Nr. 280. Bbcnnements-Bcdingung«: •Sonnrment»> Preis prSnumeranda> VierteljShrl. S�lll Mk. monatl. l.lv W., wöchentlich 28 Pffl. frei in» Hau». einzelne Sluinmer S Pfg. Sonntags- nunimer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt' lv Pfg. Post. «bonnemei.!: l.IV Marl pro Monat. eingetragen in die Post. Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband fiir Deustchland»ind Oesterreich. Ungarn S Mark, für da- übrige«uSIand S Marl pro Monat. SS. Jahrg. Vit fnIeMonz-Lebllhk betrügt für die sechsgespaltene Nolonel- geile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins. und VersanimlungS-Anzeigen Lö Psg. >, Kleine Snreigen". das erste(sett- gedruilte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort b Psg. Worte über Ib Buchstaben zählen sür zwei Worte. Juscrate sür die nächste Nummer niüsten bis K Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werdet«. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Eonn- und Festlagen bi» 8 Uhr vormiltags geötsnct. ClMtlBt UgU» lUßtl BIORUgt. Verlinev VolKsblskt. relcgrainm. Adresse: Sek»»". �entralorgan äer fo2ialciemc>KratiscKen Partei Veutfcklanäs. Redahtlon: 8M. 68, Lindenetraesc 69. Kernsprechrr: Slm» IV, Nr. I»8a. Donnerstag, den 30. November 1905. 6xpcdition: 8 Tl. 68, Lindenstraaee 69. spcriiivreriitr: Elint IV. Nr.>084. Klafsenstaatliche Stenerpolitik. Auf keinem anderen Verwaltungsgebiete zeigt sich so deutlich der ausgeprägte Klassencharakter des neuen Deutschen Reiches und seiner Einzelstaaten als auf dem Gebiet des Steuerwesens. Weit mehr als die anderen kapitalistischen Staaten Europas preßt das gepriesene„Reich der Sozial- reform" die Mittel, die es zur Durchführung seiner fast aus- schließlich vom Interesse des Junkertums und der Groß- industrie diktierten Klassenpolitik gebraucht, aus den besitzlosen Volksschichten heraus, und nirgends trägt der ländliche Groß- grundbesitz im Verhältnis zu seinen Einkünften und seinem Einfluß auf die Regierungsmaschinerie so geringe Steuerlasten. Die herrschenden Klassen Preußen-Deutschlands betrachten die Regierung nicht nur als Exekutivausschuß zur Aufrecht- crhaltung ihrer Klassenherrschaft und Vertretung ihrer speziellen Interessen, sie verlangen obendrein, daß die Kosten des Regierungssystems und ihrer Politik von den Volks- schichten getragen werden, gegen die sich in erster Linie diese Politik richtet. Einen neuen Beweis dafür, wie sehr die rcichsdeutsche Steuerpolitik vom Klasseninteresse des mobilen und immobilen Kapstals diktiert wird, liefern die neuen Stengelschen Steuerpläne. Die geforderten Mittel sind in der Hauptsache zur Ver- größerung der Motte und Erweiterung der Kolonialpolitik, zur Vermehrung des Landheercs, Erhöhung derOsfizierspensionen zc. bestimmt, nur ungefähr 21 Millionen Mark sollen jährlich zur Abtragung der infolge einer frivolen Anleihepolitik auf über Z'/z Milliarden Mark angeschwollenen Reichsschuld verwandt werden. Die neuen Mittel sollen also fast ausschließlich zur Verstärkung der Macht der herrschenden Klassen und Aus- dehnung ihrer wirtschaftlichen Interessensphäre im Auslande dienen; dennoch fordert die Regierung, daß von den 220 bis 230 Millionen Mark jährlicher neuer Steuern, die nach der Berechnung des Reichsschatzamtcs zur Deckung der Mehrausgaben erforderlich sind, über 180 Millionen Mark aus der Erhöhung der Abgaben auf Bier und Tabak, sowie aus der Fahrkarten- und Ouittnngssteuer herausgeholt werden, nur für den Rest von 40—50 Millionen Mark ge- denkt man die Besitzenden durch Einführung einer Reichs- Erbschaftssteuer in Anspruch zu nehmen. Für den beabsichtigten Zweck, die Erweiterung der im- peria listischen Expansionspolitik, bewilligt die sozialdemokra- tische Reichstagsfraktion als Vertreterin der Arbeiterschaft überhaupt keine Mittel: sie würde also die Forderungen dcS Reichsschatzamtes auch dann ablehnen, wenn die verlangten Steuern von den Besitzenden getragen würden; immerhin wollen wir zeigen, wie leicht sich die geforderten 220 bis 230 Millionen Mark ohne Belastung der ärmeren Volkskreise aufbringen ließen— wenn die Regierung sich nicht als gehorsamste Willensvollstreckerin der herrschenden Klassen, besonders des ostelbischcn Junkertums fühlte. Als vor einigen Monaten zuerst Näheres über die neuen Steuerpläne der Regierung bekannt wurde, hieß es, neben der Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer sei auch eine„Reform der Branntweinsteuer" geplant. In dem von der„Nordd. Allgem. Ztg." mitgeteilten Stengelschen Projekten-Gemengscl sucht man vergebens nach dieser„Reform". Die Regierung hat also in liebenswürdigem Entgegenkommen gegen die Wünsche der agrarischen Schnapsbrcnner nachträglich für besser erachtet, nicht an dem bestehenden Steilermodus zu rütteln, obgleich gerade aus dem Schnaps sich bedeutende Mehrerträge herausholen ließen, ohne jegliche ncnnens- werte stärkere Belastung des Alkoholkonsums. Die Regierung vergütet bekanntlich für das Hektoliter expor- tierten und denaturierten Spiritus 16 M.; die erhobene Maischbottichsteuer beträgt aber nur 13 bis IS'/a M., im höchsten Falle 14 M. Würde die Vergütung um 2 M., also auf 14 M. pro Hektoliter ermäßigt, so erniedrigte sich die Gesamtvergütung, die sich im Betriebsjahre 1903/04 auf zirka 19. im Jahre'1902/03 auf 22 Millionen Mark stellte, um 2 bis 3 Millionen Mark. Doch der Extragewinn. der auf diese Weise alljährlich den Schnapsbrcnnern auf Staatskosten überwiesen wird, kommt kaum in Betracht gegen den Vorteil, der ihnen aus der Branntwcinkontingentierung und der Art der Steuerabgabe erwächst. Es sind in den letzte«, Jahren durchschnittlich 2.33 bis 2,41 Millionen Hektoliter inlandischen reine» Spiritus in Deutschland konsumiert worden. Aber dieses Gesamtquantum zahlt keineswegs die Steuer von 70 M. pro Hektoliter. Ein Kontingent von 2,15 Millionen Hektoliter braucht nur 50 M. zu zahlen: lediglich die über dieses Quantum hinaus in den freien Verkehr eingeführte Menge zahlt 70 M. Da nun aber dieser Rest den Markt- preis bestimmt, haben die Brenner auf jeden Hektoliter des Kontingents ungefähr 20 Mark Vorteil, insgesamt also jähr- lich ungefähr 43 Millionen Mark: sicherlich eine recht ansehnliche Staatsdotation. Es könnte also leicht durch Aenderung des Steuermodus ohne nennenswerte Preissteigerung aus derMaischbottichsteuer und der Branntwein- vert-rauchsabgabe ein jährlicher Mehrvertrag von 45 Millionen Mark herausgeschlagen werden. Allerdings würde dadurch Ke traditionelle Fürsorge der preußischen Regierung für die otleidenden" Bevölkerungsklassen, d. h. die ostelbischen sichtiger Erfassung ihrer Kulturmission die Regierung jede Aenderung der Branntweinbesteucrung fallen lassen und dafür das Bier, das ohnehin dem preußischen Nationalschnaps eine Thron und Altar gefährdende Konkurrenz macht, zum Objekt ihrer Steuerreformpläne ausersehen. Als ein weiteres Mittel zur„Sanierung" der Reichs finanzen wie zur Deckung der Kosten der Flottenpolitik bietet sich die Rcichserbschaftssteuer. In fast allen Kulturländern Europas liefert die Erbschaftssteuer weit höhere Erträge für den Staatssäckel als im Reich der Sozialreform. Während im Deutschen Reich sich der Erbschastsstcuerertrag nach den Be rechnungen des Geheimrats Professor Dr. Schanz in den Jahren 1894/96 nur auf 42 deutsche Reichspfennige, i m preußischen Vaterlande gar nur auf 28 Pf. pro Kopf der Bevölkerung stellte, betrug er z. B. in England 6,60 M., in Frankreich beinahe 4 M. Tatsächlich zieht denn auch England, obgleich dort die Legende vom sozialen Königtum keinen Kurswert hat, ungefähr den 14-, 15 fachen Eitrag aus der Erbschaftssteuer, wie sämtliche deutsche Einzel staaten und zwar obgleich die Steuer für die kleinen Erb' schaften bis zum Betrage von 10000 M. nur 1 Proz. beträgt. Als deshalb im Mai dieses Jahres ein rheinisches Blatt die Nachricht brachte, daß das Reichsschatzamt die Einführung einer Reichscrbschaftssteuer nach dem elsaß-lothringischen System plane, mußte jedem ernsthaften Sozialpolitiker dieses Projekt als völlig unzulänglich gelten, denn nach den Schanzschen Be rechnungen belastet die elsaß-lothringische Erbschaftssteuer die Bevölkerung nur mit 1,91 M. pro Kopf. Immerhin hätte eine solche Erbschaftssteuer dem Reich eine jährliche Mehrein- nähme voll ungefähr 110 Millionen Mark eingebracht. Den Kraut- wie den Schlotjunkern paßte jedoch das Projekt nicht. Sie haben wirtschaftlich kein Interesse daran, die Steuersphäre des Reichstages gegenüber jener der Land- tage, die sie meist beherrschen, zu erweitern und den Allsbau der direkten Steuern zu begünstigen, zu denen sie selbst in erheblichem Maße beitragen müssen, während die Verbrauchs- abgaben auf Nahrungs- und Genußmittel die breite Volks- masse trägt. Außerdem aber fürchten die junkerlichen Großgrundbesitzer, daß die Reichserbschaftssteuer die Kontrollierung der Einkommensteuer erleichtert, und daß ferner bei der Vererbung des ländlichen Großgrundbesitzes die Steuer nach dem vollen Vcrkaufswert ihrer Güter bemessen werden könnte. Davon wollen aber die Edelsten der Nation nichts wissen. Sie betrachten das prcußisch-traditionelle Privilegium des gesetzlichen wie ungesetzlichen Steuerbetruges als ihr unveräußerliches Mcnschenrecht. Die konservative Presse lief Sturm gegen das Stcngelsche Rcichs-Erbschaftssteuer-Projekt, das preußische Herrenhaus de monstrierte entrüstet gegen die Untergrabung des„germanischen Familien- und Sparsinncs"— und die Regierung gab als Vertreterin der spezifische i« Klassen- interessen des Junkertums gehorsamst nach. Der Reichs-Erbschaftssteuer-Entwurf, der dem Reichstage vorgelegt wird, begnügt sich nach den Mitteilungen der„Nordd. Allgem. Ztg." mit ungefähr 70 Millionen Mark; davon soll aber mindestens der dritte Teil den deutschen Einzclstaaten zufallen, unter Umständen noch beträchtlich mehr; cS bleiben also für das Reich nur etwa 40 Millionen Mark d. h. nur ungefähr 65 bis 70 Pf. pro Kopf der Bevölkerung. Trotzdem sind noch allerlei„besondere Vergünstigungen" für die Junker in die Vorlage hineingeschmuggelt. Während nämlich bereits kleine Erbschafts- massen von mehr als 300 Mark zur Steuer herangezogen lv erden und zwar niit demselben Prozentsatz, wie Erbschaft massen von 40 000 und 50 000 M., haben die Erben„ l a n d- und forstwirtschaftlicher Grund- stiicke, wenn sie die direkten Deszendenten oder Aszendenten des Erblassers sind oder zu diesem in einem Geschlvisterschafts- oder Schwicgerkindschaftsverhältnisstanden.nur 75 Proz. der Erbschaftssteuer zu entrichten, zweitens tritt dann, wenn diese Grund- stücke in den letzten beiden Jahren vor dem„Ausfall" der Erbschaft„Gegenstand eines nach Maßgabe des Reichsgesetzes st euer- Pflichtigen Erlverbes" gewesen, das heißt auf ihnen Zucker oder Branntwein Produziert worden sind, eine weitere Steuerermäßigung bis zu 50 Proz. ein, und drittens soll der Steuerertrag in solchem Fall nicht nach dem wirklichen Ver- kaufswert der Grundstücke bemessen werden, sondern so. wie„nach dem zurzeit in Geltung stehenden deutschen Steuergesetzen Rechtens i st." Mit anderen Worten, der Junker, der von einem Vater, Schwiegervater oder Bruder ein derartiges Rittergut im Werte von vielleicht einer Million erbt, zahlt nur etwa ein Drittel der Steuer, der kleine Handwerker, der 500 Mark erbt, dagegen den vollen Steuerbetrag. Das ist die vielgerühmte Fürsorge des neuen Deutschen Reiches für die notleidenden Klassen— des Großgrundbesitzes. Besser als durch diese Steuerbestimmungen kann das verlogene Ge- schwätz vom sozialen Königtum nicht illustriert werden. Wenn demnach die Liebesgabe an die Schuapsbrenner wegfiele, wenn serner eine halbwegs sozialpolitischen An- foroerungen entsprechende Reichs-Erbschaftssteuer eingeführt tnker, eine Einschränkung erleiden. Deshalb hat in scharf-' würde, könnte dem Reichssäckel bequem jährlich eine Summe von 150—160 Millionen Mark zugeführt werden. Der fehlende Betrag von zirka 70 Millionen ließe sich leicht durch eine progressive Reichs-Einkommensteuer beschaffen, die erst bei 5000 oder 6000 M. Einkommen mit- einem Steuersatz von Vo Proz. zu beginnen brauchte. Auch in dieser Hinsicht sind andere Kulturstaaten Deutsch- land uild speziell Preußen sozialpolitisch lveit voran. Während Preußen bereits Einkommen von mehr als 900 M. mit Einkommensteuern belegt, sind im„krämerhaftcn" England alle Einkommen unter 4000 M. steuerfrei. Dafür werden aber die höher«» Einkommen in England um so kräftiger zur Steuer herangezogen. Ein Einkommen von 10 000 M., das in Preußen 3 Proz. Steuer entrichtet, zahlt in England etwa 4,6 Proz. John Bull ist eben infolge seiner ethischen Rück» ständigkeit noch nicht zu der hohen Maxime deutscher Steuer- Politik gelangt, daß die Geldbeutel der sogenannten höheren Klassen auf Kosten des werktätigen Volkes geschont werden müssen. Es ließen sich demnach die vom Reichsschatzamt geforderten Mittel leicht ohne jede weitere Belastung des Konsums, ohne Verkehrs- und Quittungs- steuern aufbringen, wenn nur die herrschenden Klassen etwas tiefer in ihre Taschen greifen wollten. Dazu reicht jedoch ihre vielgerühmte Sorge um des„Vaterlandes Wohl" nicht aus. Die Mittel zur Aufrechterhaltung ihrer Klassenherrschaft soll ihnen das Volk selbst liefern. Die btenen Reichsstenervorlagen. IL In der gestrigen Nummer veröffentlichten wir im Auszüge den Gesetzentwurf betreffend„die Ordnung des Reichs- Haushalts" und die Ausführungen der„Nordd. Allg. Ztg." über die Braustcuer, die Tabak-, Zigaretten- und Fahrkarten- steuer, denen wir nachstehend die wichtigsten Bestimmungen des Frachturkunden-, Ouittungsstempel- und Reichserbschafts- steuergesetzcs folgen lassen: Durch die geplante Aenderung des RcichSstcmpclgesetzeS tvird der bisher im Seeverkehr mit dem Ausland erhobene Schiffe frachturkundcn-Stempel iKonnosseinentstemgel) auf sämtliche Fracht- Urkunden, auch die der B i n u e n s ch i f f a h r t und des Eisenbahn- Verkehrs, ausgedehnt und ferner eine Stempelabgabe für Quittungen und für Erlaubnisscheine zum Gebrauch von Kraftwagen cm- geführt. Frachturkundc». Die bisherigen festen Stempelsätze von 10 Pf. fiir Konnossemente und Frachtbriefe im Schiffsverkehr mit aus- läudischen Häfen der Nord- und Ostsee, des Kanals oder der norwegischen Küste und von 1 M. für Konnossemente und Fracht- briefe m, Schiffsverkehr mit anderen ausländischen Seehäfen bleiben für den Stückgutverkehr unverändert bestehen. Hinzu tritt eine f e st o S t e m p e l a b g a b e von 10 Pf. für Konnoffcmeute, Frachtbriefe. Ladescheine, Einlieferungsscheine im Seeverkehr zwischen miändischen See- und Flußhäfen und für alle sonstigen Frachtbriefe, Paketadressen, Gepäckscheine. Befördern ngS- scheine oder andere e in s der bezeichneten Papiere ersetzenden Schriftstücke. Erhöhte Stempelsätze sind für Frachturkunden über ganze Schiffs- und Eisenbahnwagenladungen vorgesehen, und zwar wird, je nachdem es sich um einen Frachtbctrag von 25 AI. und darunter oder um einen solchen von mehr als 25 M. handelt, das Doppelte oder das Fünffache, bei Flußschiffen mit mehr als 100 Tonnen Raumgehalt und Seeschiffen mit mehr als 200 Kubikmeter Rein- raumaehalt das Fünffache oder Zehnfache der einfachen Sätze von 10 Pf. und von 1 M. erhoben. Bei Berechnung deS für die An- Wendung des höheren Steuersatzes maßgebenden FrachtbetragcZ wird im Binneuschiffsverkehr der Schlepplohn mit in Ansatz gebracht, sofern er neben der Fracht zu zahle» ist. Auf der anderen Seite tritt zuguusten des Nahverkehrs und des Äleinverkehrs eine Ermäßigung d eS Stempelsatzes von 10 Pf. auf 5 P f. e i n, wenn sich aus dem Inhalte der Frachturkunde ergibt oder sonst feststeht, daß der Frachtbetrag 0,50 M. nicht erreicht. Völlig befreit sind Gepäckscheine überReise- gepück und Frachturkunden über frachtfreie Sen» düngen. Erlaubniskartcn für Kraftfahrzeuge. Die Stempelabgabe bezieht sich nur auf Kraftfahrzeuge, die zur Personenbeförderung auf öffeut- lichen Wegen mid Plätzen bestimmt sind, nicht also auf Kraftfahrzeuge zur Güterbeförderung. Auch von den ersteren sind diejenigen von der Abgabe befreit, die ausschließlich der gewerbsmäßigen Personen- beförderung dienen, außerdem die Kraftfahrzeuge, die zur ausschließ- lichen Benutzung in« Dienste des Reiches, eines Bundesstaates oder einer Gemeinde bestimmt sind. Die Abgabe von der einzelnen Erlaubniskarte zerfällt in einen festen Grundbetrag und einen weiteren nach der Zahl der Pferde- kräfte des Fahrzeug« sich vervielfältigenden Betrag. Der Grund- betrag beträgt für Krafträder 10 M., f ü r K r a f t- «vagen mit ein oder zwei Sitzplätzen 100 M., für solche mit mehr als zwei Sitzen 150 M. Daneben find von jeder Pferdekraft des Kraftrades und Kraftwagens oder dem Teile einer Pferdekraft 5 M. oder, falls das Fahrzeug, wie regcl- mäßig bei Krafträdern, nicht mehr als 4 Pferdekräfte hat, 2 M. zu entrichten.„. OmttlmgSstcuer. Der Stempelabgabe werden alle Quittungen unterworfen, dir im Jnlande ausgestellt oder ausgehändigt werden, sofern sie über einen Betrag von mehr als 20 Mark lauten. Die Abgabe beträgt 10 Pf von jedem einzelnen Schrift st llck. oder, wenn es mehrere Quittungen enthält, von jeder einzelnen Quittung. Befreit sind: 1) Quittungen, ans denen sich ergibt, daß die Hingabe der Geldsumme behufs Begründung einer Berbmdlichkeit Rückzahlung oder MederauZzahlmig crsolgt ist. Nur im Post- airlocislmgsderkchr sind die Bescheinigungen seitens der Post über den Enihfang der auf portopflichtige Postanweisuiigen eingezahlten Geld- benage steuerpflichtig. Dafür sind hier die Öuittniigen befreit, die der Post auf den Postanweisungen vom Empfänger über die Aus- zahliuig der übcriviesenen Geldsunnne erteilt werden. Der Stempel für die Einlieferuiigsbeschciiiiguiig ist auf der Postanweisung zu vcr- wenden. Das gleiche gilt, wen» die Post, wie dies bei Uebersendung der infolge Postauftrags eingezogenen Geldbeträge, sowie der eingc- lösten Nachnahlneberräge geschieht, eine Bescheinignng über die Einzahlung des Geldbetrags nicht erteilt— 2. Quittungen. die im inneren Verkehr eines und desselben Kasten- Wesens oder Geschäftsbetriebs oder im Verkehre der Kasten des Reichs und der Bundesstaaten imtcr einander ausgestellt lverden!— 3. Onittungen auf Postanweisungen(siehe oben unter 1); — 4- Quittungen über Zahlungen von Zinsen der Anlehcn des Reiches oder eines Buudesstnares i— 5. Quillungen auf mit einem Reichsstcmpcl versehenen Schriftstücken über daiauf bezügliche Zahtungen;— C. Quittungen über die auf einer ZwangSverpflichtnng des öffentlichen Rechtes beruhenden Zahlungen sSteuern, Gebühren, Strafgelder usw.);— 7. Quittungen über Gehalts- und sonstige Dicnilbezüge oder Pensionen der Reichs- und Staatsbeamten, der Beamten im Gemeinde-, Kirchen» und Schuldienst oder im Dienste einer landesherrlichen Haus- oder Hofverwaltmig und der Militär- Personen, sowie ihrer Hinterbliebenen;— 8. Qiuttungen über Lohn- und Gehaltsbezüge solcher Personen, die zu einer nach dein Jnvalidenvcrsicherungsgesetze vorn 13. Juli 1890 Versicherung?- . Pflichtigen Kassen gehören;— 9. Quittungen über Rückzahlungen aus Sparkassen, sowie über Unfall-, Invaliden- und Altersrenten, llntcrstützliugen, Krankengelder, Beerdigungskosten, Witwen- und Waisengelder und ähnliche Zahlungen aus öffentlichen oder privaten. nicht auf den Gelvinn der Unternchincr berechneten Kassen und Anstalten. Erbschaftssteuer. Das Gesetz nntcrlvirft der Erbschaftssteuer den Erwerb von Todeswegen und dasjenige, lvas durch das Gesetz dem Er werbe von TodeSivcgcn gleichgestellt lvird. Hierher gehören z. B. die als Wer- fügung von TodcSlvegen zu beurteilenden Schenkungen, ferner das- jenige, was durch den Eintritt eines Lebens- oder Fidcikommistfalls erworben wird, Bezüge ans Familienskiflungcn, die infolge Todes- falls an den dazu Berufenen gelangen, Bermögensvorteile, die auf Grund eines von dem Erblasser geschlossenen Vertrages unter Lebenden von einem Dritten mit dem Tode des Erblassers unmittelbar er- worbeil werden, it. a. m. Die Erbschaftssteuer beträgt: I. vier vom Hundert für leibliche Elter», für Schwiegcr- und Stiefkinder, für volle und halb- bürtige Gcschlvister, für uneheliche, von dem Vater anerkannte Kinder und deren Abkömmlinge, soweit sich auf diese die Wirkungen der Annahme an Kindes Statt erstrecken; II. sechs vom Hundert für Grosteltcrn und entferntere Voreltern, für Schlvieger- und Sticf- eltcrn, für Abkömmlinge ersten Grades von Geschwistern; III. acht vom Hundert für Geschwister der Eltern, für Abkömmlinge zweiten Grades von Geschwistern, für Verschioägerte im zweiten Grade der Seitenlinie; IV. zehn vom Hundert in allen übrigen Fällen, soweit nicht die weiter unten bezeichneten Ermäßigungen und Befreiungen eintreten. Ilebersteigt der Wert des Erwerbes den Betrag von 50 00V M., so wud das il s/Jache, übersteigt er de» Betrag von 100 000 M., so wird das 1 stzfache, übersteigt er den Betrag von 300 000 M., so wird das 13'4fache. und übersteigt er den Betrag von 500 000 M., so lvird das Doppelte der im vorigen Absatz bezeichneten Sätze er- hoben. Ilebersteigt der Wert des Erwerbes eine der vorbezeichnetcn Werlgrenzen, so wird der Nnterschiedsbetrag zwischen dem danach anzuwendenden höheren Satze und demjenigen der vorangehenden Wertklasse mir insoweit erhoben, als er aus der Hälfte des die Wert- grenze übersteigenden Betrages des Erwerbes gedeckt iverden kann. Von der Erbschaftssteuer befreit bleibt 1. ein Er- wcrb von nicht mehr als 300 M., 2. ein Erwerb, ivelcher anfällt a) ehelichen Kindern und solchen Kindern, welchen die rechtliche Stellung �ehelicher Kinder ziikoinint(jedoch niit Ausschluß der an Kindes Statt angenommenen Kinder), sowie eingekindschaftelen Kindern, b) unehelichen Kinder» aus deni Vermögen der Mutter oder der mütterlichen Voreltern, o) Abkömmlingen der zu a), b) bezeichneten Kinder, d) Ehegatten, e) Personen, welche dem Hans- stände des Erblassers angehört und darin in einem Dienstverhältnisse gestanden haben, sofern der Erwerb nicht mehr als 1000 M. beträgt. Eine Befreiung besteht außerdem für den Landesfürsten, die Landesfürstin und die Mitglieder des landeSfürstlichen Hauses, für letztere jedoch nur in Ansehung eines Erwerbes ans dem Vermögen anderer Mit- gliedcr dieses Hauses, sowie für die fürstlichen Personen, die bin- sichtlich der Steuerfreiheit dein Landesfürsten oder den Mitgliedern des landesfürstlichen Hauses gleichgestellt sind.» B e s o n d c r e V e r g ü n st i g n n g e n sind vorgesehen zugunsten eines Erwerbes, der anfallt inländischen Kirchen oder anderen in- ländischen Religionsgesellschaften oder solchen inländischen Stiftungen, Gesellschaften. Vereinen oder Anstalten, die ausschließlich kirch- liche, mildtätige oder gemeinnützige Zwecke verfolgen, sofern ihnen die Rechte juristischer Personen zustehen, ferner zugunsten solcher Zuwendungen, die ausschließlich den bezeichneten Zwecken innerhalb des Deutschen Reiches gewidmet sind, sofern die Ver- Wendung zn dem bestimmten Zwecke gesichert und die Zuwendung nicht auf einzelne Familien oder bestimmte Personen beschränkt ist. Die Vergünstigung besteht für Vermögensvorteile von nicht mehr als 3000 M. in völliger Steuerbefreiung, für höhere Zuwendungen in der Ermäßigung des Steuersatzes von 10 bis 20 Proz. auf die Hälfte. Eine weitere Vergünstigung besteht für land- oder forstwirtschaftliche G r u n d�st ü ck e, sofern sie den Gegenstand eines einem Steuerpflichtigen der K l a s s e I(Eltern, Geschwistern usw.) anfallendes E r- Werves bilden. Hier wird ein Viertel des auf diesen Teil des Erwerbes entfallenden Slcnerbctrages nicht erhoben. Für Steuerpflichtige der Klasie I tritt serner eine Erniäiiii,ii»>, ans die Hälfte ein, soweit die Grundstücke im Laufe der dem Anfalle vorher- gehenden zwei Jahre Gegenstand eines nach Maßgabe des Reichsgesetzes steuerpflichtigen Erwerbes gewesen sind. Die Ermäßigung tritt nicht ein. wenn die Grundstücke innerhalb des bezeichneten Zeitraumes gegen Entgelt veräußert worden sind. Die Vorschriften über die Ermittelung des Werte-Z der Masse. die Bestenernng bei bedingtem Erwerbe oder bedingter Belastung und gegenüber unsicheren Rechten sowie bei einem'Erwerbe von Vermögen ohne die Nutzung, endlich über die Berechnung der Erb- fchaftSsteuer und die Hastung für diese decken sich im wesentlichen mit dem, was nach den zurzeit in Geltnng stehenden deutschen Steuergesetzen rechtens i st. S ch e u k u n g s st e n e r. �Eine notwendige Ergänzimg erfährt die Steuer von dem Erwerbe von Todes wegen durch die S ch e n k u n g s- st euer. Nach dem Gesetzentwürfe unterliegen Schenkungen unter Lebenden der gleichen Steuer, wie der Erwerb von Todes wegen mit der Naßgabe, daß an Stelle dei Verhältnisse des Erblassers und des Erwerbers die Verhältnisse des SchenkerS und des Beschenkten berücksichtigt werden.___ polUifche Ckbcvricbt. Berlin, de» 29. November. Tic Koustitnierung des Reichstags. Die Wahl des Reichstags-Vorstandes, die heute vor- genommen wurde, zeigte das aus den früheren Sessionen gewohnte Bild der Rechtsverweigerung an unsere Fraktion. Ter Sitz des ersten Vizepräsidenten, auf den sie nach ihrer Stärke begründeten Anspruch hätte, wurde wiederum dem konservativen Junker Grafen S t o l b e r g zugesprochen; darauf demonstrierten bei der Wahl des Präsidenten und seines zweiten Stellvertreters die sozialdemokratischen Abgeordneten durch die Abgabe unbeschriebener Stimmzettel.— Ter Präsident Graf B a l l e st r e in suchte seine neuausgefrischte Präsidentenwürde heute mehrfach recht auffällig zur Schau zu tragen. Gleich zu Beginn der Sitzung benutzte er die Tat- fache, daß dem Reichstage bisher schon 32 Regierungsvorlagen zugegangen sind, dazu, den Abgeordneten diesen Fleiß der Re- gierungsvcrtreter als löbliches Beispiel vor Augen zu halten. Er vergaß nur hinzuzufügen, daß es sich dabei zum großen Teil um die einfache Wiederholung von Vorlagen aus der vorigen Session handelt, an deren ordnungsmäßiger Er- ledigung der Reichstag nur durch die bekannte Brüskierung. seine unerwartet plötzliche Schließung im vorigen Sommer, gehindert wurde. Tann flocht Gras Ballestrein in seine Antrittsrede, die gcwobnheitsgemäß den Tank für das Ver- trauen— der bürgerlichen Parteien— und die Aufforderung zu fleißiger Mitarbeit enthielt, einige hochpolitische Sätze über die schwere �eit, die ernste Lage ftn Inneren und die reckt ernste Situation nack außen ein. Schweigend hörte das Haus diese aufgewärmte Thronrede au. Nach der Wiederwahl des alten Präsidiums war die Auf- gäbe der heutigen Reichstags-Sitzung erschöpft; das Resultat der Schriftführerwahl wird erst morgen bekannt gegeben. Auf der Tagesordnung steht außerdem die dringende Frage der F l e i s ch n o t, die unsere Parteigenossen im Reichstage nicht gezögert haben, durch eine Interpellation sofort in der deutschen Vott'övertrctung zur Sprache zu bringen.— Die Denkschrift über Südwestafrika. Auch die neueste Denkschrift über den Aufstand in Süd- Westafrika ist ein völlig wertloses Machwerk. Sie enthält nichts, als eine annselige Zusammenstoppelung der telegraphischcn Berichte über die Ereignisse auf dem Kriegsschauplätze, die bereits längst durch die Presse gegangen sind. Zudem sind auf Grund dieses Materials bereits vor Wochen in einzelnen Blättern Darstellungen des Verlaufs der Känipfe gegeben worden, die weit übersichtlicher waren, als das Elaborat des Großen Gencralstabes, das nicht einmal vom rein militärischen Standpunkt irgend welchen Wert beanspruchen kann. Alles vollends, lvaZ fiir das Parlament und die Oeffentlichkeit von Interesse wäre: eine Uebersicht über die Gesamtverlnste, über die Sterblichkeit an Krankheiten, über den Verlust an P f e r d e n— wobei auch genaue An gaben über die Herkunft der Pferde notwendig wären— fehlt in der sogenannten Denkschrift. Man hält es einfach nicht für notwendig, der Volksvertretung ein klares Bild der Lage und die Handhabe zu einer Kritik zu geben! Immerhin enthält die Denkschrift einiges Material zur Beurteilung der Kriegführung, speziell der Ausrottungs- st r a t e g i e des Generals Trotha. Tie Verluste der Hereros bei ihrer Fltcht in die Omahcke nach den Kämpfen am Waterberg sind nämlich noch weit fürchterlicher gewesen, als man bisher annahm. Die Denkschrift sagt darüber: Die Verluste der HereroS bei der Flucht durch die Omahele sind offenbar größer gewesen, als im vorigen Jahre vermutet iverden konnte. Unter Kontrolle aus englische m Gebiet befinden sich im ganzm nur 1272 farbige Flüchtlinge, auch die Zahl der zn den O>v a in b o s entkommenen und im R a m a l a n d e kämpsciiden Hereros kann nur gering sein. Reste des Volkes durchstreifen besitzlos das Land und leben vorn Raub. Nur ein Teil hat von der Erlaubnis zur Ergebung Gebrauch gemacht. Die Zahl der Gefangenen, die im März 938 Männer nnd 2990 Frauen und Kinder betragen hatte, war bis Ansang Scp- tcmder ans 2024 Männer und 2018 Frauen und Kinder gestiegen. Diese Zahlen geben also nur Aufschluß über den Verbleib von 83-17 Hereros. Nehmen wir nim an, daß von den Gefangenen— unter denen ja die Sterblichkeit eine ungeheuer große war— bis znm September mehrere Tausend gestorben waren, und schätzen wir ferner die Zahl der zu den Owambos nnd Hottentotten Entkommenen sowie die noch im Lande Umherschweifenden äußerst hoch ein, so kämen wir bei alle- dem doch höchstens ans 20 000 Köpfe. Die Zahl der Hereros hat aber nach den niedrigsten Schätzungen mindestens 60000 betragen. Danach wären mindestens 46 660 Hereros dem Nachekriege zum Opfer gefallen! Und hiervon wiederuin Wäre der größte Teil in der Omaheke verschmachtet! Man sieht, welch entsetzliche Folgen die berüchtigten Trotha- Erlasse gehabt haben, die den Fliehenden ankündigten, daß Bewaffnete und Wehrlose, Männer wie Weiber erbarmungslos«iedcrgeschosseu würden! Das unglückliche Volk floh in die Wüste, wo ungezählte Taufende den Oualen des Durstes erlagen. Auch in der„Denkschrift" heißt es darüber: „Am Qijosondjon-Qmiiramba war die Patrouille auf die Spuren der im August vorn Waterbcrg geflohenen Hereros ge- stoßen. Die Kadaver lagen, so berichtet Graf v. Schweinitz, zu Hunderten dicht neben und über einander, A» viele» Stellen war in 12— 20 Meter tief nufgewühlte» Löchern vergeblich nach'Wäger gegraben. Alles läßt darauf schließen, daß der Rückzug ein Zug des Todes war und mir ein kleiner Teil der HereroS»ach Nordosten elitkomine» ist." Von der ganzen Nation blieben nur die„Kadaver" übrig. Und diesen„Zug des Todes" verschuldete der Heerführer der südwestafrikanischen Truppen! Der Name Trothas wird in der Geschichte neben denen eines Eortez und Pizarro fortleben!— Hollands Kolonialpolitik. Die Generaldebatte über das indische Budget hat in der holländischen Kammer ein scharfes Treffen herbeigeführt zwischen den bürgerlichen Parteien auf der einen und den sozialdemokratischen auf der anderen Seite. Bei den jüngsten Wahlen haben die Freisinnig-Deinokraten ihre beste koloniale Spezialität, Herr» Van Deventer, in die Kanimer gebracht, und Kolonialministcr wurde Herr Fock, auch ein freisinniger Kolonialspezialist. Und wie geht es nun den ostindischen Kolonien Nicderlands? Eine Expedition folgt auf die andere, und um diese Expeditionen nickst ungeheure Summen kosten zn lassen, befolgt man ein System, das vielleicht das erfolgreichste, aber auch das blutigste, ist, das man sich denken kann. Seit Jahren hat man eine Truppe gebildet, die„Marechmissee", vornehmlich aus Amboinesen zusammengesetzt, nur die Führer sind Europäer. Diese Truppe hat. vom Kriegsstaiidpunkte aus gesehen. Vorzügliches geleistet, das heißt: sie hat geinordet, wie's vor ihr keine je vermochte. Nicht ganz drei- hundert von dielen Leuten haben im Jahre 1903 eine Expedition nach den Gosoeländem gemacht und da in ein paar Tagen 3148 „Feinde" getötet— Gefangene machten sie nie I Im„pazifizierten" Atsch. Ivo jetzt diese MarechausseeS die Ordnung aufrechterhalten, wurden im Jahre 1899 612, i. I. 1900 921, i. I. 1901 1812, i. I. 1902 2082, i. I. 1903 2853, i. I. 1904 4126„Feinde" getötet. Unlängst wurde gemeldet, daß die Holländer mit Dum-Duin-Kugeln schießen I Man hat„dementiert", daß die Soldaten diese Kugeln nicht b e k o in m e n, zugegeben ist aber, daß sie sich diese Kugeln selbst machen können, indem sie die Spitzen der gewöhnlichen Kugel» abfeilen!— Kurz, die holländischen Expeditions- tnippen, vornehmlich die inländischen, von Europäern geführten, morden bis ins unglaubliche. Außer deni Genoffen Van Kol hat das in diesem Jahre wieder der kletikale Abgeordnete De Stners konsiaiiert. Und nun kam die neue steisiimig- demokratische Spezialiät. Van Deventer, und verteidigte diese Expeditionen!! Genosse Van Kol hat dann in einer dreistüildigen Rede das ganze holländische Kolonial- syst»» zerpflückt und vornehmlich mit den fteifinnig-dcmokratischen Herren eine fürchterliche Abrechnung gehalten. Tie Debatte hat, gerade weil es hier gegen die bürgerliche Demokratie ging, große prinzipielle Bedeutung gewonnen. nnd jetzt ist es deutlicher geworden als je. daß auf diesem Gebiete zwischen den Demokraten und den Re- aktionären so gut wie gar kein Unterschied besteht. Die Freisinnigen haben ein ans drei Wörtern bestehendes Kolonial- Programm aufgestellt, um Java anS seinem wirtschaftlichen Notstand zu retten, nämlich: Irrigation, Emigration. Edukallon(Bewässerung, Auswanderung. Erziehung). Die Emigration der Javaner soll dazu dienen, den Herren Uiiteriiehuiern auf Sumatra, das reich an Mineralien ist. billige Kulis zu verschassen! Für Irrigation sind im Budget 3.2 Millionen bestimmt. Das ist vielleicht ein Viertel dessen, was unbedingt nötig ist, und weniger als im Jahre 1003. Und die Ediiiatisn! Auf ganz Java gehen 90000 inländische Kinder, das sind nickst fünf Prozent, in die Schule! Die Europäer ans Java zählen 60 000 Seelen, flr den Unterricht i b r e r Kinder werden 3 230 000 Gulden verausgabt. Die Inländer zählen 28 Millionen Seelen, für ihren Unterricht enthält das Budget 1 671 000 Gulden!! So wenden die Herren ihr cigencsi Programm an.— D a S ist „freisinnige", das ist„klerikale" Kolonialpolitik I Und so wird's leider bleibe», solange der Kapitalismus„kolonisiert". »»» VeutJeheo Reich. Eine Verhöhnung der Arbeiterklasse. Die„ G r e n z b o t e n" beschäftigen sich in ihrer letzten Rümmer mit der Aufbringung der Lasten fiir den Marinismus. Sie erklären es für eine Phrase, daß die Kosten nicht von den „leistungsfähigen Schultern", sondern von der Masse der Nicht- besitzenden aufgebracht werden müßten. Die„Grenzboten" über- schütten dabei die deutsche Arbeiterklasse mit einem Kübel frechsten Hohnes: „Und wer gehört denn nicht zn den„leistungsfähigen Schultern"? Etwa die Arbeiterschaft, dje zumeist vor lauter Uebermut einen Streik nach dem andere» vom Zaune bricht und die Kosten ans sich nimmt? Die durch regelniäßige Abgaben, weit höher als Staat und Reich ihr aufzuerlegen wagen, die � frivolste» ArbeitSeinstellungr» wochenlang durchgeführt und jahrein jahraus die Hclicr und Agitatoren füttert? Dieselbe Arbeiterschaft, deren rapid gewachsener Wohlstand die bewundernde Anerkennung des ganzen Auslandes findet, die die Svarkaffen füllt, die freien S chulnnterricht und teilweise auch volle Steuerfreiheit genießt, für deren Kranke, Verletzte und Invaliden jährlich unermeßliche Millionen aufgebracht werden? Für deren Witwen und Waisen— sonst nirgends auf der Welt— jetzt auch noch Fonds angesammelt werden? Diese Arbeiterschaft soll den auf sie fallenden, für den Kops wirklich minimalen Anteil der Flotten- Vermehrung nickst tragen können? Die deutsche Arbeiterschaft müßte eine so würdelose Zumutung mit Entrüstung zurückweisen." Etwas Unverschämteres und gleichzeitig etwas Dümmeres ist uns seit geraumem nicht zu Gesicht gekommen, nnd das will bei dem von Dummheiten und Niederträchtigkeiten strotzenden Inhalt unserer Scharfmacherorgane viel heißen! Ans die frivolen Streiks. das Mästen der Agitatoren und ähnlichen Blödsinn wollen wir nicht erst eingehen, es genügt, diese Ausfälle niedriger zu hängen. Wohl aber ist es augebracht, etwas näher aiif den„Wohlstand" der Arbeiter, der sich in den Sparkassen darstellt, einzugehen. Im D e u t s ch e n R e i ch wurden im Jahre 1902 16002083 Spar- kassenbücher gezählt mit einer Einlage von 10 373 313 000 M. Das macht pro Sparkassenbuch eine Einlage von 644 M. oder pro Kopf der Bevölkerung den Betrag von noch nicht 172 M. Das also wäre das Vermögen der Massen! Aber die Sparkasseneinlagen stammen bekanntlich durchaus nicht allein aus den Kreisen des Proletariats; ist doch die Zahl der Einlagen von 20000 M. und mehr eine ganz bedeutende! Betrachten wir nun aber einmal das Vermögen der besitzenden Klasse. Dasselbe betrug in Preußen allein nach der Einschätzung zur Vermögcnsstener im Jahre 1893 rund 64 Milliarden, im Jahre 1899 bereits rund 70 Milliarden. Es war also binnen vier Jahren»in 6 Milliarden gewackiien I Dabei waren bei dieser steuerpflichtigen Summe nicht nur sämtliche Vermögen bis zn 6000 M. nicht miteinbezogen, sondern auch viele Vermögen bis zu 32000 M., deren Besitzer kein steuerpflichtiges E i n-k o mmen be- saßen! Würde dies Vermögen der Besitzenden auf die preußische Gesamt- bevölkerung verteilt, so entfiele auf den Kopf der Betrag von 2666 M. Da sich die 70 Milliarden aber nur in den Händen von Iftz Millionen Besitzender befinden, so entfällt auf den Kops jedes dieser Angehörigen der besitzenden Klasse ein Vermögen von rund 66 666 M.I Jeder Angehörige der besitzenden Klasse besitzt also 326uial so viel wie jeder Angehörige der nichtbesitzenden Klasse, auch wenn wir die Sparkasseneinlagen der Bourgeoisie mit aus das Proletariat verrechnen! Aber ivciter: Die Zahl der Besitzciiden mit mehr als 100000 M. Vermögen betrug in Preußen 110000, diese 110000 aber ver» steuerten ein Vermögen von 41'/� Milliarden. Also diese 110 OCO preußischen Bourgeois besaßen viermal so viel Vermögen, alS in den Sparkassen des ganzen Deutschen Reiches überhaupt an- gelegt war I Man sieht also, welche„Phrase" eS ist, von„leistungsfähigen Schultern" zu sprechen!_ Ter Entwurf ein« Novelle zum Eiiikommeiistciieigcsctz zerfällt in einen sormellcn und einen materiellen Teil. Der formelle Teil bezweckt die Vereinfachung. Erleichterung und Beschleunigung des Veranlagungs- und BeschwerdeverfahrenS namentlich für die große Zahl der Steuerpflichtigen mit einem Einkommen von weniger als 3000 Mark. Als Hauptinittel zur Er- reichung dieses Zieles sind in Aussicht genommen die Be- seiligimg der Veranlagung nach dreijährigem Durchschnitt und die Veranlagung nach dem wirklichen Einkommen des letzten Jahres in allen hierzu geeigneten Fällen, sowie die Einführung der Berufung an die Veraiilagungskotiiniiision statt an die Berufniigs- koimnission für alle Steuerpflichtigen, die der Deklarationspflicht nicht unterliegen. Unter den Steuererleichterungen, die der Entwurf in Aussicht nimmt, steht die Erweiterimg der Bestimmungen des§ 13 des Ein- kommensteiiergesetzeS an Bedeutung voran. Durch sie ist eine Sleiiercriiiäßiguiig für stärkere Familien vorgesehen. Diese Ver- güiistignng, die zurzeit nur den Einkommen unter 3000 M. zuteil wird, soll l ü n f t i g a n ch d e n h ö h e r e n E i n k o m in c n b i s 6300 M. bewillig l w e r d e n. Ferner liegt es in der Absicht. die Beschränkung der Vergünstigungen auf Kinder von weniger als 14 Jahren a u s z u h e b c n. Endlich ist in Aussicht ge- nommen, daß, wie jetzt schon bei drei und mehr Kindern die Er» mäßigimg um eine Steuerstufe eintreten muß, für die Folge eine solche Ermäßigung um zwei Stufen bei fünf oder mehr Kindern von Gefcvcswegen einzutreten hat. Die Novelle enthält also hauptsächlich eine Steuer« erlcichtcrung für Einkommen zwischen 3000— 6300 M. An sich wäre ja gegen die Tendenz, für diese Einkommensstufen die er- Wähnten Erleichterungen zu schaffen, nichts einzuwenden, wenn wir nicht auf der anderen Seite der größten R ü ck s i ch t ö l o s i g- k e i t der Stencrpolilik gegenüber den ä r in st c n Schichten der Be- uälkcrnng begegneten. Zu einer Zeit, wo man dem Proletariat lliigcscheut die schwersten indirekten Steuerlasten auferlegt, erhält die Erleichterung der Steuerlasten für den höheren Mittel- stand den Charakter einer unverkennbaren K l a s s e n p o l i t i k!— Keine Fleischnot! Im Magistrat von Bayreuth, einer industriellen Stadt von ungefähr 30 000 Einwohnern, wurde konstatiert, day das Minus der diesjährigen Schlvcineschlachtungeu rund 3500 beträgt, während die Zahl der Pferdeschlachtungeu fortgesetzt zunimmt, so dag sich der Magistrat veranlagt sieht, sich mit der Errichtung einer besonderen Pfcrdeschlächterei zu befassen.— Schwer bestrafter Rausch. Das Oberkriegsgericht des 17. Armee- korys ill T h o r n verhandelte in der Berufungsinstanz gegen den früheren Musketier und jetzigen Reservisten Bernhard Keppel- Berlin. Der Angeklagte hatte sich im Biwack im Mannöver bei Scbneidcmühl einen N a u f ch angetrunken, in diesem Zustande einen Unteroffizier angerempelt und sich auch sonst disziplinarisch vergangen. Das Kriegsgericht hatte Keppel darauf wegen Achtungsverletzuug, Beleidigung. Ungehorsam gegen einen Befehl in Dienstsachen, Beharren un Ungehorsam, ausdrücklicher Gehorsamsverweigerung, Selbslbefreiung als Gefangener, Widersetzlichkeit und tätlichen Angriffes gegen Vorgesetzte zu 3 Jahren Gefängnis per- urteilt. Der Vertreter der Anklage, der 5 Jahre beantragt hatte, fand diese«träfe zu niedrig und legte Berufung ein. Auch der Angeklagte hatte Berufung eingelegt, da er das Vergehen im Zu- stände der Unzurechnliiigsfähigkeit begangen haben wollte. Obwohl der Kreisarzt und ein Irrenarzt die Bchanpmngcn dcS Angeklagten für richtig erachteten, verwarf das Oberkricgsgericht beider Berufung!— Schönstedts Zöglinge. Wie die Breslauer Zeitungen berichten, hat dort dieser Tage der„Berein christlicher Referendare* ein Fest gefeiert und bei dieser Gelegenheit ein Festlied gesungen, das folgende schöne Strophen enthält: Wie zum Segen eines Landes Wird der Freniden Aberwitz, So zum Nachteil unseres Standes Eine koschere Justiz. Hält die Augen fest verbunden Themis gegen die Gefahr, Hat die Abwehr nun gefunden Doch der deutsche Referendar. Daß nicht vor der fremden Rasse Weicht der rechtsbeflissene Christ. Daß nicht deutsche Treu' erblasse Vor der orientalschcn List, Dafc nicht mit der Nasenlänge Glänze unsere Justiz. Brachte vor aus ihrer Enge Die um Stillfried-Rattonitz. Es wird nicht gesagt, welchem Zwecke das gemütliche Fest der antikoscheren Rechtsbefliffcnen diente. Wahrscheinlich war es dem Andenken Schönstedts gewidmet. Würdiger konnten allerdings dessen Verdienste um die deutsche Justiz nicht gefeiert werden, als durch derartige poetische Ergüsse._ Neue Bahnbautcn in Tcutsch-Südwestafrika. In einem zweiten Nachtrag zuin Etat für Deutsch-Süd- Westafrika wird ein Betrag von o 050 000 M. für den Bau einer Eisenbahn von Lüderitz- Bucht uach Ä u b u b gefordert. Die Bahn wird als notwendig bezeichnet, um für die im Süden operierenden Truppen die Verpflegung durch- führen zu können. Die Kosten für die kriegsmäßige Herstellung werden auf 7 772 000 M. berechnet. Für den späteren Ausbau zum Zweck des regelmäßige n Be- triebes sollen fernere 1 726 000 M. erforderlich sein, so daß die Gesamtkosten rund 9yo Millionen Mark betragen sollen. Eine zweite Balm soll von W i n d h u k nach R e h o b o t h führen. Die Kosten für diese Bahn werden auf 11 Millionen Mark berechnet. Für dm Bau auch dieser Bahn sind strategische Maßregeln ausschlaggebend. An Baukoste» sollen für beide Linien in den Iahren 1003 und 1006 11022 000 Mark verausgabt werden. Die in der Thronrede angekündigten„verbesserten Ver- kehrswege" kosten in Gestalt dieser beiden Bahnen also bereits die Summe von 20 Millionen Mark! Daß die Bahnen sich nach Beendigung deS Krieges wirtschaftlich jemals rentieren werden, ist mehr als zweifelhaft, zumal Süd- wcstafrika nach Beendigung des Krieges eine menschenleere Einöde sein wird.—_ Sudwestafrika. Ein Telegramm aus Win d h uk meldet: Unter- offizier Joseph Niebusch, geboren am 13. 5. 79 zu Osnabrück, am 1. November d. I. in Pella infolge der im Gefecht bei Hartcbeest- mund erlittenen schweren Verwundung gestorben. Reiter Ferdinand Holstein, geboren zu Schippenbeil, am 25. No- vember d. I. bei Sandfontcin verwundet, Bauchschuß, des Abends verstorben. TliisUiid. Frankreich. Auch Jaurös. Kaum hat LanSdowne in London seiner Meinung über die Ab- .md Ansichten Wilhelms II. Ausdruck verliehen, da hallt's von allen Ecken und Enden in ähnlicher Tonart. Ain Montag ergriff Jaures daL Wort zu der Frage und führte u. a. aus: „Wenn der Kaiser von einem revolutionären Ruß- l a n d, einem demokratisierten Oe st erreich und einem entschlossen und augenscheinlich friedfertige ir West» e u r o p a umgeben ist. wird der Gegensatz zwischen Deutschlands System des Absolutismus und Militarismus und der neue» Welt- ordnung so heftig hervortreten, daß selbst die deutsche Passivität davon erregt sein wird." Die„deutsche Passivität* ist längst erregt!— Spanien. Tie Kouimunalwahlen, die in Spanien am 12. November statt- gefunden haben, brachten bekanntlich der sozialistischen Partei schöne Siege. Und dies trotz der Indifferenz, welche ein großer Teil der arbeitenden Klasse dem Wahlrecht gegenüber zeigt, trotz der Kor- ruption der Behörden und der bürgerlichen Politiker und trotz der Drohungen, welche die Arbeitgeber gegen alle Arbeiter anwenden, die nicht für die Unternchmer-Kandidaten stimmen. Die Statistik, loelche die Regierung der Tagcopreffe übermittelt, gibt die Zahl der gewählten sozialistischen Vertreter auf 21 an, in der Tat aber sind es, wie„EI Soeialista".mitteilt, 48. Das genannte Blatt fügt hinzu:„Tiejcniaen, welche die Tinge nur oberflächlich betrachten oder außerhalb der Wirklichkeit leben, mögen diese Zahl für un- bedeutend halten; die aber, welche die Unwissenheit, die elende Wirt- schaftlichc Lage der Arbeiter und die schlechten politischen Gewohn. heiten dieses Landes kennen, werden ermessen können, was es heißt. daß 43 Vertreter aus dem Proletariat erlvähkt worden sind. Schon de- Eintritt von drei Sozialisten in die Madrider, die erste städtische Körperschaft Spaniens, bedeutet euren ausgesprochenen Triumph. Die letzten Wahlen beweisen untrüglich, daß der Einfluß der soziali- stischen Partei Spaniens in hohem Grade zugenommen hat. Daher haben wir allen Grund,»>it dem bei den letzten Wahlen Erreichten zufrieden zu sein und die Uebcrzeugung in uns zu erwecken, daß wir letzt mit schnelleren Schritten der politischen und wirtschaftlichen Einanzlpation des spanischen Prolciariats entgegen gehen und damit auch der Eroberung unseres großen Ideals näher kommen." Die Wirkung des sozialistischen Sieges in Madrid auf die bürgerlichen Parteien spiegelt sich deutlich wieder in den Acutze- rungen der bi*gerlichen Presse. Ter„Soeialista" bringt alle Preßstimmen ohne jeden Kommentar zur Kenntnis seiner Leser. Danach drückt sich„El Pais" etwa folgendermaßen aus:„Zum ersten Male erhält Pablo Jglesias eine repräscntarive Stellung; zum ersten Male haben die Sozialisten in Madrid gesiegt. Wir beglückwünschen sie herzlich zu diesem Triumph, sie haben ihn red- lich verdient durch ihre Einigkeit, durch ihre Disziplin, durch ihre unermüdliche Arbeit und nicht zum wenigsten durch ihr Vertrauen aus sich selbst. Ihr Triumph bedeutet für die Republikaner eine Lektion und eine Gefahr zugleich..." In gleich lobender Weise für unsere Partei äußern sich„El Nacional",„El Corres",„La Epoca",„Heralds de Madrid" und andere mehr.—- England. Kulturaufgnbcn leiden nicht! London.(Bureau Laffan.) Kaiser Wilhelm wird, lvie dem Marquis of Onnonde, dem Commodore der Royal Dacht Squadron, amtlich mit- geteilt worden ist, aus Anlaß seiner Silberhochzeit einen Pokal und andere Preise für ein Dachtrennen stiften. daS am 10. Jnni von Tober nach Helgoland stattfinden soll. Der Pokal, der besonders entworfen werden und den Namen Silbcrhochzcit-Pokal erhalten wird, lvird die Bilder des Kaisers, der Kaiserin und König Eduards VIT. tragen. Das Reimen wird ein Handicap sein und ohne Unterschied der Nationalität Fahrzeugen über 80 Tonnen Themscinaß und darüber offenstehen. Türkei. Rette Bescherung. K o n st a n t i n o p c l. 28. November.(LaffI Der Sultan lvird von seinen Würdenträgern gedrängt, den Bob- schastcrn ihre Pässe zu überreichen, da die Mächte eine kriegerifche Handlung ans türkischem Gebiet unternomnien hätten!— Die Besetzung Mytilencs erregt in amtlichen türkischen Kreisen die größte Entrüstung. Die Bevölkerung iveih glücklicherweise Nichts davon, sonst könnten sich ernste Folgen ergeben. Allmählich sehen die beteiligten Mächte ein, welche Dummheit es war, diese leere Flottendemviistration zu veraiistalten. Auch die bürgerliche Presse gewinnt der Geschichte allmählich die heitere Seite ab. Sonst würde die Wiener„Neue Freie Presse" wohl nicht folgendes bringen: ES verlautet, der Sultan werde, wie bei anderen ähnlichen Gelegenheiten, die DcmonstrationSflotte begrüßen lassen und der- selben Zigaretten und Süßigkeiten senden.— Die Revoltttion in Rtttzland. Einen neuen Schritt hat die Revolutionsbelvegung in ihrer Entwickelung getan: Allgemeiner Streik der Post- und Telcgrapheubcamten, das ist das neueste, was aus Rußland ge- meldet wird. In diesem Augenblick ist das Zarenreich wieder einmal von der Außenwelt abgeschnitten, der Absoluttsmus ist unter Belagermigszustaud, aber nicht durch die Aktion der Eisenbahner, sondern durch die des Post- und Telegraphen- Personals. Diese Schicht tritt jetzt zum erstenmal mit einer selbständigen allgemeinen Aktion auf den Kampfplatz der Revolution. Und die bewundernswerte Einmütigkeit und Raschhcit dieser Aktion sind ebenso bemerkenswert wie ihr Anlaß. Die Beamtenschaft der Post und Telegrapyie sympothi- sierte schon lange mit dem kämpfenden Proletariat. Bei den Generalstteiks schloß sie sich meist der Arbeiterschaft au. In den letzten Wochen, bei dein allgemeinen fieberhaften Drang der Industriearbeiter zur Organisation, haben auch die Post- und Telcgraphenbeamtcn dem Beispiel folgen imdfürsich eine feste Berufsorganisation schaffen wollen. Die Regierung begriff wohl das Gefährliche dieser Bestrebung und'womit sie sich an die industriellen Arbeiter nicht heramvagt, das glaubte sie noch ihren direkten„Untergebenen", den Beamten bieten zn können: ein schroffer Ukas. der jede berufliche Verbindung der Staatsbeamten untersagte, wurde in den letzten Tagen veröffentlicht. Doch auch hier heißt es: Zu spät! Die einst so unterwürfigen und schüchterneu russischen Beamten spüren auch in ihren Adern die Kraft und daS revolutionäre Feuer, die von dem gewaltigen und heldenhaften Klassenkampf des Proletariats ausströmen. Ans den Ukas wurde als Antwort der sofortige General- streik beschlossen— und auch ausgeführt! Im ganzen Riesenrcich bewegen sich nunmehr zehntausende, hundert- taufende Revolutionäre wie ein Mann, die Organisation, die Disziplin— sie sind bereits in einem Grade vorhanden, wie wir davon in Deutschland nicht träumen können. Welcher Fortschritt seit dem 22. Januar! Organisierte, zielbewußte Jndustrieproletarier, rebellierendes politisch klares Heer und Marine, stramm und kühn kämpfendes Staatsbeamtentum.. Und wieder stehen wir vor der großen historischen Wahrheit: die Revoltttion schafft und lvirkt an Aufklärung und Organisation in wenigen Wochen, was mit den Methoden der„friedlichen Zeiten" Jahrzehnte erfordert. Ja. die Revolution schafft, was im gewöhnlichen Trab der Geschichte überhaupt nicht geschaffen werden kann: sie würfelt und schichtet den ganzen sozialen Körper um. Sie ist es, die plötzlich die nach statistischen Zahlen so„schivache" Klasse des Jndustriepryletariats zur Führerin und Trägerin Ver gesamten heutigen Umwälzung gemacht hat. Die Be- wegungen des Beamtentums, des Kleinbürgertums, der liberalen Intelligenz, der Bauernschaft, des Heeres und der Marine sind alle nur Ausstrahlungen der revolutionären Aktton der Arbeiterklasse unter Anführung der Sozial- demokratie. Moskau, 29. November. Die Repressivmaßnahmen des Ministers des Jmicru Dnrnowo gegen die Post- und Telegraphen- bcamtc» sowie das Verbot, dein Verbände derselbe» beizutreten, und die Entlassung von 2ö Organisatorc» des Verbandes bewogen die Bcamtc», gestern früh von dem Ministerpräsidenten Grase» Witte tclcgraphisch die Ersiillniig ihrer Wünsche innerhalb 12 Ttmidc» zu fordern. Da aus Petcrsbiira feine Antwort einging, begannen die Beamten den Ausstand; der Tclcphonvcrtrhr Moskau— Petersburg ist rbcnfalls eingestellt. Petersburg, 20. November. In allen Hauptzentren, in Sibirien, Charkow, Odessa. Rostow, Riga, Libau usw. streiken die Post- und Telegraphenbcamten. Berlin, 29. November.(W. T. B.) Amtliche Meldung. Seit heute nachmittag sind sämtliche tele- graphischen Berbindnngen mit Rußland unterbrochen. Der Generalstreik dehnt sich aus. Warschau, 29. November. Im Dombrowaer Gebiet ist der Generalstreik ausgebrochen. Petersburg. 29. November. Der Rat der Arbcitcrdelcgicrten hat beschlossen' einen Aufruf an alle Freunde der Freiheit, an die Eisenbahner, dir Post- und Telegrnphenbeamten, das Heer und die Flotte zu richten, in dem alle a»fgefordert werden, die Arbeiter zu unterstiitzen. Der Grund zu dem Aufruf ist dir Aussperrung von 100000 Arbeitern. Petersburg, 29. November.(B. H.) Die Situation wird hier eine düstere. D.ie Gärung unter dem Militär n i in in t e'r n st e F o r m en a n. Zahlreiche Familien schicken sich an, die Stadt zu verlassen, weshalb das Paßbureau überlaufen ist.— Der amerikanische Botschafter hat beim Minister des Auswärtigen bereits wegen des Ilcberfallcs auf den Votschafts- sekrctör Bleß eine energische Beschwerde erhoben. Sebastopol hält sich! Scbastopol, 29. November. Der Flügeladjutant deS General- gouverncurs telegraphiert, daß bis jetzt keine Unruhen ausgebrochen sind. Die Meuterer halten Ruhe, man befürchtet jedoch, daß die Stadt im Laufe des heutigen Tages doch beschossen iv i. r d, da die Flotte dem Befehle, abzudampfen, nicht uach- gFkoinine» ist. Das ticilc Parteiblatt. Am 20. d. M. ist die erste Nummer unseres russischen Bruder- blattes„Natschalo"(„Der Anfang") erschienen. Das Blatt trägt den Untertitel:„Organ der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei" und die Ueberschrift: Proletarier aller Länder vereinigt euch! Von Anfang bis zu Ende pulsiert in der in großem Format erscheinenden Parteizcttuiig das revolutionäre Leben der Arbeiterbelveguug: Artikel über die nächsten Aufgaben der Revolution, Berichte über die Streeks, über den Kampf, um den Achtstundentag, über die Fortschritte der gclvcrkschaftkicheii und politischen Organisation, und zwar Berichte von allen Seiten, aus allen Ecken und Enden des Reiches. Man braucht nur die eine Nummer des Parteiblattes zur Hand zu nehmen, um zu sehen und zu empfinden: ganz Rußland ist jctztz ein brodelnder Vulkan, und der proletarische Klassenkampf ist sein belebendes Feuer! Wir senden unserem prächtigen Kollegen in Petersburg die herz- lichften Brudcrgrüße I— Soziales. Mißstände i» cincr Lirankcnknssc. Uns lvird ans Krefeld ge- schrieben: In Krefeld herrscht große Zersplitterung auf dem Gebiete des KrankenkasseuwesenS. Zählt man doch nicht weniger als 53 Orts-, Betriebs-,. Jimungs- und Freie Hülfskassen. Alle Versuche, eine Zentralisierung herbeizuführen, scheiterte» an dem Widerstand der Verwaltung der Handwerkerkasse, einer der größten Ortskrankenkassen. Sic ist eine Domäne des Zentrums, dessen Führer an der Spitze des Vorstandes und der Verwaltung stehen. Keine Kasse in Krefeld erhebt so hohe Beiträge und leistet dagegen so wenig, wie diese christlich verioaltete Kasse. Bei Beiträgen von 18—90 Pf. gewährt sie 3—15 M. Krankengeld ohne Familieiumterstützung. Die schlechte sinanziclle Lage der Kasse überrascht auch deshalb, weil es sich um eine Kasse handelt, die beim Inkrafttreten des KrankenkassengesetzeS(1884) bereits dreißig Jahre bestand und über ein namhaftes Vermöge» verfügte. Das Kaffenvermögen rührt zum größten Teil aus Stiftungen her. Auch ist die Kasse im Besitz einer Krankenanstalt, die von katholischen Pabers geleitet lvird. Alle Vorbedingungen zn einer guten Eni- Wickelung der Kasse waren also vorhanden. Und doch hat dieselbe es niemals vermocht, eine besondere Leistungsfähigkeit zn entwickeln, litt vielmehr an chronischem Geldmangel. Sie verfügt über ein Barvermögen von noch nicht 20 000 M., während der gesetzlich vor- geschriebene Reservefonds 150 000 M. betragen muß. Die Regierung hat der Kasse gestattet, die Krankenanstalt mit 42 000 M. in Ansatz zu bringen, sodaß also noch zirka 90 000 M, an dem Reservefonds fehlen. Aerztc, Apotheker, Heildiener und auch die Lieferanten müssen oft über ein Jahr auf B e- z a h l u n g ihrer Rechnungen warten. Der Vorsitzende des Aerztebereins stellte vor einem halben Jahr deshalb die Verwaltung bor die Alternative, entweder die Reststimmc der Acrztehouorare auszuzahlen oder Verzicht zu leisten, ans ärztliche Hülse. Wiederholte eingehende Revisionen ergaben ferner, daß t an sende von I n v a l i d c n m a r k e n nicht ordnungs- mäßig verwendet waren,(Die Krefelder Kassen kleben gegen einen besliiinnten Prozentsatz die Jnvalidenmarkeu.) � Die Mißwirtschaft der Verwaltung brachte ihr MonitaS der AufsiclNsbehörde, auch der Regierung und der Landesversicheruug ein. Dabei blieb eS aber. Der Vorstand bestand ja aus Gegnern der Sozialdemokratie. Und um diese seruzuhalteu, wandten die „frommen" Herren eigenartige, freilich auch ungesetzliche Nüttel an. Vor sechs Jahren tourben die Vertreter der freien Gewerkschaften in den Kassenvorstaiid gewühlt. Sie konnten aber ihr Amt nicht antreten. Und das kam so. Der alte Kassen- vorstand stellte die Behauptung auf. die Gewählten seien nicht wählbar, weil sie noch nicht ein Jahr lang der Kasse angehörten. Und darauf fungierten die nicht iv i e d e r g e w ü h l t e n Herren als K a s s e n V o r st a n d weiter. Eine Beschwerde an die Aufsichtsinstanzen gegen diese gesetzwidrige Eigemnacht hatte Erfolg. Aber die Zentrumsherren verzögerten die endgültige Er- ledigmig der Beschwerde; bis das Ministerium gegen sie entschieden hatte, war die Amtsperiode der zn'Recht Gewählten und an Aus- Übung ihres Amts Behinderten abgelanfen. Es fand eine Nemvahl statt. Mittlerweile hatte der Vorstand ein neues Wahl- system ausgeheckt; wählen sollte nur könne», lver im Besitz einer vom Vorstand ausgestellten Legitimationskarte war. Dieser Znsatz zum Statut wurde von der Aufsichrsbehörde und der Regierung nicht genehmigt, doch gab der Bezirksausschuß schließ« lich seine Z u st i in m u n g. Von dem frommen Vertreter der Kasse war erklärt worden, die Kasse bedürfe bei der Wahl Kauteleu; sonst würden die S o z i a l d e m o k r a t e u d i e s e Kasse auch noch au s i ch r e i ß e n. Während man nun den Arbeitern, die für ihre Kollegen Karten in Empfang nehmen wollten, die größten Schwierig- leiten machte, sandte der Vorstand den Leitungen der christlichen Müller- und Jungfraucnvcreine die Karten zu. Durch diese Machi- iilttionen fiel dem alte» Vorstand der Sieg zu. Daun wurde die Wahlperiode des Vorstandes von 2 ans 3 Jahre erhöht. Der Vor- stand legte diese neue Statutenvorschrift offensichtlich zu klnrecht so aus, daß schon er, der ans 2 Jahre gewählt war, 3 Jahre funktionieren dürfe. DaS Gewerkschaftskartell legte im Januar 1905 gegen diese Auslegung und gegen die Weigerung Wahlen auszuschreiben Be- schwerde ei». Die Beschivcrde halte abermals Erfolg. Aber auch abermals zog der Vorstand die Sache durch Wcitertreibeu in die Instanzen hin, bis im September 1905 das Ministerium Nmlvähken anordnete. Erst im November 1905 wurde die Reuwahl vorgenommen. Abermals wurde der oben beschriebene Unfug mit der Erteilung von Legitimationskarten getrieben. Die katholische Geistlichkeit stellte sich in den Dienst des Vorstandes. Weibliche» Mitgliedern ivurde vorgeredet: wenn die freien Geiverkschaften siegen, würden sofort die katholischen Paters aus der Krankenanstalt geworfen. Vielfache Unregelmäßigkeiten kamen überdies bei dieser Wahl vor: die freien Gewerkschaften unterlagen abermals. Sie haben, auf eine große Reihe Wahlmängel gestützt. Beschiverde gegen diese Terrorisierung eingereicht. Gewiß wird wiederum die endgültige Erledigung der Beschwerde hingezogen werden. Aber schließlich werden die freien Geiverkschaften siegen. Weshalb manipulieren die Herren vom Zentrum so ivie geschildert? Fürchten sie eine volle Aufdeckung der Wirtschaft des allen Borstandes und eine Aufdeckung der Quellen, in die das Geld der Mitglieder abfließt? Würden ähnliche Mißstände, wie sie bei dieser«christlich Vcrivalteten" Kaste bestehen, bei einer von Sozialdemokraten geleiteten sich offenbaren— wie würde der gesamte bürgerliche Blätterwald von Klagen über sozialdemokratischen TerroriSmus rauschen! Und das mit Recht. Weshalb schlveigt er gegenüber dem ZentrumsterroriSmuS?„Wenn zwei dasselbe tun, so ist eö nicht dasselbe," ist auch auf dem Kraukenkasscu- gebiete Grundsatz der bürgerlichen Anschauung. Halenscr Gewerbegerichtswahl. Bei der Gewerbegerichtswahl, die gestern in Halle stattfand, siegte die Arbeitnehmer liste der s ozin ldemokratischen Gewerkschaften mit airnähernd 4000 Sttmmen. Die Hirsch-Dmickerschen Gewerkvereinler, Jünglingsvereinler und Unorganisierten vereinigten auf ihre Liste etwa 400 Stimmen. Die Stiminciizahl der sozialdemokre.iischen Arbeitgeber wie Ar- beilnehmcr hat zugenommen, jedoch siegte die Liste der bürger- lichen Arbeitgeber. GcwerkfchaftHcbce. Warum neue SchuUleute eingestellt werden müssen. In Netzschkau(natürlich Königreich Sachsen) wurde ein .teuer Schutzmann eingestellt, da dieser angeblich zum Schutze der Bürgerschaft dringend notwendig geworden ist. Was es Mit diesem..dringenden Bedürfnisse" auf sich hat. versteht man erst, wenn man erfährt, daß im Verlaufe der Tertil- arbeiterauZsPerrung bei der bekannten versuchsweisen Wieder- eröffmmg der Betriebe die gesamte Polizei von Netzschkau aufgeboten war, und daß die Schutzleute die Ausgabe haben, von Haus zu HauS festzustellen, wer für die Ausgesperrten Sammlungen vorgenommen hat. Also den erhöhten Polizei- schütz derer, die sie aufs Pflaster warfen, müssen die Aus- gesperrten durch ihre Stetlergroschen mit bezahlen Helsen. verlin uns Ctmgegentf. Zur Tarifbewegung der Maler. Etwa 3000 im Maler. igewerbc beschäftigte Personen fanden sich an, 28. No- bember im großen Saal von Keller, Koppcnstratze, zu einer von der Vereinigung der Maler, Anstreicher, Lackierer f Zentralverband) einberufenen Versammlung zusammen, �um einen Bericht entgegen zu nehmen über die bisherige Stellungnahme der Innung zu den Tarifforderungen der Gehülfenschaft. Das Ne- fcrat hielt Jack o be i t: Wenn auch von der heutigen Vcrsamm- lang für die erst bevorstehenden Verhandlungen zwecks Feststellung des neuen Tarifs keine bindenden Beschlüsse gefaßt werden könnten, so müßten die Kollegen doch über die bisherigen Aeußerungcn der Arbeitgcbcrschaft zu der Tariffrage unterrichtet tvcrden und ihre Meinung dazu sagen. Die am 23. November tagende Jnnungs- vcrsammlung und schon frühere Aeußcrungeu einzelner Arbeit- geber hätten ergeben, daß die Innung gewillt sei, nur nach den Direktiven des Arbcitgeber-Verbandes ihre Stellungnahme einzu« richten. Einen Beschluß, den Gescllenausschuß aus jener Jnnungs- Versammlung auszuschließen, hätten die Herren nach Belehrung über die gesetzlichen Bestiiimmngen trauernden Herzens wieder zurückgenommen. In der Versammlung habe dann der Herr Kruse, der sich stets als Muster eines Liberalen hinstelle, als Referent die geforderte Verkürzung der Arbeitszeit für gar nicht diskutabel erklärt. Das werde gewagt von dem.Herrn, obwohl gerade im Wialerberus eine Verkürzung der Arbeitszeit noch notwendiger sei, wie in anderen Berufen. Und was die ebenfalls als Verkürzung der Arbeitszeit wirkende Forderung betreffe, auch im Winter die Stunde MirtagSzeit beizubehalten, so sei sogar erklärt worden, das fei gar nicht der Wille der großen Masse, nur einzelne wollten es. Gegen solche Unterstellung müsse entschieden protestiert werden. Aehnlich sei die Stellung der Herren Redner zu den Lohnsorde- rungen gewesen. Die Erhöhung des Minimallohns für Gehülfen von So auf 70 Pf. hielten sie auch nicht für diSkutierbar. 00 Pf. wolle man geben, wobei man anscheinend nicht an einen Minimal- lohn, sondern an einen„NormaUohn" dachte. Ein solches Angebot wäre der reine Hohn, würde überhaupt keinen Erfolg bedeuten, denn einen Normallohn, einen Durchschnittslohn von 00 Pf. hätten die Maler schon. Die Steigerung von 05 auf 70 Pf. Minimal- stundenlohn solle schrecklich groß sein nach Meinung der Arbeitgeber. Dabei vergesse man aber, daß die Maler drei Jahre lang mit Forde- rungen hätten warten müssen und gezwungen seien, etwas nach- zuholcn. Den Anstreichern, die doch vielfach Gehülfenarbeit machten, möchte inan gar nichts zulegen. Zu der Forderung auf Abschaffung der Akkordarbeit, soweit sie noch besteht, und dies sei nur noch m geringem Umfange der Fall, verhalte man sich auch ablehnend. Alan könne sie nicht ganz verbieten, werde gesagt. Tatsächlich wolle man sich nur ein Auskunftsmitrel für billige Arbeit, namentlich im Winter sichern. TaS Einigungsamt als letzte Instanz in Streitfragen aus dem Tarif behagte den Herren der Innung, die das Wort führten, ebenfalls nicht. Sie meinten, wo Gcwerbe-Schiedsrichter ihre Nase hineinsteckten, käme nichts Gutes heraus. So also erschienen ihnen unparteiische Instanzen. Das Verhalten der Jnnungsmeister in jener Versammlung führt Redner auf ein Kartell des Verbandes der Berliner Malcreigcfchäfte mit dem„Norddeutschen Bund", dem die Hamburger Meister angehören, zurück. Darüber hat eine Hanchurger Zeitung geplaudert, nach der auch mit eventuellen Aussperrungen gerechnet werden soll. Wo so alles aus einen Kampf deute, sei eS Sache des letzten BerufSgenosscn, sich der Organisation anzuschließen. Wenn das geschehe, lverde man die Macht, die glaube, es müsse an ihr alles zerschellen, doch etwas beugen können.(Stürmischer Beifall.)— In der sehr leb- haften Debatte, in der die Entrüstung über das Verhalten der InnungSherren energisch zum Ausdruck gelangte, verwies ein Mit- glied des GchülfenauSschusscs darauf, daß die bereits vollzogene Wahl einer Verhandlungskommission durch die Innung ein gün- stigeS Zeichen sei. Er vermute, daß man in der JnnungSversamm- lnng den Vertretern der Gehülfenschaft und damit dieser einen Schreckschuß habe einjagen wollen. Auf jeden Fall aber müßte man vorbereitet sein.— Mitgeteilt wurde, um Irrtümern vorzubeugen, daß die eigentlichen Tarisverhandlungen noch nicht begonnen hätten. Demnächst lverde für den Zweck erst der Gescllenausschuß durch ZuWahlen verstärkt werden. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen:„Die Versammelten protestieren ganz energisch gegen das Angebot in der Versammlung der Berliner Malerinnung. Sic sehen in diesem An- gebot eine Verhöhnung ihrer Forderungen. Die Versammelten ver- pflichten sich, mit aller Macht dahin zu wirken, daß ein jeder Kollege sich der Organisation anschließt, um sie so in den Stand zu setzen, auf jenes Angebot die richtige Antwort zu geben." Die Gewerkschaft der Maler hielt am Donnerstag in Feuersteins Festsälen eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand: 1. Stellungnahme zum Lohntarif des Zentral- Verbandes. 2. Kaitellvertrag der Unternehmer Berlins, Hamburgs, WandsbeckS und Altonas. Zum ersten Punkt referierte W. Bern dt. Indem er den Tarif deS Zentralverbandes erläuterte, wies er auf die fast gleichlautenden einzelnen Paragraphen beider Lohntarife (Lokal und Zentral) hin, so daß eigentliche Gegensätze, die zur Ablehnung deS vorliegenden TarifeS fiihren müßten. nicht vorhanden wären. Bedauern müßte er, daß der Achtstunden- tag, die Bleiweißfrage und die Bezahlung der Ueberlandarbeit nicht im Tarif aufgenonnnen wären. Hiergegen müsse ans das Ent- fchiedenste protestiert werden. Redner teilt noch mit, daß die Maler- meister am 10. d. M. in ihrer Veriammlung beschlossen hätten, den Tarif in den einzelnen Positionen zu bewilligen bis auf die S'/zstündige Arbeitszeit. Es solle an der Sstlindigen festgehalten werden: ferner an einem Lohnsatz von 03 Pf. für Maler und 40 Pf. für Anstreicher. In der Diskussion sprachen sich alle Redner, mit Ausnahme Genz, für Annahme deS Tarises im Sinne Berndt aus. Genz verlangt Ablehnung des TarifeS deS Zentralverbandes und Einschickung des Tarises der Gewerkschaft.— In seinem Schlußwort ersucht Berndt nochmals, um ein geschlossenes und einheitliches Vorgehen in Berlin zu sichern, um Annahme des Tarises. Derselbe wird bei der Abstimmung gegen etwa 20 Stimmen angenommen. Eben- falls angenommen wird ein Antrag Berndt: Die Ver- sammlung protestiert auf das entschiedenste gegen die Nicht- ausnähme des Achtstundentages, der Bleiweißfrage und Bezahlung der Landarbeit in dem Tarife des ZentralverbandeS, sie erblickt hierin eine schwere Schädigung der Kollegeninteressen. Zum zweiten Punkt referierte Genz, der in kurzen Aus- führungen das Unhallbaie des Kartellvertrages vor Augen führte und ersuchte sich durch solche Schreckschüsse nicht ins Bockshorn jagen zu lassen. In der Diskussion meiute Berndt. die beste Antwort. die wir unsem Unternehmern auf ihren KaNellvertrag geben könnten, sei einfacher Uebergang zur Tagesordnung. Ein diesbezüglicher Antrag wurde einstimmig angenommen. SZerantw. Redakteur: HanS Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.:! Achtung, Hutmacher! Bei Max Burkert, Stroh- und Filzhut- Fabrik, werden tüchtige Stroh-Hutmacher gesucht. Da dem Arbeits- Nachweis der organisierten Hutmacher genügend tüchtige Kräfte zur Beifügung stehen, ersuchen wir, dort keine Arbeis anzunehmen. Der Vorstand des Zentraloereins der Hutmacher. 10 Böttcher und 3 Hülssarbeiter der Faßfabrik Wörde! zu Spandau stehen seit'Montag, den 27. d. M., im Abwehrstreik. Die Böttcher hatten es durch einmütiges Znsammenhcelten so weit gebracht, daß ihnen ein Wochenlohn garantiert wurde. Trotz der geringen Arbeiterzahl sind aber sogar sage und schreibe 4 Meister vorhanden: Herr Wörde! nebst seinen zwei Söhnen und ein Werkführer. Diese vier Herren haben mm ihr Augenmerk darauf gerichtet, durch Antreiben und schikanieren ans ihren Arbeitern möglichst viel herauszuschinden. So wird den Arbeitern vorgeschrieben, datz sie alle Tage eine besiimnrte Zahl Fässer fertig stellen müssen. Dadurch wird das Akkordsystem gewisser- maßen wieder hergestellt. Als Extrovergütung bekommen die Arbeiter allerlei Koseworte zu hören. Das haben sich die Arbeiter eine Weile gefallen lassen, bis auch ihnen der Geduldsfaden riß. Am Montag erlaubte sich der zweite Sohn des Herrn Wörde! die Arbeiter zu beleidigen. Die Arbeiter legten darauf geschlossen die Arbeit nieder.— Eine Verhandlung mit ihren Arbeitern lehnten die Herren rundweg ab und haben sämtlich für entlassen erklärt. Die Böttcher hosten aber mit Hülfe ihrer Organisation(sämtliche Böttcher sind organisiert) und der Solidarität der Böttcher und Brauereiarbeiter Berlins und Umgegend den Unternehmerdünlel jener Herren zu brechen. DemM,«» Reich. Aussperrung der Kieler Schlöchtergesellc». Die Kieler Schlächter- gesellen hatten an die dortige Schlächlerinnung folgende vier Forde- rungen gestellt: 1. Innehalten der gesetzlichen Bestimmungen über die Sonntagsruhe: 2. nach getaner Arbeit keine Einschränkung der persönlichen Freiheit: 3. Regelung der Arbeitszeit durch eine Kommission: 4. Gesellenlogis, die den sanitären und hygienischen Anforderungen genügen. Die Innung ivics nicht nur diese von einer geradezu rührenden Bescheidenheit ihrer Arbeiter zeugenden Forderungen zurück, ohne sich überhaupt auf Verhandlungen einzulassen, sondern sie ließ sämtlichen bei ihren Mitgliedern beschäftigten organisierten Gesellen einen Revers vorlegen, in welchem der Geselle mit NamcnSunterschrift sich verpflichtete, dem Zentralverband der Fleischergesellen nicht an- zugehören, eventuell sofort ans dem Verband auszutreten. Wer den Revers nicht unterschrieb, dem wurde gekündigt. Dieses Schicksal ist bis jetzt 60—70 von den 140 Organisierten zuteil geworden. Un- organisierte Gesellen find 00 an, Orte, die meist ans dem Schlacht- hose und in einzelnen Großschlächtereien beschäftigt sind.— Zuzug von Schlächtergesellen ist aus Kiel fernzuhalten. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Die Zigarettenarbeiter und-Arbeiterinnen zu Schönlank« be- finden sich im Streik. Trotz mehrfachen Ersuchen« lehnten die Fabrikanten ihre bescheidenen Forderungen ab, worauf 180 Arbeiter und Arbeiterinnen in den Streik traten. 150 davon sind organisiert. Zuzug ist fernzuhalten. Der Kistenbauerstreik bei der Firma L. Hunger in Leipzig- Plagwitz mußte nach vierwöchiger Dauer erfolglos abgebrochen werden, da sich eine größere Anzahl Arbeitswilliger gefunden hatte. Die Hauptschuld wird den ledigen Ausständigen beigemessen, die nicht abgereist sind, sondern die Plätze der Streikenden ciiigeiioinmen haben. Die Firma war dadurch in der Lage, jede Verhandlungen mit der Begründung abzulehnen, für sie bestehe kein Streik. Ein Gutes aber hat der Streik insofern gehabt, als er die Frage der Verschmelzung deS Lokalvereins der Kistenbauer mit dem Holzarbeiter- Verbände in Fluß gebracht hat, über die eine demnächstige Ver- sammlung befinden soll. Die Stadtverordnetenwahlen vom 29. November haben in allen Bezirken, die daran beteiligt waren, in dem Nachwahl-Bezirk wie in den Stichwahl, Bezirken, ohne einen Mandatgewinn für uns geendet. Bei Stichwahlen zwischen der Sozialdemokratie und einer der Parteien des Bürgertums mutz nur zu oft mit dieser Möglich- keit gerechnet werden. Aber für den 17. Bezirk hatte man sich allerdings der Hoffnung hingeben dürfen, datz es der Sozial- demokratie gelingen werde, ihn in der Nachwahl zu behaupten. Das Einzelergebnis. (In Klammern ist beigefügt für die Stichwahl-Bezirke das Er- gebnis der Hauptwahl vom 8. November cr. sämtlich festgestellte Zahlen), für den Nachwahlbczirk das Ergebnis der Wahl von 1003.) 1. Wahlbezirk. Bisheriger Vertreter: G i e s e(Lib.) Eingeschriebene Wähler.. 401 1(4011) Abgegebene Stimmen... 1511(1343) Sozialdemokratie.. 599(407) Liberalismus... 912(009) Bürgerpartei...—(263) Zersplittert....—(4) Gewählt: Giese(lib.). 6. Wahldezirk. Bisheriger Vertreter: Barth(Lib.) Eingeschriebene Wähler.. 5817(5317) Abgegebene Stimmen... 2352(1031) Sozialdemokratie.. 883<0071 Liberalismus... 1450(759) Bürgerparlei...—(152) Zemrumspartei..—•(47) Zersplittert....—(6) Gewählt: Menzel(Lib.). * 7, Wahlbezirk. Bisheriger Vertreter: U l I st e i n(Lib.) Eingeschriebene Wähler.. 0103(0108) Abgegebene Stimmen... 1894(1932) Sozialdemokratie,. 1312(911) Liberalismus... 1583(007) Bürgerpartei...—(400) Zersplittert....—(4) Gewählt: Ullstein(Lib.). 30. Wahlbezirk. Bisheriger Vertreter: R e t t i g(Lib.) Eingeschriebene Wähler.. 5509(5509) Abgegebene Stimmen... 2431(2123) Sozialdemokratie.. 1080(935) Liberalismus... 1351(744) Bürgerparlei...—(444) Gewählt: Rettig(Lib.) 17. Wahlbezirk. 1903 gewählt: Kerfin(Soz.) Eingeschriebene Wähler.. 4707(4913) Abgegeben« Stimnien... 2205(1532) Sozialdemokratie.. 997(788) Liberalismus... 1204(743) Zersplittert.... 4=(1) Gewählt: Zacharias(Lib). Dieses Ergebnis wird den Berliner Liberalen Balsam in die Wunden träufeln, die der 8. November ihnen schlug. Sie haben aber recht wenig Anlaß, auf ihre Siege stolz zu sein. Der Liberalismus hat tatsächlich keinen der Bezirke aus eigener Kraft zu behaupten vermocht. Die liberalen Kandidaten nicht nur der Stichioahl-Bezirke, sondern auch des Nachwahl-Bezirks, waren von k o n- H.Glocke, Berlin. Druck u.Berlag: Vorwärts Buchdr.u.VerbagSanstaltP servativenunöantise mischen Preßorganen immer wieder aufs wärmste empfohlen worden, und tatsächlich haben sie aus den Wählern dieser Parteirichtung starken Zuzug er- halten. Das ergiot eine Durchsicht der Wählerlisten und eine Zusammenstellung der„liberalen" Wähler nach Berufen. Tis kleinen Beamten haben den Liberalismus herausgerissen — so sehr sie ihn sonst Hasjen. Die Eisenbahnschaffner, die Postschaffner, die Schutzleute sind in Scharen zur Wahl ge- kommen, nachdem ihnen von„oben" gewinkt worden war, datz heute Wahltag sei. Daß diese Wähler keinem Sozialdemo- traten ihre Stimme geben dürfen, versteht sich von selber. Um ihnen die Stimmabgabe für die liberalen Kandidaten zu erleichtern, hatten diese in manchen Bezirken ihre Partei- bezeichnung für die Stichwahl weggelassen. Sie „marschierten mit zusammengerollter Fahne", würden liberale Blätter sagen, wenn Sozialdemokraten das getan hätten. Herr Ullstein, der„Sozial-Forlschrittler", war zum„alleinigen bürge rlichen Kandidaten" avanciert— ganz so, wie wir das vorausgesagt hatten. Herr Giese, eine Kreatur Jacobis, lietz sich sogar schlechtweg als„alleinigen Kandidaten" bezeichnen.„Schwindel" würden die Liberalen das nennen, wenn es Sozialdemokraten täten. Niemand kann behaupten, datz diese Siege dem Liberalismus zur Ehre gereichen; denn er hat sie nur mit fremder Hülfe„erringen" können. Erbettelt hat er sie! Höchstens könnte das vereinigte Bürgertum darauf hinweisen, daß es doch noch einige Bezirke dritter Abteilung gebe, in denen durch Wahlzwang schlimmster Art—„Terrorismus" hictze es der Liberalisinus, wenn Sozialdemokraten solchen Zwang üben würden— eine Mehrheit für die gemeinsamenKandidaten des Bürgertums zusammengetrommelt werden kann. Konservative und Antisemiten haben dieses Ergebnis zustande gebracht, indcni sie den Liberalen einen Mitlei-ds-Futztritt ver- setzten, der stark genug war. sie noch einmal in das Rote Haus hineinzubefördern. Den Liberalen standen autzer den eigenen Reserven auch noch die Reserven der Bürgerpartei zur Verfügung, die sie jetzt in gewohnter Verlogenheit sich selber aufs Konto setzen werden. Für diejenigen Wähler der Bürgerpartei, die schon an der Haupt- Wahl teilgenommen hatten, lätzt sich aus den Listen nach- weisen, wie zahlreich sie in der Stichwahl den Libc- ralcn zuliefen. Auf die Zahlen denken wir noch zurückzukommen. Für heute müssen wir uns an der Feststellung genügen lassen, datz im 3l). Bezirk, ans dem uns yn diesem Augenblick bereits eine Zusammenstellung hierüber varlicgt, von der Bürgerpartei 320 Wähler für' den Liberalen und sechs für uns gestimmt haben. Ohne diese Stimmen hätte die Sozialdcmo- k r a t i e den 30. Bezirk gewonnen. weil dann auf Sassen- dach 1074, a«f Rcttig nur 1031 Stimmen gefallen wären. Auch die beispiellose Intensität der Agitation, die der Liberalisinus am Wahltage entfalten konnte, erklärt mit das Ergebnis dieser Wahlen. Schon am Vormittag, von 11 Uhr ab. liehen sie ihren ganzen Schleppdienst spielen. tülfdkräfte halten sie in Hülle und Fülle, von den liberalen errn Chefs waren ihnen Hunderte von Angestellten zugeschickt worden. Besonders im 17. Bezirk waren wir in diesem Punkt den Liberalen durchaus nicht gewachsen, es fehlte hier mitunter sehr an Hülfskräften. Die Sozialdemokratie braucht sich diese Ergcb» niste noch lange picht zur Schande anzurechnen, zur Schande gereichen dem Liberalismus seine„Siege". Aus eigenem haben wir überall noch einen Stimmenzuwachs her- ausgeholt, der in eiKzelmm Bezirken recht erheblich ist. Der Stimmenzuwachs der Liberalen ist grötzer, ober er ist eben nicht den Liberalen, sondern dem vereinigten Bürgertum aufs Konto zu setzen. Die Antwort unserer Genossen an die Liberalen, denen der 29. November günstig war, wird heitzen: Vorwärts, von neuem an die Arbeit zur Aufklärung der Massen! Letzte INfachnchtcn und Dcpefchea Die Bremer Biirgerschaft. Bremen, 29. November.(W. T. B.) Heute wurden hier die Erneuerungswahlen zur Biirgerschaft beendet. Bei den allgemeinen Wahlen verloren die Sozialdemokraten e i n e n S i tz, so datz sie noch 13 Sitze behalten. Beendigung des Diisseldorfer Streiks. Düsseldorf, 29. Nov.(B. H.) Der Ausstand der 700 Bauardeltcr bei der hiesigen Hochbaugcsellschaft ist durch Eiilignng drigelrgt. Wohltätigkcits-Humbug. London, 29. November.(Meldung des Ncutcrschen Bureaus.)) Die heutige Eröffnung der Arbcitszclte, die der König gestiftet Die heutige Eröffnung der Arbciterzcltc, die der König gestiftet losen einen neuen Anlatz zu einer jwndgebung. Eine Menge Ar» heitsloscr sammelte sich und empfing die zur Einweihung geladenen Gäste bei ihrer Ankunft mit Pfeifen und dem Rufe:„Wir brauchen keine Barmherzigkeit, wir wollen arbeiten!" Da es für die Polizei schwierig wurde, die Ordnung unter der Menge aufrecht zu erhalten, so wurde berittene Polizei requiriert, die die Straßen vor der Ankunft des Herzogs und der Herzogin von Fife, die die Arbeiter. zelte eröffneten, säuberte._ « Demission de? Gouverneurs von Moskau. Petersburg, 29. November.(B. H.) Infolge des Ernstes der Lage hat der Rat der Scmstwos beschlossen, eine permanente Sitzung in Moskau abzuhalten. Presse wie Publikum werden in dieser Sitzung nicht zugelassen. Die Verhaftung der Mitglieder des Bureaus des Landarbeiterkongrcss'eS hat allgemeine Entrüstung beruorgrrufen. Das Bureau des Kongresses der Gemeindesemstwos hielt umer Ausschluß der Oeffentlichkeit eine Sitzung ab über die Angelegenheit der Verhaftung. Der Gouverneur von Moskau hat seine Demission gegeben als Protest gegen die Verhaftung, die er mißbilligte._ Das rebellierende Heer. Petersburg, 29. November.(Meldung der.Petersburger Telegraphen-Agentur".) Gesten, wurden auf der elektrotechnischen Militäraustalt 230 Mann wegen Beteiligung an einer Spenden- sammlung für die Familien der Opfer der politischen Bewegnng ver- haftet und in der PrttrpaulSsrstung interniert. Blättermeldungen zu» folge weigerten sich die Mannschafte» deS Leibgardr-RrgiuientS Ssemcnow und der Gardejägrr die Bcrhastung ihrer Kameraden vorzunehmen. Berlin S1V. Hierzu 3 Beilagen u. NnterhaltungSblatt ib. 280. 22. 3mm. i. Wagt hes.Fllmilrts" Kerlitttt WllisdlM. � Reichstag, Ich Es UN« auf 2. Sitzung vom 29. November, 2 Uhr. Am Bimdesratstislbe: Frhr. von Stengel. Graf Ballcstrcm: Im Anschluß an die umfangreiche Berlesung der eingegangenen Vorlagen durch den Herrn Schriftführer möchte ich die tntereisante, bisher noch nie dagewesene Tatsache konstatieren dah die verbündeten Regierungen dem Reichstage noch vor seiner Zusammenkunft und noch vor seiner Konstituierung nicht weniger als 3b Vorlagen haben zugehen lassen.(Vielfaches„HörtI hört l" und Heiterkeit.) Ich möchte nur wünschen, daß der Reichstag sich bei der Beratung der 32 Vorlagen diesen Fleis; der Vertreter der vcr- bündeien Regierungen möge vorschweben lasten.(Zustimmung und Heiterkeit.) Auf der Tagesordnung steht die Wahl deS Präsidenten, der Vizepräsidenten und der Schriftführer. Bei der Wahl des Präsidenten ergibt der Namensaufruf die Anwesenheit von 298 Abgeordneten. Von den abgegebene» Stimmzettel» lauten 224 auf den Namen des Abgeordneten Grasen Ballest rem(Z.)i 72 waren unbeschrieben, einer lautete auf den Namen des Abg. Singer(Soz.) und einer auf den deL Abg. Grafen S t o l b e r g OU. Abg. Graf Ballcstrcm(Z.): Ich nehme die Wahl an.(Beifall.) Nach Uebernahme des Präsidiunis erklärt Präsident Geai Ballcstrcm: Meine hochverehrten Herren! Sie haben mich hier wieder auf diesen hohen Ehrenplatz, der aber zu gleich ein sehr vcrantwortungsreicher ist, mit nainhaster Mehrheit berufen. Ich sage Ihnen für diesen Beweis des Vertrauens meinen herzlichsten Dank. Ant besten werde ich Ihnen diesen Dank abstatten können, wenn ich auch in dieser neuen Wahl- Periode den alten Grundsätzen, welche ich Ihnen bei früheren Wahlen auseinandergesetzt habe, treu bleibe, indem ich die Würde und die Ordnung des Reichstags, sowohl im Innern, ivie nach autzen, nach jeder Richtling fest wahrnehme(Beifall), indem ich ferner trachten und hoffentlich es auch erreichen werde, mich der größten Unparteilichkeit z» befleißigen, indem ich endlich die Arbeiten des Reichstags nach Kräften zu fördern suche, zu ciiiem guten Ende für da» Wohl des Vaterlandes.(Lebhafter Beifall.) Dies alles werde ich aber nur können, lveun ich von allen Seiten des Hauses die nötige Unterstützung finde. Um die bitte ich Sie Hiermit. Die beste Unterstützung können Sie mir aber dadurch ge währen, daß Sie immer recht zahlreich hier sind(Heiterkeit); denn was kann der Präsident machen, wenn kein beschlußfähiges Haus da ist? Meine Herren! Sie glauben nicht, was das für eine Stellung ist, wenn man dasitzt und immer das Damoklesschlvcrt der Beschluß- Unfähigkeit über dem Präsidenten und dem Hause schwebt. Meine Herren! Es sind ernste Zeiten, in deneu wir leben, ernste Zeiten, in denen die Session zusammentritt, ernst nach innen— was uns die Vorlagen beweiien, die uns die verbündeten Regierungen gemacht haben— und ernst nach außen, recht ernst. Meine Herren I Wollen Sie in dieser ernsten Zert dahin wirke«, daß Sie das Amt, das Sie freiwillig übernommen haben, das Ihnen von Ihren Wählern übertragen ist, auch ernstlich ausüben. Ich bitte Sie, das zu erwägen und in möglichst voller Zahl hier zn erscheinen. danke Ihnen nochmals für Ihr Vertrauen.(Lebhafter Beifall.) Es folgt die Wahl des ersten Vizepräsidenten. werden abgegeben insgesamt 297 Stimmen; davon sind 3 gültig. Von den übrigen 294 Stimmen entfallen 223 den bisherigen ersten Vizepräsidenten Graf S t o l b e rg(kons.), 83 auf den Abg. Singer(Soz.), je eine auf die Abgg. Dietrich (kons.), L i e b e r m a n n v. S o n u e n b e r g(Antis.), Dr. P a a s ch e (natl.), Stadthagen(Soz.) und v. B o l l m a r(Soz.). Abg. Graf Stolberg erklärt auf Befragen des Präsidenten, daß er die Wahl mit Dank annehme. Bei der Wahl des zweiten Vizepräsidenten werden 282 Stimmen abgegeben, darunter 64 ungültige. Von den 218 gültigen Stimmen lauten 204 auf den Abg. Dr. P a a s ch e(natl.), 'lO auf den Abg. Büsing(natl.) und je eine auf die Abgg. v. G e r l a ch(frs. Vg.>, L i e b e r m a n n v. Sonnenberg(Antis.), Wallau(natl.), Wurm(Soz.). Abg. Dr. Paasch e, der somit zum zweiten Vizepräsidenten gewählt ist. nimmt die Wahl init Dank an. Hierauf erfolgt die Wahl der acht Schriftführer durch Namens- aufruf in einem Wahlgange. Das Resultat der Wahl soll nach Schluß der Sitzung durch die provisorisch gewählten SchriftfiiHrer festgestellt iverden. Zu Quästorcn ernennt der Präsident die Abgg. Dr. Rintelen(Z.) und Bassermann(natl.). Damit ist der Reichstag konstituiert. Der Präsident wird dem Kaiser die vorgeschriebene Anzeige erstatten. Das Andenken der seit der letzten Session verstorbenen Ab- geordneten wird durch Erheben von den Sitzen geehrt. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung: Donnerstag Uhr.(Beratung zweier schleimiger Anträge auf Einstellung von Strafverfahren gegen Ab- geordnete; Beratung der sozialdemokratischen Interpellation wegen der Fleischnot.) Schluß 2 Uhr.________ Der Zug der Viertelmillio«! Aus Wie» wird uns vom 28. November geschrieben: Eine politische Kundgebung wie den heutigen Demonstration:- zug der Wiener Arbeiterschaft hat Wien nie gesehen, ist wohl über- Haupt noch niemals geschaut worden. An Größe, Macht und Wucht des Eindruckes läßt sich damit nichts vergleichen. So gewaltige Massen, so geschlossen in ihrem Willen, so diszipliniert in ihrer Tal: ein Anblick von hinreißender Mächtigkeit, der jedem unvergeßlich bleiben wird als geschichtliche und persönliche Erinneruilg, dem das Geschick vergönnt hat, ihn mitzuerleben. Mindestens eine Viertelmillio» Ardeiter rngen heute über die Vurgsiraße, am Parlament vorbei, in laut- losem, stummen Zuge, Aber in dieser gcianimclteu Leidenschast welche Macht mid Größe I An f ü N f S t u n d e n währte der Zug: ununlerbrochen, ivie in einem endlosen Strome, floß das Arbeiter- Heer dahin, in geschlossener Reihe und mit Tausenden Fahnen und Standarien— ein Schauspiel von wahrhast grandioser Pracht I Dabei daS merkwürdige Straßenbild 1 Alle Geschäfte, ausnahmslos alle, gesperrt; auf der breiten Ringstraße eine große Menge Zuschauer, und über allen die düstere, geheimnisvolle Kraft, die aus dem Willen von Menschen strömt, die nicht gedanken- lose Schaulust, sondem Zweck und Ziel zusammenführt. Die Aufstellung am KarlSplatz. Nachdem eS die Woche über geregnet hatte, zog ein trüber nebliger Tag über Wien herauf. Die Sonne war noch nicht auf- gegangen, als es auf dem Karlsplatz, dem Versammlungsort der Arbeiter, bereits lebendig wurde. Es war fast noch völlig dunkel, als sich bereits vor dem Eingang zum KüustlerhauS die Mtglieder deS Zentralkomitees einfanden. Breite, rote Schärpen mit der In- schrisl:„Heraus mit den» allgemeinen Wahlrecht!*, kennzeichneten sie. Zumeist trugen sie auch noch rote Nelken im Knopfloch. Das Zentral- komitee traf die ersten Anordnungen, an dieses wurden auch zuerst die Ordner gewiesen, die gegen 8 Uhr ans dem Karlsplatz eintrafen, Ihr Abzeichen war eine rote Schleife am linken Arm mit der gleich« lautenden Inschrift wie die der Zentrallei tung. Nach der ausgegebenen Order zogen die einzelnen Bezirks- gruppen in streng militärischem Marschtenwo auf verschiedenen (Wegen zun, Karlsplatz. In jedem Bezirk wurden rote Fahnen mit verschiedenen Jnschrißten, zumeist„Heraus mit dem allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht\",„Wir verlangen unser Recht",„Keine > Ruhe in Oesterreich!"„Nieder mit dem Privilegienparlament I" 1„Nieder mit den Kurien 1" usw. getragen. Der Aufmarsch. Der Aufmarsch auf dem Karlsplatz vollzog sich in vollster Orb- nung. Mit geradezu bewunderungswürdiger Ilmsicht walteten die Ordner ihres Amtes, �jn ruhiger, höflicher Weise schafften sie Zu- schauer fort, wiesen den eintreffenden Zügen ihre Plätze an und ge- leiteten die steinden De'trgaiimien durch die ihnen fremden Straßen zum Schwarzenberg-Platz. Nirgends laute Rufe, man hörte nichts als hin und wie-»er kurze Kommandorufe wie„Halt!"„Rechts gehen!"„Vorwärts!" usw. Sicherheitswache war auf dem Karls- platz nur ganz vereinze'tt zu sehen. EKe jugendliche» Arbeiter. Ter erste Zug, de>c auf dem Karlsplatze anlangte, war der der jugendlichen Arbeiter. Er war bereits nach>/«9 Uhr vor der Kirche postiert. Er hatte mehrere Fahnen bei sich. Auf einer war die Jnschrist:„Die Kadcckien der Sozialdemokratie I" Große Auf- merksanrkeit erweckten die Kohlenarbeiter der Nordbahn, die in ge- schlossenen Reihen mit ihren schweren Röhrensiiefeln militärisch an- rückten. Außerordentlich stark waren die Deputationen a»S den Provinzen vertreten. Aus der großen Zahl dieser Delegationen seien genannt: Ebeiöce, Baden, Zell am See, Bruck an der Mur, Hallein, Kapfenberg, Moggnitz, Köflach, Prag, Laibach, Mürzzuschlag. Bielitz, Brünn, Villach� Klagenfnri, Krakau, Wimpassing usw. usw. Um 9 Uhr warrn sämtliche Teilnehmer ans dem Karlsplatze angelangt. Präzise 8/410 Uhr setzte sich die Spitze des Zuges in Bewegung. Von' ganz Niedcrösterreich sind Leute gekommen: Stndenten, HandluiigSgehülfen, sjelbsiäiidige Kaufleute, alles, was proletarisch denkt niid fühlt, ist vertreten. Die meisten Teilnehmer hatten daS Abzeichen der Partei, die rote Nelle, im Knopfloch. ES war eine wahre Farbenfinfonie iu Rot. Natürlich war bn Zuge auch eine imponierende Zahl von Arbeiieriiiiicii zu sehen. Man darf ohne Uebertreibnug sagen: Außer den Arbeitern der Stadt und des Staates war heute jeder Wiener Proletar in dem Zuge der Arbeiter, dessen Zweck die Eo kämpfung des allgemeinen und gleichen Wahlrechtes war. Am interessantesten wurde das Bild natürlich beim Parlament. Kein Laut ertönte, über dem weiten Platz lag es wie ein ehr- fürchtiges Schlveigei», Die Rampe des ParlamcntsgcbäudcS war von den AbgeordniSen erfüllt, die Wege und der Raum an den Seiten der Rampe'von Zuschauern förmlich besät. Es war etwa V4t1 Uhr geworden, als die Tete des Zuges nahie, der nun endlos am Parlament vorüberziehen sollte. Voran ein Fahnenträger, der eine große, mit reiben Bändern geschmückte Fahne schwang. Dann ein sich über den Köpfen der Menge über die halbe Fahrbahn spannendes dlinkelvaües breites Band, auf dem in weißen Buchstaben die Aufschrift: „Heraas mit dem allgemeinen Wahlrecht!" erschien. Langsam schwenkte daS Band gegen die Rampe des Par- laments zu, die grelle Aufschrift dem griechischen Hause zugekehrt, eine seliiame Trrumphpforie, durch die mm die Deputation der Arbcitcrvertreier zo»n Parlament heraufkam. Ohne Aufenthalt zog indessen die Spitze des Zuges ihres Weges fori. Längs der Front des Parlaments standen Ordner mit Arm- binden, die das Tcnipo des Zuges regelten und die Reihen der Marschierenden gezchlossim hielten. An der Spitze des Zuges hielten sich die Zeitungssetzer, dann die Handlungögehitlfen. hierauf Bezirk auf Bezirk. Siimdeiilang währt der Zug, ununterbrochen, düster und ernst ziehen die Massen am Parlament vorüber. Da sieht man an einem Fenster des Hochparterres einige neugierige Gesichter. Es sind die Minister, die pich hier vor der Sitzung versammelt haben. Bezirk auf Bezirk marsickstert unübersehbar, endlos vorüber. Stiinde auf Stunde verriiini, und immer noch tvülzen sich die Massen über die Ringstraße. Die Demoiistvation fand um 8/43 Uhr mit einer Abordnung aus Klosterneuburg ihren Abschluß. Als der Zug vorüber ivar, strömte ihm ein Teil des Publikums nach, doch kam es zu keinem Zwischen- fall. Aus der Rraupe des Parlamentes hatten sich mehrere sozial- demokratische Ablteordnete eiiigefunden, die von den Demonstranten durch Hüteschwenkeu und Zurufe lebhaft begrüßt wurden. Während der Demoustration wurde leine einzige Verhaftung vorgenommen. Auch die RettungSgesellschaft hatte keinen Anlaß einzuschreiten. Tkcotz der niigeheurni Menschenansammlung, die sich im Zuge präsent ierte, hat sich infolge der vollkommenen Ordnung kein Unfall ereig aet. Die Deputation im Parlament. Die 2Sglic!»rige Arbeiterdeputaiion, bestehend aus den Mit- gliedern der Pcnüeiverireinng. den Exekutipen der einzelnen nationalen Parteien und dein Vertretern der Gewerkschaftsverbände, begab sich sodann, geführt von den Abgeordneten Pernerstorser und DaSzyuSki, ins Parlament. Die Deputation verfügte sich zunächst in daS Präsidiion des Abgeordnetenhauses, ivosclbst ihr Sprecher, Gemeinderai R eumann, eine Ansprache hielt, die Graf Vetter erwiderte. Sotmnn ging die Deputation in das Präsidium des Herrenhauses, Ivo sie der Präsident Fürst Windischgrätz empfing. Auch dort spielte sich der gleiche Vorgang ab. Zuletzt suchte die Depeitation den Ministerpräsidenlen in dein»ahegelegenen Miiiistcrzimmcw auf. Auch dort hielt Neumann eine Ansprache, auf die Baron Gautsch kurz antwortete. Wir Habel» den wesentlichen Inhalt der Ansprachen und der „Antworten" bereits gestern kurz skizziert. Die Provinz. Brünn. Die WaMcchiSkuiidgebuiigen sind hier stürmisch verlaufen. Die Polizei wurde mit Steinen betvorfen und zog blank. Allmählich trat Ruhe ein. A« st e r l i tz. Die ischämischen Arbeiter stürmten und demolierten die Redlichsche Zuckerfabrik. Ue die Arbeit nicht eingestellt hatte. Genbarmen, die mit Steinen Ibeworfen und arg bedroht wurden, gaben eine Salve ab, durch welche dreißig Personen verletzt wurden. L a u n, Da die LLcrkstättenarbeiter der Siaatsbahnen heute nicht feierten. zogen Demmistranten in die Werkstätten und zerstörten das ganze Inventar. Mf dem Bahnhof zertiüminerten sie die Wagen eines ankommen!«» Zuges. Ebenso wurden die Einrichtungen deS Tele- graphenamlrs zerstört und die Telegraphendrähie zerschnitten. Die „Ordniing" wurde erst durch herbeigeholtes Militär wieder her- gestellt. Prag. 29. NodBr. Durch die gestrige Maffeiidemonstration war der Geschäftsverkehr vielfach gestört. Bei den meisten Geldinstituten wurde die Einstellung der Arbeit erzwungen. Geldbriefe wurden von der Post nicht ausgetragen und die Adreffaien bloß von den eingelangten Geldsendungeii zur eveutuellcn Abholung verständigt. Der Masscuvufziig löste sich um'/«(> Uhr auf. Die Deinoiifiranten zogen dann in kleineren Abteilungen nach ihren Wohnbezirken unier Abfingen Wim Liedern, wobei sich Nein» Zwischenfälle ereigneten, die jedoch bedeutungslos waren.— Hus der Partei. Die Organisationen und der„BorwärtS"-Konflikt. Der sozialdemokratische Volksverein in Weimar beschäftigte sich mit dem„Vorwärts"-Koiiflikt. Einmütig verurteilen sämtlichc Redner das Verhalten der sechs Redakteure. Nachstehende Resolution fand einstimmige Annahme; „Die Mitgliederversamnilung des sozialdemolratischen Volks- Vereins Weimar erklärt sich mit dem Vorgehen des Partei- Vorstandes im„Vorwärts"- Konflikt e i n verstanden und spricht ihin ihr vollsiesVertrauen aus. Sie miß- billigt auf das schärfste das Verhalten der sechs ausgeschiedenen „Vorwärts"- Redakteure deshalb, weil sie es unterließen. den in der Partei vorgeschriebenen Instanzenweg zu gehen und statt dessen die gesamte Parteipresse dazu mißbrauchten, um gegen den Parieivorstand die schlimmsten Vorwürfe zu erheben und damit die Partei auf das schwerste zu schädigen. Die Versammlung protestiert ganz entschieden gegen die Auffaffung. daß Parteiredakieure von den Aufsichisinstaiizeil aus prinzipiellen Gründen niemals gekündigt werden lönnren, sie betont vielmehr, daß dieses Recht den Auffichtsinstanzen unter allen Uinständen gewahrt werden müsse." Mit dem„Borwärts"-Ko»flikt beschäftigte sich auf Veranlassung des Genossen Thiele aus Halle eine Volksversammlung am letzten Sonntag in dem Orte Wehlitz bei Schkeuditz. Die Schkeuditzer Genoffen haben in einer Parieiversammlung am 12. November eine Resolulion angenommen, worin fie das Vorgehen der sechs früheren „Vorwärts"-Redakieure und die Schreibweise des Hallischen„Volks- blattes" verurteilen. Darauf Haider Genosse Thiele die Schkeuditzer Genossen in die Versammlung nach Wehlitz eingeladen, um sie wegen der Resolution zur Rede zu stellen. Genosse Thiele bestritt gleich am Anfang seiner Ausführungen über diesen Punkt— zuvor hielt er einen Vortrag über die politische Lage—, daß ein Grund zu einem Tadelsvotnm gegen das„Volksblatt" vor- gelegen habe; er verlange Beweise dafür. Diese wurden ihm vom Genossen S ä m i s ch aus Schkeuditz in reichlichem Maße gegeben. Genosse Sämisch schilderte, warum den Genoffen die Schreibweise des„VollSblati" nicht gefalle, daß es besonders in denn „ V o r lo ä r t s"- K o n f l i k t in der einseittgsten Weise für die sechs Redakteure und gegen den Parteivorstand Stellung genommen habe. Vor allein mache er aber der Redaktion den Vorwurf, daß sie die Preßsiimmen und Resolutionen für den Parieivorstand nicht bringe, so daß die Leser hiervon nichts erfübren und in der einseitigsten Weise unter- richtet würden, sich also gar kein richtiges Bild von den Vorgängen machen könnten. Thiele antwortete darauf äußerst erregt. Schließ- lich schilderte er de» Konflikt in der Weise, daß die sechs Redakteure so vergewaltigt worden seien, daß sich einzelne Mitglieder des Vorstandes selb st nicht mit dem Vorgehen ei» verstanden erklärten. Molke nbuhr, Gerisch und Auer hätten bei der Aktion überhaupt nicht mitgewirkt. Bebel habe in einer Sitzung erklärt: Wer etwas von den Verhandlungen ausplaudert, fliegt aus der Partei! Wie rigoros gegen die Redakteure verfahren worden sei, sehe man daran, daß die Kündigung der Sechs wegen des Tones des Begründungsbriefes angenommen worden sei. Was geschehen ist, ist eine heimliche Abwürgung der Sechs, das sich die Partei nicht bieten lassen darf. Gegen etiva ein Dutzend Stimmen, von etwa 60 Besuchern, wurde dann die vom Genossen Thiele gestellte Resolution an, genommen:„Die Versammlung tritt der Schkeuditzer Resolution, sofern diese das Verhalten der sechs Redalteure allein verurteilt, nicht bei. Die Versammlung erklärt vielmehr, daß der Partei- vorstand die Pflicht gehabt hätte, mit den Redalteuren vor der Eni- lassimg zu sprechen." Die obigen Erzählungen Thieles in Wehlitz über die Nicht- Mitwirkung von drei Parteivorsiandsmitgliedern an der„Aktion" in Sachen des„Vorwärls" beruhen natürlich auf Unwahrheit,. haben doch der gesamte Parteivorstand mit der gesamten Preß- � kominission die Verantwortung für jeden getanen Schritt voll und i ganz übernommen._ Genosse Ehrhart antwortet auf unsere Bemerkungen zu seinem Artikel„Zum„Vorwärts"- Streit" in der„Pfälzischen Post" 1 wie folgt: „Die vorstehenden Auslassungen des„Vorwärts" sollen eine Antwort auf meinen in Nr. 266 der„Pfälzischen Post" gebrachten Artikel sein. Die Genossen haben hier die beste Gelegenheit, die Qualität der parteigenossischeii Polemik des„Vorwärts" zu beurteilen. Wenn sich die Redaktion unseres ZeniralorganS wirklich einmal herabläßt, sich mit den armen Geisteswürmern der Provinz zu be- schäftigeu, ihnen den Marsch zu blasen, so sollte sie sich nicht hinter nebensächliche Dinge verstecken. Auch legt sie augenscheinlich Wert darauf, sich vom störenden Beiwerk der Sachlichkeit frei zu machen. Mit dieser Tatsache werde» wir für die Folge ivohl rechnen müssen. Der„Vorwärts" konstatiert es als selbstverständlich, daß ich die Partei der ausgeschiedeuen Sechs ergriffen habe. Ich vermag nicht zu enträtseln, auf welche Tatsachen er diese Selbstverständlich- keit gründet. Meine Beziehungen zu den„edlen Sechs" dürften ihm kaum Anlaß zu seinen willkürlichen Annahmen geben. ES lag mir nichts ferner, als mit meinen Ausführungen Reklame für die„Sechs" zu machen. Auch jetzt noch, nach den tiefgründigen Darlegungen des„Vorlvärts" vermag mein„gutes Herz" es nur als eine Ehren- Pflicht zu erkeuueil, wenn die drei Redakteure des„Vorwärts", die durch die Enilassung von drei ihrer Kollege» kalt gestellt- iverden sollten, sich mit diesen solidarisch erklärten. Ja, i ich setze bei der jetzigen Redattionsgarniiilr des„Vorwärts" trotz! ihrer Liebenswürdigkeit gegen ihre ausgeschiedenen Vorgänger' voraus� daß sie im analogen Falle ganz ebenso handeln würden. Mit einer hochnäsigen Siegeszuversicht verweist mich der„Bor-s wäris" auf den nächsten Parteitag, an den ich mich mit meiner Be« schwerde wenden könnte; er sieht nicht bloß mit Ruhe dessen Urteil enrgegen, sondern er will bei dieser Gelegenheit bei uns in der finsteren„südwesideuischen Ecke", wo seither„Presse und sonstige leitende Organe" als die reinsten Oelfuiizeln funktionierien, ein Licht erstrahlen lassen, das unserer ganzen Ecke so not tut. Es ist unveraniworilich von unseren Berliner Oberbeleuchtungsräten, daß sie uns bisher im Dunkeln ließen. Ja, es grenzt an verbrecherische Unierlassimg, daß sie u»S in so ernster Zeil noch fast ein ganzes Jahr in der Dlmlelheit irren lassen wollen. „Vor Tisch las man's anders", mit dieser tiefsinnigen An- dcuiung glaubt der„Vorwärts" mich bei seinen Lesern verdächtigen zu sollen, als hätte ich meine Stellung zu unserem Zentralorgan in einer unmotivierten Weise geändert. Mit einem Quiutchen Gerechtigkeitsliebe hätte er seinen Leser» Kenntnis geben müssen, weshalb ich jetzt anderer Ansicht über das weitere Bestehen des „Vorwärts" als ZenUalorgmi bin, ich glaube das in meinem Artikel deutlich genug ausgeführt zu haben. Gewissenhaft registriert der„Vorwärts" alle Parteiskandale seit Adams Zeilen um zu belveiseu, daß die letzten Vorkommiiisse im „Vorwärts"»och schlimmere Vorgänger gehabt Hütten. Das mag richtig sein. Aber so giftig, persönlich verletzend waren sie nicht wie es jetzt bei uiis in steigendem Maße Praxis wird. Auch unter Liebknecht saß der„Vorwärts" schon auf der Aullagebank. Es sei hier nur an einen Fall erinnert." Ehrhart zitiert dann die Liebe Liebknechts auf dem Parteitag in Gotha 1896 und fährt fort: „Diese Worte treffen auch auf die heutigen Verhältmffe zu. Damals hat man keine Redakteure an die Lust gesetzt, und vre Partei ist trotzdem nicht zugrunde gegangen. Unsere heutigen führenden Genossen verfolgen eine entschiedenere Taktik innerhalb der eigenen Reihen. Unsere Genossen im„Vorwärts" trösten sich mit den„Skandalen" M der Partei; denn nach ihren Angaben haben sie der Partei stets zum besten gedient. Nach ihrer Logik wäre ein Parteiskandal zur Befruchtung unseres Parteifortschrittes alljährlich nötig. Nach dreier neuen Anschauung dürfte allerdings nraucheS begreiflich erscheinen. �zene Genossen, die die Kleinarbeit im Lande verrichten müssen, denken darüber freilich anders. Meine liebeir Genossen im„Vorwärts" empfinden eine gewisse Schadenfreude darüber, daß ich ivährcnd der letzten 15 Jahre in fast allen„Parteiskandalen" eine„leidende" Nolle gespielt und stets bei den„Geprügelten" war. Das trifft zwar nickt zu aber, ich fühle keine Veranlassung mich gegen einen solche» AnWurf zu rechtfertigen. Es genügt mir, zu konstatieren, datz bei den mehrfachen Streitfragen jeder ältere Genosse, voraus- gesetzt, daß er sich eine eigene Meinung dewahrte, das eine oder andere mal auch bei den„Geprügelten" war. Die Schadenfreude unserer jetzigen„VorwärtS"-Redakteure belveist nur, dast sie eS stets verstanden haben, sich rechtzeitig bei den Prüglern einzustellen. rijst sie sich von empfindsamen oder kollegialen Rücksichten leiten Ilesten, wird ihnen niemand nachsagen können, der sie an der Arbeit gegen ihre sechs gemabregelten Kollegen gesehen hat. Dankbar für� jede Anregung, und ganz besonders für solche, wenn daS Interesse der Partei in Frage kommt, habe auch ich ge- prüft und bei mir revidiert, allein ich konnte keine Anhaltspnukte finden, die der Redaktion des„Vorwärts" die Verecktigung zu ihrer schweren Anschuldigung gegen mich, als sei ich der Mitschuldige von Parteiikandalen, geben könnten. Wohl aber habe ich bei dieser Prüfung Umfülle bei Genossen entdeckt, von denen ich vermute, daß sie als Prinzipienpriester unseren Genossen im„Vorwärts" das Gewissen schärfen." Zu der obigen Duplik dcS Genossen Ehrhart wollen wir nur kurz bemerken: Wir hatten in unserer Anrlvort ausschliestlich die sackl'chcn Irrtümer EhrhartS hera»sgegriffe>l und durch Tatsachen zu widerlegen gesucht. So seine erstaunliche Behauptung, als wären die Sechs" aus der„Vorwärts"-Redaktion„exmittiert" worden, seinen Protest gegen das augeblich ausschließliche Bestimmungsrecht der Berliner Genossen über die Haltung des ZentralorganS und schließlich die Darstellung Ehr- harts, ivonach der„Vorwärts"-, Skandal" so ziemlich das gefährlichste sei, was die Partei erlebt habe, woran der Mangel an einer schlichtenden und zügelndcn Hand schuld sei, mit dem früher der Alte und Auer rechtzeitig eingriffen. Gegenüber diesem schönen aber phantastischen Bilde hatten wir dein Genossen Ehrhardt die lange Reihe von„Parteiskandalen" in Erinnerung gerufen, die sich wie ein roter Faden durch die ganze Geschichte der Sozial- demokratie ziehen und in denen Auer und Liebknecht nickt etwa die schlichtende Vorsehung spielten, sondern jedesmal in der vordersten Reihe als die heijjbliitigsten Kampfhähne fochten. Wenn man nämlich jeden heftigen MeinungS- ftreit in der Partei über Grundfragen des Prinzips und der Taktik mit der Spitzmarke„Skandal" bezeichnen will, so kam die Partei und kommt hoffentlich auch fernerhin nicht ans dem„Skandal" heraus. Fühlt sich nun Ehrhart durch diese rein objektiven Hinweise gekränkt und spricht uns die Sachlichkeil ab. so scheint er offenbar von der Auffassung auszugehen: Sachlich sind nur diejenigen Sachen, die mir in den Kram passen, alles, was gegen mich spricht, ist unsachlich. Eines wollen wir Ehrhart jedoch ohne weiteres zugeben:„so giftig, persönlich verletzend" wie der jüngste Partcistreit, war vielleicht noch keiner in der Parteigcschichte. Stach mehr: wir »vollen Ehrhart auch rückhaltlos insofern ziistimmen. als wir diesen Streit allerdings einen Partei fkanbal nennen. Bloh sehen wir das Skandalöse nicht darin, dah das Zentralvrgan in seiner Haltung endlich der Meinang und Auffassung der über- wiegenden Mehrheit sowohl der Berliner Genossen wie de» organisierten Genossen im Lande überhaupt entsprechen soll, sondern vielmehr in dem ttnistande, daß sechs Literaten bcn Versuch zu unlernehineu lvagtc», wochenlang die ganze Partei- presse für ihre winzige persönliche Angelegenheit in Anspruch zu nehmen, die Partei in unerhörter Weise nach außen hin bloßzustellen und ihren Willen der Masse der Genosse» durch skruppellose Streiche aufzuzwingen. Und auch noch in dem Umstand sehen wir das Skandalöse, das; sie bei diesem Unternehmen den moralischen Bei- stand so alter Parteigenossen finden, wie Ehrhart einer ist. Wenn irgendwann, hätte sich Ehrhart diesmal sagen müssen: Landgraf, werde hart!— Bcnlstcin spricht. folgende Erklärung: Die Brcslauer„Volkswacht" bringt die „Die freikonservatide„Post" nimmt die Mandatöniederlegung SchippelS zum Anlaß, gegen den Unterzeichneten die infaniicrende Behauptung aufzustellen, daß er im Gegensatz zu Schippet des„per- sönlichen Ehrgeizes" und„mit Rücksicht auf den Brotkorb der Partei" seine Ueberzeugung preisgegeben habe.(Vergl. die„Post" von» 22. November.) Nicht um dcö genannten Organs der Scharfinacherpartei willen, daS meines ErachteuS einen überzeugten Sozialdemokraten überhaupt nicht beleidigen kann, sondern aus allgemeinen politischen Gründen sehe ich mich veranlaßt, hierzu folgendes zu bemerken: Wenn noch andere als Gesundheitsrücksichten Schippe! zur Niedcrlcgung seines ReichStagsniandats veranlaßt haben; so werden sie sich in' dem Satz zusammenfassen lassen, daß Schippel der Meinung ist, seine in wichtigen Fragen von der großen Mehrheit der sozialdemokratischen RcichstagSfraktion abweichenden Ansichten machten ihm eine ersprießliche Ausübung deS Reichstags», andats un- möglich. Ick halte, trotzdem ich in den handelspolitischen Fragen vielleicht SchippelS entschiedenster Gegner bin, diew Meinung für nicht begründet und bedaure daher seinen Entschluß. Daß ich aber unter den bezeichneten Voraussetzungen der letzte wäre, mich an ein Retchstagsmandat zu klammern, glaube ich durch meinen, nach dem Dresdener Parteilag den Vreslaner Parteigenossen unterbreiteten Borschlag einer Auseinandersetzung über die Dresdener Resolution betreffend den Revisionismus genügend kundgegeben zu haben. Ich stehe der Dresdener Resolution noch heute genau so gegenüber, wie ich dies auf dem Dresdener Parteitage durch meine Rede und Ab- stimmung zum Ausdruck gebracht habe. WaS den„Brotkorb der Partei" anbetrifft, so stelle ich fest, daß, seitdem mir unmittelbar nach dem Dresdener Parteitag meine bis dahin ausgeübte ständige Mitarbeiterschaft am„Vorwärts" gekündet worden ist, die Beträge, welche ich für meine schriftstellerischen Arbeiten innerhalb der Partei aus Partejmitteln erhalten habe, sich auf noch nicht 500 M. im Jahre belaufen. Einen Teil davon machten Honorare für gelegentliche Beiträge für den„Vorwärts" aus. Auch dieses Stück„Brotkorb" fällt jetzt hinweg. Denn erstens halte ich es für ausgeschlossen, daß die gegenwärtige Redaktion des „Vorwärts" sich um solche Beiträge an mich wenden wird und zweitens würde ich. falls sie es lvider Erwarten doch täte, eine solche Zumutung so lange auf das Entickiedenste zurückweisen, als nicht dem in den Personen der Genossen Büttner, EiSner, Gradnauer. Kaliski, Schröder und Wetzker beleidigten Recht der sozialdemokratischen Parlei-Journalistii seitens der Redaktion und der zuständigen Parteiinstanzen mindestens grundsätzlich volleGenugtuung zuteil geworden ist. Schöneberg-Berlin, den 25. November 1905. Ed. B e r n st e i n. Die„Berliner Volkszeitung" hat den erbitterten Genoffen Benlstein natürlich sofort in ihre Arme geschlossen und Mosscs Tränen tropfen dem neuen„ausgesperrtes" Opfer der Grausamkeit des„Vorwärs" als süßer Trost auf die Brust. Wir unsererseits können auch zu dieser neuen Kundgebung Bernsteins nur mit dem alten lateinischen Sprichlvort sagen: I?tuIos-»xllus kuisses si tacuisses. (Auf deutsch: Philosoph wärest Du noch lange nicht, auch wenn Du den Mund halten wolltest.) Die Kandidatur im 16. sächsischen ssjeichstagswahlkreise. Am Montag, den 26. d. M., wurde in einer außerordentlich stark be- suchten Parteiversammlung in Chemnitz der neue Kandidat der Sozialdemokratie an Stelle SchippelS aufgestellt. Zunächst gab Genosse Landgraf einige einleitende Erklärungen ab, worin er die gegen Schippel gerichteten„gehässigen Angriffe und Insulten" beklagte, die Sckippels Gesundheit untergraben hätten. Die Mandatsniederlegung hätte früher oder später doch kommen müssen. wenn auch die jetzige plötzliche Erklärung SchippelS für die Ehern- nitzer Genossen eine völlig unerwartete Iva»:. Der Zentralvorstand des Wahlkreises sei mit allen BczirkSvertretern der Meinung, daß die Chemnitzer nickt nötig hätten, einen Kandidaten in der Ferne zu sucken, er empfiehlt den auS langjähriger Tätigkeit bekannten Ge- nossen Karl Riem an n. Genosse Thierse lder beantragte, den Redakteur Noske als Kandidaten aufzustellen. Barth bekämpfte den Vorschlag deS Zentralvorstandes mit dem Hinweis darauf, daß Riemann im Wahllreiie keime Sympathien besitz Diesem Standpunkt widersprackcn heiftig A l t e r m a n n, Zeißig, Haubold, Böhme und H e ck> e r t. Schließlich wurde Genosse Gustav Noske mit 1213 Stimme» AUvählt gegen 284 Stimmen, die auf Riemann fielen. Zur Stellung Noskes zu den innerparteilichen Streitfragen er- innert die„Leipziger Volkzeitung" daran, derß in der Chemnitzer Versammlung voni 30. August 1604, als Schippel über den bevor- stehenden Bremer Parteitag sprach, ihm No-ikfe scharf entgegentrat und es ablehnte, ein Vertrauensvotum für Schippel anzunehmen. Das Kapital in Gefahr! Auf unsere Bemerkungen der Parteiretter ischen Gespensterseherei der Genossen Frohme, Elm und Lösche schicken ui.s die Genannten folgende Entgegnung: Bezüglich der Randglossen der jetzigen Redaktion des„Vorwärts" zu unserer Stellungnahme gegen die Aimiaßckiig der Revolutions- romantiker, ihre Anschauungen als die der Mehrheit der Partei aus- zugeben, bemerken wir: Es ist ricktig. daß wir die Ausführungen der Frau Dr. Rosa Luxemburg im 2. Hamburger Wahlkreis als eine der Grundlagen unscrer Kritik genommen haben. Unser Protest bezieht sich jedoch nicht auf iiie allein, sondern auf alle jene Parteigenosse», die den„schönen Lärm" der russischen Revolution auch, ohne daß die Voraussetzungen der Jenaer Resolution gegeben sind, catf Deutschland über- tragen mochten. Die Redaktion des„Vorwärts" macht uns den Vor- Wurf, daß wir uns in der Versammlung des zweiten Hamburger Wahlkreises nicht zum Wort meldeten, um gegen Frau Dr. Rosa Luxemburg zu polemisieren; sie scheint der Meimmg zu sein, daß ganz Hainburg und die Provinz Schleswig- Holstein den Atem anhalten müsse, wenn ihre Freundin in Hamburg referiert. Wir werden deshalb wohl vor ihren Augen auch keine Gnade finden, wenn wir erklären, daß wir auS dem Grunde nicht anwesend waren, weil wir an jenem Abend unsere Zeit in anderer Weise für die Arbeitersache verwenden mußten. Wen» die Redaktion des„Vorwärts" von einer von uns zurechtgemachten„Vogelscheuche" redet, von Legettden sprtcht, die wir an die Idee des Massenstreiks„gekoppelt" haben sollen, uns„selbst- gebrauten skurilen Unsinn" unterstellt, so treffen uns derartige Bc- leidigungen absolut nicht. Ist die Redaktion nicht im stände zu beweisen, daß der Bericht im Hamburger„Echo" über die Ausführungen der Frau Dr. Rosa Luxemburg falsch ist oder vielmehr von uns gefälscht worden ist, so prallen alle gegen uns abgeschossenen vergifteten Pfeile von uns völlig wirkungslos auf die Schützen zurück. Wenn gegenüber unserer Darlegung über die Ausführungen des Referenten Genossen Bebel und gegenüber dem klaren Wortlaut der Jenaer Resolution die Redaktion des„Vortvärts" von der„Tendenz der Diskussion" redet, so müssen wir ihr wie j-:dem Genossen das Recht absprechen, solche Tendenzen willkürlich zw konstruieren, wir halten uns an das, lvaS der Referent aussührte, von keiner Seite Widerspruch erfuhr und waö einer großen Anzalsl von Delegierten erst die Zustimmung zu der Resolutton ermöglicht.!. Zu der speziell gegen den Genossen V.Elm gerichteten Bemerkung von einer geradezu �käiastrophenartigen" geistigen Entwickelnng der- weisen wir mir auf die Taffache, daß Genosse v. Elm nach Jena noch eine ganze Reihe von Borträgen gehalten hat. in welchen er ebenso energisch für den politischen Maffeiistreik im Sinne der Jenaer Resolution eingetreten ist, wie in Jena selbst— aber— und das ist der llnterschrnd zwischen ihm und den Revolutionsromanttkern— er propagiert den Massenstreik nur für den Fall, um, wie es in der Jenar Resolution heißt, das politische Verbrechen der Wahlentrechtung, der Aufhebung der Koalitionsfreiheit abzuwehren oder um solch' wichtige Grundrechte zu erobern, und empfiehlt den Genossen— wie e1>enfalls in Jena beschlossen wurde— um die Anwendung dieses Kan lpfmittels zu er- möglichen und in ö g l i ch st wirksam zu machen. Stärknng der politischen und gewerkschaftliche» Orgaitisattonen, betont die Wichtigkeit und Notwendigkeit deS Wahlrechtes, anstatt— wie dies die RevolilttonSroinantiker tun— der Tätigkeit kier Arbeiter durch herabsetzende Bemerkungen über Gewerkschaften und P�rrlanlentariSmuS auf diesem Gebiete entgegeitzuwirken. Wir weise» die Unterstellung zurück, die„nZvolutionäre Be- dentung" des Jenaer Beschlusses hinwcginterpretieren zu wollen, und proleslicreit gegen jeden Versuch, in diesen Beschluß etwas hinein- zulegen, was nicht drin steht, und daß Folgerungen daraus gezogen lverden, die, wenn die deutsche Arbeiterklasse ihnen nachleben wollte, für sie geradezu unheilvoll wirken müßte. Berlin, den 28. November 1005. A. v. El m. K. Frohme. A L e s ch e. Die drollige Haupt- und Staatsaktion der daei Hamburger Genossen, die auf allen Seiten in der Parteipresse— und in erster Linie in dem Parteiorgan der bedrohten Provivz Schleswig- Holstein, im Kieler Parteiblatt— ein Achselzucken hervorgerufen hat, entpuppt sich immer niehr als ein sogeiiannler(schwabeuslreick. Wie wir jetzt hören, befürchten die Drei eigentlich,«daß man durch unnütze Referate über den Massenstreik mir nickts dir nichts die russische Revolution nach Deutschland verschleppen könnte, lind zwar„ohne daß die Voratlssetzungen der Jenaer Resolution gegeben sind". Wir„Revolulionsromamtiker" haben uiisererseitS nicht so übertriebene Vorstellungm von der Wirkung von Referenten oder ANikclschreiber», auch wenn sie wirklich so schauerlich-spukhasl aussehen würden wie jener Nebelstreif, den Frohme und Elm wohl diesmal für das„rote Gespenßt" genommen haben. Die Drei bemerkten gar nicht, daß sie sich hier" in dem Wahn von einer unheilvollen„Revolution", die„ohne Voraussetzungen" bloß durch unvorsichtige„Hetzreden" ans der Pistole ge- schössen kommt, mit der tiefen Auffassung deS Herrn Tessendorf-selig begegnen. Gegen diese platte und triviale Ver- ballhornung des Begriffes vom Maffeiistreik und von der Revolution treten die„Revolutionsromantikcr" eben auf. Wir hatten auch nicht gemeint, daß, wen» jemand von den gefährlicken Hetzen» in Hamburg über den Massenstreik referiert, die Genossen Frohme, v. Elm und Lesche den Atem anhalten, sondern umgekehrt, daß sie den Mund auf tun und der Gefahr sofort vor dem versammelten Pnbliko bc- gegncn sollten. Wenn Genosse v. Elm schließlich darauf binweist, daß er nicht bloß in Jena, sondern auch noch n a ch Jena für den Massenstreik plädierte, dann erscheint ja seine Entwickelnng noch katastrophenartiger, als ivir es annahmen! Seine Besorgnis um die Provinz Schleswig-Holstein ist dann also ganz jungen Datums. Hängt sie vielleicht zufällig mit der Auseinandersetzung der„Schles- wig-Holstci»scheii Volkszeitung" mit dem Genosjen Elm über den „Vorwärts"- Konflikt zusammen? Ein Geiilc'uldcwahlsicg. Bei der Gemeindewahl in Obcrröslau b. Wuiisiedel siegten unsere Genossen mit 63 gegen 64 gegnerische Stimmen. Sämtlicke Sitze fielen urS z u, anck der von uns vorgeschlagene Bürgermeisterkandldat wurde gewählt. Fwei Genossen tv erden von jetzt ab a u ch i m Kirchenrat vertreten sein. Diese letztere„erfreuliche Nachricht" können wir nur mit sehr gemischten Gefühlen genießen. Was haben in aller Welt Sozial- demokraten im Kirchenrat zu tun? I Wir raten dringend den Ober- röslancr Genojie», von diesem Novum in der Partcipraxis Abstand zu nehmen. Bei der Stadtverordnetenwahl in WimdSbeck, die am Montag stattfand, siegte zwar die Liste des bürgerlichen Kuddelmuddels, aber unsere beiden Kandidaten schnitten trotz des hohen WahlzensuS, des höchsten in der Provinz Schleswig-Holstein, sehr gut ab. Zieht man in Bettacht, daß nur die Grundeigentümer und die Steuerzenj.ccn mit einem Einkommen von über 1350 M. wahlberechtigt sind, so fallen die 294 bezw. 250 Stimmen, die für nitsere Kandidaten ab- gegeben wurden, schwer in die Wagsckalc. Die biirgerlicken Kan- didalen siegten mit 437 bezw. 340 Stimmen.— Seit Jahresfrist haben»vir um 20 Stimmen zu-, die bürgerlichen Stimmen aber beträchtlich abgeiiomineil. Stadtverordneteuwahl in Meuselwitz. Der Kandidat unserer Partei, Genoffe P i e tz s ch. unterlag mit 140 Stimmen gegen den Kandidaten der Bürgerlichen, den Fabrikarbeiter Rauschenbach, der 148 Stimmen aus sich vereinigte. Stadtverordnetenwahleir im Königreich Sachsen. In Falkenstein wurden in der dritten Abteilung zwei Sozialdemolratc» gewählt. indessen gelang eS nicht, in der zweite» Klasse unsere drei Kandidaten durckziibringen.— In Elsterberg wurde als einziger Unansässiger ein Sozialdemokrat gewählt, sollst kamen die bürgerlichen Kandidaten durck.— In Mittlveida gingen bei einer Wahlbeteiligung von 72 Proz. ein Sozialdemokrat und sieben Bürgerliche aus der Wahlurne her- vor.— In Döbeln und Kamenz unterlagen unsere Genoffen. polizeiiicbes, Sericbtlicbes uttw. Hanau, 29. November. Vor dem hiesigen Schöffengericht wurde gestern in Ostiindiger Verhandlung die gegen den sozialdemokratischen Stadtverordneten Hock»nd gegen den Redakteur Zielowski von der Frankfurter„Volksslimme" von elf Hanauer Stadtverordneten aitgestrengte Beleidigungsklage zu Ende geführt. Das Gericht kam zu einer Vertirleilung beider Angeklagten zu je 150 M. Geldstrafe. Ferner wurde aus Vernichtung der beiden Nummern der„Volks- stimme", welche die imriminierten Artikel enthielten, und Unbrauchbar- machung der Druckplatten sowie Urteilspublikatton erkannt. Rückkehr eineS PreßsiinderS in die Freiheit. Nach Verbüßung einer Strafhast von 3 Monaten ist der frühere verantwortliche Redakteur des Kieler Parteiblattes, Genosse Detlef Jwers gestern Mittwoch ans dem Zentralgefängnis in Neumünster entlassen worden..Die Verurteilung ist seinerzeit erfolgt wegen einer aus Hadersleben datierten Nottz überschrieben:„Die Zwangs- Politik in NordschleStvi g". Durch die Nottz fühlten sich der Landrat Vecherer zu Hadersleben, sowie der Amtövorsteher Balentiner zu Tyrstrup beleidigt, weshalb sie Strafantrag stellten. Der Prozeß hat bekanntlich allgemeines Aufsehen erregt und die Dänen- Politik der Regierung grell beleuchtet. Der Ausgang war die Verurteilung des Genossen Jwers zu drei MonatenGe- f ä n g n i s._ partelllteratur. Feste der Fcstlosen. Unter diesem Titel erscheint als Gede>«kbuch für den Weihnachtslisch des deutschen Proletariats Anfang Dezember im Verlag von Kaden u. Co. ein„Hausbilch weltlicher Predigt- schwänke". Wie die bürgerliche Welt ihre umfangreiche Literadir frömmelnd-heuchlcrischer Erbaulingsbücher besitzt, so will dieses Buch in rebellisch-ernsten und satirisch-geißelnden Festbetrachtungen daS Proletariat auf seine Weise künstlerisch erbauen. Das Buch begleitet die Arbeiter durchs Jabr der Feste: es enthält eine aus- gewählte Sammlung der Festbetrachtungen aus der Feder Kurt EisnerS. Der Begriff„Fest" ist allerdings nicht im Sinne der Traktätchenschreiber zu nehmen. Alle Momente einer stimmungS- voll erhobenen FeiertagSmuße, zu denen sich daS Fronjahr der Arbeit befreit, gelangen in dieser Sammlung zum Ausdruck. Mit dem ersten Mai beginnt das proletarische Festjahr. Von Auf- erstchlitig und heiligem Geiste handelt die zweite 1'lbteilung. In „Müßiggängen" bannt der Verfasser die Stunden freien Wandems und beschaulichen Bcobachtens. Dem„Tode" ist ein ernstes Kapitel gewidmet. Weihnachten, Zeitwende, Revolution, Heldenfeiern— alles das ist von der Höhe sozialistischer Welt- ailschauung. in Ausschnitten deS wirklicken Lebens und in Phantasien deS sehnenden Hirns heidnisch und irdisch„gepredigt". Das vornehm ausgestattete Buch enthält seinen besonderen Wert dadurch, daß Käthe Kollwitz dem Verfasser die Reproduktion ihrer hervorragendsten Radierungen gestaltet hat, die damit zum ersten- mal dem Proletariat, aus dem diese Kunstwerke erwachsen sind. zugänglich gemacht tverden. Ferner sind Kunstblätter alter und moderner Meister beigefügt. VorauSbestcllungen nimmt der Verlag entgegen._ Eingegangene vrucklckriften. „Reinigung, Auffrischung. Aersüngung deS BluteS*. Von Dr. med. PaczkowSNi I.SO M.—„Die Halskraukheiten, Verhütung und naturgemäße Behandlung". Von Dr. E. Kollcgg. Preis 1,— M. Verlag von Edmund Demme, Leipzig. Karl Frohme. Arbeit und Kultur. Eine Kombination naturwisten- schaftlicher. anthropologischer, kulturgeschichtlicher, votkSwirtschastlicher und sozialpolitischer Studien.!84 weiten. Verlag Zcnttaloerband der Maurer Deutschlands(Zh. Bömbclburg), Hamburg. Das Berliner Dirnentum. Von HanS Ostwald. In zwanzig ab- geschlossenen monatlichen Lieserungs-Bände» a 1,— M. Verlag von Dalthcr Fiedler, Leipzig. �. „Pluins." Kritische Wochenschrist sür Volkswirtschaft und Finanzwesen (Herausgeber: Georg Bernhard). 47. Heft. Vierteljährlich per Post und Buchhandel 6,50 M., Kreuzband 4,— M. Verlag Bcrlin-Charlotrenburg. Goclhcstr. 69. Dr. V. Dhorsch.„Der ciiizclnc und die Gesellschast." 149 Seiten. Preis 6 M. V-rkug Kart Neihner. Dresden. Dr. Franko Potoenvak.„Aus dem Lande der Ncchtlosigkeit und Demoralisation." Schmachvolle Justizzujtände in Kroatien. 29 Seilen. Fiume, Rijecka Dionicka TiSkara(Ungarn). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Nhr nnchmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere Inserate bitten wir vorher anzumelden und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. Die Expedition. Karl Schweitzer am 24. b. M. vlötzlich durch Unfall verstorben ist. 8/l2b Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 30. d. M., nach. miltags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Städtischen Friedhofes in FriedrichSscidc aus statt. Die trnucrudc Witwe Anna Schweiber. iiie den !K.Zei'Iiiiei'KeicIiM�zM'm. Votles-�nseixe. Am 24. November verunglückte tödlich unser Mitglied, der Arbeiter Karl Schweitzer, Userstr, Ite. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet beute Donnerstag, nachmitiags 3>/, Uhr, auf dem städtischen Friedhof zu Friedrichsselde statt. Um zahlreiche Beteiligmig ersucht i 263/4 Der Vorstand. ZentralveriiaDö d�äiieis- j Triüport- und Verkeiirsaröeüerl Ceutseiilands. Todes-AiiKoige. Hiermit dien« den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Kollege Karl Schweitzer liiransührer der A. E.-Ä. Huttenstrahe) durch einen Unglücksfall plötzlich verstorben ist. 72/3 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 30. November, nachm. 3 Uhr, von der Leichen- halle deS Zeiitral-Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Tic Qrtsverwaltuug I. Zentralverhand der Handels-, Transport- u. Verkehrsarbeiter Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin I. Hierdurch diene den Kollegen zur Nachricht, daj} unser lang- jähriges Mitglied EErnst Mietschau verstorben ist. 72/2 Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 3><, Uhr, von der Leichenhalle dcs iliummelS- burger Friedhofes aus statt. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Die Lrtsverwaltung. ltjeriiMMWeiiltHliköM «MWtlMeDÜLllÄiM. Berirksgruppe Berlin Brandenburg Todes- Aiizelg-e. Hierdurch zur Nachricht, daß unser treues Mitglied* Karl Post am Sonnabend, den 25. d. M., nach langen, schweren Leiden vcr- storben ist. Ehre seinem'Andenken! Die Bcerdigmig findet heute Donnerstag, den 3V. November, nachmittags 2'/. Uhr, von der Halle des städtischen Zentral» Friedhoses in FriedrichSselde aus statt. 29?/tg Um rege Beteiligung der Kollegen I ersucht Der Vorstand. fsedvM >ij. HaslöBstiwnten-Meiter Am Montag verstarb an Blind» darm-Entzüudung im Alter von 23 Jahren unser Mitglied G, Hoffmann. Die Beerdigung findet an, Donnerstag, nachmittags 3>/, Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS» Kirchhofes auS statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 142/13 Der Vorstand. ßntersliitzüOösverein äer BierahzieSer Berlins und Umgegend. Am Sonntag, den 20. November, I verschied uiiscr langjähriges Mit- | glicd, Kollege Karl Nowka im 41. Lebensjahre. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30 d, M., nach- mittags!>/« Uhr, vonr Trauer- Hause, illirdors. Jsarstraije 13. nach dem Rixdorscr Kirchhofe, Marien- dorscr Weg stall, 737b Der Borstand. E. H. Xo. 89. Unser Mitglied, Herr Viidelm kiellelett \ ist am 27. d, Mts. im CG. Lebensjahre geslo.bcn. Ehre seinem Zliidenkc»! Die Beerdigung erfolgt am Sonnabend,. den 2. Dezember, I nachmittags 3 Uhr. von der I Halle des Lnisen- FriedhoscZ, | Hermamislrabe in Rixdvrf aus, Um rege Beteiligung ersucht i 133/14 l>er Vorstand. Deutseiier Senefeltler-Biifll Filials Berlin II!, Uthographen. Todes-Xachriclit. Am!7. November starb unser I Mitglied, der Lithograph 'üicharsi HeSm | im Alter von 4S Jahren, Ehre seinem Zlndenkcn! , Die Beerdigung findet heute I Donnerstag, den 30. b. M., noch» I mittags 2 Uhr, aus dem Oteorgcn» I Friedhof, Laudsberger-ZlUce, statt, 1 238/18 Die Verwailung. Verein Berliner Buthdruek-Maschineiiineister. Am 26. November verschied nach längeren Leiden unser altes Mitglied »emricli kodrbeek. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Jakobi-Kirchhofes, Rixdorf, Her» mannstratze 100. aus stall. Um rege Beteiligung ersucht 36/17 Ter Vorstand. Zentral-Veriianii der Haitfer Deutseiilaotis. Zwcijrvercln Berlin. Am Freitag, den 24. d, MIS., fand unser langjähriges Miiglicd Otto Wlko im Zllter von 45 Jahren durch Ueberjahren einen plötzlichen Tod, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den i, Dezember, vormittags 11 Uhr, vom Schauhause, Hainioverschestrahe, aus nach dem «ot, Simeons- und Lukas-Klrch- Hof in Britz, Tempelhoser Weg, statt. 153/14 Um rege Beteiligung ersucht Tic Berbandslcitung. Am 24, d, Mts, verstarb unser alteS Mitglied 153/15 Fritz Ambos im silier von 42 Jahren an Lhloloergistung. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 3 Uhr. von der Leichenhalle deS Lazarus- Kirchhofes in Hohenschölihausen- Wilhelinsbcrg auS statt, Rege Beteiligung erbittet Dir BerbandSleitung. Allen Verwandten, Freunden und Genossen zur Nachricht, dah meine liebe Frau, unsere gute Mutter Lmilie Lehmann geb. Hinz nach langen Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonn- abend nachmittag l Uhr von der Leichenhalle des Zentral-Fricdhojs in Friedrichsseide auS statt. Um stilles Beileid bitten ft-itt Lehmann und Kinder. Danksagung. Allen Verwandten, Kollegen und Bekannten sowie dem Artistenverein „Vorwärts" sage ich hicnnit für die rege Teilnahme und reichen Kranz- ipcndcn bei der Beerdigung meiner lieben Frau meinen aufrichtigsten Dank. Hermann Lllnlber nebst Kindern. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und reichen kranzjpendcn bei der Be- erdigunß unseres Bruders sage allen, insbesondere den Arbciicrn der Tischlerei Kühn, dem Personal der Firma A. Rcimann, dem Zeichner- Verbände und dem Gesangverein „Humanität" im Nair n der Hinter- btiebenen unseren herzlichsten Dank. Fritz Ilaberiuanu 52172 Waldemarstr. 67._ SoziaUemokratiseter Vablverein für den 2. BerlinerBeiettstap-Walilkreis. Dienstag, den 5. Dezember, abends S'/a Uhr, im Hofjägcr-Palast, Hasenhcide 22/53: lZenersl'VesZSMniiung. TageS-Ordnung: 1. Bericht von der Brandenburger Parteikonferenz. 2. Wabl der Drlcgiericn zur VcibandS-Gcneralocrsammlung Grost-Berlins. 3. Bericht des Vorstandes, der Kommisiioncn und Neuwahl derselben. 4. Anträge. Zu Punkt 4 lind folgende Anträge gestellt: 1. Den BezirkSsührern eventuell den Bezirken ist die„Neue Zeit" aus Mitteln des Vereins zu liefern.» 2. 2 der GeschäslSordnung die Worte zu streichen:„sali? kein Widerspruch c r s o l g t". an deren Stelle zu setzen:„durch Mehrhcits- Beschlust der anwesenden Mckgiicder". Mitgliedsbuch legitimiert. 233/14 Zahlreiche» Bestich erwartet Der Borstand. Jliie�BiMimgsseiiüle Berlin Sonntag, den 3. Dezember, abend» 1,7 Uhr, im„Königstadt-Kafino", Holzmarktstrast« 72: Vortrag des Herrn Lirlpxs über: � Uiizengruber-- mit Rezitation im Dialekt. Eintritt 20 Ps. inkl. Garderobe. Beginn pünkilich 7 Uhr. Nach dem Borkag:—» 5/ IT» Gemütliches Beisammensein und Tanz. Eetdralverbaad der Steinarkeiter. Berlin I. Tonnerstag, den 30. November, abends 7 Uhr, im„Englischen Garten", Alexanderstr. 87«: IW Außerordentliche Mitgtieäer-verlamlntung. TageS-Ordnung: 1.„.Kündige» wir den Tarif und welche Forderungen wollen wir stellen?" 2.„Sozialdemokratie und Geiverkschaften." Rcscrent: RcichStagSabgcordneler Genosse I,edeI»onr. 3. Diskusfio» und VcifchiedcneS. Zu dieser Versammlung mutz jeder organistetie SIcinarbeitcr erscheinen! 183/15» Di« OrtsTcrtvoItnnfir. Achtung! MliWIMli.WIiSlSI Fahrstuhlarbeiter! Achtung! Sonntag, 3. Dezember, dorm. 1» Uhr, bei Jannaschk, Jnselstr. 10: Mitglieder-Nersammlnug TageS-Ordnung: 1. Tarisgemeinschasten. Referent: Genosse Bnse. 2. Bericht von der Vcrtretcrsitzung. 3. Kandidatenwahl. 4. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung»egen ist das Erscheinen sämilicher Kollegen dringend noiwendig. 44/16» Die Grnppenleitung. I. A.: Karl Schroedter. DonnerStag, den 30. November, abendS 8 Uhr: Baudepulierten-Yersammiungen für Berlin und die nächste» Bororte im„GewerkschaftshauS", Engel-Ufer IS, Saal 3, für die westliche» Bororte: Steglitz, Grast- Lichterfeldc, Zehlcndorf und Teltow im„Birkenwäldcheu", Grost- Lichterfelde, Ehaiifseeftraste. Tagesordnung in beiden Versammlungen; 1. Die Bnchcrkontrolle am Jabrcsschlust und die Pflichten der Deputierten. 2. Die Ausnahme der Arbeitslosenstattstik. 3. Verschiedenes. Kollegen! Sorgt dafür, daß jeder Bau vertreten ist! 44/15' Aektung! «» AMung! DonnerStag. den 30. November IVOS, abend? 8 Uhr, im Lokal von Bnreinz, Brückenstr. 7: Jtnßerordentl. Sekttens-Versamsnlttng. TageS-Ordnung: 1. Endgültige Stellungnahme zur Auskündigung unseres Vertrage». 2. Verschiedenes. ..... Kollegen! Erscheint alle in dieser Versammlung. Der Zlvetgvereius-Borstand. nNORR'5 Suppen ha Fe! n u. E wu ns h. n Deutschlands. Filiale Berlin. DonnerStag, den 30. November 1905, abends 8 Uhr, vci Keller, Kopponsiraste 29; Mitglieder-Uersamminng TageS-Ordn.ung: 1. Ter Streik in Bielefeld. Rcscrent: Kollege I'iml Keller. 2. Diskus ston. 3. Verschiedenes und Anträge. 252/6 Kollegen und Kolleginnen erscheint zahlreich und pünkilich zur Vcr« saminlung. Gäste willkommcir Her'Vorsitnnd. Aligemeins Orts-Krankenkasse zu Spandau. Sonuabeud. den 9. Dezember» abends 8 Uhr,. im„Viktor la-Ciarten": General- VeFsanmilnng Sage«. Ordnung: Statutenänderung:§ I de« Statuts. Nach der Generalversammlung: Oeffeiitliche Bersainmlung der Mitglieder und Arbeitgeber. TageS-Ordnung: V/aW von Vertretern zu den Gensra!- Versammlungen. Es sind zu wählen 74 Vertreter der im K t näher bezeichneten Gruppen. Um 8-' Uhr wählt Gruppe 1 32 B-rtr. ° 8«.. 2 2„ „ 8"...... 3 14„ „ 8".„.46.. . 8"„..„ 5 1„ ,. 8-»„..66.. .. 8»„... 7 12 „ 8»,...91,, „ 8", Wahl von 37 Vertretern der Arbeitgeber. Iber Vorstand. A. Kleiner!, Vorsitzender. Irutral-Kranktu- u.Strrbr- m im Zimiiikrer. l*slon. s teppdeeken 4893 L' QelegenheitsUay! Sit Mi Ersatz f. Deckbett 485 p PJM SchlÄenl50?� in den Farben ret, blau, oliv ganz dick tehlerlraft Spezial- öranlEiistraße 158.Bcs"n Dr. Lell wohnt jetzt: Itosenthaler- «transo S 0. II. omöopath und Spezial-Arzt für Haut-, Harn- und Geschl.-Lciden. 11— 2 u. 5-8. Sonnt. 11—3.» 3667,75 M. Im Lause deS GeschästSiabreZ 1304 sind 8 Genossen beigetreten, auS» geschieden einer. Mitgliederbestand am 31. Dezember 1904; 157 Genossen mit 31 400 M. Haftsumme. Es hat sich daZ Geschästögnthab�ll um>41,82 Mark verringert, die Hasisummc um 1400 M. vermehrt. 140/6 Allgemeiner Vau-, Spar- «.WohnungSvereiu„Solidarität" Eingetr. Genoss. m beschr. Hastpflicht. Bruno Poerscb. Heinrich Bürger. Stola Muffen etc. etc. Kur eitj. Fabrikat. Große Auswahl. Kaiman, Drcsdenerstr. 75 TOrn 1 1.. Z.Haas».Thtüa-Th. Kein Zwischenhändler. 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Gemüse v.o. 38 pr. Stangenspargel D 1.75 Stangenspargel 93 pr. Stangenspargel I a v. d. 1.35 Stangenspargel I a>/- d. 73 pr. Stangenspargel II v. d. 1.20 Stangenspargel II v, d, 65 pr. Brech- und Schneidebohnen Stangenspargel III v. d. 80 pr. Stangenspargel III v. o. 45 pt Riesenbruchspargel v. d. 1.35 Riesenbruchspargel v.o. 7 3 pr. Bruchspargel staik v. d. 1.20 Bruchsgargel I v. o. 85 pr. Bruchspargel 1 v.o. 48 p«. Bruchspargel v.o. 70, v.D,40pf. Bruchspargel ohne KÖI,.r;i D. 53 pt Bruchspargel„„ v, D.34 pr. Vi Dose 24 Pf., 3 Pfund-Dose 35 Abschnittspargel v, d. 38 pr. Abschnittspargel v. o. 24 pr. Grünkohl v.Do.» 35pr. Weisskohl v, Do.« 35 pr. Wirsingkohl v. Do« 35 pr. Kohlrabi v. Do.» 25 pr. Spinat v.Do,» 45 pr. I'o m aten v, do.» 70 ps T omaten v, 00,. 40 pl Tomatenpuree v.do.» 70 pl Pf.. 5 Pfund-Dose 58 Pf. FRÜCHTE-KONSERVEN Saure Kirschen ohn»is�« 95 pr. Saure Kirschen 0hn',SDo« 53 pr. Saure Kirschen 65 pl Saure Kirschen 38 pl Kaiser Kirschen"�Vdo« 1«*• Erdbeeren"�,'"98,■;,do«55 pl Aprikosen f�ucw v.Do.» 1.20»>-. Aprikosen'..Do,- 65 PL Melangefrüchte v.Do,. 85 pl Melangefrüchte v.Do,. 48 pl Pflaumen ganze Früchte Vi DO,» 45 Ff. Himbeeren v. Do,, 1.25 Pfirsiche v.Do» 1.30«--. Pfirsiche v.Do» 70 pr. Birnen �™ tot 70 pl Birnen'/. un�,. 40 Pf. Dunstfrüchte I. Zucker. Kirschen ohne SUine Cla, 7 2 PL Aprikosen halb» Frucht Gla, 1.40 Mit. Pfirsiche halb, Frucht Cla, 1.40 Mk. Himbeeren cu, 90 pf. Pflaumen in Zucker Cla, 50 Pf. Rheinisch. Kraut Sum 45 pl Gem. Marmelade5>''°F»°' 2.25 Mk. FISCH-KONSERVEN Bratheringe Do» 47 pl Bismarckheringe.. 47 pl Heringe.. 40 pl Delikatessheringe£u"%D83 pl Delikatessheringe|1aJI"vA52 pl Neunaugen do» 95 pl Nordseekrabben.. 65, 35 pl Aal in Gelee vo»30 pf. Russ. Sardinen u. Anchovis Cla, 20 PL Do» 40 Pf. Appetit Sild Französ. Ölsardinen Amieux Freres v.do» 1.50 Mk. Amieux Freres v.. 90 pf. ölsardinen Spezialmarke v.do» 65 pf. „Martell" v... 45 pt „La Rose" v. n 35 pl GETROCKN. FRÜCHTE Französische Pflaumen pfd. 35, 40, 50, 60 pl Aprikosen pm. 55, 65 pl Prünellen Pfd. 70 pl Gemischtes Backobst pfd. 35, 48 pl Erbsen lu.!,™5"' pfd. 18pc halb» Pfd. 1 4, grün» Pfd. 1 5 Pt Bohnen gro» 24, miuel20, klein 1 8 PL III IV Gebrannter Kaffee"i,chu§�-, 1— Pfund öö Pf. 1.10 1.35 Deutscher Kakao p...- 30 I.is» Rollänclischer Kakao � 2.to«>. HÜESEN- FRÜ CHTE Linsen Pfd. 32, 36 pr. Viktoria-Erbsen pfd. 1 6 pl Kleine Erbsen m. 14pl Tpra(in Ys, V« und Vs I CC pfj. Packeten)_____ Souchong-Melange Pfund 1.60 2 Mk. 2.60 3.40 Mk. Kongo-Tee Pfund 2.40 3.20 3.60 mk. Ceylon-T öö Pfund 3.60 mk. 11 in TV Cervelat- u. Salamiwurst m Rinddarm Pfd. 1.25 mk. Geräucherte Gänsebrust pfd.l.50 Mk. Wallnüsse m. 30 n Haselnüsse>-» 25, 45 Dänse �.65 pf. r 4 ( Alleinverkauf der Schokoladenfabrikate von Tobler A Co., Bern, Verantwortlicher Redakteur! Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verautw. i Th. Glxke» Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Bud)druclerei u. Vertagsa njtalt Paul Singer ül Co., Verl« äV£~ Nr. 280. 22. Jahrgang. 2. Mime des JornM" Mlinet üalblilntt, Donnerstag, 30. November 1005. Hua Induftric und Handel. Bolle Kompottschüsseln. Von der.Not" der Kalimagnaten redet folgende Tabelle. Es zahlten Ausbeute pro Kux: Gesellschaften Neustaßfurt. Hercynia.. tLilhelmshall Glückauf.. Hedwig Hohenfels Burbach.. Carlssund. Hohenzollern Justus.. Kaiseroda. Beienrode. Preissteigerungen. Die augenblickliche Prosperität lockt überall die Beutejäger auf den Plaiu Der Preis für Luxemburger Roheisen, der im Frühjahr noch auf Sö Fr. stand, ist für das 2. Quartal 1906 auf 64 Fr. festgesetzt worden.— Die Dachpappenfabrikanten in Mtteldeurschland erhöhten den Preis fiir sämtliche Dachpappensortcn um 20 Pf. pro Ouadratmeicr-Rolle.— Wenn die Arbeiter den Preis ihrer Ware, der Arbeitskraft, erhöht haben wollen, dann schreit man über Begehrlichkeit und Ruin der Unternehmer, sie selber sorgen aber ausgezeichnet für die Füllmig ihrer Taschen. Segen des Mehrwerts. Die„Gutehoffnungshütte", Oberhausen, erzielte einen Betriebsgewinn von 8 924 277 M. Für Abschreibungen werden ISOOOOV M. verwandt; aus den, Reingewinn von 3 509 776 Mark werden 20 Proz. Dividende verteilt. Kapitalserhöhung. Die Saar- und Mosel-Bergwerks-Gesellschaft in Karlingen erhöht ihr Aktienkapital um 4 Millionen, auf 21 Millionen Mark. Klage der Maschinenfabriken. Der Geschäftsbericht des Vereins deutscher Werkzeugmaschinen-Fabriken bezeichnet die Geschäftslage als nicht ungünstig. Arbeit liege genügend vor, nur würden die so schon nicht befriedigenden Preisverhälmisse durch Verteuerung der Roh »naterialien noch ungünstiger gestaltet. Die Denaturierung eingeführter Gerste. Der in Leipzig domizilierende Deutsche Müllerbund hatte in einer Eingabe an das Rcichsschatzamt sich dagegen gewendet, daß die Regierung zur Denatnrierung der eingeführten Gerste ein ZerkleinerungSverfahren anwenden wolle, ivodurch den mit der Herstellung von Futterschrot beschäftigten zahlreichen Mühlen ein Verdienst entzogen würde. Vom Rcichsschatzamt ist daraus die Antwort ergangen, das, nach dem Gutachten des Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Müller von keiner der für die Unbrauchbarmachung von Gerste zur Malz- bereitung bisher in Erwägung gekommenen Methoden eine Schädigung des Müllereigcwerbes bei der Herstellung von Futtermitteln aus Gerste zu befiirchten sei. Der Tabakkonsum in verschiedenen Ländern der Erde. Das statistische Bureau des amerikanischen„Departement of Commerce and Labor" hat einige Zahlen über den Tabakkonsum veröffentlicht, nach denen die Vereinigten Staaten von Amerika an der Spitze der Tabakkonsumenten stehen, während Belgien die erste Stelle einnimmt, sofern man die Länder nach der auf den Kopf der Bevölkerung entfallenden Menge ordnet. Die Vereinigten Staaten, Deutschland und Rußland find die einzigen Länder, welche einen Gesamtverbrauch von über 100 000 000 Pfund aufweisen. Die nachstehende Tabelle gewährt einen Ueberblick über den Ge- famtvcrbrauch an Tabak und die auf den Kopf der Bevölkerung ent- fallende Tabakmenge: Länder Gesamt- verbrauch Pfund 440 000 000 201 783 000 160 244 000 84 393 000 Bereinigte Staaten von Amerika Deutschland........ Rußland......... Frankreich........ Großbritannien...... 83 378 OOO Oesterreich........ 78 755 000 Ungarn......... 47 905 000 Belgien......... 44 273 000 Italien......... 34 549 000 Kanada......... 15 400 000 Mexiko......... 18 870 000 Australien........ 10 168 000 Verbrauch pro Kopf Pfund 5,40 3,41 1.10 2.1« 1.35 3,02 2,42 «.21 1,05 2,74 1,39 2,69 Natürlich. Die.Deutsche TageSztg." meint zu dem Hamburg- Bremer Schiffahrtskrieg:.Die deutsche Landwirtschast ist bei dem bevorstehenden Kampfe insofern interessiert,, als sie kein Interesse haben kann, daß durch eine unabsehbare Ermäßigung der Frachten die Einfuhr des fremden Getreides erleichtert wird." Jede Ver- billigung de» Getreides ist den Patentstützen für Altar und Thron gleichbedeutend mit einer Gesayr für— ihre göttliche Welt- ordming. Nene japanische Anleihe. Die Subskription der neuen japa- nischen Anleihe ist lurz nach Eröffnung wegen starker Ucberzeichnung geschlossen worden. 385 industrielle Berbände. Nach der heute dem Reichstage vor« gelegten Denkschrift über da» Kartellwesen in Deutschland, bestehen zurzeit 385 Verbände, die sich auf die einzelnen Industrien wie folgt verteilen: Koheninduslrie 19. Eisenmdustrie«2. Metall- industrie, außer Eisen 11. Chemische Industrie 4«, Textilindustrie 31. Leder- und Kautschukwarenindustrie«, Holzindustrie 5, Papier- industrie«. Glasindustrie 10. Ziegelindnstrie 132, Industrie der Steine und Erden 27, Tonwareniudustrie 4, Nahrungs- und Genuß- mittelindustrie 17, Elektroindustrie 2, Sonstige 7. Vankfusion. Die Generalversammlung der Essener Kreditanstalt stitsimte der beantragten Fusion mit der Iserlohner Volksbank, sowie der Uebernahme der Bankfirma Poppe und Schmölder m Wesel zu. ferner der Erhöhung deS Aktienkapitals um 2 000 000 M. auf 50 000 400 M. Starker Gctrcide-Juiport. In vergangener Woche belief sich der europäische Getreide-Jmport auf 1 489 000 Ouarter Weizen und Weizenmehl. 423 000 Quarter Mais, 211000 Quarter Roggen. 376000 Quartcr Gerste und 360 000 Quarter Haser. Das ist gegen die Parallelezeit des Vorjahres mehr oder weniger:-st 503 000, + 78 000,+ 103 000,— 25 000, 4 232 000 Quarter. Alio hat nur die Einfuhr von Gerste nachgelassen, bei allen anderen Getreide- arten ist das Plus recht erheblich. Der vorteilhafte Wagenmangel! Angeblich infolge des Wagen- mangels ist das Kohlensyndikat niit seinen Liesernngen im Rück- stände geblieben. Wie das Syndikat nun mitteilt, ist es genötigt, diese Rückstände, die vielleicht noch anwachsen. zu streichen. Die „Rotwendigleit" ergibt sicb miS den am 1. Apstl 1906 in Kraft tretenden höheren Kohlenpreisen. Die Kohlenbarone wissen aus jeder Blume ihren Honig zu saugen. 3us der frauenbewegunoi. Bon der Agitation.• Dem in der.Gleichheit" veröffentlichten Jahresbericht der Vertrauenspersonen Berlins entnehmen wir folgendes: In einem halben Jahre, vom 1. Januar bis 1. Juli 1905, stieg die Abonnentenzahl von 170 ans 700. Die Genossinnen sind fest überzeugt, daß das nächste Jahr ein noch viel günstigeres Resultat zeitigen wird, um so mehr, als sich die Genossinnen ins- gesamt mit Eifer und größtem Interesse an allen Arbeiten beteiligen. Im Laufe des Jahres fanden 20 große Berfamnrlungen statt. Die- selben befaßten sich unter anderem mit dem Säuglingsschutz, dem politischen Massenstreik, dem Kindcrhiilf-?tag, dem preußischen Partei- tag und dem deutschen Parteitag in Jena. Zur besseren theoretischen Ausbildung der Genossinnen dienten Leseabende. An denselben wurden sozialistische Broschüren und Abhandlungen gelesen, über die dann eine Diskussion erfolgte. Bald schon ivar eine Anzahl der Teilnehmerinnen im stände, selbständige kleine Arbeiien zu inachen. In Zukunft sollen diese Lese- abende weiter ausgestaltet und über ganz Berlin verteilt werden. Ferner wird beabsichtigt, den Genossinnen die Möglichkeit zur Ent- richtung freiwilliger regelmäßiger Beiträge für die Partei zu geben, damit diese ihre Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie nachweisen können. Die Kassenverhältnisse waren erfreulicherweise gleichfalls recht günstig. Die Gesamteinnahmen betragen 1194,55 M., darunter auf Listen gesammelt 763,15 M., Ueberschuß der„Gleichheit" 176 M. Die Ausgaben stellten' sich insgesamt aus 1147,26 M., und zwar wurden für mündliche Agitation 604,77 M. verwendet, für schriftliche Agitation 308,59 M. usw. An den Agitationsfonds der Genossinnen konnten 233,90 M. abgeftihrl werden. Die Genossinnen beteiligten sich opferfteudig an den verschiedenen Sammlungen, welche infolge von Kämpfen des Proletariats notwendig wurden. Erwähnt sei nur, daß sie für die streikenden Kohlenarbeiter im Rnhrrevier zirka 500 M. aufbrachten. Wie bisher, so werden auch im neuen Arbeitsjahr die Berliner Genossinnen in der vordersten Reihe der kämpfenden Pro- lctarierinnen stehen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 4. Dezember, abends S'U Uhr, in den„Arminhallen"j Kom- inandantenstraße 20: Vortrag über das Thema:.Die Entwickelung und die Aufgaben der Krankenkassen". Referent: Albert Kohn. Gäste willkommen._ Versammlungen. Erklärung. Durch die bürgerlichen Zeitungen erfahre ich, daß in der letzten Generalversammlung> des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, Ortsvcrwaltung Berlin, soviel Unwahrheiten über meine Person verbreitet wurden, daß ich mich verpflichtet stähle, den Tausenden von Mitgliedern deS Verbandes wie den Parteigenossen, soweit dies in einer Erklärung möglich ist, klaren Wein einzuschenken, ES ist unwahr, daß ich einen Ausschlußantrag gegen Cohen gestellt habe.— Diesen Antrag hat vielmehr die gesamte Agitations- lommission der Rohrleger und Helfer gestellt. Der Antrag wird damit begründet, daß Cohen nachweislich in Mitglicderzusamnimen- künften die Unwahrheit gesagt hat. Aus meiner langjährigen Erfahrung weiß ich, daß kein Ausschlußantrag eingehender begründet zu werden brauchte. Wenn die Verwaltung diesen Antrag, entgegen dem klaren Wortlaut des Statuts behandelt hat, so i st das zweierlei Recht. Die weiteren Instanzen des Verbandes iverden wohl und können sich nicht auf diesen Standpunkt stellen. Es gibt P ro t o k o l l e und andere Belege, welche nachweisen, daß Cohen wissentlich die Unwahrheit sagt. Es ist unwahr, daß der Kollege Horn verprügelt ist.— Wahr ist, daß ich im Besitz meines Mitgliedsbuches die Generalversammlung vom 12. November er. besuchen wollte, von Horn mit Gewalt an der Tür zurückgewiesen werden sollte und denselben beiseite schob. Nachdem ich zirka 20 Schritte im Saal war, nannte Horn die inir folgenden ca. 30—50 Kollegen das Wiesenthalsche Lumpengesindel. Dafür daS AuSschlutzversahren gegen Horn von der Rohrlegcrkommission. Es ist unwahr, daß ich ausgeschlossen bin wegen Verfassung des Flugblattes iu der Rohrlegersache, der Verprügelung eines Kollegen und der Benachrichtigung der bürgerlichen Presse. Wahr i st, daß ich ausgeschlossen bin, o h n e d a tz man mich, w ie eS vor jedem Gericht der Welt üblich ist, ge- hört hat. Auch bin ich bis heute nicht im Besitz eines Urteils. Kenne also schriftlich keine ründe, welche meinen Ausschluß rechtfertigen. In einer telephonische n Unterredung am Sonnabend, den 2 5. November er., nachmittags wischen3 und 4 Uhr, erklärte mir der Haupt- assier er Theodor Werner:„Dil bist auSge- geschloffen, weil Du die Alten über den Rohrleger- tarif trotz Beschluß der Ortöverloaltung nicht aushändigst." Auf nieine Aufrage:.Ob Cohen nicht mitgeteilt hat. daß bereits feit 10—12 Tagen sich die Akten in den Händen der Revisoren befinden," erklärte Werner"„Nein, davon wissen wir nichts.".Dann wende Dich doch persönlich an Schlicke; er kommt morgen nach Berlin. Ich werde denselben von unseremGespräch unterrichten; erwirdja dann die ache wieder einrenke n." ES ist nicht wahr, daß die Rohr- lcger-Kommission ftlnfmal geladen ist. Wahr ist: Die Rohrleger- Kommission hat der engeren, nicht einmal beschlußfäbigen Orts- Verwaltung erklärt:„Ihr seid nicht kompetent, nnscre Sache gehört vor die mittlere Verwaltung." Trotz dreimaliger Versuche, die Sache in den Instanzen der Berliner Verwaltung zur Sprache zu bringen. wußte dies Cohen dreimal zu ver- hindern. Cohen ist von den Vertrauensleuten der Rohrleger und Helfer gehört und hat dort nach- weislich die Unwahrheit gesagt. Deshalb wollte Cohen den Nachweis dieser neuen Unwahrheit nur in einer möglichst kleinen Körperschaft zulassen. Einmal schien es, als wollte die mittlere Verwaltung diesem Treiben ein Ende machen. Da legte Cohen sein Amt niedcrl Die OrtSverwaltnng gab nach, d a seit zwei Tagen zirka 10000 K o l l e g e n der Elektroindustrie ausgesperrt waren. Liegt es im Interesse des Verbandes, persönliche Jntriguen während eines solchen Kampfes in den Vordergrund zu rücken? Es ist unwahr, daß ich zur Gtündung eines Fachvereinö der Rohrleger und Helfer ansgefordert habe. Wahr ist:.I ch h a b e i n der Versammlung am 23. Nov. im Friedrichshain dringend von jeder Zersplitterung abgeraten, wie dies aus Hein Bericht und der dort, a»f meine Befürwortung eine Stimme angenommenen Resolution hervorgeht. a ich auch heute noch der festen Ueberzeugung bin, daß mir in den Instanzen des Verbandes mein Recht wird, das heißt vor allen Dingen, mein Ausschluß zurückgenommen wird, so lvill ich vorläufig auf lveitere ö f f e u l l i ch e Erörterungen in Versammlungen und Presse verzichten. _ Karl W i e s e n t h a l. Berichtigung. In dem VersannnlnngSbericht aus dein sechsten Kommunal-Wahlbezirk vom 28. d. M. ist ein sinnentstellender Fehler enthalten. Ich habe nicht gesagt, der Kandidat dieses Bezirks ist der Vater der LustbarkeitSsteucr, sondern der Führer der Sozial- ortschrittlichcn Partei, welcher der Kaiididat Herr Menzel angehört, Herr Stadtverordneter Dr. Preuß hat die LuftbarkeitS- und Billett- jUiur ausgeheckt. Ferdinand Ewald, Sitzung haben Donnerstag- Biiiid der soziäldeiiiokratischeii Lese-»lid DiSkutierklnbS. „Stralaucr Allee" jeden ersten und drltleil Donnerstag bei Boesenberg. Bchmestrasze 2. Arbeiter- Bildmigsvcrei»„Eintracht", Zürich, Neumarkt Nr. 5, Vercinssitzung alle 14 Tage je Donnerstagabend 81/, Uhr. Konsumgenossciischäfteil Berlins und der Umgegend. Verkanft- stellen: Norden: Swlnemünderstr. 44; Chorincrstr. 46; Buttmannftr. 19: Willdcnowstr. 30; Gartenstr. 3.— Moabit:©iclcfstr, 81; Eindenerftr. 45; Havclbergcrslr. 6; Roftockerstr. 21. Schlächterei: Wittstockerstr. 8.— Nordosten: WmSstr. 64.— Osten: Ebcllngstr. 14; Krautstr. 7; LIcbigstr. 7; Zorndorserstr. 62; Münch cbergerstr. 32.— Osten: Stralaucr Allee 29».— eiiboslcn: Soraucrstr. 10; Pücklerftr. 31; Falckensteinslr. 6; Forsterstr. 4; Michaclkirchplatz 4. Grünkramgeschäste: Forsterstr. 20; Glogaucrltr. 3. Milchgeschäst: Gloganerstr. 27. Bäckereien, tlonditoreien, Niederlagen: Licgiiitzcrslr. 22; Forsterstr. 29; Admiralstr. 37; Rcichcnbelgcrstr. 158; Göelitzerstr. 68; Gloganerstr. 28; Natiborstr. 2; Oppclnerstr. 46. Schlächtereien: Glogauerstr. 28; Falckensteinstr. 18; Liegnitzerstr. 24; Mnntcuficlslr. 55; Skalitzerstr. 81; Oppelnerstr. 28.— Süden: Gräsestr. 40; Kottbuser Danmi 9. Bäckereien: Gräsestr. 12; Gräsestr. 35. Schlächterei: Gräsestr. 13.— Südwesten: Arndlstr. 5; HagelSbergerstr. 20.— Schöne- berg: Apostel PauiuSstr. 27; Gothenstr. 1.— Charlottenbura: Wilmcrs- dorftrstrnße 07. Tamoggenerstr. 19; PotSdamerslr. 12.— Steglitz: Am Marli 2.— Grotz-Lichtcrselde; Dürersir. 37.— Tcnipclhof: Berlüierstr. 76. Britz: Werderftr. 33.— Rixdors: Zicthenstr. 31; Hobrechtstr. 82; Rosen- siraste 4. Bäckereien: Stcinmctzstr. 129; Falkslr. 3; Kirchhosstr. 2. Schlächterei: Kottbuscr Damm 96.— Treptow-Baumschulcnweg: Baumschulenstr. 36.— Ober-Schöneweide: Edisonstr. 4.— Johannisthal: Köpnicker-, Ecke Friedrich« strasze.— RummelSburg: Türrschmidistr. 6.— Lichtenberg-Friedrcchsberg: Mainzerslr. 4; Franksurter Chaussee 48/49.— Neu-Lichtenbcrg: Wilhelmstr. 9. — Weigensee: Friedrichstr. 12; Langhanssw. 60.— AdlerShos: Hackenbcrg- strasze 29.— Alt-Glienicke: Kopnickcrstr. 32.— Grünau: Königstr. 2.— EricdrichShagen: Friedrichstr. 98.— Erkner: Känigstraße.— Spandau: üdenstr. 9; Mittelstr. 13.— Tegel: Schlleperstr. 70.— Zehlendors: Tcltoiverstr. 1.— Anmeldungen von Mitgliedern werden in jeder Verlauft- stelle entgegengenommen. Arbeiter- Raucherbund Berlins und Umgegend. Aenderungen im Vereinskalender sind zu richten an Adols Braun, Liebenwalderstr. 59. II. .Arlona", Erdmann, Reichenbergcrswaßc Nr. 16.—„Palmerio", Rau, Triftstraße Nr. t.—.Mehr Licht", Sorrer, Neu- Wcißensee, Straßburgstraße Nr. 56.—„Rote Nelke", AsmuS, Neu-Weißensee, Sedanstr. 35d.—„Mailust", Kcntcrschack, Neu-Weißensce, Langhansstr. 3.— „Colorado", Klinge, Reinickendorserstr. 56.—„Zusriedcnbcit", Krause, Rixdors. Zicthenstr. 33.—„Wasserturm", Wartenberg, Slraßburgerstr. 49. —„Näsenwärmer", Ehscr, Dunckcrstr. 88.—„Kamerun", Lubotta, Zorn- dorscrstr. 63.—„Glühlicht I", Dittmann, Neu-Weißensee, Strcustr. 3— „Fidele Geister", llckert, Rixdors, Jägerstr. 57.—„Einigkeit II", Wähner, Gubcnerstr. 57.—„Fidelio", Herzog, Pücklerftr. 39.—„Mter Hussit", Matthea, Bernauerstr. 120.—„Feste Brüder", Keil, Rixdors, Ziethen- straßc 29.—„Grüne Quaste", Donner, Rixdors. Jägerstr. 46.—„Edelweiß", Kühl, Rixdors, Prinz Handjerhswaße 66/67.—„Fidelio", Päkerl, Rixdors, Kirchhosstraßc 26.—„Ohne Furcht", Nitsche, Wiencrstraße 44.— „Fldelibus", Roll, SIraßmannstraße 24.—.Pfciscnkops", Goncll, Falcken» slclnslraße 5.—„Alter Stamm", Kurth, Mariannenstr. 30.—„1902", Jakob, Neu-Weißensee, Straßburgstr. 19.—„Frei weg I", Hostmann, Schöne- berg, Max- und Ebersstraßen-Ecke.—„Glückaus", Sesker, Erkner Konig- siraße 57.—„Fidele Brüder Berlin", Winkelscsser, Ptantagenstraße 5.— „Gloria", Dornbusch, Prinz Eugenstr. 8.—„Feigenblatt", Schmidt, Trcsckowstr. 35.—„Edles Kraut", Hcbold, Halcnsce, Kuriürsten-Damm Nr. ll9/I20.—„Edelweiß II", Schulze, Eharlottcnburg, Schrllerstr. 69.— „Neil- Lichtenberg", Schütz, Lichtenberg, Heinrich- und Margareten- siraßen-Ecke.—„Tadellos", Nagel, Rostockerstratze 17.—„ColumbuS", Palluth, Urbanstraße 102.—„Einigkeit VII", Poschmann, Duncker« siraße 22.—„Ohne Zwang", Späth, Weinstr. 28.—.Kleeblatt", Öur- aänger, RummelSburg, Kantstr. 44.—„Maryland", Wree, Lychener- siraße 133.—„Phönix", Schur, Schöneberg, Sedanstr, 60.—„Sperlings- tust", Dcmbirsli, Mantcufielstr. 31.—„Wcichseldust II", Chcrticr, Kösliner- siraße 2.—„Habana III", Löffler, Rodenbergstr. 32.—„Kastanienblatt", Schönbeck, Greisswalderstr. 203.—„Verzaget nie", Kirchhos, Schöneberg, Sedanstr. 48.—„Transvaal", Radseck, Ober-Schöneweide, Edisonstr. 13.— „Aroma", Reimann, Drontheimerstr. 5b. Zlrbeiter-Rabfahrerbund„Soltdarititt". Gau 9(Provinz Branden- bürg). All« Zuschriften und Anftagen find zu richten an den Gau» Vorsitzenden Karl Fischer, Waldstr. 8.„Berliner Arbeiter-Radsahrer- Verein", Zlbteilung II, nach dem 1. und 3. bei Schmantes, Mittenwalder- straße 15. Abteilung VI, nach dem 1. und 3. bei Wernau, Schwedtcr- straße 23/24. Abteilung IX, bei Wicke, Schillingstr. 22.— Baumschulen- weg.„Frisch aus", nach dem 1. und 15. bei Schäfers.— Gasten,„Frohsinn", nach dem 1.„Zum Kronprinzen".— Kailbcrge,„Pseil" bei Greive.— KönigSwustcrhauscn,„Brüderschast" nach dem 1. und 15. im Alten Schützen- Haus.— Landsbcrg a. W.,„Frisch aus" bei Kaiser, Louisenstr. 5,— Marien« dors,„Vorwärts" vor dein 1. und 15. bei llldchardt, Chausseestr. 16.— Ober-Schöneweide,.Oberspree" nach dem 1. und 15. bei sipli, Siemens- straße 28.— Rixdors, A.-R.-V. bei Thiel, Bergstr. 151/152.— Rummels- bürg, A.-R.-V. nach dem 1. und 15. bei(Sorgas, Neue Prinz Albert- strage 70/7l.— Sarau,„Frisch aus" nach dem 1. im Flora-EtabllsscmerU.— Werder a. tz,,„Freiheit" nach dem 1. im„Schwarzen Adler", Fischerstr. 98. Wittenberge', ,, Vorwärts" nach dem 1. und 15. bei Stichm, Hcrzstr. 19,— Woltersdors b. Erkner,„SanitaS" nach dem t. und 15. im Restaurant„See- dos".— Zossen,„Vorwärts" nach dein 15. bei Rüster, Barutherstr. 51.— Caputh bei Potsdam,„Freiheit" bei Licsche. Ardeiter-Radfahrerbund„Freiheit". Geschäftsstelle bei F. Liehr, Weinstr. 3, 1.„Arbeiler-Radsahrervercin Berlin", jeden 1. und 3. Donners. tag bei Mann, Strausbergerstr. 3.—„Voran II" Berlin, jeden 1. und 3. Donnerstag In Körners GesellschastshauS, Lanaesw. 108.—„Courier" Berlin, in den Berolina-Sälen(Schütz), Schönhauser Allee 28.—„Ziel" (AdlerShos), jeden 2. und 4. Donnerstag(früher Lau), Bismarckstr. 10.— „Gloria", bei Kcsselring, Schwedterstr. 22b.—„Stern", Köpenickerstr. 158. —„Hansa" bei Lange, Gubenerstr. 12.—„Frei Weg", Schöneberg, bei Konr, Gieditschstr. 19. Berliner Ruderverein„Vorwärts". Sitzung abend» 9 Uhr im BootShause, Stralau, Tunnelstr. 17. Arbeiter< limierbund. Turnverein„Fichte", Geschäftsstelle Berlin 0 17, Koppenslr. 24 II. Abends 8—10 Uhr: 8. Männer-Abteilung Höchstcstr. 36/37.— 7. Lehrlings-Abtcilung Wassertorstr. 31.— 6— 8 Uhr: 1. Schüler-Abt. Drachenburg, vor dem i chiefisch cir Tor 1.— 5. Schüler- Ableitung Schönhauser Allee 10l/l02.— Turnverein„Treptow", Männer» und Lehrllngs-Abteilring 8—10 Uhr, Märkischer Hos, Admiralstr. ISo. Gesellige sc. Vereine. Zitherllub„Menzcnhauer"(gemischter Chor), AndreaSftr. 3. gitbcrtlud„Edelweiß", Borrmann, Zonrdorserstraße 6.— Lotterievercin„Hossnung", Ostrowski, Schillingstr. 24.— Lotterie- Verein„Glücksbrüdcr", bei Borowit, Linienstraße 214.— Lollcric. verein„Prämie", jeden Domrersiag nach dem 1. und 15. bei Lange, Thacrstr. 13.— Musitverein„Harmonie", bei Wollschläger, Adaiberlstr. LI.— Vereinigung ehem. Blauen(Patienten deS Sanatoriums Beelitz) jeden ersten Donnerstag bei Psclstcr, Seydelstr. 9.—„Diskutier- tlub des Verbandes der Bäcker" jeden Donnerstag, nachm. 2 Uhr, bei Patt, Dragonerstr. 15.— Arbeiter- Schietztlub„Fortschritt", jeden 1. u. 3. Donnerstag im Monat bei Kienitz, Große Franksurlerstr. 133.— Arbeiter-Gejangverci» „Freiheit Ost", Bleier, Straßnmnnjtr. 41.— Skat- und Lottericverein „Brauner Lappen", Donnerstag und Sonnabend bei Kneift, Simoir Dach straße 39.— Wucherpsennigscher Müimerchor, bei Feist, MartuSstr. lS.— Orcheslerverein„Allcgro", Restaurant Pusch, Dresdcnerstr. 116.— NergnügungSverein„Fidelitas 1905" bei Wols, Teltowerstr. 11. Berel» Berliner Hausdiener. Vcriammlung jeden Donnerstag nach dem 15. im Monat in der Berliner Ressource, Kommandantcnjtr. 57. Arbeiter-Sauiariter-Kolonne. Heute abend: UcbungSstunde der 4. Abteilung In Lichtenberg, Scharnweberstr. 69. Morgen Freitag, im Restaurant des Genossenschastshauscs, Stargarderstr. 3: Vortrag über Knochenbrüche, Verrenkungen und Verstauchungen. Neue Mitglieder können noch in beiden Abteilungen eintreten. Nach den Vorträgen sind«, praktische Hebungen statt.__ gviiu iiiimomiertlrtit Horn 29. November lt)»5, morgcuv 8 Uhr. ms sitz- 0 II 6? Stallone» Oillci Wetter Ein wenig licht» SWilltClij .«ose fiir To» älter, zeftweis« ftili» rrhMiche» 0 Haparandn!744 N 0 PeierSburg 746 SN 1 Lei. Ig M 2 Aberdee» 3 Paris 4 .lerstag. de»!tv. SioucvGcr IVOS. heiter, vielsach nebelig bei schwachen SsU Siiederschiäge, Lbedeckt 4 Regen 759 NNW! d wolkig 763 WNW UtzeNer 753 SSW 1 3 bedeckt j I! MiR K � 1* ',13. —8 a 9 -1 i i?iir den Julinlr dcr Jnirrnte nbcniiutmt die Nedaktio» bei» Publikiu» gegenüber keinerlei Berniitwortiing. UKeater. Donnerstag, den 30. Novbr. Zlnfang 7'/, Uhr: Opernhaus. Slida. Schauspielhaus. Wilhelm Tell. Neues. Ein sommeriiachtstraum. ZLesleu. Der Barbier von Sevilla Nachm. 3 Uhr: Der Sohn der Wildnis. Deutsches. Der Kaufmann»on Venedig. Berliner. Anne-Marie. Vorher Der Geigenmacher von Cremona Kleines. Ein Feiertag. Ansang 8 Uhr: Lessing. Zwischenspiel. Schiller<». lWallner-Theater.) Der Beilchensresser. Schiller SI.(Friedrich Wilhelm städtisches Thealer). Ein Winten Märchen. Komische Oper. HofsmannS Er Zählungen. Zentral. Muselte. Residenz. Der Prinzgemahl. Trianon. Der letzte Troubadour. �»itspielhaus. Nemesis. Thalia. Bis srüh um Fünfe! Varl Weih. In Berlin ist waS los Luisen. Der Störcnsried. Die Dienstboten. Deutsch- Zlmeritanisches. Aber Herr Herzog! ivteiropo!. Aus ins Mctropol. Kasino. Das Opferlamm. Apollo, Prinzeg Rosine. Walhalla. In Lebensgefahr. .Herrnfeld. Familientag im Hause Prellstein. Wintergarten. Otero.— Speziali- täten. Folies Vapriees. Nach dem Zapsem streich. Vorher: Familie Knopst loch. Spezialitäten. Neichsftallen. stettiner Sänger. Passage. Spezialitäten. Ilronin. Taiibenslrnsie 48/4&. Slbciiti« 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Sternwarte, Jnvalidenstr. 157/62 Täglich geöfinci von 7 bis 1 llhr Beiliner Theater. Annemarie. Vorher: Der Geigenmacher von Cremona. Anfang 7'/, Uhr. Freitag und Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend und Sonntag nachm. .'! Uhr Hamlet. Sonntag abend: Maria Stuart. Neues Theater. Ansang TU Uhr. Sit« Scnunernachtstraum. Morgen und folgende Tage: Ei« S ommernachtstraum. Kleines Theater. Zum erstenmal: Ein Feiertag. Tragilomödie in 3 Akten von Richard Fellinger. Zlnfang 7'/z Uhr. Freitag: fcJIictto'._ Zentral-Theater Mit großem Erfolge. Ansang 8 Uhr. fttasstta. Sftr" Je 10 Abonnements-Billetts, 3357» Hroz. ermäßigt, werden aus- gegeben._ Luisen-Theater. Ab-nds 8 Uhr: Der Störenfried. Hieraus: Die Dienstboten. Freitag: Ein Blitzmädel. Sonnabend: Die Kinder der Ex- zellenz. Sonntag nachm.: Wilhelm Tell. Abends: Ein Blitzmädel. Montag: DaS Erbe._ Komische Oper. Fpledpichstr. 104— 104 b. Donnerstag, den 30. November, abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Morgen und folgende Tage: liott- marnis Ereählungen._ llrania T""° str. 48/49. Hörsaal 8 Uhr: Im Lande der Mittemachtssoniie. Sternwarte%%% ) C AST ANS ANOPTICUM. Friedrichstr. 165. }lEpnie<<. Schattenspiel in 9 Bildern. Wanderung durch das Niltal. Restaurant: Original Nürnberger Sänger. Schiller-Theater. Kasino-Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Allabendlich ausverkauft. »�»»» Großer Lacherfolg! Das Opferlamm. Vorher das brillante Novemberprogr. Sonntag nachm. 4 Uhr: Arbeit schändet nicht. Trianon-Theater. Heute und folgende Tage: Her lelile Iroubaäour. Sonntag nachmittag: VS8 Ende der Liebe. Abends 8 Uhr: Die November-Spezialitäten. 9 Uhr 10 Minute«: Prinzeß Rosine von Paul Lincke. Sonntag, den 3. Dezember, nachm. 8 Uhr(bedeutend ermäßigte Preise): Friihlingslnft Metropol-Theater ü Anfang 8 Uhr. •» Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen in all. Räumen gestattet. Residenz-Theater. Oirehtion: Richard Hlexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwant in 3 Akten von L. Zanrof und I. Chancel. Sonntag nachm. 3 Uhr: vor Schlaf- wagenkontrolleur._ Walhalla-Theater Unter dem Protektorate des Herrn Professor Rcinh. Begas. Bekanntmachttttg. Sie.Herausforderung d. Ringkämpfers Siegfried ist von allen an den Entscheidungs- Ringkämpfeii Beteiligten angenommen worden. Diese sensationellen Kämpfe beginnen 9 llhr 45 Minuten. DM- Heute ringen: Siegtried(Deutschland) gegen Cl. de Terrassier(Belgien). Strenge(Berlin) geg. Weber(Deutschland),. Jewstlfejew(Rußland) gegen Petroff (Bulgarien). Beginn der Borstellung 8 Uhr. Beginn der Ringkämpfe 9'/, Uhr. Rauchen in allen Räumen gestattet. Carl Weiß-Theater. Gr. Frantsurterstr. 132. Abends 8 Uhr zum letztenmal: In Kerlin ist was los. Freitag zum erstenmal: 8ädcheii- händler. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Oern- röschen. Abends 8 Uhr: Die Räuber. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenftr. 16. Zum letztenmal: Kommeß oder; Ein alter Crelgrer. Schauspiel mit Gesang in 5 Allen von E. Gollert. Ans. 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. Ball. Freitag: Der tdann im Monde. H Gebrüder errnfeld- Theater. Heute präzise 8 Uhr: Komödie in 3 Akten mit den Autoren Anton und Donst Herrnfeld in den Hauptrollen. Porverk. 11—2 Uhr.(Theaterkasse). Schöneberger Wintergarten Eoltzstraße 9. Täglich Theater-»ud Speziali- tätenvoritellnng. Sonntags 2 Vorstellungen. Nachmittags 4 Uhr zu halben Preisen. Jede erwachsene Person bat ein Kind srei.— Abends 7 Uhr Groge(sala- Vorstellung. Die Direktion. Schilier-Ihealer 0.(Wallner-Theater). Donner ztag,abendS8Uhl: Der Vellebenfresser. Lustspiel in 4 Akten von G. v. Moser. Freitag, abends 8Uhr: Zapfenstreich. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zapfenstreich. mmmmßm Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Donnerstag, abenbs8 Uhr: Bin-Wlnterniüroheii. -Schauspiel in ö Aufzügen von William Shakespeare. Freitag, abends 8 Uhr: Die I-osenhrtider. Sonnabend, abends 8Uhr: Her Vellehenfresser. Freie Volksbühne. I Anfang iE1/, Uhr: Mefropol-Theater. 9 /19. Abteilnng Die Wölfin und u iMlolzen. Carl Weiß-Theafer. 1. Abteilnng Amphitryon und Die Frage an das Schicksal. 11. Kunst-äbend im Rathaus Freitag, den 15. Dezember, abends S'/a Uhr: Georg lierwegh. Billetts a 30 Pf. in den bekannten nenn Zahlstellen. 230/6 Der Vorstand. I.A.; G. Winkler. 3 Männer-Gesang-Verein„Senefeldsr" (M. d. A.-S.-B.).— Chormeister: Alex KieBlich. Sonntag, den 3. Dezember, in L. Kellers Festsälen, Koppenstraße 29: � KONZERT. � Mitwirkende: Konzert- und Oratorien-Sängerin Fräulein Anni Brehmer. IClavier- Virtuose Herr Günther Preudenberg. Programm mit Text 30 Pf. Kasseneröffnung 5 Uhr.— Anfang pünktlich 6'/, Uhr. Kach dem Konzert: TAVZ. Teilnahme für Herren 50 Pf. Während des Konzerts bleiben die Saaltüren geschlossen. == Kinder unter sechs Jahren haben keinen Zutritt.== Zirkus Albert Schumann Heute Donnerstag, den 30. November, abends präz. 7'/, Uhr: Elite-Abond. Gala-Programm. 11. a.: Zum 8. Male I Eine wirkliche Sensation! jbitoboliile La belle Mlle. Mauricia de Thier*. Ferner: Neu I Los Queirolos 4 Indische?,;f S SÄ unglaublichen Zauberkünsten. schwarze Jg�s«Mg. Ferner: Sämtliche Spezialitäten und Direktor Albert Schumann* neue und moderne Dressuren. Z.Schluß: Einzig dastehender Erfolgt Die reitende Sportpantomime: �F°�ngli5eheiiveiijs. Deich-Anierikaiiiseties Theater. Küpenickerstr. 97. Zum Jeden Abend 8 Uhr! A Gastsp. ADOLF PHILIPP 88. ABERT Male. Herr Herzog ♦ Jeden Mittwoch und Sonnabend, nachmittags 4 Uhr: Kinder- Vorstellnng. Ein Kind frei. „Häusel und Gretl in Ämerika". DHf Kleine Preise.-Wg Sonntag nachm. 4Uhr: halbePreise. „üeber'n großen Teieh". Lustspielhaus. Abends 8 Uhr zum erstenmal: Nemesis. r Passage-Theater. ! Anfang abends 8 Uhr. "i n in ihrem Repertoir. Paul Jülich Rezitationen. 14 erstklassige Nummern. Stadt-Theater Moabit Silt-Moabit 47/49. Gastspiel des Bernd. Rose-Theafers Die Grille. Ländliches Eharaktergemälde in 5 Akten von Eharlotte Birch-Pseister. Aus. 8 Uhr. Kassenerösfiiuiig 7 Uhr. Entree 30 Pf., numerierter Pl. 50 Pj. (im Abonnement 40 Pf.) Voranzeige! Donnerstag, den 7. Dezember: Gr. Klassiker- Abend: Dlhelli!, Der Molir voo wetz. Zii XI. Berliner Saison.' irkus Busch. 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Nachdruck verboten. . 104 7 216 38 300[5001 405 9 1500] 607 37 783 T090 193 448 519 601 2[500] 2096 134 84 251 301 69 (10001 87 521 709 75 822 3013 120 261 529 623 34 700[1000] 4443 97 579 601 884 984 5035 301 10 441 507 862 89 771 801 20 6101[10001 30 402 530 734 837 7037[10001 67 IIOOOJ 73 859 974 95 8213 17 360 87 1500] 654 96 984 91 9098 458 570 8t 698 730 31 936 10013 257 424 70 96 509 926 11074[5001 176 500 697 945 74 1 2126 27 73 487[1000] 549 95 616 48 15001 13039 168 362 110001 82 553 602 50 57[10001 ?3 725 49 890[1000] 14029 40 190 289 523 731 916 37 54 1 5705 13000] 96 848 1 6062 90 209 303 533 66 110001 608 873[10001 17094 123 305 479 81 671 744 807 31 61 67 1 8146 371 461 66 520 42 614 971 19399 571 88 623 84 gO018 56 176 206 130001 415 33 649 746 943 74 i 29 III 252 69[5001 309 43 506 621[1000] 720 835 80 926 2 2005 50 312 39 580 1500] 600 65 709 55 825 23115 307 74 88 440 53 88 93 532 51 689 948 24093 113 227 78[1000! 88 401[30001 543 681 948 130001 25316 533 72 759 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S3 89 945 53 89 52010 74 495 98[5001 565 600 728 24 SSO 053 5 3206 79 358 460 603 15001 950[500] 54611 370 402 25 77 769 73 834 5 5126 28 74 417 49 570 675 1500) 771 76 875 010 56074 112 92[5001 256 577 745 854 939 5 7054 230 6!) 315 35[500] 43 53 70 504 710 818 926 5 R028 230 73 331 11000] 93 453 612 818 98 907 20 5 9014 30[30001 38 363 547 820* 985[3000] 60175 393 401 647[1000] 8,3 909 61178 250 63 458 516 96 628 36 61 836[50001 6234g 1.500] 96 564 782 970 81 f 10001 63124 625 28 78/ 939 6 4099 511 611 701 68 854 6 5369 471 718 67 827 991 66018[5001 78 122 73 228 32 76 347 61 645 76[10001 701 852 64 [5001 80 924 6 7013 134 364 431 53 598[5001 702 23 977 6 8028 77 283 1500] 495 665 74 92< 28 829 99 909 69034 158 63 281 579[5001 659 854 70029 284 315 50 55 606 709 20 818 71030 69 490 94 507 796 883[10001 918 90 72120 300 535_[5001 689 809 70 927 7 3072 287[5001 416 23 7 4446 770 994 95 7 5203 376 483 527 643 856 989 7 6024 481 97 7 7238 314 503 608[500] 846 78104 06 544 607 27 /08 40 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NQvempcr, nacbroitlagß, Ucj 231 8 statt 231 Q* 19. Ziehung 5. Kl. 213. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 28. November 1905, nachmittags. Nut die Gewinne Uber 240 Mark sind den belrelfenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten. 113 23 311 94 657 1500] 64 832 980 1017 13000] 212 327 442 71< 851 2037 46 154 209 344 479 555 877 ö'Q AMM 460 519 80 763 82 839 4068 146 336 13000] �15 553<41 913 19 5061 146 232 43 424 642 60 888 911 ®104 239 438 677 828 11000] 980 7400 593 706 833 55 8000 80 103 214 381 1600] 98 110001 664| 10001 811 84 929 61 9085 97 127 55 1500] 88 1500] 226 901 13000] 55 r, 10113 82 92 294 515 11000] 26 645 11279 380 641 flOOOl 7<1 829 15001 12092 15001 185 206 63 13046 67 84 562(KB 879 15001 84 932 66 1 4179 268 385 473 639 44 110001 15449 781 814 41 943 67 1 6035 397 773 938 74 17158 268 301 11000] 568 15001 601 19 33 13000] -A 83o 985 18234 37 föOO] 407 532 84 1 9017 250 433 070 610 946<0 85 _ 20063 249 449 737 907 2 1024 364 500 15 78 87 732 94o 22316 403 22 130001 33 756 811 40 57 23070 201 26 311 636 845 24106 208 8 41 110001 317 80 462 81 83 2 5048 132 82 219 420 11000] 32 628 39 780 838 26110 75 281 392 406 39 41 88 570 657 870 949 65 27290 408 512 20 15001 86 635 63 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Prinzen,'tr. ül, Hos rechts part.— Vierter Wahlkreis O.; Robert Wcngels, Frankfurt« Allee 79.— l8«.: Paul Böhm, Lausitzerplatz t4/1S 25._ 982JI» Tischdecken, Diwan geschmackvollen modernen Teppiche. decken, in g Mustern, preiswert, nur direkt in der Steppdeckensabrik, Berlin, Wall- slraße 72.___ 97311* Brouzegastronen> GaSzug- lampen I 9,00! Gassparhetzösen l 6,001 Gaslyrcn! l1/,! Zweilochgaskocher l 3,00 1 Gasbügclapparal I GaSplätt- eisen! Gasbraiösen l 6.001 Petroleum- ösen spottbillig I Wohlauer, Wallner- tbeaterstraße 32(GaskocherhauS!)M Möbetsuchende, Brautleute, empsehle meine Möbelttschlcrel sür Wohnungs- Einrichtungen sowie einzelne Möbel. Bunte Küche. Eng- tische Schlafzimmer. Große Auswahl. Kein Laden. Nur Keller und Hinter- räume. Teilzahlung. Harnack, Tischler- meister, Dresdenerstraße 424.[902K» Dainenjncketts, Paletots, �Doll- manS(Reljeinuster), teils aus Seide, durchweg 8 Mark, Posten eleganter Steppdecken. Seidcntlot, statt 8 Mark durchiveg 3,75. 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Berlinerstrahe: Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Beratung des Organisationsstatuts für Niederbarnim. 2. Die Gcwerbegerichtswahl. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Borstand. Vorort- I�aclmcbtm Charlottenburg. Die Generalversammlung des hiesigen Wahlvereins tagte am Dienstag, den 28. November im großen Saale des„Volkshauses" bei einer starken Beteiligung. Bevor in die Tagesordnung ein- getreten wurde, ehrten die Versammelten das Llndenken der vor kurzem verstorbenen Mitglieder Köhn und Lepiors durch Erheben von den Plätzen. Den Bericht des Vorstandes erstattete der Vor- sitzende Genosse Paul Schmidt. Im Berichtsjahr haben stattgefunden zehn Mitgliederversammlungen und zwei öffentliche Versammlungen; außerdem wurden viermal Flugblätter verbreitet. Die Beteiligung an den Arbeitslosenzählungen sei im geringen Maße erfolgt, nament- lich die letzte am Sonntag, den 26. d. M. stattgehabte sei ungemein schlecht ausgefallen, so daß die Absicht besteht, diese als die letzte der Zählungen gelten zu lassen. Ferner habe die Beteiligung der Ge- nossen an dem Kursus des Genossen Konrad Schmidt über das Parteiprogramm auch viel zu wünschen übrig gelassen. Der Kassierer Genosse Müller gab dann den Kassenbericht vom letzten Quartal. Die Gesamteinnahme belief sich mit dein erzielten Ueberschuß von der Maifeier in Höhe von 423,65 M. auf 2860,20 M. Hiervon sind 1906,80 M. an die Kasse des Zentralwahlvereins ab- geführt. Nach Begleichung der Ausgaben verbleiben am Ort als Kassenbestand 62,25 M. Hierauf verlas Gen. Müller die sich zur Ausnahme in den Verein gemeldeten 97 Genossen, gegen deren Auf- nähme hatte niemand etwas einzuwenden. Beim zweiten Punkt erläuterte derBorsitzende die wichtigsten Punkte der am 10. Dezember in Charlottenburg tagenden Generalversammlung deS Zentralwahlvereins des Kreises und äußerte sich speziell über den Antrag Charlottenburg, die proportionelle Verttetung der einzelnen Vereine auf diesen Generalversammlungen betreffend. Eine Diskussion fand nicht statt. Als Delegierte wurden die Genossen Paul Schmidt, Müller und Kley gewählt.— Daran anschließend gab Genosse Paul Sckmidt einen kurz gedrängten Bericht über die letzte Generalversammlung des Kreises. Nachdem er die wichtigsten Be- schlüsie gestreist, teilt er mit, daß er nebst den anderen beiden Char- lottenburger Delegierten in bezug auf den„Vorwärts"-Streit für die Resolutton Südekum-Zllbeil gestimmt habe.— Diesem Berichte folgte eine sehr rege und ausgiebige Debatte, die sich nur mit der Angelegenheit des„Vorwärts" beschäftigte. Während die Genoffen Pagel, Böttcher und Gerlach die Maß- nahmen des Parteivorstandes und der Preßkommission in Sachen der sechs ausgeschiedenen Redakteure billigten, verurteilten die Genossen Dr. Zepler, Kley, Zietsch, Zubeil und Baake. mitunter von lebhaftesten Beifallsbezeugunaen unterbrochen, das beliebte Vorgehen der beiden Korporationen auf das entschiedenste. Drei Resolutionen waren zu dieser Sache eingelaufen. Die erste von den Genossen Dr. Borchardt und Eike unterzeichnete und von der kombinierten Vorstandssitzung des Wahlvereins empfohlene Resolutton lautet: „Die Generalversammlung des Wahlvereins Charlottenburg erklärt zu der Angelegenheit des„Vorwärts" ihr Einverständnis zu der Haltung der Generalversainmlung des Kreises und spricht ganz besonders dem Vertteter des Kreisendem Abgeordneten Zubeil. ihre Zustimmung zu seinem Austreten und ihr volles Vertrauen aus." Die zweite vom Genossen Pagel eingebrachte Resolution lautet: ,Die Generalversammlung des sozialdemokratischen WahlvereinS Charlottenburg erklärt sich mit dem Vorgehen und den Maßnahmen der Aufsichtsinstanzen in der„Vorwärts"-Angelegenheit durchaus einverstanden und drückt der neuen„Vorwärts"-Redaktion ihre An- erkennung aus." Die dritte vom Genossen Gerlach unterzeichnete Resolutton hat folgenden Wortlaut:„Die am 28. November im Volkshause tagende Generalversammlung des Wahlvereins Charlottenburg erklärt sich mit den Maßnahmen deS Parteivorstandes und der Berliner Preß- lommission in der Angelegenheit des ,.Vorwärts"-Konflikts voll ein- verstanden. Die Versammlung protestiert ganz energisch gegen daS parte,- schädigende Verhalten der sechs ausgeschiedenen Redakteure und eines Teiles der Parteipreffe. Die Versammlung bedauert auf das lebhafteste daS Verhalten ,hrer Delegierten auf der letzten Generalversammlung des KreiseS und erwartet, daß sie in Zukunft erst Resolutionen zustimmen, wenn sie über die Materie genau inforiniert sind." lieber die erste Resolution wird geteilt avgesttmmt und stimmen für de» ersten Absatz alle gegen 22 Stimmen, dagegen für den zweiten Absatz alle gegen 6 Stimmen. Somit sind die anderen beiden Re- solutionen abgelehnt.«.. Unter Verschiedenem macht der Vorfitzende noch auf d,e am 14. Dezember im VoliShause stattfindende Frauenversammlung be- sonders aufmerksam. Eine folgenschwere Explosion Stunde in der einer Baubude------„---- T. lampe explodiert und dabei zivei Maurer durch Sl,chflamnien rm Gesicht erheblich verletzt worden. In der nahen Unfallstation wurde den Verunglückten die erste Hülfe zuteil. Durch den entstandenen Brand wurde auch ein beträchtlicher Materialschaden verursacht. Freie B-ltsbiihne Charlottenburg. Auf die heute Donnerstag. den 30. d. M.. abends 8'/z Uhr, im Volkshause. Rosinenstr. 3, statt- findende Novenidervorstellung deS Vereins wird noch einmal auf- incrksam gemacht. Lichtenberg. Die Ortskrankeukasse hat in ihrer Generalversammlung die bis- heriaen Vorstandsmitglieder wiederum auf zwei Jahre in ihren Aemtern bestätigt. An Stelle der eine Wiederwahl ablehnenden Herren Levyn und Train wurden die Herren Seikel und H. Krumm gewählt. Eine größere Anzabl Arbeitgeber, die die Beittäge nicht abliefern und bei denen Zwangsbeitreibung stuchtlos ausfällt, wurde bekannt gegeben. Bitter beklagt Ivurde, daß eine Anzahl Arbeit- geber erst immer dann Zahlung leisten, wenn der Vollziehungs- beamte zum Siegeln schreitet. Die Versammlung billigte ein ge- plantes schärferes Vorgehen gegen die säumigen Zahler. AuS der Lichtenbcrger Gemeindevertrewng haben wir dieser Tage berichtet, daß das Eckert-Werk für einen der Bebauung entzogenen Streifen Straßenlandes, der bisher mit 6 M. pro Quadratmeter zur Grundwertftcuer veranlagt war, 20,09 von der Gemeinde gefordert habe; der Druckfehlerteufel hat uns da aus 20,09 eine 90,90 ge- macht. Uns erscheint die Differenz zwischen 6 M. und 20,09 M. immerhin noch außerordentlich bezeichnend für die derartige Ver- anlagung. Schöneberg. Theodor Storni, einer der bedeutendsten Lyriker nach Goethe, hat die städtische Kommisston der Kunstabende in Schöne- berg den nächsten Volkskunstabend am Sonntag, den 3. Dezember bestimmt. Neben vorzugsweise Lyrik gelangen auch Bruchstücke aus seinen Prosawerken und zahlreiche Kompositionen seiner Gedichte von B r a h m s, Strauß u. a. zum Vortrag. Erste "lyy- n rf\ nv«itiS k,<> k> f«.4P>%«■%- sV? � � T* ff V •Vm." im vtv svitu oviiiiHici». oiuiicii u u\j uu| allen Plätzen sind in allen Buchhandlungen Schöueberas sowie im Verein zur Förderung der Kunst, Genthmerstt. 17, und DürerhauS, Kronenstr. 18 zu haben. Rummelsburg. Aus der Gemeindevertretung. In der letzten Sitzung wurde der zum Schöffen gewählte Gemeindevertreter Peters in sein Amt eingeführt. Die Mehrheit der bürgerlichen Vertreter übertrug dem neuen Schöffen sogleich auch noch sämtliche Ehrenämter, die sein Vorgänger innegehabt hat. Die Mehrheit dachte jedenfalls: wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand. Als Bezirksvorstehcr für de» Bezirk Hauptstraße wird der Sattlermeister Riemann gewählt. Die Erwerbung des Schmidt-Prienischen Terrains auf dem sogenannten Schweinemarkt macht die Aufnahme einer Anleihe von 600 000 M. notwendig; da die Landesversicherungsanstalt Brandenburg zurzeit nur 300 000 M. abgeben kann, so wird beschloffen, diesen Betrag als Teilanleihe zu 8°/g Proz. mit 1 Proz. Amortisation aufzunehmen.— Die Verpachtung des Ratskellers erzeugte eine längere Debatte. in der der Assessor Köhler, nach dem allenieuesten Titel Bei- geordneter, recht lebhaft für die Wiederverpachtung deS Ratskellers. der aber nur 700 Mark Pacht bringt, eintrat. Nach seiner Meinung würden sonst die schönen Diskussionsabende der Gemeindevertreter aufhören. Auch ein Grund! Aber die Gemeinde braucht die Räume zu Gemeindezwecken. Der Gründung von neuen Lehrstellen an der Volks-, Mittel- und höheren Mädchenschule wird zugestimmt.— Der seinerzeit von der Gemeinde aufgestellte Bebauungsplan für das Ge- lände südlich der Fischerstraße ist vom Berliner Magisttat einer Um- arbeitung unterzogen worden. Die Stadt Berlin beabsichtigt auf diesem Terrain ein Krankenhaus für Geschlechtskranke zu errichten. Die bürgerliche Mehrheit der Gemeindevertretung sah hierin aber eine Schädigung des Ortes und wollte durch diesen Bebauungs- plan verhindern, daß auf diesem Terrain das betreffende Krankenhaus errichtet iverden könnte. Nachdem der Bürgermeister durch Berhandluugen mit Berlin die Ueberzeugung oewomten hat, daß etwaige sittliche Gefahren für den Ort nicht entstehen werden, so haben nun auch die Gegner nichts mehr gegen die Errichtung des betr. Krankenhauses einzuwenden. Die Vertretung erklärt sich bereit, dem von Berlin entworfenen Bebauungsplan zuzustimmen, wenn Berlin an die Gemeinde Rummelsburg mehrere bestimmte Terrains abtritt resp. zu angemessenen Preisen verkauft und die Straßen eine Ver- breiterung erfahren. Als Entschädigung für die bei der diesjährigen Volkszählung Mitwirkenden wird der Betrag von 1500 M., gleich 5 M. pro Tag und Person bewilligt. Unter Verschiedenes wird be- kanntgegeben, daß auf Antrag unserer Genossen sämtliche Gemeinde- arbeitet Regenpellerinen und Rückenschützer erhalten haben.— In nicht öffentlicher Sitzung erfolgte die Verpachtung des Gemeindegrundstückes Hauptstraße Nr. 4 für den Miets- preis von 16 000 Mark pro Jahr, bisher 12 000 Mark, an den gegenwärtigen Pächter Herrn Koch auf weitere drei Zahre.— Dem Schulleiter der höheren Mädchenschule wird der Betrag von 500 M., welche Summe derselbe bisher als Entschädigung für ge- leistete Ueberstunden erhalten hat— jetzt, nach Fortfall dieser lieber- stunden, als ständige Funktionszulage weiter bewilligt.— Baumeister Hatzky, welcher nun nach zweijähriger Ruhezeit sDauer des Dis- ziplinarverfahrens) seine Tätigkeit in der Gemeinde wieder auf- nimmt, ist vom Gemeindevorstand seines Amtes als Gemeinde- baumeister enthoben und der Polizeibehörde als Amtsbaumeister zu- geteilt worden.— Von der Aufsichtsbehörde ist die Genehmigung erteilt, daß der Gemeindevorsteher in Zukunft den Titel Bürger- meister und der besoldete Schöffe den Titel Beigeordneter führen darf. Wilmersdorf. In 20 Minuten erledigte die letzte Gemcindevcrtreter- Sitzung acht Punkte der Tagesordnung. Beschlossen wurde, zu Ostern 1906 an der höheren Mädchenschule eine Oberlehrerstclle zu schaffen, weitere Lehrkräfte sollen auch an der Gcmeindeichnle zur Anstellung gelangen. Die Zunahme der Besucher der Fortbildungsschule be- dingt die Errichtung einer neuen Zeichenklaffe. Verschiedene Straßen- züge sollen eine bessere Beleuchtung erfahren, die hierzu nötigen Mittel wurden bewilligt; ein Teil des neuen Viertels am Prager Platz lvird elektrisch beleuchtet.— Weiter bewilligt die Vertretung 200 M. für einen öffentlichen Arbeitsnachweis, den der Gemeinnützige Verein zu errichten beabfichttgt und stellt außerdem die benötigten Räum- lichkeiten in der Wilhelmsaue zur Verfügung.— Beabsichtigt ist, dem Beispiele CharlottenburgS folgend, an den Laternen die Straßeil- schildcr mit Hausnummern anzubringen. Oranienbllrg. Bei der Stadtverordnetenwahl der III. Abteilung hatten unsere Kandidaten in der Ergänzungswahl einen Stimmenzuwachs von über 100 Proz. im Vergleich zu der Wahl von vor zwei Jahren. In der Ersatzwahl sind wir in Stichwahl. Die ungünstige Zeit des Wahlaktes von 10—2 Uhr hat dazu beigetragen, daß wir einen weiteren Sieg nicht zu verzeichnen haben, da ein großer Teil der Oranienburger Arbeiter in Berlin beschäftigt ist und den Verdienst des ganzen Tages opfern mußte, um sein Wahlrecht auszuüben. Was un» diesmal nicht gelungen ist. hoffen wir nächstes mal zu erreichen. Serlmer f�admcbteu. Der polizeilichen Auflösung verfiel auch die gestricze Pückler- Versammlung bei Buggenhagen am Moritzplatz. Mit Rücksicht wohl auf frühere Fälle, bei denen es nur schwer gelang, die aufgeregten Versammlungsbesucher zum Verlassen des Saales zu bewegen, erschien gestern wie aus der Erde gewachsen sofort nachdem die Auflösung von dem überwachenden Polizeileutcnant ausgesprochen war, eine große Zahl von Schutzleuten ini Hintergrund des Saales um die Versammlungsteilnehmer, die dem Grafen Pückler Ovationen bereiteten,„mit sanfter Gewalt" nach den Ausgängen zu drängen. Graf Pückler war über die Auflösung sehr entrüstet und meinte, er wäre diesmal doch so zahm als irgend mög- lich gewesen. Der Graf hatte nämlich, als er die Nach- ahmung der russischen Judenverfolgungen auch in Berlin empfahl, mit bedeutungsvollem Augenzwinkern hinzugefügt, er wolle nicht etwa dazu aufreizen, die Juden in Berlin zu erschießen, weil man sonst die Versammlung auflösen würde. Aber eine frische, fröhliche Hirschjagd müßte hier veranstaltet werden; die Berliner sollten ins Jagdhorn blasen, daß alle Juden, die bösen Nichter und Staats- anwälte in Moabit und vor allem auch die Schutzleute und Polizei- leutnants platt auf den Rücken fielen. Hierbei lächelte Graf Pückler liebenswürdig zum Tisch des überwachenden Polizeileutnants hinüber. Dieser wollte aber auch die„Bildersprache" des Grafen nicht gelten lassen und löste die Versammlung nach°/«stündiger Dauer auf. Geisteskranke Verbrecher. Die Einbrecher mit dem Automobil, die in der vergangenen Woche ein Kleidergeschäft in der Chaussee- straße heimsuchten, sind jetzt alle drei festgenommen. Zwei von ihnen, die Arbeiter Eduard Ehmke und Paul Bender, sind geistes- krank, der dritte, ein Arbeiter Fritz Dennert noch nicht. Ehmke und Bender sind schon oft bestraft und werden wieder nach Herzberge gebracht. Ehmke entsprang von dort, Bender hatte es bequemer. Er wurde von der Anstalt in Pflege gegeben und hatte so die Frei- heit wieder. In der Pflege, der er überwiesen war und für die die Anstalt bezahlte, blieb er natürlich nicht lange. Sobald er mit dem entsprungenen Ehmke, den er kannte, zusammenttaf, vereinigte er sich wieder mit ihm zu gemeinsamen Einbrüchen. Dennert kam dann»och hinzu. Ehmke gewährte seinen Spießgesellen und ihren Dirnen in seiner Wohnung in der Koloniestr. 150 einen Unterschlupf. Seine Frau, die Mieterin ist und die Wohnung mit einem zwölfjährigen Kinde teilte, wehrte sich zwar dagegen, wurde aber durch seine Drohungen und Mißhandlungen gezwungen, alles zu dulden, was er verlangte. Als die Kriminalpolizei die Einbrecher in der Wohnung überraschte, hatten sie dort zwei Frauenzimmer bei sich. Die Feststellungen er- gaben, daß Ehmke und Bender mit dem Automobil nur die Hälfte der gestohlenen Anzüge weggeschafft hatten, für 2000 M. hat der nachträglich ermittelte und verhaftete Dennert mit einer Droschke weggebracht. Wo diese Sachen geblieben sind, will der Verbrecher nicht sagen. Zur Ermittelung des Schlupfwinkels, in dem er sie versteckt haben muß, wäre es wichtig, daß sich der Droschkenkutscher, der nachts den Mann mit dem Paket gefahren hat, bei der Kriminal- Polizei meldete. Aus anderen Einbrüchen wurden bei den Ver- hafteten noch einige Säcke mit Wurst, Schinken und anderen Lebens- mittel» und Wäsche mit dem Zeichen 0. 3. gefunden. Wem diese Dinge gehören, ist noch nicht bekannt. Einen Auflauf von 500 bis 600 Personen verursachte gestern morgen um 83/4 Uhr der Zusammenstoß zwischen einem Kohlen- und einem Viehwagen vor dem Hause Schönhauser Allee 8. Der Vieh- wagen, der der Firma Karl Richter in der Frankfurter Allee gehört und mit sechs Ochsen und zwei Bullen beladen war, wurde von dem Kohlenwagen so heftig angerannt, daß er nach dem Bürgersteige zu umkippte und im Fallen einen Baum umbrach. Die Tiere fielen brüllend aufeinander. Der Vorsteher des 50. Polizeireviers ließ durch einen Schutzmann von zwei benachbarten Fleifchermeistern sechs Gesellen holen, die mit Hülfe von einigen Straßenreinigern Ochsen und Bullen losbanden und nach der Lottumstraße führten, bis der nicht beschädigte Wagen wieder aufgerichtet war, dann wurden die Tiere von neuem verladen und nach ihrem Bestiminnngs- ort Weißensee gebracht. Fünf Arbeiter bei einer Baukatastrophe verunglückt. Schwere Folgen hat ein Bauunglück gehabt, das sich gestern nachmittag in der fünften Stunde auf dem Grundstück Kopenhagener- straße 49 ereignete. Eine Reihe von Arbeitern war damit beschäftigt gewesen, auf dem inneren Baugerüst schwere eiserne Träger nach den oberen Etagen zu tragen. Wahrscheinlich infolge allzustarker Belastung brach das Gerüst plötzlich zusammeu und riß die Arbeiter mit in die Tiefe hinab. Da es die übrigen Maurer nicht gelingen lvollte, die Kollegen aus dem Trümmerhaufen zu befteie», wurde die Feuerwehr requiriert, welche die Verschütteten ans Tages- licht beförderte. Von den nächsten Unfallstationen wurden zwei Aerzte herbeigeholt, die, unterstützt von einem Privatarzt, den Ver- unglückten die erste Hülfe leisteten. Es waren im ganzen fünf Arbeiter verletzt, drei derselben hatten erhebliche Verletzungen und Brustquetschungen erlitten und mutzten nach dem Lazarus-Krankeü- hause gebracht werden. Die beiden anderen konnten nach An legung von Notverbänden nach ihren Wohnungen übergeführt werde». Sieben schwere Betriebs- und Verkehrsunfälle haben sich am Dienstag zugetragen. An der Hedwigkirche wurden zwei Arbeiter, der KOjährige Franz Knobloch und der 48jährige Alfred Lepin von einem Straßenbahnwagen umgefahren und erheblich ver- letzt. Die beiden waren an der erwähnten Stelle mit Straßen- arbeiten beschäftigt und dabei an den Motorwagen herangeratcn. Die Verunglückten erhielten auf der Unfallstation in der Brüder- straße die erste Hülfe und kamen sodann nach dem Krankcnhause in Moabit.— Die Zehen abgefahren wurden Dienstag nachmittag dem 30jährigen Arbeiter Hermann Ziegler aus der Kopcnhagcner- straße 9. In der Müllerstraße, in der Rühe des Paul Gerhard- stiftes, war Z. mit einer Droschke in Berührung gekommen, die Räder gingen ihm über die Füße weg und vernichteten mehrere Zehen. Der Arbeiter wurde erst»ach dem nahen Stift und von dort nach der Charit- gebracht.— Durch Absturz von der Treppe verunglückten drei Personen schwer. Es waren dies der 43jührige Maler August Gartz, Kurfürstenstraße 150, der Ogjährige Händler Wilhelm Linke, Gotzkowskqstraße 28 und der KanalisationSarbeitcr ohanncs Knobloch, Höchstestraße 19 wohnhast.— Auf dem Neubau Hermannstraße 72 rutschte der Arbeiter August Nittel auö der Waldeinarstraße auf der Rüstung aus und stürzte rücklings ans die Karre des Förderkarbes. Er wurde dabei am Kopf. Rücken und an der rechten Schuckter verletzt.— Der Buchdruckerlehrling Ernst Welter, Linicnstraftc 148 wohnhaft, geriet in einer am Köllnischcn Fischmarkt gelegenem Buchdruckerei in eine im Betrieb befindliche Maschine und erlitt innere Verletzungen. Er kam nach der Charite. Es kann ja nur Geld kosten. Ein Fall von Herzlosigkeit, der seinesgleichen sucht, hat jetzt seine Aufklärung gefunden. In der Nacht zum Montag wurde im nahen Btariendorf beim Chausseehause ein erst kürzlich vom Militär entlassener junger Munn, der einzige Sohn braver Eltern, mit gebrochenem Rückgrat tot aufgefunden. Man vermutete sofort, daß der junge Mann, der vom Militär ent- lassen worden war, weil sein Vater kürzlich einen Arm gebrochen hatte und im städtischen Krankenhause am Urban lag, von einem Automobil überfahren worden sei. Die Untersuchung drohte schon im Sande zu verlaufen, alZ der Chausseewärter, der erst erklärte, nichts bemerkt zu haben, bekundete, daß nachts um 1 Uhr ein Automobil au? Marienfelde von Berlin kommend plötzlich Kehrt gemacht habe, zur Uufallstätte zurückgefahren sei und dann im schnellen Tempo abermals die Richtung nach Marienfelde ein- geschlagen habe. Dieser Zeuge bekundete dann Ivciter, daß jenes Automobil vorn nur eine brennende Laterne und hinten keine ge- führt habe, so daß die Nmnmer des Autos nicht zu erkennen ge- lvesen sei. Die weiteren Errnitteluirgen ergaben, daß der Amt- mann K. aus Marienfelde und mehrere Damen mit einem Automobil am Sonntag nach Berlin gefahren und nachts gegen 1 Uhr zurückgekebrt waren. Die Damen wurden ermittelt und gestanden ein, um diese Zeit in Mariendorf einen Mann überfahren zu haben. Sie wären auch uingekehrt und hätten den Uebersahrenen noch röchelnd angetroffen, seien dann aber unbekümmert um das Schicksal des Verletzten weitergefahren. Auch der Amtmann gab diesen Tatbestand zu, angeblich mit den« Bemerken, es könne ja nur Geld kosten. Der junge Mann, die Hoffnung und einzige Stütze seiner betagten. erwerbsunfähigen Eltern, war auf dem Nachhausewege begriffen und gedachte sich in den nächsten Tagen zu verheiraten. Statt dessen lvird er heute beerdigt. Die Entrüstung über diesen Vorfall ist in Mariendorf eine allgemeine. Eine Selbstmörderin ist Dienstag nachmittag gegen 5 Uhr durch Schüler einer höheren Lehranstalt aus der Havel gelandet worden. Die Angehörigen einer oberen Schulklasse hatten mit ihrem Direk- tor einen Ausflug unternommen und auf der Feldmark zwischen Schildhorn und Pichelsbcrge am Kilometerstein 2,2 bemerkten sie am Ufer in der Havel die Leiche einer Frauensperson treiben. Mit vereinten Kräften zogen sie die Tote ans Land und erstatteten in Nuhlebcn Anzeige von dem Leichenfund. Die Selbstmörderin ist eine etwa 2Sjährige, anscheinend den besseren Ständen angehörige Frauensperson gewesen. Sie hatte schwarze Haare und war mit schwarzseidener Bluse, weißen Unterkleidern und dunklen Strümpfen bekleidet. Ein doppelter Bauiiusall ereignete sich gestern mittag auf dem Grundstück Cadinerstr. 17. Hier ist ein vierstöckiges Wohnhaus bis zum Nichten fertig. Bei der Arbeit fiel nun uin iU/z Uhr ein Brett vom Dach auf den Hof hinab und traf den untenstehenden 33 Jahre alten Stcinträger Otto Flemming am Kopf und an der Backe. Der 17 Jahre alte Maurerlchrling Wilhelm Scheidemann, der im dritten Stock auf dem Gerüste stand, sah dem fallenden Brett nach, verlor das Gleichgewicht und stürzte ihm nach in die Tiefe. Er erlitt schwere innere Verletzungen und mußte mit einem Koppschen Wagen in' ein Krankeichaus gebracht werden. Flemming kam zum Glück mit so leichten Verletzungen davon, daß er die Arbeit bald wieder aufnehmen konnte. Wer es verschuldet hat, daß das Brett fiel, wird noch untersucht. Nette Gäste hatte gestern früh die Speisewirtschaft von Belgardt in der Stallschreiberstraße 8. Sechs Zuhälter und zwei Mädchen gerieten in Streit. Ms der Wirt einem der Mädchen beistand, wurden seine Gäste so ungemütlich, daß sie alles kurz und klein schlugen, aber auch alles, das Klavier und das Billard nicht aus genommen. Schutzmänner vom 29. Revier, die der Zerstörungswut Einhalt gebieten wollten, kamen schon zu spät. Sie fanden nur noch ein Trümmerfeld und darauf die Wirtsleute, alle Gäste aber waren verschwunden. Bis auf weiteres mußte die Wirtschast ge- schlössen lverden. Ter Brotkorb. Die Schutzkommission der Gastwirtsvereinigungen Berlins und Umgegend teilt mit, daß beschlossen worden sei, von jetzt an das den Gästen verabreichte Brot, soweit es nicht nach der Speisenkarte zu einzelnen Speisen beigegeben wird, bezahlt zu nehmen. Zeugen gesucht. Personen, die einen am 14. August 10'/z Uhr vor dem Hanfe Poppclallee 101 sich abgespielten Vorfall mit an- gesehen haben, werden gebeten, ihre Adresse an Luther, Pappel- ällce 101. 2. Hof part., abzugeben. Durch Ucberfahrcn verunglückte gestern in der Brunnenstraße der zehnjährige Knabe Heinrich Tramp aus der RheinSbcrgerftr. 61. Beide Beine müssen ihm wahrscheinlich abgenommen werden. Straßeiisperrmig. Die Sprengelstraße von der Tegelerstraße bis zur Spairstraße wird behufs Uinpflasterung vom 30. d. M. ab bis auf weitere» für Fuhrwerke und Reiter gejperrt. SmcKts-Leitung. Verurteilt auf Grund einseitiger Zeugenaussage». Vor dem Schöffengericht hatte sich am Biittwoch der Gastwirt Renfer zu ver- antworten. Er soll den Tischler Lockhof beleidigt und mißhandelt haben. Daß Lockhof an dem betreffenden Tage eine Körperverletzung davongetragen hat, scheint zweifellos. Die Frage ist aber: Wer war der Täter. Lockhof selbst gab als Zeuge eine etwas romanhafte Darstellung der Angelegenheit. Er sagt, er sei mit mehreren Bekannten in dem von der Frau des Angeklagten be- triebenen Schanklokals gewesen. Ein junger Mann habe ihm. Lockhof, und anderen seiner Bekannten Sammelbons für die sozialdemokratische Partei angeboten, er habe den jungen Mann mchreremal zurückgewiesen. Als Antwort auf die Zurückweisung sei dann eine Gruppe von Freunden de» jungen Mannes. darunter auch Renfer, mit Schimpfworten wie:„Lump",„Streik- brecher", und Gewalttätigkeiten gegen ihn vorgegangen. Man habe ihn auf ein Laubengrundstück verfolgt und dort habe ihn Renfer mit einer Zaunlatte geschlagen. Der Zeuge Lockhof hob mit unverkennbarer Absicht hervor, daß in dem Renferschen Schanklokal der sozialdemokratische Wahlverein sowie ein sozialdemokratischer Gesangverein verkehre, er gab ferner zu verstehe», daß er von der Sozialdemokratie nichts wissen wolle, und bemühte sich, die Sache so hinzustellen als habe es sich um einen völlig unmotivierten Angriff sozialdemokratischer Arbeiter auf den staatstreuen Tischler Lockhof gehandelt.— Renfer stellte die Richtigkeit der eugenaussage Lockhofs entschieden in Abrede. Nach der iarstellung' Renfers ist Lockhof mit anderen Gästen des Lokals in Streit geraten und wollte gegen dieselben mit Gewalt- tätigkeiten vorgehen. Renfer habe sich bemüht, den Lockhof zu be- ruhigen, dieser sei aber mit einem Ziegelstein auf die anderen ein- zedrnngen und habe andere Personen geschlagen. Er, Renfer, habe gch an der Schlägerei nicht beteiligt. Das sei schon deshalb aus- zeschlossen, weil er infolge eines Fußllbels so schlecht auf den Beinen ici, daß er sich nur auf einen Stock gestützt bewegen könne.— Ein Zeuge will dagegen gesehen haben, daß Renfer den Lockhof mit einer Zaunlatte schlug. Ein anderer Zeuge, der diesen Hergang gleichfalls beobachtete, hat wohl gesehen, daß Lockhof geschlagen wurde, er konnte aber die Person deS Schlägers nicht erkennen, weil sich die Szene im Abenddunkel abspielte.— Vergebens wies der Verteidiger des Angeklagten darauf hin, daß man die«ache auf Grund der einseitigen, zweifellos übertriebenen Darstellung des Verletzten nicht als geklärt betrachten könne. Vergebens beantragte er die vom Angeklagten benannten Zeugen zu laden, welche die Aussagen Lockhofs entkräften sollen.— Das Gericht schenkte den Ausfagen Lockhofs vollen Glauben, fand auch, daß diese Aussagen durch die beiden anderen Zeugen bestätigt seien, und verurteilte den An- geklagten wegen Körperverletzung zu zwei Wochen Gefängnis und ivegen Beleidigung zu 30 Mark Geldstrafe.— Der Staatsanwalt hatte eine Gesamtstrafe von 90 Mark beantragt. KmfKaCten der Kedahtion. Jopp. 1890.— A. B C. Leider nicht bekannt. Vielleicht fragen Sie unter Berufung aus uns bei der Redaltion des„Bolksblatt" in Jena an. — W. 2. 38.'In solchem Falle erhalten Sic im Bureau des»andelS- und TranSportarbeiter-Berbandes, Engel-User 15, zweckentsprechendste Aus- kunst.— Skatbrüder 100. Wir sind im Kartenspiei so schlecht bewandert, daß es geradezu anmaßend von uns wäre, wollten wir in solchem Streit- sall ein Urteil abgeben.— C. St. Fragen 1—10. lieber medizinische Fragen geben wir grundsätzlich leine Auskunst. Wenden Sie sich an einen Lvczialarzt.— Luftirttisser. Das geht m i ch nichts an.— O. K.. Eharlottcnburg. Nicht 18 sondern 8 Stunden. S. E. 2Y und W. 2. 13. Adressieren Sie an das Kuratorium jener Stistung, Poslftr. 16 11. — H. B. 15. Die Rüdersdorjerslroße gehört teilweise zum 23., teilweise zum 24. Kommunalwahlbezirk. welche beide diesmal nicht an der Wahl be. teiligt waren.— F. L. Technikum Ajchafjcnburg, Unterabteilung„Chausscur. schule" ansragen. Sonst auch Privattechnikum.Elcllra", Neandcrstr. 4—. H. W., Rixdors. Sind bemüht um die Erkenntnis der Göttlichkeit.— Robert Friedrich. Darüber erhalten Sie Auskunst beim Haubt- Schisssbureau„Veritas" in Bremen.— Nauru 10. Soweit wir in Er- fahrung bringen konnten, besteht in Köln ein solches.— Bochum. Fronleichnam zu deutsch: Der Leih des Herrn. FronIcichnamSsest 1264 von Papst Urban IV. gcstistct, der Anbetung der acweihlcn, den Leib deS Herrn darstellenden Hostie gewidmet. Glänzendstes Fest der katholischen Kirche. Wird gefeiert anr Donnerstag nach dem Trinilatissest. — St. B. 42. Dort befindet sich ein Zentralgesängnis.— Boyagc. 882 Kilometer bis Basel, lieber die weiteren Fragen erhalten Sic Aus- kunst in jedem größeren Verpackung»- und Transportgcschäst, nachzuschlagen im Berliner Adreßbuch, Band 2, Teil 5.— N. A. B. 77. Diese Kur ist immer langwierig und raten wir' Ihnen, nun Spezialärztcn sich anzu- vertrauen.— E. N. 13. 14. Wenden Sie sich an die Organiiation der Schneider, Adresse: Adolf Ritter, Engel-User 15. Privatgeschäfte können wir nicht cmpschlcn.— 20 St 1 3. Derjenige, welcher die Zahl 19,99 angab, kam der Wirktichkeit am nächsten und hat somit gewonnen, vorausgesetzt, daß Ihre Darstellung richtig ist.— D. W. 8. Angebracht erscheint die Konsultation eines Arztes für Hautkrankheiten.— Drei Wettende. Noch 77.— P. F., Ripdorf. Können wir unmöglich beantworten. Sie müssen sich an einen Arzt wenden.— Jahn. Erfahren Sie beim Drogisten.— /, Jahre. 3. Duisburg- Mülheim a. d. Ruhr— Ruhrort.— 2tammtisch. Die Bußtage werden in den ver- schiedenen Bundesstaaten nicht gemeinsam aeseicrt, da dieselben nicht Reichs-, sondern Landessache sind. Selbst die Zahl der Bußtage im Jahre ist ver- schieden.— P. F. M. Derartige Bureaus finden Sie verzeichnet im Adreßbuch Band l, Teil 4, Seite 364.— M. 51. 14. Nur Liebhaberwert. Beim Münzcnhändlcr ansragen.— Bildung. Ost wird sälschlicherweise solchen Menschen Bildung angedichtet, welche Ihre ganze Aufmertsamkeit den äußerlichen Förmlichkeiten widmen,.ohne auch nur den bescheidensten Ansprüchen aus wissenschasttiche Bildung zu genügen. Umgekehrt werden Sic finden, daß gerade diejenigen, deren Bildung dann besteht, über umfassendes Wissen zu verfügen, jene Schcinbildung verschmähen. 21. St. Mit solchen Kapitalien kann man keine Wertpapiere kausen. Wasserstand am 28. November. Elbe bei Ausstg+ 0,72 Meter, bei Dresden— 0.69 Meter, bei Magdeburg+ 2,16 Meier.— U n ftru t bei Straußstnt+ 1.55 Meter.— Oder bei Ratibor-p 2,15 Meter, bei Breslau Oberpegcl+ 5,11 Meter, bei Breslau Untcrpegel+ 0,12 Meter, bei Fraiilstirt 4- 2,20 Meter.— Weichsel bei Brahcmünde + 3,52 Meter.— Warthe bei Posen 1,76 Meter.— Netze bei Usch+ 1,20 Meter. Leih-Haus Cliurlottonburjg, Friedrich- Start> Plan 42, Berlin, Zlnklamer-Strastc 2. 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Amt 4, 5652. ' Sonntag: famillotidelsammonsem. Verantwortlicher Redakteur: HanS Weber» Berlin. Für den Inseratenteil vcrantlv. i Tb. Glocke, Berlin. Druck». Perlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsmiftalt Paul Singer& Co., Berlin SW,