Ur. 385. nbonnemtntS'Bedingunscn: Abonnements■ Preis pränumeranbo! «ierleliahrl. Z.Z0 Mr. monall. 1,10 Mr.. wbchenilich LS Psg. frei in» Hau». einzelne Siummer 5 Psg. Sonntags. > nimmer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt» 10 Psg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. eingetragen in die Post. Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 3 Marl, für da» übrige Ausland 8 Marl Hro Monat. 22* Jahrg. Cflftttil Ualldi aulltr Clontagt. Verlinev Volksblntk. Zcntralorgan der rozialdcmohratifcbcn parte! Deutfcblanda. 01« InfcrHons«Gebfll)r betrügt für die sechsgeldoltene Kolonel- »eile oder deren Staum so Psg., für holittlche und gelrerlschastliche Vereins- und Sersanimlungs-ilnzeigen LS Psg. „Atetne Hnzclg.n", da» erste(sett- grdruckte) Wort lO Psg.. jedes weitere Wort ö Psg. Worte über tö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Stummer müssen bis K Uhr nachmittags in der Elpedttion abgegeben werden. Die Slpeditton ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn» und Fefttagen bis 8 Uhr vormittag» geöffnet. Telegramm. Adresse: „SoilaldHiokrat Berllu". Rcdahtton: 8ÄI. 68, Lindcnetrassc 69. SVerniDredicr: Ruit IV. Mr. I«8ä, I m Mittwoch, den 6. Dezember 1905. Expedition: 6CQ. 68, Lindcnstrasee 69. ihrrnivreetirr! tlin» IV. 91r. 1984. Um die Volksschnle. Das preußische Oberkonsistorium hat einen Bericht ab- gefaßt, in dem es auffordert„zur Bekämpfung des nur zu sehr verbreiteten Vorurteils, als ob die Schulen zunächst die Sache einzelner Religionsparteien wären und sein müßten, denn es sei nicht zu leugnen, daß die Schulen als Institute des Staates und nicht einzelner Konfessionen zu betrachten wären; weshalb es auch zu wünschen sei, daß der Religionsunterricht auf die allgemeinen Wahrheiten der Religion und auf die allen kirchlichen Parteien go- meins ch aftli ch e Sittenlehre eingeschränkt werde". Jeder Quintaner, der nicht gerade auf den Kopf gefallen ist, begreift, daß nicht ein preußisches Oberkonsistorium unserer Tage derartige vernünftige und herzigenswerte Regeln auf- gestellt hat; doch handelt es sich auch nicht etwa um eine Utopie aus dem Jahre 2000. Die zitierten Worte verfügen vielmehr über das beträchtliche Alter von 106 Jahren. In den Anfängen der Rcgierungszeit Friedrich Wilhelms III. wehte ein emigermaßen liberaler Geist durch die Ministerien, so daß in bezug auf die Volksschule und ihre Beziehungen zur Religion Verfügungen ergingen, die den braven Burcaukraten an der Spitze des gegenwärtigen Kultusministeriums Studt die Haare zu Berge treiben würden, falls er sich einmal die Mühe nehmen sollte, diesen Teil der preußischen Schulgeschichte einer flüchtigen Betrachtung zu unterwerfen. Heute lautet der Ton ganz anders, als vor 100 Jahren. Heute wird von der Regierung mit allem Fleiße das Vorurteil gedämpft, als ob die Schule überhaupt etwas anderes wäre, als die Sache der einzelnen Religionspmteien. heute gilt es als Nebensache, daß die Schulen Institute des Staates sind; man bemüht sich im Gegenteil, sie den Konfessionen soweit als möglich aus- zuliesern. Daran knüpft sich naturgemäß das Bestreben, im Religionsunterricht von sittlichen Schlußfolgerungen mög- lichst abzusehen; statt dessen aber einen großen Haufen von totem Wissensballast, von wertlosem Memorierkram im Gedächtnis der Kinder aufzuhäufen, damit für andere unheilige Zwecke möglichst wenig Raum übrig bleibt. Trotz der relativ fortschrittlichen Schulgrundsätze in Preußen vor mehr als hundert Jahren brach über Preußen das Debakle von 1806 herein. Trotz der sogenannten„Be- sreiung" Preußens in den Jahren 1813 und 1815, trotz der preußischen Anleihen bei Pestalozzi steuerte der preußische Staatskarren„zielbewußt" in die vormärzliche ReaktionS- Periode. Trotz der derben Lehren von 1848 schmachtete die preußische Volksschule von 1854 bis 1872 unter den Geist erstickenden Regulativen Raumers und Riehls. Trotz dieser drückenden Fessel gebar die preußische Volksschule der Regulativ- Periode die tapfere Arbeiterklasse, die daS schmachvolle Sozialisten- gesetz zu Boden gezwungen hat und den„Heros" des Jahr- Hunderts dazu. Trotz der angeblich liberalen„Allgemeinen Bestimmungen" Falks vom Jahre 1372 hat sich die preußische Volksschule seit drei Jahrzehnten nicht vorwärts entwickelt. Trotz der liberalen Blütezeit in den 70er Jahren, trotz der eifrigen Bemühungen bürgerlicher Ideologen bis auf den heutigen Tag marfchiert die deutsche Volksschule in einem beschämend weiten Abstand hinter der Volksschule anderer Länder. Trotz der Rückständigkeit der preußisch-deutschen Volksschule aber ist die Sozialdemokratie von Wahl zu Wahl gewachsen, und nimmt die Einsicht der deutschen Arbeiterklasse in das Wesen des Klassen st aates von Jahr gu Jahr zu. Was dieser sprungweise Gang durch die preußische Schul- geschichte der letzten hundert Jahre soll? Er erklärt die Stel- lung, die die Sozialdemokratie zur Volksschule, zu den Ver- pfaffungsbestrebungen in bezug auf die Schule und zu dem in der Entmickelung begriffenen Entrüstungsrummel des liberalen Bürgertums über die reaktionären Schulpläne einzunehmen hat. Wohl unterschätzen wir Sozialdeinokratcu nicht die Be- dcutung einer echten und rechten Volksschule, aber sie existiert heute noch nicht, sie wird erst geschaffen werden, ivenn das Volk selbst zu bestimmen und sich das Maß und die Art seiner Bildung selbst zuzuerteilen hat. WaS heute Volksschule genannt wird, ist ein dürftiges unzulängliches Surrogat, von der herrschenden Klasse zu ihren Zwecken ge- schaffen und dazu bestimmt, der breiten Masse des Volkes von den allgemeinen notwendigen Elementar- kenntniffcn so"icl zu vermitteln, daß dadurch der einzelne zu einem brauchbaren AuSbcutungsobjekt im kapitalistischen Pro- duktionsprozcß wird. Wohl wird in gewissen Zeiten und unter besonderen Umständen um ein Kleines darüber hinausgegangen. und in anderen Zeiten und unter anderen Umständen bleibt man erheblich dahinter zurück. Aber das sind nur graduelle Verschiedenheiten. Die Grundtendenz der kapitalistischen Volks- schule wird dadurch nicht berührt. Und nur innerhalb dieser Grenzen spielen sich die bürgerlichen Kämpfe um die VolkS- schule ab. Das konservative Junkertum braucht für seine Zwecke nicht einmal die Volksschule von heute. DaS quantitativ mannig- faltige Volksschulwesen der Städte ist in den Augen des Junkertums zum größten Teil eine überflüssige BildungS- fpielerei. Darum bemüht es sich, davon soviel als möglich herunterzuhandeln. Die industrielle und kommerzielle Bour- geoisie aber darf die Volksschulen nicht sehr viel schlechter werden lassen als sie schon sind, da sie sonst nicht nrehr genügend vorbereitetes Ausbeutungsmaterial für ihre Zwecke liefern würden. Die schönen Schlagworte, die bei diesen Kämpfen im bürgerlichen Lager auf beiden Seiten in so ver- schwcndcrischer Fülle in Wort und Schrift verarbeitet werden, sind Lug und Trug. Es bleibt bei alledem nach wie vor die Aufgabe der Arbeiterklasse, durch unablässige Kritik und durch positive Arbeit die herrschende Klasse auf dem Gebiete der Schulpolitik vor- wärts zu treiben, ihr ihre Unterlassungssünden vorzuhalten und sie zu zwingen, von ihren Versprechungen soviel als möglich in die Tat umzusetzen. Darum wendet sich die Arbeiterklasse auch gegen die neuesten Schulverfassungs- Pläne der mit Junkertum und Klerisei verbündeten Regierung. Ohne die Bedeutung der Schule zu überschätzen, haben ivir doch ein natürliches Interesse daran, die achtjährige Schul- qual unserer Kinder nicht durch die ganz besonderen und aus- gesuchten Qualen des konfessionellen Religionsunterrichts noch zu vermehren; wo immer darum ein Eingreifen der Sozialdemokratie gegen die reaktionären Schulpläne nötig ist, wird es geschehen. Aber wir sind andererseits weit davon entfernt, den heuchlerischen Entrüstungsrummcl des liberalen Bürger- tums mitzumachen. Man wird geradezu von physischem Unwohlsein befallen. Ivenn man gegenwärtig das Geplärre liberaler Blätter vom Schlage des„Berliner Tage- blattes" beobachtet. Wo der Liberalismus aller Schattierungen weit vom Schuß ist, wo er nicht zu befürchten braucht, daß von ihm die Verwirklichung seiner großmäuligen Versprechungen verlangt wird, da brüstet er sich mit seiner Schulfreundlichkeit, da tobt er gegen die Reaktionäre, da wirft er die wallende Toga des Volkstribuns über seine zittrigen Glieder; so oft er über in der Vergangenheit Gelegenheit hatte, ans seinen Worten Taten zu machen, hat er es schmählich verabsäumt. Und wo noch in der Gegenwart der Liberalismus ungehindert an der Herrschaft ist— so in der als selbständiger Bundesstaat unab- hängigen und an weitgehenden liberalen Schulreformen in keiner Weise gehinderten freien Hansastadt Bremen— da rührt der Liberalismus nicht den kleinen Finger, um sein stolzes Schul- Programm auch nur in den zaghaftesten Anfängen zu ver- wirtlichen. Wahrscheinlich wird in den nächsten Wochen eine Welle liberaler Schulentrüstung über Deutschland hinweggehen, ähnlich wie 1892 beim Zedlitzschen Schulgesetz. Wir Sozial- demokraten stehen diesem Aufgebot an schönen Worten und Lügen kühl bis ans Herz hinan gegenüber. Hätte die Bourgeoisie bereits die Umwertung des erbärnilichen Dreiklasscnwahlrechts in das allgemeine gleiche und geheime Wahlrecht vollzogen, so brauchte sie sich mit ihren heutigen Schul- schmerzen nicht herumzuschlagen. Die Sozial- demokraien würden auch im preußischen Landtag die Lust längst gereinigt haben, sodatz für derartige Rückwärtserei kein Boden mehr vorhanden gewesen wäre. Aber heute ist die Sinmtion so, daß die große Masse des Volkes, deren Kinder die Volksschule besuchen, im Parlamente völlig uuvertreten ist. Dieser schmachvolle Zustand muß beseitigt werden I Die Revolution in Rußland. Der Generalstreik der Post- und Telcgraphcnbeamten dauert aufö beste fort I Direkte tclegraphische Meloungen aus Rußland liegen denn auch fast gar nicht vor. Nur durch Privatbriefc gelangen einige spärliche Nachrichten nach deni Auslande. So bringt die„Vossische Zeitung" den folgenden ihr aus Riga zugeschickten, vom 3. Dezember datierten Brief: Der?lilöstand der Po st- und Telegrapheilbeamten dauert an. Die Lage hat sich eher versckärft al« gemildert. Die Beamten sind sehr erregt darüber, daß Graf Witte den Empfang einer Abordnung ihres Verbandes abgelehnt und sie an ihre nächsten Vorgescpten gewiesen bat. Auch unter den Eiseubahnern gärt eö stark. Sie sind durch die Anweisung von 10 000 000 Rbl. zur Auf- besserung ihrer Gehälter nicht befriedigt und bringen wiederum politische Forderungen vor. Wie verlautet, haben sie an den Grafen Witte in sehr bestimmtem Ton gehaltene Telegramme gesandt, in denen sie die Einberufung einer kon- stituierenden Versammlung fordern. Gegenwärtig wird mit der E'senbahn ein Privatpostverkehr durch Boten aufrecht er- halten, doch find diese Voten persönlich bedroht. Auf den Bahn- Höfen werden die Abfahrenden von ganzen Scharen von Postbeamlen beobachtet. Personen mit Bricfbündcln werden von Postbeamten an- gehalten und unter Drohungen am Betteten des Bahnhofes ver- hindert. Es gelingt trotzdem, Briefe durchzuschmuggeln. Wie empfindlich die Wirkung des Streiks der Post- und Telegraphenangestellten für das Zarenreich ist. schildert eine Privatkorrespondenz des„Lok.-Anz." aus Petersburg vom 3. er.: Enorm sind die Verluste, welche der Staat durch"diesen Streik erleidet. Allein Petersburg empfängt durchschnittlich täglich zirka 280 000 Pakete auö dem Innern. Die Gesamtzahl der Briefe. Geld- und Wertpakete, Transferte. Postpakete und Kreuzbänder, welche die hiesigen Postämter täglich abzufertigen haben, wird anf 030 000 Stuck berechnet; wen» man auch noch den Verlust für die Telegrannue hinzurechnet, die täglich zirka 13 000 Stück bettagen, so verliert die Post allein in Petersburg täglich mindestens eine halbe Million Rubel durch den Streik. Die ausständigen Post- und Tclegrapheubeamten hielten am Sonnabend eine Versammlung zur Aussprache über ihre Lage ab; 2000 Mitglieder nahmen daran teil. ES wurde beschlossen, fest zu bleiben, den Strei k fortzusetzen und die Regierung zum Nachgeben zu z lv i n g e n. Zunächst soll erreicht werden, daß die verhafteten Delegierten sofort aus freien Fuß gesetzt werden. Die Ausständigen werden vom Streikkomilee unterstützt, sie können eventuell noch 20 Tage feiern, gleich ihre» Moskauer Kollege». Dieser Ver- sammlung wohnten der Präsident des Rates der Arbeiterdeputierten, Vertreter verschiedener politischer Parteien sowie eine Deputation des Moskauer Post- und Telegraphenkongresses bei, die vom Grafen Witte nicht empfangen worden war. Die Versammlung beschloß ferner, am beutigen Sonntag nicht zur GagenauSzahlung zu erscheinen. Die Zahl der Streikenden beträgt allein in Petersburg jetzt 6000. Inzwischen verbreitet sich allmählich mich der Eisen- bahnersttcik. So besagen zwei tclegraphische Meldungen: Kiew, 0. Dezember. Der telegraphische Verkehr funktioniert seit gester». Den Dienst versehen zwei Beamte des Ruhestandos und zwei Mädchen. Dagegen ist der Eisenbahnverkehr auf den südwe st liche n Eisenbahnen, undzwar auf den Linien Kiew, Odessa undSewastopol vollständig eingestellt. Haparanda, 4. Dezember. Dem„SwenSka Telegrambyran" wird aus Tornea gemeldet, daß ein neuer Eisenbahner- ausstand in Finnland auS Anlaß der Ernennung des Se- »als ausgebrochen ist. Der Streik erstreckt sich vorläufig bis TawastehuS, wird sich aber wahrscheinlich über daS ganze Eisenbahnnetz verbreiten. » Die Revolution im Heere. Die Rebellion unter dem Militär breitet sich mittlerweile so gewaltig aus, daß die Nachrichten über„Meutereien" einzelner Regimenter, über Verhaftungen und Metzeleien ein- ander auf dem Fuße folgen. Dabei läßt sich die folgende logische Linie in der EntWickelung dieser Bewegung verfolgen: den Anfang hatten die Marine Mannschaften gemacht. Die gegen sie verwendeten Landtruppen haben bei der Niederwerfung ihrer Kameraden von der Flotte selbst Feuer gefangen. Während die Truppen sich noch im großen und ganzen gegen die Arbeitcrdemonstrationen als Zaren- knechte gebrauchen ließen, versagten sie zuerst im Ernst, als sie gegen die Marine gebraucht werden sollten. Jetzt rebellieren die Landtruppen selbst, und die Regierung muß nun zu ihrer Beruhigung Kosaken venvenden. Dabei wiederholt sich aber dasselbe Spiel. Die Kosaken, die sich gegen das Volk noch immer als blutdürstige Bestien bewährt haben, fangen an, zu versagen, wenn sie systematisch gegen Soldaten ge- braucht werden sollen. So Pflanzt sich das Feuer der Revolution folgerichtig von Schicht zu Schicht, von einem Pfeiler des Absolutismus zum anderen. Die scheinbar unlöslichen Auf- gaben der Revolution werden wie von selbst durch ihren eigenen Fortgang gelöst. Selbstverständlich kommen dabei überall die von der Sozialdemokratie in zäher un- ermüdlicher Arbeit ausgestreuten Samen der Aufklärung zur Reife. Aber die inneren ehernen Gesetze der Rc- volution sind es, die plötzlich ganz neue Schichten, die noch gestern als undankbarer steinerner Boden erschienen, für diesen Samen aufnahmefähig und fruchtbar macheck. Gegenwärtig ist die südrusstsche Stadt Kiew der Mittel- Punkt einer gewaltigen militärischen Revolte. Unsere Leser wissen aus der gestrigen Nummer, daß über Kiew der B e- lagerungszustand verhängt wird. Der Grund hierfür liegt eben in einer Bewegung der Truppen. Die„Russische Korrespondenz" erhält die folgende Schilderung der Vorgänge in-Kiew: Am 1. Dezember 7 Uhr morgens begann eine Kontpagnie Pioniere in Kiew den Streik. Wie das ganze russische Volk forderten auch sie die absolute Freiheit, nicht nur auf dem Papier sondern in Wirklichkeit. Von den Kasernen ausgehend zogen sie immer mehr Soldaten in den Streik. Einige Brigaden hielten sich zurück und vereinigten sich nicht mit ihnen. Um vier Uhr nachmittags zogen die Soldaten zu dem Hütten- werke Kehivanek, dessen Arbeiter sozialdemokratisch organisiert sind, um ein allgemeines Meeting zu veranstalten. Die Brigade von Asor schoß auf die Kameraden, 30 Tote und eine Menge Verwundete. Am Morgen wollten Kosaken gegen die streikenden Soldaten kämpfen, aber als der Strcikfiihrer sagte, daß einige Soldaten verwundet seien, zogen sie sich zurück. General Draque richtete einige Worte an die streikenden Soldaten, die als Antworr die 36 Punkte der Streikforderungen vorlasen. Hauptsächlich forderten sie: Befreiung von der Reserve. Ver- ringerung der Dienstdauer, höfliche Behandlung, Verbesserung der Nahnmg und Kleidung, politische konstituierende Versammlung. Darauf sangen sie die Marseillaise. Während der zwei Tage, an denen die Meetings statt- fanden, herrschte Mangel an Nahrungsmitteln in den Kasernen. Die Soldaten zogen mit Musik durch die Straßen. Während der Nacht gab ihnen die Bevölkerung Nahrungsmittel, viele wurden verhaftet. Am 2. Dezember wurden alle Zeitungen bis auf das Kiewer Organ des „Schwarzen Hundert" konfisziert. Das Revolutionskomitee verkündigte den Generalstreik, um gegen die Metzelei zu protestieren. In der täglichen Erwartung großer Ereignisse organisieren Arbeiter und Soldaten Meetings im Polytechnischen Institut. Am 3. fand die feierliche Beerdigung der etötcten Soldaten statt, die Brigade von Asor zerstreute die enge. Die Stadt ist sehr beunruhigt. Morgen wird der Belagerungszustand proklamiert werden. Das"Polytechnische Institut ist geschlossen und von Soldaten umgeben. Die Zeitungen erscheinen nicht. ge> M Ferner liegen noch folgende Meldungen vor: Krakau, S. Dezember. Nach Meldungen ans Warschau weigerte sich dort daS 46. Jnfantcric-Negimcnt, weitere Polizeidieuste zu leisten. Warschau, 5. Dezember, llntcr der Garnison iu Osowze ist eine Meuterei ausgebrochen. In G r o d n o wurden zahlreiche Meuterer des dortigen Artilleric-RcgimentS verhaftet. In Charkow meuterte Infanterie. Die Rekruten verweigerten den Fahneneid. Der Militäraufruhr in Woronefch. Der„Tag" bringt die folgende telcgraphifche Meldung: Woronefch, 2. Dezember. Das Militär- und Lokalgefängnis dos Strafbataillons in der Vorstadt Pridalscha wurde gestern durch Militärgefangene und nieuterude Soldaten des Strafvataillons in Brand gesetzt. Das Feuer griff auf eine Reihe Läden über. Die Meuterer mit ihrer Kapelle au der Spitze marschierten im Zug»ach dem Zivilgefängnis, um die Gefangenen zu befreien, wurden jedoch durch reguläre Truppen an der von der Stadt zu dem brennenden Zivilgefängnis führenden Brücke aufgehalten. Die Feuerwehr wurde ain Löschen durch Salven der aus den Fenstern schichenden Gefangenen verhindert. Das Gefängnis wurde von den Truppen umzingelt. Die Meulerer des Strafbataillous wurden zum Teil, nachden, Schüsse gewechselt waren, festgenommen. Ein Teil ist auf der Flucht, ein anderer Teil umzingelt. Die Schilderung ist natürlich im Sinne der offiziösen russischen Berichte gefärbt. Sicher trägt mich der Aufruhr der Truppen in Woronefch,»vie überall, einen ausgesprochen politischen Charakter. Eine alberne Ente. Der„Dailh Telegraph" veröffentlicht den folgenden, ihm von seinem Petersburger Korrespondenten gemeldeten Unsinn: Die deutschen Sozialdemokraten haben ihren russischen Gc- simnmgSgenossen dringend von nihilistischen Aktionen abgeredet, doch haben die Russen, die Geld dringender brauchen als gute Ratschläge, diese Mahnung entschieden zurückgewiesen. Natürlich ist an der ganzcit Meldung kein einziges Wort wahr._ poUlifchc CUbeiTicht. Berlin, den 5. Dezember. Tie Eröffnung des Trciklaffenparlaments. Fn der üblichen Form ist am Dienstag das Parlament ves Dreiklassenwahlnnrechts eröffnet worden. Die Thronrede, mit der die„erlauchten, edle» und geehrten Herren von beideir Häusern des Landtages" begrüßt wurden, weist auf die infolge des anhaltenden Aufschwunges des gewerblichen Lebens und der andauernden Steigerung der Erträgnisse aus den meisten Staatsbetrieben im allgemeinen fortgesetzt günstige Ge- staltnng der Staatsfinanzen hin. Tie Rechnung für das Etatsjahr 1904 hat wieder mit einem Neberschuß ab- geschlossen, und ebenso darf für das laufende Jahr ein befriedigendes Ergebnis erwartet»Verden. Die Mehreinnahmen sollen insbesondere verwandt werden zur Erhöhung der Wohnungsgeldzuschüsse für die Unterbeamten sowie um leistungsschwachen Schnlverbänden Beihülfen zur Ausbesserung der Gehaltsbezüge gering besoldeter Volksschullehrer zu ge- währen. Mit keinem Wort ist von der herrschenden T e u e- r u n g die Rede, die es den ohnehin schon schlecht genug be- zahlten Staatsarbeitern, Unterbeamten und Volksschullehrern unmöglich macht, mit den jetzigen Bezügen auszukonimen. Die Minister, die erst in der vorigen Session für sich selbst Re- präsentationszulagen von je 14 000 M. gefordert und natür- lich auch bewilligt bekommen haben, scheinen zu glauben, daß die unteren Staatsbeamten schon jetzt zu hohe Gehälter beziehen. Eine allgemeine Gehaltsaufbesserung für die unteren BesAldungsstufen ist eine dringende Notwendig- keit, eine Notivendigkeit, die nur von einer Regierung und einem Parlament bestritten werden kann, die ihre Aufgabe in der Vertretung der einseitigen Interessen der besitzenden Klassen erblicken. An Gcsetzesvorlagcn verheißt die Thronrede zunächst wieder eine Sekundärbahn Vorlage und an ziveiter Stelle eine Vorlage zur Bereitstellung von Mitteln zur Ver- besserung der W o h n u n g s v e r h ä l t n i s s e der in Staats- betrieben beschäftigten Arbeiter und gering besoldeten Bc- amten. Mit solchen Wohlfahrtscinrichtungen sucht sich die Regierung nach ihrem eigenen Zugeständnis einen Stamm ge- fügiger Arbeiter und Beamten zu sichern, und andererseits hat sie dadurch zugleich einen Vorwand, eine wirklich durch- greifende Wohnungsreform von einem Jahr auf das andere zu vertagen. � Der weiter versprochene, dem- Landtage bereits zu- gegangene Entwurf betr. die Abänderung des Einkommen- und des Ergänzungssteuer-Gesetzes bewegt sich in so bescheidenen Grenzen, daß er den Namen einer Reform schwerlich verdient. Es handelt sich im wesentlichen um die Erfiillung einer Reihe von Wünschen, die seit Jahren im Interesse der mittleren Einkommen im Landtage vorgebracht wurden. Von weiteren gesetzgeberischen Maßnahmen seien erwähnt der Entwurf eines Gesetzes, das den Eigentümern land- oder forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke die Befugnis zur Fest- setznng einer Verschuldungsgrenze gewährt. Es soll hierdurch die Möglichkeit geschaffen werden, eine weitere Verschuldung der Grundstücke zu verhüten und die Tilgung unwirtschaftlicher Realschulden zu erleichtern— also eine neue Liebesgabe für die armen Notleidenden. Eine Novelle zum B e r g g e s e tz, die das K n a p p s ch a f t S w c s e n neu regeln soll, befindet sich in Vorbereitung. Bereits fertig gestellt ist der Entivurf zu einem Kreis- und Provinzial- abgaben-Gesetz und eine Vorlage betreffend die Vor- bildung der höheren Verwaltungsbeamten. das im wesentlichen auf der Grundlage der Entwürfe aufgebaut ist, die unter der Amtsführung des Herrn Schönstedt ziveimal gescheitert sind. Die wichtigste Aufgabe des Landtages ist die Beratung des V o l k s s ch u l g e s e tz e s, das bestimmt ist. die Volks- schule völlig der Kirche auszuliefern. Zu heftigen Kämpfen hierüber dürfte es im Landtage kaum komnien, da sich die Vorlage im Rahmen des bekannten Kompromisses hält. Aber je weniger der Landtag Wert darauf legt, unsere Volksschule von dem Einflüsse der Kirche zu säubern, um so mehr wird es Pflicht des durch das elende Dreiklassenwahlsystem entrechteten Proletariats sein, außerhalb des Parlaments Protest zu erheben gegen das kulturwidrige Verhalten der gesetz- gebenden Körperschaften des größten deutschen Bundesstaates und der Forderung der Reaktionäre seine Fordernngen gegenüberzustellen, die auf eine gänzliche Trennung von Volks- schule und Kirche hinauslaufen. Wie alle Thronreden der letzten Jahre so klingt auch die diesnialige in einen Schlachtruf gegen die P o l c n aus: „Verschiedene Gutsverkäufe in der Ostmark haben in letzter Zeit"berechtigtes Aufsehen erregt. Die Feitioung deS deutschen Besitzes in Verbindung mit einer sachgemäßen inneren Kolonisation bildet eine der ernstesten Aufgaben der Staatsregierung. Sie kann aber nur erfüllt werden, wenn sich die deutschen Besitzer in höherem Grade als bisher ihrer nationalen Pflicht bewußt werden, ihren Besitz treu und zäh zu verteidigen und dem deutschen Volks- tum zu erhalten. Die Regierung Seiner Majestät des Königs vertraut darauf, daß diese Erkenntnis, in der sie sich mit dem Landtage eins weiß, alle Kreise des Deutschtum? mehr und mehr durchdringen und mit der Tat bewährt werden wird." Die Polen werden über diese Kriegserklärung lachen. In ihrem Kampf gegen die Polen hat sich die Regierung ebenso blamiert, wie in ihrem Kampf gegen die Sozialdemokratie, alle Maßnahmen, die in den letzten Jahren zur Erhaltung des Deutschtums in den Ostmarken ergriffen sind. Maß- nahmen, die teilweise direkt verfassungswidrig sind, haben nicht vermocht, der polnischen Bewegung Abbruch zu tun, und auch dieser neue Appell an die deutschen Besitzer wird die er- hofften Früchte nicht zeitigen. Wo der Profit in Widerspruch gerät mit der„nationalen Pflicht", da erweist sich ersterer stets als die treibende Kraft. So ist es bisher gewesen, so wird es auch in Zukunft sein. Wie in der Polenpolitik die Regierung trotz aller Niederlagen nicht zur Vernunft kommt, so will sie auch von einer Reform des Dreiklassenwahlsystems, trotz aller Unsinnigkelten, die dabei zutage treten, nichts wissen. Im Gegenteil, sie will dies Wahlsystem verewigen, und ihr Ziel glaubt sie dadurch zu erreichen, daß sie einige Schönheitsfehler überkleistcrt. „Zur Aufstellung der in früheren Sessionen mehrfach erörterten Klagen über die übermäßige Größe einiger Wahlbezirke für die Wnblen zum Hause der Abgeordneten und über einzelne Vor- schritten des Wahlverfahrens sind Vorarbeiten eingeleitet und ihrem Abschlüsse nahe geführt worden." Das ist alles, was die Thronrede über die Wahlreform sagt. Einige Wahlbezirke sollen geteilt, einige Vorschriften des Wahlverfahrens abgeändert werden, im übrigen aber bleibt alles beim alten. Das elendeste aller Wahlsysteme wird zu- rechtgestutzt, damit es noch ein paar Jahre sein elendes Da- sein fristen kann, vorausgesetzt, daß ihm nicht schon vorher der Ansturm des Proletariats den Todesstoß versetzt. Im Anschluß an die feierliche Eröffnung hielten beide Häuser des Landtags kurze geschäftliche Sitzungen ab. Das Herrenhaus wählte sein früheres Präsidium wieder, das Abgeordnetenhaus wird diese schwierige Arbeit am Mittivoch vollziehen und dann sofort in die Besprechung von Interpellationen treten, die sich auf das Eisenbahn- unglück bei Spreniberg und auf den Wagenmangel beziehen.— Der Vokksschulgesetzentwurf, von dessen Inhalt wir gestern bereits die wichtigsten Auszüge gebracht haben, entspricht durchaus den an ihn geknüpften Befürchtungen. Er will der Siniultanschule nur in einigen Provinzen ein kümmerliches Fortvegetieren gönnen, während in allen übrigen Landesteilen der konfessionelle Charakter der Volksschule immer schärfer herausgebildet werden soll. Die Schulen sollen, je nach dem Prozentsatz evangelischer oder katholischer Schüler, ausschließlich mit Lehr- kräften einer bestimmten Konfession besetzt werden. Sind in einer Schule mehr als 60 und in Ge- meinden von mehr als 5000 Einwohnern mehr als 120 Schüler derselben Konfession vorhanden, so muß auf Antrag eine Schule der betreffenden Konfession eingerichtet werden! Ein ungeheuerlicher Unfug, daß in eineni modernen Staate die Kinder der nichtbesitzenden Klasse die Opfer des elenden konfessionellen Kleinkrieges sein sollen, ein schlimmerer freilich noch, daß jede der Konfessionen in der Lage ist, der„Hure Vernunft", wie sich Luther so geschmackvoll ausdrückte, jeden Schimpf und jede Schmach anzutun l Der Geist pfäffischcr Bevormundung, den der Entwurf atmet, offenbart sich auch unverkennbar in den Bestimmungen über die S ch u l d e p u t a t i o n e n. Diese sollen zusammen» gesetzt werden aus: 1. Einem bis höchstens drei Mitgliedern des G e- meindevorstandeS. 2. Der gleichen Zahl von Mit- gliedern der Stadtverordnetenversammlung. 3. Min- dcstens der gleichen Zahl von deS ErziehungS- und Volksschulwesens kundigen Männern, unter diesen mindestens einem Rektor(Hauptlehrer) oder Lehrer an einer Volks- schule. Hierzu treten: 4. Die zuständigen Kreisschnl- i» s p e k t o r e n. Wo mehrere Kreisschulinspektoren vorhanden find, treten höchstens drei ein, nach näherer Bestimmung der Schul- auffichtsbehörde. ö. Der dem Dienstrange nach vorgehende oder sonst der dem Dienstalter nach älteste O r t s p f a r r e r der evangelischen Landeskirche und der katholischen Kirche. 6. Sofern sich in der Stadt öffentliche jüdische oder jüdisch-christliche Schulen befinden, tritt außerdem der Rabbiner ein, wenn er am Orte wohnt. Kein Wunder, daß die„Deutsche Tageszeitung" mit dem Entwurf, wenigstens seiner VerpfaffungSteudenz. ganz zufrieden ist. Die Regelung der konfessionellen Fragen, meint das Organ des Brot- und Fleischivuchers, entspreche zwar durchaus nicht dem Ideale, erscheine aber als ein nicht mißlungener Versuch, einen gangbaren Mittel- w e g zu finden. Die Krautjunker können in der Tat zufrieden sein; die völlig verpfaffte Schule wird ihr möglichstes tun, oas scharwerkende Volk in stupider Untertänigkeit zu er- halten. Ob es freilich gelingen wird, ist eine andere Frage!—•#, Deutrcbeo Reich. Erhöhung der preußischen Einkommenstener. Wie wir bereits mitgeteilt haben, enthält der„Gesetz- entwurf betreffend die Abänderung des Einkonimeiisteucr- gesetzcs" verschiedene Bestimmungen, durch welche die Steuer- zahler der Einkommenstufen von 4000—6500 günstiger gestellt werden. Dadurch wird nach offizieller Berechnung eine Blinder- einnähme von 3,4 Millionen Mark entstehen. Das ist im Verhältnis zur Gesamteinnahme nicht viel. Dennoch gedenkt der Finanzminister auf diesen Betrag nicht zu verzichten. sondern ihn durch eine Erhöhung der Einkommensteuer zu decken. In der Begründung der dem Landtage zugegangenen Vorlage wird bereits angekündigt: Ein Ersatz für diesen Betrag wird zurzeit nur mit Rücksicht darauf nicht vorgeschlagen, daß der berechnete Ausfall Voraussicht- lich nur ein vorübergehender sein und in nächster Zeit ohnehin eine Erhöhung der Einkommensteuer notwendig werden wird. DaS von Jahr zu Jahr uiigünstiger gc- staltete Verhältnis, in dem die Einnahmen aus den direkten Steuern zu dem staatlichen Gcsamtbedarf stehen, gibt schon jetzt zu ernsten Bedenken Anlaß. Der aus den Ueberschüsscn der Betriebsverwaltungen und den Steuern zu deckende Betrag der Staatsverlvaltnngs- Ausgaben belief sich im Jahre 13S2/33 auf rund 302 Millionen Mark, im Jahre igOS(nach dem Eiat) . auf rund 562 Millionen Mark. Die direkten Staatssteucrn lieferten hierzu einen Neberschuß 1892,93 von rund 170 Millionen Mark 56,3 Proz., 1903 von rund 211 Millionen Mark— 37,7 Proz., Während durch andere Einnahmen 1892/93 132 Millionen Mark 43,7 Proz., 1905 351 Millionen Mark— 62,3 Proz. gedeckt wurden. Im Laufe der letzten 13 Jahre sind somit die Staatsausgaben mit absolut und prozentual steigenden Beträgen auf schwankende Einnahmen, insbesondere ans die Ilcberschiisse ans den Eisenbahnen basiert. Hiemach und im Hinblick ans die fortgesetzt in starkem Maße steigenden Austvendimgen des Staates auf allen Gebieten, insbesondere für das Volksichulwesen, wird es unabweisbar sein, eine Erhöhimg der Einnabmcn ans der Einkommensteuer herbeizuführen. Dieserhalb dem Landtag eine be- sondere Vorlage zu unterbreiten, behält die S t a a t S r e g i e r n n g sich vor. Tie seltsame Begründimg läßt erkennen, daß die Ab- änderung des Einkommensteuergesetzes nur deswegen vor- geschlagen wird, um einen Anlaß zur Steuererhöhung zu finden, und zwar gedenkt man nicht nur den Feyldetrag von zirka 3,4 Millionen Mark herauszuschlagen, sondern noch einen beträchtlichen Ueberschuß— sonst wäre der Hinweis darauf, daß die Einkomiuensteuer nicht in gleichem Maße wächst, ivie der Ueberschuß aus den Staatsbahnen ganz sinnlos. Allem Anschein nach ist dieser Vergleich nur deshalb in die Be- gründung der Vorlage hineinlanziert, damit später im Anschluß an ihm die Folgerung gezogen werden kann, es müßte zwischen der Einkommensteuer und den Einnahmen aus den Eisen- bahnen das alte proportionale Verhältnis wieder hergestellt worden. Es geht doch nichts über die Logik eines Finanz- Ministers der Miquelschen Schule!— Ei» Nachspiel zur Dresdener WahlrechtSdemonstration. Die infolge der wilden Polizeiattacken blutig verlaufene Wahl- rechtskimdgebung in Dresden wird in der Zweiten Kammer deS sächsischen Landtages zur Erörterung kommen. Der Genosse Gold- st e i n hat folgende Interpellation eingebracht: Am 18. und 19. November d. I. hat ein großer Teil des sächsischen Volkes in Versammlungen ein besseres Landtagswahlrecht gefordert. Die Arbeiter Leipzigs insbesondere haben dies durch friedliche De- nioiistationcn auf den Straßen in eindrucksvoller Weise zum Aus- druck gebracht. Gleichwohl haben bei Wiederholung dieser Meinungs- kundgebungen des Volkes die Polidirektionen in Dresden und Chemnitz am 3. Dezember d. I. ihre unteren Organe angewiesen, in schärffter Weise gegen Straßendcmoiistranten vorzugehen. Die Polizei hat in vereinzelten Fällen, namentlich in Dresden, mit der blanken Waffe eingehauen, eine große Zahl von Personen verletzt und hierdurch weite Bevölkerungskreise in maßlose Erbitterung versetzt. Angesichts dieser Vorgänge richtet der Unterzeichnete an die Re- gierung folgende Fragen: 1. Ist die Regierung gewillt, das von der Dresdener und Chemnitzer Polizei am 3. Dezember d. I. angewandte be- dmierlicve Verfahren gegen friedliche Volksmassen gutzuheißen, oder welche Maßregeln denkt die Regierung zu ergreifen, um der Wiederkehr solcher gewalttätigen Handlungen vorzu- beugen? 2. Glaubt die Regierung, angesichts der großen Empörung, wie sie sich in den spontanen Kundgebungen vieler Tausender gezeigt hat, an ihrer in der Kammersitzung vom 27. November dargelegten Auffassung über die Wahlrechtsreform festhalten zu sollen? Der Minister v. Metzsch wird also Gelegenheit finden, sich über die Praxis der Dresdener Polizei zu äußern.— Deutsch- englischer Handelsvertrag. Bekanntlich läuft am 31. Dezember dieses Jahres die Prolongation des Handelsvertrages tMeistbegünstigungSvertrages), mit dem britischen Reiche ab. Dem Reichstage ist deshalb eine Vorlage zugegangen, durch welche bean- tragt wird, den Bundesrat nochmals zur Verlängerung des Ver- träges, und zwar bis zum 31. Dezember 1907, also auf zwei Jahre. zu ermächtigen.—__ Klerikal-konservatives Bündnis in Baden. Der Zusammenschluß der Nationallibcralen, Demokraten und Freisinnigen im liberalen Block hat, wie es scheint, auch einen Zu- sammenschluß der weiter rechts stehenden bürgerlichen Parteien zur Folge. Bei der letzten Landtagswahl hat sich der liberale Block. was den Zusammenhalt anlangt, in der Hauptsache bewährt. DaS Zentrum hat davon den Nachteil gehabt. Nun beabsichtigen die Führer der liberalen Parteien den Block soweit auszubilden, daß er auch für die Parlamentstätigkeit wirksam bleibt. Das demokratische Blatt Badens hat sogar vor einigen Wochen schon die Ausarbeitung eines gemeinsamen Block-Pcogramms und die Einsetzung eines gemeinsamen Agitationskomitees verlangt. Dieses Vorgehen scheint nun in Zentrumskreisen den Wunsch nach Einbeziehung die Konservativen in ihren Bannkreis rege ge- macht zu haben. Schon bei der Landtagswahl hat das Zentrum stark für die Konservativen gearbeitet und, zum Teil unter Preis- gäbe der eigenen Kandidaten, den Konservativen zu den vier Mandaten verholfen, die sie im Landtage besitzen. Man hat dabei das Bestehen eines Wahlbündnisses be- stritten, aber jetzt hat ein sehr rühriger Zentrumsagitator. der Stadtpfarrer Kunz auS Bruchsal in einer ZentrumSversammlung in Heidelberg ganz offen den Zusammenschluß des Zentrums mit den Konservativen verlangt.— Die Konservativen stellen sich vor- erst noch dumm, sie wiffen angeblich von nichts, daß sie aber ein solches Bündnis nicht ausschlagen, daS gebietet ihnen schon die Selbsterhaltung; denn was sie bisher an parlamentarischer Ver- tretung haben, verdanken sie dem Zenttnm. Der Zusanimenschluß der Reaktion macht weitere Fortschritte ohne Rücksicht auf Religion und Konfession.— Die Agitation der germanisch-natioiialen Studenten der Jenaer Universität gegen die„Ausländer" hat einen gewiflen Er- folg erzielt. Ter Senat der Universität hat entschieden, daß den Inländern beim Belegen von Plätzen für Vorlesungen und Uebnn- gen in Instituten bis drei Tage nach dem tatsächlichen Beginn der Vorlesungen der Vorzug eingeräumt werden soll. Andererseits wird den Ausländern der Zusammenschluß zu Vereinen nicht unter- sagt, sondern nur das Farbcntragcn. Uebcr die weiteren, die Im- matrikulation und die höhere finanzielle Belastung betreffenden Forderungen zu entscheiden, erklärt sich der Senat für unzuständig, da dies Sache der betreffenden Regierung sei. Der Senat erklärt zum Schluß: Die deutschen Universitäten sind nationale Anstalten, in denen neben der Wissen- schaft deutsche Gesinnung und Gesittung gepflegt werden sollen, aber die Wissenschaft als solche ist international und soll geistige Anregung geben unter den Völkern hinüber und herüber. Einerseits— andererseits! Unerfindlich bleibt nur. weshalb die deutsche Gesittung nicht unter dem Zusammenschluß der Aus- länder zu Vereinen leidet, wohl aber unter dem Zarbcntragen. Wahrscheinlich wissen das die Hochwohlweisen Magister selbst nicht. ES geht doch nichts über die Konsequenz eines deutschen Professors. Friedrich August von Sachsen, der ehemalige Gemahl der Grafin Mcmtignoso, liebt cS nach dem Vorbild anderer Potentaten ae legen t- lich an die Soldaten kräftige Ansprachen zu halten. Auch bei der dieser Tage erfolgten Vereidigung der Rekruten der' Dresdener Garnison leistete er sich einen kleinen Speech, in'lvelchem er in An- lehnung an frühere ttaiserreden meinte: „Auf die Heiligkeil des EideZ sind Sie schon von berufener Seite aufmerksam gemacht worden. Ich richte nur die Ermahnung an Sie, stets dessen eingedenk zu sein, daß der mir geschworene Eid SienichtbloszfürdieHahre bindet, indenen Sie aktiv dienen, sondern auch für Ihr ganzes späteres Leben. Gebe Gott, dah Sie a..e sich einst aus den? Totenbette das Zeugnis ausstellen können: Ich habe die im Fahneneide übernommene Verpflichtung gehalten und sterbe als braver, ehrliebcndcr, königstreuer Soldat." Wir brauchen nicht erst zu erläutern, daß die in. dieser Aeutzerung hervortretende Auffassung nicht nur nach unseren Rechts- begriffen, sondern auch nach dem geltenden Staatsrecht total falsch ist. Das Verhältnis des Soldaten zu seinem sogen.„Kriegsherrn" ist durch das Gesetz bestimmt, und dieses bindet den Soldaten nur für die Zeit seiner Dienstverpflichtung. Gegen den Luxus der Arbeiter'. Die„Deutschs Volkswirtschaftliche Korrespondenz" bringt eS fertig, gegen den Luxus der deutschen Arbeiter zu eifern I Es sei eine unverschämte Hetze der Sozialdemokratie, den Arbeitern einzn- reden, datz durch die Bier- und Tabaksteuer der Konsum der Nicht- besitzenden belastet werde. Warum trinke denn der Arbeiter„bayeri- sches" Bier, warum rauche er Zigarren?! Freilich, das„gesunde billige Braunbier" und die Tabakpfeife seien heute„abgetane Ge- nüsse". Es ist allerliebst, eine konservative Korrespondenz so gegen den Luxus der Arbeiter wettern zu hören! Wenn die Herren doch einmal in ihren eigenen Reihen spartanische Sitten einführen wollten! Wenn sie doch erst einmal die funkerlichen Sprößlinge in den Garderegimentern und den feudalen studentischen Korps an das gesunde Vraunbier und das billige uckermärkische Kraut gewöhnen wollten! Uebrigens ist ja auch der edle vaterländische Tabak keineswegs steuerfrei! Da der einheimische Rauchtabak mit 4ö M. pro Doppel- zentner besteuert ist, muß der Proletarier für das Pfund Tabak 22'/z Pfennig steuern. Ist der Tabak mit ausländischem Tabak ge- mischt, so erhöht sich die Steuerlast noch beträchtlich, da der impor- tierte Tabak mit 180 M. pro Doppelzentner besteuert istl Ja sogar das„gesunde Braunbier" soll durch die neue Biersteuer verteuert werden I Einen„Kuktiirkampf" en ministurg möchte da? Zentrum in Düsseldorf in Szene setzen. Die dortige Stadtverivaltung will in dem neuerbauten Krankenhause keine konfessionelle Krankenpflege, sondern beantragte, daß weltliches Bernfspflegcpersonal eingestellt wird, der Antrag ist mittlerweile von der Stadtverordneten-Ber- sammlung mit Majorität angenommen worden. Gegen diesen An- trag wandten sich die dortigen Zentrumsführer nnt allen Mittel», sie beriefen Versammlungen ein und ließen sich von den gläubigen Schäfchen bestätige», daß das katholische Volk in Düsfeldors sich nur bon frommen katholischen Schwestern im Kraiikenhause verpflegen lassen wollte. Die ultramontane Presse machte einen derartigen Spektakel über die„Vergewaltigung" der katholischen Bürgerschaft in Düsseldorf, daß unsere dortigen Genossen gezwungen wurden, zu dem doch eigentlich selbstverständlichen Antrag der Stadtverwaltung Stellung zu nehmen. In einer Resolution. die in einer Versammlung angenommen wurde, heißt es, daß die Krankenpflege mit der Religion nichts zu tun hat. Es wird deshalb gefordert, daß nicht allein in dem neuen städtischen Krankenhause weltliches Pflegepersonal, unter gänzlichem Ausschluß der religiösen Orden, eingestellt wird, sondern daß auch in allen übrigen Kranken- resp. Pflcgehänsern der Stadt dieselben Gesichts- punkte zur Geltung kommen.— Die Hamburger Stadt- und Borortsbahn-Borlage ist in der gesttigen Äbgpdsitzung der Hamburger„Bürgerschaft" endgültig an- genommen worden. Der von Stollen vertretene Antrag des Genossen P a c p l o w,„daß der Betrieb der elektrischen Stadt- und Vorortsbahn für Rechnung des Staates" erfolgen solle, wurde ab- gelehnt und der Antrag Rohde angenommen, der die Forderung stellt,„daß die Konzession zum Betriebe der elektrischen Stadt- und VorortSbahnen in Hamburg nach erfolgter öffentlicher Ausschreibung auf Grund der als Anlage 3 beigefügten Bedingungen gemäß Be- schlusses von Senat und Bürgerschaft demjenigen Reflektanten erteilt werde, dessen Angebot im öffentlichen Interesse als das annehmbarste erscheint"—_ Die Entschädigung der südwestafrikanischen Ansiedler. Die Erhebungen der Kommission, welche die Entschädigungen der Ansiedler in Südwestafrika festzustellen hat, sind, so wird uns gemeldet, noch nicht beendet. Da eine Feststellung des Gesamt- schadens von der Kommission noch nicht erfolgt ist, konnte eine Borlage dem Reichstage nicht im Hauptetat vor- gelegt werden. Es wird dies wahrscheinlich in einem E r- gänzungsetat geschehen; derselbe wird alles enthalten, was eine volle Schadloshaltung der Betroffenen erniöglicht. Man hofft an zuständiger Stelle, daß die noch erforderlichen Fest- stellungen in Bälde beendet sein können, zumal der Kommission da- durch, daß jetzt die Witbois ausscheiden, Gelegenheit gegeben ist, weitere Reisen zu machen, und die neu gebildeten Teilkommissionen auch intensiver arbeiten können, als vordem möglich war. Durch diesen ErgäiiznngSetat werden also die kolonialen AuZ- gaben noch weiter erhöhl werden!� Ganz abgesehen davon, daß einen großen Teil der Geschädigten selbst die Verantwortung für den durch die kolonialen Aus- pliinderungspraktiken provozierten Aufstand trifft, sollten doch auch gleichzeitig Erhebungen daniber angestellt werden, inwieweit sich die Händler und Fonner inzwischen durch Lieferungen für die Truppen für den erlittenen Verlust schadlos gehalten haben I— Gegen die geplante Tabaksteuer haben noch einen, Referate des Reichslagsabgeordneten Genossen Geyer die Leipziger Tabakarbeiter die folgende Resolution angenommen:„Die an, g. Dezember tagende öffentliche Versa», mlung der Tabakarbeiter Leipzigs prorestikrt mit aller Entschiedenheit gegen die seitens der Regierung dem Reichs- tage vorgelegte Tabak- nnd Zigarettensteuervorlage, überhaupr gegen jede Mehrbelastnng, welche die Ausbreitung der allgemein schädlichen Heimarbeit fördert, die Herabdriickmig der Arbeitslöhne begünstigt, den Komm der Tabakfabrikate einschränkt und darum Arbeitslosigkeit, Not und Elend für die Tabakarbeilcr zur FoPe haben muß, Die Versammlung fordert alle Beteiligten der Tabakindustrie auf. mit allen Kräften den Kampf gegen jede Mehrbelastung des Tabaks auf- zunehmen und zu führen."— Rückzug der badischcn MilitärvminSbrüder. AuS Furcht vor der großherzoglichen Ungnade hatte das Präsidium des badischen Militär- vereinsbnndcs bekanntlich diejenigen seiner Mitglieder in Ach, und Bann erklärt, welche dem nalionalliberal-sozialdeinvkratischcn Wahl- abkommen entsprechend bei der letzten Landtagsivahl für Sozial- dcmokraten gestimmt oder gar für die Wahl von Sozial- demokraten anfgefordert hatten. In liberalen Kreisen hatte das einen Sturm der Entrüstung erregt, denn die Klimbim- brüder rekrutieren sich fast ausschließlich aus der national- liberalen Partei. Und diele Leute hatte das Bnndespräsidinm mit „Heuchler" imd ähnlichen Kosenamen reguliert. Die Folge war eine förmliche Rebellion, die den Austritt einiger ganzer Vereine anS dem Bund und vieler Einzel», itglieder ans den Militär- «reinen nach sich zog. Nun tritt das BundeSpräjidium den Rückzug an; m einem neuen Erlaß versucht man den ganzen Vorstoß als gegen die Sozialdemokratie hinzu- stellen. Der Ausdruck Heuchler besiehe sich nur auf Sozial- demokraten. die noch Mitglieder der Militärvereine bleiben. Ansschlüsse von liberale» Mitgliedern sollten ja mir in dem Falle erfolgen, wo Militärvereinler in Flugblättern dem Bundespräsidium zum Trotz zur Wahl von Sozialdemokraten anfgefordert hätten. Und auch hier werde man die Wahlerregung als mildernden Um- stand gelten lassen. Diese Riickzngsdeckung ist natürlich Blödsinn, doch für die liberalen MaimeSscelen genügt diese jämmerliche Motivierung; sie atmen auf und sind gliichich/ weiterhin an dem Klimbim teilnehmen zu können.— Das Kriegsgericht in Düsseldorf verurteilte zwei Ulanen des dortigen Ulanenregiinents zu je 3 Monaten Gefängnis. Die Ver- urteilten halten als„ältere Maniischaften" die Rekruten in brutalster Weise mit der Reitpeitsche mißhandelt.— LandtagSwahlcrgebnis im Scgcbergcr Kreise. Bei der im 13. Wahlbezirk dcS Regierungsbezirkes Schleswig staltgehabteu Landtags-Eisatzwahl wurden insgesamt 136 Stimme,, abgegeben. Davon entsielen aus Gutsbesitzer Wendroth-Mnessen sfreiksi 75, ans Gras Bandüsiii-Borstel(Bund der Landwirte) 33 und ans Professor Hänel-Kiel({i|.) 8 Stimme». Wendroih ist mithin gewählt.— Z, in, Fraiieilsiudiiim. Stuttgart, 5. Dezember.(SB. T. 33.) Das Kultusministerium gibt im„SiaatSanzeiger" bekannt, daß reichsangehörige ivcibliche Personen unter gleichen Bedingungen und in gleicher Weise wie männliche Personen als ordentliche Studierende zum Besuch der Technischen Hochschule in Stuttgart zugelassen werden. Hueland. Frankreich. Ocffcntliche oder geheime Präsidentenwahl? Paris, 3. Dezember.(Eig. Ber.) Die Wahl des Präsidenten der Republik beherrscht neben den Kammcrwahlen das Getriebe de? seinem Ende entgegen gehenden Parlaments. Die schleichenden Agenten der D 0 u m e r schcn Ver- schwörung arbeiten mit allen Kräften. Um den drohenden Verrat korrupter„Republikaner" zu verhindern, haben die radikalen Parteien beschlossen, in Anbetracht der Situation in letzter Stunde den Modus der Präsidentenwahl zu ändern. Nicht inchr geheim, sondern in 0 ffe n e r Ab st i mmu n g soll der Chef der Exekutivgewalt ge- wählt werden! Der Berichterstatter über den Sliitrag hat seine Arbeit schon vorgelegt, und das Gesetz könnte sofort erledigt werden, wenn die Majorität wirklich will. Die Reaktionäre fallen über den Entwurf wütend her. Geradezu grotesk ist der Protest, den sie im Namen der— Moral gegen die offene Wahl erheben. Die geheime Wahl des Präsidenten, sagen sie, sei ein Schutz dagegen, daß zwischen Wähler und Gewählten ein Dank- und Vergcltungsverhältnis entstehe. Aber in Wirklichkeit bedeutet die geheime Wahl hier nur die Möglichkeit, daß die Slbgeordneten, von ihren Wählern unkontrolliert, ihren Republikanismus verkaufen können. Die Leute aber, die die geheime Wahl des Präsidenten durchaus aufrechterhalten wollen, sind die- selben, die in, Senat und in der Kammer die wirklich im Jntereffe der bürgerlichen Freiheit notwendige Sicherung der geheimen Slbgeordneten- Wahl auf das heftigste bekämpft haben!— Im Senat vermochten sie sogar das neue..Klosettgesetz" zu Fall zu bringen, das indes von derDepnticrtenkammer mit einigen Aendermigen wiederhergestellt wurde. Aus dem Verhalten der republikanischen Slbgeordneten zur offenen Präsidentenwahl wird man ungefähr er- kennen können, wie viele Bonrgeois-Demolraten mit den reaktionären Maklern schon ins reine gekommen sind. Die Aussichten Doumers sind keineswegs gering. Wenn schon seinerzeit seine Wahl zun, Kammerpräsidenten gezeigt hat, wie viele Republikaner geneigt sind, ihren Parteigenossen ,n den Rücken zu falle», so haben die neuesten skandalösen Fälle politischer Korruption, die Affären M i r m a n und Augagneur, bestätigt, daß die republikanische Bürgertugend nur allzu bereit ist, sich bei lohnender Gelegenheit in Ware zu ver- wandeln.—_ Marokko vor der franzSsischcn Kammer. Paris, 3. Dezember.(W. T. B.) Ter nationalistische De- puticrte Favre hat dem Ministerpräsidenten mitgeteilt, daß er ihn am nächsten Freitag über die auswärtige Politik, besonders über die marokkanischen Angelegenheiten, zu interpellieren gedenke. England. Teutsch-englische Beziehungen. London, 2. Dezember.(Eig. Ber.) Auf Anregung Lord Aveburys und Sir Thomas Barclays versammelten sich hier diese Woche englische und deutsche Bürger, um für den englisch-dcutschei, Frieden zu demonstrieren. Auf den Gang des Völkerlebens können derartige Demonstrationen keinen Einfluß ausüben. Mau würde dem Frieden viel erfolgreicher dienen, wenn die Friedensfreunde den sachlichen Gegensatz zwischen den beiden Ländern offen und klar darlegten. Der Gegensatz ist vorhanden und wird durch die absolut nutzlosen deutschen Flottenrüstungen verschärft. Es wird der beut- schen Diplomatie nicht mehr gelingen, so erfolgreich zu operieren wie in den Jahren 1860— 1870. Das Buch der deutschen Politik liegt gegenwärtig jedem offen; seine Geheimnisse sind offenkundige Gemeinplätze. Jeder Zug der deutschen Politik wird sofort be- griffen, ja, er wird antizipiert, von vornherein unschädlich gemacht. England ist auf die deutsche wirtschaftliche Entwickclung ebenso- wenig eifersüchtig wie aus die amerikanische. Uebrigens führen wirtschaftliche Gegensätze nicht immer und nicht so leicht zum Kriege, Internationale wirtschaftliche Gegensätze können zum Kriege führen: erstens zwischen zwei jungen Nationen, die in der Vollkraft ihrer Jugend um ihre Zukunft ringen müssen; zweitens, wenn der Gegensatz so scharf ist, daß er eine der betroffenen Mächte mit voll- ständiger Vernichtung bedroht. Keine dieser Bedingungen ist im englifch-deutschen Gegensatze vorhanden. Dagegen ist England— infolge seiner maritimen Lage— nicht imstande, das Aufkommen einer großen deutschen Seemacht zu gestatten. Es ist einfach in der Nordsee kein Platz da für zwei gleich starke, modern-militaristische Seemächte. Der unmittelbare Gegensatz ist maritimer und geographischer Natur. Es ist derselbe Gegensatz, der ausgefochtcn wurde zwischen England und Holland im siebzehnten Jahrhundert, zwischen England und Louis XIV. im achtzehnten und zwischen England und Napoleon l. im neunzehnten Jahrhundert. Die deutsche Weltpolitik ist noch vielfach ein instinktiver Drang. Sie ist sich über die Grenzen ihres Wollens und ihrer Lcistungs- fähigkeit nicht klar. In dieser Unklarheit liegt die Gefahr für den Frieden. Dagegen ist die Seepolitik Englands kristallisiert in einer zweihundertjährigcn Geschichte. Die Grundsätze sind festgelegt, die Mittel zu ihrem Schutze werden eifrig gepflegt, und im Momente, da England sich überzeugt, daß Gefahr im Verzuge ist, wird eS prompt und mit der ganzen Wucht des britischen Reiches handeln und den Existenzkampf bis zum bitteren Ende führen. Zwischen England und Deutschland kann eS entweder auf- richtige Freundschaft geben, wenn Deutschland seine Flottenpolitik einschränkt, oder einen Krieg auf Tod und Leben, wenn Deutsch- land die englische Seeherrschaft herausfordert. Nicht durch Drohungen und nicht durch Friedcnsschalmeien kann dieser Gegensatz aus der Welt geräumt werden. Klare Erkenntnis der Lage, demokratische Reformen in Deutsckfland. zivilisatorische Slnnäherung der beiden Völker könnten den Weg zu einer deutsch- englischen Freundschaft bahnen. Aber so lange man sich in gewissen Kreisen Dciuschlands in napoleonischcn Illusionen wiegt, ist ein deutsch-enalischcr Vernichtungskrieg unvermeidlich. Venn es nicht gelingt, das Selbst- und das Kultur-Bewußtsein des englischen so- wie des deutschen Volkes zu der Höhe emporzuheben, auf der ein Volk angelangt sein muß, um sich�nicht mehr Krieg oder Frieden durch„höhere Winke" vorschreiben zu lassen.-- Schweden. Das Schulprogramm des Kultusministers. Der neue schwedische Kultusminister Berg ist der Reaktion ein Stein des Anstoßes. Schon der Umstand, daß ein einfacher und noch dazu freigcsinnter Volksschullchrer zum obersten Leiter der Kirchen- und Schulangelcgcnhcitcn berufen wurde, bereitete den Konservativen und Scheinliberalen großes Aergernis. Eine Deputation des„Vereins für Gewissensfreiheit und Reform des Religionsunterrichts" hat den Minister Berg dieser Tage über seine Meinung hinsichtlich der zu erwartenden Reform der Unterrichts- Methode an den Seminaren und Volksschulen befragt. Er versprach dafür zu wirken, daß diese Reform, besonders was die Religion au- betreffe, einen Schritt vorwärts bedeute. Seiner Meinung nach, so erklärte er, sollten die Lehrer und Lehrerinnen in den Seminaren mehr dazu, ausgebildet werden, einen allgemeinen rcligionsgeschichtlichen Unterricht an den Volksschulen zu geben. Ter dogmatische Religionsunterricht sowie das Lluswendiglernen von Bibclversen sollte möglichst eingeschränkt werden und am liebsten ganz fortfallen. Gelingt es dem Minister, diese Anschauungen zur Geltung zu bringen, so wird er sich um die Bcrbeffcruug des Schulunterrichts verdient machen. Gegenwärtig' werden die Kinder des Volkes auch in Schweden noch mit einer Unmasse rekigiöscn Lernstoffes über- füttert, zum Nachteil der für das Leben notwendigen und nützlichen Kenntnisse.— Norwegen. Die Sozialdemokratie Norwegens und ihre Abgeordneten. Das Verhalten der sozialdemokratischen Storthingsmänner bei der ftönigswahl wird nun auch von einem norwegischen Partei- organ, der in Trondhjem erscheinenden„Ny Tid", für unverständlich erklärt. Das Blair schreibt: „Wir begreifen mit bestem Willen nicht die absolute Not- wcndigtcit für die Sozialdemokraten im Storthing, bei der Königs- Wahl mit„Ja" zu stimmen. Dies crsckidnt mit uns vielen so unbegreiflich, daß eine öffentliche Erklärung der Motive von der Stortbingsfraktion gegeben werden sollte." Diese No'iz ist von„Social-Demokraten" ohne Hinzufügung einer eigenen Bemerkung übernommen worden, obwohl doch unser Brudcrorgan bekanntlich die Abstimmungsweise der Storthings- männer für eine bedauernswerte, aber absolute„Notwendigkeit" er- klärt hatl Man muß danach annehmen, daß die Redaktion doch Wohl nicht so ganz einmütig überzeugt ist von der Richtigkeit dieser ihrer Slussassuug. Uebrigens hat der Hauptredalteur, Genosse O l a v K r in g e n, dem Partcivorstand erklärt, daß er auf dem nächsten Parteitag, der wahrscheinlich zu Ostern 1906 stattfindet, unter kcinen Umständen wiedergewählt werdenwolle, und zugleich hat er sein Mandat als politischer Leiter deS Blattes niedergelegt.—„Social-Demokraten" hat im übrigen, abgesehen von der unverständlichen Ber- teidigung des Geredes von der„erzwungenen" Königswahl, während der ganzen Bewegung eine grundsätzliche republikanische Haltung bewahrt und ist auch dem überschäumenden Nationalismus und Hurrapatriotismus kraftvoll entgegengetreten. Das Gleiche kanni bis zu einem gewissen Grade von den Storthingsmänncrn der Partei gesagt werden. Um so mehr mußte bei der Königswahl ihr „Ja" und die Verteidigung dieser ihrer Slbstimmung durch„Social- Demokraten" überraschen. Diese Tatsache sowie das Verhalten der sozialdemokratischen Gcmeindevcrtrcter Knudsen und Gjöstecn zu den Einzugsscierlichkciten haben offenbar manchem unserer norwegischen Genossen viel zu denken gegeben, und es scheint, daß sich jetzt inner- halb der norwegischen Sozialdemokratie eine heilsame Krise vorbe- reitet. Dazu sagt„N y T i d" in einem Leitartikel, der die Ucber- schrift„Enttäuschung in Schweden" trägt, daß die Sozialdemokraten nnd auch bürgerliche Freiheitsfreunde Schwedens so oft auf Nor- wegen als das Fortschrittsland hingewiesen haben, daß sie sich jetzt durch die Königswahl und den ganzen mouarchisch-patriotischen Schwindel, der die Masse des norwegischen Volkes ergriffen zu haben scheint, doppelt enttäuscht fühlen. Es wird dann erklärt, diese Enttäuschung beruhe zu einem großen Teil darauf, daß man sich eine zu vorteilhafte Sluffassung von der freiheitlichen Gesinnung der norwegischen Bourgeoisie gemacht hatte. Dann führt der Artikel- schreiber fort: „Was die Enttäuschung und den Unwillen unserer schwedischen — und übrigens der Parteigenossen in der ganzen Welt— mehr berechtigt' erscheinen läßt, sind gewisse Ereignisse innerhalb der norwegischen Sozialdemokratie. Aber auch in dieser Hinsicht sollte man uns Zeit lassen. Man sollte daran denken, daß die norwegische Sozialdemokratie als Partei noch verhältnismäßig jung ist, jedenfalls zu jung, um sich selbst sowie ihre Arbeits- mittel und vor allem ihre Männer ganz zu kennen. Es sollte auch nicht vergessen werden, daß die sozialdemokratische Fraktion der Nationalversammlung ausschließlich von Distrikten gewählt ist, in denen die Bewegung und ihre Organisation eine in der Eile ausgeführte Arbeit darstellt, und daß ihr ferner dort beinahe ganz das notwendige Fundament: die Gewerkschaftslbcwegung fehlt. Zudem ist die Lage dieser Distrikte eine solche, daß die älteren und geübten Elemente wenig Kontrolle über die Bewegung ausüben konnten und noch weniger imstande waren, sie zu l e i tc n. Darum— gebt Zeit. Die norwegische Sozialdemokratie wird gewiß, wenn die Zeil dazu gekomimen ist, mit ihren Männern abrechnen, falls sie bon dem Wege der Prinzipien abgewichen sind. Und die norlvegische Arbeiterbewegung wird sich ganz ge- witz mit heiler Haut aus der bürgerlichen Kompagttieschaft retten, mit der sie sich im Laufe des Sommers teilweise zufrieden geben mutzte. Schwierigkeiten wird eS kosten— darauf muß man vor- bereitet sein. Slbcr es ist unsere feste Ueberzeugung, daß es ge. lingen und zwar vollkommen gelingen wird." Finnland. Der neue Senat. Im Anschluß an unseren gestrigen kurzen Situatiousbericht aus Finnland können wir heute mitteilen, daß der neue Senat ernannt und vom Zaren allergnädigst bestätigt ist. LeoMechelin hat daS Vizepräsidium übernommen, und auch der Volksschullehrcr K a r i, ein finnischer Millerand, ist als Senator ohne Portefeuille in die erlauchte Körperschaft eingetreten. Serbien. Serbien erwacht. Am Sonntag vormittag veranstalteten in Belgrad die sozialdemokratischen Arbeiter einen Demon» strationsumzug und forderten durch eine Abordnung vom Minister» Präsidenten und Präsidenten der Skupschtina die Zurückziehung deS neuen GewerbegefetzeS. Ter erster« erklärre, die Regierung werde für die Bedürfnisse der Gewerbetreibenden sowie der Arbeiter gleich- mätzig sorgen, sie könne aber nicht eine GcsellschaftsNassc zum Nach- teil einer anderen bevorzugen. Vor dem Parteilokal kündigte ein "'ebner an, daß, wenn nötig, der Generalstreik erklärt werden»�de. Die Ordnung wurde nicht gestört. Aehnliche Demonstrationen werden aus der Provinz gemeldet.— Asien. Japan beim Wettrüsten. London, 4. Dezember. Wie dem „Daily Telegraph" aus Tokio gemeldet wird, befinden sich im japanischen Budget für das nächste Jahr Ausgabcpostcn von einer Million Pfund Sterling für die Bildung 4 neuer Armeekorps, von 2 Millionen Pfund Sterling für Rcparaturzwecke der Marine und von L 200 000 Pfund Sterling für Port Arthur. Die Gesamtausgabe für das nächste Jahr wird aus 103 Millionen Pfund Sterling ge. schätzt, wovon 80 Millionen durch den Krieg veranlaßte Mehr, ausgaben jind,—, GewcrfercbaftUchee. Christliche Selbstbesicgung. Einen schmählichen Reinfall erleben die Christlicheil bei den Arbeiterausschuß Wahlen im Ruhrbezirk. Die christliche Gewerkvereinsleitung hat alles getan, um die Bergleute an die Wahlurne zu bringen, 50—60 Versammlungen wurden an einem Sonntag abgehalten, die Zentrums- presse tat ein übriges, galt es doch, eine fürchterliche Blamage vom Zentrum abzuwenden. Und der Erfolg? Nun, eine gewisse Presse redet von einem Siege der Christlichen auf der ganzen Linie, fordert aber damit nur den Spott der ganzen Welt heraus. Der Verband hatte ja den Christlichen das Fdd unbestritten überlassen. er beteiligte sich gar nicht an der Wahl, er hat viel- mehr zur W ahlent Haltung aufgefordert, um gegen das Schundgesetz zu protestieren. Und wenn man keinen Gegner hat. kann man doch nicht kämpfen, und ohne Kampf gibt es doch keinen Sieg. Aber trotzdem: die Christlichen haben „gesiegt". Sehen wir uns diesen Sieg an der Hand der bis- her getätigten Wahlen etwas näher an: Zechen Belegschaftsziffer ES wählten Julia......... 1000 143 Personen Recklinghausen II..... 3000 30„ König Ludwig...... 2000 30, von der Heydt..... 1300 7, Nach diesen Zahlen sind die„Siege" der Christen in der Tat sehr„glänzend". Nein, das sind keine Siege, sondern das Resultat be- deutet eine Niederlage, eine fürchterliche Blamage für die Christlichen, ein verdienter Fußtritt der Bergleute für die Regieruug, das Zentrum, das preußische Geldsacksparlament überhaupt. Wenn unter diesen Umständen schon von einem Siege geredet werden kann, dann ist er auf feiten des Ver- bandes. Der Verband gab die Parole Wahlenthaltung aus, und dieser Parole sind die Massen der Bergleute gefolgt. Das Ergebnis dieser Ausschußwahlen wird zeigen, daß die Christlichen trotz aller Renommisterei völlig einfluß- los sind. Erwähnen wollen wir noch, daß die sieben Christen auf „von der Heydt" wie zur Selbstverspottung zu allem noch einen V e r b ä n d l e r in den Ausschuß wählten. 8«rUn una Qtngcgentf. Ein allgemeiner Streik der Berliner Droschkenfichrherren und »Kutscher wird jetzt von den Beteiligten in Aussicht gestellt. Für nächste Woche ist schon eine große Protestversammlung einberufen. in der Kutscher und Fnhrherren gemeinsam über einen solchen Streik beschließen wollen. Die Ursache für diese Bewegung ist das soeben vom Berliner Polizeipräsidenten veröffentlichte und gleich in Kraft gesetzte Verbot des Befahrens des Potsdamcrplatzcs und anderer Verkehrsstraßen mit leeren Droschken. Diese Gefährdung der ge- meinsamen Interessen von Kutschern und Fnhrherren hat bewirkt, daß beide Parteien den Austrag der zwischen ihnen zurzeit schwebenden Lohndifferenzen vertagt und sich zur gemeinsamen Abwehr der neuen behördlichen Maßnahme vereinigt haben. Nachdem seitens deS Vereins der Droschkenkutscher schon eine geharnischte Erklärung gegen die neue Polizeiverordnung ergangen ist, haben jetzt auch die Berliner Lohuftihrwerks-Jnnung und der Verband der Droschken- fuhrherren Berlins und Umgegend beim Minister deS Innern Beschwerden dagegen eingelegt. Es wird darin die Meinung ver- treten, daß die neue Polizeiverordnung gar nicht zu Recht bestehe, weil der Polizeipräsident entgegen dem bekannten Erlaß des Reiws- kanzlers vorher nicht die Interessenten zur Meinungsäußerung gehört habe. DaS Verbot deS FahrenS leerer Droschken auf dem Pots- damer Platz und den angrenzenden Straßen wird als eine schwere Schädigung des Gewerbes bezeichnet, weil es die Kutscher zwinge, beim Auffuchen der westlichen Halteplätze große Umwege um den Potsdamer Platz mit ihren leeren Wagen zu niachen, ohne daß sie dabei Fahrgäste aufnehmen konnten, während gerade der Potsdamer Platz die lohnendste Stelle für die Aufnahme von Fahrgästen war. Sollten die Beschwerden nicht zur schleunigen Aushebung der Verordnung führen, so wird sofort vom Verband der D�schkenfuhrherren ihre RechtSgültigkeit in, Verwaltungsstreitverfahren angefochten. Den Ausgang dieses Ver- fahrens wollen aber die Droschkeninteressenten nicht abwarten, sondern vorher schon durch einen allgemeinen Demonstrationsstreik. ähnlich wie seinerzeit in Hamburg, die Behörde zum Nachgeben zwingen. Der Beschluß wird in der schon angekündigten allgemeinen Versammlung gefaßt werden. Die Stimmung bei Fuhrherren und Kutschern ist für den Streik._ Die brünstigen Hirsche. Der Gewerkverein der Maschinenbauer und Metallarbeiter sH.-D.) hat das Bedürfnis, sich zu seinen bisher schon erzielten Blamagen eine neue hinzuzuholen. Die guten Leutchen können nicht einsehen und begreifen, daß die Berliner Metallarbeiter trotz allen Liebes- werbens nichts von ihnen wissen wollen. Die Hirsche haben nun schon so viel Körbe erhalten, daß sie ein Korbgeschäst eröffnen könnten; aber das hält sie durchaus nicht ab, die gegenwärtige Siwation im Metallarbeitcr-Verband zu benutzen, um im Trüben zu fischen. Da wird nun die Erklärung von Wiesenthal in Nr. 230 des „Vorwärts" ausgeschlachtet und versucht, dadurch Mitglieder für den Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein einznfangen. Wenn die Hirsche nicht Hirsche wären, könnten sie vielleicht Glück damit haben. So aber wird auch dieser Versuch enden wie alle vorhergegangenen, nämlich ergebnislos. Der Trick, den die Hirsche anwenden, ist diesmal besonders plump. Erst auf den Metallarbeiter-Verband geschimpft und ihn kräftig verdächtigt und dann sich selbst als die einzige wahre demokratische Organisation anpreisen, das ist etwas zu deutlich. Ja, wenn nicht die famose Mauchgeschichte auf dem Delegierten- tag in Chemnitz wäre und weim besonders nicht der Nanie des Herrn Gleichauf. des Streikmörders von Mehlich, unter dem Flugblatt stände, dann würde vielleicht die Arbeit leine vergebliche sein. So aber besteht keinerlei Gefahr. Es ist schade umS Papier und schade um die Druckerschwärze. Schade besonders um die nutzlose Mißhandlung der deutschen Sprache, die im Flugblatt vorgenommen wird. Der Streik in der Faßfabrik von Mörtel zu Spandau hat mit einem Erfolg der Streikenden geendet. Den Bierfaßbaueru bleibt der Wochenlohn erhalten. Die Syrupstonnen werden jetzt pro Stück statt mit 90 Pf. mit 1 M. bezahlt. Eine anständigere Behandlung ist den Arbeitern versprochen worden. Sonstige Mißstände sollen beseitigt werden. DtutTdtta Reich. Die Bewegung der Holzarbeiter in B e r l i n ch e n hat nun zu einer Katastrophe geführt. Alle organisierten Arbeiter und Arbeite- rinnen sind nun von dem Unternehmertum wegen Zugehörigkeit zur Organisation gemaßregelt worden. Es handelt sich um 120 Per- sonen.— Zuzug von Holzarbeitern ist fen, zuhalten. Großartige Erfolge hat der Hafenarbeiter-Verband in Königs- berg nach der Lohnbewegung erzielt. Während noch vor einigen Monaten die Filiale nur eine geringe Stärke aufwies, zählt sie jetzt bereits über S00 Mitglieder. Ebenso find jetzt noch Verantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: die Gekreideiräger in eotpore dem Verbände beigetreten. Auch in Pillau ist eine Zahlstelle gegründet worden. Dieser Aufschwung datiert aus der allerletzten Zeit. Leipzigs BuchhandlungSgehülfen hatten im wesentlichen durch die rührige Agitation des Zentralvcrbandes der Haiidelsgehülfen und Gehülfinnen dem Verein der Buchhändler zu Leipzig durch ihren Ortsausschuß folgende Wünsche zur Regelung der Gehalts- und Arbeitsverhältnisse vorgelegt: neunstündige Arbeitszeit bei zweistündiger Mittagspause; Bezahlung der Ueberzeitarbeit niit 60 bczw. 7ö Pf., der Sonntags- und Nachtarbeit mit 1,30 M.: 14tägiger Erholungs- urlanb � Sonnabends in der Zeit von Rogate bis Ende September Geschäftsschluß spätestens um 5 Uhr bei zweistündiger Mittagspause; sechswöchige Kündigungsfrist: mindester Monawlohn von 110 M. bei vollendetem 18. Jahre; Beschränkung des Schreiber- und Lebrlings- Wesens. Der Verein der Buchhändler will aber nur einen Mindest- lohn von 100 M.. Bezahlung der Ueberstunden nach Maßgabe des Gehalts, zehnstündige Arbeitszeit und einen„angemessenen" Urlaub gewähren. Eine von 600 Gehülfen besuchte Versammlung beschloß nun die Wünsche der Gehülfenschaft noch einmal dem Plenum des Vereins der Buchhändler vorlegen zu lassen: auch wurde eine Reso- lulion angenonimen, welche die gesetzliche Festlegung der völligen Sonntagsruhe, der neunstündigen Höchstarbeitszeit bei zweistündiger Mittagspause, Abschaffung der Ansnahmetage, Sommerurlaub, früheren GeschäftSschluß an Sonitabendcn und HandelSinspektoreii verlangt. Die Handschuhmacher zu Burgstädt(Königreich Sachsen) haben ihren Unternehmern folgende Forderungen unterbreitet: Zehnstündige Arbeitszeit unter Fortsetzung des bisherigen Lohnes: Montags Be- ginn der Arbeitszeit eine Stunde später, Sonnabends Ende spätestens 5 Uhr; l�stündige Mittagspause; wöchentliche Lohnzahlung. und zwar Freitags.' Von 99 Betrieben haben bis jetzt 17 die Forderungen ganz oder doch teilweise bewilligt; die Arbeiter wollen sich mit dem Zugeständnis vorläufig zufriedengeben, indessen nichs unversucht lassen, um den Forderungen bei allen Firmen Geltung zu verschaffen. HuaUii«. Berpflichtung zum Streik. Einen bedeutungsvollen Entscheid hat dieser Tage das Baseler Gericht gefällt. Im April d. I. bcschloffen die Metallarbeiter in Basel den Streik. In der betreffenden Versammlung zirkulierte eine Liste zun, Umerschreiben mit folgendem Texte: Die Unterzeichneten verpflichten sich Hiermit für die Forderungen. wie solche von den Versammlungen der Schlossergewerkschaft auf- gestellt und den Herren Schlossermeiftern zugestellt wurde», ein- zustehen und in der durch diese Bewegung erfolgten Arbeits- einstelluiig die Arbeit nichi wieder aufzunebmen. bis der Ausstand beendigl ist. Der Ausstand wird als beendet betrachtet, wenn die Mehrheit der Streikenden oder der Zentralvorstand einen dezüg- lichen Beschluß gefaßt hat. Jeder der Unterzeichneten, welcher vorher die Arbeit aufnimmt, verpflichtet sich, an O. Schneebergcr, Sekretär des Schweizerischen MetallarbciterverbandeS. den Betrag von 100 Fr. zu bezahlen, sowie allfällige von der Lokalsektion be- zogene Unterstützung zurückzuzahlen" Diese Verpflichtung unterzeichnete auch ein gewiffer JauSlin. Dieser machte den Streik während acht Wochen mit und bezog während dieser Zeit 121,60 Fr. Unterstützung; bevor aber der Streik zu Ende war, ivurde er wieder„arbeitswillig". Der Sekrckär deS Schweizerischen Metallarbeiterverbandes klagte hierauf gegen JauSlin auf Zahlung von 100 Fr. Konventionalstrafe und 121,60 Fr. be- zogene Unterstützung. JauSlin machte dagegen geltend, seine Unter- schrift sei durch Drohung erzwungen worden. Er habe sich in einem wesentlichen Irrtum über die Dauer des Streiks befunden; die ganze Abmachung sei unsittlich, unmoralisch, weil damit«in Ver- tragsbruch, also etwas Widerrechtliches herbeigeführt und aufrecht erhalten werden sollte.— Nach drei Verhandlungsterminen ver- urteilte das Gericht den Jauslin gemäß Antrag zur Zahlung von 221,60 Fr. und zu allen Gerichts- und AnlvaltSkosten. Hue der Frauenbewegung. Genossinnen und Genosse»! Am Mittwoch, den S. Dezember, abends 8 Uhr spricht Genossin Rosa Luxemburg über den„politischen Massenstreik" in den „Germania-Sälen", Chaussecstraße 103. In der jetzt so bewegten Zeit ist es wohl für jeden notwendig, sich mit einem derartigen Thema zu beschäftigen und ersuchen um lebhafte Agitation für den Besuch dieser Versammlung_ Die Berlraurnspersoncn. Frauen bei Wahlen. Bei den Vertreterwahlen zur Allgemeinen Ortskrankenkasse in Elberfeld erlitten die Christlichen eine schwere Niederlage. Die fteien Gewerkschaften erhielten 4461 Stimmen, die Christlichen mußten sich mit 1198 Stimmen begnügen. Zu dem Siege haben die Frauen ihr Teil beigetragen. Die„Freie Presie" schreibt dazu:„Ungemein stark war die Beteiligung der weiblichen Kassenmitglieder an der Wahl. Diese Tatsache erfüllte unsere Christ- lichen mit besonderer Freude, glaubten sie doch, daß diese Frauen und Mädchen ausnahmslos für ihre Liste stimmen würden. In Wirklichkeit dürfte aber ein großer, ivenn nicht gar der größte Teil der Frauen und Mädchen für die fteien Gewerkschaften gestimmt haben. Jedenfalls ein besonders erfteuliches Moment der Wahl, das gewiß insofern weitere Folge haben wird, als sich die Gewerk- schasten im kommenden Jahre erstlich mit der Aufstellung von weib- lichen Vertretern sicherlich beschäftigen werden. Es könnte jedenfalls nur zweckmäßig sein, wenn sogar in» Vorstand ein weibliches Mit- glied Sitz und Stimme hätte." Ganz unsere Meinung. Versammlungen. Berichtigung. In dem Bericht über die Kreiskonferenz in Nieder-Barnim muß eS zu Beginn der Ausführungen Stadthagens statt„Er habe in der Sitzung vom 17. Juni gegen die Annahme der dort gefaßten Resolution gesprochen", heißen: Er habe in der Siyung vom 17. Juni am Schluß seiner im Auftrage der Genossen gemachten Darlegungen sich dagegen ausgesprochen, daß die Annahme einer Resolution nötig sei." Zu demselben Bericht ersucht uns Genosse Müller um Mit- teilung, daß seine Resolution vor den Ausführungen des Genossen Sonnenburg gestellt ist. Unser Bericht setzte als selbstverständlich voraus, daß jeder Genosse weiß, daß die Resolutionen vor Schluß der Debatte gestellt sind. Ferner ersucht uns Genosse Müller um Mitteilung, daß er ausgeführt habe, fein Antrag enthalte weder eine Zustunmung. noch eine Ver- urteilung, sondern spreche lediglich den Gedanken aus, daß die Parteigenossen nicht wollen, daß Parteiangestellte, ohne gehört zu werden, entlassen oder gekündigt werden". Dw Leser haben aus unserem Bericht ersehen, daß dieser dasselbe mit weniger Worten besagt. Genosse Müller ersncht endlich um Mitteilling dessen, was er gesagt haben würde, wenn er das Wort zur Begründung seines Antrages erhalten hätte. Er hätte nämlich dann„sich gegen das den Redakteuren gegenüber eingeschlagene Verfahren gewendet". Unser Berichterstatter konnte fteilich weder die nicht gehaltene Rede des Genossen Müller, noch mitteilen, daß sie sich im Gegensatz zu der im Laufe einer GeschäftSordiiuiigsdebatte gegebenen, von Genossen Müller jetzt wiederholten Begründung desselben Redners bewegen würde._ Ztz.Glycktt Berlin. AruZ u. Verlag: V"lvörtSBuchdr. u. VerlagSanstalt Letzte Nachrichten und Depefchen. Die Revolution in Rußland. Petersburg, 5. Tezember. lieber Eydtknhnen kommen endlich von angeblich von„Privatseite", wahrscheinlich aber durch die russische Regierung offiziös verbreitet, folgende mit Vorsicht anfzunehmendx Nachrichten: Der Kommandeur des VII. Armeekorps, General Möller- Sakomclski, teilte, wie der„Ruß" erfährt, mit, daß bei der Be- schicßung der Kasernen in Sewastopol vier Mairoftn und drei Rc- volutionärc getötet worden sind. 2000 Mann haben sich ergeben. darunter sind 1600 Matrosen und 400 Mann, von denen der größte. Teil Agitatoren in Zivil, der Rest Infanteristen sind. Ob- gleich diese letzteren 400 Mann ebenfalls über Waffen verfügten, so trat bei ihnen doch der größte Mangel an Organisation zutage. Die Stadt ist wieder ruhig. Eine große Menge Hafenarbeiter ist znr Wiederaufnahme der Arbeit bereit und Straßcnunruhe» sind nicht zu erwarten. Die Meuterer verrieten trotz ihrer großen Zahl und ausgezeichneten Bewaffnung keine Energie und nur Ungcwandtheit. Aus diesen Gründen sind auch die Menschcnverlustc geringer als irgendwo bei einem Zusammenstoße mit schlecht oder gar nicht be- waffnctcn BolkSmassen. lTcin stehen neuere Meldungen gegen- über, nach denen 1890 Matrosen gefallen sein sollen!) Die Unter- suchungskommission hat ihre Arbeit begonnen. An der Meuterei waren hauptsächlich Matrosen und Sappeurc und Privatpersonen. meist Juten, beteiligt. Vom Brcstschcn Regiment ist ein Soldat gefallen und zwei Mann verwundet. Von den Revolutionären sind drei Mann getötet und vier Matrosen verwundet, es geht jedoch das Gerücht, daß die Zahl der von den Einwohnern fortgeschafften Ver- wundeten erheblich größer sein soll. Die Petersburger Garnison ist in den letzten Tagen sehr ver- stärkt worden. Für den Fall von Unruhen ist die Stadt in vier Teile geteilt, in denen da? Kommando den Generalen O s s e r o w. Lubenski, Schirm und T r o tz k i übertragen worden ist. In diesen vier Teilen standen am 3. Dezember 42 Bataillone, 13 Schwadronen, 16 Sotnien Kosaken und 12 Maschinengewehre. Die Post, das Telegraphenamt und die Fabriken werden stark besetzt. Am selbe» Abend wurde eine Versammlung von Post- und Tele- graphenbcamtcn durch berittene Schutzleute und Kosaken, die mit Nagaikcn cinhicbcn, verhindert. Der Arbetterdeputiertenrat richtete im„Ruß" einen Aufruf an die Post- und Telegraphenbeamtcn, in dem er mitteilt, daß der Stadthauptmann erklärt habe, er handle auf höheren Befehl. Ein Steinwurf, ein Schuß", habe er gesagt, und die Menge werde durch Gewehrfeucr auseinander getrieben werde». Der Aufruf schließt mit der Auf- forderung, nicht im Kampfe zu erlahmen, bis der volle Sieg erreicht sei. Das Militär-BezirkSgericht verurteilte die an dem Komplott gegen den General T r e p o w beteiligten Personen zu vier bis zehn Jahren Zwangsarbeit. Petersburg, 5. Dezember,(lieber Ehdtkuhnen von der Petersburger Telegraphenagentur.) Nach den Angaben der In- Sektion der Fabriken beträgt gegenwärtig die Zahl der arbeite- losen Fabrikarbeiter in Petersburg 28000 Mann. Wie die Blätter melden, steht die Wiedereröffnung der nach den Januar- unruhen geschlossenen elf Abteilungen der von dem Priester G a p o n organisierten Arbeitervereine und die Rückgabe der beschlagnahmten Summen bevor. Die Sozialdemokraten eröffneten bereits den Feldzug gegen den Arbeiterverein und G a p o n. Die ozialrevolutionäre Partei erklärte in emer Resolutton, daß die von S t r u v e und G a p o n vorgeschlagenen Maßnahmen den Arbeitem nur Unheil bringen könnten. Die„Handels- und Jndustriezcitung" erfährt aus zuverlässiger Quelle, die Regierung stimme dem Projekt des allgemeinen Wahl- rechts zu.(Vermutlich, um die gefallenen Kurse der �Russen" durch Versprechungen zu heben! R. d.„V.") Die Lage in Petersburg ist unverändert. Ucber Stadt und Kreis Kiew ist der Kriegszustand verhängt worden, weil dort Unruhen ausgebrochen sind. Nach den Informationen des„Ruß" soll die Einberufung der Reichsduma spätestens bis zum 28. Januar erfolgen. Schwedische Borsichtsmaßregeln. Stockholm, 3. Dezember.(W. T. B.)„Aftonbladet" meldet» daß das Marineministcrium zwei Kriegsschiffe nach Rußland zum Schutze der schwedischen Untertanen absenden wird. Der Torpedo-» bootszerstörer„Psilanver" wird morgen nach Petersburg abgehen. Mit ihm kehrt auch der schwedische Gesandte in Petersburg auf seinen Posten zurück. Ein anderer Torpedobootszerstörer soll mit einem Handelsdampfer nach Riga abgehen, um sich dem dortigen schwedischen Konsul zur Verfügung zu stellen. Noch fünf Sozi». München, 5. Dezember. lW. T. B.) Bei der heutigen Wahl der Ersatzmänner für die gestern gewählten Mitglieder des Gemeinde- kollegiums wurden gewählt 14 Liberale, 5 Sozialdemokraten und ein Mitglied des Zentrums._ Demonstrierende Buchdrucker. Budapest, 3. Dezember. Heute abend zog ein Trupp von un- gefähr 1000 sozialistischen Setzern vor die Redaktion des hiesigen Organs der Kosiuthpartei, Ivurde aber von einem Kordon berittener Polizisten aufgebalten und zerstteut. Drei Demonstranten wurden verwundet. Starke Polizeiabtcilungen bewachen die Redakttonen der Koalilionsblälter._ Die danischen Textilarbeiter siegreich! Kopenhagen, 3. Dezember.(W. T. B.) Der Ausstand in samt- lichen Textilwarenfabriken Dänemarks ist jetzt nach fünfmonattger Dauer durch ein Uebereinkommen beigelegt worden. Die Arbeit ist wieder aufgenommen worden. Die Arbeiter haben eine Lohn- erhöhung und eine Verkürzung der Arbeitszeit erhalten. Arbeiter-Risiko- Hamburg, 5. Dezember.(W. T. B.) Heute stürzte hier in einem Hause der Bencckestraße bei einem Neubau eine Mauer ein, wodurch vier Personen schwer verletzt wurden. Zusammenbruch einer Bahnbofshalle. London, 5. Dezember.(W. T. B.) Ein Teil des Dachgewölbes der Eisenbahnstation Charing Crotz stürzte heute nachmittag mit furchtbarem Krach zusammen. Große eiserne Dachsparren fielen auf die darunter befindlichen Züge und Gleise, die dadurch zeitiveise vollständig gesperrt wurden. Man befürchtet, daß einige Arbeiter ge- tötet sind. Reisende sind, soweit bekannt, nicht verletzt. London, 3. Dezember.(W. T. B.) Von den bei dem Einsturz auf dem Bahnhos Charing Croß Verunglückten sind 23 Personen ms Hospital geschafft. Bisher sind vier Tote ermittelt worden. Ver» mißt werden sieben Personen. Es ist aber unmöglich, die Zahl der Toten und Verletzten festzustellen, die sich noch unter der großen Trümmermasse befinden. Es sind auch einige der vor dem Bahnhof haltenden Droschken zertrümmert, sowie mehrere Droschkenkutscher verletzt und zwei Droschkengäule getötet. Herabfallende Dach. sperren haben ferner das Dach des Avcnue-ThcaterS beschädigt. Ein Fcstlandszug wurde von der Station angehalten, bevor sich der Einsturz ereignete._ xaul Einger S-Eo., Berlin S W. Hierzu 3 Beilagen„.UnterMtungsblatt Dr. 285. 22. Jahrgang. I WlP Ks, Jstnirts" llttliüfi itüllislilnlt. Mitwoch, 6. Dezember 1905. Aus Italien. Gesetzentwurf über die Sonntagsruhe. giom, 2. Dezember.-ofte, um ihnen die zum Klarinetteblasen nötige Straffheit zu vergehen. Waren die Papierknäuel von Blut und Speickel durchträntt, so ergänzte er sie durch frische. .Man muß die Bosheiten, die Grausamkeiten manch eines Stadt- kapellen-Tyrannen kennen gelernt haben, um solche Tatsachen glauben und begreifen zu können. Und nun die sittlichen Gefahren des StadtkapellentreibenS, deS Musikantendaseins! Die jungen Charaktere werden gebildet unter den Eindrücken des wüsten Treibens in Kneipen und auf Tanzböden. Der Nachtschlaf wird zur Ausnahme. Halb betrunken, nervös über- reizt, suchen die Jünglinge erst gegen Morgen ihre Lagerstätten auf. In den Schlafräumen, deren Lustverhältnisse allen gesundheitlichen Anforderungen spotten, stehen oft drei Betten übereinander und nicht selten ist ein Beit für zwei Leute berechnet. Man muh selbst dieses Milieu kennen gelernt haben, um die ganz unglaublicken Fälle von Entartung begreifen zu können. Fast untauglich für den Brotkampf, verläßt der Musiker nach 4— 5 Lehrjahren die„Stadtpfeiferei", um teilzunehmen an dem ohnmächtigen Ringen gegen die staatliche Konkurrenz. Ein Heer von gewerbsmäßigen profitgierigen Arbeitsvermittlern, Agenten, vergällt ihm die Brocken, die die staatlich subventionierten Kon- kurrenten ihm lassen, und saugt die letzten Blutstropfen aus seinem fast blutleeren Körper. Durch die Nichterfüllung der dem Staat obliegenden Pflichten gegen die Zivilberufsmusiker, durch die Verletzung der Bürgerrechte derselben seitens des Staates, indem er die das Zivilmusikergewerbe ininierende Konkurrenz aus staatsfinanziellen und militaristischen Gründen gutheißt, wird die— ohne die Familienglieder mitzu- rechnen— 50 000 Köpfe starke Erwerbsklasse der Zivilberufsmusiker degeneriert. Der Kampf der Zivilberufsmusiker gegen die staatlich subven- tionierte Konkurrenz ist seinen Voraussetzungen nach in zwiefacher Bedeutung ein politischer Kampf. Die Zivilberufsmusiker werden ihr gutes Recht nie erbetteln, sondern nur ertrotzen, erkämpfen könne» durch kluge Geltendmachung ihres Wahlrechtes. „Diesen Kampf zu einem bewußten und einheitlichen zu gestalten und. ihm sein notwendiges Ziel zu weisen— das ist die Aufgabe der Sozialdemokratischen Partei." Euq Induftrie und ftandeL Der Berliner Arbeitsmarkt im Monat Oktober. Wenn auch, wie in jedem Jahre, im Oktober die Nachfrage nach Arbeitskräften in den Arbeitsnachweisen etwas abflaute, so ist dennoch die Konjunktur auf dem Berliner Arbeitsmarkte eine gute zu nennen, was auch die wachsende Zahl der Krankenkassenmitglieder und die steigenden Eimiahmen der Landes-Versicherungsanstalt Berlin beweisen. Die drei großen Industrien, die Metall-, die Bau- und die Konfektions-Judustrie sind im allgemeinen und großen gut be- schäftigt. Im Berichtsmouat fanden außer einer Anzahl partieller Streiks und Sperren in den verschiedenen Berufen, Lobnbewegungen bei den Rohrern, Weißgerbern. Rabitzputzern und Spannern, Speicher- arbeitern, in der Wäschefabrikation, den Elektrizitätswerken, bei den Etuisarbeitern, Kranzbindern und Kupferschmieden statt. De» Höhepunkt des Beschäftigungsgrades erreichte, nach dem Bericht des Zeittralvereins für Arbeitsnachweis, wie in jedem' Jahre der Monat September, und wenn auck in der ersten Hälfte des Oktobers die Nachfrage nach Arbeitskräften noch anhielt, so flaute doch in der zweiten Hälfte die Arbeitsgelegenheit merklich ab, so daß gegen den Vormonat eine Berschlechlerung einttat. Trotzdem darf die allgemeine Lage als ungünstig nicht bezeichnet werden, denn im Vergleich zum Vorjahre ist die Nachfrage gestiegen, dazu wirkte die Beendigung der Accssperrnng in der Elektto-Jndustrie als auch die Beilegung des Streiks in der Wäschefabrikation beruhigend aus den Berliner Arbeitsmarkt. In. der männlichen Abteilung kamen auf 100 offene Stellen 105 Arbeitsuchende, im Vorjahre 1l2 und im Vormonat 83. Gut war die Nachfrage im Handels- und Verkehrs- gewerbe. Zu Bau- und Erdarbetten. auf Kohlenplätzen und in den städtischen Gaswerken wurde eine größere Anzahl Ardeiter verlangt. In der Metall- und Eisen-, Papier- und Bekleidungsindustrie war ebenfalls recht rege Nachfrage. Dagegen hat sich die Arbeits- gelegenheit in der Leder- und Holzindustrie wie im Gastwirts- gewerve verringert. In der weiblichen Abteilung kamen auf 100 offene Stellen 88, im Vorjahre 83, im Vormonat nur 65 arbeits- suchende Personen. Das Angebot steigerte sich bereits am Anfange des Monats sehr erheblich. Die Nachfrage ist dem verstärkten An- gebot gegenüber auf allen Arbeitsgebieten, mit Ausnahme der Luxuspapierbranche, zurückgegangen. Die Löhne hielten sich trotzdem ziemlich auf der Höhe des Vormonats. In der Nachfrage nach HaicShaltnngspersonal ist nach den erhöhten Anforderungen der Ümzilgszeit eine Ruhepause eingetreten. Ter Riß im Kohlensyndikat. DaS Kohlensyndikat hat durch den vielbesprochene» Konstruktionsfehler einen unheilbaren Ritz bekommen, welcher seinerseits die Existenzdauer des Syndikats bestimmt. Mit Ablauf des jetzige», bis 1915 lausenden Vertrages hört das Kohlen- syndikat auf, den Markt zu beherrschen. Die Konzentratton in der Großindustrie ist über die Fonn der Syndikatsorganisation hinaus- gewachsen. Die Tendenz zu Fusionen usw. erhielt in einer Ve- stiminung des neuen Syndikatsvertrages einen Hebel zu kräftigem Einsetzen beim Niederreißen der alten engen Mauern. Die Förderung der Hüttenzechen, soweit sie in den eigenen Eisen- und Hüttenwerken konsumiert wurde, kommt auf die festgesetzte Beteiligungsziffer nicht in Anrechnung und bleibt von der 6 Proz. der Umlage betragenden Abgabe an das Syndikat befteit. Dieses, den Hütlenzechen eingeräumte Privilegium reizte natürlich zu Fusionen zwischen Bergwerksunternehmen und Hüttenwerken. Die reinen Zechen, besonders die älteren Gruben, die keine Aussicht haben, durch Fusionen ebenfalls der Vorteile der Hüttenzechen teil- haftig zu werden, protestierten dagegen, daß den. nach Jnkrafttrelen des neuen Vertrages von Eisenwerken angegliederten Gruben die Vorteile als Hüttenzeche zuerkannt werden. Es kam zu Prozessen mit der Firma Krupp und der Luxemburgischen Bergwerks- gesellschaft. In dem Prozeß mit der letzterenGesellsckiaft fällte das Essener Landgericht ein Urteil zugunsten der Beklagten; sämtlichen erworbenen Gruben wurde der Charakter als Hüttenzeche zugesprochen. Auf ein- gelegte Berufung hatte sich das Oberlandesgericht in Hamm mit der Sache zu beschäfttgen und fällte ein anderes Urteil. Durch dieses Urteil wird denjenigen Zechen, welche bisher noch nicht Hüttenzechen waren, auch dann, weuu sie angegliedert werden, die Sonderstellung aus dem neuen Syndikatsvertrage nicht eingeräumt. Aber, so besagt das Urteil weiter, sämtliche zu einem Unternehmen gehörende Zechen bilde» ein Ganzes und steht es dem Unternehmer frei, wie er seine Beteiligungsziffer verteilt. Das heißt: die Beteiligungsziffer der als Hüttenzechen charakterisierten Gruben kann auf diejenigen Zechen übertragen werden, die nicht als Hüttenzechen im Sinne des Syndilatsvertrages gelten. Damit bleibt die Tür zu weiteren Fusionen offen; jetzt, nachdem die rechtliche Grundlage geklärt ist, wird dem Anreiz zu Angliederungen erst recht Folge gegeben. Die Werke helfen sich, indem sie die ganze Beteiligung ihrer anerkannten Hüttenzechen auf den neu erworbenen Gruben fördern, die übrige Förderung, soweit es notwendig ist, in den Selbstverbrauch über- gehen lasten. Das Schicksal des Kohlensyndikats ist damit entschieden, die Monopolisten siegen. Mendelssohns in Nöten. Am Sonntag ist der Vertreter des Hanfes Mendelssohn, Schippel, nach Petersburg abgereist zu einer Konserenz mit Witte. Jedenfalls sollen Mittel und Wege aussindig gemacht werden, um ein weiteres Hinabgleiten der Russenkurie zu verhindern. Herr Schippel wird wohl mit den notigen schön frisierten Tabellen, die einen glänzenden Stand der russischen Finanzen nach- weisen, zurückkehren. Baumwollernte und Preistreiberei. Laut dem Berichte des Ackerbaubureaus wird die Gesamttrntc von Baumlvolle auf 10 168 000 Ballen geschätzt. Die Börse in New Uork und New Orleans bcantwortele die Schätzung mit enormen Preissteigerungen bei starken Umsätzen. In New Jork schnellte der Preis pro Ballen um 2 Dollar, in New Orleans um das dreifache in die Höhe. Später fielen die Preise um ein geringes wieder ab. Jnduftrialificruiig der Schweiz. In der letzten Zeit sind in der Schweiz mehrere neue industrielle Unternehnien begründet worden. In Arbon (Kanton Thurgau) eine neue Maschinenfa brik, eine Gießerei und eine große Bleicherei: eine daselbst bestehende Stickercifabrik wurde vergrößert. Im Kanton BaseNand steht der Bau einer größeren Uhrenfabrik bevor, in Zürich hat die eine Weile ins Stocken geratene Bautättg- keit neuen Aufschwung genommen. Preußische Zentral-GenosscnschaftSkasse. Die Gcschäststättgkeit der jetzt seit 10 Jahren bestehenden Kasse hat eine außerordentliche Ausdehnung erfahren. Von 141 625 574 M. der ersten Bilanz ist der Umsatz auf 9 835 159 967 M. im letzten Jahre gestiegen. In den acht Monaten deS laufenden Geschäftsjahres betriig der Umsatz über 8 Mlliarden gegen 6 Milliarden im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bis zum Ablauf des Geschäftsjahres am 31. März 1906 dürste sich der Umsatz auf 12 Milliarden gegen 9 Milliarden c» 1905 teigern. Der Gesamtumsatz seit Bestehen der Kasse belauft sich auf 52>/z Milliarden Mark. Neue Dampferlinien. Die Bremer Linie AtlaS richtet ab Januar 1906 zwei neue Linien ein zwecks Förderung deS Verkehrs mit der Levante. Erhöhung der Kupferpreise. Nochmals haben die Kupfcrpreise, die schon vor 14 Tagen um 3 M. heraufgesetzt wurden, eine Er- höhung, und zwar um 7 M., von 169 auf 170 M. erfahren. Als Begründung für die Preissteigerung wird die Abnahme der Vorräte angeführt. Nach einer Zusauiineuslellung der Firina Henry Molon u. Co., London, betrugen die lagernden und schwimmenden Vorräte in England und Frankreich am 30. November d. I. 13 690 Tonnen gegen 16 044 Tonnen am gleichen Termin des Vor- jahres. Lebhafte Beschäftigung in Schriftgießereien. Um die bis zum 1. April zu erledigenden Aufträge zu bewältigen, wird vielfach stark mit Uebeezeit geschafft. Auch hier ist es in der Hauptsache das Be- streben, die günstige Position vor Inkrafttreten der neuen Handels- Verträge anszunutzen, was die reichliche Beschäftigung erklart. StMform- Gußvcrband. Der Verband ist nach Meldung der „Nh.-Wests. Ztg" auf drei Jabre verlängert worden, auch wurde niit Hinweis aus die gesteigerten Rohmaterialien eine Erhöhung der Fabrikatspreise beschlossen. Ein Bwidrsbcschliiß gegen Ausfuhr elektrischer Energie. Der schweizer Bundesrat in Bern unterbreitet der Bundesversammlung einen als dringlich sofort in Kraft zu setzenden Buudesbeschlufe, wodurch die Ableitung elektrischer Energie, welche aus inländischer Wasserkraft gewonnen wird, ins Ausland von der Erteilung einer Bewilligung seitens des Bundesrates abhängig gemacht wird. Syndizicrung der bulgarischen Tabakindusiric. In einer in Sana abgebaltenen Versammlung der Interessenten ist beschlossen worden. die gesanile Tabakindustrie Bulgariens zu syndizieren. Mehrere Fabriken sollen geschlossen werden— zur„Regelung" der Produktion. Zusanimenschluß der deutschen Zuckerrafsinerien. In der General- Versammlting des Rheinischen Aktienve, eins kür Znckerfabrikatio» teilte der Generaldirektor mit, dah ein Zusammenschluß der deutschen Zuckerraffinerien angestrebt werde zwecks Verständigung über die Verkaufspreise in den einzelnen Provinzen. Kartell der Scidcnbranche. Die Vereinigung der deutschen Samt- und Seidenivarcngroßhäudler hat mit den deuischen, schweizerisch-n und öiierreichischen Seidenstofffabrikanlen einen Kartellvcrlrag ab- geschlossen. Gerichts-Zeitung. Notwehr gegenüber einem Einbrecher. In dem kleinen Vororte Mariendorf betreibt der Bäckermeister Fritz B l a s e n e r seit längerer Zeit eine gutgehende Bäckerei. Herr B. selbst ist kaum imstande, einer Fliege etwas zuleide zu tun, geschweige einem Menschen. Er ist auch allseitig nur als durchaus friedliebender und anständiger Mann bekannt. Ende Juli d. I. wurde sein behagliches Dasein durch eine» eigenartigen Zwischenfall erheblich gestört. Am Abend des 27. Juli d. I. hatte er sich, wie sonst, zeilig zur Rübe begeben. Kurz nach Mitternacht wurde er durch ein Geräusch wach. Er bemerkte, wie ein Mensch behutsam durch das offen- stehende obere Fenster hineinlangte und die unteren Fenster auf- wirbelte und öffnete. Gleich darauf ließ sich der nächlliche Ein- dringling leise in das B.'sche Schlafzimmer hineingleiten. In dem- selben Moment war Blasener mit einem mächtigen Satze aus dem Bette herausgesprungen, zugleich aber war der Einbrecher geflnwtet. Herr B. lief ihm, nur mit dem allernoiwendigsten Kleidungsstück bekleidet, nach. Der Verfolgung des Diebes schloß sich auch der Nachnvächter Lehmann an. Schließlich gelang es, den Flüchiling zu stellen. Es kam zil einem heftigen Äninpfe, bei welchem B. mit den Fäusten und der Nachtivächier mit dem Kolben seines Revolvers auf den Einbrecher losschlugen, bis dieser schließ- lich überwältigt war. Der Festgenommene wurde als ein Otto H i l g n e r ermittelt. Da seine Verletzung stark blutete, wurde er nach dem Krankenhause geschafft, w o er einige Tage später st a r b. Die Todesursache wurde indessen nicht in den Folgen der„Lynchjustiz", sondern in einer längst vorhandenen Lungentuberkulose und einem Nierenleiden gefunden. Trotzdem hatte diese Angelegenheit für Blasener ein unangenehmes Nachspiel in Form einer Anklage wegen einfacher Körperverletzung, da B.. wie er selbst zugibt, auf den Dieb losgeschlagen hatte. Das Schöffengericht II erkannte auf Freisprechung von Strafe und Kosten, da die Voraussetzungen des K 53. Strafgesetzbuch vorliegen. Nach§ 53 ist eine strafbare Handlung nicht vorhanden, Ivenn die Handlung durch Notwehr geboten ivar oder wenn der Täter in Bestürzung, Furcht oder Schrecken über die Grenzen der Verteidigung hinausgegangen ist.— Unverständlich bleibt, weshalb Anklage in einem so klarliegenden Fall erhoben ist. Staatsanwalt als Angeklagter? Am 19. Oktober d. I. wurde bor der ersten Strafkammer des Magdeburger Landgerichts ein Preß- Prozeß gegen den verantwortlichen Redakteur des„Magdeburger General. Anzeiger" verhandelt. Dieser war beschuldigt, fünf Mag'de- burger OffizierSkrauen durch einen kriegsgerichtlichen Vcrhnndlungs- bericht beleidigt zu haben. Es handelt sich dabei um gewisse Vor- gäuge in dem Pionierbataillon sMagdeb.j Nr. 4. die lebhaft an den Bilseprozeß erinnerten. In dem Bericht über die nicht öffentlich geführten Verhandlungen hieß eS, daß auch über die Affäre eines Leutnants Pfeffer verhandelt worden sei, der jetzt in Amerika ist, und„mit der Frau eines Vorgesetzten in verbotenen Beziehungen ge- standen habe". Durch diese Benierkuna fühlten sich die Frauen aller Vorgesetzten des früheren Leutnants Pfeffer, soweit ihre Gatten noch dem Armeeverbande angehören, verletzt und erzielten in jener Ver- Handlung die Verurteilung des beklagten Redakteurs zu 300 M. Geldstrafe. Die Anklage in diesem Prozeß führte Staatsanwaltschafts- rat Hildebrandt. Er sprach dabei wiederholt über die Presse sehr abfällig, und schließlich bei der Erörterung über die Person des Leutnants Pfeffer über eine abwesende und als Zeugin benannte Dame in einer Weise, daß diese nunniehr den Weg der P r i v a t k l a g e gegen ihn beschritten hat. Es war davon die Rede, daß Leutnant Pfeffer bei der Mutter eines Fräulein Weber zur Miete gewohnt und dieses Fräulein nach seiner Flucht einem Berichterstatter erzählt habe, daß der Grund der Flucht des Leutnants in seinen Beziehungen zu der Fran seines Vorgesepten zu suchen sei. Als nun die Vorladung der jungen Dame angeregt wurde, bezeickmele Staatsanivaltschaftsrat Hildebrandl diese als überflüssig, denn es sei doch klar, daß auch Fräulein Weber zu dem Leutnant in intimen Beziehungen gestanden habe. Sonst würde er doch nicht dazu gekommen sein, ihr so etwas zu erzählen. Diese Bemerkung des öffentlichen Anklägers gab schon in dem da- inaligen Termin dem Verteidiger des Angeklagten Anlaß zu einer scharfen Znrückiveisnng, indem er bemerkte:„Die Presse, die von dem Staaisauwalt hier so stark angegriffen worden sei. sei doch im allgemeine» rechi vorsichtig, und so leichtsinnig wie der Herr Slnars- anioalischaktsrai werde kein Berichterstatter und Redakreur vorgehen." DaS Fräulein, das mir einem Sergeanten verlobt ist und das sich den grundlosen Angriff dcS Staatsanwalts nickrt zu erklären ver- mockue, ging alebald mit einer Beickimerde gegen diesen vor und machte außerdem die Privarklage anbängig.— Ob das Gericht den Anklagebcschlnß erheben oder annehmen ivird, dem Staatsanwalt fehle der berühmte Dolus, bleibt abzuwarten. Antisemitr» unter sich. Der stellvertretende Vorsteher des Dresdener Sradtverordnetenkollegiums. Rechtsamvalt Dr. Haeckel, Mitglied der Rcformpartei, hat gegen seinen politischen Gesinnungs- genossen, den Stadtrat. Baumeister H a r t Iv i g, Reichstagsabgeord- neter a. D., vor dem Dresdener Slvöffeilgericht einen Beleidigungs- prozetz anhängig gemacht. Hartwig sirengte Widerklage an. Den Anlaß zu dem Prozeß zwischen den ehemals sehr befreundeten Re- fvrmern gaben Preßartikel, in denen Haruvig behauptete. Haeckel sei ein taiiloier, schimpiender, nur durch P>oteknon seiner Gesiniuings- gcnossen zum Vorstcherstellverlreter gewählter Herr usw. Dr. Haeckel gab in einer Erividerung seiner Ansicht Ausdruck. Haruvig fehle die Würdigkeit zur Bekleidmig seines Stadtratsamts. Das Schöffen- geeicht verurteilte Hartwig zu 300 Mark Geldstrafe und wies seine W-derklage ab. Privatdetektivs wegen Meineid verurteilt. Der Privatdetektiv Agent Gustav Schulz und der Maler Ludwig Strebe! wurden gestern nach dreitägiger Verbandlung vor dem hiesigen Schwurgericht wegen ivkeineids verurteilt. Die gegen Schulz erkannte Strafe betrug 3 Jahre Zuchtbaus und 5 Jahre Ehrverlust, die gegen Strebet l'/a Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust. Die Angeklagten halten in einem EhescheidnugSprozeß angeblich von ihnen durch Recherchen ermittelte Tatsachen zeugeneidlich bestätigt. Vermischtes. Ei» Raubmordversuch ist bei Neu-Ruppin an der Waldkante in der Nähe der Badeanstalt verübt worden. Der Gärtner Sturm ans Alt-Ruppin, welcher an der Waldkante entlang ging, wurde plötzlich von einem Strolch, der au» dem Walde herausstürzte, überfallen. Mit dem Rufe:„Geld oder das Leben!" zog der Wegelagerer einen Revolver und als sich St. mit seinem Stocke zur Wehre setzen wollte, schoß der Angreifer aus ihn ab. Die Waffe ivar auf die Brust des Gäitners gerichtet gewesen und nur einer glücklichen Bewegung mit dem Ann hatte es cst. zu verdanken, daß die Äugcl nicht in die Brust, sondern in die rechte Hand drang. Der Rirnfftr floh jetzt wieder in den Wald zurück und war bald verschwunden. Infolge der quälenden Schmerzen war eS St. nicht möglich gewesen, dem Flüchtling nachzueilen. Dieter war etwa 35 Jahre alt, von mittlerer Größe, hatte rotblonden Schnurr- uno ebensolchen struppigen Spitz- barr. Er trug ein helles Jackett, alten grauen Schlapphut. über die Stiefel ausgefranste Hosen und machte so recht den Eindruck eines StraßenräiiberS. Der verwundete St. wurde nach einem Kranken- hause gebracht._ lieber Alkohol und Vererbung wird der Frauenarzt Dr. Simons am Mittwoch, den 6. d. Mts., abends 8'U Uhr. im Hörsaal der Arbeiter- WohIsahrts-AuSstellung, Charlottenburg, Fraucnhoserstr. tt/lS. einen Vortrag mit nachsolgender Ansprache halten. Einttitt sür jedermann srci. Sozialdemokratischer Lese,»nd Diskntierklnb„Düd-Oft". Heute Mittwochabend Ubr bei TolkSdors, Görlitzerstr. 58: Sitzung. Vortrag des ArbeitersekretSrs Genossen Link über„Die Unsallversichcrung". Gäste willkommen. Deutscher Arbeiter-Abstinenten-Viind. Ortsgruppe Berlin. Mittwoch, den S. Dezember, abends 8 Uhr, findet im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c, eine öffentliche Versammmlung statt. Auf der Tages- ordnung steht ein Vorttag des Genossen S. Katzenste-in über„Alkohol- frage und Arbeiterschaft". Bei der Wichtiglcit der Tagesordnung wird um zahlreichen Besuch gebeten._ Eingegangene DruchrchnfUn. Von der„Neuen Zeit" lStuttgart, Paul Singer) ist soeben das 10. Hest dcS 24. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir bervor c Der letzte Hort der Reaktion.— Der französische Parteitag in Chölon sur EaSne. Von Ch. Nappoport(Paris).— Eine Nachlese zum ,Vorwärls"-Konstikt. Von Karl Kautsty.— Der erste altrussische Bauern- tongreß.— Die ökonomische Lage des jndiichcn Proletariats in Rußland. Aus dem Russischen übersetzt von H. K.(Schluß.) � Literarische Rundschau.— Notizen. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu bezichen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. SN. Freimann. lieber den physiologischen Stumpfsinn des Mannes. t!>2 Seilen. E. Niginnun. Los von der Erbschaft. 97«eilen. H. Fischer. Spieler-Moral 19 Seiten. Sämtlich zu beziehen durch das„Moderne Verlagsbureau" Curt Wigand, Berlin-Wilmersdors, Kaiserplatz lö. P. Aiinian». Reuolutionen in Wcst-Europa. NiemanSky. Die Variier Kommune. Amsiteatrow. Die Frau in den sozialen Bewegungen Rußlands. I. Newiorow.«oldatcnbüchlein. Gustav Jäckh. Was ist eine Konststutio»? Geschichte der belgischen Arbeiterbewegung. Das Märchen von den vier Brüdern. Neue Ausgaben des Allg. Jüdischen Zirbeüerbundes in Littaucn, Polen und Rußland. Genf, Inxrimoris Israelit,», 81, rno de Carougre. Der Dropenpflanzer. Nr. 12. Organ des Kolonial-Wirtschaftlichcn Komitees. Berlin, Unter den Linden 40. Monatlich ein Hest. Bezugspreis jährlich 10 M. Biicher-BerzeichniS der Bivlioiheken und dcS Lesezimmers der Arbeitervereine im Westen Leipzigs. 67 Seilen. Verlag Leipziger Buch- druckerei A.-G., Leipzig. Monatsschrift des Deutsch-Brasilijchen Vereins. Hest 11. Expedition Berlin W 30, Elsholzstr. 12._ Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Dircktion. Rindfleisch In 65—70 pr. 100 Pfund, IIa 58—63, lila 52-58, IVa 42-50. Kalbfleisch la 84-88, Ha 72-82, lila 54-68, Hammelfleisch la 65—75, IIa 60-60. Schwciuefleisch 68—75. Rotwild Pfund 50— 54 Pf. Hasen Stück 3,50—3,70, klein 1,50-2,00. Kaninchen Stück 0,80-1,00. Hühner pro Stück, alte t.30— t, 83, junge la 0,80— 1,13. do. IIa 0,00—0,00. Tauben, junge 0,00—0,00, alte 0,40—0,45. Enten junge 1,50—2,50, Gänse pro Stück, la 3.50—4,—, IIa 2,50-3,00, pro Psd. In 0,58 0,63, IIa 0,50-0,56, Schellfische 16-20 M., Flunder 23—27 M. pro lOO Psd. Hechte 84—86 M., Schleie, unsortiert 00 M. Aale, groß 0,00, mittel 0.00, klein 0,00, Plötzen 32—37, Karpscn 00—00 M., Lachs 00,00. Scholtischc Vollheringe(gesalzen) 40—44 M Eier, Schock 5,00. Butter Pro >00 Psuud Ta 124—126, IIa 118-124, lila 115-118, abfallende 95—110. Kartoffeln pr. 100 Psd. rote 2,00—2,25, Roseil 0,00 0,00, blaue 0,00- 0,00, runde weiße 1,80- 2,00. Wirsingkohl pr. Schock 4.00-8.00, Weißkohl 6.00-8.00. Nollohl 4,00-8,00, Holl. 12-15 M Saure Gurken, Schock 2,00 M. Briefkasten der Redaktion. Juriltilcster Cell. Die jurifilschc Sprcihstiiildc stud-t täglich mit Ausnahme de? EomiadcndK von 7>i, bis O'l, llbr statt. tNeiissiic»: adcndS 7 Uhr. K. G. 190. Sie selbst müssen Ihren Anspruch aus Unsallrente bei der- jenigcn Berussgciioffenichajt geltend machen, zu der der Betrieb gehört. Es scheint das die Nordöstliche Eisen- und Stahl-Berussgenossenschast zu sein.— C. B., Schioed terstrnfte. 1. und 2.: Ja.— L. 31. Der Abzug ist nicht berechtigt. Es kann aber sür die frühere Zeit schwerlich noch was veranlaßt werden, weil nicht protestiert war.— H. I. 73. Auguststr. 03. Nein.— A. K. 8. 1. Das hängt vom Worttaut des Testaments ab. 2. Die Betreffende ist zur Herausgabe verpstichtet.— M. 3. 1. Ist das Testament in Baden oder in der Nheinprovinz errichtet, so kann eS, wenn die Formvorschriften(Datum, Ort, Unterschrist) beobachtet sind, gilltig sein i ein in Norddeutschland vor 1900 errichtetes eigenhändiges Testament ist ungültig. 2. Nein.— K. 40. Machen Sie Ihre Ansprüche bei der Krankenkaise geltend, eventuell Nagen Sie aus Anerkennung Ihrer Mitglied- schast bei der Gewcrbedeputgtion(Sttalauerslr. 1—3).— P. S. 100. ES ist möglich, daß daS von Ihnen beschriebene Spiel als Glückspiel erachtet wird.— Alter Abonnent. Anspruch aus Jnvatidemente ist(bei dem Magistrat, tzlbteilung für Invalidenversicherung, Köllnischer Park) zu erheben, wenn-tilindesteiis 200 Marken gellebt sind und entweder bereits 26 Wochen hindurch ErwerbSunjähigkeit oder dauernde Invalidität vorliegt.— U. Ja. — W. R. 101. 1., 2., 6., 7., 8. Eine Klage aus den von Ihnen an- gesührlen Tatsachen kann Ausficht aus Erfolg haben, wenn diese Tatsachen bewiesen werden. Sicherer ist nalürlick der Nachweis des Ehebruchs. 3. Ja. 4. 5. Nein. 9. Zunächst Sllhnetermin, dann Klage. 10. Ja.— Sil H. Ihrer Frau steht, falls sie ununterbrochen sechs Monate lang einer der Kassen angehörte, die Unterstützung zu. Eine etwaige Unterbrechung kann sie durch Verbleib als sreuoilliges Mitglied verlängern.— Alte Seele. Katholisch.— H. B. oder G. Z. 30. Ist ausgeklagt, so lassen Sie vollstrecken. Sonst klagen Sie. Die Verjährungssrist beträgt 30 Jahre Für de» Inhalt der Juirratc uberniiilmt die Redaktion dein Publik», u negrniivcr keinerlei Bcra»rn,ort»ng. Zbeater. Mittw o ch, 6. Dezember. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Der Evangelimann. Vbantasicn im Bremer RatS- leller. Schnnspielhaus. Der Damcnkrieg. Die Dienstboten. Neues Oper»- Dheatcr. Gustav Adols-Festspiele. Neues. Ein SommernachtStraum. Weste». Don Pasquale. Nachmittags 3 Uhr: Schlaraffenland. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Berliner. Maria Stuart. Nachmittags 3 Uhr: Die Wunder- -stocke. Lesstng- Die Wildente. Ansang 8 Uhr: Zentral. Milsetie. Nachmittag 3 Uhr: Prinzeßchen Goldtraut.° Kleines. Ein Feiertag. Angele. Stdiller O. cA vttiier-Thraler.) WanjuschinS Kinder. Schiller V iftricdrlch Wilhelm- liädtilches Tbcaler). Zapfenstreich. Komische Oper. Hoffmamis Er- Zählungen._ Residenz. Der Prinzgemahl. Triniion. Die herbe Frucht. Liistipielhaiis. Nemesis. Thalia. Bis früh um Fünft, Nachmittags 4 Uhr: Frau Holle. Eael'.Weist. Ter Mädchenhäiidler. Luiir». Der Veilchensresscr. Deutsch- Amerikanisches. Aber Herr Herzog! Nachmiliags 4 Ubr: Hansel und Grete! in Amerila. SNetropol. Aus ins Mettopol. Kasino. Das Opserlamm. A>»Ito. Prinzen Rosine Walhalla. L» Lebensgefahr. Herriifrld. Familieiitag im Hause Prellstein.._ «SiNlcrgarien. Eugenie Fougere. — Spezialitäten. FolieS EapriccS. Nach dein Zapfe». streich. Vorher: Familie Änopl- loch. Spezialitäten. RrichshaUe». Stettin«; Sänger. Passage. Spezialitäten. Urania. Tn»de»ii>»sie 48/40. Abends 8 Uhr: Tierlcben in der Wildnis. Steriiivarte. Jnoalidenstr. 157/62. Tägliw gcökiiiei von 7 bis t llbr. Berliner Theater. Nachmittags 3 Uhr: Die Wunderglocke. Abends 7'/, Uhr: Maria Stuart. Donnerstag: Annemarie. Vorher: Der Geigenmacher von Cremona. Neues Theater. Ansang 7,/j Uhr. 8in Scmmeniachtstrautn. Morgen und folgende Tage: Ein Sommernachtstraum. Kleines Theater. Zlbends 8 Uhr: Ein Feiertag. Hieraus; Angele. Donnerstag: Ghetto. Zentral-Theater Abends 8 Uhr mit großem Eftolge: Operette in 3 Akten von Herblay. MM Täglich 8 Uhr: DaS giNiidiosc, erstklassige ZpeMlitiiten- Programm. 9>/, Uhr: Prinzeß Rosine von Raul Llncke. Sonntag nachm. 3 Uhr: Frau luna und das vollständige Dezember- Spezialitäten-Programi». Luisen-Thealer. AbcndS 8 Uhr; DerBeilchenfresser. Donnerstag zum erstenmal: neue Herr. Freitag: Die Mönche. Sonnabend: Die Mönche. Sonntag nachm.: Othello. Abends: Die Mönche. Montag: Die Mönche._ Der Trianon-Theater. Heute zum erstenmal: Die herbe Fmdit Lustspiel in 3 Akten von Robeito Bracco. Deutsch v. Otto Eisenschütz. Anfang 8 Uhr._ Melropol-Theater Anfang S Uhr. Große Jahresrevue mifc Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Hauchen in all. Räumen gestattet. n-anenen in an. ruiuiutj" Meti-tMUM Theatüh HOpenlckerstr. 67. Dienstag; Souvenir- Vorstellung 100. Aufführung Jeden Abend 8 Uhr! Gastsp. ADOLF PHILIPP ABER! Herr HeraioB ♦ —""b-----~ Jeden Sonnabend« nachmittags 4 Uhr: Hansel und Grctl in Amerika. Jeden Sonntag nachm. 3 Uhr: L'ebcr'n großen Teich. Residenz-Theater. Direhtlons Richard HUxander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwank in 3 Akten von _ L. Tamos und I. Chance!. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Sehlat- wagenkontrolleur. Urania 8 Uhr: Tieilebin in der Wildnis. Sternwarte SS \ CASTANS ANOPTICUM; Friedrichstr. 165. „Ernte". Schattenspiel in 9 Bildern. Wanderung durch das Niltal. Restaurant: Harbureer SUnger. KasinosTheater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Allabendlich ansverkauft. »-�>�» Großer Lacherfolg? Das Opferlamm. Vorher das scnsation. Dczemberprogr. Neu! Baldwin Uroth. Neu I Sonnlag nachm. 4 Uhr: Arbeit schändet nicht. Palast-Theater Burgsfr. 24, 2Min.v.BH. Börse. Täglich 8 Uhr. Enttee 50 Pf. Elite-Dezember- Programm. Carin Andara, STn: Carl Braun, Im Krug zum griluen Kranze. . Singspiel von O. Richter und 10 erftklnssige Nummern. Famillenkarten in allen Barbier-, Frisier- und Zigarrengeschästen sowie im Thcatcrbureau unentgeltlich zu haben. Sonnabend, den 9. Dezember: Erttavorslelluiig zum Besten des Nationaldankes für Beteranen. Komisclie Oper. Friedrichstr. 104— 104 a. Mittwoch, den 6. Dezember, abends 8 Ubr: Hottmanns Erzählungen. Morgen und folgende Tage: Nokk- manne Erzählungen. Montag z. erstenmal: Die BohSme. Folies Caprice. Budapester Possen-Theater 132 Linlenstr. ,32 Ecke Friedrichstraße. Wohltätigkeits- Vorstellung zum Besten der russischen Juden. Zum SO. Male: Kach dem Zapfenstreich. Vorher: Der Dorfninsikant u. d. ausgezoichn.Spoziali tätenteil. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf täglich b. A.Werthelm und an der Theaterkasse v. 10 Uhr vormittags an. ( { ( ( J Das Passage-Theater. i i i Anfang abends 8 Chr.| sensationelle Dezember- Programni. Butlte Tafel l dem Jenseits).[ j(die Schrift aus i Paquarelle, Ä'Ä[ j 14 nrue erstklassige Rummern. i wwwwwwwwwwwwwwwwwwwi I Beile-Alliancel Theater- VorI6t6. Abends 8 Uhr: 14 ponsation. Debüts, j .Josephine Petit Flammen- und Radium-Tanz,| 8eppl Weriter Charakter-Komikor. Carl Weiß-Theater. Gr. Franksurlerstr. 132. Mädchenhäudler. Schauspiel in 5 Aus;, v. I. I. Hirsch. Ansang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonnabend 4 Uhr: Aschenbrödel. Abends 8 Uhr: Störenfried. Sonntag zum erstenmal: Von Stufe zu Stufe. W. Noacks Theater. Direktion: Hob. Dill. Bruimenstr. 16, Am Altar. Schauspiel»ach der gleichnamigen Erzählung E. Werners von C. Wcxel. Ansang 8 Uhr. Einttitt 30 Pf. Donnerstag aus vielfachen Wunsch noch einmalige Auffährung: KommeB. ftcue Kielt Hasenheide 108/114. Gastspieides Bernb. Rose-Thcatcrs Fräulein Doktor. Lustspiel in 4 Auszügen v. O. Walther und L. Stein. Ans. 3 Uhr. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Entrce 30 Pf., numerierter PI. 50 Pf. (im Abonnement 40 Ps.) ZanwoucUotthuserM' Direktion WMhelm Reimen. Heute Mittwoch: Die Brider votnSteiiM Charakterbild v.B.Steptzan. SoniUag Beginn 5 Uhr. Wochentags 8 Uhr.» Jcd. Dienstag, Mittwoch: Dhenter-�henil. Sonnt., Moni., Donnerst.: Holftiimms Norddeutsche Sänger und Tauzkränzchen. Der kleine Saal(töO Pers.) ist noch einige Sonnabende zu vergeben. Scli Iller-Theaf er. Schiller-Thealer 0.(Dallner-Theatcri. Mittwoch, abends 8 Uhr! liinilei-. Drama in 4 Akten o. S. Ncldjonow> Deutsche Bearbeitung v. Hans diaus- mann und Max Lie> Donnerstag, abe n dsSUhr: Freitag, abends 8 Ubr: Wniijitinchlii« Kinder. Schiller-Theater N.(gilcbi-.»SB!r§. Th,) Mittwoch, abends 8 Uhr: �apfenstrsicl». Drama in 4 Auszügen von Franz Adam Beyerlcin, DonnerStag.adendSSUhr: DI« liOgcnbrttdcr. Freitag, abends 8 Uhr: Colosseum Dresdener- StraQe 97. =— Anfang 8 Uhr.— Sonntags 7 ühr.—— Sötte Sebus Pod? "Ilf OM|)|tee Berlins größtes Geheimnis. ITVCei 14111» Tagesgespräch Chicagos. das unerreichte kom. Duett 0. Fflrst. Linke Carlsen. Bendix, �hm.�a'uhr'r Humoristische Voiksvorsteilung. Jod. Platy, 50 Pf,(1 Kind frei). Weihnachtspräsente X Peninachst: Hill XI. Berliner Saison.' 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Lerch mit Rück- ficht ans§ 7 de? bestehenden Tarif- Vertrages die von ihr eingestellten Heimarbeiter wieder zu enttassen de- ziehnngsweise die Heimarbeit wieder abzuschaffen. Da sich die Firma diesem Beschluffe nicht iügte, rief die Kommission das EinigungSamt des Gewerbegerichts an. Dieses hat in der Sitzung vom 18. Oktober 1905 nachstehenden Schiedsspruch gefällt: Das Einiglingsamt ist der Ansicht, dag die Fabrikatton von Schul- Tornistern und Schulmappen nach dem Tarifverträge sür die Koffer- brauche zu beurteilen ist. Die Firma Lerch darf daher, da sie bei Abschlnsi des Tarifvertrages vom 7. Juni 1905 Heimarbeiter Nicht 6c- schästigte, nach Nr. 7 dieses Vertrages Heimarbeiter überhaupt nicht ein- stellen. Nr. 7 des Tarifvertrages ist dahin auSzilleaen, datz Firmen, welche Heimarbeiier beim Abschlntz des Ber. trageS belchäsligten, die Anzahl der bisher für ihre Betriebe tätigen Heim« arbeitet keinesfalls vermehren dürfen. gez.». Schulz. Crohn. E. Bernhard. C. Koblenzer. Rod. Ahrens. Vorstehendem Schiedssprüche haben die Arbeitnehmer sich unlerworffen, während die Firma die Unterwerfung unier denselben abgelehnt hat. Berlin, den 2. Dezember 1905. Der Vorsitzende des EinigungSamIeS. gez.». Schulz. 8tvla Muffen etc. etc. liui' elg. Fabrikat Große Auswahl. Kaiman, Dresdenerstr. 75 vom II. 2.Haus v.Thalia-Th. Kein Zwischenhändler. Vork.auch Sonnt, u. Wochent. d. 9U. ab. Die schönsten Weihnachts- Qeschenke in tepvdecken tauft man am urtl#- mtrtfstcu nn- birtfl In Oer Saftrlf, 72 trrafic72, itioauchult» •ttVPOcitcn«ulfleorbtllel roeroea 9. 6 Ire 6 man hol, Berlin ta ÖllnUrlerter vrelskalalsp aratia. Sonntage ver Weihnachten geöttnot. Weißrniiee. (Tsle Mitglieder Paul Wotfgramm und Ctto Eoffers weiden hierdurch ausgesordert, ihren Ver- pffichiungen dem Verein gegenüber nachzukommen. Der Vorstand. W7b Verband der Lederarbeiter ßeukcblands. Berlin. Filiale I. Todcs-Anzcige. Am 4. Dezember 1905 verstarb unser Kollege und Verbands- Mitglied 132/14 Mm\i David. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donners- tag, den 7. M., nachmittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Pauls- Kirchhofes in Plötzensce aus statt. lim zahlreiche Beteiligung er- sucht Der Aorstand. Dsdes-rknuetg«. a(m 3. Dezember verschied sanft �4 nach längerem Leiden mein innigstgelieblcr Mann, unser Vater, Schwiegervater und Grosivater Hermann MeinMt im 63. Lebensjahre. 9776 Dies zeigen liesbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. d. M., nach. mittags 2 Uhr von der Kapelle der neuen St. Elifabeth-Gemeinde, Prinzen-Allee, aus statt. Zeutraillkrband d. Kand- schtthmacherDkutsdilllnds. Ortsxerein Berlin. Am 3. Dezember verstarb unser treues Mitglied, der Kollege Heraiaim Melnbardt im Atter von 63 Jahren. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet heute, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Elisabclh-Kirchhoss in Pankow, Wollankstraße. aus statt. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht. 299/6 Oer Ortsverein Berlin. Deutscher Metallarbeiter-Verband Berwaltnngsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Ksril Wiersing gestorben ist. 167/16 Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Rixdorser kirchhoses am Mariendorscr Weg aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Orisverwaltung. gjm Freitag, den 1. Dezember, ist in einem Anfalle von schwer- mul mein lieber Vater, der Milttärmützmmacher Gustav Fischoeder freiwillig aus dem Leben geschieden. Die Beerdigung findet aml Donnerstag, den 7. Dezember,! nachmittags 3'/, Uhr, von derj Leichenhalle des Neuen Luisen- Kirchhofes, Rizdorj, Hermann« stratze, auS statt. Adolf Fischoeder. Verein IM Hansttr.i Todes- Anwelge. Den Mitgliedern zur Nachricht, I daß der Kollege ,Iiiliu8 Heuendorf (Birlenstr. 21) nach langem Leiden an der! Proletarier trantljcü verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mltt- woch, den 6. d. M., nachmittags i 3 Uhr, von der Leichenhalle des! Neuen St. Johannis-nirchhoseS in I Piötzcnsce(hinter dem Schützen-! hause) aus slatt. S61d Um rege Beteiligung ersticht I Der Borstaiiv. Am 2. Dezember starb nach langem schweren Leiden unscr lieber Kollege, ber Schrisstetzer Dichsrd Köth im Alier von 48 Jahren. Ein ehrendes Andenken werden ihm bewahren Die MHglleder der Nordd. Buchdr. u. Verl.-Anttall. Die Beerdigung findet heule Mittwoch um 81/, Uhr. ans dem Luiscn-Kirchhos(Bergmaimstraße) statt. 9590 l-eibdaus H. M «criiu SW., Beuthslr. 6. Brillanten, üliren,. _ Goldwaren. Teils tS-SOV, unter Ladenpr. toi anlwottnteil vcr«Mv.: TS. Glocke. Berlin. Druck u. Berlag: Borwärt>Buchdruckttei u. Verlagsaustalt Paul Sinä»& Co.. Berlin SM 9,. 285. 22. 2. Ktilllgt Ks Möorii)üi1ö" Kerliner VlllksblM. Schulärzte. Der Deticht über die Tätigkeit der Berliner Schul ärzte im Jahre 1304/05, der städtischer Schuldeputation erstattet vom Stadtverordneten Dr. Artur Hertmann, dein Bor- siZenden der Freien Vereinigung Berliner Schulärzte, ist nunmehr einer größeren Oefsentlichleit zugänglich gemacht worden. Nachdem von der sozialdemokratischen Fraktion im roten Hause zu wieder-- holten Malen Anträge auf Einführung schulärztlicher Aufsicht für unsere Gemeindeschulen gestellt waren, wurden im Jahre 1000 zuerst versuchsweise 10 Schulärzte in Berlin angestellt; jedem Schul- arzte wurden zwei Schulen für seine Tätigtest zugewiesen. Da sich die versuchsloeise Einrichtung bewährte, wurde im Jahre 1003 die Zahl der Schulärzte um 26 vermehrt. Zwei Aerzten waren je 9 Schulen, 23 Aerzten je 8, 11 Aerzien je 7 Schulen zugeteilt. Bei einer Gesamtzahl von 223 297 Kindern waren somit jedem Schularzt 6200 Kinder unterstellt. Schon bei der Erörterung im Jahre 1903 wurde von unseren Freunden in der Berliner Stadt» verordneten-Versammlung gegen die Unzulänglichkeit der Vorlage Verwahrung eingelegt. Es wurde geradezu als ungeheuerlich hin- gestellt, den Aerzten zuzumuten, mit Befriedigung und mit vollem Erfolge ihre Tätigkeit auszuüben. Von unserem Redner wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, daß es den Anschein erweckt, als ob die Magistratsvorlage das ganze Schularztwesen in Mißkredit bringen wollte. Die vorliegende Denkschrist, die doch einen amt- iiichen Charakter trägt, sagt in dieser Hinsicht, daß Berlin bezüglich der Zahl von Schulen, welche einem Arzte unterstehen, eine Aus- nahmcstellung gegnüber allen anderen Großstädten des Reiches ein- niirant. Während it. Aachen 30, in Breslau 40, Kassel 44, Char- lotteitburg 36. Frankfurt a. M. 32, Hannover 12, Königsberg i. P. 50, Magdebnrg 18, Nürnberg 40, Schöneberg 37 und Wiesbaden 25 Klassen einem Schularzte zugeteilt sind, steht Berlin mit 127 Klassen an der Spitze. Es galt als selbswerständlich, daß die Schulrekruten vor der Einschulung zum Arzte gebracht wurden, da es sowohl für die Schule als für die Eltern mit großen Unannehmlichkeiten verbunden ist, lvcnn Kinder, die bereits ein- geschult sind und bereits die Schule besucht haben, als untauglich zurückgestellt werden. Unseren Warnungen zum Trotz wurde aber in die Dienstanweisung der Schulärzte die Bestimmung aufgenommen, daß diese Untersuchungen innerhalb der ersten sechs Wochen des Schulhalbjahres beendet sein müssen. Es hat sich nun herausgestellt, wie vorauszusehen war, daß diese Bestimmung zu schweren Unzuträglich leiten führte, so daß die Schulärzte sich trotz der Mehr- belastung bereit erklärten, die Untersuchungen vor dem Eintritt in die Schule vorzunehmen. Die Kinder mit ihren Eltern häuften sich nun aber hierbei auf den Treppenfluren der ärztlichen Wohnungen so sehr an. daß es iviederholt vorkam, daß sich die Hauswirt« lebhast darüber beschwerten, ja, daß die Unterslichungen der Erschienenen überhaupt nicht alle ausgeführt werden konnten. Untersucht wurde» bei der Einschulung 34 562 Schüler(17 236 Knaben. 17 326 Mädchen), so daß auf jeden Schularzt 960 Untersuchungen kamen. Wenn die Zahl der zurückgestellten Kinder 2027 8,5 Proz. eine geringere war. als in den früheren Jahren, so ist das sicherlich nicht, wie die Denkschrist meint, auf die Erfahrung zurückzuführen, daß LUnder aus den kümmerlichsten Verhältnissen in der Schule unter besseren hygienischen Verhältnissen als zu Hause gut gedeihen. sondern einfach auf die Tatsache, daß die Untersuchung nach Lag« der Dinge nur eine recht oberflächliche sein konnte. Von den bei der Einschulung untersuchten Kindern wurden in Ueberwachung ge- nommen 7041; im ganzen standen während des Berichtsjahres 24 SL5 Kinder in Ueberwachung der Schulärzte, jedem Schularzt waren somit durchschnittlich 673 Kinder zugewiesen. Grund der Ueberwachung war allein bei 13 Proz. ungenügender Kräftezustand, 22.4 Proz. Augenleiden, 3,4 Proz. Sprachstörungen, 3,2 Proz. mangelhafte geistige Entwickclung. Der Bericht gibt selbst zu. daß sich die Zahl der Uebcrwachtcn, je mehr sich die Schulärzte ein- gearbeitet haben, noch steigern wird. Es muß berücksichtigt werden. daß der Schularzt mit Hülfe der Ueberwachungsscheine die Kinder in Erinnerung behalten kann. Dies ist nicht mehr möglich, wenn die Zahl eine zu große wird. Für die Nebenklasscn wurden 702 Kinder untersucht; diese Untersuchungen, bei welchen der geistige Zustand der Kinder festgestellt werden muß, erfordern besondere Sorgfalt und großen Zeitaufwand. Für die Stottererkurse wurden 320 Kinder untersucht; von jedem Schularzte wurden sonnt durch- schnittlich 28 Kinder für Nebcnklassen und Stottererkurse unter- sucht. Endlich wurden den Aerzten aus besondere Veranlassung der Rektoren und der Schulkommissionen in Schule, Sprechstunde oder Wohnung 21 365 Untersuchimgen zugewiesen, für jeden Schularzt also 593 Untersuchungen. ES läßt sich demnach berechnen, daß von dem einzelnen Arzt untersucht beziehungsweise beobachtet wurden 2254 Kinder. Nicht gezählt sind die bei den Schul- besuchen angestellten zahlreichen Untersuchungen. Die in den Berichten der Schulärzte erwähnten Mängel über Ventilation, Heiznng, Beleuchtung, Abortanlagen usw. wurden bei den Baubercisungcn untersucht und tunlichst beseitigt. Die B e- Handlung der größtenteils den unbemittelten Ständen an- gehörigen Kinder wurde nur dadurch ermöglicht, daß in Berlin eine große Anzahl von Polikliniken insbesondere für die medizinischen Spezialfächer zur Verfügung steht, in welchen die Behandlung unentgeltlich geleistet wird, da die Behandlung den Schulärzten ver- boten ist. ES wird ausdrücklich anerkannt, daß die erteilten Rat- schlüge mit Dank angenommen und größtenteils befolgt wurden. Auch die Kinder beachteten die erteilten Ratschläge: wird doch in einem Berichte besonders hervorgehoben, daß die Kinder sogar eifriger auf die Ratschläge hören(ja einen gewissen Ehrgeiz ent- wickeln), als die Eltern selbst. In anderen Städten, in denen die Arbeiterbersicherung auf die Familien ausgedehnt ist. kann ein großer Teil der Kinder der kaflen. ärztlichen Behandlung überwiesen werden. Es ist zu wünschen, daß bei der bevorstehenden reichsgcsetzlichcn Neuregelung der Kranken- Versicherung diese allgemein auf die Familien der Arbeiter aus- gedehnt wurde. Auf ein Moment wollen wir in diesem Zu- sammcnhang noch aufmerksam machen, da es uns nicht möglich ist. auf alle Ausführungen der interessanten Denkschrift mit der ge- bührenden Ausführlichkeit einzugehen. Schon die Schule hat die Aufgabt, der. schweren Schädigungen, welche durch den Genuß alkoholischer Getränke hervorgerufen werden, nach Mög. lichleit entgegen zu arbeiten. Nach der maßgebenden Wissenschaft- lichcn Aufm, jung ist für.Kinder unter 14 Jahren der Genuß alko- holischer Getränke schädlich. Kinder sollen weder Bier noch Wein, noch viel weniger Schnaps, auch nicht in kleinen Mengen, erhalten. Nach den in einer Knabenschule und in einer Mädchenschule an- gestellten Erhebungen nahmen mehr als vier Fünftel der Kinder gewohnheitsmäßig alkoholische Getränke zu sich, darunter wöchentlich mindesten» einmal Sefinav» 10,9 Proz. Mädchen und 11,9 Proz. Knaben, täglich Sckmaps 1.3 Proz Mädchen. 4.3 Proz. Knaben. Bedeutsam ist die ungünstig« Einwirkung alkoholischer Ge- tränke, besonder» de» Schnapses, auf die Lernfähigkeit der Kinder. Von 100 Kindern, die nie alkoholische Getränke zu sich nahmen. hatten die Zensur weniger als genügend 8.3 Proz. Mädchen. 24.9 Prozent Knaben, von denen, die täglich Schnaps trinken, Sö.S Proz. Mädchen und 60,5 Proz. Knaben. Schon diese knappe Darstellung gibt einen untrüglichen Be- weis dafür ab. welch große Probleme bei richtiger Auffassung und Ausübung der schulärztlichen Tätigkeit diescr Faktor für die Volks- Hygiene der arbeitenden Klasse zu entwickeln vermag. Eine gedeih- ltckic Lösung dieser Frage ist aber nur möglich, wenn der Arzt sein Amt mit Befriedigung und mit vollem Erfolge ausüben kann. ES wird die dankenswerte Aufgabe unserer Genossen im roten Hause sein, auf Grund deS inzwischen geivonnenen Tatsachenmaterials mit aller Entschiedenheit für eine Vermehrung der Schulärzte in dem Umfange einzutreten, daß einem Schularzte nicht mehr als höchstens zwei Schulen übertragen werden dürfen. Versammlungen. Berliner GewerkschaftSkominission. In der gm Montag abge- haltenen Versammlung der Delegierten und Vorstände fand die Abstimmung statt über die Resolutionen, in denen die Bedingungen niedergelegt sind, unter denen die Aufnahme des Vereins Berliner Hausdiener, die in der vorigen Versammlung im Prinzip beschlossen wurde, erfolgen soll. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlas der Vorsitzende Eugen Brückner einen Passus aus Nr. 48 der..Einigkeit", in dem gesagt wird, der Ausschuß der Gewerkschaftskommission habe dem Verein Berliner Hausdiener mitgeteilt, daß feine bedingungslose Aufnahme in die Kommission beschlossen sei.— Demgegenüber erklärte Brückner, dieser PassuS enthalte eine Unrichtigkeit. Von einer bedingungslosen Aufnahme des genannten Vereins sei nie die Rede gewesen. Vielmehr habe der Ausschuß in seiner Sitzung am 1. November die Fortsetzung der EmigungSverhandlungen mit dem Verband der Handels- und Transportarbester unter Leitung des Ausschusses zur Bedingung der Aufnahme gemacht, und Wapp- ler, der Vertreter des Vereins Berliner Hausdiener habe sich aus, drücklich damit einverstanden erklärt. Zur Abstimmung wurde nunmehr folgende Resolution gestellt, die sieb mit der vorhin erwähnten Erklärung d«S Ausschusses am 1. November deckt: „Der Verein Berliner Hausdiener erklärt seine Bereitwillig- keit, nach Aufnahme in die Berliner Gewerkschaftskommission auf der Grundlage der Vorschläge des Handels- und Transport. arbeiter-Verbandes sich mit diesem zu verständigen. Die Eini- gungsver�mdlungen leitet der Ausschuß." Die Abstimmung war eine namentliche. Während derselben lies ein Schreiben vom Verband der Handels- und Transportarbeiter ein, worin es heißt: ..Bezugnehmend aus den in der letzten Sitzung gefaßten Be. schlutz, wonach grundsätzliche Bedenken der Aufnahme des Vereins Berliner Hausdiener nicht entgegenstehen, teilen wir Ihnen mit, daß es uns unmöglich ist, an den westeren BeratunKcn in dieser Angelegenheit teilzunehmen. Wir verweisen diesbezüglich auf die in der letzten Versammlung abgegebene Erklärung und überlassen eS den Delegierten, nunmehr selbst zu entscheiden, inwieweit sie unseren berechtigten Forderungen entsprechen wollen." Das Resultat der Abstimmung ist nach den Feststellungen der Zählung folgendes: Für die Resolution stimmten 34 Delegiert«, welche 108 480 MUglieder repräsentieren. Gegen die Resolution stimmten 54 Delegierte, die 42 200 Mitglieder vertreten. Da hin- sichtlich der Abstimmung in der vorigen Versammlung festgelegt ist, daß sie nach demselben Modus erfolgt, wie die Abstimmungen auf dem Gewerkschaftskongreß, so erklärte der Vorsitzende, daß die Resolution angenommen ist. Der Vorsitzende bemerkte, mit dieser Abstimmung sei der Auf- nähme des Vereins Berliner Hausdiener stattgegeben. Selbstver- ständlich habe sich der Verein jetzt nach dem Regulativ der Gewerk- schastSkommission zu richten. Der Vorstand deS Vereins müsse nunmehr bemüht sein, seine Mstglieder auf denjenigen Boden zu bringen, auf dem die Mstglieder der Gewerkschaften, welche der Kommission angeschlossen sind, stehen. Das sei die heiligste Aufgabe des Vereins Berliner Hausdiener. Der Ausschuß werde die weiteren Verhandlungen in die Wege leiten und die Einigung der beiden Or- ganisationen zu verwirklichen bemüht sein gemäß den Anweisungen, welche in der nicht zur Abstimmung gelangten Resolution Ernst Brückners gegeben sind. Diese Resolution besagt, zunächst solle der„Courier"(das Organ des Verbandes der Handels, und Transportarbeiter) als obligatorisches Organ für den Verein Berliner Hausdiener«in» geführt werden. Ferner solle der Vorstand des Vereins Berliner Hausdiener seinen Einfluß dahin geltend machen, daß der Anschluß des Vereins an den Verband der Handels- und Transportarbeiter bis zum 1. Januar 1907 vollzogen»verde und zwar könne das sehr gut geschehen auf Grund der Uebertrittsbedingungen, welche der Verband der Handels- und Transportarbeiter in der vorigen Ver- sammlung bekanntgegeben hat. Während der UebergangSzeit dürft kein gegenseitiger Mitgliederfang betrieben werden. Nunmehr entstand eine ausgedehnte Geschäftsordnungsdebatte über den bei der Abstimmung über die Resolution angewandten Modus. Mehrere Redner bezeichneten eS als unzulässig, daß, wie es geschehen, der einzige anwesende Vertreter einer großen Organi- sation mit sechs Delegierten sämtliche Stimmen seiner Organisation allein abgeben könne. Es dürft nur der Teil der Stimmen gezählt werden, der im Verhältnis der Mitglicdcrzcchl auf jeden der an- Wesen den Delegierten entfällt.— Hiergegen wurde von anderer Seite eingewandt, die Abstimmung sei so vorgenommen, wie eS auf dem GewerksclMSkongreß üblich und im Regulativ der Gewerk- schastSkommission für solche Fälle festgelegt sei. Selbst wem, man die Stimmen nach dem Modus zählen würde, den diejenigen ver- langen, welche das Abstimmungsresultat bestreiten, so würde dadurch an dem Endresultat nichts geändert werden.— In der weiteren Debatte wurde die Auslegung des Regulativs angezweifelt und die fragliche Bestimmung al» unklar bezeichnet. Ferner wurden auch grundsätzliche Einwendungen gegen den Abstimmungsmodus ge- macht weil durch denselben in jedem Fall« die großen Gewerkschaften die kleinen majorisieren könnten.— Schließlich fand auf Antrag Wels eine erneute Auszählung der Stimmen statt in der Weift, daß die Mitgliederzahl jeder Gewerkschaft auf deren Delegierte prozentual verteilt und nur die auf die anwesenden Vertreter entfallenden Mitgliederzahlen als Stimmen in Betracht gezogen mert$ie nach diesem Modus vorgenommene Zählung ergab für die Resolution 53 646 Stimmen, gegen dieselbe 22 182 Stimmen. Di« Resolution gilt also auch nach diesem Ergebnis als angenommen. Damit war dieser Punkt der Tagesordnung erledigt. Körsten bemerkte zu einer anderen Angelegenheit: In der vorigen Versammlung sei die Frage aufgeworfen worden, ob auch die Vertreter der in den Bororten bestehenden Unterlommissionen Stimmrecht hätten. Da diese Angelegenheit bisher noch nicht ge- regelt worden sei, so schlage er vor, drei Mitgliedern jeder Unter- kommission in den Delegiertenversammlungen Stimmrecht zu ge- währen und die endgültige Regelung dieser Angelegenhest bei der Neuberatung deS Regulativs, das aus verschiedenen Gründen um- gestaltet werden müsse, vorzunehmen.— Auf Antrag auS der Ver- sammlung wurde von einem Beschluß abgesehen und die ganze Frage bis zur Neuberatung des Regulativs vertagt, in der Erwartung, daß dies« nicht meh, lange hinausgeschoben werde. Ferner teilte Körsten mit: Di« in den Zahlstellen der Ge. werkschaften aushängenden Plakate haben neuerdings die Aufmerk. samkeit der Polizei erregt, sie sind auch schon in mehreren Fällen beschlagimhmt worden, weil ihr Inhalt gegen daS alte preußische Prehgesetz verstoßen soll. Die Gewerkschaften werden deshalb er» sucht, ein Exen'plmt der in ihren Zahlstellen aushängenden Plakate oder«ine Abschrift davon dem Ausschutz einzusenden, weil derselbe gegen das Vorgehen der Polizei etwas unternehmen will. Auch wird um Mitteilung der Fälle ersucht, wo Strafen wegen solcher Plakate verfügt worden sind. Das Gewerkschaftskartell Berlin und Umgegend hielt am 4. Dezember bei Wilke in der Brunnenstraße eine Porstäudc- und Telegicrtenverjammlung ab. Zunächst wurde die Abrechnung ver. lesen, die sich aus die Zeit vom 3. August bis zum 18. November er- streckt. Die Einnahmen, samt dem alten Bestand von 1466,55 Mark, beliefen sich auf 29 972,03 Mark, die Ausgaben auf 29 038,23 Mark; eS blieb also ein Bestand von 933,80 Mark übrig. Wie die Ab- rechnung erkennen läßt, haben die einzelnen. Gewerkschaften und ihre Mitglieder bei den großen Kämpfen dieses Sommers eine recht lobenswerte Solidarität und Opferwilligkeit bewiesen.— Die Versammlung erteilte dem Kassierer W e st f a l einstimmig Dcchargx. Ferner wurde beschlossen, dem Kassierer für diese Abrechnung 20 M. Vkankogeld zu gewähren. Ein Antrag, die einzelnen Gewerkschaften prozentual ihrer Mitgliederzahl zm Deckung der von. Kartell auf- genourmenen Gelder zu verpflichten, wurde dem Ausschuß zur Prüfung überwiesen. Sodann wurde die Präsenzliste verlesen. ES fehlten nur die Vertreter der Markthallenarbeiter und der Haus- diener. Darauf berichtete W i e s e n e r, Vertreter der Metallarbeiter- gewerkschaft, über den Kamps in der Elektroindustrie. Ter Redner, dessen Ansichten über die Taktik und den Verlauf des Kampfes im „Vorwärts" bereits wiedergegeben sind, bemerkte unter anderem, daß das Verhalten des Mewllarbeiter-VerbandeS bei den Delegierten- Wahlen zur Ortskrankentasse der Mechaniker nun wieder einmal be- weise, daß ein Zusammengehen mit dem Verband unmöglich sei.— In der Dislussion bemerkte Jakob Fischer(Klavierarbeiter), er habe sich gefreut, daß Cohen in der Generalversammlung der Zahlstelle des Metallarbeiter-Verbandes es offen ausgesprochen habe, daß kein Geld vorhanden war. Wo aber sei die Solidarität der übrigen großen Gewerkschaften geblieben? Tie Gewerkschaften des Kartells wollten Kassenkampfer erziehen.— Kleinlein machte einige Einwendungen gegen die Haltung der Vertreter der Metall- arbciter-Gewerkschast und meinte, daß sie während des Kampfes die Grundsätze des Kartells nicht energisch genug geltend gemacht hätten. Der Redner verurteilte scharf die Haltung der Genossen Timm, Frohme, Lesche und Elm.— Gegenüber seinen, die Haltung der Vertreter der Metallarbeiter-Gewerkschaft betreffenden Aeußc- rungen wiesen Zedier, Wiesener und Schröder darauf hin, daß sie innerhalb des Zentralstreikkomitees alles aufgeboten hätten, um in ihrem Sinne zu wirken, aber als Minorität nur in den seltensten Fällen mit Erfolg. Wiesener dankte im Namen seiner Gewerk- schaft für die großartige Opferwilligkeit, die die übrigen Kartell- gelverkschaften bei dem Kampf bewiesen haben. Dann wurde über den Antrag des Barbier-, Friseur, und Perückenmacher-Verbandes um Wiederaufnahme in das Kartell be- raten. Der Verband ist seinerzeit ausgeschieden, weil durch innere Streitigkeiten eine Spaltung entstand, die aber jetzt wieder be- festigt ist.— Schulz, der Vertreter dieser Organisation, erflärte, daß unter der neuen Leitung dafür gesorgt werden solle, daß stets die Grundsätze der modernen Arbeiterbewegung und deS Kartells hochgehalten werden. Itachdem der Vorsitzende Theodor Fischer die Erwartung ausgesprochen hatte, daß Verstöße, wie sie dem Ver- band zum Vorwurf gemacht worden sind, in Zukunft nicht mehr vor- kommen, wurde die Aufnahme beschlossen. Darauf kamen die in der Versanunlung der Fliesenlegersektiou deS Maurerverbandes erhobenen und im„Vorwärts" vom 23. No- vember wiedergegebenen Anschuldigungen gegen den Verein der Fliesenleger, den neuen Tarifvertrag betreffend, zur Sprache. Die Vertreter des Vereins, Giesche, Pagel und Reetz, erklärten diese Anschuldigungen für durchaus unberechtigt. Pagel verlas das Protokoll der Verhandlungen vom Gewerbegericht mit dem Passus, der den Vertretern der Sektion Veranlassung gab, von einer „Schwarzen Liste" zu reden. Etwas derartiges sei vom Verein durch- aus nicht beabsichtigt worden; auch habe man sich überzeugt, daß diese Liste ihrer Mitglieder nicht den einzelnen Arbeitgebern ausgeliefert wurde und keinerlei Mißbrauch getrieben werden kann. Der Redner ging ferner auf die festgesetzten Löhne ein und führte aus, daß unter den obwaltenden Umständen, zumal da man auch mit ber Lohnbewegung der neu organisierten Hülfsarbeiter rechnen mußte. die errungenen Vorteile wohl als annehmbar gelten könnten. Ebenso wurde auch die Behauptung der Sektion, daß die Lokalorganisation daran schuld sei, daß der Tarif ohne die Sektion abgeschlossen wurde, als durchaus unberechtigt zurückgewiesen.— In der Diskussion wurde allgemein die Meinung geäußert, daß die Kritik der Ver- treter des MaurervcrbandeS nur darauf berechnet sei, die sich immer stärker entwickelnde Freie Vereinigung der Fliesenleger Teutschlands ,m ganzen Lande zu diskreditieren. Metzle, Vertreter der Maurer erwähnte im Anschluß daran, daß man wohl den Beschluß seiner Organisation, vom November bis Februar nicht länger als acht Stunden zu arbeiten, seitens deS Maurerverbandes dazu auS- nutzen werde, dem Verein der Maurer eine Tendenz zur Verlange- rung der Arbeitszeit anzudichten. Tatsächlich seien aber die Ver- bandSmaurer bereit, wenn zwei Schichten eingeführt würden, sogar neun Stunden zu arbeiten, wie es ja auch ihr Tarifvertrag zulasse. Schließlich wurde noch über die Abhaltung des zu Ostern in Berlin stattfindenden 1. Kongresses der Freien Vereinigung der Ge- Werkschäften beraten. Die Berliner Filiale des Maler-BerbandeS befaßte sich am Montag in einer bei Keller abgehaltenen von zirka 2000 Personen besuchten Versammlung mit der Einführung der Arbeits- l o s e n- U n t e r st ü tz u n g. Als Referent war der Verbands- Vorsitzende T o b l e r° Hamburg erschienen. Redner erinnerte daran, daß sich die Organisation schon seit Jahren mit dem Gc- danken, die ArbeitSlosen-Unterstützung einzuführen, getragen habe. Bei der vorigen Urabstimmung aber seien die diesbezüglichen Vor- schlüge der Verbandsleitung abgelehnt worden, in der Hauptsache wohl deshalb, weil sie den Wünschen der Mitglieder nicht völlig gc- nügten. Laut Beschluß de» letzten VerbandStageS habe der Vorstand mit dem Ausschuß zusammen nun eine neue Vorlage aus- gearbeitet, die am 26. März kommenden Jahr-eS zur Urabstimmung kommen solle. Auch diese Vorlage biete nur wenig; sie sei eben- falls nur erst als die Grundlage einer späterhin noch besser aus- zugestaltenden ArbeitSlosen-Unterstützung zu betrachten. Unter den obwaltenden Umständen und unter Berücksichtigung der nur schwachen finanziellen Fundierung hätten sich im Augenblick aller- dingS keine besseren Vorschläge machen lassen. ES seien bei einer Beitragserhöhung von 10 Pf. während der Sommermonate und unter Beobachtung einer einwöchigen Karenzzeit folgende Unter- stützungssätze in Anschlag gebracht: Nach einer Mitgliedsschaft von 2 Jahren eine Unterstützung von 1 M. pro Tag auf die Dauer von 18 Tagen; nach 3 Jahren für 24 Tage; nach 4 Jahren für 30 Tage; nach 5 Jahren für MZ Tage und nach 6 Jahren für 42 Tage. Die Zeit vom 1. Dezemver bis 15. Februar, also die 11 Wochen der härtesten Arbeitslosigkeit im Jahre, müsse auS finanziellen Gründen bei der Unterstützungszahlung allerdings ausgeschaltet werden. Trotz dieser Mängel der Vorlage bitte er aber doch, die ganze An- gelegenheit sachlich zu beurteilen und vor allem in Betracht zu ziehen, daß mit den verfügbaren Mitteln zurzeit nicht mehr geboten werden könne.— In der Diskussion übte Unger scharfe Kritik an dem Vorschlage, denn dieser sei noch miserabler, wie der bei der früheren Urabstimmung abgelehnte. Besonderen Wert legte er auf die Zahlung der Unterstützung während der erwähnten 11 Winter- wachen, die in der Vorstandsvorlage ausgeschaltet werden. Im übrigen empfahl er eine Verschmelzung der Kranken- und Reise- Unterstützung mit der geplanten Arbeitslosen-Untcrstutzung. um daS Ganze in eine Erwerbslosen-Unterstützung umzu- wandeln, weil dadurch die Kontrolle vereinfacht werde und gleich- zeitig Ersparnisse der Verwaltungskosten erzielt werden könnten. Ebenfalls aus Sparsamkeitsrücksichten wandte er sich gegen daS HauStassiercr-System.— Alle übrigen Redner stellten sich indessen mehr oder weniger auf den Boden der Vorstandsvorlage. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. MAMAÄAW o äij SIKIMTZSSZW»®S Um den großen Andrang vor Weihnachten abzuschwächen und unserer werten Kundschaft den Vorteil der doppelten Sparmarken noch weiter angedeihen zu lassen, verabfolgen wir solche bis Sonntag, den 10. Dezember er. inkl Wir geben sonst bei einem Einkauf von l Mark 4 Sparmarken, an diesen Tagen jedoch Verkauf an Wiederverkäufer findet nicht statt. 8 Spar marken! Die Spielwaren sAusstellung; ist eröffnet. Als ein durch lausende«ou Dankesschreiben anerkanntes Mittel gegen Magenleiden empjehlen wir den echten lodisenen Kräuter- Map-Iä Allein zu beziehen: 34/174 kisxr. Kisdn, Hannover, Fn d. Nage,• Jede Auskunft w. gern kostenlos erteilt kriHanten als Spezialität außergewöhnlich billig. Max BrInnep,Jeru8alemer8tp.42. 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Referent Reichstags-Abgcordneter Dr. Südekum. L. Gewerkschaftliches.., 256/11 Bei der für jeden einzelnen so interessanten Tagesordnung erwarten wir, daß alle Mitglieder diesmal vollzählig erscheinen._ l>er Torstand. Billiger Weihnachts-Verkauf.|" Abteilung Kleiderstoffe ||olz-. Stein-,(|ipsbildhaner und JJoieHeure, Donnerstag, den 7. DtZtlnber, abends 8 Ahr, im HmerKschaftshanse, «ngel-Nfer lä(Saal i): Oefsentliche Versammlung. Tages. Ordnung: Tie Entwictelung der Gewerkschaften zu JudnstrieverliSnden und Berufsorganisationen. Referent: Franx Stnache. DW- Das Erscheinen aller Kollegen ist notwendig.__ 21/11 » iiar Orts- Krankeukasse V«m'aUuiitrK.teII« Berlin. Haupt-Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt TV 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV, 3353. Donnerstag, 7. Dezbr., abends 6� Uhr, im Lokal„FrankeS FestfSle". Sebastianstr. 39: Iflp Versammlung'WW oiln WerllZkngmachtr aus sämtlicheu Spkmlbetritbtu für Schnitte uud Stanzen. TageS-Ordnuna: 1. Der Streik bei Tietz«. Co. und unsere Stellung dazu. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen I der wichtigen TageS-Ordnung wegen erscheint Mann für Mann. Die Ortsverwaltnng. Donnerstag» 7. Dezember, abends 8'/� Uhr, im Lokal„PolkShauS', CharloUenburg, Rosmenftr. 3: Mitglieder-Versammlung vkarlvttendurg uml Umgegeml. TagtS. Ordnung: 1. Vortrag des Genossen DBw«II über:„Die Entwickrlung der Grossinbuftrie in Deutschland». L. Dislusston. S. Wahl der BezlrkZleitung sowie sämtlicher Funktionäre. s. VerbandSangelegenhciten. 167/17 Wegen der wichtigen TageS- Ordnung ist das Erscheinen sämtlicher Kollegen dringend notwendig. =-�=- Mitgliedsbuch legitimiert.--------- Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltnng Nlitttvved, 6. Dezember, abends 8'/- Uhr: Uertnillkilsmiimer-Dkchmmluilg: Medrll-«. Fabrilitischln, Msdelldrechsltr bei VVlk>nentU»I. Ackcrstrahe 123. Männer. 3. VcnchicdeneS. TageSordniing: 1. Bericht der Kommisswn. 2. Bericht der Vertrauens- Die Kommission. ir Heute Mittwoch, den 6. Dezember, abends 8'/z Nhr: Mitglieder-Uerfammlung im<3erverli»elinni»I»anBe, Saal V. TageS-Ordnung: 1. Unsere Partielle Bewegung. 2. Bericht der Kommission. 3. Anträge zur Klavierarbeiter-Konscreliz. 4. Sonstige Branchenaugelegenbeiten. Jede Fabrik muft vertreten sein!» _ Die Branchen-Kommission. Kntmaeher! Mittwoch, den ß. Dezember 1005, abend» 8'/, Uhr, in Wllhes Fcststtlcn, Brn»nenstr.,s?c 188: Mitglieder Versammlung TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht sowie Beschluhsaffung über den Antrag WcihnachtS- oeschenkc sär die Arbeitslosen und Invaliden bctrcssend. 2 Vortrag de» Stadtverordneten Genossen«chuhort über:„Die geu>eik>chastliche und Politische Bewegung». 3. Diskussion. 294/19 Der wichtigen Tagesordnung halber ist es eines jeden Mitgliedes Pflicht, S» erscheinen, vis VorstamlssiUuns lallt au«. Der Vorstand. der und verwandte» Gewerbe zu Berlin. Aus Grund des§ 62 des Staffen- slatutS geben wir den Mitgliedern hiermit bekaiiiit, dost der Vorstond sich gemäst ß 38 konstituiert und die Herren Hermann Blank alS ersten, Fritz D o p p jr. als zweiten Vor- sitzenden, Karl K ö st e r als ersten und Emil Damaschke als zweiten Schrtstsuhrcr gewöhll hat. Gemäst K 4t, Absatz 2 deS Kassen- statuts ist das Vorstandsmitglied Herr Karl K ö st c r bestimmt worden. Am Donnerstag, den 14. Dezember 1905, abends 8 Uhr, findet im Ratskeller, FraktionS- Zimmer, Jüdenstrr.fte, eine — außerordentliche—_ General- Versammlung der Arbeitgeber bebnlS Vornahme einer Ersatzwahl zum Vorstande an Stelle des ver- storbcnen Herrn Eduard Maethcr statt. Der Vorstand. 980b H. Blank. Reinwollene Cheviots, große Breite..... Reinwollene Kamnigarnstoite, glatt, gemustert Reinwollene Damentuche, schwarz, farbig.. Moderne Phantasie-Kleiderstofte...... Neueste Blusenstoffe, gestreift, kariert.... Wollene Klnderschotlen.......... Hauskleiderstoffe............ 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Die verbündeten Regierungen beantragen beim Reichstage eine Verdreifachung der seitherigen Brausteuer und Erhöhung der Steuer bis zu 12,50 Mark pro Doppelzentner Malz! Es gilt, einen feierlichen Protest einzulegen gegen eine solche Steuer, die das Lebensinteresse unseres Gewerbes bedroht, und zu diesem BeHufe beehrt sich der unterzeichnete Ausschuß, Sie auf Somitlig.>.» 10. DkMilier 1005, mmittligs ii% Uhr. zu einer in in der 112t stattfindenden Protest Nersommlnng ergebenst einzuladen. Möj�e niemand fehlen, denn Grones steht anf dem Spiele! Frankfurt a. M., den 1. Dezember 1905. Der 51c«treilssih»ß des DeitWe« grembWdes. s. s-mi». s f Mitteilung. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß die z„Zentral-festsäle" i seit heute in meinen Besitz übergegangen sind. l Empfehle meine Säle(200 und 300 Personen fassend) zu Vereins» ' sestlichlciten, auch kleine Räume zu Versammlungen usw. 820b* Hochachtungsvoll Mav Oranienatr. 180 und iTIctX ivur�|.exl9 Oranienatr. 19«. 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Wir ersuchen die organifierten Rohrer, diese ftitmen streng z» meiden. Die Lohnkommisfion. Knnskme-Stetten für„kleine Ehmigen". Osten: Wenzels. Franksurler Allee 79. Gustav Bogel. Koppenstt. 83. H. Ramm, Gr. Franksurterstt. 91. Hsocclontcn: L. Zucht. Keibelstt. 42. I. Rcul, Baniimstt. 42. Itkni-clcn: H. Raschle, Rügenerstr. 24. Kart Mars. Lychenerstt. 123. /z Uhr Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Schellhase mit Vortrag. Gute Beteiligung wird erwartet. Wilmersdorf. Heute Mittwochabend findet in Solomons Volks- garten eine außerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins statt, in der die Wahl der Delegierten zur Generalversammlung vor- genommen wird, außerdem stehen noch ein Vortrag und wichtige Vereinsangelegenheiten auf der Tagesordnung. Weiter machen wir aus die Jugendliteratur aufmerksam, die in der Versammlung aus- gestellt wird.— Das Erscheinen jedes Mitgliedes ist dringend ge- boten. Potsdam. WahlveremSversammlung am Mittwoch, den 6. Dezember, abends 8V2 Uhr, Bei Ladenthin. Der wichtigen Tages- ordnung wegen ist zahlreicher Besuch erwünscht. _ Der Vorstand. Vorort- j�acbnchten. schöneberg. Stadtverordneten-Versammlung vom 4. Dezember. >Tine Petttion der Oberlehrer der Stobt Schöneberg betr. Gleichstellung im Gehalt mit den Oberlehrern Berlins wird auf Alttrag des Ausschusses dem Magistrat zur Berücksichtigung über- wiesen. Ueber eine Petition des Vereins der Beamten der Stadtge- ineinde Schöneberg betr. Erhöhung der MietSentscha- d i g u n g für die Beamten der Klasse l(der Höchstbesoldeten) wird zur Tagesordnung übergegangen. Elne längere Debatte knüpft sich an die weitere Forderung des- selben Vereins betr. Gleichstellung der Mietsentschädigung der un- verheirateten mit den verheirateten Beamten. Der Ausschuß empfahl, auch hierüber zur Tagesordnung überzugehen. Von einigen bürgerlichen Stadtverordneten wurde der Antrag gestellt, diese Sache dem tRatsauSschutz zur uochnlaligen Prüfung zu überweisen. Vom Oberbürgermeister Wilde wird darauf hingewiesen, daß der ge- machte Unterschied sehr berechtigt ist, er ist den staatlichen Einrich- tungeu nachgebildet. Von unseren Genossen H 0 s f m a n n und K ü t e r wird betont, daß die Gewährung einer höheren Miets- entschadigung an die Beamten mit einem eigenen Hausstande sehr wohl berechtigt ist. Wenn man von den Beamten verlangt, daß sie innerhalb Schönebergs Wohnung nehmen sollen, so muß ihnen auch entgegengekommen werden.— Der von bürgerlicher Seite gestellte Antrag, die Angelegenheit nochmals dem Etatsausschutz zu über- Weisen, wird schließlich mit einer Stimme Majorität angenommen. Em« weitere Petition des genannten Vereins verlangt eine Teuerungszulage auch für die höch st besoldeten Be- a m t e n. Der Ausschuß empfahl, über dieselbe zur Tagesordnung überzugehen, da kein Grund vorläge, über das bereits Bewilligte hinauszugehen. Vom Berichterstatter wird darauf hingewiesen, daß diese Beamten wirtschaftlich so gestellt sind, daß sie die augenblickliche Teuerung sehr wohl ertragen können, im Gegensatz zu den Mindest- entlohnten. Der Ausschuß war der Meinung, daß vor allen Dingen denen eine Teuerungszulage zu gewähren sei die unter 2000 M. Einkommen hätten. Stadtv. Speck macht darauf auf- merksam, daß mit dem damaligen Beschlutz nicht der richtige Modus gesunden wäre, denn unter den Beamten� denen bereits eine Teuerungszulage zugebilligt worden wäre, befinden sich einige, die nahezu 3000 M. Gehalt hätten. Stadtv. Zobel tritt dafür ein, daß auch den höheren Beamten entgegengekommen werden müßte, mindestens aber denjenigen, die ein Gehalt unter 2850 M. beziehen. Stadtv. v. Frankenberg benutzte die Gelegenheit, um gegen den damaligen Beschluß, auch den Arbeitern die Zulage zu gewähren, zu Felde zu ziehen. Jetzt erst hat er herausgefunden, daß den Arbeitern eigentlich nicht rechtmäßig die Zulage gewährt worden sei, weil die Annahme des sozialdemokratischen Antrages ein Verstoß gegen die Geschäftsordnung gewesen wäre. Er wird aber vom Vor- steher unterbrochen und darauf hingewiesen, daß kein Verstoß gegen die Geschäftsordnung vorliege. Getreulich zur Seite stellte sich nun diesem konservativen Manne der Stadtv. S�ch ü l e r, der seine EntrüstuiN darüber aussprach, daß sich die Gradtverordnetei, fast in jeder Sitzung mit Petitionen der städtischen Beamten zu befassen hätten. Er ersucht die Versammlung, nicht zu weit zu gehen. Er richtet gegen unsere Genossen den Vorwurf, daß sie nur zu be- willigen verständen, aber wo das Geld dazu Herlommt, danach fragten sie nicht. Er bezweifelt auch, daß die Arbeiter die Teuerungs- zulage wirklich verdienen. Auch Stadtv. Bartelt erklärt, daß der damalige Beschluß schnell und in Erregung gefaßt worden sei. Er ist auch erstaunt, daß der Magistrat dem Beschlutz ohne weiteres zugestimmt habe.— Die Herren schienen sich auf den Magistrat verlassen zu haben, daß er die Sache ablehne. Oberbürgermeister Wilde betont, daß für den Magistrat kein Grund vorgelegen hätte,.dem von der Stodtverordneten-Versammlung gefaßten Be. schlusse beizutreten, denn sie hätte in erster Linie die Verantwortung die bürgerliche Mehrheit sei es gewesen, die gegen günstige Em» nahmequellen der Swdt gestimmt habe. Er erinnere nur an den Vertrag mit der englischen Gasgesellschaft im Jahre 1902. Er kennzeichnete dann ferner das Gebaren einzelner Herren, die jetzt nachträglich mit den kleinlichsten Einwendungen kommen. Weiter führt er den Nachtveis, daß es die Pflicht der Stadtverordneten- Versamiinlung und des Magistrats sei, vor allem den Schlechtent. lohntesten eine Zulage zu gewähren. Die interessante Debatte, in der sich einzelne Herren wieder einmal in ihrer wahren Gestalt zeigten, fand dann ihren Abschluß durch Ueberweisuna der betreffenden Petition an den Etatsausschutz zur nochmaligen Prüfung. Eine Vorlage des Magistrats betr. Schaffung der Rektor-, Lehrer- und Lehrerinnenstellen für die neu zu errichtende 11. Ge- meindeschule in der Feurigstraße und Bewilligung der Gehälter, wird dem Etatsausschuß üherwiesen. Teuerungszulagen. Dem Beschluß der Stadtverordneten-Ver- sammlung vom 13 November dieses Jahres, betr. die Gewährung einer einmaligen Teuerungszulage in der Höhe von 50 M. an die unteren Beamten der Besoldungsklassen IV und V sowohl wie an die städtischen Arbeiter und Arbeiterinnen, ist der Magistrat beigetreten. Die Auszahlung derselben ist bereits erfolgt. Die Gesamtsumme beläuft sich' auf ungefähr 26 000 M. Köpenick. In der letzten Stadtverordnetensitzung wurde dem Pächter des Restaurants„Weudenschloß", Dietrich, zur Uebertraguug des Pacht Vertrages für die Zeit vom 1. Januar 1906 bis dahin 1912 a» den Restaurateur Friedrich in Berlin die Genehmigung erteilt. Im An- schluß daran wurde ein Antrag des Herrn Dr. Göhring an- genommen, in welchem der Magistrat ersucht wird, in gemischter Kommission über die Normen für späten Verpachtungen städtischer Restaurants zu beraten. In die Kommission ivurdeu von unseren Genossen W 0 i ck und Kiele gewählt. Dem Anttage des Magistrats, den Neubau der Realschule betreffend, wurde nicht zugestimmt. da nur zwölf Klassen vorgesehen sind. Die Versammlung beschloß vielmehr, daß ein 15 klassiges Schnlgebände errichtet werden soll: die Bansumme wurde auf 341 000 Mark erhöht. Für die innere Einrichtung der Schule wurden 40000 Mark bewilligt. Dem Pachtgebot des Herrn Bittner auf Pachtung einer 3000 Quadratmeter großen Forstparzelle zum Restaurationsbetrieb und zur Aufstellung seiner Schmetterlingshalle auf 15 Jahre wurde die Genehmigung erteilt. Die Pachtiumme beträgt 1500 Mark und steigt von drei zu drei Jahren um je 300 Mark. Die Straßeureinigung und die Reinigung der Schlamm m stadtischen Diensten sind. Stadtv.'H öf'f mann(Doz.)' teilt mit, daß ihm bekannt geworden sei, daß nicht all« Arbeiter die Zulage erhalten hätten. Er fordert hierüber Aufklärung, denn basür müsse gesorgt werden, daß eine Willkürherrschaft nicht ein- reiße. Stadtv. Küter(Soz.) wendet sich gegen die Redner, die erklärten, daß die sozialdemokratischen Vertreter nur immer be- willigten und nicht fragten, wo da» Geld dazu herkommt. Gerade für die Reinigung der Schlammfänge Rixdorf. Am 3. Dezember hielt die Mitgliedschaft des Zentralverbandes der Handels-, Transport- und Berkehrsarbeiter Deutschlands ihre zweite diesjährige gutbesuchte Versammlung im Saale des Herrn Gellert ab. An Stelle des verhinderten Abgeordneten Genosien Fritz Zubeil hielt' Genosse Breslauer einen interessanten Vortrag über„Politische, gewerkschafttiche und genossenschaftliche Rundschau". In der darauf folgenden DiSlusfion sprachen sich mehrere Kollege» im Sinne des Referenten aus. Unter Punkt„Geschäftliches" machte der Vorsitzende bekannt, daß der Arbeitsnachweis(Richardstr. 112> in letzter Zeit von den arbeitS- losen Kollegen nicht mehr in dem Maße in Anspruch genommen wurde, trotzdem Stellen zu vergeben waren; er appellierte an die Kollegen, für die Zukunft den Arbeitsnachweis mehr zu berücksichtigen. Weiter wies er auf den am 6. Dezenrber in Kellers Festsälen, Koppensttaße, stattfindenden Projektionsvortrag hin; sodann machte er bekannt, daß am 17. Februar ein Maskenball stattfindet. Charlottenburg. lieber einen Eisenbahnunfall wird amtlich gemeldet: Der Vorort zug 1362 von Charlottenburg nach Spandau stieß heute abend 7 Uhr 19 Minuten bei der Ausfahrt aus Charlotteuburg mit dem von Westegd auf falschem Gleise komnienden Leerzuge 1903 zusammen. Persosten wurden nicht verletzt. Beide Maschinen wurden leicht be- schädigt. Zwei Wagen des Leerzuges waren mit je einer Achse entgleist. Zur Zeit des Unfalls herrschte starker Nebel. Der Lokomotivführer des Leerzuges hatte an der vorgeschriebenen Stelle vor dem Bahnhofe nicht gehalten und die Erlaubnis zur Weiterfahrt nicht abgewartet. Der Verkehr nach Spandau wurde durch Ein- führung des eingleisigen Betriebes aufrechterhalten. Weihensee. In begreiflicher Aufregung befindet sich die hiesige Bürgerschaft, daß sich nach einer Meldung des„Lokal-AnzeigerS" der erst neu- gewählte Gemeindevorsteher Dr. Woelck, bisher Stadtrat in Schöne- verg, schon wieder um die zweite Bürgenneisterstelle dortselbst beworben hat. Während er am Montag die erste Gemeindevertreter- sitzung Hierselbst leitete, berieten die dortigen Stadtverordneten über seine Anstellung als zweiten Bürgermeister; nach dem Bericht ist er auch in die engere Wahl gekommen. Seinen Aintsaustritt aus Schöneberg begründete er seinerzeit da- mit, daß er in leitender Stellung stehen will; um so unbegreiflicher finden die hiesigen Einwohner seine so rasch ver- änderte Anschauung. Alle Hoffnung setzte mau darauf, daß Dr. Woelck die hiesigen Verhältnisse bessern würde, und man betrachtete es als ein gutes Zeichen, daß derselbe einstimmig als Gemeindevorsteher gewählt wurde. Reittickendorf-Ost. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins hielt Genosse Adolf Stern einen Bortrag über„Religion und Natur- Wissenschaft". An der Diskussion beteiligten sich die Genossen Schön- berg, Peitsch, Zielowsky und Aug. Schulz. Die übrigen Verhand- lungen drehten sich um da? Orgaiiisationsstatut für den Reichstags- ivahikreiS Niederbarnim, über das bereits am Sonntag in der Kreiskonferenz Beschluß gefaßt ist. so daß sich ein Bericht über die gepflogene Dlskussion erübrigt. Johannisthal. Die vereinigte» WahlvereinSvorstände von Johannisthal. Ablers- Nieder-Schöneweide und Rudow hatten zum Sonntag, den Hof, Nieder-Schöneweide und Nudow hatten zum Sonnlag, der 3. Dezember, in Johannisthal eine Volksversammlung arrangiert die sich eines guten Besuches zu erfreuen hatte. Genosse Molken- b u h r hielt ein Referat über die Revolution in Rußland und die Wahlrechtskämpfe in Oesterreich und Ungarn. Der Redner ging im einzelnen auf die wirtschaftliche und polittsche Konstellation in den einzelnen Ländern ein, um mit dem Wunsche zu schließen, daß den tapferen Freiheitskämpfern, insbesondere dem rnssischen Proletariate der Sieg beschieden sei» möge. Einstimmig gelangte folgende voni Borsitzenden eingebrachte Resolution zur Annahme:„Die heute, am 3. Dez., in Johannisthal in Krügers Festsaal tagende Volksversamm- hing der Orte Johannisthal, Adlershof. Nieder-Schöneweide nnd Rudow spricht den heldenmütigen Freiheitskämpfern in Rußland ihre vollste Sympathie aus und hofft und erwartet, daß es unseren russischen nach Freiheit und Menschenwürde ringenden Brüdern in Bälde ge- lingen möge, den kulturfeindlichen Zarismus nnd seine bübischen Schergen zu beseitigen zum Wohle der gesamten Menschheit. Weiterhin wünschen wir auch unseren österreichischen und ungarischen Genossen zu ihrer zur Erringung des allgemeinen gleichen geheimen und direkten Wahlrechts eingeleiteten Aktion den besten Erfolg. Die Versammelten erblicken in den österreich- ungarischen und russischen Freiheitskämpfern ihre Brüder, die für Ideale streiten. die die des Proletariats aller Länder sind. Die im Osten und Südosten Europas geführten Kämpfe sind Känipfe, an denen die Sozialdemokraten aller Länder beteiligt sind; ihre Siege sind Siege in dem Kampfe, die das Proletariat für die Befreiung der Arbeiter aller Länder führt. Stach einem kernigen Schlußwort des Vorsitzenden, der darauf hinweist, daß auch uns noch schwere Kämpfe bevorstehen, daß dann aber ein gut organisiertes Proletariat bereit sein müsse, den Kampf egen Reaktion und Finsteriiis zu führen, wurde die imposante Ver- nmmlung mit einem dreifachen Hoch auf die internationale für Freiheit und Menschenwürde kämpfende Sozialdemokratie geschlossen. Steglitz. Die Gninewaldbnhn wird endlich heute Mittwoch offiziell dem Verkehr übergeben werden. Bernau. Die Gründung einer Jugendorganisation wird hier von den Jugendlichen beabsichtigt. Am Sonntag, den 3. d. M., fand bei Friedrich eine öffentliche gutbesuchte Versammlung der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter statt, die auch von einigen erwachsenen Arbeitern besucht war. Auf Wunsch der Bernauer Jugendlichen hielt Max Peters vom Berliner Lehrlingsverein einen Vortrag über„Zweck und Ziele der freien Jugendvereine", der beifällig aufgenommen wurde. Nach einer Diskussion gelangte eine Resolution einstiminig zur Annahme, die sich gegen die sogenannten„christlichen" Jünglingsvereine und für Gründung einer freien Jugendorganisation, ähnlich der Berliner, aussprach.— Die Versammluiig wählte eine aus sechs Personen bestehende Kommission, die die zur Gründung notwendigen Vorarbeiten zu erledigen hat.— Die konstituierende Versammlung findet voraussichtlich am nächsten Sonntag statt. Friedersdorf(Kreis Beeskow- Storkow). Am Sonntag, den 3. Dezember, tagte hier im Lokal des Herrn Pätel die erste, von ungefähr 300 Personen besuchte, Volksversamm- lung. Der Reichstagsabgeordnete des Kreises, Genosse Zubeil, sprach über:„Die gegenwärtige politische Lage und wohrn treiben wir?" Redner beleuchtete in einem 2'/�stündigen Vortrage die ganze innere und äußere Politik Dentschlands und unterzog dieselbe einer scharfen Kritik. Reicher Beifall lohnte dem Redner für seine treffenden' Ausführungen. Von den an- wesenden Gegnern meldete sich trotz mehrfacher Aufforderung des Vorsitzenden niemand. Zwei Parteigenossen sprachen noch im Sinne des Referenten. Darauf teilte der Vorsitzende mit, daß am Sonntag, den 17. Dezember in demselben Lokal eine Versammlung zwecks Gründung eines Wahlvereins stattfinden werde. Nachdem der Vorsitzende noch aufgefordert hatte, daö Gehörte zu beherzigen und zu kräftiger Agitation für die Sozialdemokratie ermahnt hatte, wurde die Versanunlung mit einem dreimaligen Hoch auf die iuter- nationale, völkerbefreiende Sozialdemokratie geschlossen. Grotz- Lichterfelde. Arbeiter, Parteigenossen von Groß- Lichtcrfelde! Heute Mittwoch, den 6. Dezember d. Js., nachmittags von 4 bis 8 Uhr abends, finden die Wahlen der Arbeitnehmer-Beisitzer zum Gewerbe- gericht statt. Es ist Pflicht eines jeden Arbeiters, welcher in Groß- Lichterfelde wohnt oder tn Ärbeit steht, an diesem Tage sein Wahl- recht auszuüben und nur die Kandidaten zu wählen, welche in der stattgefundenen öffentlichen Gewerffchaftsversammlung auf- gestellt worden sind. Die Kandidaten des Lichterfeldcr Ge- Werkschaftskartells sind folgende Genossen: Für den Osten: Ruh- land, Oskar. Metallarbeiter; Zernick, Hermann, Bauarbeiter; Senst, Hermann, Maurer; Therow, Ernst, Töpfer; Platz, Gustav, Maurer; Möckcl, Peter, Stuckarbeitet; für den Westen: S t 0 f, Hermann, Maurer; Schrumpf, August, Maurer; Sehl, August, Tischler; Brabant, Paul, Maurer; Eckert. August, Bauarbeiter; Barth el, August, Töpfer. Die Wahl- lokale sind für den Bezirk östlich des Teltowkanals: Restaurant Henning, Jungfernftieg 5; für den Bezirk westlich des Teltowkanals: Restaurant Haffke, Kyllmannstraßc 7. Wahlzettel sind bciin Ob- mann des Gewerkschaftskartells, Genossen Ziege, Groß-Lichter- felde-Ost, Bahnhofstr. 31, II und in den beiden Wahllokalen tvährend der Wahlzeit zu haben. Das Gewerkschaftskartell für Groß-Lichterfelde. Potsdam. Die letzte Stadtvcrordneten-Bcrsommlung beschäftigte sich mit der Neuwahl des ersten Bürger>n ei st ers und seiner Besoldung. Nach den diversen Wünschen und Forderungen soll der Nachfolger des verstorbenen Oberbürgermeisters Jaehne ein wahrer Wunderknabe sein. Der neue Bürgermeister soll nicht bloß das weite Gebiet der kommunalen Verwaltung beherrschen, er soll auch ein tüchtiger Finanzier ssein und last not Isost— er muß auch— „repräsentieren" können... Es wurde ausgeftihrl, daß der Posten des Oberbürgermeisters von Potsdam deshalb wohl der schwierigste in der preußischen Monarchie sei.(?!)... Aus Antrag des Stadtv. Friedländer wird endlich beschlossen, das Gehalt für den kommenden Mann" auf dem Potsdamer Rathause mit 12000 M. zu normieren, steigend von drei zu drei Jahren um 1000 M. bis zum Höchstbetrage von 15 000 M. Das sei für eine „erstklassige Kraft" nicht zu viel; andere Städte gleicher Größe zahlten mehr. Die Anforderungen seien gestiegen, das Leben teurer ge- worden....(Der verstorbene Oberollrgenneister Jaehne erhielt 10 000 M. und 1000 M.„Dienstaufwandeutschädigung".) Jutereffant war dabei der Hinweis, daß für den„ver- antwortungSvollen" Posten deS erste« Bürgermeisters der zweiten Residenzstadt nur �lin Mann von„hervorragenden Charaktereigeil schaften" in bewacht kommen könne. der fich im Kommunak« oder Regierungsdienst bereits bewährt habe... lWäre es da nicht das einfachste, man überließe die Besetzung des BiirgermeisterpostenS dem— Hofmarschallamt?... Denn nie- mand kann bekanntlich zween Herren dienen, umsoweniger, wenn— wie in Potsdam— der Regierungs Herr souverän über den Stadt Herrn herrscht... D. B.)— Die Wahl selbst wird nach eingegangener Genehmigung der Regierung über das neue Gehalts- regulativ zu Anfang des nächsten Jahres ausgeschrieben werden. DaS Potsdamer Gewerkschaftskartell beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung auch mit dem„Vorwärts�-Konflikr und nahm nach kurzer Begründung durch den Vorsitzenden, Genossen Krakau, Stellung gegen den Artikel in Nr. 4a0 des„Korrespondenzblattes". Unter Parteinachrichten berichten wir über das Ergebnis der Debatte. Von den sonstigen VerhandlungSgegenständen ist noch zu erwähnen, die Wahl von zwei Delegierten iKrakau und Wesenberg) zur Berliner Konferenz der Brandenburger Gewerkschaftskartclle, welche sich mit den Entschädigungen resp. der Kostenaufbringung für die Teilnahme an den SchiedsaerichtSkonferenzen beschäftigen soll.— Beschlossen wurde die Abhaltung eines Lichtbildervortrages, den G r e m p e- Berlin im Januar halten soll: serner die Abhaltung eine? Silve st erVergnügens bei Ladenthin.— Hingewiesen sei noch darauf, daß das Lokal„Zum Prinzen Heinrich" in Eiche der Arbeiterschaft jetzt zur Verfügung steht und am 13. Dezember im„Viktoriagarten" ein medizinischer Vortrag stattfindet, in dem Dr. Rohlff über:„Die täglichen Berufs- und Frauenkrankheiten" sprechen wird. Selbst in den der Thcmis geheiligten Räumen kommen mitunter dreiste Diebstähle vor. So wurde dieser Tage das Potsdamer Land- gerichi von einem Langfinger unsicher gemacht, der aus dem Zeugen- zinnirer einem Brandenburger Arbeiter einen Hut und einen Regen- schirm stahl, während dieser im Strafkammersaal vernommen wurde. Aus dein Mantel des Brandenburger Polizeikommissars Priebe, den er ebenfalls im Zeugenzimmer während seiner Vernehmung hatte hängen lassen, stahl der Dieb eine gefüllte Zigarrentasche und ein goldenes Pincenez. Einem LandgerichlSrat wurden aus seinem in einem anderen Zimmer hängenden Ueberzieher die Handschuhe ge- stöhlen. In dein Verdacht der Täterschaft steht ein älterer Mann, . der sich iil auffälliger Weise auf dem GcrichtSslur herumgedrückt hat und dessen schäbiger Hut im Zeugenzimmcr gefunden wurde. Die böswilligen Alarmierungen nehmen jetzt auch in den Vor- orten überhand. Die Feuerwehren in Schöncberg, Charlottcnburg und auch in Nixdorf haben infolgedeffcn sehr zu leiden. In dem letztgenannten Vorort wurde die Wehr in der vergangenen Nacht allein zweimal grundlos in Alarm gesetzt. DaS erste Mal sollte am Maybachnfer 23 ein großer Dachstuhlbrand ausgebrochen sein. Im anderen Falle h>eß eS, die Salomonsche Lederfabrik in der Ber- linerstraße stehe in Flammen. Zweimal mußte die Freiwillige Feuer- wehr ausrücken, doch jedesmal war sie irregeführt Ivorden und mußte unverrichteter Sache wieder heimkehren. berliner l�ackricdten. Die er rief, die Geister.. Ilcbcr die diesjährigen Berliner Stadtverordneten- Wahlen bringt nun auch ein Blatt aus der Ullsteinschen Zeitungs- fabri? eine kritische Betrachtung. In der„B. Z. am �Mittag", einer Fortsetzung der an Abonncntenschlound zugrunde gegangenen„Ber- liner Zeitung", wird auseinandergesetzt, daß diese Wahlen für den Liberalismus noch keineswegs günstig, sondern nur etwas weniger ungünstig als die früheren misgefallen seien. Dies« Dar- stellung ist nicht so verlogen wie diejenige, die die„Voffische Zeitung" und die„Freie Deutsche Presse" von den Wahlen gegeben hatten. Aber unehrlich ist auch sie noch; denn auch sie verschweigt, daß diesmal �,,di e Heimsuchung des Liberalismus durch die Sozialdemokratie" nur deshalb„nicht so arg ctusgesallen" ist, weil diesmal die Bürgerpartei dem Libera- lismus, auch Herrn Ullstein selber, mit besonderem Eifer beige- standen hat. Doch der Zweck der Stilübung, die das Ullsteinsche Sensations- bläitchen veröffentlicht, ist ja auch gar nicht der, dem Liberalismus die Freude au seinen„Siezen" zu vergälleu. Was dem Kritiker die Feder in die>äand gedrückt hat, das ist nichts anderes als die Furcht vor einem Wiederaufleben des ehemaligen Berliner„Fort- s ch r i t t r i n ge s". Mit diesem alten Namen glaubt er das Pro- bukt der neuen Einigung benennen zu sollen, die die Liberalen Cassel-Jakobischer Couleur jetzt von den Fraktionen der Stadtver- ordneten-Versammlung erwarten. Bei solcher Einigung müßten die „S o z i a l- F o r t s ch r i t t l c r" a!a Ullstein die Löwenhaut end- gültig ablegen, mit der sie sich ausstaffiert haben, und ihr natür- liches Grau käme wieder zum Vorschein. Denn eS versteht sich von selber, daß der Berliner Kommunalliberalismus die„liberale Eini- gung" nicht nach links, sondern nurnach rechts hin vornehmen kann. Mit dem bloßen„Fortschrittsring" von anno dazumal wäre heuts nichts mehr zu machen. Der„Ring" muh größer sein, muß auch die Bürgerpartei einbeziehen. Tie reaktionäre Presse, die „Krcuz-Zcitung", die„Post", hat das sofort nach den Stichwahlen gefordert, und der Liberalismus wird es gewähren müssen, oder er wird von seinen Handlangern„seinem Schicksal über- lassen". Die er rief, die Geister, wird er nun nicht loS. Kann maus den Handlangern verdenken, daß sie durch Ab- tretung einiger Mandate als„gleichwertig" anerkannt werden wollen? Mit welchem Eiser sie ihren Dienst verrichtet haben, das zeigt eine Durchsicht der Wählerlisten. Schon bei den Hauptwahlen war z. B. im IL. Bezirk der winzige Stimmenzuwachs, den die Liberalen hier zu erzielen vermochten, nur den zahlreichen Unter- Beamten zu danken. Bei der Nachwahl im 17. Bezirk ist der Stimmenzuwachs der Liberalen größtenteils ebenso zustande ge- kommen. Bei Leu Stichwahlen haben die Wähler der Bürgerpartei ihre Wahlpflicht fast eifriger erfüllt als die Wähler des Liberalismus. Ein interessantes Beispiel auS dem 1. Bezirk, der für die Liberalen noch am wenigsten gefährdet war, ist die Wählergruppc der Marftall- grundstücke. Von den 72 Wählern stimmten in der Hauptwahl 35 für die Bürgerpartei, von diesen blieben bei der Stichwahl nur 5 aus und die übrigen 30 stimmten für den liberalen Kandidaten. Außerdem holten die Liberalen ssür die Stichwahl noch 13 neue Wähler aus diesem Grundsnickskoinplex heran. Dieses Beispiel zeigt, wo die„starken Reserven des Ltberalismus" her- ''"ä interessanter ist übrigens der Ausfall der Ersatzwahl im 5 Bezirk der zweiten Abteilung. Hier wurde der Stadtverordnete Barth, der sich offen als r-ÄtSlib-ral bekannte, von einem Gegen- kandidaten bekämvst, der sich linksliberal gab, als der„allem, ge liberal? Kandidat" angepriesen wurde und die osfizielle Empfehlung ongcjehener Führer des Liberalismus für sich batte Gewählt wurde aber nicht der„alleinige", sondern der andere, vor dein der offizielle Liberalismus gettxrrnt hatte. Dieser andere wurde nämlich mit von den Wählern unterstützt, die sonst zur �urgerparte, hielten. Wieder ein Beweis, wie sehr der Berliner Liberalls- mus von der Gnade seiner Handlanger adhangt! Ter„Ring", der sich zusammenschließen will, wird großer sein müssen als der alte„Fortschrittsring", aber et wird nicht fester sein. Der Soziademokratie wird es gelingen, auch t h n zu sprengen. Unsere Genossen werden für ihre Aufk.arungo� Werbearbeit mit der Tatjache rechnen müssen, daß dicher . Ring" schon sehr bald zustande kommen kann. und neue Der neue Kämmerer Dr. Steiniger wird in der Stadtverordneten- Versammlung am nächsten Donnerstag in sein Amt feierlich ein- geführt werden. Die Entlassung aus dem Staatsdienst ist soeben erfolgt. Berkehr mit Rußland. Nach einer Mitteilung der Betriebs direktion der Warschau-Wiener Bahn ist der Güterverkehr über Alexandrowo und Sosnowice, über Warschau nach den Stationen der Weichseleisenbahnen, der St. Petersburg-Warschauer Bahn und der Moskau-Brester Bahn wieder ausgenommen worden. Nach den Stationen anderer Bahnen, die hinter Warschau liegen, ist der Verkehr über Alexandrowo und Sosnowice noch gesperrt. ÜeberGrajewo ist der Güter verkehr zurzeit noch gesperrt; mit der Strecke Kiew-Poltawa und deren Hinterbahnen, mit den Stattonen der Charkow-Nikolajewer Bahn über Suamenka und Jelissawetgrad, mit den Stationen der Nikolai- und Moskau-Kursker Bahn über Moskau, mit der Strecke Baladschary Baku-Sswrachary der Transkaukasischen Bahn, mit der Strecke Nischny-Nowgorod und den hintergelegcnen Stationen der Moskau Kasaner Bahn. Der große Steinkohlenlagertrand in der städtischen Gasanstalt in der Gilschlncrstr. 48 beschäftigt noch immer die Feuerwehr. Am Montagabend brachen die Flammen, obgleich den ganzen Tag hin durch mit mehreren Schlauchleitungen tüchtig Wasser gegeben worden war, mit solcher Heftigkeit von neuem empor, daß sofort mit 2 B» und 6 E-Rohren unausgesetzt Wasser gegeben werden mußte. Auch heute muß die Wehr fortwährend löschen, daneben sind gegen 1