N». s?4. flbonnemf nf s-Bfdingungen: öiomifmentä< Preis drinumerando! Lierteljiihrl. 3M MI» monall. 1.10 M!>, wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Sinzeine Kummer K Pfg. EonntagS. iiummer mit illustrierter EonntagS- Beilage.Die Reue Weit' Ill Psg. Polt- Abonnement: l,I0 Marl pro Monat. Eingetragen w die Post- ZcitungS» PreiSiiste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da« übrige«uSIand » Marl pro Monat. SÄ. Jtthrg. Vit ItilertloiK-etDQHt betrügt für die sechsgespaltene kolonel- zeile oder deren Slanm 40 Psg., für politische und gewcrllchastliche Vereins- und Vcrlnmmlungs-Anzcigtn 2L Pig. „kleine Anreisen", das erste ssett- gedruckte) Wort>0 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg> Wort« über lö Buchslaben zühien sür zwei Worte. Inserate sür die nüchste Numnter niüssen bi« b Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi« 7 Uhr abends, an Sonn- und Fesilagen bis 8 Uhr vormittag« geöffnet. CridKlU täglich lullt» montags. Verltnev Volksblatk. Zentralorgan der rozialdcniohratifcben parte» Deutfcb lande. relcgramm-Sldreff«: „Soilaldtinokrat Berlin". Redahtton: 803. 68, Llndcnstraest 69. JfcnifPrcrttfr: Slmt IV. iltr I'.l.Hf Mittwoch, den 22. November HMA. expedltlon: 801. 68, Lindenetraesc 69. Jvpriiftirrrticr-«linl IV. UJr. IflHI. Bußtags- Betrachtungen. > I Am Mittwoch vor dem letzten Trinitatis-Sonntag, wenn! des Winters Beginn sich durch rauhe Oststürme und wirbelnde! Schneeflocken ankündet, zwing: kirchliches Gebot den größten � Teil Mittel- und Norddeutschlands einen Bußtag auf. Die Oede des nebligen Novembertages paßt zu der reuigen Ein- lehr, der demütigen Selbstanklage uild geistigen Selbst- iasteiung, die.veraltete kirchliche Satzungen an diesem Tage fordern, und als vor 12 Jahren der Bußtag aus Wirtschaft- lichen Gründen vom Mittwoch vor Jubilate auf den Mittwoch vor dem letzten Trinitatis-Sonntag verlegt wurde, wußte denn auch die niemals verlegene kirchliche Kasuistik für die Ver- anderung geltend zu inachen, daß die rauhe Witterung des neuen Bußtages weit besser zu dem demutsvollen Nachdenken über die Vergänglichkeit alles Irdischen passe, als ein lachender Lenzestag. Doch ob Noveniber-, ob Maitag, die kirchlichen Satzungen haben ihren Einfluß auf die Gedankenrichtung der heutigen Menschheit verloren. Selbst für die Schar der Kirchenbesucher ist mit dem gedankenlosen Anhören der salbungsvollen Bußpredigt, zu dem sie sich aus konventionellen Gründen verpflichtet fühlt, die reuige Selbsteinkehr erledigt; die große Masse des Volkes aber betrachtet den Bußtag einfach als einen ihr aufgezwungenen Ruhetag. Jenen, deren Erwerb nicht beeinträchtigt wird, gilt er als eine angenehme Unter- brechung der Wochenarbeit: der Arbeiterschaft jedoch, die im Stunden- und Tagelohn sich schindet, und deren Arbeitstag ohnehin um diese Zeit oft durch die Witterung verkürzt wird, als eine Schmälerung ihres kargen Wochenverdienstes. Als Ueberbleibsel einer längst entschwundenen Kultur- Periode ragt der Bußtag in die heutige kapitalistische Welt hinein, als ein Rudiment aus der Zeit der mittelalterlichen fröhlichen Kirchm- und Volksfeste, dem die kapitalistische Ent- wickeluirg anderen Sinn und Inhalt gegeben hat. Tatsächlich ist die Geschichte der Bußtage zugleich ein Stück deutscher Kulturgeschichte. Die ältere christliche Kirche kannte derartige Bußtage nicht, wie sie heute kirchliches Gebot der Bevölkerung auf- zwingt. Die österliche Bet- und Fastenzeit wie die später ein- geführten Adventsfasten waren nichts als Zeiten erhöhter kirchlicher Zucht, als Zeiten der Vorbereitung auf die Öfter- und Weihnachtsfeste. Allerdings geben diesen feststehenden „Bettagen" ordneten die kirchlichen Gewalten schon frühzeitig in Notfällen besondere Bet- oder Bittage, sogenannte„Suppli- tationstage", an, um durch Bittgänge und Bittprozessionen ihren nach menschlichem Vorbild geformten Gott zu bewegen, seinen„unerschütterlichen Ratschluß" den Wünschen der Bitt- gänger anzupassen und diese von den ihnen geschickten Heim- fuchungen zu befreien, oder ihnen wirtschaftliche Vorteile zu gewähren. Der überquellende Frohsinn und die naive Genuß- freudigkeit des früheren Mittelalters wußten jedoch selbst jenen kirchlichen Gedenk- und Mahntagen, die anfangs asketische Züge trugen, eine heitere Seite abzugewinnen, sie zu fröh- lichen Kirchen- und Volksfesten auszugestalten. Wie die heitere Lebenslust zur Entschädigung für die„fleischlose Zeit" die 40tägige österliche Fastenzeit durch tagelangen Mummen- schanz einleitete, wie sie die hohen Festtage, besonders die Oster- und Weihnachtsfeste durch bunte Aufzüge und nichts weniger als züchtige Festspiele abschloß, so gestalteten sie auch bald die Bittgänge und Bittfahrten zu frohen Volksfesten, die nicht selten in einem ausgelassenen Jahrmarktstrubel endeten. Mit der Zurückdrängung der Naturalwirtschaft durch die Geldwirtschaft, dem Verfall der Markgenossetischaften, der ivachsenden Uebermacht der Grundherren, der Herausbildung eines reichen Handelspatriziats und zugleich eines verelendeten Proletariats in den Städten änderte sich jedoch diese in dem Charakter der alten Kirchen- und Volksfeste zum Ausdruck kommende heitere Lebensauffassung. Die Askese des Nr- christentums gelangte wieder zur Geltung, und als um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts die Pest in Deutschland ihren Einzug hielt und, begünstigt durch den Schmutz der mittelalterlichen Städte mit ihren engen, unreinlichen Gassen, Millionen hinwegraffte, da ergriff ein wahnsinniger Büß- und Selbsckasteiungstaumel die Bevölkerung. Die von der Todes- angst gequälten und verwirrten Hirne verfielen,„um Gott zu versöhnen", auf die widerlichste Selbstquälerei und Selbst- tasteiung. Von Ort zu Ort zogen die Büßer- und Geißler- Haufen und zerfleischten sich zur„Ehre Gottes". Die fröh- lichen Bittgänge der vergangenen Jahrhunderte gestalteten sich zu den widerlichsten Selbstfolterungen. Mit dem Siege der Reformation in den mittel- und nord- deutschen Landen erlangten dort auch die Bet- und Bußtage eine andere Bedeutung. Die lutherische Reformation stieß in den meisten deutschen Gegenden bei den ärmeren Volksschichten auf wenig Verständnis. Die Begünstiger der Reformation waren zumei st die kleineren Landesfür st en; denn die lutherische Bewegung diente ihrem Machtinteresse: sie stärkte ihre Souveränität, lieferte ihnen das Kirchen- regiment, wie die reichen Güter der alten Kirchen und Klöster aus und schwächte die Obergewalt des Kaisers. Und neben diesen nicht durch die Gewalt der Lehre, sondern dlsrch dynastische Interessen sür die Reformation gewonnenen Fürsten finden wir als Anhänger des„neuen Glaubens" vornehmlich den landsässigen Adel und das reiche Bürgertum der Städte, denen die übermütige Herrschaft des Klerus und dessen Geld- ansvrüche längst eine unerträgliche Last dünkte. Nicht minder wie die Zunftfeste und blauen Montage waren aber der neu entstandenen städtischen Bourgeoisie die vielen Marien-, Heiligen-, Kirchweih- und sonstigen religiösen Feste verhaßt, denn an diesen Tagen wurde nicht gearbeitet; sie gingen dem wohlgesitteten Bürgertum bei der Ausbeutung seiner gekauften Arbeitskräfte verloren: ein Verlust, den es um so schmerzlicher empfand, als damals noch die Gesellen, Arbeiter, Knechte im Hause ihres„Brotherrn" wohnten und im Wochenlohn, nicht selten sogar im Monatslohn und Quartallohn standen, die Festtage dem„Brotherrn" also das- selbe kosteten, wie die Arbeitstage— oft noch etwas mehr. Deshalb tritt mit der Einführung der neuen Lehre überall. besonders aber in den industriellen Städten, die Tendenz hervor, die vielen Kirchen- und Volksfeste abzuschaffen. Dafür warf man den Massen einige langweilige Büß- und Bet- tage hin. In Preußen erfolgte bekanntlich die sogenannte„märkische Reformation" und die Aenderung der Kirchenfeste unter der glorreichen Herrschaft Joachims II., dem würdigen Sohn seines Vaters. Für ihn bestand die Reformation vor- nehmlich in der Plünderung der Kirchen- schätze: sonst suchte er, um sich die Gunst und den Geld- beutet des katholischen Kaisers und des polnischen Königs Sigismund zu erhalten, zunächst möglichst wenig am katho- lischen Kirchenwesen zu ändern. Auch die katholischen Fest- und Feiertage ließ er zuimchst bestehen; erst als zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts einige industrielle rheinische Landstriche an den Hohenzollernstaat fielen und das Erzstift Magdeburg eine preußische Sekundogenitnr wurde, ging Joachimchen als evangelischer..Gottesstreiter" an eine gründ- liche Aufhebung der katholischen Marien- und Hciligenfestc. Zum Ersatz wurden in Anlehnung an die katholischen Quatembertage vier Bußtage eingeführt. Die Nachfolger Joachims II. fuhren zum Nutz und Frommen ihrer getreuen Untertanen»nt der Ausrottung der katholischen Feiertage fleißig fort, so daß Friedrich II., von der offiziellen Geschichtsschreibung„der Große" genannt, durch Edikt vom Jahre 1734 verfügte, es sollten fürderhin in den beiden evangelischen Kirchen seiner Lande außer den Sonntagen nur noch 13 andere Festtage, darunter vier Bußtage, gefeiert werden. Begründet wurde diese Einschränkung nicht mehr wie früher: mit dem Abscheu der protestantischen Bevölkerung vor dem katholischen Heiligenkultus, sondern mit der Notwendigkeit, den Armen mehr Gelegenheit zum Arbeiten zu geben. Doch Friedrichs laudesväterliche Fürsorge für das Wohl der Armen beruhigte sich bei dieser Einschränkung nicht. Die vier Bußtage wurden zunächst auf zwei reduziert und darauf 1773 auch der dritte Weihnachts-, Oster- und Pfingsttag sowie der Himmelfahrts-, der Gründonnerstag und ein weiterer Bußtag von der Liste der Feiertage gestrichen. Nur ein Bußtag blieb übrig, der aus den Mittwoch vor Jubilate festgelegt wurde. Es reichte demnach nach Ansicht des großen Friedrichs und seiner Kirchenautoritäten jetzt ein einziger Tag im Jahre zu genügender Zerknirschung und Sühne hin— woraus folgerichtig geschlossen werden darf, daß die von der„Kreuz-Zeitung" und anderen ehrsamen Organen gleickwr Richtung aufgestellte Behauptung, die Volksmoral habe sich seit den schönen Tagen des Raubrittertums verschlechtert, auf einem junkerlichen Erb-Denkfehler beruht. An dem Mittwoch vor Jubilate ist lange gebüßt und gc- sühnt worden, obgleich Preußens Thron- und Altarstützen bald fanden, daß sich der schöne Maientag weit besser zur Vornahme landwirtschaftlicher Arbeiten, als zum Büßen eigne und die reuige Selbsteinkehr deshalb besser auf eine gelegenere Zeit, bis zum Winterbegiim. verschoben werde, da dann die Arbeit der„Insten" entbehrlicher sei. Erst im Jahre 1893 haben jedoch die Junker, nachdem inzwischen von verschiedenen deutschen Landessynoden die Einführung eines gemeinsamen evangelischen Bußtages beantragt worden war, ihren Wunsch durchgesetzt. Wie üblich, wird es auch heute wieder in den Büß- predigten an Ermahnungen zur reuigen Selbsteinkehr und zur Abwendung vom sündigen Treiben der Welt nicht fehlen. Die Kirchenbesucher der durch Bildung und Besitz maßgebenden Kreise werden sich in eifriger religiöser Pflichterfüllung die Mahnungen anhören, dann gut zu Mittag speisen und nachher vielleicht in Fortsetzung ihrer vormittäglichen Zerknirschung darüber nachdenken, wie sie ihre Profite und die Reichs- einnahmen durch weitere Belastung der notwendigen Lebens- mittel erhöhen— auf Kosten ihrer Brüder in Christo aus den „niederen Ständen"._ Die Revolution in Rußland. Die Schwenkung der Liberalen. Es ist eingetroffen, was jeder urteilsfähige Beobachter der Parteiverhältnisse in Rußland voraussehen mußte und worauf wir mehrmals an dieser Stelle hingewiesen haben: die russischen„Liberalen" schwenken bereits offen zur Konterrevolution uml Die Bieder- männer waren ja schon nach dem Erscheinen der Bulyginschen Mißgeburt, des ersten„Duma"-Projektes, entschlossen, auf die Pläne des Absolutismus einzugehen und durch die Beteiligung an den Wahlen auf Grund eines Wahlgesetzes, das eine blutige kosakische Parodie des preußischen und des öfter- reichischen Wahlunrechtes zugleich war, die Perlode der offenen revolutionären Massenkämpfe äußerlich zum Abschluß zu bringen. Die einmütige grandiose Erhebung des städtischen Proletariats, der beispiel- lose Generalstreik, zu dem die Eisenbahner das Signal gaben, hatte sowohl auf die Gaunerbande des Zarismus wie auf die liberalen Kreise eine zeitlang erschütternd gewirkt. Der Alleinherrscher aller Polizeispitzel und Zuhälter rückte mit einem neuen Verfassungsmanifest heraus, die Herren Liberalen aber schwiegen erschrocken und machten Mtene, fest wie ein Felsen bei der Forderung mindestens des allgemeinen gleichen Wahlrechts zu stehen. Nun ist der Generalstreik beendet— aus dem einfachen Grunde, weil ein einzelner Generalstreik nicht unendlich dauern kann. Er hatte sein Werk getan, die ,.Duma"-Herrlichkeit zertrümmert, jetzt sammelt das klaffen- bewußte Proletariat Kräfte und ordnet die Reihen, um bald zu einem neuen, noch entschiedeneren Schlage auszuholen. Indes genügte bloß, daß die Arbeiter fiir einen Augenblick das Gewehr ablegen, damit das absolutisttsche„schwarze Hundert" sowohl wie die Liberalen sich wieder erholten und nur noch entschlossener zur Konterrevolution schwenkten. Sobald der erste Schreck vor der Machtentfaltung des Proletariats vorbei ist, kommen die A n g st und der Haß der Besitzenden und Privilegierten gegen die revolutionäre Selbstherrlichkeit zu ihrem Rechte. Und dabei tritt gerade zur Ablösung der bis jetzt großartigsten Kundgebung des Jndustrieproletariats das furchtbare Gespenst der Bauerner Hebung auf die Bühne I Das Ergebnis der raschen Wandlung ist der gegenwärtige Semstwo- kongreß in Moskau. Einer nach dem anderen, aus dem Süden und dem Norden, aus Osten und Westen kommen die Herren Semstwovertrcter mit eiligen zitternden Vertrauensvoten für die Ucberreste des Absolutismus, für die Regierung der Brandstifter, Diebe, der gedungenen Mord- buben und der Louis. Unter ihren Fittichen suchen die be- drohten, angstschlotternden Grundbesitzer Schutz gegen die Revolution, in der, nach dem alten Rezept des Kommunistischen Manifestes, die Eigentumsfrage immer mehr in den Vordergrund gedrängt wird. Als Mittel des Ueberganges zur Herrschaft der Konterrevolution unter einem„verfassungs- mäßigen" Mäntelchen erscheint den Herren Liberalen, genau wie der Regierungsbande, die Abwälzung der Verfasslmgsfrage mitsamt dem Wahlrecht auf die in ungleichen Kurienwahlen unter Ausschluß der revolutionären Proletariermasse und der demokratischen Intelligenz erwählten „Duma". Die Zusagen des letzten Manifestes sollen wieder einmal eine zarische Lüge bleiben, die„Duma" soll kraft eines Schwindelwahlrechts zustande kommen, und in ihr soll dann auf Grund des„Volkswillens" das Volk über's Ohr gehauen werden. Diese ganze schöne Rechnung wird freilich durch die ent- schlossene Haltung des Proletariats und auch durch die nun einmal ins Rollen gebrachte Bauernbewegung zunichte gemacht werden. Allein der Semstwokongrcß ist ein wichtiges Symptom für die Schärfe der Klassen- und Parteikämpfe, die bald den Vorderplan der russischen Revolution einnehmen werden. Das Kampflager verschiebt sich immer mehr: zur Fahne des Jndustrieproletariats schlagen Militär und Bauern- tum, von ihm rückt immer offener auf die Seite der„Ord- nung" alle bürgerlichen Elemente der Opposition. Die Sache der Revolutton wie des Proletariats kann dadurch nur ge- Winnen. Die Geschichte will uns reinen Wein einschänken.-- um so besser! Des SemstwokongreffeS zweiter Tag. MoSkau, 20. November. Der Gemstwokongreß setzte heute die Beratung über die Beziehungen zur Regierung und zum Grafen Witte fort. Die Vertreter von Tschernigow und Saratow beantragten, der Regierung ein Vertrau enSvotuni zu erteilen unter der Bedingung, dah sie eine konstituierende Versammlung ein- berufen. Der Vertreter von Orel erklärte, er würde der Regierung ein Vertrauensvotum erteilen, wenn die Ausnahmegesetze abgeschafft würden. Der Vertreter von Stawropol wie« aus die Gefahr hin, die aus der agrarischen Bewegung drohe, und führte au», diese Bewegung werde die Zivili- sation Rußlands vernichten. 0) Demgegenüber erklärte ein Vertreter von Saratow, die agrarische Bewegung biete keinen Grund zu Besorgnissen. Die Bauern würden von A g i- tatoren geleitet. Den Urhebern von Unruhen müsse mit Verachtung begegnet und gegen die Ausstände müsse Ei»spruch erhoben werden. Fürst Trubetzkoi führte aus, ivenn der Kongreß nicht die Regierung unter- stütze, werde er den Eindruck hervorrufen, daß alle mit dem Manifest vom 3 0. Oktober unzufrieden seien.(! I) Alle müßten sich um dieses Manifest scharen, sonst würde es zu einer Schreckens- Herrschaft kommen. Redner schlug vor. die Regierung zu bitten, eine Kommisston aus Vertretern der Semstwos, der Städte und der höheren Schulen einzusetzen, die ein Wahlgesetz für die Reichsduma aus- arbeiten solle. Der Vertreter von Kasan führt aus, die Bevölkerung sei gegen eine konstituierende Ber- sammlung.(I) Der Vertreter von Vetersburg beantragte, d i e Regierung zu unter st ützen und den Zusammentritt der Duma abzuwarten, die allein geeignet sei, Gesetze zum Schutze der Freiheit zu schasse». Der Vertreter von Nowgorod beantragte, die Grundästze des Manifestes vom 30. Oktober anzunehmen und sich der R e- g i e r u n g anzuschließen. Ein Vertreter von Saratow schloß sich diesem Antrage an. Der Vertreter von Twer wollte der Regierung nur unter gewissen Bedingungen ein Ver- AMtenZbokum erteilen. Die Sitzun-z wurde dann auf»noraen vertagt. Der Bauemlongreb besteht zum grüßten Teil aus Stadt- vetvohnern. kleinen Angesterite», Jourualisteu und nur zum kleinsten Tnle. aus Bauern. Den Vorsitz führte in diesem Kongreß der Geschäftsführer einer Petrolcumfirma. Petersburg, 20. November.(Meldung der„Petersburger Tele- graphen- Agentur".) In Kostroma hat eine Versammlung der konstitutionellen Partei einen Beschluß angenommen, daß alle Sem st lv o s und Städte dem Grafen Witte Ver- trauen bezeugen müssen, als einziges Mittel. die Wirren und Ausstände zur Ruhe zu bringen. « Vom Belagerungszustand. Lodz, 20. November. Heute abend wurden hier eine Anzahl Konditoreien von Militär besetzt; alle Gäste wurden untersucht, viele wurden verhaftet. Die Japaner beschütze» die russische„Ordnung". Aus Nagasaki meldet der„Daily Telegraph": Auf den russischen Gefangeiicn-Tran�porrschiffen ist die Ruhe wieder hergestellt. Admiral NoschdjestwciiStl verzichtete auf weiteren japanischen Schutz, doch belvachen japanische Torpedoboote noch den Transportdampfer„Tambow", der heute abend in See ging. Unter den russischen Gefangenen in Kokura, Fuknoka, Kurume und Kumamoto macht sich Unzufriedenheit bemerlbar. » Kriegsentschädigung an China. Washington, 21. November. China hat von der rnssischen Re- gierung eine Entschädigung von 20 Millionen Dollar gefordert, als Entgelt für die Schäden, welche China während des russisch-japa- nischen Krieges erlitten hat. poHtilcde Gebcrficbt. Berlin, den 21. November. Tie neuen ReichSstenern. Die Regierung fühlt sich endlich belvogen. einiges über ihre Neichsfinanz- und Steuerpläne mitzuteilen— allerdings zunächst noch in homöopathischen Dosen, damit sich allmählich die Verdauttiigsorgaue der Steuerzahler auf die überpfefferte Kost vorzubereiten vermögen. Unter der Ueberschrift„Reichs- sinauzfrageil" brachte gestern die„Nordd. Allg. Zeitung" einen Artikel über die gegeinvärlige Lage der Reichsfinanzen und den voraussichtlichen Mehrbedarf der nächsten Jahre. dem sie heute einen Artikel über die Bier- und Tabaksteuer folgen läßt. Viel ist es nicht. was die Regierung durch ihr Sprech- organ verkünden läßt, und dieses wenige ist außerdem so vage und hypothetisch, daß es fast jeden Wert verliert. Im gestrigen Artikel wird z. B. die Unterbilanz des Reichshaushalts auf zirka 80—90 Millionen Mark veranschlagt und dann unter Bezugnahme auf die erhöhten Mittel, die in den nächsten Jahren die Reichsschuldentilgnng, der RcichSinvalidenfonds, das Militär- peifiionswesen, die Heeres bcdihrsnisse und der Ausbau der Kriegsflotte in Anspruch nehmen werden, heransgerechnet, daß der Bedarf an neuen Reichscinnahmen in den Jahren 1909 und 1910 auf mindestens 245 bis 255 Millionen Mark steigen wird, wovon mindestens 220 bis 230 Millionen Mark durch neue Steuern und Zölle aufgebracht werden müßten, »nährend der Rest ans den Mehrerträgen des künftigen Zolltarifs Deckung finden würde. Eine kuriose, ganz vage Rechnung, deren Wert das Blatt selbst dadurch zur Genüge charakterisiert, daß es seinen Ausführungen die Bedingung hinzufügt: „Vorcuisgeietzl ist hierbei, daß. wie gehofft werden darf, die schon vorhandenen Einnahmequellen sich hinreichend günstig entwickeln und so die DecknngSmittel für die steigenden Bedürfnisse der verschiedenen� Zweige der Reichs- Verwaltung hergeben werden, sowie daß auch fernerhin der lerten'de Grundsatz bei der Jnanspruch- nähme der Reichs mittel weite st gehende Spar- s a m k e i t bleiben iv i r d." Da bisher von dieser„weitestgehenden" Spar- smnkeit nichts zu spüren war und regelmäßig alle Vorans- berecbnlingen durch nachträgliche Mehrforderungen über den Haufen geivorfen wurden, dürfte auch diese schöne Kalkulation sich schnell als„überholt" herausstellen. Nachdem das offiziöse Blatt auf diese Weise den Mehr- bedarf berechnet, gibt es in seiner letzten Nummer einige Auf- schlüsse über die von der Regierung beabsichtigte Deckung. Mit genauen Auskünften über ihre Steuerpläne hält zivar die Regierung auch jetzt noch zurück. Es sind kaum mehr als allgemeine Nützlichkeitsbetrachtuugen, die sie bietet, innncrhin verdienen diese, da sie einen Einblick in die Auffassung des Reichsjustizamtes gestatten, eine gewisse Beachtung. Betreffs der Brausteuer heißt es nach einem Vergleich der süddeutschen Verbrauchsabgaben mit der Steuer Nord- deutschlands: Hieraus ist ersichtlich, daß die norddeutsche Brausteuer hmter der süddeutschen Sätzen weit zurückbleibt... Nicht abzusehen ist. weshalb das norddeutsche Bier nicht annähernd die gleiche Be- lastung vertragen könnte wie das süddeutsche Erzeugnis. Gegen- über der Besorgnis, daß die Auslage für das norddeutsche Brau- gewerbe eine merkliche Schädigung zur Folge haben würde, ist auf die in der bayrischen Pfalz gemachte» Erfahrnnge» hinzuweisen, wo Ende der fiebziger Jahre ein unvermittelter Uebergang von gänzlicher Steuerfreiheit des Bieres zur hohen bayerischen Bierbesteuerung vollzogen wurde, ohne daß eine Hemmung der durchaus günstigen Entwicklung des pfälzischen Braugewerbes zu verzeichnen wäre..., Um den kleinen Betrieben den Wettbewerb mit der Groß- industrie zu erleichtern, ist eine Staffelung der Steuer nach dem Umfange der Betriebe vorgesehen: ferner soll künftig auch die Stundung der Brausteuer zulässig sein: die Verwendung von Surrogaten, mit Ausnahme von technisch reinem Zucker für die Herstellung von obergärigen Bieren, soll verboten werden. Die steuerfreie Bereitung des Hau Strunks wird nicht beschränkt. In demselben Maße tvie die norddeutsche Brausteuer erhöhen sich die von den süddeutschen Staate» an das Reich zu zahlenden Ansgleichungsbeträge: doch ist mit Rücksicht auf die in diesen Staaten»otwendigcii budgetmäßigen Vorkehrungen bis zum Jahre 1014 eine Uebergangszeil in Aussicht geuomme». innerhalb deren die Beträge allmählich steigen sollen. Elsaß- Lothringen soll nach eiirer gewissen Frrst in die Brausteuergenieiilschaft einbezogen we r d e n. Zugleich mit der Steuererhöhiing ist eine eiitsprechende Erhöhung des EingangszolleS vorgesehen. Was den infolge der«teuer- erhöhuiig zu erwartenden Mehrertrag aiilaiigt, so wird dle>cr ein- schließlicki der vollen Ausgleichsbeträge der süddeiltschen Staaten nach Ablauf der Uebergangsfrist auf über 60 Millionen Mark geschätzt. Bezüglich der geplanten Tabaksteuer wird erklärt: Im Hinblick auf die aus Interessentenkreisen laut gewordenen Bedenken wurde davon Abstand genommen und den finanziellen Bedürfnissen des Reiches durch eine Erhöhimg der Gewichts- -ölle von Rohtabak Rechnung getragen. Die Berück- fichtigung der Steuerkrast der Verbraucher soll in der Weise geschehen, baß rohe Tabakblätter im allgemeinen mit einem höheren Zollzuschlag belegt werden sollen als die zur Her- stcllllng des Rauch-, Kau- und Schnupftabaks dienenden. Eine wesentlich stärkere Belastung sollen die aus dein Auslaiide ein- geführten Fabrikate, in erster Linie Zigarren erfahren. Als Ergänzung der Zollerhöhuug war eine, wenn auch nicht gleich große. so doch iin Verhältnis zu jener stehende Erhöhung der Steuer auf iiiländischeil Tabak nicht zu vermeiden. Eine besondere Behandliing ist für die Zigarette vorgesehen. Diese hat in den letzten Jahren in Deutschland ganz außer- ordentlich an Boden gewonnen, so daß sie bis zu einem gewissen Grade die Zigarre zu verdrängen begonnen hat.... Außer der Steuer ist naturgemätz eine reichliche Zollerhöhuug vor- gesehen, die teils ans Gründen des Schutzes der inländischen Industrie, teils auch deshalb gerechtfertigt erscheint, weil die ein- geführten Sorten eine Höhere Belastung besonders lcichl ertragen. Die finanzielle Wirkung der in Aussicht ge- n o IN m e n e n Steuer- und Z o l l e r h ö h u n g e II auf Tabak und Zigaretten wird auf einen Ertrag von etwas über 40 Milk. Mark zu schätzen sein. Don Gesamtertrag aus beiden Steuern gibt also die Re- gieruiig selbst auf über 100 Millionen Mark an. Das bestätigt unsere frühere Berechnung, das; eine Erhöhung der Reichseinnahmen um nicht»veniger als 180 bis 200 Millionen Mark geplant sei.— Ein neues Marokko'{ Wie man der„N. Fr. Pr." aus Paris telegraphiert, soll Deutschland im Begriffe st e h e n, sich in Paris und London über einen angeblich in letzter Zeit stattgcfundenen englisch-französi scheu Vertrag zu informieren, welcher England die finanzielle, Frankreich die politische Kontrolle über die Republik Liberia sichern soll. Ein formeller Protest Deutschlands sei bisher noch nicht erfolgt. Eine Nelv Aorker„Laffan-Meldung" macht noch folgende Mit- teilung: Wie die„ N e lv D or k S u n" aus Washington meldet, hat sich die deutsche Regierung wegen der Stellungnahme der a m c r i- konischen Regierung zu dem gemeldeten englisch- französischen Abkommen über Liberia erkundigt, durch das die Finanzen dieser Negerrepublik unter die Kontrolle Frank- reichs und Englands gebracht werden. Das Deutsche Reich hat keinen tatsächlichen Protest gegen das Abkommen eingelegt, doch läßt der Charakter der deutschen Note und der Er- kundigling, die auch an die Regierungen anderer Staaten außer der Amerikas gerichtet wurden, erkeiuien, daß Deutschland befürchtet, das englisch-fravzösische Abkomnien könnte die Handels- und anderweitigen Rechte Deutschlands in Liberia und in anderen Gegenden Afrikas beeinträchtigen. Das Staatsdepartement fühlt sich indes nicht berufen, sich einem Protest gegen das englisch- französische Abkommen anzuschließen oder an einen internationalen Meinungsaustausch darüber teilzunehmen. Danach scheint es fast, als ob die Frage des französischen Protektorats über„Liberia" für uns zu einem neuen Marokko werden sollte. Wenn aber schon Marokko für uns Hekuba hätte sein sollen, so kann uns die Ncgcrrcpublik Liberia erst recht gleichgültig sein. Beziffert sich doch der Wert unserer Ausstihr nach Liberia ans ganze 600 000 Mark! Frankreich dagegen besitzt das Hinterland der Republik und möchte begreiflicherweise auch gern den Küstenstrich seinem Gebiete einverleiben. Amerika scheint ja auch dem deutschen Anstichen, gegen das englisch-französische Uebereinkommen Protest einzulegen, äußerst kühl gegenüberzustehen. Von den übrigen Mächten kämen aber höchstens die Nieder- lande als Bundesgenossen Deutschlands in Frage. Wenn man schon trotz eines bekannten Krüger-Telegramms seinerzeit die unendlich wichtigeren Boerenrepubliken England ruhig als Beute überließ, so sollte man sich jetzt erst recht Liberias wegen nicht in diplomatische Unkosten stürzen I Unsere weltpolitischen Einmischungen haben uns ohnehin die Abneigung des Auslandes in wirklich ausreichendem Maße zugezogen. Oder sollte man glauben, ein neues Konfliltchen für die F l o t t e n a g i t a t i o n fruktifiziercn zu können? I— MUnchhausen-Politik. „Ich kenne jetzt die Bedürfnisse Siziliens"— so prahlte der italienische Ministerpräsident Fortis in einem Bankett- Speech, den er dieser Tage zu Neapel hielt und der von unserer bürgerlichen Presse in kritikloser Dummgläubigkeit als geniale „Programmrede" verzapft wird. In Wirklichkeit hat Fortis eine echte Bankettrede gehalten: Phrasenbrühe, Nenommier-Ragout, Selbstlob-Kompott und ein Königshoch als Dessert. Was aber das tollste an der Sache ist: Der gute Mann hat der- maßen aufgeschnitten, daß man schon die begreifliche Weinlaune mit zur Erklärung heranziehen mutz, wenn man verstehen will, wie Fortis an einigen Stellen das sagen konnte, w a s er gesagt hat! So das oben zitierte Wort:„Ich kenne jetzt die Bedürf- nisse Sizilien s". Der brave Ministerpräsident hat sich in drei bis vier Tagen fünf bis sechs Städte Kalabriens und Siziliens ein wenig angeschaut, hat hier einem Festessen beigewohnt, dort einen feierlichen Empfang über sich ergehen zu lassen geruht, und nun kennt er die Bedürfnisse Siziliens» Gefährlich an solcher Minister-Münchhauseniade ist, daß ein Mann dieses Schlages natürlich mit teck-überlegenem Lächeln die edle Dreistigkeit, zu erklären:„Ich kenne die Bedü.sniffe dieses oder jenes Landstriches, dieser oder jener Bevölkerungsschicht von meiner Informationsreise her," auch dann aufbringt,»venu im Parlamente wirkliche Kenner der betreffenden Verhältnisse, Sozialdemo- kraten oder andere ehrliche Kritiker, der Regierung und den Mehr- heitsparteien Vorwürfe ob ihrer Gewissenlosigkeit, ihrer Gleich- gültigkeit, ihrer Parteilichkeit machen. Geben wir acht, daß nicht auch in Deutschland dieses Fortis- Bülow-Podbielski-System noch weiter einreiße I— Dcutrchce Reich. Der Flotteninteressenten Schmerz und Trost. Unser Leitartikel zur Flottenvorlage in der Sonntags- nummer des„Vorwärts" hat das Malheur gehabt, den höchsten Umvillen im bürgerlichen Blätterivald zu erregen. Ter„Deutschen Tageszeitung", als dem speziellen Organ für ostelbische Schweinepolitik und für die Legende vom fleisch- schtvclgenden deutschen Arbeitsmann, sind natürlich besonders unsere Worte vom Mangel und der Not der Proletarier- massen auf die Nerven gefallen. Die„National-Zeitung" vermißt schmerzlich die frühere Redaktionsfnhrnng des„Vor- wärts", die die Flottenvorlage nach ihrer Versicherung viel ruhiger und„geistvoller" behandelt und etwa„einen Wandergang durch verschiedene Zeitalter iinternonuiien hätte, um Vergleiche zu gcivinncn und die„Umwertung aller Kultnrbegriffe" als Folge dieser„Flottenphantasterei" vorauszusagen". Die„Berliner Neueste Nachrichten" schluchzen gleichfalls herzbrechend über das„nn- säglich tiefe— Lnxemburg-Stadthagensche— Niveau", daranf der„VoNvärts" herabgesunken sei, wie seine StelliliiguaHme zur Flotlenvorlage zeige. Wir»ifissen unsererseits bekennen. daß»vir den Ehrgeiz nie solveit getrieben haben, in den Organen des Flcischivuchers und der Panzerplattcnfabrikatlon auch noch lobende Anerkennung für die Dresche einzuheimsen, die»vir ihnen nach bestem Wissen und Gewissen zu verabreichen uns bemühen. Immerhin freut es uns, daß die betrübten Flottenapostel einen Trost gefunden haben: es ist dies„die Wahrnehmung des ruhigen und bedachtsamen Verhaltens derjenige il bürger- lichen Kreise, die früher»vohl an der Seite der Sozialdeniokratie zu finden waren,»venu die Macht- bedürfnisse des Reiches befriedigt werden mußten". Das silberne Wort des Herrn Eickhoff und das goldene Schweigen der„Freien Deutschen Presse" zur Flottenvorlage sind also der einzige trostreiche Grund angesichts der unverbesserlichen Verstocktheit der Sozialdemokratie! Uebrigens hofft die „National-Zeitung" noch auf die heilsame Wirkung der Volksschule, die als Gegengift der sozialdemokratischen Irrlehren das deutsche Volk schließlich doch zur Flotten- begeistcrung bekehren wird. Da jedoch die Volksschule inimerhin noch nicht ganz dem einstigen Ideale Peter v. ReichenSpcrgers entspricht, so glauben»vir, daß die Flotten- Patrioten eher auf die erzieherische Wirkung der— M u t u s k o P e des Flotten Vereins bauen dürften. Ter vergnügte Handelsminister. Der Handelsminister hat nach der„Berliner Cor- respondcnz" aus die Eingaben der Sieheuer-Kommission vom 2. November d. I., betreffend die neue Arbeitsordnung usw., dem Erstunterzeichner der Eingaben, Johann Effert zu Essen, mlter dem 20. d. Mts. folgenden Bescheid erteilt: Die in der Eingabe vom 2. November d. I. enthaltenen Ein- Wendungen gegen die von den Zechenverwaltungen des Nuhrreviers erlassene neue Arbeitsordnung sind von mir zum G c g e n st a n d e von Verhandlungen mit den beteiligten Provinzial- behörden gemacht worden. Nachdem inzwischen in einer am 13. d. Mts. zu Essen stattgehabten Versammlung von Berg- arbeiter-Verrretern beschlossen ivorden ist, die Entscheidung des Königlichen Oberbergamts zu Dortmund über die vorerwähnten und verschiedene neue, mir bisher nicht mitgeteilte Eimvendungen gegen die Arbeitsordnung anzurufen, glaube ich dieser Entscheidung nicht vorgreife» zu solle» und be- halte mir nicine Stellunguahnie für den Fall einer envaigen Be- fchlverde vor. Was die an den Reichskanzler gerichtete, von diesem zur weiteren Prüfung und Veranlassung an mich abgegebene Ein- gäbe vom 2. November d. I., betr. die Vereinbarung verschiedener Zechen zur Beschränkung des Wechsels der Belegschaft, anlangt, so erscheint ein Eingehen auf diese Angelegenheit nicht mehr v o n n ö t e n, nachdem der Vorstand deS Vereins für die bergbaulichen Interessen den beteiligten Zechenverwaltungen die Aufhebung der fraglichen Maßregeln empfohlen hat. Ich stelle anhcim, den Mituiiterzeichncrn der Eingaben vom 2. November d. I. von vorstehendem Mitteilung zu machen. Man merkt dem Herrn Handelsminister förmlich das Vergnügen darüber an, daß er durch den vorläufigen Rück- zng des Vereins für die bergbaulichen Interessen und die Form,»vclchc die Essener Revierkonferenz der Bergleute ihrer Beschwerde gab, einer direkten Antwort»venigstens vorläufig, vielleicht aber ganz enthoben ist. Achtzehn lange Tage hat die Eingabe der Bergleute auf dem Schreibtische des Herrn Handelsministcrs gelegen. Endlich siegte auch diesmal wieder die berühmte Bureaukratenmethode, un- bequeme Dinge ablagern zu lassen. Die Ereignisse enthoben den Herrn Handelsminister formell der Notwendigkeit, den Bergleuten Recht zu geben. Wir ftirchten nur, seine unbequemen Freunde vom Berg- baulichen Verein werden ihm bald neue Kopfschmerzen machen: und immer werden sich die unangenehmen Dinge nicht so bequem beiseite schieben lassen I Defizitwirtschaft in Sachsen. Bei der jüngsten Etatsberatnng im sächsischen Landtage spielte der Finanzniimster Dr. i�ügcr sich als den ordentlichen Haus» vater auf, der es versteht— wenn auch mit Mühe und Not— mit wenigen Mitteln Haus zu halten. Wie er das fertig gebracht, dar- über hat er sich freilich nicht ausgelassen. Weil er im Gegensatz zu seinen Vorgängern keine laufenden Ausgaben in den außerordent- lichen Etat mehr hinübernimmt und dieser jetzt seit mehr als einem Jahrzehnt das erste Mal ohne Ausgaben, die in den ordentlichen Etat gehören, erscheint, tut sich der Herr Minister ettvas zugute darauf und meint, er habe die Dcfizitwirtschoft im sächsischen Staats- Haushalt beseitigt. Indessen gehl die Unrichtigkeit dieser Auffassung schon aus seinen eigenen, sich selbst belobigenden Worten hervor. Er nieinte: „Seit die sächsische Finanzpolitik die Bahnen einer gesunden Finanzpolitik verlassen hat, sind die Schulden rapid gestiegen... Die Erfahrungen der letzten Jahre sollten für das lebende Gc» schlecht unvergeßlich bleiben und uns warnen, uns aufs neue in eine Defizitwirtschaft zu stürzen. Es ist auch der Zu- nähme der Reichsschulden zu gedenken, die in Wirklichkeit auch Landesschulden sind." Wenn der Finanzminister resp. die Regierung nach diesen Worten handeln wollte, dann müßten die Defizits, die die„Leip. zigcr Zeitung" aufweist, die unnötigen Ausgaben für Gesandt- schaften usw. nicht im Etat fortgeschleppt werden, dann dürften Gehaltserhöhungen für Geistliche, Erhöhungen der Zivilliste, Liebes- gaben für die Agrarier usw. nicht ausgeworfen werden; ferner müßte die Regierung dessen eingedenk sein, daß Reichsschuldcn auch Landes- schulden sind und dürste den maßlosen Forderungen für den Mili- tarismus nicht zustimmen, kurz, die ganze Politik der Regierung müßte grundsätzlich geändert werden. Statt dessen wird an den Kulturaußmbcn geschunden und überall etwas abgestrichen, um nur den Etat dürftig über Wasser zu halten. Ohne Anleihen können schon eine Reihe von Kulturaufgabcn nicht mehr ausgeführt werden. Die Schulden Sachsens haben bereits 1 Milliarde Mark erreicht. Interessant ist es, daß der Finanzministcr sich sehr skeptisch über die„Reichs-Finanzreform" ausließ. Er war es, der von den einzelstaatlichen Ministern am meisten gedrängt hatte, die lieber- lastung der Einzelstaaten mit Matrikularbciträgen zu beseitigen: er bezeichnete früher— freilich unrichtig— die hohen Matrikular- bciträge als die Hauptursachc des Defizits in den sächsischen Fi- nanzcn, allein, er resignierte jetzt sehr kleinlaut und äußerte, es lasse sich nnt einiger Sicherheit noch nicht sagen, ob die Reichs- Finanzreform endlich Abhülfe bringen werde. So zerfließt eine Hoffnung nach der anderen, und es ist voraus- zusehen, daß der Herr Minister seinen Posten einst wird verlassen müssen, ohne die von der agrar-konservativen RcaktionSwirtschaft bis auf den Grund zerrütteten Finanzen Sachsens in„die Bahnen einer gesunden Finanzpolitik" geleitet zu haben.— Zentrum und Bosksbelastnug. Die Zentnmispreffe imterläßt es nicht nur konseauent. ihre Stellung zur Flottrnvorlagr irgendivie greifbar zu präzisieren, sondern sie hält es sogar für angemessen, die Sozialdemokratie wegen ihrer ablehnenden Stellungnahme anzngreisen. So schreibt die„Köln. PolkSztg.": „Der„Vorwärts" arbeitet auch hier mit den üblichen U e b e r- treibungem Zunächst übertreibt er den herrschendeu Miv- stand.„Ganze Schichten" der Bevölkerung sind denn doch noch nicht mlf„Fieischabfälle und Pilze" angewiesen. Und dann liegt gar kein Anzeichen dafür vor, dah durch die Flottenvorlage, wie sie auch gestaltet werden möge, die„Proletarier" belastet werde n." Es ist ja begreiflich, dag das Zentrum als Mitschuldiger des Drot- und FleischwuchcrS nicht zugeben mag, dafz unter den skandalösen Lebensmittelpreisen breite Schichten des Proletariats furchtbarste Not leiden. Aber vielleicht rechnet uns einmal die „Köln. Volksztg." vor, welches Quantum von Fleisch sich z. B. ein Textilarbeiter mit 12—14 M. Wochcnlohn bei den gegenwärtigen Fleischpreisen zu leisten vermag! Unglaublich ist es aber, dag das rheinische ZentriimSorgan die Behauptung riskiert, dag keine Gefahr drohe, datz durch die Flotten- Vorlage das Proletariat belastet werden könne. Wahrscheinlich wird sich die„Köln. VolkSztg." darauf berufen, dag nach der bekannten Klausel des Flottcngesetzcs indirekte Stenern zur Deckung der Marineausgabcn nicht verwandt werden dürsten, dast also die 70 Millionen Mark, die die Flottenvorlage jährlich mehr erfordert, aus direkten Steuern, also etwa der Reichs- crbschaftssteuer und Stempelsteuer gedeckt werden würden. Die» Argument versagt aber sofort bei jedem, der das Einmaleins kennt. Die finanzielle Belastung durch die neuen Marineforderungcn besteht eben darin, daß diese letzteren alle neu einzuführenden direkten Steuern absorbieren und daß dann zur Deckung der ständig wachsenden übrigen Ausgaben einfach neue indirekte Steuern eingeführt werden sollen! Die„Köln. VolkSztg." hat ja Ivohl auch selbst schon von derartigen neuen indirekten Steuern, einer Tabak- st e u e r, einer Bier- und einer Branntlveinsteuer, etwas läuten hören l Wie die Reichseinnahmen im einzelnen auf die Aus- gaben verrechnet werden, ist völlig egal, der Effekt der Flotten- Vorlage bleibt unter allen Umständen der, daß die proletarischen Schichten des Volkes, die ohnehin unter den Lasten des Brot- und Fleischwuchers stöhnen, durch neue indirekte Steuerschröpfungen aus- gcpowert werden l—_ Bayerischer Landtag. München, den 20. November.(Telegr. Bericht.) Die Abgeordnetenkammer genehmigte heute in zweiter Lesung einstimmig den Wahlgesetzentwurf in der von dem Aus schütz vorgelegten Fassung. Ein von den Liberalen eingebrachter Antrag, im ersten Wahlgang an Stelle der relativenMehrheit die absolute Mehr- heit entscheiden zu lassen, wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Liberalen und Bauernbiindler abgelehnt. Die dritte und letzte Lesung ivird in acht Tagen erfolgen. Sodann begann die Kammer mit der Beratung eines Antrages des Abg. Dr. Müller-Hof seinerzeit gegründet um die Partei zu Nichte zu machen Tie. Bauen,. Falls dies nicht geschehen sollte, Leute im Gewerktchaftshaus jeien kein« Sozialisten sondern Liberale.,-" s perrungen erwidern müssen. Auch der„Vorwärts" habe nicht um- h'ii gekonnt, die Niederlage noch zu bejchönlgen. Er, Redner, wünsche, daß jeder Kampf aufrührcrijch wirken möge. Röer lStukkatcur) richtete scharfe Angriffe gegen Führer von Zentralorganisationer.. Mit dem„Bourgeoispack im Gewerkschafts- Haus" müsse aufgeräumt werden, erklärte er unter anderem. Zum Schluß gab Schröder noch einige Mitteilungen über die Ablehnung der Parteihülse. «Sodann hielt W'lhelm Schulz einen kurzen Vortrag über„Partei und Gewerkschaften". Er stellte schließ- lich den Antrag, die Ortsverwaltung zu beauftragen, dafür zu sorgen, daß die Gewerkschaftskommission sich in einer ihrer nächsten Sitzungen mit dem Thema„Partei und Gewerkschaft" befasse. Tiefer Antrag wurde einstimmig angenommen. Hierauf inachte Krebs einige Mitteilungen über die Be- wegung zur Fensterfrage. Es wurden 11 unorganisierte Stukkateurs genannt, die den Beschlüssen nicht nachgekommen sind; ferner auch drei organisierte. Ties sind drei ältere, von Krankheit und Reißen oft heimgesuchte Kollegen. Sie sind vor den Vorstand geladen worden, haben ihr Unrecht eingesehen und zu enttchuldigen versucht. Auf Antrag des Vorstandes sprach die Versammlung ihnen einen Tadel aus. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie wurde die Vcrsamm- lung geschloffen._ Die Metalldrcher hielten am Sonntag eine Branchenversamm- lung ab. welche die TiSkussion über den vor einigen Wochen an derselben Stelle ychaltenen Vortrag des Genossen'Friedeberg fortsetzte. Verschiedene Redner, die sich in der vorigen Versamm- lung hatten einzeichnen lassen, waren durch Verbandsarbeiten verhindert, anwesend zu sein. Die Diskussion nahm noch mehrere Stunden in Anspruch. Den breitesten Raum nahmen Erörterungen über die den Ausführungen Friedebergs zugrunde liegenden Theorien ein: der Anzweifelung der unbedingten Richtigkeit des Marxismus und dessen Ergänzung durch den historischen Psychis- mus. Weniger berührt wurde der Teil des Friedebergschen Vortrages, welcher sich auf die Taktik der praktischen Arbeiterbewegung bezieht: Stellung zum Parlamentarismus und zum Generalstreik. Einige Redner gingen jedoch auch auf dies« Punkte ein. Seidel bekannte sich als grundsätzlicher Gegner des bürgerlichen Parla- mentarismus und meinte, lvir müssen uns deshalb nach anderen Waffen im Befreiungskampfe des Proletariats umsehen. M e i r wandte sich gegen den Standpunkt Friedebergs. Pawlowitfch ging auf Aeußerungen Seidels über das UnterstützungSwefen in den Gewerkschaften ein und sagte dazu: Das UnterstützungSwefen sei soweit berechtigt und nützlich, als«S den revolutionären Impuls der Arbeiter nicht beeinträchtigt. Diesen Anforderungen entspreche das UnterstützungSwefen im Metallarbeiter-Berband. Weiter führte der Redner aus, Generalstreik und Massenstreik könnten nicht als bloße Demonstration inS Werk gesetzt werden. Man müsse sich darüber klar sein, daß ein politischer Massenstreik sowie ein Generalstreik unbedingt das Vorspiel zur Revolution sei. Deshalb dürfe man nicht mit dem Gedanken des Generalstreiks spielen. Er müsse propagiert werden, jedoch immer unter Prü- fung der Frage, ob das Proletariat reif und bereit sei, alle Folgen der Anwendung dieses Kampfmittels auf sich zu nehmen.— Nachdem noch einige Redner sich über Einzelheiten deS Vortrages auS- gesprochen hatten, vertrat Friedeberg im Schlutzwort seinen bekannten Standpunkt. Im Laufe der Diskussion hatte Meix ein« Resolution ein- gebracht, welche ausspricht, datz sich die Versammlung mit den Ideen des Genossen Friedeberg nicht einverstanden erklärt.— Der Vorsitzende der Versammlung bemerkte dazu, er halte die Annahme einer Resolution nicht für angebracht, weil eine solche immer nur die Meinung eines Teiles der Kollegen ausdrückt. Es komme auch nicht darauf an. datz die Metalldreher durch Beschlutz einen be- stimmten«Standpunkt bekunden, sondern es handele sich nur darum. datz die Kollegen aus diesen Debatten Belehrung und Anregung schöpfen.— Der Antragsteller zog schließlich seine Resolution zurück. Die Filiale Berlin des«ergolderverbandes hatte am 20. No- vember eine Mitgliederversammlung, in der die Werkstattverttauens- leute die Berichterstattung über die Urabstimmung, betteffend den Anschluß an den Holzarbeiterverband, fortsetzten. Es wurde festgestellt, datz bisher in der Filiale Berlin für den Anschluß an den Holzarbeiterverband 468 Stimmen und dagegen yv Stimmen abgegeben wurden. Der Vorsitzende sprach die Er- Wartung aus, daß im Falle des korporativen UebertrittS zum Holz. arbciterverbaud auch die Kollegen ihre«Schuldigkeit nach wie vor tun möchten, welche dagegen gestimmt haben. Die noch ausstehenden Srimmzettcl wären möglichst bald einzureichen. Zur Erledigung kamen dann noch verschiedene gewerkschaftliche Angelegenheiten. E» handelte sich besonders um Preisdifferenzen. Bei L i p p m a n n in Charlottenburg hatten die Arbeiter und Arbeteriimen beschlossen, sich die Reduzierung des ANordpreiseS einer bestimmten Leiste nicht gefallen zu lassen. Trotzdem hat eine Arbeiterin um 26 Pfennig billiger gearbeitet. Eventuelle Schritte gegen die im Verband Or- ganisierten behielt man sich vor. Zwei anderen Arbeiterinnen ist die- selbe Leiste zu dem niederen Preise angeboten worden.«Sie sollten am 21. November mit je 1000 Meter beginnen. Die Versammlung entschied dahin, datz die Arbeiterinnen auf jeden Fall verweigern müßten, die Arbeit zu dem reduzierten Preise zu machen. Bei daraus entstehenden Differenzen ist der Vorstand sofott zu be- nachrichtigen. Preisdifferenzen schweben auch bei Bär u. Kompagnie, deren Preise als äußerst schlechte s«charf gerügt wurden. Man be- schloß, daß beim Mißlingen eines sofort zu unternehmenden Ver- suchs der beteiligten Arbeiter, einen Ausgleich direkt mit dem Ar- beitgeber oder seinem Vertreter herbeizuführen, alsbald die SchlichtungSkommission anzurufen ist. eingegangen« vvuckrckriften. Edelkorn. Skizze zur Antiallohol-vewegung von Job. Ernst Brauer, Zhmotechniker. Broich. 50 Pf., 10 Exempl. 4 M. Verlag A. Hasett u. Co.. "��r.�Fttcher"' Die Funken. Wochenschrist. Pret» pro Heft 20 Ps. Gcschäjisilellc Leipzig. Hohenzollemstr. 6 b. Letzte IVacbncbtcn und Dcpelcbcn. Ein neuer Sieg! Ratheuow» 21. November.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Bei der heuttgen Kommunalivahl eroberten unsere Parteigenossen alle vier zur Wahl stehenden Mandate. Wir er- hielten 840 Stimmen, die vereinigten Gegner fielen mit 740 Stimmen ab._ Die russische Bauern-Revolution. Moskau, 21. November.(B. H.) Auf dem hier tagenden Bauern- kongretz verlange» die Vertreter der Bauernpartei die Aufteilung des gesamten Staats- und Privat- Grundbesitzes untce werde ein ,m �wettichastShausle.en Rine�zuiimcn iüiu*tnm«raie.,„gemeiner«„gstand der ländliche» BevSlkenn.g..nauSdlelblich K r e b S, d-r dann nochmals das Wort nahm, bemerkte, daß dm f."~->„..„»x iiük,...- Streikleitung selbständiger hätte vorgehen sollen gegenüber den ver- Bessarakuen richten starke �eg-iig M U« schiedenen VerhandlungSversuchen. Fühlte ipan sich dem Kampf schwemnlunge» an. TaS Elend unter der Landbevölkerung sehr nicht gewachsen, so hätte man von Anfang an deir Streikenden dies groß, es wird HungcrSuot befürchtet.____ Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag- VorwärtSBuchdr.u.VerlagSanstaltPaul Dinger«-To..Berlin8VV. Hierzu-tBeilogenu.UnterhaltungSblatt |lr. 274. 22. Jahrgang. 1. Wagt des„Vamarts" Derlilm Vallisbla!!. Justizminister Dr. Schönstedt a. D. Mit aufrichtigem Bedauern seden wir den Justhminister Dr. Schönstedt van dem Posten scheiden, auf dem er teit dem 13. November 1894 zur Bekämpfung der Sozialdemokratie wirken wollte und als unfreiwilliger Agitator der Sozialdemokratie gewirkt hat. Dem verflossenen Iiistizniinister ist cS in höherem Grade als selbst einem Graf Lippe, Kamptz, Simons und wie die preußischen juslizministeriellen Spießge'ellen der Reaktion noch heißen mögen, gelungen, durch Reden und Taten der Rechtspflege den Nimbus unparteiischer Rechtsprechung zu nehmen und sie als'büttelhaftes In- strumcnt zur Wahrnehmung der Interessen der herrschenden Klasse vor oller Welt zu deklarieren. Die Klassenjustiz ist nnterDr. Schönstedt zu ihrer höchsten Blüte gelangt. Die utopischen Phantasien von idealer Ge- rechtigkeit. die die Rechtsprechung, insbesondere auf dem Gebiete des Strafrechts, die Organe und Organisation der Rechtspflege und die Gesetzgebung selbst beherrschen sollen, sind durch die Handhabung deS höchsten Amts der preußischen Justizverwaltung gründlich in ihr Nichts aufgelöst. Soll der Zweck des Rechts und der Rechtspflege in Unterstützung, Regelung und Verteidigung der Lebensbedingungen der Gesellschaft bestehen, so muß eine Verwaltung, die dem Zuge der Zeit sich entgegenstemmt, Forderungen zu ersticken versucht, die Lebensbedingungen weiter Kreise der Gesellschaft, ja der Gesellschaft selbst sind, dahin gelangen, die Lebensbedingungen auch der Gesellschaft zu untergraben, die sie gewaltsam aufrecht erhalte» will. Und das hat Dr. Schönstedt in reichstem Maße vollbracht. Ueberall wo es sich um Achtuug vor dem Gesetz, ja vor der Verfassung, um Achtung der persönlichen Freiheit, des GigeiitumS, deS Schutzes der Arbeitskraft handeln sollte, hat der Justizminister a. D. in elfjähriger Arbeit sei» redlich Teil dazu beigetragen, diese Achtung in ihr Gegenteil zu verkehren. Aus dem lebhasten Begehr, das ihm anbefohlene Programm einer„straffen und schneidigen Rechtsprechung insbesondere in politischen Prozessen" zu verwirklichen, ist nnverhiillteste Offen- barung einer Klassenjustiz und Klasiengesetzgebung, verbösert hier und da durch eine» Einschlag bureankrati'scher Täppsschkeit, unter Auf- ficht des ausgeschiedenen Chefs der preußischen Justiz geworden. Und für diese unfreiwillige Aufklärung über die Natur der heutigen Justiz und Gesetzgebung verdient Dr. Schönstedt aufrichtigen Dank. Ihn hat das Schicksal ereilt, das jeden Minister ereilen muß, der auszieht, die Sozialdemokratie zu übertvinden: aus einem Bekänipfcr der Sozialdemokratie wird er zu einem Umstürzler der Ideologien der herrschenden Klasse und zu einem Agitator für die von ihm bekämpften Bestrebungen der für Gleichheit, Freiheit und Wahrheit streitenden Partei. Schauen wir auf einiges in der justizministeriellen Tätigkeit von ihm Geleistete zurück. Die ReichStagssession war am V. Dezember 1894 im alten RcichstagSgebäudc eröffnet. Am folgenden Tage hielt die Volks- Vertretung ihre erste Sitzung im neuen ReichstagSgebäude ab. Der Präsident V. Lcvetzow schloß seine Begrüßungsrede mit einem Hoch auf den Kaiser. Die Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion waren mit Ausnahme Liebknechts nicht anwesend. Liebknecht war durch Zufall— er hatte beim Arbeiten auf den Hergang nicht geachtet— im Saal geblieben und blieb natürlich während der monarchischen Kundgebung fitzen. Darob lautes EntrüstungSgejohle auf der rechten Seite. Es schien den Herren der rechte Äugenblick gekommen zu sein, um demonstrativ Aeußerungen in Vergessenheit zu bringen, die in den voraufgegangenen Caprivi- Jahren seitens konservattver Agrarier über den angehochten Monarchen gefallen waren. Der Präsident wendete sich nicht gegen den Lärm der Rechten, sondern sprach sein Bedauern darüber aus, daß ihm kein Mittel zu Gebote stehe, um das parlamentarische Verhalten Liebknechts zu rügen. Erneuter Radau durchtobte den neuen Sitzungssaal des Reichstags. als Singer dann namens der Frastion die Erklärung abgab, daß sie sich nun und nimmermehr zu einem solchen Hoch zwingen laffen würde. Wenige Tage später bezeichnete Liebknecht unter lebhaftem Beifall der Fraktion die Zumutung an einen Sozialdemokaten, bei einem Hoch auf den Monarchen sich zu erheben. als einen„Gewissenszwang brutalster und verwerflichster Art." „Wenn ein Mitglied einer Partei", entgegnete Liebknecht auf eine Anrempelung deS Abgeordneten v. Manteuffel,.von einem derartigen Hoch überrascht wird, dann würde er ein elender Feigling sein, ehrlos seine Gesinnung zu verleugnen; wenn er sich erheben ivürde, es wäre die schmachvollste Heuchelei." Anders der Justizminister. In der Nicht-Betätigung solcher Heuchelei erblicke er— eine MajestätS- beleidignng. Er veranlaßt« den Staatsanwalt, beim pieichStage um die Genehmigung zur Strafver- folgung wegen Majestätsbelerdigung gegen Liebknecht ei«zukommen. So begann der preußische Justizminister seine ministerielle Laufbahn mit dem Versuche, die Reichsverfassung und die Rechte des Reichstages zu ver- letzen und tendenziöse Willkür bei Anwendung von Strafgesetzen walten zu lassen. Sein Borgehen wurde als ein Eingriff in das parlamentarische Leben des Reiche« und in die Justiz gekennzeichnet, der die ver- fassungswidrige Drangfalieruna oppositioneller Richter durch den Grasen Lippe in den Schatten stelle. Der justizministerielle Eingriff in die Reichsversassung und die Begünstigung tendenziöser Willkür bei Auslegung von Strafgesetzen war für den neuen Kurs typisch. Typisch war auch der von der Caprivifronde und der justiz- imnistcriellen Beredsamkeit unternommene Versuch der Rechlfertigung der Prozedur. Artikel 39 der Reichsverfassung verbietet,„ein Mit- glied des Reichstages... wegen der in Ausübung feines Berufes getanen Aeußerungen" gerichtlich oder disziplinarisch zu verfolgen oder sonst außerhalb der Versammlung zur Verantwortung zuziehen. Da kamen dann die famosen insbesondere durch den Abgeordneten Roeren persiflierten„Auslegungen" durch Regierungsjuristen:.Der Abgeordnete hört auf in Ausübung seines Berufes zu sein, sobald er eine strakbare Handlung begeht" und.Straflosigkeit sichert der Artikel 39 nur für mündliche Aeußerungen, nicht für solche durch konkludente Handlungen zu"! RiajcstätLbeleidi- gung sollte durch Unterlassung einer„durch Sitte oder Her- frommen gebotenen Handlung"" begangen werden können. Der verfasilingswidrige vom preußischcn Justizministcr konzipierte oder legalisierte Antrag der Staatsanlvaltschaft wurde vom Reichstage mit 198 gegen 53 konservative und freikonservative Stimmen ab- gelehnt. Auch nach Schluß der Session unterblieb eine Straf- Verfolgung— war die Regierung in der Tat der Ueberzeugung. daß ihre Auslegungen zuträfen, so wäre sie zu einer Anklageerhebung verpflichtet gewesen. Die im Dezember 1394 eingebrachte Umsturzvorlage gab dem Jnstizminister wiederholt Gelegenheit, im Reichstage zu offen- baren, daß die Strafrechispflege als Machtmittel der herrschenden Klaffe gegen die Bestrebungen der Arbeiter und der Sozialdemo- kralle dienen solle. Die Umsturzvorlage fiel am 11. Mai 189ö. Zur Klassenjustiz und tendenziösen Hand« habung der Rechtspflege bekannte sich der Jnstizminister, freilich sehr wider seinen Willen, ungeschminlt am 12. Dezember 1895 im Reichswgc. Dem Fall der Umsturzvorlage war ein lebhastcS strafrechtliches Kesiellrciben gegen gewerkschafrliche und politische Bestrebungen der Arbeiterklasse gefolgt. Di« gewagtesten Jnter- pretationen wurden vo» Gerichten gutgeheißen und die Opfer der richterlichen Ueberzeugiing mit enorin hohe» Strafen belegt. ES sei nur an die Urleile erinnert, die unter dem Vorsitz deS damals noch nicht in einer Irrenanstalt internierten Landgerichtsdirektor» Brause- weiter auS Anlaß des fünfundzwanzigjäheigen Sedanjubilännis erginge» und den berüchii vn Seplemberkurs einleiteten. Schönstedt bestritt im Reia�tage lebhaft, daß die Ge- setze einseitig und tendenziös angewendet würden. Ihm antwortete u. a. Bebel durch ein Zitat aus einem Aufsatz deS Reichsgerichtsrats Stenglein in der Hardenschen„Zukunft". In der .Zukunft" war bereits vor dem Erscheinen der Umsturzvorlage ein Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter gefordert und verlangt, es solle mit� der„Legende von der Gleichberechtigung der Arbeiter" ans- geräumt werden. Als die Umsturzvorlage erschienen war, hatte sich auch die Hardensche„Zukmift" gegen"diese Umsturzvorlage ge- wendet, weil sie weit über den Kreis der Arbeilerbestrebungen hinaus fast jede kulturelle Regung mit Strafe bedrohte. Nach dem Fall der Umsturzvorlage hatte in der„Zukunft" unter dem 5. Oktober 139ö Reichsgerichtsrat Stenglein ein Rezept offenbart. dessen Anwendung es ermöglichen würde, die bösen Arbeiter zu treffen. ohne den bürgerlichen Frevlern wehe zu tun. Man dürfe die UnterscheidnngSinerfrmale nicht ans objektivem Boden suchen, da„man doch s n b j e kt i v e Bestrebungen treffen wolle". „Das Gefährliche ist die Tendenz, der die Worte dienen und die entsprechend gewählte Gelegenheit, sie auszusprechen." Der Jiistizminiber bestritt, daß eine tendenziöse Strafverfolgung in Deutschland Platz habe und fuhr dann wörtlich fort: „Ich will nun noch mit ein paar Worten auf die Behauptung hinweisen, daß in der Beurteilung der Gerichte den Sozialdemo- kraten gegenüber ein anderer Standpunkt eingenommen werde, als gegen andere Personen und darin liege gerade die Tendenz. Meine Herren, nun ist es ein alter Grundsatz in der Rechtsprechung und in der Rechtswissenschaft, si duo taciunt idem, non est idein: wenn zwei dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe. Es kann deshalb in dem Mund des einen eine ganz andere Bedeutung haben, als in dein Munde eines anderen und es ist gewiß nicht auSgeschloffen, daß man bei der Interpretation der Worte eines Mannes fragt: was ist denn die Tendenz dieses ManneS, wohin strebt er, Ivorauf will er hinaus? Und da müssen die Herren von der sozialdemo- katischen Partei es sich gefallen lassen, daß auch dann, wenn sie vor dein Richter stehen, für die Auslegung der Trag- weite ihrer Worte zurückgegangen wird auf andere Gelegenheiten, auf das, was sie in Versammlungen oder in der Presse vorgetragen haben, auf dasjenige, was als das Ziel ihrer Bestrebungen klar hin- gestellt ist und wodurch sie sich von allen anderen Parteien im Staat frlar unterscheiden." Nackt und klar ist hier das Terenzsche Spottwort gegen eine parteiische, willkürliche, tendenziöse Rechtspflege als„Grundsatz in der Rechtsprechung und in der Rechtswissenschaft" für die preiißffch-denlsche Justiz vom obersten Justizbeamten proklamiert. An Stelle des Ge- recbtigkeitsfatzeS: oune Ansehen der Person soll der Richter die zur Anklage gestellte Tat beurteilen, tritt der Grundsatz der Willkür und derKlasienherrschaft: ohne Rücksicht auf die Tat, die begangen ist. soll der Täter wegen seiner Person, seiner Gesinnung, seiner Tendenz verurteilt werden. Zur Befolgung eines solchen Grundsatzes gehören freilich a b- h ä n g i g e Richter. Und was zur Etablierimg absolutester A b- hängigkeit der Richter und zur Zerstörung des Märchens von der Unabhängigkeit der Richter getan werden konnte, hat an seiner Stelle der Jnstizminister a. D. in reichlichstem Maße getan. Volle Unabhängigkeit können nur a»S allen Kreisen der Bevölkerung vom Volke gewählte Volksrichter besitzen. Aber auch vom Stand- punkte der bestehenden Organisation einer durch„gelehrte Richter" geübten Rechtspredmng kann allzu großer Willkür ein Damm geletzt werden. Eine wirkliche Unabhängigkeit gelehrter Richter von etwas außerhalb ihrer Ueberzeugung Liegendem verlangt: Unabsetzbarkeit, Unversetzbarfreit, gesicherte ökonomische Lage der Richter, Regelung des Anfriickens i» höhere Gehaltsstellen nach dem Dienstalter. Schutz gegen Maßregelnng durch ein Disziplinargesetz, dessen kautschukartige Vorschriften jedes Verhalten eines Richters zum Gegenstände einer Ver- folgung machen kann, Unabhängigkeit der Justiz von der Verwaltung, steie Betätigung auf religiösem, politischem und sozialem Gebiet. Anders sehen die dnrch Herrn Schönstedt betätigten Grundsätze au?! Statt Unabhängigkeit der Gericht« von der Verwattnng: Besetzung der Richter st eklen mit ehemaligen Staats- a n w ä l t e n. Die Polizei ist zur obersten Hüterin der Straf- rechtspflege geworden: es sei an den Tausch-Prozeß, eS sei an das Eingeständnis erinnert, daß in Deutschland eine organisierte Schaar selbst russischer P o l i z i st e n Dienste verrichten. Unabhängigkeit der politischen Ueberzeugung: Der Land- gerichtSdirekior Alexander Schmidt nahm seinen Abschied, weil die unter seinem Vorsitz erfolgte Freisprechung HardcnS von der Anklage wegen Majestätsbeleidignng mißfällig aufgenommen wurde. Erinnert sei an den noch immer beurlaubten Kammergerichtsrat H a v e n st e i n, dessen richterliche Ueberzeugung den Strafsenat des Kammergerichts wiederholt zu anderer Ueberzeugung brachte, als Polizei und StaatSamvaltfchast wünschten. Erinnert sei an die im Abgeordnetenhause zugestandene Mißbilligung eine? k a m m e r- gerichtlichen Urteils, das zugunsten von sechS Kleinbauern die unberechtigten Ansprüche der agrarischen Leiter deS Milch- ringeS abwies. Freiheit der religiösen Ueberzeugung. Im Gegensatz zu dem Reichsgesetz über die Gleichberechtigung der Kon- fessioncii in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung vom 3. Juli 1869 und zur preußischen Verfassung verteidigte der Justiz- minister eine unterschiedliche Behandlung bei der Verleihung von Notariats- und Richterslellen.„Lebt Ihre alte Schwiegermutter »och?" wird ein zur Beförderung vorgeschlagener Richter jüdischer Konfession gefragt, nachdem dieser bei früheren Gelegenheiten darauf hingewiesen, daß er schon mit Rücksicht aus seine Schwiegermutter die Konfession nicht wechseln würde. Anderen wegen ihrer Be- sähigimg zur Beförderung vorgeschlagenen Richtern wird gleichfalls die äußerliche Taufe nahegelegt. Freiheit in sozialer»nd politischer Richtung? Die Richter werden dauernd schlechter gestellt als die VerwaltnngS- beamten. Mit dem vom Abgeordnetenhause freilich abgelehnten Assessorenparagraphen, dem berühmten§ 8 der preußischen Vorlage vom Jahre 1896 suchte Schönstedt die Scheidung der Richter- kandidaten je nach ihrer Herkunft»»d politischen Betätigung zu einer gesetzlichen zu gestalten. Nach der Ablehnung der famosen Bestimmung erklärte er dem Sinne nach: gemacht wird'S doch so. ServUiSmnS und Ehrgeiz erraten um so lebhafter die Wünsche der jeweiligen Regierung, je stärker sie erkannt haben, daß Wissen und Ileberzeugungsrreue ein nutzloser Ballast bei der Erfüllung von Wünschen der Spitze einer Verwaltung sind, die ihr Amt als dienendes Glied der politischen Machthaber verwaltet. Au« dem G e s e tz st e b u n g s g e b i e t sei an die Mißachtung reichSgcsetzlicher Vorschriften bei wiederholten Gelegenheiten erinnert: da» Ä n s i e d e l u» g s g e s e tz stellt die Polen unter ein mit den reichsgcsetzlichen Vorschriften unvereinbares Ausnahmegesetz. Der nicht Gesetz gewordene Entwurf zur Herabse, ikung der ländlichen Arbeiter zu Hörigen verstieß in der offensten Weise gegen eine Reihe grundlegender Reichsgeietze. Der Bureaulrat Schönstedt offenbarte sich insbesondere bei der Umgestaltung der GerichtSvollzieher-Ordnung und der im näcksten Jahre in Kraft tretenden Zersplitterung der BerlinerGerichtsorganisation. Den Glanzpunkt der staatsretterischen Leistungen erreichte der Justiz- minister bei dem Königsberger H o ch v e r r a t s p r o z e ß. Ver« Haftung deutscher Staatsbürger wegen Verbrechen, die keine sein können, Anbettelung der rusfiicben Regierung, gegen Dents-be Straf- antrag wegen Handlungen zu stellen, die. auch wenn sie begangen wären, nicht straibar sind: Berhafning der unmöglicher Delikte An- geschnldigtcn! Vorenthaltung der Druckschriften, deren Inhalt straf- bar sein sollte-, Operieren mit gefälschten, tendenziös zugespitzten Zitaten Behinderung der Verteidigung; Umgestaltung der Königs- berger Strafkammer in ein Auenahmegericht durch Besetzung mit einem Borsitzenden, der bis dahin als Staatsanwalt in Erfurt fungierte! Ausstattung der Anklage mit angeblich russischen Slrafparagraphen, die im russischen Strafgesetz nie existierten; Einwirkung des JustizministerS auf den Gang des Königsberger Prozesses! Entschuldigung der leichtfertigsten Prüfung der Anklage im Justizministerium, mit der Thalsache, daß der Koffer des Refe- reuten zur Urlaubsreife schon gepackt war u. s. w. u. s.>v. Nie hat ein preußischer Justiznnnister so klar dokmnentiert, daß Gesetz und Recht mißachtet werden, wenn es gilt, den politischen Gegner zu Keffen und das homosexuelle Liebesgirren der herrschenden Klaffe um die Gunst der russischen Regierung zu unterstützen. Dr. Schönstedt rechtfertigte den Hochverrat gegen die cle- mcntarsten Rechtsgrundsätze am 27. Februar 1994 im Reichstag mit den Worten: „Wenn wie im vorliegenden Falle der Versuch gemacht wird, durch Verbreitung anarchistischer, revolutionärer, terroristischer Scbristen in Rußland eine Bewegung einzuleiten, die wenn sie Erfolg hat, ihre notweindge Rückwirkung auch auf den preußischen Staat und auf das Deutsche Reich ausüben muß, dann sage ich: tusrssaAitnr(deine Sache st e h t auf dem Spiel), dann schreite ich ein und warte nicht erst den Antrag der zunächst beteiligten russischen Regierung ab." Schönstedt war bei allem was er tat, bestrebt, die Vorrechte der besitzenden Klasse aufrechtzuerhalten. Ihm als Justizniinistcr war bcsdneden. zu zeigen: Die Justiz des KlaffcnstaatS hat mit der Gerechtigkeit nichts zu tun. Sie ist dienende Magd der Angenblicksinteressen der herrschenden Klasse und der polizeilichcu Willkür. Wie Herr Beseler, der Nachfolger Schönstedts, sein Amt ver- walten wird? Die Rechtspflege und der Nichtersland sind dnrch seinen Vorgänger so depraviert(herabgesetzt), daß auf diesem Gebiete ihm zu tun kaum etwas übrig bleibt, illlonarchisch war Dr. Schönstedt bis in die Knochen, so monarchisch, daß sein Tun das schöne Diktum Friedrich Wilhelms I. immer wieder ins Gedächtnis ruft: Leute von Kopp gehören in die Verwaltung, dmnrne Teufel in die Justiz. Huö der Partei. Die Organisationen und der„B»rwärtS"-Konflikt. Eine KrciS-Gencralvcrsammlung des Wahlvereins Teltow- Bcestow-Storkow-Cbarlottenburg, die zu ganz anderen Ausgaben einberufen war. hatte bekanntlich in dem.,BorwärtS"-KonfIikt durch eine Resolution Südckum-Zubcil einseitig zugunsten der ausgeschiedenen sechs Redakteure Stellung genommen, noch bevor überhaupt die erste Gegenäußcrung des Vorstandes, die Denk- schrift, erschienen war. Jnzwisdien hat nun in zahlreickien Orts- Wahlvereinen de? Kreises die Berichterstattung über diese Kreis- Generalversammlung stattgefunden, worüber wir in unserem Vor- ortteil berichteten; wir werden aber ersucht, auch an dieser Stelle darauf hinzuweisen, daß bisher nur in einem Orte und zwar Lichtcrfclde, der Stellungnahme der Kreisversammlung rückhaltlos zugestimmt wurde, dagegen in anderen Orten, wo die Bericht- crstattung schon stattfand, sckiarfe Resolutionen gegen den Beschluß angenommen wurden, so in Wilmersdorf, Königs-Wnstcrhauscn. Johannisthal usw., zum Teil auch mit direkter Verurteilung des Verhaltens deS Abgeordneten des Kreises in dieser Frage; in Wilmersdorf wurde auch ausdrücklich in der Resolution erklärt, daß die Versammlung cS energisch ablehne, sich mit der Abstimmung und Haltung ihres Delegierten auf der Kreis-Generalvcrsamm- lung. Südekum, einverstanden zu erklären. » In der Freitagabend tagenden von zirka 499 Personen be. suchten Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins Leipzig- Ost ging unter Parteiangelcgenheitcn der Genosse Scheid aus den .,VorwärtS"-Konflikt ein und unterbreitete folgende R e s o- lution, die einstimmig angenommen wurde:„Die heute im Saale der Grünen Schänke zu L.-Anger tagende Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins Leipzia-Ost erklärt sich mit dem Vorgehen des Partetvorstandes und der Prcßkommission deS„Vor» wärts" gegen die bekannten sechs Redakteure vollständig einver- standen. Sic verurteilt mit aller Entschiedenheit die Haltung ver» schiedener Parteiblättcr, die sich lediglich aus Kollegialität und ent- gegen den bisher gepflogenen Grundsätzen der Partei haben leiten lassen, einseitig Partei für die Sechs zu nehmen, ohne die Er- klärungen des ParteivorjtandeS abzuwarten. Sic erkennt in dem Vorgehen der genannten Redakteure und der Parteiblätter eine ge- wisse Gehässigkeit gegen den Parteivorstand, die dazu führen muß, das Ansehen der Gcsamtpartei �zu schädigen." Die Parteigenossen in Köln nahmen am Sonntag Stellung. Nach eingehender, ruhiger Aussprache nahm die Versammlung folgende Resolution mit großer Mehrbeit an: „Der Sozialdemokratische Verein in Köln betrachtet es alö da? selbstverständliche Recht de« Parteivorstandes und der Preß- kommission des„Vorwärts", von dem Zentralorgan der Partei in grundlegenden Fragen eine Haltung zu verlangen, die den An- schauungen der großen Mehrheit der Parteigenossen entspricht und deren Richtlinien noch auf dem Dresdener Parteitage festgelegt worden sind. Der Verein steht auf dem Standpunkte, daß das Verhältnis der Parteiredakteure zu den AufsidstSinstanzen nicht verglichen werden kann mit dem Verhältnis des Arbeiters zum Unternehmer. Die Parteiredakteure sind vielmehr alS Vertrauenspersonen zu betrachten, die von den Parteigenossen an ver- antwortungsreiche Stellen gesetzt sind. Aus diesem Verhältnis gegenseitigen Vertrauens ergeben sich für beide Teile besondere Rechte unb Pflichten. Deshalb muß es das Recht der Redakteure sein, bei Kündigungen sowie bei sonstigen Personalvcränderungen der Redaktion, Anstellung von Mitarbeitern usw.. gehört zu werden. Dieses Recht ist den ausgeschiedenen Redakteuren, wie feststeht, mehrfach zuteil geworden, ohne daß dadurch den Wünschen der Gcsamtpartei von den Sechs Rechnung getragen wurde. AuS dieser Tatsache ergab sidi die völlige Zwccklosiykeit weiterer AuS- spräche mit den ausgeschiedenen Redakteuren. Die Berliner Partei- funktionäre und der Parteivorstand waren daher genötigt, den Weg zu gehen, den sie beschritten. Daß diese Lösung der„Vorwärts"- Frage auch die einzig ridztige war, haben die sechs ausgeschiedenen Redakteure durch ihr geradezu parteischädigendes Treiben in dieser Angelegenheit nachträglich noch besonders bewiesen. Die Partei- Versammlung spricht deshalb dem Parteiporstand ihre volle Zu- stiwmung zu seinem Vorgehen aus." Ein Antrag, die Resolution dahin abzuändern, daß sowohl den ausgeschiedenen Redakteuren alS auch dem Parteivorstand Schuld beizumessen sei, wurde gegen eine geringe Minderheit abgelehnt. Die angenommene, außerordentlich präzise und energische Re- solution gibt um so beredteres Zeugnis von dem gesunden, durch nichts zu verwirrenden Geiste unserer Kölner Parteigenossen, als das Kölner Parteiorgan, die„Rheinische Zeitung", von vornherein völlig einseitig und systematisch seine Leser zugunsten der ausge- schiedenen Redakteure gegen Parteivorstand und Preßkommission zu beeinflussen versucht hat. Erst als die Kölner Preßkommission gegen diese Methode ihres Blattes öffentlich Stellung nahm, wurde es etwas anders; wie sehr die Preßkominission bei dieser ihrer Stellungnahme gegen das Verhalten der„Rheinischen Zeitung" die übergroße Mehrheit der Kölner Parteigenossen hinter sich hatte, zeigt die angenommene Resolution jetzt auch. Die am Sonntag stattgesundene Kreiskonferenz des Wahlkreises Essen nahm mit 99 gegen 3 Stimmen folgende Resolution au: „Die Kreiskonferenz begrüßt mit Genugtuung den Redakteur» und Systemwechsel ani„Vorwärts". Äienn den maßgebenden Partei- Instanzen ein Borwurf zu machen wäre, so läge er darin, daß sie nicht schon irüher dem längst unhaltbaren Znstande ein Ende bereitet haben, da die früheren Redakteure wiederholt darauf hingewiesen worden waren, daß sie den »Vorwärts' nicht im Sinne der Dresdener Resoluiio» und der großen MehrWt der Berliner Parteigenossen redigierten. Die KreiSlonferenz steht auf dem Standpunkt, daß das Verhältnis der„Vorwärts"-Redaktion zur Parteileitung ein anderes ist, als das der Arbeiter in kapi- talistischen Betrieben zu ihren Arbeitgebern. Die Äreiskonferenz steht daher ferner auf dem Standpunkt, daf; die Parteileitung Iveder Grundsätze der Partei noch der Gewerkschaften verletzt hat, dah es sich vielmehr um eine reine Zweckmästigkcitsfrage handelte, welche die Parteileitung so erledigte, wie die Notwehr, die Aufrechterhaltung der altbewährten Grundprinzipien der Partei es ihr gebot. Die Kreiskonferenz erklärt sich mit der Parteileitung in Sachen des „Vorwärts"-Konfliktes einverstanden und spricht ihr ihr volles Vertrauen aus." * In einer Versammlung des Gewerkschaftskartells zu Preetz Wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Stellungnahme des„Correspondenzblattes" der General- kommission der Gewerkschaften Deutschlands zwingt das GeWerk- schaftslartell in Preetz, auszusprechen, daß es vollinhaltlich mit der Handlungsweise des Parteivorstandcs und der Preßkommission ein- verstanden ist und das Eingreifen, überhaupt die nicht im Interesse der allgemeinen Arbeiterbewegung liegende Stellungnahme des „Correspondenzblattes" in dieser Frage mißbilligt." Der Sozialdemokratische Verein zu Frciburg i. B. nahm dagegen in seiner letzten Versanimlung folgende Erklärung an: „Die Versanimlung des sozialdemokratischen Vereins Freibnrg verurteilt auf das entschiedenste da? Vorgehen des Parteivorstandes gegen die entlassenen„Vorwärts"-Redakteure. Des weiteren ist die Versammlung der Meinung, daß der Parteivorstand, wem, er eine solche Aenderung plante, verpflichtet gewesen wäre, den Parteitag in Jena zu uiitemchten, damit der Parteitag seine Stellung zur prinzipiellen und taktischen Haltung des„Vorwärts" hätte präzisieren können." Der erste Satz wurde mit allen gegen eine und der zweite mit allen gegen sechs Stimmen angenomiiien. Der Briefwechsel im„Vorwärts"-Konflikt zwischen dem Partei- vorstand und den sechs ausgeschiedenen Redakteure!, wird von der „ München er Po st" in einer besonderen Beilage publiziert. Die Briefe bestätigen nur, was für die wesentlichen Vorgänge schon aus den von uns wiedergegebenen Erklärungen des Parteivorstandes und der Preßkommission einerseits und den Sechs andererseits be- kannt ist._ Zur Mandatsnirderlegung Schippels veröffentlicht die Chem- uitzer„Volksstimme" noch folgendes Schreiben an den Parteivorstand deS 16. sächsischen Reichstagswahlkreises: „Durch Mitteilung meines Schreiben? an den Berliner Partei- vorstand setze ich auch Sie von meiner Mandatsniederlegung in Kenntnis, möchte aber speziell für die Chemnitzer Parteifreunde noch einige Worte hinzufügen. Der Chemnitzer Wahlkreis stand, wie Sie wissen, bereits im Vorjahre an der Schwelle einer Neuwahl. Kurz nach dem Bremer Parteitag richtete ich, unter Ablehnung jedes eigenen Ein- greiseuS in eine etwaige Debatte, nach Chemnitz die Anfrage, welche Forderungen man dort aus dem Bremer Beschluß zu ziehen gedenke. Die Chemnitzer Parteiversammlung sprach sich damals, mit allen gegen sechs Stimmen, ihrerseits dahin aus, daß„keine Veranlassung vorliege, Konseguenzen zu ziehen, welche das Reichs- tagsmandat berühren". Wenn auch mir die Neuwahlfrage in, Augenblick damit erledigt schien, so habe ich nicht voraussehen können, wie empfindlich mit der Zeit mein schon damals sehr angegriffener Gesundheitszustand werden würde. Ich halte es daher, nach langem Zögern und Schwanken, nunmehr selber für geboten, den Schritt zu vollziehen, der nur von anderer Seite und aus anderen Gründen bereits vor einem Jahre nahegelegt wurde. Daß ich das nicht leichten HerzenS tue, brauche ich kaum erst zu versichern. Aber ich hoffe, daß wenigstens die vielen persönlichen und freundschaftlichen Beziehungen, die mich mit der Chemnitzer Arbeiterschaft nach so langer Zeit gemeinsamen WirkenS und Strebens verbinden, unverändert fortdauern werden, auch nachdem das vertrauensamtliche Verhältnis zu den Wählern meiner alten Heimat und Vaterstadt nunmehr, nach fast 16jährigem Bestände, end- gültig aufgehört hat. Mit altem parteigenössifchen Gruße Ihr Max Schippet." Der Zentralvorstand des Sozialdemokratischen Vereins für den 16. sächsischen Reichstagswahlkreis erläßt in der Chemnitzer„Volksstimme" am Dienstag folgende Erklärung: „Obgleich uns der ungünstige Gesundheitszustand unseres bis- herigen Reichstagsabgeordneten S ch i p p e l bekannt war, sind wir doch außerordentlich überrascht, daß dieser und andere Gründe seine plötzliche Mandatsnicderlegung verursacht haben. Wir bedanern dies und erklären ausdrücklich, daß die Haltung des Geuosien Schippe!— wie dies auch in verschiedeneu früher gefaßten Resolutionen von Parteiversammlungen des 16. sächsischen Reichstagswahlkreises zum Ausdruck gcb»acht worden ist— von hier aus keiner! ei Kritik erfahren hat, die seine Mandatsnieder- legung hätte zur Folge haben müssen." Demonstrationen gegen die Flottenvorlage. Die am Sonnabend in H i r s ch b e r q i. Schlei, stattgefundene Versammlung des sozial- demokratstchen'Wahlvereins beschloß einstimmig, an den Parteivor- stand kolocnden Antrag zu richten: „Die Versammlung ersucht den Parteivorstand, gegen die neue Flottenvorlage wie gegen Militarismus und MarinismuS überhaupt so schnell wie möglich in ganz Deutschland das Volk zum Protest aufzurufen. In großen Demonstrationsversammlungen ist dafür zu sorgen, daß die Steuerzahler über die gemeinschädlichen Folgen der uferlosen Flottenrüstungen, des Verpulverns ungezählter Millionen aufgeklärt werden. Das Resultat dieser möglichst zu gleicher Zeit zu veranstaltenden Demonstrationen ist dem Reichstage und den verbündeten Regierungen zu übermitteln."— Kommnnalwahlen. Bei der Gemeindewahl in Obcrhausen, einem Vorort Augsburgs mit zahlreichen Industriearbeitern, wur- den zwei Sozialdemokraten in den Gemeinderat gewählt, die ersten im ganzen schwäbischen Bayern. Bei der Stadtverordnetenwahl in Elberfeld erhielten unsere Kandidaten 3914—4121 Stimmen, die kartellierten Konservativen, Nationalliberalen, Ultramontanen und Freisinnigen erhielten 5062 bis 5367 und eine bürgerliche Opposition 618—747 Stimmen. Von unseren Kandidaten kommen zwei in Stichwahl, fünf Stadtverordnete sind in der dritten Abteilung zu wählen. Zur Wahl gingen 57 Proz. der Wähler. Mehr als die Hälfte der Elberfelder Arbeiterschaft hat lvegen des hohen Zensus kein Wahlrecht. Bei der vorigen Wahl erhielten wir bis zu 1456 Stimmen. In Remscheid sind unsere Parteigenossen diesmal unter- legen. Bei den Wahlen von 1901 und 1903 hatten sie gesiegt und hofften nun. den Rest der dritten Abteilung zu erobern. Das ist nicht geglückt; sie erhielten 2447—2479 Stimmen, während es die vereinigten Gegner auf 2631— 2652 Stimmen brachten. Die Beteiligung war eine starke, es wählten 68 Proz., auch sind unsere Stimmen um rund 550 gegenüber der vorigen Wahl gestiegen. Hätten bei der Wahl die unerguicklichen Reimcheidcr Parteistreitereien nicht eine Rolle gespielt— man konnte sich unter anderein über die Kandidaten nicht einigen— so wäre trotz des gegnerischen Ansturm wohl auch diesmal der Sieg unser gewesen. In Hagen waren für den Bezirk Vehringshausen zwer Ersatzwahlen vorzunehmen. Mit 518 bezw. 502 Stimmen unterlagen unsere Genossen den Gegnern, die 712 bezw. 364 Stiinmen erhielten. Da hier die meisten Arbeiter wahlberechtigt sind, kann bei besserer Organisation der Bezirk gewonnen werden. Eine Kreisko-tferenz des Wahlkreise? Essen fand am 19. d. M. statt. Sie ivar von 93 Delegierten resp. Parteifunktionären besucht. Aus dem Bericht des Sekretärs heben wir herbor: Bei der Wahl wurden außer drei Broschüren, die in je 60 000 bis 75 000 Exemplaren zur Verteilung gelangten, 1300 000 Flugblätter sowie 247 000 Versammlungseinladungen verbreitet. In 133 öffent- lichen Versammlungen sprachen 14 Redner von auswärts und 14 aus dem Ruhrgebiet.— Die Wahlkasse bilanziert mit 16 500 M. Der Kreiswahlverein hielt außer den Wahlversammlungen 13 öffentliche Versammlungen sowie 5 Generalversammlungen in der Stadt und 6 Mitgliederversammlungen auf dem Lande ab im letzten halben Jahre. Die Organisation wächst ständig. Mitglieder waren vorhanden: 1898: 70, 1899; 160, 1900: 342, 1901: 351, 1902: 750, 1903: 1100, 1904: 1700, 1905: 2400. Um der Fluktuation im Mitgliederbestande zu begegnen(bei 1500 Neuaufnahmen war ein Abgang von 600 zu verzeichnen), wurde die Gewährung einer Vergütung an die Parteifunktionäre beschlossen. Zum Punkt Presse beschloß die Konferenz, den Vorstand zu beauftragen, die Errichtung einer offenen Handelsgesellschaft in die Wege zu leiten, damit die Gründung einer eigenen Presse bald erfolgen könne. Weiter soll geprüft werden, ob die Ausgabe von Obligationen zu enipfehlen ist. Im Preßfonds sind vorhanden 7500 M., an denselben werden jetzt von jeder verkauften Bei- tragsmarke(40 Pf.) 15 Pf., vom 1. Januar 1906 ab 10 Pf. abge- führt. Um besser in die noch indifferenten Kreise eindringen zu können, wurde die Einführung der Elbcrfelder Agitationszeitung: „Morgenrot" beschlossen. Ein Antrag, die Redaktion des Parteiblattes, der„Dortmunder Arbeiterzeitung", zu ersuchen, zu allen austauchenden Parteifragen eine prinzipielle Haltung einzunehmen, wurde debattelos an- genommen. Zum Konflikt am„Vorwärts" nahm die Konferenz gegen drei Stimmen eine Resolution an, die wir an anderer Stelle wieder- geben._ Versammlungen. Eine öffentliche Koinmunalwähler-Bcrsctimnlung beschäftigte sich am Montag mit der Neuwahl im 17. Bezirk. Der Referent, Stadtv. Ewald, der an Stelle des verhinderten Stadtv. Bruns erschienen war, kennzeichnete in treffender Weise das Ver- halten des Freisinns, das dieser gegen den seinerzeit aus der Wahl hervorgegangenen Genossen Äerfin eingenommen hatte. Redner ging dann auf die Aufgaben der Sozialdemokratie im roten Hause ein und beleuchtete das Verhalten der dortigen freisinnigen Mehrheit. Alsdann nahm der Kandidat des Kreises, Genosse K e r f i n, das Wort und wies besonders darauf hin, daß der Name deutlich ausgesprochen werden möge. Redner schildert noch einmal die Ver- Handlungen vor dem Obcr-VerwaltungSgcricht.— In der Diskussion sprachen Gottfr. Schulz, G eh r m a nn und M a s ch k e. Letzterer machte einige interessante Mitteilungen aus der freisinnigen Versammlung, in welcher der Abgeordnete Kopsch referierte. Nachdem noch Genosse Ewald in seinem Schlußwort das Ver- halten des Abgeordneten Kopsch genügend beleuchtet hatte, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Die Berliner Gcwcrlschafts-Kommission hielt am Montag eine Versammlung der Delegierten und der Vorstände der an die Kom- Mission angeschlossenen Gewerkschaften ab. Auf der Tagesordnung stand der Protest des Verbandes der Handels- und Transport- arbeiter gegen den Anschluß des Vereins Berliner Hausdiener an die Gewerkschafts-Kommission. Eugen Brückner, der den Vorsitz der Versammlung führte, bemerkte einleitend: Der Verein Berliner Hausdiener habe vor längerer Zeit seinen Anschluß an die Gewerkschafts-Kommission nachgesucht. Ter Verband der Handels- und Transportarbeiter habe dagegen Einspruch erhoben, der Ausschutz der Gcwerkschafts- Kommission habe infolgedessen die Aufnahme des Vereins Berliner Hausdiener abgelehnt. Nachher hatte sich das Gewerkschafts-Kartell bereit gefunden, den Verein Berliner Hausdiener aufzunehmen. Tarauf habe von feiten des Ausschusses der GewerkschastS-Kom- Mission nochmals eine Aussprache der Beteiligten stattgesunden. Auf Grund dieser Aussprache sei der Ausschuß zu dem Beschluß gekommen, daß der Auftuchme des Vereins Berliner Hausdiener in die Gewerkschafts-Kommission nichts mehr im Wege stehe. Gegen diesen Beschluß des Ausschusses habe der Vorstand des Verbandes der Handels- und Transportarbeiter Protest erhoben, die Entscheidung stehe nun dieser Versammlung zu. Werner begründete de» Protest des Verbandes der Handels- und Trmisportarbeiter. Eingehend schilderte er die Entstehung und das seitherige Verhatten des Vereins Berliner Hausdiener. Schon vor Jahren habe der Verband versucht, den Verein zum Anschluß an den Verband zu bewegen, aber vergebens. Seit dem Jahre 1904 seien erneute Anschlutzverhandlungen im Gange, jedoch habe der Verein die durchaus loyalen Anschlußbedingungcn des Verbandes nicht angenommen. Unrichtig sei, was kürzlich im Gcwerkschafts- Kartell gesagt wurde: Der Verband habe vom Verein beim Ucbcrtritt ein Sühnegeld gefordert. Es handele sich vielmehr darum, daß der Verein pro Mitglied 2 M. zahlen sollte, wofür seine Mitglieder sofort nach dem liebertritt für alle Unterstützungen im Verbände unter- stützungsbcrechtigt sein sollten. Während die Verhandlungen zwischen beiden Organisationen noch schwebten, habe sich der Verein Berliner Hausdiener hinter dem Rücken des Verbandes an den Ausschuß der Gewerkschafts-Kommission gewandt. Zu jener Zeit habe der Verein Berliner Hausdiener ein Statut gehabt, das den Grundsätzen der modernen Arbeiterbewegung nicht entsprach. Der Verband habe eine Aenderung der Statuten in diesem Sinne zur Vorbedingung des Anschlusses gemacht. Der Verein sei dem nachgekommen, er habe am 15. August sein Statut geändert, aber dasselbe enthalte noch mehrere schwarze Punkte. So nehme der Verein Berliner Haus- diener Mitglieder nicht vor dem 17. und nicht nach dein 45. Lebens. jähre auf. Obgleich das neue Statut des Vereins Berliner Haus- diener erst am kommenden 1. Januar in Kraft trete, suche der Verein schon jetzt unter Berufung auf das neue Statut Vorteile zu erlangen. So habe er die Vertrauensleute der Partei veranlaßt, dem Verein die Spalten des„Vorwärts" zu öffnen, die ihm gesperrt waren, weil er sich früher Verstöße gegen die Lokalsperre zu schulden habe kommen lassen.— Neuerdings habe der Verband dem Verein wieder andere Anschlußbedingungcn gestellt, der Verein habe aber auch unter diesen Bedingungen nichts von Anschluß wissen wollen. Trotzdem habe nun der Ausschuß die Aufnahme des Vereins Berliner Hausdiener in die Gewcrkschaftskommission beschlossen. Jetzt, nach- dem dieser Beschluß gefaßt ist, agitiere der Verein Berliner Haus- diener gegen den Verband der Handels- und Transportarbeiter, in- dem er den Berufsangehörigen sage, der Verein leiste für einen Wochenbeitrag von 20 Pf. dasselbe, was der Verband für einen Beitrag von 40 Pf. gewähre. Auch der Umstand, daß der Verband wegen des Elektrostreits einen Extrabeitrag erhebe, werde vom Verein gegen den Verband ausgenutzt. Es handele sich also um emen Konkurrenzverein des Handels- und Transportarbeiter-Ver- bandes, der in die Gewerkschafts-Kommission aufgenommen werden solle. Keine Gewerkschaft, die sich in ähnlicher Lage befände, wie der Handels- und Transportarbciter-Verband, könne der Aufnahme des Vereins Berliner Hausdiener in die Gcwcrlschafts-Kommission zustimmen. K ö r st e n begründete die Haltung des Ausschusses. Der Verein Berliner Hausdiener habe sich seit etwa IMt Jahren ernstlich bemüht, sich auf den Boden der modernen Arbeiterbewegung zu stellen. In dem Verein herrsche jetzt ein ganz anderer Geist als früher. Viele Parteigenossen seien Mitglied des Vereins. ÄuS diesem Grunde sei denn auch im Ausschuß der Gewerkschafts-Kommission Stimmung für die Aufnahme des Vereins Berliner Hausdiener gewesen, als die Frage der Aufnahme austauchte. Der Ausschuß habe sich auch bemüht, daß der Anschluß des Vereins an den Verband bewerkstelligt werde und die Bedingungen des Verbandes empfohlen. Der Verein sei jedoch der Meinung, daß ein großer Teil seiner Mitglieder den Anschluß an den Verband nicht mitmachen würde. Mit Rücksicht auf diesen Umstand meine der Ausschuß, der Verein Berliner HauS. diener könne in die Gewerkschafts-Kommission aufgenommen werden und nach der Ausnahme könne eine Verständigung mit dem Verbände erfolgen. Eine Einigung der sich gegenüberstehenden Organisa- tionen sei leichter möglich, wenn beide der Kommission angehören, als wenn die eine außerhalb derselben stehe. Das Reglement der Gewerkschafts-Kommission biete übrigens keine Handhabe zur Zu- rückweisung des Vereins Berliner Hausdiener. Der Bruderzwist, der zwischen dem Verein Berliner Hausdiener und dem Verband der Handels- und Transportarbeiter besteht, werde sich unter der Leitung der Gewerkschafts-Kommission beseitigen lassen. In etwa zwei Jahren werde sich die Verschmelzung beider Organisationen vollzogen haben, und dann werde niemand mehr von den gegen- wärtigcn Streitigkeiten etwas wissen wollen. W a p p l e r(Vertreter des Vereins Berliner Hausdiener) wandte sich gegen die Ausführungen Werners. Die Verhältnisse im Verein Berliner Hausdiener lägen so, daß ein sehr großer Teil seiner Mitglieder vor dem Verbände ein Gruseln empfände. Das fei unter anderem auf die Schreibweise des Verbandsorgans „Courier" zurückzuführen. Von den 8000 Mitgliedern des Vereins würden jetzt nicht mehr wie 10 Proz. in den Verband übertreten. Die Mehrheit seien indifferente Leute, denen man Zeit lassen müsse, um sie für die moderne Arbeiterbewegung zu gewinnen. Es könne eben nicht alles mit einem Male erreicht werden.— In gleichem Sinne sprach Schmal, ebenfalls als Vertreter des Vereins Ber- liner Hausdiener. Es wurde auch hervorgehoben, daß die Statuten- bestimmung, wonach Hausdiener über 45 Jahre nicht aufgenommen werden, nur eine Sicherung gegen Ausbeutung der Unterstützungs- cinrichtnngen sei, die aber nicht strikte befolgt werde, denn der Verein habe schon Mitglieder von 56 Jahren aufgenommen. Schumann(Vorsitzender des Verbandes der Handels- und Transportarbeiter) sagte unter anderem: Ter Verein Berliner Hausdiener habe gar nicht die ehrliche Absicht, sich dem Verbände der HandeS- und Transportarbeiter anzuschließen. Das Bestreben des Vereins gehe vielmehr dahin, sich über ganz Deutschland aus- zubreitcn als besondere Organisation für die im Handelsgewerbe beschäftigten Hülfsarbeiter. Diese dem Verbände der Handels- und Transportarbeiter zu entziehen, betrachte der Verein als eine seiner Aufgaben. Durch seinen Anschluß an die Gcwerkschafts- Kommission wolle der Verein nur den Stempel als moderne Ar- beiterorganisation erhalten, um dann um so wirksamer für seine Sondcrbestrebungcn agitieren und schließlich auch den Anfchluß an die Gencralkoinmission erlangen zu können. Der Verein betreibe Zersplitterung der einheitlichen Organisation. Durch den Beschluß. den Verein in die Gewerkschafts-Kommission aufzunehmen, habe der Ausschutz Zersplitterung in die Kommission getragen. Das Gewerkschafts-Kartell sei konsequent gewesen, denn es habe dem Verein Berliner Hausdiener die Bedingung gestellt, sich mit der beim Kartell schon vorhandenen kleinen Hausdiener-Organisation zu verfchmelzen. Der Ausschuß der Gewerkschafts-Kommission dagegen habe die feste Haltung vermissen lassen, er wolle den Verein Berliner Hausdiener aufnehmen, ohne ihm die Verpflich- tung, sich mit dem Verbände zu verschmelzen, aufzuerlegen. Nach dem Regulativ der Gewerkschafts-Kommission seien von der Auf- nähme solche Organisationen ausgeschlossen, die sich von bestehen- den abgesplittert und Sonderorganisationcn gebildet haben. Wenn auch in diesem Falle von einer Absplitterung keine Rede sei, so handele es sich doch um eine Sonderorganisation und aus diesem Grunde dürfe die Aufnahme nicht stattfinden. Der Aufnahme des Vereins Berliner Hausdiener ständen aber auch die Kongreß- bcschlüsso entgegen, wonach die Gewerkschafts-Kommission als ein Kartell zentraler Einheitsorganisationen anzusehen sei. L i e b e n o w(Verein Berliner Hausdiener) meinte, eS sei doch kein Fehler, wenn sein Verein sich über ganz Deutschland ausdehne. Im Verbände der Handels- und Transportarbeiter seien ja doch nur sehr wenige Hausdiener. Für den Anschluß des Vereins Berliner Hausdiener an die Gewerkschafts-Kommission sprachen noch Keßlinke(Schlächter). Jäck(Maschinenarbeiter). Brückner(Graveur). Dann wurde ein Schlußantrag angenommen. Es lagen drei Resolutionen vor. welche dem Anschluß des Vereins Berliner Hausdiener zustimmten. dabei aber Bedingungen— die in den drei Resolutionen verschieden sind— über weitere Verhandlungen zwecks Anschluß des Vereins an den Verband der Handels- und Transportarbeiter stellen. Uebcr den Abstimmungsmodus entstand eine längere, oft ziem- lich erregte Geschäftsordnungsdebatte. Schließlich kam zunächst die grundsätzliche Frage, ob der Verein Berliner Hausdiener in die Gewerkschafts-Kommission aufgenommen werden solle, zur namentlichen Abstimmung.„ Die Aufnahme wurde mit 63 gegen 36 Stimmen beschlossen. Hierauf erklärte Schumann namens des Handels- und Transportarbeiter-Verbandes:„Wir ziehen mit dem heutigen Tage unseren Vertreter aus dem Aus- schuß der Gewerkschafts-Kommission zurück. Ob wir auch aus der Gewerkschafts-Kommission austreten, darüber wird unsere Generalvcr- s a m m l u n g B e s ch l u ß f a s s e n." Die Vertreter des Verbandes der Sandels- und Transport- arbeiter verließen den Saal. Die Erklärung Schumanns erregte allgemeines Aufsehen. Mehrere Redner bemerkten dazu, diese Er- klärung sei voreilig abgegeben. Mit der soeben vollzogenen Ab- stimmung sei keineswegs die bedingungslose Aufnahme des Vereins Berliner Hausdiener in die Gewerkschafts-Kommission beschlossen. Es sei damit nur gesagt, daß der Aufnahme keine grundsätzlichen Bedenken entgegenstehen. Nunmehr muffe erst abgestimmt werden über die an die Aufnahme geknüpften Bedingungen, welche m den vorliegenden Resolutionen aufgestellt sind. Solange diese Be- dingungen nicht beschlossen und vom Verein Berliner Hausdiener nicht anerkannt seien, gehöre der Verein der Gcwcrkschafts-Kom- Mission nicht an.— Andererseits machte sich die Auffassung be- merkbar, daß nach der hier erfolgten Abstimmung der Verein Ber- liner Hausdiener bereits aufgenommen sei. Gegen 1 Uhr wurde ein Antrag angenommen, die Versamm- lung zu vertagen und die Abstimmung über die Aufnahme- bcdingungen in einer demnächst zu veranstaltenden Versammlung vorzunehmen.____ Gerichts-Zeitung. Ist Turnen„Erörtern einer öffentlichen Angelegenheit"? Durch Nichtanmcldung eines Turnabends bei der Polizei sollten Pcska und Genossen, die Vorsteher des polnischen Turn- Vereins„Socol" zu Long, das Vereinsgesetz übertreten haben. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, daß die.Socol"-Vcreine. die notorisch den Gegensatz zwischen Polen und Deutschen ,m Sinne der grotzpolnischen Agitation zu fördern suchten, bestrebt seien, auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken. Die Angeklagten wurden jedoch freigesprochen und das Kammcrgericht verwarf am 20. November die Revision der Staatsanwaltschaft mit folgender Begründung: Allerdings sei in den Vorinstanzen ohne Rcchtsirrtum festgestellt worden, daß der„Socol" in Long, der dem bekannten „Socol"-Verband angeschlossen ist, eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecke. Taraus folge aber noch nicht, wie das Landgericht annehme, daß alle Zusammenkünfte der Leute anmeldepflichtig seien. Es wäre nur erforderlich für die Versamm- lungcn des„Socol", in denen öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollten. Das sei bei dem betreffenden Turnabend nicht der Fall gewesen nach den tatsächlichen Feststellungen. Somit recht- fertige sich die Freisprechung._ Wozu der Gendarm nicht befugt war. Vom Landgericht H i l d e S h e i m ist am 27. März die PferdcHändlerscHcfrau Wieczorek in Moritzburg wegen Widerstand gegen die Staats- gemalt zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Ein Gendarm, welcher anrüchigen Verkehr in der Wohnung der Angeklagten ver- mutete, drang nachts in die Wohnung ein und entdeckte dort�die Schwester der Angeklagten, sowie einen Mann unter Verhaltnissen, die seinen Verdacht rechtfertigten. Bei dieser Gelegenheit hat die Angeklagte dem Gendarm Widerstand geleistet.— Auf die Revision der Angeklagten hob das Reichsgericht am. Montag das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Gendarmen sind in Preußen nicht Hülfsbcamte der Staatsanwalt- schaft und dürfen deshalb fremde Wohnungen nachts nicht betreten. Der fragliche Gendarm war also nicht in der rechtmäßigen Aus- Übung seines Amtes, als ihm die Angeklagte Widerstand leistete. Gaspari Roth-Roffi wider Loewe. Die Privatklage des In- Habers eines Detektivbureaus Caspari Roth-Roffi gegen Dr. jur. Loewe und dessen Widerklage beschäftigte gestern das hiesige Schöffengericht. Nach längerer Verhandlung wurde die Sitzung zwecks Beweisaufnahme vertagt. Fahrlässige Tötung im Baubetriebe. Wegen fahrlässiger Tötung ist am� 30. Dezember v. I. vom Landgericht Koblenz der Bauführer Josef B u n g e r t zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden. Im Oktober v. I. leitete er die Unterführungsarbeitcn bei einer Eiscnbahnstrecke. Eine senkrechte Grubenwand stürzte ein und tötete zwei Arbeiter. Der Boden stand auf einer Kiesschicht, Unserem alten Kamerad KOtb Ä&igMst Weiß ein dreifaches donnerndes Hoch zu seinem heutigen Wiegenfeste senden Die Kameraden des 12. Bezirks. , Allen Freunden und Bekannten j die traurige Nachricht, daß mein Z lieber Mann, unser herzensguter l Vater Hermann Briese am 15. November infolge eines Unfalles verstorben ist. Die Beerdigung ündet am Freitag, den Ä. November, nachmittags 3 Uhr. von der Lcichenballe der Himinelfahrts- gemeinde in Nieder-Schönhausen aus statt. D!« trauernde Witwe nebst Kindern. Allen Freunden und Bekannten! die traurige Nachricht, dag meine I liebe Frau 5I4S3[ Anna Pritsche geb. Wcinhold am 20. ds. MtS. im Krankenhaus Am Urban verstorben ist. Die Beerdigung findet am 23. ds. Mts., nachmittags 3-/, Uhr, von der Leichenhalle des Neuen St. Michael-Kirchhosslam Marten- dorser Weg aus statt. Der trauernde Gatte Carl Fritxche nebst Kindern, Oppelnerstratze 33. I SoziaMemokratlseiier Walrlyerein I für den |S. Berliner Reichstaijs-Wali.ikrels.j Todes- Anaelgo. Am 15. November verstarb unser ! Mitglied, der Leitergcrüstbauer Hermann ESriese j infolge eines Unfalls. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frei- l tag, den 24. November, nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle der HimmelsahrtSgemcinde, I Nieder-Schönhausen, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Zivrftand. Danksag, mg. Für die erwiesene Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Fmnm Wall sage ich Allen, insbesondere dem Fraucnvercin, dem Skalklub 1905, den Möbelarbeitcrri der Fabrik von Geisler und den Ge- nassen Werle für die trostvollen Worte am Grabe meiner lieben Frau meinen herzlichsten Dank. t13S Gustav Wall nebst Kindern. BEMBBaMlWWW'tflMBWMI Zentralveriiand der Handels-, | Transport- und VerkeHrsariieileri Deutsctilands. Todes- Anzeige. Am 15. November verstarb unser treue« Mitglied, der Leiter- gerüstbauer Hermarm Briese infolge eines Unfalls. Ehr« seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 24. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle der Himmelsahrtsgemcinde, Nieder-Schonhauscn, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung er- sucht Der Vorstand. Als ein durch tausende von Dankes- schreiben anerkanntes Mittel gegen Magenleiden empfehlen wir den echten liHliseheii Kränter- Map-Likör. Allein zu beziehen: 34/174 lZear. Xiosta, Hannover, In d. Flage* Jede Auskunft w. gern kostenlos erteilt Deulsnlmr iMetallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht,! j datz unfer Mitglied, der Arbeiter A Adolk Fiebig gestorben ist. 167/2 Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet an, Mittwoch, den 22. November, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Wohnung, Rixdors, Kaiser Fricdrichstr. 85. aus nach dem Gcmciude-�ricdhos, Ripdorf, Mariendoricr Weg, statt. Rege Beteiligung erwartet llio OrtsverwalUing. Verband der Schneider, i Schneiderinnen und verwandten! ßemlsgenossen Bentsclilands. (Mliule Uerlln.) Tortes- Anzeige. Den Mitgliedern geben wir I j hiermit bekannt, datz der Kollege' H. Kaczmirzak 1 am Sonntag, den 19. Novbr. er.,! > im Aller von 52 Jahren ver-? starben ist., �, Ehre seinem Andenken k ! 164/10 vis(MsverwalUing. ssKiMuaiwi'JUBia haft billig kauft man Anzng-, Paletot-, losen- Oamen-Kostüm-Stoffe echt engl, Stoffe Neueste WoH- und Seidcn-Wosten-StoffO Tuch- Stoff-Beste b« H.tJ. Fried senior Berlin C., Molkenniarlit 12. rillen Freunden, Bekannten J nnd Verivnndlen die traurige j » Nachricht, datz mein lieber Mann ,-v der Buchbinder 257/12 Oskar Richter »in der Nacht vom Sonntag zum j Montag nach kurzem Kraiikcnlager j fanst-utschlaseii ist. Berlin, den 21 November 1905 vis trausrnds Wihve. Die Beerdigung sindei statt am iZonn.rslag, den 23. November. I nachmillago 3 Uhr, ans� dein � I Baritzoiomäus Kirchhofe, Falken-■ | bergcrslratze, Weitzensee. n-SiiI direkt aus der Fabrik. - Kein I-arten.------ Nach beendeter Ergros-Saison enorm Ulsters Havelocks Capes Jacketts Paletots Kostüm- Röcke Mädchen- Paletots Pelz-Stolas Robert Saiimgarton Hausvogfei- Platz II. 2. Etage (an der JerusalemerstraBe). Bei Vorzeigung d. Inserates| an der Kasse werden f> Proz. I _ Kn bdtt vergütet| Butitag bis 2Ubr geöffnet. welche die darüber befindlichen Massen nicht tragen konnte. Der Angeklagte will die Kicsschicht nicht gesehen haben, aber das Gericht war der Ansicht, daß er sie hätte sehen müssen.— Die Revision des Angeklagten, der sowohl die Fahrlässigkeit als den ursächlichen Zusammenhang bestritt, wurde am Montag vom Reichsgericht ver- w o r f e n. Ne bis In Wem. Der Handelsmann August WieSner ist am 22. Februar vom Landgericht Magdeburg wegen gewerbs- niäßiger Hehlerei zu Zuchthaus verurteilt worden und wurde heute von dieser Strafe befreit, da das Reichsgericht das Strafverfahren für unzulässig erklärte. Der Angeklagte hat von drei jugendlichen Personen wiederholt gestohlenes Metall billig angekauft. Das Schöffengericht hat ihn aus diesem Anlaß bereits zu einer Geld- strafe von 10 M. verurteilt, weil er den Bestimmungen zuwider von jugendlichen Personen, die nicht genügend legitimiert waren, die fraglichen Gegenstände gekauft und in bezug darauf seine Bücher falsch geführt hat. Da sonach dieselbe Tat bereits zum Gegenstände eines gerichtlichen Urteils gemacht worden war, mußte das Reichs- gericht gemäß dem Grundsatze ns bis in iäsm(wegen derselben Straftat darf nicht zweimal vorgegangen werden) das jetzige Ver« fahren wegen gewerbsmäßiger Hehlerei für unzulässig erklären, wo« durch der Ängellagte von Strafe und Kosten befreit wurde. Verein der Lehrlinge nnd jugendlichen Arbeiter Berlins und Umgegend. Heute Mittwoch, den 22. November, nachmittags 3 Uhr: Versammlung bei Stansch, Gr. Franksurtcrsw. 133. Tagesordnung: 1. WaS lehrt uns der Kampf in der Elekrro-Jndustrie? Neserent: Kollege Max Peters. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Frisenrgehülfen. Oefientliche Prolestversammlung am 23. d. M.. abends 10 Uhr, Kommandantenstr. 20: Unsere Sonntagsruhe. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet._ BZasierftniid am 20. November. Elbe bei Ausstg-s- 0,70 Meter, bei Dresden— 0,58 Melcr, bei Magdeburg-s- 2,72 Meier.— U» st r u t bei Siran tzsurt-j- 1,65 Meter.— Oder bei Ratibor-s- 1,99 Meter, bei Breslau Oberpcgel+ 5,04 Meter, bei Breslau Unterpegel— 0,20 Meter, bei Frankfurt-j- 2,07 Meter,— W e t d> s e I bei Brahcmünde 4- 3,53 Btetcr.— Warthe bei Posen-ff 1,44 Meter.— Netze bei Usch— Meter. Hierdurch teilung, die ich das höslidie Mit- Restaurant §ÄbsuZerA!l8e18L übernommen habe und um den früheren Zuspruch bitte.* Robert Drescher, Zlljönhouser Aitee 156. Total-Ausverkauf wir bringen, um endlich gänzüeli zu räumen, zu folgenden kAM glsubiieheu Preisen zum Verkauf. Aue jetzigen Preise sind gegen die früheren Preise 15 ws 55% ermäßigt, also teilweise unter der f! Hälfte des Preises f! i. Kerren-Palelols 2. 3« M 4. 5. 6. 7. 8. 3. 10. 11. (Double) (Kariert) (Gestreift) (Eskimo) (Tip Top) (Engl. Ulster) (Hochelegant) (Ersatz für MaB) (Aal Seide) (Echt engl.) 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Berlin, Kör den gnleratenteil verantw.: Ttz. ILlocke, Derliu. Druck u. Verlag: Vorwärts löuchdruckerei u. BerlagSaiistalt Paul Singer& Co., Berlin SW» SuitraililkÄÄÄ liefert frei Hnuä Hygienische Stadtmolkerei, Gr. Frani/urterstr. 12V.W Lrvnnsdor- ZSäer und �enensia- l�ZclLr auf Teilrahlllni! I?wei daiire Garantie! b.uK Sozial- er Sozial- Luxux- mn W Räder DOi, mit Frellnnf M. iüöi- Gebrauchte Rüder billig I Bitte genau aus Hausminmter„23" zu achten. 23. k. Grosknrth, c. Münzstr. 23. 8,. 274 22. MM, 2. Dtilagt des JoitoIs" Kerlim Palbiilatt W N°-mbtt.M. �us Inciustrie unct k>ancie!. Folgen der Syndikats-PrciSpolitik. Die seitens der Rohstoff- Verbände vorgenommenen und in Aussicht gestellten Preissteigerungen lassen den Gegensatz zwischen kombinierten und reinen Werken wieder schwächer hervortreten. Recht krag tritt das Mißverhältnis zwischen Material- und Fabrikatspreisen bei Halbzeug und Stabeisen in Er- scheinung. Die kombinierten Werke haben Abschlüsse in Stabeisen zu lvö M. bis in den nächsten Sommer hinein getätigt. Die reinen Werke müssen aber für Knüppel ab Schnittpunkt 05 M. zahlen. Daß sie bei einer Spannung von 10 M. keine Seide spinnen, liegt auf der Hand. Nun kommt aber die vom Kohlensyndikat beschlossene Preiserhöhung als Belastung der Selbstkosten hinzu. Unter den sich immer mehr zuspitzenden Verhältnissen sind für viele reine Werke die Tage der Selbständigkeit gezählt. Wir steuern mit Riesenschritten dem Jndustriemonopol entgegen. Unser Himdelsverkchr mit Amerika. So wichtig die bevorstehende Neuregelung unserer handelspolitischen Beziehungen zu den Bereinigten Staaten von Amerika ist, so sehr die schwebenden Unterhandlungen das Jntercffe der gesamten deutschen Geschäftswelt in Anspruch nehmen, so unklar sind immer noch die Anschauungen über die Grundlagen des deutsch-amerikanischen Verhältnisses. Die Union genieszt nicht die allgemeine Meistbegünstigung in Deutschland, des- wegen tritt auch nicht am l. März automatisch der neue Zolltarif an Stelle des alten, wie gegenüber England, Frankreich, Argentinien und den übrigen meistbegünstigten Staaten, sondern es muß eine neue Vereinbarung getroffen werden. Um das richtige Urteil über die deutsch-amerikanischen Be- ziehnngen zu erleichtern, hat der Handelsvertragsverein eine kleine Broschüre herausgegeben, die den Wortlaut deS preuhiich-ameri- kaniscben Handelsvertrages von 1828, des Saratogaabkommenö von 189l und des letzten Vertrages von 1900 enthält, ferner die lvichtigsten statistischen Zahlen, nämlich eine Uebersicht über unsere Einfuhr aus Amerika, in systematischer Ordnung nach Rohstoffen, Lebensmitteln und Fabrikaten, unter vergleichender Beifügung der alten und neuen Zollsätze des General- und VertragstarifS, eine Uebersicht über die Verteilung der amerikanischen Ausfuhr nach Erd- teilen und europäischen Ländern in de» letzten zehn Jahren, sowie eine Uebersicht über die Gestaltung der deutsch- amerikanischen Handelsbilanz in den letzten 15 Jahren nach deutscher und ' amerikanischer Statistik. Das Heft steht allen Mitgliedern des Handelsvertragsvereins kostenlos zur Verfügung, anderen Interessenten wird es gegen Einsendung von 30 Pf. abgegeben. Versand des Stahlwcrksverbandes. Die Ansicht, dah die gute Beschäftigung der Eisenindustrie vorwiegend auf die Erzeugung von Halbzeug entfällt, wird durch die Versandziffern des StahlvcrbandeS gestützt. Der Versand in Produkten A betrug im Oktober mit 466 954 Tonnen Rohstahlgewicht den Septemberversand um 16 192 Tonnen und den Oktobervcrsand des Vorjahres von 363 998 Tonnen um 103 995 Tonnen oder 28,64 Prozent. Der Gesamtversand in Produkten A vom 1. April bis 81. Oktober d. F. betrug 3 180 963 Tonnen und übersteigt die Beteiligungsziffern für sieben Monate um 9,20 Proz. und der Gesamtversand der gleichen Zeit des Borjahres iL 712 428 Tonnen) um 418 265 Tonnen oder 15,42 Proz. Von dem Gesanliversand April bis Oktober 1905 entfallen: auf Halbzeug 1 143 245 Tonnen 11904 947 653 Tonnen), auf Eifcnbahmnateric' 950 820 Tonnen(1904 774 293 Tonnen) und auf Formeisen 1036 627 Tonnen(1904 990 377 Tonnen). Der Gesamtversand in Halbzeug ist also gegen die gleiche Zeit des Vorjahres um 195 583 Tonnen oder 20,64 Proz., in Eiseubahumatcrial um 170 427 Tonnen oder 22,78 Proz., und in Formeisen nur um 46 250 Tonnen oder 4,67 Proz. höher. Bemerkt sei hierbei noch, daß Eiseitbahnmaterial in der Hauptsache nur von den kombinierten Betrieben, die auch das Halb- zeug herstellen, produziert wird. Der Nus-cnhimdel Rumäniens. Der Handel Rumäniens im Jahre 1904 bildet ein Analogon zu de» derzeitigen deutschen Ver- Hältnissen. Aus der vom rumänischen Finanzministerium veröffent- lichten Statistik des rumänischen Außenhandels für das Jahr 1904 ist ersichtlich, daß die Einfuhr Rumäniens m diesem Jahre 525 294 Tonnen im Werte von 311 371 615 Fr., und die Ausfuhr 2 269 108 Tonnen im Werte von 261 872 339 Fr. betrug. Der Wert der Einfuhr war um etwa 41 Millionen größer als im Jahre 1993, während der Wert der Ausfuhr gegenüber dem vorangegaugenen Jahre um mehr als 90 Millionen gesunken ist. In der Einfuhr Rumäniens nehmen Oesterreich-Uiigarn mit 92 945 721 Fr. oder 29,86 Proz., und Deutschland mit 91 784 928 Fr. ocer 29.48 Proz. vom Werte der Gesamteinfuhr den ersten Rang ein. Dann folgen England mit 45 064 101 Fr. oder 14,43 Proz., Frank- reich mit 17 809 755 Fr. oder 5,72 Proz., Italien mit 16 203 964 Fr. oder 5,20 Proz., Türkei mit 9 218 690 Fl. oder 2,96 Proz., Ruß- land mit 8139 463 Fr. oder 2,61 Proz., Belgien mit 7130 646 Fr. oder 2,31 Proz. und schließlich Bulgarien, Griechenland, Serbien und die übrigen Staaten mit geringeren Einfuhrziffern. Die Erhöhung der Einfuhr ist zum größten Teile dem Umstände zuzuschreiben, daß die Kaufleute für gewisse Artikel mit dem Jnkraft- treten der bedeutend erhöhten Taxen des neuen Zolltarifes rechneten und sich daher mit großen Vorräten versahen.— Ans diesem Grunde ist im laufenden Fahre die Einfuhr ausländischer Waren bedeutend zurückgegangen. Die aufgespeicherten Vorräte mußten erst ab- gestoßen werden. Bei den Textilwaren allein ist eine Import- abnähme von 24 Millionen Frank zu verzeichnen. Preiserhöhung. Um 5 bis 10 Proz. erhöhten die Bielefelder Wäschefabriken den Preis ihrer Fabrikate. Aefchäftserwritcrung. Sämtliche Anteile der Hannoversch-west- fälischen Erdölwcrke G. m. b. H. sowie der Hannoverschen Erdöl- raffinerie zu Linden gingen in den Besitz der Internationalen Bohr- gesellschast über. Dividende». Die Bergisch- Märsische Jndustriegesellschaft in Barmen sieht die Verteilung einer Dividende von 7 Proz. vor.— 10, gegen 9 Proz. Dividende im vorigen Jahre, schütten die Schimischowcr Portland-Zement-, Kalk- und Ziegelwerke aus.— Die Verivaltung der DonnerSmarckhiitte schätzt die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr auf 14 Proz, Bcrkanfsstellcn englischer Schuhfabriken. Die englischen Schuh- fabriken beabsichtigen mit Hülfe eines zu gründenden Exportvereins in den lebhaften Bcrkchrsplätzen des Auslandes gemeinsame Verkaufs- stellen zu errichten. � Vermilcdres. Auf der Havel untergegangen ist wiederum ein mit 130 Tonnen Roggen beladener Kahn, der nach Berlin unterwegs war. Bei der Rathenow« Wassermühle stieß das Fahrzeug, das großen Tiefgang hatte, auf einen Holzpfeiler, der infolge des hohen Wafferstandes nicht zu sehen war und wurde leck. Es gelang während des Unter- ganges 400 Zentner Roggen zu retten. Die gestern und heute fälligen Eisenbahnunfälle. Münster, 20. November. Amtliche Meldung. Heute abend 7 Uhr 10 Min. überfuhr der Personenzug 570 von Gronau in Station Dülmen- Ost auf dem Bahnübergänge der Josephstraße ein Fuhrwerk. Führer und Vferd des Fuhrwerks wurden schwer verletzt. Paderborn, 21. November. Amtliche Meldung. Infolge Ucberfahrcns des Haltesignals ist heute früh 6 Uhr 4 Min. bei Moringen auf der Strecke Nordheim— Ottbcraen der Güterzug 8833 in der Weiche 2/3 dem ausfahrenden Güterzug 8812 in die Flanke gefahren. Hauptgleis auf etwa 3 Stunden gesperrt. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Per- soncn sind nicht verletzt. Der Materialschaden ist unerheblich. Zu der Schiffskatastrophe des englischen PasiagierdampfcrS wird gemeldet, daß der Dampfer„Ada", der die sechs Ueberlebenden vom Wrack der„Hilda" aufnahm, gestern früh in Southampton angekommen ist. Insgesamt sind bei der Katastrophe 128 Personen umgekommen, darunter 80 brctanische Zwiebelhändler und eine Miß Voß._. ßnefkaften der Redaktion. jsuviftircher Ceü. DI« lurlstisih« Sprcchstniidc findet täglich mit Zlusiiahm« de» Sonnabend» vo» bi?»>/, Ubr statt.«a-ösf»ct- abends 7«Hr. JM. S. 101. 1. Polizeipräsidium. Sie müssen 30 Pf. beilegen. 2. S'e könnten nur aus Zahlung gegen Hingabe des Anzugs klagen.— Bernhardt. Chambregarnisicn ist, wenn' nichts anderes vereinbart ist, bis am 15.(im Lause des 15.) zum ersten zu kündigen. Dasselbe Recht steht den Chambrcgernisten gegenüber dem Vermieter zu.— Vcith. Sic können auf Zahlung des Abzugs und der NcchiiungSdiffercnz, nicht aber ans die Entichädigung für die Benutzung deS Raumes außerhalb des Hauses klagen.— Z. 55. Können Sie beweisen, daß Ihnen unrichtige Angaben gemacht sind, so hätie eine Herabsetzung des Kaufpreises durch Klage oder im Wege einer Widerklage Aussicht ans Erfolg. 2. Nein.— M. KV. 82. Der Diener untersteht der Gcünde-Ordnuiig. Eine Kündigung sci.ens bcr Frau wäre zulässig. Die oierleljährliche Kündigmigssrist muß eingehalten werden.— R. M. 80. Die Frage ist sehr umstritten. Nach der herrschenden Aniicht hätte eine Regreßklage gegen Sie oder den Vor- besitz rc wenig Aussicht aus Erfolg.— Z. Z. 1. Nein. 2. Ja. — fe. 100. Denn die Bauart selbst geschützt ist, ja.— G. 3S. 9. Ehebruch ist strafbar, wenn die Ebe wegen des Ehebruchs geschieden wird und der beleidigte Ehcgalte Sirasantrag stellt. Der Strafe bewägt einen Tag bis sechs Monate Gefängnis. Die Frau kann in dem von Ihnen erwähnten Fall eine Scheidungsklage mit Aussicht auf Scheidung einreichen.— B. Th. 100. Das ist nicht möglich, da die Unsallrente die 15 Proz. über- steigt.— A. B. 80. Sie könnten Swafanwag an die Staatsamvaltschajt richten.— lli. K. 88. Das Kind muß in Ihrer Wohnung bleiben: eine ruhige Aussprache ist geeignet, den Sweit beizulegen.— 88. 1. Das ist möglich. 2. Ein angemessenes Honorar ist zu zahlen.— G. T. 20. Ihr Verwandter sollte die Hülse des auswärtigen Amtes in Anspruch nchuicu. Leipzigerstrasse Alexanderplatz Donnerstag, Freitag, Sonnabend— Soweit der Vorrat reicht Emaille Eimer la. ss cm Wannen, oval Mülleimer-m sat-eimk» Wasserkessel, 7 Grössen Kasserollen, sortiert Kaffeekannen Maschinentöpfe Löffelbleche Pfannen, runde Teller 5u. lOPf. Wasserkröge neublau, grosse Form 80 Pf- 85 Pf. I15 l25bis2'10 statt 3.25 290 35 Pf. bis 120 10 bis 40 Pf. 25 bis 65 Pf. 10 bis 70 Pf. 80 Pf. n. 135 Pf 12 bis 50 Pf. Trichter 10 bis 40 Pf. 38, 60, 95 Pf. Gasplätten 2 Plätten, 1 Erhitzer, Garnitur 450 Solinger Bestecke statt 6-90 500 Steingut Vorratstonnen, blau gemustert Salz- und Mehlmetzen, blau gemustert Essig- lind Ölflaschen, blau gemustert Satz Gewürztönnchen, e stück Milchsatz, s stuck Brotplatt Ein Posten Speiseteller, Lalatieren, 4teüig, Salatieren, eteüig, Babybecken Kuchen- und Fruchtteller, auf Fuss, statt 1,75 95 Pf. Engl. Heisswasserkannen 50 75 95 Pf. Weisse Toilette-Eimer, tompi. 300 375 Toilette-Eimer, blau Zwicbelmuster 150 48 Pf. (00 48 Pf. 126 90 Pf. 225 ISO 30 25 Pf. statt 16 PI 8 Pf. 48 42 Pf. statt 1,26 95 Pf. statt 1,25 95 Pf. Wirtschafts-Artikel Zink-Waschwannen Zink-Zober- Qaeuu« Kupfer-Waschkessel Gardinen-Spanner,»»?»»» FrÜhStÜCkskaSten verechUceebar Gasselbstzönder»<»' stock oder cyund« Teppichkehrmaschinen Heizöfen für Petroleum bestes deutsches Fabrikat 825 1 050 und 1300 $50 1025 und �00 1350 und 1600 1250 statt 1,50 95 Pf. 50 Pf. 675 und 900 1125 Und 1400 Heizöfen für Gas nma 700 750 mit» Bohr 2100 Heizöfen für Spiritus statt 17,50 1350 Waschmaschinen statt 50,00 4250 WaSChgamitUren, fein dekoriert, y!25h?,Q50 mit groai. Becken, Wert die 15 M. per Quo � D s O Kehricht-Eimer, fem mokiert, Bagei statt«,26 25° Kohlenkasten, ongi-pona von 290 bis 1250 Ofenschirme, w»«U» moderaot Anettattnng 3®® bis 29� Ofenvorsetzer wn 200 Ws 10°° Ascheimer Innen Ucklert 95 Pf. HO 115 ISO Ascheimer Innen«ralnkl 120 140 155 175 gros««.« Packet 10 Pecketo 100 Packete Kohlenanzünder 5 Pf. 45 Pf- 4-5 Wringmaschinen 1750 1250 Abteilung Lampen Ein Posten Gasampel f. Schlafzimmer u. Korridor aussergewöhulidi preiswert komplett IQ50 Perlampel 1050 1 250 1800 1 950 Gasglühlichtbrenner mit Degeastrumpf, Cylinder und Stift 50 1>t ZUgampel,»teilig mit System AuerUtcoaer und Degenslrumpt 1350 Zugampel, steilig(dasselbe) 1550 Zugampel, steüig, cuivre poli mit Perlreifen 2500 Zugampel, steilig, cuivre poli, m. Volant u. Perlen 2750 Salonkrone, 3flammig, cuivre poli, complett 20 50 Zsiir den Jnliall der Jnieraie iideniimiiit die Redaklio» dem Publik»,» gegeiiiider keinerlei Verninwortung. HKeater. Mittlvch, den 22. November. Opernhaus. Chor-Konzert. Anfang Vi, Uhr. Mittags 12 Uhr: Ocffentl. Hauptprobe. Lnstipielliaus. Konzert. Ansang 8 Uhr. Tchillcr O.(Wallncr- Theater.) Die Schöpfung. Ansang 8 Uhr. Schiller R.(Friedrich- Wilhelm- städtisches Theater.) Geistliches Konzert. Anfang 8 Uhr. Westen. Elias. Ansang VU Uhr. Zentral. Konzert. Ansang f'/a Uhr. Donnerstag, 23. November. Anfang?>/, Uhr: Opernhaus. Tannhäuser. Schauspielhaus. Der Schwur der Treue. Neues. Ein Sommernachtslraum. Westen. Zar und Zimmermann. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Berliner. Hamlet. Lefflug. Stein unter Steinen. Anfang 8 Uhr: Schiller«»., Wagner-Thealei.) Der Veilchenfreffcr. Schiller IM.< Friedrich Wilhelm städlischcS Tdeater,. Zapfenstreich. Komische Oper. Der Gaukler unserer lieben Frau. Zeuiral. Musette. Nachmittags 5 Uhr: Kindervorst. Residenz. Der Prinzgeinahl. Kleines. Das vierte Gebot. Triano». Der letzte Troubadour. Luftsptelhaiis. Die heilige Sache. Thalia. Bis früh um Fiuisc! t5nrl Weist. In Berlin ist was IoS. Luise». Der Störensiied.— Die Dienstboten. Deutsch, Sliuerikanisches. Aber, Herr Herzog! Meiropol. Ans— ins Metropol! Kasino. Das Opscrlamm. Sti-ollo.. Prinz es; Rosine. Walhalla. In liebensgesahr. Herrnfeld. Familicntag im Hause Prellstein. Wintergarten. Otero.— Speziali. täten. Folies Gaprices. Nach dem Zapfen streich. Vorher: Familie Knopf. loch. Sveziaiitäten Reietiohalte». Stcttiner Sänger. Passage. Spezialitäten. Urmiin. Tnuorust raste 4S(4U Abends 8 Ubr: Im Lande der Mitternachtssonne. Sternwarte, Invalidenstr. lS7/62. Tiifllln(Ifölliici mm~ vis I tibi. 4 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Im Hörsaal um 8 Uhr: Dr. S ch w a h n: Werden und Vergehen.__ Berliner Theater. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag zum erstenmal: freitag: Hamlet. onnabend nachm. 3 Uhr: Kabale und Liebe. Abends 71/, Uhr zum erstenmal: Annemarie. Vorher: Der Gcigcnmacher von Crcmona. Sonn- tag: Hamlet. Montag: Andalosia. Heues Thealer. Neute xesctilossen. DminerStag u. solgende Tage: Lin'5ommkrnsellt8trsum. Illeines Thealer. Heute: Geschlossen. DonnerSIag, den 24. November er. Das vierte Gebot. Ansang 8 Uhr: Freitag: Hldalla._ Zentral-Theater Abends 7>s, Uhr: Graftes Bufttags-Konzert. Ermäßigte Preise. Donnerstag nachm. Kindervorstellung. BJrcuu» J, 8 Uhr: Im lamle der Mittersaelitssooiie. Sternwarte 4 Uhr: Tlerlcben in der Wildnis. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Schwahn: Werden und Vergehen. ) CA&TANS ANOPTICUM. 8cli Iller-Theater. Schiller-Theater 0. fWallner-Tbeater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Oratorium-Aussührung: vi« 8ol>«pkt»«x: o. Jos. Haydn. Donnerslag.abendS8Uhr: vor Freitag, abends 8 Uhr: Xor». Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Mittwoch, abends 8 Uhr: t-eiditlielies kionziert. Donnerstag, abends8Uhr: �apke«»treleli. Freitag, abendS 8 Ubr: Der Traum ein Leben. Friedrichstr. 165. Ernte". Schattenspiel in 9 Bildern. Wanderung durch das Nütal.j Restaurant: Original NUrnherger Sänger. fean Metropol-Thealer Heute: Geschlossen. Morgen und folgende Tage; -I Komische Oper. Friedrichstr. 104— 104 a. Heute geschlossen. DonnerSIag, den 23 November, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Der GauSder unserer iieten Frau. Luisen-Theater. Heute: Geschlossen. Donnerstag abend 8 Uhr: Der Störenfried. Hieräus: Die Dienstboten. Freitag: Ein Blitzmädel. Sonnabend: Der Beilchenfresser. Sonnlgg: Hamlet. Montag: Hamlet._ Trianon-Theater. Heute: Geschlossen. Donnerstag und solgende Tage: Der letzte Troubadour. Alisaug 8 Uhr. Sonntag abend: Das Ende der Liebe. Heute geschlossen Morgen Donnerstag: pnnxek Rosine von Paul Lincke und die November-Spezialitäten. Sonntag, den 26. November iTotcn» sonniag):>AU- Einmaliges Gasiipicl der Pariser Strahensäugerin Mad. Iluxenle Dullet. Abends 8 Uhr: DriNtnAS-lioniert zu populären Preisen: 1,20, 2,20, 3,20 M. Große Jahresrevue mit Gesang u, Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen in all. Räumen gestattet. Totensoratag, deu 28. fiovemtier: Einmalige Aufführung: Der Totschläger. Pariser Volksstück in 5 Akten von Emil Zola. Gervaise: Else Schiff v. Lessing- Tlieater. Coupeau; Josef Giampietro. eernhard Rose-Theater Gestliidbriliincn. Badilrahe 58. Heute: Geschlossen. Freitag, den 24. November cr.: Steffen Langer aus Klaga» oder: Zar und Seiler. Original-Liistiplel in 4 Aufzügen und 1 Vorspiel v. Eharlotlc Birch-Pseiffer. Ans. 8 Uhr. Kasscilcröffming 7 Uhr. Entree 30 Ps., numer. Platz i5v Ps. (im Abonnement 4V PI.) In Borbereitimg: Die Grille. Kssino-Theatei' Lothringcrstr. 37. Täglich 8 Uhr. Allabendlich ausvcrlaust. -»»»»�» Glänzender Erfolg!»»-«-»»» Das Opferlamm. Vorher: lianithn Härtens etc. Sonntag, abends 8 Uhr: I-olos Vater von L'Arronge. Passage-Theater. Ans. der Abendvorstellung 3 Uhr. Mittwoch: Keine Vorstellung. in ihrer entzückenden Duncan- Parodie. Paul Jülich der unverwüstliche Humorist. \\ neue erstklassige Nuiiimern. Carl Weiß- Theater. Gr. Franksurterstr. 132. Heute: Geschlossen. Morgen: In Ktrlin ist ivas los. Anfang 8 Uhr. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinder- Vorstellung: Sneewittchen und die sieben Zwerge. 'Abends: Kabale und Liebe. Zirkus Albert Schumann Heute Mittwoch. 22. d. M.(Buhtag), keine Vorstellung! Morgen Donnerstag, abends 7'/, Uhr: Elite-Abcnd! Gala-Programm l Zum zweitenmal: Eine wirkliehe Sensation. Autobolida La belle Mlle. de Thiers. Zum erstenmal: Neu! i.os Gueipoios. 6 Personen, Original spanische Truppe. sieniseUn mit ihren MU- noch nie gesehenen unglaublichen Zauberküiisteu. Neu! Ter schwarze Stern l Neu! ATiK Texas Hattie. Ferner: Sämtliche Spezialitäten und Direktor Albert Schumanns neue und moderne Dressuren. Zum Zchiufc: Die reizende Sportpantomime: %fa9 Englischen Derby. palast -Theater Burgstr. 24, 2Min.v.Bh.Börse. _ Heute geschlossen.-Mssß Morgen Donnersiag, 23. d.M., L Uhr: Das«Ute- November-Erograinm. raun Verwandl.-Schauspieler. argold der einbeinige Univ.-Artist. Sonnabend, 25. November, wegen Prwat.Fcstiichkcit ZM- keine Vorstellung. 3 rele Dolhsdühne 4. Lerie. LonritZZ, den 3. Dezember im Car] Weiß-Theater: XI. Berliner Saison."""■ Zirkus Busch. "Heute geschlossen. Morgen, abends 7*1, Uhr: DBjT" Zum fünftenmal: Das diesjährige groBe Manege- Schaustück: Indien. Original- Pantomime d. Zirkus Busch in 8 Bildern. Die 6 indischen Original■ Fakiere und Schlangenbeschwörer und zum erstenmal inHeutschland: Mr. Hagedorns Transformalions- Grotte. Außerdem: Herr Ernst Schümann mit seinen Neudressuren. Frl. Kaminska, Schulreiterin. Eine Springpferde- Konkurrenz zw. 3Springpferden. Foües Qaprice. Budapester Possen-Theater == 132 Lhienstr. 132== Ecke Friedrichstraße. Heute: GcHchlousea. Donnerstag, den 23. November: Zum 68. Male: Kach dem Zapfenstreich. Vorher zum erstenmal: Familie Knopfloch u. d. ansgezeichn.Speziali tätenteil. Antang 8 Uhr. Vorverkauf täglich b.A. Wertheim und an der Theaterkasse v. 10 Uhr vormittags an. Fröbels Ällerlei-Thealer Schönhauser Allee Ar. 148. Jeden Sonntag und Mittwoch: Konzert, Theater u. Spezialitäten. Ansang Sonntags 6 Uhr. Wochentags 8 Uhr. Nach jeder Vorstellung: GroBer Tanz. gseeeseeeeeeeeeeese» Amphitryon Deutsch von Ludwig Fulda. \U «v «v «v V SU SU SU SU SU A » su Lustspiel in drei Akten von M o 1 i e r e. 9/ und i Die Frage an das Schicksal. ü/ Komödie in einem Akt von Artur Schnitzler. �-- In Szene gesetzt von Adolf Steinert.- Sonnabend, den 25. November, abends 8'/2 Uhr, im großen Saale der Rrancrcl Friedriohshuin: Kumoristisehes Winterfest Iniernationaler Schelmenabend. Zur Auflüh vung gelangen u a. Schelmenspielen Einakter von Macchiavelli und Hans Sachs 3er tote Mann.— 3as Karrensehneiden. IW fffSD'il I IfT<©"IS 41 O*• �-trgarete Freund, Eva Pilchowska, Anal iT&ctUrig39 0) 439'05 810 11009) 2432X1 651 922 91 15<1 244206 38 70 311 56«m 83 638 734 592 976 89 2 45»52 98 167 416 51?'928 216.924 408.12 535 S>.3 247169 fnOul 94 343 55 64 451 567 734 111 20436 583 029 978[10001 82 21072 300 09 98 485 — 652 64 721 99 1500) 901 220.36 127 409 640 823 23317 95.507 9|500) 31 89 24189 230 1500) 349 414 775 �42 1 30105 540 689 742 80 846 60 15001 131433 4S Berantwörtliche»! Redakteur: KanS Äeber, Berlin, Aür den Jnferatenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Krück u. Verlag: BorwSrtk Buchdruckerei u. LerlagSmchalt Paul«ingcr Sc Co., Berlin SW. 13. Ziehung 5. Kl. 213. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 81. November 1D05, nachmittags. Nur die Gewinns Uber 240 Hark sind den betreffenden Nummern in Kiammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten, 88 145 56 251 92 429 581 347 998 11000) 1014 153 325 43 75 422 574 719 932 51 82 74 2336 411 740 97 859 907 61 3285 590 130001 682 770 951[500! 4259 346 1500) 747 61 5084 107 354 So 517 740 819 68 998«236 54 323 404 914 7024 86 188 210 63 383 519 110001 626 41 719 20 21 31 839 8163 337 453 13000] 707 86 924 I100UI 9061 114 421 51 53 593 11000] 692 728 65 828 28 10039 162 78 222 15001 53 880 11039 40 197 251 58 5)3 663 1 2054 60 71 441 63 564 75 713 875 930 51 80 13012 130 510 891 034 40 72 14053 140 83[10001 88 212[3000) 31 317[500) 531 1500) 603 757 857 902 15218 358 524 672 74 787 flOO 0001 18007 98 225 [3000] 62 350[10001 715 827(10001 94 928 92 1 7095 15001 98 206 432(.500) 699 735 99 823 riOOO] 18152 575 804 3.9 1 9070 111 226 61 311 600 765 IIOOO) 915 40 98 485 640 823 ______________________ 349 414 620 56 828 25006 108 38 11000] 245 300 424 98 582 15001 614 2 6057 135 227 97 451 511 818 24 27199 3£0 412 676 820 999 11000) 28039 178 203 493 723 74 843 29366 557 633 7)2 70 954 , 30034[500) IIS 1500] 26 379 561 658[1000] 86 [30001 744 864 3 1 090 121[500! 634 96 707[1000] 38 904 3 2090 169 448 563 624 704 71 90 SC9 33067 384 533 685 931 47[10001 34044 293 371 13000] 445 528 48 04 [5001 66[10001 723 00 95 967 3 5008 24 201 78 355 75 634 808 19 36040 75 104 237 303>1000] 31 508 660 95 714 45 820 026 74 3 7106 273[1000] 78 347 69 419 539 626 38188 258 333 513 82 709 62 810 39184| 3000] 219 [3000 1 06[ gOOO] 460 92 684 844 69 40204 305 486 616 54 84[1000] 728 993 41008 301 830 66 68 813 58 93 4 2056 57 123 60 86 llOOOi 3,2 428 85 546 89 692 97 794 836 43164 457 60 512 621 41 790 4 4031 46 68 302 3 420 633 717 57 S02 1 1000) 96 45145 215 319 461 1500) 71 621 647 706 40 46130 216 416 73 82 94 508 865 77 901 47213 94 398 409 64 703 85 48465 90 591 771 814 902 75 49015 108 339 74 707 68 828 40[3000] __ 50239 58 378 541 95 83? 073 51082 296 813 728 52401 42 riüOOl 60[3000] 616 889 93 55038[ZOO! 66 115 510 628 32 68[5001 023 54 54009 90 159 445 70 5,0 755 805 5 5033 60 193 281 533 37 721 52 828( 3000J 96 56030[1000) 110 230[ 30001 316( 5001 760 830 81 910 67029 293 336 656(500) 900 74 58165 96 351 (15 000 j 450 99 506 852 74 59546[10001 830 60002 11 88 207 337 557 838 60[1000] 61038 [1000] 199 253 58 380[5000) 427 35 43 683 683 869 62138 219 82 401 532 609 852 67 985 63276 344 613 [500] 859 89 927 6 4072 144 348 488 573 803 13 999 65046 130 1500] 547 60 844 72 82 903 6 6004 38 92 294 466 77 637 718 881 67152 206 303 440 41 567 78 753 852 96[1000] 68007[30001 317 50 412 31 587 866 69038[1900) 56 116 475 581 763 956«0 70116 23 433 670 785 1500) 889[500)71 19001 76 916 71104 262 60 99(500) 386 421 79 518[500) 38 49 67 972 72004[500] 110 46 55 71 403 698 795 09 863 [5001 981[5001 73046 216 439 796 874 76 74084 [600) 175 419 45 68 80 555 948 7 5061[10001 156 81 289 97 538 65 623 703 76154 213 373 556 645 49 802 80 77170 267 421 648 985 87[500] 93 78006 13 191 [6001 384 692 703 78 826 954 7 9008 95 185 219 78 590 690 705[5001 040 51 80271[1000] 662 775 944 81019 86 fSOO) 183 322 [500] 419 565 838 07 855 98 82006 86 920 41 83045 284 320 48[10001 55 405 524 42 634 705 881 84138 [3000] 222 34[3000] 43 348 438 608 977 8SU6 289 612[30001 875 86120 37 218 316 87098 237 53 680 98 701[3000] 823 935 90 88226 88 661[1000] 756 1500) 89001 242 334 03[500] 501 69 775 923 90012 347 635[500] 39 57 84 704 66 904 10[500] 80 9 X 365 82 431 547 660 757 815 9 2106 32 58 527 75 98 705[500] 4 1500] 90 845[500] 68 93285 313[3000] 76 682 797 94186 368 89 414 541 645 701 824 956 71 93 rjJOOO] 95091 132 240 88 547 785 9629Z 502 1 1000] 745 926 0 7021 77 106 19 220 27 707 852 9 8011 232 427[1000] 568 678 735[5001 866 976 90009 17 341 624 43 75 826 60 913 100000 437 90[1000] 729 71 72 810 101027 62 329 86 96] 10 OOOl 478 1500] 509 618 84 730 809 64 102370[5001 404 12 2 4 39 583[500! 103024[500] 88 219 341 503 621 47 85 99 748[1000] 898 927 104149 189 96 432 89 823 934 67 105052 1 1000] 278 419 20 42 743 842 106072 160 274(3000] 350 409 96 907 82 980 107084[300] 390 554 681 108 08 47 93 220 90 323 422 520 78 089 11000] 901 109177 286 340 586 94 804 03 110089 112 68 458 561 927 93 713 87 111029 53 63 141 250 346 479 307 S10 112 81[lOuCl 427 97 646 [500] 113040 79 169 305 48 742(ZOO) 305 99 907 114015[1000] 12C 253 451 519[1300] 37 911 94(10001 787 532[500] SS[1X01 115148 402 11 572 997 911 67(500] 116"? 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Tolkswirtfdzaftlidzc Rundfchau. Die preußischen und deutschen Volks- zähluuge». Als Professor ban der Borght als Leiter der ersten statiststchen Stelle im Reiche ernannt wurde, war man sich nicht recht klar, was von dieser unerwarteten Ernennung zu erwarten war. Jetzt kann man wenigstens drei Leistungen feststellen, die von ihm mehr oder minder zu oerantworten sind, der Aufschub der Berufszählung, der von mitztrauischen Leuten auf andere, als die offiziell bekannt gegebenen Gründe zurückgeführt wird, vor allem auf die Absicht, den beim Antritte des neuen Präsidenten völlig vorliegenden Plan den Wünschen agrarischer Jnteresscnkreisen anzupassen und eine� Verschiebung in dem wirtschaftlichen Beamtenkörper herbeizuführen, damit der Bearbeiter der letzten Berufszählung durch einen mit den Wünschen der Agrarier völlig vertrauten Mann ersetzt werden könne. Die zweite Leistung ist die Beschränkung und Zenfurierung der wistenschaftlichen Arbeiten der Mitglieder des reichSsratistischc» Amtes. Die dritte Leistung ist nun die demnächst in die Praxis übersetzte Erfindung der„kleinen Volkszählung". Aus Anlaß der bevorstehenden Zählung wollen wir einen Blick werfen auf Begriff und Bedeutung der Volkszählung und auf die Ergebnisse der vorangegangenen„Zählungen der Bevölkerung" in Preußen und im Deutschen Reiche. Was ist eine Volkszählung? Georg von Mahr sagt kurz in seiner„Statistik und Gesellschaftslehre": Die auf die direkte Ermittelung der Bestandmasse der Bevölkerung gerichtete Massen. Beobachtung heißt„Volkszählung". Als Volkszählung im engeren Sinne, als welche auch die am 1. Dezember l9()5 vorzunehmende zu betrachten ist, bezeichnet Mahr jene Bcstandsermittclungcn der Bevölkerung, deren Zweck es ist, die Zahl der Bevölkerung und deren Unterscheidung nach natürlichen und sozialen Gesichtspunkten von allgemeiner Bedeutung festzustellen. Die demnächst stattfindende Volkszählung ist aber vornehmlich nur ein Mittel zur Feststellung des Berölkerungsstandes. Vielen erscheinen die Zählungen als eine ganz unnütze Be. lästig ung der Bevölkerung. Diese Auffassung ist ein Irrtum. Die Volkszählungen sind sehr kostspielige Unternehmungen, die von der Staatsgewalt sicherlich unterlassen würden, wenn man sie entbehren könnte. Mischlcr sagt, alle Statistik sei Verwaltungsstatistik. Das zerstört einen anderen Irrtum, nämlich den, daß die Statistik nur wisseirfchaftlicher Zwecke wegen von der Staatsgewalt gepflegt werde. Mag die Wissenschaft auS den statistischen Ergebnissen auch nachträglich die staatlichen Verwaltungen nicht direkt oder iiberhcutpt nicht interessierende Kombinationen, Vergleiche und Schlüsse ziehen, so hat doch jede statistische Erhebung amtlicher Art wichtige Zwecke der Verwaltung zu erfüllen oder künftige Aufgaben derselben vorzubereiten. Dies gilt vor allem für die Volkszählungen im Deutschen Reiche und dem früheren Zollvereine. Zahn hat in seiner Verarbeitung der Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember l900 im Deutschen Reiche(Statistik des Deutschen Reiches Band 1v9 und in den Jahrbücharn für Nationalökonomie und Statistik III. Folge Band XX) auf die große Bedeutung der Volkszählungen für die Verwaltung hin- gewiesen. Wenn im Zollverein die Volkszählung eine Grundlage der Zoll. abrechnung zwischen den zollvereinigten Staaten war, so bildet mnerhald de» Deutschen Reiches die Volkszählung die Basis für ji« gegenseitige Abrechnung unter den einzejnen Bundesstaaten, und zwar namentlich für die endgültige Feststellung der Matrikular. beitrage und für die Abrechnung über die gemeinsamen Zoll- und Steuereinnahmen. Ebenso kommen die Ergebnisse der Volkszählung in Betracht für die Abrechnung der Ueberweisungen nach der Fvanckensteinschen Klausel. Auch die Abrechnungen des Reiches mit den Zollausschlüssen(Helgoland und der Hasen bei Geestemünde- Bremerhaven, das Hamburger Freihafengebict, einzelne badische Ortschaften usw.) finden auf Grund der durch die Volkszählunge» festgestellten ortsanwesenden Bevölkerung statt. Aehnliche Be- rechnungen finden für die indirekten Steuern in diesen Gebieten, dann für einzelne thüringische Gebietsteile hinsichtlich der Brau- fteuer statt. Ferner ist die Volkszählung von Bedeutung für die Abrechnung des Reiches mit den. Zollanschlüssen(Luxemburg und zwei österreichische Gemeinden). Die Friedenspräsenzstärke des Deutschen Reiches bemißt sich nach der durch die Volkszählung ermittelten Bevölkerungsziffer. Auf Grund der Volkszählung wurde durch das Wahlgesetz vom 31. Mai 1869 die Abgrenzung der Reichstagswahlkreise vor- genommen; sie blieb allerdings leider bis zum heutigen Tage, trotz der gewaltigen Verschiebung der Bevölkerung, unverändert. Ebenso hat man bei der Regelung des MünzwesenS den Gesamtbetrag der Scheidemünzen nach der Kopfzahl der Bevölkerung geregelt, indem festgestellt wurde, daß auf den Kopf der Bevölkerung nicht mehr als 2,50 M. Nickel- und Kupfermünzen und 15 M. Silber. münzen geprägt werden dürfen. Aber nicht nur die Feststellung der Gesamtzahl des Deutschen Reiches und der Bevölkerung der einzelnen Bundesstaaten ist für Verwaltungszwecke wichtig, nicht bloß die Unterscheidung der männlichen, also deS in militärischer Beziehung in Betracht kom- wenden BevölkerungSteileS, sondern auch die Feststellung der Volks- zahl aller Ortschaften. Bekannt ist unseren Lesern, daß nach dem Eins der frauenbewe�ung. An die Parteigenossinnen Berlin?! Durch die Bestimmungen des Z 8 des preußischen Vereinsgesetzes tst zwar dem weiblichen Teil der Bevölkerung, den. F r a u e n S- Personen", wie eS so schön im Gesetze ausgedrückt ist, untersagt, politisckien Vereinen als Mitglieder anzugehören. Dieses bestehende gesetzliche Unrecht kann jedoch die Proletarierin nicht hindern, eine politische U-cherzeugung zu haben. Sozialistin zu sein. Unsere Partei, die gleiches Recht für alle auf ihre Fahne ge- schrieben hat, zeigt im Absatz 2 des§ 10 deS Organisationsstatuts. welcher lautet: Die Vertrauenspersonen sind berechtigt, freiwillige .Beiträge entgegenzunehmen und durch besondere Marlen zu quittieren", den Weg, den die Parteigenossinnen beschreiten können. um ihre Parteizugehörigkeit zu bekunden und damit dem§ 1 des Organisationsstatuts, welcher lautet:„Zur Partei gehörig wird jede Person betrachtet, die sich zu den Grundsätzen der Partei bekennt und diese dauernd durch Geldmittel unterstützt", voll zu genügen. Für diesen Zweck werden von den weiblichen Vertrauens- Personen Karten für freiwillige Beiträge an Genossinnen verabfolgt. die. um es möglichst bequem zu machen, bei folgenden Genossinnen zu haben sind: Frau Döring. IV. Steinmetzstr. 23. Hof IV; Frau Lutz. 3V7. Waterloo-Ufer 9. im Laden; Ottilie Baader. S. Blücherstr. 49; Frau Kulicke. 8. 42 Prinzcnstr. 102. lü; Frau Hönicke. SO. Wicncrstr. 43, i. L.; Frau Deutschinann, O. Zorndorferstr. Ii; Frau Schädlich, 0. Fricdenstr. 49. Ouergeb. pari.; Frau Marg. Wengels. 0. Gubenerstr. 42, 2. Aufg. IV; Frau Zcipcrt. NO. Marien- burgerstr. 22, Ouergeb. I; Frau Kunze. N. Strnßbnrgerstr. 13, Ouergeb. XV; Frau Matschke, N. Wolgasterstr. 8, v. III; Frau Schmidt. N. Brunnenstr. 91. Seitenflügel II; Frau Seeger, N. Kolbergerstr. 8, Gewerbegerichtsgesetz in allen Orten mit mehr als 20 000 Ein- wohnern ein Gewerbegerick't errichtet werden muß. In Orten mit weniger als 15 000 Einwohnern hängt die Erlaubnis zum Betriebe von Gastwirtschaften und dergleichen vom Nachweise eines vor- handenen Bedürfnisses ab. Ferner unterscheidet die Gewerbe- ordnung in ihrem§ 139c, der von der Ruhezeit in offenen Vcr- kaufsstellen handelt, zwischen den Orten mit weniger und mehr als 20 000 Einwohner. Auch im Krankenversicherungsgesetz, im Gesetze über die Bekundung des Personenstandes und die Eheschließung in den Bestimmungen über die Einrcihung der einzelnen Orte in Serviceklassen spielt die Volkszahl eine Rolle. Und in noch höherem Maße als die Gesetzgebung und Verwaltung des Reiches benötigen die Einzelstaaten und deren niedrigere Verwaltungsgcmeinschaften sowie die Gemeinden einer Feststellung der Volkszahl. Aber nicht bloß für bestehende Verwaltungszwecke, sondern auch für zukünftige Aufgaben der Gesetzgebung und Verwaltung ist die genaue Kenntnis der Volkszabl entweder direkt, oder als Vcr- gleichsmoment, bezw. als Grundlage der Berechnung von großer Bedeutung. So ist es bei allen steuerpolitischen Plänen von großer Wichtigkeit, die Volkszahl zu kennen und mit ihr gewisse Grund- lagen der Steuern in Vergleich zu ziehen, oder zur Kontrolle der Besteuerung und ihrer Wirksamkeit die Veränderung in dem Be- völkerungszustande kennen zu lernen. Die Volkszählung wird gerade durch ihre neutrale Form die Basis einer Kontrolle für alle speziellen Erhebungen der Verwaltungen— nicht nur in der Steuerpolitik, sondern auch in der Kriminalpolitik, in der Ab- rrchnuny der Arbeiterversicherung, der Sparkassen, der Zollerträg- nisse usw. Nicht minder ist die Volkszählung bedeutungsvoll für die Kontrolle des Militärersatzgeschäftes, der durch Wanderungen entstandenen Verschiebungen der Bevölkerung, der Ausländer, der Veränderungen im nationalen Besitzstande und dergleichen. Viele Gemeinden suchen, wenn auch sicherlich nicht gefördert durch das reichsstatistische Amt, die Fragen der Volkszählung um einige weitere, ihren besonderen Zwecken dienliche zu vermehren, so insbesondere durch Feststellungen der Wohnungsverhältnisse, wie dies im Jahre 1900 z. B. in Berlin geschah und im Jahre 1905 in Düsseldorf, Chemnitz und Karlsruhe in Baden durch Zusatzfragen geschehen wird. Für jede einzelne Frage der Volkszählungen läßt sich der Nach- weis erbringen, daß sie bestimmten Verwaltungszwecken oder der Erfassung besonderer Eigenschaften der Bevölkerung zu dienen hat. So ist z. B. die Altersgliederung der Bevölkerung von Bedeutung für die Feststellung der Zahl der schulpflichtigen Kinder und der für den Militärdienst in Betracht kommenden Bevölkerung, ferner für die JnvaliditätSversicherung, für das Verhältnis der Groß- zu den Minderjährigen usw. Ebenso ist für eine richtige Kriminal- statistik wichtig festzustellen, wie viele Personen innerhalb und außerhalb des strafmündigen Alters stehen. Für die Statistik der Bevölkerungsbewegung, der Zahl der Ehe- fchkießungen, Geburten und Todesfälle bildet das Ergebnis der Volkszählungen einen wichtigen Ausgangspunkt und speziell die Feststellung der ehemündigen Männer und Frauen eine nicht be- deutungSlosc Kontrollmaßregel. Bei den sich entgegenstehenden Interessen städtischer und ländlicher Bevölkerung, die für unsere Gesetzgebung und Verwaltung von großer Bedeutung sind, ist die Konstatierung der Bevölkerung nach Landstädten. Klein-, Mittel- und Großstädten und nach der Gliederung der ländlichen Be- völkerung besonders deswegen wichtig, weil hier eine tendenziöse Verarbeitung des Urmateriales unüberwindlichen Schwierigkeiten begegnet und somit ein Kontrollmittel gegen eine spätere tendenziöse Behandlung der Berufsstatistik geschaffen wird. Von nicht zu unlerschätzcnder Wichtigkeit sind weiter die Ber- gleiche, die zwischen den Volkszählungen verschiedener Länder gezogen werden können. So ist gegen die vom Bundesrc sche regelmäßig betonte Notwendigkeit der Armeevermehrung enizu- wenden, daß die Bevölkerungstüchtigkeit im Deutschen Reiche von Zählung zu Zählung gewaltig zunimmt, während sie in Frankreich fast vollständig gleich bleibt. Die durchschnittliche fährliche Zunahme im Deutschen Reiche betrug nach den letzten Volkszählungsergebnissen 1,50 Proz., während sie in Frankreich bloß 0,38 Proz. beträgt. Wir kommen mit dieser Bemerkung schon auf ein anderes Gebiet, auf die bedeutungsvolle Tatsache, daß die Volkszählungen neben ihrer Zweckbestimmung für die Verwaltung und Gesetzgebung auch wissenschaftlich zur Erkenntnis wichtiger sozialer Massen- erscheinungen von sehr großer Bedeutung sind. Die Volkszählungen sind eben schon durch die Entwickelung des staatlichen Organismus infolge- der zahlreichen Aufgaben, die dem modernen Staate gestellt sind, nicht nur Feststellungen der Kopfzahl, sie zählen nicht nur die Bevölkerung, sie stellen auch eine Menge von Besonderheiten der- elben dar, und durch ihre regelmäßige Wiederholung ermöglichen ie die Beobachtung eines Gleichbleibens oder Wechsels dieser Be- sonderheiten. Durch die Regelmähigleit, mit der in allen Kultur- staaten Volkszählungen stattfinden, wird eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse derselben in verschiedenen Ländern und des Verhältnisses der auf dem Wege der Volkszählung statistisch erfaßbaren demo- graphischen(volksbeschreibenden) Elemente ermöglicht, wie wir dies eben hinsichtlich der Bevölkerungszunahme angedeutet haben. Wohl war es bisher nicht durchzusetzen, daß die Volkszählungen in allen Ländern in den gleichen Zwischenräumen und an demselben Tage stattfinden, doch ist eine starke Annäherung der Vergleichbarkeit erzielt worden. Außer dem Deutschen Reiche zählen bisher nur i. Laden; Frau Panzeram, N. Pappel-Allee 128, I; Frau Bauschke, UW. Rostockerstr. 43, Ouergeb. I; Frau Wulff, NW. Rostockerstr. 9, Hof part.___ Militarismus. Seit langen Jahren rufen die enormen Ausgaben, die für den Moloch„Militarismus" aufgewendet werdcn, berechtigte Entrüstung im Volke hervor. Besondere Urjache, diese? System einmal genauer anzuschauen, haben auch die Frauen, da sie die gewaltigen Summen, die der Moloch verschlingt, mit ausbringen müssen. Denn jeder Deutschs ist diesem Moloch tributpflichtig; die deutsche Bevölkerung bezahlt nach einer Berechnung aus dem Jahre 1903 jährlich pro Kopf rund 21 M. für Heer und Marine. Ter Steuerzettel verzeichnet diese Last freilich nicht. Kein Gerichtsvollzieher pfändet diese Summe. Wir bezahlen sie in den durch Zölle und indirekte Steuern künstlich erhöhten Preisen unserer wichtigsten Lebens, und Genußmittel. Wäre diese künstliche Ver- teuerung, die drin Militarismus dient, nicht da, so würde der knappe Lohn des Arbeiter« viel weiter reichen. So könnte die Mutter den Kindern größere Brotschnitten schneiden und brauchte sie nicht vornehmlich auf Kartoffelkost zu setzen, unzureichend für den Aufbau eines gesunden Körpers, der gesunden Geist beherbergt. Und bitter muß es die Mutter empfinden, daß bei jeder Ver- grötzerung der Familie auch der Tribut an den Militarismus wächst. Vom Kinde schon nimmt er die Steuer, denn das Kind verzehrt ja auch die vom Militarismus verteuerten Lebensmittel. Der Kinder- sogen, von dem die Bibel spricht, er wird in unserer verderbten Ge- sellschaft zum Fluch! Diese Militärlasten beuten daS arbeitende Volk bis zum Weiß- bluten auS; wie ein KrebSgejchwür am menschlichen Korper Ver- hcerungen und Verwüstungen anrichtet, so verübt der Militarismus Verwüstung am GesellschaftSkörper und untergräbt die VolkSwohl» 'ehrt, daß Not und Elend in breiten Volksschichten nicht vcr- jchwinden. rankreich. Bulgarien und Serbien ihre Bevölkerung in vsährigen wischenräumcn, die meisten anderen Staaten, die in Betracht kommen, nach Ablauf von je 10 Jahren. An sich ist es schon bedeutungsvoll, wie groß die Bevölkerung der verschiedenen Weltteile, der einzelnen Länder in den Weltteilen. der Teile der Länder ist. Mannigfache Vergleiche ergeben sich. Wir stoßen auf wichtige Beziehungen, die für andere Wissenschaften, so für die Geschichte, insbesondere aber für die Geographie von großer Bedeutung sind. Die Kenntnis der Fläche eines Gebietes und ihrer Bevölkerung gibt uns die Möglichkeit, die Dichtigkeit der Bevölkerung kennen zu lernen, d. h. das Verhältnis der Volkszahlen zum Raum. Wie dieses verschieden ist nach der durchschnittlichen Jahres-, oder Sommer- oder Wintertemperatür, je nach der Höhe der Wohn- orte über den Meeresspiegel, je nach Flachland oder Gebirgsgegend und so weiter. Die Ungleichheiten geben Anlaß zur Erforschung ihrer Vcr- ursachung und damit bedeutungsvolle Anregungen zu einer tieferen Erkenntnis der die Vermehrungsvorgänge der Menschheit regelnden Ursachen. Wo wir aber dauernde Gleichheit der Feststellung finden, werdcn wir von einer gewissen Gesetzmäßigkeit reden können. Freilich sind wir in der Erkenntnis der gesetzmäßigen Vorgänge noch sehr weit zurück und vieles, was einst alS Gesetz galt, hat sich nachher nicht als allgemein gültig erwiesen. Eine tiefere Beobachtung führt auch daS Verhältnis der Ge- burtcn und der Sterbezahlen auf soziale Ursachen zurück. Sehnlich wie die Zahl der Eheschließungen, die der Verbrechen, vor allem der Eigentumsdelikte im Zusammenhange steht mit den Lebens- bedingungen der Bevölkerung, so z. B. mit den Preisen für die unentbehrlichen Lebensmittel, wie Getreide und Frisch, mit der Fülle der Arbeitsgelegenheit oder mit dem Mangel derselben, so gilt dies auch für das Verhältnis der Ledigen zu den Verheirateten, für die raschere oder langsamere Verminderung der Bevölkerung und ebenso für den Grad ihrer Vermehrung und zwar besonders für die eheliche Vermehrung und die uneheliche. Zu ganz besonders bedeutungsvollen Schlüssen kommen wir dann, wenn wir die Elemente der VolkszählungLergebnisse für längere Perioden erfolgreich kombinieren können mit den Angaben der Berufsstatistik. Schon das, was wir heute über die proletarische Kindersterblichkeit, über da» durchschnittliche LebenSalt.c in vcr- schiedenen Berufen statistisch feststellen konnten, eröffnet uns wert- volle Aussichten für fruchtbare soziale Betrachtungen in der Zukunft. Schon heute wissen wir aber auch, daß für wichtige Bevöllerungs- Vorgänge andere Massenerscheinungen in der Arbeiterklasse festzu- stellen sind, wie in den besitzenden Klassen, so hinsichtlich der Zeit der Eheschließung, so bezüglich der Legitimierung vorehelicher Kinder, so vielfach bezüglich der Zahl der Kinder und deren Lebens- fähigkeit. Die Volkszählungen ergeben auch neben der allgemeinen Dichtigkeit der Bevölkerung Aufschlüsse über die Art der Ansammlung in gedrängt oder zerstreut zusammenwohnender Be- völkerung. Von welch großer Bedeutung diese Frage für die ge- samten Lebensbedingungen der Bevölkerung, für die Entscheidung steuerpolitischer Fragen ist, bedarf einer weiteren Auseinander- sctzung nicht. Zwischen der Dicht, gleit und den AnhäufungSver- hältniflen bestehen Beziehungen, die man am genauesten in der Ent- Wickelung des Umkreises der Großstädte und in dem Abzug der Be- völkerung vom flachen Lande zu beobachten vermag. Wenn man bedenkt, wie mannigfaltig die Bedeutung der Volks- zählungen für die„Physik des Staates und der Gesellschaft" ist, so darf man sich die kleine Belästigung, die mit der Vollszähluiig verknüpft ist, nicht verdrießen lassen. ES handelt sich bei den Volks- zählungen um Arbeiten, die sich in der vollsten Oeftentlichkeit ab- spielen. Ernst Engel sagte schon richtig vor 50 Jahren, daß das befruchtende Element der Statistik die Oefsentlichkeit sei. Aber daS Interesse der Bevölkerung an der Statistik und die Willigkeit, diese Arbeiten zu fördern, tväve bedeutend größer, wenn zwischen den Erhebungen der Einzeldaten und den Veröffentlichungen der Er» gebnisse keine zu lange Zeit verstreicht. Dies liegt auch im Jnter- esse der Statistik selbst, damit diese, um nochmals ein Wort von Engel zu gebrauchen, noch einen Fingerzeig für die Zukunft, und nicht bloß einen Rückblick für die Vergangenheit gewähre. Man würde bei einer rascheren Veröffentlichung des statistischen Er- «ebnisses nicht daS Wort von der statistischen Makulatur geprägt oben und es wäre leichter für die Erhebungen der amtlichen Statistik und für ihre Ergebnisse Interesse vorauszusetzen. DaS kann aber sicherlich nicht geschehen, wenn, wie diesmal, erst wenige Wochen vor der neuen Volkszählung vom Bremer statistischen Amte die Resultate der letzten Volkszählung vom Jahrs 1900 veröffent- licht werden. DaS 19. Jahrhundert zeichnete sich trotz gewaltiger Be- völkeruugSabgabe Europas an die anderen Weltteile durch eine außerordentlich starke Volksvermehrung auS, die im engsten Zu- sammenhange stand mit der Entwickelung der wirtichastlichen Faltoreu, mit der technisch-ökonomischen Revolution durch den Siegeslauf der Maschinerie. Mancherlei Anzeichen sind vorhanden, daß die VolkSmehrung im 20. Jahrhundert einen langsameren Gang nehmen wird. Die bevorstehende Zählung, vor allem aber die darauf folgende im Jahre 1910, die wiederum eine Art Welt- zählung sein wird, werden unS lehren, ob diese Vermutungen der BevölkcrungSswtistiker durch die Ergebnisse der Bevöllerungs- aufnahmen ihre Bestätigung finden. Ad, Br. Der Militarismus ist ein Zwillingsbruder des Kapitalismus. Während dieser Raubbau mit der Arbeitskraft des Proletariats treibt, für möglichst niedrige Löhne die Arbeitskraft der Bevölkerungs- Mehrheit ausbeutet, suchen die gesetzgebenden Körperschaften die ge. wältigen Summen, die der Militarismus verschlingt, durch Steuern und Verbrauchsabgaben aus den Taschen des Proletariats heraus- zuholen. Schon jetzt warten Kriegsminister und Marine-Dtaatsckretär sehnsüchtig auf die Goldströme, die der neue Zolltarif für dieses System bringen wird. Alle Milliarden, die der Militarismus ver- schlingt, werden vorwiegend durch die Besteuerung der Armen und Acrmstcn aufgebracht, und wahrlich, die Summen sind nicht gering! Im Jahre 1880 betrug die Gesamtausgabe für Heer und Marino 463 Millionen Mark, im Jahre 1903 waren schon 1065 Millionen Mark notwendig, um die laufenden Ausgaben zu decken und imuiev neue Quellen werden gesucht und gefunden, um Futter für diesen Moloch herbeizuschaffen. In der nächsten Reichtags-Session wird wiederum versucht werden, aus dem Tabak und dem Bier neue Summen herauszupressen. Tausende und Abertausende junger kräftiger Söhne des Volkes werden alljährlich aus ihren Berufen herausgerissen, um sich einem Drillsystem zu unterziehen, das den Menschen zur Maschine ent- würdigt. Durch den Militarismus werden die Klassengegensätze verschärft und das Volk vom Volke getrennt.— Wenn es befohlen wird, müßt Ihr aus Vater und Mutter schießen I— Angesichts solcher Tatsacben kann es nicht wunder nehmen, daß die Mutter ihren unter Schmerzen und mit Gefahr des eigenen Leben? geborenen Sohn nur ungern den bunten Rock anziehen läßt. Weiß sie doch von vielen Nachrichten über schändliche Soldaten- Mißhandlungen, was eventuell auch ibrem Sohne passieren kann. Denn das militärische Drillsystem treibt rohe, gefühllose Vorgesetzte gar leicht zu Soldatenschindcrcien, wodurch schon manches blühende Menschenleben frühzeitig vernichtet worden ist. Durch den aller RuHue hohnspr«chenden Militarismus wird das Mutterherz häufig recht schwer getroffen; daher sollten die Frauen weit mehr als wie bisher diesem System den Krieg erklären. Unsere Technik mit allen modernen Errungenschaften dient beute zur Erzeugung und Verbesserung der Mordwerkzeuge, die beim Völkermorde Verwendung finden. Schon der Kriegsgedanke erfüllt uns mit Entsetzen. Der oft- asiatische Krieg hat gezeigt, welche Wunden ein mit niodernen Waffen geführter Krieg schlägt. Der Frauenwelt liegt nun die schöne Aufgabe ob, innerhalb der Sozialdemokratie das Grab des Militarismus mit schaufeln zu helfen. Er mutz versinken, um für den Kulturfortschritt und den Völkerfrieden Platz und Raum zu geben. Vorwärts I Frauen und Mädchen des Proletariats, helft das kulturfeindliche System des Militarismus, auf den die Kapitals- macht sich stützt, vernichten I Helft der Sozialdemokratie zum Siegel Tempelhof, Mariendorf und Umgegend. Heute nachmittag S Uhr Ijcut der Frauen- und Mädchen-Mldungsverein für Mariendorf und Umgegend seine erste Mitgliederversammlung bei Martin Müller, Berlinerstr. 41/42 in Tempelhof ab. Auf der Tagesordnung steht Vortrag des Herne Dr. Sommerfeld über„Gesundheitsgemätze Erziehung der Kinder', Diskussion, Vereinsangelegenheiten und Auf- nähme neuer Mitglieder. Der Vortrag ist für jede Mutter so wichtig, datz es ihre Pflicht ist, die Versammlung zu besuchen. Auch Frauen und Männer als Gäste haben Zutritt und sind hierzu herzlich ein- geladen._ Der Vorstand. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion. Rindfleisch la 64—68 pr. 166 Pfund, Ha 57—64. nia 50-55, IVa 40-48. Kalbfleisch la 85-90, IIa 72-82, lila 56-70, Hammelfleisch In 65—75, IIa 50—60. Schweinefleisch 71—77. Rotwild Pfund 40—56 Pf. Hasen Slück 3,00—4,15, klein 1,50— 2,00. Kaninchen Stück 0,60—0,95. KrammctZvögel 0,10—0,25 Pf. Rebhühner, junge la 0,80—1,00, junge IIa 0,00, junge kleine 0,00—0,00, alte la 0,76— 0,75. alte IIa 0,00—0,00. Hühner pro Stück, alte 0,50— 1,85, junge Ja 0,80— 1,25, do. IIa 0,50—0,85. Tauben, junge 0,40—0,50, alte 0,25—0,30. Enten junge 1,40—2,30. Gänse pro Stück, la 3,50—4,00. IIa 2,50—3,50, pro Pfd. la 0,53-0,64, IIa 0,45—0,58. Hechte 70-85 M.. Schleie, unsort. 124. Nale, groß 00-00, mittel 0,00, klein 0,00 M. Plötzen 53 M. Karpfen 72—73. Lachs 125 M., Schellfische IIa 00,00 M.. Flunder 00,00 M. pro 100 Pfund. Schottische Vollheringe(gesalzen) 36—38 M Krebse, kleine, schock 4,50 M., unsortiert 0,00—0,00 M.©er, Schock 0,00. Butter pro 100 Pfund la 122—126, Ha 115—122, lila 111—114, abfallende 90-110. Kartofscln pr. 100 Pfd. rote 2,00-2,20, Ro'en 0,00-0,00, blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. Schock 4.00-8.00, Weißkohl 6,00-8,00, Rotkohl 4,00-8,00, Holl. 10-13 M. Saure Gurken, Schock 2,00 M. W«t»rr»naSüi>eriickit vom 21. November 1905, morgen» 8«Hr. Stationen Swinemdc. Hainburg Berlin §rants.a.M. künchen Wien Stastonen Setter c% § Ü —4 5 Haparanda!73S 33 6 wolkig Petersburg 753 WNW I 3 heiter Scilly>767 NNO! I halb bd. Äberdeen 163 W! Iwolkenl— 2 Paris s767 NNO> l.bedeckt> 0 II J I I Wetter-Prognose für Mittwoch, de» 22. November 1905. Vielfach nebelig, teilweise aufklarend und an, Tage mild bei mäßigen südwestlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Weiterbureau. Pfennig. Das erst» tettgedrucktö Wort 1$ Ptg, Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Jedes Wort: fdeine flnzeigen. ' Anyf*i Maschinen„Hocke- meyer", alleiniger Fabrikant E. Bell- mann, Gollnowstraße 26, nahe der Landsbergerstraße._ 906K* Photo-Objektive, Kameras, neu und gebraucht, in allen Preislagen, auch Umtausch, liefert die Optisch- Mechanische Werkstatt von R. Gabriel u. Co., W., Gleditschstraße 26. tl04* Teppiche, Portieren, Gardinen, Tischdecken, Steppdecken, Läuscr, Bettvorlagen, Felle spottbillig. 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Tieü, Jnvalidenstr. 124. lKorcku'cntcn: Karl Anders, Salzwedelerftr. 8. 8ii«iu-CBtra: H. Werner, Mittcmv.- erstr. 30. H. Schröder. Kreuzbergstr. 15. Mücken: St. Fritz, Prinzenstr. 31. F. Gutschmidt, Kottbuser Damm 8. Mückontcn: Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/15. P. Horsch. Engel-Ujer 15. Siinrlnttcnhnrg: G. Scharnberg, Scseuhcimerstr. 1. Ericckrichshcrg: O. Seikel, Kronprinzenstr. 50. Histckorr: M. Heinrich. Prinz Handjerhstr. 7 Conrad, Hermannstr. 50. Mciiiincdcrg: Wilh.Bäuuiler.MartmLutherftt. 51. IVciLcnncc: W. ReZke, Sedaustt. 53. Jul. Schillert, Känig-Ehaussee 3öa. Ikciniciecncknrlr: P. Gursch, Provinzslr. 103. wuu inuuuct.|n.uD� UV»/ Q. wn.«.»».!*mov Oi-, vluv. i**■-' u*- x., m»X._ aniaBMWBMaaMMMMaBMBaW Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts fvuchdruckerei u. Verlagsauftalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Redaktion und Expedition: Berlin, Cindcnltr. 69. Fernlprcdjer: Amt II. 19SS. Nr. Ä74. Mittwoch, de» 22. November 190». � Inserate Sechigelpsttene Koloneizeile 20 P?g. Bei gröBtren BuHrägcn cnttprcchenden Rabatt. JJ partei-Hngelcgcnbcltcn. Zur Lokalliste. Der Verein der Werkzeugmacher und Einrichter der deutschen Munitions- und Waffenfabrik veranstaltet ein Ber- gnllgen am 23. d. M. in den Hohenzollern-Sälen, Bandelstr. 33 �Moabit). Das Lokal ist gesperrt, man weise die Karten zurück. Die Lokalkommission. Ober-Schönewcide. Am Donnerstag, den 23. d. M., abends 8>/z Uhr findet bei Ernst Kaufhold eine außerordentliche Mitglieder- Versammlung des hiesigen sozialdemokratischen Wahlvereins statt. Zur Erledigung kommt die unerledigte Tagesordnung der letzten Versammlung. Die Spedition des„Vorwärts" hat Genosse I. Grunow, Edison- straffe 10, 1 Treppe. Spandau. Am Totensonntag Besichtigung der Treptower Stern- warte. Um zahlreiche Beteiligung der Parteigenossen wird ersucht. Treffpunkt nachmittags 3 Uhr in den Bezirkslolalen. Billetts sind beim Kassierer Genossen Schuster zu haben. Reinickendorf-Ost. Hierdurch machen wir die Mitglieder noch- malS auf die heule stattfindende Herrenpartie nach dem Grunewald aufmerksam. Abfahrt vom Bahnhof Gesundbrunnen nach Westend früh 7 Uhr präzise. Für Nachzügler Treffpunkt um 9 Uhr(frühstück» beim alten Freund auf PichelSwerder. Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder erwartet Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Die Genossen treffen sich mit ihren Familien heute nachmittag bei Preuff, Neue Krug-Allee 39. Pankow. Am nächsten Mittwoch, abends pünktlich 81/» Uhr, ist die General-Versammlung des WahlvereinS im Lokale des Herrn Roczycki, Kreuzstr. 3/4. Tagesordnung: Berichte der Funktionäre und Neuwahlen. Jedes Mitglied ist verpflichtet, zu erschemen, da Beschlüsse über die künstige Organisation zu fassen sind. Charlottrnburg. DaS Gerücht, der Schankwirt Karl Papenfuh, Spandauerberg 22, habe bei der Stadwerordnetenwahl nicht ge- wählt, beruht auf Irrtum. Der Vorstand des Wahlvereins. Vorort- l�admcbteu. An die Charlottenburger Arbeiter! Morgen Donnerstag, den 23. November, finden die Stadtverordnetenwahlen im ersten, zweiten, sechsten und siebenten Bezirk statt. Im ersten Bezirk sind zwei, in den übrigen je ein Vertreter zu wählen, es handelt sich also im ganzen um fünf Mandate. Diese fünf Sitze im Stadtparlament zu erobern ist Pflicht der Charlottenburger Parteigenossen. Unsere vereinigten Gegner bieten alles auf. uns den Sieg strittig zu machen, eine Wahlagitation entfalten sie, wie sie skrupelloser nicht gedacht werden kann, mit den gemeinsten und niederträchtigsten Verleumdungen gehen sie gegen die Kandidaten der Sozialdemokratie vor, vor keinem noch so infamen Mittel schrecken sie zurück. Hatten wir bei der Hauptivahl mit zwei Gegnern zu kämpfen, so steht uns jetzt bei der Stichwahl die gesamte Bourgeoisie geschlossen gegen ii ber. Auch die, die dem nationalliberal- freisinnig- unpolitischen Kompromiß nicht beigetreten sind, die Mittelstandsparteiler, werden, nach- dem sie bei der Hauptwahl ausgefallen sind, voraussichtlich für die liberalen Kandidaten stimmen. Dieselben Liberalen, die noch vor wenigen Tagen die Mittelstandsparteiler als nicht ernst zu nehmende Leute bezeichneten, buhlen jetzt um deren Stimmen— ein neuer Beweis für die Gesinnungs- losigkeit der liberalen Gesellschaft, denen es einzig und allein auf die Ergatterung von Mandaten ankommt, die den ehr- lichen Kampf scheuen und statt dessen durch Handeln und Schachern ihren Besitzstand zu vermehren trachten. Daß die Liberalen übcrhaitpt noch in nennenswerter Zahl in der Stadtverordnetenversanimlung sitzen, verdanken sie dem den Geldsack bevorzugenden Dreiklassen- w a h l s y st e m. In der ersten und zweiten Wählerabteilung. die die Reichen und Wohlhabend«, umfaßt, haben die Liberalen ein leichtes Spiel, die 48 Sitze dieser Abteilungen vergeben sie an den Meistbietenden, von einem Wahlkampf ist hier keine Rede. In der dritten Abteilung wickelt sich das Geschäft nicht so leicht ab, da heißt es kämpfen! Da erscheint die Arbeiterklasse auf dem Plane, um gebieterisch zu fordern, was ihr gebührt. Die Sitze der dritten Abteilung aber gehören samt und sonders der Arbeiterklasse. Kein Liberaler darf sich in Zukunft mit einem Schein von Recht noch darauf berufen, daß er von den Wählern der dritten Abteilung gewählt ist. Vor zwei Jahren hat die Sozialdemokratie einen glänzenden Sieg erfochten, da hat sie den unumstößlichen Beweis erbracht, daß die Wähler der dritten Abteilung nur in ihr ihre rechtmäßige Vertretung erblicken. Leider ist der Ausfall der diesmaligen Hauptwahleu nicht ein so günstiger gewesen. Noch aber ist es Zeit, das Versäumte nachzuholen. In der Stichwahl bietet sich die Gelegenheit, gut zu machen, was am Tage der Hauptwahl gefehlt ist. Himderte und aber Hunderte von Arbeitern sind am ff. November der Wahlurne ferngeblieben. Jetzt gilt es, diese Lässigen aufzurütteln, sie an ihre Pflicht zu erinnern, ihnen die Bedenttiug der Wahl vor Augen zu führen, sie davon zu überzeugen, daß sie für die sozialdemokratischco Kandidaten zu stimmen haben, wenn anders sie nicht zu Verrätern au sich selbst, an ihrer Familie, an ihren Klassengenosscn werden wollen. Wer auch bei der Stichwahl der Wahlurne fern- bleibt, der ist in den Augen aller klaffen- .ßten Arbeiter so gut ein Ehrloser wie der für die Kandidaten der Arbeiter- stimm t. Die Liberalen glauben schon sicher den Sieg in der Tasche zu haben. Beweisen wir ihnen, daß sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben I Mit Hohn und Spott überschütteten sie in der letzten Stadtverordneten-Versammlung einen der zur Stichwahl stehenden Genossen, als sei es schon ausgemacht, daß er nicht wieder gewählt wird. Sorgen wir dafür, daß ihnen das Höhnen und Spotten ein für allemal vergeht! Schon triumphieren sie über die Niederlage der Sozial- demokratie und bereiten Siegesfeste vor. Tun wir. was in unseren Kräften steht, um ihnen die Freude in wehmüttge Trauer umzuwandeln! Die Macht dazu haben wir. Worauf es jetzt ankommt, ist, daß wir von unserer Macht den richtigen Gebrauch zu machen wissen. Nehmen wir uns ein Beispiel an unseren Berliner Ge- nassen, die dem freisinnigen Bürgertum eine Niederlage bereitet haben, von der es sich nicht wieder erholen wird! Was in Berlin möglich war, muß auch in Char- l o t t e n b u r g möglich sein. Biete» wir alles auf, um den in Stichwahl stehenden Ge- nossen den Sieg zu erkämpfen! Setzen wir dem Hochmut der Liberalen endlich ein Ziel! Pankow. Nach getaner Arbeit entdeckten gestern die Gesellen des Bäcker- meisterS Eberl in Pankow einen fremden Mann in ihrem Bett, der sich schließlich als Einbrecher entpuppte. Die Kriminalpolizei stellte ihn fest als einen Einbrecher Karl Bohlandt, der aus einer Straf- anstalt in Thüringen entwichen war. Bohlandt hatte mit einem ebenfalls gesuchten Einbrecher Josef Kaethner eine..Knnstreise" durch die Städte Thüringens gemacht, aber dann nach Hamburg gefahren und kam von dort hierher, um Berlin und seine Vororte heim- zusuchen. Bei ihm fand man Pfandscbeine über allerhand Sachen, gestohlene Uhren, Visitenkarten, Briestaschen und den ebenfalls ge- siohlenen Ausweis eines Uhrmachers Friy Mündt aus Ahlhausen in Thüringen. Er behauptet natürlich, daff er alles das von einem Unbekannten hier in einer Kaschemme gekauft habe. Am Donnerstag, den 16. November, tagte im Lokale des Herrn Ebersbach, eine gut besuchte öffentliche Volksversammlung, in welcher ReichstagS-Abgeordneter Moltenbuhr über die Ursachen der Fleischnot referierte. Der Referent führte aus: Die Fleisch- teuerung sei auf Veranlassung und zum Vorteil der Junker, um hohe Gewinne zu erzielen, künstlich hervorgerufen. Dieselbe Re- gierung, die durch den Mund ihrer Diener, der Gelehrten und der Lehrer hinweist auf die Notwendigkeit, dem menschlichen Körper mittel zu verteuern. Durch die dadurch herbeigeführte irrationelle Ernährung der VollSmasseu verringere sich in gleickxm Maße die Leistungsfähigkeit derselben. Unsere sich immer mehr ausdehnende Industrie werde durch diese Liebcsgabenpolitik bedeutend geschädigt. Die notwendige Folge sei ein Zurückgehen der Aufträge uitd ein- tretende Arbcitsnot. Der Zweck der durch nichts zu rechtfertigenden Grenzsperren sei auch nicht, das einheimische Vieh vor Seuchen, daS Volk vor Erkrankungen zu schützen, sondern die Landwirtschaft zu stärken, ihren Rückzug zu verhindern, und, wie Fürst Bülotv sich gelegentlich äußerte, die fortschreitende Jndusttialisierung der Bevölkerung auszuhalten. Genosse Molkenbuhr schloß sein mit Beifall aufgenommenes Referat mit einem Appell an die Arbeiter« schaft, gegen den jetzigen Kurs Front zu machen. Gelänge eö dem Proletariat, gegen die agrarische Ausplünderungspolitik Sturm zu laufen, würde auch noch manch anderes, Erstrebenswertes dabei abfallen. An der Diskussion beteiligten sich die Genossen Witte, Bcier und Räber in zustimmendem Sinne. Bei Punkt 2 der TageS- ordnung: Bericht der Frauen, wurde der Genossin Meißner ohne Widerspruch Dccharge erteilt. Nach mehreren Hinweisen von feiten der Genossin Ihrer und des Genossen Freiwaldt auf die Wichtig. keit der Frauenbewegung, wurde die Genossin Meißner als Ver» trauensperfon für den Bezirk Pankow wiedergewählt. Charlotteuburg. Am TienStag, den 14. November, versammelte sich das Per- sonal der Charlottenburger Krankenanstalten bei Gienke, Spandauerberg. Das einleitende Referat über„Tie Rechtlosigkeit des Personals in den Heilanstalten" hatte P. Strunk vom Gemeindearbeiter-Verband übernommen. Scharf kritisierte kdec üledncr die skandalösen Verhältnisse in den Heilanstalten. Diese erinnern an Leibeiaenschast und die veraltete Gesrndeordnung. Dem Personal werden allerlei Schwierigkeiten in den Weg gelegt bei der Ausübung des KoalitionsrccksteS. Besonders wurde hervorgehoben, daß es sich der Inspektor des alten Krankenhauses in der Kirchstraße angelegen sein lasse, den Pflegerinnen ihr Kvalitionsrecht zu unter- binden. Gegen derartige autokratischc Hcrrschcrgelüstc einzelner Be- amten müsse entschieden Stellung genommen werden. Dem Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung müssen derartige Uebergriffe solcher Beamten unter allen Umständen unterbreitet lverdeu. Da diese Körperschaften auch noch ein Wort mitzureden haben, so sei zu erwarten, daß die betreffenden Beamten in ihre Schranken zurück- gewiesen werden. In der Diskussion brachte ein Pfleger recht erbau- liche Zustände auS der Dr. Edelschen Anstalt zur Sprache. Bei der neulichen Revision der Edelschen Anstalt durch den Polizeipräsidenten wurde ein Zimmer, welches zu zwei Betten berechnet ist, zum wieder- holten Male mit vier Betten belegt vorgefunden. Die Leitung ent- schuldigte sich damit, daß sie zuviel Patienten habe. Da aber Dr. Edel zum größten Teil Patienten in seiner Anstalt habe, die ihm aus Dalldorf überwiesen werden, so wäre eö Pflicht des Berliner Magistrats, sich zu überzeugen, wie seine Kranken in den Privat- Irrenanstalten untergebracht sind. Von einem Redner wurde her- vorgehoben, daß Herr Dr. Paul Edel, der Sohn des Sanitätsraieö, die Pfleger nach ihrer Berufstüchtigkeit auf ganz eigene Art beurteile. Wer nicht zu jeder Zeit einen steifen, frischgewafchenen Kragen trägt, und sei es auch früh, wo eS gilt, die gröberen Arbeiten zu erledigen, den kann er nach seiner Meinung nicht gebrauchen. Wer aber etwa annimmt, daß die Pfleger Dienstklcider und weiße Wäsche geliefert letommen, der irrt sich pründlickt. � Tiefe Ausgaben müßten die Pfleger von ihrem miserablen Lohn selbst bestreiten. Ein Anchkollege verlrat die Ansicht, daß man nicht alles so schwarz malen solle, und pries die Anstaltsleitung in bezug auf Behandlung, Verpflegung, Lehn und Schlafstellen in allen Tonarten; er holte sich aber eine gründliche Absuhr. Alle Redner wandten sich gegen seine Aus- führungcn. ES wurde beschlossen, in nächster Zeit eine öffentliche Versammlung zu arrangieren und die Vertreter des Magistrats, des Stadtverordnetcnkollegiums sowie der Presse dazu einzuladen, um einmal der Oeffenilichkeit ein Bild von den Verhältnissen in den Heilanstalten zu geben. Schöneberg. Im Obstschen Saale in Schöneberg sprach am Montag in einer von der weiblichen Vertrauensperson einberufenen gut besuchten Versammlung der Genosse Zuber l über Soldatenmitzhandlungen. Dem beinahe zweistündigen Vortrage, über den wir schon wiederholt kurz berichtet haben, folgte eine kurze Diskussion, in welcher es sich nur um die Beantwortung einiger aufgestellten Fragen handelte. Die Krcisvertrauensperson Genossin Thiel konnte sodann noch mit Genugtuung auf die guten Fortschritte unserer Bewegung am Orte innerhalb der proletarischen Frauenwelt aufmerksam machen, wovon die nachfolgende Abrechnung Zeugnis ablegt: Auf Listen von Schöneberger Frauen wurden gesammelt 149,13 M., Tellersammlungen, Bergarbeiterlisten und Sammlungen für die russischen Opfer ergaben 77,13 M., zusammen 226,30 M. Die Aus- gaben betrugen inkl. 161,73 M. abgelieferter Gelder, an die Kreis- Vertrauensperson 222.77 M. Die Zahl der.Gleichheit"-Nbonnenten ist von 7 am Anfang des Jahres auf 30 gestiegen. Zur örtlichen Vertrauensperson wurde einstimmig Genossin B ä u m l e r wieder- gewählt. Zwecks Verbreiterung der Sedan-Brücke und Durchlegung der Feurigstratze nach der Kolonnenstraße soll wiederholt eine Petition an die städtischen Behörden gerichtet werden, nachdem einer solchen bereits im Juli d. F. zugestimmt und der Magistrat um Vorlegung eines Projektes ersucht wurde. In der Sache selbst schweben schon seit Jahren langwierige Bei Handlungen mit der Eisen- bahnbehörde, die jetzt endlich zu einem greifbaren Resultat zu gelangen scheinen. Anschläge und Pläne liegen bereits der Tiesbandeputation vor. so daß mit der Inangriffnahme der Vorarbeiten im nächsten Jahre begonnen werden könne. Der Brückenkopf soll bis zu 11 Meter ver- breitert werden und zwei Fahrieiten erhalten. Die Vorbauten der Vürgersteige müssen ans konsolartigen Stützen ruhen, da der EisenbahnfiSknS zu Pfeilern keinen Boden hergeben kann und die Gleise nicht verlegt werden dürfen. Vorläufig wird beabsichtigt, nur die am Bahnhos gelegene Brückenseile zu verbreitern.— In enger Verbindung mit dem gedachten Projekt steht die Durchlegung der auf acht Meter Breite geplanten Feurigstraße bis zur Kolonnen« straffe, die gleichfalls im nächsten Jahre in Angriff genommen iverden soll.— Und inzwischen bleibt die S e d a n st r a ß e, dir be» lebteste Straße des Proletarierviertels, in ihrem seit Jahren be- stehenden trostlosen Zustande. 11 408 Schulkinder wurden am 1. Oktober d. I. in 237 Klassen gezählt. Die Zunahme in diesem Jahre beträgt also 323. Am 1. April 1906 soll die elfte Gemeindeschule in der Fenrigstraße, welche als Anbau an die zwölfte erfolgte, eröffnet werden. Der bestehenden Klassennot wird nalürlich auch diese Erweiterung bei weitem nicht abHelsen, die schleunige Inangriffnahme neuer G e- in e i n d e schulbauten wird immer dringender. Adlershof. Auöliindische Arbeiter sind von jeher ein willkommenes Aus- beutungSobjekt der Unternehmer. Dieselben Leute, die sich sonst nicht genug tun können ob ihres Patriotismus und chrer Vater- landSliebc, die nicht laut genug über die Vaterlandslosigkeit der Sozialdemokratie zetern können, diese Leute werfen alle die schönen Redensarten über Bord, wenn eS sich darum handelt, recht viel Profit einzuheimsen. Wie es mit der Entlohnung, Behandlung und Unterbringung solcher ausländischer Arbeiter, die an keiner GewerkschaflSorga: sation einen Rückhalt haben, bestellt ist, zeigen Zustände, wie sie Adlershof bestehen. Dort läßt eine Düsseldorfer Firma Erdarbeit ausführen und hat sich zu diesem Zwecke durch cm Vennittelung» bureau in Neubcrun ruthenische Arbeiter kommen lassen. Mit diese, Arbeitern wurde folHendcr Vertrag vereinbart: „Vertrag: Die Unterzeichneten verpflichten sich bei dem Herrn Jngenic Heids, AdlerShof bei Berlin, Bismarckstraße 5, alö Arbeiter zu Ei arbeiten. Lohn 30 Pf. pro Stunde, und Wohnung. Arbeitszeit höchste 10 Stunden. Die Akkordarbeit bis 3 Mark Verdienst." Welcher Art diese Wohnung ist, soll hier kurz beschriebe werden. Dieselbe besteht aus einer Brctterbaracke, die zirk 20 Meter lang, 3 Meter breit und 3 Meter hoch ist. Dicse�Barack ist mit einem schräg abfallenden Pappdach versehen. Im Somme diente dieser Raum, der die polizeiliche Genehmigung erhalten h Kaufmann und ein Scbmied ermittelt und zur Haft gebracht. Di unausgesetzten Nachforschungen nach dem Verbleib der Beute habe, nun ergeben, daß ein bedeutender Teil der Schmucksachen, als Uhren, Ringe, Ketten. Armbänder usw.. in Leipzig verkaust worden ist.?llS Kaufer wurde nunmehr durch die dortige Polizei ein in der Ostvorstadt wohnender b2jährigrr Handelsmann aus Halle fest- gestellt, der sofort wegen Verdachts der Hehlerei dem Untersuchungs- gesängniS zugeführt wurde; er ist schon mehrfach vorbestraft. D'e Leipziger Kriminalpolizei richtet an alle diejenigen Personen, dw von dem Verhafteten Sachen gekauft haben, die Aufforderung, sich ungesäumt bei ihr zu melden. Ein Falschmünzer wurde gestern nachmittag unter einem großen Auflauf m der Weil dst ratze festgenommen. Bei einem Bäcker St. kaufte ein unbekannter Kunde für 5 Pf. Melonen und bezahlte mit einer Mark. Der Geschäftsmann merkte gleich, daß diese falsch war. Es fiel ihm auch auf, daß der Kunde eine Perücke trug. Als er ihn nun zur Rede stellte, versuchte der Mann zu entfliehen. Er hielt ihn aber fest und übergab ihn einem Schutzmann. Diesen bat er auf dem Wege zur Wache, er möge ihn doch laufen lassen, weil er aus einer angesehenen Familie stamme und die falsche Münze selbst in gutem Glauben angenommen habe, wahrscheinlich in einer Brauerei. Ter Beamte ließ fich darauf nicht ein. Plötzlich aber riß sich der Festgenom nienc los, um zu entfliehen. Der Beamte der- folgte ihn und holte ihn bald wieder ein. Unter einem großen Auf- lauf brachte er ihn jetzt nach der Revierwache. Hier spielte er sofort den wilden Mann, indem er sich unausgesetzt stellte, als ob er Fliegen finge und verschluckte. Auch summt« er wie eine Fliege. Heraus- zubringen war nicht» aus ihm; die Untersuchung ergab, daß er noch mehr Falschstücke besaß, andere hatte er auf der Flucht schon weggeworfen. Vor der Kriminalpolizei nennt sich der Verhaftete Schmied Fritz Gormann, am 3. August 1874 zu Neudamm geboren. Dieser Name ist wahrscheinlich falsch. Der Verhaftet« ist etwa 88 Jahre alt und nur 1.60 Meter groß, er hat einen blonden Schnurr- bart und fast kahlen Kops mit nur wenigen kleinen Haaren. Die Perücke trägt er ohne Zweffel nur bei der Verausgabung des falschen Geldes, um sich unkenntlich zu machen, um sie anzukleben, hatte er eine Flasche mit Gummi bei sich. Wer über diesen Mann ctwaS mitzuteilen weiß, wolle sich bei der Kriminalpolizei melden. Die Fahrraddiebsiähle waren seit geraumer Zeit wieder außer- ordentlich häufig. Jeden Tag wurden der Kriminalpolizei 15 bis 20 angezeigt. In den letzten Tagen gelang es ihr. sieben Diebe un- schädlich zu machen. Em Schreiber Karl Hennig. ein Arbeiter August Frey, ein Tischler Paul Kiefert. ein Töpfer Reinhold Seidel. ein Schlosser Walter Fischer, ein Anstreicher Sylvester Adam und ein Hausdiener Julius Gersdorf, die sich unangemeldet hier aus- hielten und mit Mädchen zusammcnwohnten. wurden entweder beim Veräußern gestohlener Rader ergriffen oder auf frischer Tat ab- gefaßt. Bei allen fand man noch Pfandscheine über schon früher versetzte Räder. Eine Menge Räder, deren Eigentümer nicht bc- kannt sind, liegen noch herrenlos im Polizeipräsidium. Die Diebe stahlen nicht bloß von der Straße weg, sondern scheuten auch vor Einbrüchen nicht zurück. So erbrachen sie in der Warschauersiraste eine Kammer und erbeuteten daraus«in Motorrad, das noch nicht wieder zum Vorschein gekommen ist. DaS Fahrzeug ist ein Adler- Rad Nr. 259 057 und 1000 M. wert. Der Beftohlene hat auf seine Wiederbeschaffung eine hohe Belohnung ausgesetzt. EZ 7LSSN0WS Voiksgsrten, t ilakcnfeldc bei Spandaa. Am Busstag: Großes Wurst- und Sisbein-Sssen. 1/19V Hierzu lade ich alle werten Genossen srcundlichst ew. � Max Tessnow,*�0�.| Eduard Möller 50662* Düte, JVIützcn, pdzwaren Ripdorf. Kergstr. 24. Leih-Haus Charlottcnbnrs:, Friedrich> Karl- Platz IS, BeHlu, Auklamer-Ttrasje 8. Belcihima von Brillanten, Go!d- und Silbersachen, Uhren. Büchern, Wäsche, ÄlkibungSslückcn zc. 2131'* Habe meine Wohnung von der Tharinqerstr. 42 nach Rixdorf öei'gZli'. 9g/!0l! Ecke Labnslrafte. neben der Linolcuinfadrit. vcrlegt.> Fiau»-.cn». Heb Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin, Druck u. Verlag: Vorwärts vuchdriickerei u. BerlagSanstalt Paul Singer ch Eo.. Berlin