|l*. S7S. RbsnnMitnIS'Sedloaungen; «tonnementS■ Prrit Ctänumttanbo j «ierteljährl. 3,30 MI, monati 1,10 Mk, ivöchenllich LS Pfg, frei it.» HauS, Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntag«. nummer mit illustrierter Sonntag«. Beilage.Die Neue»est- 10 Psg, Poll- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in dt» Post-Zeitung«. PreiSItste. Unter Kreuzband für Deutlchland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für da« übrige«uilanb 3 Marl pro Monat. OlttM Vilich iuB« Bfntigt, Berliner Bolksblnlt. TA. Jahrg. Vit snltttionz-Ledllhr betrügt fllr die sechSgcspaltcne Kolonel. geile oder deren Raum tv Pfg,. für politische»nd gewerlichastliche Bercin«. und Berlanunlung«. Anzeigen LS Pfg, „kleine Unreigen", da» erste ssett- gedruillc) Wer» 10 Pfg,, jede» weitere Wort k Psg, Worte über lö Buchstaben ziihtcn für zwei Worte, Inserate für die nächste Rümmer müsse» di» 5 Nhr nachmittag» in der Exbedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, a» Sonn,»nd gestlagen bis 8 Uhr vormittags gcölsnet, Telegramm-Adresse: „SMlilit(in«Hrat Iltill»". Zcntralorgan der fozialdcmohrati fchen parte» Deutrcblands. Rcdahtion: 8ÖQ. 68, LCndenetraaa« 69. a?rrnsprecher:«mt IV. Vir. I9HS. Dienstag, den Ä8. November l I! Cxpectirion: SM. 68, L.liid«tivtrasse 69. JlpfMUirrrtifr: Hin» IV.?lr. INK». Der Reichstag. Die Zeiten sind vorbei, wo die Weltgeschichte in Parlaments- sessionen und in parlamentarische Ferien zerfiel. Die so- genannte politische„Sauregurkenzcit" ist längst abgeschafft— abgeschafft durch den immer stürmischeren Gang der gegen- wältigen sozialen EntWickelung, der sich um die feierlichen parlamentarischen Schluß- und Eröffnungsreden genau so viel kümmert, wie ein Erdbeben um das Gegacker im Hühnerhof. Allein zu keiner Zeit trat vielleicht der Reichstag zusammen unter einem so überwältigenden Eindruck der von lebendigen Tatsachen, von der Zeitgeschichte selbst mit Donnerstimme ge- predigten Wahrheit jener Lehren, auf denen die Sozialdemo- kratie ihre Politik und ihren Kampf fundiert hat, wie in diesem Moment. Mit dem heutigen Tage gehen nach dem parlamentarischen Kalender erst die politischen Ferien zu Ende, die Pause, in der die Weltgeschichte sich auf dem weichen Pfuhl auszuruhen, die Sonne stille zu stehen, das Lüftchen nur leise sich zu regen und jegliche Kreatur den politischen Sommerschlaf zu verrichten hatte. Erst die gravitätische Glocke des Reichstags-Präsidenten, erst die romantische Parade im „weißen Saal" läuten formell das politische Leben wach, das süß gähnend und die Glieder streckend, sich zum parlamentarischen Zlppell einfinden soll, um die inzwischen gcheimrätlich aus- gearbeiteten„Vorlagen" devotest entgegenzunehmen und sich mit Gott für König und Vaterland bedächtig in Trab zu setzen. Was sehen wir aber in Wirklichkeit? Stunn und Gewitter auf allen Seiten, Kriege, blutigste Menschenschlachten kommen und gehen, die Revolution wütet in nächster Nähe, wie ein brandendes Meer... Der Klassenkampf, der Klassenkanipf! Der nach der bürgerlich-parlamentarischen Theorie nicht existierende, der von der Sozialdemokratie künstlich„gesäete"— er ist es, in deffen gewalfigem Stimmengewirr die gravitätische Glocke des Reichstagspräsidenten heute verhallt wie ein ohnmächtiger „Ordnungsruf" an die unbotmäßige, revolutionäre Welt- geschichte. Der heutige Reichstag tritt unter„Zeichen und Wundern" zusammen, die mächtiger denn je den unaufhaltsamen Verfall der bestehenden Gesellschaftsordnung und das unauf- haltsame Emporsteigen der Sozialdemokratie, der Partei des proletarischen Klassenkampfes, vor aller Welt verkünden. Und der deutsche Reichstag selbst, wie er wieder vor den Augen der Ocffentlichkctt ersteht, ist nichts anderes als ein lebendiges Stück dieses allgemeinen Verfalls der bürger- lichen sozialen Ordnung. Schon nach den Regierungsvorlagen zu der beginnenden Reichstagssession und der Stellungnahme der bürgerlichen Parteien dazu ist es klar: der Reichstag tritt zusammen, um in seiner bürgerlichen Majorität wieder einmal bloß als eine Jasagemaschine für fertige Resultate des weit- politischen Wettrüstens zu fungieren. Eine neue Flotten- vorläge, neue Steuern auf notwendige Lebensmittel der ar- bettenden Masse, reaktionäre Verkchrssteuern, das ist„die Arbeit", die nun des gesetzgebenden Segens der Reichstags- Majorität harrt. Doch ist der deutsche Reichstag als Einheit, als selbstherrliche GesetzgebungSkörperschaft überhaupt bloß ein Schein, eine Vorspiegelung falscher Tatsachen. Im Hinterhalt lauert das Drciklasscnparlament, die preußische„Duma", diese feste Burg der feudalen ständisch-absolutistischen Monarchie. Die herrschende deutsche Politik spielt wie der verstorbene Virtuose Rubinstcin auf zwei Flügeln zugleich, um die richtige reaktiv- nare Melodie herauszubringen: der Reichstag beschließt Zölle und Steuern.— der Landtag würgt den Bergarbciterschutz ab. Der Reichstag beschließt Militär- und FlottenauSgaben,— der Landtag liefert die Schule der pfäffifchen Reaktion aus. Es ist dies eine wunderbare Instrumentation, bei der die Hochburg der ostclbisch-ultramontanen Sknipellosigkeit stets da mit einem kräftigen Akkord ergänzend einsetzt, wo die Reaktion des in allgemeinen direkten Wahlen gewählten Reichs- tages noch einigermaßen zu versagen droht. Dabei vcr- schiebt sich die gegenseitige Rolle beider mit jedem neuen Schritt des weltpolitischen Kurses; der Reichstag als Ausdruck der Demokratie und des Fortschritts, als Gegen- gewicht zu der preußischen Dreiklnsseubarbarei, sinkt immer tiefer, die borussische„Duma" erhebt immer mächtiger und frecher das Panier ihrer ostelbischen Unverschämtheit. Es ist für den Zusammenhang zlvischen den Fortschritten des weltpolitischen Rüstens und dem Niedergang der bürger- lichen Demokratie höchst bezeichnend, daß man den Zusammen- bruch dieser letzteren förmlich an den Hauptdaten der mili- taristischen Rüstungen verfolgen kann. Das große Militär- gesetz des neuen Km-ses im Jahre 1093 brachte die Spaltung des Freisinns in die beiden Fraktionen des weiblichen und des männlichen Freisinns. Das große Flottengesetz vom Jahre 1900 brachte den endgültigen Ilmfall des Zentrums von einer scheindcmokrafischen Oppo- sitionspartei zur schroffreaktionären Regierungspartei. Heute treten der Reichstag und bald der preußische Landtag zusammen — angesichts neuer Symptome des bürgerlich- liberalen Kladderadatsches aus den allerletzten Tagen. Der„männliche" Freisinn stolpert über die neue Flottei, Vorlage; der Fortschritt der Zeiten konimt darin zum Ausdruck, daß es nunmehr nicht mehr„großer Vorlagen", wichtiger Wendepunkte in der Geschichte des Militarismus und Mariuismus bedarf. um die bürgerliche Opposition zu zersprengen. Ein kleines Nachtragsgesetzlein genügt schon jetzt. um die schäbigen Reste der Spezies deutscher Liberalen zum erbärmlichsten Fall zu bringen. Und wenn die politische und parlamentarische Bedeutung des Richterschen Freisinns schon längst, namentlich seit der denkwürdigen Adventnacht des Brotwuchers, als ein Faktor des Fortschritts und der Opposition nicht mehr ernst zu nehmen ist, wenn auch die positive Tragweite des aller- neuesten Eickhoff-Umfalles nur einer tragikomischen Episode ist— als S y m p t 0 m der allgemeinen politischen Lage, in der der Reichstag zusammentritt, ist sie hoch bedeutsam. Ebenso wie die berühmten„zwei letzten Azteken" als eine Sehens- Würdigkeit des Panoptikums durch den bloßen Anblick ihrer degenerierten Schädel und vogelartigcr Schnabelphysiognomien die erschütternde Geschichte einer ganzen ausgestorbenen Rasse erzählen sollten, werden von nun an die paar letzten Azteken des Freisinns, die Herren Richter und Müllcr-Metningen, im Reichstage als lebendige Belege des großen Aussterbens des bürgerlichen Liberalismus sitzen. Und im preußischen Landtage bereitet sich gleichzeitig ein würdiges Seitenstück zu diesem Vorgang. Das Zentrum soll dort die Quittung für seine Zustimmung zu der neuen Flotten- Vorlage erhalten: schon taucht da? klapprige Gespenst des vor dreizehn Jahren begrabenen Zedlitzschen Geistes auf und füllt die deutsche Oeffentlichkeit mit seinem Modergeruch. Das neue Schulunterhaltungsgesetz soll die Volksschule der pfäffifchen Gcistcskncchtschaft mit Haut und Haar ausliefern, und zu diesem Streich der schwärzesten Reaktion hat sich bereits ein regelrechter llmfall der Nationalliberalen bereitet! Noch 1892 schleuderte Herr von Bennigsen im Reichstag seine schönsten Blitze auf Zedlitz' Haupt und die nationalliberale Brust wehrte das muckerische Attentat gegen die geistige Freiheit und Unkultur ab. Heute fordern Nationalliberale und konservative Ostelbier Arm in Arm das zwanzigste Jahr- hundert in die Schranken! Auch hier geht vor unseren Augen ein ganzes Stück der bürgerlichen Geschichte und des bürger- lichen Verfalls vorbei: das Aussterben der bürgerlichen„Auf- klärung", eine Flucht ihrer letzten Erben zu den Maximen des seligen Krummacher und seiner„christlichen Schule" aus dem Jahre 1823:„Das Lehramt ist ein Kirchenamt, der Schul- lehrcr ist ein Kirchendiener"... Das ist die Situation, in der heute der deutsche Reichs- tag zusammentritt: ein neuer mächtiger Vorstoß der blinden militaristischen und mariuistischen Reaktion, reaktionäre Attentate gegen die materielle Lebenshaltung und die geistige Freiheit des Volkes, völliger Stillstand der Sozialreform und zugleich— rapider Zusammenbruch der letzten Mittelpartcien, der letzten Zwischenschichten, die den gähnenden Abgrund zwischen der Partei des um seine Befreiung, um seine Menschwerdung ringenden Proletariats und der„einen reaktionären Masse" der brutalen Klassenherrschaft, der Volks- auspowerung und Knechtung ausfüllten. Schwere und große Aufgaben harren unser im Reichs- tage in dieser Sachlage. Noch mehr wie bis jetzt wird im Auftreten unserer Abgeordneten der große Grundgedanke der proletarischen Emanzipation, der Klassenkampf in den Vorder- grund treten. Die parlamentarische Taktik der Sozialdemo- kratie kann in ihren Grundsätzen nicht in jeder Situation neu geschaffen und umgeschaffen werden. Sie wird auch in dieser Session in ihrem Wesen dieselbe bleiben wie bis jetzt. Aber ihr Ton, ihre Schärfe, ihre Tiefe wird dem großen ge- schichtlichcn Moment entsprechen müssen, in dem der Reichstag an die Arbeit geht. Nicht bloß durch schroffste Abwehr aller Attentate des Militarismus, Marinismus, der volksfeindlichen Steuerpolitik und der kulturfeindlichen Schulpolitik, auch durch die kraftvolle Verfechtung ber direkten Arbeiterinteressen, der Sozialreform, des A ch t st u n d e n» tages wird die sozialdemokraiische Reichstagsfraktion als dasjenige sich bewähren, was zu sein sie berufen ist: die Sturmkolonne der vordringenden revolutionären Bataillone der Arbeiterklasse. Die Reichstagstribüne soll.nach wie vor und mehr denn je zur Tribüne werden, von der aus nicht bloß tägliche leibliche und geistige Jnter- essen der Enterbten verteidigt werden, sondern von denen auch die große Befreiungslehre des Sozialismus verkündet und gelehrt wird. Drei Millionen Rebellen wider die kapitalistische Klassengesellschaft harren, daß ihre erwählten Männer des Vertrauens ini bürgerlichen Parlament nun der ganzen Schmach der Zeit und dem ganzen Groll der Massen das Wort verleihen. Die sozialdemokratischen Ab- geordneten werden das richtige Wort finden. Sie werden,— sie m ü s s e n._ Die Revolution in Rußland. Schlag auf Schlag entladet sich das Rcvolutionsgewitter über der schwankenden Ruine des Absolutismus. Kaum ist das städtische Proletariat für eine Weile aus der Vorderfront zurückgetreten, um bessere Rüstung, tödlichere Waffen an- zulegen, wie auf den ersten Plan des Kampsfeldes die Militär- rebellion vortritt. Sebastopol in Händen der revolutionären Marine! Hurra! Das Gewitter macht über dem Talkessel des Zarismus einen vollen Kreis: Sebastopol— Odessa— Kronstadt— Wladiwostok— Sebastopol! Der„schlimme Zirkel" des alten Rußland ist geschlossen, es gibt kein Entrinnen niehr. Und nicht blinde, elementare Protestausbrüche sind es, wie vielleicht auch mancher Sozialdemokrat im Westen denkt: Sebastapol und Odessa sind alte— das Alter zählt jetzt in Rußland nach kurzen Jahren— Hochburgen der sozial- demokratischen Agitation. Auf dem„Potcmkin" führte die Sozialdemokratie das Steuer. Heute stehen organisierte sozialdemokratische Matrosen an der Spitze des Aufstandes in Sebastopol. Wir erhielten gestern bereits die folgende Privatdepeschc: S e b a st 0 p 0 l, 86. November, 8 Uhr 49 Min. abends. So- eben fand eine grandiose friedliche Demonstration der Matrose» und Soldaten statt, die eine Besserung ihrer Lage und Entlassung der Reservisten, sowie Politische Freiheiten fordern. Der Fcstungskommandant, der auf die Demonstranten zu schieße» drohte, ist von den Soldaten verhaftet worden. Die bereits aufgepflanzten Feldgeschütze wurden von den Kanonieren fort- geschafft. Die Situation ist äußerst gespannt, doch erwarte» wir angesichts des ernsten und ruhigen Verhaltens der Manu- schaften einen friedlichen Ausgang. Wir teilen unsererseits diese Hoffnung nicht, da die Schergen des Zarismus mit tödlicher Sicherheit auch hier zmtt Mord und zur Brandstiftung durch Polizeigesindcl greifen werden, um die herrliche Bewegung des Militärs unter einer Flut von Schmutz und Verbrechen zu ersticken. Die offiziösen Depeschen melden: Petersburg, 27. November. Die„Nowoje Wremja" meldet aus Sebastopol: Auf der Versammlung in den Marinekasernen waren Deputierte vom Panzerschiff„Panteleimon" ffrllher„Potemkin") und vom Kreuzer„Otsibalow" anwesend: andere auf der Reede liegende Kriegsschiffe ließen die von den Meuterern signalisierte Aufforderung, sich anzuschließen, unbeantwortet. Da? Regiment Brest sagte sich von den Meuterern los und marschierte„ach dem Lager, wo alle treuen Truppenteile zusammengezogen sind. Die militärische Obrigkeit verhielt sich abwartend. Die Wasser- lcitung wird militärisch bewacht; die jüdische Bevölkerung flüchtet. Dem Blatte„Ruß" wird gemeldet, daß die Meuterer den Fcstimgskonimandantcii Sieplujew und den General Sjedelnikoiv verhafteten, beide aber wieder fteiließen. Die Komnmndanten und andere Offiziere der Kriegsschiffe wurden festgenommen. Die Artillerie schloß s,ch der revollltlonärcn Bewegung a». Ans Simferopol traf ein littauischcs Regiment ,n Odessa ein; auch ans Patvlograd sind Truppen auSgenickt. Admiral Tschuknin übergab das Kommando an den Korpskommandeur General Möller- SakomelSki. Eine Sappe nrkompagnie ist zu den Meuterern übergegangen; diese haben sich mit den Arbeitern solidarisch erklärt. Am Abend ließen alle Schisse durch Abordnungen den Meuterern ihre Synr- pathie erklären. Die Schienen sind bis Jnlerman aufgerissen. Petersburg, 26. November. Nach Meldungen des Admirals Tkchuknin nimmt die Meuterei unter den Matrosen der Schwarzen Meerflotte infolge andauernder sozialistischer Propaganda ernsten Charakter an. Ausschreitungen und Pliinderuiigen gegen Zivil- Personen sind bisher nicht vorgekommen. Sebastopol, 26. November. Die meuternden Matroken sandten dem Admiral Pisarewsky einen Sarg mit der gleichzeitigen Auf- forderung, die Stadt innerhalb dreier Tage zu verlassen. Die Menterci nimmt stündlich größeren Umfang an. Sebastopol, 26. November. Die Lage ist äußerst ernst; man hofft indessen, Plünderungen zu verhüten. Matrosen, Soldaten und Arbeiter veranstalten Strahenumziige unter Vorantragirng roter Fahnen. DaS Echo im fernen Osten. Wladiwostok, 27. November.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Unter den aus Japan zurückgekehrten S 0 l- baten niacht sich zunehmende Gärung bemerkbar. Sic sind unzufrieden, tveil sich bei der großen Menge ihr Rück- transport in die Heimat verzögert; es treffe» immer neue Transporte von Kriegsgefangeneil ans Japan ein. Gestern weigerte sich ein Soldat ans Port Arthur demonstrativ, einen Offizier zu grüßen und überschüttete ihn mit Schimpfrcden. Der Offizier stach hierauf de» Soldaten nieder. Uni ihren Kameraden zu rächen, versuchten die Soldaten, das OffizierSkastiio anzuzünden, in dem sich vier Offiziere befanden, die von ihren Revolvern Gebrauch machten. Drei Offiziere wurden getötet, einer verwundet. Die Zahl der verletzten Soldaten ist nicht bekannt. Kosaken stellten die Ruhe wieder her. Von den aufrührerischen Soldaten wurden 47 Mann verhaftet, unter ihnen sieben Rädels« führer. Der Generalstreik vor einem neuen Anlauf. Petersburg, 26. November. Der Ausstand in Moskau gewinnt sortgesetzt an Ausdehnung. Die Arbeiter demolieren täglich Fabriken sowie Privathäuser. (Sicherlich eine offiziöse„Verwechselung": Regierungslumpen nichi Arbeiter.) Tie in den letzten Tagen durch die Streik- unruhen verursachten Verluste belaufen sich auf etwa eine Million Rubel. Die Kolomnasche Maschinenbauanstalt wird am 28. November geschlossen; die gegen 6000 Mann betragende Arbeiterschaft wird entlassen. Der Straßenbahner aus st and dauert fort. Petersburg, 26. November. Die Zahl der Ausständigen in Petersburg beträgt jetzt 24000 Mann. Der Bauernaufstand dehnt sich ans! Petersburg, 26. November. Die agrarischen Unruhen haben sich nunmehr auch auf die Gouvernements Naschazizu und Smolensk ausgedehnt. Im Gouvernement Woroncsck steckten Bauern das Eigentum des Herzogs von Oldenbnr in Brand. Der„Lokol-Anzeiger" bringt die folgende Pnvntdcpesche: Moökan, 26. November. Diese Woche tagte hier der Dekegieltenkongreß des B a u c r n b u n d e L. Ettva 166 Dclc- gierte waren erschienen. Die mit großer Leideusckrnft geführten Acr« Handlungen waren von rein revolutionäre»! Geist erfüllt. Hauptgegcn» stand der Tagesordnung Eildet? die wirtschaftliche Hebung de-Z Bauernstandes und die Agrarreform. Der Kongreß forderte die Kommunalisierung des Grund und Bodens und die Einberufung einer konstituierenden V e r s a m m- lung, welche die Zuwendung des Bodens an die Gesamtheit auf legislatorischem Wege durchführen soll. Wird diese Forderung nicht erfüllt, so wollen die Bauern alle Gutsbesitzer boh- t o t t i e r e n, den landwirtschaftlichen G e n e r a l st r e i k proklamieren, die Steuerzahlungen, die Stellung von Remonten und Reservisten verweigern, alle Einlagen aus den Sparkasten und Banken nehmen und die Branntlveinbudcn gewaltsam schließen. politifcbe Ckberricht. Berlin, den 27. November. Die Städte gegen die Junker? Als Kundgebung der Städte gegen die Junker mag mancher stch den„Ersten deutschen S t ä d t c t a y" gedacht haben, der am Montag in Berlin nn Saale des Abgeordnetenhauses zu- sammentrat, um zur Frage der F l e i s ch n o t Stellung zu nehmen. Doch den Junkern werden die Verhandlungen dieses Städte- Parlamentes nicht sehr imponieren. Vor allem deshalb nicht, weil sie die Macht haben und nicht die Städte; und zweitens deshalb nicht, weil die Vertreter der Städte in ihrem Protest gegen die agrarische Auswucherung des Volkes so zarte Töne anschlugen, daß man fast auf die Vermutung kommen könnte, es sei nicht ernst gemeint. Den ausführlichen Bericht finden unsere Leser an anderer Stelle des Blattes. Die Referate der Herren Stadtverordneter Dave- Berlin, Oberbürgermeister K o e r t e- Königsberg und Magistratsrat B e ck h- München waren von so ermüdender Nüchternheit, daß die Teilnahme der Zuhörer schon bei den Aus- führungen des zweiten Redners nachzulassen begann und bei denen des dritten Redners vollends erlahmte. Erst die Diskussion weckte wieder ein lebhafteres Interesse, zumal da gleich der erste Diskussionsredner, der Bürgermeister W a d e h n- Weißenfels, sich rückhaltlos für die„umsichtige Handclsvertragspolitik" der deutsche» Reichsregierung aussprach. Die Rede des agrarierfreundlichen Weißcnfelscrs diente dem Stadtverordneten C a s s e l- Berlin als erwünschte Folie für seine eigenen Ausführungen. Wadchns Vor- Wurf, daß jeder Vorstoß gegen die von ihm gepriesene Politik„un- national", ja sogar„antinational" sei, brachte Herrn Cassel gewaltig in Harnisch. So etwas läßt kein Freisinniger auf sich sitzen! Stadt- verordneter Marx- Frankfurt a. M., der auf Cassel folgte, be- zeichnete sich als„Vertrauensmann des deutschen Fleischergcwerbes" und sprach in diesem Sinne. Bürgermeister Fahnang- Münster erklärte sich gegen„rücksichtslose" Oeffnung der Grenzen. Die Vorsicht, mit der nicht nur die Referenten, sondern auch alle bisherigen Diskussionsredner in möglichst schonenden Worten an dem Kern der Sache vorbeigeredet hatten, wurde vom Stadt- verordneten Singer- Berlin gegeißelt. Genosse Singer fand das richtige Wort, als er die j u n k e r l i ch- a g r a r i s ch e Raubpolitik brandmarkte, unter der die Bevölkerung Deutsch- lands seufzt. Das vernichtende Urteil, das er über das gemein- schädliche Treiben der Lebensmittelvertcucrcr fällte, ging schließlich einem Teil der freisinnigen Städtevcrtreter zu weit. Sie gaben ihren Unwillen in lärmenden Zwischenrufen kund. Der Vorschlag, daß einmal die Städte selber den Versuch machen sollen, die Fleischvcrsorguicg der Bevölkerung in die Hand zu nehmen, war von den meisten der Vorredner bekämpft worden. Singer zeigte, daß sich hier den Kommunen eine Aufgabe bietet, deren Lösung manches zur Linderung der Fleisch- not beitragen kann. Aber das Wichtigste sei freilich eine völlige Beseitigung der Lcbcnsmittclzöllc. Die Resolution wage diese Forderung nicht zu stellen, und bei der Zusammensetzung dieses Städteparlamcntcs sei es leider aussichtslos, die nachträgliche Ein- fügung in die Resolution vorzuschlagen. Oberbürgermeister Bender- Breslau begründete die Zahmheit der Resolution damit, daß man eine möglichst einmütige Kundgebung zustande bringen wolle. Gegen diese Begründung wandte sich in temperamentvoller Rede der Stadtverordnete U l r i ch- Offenbach, der seiner Ent- täuschung über die hier auf dem Städtctag bekundete Schwäche des Bürgertums Ausdruck gab. Genosse Ulrich rief einen kleinen Ent- rüstungssturm hervor, als er über die Sanftmut der Leitsätze spottete und auf den viel wirksameren Protest hinwies, den die breite Masse der Bevölkerung bei den Wahlen einzulegen pflege. Nachdem der Debatte durch einen Schlutzantrag ein Ende gemacht worden war, nahm der Städtetag fast einstimmig die ihm vorgelegte Resolution an, die in der Forderung gipfelt, d i e Grenzen für die Einfuhr ausländischen Viehes zu öffnen. Der Vorschlag, die Fleischversorgung den Kom- munen zuzuweisen, wurde in Z 4 der Resolution für ein un- geeignetes Abhülfsmittcl erklärt. Gegen diesen Paragraphen stimmten dje sozialdemokratischen Delegierten des Städtetagcs, deren Gruppen sieben Mann stark war. Das„kräftige Wörtche n", daS auf dem deutschen Städtctag mit der Regierung und ihren Junkern gesprochen werden sollte, ist nicht von den Vertretern des freisinnigen Bürgertums, sondern höchstens von den Sozialdemokraten gesprochen worden. Auf das kräftige Wort soll die k r a f t v o l l e Tat folgen, die allein zu imponieren vermag �— die kraftvolle Tat bei den nächsten Reichs- tagswablen._ Gewerkschaftskretinismus. Es war bisher der Stolz der deutschen Arbeiterbewegung und nicht zuletzt der deutschen Gewerkschaftsbewegung, daß sie den bornierten und exklusiven Geist, der die Arbeiterbewegung Englands lähmte, nicht kannte, daß sie frei war von dem Gewerk- schaftskretinismus, dessen stumpfer Blick nur die engsten Berufs- interessen umfaßt und für die großen sozialen und politischen Fragen der Arbeiterklasse vollständig blind ist. Die deutsche Gewerk- schaftsbcwegung fühlte sich stets als Glied der gesamten Arbeiter- bcwegung, als Träger des proletarischen Klassenkampfes, dessen historische Aufgabe es ist, die Lage der ganzen lohnarbeitenden Klasse materiell zu heben, ihre politischen Rechte zu erweitern und schließlich das kapitalistische System überhaupt durch die sozialistische Gesellschaft zu ersetzen. Es ist dem Redakteur des Organs des Deutschen Buchdrucker- Verbandes vorbehalten geblieben, der deutschen Gewerkschafts- bewegung diesen Charakter dadurch streitig zu machen, daß er das ihm anvertraute Blatt fortgesetzt dazu mißbraucht, den Geist des ödesten Gewerkschaftskretinismus zu verbreiten. So auch wieder in der letzten Nummer des„Correspondcnt", wo er den Jahres- bericht des Verbandes durch einen Ausfall gegen die klassenbewußte deutsche Arbeiterschaft verunziert, der ihm den enthusiastischen Bei- fall bürgerlicher Blätter einträgt. Nachdem in dem Artikel das Vermögen des Verbandes auf 5 990 060 M. angegeben worden ist, heißt es: Rechnen Wir davon rund 4 Millionen verfügbar für Streik- Unterstützung und folgten dann den sirenenhaften Lockungen der Generalstreikapostel a la Rosa Luxemburg, so wäre die ganze Herrlichkeit auch bald zu Ende— und das H u n g c r n für die Ueberzeugung könnte seinen Anfang Nehmen. Sind wir dann bei der Elends- oder richtiger der elenden Theorie angelangt, dann, ja dann endlich käme die B e s i il n u n g, und das Sammeln von Fonds könnte unter den schwierigsten Umständen von' neuem beginnen. Nach mehreren Dezennien von Jahren, wenn dann endlich wieder eine nennenswerte Summe beisammen wäre, könnten nochmals solch moderne Herostraten erstehen, die mit dem Massen- streik, der direkten Aktion oder sonst welchem modernen Allheit- mittel der Masse des Volkes wohl ein Brillantfeuer werk v o n wenigen Tagen vormachen könnten, im übrigen aber die wirklichen Bedürfnisse unbefriedigt ließen. Hier trifft das Gocthesche Wort im„Faust" zu: „Ich sag' es dir: ein Kerl, der spekuliert, Ist wie ein Tier auf dürrer Heide, Von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt, Und ringS umher liegt schöne grüne Weide." Man hat es in Gcwcrkschaftskrcisen oftmals Parteigenossen verdacht, daß sie überhaupt von der Möglichkeit gesprochen, daß auch >n Deutschland der Geist der Nichts-als-Gewertschaftlerei jemals Anklang finden könne. Hier zeigt sich dieser für unmöglich gehaltene Gewerkschaftskretinismus förmlich in Reinkultur! Wie liegen die Dinge? Ter Parteitag in Jena, die Ver- trctung von 3 Millionen deutscher Proletarier, darunter vieler hundertausendc gewerkschaftlich organisietcr Arbeiter, verhandelte über die Lebensfrage der deutschen Arbeiterklasse, über die Verteidigung und Erkämpfung der elementarsten Volksrcchte auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete. Er beschloß nach reis- licher Debatte eine Resolution, durch die der politische Massenstreik als Mittel der Abwehr gegen freche Staatsstreichversuche der Herr- schcndcn Klassen bezeichnet wird. Diesen Beschluß der Vertretung der deutschen Arbeiterklasse zu verhöhnen und giftig zu begeifern, wird nun das Organ des Deutschen Buchdruckerverbandes seit Wochen nicht müde, bis es denn heute den Standpunkt des nackteste n Bcrufsegoisnius, des stupidesten Gewerkschafts- krctinismus proklamiert! Wenn das Gegcifcrc überhaupt einen Sinn hat, dann nur den: Die Gewerkschaften, die gefüllte Kassen haben, haben sich den Teufel um Anschläge gegen die politischen und wirtschaftlichen Grundrechte der Arbeiterschaft zu kümmern. Es sehe jeder, wo er bleibe! Wahlrecht, Versammlungs- recht, Preßfreiheit, Koalitionsrecht, all das ist nicht wert, daß sich die Gewerkschaften der Gefahr aussetzen, ihre Kassen zu leeren. Das ist der Standpunkt der Nurgcwerkschaftlcrci, wie er in Eng- land und Amerika florierte und zum Teil noch, floriert. Auch die englischen Gewerkschaften waren ja der Chartistcnbcwegung gegen- über kühl bis ans Herz hinan, mit dem Erfolge, daß jetzt, nach hundert Jahren gewerkschaftlicher Praxis, die englischen Arbeiter mit dem ABC des Klassenkampfes beginnen müssen, um auch nur ihre gcwerkschaf.lichcExistenz zu sichern! Wir wissen, daß die Masse der deutschen Arbeiter nicht daran denkt, die Bahnen Rcxhäusers zu wandeln, daß auch die Majorität der deutschen Buchdrucker selbst den ihr empfohlenen Gcwcrkschafts- kretiniZmus mißbilligt. Trotzdem wäre es eine Pflichtvergessen- hcit, solche Symptome nicht rechtzeitig an den Pranger zu stellen!— Zur politischen Lage. London, 24. November.(Eig. Bcr.) Vor etwa acht Tagen meldeten wir, daß die Gerüchte über eine bevorstehende Parla- mentsauslösung festere Formen annehmen. Seitdem ist die politische Krise noch schärfer geworden. Die offiziösen Mitteilungen über die Lage häufen sich, die öffentliche Meinung wird gespannt, jedoch läßt sich ein genaues Datum der kommenden Hauptwahlen noch nicht angeben. Sicher ist nur, daß die gegenwärtige konser- vativc Regierung s p ä t e st c n s im Januar 1906 ihren Rücktritt vollzogen haben wird. Die zersetzende Kraft der konservativen Partei ist Mr. Cham- bcrlain. Seine Zollagitation hat die Partei in drei Richtungen gespalten. Und die Spaltung wird immer schärfer. Zuerst kommt die freihändlerische Richtung, die also jede Acnderung der Zoll- Politik ablehnt. Ihr gehören an: ein kleiner Teil des hohen Adels, wie der Herzog von Tevonshire, Lord Hugh Cccil(der Sohn des verstorbenen Lords Salisbury), ferner die konservativen und liberal-unionistischcn Finanzlcute, Reeder, Handclsmagnaten usw. Diese Richtung ist nunmerisch nicht stark, aber ihr Einfluß ist bedeutend. Die zweite Richtung ist die von Balfour und Lans- downe geleitete, die nur zollpolitische Mittel will, um günstige Handelsverträge abschließen zu können; dies ist die Richtung der „Retaliation", d. h. der zollpolitischen Wicdcrvergeltuug. Ihre An- Hänger sagen, daß die Möglichkeit der Retaliation das englische Freihandelssystem stärken wird. Sie wollen also als Waffe einen Gcneraltarif gegen den unlauteren Wettbewerb. Sie sagen: Tie deutschen Löhne sind niedriger als die englischen, die deutsche Ar- beitszeit ist länger, und die deutschen Märkte sind auch noch ge- schützt! Die Nachteile der englischen Konturrcuz seien so be- deutend, daß eine Nachhülfe nötig ist. Es wäre nur recht und billig, daß England wenigstens seinen eigenen Markt verteidige. Die dritte Richtung ist die von Mr. Chambcrlain geleitete. Sic will— alles, was Mr. Balfour will, aber außerdem noch Lebens- mittclzölle, um den britischen Kolonien eine Vorzugsbchandlung angedcihen lassen zu können und sie ans Mutterland zu binden. Wie stark diese beiden Richtungen sind, läßt sich mit Gewiß- heit nicht sagen. Aber aus dem Versuche Balfours, von der Re- gierung zurückzutreten, darf geschlossen werden, daß Chamberlain die Oberhaid in der Partei gewinnt. Nach der ganzen Sachlage wäre es verwegen, über die Zukunft der konservativen Partei prophezeien zu wollen. Vorläufig ist ein Sieg der liberalen Partei sicher. Und wenn diese ihre Ver- sprechungen den Arbeitern gegenüber erfüllt, so kann sie mehrere Jahre am Ruder bleiben.— Dcutrcbca Reich. Der„Bund der Industriellen", der. 1895 im Berlin gegründet. zunächst in einem gewissen Gegensatze zu dem.Zentralverbande deutscher Industrieller" stand, hat in den letzten Jahren mehr und mehr in des letzteren Fahrwasser eingelenkt und läßt sich jetzt genau ebenso wie dieser von der hochschutzzöllnerisch-imperialistischen Strö- mung treiben. Der Unterschied ist nur. daß er weit einflußloser ist als sein größerer Rivale, und sich noch hin und wieder in kleineren Anrempelungen der Agrarier gefällt— ein Extravergniigen, auf das der Zentralverband in stiller Resignation längst verzichtet hat. Wie wohlig sich der Bund im imperialistischen Fahrwasser fühlt, zeigte die heute im«Russischen Hof" abgehaltene Hanptvcrsanmilnng, die einstimmig folgende Flottenresolution annahm: „Die im vorigen Jahre von der Generalversammlung des Bundes der Industriellen ausgesprochene dringende Notwendigkeit eines schnelleren Ausbaues der deutsch enFlotte erscheint durch die Novelle zum Flottengesetz nicht g e n ü g e nd berücksichtigt. Ohne eine Aendcrung des Flottengcsetzes anzustreben, hält der Bund der Industriellen es für erforderlich. daß jede erreichbare Beschleunigung bei der Verstärkung der deutschen Seeniacht in die Vorlage ausgenommen wird." Keiner der Redner hatte etwas gegen diese patriotische Spott- geburt einzuwenden; gefordert wurde nur. daß die Kosten der Floltenvermehrmig nicht der deutschen Industrie auferlegt würden. Besonders wurde gegen die.OnittungS- und Frachturkuiidcnsteuer geeifert. Gegen die Bier- und Tabaksteuer hatten die im Bund ver- einigten Herren Industriellen weniger ernste Bedenken, zumal Brauerei- besitz« unter ihnen nicht vertreten waren. Den Hauptgegenstaud der Tagesordnung bildete ein Referat des Vorsitzenden des„Verbandes deutscher Mineralwasser-Fabrikanten", des Herrn Löhmann-Berlin, über den„Warenzeichen raub". Nachdem auch diese geistige Strapaze überstanden war, ging es an die Vorbercitung zum großen Souper. Der Rcichshaushalts- Etat für das Rechnungsjahr 1906 schließt in Ausgabe und Einnahme des ordentlichen und des außerordent- liehen Etats mit 2 406 274 999 M.(+ 191042 638 M.) ab. Im o r d e n t l i cki e n Etat betragen die fortdauernden Ausgaben 1 898 421 152 Sit.(Z- 136 205 260 M.j. darunter für Verwaltung des Rcichshreres 615 608 173 M.(Z- 19 664 783 M.>, Verwaltung der kaiserlichen Marine 112 802 035 M.(-f- 7 755 544 M.>. Reichs- Eiscnbahnauit 424 700 M.(Z- 14140 M.), Reichsschuld 127 555 500 M.(Z- 13 945 550 M.), Allgemeiner Peusiruisfouds 91 259 149 M.(+ 9 864 592 M.), Reich- Znvalidciifonds 35 317 248 M. Die einmaligen Ausgaben betragen 248 221 248 M. (Z- 23 689 025 M.), darunter für Verwaltung der kaiserlichen Marine 102 289 650 M.{-f 6 081 200 M.). Rcichs-Kolonialamt 19 765 214 M. f-s- 676 218 M.). Die Summe der Ausgabe des ordentlichen Etats beträgt also 2 146 642 400 M.(+ 159 894 285 M.). Die Ausgabe des außerordentlichen Etats beträgt 259 632 599 M.(+ 31 148 353 M). für die Verwaltung des Reichs- hccrcS 32 422 127 M.(— 565 470 M.j. die Verwaltimg der kaifcr- lichen Marine 51965 000 M.(Z- 5 036 000 M.i. die Expedition nach Ostaficn 13 048 512 M.<-j- 388 907 M.j, die Expedition in das Süd- mestafrikanische Schntzgcliict 103 142 100 M.(Z- 21 801 490 M.j, die Expedition tu das Lstafrikniiischc Schutzgebiet, neu, 1 438 860 M. Der HaushaltSctat der TchnUgebicre schließt in Einnahme und Ausgabe mit 149 435 424 M. l-f- 24 179 634 M.j ab. Es entfallen auf das Ostafrikauische Schutzgebiet 11 717 208 M., Reichszuschuß 7 059 327 M.; Kamerun 5 624 095 M., Reichszusckmß 3 252 095 M.; Togo 3 031 036 M., kein Reichszuschuß: das Südwestafrikanische Schutzgebiet 111 735 300 M., Reichszuschuß 109 911500 M.; Neu- Guinea 1 504 240 M., Reichszuschuß 1 168 963 M.: Karoliuemietz 615 365 M., Reichszuschuß 482 550 M.; Samoa 809 280 M., Reichszuschuß 323 331 M.; Kiautschou 14 398 000 M.. ReichSzuschuß 13 600 000 M. Die Summe der Reichszuschüsse beträgt demnach insgesamt 135 797 766 M. gegen 109 619 386 M. des vorjährigen Etats(also 4- 26 178 380 M.j, und abzüglich des Zuschusses für Kiautschou 122 197 766 M. gegen 99 959 386 M. im NcchnmigSjahre 1905(also+ 27 238 380 M.j._ Sozialdemokratische Handelspolitik. Durch die bürgerliche Presse läuft ein Auszug aus der Finanz- Wochenschrift„Plutus", in welchem Georg B e r n h a r d die Stellung- nähme Schippcls zu den deutsch-amerikanischen HandelsvertragSver- Handlungen verteidigt und der sozialdemokratischen Partei die Abwendung von der englischen Freihandelslehre empfiehlt. In seiner Akzcptation dcö Schippelschcn„Produzentenstaiidpunkts" sagt er von der„freihändlerischcn Handelspolitik" der deutschen Arbeiter- schaft: „Sie will dem Arbeiter billiges Brot schaffen. Aber was ist billig? Ein sehr Relativer Begriff. Auch billiges Brot kann zu teuer für Arbeiter sein, denen der Fabrikant, der von der Auslands- konkiirrenz bedroht ist, den Lohn herabsetzt. Wenn Deutschland heute in der Situation wäre wie England im Beginn der fünfziger Jahre, so würde billiges Brot die Situation der Arbeiter verbessern, da eine weltbeherrschende Industrie ihnen die Chance aussichtsreicher Lohukämpfe böte. Aber die Welt starrt heute in Zollwasscii. In Amerika ist jüngst erst wiever die Revision des Zolltarifs abgelehnt worden.... Die Ausstihr der Union besteht nicht mehr, wie früher, allein aus Agrarprodukten, die wir notwendig brauchen. Und das gibt uns jetzt Waffen in die Hand, wie wir sie wirksamer nie besaßen. Und diese Waffen sollen wir ungenützt sein lassen? Kann die Arbeiterpartei es verantworten gegenüber dieser Situation, sich auf ein frei- händlerischcs Dogma zu versteifen. Die Maximen der Handelspolitik sind nicht durch Dogmen und Prinzipien im Einzelfall zu be- stimmen.... Die deutsche Sozialdemokratie steht handelspolitisch an einem Scheidewege. Die eine Gabel des Weges führt zur Höhe der Macht, die andere zuni Niedergang. Als Mitglied dieser Partei glaubte ich nicht länger schweigen zu können. Ich hielt es für meine Pflicht, von dieser Tribüne ans, die auf keiner Partei, sondern lediglich auf meiner Ueberzeugnng errichtet ist, laut und deutlich zu sprechen. Es handelt sich jetzt darum, ob die große deutsche Arbeiterpartei Schippel und Calwer oder Antrick in ihrer Handelspolitik folgen will. Einige Blätter erblicken in diesen Ausführungen die Symptome einer fortwuchernden inneren Zersetzung unserer Partei.. Sie be- weisen damit nur, wie wenig sie über die Verhältnisse und An- schauungen in den sozialdemokratischen Reihen unterrichtet sind. Bernhard ist völlig einflußlos. Wie man in der Sozialdemokratie über Schippels haudelspolinsche Ansichten denkt, hat die einmütige Ab- lehnnng seiner letzten Schrift durch die ganze Partcipresse zur Ge» nüge bewiesen.—_ „Berliner Bolkszeitung." Im Mosseschcn ZeitungS-Ramschbetriebe scheint die schon kürzlich von UNS konstatierte Neiu-aslbsma frontalis ein Blatt nach dem anderen zu ergreifen. Vom„Berliner Tageblatt" ist sie auf dessen kleinere und billigere Zwillingsschwester, die„Verl. Volksztg.", die sich den bekannten Reulauxschen Ausspruch als Maxime erkoren hat, übergesprungen. Das gemütliche Blättchen schinipft in besorgniS- erregender Exaltation über die„journalistischen Streikbrecher" des „Vorwärts", weil wir darauf hingewiesen haben, daß eS nach dein Abschluß der Artikelserie der„Nordd. Allgem. Zlg." nichts Wichligercs zu tun fand, als in einem besonderen Leitartikel über die Schädlich- keit der Automobilsteuer zu philosophieren. „Durch diese unanständig verlogene Wendung," meint das ehrsame Blatt, soll natürlich der blindgläubige Leserkreis des „Vorwärts" in den Glauben versetzt werden, wir billigten die neuen Steuern mit Ausnahme der Slutomobilsteuer. In Wahrheit haben wir gegen die Erhöhung der Tabak- ftener bereits in den letzten Wochen eine Anzahl von Artikeln veröffentlicht, in denen gerade mit Rück- ficht auf die traurige Lage, in die durch die ge- plante Erhöhung Zehniansende von Tabakarbeitern versetzt werden würden, mit aller Entschiedenheit gegen die Tabaksteuer- erhöhnug Front gemacht worden ist. Ebenso haben ivir uns oft genug bereits gegen die höhere Belastung des Bieres ausgesprochen, und zlvar gleichfalls im Interesse des kleinen Mannes, der dem Schnapskonsum in die Arme getrieben wird, wenn man ihm das Bier verteuert." Es ist richtig, das Blatt hat sich gelegentlich auch schon einige wohlfeile Redensarten gegen die Tabak- und Bierfteuer geleistet. Aber leider sind wir so verstockt, diese Leistungen der„Volksztg." nicht recht ernst zu nehmen, sintemalen sie noch immer nicht erklärt hat, auf welche Weise sie die Kosten für die neuen Flottenvergrößerungcii decken will. Oder ist vielleicht gar die„Volk-ztg.", trotzdem bisher nichts davon zu verspüren war, gegen die Flottenvorlage? Dann bitten wir sie, sich mal ihre im gleichen Verlage erscheinende Zwillingsschwester vorzunehmen und bei dieser wegen ihrer Flotteiineurasthenie die Kaltivasserbehandlung in Anwciiduiig zu bringen. Wenn sie das fertig bringt mid dadurch weiiigstcuS zum Teil den Beweis ihrer behaupteten Unabhängigkeit erbringt, verstehen wir uns vielleicht zu einer schönen Ehrenerklärung nach berühmtem Modell. Also bitte, edle Tugendrose!— z_ Siclicn kleine Kreuzer zuviel! In der„Staatsbürgcr-Ztg." macht ein Fachmann bei der Nach- prnfnng der neuen Flottcnvorlnge die überraschende Entdeckung, daß toü sieben kleine Kreuzer in den Tabellen der zu bauenden Schiffe mehr aufgeführt werden, als angeblich gefordert sein sollten! Das Blatt schreibt: „Wir erhalten somit 21 Schiffe, die bis 1917 Dienst tun müssen; e-Z fehlen also dann am Sollbcstaud 38 weniger 21, das sind 17 Schiffe. Der Bauplan dagegen einhält 24!(fs sind also m Bauplan sieben Schiffe zu viel anfgcsiihrt! Da diese 7 Schiffe jedes 6,38 Millionen Mark kosten solle», so enthält natürlich auch der Etat 44 Millionen 666 Tausend Mark zuviel! Wo kommen diese merkwürdigen sieben Kreuzer aber her? Ein Blick auf die„Begründung" zur Novelle belehrt uns darüber. Es heißt da:„Die Mehrforderung betrug 6 große und 7 kleine Kreuzer." Diese sieben kleinen Kreuzer also sind eS, welche im Bauplan ganz uuvcrfroren anftanchc». Da es gänzlich undenkbar ist an- zunehmen, die Marineverivaltung habe den listigen Versuch ge- macht, sie möglichst unauffällig wieder einzuschmuggeln, in der Erwartung, daß das Gesetz etwa unbesehen en bloc zur Annahme gelange, so bleibt zur Erklärung nur ein Versehen— allerdings ein etwa» starkes Versehen— im RcichSmarineamt übrig." In der Tat ein überaus seltsames„Verschen". Seitdem man sich im Südwestafrika-Etat so auffallend geirrt hat, ist es allerdings doppelt nötig, alle Berechnungen der Negierung mit der größten Aufmerksamkeit nachzupriisen!— Nur kein Appell an die Wähler! Im„Tag" erörtert der Abgeordnete A r e n d t die Frage einer Rcichstagsauflösung. Er meint, wenn der jetzige Reichstag bei der Flotteuvorlagc und der Finauzreform Schwierigkeiten machen werde, könne sich die Regierung g e t r o st a n S V o l k iv e n d e n. Davor warnt ganz entschieden die„Deutsche TagcSztg." in einer„Ge- fährlicher Optimismus" betitelten Notiz: „Die Bcrcckitigung zu diesem unseres Erachtens zu rosigen Optimismus leitet der genannte Abgeordnete a»S den Ergebnissen der N a ch iv a h l c n zum Reichstage her, die nach seiner Meinung bewiesen haben sollen, daß das deutsche Volk noch im Kern gesund genug sei, um die sozialdemokratischen Schädlinge zu überwinden. Wir möchten dringend davor warnen, sich einem solchen Optimismus hinzugeben. Getviß haben die Nachwahlen der Sozialdemokratie einige empfindliche Schlappen beigebracht; aber die Partei hat auch in einigen, besonders industriellen Kreisen eine namhafte V e r m e h r n n g ihrer Stimmen z» verzeichnen. Aus Nachwahlen irgend welche allgemeinen Schlüsse zu ziehen, ist überhaupt mißlich." Das Junkcrblatt kennt die Volksstimmung viel zu gut, um sich Täuschungen hinzugeben. ES weiß, daß eine NcichstagSauflösung nntcr dem Zeichen der Flottenvorlage und der neuen Stcuervorlagen der Reaktion äußerst gefährlich werden würde!— Der Verband christlicher Tabak- und Zigarrcnnrbcitcr veranstaltet am Niedcrrhein Volksversammlungen, um Stellung gegen die ge- plante Tabaksteuervorlage zu nehmen. Fn einer Anzahl Städte des Kreises Kleve-Geldcrir, wo die Tabakindustrie vorherrschend ist, haben schon stark besuchteVersammluiigenstattgefundcn. Ueberall wurde eine Resolution angenommen, die dem Abgeordneten des Kreises Dr. Marcour überreicht werden soll. Sie hat folgenden Wortlaut: „Die von dem Verbände christlicher Tabak- und Zigarren- arbeiter Deutschlands einberufene Versammlung erhebt Einspruch gegen jede von der Reichsregierung geplante Tabakstcner- crhöhung. tocil durch Mehrbelastung des Tabaks das ohnehin schlecht bestellte Erwerbsleben in der Tabakarbeiterschaft noch weiter herab- gedrückt würde infolge von Lohnabzügen und besonders durch die be- stimmt eintretende Arbeitslosigkeit meist schwächerer Arbeiter." Das Zentrum und mit ihm der Abgeordnete Dr. Marcour wird sich durch die Resolution nicht abhalten lassen für die geplante Tabaksteuer zu stimmen, winkt ihm doch die Volksschnluntcrhaltungs- Vorlage. Die Sozialdemokratie in de» Landtagen. Durch die letzten Wahlen in Lübeck und Hessen hat sich die Zahl der sozialdemo- kratischcn Vertreter in den„deutschen Landesparlamenten" wiederum vermehrt. ES sitzen jetzt Sozialdemokraten in den Landtagen folgender Staaten: Bremen 19, Haniburg 13, Bayern und Baden je 12, Rudolstadt Württemberg, Hessen. Meiuingcn je 7, Koburg- Gotha 6, Renß j. L. 5, Oldenburg und Lübeck je 4, Altenburg und Lippe je 3, Weimar und Anhalt je 2, Sachsen, Elsaß-Lothringen und Renß ä. L, je 1. Tie Rcichstagsersatzwahl in Chemnitz. Die„Post" äußert die schüchterne Hoffnung, daß cS vielleicht möglich sein werde, bei der ReichötagSersatzwahl in Chemnitz den seit 1899 ununterbrochen von der Sozialdemokratie behaupteten Wahlkreis zurückzuerobern. Schon 1884 hat die Sozialdemokratie den Wahlkreis mit einem Borsprung von 9999 Stimmen erobert ge- habt, um ihn 1887 wieder an die Nationalliberalen zu verlieren. Da sich bei der letzten Wahl nur 83.7 Proz. der Wähler an der Wahl beteiligt hätten, leicn noch zirka 6999 Wähler bei energischer Agitation heranzuholen. Hinzukomme, daß Schippe! geborener Chemnitzer und allbekannt und beliebt gewesen sei. während ein Neuling solche Chancen nicht besitze. Außerdem müsse man bedenken,„daß sich seit 1993 der skandalöse Dresdener Parteitag und die jüngsten, haar- sträubenden Vorgänge" in der Partei creigner hätten. Die„Post" wird an ihre Illusionen in Ernste selbst schlverlich glauben. Erhielt doch Schippet 1993 nicht weniger als 34 266 von 61 239 insgesamt abgegebenen Stimmen. Selbst wenn also diesmal die Wahlbeteiligung 199 Prozent betragen würde und sämtliche Reserven gegen den Sozialdemokraten stimmten, wäre an dem sozialdemokratischen Siege nicht zu rütteln. Trotzdem ist cS selbstverständlich, daß unsere Genossen in Chemnitz mit aller Energie in den Wahlkampf eintreten werden. Gilt es�doch nicht nur den Kreis zu behaupten, sondern zugleich auch cine� Stimmenzahl aufzubringen, die allen scharfmacherischen Illusionen ein für allcnial den Todesstoß versetzt!— Das sächsische Wahlunrccht soll bleibcu! Aus Dresden wird vom 27. November gemeldet: Auf der Tagesordnung der Zweiten Kammer stehen die Jnter- pellationen der Nationalliberalcn und der Freisinnigen betreffend die Neuordnung d e S W a h l r e ch tS für die Zweite Kammer. Nach- dem Abgeordneter Schick snatl.) seine Interpellation begründet und sich dabei auf die während des letzten Landtags von der Regierung veröffentlichte Denkschrift berufen hat, führt Abgeordneter B a e r lsreis.) i» der Begründung seiner.Interpellation u. a. ans, daß die ReichStagSwahl von 1093 die Ouittnng der sächsischen Land- tagswähler für ihre Wahlentrechtmig gewesen sei und eine Wahl- rechtsordnnng dringend notwendig mache. Wenn das Reichstags- Wahlrecht nicht akzeptabel sei, solle man das alte Landtags- Wahlrecht von 1868 wiedereinführen, allerdings nur als Ucbergang zum Reichstags- Wahlrecht. StaatSministcr v. M e tz s ch erklärt, daß die Regierung keine Vorlage habe machen können, welche sich auf dem Pluralsystem aufbaue, und daß sie auch eine Vorlage aus Grund des allgemeinen, direkten, gleichen Wahl- rechts nicht machen werde. DaS P l u r a l s q st e in könne als ein gangbarer Weg zur Acndcrung des Wahlrechts nicht anerkannt werden, schon deshalb, weil cS keine Kantclcii gegen das Eindringe» staatsfeindlicher Elemente biete; das Proportional- s h st e m sei zu kompliziert und mir einem Zurückkommen aus das Wahlgesetz von 1868 bei einer Erhöhung des Zensus dürfte den mit dem jetzigen Wahlrechte lln- zufriedenen a u cki nicht gedient sein. Nach der gcgenivärtigcn Gestaltung der Verhältnisse könne die Regierung ein anderes Wahl- recht als daS zurzeit bestehende nicht vorschlagen! Sic sei aber nach wie vor bereit, jedes vorgeschlagene System ans seine Veriveudbar- Kit hin zu prüsen und dann Vorschläge zu machen,»venu damit die angcgrbcneu K autele» geschaffen seien und sie auf Zustimmung der Mehrheir beider Kammern rechnen könne. Opitz sk.) gibt namens seiner konservativen Parteifreunde die Er- klärung ab, daß diese den Standpunkt der Regierung teilen. Abg. Schick jnatl.j bedauert die abwartende Haltung der Re- gierung und wünscht baldige Vorlagen zur Aenderung deS Wahlrechts. G o l d st e i n(Soz.) tritt den Ausführungen des Ministers und deS Abg. Opitz cntgegen,— Isaak Witboi hat kapituliert! Endlich lvird ein kleiner Erfolg ans Südlvestafrika ge- meldet: Berlin, 27. November. Nach lelegraphischcr Meldung des Gouverneurs von L i n d e q u i st haben sich Samuel Isaak Witboi, sei» U u t e r k a p i t ä u mit 17 Großleuteu und ihrem Anhang sowie der Kapitän der Veldstboendragcr Hans Hendrik— insgesamt 74 Männer und 44 Weiber— in Bersaba freiwillig gestellt. Dabei sind 34 Gewehre abgeliefert worden. lieber die B e d i u g u u g e n der Ucbergabe enthält die Meldung keine Angaben. Man wird gut tun, den Erfolg einstweilen nicht zu überschätzen. Handelt es sich doch nur um einen Teil der Leute des gefallenen Hendrik Witboi, Cornelius, Morcnga und andere stehen noch im Felde. Jnimcrhin böte sich jetzt vielleicht die Möglichkeit, auch die noch kampfbereiten Hottentotten znr Uebergabe zu bewegen, wenn man Isaak �Witboi und die übrigen Kapitulanten mit aller Milde behandelte und dadurch Friedensverhandlungen anbahnte. Berlin, 26. November. Ein Telegramm rniS Windhuk meldet: Reiter Gustav Nowak, geboren am 25. 8. 83 zu Malga, am 23. November d. I. im Lazarett Keetmanshoop au Typhus g e st o r b e n. Reiter Hermann F u h l b r ü ck, geboren am 22. 5. 82 zu Ziethen, am 9. November d. I. beim Baden im Fischflnß bei GansiS an Herzschlag gestorben. Husland. Oesterreich-Ungarn. Jeder nach seiner Art. Tie„christlich-soziale", licS: antisemitische Wiener Rasselbande glaubte cS sich schuldig zir fein, den gestrigen Sonntag durch eine „Demonstration" zu verschönen. Droht doch die Sozialdemokratie mit ihren grandiosen Kundgebungen das Licht der Lueger-Sippe zum Erlöschen zu bringen. Die Art und Weise, in der die Wiener „Christlich-Sozialcn" nun demonstrierten, cutsprach selbstverständlich ganz und gar ihren Rowdytraditionen. Die Kundgebung sollte dem— allgemeinen Wahlrecht gelten! Sie hat bewiesen, daß die paar tausend Kerlchen, die der Antiscmitcnparole folgen, aus ihrer Haut nicht mehr heraus können. In der Versammlung gab Ehren-Lucger sich den Anschein, eine Rede fürs allgemeine Wahlrecht zu halten. In Wirklichkeit ver- suchte er den Forderungen der österreichischen Arbeiterschaft ein paar kräftige Eselstritte zu versetzen. Nach der Versammlung produzierte sich der politische Clown Bielohlawek nebst ein paar Freunden auf der Straße in seiner vollen Größe: Man verbrannte eine rote Fahne, beschimpfte den zufällig niit seiner Frau im Wagen vorüber- fahrenden Statthalter Grafen Kiclmanscgg, vergriff sich in wider- wärtigstcr Weise an Frauen und Mädchen, die in den Zug hinein- gerieten. Am heutigen Dienstag demonstriert Wiens Proletariat in den Straßen der Ncichshauplstpdt. Da werden wir nichts von Belästigungen, nichts von Rüpeleien zu hören bekommen. Erhobenen Hauptes, stolz auf ihre unantastbare Ehre wird Wiens Arbeiterschaft hiuidcrttaiiscndköpfig ihrem und des internationalen Proletariats goldenen Ehrenbuche ein neues Ruhmesblatt einfügen.— Frankreich. Ter Mörder von Longwy freigesprochen! Paris, 24. November..-.28 8..mbt-.M. Württembergischer Landes-Parteitag» Stuttgart, 26. November.(Gig. Bericht.) Am heutigen Sonntage fand im Festsaale des Stuttgarter Gewerkschaftshauses eine außerordentliche Landesversammlung der Sozialdemokratie Württembergs statt. Sie wurde eingeleitet durch eine gut besuchte Gemeindevertreter-Konferenz, die am Borabend abgehalten wurde. An dieser Konferenz nahmen 98 Genossen aus 5i württembergischen Orten teil, von denen 42 Gemeinderäte und 66 Biirgerausschußmitglieder sind. In seiner Eröffnungsrede teilte Reichstags-Abgeordneter Sperka, Gemeinde- rat in Stuttgart, mit, daß dieses die vierte württembergische Gemeindevertreter-Konferenz sei, auf der 3 Referate zur Verhandlung ständen. Das große Interesse für solche Konferenzen ließe eS wünschenswert erscheinen, dieselben alljährlich abzuhalten. Mit der Leitung der Konferenz wurden die Gemeinderäte B o s s e r t» Stuttgart, S ch i r m e r- Göppingen und W i r t h- Langenburg betraut. Darauf erstattete Reichstags-Abgeordneter Dr. Lindemann sein Referat über Die Ausgaben in den Gemeinden vom Standpunkte der Sozial- demokratie. Nach Meinung der bürgerlichen Parteien, so führte Redner aus, sei die Kommunalpolitik ein neutraler Boden ohne wesentliche poli- tische Gegensätze. Das fei völlig falsch. Die Klassengegensätze treten hier sehn: scharf hervor und sind gerade in kleineren Gemeinden am deutlichsten aufzuzeigen. Die gemeindliche Geschäftsführung liegt gerade in kleineren und mittleren Gemeinden noch sehr im Argen. Die lebenslänglichen Ortsvorstehcr suchen die Festsetzung einer Ee- fchästsordnung möglichst zu verhüten, um ein autokralischeS Regiment führen zu können, wobei sie sich vielfach auf kleine Kliquen zu stützen suchen. In den kleineren Gemeinden sollten unsere Vertreter da- nach streben, die Gemeinderatssitzungen im Interesse der Arbeiter des Abends stattfinden zu lassen. Die Tagesordnung müßte den Kollegialmitgliedern vorher schriftlich zugestellt werden, um Ueberraschungen zu verhüten. Wichtigere Vorlagen müßten in Kommissionen vorberaten werden, zu denen nicht nur Ge- meinderats-, sondern auch Bürgerausschußmitglieder hinzugezogen werden sollten. Die Verhandlungen der Körperschaften sollten zu- meist öffentlich sein, lieber die Verlegung wichtiger Punkte in nichtöffentliche Sitzungen müßte stets eine A b st i m m u n g herbeigeführt und die Entscheidung darüber nicht dem Ortsvorsteher allein überlasten werden. Unsere Vertreter sollten für regelmäßige Berichterstattung über die Verhandlungen an daS Partei-Organ sorgen, da solche Berichte dem sachlichen Verlaufe der Verhandlungen nur nützen und bei bisher indifferenten Bürgerschichten agitatorisch wirken können. Die Aufstellung des HauShaltsetats weist bisher erhebliche Mängel auf. ebenso dre Aufstellung der Rechnung. Beides wird vom Schultheiß den Gemeindevertretern meist rasch hinter- einander vorgelesen und dann für genehmigt erklärt. Auf Grund des BcrwaltungSediktS solle man getrennte Beratung dieser Gegenstände in Gemeinderat und Bürgerausschuß verlangen. Auch hierbei ist auf Kommissionsberatung zu bestehen, um eine genaue Prüfung vornehmen zu können. Bei Aufftellung der Rechnung soll der BürgeranSschuß die ohne seine Genehmigung erfolgten Etatsüberschreitungen scharf rügen. Außer auf Gewährung von Diäten an die Vertreter soll auch auf Herabsetzung der Gebuhr für Erwerbung des Bürgerrechts auf den geschlichen Mindestsatz gedrungen werden. A»S hygren schen Gründen joll auch in den kleinsten Gemeinden die Einrichtung einer Kanalisation verlangt werden. Beim sogenannten.TrennungS-System" ist die Einrichtung auch gar nicht zu teuer. Regen- und Hausabwässer werden hierbei getrennt abgeführt. Die jetzt auf die Straße laufenden HauSabwässer sind eS, die den Boden mit Krankheitsstoffen verseuchen: aber auch die Unterhaltungs- kosten der Straßen verteuern sich durch die Notwendig« keit häufiger Reparaturen. Ohne Kanalisation verseuchen die Abwässer auch die Brunnen und daS Trinkwasser. Die Säuglingssterblichkeit ist in Deutschland größer als in England, Frankreich sc. Sie geht aber überall dort zurück, wo Wasserleitung und Kanalisation bestehen. Zur Einrichtung von Wasserleitungen könuen sich leicht größere Gruppen von Orten vereinigen. Bei zentraler Wasser- leitung ist auch die Einrichtung von Vollsbädern rn kleineren Ge- meinden leichter durchzuführen. Mit 2500— 3000 Mark läßt sich in kleineren Orten ein solches VolksbadKonslikt. Der sozialdemokratische Wahlvrrein Stettin hielt gestern abend im Gcwerkschaftshause eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab. um die Diskussion aus der letzten Versammlung über den„Vorwärts"- Konflikt fortzusetzen. Bor Eintritt in die Verhandlungen wünscht Genosse Bonlowsky zur endgültigen Erledigung dieser Frage, daß die Genossen ihre Entscheidung in einer Resolution festlegen möchten, damit wenigstens ein Resultat der ganzen Verhandlungen erzielt werde, während Genosse Vogtherr ersucht, daß man die ganze Angelegenheit ruhen und erledigt sein lassen möge; denn in der Sache selbst würden die Parteigenossen doch nur gegenseitig ihre Meinungen zum Ausdruck bringen, ohne daß sie sich unter einander überzeugen könnten. Der Borsitzende, Genosse Storch, ftägt die Versammelten, ob sie gegen diesen Borschlag des Genossen Vogthcrr Widerspruch erheben. Da dies nicht geschieht, so ist die Angelegenheit deS„Borwärts'-Streites erledigt. Ferner »ahm die Versammlung nach einem Bericht über den Jenaer Parteitag die folgende Resolution an: Die Mitglieder-Versammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins vom 24. November d. I. er- klärt sich mit den Beschlüssen des Parteitages zu Jena, sowie mit der Haltung ihres Delegierten, Genossen Höfs, einverstanden, und verspricht, gemäß den gefaßten Beschlüssen handeln zu»vollen. DaS Gcwcrkschaftskartell Kaiserslautern befaßte sich in seiner Sitzung vom 21. November mit dem Verhalten des„Correspondenz- blaltes' in der„Vorwärts'-Angelegenheit. Bon sämtlichen Rednern »vird die einseitige Stellungnahme des„CorrespondenzblatteS" ver- urteilt, zumal die GelverkschaftSmitglieder, die nur die Partciblätter in der Provinz lesen, über den eigentlichen Hergang der Sache un-> genügend informiert sind. Eine Stellungnahme hierzu sei notlvendig. um festzustellen, daß die Gewerkschaften mit der Haltung des „CorrespondenzblatteS" nicht einverstanden sind. Es»vird folgende Resolution zur Verlesung gebracht:„Das Geivcrlschafts- kartell Kaiserslautern protestiert entschieden gegen die Schreib- »veise des„CorrespondenzblatteS" in Sachen Parteivorstand und den ausgeschiedenen 6 Redakteuren des„Vorwärts". Das Kartell erblickt in dem Artikel in Nr. 45 des„KorrespondenzblatteS" eine einseitige Stellungnahme für die sechs Redakteure gegen den Partei« vorstand, obgleich nach Lage der Sache die ganze Angelegenheit eine reine Partcifcage ist und daS„Korrespondenzblatt" nicht dazu da ist. einen Konflikt künstlich zu vergrößern und persönliche Meinungen Einzelner den Gewerkschaften aufznoktroieren." Dieselbe wird ein- stimmig angenommen. Die„Brandenburger Zeitung" bringt die folgende Erklärung. Die am Soimtag, den 26. d. M.. tagende Preßkommission der „Brandenburger Zeitung" beschäftigte sich auch mit der Stellung- nähme deS Organs zu der Angelegenheit der ,.BorwärtS"-Redakteurc. Nach längerer Debatte gelangte folgende Resolution zur Annahme: „Die heutige Sitzung der Preßkommission ist mit der Auffassung der Redaktion in der„Vorwärts"-Angelegenheit. insbesondere ihrer Stellungnahme gegen den Parteivorstand, nicht einverstanden und erwartet, daß bei Behandlung derartiger Fragen in Zukunft eine Besprechung mit dem für die Zeitung verantwortlichen Personql und eventuell der engeren Preßkomiinssion in Brandenburg vorangeht. I. A.: H. Kratsch, Vorsitzender." » DaS GclvcrkschaftSkartell Halberstadt beschäftigte sich mit dem Bericht im„ C o r r e s p o n d e n z b l a t t", welcher den„Vorwärts"- Konflikt behandelt. Nach lebhafter Diskussion wurde folgende Re- solution einstimmig angenommen: „Die versammelten Delegierten deS Halberstädter Gewerkschafts« kartellS und Vorstandspersonen der Halberstädter Gewerkschaften Ivciscn mit Entrüstung die Art der Behandlung deS„VorlvärtS"- Konflikts im„Correspondenzblatt" zurück. Sie sehen angesichts der Riesenkämpfe, in denen die klasieiibelviißte Arbeiterschaft steht, den Zweck deS„CorrespondenzblatteS" schlecht erfüllt durch künstliches Konstruieren von Gegensätzen zwischen den Gewerkschaften und der Partei." .« Eine Mitgkiederbersaunnlnng der Zahlstelle Nemnllnster des Ledernrbeiter-Verbandes beschäftigte sich am Donnerstagabend mit den Artikeln in Nr. 26 der„Lederarbeiter-Zeitung" und in Nr. 45 deS..CorrespondenzblatteS der Geileralkvmmission". Sämtliche Diskussionsredner nahmen entschieden Stellung gegen die Versuche, den sogenannten„Vorwärts"- Konflikt zu einer Gelverkschaftö- angelegenheit zu stempeln. ES lourde allgemein scharf gerügt, daß Gewerlschastsbeamte sich dazu hergeben, die Gewerkschaften gegen die Partei aufzuhetzen und schließlich folgende vom Vorstand des Orts- Vereins eingebrachte Resolution angenommen: „Die Versammlung bedauert es aufs lebhafteste, daß ein Artikel. der an Infamie seinesgleichen sucht, in unserer Fachzeitung Platz finden konrite. Sie nimnit mit Genugtuung Kenntnis von dem Be- schluffe des Vorstandes der Zahlstelle Reumünster, in dem dieser eS entschieden ablehnt, innerhalb des 300 Mitglieder zählenden Orts- Vereins im Sinne deS Artikels zu wirke», der Artikel läuft darauf hinaus, die Gewerkschaften gegen die Partei aufzuhetzen und unseren jüngeren Mitgliedern die Partei zu verekeln. Die Ver- sammluiig erwartet von der Preßkommission, daß sie solchen Oner- treibereien sofort Einhalt gebietet Die Spalten unserer Zeitung sind zu schade für ein solches Treiben und unseren Redakteur be- zahlen wir nicht dafür, daß er unsere Mitglieder der Partei ent- fremdet." Der Beschluß soll dem Zeittralvorstande und der Preßkommission zugestellt werden._ Ueber die allgcmcine Weltlage sprach am Sonntag in einer Volksversammlung für den ersten Hamburger Wahlkreis der NekchHtagZ-Mgeordncts deZselven, Genosse Bebel. Schon iVq Stunden vor Beginn der Versannnlung Ivor das 3000 Personen fassende„Hammonia-Batröits" überfüllt; aber innner neue Scharen sonntäglich gekleideter Männer und Frauen strömten herbei, vergeblich Einlah begehrend. Wohl ö bis(JOOD mns-ten kehrt machen, ohne ihren Äbgeordneten gehört z» haben. In großen Zügen schilderle Genosse Bebel, stürmisch begrüßt, in zwcislündiger Rede die Ereignisse in Ost- asten, deren Rückwirkung auf die innerpolitischen Zustände Rußlands, die durch die Ilnfähigkeit der deutschen Diplomatie herbeigeführte > Isolierung Deutschlands, ironisierte die Bestrebungen der vom Flotten- toller befallenen Uebcrpatrioten, geißelte die Pumpwirtschaft des Deutschen Reiches und die dem deutschen Volke, speziell den deutschen Arbeitern zugedachten neuen Lasten zwecks„Sanierung" der Finanzen, wandle sich scharf gegen die Brntalisierung der Arbeiterschaft seitens des Unternehmertums und deren Komniis und rief den deutschen Arbeitern zu, ebenso zu schreien wie die Agrarier- und Kapitalistensippe, wenn diese ihre Interessen gefährdet wähnt. Es ist unerhört, wie die Arbeiter sich knuffen und puffen lassen, ohne zu mucksen. Wir haben alle Ursache, uns mit der Frage zu be- fassen, ob das so weiter gehen darf. Uebernll sehen wir das Proletariat sich regen, in Rußland hat es sich gegen seine Unter- drücker und Schinder erhoben. In Deutschland raubt mau den Ardeitern das Wahlrecht oder trifft, wie in Hamburg, Vorbereitungen dazu. Ich lvüuschte, daß es hier anders gekommen wäre.(Zurufe:„Das konimt noch!") Ja, es kommt noch, die Rechnung wird eines TagcK konmicu.(Lebhafte Znstiinmung.l Den Herren, die sich einbilden, den Arbeitern alles bieten zu können, wird am Tage der allgemeinen Abrechnung klar werden, daß auch die Schafsgeduld der deutschen Arbeiter einmal ein Ende hat. Blickt auf die Umernehincr, die zeigen Euch, was Ihr tun müßt. Organisiert Euch, schließt Euch fest zusammen, damit die Stunde, die komnien muß und kommen wird, auch ausgenutzt werden kann.(Lang- anhaltender Beifall.) Eine Debatte fand nicht statt. Ein Partcijnbilar. Genosse Carl Mühl, Prokurist und Kassierer der Hamburger Buchdruckerei und Verlagsanstalt Auer u. Eo., beging am Sonntag, Lö. November 1905, sein Löjähriges Geschäftsjubiläum. Im Jahre 1880 trat er in die Expedition der„Hamburg- Altonaer Gerichts-Zeitung" ein, die alsbald dem Sozialistengesetz zum Opfer fiel. Der unvergeßliche Wedde nahm ihn dann in die Expedition der nengegründetcn„Bürger- Zeitung" hinein, deren geschäftliche Leitung ihm zufiel. Im Jahre 1887 wurde auch die„Bürger-Zcilung" ein Opfer des Sozialistengesetzes. Da der damalige Polizeichef Senator Dr. Hachmaun jedes selbst- ständige sozialdemokratische Organ in Hamburg init dem sozialisten- gesetzlichen Verbot bedrohte, mußte das neugegründete„Hamburger Echo" sich, wie schon sein Name besagte, darauf beschränke». Preß- stimmen aus anderen Zeitungen wiederzugeben. Karl Mahl über- nahm die Expedition des„Hambrirger Echo", das alsbald eine respektable Abonncntenzahl gewann. Auch der Inseratenteil dehnte sich immer Iveiter aus, so daß das Arbeitsfeld des Expedirionepersonals ein immer größeres wurde. Nach dein Tode des Kassierers der Hamburger Buchdruckerei und VerlagSanstalt von Auer u. Co., des Genoiien Wilhelm Gramm, im Jahre 1901, Ivurde Karl Mühl Prokurist und Kassierer der Firma. Einen wesentlichen Teil der Kassengeschäfte hatte er schon seit Jahren erledigt. Mit äußerster Gewissenhaftigkeit hat er seinem verantwortungsvollen Posten vor- gestanden und sich die Syiupathie und das Vertrauen seiner Mit- arbeiter und des gesamten Personals in vollstenr Maße erworben. )Ziis Induftric und Handel. „Bismarckhntte". In der am 25. d. M. abgehaltenen General- Versammlung der„BiSmarckhiitte" erklärte namens des Vorstandes Kommerzieurat Kollmann, die Lage des deutschen Eisenmarktes sei recht befriedigend, namentlich insoweit eS sich um den Beschäftignngs- grad der Werke handelt. Die Verkaufspreise seien mäßig, für Walz- eisen und Grobblech zum Teil noch unrentabel, doch ermäßige der gute Beschäftigungsgrad mehr und mehr die Selbstkosten der Werke, so daß im aügeinciuen die Geschäftslage und die Rentabilität der Werke als gut zu bezeichnen seien. Leider begännen aber bereits einige Rohstoffvereiniguugcn trotz der bisherigen guten Rentabilität ihrer Werke mit Preiserhöhungen vorzugehen, ohne daß es den diese Rohstoffe weiter verarbeitenden Verfeinerungswerken möglich wäre, die Preise für ihre Fabrikate entsprechend zu steigern, besonders so- weit sie auf den Export angewiesen sind. Hieraus entstehe die Gc- fahr, daß die volle Beschäftigung der Verfeineruugsindustrie wieder nachlassen und damit auch die gute Konjunktur der Rohstoffwerie zum großen Schaden der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und des öffentlichen Interesses beeinträchtigt werden dürfte. Vom Dividcndciiscgcn. Der Aufsichtsrat der Lindener Aktien« brauerei vormals Brande u. Meyer beschlos; die Verteilung einer Dividende von 18 Proz. Mit solchem Weihnachtspräsent dürfen die Passiv-„Arbeiter" Ivohl zufrieden sein.— Die Aktionäre der Bismarck- Hütte bekommen für ihre schwere Arbeit 20 Proz. Dividende.— Auch die Münchener Löwenbrauerei bringt 20 Proz. zur Verteilung.— Die Dividendeneinstecker an der Patzenhofer Brauerei aber müssen fich mit 15 Proz. begnügen. Ob die Leute keine Neigung haben, Lohnforderungen zu stellen?— Nur auf 7 Proz. wird die dies- malige Dividende der Nheinisch-Westfälffchcn Bodenkredit-Bank, Köln, geschätzt.— Die Deutsche Grundkreditban! in Gotha gibt 8 Proz.— Eine Dividende von 16 Proz. auf das von 1 800 000 M. auf 2 100 000 M. erhöhte Aktienkapital schüttet die Stärkezuckerfabrik A.-G. vorm. K. A. Köhlmann u. Co., Frankfurt a. O. aus. Monopolnutokraten. Eine interessante Episode ans der letzten Llktionärversanimlung der Gelsenkirchener BergwerkS-Gesellschaft er- zählt der Berichterstatter des„Verl. Tagebl.": „... Als die Rede auf die Verbündeten des Gelsenkirchener Kohlenbergwerkes, aus den Schalker Gruben- und Hnttenverein, auf den Aachener Hüttenverein Rote Erde kommt, da werden die Ant- Worten am Verwaltungstische dürftiger. Die Aktien des Schalker Grubenvereins und des Aachener Hüttenvcreins Rote Erde sind zwar fast sämtlich im Besitz von Gclscnkirchen, Kiroorf aber und mit ihm der Vorsitzende von Gelseukiichen, Geheimrat Schöller. vertreten den Standpunkt, daß über die Verwendung der für die verbündeten Gesellschaften verlangten neuen Gelder nur die Vorsitzenden dieser Ilntiruehmungen Auskunft geben können. Herr Thyssen, der sich im Hintergrunde hält, lehnt indes mit den Worten ab:„Ich verzichte." Ueberlegen lächelt er, gleichsam als ob kein Fuß breit„Schalker Gruben" oder„Rote Erde" an die Gelsenkirchener Gesellschaft abgetreten sei. Noch einmal bittet der wißbegierige Aktionär um Auskunft, Thyssen und StinneS stecken die Köpfe zusammen; man glaubt, sie beraten sich über eine Autwort, indes— alles bleibt stumm. Thyssen schweigt, Kirdorf schloeigt. Schöller schweigt. Der felige Hansemann, mit desien Bildnis der Sitzungssaal der Diskonto- gesellschaft gcschinückt ist, sieht befriedigt auf seine Schüler herab." Die Könige— verzichten darauf, den Trabanten Auskunft zu geben.„Ich verzichte." Auch das ist ein Programm und zwar ein für das Selbstbewußtsein und die tatsächliche Macht der Industrie- Magnaten sehr charakteristisches Programm: Der«taat bin ich l Vermehrung der BctricliZmitttl. Der Härder Bergwerks- und Hüttenverein beruft auf den 21. Dezember eine außerordentliche Getieralversaminlung ein zur Beschlußfassung über eine Erhöhung des Aktienkapitals um 7 Millionen zwecks Erweiterung des Berg- werksbcsitzes nnd Verstärkung der Betriebsmittel.— Tie Generalversammlung der Deutschen Bank genehmigte eine Kapitalserhöhung um 20 Millionen Mark auf 200 ivkillioncn Mark. Daö Nliiminium-Zeitalter. Mit der Frage der zeitlichen Er- schöpfuug der Eisenerzlager der Welt beschäftigte sich, wie wir der „Deutschen Ind.-Ztg." entnehmen, vor kurzem ein Aufsatz des bc- kannten ainerikanischen Geologen Professor N. S. Shaler in der Zeitschrift„International Onarterly". Nach den Schätzungen- des genannten Gelehrte» dürften die Eisenerzlager der Welt, wenn man von China absieht, in nngesähr 100 Jahren unter der Voraussetzung er- schöpft sein, daß man an die Eisenerzförderung den Maßstab der heutigen Geloinnungskosten legt. Die zukünftige Ausbcntungsfähigkeit der bereits erschlossenen bezlo. zurzeit noch nickt erschlossenen Eisenerzntincn, die fast immer in horizontaler Linie liegen, und nur in seltenen Fällen in größerer Tiefe lagern, schätzt Profesior Shaler auf den zwanzigfachen Betrag der bereits geförderten Eisenerz- mengen. Jedenfalls werde man nach 100 Jahren gezwungen sein, die minderwertigen und serner gelegenen Eisenerze für den Bedarf heranzuziehen. Eine ähnliche Prognose stellt Shaler dem Kupfer- erze, dessen Vorkoinmen tausend Mal geringer sei als das des Eisen- erzes. Beide Metalle. Eisen wie Kupfer, würden mit der Zeit zu der Rangstufe der„Edelmetalle" emporsteigen. Was wird nun aber — so fragt der amerikanische Geologe— ans der Menschheit werden, ivenn ihr Kupfer nnd Eisen fehlen? Die Antwort darauf lautet: Es wird dem„eisernen Zeitalter", das an die Stelle des „bronzenen" trat, das„Alllminiiun-Zeitaltcr" folgen. Zu dieser Hoffnung berechtige die Tatsache, daß in den letzten fünfzig Jahren der Marktpreis des Alnmininms aus den zehnten Teil seines Prei'es zu den Zeiten Wühlers heruntergegangen ist. Weiler wird ausgeführt, daß die Erdoberfläche ungeheure Mengen von Alu- minium enthält, gegenüber denen die vorhandenen Eisenerzvorräle winzig genannt werden müßten. Fan jedes Tonlager einhalte „potentielles" Akilminium. Um daS Metall in reinen, Zustande, das heißt frei von Kieselsäure, zu gewiimen, bedürfe es heule eines scknvierigen mid kostspieligen Verfahrens. Sollte es jedoch gelingen, eiii anderes dilligeies Verfahren ausfindig zumachen, was jedenfalls nicht ansgeschlosicn sei, so würde das neue Metall der„Retter in der Not" sein, wenn die Knappheit der Eisenerze die verbrauchende Welt in Verlegenheit setzen werde. Zug zur Konzentration. Im Geschäftsbericht der Hüstener Ge- werksckaft Akt.-Ges. wird gesagt:„Die im neuen Gesckästsjahre bemerkbar werdenden Anzeichen einer lebhafteren Kauflust zeigen sich durch den Eingang reichlickerer Aufträge, durch bescheidene Preis- aufbesserungen, aber auck durch eine Erhöhimg der Rohmaterialien- preise, so daß wohl nur diejenigen Werke die sich besiernde Konjunktur voll ausnutzen können, die ihre Rohmaierialien selbst erzeugen, wo- zu infolge des Beschlusses der Generalversammlung vom 29. Juli 1905 die Hüstener Geloerkickast bezüglich Roheisens in längstens zwei Jahren ebenfalls zu gehören denkt. füiis der frauenbewegunöf. Wcijjensce. Mittwoch, den 29. November, abends 3'/z Uhr, findet in. Lokale des Herrn Schmutz die Generalversaininlung statt, in welcher Frl. Ida A l t m a n n über: Ein Dichter der Freiheit nnd Wahrheit" sprechen wird. Es ist Pflicht der Mitglieder, zu dieser Versammlung recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Im Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse hielt am 20. November Herr Dr. Borgius einen Vortrag über„Grund- anschauungen und Ziele des Änarckisinus". Redner führte etwa folgendes aus: Es giebt zwei verschiedene Arten, die Stellung des einzelnen zur Gesamtheit zu betrachien. Entweder man sieht das Jndividuinn als einen für sich unselbständigen Teil des Ganzen an und glaubt deshalb, daß nur die einzelnen in ihrer Vereinigung als menschliche Gesellschaft ein soziales Leben führen können. In diesem Falle wäre das Individuum um des Ganzen willen da und seine Sonderinteressen müßten naturgemäß hinter denen der Gesamtheit zurücktreten. Oder aber man betrackte den einzelnen Menschen als den eigentlich selbständigen Organismus und seine Entwicklung als den Zweck aller gesellschaftlichen Organisationen. Auf diesem rein individualistiichem Boden steht der Liberalismus und besonders der Anarchismus. Aber während ersterer die staatlichen Organisationen anerkenne und nur innerhalb derselben dem Individuum möglichsten Spielraum zu schaffen suche. wolle der Anarchismus das Individuum allein gelten lassen und bekämpfe die Zwangsorganisation. das heißt jede Organisation, die nicht rein ans dem Prinzip des freiwilligen Beitritts und Austritts beruht. Die Art und Möglichkeit solcher fteiwilligen Organisationen nach den Ideen des Anarchismus erläuterte nun der Redner in bezug auf alle Hauptgebicte des menschlichen Kulturlebens, wie Ehe und Familie, Erziehung, Volkswirtschaft, Straf- und Privatrccht usw. Er schilderle die Auffassung der Anarchisten, die den Staat für eine bis zu einem gewissen Punkte geschichtlich notwendige Organisations- form der Menichheit halten, ihn aber von einer gewissen Grenze an Tir überflüssig, ja sogar für schädlich für die Entwickelung der Menschen betrachten. So erläuterte er auch die Einwände des Anarchismus sclbft gegen die fortgeschrittene StaatSsorm der demokratischen Republik nnd der direkten Gesetzgebung durch das Volk. Zum Schluß erörterte der Resr. nt die Mittel, durch welche der Anarchismus die staatliche Organisarion stürzen zu können glaubt. ?lls die hauptsächlichsten Kampfesmittel nannte der Redner die Ver- Weigerung der Steuerleistnng und des Heeresdienstes. Dagegen könne er in dem jetzt so viel erörterten Generalstreik kein anarchisti- sches Mittel anerkennen, vielmehr sei derselbe nach Form wie Ziel durchaus sozialistischen Charakters. Der Anarchismus sei nach alledem nicht eine Partei, sein Ziel nicht die Disziplinierung der Massen, sein Charakter nicht der einer Klassenbewegung. Er fei vielmehr eine geistige Strömung, die sich ohne Unterschied von Stand oder Klasse an das Einzeltndividunm wende, um es zu persönlicher, praktischer Emanzipation von Kirche, Familie, Partei, Staat zu erziehen. An den Vortrag schloß sich eine lebhaste Diskussion, in welcher der Gegenstand von verschiedenen Standpunften beleuchtet wurde. Der nächste Vortragabend findet am 4. Dezember statt. Das Thema lautet:„Die Entwickelung und die Aufgaben der Kranken- lassen". Referent: Albert Tlohn. Die Franenwahlrechts-Bewegung in Schweden. Die Forderung des allgemeinen Wahlrechts zur Zweiten Kammer des schwedischen Reichstages scheint jetzt, nachdem Anfang dieses Monats eine Re- gierung ans Ruder gekommen ist, von der man annehmen muß. daß sie demokratischen Reformen zugänglich ist, der Erfüllung nahe zu sein. Es handelt sich hierbei jedoch nur um das Männern. h'recht, wenigstens hat man nichts davon vernommen, daß sich die be- absichrigte Wahlrechtsreform auch auf das weibliche Geschlecht er- strecken' soll, und auch der jahrzehntelange Kampf der Arbeiterschaft 'ür das allgemeine Wahlrecht war und ist auch noch jetzt im wesent- lichen ein Kampf für das Männerwahlrecht, bei dem man, schon um einer Iveiteren Verschleppung der Angelegenheit keinen Vorschub zu leisten, vorläufig auf die Forderung des Frauen- Wahlrechts verzichtete. Auch der radikalliberale Abgeordnete Lind- Hagen, der seit Jahren im Reichstag für das Wahlrecht der Frauen wirkt, teilt diese Auffassung. Nun hat jedoch in der vorigen Woche eine Frauenversammlung, die im Volkshause zu Stockholm tagte, sich dahin ausgesprochen, daß jetzt die Zeit gekommen sei, wo die Frauen zugleich mir der Verallgemeinerung des Wahlrechts cer Männer, das politische Wahlrecht auch für ihr Geschlecht fordern 'vllten. Die Regierung, die verschiedenen Parteien des Reichstages, 'owie die einzelnen Abgeordneten sollen aufgefordert werden, für daS allgemeine, gleiche nnd direkte Frauemvahlrecht einzutreten. Zur Förderung der Angelegenheit wurde ein Komitee eingesetzt. Versammlungen. Die Rohrleger und Helfer(Mviallarbeiter-Verbanh) befaßten sich am Donnerstag in einer in der Brauerei Friedrichshain abge- haltenen, zahlreich besuchten Versammlung erneut mit den zwisck-en dieser Branche und der Berliner Ortsverwaltung des Verbandes ansgebrochenen Differenzen und den damit zusammenhängenden Ausschlutzangelegenheitm Wiesenthal giirg in seinem zwei- ständigen Referat ausführlich aus die Ursachen dieser Differenzen ein, die er, so weit sie seine Person berühren, auf Unstimmigkeiten in der Ortsverwaltung zurücksi'ihrr, wie sie sich aus den Meinung?- Verschiedenheiten über die Tatnk beim Rohrlegerstreik im Jahre 1902, dgnn beim Mehlichschen Streit mid ganz besonders bei dein letzten ' großen Gürtler- und Drückerstreik ergeben hätten. Redner bracht« dann noch zur Sprache, daß in den Kreisen der Rohrleger und Helfer die Absicht geäußert worden sei, wegen der inneren Diffc» rcnzen dem Metallarbeirer-Verband den Rücken zu kehren und einen eigenen Fachverein zu gründen. Er ermahnte die Anwesenden, allen etwaigen Zersplitterungsversuchen dieser Art entgegenzutreten. In der Diskussion bemängelte Ficius, Gurtschke und M e i x, daß Wiesenthal mchr seine persönliche Ausschlußgeschichte wie die als eigentliches Versammlungsthema angesetzten angeblichen Absplitterungsversucke behandelt habe. Tie Tagesordnung sei wohl nur deshalb so gewählt worden, um Wiesenthal Gelegenheit zu einer öffentlichen Besprechung dieser verbaitdsschädigenden Dinge zu geben, die besser im internen Kreise erledigt worden wären. Demgegenüber wiesen Klein, Sokolowski, Schröder und Hein darauf hm, daß die Ausschlußsache notwendigerweise im Referat mit bc- behandelt werden mußte, weil sie mit der Rohrlegerangelegenheit im engsten Zusammenhange steht. Uebrigens sei es Wiesenthal in der letzten Generalversammlung infolge der sophistischen Auslegung des Srattits durch den ersten Bevollmächtigten Cohen ja auch un- möglich gemacht worden, sich vor einem größeren Mitgliederkreise zu verantworten'. Folgende Resolution wurde gegen wenige Stimmen an« genommen: „Die Versammlung nimmt Kenntnis von den Ausführungen des Referenten und erklärt: Die Differenzen der Berliner Rohrleger und Helfer als Mit- glieder des Metallarbeiter-Verbandes mit der Ortsverwaltung Berlin dürfen für kein Mitglied Veranlassung sein, ags dem Metall- arbeiter-Verband auszutreten und in eure andere Organisation ein- zutreten oder gar einen neuen Fachvcrein fiir die Branche zu gründen. Vielmehr ist die Versammlung der Ucberzeugung, daß den Rohr- legern und Helfern im Metallarbeiter-Verbande ihr Recht Iverden muß, UiNd werden die Versammelten nicht eher ruhen, bis die Per« sonen, die zum Schaden der Organisation ihr Amt benutzen, das- selbe in die Hände Ver Mitglieder wieder zurückgeben. So ernst dieser Kampf zur Gesundung unserer Organisationsverhältnisse anr Orte ist, verzichten die Versammelten hierbei aus jede Unterstützung durch die bürgerliche Presse sowie durch die Versammlungen und die Presse der Konkurrenzorganisaiionen des! Deutschen Metall» arbeiter-Verbandes. Tie Versammlung ffbt der Ucberzeugung Ausdruck, daß selbst tue augenblicklichen Mißverhältnisse in der Ber- liner Verwaltung an der Tatsache nichts ändern, daß in der Metall» industrie nur der Mctallarbeitcr-Verband am besten in der Lage ist, die Interessen der Berliner Metallarbeiter zu vertreten." Vermifcbres. Schwere Anschuldigungen gegen deutsche Kapitäne erhebt tn einer spanischen Broschüre, die im„El Censor" zum Abdruck ge- langt ist, ein Kenner der argentinischen Verhältnisse, der über den Mädchenhandel in Argentinien geradezu unglaubliche Schilderungen gibt. Nach den in der Broschüre aufgestellten Behauptungen, die der Verfasser angeblich beweisen kann, werden die nach Buenos Aires verschleppten Mädchen meist über Hamburg und Svuthampton nach Amerika transportiert. Die Kapitäne der transatlantischen Dampfer werden beschuldigt, genaue Kenntnis davon zu haben, was für Menschenmaterial sie befördern. Sie bewahren jedoch das tieffte Stillschweigen, weil sie von der Mcnschenhändlersirma Cohn u. Co. in Buenos Aires monatliche Renten beziehen. Mit jedem Dampfer werden etwa— und zwar ausschließlich auf Rech- nung der Firma Cobn u. Co., die eine Anzahl Bordelle unterhält — fünf bis acht Mädchen nach Buenos Aires eingeschleppt, die zum größten Teil aus Nordeuropa stammen und im Alter von 14, 15 bis höchstens 18 Jahren stehen. Soweit die Firma Cohn u. Co. diese Menschenware nicht in ihren eigenen Unternehmungen verwenden kann, wird sie in Häusern, die in der Broschüre genau benannt sind, wie bei früheren Sklavenmärktcn öffentlich versteigert und Stück für Stück mit 250 bis 300 Pfund Sterling losgeschlagen. Tie Agenten der Firma erhalten für jedes Opfer, das sie aus Europa liefern, 30 Pfund Sterling. Außerdem erhalten sie alle Unkosten ersetzt. Diese enormen Gebühren erklären sich, wenn man bedenkt, daß für jedes Mädchen mindestens 175 Pfund Sterling bezahlt werden. Es wäre wünschenswert, daß das deutsche Nationalkomitce zur Bekämpfung des Mädchenhandels oder besser noch die Regierung selbst eine Untersuchung veranlaßte, um zn ermitteln, inwieweit die Beschuldigungen gegen die deutschen Kapitäne zutreffend sind. Tie fälligen Eiscnbahn-Unfälle. AuS Bochum wird unterm 26. November amtlich gemeldet: Heute morgen gegen 5 Uhr wurde auf der Strecke Uebcrruhr— Kupferdreh an dem Personenzuge 620 Steele Nord-Kupferdreh durch eine offenstehende Tür des kreuzenden Güterzuges 9305 der Packwagen und ein Wagen vierter Klasse ge- streift und hierbei die Seitenwand des Wagens vierter Klaffe zum Teil eingedrückt. Von den in dem Wagen befindlichen Reisenden wurden vier Personen verletzt. Ein Änade von 15 Jahren, dem die Schulter ausgerenkt war, wurde dem Krankenhause in Kupferdreh zugeführt, die übrigen drei Personen, welche nur unerheblich Schaden genommen hatten, konnten ihre Wohnungen aufsuchen.—> Eine Meldung aus Flensburg von demselben Tage besagt: Gestern abend 8 Uhr 25 Minuten entgleiste in Kilometer 53,5 der©trecke Sörup— Mohrkirch— Osterholz der Personenzug 963. Personen wurden nicht verletzt. Ter Materialschaden ist nicht erheblich. Der Verkehr wird vorläufig durch Umsteigen ausrecht erhalten. Eine Untersuchung über den Unfall ist eingeleitet. Tic Genickstarre tritt wieder auf. AuS Godolla-Hütte, Bis,' ftipitz und Hennersdorf werden neue Todesfälle an Genickstarre ge- meldet. Im Zabrzer Knappschaftslazarett waren gegen 60 Kinder geladen worden, die während der Genickstarre-Epidemie erkrankten und wieder gesundeten, um ärztlich untersucht zu werden. Leider mutzte der Arzt feststellen, daß gegen 20 Kinder Krüppel ge- blieben sind. Einige haben die Sprache verloren, andere wurden taub, wieder andere sehen schlecht. Neue Erdbeben in Süditalien. Noch immer hat sich die Erde. die durch ihre Erschütterungen in Süditalien ein großes Unheil anrichtete, nicht beruhigt. Man telegraphiert aus Benevent: Gestern früh 7 Uhr 54 Minuten ereignete sich hier eine starke, 10 Sekunden dauernde, wellenförmige Erschütterung. In der Be- völkerung entstand große Unruhe. Sachschaden wurde nicht an- gerichtet.— Auch aus Foggia Avcllino und Neapel wird gemeldet, daß dort gestern vormittag um 7»?� Uhr Erderschüttcrungcn vor» gekommen sind, die indessen keinen Schaden angerichtet haben.— In der Ortschaft Apice(Provinz Bencvenw) wurden durch einen Erdstoß mehrere Häuser, darunter die Karabinierikaserne beschädigt. so daß sie geräumt werden mußten. In Ariano(Provinz Avellino) wurden mehrere Kirchen, darunter die Kathedrale, und in Grotta- minarda(Provinz Avellino) ebenfalls einige Häuser durch einen Erdstoß beschädigt. Verluste an Menschenleben sind nicht zu be- klagen.___ Berliner Marktpreise. AuS dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Tireklion. Rindflciich la 64—88 pr. 100 Pfund, IIa 57—64. I IIa 50-55, I\ra 40-48. Kalbfleisch la 87-93, Ua 75-85, lila 58-72, Hammelfleisch la 65—75, IIa 50—60. Schweinefleisch 71—77. Rotwild Pfund 45—48 Pj. Hasen Stück 3,50—3,70,' klein 1,50—2,00. Kaninchen Stück 0,80—1,00. KrammelSvögel 0,00—0,00 Pf. Rebhühner, junge la 0,80—1,00, junge EU 0,00, junge kleine 0.00-0,00, alte la 0,01—0.00, alte IIa 0,00-0.00. Hübuer pro Stück, alle 1,00—1,85. junge la 0,80— 1,00. do, IIa 0,50—0,65. Tauben, junge 0,00-0,00. alle 0,40—0,45. Enten junge 1,80-2,25. Känje pro Stück, la 4.00-4,60, IIa 3,00-3,60, pro Pfd. la 0,55—0,63, IIa 0,48—0,53. Hechte— ,— M., Schleie, unsortiert—. Rate, grotz 0,00—0,00, mittel 0,00,»lein 0,00 M. Plötze» 37 M. Karpfen 0,00. Lachs 0.00 M., Lchcllsischc IIa 20-22 M., Flunder 17 M. pro 100 Pfund. Schottische Vollheringe(gesalzen) 36-38 M Krebse, kleine. Schock 0 00 M., unsortiert 0,00-0,00 M Eier Schock 0,00. Butter pro 100 Pfund la 124-126, IIa 118-124, lila 115-118. abfallende 100-110. Kartoffeln pr. 100 Pich rote 2,00—2,20, Rofen 0,00-0,00, l'wiie 0,00—0,00. runde weihe 1,80- 2,00. Wirsingkohl pr. Schock 4,00-8,00, Beiglvhl 6.00-8,00, Noilohl ifiO-S.OO, Holl. 12-14 M. Saure Gurken, Schock 2,00 M. 6. Rommunal-Vahlbezirk. DienStnff, 28. November, abends S'Aj Uhr, bei Zühlkr, Denncwitzfir. 13: Wähler-Versautmlung. TageS. Ordnung: „Unsere Kommmmlpulitik." R-f«mt- Stadt. verordneter Genosse � � l'» JL 1 0 1) Ii II 1?€? Ii t• Um zahlreichen Besuch bittet 239/12 va« �Valillrotnlte«. VernaUangnstcIlc Berlin. Haupt-Bureau: Engel-Ufer lS, ZImnicr t— 5. Fernsprecher: Amt IV 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 3t. Amt IV, 3353. Mittwoch, den 29. Nov. 1605, abends 8'l, Uhr, im„Kolb erger Salon«, Kolbergerftralje 23 \T ensammlan fW aller in Kerliiicr Eiscugicßcrtiiii brschäst. Former und Berufsgeiiofsen. Tagesordnung: 1. Nenwabl der AgitationSkommlsston. 2. Unsere Vereinbarungen. 2. Der Streik in den deutschen Stahlwerken. 4. Verbands« angelegen betten und Verschiedenes.— Ohne Mitgliedsbuch lein Zutritt. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Mittwoch, den 29. November 1995, abends 8'/, Uhr i UV" Vsnssmmiung der Gold- und Silbcrorbeiter und verwandten Berufogcnossen im Dresdener Garten. Drrsdenerstr. 45. TageS-Ordnung: I. Bericht der Agitationskommisston. 2. Diskussion. S. Neuwahl der Agitationskommission. 4. Wcrkstcllen- und Verbandsangelegenhciten. Zahlreiches Erscheinen der Kollegen wird erwartet. XL. Sonntag, den 3. Dezember 1905, abends 7 Uhr, im Gcwerkschafts- Hause, Saal 4: Gemütliches Beisammensein, bestehend in Vorträgen und Tanz, wozu die Kollegen mit Familie f'�undlichst eingeladen sind. Mittwoch, den 29. November, abends präzise 6 Uhr, im Neftaurant „Zum elektrischen Funken«, Treptower Chaussee, Ecke Elscnsttasie: „ Versammlung. aller in der Metallindustrie besch. Arbeiter n. Arbeiterinnen von Treptow und Sanmschnlenweg. TageS-Ordnung: 1. Die Nichtorgauinerte» und Unternehmerpraktike«. Referent: Kollege A. Pageis. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. DonuerStag, den 30. November 1905, adenbs 8'/, Uhr, im Lokale von K ö p n i ck, Pichelsdorferstr. 39: Bezirks-Versammlung dn Hondoutr Kolltslen und Kollegiunen. 167/10 Tagesordnung: 1. Bortrag. Thema und Referent werden in der Versammlung be- kaimt gegeben. 2. Verbandsangelegenheitcn.— Ilm zahlreiches und püntt- tiches Erscheinen ersucht__ Die OrtSverwaltung. ttinU in Minr Mtlüi. ZwcißTercin Berlin. — Sektion der Gips- und Zementbraneiie.= Bezirk Hlxdorr. Donnerstag, den 30. November 1905, abends 8 Uhr, im Lokale von Thiele. Bergstraftc 152/153: Mitglieder-Uersammlung Die Tagesordnung wird i« der Bersamrnlung bekannt gemacht. Pslicht eines jeden Mitgliedes ist eS, in der Versammlung z» erscheinen. 159/13 Der Qbmann. NB. Der neue Tarifvertrag liegt fertig gedruckt vor und wird den Mtt« gliedern unter Vorzeigung des Mitgliedsbuches am Eingang zum Lokale ausgehändigt.___________ Ortsvem-nitnns Berlin. Donnerstag, den 30. November, abends 8 Uhr, bei Igelnd, Wein-Strafte 11 t 56/3» Außerordentliche Witgliederuerfammlung. TageS-Ordnung: 1. Stichwahl zum Verbandstage. 2. Slbrcchnung vom Vergnügen. --- Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Zutritt.----- Um zahlreiches Erscheinen ersucht vi» Orlsvsewailung. Donnerstag, den 30. November, abends S'/j Uhr: Branchen-Versammlung der Modell- und Fabriklischler sowie Modelldrechsler in Schmidts GcsellschaftShaus, Garteustr. 6. T-agcS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen P. ttieeot,:„Was ist Klassenkampf«? 2. Branchen-Angelegenhetten. 3. Verschiedenes. 29/12 __ DI« Ortuverwaltnng._ | Eine Mark ol wöcbenthcb liefere«tlbstspiolende A Musikwerke, S Sprecliniuscbtuen und»eht» S 211 enaenhaner- Zithern. •S Schönst b Farnih�nanlerb alt eng. g J. Kfirr-hrfsr» ST An öer JBWnowSirbröoko U I-> � direkt ata d»t>nuof. 1. Kommnnal-Wahlbezirk! fcnle Dic«st«z, 28. llODtiiiticr, abends 81- Ahr: jlommunsIlvalllerversMmIunzW sei Dröfel, Neue Friedrichstr. 20: ve. Beier, Fischerstr. 23: Rcserent: Stadtverordneter Dr. Bernstein. Referent: Stadtverordneter Herrn. Schubert. TageS-Ordnung: Alls Jllt Stichwahl. Diskussion. 236/14 Zahlreiches Erscheinen erwarten Die Vertrauensleute. 80. kMWnslwMeÄrb E (5. und 6. lUfthUtvcto). Wähler- Versammlung am Dienstag, den 88. November, abends 8V2 Uhr, im KosentUsler üok, Rosenthalerstr. 11/llÄ. TageS-Ordnung: 1. Tozrislnßemokns'tiv und Komvnune> Referent: Stßbttifrorbiiflrr Dr. Hermann Weyl. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Alle Wähler sind eingeladen. Das Erscheinen der Genossen ist Pflicht. Vis Vsrtrsuönslsuts. Vereinigung der Maler, Saekiem, Anstreichet. Filiale Ssrliu. Bureau:Ufer 15, Zimmer 30. Telephon: Amt TV, 9720. Versammlung für alle im Malergewerbe beschäftigten Personen am Dienstag, den S8. November, abends 8 Uhr, bei Keller, Koppenstraste SS. Tagesordnung: Die Stellungnahme der Innung zu unserem Tarif und welche Antwort haben wir zu geben. 12S/16» Kollegen I Bei dieser so wichtigen Angelegenheit erwarten wir, daß kein�Kollege dieser Versammlung fern "ntwort bleibt: es gilt eine imposante Antwort zu geben. DI« Ortsverwaltang. Zentralverband der Jßaurer Dentschlands. Zweigverein Berlin. Dienstag, 28.Novbr., abends 8 Ahr, im Genlerbschnstshnnse, Engel-Nfer lS(Saal l): Baudeputierten- Yersammlung. � 3 ittti eder Baudeputierte erhält in dieser Versammln«! der .. unter Vorlegung Depntiertenliste eine Kontrollkarte mit einem Stempel versehen— worin die weitere Tätigkeit und der Bersammlungsbesnch des Baudepntierten quittiert wird— aus- gchändigt. 169/12 Wir erwarten, daß in dieser Versammlung jeder Bau vertreten sein wird. — Verbandsbuch legitimiert. Die Terbandsldtung. I. A.: Emil Thöns. MZ-MdtislhtArlikitkrZM Mittwoch, den SS. November, abends 8'/, Uhr, pünktlich bei Keller, Koppenstr. SS: IM" Beffenttiebe VerZammtang�Wg föratiidltt in dcn ßfliiclitn und Anftnltkn dn Mdt Kcrlin iitschnstigten Hnndwerktr, Ardkiter nnd smilügcn Angcßclllcn. TageS-Ordnung: 1.„Fletschnot und städtische Arbeiter«. Rcserent: Stadtverordneter Panl Singer. 3. Diskussion. 3.„Der Zentrol-Arbeitsnachweis«. Rcserent: GewerkschastSsekretär OmN Dlttmer. MM- Kollegen! Ardeiter! Erscheint Mann für Mann in dieser hochwichtigen Versammlung und beweist durch zahlreichen Besuch, das; Euere Lohn- und ArbcttSverhältnisie dringend der Slitsbesserung bednrsen. Jeder we seine Pslicht und agitiere sür diese Versammlung. 289/10 Vsrbsnü der Semsindesrbsiisr(Ortsverwalwng Berlin). STV. 13. Alte Jakobstrafte T13. Part. Gesundheit ist Reichtum! Reselmft ßi6eai Baden ei*httlt and fördert die Dcanndhclt. Bade Berlin-Ost im:|-0—�. Bade Berlin-Süd im: 2#*#** Beselin 9 Baue Denm-usi im: i oaoe oeriin-Süd im: 1 Fjad Frankfurt|< Itter- Bad oar � Gr, Fra/iWurterstraBo 136.( Rltleratr. 18, Ecke PrinienstraBe. Kiedizinische Bäder aller Art Spezi alit&tl (ca. 200 Genre.) Einzelne Garnituren spottbillig. 4896L* (ca. eOOIUustr.) grat. u. franko. Speml-Kalalsg Emil Lefövre Oraaienstrasse 188"X"11 Teppich- Spazialhaus Eine Mark wöchentliche Teilzahlung liefere Pj eleg. fertige 4957L*5 i Herren-Moden f �Bestellung, n. MaB.tadell. Ausführ.* «= in eigener Werkstatt.== � 2 Spezial-Geschäft für I Herren- i f Bekleidung.| « Kein Waren-Kredithaus. A S » ? iooi.» , reerktaglictt ununtorbroeben aeOllnoten Londer- Abteilungen« für Humen und Herren."..B 2 Wannen-Bäder 0,75 Bk.(40 Minuten Badezeit) Hygienisch einwandlrei bleiben nur Einzelbader, niemals gemeinschalllieh benutzte Bassinbader! iPfibfttuifj 12 läi frei ein ISbcn mit Wohnung 73 SDl. und ficiue D. Söciro. I. Etage. ic 1 Ü C Pisnn co M1 S'tent. Teilzaiilüna, •jr.r.rittliU Gerichtstr, 32, Oittrloh." GSuMMl 60 Kf. pr Ofund(gröber» zum Reißen). SchlachtsedevN, wie sie v. d. Gan» fallrn, mir allen Daunen M. t.ÄV, sällfernyer Gänseropf M. 2.00, besser» Hänsehalbdauni n M. 2. 50, 3.00. beste sch.ietrveiße M. 3.50, russische Daunen m.3.50, weiße böhm. Tannen M. 5.00, a». tedern M. I.SO, S.OO, Irima gerissene ur. 3.00, erfand gegen Nachnahme. Mn Lustig, «rf!» Vettfedernfavri? m rltctt. Bruch-Pollmann empfiehlt sein Lager i„ Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaitern, Spritzen, Suspeneers sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. (PV~ Eigene Wos-knlutt. aiefer. f. Orts. u. Sülss-Krantenkass en Berlin Efslklassissdoutsdiefabrilote,! 17. Ziehung 5. Kl. 213. Kgl. Hreuss. Lotterie. Ziehung vom Z7. Noveir.ier 1903, vormiu.g«. ITirr dla Gewinne aber Ä40 ilark tlnd dea helreffenden Nummern In lUammern beinerugt. fOhne Gewähr.) Nachdruck verboten. .300 57 303 412 841 73 900 25 88 1125 333 428 58 1500! m 731 96 800[30001 922 45 61 2055 117 346 E500 J 61 463 531 77 837 62 3046 119 220 73 315 94 531 40 894 4030 150[500) 54 202[10001 634 5140 201 309 78 454 545 620 74.8 824 937 94 6035 195 321 529 923 28[10001 7147 207 442 86 543 92 622 31 772 905 8o28 33 189 310 573 777 849 59 907 72 93)5 72 635[3000] XO073 599 638 60[5000) 789 864 11081 208 85 326 432 563 96[30001 645 905 39 1 2383 562[10 Ol 88 952 1 3204 447 93 526 44 52 914 1 4485 503 47[.,001 809 946 1 5077 240 433 779 884(10001 912 1 6178 18000) 375 SO 485[ISOOOOI 512 731 838 910 1 7287 15001 437 604 694 853 981 18049 174 110001 84 80 243 351 410 612 770 1 9362 700 20487 555 634 94 897 2 1 068 125 51 220 82[30901 82 304 11 455 71 524 643 2 20O4 126 228 604 23 ,20 3 9 414 21 626 840 968 2 4094[10001 184 204 31 4« 825 00 450 538[3000] 649[19001 904 98 25033 70 659 772 15001 554 927[10001 59 96 26104 9 215[10001 454 573 628 913 27014 132 52 325 77 422 668 770 2 8017 32 169 77[5001 383 86 1500) 401 509 82 935 57[500] 29138 386 482 620 700[3000! 69 93 914 35 80[5001 30027 833 750 91 92 930 91 3 1 000 34 43 54 181 320 30 405 512 Ä 819 31 36 85 SJ 32047 299[HOü) 342 566(10001 894 33195 221[500J 795 1500 1 848 964 84000 127 308 40 734 35055 SS 386 4.50 578 651 812 36073 423 534 66 725 878 945«8 37014 90[500] 149 213 462 943 69 3 8373 529 77 637 842 3 8370 82 672 833 928 40160 203[3000] 12[5001 33 532 80 966 69 4 1213 79 408[30001 632 47 69 738 42085 152 370 555 685 780 73 905 80 4 3018[ 5001 20 80 102 532 637 57 69 807 (3000) 4 42,16 67 315 405 578 653 885 4 5033 3)9 402 661 63« 68 913 19 4 6019 231 32 41 92 320 60[500] 82 673 637 44 805 57 47158 423 45[500! 62 86 570«85 93 811 27 975 4 8252 81 393 402[500] 25[500] 46 747 70 4 9023 85 114 83 285 397 449 828 90 998 50249 1500) 380[10001 95 412 501 I300üj 793[1000] 659 87[30001 5 1 342 43[1000] 432 55 618 709 52188 236 33 7« 305 518 608 80 807[500] 520dl 36«[10001 762 852 6S 5 4222 317 93 415 72 563 UOOC?45[3000] 724 935 70 55032 370 902 66 56u85 133 216 3 3 480 625 61 83 f 1000] 883 078 5 7008(lOfi::] 268 346 115 OOOI 649 73 837 47 97 963 5 8209 33 63[1000] 83 370[lOOOOJ 455 534 619 739 900 82[500] 97 59238 355 531 69«45 799 60156 580 789 61116 37 619 799[.3000] 883 62023 49 153 72 333 462[500 1 887 63,25 309 71 427 75 726 92 64197 201 308[300Y] 46 57 690 750 62 65291 309 29 63 67 91 442 66 708 6 6465 687 726 1500] 905 29 67025[500] 96 146 374 4SI 735 832 63026 32[500] 60 73 172 403 64[500] 544 766 847 926[500] SSIZ3 52 4SZ 93 560 672 70t 942 70180 210 53 312 654 791 809[500] 71044 III 320 573 795 72283 13000] 89 575 980 HOOG] 73002 52 163 90 300 921 74176[500] 206 340 690 7 5015 17 [500] 14« 213 110001 46J 501 752[500] 870 7 6247 374 651 651[3000] 949 7 7187 326 408 706 7 8058 577 623 991 70067 69 99 101 17 50 58 78 293 310 21 90 796 8 0042 181 482 70 579 803[500] 24 712 87 962 8 1057 88[500] 218 401[500 1 3 8J[5001 641 787 857 931 82040 147[30001 200 342 487 ÜOUO] 525 644 977 83(06 561 614 861 940[10001 84234 366 615 28 43 49 1500] 77 874 914 42 43 8 5275 78 Sil 67[3000] 682 11000] 97 815 970 86114 95(30001 259 304 479 530 92 647[30001 053[SOd] 89[SA)) 87034[SOu] 391 409 47 613 18[30001 753 84 995 8 8080 91[3000] 267(3000) 361 405 571[5001 880 907 83 60061 294 316(30J] 472 613 727 49 821 35 90273[10001 493 523 738[1000] 801 86 9 1053 103 6 4 220 6 4 90 489 555 823[5001 953 92040 112 39 240 56 334 504 6.3 635 42 9 3064 153 203 28 30 301 449 644 9 4237 437 607 655 776 809 43[ZOO] 53 900 95 9 5080 148 481 619 700 907[10001 96 063 476 530 700 36 941 97O0O 342[30001 419 71 76 SO« 32 85 98115 54 336 408 84 539 75 85 634 57 836 993 9 9061 559 63 878 90(3 20 1 500] 25 100045 66 108 13 229[5001 390 521 61 837 1 0 1073 ■95 328 447 50 52 79 88 568 683 86 711 27 1 02079 103 99 232[ 500] 326 52 434 91 551 704 847 1 03073 255 90 404 82 84 791 836 80 943[500] 48 104031 186[3000] 98 402 71 534 006 ,33 105381 437[10001 98 657 806 106041 56 82 529 55[500] 774 840 64 939 96 107020 ■88 436 570 602 66 738 805 57 930 1 08204 1« 63 801 41 907 1 09012 174 75[10001 233 331 52 555[50001 808 s/t er? 077 rannni 110001 105 sb[500] 90 279 372[600] 78 4'5 522 [500] 831 81 111001 140 81[5001 223 398 430 98 112131 478 637[5001 66 745(30001 902 113090 189 110001 5.51 09 760 63 83 907 69 114050 N 8 25« 6t 366 540 57 69 619 737 55 8!)4 910 115156[5001 239 321 780 «08 23 58 986 116073 515 649 803 912 15 117306 514 639 971 118034 97 102 203 514 692 755 110058 101 492 640 06 708 00 952 53 .120268[500] 360 48S 504 40 628[10001 760 831 12 1047 215 331 538«9 663 74 763 86[5001 806 53 935 1 22139 207 395[500] 477 545 638 717 69 922 31 123137 45 67 254 344[30001 65 400 501(3000) 721 333 [5001 78 938 124033 46 482 625 61 125093 232 33 505 65 97 834 988 128108 679 745 54 71 93 826[3000] 127162 249 63 430 88 904 38 99 1 28052 186 301 38 402 31 56.553 626 80 705 871[3000] 981 129019 67 120 257 480 689 937 45 68[10001 130063 123 48 95 432 77 576[500] 131260 322 557 76 770 935 1 32136 523 5« 903 30 133160 80 233 361 88 488«67 933 1 34116 28 67 259 411 670 794 879 135045 73 224 42 381 527 1500]«3 646 74 638 136006 (10001 37 323[5001 45« 520 78 700 924 1 37017 166 218 33[3000] 83 314 528 686 713 840 54 1 38195 278 408 506 40 48 66 630 796 987 70[5001 X3O085 434 80 618 704 027 140175 827 33 35 141028 30 101 8[500] 64 365 340 11000] 667 740 94 833 142122 775 143458 735 66 1 44301 847 734 91 94 983 1 45145 87 70 414 683 708 880[500] 146014 23 11000] 29 322[500] 43 580 92 629 713 54[1000] 57 937 49 1 47094 230 42 55 58 322 90 537 62 639 73 87 1 48518[10001 670 710 73[500] 824 73 923 1 49005 131 09 315 414 51 96 629 808 150383 484 513 43 95[500] 674<08 931 03 riOOO] 15 1 031 191 332 439 523[5001 651 11000] 776 610 61 152081 152 313 65 449 600 845 993 85[10001 153042 154 59 403 83 86 86 614 51 67 77[5001 858 93 154- ,88 301 57 417 77 516 69 TSOOl 94 617 843 1 5 5056 88[500] 93 138 221 43 707 804[5001 9 30001 156o04 324 28 425[5001 673[10001 157044 180 212 362 504 613[500] 707[500] 45[1900] 60 839 972 158094 111 286 440 514 659 914 96 1 59063 191 218 58 62 413 16001 831 160055 78[10001 680 787[5001 026 97 1 61155 320 65 436 933 162015 130[,5001 288 512 605 13 849 163076 100 237 406 9 532 687 164004 48 58[500] 112 99 207 452[10001 71 548 751 75 905 68 1 65013 59 402[5001 824 44 JSOO] 166012 100 450 724 877 167107 68[5001 81 242[30001 379 467[10001 SS 501 17 78 688 168025 112 89 610 22 37 763 022[1000] 169054 153 220 406 880 91 993 170077 133 84 89 501 43 878 901 171152 358 72 [ZOO] 517 757 79 172040[5001 65 88 99 124 226 49 [5001 348 508 47 995 1 73169 71 222 387 531 606 78 044 59 174198 276 699 805 16 175114 53 225 31 820 [30001 33 467 528 658 1 76007 16 235 15001 416 91 578[30001 861 177063 198 275 87 ISO»] 98 630 735 73 819 178003[1000] 64 100 86 227 55 65 r1000 l 418 561 67 600 711 179189 254[10001 330[1000] 862[5001 980 92 180148 67 633 77 867 931 32 75 181138 223 344 75«51[500] 61 962 182026 321 460[5001 716 941 [5001 183225[50001 534 005 764 11000] 83 812 24 904 1 84048 72 89 266 312 672 82 660[30001 72 832 [5001 185008 158 283 362[5001 629 34 73 774 848 915 74 180078 91 187[500] 641 722 825 187018 72 IIS 16 89 203 63 370 652 90 728 847 70 912[1000] 188195 277 358 67[500] 734 68 872 999 189013 118 57 210 371[5001 464 94 516 734 812 10 951 76 190934 154 99 273 351 416 40.54 5 701 4 884 946 191090[10001 565[1000] 683 1 92017 74 219 38 494 538[30001 664(5001 88 96 891 911[5001 193120 [3000] 243 361 607[30001 624 792 844 194070 130 42 56 59 280 195063 130 221[3001 37 46 408 61 5 6 79 657 66 735 67 907 1 96017 124 90 249 725 8« 831[1000] 937 42 1 9 7059 300 17 485 699 747 810 90 938 1 9 8006 112 k 10001 32 328 485 689 855 199063 216 53 403 62 592 601[6001 44 86[10001 998 200148 255 64 329 42 621 50 67(5001 801337 48 418[6001 520 628 29 81[500] 83 797 802223 68 528 614 745 868 8O3022 435 66 732 801 15001 031 80 204249 68 372[5001 724 205126 350 732 77 868 206041 194 285 332 50 62 475 563 79 675 110001 854 928 207331 40 540 71[3000] 676 751 78 1 5001 821 09 [1000] 208193 200 407 511 56 708 823 47 75 001 84 209095 143 388 479 675 837[5001 932 53___ 210034 152 268 300[10001 698 754 847[30001 58 021 211062 117 307 471 395 823 212016[500] 40 214 38[10001 348 85 485 529 70 776 846 68 960 2 1 3098 [1000] 244 69 T 10001 316[500] 21 513«68 727 214254 422 73 615 846 49 90 936[5001 215121 63 60 83 318 64 92 437 64 599 910 34 216,582 179[1000] 223 360 63 424 29 69[10001 86 567«52[5001 59 99 217142 [1000] 9« 203 343 419 847 941 218112 22« 88 329 73 [5001 92 424 675 91 959 2 1 9298 307 464 76 220165 264 346[30001 621 893 110001 221217 431 592 798 2 2 2477 543[5001 725 99 825 223021 207 390 678 735 96 815 64 93 981 2 2 4122 393 33 45 75 718 20 900 225078 194 591 99 744 910 220011 3p0 25 92 418[500] 597 633 713 864 71 72 973 15001 227224 36[30001 309 538 615 745 99 22S005 438 647 78 791 829 903 39 229070 433 517 33 690 907 230111 210 20 üO 580 682(5001 231024 293[5001 371 578 1 10001 820 800 5 53 928 2 3 2099 245 92 376 92 636 782 868 903 233393 571 084 90 885 932 65 234,«9 400 737 91 907 13 235193 240[10001 47 380 575 698 757 87 931 230037 151 485 544 54 ll00q]J553 762 63 886 960 62 237051 53 207 375 80 486 I1Ö001 597«80 [30001 238000 465 85 618 794[5001 865 957 239051 tooo] 144 130001 205 28 44 05[10001 348 470 583 240)57 488[5001 500 677 92« 2411)6«1 15001 243[.3001 474 802 37[500] 73 242.180 424[5001 47 522 706 2 4 3003 71 125 32 865 91 04 749 1 500] 78 808 24 244115 404 79 245044 206 82 650 639 788 847 78 928 75 2 4 6002 4 54 143 46 59 558 544 724 816 88 247011 64 203 20 50 83 353 90 735[5001 49 040 17. Ziehung 5. Kl. 213. Kgl. Prenss. Lotterie. Ziehung vom!7. November 1909, n�ebrntttar*. Nor die Gewinne Ober 240 Mark sind den beueQ enden Kümmern in lUammern belgefUicL (Obs« Gewahr.) Nachdruck verboten. _ 94[500! 186 206 342 591[1000] 618 772 804 38 927 77 1095 1 5001 97 275 610 942 2116 392[1U00I 529 75 [3000 1 93 721 69 7) 3211 458 85 661 728 820 4119 358 401 562 736 5083 153 420 27 546 löüOI 817 906 6161 77 214 311 483 533 606 838 77 SS 945 47 7120 314 662 711 BOOS 120 110001 61 96 130001 406 42 52 797[10001 998 0164 404 93 90 718 805 110001 . 10071 418[5001 506 18 74 006 32[10001 44 71 roooi 11011 16001 333 86 478 520 603! 10001 743 1 2061 292 529 770 874 1 3163 90 386 ISuOI 484 612 29 86 340 14153 210 341 48 487 578 606 969 1C0US 217 70 320 71 476 526 769( 30001 886 1 6283 308 581 743 1 30001 919 31 96 1 7126 71 90 353 648 789 845 1 8373 178 228 36 647 806 13000) 67 986 19401 638 60 825 908 20127 374 77 477 823 2 1251 611 19 792 842[30001 22093 235 42 367 511 12 27 863 23243 llÜOOl 323 riOUOI 66 500 64 94 714 60[1000 1 931 64 2 4463 740 809 14[5001 92 25067 128 64 314 79 537 647 26022 68 132 402[9001 57 611 718 79[5001 800 27094 302 51 435 86 627 663 767 806 71 2 B4S4 54 585 674 83 89 756 IlUOü) 990 2 9046 400 85 565 717 21 948 82 30068 789 866 910[30001 31077 101 19 200 305 452[30001 660 763 67 32278 325 57 64 460 90 800 672 715[6001 53 885 110001 059 33032 15001 126 40 54 285 430 932 34050 116 534 988 35194 300 09 701 864 36061 552 56 87 961 37124 74 360 460«27[10001 900 38528 83 84 732 94[6001 880 94 IlOUOi 39047 51«2 142 68 509 606 732 56 , 40 101[500 1 296 329 79 426[5001 522 757 882 990 roooi 41181 402 33 719 876 42414 519 83 92 99 708 960[5001 43490 522 907 9 10 44273 361 483! 30001 «38 61« 46 61[MO 1 840 911 15 64 450T7 106 347 601 14 SO 004[30001 60 770 852 SO 46»« 43 582 15001 720 OOJS 47128 35 80 234 372 416 48082 376 500 607 74 [6001 857 73 004[5001 21[50 OOOI 49005 309 52 486 661 604 ,66 940 75 _ 50-315 218 48 56 378 504 678 830 954 51042[500] 29? 92 388 406 41 661 727 77 81(5001 825 937 5 2057 228 82 421 705 849 88 53003 247 513 89 600 81 90 763 862 54028 325 32 448 88 94 514 37[500 1 758 801 72 [10001 917 5 5008 160 92 353 1 10001 54 504 635 38 66 98 743 922 56098 119 49 234<5001 42 53 547[5001 624 700 41 57226 35 372 456 572 607 581« 234 77 92 380 JWjbS 840(5001 54 59395 418 35 592 839 66 130001 « JS.307 470 579 768 tSOOl 75 61011 S1 2™««« 916 62033 87[5001 221 600 23 45 803 12 63212 566 612 751 948 64033 141 43 224 816 454 98 616 621 924[500J 45(3000! 65011 172 413 692 15001 7«6W 968 15001 68084 180 219 27 96 34« 880 774 84 130001 88 902 67110 506[1000] 635 999 68075 SO 415 32 15001 38 42 630 741 874 921 39 72 1500] 69089 180 202 453[1000] 681 912 14 26 1500] 70162 91 257[3000] 88 335 52 752 961 71023 328 483 87 833 84 912 29 47 72115 60 348 476 561 602 95 735 840 986 73018 27 329 427 110001 4« 91 520 89 643 729 832 932 69 74057 102 48 308(5001 441 632 44 788 823 55 75 75000 261 377 89 645 704 817 34(10001 76032 314 27 34 58 416 27 529 62 11000] 77060 62 I ZOOO] 90 119 64 75 489 78200 4966325576392640922W 79170 438[5001 855 80172 91 335 04 87 544 797 861 81006 200 59 412 03 596 711 866 82090 100 348 458[10001 518[30001 890 903 83729 53 84183 T« 29 36 614 31 7M»43"MO] 72 85040 154 314 63 90(10001 400 77 78 550 901 86100 67 333 463 817 25 87045 102 351 59«5 80 527 019 13000] 56 70 726 88018 3"2 37 431 557[500] 601 21 710 89019 60 93 191 247 540 656 702 90024 153 65[1000]«7 642 91012 119 204 40 43 495 664 68 793 848 971[5001 92085 15001 349 74 473 [5001 78 525 6C3 785 928 93061 578 011 94211 385 472 598 615 52 82 858 928 95128 1500] 86 254 34« 55 685[5001 675 880 970 91 96053 314 434 717 801 24 924 29 97153 275 479 757 833 15001 968 98003 55 286 347 681 038 95 765 909 99072 161 65 67 239 67 306[5001 450 732 65 957 100172 281 348 473 86 646 95 838 982 101022 49 132 466 508 21 635[5001 719[10001 40 819 54 922 102169 365[5001 448 68 569 806[500] 103030 230 314 48[500] 472 522 44 110001 46 864 104160 427 47 509 611 66 870 929[10001 105025 198 218 23 302 110001 71 riOOOl 513[5001 655 894 43 68 979 106011 71 79 120 243 508 1500 1 684 728 845 1 07075 119 29 312 70 803 99 945 52 15001 108052 152 273 352 SIS 11000] 808 39 44 009 63 109095 141 96[500] 244 65 81 498 528 653 577 1 10096 232 488 565 77 602 81 715 74[300] 1 1 1043 KT 209 99[30001 400 46 571 753 931 93 112341 538 690 804 556 113349 77 485 529«68 033 114150 66 263 [5001 423 27 742 85 89 802 115098 194 292 1500) 301 698 828 920 15001 37 116000 60 71 268 310 so 535 110001 686 724 60 877[10001 117357 438 90 596 831 782 913 45 53[10001 1 18060 103 18 95 441 78 85 539 46 682 877 977 119251 401 561 872 934 28 120218 57 021 919 96 121143 86 330 87 432[5001 40 76 748 82« 89 923 40 122017 110001 482 ISUOOI 543 64 70 324 941 123241 4SI 556 068 744 916 124663 72 145 236 534«63 864 78 90 965 125038 168 273 466 575 724 57»41 946 87 126167 15001 259 322 98 518«52 95 865 89 1 27001 84 154 259 130001 99 528 67 704[3000] 128016 257[5001 362 722 880[10001 880 129298 (5001 344 110001 462 727 880 911 31 130224 333 83 73 531 771 922 63 131110 396 450 54 563 715 65 1 32075 106 99 214 54 90 1500] 548 622 23 25 710 f 10001 941 133<07 362 789 ISOOOI 857 953 75[ 500! 134133 246 410 552 686 703 13000! 25 937 82 98 135116 00 526 45 140 OOOI 903 78 130138 15001 39 130001 80 15001 219 51 532 45 006 21 831 13000] 34 137112 244 52 130001 304 412 506 674 936 138101 304 15001 450 53 684 756 915 30 139012 171 336 64 404 524 [10001 856 920 140230«00 141256[10001 385[1000] 678 706 II 004 11[1000] 142208 29 63 81 378 410 610 59 753 74 989 143025 ISOOI 50[10001 84 110 34 48 266 344 648 727 38 144233 355 598 881 145054 89 260 16000) 420 643 62 707 68 836 13000) 72 013 28 11000] 146061 III 528 f 10001 607 777«43 87 147000 52 190 16001 215[5C01 88 343 462[5001 SOS 97 857 148003[6001 193 15001 213 57[30001 304 486[500] 601 859 11000] 75 955 78 1 49064 424 1500] 605 6 15001 54 761 823 150018 73 217 30 130001 81 93 471 533 56 624 [5001 30 1 5 1 003 34 222 71 374 883 912 130001 45 13000] 152158 66 279 306 17 602 53 742 63 832 98 153266 1500) 428 1500) 77[10001 606 800[3000] 154071 86 UOOO] 210 358 74 585 155170 386 425 731 83[600] 837 156036 54 15001 150 1500) 50 435 83 667 770 078 157036 116 11000] 91 370 501 738 933 158089 143 371 583 608 19 30 159147 86 281 1500] 380 443[5000] 511 633 879 91 916 53 98[3000] 160309 63 ÜOOOI 555 834 50 02 940 161468 682 649 ÜSO 162004 182 464 533 36 642 84 736[500] 806 80 163364 84 432[1000] 68 537[500] 39[30001 717 884 027 164203 6[1000] 55 15001 342 405 604 10 842 914 166330 00 84 481 580 760 110001 166011 43 185 487 661 167053 108 291 308 621 618[30001 716[500] 94 825(a»l M 904 168221 498 580 812 169148 030 43 74[5001 86 705 961 170001 13 65[5000] 82 457 568 171003 308 627 626 13000) 721 67 933 73 1 72018 196 267 343 008 57 867 173179 616 52 53 723 174264 66 96 313 631 69 638 57 746 65 97 819 1 7 5000 100 35 49 253 83 301 456 902 176149 340 334 15001 85[30001 523 657 794 824 75 177057 21] 467 524 42»4 11000] 865 178178 237 301[500] 421 32 45 56 63 565[5001 80 06[1000] 766 75[1000] 982 179329 479 650 831 942 180236 544 60» 710 43[10001 840 017[500] 30 181052 335 414 529 83 625 734 947 182021 770 183003 77 342 48 184103 431[10001 661 836 953 1 85028 130001 61 78 163 516 66(5001 705 17 186238 353 445 SO[30001 632 51 733 990 187021 42 106 285[5/01 319 25 72 455 675 1 88280 425 574 79 685 848[3000] 917 30 73�88�139120 24[50V) 376 83 613 618 97 742 824 47 190006 22 152 202 333 570 656 191053 MX)[500] 40 82 1 3000] 613 848 936 192072 108 226 53 309 474 629 754 846 193004 223 SS[30001 88 608 45 84 729 71 960 194258 343 472 640 820 71 81 195006 325 483 718 1 96044 106 435[10001 07 627[3000] 707 48[10001 884 197103 21 77 91 220[I0(W1 43 09 557 65[1000] 671 77? 831 075 198065[500] 82 651 883 199254 79 346 474 659 958 «o. 37 94 115 462 744 68 866 201172 289 385 512[30001 655 716 22[30001 933 51 202290 305 41 8? 534 649 56 789 13000) 857 93 944 67 2 0 3260 573 813 913 43 78 204036 124 237 472 2 05161 97 247 377 477[3000] 071 1500) 206050 265 410 207093 248 355 «8 514 670 819(IOOOI 73[30001 208069 158 232 85 413 543 78 96 738 828[5001 913 2 09 110 370 441 754 993 210037 41 124 80 220 313 96 HO OOOI 408 87 656 730 70«12 28 ISOOOI 925 36 87[5001 211021 67 177 277 358 499 531 50 2 1 2125 207 395 520 626 801 [10001 17 965 2 1 3118 285 370 648 783 806 19 38 46 92 939 2 1 4150 58 75 451 81 96 632 tlOoOI 43 870[5001 215014 33 330 044 216008 112 210 34 80 36« 732 3« 039 110001 41 217095 105 35 83[5001 226 49 71 372 453[1000] 87(lOOOf 817 908 23 218046 95 131 95 379 426 130001 64[10001 536 711 35 219279 1500] 96 327 409 695 726[10001 929 22035 282 480 619 80 732 84[30001 828 89 993 221004[1600] 249 300 67 72[10001 495 568 65 622 f 10001 90 717 44[1000] 808 63 222126 315 606 26 [30001 683 852 22329![10001 303 410 1500) 68 ISOoT 629 2 2 4098 109 203 394 1 3000 1 415 73 93 518 43 610 984 225093 127 272 507 226039 109 55 253 309 817 941 6« 227019 118 207 21 413 525 228069 188 07 222 Sil 27 37[500] 989 229203 68 350 53 16001 80[30001 422 662 13000! 8» 909.„ 230582 703 59 801[3000] 231318 70[5001 586 749 886 91 967 2 3 205t I lOoOl» 363 99 424 58 574 707 44 94 859[30001 946 75 23lJ0«8 209 747 86 874 234158 315 59 93>60 68 60« ,10001 80 235149 83 260 320 404 528 79 15001 C00 42 16001 750 886 11000] W4 2 3 6047 77 227 78 82 604 14 704 76 911 15001 41 237277 432 717 25 238123 235 41 381 737 70(30001 823 35 Ml 239063 74 151 89(5001 595 781 841 53 85 2*0333 82 07 425 29 70 55) 686, IS OOOI 799 877 077 2 4 1 024 103 38 54 309 88 1 10001 90 436 62» 110001 83 15001 242034 40 181 84 223 50( 5001 4SI 52 515 81 98 130001 678 735 826 71 24 3240 532 040 723 839 829 30 244039 139 15,01 71 704 245(W7 88 472 [500 1 502 10 744 86 806 1500] 24 248086[30001 32» 533 IfiOOl 70 631 43 796[5001 966 247»4 417[10001 511 602 98 f 10001 795 71000 I«7 992-500] Berichtigung: In der Liste rem W. Norember« rachmitlec«. ief Nr. 221 616 nüt 5000 Mk. statt 500 Mk. gerogea_ �Verantwortlicher Redakteur: HanS Weber�Äcrlin. Für den Inseratenteil ver«vtw.: Glocke, Berlin Druck u Vertag: Borwarte Viichdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. üt. 278. 22. z-w-g. 2. Deüllge des..Vsmiirts" Atrlilltl DllldsdlM. 28 S-'MW« l WMIIII IIB—IMWIB— I................. Hill..........-j—■... I i!■■■ III i«"IlftPi1! 1 Erster deutscher Städtetag. Berlin, den 27. November. Im Plenarfitzungssaale deZ preuhischen Abgeordnetenhauses trat heute früh um 10 Uhr der erste deutsche Städtctag zusammen. Anwesend sind die Vertreter fast sämtlicher größeren Städte Deutschlands. Aus vielen Städten sind die Oberbürgermeister und Stadtverordnctcn-Vorsteher an der Spitze einer Reihe weiterer Delegierten erschienen, so u. a. die Oberbürgermeister A d i ck c s (Frankfurt a. M.). Fuß(Kiel). Bender(Breslau). Beck ( Chemnitz). K o e r t e(Königsberg), Hacken(Stettin), Kirsch- ncr(Berlin), Becker(Röln), ferner die Stadtverordneten- Vorsteher Dr. F'rcund(Breslau), Dr. LangerhanS (Berlin), die freisinnigen Reichstags- Abgeordneten Dove und Eickhoff, Landtagsabgg. Rosenow. Kreitling und Cassel, von der Freisinnigen Vereinigung ReichstagSabg. G o t h e i n. von Sozialdemokraten die Abgg. Ehrhardt. Ulrich, und die Stadtvv. Borgmann- Berlin, B ö h l e. Stratzburg, SS i ck y- Mülhausen. Neben der Konstituierung des deutschen Städtetages bildet den Hauptpunkt der Tagesordnung die Fleischteuerungsfrage, die auch den Anstoß zur Einberufung gegeben hat. Zu diesem Punkt unterbreiten die Referenten Obcrbürger- Meister Ko e r t e(Königsberg i. Pr.), Rcichstagsabg. Syndikus Dr. Dove(Berlin) und Magistratsrat Dr. Beckh(München) folgende Leitsätze zur Fleischtcuerungsfrage: 1. Es besteht zurzeit in Teutschland eine ganz außer- gewöhnliche Höhe der Fleischpreise, insbesondere der Schweine- fleischpreise, an deren alsbaldiger Beseitigung alle Kreise des Volkes, insbesondere die minderbemittelte Bevölkerung der «otädte, in dringendes Interesse haben. 2. Die Ursache solcher Teuerungen ist darin zu erblicken, daß die inländische Vichproduktion dem starken Wachstum der Be- völkerung gegenüber nicht stetig imstande ist, den inländischen Bedarf an Fleischnahrung zu decken, insbesondere nicht nach den erfahrungsgemäß sich wiederholenden Mißernten in Futter- Mitteln. Die Behauptung, daß der Zwischenhandel die Ver- anlassung für die derzeitige Fleischteuerung abgebe, kann als zutreffend nicht anerkannt werden. 3. Zur Deckung des einheimischen Flcischbcdarfs ist deshalb der Rückgriff auf die Vieh- und Fleischbestände des Auslandes unter voller Wahrung des Seuchengesctzes für die einheimischen Viehbestände geboten. Die bestehenden Einfuhrverbote und Erschwerungen über- schreiten zum Teil das durch die Gesetzgebung im Veterinären und sanitären Interesse vorgesehene Matz und führen dazu, die Ein- fuhr, auch wo sie zugelassen ist, unwirksam zu machen. 4. Von den vorgeschlagenen Abhülfemitteln kann die un- mittelbare Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch durch die städtischen Verwaltungen als geeignetes Mittel zur wirksamen. dauernden Beseitigung der Fleischteuerung nicht angesehen werden. 5. Dagegen erachtet der deutsche Städtetag als geeignete Mittel gegen die Fleischteuerung die möglichst ungehinderte Einfuhr lebenden Viehs aus dem Auslande— unter voller Wahrung aller veterinärpolizeilich notwendigen Schutzmaßregeln— zur Abschlachtung in öffent- lichcn Schlachthäusern; die Einfuhr ausgeschlachtete Fleisches aus dem Auslände unter Beseitigung aller sanitär nicht unbedingt gebotenen Er- s chwerungsmaßregcln; die Einfuhr ausländischen Büchsenfleisches und sonstiger Fleischdauerwarcn; die Ermäßigung der Zölle und Eisenbahntarife für Futter- nnttel in Zeiten bestehender Futternot. 6. Der deutsche Städtetag erklärt, daß die Behandlung der FlcischteuerungLfrage durch die maßgebenden Instanzen des Reiches und einzelner Bundesstaaten die berechtigten Interessen der städtischen Bevölkerung schwer schädigt. Kurz nach 10 Uhr eröffnete der Oberbürgermeister von Berlin, K i r s ch n c r, die Versammlung. Er führte in der Eröffnungsansprache aus: Ter deutsche Städtctag tritt als ständige Einrichtung heute zum ersten Male zusammen. Von den in Frage kommenden größeren Städten haben fast alle, bis auf einen kaum nennenswerten Teil, den Beitritt erklärt. Dazu gesellen sich durch den Beitritt einer Reihe Städtcbunde eine größere Zahl von kleineren Städten. Wir begrüßen die Vertreter der Städte aus allen Bundesstaaten und aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes. ES ist das ein Beweis dafür, daß der Geist der Einheit in den deutschen Städten stark ist und gepflegt wird. Ein neues Band umschließt nunmehr die deutschen Städte. So wollen wir uns an erster Stelle, ehe wir an die Arbeit gehen, in der uns allen treuen Liebe für das deutsche Vaterland dessen gedenken, der an der Spitze des Reiches die Ge- schicke des Vaterlandes mit unermüdlichem Eifer und starker Hand leitet.(Die Versammlung hatte sich erhoben und stimmte in das Kaiserhock ein.) Oberbürgermeister K i r s ch n e r teilt dann mit, daß von den Städten mit 2ö 000 Einwohnern 44 den Beitritt erklärt, von 3 Städten steht die Erklärung noch aus und von nur 3 Städten ist eine Absage erfolgt. Außerdem haben 7 Städtebünde ihren Beitritt erklärt. Der deutsche Städtetag könne demnach als konstituiert betrachtet werden.(Beifall.) Wir können damit übergehen zur Konstituierung des Bureaus. Der Vorstand schlägt Ihnen vor, außer mir als bisherigem Vorsitzenden zur Leitung der Versammlung zu berufen die Herren Oberdürgermeister Barth- Stratzburg, Exzellenz. B e u t l e r- Dresden, v. S ck u h- Nürnberg und G a u ß- Stuttgart.(Zu- stimmung.) Das Schriftführeramt hat Herr Stadtrat NamSlau- Berlin übernommen. AIS Referent zu Punkt 1 der Tagesordnung: Die Frage der Fleischversorgung der großen Städte und die bestehende Fleischteurrung erhält daS Wort: ReichstagSabg. Syndikus Dov«-Berlin: Die Frage der Fleischteuerung ist der einzige sachliche Gegenstand der Verhand- lungen dieses Städtetages. Da« allein beweist schon ihre Be- dcutung. Welche ihrer Aufgaben sich bewußte Stadtvertretung könnte aber auch an den Zuständen gleichgültig vorübergehen, die sich auf dem Gebiete der Fleischversorgung heut überall entwickelt haben. Eine lange Zeit andauernde, unmäßige Teuerung dcö Fleisches muß zu einer Unterernährung de» Volkes führen und damit nachteiligen Einfluß auf die Produktion ausüben. Zum Aus- gleich der Mehrausgaben für Fleisch sind Lobncrhöhungen erforder- lich; die Produktion verteuert sich also. Diese Lohnerhöhungen werden vielfach erst durch Lohnkümpfe erzielt werden; cS tritt also eine Störung des Produktionsprozesses em. Endlich werden weite Kreise in ihrer Kauftraft geschwächt, so daß die inländische Pro- duktion nicht nur in ihrem Wettbewerb auf dem Weltmarkt schwer beeinträchtigt wird, sondern auch durch eine Verminderung des £ü)fatzeä auf dem Jnnenmarkt bedroht wird. Das Vorhandensein einer unmäßigen Erhöhung der Vieh» und Fleischpreise wird nicht mehr bestritten. Aufgegeben ist die Be. bauptung. sie sei Mache der interessierten Zwischenhändler. Tat. sächlich haben wir in Berlin für die legten Jahrzehnte eine un- unterbrochene Preissteigerung bei allen Viehgattungen, eine sprung- [hafte Preissteigerung nach dem Ausfall der Futtermittelcrnte bei den Schweinen festgestellt. Selbst nach dem Hochsommer, in dem (onst der Schweinepreis regelmäßig am höchsten steht, ist er in diesem Jahre noch ganz bedeutend in die Höhe gegangen. Man hat gesagt: Schuld daran sind die Flcischermeister, ist der Zwischenhandel. Auch den Städten hat man einen Teil der Schuld bcischreibcn wollen. Es ist eine Tatsache, daß stets bei einer Fleischteuerung Borwürfe gegen Handwerk und Handel erhoben werden. So war es auch bei der Teuerung 1902. Auch damals suchte die Vertretung der Landwirtschaft diese Behauptung zu beweisen. Aber trotz dieses „löblichen Bestrebens" muhte die Denkschrift der Landwirtschafts- kammcrn damals zugeben: es kann nicht erwiesen werden, daß form- liche Verabredungen der Händler bestehen, um die Fleischprcise dem Konsumenten zu verteuern. Nun sagt man: der Handel gehe durch zu viele Hände, wodurch die Biehpreisc erheblich verteuert werden. Tatsächlich aber handelt es sich beim Viehhandel und dem System der Viehkommissionäre um eine praktische Arbeitsteilung. Daß eine Verteuerung durch die Schlachthof- usw. Gebühren stattfinde, ist nicht stichhaltig. In Berlin betragen die Gebühren für je 6 bezw. 4 Pfund Fleisch einen Pfennig. Der Referent zeigt weiterhin an der Hand der bestehenden Gesetzgebung, daß selbst in ihr die Seuchenfreiheit Deutschlands und die Verseuchtheit Teutschlands keineswegs vorausgesetzt sei. Halte man dazu das Verbot der Einfuhr von Büchsenfleisch usw., so könne man sich dem Eindruck nicht entziehen, daß andere Gesichts- punkte für die Schließung der Grenzen maßgebend sind, als die sanitären, daß man aus anderen Gründen das Ventil nicht öffnen wolle, durch das allein eine Besserung zufliehen könne. Schließlich seien die Verteidiger der Grenzsperre, nachdem alle ihre Positionen sich als unhaltbar erwiesen, auf das Argument zurückgewichen, daß die Preise im Auslande ebenso hoch seien. Nun, da komme es doch auf eine Probe an! Das Vieh, daß uns das Ausland nicht liefere, werde unseren Viehbestand gewiß nicht verseuchen. Redner schließt mit der Bitte� um einstimmige Annahme der vorgelegten Leitsätze: Auf einem Städtetag war es, wo einst Max v. Forckenbcck die Städte aufrief gegen die VertcucrungSpolitik/ In seinem Sinne müssen wir hier erklären, daß, wenn wir die Interessen der städtischen Bevölkerung wahrnehmen, wir gleichzeitig die des ganzen Landes vertreten. Wenn wir auch im Augenblicke— infolge der Wahlkrciseinteilung wie aus anderen Gründen— wenig Aussicht auf Sieg haben: wir werden den Kampf fortsetzen, bis unseren gerechten Interessen Gerechtigkeit widerfährt. Einigkeit macht stark.(Lebhafter anhaltender Beifall.) Als zweiter Referent sprach Oberbürgermeister K o e r t e (Königsberg i. Pr.) über: Tie Flcischversorgung der deutschen Städte und die Schädigung ihrer Bevölkerung durch die gegentvärtige Fleischteuerung. Er nimmt Bezug auf die Leitsätze und geht im Speziellen auf die Entwickelung der Fleischprcise im Osten ein, wobei er sich auf eine neuerlich angestellte Umfrage bei 04 ostpreußischen Städten beruft. Es haben alle bis auf zwei geantwortet und allgemein wird eine anormale Fleischteuerun'g anerkannt, sechs davon sprechen von einer ausgesprochenen Fleischnot. Das mutz besonders ins Gewicht fallen, da Ostpreußen eines der größten deutscken Vieh- Produktionsgebiete ist. Andererseits muß auch gegenüber den gegnerischen Behauptungen festgestellt werden, daß 75 Fleischerei- betriebe in dem letzten Jahre in Ostpreußen den Betrieb eingestellt haben, in Königsberg 17, in Allenstein 0, in dem kleinen Schippenbeil 6. Der Preis pro Zentner Schlachtgewicht ist gestiegen bei Rindern seit Januar 1905 von 08 M. auf 74 M. im Oktober, bei Schweinen von 55,75 M. auf 73,50 M.(Hört! hört!) Weiche Verhältnisse herrschen in Schlesien und im ganzen Osten. ES kann gegenüber den Tatsachen auch die Behauptung nicht aufrecht erhalten werden, daß die Vieh» und Fleischpreise auch sonst überall ebenso hoch sind. Nach amtlichen Ermittelungen betragen die Viehpreise an der russischen Grenze pro Doppelzentner 00—92 M. für Rinder und 40— 00 Di. für Schweine. Von zwei Grenzstädten, Mlawa (russisch) und Neidcnburg(preußisch), sind in der ersteren die Fleischpreise 225—250 Prog. niedriger.(Vielfaches Hört! hört!) Wo der kleine Grenzverkehr— 2 Kilo pro Tag und Person— freigelassen itt, ist er außerordentlich stark, ja für die kleinen Leute die einzige Art der Fleischversorgung. Diese Einfuhr hat von Juli bis Oktober ständig stark zugenommen und beträgt jetzt für Ost- Preußen 30 000 Zentner. Was ist nun den Städten anempfohlen worden zur Linderung der Fleischnot?„Die Herabminderung der SchlachthofSgebühren, die Beseitigung der das Fleisch so außerordentlich verteuernden Ueberschüsse der Schlacht- und Viehhöfe." Aber das sind ja längst widerlegte Märchen; durch diese Ueberschüsse wird nach einer amt- lichen Breslauer Berechnung das Pfund Fleisch mit siebzehn Hundertstel Pfennig belastet.— Weiter ist uns empfohlen worden die direkte Verbindung mit den Produzenten. Wir in Königsberg haben einen Viehkommissionär angestellt, aber sehr maßgebende Ver- treter der Landwirtschaft haben ihm erwidert, sie verkauften lieber an Händler aus dem Westen zu teureren Preisen.(Heiterkeit.) Dann riet un» der Herr LandwirtschaftS- minister in feiner bekannten geistvollen Art zur städtischen Schweine- zucht. Aber die erfordert einen großen Vcrwaltungsapparat und erhöht durch Zusammenbringung großer Schweincmassen gerade nach agrarischer Auffassung übermäßig die Seuchcngefahr. Schließ- lich hat die Zentralstelle der deutschen Landwirtschaftskammcrn sich als Vermittlerin zwischen den Produzenten und den städtischen Verwaltungen angeboten. Sehr zuversichtlich heißt es in dem Schreiben, daß„auf diesem Wege die städtischen Konsumenten be- stimmt sehr viel billigeres Fleisch erhalten" würden. In der Tat aber hat z. B. die Stadt Magdeburg sich durchaus vergeblich an dies« Zentralstelle gewandt. Der Zweifel, ob dieses Angebot über- Haupt ernsthaft gemeint war, mutz aber entschieden verstärkt werden, wenn man in einem Arnkel des Herrn OekonomieratS Ring in der„Landwirtschaftlichen Rundschau" liest:„Die Städte müßten an ihre soziale Pflicht erinnert werden, wenigstens zu ver- suchen, dem Volke billiges Fleisch zu liefern. Dann werde man sehen, wo die wahren Fleischverteurer sitzen."(Lachen.) DaS verrät einen ganz anderen Zweck, als den sachlicher Erörterung. Zum Schluß beschäftigt sich Redner mit der Stellung der Retchsregterung und der einzelnen Bundesstaaten zu der Fleisch- teuerung. DaS dritte Referat zu demselben Gegenstand hat: Maaistratsrat Dr. Beckh(München): Ich bedaure nicht, daß ich vieles von den Vorrednern wiederholen muß. Denn diese Gleichheit der Zustände in den räumlich emferntesten Gegenden ist ein Beweis mehr für unsere Anschauungen. Wir haben uns sckon auf dem bayerischen Städtetag im Oktober zu Bamberg und ans der vom Mimstertum des Innern einberufenen FleischversorgungS- konferenz mit der Frage der Fleischnot besckäfttgt. Immer wird darauf hingewteseit, daß die bayerische Landwirtschaft in nonnalen Zeiten den Viehbedarf deS Landes zu decken vermag. ES wird aber dabei ganz übersehen, daß Bayern doch kein nach außen abgeschlossenes Wirtschaftsgebilde, sondern ein Teil des deutschen Absatzgebietes ist und daß ein Teil seiner Milchproduktion an andere deutsche Staaten geht. Deshalb ist Bayern an der mög- lickst ungehinderten Vieheinsiihr nicht nur auS seinen Nachbarstaaten Oesterreich, Schweiz und Italien, sondern auch aus Rußland, Däne- mark und Holland interessiert. Vom Münchener Markt wurden in jeder Wache 1000 Stück Großvieh nach westdeutschen Städten exportiert; jetzt ist dieser Export allerdings um 200 Stück zurück- gegangen. Die Zahl der Schlachtungen ist in den ersten zehn Monaten diese« JahreS gegen das Borjahr in München zurück- gegangen: an Ochsen tim ILOO Stück, an Schweinen um 11514 Stück. Dazu kommt das Mindergewicht und die geringere Oualität der Schlackttiere. Bei den hohen Marktpreisen bringen die Landwirte die Tiere zum Teil halbgemästet auf den Markt. Darunter muß natürlich auch die Nachzucht volllvertigen Mastviehes leiden. Am 30. Oktober 1905 war in München der Viehpreis für Ochsen pro 50 Kilogramm Schlachtgewicht um 11— 13 M.. bei Schweinen um 10—13 M. höher, als am 31. Oktober 1904. Am 1. November 1905 waren die Fletschpreise für Ochsenfleisch um 7—10 Pf., für Schweinefleisch um 13—10 Pf. höher als im Vorjahre. In München betrug der Fleischkonsum in den Jahren 1880— 1890 noch auf den Kopf der Bevölkerung 90'/, Kilogramm' jährlich, 1904 betrug er nur uock 75 Kilogramm, und für 1905 muß ein weiterer Rückgang von 7 Kilogramm pro Kopf erwartet werdett. Nun wird versucht, die Händler, die Koinmissionäre, die Metzger und die tnangelhafteit Einrichtungen der Städte ftir die Fleisckteuerung verantwortlich zu machen. ES ist nicht in Abrede zu stellen, daß die Gewerbe- treibenden zuzeiten mehr Gewinn aus der Fleischversorgung gezogen haben, als im Jnter- esse der konsumierenden Bevölkerung gelegen hat. Wie sie aber die Schuld an den jetzigen Zuständen treffen soll, ist nicht einzusehen. Die Organisation des Biehhandels, des Metzgergewerbes und die Zusammensetzung der Stadtverwaltungen ist in Berlin, Dresden, Rüritberg und München durchaus verschieden. Ueberall aber herrscht die gleiche Fleischnot. Daraus geht hervor, daß die angezogenen Momente gar nicht ausschlaggebend sind, daß die Wurzel des Uebels in der ungenügenden Viehproduktion liegt. Weite Kreise haben bereits auf den Fleischgenuß verzichten müssen. Diese Unterernährung hat so schwere soziale, hygienische und ökonomische Schäden im Gefolge, daß die maßgebenden Stellen sich auf die Dauer der Frage nicht entziehen werden können. Oberbürgermeister K i r s ch n e r teilt mit, daß zwei Petitionen eingelaufen seien. Die eine, vom Deutschen Fleischerverband, will Stellung genommen sehen gegen die Anrcauitg einer kommunalen Fletschversorgung. Die zweite Petition ist von der Potsdamer Fleischerinnung und verlangt Abschaffung der Potsdamer Schlacht- steuer. Der Städtetag beschließt, zunächst in eine allgemeine Debatte einzutteten. Erster Redner in der Diskussion ist: Oberbürgermeister Wadehit- WeißenfelS, der schon auf dem letzten preußischen Städtetag Opposilion machte und der auch diesmal den Referenten und'deren Leitsätzen entgegentritt. Die Fleischteuerung werde nicht bestritten, die Ursache liege aber allein an der schlechten vorjährigen Futterernte.(Widerspritch.) Richtig sei es, daß das Uebel bekäitchft werden muß. Aber es handelt sich da um die Frage: mit welchen Mitteln? Alle drei Referenten rufen: öffnet die Grenzen I Ich bin mit vielen Millionen der An- ficht, daß das das ungeeignetste Mittel wäre.(Oho! Unruhe und Widerspruch.) Ja, meine Herren, ich stelle den nationalen Gesichts- Punkt voran.(Lochen.) Das Land muß das Vieh selbst produzieren. (Zurufe und Gelächter.) Das ist doch etwas ganz natürliches! Allerdings für den internationalen Handel ist das nicht natürlich. (Murren.) Aber ich sehe nicht ein, welches Interesse der Konsument haben sollte, das Vieh aus dem Auslande zu erhalten.(Zurufe.) Ich bestreite gar nicht die Berechtigung des Städtetages zu dieser Frage Stellung zu nehmen.(Rufe: Na also!) Ich meine aber, daß die Verteuerung der Wohnungen viel tiefer und dauernder an den Geldbeutel der Arbeiter greift, als die vorübergehende Fleisch- teuerung.(Lärm und Schlußrufe.) Sie wollen in das vom Bundesrat und Reichstag einmüttg— mit Ausnahme der Sozialdemokraten und Freisinnigen— geschaffene mühevolle Werk des Zolltarifs Bresche legen.(Großer Lärm I Schluß! Schluß I) Ich trete für alle Mittel ein, die die Viehproduktion im Lande verstärken können, wie Herabsetzung der Eisenbahntarife und Regelung des Auftriebes durch die Stadt, eine Maßregel, die daS nützliche und notwendige Fleischerhandwerk gar nicht schädigen kann. Wie Ruß- land, Amerika und England müssen wir ein wirtschaftliches Einheit«- gebiet werden, indem wir die Grenzen weiter stecken. Die Fleischnot wird den Gedanken einer mitteleuropäischen Zoll» union fördern:„Nach außen begrenzt, nach innen unbegrenzt". Stadtverordneter und Landtagsabg. Justizrat Cassel- Berun: Ich war nicht darauf gefaßt, hier solche Ausführungen wie die des Vorredners zu hören. Um so stärker empfinde ich die Notwendigkeit, ihm entgegenzutreten. Ich anerkenne seine Offenheit, aber die Art, wie er Gegnern, die das gleiche Recht haben, auf dem Städtetage ihre Ansichten zu vertreten wie er, einseittg entgegentrat, konnte die Würde des Stadtetages nicht erhöhen und war nur möglich auf dem Hintergründe einer bestimmten politischen Partei.(Lebhafte Zu- stimmung.) Einige Zeitlang hatte ich die Illusion, nicht nur räumlich, sondern auch tatsächlich im preußischen Abgeordnetenhause zu sein (Heiterkeit.) und eine Rede von der Seite zu hören, auf der jetzt der Vorredner sitzt.(Erneute Heiterkeit.) Ihm wird ja der Landwirtsckastsminister das Kompliment nicht vorenthalten, vollkommen objektiv die Frage geprüft zu haben.(Heiterkeit.) Die agrarischen Verbindungen, die ver Vorredner vermißte, bestehen ja im stärksten Maße; sie haben ihre Interessen und Forderungen jetzt zum größten Teile bei der Regierung durchgesetzt. Und da sollten wir nicht das Recht haben, wenn Reichskanzler und Land- ivirtschastsministcr sich unseren berechttgtcn Anforderungen gegenüber so verhalten, ans die Not und das Elend des Volkes hinzuweisen? (Sehr gut!) Daß viele selbständige Fleisckermeister ihren Betrieb einstellen mußten, ist noch da» geringste Uebel. Aber die Aerzte er- blicken schon in diesem Umfange der Teuerung eine Gefahr für die VollSgesundheit. Da müssen die Städte erklären, daß die Jnter- effcn der städttschen Bevölkerung Schaden nehmen. Die vorgelegten Resolutionen verlangen Herabsetzung der Zölle aus Futtermittel. Warum nicht auch der Viehzölle? Wohl könnten mittels der Borschläge dieser Leitsätze vorübergehend gewiffe Er- leichtermtgeit geschaffen werden, aber dauernde Abhülfe aus dem. was bevorsteht, zu schaffen, sind sie nicht geeignet. Trotz der Grenz- Öffnung würde bei den ausS Dreifache erhöhten Viehzöllen an ein Herabgehen der Preise nicht zu denken sein. Deshalb hat auch der Berliner Magistrat vom Staatsministerium die Aufhebung oder Herabsetzung der Viehzölle verlangt. Stadtverordneter Karl Marx- Frankfurt a. M.(Vorsitzender de« Deutschen Fleischerverbandes) nimmt die Viehhändler und das Schlächtergewerbe in Schutz. Die teuren Schweinepreise brächten dem kleinen Mann, der sich sein Schwein heranzüchte, auch keinen Vorteil, da der Ferkelverkauf sich siir ihn dementsprechend verteuere. Wenn maßgebeitde Stellen den Deutschen Städtetag auch heute nicht mit ihrer Anwesenheit beehrt hätten. sei doch zu hoffen. daß die Verhandlungen hier mindestens davon überzeugten, daß das deutsche Volt schwer unter der Fleischnot leide.(Bravo!) Zweiter Bürgermeister Fahrig- Münster hat einige gmnd- sätzliche Bedenken gegen die Verallgemeinerungen im ersten Teil der Resolution. Es dürw nicht gesagt werden: die deutsche Landwirt- schaft sei nicht in der Lage. daS notwendige Vieh zu produzieren. Früher habe man ja auch gesagt: die deutsche Industrie könne keine Maschinen bauen, die müßten in England gekauft lverden. Tausende von Hektolitern Zerealien würden in Deutschland zur Spiritus- fabrikatton verwandt; Fleisch sei aber notwendiger als SpiriiuS. Die Städte hätten auch ein vitales Interesse daran, daß die Hälfte der deutschen Bevölkerung, die nicht in den Städten wohne, kauf- kräftig sei. denn der innere Markt sei doch der sicherste. Der zweite negattve Teil der Resolution sei ein Mißtrauensvotum; ob es Ein- druck macken �verde, sei sehr zweifelhaft. Stadtv. Singer: Mit den Vorträgen der Referenten bin ick im allgeiiteiiteit einverstanden. Aber sie haben wohl in dem Bestreben. möglichst wenig anzustoßen, die Ursache« der Lebensmittelnot nicht sckarf genug bezeichnet: sie liegen in der agrarischen Raubpolittk, tue in Deutschland betrieben wird.(Unruhe.) Diese ganze agrarische Politik, die jetzt im materielle» Interesse einer Klosse gemacht wird, ist umso verwerflicher als dieselben $ v, trcläc die Klinke der Ciesehsicdunst in der Hand haben, sie s'- i'ianchcn, nm Gesetze in ihrem Interesse 511 madjen. Warnen r.' ci- möchte ich Hon vornherein, dah man sich Illusionen macht, als » d noch so sachliche AuSsührungen irgend welche Einwirkung auf die nn agrarischen Fahrwasser sick> üelvegcnde Politik der Regierung hat. Gegenüber dieser verbrecherischen Politik hätte ich eine schärfere Fassung gewünscht(Murren). Der Herr Oberbürgermeister ans WeißenfclS hat gemeint, das', der Konsument nicht Wert darauf lege, ausländisches Fleisch zu erhalten. Das ist richtig. Dem Konsumenten ist „nationales Fleisch" ebenso lieb. Aber es kommt darauf an, dag er billiges Fleisch erhält. Wenn das Inland dazu nicht im stände ist, so wird ihm im Interesse seiner Familie das ausländische Fleisch lieber sein, als aller nationale Chauvinismus(Beifall). Singer wendet sich gegen Absatz 4 der Thesen. Ivelcher die Fleischversorgnng durch die städtische� Verwaltung verwirft. Man könnte aus seiner Gegner- schast vielleicht auf eine Seelenverwandschaft mit dem ersten Diskussionsredner, der dieselben Einwendungen gemacht hatte, schlichen. Da könne er nur rufen: Gott schütze mich vor meinen Freunden.(Heiterkeit.) Er teile hierin den Standpunkt des Herrn Wadehn, aber aus ganz anderen Motiven! Die Bedenken des Referenten gegen die Tätigkeit der Gemeinden verniag ich nicht zn teilen, selbst ans die Gefahr hin, in diesem Falle als ein Bundesgenosse des Herrn Reichkanzlers angesehen zu werden. Um so mehr halte ich diese Mahnahme für nötig, als wir von der Re- gicrnng kein Entgegenkommen zu erwarten haben und als an- gesichts der Zoll- und Handelspolitik eine Herab- Minderung der Preise nicht zu erwarten ist. Da mich doch ans der Initiative der Städte der Versuch gemacht werden, ob nicht zur Verminderung der Teuerung ihrerseits beigetragen werden kann. Ich muh mich lvundern, daß Sie, die Vertreter des Manchestertums, die freie Konkurrenz der Städte auf dem Markte der Fleischversorgnng perhorreSziereu, Das ist das einzige.Mittel, das die Städte bei der gegenwärtigen Negierungspolilik haben. Man sollte sich hüten, den städtischen Verwaltungen die Fähigkeit, solche Betriebe zu leiten, abzusprechen. Dazu liegt gar kein Änlah vor. Ich und meine Freunde, die hier in größerer Zahl im Saale sind, werden gegen Absatz 4 stimmen. Mein Kollege Cassel hat scbon auf den Mangel hingewiesen, das; in den Leitsätzen nur von der Ermäßigung der Zölle und Eisenbahntarife für Futtermittel die Rede ist. Ich stimme ihm darin zu, daß das alles nur Palliativ- mittclchen sind. Die Fleisch- nich überhaupt NahrungSmittclteuerung hat ihre Ursache in unserer Zoll- und Handelspolitik.(Widerspruch.) Ter Städtetag hätte allen Anlaß diese Ursachen scharf hervorzuheben. Wir müssen scharf aussprechen: die Ursache der Teuerung liegt an den Lebens in ittelzöllen.(Oho! Nein l Schluß!) Auch Leitsatz 6 ist nicht scharf genug. Dieser Regierung gegen- über könnten wir mit etwas schärferem Geschütz auffahren. Diese Politik übt gegenüber der breiten Masse eine vernichtende Wirkung nuS.(Oho!) Jawohl, die große M a s s e d e r st ä d t i f ch e n Bevölkerung wird durch die Zollpolitik in ihrem Lebensinteresse, in ihrer Ernährung und Gesundheit geschädigt.(Beifall und Widerspruch.) Einer der Herren hat gemeint, wir sollten uns vor einem Volksversammlungston hüten. Nun, da? Votum einer Volksversannnlung kann sich dreist dem Votum des Städietages an die Seite stellen.(Oho I Großer Lärm.) Na. schließlich ist doch der Städtetag nichts weiter als eine Vertretung dieser Lolksversamm- lungen.(Lachen.) Jedenfalls müssen wir dieser Regierung offen sagen, daß ihre Politik zum Ruin der breiten Massen führt: dieser Regierung, die für die Agrarier alles Entgegenkommen, für die Vertreter der Städte nur kühle Abweisung, höchstens ein paar Witze hat. Die Städte müssen alle Mittel ergreifen, um den Raubzug der Agrarier von ihren Toren abzuhalten.(Beifall und Widerspruch.) Oberbürgermeister K i r s ch n e r: Wenn der Vorredner den Aus- druck„verbrecherische Politik" auf die gegenwärtige Regierung gc- braucht haben sollte, so müßte ich ihn als unparlainentarisch zurück- wrisen.(Bravo!) Oberbürgermeister Bender- Breslau: Die Leitsätze sind so ge- halten, daß wir alle ihnen zustiinmen können, vielleicht mit Aus- nähme des Herrn Kollegen aus Weißenfclö, der hier agrarische Ge- sich tS punkte vertrete» hat, und des Herrn Singer. Die Reso- lrilion sagt übrigens nichts dagegen, daß die Städte es mit der Mästung von Schweineu versuchen. Nach meinen Erfahnuigen mästen'wir allerdings sehr teuer. Herr Singer mag nicht davor zurückschrecken, den Städten die Fleischversorgung zu übertragen: er würde auch nicht davor znrück>chrccken, der Stadt die Verwaltung des gesamten Grundbesitzes zu übertragen. Aber wir schrecken davor zurück. Der Herr Kollege aus Münster ist mit einem„Mißtrauensvotum" nicht einverstanden. Wenn wir aber so schwachmütig und so unsicher in uns selbst sein wollen, von dieser Mißbilligung abzusehen, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn wir als ouantitä neKÜxeabls behandelt werden.(Bravo I) Landtagsabgeordneter Ulrich-Lffenbach: Die Mäßigung der Leitsätze soll gerade ihre Schärfe sein. Mit solchen Wortspielen können Sie den Agrariern nicht an die Wimpern klimpern.(Heiterkeit.) Die ganze Verhandlung der Vertreter deutscher Städte hat uns sehr enttäuscht. Wir hätten vom Bürgertum andere Töne erwartet. Der Ton macht die Musik.(Lachen.) Hier sind die Plätze der Re- gierung leer.(Zurufe: Sie ist gar nickt eingeladen!) Zum Bund der Landwirte kommen die Herren Landrätc auch ohne Einladung und sind auch als Privatpersonen Sprachrohre der Vlllow und Podbiclski. Ob die Sprache der Resolution zu schwächlick ist, ist ja Sache der Auffassung.(Lachen,) Aber eine iveitere Abschwächung der Resolution würde'ihren eigentlichen Protcstzlvcck gänzlich vcr- eiteln. Unter der Fleischnot leiden auch weite Kreise der ländlichen Bevölkerung. Die Landwirtschaft hat von den Agrarzöllen gar keinen Vorteil,(Rufe: Zur Sache!) Die Mehrheit der landwirtschaftlichen Bevölkerung hat nur Nachteil von_ dieser Agrarpolitik,(Vielfache Rufe: Zur Sache! Zur Sache!) Sic fft nichts weiter als die Erfüllung junkerlicher Wünsche.(Zur Sache! Zur Sache!) Wenn Sie glauben, daß auf Ihre Resolution hin die Re- qierullg ihre Politik ändern wird, irren Sie sich ganz gewaltig, Das wird nicht eher anders werden, als bis nicht die Masse des deutschen Volkes bei den R-ichstagswahlen(Stürmische Schlußrufe und: Zur Sache! Zur Sacke!> Die Arbeiterklasse hält von dieser ganzen Verhandlung sehr wenig: für uns ist die Beseitiauug aller Zölle und Sperren die Hauptsache. Mit„wenn" und„aber", mit„möglichst" und„tunlichst werden Sle nichts erreichen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Neichstagsabg, G 0 t h e i n- Breslau: Außer„Religion ist wohl noch kcul Wort so gemißbraucht worden wie„national". Der schlimmste Mißbrauch aber ist. vom„nationalen" Schwem zu sprechen!— Die Vorschläge des Herrn Bürgermeisters von Weißen- fcls tragen zur Beseitigung der Flcischnot allerdings nichts be»: billigere Eisenbahntarise schaffen nicht ein Schwein mehr. Daß die Grenzen gegen dänisches, niederländisches und belgisches Vieh ge- schloffen sind, ist einfach ungesetzlich. Wer durch billiges Fleisch dafür sorgt, daß dein dculschei, Volke seine Gesundheit erhalten bleibt, der ist wahrhast national.(Beifall). Ein Schlußantrag wird mit großer Mehrheit angenommen. ES folgen dann lurze Schlußworte der Referenten. � Bei der Abstimmung werden Leitsätze 1 und 2 einstimmig an- aenommcn, gegen 3 und 5 stimmte nur Oberbürgermeister Wadehn, dem sich bei Leitsatz 6 Bürgermeister Fahrwich� und acht iveitere Herren, bei Leitsatz 4 Abg. Singer und die übrigen vier oder fünf sozialdcmokralischen Delegierten anschlössen. Bei der darauf- folgenden Gesaintabstimmung' stimmte nur Herr Wadehn gegen die' Leitsätze,. am n Zum Punkt 3 der Tagesordnung: Auslegung der§§ 2, 4 Abs. 2, 5, Abs, 2 der Satzungen hinsichtlich der G e m e i N d e v e r b a n d e wurde vom Vorstände eine Interpretation gegeben, über die sich eine längere Debatte entspann. ES handelt sich darum, daß Städte, die als solche und als Mitglieder von Gemeindeverbänden Teilnehmer des Städtetages sind, in Zukunft nur einfache Beiträge sollen zahlen brauchen; so wird beschlossen. Punkt 4 der Tagesordnung ist die Wahl der Stadt, in welcher die Zentralstelle errichtet werden soll. Mit großer Mehrheit wurde Berlin gewählt. Zum Schluß wurde der Vorstand deS Städietages gewählt und zwar wurden auf Vorschlag per Akklamation gewählt die Oberbiirger- meister Ki rf ch n er- Berlin, Becker-Köln, Dr. Beutler- Dresden, A d i ck e s- Frankfurt a. M., Sch netzler- Karlsruhe, Struckmann- Hildesheim, G a u tz- Stuttgart, Bender- Ares- lau. Back- Straßbnrg i. Elf,, die ersten Bürgermeister v, B 0 r s ch t- München, v. Schuh- Nürnberg soivie Stadtrat Namslau- Berlin, Außerdem wurden eine Anzahl Herren als Stellvertreter geivählt: u. a, Fuß- Kiel, Beck- Chemnitz, Schneider- Magde- bürg, B e ck- Mannheim. T r a m m- Hamivver, E h l e r s- Danzig, Körte- Königsberg i. Pr. Mit einem Dank an den Präsidenten des Abgeordnetenhauses, der die Räume zur Verfügung gestellt hatte, schloß Oberbürgermeister K i r s ch n e r um 4Vz Uhr den ersten deutschen Srädtetag. Versammlungen. _ Der MctiiLarbeitcr-Bcrband(Verwaltungsstelle Berlin) hielt ain Sonntag in der„Neuen Welt" eine wieder sehr stark besuchte außer- ordentliche Generalversammlung ab. Es war dies die Fortsetzung der Versammlung vom 12. November, wo die Differenz der Rohr- leger und des früheren zweiten Bevollmächtigten Wicsenthal mit der OrtSverwaltnng behandelt worden. In der Zwischenzeit hatte nun die Agitationskommission der Rohrleger bei der mittleren Orts- Verwaltung einen Antrag auf Ausschluß von Cohen, Wücke und Horn aus der Organisation gestellt. AIS Cohen jetzt die Vcr- sammlnng eröffnen wollte, erfolgten hauptsächlich aus den Reihen der anwesenden Rohrleger, so heftige Protestrufe, daß er nicht weiter sprechen konnte. Durch den Protest sollte Cohen zum Verlassen der Versammlung veranlaßt werden, ähnlich so wie Wiesenthal zum Verlassen der Versammlung durch Einspruch vom Vorstands- tisch und aus der Mitte her veranlaßt worden war, weil daS AuSscklußverfahreii„schwebe". Erst als später der mit- anwesende VerbandSvorsitzende S ch lfi ck e aus Stuttgart die verlagte Versammlung nochmals eröffnete, legte sich die Erregung. Der jetzige zweite Bevollmächtigte H a n d t k e machte dann die Mitteilung, daß die mittlere OrtSverwaltnng den Antrag der Rohrlcgcrkommission, Cohen, Wücke und Horn aus der Organisation auszuschließen, an die Antragsteller lvicdcr zurückgeschickt habe, weil derselbe in keiner Weise begründet gewesen sei. Hierauf kam schließlich auch der erste Bevollmächtigte Cohen zum Worte, der nun die Ursachen der Differenz mit den Rohrlegern sowie des Ausscklußvcrfahrens gegen Wiesenthal schilderte, wobei er mit Nachdruck erklärte, daß die Ortsverwaltung vollkommen korrekt gehandelt habe. DieS sei auck vom Hanptvorstand in Stuttgart anerkannt worden, denn der Haiiptvorstand habe jetzt definitiv beschlossen, Wiesenrhal aus dem Metallarbeiter- Verbände auszuschließen.(Bewegung, Rufe: Wiesenthal ist ja gar nicht gehört worden! KabinettSjustiz!) Im Verlaufe seiner weiteren AnSfübrungen bemerkte Redner sodann, daß der- ariig unmotivierte AuSschlußanträge, wie sie gegen ihn, Wücke und Horn gestellt seien, einfach einen groben Unfug bedeuten. Wohin solle es führen, wenn jemand, gegen den ein begründetes Ansschlußverfahren schwebe, dann seinerseits einen völlig unmotivierten Allsschlußantrag gegen ihm mißliebige Personen veranlaßt, mir in der Hoffnung, deren OrganisaiionSrechte dadurch eine Zeitlang lahmzulegen,(Rufe: Von Dir gelernt I) Schlicke erklärte hierauf, daß die Beschwerde der Rohrleger, gegen die Ortsverwaltung vom Hauptvorstande genau geprüft werden würde. Darauf legte sich die Unruhe der Versammlung, und eS wurde gegen 12 Uhr beichlosien, nunmehr in die eigentliche Tagesordnung einzutreten. ES begann die Aussprache über die Aussperrung in der Elektro- Industrie, Cohen gab zunächst eine chronologische Darstellung der AnS- sperrunaSvorgänge und rechtfertigte dann die Taktik der Zentral- streikleitnag. Hierbei gab er seinem Bedauern Ausdruck, daß in den verschiedenartigen Versammlungen, die sich mit den AuSsperrungs lehren beschäftigt haben, eine Anzahl Komitee- Mitglieder nicht einmal den Mut gehabt hätten, für die von ihnen mitgefaßten Beschlüsse der Streikleitung gerade zu stehen. Erst hätten sie bei der Festlegung der Abwehrtaktik mitgcwirkr, um dann bei der allgemeinen Kritik, die sich ja vornehmlich gegen den Metall- arbeiter-Verband richte, kräftig mit zn kritisieren. Ein solches Spiel werde er nicht mitmachen, viclmchr fühle er sich Manns genug, die ivohlerwogene Taktik der Streikleitung in jedem Punkte zu ver- leidigen. Den berufenen und unberufenen Äritikerii könne er nur sogen: Kritisieren ist leichter wie Beffermachen! Wohl gäbe es Situationcn, wo ein Kampf aufgenommen werden müsse, selbst wenn die Anösichlen auf einen Erfolg von vornherein nur gering seien. Das sei auch hier geschehen. Die Unteriiehmer hätten eben unter allen Umständen aussperren wollen, deshalb auch die unawiehmbarm Bedingungen, die sie anfangs stellten, Als sie jedoch sahen, daß die Arbeiter einen Kampf der bedingungs- losen Wiederaufnahme der Arbeit vorzogen, seien die bekannten ge- ringen Zugeständnisse gemacht worden, deren Annahme nach Ansicht der Streikleitung eben besser gewesen wäre, als es zur weiteren Aussperrung kommen zu lassen. Ihn persönlich hätten besonders drei Gründe zur Beilegung deö Kainpfes bestimmt: Erstens d e r Mangel an Geld, zweitens die ungenügende Organisation der Ausgesverrten und drittens die OrganisationS- zersplitterung, die eine einheitliche Streikführnng so out wie unmöglich machte. Die Kasse der am stärksten beteiligten Organi- satio», des Metallarbeiter- Verbandes, sei durch die Ictztjährigen großen Kämpfe in Berlin, Bayern. Sachsen, Schlesien, im Rhein- land, an der Unterwescr und in Schleswig- Holstein derartig ge- schwächt gewesen, daß die Mittel zu einer entscheidenden Auseinandersetzung mit den Kühncmännern eben nicht vor- Händen waren. Wenn gesagt Ivnlde, die Ausgesperrten sollten soviel Idealismus besitzen, um während der ersten 14 Tage oder 3 Wochen auf Streikunterstützung zu verzichten, so höre sich das zwar sehr schön an. sei praktisch jedoch undurchführbar. Wer das wolle, möge es erst selber vormachen. Sei es doch Tatsache, daß in der letzten Anssperrungswoche schon eine erhebliche Anzahl der- jenigcn, die wegen Nichtzugehörigkeit zur Organisation nur eine geringe Unterstützung bekommen konnten, bereits recht bedenklich zu wackeln aiisina. Welche Riesensummen wären aber zn längerer Fort- führung des Kampfes nötig gewesen, und wie sollten sie beschafft werden! Den Mitgliedern die Zahlung doppelter Bciträc>e znzu- muten, sei nicht angängig gewesen, weil diese in den verschiedensten größeren Orten zur Bestreitung der dortigen Kampfkosten ohnehin schon alle mehr oder minder lange doppelt Beiträge gezahlt hatten. Die Generalkommission zur Ausschreibung öffentlicher Sammlungen zu veranlasien. habe auch seinen Haken gehabt. Ucbrigens hätte der Generalkommission dann auch ein Mit- ocstiinmungSrecht über die Kampfführung eingeräumt werden müsien, das hier zweifellos zum Entscheidungsrecht geworden wäre, und: hier seien doch schon Köche genug beim Brei gewesen. Jedoch abge- sehen von alledem habe das Organisationsverhältnis der Ausgesperrten aber geradezu alles zu wünschen übrig gelassen. Von 33 000 Ausgesperrten waren nur rund 17 000 organisiert, davon 11 318 im Metallarbeiter-Verband, und von diesen waren wieder nur 40 Proz, vollberechtigte Mitglieder, während mehrere Tausend erst nur wenige Wochen der Organisation angehörten. Den Mahnruf der Verbands- leitung, durch rechtzeitigen Beitritt zur Organisation� die Voraussicht- lichc entscheidende ÄuSesiiändersetzung mit den Kühnemännern genügend vorzubereiten, hätten also gerade die Arbeiter und Arbeiterinnen dieser Elektrowerke außerordentlich schlecht befolgt. Da aber nur mit einer gut geschlossenen und gut disziplinierten Truppe ein Kampf von solcher Aus- dchnnng erfolgreich durchgeführtwerden könne, soseisiebei nüchterner Be- trachtung der Dinge und kühler Beurteilung der gegensciligen Kräfte- Verhältnisse die Haltung der verantwortlichen Streikleitung in der Hauptsache jedenfalls zu billigen, nicht aber ohne nähere KeinitmS der Dinge in Grund und Boden zu kritisiere».(Redner erklärte, damit seinen Vortrag wegen Erschöpfung abbrechen zu müsfeu.) Ein Antrag auf Vertagung wurde abgelehnt. In der Diskussion war Wittenberg der Meinung, daß eine Kritik jetzt eigentlich nur wenig fruchtbringend sei. Ter Ausgang der Aussperrung er- fordere jedoch dringend die Einführung einer neuen Kampftaktik. Nicht Defensive, sondern Offensive müsse es in Zukunft heißen. Die Mitglieder aber müßte?: dahin erzogen werden, wenigstens für eine Woche auf Unterstützung zu verzichten. In Zeiten der Arbeitslosig- keit sei so mancher doch auch wochenlang auf sich selbst angewiesen. Vor allem aber sei es notwendig, mit der ganzen Gewerkschaftsbewegung „mehr nach links" zn rücken. Das Wort„neutral" müsse bei" den Gewerkschaften und besonders beim Mctallarbciter-Vcrbande über- Haupt verschwinden. Die Zuspitzung der Gegensätze zlvischcn Arbeit und Kapital erfordere es, daß sich der Verband offen als sozialdcmo- lratische Gewerkschaft bekenne.(Beifall) Eichholz bemängelte, daß sich die Aussprache über die Aus- spcrrung so lange verzögert habe. DaS Streikkomitee habe den Kampf regelrecht abgewürgt, bevor eS ganz zur wirklichen Kraft- probe gekoinmen fei. Wemr die Geldinittel knapp waren, so hätte man sich an die Partei wenden sollen. Es sei einmal Tat- fache, daß die von der Partei arrangierten Geldsamm- lnngen stets ein besseres Ergebnis zeitigen, als wemr die Gewerkschaften solche Sammlungen in die Hand nähmen. Bei der Partei klappe es besser. Von den Gegnern würde ja doch ohnehin immer gesagt, daß die Partei bei jedem Streik ihre Hand im Spiele habe. Weshalb denn die Partei so ängstlich ausschalten? Cohen scheine aber eine direkte Angst davor zu haben, als Sozialdemokrat betrachtet zn werden. Auch der„Vorwärts" müsse bei solchen Kämpfen besser informiert werden, damit er nicht hinter der bürger- lichen Presse nachzuhinken brauche. Die Arbeiter hätten ein Recht darauf, durch ihr Blatt rechtzeitig unterichtet zu sein, andemsallZ würden sie ja geradewegs zum Lesen der gegnerischen Presse ge- zwiliigcn. Statt dessen aber lasse man den„Vorwärts" über die Vorgänge im Dunkeln und informiere das Wolffsche Telcgraphen- bureau. Das dürfe in Zukunft nicht wieder vorkommen.(Beifall.) E i S 11 e r stimmte den beiden Vorrednern zu. Stricker ist der Ansicht, daß die Streikleitung von Anfang an Fehler gemacht habe. Es sei in den früheren Versammlungen immer gepredigt worden, daß eö in nächster Zeit zu einem großen, entscheidenden Kampf mit den Kühiieniänncrn kommen werde. Des- halb habe auch jeder geglaubt, die Entscheidung sei jetzt da. Alles habe förmlich darauf gebrannt, daß sämtliche Arbeiter aus den Be- iricben herausgezogen würden. Was die Geldftage anbelange, so sage er: für solche Riesenkämpfe würden niemals die erforderlichen Summen aufgebracht werden können; auch die bestgefülltcste Kasse müsse demgegenüber versagen. Darum müsse auch un- bedingt der Idealismus mehr gepflegt werden. Provozieren die Unter- nehmer einmal solche Kämpfe, dann dürfe nicht wieder wie hier eine Taktik der Zaghaftigkeit eingeschlagen werden. Lieber eine ehrliche Niederlage bei energischer Offensive, als ein solches Ergebnis bei der ewigen vorsichtigen Abiviegelei. Große Klassen- kämpfe erforderten auch die strikte Hervorkehrnng des Älassenkampf- charakters. Was wolle man denn machen? Geld habe man keins, der Ruf nach mehr Idealismus aber werde als Phrasendrescherei bezeichnet. Wolle man denn immer demütig zu Kreuze kriechen und sich schließlich noch Erfolge andichten, wo gar keine vorhanden seien? Uebrigens habe es ihn recht eigentümlich berührt, daß Cohen sagte, wenn die Generalkommission angegangen worden wäre, so hätte sie ein Mitbestimmungsrecht, vielleicht gar das Entscheidungs- recht über die Kampftaktik in die Hand bekommen. Diese Aeußening lasse Spielraum zu den weitgehendsten Deutungen. Soviel sei ihm klar: Man möge die Dinge betrachten wie man wolle. so stehe doch nach dem Verlauf der Aussperrung fest, daß der zentralen wie auch der örtlichen Verbandsleiwng von den Mitgliedern eine andere Richtschnur für ihr ferneres Verhalten gegeben werden müsse und nicht umgekehrt, so wie es jetzt geschehe. Redner wandte sich dann scharf gegen die Schreibweise der„Mctallarbeitcr-Zeitung" über die Aussperrung, wobei er bemerkte, mit solchen Artikeln möge die Stuttgarter Redaktion vielleicht in der Provinz Anklang finden, jedoch nickt in Berlin, wo der Arbeiterschaft auch noch durch anders Organe Aufklärung gebracht werde, als durch die„Metallarbeiter- Zeitung". Alsdann verlas er eine Resolution, die eine Mißbilligung des Verhaltens der Streikleitung enthält und ersuchte um Annahme derselben.(Beifall.) B e t h g e führte au«, die Niederlage stehe fest; daran sei nun einmal nicht zu deuteln. Er stehe auch nicht an, zu erklären, daß der„Vorwärts"-Artikel. gegen den Cohen in einer Einsendung polemisiert habe, den Nagel auf den Kopf getroffen habe: jedoch ii'i dem Moment, wo er erschien, sei er deplaziert gewesen. Der Haupt- fehler sei gewesen, daß nicht sofort, als die Werke mit der Ans- sperrung begannen, sämtliche übrigen Arbeiter di� Betriebe mit hinausgezogen worden feien. Hieraus resultierten dann alle weiteren Fehler der Streikleitung: die Geschichte sei der Streikleitung einfach über den Kopf gewachsen gewesen. Freilich sei es sebr fraglich, ob es irgend eine andere Streik- leitung besser gemacht hätte. Doch das intcr- cssierc auch garnicht. Hier komme es eben darauf an, sachliche Lehren aus dem Kampfe zu ziehen, und die sprächen eben gegen die in Frage stehende Kampftaktik. Für ihn ergäbe sich daraus aber die Notwendigkeit, eine Reformierung des Verwaltungs- apparats von Grund aus zu empfehlen. Aber auch den Arbeitern der Werke könne der Vorivurs nicht erspart bleiben, daß sie alle Mahnungen der Organisationsleitung, sich im Hinblick auf die»nver- ineidliche GeneralauSeinaildersetzung mit den Kühnemännern rechtzeitig de?» Verbände anzuschließen, so betrübend in den Wind geschlagen hätten. Nicht mit der momentanen Begeisterung allein sei eS getan, sondern die notwendigste Vorbedingung zu einem erfolgreichen Kanipfe sei und bleibe eine in der Organisation gut geschulte Masse. (Beifall.) Hierauf nahm der VerbandSvorsitzende Schlicke ans Stuttgart das Wort. In längerer Rede führte er aus, er hätte nicht geglaubt, daß sich die Diskussion in solcher Richtung bewegen würde.(Lachen, Zurufe.) Der Vorstand gebe sich die größte Mühe, die Strömungen innerbalb der Organisation zn studieren und zu beobachten, um dann den guten Kern ans den Meinungen der Mitglieder herauszuschälen. „allerdings uns e r e r Ueborzeugung gemäß".(Unruhe. Rufe: Oho!) Aber es sei doch klar, daß die Leitung unter sachgemäßer Prüfimg und Abwägung aller in Betracht kommenden Umstände nach einem bestimmteil Prinzip handeln müsse, so wie es sich die Organi- satton selbst gegeben habe. Sei doch von allen Rednern betont worden, daß der Komps mit einem besseren Ergebnis nicht beendet werden konnte, weil es der Organisation sowie den am Kampfe Beteiligien überhaupt an der inneren Stärke gefehlt habe. Was wäre ivohl unter solchen Umständen geschehen, wenn die Unternehmer nach einer gewissen Zeit die Fabriktore geöffnet hätten? Es werde inimer gesagt, der Vorstand wolle den Idealismus ersticken. Nichts falscher wie das. Wer habe z. B. die Berliner daran gehindert, aus Idealismus auf die Streikunterstützung zu(verzichten? Kein Mensch(Heiterkeit.) Dem Vorstande könnten wirklich idealistisch durchglühte Klassenkämpfer doch nur lieb sein! zn um so größeren Kampfesopfeni seien sie dann bereit. Doch der Borstand habe seine Erfahrungen gemacht. In der Praxis komme es inimer etwas anders, als sich einzelne Idealisten selbst unter dem Beifall einer Anzahl ihrer Mitkollegen die Sache dächten. Man müsse die Menschen eben nehmen wie sie seien, und nicht wie man sie haben möchtc. Deshalb glaube er ebenfalls nicht daran, daß der Verzicht ans Unterstützung bei der Masse prakttsch durchführbar sei. Bei' dem Kampf sei die tatsächliche Machtstellung der Elektromagnaten unterschätzt worden. Dank ihrer Monopolstellung sei diese Katagorie deS UnternehnierttunS auf ein Zusammengehen mit den Kühne- mäiinern gar nicht angewiesen. Sic kviintcn tatsächlich alleine fettig werden, und mit dieser Tatsache sei auch zu- künftig zu rechnen. Ferner war zu erwarten, daß bei einem offensiveii Vorgehen der Arbeiter der Brand sozusagen über ganz Deutschland ausgedehnt werden konnte. Um den Kampf aber auf der ganzen Linie init der erforderlichen Entschiedenheit ausnehmen zu können, dazu, das müsse offen eingestanden werden, sei der Vcr- band zurzeil noch nicht stark genug. Der Vorstand konnte eS nicht verantworten, daß um dieses Kampfes willen etwa die Gesamt» organisation auf längere Zeit hinaus aktionsunfähig gemacht worden wäre. Deshalb die Zurückhaltung, die er sich auferlegen mußte. Was die eingebrachte Resolution anbelange, so glaube er nicht, daß dieselbe, falls sie angenommen würde, außerhalb Berlins eine andere Stimmung, als wie sie gegenwärtig herrsche, hervor- bringen dürste.(Widerspruch.) Sie könnte höchstens nur V e r stimmung erzeugen. Jedenfalls aber werde sie den Vorstand nicht davon abbringen, auch fernerhin seine Entschlüsse nur auf Grund reiflicher Prüfung und sorgfaltiger Abwägung der gegen- feiligen Krastverhälmisse, nicht aber nach momentanen Stimmungen zu treffen.(Vereinzelter Beifall.) Hierauf wurde die Debatte der vorgerückten Zeit halber bis zur nächsten Versaminlung vertagt. Persönlich bemerkte Cohen, er könne zur Beruhigung der Kollegen mitteilen, daß er aus Ueberzeugung Sozialdemokrat sei, und das vielleicht länger wie manche derjenigen, die ihm den Vor- Wurf machten, daß er womöglich nicht als Sozialdemokrat betrachtet werden wolle. Gesinnungslumperei treibe er nicht. Wäre er nicht Sozialdemokrat, dann würde er nicht feit Jahren der politischen Organisanon angehören._ Sitzung haben Dienstag: Sozialdemokratischer Zeiitral-Züahlvcrein für den Reichstags- Wahlkreis Züllichau-SchwiebuS-Kroisen-Iommerfeld. Versammlung jeden Dienstag nach dem 8. im Monat bct Patt, Dragoncrsw. 15. Arbciter-Raucherbund Berlins und der Umgegend. Aenderungen im Vercinskalendcr sind»u richtcn an Adolf Braun. Berlin, Liebenwalder- s kratze 50, IT.„Gemütlichkeit IV", Friedrich, Franksurter Allee 198.— ..Ambalcma", Uckel, Forslerswatze 19.—„Eldorado", kschicstc, Grüner Weg 129.—.Feste Brüder Moabit", Schätz, Brcmerswatze 7t.— .Veilchenblau", Loppow, Prenzlauer Allee 296.—„DewctS Eiserne Pfeife", Etiler,«chulstr. 5.—„Zukunst", Neuendorf, Ncu-Wcitzensee, Friedrich- slroze 5.—.Neuer Berliner", Stcfsan, Wienerstr. 31.—.Gesundbrunnen", Mädel, Ackcrslratze 68.—„Volldamps". Wachs, Münchcbergerstrahc 8.— .Domingo", Rohloss, Waldemarstr. 16.—„Victoria", Hcidcr, Vorbaaciierstr. 21. „Rauchlös", Stein, Ripdorf, Ziethenstr. 3.—„Unverzagt", 5kaschinsky, Frieden- stratze, Ecke Koppenstratze.—„Neuer Hain", Techtmcier, Langcnbcckjlr. 7.— „Excclsior", Donner, Lübbenersw. 23.—„Ruhiga", Herzog. Britzerslr. 46.— „Weichselduft III". Rönning, Weitzensee, Elsatzstr. 49.—„Gemütlichkeit I". Gläser. Mantcuffelstr. 191.—.Geknickte Rippe", Wagner. AndrcaSstr. 34.— „Tabak zur Asche", Fäckcl, Ebarlottcnburg, LSnabrückerstratze 27.—„Freie Stunde", Grundmann, Pücklersw. 18.—„Kein Streit", Hascloff, Weiden- weg 66.—„Blaue Wolke TV", Schuldt, Putbuscrstr. 25.—„Einfach", Polack, Falckensteinstr. 19.—„Granium", Heine. Littaucrstr. 12.—..Blaue Wolke II", Köhler, florndorserswatze 44.—„Bulgarien", Marth, Frucht- stratze 69.—„Osten", Noitz, Samariterstrapc 49,—„Frohsinns Heimat", Hentschke, Wiclcstswatze 15.—„ColumbuS SO", Hecke, Lppclncrsw. 19.—„Wiedersehen", Weber, Ncu-Wcitzensee, Friedrich- stratze 35.—„Hand in Hand", Ewald, Wienerstr. 41.—„Grane Asche", Brandt, Graudcnzcrsw. 2—„Alter Berliner", Beckmann. Rciibonbcrger- stratze 46/47.—„Eintracht", Feldhan, Kochhannsir. 6.—„Gcmüilichkeit II", Gratzig. Wrangelstr. 21.—„Grüner Hain", Müller. Wilhelm Slolzcsw. 8.— „Freie Männer I" Friedenau. Grube, Kaiser-Allce 85.—„Kairo", Dunaiski, Kosiinersw. 16.—„Freie Männer", Lassogcr, Grotz-Lichlcrscldc, Chaussee- stratze 54.—„FidclitaS", Hüning, Hussitcnslr. 34.—„Frei weg", Hoppe, Schöneberg, Merscburgerstr. 7.—„Korea", Kellas, Frau kfn vier Allee 197.— „Virginia", Schnieder, Admiralstr. 21.—„Fidele Brüder III", Drccoll, Tilfiterstr. 79.—„Seegras", Krone, Liegnitzersw. 18.—„Meriko", Hcisgc, Pctersburgerstr. 48(alle 14 Tage).„Vergnügte Brüder", Weitzensee, RöUe- stratze 138. Nrbeiter-Rodfahrcrbund»Solidarität". Gau 9(Prov. Branden- dura.) Alle Zuschriften und Anfragen sind zu richten an den Gau- vorsixcnden Karl Fischer, Walditr. 8. Adlcrshos,„Vorwärts" jeden 1. und S. Dienstag, bei Wölstcin.— Bernau, A. R. V. nach dem l. und 15. bei Hermann, Dallstr. 2.— Luckenwalde,„Stern' nach dem 1,'und 15. Lei Helau, Fricdrichstratzc 29.— Rüdersdorf,„Blitz" nach dem 1. und 15. bei Zademack. Vetschau,„FreieRadler" nach dem 1. hei Seidel, Babnhosstratze.— Stolpbrück-Doltcrsdors,„Germania" nach dem t. und 15. bei Lehmann. Arbeitcr-Radfahrerbund„Freiheit". Geschäjtsstellc bei F. Liehr, Weinstr. 3, I.„Norden", Löhrich, Pankstr. 226.—„Voran I", jeden Dienstag nach dem 15. in Scheruchs Festsälen, RüderSdorfcrswatze 45.— „Komet", Rirdors, im Restaurant.Karlsgarten", Karlsgartenswatze 6/19.— „Gleichheit" bei Fischer, Planuser und Tcmpcllierrnitratzcn-Ecke.—„Ober- sprce", Ober-Schönewcide bei Votz. Wilhelminenhosstr. 64.—.Köpenick", jeden Dienstag nach dem 1. und 15. bei Moll, Grünauerslr. 5. Zlrbeiter-Turnrrbund. Turnverein.Fichie", Berlin, Geschäftsstelle Berlin O. 17, Koppenstr. 24 n, abends 8 bis 19 Uhr: 2. Männerabieilung: slalitzersw. 55/56; 4. Männerabt.: Moabit. Sicmensiw. 29; 5. Männer- abtcilung: Wattsw. 16; 6. Männerabt.: Slallschrciberstr. 54; 7. Männer- abtcilung: Reichenbergersw. 131; 8. Männer-Abteiiung: Höchste stratze 36/37. 9. Manner-Abteilung:(Wcdding) Müllerstratze 158 19. Männerabt.: Petcrsburgcrstratze 4; 11. Männerabt.: Fürbringcrstr. 33 12. Männcrabt.: Kastanien-Allee 32/83; 13. Männerabt.: Görlitzerstr. 52 1. Lehrlingsabt.: Friedenswatzc 37; 3. Lehrlingsabt.: Bocckhstratze 17/29; 8. Lehrlingsabteilung: Höchstestr. 36/37; 12. Lchrlingsabt.: vbersivalder- stratze 19; 1. Damenabteilung: Mariannen-User 1a. 2. Damenabieilung: Ackcrstratzc 67. Abends 6—8 Uhr: 2. Schülerabt., Graumanns Fcstsäle, Slaunynstr. 27. 3. Schülerabtciwng: Moabitcr Kasino, Wisnackerstr. 63.— „Arbeiter-Turnverein Reu-Weihensce" im Prälaten, Lehdcrstr. 122.„Freie Tunicrschast Swalau-Rummelsburg", in der Turnhalle zu Borhagen, 8>/, bis 19'/, Ubr: Damenabl.—„Freie Turnerschast", Steglitz, Birkcnwäldchcn, schützcnswatze.„Freie Turnerschast Jobannisthal", 8'/,— 19'/, Uhr bei Senstlebcn, Fricdrichstr. 48.„Freie Turnerschast Tenrpclhaf-Mariendors", 8— 19 Uhr: Männer- und LehrlingSabt. im Restaurant Wilhelmsgarten, Tcnrpelhof. Bcrlinerstr. 9.—„Freie Turnerschast Rixdors-Britz". 1. Manner- und 1. Lehrlingsableilung von 8'/,— 19'/, Uhr bei HeickauS(Karlsgarten).— Fraucnableilung von 8'/,— 19'/, Uhr. Schülerabteilung von 6'/,— 8'/, Uhr, bei Thiel, Bcrgstr.>51—152.— Freie Turnerschast Charlottenburg. Turn- halle Danckelmannstr. 48. Dienstag und Freitag von 8'/,— 19 Uhr, Männer- abteiluna. Arbciter<2chwin:mcrb»»d. Auskmist erteilt E. Gcrstmann, RIxdors, Bergslr. 59. Gesellige«. Vereine. Zitherverei»„Einigkeit", Reichenbergersw. 19. — Spar- und Loitcricvercin„yertha I", im Liegnitzcr Garten, Licgnitzcr- stratze 39.— Lotterieverein„Fortuna", bei Beruhard Raabe, Kolbergcr- stratze 23.— Lottericklub„Vorwärts", Dornbusch. Prinz Eugenstr. 8.— Familien-Zirkel„Hppnos", Matiernstr. 1».— Privat-Thcatcr-Gesellschast „Brandcnburgia", Luisenst. KlubbauS, Annenstr. 16.— Billardklub„Hoff- nung", Schubert. MuStauerstr. 25.— Männcrgcsangverein„Männerlögc", Zl. Faust, Fruchtsw. 37.—„Konlordia", freie Vereinigung sür Schachsreunde, Waldcmar-Gartcn, Waldemarstr. 38.— Theaterverein„Schiller Ii" bei Hähne, Grüner Weg 122.— Artisten- und Theaterverein„Freiheit", Ripdorf-Britz bei Felsch, Änesebeckstr. 48/49.— Loiterieverein„Glückaus zur Sonncnburg", Sonnenburgcrjlr. 2.— Krast- und Sportklub„Lurich", Dienstag und Sonnabend bei Samuel, Muskauersw. 43.— Linkcschcs Bläserchor, Naunhnsw. 6.__ Deutscher Arbeiter Zlbstincnten-Bund. Bezirk I(Zentrum, Osten, Nord-Osten und Vororte). Mittwochabend 8'/, Uhr Frankfurter ?lllce 64 I: Vorwag des Genossen Lenzner über:»Geistiges Arbeiten»nd Alkohol". Gäste willkommen._ Eingegangene Druchrchnftcn. Von der»Reuen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist(ocben da« 9. Hcst des 24. Jahrganges erschienen. Auö dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Ein ivarnendes Exempel.— Die Tabaksteuer. Von Friedrich Geyer(Leipzig).— Neue Marincsordcrungen. Von einem Fachmann.— Richtung und Partei. Von F. Stampfer.— Von der Setzmaschine und ihren Wirkungen. Ein Beiwag zur Frage der zünstlcrischcn Neigungen in den Gcwerlschajtcn. Von Otto Uhlig(Dresden).— Literartsche Rundschau: Dr. med. Mathilde Sola, Wissenschaft und Sittlichkeit. Von Lea Heiden- Deutschmann.— Notizen: lasses. Von K. Kautsiy. Nochmals die Herausgabe des Narxschm Nach- Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Posianstalten und Kolporieure zum Preise von 3,25 M. pro Ouarial zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hcst tostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Von der„Gleichheit-', Zeitschrist sür die Interessen der Arbeiterin«« (Stuttgart, Verlag von Paul Singer) ist uns soeben die Nr. 24 de? 15. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Die Lösung der Frage. Von Rosa Luxemburg.— Das Frauen- stimmrecht vor dem bayerischen Landtage.— Jugend und Sozialismus. XV. Von Marie Chmietewski. XVI. Von Rosa Wolf.— Ein Nachwort zu den Verbandstagcn der bürgerlichen Frauenrechtlerinnen. II.— Die ProletarierinnenOesterreichs und der Wahlrcchtslamps. Von Emmy Freundlich. — Aus der Bewegung: Von der Agitation.— Von den Organisationen. Jahresbericht der weiblichen Verwaucnspirsoncn Berlins.— Genossin Jallandt f— Klara Miillcr-Jahnte f— Politische Rundschau. Von G. L. — Genossenschaftliche Rundschau. Von Simon.Katzenslem— Notizcnteil: Der Kamps in der sächsisch-thüringischen Tex.. Industrie.— Sozialistisch« Frauenbewegung im Auslande.— Quittung.— Feuilleton: Herren und Knechte. Don John Henrh Mackay.(Gedicht.)— Irrlichter. Von Ada Christen.(Schluß.) Für unsere Kinder: Dem Ackermann. Von Wolsgang Goethe. (Gedicht).— Reis, Schnee, Eis. Von Brand.— Junker Rechberger. Von Ludwig Uhland.(Gedicht.)— Das Märchen von der lachenden Fürstin. Von Anna Julia Wols.— Die Frösche. Von Wolsgang Goethe.(Gedicht.> — Der Ball. Von Otto Ehlcrt.(Schluß.)— Der Puppendoktor. Von Franz Mäding.(Gedicht.) Die»Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nnmine 19 Pf., durch die Post bezogen beträgt der Abonncmentsprcls vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps., unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2,69 M. Der»Wahre Jakob« hat soeben die 24. Nummer seines 22. Jahr- ganges erscheinen lassen. AnS dem Inhalt derselben erwähnen wir die farbigen Bilder„Das österreichische Staatsschiss" und„Aus Rußland", sowie die weiteren Bilder„Prügclpädagogik",„Die Jagd aus neue Steuern", „Logik",„Illegitimer und legitimer Mädchenhandel",„Der Kampf um das allgemeine Wahlrecht in Oesterreich",„Eine seine Gesellschaft",„Glaube— Liebe— Hoffnung",„Das russische Versassungsei",„Nikolaus und sein Voll" und„Der bayerische Löwe und seine Plagegeister". Aus dem textlichen Teile beben wir einen warmen Nachruf sür die verstorbene Mitarbeiterin des„Wahren Jakob", Klara Müller, hervor, dem eine sehr gute Photo- graphie der Dichterin beigegeben ist. Ferner erwähnen wir die Gedichte „Zur Eröffnung des Reichstages",„Was tut da? deutsche Volk",„Kriegsnot" von Klara Müller+,„Trost beim Wandern",„Der neue Patriotismus", „An den deutschen Michel",„Hannibal vor den Toren",„Ein Beneiden?» werter",„Zur Abwehr" und autzer zahlreichen kleineren Beiträgen noch da» größere satrrische Feuilleton„Wie man sie niederwarf". Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 19 Ps. Lrlefkasten der Redabtion. ■Jurirtiteber CeU. Dl« siirlftlkch« Sprechstunde findet täglich mit AusuahNl« de? Sounadeuds von?>/, bis»'/> llbr statt. Geiistnet: abends? Ilbr. M. S. 92. 1. und 2. DaS Urteil kann mitsamt den Vollstreckungs- kosten vollswcckt werden. Die außerdem erwachsenen Kosten(Auslagen, Anivallkosten-c.) sind durch Gerichtsbeschluß sestzusetzeir und werden aus Grund dieses Beschlulses vollstreckt. Ist ein Vergleich nach Erlaß des Urteils geschlossen oder die Forderung nachher bezahlt, so mutz der Schuldner, um die Vollstreckung abzuwenden, klagen. 3. Der Antrag kann gestellt werden.— E. W. ti7. Sie müssen zahlen, können aber bei der Steuer- deputation um Niederschlagung der Hundesteuer unter Schilderung des Sachverhalts cinkommen.— I.<2. 35. Nein, falls nicht ausdrückliche Anordnung des Arztes und des Kaffenvorstandes ergeht.— R. ivt. Nein. Für üeit Juiial:»er Juiernte übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, 28. November. Ansang VI, Uhr: Schauspielhaus. Der Froschkönig. Opernhaus. La Xraviata. Neues Qperntheater. Geschloffen. Neue». Ein SommernachtSlraum. Westen. Lucia von Lammermoor. TeutscheS. Der Kaufmann von Venedig. Berliner. Der Eclgenmacher von Eremona.— Anne-Marie. Anfang 8 Uhr: Lesffng. Zwischenspiel. Schiller«».(Wallner-Theater.) Der Veilchensresser. Schiller Äl.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Der Traum ein Leben. Komische Oper. Der Gaukler unserer lieben Frau. Zentral. Musette. Residenz. Der Prinzgemahl. Kleines. Hidalla. Drianon. Der letzte Troubadour. Lnitiptelhans. Der Familientag. Thalia. Bis früh um Fünse l Garl Weift. In Berlin ist waS los. Luisen. Ein Blitzmädel. Deutsch- AmerikantscheS. Aber Herr Herzog! Merropoi. Auf WS Metropol. Kasino. Das Opserlamm. Stvollo. Prinzeß Roswa. Walhalla. In Lebensgefahr. Hcrrnfeld. Die MeycrhainS. Wintergarten. Ltcro.— Spcziali- täten. Folies Gaprices. Nach dem Zapfen- streich. Vorher: Familie Änops- loch. Spezialitäten. Nelchsballr». Steiliner Sänger. Paffagc. Spezialitäten. Urania. Ta»t>c»strafte 48/49. Abends 8 Uhr: Dr. v. Unruh: Mctall-Legicrungen. Sternwarte. Jnvalidenstr. 157/62. Tägli-V geäst,>el von 7 yjs l Uhr. AbendS 8 Ubr: Anwendung der Svektralforfchung aus die Sterne. berliner Theater. Annemarie. Borher: Der Geizenmacher von Cremona. Ansang?'/, Uhr. Mittwoch: Hamlet. Donnerstag, Sonnabend, Sonntag: Kmiemane. Vorher: Der Geigen- maobar von Cremona. Mittwoch nachm. 3 Uhr: vchüler- vorstcllnng: oie Jungfrau von Orleans. Heues Theater. Ansang VI, Uhr. Sin Scmuieraaehlstraura. Morgen und solgende Tage: Ein Sommernachtstraum. Zentral-Theater Täglich mit großem Erfolg 8 Uhr: Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Hidalla. Mittwoch: Ghetto. Luisen-Theater. MendS 8 Uhr: Ein Blitzmädel. Mittwoch: Zum erstenmal: Die Mönche. Donnerstag: Der Störenfried. Die Dienstboten. Freitag: Ein Blitzmädel. Sonnabend: Die Kinder der Ex» zcllenz. Sonntag nachm.: Wilhelm Teil. Abends: Ein Blitzmädel. Montag: Da? Erbe._ Trianon-Theater. Heute und folgende Tage: Der letzte Troubadour. Sonntag nachmittag: Das Ende der Liebe. Urania I,;.?.?-": Hörsaal 8 Uhr: Dr. v. Unruh; Metall-Legierungen. Sternwarte S,«: Hörsaal 8 Uhr: Anwendung der Spektralforschung au, die Sterne. ) CASTAN S ANOPTICUM. Fricdrichstr. 165. „Ernte". Schattenspiel in 9 Bildern, j Wanderung durch das Niital.| Restaurant: Original Nürnberger Sänger. leutseii-Jlinerilfaülsehes Theater. Köpcnlckerstr. 07. Jeden Abend 8 Uhr I Gastsp. ADOLF PKiLIPP ABER! Abends 8 Uhr: Die Roveuihor-Spezialitäten. 9 Uhr 10 Minuten: Prinzeß Rosine von Paul Linoke. Sonntag, den 3. Dezember, nachm. 3 Uhr(bedeutend ermäßigte Preise): FrÜhliNgsluft Lpezial. Hetropol-Theater Anfang 8 Uhr. Ii Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen in all. Räumen gestattet. Komische Oper. Friedrlcbatr. 104— 104 a. Dienstag, den 28. November, abends 8 Uhr: Der Gaukler unserer lieben Frau. Mittwoch, Donnerstag: Holtmanns Erzählungen. Residenz-Theater. Dm-ations Richard Hieran der. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwank in 3 Akten von L. Ziauros und I. Ehanccl. Sonntag nachm. 3 Uhr; Oer Schlaf- wagenkentrellcur. Zum 88.______ Male. Korr Herzog ♦ Jeden Mittwochund Sonnabend, nachmittags 4 Uhr: Klnder-Yorntellung. Ein Kind frei. ilnsel und Grell in Amerika". agr Kleine Preise."VQ Sonntagnachm.4Uhr; halbePreise. „üeber'n großen Teich". Hchlller-Xlieater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: Her VellehenfreMer. Lustspiel in 4 Akten von G. v. Moser. Mittwoch, abends 8 Uhr: SI»pfen»treleK. Donnerst ag,abendS8Uhr: Her Veilel>enfre«»er. 2iHciis ilbert Schumann Heute abend präz. VI, Uhr: Die grüBle Sensation der Gegenwart! Au- to- bo- Waihalla Theater Unter dem Protektorate des Gerrn Professor fieinbold Begas Konkurrenz. - Heute ringen:-WH Eberle(Deutichland) gegen Weber (Deutschland), Entscheidung. Strenge; Berti») geg. LI. deTerrassier (Belgien)...,. Petroff(Bulgarien) gegen Schneider (Rixdors). Beginn der Vorstellung 8 Uhr. Beginn der Ringlämpse 9,/4 Uhr. Rauchen in allen Räumen gestattet. tsrl Weiß-Thealer. Ar. Franksurterstr. 132. Nur noch 8 Aufführungen: In Kkriln ist was los. Ansang 8 Ubr. In Vorbereitung: Mädchenhindler. Mittwoch 4 Uhr kleine Preise: Der llattenlänzer von Hameln. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Dorn- rischon. Abends 8 Uhr: Di» Räuber. E Maurer! icht im bautechnischen Zeichnen, Veranschlagen zc. AuSbildima z. Polier! Maurermeister K»rrt»», Äerli«, Benffelstr. 71.(DSSb' La helle Hille. Mauricia de Thiers. Ferner: 4 indische Mirs. 6 Los Queirolos. Kinn Texan Hattie. Willis Haie mit dem WunderglobuS. Sämtliche Spezialilä'en und Direktor Albert Schumanns neueste Monstre- Dressuren. Die reitende Lpcrtpantcmime: Der Tag des �ogHschen Derby. KasinosTheater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Allabendlich anSverkauft. —— Großer Lacherfolg!■' Das Opferlamm. Vorher das brillante Novemberprogr. Sonntag nachm. 4 Uhr: Arbeit schändet nicht. SSS&a r Passage-Theater. I > Anfalle abends 8 Uhr. in ihrem Nepertoir. kau!-Jülich Rezitationen. 14 erstklassige Rummern. Schiller-Theater N.(Friedr.-WM. Th.) Dienstag, abends 8 Uhr: Her Yranni ein Leben. Dramatisches Märchen in 4 Auszügen von Franz Grillparzer. Mittwoch, abendSSUhr: Hör'Voilcbenflresser. Donnerstag, abendSSUhr: Ein Wlntermilrchen. XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. Di« neueste und grüBle Sehenswürdigkeit Berlins: Indien. Orig- Pantomime des Zirkus Busch in 8 Bildern. B™"„h"b.'TEineIigerja||d in den Dschungeln Indiens. Ferner; Eine Witwenverbrennung. Dia 6 indischen Original-Fakiere. Hr. Burkhardt-Foottit, Sohulreit. Eine Springpierde-Konkurrenz zw. 3 Springpferden. Zwergclown Frangois mit dem Zwergpferd. Auftreten des Mr. Pearson. Herr Ernst Schumann m. seinen neuesten Dressuren und die Beile-Alliance! Theater- Vnrietd. Abends 8 Uhr; Nur noch 3 Aufführungen:| Ein Abend in einem Amerikanischen TiDgei-Tangel. Georg Kaiser. La Laure. Etoile Excontrique. Rauchen im Winterg. gestattet. Lustspielhaus. Slbends8Uhr: Per f amiUcntag. Folies Caprice. Budapester Possen-Theater = 132 Linienstr. 132--------- Ecke Friedrichstraße. Zum 78. Male: Kach dem Zapfenstreich. Vorher: Familie Knopfloch u. d. ausgezeichn.Spezialitätenteil. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf täglich b.A. Wortheim und an der Theaterkasse v. 19 Uhr vormittags an. Fröbeis Alierlei-Tliealer Tchbuhauser Allee Nr. 148. Gastspiel des Bernd. Rose-Theaters Die Grille. Ländliches Eharaktergemälde in 5?Men von Charlotte Birch-Pfeiffer. Ans. 8 Uhr. Aaffeneröffnung 7 Uhr. Preise der Plätze: Entree 39 Ps., numerierter Pl. 59 Ps. (im Abonnement 49 Ps.) Voranzeige! Nächste Vorstellung Dienstag, den 5. Dezember: Dthcllc, der Mohr von Venedig. Kolosseum Dreödenerstr. 97. Anfang 8 Uhr— Sonntags 7 Uhr. grandiose Spezialitäten llf die tieft, Komiker u. Soubrett. { Jjj Bendix, Littke Garifen, Oskar Iii Fürst, Hochgemuth, van Roy, Fanny Behrens. Debüt: Flora Flearette. Geschwister AndraHchy. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Humoristische Voiksvorstellung. Jeder Platz 50 Ps.. Loge und I. Parkett 79 Ps. 1 Kind frei. Im Konzert-Saal: Täglich: 2 Kapellen mit der. Natursängern. Sanssouci, ßsttduserstr.� Direktion Wilhelm Reimor. Heute, Dienstag: Gastsp. h. LSwe-Ensembles. Muttersegen, oder: Die neue Fauchen. Mittwoch: Mimm von Barnhelm. Sonnt., Mont., Donnerst.: Halkimaita» Heslilieufeehe 8enges und Danzkränzcheu. Sonnt. Beg. 5 Uhr, wochent. 8 Uhr. OTTKG und ein auserlesenes Künstler-Programm. Palast-Theater Burgstr. 24, 2Min.v.Bh. Börse. Heute, den 28. November: Benefiz Otto Äntonius. Das glänz. November-Programm 8 raun Verwand).-Schauspieler. argold der einbeinige Unlv.-Artist. verstärktes Orchester. Gastspiele namhafter Spezialitäten. einmal- Der 8äuglnig. Posse von O. Richter. Ilkrlinerlllk-lno. Felix Scheuer U ätrsliulmtr. t. Gebrüder Herrnfeld- Theater. Heute präzise 8 Uhr: Komödie in Z Akten mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld rn den Hauptrollen. Dorverk. tl—S Uhr.(Theaterkasse). �eickskaltea. Heute: Ttcttincr Sänger. Zum Schluß! Fräulein Doktor. Zeitburlcske von Meysel. S. Ss gu W. Noacks Theater. Direktion: Rod. Dill. Brimnenftr. tS. Der Mann im Monde. Posse mit Gesang in 3 Akten von ffi. Jacobson. Ans. 8 Uhr. Eintritt 80 Ps. Mittwoch; Nathan der Welse. Donnerstag g. letztenmal: KommaB oder: Ein alter Geiger. Variete Elysium KommandantcnNtraße 3/4. Bis 30. November 1905: Großer internationaler Soubretten- Vettstreii. Schöneberger Wintergarten Goitzstraße 9. Täglich Theater, und Speziali- tätrnvorstrllung. Sonntags 2 Vorstellungen. Nachmittags 4 Uhr zu halben Preisen. Jede erwachsene Person hat ein Kind frei.— AbcndS 7'/.Uhr Große Gala- Vorstellung._ Tie Direktion. Gustav Behrens Speziaiitüteo- Theater Frankfurter- _ Alle« 85. Allabendlich kolossaler Beifall! Reu! Ligner rranreske, Neu! wunderbarer ftroschmensch am Trapez. Reu! JHe 4 Vollmer«, Neu! Elite-Akrobaten. Neut Oes gebildete Dienstmldehen, Posse mit Gesang. Reu l Oer elfersiiehtige Ehemann, Posse mit Gesang. und UM"" 15 NpcseialUllton. . Otto Pritzkows Berliner IllilnxKtr. lO. __ Die drei lebenden gr. lmatlmiischkn Wunder ?In«lcelmen»eb 8leelett-llen»eb Gnmmlbantmenieb Rnkree SO Pf."TpG Artus«Hof Perlebergeretr. 26. Stendalerstr. 18. SSIe von 100—1200 Pers. stehen den geehrten Beremen zur Verfügung. Jeden Sonntag. Oienstag u. Freitag; Gr. Theater- Vorstellnng. Jeden Montag: Qnartettsänger und stnmorifttsche Soiree. Jeden Oonnorstag:«r. Itnnuert. ZAnrltaplat«. Täglich 4� in den unteren Sälen � Goftschalk-Konzert. Böhm. Brauhaus Iyand«bergter Allee. Heute ■Sa sowie jeden DIenStag: der Fritz Steidl- Sanger. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bf., Sperrsitz SO Ps. <£> Bredes Vereins- Bäte A'cne Könlc-StraBe 7. Aahrverbmdungen noch allen Siadtteiien.— Entpsehle meine Säle für Bersammlungen. Gewerkschaftssihnnge« und sür Bereinsfcstlich- leiten. Äulantr Bedienung. AdelF Borde. Wir verschenken Bleihnachts'Katalog über reizenden Christbanm- Schmuck, wundervolle Neuheiten in Spiel- »>aren, Bilderbüchern, Puppen, l,et«rn» magioae, Eisenbahnen, Schäsereien usw. sowie über sehr schöne und praktische Geschentartikel sür Herren und Damen in Uhren, Uhrketten, Ringen, Broschen, Lederwaren, Stahl- waren, HauShaltungSarttkeln, Muiikwaren. Phonographen, Pfeisen, Stöcken, Ligarrcn und Zigarrenspitzen, Parfüms, fein. flen Seijen und Wohlgerüchen ili hochmodernen Packungen, speziell sür Geschenke usw. OrBBie Auswahl, billige Preise. WM" Schreiben Sie nur eine Postkarte. Kirberg& Comp.» Foctae°° seimgeo. Aeltrftes JavritationSgeschätt Solinger Uta hl waren mit V erfand. i Tirrt« nn Private. ourch Bie außerordentlich geschickte Mischung der feinsten türkischen Tabake ist die sissc* Kapitän- Cigarette Nr. 75658) Gesetzlich geschützt s t« V«alität»nvrreicht; man sarbere sich ausdrücklich� � � � C. Bttcker, Berlin 0., Grüner Weg N2 Amt V'U Nr 8861. Siiie Heilen II deiiMslD. Her roi M.Scliiilmeister Schneidermeister Berlin SO., jrj am Rottbusep Cor. SpeziaUHaus feiner Herren- und Knaben- Garderobe fertig und nach Maß. Elegante Winler-Palelots voal� 18 50 Jaekett-Anzüge Rock-Anzüge Gehrock-AnzQge Loden-Joppen Berufskleidung tur alle Gewerke. Nur eigene Konfektion. I750 26- 32 50 6- Steellfte, beste und billigste Bezagsquellc für Glas-Christbanmschmnck!!! Kür alle Parteigenossen und Arbeitervereine! Für Händler und Private l Die im Zeniralverbande der Glasarbeiter Deutschlands organisierten Glasbläser von Steinach und Umgegend haben im Interesse de« weiteren Ausbaues ihrer Organisation zur bevorstehenden Weihnachtszeit den Ver- fand ihres Produktes Glas- Christbaumschmuck selbst in die Hand genommen und oersenden SortimentStislen in geschmack- voller Zusammenstellung und sorgfältigster Ausführung, enthaltend Engel, Vögel, Glocken, Trompeten, bemalte, befponnene und versilberte Kugeln und Reflexe, Jrüchte, Baumfpitzcn, Luftballons und andere bespannen« Reubeiten, Kranzperlen usw., zusammen weit über 200 Stück nur bessere, gröstere und auf» feinste ausgeführt« Sachen. Aus Wunsch auch über 300 Stück lleinere Sachen zum Preise von 5 M. franko gegen Nachnahme. Bezug in größeren Kisten von lO M., t5 M. und Bahnkisten von 20 M. an wegen Porto-ErsparniS bedeutend vorteilhaster und billiger. Bestellungen bitten wir zu richten an Zahlstellentassterer Ednard ..... � T«««h«vb, Steinach S. Kirchstr. 40822' KNORR HöPerme Hafergrütze, Haferflocken hl| »cken.�J Kraff-Roihwein für Blutarme u. Kranke, T�trhoMK ärztlich empfohlen. Steht unter Standiger Con- trolle des .OfriChtscheimhefS Dr,C.6i5CttofK Fl.1.50 u.2n Lassen Sie sich nicht durch anolaubwQrdige Reklame verleiten und kaufen Sie keine billige Zither, die i keine Stimmung hält. Ein solches In- 'Imment ist etwas fürs Aug«, aber wertlos. kWfeii Sie wirklich Frernle haben, dann kaufen Sie sich mit unterlegbaren Noten, welche jedermann sojort spielen kann. Ceber Vi,»IIIlou i Im Gebrancb. Preie: _____„ 20,- u. 31. 25,— > Bei tfumuuime v.. v-......... �ed. Käufer einer Guitarzither yBsf- IL Noten gratis, ötvlL» «ersand franko mit schristlichrr Garantie sür l Jahr. � Henzenhauer& Schmidt, Berim, Spittelmarkt 15. — Die echte— Menzenhauer Guitar-Zither# ■-u ♦ SozialdeaiokFatisciierWaliiverEiD für den l Beplier Reiehstaiswahlknils. (Bezirk 148.) Den Genossen zur Nachlicht, daß unser Mtglied, der Gürtler Paul Ma�er am 24. November gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 28. November, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Thomas-Knch- Hofes in Rirdors, Hermannstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet S30/N Bei» Vorstand. Allen Verwandten, freunden und Bekannten hierdurch die trau- rige Nachricht, daß am 25. b. M.. abends b1/, Uhr, nach langen, mit Geduld ertragene» Leiden mein wnigst geliebter ZNann, unser guter Vater. Sohn, Schwiegeriohn, Bruder. Schwager und Onkel. der Kassierer der OrtSkrantcnkasse der Tischler und Pianosortearbciter Karl Post im Alter von 52 Jahren verstorben ist. 51982 DieS zeigen tiefbetrübt an Klara Post geb. Kraut und Kinder. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. d. Mis., nachmittags 2'/. Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichsseide aus statt, Beutscher Holzarbeiter-Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Tischler KsH Post am 25. November nach langem, schwerem Leiden»erstorben ist. Shre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30, November, nachmittags um 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Fried- Hofes in FriedrichSselde aus statt, Um rege Beteiligung ersucht 97,43 Die Ortsverwaltung. Oeutscber Mefailarbeiter-Yerband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf! Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Adolf Meitzer gestorben ist. «hre seinem Andenke«: 167/11 Die Ortsverwaltung. Invaliden- Düterstiitzungskasse Die Beerdigung des am 24. November er. verstorbenen Lithographen �.uxust Vollmer findet statt am Dienstag, den 28. November, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle der Thomas- Gemeinde, Rixdors. TaS Komitee. Für die herzliche Teilnahme und jonen Kran güng meines schönen Itranzipenden bei der Beerdi- leweS Mannes und Vaters Aug. Wolf sagen wir allen Perwandten, Freunden und Verwandten, den Genofien vom fi. Berliner Reichstag»- Wahlkreis .sowie auch demVerband der Bauarbeiter DeuischlandSiZweigverein Berlin».UmgegendjunierenlierPichsten Dank. Frau Emma Wolf geb. Rotzern nebst Sohn Unserem alten Freund und Partei« genossen 748b Wielm MaUopfFTau zu ihrer heute stattfindenden silbernen Hochzeitsfeier ein dreifach donnerndes Hoch!— hoch sollt ihr lebet?. Eure'Kinder daneben!— sende» Euch mehrere Parteigenossen auS dem Be- zirk 522b. Prosit! Frötchen-Wilhelm, tt. S, li. ll, 6. K. P P. A.P A P. P. G, Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mein innigst- geliebter Mann, meiner Kinder l reusorgen der Vater, der Schneider- Berhandsbeamle Friedrich Holzhäuser Montag vormittag? Uhr nach seinen mit Geduld ertragenem Leiden im 60. Lebensjahre entschlafen ist. Dies zeigen tief betrübt im Namen der Hinterbliebenen an Die trauernde Witwe Ümma Holxhäaser, geb. Cissee nebst Kinder und Verwandten. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. November, nachmittags 2 Uhr, vom Trauer- hause Oberbaumslraße 5 aus nach dem Friedrichsfeider Friedhofe statt. VeFhand der Schneider, Schneiderinnen und verwandten üeruispossen Deutschlands. (Filiale Berlin.) Tode«- Anzeige. Den Mitgliedern unseres Ver- bandes geben wir hiennU be- tannt, daß unser Kollege, lang- jähriger 1. Verbandsvorfitzender Fnedncli Holzhäuser nach vier Monate langer Krank- heit am Montagmorgen im Mter von 60 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. November, nachmittags 2 Uhr, von der Wohnung. Oberbaumstr. 5, noch dem Friedhose in Friedrichsseide aus statt. 164/13 Die Ortsverwaltung. NB. Wir bitten die Kollegen, h an der Beerdigung rege zu eieiligen. 1% Verband der Schneider und Schneiderinnen u. verw. Berufsgenossen Oeutschl. Den Mitgliedern unseres Ver- bandes bringen wlr hierdurch zur Kenntnis, daß unser Vorstand»- mitglied.srüherer langjähriger erster Vorsitzender, Kollege FsiedlichHuizhäuses nach vier Monate langer Krank- heit am Montag morgen ge- storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 2 Uhr, von der Wobmmg deSVerftorbenen, Oberbaumstr. 5 aus nach dem Friedhose in FrtedrichSseide statt. 164/12 Ter Borstand. Tanksagung. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des HauS- dieners Faul Fk'eliree sage ich allen Verwandten, Freunden und Kollegen, de« Handels- mid Trans- porinrbeiter-BerbandeS, sowie seinen Herrn ChesS. in Firma Gebr. Franke. und dem gesamten Personal meinen innigsten Dani. 757b Wfwe Emma Pfeiffer. Krau;- und Klumtulnuderti von Robert Meyer,. nur Mamuuen-Strnße 2. VereinS-Kränze, Palmen- u. Blumen- Arrangements, Buketts, Guirlanden. usw. werden sein u. vreiswert geliesert, Am 25. d. M., vormittags 10'/. l-br, verstarb nach langem, schwerem Leiden das Vorstandsmitglied unserer Kasse Herr Eduard Maether. Die Beerdigung findet am Ullttirocli, den ÄO. d. 31,, nachmittagn 8 Uhr. von der Leichonhallo dos Luisen- städtischen Kirchhofes, Borgmannstraße 48/50, ans statt, und bitten wir um recht sahlreiche Beteiligung. Berlin, 27. November 1905. Der Vorstand der Orts-Krankenkasse der Maschinenbau- Arbeiter und verwandten Gewerbe zu Berlin. 766 b H. Blank. H.«t I*. Uder. Engel"- üf er e5. Tabak-GroQhisnrtlniaa/ u. gflT" Rauch-, Kau-, Scbnupllabake, Zigarren. Zigaretten."MA Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkauf er Größte Auswahl gelagerter Xlgurren In allen Preislagen. utä f igaretten............. ----- Amt A,««14.- iLccc-nlwortli-hcr Repaticur:' Hans Wrbrr, Berlin. Für?!€n Dcrtnüftu: Th. Giocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt« Buchdruckerei u. Verlagsan�«» Singer& To.. Berlin SW. Nr. 278. 22. Jahrgang. 3. KkilM des Jorniirts" J eilte öollislilatt. Dienstag. 28. November tM. Die Siegestage des Berfassungs- manifestes. (Entnommen der russischen Zeitung„Nutz".) Ja, heute hat unser Volk den ersten großen und wohlverdienten Sieg errungen. Nicht leicht erkämpfte es ihn. Gar viele rauhe Äampfcstage stehen ihm noch bevor. Die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt,— dachte ich, als ich abends zur Telegraphenstation fuhr, um die fernen Verbannten zu benachrichtigen; ich dachte, daß end- lich der Tag angebrochen sei, desientwegen so viele beste und selbst- lose Kräfte im grausamen Kampf mit der despotischen Macht unter- lagen. Der Tag des Sieges ist angebrochen; jedoch wieviel Nieder- lagen, Kummer, Unglück Sehnsucht und Leiden waren im Lager der Kämpfenden und Besiegten, und wieviel ruhige Vergewaltigung und kalter frecher Spott seitens der mächtigen S.egerl Unwillkürlich gedenkt man der gefallenen Opfer dieses Kampfes. Ter junge, be- scheidene achtzehnjährige Balmaschow, der, noch fast ein Kind, nach dem Todesurteil durch den Strang sich entsagte, ein Gnadengesuch zu unterschreiben. Er wollte nicht bitten den, der nach seiner Meinung kein Recht hatte, ihn zu richten. In seinem letzten Briefe an seine Mutter schrieb er ihr folgende Trostworte:„Ich opfere mein Leben für die Armen und Unterdrückten meines Volkes" und ging hierauf fest und sicher ,n den Tod. Ist er der einzige? Wieviele waren ihrer! Wer wird uns dafür entgelten!... Gott! Sie, die Gefallenen im verzweifelten Kampfe, sie alle sehen gar nichts! Sie sind nicht mit uns! ES sind ihrer gar viele! Sie sind alle im Grabe. Der Tag der Freiheit und des Sieges verdunkelt sich für mich... Doch was sind das für Schreie? Einige Gardisten zu Pferde und rings um sie schreit ein jubelnder Haufe, winkt ihnen mit Blättchen und drängt sich hart an die Pferde. Was ist das? Meuterei? Nein, die Soldaten beugen sich aus den Satteln, strecken die Hände entgegen, friedliebend beeilen sich alle, diese freudig zu drücken.„Friede ist geschlossen! Friede zwischen dem Volke und der Armee!"— erriet ich. Genug, Kinderchen; jetzt werdet Ihr schon nicht mehr auf uns schieben; die Freiheit ist gekommen, der Wille des Volkes ist da; jetzt seid Ihr unser, uns teuer— schrie man aus dem Haufen.„Was für eine Freude haben wir erst daran II Glaubt Ihr, daß wir gern die Sünde auf unsere Seelen luden! Es ward uns befohlen! Tat es denn uns nicht weh, gegen die Unseren, gegen unsere Brüder und Verwandten in den Kampf zu ziehen! Wir sind keine Henker, sondern dieselben Christen! Wir sehr erst sind unsere Seelen er- schöpft! Dem Schöpfer sei Dank!"— riefen mit Tränen in den Augen feierlich die gerührten und erfreuten Soldaten, ebenso, wie die sie umkreisende Volksinenge. Schnell geeinigt! Erhabene Momente!— dachte ich bei mir. Welch einer scheußlichen Kraft und schändlichen Schamlosig- kest bedurfte es, um einen Teil des Volkes auf den anderen zu werfen, einen bewaffneten auf einen unbewaffneten. Gott sei Dank! Diese Schmach ist setzt von unserer Armee genommen. Die Offiziere sind wahrscheinlich nicht weniger froh. Eine schwere Schmach lag auf ihnen, besonders auf der Garde. Gott sei Dank! Unsere Tapferen werden nicht mehr unter dem Kommando der Kommissäre und Revieraufseher unbewaffnete und unschuldige Kinder unseres Volkes niederschießen! Gott sei Dank! Ich sandte sofort telegraphisch die Nachricht davon, daß die Festung der Sklaverei sich dem Volke ergeben, kapituliert hat. Die Verbannten jedoch konnte ich nicht erfreuen, ihrer geschah keine Er- wähnung im Manifeste. Hierauf begab ich mich in die Redaktion. Von da fuhren wir nach dem technologischen Institut, dort schießt man,— sagte man mir in der Redaktion. Fähren wir. Warum schießt man?— fragte ich meinen Be- gleiter, als wir uns in die Equipage setzten. Eine Bombe ist auf ein« Gendarm-Patrouille geworfen worden. Die behauptet, das; die Bombe vom Innern des Institutes herrühre, obwohl es völlig sicher ist doch sie von der Strohe her geworfen und allem Anscheine nach von einem Provokateur herrühre; denn die Führer der Bewegung hatten fest beschloffen, keinerlei Gewaltsmaßregeln anzuwenden. Alle«, ungeachtet dessen, befahl irgend jemand in die Fenster des Gebäude», wo Professoren und Studenten sich eingeschlossen hatten, zu schießen. Fahren wir. Die Straffen find belebt. Ueberall werden Manifestblätter verteilt und verkaust. Dennoch hat dieser Umschwung erstaunlich wenig Blut gekostet, bemerkte mein Begleiter. Ich bin mit Ihnen nicht einverstanden. Und die Mandschurei! Diese dreihunderttausend russischer Verluste, das ist das Blutmeer, in welches das verbrecherische Regime jetzt taucht. Verbrecher der Macht werden diese nimmcrMyr ohne Blutvergießen aus den Händen lassen. Nur dann, wenn sie befleckt, in, ganzen in das Blut unschuldiger Opfer getaucht, mit Schmach und Verachtung bedeckt sind, erst dann beginnt der Boden unter ihren Füffen zu schwinden, und sie geben aus ihren schwachen Händen die Macht, welche das Volk dann in seine reinen unbefleckten Hände nimmt. Wenn unsere Reichs-Aushälter den Spuren verschiedener Abenteurer und Vaga. Hunden, wie z. B. Besobrasow, des ehemaligen Statthalters im fernen Osten, Alexejews und anderen gefolgt wären, die chinesischen Boden mit VolkSblut getränkt, hätten sie eS hier getan, hierzu auf russischem Boden gezwungen, verteidigend ihre edle Existenz im Rücken des unterdrückten Volkes. Jetzt aber ist das unschuldige Volksblut, das im fernen Osten vergossen worden, zu uns hinüber- geflossen, daS Volksherz mit seinen roten Wellen überschäumend, entzündet« es seinen heiligen Zorn und schlug mächtig in die schäm- losen Fenster prachtvoller Paläste. „Richtig i— das ist wahr!"— erwiderte mir mein Begleiter. „ Zurück! Zurück! DaS Weiterfahren ist nicht gestattet!"— bedeutete uns die Polizei an der Brücke. Wir verließen die Kutsche und gingen zu Fuß. Hier erblickten wir Kosaken mit Ragaiki(Knüttel), Gendarmen, Kommiffär« und Rcvieraufsehcr. Parrouillen, ja. allcS roch hier noch nach Fäulnis. Moder und Verwesung des alten Regimes. Das Gerücht erwies sich als wahr. Eine Bombe war von der Straffe her von einem Unbekannten geworfen worden, der aber schnell entwischte. Hierauf eröffnete ins Militär ein grausames Feuer auf die Fenster der Unwersität, hinter welchen sich unschuldige Menschen befanden. Wir kehrten in die Redaktion zurück und trennten uns erst gegen vier Uhr. da niemand von uns Lust hatte, früher fortzu- gehen. Und dennoch ist es originell! Fast ganze anderthalb Jahre hin- durch harrte und schmachtete das ganze freidenkende Rußland nach der Auferstehung, in den düsteren, feuchten Gefängniszellen, unter sorgfältiger Aussicht der Plehweschen Schergen. Und jcfftl... Doch was ist das für ein Gesang?!— der jäh meine Gedanken unterbricht. An der Polizeibrückc hatte sich eine ungeheure Menschenmenge angesammelt, die mit entblößten Häuptern harmonisch und an- dächtig ein Lied zum Gedächtnisse an die am g. Januar gefallenen Opfer erschallen ließ. Wie ein Panier wehte die rote Fahne in der Luft. Zu der Zeit befand ich mich am selben Orte. Die schwer- mütigcn Klänge des Gebetes weckten in meinem Hirne grauen- hafte Bilder wach. ES war gegen fünf Uhr abends. Dunkel. Auf der Brücke hatte sich eine Kompagnie Soldaten postiert, vor welcher sich eine ungefähr dreihundertköpfige Volksmenge ver- sammelt hatte. Erst kurz vorher hatten feiten« des Militärs am Alexandergarten, an der Petschewskyschen Brücke und anderen Krtcn schreckliche Metzeleien stattgefunden. Aus der Menge ertönten unaufhörlich Stimmen:„Henkerl Opritschniki*) I Schämt Euch! Eure eigenen Brüder mordet Ihr I Henker! Henker! Schämt Euch! Henker!" Jedes dieser Worte'sauste durch seine schneidende Gerechtigkeit wie Ohrfeigen dem neben seiner Kompagnie stehenden Offizier direkt ins Gesicht. Doch jene stumpfe Natur empfand nur den Schmerz der zugefügten Beleidigung und nicht Scham darüber, daß diese wohlverdient ist.• „Auseinander mit Euch, sonst gebe ich Feuer!" schrie er, äugen- scheinlich die Selbstbeherrschung verlierend. „Henker! Henker! So schieß denn, Henker!" erwiderte man ihm aus dem Haufen, ohne sich von der Stelle zu rühren. Das Hornsignal ertönte. Die Soldaten schulterten das Gewehr. Ein Teil des Volkes erbebte. Doch andere wieder beschwich-- tigten ihn, indem sie. in Ekstase geratend, schrien:„Halt! Halt, Brüder! So möge doch der Henker uns Unbewaffnete niederschieffe?!, wir rühren uns nicht von dieser Stelle. Möge sich unser Blut üb/er ihre Häupter ergießen! Henker! Henkerl Ja. auf die eigeroen Brüder! Henker! Henker!" Viele erhoben die Arme und blicchen wie versteinert in dieser Haltung. Es krachte eine Salve. Wie niedergemäht fielen Tote und Verwundete zur Erde. DaS Geheul der Verwundeten und Gestöhn der Sterbenden erfüllten die Luft. Alle, außer den Gefallenen, ergriffen die Flucht. Im Rücken der Fliehenden erscholl abermals eine Salve. Der Henker vollendete sein Werk. Einige Stunden vorher jedoch, noch am selben Tage und selben Orte, hatte sich eine noch entsetzlichere Szene vor meinen Augen abgespielt. Gegen ein Uhr mittags ritt eine Garde-Eskadron in weißer Uniform, einer auf der Petschewskyschen Brücke sich versammelten Arbeitermenge entgegen. Vor ihr trennte sich ihr Offizier, der voranritt rmd mit donnernder Stimme die Arbeiter aufforderte, auseinanderzugehen. Hierauf schritten einige Arbeiter aus der Menge, entblößten ihre Häupter und wandten sich grüßend an den Offizier:„Euer Wohl- geboren I Wir sind hierher zum Zaren, wie zu unserem leiblichen Bater gekommen, um ihn um Hülfe anzuflehen, und ihm unsere Petition zu Füffen zu legen. Weiß Gott, wir beabsichtigen nichts Schlechtes. Wir sind mit unseren Frauen und Kindern gekommen!" Sie wiesen dabei auf die hinter ihnen stehende Misse, in welcher sich tatsächlich viele Frauen und Kinder befanden. SlbermalS wiederholte der Offizier den strengen Befehl, aus- einanderzugehen. „Wir können nicht von bannen gehen, ohne unsere Bitte um Milderung der Not und des Elends unserem Väterchen Zar unter- breitet zu haben, denn wir nahmen uns darauf gegenseitig das Versprechen ab"— erwiderten demütig, jedoch entschlossen, die Arbeiter. Der Offizier gab das Signal zum Angriff. „So möge er uns denn schlagen, wir aber gehen trotzdem zu Väterchen!" schrieen ihrerseits die Arbeiter. Und wiederum wurde ins Horn geblasen. Mit gezückten, hoch in der Luft blinkenden Säbeln, galoppierten die Soldaten direkt auf die Menge los. Me wichen zurück und drängten sich ans Gitter. Allein niemand entfloh. Die vorderen Reihen beugten demütig die Häupter, einige ließen sich auf die.Knie nieder; unter den letzteren befand sich eine Frau mit einem Säugling auf dem Arme. „So mag er uns denn schlagen, wenn er das Kreuz ver- spottet I"— vernahm man eine Frauenstimme—„wir aber erreichen trotzdem unser Väterchen-" Da sprengten mit einem Mal im scharfen Galopp die Pferde an die Menge heran und blieben wie angewurzelt am Orte. Die Soldaten konnten sich keineswegs entschließen, auf die de- mutig gebeugten Häupter der Arbeiter dreinzuschlagen; die Schwerter blieben in der Luft.„Wir sind doch in der Tat keine Henker, dah wir wehrlose Menschen morden sollen"— dachten wahrscheinlich die Soldaten. Und man fühlte es förmlich, daß niemand von ihnen da? Herz hatte, diesen Wehrlosen und Unschuldigen ein Leid zuzufügen. Im Gewühl blieb plötzlich mein Blick an dem Haupt eines Greises haften, dessen Hals lang hervorgestreckt war und die Adern sich auf demselben wie Strähnen abhoben. Er stützte sich auf die Knie eines vor ihm stehenden jungen Arbeiters; das Gesicht konnte ich nicht sehen. Ich sah nur«inen langen dürren Hals, welcher aus einer braunen gestrickten Jacke hervorlugte. Auf der ganzen Linie des Halses kmmte»tan ein Leben voll Not, Kummer und Elend lesen. Zusammen mit mideren harrte der Greis. Eine Totenstille herrschte auf dem Platze. Alle erwarteten einen großen Moment. DaS Gute schien das Böse überwunden zu haben. Doch da geschah etwas Wildes, Grauenerregendes, Scheußliches.... Der Offizier schwang den Säbel und... und hieb auf den langen, dürren, demütig nach vorne gebeugten Hals des Alten ein. Ter Greis schwankte und stürzte blutüberströmt zusammen. Er stieß mit dem Kopfe an die Erde und ich sah, wie der weiß« Schnee sich von seinem Blute rotfärbtc. Dieses hier diente als Signal. Die Soldaten begannen sofort die Säbel nach rechts und links zu schwingen. Die vorderen Reihen fielen, darunter auch die Frau mit dem Säugling. Die übrigen a» das Gitter Gedrückten wußten in ihrer wahnsinnigen Angst nicht, wohin zu fliehen. Viel« stürzten sich in die„Moika" und man sah sie am Eise zerschellen. Ihnen nach jagte mit gezückten Säbeln die vertierte Horde. Auf diese Seite wurde auch ich mit hingerissen. Ich hatte einen langen Pelz an und schritt langsam, mit der Linken die Augen bedeckend, einher. Etwa zehn Schritte vor mir gewahrte ich auf dem Trottoir eine Frau. Sie hatte mit beiden Händen das Gesicht bedeckt und schluchzte hysterisch. Der ganze Haufe befand sich weit voraus; ihm nach jagten die blutdürstigen finsteren Schergen. Verzweifeltes Schreien und Schwertergeklirr schmolzen ineinander und erhoben sich gen Himmel... Da vernahm ich plötzlich hinter mir den Trab eines einzelnen Pferdes. Ein wuchtiger Säbelhieb über den Rücken streckte mich fast zu Boden. Ich blickte mich um. Links zu meiner Seite befand sich derselbe Offizier, der als erster den Alten über den langen, magern Hals den Streich versetzt hatte. Er hatte ein wildes, grausames Gesicht, das von nervöser Vertiertheit schwarz und�rot unterlaufen war.„Pack Dich Sch..., wenn man Dir befiehlt!� Heiser stieß er diese Worte hervor. Ich sagte ihm nur:„Henker!"— Und wiederum erhob er das Schwert, wollte es auf mich niedersauscn lassen, stieß sich jedoch an der Wand — das Pferd erschrak und trug auö. Doch was war das? Er hieb auf die mir vorangehende weinende Frau ein. Diese brach am Haupte verwundet zusammen. So begegneten die treuen ergebenen Diener deS Zaren dem Volke,, als cS zu ihm kommen und ihm sein Leid und Elend klagen wollte. Ich habe im Leben viel Schweres, ja sogar Schreckliches mit angesehen und durchlebt. Noch nie aber habe ich ein solch schreck- liches Gefühl von Ekel und Abscheu empfunden wie bei dem An- blick dieses unbarmherzigen Niedermctzclns unglücklicher, wehrloser, hört Ihr, wehr— lo— ser Menschen... Und wofür? Dafür wohl, daß sie naiv und vertrauensvoll mit ihrer Bitte und ihrem Leide zum„Väterchen" Zaren gingen?... Wir waren zum Kaiser gegangen, wurden aber mit Kugelregen und Säbelhieben empfangen. Für uns existiert folglich kein Zar Schergen Johann des Schrecklichen. mebq.I— schrieen an diesem blutigen Tage die Arbeiter auf dem Wege nach ihren Wohnungen. Ja, an diesem Tage haben die Ver- brcryer der Macht den ersten Grundstein zur Volksrevolution ge- sei'/ t. An diesem blutigen Tage merzten sie den letzten Glauben au. sie im Herzen des Volkes aus. Dumpf und schwer erstarben die letzten Klänge der Grabes- l.«eder in der Luft. Mit Beben entsinne ich mich der schweren Bilder, die sich in mein Gedächtnis tief eingeprägt haben. Der Gesang verstummte. Ein einfacher Arbeiter schwang sich auf den Sitz eines leeren Wagens und begann laut zu sprechen. Er sprach von der Freiheit und erinnerte das Volk an die eben gefallenen Opfer, die für Freiheit gekämpft, gefallen von der Hand der Volksfeinde. Der leichte Wind bewegte die rote Fahne. Hierauf bestieg ein Student die„Tribüne". Er sprach von der großen Rolle des Proletariats in der Bewegung und begrüßte es. Es hielten noch gar viele Menschen Reden. Darauf begab man sich nach der„Morskaja"; woran flatterte die rote Fahne. „Halt! Halt!"— und man blieb stehen. Das war ein sich bewegendes Meeting. Ein anderer Redner ergriff wieder da-Z Wort. Hinweisend darauf, daß dies erst der erste Erfolg ist, und daß uns jetzt noch ein großer,, hartnäckiger und schwerer Kampf bevorstehe, schlug er vor, hier zur Stelle den Gefallenen und Um- gekommenen zu schwören, daß niemand die Waffen niederlegen wolle, bis ein völliger Sieg errungen sein wird. Alle erhoben die Hände: „Wir schwören! Wir schwören!"— ertönte es brüderlich in der Luft. Das Meeting setzte sich wieder in Bewegung. Man bc- gegnete Schutzleuten, welche vielen kamerad- und freundschaftlich die Hände drückten, sich gegenseitig erklärend, daß sie sich nun- mehr keine Feinde seien. Und wieder wurde„Halt" gerufen. Das Meeting blieb stehen. Ein Redner wurde emporgehoben; er wies darauf hin, daß, während wir hier die Freiheit begrüßen, viele ihrer Verteidiger bis jetzt noch in den feuchten düsteren Gefängnis- mauern der Befreiung entgegenschmachten... Nicht eher werden wir zur Arbeit schreiten, als bis man uns unsere Freunde und Freiheitsgenossen wiedergegeben hat." Nein, neinl erwiderten alle wie aus einer Kehle. Tie rote Fahne schwankte und setzte sich in Bewegung. Man langte auf dem Marienplatze an. Das rote Banner machte vor dem Denkmal Nikolaus I. Halt. Es wurden wieder etliche Reden, unterbrochen von„Vorwärts"-Rufcn, gc- halten. Als letzter verlas ein Arbeiter ein Gedicht, in welchem betont wurde, daß man keine Opfer scheuen dürfe.„Der Wald wird ausgehauen; der Boden aber bedeckt sich mit neuem Samen, und von neuem werden Reihen von Kämpfern über den Gräbern der gefallenen Brüder erstehen." Gleichsam als Antwort aus die letzten Worte erdomiertc aus Tausenden von Kehlen die Marsellaise. Die Bronzefigur des mächtigen Kaisers war in ein nächtliches Dunkel gehüllt. Das Meeting setzte sich wieder in Bewegung. Ich folgte ihm mit den Äugen; die rote«zahne schwankte über den Häuptern und war noch sichtbar, bis sie w der hellen lichten Ferne erleuchteter Straßen verschwand... Der erste November. Freudig erwachte der zweite Freiheitstag. Ein fröhlicher Morgenstrahl erweckte die Stadt. Ich begab mich nach dem Rcwsky- Prospekt, wo ich auch sofort einer Prozession begegnete. Eine kolossale Menschenmenge schritt in musterhafter Ordnung mit hoch- aufgezogenen roten Fahnen nach der Richtung des Winterpalais. Man sang ununterbrochen Freihcits- und Arbeiterlieder. Der Gesichtsausdruck aller war ein fröhlicher und mutiger, ja sogar die erdfarbenen ausgenörgelten Gesichter der Arbeiter schienen mir Lebensfarbe bedeckt zu sein, als fühlten sie den Vorgeschmack eines besseren Lebens. Alle, die der Prozession begegneten, entblößten die Häupter. Auf den Fahnen las man u. a. die Aufschrift:„Wille und Erde dem Volke!" Neben einem Gasthause begegnete man einer anderen Manifestation. Sie bewegte sich unter einer dreifarbigen Fahne. Auf dieser standen folgende Worte:„Es lebe die Freiheit und der Kaiser." Ich näherte mich dieser Prozession. Ihrem Aeußern nach konnte man mit mehr oder minderer Sicherheit be- haupten, daß es lauter Krämer und Kleinbürger waren. Sic waren sehr aufgeregt. Augenscheinlich befürchteten sie Gewalttätigkeiten. Niemand jedoch fiel es ein, sich niit ihnen einzulassen. Aber da ergriff plötzlich einer von ihnen einen Knaben mit einem roten Bande am Arm und begann ihn zu schlagen, ihm das Band vom Arme reißend. Man nahm sich de? Knaben an und es entstand ein Getümmel. Die dreifarvigen Fahnen wurden hcruntergczerrt, in Fetzen gerissen und im Schmutze zertreten. Statt ihrer wurden rote gehißt. Die Demonstration setzte sodann ihren Weg fort. Außer diesem Vorfalle, welcher, wie man sagt, sich noch dreimal wiederholt haben soll, herrschte eine musterhafte Ordnung. Eine Dcmon- siratio» folgte der anderen. Man begegnete einander und beglück- lvünschte sich. An der Kasaner Kathedrale fand unter dem Dache einiger hundert roter Fahnen ein Meeting statt. Es wurden bc- geisterte Reden gehalten. Gegen fünf Uhr vereinigten sich alle Demonstranten und stellten einen grandiosen, noch nie gesehenen Anblick dar. Es war tatsächlich ein erhabenes Bild: Tausende und abermals lausende Menschen standen mit entblößten Häuptern unter dem roten Fahnen-Baldachin. Weder Schutzleute noch Kommissäre waren sichtbar. Möglich, daß darum eben eine so musterhafte Ordnung herrschte. Man sah keine Betrunkenen und vernahm keine, die Feier- lichkeit des Tages störenden Laute. Sich an den Händen hallend. als wollten sie ihre Einheit befestigen, bewegte sich in gleichmäßigen Reihen, vereinigt mit der lernenden Jugend, das Proletarial. Hie und da ertönten Freihcitsliedcr und-Rufe aus den dichten Massen. Endlich war man an den Annitschkower Palästen angelangt. Wie auf Kommando blickte niemand auf sie. Hier schien es. als er- klängen die Töne noch mächtiger, feierlicher und selbstbewußter als je zuvor. Ich warf eine» Blick nach rechts; schwarz und leer, diistcr und sehnsüchtig blickten die einsamen Fenster des herrlichen Palastes des Großfürsten Ssergej Alexandrowitsch auf die sich unter ihnen bewegende Masse roter Fahnen, die sich feierlich und langsam voin Winde entfaltet fortbewegten. Während der ganzen Zeit vernahm man Forderungen auö der Menge, man solle sich ungesäumt zu den politischen Häftlingen begeben und diese befreien. Die Letter der Bewegung weigerten sich jedoch, diese Forderungen zu bc- willigen, indem sie die Masse zu überzeugen suchten, daß diese Bc- freiung unbedingt aus friedlichem Wege erfolgen müsse; nur i:- äußersten Falle sei zu den Waffen zu greifen. Jetzt aber werden die Forderungen der unbewaffneten Masse mit Bajonettstichen und Kugelhageln beantwortet werden. Hierauf machte das Meeting Kehrt und begab sich in völler Ordnung nach der Universität, von wo alle erst spät i» die Nacht hinein auseinandergingen. Dieser Tag als auch überhaupt alle vorhergehenden bewiesen klar und deutlich das Zielbcwuhtscin und die treffliche politische Erziehung des Proletariats. An der ganzen Streikbewegung in Petersburg und Umgegend nahmen gegen .stvcimalhunderttausend Arbeiter teil. Und doch hatte man sich über Unordnungen nicht zu beklagen. Keinerlei Vergewaltigungen, keine Attentate auf Privateigentum, ungeachtet der sich rapid eut- wickelnden Armut und Not infolge Stockens jeglicher Eintunsic- quellen. Die Führer der Bewegung wiesen unermüdlich aus die Notwendigkeit hin, unbedingte Ordnung zu halten. Das Gegenteil hätte den Polizisten gerade in die Hände gespielt. Die Bewegung hatte darum eine besondere ausschließliche Kraft. Man kamt wahr- lich mit Recht sagen: Lob und Ehre unserem Arbeitervolke! Allein trotz deS taktvollen Verhaltens der Massen floß abermals Blut. Noch einmal erglänzte das Trcpow-Systcm in seiner vollen Macht und Herrlichkeit Das japanische Prinzip des tapferen Geucrals, Patronen für daS russische Volk nicht zu sparen, kam hier voll und ganz mt Geltung, Dank diesem humanen Prinzip« hatten wir tehietütft eine Anzahl unschuldiger Menschenopfer zu bc- klagen. Ungeachtet dessen bleibt zu unserem tiefen Bedauern das scheußliche Trepow-System in voller Kraft. Jenes Trepow-System, das absichtlich Wirren im Volke hervorruft, um bei ihrer Unter- drückung sich auszeichnen zu können,— jenes Trepow-System, bei welchem eine halbwegs angehende bürgerliche Sicherheit auf den Straßen sowie zu Hause ausgeschlossen ist, und welches nur mit dem Sturze seines Urhebers verschwinden kann. Spät am Abend war ich noch in der Redaktion. Kommen Sie aus die Straße; jetzt bietet sich den Augen ein ganz anderes Bild dar. Die Arbeiter hatten sich bereits in ihre Wohnungen zurückgezogen. Die Stadt befand sich wieder in den Händen der Polizei und des„schwarzen Hunderts". Welch eine Sauferei und Schlägerei! An mich— erzählt mir mein Begleiter— traten soeben, sich gegenseitig an den Händen festhaltend, drei Lumpen heran und fragten mich derb:„Sag mal, steckst auch Du mit den„Noten" unter einer Decke?— sprich, wenn wohl, zertrümmern wir Dir allsobald die Schnauze." Ich stieß einen und alle drei Besoffenen sielen zu Boden. Wir gingen aus die Straße hinaus; dort johlten, schrieen und rasten tat- sächlich etwa ein halbes Hundert Stück betrunkenes Gesindel. Tie trugen Nationalfahnen. Die Wahrheit gestanden, war es schtncrz- lich, die russische Fahne in solchen Händen zu sehen. Ich näherte mich dem Winterpalaste. Eine Patrouille anführend, stand ein mit peinlicher Eleganz gekleideter Gardeoffizier mit sympathischem Gesichte; ihn umringte ein Haufe, der die Hymne zu hören verlangte. An der Spitze des Haufens stand oder vielmehr schwankte ein typischer betrunkener Held aus dem„Schwarzen Hundert", welcher heftig gestikulierend die Hand des Offiziers ergriffen hatte und sie fest drückend unzusammenhängende Worte hervorkeuchte:„Wir gehen zusammen für Väterchen Zaren, wir sind gekommen, um ihn zu sehen, ihm unser Wort zu sagen, wir sind jetzt zusammen mit Euch und bilden ein Militär, eine freiwillige kaiserliche Leibwache. Diese roten Schurken werden wir noch unterkriegen und dann— loche ihnen!"— Alle diese Worte entrannen komischerweise durch- einandergemischt mit verschiedenen auserlesenen Schimpfworten, seinem Munde und berührten schmerzhaft peinlich das Ohr. Ich blickte auf dieses Bild und begann laut zu lachen. Ter Offizier bemerkte das und wandte sich streng an mich: „Was suchen Sie hier?" Ich blickte auf ihn, auf das Häuflein Lumpen, in freund- schaftlicher Unterhaltung mit dem glänzenden Offizier und ging, ohne ein Wort zu verlieren, nach Hause. Lange noch erschollen im nächtlichen Dunkel Schreie des betrunkenen Gesindels. Am nächsten Tage, also am 2. November, fach ich selbst in grimme Wut verfallene Gendarmen und Kosaken, wie sie, auf die Trottoire sprengend, friedlich passierende Personen und Gruppen mit unmenschlicher Roheit mit Knütteln bearbeiteten. In der Redaktion angelangt, empfing ich viele Augenzeugen und Verwundete, die mir über ähnliche Szenen Bericht erstatteten und sich über sie beklagten. Es kamen auch solide und wohlsituierte Personen, tvelche, zufällig die Straßen passierend, von den Knuten- hieben der Kosaken ereilt und verwundet wurden. Das Trepow-System war augenscheinlich nach wie vor in Kraft. Die Erschienenen waren empört und entrüstet. Warum, meine Herrschaften, entrüstet Ihr Euch so sehr? Nach den Geschehnissen des 22. Januar kann mich überhaupt nichts mehr in Entrüstung oder Verwunderung versetzen— erwiderte ich ihnen. Aber bedenken Sie! Das alles geschieht, nachdem die Kon- stitution gegeben, nachdem Freiheit des Wortes, der Presse, Un- antastbarkeit der Persönlichkeit und andere hochklingendc Worte ge- fallen, und nun wieder die Nagaika?!— empörten sich meine Gesellschafter. Erlauben Sie, erlauben Sie! Wir haben weder eine Konstitution noch Freiheiten,— wir haben einstweilen nichts als Versprechungen all dieser Wohltaten. Versprechungen aber hatten' loir schon am fünfundzwanzigsten Dezember 1904, und nach dem fünfund- zwanzigsten Dezember 1904 folgte der zweiundzwanzigste Januar 1905. So hier. Am dreißigsten Oktober machte man uns Ver- sprechungen und am ersten und zweiten November bekamen wir Nagaika und andere ähnliche angenehme Sachen. Worin sehen Sie hier Unlogisches?— überzeugte und beruhigte ich meine Gesell- schafter. Sie waren böse auf mich, obwohl ich ihnen die Wahrheit fagtc. Mit Recht haben wir schon lange den Glauben an ver- schieden« Versprechungen verloren; zuviel, bereits alluzuv.cl wurden solche gemacht und nicht erfüllt. Von ganzer Seele aber war und bin ich stets überzeugt, daß fchließlich doch die Stunde schlagen wird, — und diese ist nicht weit— in welcher all die Versprechungen erfüllt und mehr noch als das, werden werden. W'r haben jetzt eine feste Garantie. Sic liegt nicht in den Verheißungen, welche rückgängig gemacht werden können, oder in der Persönlichkeit eines Premiers, der morgen schon von der Macht entfernt und sogar in die entferntesten Orte verbannt werden kann, wie es schon lange die knechtischen Seelen der höfischen Speichellecker wünschen. Nein. eine Garantie, daß die Versprechungen erfüllt werden werden, liegt im Volke selbst, das Gelegenheit hatte, seine Größe zu zeigen, und welches auf jeden Fall imstande fein wird. daS Versprochene. dank seinem unbeugsamen Willen und seiner alles überwältigenden Kraft, sich zu nehmen. (Ucbersctzt von Paula Hirschfeld.) Cingegangene Orucktckritten. Ernst Moser. Der Geburtstag des sozialdemokratischen Zlkkunfts« staates. 96 Seiten. Preis 1 M. Verlag P. Baumann, Dessau. I. Hcnnigsen. Beiträge zur Konsumvercinswage. 16 Seiten. Preis 20 Pf. Verlag Deulschnationalc Buchhandlung u. Verlagsanstalt, Hamburg I. Mutterpflicht und Kindesrecht. Ein Mahnwort und Wegweiser von Dr. E. Netcr. Jährlich 12 Hefte. Preis 3 M. Verlag der l'lerztlichcn Rundschau lO. Gmelini, München. Haberlands Unterrichtsbriefe für das Selbststudium der f r a n- z ö s i s ch e n Sprache von Rektor H. Michaelis und Pros. Dr. P. Passy. Brief 6—10.— Englisch. Unter Mitwirkung von A. Elay, M. Ä. HeranSg. Prof. Dr. Thiergen, Dresden. Brief 6—10. Preis jedes Brieses 7o Pf. Verlag E. Haberland, Lcipzig-R., Eilenburgerstr. 10/11. Paul Göhre. Lcbensgcschichte eines modernen Fabrikarbeiters. 368 Seilen. Preis brosch. 4,50 M., geb. 6,50 M. Verlag E. Diederich, Leipzig._ Lon.'eriinasubersirbt»vi» 27. November lilOo, iiiorgcns» Ilhe. Stationen Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien Stationen aparanda 745 ONO Petersburg 756 SSO Scilly!768 WNW ilberdecn!737 W Paris>766 SV Wetter »Schnee Lbcdeckt 4 halb bd. 4 heiter 3bcdeckt I as? B S» S» tri S> Wetter-Prognose für Dienstag, den 28. November IvvS. Kühler, vielsach heiter, jedoch unbeständig mit einzelnen Regen- Graupelschauern und starken, später abnehmenden westlichen Winden. Berliner ZSeiierbureau. —6 1 8 3 8 oder fCleine M |r als IS Buchstaben zählen doppeU. Mi � V Strasse 6 Anzeigen ��r�rä'n in(Un Annahmestellen für Berlin blslUhr.fTwdU Vororte bis! SUbr» In der Hauptexpedltion Linden Strasse 69 bis 5 Uhr angenommen, zbste jk werden jfm '.rlin ><-, jmm Jm Verkäufe. GardlnenyauS Große Franksurler. stratze 3, parterre. Iß Deckbett, Unterbett, Kiffen mit glattrotem Inlett, zusammen 10,60, nur lPsandleihei Andreasstratze 38.* Rotrosa-gcstrcistcs Deckbett, Unter- bctt, zwei Kiffen, 18,00, Andreas- straffe 38._ 1006St» Pommeriches Baucrnbctt, Deckbett, Unterbett, zwei Kiffen, 27,00. Großes Laken, Stuck 1,00. Pfandleihe ?lndrcasstraffe 33. Elektrische nach überall. 100711' Deppichej(scbicrhafte) in allen Größen für die Hälfte des Wertes im Teppichlager Brünn, Markt 4, Bahnhos Börse. Hackescher 254/12» Matratzen, Sofas, Taschcnsofas Chaiselongue kaufen Sie am billigsten tn der Fabrik Lazarus, an der Markt- halle, AndreaSstraffc 67, Muschel- betten 17, Klciderspinden 28. Kom- moden, Muschclspiegel, Tische. Ver- bindung, Küchcnmöbel, bar Geld lacht. Deppickie mitFarbciijeblern Fabrik- Niederlage Große Franksurlerstraße S, parterre.______+1 Mufitwerke, Teilzahlungen. In- validenftraffc 148(Eingang Berg- straffe), Skalihcrstratze 40, Große Frankfurterstraffe 56. 953K* Schmücke dein Heim mit Gardinen, Teppichen, Porsteren, Stores, Stepp- deckcn,Läuscrstoffenzuaussallendbilligen Preisen. Gardinen-Zweig.Rosenthaler- straffe 67. 1. Etage. 283/8» Möbelsnchende, Brautleute, empfehle meine Möbeltischlerei für Wohnungs- Einrichtungen sowie einzelne Möbel. Bunte Küche. Eng- lische Schlafzimmer. Große Auswahl. Kein Laden. Nur Keller und Hinter- räume. Teilzahlung. Harnack, Tischler- meister, Dresdenerstraße 124. f902K» Wringmaschinen, Zinkwaschsäsfer, Waschmaschinen, Zober, Sihwannen beste Ware. Teilzahlung gestattet. Postkarte. Kottloff, Skalitzerstr. 108.» Abfall-(schlerhaste) Tcppiche in allen Größen zu Spottpreisen. Weißen- bergs Teppichhaus, Große Frank- surterftraffc 126. 982K- Teppiche. Tischdecken, Diwan- decke», in geschmackvollen modernen Mustern, preiswert, nur direkt in der Steppdeckensabrtk, Berlin, Wall- straffe 72. 973K-» Fahrräder, neue und wenig ge- gebrauchte, ausgabehalber sehr billig, auch Teilzahlung, Große Frankfurter- straffe 14._ t40* Leihhaus Küftrinerplatz 7, billige Einkaussguelle für Waren aller Art, großes Lager in Wäsche, Betten, Uhren, Goldlachcn. Tcppichen, Steppdecken, Gardinen. Hosen. Anzügen ,c. ♦ Sofa, wie neu, 21,00. Mcicke, Große Hamburgerstraße 18/l9. 266/20 Gardinen, Stores, Bettdecken, enorm billig. Reste 1 bis 3 Fenster Exwaermäßigung. Gardincn-Vcrsand- bans Jeriisalenicrslraßc 11/12. l017K» Tamenhüte spottbillig nur Pappel- Allee 140, Eckhaus Schönhauser-Allee. �Sleppdccken billigst Fabrik Große Frankjurlerftraße 9, parterre. HI 400 Wintcrpaletots für Herren und Knaben sehr billig bei Herr- mann Schlesinger. Turmstraße 68. Beste Qualitäten! 10321t* 3ÖÖ Winterjoppen für Herren und Knaben, beste Qualitäten, fehr billig bei Hemtiaim Schlesinger, Turmstraße 58. 1033St» Herrenanzüge. Winterpaletots, ivcnlg getrageneMonatSgarderobevon 6 Mark au, große Auswahl, für jede Figur, auch neue, elegante, nicht ab- geholte Maßsachen kaust man am billigsten aus erster Quelle direkt nur beim SchneidermeislerFürstenzelt, Rosenthaierslraße 16 nur 3 Treppe». Keine Ladcnmicte._* — Telten günstige GelegenhÄ in Wäsche. Kleiderstoffen. Steppdecken, Tischdecken. Gardinen. Trikotagen. Eiuzcwcrkaus zu Engros- Preisen. Klopslock, Spandauerbrücke 1. l026K» Winierpoletois, �Iackettanzügc, spottbilligst Psandleihhaus, Weidcn- itieg neunzehn.____ 436» Wiuterpaletots. Gehrockanzüge, spottbilligst. PsandlcihhauS, Weiden- weg neunzehn._ �_ 436» Winterpaletots. Joppen, spott« billigst. Psandleihhaus, Wcidcnweg neunzehn.___ 435* Winterpaletots, Herrenhosen, spottbilligst. Psandleihhaus, Weiden- weg neunzehn.__ 435* Winterpaletots, Taschenuhren, spottbilligst. Psandleihhaus, Weiden- weg neunzehn._____ 435* Strickmaschinen, auch Teilzah. Jungen, Bredereck, Engel- User 20. Teppiche, Gardinen, Portieren, Diwandccken, Plüschtischdecken, Fell- vorlagen, Steppdecken, Möbelstoffe, Läuserftoffe, spottbillige Räumungs- preise. Fabriklager Conrad Fischer, Potsdamerstraße 100._ 97751* Pfandleihe, Oramenstratze 177, Ecke Adalbcrtstraße, verlaust billig goldene Damen- und Herren-Uhren, Teppiche, Steppdecken, Freischwinger, Winterpaletots. Anzüge. 1037K» ' Rcstaürätio» zu verkaufen. Näheres Margarethenstraßc 20._ 104011 Krautstraste 50, Aus meinem Fabrikraum und Keller verkaufe direkt an das Privatpublikum Möbel zu staunend billigen Preisen. Ganze Einrichtungen schon von l50 Mark an. Wer sich verheiraten will oder sich Zimmer ergänzen möchte, kann in Saalfelds Möbelhalle, Krautstraße 60, zusricdengeslellt werden. Kein Laden, daher die kolossal billigen Preise. 766b Gelegenheitskäufe: Paletols.An- zügc, Hosen, Koffer. Revolver, TcschingS, Uhren, Goldsachcn, Kessel. spottbillig. Lücke, Oranicnstraße 13t. Reisegläser, Lperngläscr, Reiß- zeuge, Regulatoren, Frcischwingcr, Harmonikas, Geigen, Zithern, Betten, Teppiche, spottbillig. Lücke, Oranien- straffe 131. 746b» Bronzegaskronen! Gaszug- lampe»! 9,001 Gassparheizösen! 6,00! Gaslyrcn! Ist.I ZweilochgaSkocher! 3,00! Gasbügekapparatl Gasplätt- eisen 1 Gnsbratrsen! 6,00! Petroleum- äsen spottbillig! Wohlauer, Wallner- theaterswaße 32(Gaskocherhaus l)» Nähmaschinen taust man am besten im Spezialgeschäft aller Systeme ohne Anzahlung, wöchentlich 1.00, gebrauchte 12.00, 16.00. 20.00, tadellos. Ackerstraße 143, Wiener- straffe 6. 762b Kinderwagen, Kinderbettstellen, gebrauchte, zurückgesetzte, Puppen- wagen spottbillig. Schneider, Kur- sürstenstraße 172. 4l6b' Pianino, säst neu. billig ver. käuslich Pücklerswaße 33 I, Schirm. Köpenick. Achtung. Putzer, Maurer! Reibcbretter-Kardätschen sind zu haben bei C. Schönert, Müggclheimer- straffe 4, Hos I.___ 6676 Seifengeschäft mit Rolle verkaust billig Samanterstraffe 36. 444» Harzer-Kanarienroller, prima Sän- ger, sür Händler und Private billig. Grundmann,Kömmandantenstraffe52. GaskocherhauS! ZweilochgaSkocher! 3,00. Dreilochgastocher! Gas- braiösen I 6,00. Gasplätteisen l Gas- bügclapvarat I Gasbrcnnscheren! spottbillig! Gaslyren Ist.I GaSkroncn, Schaufensterlicht aller Art I Wohiaucr, Wallnertheaterstraffe 32._ 97851* Malzkraftbier, blutbildend, sür Blutarme, Brustkranke, Schwächliche, Gewichtszunahme, bessere Gesichts- sarbe, überraschend, 44 Flaschen 3 Mark,-/., Tonne 3.60 exklusive. Nicht Flaschenzahl, Qualität ent- scheidet. Porter-Kcllcrei Ringlcr, Bernauerftraffe 419. 97M* Hochvornehme Herrenhosen aus seinstcn Maffstoffen 9—12 Mark. Verkauj Sonnabend und Sonntag. Vcrsandhans Germania, Unter den Linden 21. Keine Filialen. 917K» Schlesinger, Turmstraße 86, fertigt elegante Herrenanzüge nach Maß nur gegen Kasse, keine Abzahlungen. Betten, Stand 11,00, zweischläfrig 16 Mark. Pfandleihe Gubencrstraffe 3 Mödclvcrkons in meiner Möbel- sabrik Wallstraffe 80/81, nahe Spittcl- markt. Jnsolge des groffen Umzugs befinden sich am Loger viele zurück- gesetzte und verlieben gelvcscnc Möbel, die wie neu sind, Kleiderspind, Perttko 27,00, Ausziehtisch 16, Muschel. bellslclle mit Fcdcrmatratzc und Kcilkiffe» 36, Toschensosa 60, Paneel- soja 70. Waschtoilctlc 20. Ruhe- bctt 26, ganze Einrichtnngcn billig!!. Transport srei. 61/9» 20 Mark. II links. tand resdcncrstraffe 38, vom 61/10» Schöne große Federbetten. Dc Monatsanzüge und Winier- Paletots von 6,00 an, Joppen von 4,60 an, Hosen von 1,60 an. Geh- rockanzüge von 12,00 an, Fracks von 2,50 an, sowie sür korpulente Eiguren. Reue Garderobe zu aunend billigen Preise», anS Pfand« leihen verfallene Sachen kaust man am vorteilhaftesten bei Nah, Mulack- straffe 14. 772b Landliebhaber! Das beste Ge- schenk sür die ganze Familie ist eine idyllische, von Laub- und Nadelwald umgebene Bauparzelle, Ouadratrute 8 Mark ohne Straffenland-Älbtretung. in der herrlich gelegmen Villenkoionie Birkholzaue, zwcieinehalbe Meilen vom Zentrum Berlins(Bahnstation Blmnberg). Genchmigier Bebauung--- plan: prima Gartenboden; kerne Rieselfelder, keine Fabriken. Ueber 80 Bauparzellen bis jetzt verkauft. Obiger Preis bleibt nur bis Weih- nachten. Näheres Franz Schulz, Rir- darf, Lcnaustraffe 12/13. 768b» Tamenjacketts, Paletots, jDoll- maus(Reiscmuster), teils aus Seide, durchweg 8 Mark, Posten eleganter Steppdecken, Seidenklot, statt 8 Marl durchweg 3,76. Neumann, Belle. allianccstraffe 106. 1048K» Bett, 17,00, Michel, Dresdcner- straßc 38. 756b» Nähmaschinen. Vergüte bis 10,00, wer kaust oder nachweist, ohne An- zahlung, Woche t,00. Köpenickcr- straffe 60/61, Große Franlsurtcr- straffe 43, Prenzlauerstraffe 69/60.' Pianino 126,—, braunes, Turm- straffe 8, parterre._ 61/6 Restaurant zu verkaufen. Erfragen Lettcslraffe 8. Lokal. 464 Bettstelle mit Matratzen zu ver- kaufen Stargarderstraffe 22, Seiten- flügel I. 454 Patcntschlafiofa, hochelegante Plüschgarnitur, Chaiselongues 13,— an. Jonscher. Kulmstraffe 7/8. 749b Zwei verlaust( iut erhaltene Damenjackctis zchwarzc, Sorauerstr. 4 II. Liedpostkarte— Qriginal-Kompo- sition— Dutzend 1 Mark. Helene stöckel, Bubenheim(Mittelfranken). Barbiergefchäft, 8 Jahre be- stehend, sofort billig verkäuflich. Wo, jagt Lange. Proskauerstraffe 8, Quer« gebäude IV. 445 Stand Betten(30), Adler-Nah- schüre, Damenjackett, Harsenzither, neues Polsterbett, Gasofen vertaust billigst wegen Raummangel Alexan- drinenstraffe 45, Zigarrenladen. 474b Winterpaletots, Anzüge, Re- montoiruhren, Uhrketten, spottbillig. Leihhaus Grür.erwcg 1t3, früher Ncanderslraffe._ Teppiche. Steppdecken, Tischdecken, spottbillig Leihhaus Grünerweg 113. Betten, Gardinen, Portieren, Re- gulatoren, Operngläser, Gaskronen, Bilder, Spiegel spottbillig Leihhaus Grünerweg 1l3. Teilzahlungen ge- stattet. 6t, 7» PelzftolaS(Gelegenheitskauf) billigst Pelzwarcnsabrik Plan-User 31, par- tcrre links. 61/8» Möbelfabrik. Ganze WohnungS- einrichtnngcn aus Teilzahlung � bei geringer Anzahlung liefert die Möbel- sabrik, Schützenstraße 73/74. 896K* Kouzcrtina, neu, billig zu ver- kaufen Ober-Schöneweide, Rathenau- straße 3, Ziebold. 104öK Eine gutgehende Molkerei, be- stehend aus 11 Kühen, Pserd und Wagen mit Zubehör, ist krankheitS- halber billig zu verkauseu. Zu er- fragen bei Schmidt, Müllerftr. t6/16. PelzftolaS"Wig beim Kürschner Grenadierstraße 11, I. 764b Tpeisetisch, sosa, Stühle. Krimp er, Trumeau, Paneel- Pelzstolas verkaust Zchönhauscr Allee 187. Möbelspeichcr. verliehen ge- wesene, sür Brautleute paffend, Trumeaii, Schrcibsckrctär, Bettstellen mit Matratzen, von 10 Mark an, Kleiderschrank, Wäfchcspind, zusammen 40 Mark; Spiegelspind mit großem Spiegel 35 Mark,.«osa 20 Mark, Betten. Bilder, Gardinen. Auch aus Zeilzahlung. St einmetzstraße 15. Setdcnblusen. Wollblusen in jeder Preislage zu Original-Fabrikpreisen. Bluscnsabrik Blumcnstraffe 9 II.' Winterjackctts, Blusen, Kostüm- rocke, aus guten Stofieu selbstge- fertigt, vcrknuie. da keine Ladcnmiete, zu auffallend billigen Preisen. Ge- iegcnheitskaus in Pelzstolas. Littauer. Bninuenstraffe 4 I. 769b Möbelgelegenhcit. Die in meinen drei großen speichern lagernden Waren müssen wegen Uebcrsüllung schnell geräumt werden. ES sind be- sonders prachtvolle Schlafzimmer, Salonzimmer, eichene Herrenzimmer, Wohnzimmer, Speisezimmer, im ganzen, auch jedes Stück einzeln, spottbillige Büfette, Kleiderschränke, Wäscheschränke, Salonschränke, Bücher- schränke, Anlleideschränke, Schreibtische 26,00 Waschtoilettcn, Bettstellen, Aus- ziehtische. Säulcntrumeaus 30,00, Paneclsosas, Saiongarnituren, Pracht- volle Ruhebetten mit Ehaiseionguc« decke 22,60, Küchcnmöbel, Zimmer- teppiche 8,00, eytragcoße Salonteppiche 18,00 an, reichgestickte Uebergardinen, Diwandecken, Steppdecken, Gardinen, Spachtclstores, Plüschtischdecken 6,00, Speisezimmer, Saionkronen, Pracht- lampen, Wanduhren, Salonbildcr. Alles neue GelegenheitS- Verkäufe. Otto Lidetes Anhalter Bahnspeicher Mvckcrnstraße26, dircktHochbahnstatian Möckernbrücke. Antauf ganzer Waren« lagcr, Konkursmassen, Wirtschastcn, Nachlässe und sonstige Gelegen- heilen. 1021K Patentanwalt Wessel, straffe 94a. Gilschiner- 2596» Saall Vereinszimmer Markgrasenstraffe 83._ empfiehlt 5776* Bereinszimmer, 20 bis 130 Personen, Versammlungslokal der Gewertschasten,»/„ 10Pscnnige. Engel, Seydelstraffe 30. 640b» Zitlieriinterricht, schnellförderud, Briyerftraffe 14 II. 671b* Bereinszimmer. 40 Personen. Gustav Manzei, Reichenbergerstraffe 16. Aufpolstern: Mattatze 3,00. Sofa 6,00, grimdaus wie neu. Grcnda, Steinmetzfttaffe 43. 691b* Stenographie, Buchsübrung, Schreibmaschine, sprachen. Salomon, Karisttaffe 26._ 910K* �Stähmaschinenreparaturen wcr- den schnell und billig in meiner eignen Bertftntt ausgeführt. Bell- mann, Gollnowstraffe 26, nahe der Landsbergerfiraffe. 907K» Piatina, alte Goldsachcn, Bruch- gold, Silber, alte Zahngebiffc, Kehr- gold, Staubgold, photoaraphische Rück- stände, sowie sämtliche gold- und silberhailigen Abfälle kaust Gold- schmelze Broh, Wrangelsttaße 4. Telephon Amt 4. 6958. 61,11» Platin«, alte Zabngebiffe, allerhöchste Preise Ackerstraße 174, 14. Freundliche Schlafstelle vermiciet Elske, Brunnenstraße 160(Eingang Anklamerstraße), 3 Treppen. 761b Teilnehmer zu möblierter Schills- stelle, Kastanienallee 78, Hos II, Noschlc. �rbeitsinarkt. Stellengesuche* Gcrhardy, Universal- Humorsi't, Wrangelsttaße 22. 420» Bolkshumorift Balzä, auch Ge- sellschast, l. Feiertag Mattnec frei. 2. Feiertag abend frei. Manteuffel- straße 41. xiy« Schmelzer, Volkshumorist, auch mit Gesellschaft, 1. Feiertag Matinee, 2., 3. Feiertag abends frei. Stettiner. sttaße 67._ 4146* Blinder Stuhlflcchter bittet um Arbeit. Stühle werden abgeholt uud zunickgeliesert. A. Gläser, Mulack. straffe 27. 14686 nicht Laden. 770b» Bereinshaus.Jnvalidenstraffe 146, großes Peremszimmer sür Sitzungen, Versammlungen, einige Tage zu vergeben. 4143* Singerbobbin- Ringschiffgesuch, Bccrwald, Schwedtersttaffc 12. 267/17» BereinSztmmer für Gesangverein (Klavier) Donnerstag frei. Sauer, Schönhauser Allee 136. Telephon Hl 6294._ 454 Die Beleidigung gegen Fräulein Minna Schmelz, Ramlerstraffe 21, nehme ich zurück. M. Wendors, Strelitzersttatze 59. 771* Venrnetungeu. Wohnungen. Hermannstrafte 62, Rixdors, neues Haus, Wohnungen von 2 und l (immer, Balkon, Zubehör, sofort illigst zu vermieten. I0l0K Versdiieäenes. Kiinststopferei von Frau KokoSky, Eharlotleuburg, Goctbcstraffe 84, I.» Singerbobbin, Ringschiffgesuch. Bccrwald, Schwcdtcrsttaffe t2.» Pffandlrihe. Pftnzeiisttaffc 63, täglich 8—8, Sonntags bis 2. 985.K* Vereine I Saal, Vörcinszimmer. Sonnabende frei.(Wciffbicr.) Klub- haus Auncnsttatze 46.«0/9» Waschanstalt E. Lebmann, Köpe- nick, Glienickcrstraffc 13, wäscht chlor- frei 4 Handtücher, Taschentücher, Leibwäsche 0,10. Abholung Mittwochs. Pfandleihe Markusftraffc 27» Billige Wohnungen, 2 Stuben und Küche mit Bad. 1 Stube und Küche ,um l. Januar 1906. Rummclsburg- llll-Boybagen, Weserfttatze 29. 497b» Oudrnarderftraste 36, 37, billige Kleinwohnungen sofort. Näheres Wirt J37.__ 630b» Markgrafendamm 8, kleine, mittlere, auch drei- und vierzimmerige Wohnungen, sofort, auch später. 316b Zimmer. Möbliertes Zimmer und zwei Schlafstellen sofort zu vermieten Weber- sttaße 13, vorn, erste Etage links.* Möbliertes Zi Gottwaldt, Metzerstraffe'16. __ 10_7516 Zweifenstriges Zimmer. gut möbliert, an Herrn zum t. Dezember zu vermieten Alte Jakobsttaffe 119, II, Denk. �7b Flickschneider, spottbillig, gut- sitzend, schnell, geübt, Aenderungen, Reparaturen, Garderobenreinigung. sucht Kundschaft. Eberl, Frucht- straffe 31, vorn._(-45 Stellenangebote. Lehrling verlangt Schlosserei, Gartenftr. 104._ 4144* Schmied und Schlosser aus Messer- schnitte. Marquardt, An der Michael. brücke 1._ 774b Farbigmacher verlangt Fürsten- straffe 20, Hof parterre._ Korbmacher wird oerlangt aus GcschoffkorbrcparawrSchall, Spandau, Schönwalderstraffe. 104M ArbeitSburfchen verlangt Mar Leonhard, schlesischestraße 31. 763d Tüchtiger Wcrksührcr gesucht für Steinholzsabrik. Postamt tl. Arbeiter und sonstige Personen, die bei kleiner Bemühung 8 Mark wöchentlich Nebenverdienst erwerben möchten, wollen nur ihre Adresse mit WohnungSangabe unter Buch- stabcn G. 4 an die Expediiion des „Vorwärts" einsenden. Keine Rcllauic, denn sür die Bemühungen ersolgt Vorschuß. 764b» Gürtler, der bereits in der Metallknopfbranche gearbeitet, verlangt Paul Hübner, Markus- stratze 5 IV._ 7596 M a ruwrschletfer verlangt Hepp. Schönlcinstraffe 24.__ 7666 "Tüchtige Schlosser äüs eiserne Schaufenster werden gesucht. E. Nachtigall, Lindcnstratze 78. 746b "Näherinnen aus gute Damen- beiuklcidcr verlangt Bell, Ramler- straffe 30._ 4 U6 Knopflochmachrrin. Maschine;:-. nähenn, Wäichc, auch lernen, verlangt Weinmann, Prinzenstraffe 25. 61 6 V Möbliertes Äordcrzimmcr ver- mietetet Filiv. Bcuffelstraffc 28 I V. Schlafstellen. Möblierte Schlafstelle sür Herrn Gräscstraffe 6. I. Oucrgebände III links bei Hinz._____* chlasslcllc, Dres- 626b Möblierte bessere Vorder- auch Hinlerzimincr denersttab- 58 III, rechts� Nllcinigc Schlaiftclle. Wallman», Pankow. Bchnsenstraße 7, II, Ecke Kaiser Friedrichstraße. 454 Jw Arbeitsiuarkt durch befoubrren Druck hervorgehobeu« Au zeigen kosten 40 Pf. pro Zeile- Etuis-, Kartouche-Apbeitep sucht sofort Karl Tinias, An der Schleuse 10. �»rantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil vcraniiv.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Biichdrnckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer& Co. Zlchtimg! Bauhandwerker! Der streik der Rohrcr ist beendet. Gesperrt sind: 6. Woin-i, Onitzowstr. 103, A. Krause, Sicmcnsstt. 26, (S. Jngotd, Prinz Eugenstt. 27, und ersuchen wir sämtliche Rohrcr diese Firmen slreng zu meiden, Die Lohnkommin-on. Berlin LM, >... I Nr. S78. Tieuswg. dc» S8. N-vcml'er t«UZ. 1 KerNn. cinckenltt. b». fesnlprelder- klmt lf.>?8Z. i"» JnUrüU Scchsgcfpaltcne Kolonelzeile 20 Pfg. Bei größeren Hufträgen entlpredienden Rabatt. partcl-Hncfclegenbcitm Reinickendorf-West. Der Diskutierabend des Wahlvereiiis findet am Dienstag, den 28. d. M.. abends 8»/, Uhr, bei Schulz, Berliner- straste 36, statt. Tagesordnung:„Die Schule wie sie sein soll." Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Charlottenburg. Den Mitgliedern des Wahlvereins hierdurch zur Mitteilung, daß h e u t e D i e n S t a g die Generalversammlung statifiiidet. Der Wichtigkeit der Tagesordnung halber sSiehe Sonntags-Jnserat) ist das Erscheinen aller Mitglieder erwünscht. Der Vorstand. Schöneberg. Heute Dienstag abend findet im O b st schen Saale, Meiningerstr. 8, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Mitgliedsbuch legitimiert. Vorort- I�acbncbten. Bom Schulwesen in Lichtenberg. „Herr Gemeindevorsteher, Sie sind im Begriff, mit Hülfe der Herren Sozialdemokraten gegen den Willen der gesamten bürger- lichen Vertreter eine Vorlage durchzudrücken ich warne Sic l" So schrie in einer Sitzung der Gemeindevertretung der„Führer" des Lichtenberger Kommunalfreisinns— soll heißen, der Vertreter der Grundbesitzer- und Bürgervereine— dem Gemeindevorsteher zornig entgegen, als es galt, die allernotwcndigsten Lehrkräfte für die Volksschule einzustellen. Ein andermal handelte es sich um die Errichtung eines Realglimnasiums, also einer Anstalt für die Kinder der Besitzenden. Da rief derselbe Herr:„Die von den Herren Sozialdemokraten beantragte Vertagung und Koinmissionsberatnng der Vorlage halte ich nickt für unbedingt notwendig, ich werde schon heute für die Vorlage stimmen." Der Vorlage ist vom Gemeindevorsteher eine Begründung beü gegeben, aus der wir folgendes mitteilen: Die Volksschule hat unter Berücksichtigung der schwachen Finanzlage des Ortes sich iin Rahmen des Notwendigsten halten müssen und doch sind in den letzten zehn Jahren die Lehrkräfte von 64 auf 147 gestiegen. Es sind vier neue große Schulen erbaut; einsckließlich einer im Laufe des nächsten Etatsjahres zu erbauenden fünften Schule sind etwa 1800 000 Mark für Grunderwerb und Baukosten erforderlich gewesen. Aus der fechSklassigen Schule sei eine siebenklassige geworden, die Schüler« zahl der Klasse sei verringert(Klassen mit 70 Schülern bestehen noch. D. B.), die Unterrichtsstunden seien vermehrt und so gegen früher�„einigermaßen normale Verhältnisse" eingetreten. Seien so die Aufgabe» der Gemeinde gegen die Volksschule erfüllt, so könne sich nun die Fürsorge der Gemeinde auf die Kinder derjenigen Bevölkerung erstrecken, die in der Lage ist, ihren Kindern den Unterricht einer höheren Schule angedeihen zu lassen und nun endlich einmal auch für die Errichtung höherer Schulen zu sorgen. Es wird dann von der sozialen Schichtung der Bevölkerung gesprochen und von der Errichtung höherer schulen eine Vermischung der„Stände" erwartet. Es heißt diesbezüglich in der Vorlage:„Es müsse bestirchtet werden, daß bei dem Mangel an höheren Schulen die Einwohnerschaft eine rein proletarische werde und diese Richtimg der Entwicklung könne auch später nur unter schweren Opfern geändert werden, aber auch vom allgemeinen sozialpolitischen Standpunkte können Gemeinden. deren Einwohner nur aus einer bestimmten Bevölkerungsschicht be> stehen, als wünschenswert nicht betrachtet werden; für das gegen- seitige Kennen und Verstehen und damit für den sozialen Frieden sei die Vermischung von Bedeutung." Ueber den finanziellen Effekt läßt sich die Vorlage nicht aus, sondern spricht nur im allgemeinen von erheblichen Zuschüssen, es werden genannt etwa 50—60 000 Mark. Von den Rektoren der Gemeindeschulen werden die Vorschulklaffen als nicht wünschenswert bezeichnet. Alle von unseren Genossen gemachten Einwände blieben unbeachtet, eine Kommissionsberatung wurde abgelehnt und die Vor- läge angenommen. Die Sozialdemokraten enthielten sich der Ab- stimmung. Da die Majorität so glatt zu ihrem Ziele gelangt war. ließen sie mich der Volks schule etwas zu gute kommen, sie be- willigten die geforderten zehn Lehrkräfte für die Volksschule— sieben Lehrer und drei Lehrerinnen— und zwar ohne Debatte. Wie groß- mütig sind doch unsere Gemeindevertretungen von Grundbesitzers Gnaden I Charlottenbnrg. Antomobilunfall. Am Donnerstag, den 23. d. M., abends um Vj 6 Uhr, wurde in Charlottenburg, an der Ecke der Berliner- und Wilmersdorferstraße, ein den Fahrdamm überschreitender Arbeiter fwahrscheinlich Maurer) von einem Automobil überfahren. Da zwei einwandsfreie Zeugen des Unfalls genau beobachteten, daß der Führer des Automobils es unterlassen hat, das Warnungssignal zu geben, so daß der Arbeiter von dem unhörbar heransausenden Fahrzeuge über- rascht wurde, so hat derselbe jedenfalls Ansprüche an den Besitzer des Automobils, einen Direktor, zu stellen. Die Nummer des Wagens lautet: A 3146. Die Arbeitskollegen des Verunglückten werden gebeten, denselben von dieser Mitteilung zu benachrichtigen. Die Adresse der Zeugen sind in der„Vorwärts"-Redaktion zu er- fragen.. Ein großer Stallbrand, der drei Personen in Lebensgefahr brachte, kam gestern Montag früh gegen 4 Uhr auf dem Grundstück der Berliner Pomrilgesellschaft in der Sophienstr. 8—17 zum Aus- bruch. In einem einstöckigen, isoliert stehenden Gebäude bewohnt dort die Kutscherfamilie A r m g a r t den ersten Stock. An dieses Gebäude schließen sich an zwei Seiten Anbauten an. von denen einer als Remise dient und mit großen Mengen Stroh angefüllt war. Hier entstand das Feuer auf bisher nicht ernnttelte Weise und ergriff bald den ganzen Stall, so daß helle Flammen an dem unmittelbar angrenzenden Wohngebäude emporschlngen. Schon war auch dieses in Brand geraten, als der Kutscher Armgart aus dem Schlafe erwachte. Schnell weckte er seine Frau und sein Kind, um sich in Sicherheit zu bringen. Kurz entschlossen sprang er aus dem Fenster auf das Dach des zweiten Anbaues und rettete dann feine Angehörigen auf demselben Wege. ES war auch die höchste Zeit, denn wenige Minute» später stand die Wobnung in Flammen. Die alarmierte Fenerivehr griff sofort mit mehreren Schianchleitungcn ein und brachte das Feuer inner- batb einer halben Stunde zum Stehen. Die Remise ist ganz und die Wohnung zum größten Teil ausgebrannt. Nixdorf. Schlimme Folgen hatte eine Brandkatastrophe, welche sich Sonn- tag morgen in dem Hause Bürgerstr. 44 zu Nirdorf zugetragen hat. Hausbewohner bemerkte», daß ans der Wohnung des in der zweiten Etage wohnhaften 71 Jahre alten Schnhmachermeisters Sommer dicker Oualm herausdrang. Man öffnete gewaltsam die Tür, um dem Rauch Abzug zu verfchaffe», dann drang man in die Wohnung ein. Der Greis lag im Zimmer tot auf dem Fußboden vor dem stark verkohlte» Bert. Ein sofort herbeigerufener Arzt konstatierte, daß S. im Rauch erstickt war. Wahrscheinlich hat der Alte abends im Bett geraucht, war dabei eingeschlafen und die brennende Zigarre hat dann das Bett in Brand gesetzt. Als S- darüber erwachte, ivar das Zimmer bereits derartig verqualmt, daß er wohl noch das Bett verlassen konnte, dann aber bewußtlos zusammenbrach und elend ersticken mußte. Schöneberg. Tödlich verunglückt ist gestern um rf.ß Uhr beim Abspringen von einem in der Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen der Stallmann Wilhelm Dix, Monunientenstraße 7 in Schöneberg wohnhaft. Dix benutzte einen Straßenbahnwagen der Linie II der Südlichen Berliner Vorortbahn und wollte den Waggon vor dem Hause Monumenten- straße 34 verlassen. Er sprang trotz wiederholter und dringender Warnung seitens des Schaffners von dem in voller Fahrt befind- lichen Wagen herab, stürzte und blieb besinnungslos neben dem Geleise liegen. Der Verunglückte wurde»ach der Unfallstation in der Bahnstraße gebracht und verstarb dortselbst bald»ach seiner Ein- licferung an den Folgen eines komplizierten Schädelbruches. Gewerbegerichtswahlen. Die Wahlperiode der am 9. Januar 1904 gewählten Beisitzer des Gewerbcgerichts läuft mit dem 31. März 1906 ab. Die Neuwahlen sind vom Magistrat fest- gesetzt aus Sonnabend, den 20. Januar. Die Arbeit- g c b e r wählen in einem das gesamte Stadtgebiet umfassenden Bc- zirkc in der Zeit von 2'/� bis 3% Uhr nachmittags, während die Arbeitnehmer wiederum wie vor zwei Jahren in fünf Be- zirken wählen, die mit den Grenzen der Polizeireviere zusammen- fallen. Die Wahlzeit für die Arbeitnehmer ist festgesetzt von 4 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends. Tie Wahlen erfolgen für die Zeit vom 1. April 1906 bis 31. März 1908 und es sind 26 Beisitzer (13 Arbeilgeber und 13 Arbeitnehmer) zu wählen. Für die Bc- rcchtigung zur Teilnahme an der Wahl gelten dieselben Bestim- mungen, wie diese bei der vorigen Wahl maßgebend waren. Teltow. Aus zu den Sladtverordnetrnwahlen! Auf Donnerstag, den 30. November, sind die Stadtverordnetenwahlen anberaumt worden. Es gilt, die kurze Zeit auszunutzen zu kräfttger Agitation für unsere Kandidaten. Die Wahl findet im kleinen Saale des Hotels„Schwarzer Adler" statt. Die dritte Abteilung wählt in der Zeit von 4— S'/z Uhr nachmittags, die zweite Abteilung von ö'/s— 6>/z Uhr und die erste Abteilung in der Zeit von O'/*— 7 Uhr. In der dritten Abteilung scheidet der Zimmerpolier Herrlich— seit 1895 Stadtverordneter— aus, hoffentlich wird es ihm erspart, wieder die dritte Abteilung zu vertreten. Wir appellieren an die Wähler der dritten Abteilung, daß sie am 30. November, nachmittags 4 Uhr, sich im Wahllokal einfinden mögen. Der zur Verfügung stehende Raum ist sehr klein, obwohl ein großer Saal in demselben Lokale vorhanden ist, es ist somit nach keiner Richtung dem Be dürfnis Rechnung getragen; der Raunr faßt höchstens 100 Perfonen, dagegen sind fünfhundert eingeschriebene Wähler der dritten Ab- teilung vorhanden. Wiegen wir uns nicht in Sicherheit, komme jeder rechtzeitig zur Wahl, daß wir einen noch glänzenderen Sieg erringen als vor zwei Jahren. Wahlberechtigt ist in der dritten Abteilung, wer 24 Jahre alt ist. ein Jahr in Teltow wohnt. einen eigenen Hausstand besitzt, kein Ausländer ist, 6 M. Steuern zahlt und in der Wählerliste steht. Als Kandidat ist der Genosse Karl Gänsert, Hanseigentümer und Maurer, wohnhaft Lindeir ftraße, aufgestellt worden. Zwei Fahrraddiebr wurden in Teltow polizeilich ermittelt und festgenommen. Der erste, ein Arbeiter Paul Fleischhammel au» Gütergotz, wurde auf frischer Tat ertappt, als er das Fahrrad des Barbiers Hartwig vom Hausflur entwendete und damit das Weite suchen wollte. Am gleichen Tage wurde einem Gärtnergehülfen aus dem Hausflur des Haufes Berlincrstr. 1 das Fahrrad gestohlen. Der Täter, ein Arbeiter L. Noglh, wurde noch an demselben Tage abends von der Polizei festgenommen. Das gestohlene Rad wurde gestern in einem Kartoffelhaufen auf dem Ruhlsdorfcr Lindberge versteckt vorgefunden Die Festgenommenen wurden in das Unter- suchungsgesängnis eingeliefert. Stralau. Die hiesige Gemeindevertretung beschloß in ihrer letzten Sitzung, an Stelle des verstorbenen Hauptlehrers Herrn Amthor einen Rektor anzustellen. Das Grundgehalt für diesen beträgt 1800 M. neben dreijährgien Alterszulagen a 200 M. und eine Mietsentschädigung von jährlich 650 M. Das Schnlioesen wird eine Aenderung dahin erfahren, daß an Stelle des sechsklassigen Unterrichts vom 1. April 1906 ab das sieben- klassige System eingeführt werden soll. Zu derselben Zeit wird noch ein Lehrer und eine Lehrerin angestellt. Die Einschulung der Kinder wird vom 1. April 1906 ab außer Ostern auch zu Michaelis stattfinden. Für die Kinder der mit ihren Fahrzeugen aus Stralauer Gemeindegebiet überwinternden Schiffer wird pro Kind monatlich 2 M. erhoben. Der Gemcindevorstand wird beauftragt, die durch den Unterricht der Schiffe, linder während der Winterzeit etwa entstehenden Mehr- kosten durch StaatSzuschuß decken zu lassen. Außer dem für den entlassenen Maschinisten der Pumpstation einzustellenden Maschinisten soll ein Techniker angestellt werden, der die Aufsicht über Arbeiten in der Pumpstation. Straßen- und Kanalisationsreinigung sowie sonstige Gemeinde- Arbeiten zu führen hat. Spandau. Die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, den 23. November, hatte nur eine kleine Tagesordnung zu erledigen. ES wurden zunächst zwei Stadtverordnctenwahlen, darunter die des Genossen H o r n i g für gültig erklärt und dürste die Einführung wohl demnächst erfolgen. IN die gemischte Kommission zur Weiter- bcratung über einen Pachterlaß des städtischen Badcanstaltspächiers tuerden unter anderem auch die Genossen Scholz I und Pieper gewählt. Als Vertreter zum deutschen Städtetag, der am 27. November in Berlin stattfindet, wird vom Magistrat der Bürgermeister Wolf und von der Stadtverordneten-Versammlung der Stadtverordnete Dr. Engelhardt abgeordnet. Verwunderimg erregte die Ab- ordnnng des Stadtv. lör. Engelhardt, der weder Vorsteher, noch Vorstandsmitglied ist.— Die höhere und die mnO-re Mädchenfchnlc werden in zehn- resp. achtstufige Schulen nmgcw.-.u4 ,. Es ist dies eine Folge des Beschlusses, nach welchem vom 1. April 1906 die Geineindeschltlen siebcnstufig eingerichtet iverden.— Für die hier überwinternden Kinder von Schiffern soll versuchsweise für den Winter 1905/06 eine Schifferkindcrschule eingerichtet werden. DaS Schulgeld soll 2 M. pro Monat und Kind betragen. Genosse Pieper beantragt das Schulgeld ganz fallen zu lassen oder zu ermäßigen. Die Mehrheit lehnte diesen Antrag jedoch ab.— Das Schulgeld für die April 1906 ab zu errichtende Realschule war ursprünglich von der Versammlung durchgängig auf 100 M. festgesetzt. Jetzt hat der Magistrat beantragt, das Schulgeld für die Vorschule solle nur 80 M., für die übrigen Klassen 100' M. jährlich betragen, auswärttge Schüler sollen einen Aufschlag von 50 Proz. zahlen. Diesem Antrage stimmte die Versammlung zu.— Eine längere Diskussion zeitigt unter den bürgerlichen Stadtverordneten eine Interpellation des Stadtverordneten Dr. Engelhardt die lautet:„Welche Maß» nahmen gedenkt der Magistrat zu treffen gegen die ganz unhaltbaren und lebensgefährlichen Verkehrsverhältnisse in der Brückenstraße?" ES wurde beschlossen, die Sache einer Kommission zur Prüfung zu übergeben.— Einige Petitionen von Bewohnern der Wilhelmstraße um besseres Pflaster und mehr Licht fanden mit Hülfe unserer Genossen entsprechende Erledigung. Zossen. Achtung! Die hiesigen Gewerkschaften berufen auf Mittwoch, den 29. Noventber, abends 8 Uhr, bei Schimke eine öffentliche Gewerkschaftsversammlung ein. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Die Bedeutung des Gewerkschaftskartells. Referent: Brunner- Berlin. 2. Verschiedenes. Hierzu sind aucht Nichtorganisierte Arbeiter eingeladen. In der am Donnerstag, den 23. November, abgehaltenen Monatsversammlung erstattete Genosse H. Schulz einen eingehenden Bericht über die letzte Kreis-Gencralversammlung in Rixdorf. Unter anderm streifte er auch den„Vorwärts"-Konflikt. der eine sehr leb- haste Debatte hervorrief. Im Verlauf der Diskussion brachte Dornbusch eine Resolution ein, in der es heißt:— daß die heutige Monats- Versammlung sich mit der Resolution Zubeil-Südekum einverstanden erklärt. Diele Resolution wird gegen 3 Stimmen abgelehnt. Des weiteren wurde ein Antrag an die Stadtverordneten, umgehend zu der Fleischteuerung Stellung zu nehmen, einstimmig angenommen. An Stelle des verzogenen Genossen Murrer, wurde Genosse Spalthoff zum Schriftführer gewählt. Zur Kreis-Generalversammlung wurde Genosse H. Schulz delegiert. Nachdem noch Genosse Ralow auf das Ergebnis der letzten Stadtverordnetenwahlen hingewiesen, und ferner zum Abonneinent auf den„Vorlvärts" aufgefordert hatte, erfolgte Schluß der leider recht schwach besuchten Versammlung. Kerlmer I�acdrickten. Die Stadtverordnetenwahlen, die in Berlin noch ausstehen— eine Nachivahl im 17. Wahlbezirk und vier Stichwahlen im I., 6., 7., 30. Wahlbezirk— werden nun morgen, am Mittwoch, am 29. November, vollzogen werden. In den vier Stichwahl- Bezirken soll zwischen Sozialdemokratie und Liberalismus ent- schieden werden, und auch in dem Nachwahl-Bezirk ist dem Kandidaten der Sozialdemokratie bisher nur von den Liberalen ein Kandidat gegenübergestellt worden. Wenn die Nach- und Stichwahlen vom 29. November ähnlich ausfallen, wie die Hauptwahlen vom 8. November, so darf der Berliner Liberalismus das Wahljahr 1903 sich in dem Kalender seines Niederganges wieder eimnal schwarz anstreichen. Liest nian freilich die Ermunterungsnotizen und Er- mutigungsartikel. die in diesen letzten Wochen und Tagen in den liberalen Zeitungen veröffentlicht worden sind, dann möchte man glauben, daß es den Berliner Liberalen morgen gelingen werde, ihren rostig gewordenen Ehrenschild wieder blitzblank zu putzen. Anstrengungen genug haben sie ja ge- macht, uni ihre fahnenflüchtig gewordene Gefolgschaft noch einmal um sich zu sammeln. In den Stichwahlbezirken sind sie mehr hinter den Kulissen tätig gewesen. Säumige Wähler, die am Tage der Hauptwahlen gefehlt hatten, sind von ihnen aufgesucht und bearbeitet worden, und auch Anhänger der Bürgerpartei, deren Stimmen jetzt den Ausschlag geben können, haben die Ehre ihres Besuches erhalten. In dem Nachwahl Bezirk hat man für die öffentliche Agitation grobes Geschütz aufgefahren. Zu den Wählern mußte der Rektor Kopsch sprechen, der die meiste Uebung darin besitzt, die Sozialdemokratie mit wilden Schmähungen zu überhäufen. Die Sozialdemokratie hat'bei den Hauptwahlen gezeigt, daß in Berlin ihren Siegeszug nichts auf- zuhalten vermag. Sie wird auch bei der Nachwahl und den Ssichwahlen mit Ehren zu bestehen suchen. Dazu ist aber erforderlich, daß jeder Parteigenosse seine Pflicht erfüllt, jeder unserer Wähler zur Wahl geht, jeder in den Fabriken, Werkstätten usw. auf die Wichtigkeit der Wahl hinweist. Welche Bezirke, Straßen und Häuser an den morgigen Wahlen beteiligt sind, haben wir in unserer Sonntagsnummer mitgeteilt. Wir bitten, diese Zu- sammenstellung für den Wahltag zu benutzen, um säumige Wähler auf ihre Pflicht hinzuweisen. Mitzuwählen hat jeder, der zur Zeit der Aufstellung der Wählerlisten, also im Sommer 1905, in diesen Bezirken wohnte. Wer inzwischen seine Wohnung gewechselt hat, ist noch Wähler seines früheren Bezirkes. Gewählt wird von 10 Uhr vor- mittags bis 8 Uhr abends, doch sollte möglichst niemand den Gang zum Wahllokal bis zum allerletzten Augenblick verschieben. Jeder versehe sich rechtzeitig nnt einer Legitimation, entweder mit der amtlichen Wählerkarte oder mit Militärpapieren. Steuerquittung, Jnvalidenkarte, Mietskontrakt. Der Name des Kandidaten ist dem Wahlvorsteher ohne jede Aenderung zu nennen, nur dann wird die Stimme dem Kandidaten zugerechnet, den der Wähler meint. Man sehe den Namen genau an und zwar nicht erst am Wahltisch. Wenn jeder unserer Freunde und Genossen seine Schuldigkeit tut, kann der 29. November vollenden, was der 8� November so rühmlich begann. In allen Bezirken muß der Schlachtruf für den Wahlkampf lauten: Nieder mit den Liberalen! Nieder mit den Liberalen aller Schattierungen! Da ist kein Unterschied zu machen, ob sie zur „Alten Linken" schwören, wie die Kandidaten des 1. und des M., solvie des 17. Bezirks, oder ob sie sich„Sozial-Fort- schrittler" nennen, wie die Kandidaten des 6. und 7. Bezirks. In den Bezirken dritter Abteilung darf kein Vertreter des arbeiterfeindlichen Liberalismus, kein Schützer der Geldsacksinteressen mehr geduldet werden. Die dritte Abteilung, die Wählerklasse der werktätigen Bevölkerung, des arbeitendes Volkes, gebührt der Sozial- dcniokratie. Die Bcschäftigungsanstalt für erwachsene Blinde, die mit der städtischen Blindenschule verbunden ist, zählte am Schluß des letzten Etatsjahrcs 76 männliche, 75 weibliche, zusammen 151 Teilnehmer. Sie wurden mit Stuhlflcchtc», Korbflcchten, Bürsten- und Besen- binden, Anfertigung weiblicher Handarbeiten und Herstellung von Blindenschriften beschäftigt und bekamen für das Jahr 36 768 M. Itohn. Da im letzten Jahr die Beschäftigungsanstalt die gesamte Lieferung der für die Stratzenrcinigungs-Vcrwaltung ersorder- lichen Besen übernommen hat, so hat jetzt die Bürsten- und Besen- vindcrei die meisten Teilnehmer, während bisher die Stuhlflechtcrei an erster Stelle gestanden hatte. An der Bürsten- und Besen- bindcrci nahmen 57 Personen teil, die allein 18 665 M. bekamen. An zweiter Stelle steht nun die Stuhlflcchterei mit 46 Personen und 7678 M. Lohn, an dritter die Korbflechterei mit 31 Personen und 6681 M. Lohn. Mit der Anfertigung weiblicher Handarbeiten, die sehr eingeschränkt worden ist, wurden nur noch 14 Personen be- schäftigt, die dafür 2527 M. Lohn bekamen, mit dem Drucken von Blindenschriften nur 3 Personen, denen als Lohn 1817 M. gezahlt wurden. Die Bäckermeister erhalten zum Shlvester kein Privilegium. Abschlägig bcschieden hat das kgl. Polizeipräsidium das Gesuch der Berliner Bäckcr.Jnnungcn um Verlängerung der Geschäftszeit am 31. Dezember, der bekanntlich diesmal auf einen Sonntag fällt. In der Antwort werden die Bäckermeister angewiesen, ihre Läden auch am Sylvester wie an jedem anderen Sonntag, um 3 Uhr, zu schließen. Ter orkanartige Sturm, der gestern über Berlin hinwegbrauste hat in den verschiedenen Stadtteilen mannigfachen Schaden an- gerichtet. Große Spiegelscheiben flogen auf die Straßen, Bäume wurden teilweise entwurzelt und die Zahl der Hüte, die hinweg- gefegt und von der Straßenbahn sowie von anderen Gesährlen demoliert wurden, war unzählbar. Von besonderen Fällen wollen lvir folgende anführen: An der Potsdamer Brücke wurde ein großer Bauzaun durch den Sturm umgerissen und begrub einen Passanren, den 60jährigen Händler Friedrich Eckert auS der Lichtenbergerstr. 14 unter sich. In der Nähe beschäftigte Arbeiter holten den alten Mann unter den Trümmern hervor und schafften ihn in einer Troschle fort, da er schmerzhafte Verletzungen an der Stirn, an der linken Hüfte und Schulter davongetragen hatte.— Nicht weit von dieser Unglücksstelle, nämlich in der Potsdamer- ftraße 124. flog eine große Scheibe auf die Straße und verletzte zwei vorübergehend« Personen.— Weiter wurden am Dönhoffs- platz, in der Bellealliancestraße, am Rosenthaler Tor und an vielen anderen Stellen große Spiegelscheiben vom Sturm zertrümmert. In der Berliner st r. 105 stürzten von einem Schornstein große Mauersteine auf die Straße hinab, ohne indes Personen zu vcrictzm Auf dem Wege zum Kirchhof überfahren wurde am gestrigen Sonntag gegen 3 Uhr nachmittags in der Landsberger Chausiee, unweit des Steuerhäuschens die 53jährlge Beamtcnwitwe Mathilde B. Als sie einem Straßenbahnwagen der Linie Waßmannstratze— Hohen-Schönhausen ausweichen wollte, geriet sie unter die Räder eines schnellsahrenden Privatwagens. Die Arme, deren Hände krampfhaft einen Kranz sesthielten, erlitt sehr erhebliche Per- Ictzungen. Geschichte elne» Tausendmarkscheins. Einem Kapitel aus einem Kriminalroman gleicht die Geschichte eines verschwundenen TaiisendmartschmS, die am Sonnabend- die Kriminalpolizei beschäftigte. Ein Reisender R. ging am Freitag zu dem Schneider- mcister K., der seit emiaeir Zeit m der Friedrichstraße ein Pariser Hcrrenmodengeschäft betreibt. Der Reisende wollt« sich das Acrmelfuttcr seines Ueberziehers ausbessern lassen. Ein bei dem Meister beschäsligter Schneider Benjamin Katz aus der Wilhelm Stoltzestraße besorgte das, während der Kunde wartete. Als R. abends in seinem Geschäft abrechnete, merkte er zu seinem Schrecken, daß ihm ein Tausendmarkschein fehlte. Diesen hatte er mit sechs anderen in ein Kuvert gcsreckt, das er in seinem Ueberziehcr trug. Be, einer Nachfrage bei dem Schneidermeister versicherte dieser, daß er von dem verschwundenen Tausendmarkschein nichts wisse. Der Meister bemüht« sich-ebenso wie seine Frau, den Diebstahl aus- zuklären und sagte ihn dem Gesellen auf den Kopf zu. Er redete ihm ins Gewissen, jedoch bestritt der genannte Katz den Diebstahl. Auf die Anzeige R.s hielt die Kriminalpolizei bei dem Schneider- gesellen eine Haussuchung ab. Auch jetzt wurde der Schein nickst gefunden, auch keine größere Geldsumme. Das Rätsel wäre vielleicht ungelöst geblieben, wenn sich der Schneidergeselle nickst selbst verdächtig gemacht hätte. Einer der Beamten fand einen Pfandschein über den Versatz einer Hose, aus die nur ein paar Mark gegeben waren. Ei! schrieb ihm leine Bedeutung zu und legte ihn einstweilen beiseite. Mit einer auffallenden Hast aber suchte sich Katz in den Besitz des PsandscheinS zu setzen, und als er sich einen Augenblick unbeobachtet glaubte, nah», er ihn rasch vom Tische und warf ihn in das Ofenfeuer. Nun war es klar, daß der Pfandschein eine besondere Bedeutung haben- mußte, leider War er aber bereits verbrannt, und den Namen des Pfandleihers hatte sich der Beamte nicht gemerkt. Die Kriminalbeamten sahen sich nun seinen Bestand an fertigen Kleidern an und fanden, daß von einem grauen Anzug die Hose fehlte. Sie stellten jetzt fest, daß der Schneider die Hose versetzt haben müßte, und fanden diese auch bei einem Pfandleiher in der Nähe seiner Wohnung. Wie die Bücher auswiese-»-, hatte Katz sie am Freitag nachmittag versetzt. Tie Kriminalbeamten ließen sich die Hose herausgeben, untersuchten sie in- und auswendig auf das genaueste und fanden darin mit einem Papierwickcl eingenäht den verschwundenen Tauscndmarkschcin. Jetzt gab Katz sein Leugnen auf. Er wurde am Sonntag in das Untersuchungsgefängnis gebracht.— Im Unterftichungsgefängnis bekam der Verl)astcte gestern einen TobsiichtS- anfall und mutzte daher in eine Heilanstalt gebracht werden. Der Sklavenhalter. Eine mysteriös« Revolverschiehcrei, die sich vor einigen Tagen in der Sadteschen. Schankwirtschaft in der Mulackstraße 1V abspielte, hat jetzt ihr« Aufklärung gefunden, in- dem sie mit der Verhastnng eines gemeingefährlichen- Menschen endigte. In der Schankwirtschaft schoß ein angeblich unbelannter Gast die 21 Jahre alte Näherin Ida Krüger, die mit ihrer Schweiler am Tische saß mit einem Revolver in die Brust. Der Schuh verletzt« die Lunge, und die Getroffene liegt noch im Kranken- Hause danieder. Ter Täter entlam. ES hieß, er habe nur im Scherz oder aus Versehen aeschosseil. Niemand wollte ihn- kennen. Die Ermittelungen der Kriminalpolizei ergaben jedoch, daß die übrigen Gäste ihn sehr wohl kannten, und daß sie ihn bei seiner Flucht offenbar begünstigt hatten. Am Sonnabend wurde der Flüchtling festgenommen. Er ist einer der gefährlichsten Zuhälter, ein 25 Jahre alter früherer Schneiderlehrling Artur Witte. So erklärt es sich auch, daß man ihn ungehindert hatte laufen lassen, und daß selbst die Verletzte sagte, sie kenne ihn nur als einen »Reisenden Artur". Witte war seinem Meister aus dcr�Lchre ge- laufen. Auch die Zwangserziehung hatte ihn nicht gebessert. Hin, durch den WlehnungSanttag zum Ausdruck bringe. Im Termin und wieder arbeitete er als Stallschweizer, zuletzt lebte er als Zu- am 6. November habe der Vorsitzende zunächst vor Vernehmung der «wr;,, k™, s;„ I gcugen bei der Verwarnung vor einem Meineid die Zeugen u. a. hälter in Berlin oder ernährte sich von Bodendiebstählen, die er in großer Zahl verübte. Das Mädchen, das er zuletzt zur Schande zwang, mißhandelt« er unmenschlich. Endlich sagte sie sich von ihm trotz aller Drohungen los. Später lernte er die Näherin Krüger kennen, die ihn jedoch verabscheute. Aus Haß darüber feuerte er jenen Revolverschutz ab, der dem Mädchen leicht das Leben hätte kosten können. Seitdem suchte ihn die Kriminalpolizei, bis sie ihn jetzt tu- einem Kuppelquartier in der Gipsstraße entdeckte. Von Einbrecher» seiner ganze» Habe beraubt wurde am Sonnabend- nachmittag der 64 Jahre alte Zeitungshändler Ferdinand Blume aus der Kochstraße 36, der seit 14 Jahren seinen Staud an der Potsdamer Brücke hat. Blume verließ mittags um 12 Uhr seine Junggesellen- Wohnung im ersten Stock des Seitenflügels. Als er um 4 Uhr zunickkehrte, fand er seine Stube mit einem Nachschlüssel geöffnet. Einbrecher hatten aus dem Spind seine vier Anzüge, vom Tisch die Weckeruhr, aus der Kommode alle Wäsche, ferner mehrere Unter- haltungsbücher gestohlen und die Zeitungen, die er wieder abliesern wollte, über den Fußboden umhergeworsen. Ein Zusammenstoß zwischen einem Omnibus(Einspänner) der Linie Frankfurter Linden— Potsdamer Brücke und einem Straßenbahnwagen fand am Sonntagvormittag SVa Uhr an oer Ecke der Kleinen und Großen Frankfurter Straße statt, bei dem nur der Zufall schlimme Folgen für die Fahrgäste verhütet hat. Diese Stelle, an welcher außer den genannten Straßen die Kaiser- und Schillingstratze enden, bildet sich immer mehr zu einer für Passanten und Fuhrwerk gefährlichen Ecke heraus, und zwar durch den dort gelegenen Stratzenbahnhof der Großen Berliner. Hier werden aus dem hart an der Ecke gelegenen Torweg des Bahn- Hofes die sogenannten Anhängewagen herausrangiert, um an Wagen der vorübcrfahrenden Linien angehängt zu werden, so daß förmliche Absperrungen von oft längerer Dauer unvermeidlich sind. Eine solche fand auch am Sonntagmorgen um die genannte Zeit statt. Es hatten sich eine ganze Reihe Straßenbahnwagen sowohl von der Kaiser- als der Großen Franksurterstraße ange- sammelt, dazu kamen die auf der Straße stehenden und aus dem Bahnhos mittels eines Pferdes herausgezogenen Anhänger. Als endlich die Passage frei wurde, fuhren der Omnibus und ein mit zwei Anhängern belasteter Straßenbahnwagen zu gleicher Zeit los und bei der sehr kurzen Kurve der Schienen von der Großen Frankfurterstraße nckch der Kleinen Frankfurterstraße Omnibus und erster Anhangcwagen ineinander, so daß gleich zwei große Glasscheiben des Anhängers in unzählige Stücke in das Innere des Wagens geschleudert wurden. Nur einem glücklichen Zufall ist es zu danken, daß niemand von den im Wagen befindlichen Passa- gieren verletzt wurde. Während der Omnibuslutscher von einem Sckmtzmann notiert wurde, fuhr der Stratzenbahnzua noch bis zur Kurzenstraße weiter und erst, nachdem die Reste der Glasstuckc durch die Erschütterung auf das Strahenpflaster sielen, wurden die Passanten aufgefordert, den Wagen zu verlassen und der AnHanger abgehängt Zwei schwere Unglücksfälle haben sich am Sonnabendabend während der Arbeit zugetragen. In dem Restaurant Drasel. Neue Friedrichstraße 35 stürzte beim Hinabsteigen der Hintertreppe der 46 Jahre alte Tischler Otto Enkel plötzlich ab und erlitt einen schweren Schädelbruch. In fast hoffnungslosem Zustande kam E. nach dem Hedwigskrankenhause.-, In der lllto chrnenfabti! Cnllop. Pankstraße 15, war der 36iahr,ge Arbeiter Otto Fanslow in der Höhe der ersten Etage mit dem Putzen der Fensterscheiben beschäftigt, verlor dabei das Gleichgewicht und fiel ,n die Tiefe hinab Er trug ebenfalls einen koniplizierten Schädelbruch davon und fand in dem Paul Gerhardstist Aufnahme Im Straßenbahngetriebe ereigneten sich gestern zwei schwere Unglückefälle. Gegen l-h6 Uhr nachmittags versuchte die sieben- jährige Erna Templin, bei den Eltern Antonstraße 6 wohnhaft, vor de» Hause LMllerstraße 148 den Fahrdamm zu überschreiten. Das Mädchen betrat unmittelbar vor dem Straßenbahnwagen Nr. 1780 der Linie 25 das Gleis, wurde umgestoßen und zur Seit« ge- schleudert. Das Kind erlitt Knocfcnbrüche des linken Unterarmes und des rechten Oberschenkels, Verletzungen am Kopfe und am linken Knie. Es wurde nach dem Paul Gerhardt-Stift überführt. — Ter Haudlungsgehülse Otto Büttner, Coburgerstr. 6 in Schöne- bcrg wohnhaft, fuhr gestern nachmittag gegen 6% Uhr auf einem Zweirade den Tempelhofer Weg entlang und zwar in gleicher Richtung mit einem Straßenbahnwagen der Linie I der Südlichen Ber- lincr Vorortsbahn. In der Nähe des königlichen Proviantamts bog B. unmittelbar vor dem Motorwagen auf das Straßenbahn- gleis, wurde von der Aorderplattform des Waggons erfaßt und zur Seite geschleudert. B. erlitt einen Bruch des linken Oberschenkels und Verletzungen am Kops. Er wurde nach dem Krcis-Kranlen Hause in Britz gebracht. Unter einem falschen Namen hielt sich seit 30 Jahren der Gelegenheitsarbeiter Reinhold Feswer, der aus Stendal gebürtig war, in Berlin auf. Der Mann nannte sich Schreiber und war die ganze Zeit unter diesem Namen auch gemeldet. 71 Jahre alt wurde er am Sonntag vor acht Tagen an der Ecke der Oraiiienburaer- und Artilleriestrabe überfahren und am Kopse und innerlich so schwer verletzt, daß er in der königlichen Klinik starb. Jetzt berichtigte seine Wirtin seinen Namen. Ihr hatte er an seinem 70. Geburlslage bekannt, daß er nicht Schreiber, sondern Fcstner heiße. Vor 30 Jahren habe er seine Familie in Stettin verlasse» und einen andere» Rainen angenommen, damit sie ihn nicht wiederfinde. Bei seinem Bekenntiiis legte Festner der Frau auf. von ihrer Wissenschaft erst nach seinem Tode Gebrauch zu machen. Ueber die Waldeckversammlung am Donnerstag hatten wir nach einem uns zugegangenen Bericht mitgeteilt, daß einem nach Herrn Gottschalk gemeldeten Redner, weil er Sozialdemokrat sei, das Wort nicht erteilt worden sei. Der Schriftführer des Vereins Waldeck" teilt uns mit. daß nach Herrn Gottschalk noch ver- schiedene Redner, von denen sich einige als Sozialdemokraten be- zeichneten, gesprochen hätten. 6 erickts-Leitung. Die AgitationSkilmmisfion abermals vor Gericht. Wegen lieber- tretimg der vereinsgesetzlichen Vorschriften durch Nichtannieldung der Milglieder der Agitaritmslommission der Provinz Brandenburg war Genosse Stadlhagen belaimtlich am>2. Angnst d. I. freigesprochen nnd waren auch die Auslagen der Staatskasse auferlegt, weil die Kommission keineswegs ein Verein und Stadthagen nicht ihr Leiter ist. Der Amtsanwalt hatte selbst Freisprechung beantragt. Trotzdem hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Die Verhandlung vor dem Landgericht am 6. November wurde nach Vernehmimg der Zeugen Jansen. Davidsohn. Dobrvhlaw und Fischer vertag», um die Poltzeiaklen einzufordern. In dem an i gestern anberaumlen Termin stand dem Angeklagten RechiSanwalt Dr. Kurt Nosenseld als Verteidiger zur Seite. Vorsitzender der Strafkammer war Landgerichtsrat C a s p e r. Angeklagter erbat das Wort zur Stellung eines AblehrningsantrageS gegen diesen Vorsitzenden wegen BesorgnisseS der Befangenheit. Zur Bcgriiiidimg führte er aus in dem ähnliöh liegende» Vorprozeß ist lediglich dadurch eine Verurteilung ermöglickit. daß die zur Frei- prechung führenden Talsachen sin Urteil nicht Wiedel gegeben und andere der Wahrheit widersprechende Behauptungen.tatsächlich fest- gestellt" wurden. Ein Antrag auf Berichtigung des Urteils konnte aus strafprozessualen Gründen keinen Erfolg haben. Gegen eine gleiche Entstellung des Sachverhalts in dem neuen Prozeß schütz» den An- geklagten nichts. Durch das Verhalten des Vorsitzenden im letzienTermin st aber die Besorgnis, daß eine solche Entstellung des Sachverhalts abermals stattfinden werde, erhöh». Die Vorfälle, die in dem Termin am 6. Noveniber sicki ereigneten, rechlfertigcn in Verbindung mit dem Angeführten, wie für sich allein das volle Vkißtrauen des An darauf hiiiyelviescn, sich nicht durch ihre�Partei- Zugehörigkeit zu ein er falschen Aussage bewegen zu lassen. Ferner habe der Vorsitzende bei Vernehmung des Zeugen Fischer, der durchaus korrekt aussagte, diesen ermahnt, nicht zum Angeklagten zu blicken. In beiden Hand- lungen des Borsitzenden tvnime seine Parteilichkeit klar zum Atlsdruck. Sie enthielten die an sich kränkende, wenngleich ohne Absicht und ohne das Bewußtsein der Beleidigung ausgedrückte Unter- ftellung. daß Angeklagter den Versuch machen könne, auf Zeugen einzuwirken oder daß diese sich eine Einwirkung gefallen lassen würden.— Vorsitzender: Diese Aus- fassung ist_ völlig unzutreffend: ich mache solche Vorhaltungen unendlich häufig, von einer Beleidigung kann ganz und gar nicht die Rede sein, da nach der eigenen Darstellung des Angeklagten das Bewußtsein einer Ehreilkränknng fehlte.— A n g e k l.: Gerade daraus, daß diese a» und für sich schwer kränkenden Handlungen, denen gegenüber Angeklagter und Zeuge völlig schutzlos dastehen, ohne das Bewußtsein ihres kränkenden Charakters gemacht sind, ergibt sich die Befangenheit, die eben so stark ist, daß sie das Kränkende nicht fühlt. Das Ablehnungsgesuch wurde protokolliert und dann die Verhandlung vertagt.— Es ist, gleichviel welchen Aus- gang die Ablehnung haben wird, gut, daß die Art der Abfassung von Urteilen und vor allem das Verhalten Zeugen und Angeklagten gegenüber einmal eingehend gewürdigt wird. Ein Polizist als Heiratsschwindler. Der bei der Dresdener Wohlfahrtspolizei als Aufsichlsbeamter angestellt gewesene Fr. W. Hiller unterhielt, obgleich er verheiratet und Familienvater ist, mit einem jungen Mädchen ein Liebesverhältnis, das natürlich nicht ahnte, daß der Beamie bereits in Ehefesseln schmachtete. Im Gegen- teil spiegelte H. der Vertrauensseligen vor, er sei noch ledig und werde sie in nächster Zeit an den Traualtar führen. Dabei pumpte er aber das Mädchen an und brachte es um eine erhebliche Summe Geld. Der Beamte, der inzwischen aus seinem Amte entfernt worden ist, hatte sich wegen Betruges vor dem Dresdener Schöffen- gerichte zu verantworten, das ihn zu einer Gefängnisstraße in Höhe eines Monats verurteilte. Du sollst den Feiertag heiligen. Bei dem hiesigen Gewerbe- gericht haben vier Stukkateurlehrlinge eine Klage gegen den Brauerei- besitzer, Bildhauer und Inhaber eines Stuckgeschäfts H. Schulz, Schönleinstraße, eingereicht, deren Inhalt an den neulich aus Ost- Preußen mitgeteilten Fall der Bestrafung ländlicher Arbeiter erinnert, die der Einsegnung ihrer Kinder beiwohnten. Am Bußtag sollte nach der Klage bei Schulz im Stuckbetriebe gearbeitet werden. Vier Lehrlinge und deren Eltern wollten aber den Feiertag durch wirkliche «rbeitsruhe heiligen und erschienen deshalb nicht zur Arbeit. Am folgenden Tage wurden daraufhin die Lehrlinge vom Meister ent° lassen. Sie machen jetzt Ansprüche auf Schadenersatz geltend. Der Streit um die Masse. Von einem Angestellten F. der Firma Thiöry und Sigrand werden wir, um Verwechselungen vor» zubeugen, ersucht, mitzuteilen, daß der Kläger in der Klagesache, über die wir in Nr. 276 Mitteilung machten, einen Namen trägt. der nicht mit F., sondern mit M. beginnt. Diesem Wunsche kommen wir hiermit nach. Zur Prügelpädagogik. Im Anschluß an den neulich mitgeteilte» Selbstmord eines Sekundaners in Garz in Pommern wird mit» geteilt, daß bereits 14 Tage zuvor ein anderer Schüler, ein Pastors- sahn, sich aus gleichen Gründen(Furcht vor dem Lehrer) das Leben genommen habe. Es ist das innerhalb vier Jahren der vierte Schülerselbsimord in Garz. Das Garzer Gymnasium steht im Rufe eines Gymnasiums, das besonders anderwärts Zurückgebliebenen helfen soll. Mit dem Gymnasium ist ein Alumnat verbunden. Der Zuschnitt der Anstalt ist ein muckerisch-duckmäuseriger. Bor dem ersten Frühstück: Morgenandacht, vor und nach der Mittagmahlzeit: Gebet, nach dem Abendessen: Abendandacht. Während der Arbeits- stunden ist lautes Sprechen verboten usw. Das Lehrerkollegium bestreitet entschieden, daß die Selbstmorde auf Mißhandlungen zurück- zuführen seien. Es hat Disziplinaruntersuchung gegen sich selbst beantragt._ Vermilckres. Schweres Unwetter in der Nord» und Oftsee. Aus Cox- Häven wird telegraphiert: In der Nordsee und im Gebiet der Elbmündung ist ein fürchter» liches Sturmwetter mit Gewittern und Hagelböen ausgebrochen. Die Schiffahrt stockt völlig. Das Hamburger Bollschiff.Porchim" geriet in der Elbmündung in schwere Seenot, konnte aber noch rechtzeitig durch Hülfsdampfer gerettet werden. Den neuesten' Meldungen zufolge tobt das Unwetter mit der gleichen Stärke in der ganzen Nordsee und an der englischen Küste. Der Amerikadampfer„Gras Waldersee" konnte auf der Rückfahrt von New Jork in Dover des Sturmes wegen nicht landen und ist weiter nach Hamburg gefahren. Die regelmäßigen Wochen- dampfer von England sind hier überfällig.— Lübeck. Einem starken Gewitter folgte ein heftiger Süd- westorkan. Verschiedene Häuser sind abgedeckt. Der Sturm hält an. Man hegt große Befürchtungen wegen zahlreicher hierher be- stimmter schwedischer Segler. Das Geschäftslokal der Bera-American-Diamond-Comvagnie in Leipzig, jenes Unternehmen», das unter Aufwand einer ge- waltigen Reklame und unter den verschiedensten Namen in den deutschen Großstädten seine wertlosen Diamantimitationen ver- treibt, ist polizeilich geschlossen worden, weil die Staatsanwaltschaft nach Z 332 R.-Str.-P.-O. auf das Vermögen des Inhabers, der wegen eines gegen ihn schwebenden Verfahrens wegen unlauteren Wettbewerbs flüchtig ist. Beschlag gelegt hat. Ueber ein welterschütterndes Ereignis in der städtischen Ver- waltung von Gronau i. Hann, berichtet die„Leine- und Deister- zeitung" anläßlich einer Sitzung der städtischen Kollegien.� ES heißt da:„Der Antrag auf Instandsetzung der beschädigten Säbel- scheide deS Polizeisergeanten Ohnmacht findet die Zustimmung deS Kollegiums.— Lieb Vaterland, magst ruhig sein! freie Volksbühne Lhariottenburg. Donnerstag, 30. d. M.» abends 8>/z Uhr, Rosinenstr. 3: gm*»»|| l Zur Aussührung gelangen: HieÄll'Vmtelliing.{ smäv. 26iv Der Vorstand. L,eni-Hsu8 Chnrlottenbapg, Friedrich Karl. Plan 12, Berlin. Antiamer-Strahe 2. Peleihuna von Brillanten, Gold- und Silberlachen. Uhren. Büchern, Wäsche. Kleidmigsllücken»e.__ B18V» Heltestes kons. Leihhaus Charlottenbnrg, „.......... Wilaierstlorferslr. 40 1. geklagten gegen die Uuvarteilichkeit des Vorsitzenden, das Angeklagter Hob« Beleihung. Diskr. Sprechzimmer Cliarlottenburg. F, Kunstmann, nur Wallutr. 1 Uhren und Goldwaren. UroOe» l-nger Reparaturen achnell und billig. _ Billige Preiste. 189«* der Hobe meine Wohnung von Thürwgerltr. 42 nach Mixdor» Bergslr. 99/100 Ecke Lavustralie. neben Wt Linolrumfobrlt. verlegt. AlP» Flau licnz, Hebamme. Verantwortlicher Redakteur: HnnS Weber, Berlin. Für den Jnseratenttfl verantw.: Th. Glocke, Berlin Druck u. Verlag: Vorwärt» lvuchdruckerei u. Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW,