt dessen bringt es die dümmsten und thörichtsten Ammenmärchen über einige sozialdemokratische Stadt- verordnete. So fchreibt es unter der Stichmarke„Bebels Knute": „In der Charlottenburger Stadtverwaltung spiele» bekanntlich unter den Sozialdemokraten die drei.Obergenossen" Baake, Dr. Borchardt und Paul Hirsch die Hauptrolle. Alle drei Herren sind Literaten und als solche von Bebel abhängig. Dr. Borchardt hat beispielsweise schon vor zwei Jahren, als es sich nach dem Dresdener Parteitag darum handelte, ob ein Sozialdemokrat fernerhin Mitarbeiter der von Maximilian Harden herausgegebenen „Zukunft" sein dürfe, sich Bebels Machtgebot gefügt und nach an- fänglichem Sträuben das Opfer des Intellekts gebracht, also vor Bebel feinen„Kotau" gemacht. Aehnlich könnte es sehr leicht den beiden anderen Herren ergehen; denn„wer sich nicht fügt, der fliegt", heißt ja das durch die neuesten Vorgänge am„Zentralorgan der deutt'chen Sozialdemokratte" zurGenüge illustrierte.geflügelte Wort". Mindestens wird dem Betreffende» der Brotkorb höher gehängt. Wer also gegenwärtig in der Stichwahl einen Sozialdemokraten in das Charlottenburger'Stadtparlament wählt, der verstärkt nicht den Einfluß der Herren Baake. Dr. Borchardt und Paul Hirsch, sondern lediglich Bebels Macht. Die Frage ist demnach: Soll in unserem durch den Gemeinsinn der Bürgerschaft groß gewordenen Ort die Intelligenz und Opferwilligkeit de? Bürgertums zurückweichen vor Bebels Knute? Kein selbständig denkender und unabhängig ge> sinnter Bürger kann in diesem Falle auch nur einen einzigen Augenblick im Zweifel sein,>ven er zu wählen hat. Deshalb auf zur Stichwahl am nächsten Donnerstag. Wählt nicht die vor Bebels Machtwort erzitternden Sozialdemokraten, sondern die für eine Förderung deS Allgemeinwohls eintretenden und nicht unter einer Parteidiktatur stehenden Liberalen!" Wir haben geglaubt, daß wir diesen Herzenserguß der Liberalen unseren Lesern nicht vorenthalten durften, damit sie erkennen tonnen, welche Geistesverwirrung die Angst vor einem Durchfall auf die Liberalen ausübt. Abgesehen davon, daß die genannten Genossen in keinem festen Verhältnis zur sozialdemokratischen Partei stehen, sollten doch auch die Liberalen wissen. daß es in der Sozialdemokratie nicht Brauch ist, Genossen. die eine eigene Meinung vertreten, aus diesem Grunde den„Brotkorb höher zu hängen". Das ist die Gepflogenheit der vom Kapitalismus be- herrschten Parteien und ihrer Presse, nicht aber die einer demokratischen Partei. Daß Anhänger der«ozialdemokratie, sei es in der Presse, sei es als Mitglieder gesetzgebender oder Verwaltungskörperschaften, sozialdemokratische Ideen vertreten, ist selbstverständlich, aber ein Unsinn ist es. zu glaube», daß sie von irgend einem Parteiführer, sei es nun Bebel oder wer sonst immer, Direktiven erhalten, denen sie bei Strafe des Ausschlusses aus der Partei zu folgen hätten. Für ihre HandlungS- weise ist maßgebend das Programm und die Porteitagsbcschlüsse, nicht aber der Wille eines einzelnen, und mag er noch so angesehen fein. Personenkultus und Autoritätsglauben sind der Sozialdemo- kratie etwas so fremdes, daß nur das ausgedörrte Gehirn eines liberalen Zeitungsschreibers, der auf Geheiß seines Brotherrn bald rechts und bald links schreiben muß, daran zu glauben vermag. ' In einem zweiten Artikel wird der staunenden Bürgerschaft CharlottenburgS die wclterschütternde Tatsache mitgeteilt, daß die Herren Vaake. Hirsch und Genossen in öffentlichen Versammlungen nach Herzenslust auf den Kapitalismus schimpfen, hinter den Kulissen aber eifrig bestrebt sind, sich mit dem Großkapital zu verbinden. Diese Verbindung soll darin bestehen, daß Baake und Hirsch die Mittel zum Bau deS Volkshauses und zum An- lauf des dazu gehörigen Grundstückes durch eine Verbindung mit Großkapitalistcn zu gewinnen bemüht waren. Hierin hat das liberale Blatt ausnahmsweise recht, die Mittel zu dem Unternehmen sind tatsächlich von Großkapitaliften gewonnen, und die Großkapitalisten haben daS Geld gern hergegeben, weil sie es nirgends so gut und sicher anlegen können wie in sozialdemokratischen Gründungen. Daß die Genossen ihre Beziehungen zu Großkapitalisten in der uneigen- »ützigsten Weise im Interesse der Partei auszunutzen wußten, gerät ihnen nur zur Ehre. Liberale Männer hätten das nicht getan, sie hätten in erster Linie ihre eigenen Taschen gefüllt. So uneigennützige Männer wie die Sozialdemokraten sind in einer Stadtverwaltung unentbehr- lich, und da die Uneigennützigkeit der einzige Vorwurf ist. den das liberale Organ gegen die sozialdemokrattschen Stichwahlkandidaten erheben kann, so hoffen wir. daß die Leser daraus den richtigen Schluß ziehen und dafür sorgen, daß diese Mäuner am 23. November gewählt werden. Friedenau. Am Mittwoch, den 16. November, tagte im Gesellschaftshause eine gutbesuchte öffentliche Versammlung. Genosse Südekuni referierte an Stelle des Genossen Zubeil, der am Erscheinen verhindert war. über das Thema: Der Kamps des Reickisverbandcs gegen dir Sozial- demokratie. In längeren Darlegungen gab der Reserent ein Bild des Wirkens des Reichsverbandes. In Versammlungen und durch Flugschriften verbreitet der Reichsvcrband die gröbsten Unwahrheiten und Lügen über die Sozialdemokratie. Daß der Reichsverband auch den Wahlkreis Teltow-Beeskow-Storkow- Charlottenburg erobern will, muß die Parteigenossen zu neuer, reger Arbeit anspornen. Der Wahlkreis bedeutet eine Hochburg der Sozialdemokratte. Die Arbeiter und Paneigenossen werden dafür sorgen, daß die Hochburg immer fester und uneinnehmbarer wird. Zu dieser Versammlung waren auch Vertteter des Reichs- Verbandes sowie der Vorstand der Ortsgruppe Friedenau sNationaler Reichs-Wablverein) durch eingeschriebenen Brief eingeladen, aber nicht erschienen. Der Vorfitzende der Ortsgruppe Friedenau, Herr Oberlehrer Dr. Kleinecke, hatte folgenden Brief an den Vorstand des sozialdemokratischen Wahlvereins gerichtet: „Auf Ihr vom v. November datiertes, aber erst am Nachmittag des 11. November in meine Hände geliefertes Schreiben erwidere ich ergebenst, daß ich die darin enthaltene Einladung ablehnen muß. In den sozialdemokrattschen Versammlungen des letzten Jahres und besonders während der vergangenen Wochen vor der Reichstagswahl in Eisenach sind die Redner des Reichsverbandes wiederholt in fo unwürdiger und empörender Weise von den Genossen behandelt worden, daß schon die gute Erziehung uns verbietet, eine sozial- demokratische Versammlung ohne Not zu besuchen. Ergebenst Dr. K l e i n e ck e, Borfitzender der Friedenauer Ortspruppe des Reichsverbandes. Die rege Diskussion bewegte sich im Sinne des Referenten. Alle Redner bedauerten, daß auch nach wiederholter Aufforderung der Gegner, dieselben schwiegen, obwohl Gegner anwesend waren. Der Brief des Dr. Kleinecke gab Veranlassung, die Tätigkeit dieses Herrn ewas eingehender unter die kritische Lupe zu nehmen. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die Versammlung verurteilt aufs schärfste die Kanipfesweise des Reichs- Verbandes gegen die Sozialdemokratie. Sie verspricht dafür zu sorgen, daß es jenen Herren nicht gelingt, de» Reichstagswahlkreis zu erobern. Sie verpflichtet sich, als die erste Aufgabe der Arbeiter die Verbreitung der Wahrheit zu betrachten. Das einzige Mittel, die Wahrheit zu verbreiten, sieht die Versammlung in der sozial- demokratischen Organisation. Schöneberg. Ein Mandat frei geworden für einen Auserwählten der zweiten Abteilung im 4. Bezirk ist durch die Niederlegung des Stadtverordneten Hofdckorateur G n t s ch e, und zwar gerade sechs Woche» vor seinem desinitiven Ausscheiden a»S dem Kollegium. Hervorgetreten ist der Herr in seiner ganzen Amtsdauer bei leiner Gelegenheit, höchstens wenn eS sich um die Stellung eines„Schluß"- Antrages handelte. Für einen bei den letzten Wahlen„aus der Strecke" gebliebenen Kandidaten ist somit wieder freie Bahn ge- schaffen. Marienfelde. Die Gemeindevertretersihung am Mittwoch beschäftigte sich zu- nächst mit dem Antrage des Gemeindevorstehers, den katholischen Religionsunterricht in der Gemeinde einzuführen. Der Gemeinde- Vorsteher und Herr Schöffe Manntz traten sehr warm für den An- trag ein und meinten, es bliebe der Gemeinde nichts weiter übrig, als den Antrag anzunehmen, da sonst die zwangsweise Einführung de? Unterrichts durch die Schulbehörde erfolgen würde; für Religion müsse doch vor allen Dingen gesorgt iverdeu. Unser Vertreter, Genosse Greulich, sprach sich sehr scharf dagegen aus und meinte. für derartige private Angelegenheiten dürften unter keinen Um- ständen Gcmcindemittel verwendet werden, denn die Steuern wer- den nicht nur von katholischen, sondern auch von Andersgläubigen, auch zum großen Teil von Nichtgläubigen aufgebracht. Wenn den katholischen Eltern der Religionsunterricht, wie er heute in der Volksschule den Kindern eingepaukt wird, nicht genügt, dann mögen sie auch selbst die Kosten dafür tragen. Die bürgerlichen Vertreter waren aber nicht zu überzeugen und nahmen den Antrag mit 8 gegen 1 Stimme an.— Nach Erledigung einiger belangloser Sachen brachte der Gemeindevorsteher ein Schreiben des Landrats zur Kenntnis, in dem die Gemeinde ersucht wurde, eine größere Zahl von Krciskalendcrn au f Kosten der Gemeinde anzuschaffen und an die Schulkinder als Weihnachtsprämie zu verteilen. Auch hierfür trat der Herr Vorsteher mit Wärme ein. Genosse Greulich bewunderte die rührige Tätigkeit des Herrn Land- rats, der neben seinen umfangreichen Bcrufsgeschäftcn noch so viel Zeit findet, die Geschäfte des Kalcnderverlegcrs zu besorgen. Für die Kinder hätte der Kalender nicht den geringsten bildenden Wert. Außer einigen Statistiken enthalte derselbe die schon in der Schule zur Genüge eingcbläute vaterländische Geschichte, und man könne sicher sein, daß er von den Kindern bald beiseite ge- warfen werden würde. Der Antrag wurde abgelehnt.— Den Genossen sei noch bekannt gegeben, daß die Badeanstalt in der neuerbautcn Schule täglich von nachmittags 3 bis abends 8 Uhr geöffnet ist, und zwar: Dienstags, Donnerstags, Sonnabends und Sonntags, am letzten Tage von 7— 9 Uhr vormittags, für Männer, an den anderen Tagen für Frauen. Der Preis für ein Wannenbad beträgt 39 Pf., für ein Brausebad 19 Pf. Treptow. Für die Orte an der Obersprce haben die Gastwirte, welche dem sozialdemokratischen Gastwirtcverband angehören, eine Zahlstelle gegründet, die bis jetzt die Orte Treptow, Baumschulenweg, Nieder- schöneweide, Johannisthal und Oberschöneweide umfaßt. In der am Donnerstag in Treptow abgehaltenen Versammlung wurde be« schlössen, in nächster Zeit eine Agitation für den Verband in obigen Orten zu veranstalten. Abfällig wurde das Abhalten von Wahl- Vereinsversammlungen bei erzreaktionären Gastwirten kritisiert. Mitgeteilt wurde, daß in Niedcrschöneweide in einer Gastwirtschaft während des Elektrikerstreiks eine Polizeiwache eingerichtet war und daß jetzt derselbe Wirt beim Wahlverein um Freigabe seines Lokals eingekommen ist, weil in der Nähe ein Bau aufgeführt wird. Weifteusee. Bei den am Sonntag stattgefundenen Gewerbegerichtswahlen der Arbeitgeber wurden abgegeben: im 1. Bezirk 37 Stimmen, im 2. Bezirk 93 Stimmelt. im 3. Bezirk 51 Stimmen und im 4. Bezirk 4 Stimmen. Im 2. Bezirk hatten wir Kandidaten aufgestellt und erhielten 22 Stimmen. Die Unternehmer arbeiteten mit Hochdruck. Alle Tischlermeister haben geschleppt und doch brachten sie es im 4. Bezirk nur auf 4 Sttmmen. Die Arbeitnehmerwahlen hatten folgendes Resultat: Unsere Liste erhielt im 1. Bezirk 291, im 2. Bezirk 316, im 3. Bezirk 299 und im 4. Bezirk 51 Stimmen. Gegenkandidaten waren nicht aufgestellt. Zossen. Unsere Genossen beteiligten sich zum erstenmal am Mittwoch an der S t a d t v e r o r d n e t e n w a h l. Es waren in der 3. Ab- teilung 2 Vertreter zu wählen. Trotz der für Arbeiter ungelegenen Wahlzeit, von mittags 11 bis 1�2 Uhr nachmittags, brachten wir unsere Kandidaten, Genosse Gustav Schulz und Hans L i e S aus je 43 Stimmen. Von den bürgerlichen Kandidaten erhielten Kaufmann Knöfeldt 194 und Malermeister F i r k 96 Stimmen. 39 Stimmen waren zersplittert. Wir konnten konstatieren, daß die Wahlbeteiligung in bczug auf die vor 2 Jahren stattgefundene Stadtverordnetenwahl sich verdoppelt hatte. Noch gegen �1 Uhr war Stimmengleichheit, man erblickte die rote Gefahr. Es wurden nun Schleppmannfchasten der bürgerlichen Partei mit Unter- stützung der hiesigen Polizei requiriert, was auch Erfolg hatte. Freibier und andere„Gefälligkeiten" spielten eine große Rolle. Haben wir auch kein Mandat erobert, so hoffen wir zuversichtlich, unsere gewonnene Position nicht nur zu behaupten, sondern werden alles daran setzen, neues Terrain zu erobern. Wenn wir in zwei Jahren wieder in den Wahlkampf gehen, so hoffen wir, daß dann das„rote Gespenst" in daS Zossener Parlament einzicht. Nieder- Schöneweide. Eine öffentliche Versammlung sämtlicher bei der Firma Kuhn- heim u. Co. Meder-Schöneweide) beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen fand am Montag, den 13. d. M.. in Baumschulenweg statt. Das einleitende Referat hatte der Berliner Bevollmächttgte des Verbandes der Fabrik«. Land-, Hiilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands, Bruns, übernommen. Als langjähriger Arbeiter in der chemischen Industrie war es ihm ein leichtes, den Anwesenden die Gefahren, welche den m chemischen Fabriken Beschäftigten drohen, vor Äugen zuführen. In absolut keinem Vergleiw zu dieser so überaus gesundheitsschädlichen Arbeitstehen die Lohnsätze, und die Arbeitszeiten; kommt es doch bei Kuhnheim noch jetzt laufend vor. daß 36 Stunden hintereinander in den denkbar gefährlichsten Gift- räumen gearbeitet werden mutz. Die bekannte Redensart, wem es nicht paßt, der kann gehen, ist auch in besagter Fabrik auf der Tages- ordnung. Redner ist der Ansicht, daß speziell den chemischen Fabriken allzuviel Spielraum durch das Gesetz gelassen worden ist. zum Schluß wurden die neuesten Entlassungen(Maßregelungen) einer berechtigten Kritik unterzogen, der mit' m von der Firma so gern zur Schau getragenen liberalen Stai.opunkt im grellsten Kon« traft steht. Dem eigentlichen Tatbestand liegt folgendes zugrunde: Besagte Fabrik hat neben anderen sogenannten WohlsahrtSeinrichttmgcn auch eine Kantine eingerichtet. ES hat sich aber heraus gestellt, daß die Waren von den Wasscrbudikern erstens billiger und ziveitens besser sind, als die von der Kantine feil- gebotenen, da war es den Arbeitern nicht zu verdenken, wen» sie da in erster Linie ihre Waren kauften. Das paßte der Firma aber nicht in den Kram und schließlich folgte nach einer dies- bezüglichen Ermahnung die Entlassung solcher„Uebeltäter". Die Firinenvertretung, welche schriftlich eingeladen und auch erschienen lvar, nahm trotz mehrfacher Aufforderung nicht Veranlassung, die vorgebrachten Beschwerden zu entkräften, und somit konnte der Referent »ach einer kurzen Diskussion feststellen, daß das Vorgetragene der Wahrheit entsprechend geschildert worden sei. Ein Hinweis auf ein noch besseres, festeres Anschließen an die Organisation und ein be- geistert aufgenommenes Hoch auf die Arbeiterbewegung brachte den Schluß der leidlich besuchten Versammlung. BerUner l�acbncbten. Selbstabholung der Güter von den Berliner Jnnen� Bahnhöfen und Ringbahnstationen. Den Empsängern von Eil- und Stückgütern, welche diese von den Bahnhöfen selbst abholen oder durch andere als die bahnamtlichen Rollfuhr-Uitter- nehmer abfahren lassen, ist nachgelassen worden, die zurzeit schon hinterlegte» V o l l m ach t e n durch eine bis zum 16. Dezember d. I. bei der zuständigen Güter-Abfertiguiigsstclle abzugebende Erklärung. daß eine A e n d e r u n g in der Zuführung der Güter nicht ge- ivüiischt wird, für das nächste Jahr zu Verlan gern, so daß also eine neue Vollmacht nicht erforderlich ist. Formulare zu der erwähnten Erklärung(welch' letztere übrigens nicht st e m p e l p f l i ch t i g ist) sind bei den AbfertigungSstelleu zu haben. Die Vollmachten gelten auch fernerhin immer für ein weiteres Jahr, falls bis zum 16. Dezember des laufenden Jahres jene Erklärung abgegeben wird. « Ter Automobil-OmnibuS hat am Sonntag seine Feuerprobe bestanden. Von den beiden bis jetzt fertiggestellten Wagen wurde der eine früh um sechs, der andere etwas später eingestellt. Beide liefen ohne Zwischenfall bis nachts 12 Uhr. Auch der schlüpfrige Boden, der gegen Abend infolge de? Regens entstand, beeinträchtigte die Lenkbarkeit in keiner Weise. Die beiden Wagen haben an dein einen Tage bereits 3999 Personen befördert. Dabei blieb die Mehr- zahl der Fahrgäste von Anfang bis zu Ende sitzen, um vielfach auch ucch zur Rückfahrt im Wagen sitzen zu bleiben. Der Werktag mit seinem Geschäftsverkehr von Straße zu Straße wird mehr Wechsel und deshalb noch höhere Ziffern bringen. Waren dock schon am Sonntag bei einzelnen Fahrten bis zu 76 Personen befördert, ob» gleich die Wagen nur 37 Plätze haben. An den beiden Endstellen wurden die Wagen bis Mitternacht von Hunderten von Mensche» er- wartet, die sich einen Platz erobern wollten. Gilt vcrwelicntr Diebstahl beschäftigt die hiesigen Polizei Behörden. Am Freitagnachmittag zwischen 1% und 2 Uhr wurde vor dem Hause Unter den Linden 4(i ein mit braunem Wallach und blaugraucm Schimmel bespannter Rollwagen einer Speditionsfirma, auf dem sich zahlreiche Güter befantm, gestohlen. Abends gegen 8 Uhr wurde das Fuhrwerk herrenlos am Reichstagsufer aufge- fanden. Von den Gütern fehlen: ll Ballen Gewebe(583 Kilo- gramm, gez. K. F. 66— 71), 1 Ballen Manufakturwaren(47 Kilo- gramm, gez. R. G. R. 100), 1 Ballen Gewebe(90 Kilogramm, gez. W. A. 533), 1 Kiste Zigarren(120 Kilogramm, gez. M. G. 1790), 1 Korb Decken(20 Kilogramm, gez. H. S. 1655), 1 Kiste Zigarren (SS, 5 Kilogramm, gez. K.& Co. 3977), 5 Ballen Stoff(338 Kilogramm, gez. L. 1206— 10), 2 Ballen Leder(103 Kilogramm, gez. R. M. 8107— 8) und 1 Kiste Zigarren(43,2 Kilogramm, gez. R. 3883). Für die Ermittelung der Diebe beziehungsweise für die Hcrbcischaffung der wertvollen Beute ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt worden. Eine Probc-Alarmicrung für Rettung?-, nge fand Sonntag mittag auf dem Terrain des neue» Friedenauer Güterbahnhofs statt. Der Uebung lag folgende Idee zugrunde: Um 11'/� Uhr fand in der Nähe des Friedenauer Wannsec-Bahnhofs ein Zusammenstoß zweier Fernzüge statt. Die vorderen Teile der Züge sind demoliert, unter den Trümmern befinden sich verletzte Passagiere. Nach Berlin und Potsdam wird sofort um Hülfe und um Zusendung der Sanitäts- züge gebeten. Als die Nachricht in Potsdam eintrifft, werden sofort die für diesen Fall ausgebildete» Arbeiter der Reparaturwerkstätten auf den Zug gesetzt, eine unter Dampf stehende Lokomotive vor den Zug gespannt und nach zehn Minuten geht der Hülfszug mit Arzt- und Hülfsgerätelvagen ab und trifft kurz vor 12 Uhr 30 Minuten nach erfolgter Meldung auf der Unfallstelle ein. Sofort beginnt das Rettungswerk. Da Trümmer in diesem Falle nicht wegzuschaffen sind, nötigenfalls wären die Feuer- wehren der nächsten Gemeinden zu requirieren, beginnt sofort das Suchen nach Verletzten. Inzwischen sind die benachrichtigten Bahn- ärzte der ganzen Eisenbahudireklion, soweit sie abkvmnilich sind, angelangt. Gestern waren es 40 Herren und man beginnt mit dem Verbinden und Untersuchen. Alles ist in rastloser Arbeit. Bahren werden herbeigeschleppt und die Schwerverletzten in den Arztwagen getragen. Die Leichtverletzten werden auf der Strecke verbunden und dann zum nächsten Ort geleitet, wo sie Unterkunft erhalten. Ein Wagen ist vollständig zertrümmert worden, die Passagiere werden aus ihrer peinlichen Lage befreit, nach den heilgebliebenen Waggons geschafft und hier auf den Polstern untersucht und verbunden. Nach- dem alle Verletzten versorgt sind, geht der HülfSzug mit den Schwer- verletzten nach Berlin, um die Kranken ins Krankenhaus zu weiterer Behandlung einzuliefern. Die Uebung ist ausgezeichnet gelungen. Güterzngeutgleisung auf dem Wedding. Gestern mittag kurz vor 12 Uhr entgleisten auf Bahnhof Wedding drei Wagen des durch- fahrenden Güterzuges 8907, vermutlich infolge eines Tragfeder- oder AchSbüchscnbruches, wodurch beide Ringbahngütcrgleise gesperrt wurden. Verletzt wurde niemand. Ter Gütcrzugbetrieb würbe unter Benutzung eines Nebengleises nach Bahnhof Wedding zwschen Gesund- bmnnen und Moabit eingleisig aufrechterhalten. Die Aufräumungs- und Wiederhcrstellungsarbeiten werden sechs bis acht Stunden in Anspruch genommen haben. Todcssturz. Während der Arbeit ist am vorgestrigen Nach- mittag der 59 Jahre alte Tachdeckermeister Paul Body tödlich vec- vnglückt. B. war auf einem Dache des Grundstückes des Buch- händlcrhofes in der Wilhelmstraße 47 mit AusbesserungSarbeiteu beschäftigt, war dabei ausgeglitren und in die Tiefe hinabgestürzt. Mit zerschmettertem Schädel blieb der Bedauernswerte auf dem Bürgersteig liegen. Ter Tod trat sofort ein. Die Leiche ist Polizei- lich beschlagnahmt worden. Eine LiebcstragLdie spielte sich Sonntag abend in der Roon- straße 13 ab. Hier diente bei dem Kaufmann Sandkuhl seit fünf Wochen die 27 Jahre alte Berta Markien, die aus der Landsberger- straße zuzog. Das Mädchen erhielt seit vierzehn Tagen oft den Besuch eines Mannes, von dem sie im Hause erzählte, er sei ihr Bräutigam, ein verwitweter Maler aus Steglitz. Seit einigen Tagen war sie ganz unglücklich. Sie hatte erfahren, daß ihr Ge- liebter noch verheiratet ist. Wahrscheinlich hat sie ihm nun Vor- würfe gemacht und sie beschlossen dann, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Sonntag nachmittag glaubte die Dienstherrschaft, daß sie ausgegangen sei. Abends um 9Va Uhr aber hörte die Barbier- frau Schulz, die neben ihrer Kammer im vierten Stock des Seiten- flügcls wohnt, in der Kammer ein schweres Röcheln und nahm wahr, daß Gas herausströmte. Der Pförtner erbrach die Kammer- tür und fand Berta Markien mit ihrem Geliebten, dessen Name nicht bekannt ist, in den Kleidern bewußtlos auf dem Bette liegen. Sie hatten den Hahn des Gasofens, der die Kammer heizt, ge- öffnet, ohne das Gas anzuzünden. Beide wurden mit Koppschen Krankenwagen nach der Charite gebracht. Der Mann hatte sich unterdessen wieder erholt und ging vom Krankenhause gleich weg, das Mädchen aber liegt dort noch besinnungslos danieder. Einen bösen Abschluß hat eine Ehetragödie gefunden, die uns aus dem Südosten der Stadt gemeldet wird. In betrukenem Zu- stände versuchte gestern nachmittag der 44 Jahre alte Schneider Albert Patzlow in der Britzerstr. 15 seine Frau, die von ihm getrennt lebt, zu erstechen. Mit gezücktem Messer stürzte sich P. auf die Ahnungslose und stach wie ein Rasender auf sie ein. Die un- glückliche Frau flüchtete vor dem Trunkenbold nach dem Zimmer imd brach dort mit einem Aufschrei zusammen. Sie hatte sieben Messerstiche, von denen vier den Kopf getroffen, erhalten. Der betrunkene Ehemann, der jetzt ernüchtert wurde, flüchtete die Treppe hinab und eilte nach seiner Wohnung in der Adalbertstr. 93, wo er sich einschloß. Inzwischen war die Polizei herbeigerufen worden, welche dafür sorgte, daß der schwerverletzten Ehefrau ärzt liche Hülfe zu teil wurde. Als mehrere Beamte zur Ver Haftung des Täters schreiten wollten, suchten sie vergeblich Einlaß. Sie ließen die Tür zu der P.schcn Wohnung schließlich gewaltsam öffnen und als der Schneider die Polizeibeamten ein- treten sah. sprang er plötzlich auf das Fensterbrett und stürzte sich aus der Höhe der zweiten Etage in die Tiefe hinab. Besinnungslos wurde der Flüchtling nach der nahen Unfallstation gebracht. Er hatte bei dem Sturze schwere Schenkel- und auch innere Verletzungen davongetragen. Beide Ehegatten fanden im Krankenhause am Urban Aufnahme. Eine Selbstmörderin ist gestern aus dem Schiffahrtskanal in der Nähe des Weichselplatzes gelandet worden. Die Leiche ist die einer unbekannten etwa 30 Jahre alten Frauensperson, die etwa 24 Stunden im Wasser gelegen haben kann. Die Tote scheint dem Arbeiterstande angehört zu haben. Nachdem die Leiche polizeilich photographiert worden, wurde sie in das Schauhaus eingeliefert. Smdns-Leitung. Kompctenzkouflikt. Der zwanzigjährige Mechaniker Schlicht war bei Tempelhof-Lichtenrade mit einem Desching bewaffnet spazieren gegangen. Als er von einem Nebenweg auf die Chaussee einvog, wurde er von dem Gutsvorsteher Heidenreich wegen dieser Tat fest- genommen und bald darauf dem Gendarm Schneider IV übergeben. Die Waffe wurde dem Sch. fortgenommen. Der Gendarm suchte, da Sch. keine Legitimationspapiere aufweisen konnte, durch telephonischen Anschluß an das Polizeirevier in Berlin, in dem Sch. wohnte, die Persönlichkeit des Sch. festzustellen. Er erhielt keinen Anschluß. Darauf transportierte er den Sch. zum nächsten Amt(in Schönfeld). Der Amtsvorstehcr selbst wurde nicht angetroffen— es war 9 Uhr abends geworden— der Amtsdiener und Gefängniswärter brachte den Sch. im Spritzenhause unter. Dort verblieb Sch. die Nacht hindurch. Am folgenden Morgen brachte der Amtsdiencr den jungen Sch. zu seinem Vater in Berlin. Dieser hatte inzwischen vergebliche An- strengungen gemacht, den Sohn aufzufinden. Die zu diesem Zweck verwendeten Auslagen(entgangener Arbeitsverdienst. Droschkenfahr- geld usw.) klagte er in einem Zivilprozeß gegen den Gendarmen Schneider IV ein. Der junge Sch. ist später mit einem Straf- m andat über 6 M. bedacht worden. In dem Zivilprozeß gegen den Gendarm erhob der Regierungspräsident zu Potsdam den Kompetenzkonflikt. Zur Begründung führte der Regierungs- Präsident an, der Gendarm habe lediglich im Rahmen seiner Be- fugnisse sich gehalten, der Schadenersatzprozetz sei deshalb unzulässig. Der klagende Vater vertrat eine entgegengesetzte Ansicht. Zumal es sich nur um eine geringfügige Uebertretung gehandelt und der Sohn nicht unerhebliche Barmittel bei sich hatte, so hätte der Gendarm, als das Telephon versagte, telegraphieren können und sollen. Das Oberverwaltungsgericht erachtete den Kompetenzkonflikt des Regierungspräsidenten für begründet und ent- schied demgemäß, daß das Zivilprozeßverfahren gegen den Gendarm endgültig einzustellen sei. Es erklärte, daß dem Gendarm weder eine Ueberschreitung seiner Amtsbefugnisse, noch eine Unterlassung einer Amtshandlung zur Last falle.— Es mag im vorliegenden Falle den jungen Sck. die Hauptschuld an der Verzögerung seiner Freilassung treffen, weil er ohne Legitimationspapiere sich auf fremdes Gebiet mit einem Schießprügel begeben und nicht auf telegraphische Benachrichtigung der Eltern oder der Berliner Polizei gedrungen hatte. Nimmt man das an, so hätte der Schadenersatzprozeß gegen den Gendarm abgewiesen werden müssen. Das Typische an dem vorstehend wiedergegebenen Fall ist, daß die Frage, o b ein Beamter zum Schadenersatz verpflichtet ist, durch die bestehende Gesetzgebung dem ordentlichen Richter entzogen und der Entscheidung eines VerwaltungSgerichtshofes übertragen ist. Das ist eine Anomalie in einem„Rechtsstaat". Der Fall ze'gt ferner, wie unzureichend die bestehenden Garantien zum Schutze der persönlichen Freiheit sind. Die Unvorsichtigkeit, ohne LegitimationS- papiere in Preußen seine Wohnung zu verlassen, ist doch außer- ordentlich hart mit einer Nacht Spritzenhaus bestraft. Dasselbe Schicksal, das den jungen Sch. betroffen hat, könnte nach der Ansicht des Oberverwaltungsgerichts jedem harmlosen Spaziergänger be- gegnen, der irgend eine Polizciverordnung übertritt. Das beweist aber, wie gering die Gesetzgebung die persönliche Freiheit in Preußen einschätzt._ Vttmifcktes. 75 Personen ertrunken. Ein englischer Passagierdampfcr ist am Sonntagmorgen an der nordfraiizösischen Küste untergegangen und zwar mit der gesamten Besatzung, lieber das Unglück liegen bis jetzt folgende Mel- düngen vor: London, 19. November. Die London and South Western- Eisenbahngesellschaft erhielt aus St. Servan in der Bretagne die Nachricht, daß ihr Dampfer„Hilda" auf der Fahrt von Southampton heute morgen bei Sturm und Schnee bei St. Malo untergegangen ist. 75 Personen von der Besatzung und den Passagieren sind ertrunken. Fünf Passagiere und ein Mann der Besatzung wurden gerettet. Man nimmt an, daß das Schiff auf einen Felsen gestoßen ist. Die„Hilda", ein eiserner Schraubendampfer, war 848 Tonnen brutto groß: ihr Heimathafen ist Southampton. Weiter wird gemeldet, daß 86 Personen den Tod in den Wellen fanden. Kurz nachdem das Schiff auf die Felsen aufgelaufen war, brach es in drei Teile auseinander. Dies alles ging so rasch vor sich— innerhalb zehn Minuten waren alle drei Teile gesunken— dazu kam, die Passagiere befanden sich in den Betten, daß die RettungS- versuche IvirkungsloS blieben. Von anderer Seite wird über die Ursachen der Katastrophe berichtet: Das Unglück ereignete sich um 10 Uhr abend?. Das Schiff sank binnen zehn Minuten. Der Kapitän hatte sich bei dem nebligen Wetter durch das Licht des Leuchtturmes irre führen lassen. Nach einem später eingetroffenen Telegramm konnte ein Boot des Dampfers„Ada" 12 Passagiere und einen Matrosen retten, die sich in den Masten des gesunkenen Schiffes festgehalten hatten. An Bord befanden sich 70 Passagiere, während die Besatzung 20 Mann zählte. Die Katastrophe ereignete sich, während die meisten Passagiere schliefen.. Dadurch erklärt es sich auch, daß nur zwei Rettungsboote herabgelassen worden sind. Ein Boot mit 12 Geretteten ist in St. Male eingetroffen. Das zweite Boot wurde bei Cast leer an den Strand geworfen. Da dort auch 13 Leichen angeschwemmt wurden, glaubt man. daß das Boot kenterte und die Insassen von der„Hilda" ertrunken sind. Mehrere Dampfer sind an den Ort der Katastrophe abgegangen, um die Leichen aufzunehmen. Von der„Hilda" sieht man nur noch die Masten und einen Teil des Rumpfes. Die genaue Zahl der Ueberlebenden konnte noch nicht festgestellt werden. Unter den verunglückten Passagieren des englischen Dampfers „Hilda" befinden sich 54 Zwiebelhändler aus Roscoff in der Bretagne sowie mehrere englische Familien, die sich zum Winteraufenthalt nach Dinan begeben wollten._ 39 Personen verbrannt. In Glasgow sind bei einem Brande eines von Arbeitern bewohnten Logierhauscs 39 Personen ums�Lcben gekommen. Bei dem Brande spielten sich unbeschreibliche Szenen ab. Die oberen Stockwerke standen in wenigen Sekunden in Flammen, und das furchtbare Angstgeschrei der von Feuer und Rauch überraschten Logiergäste ertönte aus dem Haus. Die Feuerwehr und die Polizei waren in wenigen Minuten zur Stelle, konnten aber gegen die in entsetzlicher Panik aus dem Gebäude stürzenden, meist unbekleideten Gäste nicht ankämpfen. Man glaubt, daß die 39 aufgefundenen, fast vollständig verbrannten Personen zumeist in ihren Schlafstellen vom Rauch erstickt wurden, che sie einen Rettungsversuch machen konnten. Eine Anzahl Gäste stürzte auf das Dach des brennenden Gebäudes, da ihnen der Ausgang abgeschnitten war und gelangte von dort mit Mühe auf die Dächer der Nebenhäuser und auf Leitern zum Erdboden. Als die Feuerwehr eindringen konnte, gelang es ihr noch, 32 verletzte oder vom Rauch betäubte Insassen lebend zu retten. Die entkommenen 280 Insassen wurden in der Polizei- station so schnell wie möglich mit Kleidern vom Armenhaus ver- sehen und dann in geschlossenem Wagen nach dieser Anstalt trans- portiert. Das Feuer wurde sehr bald gelöscht. Die Zahl der Toten wäre noch viel größer gewesen, wenn nicht ein mutiger Dachdecker Finlay eine große Anzahl gerettet hätte. Er bewohnte ein Dachzimmcr und erwachte dadurch, daß die Leute um Hülfe schrien. Finlay rannte im Bodenraum herum, die Schlafenden weckend, und versuchte dann vergeblich, die nur fingerbreit sich hebenden Dackluken zu öffnen, was erst gelang, als einer der Wärter sein Holzbein abschnallte, mit dem er die Oeffnung er- zwang; durch die Luken konnten sich die noch nicht Erstickten retten. Dreimal kehrte Finlay zurück, um unglückliche Krüppel zur Rettungsstelle zu tragen. Das Unglück wäre noch entsetzlicher ge, worden, wenn das Feuer auf das Nebenhaus, wo 600 Arbeiter schliefen, übergesprungen wäre. Protest- Versammlung der Zivilmusiker. Die von den Zivil- Musikern zur Abwehr der Beschlüsse des Militärmusikinteressenten-KongresseZ geplante öffentliche Protest-Versammlung wird nunmehr am Donnerstag, den 23. November er., abends Vi 9 Uhr, im großen Saale des Vereins Berliner Musiker, Berlin C., Kaiser Wilhclmstr. 18 m, abgehalten werden. Das Referat haben die Herren Ernst Vogel. Präsident des Allgemeinen Deutschen Musiker-Verbandcs, und A. F. Kähne, 1. Vorfitzender deS Vereins Berliner Musiker, übernommen. Vertreter der Behörden und auch solche der Gastwirte-Vereinigungen sind zu dieser Versammlung eingeladen worden. Besonders zahlreich werden dort die auswärtigen Musikervereine vertreten sein. Im übrigen steht der Zutritt zu dieser Versammlung jeder« mann frei. Am Mittwoch(Bußtag), nachmittags 4 Uhr. veranstaltet die Freie Turuerschaft Rirdorf-Vriti im Karlsgarten(Inhaber HeikauS) Karls- gartenstraße, ein Zusammcnturncn der Männer- und Fraucn-Abtcilungen. Nachdem spricht um 7 Uhr Herr Max Schütte-Berlin über„Urgeschichte des Menschen". Hieraus solgt geselliges Beisammensein. Gäste will» kommen. Tie Vorstände der Zlgitatiousvereine Arnswalde-Friedcberg, Stralsund Rüge», Kalau-Luckau. Schwicbus-Sonimerfcld, Brom- berg-2tadt und-Land und Landsberg-Loldi» werden ersucht, zwecks gegenjeitiger Aussprache der ländlichen Agitation ihre Adresse bis Freitag, den 24. d. M., an Genossen Eitner, Romintenerstr. 4, v. IV, einzusenden. Spar- ii. ProMliv-GenossensiMl Cr.-Licliterfelde (eingetragene Genosfcuschast mit beschränkter Hastung). Montag, 4. Tezember,� abends 8 Uhr, im Saale des Herrn lieiesn, Chausscestr. 104: 24gV Ordentl. General-Versammlung. Tage S-Ordnung: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes: Bericht des AussichtsratcS. 2. Ge> nchmigung der Bilanz und Entlastung des Vorstandes. 3. Reu- und Er- gänzungswahlen zum Vorstand und Aiffsichtsrat. 4. Anträge(§ 14 des Statuts). Zutritt nur gegen LegitimationSkarte. Der Vorstand. VI. Friese. K. Wenzel. Heltcstes kons. Leihklus Ciiarlottcnbare, Wilmerstiorferslr. 40 1. (lohe Beleihung. Oiskr. Sprechzimmer Leih-fiaus Cliarlottcnburg, Friedrich- Karl- Play 12, Berlin, Zliiklamer-Strnste 2. 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In nachstehenden Lokalen wurden neue Zahlstellen errichtet, avs die wir hiermit besonders ausmcrksam machen: gm Nestaurant«alle, Tilfiterstr. IL. « Kerst«», Elbiugerstr. KS. .?«»eliNe, Mreifswalderstr. 37. „„ I.arsnn, Schreinerstr. 4. „, lltthr, Stralauer Allee 1. „ Tieke, Lichtenberg, eberzbergstr. 23. Hchuln,. Prinzen-Allee 6, Blum,» Arankf. Chattssee 11». VI««rt»vpl'ii«ltun>:. III/S SEUtZeke MMsrdeiler-�WerliZelisst VerHv»lt«»>g:»ntvl|p Borlli». Sureau unci Hi-beitsnachwtls RosentbaUrstraOe 57 (2. Lingang: Gormannstraße 28), Eeöfsnet von 8'/,— 2 und 4—8 Uhr. Telephon: IN. Nr. ISSö Unsere Mitglieder ersuchen wir. sich pünktlich und vollzählig an den am Sonntag, den 21. Janaar, stattsindenden Otfftiilliihtn Kruteji' Ncrsmlllliliillgtll zu beteiligen. Ferner weisen wir daraus hin, dab bei männlichen Miigliedern für da» Jahr IS0« nur gelbe Beittngsmaricn verwendet werden dürsen. Weiter aeben wir vetannl, dab am Sonntag, de» 18. Jedruar,«ach- «tttags S Uhr, im.«»glischcn«arten«, Alexanderstr. 27 o, eine Monsts-Vorssmmlung und am 8. April, vormittags 10 Uhr. eine MP Urania sVorstelhinjg"WZ Daubenitr. 48/19, stattfindet. Ple Ortaverwaltnng, Deutscher Holzarbeiter- Verband. Stoch- u. Zelluloidarbciter! Sonnabend, den 20. Januar d. IS., abends 8 Uhr. bei vareinz, Briickenstraße 7: vettrauensmänner-verlammlullg. TageS-Ordnung: 7S/I I. Bericht der Kommisfion. S. Bericht der BertrauenSleut«. 9. Dt». tuffion._____ Der Obmann. Verband des technischen Bühnen-Personals ■■■■ Sita Berlin, t-■....... Sonnabend, de» 20. Januar, abends 11 Uhr, im Kcwerkschaftshanf«, Engel-User IS: General»M er sammiung, Tage». Ordnung: 1. VorstandSberlcht. 2. Verbandsangelegenhellen. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiches und pünktliche» Erscheinen et. wünscht. tS0/t_ Per Vorntand. Verband der Maschinisten und Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands. Tonntag» de« 21. Januar, nachm. 4 Uhr, dei Boigt, Rttterstr. 7S: U9' StatatenniUßigc"M> Ssneral-Verkammlung. Tage». Ordnung: i StechenschastSbericht de« Vorstandes 2. Vierteljährlicher und Jahre«. Kafienbcriqt. 3. Bericht de» ArbestSoerinittlcr». 4. Bericht der Reviioren. S Bericht der Delegierten von der GewerkschaftSkonimisfion. 6. Anträge. ■m- Die Zahlstelle 4 ist nicht ausgehoben, wie irrtümlich tn der letzten Nummer der Zeiiichiist steht, sondern besindel sich nach wie vor tm Lokale von Kühl(küher Wunderlich), Eomcniusplatz 5, Ecke Memelerstratze. Zahltag jedm 1, und 15., abends von 8—10 Uhr."WM'.. 138/4_ Ple Ortnverwaltnng, General-Vers ammlung der Aeshellasse ehemaliger Pflugscher Arbeiter (Hctzelkche Kanse) am Sonntag, de« 2«. Januar 100«. normittaa» 10 Uhr, in vlllltS Saal(früher Nümaun. Brunnenftr. 188. Tage». Ordnung: I. Vorlesung de» Protokoll» der Generalversammlung vom 23. Jull>905. 2 Kassenbericht deS Rendanlen pro 1905 und Bericht der Revisoren. 9. Veischiedene Kaslenangelegenheiten. 4. Wahl de« zweiten»orsitzenden und ersten Schriftlührers. S. Wahl von drei Revisoren. 2SS/17 Altglledikacli legitimiert. Ter Borstanb. I. A.: Oiio Winkker. I ! Arbeiter, Parteigenossen! Die Vertreter der Schöneberger Verbandssiiialen haben es abgelehnt, einen Kandidaten der lokal- organisiericii Gewerlschasten aus die Liste der zu wählenden Beisitzer zum Gewerbegericht zu setzen. Während in anderen Orten, wo hie Filialen derselben Verbände die Minorität bilden, prozentual« Ver- teilung der Kaudidature» geiordert wird, handelt man hier nach dem Grundsatz der besitzenden Klasse: Wer die Macht hat. hat das Siecht. Der so vergewaliigte Teil der Schöneberger Arbeilerschast hat daher eigene Kandidaten ausstellen müssen und ersuchen wir alle rechtlich denkenden Wähler, am fjtfSP Sonnabend, den 20* Jannar,*W| ihre Stimme deir ßandidaten der vergemaltigteu Gemerksliiasteu zu gebe«. Stimmzettel werden am Eingang der Wabllokale ausgegeben. _ Die Kommiision der Schöneberger Gewerkschaften. Allen werten Freunden, Belnnnien und Parteigenossen emi'sehle mein Weiß- und Bayrischbier-Lokal. Zu ieder Zeit Wörme nnd kalte Speisen. Gut gepsleate Biere. 2 Vereinsziinmer mit Piunino, 40 und«0 Personen fassend, sind noch einige Tage srei. SK86L� Kermann Stilmer. Gastwirt, Siemensstraste 3. Kür Vereine! ..._______________... jfßf frei geworden und erster Oslerseler- tag ist zu vergeben. S789L' 8a!nn, �elc e i l. 8 S. Alle Streilkollegen von.1. Jt II. Gemblcki vom 24. Januar 1905 werden zu einem||kMiittid)tll Zusammensein am 24. Januar 1908. abends 8 Uhr, bei Dlggel eingeladen. Der Einberufer. Ermäßigung auf Bestbestände sämllicher Abteilungen Nur noch bis Sonntag, den 21. Januar. leipzigerstr. 50a* Oranienstr, 48 fertig und nach Maß! 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Kenntnisnahme, daß ich das herrlich an der Oberspree gelegene, mit Veranden nnd Hallen versehene zirka 15 000 Personen fassende Etablissement Ilae-Mclwepder käuflich erworben habe.— Bequem vom Bahnhof Nladar-Schöneweide— Johannisthal in b Minuten zu erreichen. Dampferanlegaatalla dor Stern-Qeaellsohaft. 668SL*, Ausspannung für 200 Pferde. Im grofien Saale jeden Sonntag: Ball. 6 Kegelbahnen. A A A A Volkabelustigongen aller Art. A A A A In meinen Fests&lca Rüdorsdorferstr. 45 aetie ich mein Geschäft bis tum I. Oktober 1306 unrerSadert fort. Hochachtungsvoll Albert Scheruch, Rüdersdorferstr. 45. Unserem lieben Freunde, dem b«- währten Bezirlssührer Wilhelm Kenz und seiner jungen Frau die herzlich. sten Glückwünsche zum Hochzeitsseste. Die Genossen der 2. Abteilung 245/2 im 5. Kreise. SozialtakratisciierWablverein für den 6. Todes- Anzeige. Am 18. d. M. verstarb unser Mitglied, der Schlosser Otto Haßner Sckwedterstr. 51. Ghre seinem Andenke» I Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. d. M., nach, mittags ll.ß Uhr, vom Trnuerhause au« nach dem Zions- Kirchhof in Nordend-Nieder-Schönhausen statt. Um zahlreiche Beteiligung ersuchl 246/11 Per Vorstand. BeeFdigungsverein Berliner Zimmerieute. Am 16. b. M. starb nach kurzem Krankenlager im Alier von 56 Jahren unser Mitglied, der Zimmerer Max Peisker. Ehre seinem Andenken l �Die Beerdigung findet«n Sonnabend, den 20. d. M., nach. mittag» Vi, Uhr, von der Leichen- Halle de» EmmauS-Kirchhose» in der Hermannstrafie aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 2016B Der Borstand. Deutschlands. Todes- Anzeige. Am Donnerstag verstarb Plötz- lich da« langjährige Mitglied des Krast» und Artistenllub».Birke" Wilhelm Sdimdler. Ehre seinem Andenken; Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. Januar, nach. mittag» 3 Uhr, von der Leichen. halle der St. Golgatha-Gemeinde sBarsussirafie) aus statt. 286/7 Nach kurzem Krankenlager ent- 1 Ichlies unser sorgsamer, guter Vater und Schwiegervater, der > Schankwirt Hermaim Zinnecke, Litthauerstrafie 8, im 70. Leben». jähre. Die Deerbigimg findet am Sonn» tag, d. 21. d. M., nachm. 3'/, Uhr, j g von der Leichenhalle der St. Pein« Gemeinde, Friedenstrafie, an» statt. Die Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Manne», unseres guten Vaters, Groß» und Schwiegervater» sprechen wir allen Verwandte» und Bekannten sowie dem Vorstande des Holz. arbeiter-Verbandes, den Partetileger» Berlin», den Kollegen der Firma Vogel u. Co. und dem Gesangverein .Kreuzberger Harmonie" unseren innigsten Dank aus. l993b �Auguste Günther nebst Kinder». Krnnktu- und Zterdekasse aller geVerblichen Arbeiter für Schönederg n. 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Für Rahmenvergolder bleibt die Firma Dcthkc, Berlin, Koch. strafte 08, gesperrt. 225/3» Der Vorstand des Verbandes der Bergolder. » Verantwortlicher Sledakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.